Nr. 801. DbniKtntntt'Btdlngunstii: Abonnements. Preis pränumerando: «ierteljichrl. 3,30 Mk, monatl. l�0 m.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. lrinzelne Nummer S Pfg. Sonntags- immmer mit Mustriertcr SonnwgS- Beilage.Tic Neue Seit" io Pfg. Post- «boraicniciU: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post-gcitungi- Preisliste für lityz unter Nr. 8208. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn z Mark, für das übrige kuSIan» t Marl pro Monat, Criditlnt IZgllch anßtr niontagj. so. Jahrg. Berliner Volksblnlk. Me lnlettions-Lebiihs beträgt für die sechZgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg. für politische und gewerkschaftliche BereinZ- und BersammlungS-Anzeigen 20 Psg. „Klein» Znreigen" jedes Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittags in der Expedilionabgegede» werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festläge» bis 8 Uhr vorinitttagS geöffnet. Tilegramm-Noresse: „SotUltUlMMt Rcrlil»". Nentralorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschlands. keäaktton: SM. HS» Lttidenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68» Lindcnetraoöc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die nächste Nummer nnsres Blattes erscheint der Feiertage wegen Dienstag srnh. Zwei Weihnachtsevangelien. Vor iveuigen Tagen hielt die gefeierte Verkörperung moderner StaatSlveiShcit, der Reichskanzler Graf Bülotv, jene berühmte Rede gegen den Zukunftsstaat, die jetzt— zu stier Pfennig das Stück— zur Vernichtung des Socialiomus vertrieben lvird. Die deutsche Regierung weif; das Volk mit sinnigen Weihnachtsgabcn.zu be- schenken. Zu Weihnachten 1902 bescherte sie ihm den Brotwuchertarif, zu Weihnachten 1903 die Büloivsche ZulunftsstaatSredc. Jene Rede, durch die dem deutschen Proletariat mit den trivialsten Fcuilletonlvitzen und mit der philosophischen Tiefe eines liberalen Börsenschmocks bewiesen werden soll, das; all sein brünstiges Sehnen und Hoffen auf Erlösung aus dem fluchbeladenen Wirrsal des Kapitalismus nur auf die thörichten Hirngespimiste etlicher übergeschnappter Demagogen begründet gc- ivesen sei. Welch frohe Botschaft, diese gefeierte Kanzlcrrede: Nie lvird es möglich sein, einen freien Volksstaat zu begründen, in dem kein Glied höher oder geringer ist als das andre, in dem keiner zu frondcn oder zu darben hat, um dein andern mühige Stunden des Genusses zu verschaffen, in dein nicht nur das Recht auf Arbeit, um dessen Durchführbarkeit im Gegenwartsstaat die bürgerlichen Oekonomen ja streiten, sondern auch das Recht auf Lebensgenuß jedermann gesichert ist. Welch frohe Botschaft liegt in der gräflichen Versicherung: Nie wird die kapitalistische Gesellschaftsordnung verschwinden, nie lvird der Gegensatz von reich und arm, von llcbcr- süttigung und nie gestilltem Hnnger auszutilgen sein, die Zweiteilung der Menschen in Herren und Knechte ist ein ehernes Grundgesetz der „göttlichen Wcltordnung". „Der ZukunstSslaat wird nie kommen", verkündet dcS Reiches erster Beamter dem Volke, und alle Stützen von Thron lind Altar jubeln der herrlichen Wcihnachtsbotschaft stürmisch zu. Sie jubeln, denn der Zukunftsstaat wäre ja die Vernichtung aller Kultur und Sitte, das Ende aller Moral, aller Wissenschaft und Kunst, aller persönlichen Freiheit. Ein grauenhaftes, düsteres Zuchthaus würde sich auf den Trümmern des, ach so herrlichen, Gcgenivartsstaates erheben. Ter herrliche Gegenwartsfiaat— das furchtbare Zuchthaus dcS ZukunftsstaateS. Seltsam, das; dieser schreckhafte Gegensatz, den der Reichskanzler mit fast Dantescher Phantasie auszumalen ver- suchte, dem Proletariat so ganz und gar nicht zum Bewußt- sein komme» will. ES schaudert so wenig vor den dräuenden Zwingmauern des socialistischcn Zuchthauses zusammen, wie bc- rückendc Harfcnklänge seine Brust durchzittern bei der Ankündigung der endlosen Lebensdauer des GegenwartSstaatcS. Im Gegenteil, der Begriff des GcgenlvartSstaateS, des Kapitalismus, hat für das Proletariat so gar nichts Bezauberndes. Ter Gegenwartsstaat: das sind ihm die dumpfen Fabriksäle, die vom Schweißgeruch und von keuchenden Atemzügen erfüllten Stollen und Gänge im schwülen Jmiern der Erde, die endlose, stumpfe, die Glieder erlahmende Fronarbeit im sengenden Sonnenbrände. Der Gcgcmvartsstaat: das find ihm eine karge, entbehrungsreiche Jugend, ein harter, ewig aussichtsloser Manneökampf und, im besten Fall, das kümmerlich entsagungsvolle Alter eines 180 Mark-Rentners. Ter Gegemvarts- staat, das sind ihm: der Kascrncnhof mit seinen Plackereien und Schindereien, die Pvlizeischneidigkcit bei Versammlungen, bei Streiks. bei Begräbnissen, die politische Vergewaltigung durch eine kleine besitzende Minderheit, das herrliche preußische Drciklasscn-Waylrccht, das anderthalb Millionen Arbeitern nicht einmal einen einzigen Ver- treter im Parlament einräumt, die brutale Aussperrung in Erimmiffchau und das Verbot des Weihnachtsfestes durch die Polizei! Und dieser Staat soll für ewige Zeiten bestehen bleiben, unser jammervolles Los für alle Ewiglcit verlängern? fragt das Proletariat. Selbst der geistreiche Witz, mit dem BülolvS Höhengeist sich selbst übergipfelte, die Frage, ob denn auch der Zukunstsstaat den Kopsschmerz und das Zahnweh beseitigen»verde, vermag in den stumpfen Proletarierhinien nicht zu zünden.„DaS Kopfweh, grollt der Proletarier,„das sich nach den berüchtigten„LiebcSmählcrn" einstellt, und die Zahnschmerzen, die eine Kopfmassage ü 1» Bleiben» bach und Franzli hervorzurufen pflegt, wird der Zuchthausstaat ganz sicher beseitigen. Mit solchen tiefsinnigen Fragen wollen wir uns nicht den Kops zerbrechen: die Schmerzen, die uns im Herzen und Hirn wühlen, sind doch noch etwas andrer Natur." „llnd was das Zuchthaus anlangt, das uns der Zukunstsstaat beschere« will, so wird cS nicht schlimmer ausfallen, als wir es uns selbst einrichten, also ein ganz fidcles werden. Haben wir uns in der Partei und den Gewerlschaften in der Verwaltung ein Werkzeug nnsres demokratischen Willens geschaffen, so müßte cS ja mit dem Teufel zugehen, wenn das souveräne Volk sich von seinen eignen ExckutionSorganen in ein Zuchthaus einsperren ließe." Ter Proletarier läßt sich durch das Zuchthans des Jukunfts- staateS nicht schrecken. Ein schlimmeres Zuchthaus als der GcgenwartS- staat kann ihm auf keinen Fall drohen. Er kann nicht mehr ver- liere» als feine Ketten! Anders liegt die Sache freilich für diejenigen, die Bülows Rede so begeistert zujauchzten. Die Besitzenden und Herrschenden ver- spüren nichts von dem entwürdigende» Zwang, der Geißel des Elends, womit der Gegenwartsstaat dir besitzlose Klasse peinigt. Sie können ihre Wünsche, ihre Gelüste befriedigen, in höherem Maße, als sie das in einem Staate der Gleichheit»nd des allgemeinen Menschenrechtes erwarten könnten. Mit dem Sklavenmarkte überhaupt lvird auch der große Fleischmarkt der Prostitution ver- schwinden, der so zahlreichen Kämpfern für Sitte und Ordnung ewig unentbehrlich dünkt, llnd wem cS erst die Speisen würzt, zu loissen, daß Millionen hungern, wen der Müßiggang erst deshalb mit wohligem Behagen erfüllt, weil er weiß, daß die Masse des Volkes der wenigen Müßiggänger wegen sich um so schwerer placken muß, der wird an den Zuständen des Zuchthansstaatcs Wenig Geschmack finden können. Im ZuknnftSstaatc, Ivo keiner zu frondcn und zu darben braucht, lvird keiner mehr aus materiellen Gründen mit dünkelhaftem Hochmut a»f seinen Mitmenschen herabsehen können. Wer also den Kitzel dieses jämmerlichen Ehrgeizes, der freilich in unsrem Gcgenwartsstaate eine so ungeheure Rollo spielt, nicht cnt- behren kann, der möge unserthalben gern den Zukunstsstaat barbarisch, unsinnig und unmoralisch schelten. Zum Glück für die Uicnschhcitscntlvicklnng ist die Zahl der an der Verewigung des GegenwartSstaatcS Interessierten gegenüber der proletarischen Masse nur eine ohnmächtige. Allen Bülow-Reden zum Trotz wird sich diese proletarische Masse zn einem unüberwindlichen Heere um das Banner der Socialdemokratie und des ZukmiftSstaateS scharen. Ist die von den GeisteSheroen Bülow und Engen Richter ver- nichtete Zukunftsstaatsidee doch nicht nur auf die ökonomische Eni- Wicklung, sondern auch ans einen tiefen Grmidzug der menschlichen Seele begründet. Die edelsten Geister, die genialsten Denker aller Zeiten begeisterten sich für einen Staat der Vernunft, der Gleichheit und Gerechtigkeit, sannen auf Mittel, dies Ideal zu verwirllichen. Von Plato führt über Campanella, Thomas Morus die Reihe bis auf die Fourier, Owen, Fichte, Marx und Engels. Auch Christus spricht im Evangelium Matthäi<19, 21) zum reichen Jüngling:„Willst Du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe was Dn hast und gieb es den Armen." Bekanntlich spielte der Kommunismus unter den Nr- christcn eine große Rolle. Der ChiliaSmuS, die Erwartung eines tausendjährigen Reiches irdischer Glückseligkeit, entflammte in den ersten Jahrhunderten des EhrtstentumS unzählige Gemüter. Bald freilich erklärte die Kirche den ChiliaSmuS für„ketzerisch". lind die heutige Kirche will ebensowenig vom socialistischcn ZukunstS- staat wissen; gleich dem Grafen Bülow sieht sie im Gegemvarts- staat der MciischheitScntwickluiig letztes Ende. Daß die Thaten dcS Kapitalismus den Lehren des Ehrt stentnni-Z Hohn spreche», ficht die treue Verbündete der weltlichen herrschenden Gewalten nicht an. Mag sich die Unverimnft und tlmnoral des Kapitalismus nach außen ivie nach innen offenbaren, mag sie auch jetzt wieder die Gefahr eines Welt- kricgeS in drohende Nähe rücken— Graf BülowS Rede gilt trotz alledem als das Weihnachtsevangelium für die Enterbten. DaS Proletariat freilich iveist diese Wcihnachtsbotschast mit Hohn und Zorn zürück; voll freudiger Thatkrast lauscht cS der socialist'chen Kunde von dem Zukunstsstaat, der nicht vom Himmel herabfallen, sondern den das kampfgestähllc, gecinigte Boll der Arbeit sich selbst erschaffen soll, gleich den Tcnipelcrbauern die Kelle in der einen, das Schwert in der andern Hand! Weihnachtstage in Crimmitschau. 11. 22. Dezember 1903. Dreierlei erhalten die Ausgesperrten als Weihnachtsgeschenk: Erstens die doppelte Unterstützung in der WeihnachtSlyochc, zweitens einen Stollen für jeden Ausgesperrten und drittens noch die WeihnachtsbescheriMg. Die Unterstützung wird von den 84 Fabrik- Vertrauensmännern in 84 Lokalen verteilt. Die Erimmitschaner Polizei hat angeordnet. daß im AuszahlungScaum jeweilig nur sechs oder sieben Personen anwesend sei» dürfen. Anderswo könnte eine solche Anordnung ver- wirrend wirken. Hier erscheint sie nebensächlich. Jeder Arbeiter hat seine Kontrollkarte, jede Kontrollkarte hat ihre Nummer und nach der Reihe, von der niedersten zur höchsten Nummer ansteigend, treten die Leute zu zweien oder dreien in den AuszahlungSraum. Ist ein größerer Raum im Hause vorhanden, so warten die noch nicht Aufgerufenen dort ihre Zeit ab. Da wird geplaudert, gelacht, ge- scherzt. Jnnner wieder hört man einen, die Arme ausreckend, bc- friedigt ausrufen:„DaS thut wohl, daß man sich ordentlich aus- schlafen kann..." Mit der Unterstützung wird heute an jeden Arbeiter und jede Arbeiterin eine Karte ausgefolgt, die auszufüllen ist. Ob lcdig oder verheiratet, Ivie viel Kinder da find, muß hier- auf beantwortet werden. Ein Vertrauensmann erklärt jedem Eintretenden die Rubriken der Karte.„Wie viel Kinder Sie ham, müssen Sie aufschreiben". sagt er zu einer jungen Arbeiterin.„Ne, die muß ich mir bis morgen anschaffen", gicbt die schlagfertig zurück. Von Zeit zu Zeit erscheinen Gendarmen, marschieren, das Gewehr über die Schulter gchcntt, durch den Warteramn, dann durch den AuszahlungSraum.„Guten Morjen", ruft man ihnen höflich cnt- gegen und das Kichern der Mädchen wird nickst viel slärlcr, nachdem die Herren Gendarmen gravitätisch abmarschieren.... Wer sonst 7, 8. 11, 12 M. Wochenunterstützung bekommt, kriegt heute 14, 16, 22, 24?N. Neben dieser ordentlichen Liste besteht eine „gemischte Liste", auf der stehen die Heimarbeiter, die Leute, denen der Arbeitswillen in Crimmitschau wieder vergangen ist. und die heimgekehrten Militärs, die mit der Arbeit auch u i 6) t früher a l S ihre Kollegen anfangen wollen. Ergreifend ist, wie sparsam die meisten Ausgesperrten in ihren An- sorderungcn an die Fonds sind. Da ist mancher alte Weber, dessen Weib in freien Stunden zu Hause am Webstuhl gesessen hat. Aber der Mann hält cS für unehrenhaft, wegen der geringen Neben- bcschästignng die Frau in der gemischten Liste anzumelden.... Gestern nachmittag war Criinnntschau eine noch stillere Stadt als sonst in diesen Tagen. Die Arbeiter waren nämlich ins„Aus- land", will sagen. jenseits der lvciß-grüncn Grenzpfähle des Königreichs Sachsen marschiert, um dort vier große Versammlungen abhalten zu können. Es ist zwei Stunden WegeS von Crimmitschau nach Gößnitz im Altcnburgische», wohin gewandert wurde. Die Crimmitschauer Polizei gestattet nicht, daß die Arbeiter in großem Zuge hinübergehen. Deshalb begannen von 11 Uhr vormittags an kleine Gruppen den langen Weg. Von 11 bis nach 1 Uhr sah man immer wieder kleine Gruppen zu drei oder vier Mann ans die Landstraße kommen, die von der königlich sächsischen Freiheit in eine etwas reellere führt. Ueber Wiese» und Felder plaudernd und singend verließen die Crimmitschauer ihre Vaterstadt. In Gößnitz standen alle Fenster offen und die Leute beguckten und begrüßten die Koimnendcn. An den Thoren standen die Gößnitzer und grüßten und nickten den Einziehenden freundlich zu. Um zwei Uhr waren alle vier Versaminlungssäls bereits dicht besetzt. Wieder dieses Geschwirr heiterer, kichernder, plaudernder Stimmen. Ich glaube, niemals haben die Crimmitschauer so viel gelacht wie in diesen Tagen. In dein Moment aber, da die Versammlungen begannen— tiefe Stille. Keine noch so leise Unter- brcchung während der stundenlangen Rede des Referenten. Was wäre das z. B. in Oestreich fiir ein heilloser Lärm, wenn beim Beginn der Versammlung ein Polizeibcamter aufstände und die Minderjährigen zum Verlassen des Saales aufforderte. Hier folgt man stumm und langmütig. Der Polizeibeamte blickt, nachdem ein Teil der Versammelten hinausgegangen ist, umsichtig einige Sekunden lang im Saal hernm. Der Vorsitzende fragt ihn, ohne den Mund' zu verziehen— über das Alter von mehr als 1000 Leute» entscheidet der umsichtige Blick— ganz ernst:„Genügt das?" Der Polizeibcamte erwidert ernst;„Ja." Und die Ver- sammlung bleibt auch ernst... In einer andren Gößnitzer Versammlung verbot der Polizeibcamte die Nennung des Namens des Bürgermeisters Beckmann. Ohne Lachen nahm die Bersammluyg das unerwartete Verbot hin. Einmal mir kam die unterdrückte Erregung während der Rede dcS Referenten ReichStagS-Abeordnctcn Schöpflin zum Aus- druck. Als er sagte:„In einem früheren Zeitpunkte wäre ein fauler Frieden in Erimmitschan noch möglich gcldesen, jetzt heißt eS „Biegen oder Brechen!" Der ganze tragische Ernst der Situation kam in dem nicht mehr zurückzuhaltenden Beifall, der diesen Worten folgte, zum Ausdruck. In der Debatte kam auch ein Crimmitschauer ZeitungSherauSgeber zum Wort. Er suchte die Haltung der Lokalblätter, die die thörichteste Scharfmacher« treiben, zu rechtfertigen. Auch dieser Mann wurde ganz ruhig angehört!.. Wahrlich, diese vier Versammlungen zeigten allein schon, wie groß die Selbstzucht, die Geduld, die Milde des Temperaments der Crimmitschauer Arbeiter ist. Belagerungszustand, Gendarmcnvermehrung. Weihnachts- verbot, all das hat diese Bevölkerung nicht zu unvorsichtigen A«lßcrungcn ihres Unmutes bewegen können. Aber eine geradezu heilige Stille herrschte in den Sälen, als die Redner die M allen» versa»1 m l u n g e n in Berlin und die sechs Hamburger Ver» sammlungen erwähnten... lvie diese Bersamnilungen in den Herzen der Crimmitschauer iiachhallten, das erfuhr man am Heini» weg. Es war schon dunkel, als die Crimmitschauer wieder in die Heimat zurückkehrten. Tiefe Stacht war'S alS sie zu Hanse anlangten. Auf dem Wege hörte man die Gruppen immer wieder von den Ber» sammlungen, von den aus dem Bahnhof stehenden neuen Waggon- sendungcn reden. CS war schon 10 Uhr nachts und noch immer kamen neue Trupps von Gößnitz her. Kein lauter Ruf! Kein Innehalten und Zusammenschließen. „Geduld ist Kraft, Ungeduld Schwäche," sagt ein deutscher Poet. Kein frieden in<5riminitschau! ttiisre Mitteilung vom Eintreffen eines RegierungsvcrtreterS in Crimmitschau zum Zwecke der Vermittclung bestätigt sich nicht. Der Geheime RcgierungSrat, welcher dem Streikkomitee anzeigte, daß er nach Crimmitschau kommen werde, ist Herr Professor Böhmer t. Herr Geheimrat B ö h m e r t ivar allerdings früher Direktor des königl. sächsischen Statistischen Bureaus, ist aber schon längere Zeit nicht mehr im Staatsdienste thäug, aus dem er ausscheiden mußte, weil er nicht„sächsisch" genug für einen Staatsposten war. Herr Professor Böhmer t, ein wohlwollender Socialpolitiker, erklärte auSdrückkich, ohne Regierungsauftrag lediglich als Privatmann an- lvesend zu sein. Cr sei 73 Jahre alt geworden und glaube, theoretisch viel für die Arbeiterschaft gcthan zu haben; er hätte jedoch sein Leben gern mit einer praktischen That für dieselbe geschloffen. Aber die Berhandlmige» scheiterten abermals an dem Widerstände der Unternehmer. Diese erklärten, daß sie sich vorbehalten müßten, etwa 1000 der Ausgesperrten tu die Fabriken nicht wieder aufzunehmrn i So sollten ausgesperrt werden alle„Agitatoren", die sich während des Streiks mißliebig gemacht hatten; aber die Herren Unternehmer wollten den Augenblick noch benutzen, die„weniger leistungsfähigen", d. h. die Arbeiter abzustoßen. Welche in ihrem Dienste die beste Lebenskraft geopfert haben. Unter svlchen Umständen war natürlich jedes lveitcre Verhandeln zwecklos.— Ohne Unterschied habe» die Unter- nchmcr ihre Leute auf die Straße geworfen, ohne Unterschied müssen sie dieselben auch wieder in die Fabriken aufnehmen I. Ter Kampf wird also foctgesevt! „BiS ans bittere Ende!" sagte ein Fabrikant. Die deutsche Arbeiterschaft>v i r d Sorge tragen, daß er ein bitteres Ende nimmt für die starrköpfigen Unter- n e h m e r. Tic deutsche„Einheit" gegen Weihnachten! Wie schon gestern telegraphisch mitgeteilt, sind nunmehr auch in Gößnitz und S ch m ö l l n die geplanten Weihnachtsfeiern behörd» lief) verboten worden. Darin bewährt sich die deutsche Einheit. DaZ rote Königreich hat offenbar bei dem kleinen Sachsen-Altenburg diplomatisch interveniert, und Brüderchen befürchtete offenbar eine Bundesexetution gegen sich wegen Begünstigung des hoch- verräterischen Christentums/ Der„Erlöser" soll für die armen Weber in allen deutschen Vaterländern ausgesperrt werden. Der Stifter des Christentums, dessen Geburt seine Feinde am lautesten feiern, wußte auch nicht, wo er sein Haupt niederlegen sollte._ So findet auch das Weihnachisfest der Arbeiter kein Asyl. Aber die Solidarität aller Unterdrückten schafft ihm dennoch eine Stätte freudiger Hoffnung und Zuversicht. WeihuachtSgaben für Crimmitschau sind in Berlin auch in den letzten Tagen im Cigarrengeschäft von Horsch eingelaufen. Aus zahlreichen Kleinigkeiten, gespendet von Leuten, die selber kaum etwas übrig haben, sammelten sich mehrere umfangreiche Kisten voll Sachen der verschiedensten Art an._ Werlvoller wie das, was man gießt, ist die Art, wie die Weihuachtsspcnden gegeben werden. Beseelt von dein Wunsche, den bedrängten Arbeitsbrüdern das Weihnachtsfest verschönern zu helfen, geben selbst die Aermslen von dem, was sie »och entbehren können. So kanr eine 64 jährige Frau nach der Sammelstelle. Sie ist Almosenempfängerin und sucht durch Hausier- Handel mit Hosenträgern einen küinnrerlichen Erwerb heraus- zuschlagen. Die Alte stammt aus Crimmitschau Ulw kennt das Weberelend aus eigner Erfahrung. Auch sie möchte etwas für den Weihnachtstisch der Ausgesperrten beitragen, da es ihr aber an Geld und sonstigen Habseligkeiten fehlt, so brachte sie einen Teil von dem Borrat ihrer Handelsware, um sie den Ausgesperrten zu Weihnachten zu spenden. Oft kamen auch Kinder, die ihre eigenen noch guten Spielsachen' dar- brachten, kleine Mädchen schenkten' ihre Puppen für die Kinder der Ausgesperrten und äußerten dabei rührend kindliche Wünsche über die Bestimmung ihrer Gaben. Ein Bäcker in Lichtenberg hcit einen Centner Pfefferkuchen für die Ausgesperrten gesandt. Doch so große Gaben sind Ausnahmen. Das meiste konnnt, wie gesägt, aus einzelnen Spenden von Arbeitern und Arbeiterinnen zusammen. Auch selbst gearbeitete Sachen, wie Bekleidungsgegenstände für Frauen und Mädchen spielen bei den Spenden ejne Rplle. Reichlich fließen nach wie vor die Geldspenden zur Unterstützung des Kampfes selbst. Bei der Berliner Gcwerkichaftskommission sind bis gestern bereits mc?)r als 150000 Mark abgeliefert worden und noch iimner fließen die Arbeitergroschen, die sich zu den stärtlichen Summen ansammeln, welche erforderlich find, um den Kämpfenden den Rücken zu stärken und sie zum Aushalten im Kampf fähiazu machen. In jedem ventschen Arbeiterhause muß heute auf dem Weihnachts- tisch eine Gabe für dir Crimmitschauer niedergelegt werdcu! Nicht in Crimmitschau, in ganz Deutschland feiere heute dir Arbeiterschaft Kamvf-Wcihnachten! poUtifebe Oeber Ficht. Berlin, den 24. Dezember. Der Uebrr-Biilow. Für den Grafen Bülow ist gesorgt. Wenn ihm bei irgend einem Anlaß der„silberne Maulkorb" zugesandt wird, so wird er nicht rasten müssen, sondern die berühmtesten Traktätchenvcrtricbsansiallen werden sich um seine Beiträge zur Vernichtung der Socialdemokratie und Verhinderung des ZukunftsstaateS reißen. Kaum erscheinen die Reden dcS Grafen Bülow in der Mittlerfchen.Hosbuchhandlung, sofort meldet sich Ivetteifernd auch der Verlag von R. v. Decker, dessen Besitzer gleichfalls geweiht ist durch den Titel „Königlicher Hofbuchhändler". Der Deckerschc Lerlag betreibt daS Bülow- Geschäft mit regstem Eiser. Er versendet ein großes Reklame-Doppelblatt, an dessen Spitze steht:„Hochaktuell" und, um aus der hochaktuellen Sparagnes-Weisheit des Grasen /Weisheit gehörige Münze zu schlagen, wendet sich der Verlag auch an die verschiedentlichffen politischen und wirtschaftlichen Vereinigungen, daß sie die Broschüren in Menge aufkaufen und an ihre Mitglieder verbreiten mögen. Der Deckersche Verlag ist so überzeugt von der Wirksamkeit dieses Bülow-Artikels, daß er auch Vereinigungen auf- fordert, die der Meinung sind, es sei tausendmal wichtiger, wenn Graf Bülow Auskunft gebe, was morgen mit den Handels- Verträgen und mit dem Arbeiterschutz werden solle, als wenn er svaßige ZukunftSstaats-Legenden erfindet. So ist auch der Central. verband der Handlungsgehilsen und Gehilfinnen Deutschlands zur Bülowbeleidigung ausgefordert werden. Dieser Verband wäre auch bereit, die Deckersche Broschüre zur Erheiterung seiner Mitglieder zu verteilen, wenn nicht die vortrefflichen Gesetze des Bülowstaates einem gewerkschaftlichen Verband verbieten würden, politische Aufgaben zu vollführen. Oder meinte der Deckersche Vertag. Bülow habe mit Politik nichts zu thun'i Dieser Meinung scheint er doch nicht zu huldigen, denn er deutet in seinen Cirkularen an, daß sich vielleicht „aus gewissen Gründen ein Verkauf der Broschüre seitens des Verbandes nicht ermöglichen lasse". Vielmehr ist der Verlag also anscheinend der Meinung, daß zur Verbreitung des edlen Bülow-Werkes auch die Ungesetzlichkeit gestreist werden dürfe. Der Deckersche Verlag schlägt aber die Mistlersche Konkurrenz, indem er die große Bülowrede durch eifi Vorwort und ein Nachwort „Gespräch zweier Deutscher über Arbeiterperhältnisse im In- und Aus- lande" vermehrt. Da ein Mißtrauen dc-o Verlages in die WirkungS- kraft Bülows ausgeschlossen ist,. so können diese ZuthatcN nur als ein Versuch gelten, Bülow nachzuahmen und fortzusetzen. Dieser Versuch ist wunderbar gelungen. Vorwort und Nachivort sind so trefflich, daß Graf Bülow bedauert, nicht ihr Urheber zu sein. Das Vorwort erzählt die ganz neue Geschichte voni„argen ao!"— d. i. die schändliche Socialdemokratie— die den arglosen Hödur, den deutschen Frühling erschlagen will, von den„finsteren Mächten", die an der Arbeit sind, vom„Würm einer gemeingesähr- . lichen Verhetzung". Früher war Deutschland das Land der Gottes- furcht und Treue, jetzt aber reiße die Socialdemokratie dem Volke alle Ideale aus dem Herzen u. s. f. Graf Bülpw findet die schönsten Redeblüten, mit denen er die nächste Rede gegen die Socialdemokratie zieren wird. Das nachworttliche„Gespräch" jist gleichfalls höchst geeignet, dem jocialpolittschen Bülow neue Weisheit zuzuführen. Nach ganz neuer Methodclunterhalien sich der liebe Wilhelm und der liebe August. Der liebe Wilhelm war lange Zeit im Auslände und beweist dem lieben August, den die Socialdemokratie verbittert und verhetzt hat, daß es in Deutschland so viel Schönes und Bortreff- liches gebe, während im Auslande so viel Schlechtes und Böses zu finden war. Binnen wenigen Minuten erklärt der liebe August. gründlich bekehrt: zu Hause ist es doch wohl am besten. Womit zu- gleich bewiesen ist. daß der liebe August keineswegs etwas gemein hat mit— dem dummen August. Wenn Gras Bülow die socialpolittsche Belehrung des Deckerschen Machwerks. das. wie das Cirkular des Verlages sagt, „aus der Feder eines hervorragenden SocialpolitikerS" stammt, im Reichstage sich zu eigen machen wird, so hat er nur einiger- maßen Borsicht zu üben, daß er nicht die zornige Glocke des Grafen Ballestrem herausfordere. Es ist nämlich nicht zu leugnen, daß das „Gespräch" das Ausland vielfach so treffend kritisiert, wie es im Reichstage nicht erlaubt ist.„befreundete Staaten" zu kritisieren. Als Bebel im Reichstage sich gegen den Schergendienst wandte, den Preußen dem Zarismus erweift, wurde ihm bedeutet, daß das Wort „Schandthaten" gegen das besteundete Rußland nicht zu ge- brauchen sei, und Graf Bülow schützte in der ihm wohl anstehenden feierlichen Entrüstung den russischen Nachbarn gegen die unwahre soeialdemokratijche Krink. Aber daS Wort, in das die Deckersche Bülow-Broschüre ausklingt, lautet: Und wo wären in Deutschland„so barbarische Zustände wie in den ö st- lichen Ländern von Europa? Darum sage ich Euch: Gedenkt, daß Ihr Deutsche seid, und daß es auch heute eine Freude ist, ein Deutscher zu sein." Es scheint, als seien die Bülowdeuischen erschrecklich von der söcialdemokrattschen Verleumdungssucht ergriffen, daß sie ein Land, in dem alles fast so vortrefflich bestellt ist als in Deutschland,„barbarischer Zustände" beschuldigen. Allerdings das Verbrechen wird gemildert, da die Beschimpfungen der Bülowhelden sich nur— gegen das Ausland richten;„zu Hause ist' es doch wohl am besten"!— Dänische TuberkelSraten. Unsre Agrarier sind nicht eben sehr phantastereich; hömstens wenn es sich um Zölle handelt, entwickeln sie eine ausschweifende Einbildungskrast. Daneben haben sie aber auch noch ein erhebliches Talent, Ekelnamen für Lebensmittel der Konkurrenz zu erfinden. Für die Magarine z. B. ist ein ganzes Lexikon von Schimpfworten erfunden worden, um den Konsumenten den Appetit zu ver- derben. Ast es den Agrariern' nicht gelungen, die Blaufärbung zu erzwingen, so will man die Margarine wenigstens durch Worte verekeln. Aehnlich werden ausländische Produsts behandelt. Als neueste Specialität hat die„Deutsche Tageszeitung" für das Weihnachtsfest„dänische Tuberkelbraten" erfunden, die dazu dienen sollen in erster Linie die Einfuhr von dänischem Bich zu ver- hindern und, wenn das nicht geschieht, von dem Genuß dänischen Viehs in Deutschland abzuschrecken. Nach dem Jahresbericht über die Verbreitung' von Tier- seuchen im Deutschen Reich vom Jahre 1902 find, so berichtet schaudernd � Dr. Oertels Organ für nationales Rindvieh, in der Landquarantäne-Änstalt zu Hoidding 1430 Rinder und in den Seequarautäne- Anstalten Altona- Bahrenfeld, Apsnrade, Flensburg, Kiel, Lübeck und Rostock- Warnemünde 16265Stück. zusamnien 47 688 Rinder gegen 43 100 im Vorjahr ans Dänemark eingeführt worden. Im ganzen wurden 47 430 mit Tuberkulin geimpft. Hiervon wurden 022 gleich 1,9Proz. infolge Reaktion als der Tuber- kulofe verdächtig befunden und zwar 171 gleich 11,0 Proz. in Hoidding und 751 gleich 1,6 Proz. in den einzelnen Seequarantäne- Ansialten. Von den 45 132 tuberkulosefrei erachteten Rindern, die den Schlachthäusern zur sofortigen Schlachtung zugeführt wurden, wurden alsdann bei der amtliche» Fleischbeschau 0069 gleich 20,1 Proz. als ruberkulös befunden' Es sind somit unter dem als unverdächtig eingelassenen und geschlachteten Vieh ungefähr elfmal mehr tuberkulöse Rinder ermittcll worden, als bei den Tuberkulin- proben in den Quarantäne-Austalten! DaS Blatt giebt dann folgende Moral von der Geschichte: „Welche Erwägungen zwingen denn das Deutsche Reich, sich die beständige Uebcrschwcmnmng des deutschen Fleischmarktcs mit tuberkulösem dänischen Vieh gefallen zu lassen? Die Dänen impfen in betrügerischer Weise die für den Export bestimmten Tiere vor der Verladung, um so die deutsche Tuberkulinprobe unwirksam zu machen. Daraus sollte man doch endlich die Konsequenzen ziehen und entweder die Einfuhr überhaupt verbieten oder doch die Beobachtungszeit entsprechend verlängern. Aber noch eine zweite Frage drängt sich hier aus." Das dänische Pökelfleisch wird dann noch als besonders gemein- gefährlich denunziert. Dieser Versuch Oertels, eine weitere Verschärfung der Vieh- einfuhr zu veranlassen, ist besonders täppisch. Wenn er die dänischen Bauern— die deutschen sind ja natürlich der Ausbund aller Tugend — betrügerischer Handlungen beschuldigt, so mag er diese Beleidigung des Bauerntums vor seinen Kunden verantworten. Unsagbar dumm aber ist es, die landwirtschaftliche Produktton Dänemarks, die an Qualität weit der deutschen überlegen ist. zu verdächtigen. Dänemark führte nach der letzten uns vorliegenden Statistik(1001) von dem „tuberkulösen" Rindvieh für 132 Millionen Kronen Butter aus, ferner Fleisch im Werte von 72 Millionen, Tiere für den Bettag von fast 20 Millionen Kronen. Dagegen führt die deutsche Land- wirrschast nur für 5 Millionen Mark Butter aus; von dem dänischen Butterexport entfällt übrigens auf Deutschland nur ein kleiner Bruchteil. noch nicht für eine Million. Auch die Ausfuhr deutschen. Viehs ist ganz unbeträchtlich. Aber es ist auch gar nicht wahr, daß der dcuffche Markt von dänischem Vieh„überschwemmt" wird. Im Jahre 1002 wurde an Jungvieh nur für 5 Millionen, an Kühen nur für 3>/z Millionen, an Ochsen nur für ' 2 Million aus Dänemark impörttert. Dazu kommt noch eine dämsche Einfuhr von frischem Fleisch im Werte von 5,3 und von einfach zubereitetem Fleisch im Werte von 2,7 Millionen— alles also höchst geringfügige Onantitäten im Verhältnis zu der im Inland erzeugten Produstiou. Wie aber steht es nun mit den dänischen„Tnberkelbraten?" Wäre es selbst richtig, daß durchweg 20,1 Proz. des dänischen Viehs bei der Fleischschau als tuberkulös befunden worden wäre, so wäre das noch ein sehr günstiger Prozentsatz. Denn nach wissenschaftlichen Schätzungen— eine genaue Statistik giebt cö nicht— ist von dem deutschen Vieh im Durchschnitt mehr als 25 Proz. tuberkulös und der Prozentsatz steigt in manchen Gegenden bis auf 75 Proz. i Auf dem Berliner Schlachihofe wurden im Jahre 1902/3 nicht weniger als 25,35 Proz. der aufgetriebenen Rinder gcknz, und 0,11 Proz. teilweise wegen Tuberkulose beanstandet. Außerdem ist absr noch eine große Anzahl bon Eingeweiden(Lungen, Lebern usw.) als tuberkulös beanständet worden, beim Rindvieh allein 34,15 Proz. Man beachte, daß es sich hier um bereits untersuchtes Vieh handelt, uffr jene zweite Untersuchung, deren Ver- bor die Agrarier im preußischen Landtage— wie man sieht aus sehr tristigen Gründen— durchgesetzt haben. Fe'riier handelt es sich bei diesen erschreckenden Zahlen ausschließlich um„nationales" Rindvieh. Das atts dem Ausland, insbesondere aus Dänemark ein- geführte Fleisch war fast durchweg gesund. Von den 10 448 auf dem Berliner Schlachthof im Iahte 1002/3 eingeführten dänischen Rindervierteln wurden nur 0,162 Proz. ganz oder teilweise be- anstandet, und in die'et verschwindend kleinen Zahl ist nicht nur die Tuberkulose, sondern alle Viehseuchen enthalten. Nach den Berliner Untersuchungen muß man ein Viertel bis ein Drittel aller „nationalen" Braten alS Tubcrkelbraten bezeichnen, während das dänische Rindfleisch sich als fast durchweg gesund erwiesen hat. Also das dänische Vieh wäre— selbst wenn jene tendenziöse AuSnahmestäiistik die Regel wäre— noch immer dem deutschen sehr überlegen. Die besonderen Berliner Untersuchungen, aber beweisen, daß lediglich die Ueberschwemmung mit den nationalen Viehprodukien unstet Agrarier die Gefahr erzeugt, daß die Deutschen Tuberkel- braten essen, während gerade das dänische Fleisch völlig einwandfrei ist. Tritt erst das Verbot der zweiten Untersuchung auf den städttschen. Schlachthöfen in Kraft, so wird das deutsche Publikum nur noch Tuberkelbraten verzehren dürfen, aber es wird ihm ein patriotischer Trost sein, daß sie— n a t i o n a l e r Herkunft sind.— OeutfcKen Reich. Herr v. Einem und die„Gewesenen". Man schreibt uns: Es ist und bleibt absolut unverständlich. wie Herr v. Einem bor dem ganzen Bolle gerade die a k t i v e n Offiziere zu berufenen Krinkeru stempeln wollte. Er kennt doch auch den Erlaß Wikelms L, der halbjährlich den Offizieren recht eindringlich zu Gemüte geführt wird. Dieser Erlaß besagt nicht wärt- lich, aber dem Sinne nach folgendes: „Es ist in der letzten Zeit öfters vorgekommen, daß Offiziere ohne höhere Genehmigung Schriften veröffentlicht haben, und darin Ansichten vertreten, die den von mir und meiner Regierung vertretenen direkt zuwiderlaufen. Es ist dies geeignet, das Ansehen der Armee zu schädigen. Ich bestimme daher, daß jeder Offizier, der gewillt ist, etwas der Oeffenttichkeit zu übergeben, vorher seinem Re- giments- Kommandeur hiervon Meldung zu machen hat." Kommentar überflüssig.-- Ei» ausländisches Urteil über deutsche Soldatenmisthandlunge». Wie die deutschen Soldaienschindereien im Auslande beurteilt werden, ergiebt sich aus folgendem Vorfall: Vor dem Strafgericht in Dublin in Irland erschien dieser Tage der Unteroffizier. Wermingham unter der Anklage der Tier- q u ä.l e r e i. Er hatte in der Kantine des in Dublin aarnisonierenden TirailleuregimentS emen Hund mißhandelt. Der Richter ver- urteilte den schlaglustigen Umerofnzier zu 20 M. Geldstrafe. In der Begründung des Urteils führte der Richter auS: Der Angeklagte hat den Hund so mißhandelt, als wenn es ein deutscher Soldat wäre; eine solche Behandlung ist in einem civilisirrten Staate selbst Tieren gegenüber strafbar.— Das Ende des Falles Breidenbach. Nachdem die von dem Soldatenfchinder Breidenbach gegen das Urteil des Ober-Kricgs- gerichts des Gardecorps beim Reichs-Miliärgericht eingelegte Re« Vision zurückgewiesen worden, ist dasselbe nunmehr rechtskräftig. Am gestrigen Donnerstagvormittag wurde Breidenbach nach vorgenommener Degradation nach der Festung Spandau übergeführt, um dort die gegen ihn erkannten acht Jahre Gefängnis zu verbüßen. Kriegervereins-Terrorismus. Das„Volksblatt für Anhalt" veröffentlicht folgenden Mas des AnHaltischen Kriegervereins-Verbanbes: „In der am Sonnabend, den 7. d. MiS, abgehaltenen Ver- sammlung wurde von den Kameraden: Heupst, Müller, Sack, Schröer, Herrmann. Rose, Sommer, Klublatt. Berger, Tornack. Krebs, Diesenihal, Gake, Pannier, Wolfs, Rabe, Thierack, Gerngroß, Schiedewitz, Raabe, Abromeit. Gicrsen, Lehmann, Spieler, Prinz, Raabe, Troitzsch, Hartmann II, Reinhold, Pollack, Kilian, Nawrocki, Riedel, Alter, Gehre, Schroeder, Weise, Kunze, Hinsche und Hartnrann der Beschluß gefaßt, die von dem Anhalttschen Kriegerverband ein-- gegangene Entscheidung, auf eine an denselben gerichtete Anftago bezüglich der Zugehörigkeit zum Konsumverein für Dessau und Um- gcgeud seitens der Kriegervereins-Mitglieder zu verlesen und be- schlössen, dieselbe jedem Kameraden durch besondere Zuschrift zur Kenntnis zu bringen. Diese Entscheid img lautet: „ES kann keinem Mitgliebe des Anhalttschen Kriegerverbandes evenr. Deutschen KrieacrbundcS gestattet ivcrden, sich einem Berein anzuschliekc», dessen Borstand ausschließlich aus socialdemofratischen Mitgliedern zusammengesetzt ist und offenkundig für die Sache der Umsturzpartei agitiert." Die anwesenden Kameraden haben diese Entscheidung als richtig anertannt. Es wird die Erklärung abgegeben, daß die Mitgliedschaft im Kriegerverein diejenige z» oben genanntem Konsumverein aus- schließt. Jeder Kamerad, welcher Mitglied des Konsumvereins ist, hat sich nun dahin zu entscheiden, ob er die Mitgliedschaft im Krieger- verein aufgeben, oder im söcialdemokrattschen Konsumverein bleiben will und wird ersucht, seinen Entschluß dem Vorstand zur Kenntnis zu bringen. Der Vorstand." Das„Vollsvlatt für Anhalt" fügt hinzu, daß man früher in den anhalttschen Kriegervcreiustteisen noch im Zweifel gewesen wäre, ob Kricgcrvereinler einer Geivcrkschaft angehören dürften, jetzt habe man— welch ein Fortschritt reaktionärer Tendenz I— sogar die Mitgliedschaft bei einem Konsumverein verpönt I Auch die gedanleulosesten Arbeiter sollten doch endlich begreifen. daß die Zugehörigkeit zu so ausgeprägten Kampfvereinen gegen die proletarischen Interessen sich für sie mit ihrer proletarischen Ehre nicht verträgt!—_ Eine staatsanwaltliche Leistung. Die Iserlohner Aussperrung hatte eine Anzahl Prozesse im Gefolge, die dem Arbeitersekretär Limbertz zwei Monate, fünf Wochen und neuerdings noch einen Monat Gefängnis, dem GewerkschastS- beamten Eteinkamp sieben Wochen, dem Kartcllvorsitzendcn zwei Wochen und einem halben Dutzend andrer Arbeiter noch einen Tag bis eine Woche, sogar einer Frau(die einen Sttcikbrecher„Lump" tituliert hatte) fünf Tage Gefängnis einbrachten. Nennenswerte Ausschreitungen sind selbstredend nicht vorgekommen, in allen Fällen bandelte eS sich um wörtliche Beleidigungen, Vergehen gegen§ 15Z der Gewerbe-Ordnung, durch Flugblatter:c. Bei dem ersten Prozeß gegen den Genossen Limbertz hatte der Staatsanwalt, der durch feine Duellverteidigung bekannte Staatsanwaltschaftsrat E u n y, auch Sttafanttag wegen vcrsiichtcr Erpressung gestellt. Genosse Limbertz hatte bei einem Fabrikanten uni Angabe der Gründe für die Entlassung eines Vertrauensmannes dsr Organisation gebeten und in brüsker Weise die Antwort erhalten:„deshalb der Arbeiter entlassen ist, kann Ihnen egal fein". Genösse Limbertz antwortete darauf im Ab- gehen:„Das ist uns.aber nicht egal, das Weitere wird sich finden." In diesen Worten fand der Staatsanwalt den That- bestand der versuchten Erpressung, da L. versucht habe, dem entlajsenew Arbeiter einen rechtswidrigen Vcrmögensvorteil zu ver- schaffen dadurch, daß er durch Drohung mit einem Stteil den Fabrikanten zur Weiterbeschästiguug des Arbeiters habe zwingen wollen. Für diew Slratthat beanttagte der Staatsanwalt sechs Monate Gefängnis� Das Gericht konnte sich nur deshalb zu der Aufsassimg des Staatsanwalts nicht aufschwingen, weil L. die betteffendeu Worte beim Abgehen, als er die Thürktink« schon in der Hand hatte, gebraucht hatte. Hätte L. nach diesen Worten noch weiter auf den Fabrikanten einzureden versucht, so w ü r d a auch das Gericht den Thatbestand der Erpressung als gegeben er- achtet haben und zu einer Verurteilung gekommen sein! Das Unglaublichste leistete sich aber der duellfteundltche Staatsanwalt Cuny im Tcrniin am 18. Dezember. Er beantragte, „die Zeugen, soweit fie Parteigenossen des Angeklagten seien,«tcht zu vereidigen, da er die schwersten Bedenken gegen ihre Glaub- Würdigkeit hege". Das geschah vor Emttitl in d,e Beweis- ausnähme Leuten gegenüber, die noch nie wegen eines unehrenhatten Vergehens bestraft waren, von denen dem otaats- anwalt nichts Nachteiliges bekannt war. als—- daß sie Social- dcmottateu waren. Das Gericht lehnte den Anttag des Staats» anwalts ab.. In seinem Plaidoyer führte der Staatsanwalt dann aus: „Ebensowenig glaube ich den andren Parteigenosien des Angeklagten. Es ist möglich, daß sie zu den Leuten gehören, für die die Anrufung Gottes nur eine leere. Form ist, zumal sich ja sogar einige Dissidenten unter ihnen befinden. Man weiß also nicht, ob diese Leute nicht den Etd für eine leere Form halten. ES kann fem. daß sie zu den Thoren gehören, die da sprechen: Es giebt keinen Gott. Es kann auch sein, daß sie sich fiir verpflichtet halten, im Partei-Jntercsse nicht die volle Wahrheit zu sagen. Ich habe nicht daS Vertrauen zu den Zeugen, daß sie die volle Wahrheit sagen." Sowohl der Verteidiger des Gcnosien Limbertz als dieser selbst gingen mit dem Herrn Siaatsanwaltschaftsrat scharf ins Gericht. so daß dieser sich bemüßigt sah, noch einmal hervorzuheben, daß er gesagt hake: Es kann fein, es ist möglich:c. unb das fcf_ seine feste_ Ueberzeuzung! Wir beschränken uns auf die Wiedergabe dieser Musterleistung. Die beleidigten Parteigenossen wollen im Beschwerdeweg feststellen, wie die vor- gesetzte Behörde über die Aeußerungen CunyS denkt. Bon der Ersatzwahl im 22. sächsischen Wahlkreise wird UNS ge- geschrieben: Einen Fuchs, dem die Trauben sauer scheinen, stellt diesmal der Graf v. Hoensbroech im 32. sächsischen Wahlkreise dar. Er wurde, lvie man es aus feinen Offenen Briefen entnimmt, zur nochmaligen Kandidatur gebracht, weil man nni einem andren Kandidaten noch größeres Fiasko m machen glaubt und weil— man noch angeblich für über 10 000 M.„(5 o r g e n" von der letzten Wahl hat. Es soll diesmal möglichst wenig oder nichts kosten, und Herr Hoensbroech will„höchstens in drei Versammlungen sam 2., 3. und 4. Januar) sprechen; was soll man sich auch Mühe geben. wenn die Trauben so hoch hängen. Er schreibt fleißig Artikel gegen die Socialdemokratic. die aber-acht einmal die Mischmaschpresse vertreten will unb daher als Inserate bringt. Nebenbei sei bemerkt, daß er in der vorletzten Evistel an die Dummen sich zu der Behauptung versteigt, in Dresden wäre bei der Rede Göhres öffentlich das Christentum„pöbelhast, gemein beschimpft�. Und Bebel bätte die Gewalt in Dresden proklannert Und gedroht„alles in Trümmer zu schlag e n l" Diese offenbaren Unwahrheiten sind gewiß ein Beweis dafür, wie wenig es der Herr Graf notwendig hatte, sich von den Jesuiten los. zu sagen, er könnte ihnen noch immer als leuchtendes Beispiel dienen. Genosse Adolf Hofstnann, der socialdemokratische Kandidat des Kreises, welcher nur einmal in allen Orten des Kreises, wo wir einen Saal erhalten, gesprochen hat. nagelte die Verdrehungen des Herrn Grasen an, indem er fest- stellte, daß, wenn das Christentum„pöbelhaft beschimpft"' iväre und Bebel in Dresden zur Gewalt aufgefordert hätte, die Beamten, welche den Parteitag überwachten, ihre Pflicht vernach- lässigt haben müssen, da sie weder eingriffen, noch bis heute einer der Schuldigen angeklagt ist—, hielt eS nunmehr der Herr Graf doch für rätlich, in seiner letzten Epistel an„d i e, w e l ch e n i ch t a l l e werden", in Bezug auf Bebel ein paar Löcher zurückzustecken und sich selber zu rektifizieren—„er wollte nur sagen, es mache den Eindruck". Unsre Genossen in« 22. sächsischen Wahlkreise werden am 5. Januar dem Ex-Jesuiten einen Marsch blasen, der ihm für alle Zeit das Wiederkommen verleidet.— Uns Sergeanten kann das nicht passieren, Sie Kellncrinnenmensch! Diese Redensart rief der Sergeant vom Fnßartillerie-Regiment Nr. 4 Heinrich Homuth der Kellnerin Anna Heinemann zu, als diese ihn gelegentlich des im September stattgehabten Kaisermanövers des Diebstahls beschuldigte. H., der in Hohenfahrendorf bei Merseburg Quartiermacher war. hatte es mit der Kellnerin etwas gut meinen wollen und war dabei, wie er angiebt aus Scherz, mit der rechten Hand in die Geldtasche der Kellnerin geraten. Er nahm 20 Mark silbergeld und steckte den Betrag in seine Tasche. Als die Kellnerin ihn darüber zur Rede stellte, leugnete er den Diebstahl und sprang der Dame auch noch an die Kehle. Räch der Untersuchung des Falles mußte er seinen Dienst quittieren und das Merseburg er Schöffengericht verurteilte ihn dann wegen Diebstahls und Körper- Verletzung zu vier Wochen Gefängnis. Auf die Berufung des Staatsanwalts wurde die strafe von dem Landgericht Halle mit dem Hinweise, es sei schlimm, daß sich ein Mitglied der bewaffneten Macht so vergehe, auf 2 Monate und 1 Woche erhöht.— Hudland. Die KricgSrüstungen Japans. „Dailh Mail" meldet aus Tokio, nach einer geheimen Konferenz der Offiziere der Flotten st ation <3 a f e h o, die am 22. Dezember stattfand, seien sechs Schlacht- schiffe in See gegangen. Wie demselben Blatte aus Kobe gemeldet wird, seien alle tüchtigen Matrosen, die auf Urlaub waren. zurückberufen. Wie das Blatt ferner schreibt, sei in der letzten Be- sprechung des Kabinetts mit den alten Staatsmännern ein Beschluß gefaßt worden, der dahin geht, daß Japan gezwungen sei. zu den Waffen zu greifen, wenn seine Forderungen abgelehnt würden.— Einem Telegramm des„Standard" aus Tokio zufolge soll nach der letzten Besprechung zwischen Baron Komura und dem russischen Gesandten von Rosen der japanische Gesandte in Petersburg tele- graphisch angewiesen worden sein, auf baldige Erteilung einer Ant- wort zu dringen und auf die Gefahren einer Verzögerung hin- zuweisen.— Eine Meldung des„Dailh Telegraph" aus Nagasaki besagt, die japanische Flotte entferne die heimische Werchkohle aus ihren Bunkern und fülle dafür wälischo harte Dampfkohle auf. Alles überflüssige Holzwerk werde von den Schiffen entfernt. Peking, 23. Dezember.(Meldung des Rcuterfchen Bureaus.) In gut unterrichteten Kreisen werden die Aussichten auf eine fricd- liche Beilegung des Streits zwischen Rußland und Japan als weniger l.iffnungsvoll Betrachtet. Es heißt. Japan wolle keine weiteren Zu- geständnisse hinsichtlich der Punkte machen, die seine vitalen Interessen berühren. Man glaubt, daß ein weiterer Notenaustausch, wenn nicht Rußland wichtige Zugeständnisse mache, die Ärisis beschleunigen und daß Japan ablehnen werde, einem Uebereinkonunen zuzustimmen, welches die Frage der Räumung der Mandschurei in Schwebe lasse. DaS war kürzlich von Petersburg aus als eine der Bedingungen für den Versuch einer Regelung angegeben worden. Man vernmtet jetzt, daß diese Anregung von der russischen Regierung al« Kation d'essai gegeben sei. würde darin eine Verletzung der bündigen Bürgschaften liegen, welche Japan der chinesischen Regierung gegeben hat. Eingeweihte chtnefische Beamte sehen der weiteren EntWickelung der Dinge mit größter Sorge entgegen und sehen viele Gefahren voraus, welche China durch einen Krieg be- droben würden, womit noch die Möglichkeit verbunden wäre, daß eine Teilung Chinas die Folge seiner Unfähigkeit, die Nemralität seiner Häfen und Unterthanen zu schützen, sein könne. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Petersburg: ÄuS chinesischer Quelle liege»« hier eine Reihe von Meldungen vor über Matznahmen zur schnelleren Entwicklung der chinesischen Annec. Der Bicekönig Duanschikai beabsichtigt, m der nächsten Zukunft chinesische Unierofffziers- Bataillone, Kadettencorps und Militärfchulsn zu eröffnen. 1305 soll eine Generalstabs- Akademie eröffnet werden; anch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ist geplant. Ferner ist eine Vermehrung der Artillerie ms Auge gefaßt, zu welchem Zweck die Geldmittel durch Erhöhung der Be- steuerung beschafft werden sollen. Chinesische Blatter behaupten, die Großmandarine wollten schon jetzt Rußland den Krieg erklären, aber Duanschikai habe gerate»«, noch drei Jahre zu warten, biS die chinesische Armee umgestaltet sein werde. Die koreanische Regierung unterhandelt, nach einer japanischen Meldung, mit China über eine Verbindung zwischen den chinesischen und koreanischen Telrgraphe»«- knien.—"_... Frankreich. Eine Rcdaktionskrise in der„Petite Republique". Der„Bossischen Zeitung" wird aus Paris tclegraphstch gemeldet: Die engeren Kreisen bereits feit einiger Zeil bekannte Krise in der„Petite Rbpublique" ist gestern osscnkundlg ge- worden. Jaures verläßt sein blsherrges Organ und gründet ein eignes Blatt, das angeblich am 1. Fcbr»:ar erfchemen,„Das 20. Jahrhundert" heißen»md über einen Grundstock von 700000 Fr. verfügen soll, den großenteils der socialistische Millionär. Abgeordneter Berteaux geliefert hacke. Görault-Richard sollle ursprünglich in daS neue Blatt hmübergenominen werden, er entschied sich jedoch ün letzten Aiige»»- blick fürseine gegenwärtige Stellung. Pressen� und B r i a r d werden sich mit Jaures m die Leitung des neuen Blanes teilen, zu dessen Mitarbeiter:» auch R o u a n e t gehören wird. Als Grund der Spaltung»vird angegeben, daß der Eigentümer der „Petite Republique" Driean. den Einfluß seines BlatteS zu allerlei Spekulationen benutzte, die Jaurss nicht gefielen.— partei-JVachricbten. poltzeUlehce. OerlchtUches ulw. Flugblattverbreitung und deutsches Recht. Daß die Verbreitmtg von Flugblättern im Deutschen Reiche keine so einfache Sache ist. wie es dem äußern Anschein nach sein »nöchte, ist nachgerade bekannt geworden. Man weiß, wieviel Gehirn- schmalz schon an den Nachweis verschwendet worden ist, daß Flugblatt- Verbreitung eine ruhestörende sonntagsarbeit.ist. Weim all' die schöne Zeit und Arbeitskraft, die in solchen überflüssigen Bemühungen schon vergeudet wurde, zu»tützlicher Thätigkeit, und wäre cS nur zum Steineklopfen, verwendet worden wäre, um wie Viel wohler wäre dem deutschen Volke! Aber damit nicht genug' Jüngst hatte das Kannnergericht Gelegenheil nachzuweisen, mit wieviel verschiedenen Geketzes- Paragraphen mar» dem harmlosen Geschäft des Zettelverteilens auf den Leib rücken kann. Bekaimtlich überläßt es das Reichs- Preßgesctz der LandeSgesetzgcbung, im Reiche des ZettelwefenS nach Belieben zu schalten, tndem es in seinem§ 80 bestimmt; „Das Recht der Lande s gesetzgebung, Vorschriften über daS öffentliche Anschlagen, Anheften und Ausstellen sowie über die öffent-- liche, unentgeltliche Verteilung von Bekanntntachungen, Plakaten und Aufrufen zu erlassen, wird durch dieses Gesetz idas Reichsgesetz) Nicht berührt."— In der Beziehung kommt für Preußen der§ 10 des alten preußischen Pretzgesetzes von 18öl in Beiracht. der u. a. von einer polizeilichen Erlaubnis abhängig macht das Ausrufen, Verkaufen, Verteilen, Anheften oder Anschlagen von Druckschristen oder andren Schriften auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an andren öffentlichen Orten.— Gegen die letztgenannte Vorschrift sollte sich der Bergarbeiter Witteck aus Zalettze tOberschlesien) ver gangen haben. Er hatte an einem Wocheittage(die Sonntags� Heiligung scheidet also hier»ms) im April d. I."Flugblätter ohne polizeiliche Erlaubnis auf öffentlicher Straße verteilt, welche zum Beitritt zum Bergarbeiter-Berbands aufforderten und auch aus' führten, daß der Verband für die Aufftellung geeigneter Reichstags- kandidaten sorgen werde.— Der Angeklagte machte geltend, daß er nicht bestraft werden könne, weil es sich hier, wie die Stelle von den Reichstagskandidaten ergebe, um eine „Druckschrift zu Wahlzwecken" handle, die verteilt set nach der amtlichen öffentlichen Bekanntgabe des Termins der Reichstagswahlen. Entscheidend wären die Absätze 3 und i des§ 48 der Reichs- Gewerbe-Ordnung, wonach zur Verteilung von„Druckschriften zu Wahlzwecken" bei der Wahl zu gesetzgebenden Körperschaften eine polizeiliche Erlaubnis in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung des Wahltages bis zur Beendigung des Wahlaktes nicht er- forderlich sei. Das Landgericht Beuthen als Berufungsinstanz verurteilte jedoch den Angeklagten mit folgender Begründung: Der Haupt- zweck dieses Flugblattes fei, die Organisation des Bergarbeiter- Verbandes zu stärken durch die Gewinnung neuer Mitglieder. Und durch den beiläufig gebrachten Hinweis, daß der Verband für ge- eignete Reichstagskandidaten sorgen würde, werde das Flugblatt noch n» ch t zu einer„Druckschrift zu Wahlzwecken".§ 43 Abs. 3 und 4 der Gewerbe-Ordnung seien darum nicht anwendbar und es sei eine Bestrafung geboten. Das Kammergericht hob als Revisionsinstanz die Vorent'cheidung loieder auf und verwies die Sache noch einmal an das Landgericht Beuthen zurück. Begründend wurde ausgeführt: Ohne Zweifel haltdle eS sich um keine„Druckschrift zu Wahlzwecken" in der Beziehung schließe sich der Senat dem Vorder richrer an. Aber da» Landgericht habe den Angeklagten nicht ohne weiteres auf Grund der§§ 10 und 41 des preußischen Preßgesetzes verurteilen dürfe»«, denn§ 10 dieses Landes gesetzes sei»«. a. n u r noch anwendbar, sotveit es sich um ein u»«- entgeltliches Verteilen handele, da ß 30 Abs. 2 des Reichs- gesetzes(oben cinert) bei Bestimmung des fraglichen Rechtes der Landesgesetzgebung i«ur von einem unentgeltlichen Verteilen spreche. Ob es sich hier um ein solches handele, sei noch»ncht fest- gestellt. Wenn nun Angeklagter nicht unentgeltlich, sondern aewerbS- mäßig die Blätter verleitt hätte, dann käme Abs. 1 des§ 43 der Gewerbe-Ordnung in Bettacht, der für das gewerbs- mäßige Verteilen die polizeiliche Erlaubnis erfordere. Es sei aber auch noch der dritte Fall denkbar, daß W. ein Entgelt erhielt und doch nicht gewerbsmäßig handelte,»oeil die Absicht einer Wieder- holung zur Gewinnerzielung fehlte. Dann wäre er frei- zusprechen._ GewerklekaMickes. Berlin und Umgegend. Mit dein Droschkenkutscherstrei? beschäftigten sich am Mittwochabeltd zwei Versammlungen, bsn denen die eine im Norden, die andre int Osten Berlins stattfand. Die letztere, welche im Lokal Königsbank in der Frankfurterstraße abgehalten wurde, wies eilten sehr starken BesuP auf. Zeitig ivaren die Ausgesperrten zur Stelle, später erschienen die zur Zeit»och fahrenden Kutscher. Alle waren, wie die Stimmüng der Bcrsamvtluna zeigte. von frohem Kampsesmut beseelt und entschlossen, den Konftikt, der durch den Willen der Fuhrherren einen größeren Umfang angenommen hat, durchzufechten.— Der Referent Becker besprach die bekannten Ursachen der Lohnbewegung, er betonte, daß die Kutscher von Anfang an bemüht waren, sich mit den Fuhrherren zu einigen, um den Streik zu vermeiden. Aus dem Verhalten der Iuhrherreit giltg aber hervor, daß sie nur Zeit gewinnen wollten, um schließlich die Forde- rungcn der Kuttlber gänzlich ablehtten zu können, ohne Widerstand befürchten zu müssen. Wenn sich die Kutscher ftir die Durchsühruitg ihrer Forderungen die ihnen günstige Zeit ausgesucht haben, so kann ihnen das niemand verdenken. Aber nicht rücksichtslos haben die Kutscher den streik ins Wer! gesetzt. Sie ivaren sich bewußt, baß es sich um ein öffentliches VerkehrSinststui handelt, welches sie nicht mit einem Schlage lahm legen wollten. � Deshalb be schloffen sie nicht den allgciiteincn, sondern.de>» partiellen streik, der sich iinmer nur auf einzelne Fuhrhöfe beschränken konnte. So hätte man nach und nach die berechtigten Forderungen durchsetzen können, ohne Pen öffentlichen Verkehr zu beeinträchtigen und ohne der Polizei Gelegenheit zu geben, im Interesse de» Bertchrs durch Erteilung von Fahrscheinen an Streikbrecher in den Lohnkauiof einzugreifen. Was die Kutscher in Rücksicht auf die Interessen des Pillnikums vermeide« tvollten, das soll nun durch die Fuhrherren, die kein andre» als ihr geschäft- liches Interesse kennen, ausgeführt»Verden. Denn wenn die be- schkossene Äussverrung in dem beabsichtigte« Maße ins Werk gesetzt wird, dann dürfte während der Feiertage mit ihrem gesteigerten Verkehr ein Mangel an'Droschken bemerkocrr werden. Man darf gosvmmt darauf sein, ob die Polizei auch den Führherren gegenüber Maßnahmen im Interesse des Verkehr» ergreise«« wird, wie sie be- kanutlich gegenüber den streikenden Omnibusangestellten seinerzeit ergriffen wurden. Die Ausgesperrten, die nun gerade zum Weih- nachtsfest auf die Straße gesetzt«vorden sind, brauchen deswegen keine Sorge zu haben. Sie, die scms: Tag und Nach«, Sonntag und Wochentag bei Wind und Weiter aus dem Bock fttztn, können nun aüch einmal dir Feiertage im Familienkreise zubringen, was ihnen ja ermöglicht »vird durch die Streikunterstützung, welche jeder erhält, auch wenn er der Organisation nicht angehört.— Nachdem noch mehrere Redner in demselben Sinne wie der Referent für die Durchführung der Beiregung eingetreten waren, wurde dieselbe Resolution»nie in der andren Bersammltmg anqenvmmen und außerdem beschlossen, daß jeder zur Zeit fahrende Knffchcr pro Tag SO Pf. für den Streikfonds zu zahlen hat. Eine zweite, ebenfalls sehr stark besuchte Veqammlung der Droschkenkutscher wurde am Mittwochabend im Lokale der Bock- oraucrci, Ehausseestraße, abgehalten. Knütter und Müller erstatteten Bericht übel den Stand der Bewegung. Danach hatten 33 Fulirberren die Forderungen der Kutscher bewilligt, dagegen 63 dieselben abgelehnt. Aus ca. 70 Fuhrhöfen sind etwa 1000 Kutscher ausgesperrt.„Arvcstswillige" sind so gut. wie gar nicht Vorhände»«, der Srand des Streiks wurde somit als durchaus günstig bezeichnet. In welcher Verlegenheit sich die Fuhrherren befinden, geht daraut hervor, daß eine ganze Anzahl von ihnen den Kutschern ultter de« Hand einen guten Lohn versprachen, wenn diese nur pro korm» ein Schriftstück unterzeichnen würden, worin sie die vom Unter nehnter- verein als Lohnsatz»»armierten 40 Proz. der Fuhreinnahme an« erkennen. Auf diese Weise wollten die Fuhrherrcu der fortgesetzte» Konventionalstrafe aus dem Wege gehen. Natürlich lehnten bie Kutscher ein derartiges Anerbieten dankend ab. De»» Ausgesperrten wurde akSdann der Rat erteilt, ihre Fahrscheine vorläufig noch nicht abzuliefern, weil sie sich als rechtmäßig entlassen nicht betrachte»« könntet». Auch, wurde dringend davor gewarnt, der Polizei irgend welchen Anlaß zum Einschreiten zu geben. Nachdeu« noch eine Anzahl TtskussionZredner aus die Schwindelberichte verschiedette»! Zeitungen hinwiesen,, wonach den Kutschern ein Mmdestverdtenst von 4 M. und 4,50 M. pro Tag zugeschrieben wird, während er in Wirklichkeit nur 3 oder 3,60 M. beträgt, wurde beschloffen, daß jeder fahrende Kutscher pro Tag 20 Pf. an den Streikfonds abzuführen hat. Alsdann, erfolgte die einstimmige Annahme folgender Refö- lution: Die Verscrntnclten scheu in der Aussperrung der Kutscher von feiten der Fuhrherren eine der rigorosesten Handlungen. Da die Führherren, nachdem sie jede Unterhandlung abgelehnt Häven, diesen Vorstoß machen, so kann man dies»«ur als Kraftprobe bezeichnen. welcher die Versauunelieit mit großer Ruhe entgegeiffehen. Dieselbe»? verpflichten sich, unter keinen Umständen für nur 40 Proz. der Em» nähmen, wie ihnen von den Führherren zugemutet wird, zu fahren. Die Ausgesperrten nehmön die Arbeit nur ünter den.alten. Äi-» dingungen wieder auf, wenn ihnen der bisherige Lohn weiter ge« zählt wird. Die Fuhrhöfe Kellner, Haase, Bölkc. Wildcnhäin in dec Koloniefträße,»velchs die gestellten Forderungen nicht bewilligt habe'.«, sowie der Fuhrhof Opitz, Brunnensrraße. welcher seine Kutscher ge« maßregelt hat, sowie die Fuhrhöse Reiche, Demminersrraße und Blaeso, Müllerstraße, wo die Kollegen gezivüngsn waren, die«Arbeit nieder« zulegen, indem der Berträuensmann geutaßregelt wurde, bleiben ge» s p e r'r t. IM weiteren verpflichten sich die Kollegen, überall dtzrt, wo der Vertrauensmann gemaßregelt»vird, sich mit diesem solidarisch zu erklärtzn und ebenfalls die Arbeit niederzulegen. Scharfwacherbesirebungon der Führherren. Der Verband der Tarameierbroschkon- Besitzer hätte gdstern mittag eine öffentliche Bersammtung der Führherren eiiikfecufea. Es handelte sich darum, die vielen, außerhalb des genannten Ber» bände» stehenden Fuhrherren den Bestrebungen'"des Verbandes ge« neigt zu machen, und sie für den Widerstand gegen die Förderungen der Kutscher zu gcwtniten. Diejeitigen, aus welche die Einberufer der Versammlung rechneten,!varen nicht gekommen, denn unter den höchstens 100 Anwesenden wurden nur 0 ermittelt, welche dem Beb« bände nicht angehören. Neues in Bezug aus den Lohnkamps wurde nicht vorgebracht. Die Ausführungen der Redner dienten ausschließlich dem Zweck» die Anwesenden gegen die Kutscher scharf zu machen. Festhalten an der Bedingung: 40 Proz. der Tageseinnechme und sonst nichts, das war der Gnmdton aller Reden, und wurde auch schließlich durch Beschluß«tochmals erhärtet. Im übrigen bezeichnet man, teils mit sehr schärfet« Atisdrücken, die Forderung der Kutscher als übertrieben und unberechtigt. Der Verdienst der Kutscher sei völlig ausreichend. Der Kutscher verdiene ünmer noch täglich seinen Thaler. sagte ein Redner, und al» dem widersprochen wurde, meinte er. um den Widerspruch zu beschwichtigen, das sei der Verdienst an schlechten Tagen. Die Fuhrherren wollen ja auch, daß die Kutscher existieren können, aber, wie wir es für gut halten, meinte ein Redner. En« andrer hielt die Festlegung einer Lohngrenze nach oben für notnxndig. daß aber auch das Einkommen der Fuhrherren nach oben begrenzt »»«erden müsse, davon hörte man nichts. Allzu großes Vertrauen auf die Kraft ihrer Organisation können die Ftchrherren nicht haben, dem« einer der Redner führte überzeugend aus, daß kerne Organisation so zerrüttet sei, wie die der Führherren. ohne Konventionalstrafe könna die Organisation nicht gedeiher». Das ist ein recht interessantes Ein« oeständnis in dieser Zeit, wo beständig über den TerroriSmus dev Arbeiter räsonniert wird. Also nur durch Drohung mit Strafe können die Fuhrherren ihren Verband zusammenhalten und den Kampf gegen die Kutscher führen. Die Führer dieser Unternehmer« organisation scheinen nicht zu wissen, daß man von einen« Verband der gedachten Art jederzeit zurücktreten«md niemand gezwungen worden kann, strafen, die für den Rücktritt festgesetzt sind, zu zahlen. Die Unternehmer haben ja auch tatsächlich nicht Ursache, den§ 153 der Geioerbe-Ordnung allzusehr zu fürchten. Wenn Arbeiter das- selbe ihm«, dann freilich ist es nicht dasselbe. Eine kleine Weihnachtsbescherung haben die hiesigen Militär« effekien-Sattler erhalten. Die Firma Aug. Loh Söhne hat einen größeren Posten ausländischer Patronentaschen anzufertigen. Sie bevorzugt unter Bezahlung des traurigen AccordlohneS von 36 Pf. pro Stück ihre Heimarbeiter und Awischenmeister, welche die Weihnachisfeiertage für sich und ihre Hilfskräfte benutzen können, bei möglichst langer Arbeitszeit einige Pfennige zu verdienen, um die„gesicherte Existenz" zu erhalten. Achtung, Holzbildhauer! Nach nenere» Nachrichten aus Ha»««- bnrg versuchen die dortigen Prinzipale, de» errungenen Achtstundentag lvieder zu durchbrechen. Bei den Firmen Siebert und Stibane, sowie W. Schutt sind»msre Kollegen lvieder ausständig geworden. Bei letzterem liegt Aussperrung vor. Unterhändler wollen hier in Berlin unter Deckadressen Bildhauer anwerben. Es ist also ftir die nächste Zeit größte Borsicht notwendig«md erwarten wir von den Berliner Kollegen, daß nicht cincr nach Hamburg geht. Die Ortsverwaltung. Achtung» Dreher! Zuzug von Drehen« nach Breslau fft fen»« zuhalten. Deutscher Metallarbciter-Vervand. Ortsverwaltung Berlin. ' Ter Veltener TSpferstrcik ist beendet. Nachdem auf Vcranlassui«g des Landrats erneute Verhand- lüngen stattgefunden hatten, nahmen die Veltener Töpfer au? MirNvochabend die Einigungsbedingungen an und erklärten den Streik als beendet. Die Bedingungen, unter denen die Arbeit nach einem Kampfe, der 12 Wochen währte, wieder aufgenommen wird. sind dieselben, auf welche die Vertreter beider Parteien sich bereits am 26. November geeinigt hatten, die dann aber von der Ver- sammlung der Veltener Ofenfabrikanten abgelehnt wurden. Die Streikenden begr«ügen sich demnach mit einer Erhöhung der mrdrigsteu Tarif Positionen um 3 Proz.. und einer Lohnerhöhung um IV- Pf. pro Stunde für die Hilfsarbeiter. Der materielle Vorteil, der für die Arbeiter herausspringt, mag als Ergebnis eines 12wöchentlichen Kampfes gering erscheinen; um so höher ist indes der moralische Sieg einzuschätzen, den die streikenden Töpfer errungen iKtben, denn ein Sieg ist es, das kann nicht geleugnet werden. Die Fabrikanten, hatten es auf eine Machtprobe ab- gesehen.„Nicht ein Pfennig wird bewilligt!" Unter dieser Lostrag haben die Fabrikanten gekämpft, und we»m sie noch vor 4 Wochen die geringen Fordertmge»«, mtt denen sich die Streikenden um des liebe«» Friedens willen begnügen wollten, schroff ablehnten, obgleich ihre eigenen Vertreter die Annahme befürwortet hatten, so bekundeten sie damit, daß sie ihrer Losung treu bleiben, kernen Pfennig bewilligen, und die organisierten Töpfer um jeden Preis niederringen wollten. Und in diesem Kampfe unterstützte der Verband der Osenfabrikanten seine Veltener Kollegen durch die allgemeine Aussperrung aller organisierten Töpfer Deutschlands. Wenn trotz alledem die Lritener Fabrikanten jetzt nachgegeben haben, fo geschah da» in der Erkenntnis, daß cs ihnen nicht möglich ist, den Verband, der Töpfer klein zu kriegen. Das hat auch ein Beltener Fabrikant bei den letzten Berhandlirngen rückhaltlos zugegeben, indem er sagte, die Gegtier hatten in diesem Kampf ihre Kräfte gemessen, der Verband der Töpfer sei nicht tot zu kriegen, aber die Arbeiter würden auch die Organisation der Fabrikaitten als einen starken Gegner anerkennen müssen. Nach dieser Erkenntnis— so meinte der Fabrikant— würde man es in Zukunft nicht mehr zum Streik kommen lassen, sondern sich mit den Ärvntern, deren Kampffähigkeit man jetzt kennen gelernt haoe, einigen,---- Das ist ein vuralischsL Sieg bei; Arbeiterorganisation, der fiJlncrcE wiegt, wie ein augenblicklicher Erfolg in Gestalt von Lohn rrhöhungen. Die Unternehmer erkennen die Arbeiterorganisation als eine Macht an. die sie achten, und mit der sie Ivohl oder übel rechnen müssen. Ein solcher Erfolg ist durch einen langen opscrvollen Kamp' nicht zu schwer erkauft, denn er gicbt die Gewähr, daß die Arbeiter Mit der Beilegung des Veltener Streiks ist der Grund für die vom Ofenfabrikantenvcrband verhängte allgemeine Aus- vom Seltener Ofenfabrikantcnverband verhängte allgemeine Ans- sperr ung beseitigt. Zlvar besteht augenblicklich noch der Töpferstreik in Fürstenwalde, ober, nachdem der Veltener Streik beigelegt ist, wird voraussichtlich auch in Fürstenwalde eine Einigung erzielt Werden. An den Streikenden wird es jedenfalls nicht liegen, wenn Kampf in Fürstenwalde nicht ebenfalls in nächster Zeit zum der Abschluß kommen sollte. Wie aber wird sich dann der Unternehmer- verband zur Aussperrung stellen, nachdem die Voraussetzungen der- selben gegenstandslos geworden sind? Oeutfchcs Reich. Bedrohung von Streikenden vor den Breslauer Richtern. Der Maurer Franz aus Breslau soll im Februar ds. Js. einem ober- ichlesischen Streikbrecher-Transport zugerufen haben:„Kommt nu r erst nach Breslau, da g i e b t' s noch iv a S I" Für diese Acnßcrilug hatte ihn die Strafkammer z n sc ch ö Wochen Gesang uis verurteilt, das Reichsgericht hatte das Urteil jedoch wegen n ir z u r c i ch c n d c r Begründung abgewiescir. In der erneuten Verhandlung wurde abermals auf die gleiche Strafe erkannt, weil in dem oben genannten Zuruf die Androhimg von Prügel zu betrachten sei. Im Verein deutscher Schuhmacher, welcher seither die Arbeitslosen- und Kranken- U Nte r stn tz n>r g falkulkativ eingeführt hatte, wurde über die obligatorische Ein- sührung derselben eine Urabstimmung vorgenommen. Es wurden den Mitgliedern drei Fragen zur Abstimmung unterbreitet: 1. Sind Sic für Einführung der Arbeitslosen- und Kranken- Unterstützung? L. Sind Sic für Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung allein? ". Sind Sie für Einführung der Kranken-Unterstützung allein? Das?lbstimmungsrcsultat liegt nunmehr vor. Von 26 000 Mitgliedern haben sich 10 049 an der Abstimmung beteiligt, die- selben gaben 10 SIL gültige Stimmen ab; hiervon stimmten für Arbeitslosen- und Krantcn-Untcrstützung 11 100. für Arbeitslosen- Unterstützung allein bOO, für Kranken-Unterstützung allein 2103, mit Nein 2317 Mitglieder. Tie obligatorische Einführung der Arbeitslosen- und Kranken-Unterstützung wurde daher mit sehr großer Majorität beschlossen. lieber die Gestaltung derselben hat die nächste Generalversammlung, welch« Anfang Juni 1004 in Berlin stattfindet, zu entscheiden. Uilgcschvnnktcr TermiSrnus. „Ich will Ihnen reinen Wein einschenken. Ich beabsichtige Lohnreduktionen im Geschäft vorzunehmen und da machen die organisierten Arbeiter Front dagegen. Die jetzt ein- irelende flaue Geschäftszeit kommt mir gelegen, indem ich die organisierten Arbeiter entlasse."— So sprach der Ehcf der Firma I. F. T i e tz e l in Offenbach zu dem VerbandS-Vorsitzenden der Porzcllaimrveitcr, der gekommen war. um zu unterhandeln, weil die Firma 23 P o r z c I la n a r b e i t e r, 10 Buchbinder und f ü n f A r b e i t c r i n n c n g e in a ß r c g e l t hatte. Auf die Frage, ob eS dem Herrn Ehef nicht peinlich fei, gerade zu Weih- nackten diese.Kündigungen vorzunehmen, erklärte derselbe:„Das geniert mich nicht im geringsten, ich setze meinen Kopf durch und wenn cS mich 10000 M. tostet." Ter Herr lud seine Arbeiter und Arbeiternmen einzeln vor und stellte ihnen die Alternative, entweder auS dem Verband oder aus dem Geschäft auszutreten. Leider trateil einige Mitglieder des Buchmndcr-Vcrbandes ans diesem aus. Es ist Pflicht aller Buchbinder. P o r t e f e n i l l e r, Galanterie-Nrbciter und P o r z e l l a n m a l e r, die Firma zu meiden, HusUnd. Die Papierarbeiter Aussperrung in Odcnse wird noch immer ausrecht erhalten und ebenso dauert der langwierige Konflikt der Hafenarbeiter fort, der die erste Ursache jener AuS- sperrung bildete. Nun hat sich der Vorstand des Verbandes der dänischen Gewerkschaften dieser Tage in einem Schreiben an die ..Handclsverciiiigling" in Odense— bekanntlich diejenige Unter- nehtner-Organisatlon. die die Aussperrung der organisierten Hafen- arbeiler durch Gründung einer„Hasenzunft" vollfnbrt hat— ge- wandt und ihr vorgeschlagen, eine gemeinsame Koliimission zu bilden, um eine beide Parteien befriedigende Lösung dieses Konfliktes anzubahnen mid damit den auch den Frieden in andren Gewerben gefährdenden Zustand im Odenscr Hafen zu beseitigen. Eine endgültige Antwort ist auf dieses Schreiben noch nicht erfolgt. Für die streitenden und ausgesperrten Weber in«rimmttschau gingen bei der Berliner G e:v e r k s ch a s l s k o n, m i s I i o n folgende Beiiräqe ein:_ Üi e r t e r W a h l k r e i S( O st e n): Tellersauuni. bei Llcller 17. Dez. 808, W. Aus Listen. o. Räffemami u. Kühncmann 66,80. Karl Kitt 2,—. tbierprozeMe der Former von Schöning 20,—. Krollleuchtersabril Scholllvcr, 2. Rate 14,—. Setzer bom„Berliner Lokal-Anzcigcr' 14,80. Wächicr Bautischlerci Franke, 3. Rate 14,33. Holz 4.—. Lotterie- u. BergnügungS- vercin„Pechvogel", Rirdorf 3,30. Silbcnvarcnfabrik Freund lt. Steiger 28,—. Schilhinachcr von Siordhausen, Mohrcustratze 3.—., Familie C. Müller, Weitzenburgersiraßc, Weihnachtsgeschenk 7,—. K. H. 8,—. Vier Eber Schöueweidcr 3.—. Packer der Spirituscentrale 3,23. Dumme Lotte, 8. Rate 2,—. G« sammelt in der scharfen Ecke, Kottbuscrstr. 8 3,—. Bau- tischlcrci O. Thierbach 11,50. PicSker 13,23. Simerikamsche Zluklion einer Pncmdoie bei Ziegel 4,20. Arbeiler der Minkininctalllvcrle. Rcinickcn- dors 11,13. Skatllub„Ramsch", Stralaucr-Allcc 3,30. C. Kacslcr, Zleimckendors 1,83. Verband deck Icchniichell Bühnenperiöiials: Letsing Thealer 6,90. Schiller- Theater O. 27,—. Residenz- Theater 42,73. Schiller-Theatcr X. 81,20. Luiseli-Thealer 18,—. Karl Weiß-Thealcr 3,93 Mctropol-Tlleater 29,43. Apollo-Tl'calcr 21,83. Berliner Theater 16,—. E. Stege, Patzellhoser?lusschalik,' Grüner Weg 8,80. Maichinensabrik P. Thomaschcssky. Michaclkirchplatz. 2. Raie 8,30. Ges. von A. P. 3,— Liste 2222 d. R. 88. 7,—. B. it. F. Inrisch 2,—. Baiumsstell. d. Schoratz 2. Rate 18713. Wasserratten 12.— Rauchklub„Pappel". M. d. A.-R.-B. 3,— Handtuch-Vcrlcibinstitut„Emcnsia", 8. Rale 3,—. Lederarbeiter von Pabl 2,30. Personal Stange u. Wagner(außer Retouchc) 33,—. Phot. Tischlere! von Kalb. Zilie Jatöbstratze, Bierprozente 30,—. Gäste im Lokal von P. Hübner, Wrangelstratze 4,—.'Arbeiter der Mctallgietzcrci Knoll, Liniciisiräste 5,20. Fritze u. Ehrriegel, Neandersiraffe 2,73. Sultaleure Bau Gartcnslrage 3,—. Tischler und Möbelpolierer v. Thomas,'Adalbertstratze 81,90. Spanier.„Strebsam" 6,73. Schütze, Baumschickenweg, Weihuachtsbeschcr. 16,—. Arb. v. Tibcrtius, Mclchiorstrotze, 2. Rote 6,23. Arb. Möbcisabrik Lade, Rirdon, Reulcrslratze, 3. Rate 34,23. Lotterie».„Nordost" 3,—.'Arb. von Schmidt, Elifabcthhoi, 2. Rate 12,53. Stammgäste u. Wirt iv Mcierhof, Rixdors, Fuldaslratzc 6,30. Pianomechan.-Fabrik S. Liffauer, 3. Ralc 12,60. Arcuinulaiorcnarb. v. Böse 46,80. MöbcliÜchlcrc! LcciejcwSti, 2. Rate 12,33. Fassadcnputzcr Lau Eharloltenburgeruscr 7. 2. Rate 13.70. Tiichlerc! von Kaniapp 2,40. Tischlerei A. Müller, Palliiadenslraize 6.30. Stcbschoppcu, BcremSbrauerci 2,50. Werkstatt von Kattner 9.30. Gravieranstalt von Fr. Dönniges 3,—.. Klempnerei Mulack, 2. Rate 3.73. Arb. d. Lcderwaren- fabr. B. Petrin, 2. Zlatc 3,—. Per}, einer Beel. Knabentönfektwnsfirma l3,M. Treppcngcländcrsabrik E. Lange, Krautsttatze, 2. Plate 6.33.»geselliger Vcr.„Central" 3,—. Pianosabr. Pieister 9,43. Liste 0403 4.40. Liste 2037 ?i. Sauer 13,43. Pcrs. v. Stern, 2. Rale 13,—. Dreherei C. P. i.'-oerz, 2. Rate 46,—. Buchdruckerci von Kroll, 2. Rate 9,03. Arbeiter der Holzwarcnsabrik Patent Pscil, Fr. Buchholz. 2. Rate 11,23. Pcrs. v. Rofcnow, Ztitterswatze 10,20. Arb. v. Soinincrfcld. Skalitzer- straffe»?>. Schlosierci Rödler, Köpnickcrstraste 16,70. Prägerei Rcinickcn- dorserstratzc 7,23. Ecineniicrcr, Neubau Sophienstr. 32 10,23. Tischlerei Goffom, 3. Rate 29,23. BaMiichlcrei Dcrmitzcl, Rcinickcndors 4,30. Liste 8416 d. Weist 10,20. Tischlerei P. Hyan, 3. Rate 30,—. Gemüts. Küche Rixdors, Fögerslraste 3,30. Zwei Näherinnen 8,—. Bauklcmpncr von M. Schulz 20,70. Bautischlerci Schütttc, Frucht sttaste 4,30.'Arb. o. Saal- seid, Rcandcrslrast« 9,30. Bautischlerci Hcgelmann. 3. Rate 10,73. Bild- Hauer b. Pros. Tanbcri, 3. Rate 10,— Slrb. d. Mibclsabrik Künuncl, 3. Rate 30,—. Arb. d. Thonwarcnsabrik Krüger, Pantöw 16,3»>. Kraiisc, Partell- bodenleger 27,45. Klempnerei Kiesewciter 3,—. Radecke. Liste 1816 8,55. Telcgravhcn-Baunnst. D. Gurlt 46,33. Mvbciiabrik Seifert u. Kolff 24,43. Möbelsabrik A. Schulz. Kraulslraste 17,—. Mäbelsabrit E. Schmidt Nalttsi. Gr.Aranksurterstrastc 7,—. BuchdruckcreiR.Rcinkc?,—.FMisGcrigk7.30. Rabitz- Putzer u. Spanner, Firma grönkei 9.—. Bildbaucr. Savignvplatz, 3. Ralc 13,30. Tellcriamml. d. Eep-Ver.„Alte Linde" nebst Gösten u. Mutter Knobel lt.—. Tischlerei Hoop, 3. Rate 12,— D. Erdmann, Liste 1918 12,13. Möbelsabr. Fr. Bernds, 3. Rale 42,03. Mützeniabr. Alb. Grachenn, Saarbrückerjwastc, 3. Rate 10,40. Restaurant Gehrke, Leblfferstrastc 20,43. Maler Bau EhWrg., Oialvanistrastc 7,20. Melallgiesterc! Rich. Nürnberg. Waldemarslraßc, 2. Raic 4,30. Tiichlcrci Schulenburg, 2. Raie 7,30. Rauchklub„Guten Zug"(Mitgl. d. A.-R.-B.) 4,3<». Ziauchklub„Helle Wolke" 6,—. Parkettleger v. Roienfcld Co., 3. Rate 25,50. Stocksabrik v. Golddach 6,33. Braun n. Wolf, ora. Koll., 3. Rate 8,60. Past u. Garleb II, Buchdruckerci 2,73. Zander u. Opitz, 2. Ralc 7,50. Tischlerei v. Unger, 2. Rate 8,— E. Schöll, 2. Rate U, 50. Fr. Faule 10—. Bmner 2,30. Tischlerei Gebr. Schaar 13,30. Lictztc 7,—. Möbeltischl, v. BorotvSli, Betcröburgerstrahe 6,—. Kronensabr. Ritzel«. Linde« mann inkl. d. Bronzeme 12,—. Telegr-Bau-Anst. Lorenz, Ellsabclh-User 23,30. K. B. E., Gumml-Abteilnug Saal 22, 2. Rate 29,30. Maurer u. Arbeiler Schulthciff-Brauerci, Abi. I 11,30. Bauiisckilcrei LicbrranS, 3. Ralc 9,23. Thcatcrgciellichaft„Bineta", Pankow 8,90. Umzug d. Bildhauer Koch 1,30. Z. ii. H.. Fmmer reell 8,—. Kistensabrit von K. Funk, Eraliienstrahc 7.—. Bauttschlcr F. Tributh 6,—. Slralauer Glasarbeiter, Listen 2774, 8362, 8363, 8364: 109,83. Sorticrmödchen der Stralaucr Glassabnk 0,40. Schraubcnsabrik Louis, Köpnickcrstrastc 18,43. Römer, Liste 6104 17,43. Zimmerer vom Platz Held ti. Fraucke 9,10. Sauerkohl 3,23. Polierer v. Lack, Eraiiicnstrast« 2,—. Stukkateure von Trommer, Knesebeckstrastc 3,—. Personal von Schröder. Feruialemerstraste. 4. Rate 8,30. Neuiitbcrwarcn- Fabrik Henniger 33,03. Pianoiabrik Konr. Krau»?, 8. Raie 14,2». Arbeiter und Aroestcrinncn von O. Köhler, Zusammensetzer, 2. Rate 31,05. Bohrer u. Tischler E. Köhler 26,10. Tischlerei Sinke(dar. 1,— v. SchnapSreiscndcn) 10,23. Buchdruckerci Maurer u. Diimnick, 4. Raie 18,03. Conwbuchsabril H. Schuckar, Alte Fakobswaste 13,—. Klempnerei Hollman», Siseiiachcrstraste 8,—. Bauklempnerci Müller. Grostgölichensir. 10,—.' Liste 1991 8,13. Möbelfabr. Plalb, Gr. Frankfurterstr., 3. Rale 11.30. Möbelfabr. Heim u. Gerken, 3. Rote 25,80. Baulischlcrei Wagciiknccht, Petersblirgn'str.'lO,—. Gesellen d. Möbelfabr. Schulz. Rüdersdorscritr. 11,70. Tischler v. E.Lutze, Britzerslr. 4,—. Zweigv. Trebbin Maurer 100,—. Gülzow u. Kornblume, 0 Setzer 3,33. Hesse u. Sachse 12,—. Pianosabr. Knabe u. Thal 17,—. Metallarb. Frister u. Rostmanu 11,23. Liste 6:117 d. F. Koll 11,20. Bronzewarcnsabr. Klinke u. Co. 20,—. Hulmacher v. Ba'chka u. Hornstein 6,—. Sparocrcin „Treue" 10.— Bau„Aschinger", Halciffcc d. Vanuewitz 13,60. Tischlerei Fr. Rahn, Brunnenstr., 2. Rate 33,53. Parkclibodculegcr n. Ende(allster W.K.) d. K. Kraft, Z.Rate 16.—. Zweigv. Grostneuendoif d. Maurer 13,—. Pscnnig, Bürsten- u. Piniclsabr. Kölhencrstr. 6,40. Möbeltischlerei M. Schulz. Eharloilenöurg, 2. Rate 14,73. Maschinenfabrik Kilian, Lichtenberg, 2. Rate 13,83, Zimmerer von Senf, Steglitz, durch Kutzncr, 3. Rate 8,30. Bautischler von Grün u. Hctwich 66,83. Ein Rohrcr 2,50. Schlosserei v. Schcideiirccht 9,—. Tiichlcrci Göris, vierte Raie 8,—. Tbealcroercüi„Priiletariat" 3,—.» ttronlcuchtcllabr. Niemann u. Co., dritte Rate 28,80. Erdner d. Fr. Volksbühne 27,— Sonntagststch b. Vater Cckcrt, Michaelkirchstrastc 5,80. Staiiimgöstc v. SC. Radtle, Fnielstrahc, Ccke Reue Fakobstrahe 17,—. Tischler und Masch.-Arb. v. Gebr. Raabc, drille Rate 17,55. Liste 6998 10,80. Schlosser». Gärditz. Schönebcrg 8,25. Tischlercl Heinz». Bcicr, dritte Rate 8.5»i. Slibenvareiisabr. H. Mcpcn u. Co., dritte'Raic 60,— Vcrgoldcr, Kastanicli-'Allce 3,—. Böhm. Brauhaus, Flaichenbicr-Abt. 20,10. Drechslerei Blimicnihal, Schönebcrg. zwcile Raic 8,70. Buchdruckerci H. Thcinhardt 6,10. Finna Bell u. Co., dritte Rate 36,63. C. Schopf, MarkuShof. zweite Rate 9,—. Kleber v. Gnennkow, zweilc Rate 3,—. Spritfabr.». Sisenmann 17,20. Bronzewarcnsabr. Falbe, dritte Rale 27,95. Arbeiter». Strbcitcrilmcn Hydrowcrke 16,3»'. Klempnerei Dietlich, Marian), enitrofee, dritte Ralc 8,—. Ful. Pin I ich 18,90, Stattlub„Pique-Bube*, Skallbetstraste. zweite 20,—. Bau Elbiiigerstrastc 12,40. Klcuipner v. Geister 17,— Gcburlotags- seicr gcs. b. Kubaezewski, Stallschreibcrswoste 0,— Pianosabr. Schmidt, Königsbergerilraste 11,30. Manlhci 15,70. Werkst. Kock, Eldenaer- straste 0,90.'Firma Arnold, 0. Raic 13,—. Mappensabr. Moses 8,40. H. Kikow u. Co., Llchicnbcrg, 2. Rate 22,40. Rohrleger d. iL IS. G., Eber- SchSnewelde 14,—.>Usteniabr. Stolz, 7. Rate 13,03. Mclallard. v. Bernerk, Chlbg., 4. Rate 13,50. Zuschneider von H. K'. 10,50. Ktichcnniöbcüvcrlst. Rosenau, Licicnsttastc 12,—. Tischlerei Müsch, gcs. d. Arendt 9.10. Heinicke u. Genossen 2,50. Tischlermstr. H. Krüger 1,73. Schafkopsklub Rixdors 4,13. Liste 1684, Pianosabr. Etto, 4. Rate 13,—. Goldleistensabr. C. Rutdenberg 13,43. Goldleisieniabr. C. Bartels 5,00. Pcrgoldcrci Siesie 2.—. Kürschner» ivcrfftcllcn:®. Manheimer, 2. Ralc 11,63. Forka n Co. 8,—, Pankc, 2. Rate 6,80, Wciner 12,—, A. Ncuniann. 2. Rate 5,73. Mützeniabr. W. Stein. 2. Rate 14.23.„Nur durch Kamps— zum Sieg" 1.— Kohlenarbeiter von Cäiar Wollhcini 3.30. Liste 6407 4,30. Gci. b. Klebern d. E. II. 3,50. Ein paar Modelltischler 3,50. Schlosserei Schisfncr u. Ca. 5,20. Tischlerei Stange 3,50. Eeniral Berband der Bauarbeiter, Zahlst. Berlin, Bez. 22 u. 22» 30,— Werkstatt Trampler. Rüdcrsdorierstr. 3,—. Schlosserei Mücke Nachf., Gitschincrstr. 10,—. Zivei Steinbildhaucr 2,— Heinr. Marzahl» 3,U>. Fröhliche Weihnachten trotz alledem! 10,10. Arbeiter d. Hulformfabrik Gebr. Puls 3�0. Lottcricverciii „Glücksrad* Nordost 10.—. Pionosabrik Matz u. Co., 2. Rate 1i,70. Tischlerei Wagner. Bellcalliancestr., 3. Rate 26,35. Buchbinderei Ullstein u. Co. 10,—. Mctalltvarcniabril S. W. Hellmann 4,— Putzerkolonne Kerber u 21 W Feiert, Rirdorf 10,— Parkettleger bei Zicgclmaim 7,50. Lcreutigulig „Mufenkiauie" 5,70. Ges. Bau Lobcckc. Eber-Schöneiveide 7,—. Liste 4979 4,53. Liste 6110 8,10. Arbeiter u. Arbeiterinnen Trost u. Muninger, 2. Rate 8,50. Arb. Haake u. Rillarg 10,—. Bauti>. Lilienthal 13,23. Innenputzer, Bau Ncumann d. Altmann 12,—. Putzcrlownnc E. Roggc, Gasteinersw. 11,—. Winden 10.—. Tischlerei Salzmann 4,50. O Accordmaurer Bau Boddinstr. 13,50. Stickerei- arbeilcr-Perband 48,30. Knopslochinachcriimcit b. Gebr. Borchardt 4,—. Maler v. M. Härtel 7,—. Verband d. Schuhmacher, Verw. Berlin, 6. Raie 300,—. Stocksabrik Schütte Rachig. 46.—. Spar- u. Krcdltocreui Süd-Esl, 2. Rate 10,—. Personal d Konsiun-Genoffenichast Berlin u. Uma., 2. Rate 7ö0. Llcrband d. Bauarbeiter. Bez. RummcISb..Fricdrichsberg 20.—. Bcz ---'- v-*'*• ii'Tirhhi*-2 5,.—.. Bildhauer 6. F. Fungmaiin lZ,—. Schönemann, Willibald AlcriZsir. 1,50. Skattl. der Droschkenkutscher in Ahrens Brauer», Moabit 41,23. tzlrbcitcr der Pianofabrik Paul 0,— Theaterverein„ReSanel" d. Fancch 6,50. Stamm« liick) Alte Fakobstrastc 10,60, Buchdruckerci Gebr. Fenl 13,80. Gesammelt Roggc, Lessingitraste 8—. Tischlerei Töplc 7,l»>. Maurer, Zimmerer und Ardciter Kioslerball Maricilscidc 23,40. Modclllischlcrci Weise u. Rcuulann, Wilmersdors 8,—. Silberarbcitcr v. Dcppc, 2. Rale 2.—. Siutlatcurc u. Hochbahnwerkstatt Warschauerbrücke 33,73. Liste 0126 u. 0129,' erster Wahl- kreis, d. Reichert 32,60. Verband der Schneider aus Listen 213,—. Tischlerei F. H. Lüdtle. Pankoio, 4. Rate 23,—. Tischlerei Augusten, Pallisadcnstruste 3,— Karl Frcgien 1,—. Pianofabrik Görs u. Kallmann(darunter 3.— von Schmidt) 33.40. Eijcngicstcrci Ludw. Löiue. 3. ckiatc 110,33. Stamul- gästc Porshcug, Franksurtcr Allee 24,73. Bialucha 22,10. Sattler Berlins auf Liften ges. 7!,00. Maurer u. Arbeiter Bau Hertzog, Breitestraste 9,33. Maurer Bau Landcsvcriichcruug 33,80. Friede aus Erden£>. Eh. M. 3,—. Ulbrich 7.—. Paul Habcrland 7,05. Julius Hoff Durch Herzog 13,35. Maler Lluswärtigcs Amt, Frohns u. Plath 12,40. Siemens u. Halske, Packerei, Berliner Werk 7,30. Kreis Nieder-Äarniin, Erl Lichtenberg, gcs. d. Hcbold, Widitig, Zunker. Zcnkc, Eisenberg. Hering, Lieste, Adlerstciii. Fiebag, Sander. Sckniidt, Franke, Schenk. WaswwSky. Schulz. Müller. Graf, Graf. Gras 207,33. Hermann Schultz 13,33. Möbelfabrik Rinning u. Jatzkp 23,93. Deutscher Lcscllub Paris 50,—. Julius Laubi, Neubau Rigaerftrastc 2,—. Gäste b. Junanitsch, Fürbrillgcrftraste 12,05. Bautischlerci Trost 10,53. M. Fett, Tisfcrdliigcli 4,—. H. O-, Glogaucr« straste 1.30. D. I. B., St. Francisco 20,—. Elcklro-Monteure d. Firma Schulz, Friedenau 0,— Für die Kinder zu Weihnachten(Berlin\V.) 5,—. Aus Emils Sparbüchse 4,—. 4 Fraucti aus der Dronlhciuierftr. 3,03. 1890—,73. 6904 3,50. Buchdruckerci Hennanil u. Sohn, 4. Note 5.30. Albuin-Fabrik 3,43. Julms 3,—. Berend 3,—. Zwei rote Handels« ailgestellte 2,—. Unsall H. K. d. E. L. 4,— Patzcnhoscr Brauern Slbt. k, Fläschenkeller 13,60. Bau Wercheim, Leipzigersw. d. Schmidt 33,60. Arbeiter Rähmaschmenfabrik Rothmann, Rirdorf 24,70. Lotterie verein „Deutscher Adler" d. Sallentin 4,05. H. Raschle 8,26. Bei der Zcilung.Der Bäcker" bis zum 22. 12. eingegangen 23,50 Um unser» Lesern den Stoff für die WeihnachtSimminer nicht zu sehr zu beschränken, brechen loir die Quittung an dieser Stelle ab. Sie hat über den doppelten Umfang des abgedruckten Textes und schließt ab mit einer Gesamtsmnme von 2t 010,92 Mark. Die höchste GesamUeistung. welche die Berliner Arbeiterschaft bisher an einem Tage aufgebracht bat.' Insgesamt quittiert die Getverkschastslommission jetzt 105 752,00 Marl! Red. d.„Vorwärts". Bei der Charlottenburger»SewerkfchaftS- Kommission gingen für die ausgesperrten und streikenden Crimmitschauer T e x t l l- arbeiler folgende Beträge ein: A. Aus Liste» gesammelt: Postbau Eoethestraste d. Grostmann 3,63. Pelsch, ZwieUtsch u Comp.(Schleiferei) 13,—. Durch Scharrnberg 21,30. Bauarb. Grostinann 8,—. GastwtrtSgcb. Hannemann 4,75. Töpfer d. Fcnske l,93. Maler d. Drömert 23,35. Unter den Arbeitsbrüdern Faltenhagc» Seegefeld 22.—. Arb. d. Firma March d. SIcmigl 8,55. H. Patsch 6 PI). G. Hlrschfeldt 7,90. P. Hinbe 6�0. E. Jarschcl l0P3. Gi Pictsch 4.l3. Lau Scibt d. Bussclvttz ll.30. Schmiede d. Frenze» 3,75. Labs 14,63. Allsiiahmelollegcn u. 1 UeberlanoidcHcr b. Svcrz 8,—. Prägtest Charl, darunter Schreiber t.33 20,90. Bautischlerei Skalla 7,30. Maler d. Deige 5,93. Arbeiter u. Slrbeiteriline» Stemens-Schuckert-Werke einschl. Blocktverl, 3. Rate 130,03. Waler d. Drömmcrt 12,13. Durch Hanke 11,20. Metallarbeiter durch Lmbera 3,20. Schmiede durch Menge 12,00. Metallarbeiter b. Golde u. Racbcl 26,30. Bau Rehrwgstr. d. Block 0,—. Buchdrucker Ebarlottciiburg 20,70. Vom roten Gefichtsocrschöncrcr 13,90. Zliimlcrer d. Grix SPS. CinU Müller 21,33. Maler durch Flemmwg 13,20. Arbeiter der Autmnatcnsabrik librich-Westend 18,09. Gcs. durch Dave 6,89. Maler d. Schllbcrt 6,83. Zimmerer d. Wilkc 8,10. Bauarb. d. Grostmann 3,03. Arbeiler und Zlrbeitcrinncn der Sicmens-Schuckcrttverkc. darunter 130,28 vom Älockwerk, 4. Rate 441,33. Arbeiter der Firma Freudcnftein d. Weisel 22,70. Holzarbeiter(Aktiengcsellschast) d. Haste 11,— B. Sonstige Zuweisungen: Putzer Bau Putlitzstr. 20 durch Sl. Wilde 4,—. Dreber u. Maler b. d. Firma Haidenwangcr 8.23. Rabitzputzer n. Spanner b. Schade.». Barth 3.2->. Organis. Arbeiler b. Ubrich u. Co. 24,13. An- schlägcr der Firma Rott d. Bartzich 3,80. E. Schäfer 3,— Gcburtstagsjeicr Alt-Moabit 30 6,20. Pumpstation S. U. H.. Abt. 73 10,—. Maler bei Stüwert, Bau Rixdors 3,—.'Adolf Krausnick 1,—. Von den vcrfluchlen Socialdemokralcn''bci Hank 8,—. Bon Schüttauf 1,—. Aug. Dähne 1,30. Arbeiter d. Finna Zimmermann u. Sohn, 2. Rate 17,25. Ziemlich alle Maurer der»Gasanstalt Schmargendorf, L. Rale 9,—. Eentrniocrband der Bauarbeiter, Bezirk Charlottcnburg 50,—. In Summa 1208,38 M. Bereits quittiert 1213,70 M. Geiamifumme 2432.08 M. Weitere Beiträge nimmt enlgcgen Franz Jost, Wallstr. 68. Beim Verband der Textilarbeiter gingen ein für die Crim- m i t s ch a u e r: 2luS Ersurt, ein„VorlvärtS"-Leser 1,50. Kreuznach 1 5.—. Kreuznach II 2,—.„Slls Antwort ans die Mastnahmcn der sächsischen Behörden au» bürgerlichen Kreisen in Frankfurt a. M.*, 2. Raic 100,—. Letzte IVacbnchten und Depefcben, Zur Krise in Estasien. Tokio, 21. Dczcmbcr.(Meldung des Reuterfchcn LureauS.) Die Presse rät nachdrucklich zu einer sofortigen Entsendung von japanischen Truppen nach Korea, wo die japanischen Interessen durch den von Norden her seitens der russischen Mlitärbehördcn ausgeübten Druck und die russischen Jntriguen in Söul bedroht seien. In unter- richteten Kreisen macht sich mehr und mehr die Meinung geltend, daß dieser Schritt unvermeidlich sein werde. Tie Affaire�TrehsuS. Paris, 24. Dezember.(W. T. B.) Tie Revisionskommission sprach sich einstimmig für die Zuläsffgkcit des RevisionZgcsucheS von DrryftiS aus._ Frankfurt it. M, 24. Dezember.(Ö. H.) Der Pariser Korrespondent der„Franks. Ztg." behauptet, von gut informierter Seite erfahren zu haben, daß zwischen Frankreich und England eine Verständigung erfolgte, im Falle von Verwickelungen im fernen Osten neutral zu bleiben. Straßburg, 21. Dezember.('?. H.) Dem„Elsässer" zufolge wurde in Frankreich durch ministerielle Verfügung das in Straßburg erscheinende klerikale Vollsblatt„Der Volksfrennd" verboten. Die Veranlassung zu dem Verbot gaben Artikel. welche der„Volksfrennd" über die französischen Lrdensgesellschaftcn vcr- öffentlicht hat. Brüssel, 24. Dezember. iL. H.) Die Glasfabrik in La Louviöre stellt am 1. April den Betrieb ein. was den Arbeitern heute durch Raucranschlag bekannt gegeben wird. Beraillasslmg zu dieser Maßregel, von welcher Ibvi) Arbeiter betroffen iverden, ist die W e i g c r n n g der letzteren, einer L o h n r e d u k t i o n z u z u st i m>n e n. London, 24. Dezember.(S. T. B.) Vom Lberlominandiercnden der englische» Truppen in SomaUland, Oberst Egerton, ist folgend« Depesche aus Kernt, den 21. d. S?. cmgclaufcn: SSV Mann englische und eingeborne Truppen nebst-OO einneborue« Reiter» unternahtnen in der Nähe von Badwein einen Erkundmiaszug und Überraschten 2000 Derwische bei Dschldbakl, 38 englische Meilen ösllilh von Badwein entfernt. ES kam zu einem Kampfe, der drei Stundet» dauerte. Nach der Aussage gesangen genommener Derwische haben die Derwische einen Verlust von 80 Toten und 100 Verwundeten erlitten. Auf englischer Seite wurden.zwei Mann verwundet und einer wird vermißt: die eingeborene Reiterei hat zwei Tote und zwei Berwimdete zu verzeichen._ P'�ntworll.Rcdaltcur: Julius Kaliski mBcrlin. Inseratenteil veraniwortl.: TH.Glocke m Berlin. Druck u.Borkaz: P-rwärtS Buchdruckerci u.Pcrlag-wnstalt Paul Singer«-Co.. Berlin SV. Hierzu l Beilagen u.Untcrvaltnngsdlatt ».m A..z.w-s. i. Keilte des„Usmillts" Kerliller NslksdlM. � �.m Dunkle Meiknackt. CUo, rief der Reiland, ist das Licht, Das hell von meinem dort entbronnen! deb! und ich leb den faden nicht, Den ich fo rein vom Rimmel'rab gesponnen. do haben sieh die Zeugen hingewandt, Die treu aus meinem Blut entsprungen I Und ach, wohin der Seilt, den ich gesandt I Sein dehn, ich führe, ist all verhlunge«» Soethe. Bon den Aermsten der Armen. „Recht satt ist man selten." OsttvalP, Landstreicherei S, 24. In der WeiHnachSzcu sitzt den Menschen das Geld lockerer in den Taschen als sonst. Mancher, der sich sonst grost dünkt, ivenn er sentimentale Regungen bei sich und seiner Umgebung mit dem Worte„Hilf Dir selbst" niederkämpft, legt jetzt wohl auch seinen Pfennig in die bittend ausgestreckte Hand des Bettlers oder erhöht den„Armenctat" von Frau und Kindern um ein paar Mark. Es ist eben Wcchnachtcnl Ta hat man daS Recht, die?lnstandspflichr. sentimental zu sein. Sankt Manchester hat noch nicht endgültig über die alte kirchliche Lehre gesiegt, daß gute Werke aus Erden eilre Prämie der Versicherung gegcit allerhand Unbequemlichkeiten im jenseits sind. Die B&jitcheit haltcn's mit der Armenpflege, wie mir der Irrenfürsorgc; gerade so, Wie man einzelne in tvohl- vergitterte Häuser einsperrt, um dadurch glauben zu machen, die andren seien n i ch verrückt, so richtete man auch eine Armenpflege und eine Fürsorge für die Aermsten der Armen ein, um damit das schöne Bewußtsein zu erlangen, allen denen gelte eS wohl im Lande, die ihr nicht anheimgefallen sind. Unsrc Gesellschaft tveiß, ivas sie sich schuldig ist; sie hat längst als eine Vervflichtung ihrer Rechtsordnung anerkannt, daß der leibliche Untergang eines Menschen aiiS Btangel an Unterhaltungsmitieln im öffentlichen Interesse nicht geduldet werden dürfe. Der Anblick verhungernder Menscheir stört den guten Eindruck einer„gottgewollten" Gesellschaftsordnung und vermag den Glauben an die bekannte„gesicherte Existenz" auf das tiefste zu er- schütter». Darum Fürsorge! Aber nicht die ungeregelte, die wir aus primitiven Zuständen, wie deneti des Orients und der süd- europäischen Länder kennen, sondern systematisierte und sck>ablo»i- sicrte, rechtlich begründete und ausgebaute. DaS Armenrecht, d. h die Gesamtheit derjenigen Normen, durch die jene anerkannte Per. Pslichmng in Ansehung der zu unterstützenden Personen und der zur Armenpflege berufenen Organe geregelt wird, bildet einen wichtigen und weit ausgebreiteten Zweig des öffentlichen Rechts. Und ihm zur Seite tritt das Strafrecht, das denjenigen mit Haft oder Korrektion bestraft, der statt der öffentlichen Armenpflege die private Wohlthätigkeir in Anspruch nimmt, d. h. bettelt. - Aus dem Papier scheint also alles weislich und wohl geordnet zu sein. Aber es scheint auch nur so. Sagt doch einer der besten Kenner des Armenloesens, der Berliner Stadtrat Münsterberg selbst: „Die von nnsrer Rechtsordnung getroffenen Maßregeln gegen das Bettler- und Landstreicherwesen„würden auSrcicktend fein, w c n n die Voraussetzung einer überall gleichmäßig wirksamen öffentlichen Annenpflege, einer gleichartigen Rechtsprechung und einer gleich- artigen polizeilichen Tbätigkeit gegenüber den Bettlern und Landstreichern vorhanden Ware. Thai sächlich besteht in allem diesen rrmc große, von den mannigfachsten Umstanden abhängende Per- schiedenheit; nameiNkich sind die Vorkehrungen der Armenpflege vielfach so unzureichend, daß Bedürftige zum Betteln geradezu genötigt! sind." Diesen Worten dürfen wir gewiß trauen— auch der kann ihnen nicht widersprechen, den ein mit Erfolg bewiesener hober Grad von Vorsicht in der Wahl seiner Eltern davor bewahrt hat, mit den Aermsten der Armen anders in Berührung zu kominett, als etwa im Theater, wo er sich Gorkis Scenen auS dem Leben der Enterbten mir wohligem Grauen ansah, um sich nachher mit doppeltem Appetit zu Sekt und Austern, Trüffel- püree und Rehrücken zu setzen. Wer nicht nach der An übersättigter und auf neue„Frisions" ausspähender Lebeinänner. oder dekadenter Littcraten die Armut nur vom ästhetischen Standpunkt als ein notwendiges Aidcrspiel zum Reichtum und Luxus betrachtet, wer viel- mehr hinabsteigt in die Tiefe der Tiefeit und dort die Schrecken der Ent- menichimg, der Lcrtierung im Bodensatz der menschlichen Gesellschaft lernen gesuctn hat, der kann tnit grollendem, zerrissenem Herzeil wieder zum Licbr emporkommen und der gesellschaftlichen Heuchelei von heute den Fehdehandschuh inSgrinsende Gesicht schleudern. Wenn eS wahr märe, daß unsrc hochgerühmre und gepriesene „Kultur" nur auf diesciil Untergrund von Verkommenheit und gräß- lichstcm Elend bestehen könnte, dann sollte sie lieber heute als morgen zerfalle», zerschlagen werden. Aber es ist nicht wahr: der Zauber Mid der Vorteil menschlichen GemeinschaffSlebens ist nicht an die Bedingung geknüpft, daß ein Teil als Kulrurdüngcr elend zu Grunde geht, damit und während ein andrer an üppiger Tafel praßt. ES ist Platz für alle da und eine auf andrer ökonomischer Grundlage aufgebaute andre Verteilung der Güter dieser Welt würde allen die materiellen Vorbedingungen zu einem menschenwürdigen Dasein gewähren. Auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung gleicht der Kampf gegen Bettel- und Landstreicherwesen der ffuch- beladenen Arbeit der Don ai den, die ein Faß ohne Boden mit Wasser füllen sollten; für den aber, der über diese Gesellschaftsordnung hinausblickt, besteht die tröstliche Getoißheit. daß eine Besserung unwürdiger Zustände nicht nur uwglich ist,»ein, sich auch mit der Sicherheit cmes Naturgesetzes durchsetzt. Wer sich mit uns auf den Standpunkt stellt, daß Bettelei und Landstreicherei ein gesellschaftliches Nebel ist. der wird sich nicht lange bei der bureaukratischen Unterscheidung zwischen„selbst- verschuldeter", vorübergehender Notlage und professionellem Bencl aufhalten: der gewerbsmäßige Bettel und die wirkliche Armut liegen so nahe beieinander, daß sie auch für ein geschultes Polizistenauge nicht leicht zu unterscheiden sind; und überdies ist die gewerbsmäßige Bettelei nicksts andres als cm Beweis für einen intellektuellen oder moralischen Defekt, für den die Gesellschaft nicht verantivonlich sein mag. den sie aber mit geeigneten Mitteln auszugleichen suchen mutz. Wer aber so denkt wie wir. der wird ferner die Ansichten nickst gelten lasten können, denen einst der Staatsanwalt Chuchul mit den Worten Ausdruck verlieh:„Hier hilft nicht Frauenmilde und sich aufopfernde Barmherzigkeit, sondern allein Strenge deS Staates in feinen Gesetzen mit schneidiger(!) Ausführung derselben durch seine Beamten!" Ter Polizeisäbel als einziges.Heilmittel, wie wenn die Geschichte uns nicht lehrte, daß auch die grausamsten Sttaf- androhungen und ihre barbarische Ausführung je und je machtlos im Kampfe gegen menschliches Elend geblieben wären. Nein, die Sache muß offenbar anders angepackt werden: zur Bekämpfung einer physischen oder einer socialen Krankheit ist nötig, sich die Gründe des Leidens Aar zu machen und die Einflüsse aufzudecken, durch die das Leiden vergrößert ivird; nur so, so aber auch ganz sicher, kann man die Mittel zur Heilung oder wenigstens zur Besserung finden. Nicht erst seif heute und gestern haben die Beobachter deS Bettel- und VagabundcnwesenS bemerkt, daß die Lage der Volks- Wirtschaft, der Stand des Arbeitsmarktes, von ausschlaggebender Bedeutung seien. So sagt H. Stursberg im Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunders:„Eine Flut har sich über das Land ergossen, welche in ihren Wellen auf- und niedergeht, hie und da eine Abnahme und entsprechend andcrSwo eine Zunahme zeigt. Im großer, und ganzen scheint der Höhepunkt s c i r u n d i n f o I g c d c S Aufschwungs der Industrie überschritten zu sein." Und der Polizeirai JagielSki(488d):„Es ivird nicht bestritten werden können, daß eine Notlage des ArbeiterstandcS namentlich der ländlichen Bevölkerung vorhanden, und daß die Landstreicherei rcsp. Bettelei die notwendige Folge derselben ist." Die neuere Statistik bestätigt mit ihren unangreifbaren Zahlen diese allgcnrcinen Darlegungen; in den oberbadischen Verpflcgungsstationen tvurde 18VZ und 1806 der genaue Nachweis geliefert, daß das Wandern mit dem Angebot oder Aufhören der Arbeitsgelegenheit eng zusammen- hängt. Damit hängt auch zusammen, daß die Landfrraßeir im Winter viel mehr von wanderndem Volke überflutet werden, als im Sommer. Zu den periodisch arbeitslos werdenden Scharen gesellen sich die Opfer der Krise hinzu.„Die Tbatfackren sprechen laut und eindringlich," so sagt Ostwald,„daß viele Taufende von Arbeit- suchenden nicht in Arbeit gebracht werden können. Was fängt nun so ein Arbeitsloser an, der ohne jeden Pfennig die Landstraße aufsuchen muß, wo er unter dem entsetzlichsten Drucke des Hungers und der Witteriingsunbill leidet, wo daS unaufhörlich auf ihn ein- wirkende Elend ihn von früh bis spät begleitet? Er wird zuletzt ans einem ehrlichen Arbeiffiickrcndcn ein arbeitsunfähiger, arbcits- scheuer Landstreicher, verfällt den Strafgesetzen und füllt Kranken-- hänser rmd Gefängnisse. Dort kostet er dreifach soviel wie eine recht- zeitige Hilfe Kosten verursacht hätte— und ist cr entlassen, ist er gesund oder hat er seine Strafe verbüßt, so lebt er wieder auf der Landstraße, in Herbergen, Asylen, Wärmehallen, Pennen und andren Schlafgelegenheiten mit der Armee jener zusammen, die gleich ihm ohne Arbeit sind und gerade der wirtschaftlich schwächsten Klasse eine große Steuer von Betrelpfmirigen abverlangen," Denn die Armut nährt sick> von der Armut! Die Arbeitslosigkeit ist aller Laster Anfang. Als ich, der ich oieses schreibe, in einer hessischen Dorfschule noch in die Geheimnisse deS Einmaleins und in die Dogmen des lutherischen Katechismus eingeweiht wurde, enfftand eines TageS ein großer Lärm im Orte: Der schioarze Konrad war qus dem Zuchthause zurückgekehrt, der Mörder, mit dem mcrn uns oft schon, wenn lvir die Zäune zwischen den Obstgärten nicht respektiert oder andren kindlichen Unfug an- gestiftet hatten, gruselich gemacht hatte, jlch sehe ihn noch vor mir mit seinem aufgeschwämmten, fahlen Gesicht, seinen schlotternden Kleidern und seinem buschigen, im Zuckithause ergrauten Schopf. Seine Altersgenossen mieden ihn, der einen Menschen erschlagen batte; und so lag er denn ofr vereinsamt im langen Grase deS Kirchhofes und blinzelte mit halbgeschlosicnen Augen zum Himmel empor. Zu mir war cr freundlich und gütig; rmd nachdem ich die anfangs mich mich beherrschende Scheu abgestreift hatte, lag ich oft in Freistunden neben ihm. Ich brannte vor Neugiertc, seine Geschichte zn erfahren, wagte aber nicht, ihn danach zn fragen. EincS Tage» aber fuhr er jäh auS seinem Nachsinnen empor:„Morgen werden cs 16 Jahrc, daß ich cS that. Siehst Tu, Junge, es lvar ein Tag. so schön wie der heutige; ich war damals als Schuster aus der Wmidcrschaft und hatte wochenlang vergeblich nach Arbeit genickt. Ich lvar fleißig und wollte mich ehrlich durchs Leben bringen, sin HcrSfcld hatte ich endlich einen freien Platz bei einem Meister gefunden. AlS ich aber zur Herberge zurückkehrte, war ein andrer Kunde mit meiner Habe und meinem Werkzeuge auf und davon. Ich bin ihm nachgesetzt und traf ihn im Walde. Tort habe ich ihn erwürgt, denn ich lvar besinnungslos, so wahr mir Gott helfe, ich wahr besinnungslos vor Wut. Und dan» haben sie mich dafür fünfzehn Jahre ins Zuchthaus gebracht, weil sie nicht begreifen konnten, daß einer besinnungslos iverden kann, ivenn er arveitsloS umhcrgelvandcrr ist und dmm im letzten Augen- blick von einem Schuft um das Letzte betrogen werden soll." Und der durch die fürchterliche Strafe noch nicht gebrochene Mann schluchzte vor Zorn und Wut laut aus. Da— an diesem Beispiel— ist mir, dem Kinde schon, das Verständnis für die Tragödie de r Landstraße, in der alljährlich Hunderttausende mitspielen, aufgegangen. Uns« Gesellschaft ist eine grausame Verschwenderin. Wie wenn Menschenleben nicht mehr wcrt wären als Sandkörner, so streut sie sie aus. Tausende und Tausende läßt sie verderben und versterben am Rain und Rinnsteig. Weil sie in u ß. Es ist ihr Gesetz, daß sie immer wieder und wieder cine Schar von Proletariern brotlos, existenzlos macht. Sie kann nicht weiterbestehen ohne jene industrielle Reserve-Armee, die die Arbeiterklasse sicherer an ihre jämmerliche Lage fesselt, als Sklavcnkettcn auS Stahl. Au? der nidm'tricllen Reserve-Armee rekrutiert sich aber das Heer der Land- streichcr. der heimatlosen Pilger, die nickst den heiligen Ort zum frommen Geber, sondern die Werkstatt oder die Fabrik suchen, in der sie ihre Ware Arbeitskrast au der» Kapitalisten bringen können. Die Anerkennung des Rechtes ans Arbeit wäre das Todesurteil der kapitalisnschcu Ausbeutung, die Nutzvannackung der brachliegenden Kräfte, die— Einrichtung des„Zukunftsftaatcs". Aber anders geht cs nicht: man muß das Recht auf Arbeit anerkennen und ver- wirklichen, um das Recht auf Leben zu garantieren, die kapitalistische Gesellschaft muß die ihr Schicksal besrimmendcn Entwicklungs- tendcnzcn bewußt verstärkcn, d. b. über sich sclbst hinauswachsen, vorher können die ungeheuren Schaden nickst aus der Welt geschafft werden.. AllcS, was die private Wohlthätigkcst und die öffentlichen Körperschaften gethan haben, um dem Elend der Wanderbettclei zu steuern, trägt den Charakter des Surrogats. Wir reden gar nicht von der albernen Methode, einzelne Gegenden des Landes durch ausgiebigen Gebrauch deS Polizeiknüppels bcttlcrfrci zu machen; dadurch drängt man den Strom nur nach andren Gebieten ab. Nein, auch alle„positive" Arbeit hat versagt. Mit welchen Hoff- nungen bat das Bürgertum einstmals die nach dem Vorschlage des Bonner Professors Perthes gegründeten Herbergen zur Heimat be- grüßt! Und lvaS ist aus der Bewegung geworden? Wir wollen nickst leugnen, daß sie, weil Besseres fehlte, manches Gute geleistet haben; aber auch ihre leitenden Kreise müssen zugeben, daß die Wirkung der Herbergen auf die Kreise der Wandernden nicht zu spüren ist. Wie sollte sie auch, da wir ihrer nur 427 besitzen, eine Zahl, die alljährlich nur um etwa 2 bis 3 vermehrt wird. Sclbst Ivenn wir abiehen von den Mißständen, die sich aus der frömmelnden, nn- duldsamen Leitung dieser Anstalten, ans der Vcrquickung socialer Ausgaven mit uncrfreulichec religiöser Propaganda ergeben, selbst dann muh jeder Einsichtige zugeben, daß mit solchen Mittclchen einem grauenhaften Uebcl nicht bcizukommcn ist. Aber etwa mit der kommunalen Unterstützung? ES find der Gemeinden nur wenige. die sich um die Wanderarmcn kümmern. Schon den OrtSarmen gicbt man ja nur widerwillig und'nur soviel, wie das Gesetz vor- schreivt. Wer erinnert sich nickst der Schilderungen von den Greueln in ländlichen Armenhäusern, in denen bigotte Priester und gleich- wcrtige ivcltlichc Behörden alte Leute in ihrem eignen Unrat ver- kommen ließen? Unsre Vcrwal tungS- Gerichtshöfe habe fast nichts andres zn thun. als die Streitigkeiten zwischen verschiedenen Ge- mcinden um die Verpflichtung zur Leistung von Armcnuistcrstlltzungcn zu schlickte». Und da soll man glauben, daß sie sich der Wander- armen, der Elendesten der Elenden, thntkrästig und nachhaltig an- nähmen? Der Pfarrer von Bodelschwingh in Bethel bei Bielefeld. der, wie man sagt, der Ratgeber deS deutschen Kaisers war, als er seine bekannte OeNn Häuser Rede gegen die„Anreizcr zum Streik" hielt, sah sich sogar genötigt, die Wanderarmcn mit ge- druckten Führern zu verschen, mit deren Hilfe sie von den Ge- meinden wenigstens das ihnen gesetzlich Zustehende erzwingen könnten. Daraus kann man sich eine Vorstellung bilden, wie es auf diesem Gebiete aussieht. Aber gehen wir weiter: wie� steht'S denn mit den Vereinen für Bettelei? Wenn man die vielen Schilder sieht, aus denen an den Thüren der Reichen das Betteln mit dem Hinweis auf die Mitgliedschaft bei einem Vereine gegen Bettelei verboten ist, dann sollte man annehmen, daß auf diese Weise doch etwas erreicht worden wäre. In Wirklichkeit sind aber diese Ver- eine zumeist nur Hilfsmittel zur Abwehr der„Belästigung" durch Bettler. Die Schilder hängen noch jahrelang an den Thürcn. wenn der Verein oder zum mindesten das Mitglied schon lange das Zeitliche gesegnet hat, und auch der wohlwollendste Beurteiler kann die Vereine gegen Verarmung und Bettelei nur als eine Episode in der Entwicklung des Unterstützungs- und Abhilfewesens ansprechen. Sie leiteten hinüber zurArbeitcrkolouic und all den Einrichtungen und Vorschlägen, die damit zusammenhängen� Mit den Arbeits- kolonicn und den Heimatkolonien betritt die kapitalistische Gesell- sckaft schon den Weg, der über sie selbst hinausführt. Es dürfte nicht wundernehmen, wenn sich Staatsmänner von der geistigen Bedeutung eines Grafen Bistow die Znknnftsgescllschaft nach dem Muster solcher Arbeitskolonien vorstellen l Was bei andren Unter» stützungseinnckstimgen mir glcichsmn nebenherläuft, der Zwang zur Arbeit und die Zuweisung von Arbeit, das ist bei den Arbeits- kolonieu die Hauptsache. Arbeit statt Almosen, wurde das Feld- gcschrci, als man einzusehen gelernt hatte, daß Vereine der Prüfung der Bedürftigkeitsfrage nicht gewachsen waren und andrerseits das Bedürfnis nach Beseitigung der Plage bestehen blieb. Der Gesamt- verband deutscher Vcrpflcguugsstationcn hat sogar in seiner Ver- sammlunci von 1899 einen Gesetzentwurf aufgestellt, dem er die Ueberschrift gab:„Gesetzentwurf betreffend Fürsorge für Arbcits- lose"; mittellose Arbeitsuchende, die sich auf der Wanderschaft be- finden und denen keine Arbeit nachgewiesen werden kann, sollen nach dein§ 2 dieses Entwurfes kostenlos in eine Wanderarbefts- statte gebracht werden, wo ihnen vorübergehende Beherbergung und Verpflegung gegen Arbeitsleistung zugesichert Ivird. Ter preußische Landrag, für den der Entwurf bestimmt war, beschäftigte sich aber nicht mit der Frage, was bei dem Klassencharakter dieser„Volks- vcrtrctimg" ganz gewiß nicht wiindenichmen kann. Mehr und mehr ist cs, wie Ostwald nachweist, zur Hauptaufgabe der Kolonien gc- worden, jene Elemente, die sonst die Landstraßen füllen oder die Korrektioitshäiiscr und Gesängnisse bevölkern würden, in einer Art freiwilliger Schutzhaft zu halten. Aber das geschieht mit einer nicht gutzuheißenden Härte und mit allzusehr schematischer Behandlung einer Menschengrnppe, bei der gerade die sorgsamste Differenzierung angebracht wäre. Das Leben in den Arbeitcrkolonien ist eintönig, die Kost, wenn auch reichlich, so doch Nicht für jeden bekömmlich, das Ganze macht eher den Eindruck eines Gefängnisses, als den einer Anstalt werkthätigcr Menschenliebe. Was wird alles im Namen der locrkthätigen Menschenliebe oder des Christentums gesündigt! Christen waren es auch, die in den englischen Arbeitshäusern ganze Genenftionen von Menschen körperlich imd geistig zn Grunde richteten, Christen waren cs, von dcnen> unS Dickens in der er- schütternden Geschichte David Copperfields erzählt, Christen, die er, selbst anfgcwachscn in einem Arbcitshause, Zeit seines Leben? nur mit ingrimmigem Haß bedenken konnte. Ein Quentchen socialen Verständnisses ist besser als ein Ccntner jenes wortreichen Schein- chriskcntumS, das uns nie aufdringlicher und widerwärtiger ent- gegcngetretcn ist, als gerade in dieser Zeit der Gesundbeterei und der pictistischcn Carricrcschnaufcrei. Noch immer nicht hat man begriffen, daß nur wenige ivandcrn, um sich bettelnd zn ernähren, und daß auch diese nicht mit Polizeimitteln zu behandeln sind. Um Tchönbeitöpflästerchen nie verlegen, steht die kapitalistische Gesellschaft mitsamt ihrem berühmten Staat hilflos vor der großen Aufgabe der Menschencrhaltuug. Selbst dort, wo sie Hand anlegen will, weil daS Elend zum Himmel schreit, macht sie oft nur schlimmer, was sie bessern möchte. Den Arbeitsuckiendcn bringt man monatelang in cine Kolonie zu ungewohnter Thätigkeit, dicweil ein andrer ihm vielleicht die Arbeitsstelle wegnimmt. Nein, auch so gchl's nicht! Doch sollen lvir warten, bis das Elend in Massen aufsteht? Sollen wir teiluahmlos zusehen, ivie Taufende alljährlich verderben? DaS ist nicht die Art der anfstrebendeu Arbeiterschaft. Und so sehen wir s i e denn an rüstiger und fruchtbringender Arbeit: die Organi- sationen schaffen Arbeitsnachweise, zahlen Arbeitsloscn-Unter- stützungcn, Wandcrgroschcn, und bieten den Erschöpften in cignen Herbergen saubere Rast und Gelegenheit zur Kräftigung. Es ist jeder Bewunderung wert, was die Gewerkschaften unter den lvidrigsten Umständen gerade ans diesem Gebiete geleistet baben. Und wenn sich jetzt, in kalten Wintertagcn. die Aermsten der Annen in den Herbergen zusammendrängen, wenn sie, freudlos und friedlos, durch die Fenster lachendes Glück in hellen Stuben vor sich sehen, wenn sie von überallher das„Friede ans Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" hören, dann dürfen sie tröstend sich sagen, daß sie nicht verlassen sind. Tausende und Tausende tummeln ihre Kräfte im Kampfe für eine bessere und schönere Zukunft, die auch ihnen werden soll. Das Band thatkrastiger Solidarität umschlingt die Proletarier. Murmelt heute der gequälte„Kunde" voll Bitter- keit:„Recht satt ist man selten", so wollen wir doch alle danach streben, daß wir auch ihm zurufen können:„Komm, Bruder, auch für Dich ist der Tisch gedeckt!"».». Weihnachten einer Konfektions- arbeiterin. Wohlgeschmückte, angezündete Tannenbäume sandten bereits vereinzelt ibre glitzernden Strahlen auf die Straße hinab. In der Taniciikonfektions-Werkstatt des Meisters Reich weit draußen im Osten der Stadt, wo neben der Berliner Holzindustrie die Industrie der Konfektion viele und große Zwischenmeister-Bctricbe aufweist, lvar noch alles lebhaft im Gange. Der Büglcr wetterte über die„verdammte Bummelei" und sah von Zeit zu Zeit, wenn er das Bügeleisen von den„Lumpen"— lvic er die von ihm zu bearbeitenden einzelnen Stücke nannte— absetzte, zu den hastig arbeitenden Frauen und Mädchen hinüber, um sich zu vergewissern, ob seine drastischen Ergüsse auch die beabsichtigte Wirkung erzielten. ES waren Maßsachen, Kostümröcke, die der Meister in Privat angenommen, die heute noch fertig werden mutzten. Im Gnmde war diese Arbeit, die alle noch zu fieberhafter Thätigkeit anspannte, den Arbeiterinnen nichts weniger als angenehm ES wurde bei dieser Arbeit, als„Maßarbeit", viel mehr peinliche Aiifmerlsamreft verlangt, als au richtiger KonfektionSarbcit fürs Geschäft, die glatt zri schlank gemacht werden konnte; trotzdem gab eS kaum ein paar Pfennige mehr dafür, um die man sich Sonnabends noch mit dem Meister herumstreiten mutzte. „Ich verdiene selber nicht viel dabei und es ist man blotz, tzatz Ihr was zu thun habt," äutzerte er, wenn hin und wieder sich der Unwille der Arbeiterinnen allzu laut bemerkbar machte. Tah diese Arr Arbeit auch noch für einen andren dem Meister sehr einträglichen Zweck benutzt wurde, war längst kein Geheimnis. Konnte man doch mit ihr der Polizei ein Schnippchen schlagen, wenn sie sich über die Durchführung der Bundesrats-Verordnung unter- richten kam. Bei„Matzsachen" konnte Sonnabends und an den Tagen vor den Festen länger als wie bis 0 Uhr gearbeitet werden, wenn auch die ganze Woche hindurch Konfcktionsfachen gemacht wurden. Die Polizei— sie kam sowieso sehr, sehr selten, im letzten Jahr harte sie sich überhaupt nicht sehen lassen— hätte also dem Meister nichts anhaben können. Die Engros-Konfektionäre vom Hausvoigteiplatz hatten dieses pfiffige Stückchen ausgeklügelt, um die Bundesrats-Verordnung zu umgehen, und die Zwischenmeister ahmten ihnen nach. An und für sich war das Geschäft in der Konfektion im vcr- flossenen Herbst schlecht gegangen. Die einen meinten, das unbeständige schlechte Wetter sei schuld gewesen, während andre, und besonders die Konfektionsbarone, be- haupteten, das käme nur von den„fortwährenden" Belästigungen, denen die Konfektion ausgefetzt seil Das neue, am 1. Avril ein- geführte Lohnbuch sei auch eine von der Art, den Arbeitgebern das Geschäftemachen zu erschweren. Datz dies kaum zur Hälfte ein- geführt fei, verschwiegen sie dabei wohlweislich. Endlich, zehn Minuten nach sieben Uhr, waren auch die beiden letzten Frauen— eS hatte, um schneller fertig zu werden, auf Kumpan schaft gearbeitet werden müssen— so weit, datz der Büglcr den letzten Rock in Empfang nahm, um diesem als allerletzte Aus- staffierung„noch einige Stötze mit dem Bügeleisen zu versetzen". Wie sie aber auch gearbeitet hatten! Die Gesichter der Arbeite- rinnen wiesen jene Röte auf, die immer mit aufgeregter und gc- hetzter Thätigkeit verbunden ist. In dem Arbeitsraum, in dem auch gleichzeitig ein unverdeckter Gasbügelofen Aufstellung gefunden hatte, herrschte eine fast un- erträgliche Atmosphäre, die in Verbindung mit dem Skandal, welchen der Bügler mit dem Geklapper der Bügelgerätschasten verursachte, geradezu nervenlähmend wirkte. Sie warteten nun alle auf Geld. Der Meister war inzwischen liefern gegangen. Die Frauen, die zu Hause noch alle Hände voll zu thun hatten, fasten wie auf Kohlen. Die eine erzählte von ihren: Besuch, den sie zu Weihnachten bekommen würde— sie hatte bereits einen Sohn, der im Posenschen als Soldat stand—, die andre von den Einkäufen, die sie bereits für ihre Kinder besorgt hatte, und wie die sich wohl freuen würden. „Na, und Sie. Frau Bertram, was werden Sie denn zu Weih- nachten angeben?" Die also Angeredete, die bis dahin resigniert auf ihrem Schemel gesessen hatte, zuckte leise zusammen. „Ich weitz iwch nicht," kam eS langsam und gedehnt über ihre Lippen. Ihr Innerstes mutzte wohl von dieser Frage tief erregt worden sein, denn sie nahm beide Hände vors Gesicht und verlor sich ini Nachdenken. Endlich kam der Meister. Die Lohnbücher hatte vorher schon seine Frau allen abgenommen und nachgesehen, so datz es jetzt schnell ging. Der Bügler wurde zuerst abgefertigt, dann die andren. Jetzt kam auch Frau Bertram an die Reihe.„Ist verdammt wenig geworden diese Woche, Frau Bertram; ist denn Ihr Mann immer noch krank, datz Sie so wenig schaffen können?" „Es ist leider noch schlechter geworden, Herr Reich." Die Frau konnte die andrängenden Thränen nicht unterdrücken.„Na, es wird schon wieder werden, wenn man erst Frühjahr ist und er wieder raus kann." „Den Vorschutz, den Sie nun schon mal haben, brauchen Sie sit vorläufig nicht zurückzuzahlen." Als wenn ihr damit etwas ge- dient war. Die Miete war auch schon zwei Monate überfällig, und was sollte zum Ersten tverden... Sie hatte bei aller Anstrengung zwölf Dkark verdient, gingen ab 48 Pf. Kranken-, 12 Pf. Jn- validengeld, so datz sie mit 11,40 M. Verdienst auf der Strasse stand. Und wie hatte sie gearbeitet— 1 Morgens schon bei der Lampe. wenn Mann und Kinder schliefen. Dann wurde die Wohnung ein bitzchen zurecht gemacht. Der kranke Mann mutzte die Kinder be- sorgen, indes sie, halb Heim-, halb Werkstattarbeiterin, bald hier, bald dort arbeitetet Denn wenn die Sachen soweit zum Bügeln waren, mutzte sie auf die Werkstelle. So ging sie mit ihrem kargen Verdienst die Frankfurter Allee entlang und rechnete, rechnete und— rechnete, es wollte und wollte nicht langen. Seit vierzehn Tagen war auch die Unterstützung der Krankenkasse bei ihrem Manne abgelaufen. Was sollte nun werden! Zu knapper Not hätten die elf Mark eine Woche gereicht, was blieb aber für die Kinder zu Weihnachten übrig, und dann hatte der Meister schon angekündigt, werde jedenfalls in der Neujahrswoche ausgesetzt tverden müssen, da ja Musterzeit in der Konfektion war. Ein Gedanke jagte bei ihr den andren, so datz der Trubel der Strasse unbemerkt an ihr vorüberging. Sie hatte zwei Kinder, die ihr das liebste auf der Welt waren. Konnte sie vor diese, denen die Schatten- seiten der Welt, die Widerwärtigkeiten des Lebens schon längst nicht mehr fremd waren, auch heute am Weihnachtsabend mit leeren Händen hintreten? Ihr Herz zog sich bei diesem Gedanken krampfhaft zusammen. Aber es ging doch wirklich nicht anders. Wenn die Kinder nur noch satt zu essen hatten. So bog sie in eine der Nebenstrassen ein und stieg die vier Treppen des Ouergebäudes hinauf. Ein schwerer Gang, besonders am heutigen Abend. Die Kinder standen schon neugierig-sehn- süchtig auf der Treppe.„Bringst Du keinen Weihnachtsbaum mit, Mutter?" Sie murmelte etwas, datz die Kinder ganz richtig als nein auffatzten.„Warum denn nicht?" fragte der Kleinste.„Drei Treppen bei Schröders ist der Weihnachtsmann schon vor einer Stunde gekommen, wann kommt er denn bei uns--- Mutter?" Sie setzte sich in der Küche auf den einzigen Stuhl, hielt, wie bei der Frage in der Werkstelle, die Hände vors Gesicht und weinte bitterlich. ®ie Kinder standen stumm dabei r. „Wohlthätigkeit" in Berlin. Ohne Armut und Elend ist die gegenwärtige Gesellschafrs- vrdnung, die mit dem modernen Kapitalismus steht und mit ihm fallen wird, gar nicht denkbar. Ihre Schützer verkünden, datz der Älasscugegeusatz zwischen Besitzenden und Besitzlosen sogar auf . göttlicher Wcltorduung" beruhe, datz der Unterschied zwischen arm und reich„von Gott gesetzet" sei. Der Socialismus erst wird jenen Zustand anbahnen, den das W e i h n a ch t s w o r t„Den Nienschen ein Wohlgefallen" verspricht: Ter Menschheit eine allgemeine Zu- friedeuhal. �„Zufriedenheit" möchte auch die bürgerliche Gesellschasr herbeiführen— aber auf ihre Art. Beschwichtigen möchte sie die„Begehrlichkeit" der Massen, um Ruhe vor ihnen zu haben. Mit ein paar hingeworfenen Brocken möchte sie ihnen den Mund stopfen, um selber in sorglosem Behagen weiter gcniehen zu können. Durch den Staat versucht sie das mit der sogenannten Socialrefonn. in den Gemeinden glaubt sie's mit dcni bitzchen. Armenpflege schaffen zu können, und in privater Tbätigwit erhofft sie Erfolg von allerlei gemeinnützigen und wohlthätigen Veranstaltungen. Sie spendet den Besitzlose», den Armen ihre. Bettel- vsenniae— nicht deshalb, weil sie Verständnis dafür hätte, datz eine Gemeinschaft durch Armut, Not und Elend, die in ihrer Mili'x herrschen, geschändet wird, sondern nur deshalb, weil sie von der aewährten Hilfe Gewinn für sich selber crlvartct.„Den Armen geben armct nicht", lehrt, wenn wir nicht irren, ein Bibelspruch. Satz erhält durch die Nutzanwendung, die die bürgerliche Gesell- Schaft daraus zieht, eine besondere Bedeutung. _ Wenn Weihnachten herankommt, nimmt der Gegensatz zwischen reich und arm, den„Gott gesetzet hat", an Schärfe noch zu. Noch grötzer als sonst wird dann die Not der Armen, noch„dreister" ihre„Bcgebrlichkeit"— und noch lebhafter der Wunsch der besitzenden Klasse, Ruhe vor ihnen zu haben, noch eifriger die Bemühungen, sie zu �beschwichtigen. Die Kirche hat recht unpraktisch gehandelt, daS Weihnachtsfeft in die kälteste Jahreszeit zu legen. Gerade wenn der Winter sein hartes Regiment führt, wenn Arbeitsmangel noch schwerer als sonst im Jahre auf weiten Kreisen der Arbeiterbevölkerung lastet, wenn Kälte und Hunger Tausende und Zehn- tausende von Arbeiterfamilien bedrängen— gerade dann ruft man in den Kirchen das„Friede auf Erden", verkündet man von den Kanzeln„Ten Menschen ein Wohlgefallen". Aber gerade dann schleicht Erbitterung in manche Brust, die trotz allem Kummer bis dahin standhaft blieb, kommt jäh der Grimm über manches Herz, das bis dahin ausharrte trotz allem Elend. Darum bleibt dann auch der bürgerlichen Gesellschaft nichts übrig, als, namentlich zu Weih- nachten, die Lehre zu beherzigen, datz„den Armen geben nicht armct" und datz„Wohlthun Zinsen trägt". Berlin, die Hauptstadt des Deutschen Reiches, rühmt sich der Millionen, die sie für ihre Armen ausgicbt. Wer aber die aufgewendeten Summen mit dem vorhandenen Bedürfnis ver- gleicht, der mutz darüber staunen, wie wenig zur Linderung des Elenbs geschieht. Jene Millionen sind kaum mehr als ein Tropfen, der auf einen heitzen Stein fällt. Gegenwärtig giebt es hier über 33 000 Personen, die von der städtischen Armenverwaltung laufend mir Almosen unterstützt werden-. Der monatliche Betrag des Almosens liegt meist zwischen 9— 21 M., der Durchschnitt ist etwa 15,30 M.— zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Dazu kommen 11 000 sogenannte Pflegekinder, für die den verwitweten Müttern eine Unterstützung gezahlt wird, die monatlich meist zwischen 6—10 M., im Durchschnitt 7 M. beträgt. Als Ergänzung dienen die Extra-Unterftützungen, die jedem nur einmal oder eingemale gezahlt werden, im letzten Jahre rund 120 000 Unterstützungen zu durchschnittlich 9,30 M. Von der Armenpflege durch Anstalren wollen ivir lieber gar nicht erst reden. Man weiss, wie wenig Berlin bisher gethan hat, um armen alten und kranken Leuten Verpflegung in zweckmätzigen Anstalten gewähren zu können. Wer da hinein will, mutz eine lange, lange Wartezeit über sich ergehen lassen. Was die gesetzlich vorgeschriebene Armenpflege den Annen schuldig bleibt, wird auch durch die sogenannte Wohlthätigkeitspflege, für die die Stadt eine Reihe von Stiftungen zur Verfügung hat, nur zu einem geringen Teile zut gemacht. Wie viele Arme und Hilfsbedürftige noch abgewiesen werden müssen, wie viele weder aus der öffentlichen Armenpflege noch aus den Stiftungen unterstützt werden können, das zeigt uns die Misere der Privatwohlthätigkeit. Es giebt in Berlin an hundert Wohlthätigkeitsvereine. Aber alle werden von Hilfsbedürftigen überlaufen, mit Bittgesuchen bestürmt— und alle müssen erklären, datz sie ohnmächtig sind gegen solche Fülle des Elends. Die Erbitterung, die durch all' dieses Elend nicht nur bei den Notleidenden selber, sondern in der Gesamtheit der Besitzlosen er- weckt wird— zu Weihnachten wenigstens möchte die Klasse der Besitzenden sie ersticken. Am Wcihnachtstage will der Satte Ruhe haben vor dem Hungernden. Darum geht er hin und baut den Kindern des Hungernden einen Weihnachtstisch auf— den Kindern des Arbeitslosen, der in dieser Zeit vergeblich nach Arbeit und Verdienst sucht, dem die Gemeinde, uneingedenk ihrer socialen Pflichten, die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit weigert, den die öffentliche Armenpflege und die Privatwohlrhätigkeit, wenn er sie anzurufen sich entschlicht, im günstigsten Falle mit ein paar Bettel- Pfennigen abspeisen. Solche Weihnachtsbefcherungen der Reichen für die Armen gelten vielen als eine schöne Sitte, eine herz- bewegende Veranstaltung— aber die besitzende Klasse hat aus ihnen eine widerliche Farce gemacht. Wollt ihr am Weihnachtstagc den Armen von eurem Uebcrslutz abgeben, so schickt es ihnen ins Haus und latzt sie nicht wissen, von wem es kommt. Aber das widerspräche ja dem Zweck dieser Bescherung. In vollster Oeffentlichkeit mutz sie stattfinden, damit die Wohlthäter' und Wohlthäterinncn mit herab- lassendem Blick und befriedigtem Läck>eln den Dank der Annen empfangen, damit die beschenkten Kinder und ihre Eltern hören und zu Herzen nehmen, ivas der Herr Pastor, der bei solcher Wcihnachtsbeschcrung für Arme selten fehlt, ihrem Hunger predigt, und was der Herr Bezirksvereinsredner, der an der Spitze des Komitees steht, in ihr rebellisches Hini hineinzuschwatzcn sucht. „Den Armen geben armet nicht!" klingt es von des Pastors Lippen an der Armen verwundertes Ohr; und:„Ihr seht nun." bekräftigt der Bezirksvereinsredner,„wie gut die Reichen sind, also merkt's Euch und seid dankbar!" Wohl dem, der am Wcihnachtstage seinen Kindern eine solche Bescherung ersparen kann, dem es noch möglich ist, ihnen aus eignen Mitteln Geschenke der Liebe zu bereiten! Weihnachtsbefcherungen, die die besitzende Klasse für die Besitzlosen in Scene setzt— wer je dergleichen mitangesehen hat, den überkommt der Ekel. Wie anders ist es, wenn der Minderbemittelte dem MirleUosen beschert, wenn Arbeiter den Kindern ihrer Klassengenossen, die in Not gerate» find. den Weihnachtstisch aufbauen! Wer gedächte hier nicht der kämpfenden Weber von Crimmitschau? Wer möchte nicht teilnehmen an der Weihnachtsfeier, die ihnen von ihren Klassen- genossen bereitet wird? Dass a«S ganz Teutschland Huiiderttausende von Arbeitern und Arbeiterinnen ihre ßlroschrn, ihre Pfennige zn- sammentragen. um den durch die Brutalität des Unternehmertums brotlos gewordenen Weberfamilien Crimmitschaus einen Weihnachtstisch aufzubauen, das ist ein Gedanke von hinreitzender Gewalt. Mögen die Unternehmer und im Bunde mit ihnen die Behörden es zu hindern suchen, datz dort unter gemeinsame in Weih- nachtsbaum der Bruder dem Bruder, die Schwester der Schlvester die Hand reicht und das Gelöbnis ablegt, fest zusammcnznstehen im heitzen Kampfe. In jede Weberhütte werden die Klassengenossen mit ihrem Weihnachtsbäumchen und ihren WcihnachtSgaben hinein- tragen ihre Liebe und ihre Treue, ihren Mut und ihre Begeisterung. Und ans dem Lichterglanz der Weihnachtsbäume von Crimmitschau wird in die Welt hinausleuchten die zuversichtliche Hoffnung auf eine Zeit, die da bringen wird der Arbcitertlasse die Vefreimig, der Menschheit ein echtes Weihnachtsfeft. b. Das Proletariat der Weihnachtskuchen. Die Zeit ist dahin, wo die biederen Bäckermeister, die kleinen Konditoreien und Pfeffcrküchlercien auSschlietzlich die Fülle der Sützigkeitcn, welche auf keinem gutbesetzten Weihnachtstisch fehlen dürfen, in ihren Zwergbetrieben herstellten. Zivac hat sich immer noch ein erheblicher Teil der kleinen handwerkSmässigen Betriebe erhalten, in denen der Meister mit einigen Gesellen und Lehrlingen zur Weihnachtszeit eine erhöhte Thätigkeit cittfaltet, um einen Teil des grossen Bedarfs an süssen Weihnachtsleckereicn zu decken; aber in neuerer Zeit hat der fabritmätzige Grotzbetrieb auch diesen Zweig der Produktion an sich gerissen, und er tritt hier, ebenso wie auf aridreu Gebieten, als erfolgreicher Konkurrent des Kleinmeifters auf. Die Berge von Honigkuchen, WeihnachtSbaum-Konfckt. Marzipan- und Chokoladewaren, die wir heute in Specialgeschäften und Warenhäusern aufgehäuft sehen, sind in Fabriken, in modernen Grotzbetriebcn hergestellt. Während des ganzen Sommers herrscht in diesem Industrie- zweige stille Zeit. Die Fabriken arbeiten zwar, denn sie haben für gewisse Waren während des ganzen Jahres genügenden Absatz, um einen Stamm von Arbeitern und Arbeiterinnen zu beschäftigen; aber etwa die Hälfte aller Konditor- und Pfefferküchlergehilfen finden während der Sommermonate keine Beschäftigung in ihrem Beruf. Sie suchen sich, so gut es geht, durch Gelegenheitsarbeiten über Wasser zu halte». Als Anstreicher, als Kellner, als�„Reisende" und so weiter suchen sie sich durchzuschlagen. Wenn der Sommer zur Neige geht und der Herbst einsetzt, dann beginnt für die Fabrikation von Weihnachtsnäschercien die Saison, und den Arbeitern dieser Branche wird für wenige Wochen Gelegenheit geboten, in ihrem Berufe Beschäftigung zu finden. Berlin hat etwa ein Dützen? grosser«! Setrieve, welche für Un Weihnachtsbedarf an Honigkuchen, Marzipan, Chokolade, Caces usw. arbeiten. Einige Fabriken beschäftigen je mehrere hundert Arbeiter und Arbeiterinnen. Wenn im Oktober die Weihnachtssaison ein- setzt, dann wird in den Fabriken eine fieberhafte Thätigkeit ent- faltet, die an die Kraft und Leistungsfähigkeit der Arbeiter die höchsten Anforderungen stellt. An sich erfordert die Arbeit zwar keine grosse körperliche Anstrengung, aber die Umstände, unter denen gearbeitet wird, machen die Beschäftigung zu einer äutzerst auf- reibenden und höchst gesundheitsschädlichen. Es handelt sich hier im wesentlichen um eine Betriebsart, die der Bäckerei ähnlich ist. In den Arbeitsräumen strömen Back- und Trockenöfen eine un- erträgliche Hitze aus. Das Arbeitsmaterial: Mehl, Zucker usw.. durchsetzen die Luft mit Staub, Gewürze erfüllen die Räume mit betäubendem Duft, und diese schädlichen Einwirkungen auf die Nerven und die Almungsorgane machen selbst die leichtesten Arbeiten auf die Dauer zu einer unerträglichen Anstrengung. Und wie wird unter so ungünstigen Verhältnissen gearbeitet. Von der Jnnehaltung eines normalen, etwa zehnstündigen Arbeitstages ist keine Rede. Der Fabrikani will die kurze Zeit des flotten Geschäftsganges ausnutzen. Alle Arbeitsplätze sind besetzt, und nun heitzt es: Ueberstunden machen, um zu schaffen, was irgend möglich ist. Im Anfang der Saison lätzt man es noch bei einer Arbeitszeit von morgens 7 bis abends 9 Uhr bewenden, aber in den letzten Wochen vor Weihnachten geht es bis 10, 11, ja 12 Uhr nachts. Abgerackert, müde bis zur Erschöpfung, schleppt sich der Arbeiter um Mitternacht nach Hause, um nach wenigen Stunden der Ruhe in der Dunkelheit des Wintermorgens aufs neue an sein anstrengendes Tagewerk zu gehen. Wenn auch nach wochenlanger. fieberhafter Thätigkeit die Kräfte nachlassen, die Arbeitsleistung darf deshalb nicht geringer werden. Dafür sorgt schon die Kontrolle und die antreibende Aufmunterung durch den Werkmeister, oder das ruinöse System der Accordarbeir. Der Ausbeutung der weiblichen'Arbeitskräfte sind ja jetzt durch die Gesetzgebung gewisse Schranken gezogen, und die Arbeiterinnen sind hinsichtlich der übermässig ausgedehnten Arbeitszeit etwas besser daran wie ihre männlichen Berufsgenossen, wenn— die gesetzlichen Bestimmungen überall genau befolgt werden. Aber während der Saison nimmt man es nicht immer so genau.„Der Schutzmann sieht's wohl nicht, man macht ihm auch was vor," denkt mancher pfiffige Betriebsleiter, wenn die gesetzlichen Bestimmungen ein wenig überschritten werden. Und wenn diese Spekulation einmal fehlschlagen sollte, nun, dann kann das Geschäft eine geringe Geld- strafe immer noch tragen. Wer etlva glauben sollte, datz die paar Wochen aufreibend« Tag- und Nachtarbeit einen guten Verdienst für die Proletarier und Proletarierinnen der Wcihnackitsleckereien-Jndustrie bringen, der ist im Irrtum. Als die organisierten Konditor- und Pfeffer- küchlergchilfen Berlins im verflossenen Sommer für die Fabrik- arbeiter ihres Berufes einen Mindesiwochenlohn von 21 M. forderten, da lehnten die Fabrikanten nicht nur diese bescheidene Forderung, sondern auch die Verhandlung mit der Arbeiterorganisation ab. Als „Herren im Hause" wollten s i e sich die Festsetzung des Lohnes vor- behalten. Thatsächlich erhalten nur wenige Specialarbeiter einen über die ausgestellte Forderung hinausgehenden Lohn, während sich die grötzte Mehrzahl der Saisonarbeiter dieses Berufes mit Wochen- löhnen von 10, 18, 20 M. begniigen müssen, die sich durch die end- losen Ueberstunden allerdings ein wenig erhöhen. Tie Arbeite- rinnen, welche zu den leicht erlernbaren Teil- und Hilfsarbeitcn verwandt werden, speist man sogar mit Wochenlöhnen von 0 bis 9 M. ab. Sind die Arbeitsverhältnisse in den Fabriken nichts weniger als günstig, so lassen sie noch viel mehr zu wünschen übrig in den Betriebsstätten der Kleinmcister, in den Bäckereien und Konditoreien, die zur Weihnachtszeit einen oder mehrere Pfefferküchlcr annehmen, um durch diese ihren Bedarf an Honigkuchenware herstellen zu lassen. Ucbcr die niedrigen, engen und dumpfigen Äellerräume, die vielen Kleinmeistcrn als Backstuben und Werkstätten dienen, wo das Tageslicht nur spärlich, die frische Luft gar keinen Eingang findet� ist ja von den BcrufSangehörigen schon so viel gesagt und geschrieben worden, datz man nur an diese Schilderungen denken braucht, um sich ein Bild davon zu machen, was das für ein„Genutz" sein mutz. wenn in solchen Räumen, die für den gewöhnlichen Betrieb kaum ausreichen, die Arbeiterzahl vermehrt und eine erhöhte Thätigkeit entfaltet lvird. Etwa 3000 Arbeiter und Arbeiterinnen sind es, die sich Wochen- lang im Schweiße ihres Angesichts und unter Aufbietung aller Kräfte plagen, um das weihnachtfeiernde Berlin mit wohlschmeckenden Näschereien zu versorgen. Am heiligen Abend, oft auch schon ein paar Tage früher, ist nahezu die Hälfte all der fleißigen Hände überflüssig. Man bedarf ihrer nicht mehr. Abgerackert und bis zu Tode erschöpft können die Arbeiter und Arbeiterinnen endlich der ersehnten Ruhe pflegen, während andre sich cm den Erzeugnissen ihres Fleißes Wohlthun. Diejenigen, welche die viclbegehrten Sühigkeiten herstellten, verleben zum großen Teil das Weihnachts- fest unter dem niederdrückenden Bewußtsein, datz sie nun wieder als Arbeitslose das Pflaster treten. Die Aussicht bleibt ihnen zwar. daß kurze Zeit nach Neujahr die Lstersaison beginnt, die für die Arbeiter in Chokolade-, Marzipan- und Zuckerwaren wieder einige Wochen fieberhafter Thätigkeit bringt, der dann die lange Periode der sommerlichen Arbeitslosigkeit folgt, wo die Konditorgehilfcn zum grossen Teil in allen möglichen Berufen ein vorübergehendes Unter- kommen suchen müssen. Handarbeiten für den Weihnachtstisch. Bleischwer hängt der Wintcrhimmcl über dem engen Hof« der Mietskaserne. Trübes, dämmeriges Halbdunkel lagert in den Wohnungen des Hinterhauses. Dicht am Fenster sitzr eine hagere bleiche Frau. Sie hat den Kopf tief auf die Arbeit gebeugt. Ohne aufzusehen, führt sie die Nadel und reiht emsig Stich an Stich, bis sich der Stoff unter ihren fleißigen Händen mit einem färben- prächtigen Muster bedeckt. So sitzt die bleiche Frau vom frühen Morgen an im trüben Licht des Wintertagcs. und Ivenu sich die Schatten des Abends h-rmedersenken, wird die Arbeit beim rötlichen Schein der Petroleumlampe forgesetzt. Die Augen schmerzen, die Hand zittert, dw Nerven sind aufs äußerste abgespannt, als die Stickerin nach Mitternacht die Arbeit zuscunnienlegt und ihr harteZ Lager aufsucht— Am andren Tage wird geliefert. Die Direktrice des grossen TapisseriegcschäftS betrachtet mit Kennerblicken die Arbeit der bleichen Frau. Zufrieden lächelt die Dame. Die Arbeit ist von tadelloser Sauberkeit.— Der Buchhalter rechnet den Wochen- verdienst uw bleichen Frau zusammen:„Nun, Sie haben ja dies« Woche ganz gut verdient."—„Acht Mark und siebzig Pfennige." — �hne ein Wort zu sagen, niinint die arme Frau das Geld in Empfang.— Acht kvijärt und siebzig Pfennige als Lohn für die Arbeit �1�5 ssanzen Woche.— Eine Woche, ttts heißt für die bleich« Stickern, sieben Tage und sechs Nächte.— Es will der Frau zwar mcht einleuchten, daß acht Mark und siebzig Pfennige für eine ganze Woche ein„guter Verdienst" ist, aber sie mutz damit zufrieden sein. Weiss sie doch. datz. wenn sie mehr verlangt, ihr überhaupt keine Arbeit nvchr gegeben lvird. Auf einen Wink der Direktrice finden sich zehn andre, die ohne Widerrede für den Preis arbeiten, welchen das Ge- schäft bietet: Mädchen und Frauen„besserer Stände", die sich ein Taschengeld verdienen wollen."— Die bleiche Frau hat zu Hause einen arbeitslosen Mami, sie mutz jetzt durch ihre Arbeit der Familie über die bitterste Not hinweghelfen. Darum sitzt sie nun seit Wochen, und rührt unablässig die fleißigen Hände vom frühen Morgen bis spät in die Nacht. Die Weihnachtszeit bietet ja Gelegenheit zu reichlicher Arbeit.--- Wenn die Strahlen der Weihnachtskerzen die prunkenden Herrlichkeiten im Salon der Reichen beleuchten, dann prangen die Stickereien, welche Hunderte von bleichen Frau«, und Mädchen in dunklen Hofwohnungen anfertigten, auf den rcichbcsctztcn Weihnachs- tischen als— selbsigcfertigtc Arbeiten der Frauen und Töchter.' Erzgebirgs-Weihnacht. ihm find unter den schimmernden, glitzernden, gründustenden Tannenbäumen die bunten Spielwaren-Herrlichkeiten aufgestapelt, die gebefrohe Hände und gefüllte Geldbeutel den Kindern der Besitzenden bescheren. Hunderterlei Gegenstände, aus denen die Kinderphantasie sich ihre Liliputwelt baut. Von den Wohnhäusern, den Magazinen, den Küchen, bis zu den Eisenbahnen, den Fuhrwerken, den Holz- soldaten, den Holzsieren; Dinge, die in ihrer Gesamtheit aufzuzählen, nun bald eine bare Unmöglichkeit ist. Denn der Traditton, die beim Kinderspielzeug fast mehr als bei allen andern Dingen vor- herrscht, gesellt der rastlos arbeitende Neuigkeitstrieb erwerbsgieriger Fabrikanten alljährlich neue Spielzeugartikel, von denen das eine bald wieder verschwindet, das andre sich dauernd dcni alten zugesellt. Wer aufmerksam beobachtet, bemerkt, daß auch das Kindcrspielzeng seine Revolution durchmacht. Seit das mechanische Spielzeug den toten und einfachen Gegenständen den Rang anläuft, wird auf dem Spielzeugmartt das Holz durch das Metall verdrängt. Ein ökonomisch nicht unwichtiger Vorgang. Er verlegt die Spiel- Warenerzeugung aus der Hausindustrie in die Fabrik, weil die metallenen Gegenstände nur mit Zuhilfenahme von Maschinen hergestellt werden können. Vorläufig aber herrscht doch noch das Holzspielzeug vor und damit bleiben die dürren blnt- losen Hände ausgehungerter Heimarbeiter die Hauptlieferanten des Spielzeugmarktes. Das Spielzeug hat seine Heimat wie alles andre. Das Metall- spielzeug kommt vornehmlich aus Nürnberg, dem alten Markte der deutichen Spielzeug-Jndustrie. Die netten Puppenköpfe und Puppen mit den goldblonden Locken und den sprechenden Augen, die größeren kunstvoll gemachten Tiere, wie z. B. die Wollschafe, kommen aus der Sonneberger Gegend. Auch im Spreewald sitzen im Winter, wenn die Wasserläufe vereist sind, die Bauern'beisammen und machen einzelnes Spielzeug ftir den Berkauf. Ebenso schnitzeln ein paar andre Armeleutsgegenden einiges Spielzeug. Doch der Haupterzeugungsvlatz unsres HolzspielzeugS ist zur Zeit das sächsische Erzgebirge. Wer alle die niedlichen Sachen sieht, die um Weihnachten in den Spielzeug- Ausstellungen der Bazare den Jubel der Kinder erregen, kann sich nur schwer vorstellen, wieviel Kummer und Thräuen, Not und Entbehrung an all diesen hübschen Spielwaren aus Holz kleben. Ilm den Kindern der Großstadt diese Weihnachts- freude zu bereiten, müssen tausende armer Proletarierkinder Tag und Nacht die fleißigen Hände regen. Aber wenn sie ununterbrochen mit den Eltern während der ganzen Woche thättg gewesen sind, haben sie für all ihren Fleiß vom Spielwaren-Verleger kaum so viel erhalten, daß sie sicki genügende Nahrung kaufen können. Kartoffeln und Cichorienkaffee. und immer lvieder dasselbe, das ist die Nahrung der fleißigen erzgebirgischen Arbeiter- kinder. Auch im Erzgebirge wird das Weihnachtsfest gefeiert und Wochen vorher rüsten sich die armen Hausindustriellen, um bei ein paar brennenden bunten Kerzen auf dem Fichtenbäumchen auf einige Ssimdcn ihre Not zu bergessen. Je ärmer und weltabgeschlosscner eine Bevölkerung, je zäher hängt sie ja an alten Bräuchen, ob sie auch Jahrhunderte vergeblich hofft auf die Erfüllung des Hirten- liedeö �„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen I" Jetzt liegt im Erzgebirge auf Wegen und Stegen der Schnee. Die Fichtenwaldungen, die sonst die Berge mit ihrer grünen Decke überziehen, zeigen endlos weit das Weiß der auf ihnen lastenden Schneeniasjen. Die vielen Wasserläufe sind vereist und in- mitten der majestätischen schweigenden Pracht des GebirgswinterS liegen die Häuschen und Hütten der erzgebirgischen Proletarier. Ouerbalken ziehen sich durch das dünne Mauerwerk, die Dächer sind mit geteerten Fichtenholzschindeln belegt; durch ganz niedrige Thören und kleine Fenster bahnt sich Licht und Lust den Weg zu den Menschen. Meist haben die Häuschen nur ein Erdgeschoß, wenn's viel ist, ein Obergeschoß. Tritt man in die Stuben, so muß man fein höflich sein lind sich bücken, denn die Decken sind niedrig und di» Lust ist dumpf. Blutlose Heimarbeiter mit enger Brust � und leeren Magen, die den ganzen Tag in der Sdlbe arbetten müssen, sind empfindlich gegen die Winterkälte. So halten sie die Fenster geschlossen und der heiße Dunst vom Kachelofen wie auch die Eigenart der Arbeit zerstessen die Gesundheit und verbreiten Krankheit. Hier ist'S der feine Holzstaub des Drechslers, dort der Färb- und Leim- genH von der Arbeit des Spielwarenmachers oder der Tabakstaub des Cigarrenmachers, der Wollstaub vom Stuhle des Strumpfwirkers. Ueberall trägt die Arbeiterbevölkcrung die verderblichen Spuren der Heimarbeit mit sich herum. So arm und verkümmert die Bevölkerung heute ist, so reich ist das Erzgebirge einmal gewesen. Das war im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert, als bei Annaberg, bei Schneebcrg, bei Marienburg und bis nach Böhmen hinein, mitten in den Fichten- Wäldern die Silberadcrn entdeckt wurden. Da strömten die Massen ins Gebirge hinauf, das Bcrginnere wurde zerwühlt nach' dem wertvollen Metall, lvelches damals unendlich mehr galt als heute. Förmlich über Nacht wuchsen aus der Erde große und reiche Bergstädte empor, ein reger Handel blühte in den breiten Straßen, auf den weiten Marktplätzen, die jetzt öde daliegen, gras- und moosbewachsen gleich den toten Stollen und den hohen Berg- Halden, den Zeugen des verschwundenen Bergsegens. Aus dem Silberbergbau zogen die sächsischen Landesherren der damaligen Zeit, die Städte, die großen Händler und die Kuxenbesitzer Riesensummcn. Die Bevölkerung blieb arm. und als die Berge ausgeraubt und die Silberadern immer dünner wurden, gleich dem im aus- getrockneten Strombett versickernden Wasser, da brach ein chreckliches Massenelend in diesem mittelalterlichen Kalifornien aus. Verzweifelt suchte die hungrige Maffe nach neuem Broterwerb. Hier war eS die günstige Lage der Verkehrswege ins„Nicderland", dort der Wafferreichtum, dort der Holzreichtum der Wälder, die den Grund legten zu den heusigen Hungcrindustrien. In den Niederungen, rings lim den Fuß des Gebirges, entwickelte fich die Weberei und Wirkerer. In der Annaberger Gegend kamen die hungernden Bergleute durch Brabanter Einwanderer auf die Spitzenkloppelei und die Posamentenfabrikasion, auf die heute so bedeutende Ssickerei-Jndustrie. Weiter aufwärts, bei Schönheide, be- gannen die notleidenden Arbeiterfamilien Borsten zu verarbeiten; die Bürsten- und Pinselindnsttie des Erzgebirges entwickelte sich, deren Massenprodukte zu Spottpreisen heute überall zu finden sind. In der Maricnberger Gegend wurde Blechware gestanzt. Die Bevölkerung des Gebirges brachte ihre Wälder ins Wandern, indem sie das Holz, unter Zuhilfenahme der Wasserkräfte zu Spielwaren, zu Küchen- geräten, zu Möbeln, zu Gebrauchsgegenständen verschickte. Die Holz- Industrie, die hochbedeutende Spielwaren- Hausindusttie entwickelte sich und im letzten Jahrhundert gesellte sich dazu eine endlose Reihe von Holzschleifereien. die die Fichtenwälder des Gebirges zu Holz- stoffmaffe für die Papierfabrikation verarbeiten. Zugleich ergoß sich ein Strom armer Proletarier. die sich am Ort nicht ernähren konnten, als Hausierer mit allerlei Waren durch ganz Sachsen, Preußen und die umliegenden Lande. So entstand die heutige Erzgebirgs- Industrie. Zunächst war sie Hausindustrie, dann baute der Kapitalist seine Fabrik mitten zwischen den arm- seligen Hütten auf. Der Verzweiflungskampf der Haus- industrie gegen die Fabrik begann, bei welchem der Kapitalist die alles niedcrkonkurrierende Maschine einsetzte, der Haus- industrielle Gesundheit, freiwilligen Hunger, Familienglück und die Tausende zarter Kindcrfinger. Auch in den verschneiten Erzgebirgshütten. aus denen Spielwaren und Gebrauchsgegenstände, Kleidungsstücke und Strumpfwaren auf alle Weihnachts-Geschenksische geflogen sind, brennen jetzt die Weihnachtskerzen. Bald hängt von der niedrigen Decke herab ein buntes leuchterartiges Holzgestell, welches mit den Kerzen geschmückt wird, bald steht in der Ecke der Stube ein kümmerliches Fichtenbäumchen. Denn ob sie auch schön gewachsene Bäume hier oben Haben. � diese erzgebirgischen Arbeiter bekommen doch nur den Abfall; die schöneren und großen Fichten gehen alle in die Städte hinunter, in denen der Händler lohnende Preise für sie erzielt. Dagegen besitzen die erz- gcbirgiichen Arbeiter ein großes Geschick in der Herstellung von mechanischen Darstellungen.„Weihnachtsberg" nennen sie dieselben. Bald ist's ein Bergwerk, bqld eine Eisenbahn, bald eine den reli- giösen Vorstellungen entlehnte Darstellung. Alle diese mechanischen Sachen werden durch die Wärme einer Lampe oder durch Wasser getrieben. Es ist fast das einzige, was solch' ein armer Haus- industrieller seinen Kindern bieten kann. Die ergötzen sich ein paar Tage daran, bis Raummangel und die Tagesarbeit dazu zwingen, den„Weihnachtsberg" wieder bis zum nächsten Jahre wegzuräumen. Wochen vorher„bastelt" schon der Erzgebirgsarbeiter an seinem Weihnachtsschmuck. Und nicht minder eifrig ist die Frau! Um Weihnachten wird gebacken und morgens, mittags und abends lebt die Familie von— Kuchen. Fast wird man an das Wort der stanzösischen Duchesse vor 1789 erinnert:„Wenn das hungernde Volk kein Brot hat, ei, warum ißt es keinen Kuchen?" Aber der Kuchen des Erzgebirglers ist nicht sehr einladend. Schlechtes Mehl und viel Kartoffeln. Kartoffeln! Kartoffeln! Das ist ja die ewige Speise des erzgebirgischen Arbeiters. Der Arbeiterstau ist das Fett leider viel zu teuer und so wird denn in den gebirgischen Arbeiterhütten fast' alles mit— Leinöl an- gerichtet. Es ist das ewige Bindemittel der Speisen an stelle des Fettes. Der Leinölverbrauch ist ungemein groß in den Arbeiter- dörfeni. Wer es nicht gewöhnt ist, kann die Leinölspeise kaum genießen. Unsren Erzgebirglern aber dünkt es eine De- likatesse. Und wenn sie sich eine besondere Güte thun wollen, so verschaffen sie sich„Quark". Salz und Zwiebeln hineingemengt und dann mit Kartoffeln gegessen, ist es ein Festtagsessen, über dem nur noch eine Speise steht: der Hering, der„Karpfen des Erz- gebirglcrs". Hunde-, Katzen- und Pferdefleisch wird daneben gern gegefien, ist aber nicht immer billig genug zu haben. Nie werd' ich's vergessen, wie mir'mal ein Erzgebirgsarbeiter förmlich begeistert erzählte, daß er einen großen Flcischcrhund kaufen konnte. Als er ihn geschlachtet und ausgeweidet hatte hing er da,„wie ein Kalb so groß!" Er mußte ihn zerschneiden und in einem Faß einsalzen. Lange hat er über diesem Fleischvorrat geschlemmt! Aus den leeren Tischen der erzgebirgischen Arbeitcrhütten brennen die Weihnachtskerzen.... Die Waren find hinausgewandcrt in alle Welt, zu Eisenbahn und zu Schiff und wo sie hingelangen, erregen sie Jubel und Freude. Dem Erzgebirgsarbeiter aber bleibt nichts als die paar Mark Lohn in der hohlen Hand. Mit fünf, sechs, sieben Stark muß hier oben zwischen den Bergen eine Arbeiter- familie oft die ganze Woche hindurch leben. Das reicht kaum zu Kartoffeln und Wassersuppe, geschweige denn zu Brot. Dabei wird der Heimarbeiter Existenz eher schlechter als besser. Jeder Fort- schritt der Maschine in der Fabrik drückt die Löhne in der HauS- industrie. So ivird der Ueberfluß der einen erkauft mit der Not der andern. Und das Erzgebirge ist nicht die einzige, es ist nur eine von den vielen Hungergegenden Deutschlands, in denen fleißige Proletarier Jahr für Jahr schanzen und schaffen und, wenn sie schließlich auf dem letzten Lager liegen, ausrufen können. wie jenes stänkische Bäuerlein aus dem deutschen Bauernkrieg von 1ö2S, dem sie zu Würzburg den Köpf abschlugen:„Weh', ich soll schon sterben und habe mich noch niemalen an Brot satt gegessen!" Aber die Augen erzgebirgischer Proletarier blicken hoffend in die Zukunft. Sie soll ihnen das Hirtenlied zur Wahrheit werden lassen durch den großen Kampf des klassenbewußten Proletariats um Frei- heit und Kultur. Und so schauen auch die erzgebirgischen Arbeiter über ihre Berge hinab in die Niederung, wo drüben, am Fuße deS Gebirges nach der altenburgischen Grenze hin, das Weberproletariat von Crimmitschau um eine bessere Zukunft kämpft. _ Emil R o s c n o w. Charitas. Der Klerikalismus aller Schattierungen ttill mit dem Anspruch auf, im Christentum das Allheilmittel für die Schäden aller Zeiten. Völker und Zustände zu besitzen. Diese Behauptung kann vor einer ernsthaften Geschichtsauffassung nicht nur nicht bestehen: jedes Blatt der Geschichte widerlegt sie. Daher muß man sich mit Geschichtsklittenmgen zu helfen suchen. Insbesondere der katholische Klerikalismus hält ihrer für jede Epoche der verflossenen 19 Jahrhunderte in Hülle und Fülle bereit. Eine der verbreitetsten Legenden dieser Art betrifft die sogenannte christliche Charitas, die kirchliche Armenpflege. Es vergeht keine Gelegenheit. wo die Orthodoxie nicht in ein Loblied derselben ausbricht, sie nicht als den wichtigsten Hebel anpreist, die socialen Fragen aller Jahr- hunderte zu lösen. In besonderem Maße pflegt dies um die Weihnachtszeit, in den Tagen„des Heils und der frohen Botschaft", der Fall zu fein. Und auch diesmal werden gescheitelte und tonsurierte Pfaffen sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, gegenüber der Begehrlichkeit der Massen mit Nachdruck darauf hinzuweisen, wie die christliche Charitas das wichtigste Kapitel und die unfehlbare Grund- läge der christlichen Socialreform bilde, wie allein durch ihre Be- thatigung, verbunden mit der steiesten Entfaltung„kirchlicher Geister" sich der drohende Umsturz beschwören lasse. Mit der Armenpflege knüpft der moderne Klerikalismus entfemt an den Kommunismus des Urchristentums an, insofern die elftere den kümmerlichen Rest und die totale Verballbornisierung des letzteren im Interesse der Reichen und Besitzenden darftellt. Das Urchristentum gab dem Armen und Enterbten einen förmlichen und prägnanten Anspruch auf die Güter der wohlhabenden Mitglieder der Sekte. Die Apostelgeschichte bezeugt ausdrücklich den vollen Kommunismus im Gebrauch der Besitzgüter. Daran änderte sich nichts, als Paulus im Interesse dauernder und regelmäßiger Einkünfte der Sekte eine regelrechte wirtschaftliche Basis gab und neben daS„ora"(bete) die persönliche Arbeit, das„labora" stellte, als er im Gegensatz zur reinen Bettlerphilosophie der nazarenischen Judenchristen die Sekte, allerdings unter voller Beibehaltung ihres kommunistischen Endzweckes, den römischen Kollegien, den griechischen Eranen als den gemeinsamen Unterstützungsvereinen von Sklaven und freien Arbeitern näherte. Die Kirchenväter können sich kaum genug thun in der Betonung der natürlichen Existenzrechte eines jeden gegenüber dem Besitz. Damals jedenfalls hatte man das Gleichnis vom Kamel, das eher durch ein Nadelöhr gehe denn ein Reicher in das Himmelreich, noch nicht künstlich weginterpretiert. Was an Vermögen gesammelt ward, gehörte der gesamten, demo- krasisch verwalteten Gemeinde, die ftir die Verteilung der gemein- samen Gaben eine förmliche Behörde, den Diaconat, schuf, die insbesondere ihre Vorsteher selbständig und zwar gerade aus den Unterstützungsbedürftigen selber wählte, um einer rechten Vcr- teilung von Gaben und Vermögen gewiß zu sein. Diese Verhältnisse änderten sich, als mit den Toleranzedikten Constantins die Kirche sich rasch ausbreitete und schließlich zur herrschenden Macht im römischen Reiche wurde. Damals fand der erste Raub am Kirchen- vermögen und zwar durch den Klerus selber statt. Zunächst deutete man dasselbe von Gcmeindegut um in Armengut, was noch als ein Festhalten an der proletarischen Tradition gelten konnte. Das Armengut aber zerlegte man wieder in vier Teile, von denen man drei dem Klerus und dem„Gottesdienst" und nur einen den Armen zuwies, bis auch dieser nach den Tagen der Völker- Wanderung in die Hände der Geistlichkeit fiel. Im grellen Widerspruch zum offiziellen Kirchentum ward die urchristliche Traditton zunächst fortgepflanzt von dem Anachoreten-, dem Einsiedlertum, das bald in das Mönchswesen unffchlug. Die erste Regel für zusammenlebende Einsiedler rührt von Gachomius her, der dieselbe im ägypttschen Kloster Tabenna in der dortigen Landessprache verfaßte. Derproletarische Grundgedanke der fteiwilligen, alles Entbehrlichen sich selber entäußernden Armut tritt klar in der Be- stimmung zu Tage, der Mönch solle nur nehmen, was ihm gereicht werde. Dies galt so strenge, daß sogar die Klosterbrüder, die den andern austeilten, sich selber nichts nehmen dursten. Aus der Regel des Gachomius erwuchs die des Basilius, die die Grundlage für das orientalische Mönchswesen abgab und im großen und ganzen noch heute abgiebt. erlvuchS auf Grund einer von Hieronymus verfaßten lateinischen Uebersetzung die des Benedikt von Nursia. Die Benedikttner-Regel, um 520 im italienischen Kloster Subiaco ge- schrieben, faßt das Kloster als eine große Familie auf; es sorgt für feine Bedürfnisse durch die Handarbeit seiner Insassen und steht völlig unter der patriarchalischen Leitung eines Abts. � Der einzelne ist an ein bestimmtes Kloster gebunden und erwirbt kein Ver- mögen, wohl aber die Korporation. Dafür wird ihm von gemeinschaftswegen gereicht, wessen er bedarf. In Bezug auf Nah- rung, Kleidung und Beschäftigung der Klosterinsassen gewährt die Regel dem Abt eine gewisse Freiheit der Bestimmung. Das Benediktinerkloster beruht also völlig auf dem urchristlichen, durch das Cölibat und auf Personen des gleichen Geschlechts beschränkten Gemeindegedanken. Auf der Benediksinerregel fußen die späteren Prämonstratcnser, Cisterzienser usf., kurz, alle die Orden, die man als die Koloniftcnorden zu bezeichnen pflegt. Die Kolonistenorden verfielen in demselben Maße, als ihr Landbesitz ins klngcmessene wuchs und Pracht und lleppigleit in die Klöster ihren Einzug hielten. Um dieselbe Zeit kamen mit dem Beginn des 13. Jahrhunderts in den aufftrebenden, Städten, hervorgehend aus dem dort sich herausbildenden Proletariat; die Mcndicanten, die Bettelorden auf. Im scharfen Gegensatz zu dem in Reichtum versunkenen Welt- und Ordensklerus griffen sie nochmals auf die Tradition der freiwilligen, auf die bare Lebensnotdurst be- schränkten Armut energisch zurück. Sie untersagten nicht nur dein einzelnen Ordensmitgliede jeden Besitz, sondern auch der klösterlichen Korporation selbst, die sie hinsichtlich ihres täglichen Unter- Halts völlig auf den Bettel verwiesen. Daneben trafen sie die Bestimmung, daß das Kloster nie mehr als für drei Tage Nahrung besitzen dürfte, alles klebrige aber den Stadtarmen zu geben gehalten sei. Weiter schufen sie die heute noch bestehenden„dritten Orden", die Tertiarier, Laien, die dem Orden nicht förmlich bei- traten, sich jedoch die Grundsätze des Ordens zur täglichen Nicht- schnür nahmen, insbesondere was die werfthätige Nächstenliebe an« ging. So stellten sie zuerst wieder das Laienelement systematisch in den Dienst ihrer Ideen. Es entsprach ganz dem demokratischen Geist dieser Orden und dem Milieu, aus dem sie erwuchsen, wenn sie die Macht der Oberen und selbst der General- kapitcl wesentlich beschränkten und die Stabilität, die in den alten Orden das einzelne Mitglied an ein bestimmtes Kloster band, mit der Abtsverfassung aushoben. Die wichtigsten der Mendicanten- orden sind die Franziskaner, die Dominikaner und die Karmeliter. Aber auch ihre Blüte war rasch dahin. Den Grund- satz der freiwilligen Armut, den sie entsprechend den Zeiten des Urchristentums hatten wiedercrwecken wollen, vermochte'« sie selber nicht festzuhalten und bald genug lvaren gerade sie es,, die auf dem Wege des Bettels immense Reichtümer aufzuhäufen verstanden. Wenn zu irgend einer Zeit, so war gerade zu. Beginn des 13. Jahrhunderts jede Gelegenheit für die christliche Charitas ge- geben, ihre Kraft in der Lösung socialer Fragen zu er- weisen. Die ganze Gesellschaft ward von der.Kirche be- herrscht wie' in keiner Epoche zuvor und je wieder nachher. Auf dem Lande wie in den Städten gliederte sich das wirtschaftliche Leben in räumlich enge Organisationen mit beschränkter Mitgliederzahl. In den Mendicantenorden erhielt die „werkthätige Nächstenliebe" zunächst einen Förderer, der das öffeut- liche wie das private Gewissen durch ein in seiner Art heroisches Beispiel vorwärts zu peitschen suchte. ES fehlt denn auch nicht an klerikalen Historikern und Wirtschaftslehrern, die behaupten, es sei der „Kirche" im Rahmen der gegebenen Verhältnisse damals gelungen, dir focialc Frage in befriedigender Weise zu lösen. Diese Auffassung ist jedoch eine Utopie, ist wieder eine der verbreiteten Geschichtslegenden des au Legenden überreichen Klerikalismus. In diesem Punkte behält Hertling Hitze gegenüber zweifelsohne recht, wenn er die skeptische Frage auf- wirst.'ob sich überhaupt„in einer Periode der Geschichte eine Form der Gesellschaft aufweisen(läßt), in welcher jenes normale Ver- hältnis(von Kapital und Arbeit» thatsächlich realisiert gewesen wäre und eine sociale Frage... nicht bestanden hätte?"(Aufsätze und Reden socialpolitischen Inhalts Seite 36). Für die Privatwirtschaft- liche Geschichtsperiode läßt sich in der That keine solche Epoche nach- weisen, deshalb nicht, weil jede Privatwirtschaft die Aneignung von Mehrwert, wenn das Wort in dieser Ausdehnung gestattet ist, zur Loraussetzung und Grundlage hat, weil die Privatwirtschaft erst die sociale Frage schafft und sie deshalb niemals lösen kann. Es mag das instinktive Gefühl dieser Thatsache mitgespielt haben, wenn die Nachfolger der Mendicanten auf der klerikalen Stufenleiter. die Jesuiten und die ihnen verwandten Orden, die freiwillige Armut völlig preisgaben, wenn sie sich nicht nur ausdrücklich auf privat» wirtschaftliche Grundlage stellten, sondern die Armenpflege überhaupt aus ihrem Programm strichen. Insbesondere die Gesellschaft Jesu entwickelte sich rasch zu einer weitverbreiteten Handclscompaguie. Wie sie in der neuen Welt die Indianer in ihrem Interesse ausbeutete, so trieb sie in der alten Welt den schwunghaftesten Geld- und Getreidehandel, importterte sie hier die Produkte. des fernen Asiens. Nicht aus der Oppofition gegen das herrschende Kirchentum, die bisher mehr oder weniger im Hinter- gründe aller Ordensgründungen gestanden, ward der JesuitismuS geboren. Von Anbeginn tritt er auf als der Träger jenes univer- salen Gedankens, an dem das Papsttum im feudalistischen Mittelalter harsiiäckig festgehalten hat, nur daß er diesen selben Gedanken auf die Basis der sich herausschälenden bürgerlichen Gesellschaft überträgt. �>aher die centrale Bedeutung, die er für den Klerikalismus der bürgerlichen Epoche besitzt und die weit über den Rahmen einer bloßen Ordens- genossenschast hinausreicht, die enge Lebensverbindung zwischen ihm und unitarischen Tendenzen deS apostolischen Stuhles zu Rom. Im Jesuitismus verkörpert sich eben die Reform, die mit dem 16. Jahr- hundert der KatholiciSmus auf kapitalistischer Grundlage an sich vollzog. Diese kapitalisttsche„Reform" hat seit langem alle Orden in ihren Bann gezogen. Weit entfernt, die socialen Gegensätze zu überbrücken, halfen die Orden, sofern sie kapitalistische Erwerbsgenossensckaften sind, dieselben verschärfen. Es liegt daher in der Natur der Sache, wenn die moderne Charitas im Sinne der Mendicanten wesentlich wieder auf das Laienelement zurückgreift. *»* Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß die katholische CharitasGemüht ist. das ganze Leben des Menschen zu umfassen, alle sich erhebenden Bedürfnisse ins Auge zu ziehen. So giebt es für die früheste Jugend Säuglingsanstalten, die bekannten Krippen, die zum großen Teile unter privater, teilweise jedoch, wie zumeist namentlich in Frank- reich, unter der Leitung von Ordensschwestern stehen. An sie reiheii sich die Kinderbewahranstalten, die Kindern von zwei bis sieben Jahren Aufnahme gewähren. Das„Patrouat der Lehrlinge" sowie das sogenannte„Werk des hl. Nikolaus" stellen sich die Aus- bildung armer Knaben in einem Handwerk zum Ziel. Aehnliche Zwecke verfolgt der„Frauenverein für Schutz und Ausbildung armer Mädchen" für die weibliche Jugend. Buch die Kolpingschen Gesellen- vereine mit ihren über ganz Deutschland verbreiteten Gesellenheimen müssen in diesem Zusammenhange erwähnt werden; denn sie geben zu billigen Preisen nicht nur Herberge und Nahrung, auch bei Arbeitslosigkeit suchen sie dem wandernden Gesellen manchen materiellen Rückhalt zu gewähren. Neben diese Einrichtungen tritt der Verein für die sittliche, intellektuelle und technffche Fortbildung der Soldaten, treten die Vereine zur Besserung und Uebcrwachung entlassener Sträflinge, die Suppen-, Speise- und Bckleidungsanstalten, die z. B. in den rheinischen Gegenden sich vielfach in den Händen der Mendikanten, insbesondere der Franziskaner, befinden, der Verein zur„Beseitigung wilder Ehen", das„Werk der Leichenbegängnssse" und eine Unzahl andrer. Es wurde bereits oben betont, weshalb das Laicnelement im Vordergrunde aller dieser charitattven Bestrebungen steht. Aus dem- selben Grunde, aus der kapitalistischen Natur des Klosters, erklären fich auch die mannigfachen Klagen und die standalöseiv Fälle von Ausbeutung der Kinder- und Mädchenarbeit, die z. B. über die von Nonnen geleiteten französischen Kinderanstalten, die Anstalten zur Besserung gefallener Mädchen vom Schlage des„Guten Hirten" u. a. laut geworden sind. Wie wenig gerade diese Institute An- spruch erheben dürfen, zur Linderung der lvirtschaftlichen Not und der socialen Gegensätze beizutragen, eraiebt sich aus de» beweglichen Klagen der rheinischen und westfälischen Geschästsleute über die Schkeuderkonkurrenz jener Anstalten, eine Schmutzkonknrrent die auf die Preise tn der empfindlichsten Weise drückt und den brausten stehenden Arbeiter auf das schwerste treffen must. Auf der andern Seite aber beweist schon diebloste Aufzählung des charitativen Wirkens, wie wir sie oben gegeben, und wie es vorwiegend der Laienthätigkeit vorbehalten ist, dast der Nu, fang desselben nicht zu unterschätzen ist. Ebensowenig aber ist es die Intensität des- selben. Diese letztere ini grosten und ganzen abwarten zu wollen, ist freilich ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht nur, weil der Klerika- liSmus es liebt, seine Dokumente möglichst geheim zu halten, sondern mehr noch, weil auf das bisher Gesagte gar nicht der Hauptnachdruck zu legen ist. Dieser liegt vielmehr durchaus auf der unmittelbaren Familien- Armenpflege. Nach klerikaler Auffaffung soll diese auf dem Grund- Tatze beruhen, die Armen entweder persönlich oder durch Vertrauens- würdige, eigens dazu bestellte Personen aufsuchen, den Umfang der Bedürftigkeit feststellcu und je nach Notlage und sittlicher Würdigkeit Hilfe eintreten zu lassen. Alnwscn und sittliche Einwirkung sollen nämlich nach klerikaler Meinung stets Hand in Hand gehen. In erster Reihe •stehen hier drei Institutionen: daS sog.„Werl der Familien", das sich geuerell die Rettung sittlich und materiell heruntergekommener Familien zur Aufgabe stellt, die Elisabethenvereine zum Zweck der„leiblichen und geistigen Handreichung" an unbemittelte Arme und Hausarme, und die Linrenzvereine, die lediglich der Hrmsannenpflege, insbesondere den sogenaimten verschämten Anne» nachgehen. Die Zahl 'dieser drei Vereinsarten, vor allem der beiden letzteren, ist eine im- gemein große. Es giebt wohl keine in etwas bemittelte Pfarrei in Deutschland, wo sich nicht Ivcnigstens eine, meist mehrere dieser "Vereinigungen unter der Leitung der Pfarrer und der Kapläne befänden. Ihre Wirksamkeit auch nur im allgememeil abzuschätzen, ist vor allem deswegen unmöglich, weil sie sich mit Absicht der Oeffentlichkeit entzieht. Es must jedoch betont l»erden, dast das Eentrum seine Stellung im Rheinland, in Westfalen und in Schlesien bisher wie der kirchlichen und -politischen DiSciplin, so nicht zuletzt auch der verborgenen Thätigkeit eben dieser Vereine verdankt, die bei der Linderung materieller Not vor allem die sittlichen Grundsätze, d. h. die konfessionelle und politische Gesinnung zu kontrollieren sich angelegen sein lassen. Seit dem Jahre 13!17 sind zudem alle ipccifisch katholischen Wohlthätigkeitsanstaltcn in dem grosten Charitasvcrbande zu- smnmeii'Trfastt. Der Sitz desselben ist Freiburg im Breisgau. .Sein Zweck ist, alle charitativen Bestrebungen intellektuell und materiell zu unterstützen. Wiewohl der Forw nach von der stirche -unabhängig, lehnt er sich dock) enge an die kirchliche Organisation an. Er hält jährlich besondere Versammlungen ab, die sogenannten Eharitastage, und gliedert sich nach Lokalkomitees. Neben den ./eharilastagen laufen sogcimnntc Diöccsanlonscrcnzcn her, die ge- .oohnltck in kürzeren Zwischenräumen stattfinden. Der Verband besitzt eine Ecutralauskunftei über Wesen, Zweck und Stand der einzelnen charitckiiven Bestrebungen und läßt sich die Herausgabc vupulärcr' uud.wissenschaftlicher Schriften, insbesondere solcher 'historischer Art, ubpr die katholische Charitas angelegen sein. . Un diese umfassende und an der Hand des kirchlichen Organismus systenkatisch ineinandergreifende Wirksamkeit reicht die sogcnaimte „innere Mission" des Protestanrismus bei weitem nicht heran. Immerhin hat auch die Protestant ffche Charitas im Laufe des letzten Jahrhunderts unter dem Zwange der Rot einige selbständige Ge- danken gezeitigt, wobei jedoch zu bemerken, daß auch hier die besten, wie die Arbciterkolonien, sofort vom Äatholicismus aufgegriffen imirdeu. Da sind zunächst die Rcttungshäuser für die verwahrloste Jugend im Stile des von Wichern gegründeten Rauhen Hauses zu Hamburg, freilich in sehr beschränkter Anzahl, die evangelischen Jünglingsvereinc, angeblich zum Zweck gesellig-religiöser Zusammenkünfte, die überhaupt nicht den Namen charitativer Ein- richtungen verdienen, Mägdehcrbcrgcn, die Herbergen zur Heimat, in denen nur nngezicfcrfrcie Wanderer, die noch über Geldmittel verfügen, Aufnahme finden, während die übrigen in die Asyle ab- geschoben werden, die berüchtigten Krippenkirchen. die Gefängnis- vereine für entlassene Sträflinge, Anstalten für die Ausbildung von Krankenschwestern wie die von Kaiserswerth, dazu etwa 300 über ganz Deutschland verstreute evangelische Vereinshäuser und einiges dergleichen mehr. Bemerkenswerter sind die Natural-Verpflegungs- stationcn mit Arbeitsnackmeisen, die Kost und Nachtlager gewähren. Sie sind in größeren Verbänden zusammengefaßt, die ihrerseits wiederum in einem Gcsamwerbande deutscher Natural-VerpslegungS- stationcn zusammengeschlossen sind. Im Jahre 1535 gab es ihrer in Preußen 714. Seit dem Wittenberger Kirchentage von 1840 besteht ferner der Ccntralvcrein für innere Mission, der alle spccifisch protestantischen Charitasvcranstaltungen in ein organisches Ganze gliedern soll. In größeren Städlen ist man ferner seit längerer Zeit bemüht, die diesbezüglichen Institute in Stadtmissionen zu- sammenzufassen. Das Bedeutendste Wohl, was die protestantische Charitas auf- zuweisen hat, sind die sogenannten Arbeitcrkolonicn. Ter Gedanke derselben galt als ein ganz besonders fruchtbringender, so dast man von klerikaler Seite sofort zur Bildung specifisch katbolischer Arbeiter- kolonicn schritt, die man unter die Leirung religiöser Orden stellte. Hier also treten uns die beiden Momente der Laienwohlthätigkeit und der konfessionellen Einwirkung in eminentem Matze entgegen. Tic Erfolge der Arbeiterkolonicn können daher im grotzen und ganzen, als thpisch für die charitativen Bestrebungen überhaupt an- gesehen werden. Die erste dieser Kolonicn wurde 1582 von dem bekannten Pastor v. Bodelschwingh in Wilhelmsdorf bei Bielefeld begründet. Sie wollen arbeitsfähigen Männern, denen es nicht möglich ist, andcNveit Arbeit zu finden, solche gewähren. In erster Linie sind sie als ein Mittel gegen die Stromer- und Bagabnndenplage gedacht. Die»leisten ländlichen Arbciterkolonien pflegen die Ackerbau-Arbeiti einige, Ivic die Kolonien von Berlin und Magdeburg z. B., bc- schäftigen ihre Insassen mit industriellen Arbeiten. Zur Aufnahme in Berlin ist der Ucberwcisnngszcttcl eines Mitgliedes deS Kolonievereins erforderlich. Statt dem Bettler ein Almosen zu geben, kann das Mitglied ihn in die Kolonie schicken.„Das durch strenge Hausordnung geregelte Leben," heitzt es im Staatslcxikon der GörreS- Gesellschaft,„beruht durchweg auf christlicher, in manchen Fällen auch auf ausgeprägt konfessioneller Grundlage, da crsahrungsgcmätz eine intensive religiöse Einwirkung sich am ehesten in den Formen eines bestimmten Bekenntnisses erzielen lätzt. Die Vergütung für die geleistete landivirrschaftliche Arbeit wird erheblich geringer g*» halten als der ortsübliche Tagelohn. Bevorzugt werden bei der Aufnahme diejenigen, welche in dem betreffenden Landcstcil Heimat oder Unterstützungswohiisitz haben. Gegründet und unterhalten werden die Arbeitcrkolonicn durch freie Vereinsthätigkeit unter Unterstützung durch öffentliche Mittel." Diese Unterstützung ist durchweg ein» hohe. Bereits 1888 ward in Maria Veen die erste ausgesprochen katholische Arbciterkolonie gegründet. Und Ivelches sind die Resultate? Die Berliner Kolonie nahm in den ersten 10 Jahren ihres Bestehens insgesamt 4300 Kolonisten auf, d. h. jährlich 400, im Verhältnis zur Gesanttzahl der Arbeits- losen dieses Zeitraums eine lächerlich geringe Zahl. Vis zum Jahre 1838 gab es in ganz Deutschland 29 dieser Kolonien, die etwa 38 000 Kolonisten seit ihrer Begründung, d. h. innerhalb 16 Jahren, aufgenommen hatten. Von offiziöser Seite wird zwar behauptet, die Vagabundenplagc h«be seit dem Bestand der Kolonien abgenommen. Das Chimärische dieser Auffassung springt jedoch in die Augen, wenn man in den letzten Berichten der Fabrikinspektorcn liest, datz in einer einzigen Stadt— Düsseldorf—, wo noch bei allgemeiner Arbeits- losigkeit im Hinblick ans die Industrieausstellung von 1302 ver- hältnismätzig gute Arbeitsgelegenheit herrschte, im Jahresverlauf etwa 22 000 Nachtlager auf der Wandcrherberge gewährt werden mutzten. Die Zahl der Äolonisten, die bisher wieder in Arbeit untergebracht werden konnten, schwankt zwischen 10 und 25 Proz., ist also äutzerst gering, und der Erfolg des Versuches, die von der heutigen Gesellschaft einmal auf die Stratze Geworfenen als nützliche Glieder dem socialen Körper wieder einzureihen, mithin nahezu gleich Null. Es wurde bereits oben hervorgehoben, wie jede privatwirt- schaftliche Gesellschaft die sociale Frage niemals lösen kann, da dieS aus ihr eigenes Princip verzichten hietzc. Gewiß kann durch chari- tatives Wirken, zumal wenn es als der Ausfluß werkthätiger Nächsten- liebe aus dem innersten Herzen kommt, mmichcs Elend und manche Not gelindert iverden und wird zweifelsohne gelindert. So lange die Mehrheit der Mitglieder einer Gesellschaft noch im Besitze der Produktionsmittel ist, mag sogar der charitativen Thätigkeit eine ge- wisse Bedeutung im Gesellschastsgnnzcn zukommen. Anders jedoch in der kapitalisttschen Gesellschaft. Sie nimmt dem Produzenten das Eigentum an den Produktionsmitteln, sie macht die Arbeitskraft zu einer Ware und unterwirst sie allen Zufälligkeiten des schwankenden Vlarktverkchrs. Damit aber rührt sie an das Innerste des natür- lichcn aller Rechte, des Rechtes auf die individuelle Existenz. Hierin aber kann und darf sich der Mensch nicht an die Privatwohlthätigkeit, an den freien Willen seiner Mitmenschen verweisen lassen. Wenn also irgend eine Gesellschaft, so ruft gerade die kapitalistische auf Grund ihres innersten Lebensprineips nach einer andren höheren Organisation, die dem Existcnzrecht der breiten Massen gerecht Ivird. Datz gegenüber diesem naturnotwendigcn Fortgang der besuchenden Gesellschaft über sich selbst hinaus alle charitativen Bcsrrebungen unzulänglich sind, und ivie groß sie an sich auch immer wären, stets unzulänglich bleiben müssen, datz sie die Entwicklung des socialistischen Gedankens in keiner Weise zu hemmen, geschweige denn zu über- flügcln vermöchten— das sehen wir täglich vor Augen. 1-R- Geh-Pelze Imitat. 55 M. Pelz-Joppen durchwog mit Pelz, von 18 M. an Freitag, den ersten Feiertag, sind unsre 3 Kaufhäuser geschlossen, Sonnabend, den 26., und Sonntag, den 27. d. Mts., von 8-10 und 12-2 Uhr geöffnet. BAER SOHN Specialhaus grössten Massstabes für Herren- und Knaben-Kleidung Chausseestrasse 24a/25 11 BrUekenstrasse II Gr. Frankfurterstr. 20. Schlafröcke Grösste Auswahl von Die 22 te Preisliste 1903/04 wird kostenlos and portofrei zugesandt. Winter-Joppen r™,. z 43M% Resterliandlimg 38. 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Für Berlin nehmen sämtliche Zeitungsspediteure sowie unsre Expedition, tindenstrasse 69, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von t JMarfen fiolland, Z Kr. 59 Oere in Dänemark, 5 Cire 71 Cts. in Italien, 5 Fr. 15 Cts. in Cuxemburg, 4 Kr. 66 Beller in Oestrcich-Ungarn, 6 Fr 10 Cts. in Rumänien, 4 Hr. 17 Oere in Schweden, 5 Fr. in der Schweiz; 9 Mark in Frankreich, England, Spanien und Portugal, den Vereinigten Staaten von Nordamerika und andren zum Weltpostverein gehörenden aussereuropäiiehen Ländern. / flnter Kreuzband direkt von der Expedition bezogen kostet der „Vorwärts" pro Monat 2 Mark innerhalb Deutichlands und seiner Kolonien, in Oestreich-Ungarn und Luxemburg, im Ausland Z Mark pränumerando. Rcdahttcn und expedition des„Vorwärts". ßerlincr partcl-Hngclegenbeltcn. Dritter Wahlkreis. Donnerstag, den St. Dezember: Silvester« feier des Wahlvereins in Voigts Festsälen, Ritterstr. 75. .......... Der Vorstand. Pankow. Somiabend wird bei EberSbach. Berlinerstr. 102. zu Gunsten der ausgesperrten Weber in Crimmitschau eine Mattinec abgehalten. Rege Beteiligung erwarten Die Vertrauensleute. Blankenfelde. Am Sonntag, den 3. Feiertag, nachmittags 2'/z Uhr, findet in dem neu errungenen Lokal von TiniuS eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genosse Kiesel über „Der neue Reichstag" sprechen wird. Mariendorf, Tempelhof, Marienfelde. Sonnabend, als am zweiten Feiertage, veranstalten die Parteigenossen nachmittags 4 Uhr ein ge- mütliches Beisammenseim Zahlreiche Beteiligung wird erwartet.' Mühlenbeck.(Wahlverein, Bezirk Pankow.) Die Mitglieder- Versammlung am 27. d. M. in Mühlenbeck fällt miS. Die Genossen werden ersucht, die an diesem Tage in Blankenfelde stattfindende Volksversammlung vollzählig zu besuchen. Zossen. Die Mitglieder des Wahlvereins werden auf den am 1. Feiertag bei Rüfser stattfindenden K u n st a b e n d unter Leitung des Genossen Dr. Alberty aufmerksam gemacht. Sie erhalten Vorzugspreise gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Rieder- Schönhaufen.(Bezirk Pankow.) Die Versammlung am Dienstag, den 29. d. M., fällt aus. Ein Weihnachtsbrief an die Kinder der deutschen Arbeiter. Don einer holländischen„Tante". Liebe junge Freunde! Wie schön ist es doch, daß Eure Eltern und wir alle: Genossen und Genossinnen aus fremden Ländern, zu einer großen Partei gehören, daß all diese Tausende und Abertausende sich miteinander verwandt fühlen, ja. sozusagen„Brüder und Schwestern" sindl Später werdet Ihr besser verstehen, wodurch wir so nahe mit- einander verbunden sind— vorläufig genüge«S Euch, zu wissen, daß Ihr im fernen Holland mittels dieses Bündnisses eine Tante erworben habt, die jetzt zu Euch kommt, um mal näher Bekanntschaft mit ihrer großen kleinen Familie zu machen. Wenn ich mir Euch alle vor Augen stelle, da muß ich doch lachen. Da erscheint vor meinen Augen ein großer Cirkus Renz, gefüllt mit Kinderköpfen, mit allerlei Arten von Kinderköpfen I Und alle blicken mich voller Erwartung an:„WaS will denn diese holländische Tante? Wozu ruft sie uns auf?" scheinen sie zu fragen. Und das ist mir ein Getöse und ein Geschrei,— ein wahrer Höllenlärm I— Und die arme Tante steht mitren in dieser Kindermenge und— sie hält sich die Ohren zu vor all diesem Lärm. Nein, dies ist nicht die Art. worauf sie mit Euch Bekanntschaft machen imll. Lieber kommt sie .in Gedanken zu jedem einzelnen von Euch— abends wenn Ihr zu Bett gegangen seid, und da plaudert sie vor dem Schlafengeheu em bißchen ganz vertraulich mit Eucli, und erzählt Euch etwas, wovon Ihr nachher angenehm träumen könnt. Und es wird unter so viel Tausenden von Kindern ja leider auch viele Kranke und Kränkelnde geben— an diese denkt sie auch. Sie setzt sich zu ihnen ans Bett, und streichelt ihnen liebevoll übers Haar, denn sie weiß es ja selber, wie hart es ist, krank und schwach sein zu müssen und nicht mit den andren arbeiten und genießen zu können! Aber darüber heut sprechen— nein, das wollen wir nicht I Wir wollen lieber an allerlei schöne und gute Sachen denken, und miteinander lachen und munter sein.— TaS ist besser, und dabei vergißt man sein Leid und seine Schmerzen.— Und so will ich Euch also etwaS von Holland erzählen.... Bei uns feiern Ivir nicht, so wie in Deutschland und vielen andren Ländern, das Weihnachtsfest. Ja, es wird wohl hier und dort ein Weihnachsbaum aufgestellt, aber es wird doch nimmer das rechte Volks- und Kinderfest, so irrie bei Euch..„_. Wir haben aber in der Nacht zwischen dem 5. und 0. Dezember unser Sankt-NikolauSfest. und we,m ich daran denke. wird'S mir wann»cms Herz, denn das war für uns immer einer der schönsten Tage im ganzen Jahre— ein richtiges Kinderfest! Denn in dieser Nacht, so heißt die Legende, reitet der gute Bl chof MkolauS, der Kinderfreund, mit seinem schwarzen Knechtchen über die Schornsteine der Häuser, wo artige Kinder wohnen, und wirft für sie die schönsten Gaben hernieder in die von den Kindern aufgestellten Körbchen. Er und sein Knecht haben vorher an allen Thüren ge« lokales. „Heiligabelib" bei den wandernden Hcindwerksburschel«. Zu Weihnachten allein sein, allein in der Fremde sein— so mancher empfindet das als ein hartes Los. Ter wandernde Hand- tverksbursche, der sich auf der Suche nach Arbeit befindet, hat vieles ertragen gelernt, aber wenn er den Weihnachts-„Heiligabend" in der Fremde erleben muß, dann beschleicht selbst ihn Wehmut und Bitterkeit. Ten Logiergästen der Herberge deS Gewerkschaftshauses hat die GewerkschaftshauS-Verwaltung auch in diesem Jahre wieder am Vorabend des Weihnachtsfestes eine gemein- same Feier bereitet, um ihnen einen Ersatz für die Weihnachtsfeier im eignen Heime zu bieten. Air den weihgedeckten und blumen- geschmückten Tafeln, die in dem großen Saal aufgestellt waren, saßen zu Füßen eines im Kerzenglanz erstrahlenden Weihnachtsbaumes gegen 299 dieser Heimatlosen. Junge Leute lvaren es meist, aber auch manchen Alten sah man unter ihnen. Sie harrten der Dinge, die da kommen sollten. Und eS kam zuerst die leibliche Atzung, das für diese Weihnachtsfeiern des Gewerks chafishauseS übliche Ge- richt: für jeden Gast eine stattliche Scheibe Kasseler mit Kartoffeln. eine nicht zu knappe Portion Grünkohl, ein Tellerchen Kompot und das obligate Bier. Nachdem alles vertilgt war, begrüßte der Vorsteher des Gewerkschaftshauses. Genosse Sassenbach, der mit dem Herbergsvater Genossen Busse die Feier leitete, die Teilnehmer in einer herzlichen Ansprache. Keine Wohllhätigkeit, so führte er ans, solle hier geübt werden, nur ein brüderliches Beisammensein derer, die das gleiche Ziel erstreben, wolle man bieten, eine Weihnachtsfeier im alten, heidnischen Sinne, ein Fest der Wintersonnenwende, die den Anfang einer neuen, besseren Zeit bildet. Sassenbach schloß mit einem Hoch auf die deutsche Gewerkschaftsbewegung, das kräftigen Widerhall fand. Stach gemeinsamem Gesang der Arbeitermarseillaise begann de'- gemütliche Teil, den Sassenbach humorvoll leitete. Gesänge und Vorträge heiterer und ernster Art wechselten ab, freilich kein„Stille Nacht", kein „O du selige", aber der Verlauf des Abends bewies, daß es auch ohne diese Zuthaten herkömmlicher Weihnachtsfeiern geht. Ten Anfairg machte Genosse Weyher mit einem wirkungsvollen Vortrag Krillescher Gedichte. Bald meldeten sich auch Herbergsgäste, und jeder von ihnen, der etwas Gutes bot, bekam zu den vier Biermarken, die pro Mann bestimmt waren, seine Extramarke. So mancher blieb freilich stecken und mußte zum allgemeinen Gaudium ohne Marke abziehen. Um 19 Uhr gebot Sassenbach Feierabend. Er schloß mit dem Wunsch, daß die Teilnehmer, wenn sie sich ein zweites Mal im Leben begegnen sollten, sich zusammenfinden möchten auf dem Schlachtfelde deS Befreiungskampfes, den die Arbeiterklasse führt. Weihnachtsfeiern, verbunden mit Bescherungen, fanden am heiligen Abend in allen städtischen Stiftungen, im Siechenhause, im Arbeits- hause in Rummelsburg, im städlischen Waisenhause, im städtischen Obdach, in den Kranken- Anstalten, Irren- und Pflege- Anstalten, Heilstätten und Heimen statt. Ueberall erstrahlten Tannenbäume im Kerzenglanz, überall hatte man für Spenden gesorgt und an allen Orten war mit der Feier eine Andacht verbunden lvorden. Auch in den Wärmehallen am Alexanderplatz fand gestern abend um 4 Uhr die übliche Weihnachtsfeier in Gegenwart des Vorsitzenden, Stadtrat Kalisch, und andrer Herren des(Kuratoriums statt. Etwa 1599 Obdachlose hatten sich emgefunden, die eine musterhafte Ordnung und Ruhe bewahrten. Die WeihnachtSlieder wurden gemeinsam gesungen. Zum Schluß erhielt jeder Obdachlose Stolle und Aepfel. Der Berliner Ttraßenbahn-Berkehr hat in der Zeit von 1896 bis 1992 durch den Uc Hergang zum elektromotorischen Betriebe und durch die nahezu vollständige Durchführung des Einheitstarifs von 19 Pfennigen für die Fahrt einen bemerkenSlverten Aufschwung ge- nommen. Der Gesamtverkehr ist von 187 Millionen im Jahre 1896 auf 289 Millionen in den Jahren 1999, 332 in 1991 und auf 343 Millionen in 1992 gestiegen, also um 19 Proz., IS1/;, und S'/j Proz. Jede Person der mittleren Bevölkerung in Berlin und den 23 Berlin anliegenden Vororten ist in den drei Jahren 1999, 1991 und 1992 117-, 136- und 137mal auf der Straßenbahn gefahren. Wie beim Omnibusbetriebe scheint also nach Jahren steter Zunahme ein Stillstand eingetreten zu sein. Bei der näheren Betrachtung zeigt sich, daß im Jahre 1992 der Verkehr aus dem Westen die größte Bedeutmig hat: 121 Millionen Personen; es folgt der Norden mit 93, der Südosten mit 83 Millionen. Indessen ist nach dem Centrum der nördliche Verkehr noch etwas stärker als der westliche(79 gegen 69 Millionen) und der östliche etwas stärker als der südöstliche(63 gegen 61 Millionen). Von dem lauscht, ob die Kinder solches verdienten oder nicht. Und wehe den Unartigen und Bösen! Für sie hat der gute Bischoff nichts als eine Rute— ja viele erzähle» sogar, daß solche kleine Sünder von dem schwarzen Knecht in einen großen Sack geschoben und— mit- genommen werden! Schrecklich, nicht Ivahr? Glücklicherweise aber ist der Glauben an den guten Heiligen mehr verbreitet als die Furckst vor dem verhängnisvollen Sack seines Knechtes. Wir haben ein einfaches alt-holländischeS St. Nikolmcs-Lied, das in deutscher Uebersetzung ungefähr heißt: „Sieh, der Mond scheint durch die Bäume. Kameraden, stellt jetzt euer wildes Geschrei ein! Der herrliche Abend ist gekommen, Der Abend von Sankt Nikolaus!... Vor Erwartung schlägt uns das Herz, Wer den Kuchen kriegt, wer die Rute." Als ich noch klein war, wohnte ich in einem kleinen friesischen Dörfchen, wo alles noch so altvaterisch zuging,. Das war mir dort eine Freude, wenn die Sankt NikolmcS-Zeit gekommen war! Da gab'S so vieles zu tuscheln und zu erzählen. Die eine hatte„einen" Sankt Nikolaus auf der Straße gesehen als es schon ganz dunkel war, die andre hatte ihn gehört— er hatte eine Kette an dem Fuß. welche über das Pflaster rasselte! Brrrl Wie hatte sie sich da geängstigt! Wieder eine andre hörte deutlich sein Roß wiehern, als er über die Häuser dahin ritt.... und wenn Ivir. aus der Abendschule kommend, das alte Lied sangen:„Sieh, der Mond scheint durch die Bäume," da lief es uns bei jedem Geräusch, das wir vernahmen, kalt und doch wonnig über den Rücken! Wir spürten deutlich die Gegenwart des Heiligen in der Luft überall um uns her. und wenn der Mond so still über uns stand und sein stilles Licht über'S schneebedeckte Feld und„durch die Bäume" des großen Pfarrgartens und des nahen Kirchhofes ergoß, ja, da waren wir in der richtigen Stimmung, um bewegt zu flüstern:„Seid still. Kameraden, kein wildes Getöse I" Hu. wie geheimnisvoll, wie schaurig geheimnisvoll! Und plötzlich standen all unfre kleinen Sünden und Unarten uns klar vor den Augen.. ja gewiß, gewiß, für solche verstockte Bösewichte konnte der„Heilige" ja nichts als eine Rute haben I Wie klopfte uns das Herz I Die ganze Stimmung des alten Liedes, welches wir ahnungsvoll fangen, war in uns.... Wie beruhigt fühlten wir uns dann doch alle, wenn die HauSthür hinter uns mS Schloß fiel und wir das warme sichere Wohnzimmer betraten. Dach auch hier war'S nicht wie gewöhnlich. Wie geheimnisvoll blickten die Eltern uns an I Ja, die wußten schon alles, d i e hatten gewiß den Heiligen gesprochen— aber fragen, nein. daS getrauten wir uns nicht, und von selber ließen sie sich auch nicht auS. Da stand auch ja schon das Abendbrot bereit-- allerhand schöne Sachen: süße„Syrupbrötchen". braun und glänzend,.Schwänchen" von hartem„Weizenmehl" mit schwarzen Korinthen- Aiigen, ja sogar ein mit feinem weißen Mehl bestreutes Stück„Alte Weiber" Gesamtverkehr<343 Millionen) sind 2S0 Millionen nach dem Centnim gerichtet, 84 nach dem zweiten Ring von über 1 bis 2'/z Kilometer (Mittelpunkt: Kurfürstenbrücke), 7 Millionen nach dem dritten Ring von 2Vz bis 5, l'/a Millionen nach dem Ring von über 5 bis 71/2 Kilometer und über 577 999 kamen für den äußeren Umkreis über?>/-. Kilometer in Bewacht. Bemerkenswert ist, daß die größte Intensität: 587 815 Personen pro Kilometer, Ivie beim Omnibus- verkehr(761 369) auf den Süden entfällt. Den größten Verlehr zeigt die Linie Kreuzberg- Gesundbrunnen, die vom Südwesten nach dem Centtnm und dann nach dem Norden führt. Kouimmmlwahl- Poesie. ES war ein dramatisches, nerven- erschütterndes Bild des Schlagens und Vertragens, das sich im fünften Kommunal- Wahlbezirk aufgerollt hat. Zuerst ein erbitterterter Ab« wehrkampf der Marggraffenpartei nicht allein gegen die bösen Roten, sondern auch nach rechts hin gegen die Kuckenburger. Und dann in den drei Wochen bis zur Stichwahl die Anzeichen der Rene bei denen um rechts, einer Reue, die am Stichwahltage selbst in ein fast in» brünftiges Werben fiir den bei der Hauptivahl schnöde befehdeten Bruder überfloß. Aber die um Marggraff können es nicht gut per» winden, daß ihnen vordem so böse mitgespielt wurde, und wie alle edlen Gefühle, so artete auch der Zorn über den Verrat in Poesie aus. Nachdem Herr Rechtsanwalt Marggraff in der Stichwahl glücklich gewählt worden war, wurde ihm von einem „alten, vierzig Jahre politisch denkenden Freunde" ein Ge- dicht zugeeignet, worin es unter anderm in hübschen Knittelverjen heißt: Ein Mann litt besonders an Größenwahn — Weil ein Geldprotz ihm half auf die schiefe Bahn— Bon ihm wird das Wort nicht erst erwogen— Was wird vor der Wahl zusammengelogen!— Doch da Jaeoby zahlt« die Fütterung— Brachten Sie's glücklich zur Zersplitterung— Wir aber sagten im Stillen, nu. schön— Bei der Stichwahl giebt's ja ein Wiedersehen!— Freund Jaeoby in seiner Protzenrolle— Glaubte im Westen wähle man, wenn Er wolle— Solch Verbrechen an der liberalen Sache— Es sei gekennzeichnet als Geld- protzen maHe! So geht die Herrn Marggraff gewidmete Poesie noch eine ganze Weile weiter, bis sie in ein umfangreiches Lebehoch auf den Er- wählten ausklingt. DaS schöne Gedicht liefert von neuem den Be- weis für die unumstößliche Thatfache, daß das Geld zwar b-i den Kuckenburgern, der Geist aber bei denen um Marggraf z c finden ist. Ter Streit der Weihnachtsbaumhiindler hat zu einem für das Publikum günstigen Ende geführt. Schon seit Sonntag haben die Engroshändler auf dem Tcmpelhofer Felde mit dem Tetailverkauf der Bäume begonnen und. um nach Möglichkeit zu räumen, zu Schleuderpreisen verkauft. Seit Dienstag wurden die Bäume Stück für Stück für 19 Pf. verkauft und zu diesem Preise wurden selbst Doppel- und Edeltannen abgegeben. Bei dem vorhandenen Riesen- bestände vermochte jedoch bis heute Vormittag kaum die Hälfte des Lagers geräumt zu iverdcn. obwohl die Käufer zu Tausenden aus allen Stadtgegenden herbeieilten. Einige Engroshändler suchten da- durch einen Teil ihrer Auslagen zu erlangen, daß sie die Stämme der Bäume von den Zweigen befreiten und als Stangenholz ver- kauften, andre Händler ließen einfach ihre Ware liegen, ohne sich um sie zu bekümmern. Natürlich hat das Verschleudern der Weih- nachtsbäume auf dem Engrosmarkt eine verhängnisvolle Rückwirkung auf den Detailhandel ausgeübt. Die Stände in Berlin, besonders in den westlichen und südwestlichen Stadtteilen, sind vielfach kaum zur Hälfte geräumt worden und daher haben auch die Detailhändler, die ihre Vorräte vorwiegend auf dem Görlitzer. Stettiner und Lehrter Bahnhof gekauft hatten, leider nicht unbettächrliche Verluste erlitten. Die Großhändler des Marktes auf dem Tcmpelhofer Felde, die übrigens nach einer Verfügung deS Militärfiskus das Aufmarschterrain bis Donnerstagabend freimachen mußten, find durch den Streu aufs höchste erbittert und drohen für das nächste Jahr mit einer Baumsperre. Bemerkt sei noch, daß die Großhändler, welche Stände auf den Güterbahnhöfen inne hatten, ihre Vorräte vollständig geräumt habe». Schulferien für 1994. Der Magistrat hat die Ferien für das kommende Schuljahr wie folgt festgesetzt: Osterferien: Schluß des Schuljahres 1993 Sonnabend den 26. März 1994. Anfang deS Schuljahres 1994 am Dienstag den 12. April 1994.— Psingstferien: Schluß des Unterrichts Freitag den 29. Mai. Beginn deS Unterrichts Donnerstag den 26. Mai.— Sommer- f e r i e n: Schluß des Unterrichts Freitag den 8. Juli. Beginn deS Unterrichts Dienstag den 16. August.— Herbstferien: Schluß des Unterrichts Sonnabend de» 1. Oktober. Beginn Dienstag stand auf einem Teller bereit. O, diese„Alte Weiber", wie sehr liebten wir sie! DaS war ein ziemlich grobes Gebäck mit sehr viel Anis drin, es sah aus, als ob der Bäcker sehr viele weiche Pfeffer« nüffe aneinander geklebt und sie zu einem viereckigen Kuchen ver« einigt hätte. Die Oberfläche des Kuchens aber sah auS, als ob er viele Runzeln hätte, daher der Name„Alte Weiber". Nun. Ihr versteht, daß wir diesen Abend„gehörig schmausten I Und wenn all diese Leckereien verzehrt waren, da fing die Mutter zu erzählen an. und wir saßen um den Tisch herum«no lauschten gespannt. Da plötzlich fuhr es wie ein elekttischer Stoß durch unfre Glieder. Was war das? Hörten wir etwas im Schornstein? Ja gewiß... da rauschte etwas--- 0. wenn das schon der Heilige wäre! O— unsre Sünden I Plötzlich standen sie alle wieder vor unsren Augen.... Aber wir hatten keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, denn—— klipperdeklapper, knetter- deknetter— da flogen uns von allen Seiten die Pfeffernüsse um die Ohren! Und in einem Nu lagen wir alle auf dem Boden und krabbelten und grabbelten und rollten über und durcheinander. und wenn wir meinten, nun hätten wir sie alle aufgehoben, und es wäre aus, da fing der Pfeffernüsseregen von neuem an. Sie stoben durch das Zimmer wie ein brauner Hagelschauer und krochen in alle Ecken: hinter den Ofen, in den Torftasten, uicter die Schränke, in MntterS Nähkorb. All unsre Sünden waren vergessen, wir hatten besseres zu thuu. Wir holten Stöcke und Regenschirme herbei und ftöcherten damit unter den Schränken, wir hoben die Ecken des Teppichs auf, ob sich danmter auch noch vielleicht einige schalkhafte Pfeffernüsse versteckt hatten! Aber endlich waren die fröhlichen runden Kiigelchen doch alle bewältigt, und ganz außer Atem, mit roten Backen und die Taschen und Schürze» voll Pfeffernüsse. versammelten wir uns wieder um die gute Mutter. Wir wollten uns setzen, aber sie sah uns halb emsthast, halb schelmisch an und sagte:„Kinder, habt Ihr nicht etwa? vergessen? Denkt mal nach!" Und ja, gewiß, die Mutter hatte ja recht! FlugS standen wir alle unter dem Schorn- stein und brüllten hinein:„Danke, danke, Sankt Nikolaus!" Und da geschah es bisweilen, daß ein geheimnisvolles, dumpfes Gebmmm als Antwort des Heiligen von oben zu unS herab erklang. Ja, er war an diesem Abend mit und bei uns, das war gewiß I Wie lieb und artig waren wir in diesem Bewußtsein. Und nun war'S Zeit zum Schlafengehen, aber vorher sollte noch ein äußerst wichtiges Geschäft abgemacht werden: wir brachten nämlich jeder einen ziemlich großen Korb unter den Schornstein, und legten ein Stück Brot und etwas Heu hinein fiir das gute Pferd des Heiligen und fangen unser Sankt NikolauS-Lied mit sanften, bebenden Stimmchen, und es klang uns selber ernst und feierlich, wie ein Gebet. Und wenn das Lied aus war, da standen wir alle mäuschenstill:„Habt Ihr jetzt nichts mehr zu sagen?" fragte der Vater. Und ja. dieser oder jener hatte immer noch eine besondre Botschaft dem heiligen Nikolaus auszurichten und auch diese wurde noch in den Schornstein hineingerufen. Zuletzt kam das jüngste Schwesterchen und krähte mit einem von einer in die andre Tonart überschlagenden Stimmchen:„Lieber Sant NitolauS, dib Aennchen, den 11.'Oktober.— Weihnachtsferien: Schluß des Unterrichts am 21. Dezember. Beginn am 4. Januar 1005. Bon der Genossenschaftlichen Ccittralkasse des Bundes der Land- Wirte erhalten wir folgende Berichtigung.„In einer Besprechung über dre Berliner Mi Ich-Centrale, veröffentlicht in der Nr. 298 des„Vorwärts" vom 22. d. M., findet sich die Angabe, daß die Pyritzer Ein- und VerkaufZgenosienschaft der Genossenschaftlichen Centralkasse des Bundes der Landwirte angegliedert fei. Das i st u n w a h r I Der Bund der Landwirte und feine Genossenschaftliche Centralkasse hat mit der genannten Genossenschaft nichts zu thun." Miinzvervcssernng. Das Rcichsbankdircktorinm giebt folgendes bekannt: An der Kasse der Rcichsbankbauptstelle zu Hamburg ist jüngst ein Zweimarkstück mit dem Münzzcichen D und der Jahreszahl 1992 angehalten worden, welches nach den darüber eingeholten Gutachten der Münzstätten in München und Berlin als eine sehr gefährliche Nachprägung bezeichnet loerden mutz. Sie ist lediglich aus Silber mit einem Feingehalt von 9öö Tauscndteilcn auf graviertem Stemvcl hergestellt und die teilweise nur mit bewaffnetem Auge sichtbaren Unterscheidungsmerkmale von den echten Stücken sind von den Laien fast unerkennbar. Die gefälschte Münze ist also bedeutend Ivcrtvoller als die echten. Daß der Fälscher trotzdem noch sein Geschäft macht, liegt daran, daß die deutschen Reichssilbermünzen noch nicht einmal die Hälfte des ihnen aufgeprägten Wertes besitzen. Die gesicherte Existenz. Ein unheilbares Leiden hat den 60 Jahre alten Zimmermann August Ehlert in den Tod getrieben. Der Mann erkrankte vor 20 Jahren so schwer an den Augen, daß er arbeits- unfähig wurde und von Unterstützungen leben mußte. Seit einem Jahre befand er sich im Siechenhaus an der Fröbelstraße, nachdem er m einem Krankenhause gelegen hatte, ohne Heilung zu finden. Da sich das Leiden in der letzten Zeit noch verschlimmerte, so sprang er in der Anstalt zum Fenster hinaus und wurde äußerlich und inner- lich lebensgefährlich verletzt nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Dort erlag er den Verletzungen. _ Die Geschirrdiebstöhle häufen sich in der letzten Zeit in einer Weise, wie es nie vorher der Fall war. Es vergeht kein Tag, an dem nicht vier bis fünf verübt werden, ohne Zweifel von gewiegten Einbrechern, die cS besonders auf gute Geschirre mit Silbcrbeschlag abgesehen habeii. Die Einbrüche könnten sich nicht so häufen, wenii nicht die Spitzbuben an Sattlern und Fuhrherren jedesmal sofort Abnehmer fänden. Vor dem Ankauf gebrauchter Pferdegeschirre kann daher nicht dringend gemig gewarnt werden. Ein Kindesmord liegt einem Leichenfund zu Grunde, der vor acht Tageii in dem Hause Auguststr. 65 gemacht wurde. Dem neu- geborenen Knaben, der dort jot auf der Treppe lag. ist nach den weiteren Ermittelungen der Schädel zertriiinmert worden. Seine Mutter ist noch nicht bekannt. Eine Witwen- und Waisenversicherung hat die Direktion des Böhmischen Brauhauses durch Aufwendung eines Fonds von 100 000 Mark geschaffen. Bon den Zinsen dieses Kapitals sollen die Witwen und Waisen aller im Böhmischen Brauhause Angestellten nach be- stimmten und in einem Statut festgelegten Grundsätzen vom 1. Januar 1904 ab unterstützt werden. Tie Witwen solcher An- gestellten, die 10 Jahre und darüber im Dienst des Brauhauses stehen, erhalten eine lebenslängliche Pension, die übrigen Witwen werden je nach dem Dienstalter ihrer verstorbenen Ehemänner unter- stützt. Für die Waisen werden bis zum vollendeten 15. Lebensjahre monatliche Unterstützungen an den Vormund gezahlt. Die Durchführung dieser Einrichtung ist einem Kuratorinni unterstellt, das aus einem Direktionsmitglicd, einem kaufmännischen Beamten und zwei Arbeiterausschutz-Mstglicdcrn besteht. Fcuerdrricht. Ein gefährliches Feuer kain in der letzten Nacht gegen 12 Uhr in der Königsbergerstr. 26/27 zum Ausbruch. Bei Ankunft der Feuerwehr brannten dort in» Keller Holz und Stroh:c. Es gelang indes, die Flammen auf den Keller zu beschränken. Nachts gegen 10 Uhr erfolgte ein Alarm nach der Fabrik der Allgemeinen Elektricitäts-Gefellschaft in der Ackerstraße. Der Alarmierung lag Unfug am Melder zu Grunde. Heute früh um 6 Uhr mußte in der Gerichtstr. 61 ein Küchenbrand gelöscht werden. Das Zwiswengebälk und der Ofen mußten aufgerissen werden. In der Rosenthaler- straße 45, Bülowstr. 85 und'andren Orten hatte die Feuerwehr Keller- brande zu löschen. Ferner wurden noch mehrere Brände aus der Levetzowstr. 23, Reichcnbergerstr. 142, PallaSstr. 8/9, Köthenerstr. 8, Bachstr. 12 gemeldet, die sämtlich durch Unvorsichtigkeit entstanden waren. In der chemischen Fabrik von Schering, Aktiengesellschaft, Müllerstr. 117, an der Ringbahn, brannten gestern mittag Chemikalien u. a. in einem alleinstehenden einstöckigen Fabrikgebäude. Mit einer Schlauchleitung von einer Dampfspritze und zlvei Leitungen von der Hausleitung wurde die Gefahr beseitigt. Nette Pflanze». Ein unangenehmes Abenteuer erlebte vor einigen Tagen der Geh. expedierende Sekretär N., det in einem bitte, bitte, ein Paar neue dote Stunrpfbändcchen!"—„Ja!" klangs plötzlich aus dem Schornstein und— husch— ivarcn wir alle zum Zimmer hinaus und bald schlupften wir unter die Decken. Aber schlafen— nein, das ging nicht so schnell unter diesen Umständen.' Ob der gute Nikolaus nun schon unsre Körbchen gefunden hätte?— Nein, gcioiß noch nicht, erst mußten auch der Vater und die Mutter zu Bett gegangen sein! Erst dann kommt er hernieder, der gute Mann: da füllt er die Körbchen alle und das Knechtchen, der kleine schwarze Schelm, nimmt sie und versteckt sie an allen Orten, wo die Kinder sie fast gar nicht finden können. O, diese Freude, Wenns am folgenden Morgen endlich, endlich Licht werden würde und Ivir auf die«uche gehen dürften! Wir nahmen uns ernsthast vor, nicht zu schlafen, erstens um den Heiligen bei seiner Arbeit zu belauschen, zweitens um ja zeitig dabei zu sein, lvcnn am folgenden Morgen die Eltern die Erlaubnis zum Körbchen- suchen erteilen würden. Das nahmen wir uns zwar vor— aber in einem Viertelstündchen lagen wir schon in süßer Ruhe. Und wir schliefen, schliefen und schliefen, während all das Große, Geheimnisvolle in unsrem Hause und mit unsren Körbchen geschah. Und da kam der Morgen heran, grau und trübe. Da fing's lebendig zu werden an in unsren Veilchen I Der eine gähnte, der andre streckte feine Arme in die Lust und bald war das Geflüster und Geplauder wieder in vollem Gange.„O, wenn'S doch nun endlich hell werden wollte!" seufzte der eine.„Ach, für mich giebt's doch nichts mehr," klagte unser ältester Bruder, der in einigen Tagen schon dreizehn Jahre werden sollte.„Ihr werdet es sehen, in meinem Körbchen werden zwar ein paar„Taai- Männcr"(eine Art Kuchen von Mehl, Honig und Syrup) sein„und vielleicht meine NamenSbnchstaben in Marzipan- gebäck, aber sonst nichts, als nur ein großer Sack mit Salz".„Mit Salz?" fragte die fünfjährige Anna.„Ja. das weißt Du doch schon, mit Salz, und nichts als Salz, denn die großen Kinder werden vom Sankt Nikolaus ja immer„abgcsalzen". Wenn sie den Salzsack in ihrem Körbchen finden, so dürfen sie das folgende Jahr nicht wieder ein Körbchen ausstellen." „Kein Körbchen mehr aufstellen? Wie schrecklich!" meinte die kleine Anna mitleidig.„Nun, weißt Du, Jan, wenn Du wirklich den Salzsack erhälft, so weine nur nicht, dann werde ich Dir nächstes Jahr die Hälfte geben von allem, lvas ich selber erhalte!" „Ja, wir auch, wir auch!" riefen die andren, denn alle waren sehr brav gesinnt in diesen verhängnisvollen Stundeil. Jan aber war jetzt vollständig getröstet;„denn", sagte er,„wenn ich von Euch allen die Hälfte erhalte, so werde ich ja ganz reich!" Daran hatten die andern freilich nicht gedacht. Ein paar von uns machten sich sich schon daran, ihr Anerbieten zuriickzuzichcn. als plötzlich Vaters Stimme erschallte:„Jan. öffne mal die Fensterläden! Da können wir mal sehen, ob's hell genug ist. daß Ihr die Körbchen suchen könnt!" Ein lautes Gejubel war die Antwort.„O, wie herrlich, herrlich! In einem Nu Ivaren wir alle aus den Betten. In unsern Nachthemden und Nachtröckchen spremgen wir durch das Zimmer.„O. wie herrlich, wie herrlich l" Ja, ja, es war schon hell ReichSamte beschäftigt ist und nach Beendigung seines Dienstes Anfang dieser Woche sich nach Rirdorf begab, woselbst er eine Privat- angelcgenheit zu erledigen hatte. Der schon bejahrte verheiratete Herr wollte mit der Straßenbahn nach Berlin zurückkehren und wartete an einer Haltestelle in der Bergstraße aus die Ankunft des Wagens. Als er seine Geldbörse aus der Tasche zog, um das Fahrgeld schon vorher zu entnehmen, näherten sich ihm zwei halbwüchsige Mädchen im Alter von 11—12 Jahren imd sprachen den Beamten um ein Geldgeschenk an. Der Beamte forderte die Kinder auf, weiter zu gehen. Diese aber blieben stehen und überschütteten den Mann mit unflätigen Redensarten, so daß der Belästigte den Schinn erhob und die Mädchen zu verjagen suchte. Jetzt entfernten sich dieselben und riefen Herrn N. zu, daß sie ihm das„besorgen" würden. Nach wenigen Sekunden kehrten die Mädchen in Begleitung eines Schutzmanns zurück, beschuldigten nun Herrn N., daß er sie unsittlich berührt hätte und veranlassten seine Sistierung. Die polizeilchen Ernnttelungen haben aber er- geben, daß die schweren gegen den Mann erhobenen Beschuldigungen völlig haltlos sind._ DaS„Berliner Nlk-Trio" erklärt sich bereit, bei allen Ver- anstaltungcn, deren voller Ertrag den Crimmisschauern zu gute kommen soll, an den noch fteien Tagen kostenlos mit- zuwirken. Zum Besten der ausgesperrten Crimmitschaucr Weber veranstaltet der Gesangverein„Freiheit Nord" am zweiten Weihnachts-Feiertag, mittags 12 Uhr, in Gebr. Cranz Festsälen, Köslincrstr. 8, eine Matinee. Ein reichhaltiges Progranim und der gute Zweck werden der Veranstaltung gewiß eine zahlreiche Beteiligung zuführen. Das Programm kostet 30 Pf. „Die Arbeit" heißt die zum Silvester dieses Jahres von unsrer Parteibuchhandlung herausgegebene Festzeitung. Sie bringt in Text und Illustrationen so viel Schönes, wie selten eine ihrer Vor- gängerinnen. Die Arbeit als Befreierin und die Arbeit als Geißel der Menschheit! Von diesen beiden Gedanken ist der Inhalt der Festschrift getragen. Ein Meisterwerk in der Wiedergabe darf das Bild von Millet„Der Mann mit der Hacke" genannt werden, das auch in besonderem Abzug für 40 Pf. in unsrer Buchhandlung zu haben ist. Die Beiträge von Legten, Stampfer, Adolf Braun. Luise Zictz und Emil Nosenow, sowie ein stimmungsvolles Gedicht von Klara Müller werden manches gute Samenkorn ausstreuen. Der Preis der Festschrift beträgt nur 10 Pf. Orgelkonzert. Der Orgclvortrag in der Marienkirch c am Montag, den 28. Dezember, abends"Vj Uhr, bietet ein reiches Weih- nachtsprogramm, das ausgeführt wird durch Musikdirektor Otto Dienel, Frl. Hedwig Kaufmann, Frl. Margarete Heilbron, Herrn Harzen-Müller, den Violinisten Herrn HanS Strey, den Cellisten Herrn HanS Schlick, Herrn Paul Schnydcr, Herrn Heinrich Scholz und den Grell-Vcrcin unter Leitung von Herrn HanS Pisokc. Der E i n t r i t i st f r e i. In der Urania werden im kommenden Quartal die nachstehenden ivissenschaftlichen Vorträge im Hörsaal gehalten werden:„Große Physiker und ihr Wirken" sowie ausgewählte Kapitel auS N?r Experimentalphysik, 6 Experimcntalvorträge von Dr. Donath. Bc- ginn Tieirstag, den 12. Januar,„lieber Hören und Sehen", 4 Vor- träge nnt Experimenten und Lichtbildern von Professor Müller und Dr. Donath.' Beginn Mittwoch, 20. Januar.„Chemie der Jndu- strien und Gewerbe", 8 Vorträge mit Erpcrimcntcn und Lichtbildern von Dr. G. Naß. Beginn Freitag, 15. Januar.„Die Lebens- thätigkeit der Pflanze", 6 Vorträge mit Experimenten von Professor Müller. Beginn Sonnabend, 16. Januar.'„Einführung in die Erb- künde", 4 Vorträge mir Lichtbildern von Dr. Sckwahn. Beginn Donnerstag, 28. Januar.„Die geschichtliche Entwicklung der Astronomie", 4 Vorträge mit Lichtbildern von Dr. F. Riste npart. Beginn Montag, 18. Januar. Prospekte werden an den Kassen Yeider Institute, Taubenstraßc 48/49 und Jnvalidenstr. 57/62 ausgegeben, sowie an Interessenten auf Wunsch kostenlos gesandt. Arbeitcr-BildunflSschule Berlin. Sonntag, den 27. Dezember, abends 7 Uhr in Wernaus Festsälen, Schwedterstr. 23/24. Vortrag des Genossen Grunwald über:„Die deutsche Volkswirtschaft am Anfang des 20. Jahrhunderts".— Bis zum Wiederbeginn des Unterrichts am 11. Januar 1904 ist die Bibliothek jeden Donnerstagabend von 8—9 Uhr geöffnet.— Sonntag, den 17. Januar 1904 Stiftungsfest in Kellers Festsälen, Koppen- straße 29, unter Mitwirkung des Professor Waldemar Meyer- Quartetts und des Schriftstellers Karl Henckell. Frühzeitige Billet- entnähme ist geboten und sind in der obigen Versammlung am Sonntag solche zu haben. genug! Wir konnten suchen gehen! Und so wie wir waren, wollten wir zum Zimmer hinaus, aber ein gebieterisches:„Halt!" deS VaterS hielt uns zurück.„Erst Strümpfe und Schuhe an!" gebot er.„Ja, und erst gewaschen und gekleidet!"� versuchte die Mutter einzulenken. Aber das war ja unmöglich! S o lange konnten wir ja nicht warten!„Ach, Mütterchen, laß' uns doch nur so suchen gehen!" und wir bestürmten die Gute mit Liebkosungen: mich der Vater bekam seinen Teil davon. Klein Annchen küßte ihn so inbrünstig, daß ihm ganz weich wurde:„Nun, so geht nur, ihr Rangen! Aber jedes ziehe mir einen warmen Mantel an, oder schlage ein Wolltuch um. Das war bald gethan, und bald huschten die seltsamsten Gestalten durchs kalte, vom grauen Morgenlicht nur dürftig erleuchtete Haus. Die Eltern waren unterdessen auch aufgestanden, um den Kleinen suchen zu helfen und aufzupassen, daß die Kinder nicht gleich zu viel von ihren„Taaimännern" und Zuckcrmännern" und„Marzipanbuchstaben" aßen und sich den Magen damit verdarben! Auch sie hatten aber keine Zeit, sich erst ordentlich anzukleiden, denn immer wurden sie von allerhand Ausrufen bald hier, bald dort gerufen. Vater nahm seinen Ueberziehcr vom Haken hinter der Thür, Mutter zog einen warmen Rock an und nahm ein warmes Wollcntucki auS dem Schrank, und jetzt ging die wilde Jagd durch das Haus: Trepp auf. Trepp ab ging'S, auf den Boden hinauf, in den Keller hinunter, und wahrlich— dort, mitten unter den Winterkartoffeln, fand sich klein Annekes Körbchen! Und wahrlich, neben einem großen„Taai-Manne", einem zarten„Taai- Weibchen" und einem dicken„Taai-Hahn" lagen ein paar niedliche rote Strumpsbänderchen. O, wie jaucbzte da das kleine Ding! Sie lief gleich zum Schornstein deS Wohnzimmers und schrie hinein:«Dante, Dante, lieber Sant Nitolaus!" Und auch die andern fanden allmählich in den unmöglichsten Schlupfwinkeln Körbchen, und alle waren gefüllt mit schönen brannglänzenden„Taai"-Figuren und„Zuckermännern". mit Mandeln gefüllt, und sie trugen harte Marzipan-Buchstabcn. Hurra I Wir kriegten alle„den Kuchen", keiner„die Rute", ja selbst unser Jan fand das gefürchtete Salzsäckchen diesmal noch nicht vor— und das folgende Jahr— das währte ja noch so lange! Wir fanden aber auch jeder ein Briefchcn vom guten Heiligen selber, woran» mis klar wurde, daß er all' unsre Sünden zwar sehr gut kannte— er wußte alles, alles— cS war wunderbar!— aber für dieses Mal noch durch die Finger sehen wollte. Doch wir sollten fortan besser aufpassen! Ja. ja, daS wollten wir gerne— alles sehr schön und wahr— aber jetzt waren wir doch zu froh, zu glücklich, wir wollten genießen und tanzen und ipringen und jauchzen— und das thaten wir!.,. Das sind meine Erinnerungen vom alten Sankt NuolauSfcste dort oben in Friesland!_ Und jetzt kennt Ihr deutschen Arbeiterkinder die neue Tante auS Holland. Sie wünscht Euch allen recht ftöhliche Weihnachten, und daß auch Euch daS„Christlindchen" leine„Rute" bringe und Euch nicht„absalzc". tr—.a. Hud den Nachbarorten. Ter Kreistag in Nicder-Baruim trat unter dem Vorsitz bkS Laudrats v. Trcskow, der in der Pankower 15 090 Mark-Affaire das Zcugniszwangsvcrfahrcn gegen den Pankower Redakteur SaliS angestrengt hat, ant Mittlvoch zu einer Sitzung zusammen. Die Angelegenheit habe, wie Herr b. Trcskow bemerkte, in der Form. wie sie bekannt geworden ist, ihre Richtigkeit. Pankoiv habe einen Antrag auf Zurückzahlung der cm den Kreis zu viel abgeführten Summe gestellt. Er schlage vor, die Summe am Jahresschluß zurück- zuzahlen, sofern die Kasse einen entsprechenden Ucberschuß aufweist. sonst müsse es in zwei Jahren geschehen. Die Beschlußfassung über- lasse er aber dem Kreistage, da die gesetzliche Frist ans Zurück- forderuug abgelaufen sei.— Abgeordneter Wienecke-Pankow bittet um unbedingte Zurückzahlung der 15 000 M. Man könne es in Pankow gar nicht begreisen, daß man diesen Betrag nur aus lieber- fchüssen decken will.— Professor Mendel-Pankow appelliert an das Gefühl von Ehre und Anständigkeit, das schon zur Herausgabe un- rechtmäßig erhaltenen Geldes verpflichte.— Abgeordneter Plonz- Lichtenberg bedauert, daß durch eine falsche Mahnahme diese Air- gelegcnheil weit über die Grenzen des Kreises hinaus berechtigtes Aufsehen erregt hat. und zwar wegen der Begleiterscheinung des ZcugniszwangsverfahrcnS gegen den Verleger und Redakteur Salis.— Landrat v. Treslaw erwidert, daß es sich betreffs des Zeugniszwangsvcrfahrens nicht um eine Strafe wegen der von Salis gebrachten Notiz handele, sondern um ein Verfahren behufS Ermittelung des Beamten, der diese Notiz verraten habe. Der eingeschlagene Weg sei der einzige gewesen, der zu diesem Ziele hätte führen können, er könne zur Zeit nicht sagen, ob die An- gelegenheit weiter geführt werden wird. Von verschiedenen Seiten wird diese Antwort des Landrats und die Einleitung des Zeugnis- Zwangsverfahrens bedauert. Der Landrar crtlärte, er wolle dem Kreistag über die Pcmkolver Angelegenheit eine besondere Vorlage machen. Die elektrische Straßenbahn-Verbindung von Johannisthal mit Nicdcr-Schönewcide ist jetzt gesichert. Die erneuten Verhandlungen mit der Gesellschaft für den Bau von llntmgrundbahnen sBerlin— Treptow) sind zu einem günstigen Abschluß gebracht. Die geplanto Linie wird als Fortsetzung der Strecke Köpenick— Obcr-Schöneweide— Nieder-Schönewcidc gedacht und soll schon am 1. April nächsten Jahre? dem Betrieb übergeben werden. Schimeberg. Entsprechend einem Beschlüsse vom Jahre 1901 hat der Magistrat der Stadtverordneten- Bersaminlung eine Vorlage wegeil Errichtung einer Badeanstalt zugehen lassen. Sie soll errichtet loerden auf dem städtischeil Grundstücke Kolonnenstt. 23 mit einem Kostenanswand von 240 000 M. Am Montag wird sich die Lei* sammlung mit der Vorlage beschäftigen. Allgemeine Familien-Zterbekasse zu Berlin. Heute Zahltag Ackerstraßc 123 bei Dicke und Mattanncnswaße 48 bei Licbchen'chel von 3-6 Uhr._ Vermifebteö. MillisnürZ- Weihnachtsbäume. Ter ivertbollste Weihnachts- bäum, der je existierte, schmückte, wie dem„Berliner Tageblatt" cms New Dort' geschrieben wird, vor einigen Fahren den Salon des Klondyker Millioi.ärs Jumes Clements im Lafayette-Hotcl zu New fhork. Clements war einst ein blutarmer Bremser bei der Southern- Pacific-Railwav, und ging, als die ersten Nachrichten von den Gold- funden in Alaska bek.mnt irnirden, nach Klondyke, wo er in kurzer Zeit ein nach Millicncn zählendes Vermögen erwarb. Ter erste Weihnachtsbaum, den- er nach seiner Rückkehr seiner Familie spendete, bewertete sich auf nicht weniger als 300 000 M. Jeder Zweig des Tannenriesen war mit Gotdllumpeu beladen, die Lichter steckten in ans Gold gefertigten Leuchtern, und um den Stcniun herum war ei» ganzer Berg von 20 Dollar-Goldstückcn aufgestellt. Emen fast gleich kostbaren Weihnachtsbaum leistete sich im ver- zangenen Jahre der New Yorker Millionär Brown. Zum Weih- nachtsfeste heute er einen Verwandten- und Freundeskreis von etwa hundert Personen geladen. Die diesen zugedachten Geschenke bildeten den Schmuck deS durch 72 Flammen erleuchteten Weihnachtsbaumes und bestanden aus allen nur möglichen Wertsachen, wie goldenen Uhren und dito Ketten, goldenen Eigarettendosen und Streichholz- schachteln, Broschen, Ringen, Armbändern. Nadeln, gefertigt aus Gold und besetzt mit Brillanten und andren Edelsteinen. Für die Kinder gab es goldene und silberne Trompeten', Trommeln mit Goldbeschlag, goldene Klappern usw. usw. Ter Wert dieser Gc» schenke bcttuz an 250 000 M.— D«r erste Weihnachtsbaum der verstorbenen Königin Victoria von England im Jahre 1844 war ebenfalls ein Prachtstück ersten Nmigcs. Dieser Baum war 40 Fuß hoch und trug Geschenke im Werte von 180 000 M. Mit diesen Mitteilungen vergleiche man die au midrer Stelle unsres Blattes enthaltene Schilderung der Weihnacht des Prolc- tariers. EisenSahN'Katastropbc in Pennsqlvanien. Ein Schnellzug der Baltimore aud Ohio Railroad ist gestern nach einem Tele- grmmn aus New Jork acht Meilen westlich von ConncS» ville(Pcnnsylvanien) auf einen Srapel Bauholz aufgelaufen. Dabei wurden fünfunddreißig Personen getötet infolge Verbrühung durch den aus der zertrümmerten Lokomotive ausströmenden Dampf. Zwanzig Personen wurden verletzt. Tie Scheidung des vrinzlichcn Paares Schönbnrg-Waldenburg. Wie aus Dresden gedrahtet wird, erfolgte die schon gemeldete ge« richrliche Trenung der Ehe des Prinzen und der Prinzessin von Schöndurg-Waldenbuig sowohl auf Grund der Klage des Prinzen wegen Untreue der Prinzessin als auch auf Grund der Widerklage der Prinzessin wegen des Auftretens des Prinzen. Die angeblichen Beziehungen der Prinzessin zu dem Kutscher Bcnedetti wurden in dem Dresdener Scheidungsprozeß gar nicht berührt. Marktpreise von Berlin am 23. Dezember 1003 «Weizen, gut D.-Cw mittel gering„ «Roggen, gut „ mittel„ gering„ s 05 erste, gut , mittel„ gering„ iHaser. gut mittel„ gering Richtstroh He» Erbten itrveiscbohnen, Luisen « ab Bahn. 1 fiei Wagen und ab Bahn. .»artotfeln, neue D.-Ew. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch« Schweinefleisch Kalbfleisch» .Hammelfleisch Kutter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse « Stück 1 kg per Schock 7,00 1,80 1,50 1,60 1,80 1,80 2,80 5,00 2,40 2,80 2,80 2,20 1,80 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 WitterungSüdersieht vom 84. Dezember 1903, morgens 8 Uhr. Stationen vE z g 1 s c 3 »=■' .5 H s s Swinemdc. 765 SO Hamburg 761 OSO Berlin 763 SO Frankf.a.Mc 761 SO München j762 Sttll Wien 1767, SSO Wetter 4 bedeckt 3 bedeckt 3 heiter Ibedeckt -wolkig Ibedeckt -s-i c* =» w s> Stationen — 0 1 1 -0 -8 1 A C s s Saparandaw'Zzg cterSburg 7S9WSW Evrk 764 NNW -Ül!— Aberdccn Paris 761,31 Letter 4 wölken! 3 bedeckt 3 heiler �bedeckt »st c~ sfl £ a> 2 1 6 Wetter-Prognoie für Freitag, den 23. Dezember 1903. Zeitweise nebelig, vielfach bciter, nachts leichter Frost, am Tage ziemüch milde bei mäßigen südöstlichen Winden; leine erheblichen Niederschlüge. Berliner Wettcrbureau. Lachinann& NchoBz Turmstr. 76» Warenhans Moabit. Ottostr. I. ist Am 2. Feiertag, Sonnabend, den 26. Dezember, „ 3.„ Sonntag,„ 27.„ unser Geschäft von 8 bis 10 Uhr und von 12 bis 2 Uhr geöffnet. Wir geben bei einem(iesamteinkauf'?,ark lo�ark von 5 Hark i n 50 IM«. 15 nark 1 ISark 1,50 Tlark iO Hark re Hark AM- Pfefferkuchen gratis. Verlangen Sie beim Bezahlen an den Kassen Bons und Rabattmarken. f-< Jacob Katz, Berlin Alexanderstr. 1, gegenüber dem Bahnhof. DirkSCnStr. 21, gegenüber dem Prälaten. Kie wiederkehrende Gelegenheit! - Jfnr solange der Vorrat rcleht!—— mit neuer Konzert- Hcm- brane u. extra grossem Alnmlniuin-Trlehter u. neuer Abstcll- vorrichtung statt j Mk. 10.50 nur| •Jlk. Bespielte Walzen Beroliua Künstler- Walzen 45 75 pfg. Pfo Apparate werden bereitwilligst zu jeder Zeit umgetauscht! 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Für größere Posten und für alle erst- stelligen Beleihungen, welche über den halben Wert des Pfandobjctts hinausgingen, mußten 4— 4V, Proz. Zinsen, in den Vororten bis 4V- Proz. Zinsen bezahlt werden. In der ersten Hälfte des Jahres war für erststellige Hypotheken in Posten bis etwa 300 000 M., welche der gesetzlichen Mündelsicherheit entsprachen. Geld von Privatkapitalisten auch unter 3V, Proz. Zinsen zu haben, nämlich zu SV, Proz. Zinsen, und in einigen Fällen zu 3V- Proz. Für zweite med fernere Eintragungen wurden je nach Qualität 4V- bis 4'/, bis S Proz. Zinsen gefordert und bewilligt. Das Vertrauen zu zweiten Hypotheken, das in den jüngsten Jahren sich vermindert hatte, hat sich wieder gehoben, so daß größere Umsätze erzielt werden konnten. Die Unterbringung von zweiten Hypotheken, vor denen Beträge von SSV 000 M. und darüber standen, stieß allerdings auf Schwierigkeiten. Baugclder waren namentlich in den ersten drei Quartalen deS Jahres a 4V, bis 5 Proz. und V- bis 1 Proz. Abschlußprovision reichlich zu haben. Die Bauthätigkcit war denn auch im verflossenen Jahre in Berlin wie in den angrenzenden und ferner- liegenden Vororten eine außerordentlich rege. Besonders in Char- lottcnburg, Wilmersdorf, Schöncberg und Friedenau sind ganze Straßen neu entstanden. Eine sehr lebhafte Stimmung war auf dem Grundstücks- markt bemerkbar. Es waren stets zahlungsfähige jtäufer für Rentenhäuser mit angemessenem Ueberschuß am Markt. Bis vor kurzem war der Umsatz in Baustellen sehr lebhaft. In der Uhlandstraße und Bleibtreustraße, am Kurfürstendamm und seinen Umgebungen, ja selbst in Rirdorf, Tegel, Adlcrshof und in allen andren Peripheriegegendcn Berlins wurden Baustellen abgesetzt. Die Zahl der Zwangsversteigerungen betrug beim Amtsgericht I 172 gegen 182 im Jahre 1002, beim Amtsgericht II 81(gegen 139), beim Amtsgericht Charlottenburg 40(öS) und beim Amtsgericht Rixdorf 31(41). Zum Unterschied gegen frühere Jahre liegt seit einiger Zeit die Terrainspekulation und die Erschließung der Terrains zur Bebauung nicht mehr hauptsächlich in den Händen einzelner kleiner und großer Spekulanten, sondern wird zum Teil von großen, kapitalkräftigen Konsortien betrieben. Die Tcrrainspekulation war auch im Jahre 1903 sehr lebhaft. Es sind größere Komplexe an- gekauft worden, unter anderm in Reinickendorf. Zehlcndorf, Pankow, Rummelsburg, Schöneberg, im Grunewald, in Westend, Friedenau. am Hohenzollerndamm, an der Malplaquctstraße, Pragerstraße und am Tegeler Weg. Der Umfang des Umsatzes in bebauten und un- bebauten Grundstücken in einzelnen Orten wird dadurch illustriert. daß der Gesamtwert der in Schöneberg im letzten Jahre statt- gefundenen Grundbesitzwechsel über 42'/- Millionen Mark betrug. Die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik, die sich bekanntlich mit der Firma Krupp in einem Patentstreit wegen des Rohrrücklauf-Geschützes befindet, verscirdet die Mitteilung, daß das Reichsgericht vorgestern endgültig das Urteil des Ober-LandesgerichtS Hamm vestätigt hat. wonach auf Antrag von Ehrhardtscher Seite der Kruppsche Gebrauchsmusterschutz Nr. 162 068 betr. eine recht- eckige Borholfedcr für Rücklauf-Gcschütze gelöscht werden muß.— Hiernach sei, heißt es in der Mitteilung, auch zu erwarten, daß die auf Vorschlag Krupps zum Ruhen gekommenen Löschungsklagcn betr. zwei ihm eingetragene, fast denselben Gegenstand betreffende Ge- brauchsmuster, gleichfalls nach Antrag der Kläger entschieden werden, und daß die über die gleichnamige Patentanmeldung schwebende Beschwerde Erfolg haben wird. Reue Verrinigungc» in der rheinisch westfälischen Montan- induftrie. Wie das„Berliner Tageblatt" zu melden weiß, schweben zur Zeit Verhandlungen wegen Vereinigung der Gelsenkirchener Bergwerts-Gesellschaft mit dem Schalker Gruben- und Hütten- verein. Angeblich soll auch die Gewerkschaft Deutscher Kaiser in die Kombination einbezogen werden. Der Macher dieser großen Kom- bination soll August Thyssen sein, von dem kürzlich verlautete, er werde in den Aufsichtsrat der Gelsenkirchener Gesellschaft eintreten. Der Leitung des Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikats ist es gelungen, auch die Mansfelder Kupferschiefer bauende Gewerkschaft zum Anschluß zu bestimmen. Wie aus Düffeldorf gemeldet wird, soll dort schon vorgestern der Vertrag unterzeichnet worden sein. DaS Kohlensyndikat hat also jetzt das Monopol erreicht, das es seit Jahren erstrebte. Die Folgen werden die Konsumenten früh genug verspüren. Rückgang der amerikanischen Rohrisenrrzengung. Vor einige» Wochen ging die Nachricht durch die Presse, daß ans dem ameri- kanischen Eisenmarkt bereits wieder eine lebhaftere Rachfrage nach Eisen und Stahl bemerkfclr sei. Wie wenig diese Meldung den Thatsachen entspricht, zeigt die Produltionsstatistik pro November. Stach dieser betrug die Gesamterzeugung der Vereinigten Staaten an Roheisen im November nur 1073 840 Tonnen(Großtonncn a 10l6 Kilogramm); vor der Krise, im April dieses Jahres, stellte sich da- gegen die Produktion ans 1 646 042 Tonnen, lind doch findet noch immer eine Abnahme der Erzcuguitg statt. In der letzten Woche des Oktober wurden zum Beispiel noch 273 715 Tonnen Roheisen produziert, in der letzten Woche des November nur noch 241 407. Da in der letzten Woche des April die Ausbeute sich auf 876 696 Tonnen belief, ergiebt sich, daß sich seitdem die Produktion um ungefähr 36 Proz. vermindert hat. Trotz dieser enormen Pro- duktionSeinschränkung häufen sich bei den Hochöfen die Vorräte mehr und inehr an und sind im November wiederum um über 60000 Tonnen gewachsen. Berücksichtigt man, daß seit dem Ausbruch der Krise eine ganze Reihe neuer Hochöfen fertig geworden sind, so ergiebt sich, daß zur Zeit die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Hochofenwcrke noch lange nicht bis zur Hälfte ausgenutzt wird. Von 107 zwischen dem Alleghanhgebirge und Chicago liegenden Hochöfen lagen denn auch am 1. Dezember nicht weniger als 91 still, und seitdem sind noch einige weitere ausgeblasen worden. Sociales. Gegen ärztliche Anmaßungen wendet sich die„Deutsche Medizinal- Zeitung". Auf Auregmtg des Leipziger Verbandes hatte sich der niederschlesische Aerztetag mit der Frage der VersicherunaSpflicht selbständiger Handwerker beschäftigt. Es ist dort eine Resolution angenommen worden, daß die Ausdehnung der Krankeukassen-Gesetz- gebuug auf selbständige Handwerker mit einem 2000 M. über- steigenden Einkommen verhindert werden solle, damit nicht auf diese Weise ein noch größerer Bruchteil der Bevölkerung der ärztlichen BcnlfSthätigteit entzogen werde. Derartige unberechttgte Forderungen sind schon mehrfach in Aerztekreisen laut gelvorven. Dazu schreibt das genannte Blatt: .Wie kommen wir Wetzte denn in aller Welt dazu, irgend einer Kategorie von Menschen verbieten zu wollen, daß sie sich zusammen- schließen zur Bildung einer Krankeitkasie? Wir können von ihnen eine angemessene Honoriertmg unsrer Leistungen fordern und nach Möglichkeit für die Einführung der freien Arztwahl bestrebt sein: aber das ist wohl doch ein unberechtigtes uuo absolut unbilliges Verlangen, irgend jemand, und wären cS lauter Kommerzienräte, das Recht zur Gründung einer Kasse zu versagen!" Auch die Abmachung der Fürstemvalder Aerzte mit der dortigen Orts-Krankenkasse, daß kranke Mitglieder, die bei der Jnansprtich- nähme eines Arztes nicht die gehoffte Besserung verspüren, nicht be- rechtigt sein sollen, sogleich einen andren Arzt zu konsultieren, sondern erst nach Ablauf eines halben Jahres einen Arztwechsel vor- nshmen dürfen, bezeichnet die„Deutsche Medizinal-Zcitung" als juridisch unhaltbar. Diese Abmachung beleuchtet übrigeits die Be- strcbungeit nach steier Arztwahl ebenso merkwürdig, wie die jetzt von den Leipziger Aerzten der dortigen Ortskasse gegenüber erhobene Forderung: „Die Orts-Krankenkaffe verpflichtet sich, die Namen der Aerzte ihren Mitgliedern in geeigneter Weise bekannt zu geben und die Mitglieder anzuweisen, einen der. ihnen zunächst wohnenden Aerzt« zu Rate zu ziehen und dessen Weisungen streng zu befolgen." Im Interesse der freien Arztwahl! Freie Arztwahl im Interesse der Mitglieder! Die Herren sollen doch den Kassen kein X für ein 11 machen, sie sollen offen aussprechen, daß cS sich für sie lediglich um ihre eignen Interessen handelt. Die Förster Abmachung und die Leipziger Forderung haben mit freier Arztwahl gar nichts mehr zu thun und sind das Gegenteil von Wahrnehmung der Mitglieder- intereffen._ An die Müuchener Schweinemetzger erläßt der Obermeister der Metzger-Jnmmg folgende Aufforderung: .,Jm Hinblick auf die in letzter Zeit rapid gefallenen Schweine- preise am hiesigen Markt und im Verfolge der Verhandlungen des bayrischen Landtages und der dort ausgesprochenen Anregung sieht sich der Obermeister veranlaßt, den Herren Kollegen ans Herz zu legen, Ein- und Verkaufspreise in oben bezeichnetem Artikel in Einklang zu bringen, d. h. also, die Fleischpreise dententsprcchcnd herunterzusetzen und ihm eine eventuell den hiesigen Tageszeitungen aufgenöttgte diesbezügliche öffentliche Erklärung zu ersparen." Uus der frauenbewegung. Schiiuebcrg. Der Verein für Frauen und Mädchen Schöne bergS und Uingogend hält seine regelmäßige Mit- glteder-Bersammlung am Montag, den 11. Jamiyi'i004, im Lokal von L.Krüger, Grunewald str. 110, ab. DaS diesjährige W c i h n a ch t s f c st des Vereins feiert derselbe heute im Lokal von Wittes BolkSgarten in D.- Wilmersdorf, Berliner- sttaße 40. Das Programm, bestehend in Konzert, Theater und Tanz, verspricht einen genußreichen Abend. Der Vorstand. Die BcrttaucnSprrson der Elberfeldcr Gcuossiime» erstattet ihren ThätigkeitSbericht über das vergangene Jahr. Mit der plamnäßigen Agitation unter den Frauen und der Zusammenfassung der vor- handelten Kräfte ivurde dort überhaupt erst anfangs des Jahres 1903 begonnen. Die Arbeit ist dort verhältnismäßig schwer, weil noch allzuviele Frauen unter dem Einflüsse der Geistlichen stehen. Trotzdem gelang cS. neben vier gut besuchten öffentlichen Agitationsvcrsammlungen noch sechs private Besprechungen für eine größere Anzahl Frauen zu arrangieren. Es wurden 136 Abonnenten auf die„Gleichheit" gewonnen, eine Anzahl Frauen beteiligten sich eifrig an der Agitationsarbeit für die Rcichstagswahleu. Emnahmen wurden 64 M. erzielt, wovon 20 M. den Criunnitschauern überwiesen wurden. §>är den Inhalt der Inserate vernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zheater. gttfe Volksbühne. Sonnabend, 26. Dezember, nur 1/2. Abt.: Metrovol. Theater. 2»/« Uhr nachmittags: Mercadet. Sonntag, 27. Dezember: 3 /4. Wt.: Metropol-Theater. B/.UHr nachmittag»: Mercadet. 10., 11. Abt.: Lessing. Theater. 2»/. Uhr nachmittags: Ein Ber- brechet. Freitag, 1. Januar, nachmittags 2'/. Uhr: S./S. Slfit.: Metropol-Theater: Mer- cadet. 12., 13. Abt.: Lesfing-Theater: Der Verbrecher. Sonntag. 3. Januar, nachmittags 2',. Uhr: 7.18. Abt.: Metropol-Theater: Mercadet. 14., t». Ait.: Lessing-Theater: Der Verbrecher. Freitag, den 25. Dezember. Anfang 7',- Uhr: QPeruhauS. Die Zauberflöte. Sonnabend: Die Meistersinger von Nürnberg. Ansang 7 Uhr. Sonntag: Carmen. Nachm. 3 Uhr: Hansel und Bretel. Montag: Da» goldene Kreuz. Javotte. Schauspielhaus. Don Carlos. Ans. 7 Uhr. Sonnabend: Wann wir altem. Die Romanttschen. Sonntag: Wilhelm Teil. Montag: Wann wir altern. Die Romanttschen. Neues«»„tgl. Oper»- Theater. Der Verschwender. Sonnabend- Wie die Alten sungen. Sonntag: Doktor Klaus. Montag: Geschlossen. ideutscheS. Rose Bernd. Skachm. 2'/, Uhr: Die versunkene Glocke. Sonnabend: Der Meister. Nachm. 2'/, Uhr: Rasenmontag. Sonntag; Rose Bernd. Nachm. 2'/, Uhr: Wanna Banna. Montag: Rose Bernd. Berliner. Maria Theresia. Nachm. 2'/, Uhr: Att-.sdeldckberg. Sonnabend: Maria Tdcreiia. Nachm. 2'/, Uhr: AH-Hridelberz. Sonntag: Maria Theresia. Nachm. 2',. Uhr: Die sieben Raben. Rontag: Ai!. Heidelberg. Lessing. Zapsenitteich. Nachm. 3 Uhr: Der blinde Passagier. Sonnabend: Zapfenstreich. ?!achm. 3 Übt: DerblindePassagicr. Tonntag: /.apfen streich. Rachmittag(Freie Volksbühne). Westen. Die Asrikanerw. Nachm. 3 Uhr: Der Trompeter von Sakkingen. Sonnabend: Der lusttge Krieg. Nachm. 3 Uhr: Der Freischütz. Sonntag: Boccaccio. Nachm. 3 Uhr: Undine. Montag: DI« Asritanerin. Reue«. Der Strom. Sonnabend: Kammersänger. Salome. eoonntag: Der Strom. Montag: Der Sttom. Residenz. Cramquebille. Ein Seiten- sprung. Rachin. 3 Uhr: DaS große Ge- heimniS. Sonnabend: Cramquebille. Ein Seltensprung. Nachm. 3 Uhr: Lutli. Sonnlag: Crainquebtlle. Ein Seitensprung. Nachm. 3 Uhr: Seine Kainmerzose. Montag: Erainquebille. Ein Seiten- sprung. Central. Der Rastelbindcr. Nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus. Sonnabend: Der Rasielbtnder. Nachm. 3 Uhr: Der Betlelstudcnt. Sonntag: Der Rastelbindcr. Nachm. 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Der Rastelbinder. Thalia. Der Hochtourist. Nachm. N/, Uhr: CharleyS Tante. Sonnabend: Der Hochtourist. Nachm. 3'/, Uhr: Eharley» Tante. Sonntag: Der Hochtourist. Nachm. 3',. Uhr; CharleyS Tante. Montag: Der Hochtoursst. Castno. Weihnachtsglocken. Der vertauschte Sohn. Nachm. 4 Uhr: Am Altar. Sonnabend: Weihnachtsglockcn. Der vertauschte Sohn. Nachm. 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Sonntag: Weihnachtsglockcn. Der ocrtauschic Sohn. Nachm. 4 Uhr: Arn Mar. Apollo. Ftühlingöluft. Nachm. 3 Uhr: Lhsistrala. Sonnabend: FrüblingSlust. Nachm. 3 Uhr: Lvsistrata. Sonntag: Frülilingsluft. Nach:». 3 Uhr: Lysistrata. (Außerdem in jeder Nachmittag- und Abendvorstellung: Bision nach dem Balle.) Bellc-Alliancc. Der reichste Ber- lstter. Nachm. 3 Uhr: Max und Moritz. Sonnabend: Der reichste Berliner. Nachm. 3 Uhr: Die Haubenlerche. Sonntag: Der reichste Berliner. Nachm. 3 Uhr: Dorf und Stadt. Montag: Der reichste Berliner. Carl Weist. Die Berasexen. Nachm. 3 Uhr: Der Mann mit der eisernen Maske. Sonnabend: Ter Gewisscnswurm. Nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Sonntag: Die Bergfexen. Nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Brudcr.Martin. L Uhr. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallncr- Theater.): Die Stützen der Gesellschaft. Nachm. 3 Uhr: Kollege Crampton. Sonnabend: Die Ehre. Nachm. 3 Uhr: Kollege Crampton. Sonntag: Der Bibliothekar. Nachm. 3 Uhr: Basantasena. Montag: Liebelei. Littcralur. Schillert.(Friedrich-WIlhclmstädt.) Der Pfarrer von Kirchseld. Nachm. 3 Uhr: Der Compagnon. Sonnabend: Was ihr wollt. Nachm. 3 Uhr: Der Compagnon. Sonntag: Im weißen Rößl. Nachm. 3 Uhr: Der Compaguon. Montag: Kollege Crampton. Luisen. Der Verschwender. Nachm. 3 Uhr: Romeo und Julia. Sonnabend: Der Altienbudikcr. Nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Sonntag: Das Kälhchen von Heil- bronn. Nachm. 3 Uhr: Reis-Reisiingcn. Monlag: Alpenkönig u. Menschen- seind. Kleines. Elektro. Rachmittags 3 Uhr: Serenissimus- Zwischenspiele. LiebeSträume. Sonnabend: Nachtasyl. Nachm. 3 Uhr; Serenissimus:c,. Sonntag: Elektro. Nachm. 3 Uhr: Serenissimus:c. Montag: Nachtasyl. Triniton. BiScoltc. Nachm. 3 Uhr: Die Notbrücke. Sonnabend: BiScotte. Nachm. S Uhr: Die Notbrücke. -soimtag: BiScotte. Nachm. 3 Uhr: Die Notbrücke. Montag: BiScott«. Deutsch» Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Sonnabend, Sonnlag u. Montag: Dieselbe Vorstellung. Freitag-, Sonnabend- u. Sonntag« nachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Mctropol. Durchlaucht Radieschen., Sonnabend, Sonntag u. Montag: Dieselbe Vorstellung. Winter Gartcu. Spccialitäten. Passage- Theater. Enthauptung. Spccialitäten. Ansang 3 Uhr. Gebr. Herrnfeld. Papa Noa. Sonnabendmittag 12 Uhr: Große Matinee. Reichshalle». Stettlner Sänger. Urania. Taubenstraste 48, 4S. Freitag und Sonnabend: Der Erb- ball als Träger des Leben». Jnvaltbenftraste 57/62. Stern- warte. Täglich geöjjnct von 7 bis 1l Uhr._ Central'Theater. An den drei Feiertagen, allabendlich 7-,. Uhr- Der Rastelbindcr. Nachmittagsvorstellungen zu halben Pressen: 1. Feiertag: vi« Rssw- maus. 2. Feiertag: Der Bettelstudent. 3. Feiertag: Die Geisha. Urania. Taubenstraste 48,49. Um 8 Uhr im Hörsaal: Zum erstenmal: Der Erdbali als Träger des Lebens. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Sonntag: Dieselbe Vorstellung. Montag 4 Uhr: An den Seen vber Italiens. Abends 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Grosse WeiUts-lusstelluiig (das Märchen vom Däumling und dem Menschenfresser). Bio zusammengewachsenen = Schwesferti.= Der IndlanlHche IticNcü Illusionen!! Promenadonkonrorte. /\LT- CHlNf) Kunst-jittssteliimg UipznxR' siwsac« Feiertage geöffnet 12—8. Entree 50 Pf. Kinder SO Pf. Neues Theater. Schifsbauerdamm 4a— 6. Der Stpom Anfang 7'/, Uhr. Sonnabend; Salome. Oer Kammer- sänaer. «onnlag: Der Strom. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Elektra. Ansang 8 Ubr. Sonnabend: Xaelitn.A-l. Sonntag: Elektra. An allen drei Nachmittagen 3 Uhr: Liebesttäume.— Familicnldyll. Kollegen. _ Serenissimns-Zwischenspscle. Luisen-Thealer. Nachmittag 3 Uhr zu kleinen Preisen: Romeo und Julia. Abends 8 Uhr: Her Yerschwender. Sonnabendnachmittag; Die Jungfrau von Orleans. Abends: Der Akttenbudiker. Sonntagnachmittag: Rcis-Rcislingcn. Abends: Das Käthchcn von Hcilbronn. Montag: Alpenlönig u. Menschen- seind. LKsino-l'keatet'. Lothrlngcrstr. 37. Ans. 8, Sonnt. T/g. — Beelhoyen-Saal.— i Sonnabend, 26., und Sonntag, 27. Dezbr., 71,, Uhr: Helmatkunst in Wort und Bild. Zwei humoristisch-dramatische Vortrogsabende von Aug-iiuikermum. MuQofpauer, kgl. württ. kgl. bayr. Hofechauspieler. Billette am 25.. 26. n. 27. Dez. von 10—2 an der Kasse des Beethovensaales und Abendk. Corradlni X Molitt« Eora-Trnppe etc. Der ¥ertausehle Sohn. 1. Feiertag nachm 4 Uhr: Am Altar. 2. Feiertag nachmittags 4 Uhr: Hotel Klingebusch. 3. Feiertag nachmittag» 4 Uhr: Am Altar. Dazu sämtliche Spccwlitäten. Berliner Aquarium Unter den Linden 68a Eingang Schadow-Strasse Ne. 14. An den drei Feiertagen Eintrittspreis Ire: Felertiitinn 50 Pf g- Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. 45/5 Apollo-Theater. 31« allen drei Weihnachts-Feiertagen: 3lbcndS um T/g Uhr: Frühlingsluft mit dem sensationell. Ballett Blütcnhochzcit. Um 9 Uhr: VTarion nach dem Balle. Musik v. Joachim Albrecht v.Preussen. Um ii'/j Uhr: Neue glänzende SpecialltSten. Kacscnordfinunflß1;, Uhr. Anf. T'/jühr. An allen drei WcihnachtSscicrtagcn: Alachmlttag«-Vocstcllung. Nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Pressen i E.yHiHtratu. Operette w 2 Akten von Paul Lincke. Ferner: Neue Speeialitäten. Kaeseneruflnung iE Uhr. Anf. 3 Uhr. Deutsch-Amerikaoisehes Theater. Köpnickcrstt. 67. Stak. Jannowitzbrücke. Jeden Abend 8 Ehr; Oastspiel AD. PlälEIPP. Oeber'u grossen Teich. Freitag, den 25/, Sonnabend, den 26. und lsonntag, den 27. Dezember er.: Alachiulttazr» 8 Ihr: Heber n grossen Teich. Jeder Erwachsene ein Kind frei. Trianon-Theater. Keorgensttaßc, zwischen Friedrich» _ und Unwersitätsstraßc. NW- Heute: Geschlossen.-WL An allen drei WcihnachtS» Feier- tagen nachmittags: Die Notbrüite. 3lbends 8 Uhr: Biscotte. Montag: Biscotte. Carl Weiss-Theater. Grofte frankfurter Strasse IZS. Nachmittags 3 Uhr, Parkett 60 Ps.: Der Mann mit der eisernen Maske. Abends T/3 Uhr: Gastspiel des Obcrbahrischen Baucrn-ThcatcrS. Die Bergfexen. Sonnabcndiiachiiiiliag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abends 7',, Uhr: Der Gewisscnswurm. Sonntagnachm. 3 Uhr: Die Waise aus Lowoob. Abends: Die Berg- fexen. Berliner Illk-Trio. Felix Scheuer U Stnlnihntr. 1. Grosses humoristiscli satirisches Keujahrs-Jest zum Besten des Baufonds der Freirelisiosen Gemeinde Sonnabend, den 2. Januar 1904, abends 8 Uhr, in Louis Kellers sämtlichen Testsälen, Eoppenstrasse 29. Schiller-Theafep. unter gütiger Mitwirkung der Herren Victor Arnold, Edgar Licho u. Alfr. Kühne vom Kleinen ttch") und Kenen Theater. Grosses Usisehes Inslrienlal- Konzert ausgeführt vom Berliner 8infome-Orcbeöter unter persönlicher Leitung des Dirigenten Hm. Max. Fischer. Xar Aufführnns gelangt u. a.: Hans Wurzelbrecher Pech Ober Peeb der neue Abgeordnete. � cupiet 0mtrHindemis,«n. Fastnachtsspiel. Musikalisches Intermezzo. Die Jahres-Reme auf der Polizeiwache. Komisches Intermezzo. Serenissimus Seronisslis' Keojirsrede ob sein tt! Von 8 Uhr ab im oberen 8aal, nach der Vorstellung im groasen Saal: DW" Grosser Ball. Zulasskarten nur gegen Torzclgang der Mlt- glledsqniitang in den bekannten KahlstoIIen für einen Extra-Beitrag von 50 Pf.(ohne Unterschied des Alters.) Am Abend des Festes werden Karten nicht mehr ausgegeben. Es werden nur ee viel Karten ausgegeben, als Sitzplätze vorhanden sind. Line„Ulkprogramm-Zeitung" an der Kontrolle gratis! RrjidruMhrM Direktion S- Lautenburg. Freitag, Sonnabend, Sonntag, abends 7>/z Uhr: Cralnquebille. Schauspiel in 3 Bildern li. Anal. France. Hieraus: Ein Seitensprung. Schwank in 3 Akten. Nachmittags- Vorstellungen 3 Uhr, au über die Halste ermäßigten Preisen: Freitag: das grosse Geheimnis. Sonnabend: Lutti. Sonntag: Seine Kammerzofe. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. 1. Feiertag: FK Wm« Stuart., 7™?- Kinn gm»nfrt ftni'. Ä. Feiertag: Knill i. Sntiinfri««»!. Jtt ßnlbnikrl. 7 Uhr:i ix. Berliner Saison.— Cirkus Busch. Freitag, den 25. Dezember, Sonnabend, den 26. Dezember, Sonntag, den 27. Dezember: Je zwei Gala-Vorstellungen. Nachm. 1 Uhr u. abends 7'/» Uhr. Nachmittags 4 Uhr: 1 Sinb frei. Am 2. und 3. Weihnachtsieicriagc, nachmittags-1 Uhr: Derlincr Winterfreuden. Abends 7';., Uhr an allen 3Tagcn: Aus den Alpki! Großes Mancge-Schaustück deS Girkus Busch. In sämtlichen Nachmittags- u. Abend-Vorstell.: Mr. Richard Sawade mit seiner berühmten Tliger-Drefsur. Ai'slreten des derühmten Gobert HiSlinp, der Gebrüder Fratellini, des Gigerl-CIownS Aisred Daniels, der Clowns Albane u. 0aie rmd Gala-Programm. 3. Feiertag: /K Die Slinde von pms. ? uhr- Einer von untre Leni'. Moniag, d. 28. u. Mittwoch, d.Zv. d. M.: Keine Vorstellung. vennersiag.Bt. d.M.: Gr.Silvastepfeier. Ein vorsichtiger Mnun. 8todt-Thoi>tol hloshit Mt.Moabii 47/4S. ServbAi'd kvee-Ibestee-EiiAmble. I. Feiertag: Del GoldoNKtl. g. Feiertag Einklnon unsreFkllt' S. Feiertag: Dkl Goidoubet. Bienstsg, den 29. d. Mis.: Einer von nntre leut'. «000 Prater* Kastanien-Allee 7—9. Moniag, den 2?. Dezember 1903; Bernftarä Rose-Titeater-Eoseabia Der Goldoukei. «oste mst Gesang W 3 Akten(7 Bildern) von Pohl Musik von Conradi. Donnerstag, lll.d.M.: Gr. Silvesterfeier. Einer von unsre lent'. M und die DurcbUl Baiselen! Burlesko Ausstattungsposso mit Gosaug uu-t Tanz in 1 Bildern von.Tnlius Freund. Musik von Victor Holländer. In Soene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Im 4. Bilde; (■rosset, Ballett Wie damals im Monat Mai. Anfang sst8 Uhr. — Rauchen überall gestattet.— Donnerstag, den 31. Dezember: Grosse Silvesterfeier. f. « 1IWSSWUW S11VSSSWSS Direktion: Robert Dill. Brannenstraese 16. 1. Feierlag: Die Waise ans Lowood. 2. Feiertag: KIein=Geld. 3. Feiertag: Die Selmie des Lebens. Montag zum letztenmal: Die Lieder des Musikanten. Ansang 7 Uhr. 2. und 3. F ierlag: Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Freitagnachmittag 3 Uhr: Kollege Crampton. Komödie in 5 Alten von Gerhart Hauptmann. Freitagabend 8Ubr: Die Stützen der(Zesellsehatt. Schauspiel in 4 Auszügen von Henri! Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Kollege Q'rainpton. Sonnabendabend 8 Uhr: Bie Ehre. Sonntagnachmittag 3Uhr: Vasantasena. Sonntagabend 8 Uhr Der Bibliothekar. Schiller-Theater N. (Fried eich-WUbelmstädtisches Tbeater). Freitagnachmittag 3 Uhr: Her Ooiiipagnoa. Lustspiel in 4 Alten v. Ad. L'Arrong«. Freitagabend 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirch feld. Volksstück mit Gesang in 4 Akten von Ludwig Anzengruber. Sonnabend nachmittag 3 Uhr: Der Compagnon. Sonnabendabend 8 Uhr: Was ihr wollt. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Compagnon. Sonntagabend 8 Uhr: Im weietien Rttasl. Cirkus Schumann. An den drei Feiertagen, den 25., 26. u. 27. Dezbr. 1 Uhr u. 7'/- Wr: Ik 2 große FkftwWinip 2. Nachmittags 4 Uhr hat jeder Erwachsene t Kind frei, weitere Kind. halbePreise. Nachmittags besonders fiir die Jugend gewähltes Programm. Nachmittag die reiz, pinminio WpitlisiPtltpN 3 um Schluß: Die Riesen- Äinberpontomimc: i»CI i Uw uClUUuLUlvll«bonbonni6rG u. b.Bel.Bonbonregcn. ;su beiden VorslHuugen; phäuomkuale Dressur von 25 lölven des Hem, �ul. Leelil DM- und das Riesenprogramm.-WS Abends: Btlllöl» Groß« Ausstattungspantomime in 11 Wteilungen. QvKnÜÄSI' �tsrrnjslä- fhesler. An allen drei Weihnachisfeiertagen die erfolgreichste Posse: psps Klos von Anton und Donal Herrnfeld mit den Autoren in d. Hauptrollen. Ferner: an alle» drei Festtagen: Iiü Drossel) Künstler-Teil Karl Bernhard als die größte Tragödst! der Welt „blarah Bernhard". Die stimmgewaltigen Corbettas, Quintett Winsberg. Schwedische a capclla-oöngcr. Hilda Stadthägen. Max Asehinger. MartiDBendiicri�-Äägen. Ansang d. Vorstellung-ME an allen Z Feiertagen' � präeise 7 Uhr abends. WU VWp Kassen eröffmmg 6 Uhr.'WN ssrn 2. Weifinachtsfeiertage Ansang präeise 12 Uhr mittags Mi bei ermäßigten Preisen«WW Grande AatinSe zum Besten des FeriensondS deS Schauspiel-PersonalS. Zur Aujsührmig gelangt: Endlieh allein!»»d Der Fall Blumentopf in der Driginal-Beietzung. Hierzu: Grosser Künstler-Teil. vsr Sllvesiss-ssbönd. der i.Hcrmseld-Thcatertradiiioncll zu den lustigsten zählt, bringt wieder ein Riesen-llachprogramm origineller Art. Borverkauf dazu schon jetzt. Näheres Dienstag. Fröbel5 Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fr« hei. An allen drei Feiertagen: Orosse Fent• Vorstellung. Am zweiten Feiertag: Norddeutsche Singer. Grosses Weihnachts-Programm. Nach der Vorstellung: Grosier E-rtra-Fkst-Tan;. Ansang der Vorstellung: 7 Uhr, Tanz 1« Uhr. Am Silvester-Abend: Gemütliche Silvesiel- Feier. Familien Baskenhall. Xönigstsät-Xssino Holzmarltstr. 72, Ecke Zllexanderftraße. An allen drei Feiertagen: KroBse Festvorstellnngen: Des Menschen Schicksal. WciHnachtskomödic in zwei Akten. Grosse Specialitäten-Vorstellung mit Franz Sobanski. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. Nach der Vorstellung 2. u. 3. Feiertag: Tanz.-WE Salerno MeiBteriongleur. Johnson u. Dean Oake-Walk-Tänzer Wood u. Bates Amorik. Excontrics The Saphos Rcckturnkünstlcr OttO RCQttCr Humorist. little Fred Komische Huadedresc nr. Kremo Familie Ikarischo Spiole. Piwitt Pierrot. Annette Gillard von der Opdra Comique iu Paris. 4 Schwestern Merkel Equilibristm. Bokken Lasso» Strasscnsängerin. �Pariser Luft" Ballettdivertisscm. Biograph mit neuen intercss. Aufn. Palast-Theater Purgstraste 32, früher Feen-Palast. Am 25. Dezember(1. Feiertag). nachmittags 3 Uhr: Elitevorstellimg. Der Pfarrer von Kirchfeld. Halbe.stanenpreiie. Bedeut. Gastspiele. Äbcnds H Uhr: Eriravorsiellung. Wünsche und Träume. Große Weihnachtszauber-Posse in acht Bildern. Dazu daS Riesen-Fest-Programm. Gastspiel des Barbarina-Balletts. Am 26. Dezember(3. Feiertag). abends 8 Uhr: Gr. Extra-Fesworstcll. Sonntag, den 27. Tezeiuber. nachmittags 3 Uhr: Clitevorstellung. Mutter und Sohn. Halbe Kassenpreise. Hervorr. Gäste. AbendS 8 Uhr: Gäla-Porstellunz. DaS verstärkte Fcst-Programm. Montag, den 28. Dezember: Wiederholung des Festprogramms. Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Passage-Theater. Anfang an allen drei Feiertagen nachmittags 3 Uhr, Ende 11 Uhr. Das Elite-Fest-Propnun. Snthauptung einer lebenden Dame! Willy Prager Humorist. 14 erstklassige Nuntmern. EtablisskMtnt LtWenhagen storitzplatz. Im Katsersaal: Rudolf Schnauss' Künstler- Ensemble ordsterne". Während d. Feiertage: Militär-Konzert. 2. n. 3. Feiertag nach der Vorstellung: Tanz. Ki Donnerstag, 31. Dez.: ? Gr. Silvester-Ball. Kasscneröfsnung'/.S Uhr. Zlnf.'1,7 Uhr. In den unteren Sälen um 6 Uhr: Militär-Konzert. Sanssouci. Kottbuscr Thor— Etat, der Hochbahn. Am ersten Feiertag: Wuselte und Itatiine. Am zweiten Feiertag: '.Viinsclie und Träume. Nach der Vorstellung: lanihrämohen. Am dritten Feiertag: Hoffmanns Nordd. Sänger. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Montag, 28. Dezember: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzehen. Dienstag, 29. Dez.: Zum letztenmal: Wünsche und Dräume. Billctvorverkauf täglich von 11—2. Theater a. Dramen-.mOranien« burgerThor burger Thor. Täglich 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr: Tritz Sieldt'Sänger. 10 Herren. Grassart. Programm. U. 3t.; Ter grohe Cohn. Vorher: Am Weihnächt-sabend. Donnerstag, d. 3t. Dez.: Große Silvester-Ulk- Soiree und Ball. Kciclts hallen r Im Weihnachts- Programm. Sonnabend(2. Feiertag) 12 Uhr: Grosse Fest-Matinee. Seutsehsr Luckauerstr. 16. Am Moritzplatz. M Heute sowie jeden. Sonntag tzpnierhaltungs-Koumt! des 3014L zkei'ItMToMusüei'-gt'eltestefs! M Dirigent: Franzi v. Blon. I ä Anfang 7>,. Uhr. � Kassenösfn.6>/zUhr. Einlaß 75Ps. Wer liefert Maschinen zur Erzeugung von ähnlichen Produkten wie Diamalt, Garmall, Chrlstallmalt---? Gest. Anträge mit Zeichnungen er- beten unter Chiffre: „A. W. 8476" an Baasensteln A Vogler, Prag. 133/18 Roh-Tabak. 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Dez., nach- mittag 1 Uhr vom Trauerhause, Rixdors. Steinmebstr. 26, nach dem Neuen Rixdorser Kirchhos, Marien- dorser Weg, statt. Todes-Anxelge. Am 19. d. M. verunglückte mein lieber Mann, der Zimmerer Hermann Pumlleller. Dies hierdurch allen Freunden und Bekannten zur ttaurigen Nachricht. 628b Die Beerdigung findet am sonntag, den 27. 8. M.. mittags 2 Uhr, vom Leichenschauhaus, Hannooerschestr. 6, aus statt. Dia trauernde Witwe Selrna Fundteller, Tilsiterstr. 70. Eentral- verband d. Zimmerer Deutschlands Zahlstelle Berlin u. Umgegend Todes-Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß uns« langjähriges Mitglied Hermann Fundteller am Sonnabend, den 9. d. M., ein Opjer seines Berufs geworden ist Die Beerdigung findet am Sonntagnachmtttag 2 Ubr vom Leichenschaudaus, Hannoversche- sttaße, aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. frä der Zimmerer Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Karl Sehrodt am 21. Dezbr. an Blutvergiftung verstorben ist Ehre seinem Andenkent Die Beerdigung findet am 25. Dezember, nachm. 2ll, Uhr. von der Lciwentmllc des allen Thomas- Kirchhoss in Rixdors, Hermannstraße, aus statt. 258/4 Der Vorstand. J. Baer BjSstr.a, Karren- und Knaben- I Moden. Berufskleidung. Elegante 28162 ■ Joppen, mm 'Grosses Lager In- und ausländischer Stoff« zur Anfertigung nach Mass. jAllerbilligste, streng feste Preise. Alle KeeUtzer treffen sich inden Feiertagen Kürassier» straffe Iva bei Adolph Pahlke, Restaurant. Allen Genossen und Freunden zur Nachricht, daß ich 4S9b« Kürassierstr. 10» ei» Welff- und Bayrischbier-Lokal eröffnet habe. Gleichzeitig empfehle mew VereinSzimmer zu Bersaumi» lungen und Zahlstellen. Achtungsvoll Adolph Pahlke. Verlaj? v, Max Richter. Berlin 80. 36. Soeben orschieu. II. Aufl. Pra l Mk. (auch J. x.>''naTihTx. zu beziehen.) Die Karn leiden, iht* V trh- uH/f, BehuMdluHg wimI Bceitigung t on Dr. med. Schaper, Berlin, Konifgräiaers'r. ej, Wcmöop. Atel, pee. für Hmut-«. Harnleiden, Frame*krankheMen. Rohtahak! Sumatta, feinbrann, ladellos drm» nend, Bollblatt, größte Decktrast. per Pfund nur 1.55 Mk.. empfiehll Facl Boland, MO., 3a Ksttbnserstraff« Vr. 3a. i Sefter WWM« Ii). Sonuilbend, den 26. Dezember 1903(meiter Feiertag), mittags Punkt Vi Uhr: Aeihnschts Malivee in£onis Kellers Jesfeaal, Koppen-Strasse 29, unter Mitwirkung der Gesellschaft Ltrzelewiv? und des Zlkeueu Zerlinsr Xon�ert- VroKesters unter Leitung seines Dirigenten Herrn R. Tietz. Billet 25 Pf., an der Kasse S0 Pf. 215/3» _ Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein_ Pas Komitee. | Sechster Wahlkreis. G ! Tnrn-Yerein„Fiehle" Berlin Mitglied des Arbeiter-Turner-Bundes. freitag, den 25. Dezember 1903 (1. meibnaebts-feiertag) 2 Aethnschts-Vergiillge» Kellers TestsSle „Keuc Welt" Grosser festeaal Gesamträume Sovvabeud, den 26. Dezember(2. Feiertag), mittags Dankt 12 Uhr: Weihnachts sMatlneen in folgenden Lokalen: Krone«-Krauerei Alt-Hoablt 47/49 unter Mitwirkung der„Berliner Volkssänger- Gesellschaft LewaudowskN-. der Gefangvereine „Unverzagt" und„Vereinte Tangesbrüder Moabits' und des Arbeiter Turnvereins „Fichte". Billett R> Pf. Germania-Nracht-Käle Cbansseestr. 88 «Itter Mitwirkung der„Hamburger Sänger« und des Gesangverein„Nordwacht". Billet SS Pf., an der Kasse 80 Pf. Etablissement Feldschlößchen lllUllerstr. 149 unter Mitwirkung des„Berliner Ulk-Trio". der GefangS-Tnettiste« Geschwister Rau und des Gesangvereins„BSeddtnger Harmonie". Billet SS Pf., an der Kasse 30 Pf. Zu recht zahlreichem Besuch laden ew Kallschmieders Fellsäle Badstr, 10 unter Mitwirkung der Norddeutsche« Sänger. Gesellschaft H. Zimmermann und des Gesang- Vereins„Rote Nelke". Billet 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. Kernhard Rose-Theater Badstr. 58 und Weimanns Uolksgarten Badstr. SO Theater-Vorstellung. Billet 25 Pf.(Billet? haben in beiden Lokale» Gültigkeit.) Krauerei Konigstadt GcbOabaascr Allee 10/11 mw Kerlmer Krater Kastanien-Allee 7/9 unter Mitwirkung der„Norddeutschen Sänger" und des Künstler Ensembles„Nordsterne". Billet 30 Pf. 260/7* Die Komitees. Soeialdetnokratischer Vlahlverein Jiir den 3. Berliner Keichslags-Mlkreis. Sonnabend, den 80. Januar 1004: Stiftungsfest im Geaverksehaftshanse, Engel-Ufer 15. Künstlers Konzert unter Leitung des Herrn Pr. Alberty und unter Mitwirkung des Frl. Frida Herper und der Herren stsne Schröder, Harry Peters und Rieh. Kursch. Bccltation von Pr. Slax Alberty. ===== TANZ. Herren, die daran teilnehmen, zahlen SO Ps. nach. Anfang 8 Uhr. BllletG& BS Pf. sind bei allen Vontandsmitgliedern sowie in den Zahlstellen zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet Per Vorstand. "Tiä" Silvester-Feier" Ä Festsälen, Ritterstr. 75. Obst8 Meiningerstr. 8. Martin Lnthrrstr. 51. Größtes Etablissement Schönebergs. Sonnabend, den S«. Dezember(S. Feiertag)- - Kpqssvp Ball* TonncrStag. den 31. Dezember: Grosser SilvestersBall mit großen Ueberraschunge». Freitag, den 1. Januar 1904(Neujahrstag): Anfang 4 Uhr. GrOSSGP Ball. Ende 3 Uhr. Im Tunnel: Familien- auteirthsli bei musikalischer Unterhaltung und freiem Entree. ES ladet ergebenst ein Emst Obst. £ouis Kellers?eslsäie «oppenstr. 29. Koppenstr. SS. Sonnabend, 26. Dezbr., 2. Weihnachts-Feiertag: Orosses Konzert. Auftreten des Berliner UlkeTrio. äs? Grosser Sali In den Neben- Sälen von 3 Uhr ab: Ball. '«»fang 5 Uhr. Anfang 5 Uhr. Am 31. Dezember: 'Grosser 8!Ivester-BaIl. Sehenswert: Riesen- Wsihnachtsfcaum, Leenhast elektrisch erleuchtet. Lonto Keller. Urania. Wraneelstrasse 10/11. Jede» Sonntag: Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. I Empfehle mein Lokal zu Fest- 1 lichtesten und Versammlungen. 28092 C. P. Walter. /? Raeenhaidc 108— 114. ,*? Koppen Strasse sp. In beiden Lokalen: Konztxx,"Curncn, k)umor. Hufführunöfcn. Nach der Vorstellung Tanz. Anfang 5 ülir. Eintritt 80 Pf. 393/8* Whimi! Musikinstrumeuteu-Arbeiter Mtem! Branche des„Deutschen Holzarbeiter-Verbaltdes". Sonntag, den 27. Dezember Iva»(dritter Weihnachts-Feiertag) im Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15(großer Saal): Grosses W eihnachts-V ergnügen (mit Kinderbescherung) unter Mitwirkung des Berliner Ulk-Trio. Nach dem Konzert: Dan«. Billets 39 Pf. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Eröffnung S Uhr.__ Anfang 6 Uhr. BilletS sind bei den Werkstattdelcgierten und im Bureau des Verbandes zu haben. Zu zahlreichem Besuch der Kollegen und Kelleginnen ladet ein Da« Post-Komltco. Stfl* Berliner Unions-Brauerel. 91. Költzow, Oekonom.• Hasenheide 82—31. Sonnabend, den 28. und Sonntag, den 27. Dezember(2. und 3. Weihnachtsfeiertag) im neu eröffneten Winter-Garten �prachtvolle AlpensLandschaften�SS Grosses Doppel-Konzert. Kegimcntsmusik des Lohr-Iafantorie-Bataillons in Potsdam, MnEÜdirigent: W. Ho ff Stil dt. In den Borgen: Orosses Extra-Bandollncn-Konzert(80 Bundolincn)- Anf der Alm; Schalmeien- and Alpenglocben-Mnstk. Alpenglühen n. dergl. XXXXX Anfang 4 Ihr. XXXXX Eintritt Inkl. Fest-Programm 15 Pf. XXXXX An den drei Welhnachts.Felertagen Im: DBP" Theater• 8 aal Grosse Fcst-Vorstellnng. Ganz neues sensationelles, bisher unerreichtes Programm. 12 erstklassige neue Specialitäten-Nummero. Theaterstükke: 1. Unterm Weihnachtsbaum. 2. Mizl«an der Plätt-Anatalt. 3. Die weisse Dame. 4. Einer heiratet bestimmt. Kaiser- Saal von 12 bis 2 Uhr: Grosses Iüxtra„Konzert der Original Wiener 8chrammcln. Familien-Diners ä 1,— M. Eintritt frei Am 2. u. 3. Feiertag nachm. 4 Uhr: Grosser Kavalier- Ball. KoDzerfyaus Sanssouci Kottbufer• Strasse 4a. ...... IM Sonnabend, den 20. Oezentbev 1003 (2. Weihnachts-Feiertag) 215/8* \ Matinee& arrangiert von den Parteigenossen des 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises„Süd-Oft" ADltreteo der Hoftmannscbeii Bonlileafsclien Sänger. Kasseneräftnung 11 Uhr.• Eintritt 30 Pf.• Anfang 12 Uhr. Es ladet freundlichst ein Pas Komitee. Treptow Ken-Tivoli fimuUen-Rcstauraiit. Elegante Räume.— Zwei Kegelbahnen. Am zweiten und dritten Feiertage AM- TT A TM 7"ML von 4 Uhr ab im Saale; Es ladet für die Feiertage ergebenst ein Frits Prenss. Weihnachts- Ausstellung An der Friedrichstrasse. EintmOVSk. 88.*n äer Friedrichstrasse. An allen drei Feiertagen: Grosses Poppe!-Konzert, Mess- verenäenngen, Variatds, Sehenswürdigkeiten aller Art, jair- Noch nie gebeten! Nur bis 1. Januar. sk24b KonzerhAufaiig 4 Uhr bis II Uhr.___ Gntree 10 Pf. flienstbolen-Verein genannt: HilfSverei» für weib- liches Hauspersonal. Am«. d. M,. abends 8 Uhr, bei Marie Mürich. St-glitzerstr. 35: ' Welhnnobtsfeler mit Ktnderbcichcrung. Vortrüge.-*» Nachher Sana- Gäste willkommea. 293/10 Cafe Schurig Oranlcnstr. 144, a. Moritzplatz. Billard-Saal: 5 Billarde(picuhiisen mit Kerhau-Bande) a Stunde 40 u. 60 PI. 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Und die Absicht wurde, obschon es sich ja nur um eine Wiener Hoflegende handelt, auch hier bei dem Berliner Publikum. wenn man dem lauten Beifall trauen darf, erreicht. Majestät ist eben Majestät. Im ersten Akte führt, wie cS sich gehört, loyale Bewunderung das graste Wort. Der Staatskanzler Kaunitz nmst uns von dem umfassenden Geist, der Tiplomatenkunst und von dem goldenen Wiener Herz der jungen Herrscherin erzählen. Rührende Anekdoten! Als sie in ihrer Staatskarosse einmal durch die Ströhen fuhr, sah sie mitten im Gedränge ein zerlumptes Weib mit einem elenden, halbtoten Würmchen auf dem Ar»,. Hat sie nicht halten lassen, die kaiserliche Brust entblöht und duS arme verhungerte Hascherl daran sich satt trinken lassen?! Eigentlich ist es ja selbstverständlich, fügt der humane Kanzler hinzu. So vorbereitet, darf man sie dann selbst in Person bestaunen, wie sie die Kronjuwelen auf dem Haupt in Diamanten besetzten, gewaltigen, Reifrock und noch ge- waltigerer Schleppe heranrauscht, eine feierliche Ansprache, sogar mit lateinischen Citaten, an ihre Granden hält und gnädig zu dem Volk im Park heruntcrwinkt.— Nach dem offiziellen Teil die Indiskretionen. Dast Theresias fürstlicher Geniahl, dei, sie an, Gängelbande führt, ein hübscher Bursche ist, dast ihm die Damen nachsehen, nmcht die Kaiserin eifersüchtig, richtig eifersüchtig wie eine Frau Müller oder Schulze. Welche liebenswürdige Herablassung der hohen Frau! Am Anfang haben die Explosionen ihrer Majestät im Wiener Dialekt noch einen gewissen kölnischen Anstrich durch den Kontrast mit de», pomphaft steifen Hofcereinoniell. Aber dieser billige Effekt wird totgehetzt und endlos plätschern die Reden weiter, bis dann nach einem letzten Anfall, als Theresia auf der Suche nach Liebesbriefen in ihres Gatten Stube alles von unten nach oben gelehrt, holde Eintracht wieder einzieht in das Kaiserschlost. Fortan soll der Mann, der strahlend gegenüber dem Verdacht Gerechtfertigte, der Herr sein. DaS Stück war glänzend ausgestattet. Fräulein I e n n h Gr oh kam den dichterischen Intentionen durch einen sensationellen Auf- wand an Brillanten, Rmgen und stilechtcn Garderoben nach. Aber sie spreltc auch sehr gut, so wirkungsvoll, wie man derartige Rollen spielen kann. Die Mischung hitzköpfiger Derbheit und Koketterie lag ,hren, Talent und allerliebst urwüchsig klang ihr Wienerisch. Sie ist zum grasten Teil verantlich für den Erfolg.— 6t. Belle-Alliance-Theater.„Der reichste Berliner." Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in vier Bildern von Ely-Jacobsohn-Kren und Schönfeld. Musik von Einödshofer und Schmidt.— ES war gewiß cmzuerkennen, daß die Direktion des„Thalia-TheaterS" den schleunige,, Weiterbctrieb des jüngst erst wieder verkrachten„Belle-Alliance-ThonterS" über- nahm. Hierdurch blieb ein Personal von 42 Köpfen vor zeitweiliger, vielleicht auch lang andauernder Existenzlosigkeit beivchrt. Ob es der neuen Leitung gelingt, dies seit je vom Mißgeschick heimgesuchte Theater auch für die Kunst zurückzuerobern, wird erst bewiesen werden müssen. Mit der Schnelligkeit, noch rechtzeifig zum Weih- nachtsfeste betriebsfähig zu sein, läßt sich manches entschuldigen. Man wird es also verze,hlich finden, wenn die direktoriale„Dichter"- firnra rasch eine Unsumme von altem, abgestandenem Possenkram zusammenramschte und ihn, um mich euphemistisch auszudrücken, dem vorhandenen Borrat von Kostümen und dekorativen Versatz- stücken„auf den Leib" schmie— gte. Leider war dabei des kompletten, nach dem gleichen Rezept„vertonten" Blödsinns so viel gethan, daß man wirklich erleichtert aufatinete, als nach 3'/- Stunden der Vorhang fiel. Die Leitung wird gut daran thun, bei Zeiten für eine etwas bessere Kost zu sorgen, un, den schlechten Vorgeschmack von dieser ersten Schüssel verdorbenen Gurkensalats vergessen zu machen. Ansonst dürfte es nicht gelingen, die mit Entsetzen ans- gerissenen Musen für das„Belle-Alliance-Theater" jemals wieder einzufangen.—_ e. k. Deutsche Bierbrauerei-Ahtiengesellschatt «O (Absatz im letzten Oescbäftsjabre ca. 190 000 Hektoliter) empfiehlt ihre aus bestem Mals und Hopfen hergestellten Biero , in Fässern und Flaschen, m 2875L* Adresse für Fassbier: Alt Moabit 60. Telephon: Amt II, 1516. Adresse für Flaschenbier: Kaiserin AngaHta- Allee 15/16. Telephon: Amt IT, 3066. ■----*»W------ echt und echt Verschnitt Ltrt). jamaica«Kum 4,50,3,10,«,50,2,10, 1,00. Rllltl Mo« 3 Fac-, Ltr. M. 1,-, 10 Ltr. M o.-. 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Der Vorsitzende des Aus- schuffeS, Gustav O e r s o r t h, hat sein r'lmt krankheitshalber nieder- gelegt: an dessen Stelle ist das Aus- schuß-Mitglicd Ott» Panzer, Berlin, lÜaftoderftr. 50, Oncr- gcbänoe lU, gewählt, an denselben sind alle Beschwerden gegen Ent- scheidungcn des Vorstandes innerhalb 14 Tagen nach Zustellung derselben schriftlich einzureichen. 38/5 t. C. Orts- Krankenkasse der Handschuhmacher u. veno. Gewerbe zu Berlin. Die zehnte Abänderung� des Statuts ist unter dem 10. November dieses Jahres vom BezirksauSschnst durch Beschluß genehmigt. Druckexemplare sind beim Ren- dantcn Franz Werner, Mulack- ftraste 28/30, abzuheben. Diese Abänderung tritt mit dem 1. Januar 1804 in Kraft. Berlin, den 22. Dezember 1803. tterm. Hinz, Vorsitzender, 6016 Prinzen-Allee 83, Aligmeiut (Oitö=lunnkcnli(iirf für Rixdorf. Bchanntinachung. Der in der Generalversammlung vom ll./8. 1803 beschlossene Statuten- nachtrug ist behördlicherseits genehmigt worden und tritt mit dem 1. Januar 1804 in Kraft. Die Mitglieder werden fortan in sechs Klassen eingeteilt, wobei der durchschnittliche Dagolohn bo trägt: für die 1. Klasse 3,50 M. Im Falle 2. 3. 4. o! der 3,00 2.50 2,00 1,50 W> 1.00 ErwerbSunjähigkeit wird den Mitgliedern die Hälfte der vorstehenden Dagelohnsätze vom 3. Tage der Erkrankung ab auf die Dauer von 26 Wochen als Kranken Seid gewährt. Die Wöchnerinnen ntcrftutiung wird vom Tage der Entbindung ab aus 6 Wochen gewährt. Das Sterbegeld beträgt: sür die Mitglieder der 1. Klasse 105 M. ......„ 2.„ 90„ „„„„ 3.„ 75„ . 4.. 60„ „„„„5.„ 45„ .....«•.. SO„ An Beiträge«» und Eintritts geldern werden vom 1. Januar 1904 ab erhoben i Beitrag pro Woche f*t Pf. für die 1. Klaffe " I 3'' n», 4.„ rr«„ ... 6... Wir ersuchen geber, Einttitts- geld 1,50 M. . 72„ 1,50.. . 60 1,25.. . 48„ 1.25. . 36„ 1,00. 24„ 1,00 die Herren Arbeit- die Bücher der Mitglieder ünsrei. Kasse nebst einer genauen Ans- ftellung über den an dieselben ge- zahlten wöchentlichen Lohn zweck» Abholung durch unsren Boten bereit- zuhalten, weil sämtliche Bücher mn- gestempelt werden müssen. Sine besondere Aufforderung erhalten die Herren Arbeitgeber In den nächsten Tagen von uns noch zugestellt. Rixdorf, den 24. De,ember. 281/8 ver Vorstand, Verband der KCdbelpoIierer. Urania- Billets'm> zu der Sonder-Aorstellung am Ä«. Dezember R Uhr sind nur noch bei H. Schulz, Memelerstr. 60 a, zu habe». Der Delegterteutag beginnt am 27. Dezember 2 Uhr, Engel-User 15. Die Auszahlung für sämtliche Unterstützungen findet jeden Montagabend 7— S Uhr Blumcnstr. 38 statt. Daselbst werden auch Beiträge entgegen- genommen. Mittwoch, 50. Dezember, abcndS 8'/. Uhr:«orftandssthung. Die Kollegen werden ersucht, ihre Itnntrollkartcn auszufüllen und abzu- liesern. 148/3 Der«erstand. Li'nsK Höflichs Konzert- und IBhII" frankfurter- Oarten �alon, Cbauseee tzo. Freitag, den S5. Dezember(,. Waihnachts-Felertag); Gesangverein„Fpeundestneue" Vokal- und Ünstrumental-Konzert. Nach 12 Uhr: FamHIeiikrttnzchen. Anfang:« Uhr. Am 26. und 27. Dezember 1903(2. und 3. Woihnachts-Poiertag): Vir Feat-Ball bei grossem Orchester. Ballettmeister 0. Bürger. Anfang 4 Uhr. CHausseestr. ,03. WlM. �«.Id Bodolz. An den tt Weihnachtsfeiertagen: Damburxei' Sänger (Steidl, Wolf,). Besonders gewähltes Festprogramm. ittl«rcher familitn.ftllhBU bei stark besetztem Orchester. An allen 3 Feiertagen von 5 Uhr ab im, weißen Saal: Oppsser Donnerstag, den ZI. Dezember tUvZ: im Gewer, chaftshause. Engel-Ufer Nr. 15, Saal IV.— Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Kollegen! Die übliche Morgensprache der Heizungs-Rohrleger und Heiser fallt diesen zweiten Feiertag aus. Statt dessen findet am 27. Dezember eine allgemeine Versammlung statt, in welcher ein Vortrag, dem Wcihnachts- fest entsprechend, gehalten wird. Der Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben. Die Bersammlung wird Pünktlich eröffnet. Sonntag, den 27. Dezember, vormitiags 1« Uhr: Morgrn spräche der Schruudendreher bei Webel, Wrangelstraffe 136. 167/7 . Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortöverwaltnng. Mrkiseller Kof, jldmiralstr. 18c. Säle, �Äfen®. und' 4 Vereinszltnmer HU Versammlungen und Festlichkeiten. Der kleine Saal ist Sonntags bei freiem Orchester an Vereine zn vergeben._ 25042* Jeden Sonntag: Großer Ball. _ Hochachtungsvoll_ Starkes Orchester. Anfang 5 Uhr. Vrit-!6elini�. Graumaims Festsäle und Garten, Naunhnstraffe Nr. 27. Empfehle meine eleganten Festsäle zu Versammlungen und Festlich« leiten aller Zlrt. Einige Sonnabende und Sonntage sind noch frei! Silvester und Neujahr frei geworden. 35742* GnstaT Oranmanu. Tabakarbeiler und Tabakarbeilerinnan! Dienstag, den ist. Dezember, abends 8'/. Uhr, bei �VilKe, Brunnenstr. 188: Oeffentliche VersammltUtg. Tages-Ordnung: 1. Der im März 1304 zu Berlin stattfindende Heimarbeiterschiili.Kongresl und wie stellen sich die Dabakarbeiter zu demselben? 2. Diskussion über die Stellungnahme und eventuelle Wahl einer Kongreff-Kommission. 3. Verschiedenes. I. A.: 187/15*_ Karl Butry, Stralsunderstr. 41, Hl. Töpfer! Töpfer! Mmch, drn 30. Deiembtr, nbtuds 0|(!jr: Geffentttche Versammlung im Gewerkschaftshanse, Engel-Ufer 13. Tagesordnung: Bericht der Lohnkommission. 237/0 Der Gescllenanöschnff. ü» Qewerksehaftshans Engel■ Ufer 15. Grosser Saal. 7rsitsg, d. ersten WeiUnachfsIeierfag: arrangiort vom Buchbinder-Männerchor (Mitglied dos Arbeiter-Sängerbundes) 25/20 bestehend in Kciizert, Gesangsvorträgen, Kinderbescherung und Verlosung. Anfang 6 Uhr. Eintritt 30 Pf. Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgiesser Sonnabend, 26. Dezember 1903(2. Weihnachtsfeiertag) in der„Neuen Welt", Hasenheide Grosse Matinee Der Reinertrag ist zn wohltbätigen Zwecken bestimmt. 86/11 Mitwirkende: „Neues Tonkünsller-Orchester"(45 Künstler) Dirigent: Franz Hollfelder Konzertsängerin Paula Weinbaum Kollegen Albert Massini, Wilhelm Nahmmacher „Typographia", Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgiesser. Chormeister: Alexander Weinbaum Billots a 30 Pf. sind vorher zu haben in der„Neuen Welt", Cigarrenhandlnng Gottfried Schulz, Admiralstr. 40a2 in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 20 und bei R. Augustin, Lindenstr. 69, im Hause des„Vorwärts". {Hedding-I&ai'k |)MüUer9tr. 178. Xnb. Karl JVIaschhc. : S>er 2. und 3. Wcihnachts Feiertag: IJJG Grosser Festball. Anfang 4 Uhr. Ende 2 Uhr. Silvester: IMlinilei'initr/., Tonne 3,50 exklusive. Nicht Flaschenzahl, Qualität enl- scheidet. Porler- Kellerei Ringler, Bernuuersttaffe 119. 102/2» Hochfeine Herrenanzüge und PlstelolS aus besten Maffstosien 25—40 Mark. 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