Mr. 303. Hfconntmenfs-Bciingunacn; ■tomtmciUS- Preis pränumerando! »ierteljährl. Z,Z0 Mr. moitofl. 1,10 SK., wöchentüch 38 Pfj. frei ins Haus. Sinzeine Numnicr S P,g. SonnwzS- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage»Die Reue Seit» 10 Pfg. Post- «donnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen i» der Post- AeitungS- PrciSIiste für Ivv!» unter Rr. 8S«». Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn n Mark, für daS übrige HuJIaiü: wart pro Monat «richtist täglich außer Dsulaai. 20. Jahrg. Derlinev VolkrsOlÄkt. DK InKrtKnS'GeWifir «etrSgt fSr die sechsgespaltene Kolonel» zeilc oder deren Rauin 40 Pfg., für politische und gcwcclschufllichc Beret»«. und BersammlungS-Anzeige» 30 Pfg. „liteine Hnreigcn" jedes Dort 6 Pfg. (nur daS erste Dort fettl, Inserate sü» die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags In der Eipedttion abgegeden werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Frlttagen biSSUhr vormiMags geöffnet Lelegranun-itorrffer «Z«(laisl«»»»-. Contralorgan der socialfcemokratifthm Partei Deutschlands. Redaktion: SRI. 68. Lindendtrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. 6xpcdition: SA. 68. Lindenetrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Aus der Blutgeschichte der sächsischen Textilindustrie. Wenn man den Verläfterimgen in den Blättern der deutschen Scharfmacher glauben wollte, wcml man nach dem unerhörten Auf- geböte von Gendarmen urteilen dürfte, dann müßten die tapferen Kämpfer für den Zehnstundentag in Crimmitschau so etwas wie Straßcnräuber sein, die friedliche Wanderer am Wege niederreißen und ihnen die Habe nehmen. Die Unternehmer sucht man ja sogar in den Parlamenten von den RcgierungStischen aus als„wohl- wollende Väter der Industrie" hinzustellen, die zu ihrem eignen tieft'chmcrzlichen Bedauern den Forderungen der Arbeiter nicht ent- sprechen können, weil's der bösen Konkurrenz nicht gefällt. Daß es in Wahrheit ganz anders steht, wissen unss Leser nicht nur aus den Schilderungen der Vertreter der Arbeiterschaft, sondern auch aus den durchaus einwandfreien Berichten solcher bürgerlichen Blätter, die mit ein wenig socialpolitischen Verständnisses begabt sind. Die Crimmitschauer Ausgesperrten sind Kulturkämpfer in, besten und edelsten Sinne des Wortes; was sie den hartnäckigen Unternehmern abzuringen suchen, ist ein winziges Stückchen Menschenglück und Volkswohl. Mehr und mehr fallen die Interessen der Nation zusammen mit den Interessen der Arbeiterschaft, und gerade die Geschichte der sächsischen Textilindustrie lehrt uns, daß nur die Organisation der Arbeiter, nur ihr ziel- belvußter Emanzipationskampf die Bevölkerung der Textilgebiete vor vollständiger physischer Entartung und moralischer Zerrüttung be- wahrt haben, Am l. Januar 190l tritt endlich bei uns in Deutschland ein Gesetz zum Schutze der in der Industrie erwerbSthätigen Kinder in Kraft, fast genau hundert Jahre nach dein Erlaß des ersten Kinderschutz-Gcsctzes in England, lieber seinen Inhalt sind die Leser dieses Blattes bereits unterrichtet und auch darauf hingewiesen worden, wie wenig eS den socialdemo- kratischen prinzipiellen Forderungen entspricht. AIS einen Fortschritt kann man eS nur ansprechen, wenn man die grauenhasten Zustände in Erwägung zieht, die noch bis jetzt oder bis vor kurzer Zeit in den Fabriken, besonders in den sächsischen Textil« fabriken geherrscht haben. Die Reichs-Gewerbe-Ordnung von 1869 stellte in Deutschland den ersten Versuch einer generellen Ordnung dcS Kinderschutzes dar. In ihrer ersten Fassung verbot sie die regelmäßige Beschäftigung von.Kindern unter zwölf Jahren in Fabriken, allerdings nur die regelmäßige, denn der 8 128 gestattete für diese unglücklichen Proletariersprößlinge sehr wohl eine nicht„regelmäßige" Ausbeutung. Nach demselben§ 128 durften Mu, der zwischen zwölf und vierzehn Jahren in Fabriken täglich bis zu sechs Stunden ausgebeutet werden; die Beschäftigungsstunden tonnten aber beliebig zwischen d'/j Uhr morgens und 8 Uhr abends angesetzt werden, so daß die Bestimmung wegen der Unmöglichkeit einer genauen Kontrolle ganz hinfällig war. Mai, wird zugeben müssen, daß weniger Kinderschutz ftiglich nicht gewährleistet werden konnte; es war doch schließlich nur daS Minimum eines Minimums, was da auf dem Papiere stand. Aber sehen wir einmal zu. wie sich die Ausbeutung der Kinder in der Praxi? danach gestaltete. Die Unternehmer schrien Zctermordio über die„Beschränkungen", die ihnen die Gesetzgebung durch den Kinderschutz auferlegte, beteuerten— genau wie jetzt in Crimmitschau!—, ihre Konkurrenzfähigkeit erleide einen tödlichen Stoß und verlangten schleunige Aushebung jener Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung. ES war eine sächsische Unternehmer- Organisation, die den Ruhm ftir sich in Anspruch nahm, die Ausbeutungsgelüste gewissenloser Profitjäger zu formulieren; die Handels- und Gewerbekammer zu Plauen ver- langte 1872: 1. Die zulässige Arbeitszeit der Kinder von 12 bis 14 Jahren sollte von S auf 7 Stunden täglich erhöht werden; 2. bei jungen Leuten zwischen 14 und 16 Jahren sollte jede gesetzliche Beschränkung der Arbeitszeit fortfallen(die Gewerbe- Ordnung hatte für sie den zehnstündigen Marimal-Arbeitstag ein- geführt); 3. das ausdrückliche Verbot der Beschäftigung von jugend- lichen Arbeitern an Sonn- und Festtagen sowie während der Stunden des Konfirmanden-Unterrichts sollte abgeschafft werden; 4. der zulässige Beginn der Arbeitszeit sollte auf 5 statt b'/z Uhr festgesetzt werden; 5. gewisse Kontrollbestimmungen sollten beseitigt werden, Gegen diese Forderungen einer geradezu unmenschlichen Aus- beutungssucht lief die Eoeialdemokratie Sturm. Sowie einst ihr Verfechter aus der utopistischen Periode des SocialiSmuS. Robert Owen, in England die öffentliche Meinung gegen die bar- barische Vernichtung kindlicher Menschenleben in den Fabriken re- bellisch gemacht hatte, so brachte auch sie die aller Humanität höhn- sprechenden Zustände in der sächsischen Textilindustrie immer und immer wieder zur Erörterung, In den Kreisen unsreS Volkes, die der sächsischen Industrie fernstanden, hatte man thatsächlich keine Ahnung von den Verhältnisien gehabt; wenn man Schilderungen, wie die berühmte EngclSsche, über den bethlehemitischcn Kindermord der englischen Spinner und Weber gelesen hatte, dann hatte man sich freudig in die Brust geworfen und gesagt, daß„so etwas" doch, Gott sei dank. bei uns nicht vorkommen könne, sintemal wir doch ein Volk der Gottesfurcht und der fronimen Sitte seien. Und jetzt diese Enthüllungen der Socialdcmokratte I DaS mußte untersucht, die Angriffe, wenn möglich zu Boden geschlagen werden! Am 30. April 1873 ersuchte der Reichstag im Anschluß an eine Petition den Reichskanzler, solche„Erhebungen, welche für die Beurteilung der Augen, effenheit und Notwendigkeit eines gesetzlichen Schutzes der in Fabriken beschäftigten Frauen und Minderjährigen gegen sonntägliche Arbeit, sowie gegen übennäßige Beschäftigung an den Werktagen erforderlich sind, zu veranlassen und deren Er- gebnisse dein Reichstage mitzuteilen". Das Arbeitsprogramm, das dieser Enquete zu Grunde gelegt wurde, war unvollständig, das Personal für die Erhebungen weder zahlreich genug, noch auch recht geschult. Und dennoch— als der schmale Band mit den im Reichskanzler- Amt zusammengestellten und wohl auch erst noch ftisiertcn„Ergebnissen" dem Reichstage in, Jahre vor dem Erlaß des SocialistengesetzeS vorgelegt wurde, ging ein Schrei des Entsetzens durch Deutschland, Besonders aber über das, waS aus Sachsen gemeldet worden war. In Sachsen waren damals 6,3 Proz. aller in der Industrie beschäftigten Personen zu der Kategorie der Jugendlichen zu rechnen; 10 509 waren von diesen in der Textilindustrie vorgestindcn Ivorden, im Bezirk Zwickau— zu dem auch Crimmitschau gehört— allein 8000. Hören wir. wa§ es darüber zu melden gab! Auf Seite 132 des Berichtes werden die Ergebnisse aus Sachsen schon durch den vielversprechenden Satz eingeleitet:„Bei Gelegenheit der angestellten Erhebungen hat sich von neuem b e st ä t i g t, daß... die über die Arbeitszeit der jugendlichen Arbeiter in der Gewerbe-Ordnung enthaltenen Bestimmungen bei den meisten Industriezweigen nur sehr mangelhaft haben durchgeführt werden können. Zu der im Publikum, sogar bei Lehrern, mitunter wahrgenommenen Unklarheit über die ein- schlagenden Bestimmungen gesellt sich wohl hier und da eine gewisse Indolenz der Ortsbehörde"... Und nun beginnen die Schilderungen der Einzelfälle:«Nach Angabe eines Schuldireftors im Zwickauer Gebiete giebt eS Fabriken, in denen ununter- brachen Kinder unter zwölf Jahren, ja sogar sieben- bis achtjährige Kinder beschäftigt werden; wird von der Behörde oder von dem Fabrikinspektor die Fabrik revidiert, so werden diese Kinder sofort von einem Unterbeamten auf einen der oberen Böden geführt und zwischen Warenballen ver st eckt gehalten." O. ahnungslose Polizei, die sich so an der Nase herumführen ließ! O holde Vertrauensseligkeit, die den Fabrikinspektor daran verhinderte, auch einmal die„oberen Böden" zu revidieren! Weiter:„Ein Pfarrer... sagt, aus seiner kleinen Parochie seien nach den von ihm angestellten Erhebungen allein 50 Kinder unter 12 Jahren, daruntrr acht- bis neunjährige, in den um- liegenden Fabriken beschäftigt,"„Auch in der Blumensabrikation scheinen hier und da Kinder von neun bis zehn Jahren beschäftigt zu werden!"„In der Spielwarenindustrie sollen bereits Kinder von sechs Jahren mit leichter Arbeit beschäftigt werden."„Bewußt und grundsätzlich scheint das Gesetz in den Glashütten verletzt zu iverden, wo man allerdings bestimmte Arbeitszeiten und regelmäßige Pausen nicht will einhalten und Nachtarbeit nicht will entbehren können." Bei jeder Revision seien Gesetzesverlctzungen entdeckt worden.„Die Folge dieser Revisionen sei lediglich gewesen, daß im, die Fabrikgrundstücke geschlossenere Umfriedigung hergestellt und ftir bessere Ueberwachnng der Ans- und Einpassierenden Sorge getragen worden sei." Da sage man noch, die sächsischen Behörden hätten eS jemals an Unparteilichkeit und eifrigem Schutze der Ar- beitcr fehlen lassen! I Aber kehren wir zurück zur Textilindustrie, die uns hier vor- zugsweise beschäftigt. Darüber heißt es wieder auf Seite 133: „Bei den Kindern im Aller von 14 bis 16 Jahren scheint Zuwider- Handlung gegen das Gesetz geradezu die Regel zu bilden, dieselben arbeiten gewöhnlich ebenso lange, wie die erwachsenen Arbeiter."„Einige Spinnereibesitzer gestehen zu. daß sie sänitlich wegen derartiger Zuwiderhandlungen bestrast worden seien, trotzdem aber fort und fort gegen das Gesetz handeln müßten(!), da sich desien Bestimmungen ohne große Nachteile für die Industrie nicht einhalten ließen." „Auch in fast allen übrigen Industriezweigen scheinen die Ver- Hältnisse ähnlich zu liegen und nur vereinzelte Arbeitgeber sich die genaue Befolgung der gesetzlichen Borschriften angelegen sein zu lassen." Fügen wir diesen Zengniffen für den absoluten Mangel an Gesetzlichkeit und für die durch Profitwut bewirtte Abtötung aller Menschlichkeit bei den Unten, ehmeni nun hinzu, wie sie sich zu Reformvorschlägen stellten. Da finden wir einen Textil- baron aus dem Planener Bezirk mit der Behauptung:„es werde im Interesse der Industrie dringend wünschenswert und i m Interesse der Kinder nicht nur unbedenklich, sondern sogar heilsam sein, wenn die Minimalgrenze für die Beschäftigung von Kindern von dem zwölften auf das zehnte Lebens- jähr herabgesetzt und die Beschränkung der täglichen Arbeitszeit bei der Altersklasse vom 14. bis zum 16, Lebens- jähre einfach beseitigt werde" I Ihm tritt ein Aus- beuter aus dem Dresdener Bezirke mit der Meinung zur Seite, daß der Gesetzgeber eher„Anlaß habe, Veranstaltungen zun, Schutze der Arbeitgeber zu treffen". Ein Menschenalter ist vergangen, seit diese Worte geäußert wurden— aber sind sie nicht von gestern und heute? Was die Enquete aus den 70er Jahren enthüllte, das bringen uns auch die sorgsam redigierten Fabrik- inspektorenberichte von heute wiederum! Die Geschichte der Industrie, vor allem aber die der sächsischen Textilindustrie, ist mit Blut geschrieben. An den Millionen, die die Unternehmer zusammengescharrt haben, klebt nicht nur der Schweiß, nein, auch das Leben ungezählter Proletarier. Weiber und Kinder wurden in die Fron der Fabrikarbeit gepreßt, Gesetz und Recht, Sitte und Humanität mit Füßen getreten, um den Profit zu mehren, so heute. wie ehedem. Mancher von den Männern, manche von den tapferen Frauen, die heute in Crimmitschau im Kampfe stehen, hat seit dem achten und neunten Jahre deö Lebens im Dienste des Kapitals die Kraft des Leibes und der Seele hingeben müssen! Die Protzenvilla manches Jndustriebarons ist aufgebaut auf einem Rost von bleichenden Pro- letarierknochen I Und immer und immer wieder die Behörden auf der Seite der Unternehmer, Mit dem Polizeisäbel vollendete man, was der Hunger allein nicht bewirkte. Das ganz« Proletaricrvolk wäre von der Maschine zu einem greulichen Brei zerstampft worden, wenn ihm nicht die frohe Botschaft de» Socialismus gekommen wäre. Gegen das Ueberniaß von Ent« rechtung und Knechtung, von Unterdrückung und Ausbeutung erhob sich die Organisation der Arbeiter. In unsäglich schweren Kämpfen, alleinstehend gegen Willkür und Verfolgung. Schmähung und In« diffcrenz, eroberte sie ein Stückchen Menschentum ihren An- hängern. Und sie wird weiter vorwärts schreiten l politische Geberficht. Borlin, den 29. Dezember. Fundame, italanweisung für GeistcstStung. Der Papstbefehl vom 18. d. MtS. über die„christliche Demo- kratie". dessen wir bereits kurz erwähnten, liegt jetzt im Wortlaut vor. Es zeigt sich, daß er die größeste Beachtung verdient, da er in unzweideutiger Offenheit die Pläne der Klcrikalisierung enthüllt. Dieses ilotu proprio des Papstes Pius X. bezeichnet sich selbst als eine.Fundamentalanweisung der christlichen Volksaktion". Es handelt sich um die„Heranziehung der Laienwelt zur katholischen Thätigkeit", die ein sehr verdienstliches Werk fei, bei der es aber darauf ankäme, daß diese Thätigkeit„gut geleitet und discipliniert ist". Leider seien auf dem letzten neunzehnten Katholiken-Äongreß zu Bologna MeiirnngsverschiedenHeiten aufgetaucht, die Anlaß„zu viel zu heftigen Bekämpfungen gäben, welche, wenn sie nicht recht- zeitig unterdrückt werden, dieselben Kräfte spalten und weniger wirkungsvoll machen köimten". Es handelt sich also ausgesprochenermaßen um die rechtzeitige Unterdrückung von Kämpfen und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der katholischen Laienwelt. Der Papst will die„christliche Volks- bewegung"„m rechter Weise mäßigen und leiten" und erklärt: ES ist„unser Wille, daß diese sehr weisen Grundsätze genaue und volle Beachtung finden und daß niemand es wage, sich von den- selben auch nur ein wenig zu entfernen". Diese Grundsätze, die „ftir alle Katholiken die dauernde Richtschnur ihrer Haltung sein sollen", lauten— unter Fortlassung deS Reben- sächlichen— also: 1. Die menschliche Gesellschaft ist nach göttlicher Anordnung au» ungleichen Teilen zusammengesetzt, sowie die Glieder des mensch- lichen Leibes ungleich sind; c i n e G l e i ch st e l l u n g aller i st unmöglich und hat die Auflösung der Gesellschaft selbst zur Folge. 2. Die Gleichheit der verschiedenen Glieder der Gesellschaft besteht nur darin, daß alle Menschen ihren llrsprung von Gott, dem Schöpfer, herleiten, daß alle von Jesus Christus erlöst worden sind, und daß alle genau nach ihren guten und bösen Handlungen von Gott gerichtet werden, um Lohn oder Strafe zu empfangen. 3, Daraus sowie aus der Anordnung Gottes folgt, daß es in derselben Fürsten und Nnterthanrn, Arbeitgeber und Arbeiter, Reiche und Anne, Gelehrte«nd Ungelehrte, Bornchmr und Gemeine giebt, die durch das Band der Liebe geeinigt, sich gegenseitig unterstützen sollen, um ihre letzte Bestimmung im Himmel und hier auf Erden, ihr materielles und sittliches Wohl zu erreichen. 4, Der Mensch hat auf Erden nicht nur wie daS Tier das ein- fache Gebrauchsrecht, sondern auch ein dauerndes Eigentumsrecht, und zwar nicht allein bezüglich jener Dinge, die durch den Gc- brauch verbraucht, sondern auch jener, die durch den Gebrauch nicht verbraucht werden. 5. Das Privateigentum ist unter allen Umständen, sei eS al» Frucht der Arbeit oder des Gewerbes oder infolge von Uebertragutigen oder Schenkungen ein Natnrrecht und jedermann kann darüber in vernünftiger Weise nach seinem Gut- dünken verfügen. 6. Bei der Beilegung von Streitigkeiten zwischen den Besitzenden und den Besitzlosen muß zwischen Gerechtigkeit und Liebe unter- schieden werden. Wenn die Gerechtigkeit nicht verletzt worden ist, besteht kein Recht auf eine Zuriickfordcrung, 7.' Die Pflichten der Gerechtigkeit, die dem Besitzlosen und Arbeiter obliegen, sind folgende: Volle und ttene Leistung der in freier Weise nach Billigkeit vereinbarten Arbeit; Unterlassimg der Beschädigimg des Gutes und der Beleidigung der Person des Arbeitgebers; Unterlassung von gewaltthätigen Handlungen bei der Verteidigung der eignen Rechte, die niemals in Empörung über- gehen darf. 8. Die Pflichten der Gerechtigkeit, die dem Besitzenden und dem Arbeitgeber obliegen, sind folgende: AuSfolgimg des gerechten Lohnes an die Arbeiter; Unterlassung der Schädigung deren Ersparnisse durch Gewalt oder List oder offene und verdeckte Ausbeutung; Gewährung der zur Erfüllung der religiösen Pflichten nötigen Freiheit; Be- Wahrung vor der Gefahr der Verführung und deS AergerniffeS; Wahrung des Familicngeistcs und des SparsinneS; Nichtverlangung von Arbeiten, die mit den Kräften, dem Alter und dem Geschlechte der Arbeiter nicht vereinbar sind. 0. Liebespflicht deS Reichen und Besitzenden ist eS, nach der Vorschrift des Evangeliums die Armen und Dürftigen zu unter« stützen. Die Verpflichtung dieser Vorschrift ist eine so schwere, daß nach den Worten Christi selbst und 9 Uhr. In einem entsetzlich überfüllten O-Zuge ivar ich soeben in Berlin eingetroffen. Siuiideiilalig hatte ich in den überheizten Wagen eine Luft eingeatmet, die kaum nocki den Name» Luft verdiente. Ilm meine Lungen zu reinigen und abzukühlen. bevor mich ein andrer Zug weiter führte, pendelte ich in der Friedrich- straßc bin und her. Plötzlich drang die Stimme eines ZeitlmgsverkättserS an mein Ohr:„Neueste Nummer des „Vorwärts". Hochinteressante Neuigkeit. Große Gärung unter den Offizieren." Ich stutzte einen Augenblick und taufte nur dann das Blatt für 2V Reichspfeimige. Da trat aus einer Gruppe Männer', die etwa zehn Schritte vom Z e i t n n g s v e r k ä u f e r entfernt g e st a n d o n hatten, e i i> e r a u f m i ch z u und f I ü st c r t e mir die Frage ins Ohr:„Wissen Sie vielleicht Sachen von den Leuten?" Ohne zu antworten ging ich iveiter. beobachtete aber ans der Ferne. daß sich der Vorfall noch mehrmals wiederholte. Offenbar schlugen die Socialdemolraten hier zwei Fliegen mit einer Klappe. Einesteils sicherten sie sich durch die sensalionelle Ankündigung von der großen Gärung unter den Offizieren einen guten Absatz der betr. Rümmer, andernteils suchten sie unter den Käufern aus dein besseren Publikum Mißvergnügte ausfindig zu machen, die ihnen neue Klatschgeschichten zutrugen." Ein Freund unsres Blattes schreibt mis dazu sarkastisch: „Kann ich b e st ä t i g e n. Es ist in der Gegend der Tauben- und Jägerstraße, an der Ecke. Und wenn man ihnen zunickt, dann gehen sie in die Nebeitstraße in eine Hausthür, und wenn es eine Ilhr ist, so wird das Geschäft sofort gemacht: ist es aber ein Ueberzieher oder ein Paar Hosen, dann k o m iit e n sie in die Wohnung." Die dreisten Spione des„Vorwärts" find nämlich— fliege it de A l t h ä n d l e r. die in jener Gegend ihrem Geschäft nachgehen. Schon manchem Passant, der aus irgend einem Griinde einen Augen- blick stehen blieb, wird es passiert sein, daß ihm einer dieser ver- meintlichen„Vorwärts"-Emiffäre ins Ohr flüsterte:„Haben Sie vielleicht Sachen zu verkaufen?" Der Freund der „Kreuz-Zeitting". offenbar ein biederer Provinzialc, der sich auf dem reichshauptftädtischen Asphalt alsbald von unheimlichen Gefahren umwittert glaubte, hat die ihm zugeflüsterte Frage nur halb ver- standen, sich dann bei der Lektüre deS„VorwärtS"-ArtikelS romantisch ergänzt und durch seine brühwarm aufgenommene Zuschrift seinem edlen Magenorgan den fürchterlichen Aufsitzer bereitet! Man merkt eS fteilich den Ergüssen der„Äreuz-Zeitung" an, daß sie häufig in solch heiterer Weise ihr Material dazu sammelt!— Amtsentsetzung eines polnischen Schnlvetcranen. Aus welchen Gründen in Preußen ein Volksschullehrer seines Amtes enthoben Ivird. zeigt eine in Nr. 297 der„Preuß. Lehrer-Zcitung" entbaltcne Notiz. In M i c l t s ch i n, Provinz Posen, wurde ein Lehrer Guzinski. der auf eine 28jnhrigc Dienstzeit zurückblicken kann, aus dem Dienst cntlasien. weil er 1. am 3. September 1902 die von ihm abgenommene preußische Fahne„nicht zusammengerollt, sondern verächtlich(!) beiseite ge- werfen" habe, 2. am Sedantage des genannten Jahres den Uitterricht nicht sogleich mit einer entsvrcchenden Feier begonnen, und schließlich 3. dem Hauptlehrer die Schulhcfte nicht zur Durchsicht ge- schickt habe. Außerdem sollen noch einige andre, in dem genannten Blatte nicht genannte Beschwerden erhoben worden sein, deren Größe und Bedeutung man aber aus den mitgeteilten Hauptverbrechen wohl erkennen kann. Daß mau einen Beamten, der 23 Jahre seine Pflicht erfüllt hat, wegen solcher Dinge aus die Straße werfen und eine Familie in lliiglück und Not bringen kann, ist geradezu unglaublich. Denkt man denn im Ernste, durch eine solche Politik die Polen zu ge- treuen preußischen Unterthanen machen zu können? Bezeichnend ist es aber, daß gar noch die genannte Lehrer- Zeitung diese Amtseutsetzuug als„durchaus gerecht- fertigt" bezeichnet! Eine Ehrenpflicht sollte es für ein Schul- bkatt sein, die Lehrer gegen die llebergrifse des Bureaukratismus zu schützen; hier aber feiert noch ein Lehrerorgan— es ist ein»frei- sinniges" Blatt— ein solches rigoroses Vorgehen!—- Der Wahlkamps int 22. sächsischen Wahlkreis bietet ein seltsames Bild durch die Art, wie die Mischmasch-Partei sich drückt. Mau hatte zuerst die Absicht, überhaupt keinen Kandi- daten der Socialdemokratie gegenüberzustellen, da„es aussichtslos sei und unnötig Geld koste!"„Aber", wurde eingeworfen,„wir können doch nicht der erste Kreis in Deutschland seilt, den man der Social- demokratte kampflos überläßt!" Und das schlug durch. Graf Hoens- broech gab sich nochmals zu der Komödie her.„A der Hörstens drei Versa m ml u n g e n" wollte er nur halten. Jetzt kommen die braven Vogiländcr auch um diese Zusage. Der Herr Graf, welcher bei der letzten Wahl in allen Ver- sammlutigen mit Bravour erklärte:„Durch Bethättgung meiner Gesinnung habe ich mich mit meiner Familie gänzlich überwarfen, fürs ganze Leben getrennt, eittztoeit. alle Brücken sind mil derselben hinter mir abgebrochen, das thui ein Mann für feine Ueberzeugung!"— Derselbe Graf giebi jetzt seinen Wählern bekannt, daß ihn das Ab- lebe» seiner hochbctagten Mutter in so tiefe Trauer versetzt hat, daß er außer stände ist. auch nur eine Ver- s a in m l u n g abzuhalten! Aber— in weiteren Episteln in den Inseratenteilen der vogiländischen„reichstrcucn" Zeitungen will er ferner zu denen, die es ihm glauben, sprechen. Wir meiiicii. nach einer seiner letzten Leistlingen aus diesem Gebiet, ist das der geeignetste Platz, nur mag sich der Herr Graf vorsehen, daß ihn die Komiker nicht wegen unlauteren Wettbewerb belangen. Daß wir damit nicht zuviel"sagen, dafür hier ein Beweis, der alles bisher im Wahlkampfc Dagewesene übertrifft. Rachdent der ritterliche Herr sich in erschrecklichen Geschichten über den Dresdener Parteitag, über „gewaltsamen Umsturz, blutigen Zusammenstoß zwischen Socialdeiuo- kratie und Bürgertum" und ähnliche Kleinigkeiten ergangen hat, versteigt er sich zu folgendem glorreichen Satz:„Kanu August Bebel bei gesunden Simieit glauben, daß die mehr als 6 Millionen Nicht- Socialdemokrateu sich ruhig die Hälse abschneiden lassen von drei Millionen Soeialdemotraten?" Man muß den Satz schwarz auf weiß gelesen haben, um es für möglich zu halten. Am 27. und 28. d. M. fanden zahlreiche Bersanimlungen von unsrer Partei im Wahlkreise statt: eine Reihe rntster tüchtigsten Agitatoren, darunter die Reichstags-Abgeordneten Goldstein und Stolle sprachen in denselben. Der socialdemottatische Kandidat des Kreises Genosse Adolf Hoffmann sprach in drei Versainmlungeii und gab dem Herrn Ex- Jesuiten ans die obige Leistung die ge- bührende Antwort. Am 3. und 4. Januar, den beide» letzten Tagen vor der Wahl. sinden im ganzen Kreise Versammlungen statt, in welchen tt. a. die Genosseii Singer, Sinderinann, Geher. Stolle, Ziibcil zc. sowie der Kandidat sprechen, auch besucht der letztere zwecks HauSagitation die Orte. Ivo kein Lotal zu haben ist. Die Ausnahme auch unsrer Flugolattverteiler ist überall eine so gute, daß uns jetzt schon der Herr Graf herzlich leid thun kann.— Vom dentsch-kanadischen Zollkrieg. Stach einer Meldung aus Kanada vom Ende November dürften die neuen Zollzuschläge aus deutsche Waren den deutschen Export»ach Kanada beträchtlich vermindern und nametttlicki die kanadischen Bezüge von deutschem Eemcnt, Zucker und(SlaSflaschen mncrbindcn. Der Zuckerbedarf KauahaS wird wahrscheinlich teils von Ocstrcich imd teils" durch vermehrten Import aus Briftsch-Wcslindien gedeckt werden. Unsre Gesamtausfuhr nach Kanada belief sich im Jahre 1902 aus ca. 38 Millionen Mark gegen ca. 26 Millionen Marl im Jahre 1901, davon einfielen 1902 auf Zucker allein über 9 Millionen Marl. Wir führten ällein für so viel Zucker aus, wie wir im ganzen von.Kanada zu unS einführen; der Wert der Gesamteinfuhr aus Kanada zu uns betrug nämlich 1902 nur etwas über 9 Millionen Mark gegen etwas über 7 Millionen Mark im Jahre vorher. Hudland. Zur Redaktionskrise in der„Petite Republique" schreibt uns der leitende Redakteur der„Petite Rspublique" G ö r a u l l- R i ch a r d zu unsrer ersten Mitteilung über die Gründe des Austritts von I a u r« S aus dem Redakttonsverbaud: Gestatten Sic mir. werte Genossen, bei Ihren Lesern gegen die verleumderische Mitteilung zu protestieren, welche der„Vorwärts" einem reaktionären Depeschenbureau entnahm und welche der Ver- waltmig der„Petite Republimie" unterstellt, daß sie das Blatt durch unsaubere Spekulationen kompromittieren. Wäre dies der Fall. so würde ich nicht eine Mrntte in der politischen Leitung des Blattes verbleiben. Ich bin so sehr bedacht auf meine Ehre wie irgend jemand, ich habe dies oft bewiesen in meiner Lausbahn als republikanischer und soeialistischer Kämpfer, die mich zweimal vor das Schwurgericht, dreißigmal vor das Strafpolizeigericht geführt hat und mir einen viermaligen Aufenthalt von drei Monaten bis zu einem Jahre int Gefängnis einbrachte. Die Wahrheit ist. daß die„Petite Röpublique" vom Verkauf des Blattes und vom Jnseraienwefen(publicite) existiert, über welche wir eine mindest ebenso strenge Kontrolle ausüben wie Sie selbst über die des„Vorwärts". Wenn Jaurös das Blatt verläßt, so geschah dies infolge eine» Briefes von mir. der ihn von meinem Entschluß in Kenntnis setzte. au dem neuen Journal nicht mehr mitwirken zu wollen, denen Gründung wir gemeinsam geplant hatten. Ich bin zu diesen, Ent- schluß aus rein persönlichen Gründen gelangt, die weder von feiten Janres' noch von meiner Seite irgendwelche politische Entzweiung, sondern lediglich ein berufliches Auseinandergehen bedenken. Wenn ich morgen im„Joiirnal des Dbbats", welches Ihrer „Bossischeii Zeitung� enffprichi. lesen würde, daß ein Teil der Re- daktion des„Vorwärts" demissioniert habe, um seine moralische Würde zu wahren, so würde ich über diese verdächtigende Mitteilnng, bevor ich sie veröffentliche. bei den Beteiligten Jnsormatioiten einholen. Das ist wohl das mindeste, was jich Socialisten unter einander schulden. Mit partcigcnössischem Gruße Gerault-Richard. Anm. der Redaktion: Gegenüber dein von Gerault- Richard er« hobencn Borlvurs der llnkollegialität imd Illoyalität möchten wir nur bemerken, daß unsre Notiz in Nr. 301 des„Vorwärts" ausdrücklich als eine telegraphische Meldung der„33 o s s t ich c n Z c i t nn g" charakterisiert ist, womit für jeden mit der journaltsttschen Technik auch nur einigermaßen Vertrauten schon gesagt ist. daß der„Vor- wärts" die Verantwortlichkeit für die Richtigkeit der Meldung der „Vossischen Zeitung" überläßt. Eine Möglichkeit, die Meldung der „Bossischen Zeittuig" auf ihre Richttgkeil oder Unrichtigkeit hin zu kontrollieren, lag nicht vor, da die letzte Nummer der„Petite Republique" selbst, wie wir uns sofort überzeugten, nichts über die Angelegenheft enthielt. Erwähnt sei auch. daß die Verleumdung, über die Genosse Gsrault« Richard sich beschwert, lediglich in dem— von uns gemilderten— Sag bestand:„Als Grund der Spaltung wird angegeben, daß der Eigentümer der„Petite Republique". Tejean. den Einfluß seines Blattes zu allerlei Spekulationen benützte, die Jaurös nicht gefielen." Wie unfre Leser inzwischeir gesehen haben, haben wir in der Sache auch bereits mtierm Pariser Korrespondenten das Wort gegeben, der frcilicki die Ängclegenhcit auch nicht anders darstellte, als der Berichterstatter der„Bossischen Leitung".— Der Brief I a u r e s' über die Gründe seines Austritts aus der„Pente Rspublique" lautet übrigens: „Seit einigen Atonalen bemühe ich mich, das Organ unfrer Partei ans andren Grundlagen lveitcr zu führen. Es schien mir nicht a n g e b r a ch l, das; der A d in i n i st r a t o r gleichzeitig der Besitzer ist, und ich hatte den Plan gefastr, zur Sicherung einer Wirts a m eren Kontrolle entweder die Organisierung der„Petita Nevubliqne" abzuändern oder ein andres Journal zu gründen. Ich glaubte hierfür aus die Mitwirkung der meisten von Ihnen und besonders auf die unsres Chefredakteurs rechnen zu können. Göranlt-Richard sollte in der neuen Kombination die Oberleitung behalten, aber ich wollte die effektive Leitung übernehmen und crnstbast ausüben. Goraulk-Richard setzt mich nun in Kenntnis, das; er bei der neuen Kombination Zusammensrötzc und Konflikte befürchtet und deshalb bei der„Petite Republigue" in ihrer augenblicklichen Form bleiben will. Ich bin also gezwungen, die Umwandlung. die ich ohne Erschütterung und ohne Bruch vorzunehmen hoffte. außerhalb der„Petite Rvpublique" durchzuführen, und ich bitte Sie. meine Versicherung hinzunehmen, daß ich mich nur mit tiefem Bedauern von Ihnen trenne."— Die Kriegsgefahr in Oftasir» hat von ihrer Schärfe noch nichts verloren. Die Loitdoucr Morgenblättcr veröffentlichen eine amtliche Mitteilung der jaPanische» Gesandtschaft an die P reffe. In diesem Communique werden die Hauptpunkte der letzten Note mitgeteilt, welche Japan an Rußland gesandt hat. Sie betreffen: l. das Verlangen Japans, Rußland möge die II»- abhängigkeit und Integrität Chinas und Koreas anerkennen; 2. die gleiche Behandlung aller Nationalitäten und Anwendung des P r i n c i p s d c r offenen Thür in Korea und China; 3. Special- a b m a ch u n g e n über die Mandschurei. Tokio, 29. Dezember. lMcldnng des„Reuterschen Bureaus".) Die vom Kabinett beschlossene und vom Geheimen Rat genehmigte N o t v e r f ii g u n g ist gestern abend spät veröffentlich! worden. In derselben wird der Regierung ein lhatsächlich imdcschräntter Kredit für dir Zwecke der militärischen Verteidigung eingeräumt. Außerdem sind noch drei Verfügungen erlassen worden, deren eine die Eisen- bahn von Söul nach F u s a n unter eine weitergehende Kontrolle der Regierung stellt. Die zweite Verfiigung enthält eine Neu- Organisation des Hauptquartiers und des Stabes.für den Fall eines Krieges, und durch die dritte Verfügung wird ein Kriegsrat geschaffen. Da- durch werden die Vorbereitungen Japans für alle etwaigen Ereignisse vervollständigt. Peking, 28. Dezember. sMcldung des„Reuterschen Bureaus".) Der Vicepräsident des Wai-wu-pu zMinisterium der auswärtigen Angelegenheiten), Lien-fang, ein Mandschu, besuchte heute den hie- sigen russischen Gesandten Leffar und bat um Mitteilungen über die Absichten Rußlands betreffend Räumung der Mandschurei. Leffar erwiderte, daß gegenwärtig auS zwei Gründen nichts in dieser Sa che geschehen könnte. Erstens mache es die Kälte unmöglich, die Truppen weg- zunehmen, da keine Baulichkeiten vorhanden seien, um sie anderswo nnterzubringen. Zweitens würde es die russischen Interessen gefährden, das Land zu einer Zeit zu räumen, wo die llnlerhaudlungen mit Japan noch im Gange sind, iveil Japan die Gelegenheit ergreifen könnte, in die Mandschurei einzufallen. Die chinesische Regierung ist jetzt so beunruhigt, daß sie die Alternative vorziehen würde, daß Rußland die Kontrolle in der Mandschurei behalte. Seitens des Auswärtigen Amtes wurde den hier weilenden fremden Gesandten die Erklärung abgegeben, die China befnedigeude Regelung würde die sein, daß Rußland und Japan ihre gegenwärtigen Bertragsrcchte in Korea und in der Mandschurei behalten und darin einwilligen, daß keines von beiden Ländern den Versuch macht, weitere Vorteile m jenen Gebieten zu erlangen. Der russische Befehlshaber in Mulden forderte den Tataren-General gebieterisch auf, die Tataremniliz aufzulösen und zu entwaffnen. Ter General erteilte dieser Aufforderung entsprechende Befehle. Peking, 29. Dezember. iMeldung des„Reuterschen Bureaus".) Die Vicekönige der drei Ccntralprovinzcn be- richteten, daß sie 00000 M a n n von fremden Offizieren ausgebildete Truppen zur Verfügung haben.— Frankreich. Die Teputiertenkammcr lehnte in ihrer DicnstagvormittagS- Sitzung auf Antrag des Justizministerö mit 381 gegen 185 Stimmen ein Amendement des Nationalisten Ganthicr ab, in welchem eine Amnestie für dir seiner Zeit vom SlaatSgerichtshofe Verurteilten verlangt wird. Tarauf wurde die von dem Senat an das HauS zurückgelangte Amncsticvorlage genehmigt.— Rustland. Gegen die Voltsbildung in Finnlands hat der russische Despotismus eine» schweren Schlag durch Schließung zahlreicher Bibliotheken und Lesehallen gerichtet. Tic Petersburger„FinlandS- kaja Gazeta" berichtet, daß Finnland gegenwärtig iingesähr 1500 Bibliotheken besitzt, die größtenteils auch als Lesehallen dienen. Die meisten Lesehallen in den Städten sind von den sogenannten Jugendvcrcincn eingerichtet ivordc». Außerdem bestehen in den Städten noäi große Bibliothetcn, die den höheren und niederen Schulen gehören. Durch diese außerordentliche Entwicklung der öffentlichen Bibliotheken und Lesehallen ist die finnländische Be- völkeruug zu einem hohen iiitclletlinlleu Bildungsgrad gelangt. ..Aber," heißt es in dem offiziellen Bericht weiter,„da diese Lese- hallen nicht unter Aufsicht stehen, haben die Leiter der revolutionären Bewegung es verstanden, ihre Publikarioncii einzuschmuggeln und dadurch ihre die Gesellschaft gefährdenden Lehren unrcr dem Volke zu verbreiten.— Sogar in die Schulbihliotheken hat man diese verbotenen, gemeingefährlichen Schriften eingeschmuggelt, ein Be- weis dafür, daß die Schulbehördcn gewissenlos sind und keine. Ahnung habe» von den Pflichten, die ihnen den Schülern gegenüber obliegen."— Um„die Bevölkerung zu schützen gegen die vcr- hängnisvollen Folgen einer Verschwörung" und„zu verhindern, daß die Lesehallen zu.Herden einer gemeingefährlichen Agitation werden". hat der Gencralgouvcrncur eine Anzahl Bibliotheken genau re- vidieren lassen. Hieraus erfolgte dann ein kaiserliche: Ilkas. der den Generalgouverncur von Finnland ermächtigt,„solche Bibliotheken, in denen gemeingefährliche Bücher und Schriften enthalten sind. aufzuheben oder für bestimmte Zeit zu schließen, damit die ruhigen und treuen Unterthanen nicht zu Verbreche» getrieben iverden".— Eine große Anzahl Bibliotheken sind bereits auf Grund dieses Utas geschloffen worden.— Rcv»lotioniire Soldatendcmonstrotionen. Wie die„Times" er- fahren, veranstalteten in Tsckakotauri 50 Rekruten j!me Demonstration. Sie zogen mit einer roten Fahne durch die Stadt und sangen die Marseillaise. In L z u r g c t i fand eine ähnliche Kundgebung statt, bei der die Leute die Rufe ausstießen:„Nieder mit dem Zaren! Nieder mit Despotismus und Militarismus!" B a t u m. Ivo sich die Rekruten aus verschiedenen KaukasuSdiftrittcn sammeln, war der Schauplatz einer ganz besonders großen Kund-. gebung. Mehr als 2000 Rekruten folgten in g c- ordneten! Zuge einem roten Banner, welches die Inschrift trug:„N i e d e r mit den: Militarismus! Rieder mit der Autokratie! Es lebe die Rc- publik!" Sei auch die Erbittemng der kaukasischen Rekruten zum Teil aus dem Verhalten d�r Regierung gegenüber der armem- scheu Kirche zu erklären, so glaubt der Korrespondent der„Times" doch, die Hmiptveranlaffung der Mißstimmung sei darin zu suchen, daß das russische Militär nicht nur bei den Arbeiter- ausständen Verwendung fand, sondern auch tu immer g e st e i g e r t e m Maße dazu kommandiert wird, d i e d u r ch die Ausstände leer gewordenen S t e l le u der Arbeiter zu besetzen. Es sind sogar Georgier und Armenier aus ihren Stellungen entlassen worden, um für Soldaten Platz zu schaffen.—_ Kommunales» Stadtverordneten-Bcrsammlung. 31.(it aß er ordentliche) Sitzung vom Dienstag, 20. Dezember 1003, nachmittags 5 Uhr. Die heutige letzte Sitzung im Jahre 1003 weist eine un- gewöhnlich reichhaltige Tagesordnung, aber zu Anfang nur einen lehr mangelhaften Besuch auf. Vorsteher Dr. Lannerhans eröffnet die Sitzung gegen 5'/., Nhr mit gci'chäftlicheil Mitteilungen. Die Wiederwahl der Magistrats- Mitglieder Weise und T o u r b i ö ist von der Aussichtsbchördc be- stärigl worden. Auf der Tagesordinmg stehen zunächst zahlreiche R e ch n u n g s- fache n. Der referierende AilSschußvorsiyende Stadtverordneter Fricdirici iA. L.) hebt u. a. hervor, daß der Jahresabschluß für 1002 einen Fehlbetrag von 2 131000 M. aufweist, der durch den Etat für 1001 gedeckt werden muß. Tie Miudcreinnahme hat bei der Steuerverwalkmg allein über 3 200 000 M., d. h. um über 1 Million mehr als das ganze Dcncit betragen. Die Versammlung tritt den Anträgen des Rechnungsausschusses ans Entlastung bezw. vorläufige Entlassung bei. In der AuSschnßberamng ist der Magistratsantrag betreffend Erbauung einer t a t h o l i s ch e n G e m c i n d e s ch u I e auf dem städtischen Gelände an der Perleberger- und O u i tz o w st r a ß e abgelehnt und dafiir einstimmig vorgeschlagen worden, den Magistrat um eine neue Vorlage zu ersuchen, in der, unter Fortlassung des konfessionellen Charakters, zur Beseitigung der im Stadtteil Moabit noch vorhandenen drei Mietschulen eine G c- meinde-D oppelschiile an dieser oder andrer. Stelle gc- fordert wird. Ohne Debatte wird denigemäß beschlossen. Der Kampf um daS Mandat. Der Wahlprusuugs-Ausschuß hat bekanntlich mit vier gegen drei Stimmen die Wahl des Gastwirts Emil Kerfin(Soc.) im 17. Wahlbezirk der dritten Abteilung aus einen fteifinnigen Wahl- Protest hin für ungültig erklärt. Der Antrag der Minderheit im Ausschuß ivar auch noch auf die Annahme folgender Resolution gerichtet gewesen: Ten Magistrat zu ersuchen, durch Instruktion dahin wirken zu wollen, daß die Wahlvorsteher insbesondere bezüglich solcher Per- sonen, die nichl notorisch als Kandidaten aufgestellt sind, in Zweifels- fällen durch Befragen der Wähler seststellen. welchen Stand die Ge- nannten haben und wo sie wohnen, und sich davon überzeugen, ob die Wähler andre als die notorisch als Kandidaten Aufgestellten meinen. Diese Resolution ist ebenfalls abgelehnt worden. Zur heutigen Plenarverhandlung liegt der Antrag Rugustin und Genoffcn vor: Die Beschlußfassung über diese Wahl auszusetzen und die Wähler. welche ausweislich des Wahlprotokolls ihre Stimme für Herrn Äerfin abgegeven haben, darüber als Zeugen zu befragen, ob sie für den Gastwirt Emil Kerfin ihre Stimme abgegeben haben, event. aber die Wahl für gültig zu erklären. Ter Referent Stadtv. Modlcr(81. L.) legt dar. daß der Ausschuß in dem Verfahren des einen der beiden Wahlvorsteher, den Namen Kersin eintragen zu lassen, wenn der Wähler Kressin, Pasin. Karpin usw. angab, ein pflichtwidriges, nicht ein pflichrmäßiges Ermessen erblickt habe. Darin liege eine grobe llnregelmäßigkeit, welche die lliigültigkeit der Wahl nach sich ziehen müsse. Von gegnerischer Seite habe man demgegenüber von„unerträglichem Formalismus" gesprochen, von„Rabultsterei" und dergleichen. Aus- drücke, wie man sie ja von jener Seite gewohnt sei.(Lärm bei den Socialdemokraten. Rufe: Berichterstatter! Der B o r st e h e r ersucht den Stadtv. Borgmann, die Zwischenrufe zu unterlassen.) Referent zieht sich darauf aus den„unerträglichen Formalismus" zurück, von deni ausdrücklich im Ausschuß gesprochen worden sei, und bittet, dem AuSschußantrag entsprechend die Wahl zu kassieren. Stadtv. Stndthagen(Soe.): Unsre Resolution ist im Ausschuß abgelehnt worden, weil der Magistraisvcrtretcr erklärte, es gebe noch keine Instruktion. Das ist daS Sonderbare; allein bei diesen Stadtverordiirtcnwahlcu giebt es leine Instruktion. Die In- struktiou ist nicht so gemeint, � daß sie das Gesetz er- gänzt, sondern daß sie auslegt, was das Gesetz sagt im Anschluß an die Entscheidungen des Ober-Verwaltungsgerichts. Daß es leine-Jnstrnktton giebt, ist ein Fehler. Stach 8 25 der Städte- Ordnung hat jeder Wähler dem Wahlvorsteher laut und mündlich zu erklären, wem er seine Stimme geben lvill; nach 8 27 muß bei er- h etlichen Unregelmäßigkeiten die Wahl kassiert werden. In der Städtc-Ordnung steht nicht, daß der Name genannt werden muß, es ist auch zulässig, daß ein andrer den Namen vorliest, wenn der Wähler nur erklärt, daß den Genannten zu wählen sein Wille ist. Run haben wir in diesem Wahlbezirk zwei Wahllokale rgchabt. In dem einen, wo ein Herr Kobligk Wahlvorsteher lvar, sin» 0 Stimmen für ungülttg erklärt worden; bei der Vernehmung hat sich heraus- gestellt, daß der Herr die Namen, welche ähnlich wie Äerfin iauleren, so eintragen ließ, lote er sie verstand, z. B. Kifrin, Kressin, gar nicht weiter gefragt hat, wer diese Leute seien, sondern sehr vergnügt gewesen sei, daß sie so und nicht anders lauteten und nachher habe der Wahlvorstand diese Stimmen für ungültig erklärt. Daß letzteres geschehen sei, darüber findet sich im Wahlprototöll nicht die geringste Andeutung. Ziveisellos ist dieses Verfahren un- gesetzlich. Der Wahlvorsteher ist nicht als Popanz da, sondern dazu, iim festzustellen, was gemeint ist. Von den eingetragenen Namen finden sich in fünf Fällen Träger dieser Namen in Berlin überhaupt nicht. Nach dein Erkenntnis des Ober- Ver- waltungsgcrichtS vom 14. November 1803 ist es imzwciselhaft dem pflichtmäßigen Ermessen des Wahlvorstandcs zn überlassen, zu entscheiden, ob er die seitens des Wählers angegebene Bezeichnung des Kandidaten für genügend erachtet, wie er die Stimmabgabe auslege und aus wen er sie beziehe. Daher hat gerade in dem zweiten Teil deS Wahlbezirks der Wahlvorsteher, dessen Verfahren die Mehrheit verurteilt, richtig gehandelt. Nicht ein einziger Wähler hat behauptet, daß er einen andern als Kerfin hat wählen wollen. Will der Magistrat keine Instruktion geben, so mag er es bleiben lassen, aber er muß die Wahlvorsteher mindestens im Sinne unsrer Resolutton mit Anweisung verschen; denn eine so liederliche Protokollierung. wie sie hier stattgefunden hat, würde jedem einiger- maßen cknkanös veranlagten Wahlvorsteher zu den wunderbarsten. ja illoyalsten Machenschaften die Handhabe geben. Wie leicht könnte bei der Wahl des Hotelbesitzers Lcis die Aussprache der verschiedenen Dialekte Leis. Lais. Lots, Laus meinetwegen(Heiterkeit) zu ähnlichen Resultaten führen, wie hier im Falle Kersin l Der Ausschuß bat ja nur die abweichenden Namen als hinreichenden Protcstgrund angesehen; für die Natur der fteisinnigen Protesterheber legen aber auch die andern Protestpuntle beredtes Zeugnis ab. Da fragt der Wahlvorsteher einen Wähler, ob Kersin Hausbesitzer sei; flugs ivird daS als Protest- grund angeführt! Bewußt unwahr ist auch angeführt worden, daß der Wahlvorsteher die Leute, welche nicht wußten, wen sie wählen sollten, an einen Parteitisch gewiesen habe; die Protesterheber, so Herr Weber, haben die Unwahrheit dieser Behauptung selbst zugeben müssen. Tie Pwesterheber erklären, e» habe jemand einen gewissen Lober wähle« wollen und sei zurückgewiese« worden; die Unwahr» heit dieser Behauptung ist ebenfalls festgestellt worden, denn der Name Lober ist soiort eingetragen woi den. Diese wunderbaren Protest« behaupttmgen lassen doch starke Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Protesterheber auftauchen. Ein Protestcrheber ist ganz besonders entrüstet über die Unregelmäßigkeiten der Wahlhandlung in diesem Falle, weil der Wahlvorstand nicht verpflichtet worden sei. Hiese Unterlassung ist absolut kein wesentlicher Mangel des WahlvcrfahrenS. Was die Namen betrifft, so lvird hier von den Protesterhebern der schwere Vorwurf der Fälschung gegen die protoiollfiihrcnden Beamten erhoben. In den Listen dieses Unterbezirks findet sich nirgends ein andrer Name als Schein oder Kerfin eingetragen; also ist nach der Ueberzeugung des Wahlvorstandes Kersin gewählt worden, gleichgültig, ob er sächsisch, ostpreußisch oder sonst wie aus« gesprochen worden ist. Es wäre chikanös seitens eines Wahl» Vorstehers, wenn er diese provinziellen Aussprache-Eigentümlichkciten nicht beobachtet hätte. Bei der Wahl des früheren Kollegen Pietz» mann ist seitens des Magistrats durchaus nach dieser meinen Aus- sassung euffchiedeu worden, daß der mehrfach genannte Name Pierschmann als Pictzmann auzusehcu sei; dasselbe ist auch später geschehen, und die Rechtsprechung deS Ober- Verwaltungsgerichts ist ständig in derselben Richtung gegangen. Kein Wähler hat erklärt, daß er einen andern als Äerfin habe wählen wollen. Der Wahlvorsteher hat mehrfach gesagt: Sie meinen wohl Kersin 8 und aus Bejahung den Namen Kerfin eintragen lassen. Das ist nach der Judikatur das einzig Richtige gewesen. Von einer „Beeinflussung" durch den Wahlvorsteher kann gar keine Rede sein. Das Obcr-Verwaltungsgericht.führt in dem angeführten Erkenntnis aus. daß die ausdrückliche Nennung deS Namens des zu Wählenden durch den Mund des Wählers nicht erforderlich ist: 8 25 will nur, daß öffentlich scstgeslclli werden soll, wie der Einzelne gewählt bat. Dieser Zweck könne auch erreicht werden, ohne daß der Wähler gerade persönlich den Namen des zu Wählenden aus« spricht zc. Es kann also keinem Zweifel unterliegen, daß Kerfin zn Recht eingetragen ist. Auch hat kein Wahlvorstands» Mitglied irgendwie dagegen Einspruch erhoben. Die meisten Krön« zeugen sprechen auch mir von„ähnlich klingenden Namen"; der Wahlvorsteher hatte besser verstanden als diese Herren selbst. Zwei Zeugen bekinldcii, daß Korsin gesagt sei. Ja. das ist braunschweigisch. Tie fteisinnigen Herren sollten doch auch etwas wiffen von der falschen Aussprache des Namens Schem-Schön, die einmal vortnm; aber keine Spur l Welche wunderbar gestalteten Ohren müssen diese freisinnigen Helden haben! Sie waren eben durch ihren Partei- haß vollständig unfähig, das Wahre vom Falschen zu unter« scheiden. Die Namen Karsin, Persin, Posin giebt es weder in Berlin noch in dem Bezirk; sie durften gar nicht in dieser chikanöse« Weise protokolliert werden. Wir verlangen von dem Wahlvorsteher direkt, er solle das Protokoll fälschen, wenn wir dein Ausschuß« antrag beitreten. Eine Reihe derjenigen, welche angeblich falsch aus- gesprochen haben, hatten Zettel in der Hand, aus denen der?tame stand; es handelt sich also mehrfach bloß um das Verlesen von s statt t. Wollen Sie irgend etwas auf den Protest geben, dann sind Sie verpflichtet, zu eruieren, ob solche blödsinnige Namen, wie sie die fteisimngen Listensührer gehört haben wollen, in Berlin existieren, oder aber die Wahl für gültig zu erklären. Ein solches Beispiel von Parteilichkeit ist in der Parteigeschichte noch nicht dagewesen. Man gehe der Sache doch aus den Grund, ö lo, don- ftourv! Aber will mau unparteiisch prüfen, dann müssen die Wähler de? ersten Bezirks vernommen werden; es sind über 300. An dieser Unbequemlichkeit sind nicht wir schuld, sondern daran ist schuld die Liederlichkeit der Protcsterhebcr. Ich bin überzeugt, von dem politischen Parteihaß dieser Zeugen wird sich die große Mehrheit der Versammlung nicht leiten lasten, sondern die Ehre der acht ehren- amtlichen Wahlvofftandsinitglicdcr gegen den Verdacht der Protokoll- fälschung in Schutz nehmen! Bei der Landtagswahl von Zwick und Roscnow sind ganz dieselben Verstöße der Aussprache vor« gekommen und niemand Hai da ein solches chilanöses. fraudulöseS Verfahren empfohlen.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Stadtv. Marqqraff(N. L.): Wir werden für die Gültigkeit der Wahl stimmen. Es ist nirgends behauptet worden, daß diejenigen, welche einen von Äerfin abweichenden Namen genannt haben, einen andren als Kerfin haben wählen wollen, und wir find der Meimmg, daß der Wahlvorsteher, welcher festgestellt hat:„Sic meinen doch Kerfin?" richtig verfahrcil ist. Wenn die Mehrheit des Ausschusses das erwähnte Ober- VerwaltungSgcrichts- Erkenntnis für sich in Anspruch nahm, weil darin gesagt sei. daß lediglich der vom Wähler ausgesprochene Name entscheidend sei und dabei keinerlei Ausleglmg stattfinden dürfe, so habe diese Erkennttns auf einen ganz anders liegenden Fall Bezug. Stadtv. Liebknecht(Soc.):§ 25 der Städte-Ordnung besagt, daß jeder Wähler dem Wahlvorsteher mündlich und laut zu erklären har. wem er seine Stimme geben will. ES wird hier eine Willens- erklärung von dem Wähler gefordert, ans welche die all« gemeinen Bestimmungen darüber im Bürgerlichen Gesetzbuch Anwendung finden. Danach muß der wirkliche Wille erforscht werden, es ist nicht an dem Buchstaben hängen zu bleiben. Planck erklärt diese Bestimmung für selbstverständlich. Ist eS also nicht geradezu dolos, an dem Buchstaben hängen zu bleiben? Dör Wille, den der Wähler zum Ausdruck zu bringen hat, ist die Bezeichnung von Personen, die gewählt werden sollen. Stellt man sich auf den Standpunkt der Protestler, so würden sämtliche Stimmen ungülttg sein, weil auch Vater, Bruder oder sonst jemand gleichen Namens hätte gemeint sein können. Jeder einzelne Wahlvorsteher muß also interpretieren; auch.diese Jntorpretatton ist selbverständlich. Der Strohhalm, an den sich die. Gegner klammern, ist das Wörtchen „ausgesprochen" in dem Obcr-Vcrwaltungsgcrichts-ErkeimNtts. Es ist doch aber klar, daß hier nichts andres als in 8 25 der Städte« Ordnung gesagt sein soll;„ausgesprockicn" beißt hier„bezeichnet". Konsequenterweise hätten Sie ja nach Ihrer Auffassimg leinen Wahl« Vorsteher, sondern bloß einen Phonographen nötig; man brauckte dann später nur die Platten zu vergleichen. Der Stadtrat Böhm hat bei der Landtagswahl gegenüber derartigen Entgleisungen ohne weiteres zugelassen, daß Klopsch statt Kopsch, Silberstcin statt Silberschnndt, Rosen statt Roscnow gesagt wurde(Hört hört!) und niemand von dem Wahlvorstand hat etwas dagegen gehabt, Iveil c« eben verständige Leute waren. Es wäre doch geradezu unerträglich, von dem Wahlvorsteher derartiges zu verlangen; wie wenn der Raine Kerfin von einem Stotterer ausgesprochen werden müßte? (Große Unruhe und Lachen.) Ja, wenn Sie kein Prtncip haben, muß nach allgemeinen Rechtsgruudsätzcu entschieden werden. Wenn Sie sagen, wir wollen die Wahl für ungültig erklären, weil ein Sociatdemokrat gewählt ist, und wir hoffen, den Kreis bei der Neuwahl wieder zu gewinnen, dann würden wir Ihnen glauben.(Sehr gut I bei den Socialdemokraten und erneute Unruhe.! Ich bitte jeden von Ihnen, hier vorzutreten und zu sagen, es wäre mir diesen andren Namen nicht Äerfin gemeiin gewesen. Niemand wird von Ihnen das thun, und wenn es einer thäte. dann glaube ich es ihm einfach nicht.(Große Heiterkeit.) Die Frage, ob der Wahlvorsteher unrichttg protokolliert hat, ist nach meiner Ansicht rechtlich nnerheblich. Stelle ich mich aber auf den Standpunkt der Mehrheit, so stoßen wir ans die größten Widersprüche bezüglich der Zahl der Fälle> Ivo ein andrer Name genannt sein soll; einer spricht von!0. einer von 30, einer von 00 Fällen. Daß diese Verschiedenheit daher rührt, daß die ein« zelnen Wähler verschieden lange Zeit im Wahllokal zugegen waren, ist unwahr, wie ich schon im Ausschuß nachgewiesen habe. Der Protest- crhcber muß den Gegenbeweis gegen die Richtigkeit de» Protokolls führen, und kein Richter, kein verstandiger Mensch wird anders sagen, als daß bei diesen Widersprüchen nur die Mindesizahl. alsv genau gerechnet 28 Fälle, bewiesen sind. Die reichen aber zur Erschütterung der Mehrheit nicht ans. Herr Cassel hat im Ausschuß crtlärt, Pasin und Parsin seien ganz andre'Namen als Äerfin, und damit sei die Berechtigung der Proteste gegeben. Aber in wie vielen Fällen sind diese„wesentlich verschiedenen" Namen gebraucht worden? Darüber fehlt jede Angabe. Mau giebt sich hier die größte Mühe, zu verhindern, daß einer von uns Herrn Cassel erwidert.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Im Ausschuß war er in der zweiten SitzillP nicht da, er erschien nur, um seine Abstinunung zu motivieren, und heute will er sprechen? Sie mögen beschließen, was Sie ivollen, in Ihren Fraktionen haben Sie ja bereits entschieden. Sie werden sprechen von Reden zum Fenster hinaus.(Sehr richtig!) Ja, das ist ja der Unterschied, bei uns wirke» diese Reden!' Aber nach Ihnen hat zum Glück ein andrer das Wort, nämlich das Lber-Verwaltungsgericht!(Beifall.) Stadtv. Caffel(B. L.): Nachdem die beiden Herren zwei Stunden gesprochen haben(Stürmische Zwischenrufe: Sie haben sich ja vorher"streichen lasten!), bin ich nicht mehr in der Lage, so um- sangreich sprechen zu können, da unsre Versammlung auch noch andre Geschäfte hat und ich auch der Meinung bin. daß eine so große Zeit dafür nicht erforderlich war. Zur selben Zeit, als der Ausschuß tagte, tagte auch der Ausschuß für die Anträge Nathan-Landau unter meinem Vorsitz(Zurufe des Stadtv. Stadthagen): da konnte ich nicht gleichzeitig in beiden Ausschüssen sein. Ich habe aber die Reden der Herren Stadthagcn und Liebknecht dort gehört. In manchen Punkten geht übrigens meine Kritik der desKollegen Stadthagcn konform. Entscheidend für dre Aufhebung der Wahl ist thalsächlich die'Willenserklärung. Wenn ein Wähler Schulze gewählt hat, kann man unmöglich sagen, er habe eigentlich Müller wählen wollen.(Heiterkeit und Unruhe.) In dem ober- verwaltungSgerichtlichen Erkenntnis heißt es ausdrücklich, daß der ausgesprochene Name entscheidend ist; und den Standpunkt des Kollegen Stadthagen, daß gegen das Protokoll andre Zeugen als der Wahlvorstand nicht mehr glaubwürdig er- scheinen sollen, halte ich für irrig. Daß wir den Protokollführern nicht den Vorwurf der Fälschung machen wollen, weiß auch Herr Stadthagen. Dazu gehört ein Dolus. Sie waren nur ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Der Wahlvorsteher hatte gewiß dafür zu sorgen, daß der Wähler sich klar und deutlich ausließ: er durfte ihm aber einen bestimmten Namen nicht suppedilieren.(Widerspruch.) Es kommt aber darauf gar nicht an. denn es ist in einer großen Zahl von Fällen (Wiederholte Rufe: Wieviel?) ein andrer Name genannt und dafür Kerfin protokolliert worden. Redner verliest dann einen längeren Passus aus dem bezüglichen Erkenntnis, um unter dem andauernden Widerspruch der Socialdcmokratcn zu deduzieren, daß Interpretationen eines Namens unzulässig seien. Deshalb sei die Wahl ungültig. In seiner Fraktion stimme jeder nach seiner Ileberzeugung und nicht nach dem Willen eines Einzelnen; wenn man hier so thue, als lasse sich die Linke von Herrn Cassel gängeln, so sei das ein Mittelchen, um Stimmung zu machen. In der social- demokratischen Fraktion sei gewissermaßen durch Eingebung des heiligen Geistes(Heiterkeit) jederzeit Einstimmig- keit vorhanden. Auch wenn das Ober- Verwaltungsgericht gegen uns entscheidet, werden wir nicht von unsrcr Ileberzeugung zurücktreten I(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Borsteher Langerhans: Es ist ein Schlußantrag eingegangen und genügend unterstützt. Stadtv. Singer(zur Geschäftsordnung): Nachdem das, was vorhin Kollege Liebknecht andeutete, zur Thatsache geworden ist, nachdem alles, was die Kollegen Stadthagen und Liebknecht vor- getragen Habel», hier von Herrn Cassel mit erhobener Stimme ab- geschlachtet worden ist, ohne daß man Gelegenheit zur Entgegnung zu bieten beliebte, sind wir natürlich gegen eine solche Vergeivaltiguug machtlos. Aber das einzige Mittel,' welches uns bleibt(Unter- brechung, wiederholte Rufe: Zur Geschäftsordnung I)— wollen Sie etwa daS Amt des Vorstehers sich anmaßen?— im Rahmen der geschäftsordnungsmäßigen Bemerkung, um Ihnen zu zeigen, wie wir über diese so lohale Art des Kampfes des Herrn Cassel und der Mehrheit denken, nehmen wir das letzte Mittel, das uns bleibt, in Anspruch, und so beantrage ich namentliche Abstimmung über den Schlußantrag.(Andauernde Unruhe.) Zum Worte sind noch gemeldet die Stadtvv. Singer, HerineS, Stadthagen und Ewald. Während der Ermittelung des Resultates giebt der Vorsteher dem Stadtv. Stadthagen zu einer persönlichen Bemerkung das Wort. Dieser beginnt damit, bis Zurufe aus der Versanunlung den Vorsteher veranlassen, den Stadtv. Stadthagen auf später zu ver- trösten. Der Schluß der Debatte wird mit 70 gegen 35 Stimmen beschlossen; Stadtv. Cassel enthält sich der Abstimmung. Stadtv. Stadthagen(persönlich): Es ist unwahr, daß Herr Cassel durch uns gehindert worden ist. sich ausführlich auszulasten. Er war vor Liebknecht gemeldet und hat sich dann streichen lasten. Das nenne ich illoyal.(Unruhe.) Dann soll ich die Oberverwalwngs- gerichts-Entscheidung unrichtig ausgelegt haben. Das ist nicht wahr. Ich habe bloß wörtlich vorgelesen, aber nicht da Halt gemacht, wie Herr Cassel, wo die Ausführung für in eine Deduktion ungünstig lautet: Bis zur Protokollierung hat der Wahlvorsteher das Recht der Interpretation, nachher nicht mehr.(Rufe: Persönlich! und große Unruhe. V o r st e h e r: Das ist nicht mehr persönlich!) Das ist wohl persönlich I Wenn mir jemand vorwirft, ich lege falsch aus, so ist das eine Verdächtigung.(Andauernder Lärm.) Borsteher: Wenn Cassel sagt, daß Sie falsch ausgelegt haben, so haben Sie das auch oft von andern gesagt, und das ist keine persön- liche Beleidigung. Stadtv. Stadthagen: Mir darf nicht unrichtig imputiert werden. Wenn ich wörtlich vorlese, lege ich nicht aus, Herr Vorsteher I(Der Länn dauert an: von den folgenden Vorgängen wird deshalb nicht alles für die Berichterstattung völlig deutlich.) Ferner hat Herr Cassel mir vorgeworfen, ich hätte gesagt. die Schwurzcugen seien unglaubwürdig. Das ist mir gar nicht eingefallen.(Neuer großer Lärm und stürmische Rufe: Persönlich! Vorsteher: Das ist wieder nicht persönlich!)... Sie wissen ja noch gar nicht, was ich sagen will.(Große Heiterkeit.)... Der lärmenden Umgebung, die immer wieder: Persönlich! Das ist nicht persönlich I ihm entgegen ruft, wirft der Redner entgegen: Das ist persönlich! Nicht Sie haben hier die Leitung, sondern Dr. Langerhans, wenn Sie ihn auch nicht mehr wählen wollen! Unter großem Tumult verläßt Redner die Tribüne, um sich alsbald wieder mit folgenden Worten an den Vorsteher zu wenden: Herr Kollege Mommsen hat die Liebenswürdigkeit gehabt, in den allgemeinen Wirrwarr hinein mir zuzurufen: Das ist eine Frechheit! (Stadtv. Mommsen bestättgt das.) Wenn Sie das gesagt haben, so sind Sie der Lümmel...(Das Folgende geht ,n dem im- beschreiblich wüsten Lärm, der sich nunmehr erhebt und aus dein die Worte: Pfui! Raus! Dresdener Parteitag! zu vernehmen sind, ver- koren.) Stadtv. Mommsen: Von dem. was ich gesagt habe. habe ich nichts zurückzunehmen. Da man mir aber nut Schimpfworten ant- lvortet(Stürmische Zurufe: S i e haben geschimpft!>. so erkläre ich: Ich habe vor mich hin als Frechheit bezeichnet, was Herr Stadthagen über den Vorsteher und seine Wahl sagte...(unverständlich) Ich bin nicht feige.(Minutenlanger Lärm. auS dem nichts Verstäub- knhes mehr zur Tribüne dringt.) Stadtv. Liebknecht versucht ebenfalls unter tosendem Larm der Mehrheit in persönlicher Bemerkung die AuSfühnmgen Cassels gegen ihn richtig zu stellen. Nach einer weiteren persönlichen Bemerkung des Stadtv. Cassel erNärt der Vorsteher: Ich muß Herrn Stadthagen zur Ordnung rufen, weil er den Ausdruck Lümmel gebraucht hat. (Großer Länn bei den Socialdemokraten: Mommsen hat Frechheit gesagt!) ES darf hier nicht länger geschimpft werden.(Der Lärm und'die allgemeine Erregung dauern an.) Stadtv. Stadthagen: Der Stadtv. Mommsen bemerke vorher. er habe eine meiner Bemerkungen eine Frechheit genannt und habe davon nichts zurückzunehmen. Diese ann, atzliche Art... (Vorsteher rügt den Ausdruck„anmaßlich") diese Art kennzeichnet den Herrn so achtungstief, wie ich ihn nie zu lennzeichnen wagen würde. Der Lümmel bleibt fitzen.(Erneuter Ausbruch der Entrüstung bei der Mehrheit.) Der B o r st e h e r ruft Stadthagen zum zweitenmakzur Ordnung unter wüstem Beifall der Mehrheit. Stadtv. Hoffmann(Soc.): Ich appelliere an da? GerechtigkeitS- gefühl des Herrn Präsidenten, auch den Stadtv. Mommsen für die „Frechheit' zweimal zur Ordnung zu rufen. DaS gehört sich so. �Andauernder, tobender Lärm.) Verantwortl.Redakteur: Julius Kaltsti inBerlin. Inseratenteil verantwortl.:( Stadtv. Mommsen; Herr Stadthagen kann mich schimpfen soviel er will, ich bleibe doch der, der ich bin. Das Wort, das ich vorhin gebraucht habe, ist vom Vorsteher durchaus mit Recht uuv von mir durchaus anerkannt als unparlamentarisch bezeichnet worden. Ich wiederhole es nicht, ich füge mich der Autorität des Vorstehers. Der Präjudicialantrag Augustin wird mit 82 gegcn�25 Stimmen abgelehnt, der Ausschußäntrag mit 73 gegen 34 Stimmen an- genommen und darauf in einfacher Absliinmung auch der Evenwal- äntrag Augustiu, die Instruktion betreffend, verworfen. Die übrigen Gegenstände der Tagesordnung werden abgesetzt und die Sitzung nach'/slO Uhr geschlossen. GewerhrchaftUcbca. Crimmitschau. Neue Bcrmittelungs-Bersuche. In Crimmitschau werden nunmehr, wie es scheint, ernsthafte Vermittelungsversuche gemacht. Die Anwesenheit des Herrn Professor B ö h m e r t. wenn sie auch einen direkten Erfolg nicht brachte, hat wenigstens dazu gedient, das Terrain gewissermaßen zu sondieren und Klarheit über die Stimmung der Parteien zu schaffen. Jetzt hat endlich, wenn man dem„Berliner Tageblatt" glauben darf, auch die sächsische Regierung Veranlassung genommen, einen mit amt- I i ch e n Vollmochten ausgerüsteten Vermittler nach Criinmitschau zu entsenden. Sie soll den Geheimrat Ministerial-Direttor Roscher mit der Aufgabe betraut haben, zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln. Hoffentlich haben die erneuten Bestrebungen Erfolg. Wenn überhaupt, wäre jetzt der Moment gekommen, wo im Jnteresje der Crimmitschauer Industrie die Arbeitgeber sich zu der Friedensliebe entschließen sollten, welche die Arbeiter von Anfang an gezeigt haben. Wird jetzt Frieden geschloffen, dann ist es noch möglich, die Wintersaison für Crimmitschau zu retten. Kehren die ausgesperrten Arbeiter in die Fabriken zurück, so können ihre geübten Hände in wenigen Tagen die neuen Musterkollekttonen herausbringen, und da die Abnehmer der Crimmitschauer Industrie sicher sind, daß nach Friedensschluß die Bestellungen auch erledigt werden können, wird es auch an Aufträgen nicht fehlen. Die Vorschläge des Herrn Professor Böhmrrt. Herr Professor Böhmert veröffentlicht jetzt in der„Socialen Korrespondenz" die Vorschläge, welche er in Crimmitschau zur Bei- legung des Konfliktes machte. Es sind ihrer drei, welche die so- genannte„Machtftage" unberührt lassen und keinem Teile eine Niederlage bereiten, wohl aber beiden Teilen ein ehrenvolles Eni- gegenkommen erleichtern. 1. Der erste Vorschlag ging dahin: anstatt des jetzt bestehenden llstiindigen und des gewünschten 10 stündigen Arbeitstages um des lieben Friedens willen einen Iv'/s stündigen Arbeitstag beiderseitig zu vereinbaren. 2. In zweiter Linie wurde vorgeschlagen, beiderseitig das Crimmitschauer Gewerbegericht als Schiedsgericht anzurufen und noch vor Jahresschluß die gemeinschaftliche Arbeit wieder zu beginnen. S. In dritter Linie wurde empfohlen, zur Ueberwindung der Verbitterung, welcher jeder lange Stteik zurückzulassen pflegt, als dauernden Friedensschluß in recht vielen Crimmitschauer Betrieben eine Fabrikgenostenschaft oder„eine Vereinigung zwischen Unternehmern und Arbeitern" auf Grund der§§ 22 bis 54 des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs zu begründen. Der dritte der gemachten Vorschläge ist natürlich absolut un- diskutabcl: es ist eine Utopie, an deren Verwirklichung weder Arbeiter noch Unternehmer denke». Von feiten der Arbeiter ist daS Herrn Profestor Böhmert auch gesagt worden. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen sind in der Crimmitschauer Texttlindustrie derart schlechte, daß kein von Arbeitern selbständig oder auch mir verantwortlich m i t geleitetes Unternehmen eine Stunde lang zu solchen Bedingungen producieren dürfte. Ein Arbeiter- Unternehmen müßte in socialer Beziehung ein Muftcrinstitut sein, hätte aber außer>nit der Schmutz- konkurrcnz der Privattndnstrie auch noch mit dem Vorurteil der Abnehmer zu kämpfen, die für die Textilindustrie keine Klassen- genosscn der Arbeiter, sondern selbst Großunternehmer find, welche als Koiifekttouäre-c. in puncto des socialen Empfindens selbst von Herrn Professor Böhmert nicht allzu hoch«ingeschätzt werden dürsten. Die besseren Arbeitsbedingungen eines von Arbeitern ge- leiteten Institutes wären in diesen Kreisen kaum eine Empfehlung der gelieferten Ware. Was den Verlauf der Verhandlungen betrifft, so teilt Herr Professor Böhmert mit: „lieber die obigen drei Bermittelungsvorschläge haben nun in den Tagen vom 21.— 23. Dezember lebhafte Vergleichs- Verhandlungen mit den Verbänden der Unternehmer und Arbeiter und zwar in Crimmitschau selbst statt- gefunden. Die letzte Verhandlung wurde mit den Vertretern der Arbeiterschaft gepflogen und von denselben die Ge- ncigtheit zu erkennen gegeben, auf den vorgeschlagenen 10>/z- stündigen Arbeitstag ohne Hereinziehung der Lohnftagc und der sogen. Dkachtsrage einzugehen. Die Vertreter der Arbeiterschaft erklärten ausdrücklich, daß die sachliche Schwierigkeit, alle jetzt feiernden Arbeiter sofort wieder zu be- fchäftigen, keinen Hinderungsgrund der Eini- gilng zu bilden brauche und daß eine Aussprache und Einigung vor dem Gelverbegerichte von ihnen gewünscht werde und schon ftüher beantragt worden sei. lieber diese letzte Ver- Handlung mit den Vertretern der Arbeiter konnte bisher den Vertreter» der Unternehmer und den städtischen Behörden in Crimmitschau nur schriftlicher Bericht erstattet werden, da der Ver- mittler nach dreitägiger Anwesenheit genötigt war, von Crimmitschau wieder abzureisen." Die Arbeiter haben demnach ein Entgegenkommen und eine Mäßigung gezeigt, die nach den» langen und mit Erbitterung ge- fübrtcn Kainpfe geradezu bewunderungswürdig genannt werden müssen. Und daS sind dieselben Leute, welche die kapitalistische Hetz- presse und ihr nachbetend selbst hohe Würdenträger des schlimmsten TerroriSmuS angeklagt haben!— Möge ihre Bereitwilligkeit zum Frieden, die den Siegern so schön ansteht, den Hetzern aus dem Unternehmerlager als Vorbild dienen! Berlin und llmgegenck. Frieden im Berliner Droschkcngewcrbe in Sicht! Der Streik und die Aussperrung im Droschkcngewerbe gehen jetzt anscheinend ihrem Ende entgegen. In einer Versammlung der Taxameterdroschken-Besitzer, die gestern im„Prälaten" stattfand, wurde im Anfang zwar noch stark ins Horn geblasen, ani Schlüsse aber die Friedensschalmci geblasen. Zunächst gab der Vorsitzende bekannt, daß 21 neue Kutscher zu 40 Proz. der Einnahme in Dienst getreten, mithin mit den bereits gemeldeten 120 zusammen 141 Kutscher eingestellt seien; 15 hätten sich gestern gemeldet, die »och der Fahrschein-Erteilung warteten.(Hierbei ist nicht zu über- sehen, daß in diese Zahlen die Söhne der Fuhrherren mit ein- begriffen find.) Außerdem sollen sich angeblich am Montag 30 Kutscher aus andren Berufen zum Dicnstcinttitt gemeldet haben. Es wurde angeregt, mau möge doch bei der zuständigen Behörde H.Glocke in Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Bachdruckerei n. Verlagsamtalt dahin� vorstellig werden,»aß auch Kutschern, die kleine Straf« verbüßt haben, die Fahrrrlaubuis(wie beim OmnibuSstreik) er» teilt werde._ Ein Redner führte Klage darüber, daß mehrere Kollegen Kutscher beschäftigen, die wohl einen Schein unterschrieben hätten, daß sie mit 40 Proz. der Einnahme im Dienst seien, aber in Wirklichkeit einen viel höheren Lohn bezögen; dieses wisse er aus bester Quelle! Das Geld zur Unterstützung der Ausgesperrten und Streikenden reiche nicht aus, man solle nur den 1. Januar heranlommcn lassen, die Äliiete und dringende Rechnungen, dann würden die Kutscher schon zu Kreuze kriechen. Ter Kampf müsse zu Ende geführt ivcrdcu, dann wäre für Jahre hinaus Ruhe im Gcioerbc.„Tie Kutscher müssen gezwungen werden, daß sie für den Lohn fahren, d c n w i r i h u c n g e b c n, nur dann bleiben wir Herren im Hause!" Zur besseren Fortführung des Kampfes, um wankelmütige Kollegen festzuhalten am Vertrage, wird die materielle Unterstützung der wirrschaftlich Schwachen angeregt und tverden auch von verschiedenen Seiten 100. 200 M. und mehr zu diesem Zwecke als Beisteuer versprochen: jedoch wurde diese Au- regung nicht weiter verfolgt. Dieser Streik sei nicht mit den Streiks in den Gewerkschaften(Maurern. Zimmerern usw.) zu vergleichen, bei einem solchen Streik könnten sich die Arbeitgeber schließlich durch höhere Preise schadlos halten: das letztere treffe hier nicht zu. Die Kutscher hätten den Streik proklamiert, nun müßten sie auch den Schaden tragen. In dieser Art gingen die Ausführungen noch eine ganze Weile fort, bis schließlich die Mehrheit der Versanunlung doch zum Frieden neigte. Es lagen verschiedene Anträge vor:„Die Fuhrherren sind bereit, in Verhandlungen einzutreten, sobald der Streik aus den 8 Fuhrhöfcn seitens der Kutscher aufgehoben und die betreffenden Kutscher daselbst wieder in Dienst treten." Der zweite Autrag:„Zu fordern, daß die Kutscher zuvor überall zu 40 Proz. die Arbeit wieder aufzunehmen haben, dann solle in Ver- Handlungen eingetreten werden." Der dritte Antrag:„An den 40 Proz. sei überhaupt nicht zu rütteln, diese müßten bei den Verhandlungen ganz aus dem Spiel bleiben." Allen diesen Anträgen traten jedoch mehrere Redner entgegen, die zum Frieden mahnten, und so drang endlich folgender milderer Antrag durch: „Wenn die Streikkommission an den Vorstand des Verbandes herantritt, ist derselbe zu Verhandlungen bereit, und sollen dies« im„Prälaten" stattfinden." Wie wir mitteilen können, ist die Streikkommission auf diesen Beschlus- hin mit den Unternehmer» in Verbindung getreten. Tie Verhandlungen werden im Lause des heutigen Tages stattfinden. Huatand. Die Neunstundenbewegung der Diamantarbeiter. Die Amster» damcr Juweliervereinigung hat ebenfalls den Antrag der Diamaut- arbeitet auf Einführung des neunstündigen Arbeitstags einstimmig abgelehnt. In dem Schreiben, wodurch die Unternehmer diesen Be- schluß dem Verbandsvorstand der Diamantarbeirer mitteilen, wird unter andern: ausgeftihrt: die Diamantarbciter-Organisationen im Ausland hätten nur wenig Macht. Es habe sich gezeigt, daß sie, gemeinsam mit dem Niederländischen Verband, nickt einmal im stände wären, die SOstllndige Arbeitswoche international durchzuführen. Letzte IVachrichten und Depefeben. Köln, 29. Dezember.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In Ver- folg des seit einigen Monaten bereits zwischen den Krankenkassen und den Acrzten bestehenden Kampfes, erläßt der Vcrlrauen'ausschuß der Kölner Aerzte eine öffentliche Erklärung, wonach letzt:.:r de- schlössen, ab 1. Januar jede ärztliche Thätig'keit für die Mitglieder der Kölner Krankenkassen einzustellen. Der Krankenkassen-Bcrband hat von auswärts Aerzte herangezogen, denen die Behandlung der Krankenkassen-Mitglieder überttagen wird. Internationale Verkürzung der Arbeftszrit. Manchester, 29. Dezember.(W. T. B.) In der Versammlung der Baumwollspinner wurde noch mitgeteilt, daß auf die vor einiger Zeit an die Baumwollfabrikanten im Auslände gesandten tele- graphischen Aufforderungeii zur gemeinsamen Einführung der ab» gekürzten Arbeitszeit nunmehr die Antworten eingegangen seien. Dieselben weichen nach ihrem Inhalt von einander ab und machen die Schwierigkeiten klar, welche der Erwirkung eines internattonalen llebereinkommens entgegenständen. Russisch-Französischc Freundschaft. Paris, 29. Dezember.(W. T. B.) Der russische Botschafter Nclidow überreichte heute nachmittag dem Präsidenten Loubct sein Beglaubigungsschreiben und hob in seiner Ansprache hervor, daß Kaiser Nikolaus ihn beaustragt habe, dem Präsidenten die Gefühle seiner aufrichtigen Freundschaft und sein hohes und sympathisches Interesse für Frankreich zum Ausdruck zu bringen. Der Kaiser habe ihm befohlen, alle Sorgfalt der Erhaltung und Entwicklung der innigen Bande, die beide Länder vereinigten, zu widmen. Ihre Alliance, die ihren politischen Interessen als Schutz diene, stelle ein kostbares Pfand für die Aufrechterhaltung des Friedens dar. Loubet erwiderte, daß Frankreich mit Freude die neue Versicherung des Interesses annehme, die ihm der großmütige Herrscher, dem Frank- reich selbst seine Zuneigung geschenkt habe, gebe. Die frmczösische Regierung, die die Gesinnungen FranLreicH kenne, werde nicht aushören, an der Entwicklung der innigen Alliance zu arbeiten, in der die beiden Länder die Sicherheit für ihre Interessen, die Frei- heit für ihre übereinstimmende Politik und die Welt einen wesentlichen Bestandteil für das allgemeine Gleichgewicht und ein Unterpfand des Friedens gefunden hätten. Crimmitschau, 29. Dezember.(W. T. B.) Wie daS Crimmit- schauer Tageblatt" meldet, sind die Vermittelungsversuche deS Geh. Regierungsrats Professors Böhmert als vollständig gescheitert zu bettachten. Dieselben sind von dem Spinner- und Fabrikanten- verein nicht angenommen worden. Die Industriellen stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Verkürzung der Arbeitszeit nur erfolgen könne, wenn die im Wettbewerb mtt Crimmitschau stehenden deutschen Industriestädte die Arbeitszeit ebenfalls ver- kürzen und daß bis dahin eine vollständige Wiederaufnahme der Arbeit nur zu den alten Bedingungen erfolgen könne. Port Arthur, 28. Dezember.(Telegramm der Rnssifchen Telegr.- Agentur.) Rowij Krai schöpft aus der Auflösung des japanischen Parlaments und dem Aufschub der Reuwahlen die Hoffnung auf einen günstigen Ausgang der diplomatischen Ver- Handlungen und sagt, Rußland, daS auf alle Even- malitätcn vorbereitet fei, wünsche keinen Krieg; wenn die von Japan gewünschten neuen Zugeständnisse die aus der natürlichen Einflußsphäre Rußlands fließenden organischen Rechte nicht beeinträchtigten, so werde die Friedensliebe Japans einen Widerhall bei der russischen Regierung finden. Daher fei der polittsche Horizont des Ostens nicht so bewölkt, wie manche glauben machen wollten: doch tauchten an demselben noch unheilvollere, noch nicht scharf umgrenzte Wolke» auf: des pan- mongolischen Bündnisses Devise„Asien für die Asiaten" sei ausgegeben worden: die gelbe Gefahr rücke heran: die Sprache des Blattes, Shanghai Mercury" berechtige zu der Annahme, daß es sich in den Dienst einer der japanischen Fortschrittsparteien gestellt habe: und ob- gleich in der Presse des Auslandes sowohl im Mutterlande wie in den Kolonien hinsichtlich Rußlands Stille eingetreten sei, so sei dieser Stille doch nicht ganz zu tränen: die Engländer drängen in Tibet vor; die Amenkaner hätten die Ratifizierung des Handelsvertrages mit China erlangt und Riißland müsse auf der Hut sein und durchaus für den statu? quo in China ein- stehen.„Rowij Krai" konstatiert mit Genugthunng. daß letzteres als Grundsatz der russischen Politik jetzt einstimmig von der Presse des centralen Rußlands anerkannt werde._ Jaul Singer& Co., Berlin 8 V. Hierzu» Beilagen«.NnterhaltungSblatt Nr. 303. 20. Jahrgang. 1. KcilM des Amilrls" Kerlim DslksdlR Mitwoch, 30. Aezember M3. Zur Spaltung in Armentiöres- Houplines. Paris, 23. Dezember.(Gig. Ber.) Wie bereits gemeldet, beschuldigen der Spaltung die lokalen Streilfiihrer die Lillcr Genossen, die streikenden Textilarbeiter„der- lassen" zu haben, und begründen hauptsächlich damit ihren Austritt aus der Partei. Zur Prüfung der Angelegenheit hatte die Organisation von Armentisres-Houplincs ans Antrag des nordischen Födcralkomitees eine Untersuchungs-Kom- Mission eingesetzt, die aus je zwei Vertretern der vier Sektionen der genannten Städte unter dem Vorsitz eines ivtitgliedes der nordischen Parteileitung gebildet wurde. Die Spaltungs- lustigen aber sind aus der Partei ausgetreten, ohne das Re- sultat der Untersuchung abzuwarten. Noch mehr. Daudrumez, Maire von Armentieres, und Redakteur R i v o l a verdächtigen in ihrem Demissionsschreibcn die Kommission von vorn- herein in schwerer Weise. Die beweislosen Beschuldigungen seitens der Dissidenten werden schlagend widerlegt durch den Bericht der Kommission, den D e l o r y. Abgeordneter und Maire von Lille, als Vertreter der nordischen Parteileitung verfaßt hat. Der umfangreiche Bericht bc- handelt die Streitigkeiten Tag für Tag und läßt überall Dokumente und feststehende Thatsachen sprechen. Ich kann daraus nur daS Wichtigste hervorheben. Die Streitigkeiten zwischen Lille und den lokalen Streikführern hatten zum sachlichen Ursprung eine verschiedene Stelliiuguahme zur Frage, ob die urwüchsig ausgebrochene Streikbewegung von Ärmentieres-Houplines zu einem Generalstreik zu erweitern sei oder nicht. Der in Lille domizilierte Vorstand des allgemeinen Textilverbandes, in welchem Parteigenossen sitzen, sowie die nordische Parteileitung verwarfen die Ver- allgemeinerung des Streiks als unzeitgemäß, aussichtslos und dem Beschluß des letzten Textilkongresses von Saint-Etienne wider- sprechend, der einen Generalstreik eventuell auch für das Frühjahr 1904 in Aussicht genommen hatte. Die lokalen Streikfllhrer aber verfielen in den in Frankreich grassierenden Fehler, einen schlecht vorbereiteten Lokalstreik dadurch retten zu wollen, daß nian ihn aus dem Handgelenk zu einem Generalstreik erweitert. Diese sachliche Differenz führte zu Reibungen, die von den nordischen„im- abhängigen" ministeriellen Socialisten, vor allem von ihrem Liller Tageblatt„Reveil du Nord", zu einer regelrechten Hetze gegen Delory und Genossen wegen ihrer angeblichen lln- thätigkeit ausgenutzt wurden, um die nordische Parteiföderation zu schwächen. Und sie wurden dabei unterstiitzt namentlich von Rivola, dem Redakteur des Partei-Wochenblattes von Arnientiöres, „Avenir", der zugleich Korrespondent des„Röveil du Nord" ist. Wemi aber die Dissidenten dem Liller Partei-Organ„Travailleur" eine„Lügen- und VerleumdungScainpagne" vorwerfen, so erledigt sich der Vorwurf schon dadurch, daß der„Travailleur" erstens in be- rechtigter Notwehr sich befand und zweitens als Wochen blatt es mit der Hetze des ministerialistischcn Tage blattes jawohl nicht aufnehmen konnte. Der erste Angriff auf die Partei erfolgte im„Reveil" schon am 7. Ottober, das ist fünf Tage nach dem Beginn des Streiks, in einem Arttkel:„Ermahnung zur Pflicht". Am 10. Ottobcr ver- öffentlichte der„Reveil" einen Artikel von JaureS über den Streik, um so JaureS' Einmischung in die Bewegung vorzubereiten. Am 11. Oktober sollten in Armcntiöres Guesde und Delory eine öffentliche Versammlung abhalten, die bereits vor dem Aus- bruch des Streiks von der Partcisektion beschlossen worden war. Bei dieser Gelegenheit richtete der spätere Dissident P o t t i e r, Gemeinderats-Mtglicd und Sektionssettetär von ArmentiereS, an Delory einen Brief unterm 9. Oktober, worin er ihm und dem Textilvorstand die gleichen untvahren Vorwürfe wie der„Reveil" machte und ihn ain Schluß im Namen des Settionsvorstandes bat, „im Interesse seiner persönlichen Sicherheit und um die Partei nicht zu kompromittieren", Guesde nach ArmentiereS nicht zu begleiten!... Der Bericht sagt zu diesem Brief:„Was erstrebte man? Daß die beiden Redner(Guesde und Delory) in einem Anfall von Ent- rüstiing sich weigern würden, nach Armentiöres zu gehen? Das Ivürdc gewissen Leuten zuviel Vergnügen gemacht haben. In lieber- cinsninmung mit GueSde wurde nun beschlossen, daß er allein nach Armentieres gehen wird..." Delory aber antwortete Pottter unterm 10. Oktober in einem Briefe, der die. Haltung der Partei und deS Textilvorftandes seit dem Beginn dcS SttciiS ins rechte Licht rückt: „... Bereits feit langen Jahren hält die Partei dafür, daß wir keine Streiks zu provozieren haben, llnsre Rolle ist es vielmehr, uns den kämpfenden Arbeitern zur Verfügung zu stellen, wenn sie unsre Mitwirkung verlangen. Im gegebenen Falle hatten wir die- selbe Haltung zu beobachten. Als ich daher am Sonnabend, den 3. Oktober, erfuhr, daß die Nichtorganisierten Arbeiter von HouplineS und Armentieres in den Streik getreten seien, hätte ich teilnahmslos bleiben können. Trotzdem aber habe ick in Abwesenheit von Renard, dem Sekretär des Textilverbandes, Creton, den Sekretär der Liller. Textilgewerkschaft zu mir rufen lassen und ihn ersucht, nach Roubaix zu gehen, um sich dort mit Lepers, dem Kassierer des Textilverbandes, zu verständigen über die im Falle der Ausdehnung der Bewegung zu beobachtende Haltung. Ich verhehlte Creton nicht, daß ich diese Bewegung als nicht zeitgemäß betrachte, daß sie den Beschlüssen des letzten Textil- longresses zuwiderläuft, die Organisationen unvorbereitet über- rascht und da unter diesen Umständen eine allgemeine Bewegung in der nordischen Region von den übrigen Textilarbeitern Frank- rcichs nicht mitgemacht werden kömite. Sie würde also nur zum Vorteil der Unicrnehniertums ausschlagen, indem sie die Energie der Arbeiter vor der rechten Zeit zwccklvidrig erschöpfen würde. „Arn Sonntag ersuchte ich Gohier«den Maire von HouplineS) telegraphisch nach Lille zu kommen, um über die Lage zu beraten, er konnte erst am Montagnachmittag kommen. Da wurde von allen an- wescnden Kameraden anerkannt, daßman einer Agitation gegenüberstehe, die keinen ernsten Ausweg bietet. Es wurde daher beschlossen, danach zu streben, von den Arbeitern Delegierte nach Werkstätten wählen zu lassen, die die Wiederaufnahme der Arbeit unter folgenden Bedingungen vorschlagen würden: 1. Wahl einer unternehmerlichen Delegation, die das Mandat hätte, mit dem durch Werkstätten- Delegierte verstärkten Gewerkschaftsvorstand über einen neuen Tarif auf Grundlage der neuen Arbeitsbedingungen(d. i. des Zchnsnmden- tages) zu beraten. 2. Inzwischen vollständige und soforttge Durch- füyrung deS Tarifs von 1889. 3. Zurückziehung der Truppen..." Zum Schluß erinnert noch Delory daran, daß die Delegierten von ArmevtiöreS, Houplines und Lille durch seine Vermittlung den Präfckten ersucht haben,„die Rolle eines Versöhners zwischen Unter- nehmern und Arbeitern zu übernehmen". Ein Beweis,„wie wenig es sich um eine revolutionäre Gesamtbewegung handelte. Seither habe ich versucht und werde weiter versuchen, die Belvegung einzu- dämmen, um eine minder große Zahl von Streikenden vor mir zu haben, und werde niich bemühen, ihre Forderungen durchsetzen zu helfen..." Am gleichen Tag, 10. Oktober, veröffentlichte Redatteur Rivola im„Avenir" einen kopflosen Artikel, der die vielfach so rückständige Arbeitcrmasse zu bethören geeignet war. Es heißt da, daß die Re- gierung auf die bewaffnete Macht nicht rechnen könne, so daß sie angesichts der drohenden Revolution gezwungen sein werde, � sofort eine Arbeiterschutz-Gesctzgebung zu schaffen:„Rur unter dieser Be- dingung werden die Proletarier darauf eingehen, die endgültige Revolution zu vertagen..." Der ganze Verlauf und der Ausgang des Streiks haben Delory und dem Vorstande des Allgemeinen Texttlverbandcs recht gegeben. Die Generalstteik-Bewegung erlosch binnen wenigen Tagen wie ein Strohfeuer. Die Arbeiter von Annentieres-Houplines aber lvehrten sich auf den Boden eben der Forderungen zurückzuziehen, die von Delory gleich in den ersten Tagen mit klarem Blick formuliert worden waren. Und diese Forderungen wurden schließ- lich auch durchgesetzt— freilich unter der Firma der ministeriellen Socialisten... Gegenüber den fortgesetzten Angriffen des„Reveil du Nord" versuchte Delory am 11. Oktober sich in diesem Blatt zu wehren. Speciell gegen die Anschuldigung, daß das Liller Streikkomitee, dem auch Delory seit dem 8. Oktober angehörte, in Unthätigkeit verharre, schrieb dieser: „Ich protestiere gegen diese Behauptung, die geeignet ist, die moralische Autorität des Komitees herabzusetzen, deren es so sehr bedarf, um die Interessen der Streikenden wahrzunehmen. Aber das Seltsame bei der Sache ist, daß Ihr Bedürfnis nach Kritik Sie verhindert, klar zu sehen. Sie haben selbst stets verlangt, daß man einen einheitlichen Tarif durchsetze. Sie müßten nun wissen, daß, trotz der entgegenstehenden großen Schwierigkeiten, die am 8. Oktober bei der Präfcktur von der Arbeiterdelegation unter meiner Bc- teiligung niedergelegten Tarife eben Tarife sind, die von allen und für alle gefordert werden. Sie fragen, warum das Liller Komitee unthätig bleibe? Bei uns hat man eben die Gewohnheit, nur das zu thun, was von der Gesamtheit der Arbeiterkräfte bc- schloffen ist. Man hatte im Namen Aller Forderungen eingereicht, man mußte also eine Antwort abwarten... Erst heute, wo wir die Antwort dieser Herren(der lliileruehmer) kennen, werden wir Veranlassung haben, neue Beschlüsse zu fassen, und zwar nur für Lille und Umgebung, da seit gestern beschlossen wurde, in den einzelnen Abteilungen(der Strcikrcgion) selbständig vorzugehen..." Unnütz zu sagen, daß das m i n i st e r i a l i st i s ch e Blatt das Abwehrichreibcu Delorys nicht veröffent- licht hat! Am 12. Oktober veröffentlicht Rivola, der Verfaffer des er- wähnten Brandartikels, im„Reveil" einen Brief an— Jaures, um dessen Einmischung herbeizuführen I Auf der andern Seite er- fuhr Guesde während seiner Anwesenheit in Armentieres(Ver- sammlung vom 11. Oktober), daß die von Delory vor sechs Tagen formulierte Forderungsliste von Sohier dem Streikkomitee nicht einmal bekannt gegeben worden war. Guesde wollte nun, nachdem er am Nachmittage einen allgemeinen socialdemo- kratischcn Vortrag gehalten hatte, am Abend speciell über den Streik sprechen, aber unter der Bedingung, namens des Streikkomitees Delorys Vorschläge vor den Arbeitern zu erläutern. Das wurde ihm abgeschlagen, und so sprach er über den Streik nicht. Ich muß abkürzen. Am 18. Oktober fand das Referendum statt auf Grundlage einer vom Präfctten formulierten Fragestellung, die nichts andres war als eine Zusammenfassung der ursprünglich von Delory formulierten Forderungen. Die bekannten Kiatvalle des 13. Oktober sowie das Fiasko der Gcneralstreik-Phantasien hatten nämlich inzwischen die lokalen Stteikführer ernüchtert. Nun war aber auch für die nordischen Ministeriellen der richtige Moment da, die Früchte der vernünftigen Wendung einzuheimsen, der sie bis dahin— im sonder- baren Gegensatz zu ihrer jonstigen lcisctreterischen Taktik— ent- gegengearbeitct hatten, Am 20. Oktober wurde in ArmentiöreS beschlossen, Jaures und einige seine» Fraktionskollegen zur Agitation einzuladen. Die Initiative aber zu diesem Beschluß ging aus voni Liller BerständigungS- komitee der„unabhängigeu" nordischen Ministeriellen.(Siehe „Reveil" vorn 25. Lktöber.) Zudem bestreiten zwei Mit- glieder des Streikkomitees, der Sekretär Lcfebvre und Hoet, daß das Komitee überhaupt jenen Beschluß gefaßt hätte. Anfänglich nahm man überhaupt davon Abstand, an socialistische Deputierte sich zu wenden— aus Rücksicht aus den nichtsocialistischen bezw. unter klerikalem Einfluß stehenden Teil der Streikenden, Als man aber später andren Sinnes wurde, sprach man sich aus für die Einladung socialistischer Deputierten überhaupt, ohne irgend- w e l ch e N a m e n zu nennen. Daraufhin tväre ohne speciellen Komiteebeschluß die Einladung von Jaurös und Genossen durch die „Unabhängigen" herbeigeführt worden. Dagegen erfolgte noch immer keine Einladung an die rebo- lnttonär-socialiftischen Deputierten, trotz der von Delory wiederholt angebotenen Mitwirkung, Noch mehr. In derselben Streikoersammlung vom 20. Oktober, wo Sohier unter einer Lobeshymne auf Jaures die Einladung der nünisteriellen Redner ankündigte, gebrauchte er Wider besseres Wissen gegenüber den Parteivertretern die ver- dächtigendc Wendung, daß das Streikkomitee annehmen wolle, auf die socialistischen Deputierten aller Richtungen rechnen zu können. Delory richtete nun an das Streikkomitee unterni 21. Oktober ein Protestscbreiben gegen Sohiers Verdächtigungen, mit der Bitte, davon die nächste Streikversammlung in Kenntnis zu setzen. Der Brief fiel aber in die Hände Sohiers und dieser behielt ihn einfach in der Tasche I Trotz alledem ließ sich Delory natürlich davon nicht abhalten, in der Kammersitzung vom 22. Oktober— Jaures war abwesend, er sprach am gleichen Tag in Armentieres— die Sache der Streikenden zu führen und Sohier gegen die Angriffe des melinisti- schen Abgeordneten von Armemieres, Dansette, zu verteidigen. Erst am 23. Oktober erfolgte endlich— infolge der Besprechung Delorys mit den genannten nach Lille herübergekommenen zwei Mitgliedern des Streikkomitees— eine Einladung an die revolutionär- socialistische Kammerftaktion. die dann selbstverständlich wiederholt ihre Redner nach dem Stteikgebiet sendete. Inzwischen dauerte die Polemik mit ungleichen Waffen zwischen dem ministerialistischen Tageblatt„Reveil" und dem Wochenblatt der Partei„Travailleur" fort. Am 3. November erschien im„Reveil" ein Protest des Streikkomitees gegen einen Artikel des„Travailleur". Am 4. November beschlossen die'Vorstände der vier Parteisektionen des KantonS von ArmentiereS nach Anhörung Delorys die Ein- setzung der Eingangs erwähnten Untcrsuchungskommission, die aber erst nach Beendigung dcS Streiks in Thätigkeit ttcten sollte. Ferner wurde beschlossen, daß die Parteigenossen, die Mitglieder des Streik- komitees sind, diesen vorschlagen sollten, von den Zeitungen das Einstellen jeder Polemik zu verlangen. Dieser Vorschlag wurde aber vom Stteikkomitce abgelehnt. Der Bericht bespricht noch die den Lesern bekannte Haltung der beiden Kammcrfrattionen und die offen parteischädigende Redakttons- führung des„Avenir d'Armentiöres" durch Rivola. Erst zwei Wochen nach Beendigung des Streiks, anfangs Dezember, bemächtigte sich die Parteisektion wieder der effektiven Leitung ihres Organs, nachdem Rivola den Chefredakteur, wie Ge- nosse Delory mir mündlich mitteilt, durch eine Deklaration bei der Präfektur den der Partei treugebliebencn Ver- antwortlichen Ganquie verdrängt hatte. Daraufhin aber erhob Rivola den Anspruch, Eigentümer des Blattes zu sein. Der Zwist endete, wie bekannt, mit dem Eingehen des„Avenir". Die Partei- organisation wird jedoch nächstens ein neues Organ für ArmciitiöreS schaffen.—' partei-JNfaebnehten« Eine Konferenz socialdenwkratischer Gemeindevertreter, die erste dieser Art, fand am Sonntag vor Weihnachten in Wien statt. Sie beschäftigte sich mit Fragen des Gemeindewahlrechts, des Armen- »nd Heimatsrechts, Schulwesen und Arbeiterangelegenheiten. Ihre Forderungen wurden in folgenden Resolutionen niedergelegt: Gemeindewahlrecht. Es ist die Pflicht der socialdemokratischcn Gemeindevertreter, allüberall für die Erreichung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts auch für die Gemeinde— also für die Aufhebung der Wahlkörper— einzutreten. Die von den Christlichsocialen im niedcrösterreichischen Landtage beschlossene Gemeindewählordnung be- raubt einen großen Teil arbeitender Steuerzahler ihres aktiven und passiven Wahlrechts. Es ist daher eine von den Christlichsocialen bewußt verbcitete Unwahrheit, wenn unter Hinweis ans die Schaffimg einer Badenischen Kurie(vierter Wahlkörper) von einer Erweiterung des Wahlrechtes gesprochen wird. Durch die ausschließlich im In- teresse der christlichsocialen Partei beschlossene Wahlordnung wird überdies die Autonomie der Gemeinden schwer geschädigt und das Wohl der Bevölkerung einer Anzahl Personen ausgeliefert, die nach ihrem Belieben, ja oftmals nach persönlichen und StandeSiuteressen in der Gemeinde schalten und walten. Die Konferenz erklärt das Wahlkörpersystem für eine Fälschung des Volkswillens, welche das größte Mißtrauen hervorruft, weil eine solcherart zu stände kommende Gemeindevertretung niemals VertraucnSbehörde aller sein kann, und erwartet auch von den socialdcmokrattschen Gcmeindevertretern. daß sie überall die Volksfeindlichkeit dieser Wahlordnung und deren Resultate aufdecken werden. Zugleich protestiert die Konferenz auf das entschiedenste dagegen, daß die Regierung etwa den vom nieder- österreichischen Landtage beschlossenen Entwurf zur Sanktion empfiehlt. Die anwesenden Gemcindevertreter werden beauftragt, in der nächsten öffentlichen Sitzung den Antrag zu stellen, daß auch ihr Gemeinde- ausschuß sich diesem Protest anschließe. Armen- und Heimatsrecht. Die erste Konferenz der Gemcindevertreter Niedcrösterreichs erblickt in der Armenverforgung, die den Gemeinden obliegt, ein gänzlich unzulängliches Instrument, das seinen Zweck, eine Alters-, Jnvaliditäts-, Witwen- und Waisenversorgung den mittellosen Ge- mcindeangchörigcn zu gewähren, nicht erfüllt. Die Gemeinden können zum Teil die Lasten, die eine wirkliche Armenpflege erfordert, nicht tragen, zum Teil fehlen der gute Wille und die Einsicht, die Pflicht gegen erwerbsunfähige Gemeindeangehörige vollständig zu erfüllen. Die Gemeindcvertretcr Nicderösterrcichs, die an dieser Konferenz beteiligt sind, erachten es daher als eine unabweisbare Pflicht der Gemeindevertretungen, energisch einzutreten für die Durchführung der staatlichen Jnvaliditäts- und Altersversicherung, der Witwen- und Waisenversorgung. Schon jetzt erachten es jedoch die socialdcmokratischen Gemeindevertreter als ihre Pflicht, allen Maßnahmen entgegenzutreten, die gegenwärtig von den einzelnen Gemeinden ergriffen werden, um sich der ihnen obliegenden Armen- Versorgung durch Gewährung des notwendigen Unterhalts und der Verpflegung im Falle der Erkrankung zu entziehen.� Dazu gehört: die Verweigerung der Unterstützung an Personen, die erwerbsfähige Arbeiter zu ihren Verwandten zählen, die Verweigerung der Unter- stützung an nicht in der Gemeinde domilizierende Gemeindeangehörige und die Verweigerung von Erziehungsbeiträgen für solche Personen, die außerhalb des Gcmeindegcbietes wohnen. Tie Konferenz fordert mit aller Entschiedenheit, daß auch die von den Gemeinden erhaltenen Verpflegungsstationen künftig vom Staate übernommen werden, schon jetzt aber derartige Reformen ge- troffen werden, die reisenden Arbeitern thatsächlich zum Wohle ge- reichen. Insbesondere werden die socialdemokratischcn Gemeindcvertrcter entschieden gegen die neuen Bestimmungen, die der nicderösterreichischc Landtag bezüglich der Verpflegungsstationen angenommen hat, bei jeder Gelegenheit Front zu machen. Der Zwang, bei schlechtester Ent- lohnung Arbeit zu nehmen, schädigt nicht nur die reisenden, die Ver- pflegungsstationcn in Anspruch nehmenden Arbeiter, sondern auch die Arbeiter am Orte der Verpflegungsstationen, und es ist daher dringend zu veranlassen, daß solche Arbeitgeber, die noch weniger als die üblichen Minimallöhne bezahlen, keine Arbeiter von der Verpflcgungs- station zugeschickt erhalten. Entsprechend dieser Bestimmung muß der Zeit der Arbeitslosigkeit, die in den vorzulegenden Ausweisen ero sichtlich ist, ein größerer Kielraum eingeräumt werden. Wo die Gemeinden Arbeitsvermittlungen errichtet haben— als Mittel, der Armut entgegenzusteuern—, ist die VcrmittluugS- thätigkeit ebenfalls auf jene Unternehmer zu beschränken, die zum mindesten die in dem betreffenden Fache üblichen Mimmallöhne bezahlen. Immer wieder werden jedoch die socialdcmokratischen Ge- meindevertteter die Verstaatlichung aller jener Institute fordern, die zum Zwecke der Armenpflege geschaffen sind. Arbeiterfrage. Die Gemeinde soll, wo es möglich ist, eine Arbeits- und Dienst- Permi ttelung sowie ein arbeitsstatistisches Bureau errichten und für deren Erhaltung bis zu deren Verstaatlichung, bei der selbstverständ- lich der Arbeiterschaft in dieser Sache der gebührende Einfluß ge- sichert werden muß, Sorge tragen. Bei der Arbeitsvermittelung ist eine Abteilung für Statistik zu aktivieren, deren Aufgabe darin besteht, die Statistik für Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unsälle, Löhne. Ucbersiedelung, Preise der Wohnungen, Lebensmittel usw. zu be- sorgen. Weiter sind folgende Grundsätze Schritt für Schritt zu verwirklichen: Die Gemeinde strebt danach, die zu vergebenden Gcmeinde-Arbeiten sowie das Beleuchtungswesen und die Transport- mittel in eigne Regie zu bringen. Alle Gemeinde-Unternehmungcn verwaltet die Gemeinde selbst. Den für ihre Angestellten zu be- stimmenden Lohn vereinbart sie mit der Arbeiterorganisation des Ortes. Es sind ein Mimmallohn und der achtstündige Arbeitstag festzusetzen. Wo die Gemeinde Arbeiten vcrgiebt, wirtt sie auch auf den Vertrag mit den Unternehmern insofern ein, daß sie für die Arbeiter garantierte, menschenwürdige Arbeitsbedingungen fest» stellen läßt und für deren Einhaltung sorgt. Bei Vergebung von Arbeiten ist jede Subunternehmung auszuschließen. Schlechter als die bei der Gemeinde vorherrschenden Arbeitsbedingungen dürfen die der Arbeiter bei den Privatunternehmern, denen die Gemeinde- Arbeit zugesprochen wird, absolut nicht sein. Bei Bettieben und Bauten sowie Vergebung von Arbeiten, die die Gemeinde für ihre Rechnung führt, ist darauf Rücksicht zu nehmen, daß diese Arbeiten, soweit es ihr Wesen gestattet, zu einer Zeit vorgenommen lverdcn, wo sich eine stärkere Arbeitslosigkeit zu zeigen beginnt. Schulwesen. In der Erwägung, daß die Rückständigkeit deS östreichischen Volksschnlwesens in erster Linie bewirkt wird durch die Uebcr- wälzung der Schullasten auf die Gemeinden, ist es unbedingt not- wendig, dafür einzutreten, daß die Gemeinden sich endlich zu einer gemeinsamen Aktion gegen diese ihre Kräfte übersteigende Belastung aufraffen. Die Kosten des Schulwesens, besonders der Volksschule. können vernünftigerweise nicht den kleinsten autonomen Ber- waltungskörpern aufgebürdet werden, sondern sie sind— insolange sie nicht großen autonomen Nationalvcrbänden übertragen werden können— in gerechter Weise auf Land und Staat zu verteilen. Selbstverständlich ist hierbei der berechtigte Einfluß der Gemeinde auf die Schule zu Ivahren. Was weiter verlangt werden muß. ist die Beseitigung der Ueberfülluug in den Schulen, die den Unterricht schädigt unb_ die Kinder in der Schule großen hygienischen Gefahren aussetzt. Dreißig Kinder in einer Klasse zum Unterricht sind genug. Die unentgeltliche Verabfolgung von Lernmitteln und Büchern an alle Schulkinder ist eine Notwendigkeit. Da nur von einem gesunden und kräftigen Körper verlangt iverden kann, daß er auch geistige Nahrung aufnehme und verdaue, ist es notwendig, auf die körperliche Ernährung der Kinder Rücksicht zu nehmen, und deshalb ist die Errichtung von Sckulküchen an« zustreben. Von Schul wegen soll dafür gesorgt weroen, daß den Kindern eine gesunde und kräftige Mittagskost verabreicht werde. Kinder, deren Eltern nachweisen können, daß sie ihnen diese Nahrung zu Hause bieten können, sind von der Schultafcl zu entheben._ Zur guten Schule gehören auch Schulbäder und Schulärzte. Wo Schulbäder schon eingeführt sind, haben sie sich vortrefflich be- währt, gleickiwic die Anstellung von Schulärzten segensreich ist für Kinder und Eltern. Einzutreten ist auch für die anständige Be» soldun g der Lehrpersonen im Interesse dcZ Unterrichte?. Für die der Voltsschule entwachsene Jugend sind in den größeren Orten gute gewerbliche Fortbildungs- und Fachschulen zu crvichtn?, in denen der Unterricht während der Tagesstunden zn erteilen ist. Die Schule muß freigehalten werden uon jedweder Agitation. Sie darf nicht als Hilfsanstalt irgend einer Partei mißbraucht Iverden. Die Vernunft gebietet daher, daß jeder soeialdcmokratischc Gemeindevertreter eintritt für die Forderung, welche � lautet: Trennung der Schule von der Kirche I Ein neneS socialistischcö Blatt in Italien. Die„Probinz von Mantua", ein demokratisches Blatt, welches in Mantua erscheint, ist seit einigen Tagen zu einem socialiftischcn Organ geworden. Ter Herausgeber Bacci erklärt, daß er zum Socialismus übergetreten sei und giebl nun das Blatt als eine socialistische Tageszeitung weiter heraus. Hus Induftnc und HandeL Die Centrale für Spiritusverwertung veröffentlicht ihren Jahres- öericht für das Geschäftsjahr vom t. Oktober 1902 bis zum •TO. September 1903: ein recht interessantes Aktenstück— nicht wegen seiner Angaben über die Lage des Spiritusmarktes, sondern weil es in recht charakteristischer Werse zeigt, wie seltsam sich in manchen Unternehmerköpfen die lediglich durch die Profitbrille betrachtete Welt widerspiegelt. Wie konstatiert wird, hatte die Centrale im Geschäftsjahre 1002/03 eine Zufuhr von 2SiZ Millionen Litern und einen Absatz von 317 Millionen Litern r. A. zu verzeichnen. Der Netto-ErlöS stellt sich für die Brenner aus 49,597 M. per Hektoliter, die NeinigungSpränrie der Spritfabriken auf 4,03 M. Dann wird auf die vorgenommene Produktions-Eitt» schränkung hingewiesen und hervorgehoben, daß infolge von ..Einflüssen, die sich der VorauSberechnuug entzogen" hätten, der Er- trag schließlich noch um 22 Millionen Liter hinter dem Voranschlag zurückblieb— nach Ansicht der Leiter der Centrale ein Erfolg, der die„Gesundung des BrenneicigewerbeS" bedeutet. Wörtlich heißt cö darüber im Bericht: „Durch das Zusammenwirken der verminderten Er- z e u g u n g und einer g e st e i g e r t e n Ausfuhr wurde das Brennereigewerbe von der schweren Last der übermäßigen Bc- stände befreit. So war, wenn auch mit schweren Opfern, eine vollkommene Wandlung in der Lage des BrcnnereigcwerbcS durchgeführt. Herrschte noch kurze Zeit' vorher der Anblick einer Ueberproduktion, die durch keine Preisherabsetzung zurückzudrängen war, und einer Steigerung der Vorräte, der die immer wieder vergrößerten Lagerräume, kaum genügen wollten, so stand jetzt daS Bild einer scharfumgreuzteu Erzeugung, einer intensiven Abnahme d e r V o r r ä l e, einer aufwärts streben- den Preisbewegung vor dem Gewerbe. Dieser auf der Initiative unsrer Vereinigung beruhende Umschwung ließ seine belebende Wirkung alsbald innerhalb und außerhalb unfres Unter- nehmens erkennen." Natürlich war daS Ziel dieser Politik, die Produktion zu ver- mindern und die Vorräte zu billigen Preisen nach dem Auslande abzuschieben, alsbald eine starke Steigerung des Inlandspreises, die der Bericht mit folgenden freudig bewegten Worten schildert: „Die Verkaufspreise für den inländischen Trinkbedarf wurden zu Beginn des Geschäftsjahres auf 44'/, M. für Primasprit zur prompten Lieferung Frachtparität Berlin mit dem gewohnten Zuschlage für spätere Termine gcstcllr. Auf der Grundlage dieser Preise wurden seitens der Abnehmer sehr umfangreiche Teckungskäufe borgcnommcu. Das Zurückbleiben der Spiritus- Produktion ließ im Verlauf der Campagne eine Erhöhung der Verkaufspreise u o t w e n d i g erscheinen, um durch die Aussicht auf einen höheren Nachschub den Produzenten die Ausnutzung ihrer Pro- duktionsrechte nahe zu legen. Die Sreigerung der Verkaufspreise, die nicht auf denaturierten Spiritus ausgedehnt wurde, brachte für uns eine erhöhte Einnahme selbst- verständlich nur an* dem verhältnismäßig kleinen, noch nicht durch billige Abschlüsse gedeckten Teil des TrinkbcdarfeS, Um also den Erlös für die gesamte verwertete Menge in nennenswertem Maße zu verbessern, mutzten die späteren Berkaufs- preise verhältnismäßig hoch gefaßt werden. Am Schlüsse des Geschäftsjahres lautete unsre Notiz für Primasprit Fracht- Parität Berlin M. 52,70." Also eine Preissteigerung im Laufe des Jahres um 8,20 Mark pro Hektoliter, um beinahe 20 Proz, Allerdings ein herrlicher Erfolg für die Spritbrennereien. Siemen? u. HalSke, Aktiengesellschaft. Die heutige Generalversammlung der Siemens u. Halske A.-G. geuebmigte ein- stimmig die vorgelegte Bilanz mit Gewinn- und Verlust-Conlo nebst Verteilung einer sofort zahlbaren Dividende von 5 Proz. Die ans- scheidenden beiden Mitglieder des Aufsichtsrats wurden wiedergewählt und Geheimer Bergrat Weidtmann-Dortmund als neues Mitglied hinzugewählt. Ferner wurde der vorgelegte Vertrag wegen Bildung der östreichischen Siemens-Schuckertwerke einstimmig an- genommen. lieber die Einzelheiten dieses Vertrages und seine Durchführung machte Direktor Spielker folgende Mitteilungen: Der Vertrag betreffend die Vereinigung der Wiener Starkstrom- Abteilungen der Siemens u. Halske A.-G. mit den Oestreichischen Schuckert-Werlen sieht vor, daß die letztgenannte Gesellsckaft ihre Firma in„Oe st reichische Siemen s-Schuckert-Werke" ändert und ihr Aktienkapital, das gegenwärtig 9 Millionen Kronen beträgt, durch Ausgabe neuer Aktien auf 18 Millionen Kronen erhöht. Die hierauf sich beziehenden B-schlüffe der Generalversammlung der Oestreichischen Schlickert- Werke haben inzwischen bereits die in Oestreich erforderliche Genehmigung der Behörden gefunden. Das so erweiterte llnteriiehmen der Ocstreickii- scheu SiemcnS-Schuckert-Werks soll dann unsre Maschinenfabrik Lcopoldau und die der Starkstromtechnik dienenden Abteilungen unsrer Wiener Fabrik mit allen zugehörigen Aktiven und Passiven in sich aufnehmen und das bisherige Fabrikuuternchmen� der Oestreichischen Schuckert-Werke mit allen Aktiven und Passiven umfassen. Die Uebernahme erfolgt aus Grund einer Inventur, die beider- seits nach gleichheitlichcn Grundsätzen ain 1. Januar 1904 aufgestellt werden soll. Die Siemens u.'Halske A.-G. wird die üblichen Abschreibungen zu machen haben, sin übrigen aber stehen die ein- zubringenden Werte jetzt bereits zu dem Uebernahmewert zu Buch. Der G e s a m t lv e r t derEiu bring» ngeu von Siemens ii. Halske A.- G. wird auf circa 1 2—1 3 Millionen Kronen veranschlagt; dafür übernehmen Siemens n, Halske A.-G. die neu auszugebenden Aktien in Höhe von 9 Millionen Kronen zum Nennwert, während der Rest in lanfender Rechnung gutgeschrieben wird. In der Verwaltung der Ocsireichischeu Siemens- Schuckert-Werke sollen beide Gruppen gleichmäßig vertreten sein. Der anSwäetige Handel des deutschen Zollgebiets im Jahre 1903 wird nach den Ziffern, die soeben vom Statistischen Amt über den Handelsverkehr der Monate Januar bis November veröffentlicht tverden, nicht nur bei weitem den der beiden letzten Jahre, sondern auch den des Jahres 1900 übertreffen, der bisher das höchste Er- gebnis geliefert hat. Nach den statistischen Aufnahmen betrug nämlich in den ersten elf Monaten des laufenden Jahres: 1. Die Einfuhr im Tonnen zu 1000 Kg.j: 43 105 109 gegen 40 044 210 und 41000 704 in den beiden Vorjahren, daher mehr 3 120 944 und 2 104 390. 31 von 43 Zolltarifnummern zeigen eine Einsuhrsteigerung, worunter hauptsächlich Erden. Erze(4- 1 258 303), Holz(4- 774 415), Kohlen usw.(+ 520 221), Abfälle(4- 203 931,. Getreide(4- 218 494), Erdöl i4z 71 907). Eine stärkere Abnahme der Einstlhr hat stattgefunden bei Materialwaren und bei Droguerie- msw. Waren. 2. D i e Ausfuhr(in Tonnen zu 1000 Kilogramm): 35104 788 gegen 31892 382 und 29 459 008 in den beiden Vor- jähren, daher mehr 3 272 490 und 5 795 789. 34 Zolltarifuummern wigen eine erhöhte Ausfuhr, darunter namentlich Kohlen (4- 2 000 319), Erden, Erze(4- 013 825), Eisen(4- 220 032), Ge- treibe und andre Landbau-Erzcugnisse(4- 215 454), Droguerie-, Apotheker und Farbewaren(4- 07 147.) Größere Ausfälle zeigen gegen das Vorjahr nur Materialwaren. Nene Defraudationen bei der Darmstädter' Bank(Bank für Handel und Industrie). Der Kassierer Neßler der Darmstädter Bank hat recht bald in der Person des bei demselben Institut angestellten Buchhalters Mark Paltzer einen Nachfolger gefunden. Die Unter- schlagung, die durch Fälschung eines Kreditbriefes erfolgte, beträgt allerdings diesmal bloß 40 000 M., die nur zu einem Teil ver- loren sind, da der Defraudant bereit» in Wien festgenommen worden ist.,,. Mark Paltzer, dem zum 1. Januar nächsten Jahres gekündigt war, hatte sich das Fornmlar eines Kreditbriefes verschafft, den er auf die Summe von 50 000 Frank ausstellte und mit den Unterschriften zweier Direktoren der Darmstädtcr Bank versah. Ein Teil dieses Betrages sollte beim Credit Lyonnais in Paris, der andre in Wien erhoben Iverden. Paltzer reiste mit dem Kreditbrief zunächst nach Paris, erhob dort 40 000 Fr., amüsierte sich einige Tage und fuhr dann nach Wien. In- zwischen aber war die Darnistädter Bank von dem Pariser Institut von der Auszahlung der 40 000 Frank verständigt worden und hatte sich an die Wiener Polizei gewandt, der alsbald die Fest- nähme glückte. Der Schaden der Darmstädtcr Bank beträgt nach ihrer Mitteilung ungefähr 8000 M. Zur Entwicklung der englischen Schiffahrt. Die jüngst als Parlamentsdrncksache erschienenen, vom Board ot Trade dem Parlament vorgelegten Tabellen über die Entwicklung der Schiff- fahrt in England und andern wichtigeren Scbiffahrt treibenden Ländern enthalten ein umfangreiches stätistisches Material, das auch deutschen Lesern manches Interessante bietet. Der nach dem Schiffsraum in Registertonnen berechnete Schiff- fahrtsverkehr zwischen dem Vereinigten Königreich und allen andern Ländern(Foreign Trade) hat seit dem Jahre 1840 mit alleiniger Ausnahme des Jahres 1901 ununterbrochen zugenommen und im Jahre 1902 die Höhe von 99 872 719 Registertonnen erreicht, wovon 04 902 907 Registertonnen(d. h. 65 Proz.) auf die britische und 34 009 812 Registertonnen(d. h. 35 Proz.) ans fremde Flaggen ent- fielen, unter welchen letzteren die deutsche Flagge mit 5 010 101 Registertonnen vertreten war. Unter den einzelnen Häsen des Vereinigten Königreichs hatten im Jahre 1902 den größten überseeischen Schiffsverkehr: a) in England: London 17 564 108 Registertonnen, Liverpool 13157 714 Registertonnen. Eardisf 12 550 044 Registertonnen und die Tynchäfcn 8 309 347 Registertoniien: b) in Schottland: Glasgow 4 144 217 Registertonnen, Kirkcaldy 2 301313 Registertonnen und Leith 1880 271 Register- tonnen; c) in Irland: Belfast 023 937 Registertonnen und Dublin 373 074 Registertonnen. Unter den deutschen und andern nicht-britischen Häfen hatten in dem dabei zuletzt berücksichtigten Jahre 1901 die höchsten Schiffsvcrkehrsziffcrn, Ein- und Ausgang zusammengerechnet, namentlich: Hamburg 15 295 030 Registertonnen, Rotterdam 11 084 209 Registertonnen. Antwerpen 14 984 755 Registertonnen, Marseille 10 204 035 Registertonnen, Genua 8 312 970 Registertonnen imd New Dort 10 797 700 Registertonnen. Die Handelsflotte deS Vereinigten Königreichs, welche seit 1893 n, meist steigender Propornon zugenommen hat, umfaßte im Jahre 1902 10 054 770 Registertonnen, wovon 8 104 095 Register- tonnen auf Dampfer entfielen. Die entsprechenden Zahlen für daS ganze britische Reich(Britistt Empire) Beliefert sich auf 11 500 745 Registertonnen, einschließlich 8 091 257 Registertonnen Dampfschiffe. Aon den vergleichsweise aufgeführten Handelsflotten andrer Länder folgen ihrer Bedeutung nach Deutschland lim Jahre 1901) mit 2 093 933 Registertonnen'einschließlich 1 500 059 Registertonnen Dampfschiffe, Schweden-Norwegen(1901) mit 2 197 399 Register- tonnen einschließlich 872 704 Registertonnen, Dampfschiffe und die Vereinigten Staaten(1902) mit 5 797 902 Registertonnen, einschließlich 3 176 874 Registertonnen Dampfschiffe, wovon jedoch nur 882555 beziehungsweise 458 325 Register- tonnen ans Schiffe in überseeischer Fahrt und 4 915 347 beziehungsweise 2 718 949 Registertonnen auf Küsten- fahrer, See- und Flutzdampfer entfallen. Sociales. Ueber die Krankenversicherung in den Knappschoftskassen und KnappschaftSvcreincn im Jalire 1902 enthält das noch nicht erschienene „IV. Viertcljahrshcft zur Statistik des Deutschen Reichs" die Er- gebniffe einer besonderen Erhebung, aus der die„Bertiner Corresv." folgendes mitteilt: Das Jahr 1902 zeigt den industriellen Rückgang auch in der Krankenversicherung der Knappschaftskaffcn, die nur 071 094 Mitglieder— gegen 677 822 im Vorjahr— aufweist; 1900 waren 038 392, 1899: 586 677 Mitglieder vorhanden. Auf das Königreich Preußen kommen 1902: 011 707, aus das Königreich Sachsen 32 032 und auf Baliern 10 158 Knappschaftskassenmiiglieder. Tie Zahl der Erkrankungsfälle mit Krankengeldbe.zug oder Kranken- hauspslege betrug 1902: 352 229, die der gleichartigen Krankheits- tage 5 747 472. Die Ausgaben hierfür betrugen 19 420 370 M.. lvovon 2 402 093 M. auf Arzthonorar, 2 705 901 M. auf Arznei. 0 071 572 M. auf Krankengelder und 750 793 M. auf Verwaltung?- kosten entfielen. Letztere sowie das Vermögen von 25 970 101 M. sind meist mir schätzungsweise angegeben, da die Knappschaftskasscn überwiegend zugleich Penfionskassen sind, welche hinsichtlich der Ver- waltungskosten und des Vermögens für die Krankenpflege keine Sonderung in ihrer Buchführung haben. Achnlich verhält es sich mit den Beiträgen, die sich auf 10 415 920 M. für die Mitglieder und auf 3 047 040 M. für die Wcrkseigcntümer berechnen. Auf der Mustersuche. Die Königliche Eisen bahn- Betriebs- Inspektion Berlin III hat an verschiedene hiesige Betriebe mit der Bitte um umgehenden Besckicid folgende Fragen gerichtet: 1. Welche höheren und welche niederen Löhne erhalten Ihre Handwerker und handwerksmäßig ausgebildeten Werkstättenarbcitcr und sonstige Werkstättenhandwcrker? 2. Welche dieser Sätze erhalten Ihre sonstigen gewöhnlichen Arbeiter? 3. Wie stellen sich die Anfangs- und Höchstsätze der jugendlichen und Weiblidieii Arbeiter? 4. Welche Höchst- oder Mindcsrlöhne erhalten Handwerks- Vorarbeiter? 5. Wie diel beträgt der Durchschnitiswochenverdienst(Stück oder Lohn) unter 1 bis 4? 0. Werden alte, nicht mehr voll leisttmgsfähige Arbeiter mit niedrigeren Sätzen entlohnt oder welche sonstigen Wohlthaten( l) genießen diese alten Arbeiter? 7. Wie stellt sich der Prozentsatz der Werkmeister zur Zahl der Arbeiter? 8. In welchem Umfange genießen Ihre Arbeiter Wohlthaten(I) aus der Krankenkasse, Invaliden-, Alters- oder sonstige Fürsorge? Ter Zweck der Umfrage ist auS dem Schreiben nicht ersichtlich. Wir vermuten, daß es sich darum handelt, den bestzahlendcn Betrieb ausfindig zu machen, damit die Eisenbahnvcrlvaltung Gelegenheit bekommt, diesen zu übertrumpfen und so endlich zu dem Muster- institut zu werden, da» sie angeblich sein soll. Aerztliche Bertragöverhältniffe. Arbeiterfeindliche Blätter machen sich einen Sport daraus, über die Arbeiter-Krankenkassen herzufallen wegen schlechter Bc- Handlung und Bezahlung der Acrztc. Wir wollen früheren Bei- Wielen ein neues anreihen zum Beweise dafür, daß Aerzte in andren Pertragsverhältnissen, Ivo nicht die Arbeiter darüber zu befinden haben, viel schlechter behandelt und bezahlt werden, wie bei Kranken. lassen. Die Gemeinde Lampertheim im Großhcrzoogtum Hessen hat im Jahre 1807 mit drei Aerzten einen Vertrag ge- schlössen. Danach verpflichteten sich diese Aerzte, alle Ortsarmen und alle nicht versicherten Dienstboten des Ortes unentgeltlich zn behandeln und allen behördlichen Requisitionen zu Gutachten und sonstiger Hilfe sofort und ohne Rücksicht ans andre Geschäfte zu folgen. Dafür erhalten sie ein Jahreshonorar von 590 M. Außer- dem verpflichteten sich die Aerzte, jeder Praxis außerhalb Lampert- heim zu entsagen, dafür aber allen Einwohnern jederzeit sofort jede gewünschte ärztliche Hilfe zu leisten und dabei für jeden Besuch einschließlich Ordination, sei es bei Tag oder Nacht, nicht m e h r als eine Mark zu liquidieren. Daneben wird den Aerzten noch besonders zur Pflicht gemacht, ihre ärztliche Praxis so ein- zurichten, daß Klagen und Beschwerden der Ortseinwohner ver, mieden werden. Der Ort hat jetzt gegen 8000 Einwohner. Schiedsgerichte im Krankentassciiwcsen. Der Württembcrgische Krankcnkaffcnverbaiid hat auf die Errichtung von Schiedsgerichten hingewirkt, die lediglich zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Aerzten und Krankenkassen dienen sollen. Diese Schiedsgerichte sind nunmehr konstituiert. Diese Gerichte sind unter dem Vorsitz eines vom Ministerium des Innern ernannten Beamten aus je vier Ver- tretern der Aerzte und der Krankenkassen zusammengesetzt und über ihnen steht noch eine Landeskommission, die aus je fünf Vertretern der Aerzte und der Krankenkassen unter Vorsitz eines Rcgicrungs- Beamten zusammengesetzt ist und deren Bescheid die streitenden Par- teien endgültig bindet. Auf Ersuchen des Württembergischca Krmikcnkasscnvcrbandc» hat das Niinisicrium des Innern zu Vor- sitzenden dieser Krankenkassenschiedsgerichte die jeweiligen Vorsitzenden der Schiedsgerichte für Arbcitervcrsicherung und zum Vorsitzenden des Landesschiedsgerichts den jeweiligen Referenten für sociale Ge- setzgebimg im Ministerium des Innern bestimmt. Ucber die Arbeitslosigkeit in Dresden hat das dortige statistische Amt im Oktober eine Statistik aufgenommen. Und zwar wurden die Personen als Arbeitslose gezählt, die am 12. Oktober keine Arbeit hatten und eine Erwerbsthätigkcit in abhängiger Stellung suchten. Demnach waren in Dresden und Blasewitz 4114 männliche und 1345 weibliche Arbeitslose oder unter Erhöhung um die Fehler- quoteii 4899 männliche. 1456 weibliche, zusammen 6355 Arbeitslose vorhanden. Im Verhältnis zur Gcsamtbevölkerung des Erhebungs- bezirts waren am 12. Okibr. am 12. Oktbr. also 1903 1902 1903 weniger von 10 000 männl. Einwohnern 271 202 00 „ 10 009 weibl.„ 66 60 10 „ sämtlichen„ 166 127 39 arbeitslos. Trucksystem in Teutschland. Vor dem Amisgericht in C a n n» statt wurde dieser Tage über eine Lohnforderung von Maurern gegen die Baufirma Jäger u. Rumpf in Hanau verhandelt. die bei Stuttgart eine Zuckerfabrik baut. Das Gericht beschloß, das Eivilprozeßverfahren auszusetzen und die Akten der Staatsanwalt- schaft Stuttgart vorzulegen, da die Beklagten eines Vergehens gegen K 115 der Gewerbe-Ordnung verdächtig erscheinen. Des Lehrers Paradies. Während anderwärts sich die Dorf- schulmeister mit Recht darüber beschweren, daß ihre Wohnungen oft den Ställen gleichen, verwandelt sich in dem Dorfe Hammer bei Költschen in der Neumark des Lehrers Wohnung, dank der Fürsorge der drei Schulpatrone, mählich in einen lieblichen Garten; zwar ist es zunächst nur ein Dornbusch, von dem man für gewöhnlich keine Feigen pflücken kann, aber den preußischen Dorfschulmeistern ist schon Wunderbareres geglückt, und da der Dornbusch sogar durch die Mauer in des Lehrers Stube gewachsen ist, so kann man mit gutem Gewissen sagen, daß das Wunder sd)oii begonnen hat. Bei einiger Pflege, die durch den eindringenden Regen redlich unterstützt wird, kann sich in diesem Lehrerhause bald das reellste Paradies entwickeln. Die drei Schnlpatrone dürfen derweil mit Seelenruhe pro- zessicren über ihre Verpflichtungen. DaS Krankenkassenwesen in Dänemark. Der dänische Kranken- kassen-Jnspcktor hat dem Minister de» Innern seinen Bericht über die Wirksamkeit der vom Staat anerkannten und unterstützten Krankenkassen im Jahre 1992 übersandt. Darin tverden u. a. folgende interessante Thatsachen mitgeteilt. Ende des Jahres 1992 gab es in Dänemark 1228 micrkmmte Krankenkassen mit zusammen 307 124 Mitgliedern, davon 182 022 Frauen. Hierbei sind die unter 15 Jahre alten Kinder der Mitglieder, die auch ärztliche Hilfe von den Kassen erhalten, nicht mitgezählt. Tie Ausgaben der Kassen beliefen sich im Berichtsjahre auf 3 099 999 Kr. Davon waren 1 907 990 Kr. Staatszuschuß, 2 403 000 Kr. Mitgliedsbeiträge, da» übrige Renten von Vermögen der Kassen, Fcstübcrschüsse und dcrgl. Extra-Einnahmen. Von den Ausgaben entfallen ca. IV« Millionen auf Krankengeld und ungefähr ebenso viel auf ärztliches Honorar, 440 000 Kr. auf Medizin, 271 000 Kr. auf Krankenhausbehaiidlung. Die Verwaltung kostete 207 000 Kr. DaS Vermögen der Kassen beläuft sich auf über 4 Millionen Kr. Seitdem im Jahre 1893 das Kraiikenkassen-Gesetz in Kraft trat, hat sich das Krankenkassenwesen stark entwickelt, namentlich auch auf dem Lande. Damals hatte kaum ein Drittel der ländlichen Kirchspiele Krankenkassen, jetzt über vier Fünftel. Ein gesetzlicher Zwang zur Krankenversicherung besteht in Dänemark nicht._ Lokales, Tie Stadtverordnctcn-Bersammluns hat nun doch noch einmal vor dem Jahresende zu einer Sitzung zu- sanimentreten müssen. Sie hat das Jahr mit einem Mehrhritssttcich schlimmster Art, einem rechten Gewaltstreich geschlossen. Der Abend wurde fast vollständig von der Debatte über die Gültigkeit oder Ungültigkeit der Wahl unsreS Genossen K e r f i n in Anspruch genommen. Die Verhandlungen darüber dauerten über drei Stunden und gestalteten sich zeit- weise so tnmultuarisch, daß diese Sitzung zu der bewegtesten wurde. die die Stadtverordneten seit langem gehabt haben. Die Mehrheit des W a h l p r ü f u n g s- Ausschusses ist aus den bekannten, nichtigen Gründen zu dem Beschluß gelangt. dem Plenum die Ungültigkeitserklärung zu empfehlen. Ueber die Beratungen des Ausschusses berichtet Stadtv. M o d l e r. Dieser Herr faßte seine Berichterstatter- Rechte und-Pflichten so eigentümlich auf und erlaubte sich so grobe Juvektioncn gegen die soeialdemokratische Fraktion, daß von vornherein eine gereizte Stimmung Platz griff. Von unsrer Seite sprachen Stadthagen und Liebknecht. Beide geißelten in scharfen Worten die skandalöse Art, wie der frei- sinnige Protest gegen die Wahl KersinS zurrchtgcdrechsclt worden ist, zeigten in klaren juristischen Ausführungen die Unhaltbartcit des aller Vernunft ins Gesicht schlagenden Beschlusses, de» die Mehrheit des WahlprüfungSausschuffcs gefaßt hat. Die kräftigen Ausfälle, die unsre Redner gegen die freisinnige Mehrheit der Versammlung richteten, ihre Hinweise auf die parteipolitische» Motive, von denen die Mehrheit sich leiten lasse, riefen auf der andren Seite wiederholt die heftigsten Auftritte hervor. Tie soeialdemokratische Fraktion hatte beantragt, die Beschlußfassung noch auszusetzen und sämtliche Wähler KersinS als Zeugen zu befragen, ob sie wirklich Kerfin hätten wählen wollen; eventuell den Magistrat um Erlaß einer Instruktion snr die Wahlvorsteher zu ersuchen; tvie sie nach den Vorkommnissen bei der Wahl KersinS sich als notwendig erwiesen hat. Von frei- sinniger Seite erNärte Stadtv. Marggrafs(Neue Linke). daß er mit einem Teil seiner Fraktion gegen die vom Ausschuß beantragte Ungültigkeitserklärung sei. Stadtv. Cassel(Mte Linke) unterstützte namens seiner Fraktion den Antrag auf UngültigkeitS- erklärung, aber er sprach, wie wenn er selber wüßte, eine wie schlechte Sache er vertrat. Herr Cassel ist sonst kein schlechter Redner, aber diesmal blieb er in armseligen Wortklaubereien stecken, und auch der Versuch, durch Schreien' den Eindruck seiner Worte zu steigern, mißlang. Herr Cassel hatte sich bor unserm Genossen Liebknecht gemeldet, hatte sich dann aber wieder in der Rednerliste streichen und sich hinter Liebknecht neu eintragen lassen. Liebknecht wies auf diesen Kniff hin und sprach die Vcrinutuug aus, daß offenbar der Frcifinn in der Debatte das letzte Wort behalten wolle. So kein es denn auch! AIS Herr Cassel sich auSgeschricen hatte, ging ein Schlußantrag ein, Genosse Singer stellte fest, daß Liebknechts Vermutung das Richtige ge- troffen, und beantragte dann namentliche Abstimmung über den Schluß- antrag. Gegen den Schluß stimmten nur die socialdemokratische Fraktion und ein Teil der„Neuen Linken". Die Mehrheit hatte es durchgesetzt, daß von unsrer Seite nicht mehr erwidert werden tonnte. Air ein paar persönliche Bemerkungen StadthagenS und Liebknechts, die nun folgten, knüpften sich lärmende, tumultuarische Aufwitte. Als Stadthagen von den Freisinnigen, die die Rednertribüne in großer Zahl umdrängten, fortgesetzt unterbrochen wurde, rief er ihnen zu:„Nicht Sie sind hier Vor- sicher, sondern Herr LangerhanS— wenn Sie ihn auch nicht wiederwählen wollen!" Das sei eine„Frechheit", bemerkte hierzu Herr M o m m s e n, der sich und seine Freunde gewoffen fühlte. Unsre Genossen H o f f m a n n und Ewald stellten den Zwischen- rufcr erregt zur Rede, und eS gab ein lärmendes Durch- einander, in das Herr Langerhans lange vergeblich hinein- läutete. Als die Ruhe endlich wiederhergestellt war, erklärte Stadthagen gelassen, Herr Mommsen sei ein Liimnirl. Neuer, noch stärkerer Tumult! Herr Mommsen war zusammengezuckt. Er versuchte zu lächeln; dann erhob er sich bleichen Gesichts und sagte, er nehme nichts zurück. Stadthagcn bekam erst jetzt seinen Ordnungsruf, aber er erwiderte:„Der Lünimel bleibt sitze»!"— wofür er einen zweiten Ordimugsruf bekam. Mommsen aber ging leer aus; den alten Langerhans schien die Gerechtigkeit, die ihn sonst auszeichnet, verlassen zu haben. Das Ergebnis der Verhandlungen war Ablehnung der Anträge unsrer Genossen mit fast allen freisinnigen Stimmen und Annahme des Ausschußantrages, d. h. Ungültigkeitserklärung. Ein würdiger Jahresschluß!_ Die Influenza ist in Berlin seit Beginn der kälteren Jahreszeit wieder in größerem llinfange ausgetreten und hat namentlich in den letzten Wochen in einer wachsenden Zahl von Fällen zum Tode ge- führt. Die Ermittelungen des Berliner Statistischen Amtes hierüber liegen jetzt erst bis zum Schluß der zweiten Dezemberwoche vor. Aus dieser Woche wurden Ii), aus der ersten Dezcmberwoche 11 Jnfluenza-Todcsfälle gemeldet. Dagegen waren in den vier vorher- gehenden Wochen zusammen mir 19 derartige Todesfälle vorgekommen. Berliner Lehrer» Elend. Im Berliner Schuldienst ist gegen 139 Mark Monatsvergiitung diätarisch der Lehrer W. e i n u n d- zwanzig Jahre lang beschäftigt gewesen. Niemals während dieser langen Zeit hat W. einen Schultag versäumt, niemals hat er einen Tag Urlaub gehabt. Plötzlich wußte die Stadt Berlin diesen Mann, der ihr mehr als zwei Jahrzehnte hindurch gute Dienste ge- leistet hatte, mcht mehr zu beschäftigen. Sie löste das Verhältnis, ohne daß dem Lehrer W. irgend etwas zur Last gelegt werden konnte. Im Klagcwege eine Entschädigung für die plötzliche Kaltstellung zu erringen, hat W. versucht; aber er hat die Klage nicht bis zu Ende durchgeführt. Inzwischen hat dem ö8jährigen Manne die Stadt Berlin eine jährliche Unterstützung von sage und schreibe 700 M.— 1,90 M. täglich bewilligt. Wegen 290 M. Gerichtskosten, die dem bedauernswerten Manne beider Wahrnehmung seiner Ansprüche erwachsen sind, ist ihm jetzt die Pfändung seines Mobiliars in Aussicht gestellt. W.. der der Stadt Berlin 21 Jahre lang tteu ge- dient hat, besiudet sich in der b i t t e r st e n Not. Das ist, be- merkt die„VolkS-Zeitung", der wir diese Mitteilung entnehmen, das Schicksal eines Mannes in der Stadt Berlin, in der Hunderttausende bewilligt werden für den ephemeren Schmuck von Straßen und Plätzen, wenn einmal ein auswärtiger Fürst zweimal 24 Stunden hindurch Berliner„Mauerweilcr" ist! Dieser Fall bedeutet mehr als das Schicksal eines Berliner Lehrers— er ist ein Dokument liberaler Lehrcrfreundlichkeit und freisinniger Schande. Was als Neujahrsgrusi zulässig ist. Zum NeujahrS-Briefvcrkchr läßt die kaiserliche Ober- Postdirektion jetzt auf die wichtigsten Bc- dingungen für die Verschickung von Postkarten und Drucksachen im Berliner Bezirke aufmerkiam machen. Diese Vorschriften sind neuer- diugs ergänzt worden und lauten: Die von der Privatindustrie hergestellten Postkartcn-Formulare dürfen in Größe, Papierstärke und Form nicht wesentlich von den Postformularen abweichen. Als wesentliche Abweichungen gellen für den Ober- Postdirckrivnsbezirk Berlin hinsichtlich der Größe Ablveichungen um mehr als ö Milli- mcter in einer Richtung. hinsichtlich der Papierstärke eine Ilcberschrcitung des doppelten Geivichtes(= 6 Gramm) der amtlichen Formulare. Hinsichtlich der Form werden zur Beförderung gegen" die Postkartentaxe u. o. nicht zugelassen: Postkarten mit erheblich abgerundeten Ecken, Postkarten aus Biittcupapier, deren Ränder stark von der geraden Linie abweichen, Postkarten mit aus- gestanzten Oeffnuugen, mit Buchstaben, die mittels Durchlochung hergestellt und darauf mit Fäden miSgeslickt sind, mit Schutz- dccken, aufgeklebten Geldstücken, Postkarten auS Metall oder Holz, sowie in Kästchenform(mit Ouictschvorrichtung), ferner Postkarten, in die mit Ansichten versehene Drehscheiben eingefügt sind. Bilder- schmuck und Ausklebungen auf derRückscite der Formulare sind nur info- weit zulässig, als dadurch die Eigenschaft des Vcrsendungsgegenstandes als offene Postkarte incht beeinträchttgt wird und die aufgeklebten Zettel pp. der ganzen Fläche nach befestigt sind. Postkarten, die den vor- stehenden Bestimmungen nicht entsprechen, unterliegen dem Brief- porto. Gänzlich ungeeignet zur offenen Versendung sind Postkarten mit aufgeklebtem Mmeralstaub, Glimmer, Glassplitterchen. Glas- lügclchen, Sand, Metallteilchen, Postkarten mit Ausschnitten, mit angehäugten Siegeln aus Staniol sowie Postkarten in Form von Bieraläsern, Flundern uslv. Diese Gegenstände müssen stets unter Briefumschlag versendet werden. Es ist zulässig, auf Weihnacht»- uild Neujahrskarten, die gegen die Drucksachentaxe versendet werden sollen, eine Widmung hinzuzufügen, llntcr Widmungen sind nur solche Vermerke zu verstehen, aus welchen klar und deutlich hervorgeht, daß sie lediglich eine Zuneigung ausdrücken sollen, z. B.:„Herrn N. zur freundlichen Erinnerung I" Handschriftliche Zusätze Ivic:„Mit herzlichem Gruß N.", oder„Es griißt bestens R.", oder„Mit verbind- lichstcm Danke N." und dergleichen sind für sich allein oder neben der eigentlichen Widniung unzulässig. Zulässig ist. auf gedruckten Visitenkarten— aber nicht auf andern Drucksachen, etwa auf Ansichts- karten— mit höchstens fünf Worten oder mit den üblichen Anfangs- buchstabcn wie„p. f.".-u. G. z. w." usw. gute Wünsche, Glückwünsche. Danksagungen oder andre Höflichkeitssormcn hinzuzufügen. Doch müssen'diese Worte in allgemein verständlichen Schristzeichen nieder- geschrieben sein. Die stenographischen Zeichen sind beispielsweise hierzu nicht zu rechnen. Der Frost. Der Müggelsee ist seit dem gestrigen Tage bereits in ziemlich bedeutender Ausdehnung mit einer Eisdecke überzogen. Das Eis hat stellenweise eine Stärke von zwei Zoll und entwickelt sich ziemlich schnell; bei anhaltender Kälte dürfte bereits Anfang nächsten Jahres die erforderliche Stärke von fünf Zoll erreicht sein und die polizeiliche Abnahme der Eisbahn erfolgen. Auch die Tier- 'garten-Gewässer haben zum Teil schon Eis angesetzt.— Die Eis- bildung auf den Gewässern in der Umgebung der Reichshauptstadt, auf den Havcl-Erweiterungen, dem Tegeler See, den Spree-Aus- läufern bei Erkner, auf dem Seddin- und Langen See ist schon recht bedeutend und läßt auch hier ein baldiges Betreten der Eisflächen erwarten. Am gestrigen Tage ist auch bereits mit der Eiserntc bc- gönnen worden; das eingefahrene Eis hat eine Stärke von ein bis zwei Zoll und ist besonders vorteilhaft dadurch, daß es nicht mit Schnee vermengt und somit lviderstandSsühiger ist. Zum Kinderschutz-Gesetze teilt das Polizeipräsidium mit, daß der Arbeitgeber vor dem Beginn der Beschäftigung fremder Kinder in gewerblichen Betrieben der Orts-Polizeibehörde schriftliche Anzeige zu erstatten hat. Im Falle des gesetzlichen Verbots der Beschäftigung können unter Umständen auf Antrag Ausnahmen zugelassen werden. Bei Zulassung der Beschäftigung wird dem Arbeitgeber oder dem gesetzlichen Vertreter des Kindes(nicht diesem selbst) vom zuständigen Polizeirevier eine Arbeitskarte ausgehändigt. Ter Unfug in der Silvesternacht, der nach und nach zu ver- schwinden schien, hat sich in der letztvergangencn Silvesternacht leider wieder in erhöhtem Maße bemerkbar gemacht, so daß für diesesmal die Schutzmannschaft angewiesen ist, in energischer Weise dagegen einzuschreiten. Zur Warnung für U n f u g st i f t e r wird darauf hingewiesen, daß die in der Silvesternacht vorfallenden Aus- schreitungen nicht durch polizeiliche Straffestsctzung erledigt, sondern der Staatsanwaltschaft zur gerichtlichen Vcr- folgung übermittelt werden. In der verflossenen Silvesternacht sind 145 Fälle von grobem Unfug zur Anzeige und Aburteilung ge- kommen. Von diesen endeten 38 mit Verurteilungen zu FrciheitS- strafen bis zu 10 Wochen, 66 mit Verurteilung zu Geldstrafen bis zu 100 M., 15 mit gerichtlichem Verweis und nur in 16 Fällen fand Freisprechung infolge mangelnden Beweises ec. statt. Blutige Licliestragödie. Eine schreckliche Scene spielte sich heute nachmittag kurz vor 3 Uhr in der Belle-Alliancestraße ab. Passanten hörten in dem Hanse Nr. 73 Schüsse fallen und kurz darauf stürzte aus dem obersten Stockwerk<3 Treppen) eine Frau auf den Bürger- steig, wo sie sterbend liegen blieb. In dem Hause wohnt der Bank- beamte Kostka mit seiner 26 jährigen Wirtschafterin. Zwischen beiden war eS schon wiederholt zu heftigen Austritten gekommen, ins- besondere, weil Kostka dem Mädchen die Ehe versprochen hatte, sein Versprechen aber nicht hielt. Heute kurz vor 3 Uhr kam es zwischen den beiden Leuten abermals zu einem Streit, in dessen Verlaufe Kostka auf seine Wirtschafterin mehrere Schüsse abgab, worauf die- selbe sich aus dem Fenster stürzte. Kostka richtete dann die Waffe gegen sich selbst und tvurde sterbend aufgefunden. DaS leidige Abspringen. Wiederum ist eine Dame durch leicht- fertiges Abspringen von einem fahrenden Straßenbahnwagen schwer zu Schaden gekommen. Die 22jährige Verkäuferin Eilenfeld aus Groß-Lichterfclde hatte einen Straßenbahnwagen der Linie S der Westlichen Vorortbahn zur Fahrt nach dem Zoologischen Garten benutzt und wollte au der Ecke der Joachim- und Lützenburgerstraße in Cbarlottenburg den Waggon verlassen. Trotz der Warnung des Schaffners sprang die Dame etwa 50 Meter vor der Haltestelle von dem noch in schneller Fahrt befindlichen Wagen ab und fiel so im- glücklich zu Boden, daß sie eine schwere Gehirnerschütterung erlitt. Die Verunglückte wurde nach dem Elisabeth-Krankenhause in der Lützowstratze gebracht. Ein entsetzlicher Borgang schreckte in der Nacht zu gestern die Bewohner des Hauses Voltastraße Nr. 34 aus dem Schlafe und versetzte sie in die größte Aufregung. Im zweiten Stock des Vorder- Hauses wohnt der Lokomotivführer S e i d l i tz mit seiner 39 Jahre alten Frau Emma, geb. Kühn, einem 18 jährigen Sohne und einem fünf Jahre alten Kinde. Dieses erkrankte vor ungefähr einem Vierteljahre schwer an der Diphtheritts. Die besorgte Mutter, eine nervenichwache Frau, regte sich in jener Zeit so sehr auf, daß sie auch später, nachdem das Kind schon wieder genesen war, nicht wieder ganz gesund wurde. Frau Scidlitz klagte fortwährend überHerzbeklemmungen und mußte von einer Krankenschwester gepflegt werden. Ms nun in der vergangenen Nacht ihr Mann auf dem Stettiner Bahnhof in Dienst lvar, bat sie die Schwester um 2s/., Uhr, ihr aus dem Neben- zimmer etwas Eis zu holen, sprang dann aus dem Bett, riegelte sie ein, lief aus der Wohnung in den vierten Stock hinauf, zer- trümmerte die brennende Petroleumlampe auf der Treppe und stürzte sich dann aus dem Fllirfenstcr kopfüber auf den Hof hinab, Ivo sie mit zerschmettertem Schädel tot liegen blieb. Als auf die Hilferufe des zu spät erwachten Sohnes die Hausgenossen herbei- eilten und die eingesperrte Schlvester befreiten, war es zu spät. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen, die Leiche tvurde nach dem Schauhause gebracht. Ein Brand war nicht entstanden. Ein Kamps zwischen einem Schutzmann und einem Tierquäler verursachte gestern einen großen Menschenauflauf in der Landsberger Allee. Der 28 Jahre alte Kutscher Albert Rühl aus der Pallisaden- straße 46 fuhr mit einem Klamottenwagen die Allee entlang und mißhandelte seine Pferde durch Peitschenhiebe und Fußtritte so stark, daß das Publikum ihn, entrüstet laute Vorhaltungen machte. Als ein Schutzmann, der hierdurch aufmerksam gemacht wurde, sich Rühl näherte, ergriff dieser einen Mauerstein und warf nach ihm. Der Stein flog dem Beamten, der nun seinen Säbel zog. am Kopfe vorbei, unmittelbar darauf aber erhielt der Schutzmann von dem wütenden Kutscher mit einem andren Stein einen Schlag ins Gesicht. Ein Säbelhieb über den Kopf machte jetzt Rühl kämpf- unfähig, nun kamen aber andre Kutscher dazu, um ihn aus den Händen des Beamten zu befreien. Erst nachdem auf das Notzeichen noch drei Schutzleute herbeigeeilt tvaren, gelang es. dem Kampfe ein Ende zu machen. Der Verwundete wurde wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt festgenommen und zunächst als Polizeigefangener nach der Charito gebracht. In, Zeitalter des Verkehrs. Aus Anlaß der am 1. Januar 1904 im königlichen Schlosse stattfindenden GrarulationScour, des Salut- schießcnS im Lustgarten und der großen Parole-Ausgabe im Zeug- Hause werden von 10 Uhr vormittags an bis nach Beendigung der Feierlichkeiten— etwa gegen 1 Uhr nachmittags— der Lustgarten, die Schloßfreiheit, die Kaiser Wilhelm- und die Schlotzbrückc, sowie der Platz am Zeughause für Fuhrwerke, Reiter und Fußgänger nach Bedarf gesperrt. Wegen versuchten KindcsmordcS ist Montagmittag das 36 Jahre alte Dienstmädchen Anastasia Kesselhut verhaftet worden, das bei dem Schlächtermeister Oesterreich in der Bcrgmannstr. 22 in Stellung war. Das Mädchen wurde vormittags um 11 Uhr unter verdächtigen Umständen krank. Einer von der Dienstherrschaft geholten Hebamme gegenüber leugnete eS zunächst, geboren zu haben. Erst nach langem Zureden gestand es, ein Töchterchen zur Welt gebracht und unbemerkt in den Müllkasten geworfen und mit Asche bedeckt zu haben. Wider Erwarten lebte daS Kind noch, als man es aus dem Kasten, in dem eS unbekleidet lag, herausnahm, und es wurde mit der Mutter, die als Polizeigefangene gehalten wird, nach der Charito gebracht. Grosifeuer kam in der letzten Nacht gegen 3 Uhr in der Leipziger st r. 58 neben den sogen. Kolonäden zum Ausbruch. Als das Feuer bemerkt wurde, schlugen die Flammen schon hell aus den Fenstern heraus. Auf mehrmaligen Alarm rückte die 5. Com- pagnie von der Linden-, Mauer- und Fischerstraße zur Brandstelle ans. Dort stand im ersten und zweiten Stockwerk das Lager der Firma M. Borchardt Nachfolger in Flammen. Es brannten Seidenwaren, Bänder, Regale, Thüren, Fenster, Balken, Fußböden uslv. Das Feuer war durch einen Ofen ausgekomnien und hatte dann die Zwischendecke zum zweiten Stock, sowie das Dachgeschoß und den Dachftlthl deS Hauses, in welchen, im Erdgeschoß das Leinen- aeschäft von Goschenhofer und Rösicke sich befindet, ergriffen. Die Feuerwehr unter Leitung des Brandmeisters griff mit fünf Schlauchleittmgen über zwei an der Stirn- seite des Hauses aufgefahrene große mechanische Leitern und über die Treppe an. Erst nach mehrstündiger Thättgkeit ward man des Feuers Herr. Der Schaden ist beträchtlich, indes durch Ver- sicherung gedeckt. Glcichzeittg mußte ein zweiter größerer Brand in der Gr. Frankfurterstr. 13 gelöscht werden. Dort stand im, 2 Uhr die Schwarzwälder Uhrenfabrik von E. PineuS in Flammen. Diese wurden durch kräftiges Wassergebcn auf die Uhrenfabrik beschränkt. Um Mitternacht brannte in der Königgrätzersir. 123 das Dachgeschoß mit dem Zwischengebälk. Gestern abend um 9 Uhr lvurde die Feuerwehr nach der Malvlaquctstr. 11 genffeu, Ivo es in einem Keller brannte. Lumpen, Papier u. a. waren dort vorsätzlich in Brand gesteckt worden. Die Polizei lvurde hiervon in Kenntnis gesetzt. Feuerbericht. Neben dem Großfcucr in dem Seideuhause von M. Borchardt Nachf., Leipzigcrstr. 58, hatte die Wehr noch über ein Dutzend andere Brände zu beseitigen. Dienstagnachmittag gegen 4 Uhr wurde sie nach dem Meßpalast, Alexandriucnstr. 110, gerufen, weil hier durch die Explosion einer Petrolciunlampe ein Feuer aus- gekommen war.■ Lange Zeit gab es in der Großen Frankfurterstr. 13 zu thun, wo es nachts 3 Uhr in einer Uhrenfabrik brannte. Kürz vorher war in der Königgrätzcrstraße 123 auf dem Boden ein Brand entstanden, der auch das Zwischengebälk erfaßte. Möbel und Kleidungsstücke gingen Moutagabeud in der Lothringer- straße 25 in Flammen auf, während in der Hauptstraße 8 allerlei Gcriimpcl und Verpackungsmaterial in einem Keller eingeäschert wurde. Vorsätzliche Braudstiftnug wurde bei einem Kellerbrande festgestellt, der gleichzeitig in der Malplaquctstr. 11 auskam. ES brannten Lumpen, Kisten ec. Die Kriminalpolizei ist davon unter- richtet worden, doch konnte bis jetzt der Thätcr noch nicht ermittelt werden. Die übrigen Alarmicrungen, die noch von der Jahnstr. V, Neue Königstr. 4, Reichenbergcrstr. 42 usw. einliefen, betrafen Brände, die vor Eintreffen der Wehr schon von Hausbewohnern beseittgt waren._ Der Theaterverein„Bohemia" hat an, 20. Dezember zum Besten der Crimmitschauer eine Vorstellung veranstaltet, auf die wir am 17. d. M. hingewiesen haben. Wie uns vom Vorstand deS Vereins mitgeteilt wird, hat diese Veranstaltung einen Uebcrschuß von 86,80 M. ergeben. Theater.„Berliner Kinder", die bekannte Gesaugsposse von Salingrv gelangt heute, Mittwoch, im Luisen- Theater zur Aufführung. Die Hauptrollen befinden sich in den Händen der Damen Hüftel, Winter. Schulz. Bottstcin und der Herren Himer, Bartels und Ruff.— C c n tr a l- T h e a t e r. Am Silvesterabend beginnt die Abendvorstellung um 7 Uhr; gegeben wird„Der Rastel- binder". Jede Dame erhält an diesem Abend ein elegantes Neujahrs- Souvenier. Nachmittags 4 Uhr wird„Der gestiefelte Kater" gegeben. — In Anbetracht der außergewöhnlichen sccnischen und maschinellen Schwierigkeiten, welche die Vorbereitung der Silvestcrnovität des Resid enz-Theaters:„Der keusckie Casimir" bietet, bleibt daS Theater heute Mittwoch geschlossen. Die morgen, Donnerstag, den 31. Dezember stattfindende Erstaufführung der französischen Novität beginnt wie gewöhnlich um 7I/s Uhr.— Der nächste Dichterabend des„Schiller-TheaterS", der Sonntag, den 3. Januar, im Bürgers ernlc des Rathauses stattfindet, bringt nochmals eine Wieder- holuug des L i l i e n c r o n- A b e n d s mit teilweise neuem Programm. Im Apollo-Theater feiert der Schauspieler und. Sänger Herr Ferdinand Worms, der jetzige Oberregisseur der erwähnten Bühne, am Sonntag, den 10. Januar, nachmittags 3 Uhr, sein dreißig- jähriges Bühnenjubiläum. Es wird au» diesem Anlaß die Operette „ N a n o n" von Richard Gcnöe aufgeführt. Herr Worms spielt den Abbs La Clstre, eine Rolle, in der er zu der Glanzzeit der Operette über 300 mal aufgetreten ist. Schiller- Theater- Aktiengesellschaft. Montag, den 23. Dezember, um 8'/z Uhr fand in den Räumen der Auskunftei des Herrn W. Schimmelpfeng die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der S ch i l l e r- T h c a t e r- A k t i e n g e s e I l s ch a f t statt. Zu dem ersten Punkte der Tagesordnung verlas Direktor Dr. Löwcnfeld den Bericht über die Lage der Geschäfte unter Vor- legrmg der Bilanz und der Gewinn- und Vcrlustrechnung für das zehnte Geschäftsjahr der Gesellschaft, das zugleicki das neunte Spiel« jähr des Schiller-TheaterS ist. Bericht und Bilanz wurden ge» nehmigt. Das Geschäftsjahr ergab einen Gewinn von ca. 11 000 M., der zu der Dividende von 5 Proz. und zu der üblichen Gewinn- beteiligung der Mitglieder benutzt wurde. Die Statuten lassen be» kanntlich eine Dividende, die höher ist als 5 Proz., nicht zu. AuS dem Geschäftsbericht geht hervor, daß das Nebcneinandcrarbeiten beider Theater sich glücklich bewährt hat und in seinem weiteren Fortgange sich mehr und mehr zum Nutzen des ganzen Unternehmens einbürgert. Ein Hauptpunkt der Tagesordnung,' Einziehung von Vorzngs-Aktien im Nominalbeträge von 10 000 M. durch Ankauf seitens der Gesellschaft unter Entnahme der dazu erforderlichen Mittel aus den künstigen Reingewinnen der Gesellschaft— mußte für eine zweite außerordentliche Generalversammlung vertagt werden, da die nötige Stimmenanzahl für einen Beschluß über diesen Antrag, der eine Statutenänderung involviert, nicht vorhanden war. Diese außerordentliche Generalversammlung soll Sonntag, den 7. Februar, mittags 12 Uhr, stattfinden. Hua den Nachbarorten. In Schömberg hatte sich die Stadtverordneten-Versammluna m ihrer letzten Sitzung mit der Frage der Errichtung einer Volks» Bade- An st a l t zu befassen. Scitcdrci Jahren istjdiese Frage in Fluß, doch sollte sie auch gestern noch nicht zur Erledigung kommen. Einigen bürgerlickien Stadtverordneten erschienen die Küsten im Be- trage von 240000 M. zu hoch, andre wollten in der Anstalt ein Schlvimmbassin eingerichtet haben. Hierfür reicht das in Aussicht genommene Grundstück Kolonnenstraße 23 aber nicht aus. Stadt- verordneter M a s u ch(Soc.) wies darauf hin, daß cS den Anschein habe, al» ob diese wichttgc Sache weiterhin verschleppt werden solle. Als es sich darum handelte, Gymnasien und andre höhere Schulen zu errichten, sei stets mit einer gewissen Dringlichkeit gearbeitet worden, während hier für Fertigstellung eines generellen Plans nahezu drei Jahre gebraucht wurden; überdies sei das er- forderliche Geld in der bereits genehmigten Millionen-Anleihe ent- halten. Unser Genosse führte ferner ans, daß, nachdem endlich das Projett eine greifbare Gestalt angenommen habe, man nickst auch hier eine Verzögerung eintreten lassen dürfe. Gegen die Stimmen der Socialdemokratcn wurde das Projekt jedoch einem Ausschuß von neun Mitgliedern überwiesen. Die Versammlung bewilligte sodann für den spccicllcn Entlvurf des neuen, in Angriff genommenen Krankenhauses einschließlich einer Ueberschrcittmg des Voranschlages um etwa 400000 M. die Gcsamtkosten im Betrage von 2 651 000 M. Die Versammlung bewilligte weiter den Betrag von 318 500 M. für die provisorische Regulierung der Verbindungsstraße zwischen Schöncberg und Tcmpclhof. Durch den Bau dieser Straße wird zum Frühzahr eine bedeutende Arbeitsgelegenheit geschaffen werden. In der Kirche verunglückt ist im benachbarten Nieder» S ch ö n h a u s e n die 13jährige Tochter des Eisenbahnbeamten R., als sie am zweiten Weihnachtsfeiertage den Morgengottesdicnst besuchte. Sie hatte in unmittelbarer Nähe des Gasofens Platz genommen, der Zelluloidkamm, den sie im Haar trug, fing plötzlich Feuer und brannte lichterloh. Der Geistliche bemerkte als erster den Unfall. stieg eilends von der Kanzel und unterbrach seine Predigt. In- zwischen hatten die Umstehenden das Feuer rasch erstickt, sie komitcn jedoch nicht mehr verhindern, daß das Mädchen nickst nur einen Teil seines Haares einbüßte, sondern auch erhebliche Brandwunden am Hinterkopf und Nacken erlitt. Ein schreckliches Brimdunglück ereignete sich gestern nachmittag in der A l t e n K ö n i g st r a ß e 12 zu Potsdam. Dort bewohnt die Familie Scholz im zweiten Stock eine kleine Hofwohnung. Während nun Herr S. wie gewöhnlich seinem Geschäfte nach- gegangen war, entfernte sich auch gegen Mittag seine Frau aus der Wohnung und ließ ihre beiden Kinder, die im Alter von 1 und 3 Jahren stehen, allein zurück. Gegen 3 Uhr drang mm dichter Rauch durch die Fenster und Thür dieser Wohnung. Die Hans- bewohner alarmierten sofort die Feuerwehr. Als diese nach wenigen Minuten eintraf, schlugen schon Stichflammen durch die Fenster. Sie erbrach die Korridorthür und ging mit einem Rohre gegen den Brandherd vor. Als der Rauch sich einigermaßen verzogen hatte, bemerkten Feuerwehrmänner, daß in einem Bette zlvei Kinder er- stilkt waren. Sie schleppten sie sofort ins Freie und stellten Wieder- belebungsversuche an, die indes keinen Erfolg hatten. Beide hatten den Erstickungstod erlitten. Das Feuer, das angeblich durch einen Strohsack, den Frau S. hinter einen stark geheizten Ofen gestellt hatte, entstanden war, konnte dann bald erstickt werden. Gmdrts-�eLtiiiig. Immer wieder Polizei und Streikposten. Ständig häufen sich die Freisprechungen von Streikposten, die auf Grund des Berliner „StraßenjuwelS" wegen VerkchrSbehinderung«. mit polizeilichen Strafmandaten beglückt wurden. Waren schon eine Reihe der früheren Verhandlungen außerordentlich reich an interessanten Einzel- heiten über polizeiliche Gcsetzesauslcgung und Willkürmaßnahmcn, so gelangte gestern ein Fall zur Aburteilung, der allem Vorhergegangenen wohl die Krone aufsetzen dürfte. Der Former Schmidt hatte ani L9. Oktober die Brendelsche Fabrik in der Oranicnstratze als Streik- Posten beobachtet. Um hierbei jedoch auf alle Fälle mit der Polizei einen Konflikt zu vermeiden, ging er nicht etwa vor der Fabrik auf und ab, sondern stellte sich in die Hausthür des von ihm selbst be- wohnten Hauses, das nur unweit von der Fabrik liegt. Nicht lange, so kanl ein Schutzmann an ihn heran und forderte ihn zum Weitergehen auf. weil er als bekannter Streikposten den Verkehr behindere. Doch nicht genug hieran verbot ihm der Schutzmann auch noch in aller Form den Aufenthalt in der ganzen Straße. Da Schmidt sich natürlich weigerte, dem Ansinnen des Schutzmanns Folge zu leisten, so wurde er kurzerhand sistiert und mit einem Strafmandat von 3l) M. bedacht. Auf Grund dieses That- bestandeS, der durch den als Zeugen geladenen Schutzmann bestätigt wurde, kam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß auch in diesem Fall nicht die mindeste Ursache zu einer Besträftmg vorliege. Die Straßenordnung könne hier von vornherein nicht in Betracht kommen: überdies habe der Schutzmann selbstverständlich keinerlei Recht gehabt, dem Angeklagten den Aufenthalt in einer Straße zu verbieten, in der dieser selbst wohnhaft sei. Das Urteil lautete daher auf kostenlose Freisprechung, auch wurden der Staatskasse die Kosten der Verteidigung sowie die dem Angeklagten erwachsenen baren Auslagen auferlegt. Ob die Polizei trotz all dieser freisprechenden Urteile endlich ein andres Verhalten gegen Streikende einschlagen wird, ist nach wie vor sehr zweifelhast. Die Zauberkarten. Sie dienten beide bei einem Restaurateur in der Taubenstraße, die unverehelichte Auguste Streit als Köchin und die unverehelichte Anna M i k l e i S als Hausmädchen. Letztcrc lvar im Besitze eines von ihr sorgsam behüteten Schatzes: eines Spiels alter, vergilbter und beschmutzter Wahrsagekarten, deren j»de im Ausdruck ein schönes Zaubersprüchlein trug und in ihrer Gesamtheit zu allerlei Hokuspokus verwandt wurden. Und um die mitternächtige Stunde, wenn es in der Küche schon still ge- worden war, da saßen die beiden mit leuchtenden Augen vor dem Anrichtetisch und die glückliche Besitzerin des Talismans enthüllte sich und ihrer Kollegin die Zukunft mit dem Genie und der Grazie einer perfekten Phthia, und wenn die Karten ihnen günstig schlugen und ihnen der„Brief mit den fiinf Siegeln", der„Freiersmann aus weiter Ferne" und allerlei angenehme Nachrichten prophezeit worden waren, dann gingen sie beseligt zu Bett und träumten von Glanz und Glück und Lebensgenuß. Frl. Mikleis hütete ihren Schatz mit besonderer Sorgfalt und verwahrte die Karten, wenn sie ihre Schuldigkeit gethan hatten, im äußersten Winkel ihres Schubfachs. Eines TageS lvaren sie dort verschwunden. Sie war untröstlich, denn mit den Karten, wähnte sie, seien alle ihre Zu- tunftShosfnungen dahin gegangen. Es waren schmerzvolle Tage, die sie zu durchleben hatte. Da wollte es der Zufall, daß sie nach andren Kleinigkeiten, die sie vermißte, zu suchen hatte, und als sie das Bett ihrer Küchenkollegin einer Okularinspektion unterwarf, entdeckte sie unter dem Laken ihre Zauberkarten. Sie war wütend über diese Treulosigkeit, rannte zum StaatSanivalt und denunzierte die Streit wegen Diebstahls. Das Schöffengericht hatte sich gestern mit dieser Haupt- und Staatsaktion zu beschäftigen. Schluchzend behauptete die Angeklagte, daß es ihr gar nicht ein- gefallen sei, an einen Diebstahl zu denken. Sie sei nur ein Opfer ihrer Neugierde geworden, denn sie habe gern das Glück ganz allein für sich mit Hilfe der Karten auf die Probe stellen wollen, und da man ihr gesagt habe, daß deren Prophezeiungen in Erfüllung gehen müßten, wenn sie acht Nächte �auf den Karten schliefe, so habe sie diesen Rat befolgt.— Der Staatsanwalt erkannte an, daß der Wert der Karten beinahe gleich Null sei, hielt aber doch einen Dieb- stahl für vorliegend und beantragte drei Tage Gefängnis. Heulend versicherte das Mädchen nochmals, daß sie nur ungestört Blicke in die Zukunft habe thnn wollen. Der Gerichtshof glaubte ihr und sprach sie frei. Der Vorsitzende gab aber beiden Mädchen den guten Rat init auf den Weg, die Zauberkarten ins Feuer zu werfen und mit solchem dummen Zeug in Zukunft ihre Zeit nicht zu vertrödeln. Ein gespanntes Verhältnis besteht seit Jahren zwischen dem Aintsoorsteher Wille zu Reinickendorf und dem dortigen Orts- eingesessenen Maurer Hermann Matz. Der Letztere ist mehrfach wegen Beleidigung des Amtsvorstehers bestrast worden, wodurch seine feindliche Stimmung gegen diesen noch erhöht worden ist. Gestern handelte es sich wiederum vor der neunten Straf- kaminer des Landgerichts I um eine schwere Ehren- kränkung des Amtsvorstehers durch Matz. Als an einem Augnsttäge vor dem Amtsgericht II eine Anklage gegen Matz verhandelt wurde, weil er in einer Eingabe an deir Minister des Innern den Amtsvorsteher als„Grundstücksvermittler" bezeichnet und ihn außerdem bezichtigt hatte, daß er der Gemeinde gehörige Jagdpachtgelder mrterfchlagen habe, wiederholte er nach Schluß der BeweiSaufnahine gegen den Zeugen Wille seine Beschuldigungen, ivodurch er sich eine neue Anklage zuzog. Im gestrigen Termine blieb der Angeklagte dabei, daß der Amtsvorsteher Wille einmal ein Grundstücksgeschäft vermittelt und dafür die Proviston eingestrichen habe. Auch habe sein Gewährt mann versichert, daß Wille sich der Unterschlagung von Pachtgeldern schuldig gemacht habe. Er, der Angeklagte, habe ge- glaubt, dies vor Gericht anführen zu dürfen, weil es doch in Betreff der Glaubwürdigkeit deS Zeugen von Wichtigkeit sei. Der Staatsanwalt erkannte an, daß der Angeklagte sich in Wahrnehmung berechtigter Interessen befunden habe, aber die beleidigende Absicht gehe schon aus den häufigen Vorstrafen wegen Beleidigung desselben Zeugen hervor. Er beantrage jetzt eine Ge- fängnisstrafe von zwer Wochen. Der Gerichtshof kam zu einem Freispruch, weil einesteils dem Angeklagten der Schutz des tz 103 des Strafgesetzbuches zur Seite stehe und andcrnteils nicht unbedingt angenommen werden könne, daß ihm eine beleidigende Absicht inne- gewohnt habe._ Versammlungen. Die Freie Vereinigung der ASphalteure, Pappdachdccker usw. hielt am Sonntag im Gcwerkschaftshaus ihre ordentliche General- Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Anwesenden das Andenken des verstorbenen am 3. Dezember vom Dach gestürzten Mitgliedes August Friedrich in üblicher Weise. Nach dem Jahresbericht des Vorsitzenden gab der Kassierer den Kassen- bericht. Die Vereinigung hatte eine Eiimahme von 2303,20 M., eine Ausgabe von 1517,60 Ml, so daß auch in diesem Jahre 752,60 Mark Ucberschuß erzielt wurden. An Stelle des bisherigen Gcwerk- schaflsdclegiertcn T ä u b n e r wurde B o r r m a n n als solcher ge- wählt. Bei der Vorsrandswahl wurde als erster Vorsitzender W e i g l i n einstimmig wiedergewählt. Ferner gingen folgende Kollegen aus der Wahl hervor: M a n n als 2. Vorsitzender, Klopp als 1. Kassierer, Hoppmann als 2. Kassierer, Püstov als 1., Hundt als 2. Schriftführer, sowie B ä h n i s ch und Kamp- mann als Kassenrevisoren. Unter Verbandsangelegenheiten wurde vom Kassierer Klopp die Abschaffung der noch vorhandenen Bc- zirkskassicrer empfohlen. Dies wurde gegen 2 Stimmen angenommen. Den Crimmitschauer Ausgesperrten wurden als 2. Rate 50 M. überwiesen.______ Eingegangene vrucklckriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 13. Hcst des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Hcstcs heben wir hervor: Johann Gottfried Herder. II.— Eine Geschichte der social- demokrattschen Landtagsagitation. Von K. Kautsk».— Die russische Politik in Armenien. Von Mikael Warandian.— Zwanzig Jahre Krankenversicherung. Von Gustav Hoch(Hanau).— Ueber die Zukunst der Stickstoff- Verbindungen. Von Dr. Otw Liebknecht.— Die Aktiengesellschaften in der Schweiz. Von D. Zinncr.— Littcrarische Rundschau: H. L. Köster, Das Geschlechtliche im Unterricht und in der Jugendlettürc. Von K. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolportcure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen. In der ZeitungspreiSIistc der Postanstalten ist die „Neue Zeit" unter Nr. 5575 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probcnummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit". Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dietz' Verlag), ist uns soeben die Nr. 1 des 14. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Quittungen.— Die Hamburger Fabrittnipcktions> Berichte von 1301 und 1302 über die Zlrbciterinnen. Von Luise Zietz.— Sybille Hetz.— Eine Dienstbotenbewcgung in Nürnberg. Von g. g.— Aus der Bewegung.— Feuillcion: Aus der Ringbahn. Skizze von Paul Bröcker.— Notizenteil: Der Zchnstundenkmnps der Textilaroeitcr in Crimmitschau.-- Gewerlschast- liche Arbcitcrinnenorganisation.— Frauenstimmrecht. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Press der Nummer 10 Pf, durch die Post bezogen beträgt der MonnementspreiS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Pf. Die Ncujahrsnummcr des„Wahren Jacob« ist soeben erschienen. Aus dem Inhalt heben wir zunächst die beiden farbigen Bilder hervor: „Silvcsterscier bei Dörchläuchting" und„Der Ritt aus dem Rasiermesser", serner die Illustrationen„Zur Aushebung deS JesuitcngcsetzeS",„Silvester", „Das Dainpsrotz in Reparatur",„An der preiitzisch-rusiischen Grenze",„Der Sochverräter",„In der Silvesternacht", sowie das zweite Bild aus der dmund Edelschen Serie„BourgeoiS-Typen" und den in Wort lind Bild erheiternden„Reichstags-Guckkasten". Der textliche Teil enthält die Gedichte „Neujahr",„Schwarz ist Trumps",„Goldenes Abc",„Ein Neujahrsgrutz" von Klara Müller,„Der Kamps um das Wahlrecht",„Lpiritu!- ani", joivic nutzer zahlreichen kleineren Beiträgen die grötzcrcn Feuilletons„Der ver- manschte Peter" und„Bries von Claus Swarlmuul aus St. Pauli bei Ham- bürg". Eine Extrabeigabe ist schlietzlich die Notenbcilagc„Deutsches Frelheitslied", ein Gesang von markigem Schwung, der ungemein leicht zu singen ist und von cimgermatzen geübten Gesangvereinen fast vom Blatt vorgetragen werden kann. Der Preis der zwöls Seiten starken Nummer ist 10 Psennige._ Vermischtes. Schwindeleien eines Prinzen. Prinz Karl von Looz-CorSwarein ist, wie aus Brüssel gemeldet wird, unter der Beschuldigung, erheb- liche Schwindeleien verübt zu haben, verhaftet und in das Gefängnis von Saint-Gilles gebracht worden. Der Prinz, der zur Zeit im 43. Lebensjahre steht, ist der Erbe des herzoglichen Titels von Looz- Corswarcnr und gehört demnach dem ältesten und vornehmsten Adels- geschlecht Belgiens an. Das herzogliche Haus von Looz-CorSwarem war bis zum Jahre 1353 reichsunmittelbar lind genoß das Recht der Ebenbürtigkeit, das aber bald darauf durch verschiedene Mesalliancen verloren ging. Trotzdem steht es noch heute dem Range nach vor den beiden andern belgischen Herzogsaeschlcchtern der Arenberg und d'Ursel. Aber sinanziell und moralisch ist es durch die Schuld des gegenwärtigen Herzogs und feines Neffen, des eben verhasteten Prinzen Karl, vollständig heruittergekommen. Der Herzog hat, nach der„M. Z.", nicht bloß das Stammvermögen des Hauses— ein Majorat gicbt es hier nicht— vergeudet, sondern auch die zehn Millionen Frank betragende Mitgift seiner französischen Gemahlin. der Tochter cmcs Industriellen, die vor einigen Jahren ge- storben ist. Zur Zeit lebt er von den bescheidenen Einkünften des Vermögens seiner beiden geisteskranken Töchter, die in einer Heilanstalt untergebracht sind. Sein Neffe und Erbe, Prinz Karl, ahmte das Beispiel des Oheims nach. Nachdem er sein väterliches Erbe verpraßt hatte, lebte er von einer mäßigen Geldunterstützung, die ihm die belgische Aristokratie gewährte, ver- legte sich aber bald auf Schwindeleien. Teils unter der Vor- spiegclung einer angeblich bevorstehenden reichen Heirat, teils unter dem Borioaude einer Millioncnerbschast, die ihm von feiten spanischer Verwandten zufallen sollte, lockte er von Kaufleuten. Lieferanten. Hotelbesitzern, Kellnern und Lakaien erhebliche Summen heraus. die im ganzen 750 000 Fr. ausmachen. Prinz Karl von Looz- CorSwarem hatte schon vor einigen Jahren ein ähnliches Abenteuer zu bestehen, wurde aber damals wieder aus der Hast entlassen, weil Zweifel an seiner geistigen ZurechimngSfähigkeit aufstiegen. Thatsächlich sind in der Familie Looz-Corswarem Jrrsinnsfälle vor« gekommen._ ßrlcfhartcn der Redaktion. ®. L. 30. 1. Das genannte Medikament ist uns bekannt. 2. Dah eS bei einer hiesigen Krankenkasse„obligatorisch gemacht" ist, halten wir jür ausgeschlossen; sicher nicht bei den Kausleutcn. 3. lieber die Anwendung in Erholungsstätten und Heilanstalten ist uns nichts bekannt: wahrscheinlich hat eine solche in ausgedehntem Matze nicht stattgcfimden. bez. keine Erfolge geliescrt, da sonst Mitteilungen darüber in der medizinischen Fachpresse uns bekannt wären. 4. Zuverlässige Mitteilungen über Ersolge mit dem Medl» kamcnt sind unsrcs Bissens nicht vorhanden. 9t. P. 87. ES ist einer gewissenhasten Redaktion nicht gut möglich, sich über den Wert von Specialwerke» über Maschinenbau zu äußern. Wir raten Ihnen, sich nach der öffentlichen Bibliothek und Lesehalle, Alcrandrincli- slratze 26, zu bemühen, die wochentags von 5'/.— 9'/, Uhr. an Sonntage» von 9—1 Uhr geössilet ist. Dort finden Sie eine ganze Reihe von Werken über Maschinenbau; im großen Katalog der Bibliothek sind sie aus Seite 415 bis 419 verzeichnet. �uriliileker Ceti. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit JlilSnahait de? Sonnabends von?>/, biS ü'ii Nhr abcudS statt. Geöffnet!? Nbr. Frech. Nimmt der Mieter oder der Vermieter den eine rechtzeitige Kündigung enthaltenden Bries nicht an, so gilt die Kündigung dennoch als ersolgt. Der Wirt kann aus Räumung oder Anertcunung, der Mieter aus Anerkennung des AblausS der MictSzeit klagen.— H. S. 1. Die kinderlose Witwe erbt, wenn sie nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch erbt— das ist der Fall wenn die Ehe nach dem 31. Dezember 1899 geschlossen ist oder wenn bei einer früher geschlossenen märkischen Ehe innerhalb sechs Wochen durch notariell oder gerichtlich beglaubigte Erklärung dem Nachlatzgcricht mitgetcill, datz sie nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch erbt— die Hülste, überdies aber als voraus alle zum Haushalt gehörigen Gegenstände und die Hochzeitsgeschcnke. 2. Die Witwe kann spätestens am 3. Januar zum 1. April kündigen, wenn der Todessall sich im 4. Quartal ereignet hatte. — B. 80. Die gewöhnliche'Arbeitszeit war an den Sonntagen und Feiertagen.— F. Merker. 1. Die Kinder treten durch den Austritt der Eltern aus der Kirche nicht mit aus, können aber vom vollendeten vier- zehnten Lebensjahre ab selbst austreten. 2. Der Wirt kann entschädigungS- pslichtig sein.— Lestrcich. 1. Die Antwort war zutreffend. 2. 58 Stimmen hat der Bundesrat.— Klara 17. So weit ersichtlich, sind nicht Sie, sondern lediglich Ihre Eltern erbberechtigt.— Note 43. 1. Nein. 2. Für die Auslagen. 3. und 4. Die Sachen Ihrer Frau können wegen Ihrer Schulden gepfändet werden. Aus Intervention Ihrer Frau wird aber die Pfändung eingestellt. Sie mützten Jntervcntionsklage erheben und Ein- stellungSantrag stellen.— Ludwig Zeder. Ohne Einsicht in die Abschrist des MietSvertrageS ist es unmöglich, Ihnen mitzuieilen, welche Pflichten Ihnen aus dem Verlrage zufallen.— A. L. Ja.— P. 38. Nein. Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen des »Welzen, gut D.-Ctr. mittel gering. »Roggen, gut , mittel gering. xGerste, gut mittel gering •fHafer, gut mittel gering Richtstroh Heu Erbsen Speisebohncn Linsen » ab Bahn. f frei Wagen und ab Bahn. am 28. Dezember 1903 kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Cw. Rindsleisch, Keule l ig do. Bauch, Schweinefleisch, Kalbfleisch„ Hanimelfielsch, utter Eier Karpsen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 ig per Schock 7.00 1,80 1,50 1,60 1,80 1,80 2,80 5,00 2,40 2,80 2,80 2,20 1,80 3,00 1,40 15,00 6,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 WittcrungSübersicht vom LS. Dezember 1903. morgen» S Uhr. Stattonen Swmemdc, Hamburg Berlin Frankf.a.M.!768 O München 764'O Wien 770 NRW E S s s Sc §=■ .= s SS 772 S 771 OSO 772 SO Detter .kl 2 heiter t wollig 2 wollenl 4wolkcnl 7hciter>-13 1 wölken!!— 10 e-i« C Sr s« - H& —6 —4 -7 —7 — wolkig SSchnce bibedeckt Aberdeen— j——— Paris 76�0 �bedeckt Wetter-Prognose für Mittwoch, den 30. Dezember 1003. Vielfach nebelig, sonst ziemlich heiteres Frostwetter mit mätzigcn östlichen Winden: keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterburea«. Stattonen ZZ B~ 2 c — i I II >> Haparanda 760 Still Petersburg 763 WSW Cork—— Detter »-3 d 3» ä II H St -1 —3 7 süd- Ka r nf en2 Sibestcr ein Jisehgericht auf jedem Tisch! * DM Cabliau H Schellfisch Ij Tafelzander H Austern � h S(t- das Pfund 35-40 Pf. Dieser tinsemi letzten Fange entnommene grosse Posten Seekarpfen, der soeben eingetroSen ist, bietet in vorzüglichster Qualität bei derselben Zubereitung— blau und in Bier— vollgültigen Ersatz für Teichkarpfen, die wir zu nachstehenden Preisen ebenfalls bestens empfehlen; Sehende Karpfen Pfund 85-100 Pf. Siskarpfen Pfund 55—60 PI. z. Kochen u, Braten 1 sehr empfehlonsw., I ganze Fische ohne Kopf Pfund 18 Pf., im Anschnitt SO Pfennig. Bratflundern Pfund S5 Pfennig, 3 Pfund 76 Pf. in allen Grössen | Pfund 17-30 Pf. Adlerlachs 1 Pfund»0—36 Pf., | i. Anschnitt 45 Pf. Seehecht Pfund 35 Pf., 1 i. Anschnitt 42 Pf. 1 prima | Pfund 70— SO Pf.| Steinbutt | Pfd. 0,90-1,10 Mk.| Seezungen Pfd. 0,90-1,25 Pf.l Hei gol ander Dutzend OO Pf. la. Holländer |Dtz. 1,80-2,00 Mk. 1 | Lebende Hummern| Pfd. 3.25 Mk. Seemuscbeln 100 Stück 80—00 Pfennig. SeesAal in Aspic Pfund 60 Pf. Fischsülze Pfund 60 Pf. Mariniert© Seeflschc | zubilligstenTages- 1 Proisen. Geräucherte | Flundern Pfund 60-05 Pf. | Adlerlachs ilaStor Pfund 80-90 Pf, ! Schellfisch Pfund 35 Pf. | Seelachs Pfund 40 Pf. See- Rseli- Roeb- U m. weit über 100 Rezepten erhält jeder Käufer gratis. Feinster Rauchlachs, Kieler Sprotten, Kieler Bücklinge etc. etc. billigst! Deutsche Dampffischerei-Qesellschaft„Nordsee" Wf* Hauptfiliale: Bahnhof Börse, Bogen 8—10 17. Filiale: Prlnascnatr. 30 zwischen Moritzplatz u. Kitterstrasse.!| III. Niederlage; Madaiatr. 22(im Schlesischen Bahnhof). Veranttvortl. Julius Kaliski in Berlin. JnseratcnlcÜ verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck«. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und VerlagSanitatt Baal SingerLCo., Berlin SV. Nr. 803. 20. Jahrgang. 2. Stilnjt i>cs Jutmiirts" Setlintt lolMlatt Mittwach, 80. Dezember 1908. Momentbilder aus der Berliner Arbeiterbewegung des Jahres 1003. Das rote Wahljahr liegt hinter unS. Es bot den Parteigenossen Gelegenheit, dreimal ihr Wahlrecht auszuüben: zum ReickStage nämlich, dann zum erstenmal zum Landtage und endlich zur Stadt- Verordneten-Versaminlung, Doch auch sonst war es reich an bedeut- samcn Ereignissen. Der erste bemerkenswerte Vorgang war leider trauriger Natur. Am ersten Tage des Monats Januar war das.Begräbnis eines alten Kampfgenossen im sechsten Berliner Reichstags- Wahlkreise. dcS im deutschen Tabakarbciter-Verbande organisierten Eigarrenfabrikanten Hermann S t e i n i ck e auf dem Golgatha-Kirchhofe in der Barfuststrastc. Am 4. wurde im GewerkschastShause eine Konferenz hon Agitationsleitem und Gauvorständcn der Gewerkschaften der Provinz Brandenburg abgehalten. Es handelte sich bei den Bc- ratungcn darum, eine Verständigung über eine gegenseitige Uitter- stützung bei der Agitation herbeizuführen.— An demselben Tage landen auch die Wahlen der B r a n e r e i- A r b e i t e r zum Kuratorium des Ring-Arbcitsnachwciscs statt. Die Wahlen endeten mit einem Siege der Ccntralverbändlcr über die Bundesgesellen (Brauer); die Hilfsarbeiter hatten überhaupt leine Gegenkandidaten. Am 3. fand in A d l e r S h o f die erste Volksversammlung in dem für die Arbeiterschaft wieder frei gewordenen Wöllsteinschcn Saale statt. Reichstags-Abgeordneter Zubeil sprach über das Thema: „Tic Brot- und Flcischwuchercr und ihre Hetzjagd gegen die Social- deinokratie." Die Versammlung verfiel der polizeilichen Auflösung. Eine zweite Volksversammlung tagte am 11. in demselben Lokale. Diesmal referierte Reichstags-Abgeordneter Rosenow über das gleiche Thema. Die Versammlung beschlost eine Protestresolntion. R e i cb S t a g und Landtag nahmen am 13. ihre Thäligkeit nach den Weihnachtsferien wieder auf. Die Gewerbcgerichtswahl m R n in m e l S b u r g am 13. hatte für die Genossen einen durchschlagenden Erfolg.— Am selben Tage wurde in O b c r- S ch v n e iv e i d e eine Protestversammlung gegen die von der ReichstagSmehrheit gelegentlich der Beratung des Zoll- mrifS verübten Gewältakte abgehalten. Am 18. fand eine Konferenz der Lagerhalter für die Provinz Brandenburg und die angrenzenden Provinzen im Gewerkschafts- Hause statt. 32 Prote st Versammlungen gegen die Vergewaltigungen und RcchtSbrüche der ReichstagSmehrheit wurden am 22. gleichzeitig in Berlin und den Vororten abgehalten. Nach sechs», onatlichem Aufenthalt in Plötzensee kehrte das Opfer der Humienbrief-Prozesse, Redakteur Robert Schmidt vom„Vorwärts", in die deutsche Freiheit zurück. Ihm zu Ehren fand abends eine Begrüßungsfeier im GewerkschastShause statt. Die Protestversainnilung, welche in C h a r l o t t e n b u r g an, 22. nicht statthaben konnte, fand am 26. statt. An, 28., 2S. und 31. wurde in Steglitz zm„ Gewerbegericht gewählt. Die Stadtverordnetenwahlei, in Köpenick erreichten am 30. ihr Ende und brachten uns zwei Mandate der dritten Klasse ein. Jin Monat Febvuar wurden am 3. und 4. die Gewerbegerichtswahlen in S t c g l i tz fort- gesetzt. Am 8. erfolgte eine Flugblatt-Vervreitun g für die Reichstagswahl in allen Berliner und benachbarten Wahlkreisen. Am 8. und 0. tagte in, Gewerkschaftshause eine Konferenz der Uniform-, Maß- und L i c f e r u n g S s ch n c i d e r. Tie AuisteUung der R e i ch S, a g S t a„ d i d a t e n erfolgte an, 10. in Partcivcrsammlungen aller sechs Berliner ReichStagS-Wahl- kreise. Am 13. fand abermals eine Konferenz in, Gewerkschaftshause statt, diesinal sämtlicher G e s e l l e n- A u s s ch ü s s e und Lehrlings- prüfungs-Kommissionen. Wegen Vergehens gegen die Gewerbe-Ordnung wurden am 18. die Rohrleger Albert Abel, Gustav Wucherpfennig und Paul H einrich von der 10. Strafkammer Landgerichts I zu je einer Woche Gefängnis verurteilt. Das zweite Opfer der Hnnncnbrief-Prozcsse, Redakteur John vom„Vorwärts", kehrte an, 23. nach stebenmonatigen, Aufenthalte in Plötzensee in die Freiheit zurück. Auch ihm wurde von den Genossen ein feierlicher Empfang bereitet. Im Monat März wurde bereits in die Agitation für die Reichstagswahl eingetreten, auch fanden in diesem Monat- größere gewerkschaftliche Kämpfe statt. Jn Alt-Glienicke st>ar am 4. Genwinderatswahl. Sic brachte in der dritte« Klasse»an Arbeiterkandidaten einen glänzenden Sieg. Am 13. und 16. tagte in der Ncilen Welt(Hascnheide) ein Allgemeiner Krankenkassen-Kongreß. Der 18. März wurde in Berlin ,u,d den Vororten in der bc- kannten würdigen Weise gefeiert. Am 24. ivar iit Lichtenberg GemcinderatSwahl. Auch hier siegten die Arbcitcrkandidatcn der dritten Klasse in beiden Bezirke». Da eine Doppelwahl erfolgte, wurde eine Nachwahl erforderlich. An, 26. trat das dritte Opfer der Hunncnbricf- Prozesse, Redakteur Schröder vom„Vorwärts", seine viermonatige Er- holungsreise nach Tegel an. Der Monat März schloß ab mit den» am 26. im Gewerkschaft?- Hause eröffneten zweiten Bauarbeiterschntz-Kongreß, mit den, eine Bauarbeiterfchutz-AuSstellung verbunden war und dem sich die Generalversammlungen einzelner Gewerkschaftsverbände anschlössen. I», Monat April schlug die Gewerkschaftsbewegung besonders hohe Wogen. Der allgemeine Streik der B a u k l c», p„ e r sowie umfangreiche Aus- sperrungen in der H o l z i n d u st r i e fanden statt. Am v. tagte die Krciskonscrenz für den ReichstagS-Wahlkreis Nieder- Barnim in Ruinmelsburg(Bellevue). Am folgenden Tage hielt der Verband des technischen Bühnen- Personals im GewerkschastShause seinen zweiten Berbandstag ob. Die Ostcr-Feicrtage, 12. und 13., wurden von den Textil- a r b e i t e r n und M ü h l e i, a r b e i t e r n zur Abhaltung einer Konferenz im GewcrkschaftShausc benutzt. Am 14. trat die Gcncralvcrsainmlung des Verbandes der in Geuicindebetrieben beschäftigten Arbeiter und Unter- angestellten zusammen. Ihr schloß sich eine Konferenz der Gas- a» si a l r s- A r b e i t e r Deutschlands an. >1» Bestätigung des vom Spandauer Schöffengericht gesprochenen Urteils wurden an, 17. die Rohrleger Hausadowsky und Grunberg wegen Vcrrufscrklärung bezw. versuchter Nötigung und Beleidigung eines Arbeitswilligen von der 4. Straskammcr des Landgerichts II zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. Am 20. erfolgte bei Keller in der Koppenstraße die Gründung eines socialdcmotratischcn W a h l v e r e i n S der Frauen für Berlin und dessen Umgebung- Wegen öffentlicher Beleidigung eines Berufsgenossen, die nach dem Richterspruche„beinahe an den lieblichen Paragraphen 153 der Gewerbe-Ordnung grenzte", wurde am 23. der Töpfer Graf vom Schöffengerichte zu zivei Monaten Gefängnis verurteilt. Am 26. ragte im Gewerkschaftshmiw ein Parteitag für Greußen zur Besprechung der Landtagswahlen. 2�' Die bemerkenswerten Ereignisse im Monat April schlössen ab ""CM am 30. erfolgten Schluß der R e i ch S t a g s- S c s s i o n. Der Monat Mai wurde in hergebrachter Weise durch die von, herrlichsten Wetter bc- günstigte Maifeier am Freitag, den 1.. eröffnet.— Am selben Tage erreichte auch die Landtags-Scssion ihr Ende. Am 10. schied ein braver Genosse in, sechsten Berliner Reichs- tagS-Wahlkreise, der Schankwirt Fritz L i e tz k e. aus dem Leben. Seine Beerdigung erfolgte am 13. auf dem Friedhofe der Frei- religiösen Gemeinde. Der 17. brachte die Verteilung eines Flugblattes für die Reichstagswahl in Berlin und den Vororten. Am 27. hatten die S p a n d a n e r Genossen eine Ersatzwahl in der dritten Klasse für cst,cn verzogenen Genossen zu vollziehen. Die Wahl verlief siegreich für die Arbeiterschaft. Für das Maurer- und Zimmcrcrgcwerbe fanden am 29. die Wahlen zum GesellenauSschusse und zun, Jnnungs-Schiedsgcrichte statt. Auf den letzten Tag dcS Monat Mai und den ersten Tag des Monat Juni fiel das Pfingstfcst. Beide Feiertage tvurden wiederum von einzelnen Gewerkschaften zur Erledigung ernster Arbeiten benutzt. ES tagten im Gewerkschaftshause eine Konferenz der Former und Gießerei- Arbeiter, sowie die sechste Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter- Verbau des. An, 6. starb ein treuer Mitkämpfer in, zweiten Berliner Reichs- tagS-Wahlkreise. der Metallarbeiter Paul Jakob. Am 9. geleiteten ihn die Genossen zu Grabe. Der Dreher st reik bei Borsig hatte am 8. ein Nachspiel vor der vierten Strafkamincr des Landgerichts II. Wegen Belästigniig eines ArbeilSwilligcn wurden die Dreher Jürgens, NllnaS, Hell und Schwarz zu je einer Woche Gefängnis verurteilt.— An demselben Tage hatte auch der Streik der R o h r l e g e r ein Nachspiel vor der dritten Strafkammer Landgerichts I. Hier wurden die Rohrleger Thome und König wegen gemeinschaftlichen HauSfriedcnsbrnchs zu je einer Woche Gefängnis. König außerdem wegen Körperverletzung und Bedrohung zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Am 16. fand die große ReichStagS-Wahl fchlacht statt. Der 23. brachte wiederum zwei Opfer des 8 153 der Gewerbe- Ordnung zur Strecke. Wegen Vergehens gegen diesen wurden die Bauarbeiter Karl Heidemann und Ernst Völlmann zu je ztoci Wochen Gefängnis verurteilt. Wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze im Sinne des§ 110 des Strafgesetzbuches wurde am 24. Reichstags- Abgeordneter Stadthagcn von der dritten Strafkammer Laud- gcrichts I zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Am 23. wurden die Rcichstags-Stichwahlen ausgefochten. Der Monat Juli setzte ein mit der Aufhebung des Apotheken- Boykotts „ach fast zweijähriger Daner. Der 7. brachte eine Ergänzungswahl dritter Klasse zur Gemeinde- Vertretung in Lichtenberg. Durch die Eroberung auch dieses Mandats hatten die dortigen Genossen nunmehr sämtliche Mandate der dritten Wahlklasse im Besitz. Am 20. schied ein eifriger Parteigenosse im 1. Berliner Reichs- tags-Wahlkreise, der Buchdruckerci-Hilfsarbeitcr Heinrich Jahns aus dem Leben. Seine Beerdigung erfolgte am 23. auf dem Friedhofe der Freireligiösen Gemeinde. Das letzte Opfer der Hunncnbriefprozcsse, Redakteur Wilhelm Schröder vom„Vorwärts", verließ am 26. nach vicnnonalichcm Aufenthalt das Gefängnis in Tegel. Ihm zu Ehren veranstalteten die Genossen in Wilmersdorf ein Familienfest. VIl. Nkrblindstag der Dachdecker und vertvandten Bcrufsgenosfcn Teutschlands. Dortmund, den 28. Dezember 1903. Zlveiter Verhandlungstag. In der Fortsetzung der Debatte über Lohnbewegungen und Streiks wird allerseits die Notwendigkeit besserer Bestimmungen zur Verhinderung aussichtsloser Streiks betont. Nach Schluß der Dis- kuffion gelangen folgende Anträge zur Annahme: „Die streikenden Mitglieder sollen von den Wochenbeiträgen besteit sein." „Die Streikunterstützung ist jedem Kollegen, ob ledig oder verheiratet, in gleicher Höhe zu zahlen. Auch ist sie eine wöchent- liche; Feiertage, welche innerhalb der Werktage fallen, sind daher nicht in Abzug zu bringen. Streikunterstützung zahlt die Hauptkasse, wenn die Mitglieder mindestens 13 Wochen Mitglied sind und für die Zeit Beiträge geleistet haben. Filialen, welche ohne die Genehmigung des CentralvorstandeS einen Angriffsstreik unternehmen, darf keine Unterstützung auS- gezahlt werden.(Siehe Streikreglement Seite 21,§ 8.) Die Ab- stinmiung über einen Streik muß eine geheime sein. Der Streik gilt nur dann als beschlossen, wenn sicb mindestens drei Viertel der Abstimmenden dafür erklärt haben. Abzustimmen haben nur Mitglieder." „Jede Filiale, welche dem Gau angehört, ist verpflichtet, jede beabsichtigre Lohnbewegung vier Wochen vor der Anmeldung beim Centralvorstandc, sowie jede beabsichtigte Wcrkstellensperre sofort den, Hauptvorstandc anzumelden.— Unterläßt eine Filiale diese Airmcldung, so setzt sie sich der Gefahr aus, von der Unterstützung auSgeschlosten zu werden." Ueber den nächsten Punkt: U nter st ützungs- Einrich- t u n a e„, referiert Höppner-Berlin. Derselbe führt auS, daß das schon auf dem vorigen VerbandSlag sich aufdrängende Bedürfiiis nach stabileren Vcrhälmissen durch Ausbau der UnierstützungS-Einrichttingcn sich mit der Zeit noch stärker geltend gemacht habe. Er könne die Einführung einer Krankenversicherung nicht befürworten, bedingt nur die von Sterbegeld. Die Haupfiache sei die Arbeitslos en-Unter- st ü tz u n g. Soweit diese Einrichtung in andren Verbänden ein- geführt wurde, hat man damit gute Erfahrungen gc- niacht. Schließlich empfiehlt Redner die Annahme einer Resolution, nach welcher der Verbandstag beschließt, den Mitgliedern die Durchführung der ArbeitSlosen-Unterstützung zu empfehlen und den Ceniralvorstand beaustragt, im Laufe des nächsten Sommers eine Urabstimmung darüber zu veranstalten, ob ein Versuch mit der Arbeitslosen-Versicherung gemacht werden soll. Er- klärt sich die Mehrheit der Abstimmenden für diese Probe, so hat der Centralvorstand vom 1. April 1903 ab die Probe durchzuführen aus Grund eines von ihm zu entwerfenden provisorischen Statuts und unter Erhebung eines Ertrabei trage? von 20 Pf. pro Woche. Die Unterstützungssätze sind wie folgt zu setzen: Dauer der Mitgliedschaft Unterstützung Anzähl der Jahr pro Tag Tage vom 2............ 1 M. 12 „3............ 1„ 18 . 4............ 1„ 24 „5............ 1„ 30 Den Anspruch auf Unterstützung während der Arbeitslosigkeit erhält jedes Milalicd, welches fortlaufend 32 Wochenbeiträge bezahlt hat. Die Unterstützung wird nach zwölftägigcr Arbeitslosigkeit be- zahlt. Wer den Höchstbetrog der Arbeitslosen-Untcrstützung inner- halb eines Jahres, wenn auch niit Unterbrechung erhalten hat, kann erst nach Verlauf eines Jahres wieder Unterstützung erhalten. In der Diskussion wird ohne Ausnahme die Zweckdienlichkeit der ArbeiiSlosen- Unterstützung anerkannt. Einige Delegierte empfehlen, die Einführung sofort auf der Generalversammlung zu beschließen.� Alle Delegierte sind der Ansicht, daß etwas geschaffen werden müsse; werde die ArbeitSlosen-Uiiterstützung abgelehnt, dann müsse mindestens das Sterbegeld bezahlt werden. An der Diskussion beteiligten sich wiederholt Gen. Hoch- Hanau, Redakteur des Ver- bandS-OrganS, und Gen. Silberschmidt- Berlin als Vertreter der Generalkommisfion. Schließlich wird die Resolution Höppncr mit 14 gegen 6 Stimmen angenommen, ferner ein Antrag, welcher den Vorstand beaustragt, Vorkehrungen zu treffen, durch welche verhindert wird, daß Mitglieder doppelt Rcisc-llnterstüyung bezichen. In der Nachmittags-Sitzung begründet der Verbands- Vorsitzende D i e h l- Frankfurt in cingehender Weife den folgenden Antrag: 1. Beitragsklasse bis 33 Pf. Stundenlohn: 30 Pf. Beitrag pro Woche. 2. Beitragsklasse über 33 und 40 Pf. Stundenlohn: 33 Pf. Bei« trag pro Woche. 3. Bcitragsklasfe über 40 bis 45 Pf. Stundenlohn: 40 Pf. Beitrag pro Woche. 4. Beitragsklasse über 43 bis 30 Pf. Stundenlohn: 43 Pf. Bei- trag pro Woche. 3. Beitragsklasse über 50 Pf. Stundenlohn: 50 Pf. Beittag pro Woche. Redner führt aus, daß die Unternehmer immer größere An- strengungen machen, um die Organisation der Arbeiter zu zer- trümmcrn. Wolle man sich gegen die Anschläge rüsten, komme man nicht um eine Beitragserhöhung herum. Die vorgeschlagene Klassi- fizicrung entspricht der Gerechtigkeit; wer dauernd höheren Lohn be- zieht, kann auch einige Pfennige mehr Wochenbeitrag leisten. Der Grundgedanke sei, daß jeder Kollege einen Wochcnbeitrag zahlen soll in Höhe eines am Ort durchschnittlich gezahlten Stundenlohnes. Iii der Debatte gehen die Ansichten über die Zweckdienlichkeit der Reform der Beitragszahlung zunächst weit auseinander. Nach wiederholten Darlegungen des Vorsitzenden, des Redakteurs deS VerbandSorganS, Gen. Hoch- Hanau, und des Vertreters der Gencralkomunssion Genossen S i l b e r s ch m i d t- Berlin wird der Antrag des Vorstandes mil 12 gegen 9 Stimmen angenommen. Ferner gelangte noch folgender Antrag zur Annahme: _ Kranke oder arbeitslose K ollegen sind vom Beitrag befreit, wenn dieselben länger als wie 6 Arbeitstage krank oder arbeitslos sind. Durch besondere Marken, welche den Filialen von der Centrale ge- liefert werden, ist die beitragssteie Zeil zu quittieren. Nach längerer Debatte gelangten noch folgende Anträge zur Annahme:„Ein Sterbegeld zu zahlen in der ersten BcitragSklassc.. 30 M. „„ zweiten.. 33„ ,.„ dritten„.. 40„ „„ vierten„.. 43 „„ fünften„.. 30„ Die Erlangung der Unterstützung bedingt mindestens eine einjährige ununterbrochene Mitgliedschaft und eine Beitragsleistung für 42 Wochen. Für jedes weitere volle Jahr steigt die Unterstützung um 2,30 M, bis zur Höhe von 80, 83, 90, 93 und 100 M." „Sollte die Arbeitslosen- Unterstützung abgelehnt werden, tritt die Stcrbc-Unterstütznng mit dem 1. Juli in Kraft." Generalversammlung des Derbandes der Handslhnhmncher Deutschlands. Dritter Verhandlungstag. Zeitz, den 28, Dezember. Tic heutigen Beratungen bezogen sich lediglich ans die Kranken- lasse(Zuschnßkassc) des Verbandes. Die Generalversammlung sah sich gezwungen, in» diese Kasse vor allzu großer Ausimtzung zu schützen und um fiir eine Erhöhung des Kassenfonds zu sorgen, die .Krankenunterstützung, welche bisher bei der 1. Klasse 9 M.. bei der 2. Klasse 13,30 M. betrug, auf 8 bezw, 12 M. zu reduzieren. Auch die Uiiterstützungödauer mußte gekürzt werden, wird jedoch immer noch fiir die Dauer eines Jahres bezahlt nnd zwar 274 Tage zum vollen und 91 Tage zur Halste des Betrages. Beitrag und Sterbe- geld blieb unverändert; die Altersgrenze siir die Ausnahme wurde auf das 40, Lebensjahr herabgesetzt. Die General-Dersnmmlung des NnttrUhungsvereins der Kupserschmiede wurde am 28. Dezember in H a in bürg eröffnet. Anwesend sind 40 Delegierte, zwei Vertreter des CentralvorstandeS und ein Vertreter deS Ccntralauöschusscs. Außerdem sind von ausländischen Organi- sattonen Vertreter aus Wien und Budapest anwesend. Die General- kommission ist durch Genossen S a b b a t h vertreten. Weil die Generalversammlung am Sitze des CentralvorstandeS tagt, werden die übrigen fünf Mitglieder desselben mit beratender Stimme zur Debatte über den Rechenschaftsbericht deS Vorstandes und Ausschusses zugelassen. Der Bericht des EentralvorstandcS umfaßt die Zeit vom l, Januar 1901 bis zum 30, September 1903, Der Verband hatte in dem angegebenen Zeitraum außerordentlich schwer unter der wirtschaftlichen KrisiS zu leiden. welche eine ungewöhnliche Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Die ArbeitSlosen-Unterstützung wurde daher in so starkem Maße in Anspruch genommen, daß das respektable Vermögen der Organisation völliq zusammenschrumpfte, wozu auch noch die gescheiterte Hamburger Lohnbewegung beitrug. Eine weitere bedauerliche Folge war ein erhebliches Sinken der Mitglicdcrzahl. Die Organisation beginnt sich erst jetzt ganz lang- sam zu erholen. Die Mitgliedcrzahl erreichte ihren Höchstbestand am 31. Dezember 1901 mit 3031, am 30. September 1903 betrug sie 3275. Die Gesamteinnahmen betrugen vom 1. Januar 1901 bis 30. September 1903 218 376,08 Rk., die Gesamtausgaben 289 107,32 M.. das Vereinsvcrmögcn verminderte sich von 97 063,98 Mark auf 26754,75 M. Der Zugang an Mtgliedern belief sich in diesem Zeitraum auf 2338, der Abgang ans 2523. Von den ÄuS« gaben entfielen ans Rcise-Unterstützung 88 663,23 M., auf Orts« Unterstützung(Streik- und Arbeitslosen-Unterstützung) 118 068,34 M., auf Unizugs-Untcrstiitzung 3665,53 M.. ans Sterbe-Unterstützung 14 603,90 M.. auf Rechtsschutz 683,64 M.; das Bercinsorgan kostete 13 822,07 M. Das Verbandsorgan„Der Kupferschmied" erhöhte seine Auflage von 4100 auf 4400; die Krise machte sich hier in einer erheblichen Verminderung der Jnserateneiimaymcn bemerkbar. Die Debatte füllte mehrere Stunden ans, in deren Verlauf ein Antrag K orbowtcz- Berlin: der Filiale Hamburg ein Darlehen von 2697 M. und der Filiale Frankfurt a. M. ein solches von 600 M. niederzuschlagen, mit allen gegen achtjätimmeii abgelehnt wird. Die Kompetenzen des Centraiausschusses gegenüber dem Vorstände sollen durch vorliegende Anträge geregelt werden. Der Name der Organi- sation soll geändert werden in„Verband der Kupferschmiede Deutsch- lands", doch soll das vorhandene Material mit der alten Firma aufgebraucht werden, so daß durch die Namensänderung keine Kosten entstehen._ Gcwcrkrcbaftlicbes. Für die streikenden und ausgesperrten Weber in Crimmitschau gingen bei der Berliner G c w c r t s ch a s t s l o m m i s s i o n folgende Beiträge ein: Vierter Kreis k S ü d o st>. Eingegangene Beiträge aus Listen i 3302 20.36. 3 16,30. 4, Werkstatt Stoller, KönigSdergerftratze tt.tv. 3 l 8,35. 6 7,80. 8 S.VV. 9 16,85. 10 9,l5. II 12,35. 12 10,—. 14 10,85. 15, Pianosabrik Hoffmann, 5. Rate 14,85. 18 6,—. 19 7,—. 20 26,35. 26 37,10. 27 15,45. 28 8,-. 30 4,70. 32 7,10. 33 10,95. 34 6,35. » 'f> 50,—. 57 9,35. 33 17,13. 40, Sparberein Leguitzer Schweiz IS, 38. 44 8,70. 45 7,05. 46 2,90. 47 7,50. 48, gel. d. Weber 20,65. 54 11,85, 4,50. 90 22,60. 91 13,—. 93 10,40. 94 10,80. 95 10,—. 96 3,30. 97 2,70. 98 3,35.— 3401 13,93. 3 2,95. 4 7,10. 5 12,55. 6 3,50. 7 11,65. 8 3,95. 9 5,65. 10 2,70. 11 3,—. 13 3,20. 14 9,40. 16 6.95. 17 16,55. 18 5,30. 19 10,—. 20 4,80. 21 13,15. 22 15,10. 23 21,60. 24 8,25. 02 17,40. 33 9,70. 34 6,40. 36 12,—. 37 10,25. 38 7,05. 39 10,35. 40 8,05. 41 18,75. 42 12,—. 43 4.15. 46 19,55. 47 21,60. 48 19,25. 49 12,80. 50 16,7ii. 51 12,10. 52 6,30. 53 26,05. 54 12,90. 56 20,40. 58 17,35. 59 11,05. 62 7,70. 63 7,15. 65 11,20. 67a und b, Mcckmnische Werkstatt und Äravicranstalt 2lucr- bach, Grüliaucrstr. 17 48,80. 68 5,20. 69 S.W. 70 16,—. 85. Spinn u. Sohn 19,55. 86, Spinn u. Sodn 35,85. 88 5,80. 91, Spinn u. Sohn 23,—. 93, Noack, Muslancr- u. Pücklerilraßen- Ecke 15,30.— 3502 10,10. 18, Schleifer der Firma Sackur 10,65. 19 13,—. 20 5,80. 21 5.50. 22, Pianosabrik Achc 10,05. 24 7,95. 25 9,00. 26 6,85. 27 9,10. 28 12,85. 20 6,45. 30 7,15. 31 6,30. 33 7,20. 34 6,95. 42 9,65. 43 9,65. 44 19,45. 46 21,45. 48 6,50. 49 1,40. 56(darunter Sparvcreiii„Fester Wille" 7.85) 11,40. 57, Kollegen der Finna R. u. v. St. 30,65. 58 13,45. 59 4,70. 60 6,95. 61 1,90. 62 1,55. 63 7,60. 64 14,50. 6513,55. 67. Stammgäste von P. Milins 11,60. 68 5,85. 69, Pianosabrik Barthot, 2. Rate 8,30. 70(darunter Stadtbezirk 98 8,—) 10,20. 71(darunter Fabrik Kindermann 28,10) 35,40. 79 17,55. 80 5,55. 81, Militareffekten-Zabrik Wunderlich Nach!.. Blanken- bürg 28,70. 83, Pertonal des deutschen Vinsen- u. Prtsrnen-IyndikatS 30,40. 85 13,30. 88, Tischlerei Ratsch 16,85.— 3600, Arb.-Kesangv.„Vorwärts" 15—. 3601 15,80. 2 7,50. 5 10,15. 6 17,10. 7 7,65. 8 Steinträger(Bau Kranoldstr. 6—10) 12,—. 9 Arbeiter und Zlrbeiterinncn der Anilinsabrik Treptow, Abteilung M. I 35,35. 10 7,55. 11 9,35. 12 Kigner a. Co., 31 Rate 8.65. 13 3,35. 14 Lotterieverein„Glücksbörse" 4,00. 15 Kistner u. Co.. 3. Rate 12,40. 16 4,70. 28 6,15. 29 5,85. 3634 7.10. 35 11,50. 36 25,10. 37 14,35. 38 9,50. 39 11,20. 40 3,15. 41 Ciende Maurer und Arbeiter Eckbau. Amerikanisches. Uebcr'n grasten Teich. Carl Weift. Der Meineidbaner. Nachm. 3 Ubr: Wilhelm Tell. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Apollo. Frühiwgslust. Vision nach dem Balle. Speeialitälcn. Winter- Garten. Otero. Otto Reutter. Spceialitäien. Passage- Tlicarcr. Enthauptung. Specialiiäien. Ansang 5 Uhr. Gebr. Kerrnfeld. Papa Noa. Rcichshallcn. Sictlincr Sänger. Uranin. Tanbeustrasie 4K,'40. Der Erdball als Träger des Lebens. Um 4 Ubr im Theater: An den Seen OberitaliöiiS. Juvalidenstraftc 57.62. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. Salome. Vorher: I.ogik deet Herzens. Ansang 71/. Uhr. Tonnerstag: Der Strom. Central-Theater. Heute 2 Vorstellungen, nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung, halbe Preise, jeder Erlvachiene ein Kind frei: Ter Fcstiefcltc Kater. Rärchenspicl in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. p- Abends TL Uhr:"H»«l Ter Rastelbinder. Operette in 3 Akten v. Franz Lehär. Luisen-Theater. Zlbcnds 8 Uhr: JftfT' Zuni erstenmal: T® Berliner Kinder. Posse mit Gesang von Salin grö. DomierSiagiiachiniilag: Schnee- wittchen und die sieben Zwerge. Abends: Berliner Kinoer. Frettagnachmiiiag: Schneewittchen und die sieben Zwerge. -Abends: Berliner Kinder. Soiinabendnachnnilag:«chneewiil- chen und die sieben Zwerge. AbendS: Krieg im Frieden._ Fröbel8 Allerlei-Theatsr fr. Puhimann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm FrObel. Donnerstag, den 31. Dezember 1903: Silvester- Familien- Tanz. Prcis-Masten-�est. Schönste DanienniaSke, originellste HerremnaSie erhalten ein Präsent. Bcgrüftuug des Jahres 1901. Großer Glückwuilfchregen, hochkomifchc Ueberraschungen. Ansang 9 Uhr. Eintrill 50 Pf. Tanz frei. Mitttvoch, den 6. Januar: Gasiipicl des lönigl. Hosichauspielers OuiII lllehnrel. Unsnis. laubenilrass««S,4g, v-o» 4 thr: An den Seen Ober-Italiens. Um 8 Uhr: Der Erdbai! als Träger des Lebens. Sternwarte Invalldenstrasse 57,62. CASTANS IPANOPTICUM Friedrichstr. 165. {Orosse Weihnaehts-Ausstellung |(das Märchen vom Däumling und dem Menschenfresser). Dio zusammengewachsenen 1= Sehwestera.= 1 Der fndianlHrhe Riese!! Illusionen!! Prontenadenksnzerle. /\hT- CHlNf) JlunsS-jlusstellung LapzißtR- Taglich geöffnet 10-8. Enlreo I lt., SonntajröOPf. Trianon-Thealer. Keorzcnsirastc. zwischen Friedrich« und Univcrsitäisslraste. Biseotte. Ansang S Uhr. Freitagnachinittag: Die Rotbrückc. Rklldkilz-Thkatkr Tireltlan S. Laulenburg. Heute: Geschlossen. Morgen zum ci-sicnmal, 7'/, Uhr: Der hkuslhe ilastmir. (dlaitro Xrtouchs.) Schwank in 3 Alien von Detsallieres und Mars. Deutsch v. Max Schönau. Morgen und solgende Tage: Der keusche Casimir. Freiiagnachm. 3 Uhr: Das grosse Geheimnis. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Seine Kammerzofe. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochen* tage S Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Berlin bat wieder seine Sensation! Enthauptung einer lebenden Dame! Willy Prager Humorist. 14 erstklassige Nummern. Kleines Theater. Unicr den Linden 44. Nsoktsszfl. Anfang 8 Uhr. Kasino-Theater. Loihringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7>/,. Xnr noch kurze Zeit! Weiimaebtsglockeii. Corraiiiiii ete. Ber nrrtnufdjtf Sohu. Freitag, 1. Januar, nachm. 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Sonntag, 3. Januar, nachm. 4 Uhr: Weihnachtsglockon. Die Oiebosfalle. Carl Weiss- Theater. Gräfte Frankfurter Strafte t:i2. -Nachmittag 4 Ubr: Schülervorslellung: 10. 25. 40 Ps.: Wilhelm Tell. � Schauipicl in 5 Akten o Fr. v. Schiller. 'Abends 8 Uhr: Gastspiel dcS Obcr-bavriichcn Baucrn-TheatcrS. Ter Meineidbnuer. Donnerstag: Druder Martin. Apollo-Theater. Täglich 8 Ubr: kruhliiixsltitt mit dem sensalionell. Ballet! Blütenhochzeit. Um ff';, Uhr: Vision nach dem Balle. Musik o. Joachim Albrocht v.Preussen. lim 10 Uhr: Glänzende Spoeialltäten. Neujabi snachm. 3 Ufa zu crmästigten Preisen: l-.vsisteata und hervor- ragende neue Spccialiiären. AeujahrSabend: faiihlingsluli, Soniliag, den 3. Januar, nach- mittags: lysistrata. ff. * 1IWMWUW 1 X1V11 W1• Direktion; Robert Dill. Brnnnenstrasse 16. Die Schule des Lebens. Anfang 8 Ufa. Cntrce 30 Ps. DonncrSiag: Silvcetcr-Ball. Anfang 8 Ufa. Eirtrce 30 Pf. Königstadt-Kasino Holzmärkisir. 72, Ecke Aleranderstraste. Riesen-Erfolg: Des Ntnschtn Zchicksai. WcilmachlSkomödic in 2 Allen. Franz Sobanski. Die Dezember- Spceialiiälen. 21. Dezember: SIlveslerleier-Da». —- IX. Berliner Saison.. Cirkus Büsch. Mittwoch, den 30. Dezember, abends 7'/, Uhr: iW Zum O. Male:"ME Aus denAlpen. Grestes Manege-Schaustück des CirkDN Bnsch. Der Specialititen- Clown Gebert Delling. Die urkomischen u. un- üBertrcffl. Clowns Gebr. Fratellini. Herr Gustav Goebol aus Berlin, Schulreiter-, Schüler d. berühmten James tillis. Frl. Maciha Mohnle, rychulr-citerin. Mr. Rieh. Lawade mil scincr berühmt. liger-Dressur. OmhAlializö-ThestA Gesundbrunnen, Badstrastc 88. Mlittvoch, den 30. Dezember 1903: Der Goldonhei. Posse mii Gelaua in 3 Akten(7 Bildern) von Pohl. Musik von Conradi. DonncrSiag, den 31. Dezember: Gr. SiivestQi'fele»'. Ein vluWigrr Mann. Palast-Thealer Burgstraftc 33. früher reon-Ralas«. Heute zum letztenmal Wiederholung des gr. Festprogramms. Wünsche und Träume. ©roste Zauberpoile m. Gesang u. Tanz in acht Bildern. Donnerstag. 31. Dezbr.(Silvester): Grosso lllile• Premieren-Vorstellung. Berlin, wie es weint udi! lacht. BolkSstück mit Gelang in 9 Bildern. Quisenow. Stadtv.: Dir. R. Winkler. Nach der Vorstellung: Familien- Danzkräuzchcn ohne Nachzahlung. Am NcujahrStag t904, nachm. 3 Ubr: BerTriiinpettrv.Zähhlllgru. Romant. Schauspiel mit Gesang in 6 Bildern. Schiller-Theater. Schiller-Theater O. (Dallucr-Thcalcr). MittwochabcnL S Uhr: Vasant asena. Drama in ö Äk'en noch einer Dichtimg des ÄönigS Sudraka� Frei bearbeitet von Emil Pohl. Donnerstagabend 8 Uhr: Ber C'oicipaguon. Kreitag nach mittag 3 Uhr: Vasantasena. Freitagabend 8 Uhr: Die Ehre. Schiller-Theater> (Friedrich-DllhelmstädtischeZ Tbeater). Mittwochabend 8 Uhr: Eieheiei. Schauwiel in 3 Alten roiiA.schnitzler. Hierauf: Eitteratnr. Lustspiel in 1 Alt u. Arthur Schnitzler. T o u u e r S t aa a b eu d 8 Uhr: Der Talisman. F r e i t a g n a ch mittag 3 Uhr: Eichel«?!. Hierauf: Eittcratnr. Freitagabend 8 U h r: __ Bei C'wnipagnon. Cirkus Schumann. •Heute Mittwoch, den SO. Dezember, abends 7'/.. Uhr: Grosser Erfolg! G» Grosser Erfolg! Das Bacchanal M49|pfl£dH 4,1 den Wassern Sar danapal s. des Enphrat. Prunk-Atl. Pompöser Wassorakt. Ausstattmlgs-Pantmnime in II Abteilungen. Direktor Albert Schumanns neue und moderne Dressuren. Herr dnllus Seeth beste Söweugruppe der Welt. SZ Löwen 25. Freitag, den 1. Januar, nachmittags-1 Uhr: Extra-Vorstellung. Gin Kind frei, lucitcre Kinder zahlen halbe Prciie. Anfang 8 Uhr. Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Scene gesetzt vom Direktor Eichard Schultz. _ Im 4. Bilde: BV Grosses Ballett Wie damals im Monat Mai. — Rauchen überall gestattet.— Donnerstag-, deu 31. Dezember: Grosse Silvesterfeier. Einmalige AuSührung einer grossen dramatischen Eevue unter dem Titel EiB lustip UeraH von Julius Freund. Vona,1)-: Uhr Tanzkränzchen, Drei Musikkapellen. Begimi ll'ß Uhr. Ende 3 Uhr. »M! Thealer. Xur noch liurzc Zelt: Papa Noa mit Anton und Donat Herrnfeld. Am Silvester-Abend ] Anf. 8Uhr. Kassoneröffn. 7 Uhr. ftiesen-fiachprogranttn alleroriginoUster Art. Um 8 Uhr: Papa Noa. Um IT Uhr: Die Original-Klabriaspartie. Dm 12 Uhr: DerAnbrucheinerneueßZeit, Xeujahrsgruss vou Hugo Petlak. Fanfaren-Jubelkläoge Grosser allgemeiner Gratulations-Akt im Foyeru. Wintergarten, begleitet von PunSch- howlcn- Galopp und Pfannkuchen- Polka der beliebten Theaterkapcllo unter Leitung des Kapollm. u. Kompon. Ital. Darauf Im Foyer; Cr.Elite-Volkssäoger-Soiree. Nach Alt- Wiener Art arrangiert v. Gebr. Horrnfeld. Lustigste Stegreif-Vorträge fol-> gondor Künstler; Martin Bendix, Alarkthallcn- Fritze.— Due, Corbella, ital. Oper.— Quintett Winsberg, schwed. a capella.— Jacques Glaser, mimische Darstellung.— Hilda Stadlhagon. — Max Aschinger.— Karl Bern- E hard als griisste Tragödin der Welt..Sarah Bernhard-- u. v. a. Ende: das wissen wir noch nicht! Jubil.-Vorsteliung Zum lOO. Male: I n V o r b o r e ft u n g: „Nur eine Nacht".[ 2 Akte aus einer Ehe von A. und 0. Herrnfeld. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Kassenerön.:�'9�'"Kr. Billot Vorverkauf tagl. 11-2 Uhr. ReicliHliallen Stettiner Sänger Ansang 8 Uhr DonncrSfag, 31. Dez.: Cp.SümUk-Solree. Giitrec 30 Pf.. Logen 1 Mark:c. Für den Tanz Ist nichts naehzuzahl. Deutsch- AmcrikanischcS Theater. .Uöpiiickcrstr.l!?. Slat. Aannowitzbrücke. 39� Gastspiel Ab. Philipp. 8onvenir-Torstellnng. 3 um 125. Male: üeber'n grossen Teich. Ansang 8 Uh; Sieidl-�Tbeater a. Uranien- amOraiiien- burgcrThor burgcrThor. Täglich 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr: SteldU änger Grossartiges neues Programm. Zum Schlug; Ricscn-Lachersolg; Der grosse Cohn. Am 31. Dezember 190! Gr.Silvestervorstelliins Auftreten der spanisch. Tänzerin Otero in ihrer Pantomime Reve«TOpinm iE in Opiumrausch) unter Jlitwirkimg des Sängers Leoni und des Pantomimisten Jacqntnet aus Paris. Otto Reutters neuester Schlager: Berlin, Berlin, was kriegste für 'n Gesiebte. 12 glänzende Specialitäten. Neues Ballett. Mitwirkung der Kapelle des Kaiser Alcxandor- Gardc-Grenadier-Reginients. Anfang 8 Uhr. Ende nach Mitternacht. �anssouel. Koltbitser Thor— Etat, der Hochbahn. Donnerstag, den 31. Dez.: SilvciUv- Ulk-Vorstellung. HofTmanns Tfordd. Sänger. Aach der Borltellung: Öirobes üjli/estei'-lMkMcben. Begrügung des neuen FahrcS 8ilvester-Ulk,-Jubel und-Trubel. Ei'.Irec 30 Bs. Sperrsitz 50 Ps. Ansang 8 Uhr. Ende 1994. Wbltffkittttit SuggtiiHagkn .Tiorltr.plots. Lm K a i s e r s a a l: lludelt Schnauss' Künstler Cf-iifcmbtc „Mordsferne**. Kassencrössming 5 Uhr. Ansang°!,7 Uhr. Nach der Vorstellung: Tnng. In den unteren Sälen um 6 Uhr: Mtllitärhonseerf. ktwerltsthiiftshiiils mit Inventar, schönem Garten und doppelter Kegelbahn, gut rentabel, ohne Konkurrenz, krant- hcltshalber sofort zu verkaufen. Bedingungen günstig. 6ö9b*- 'Auskunft erteilen Landtags- Abg. Heitmann und Auktionator(f. Memmen. Oldenburg«Giosth). Dr. Schünemann Tpecialarzt für Haut. Harn-»nd Frauenleiden, 8e.vdel«fr. S. ;,E8-'/,S. l: Somit, 9-11 Ost-Casino Lnh.; Carl Pirnan. 106, frankfurter Allee 100. Empfehle meine Säle für Festlich- leiten unter günstigen Bedingungen. Im Restaurant täglich: Grosse« Künstler- Konzert. - 37222* = Familien-Verkehr, Dr. Simmel, Spccialarzt für[41/10* Haut- and Harnleiden. 10-2,5-7. 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Grosse Ansxvahi in Jahreszahl- Postkarten 1004. Kollektionen für Strassenhiindlcr. S.& G. Saulsohn, Berlin G. 25, Kaiser Wiibelmstr. 19a. zwischen der Rünzslraße und Rarkihalle. L7782* Kehtungl Kvhtung? llruzeiikeii-iiiikelier! Mittllisch, den 39. d. M., abends 9 ZlHr: 2 öffentlieiie Versatntntungen. 1.. Im Lokale von Uniz Walter(Königsbank), Gr. Frankfurtcrstr. 117. 2. Im SisUeller, Chausseestraße 88. Tages- Ordnung in beiden Bersammluiigeit: 1. Die?luSsperrling der Taramctcrtulscher und unsre weitere Stellung-- nähme zur Lohnbewegung. 2. Diskussion. 6S8b Bas Agitationskomitcc. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Fernsprecher: 11' 3573. Heute, Mittwochabend 8'-, Uhr, im Gcwcrkschaftshausc, Engel-Ufer 15: Sitzung der OrtsyerwaBtung. Freitag, den 1. Januar 1904, nachm. 5 Uhr, im Gcwcrkschaftshausr, Engel-llfcr 15: Branchen-Versämiulimg der Parkettbodenleger Berlins n. lling. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des ReichStags-?lbgeordncten Fritz Unheil. 2. Diskussion. 91/5 3. Gemütliches Beisammensein. Zu dieser Versammlung werden die Kollegen ersucht, recht bollzäHIig mit Familie, Freunden und Bekannten zu erscheinen. ___ Die Kommission. Bei dem letzten Wcihiiachts-Bcrgnügcn ist ein Muff gesunden worden. Derselbe ist aus unlrem Berbandsburcau, Eugel-Ufcr lö abzuholen._ Achtuug! Kontrolleure. Achtung! Tie nächste Sitzung findet am Dienstag, den 3. Januar, abends 8 Uhr im Gcwerkschaftshause statt. Voirfoi*! Töpfer! Mittwoch, den 30. Dtjember, abends 6 Ilhr: Geffentliche Uersammlung im Gewerkschaftshause, Engel-ltfer 15. 297-7 Tagesordnung: Bericht der Lohnkontmission. Ter Gesellcn-Zlusschufi. I« l�r ätz Welke* Festsälen Brnnnenstrasse 188 tdicht am Roscnthaler Thor) ZI. Dezember, abends 8'/- Uhr: grosser 7»miiisn- I�vLLßkr-ZM KSK» Tie lustigen Bruder. Genossen, Stammgäste, Freunde und Bekannte herzlich will- kommen. Das Erscheinen aller lustigen Brüder vom Esten und Norden erwartet Der Vorstand. I. 91.: Gnstav Mclzcr. NB. Sämtliche Bei mir verkehrenden' Theatervcreinc sind hierzu will-- kommen.— Sonntag, den 3. Fanuar,»achmitlags 5 Uhr: Fainilieu- Kränzchen. Zahlreiche Teilnahme erwartet_ Fritz Wilke. Charlottenburger Volkshaus Kosinenstrasse 3. der 6786 D o n n c r s l a g, den 31. d. Ä'i t s. abends: DeHiip ier Sri. Alle. Freunde und Genossen lind chimnit cmgkladen. Kegelbahnen, c Neuzeit entsprechend, sind noch einige'Abende frei. A. 8chUtze, Cefonom. üwehhandlmiB Vorwärts Krrlin SW. 68, Findenstraße 69. Soeben ist in unscrm Kommissionsverlage erschienen: Crimmitschau unterm Belagerungszustand. Einzelpreis 15 Pf.— ParticprciS billiger. Eine Dmstcllung der Ursachen und des Verlaufs der Aus- sperrung und eine Würdigung dcS KamvieS in Crimmitschau. Tie Darstellung ist belebt durch charakteristische Zeichnungen aus dem Webertampje. 234/11* Bestellungen werden zahlreich und baldigst erbeten. - Ter aus dem Verkauf der Broschüre erzielte lieber- schuh mird den üliisgesperrten übermiescn. Nächste Ziehung vom 2.-9. Jan. 1904. ------ Auf------ 11----- Lose----- schon----- ein----- Gewinn~ Düsseldorfer St. Rochuskirche L 160 OOO Lose.— Die Gold- und Silhcrgewinne sind mit SO»', des angesetzten Wertes_ A fr! Iii sofort verkäuflich gegen— I O«3#«7 UClV. I. n. Bar-0eld ISO OOO M. 30 000, lO OOO, 5000 M. 6 x 1500 10 x 750 10 x 200 20 X 100 30 X 50 9 000 M. 7500„ 2000.. 2000„ 1500.. 100x30= 3000 M. 200 x 10= 2000„ 1 500 x 5= 7500„ 13500 zusammen = 40500„ I fieo O 9 II 11 �ose 20 Porto unä Liste Llldv d L nli gO Pf., empfiehlt und versendet General- pAssg« Crtisaffel* Bankgeschäft Debil rcrils kSCIiaCICr Düssoldorf. H. Krön, C. Alesanderstr. 54. H. Hinrichs, X, Danzigerstr. 1. Jul. Hahlo, W. Unt. d. Litulen 13. B. Kirchner, SW, Friedrichstr. 206. F. Schwerdtteger 4 Co., NW, Friedrichstr. 149. W. Seiferl, X, Brurmenstr. 48. J. Miloslawski. XW, Unter den Linden 6t. H. Jacobi, X, Elsasserstr. 36. C. Leipziger, 0. Kosenthalorstr. 53. S. J. Bäsch. C. Königstresse 56/57. Croner& Co,, W, Passage 8. Rud. Josephy 4 Co., 62, Köuigstraise, gegenüber d. Hauptpost. Hierdurch die traurige Nach- richt, das; am Montag, den 28. Dezember, nachm. 1 Uhr, mein innig geliebter Mann, unscr gutcr Vat'cv, der Schankwirt Eduard Daus im 45. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden sanft ent- schlafcn ist. 3Z08L Die Beerdigung findet am l. Januar, vormittags tl Uhr, vom Trauerhailfe Piidierstv. 3 aus nach dem EmmauS-Kirchhofe statt. Witwe Pauline Caus geb. Rüdiger und Kinder. �eizlilUi��. Wablvsreia f.ü.BeFl.ReiEöstagswablkreis. (Südost.)(244/19 Den Mitgliedern hiermit zur Kcnnlnis, dost unser Genosse, der Schankwirt Eduard Daus (wohnhaft Püdlcrstraße 3, Stadt-- bezirt Ivl) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am 1. Januar, vormittags um 11 Uhr, vom Trauerhause ans aus dem Emmaus-Airchhof in Rirdorf statt. lliu zahlreiche Beteiligung ersucht Ter Vorstand. W« Beellns n. l'rngegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, dost unser Mitglied Eduard Daus j am 28. Dezember verstorben ist. Ehre seinem'Andenken! Die Beerdigung findet am t. Januar, vormittags il Uhr. vom Trauerhausc Pücklerstr. 3 ans auf dem EmmauS-KirchHos in Rirdors statt. 186/13 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Dodcs-Anzeige. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nach- richt, daß am Sonntag, den 27. d. M.. l'l, Uhr, meine liebe Frau, unsre gute Muster 684b Luise Tletz geb. Diekmann gestorben ist. Die Beerdigung sindet Donnerstag, den 31. Dez.. nachmittags 3 Uhr, von dcrLeichen- balle der Gethscmanc-Gcmelnde, Nieder-SchLnhalisen, aus stalL Der trauernde Gaste Kartonarbeitcr Karl Tletz. Leerlttgungsverem LerlmerZimmerleule. ?lnt 26. Dezember starb nach langem, schwerem Leiden im ZNtcr von 6t Jahren unser Mitglied, der Zimmerer, Herr Lrosl Schwarz. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mit. ivoii), den 30. Dezember, nach. mittags l"/, Uhr. von der Leichenhalle des städtischen Krankenhauses am Urban, Grimmstrahe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 680b Der Vorstand. TReCaimtnmeRung Hutlourniturea- uuil Filzwarea- lerfertiger za Berlin. Die am 31. August 1963 beschlossene Statutcnabänderung sowie die Abänderung der VcrhaltungSmahregeln siir erkrankte Mitglieder sind genehmigt worden und treten am 1. Januar 1904 in Kraft. Der Wortlaut dieser'Abänderungen steht den Mitgliedern bei den Herren Zlrbeitgehern. soioie im Kassenlokal, Mcndelssobnstr.13, während derKasscn- stunden zur Verfügung. 676b Berlin, den 29. Dezember 1903. Der Vorstand. Karl Kümmert, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse der ner. Wir machen hierdurch bekannt, dah die am 8. November d. I, von dcr Gcneralversammlung beschlossene erste Abänderung zu unsrcni revidierten Statut vomBezirksauSschuh genehmigt morde» ist und am 1. Januar 1904 in.Kraft tritt. Die neue Klassencinteilung der?N!t- gliedcr nach ihrem Arbeitsverdienst, sowie die Höhe der Beiträge, Eintritts- geidcr und Unterstützungen sind ans den zur Verteilung gelangenden Plakaten vermerkt, die ganze Ab- änderung zum Statut kommt nach dem 1. Januar n. J. zur Verteilung. 67tb_ Der Vorstand. folstetwen. Direkter Verkauf ab Fabrik zu Engros- Preisen. enorme Auswahl, Bon 21 M. an. Anfpolfterung. Matratze 4M., Sofa 5 M.i aus Wunsch auhcrm Hause. El36!fffl369iklMMts.3!}b. Lager III. Etage. 376SL* Zilvester Leitung MW Das r«idi illustrierte Blatt hostet 10 pf. Pf. dlicderverhäuf er erhalten Rabatt. O HUGO GELING Wein-Grosshandlung* Fabrik feinster Liqueure empfiehlt zu seine beliebten Punsch-, Grog- und Glühwein-Extrakte Vi Liter von 1,30 Mk. an inkl. Flasche, � Vi Liter von 1,80 Mk. an inkl. Flasche. Eigene Verkaufsstellens c. Bosenthaler Strasse 11/12. o. Andreas-Strasse 57(neben der Markthalle). Königsberger Strasse 28. Madai-Strasse 13(Schles. Bahnhof). Proskaacr Strasse 11. Weiden weg 64(am Balten-Platz). NO. Landsberger Allee 45. Landsberger Strasse 40(Ecke Lietzmannstrasse). N. Bad Strasse 12(neben der Markthalle). Charlottenbnrg: Wllmersdorlerstr. 117(/Ecke Pestalozzistrassc). Friedrichshagen: Friedrieb Strasse 70. j Brnnnenstrasse 96(gegenüber dem Humboldthain). Danziger Strasse 8. Invaliden Strasse 163(neben der Markthalle). Unller Strasse 136 b(gegenüber Antonstrasse). Reinickendorfer Strasse 2f(Wedding-Platz). Schliemann-Strasse 32. Schönhanser Allee 187(am Schönhauser Thor). Wolliner Strasse 44(am Vineta-Platz). Bülow Strasse 5(am Xollendorf-Platz). sw. Blüeber Strasse 14. Linden Strasse 103(neben der Markthalle). s. Kottbnser Damm 15. Dranien Strasse 58 a(Moritz-Platz). SO. I Benssei Strasse 32. Wald Strasse 7. ' Wnllenweber Strasse 6. i Wilsnacker Strasse 57(Eingang Dreysestrasse). V o p o p t es Pankow: Berliner Strasse 9. Kixdort: Berg Strasse 56. „ Hermann-Platz 8. Kostproben gratis. Dresdener Strasse 16. Oranien Strasse 14a(Heinrichs-Platz). Pnekler Strasse 17. Keichenberger Strasse 115. [ Schöneberg: Tempelhoferstr. 23("EckcHauptstr.) Weissensee: König■ Chanssee 47b(Kaiser 1 Wilhelm-Platz). 3802L* i, fCIßinG AnzGiOGn» WT Wort fett. Worte mit mehr als zflfl Bk X M ML JM �0 MT ML. ML 0 0m mW M mm mm 0 ML 9 mr fn de y IS Buchstaben sähten doppelt. Ml JM y b Anzeigen!y,rJiL"ä*VJL in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis/ Uhr, in der ffauptexpedition Lindenstr. 69. bis 4 Uhr angenommen. Tcppirhe!(fcblcvfialtf) in all«: Gröben fftv die Hälfte des Wertes im Teppichlager Brünn, Hackescher Markt 4. Balinbof Börse. IZ3/2> �Teppiche mit Farbensehlern Fabrik- Niederlage Große Franksurterftratze g, parterre.(-37» Musikwerke, ielbstspielende, Zeil- Zahlungen. Jnvalidenstraßc 148(Ein- gang Bergstraße), Skalitzerstraße 40.* fKinflühiffrhcn, Bobbin. schnell- näher, ohne Anzahlung, Woche 1.00, gebrauchte 19,00. 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In der Kistensabrik von Fnab«, Tieffcnbachstraßc, sind sämtliche Kollegen ausgesperrt worden. Die Fabrik ist sür Krcissägenschneidcr und Kistenmacher bis aui weiteres gesperrt. 103/11» Tie Lohnkommisston. Vcrantw. Redakteur: Julius Kaliski in Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Pe.lagsanstalt Paul Singer de Co., Berlin LiV.