Nr. 1« flbcnnemtnts-BedinsuRgen; «bonnemsntS< PreiZ pränuoierando: Merteljährl. S.Z0 Ml., monatl. I.lv wöchentlich 23 Pfg. frei ins Hans. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags- nununer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' lv Pfg. Post- Sibonnemcni: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- ZcitwigS- Preisliste. linier Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mar! pro Monat. Vlchtlüt»glich außtr fflCDtag«. Vevlinev Volksblcrtk. 21. Jahrg. Die TnfertlonS'Gebfllir betrügt für die fechSgcspaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 2- P-g. „klleine Zlnreigen", das erste sfclt- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaden zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis L Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sozisldcmsknt Berlin". Zentralorgan der fozialdcmohratlfcbcn parte» Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Llndcnstraese 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Freitag, den 1. Januar 1904. Expedition: 8 Li. 68, Lindenstradse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Neue Arbeit! Das Jahr 1902 schloß mit einem strahlenden Siege der bürger- kichen Welt über die revolutionäre Socialdemokratie. Das gleiche Schicksal ist dem abgelaufenen Jahre beschieden. Wie vor zwölf Monaten die rote Rotte, die sich im Reichstage freventlich gegen Gewalt und Wucher auflehnte, für alle Zeiten durch die Heerscharen der Äardorff, Kröcher, Bachem, Bassermann und Eugen Richter gebändigt und der Bestie der Zaum angelegt war, so endigte daö Jahr 1903 mit jener geistigen Drachentöterei, die der erste Beamte des Deutschen Reiches mit solchem Erfolge an der Socialdemokratie verübte, daß auf den weihnachtlichen Pfefferkuchen und in den silvesterlichen Knallbonbons bereits eine geschwinde und patriotische Industrie die mörderischen Verse verelvigt hatte: Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein. Also das Facit von 1902: Niederwerfung der socialdemokratischen Praxis; Schlußrechnung von 1803: Endgültige Ueberwindung der socialdemokratischen Theorie! (Herr Bebel, wie denken Sie sich den Zukunftsstaat?) Zwischen diesen beiden Triumphen der bürgerlichen Gesellschaft aber ereignete sich gerade auf der Sonnenhöhe des Jahres ein unangenehmer Zwischenfall: der 16. Juni, der Dreimillioncn-Erfolg des deutschen Proletariats, der das Wort wahr machte, das am Einzug des JahreS angekündigt worden war: Das rote Jahr l Es ist das Schicksal einer niedergehenden Gesellschaft, sich zu Tode zu siegen. Sie behaupten noch, den bösen Feind besiegt zu haben, wenn sie der Tod berefts an der Gurgel hat. So ist vor einem Jahre auf den herrlichen Sieg des Antrages Kardorff, den man den Zähnen des Gegners entriß, der zöllnerische Katzen- jammer gefolgt, die handelspolitische Ratlosigkeit. Vor einem Jahre rechnete mau noch mit der Möglichkeit, daß die Agrarier als willkommenstes NeujahrStrinkgcld die Kündigung der Handelsverträge in die Hand gedrückt erhalten würden. Jetzt wird nicht einmal mit solcher Eventualität gerechnet. Die Handels- vertragS-VerhandluNgen stehen noch vor dem ersten Anfang der Vor- bereitungen. Der Antrag Kardorff ist zum schwersten Hemmnis der Politik geworden, die ihn selbst mitcr Verletzung alles Rechtes durch- zusetzen entschlossen war. Die Waffe, mit der man die Socialdemo- kratie zu meucheln wähnte, kehrt sich gegen ihre Träger. Ein gleiches Schicksal hat der diesjährige Sieg über den Socialismus. Die geistige Niederstreckung der socialdemokratischen Weltanschauung, Wissenschaft und Politik ward zu der jämmerlichsten Bloßstellung der geistigen Verfassung der herrschenden Gesellschaft. Das blecherne Turniergeplänkel des leitenden Mannes erregte das Gelächter der gebildeten Welt. ES toar ein Sieg von Gnaden gefälliger Zeitungsredaktionen, und solche auf höheren Befehl redigierten Siege vergilben und zermürben noch schneller als das Papier, auf dem sie ausgefochten werden. Das Jahr 1902 schloß mit der Entlarvung des bürgerlichen Rechtsstaates und des bürgerlichen Parlamentarismus als eiuer anarchischen Maschine der Gewalt, die um gemeinen Vorteils willen jedes Recht und jede Freiheit dynamitiert. Das Jahr 1903 legte den Humbert-Schwindel der bürgerlichen Weltanschauung bloß, diesen geistigen Millionenschatz, der nur in einem zerschlissenen Knopf besteht. Die herrschenden Klassen schützen Güter— das ist ihr rhetorisches Prunkgewand, sie schützen das Vaterland, die Monarchie, den Thron, die Sittlichkeit, die Ehe, die Familie, und sie schützen doch immer nur die niedrigen Interessen eines kulwrhemmenden Besitzes. Die Socialdemokratie aber schafft Güter, die Güter der Zukunft, die dem Socialismus gehört und die aus dem SocialiS- muS die Entfaltung aller der unermeßlichen Fähigkeiten der Mensch- heit gewumt. Mit den Schützern des Verdorbenen und Verfallenden ringen die Schöpfer des Neuen und Gewaltigen, das ist der Lebens- inhalt unsrer Zeit, daS ist der Inhalt auch des scheidenden JahreS. Heute giebt es nur erst im eigentlichen Sinne des Wortes eine socialistische Theorie, die wirkliche socialistische Praxis kann erst be- ginnen nach dem politischen Siege der Socialdemokratie. Und dennoch, obwohl wir bis jetzt verdammt sind, unterhalb unsres ZielwegeS im Zwangsreiche des Kapitalismus, unter seinen ehernen Bedingungen zu arbeiten, zu retten und zu raffen, was iminer an Kultur und Humanität im Dienste der unterdrückten und mißhandelten Klaffen und Völker zu erringen ist— welche Fülle stiller, unermüd- licher, fruchtbarer Arbeit auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Daseins! Wo ein Lichtstrahl aufleuchtet, der Socialismus ist die Lichtquelle. Wo ein Fortschritt erzielt wird, ist eS ein Werk des Socialismus. Wo eine Barbarei, eine Schandthat aufgedeckt und verhindert lvird, die Hand der Socialdemokratie war darin thätig. Diese Gesellschaft, die ihren revoluttonären Totengräber im Innersten haßt und verfolgt, lebt doch moralisch von der socialistischen Idee. Bcrwäffert, verflüchtigt, verzerrt wir» die socialistische Gedankenivelt in ihr, sobald sie dem Zwange folgt, die ärgste Blöße mit einem Rcförmchen zu umflittern. Jede Handlung, die als Knlturfördcrung geweitet werden kann, ist eine Anleihe auf den platt verhöhnten Zukunftsstaat der socialistischen Ordnung. Jeder Schritt vorwärts— ist ein Schritt zu unsrer Welt. Stur in der socialistischen Idee wirft Keimkraft. Darum müssen die bürgerlichen Parteien stehen bleiben, in jener beklemmenden Stagnation, die auch das letzte Jahr beherrschte. Weil sie ihre Principien nicht zu Ende denken, geschweige verwirklichen dürfen, weil sie nicht wagen können, in ihre Zukunftsstaat zu übersiedeln, deshalb ergeben sie sich jener sterilen und angstvollen Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit, die man Politik der Sammlung nennt, in der man nur noch die Beute verteilt, die eignen Grund- sätze verschachert und auch das letzte Ideal verrät, nur um einig gegenüber dem„gemeinsamen Feinde" bleiben zu können. Oder ist etwa irgend eine Regierimg im stände, auf den agrarischen Zukunftsstaat des preußischen Junkertums hinzuarbeiten, der das Deutsche Reich in einen großen Gutsbezirk verwandeln würde, auf dem die Herren über eine unermeßliche Schar Landsklaven patriarchalisch regieren, nachdem die Industrie zerttümmert und alle Grenzen gegen jede Einfuhr gesperrt sinö? Oder ist der klerikale Zukunstsstaat denkbar, in dem alles geistige Leben an willkürliche Auslegungen alter träumender Mythologien gekettet und Eine Kirchenobrigkeit Einer ewigen Wahrheit wider alle Wissenschaft und Forschung Zwangskurs und Foltcrgewalt verleiht? Oder führt ein Weg zum Zukunftsstaat freisinniger BanquierS oder nationalliberaler Jndustrie-Freiherren? Man braucht den Ge- danken nur zu erwägen, um seine Lächerlichkeit zu erkennen. I Nein, alle Wege der Kultur und der geschichtlichen Notwendigkeit führen zum socialistischen Zukunftsstaat. Und wer ihm widersttebt, der muß eben im Bannkreise seines JntereffcnivahnS erstarren. Daraus ergiebt sich beim das öde Einerlei bürgerlicher Politik im Innern (Soldaten, Steuern, Staatsanwälte, Zuchthaus, Tcilerci der Zölle und Liebesgaben unter die Besitzenden) wie in den Beziehungen der Staaten, in ihren ofsizicllcn Ausschüssen zu einander. Zwei Er- scheinungen des letzten Jahres sind für Deutschland der schärfste Aus- druck der stagnierenden Politik, die man»herrschend" nennt, die aber doch nur die armselige Sklavin ihres Berufs ist, aufzuhalten, was keine Macht der Erde mehr hemmen kann. Einmal hat sich in Deutschland der Untergang des bürgerlichen Liberalismus ent- schieden: der Tod erfolgte nach langen, weniger schmerz- als ekel- hasten Leiden am Tage der preußischen Landtagswahlcn. Alle bürgerlichen Parteien sind jetzt zu einem unterschiedslosen Klumpen zusammengeballt. Der Socialismus ist der gemeinsame Feind. So marschiert der Liberalismus der freien Wissenschaft Ann in Arm mit der OffcnbarungSarmee der klerikalen Wahrheit der Wahrheits- erdroffelnng, und kein Hauch ernsthafter antiklerikaler Bewegung regt sich in der bürgerlichen Welt. Die freie Bourgeoisie lebt hinter den Kitttcn der Pfaffen und den Joppen der Junker, damit sie sie schützen gegen den„gemeinsamen Feind". In der auswärtigen Politik aber ist zwar die„Weltpolitik" — an sich noch der einzige neue Programmgedanke der herrschenden Klaffen, der aber in seiner Reinheit allerdings nur von ein paar professoralen Narren kulttviert wird— bloß noch ein Irrlicht, das in feine Sümpfe goldne Berge lockend hinabzieht, wohl aber ist die preußisch-dentsche Hörigkeit unter den Zarismus brutalste Wirftichkeit und damit ist auch der Rest der Humanitätslegende beseittgt: Alle Kulturscham ist dahin. Es ist ein symbolischer Zug, daß gerade in diesem Jahre die letzten bedeutenden Vertreter eines ernsthasten Welt- anschauungsliberalismus starben: die Monunsen und Schaffte; nirgend blüht ihnen ein Nachwuchs. Ein Jahr der finanziellen Verlegenheit, des diplomatischen und höfischen Mummenschanz, der leeren Demoustratton, der Soldaten- mißhaudlungen und Skandalprozesse—- das ist das Werk und daS Geficht der herrschenden Polittk. Ein Jahr aufteibender, umfassender Kulturarbeit, die sich in dem gewalttgen Votum des Volksurteils vom 16. Jimi bewährte und belohnte. ein Jahr der Förderung alles Fortschreitenden. der Unterstützung idealer Bestrebungen, der opferschwcren Arbciterkämpfe und der bewunderungswürdigsten Solidarität— das ist die Welt der Socialdemoftatte für jeden, der nicht boshaft oder beschränkt an den kleinen Wirrungen des eilenden Tages hastet. Die Polittk der bürgerlichen Gesellschaft ist Geschäftigkeit, die Polittk des Proletariats ist Arbeit. Die Kraft des Proletariats besteht einzig mid allein in ihrer Arbeitsleistung. Die Socialdemokratie ist genau so stark wie die Fähigkeit, Hingebung und Weisheit ihrer stillen und zähen Kulturarbeit. Und jedes neue Jahr ist nichts wie ein Abschnitt neuer Arbeit, jener echten Arbeit, welche die Zukunft hämmert.— poUtifcbe dcbcrficbt. Berlin, den 81. Dezember. Triumphzug de? Zarismus durch Preußen. Ein Eroberer und Triumphator zieht der Zarismus durch Preußen- Deutschland, über die blühenden Felder der borussischen Kultur und Freiheit— von denen freilich bisher nur Treitfchke, Wildenbruch und— politische Satiriker zu sagen wußten— die kümmerlichen Hälmchen, die etwa noch irgendwo standen, vollends zerstampfend.„Im Osten fiel der erste Schuß"— Königsberg- Memel 1 Zwei Worte der Schmach fiir das Preußen des aufgehenden zwanzigsten Jahrhunderts. Stuttgart— selbst Stuttgart!— folgte nach— eine köstliche Illustration der nord- süddeutschen Einigkeit! Und ganz Deutschland scheint mit einem Netz russisch- deutscher Ge- heimbundS-Prozeffe überspannen zu werden, aus dem es kein Ent- rinnen für die arme, gehetzte deutsche Freiheit, für den armen, ge- hetzten deutschen Stolz, für die wohl auch von je nur in das Märchenland gehörige polittsche Gastlichkeit und Unabhängigkeit Deutschlands geben soll. Unser Genosse Ehrenpfort in Charlottenburg hat nun heute eine Vorladung zum S. Januar vor die Rechtshilfe- Abteilung des Charlottenburger Amtsgerichts erhalten: zu seiner Vernehmung als Angeschuldigter und zwar in der Strafsache gegen den Zimmermann Friedrich Ehrenpfort und Genossen wegen Bergchens gegen 8 128 des Str.-G.-B., d. h. wegen„Geheim- bündelei"! Da man in unfern Zeitläuften verständigerweise stets nur das schlimmste glauben darf und§ 128 in der besonderen An- Wendung im Sinne des russisch- borussischen GeheimbundeS zur Niederknüttelung der russischen Freiheitsbewegung Mode ist, so sind 10 gegen 1 zu vertvetten, daß man hier wieder einem Gehcimbmid im ostprenßischen Siiaie auf die Spur gekommen zu sein venneint. Und die Titulatur unsreS Genoffen, der belanntlich auch schon An» fangS dieses Monats mit der Briefsperre bedacht War, als„An- geschuldigter" erweist nach der Ausdrucksweise unsrer Strafprozeß- Ordnung, daß sich auch diese Geheimbündelei-Sache bereits im Stadium der förmlichen„Voruntersuchung" befindet.„Die Welt wird schöner mit jedem Tag, man weiß nicht, was noch werden mag I" Wahrlich, wir, die Bürger der deutschen Kultur- Mettopole. dürfen schon.längst nicht mehr auf daS barbarische Ostpreußen „tapfer schelten". Wir sind selbst„der Sünde bloß", und wie! ' „In der Proviuz, da im Osten, ja, da kann so ctwaS passirren, aber bei uns hier nicht!" So äußerte sich noch vor einigen Wochen stolz ein solcher Beamter des Berliner Polizeipräsidiums, als ihm die Besorgnis geäußert wurde:„lästige" Russen könnten ä la Kalajew „nach der russischen Grenze ausgewiesen", d. h. einfach den russischen Schergen, unter Umgehung der völkerrechtlichen und staatSverträglichen Kautelen des Auslieferungsverfahrens. administrativ ausgeliefert werden. Hochmut kommt vor dem Fall l Heute geht unserm Genossen Dr. b. WetscheSlaff, Herms« dorf, dessen Frau krank daniederliegt, folgende Verftigung zu: „Der Amtsvorsteher. Hermsdors, den 31. Dezember 1903. „In Ausführung der gegen Sie ergangenen Auswrisungs-. Verfügung vom 20. August 1003 werden Sie auf Anordnung des Herrn Landrats vom 23. d. M. im Einverständnis mit dem Herrn Regierungspräsidenten(vom 21. Dezember 1903) aufgefordert, alS lästiger Ausländer mit Ihrer Familie bis spätestens zum 6. Januar 1904 einschließlich daS preußische Staatsgebiet zu vcr- lassen, andernfalls zwangsweise Beförderung nach der nisfischen Grenze erfolgt. gez. Brand." Dr. v. Weffcheslaff hat sich natürlich nicht de? allergeringsten Verstoßes gegen deutsche Gesetze schuldig gemacht und darf sich eines in jeder Beziehung völlig einwandfreien Verhaltens rühmen. Den- noch lästig! Dennoch Ausweisung! Bei einer Frist von 6 Tagen, natürlich ohne Angabe irgend welcher Begründung. Die Polizciweisheit befindet. Und nur gar die unerhörte Drohung zwangsweiser Befördrnmg nach der russischen Grenze! Selbstverständlich ist alles Mögliche veranlaßt, um den Heber« eifer des Herrn AnitsvorstcherS, Landrats und Regierungspräsidenten einigermaßen zu dämpfen und das Wort jenes Berliner Polizeirats nicht zu Schanden werden zu lassen.— Deutfchefl Reich. Ein„RcichSvrrband" gegen die Socialdemokratie. Die Ikiedcrbettelung der Socialdemoftatte durch den Fränkel- Bürgerschen„Verband zur Bekämpfung der Socialdemoftatte" ist bisher noch nicht zu den fiir das erhabene Ziel nötigen Moneten gelangt. Der„Voltswille' in H a n n 0 v e r ist in der Lage, einen neuen, aus„Berlin, im Dezember 1903" datierten Bettel« b r i e f zu veröffentlichen, wie er in den letzten Tagen dort ein- getroffen ist. Dabei wird an die Gründung deS Verbandes erinnert und dann werden die Pläne der Socialistenvemichter also dargelegt: „In einer Zusamnienkunft von Unterzeichnern dieses AnftufS in Halle wurde beschlossen, ihre Bestrebungen mit dem von andrer Seite zu gleichen Zielen sieplanten Vorgehen zu bereinigen. und überhaupt für alle gleichartigen Bestrebungen einen Mittelpunkt durch Gründung eines Verbandes zu schaffen 1 eö wurde ferner ein vorläufiger geschäftSfiihrender Ausschuß gewählt, der kürzlich zusammengetreten ist und die in der Beilage enthaltenen Vorschläge hinsichtlich des Zweckes, der Organisatton und des Arbeitsplanes des Verbandes entworfen hat. Auf Grund dieses Programms sollen vorerst weitere Mitglieder gewonnen werden. Der Verein soll e r st dann wirklich ins Leben treten, wenn sein Bestehen durch eine entsprechende Mitglieder- zahl und ihre finanzielle Unterstützung auf Jahre hinaus gesichert ist. Hinsichtlich der Beiträge wurde beschlossen. den JahreS- beitrag sehr niedrig, und zwar auf! Mark zu bemessen, um Mitglieder aus allen Kreisen, namentlich aus dem Handwerker- stände zu gewinnen: es ist indessen selbstverständlich, daß die Gründung des Verbandes unmöglich wird, wenn sich die Wohlhabenden auf Zahlung deS MindestbeittageS beschränke», daher ist beschlossen worden, zunächst außer den ordentlichen Mit- gliedern noch si i f t e n d c Mitglieder mit einem einmaligen Beitrage von mindestens 100 Mark zu gewimien, im übrigen aber a» alle, die dazu in der Lage sind, die Bitte zu richten, sowohl durch größere einmalige Zuwendungen als namentlich durch Zeichnung eines erheblichen Jahresbeittages für die nächstni fünf Jahre die Gründung des Verbandes zu ermöglichen. An Sie, geehrter Herr, richten wir die ergebene Bitte, durch beifolgende Erklärung Ihre Mitgliedschaft zu dem nach Maßgabe des vorstehenden Planes zu gründenden Verbände zu Händen deS Herrn General-Lieutenant z.D. Lieb er t in Charlottenburg. Wallstr. 39, anmelden zu wollen. Von dem erfolg dieser Werbung wird abhängen, ob unsre Idee ausführbar ist. und bitten daher dringend um Ihre thatkräftige Unterstützung. Die Geldsendungen sind an die Ritterschaftliche DarlehnSkasse in Berlin IV., Wilhclnistr. 6. Conto„llicichsvcrband", zu adressieren. Der vorlänsige gcschäftsfuhrende Ausschuß wird demnächst zusammen- treten, um über die Gründung des Vereins endgültig zu beschließen." Folgen ca. 23 Unterschriften deS Ausschusses. In der Beilage wird über die Art der Socialistenbekämpfung. die der„Reichsverband" leisten soll, ausgeführt: „Insbesondere will der Verband durch Wort und Schrift in allen Gegenden DelitschlandS und in allen VolkSkreijen Klarheit zu dervrerten ftlchen üver das wahre Wesen der Sociavdeulvkraiie und darüber, was sie in Wirklichkeit will, loaS sie für die Gesamtheit und für den einzelnen Staatsbürger leistet und bedeutet, und tvas von ihr Kultur, Wohlfahrt und persönliche Freiheit zu erwarten haben. Namentlich Ivill der Ver- band in der Arbeiterschaft die Erkenntnis er- wecken, daß die Socialdemokratie nicht ihren wahren Interessen dient, sondern diese nur dazu benutzt, um mit ihrer Hilfe eine politische Macht zu erlangen, die ihr die Durchführung ihrer revolutionären und internationalen Endziele ermögliche... Der RcichZverband will aber auch diejenigen Kreise, die unter dem Drucke des socialdeinokratischen TerrorismnS unmittelbar zu leiden haben, insbesondre die Arbeiterschaft und den Mittel- stand gegen socialdemokrattschc Anfordernng'cn in jeder möglichen Weise stärken."' Die Vorbereitungen zu dieser Soeialistenbekänipsting sind über- au? gründliche. Man geht nicht leichtsinnig an die große Arbeit. Man will alle Sicherheiten schaffen, daß der Apparat gut funktioniert. Man will die Wohlhabenden ganz Deutschlands organisieren. Man will bedeutende Mittel sammeln. Bettelbriefe werden reichlichst aus- gesandt. Es soll etwas Großes zu stände kommen... Wenn es nur schließlich nicht heißt: Die Berge wollten gebären, ein lächerliches Mäuslein wird geboren I ES mag sein, daß jahrelange Bettelmiihe eine Qnantitäts- agttatton zu Werke bringt, gegen die selbst die Vcrranffchung der Bülow-Reden verschwindet, aber in der Qualität dürfte, nach der Geistestiefe der bisherigen Ankündigungen zu schließen, höchstens ein Mäuslein hervorhüpfen.- Also sammelt eifrig I Es gehört sich, daß die Kapitalisten- klaffe sich die Vertretung ihrer Interessen einige Thaler kosten läßt. Was man dem„Reichsverband" spendet, das kann ja an Arbeiterlöhnen wieder eingebracht werden. Die Arbeiter aber, denen gezeigt werden soll, daß die Social- demokratie ihre wahren Interessen nicht vertritt, könnten schon jetzt die Frage stellen: Worin erkennt denn der„Reichsverband" die wahren Interessen der Arbeiterschaft und was gedenkt er für ihre Förderung zu thun? Sind Unterdrückungsmaßnahmen und Ver- Weigerung besserer Lebenslage die—„wahren Interessen der Arbeiterschaft", für die der Lettelsack fleißig umgeht?— Die Uebcrbülow-Broschüre, die der kömgliche Hofbuchhändler Schenck sR. v. DeckerS Verlag) herausgiebt, ist von uns bereits begrüßt worden. Ans einem weiteren Cirkular des Verlages entnehmen wir diese frohe Mit- teilung: „Um der Broschüre einen möglichst weiten Absatz zu sichern, ist die Gratis Verteilung derselben an ca. 15 0 00 Fabrik- b e s i tz e r und an sämtliche industrielle zc. Vereine und Verbände in Aussicht genommen und teilweise schon erfolgt." Wir erwarten, daß der Verlag des Bükowgeschäfts die Grafts- Verbreitung eifrig vollenden wird, und dann: Heran, heran, Kapi- taliften und Divcdendcnmacher aller Grade, kauft für jeden„Eurer" Arbeiter mindestens ein Exemplar des grandiosen Werkes, in dcui zu sehen ist, tvie Biilow den dummen Aujust zur„Freude am Vaterland" bekehrt. Billiger kann tnan's nicht haben, das Exemplar lostet bei Abnahme von 100—1000 Exemplaren nur 12 Pf., bei Ab- nähme von 5000— 10 000 Exemplaren nur 8, von über 10 OOC�Exem- plaren nur 7 Pf. Die Socialdemokratie fleht, daß da? gesegnete Werk gehörig betrieben wird, daß jeder deutsche Arbeiter gründlich erkennt, w i e seine Feinde den SocialiSmus zu bcnticnten vermeinen. Es wäre fürchterlich, wenn irgend ein Arbeiter in Deutschland seinen Bülow entbehren müßte.—_ In Beleidigungen der Berliner Staatsanwaltschaft ergeht sich die „Post". In herrischem Tone fordert sie Auskunft vom Ersten Staatsanwalt beim Landgericht ll in Berlin, ob er Anklage wegen Ver„Rixdorser Wahlvorgänge" erhoben habe und, wenn dies nicht der Fall, warum er es nicht gethan habe. Die„Post" zeiht die Staatsanwaltschaft der Pflichtvergessenheit und erachtet sich als befugt, sie zur Pflicht zu rufen. Die„Post" betteibt aber weiter mich die Aufhetzung der Beamten gegen ihre Vorgesetzten, indem sie andeutet, daß die pflichtwidrige Versäumnis der Anklage gegen den Wunsch der Staatsanwaltschaft erfolgt und auf eine dlenstliche An- Weisung seitens höherer Stelle zurückzuführen sei. In jedem Falle rettet die„Post" die strafende Gerechtigkeit vor der Pflichtwidrigteit der preußischen Justiz, die zu Grunde gehen würde, wenn nicht die „Post" als Wahrerin der Pflicht Wache hielte.— Tie angebliche Tiscipliulosigkeit der Boerenmiliz. Wir erhalten von dem mehrfach bei uns zum Wort gekommenen Boerenoffizier folgende Zuschrift: Unter den vielen Erioidernngen auf meine Artikel über die Vorzüge einer Milizarinee ist die in der„Strahbnrger Post" wieder- gegebene entschieden die beste, da sie offenbar aus der Feder eines Ätanncs stammt, der alles als Augenzeuge miterlebt hat. Leider dettachter er alles einseitig und von einem falschen Standpunkt aus. Schon der Drange l an Raum verbietet mir, hier auf die Flut von ungerechtfertigten Vorwürfen gegen die Boeren so eingehend zu ant- toorten, als ich es gerne möchte und leicht könnte. Ich gedenke jedoch cm andrer Stelle alle die Irrtümer, welche dem Gewährsmann der„Stratzbnrger Post" untergelaufen sind, von Grund aus zu berichftgen. Dahin gehören: die absolut falsche Dar- stellung von Cronjes Gefangennahme, die Ausführungen über Lord Roberts Marsch nach Pretoria und dessen event. Konseguenzen usw. Für heute will ich als Stichprobe nur einen Punkt heraus- greifen, nämlich das, was der gegnerische Boerenkämpier über die Schlacht von Machadsdorp-Dalmanutha sagt. Es heißt da. zum Beweis der Disciplinlosigkeit der Boerenmiliz: „In der letzten Schlacht bei Machadodorp-Dalmanutha, nach welcher der kleine Krieg begann, hatte General Botha rechtzeitig «in Kommando vom linken Flügel zur Verstärkung der Haupt- angriffSstellung an der Bahnlinie heranbefohlen. DieS Kommando sattelte unterwegs in aller Si u h e und ohne Zwang ab, so daß es— halb beabsichtigt— zu spät kam und den Engländern den Sieg ermöglichte. Stach dieser Schlacht sollte eine hervor- ragende Stellung östlich von Machadodorp besetzt werden, aber die Boeren zogen einfach über dieselbe bin aus, ohne auf die Befehle Bothas zu achten." ES war zum mindesten— gelinde gesagt— sehr ungewandt, die Borgänge dieser Schlackt als Kampfobjett gegen eine Milizarmee zu gebrauchen. Denn gerade diese, unsre letzte Kawille rangee, ging durch'den Ungehorsam der Johannesburger Polizei verloren. der cmzigen disciplinierten Truppe, welch: die Boeren neben der leider viel zu schwachen Artillerie besaßen. Und die Offiziere dieser Truppe waren zudem noch zwei ehemalige deutsche Unter- v f f i z i e r e, Müller und Pöhlmann. Diese beiden besetzten an jenem Tage gegen den ausdrücklichen Befehl des Generals Botha eine weit vorgeschobene, exponierte Stellung, deren Schwäch« die Engländer sofort herausfanden und gegen welch« sie ihre gesamte Arttllerie tonzentrierten. Die Polizei focht großartig. Bon 120 Mann blieben 27 übrig, die beiden Offiziere fielen und die Engländer — brachen durch. Die rechtzeitig heranbesohlcue Verstärkimg kam leider zu spät. Aber die Gründe für diese Verspätung liegen doch wesentlich anders. als es in der„Straßvnrger Post" dargestellt ist. Unsre Verteidigungslinie, die sogenannte„'wit rcuitjts", harte die respektable Länge von 33 Kilometer, für deren Besetzung nur 4200 Boeren zur Versiigung standen.. Infolgedessen mußten die Kommandos, die vermittels großer Getvalrmärsche dort tonzenttiert waren, permanent aus dem„Qui vive" sein, einmal hierher, das andre Mal dorthin. Es war dies eine, besonders für die Pferde sehr aufreibende reiche, wenn man vcdentr, daß die Engländer 14 Tage lang an den verschiedensten Stellen angriffen, um den Durch- bruch zu forcieren. Ich habe an jenem Tage den Komniandanten Grobclaar des Ermelo-Kommandos— dieses war nämlich als Verstärkung heran- befohken— gerade während des bewußten Absairelns gesprochen. Dabei klagte er mir sein Leid. Tie Pferde waren während der letzten zwei Wochen kaum abgesattelt worden, hatten mir von Gras gelebt und waren jetzt total„Halali". Ja) sah persönlich an 100 Pferde, welche weder mit Güte noch mir Schlagen auch nur einen Schritt vorwärts gn bringen waren, und davei haire das Kommando noch 15 Kilometer zurückzulegen. Auch die Vorgänge nach dieser Schlacht hat der Gewährsmann falsch dargestellt. Die Kommandos find nicht über die Stellung östlich Machado- dorp hinausgezogen, sondern ein Teil hatte dieselbe richtig besetzt. Der andre Teil, und zwar der vom ganzen linken Flügel, hatte die diesbezüglichen Befehle nicht erhalten. Es muß dies einem Unglücks- fall zugeschrieben iverden. Der Feldkornett Dolf Sprüht sollte den schriftlichen Beseht weitergeben, ivurde aber durch eine Lhddit- Granate so schwer betäubr, daß er mehrere Tage desinimngslos war. Nach zwei Tagen, als es zu spät war, fand man den Befehl in seiner Tasche. ES ist dies, nebenbei bemertr, schon öfters passiert. Auch das Generalstabsiverk 1870/71 führt mehrere Fälle an, in denen Befehle unausgeführt blieben, weil die betreffenden Ordonnanz- offiziere oder Meldereiter gefallen waren. Die zuletzt erwähnten Kommandos legten mm in der folgenden Nacht nur die Hälfte des Weges nach Machadodorp zurück, da sie einerseits 30— 40 Kilomercr zu machen hatten, andrerseits die Pferde aber vir i vis de rien waren. In aller Frühe des nächsten Tages wurden sie von den Engländern angegriffen und von ihrer Rückzugs- linie nach Machadodorp abgedrängt. Die Stellung östlich dieses Ortes war aber ohne diese Kommandos nicht zu hatten, und so wurde sie aufgegeben. Dem Gewährsmann der„Sttaßburger Post" möchte ich raten. in Znrunst etwas tvemger die Thatsachen auf den Kopf zu stellen. Fehler werden in jedem Kriege gemacht, auch von der gedrilltesten Armee und dürfen aucu in den vorliegenden Fällen nicht aus das Konto„Milizarmee" gesetzt werden. Der„eiserne Besen" in Forbach. Beim Forbacher Train- Bataillon Nr. 16 sind nach dem soeben erschienenen„Militär-Wocken- blatt" jetzt die schon lange erwarteten und umfangreichen Ver- abschiedungen und Versetzungen eingetteten. Der bisherigeKommandeur Major Fuchs ist mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des L i t a u i s ch e n U l a n e n- R e g i m e n t S Ni'. IL verabschiedet worden. Dem Rittmeister und Compagnieckef Bändel ist mit der gesetzlichen Pension der Abschied bewilligt worden. Oberlientenant Ko ch, beauftragt mit Wahrnehmung der Stelle des Ersten Offiziers des Traindepots des 16. Armeecorps, ist als Halb- invalide mit der gesetzlichenPension ausgeschieden und zu den Offizieren des Landw.-Trains 2. Aufgebots übergekührt worden. Oberlieutenant H a b e n i ch t wurde mit der g e s e tz- lichen Pension zur Disposition gestellt. Rittmeister Comp.-Chef E y ist mit der gesetzlichenPension zur D i s- Position gestellt und zum Bezirksofstzier beim Landwehr- Bezirk Gnesen eniannt worden. Wie man sieht, sind die traurigen Helden der Forbachcr Tragikomödie noch ganz glimvflich davongekommen, llnverhättnis- mäßig glimpflicher jedenfalls als Lieutenant Bilse. Die Fuchs, Ey, Koch, Habonicht blamierten ja das Offiziercorps auch nur durch ihre Handlungen, während Bilse ihm durch eine öffentliche Kritik dieser Handlungen eine Blamage bereitete. Deshalb brummt er von Rechts wegen seine sechs Monate, während die Verabschiedeten ein paar Jahre ftüher, als es sonst der Fall gelvesen, beschaulich ihre Pension verzehren können.— Klerikale Sittlichkeitswächter. In einer jüngst in München ab- gehaltenen Versammlung von Bnchdruckereiprinzipalen, so teilt die „Münchner Post" mit, wurde ein Seitenstück zu dem fortgesetzten Anstürmen der ulttamontaiien"Abgeordneten im Landtage gegen „unsittliche Kunst- und Litteraturerlcheinungen", namentlich gegen moderne satirische Jllustrationsorgane, mitgeieilt. Danach erscheint dort ein illustriertes Wochenblatt, das in Bild und Text zu den „ausgezogensten" seiner Art gebort. Dieses Blatt wird in einem großen ultramontanen Geschäft hergestellt, in dem eine der unentwegtesten ultramontanen Tageszeiiungen erscheint. Auf dem Impressum(Name der Druckereistrma) erscheint als Drucker nicht das Geschäft selbst, sondern schämig einer seiner An- gestellten!!— Bon grauenhafter Korruption würde die C c n t r u m Z p r e s s e lamentieren, wenn ein Vorfall wie der folgende, der aus Köln ge- meldet wird, sich in einer andern Partei zutrüge. ES wird be- richtet: DaS Kölner Schöffengericht beschäftigte sich mit der Privat- Beleidigungsklage des Äckerer-T Schnitzler von Gleuel gegen Pfarrer Klein von dort, welch' letzterer mir Bezug auf Schnitzler geäußert hatte: So lange dieser Lump an der Spitze des Dionvsius-Kranken- Vereins stehe, werde er für den Verein keine Messe lesen. Der Pastor erhob Widerklage, weil der Kläger ihm in geschlechtlicher Be- ziehung ehrenrührige Dinge nachgesagt und Heucheleien vorgeworfen habe. Den ersten Satz der Widerklage gab der Angeklagte im Lauf der Verhandlung auf. Der Pfarrer wurde zu 30 M. Geldstrafe und dreiviertel der Kosten, der Kläger zu 10 M. und einViertel der Kosten verurteilt.— Wenn zwei dasselbe sind, so ist es nicht dasselbe. Eine charakteristische Entscheidung über den Begriff„Lehrling" im Sinne des Verein sgesetzes(H 6a der Verordnung vom 11. März 1850) wird jetzi durch eine Mitteilung des Senats- Präsidenten am Kammergericht Lindenberg in der„Deutschen Juristcn-Zeitung" bekannt. Danach war der betreffende Angeklagte zur Fett seiner Aufnahme in einen Berein Maschinenbau- Eleve und hatte zuletzt der Oberprima eines Gymnasiums an- gehört. Ter Vorderrichter hat ihn„mit Rücksicht daraus, daß seine Beschäftigung nur bezwecke, ihn praktisch zum Maschinenbau- Ingenieur auszuvilden, und daß diese Ausbildung von der eines Lehrlings verschieden sei", als einen Lehrling im Sinne des 8 ba nicht erachtet. Das K a m m e r g e r i ch t hat nun entschieden, daß dieses Urteil nicht rechtsirrtümlich sei. und zwar mit folgender Begründung: „Unter Lehrlingen im Sinne des§ 8a sind solche Personen nickt zu verstehen, deren Ausbildung, wenn sie auch mit der eines Lehrlings eine gewisse Aehnlichkeit hat, doch andre Zwecke und Ziele als die Ausbildung eines Lehrlings verfolgt. Ter Lehrling an einer Maschinenvau-Änstalt soll eine technische(handwerksmäßige) Geschick- lichkeit erlangen. Dem Angeklagten sollte seine vorübergehende praktische Ausbildung in der Anstalt zu einem andren, höheren Lebensziele verhelfen." Herr Schönstedt hat also erneut mit seinem Grundsatz: Wenn zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe, höchst bedenkliche Räch- folge gefunden, die sogar über Handlungen hinaus diesen Grundsatz noch auf bloße wirtschastlicbe Funktionen ausdehnt, tvodurch das zweierlei Recht noch viel weitgehender oberricktlich sankftoniert wird. Denn diese vorstehend citierte kammergerichtliche Entscheidung trennt das gleiche Recht einfach in zwei Teile, in einen solchen für junge Leute, denen eine Beschäftigung als Lehrling„zu einem höheren Lebensziele" verhelfen soll, wozu der Geldbeutel des Vaters den Grmid"lcgt.— und in einen solchen ftir junge Leute, die nicht in dieser glücklichen socialen Lage sind. Das widerspricht zweifellos dem Sinne des Gesetzgeber?, so verkehrt dieser Sinn an sich gewiß auch ist; der Gesetzgeber hat unter„Lehrling" in diesem Fall ganz allgemein ein- wirtschaftliche, durch Älter und berufliche Stellung genau charakterisierte Funttion verstanden wissen wollen, dir sich lediglich auf einen gegenwärtigen Znsrand bezieht, nicht auf das, was vor diesem liegt oder auf ihn folgt. Diese vereinsgesetzliche Beschränkung für Lehrlinge ist von uns zwar von jeher aus das schärfste bekämpft worden, vor allem, weil sie den jungen Proletarier daran hindert, seine Lage aus demjenigen Wege zu verbessern, ans dem es ihm in der heutigen Gesellschasts- ordnung noch allein möglich ist. auf dem Wege der Organisation,— aber noch weit schärfer müssen wir es bekämpfen, daß' jetzt den Söhnen der besitzenden Klassen dies Recht gegeben wird, den Söhnen der Proletarier aber nach wie vor genommen bleibt. Das Äammerg-richt tonnte den klaffenden Gegensatz des Klassen- rechts lau::: tviedcr offensichtlicher dolumenttereu, als durch eins Ntteilsvegründuiig, die offen den Grundsatz aufstellt, daß. wenn zwei dasselbe sind, es doch nicht dasselbe ist.— � Königsberg i. Pr., 31. Dezember. Der Arbeiter Wilhelm Rosenbaum wurde heute von der Strafkammer des hiesigen Landgerichts zu drei Tagen Gefängnis verurteilt, weil er bei der Reichs- tagS-Sftchwahl in Königsberg sich einer gefälschten Wahleinladungs- -arte als Ausweis bedient hatte.— Zur Richtigstellung. Genosse 41. S. gefällt sich wieder einmal darin,»sich in seinem Artikel:„T-niPo und Taktik" in Nr. 298 des„Vorwärts" als „Nur-Gewerkschaster" und„Nur-Genossenschafter" hinzustellen. Ich würde ihn in seinem Vergnügen gewiß nicht stören, sofern er nicht, sonder Skrupel und Zweifel, mich selbst als Kronzeugen für seine Entdeckung hinzustellen beliebte. Er schreibt:„Zu bekämpfen ist die naive Illusion der Ans- hölllung der bürgerlichen Gesellschaft durch Gewerkschaften und Ge- nossenschaften. Eine Illusion, die ungetnein gefährlich und verderblich schon dadurch ist, daß sie die politische Organisation und Aufklärung des Proletariat» für einen Faktor von sekundärer Bedeutung erllärt, wie Genosse von Elm in der„Neuen Zeit" im Jahre litöll." Ich entsinne mich, nur einmal die Worte„von sekundärer Be- deutung", und zwar in einem Artikel der„Neuen Zeit" vom 23. Juni 1900 gevrauchr zu haben. Als Beweis für die Citierkunst de» Genossen 14. L. lasse ick den betreffenden Satz hier folgen: „Aber fragen wir uns denn nun einmal: Ist denn die social- demokratische Partei der Zweck unsrer Bewegung oder ist dieselbe auch nicht» weiter als ein M'ttcl zu einem höheren Zweck? Das Ziel ist nach meiner Meinung: Verwirklichung des SocialiSmuS. Wenn man die» zugiebt, erscheint gegenüber diesem Hauplvunkte die Mirgliederzahl der socialdenwkraftschen Waylvererue von sekundärer Bedeutung. Die Frage ist dann, wenn man Vergleiche anstellen will zwischen den verschiedenen Ländern, welche Mawtstellung besitzt dort das Proletariat, inwieweit haben sich die wirtschaftlichen und politischen Jnsiitutionen des Landes der socialiiiischen Gesellschastsorganisation schon genähert?" Daraus macht Genosse kl. S., daß ich die politisch« Organs- sation überhaupt nur. zur Verschärfung setzte er noch hinzu, auch „die Aufklärung des Proletariats", für einen Faktor von sekundärer Bedeutung erklärt Hove. Es scheint, daß Genosse II. 8. der Meinung ist, daß bei mir Theor-e und Vraris in direktem Gegenkatz zu einander stehen. Zur Aufklärung meiner zu einem großen Teil rein ländlicher Wähler hielt ich während der letzten Wahlzett 80 politische Versammlungen ab. in meinem Wahlkreis bestehen— und das weiß Genosse ll. L. wahrscheinlich so guc loie einer— ver- hältnismäßig die meisten und an Miigliederzahl stärksten Wahlvereine in der Partei— zu ihrer Forteniwicklung dürfte meine politisch� agitatorische Thätigkeit dock auch ein klein wenig bei- getragen haben, und trotz alledem verkündet er der Socialdemokrasis Deutschlands: von Elm erklärt die politische Organisation und die Aufklärung des Proletariats für einen Fatior von sekundärer Bedeutung. Ich müßte ja ein ganz komischer Kauz sein, wenn ich bei alledem nncki dafür mit einer solchen Energie ins Zeug legte. Aber— freilib— einem„Revisionisten" gegenüber kann man sich das schon erlauben. Im übrigen habe ich momentan weder Zeit noch Neigung, dem Genossen 14. L. auf die verschlungenen Pfade seiner teilweise schon ersichtlich„revisionistischen" Gedankenwelt zu folgen. A. von Elm. Da noch zlvei andre Entgegnungen gegen meinen Artikel„Temvo und Taktik" vorliegen, die mich zu einer Erwiderung nötigen, werde ich bei dieser Gelegenbeit auch kurz aus die«Richtigstellung" de» Genossen von Elm zurückkommen. 14. 8. Huetand. Ostafien. Tokio, 31. Dezember. Jetzt, wo von der japanischen Regierung die nöftgen Vorbereitungen für alle Möglichkeiten vollendet sind, ist in den Dingen eine zeitweilige Ruhe eingetteten; es find keinerlei neue Vorgänge zu verzeichnen. London, 31. Dezember. Die„TimeS" melden ans Peking, der Direktor der chinesischen Nordbahnen Huyufen habe sich nach einer Besichftgung der kürzlich vollendeten Abzweigung_ der Bahn- l i,n i e Schanhaikwa n— K i n ts ch a u— Niut schwang von Kintschan nach Hsinmintun nach Port Arthur begeben und mit dem Statthalter Ädmiral Alexejew über die Eisenbahnbau-Angelegenbeit verhandelt. Letzterer habe die Verlängerung der Bahn von Hsinmintun bis Mnkden vorgeschlagen. Huyufen habe erklätt. er könne nichts versprechen, ohne nach Peking zu berichten und dann geftagt, weshalb Ruß» l a n d sein Versprechen, die Mandschurei zu räumen, nicht eingehalten habe. Älexejeio habe entgegnet, Rußland sei sehr ungehalten über China, das, statt auf Vorschläge über eine freundschaftliche Beilegung der Strittigkeiten zu hören, sich von Japan bis zur Unfreundlichkeit beirren lasse. Alexejew habe Hnyüfen dann dringend Nahe gelegt, seiner Regierung zu zeigen, daß der Mangel an Klugheit, der in dieser Haltung liege, unvermeidlich ins Verderben führen würde.— Schweiz. Ein neues demotratisches Parteiprogramm. Zürich, 30. Dezember.(Eig. Ber.) Die demokratische Partei des Kantons Zürich hat sich jüngst in geistige Unkosten gestürzt und ihr von 1892 daftertes bisheriges Programm revidiert. Das machte si- so, daß sie einige bisherige Postulatc, loie Einführung des Ge- treidemonopols und Verstaarlichmig der Eisenbahnen, fallen ließ, weil für das erster- keine Stimmung mehr vorhanden und da» zweite ver- wirklicht ist, und andrerseits einige neue Forderungen, wie Maß- nahmen gegen unverschuldete Arbeitslosigkeit, obligatorische cid- genössische Mobiliarversicherung, aufnahm. Das neue Programm enthält 19 Punkte, wovon erwähnt seien: Voliswahl des Bundes- rats, Gesetzgebungs- Initiative idie auf eidgenössischem Gebiete noch nicht besteht). Reform des Mlitärwesen-, insbesondere durch Ver- einfachung der Verwaltung und durch Ausgestaltung des ersten Unterricht» unter Entlastung der älteren Jahrgänge, Unfall- Versicherung. Kranken-, Alters- und Invalidenversicherung mit Bundeshilfe und zu diesem Zwecke Einführung des Tabakmonopols, Förderung der Volksschule durch den Bund, obligatorische Civilschule, Regelung der Bcrnfsorganisation auf dem Boden der Gleich» berechftgung der Arbeiter- und Unternehmerverbände, internationaler Arbeiterschutz, Revision des Fabrikgesetzes. Zehnstundentag. weitere Einschräniung Iler Frauen- und Kinderarbeit, Ablehnung aller Ueber» griffe der pölitischen Polizei. Ausrechterhaltung eines weitherzigen Asylrechts. Schutz des Vereinsrechts gegen liebergriffe. Ein ganz nettes Programm, aber leider nur al» Inventar für den Silberschrank der demokratischen Partei, die eS noch immer als zweckmäßig erachtet, zu existieren, trotzdem sie schon längst jede Selbständigkeit ausgegeben hat und tanzt, wie die liberale Partei und deren Organ, die bekannte großtapitalistische„N. Zur. Zeitung", pfeift, und die deshalb auch dem neuen demokratischen Programm ihren mütterlichen-segen erteilt hat. Welchen Wert dasselbe für die praktische Politik besitzt, hat vor vier Jahren die Züricher demokratische Partei bewiesen, als die Socialdemokraten durch ein Jnitiativbegehren die Bokkswahl des Bundesrats einführen wollten. Trotzdem diese Forderung an der Spitze de» demokratischen Programms stand und auch an der Spitze des nun revidierten Pro» grammS steht, betämpften die Demokraten im Sunde mit den Liberalen das Jnitiativbegehren und ringen so zu dessen Ber» feerfitti;} tn der VoWabstimmung Bei. Die Uebergriffe der politischen Polizei wollen sie bekccmpfM, ein weitherziges Afhlrecht wünschen sie. in der Bundesverswnmlung aber verlieren die demokratischen Vertreter kein Wort der Kritik an der bundesrällichen Reaktion und ebenso bewilligen sie alle Kredite für die politische Polizei und die Bundesanwaltschaft. Für alle reaktionären Gesetze, die in den letzten Jahren im Bund und Kanton fabriziert, aber in der Volksabstimmung unt großen Mehrheiten verworfen worden sind, waren auch die Züricher Demokraten eingetreten. Keine Reaktion, keine politische Schandthat mehr, die nicht auch die Zustimmung der Demokraten fände; halfen sie doch voriges Jahr auch im Züricher Kantonsrat mit bis ans einen Mann an dem elenden Staats- und G-waltstrciche gegen die Soc-aldcmotmten in Außersihl.— Frankreich. Brisson Kammerpräsident. Die ministeriellen Gruppen der Deputiertenkaninier haben mit 170 von 211 abgegebenen Stimmen Brisson als Kandidaten für den Posten des Kammer- Präsidenten für 1904 aufgestellt, nachdem der bisherige Präsident Bourgeois erklärt hat, für das nächste Jahr das Präsidium nicht wieder übernehmen zu wollen.— Der Balkan im Jahre 1903. Auf der Balkan-Halbinsel nahmen die Agitaüonen und Kämpfe für die Selbstverwaltung in Macedonien fast das ganze Jahr hindurch� das Interesse in Anspruch. Nur die E r m o r d u n g des serbischen Königspaares, Alexander I. und seiner Frau D r a g a, sowie der Brüder der leüieren durch Offiziere der serbischen Armee, lenkte im Juni 1903 die" Augen Europas auf Serbien und dessen innere Zustände. Diese Palast- oder Militärrevolution wurde mit einer so kühlen Hewegsetzung über die Gebote der Menschlichkeit ausgeführt, wie sie selbst in den an Blutthaten so reichen Annalen des russischen Zarenhofes ihres- gleichen sucht. Die Verschwornen begnügten sich nicht damit, einen Monarchen aus der Welt zu schaffen, dem in der That so ziemlich ulle Eigenschaften gefehlt zu haben scheinen, die sein Atni erforderte. sie befriedigten ihre Mordlust auch an Personen, die nach Beseitigung des letzten Fürsten aus dem Hause der Obreirowitsch dem serbischen Volke unmöglich mehr gefährlich werden konnten. Als Nachfolger Alexanders fitzt der von der serbischen Volksvertretung emstimmig zum König ausgerufene älteste Repräsentant der Gegendynastie der Obrenowitschs, Peter Karageorge witsch, unter dem Namen Peter I. auf dem serbischen Thron. In den ersten Erlasien, die er in seiner neuen Würde versiigtc, bezeichnete er, dessen Agenten wahrscheinlich bei der Verschwörung ihre Hand im Spiele hatten, sich als König von Gottes Gnaden. was diese Gnade in recht eigentümlichem Lichte erscheinen läßt. Im übrigen ist seine Lage keme sonderlich erquickliche; die eigenartigen Parlciverhältnisse eine? Landes, in dem das Kleingewerbe und das Kleinbauernttun überwiegen und die Politik von Advokaten und sonstigen Angehörigen der freien Berufe als Gewerbe betrieben wird, sowie die Rück- Wirkungen der Jntriguen der beiden, um die führende Rolle auf dem Balkan rivalisierenden Großmächte, Oestreich und Rußland, machen das Regieren um so schwieriger und riskanter, je weniger der Regent sich auf eine Generationen alte Tradition stützen kann. Für Peter kommt zur Zeit noch hinzu, daß ein großer Deil der Nation sich zwar in die vollendete That- fache der Beseitigung des Obrenowitsch gefügt hat, aber von den Mördern und ihren Helfern nichts wissen will, Peter jedoch mit den Leuten, die ihn auf den Thron gebracht haben und hinter denen viele Militärs stehen, nicht kurzen Prozeß machen kann oder will. Auf einem im Spätsommer 1992 in Belgrad abgehaltenen Kongreß serbischer Arbeitervereine wurde die Gründung einer serbischen socialdcmokratischen Partei beschlossen und ein Programm von Arbeiterforderungen ausgearbeitet, mit dem die junge Partei bei den wenige Wochen darauf erfolgenden allgemeinen Parlaments- wählen in 21 Wahlkreisen in den Wahlkampf eintrat. Trotz eines Wahlcensus, der die Masse der Arbeiter in Stadt und Land des Wahlrechts beraubt— wählbar ist, wer mindestens 15 Frank Staatssteuer zahlt— gelang eS der jungen Partei, in der Industriestadt Kragujewatz ihren Kandidaten, de» Arzt Mihailo Jlitsch, durchzubringen, und in einer zweiten Stadt, Leskowatz, mit ihrem Kandidaten in die Stichwahl zu kouunen. In der Hauptstadt Belgrad erhielt die socialistische Liste 19 Proz. aller abgegebenen Stimmen, nämlich 041 von rund 3270. Die neue Skuptschina zählt außer dem Socialisten 137 Radikale verschiedener Schattierung, 17 Liberale, einen Pro- gressisten und vier Wilde. Die Bewegung in und für Macedoilic» ist fast rein buk- ßarischen Charakters. In den überwiegend von Bulgaren bewohnten Landesteilen MacedonienS bestand feit Jahren eine ge- Heime Organisation, welche die Erriiigung einer wirk- lichen Selb st Verwaltung und Rechtssicherheit für die nichttürkische Bevölkerung Macedoniens erstrebt und es im Lauf der Zeit zu einer Stärke gebracht hatte, die ihr fast die Macht einer Nebenregierung verlieh. Außer ihr gab es aber noch im Fürstentum Bulgarien allerhand geheime Vereine von aus Macedonien ein- gewanderten Bulgaren, deren es dort zu Zehntausenden giebt. Zwischen diesen Vereinen oder ihren Komitees und den Komitees der innermacedonischen Bewegung herrschten nicht immer die besten Beziehungen, da die bulgarischen Komitees mit Politikern des Fürstentums Beziehungen unterhielten und wiederholt deren Rat- tchlägen folgten, die oft aus rein parteipolitischen Bedürfnissen heraus behufs Förderung irgend welcher Jnttiguen gegeben wurden, aber gar nicht den Plänen der innermacedonischen Komitees entsprachen. Diese wollen durchaus den Eindruck vermeiden, als handle es sich um eine Bewegung behufs Anschluß macedonischer Landesteile an das Fürstentun, Bulgarien, denn sie wissen, daß eine solche Bewegung alle Richt-Bulgaren des ganzen Balkans und ebenso auch die Großmächte gegen sich haben würde; in Bulgarien aber giebt eS viele Leute, die eine solche Annektion erstreben. Im Winter 1902/1903 brachten Freischärler aus Bulgarien die Bewegung in Macedonien zum offenen Ausbruch. Die türkische Regierung antwortete mit Massenschüben von Truppen nach Rkacedonien, die aber gegen die leicht beweglichen und von der Bevölkerung in ihren Bewegungen unterstützten Freischaren wenig ausrichteten. Nun legten sich die beiden Großmächte Rußland und Oestreich ins Zeug, Graf Lambsdorf reiste im Februar 1903 mit Instruktionen des Zaren versehen nach Wien; er empfing Abgesandte bulgarischer Komitees; gab ihnen die schönsten Versprechungen und arbeitete alsdann »nit Graf Goluchowski ein„Reformprogramm" aus, das von allen Bulgaren unterschiedslos für absolut ungenügend und trügerisch er- llärt wurde, während der Sultan eS„im Principe acceptterte. Die Erklärung der Großmächte, daß sie über diese Abmachungen nicht hinausgehen würden, ließ den innermacedonischen Komitees keine Wahl und so nahmen denn auch sie den Kampf auf, der im Sommer 1903 von ihnen eröffnet worden ist und sich immer wieder von neuem in furchtbaren Gewaltakten äußert. Die bulgarischen Macedonier kämpfen mit den Mitteln des revolutionären Tcrrorismus, der sich ebenso sehr gegen das offizielle Europa wie gegen die türkische Regierung und ihre Agenten richtet. Sie haben Eisenbahnzüge in die Lust gesprengt, Gebäude niedergebrannt und Attentate aller Art begangen. Viele ihrer Streiter haben im Kampfe mit türkischen Soldaten den Beweis geliefert, daß sie den Tod für ihre Sache nicht scheuen. Europa soll sehen, daß sie Ernst machen und daß die bul- garische Bevölkerung Macedoniens sich nicht länger mit dem Schein von Reformen hinhalten läßt, die von der Türkei entweder gar nicht oder nur soweit durchgeführt werden, als sie den Stand der Dinge im Grunde unverändert lassen. Und jetzt, nachdem so und so viel Blut geffossen, fängt man auf feiten der Mächte allmählich an ein- zusehen, daß das vom Sultan„im Prmcip" anerkanutc, aber in der Praxis kaum in Angriff genommene Lambsdorffsche Resormprogramm nicht ausreicht, in Macedonien einen Friedenszustand herbei- zuführen, der wenigstens einigermaßen Dauer verspricht. Neben den Macedoniern regte sich auch wiederholt die alba- »tische Bevölterung einiger Distrikte. Indes hat diese Bewegung größere Bedeutung diesmal nicht erlangt. )Ziis Induftnc und Randd. Die Gcwcrkenversammlnng der Gewerkschaft„Vereinigte Ham- bürg und Franziska" in Witten genehmigte einstimmig den Verkauf des gesamten Bergwerksvcrmögens einschließlich aller Rechte und Pflichten an die Gelsenkirchener Bcrglvcrks-Aktien-Gcsellschaft gegen Gewährimg von noin. 3 600 000 Mark neuer Gelsenkirchener Aktien, die ab 1. Januar 1904 dividendenbcrechtigt sind, und außerdem 1 Million Rkark in bar liebst 4 Proz. Zinsen bis zum Zahlungsiage. Tie Elelsenkirchener Gesellsctxtsi verpflichtet sich, falls die Cessionen aus die Kuxe der Gewerkschaft Hamburg und Franziska dem Gruben- vorstand vis zum 15. Januar eingereicht sind und zur Verfügung der Gelsenkirchener Gesellschaft stehen, eine Mehrausbcute von 50 Vkari (also zusammen 100 Mark) für daS 4. Quartal zu verteilen. Außerdem stellt die Gelsenkirchener Gesellschaft in diesem Falle in Aussicht, denjenigen Gewerkeu, welche nach dem Gebot eine Bar- zahlnng von mindestens 3000 Mark erhalten, Gelsenkirchener Aktien zum Kurse von 200 Prozent zu gewähren. Der Ncbcrgang der Zeche„General Blumenthal" an die Berg- werksgesellschast„Hibcrnia" ist vorgestern sn einer Gewerkenver- sammlüng der Zeche beschlossen morden, in der 999 Kuren vertreten waren, davon allein 984 durch die„Hibcrnia". Das Kaufangebot dieser Gesellschaft ging dahin, daß„Hibernia" das Gesamtvermögen der Gewerkschaft einschließlich des BergwerkseigentumS und der Ver- bindlichkeiten zu �Vinfo im Wege der Auseinandersetzung übernimmt unter Anrechnung aus ihre eigne Beteiligung, und zloar dergestalt, daß sie an die Liquidationsmane keinerlei Ansprüche mehr hat, während sie andrerseits für die restlichen"V,«» den Bewag von 320 000 M., das ist 20 000 M. für den Kux zal?lr zur Verteilung an die übrigen Gewerkcn gemäß ihres Kuxcnbesitzes. Die Ver- sarnrnlung besästoß, das Bergwerkseigeninm oder das gesamte Ver- mögen der Gewerkschaft freihändig oder im Wege der öffentlichen Versteigerung zu veräußern. Die Verteilung des Vermögens und die Auseinandersetzung zwischen den Gewerken wird nach Matzgabe des Kaufgebots von„Hibernia" vorgenommen. Tie Lage des amerikanischen Eisen- und Stahlmarktes hat sich in der letzten Zeit Ivenig verändert. In einzelnen Fällen ist es gelungen, größere Exporte von Roheisen und Stahlschienen auszu- führen, besonders nach Kanada, England und Mittelamerika; aber gegenüber der Gesamterzeugung der Union kommen diese W- schiebungen nach dem Auslande nur in geringem Maße in Betracht. Der Unterschied zwischen der Leistungsfähigkeit der Werke und der Aufnahmefähigkeit des Marktes bleibt ein gewaltiger. Im Dezember haben die Hochöfen der Vereinigten Staaten nur etwa die Hälfte jener Roheisenmcnge geliefert, vie sie bei Anspannung ihrer Kräfte hätten leisten können, und doch sammeln sich die Borräte cm. Etwas bester sind die Stahlwerke beschäftigt, bei denen sich zur Zeit die Produktionseinschränttingen auf ca. 30— 35 Proz. stellen dürstet». Allem Anschein nach wird von einer Reihe größerer Werke, voran vom Stahltrust, beabsichtigt, mit Beginn des neuen Jahres die Aus- fuhr zu verstärken. Ueber die letzte Wockie berichtet die bekannte amerikanische Fach- zeitung„Iran Age": In der vergangenen Woche haben wenig Um- sätze stattgesunden, doch sind Nachftagen nach Ware in erfreulicher Zahl eingegangen. Roheisen hielt sich auf allen Gebieten fest, doch ist der Markt nach den Abschliisten, die erfolgt sind, Ivenig lebhast. Im Siahlschienengeschäft ist die Thatsache von Interesse, daß eine Gesellschaft im Westen eine Bestellung von 30 000 Tonnen für eine kanadische Bahn iin Kampfe gegen die ausländische Konkurrenz er- rungen hat. In leichten Schienen dauert die schwache Haltung des Marktes fort. In Platten hat sich die Nachfrage in entschiedener Weise gehoben; es sind zahlreiche gute Aufträge an den Markt gelangt. Großer Wert ist diesen Angaben nicht beizumessen; sie generali- sieren einzelne Momente in bekannter Weise. Soziales. Zur Kriminalstatistik. Die Vierteljahresheste zur Statistik des Deutschen Reiches ver- öffentliche»! in ihrer Nr. 4 des Jahres 1903 die vorläufigen Ergebnisse der Kriminalstatisti! für 1902. Danach wurden verurteilt wegen Verbrechen und Vergehen gegen Reichsgesetze: 1897' 1398 1899 1900' 1901 1902 403 585 477 807 478 139 469 819 497 310 511975 Es ist danach die eingetretene Steigeruilg absolut erheblich geringer»vie von 1900 zu 1901, bedeutet also relativ wieder einen kleinen Rückgang. Wegen Verbrechen und Vergehen allein gegen das Strafgesetzbuch wurden verurteilt: 1897 1898 1899 1900 1901 1902 439 530 454 512 455 597 447 220 470 368 481 4-16 Auch hier dasselbe Bild. Die Steigerung ist nicht so groß wie im Jahre vorher, aber eS ist doch immer wieder eine Steigerung; eine erhebliche Besserung zeigen allein die Jahre 1899 und 1900, wobei das letzte sogar einen absoluten Rückgang zeigt. Es ist die wirtschaftliche Hochkonsnnktur, die die Ver- Minderung der Verbrechen und Vergehen veranlaßte. DaS zeigt sich besonders deutlich, wenn man die Verurteilungen nach den drei Hauptgruppen der offiziellen Kriminalstatistik scheidet: Verbrechen und Vergehen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion, Ver- brechen und Vergehen gegen die Persoit, Verbrechen und Vergehen Segen das Vermögen. In dieser Reihenfolge ergeben sich folgende ahlen: 1897 1898 1899 1900 1901 1902 82 690 82 208 81 231 77 254 83 093 86 036 195 702 203 298 207 332 203 177 213 447 215 811 183 797 190 955 188 260 188 088 199 428 208 766 Die unterste Reihe, die Vcrmögensdelikte, paßt sich am beut- lichsten und genauesten den Schwankungen des Wirtschaftslebens an; dabei ist die amtliche Gruppierung keineswegs richtig. Sie ist nicht nach socialen,� sondern nach formalistischen Gesichtspunkten vor- genommen. So werden Sachbeschädigung, Brandstiftung und ähnliche Vcrmögensschädigungen, bei denen keine Bereichenmgs- absicht obwaltet, als Vermögensdelitte behandelt, während beispiels- weise Kuppelei, ein reines Vermögensdelitt, als SittlichkcitSdelikt be- handelt wird. Das giebt natürlich ein ganz falsches Bild. Bestrafungen anS§ 153 der Gewerbe-Ordmmg werden verzeichnet 1867 1898 1899 1900 1901 1902 254 208 176 195 187 125 Die Zahl dieser Bestrafungen ist danach in den letzien Jahren erheblich zurückgegaitgen._ Regierung und Hausindustrie. In Breslau veranstaltete die Gesellschaft für sociale Reform in diesem Winter öffentliche Vorttäge mit Diskussion über die Heim- arbeit. Einen dieser Vorträge hielt die Genossin Lily Braun. In der Disktlssion, die sich an diesen Vortrag knüpfte, sprachen auch Brcslaner Konfektionäre. Sie bestritten die Schilderungen der Genossin Braun lebhaft uitd sahen überhaupt alles im rosigsten Lichte und dabei wurde auch, wie wir der„Socialen Praxis" entnehmen, mitgeteilt, tS sei Berliner und Breslauer Koiifcktionnrcn gelungen, die RegicrungSvrrtreter zu überzeugen, daß die Verhältnisse nicht so schlimm lägen und bei ge- schlichen Eingriffen sehr vorsichtig vorgegangen werden miissc. Das ist eine sehr interessante Mitteilung, die mau sich für die weitere Aktion zur Bekämpfung der Heimarbeit»nerlen mutz. In einigen Wochen findet in Berlin ein Kongreß statt, der dem Schutze der Heiinarbeiter ge- widmet fft. Die Regierung wird dabei wohl von den Veranstaltem eingeladen werden; man wird aus dem Verhalten der Regierung zu diesem Kongresse schließen können, ob sie sich objektiv unterrichten oder nur von den Konfektionären„überzeugen lassen" will. Mit den Forderunge« der Aerzte beschäftigte sich eine große Ver» sammlung des Kranlenkasien-Verbandes im Aufsichtsbezirke K ö l»r. Von den Rednern, die sich durchaus auf den Standpunkt stellte»r, daß man den Aerzten so weit als möglich entgegenkommen solle- wurde übereinstimmend ausgesprochen, daß die jetzigen Fordeningen der Aerzte unerfüllbar seien und zum Ruin der Kassen führen müßten. Die kölnische»» Kassenärzte wollen am 1. Januar jede Kassen» Praxis einstellen. Die Kassen haben darauf eine Anzahl auswärtiger Aerzte engagiert. Die erwähnte Versammlung nahm folgende Nc- solution an: „Die heute abend im Kokossenin tagende Mitgliederversmnm» lung' der hiesigen Krankenkassen ist mit den Ausführungen der Referenten einverstanden: sie lehnt die von den Kölner Aerzten geforderte Einführung der freien Aerztewahl ab als mit den' Interessen der Krankenkassen unvereinbar und als einen Eingriff in die Selbstverwaltung der Kassen,»sie erklärt sich mit der durch das Engagement auswärtiger Aerzte gebotenen Ver- ringerung in der Zahl der Aerzte cinverstaitden. Die Versammlung veripricht mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß die neuen Aerzte genügend unterstützt und daß alle Mitglieder unterrichtet werden von dem Vorhaben der Kölner Aerzte. Die Versammlung spricht ferner dem Verbandsvorstande ihren lebhaften Dank für seine bis- herige Thätigkeit ans und hofft, daß der Vorstand auch in der Zu- kunst die Interessen der hiesigen Kranlenkassen den Aerzten gegen- über energisch vertritt,"'_ Gewerkrcbaftlicbes. Vom Crimmitschauer Kriegsschauplatz wird neues nicht gemeldet. Beide Gegner stehen sich noch geschlossen gegenüber wie am ersten Tage. Inzwischen mehren sich jedoch in der bürgerlichen Presse die Stiminen, welche den Ausgesperrten günstiger gesinnt find. Gerade das Verhalten der Arbeitgeber gegen« über den letzten Einigungsversuchen war nicht nur danach angethan, diesen die Sympathie weiterer Kreise zu verscherzen, fondern bei dieser Gelegenheit wurde auch publik, waS durch die Hetzartikel der Scharfmacherpresse in Vergessenheit gebracht worden war. daß die Arbeiter immer einem annehmbaren Frieden geneigt waren. 1 Jetzt wird auch die Ursache der ganzen Betvegung ernsthafter erörtert und dabei tritt immer mehr die Ueberzeugung zu Tage, daß die Arbeiter auch sachlich im Rechte sind. Unter der Ueberschrist: Der Hintergrund des Weberstreiks in Crimmitschau veröffentlicht Herr Dr. Robert Wilbrandt-Berlin in der „Socialen Praxis" einen Artikel, in dem er u. a. auch die Gefahr. für die deutsche Industrie zeigt, die dadurch entsteht, wenn dieselbe sich zur Erhaltung ihrer Konkurrenzfähigkeit lediglich auf die un- menschliche Ausbeutung der Arbeitskraft durch überlange Arbeitszeit und niedrige Löhne stützt. „Die modernsten Leistungen des Maschinenbaus für die Textil- fabriken warten noch aus ihre allgemeine Anwendung. Beharren bei langer Arbeitszeit, niedrigem Lohn und veralteter Techilik, das ist die Gefahr in unsren Textilfabriken. das die Klippe, an der viele deutsche Unternehmungen der Textilindustrie gescheitert sind. Solches Zurückbleiben macht auf die Dauer rettungslos koiikm renz« unfähig gegen voranschreitende Länder. Einmal kommt stets der Tag, wo die moderne Technik billiger produziert als die über» holte, die mit langer Arbeitszeit und niedrigen Löhnen ihr Daseiir fristet. Dagegen bewirkt der sociale Fortschritt den technischen und der technische wieder den socialen. Kurze Arbeitszeit treibt ähnlich wie hoher Lohn zum Ankauf besserer Maschinen, deren Mehr- ' leistung jene Produktionsverteuerung mehr als ausgleicht; die besseren Maschinen ermöglichen wieder intensivere Leistung des Arbeiters. Der Arbeiter kann aber die üilensivere Arbeit, die auf seiner Seite durch die modernen Maschinen ermöglicht wird, nur verwirklichen, wenn er durch kürzere Arbeitszeit und höheren Lohn dazu befähigt wird; denn nur bessere Lebenshaltung und kürzere Arbeitszeit geben ihm dazu die Spannkrast und Frische. So setzt die volle Ausnutzung der durch dieTechiük gegebenen Möglichkeiten den socialen Fortschritt sogar voraus. Der Zehnstundentag auch in der deutschen Textilindustrie wie in der englischen wäre nicht nur für die Arbeiter, sondern schließlich auch für die Unternehmer ein Gewinn; es wäre ein Segen für die deutsche Industrie. Dies ist der technische Hinter» grund des Weberstreiks." Dr. Wilbrandt, der übrigens irrtümlicherweise auch immer von einem Weberstreik spricht, geht denn auf die entsetzlichen Verheerungen ein, welche die überlange Arbeitszeit gerade unter den Frauen und im ganzen Familienleben anrichtet, und empfiehlt, daß der Staat an Plätzen wie Crimmitschau die Anlage von Fabriken begünstigt oder selbst verwendet, welche Männerarbeit brauche»». Gemeint, sind damit Maschinenfabriken, HolzbearbeitungS-Fabriken, kurzum Industrien, in denen die Frauenarbeit noch keine Rolle spielt. In diesen Fabriken, »neint Herr Dr. Wilbrandt. würden Löhne gezahlt, welche zur Erhaltung der Familie ausreichen. Die Frauen würden dann die Textilfabriken meiden und so müßten auch dort die Löhne steigen. Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! Kennt Herr Dr. Wilbrandt vielleicht die B e r l i n e r K o u« fektionsindustric, die lediglich deswegen so billig arbeitet; weil eine große Anzahl von Arbeiterftauen die Thätigkeit in derselben als„Nebenerwerb" neben der Hausarbeit betrachtet? Mit socialen Erwägungen lockt man keinen Unternehmer nach Crimmitschau, höchstens mit dem Hinweis auf die dort gezahlten niedrigen Löhns — und damit ist den Crimmitschauer Webern nicht geholfen. Aber der Staat? N»in der sächsische Staat hat ja in Crimmitschau der männliche» Thätigkeit ein erbeitcrteS Feld angewiesen; er schickte nach dort— Gendarmen! Internationale Solidarität. Jetzt regt sich auch die Arbeiterschaft des Auslandes! Die organisierte Arbeiterschaft der Schweiz, namentlich der deutschen Schweiz, rührt sich allerorten, um für die Zehnstunden- Kämpfer in Crimmitschau Gelder zur Unterstützung zu sammeln.' Etwa 1000 Fr. dürsten bereits abgeschickt und dadurch der Beweis geleistet worden sein, daß die internattonale Solidarität des Pro» letariats kein leerer Wahn und die Dichterworte zur Wahrheft werden: Des Annen Heiland ist der Arme, Der helfend teilt sein Stückchen Brot! Berlin und vm gegen d. Ter Streik der Droschkenkutscher. Die Versammlung im Lokal„Königsbank" in der Frankfurter, straße gab durch ihren Verlaus sowie durch den außerordentlich zahl, reichen Besuch Zeugnis von der Einigkeit und Entschlossenheit, die unter den Streikenden und Ausgesperrten herrscht. Der Referent Becker verlas zunächst cin Sympathietelegramm der Droschkenkutscher-Organisation aus Stockholm, das einen Beweis bildet für das rege Interesse, womit auch die Kollegen im Auslande an dem Lohnkamps in Berlin teilnehmen. Sodann berichtete der Redner über die Perhandlungen mit den Fuhrherren. Er sprach sich«cho schieden geflcft die ZmnulunH, die Arbeit zu den alten Bedingungen, et, 50 SDi. und 23 Proz,, wieder aufzunehmen, aus, und die Ber- sammlung gab durch stürmischen Beifall zu erkennen, das; sie durch- aus derselben Meinung war. Eine Anregung, die Forderung aus 1,50 M. Lohn und 30 Proz. von 10 M. ab zu eruiägigeu, stieß auf allgemeinen heftigen Widerspruch. Dagegen wurde mit allen gegen L Stimmen folgende Resolution angenommen: »Die Versammlung nimmt Kenntnis von den Verhandlungen mit den Fuhrhcrren.$n_ Anbetracht dessen, daß die Fuhrherren absolut keine Zugeständnisse betreffs einer Lohnerhöhung gemacht haben, sondern nur unter den alten Bedingungen anspannen. lassen wollen, beschließt die Versammlung, die Sperre über die bekannten 7 Fuhrhöfe aufrecht zu erhalten, und sie nicht eher aufzuheben, als bis die Fuhrhcrren bei einer Einnahme von 8 M. 1. S V M. Lohn und 30 Proz. von der Gesamt- «innahme zahlen." Die 5lutscher sind hierdurch den Führherren wiederum entgegen- gekommen und haben ihre Forderungen ermäßigt und den von ihrem Vertreter Becker bei den Verhandlungen persönlich gemachten Vor- schlag zu dem ihren gemacht. Die zweite, stark besuchte Versavimlung wurde im„Eis- kell er" abgehalten. Hier erstattete Knütter den Bericht über den Stand des Streiks und die resultatlos verlaufenen Verhand- lungen mit den Fuhrherrcn. Ter Referent wie auch sämtliche Diskussionsredner waren der Ansicht, daß ihr Anerbieten, erst von 8 M. Einnahme an die 30 Proz. neben dem Grundlohn in An- rechnung zu bringen, als Höchstgrenze des Entgegenkommens zu be- trachten sei. Erfolge auf dieser Grundlage keine Einigung, so müsse der Kampf eben Iveitcrgeführt werden und die Sperren über die bc- tonnten Fuhrherren aufrecht erhalte» bleiben. Eine diesbezügliche Resolution fand einstimmige Annahme. Gegen Schluß der Bcr- sammlung wurde sodann noch bekannt gegeben, daß die Fuhr- Unternehmer am selben Abend in einer eignen Besprechung be- schlössen haben, bei ihrem früheren Beschluß, den Kutschern nur 40 Proz. der Einnahme zu zahlen, zu beharren, eventuell e r st von 11 M. Einnahme an die geforderten 30 Proz. nebst Grundlohn zu belvilligen. Diese Mitteilung erregte den allgemeinen Unwillen der Kutscher. Unter solchen Umständen hielten die Kutscher die Weiterführung des Streiks so lange für unerläßlich, bis sich die Unternehmer zu neuen Verhandlungen auf oben erwähnter Grundlage bereit erklären. Achtnug, Schönrberg! Am Solmabeud, den 0. Januar 1904, finden nachmittags von 4—8 Uhr in unsrem Orte die Neuwahlen der Beisitzer zum Gewerbe- gericht statt. Die Ilnzuträglichkeiten bei den verflossenen Wahlen haben cS bewirkt, daß nicht wie bisher in einem, sondern in fünf Wahllokalen gewählt wird. Maßgebend für den Umfang der fünf Bezirke find die Polizei- reviere. Durch diese Teilung ist eS jedem Arbeiter möglich geworden, sein Wahlrecht ausüben zu können. Wir halten es daher für die Pflicht aller wahlberechtigten Arbeiter nnsres OrteS, am genannten Tage ihre Stimmen für die noch aufzustellenden Kandidaten der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Schönebergs abzugeben. Am Sonntag, den 3. Januar, früh TL Uhr, findet zum Zwecke der Agitation für die Gewerbegerichtswahlen eine Flugblatt- Ver- breitung statt und ersuchen wir die Genossen, sich rechtzeitig in folgenden Lokalen einfinden zu ivollen: 1. Bezirk: Hohenstaufen- straße 70 bei Ständer; 2. Bezirk: Kyffhäuserstr. 16 bei Schilling; 3. Bezirk: Grunewaldstr. 110 bei Krüger; 4. Bezirk: Merseburger- straße 7 bei Döring; v. Bezirk: Meiningerstr. 8 bei Obst; 6. Bezirk: Kaiser Friedrichstr. 8 bei Horlemann; 7. Bezirk: Hohenfriedberg- straße 26 bei Reimer; 8 a. Bezirk: Cheruskerstr. 16 bei Hoffmann; 8 d. Bezirk: Sedanstr. 6V bei Hauser; 9. Bezirk: Maxstr. 25 bei Hoffmann; 10. Bezirk: Sponholzstr. 31 bei Moll. Die Kutscher in Velten haben diu Arbeit auf Grund der Ver- etnbarung mit den Fabrikanten wieder aufgenommen. Um nun den Arbeitern auf den Bauten die Gelegenheit geben zn können, sich zu überzeugen, welche vo» den Kutschern, die den Kacheltransport nach Berlin und Umgegend bewerkstelligen, sich während des Streiks solidarisch verhalten haben, find Kontrollmarken ausgegeben, und bitten wir, sich dieselben vorzeigen zu lassen. Die Ortsverwaltung Velten der Handels-, Transport- und Vcrkehrsarbeitcr Deutschlands. Oeutkcbes Reich. Tie Aussperrung der Spinncrei-Arbeiter der Kammgarn- Spinnerei Liebschwitz a. d. Elster dauert unverändert fort. Eine Einigung konnte bis jetzt noch nicht erzielt werden. Der Zuzug von Spinncrei-Arbeitern jeder Branche ist deshalb nach Liebschwitz noch streng fernzuhalten. Die Firma sucht unaufhörlich Spinnerei- Arbeiter nach dort zu locken, was ihr bisher nur in geringen, Maße gelungen ist. Um beim Arbeitern lligcnfaug nun bessere Erfolge zu erzielen, sucht die Firma jetzt Spinnerci-Arbeiter nach Gera, wo aber gar keine Spinnerei besteht, sondern von wo aus die An- geworbenen nach Liebschwitz transportiert werden.— Zuzug von Spinnerei-Arbeiter» ist deshalb nach wie vor fernzuhalten. Alle Arbeiterblättcr werden um Abdruck gebeten. Husland. Buchdruckerstreiks in der Schweiz. Im Kanton Tessin, wo die schlechtesten Arbeits- und Lohnverhältnisse für die Buchdrucker bc- stehen, ist«S vor den We ihnacktsfeiertagen zum Streik gekommen, weil die Buchdruckereibesitzer die gestellten Forderungen nickst be- willigen und die Verhandlungen böswillig verschleppen wollten. Tie Forderungen lauten: 0 statt der bisherigen 10, 11 bis 12 Stunden täglicher Arbeitszeit, Abschafftmg der Sonntagsarbeit, täglicher Minimallohn von 3.25 Fr. für ausgelerntc, 4,23 Fr. für die andren «Ätzer, 4.25 bis 5,23 Fr. für die Maschnieii meister, 2 Fr. für die Einleger, 4 bis 5,75 Fr. für Buchbinder, 4 bis 4,25 Fr. sür die Lithographen und Stcindrucker. Die Zahl der Streikenden beträgt 160.— In Thun streikten die Buchdrucker drei Tage lang wegen schlechter Behandlung und Maßregelung von Verbandsmitgliedern. Da sich die sehnlichst begehrten und so beliebten Streikbrecher nicht fütden ließen, errangen die Streikenden einen vollen Erfolg. Der Theaterbrand in Chicago. Der letzte Tag des Jahres trägt eine furchtbare Meldung über den Ocean. In Chicago ist am Mittwochnachmittag während der Aufführung der Pantomime„Blaubart" das JroquoiS-Theater ein Raub der Flammen geworden. Bei diesem Theatcrbrand haben mehr Menschen als je vorher bei einer ähnlichen Katastrophe den Tod gefunden; abends 10 Uhr gab der Polizeichef bekannt, daß sechshundertsiebenunddreißig Leichen geborgen seien und durch spätere Meldungen nur lvcnig berichtigt iverden. Die ersten Telegramme, die gestern Morgen über die Katastrophe nach hier gelangten, besagen: Chicago. 30. Dezember. Das JroquoiS-Theater, ein erst kürzlich vollendeter Prachtbau, wurde ein Raub der Flammen. Des Publikums bemächtigte sich beim Ausbruch des Brande? eine gewaltige Panik, viele wurden erdrückt. Das Feuer brach lvährend deS zweiten Aktes der Pcmtomiute »Blaubart" aus. Als die Flammen auf der Bühne sichtbar wurden, erscholl der Ruf„Feuer", und cS entstand eine große Panik. Die Zuschauer eilten in wilder Flucht auf die Ausgänge zu. wobei es in den Gängen zu verzweifelten Kämpfen kam. Viele Arauen wurden ohnmächtig und von der Menge nieder- getreten. Für die Zuschaner im obersten Range war ein Eiilkvmmei, unmöglich. Die einen verbrannten, die andern erstickten. Die Feuerwehrleute fanden Tote, die aufrecht zwischen den Sitzen standen. Viele Männer sprangen noch in den Saal hinunter, wo sie von den Flanimen erfaßt wurden. Die Feuer- wehr setzte Leitern bis an den ziveiten Rang, wo sich ihnen ein schrecklicher Anblick bot. Die Leichen lagen in Massen übereinander. Viele Personen wurden in besinnungslosem Zustande gerettet. Die meisten Toten befanden sich auf der unteren Treppe, die zum zweiten Rang führte, wo die Leichen zu Dutzenden lagen. Viele von den Toten sind junge Frauen von kaum 20 Jahren und Kinder von 8 bis 10 Jahren. 50 Aerzte und Krankenwärter waren sofort zur Stelle, um den Verunglückten Hilfe angedeihen zu lassen. Nachdem etwa 100 Leichen in die Leichenschau- Häuser geschafft worden waren, mutzte man weitere, da kein Platz mehr vorhanden war, zurückweisen, obgleich noch unausgesetzt Leichen gebracht wurden. Als die Verwirrung aufs höchste gestiegen war, explodierten zwei Gasbehälter, und die brennenden Trümmer wurden gegen den Vorhang geschleudert. Die ersten Künstler koimten sich retten, litten jedoch furchtbar unter der Kälte, da sie nur leicht be- kleidet waren und das Thermometer unter Null gesunken war. Mehrere hervorragende Künstler werden vermißt. Die Sccnen, welche dem Ausbruch des Feuer? folgten, sind unbeschreiblich. Die Menschen wurden, teilweise bereits erstickt, haufenweise in der ausgebrochenen Panik niedergetreten, da die Nachdrängenden in wilder Hast den Ausgängen zustürzten. Die Leichen liegen dutzendlveise in den Schauhäusern, bei den Leichenbestattern und auf den Polizeistationen. Sie sind fast ganz entkleidet und können infolgedessen nicht rekognosciert werden, da die Kleider zu Lumpen zerrissen oder zn Asche zerfallen sind. Die zertretenen Gesichter sind nicht zu erkennen. Die Ansichten über die Entstehungs- Ursache des Feuers widersprechen einander. Es wird gesagt, die elektrische Leitung sei fehlerhaft gewesen, während die Leiter des Theaters das Unglück dem Bersten eines Calciumbehälters zu- schreiben. Die Schauspieler sind sämtlich gerettet. Es wurde beim Ausbruch des Feuers der Versuch gemacht, den Asbestvorhang herabzulassen, der sich jedoch nur bis zur Hälfte senkte, worauf die Flammen unter ihm hervorschlugen über die Köpfe der in den Logen sitzende» Zuschauer hinivcg bis zum ersten Rang empor. Die dort sitzenden Zuschauer wurden von den Flammen ersaßt und verbrannten. Als die Flammen sich zuerst zeigten, rief ein Mann im Hintergrunde des Hauses„Feuer", worauf die ganze Zuhörerschaft— es waren ungefähr 1300 Personen, größtenteils Frauen und Kinder, im Theater anwesend— nach den Thüren stürzte. Die meisten Todesfälle ereigneten sich im ersten und zweiten Rang. In den den Thüren am nächsten liegenden Gängen spielten sich herzzerreißende Scenen ab. Die Leichen lagen in jeder nur denkbaren Stellung da, meist halb nackt, mit vom Todeskampfe ver- zerrten Gesichtszügen. Chicago, 30. Dezember. s„Laffan"-MeIdung.) Das Feuer brach während des zweiten Aktes der Aufführung des Stückes„Blaubart der Jüngere" in den elektrischen Verbindungen der Coulissen aus. Das Theater war mit Frauen und Kindern vollgefüllt, unter denen beim Hervorbrechen der Flammen aus den Sof- fiten eine entsetzliche Panik entstand. Rufe„Feuer I Feuer!" hallten durch das Theater und machten die Zuhörerschaft völlig kopflos. Alles stürmte wie Ivahnsinnig auf die Ausgänge zu. Die Schauspieler und Schauspielerinnen sprangen von der Bühne in das Orchester und kämpften mit den Zuschauern um den Ausweg. Die Flammen griffen mit rasender Geschloindigkeit um sich und hüllten bald die ganze Bühne ein. Sie verwandelten den Theater- räum in ein einziges Fenermeer. Alle Personen auf der zweiten und dritten Galerie wurden durch die Flamme» von jedem Ausiveg abgeschnitten. Viele Zuschauer wurden von den Nachdrängenden tot getreten. Als schließlich die Feuerwehrleute die Balkons erreichten, fanden sie Hunderte von Leichen auf dem Boden liegen. Sie beförderten zahlreiche Tote und Verwundete ins Freie. Ilm 6 Uhr nachmittags waren 145 Leichen geborgen. Man nimmt an, daß noch zahlreiche Tote unter den Trümmern des Theaters liegen. Als das Feuer ausbrach, füllten sich sofort die Gänge mit den zu den Thüren drängenden Zuschauern. Im Hintergrunde des Theaters traten Männer erbarmungslos Frauen und Kinder nieder, um sich eineil Ausweg zu bahnen. Noch bevor die Flammen das Innere des Theaters erfaßt hatten, lvar der Fußboden in den Gängen mit den Körpern von Männern. Frauen und Kindern be- deckt, die im Gedränge bewußtlos geworden waren. Die Asbest- Vorhänge des Theaters erwiesen sich als unwirksam, sie konnten das Uebcrgreiseu der Flammen von der Bühne nach dem Zuschauerraum nicht Verbindern. Die Angaben über die Größe deS Unglücks im JroquoiS-Theater weichen noch immer von einander ab. Die Cirnpolizei zählt 536, die Morgcnblätter 562 Tote, außerdem 55 Vermißte. Ein späteres„Lassan"-Telegramm meldet: Nach dem Bericht des Leichenbeschauers find bis jetzt 73« Leichen geborgen worden. Die HerauSschaffung von Toten ans dem niedergebrannten Thearer dauert fort. Einer Meldung von nachmittags 5 Uhr zufolge ist von dem 240 Personen umfassenden Bühnen- personal niemand uinS Leben gekommen. Es konnten sich alle durch die kleinen Fensterlöcher retten, die ans das Straßenniveau führen, da in diesen» Fall glücklicherweise die Anklcideräume im Erdgeschoß lagen; doch erlitten zahlreiche Bühnenmitglicder Ver- letznngen. Bis jetzt sind 232 Personen als vermißt gemeldet. Die Zahl der Toten lvird in den letzten Schätzungen auf 523 an- gegeben. Das Theater galt für eines der schönsten Schauspielhäuser der Welt, lvurde erst ain 23. November 1903 eröffnet, und zwar init demselben Ausstattungsstück, das an dem Abend deS Brandes gegeben wurde, der„Extravaganz»"„Mr. Blaubart", die großartig ausgestattet war»rnd von den wohlbekannten deutsch-amerikanischen Thcatermännern Klalv und Erlanger ans New Dort geleitet wurde. Das JroquoiS-Theater war Eigentum des sogenannten ameri- kanischen TheaterttustS i Charles Frohmann, Sil. Hayman, Nixon u. Zimmermann und andren). Es hatte 1700 Plätze, darunter allein siebenhundert Plätze im Parkett— mit ein Hauptgrund für die Größe des Unglücks. Der Erbauer des Theaters war der Architekt Benjamin H. Marschall aus Chicago, einer der ersten Baumeister Amerikas. Frühere Theaterbrändr. Wie schon erwähnt, ist die Katastrophe vom Mittwoch eine der ftirchtbarsten, die in der Geschichte der Theaterbrände anfznzählei, sind. Eine Liste zählt in den hundert Jahren von 1797 Ins 1896 1115 solcher Brände auf, von denen 462 allein auf die Vereinigten Staaten kommen. An der Spitze dieser Liste steht New Kork mit 41 Fällen, dann aber folgt London mit 35. In den» Jahrzehnt von 1837 bis 1897 haben sich 363 Theaterbrände ereignet. Viele von diesen stehen noch iu allgemeiner trauriger Erinnerung, so derjenige der Pariser Opöra Comique, des baulichen Vorbildes deS Chicagoer Jroquois-Theaters. Bei diesem Brande, der am 25. Mai 1887 während der Vorstellung ausbrach, gingen 115 Personen zu Grunde.«Ein Jahr später<20. März 1838) brach im Theater zu Oporto ein Feuer aus, bei dein 170 Menschen ums Leben gekommen sind, dann folgte Jekatarinoslaw, wo am 20. Januar 1896 ein CirkuSbrand an 50 Opfer forderte, ferner Kwantung in China, wo ein Feuer, das bei einer Vorstellung, in einem Tempel enrstand, 320 Personen hinwegrafste und schließlich die Pariser Bazar- katastrophe an der Rue Jean Gonjon(4. Mai 1897), bei der 124 Personen umgekommen sind. Chicago ist besonder? reich an Brundkatastrophen. Nach der ..Vossischen Zeitung" sind dort seit 1851 nacht weniger als 21 Schau- spielhüuser von den Flammen teilweise oder gänzlich vernichtet worden, allerdings mit Einschluß der sieben Theater, die der ge- walligen Brandkätastrophe vom 8. Ottober 1871 zum Opfer gefallen sind. Diese Katastrophe hat die damals zumeist aus Holzhäusern bestehende Stadt fast völlig zerstört und 98 000 Personen obdachlos gemacht. Es entsteht die Frage, ob in deutschen und besonders in Berliner Theatern derartige Massemtiiglücksfälle möglich sind. Recht optimistisch äußert sich da einem Vertreter des„Berl. Tageblatt" gegenüber ein höherer Beamter der hiesigen Feuerwehr: Wohl ist es möglich, daß infolge einer Panik Todesfälle durch Erdrücken vorkommen können, aber daß Hunderte von Menschen durch Rauch ersticken oder derbrannt tverden. dürfte nur durch das Zusammentteffen ganz uiworhergeschener unglück- seliger Zufälle sich ereignen. Wir haben zunächst keine Asbest-, sondern eiserne Vorhänge, die durch einen ein- fachen Hebel zum Herunterfallen gebracht werden können. Die Maschinerie der eisernen Vorhänge wird jeden Tag geprüft, und wem» sich auch nur das kleinste Versagen an den Apparaten herausstellt, darf die Vorstellung hin Abend nicht stattfinden, wenn nicht bis dahin der Mangel vollkommen gehoben ist. Ferner sind so zahlreiche«Schlauchleitungen ans der Bühne angelegt, daß sofort Ströme von Wasser sich ergießen können, ganz abgeseben von den Regeneinrichtungen. deren Funktionierung ebenfalls täglich erprobt wird. Uirsre ständig in den Theatern stationierten Feuerwehrleute bürgen mit ihrem Leben dafür, daß eine der- arttge Slusdehrning des Feuers, wie sie in Chicago in so beklaaens- werler Weise zu verzeichnen tvar, nicht eintteten kann. Die feuer- polizeilichen Maßregeln sind so umfassende, werden so strenge durchgeführt. daß nraii füglich das Entstehen eines so riesigen Flanimen- meeres zu den Unmöglichkeiten rechnen darf. Noch kann man sich bei der hiesigen Branddirektion kein Bild machen, wieso das Feuer in Chicago eine solche Jntenfität erreichen konnte. Die Chicagoer Feuerwehr soll an sich sehr gut organisiert sein, und man weiß eben nicht, welche Umstände die tragische Katastrophe herbeigeführt habe,». Hätte das Feuer auf der Bühne unterdrückt tverden können, wäre der Asbestvorhang recht- zeitig heruntergegangen, dann hätte eine derartige Panik, wie sie eben zu verzeickme i war, nicht Platz greifen können. Sämtliche Dekorationen unsrer Theater sind feuersicher, feuer- sicher zum mindesten in dem Maße, daß sie lange Zeit der stärksten Glut ausgesetzt sein können. Ueberall sind von dem Bühnenraun» Notansgänge eingerichtet worden und erst neuerdings mußten einige Theater dementsprechende Umbauten vornehmen lassen. Die Ber- liner Branddirektion hat sich sofort»nit der Chicagoer Behörde in Verbindung gesetzt, um eine genaue Darstellung der Verhältnisse zu erlangen. Erst dann wird es möglich sein, auf Grund des technischen Materials zu übersehen, welche Mängel bei den feuer- polizeilichen Maßregeln zu verzeichnen waren. Hoffentlich bleiben toir von einer Katastrophe verschont, so daß sich die optimistische Ansicht des Feuerwehrbeamten nicht zu bewähren braucht. Chicag», 31. Dezember, 8 Uhr früh.(W. T. B.) Nach der letzten Berechnung liegen in den verschiedenen Leichenschanhäusern 564 bei dem Theaterbrande ums Leben Gekommene aufgebahrt: in den Krankenhäusern haben 157 Verletzte Auftiahme gesunden, von denen nur etwa die Hälfte zu retten sein wird. Bei Tagesanbruch waren die Leichenhäu>er von Scharen von Einwohnern umlagert, die gekommen waren, um Verwandte oder Freunde. die sie seit dem Brande vermißten, unter den Toten zu suchen. ES heißt jetzt, daß die fteiwilligeu Feuerwehrleute, die ans der Bühne waren, beim Ausbruch des Brandes von einer Panik ergriffen wurde«, die schlimmer war als jene unter der Zuschanerschaft; sie waren vor Schreck unfähig, die zur Erstickung der Flammen bereitstehenden Mittel an- znweilden. Als der Asbestvorhang durch den Llistzug wider die Seiten des Prosceniums gepreßt wurde und infolgedessen nur halb hinabgelassen werden konnte, ließen die Bühnenarbetter von weiteren Müheii ab und liefen davon. Das Publikum hatte nur von drei oder vier Ansgäilgeu Kenntnis, und diese suchte cS, obgleich in Wirklichkeit mehr als 40 Ausgänge vorhanden waren, in furcht- baren Kämpfen in Rauch und Dunkelheit zu gewinnen. Als die Retiungsleitem angelegt wurden, drängten sich die Menschen in so großer Zahl nach denselben, daß viele ans das Pflaster hin- abstürzten und»ms Leben kamen. Es stellt sich jetzt auch her- aus, daß der Theaterban nicht in allen Teilen fertig war. Einige Nottreppen waren nur halb zu Ende gebaut: eine an der Seite des Gebäudes angebrachte, endete schon stinfzig Fuß über dem Pflaster. ohne daß eine Leiter Wetter hinabführte. Am oberen Ende hatten sich zahlreiche Frauen an- gesammelt, die von der in wahnsinniger Erregung nach- drängenden Menge immer weiter vorgeschoben und nach und nach über das Geländer hinabgestotzcn wurden, so daß sie den Tod fanden; aber auch die Stachdrängenden ihrerseits stürzten, von neuen Massen gestoßen, ihnen bald auf die Steinplatten nach. Viele Zuschauer im Theater müssen den Tod durch plötzliches Ersttcken gcfnndeil habeil, denn die Feuerwehr fand zahlreiche Tote aus den Plätzen sitzen, das Antlitz unverrückt der Bühne zilgewandt. Letzte l�acbncbten und vepescben. Lohnbewegung der KassenSrzte. Magdeburg, 31. Dezember.(B. H.) Sämtliche Kaffenärzte kündigten heute per 31. März. Die allgemeine OrtS-Krankenkaffe hat schon von heute ab keine Aerzte mehr. Ein Attentat gegen Peter? Budapest, 31. Dezember.(B. H.) Die hiesige Polizei brachte in Erfahrung, daß in einem kleinen Kaffeehause, wo die Budapester Serben verkehren, ein Attentat gegen König Peter geplant worden sei. Die serbische Grenzpolizei wurde benachrichtigt, welcher es auch gelang, die Verdächtigen Zijticö und PetrasevicS in dem Augenblicke. wo sie die Grenze überschreiten wollten, zu verhasten. Beide wurden der ungarischen Polizei übergeben. Entlassung verhafteter Ardeiterführer. Pari?, 31. Dezember.(W. T. B.) Die vier einflußreichen Mitglieder des Fachvereins der Arbeiter der Nahrungsmittelbranche, welche gestern verhaftet wurden, sind heute vorläufig aus der Haft entlassen ivorden._ Rußland will pachten. Tokio, 31. Dezember. �Meldung des„Rcuterschen Bureaus".) AnS Söul wird berichtet, der dorttge russische Gesandte spamie jeden Nerv an, um den koreanischen Hof dazu zu bewegen, Masampho an Rußland als Flottenstatton zu verpachten. Die Unruhe im füd- lichen Korea halte an.__ Agitationscinladung au Chamderlain. Melbourne, 31. Dezember.(Meldung des„Rcuterschen Bureaus"). DaS bundesstaatliche Ministerium hat Ehamberlain namcn? des australischen Volkes telegraphisch ersucht, Australien bald zu besuchen, und ihm dabei mitgeteilt, daß die sich jetzt in Australien bildenden Liguen für kommerzielle Vorzugs- behandlung des Mutterlandes einen gewalligen Ansporn erfahren würden. Werlwtwvrtl.Ncdaktcur! Julius Kaliski in Berlin. Inseratenteil verantwortl.: TH.Gloch« in«ertin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. V-rlagsanstalt Paul Singer» Co.. Berlin ZZV. Hierzu 3 Beilagen u. UuterhaltuugSblatt m um« Ijriligf drs ,|orf irts" Iftliiift JolbHitt. Hgitations- Kalender. Sämtliche Daten beziehen sich auf den Tag der Veröffentlichung im„Vorwärts" Die preuteifcbeti Latidtagowabkn und der freifinn. Oktober. LucanuZ, Hausminister Wähler erster Klasse ist 29. Bülow, Posadolvsky, Richthofen Wedel sind Landtagswähler dritter Klaffe. dagegen der Hoffchlächtermeister Hefter. November. S. Die„Nation" veröffentlicht einen Brief de? verstorbeneu Momnisen über die Zukunft des Liberalismus. Meiner Meinung nach geht alles um alles; in den nächsten sechs Monaten kann ein gutes Stück ganze Arbeit gemacht werden. Es ist eines jeden Schuldigkeit, für die Sache einzutteten. Helfen wird's freilich nicht. Exorwo aliquis ex ossibus rütor!(Ein Rächer wird aus unsren Gebeinen erstehen.) 21. Preußische Abgeordnetenwahlen. Infolge der schmählichen Haltung des Freisinns, der lieber die Konservativen siegen läßt, als daß er der Socialdemokratie einzelne Mandate abttäte, ist es unsrer Partei nicht gelungen, in den Landtag einzudringen. In zahlreichen Wahlmänner-Äersannnlungen kommt es wegen falscher Handhabung der unmöglichen gesetzlichen Bestimmungen zu stürinischen Scenen, wobei die Polzei eingriff. 22. In Teltow-Beeskow hat die Landtagswahl 21 Stunden ge- dauert. 29. Rektor Kopsch erklärt in einer Hausbesitzerversammlung in Berlin:„Er danke dem Grundbesitz für seine Wahl(zum Landtag), dieser hätte sich als Avantgarde bewährt und die Zeichen der Zeit verstanden, die gebieterisch den Kampf des gesamten Bürgertums gegen die Socialdemokratie fordern. Die Socialdemottatie propagiere den Kampf wider den anständigen Rock, erst wenn der letzte anständige Mann am Laternenpfahl baumele, sei ihr Ziel erreicht. 28. Hans Delbrück erklärt in seinen„Preußischen Jahrbüchern": Ein Zusammengehen mit den Socialdcmokraten bei den Landtags- Wahlen sei deshalb nicht möglich gewesen, weil diese mit dem Hut auf dem Kopfe und der Cigarre im Munde an den Wahlttsch ge- tteten seien. Von unfern politifcben Gegnern. Oktober. 7. Es wird bekannt, daß Herr Kopsch von der Freifinnigen Volkspartei die Kandidatur seines Parteigenossen A. Bernstein in Torgau unter Hinweis auf dessen semitische Abstammung zu hinter- treiben versuchte. 9. Zu Tode mißhandelt wird der jüdische Schriftsetzer Levi m Schlochau von Antisemiten, darunter dem Nachtwächter. 15. Herr Ballin, der„Hoffude", sucht ein großes Hamburger Blatt zur Stellungnahme gegen das ReichStags-Wahlrccht zu ge- wiimen. 28. In Frankfurt a. M. tagt der erste deutsche, d. h. anti- socialdemottatische Arbeiterkongreß. Er erhält u. a. ein Begrüßungs- telegramm vom— Bund der Landwirte. 39. Das Aufsichtsrecht der städtischen Schuldeputationen, das durch Erlaß der Potsdamer Regierung vollständig beseitigt wurde, giebt in der Charlottenburger Stadtvcrsammlung Anlaß zu lebhaften Erörterungen. November. 1. Die Generalsynode nimmt eine Resolution Manteuffel an, in der es heißt: sie sei überzeugt, daß die für die Theologie der Gegen- wart bestehenden Schwierigkeiten in der Behauptung und Berteidi- gmig des biblischen Christentums nur überwunden werden können, wenn die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung mit der Gebunden- heit an die Thaffachen des Heils in Einklag steht. 8. Bon einer Geheimliga gegen die Socialdemokratie, der dem Hofe und der Regierung nahestehende Kreise angehören sollen, weiß die„Saale-Zeitting" zu erzählen. Sociale Streiflichter. Oktober. 1. Die dem Eenttalverbande angehörigen Baumwollindusttiellen sprechen sich energisch gegen die 10 stündige Arbeitszeit der Ar beiterinnen aus. 1. Die angekündigte Aussperrung der Berliner Metallarbeiter beginnt. 14. Bei Robert Teßmer-Berlin treten die Adressenschreiber in Stteik. Sie haben 3—10 M. Wochenlohn. November. 8. In der Wohnungsenquete. die von der Orts- Kranken lasse für Kaufleute usw. veranstaltet wird, find im Monat Oktober die Wohnräume von 579 männlichen, 454 weib lichen, zusammen 1033 Personen festgestellt worden, worunter sich 76 männliche— 13,13 Proz., 75 weibliche---- 16,52 Proz., zu sammen 151 Pattenten— 14,61 Proz. befanden, denen kein Bett zur alleinigen Verfügung stand. Hiervon waren 10 männliche gleich 13,16 Proz., 12 weibliche— 16,00 Proz., zusammen 22 Personen gleich 14,57 Proz. lungenkrank. 29. Der Verband deutscher Kriegsveteranen bittet in einem Rundschreiben um milde Gaben, auch abgelegte Kleider.„Die tapferen Stteiter aus ruhmreicher Zeit" müßten sonst hungern und darben. Dezember. 13. DaS Urteil gegen den Lokomotivftihrer Schade auf 100 M. Geldstrafe vom Reichsgericht bestättgt. Schade trägt„Schuld" an einem Zusammenstoß bei Colmar i. E. Er hatte die letzten Tage vor dem Unfall fast gar nicht geschlafen. Dezember. 5. Die Berufung des ReichStagS-Abgeordnetcn Gerstenberger von der CenttumSpartei gegen den Redatteur Genossen Eberhard-Nürnberg ist vom Landgericht verworfen worden. Dem Abg. Gerstenberger war der Voriourf der bewußten Unwahrheit gemacht worden. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht war Eberhard zu einer Sttafe von 20 M. verurteilt worden, weil nur in zwei Fällen der Beweis der bewußten Unwahrheit als erbracht angesehen wurde. Bei weiteren zwei Fällen wurde festgestellt, daß die Behauptungen Gerstenbergers zwar unwahr gewesen sind, �nicht aber, daß der Kläger sich der Unwahrheit bewußt war. Strafmildernd kam in Betracht, daß der Ton des Herrn Gerstenberger ein solcher sei, dessen sich ein anständiger Mensch nicht bediene. 13. Der Text eines Vettelerlasses der Scharstnacher wird bekannt. durch den Mittel zur Bekämpfung der Socialdemokratie aufgebracht werden sollen. 18. General a.D. Boguslawski in der„Deutschen Tageszeitung" für Wahlenttechtung und Staatsstteich. 29. Die freisinnige Mehrheit der Berliner Stadtverordneten- Versammlung erklärt das Mandat des neugewählten Stadtv. Gen. Kerfin für ungültig, weil einige Wähler seinen Namen nicht deutlich genug ausgesprochen hätten. «lilbelm 11, Oktober. 8. Unter den ihm vorgelegten Entwurf eines Hamburger Central- Bahnhofes schreibt der Kaiser:„Einfach scheußlich!" 19. Der Generalsynode der evangelischen Landeskirche wird ein königlicher Erlaß mitgeteilt, wonach jährlich an den Pfarr-Witwen- und Waisenfonds 850000 M. aus Staatsmitteln gezahlt werden sollen. Die Gegenzeichnung des verantwortlichen Ministers fehlt. Dezember. 24. Der preußische Minister v. Hammerstein hatte vor einiger Zeit in Hannover'' weifische Partei sehr heftig angefahren. Als nun jüngst der Kar>c. Hannover weilte und ihm seitens aller Hannoveraner Klage geführt wurde über das unziemliche Austreten des Ministers, soll der Kaiser gescherzt haben: Er werde dem Minister, wenn dieser das nächste Mal wieder nach Hannover käme, einen silbernen Maulkorb mitgeben.(Später dementiert.) Klus der GereUfebaft. 8. Oktober. In Bayreuth hat der Prozeß gegen den Hauslehrer Dippold begonnen. der de» Sohn dcS Direktors der Deutschen Bank Koch durch Mißhandlungen getötet hat. Die vornehmen Eltern hatten das Kind Dippold völlig anverttaut. 22. November. Wegen Beleidigung des Oldenburger Justiz- Ministers v. Ruhsttat werden zwei bürgerliche Angeklagte, Professor Dr. Ries und Redakteur Biermann, zu 6 und 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Wahrheitsbeweis dafür, daß Ruhsttat als Staats- anwalt ein Hazartspieler gewesen sei, ist vollkommen gelungen. 1>Iajestatsverbrecben. Oktober. 2. Die„Augsburger Volks-Zeitung" wird wegen Majestäts beleidigung beschlagnahmt. Ein Angsburger bürgerliches Blatt, das denselben Artikel brachte, bleibt unbehelligt. 7. Nach 14tägiger Untersuchungshaft wird der Arbeiter Hoff mann in Halle von der Anklage der Majestätsbeleidigung ften gesprochen. Strafantrag: Drei Jahre Gefängnis. 16. Wegen Majestätsbeleidigung werden die verantwortlichen Redakteure der„Leipziger Volkszeitung" und ihrer Kopfblätter ver urteilt: Genosse Lüttich sechs Monate, Hellmann drei Monate, Schöpflin vier Monate. Der Metteur(!) wird freigesprochen. 17. Wegen Majestätsbelcidigung(Kaiser- Insel) wird Genosse Leid vom„Vorwärts" zu 9 Monaten, Kaliski wegen Beleidigung des Hofmarschalls v. Trotha zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. November. 17. Wegen Nichtbeteiligung an einem Kaiscrhoch ein Cigarren macher in Sagau 3 Monate Gefängnis. 20. Die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" wegen Wiedergabe einer Acußcrung MommsenS über die militärischen Talente' des Kaisers beschlagnahmt. 20. Ein Händler in Mainz über ulttamontane Denunziatton 3 Monate Gefängnis. 25. Ein Arbeiter in Dresden wegen Beleidigung Königs Georg Jahr Gefängnis. 25. Der Redakteur Knobel vom„Neuen Leben" 6 Monate Gefängnis. 28. Ein Maler in Paffau 5 Monate Gefängnis. Dezember. 22. Der erblindete ftühere Wirtschaftsbeamte Urban wird ttr Beuthen O.-S. wegen Majestätsbeleidigung zu V/a Jahr Gefängnis verurteilt und sofort verhastet. 24. Genosse Markwald von der Magdeburger„VolkSsttmme toegen MajestätSbcleidigung und Aufreizung 5 Monate Gefängnis. Hus dein Zucbtbausstaate. (Siehe auch„Richter und Staatsanwälte".) Oktober. 2. Mit blanken Säbeln werden die Arbeitswilligen der Berliner OmnibuSgesellschast vor Zurufen des Publikums geschützt. 9. Den Dresdener städtischen Arbeitern wird die Mitgliedschaft in Konsumvereinen verboten. 20. Der Bauarbeiter Kühn in Berlin wegen StreikpostenstehenS 1 Monat Gefängnis. Jeder Streikposten ist strafbar, loeil er die öffentliche Ordnung gefährde, erklärte der Staatsanlvalt. Ein ühn liches Urteil einer andren Strafkammer ergeht gegen zwei Eisen drehcr. 29. In Danzig erklärt Eisenbahnminister Budde, es sei Pflicht jedes Eisenbahners jeden Versuch socialisttscher(d. h. natürlich auch gewerkschaftlicher Agitatton) sofort zu denunzieren. November. 7. In den Dannstädter Eisenbahn-Werkstättcn werden zahlreiche Entlassungen vorgenommen. Durch Spitzelei ist man darauf ge- kommen, daß die betteffcnden Arbeiter dem Hamburger Eisenbahner� Verband angehören. 11. Wegen Beleidigung eines Arbeitswilligen wird Genoffe Peikert in Breslau im öffentlichen Interesse angeklagt und zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er selbst ist von dem„beteiligten Arbeitswilligen mißhandelt worden. Dem Arbeitswilligen geschieht aber nichts. 29.„Wenn du Geld brauchst, kriegst du Ivelches aus dem Ver- bände"— diese Worte, von einem streikenden Klempner in Erfurt zu einem Arbeitswilligen gesprochen, sind Ehrvcrletzung. Fünf Tage Gefängnis. Dezember. 5. Der förmliche Belagerungszustand wird wegen„Beläfttgung" von Arbeitswilligen über Crimmitschau verhängt. Versammlungen und Zusainmenkiinfte jeder Art sind verboten. 8. Sämtliche Streikposten eines Berliner StteikS(Fabrik Mehlich) waren von der Polizei sisttert und mit Strafmandaten belegt, wurden vom Schöffengericht jedoch fteigesprochcn. 13. Der Gemeindevorsteher von Wengein i. Schl. wegen social- dcmokrattscher Gesinnung seines Amtes enthoben. 16. Der sächsische Landtag bewilligt 10 000 M. für Crimmitschau zur Verstärkung der Gendarmerie. 17. Gemeindevorsteher Storims in Neu-Strehmen(Ostpreußen) als Socialdemokrat entlassen. 18. Den Hamburger Postbeamten wird der Besuch einer Ver- samnilung verboten, m der Abg. v. Gerlach sprechen soll. Die „Freisinnige Zeitung" triumphiert. 19. Die Weihnachtsfeier der Crimmitschauer Ausgesperrten wird von Amtshauptmannschast und Stadttat verboten. 24. Redakteur Lehnen von der„Neunttrchener Zeitung" erhält 900 M. Geldstrafe wegen Beleidigung des nattonalliberalen Geheimrats Hilger in Saarbrücken. Er hatte ihm Wahlterrorismus vor- geworfen. 25. Genoffe LimvertS wegen versuchter Erpressung angeklagt, weil er einem Iserlohner Arbeitgeber die Worte:„Das Weitere wird sich finden!" zugerufen hatte. Freispmch. Staatsanwalt Cuny bezeichnet socialdemottatische Zeugen im allgemeinen als un» glaubwürdig. Oktober. 1. Im Laurahütter Wahlttawall-Prozeß werden acht Angeklagte zu insgesamt 6 Jahren Zuchthaus, 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Insgesamt sind lvegen dieses Krawalls 6 Jahre Zuchthaus, 68 Jahre und 10 Monate Gefängnis verhängt worden. 9. An den Folgen einer einjährigen Gefängnishaft wegen Majestäts« beleidigung stirbt Genosse Lcvy aus Halle. 14. Wegen einer Richterbeleidigung wird sämtlichen Redatteuren der„Leipziger Volkszeitung" das ZeugniSzwangs-Verfahren angedroht. 18. Konservattve Parteigänger in Freiberg haben in Freiberg zur Wahlzeit auf einen Nationalliberalen einen Uebcrfall verübt und ihn verletzt. Urteil 20—40 M. Geldstrafe. 20. In Halberstadt wurde von Arbeitern gegen einen Schlächter eiu Excetz verübt, wobei Steine geworfen wurden. Zehn Angeklagte erhalten zusammen 3'/z Jahre Zuchthaus, 4'/� Jahre Gefängnis. 24. Ein Prozeß gegen den Genossen Kunert wegen Beleidigung von Chinakriegcrn wird vertagt, weil weitere Zeugen darüber vernommen werden sollen, ob deutsche Soldaten in China geplündert, zerstört und geschändet haben. Ein Polizist erzählt unter Eid die tollsten Sachen, die Kunert in der beanstandeten Rede gesagt haben soll. (Die„Insel" Kiautschau. 50 000 Mann deutsche China! oldaten usw.) 27. Vom Zeugniszwang befteit ist der ftühere Redakteur der „Hilfe", Gerhard Hildebrand. Er hat mehr als acht Wochen in der Zwangshaft zubringen müssen, weil er die Zumutung zurückwies. der Behörde denjenigen zur Disciplinierung zu überliefern, welcher in der„Hilfe" eine„Dienstanweisung" der Potsdamer Regierung an die ihr unterstellten Rettoren sachkundig kritisiert hatte. 28. Der Prinz-Mörder Prosper v. Arcnberg als geisteSttank in die Abteilung für Nervenleidende überfiihrt. 28. Der Redatteur Salis von der„Pankower Zeittmg" wird aus der Zeugnishaft entlassen. Sie war über ihn verhängt worden, tveil er wahrheitsgemäße Cnthüllungen über ein arges Versehen der Pankower Gemeindekasse veröffentlicht hatte. 29. Der Assessor Simon in Militsch hat Socialdemottaten wegen sonntäglicher Flugblattverbreitung freigesprochen, weil das Gesetz für alle Staatsbürger gleich fei, aber auf Anordnung des Landrats nur gegen Socialdcmokraten, nicht gegen Anhänger bürgerlicher Parteien in gleicher Sache Anzeigen ergangen waren. Ein Bericht eines als Zeuge vernommenen Gendarmen hat die Folge, daß Simon seines Amtes enthoben und gleichzeitig vom Justizministerium ver- fügt wird, daß er nie wieder eine besoldete Richterstelle erhalten dürfe. Rlcbter und Staatsanwälte. November. 11. Vor dem Schöffengericht in Wismar wurde gegen den Genossen Holst wegen Beleidigung des Polizeibeamten Schutte ver- handelt. Holst hatte den Schütte des Meineides bezichtigt, um durch den damit provozierten Beleidigungsprozeß die Grundlage ftir die Wiederaufnahme seines eignen Meineidsprozesics zu gewinnen. Im Vorverfahren dieses Bcleidigungsprozesses hat der Hauptzenge, Tischler Wollenberg, in Gegenwart des Staatsanwalts unter Eid eine Aussage gemacht, die, ivenn sie nicht durch ganz gewichtige Gegenbeweise als falsch erwiesen würde, unbedingt nicht nur zur Wiederaufnahme des Meineidsverfahrens gegen Holst, sondern auch zu seiner Freisprechung führen müßte. DaS Schöffengericht in Wismar zedoch verurteilte Holst unter Ablehnung der Beweiserhebung zu einem Monat Gefängnis wegen Beleidigung SchüttcS. 14. Wegen Mißhandlung und Bedrohung focialdemottatischer lugblattverteiler lvird ein CentnunSmann in Danzig zu 30 M. eldstrafe verurteilt. 24. Im Prozeß gegen die Gräfin Kwilecka wegen Kindesunter- schiebung droht ein Berliner Staatsanwalt mit der Beseitigung der Geschworncngcrichtc, wenn nicht im Sinne der völlig haltlosen An- klage von den Geschwornen ein Schuldspruch gefällt wird.(Trotzdem erfolgt später Freispruch.) Dezember. 5. Zwei Memeler Genossen sind bei der Verbreitung von Flug- blättern von einem konservativen Bauer bestialisch mißhandelt worden. Ihr Strafantrag lvird von der Staatsanwalischaft in Memel abgelehnt, dagegen werden sie wegen angeblichen„Hausftiedcnsbruches" ange- klagt und zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. 8. Centtumspatrioten, darunter der Kirchendiener von Beuthen, haben socialdemottatische Flngblattvcrteiler überfallen. Von einein Polizeibeamten, den sie um Schutz ersuchten, erhielten sie die Ant- wort:„Socialdemottaten haben keinen Anspruch auf Schutz". Einer der Flugblattverteiler wird schließlich verhaftet, weil er sonst, nach Aussage der Beamten, totgeschlagen worden wäre. Urteil gegen die Excedenten: ein Freispruch, einer 15 M., einer 10 M. Mildernd: die gesteigerte Erregung. 11. Hoch die revoluttonäre Socialdemokratte zu rufen, ist grober Unfug. In einem monarchischen Staat gefährde die Bekundung so nmstürzlerischer Gesinnung in hohem Maße die Ordnung. Darum wird Genosse Mars, der im 6. Berliner Wahlkreis eine Versammlung mit diese», Rufe schloß im Berufungsverfahren wider einen schöffen- gerichtlichen Freispruch vor der 8. Straftainmer des Landgerichts I zu einer Woche Haft verurteilt. 16. Lieutenant a. D. Flogcrtzy in Ulm wegen Bedrohung eines Schutzmanns mit dem Revolver ein Monat Gefängnis und Eni- laffung. 19. Der Lieutenant v. Ziegler in Landau wegen Beleidigung eines Bahnbcamten(„Unverschämter KerlI") 3 M. Geldstrafe. 23. Nationalliberale Kriegervereinler lvegen Störung einer öcialdemottattschen Versammlung. Sachbeschädigung und Mißhand- lungen in FriedbergZHessen) zu Geldstrafen in, Höchstbctrage von 250 M. verurteilt. Ruirircb-Deutfcbland. Oktober. 28. Wegen Führung eines falschen Namens lvird vor dem Berliner Schöffengericht gegen die Russen Krassikolv und Poppoff verhandelt. Krassikow und sein Beherberger Poppoff waren am 14. cr. morgens von russisch sprechenden Kriminalbeamten aus dem Bett verhaftet worden. Sie stehen unter Verdacht des Schriften« 'chmuggels. Wegen Falschmeldung je 3 Wochen Haft. 30. Unter ungeheuerem Militär- und Polizei-Aufgebot und argen Einschränkungen der persönlichen Freiheit der Anwohner soll der Zar seinen Einzug in Wiesbaden halten. November. 5. Gegen KönigSbergcr Genossen wird ein Verfahren wegen Geheimbündelei eingeleitet, weil sie den Schmuggel von Schriften nach Rußland unterstützt haben sollen. Dabei stellt sich heraus, daß das Zollamt alle bei ihm einlaufenden russischen Schriften der KönigSbcrger Polizei„zur Prüfung" einreicht. 11. Neue Verhaftungen in Königsberg. 15. Gegen die Äönigsberger Genossen soll nicht mir wegen Geheimbündelei, sondern auch wegen Beihilfe zum Hochverrat am— russischen Reiche prozessiert werden. Dezember. 1. Bei einer polizeilichen Razzia in Margrabowa an der russischen Grenze wird unter anderm auch die preußische Gesinde- Ordnung konficiert. 12. Neue russische HochverratZrazzia im Auftrage der Königs- berger Staatsanwaltschaft bei Buchholz-Charlottenburg und v. Struwe- Stuttgart. ?Ziis Reer und flotte. Oktober. 8. Wegen erlittener Mißhandlungen begeht der Einjahrig-Freiwillige Cordes in Hannover Selbstmord. 4. Wegen arger Mißhandlungen wird der Unteroffizier Blanck in Berlin zu 3 Wochen Mittelarrest verurteilt. 4. Wegen Unsittlichkeiten, begangen an einem Untergebenen, wird der Oberlieutenant v. Ä l a h r in Berlin zu 6 Wochen Festung und Dienstentlassung verurteilt. 5. Gegen das Heidelberger Urteil, wodurch über vier Soldaten wegen Verprügelung� eines Unteroffiziers 26 Jahre Gefängnis der- hängt wurden, protestiert in Heidelberg eine Riefenversammlung. 13. Wegen schwerer Mißhandlung Unteroffizier Schwanke in Posen 2 Monate Gefängnis. Keine Degradation. 14. Der Unteroffizier Hoffmann in Mainz wegen 693 Soldaten- Mißhandlungen 9 Monate Gefängnis, keine Degradation. 16. Der Kanonier Z i n ck e, der sich durch einen Versuch, sich loszumachen, einer Verhaftung widersetzte, wird in Halle zu l'/z Jabren Gefängnis verurteilt. Auf Befehl des Hauptmanns v. Griesheim war er vom Unteroffizier Wegener mit dem Säbel niedergeschlagen worden. 13. Lieutenant Bilse in Forbach wegen Veröffentlichung seines Romans„Aus einer kleinen Garnison" verhaftet. 21. Ein Prozeß in Magdeburg enthüllt neue Soldaten- Miß- Handlungen. November. 4. Das Heidelberger Schreckensurteil wird vom Ober-Krieg?gericht dahin revidiert, daß der Hauptangeklagte Keinarth statt 10 Jahre Ge- fängnis 7 Jahre Zuchthaus erhält. Die andren drei Angeklagten erhalten statt IS� zusammen 18 Jahre Gefängnis. 4. Wegen Mißhandlung in 1027 Fällen, hierdurch veranlaßte Selbstmorde und Selbstmordversuche, erhält der Unteroffizier Breidenbach in Berlin 8 Jahre Gefängnis, der Conipagniechef V. Grolmann wegen Fahrlässigkeit 4 Wochen Stubenarrest. l' 4. Der Sergeant Nebelung in Halle wegen scheußlicher Soldaten- Mißhandlungen' in zahlreichen Fällen 4 Monate Gefängnis. Mildenmgsgrund: Hat sich in China„ausgezeichnet" geführt. 8. Ein neues Doppel-KriegSgeschwader kündigt die„Magde- burgische Zeitung" an. 8. Zu einen Militärkonflikt suchen bürgerliche Blätter zu hetzen. weil die Regierung mit ihrer neuen Militärvorlage noch bis zum nächsten Jahre warten will. 12. Der Lieutenant Bilse wird vom Metzer Kriegsgericht wegen Veröffentlichung seines Romans„Aus einer kleinen Garnison" zu Ve Jahr Gefängnis verurteilt. Der Prozeß hat entsetzliche Sitten- zustände der Forbacher Garnison enthüllt. 21. Aus Bayreuth wird gemeldet: Der Unteroffizier Bcchthold der 6. Eskadron des 6. Chevauxlegers-RegimentS befahl einem Sol- baten, einen Rekruten auszuhaucn. Dieser vollführte den Auftrag, aber in ganz bestialischer Weise. Er nahm einen Stallbcsen und schlug dem Rekruten das Genick ab. Der Schwerverletzte mutzte sofort ins Lazarett transportiert werden. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Der Unteroffizier sowie der Soldat sind ver- haftet. 23. Wegen thätlichen Angriffs ans einen Obermaaten, begangen in trunkenem Zustande, werden zwei Matrosen in Kiel zu je 6 Jahren 1 Monat Zuchthaus verurteilt. Dezember. 6. Zu sieben Monaten Gefängnis wird vom Ober-KriegSgericht in Königsberg der Fahnenflüchtling Kanonier Kahlau verurteilt. Im Prozeß lvird festgestellt, daß K. durch entsetzliche Mißhandlungen in die Flucht getrieben worden sei. 11. Oberstlieutenant v. Goetz in Frankfurt a. O. wegen Wechsel- fälschung zu 2� Jahren Zuchthaus. Ursache: übertriebener Aufwand und adelige Wuchererhände. 11. Lieutenant v. Hellermann von Breidenbachs Compagnie wird, weil er aus Fahrlässigkeit die Mißhandlungen nicht verhinderte, zu drei Wochen Smbenarrest verurteilt. 11. Vom Kriegsgericht der 8. Division zu Halle wurde der Unteroffizier Kirchner vom 8. Thüringischen Jnfantcrie-Regimcnt Nr. 133 zu Altenburg wegen Soldatenmißhandlung zu einem Jahre und zwei Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt. Kirchner hatte in zahlreichen Fällen seine Leute derarttg mißhandelt, daß sie ohnmächtig wurden, ferner den Mannschaften gewohnheitsmäßig ins Gesicht geipiecn. Die nichtöffentliche Verhandlung währte zwei Tage. 12._ Der Unteroffizier Michel in Erfurt zehn Tage Mittclarrest, der Gefreite Schneider sechs Wochen Gefängnis. Sie hatten einen Musketier durch fortgesetzte Mißhandlungen in die Fahnenflucht ge» trieben. 12. Der Gefreite Wenzel in Brieg hat in seiner Eigenschaft als Rekrutenausbilder den Rekruten Mock mit einem eisernen Ziel» stock über die Nase geschlagen, weil er schlecht zielte. Der Straf- antrag des Anwalts lautete auf vier Wochen, das Urteil nur auf vierzehn Tage Mittelarrest. 13. Wegen Beleidigung der Trnppenführer und der SanitätS» offiziere des IX. Armeecorps erhält Genosse Lütjens von der „Schleswig-Holfteinischen Volkszeitung" 200 M. Geldstrafe. Bewiesen wird dabei u. a., daß ein Hauptmann in Bezug auf einen schlapp gewordenen Soldaten gesagt hatte„... lassen Sie ihn liegen. Wenn sr verreckt, wird er morgen begraben!" 13. Lieutenant v. Arnim in Karlsruhe wegen Mißhandlung 14 Tage Stubenarrest. 14. Wachtmeister Peukert, Urheber des Spruches„Haut nur z», aber unter vier Augen", wird in Breslau Schutzmann. 16. Lieutenant Schilling in Metz wegen Mißhandlung in 968 Fällen IVa Jahre Gefängnis. 17. Unteroffizier Franzki(z. Z. Schutzmann in Hamburg) in Rendsburg wegen Mißhandlung in 1320 Fällen 3 Jahre Gefängnis und Degradation.(„Friedrich Wilhelm" und der„große Fritz" heißen seine beiden Knüppel.) 18. Unteroffizier Heim in Augsburg wegen Mißhandlung fünf Monate Gefängnis und Degradation. 19. Hauptmann v. Grolmann, der Vorgesetzte Breidenbachs, erhält 14 Tage Stubenarrest. Er hat u. a. gesagt:„Bei uns ist das nicht so schlimm; aber wenn es vor den Reichstag kommt, ist bei den Socialdemokraten der Teufel los. 23. Unteroffizier Knapp in Ulm wegen Mißhandlung in 220 Fällen 1 Jahr 2 Monate Gefängnis. Der Fall ist durch den Selbstmord eines Gepeinigten bekannt geworden. 24. Das Reichs-Militärgericht hebt zwei oberkriegsgerichtliche Urteile auf. In dem einen Fall war ein Wachtmeister vom 16. Arnreecorps freigesprochen worden, weil er Untergebene.un» willkürlich" mißhandelt haben sollte, im zweiten hatte ein Hoboist von der 2. Matrosendivision zwei Monate Gefängnis wegen Be« leidigung erhalten weil er einen Vorgesetzten mit Recht der Nicht« weitergäbe von Beschwerden beschuldigt batte. 29. Dem Verleger des Romans„Aus einer kleinen Garnison� (Forbach), Sattler, sind fünf weitere Manuskripte von Offizieren und Unteroffizieren andrer Garnisonen zugegangen.(„Es giebt kein zweites Forbach", hatte Knegsminister v. Einem im Reichstage erklärt.) V. GtNtrlll-Nerslttnmlung des Unterkützlingsvereins der Klipferschmiede Neutschlands. Der hauptsächlichste Punkt der toeiteren Beratung ist die An- Nähme folgenden Antrages:„Mitglieder, welche ausgesteuert sind. dürfen für die Zeit vom Tage der Aussteuerung bis zur Wieder- aufnähme der Arbeit keine Beiträge zahlen." Es soll damit ver- hindert werden, daß einzelne Mitglieder jahraus, jahrein 13 Wochen die Ortsunterstützung beziehen, ohne jemals in einem Arbeitsverhältnis gestanden zu haben. Der Rechtsweg für ausgeschlossene Mitglieder wird folgendermaßen festgesetzt:„Gegen den Ausschluß steht in allen Fällen die Berufung an das Schiedsgericht innerhalv 3 Monaten offen. Dasselbe besteht aus fünf Mitgliedern; zwei ernennt das ausgeschlossene Mitglied und zwei werden von der be- treffenden Filiale, wo der Ausschluß beantragt ist, gewählt. Beide zusammen wählen ein fünftes Mitglied zur Leitung der VerHand- lungen. Dem letzteren steht bei Stimmengleichheit die Entscheidung zu. Das Urteil des Schiedsgerichts ist endgültig. Kommt in der betreffenden Filiale ein solches Schiedsgericht nicht zu stände, so bildet auf Antrag des Ausgeschlossenen der Central- ausschuß das Schiedsgericht mit derselben Wirkung. Die Unmöglich- lest zur Bildung des Schiedsgerichts ist von der betreffenden Filiale zu bestättgen.— Die Reise-Unterstützung wird gemäß einem Antrage der Kommission in namentlicher Abstimmung mit 24 gegen 16 Stimmen folgende rnmßen festgesetzt: Bei 52 Beitragswochen pro Tag 1 M. auf die Dauer von 60 Tagen; bei 104 Beitragswochen bis zu 73 Tagen; bei 136 Bei- tragswochen bis zu 90 Tagen; bei 203 Beitragswochen bis zu 103 Tagen; bei 260 Beitragswochen bis zu 120 Tagen. Damit kommt die bisherige Kilometerberechnung in Wegfall. Die Orts- Unterstützung bleibt in der Gesamthöhe die gleiche wie die Reise- Unterstützung, nur wird in der dritten Stufe pro Tag 1,23 M., in der vierten Stufe 1,33 M. und in der fünften Stufe 1,30 M. gezahlt. Die Unterstützungen können von jedem Mtrgliede an jedem Orte erhoben werben und fallen alle bisherigen Beschränkungen fort. Auch werden Mitglieder, die aussetzen müssen, ohne Einschränkungen als arbettslos betrachtet. Die Streikunterstützung wird in Zukunft gezahlt, so lange Aussicht auf Erfolg nach Ansicht der Streikleitung oder des Central- Vorstandes und Ausschusses vorhanden ist und zwar nach folgenden Sätzen: nach 32wLchiger Beitragsleistung 12 M. pro Woche, unter K2wöchigcr Beitragsleistung 10 M., an Nichtorganisierte, wenn sie dem Verband beitreten, 6 M.; bei Verheirateten für jedes Kind 1 M. Die Gemaßregelten-Unterstützung wird in Zukunft in der vorstehenden Höhe nur auf die Dauer von 13 Wochen gezahlt. Die Feiertags-Unterstützung bleibt dieselbe wie bisher. Tie Umzugs- Unterstützung wird folgendermaßen geregelt:„Mitgliedern, welche verheiratet sind oder einen eignen Hausstand führen und 3 Jahre bei Anspruch der Unterstützung zum Verband beigesteuert haben. kann, wenn sie gezwungen sind, mit chrem Hausstand den bisherigen Arbeitsort zu wechseln, mit Genehmigung des Centralvorstandes der Umzug vergütet werden, und zwar bei einer Entfernung von 23 Kilo- Metern mit 10 M. und bei jeder weiteren Entfernung um 30 Kilo- meter 5 M. mehr, bis zum Höckfitbetrage von 80 M. Innerhalb drei Jwhrrn werden mehrere Umzüge nur insgesamt bis zum Höchst- betrage vergütet. Wer denselben erhalten hat, kann erst nach Ab- lauf von drei Jahren wieder Umzugs-Unterstützung beziehen. Bei Umzügen, die vom Arbeitgeber vergütet werden, wird keine Unter- stützung gewährt." An Streikorten sollen in Zukunft keinerlei Unter- stützungen an Zureisende gezahlt werden. Die Jnbaliden-Unterstützung wird fortan nach folgenden Be- stimmungen gezahlt:„Mitgliedern, welche infolge Altersschwäche. eines Unfalls oder andauernder'Krankheit arbeitsunfähig werden und außer stände sind, sich eine andre Existenz zu gründen, kann nach fünfjähriger Mitgliedschaft eine fortlaufende Unterstützung bis zur Höhe von 100 M. und mit jedem Jahre um 20 M. steigend. bis zum Höchstbetrage von 300 Ml, gewährt werden unter nach- stehenden Bedingungen: ») Bei nachweislicher Erfüllung aller Pflichten als Vereins- Mitglied; b) sobald ein Mitglied aus allen etwa angehörenden Kranken- kassen ausgesteuert ist; e) sobald ein Mitglied das 70. Lebensjahr vollendet hat und die Bedürstigkett nachgewiesen ist; 4) hat ein Mitglied, das über 70 Jahre alt ist, den Höchst- betrag erhalten, so kann es nach Ablauf von drei Jahren. bei gleichen Voraussetzungen, dieselbe Unterstützung bis zum Höchstbetrage von 130 M. noch einmal erhalten. Alle hierauf bezüglichen Anttäge sind zunächst an den be- treffenden Filialvorstand rmd mit Zustimmung der Filiale an den Centralvorstand zu richten." Die Sterbe-Unterstützung wird dahin abgeändert, daß bei Sterbesällen von Mitgliedern oder deren Ehefrauen ein Sterbegeld gezahlt wird: Bei einer Mitgliedschaft und Steuerzeit von 32 Wochen 100 M. und für jede weiter geleisteten 32 Wochenbeittäge um 10 M. steigend, bis zum Höchstbetrage von 200 M. Wenn ein Mitglied erwerbsunfähig wird und hat mindestens 320 Wochenbeiträge ge- leistet, so werden die Beiträge erlassen, aber das Sterbegeld soll ihm trotzdem gesichert bleiben. Nach Erledigung der Tagesordnung wurde die Sitzung um Q Uhr abends geschlossen. Partei- l�acbricdten. Partciprcsse. In die Redaktion der„Volkszeitung" in D ü ssel- d o r s tritt am 1. Jaimar Genosse Dr. Laufe nberg, bisher in Berlin, ein. Totcnliste der Partei. In Dresden starb der Parteigenosse Gustav N i t s ch e im Alter von 77 Jahren infolge eines Schlag- anfalles. Der Verstorbene, Tischler von Beruf, war ein der Sache des Proletariats treu ergebener Mann, der in der Kleinarbeit fiir die Partei unermüdlich war und ihr in seinen, langen Leben er- hebliche Dienste geleistet hat. Ebenso thätig war er im Ge- werkfchaftsleben. Die Dresdener Arbeiter werden ihm ein treues Andenken bewahren._ GcwcrkrcbaftUcbcs. Für die streikenden und ausgesperrten Weber i» Crimmitschau gingen bei der Berliner G e w e r k j ch a j t s k o m m i j s i o n jolgcnde Beiwäge ein: Sieben Maler, Bau Lakonni, Nicder-Schöneweide 4,50. Metallarbeiter v. Bernert, 5. Rate 10,—. Fidele Geburtslagsseier unsreS Freundes Karl S. 5,—. Schöfser u. Hauschner 25,20. Gcsangvcr.„Geselligkeit", Chlbrg. 19,—. Putzerkulonne Weilimann u Hahn 20,—. Goldleistensabrik C. Bartels 6,50. Angcst. d. O.-Kr.-K. d. Vergolder 4,—. Sparklub der Harmlosen, Schöne- berg 7,81. Pcwoleumbrcnner-Fabr. O. Müller, Reichcnbergerswaße, 2. Rate 33,60. Lottcricver.„Hofsnung", Manteuffelitraße 3,—. Wcihnachtsseier der 8. Männer-Abt. Berl. Turngcnosscnschasl 9.05. Wahlkreis Teltow-Becskow- Storkow- Charlottenburg d. Ebcrbardt auf Listen 1100.—(darunter: Bau Joachim-Fricdrichstr. 12 10,30; Bau Kaiserplatz 16,70; Bau Motzstr. 32 19,—; Maurer v. Terrasscnbau Halensee, Bornimerstraße 11,75; desgleichen 2. Rate 12,50; Maurer u. Arbeiter, Rathaus Charloltenburg 10,70; Bau Grünthalersw. 10 b 10,—; Bau Wenzeck 13,60; Bau Bogt, Kur. sürstendamm, 3. Rate, mit Ausnahme einiger Kollegen 9,35; Bau Kur- sürstendamm, Ecke Wiclandstraße 4,30; Maurer Bau Behne 10,53; Krankenhaus Westend 14,85; Bau Kaiser Friedrichsw. 27 6,50; Dr. Last u. Bekannte 20,—; v. Wcrnickeschen Tanzsrcunden 12,25; Maurer u. Arb. d. Schultheißbrauerci, Abt. Il Berlin 7,30; zu Weihnacht 1903 v. Königs- Wusterhausen 32,40; Pers. d. Engros-Abt. s. Adam, Friedrichsw. 12 27,70; v. d. Gasarbeitern Schmargendorfs 60,10).„Freiheit", Gerichtstr. 74 bei Bergemann 20,—.„Jmunitas", Gerichtsw. b. Bergcmann 14,03. Tischlerei Bersutzti, 4. Rate 3,80. Tischlerei Kaste 3,30. Feiertagsschoppen Badsw. 4,40. Gesangver.„Freie länger Nord" 11,20. I. C. Psajf, Möbelsabr., Saal I, 5. Rate 15,70. V. d. Asphalteuren 7,43. Buchdruckerei Stankiewicz, 4. Rate 8,63. Frühschoppen, Verb. d. Graveure u. Cifelcure 6,50. Weihnachtsscier b. Hennig, Kopifchstr. 2,45. Emmas Geburtstags fcier 4,03. Tischgesellschaft Hackerbräu 7,50. Tischlerei Saucrmem, 6. Rate 9,75. Arb. v. Moldenhauer u. Metzdors, 5. Rate 12, Dritter Wahlkreis aus Listen Nr. 3003 u. 3007, Personal der Kartonagenfabri! H. Pieske 24.—. 3008 9,90. 3009 8,03. 30U 12,73. 3014 12,45. 3016, Personal der Buchbinderei H. Schubert, Wilhelmstr. 8,90. 3171, Setzer der„Vossischen Zeitung" 27,13. 3180 8,50. 3184 9,20, 3186 6,10, 3188 10,01, 3189 6.33. 3193. Personal von Karl Zobel, Köpenickersw. 120, 1. Rate 8,23. 3194 8,33. 3198 25,—. 3199 8,33. 3253 23,73. 3274 3.75. 3010 7,80. 3077 16,75. 3078 12,15. 3107, durch Pausch, Wilmersdorf 22,50. 3112, durch Emil Götte, Brandenburgstr. 17,30. 3133, Arbeiter o. Lachmann, Ritterstr, 75, 4, Etage 10,63, 3166, darunter 13,23 von der Wcihnachtsseier der Landsmannschaft der Schleswig-Holstciner 14,25, 3172 6,60. 3173, Setzersaal der„Voslischen Zeitung" 30,—. 3191, Müller der Berl. Dampfmüblen- A.- G. außer Einem 9,20. 3206 6,23. 3207 10,45. 3208 21,23. 3217 3,60. 3219 9,70. 3221. gesammelt von Ar- beitern der Firma Behling 14,50. 3231 17,25. 3265 41,—. Skattlub„Mer Junge" 3,—. Gcwerkschaftskartell Spandau 208,43. Gesangoer.„Freiheit Nord" v. Matinee 100,—. Gesangver.„Hoffnung III" Friedrichsberg 21,—. A. E.-G. Obcr-Schönew., Kupserdrahtwalzwerk 34,83. Pers. d. Löwenbrauerei Hohcn-Schönhausen 16,17. Näherin d. Wäschesahril Bucholz u. Co. 10,—. Weihnachlsvergn. des Arb.-Radsahrver. Berlin 20,—. Pflanzeroer.„Kietz", Charlottenburg 18,80. GewcrkschastSkattell Köpenick, dar. v. Turnerinnen„3161. d. T.-V.„Eiche" 3,35; Weihnachtsfeier v. Rochlitz 1,30; am Biertisch d. G. Schröder gef. 4,70; Sa. 11,33. W.Hahn, Wilhelmstraße 8»03. Stukkateure v. Joh. Dllbert 5,—. Von Nachtschwärmern 4,50. Berl. Marklhallenbrüder 3,95. Verb. d. Steinsetzer, Filiale Schwerin i. M. 3,—. Geburtstag L. u. A. G. Gladcnbcck, Friedrichshagen 8,70. Ost. Kärger 5,—. Geselligkeitsver.„Fidelitas", 2. Rate 4,13. Ges. b. Nicolai v. Sachse 3,—. Ges. b. Dietrich v. C. Kreutzer 3,23. Pier Schlosser Kupferwert Ob.-Schönc- weide 2,—. Tabakarb. Neu-Ruppin 3,25. Stammlisch b. Hildebrand d. Oskar Enget 4,90. Korkschneider M. B. 3,—, 2. Rate Gerber A.-G. 3,—, Sa. 6,—. Zukunftsperle 2,—. Buchender Gertz 4,80. Kindtaufe und Verlobung 4.20. Werlsührer von Wittkopj u. Co. 0,30. Lehrlinge der Berliner„Börsen- Zeitung" 1,—. M. S. 1,—. AuS der Kindersparkasse Elsa und Ferdinand 0,30. Geburtstag bei Fr. Kühner 2,10. Sparvcrcin„Brüderlichkeit", Lausitzerstraße!1,10. Zimmerer Bau Bleibtreustraße 3,70. S. u. H., Saal 32 a, 2. Rate 24,23. Bau Scharnhorslswaße durch Biallucha, 4. Rate 18,80. Weihnachtsscier Sängerchor III Berliner Spar- und Bau- verein 1t,—. Lotterievcrein„Verlorenes Glück" 4,13. Familie Gersten- bcrger 2,—. Wernaus Feftsäie am 25. Dezember durch Rebatz 6,75. Musikvcr.„Sannonia" 5,—. Wcihnachtsseier Familie Naßler 6,—. Metall- arbeiter v. Muste, Brandenburgstraße 11,13. Wcihnachtsseier Schöneberg 4,05. Luise und Paul 2,30. Liste 8300 15,20. Wcihnachlssest Treue 3,87. S. u. H., Saat 34, 4. Rate 31,—. Personal d. U.-Dr., 3. Rate 5,13. Männergcsangv. „Edelweiß I" 10,30. Buchdruckerci TheinhardI 3,03. Arb. v. H. Thiele u. Co., 4. Rate 37,20. Buchdruckerei A. W. Hayns Erben, 2. Rate"28,70. Verein „Rote Reese", Mumton 17,30. Stocksabr. Seiigsohn 4,13. Sausgcnosscn v. Kantelberg. Fennswaße 3,—. B. Mettner, Müllerstraße 5,—. Tischlerei Elsoffer, Wollner Rächst., Krautstratze 11,25. Zweigverein d. Maurer Driesen 33,50. S. u. H., Saal 108, 2. Rate 16,25. Dreherei F. Ratzte, Ritterswaße, 2. Rate 20,—. Taschensabr. F. Hirsch, 3. Rate 10,30. Tischler v. Gebr. Paul, Hagclsbcrgciftraße 31,—. A. Gutsche 4,—. Opschach— Hammerschniidl 39,03. Gäste u. Mitgl. d. Klubs„Immer lustig u. fidel" 16,40. Bär u. Stein 3,—. Schleifer- u. Mechaniter-Abt. v. Laulenschlügcr 15,70. Gesclligkeitsvercin„Fidelitas", Charlottcnburg 10,—. D. V. M. Kugelbau. 2. Rate 27,25. Verschiedentlich gesammelt, 2. Rate 30,40. Arbeiter und Arbeiterinnen v. P. Salomon, Ober-Schöneweide 27,05. Stammgäste, Rungesw. 17 3,—. Weihnachtsvergn. d. Centraiverb. d. Schmiede, Berlin 23,10. HeimannS Dienslpers.. Ulmenstr. 5,—. Hotelpersonal Unter den Linden d. R. N. 31,35. Tischlerei Dischleit u. Co., 6. Rate 26,50. Lorenz, Wald-Jdyll 1,30. Amerik. Antlion, Pfefferkuchen 25,—. Porteseuiller E. Fiedler 3,05. Pilanzerverein„Gemüllichkeit" 26,20. Gastwirt Richard Jakob 6,—. Verlobungojeier d. Knoll 3,65. Frühschoppen b. Schimmel, Kastanien-Allce 4,50. Buick 17,25. Slrbeiter-Gesangverein Britz, Weihnachls» fcier 25,43. Piauojabrik A. Loth, Prinzensw. 5,80. Möbelsabrik E. Trebs, Pallisadcnstraße 13.30. Humoristischer Verein„Kleiner Cohn" 4,05. Schulz, Geburtstagsfeier 3,—. KurzhalS 15,—. Metallsargfabr. Selon u. Co. 14,03. Mällnergesangver.„Namenlos", Erlös eines Glüch'chwemes b. d. Wcihnachtsbesch. 20,80, Pers. v, Krells Buchdruckerei, 3. Rate 7,80. Vater und Sohn nebst Braut 3,—. Konzerffreunde Buggenhagen 1,10. Hosstädt b, Gabriel, Ebertystraße 2,22. Tischler u. Bespanner v. Weschhal u. Rein» bold 14,35, Gießerei o, Acstphal u. Rcinhold 6,40. Wegener 24,—. Buch» d ruckerei G. Eichler, 7. Rate 7,03. Klingbeil b. Tenner. Weißensee 3,2a. Tähnert, Weißcnsce 3,73. Klempnerei Quandt 5,—. Verlobungsseier Ger» wud u, Otto 8,50. Familienabend b. K,, Eberswalderswaße 3,30, Theater» und Vcrgnügungsvcrein„Helgoland" 10,20, Rauchklub„Columbus", 80, 3,—, A, E,- G., Ackcrstraße, Werkzeugbau. Saal 20 21,33. Buchdruckerci H. Bergmann, 3, Rate 4,73, I. Groschkus, Saal 6, Geburtslagsseier 2,60,„Harret aus", 2. Rate 13,—. Gießerei Lehrend 4.—, Rohrleger o, Schäffer u. Walcker, 2. Rate 19,20, Tuniver.„Fichte", 10. Männerabt. 6,60, Beamte d,„Victoria", Organi» sation 261 ck 10,40. Rauchklub, Pseiseiillub b. Gonell 8,—. Diring, Moabit 10,65. Monteure d. Aucr-Gescllschast, Abt. A 17,85. Rauch klub„Sumatra", SO, M. d. A-R-B., d. Krause 5,—. Werkstatt C. Heckmann 20,03. Klaoiaturfabr. Nauck u. Co. 5,10. Fischer 3,73. D. Oeltrisch 15,80. Silbern« Hochzeit b. O. Winkler 7,10. Geburistagsseier Martha Tbiede 2,15. Weih» nachtsfeier Familie Hecket 3,—. Arbeitergesangv.„Bruderbund", Friedrichs» berg, Weihnachtsbesch. 13,20. Ver. d. Keltenscherer. Berlin 21,—. Setzer d. Druckerei Aug. Scherl, Abt.„Tag", 3. Rate 13.73; Abt.„Woche", 6. Rat« 6,95; Gew. Geld-Abt., 5. Rate 7,30. Liste 8018 6,73. Tante Emma, WeihnachtS» seier, Gubencrswaße 2,50. Äronlcuchter>abr, Fritze, Rummelburg, 3. Rate 10,63. Was die Rechte thut, braucht die Linke nicht zu lvifsen 1,—. Kistensabrit Stolz, 8. Rate 10,60. I. Ege 19,63. Heppner 10,50. Arb. v. Beruh. Noa, 3. Rate 16,60. Holzarb.-Verb., Musikmstrumcnten-Branche, Weihuachtss. 9,30. Kabelwerk Oberspree M. W. 4.50. Pianojabr. Bell u. Co., 4, Rate 30,20. Äiöbclfabr. Siroka, 7. Rate 10,65, Putzer. Crimmitschaucr Leichentuch 18,—. 3 Sangesbrüder mit Damen 2,50. Arb. von Zimmermann u, Buchhalj, Signalbau, Ladstratze, 2. Rate 15,33. Bau Plötz, Freicnwalderstraße, Stein» Wäger 6,—. Pianosabr. Schmöckel, 2. Rate 9,30. Verband d. Lithographel» u. Stcindrucker(Kupserdrucker) 73,—. Wilinersdorser Liedertasel, Weih» nachtsseicr 10,13. Gesammelt bei Klingweiler 2,75. Musikoerein„Norden", Husfitenfwaße 10.—. Schwimmkub„Hellas", Mitgl. d. Arb.-Schw.» Bundes 3,—. Verlobungsseier, Gollnöwswaße durch Dablstheim 3,—, Möbclpolicrer aus Celle d, Buchholz 9,50. Ges. a. Geburtstag d. Gen. Meier, Caso Heinisch 6,—. Pianosabr. 9t. Lehmann u. Co., 3. Rate 21,40. 2 Schneider u, 1 Budiker 1.30. Mundharmonikaverein„Waldesrauschen, amerik. Aultton 6,30. Weihnachtsfeier d. Gcsangv.„Glück zu"(M. d. A.-S.-B.j 10,73. ZuIunstSkindtaufe 3,13. Wilwok 1,—. Bildhauer d. Grunewald» kirche 3,—. D. Welker 6,—. Gefangv.„Frohsimr-Veremsbrauerei, 2. Rate 12,—. Parkettleger v. Ende, 4. Rate d, Schmitz 10,—. Rote Hochzeitsfeier i. Schöneberg 2.40. Setzer d.„Berl. Lotal-Anzciger" 13,10. Role Weih» nachten Krausenstr. 3,—. Holzbearbcitungssabr. König, N.-Weißcnsee 16,63. ~""• O. Trops 12.63. Weihnachtsbesch. Spar- u, Kredit- Seeseid 2.15. Liste 8430d, verein„Einigkett", 3. Rate 11,—. Weihuachtsubend Münchebcrgerstr. 3 3,—. Stulkaleure Bau Gartenstrage 4,—. Möbelsabrik L. Kießling. Waldemar» swaße, 2. Rate 20,80. Gesangverein„Freiheit-West", Geburtstagsständchen 10,—. Rauchklub„Freiheit l" 7.—. Müllers Weihnachtsfeier 3,—. Hau». kapcllc Keller 4,30, Otto DrewS. Schlesischestraße 15,85. Neberschuß Cigarrentotterie d. R. 3,—. D. G Tbyme, Eichwalde 9,90. Verband der Schneider, 22. Rate 130,—. Metzdors Ragow 4,—. Holzbearbcitungs» sabril von Schufter 14.70. Liste Nr. 1 vom Gewerkschaslskattell durch Kloß 11,75. Gesammelt am Biettisch bei Schmalz durch Hernig 2,—. Seyffett, Wilmersdorf 5,—. Ilccidenz-Maschinenmeister d. F. Ullstein u. C». 9,30. B. Schaskopfspiel d. Nagel 1,50. Paul u. Gleichen Arndt 1.30. Arb.-Radsahrkiub„Vorwärts" Mattend,-Tempcih, 3,70. Ges. b. einer roten Verlobung, Brunncnswaße 4.03. Skat b. Meyer 2,70, Ges. b, einer gem. Gesellfch. 4,10. Dr. M. Lisfauer 11,70.„Corona, Feuchter Keller" 5.05. Regina-Registrierkassen 11,60. Verlobung Fabuschewski-Bauer 2,15. Wcihn.» Gesellfch. b. Jänicke, Tegel u, Zahn, Berlin 10,13. Spar-Verein„Biene", Rixd. 5,63. Junggesellen 12.50. A. Walther 5,—. Dr. Osk. Cohn. Rechts» anmalt 118,30. Ges.v.Krankcnpflegerpett-im'städt.Siechcnhaus.Fröbeisw. 18,73. Babels Restaurant, 13 West- Sweet V. 15,—. I. Wolf, Milsord 3,60. Eb» Hardt Kommero» 10,—. R, Zimmennaim, Marburg 5,—. Arb. v. Drigalski, Weberswaße 8,35. Tapezierer o. Rud. Hertzog 14,30. Gesangverein der Zimmerer 21,50. Aufrichtig 1,—. Von russischen Genoffen 24,—. R«t« Äindiause, Köpenick 4,15. Summa 10 313,77 M. Bereits quittiert 161 127,93 M. Gesamtsumme 171 441.70 M. Weitere Beiwäge werden w miserm Bureau in der Zeit von 9—1 und 6—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engel-Uscr 13. zu senden. In Nr. 295, 3. Spalte, 23, Zeile von unten muß es statt.Tanz» lehreroerein" heißen„Tanzlehreroerband". In Nr. 296, t. Spalte, 22. Zeile von unten muß ti statt»ose, Sohn u. Koch heißen Kose u. Sohn und Hoch. In Nr, 297. 2, Spalte ist der Liste Nr. 4268 anzufügen: Arb.». Floh� Chausseeswaße, In Nr. 300 sind der Quittung unter W e d d i n g noch folgende List«, anzufügen: 4467 12,33. 4367 12,33. 4568 8,60, An derselben Stelle muß es statt 4354 heißen 4363 von der Schttstgießcrei v, Gursch.—«Spalte 4. teile 34 muß vor Rabatt-Sparverein eingefügt werden: Bureaupersonal.— palte 3, Zeile 6 von unten mutz es heitzen: Pers. d. Kons.-Genosscnsch. Berl. u. Umgegend 7,03 statt 4,03 M. In Nr. 301 2. Zeile ist Liste 6600 anzufügen: Union E.-G. Abteilung Gießerei. In Nr. 302 muß cS statt„Mechanik" heißen:„Mikanit" Abt. d. K. W. Ober-Schöneweide. In Nr, 303 letzte Spalte ist in der 23, Zeile hinter„V o r w ä r t S" ein» zufügen: Köpenick;— in der 40. Zeile mutz eS statt Braun heitzen: Baum.• Der A u S s ch u tz der Berliner GewerkschastSkommissi on. Für Crimmitschau erhielt am 14, November: Männergesangverei» Liedcrluft I 10 M, ferner durch Otto Elze 7 M. G e o r g T r e u e, Berlin 0. 112. Kronprinzen sw, il 9ßt den Inhalt der Jnlerate «hernimmt die Redaktion dem Vublikum gegenüber keinerlei Beranttvortnng. HKeater. Freitag, den l. Januar. Nreie Volksbühne. Nachmittags i3/, Uhr: 6./6. Abt.: Metropol-Theater: Mer. cadet. t2./1S. Abt.: Lesfing-Theater: Der Verbrechc.. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. Mignon. Sonnabend: Manon. Schauspielhaus. Iphigenie aus Tauris. � Sonnabend: König Johann. Neues Sönigl. Opern° Theater. Ein Sommernachtstraum. Sonnabend: Geschlossen. Deutsches. Rose Bernd. Nachm. 2l/j Uhr: Monna Vanna. Ionnabend: Cyrano von Bcrgerac. Berliner. Maria Theresia. Nachm. 2'/, Uhr: Die sieben Raben. Sonnabend: Maria Theresia. Nachm. 2'/, Uhr: Tie sieben Raben. Lessing. Familie Schierke. Nachmittag(Freie Volksbühne). Sonnabend: Zapfenstreich. tSestcir. Boccaccio. Nachm. 3 Uhr: Die Afrikanerin. Sonnabend: N. Rothmühl. Die Jüdin. Nachm. 3 Uhr: Rottäppchen. Neues. Der Strom. Sonnabend: Kammersänger. Sa- lomc. Residenz. Der keusche Casimir. Nachm. 3 Ubr: Seine Kammerzofe. Sonnabend: Der keusche Kasimir. Central. Der Raftclbindcr. Nachm. 3 Uhr: Die Puppe. Sonnabend: Der Rastelbindcr. Nachm. 4 Uhr: Der gestteseltc Kater. Thalia. Der Hochtourist Nachm.'ilU Uhr: Charleys Tante. Sonnabend: Der Hochtdurist. Nachm. 4 Uhr: Mar und Moritz. Bellc Alliance. Der reichste Ber- liner. Sonnabend: Der reichste Berliner. Anfang 8 Uhr: Schiller V.(Kallner- Theater.): Tic Ehre. Nachm. 3 Uhr: Basemtassna. Sonnabend; Basantascna. Bchiller X.(Friedrfch-Wllhelmstäbt.) Der Compagnon. Nachm. 3 Uhr: Liebelei. Litteratur. Sonnabend: Der Compagnon. Luisen. Berliner Kinder. Nachm. 3 Uhr: Sncewittchen. Sonnabend: Krieg im Frieden. Rachm. 3 Uhr; Schneewittchen und die sieben Zwerge. ttleines. Elettra. Rachmittags 3 Uhr: Serenissimus« �Zwischenspiele. LiebcSträumc. Sonnabend: Nachtasyl. Trianon. Biscotte. Nachm. 3 Ubr: Die Notbrücke. Sonnabend: Biscotte. Deutsch- ZlmerikauischeS. Ueber'n großen Teich. Sonnabend-: Ueber'n großen Teich. Carl Weis«. Die Bergseren. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Sonnabend: Die Kreuzelschreiber. Nachm. 3 Ubr: Hänfel und Kretel. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Alisang l'l, Uhr. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Easino. Wcibnachtsglockcn. Der vertausch le söhn. Rachm. 4 Uhr: Hotel.Klingebusch. Sonnabend: Weihnachtsglöckchen. Der vertauschte Sohn. Apollo. Frühlingslust. Vision nach dem Balle, speeiatitäten. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Winter- Garten. Ltsro. Otto Reuttcr. Specialitölen. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Passage- Theater. Entbauptung. Specialitäteii. Ansang 5 Uhr. Bebr. Herrnfeld. Papa Noa. Meilhshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenftraste 4K/4i>. Der Erdball als Träger des Lebens. Um 4 Ubr im Theater: An den Seen Oberitaliens. Jnvalidenstrastc 57162. Sternwarte. Täglich gcöfstiet von 7 bis 14 Uhr. Neues Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. Der Strom Ansang VI, Uhr. Sonnabend: Salome. Der Kammer- «Inger.„_' Central-Theater. Heute nachmittag 3 Uhr halbe Preise: Die Puppe. Operette in 3 Akten von A u d r a n. Nur noch 6 Aufführungen I HT* Abends VL Uhr:-MW Ter Rastelbinder. Operette in 3 Akten v. Franz Lehär. Sonntagnachm. 4 Uhr halbe Preise: ver gestielette Kater. burleske Auostattmigsposse mit tiesang und Tanz in 4 Bildern ' von Julius Freund. Musilc von Victor Holländer. In Seena gesetzt vom Direktor Ritmard Schultz. Im 4. Bilde:' WWC CiroHses Ballett Wie damals im Monat Mai. Anfang llM Uhr. •- Rauchen überall gestattet.— Morgen und die folgenden Tage: DurcblaucbtRadiesehen. Urania. Taubenstrasse 48/49. Um 4 Uhr: An den Seen Ober-Italiens. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. 1 I CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Ein Naturwunder: Die sKerknlesbrüders 10 u. 11 Jahro alt. Athleten, Sänger.), Balalaika-Virtuosen! Indianer-Riese" Die wunderbare Illusion: Der Weihnachtstraum d. Matrosen _ in den Tropen. /\LT- Knnst-jlttsstellung STRftSSEtft Täglich geöffnet 10-8. Gntrcp 1 Ml.. Sionntae«OPf. 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Kollegen. Serenissimus-Zwischenspiele. Abends 8 Uhr: Eiektra. Sonnabend: Machtasyl. Casino-Theater. Lothringersir. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/.. Mene Debnta. Nesemann Felicitas-Truppe. Allee Balten. Mr. Borlne. Dazu nur noch einige Tage: Velheächliigleelieii.Vei'läiizehie Zehn Heute nachm. 4 Uhr: Hotel Klingeduseh. " Sonntag, 3. Januar, nachm. 4 Uhr: Weihnachtsglocken. Die Oiebesfalle. Passaye-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags S Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Das glänzende Sanuar-frogramm. Enthauptung einer lebenden Dame! prolongiert! Willy Prager Humorist. 14 neue erstklassige Nummern. Schiller-Theafep. Scbiller- Theater O. (Wallner-Theater). Freitagnach mittag 3 Uhr: Vasantasena. Drama in 5 Akten nach einer Dichtung des Königs Sudraka. Frei bearbeitet von Emil Pohl. Freitagabend 8 Uhr: Ble Ehre. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Supermann. Sonnabendabend 8Nhr: Tasantasena. Sonntagnachmittag 3 U h r: Die Stützen der Gesellschaft. Sonntagabend 8 Uhr: Ber Bibliothekar. Mchiller-Theater M. (Friedrich-Wilhelmstädtisch eS Theater). Freitagnachmittag 3 Uhr: Liebelei. Schauspiel in 3 Akten vonA. Schnitzler. Hieraus: Litteratur. Lustspiel in 1 Akt b. Arthur Schnitzler. Freitagabend 8 Uhr: Ber Compagnon. Lustspiel in 4 Akten v. Ad. L'Arronge. Son nabendabend 8 Uhr: Ber Lompasnon. Sonntagnachmittag 3Uhr: Barla Stuart. Sonntagabend 8 Uhr Der Compagnon. Clrkns Schumann. Heute Freitag, den 1. Januar 1804, nachmittags 4 Uhr, abends VI, Uhr: Ä große Extra-Borftellungen Ä. Nochmittags ein Kind frei, weitere Kinder zahlen halbe Preise. Nachmittags besonders sür die Jugend gewähltes Programm. Nachmittags die reizende Kinber-Pantomime: Pierrots Weihnachten mit d-m Koubonregen. Nachmittags und abends: Herr Anllu« Seeth beste Löwengruppc der ZSclt. 25 Löwen 25. Abends die große Pantominic EiAhÜSTl» ,Ei»e Wanderung durch 0 Jcii]flBUS6l]{!6l Morgen Sonnabend: Vom Neuen das Neueste, immer das Neueste, immer das Original. Zum I. Male: Die offene Eoop. Createur Br. Amllottl. Sonntag 2 Vorstellungen. Iii beiden Borstellungen: 25 Löwen, die offene Loop. Nachm. t Kind srei. Nast-Tdeatei' Burgstraste 22, früher Fean-Palast. Heute nachmittag 3 Uhr: (■rosse Extra- Vorst eilung. DtrTrompttkrv.Mhiugell. Nomant. Schauspiel mit Gesang in 6 Bildern. Wends 8 Uhr: kerlili, Tie es weint unil lacht Volksstück mit Gesang in 9 Bildern von Kaiisch. Musik von Conrads. Ouiscnow, Stadls.: Dir. ll. Winkler. Morgen abend S1/. Uhr: Berlin, wie es weint und lacht. Eonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Sonntagabend 8 Uhr: Berlin, wie es weint und lacht. stödel�lIöslei-Theglsi sr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Erübcl. Am 1. Neusahrstag: Grosse Fest• Vorstellung! Norddeutsche Sänger. X enj uhrs-Fest-Tanz. Anfang 5 Uhr. Tanz 10 Uhr. Trianon-Theater. Georgenstraßc, zwischen Friedrich» und Univcrsitätsstraße. LisvaUs. Ansang 8 Uhr. Freitag und Sonntagnachmittag! Die Notbrücke. 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Zum Beginn des neuen Jahres gestatten wir uns hierdurch allen verehrlichen Josetti'Rauchern, sowie unseren geschätzten Geschäftsfreunden die besten Glückwünsche darzubringen. Wir danken verbindlichst für das uns bisher entgegen- gebrachte Wohlwollen und werden auch fernerhin bemäht bleiben, uns dasselbe zu erhalten. Mit vorzüglicher Hochachtung Cigaretten-Fabrik„Josetti" Inh. Meier& Peters. _ Berlin, Neujahr 1904. _ 1904. seinen werten Kunden und freunden zum Jahreswechsel die herzlichsten Glückwünsche. Julius Slndenbaum, Grosse Jrankfurlerstr.HI, Sehe Truehtslrasse, Herren- u. Knaben-Oarderoben. Umsonst erhält jeder Kunde einen scbfinen Kalender 1004. An unsre Kunden! Beim Jahreswechsel nehmen wir gern Veranlassung für das uns bisher erwiesene Wohlwollen bestens zu danken und um die fernere Erhaltung desselben ergebenst zu bitten. Hochachtungsvoll Baer Sohn Special-Haus grössten Massstabes für Herren- und Knaben-Kleidung. Chausseestrasse 24a 25, 11. Brückenstr. 11, Gr. 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Marqaenr, Annoncen-Agent, Stallschreiberstrasse 32a. prosit ftaujahr! allen ßewephfcbaften und Vereinen wünselit der 200/1 Sevliner Tanzlehrer-Verband. | Derselbe empfiehlt sich zu allen Festlichkeiten. Bestellungen| erbeten nach dem Verbands-Bureau, Feuersteins Fcstsälo, Alte Jakobstr. 73. Aller» werten Vereinen, Gästen, Freunden und Bekannten wünscht ew herzliches imttcn Prosit Neujahr! ♦ Karl Masehke u. Familie. Moilsrstr. 178. M WeddingaPark. Eisbahn Karpfenteich ist eröffnet. (Treptower Park) 8mst Sauer, Inl Alle» Vereinen, Fabriken und Gewerkschaften wünsche ich ein recht gesundes und fröhliches ueues Jahr. Gleichzeitig bringe ich mein herrlich am Wald und Walser gelegenes 2okal in Erinnerung und empsehle die liorrllcl»« EiHbttli». 691b______ Ang. Sioack. Zum Jahreswechsel wünschen allen unsren lieben Freunde» mid Bekannten. inöbeionderc unsren lieben, werten Gästen ein fröhliches und gesundes neues Jahr. Hochachtungsvoll Kuala? Kupsed oedZl Frau, 1. Teltower Stehbierballe, Hohonstelnwcg 10. 6696 88322* Pächter. wwmt Vcrmrtw. Redakteur: Julius Kalisti, Berlin Zum neuen Jahre wünschen wir allen unscrn lieben Gästen und Freunden Glück und Segen. August Mai II. Frau. 335 42 » i A. Mg.» 2. Keilllge iles„NliMillts" Kerliiltt WllisblM Mt. Die deutsche Gewerkschaftsbewegung im Jahre 1903. Die Gewcrlschasren habe» sich sei'- Jahren zu starken und leistungsfähigen minschaftlichen Organisativnen der Arbeiter ent- wickelt, sie haben selbst die letzte Zeit der schweren wirtschaftlichen Ärise ohne Schwächung überstände», sie konnten auch während der ungünstigen Konjunktur Verschlechterungen der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse mit Erfolg abwehren und den Ausbau der Organisation vervollständigen und festigen. In dem Akatze. wie die Gewerkschaften erstarkten und sich ausbreiteten, machte sich auch bei den Unter- nehmcrn das Verlangen geltend, Bereinigungen zur Bekämpfung der Gewerkschaften und ihrer Bestrebungen zu schaffen. Unter der Devise: Abioehr„unberechtigter Forderungen" der Arbeiter organi- fterte sich das Unternehmertum, und heut giebt es wohl kaum einen Beruf, der nicht in irgend einer Form eine Organisation aufzuweisen hat. welche der Bekämpfung der gewerkschaftlichen Bestrebungen der Arbeiter dient. Da der übergroßen Mehrheit der Unternehmer jede selbständige Regung der Arbeiter als etwas unberechtigtes gilt, so sehen wir die Unternehmerorganisationen fast jedesmal, wenn die Arbeiter Forderungen auf Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeits- Verhältnisse stellen, mit der ganzen Wucht ihrer wirtschaftlichen Macht gegen die Arbeiter vorgehen. Mag das. was die Arbeiter fordern. auch noch so bescheiden und noch so gut begründet sein, ja mag es sich auch nur um die Wiedererlangung von Vergünstigungen handeln, die den Arbeitern unter dem Druck der Krisenzahre genommen wurden: immer sehen wir, daß das organisierte Unternehmertum nicht nur zur Abwehr der Arbeiterforderungen ins Feld zieht, sondern darüberhinaus einen Vernichtungökampf gegen die Arbeiterorganisation ins Werk fetzt. Ohne Einsicht, ohne Verständnis für die sociale Ent- Wicklung, wie das Unternehmertum in Teutschland im allgemeinen ist, kann sich der Arbeitgeber nicht an den Gedanken gewöhnen, daß der Arbeiter bei der Festsetzung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse mitreden und durch seine Organisation auf die Gestaltung derselben einwirken will. Ter Unternehmer lvill„Herr im Hause" sein, doS heißt, nur e r will bestimmen, was dem Arbeiter zukommt. Wenn aber eine leistungsfähige Organisation hinter dem Arbeiter steht und für feine Interessen eintritt, dann gilt das dem Unternehmer als frevelhafter Eingriff in sein geheiligtes Recht unumschränkter Aus- beutung. Deshalb handelt es sich für die Unternehmcrorganisation weniger um die Abwehr augenblicklicher Forderungen der Arbeiter als vielmehr darum, den Organisationen der Arbeiter den Lebensnerv zu durchschneiden. Bon diesem Gedanken waren alle die großen Aussperrungen ge- tragen, welche während des ganzen Jahres in ununterbrochener Reihenfolge bald in diesem, bald in jenem Beruf, bald in dieser, bald in jener Gegend deS Reiches gegen organisierte Arbeiter verhängt wurden. Eine Machtprobe wollten die organisierten Arbeiter liefern, und so mußten die kleinsten EinzelstrcikS. ja oft noch viel un- bedeutendere Borkommnisse als Anlaß zur Einleitung eines großen BernichtungskampfcS gegen die Arbeiterorganisation dienen. Die Gewerkschaften waren lange darauf gefaßt, daß ihnen dieser Kampf um die Rkacht von den Unternehmern einmal angeboten würde, und daß sie ihn durchfechten müßten. Die Gewerkschaften lxrttcn ihrerseits kein Interesse, diesen Kampf herbeizuführen. Es ist eine verleumderische Behauptung der Unternehmer, wenn sie jede Regung der Gewerkschaften, jeden Versuch. Forderungen der Arbeiter durchzusetzen, als eine Machtprobe der gewerkschaftlichen- Organisation oder gar der socialdemokratischcn Partei hinzustellen sich bemühen. Nicht aus Freude am Kampf, sondern nur, wenn es zur Durchsetzung berechtigter Forderungen unvermeidlich ist, schreiten die Gewerkschaften zum Streik. Wenn man einen Rückblick wirft auf die Lohickewegungen des vergangenen Jahres, so sieht man— falls man nicht durch die von Vorurteilen getrübte Brille des Unternehmertums fchaut—, daß die Gewerkschaften mit der größten Vorficht zu Werke gingen, daß sie sich bei Aufstellung von Lohnforderungen in den bescheidensten Grenzen hielten, in den meisten Fällen nur einen Teil dessen zurückforderten, was ihnen die Unternehmer in der Zeit des wirtschaftlichen Nieder- ganges genommen hatten, und daß sie in allen Fällen redlich bemüht toaren. einen friedlichen Ausgleich herbeizuführen. Aber das organi- sierte Unternehmertum wollte bat Kampf, es wollte die verhaßte Arbeiterorganisation lahm legen, wollte das Koalitionsrccht illusorisch machen, und dazu mußten die geringfügigsten Veranlassungen eine willkonunene Handhabe bieten. So kamen die großen Aussperrungen, so kamen die heftigen und langwierigen Kämpfe zwischen den organi- sierten Unternehmern und den organisierten Arbeitern, jene be- deutungsvollen Machtkämpfe, welche der gewerkschaftlichen Bewegung des vergangenen JahrcS den Stempel aufdrückten, und die als ein Markstein in der Geschichte der beutschar Gewerkschaftsbewegung be- trachtet werden können. * Am 10. Oktober 1902 hatte der große Tcxtilarbeitcrstreik in Reerane begonnen. 2000 Arbeiter und Arbeiterinnen kämpften unter der heftigsten Gegenwehr der vereinigten Unternehmer für eine bescheidene Aufbesserung ihrer seit Jahren herabgedrückten tümmerlichcn Löhne. 10 Wochen wahrte der Kampf. In den Kreisen der dem Kampfplatz Fenistehendeu glaubte man schon, die Niederlage der Arbeiter stände bevor, da kmn gegen Mitte Januar 1903 die er- freuliche Kunde aus Meerane, daß die Streikenden einen, dm Um- ständen nach recht befriedigenden Erfolg erreicht hatten, und den Streik bemden konnten. Wenn sie auch nicht alle Forderungen durch- gesetzt haben, so ging doch die Organisation unbesiegt aus dem langwierigen Kampfe hervor. Wenige Wochen nach diesem erfolgreichen Abschluß eines großen gewerkschaftlichen Kampfes begannen die unverschämten Angriffe, loelche das protzige Groß-Untcrnehmcrtum an der Untertveser gegen das Koalitionsrccht der Arbeiter richtete. Ter Norddeutsche L l o h d. jene aus Staatsmitteln subventionierte große Schiffahrts- Gesellschaft, verlangte Mitte März von ihren Hafenarbeitern den Austritt aus dem Verbände. Den Ausgangspunkt dieses schamlosen Verlangens bildete eine Mitte Februar zu Gunsten eines gemaßregeltcn Arbeiters erfolgte Arbeitsniederlegung, div nach ganz kurzer Dauer durch Verhandlungen mtt der Direktion des Lloyd beendet tvurde. Die Direktion hatte nachgeben müssen, und, um nicht ein zweites Mal in ihrem unberechtigten Herrendünkel verletzt zu werden, wollte sie, nachdem sie alle möglichen Sichcrungsmatz- regeln gegen einen von ihr befürchteten erneuten Streik getroffen hatte, der Ardeirerorganisation für immer den Garaus machen. Gelungen ist diese brutale Maßregel, welche von der gesamten unter- nchmerfreundlichen Presse mit Jubel begrüßt wurde, nicht. Zwar trat ein großer Teil der Arbeiter formell aus, aber den Geist der Solidarität konnte der Lloyd nicht vernichten, und als die Direktion tvenige Wochen nach ihrem scheinbarm Erfolge die Arbeiter zum Eintritt in eine vom Lloyd gegründete Pcnsionskasse nötigte, lvclchc den Hafenarbeitervcrband vergessen machen sollte, da gaben die Arbeiter— es war Anfang Mai— durch Bersammlungsbeschlüffe klipp und klar zu erkennen, daß sie von den„Wohlsahrtseinrichtungen" des Lloyd nichts wissen und sich durch solche Mittel ihr Koalitionsrecht nicht rauben lassen wollten. Anfang April versuchten die Holzindustriellcn in Berlin aus Anlaß des Streiks der Maschinenarbeiter eine Aus- spcrrung der Tischler ins Werk zu setzen. Doch die Herren wollten wohl, aber sie konnten nicht. Die Aussperrung hat die beabsichtigte Ausdehnung nicht erreicht, die Arbeiter gingen als Sieger aus diesem Kambse hervor. Eine Kraftprobe größeren Stils machten die vereinigten Unter- nehmcr der Metallindustrie in Iserlohn. Wegen eines ArbeiterauSstandcS in einer einzelnen Fabrik verhängte die noch junge Organisation der Unternehmer die allgemeine Aussperrung über dm ganzen Jndustriebczirk. zu dem erkennbaren Zweck, um die bedeutend erstarkte Organisation der Arbeiter kampfunfähig zu machen. Am Ostersonnabend, den 11. April, wurden 4500 Arbeiter und Arbeiterinnen auf die Straße gesetzt. Man verlangte be- dingungslose Aufhebung der Sperre der' vom Streik betroffenen Fabrik. Nach langem Kampfe und mehreren vergeblichen Einigungs- versuchen gaben die Arbeiter am 12. Juni diesem Verlangen nach. Kic Aussperrung wurde aufgehoben, nachdem die Unternehmer— vielleicht mit Ausnahme der wenigen größten und kapitalkräftigsten— schwer unter den Folgen des von ihnen heraufbeschworenen Kampfes gelitten hatten. Tie Organisation der Arbeiter blieb, abgesehen von der Erleichterung ihrer Kasse, ungeschwächt. Zu derselben Zeit, wo der Konflikt in Iserlohn ausgefochten wurde, entbrannte ein nicht minder schwerer, aber weniger lang- anhaltender Kampf in der Schuhindustrie in P i t n: a s c n s. Auch hier war es eine unerhebliche Differenz in einer oder zwei Fabriken, welche die Unternehmer veranlatzte, am 18. April 0000 Arbeiter und Arbeiterinnen auszusperren. Nach vier Wochen hart- näckigen Kampfes kamen die Unternehmer zu der Einsicht, daß sie es doch nicht so lange aushalten könnten wie die Arbeiter, sie schloffen einen Frieda,, der für die Arbeiter günstig war, und hoben die Aus- spcrrung ans. die die organisierten Arbeiter nur noch fester zu- sammengefügt hatte. Ehe noch der Kampf in Pirmasens beendet war, lieferte das Unternehmertum an der Ui, terweser den Arbeitern aufs neue eine Machtprobe. Diesmal toaren es die Arbeiter des Bremer Vulkan und der Tecklenborgschen Schiffs- werft, welche sich der Arbeitgebcr-Vcrband der Unterwcser-Orte als Kainpfobjekt ausgesucht hatte. Auch in diesem Falle dienten kleine Ursachen zur Herbeiführung einer großen Aussperrung. Die Nieter des Vulkans bestanden aus der ihnen früher verheißenen Regelung ihres Tarifs, während die Schiffszimmerer der Tecklenborgschen Werft nicht in Accord arbeiten wollten und deshalb vor Zuzug warnten. Zu einer Arbeitsniederlegung schritten weder die Arbeiter des Vulkans, noch die der Tecklenborgschen Werst. Aber dem Unter- nehmer-Verband war es schon zuviel, daß die Arbeiter überhaupt wagten, so bescheidene Forderungen zu stellen. Die Organisation der Arbeiter sollte eben vollständig lahm gelegt werden, und deshalb beschloß der Unternehmer-Berband die Aussperrung in beiden Bc- trieben, die denn auch ausgeführt wurde. Am 10. Mai sperrte die Tccklenborgsche Werft 1600 Arbeiter auS, am nächsten Tage folgte der Vulkan mit der Aussperrung von 2000 Arbettern. Zu einem Machtkampf im eigentlichen Sinne des Wortes kam es in diesem Fall nicht, denn die Aussperrung wurde bereits am 20. Mai wieder aufgehoben, nachdem eine Einigung zu stände gekommen war, welche die Ursachen des Konflitts beseitigte. Wenige Tage nachdem die Arbeiter an der Untcrwcser einen, langwierigen Machtkämpfe aus dem Wege gegangen waren, er- klärten die Unternehmer in Bremen sämtlichen Arbeitern des Bau- gewcrbcs den Krieg. Die Bremer Bauklempner führten einen Streik, dessen erfolgreiche? Ende in naher Aussicht stand. Da verlangten die organisierten Unten, ehmer des Baugewerbes, daß der Klempnerstreik bedingungslos beendet werde, widrigenfalls alle Arbeiter der Baubcruse ausgesperrt würde». Die Bauarbeiter hatten natürlich keine Möglichkeit, sich in die Angelegenheiten der Klempner einzumischen. Das war aber den lampfwütigen Unternehmern gleichgültig, sie führten ihre Absicht aus und schritten am 25. Mai zur Aussperrung sämtlicher Bauarbeiter, die am 30. Mai wieder aufgehoben wurde, nachdem die Klempner durch Verhandlung annehmbare Bedingungen erzielt hatten und die Bc- endigung des Streiks in Aussicht stand. Die bedingungslose Unter- werfung der Klempner ist trotz der Aussperrung nicht erreicht worden. Dem arbeiterfeindlichen Vorgehen der Unternehmer im Bremer Baugewerbe folgten eine Reihe von Bauarbeiter-Aussperrungen in andren Orten.— In Dresden verhängten die Maurer und Zimmerer einige Bausperrrn, um bescheidene Lohnaufbesserungen durchzusetzen. Das Vorgehen der Arbeiter hatte Erfolg, und des- halb beschlossen die Unternehmer die allgemeine Aus- sperrun g der Maurer und Zimmerer, um deren Be- wegung lahm zu legen. Aber die Dresdener Unternehmer hatten ihre Macht überschätzt. Die beschlossene Aussperrung wurde nur teilweise durchgeführt, und Ende Mai iiiußten sich die Unternehmer dazu verstehe», die Forderungen der Arbeiter in allen wesentlichen Punkten zu bewilligen. Ende Mai wurden aus Anlaß einer einzelnen Bausperre die Maurer und Zimmerer in Mainz ausgesperrt. Den Unternehmern war es gelungen, eine Anzahl Streikbrecher von auswärts zu bekomme». Die Aussperrung endete Mitte Juli, nach- dem die Arbeiter sich zur bedingungslosen Aufnahme der Arbeit bereit erklärt hatte». Im Juni setzten die Unternehmer in Hannover eine allgemeine Aussperrung der Bauarbeiter ins Werk, weil die Zimmerer einen erfolgversprechenden Streik führten. Nachdem die Aussperrung acht Wochen gewährt hatte, ohne daß es de» Unternehmern gelungen war, die Arbeiter niederzuzwingen, kam Anfang August ein für die Arbeiter günstiger Vergleich zu stände, womit der Kampf beendet lvar. Am 20. Juni beschlossen die Unternehmer des Baugewerbes in Köln die allgemeine Aussperrung der Arbeiter, um den Streik der Putzer zu vereiteln. Ter Kamps in Köln ging ebenso aus. wie der in Dresden. Die Aussperrung wurde nur zum Teil vollzogen, die Putzer konnten Mitte Juli ihren Streit mit Erfolg beenden, und damit war auch die Aussperrung, soweit sie durchgeführt worden ist, beendet. Ein sehr langwieriger Kamps spielte sich in K a s s e l ab. Nach- dem dort die Tischler seit längerer Zeit im Streik gestanden hatte», kamen die Unternehmer des Baugewerbes den vor einer Niederlage stehenden Tischlermeistern am 25. Juli mit einer all- gemeinen Aussperu„g von 3000 Arbeitern aller Bauberufe zu Hilfe. Die Ausgesperrten nahmen den Kampf, de» ihnen die Unternehmer aufgedrungen hatten, auf, sie beantworteten den frivolen Angriff deS UitternehnwrtumS damit. daß sie die Wiederaufnahme der Arbeit von der Bewilligung einer Lohnerhöhung abhängig machten. Als die Aussperrung begann, standen die Tischler bereits seit 14 Wochen im Streik, 12 Wochen lang blieben dann„och die Bauhandwcrker ausgesperrt. Schließlich einigten sich die Tischler mit ihren Unternehmern, aber auch de» Arbeitern der übrigen Berufe wurden befriedigende Zugeständnisse hinsichtlich der Lohnforderungen gemacht, so daß das aussperrungswütige Unternehmertum in Kassel eine enwftndlichc Niederlage— und zwar durch eigne Schuld— erlitten hat. Ehe„och der Kampf in Kassel entschieden war. traten in Berlin— es war in der zweiten Woche des September-— ctiva 2000 GürtlcrundD rücker in den Streik, nachdem sie vcr- gebens versucht hatten, sich wegen der von ihnen aufgestellten Forde- rmigen mit den Unternehmern zu verständigen. Der größte Teil der hier in Frage kommenden Arbeitgeber gehört dem bekannten Verbände der Metallindustriellcn an. dessen arbeiterfeindliche Tendenz durch de» Namen Kühnemann hinlänglich gekennzeickinct wird. Schon hatten sich die Streikenden mit denjenigen Unternehmern, die nicht der Fahne des Herrn Kühnemann folgen, vor dem Gewerbegericht geeinigt, da trat der Verband der Metalindusttiellen in die Schranken, um bei dieser Gelegenheit sein Princip: Herr im Hause zu sein, in großem Maßstabe zur Geltung zu bringen. Die Aussperrung aller Arbeiter derjenigen Betriebe, wo Gürtler und Drücker streilten, wurde beschlossen. Wenn auch die Aussperrung nicht den Umfang erreichte, den sie bei strenger Befolgung des Beschlusses hätte minehmen müssen, so gelang es den Streikenden doch nicht, der Uebcr- macht cineS der stärksten und rücksichtslosesten Untcrnchmcr-Berbände gegenüber ihre Forderungen durchzusetzen; sie gaben am 12. November den aussichtslos gewordenen Kampf auf und lehrten unter den alten Bedingungen zur Arbeit zurück. Ein Kampf der organisierten Unternehmer, der sich aus- gesprochenermaßen gegen das Bestehen der Arbeiterorganisation richtet, ist die Aussperrung von 1 500 in Ofen» f a b r i k e n an den verschiedensten Orten Deutschlands b e- schäftigten Töpfer. Bekanntlich verlangte der Ofen- fabrikanten-Vcrband. daß entweder den Streiks in Velten und Fürstcnwalde ein Ende gemacht werde, oder die Töpfer in allen Fabriken Deuffchlands aus ihrem Verbände austreten. Da keines von beiden geschah, erfolgte Anfang Dezember die Aussperrung. Inzwischen ist der Streik in Velten beigelegt, und zwar unter Be- dingungen, welche die Fabrikanten v o r der Aussperrung zurück- gewiesen hatten. In Fürsienwalde steht eine Einigung in Aussicht, und wenn sie abgeschlossen ist, dürfte auch die Aussperrung, die auch nicht einen Schimmer des von den Fabrikanten gewollten Erfolges gezeitigt hat, aufgehoben werden. Allgemein bekannt sind die Einzelheiten des gewaltigen Kampfes, der sich seit Ansang August in Crimmitschau abspielt und zur Zeit noch nicht enffchieden ist. Zu der schroffsten Rücksichtslosigkeit der Crimmitschauer Unternehmer, die durch da, gegen die Arbeiter geführten, bis jetzt völlig aussichtslosen Kampf so blind für ihre Interessen geworden sind, daß ein großer Teil von ihnen die eigne Existenz leichtfertig aufs Spiel gescsit hat, gesellt sich das ungewöhn- lich scharfe Vorgehen der Polizei gegen die Ausgesperrte». Jni Crimmitschau hat sich die Polizei als eine Macht erwiesen, die das Böse will, aber das Gute schafft; sie hat dadurch, daß sie den Arbeitern die Ausübung des Vereinigungs- und Versammlungs- rechtes unmöglich machte, die Opferwilligkeit der gesamten Arbeiter- schaft Deutschlands angespornt, und dadurch die Vorbedingungen des Sieges der Ausgesperrten bedeutend gefördert. Hoffentlich werden die Arbeiter Deutschlands bald durch eine Siegesnachricht aus Crim- mitschau erfreut. Außer den hier erwähnten großen Aussperrungen, die für die wirtschaftlichen Kämpfe des vergangenen Jahres bezeichnend sind, wurden noch manche kleinere Aussperrungen verhängt, die angesichts der bedeutenderen Machtkämpfe, welche das Unternehmertum den organisierten Arbeitern aufzwang, weniger Aufsehen erregten und deshalb nicht allgemein bekannt geworden sind. Außerdem führten die Gewerkschaften eine große Zahl örtlicher Lohnkämpfe mit größerem oder geringerem Erfolge, teils aucii ohne Erfolg durch. Ein abschließendes Urteil über diese Streiks, die hier natürlich nicht im einzelnen aufgeführt werden können, läßt sich erst abgeben, wenn die gewerkschaftliche Streikstatistik erschienen ist. » Wir haben bereits ausgeführt, daß die Gewerkschaften niemals einen Streik ins Werk setzen, um den Unternehmern eine Machtprobe zu liefern. Sie vermeiden den Kampf, wenn es irgend geht, und suchen im Wege friedlicher Vereinbarung ihre Lohn- und Arbeits- verhaltiüsse zu verbessern. Auf diesem Wege sind die Gewerkschaften, Ivo sie nicht durch ein einsichtsloses Unternehmertum auf den Kriegs- pfad gedrängt wurden, auch im vergangenen Jahre fortgeschritten. Wo bereits Tarifvereinbarungesi bestanden, sind sie unter gleichzeitigen Verbesserungen erneuert worden, andrerseits sind auch Tarifverträge, wo solche noch nicht bestanden, eingeführt worden. Als ganze Branchen haben die Chcmigraphe», die Kupferdruckcr und die Lichtdrucker die Tarifgemeinschaft für ihr Gewerbe eingeführt. Die Buchbinder haben ihren für die Hauptplätze des Gewerbes be- stehenden Tarif erneuert, im Baugewerbe, besonders bei den Maurern und Zimmerern, sind zu der großen Zahl der in verschiedenen Orten bestehenden Tarife eine erhebliche Zahl neuer Tarisabschlüsse hinzu- gekommen, so daß dieser Zweig friedlicher Gewerkschaftsarbett den organisierten Arbeitern manche Vorteile gebracht hat. Neben der Hebung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse haben die Gewerkschaften durch den Ausbau und die Vervollkommnung des Unter st ützungs Wesens ihren Mitgliedern, soiveit es den Umständen nach möglich ist, Hilfe in Fällen von Krcmkheit und Arbeitslosigkeit geboten und dadurch gleichzeitig die Organisation ge- festigt und für die Erfüllung ihrer eigentlichen Aufgabe: Verbesserung der Lohn- und Arbeirsbcdingungen, gewirkt. Auch die Bestrebungen, welche sich auf einen möglichst engen Zusammenschluß aller durch gemeinsame Interessen verbundenen Arbeiter richten, sind gefördert worden. Mehrere kleinere Vereinigungen haben sich den größeren Organisationen ihres Industrie- zweiges angeschlossen; zwischen größeren Verbänden verwandter Berufe sind engere Beziehungen geknüpft worden. Wir erinnern in dieser Hinsieht an den Kartcllvertrag, den die Verbände der Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter behufs gegenseitiger Unter- stützung bei Lohnbewegungen abgeschlossen haben. Ebenso sind von verschiedenen Organisationen, die zu ihren ausländischen Berufs- genossen noch keine engeren Beziehungen hatten, solche angeknüpft worden. Ferner sei daran erinnert, daß eine bedeutsame Schöpfung des letzten Gewerkschafts- Kongresses: das Central-Arbeitcrsckretariat, bestimmt für die Vertretung rechtsuchender Arbeiter vor dem Reichs« BcrsichcrungSamt, am 1. April des vergangenen Jahres seine Wirk- samkeit in vollem Umfange begonnen hat. Was die geioerkschaftliche Thätigkcit, wt sie durch brutale Ein- griffe eines unverständigen und herrschsüchtigen Unternehmertums nicht gestört worden ist, im vergangenen Jahre im Interesse der Ar» beiter geleistet hat, das läßt sich mit Sicherheit erst dann beurteilen, wenn die zahlenmäßigen Nachweise, welche die Gewerkschaften in ihren Jahresberichten zu liefern pflegen, vollständig vorliegen; so viel läßt sich aber schon jetzt sagen: Auch in dieser Hinsicht hat die Ge- wcrkschaflsbewegung im vergangenen Jahre anerkennenswerte Er- folge erzielt. » Wo die organisierten Arbeiter zum Streik genötigt waren, oder wo Aussperrungen gegen sie verhängt wurden, da hatten sie nicht nur das vereinigte Unternehmertum, sondern ancki Polizei und Richter gegen sich. Ungemein zahlreich sind die Fälle, wo Arbeiter zu schweren Strafen verurteilt wurden. Iveil sie Arbeitswillige ..belästigt" oder in ihrer„Ehre" gekränkt hatten. Auch an Vcr- suchen, Lohnforderungen ebenso wie Werbungen für die Organisation als Erpressung unter Strafe zu stellen, hat es nicht gefehlt. Wenn aber einmal Arbeiter, gereizt durch provokatorisches Auftreten von Unternehmern, Arbeitswilligen oder durch das Verhalten un- geschickter Beamten sich in der Erregung des Augenblicks zu Ausschreitungen hinreißen ließen, dann wurden die aller- schwersten Strafen über sie verhängt. Das krasseste Bei- spiel dieser Art bietet Bromberg, wo es bei Gelegenheit von Streikbrechcrtransporten zu Straßenseenen kam, die später als Aufruhr und Landfriedensbruch vom Gericht verurteilt wurden. 13 Angeklagte wurden zusammen zu 14 Jahren Zuchthaus und 17 Jahren Gefängnis verurteilt und zwar wegen Ausschreitungen. die, wenn sie nickt in Verbindung mit einem Streik gestanden hätte», wahrscheinlich mit einigen Wochen geahndet worden wären. Auch in Dresden, sowie in Colmar im Elsaß kam es aus ähnlichen Anlässen zu einigen Verurteilungen, die jedoch bei weitem nicht so hart waren, wie die in Bremberg. Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß Ausschreitungen von Arbettern, sofern sie mit der gewerkschaftlichen Thätigkeit in Ver- bindung stehen, geradezu unerhört hart bestraft werden, sehen wir auf der andren Seite, daß die Polizei bei jedem Streik, bei jeder Aussperrung eine Thätigkeit ausübt, deren Wirkung d i c ist. daß den Arbeitern auch die gesetzliche Ausübung ihres Koalitionsrcchts erselyvert, ja unmöglich gemacht wird. In ungewöhnlich schroffer Weise hat sich ja das Polizeiregimcnt gegenüber den Ausgesperrten in Crimmitschau Geltung verschafft. Aber auch an andren Orten und bei andren Gelegenheiten griff die Polizei zu Gunsten der Unter- nehmer und zum Nachteil der Arbeiter in die wirtschaftlichen Kämpfe ein, indem sie den arbeitswilligen Elementen die liebevollste Für- sorge widmete, den Streikenden und Ausgesperrten aber, wo sich nur irgend eine Handhabe dazu bot, oft auch ohne eine solche, hindernd !■ in Weg SflA bezeichnend ist daS Besticken der Poliz«, daS Ausstellen von Streikposten unmöglich zu machen. Fast Unglaubliches leistete in dieser Hinsicht die Polizei in Berlin namentlich bei den Streiks der Metallarbeiter, sowie gegenüber den Holzarbeitern, welche den Arbeitsnachweis ihrer Unternehmer be- obachteten. Dieses Vorgehen der Polizei gegen die Arbeiter steht keineswegs vereinzelt da, es ist vielmehr zur Regel geworden, und bei den Lohnkämpfen des vergangenen Jahres, namentlich auch bei den großen Aussperrungen, überall zur Anwendung gekommen. Die Position, in der die Gewerkschaften die großen Kämpfe, welche ihnen die Unternehmer im vergangenen Jahre aufzwangen, auszufechteni hatten, war keineswegs günstig für die Arbeiter, denn sie hellten sich nicht nur gegen die wirtschaftliche Uebcrmacht der organisierten Unternehmer zu verteidigen, sondern die Verteidigung wurde ihnen auch noch erschwert durch das Eingreifen der Polizei. Trotzdem endeten die meisten Aussperrungen— soweit es die Arbeiter nicht vorzogen, wie an der Unterweser, den Machtkampf zu ver- meiden— mit zweifellosen Erfolgen der organisierten Arbeiter. Die linternehmer dachten durch große Aussperrungen die Gewerkschaften lahmlegen und sich den unbequemen Gegner für immer vom Halse schaffen zu können. Dieser Erfolg ist in keinem einzigen Falle er- reicht worden. Wenn auch die Ausgesperrten von den Forderungen, die den Ausgangspunkt des Kampfes bildeten, ctwaS abließen— was ja bei Lohnbewegungen, wo man sich ohne Kampf einigt, auch zu geschehen pflegt— ja wenn die Maurer in Mainz sowie die Gürtler und Drücker in Berlin auch auf die ursprünglichen Forde- rungen verzichteten, so hat dock, die Lebenskraft und die Kampffähigkeit der Gewerkschaften durch die Aussperrungen nicht gelitten. Die Machtproben. welche das organisierte Unternehmertuni den Gewcrtschaften geliefert hat. haben gezeigt, daß die Gewerkschaften, obwohl sie durch Maßnahnien der Behörden in ihrer schon durch die Gesetzgebung er- heblich beschränkten Beweguiigssreiheit noch mehr gehemmt wurde», durch fite Macht des tt u t e r n e h m e r t u m s nicht b e- siegt worden sind, und nicht besiegt werden können. Diejenigen Unternehmer, welche trotz Aussperrung ihr Ziel nicht erreicht haben, werden nicht zum zweitenmal eine Macht- probe lvagen. Sie haben die Widerstandskraft der Arbeiter-Organi- sationen keimen gelernt, sie wissen nun. daß sie eS mit einem stark«, Gegner zu thun haben, den sie anerkennen und respektieren müssen. Starke, lampsestüchtige Gewerkschaften sind die sicherste, ja die einzige Gewähr dafür, daß die Arbeiter ihre berechtigten Forde- rungen ohne Kampf durchsetzen können. Au der Stärkung und der Ausbreitung ihrer Organisation haben die Gelverkschaften un- ausgesetzt und mit Erfolg gearbeitet. Ei» Vergleich der Mitglieder- zahlen mit denen des vorhergegangenen Jahres ist jetzt noch nicht möglich, weil die Ausweise für das 4. Quartal des eben abgelaufenen Jahres noch nicht vorliegen. Die Zahlen für das 3. Quartal zeigen aber schon eine erhebliche Zunahme der Mitglieder fast in allen Ge- wcrkschaften. Man kann deshalb mit Sicherheit erwarten, daß die Gelverkschaften auch in dem verflossenen KampfeSjahre, welches ihnen schwere Opfer auferlgte, an' Mitgliedern und danüt cm Macht und Bedeutung zugenommen haben. Wenn unsre Gewertschaftcn auch in Zukunft bestrebt sein werden. Kämpfe nach Möglichkeit zu vermeiden, so entspringt dieses Bestreben nicht aus dem Gefühl der Schwäche, sondern aus dem Bewußtsein der Kraft, die im stände ist, auch dem starken Gegner.Trotz zu bieten und ihn zur Anerkennung zu zwingen. VII. Derbandstag der Dachdecker und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. Dortmund, den 30. Dezenbber 1903. Vierter Verhandlungstag. Der heutigen Verhandlung liegen zunächst Statutenänderungen zu Grunde. Verschiedene Bestimmungen, die sich als nicht praktisch und durch die Verhältnisse als reformbedürftig erwiesen haben, werden geändert. Unter anderin wird beschlossen, daß Sperren nicht länger als lU Jahr im VerbandSorgcm veröffentlicht werden sollen. Ferner wird bestimmt, daß die Mitglieder, welche an einen, andren Orte arbeiten, als wo sie organisationsangehörig sind, z. B. Sachsengänger, die der Filiale in der Heimat angeschlosien sind, sich den Beschlüssen derjenigen Filialen fügen müssen, die für ihren Arbeitsort zuständig sind. In, E,»klang mit der Abstusimg der Beiträge werden die Unterstützungssätze bei Streiks wie folgt festgesetzt: Bei einem Wochenbeitrag von 30 Pf. pro Tag 1,80 M. n n„«35„«« 2,00„ »««« 40..„„ 2,20„ ,,««« 45„ ,, ,, 2,40„ „ 50 ,.„„ 2,60„ Für jedes Kind unter 14 Jahren wird 1 M, pro Woche Unter- stützung bezahlt. Sodann wurde beschloffen: Der Verband der Dachdecker und verwandten Berufsgenossen Deutschlands schließt so lveit wie möglich Kartellverträge ab mit andern freien Bauarbeiter-Berbänden bezüglich der Taktik bei Lohnbewegungen; ferner wird einer Anregung deS Dachdecker-Verbandes in Oestreich entsprechend bestimmt, daß mit diesem Verbände ein Kartell- Verhältnis zu schließen ist, durch welches die Auszahlung der Reise- Unterstützung dahin geregelt wird, daß die aus dem einen Lande ins andre wandernden Kollegen von der bezüglichen Landesorganisation Unterstützung erheben können. Ein weiterer Beschluß bestimmt, daß diejenigen Mitglieder, welche den, Verbände noch nicht ein Jahr an- gehören, pro Woche zwei Mark weniger Unterstützung erhalten als die über ein Jahr organisienen Kollegen, Dem Vorstand wird das Recht eingeräumt, den verminderten Unter- stütznngssatz auch für NichtMitglieder zu bewilligen, wenn die betreffenden Filialen das beantragen. Die Diäten werden auf 12 M. pro Verhandlungstag und auf 6 M. pro Reisetag festgesetzt. Als Ort des Sitzes des Ausschusses wurde wie bisher Bremen bestimmt: ein Antrag, den Ausschuß nach Berlin zu ver- legen, wurde abgelehnt. Als Centralvo, sitzender wurde Georg Diehl- Frankfurt a. M. einstimmig wiedergewählt. Sodann wird zunächst beschlossen, das Gehalt des Centralkassierers von jährlich 200 M. auf 350 M. zu erhöhen. Als Kassierer wurde dann ebenfalls der bis- herige Kassierer Jakob Diel einstimmig wiedergewählt. Dann wurde einstimmig wiedergewählt Genosse Hoch- Hanau als Redakteur des Verbandsorgans. Als Ort der Tagung der nächsten Generalversammlung bestimmt der Verbandstag: Braunschweig. DaS Protokoll über die Verhandlungen soll wie früher zum Preise von 15 Pf. an die Mitglieder abgegeben werden. Eine für die Crimmitschauer Weber veranstaltete Sannnlung ergab 26,10 M. Mit einem Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung schloß der Vorsitzende die Verhandlungen des Vcrbandstages. LerUner partei-Mgelegendeiten. Waidmannslust. Soimtagnachmittag S1/« Uhr findet eine Mit- gliederversammlung des Wahlvereins im Bergschloß-Resiaurartt statt. ES steht ein Vortrag über die Geineindewahlen ans Tagesordnung und daher ist daS Erscheinen aller Mitglieder notwendig. Königs-Wnsterhauscu. Am Soimtagnachmittag 3 Uhr findet im Lokale des Herrn Gustav Lange(„Siegeskranz") eine Mitgliederversammlung des socialdemokrattschen Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Verlesnug des Protokolls. 2. Wahl eines ersten Vorsitzenden und eines Schriftführers. 3. Wahl zweier Dele- gierter nach Charlotteubnrg zur komb. Borstandssitzung. 4. Kassieren der Beittäge. 5. Vereinsangelegenheiten. Ober- SchSneweide. Den Mitgliedern des Wahlvereins zur Kenntnis, daß am Sonntag, den 3. Januar, vorm. von 11—12 Uhr, bei Kaufhold die Ausgabe von Büchern der jetzt erweiterten Vereins- bibliothek stattfindet._ Lokales« Weckruf. Jahre kommen— Jahre rasen— • Träumend trägt das Volk sein Weh»» Bis zum„großen Wecken" blasen Die Posaunen der Idee, Bis die Wahrheit weit zum Lichte Breitet aus der Schwingen Flug Und eS löst die Weltgeschichte Sich in tiefem Atemzug, Der die auf den Höhen wohnen Kopflos auf vom Lager schreckt, Der die in den Tiefen fronen— Der das Volk— Das Volk Erweckt: „Proletarier a I l e r L ä n d e r Eint Euch— und Ihr seid die Macht, Seid der Zukunft Weltenweuder, Wenn der Spott Euch auch verlacht! Erddurchschürfer, Erdumspanner, Die im Joch Ihr knirschend schafft, Schart Euch um daS rote Banner! Zählt Euch! Stählt Euch! Ballt die Kraft I" Weckend tönt es in die Tiefen Tiefer dumpfer Geistesnacht, Und es recken sich, die schliefen, Und das Volk— DaS Volk Erwacht! Ganz begreife, voll erfasse Deiner Klasse tiefstes Leid. Und mit Deinem tiefsten Hasse Haff' die Ungerechtigkeit! Doch nicht einsam brüte Rache, Haff' gemeinsam Deine Not, Daß sich Grimm an Grimm entfache Hochauflodernd, feuerrot I Steigend aus des Zornes Flammen Phönix Bruderlieb erscheint, Not sich krampst mit Not zusammen. Und das Volk— Das Volk Sich eint! Einigkeit und Einheit bringen In dem großen Freiheitskrieg, Den die zwei Nationen ringen, Reich und Arm, Dir Volk den Sieg l Mag die Welt in Waffen wettern, Bor der Einheit macht sie Halt— Nicht Millionen kann zerschmettern Die gepanzerte Gewalt! Durch drakonische Gesetze Ihr der Klassen Kampf nicht dämpft; Krasser starrn die Gegensätze, Und das Volk— Das Volt Es kämpft! Marsch! Und aus des Joches Fronen Wachs' zu ungeheurer Zahl! Wälz' Millionen auf Millionen, Roll, Lawine, roll zu Thal! Keine Welt Dich hält gewaltsam, Kein Gefängnis, kein Exil— Unerbittlich, unaufhaltsam Vorwärts durch zum letzten Ziel: Sichtbar nah im Frührotglanze Auf der E r d der Himmel liegt, Und der Arbeit Volk, das ganze Große Volk— Das Volk Es siegt! Der Pla» einer Erhöhung der Hundestener, der von den Steuerfindern des Magistrats und der Stadtverordneten- Versammlung vorgeschlagen Ivird, hat in der Bevölkerung eine nicht geringe Erregung hervorgerufen. Es sind nicht bloß die unmittelbar Beteiligten, die Einspruch dagegen erheben, nicht allein die Hundebesitzer, Hundehändler usw. Auch viele, die in keiner Weise daran interessiert sind, können sich für diesen Plan nicht sonderlich erwärmen. Der Vorschlag, den kommunalen Dalle? Berlins durch eine Hundesteuer-Erhöhung zu mildern, ist anscheinend der Mehrzahl der Berliner durchaus unsympathisch. Das ist vielleicht nicht so verwunderlich, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Man bat offenbar in der Bevölkerung die Empfindung, daß die Charakterisierung der Hundesteuer als einer „L u x u s st o u e r" nicht ganz unanfechtbar sei. Von den Ziehhunden, den Wachhunden, den zur Führung Blinder besttmniten Hunden usw. soll hier nicht gesprocken werden: denn die scheiden ohnedies aus, da sie nach lvie vor steuerftei bleiben würden. Aber auch unter den rund 31 000 andern Hunden, die keinen Anspruch auf Steuerfreiheit haben, befinden sich doch sehr viele, die ihren Besitzern mehr sind als ein„überflüssiges Stück Möbel". Würde die Hundesteuer, wie vorgeschlagen, von jährlich 20 M. auf 40 M. erhöht, so würden sicherlich noch in demselben Jahr an 10 000 Hunde ihr Leben lassen müssen. Als zu Anfang der 90er Jahre die Erhöhung von 0 M. aus 20 M. angekündigt und be- schlössen wurde, ging die Zahl der besteuerten Hunde in einem Jahre um 5000 und im nächsten noch einmal um 5000 zurück. Von der jetzt geplanten Erhöhung auf 40 M. darf erwartet werden, daß sie eine doppelt so starke Wirkung als damals ausüben würde; denn 40 M. Hundesteuer ist eine Summe, die auch sehr vielen derjenigen Hunöebesitzer, die die 20 M. noch mehr oder weniger willig bezahlen, unerschwinglich ist. Die Steuer würde ja wohl auch dann noch einen Mehrertrag liefern, falls nicht die Zahl der Hunde, die, wie oben gesagt, sich jetzt auf rund 31 000 beläuft, durch die Steuererhöhung bis auf die Hälfte vermindert würde. Der Zweck der Steuer- erhöhung würde damit zum Teil immer noch erreicht. Aber mit den 10 000 Hunden, die der Erhöhung der Hundesteuer zum Opfer fallen müßten, sänke manches dahin, was doch auch nicht so ganz ohne Wert ist. Gewiß, es wäre mancher unverständig behandelte schlecht gehaltene Hund darunter, dem man eS gönnen könnte, daß er bei dieser Ge- legenheit von seinem wenig beneidenswerten Dasein erlöst würde, auch mancher schlecht erzogene, mit llntugenden aller Art behaftete Hund, dem die Nachbarschaft keine Thräne nachweinen würde. Aber man soll weder eine Menschenklasse noch eine Tierspecies nur nach ihren schlechtesten Exemplaren beurteilen. Wer keinen Hund hat— zur Beruhigung der Hunde feinde sei es gesagt: der Schreiber dieser Zeilen hält sich keinen Hund— der hat selten ein volles Ver- ständnis dafür, was selbst der struppigste Köter manchuial seinem Besitzer oder seiner Besitzerin bedeutet. Wir andern lächeln, wenn wir sehen, daß einer mit seinem Hunde wie mit einem denkenden Menschen, einem lieben Freunde verkehrt, daß er für ihn sorgt, wie nur jemand für sein Kind sorgen kann. Wir sind enipört. wenn wir hören, daß ein reicher Mann auf die Ernährung und Pflege seines tundes im Jahre mehr verwendet, als er seinem Arbeiter an ohn für eine täglich 10— 12stündige Arbeitszeit zum Unterhalt fiir die ganze Familie bewilligen mag. Aber eS macht uns doch nach- denklich, wenn wir beobachten, daß selbst bei ganz armen Leuten der Hund manchmal fast noch besser gehalten wird als der Mensch, und daß oft der vierfSUge Freund daS Letzte ist, wovo» der Rck» leidende sich trennt. Vor einer Reihe von Jahren, es war noch vor der Hundesteuev» Erhöhimg von 1892, erzählte man unS einmal, daß ein recherchierendes Armenkommissions-Mitglied bei einem Armen, der un, Unterstützung gebeten, noch einen Stubenhund vorgefunden habe.„Nanu?!" fragte der Mann,„Sie wollen Armenunterstützung haben und dabei halten Sie sich noch einen Hund, für den Sie Steuern zahlen müssen?"— „Ja, darf ich denn das nicht?" fragte der andre.—„Ei. gewiß dürfen Sie das, aber dann müssen Sic uns nur nicht un, Unterstützung bitten."—„Na, ehe ich den Hund abschaffe, hänge ich mich lieber auf!" Wir haben damals nicht erfahren, ob dem Besitzer dieses„Luxushundes" daraufhin die Unterstützung verweigert worden ist, oder ob er sie schließlich doch noch erhalten hat. Wir vernmten das erstere: aber vielleicht hat die bald darauf erfolgte Steuererhöhung den Almosen-Anwärter doch „och bewogen, auf den„Luxuö" eines»ierfüßigen Freundes zu ver- zichteu, so daß er dann der Armeuverwaltung einer Untersuchung würdig und hinreichend bedürftig erschien. Wird jetzt eine weitere Erhöhung beschlossen, so werden eS auch diesmal wieder nicht die Wohlhabenden, sondern die Un- bemittelten sein, die ihre„Luxushunde" abschaffen müssen. Aber das kann freilich für die Gemeindeverwaltung, die nur mit Zählen, nicht mit Menschen zu rechnen pflegt, kein Grund sein, den Plan einer Erhöhung der Hundesteuer fallen zu lassen. Gegen die Wahl des Freifinnigen Lei? zum Stadtverordnete» ist nun thatsächlich von konservativ-antisemitischer Seite Protest erhoben worden. Der Wahlprotest soll am 29. Dezember im Rathause eingegangen sein, der Stadtverordneten- Versammlung ist aber in ihrer Sitzung von, 20. Dezember nichts darüber bekannt geworden, so daß die Wahl des Herrn Leis ohne weiteres bestättgt wurde. Wir wissen nicht, ob die Protestler wirklich eine erhebliche Zahl von Fällen ermittelt haben, in denen, lvie sie sagen, Wähler des zweiten Bezirks der dritten Abteilung durch unzulässige Beeinflussung dazu gebracht worden sind, in der Stichwahl für den Freisinnskandidaten Leis zu stimmen. Glaubhaft ist es freilich; denn der Freisim, ist groß in solchen Künsten. Eventuell würden aber die Freisinnigen wohl in der Lage sein, ihrerseits eine gleich erhebliche Zahl von Fällen anzuführen, in denen von konscrvattv-anttsemittscher Seite unzulässige Wahlbeeinfluffung zu Gunsten des Pretzel getrieben loorden ist; denn auch dort ist das eine alte brave Sitte, die noch immer geübt wird. Unter allen Umständen ist dieser Versuch, der nun glücklich von der Bildfläche verschwundeneu Bürgerparte, durch einen Wahlprotest ihr letztes Mandat vielleicht noch einmal zu rette», ein vollständig aussichtsloses Unternehmen. Aber verwunder- lich ist es allerdings, daß es nicht möglich gewesen sein sollte, die Stadtverordneten- Bersammtung noch rechtzeitig von dem Protest in Kenntnis zu setzen. Durch das von Freisinnigen fabrizierte, den Leis für die Stich- Wahl empfchleiide Schwindel-Flugblatt, das ja— nach der durch den„Vorwärts" bewirkten vorzeitigen Aufdeckung des Schwindels— schließlich gar nicht zur Verbreitung gelangt ist, dürfte dem Leis kaum eine Stiimne zugeführt worden sein. Immerhin hätte, wenn der Protest früher eingegangen wäre, sich Gelegenheit gesunden, auch diese unsaubere Flugblatt-Affaire noch vor das Forum des Wahlprüfuiigs-AuSschusseS bezw. des Plenums der Stadtverordnetcn-Versammlung zu bringen. Dabei wäre es dann von Interesse gewesen, zu sehen, lvie diejenigen freisinnigen Stadtverordneten sich benommen hätten, die um die Fabrizierung des Flugblattes g- wüßt bezw. sich an der Sanimlung der„Unter- schriften" beteiligi und sogar ihre eignen Angestelllen, auch außerhalb des zweiten Bezirks wohnende, zur„Unterzeichnung" veranlaßt haben. Vielleicht wäre auch Herr Leis selber, der nach der Ver- ficherung der fteisinnigen Presse erklärt haben soll, der Sache völlig fern zu steyen, als Zeuge vernommen loorden. Man hätte dann wohl erfahren, wie seine eignen Angestellten unter das Flug- blatt gelomincu sind, ohne Wähler deS 2. Bezirkes zu sein, und wie einer seiner Hoteldiener, der im 2. Bezirk wohnt, aber schon in der Haupuvahl für Leis gestimmt hat, oazu gelangt ist, in dem Flugblatt samt de» andern uichlsocialdemokratischen„Unterzeichnern" zu bedauern, daß eS am 27. November„uns leider nicht ge- lungen, unsren Kandidaten Waldeck Manaffe zum Siege zu ver» helfen." Ein wackerer Parteigenvsse, der Steinträger Karl K a n d a l e. ist gestern im Alier von 50 Jahren gestorben. Kandale ist den älteren Parteigenossen im vierten Reichstagswahlkreise(Osten) seit langem bekannt; das Socialistengesetz hat auch ihn in den letzten Jahren der Schmach zu eifrigem Wirken angeregt und auch in den letzten Jahren fand die Partei ihn verschiedentlich in Ehrenstellungen auf dem Kampfplatz. Seine letzte Parteithätigkeit übte er noch vor wenigen Wochen im Wahlkreise als Revisor aus. Wohl niemand dachte daran, daß der Tod unsren Mitkämpfer so schnell hinwegraffen würde. Gewiß hatte das vor drei Monaten plötzlich erfolgte Ableben seiner Gattin ihn tief erschüttert, doch glaubte jeder, daß der Gram über den Verlust der Lebensgefährtin allmählich in ihm nachlassen werde. Aber Kandale hatte sich diesen Verlust so zu Herzen genommen, daß ein verhältnismäßig leichtes Erkültungsfieber seine Gesundheit zu erschüttern, seinem Leben ein Ziel zu stecken vermochte. Er hinterläßt einen Sohn und zwei Töchter im Alter von 13—21 Jahren. Alle, die ihn kannten, betrauem in ihm den wackeren Mann, den aufopferungswilligen Parteigenosien. Die Beerdigung wird am Sonntag im Anzeigenteil unsres Blatte» bekannt gegeben. Artistcnstand und Mädchenhandel. Vor kurzem gingen dem deutscben Nationalkonntee zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Schillstt. 12, gleichzeitig von mehreren Seiten Mitteilungen zu, daß die in der Ntariendorfersttaße wohnende Frau Amalie Kr. Sängerinnen engagiere und unter Bedingungen nach dem Ausland bringe, durch welche die Mädchen dort genötigt seien, sich dem unsittlichen Lebens- loandel zu ergeben. Das Nationalkomitee sandte die Briefe an die der Kriminalpolizei unlerstellte Centralftelle für Vekärnpsiing der Mädchenhändler und die nunmehr angestellten polizeilichen Erhebungen ergaben eine überraschende Aufklärung darüber, wie Chantantsängerinnen ausgebildet werden. ES wurde zunächst ermittelt, daß Frau Kr. An- fängeriuneu zu der riefigen Gage von monatlich 20 M. engagiere; die abgeschlosicnen Verträge machten die Mädchen fast rechtlos. Die „Sängerinnen" übten gemeinsam in einein Lokale in der Elsaffer- straße. Kriminalkommissar v. Tresckow, der Decernent der Central- stelle, begab sich während einer Uebungssttmde nach dem be- treffende» Lokale und traf hier vier nur mäßig begabte Mädchen in einein Alter von 14(I). 13(!), 17 und 19 Jahren an, die für ChantantS nach Holland engagiert waren und einige gemeinsame Lieder einübten. Bezüglich des bierzehnjährigen Mädchens wurde sofort festgestellt, daß die Eltern gar keine Ahnung von der Absicht ihres Kindes hatten; es wollte heimlich die Reise mitmachen. Wie dieses Mädchen, so verzichteten auch die übrigen, nachdem ihnen poli- zeilicherseits Aufklärung gegeben worden war, auf Fortsetzung der Uebungsstunden. Ein strafrechtliches Einschreiten gegen Frau Kr. erlvieS sich übrigens als undurchführbar, weil die Bestimmungen des Kuppeleigesetzes eng begrenzt sind, und auch der Abschluß von heim- lichen Verträgen mir Minderjährigen nicht unter Strafe ge- stellt ist. Ein Heldenstück. Der Vorstand des Tabakarbeiter-Verbandes meldet uns: llnter den Arbeitern der hiesigen Eigarcttenfabrik von Josetti(Jnh, Meyer u. PeterS) cirkulierte eine von der Berliner Gewerkschaftskommission herausgegebene Sammelliste für die aus- gesperrten Textilarbeiter in Crimmitschau. DicS bemerkte der Wcrk- sührer der Fabrik. Aus Gründen, die er ftir sich behielt, sprang er aus daS Objekt los, packte es mit den Händen und zerriß es in Fetzen. Nackd.-m er so durch eine muttge That seine Ansichten über die Weberausspernmg zum besten gegeben hatte, zog er befriedigt von dannen. Ob dieser Werkführer selber nicht noch einmal in die Lage konnnen kann, die Solidarität derer in Anspruch zu nehmen, die er jetzt durch seine Thorheit beleidigt hat? Gemäßigte Cervclatwnrst. Die Cervelatwurst, die die Abordnung der Halloren am Neujahrstage den kaiserlichen Majestäten überreichen wird, ist, wie die„Allgem. Fleischer- Zeitung" mitteilt, in Rücksicht aus die Schonung der Stimmbänder, die sich der Kaiser noch immer auferlegt, milder als gewöhnlich hergestellt loorden. Im ganzen werden 80 Pfd. Wurst überreicht. Schlächtermeister Halle in Halle verdankt seinen Lieferungen für die Halloren die Ernennung zum Hoflieferanten, die der ttaiser einem Wunsche der Abordnung ent- sprechend, im vorigen Jahre vollzog. Mobilmachung zur Treibjagd. Für ein paar Tage ruht das Waffenhandwerk, dachten die Mannschaften des in Potsdam stehenden Garde-Jägerbataillons, als sie ihren Weihnachtsurlaub antraten, um fern vom Lärm des Exerzierplatzes die Feiertage im Kreise ihrer Angehörigen zu verbringen. Doch am dritten Weihnachtstage wurde die Behaglichkeit des NrlaubslebenS jäh unterbrochen durch eine tclegraphischc Order, welche die Gardejäger zn ihrem Truppenteil zurückrief. WaS war geschehen? Galt eS, unsren Platz an der Sonne zu verteidigen oder gegen den inneren Feind zu Felde zu ziehen?— Am Montag in aller Frühe »nutzten die Gardejäger antreten. Mann für Mann wurden sie mit acht Schrippen und einem Stück Wurst verprovianttert. Wer nicht in den Kampf sollte cs gehen, sondern eine Treibjagd stand bevor, bei der die Söhne des Mars als Treiber dienen sollten. Da plötzlich kam ein Gegenbefehl. Die Jagd war abgesagt worden, Schrippen und Wurst wurden wieder abgeliefert und die Soldaten konnten nun den Rest ihrer Urlaubszeit genießen. Für viele lohnte cS sich allerdings nicht, in die Heimat zurückzureisen, da der Urlaub nur bis zum Dienstag, den LS. Dezember währte. Großfencr in einer Mietskaserne. Ein Ricsendachstuhlbrond kam in der Nacht zu gestern in der Seestraße U8b. Ecke der Togostratze, aus. DaS der Kapernaumkirche gegenüberliegende noch neue Eckgebäude ist von zahlreichen kleinen Niictern bewohnt, die ihre Bodenkammern mit allerlei Hausrat vollgefüllt hatten. Bald nach 10 Uhr bemerkte ein im vierter, �tock wohnender Mieter, der schon im Bett lag. eine auffallende Wärme in seinem Zimmer, legte aber diesem Umstände keine Bedeutung bei. Gegen 11 Uhr wurde dann von der Stratze aus bemerkt, daß Flanmren zum Dache heraus- schlugen. Trotz des nun entstehenden Feuerlärms wurden die schlafenden Hausbewohner nicht inunter, so daß sie erst durch Schutz- leute geweckt werdeil mutzten. Als der erste Löschzug aus der Pank- siratze unter Brandinspektor Julius eintraf, bildeten beide Dach- fronten bereits ein einziges Flannnenmecr. Sofort wurden noch Iveitere Löschzüge zur Berftärkung herangezogen, imd bald sandten dann acht Rohre ihre Wasscrmaffcn in daS Element. DaS Feuer entwickelte eine enorme Hitze, und die aufladen, den Flammen der- breiteten Tageshelle über die weite Umgebung. Die freistehende Mapernanmkirche war wie von bengalischem Feuer umrahmt und bei einen imposanten Aiwlick. Stundenlang kanipfte die Fcuertvehr mit den Flammen, und erst gegen o Uhr früh war die Hauptgesahr beseitigt. Die vollständige Ablöschung zog sich bis zum Tagesanbruch hin. Nene Löschzüge mutzten zur Ablösung herangezogen irerW, nm die umfangreichen Aufräumungsarbeiten vorzunehmen, die Ins Mittag noch nicht beendet waren. Der gesamte Dachstuhl ist vcr- nichtet, auch brannten die im vierten Stock liegenden Wohnungen der Meter Freygang und Radigk total ans. lieber die Entstehung des Brandes ist nichts ermittelt. Eine Bestie in Menschengestalt. Schauerliche Bilder entrollt die Untersuchung gegen die Engelmacherin Krüger aus Schöneberg, deren Verhaftung gemeldet wurde.— Die Festnahme der Wilwe Krüger und ihrer Mutter, der Frau Schiller, erfolgte schon vor vier Wochen, doch ist Frau Schiller dieser Tage wieder auS der Hast entlassen worden. Stach den bisherigen Feststellungen sind S Todes- fälle von Säuglingen, die der Krüger anvertraut waren, festgestellt, doch dürften noch weitere Einzelfälle gemeldet werden, nachdem die Mütter der Säuglinge durch die bisherigen Veröffentlichungen auf den Charakter der Pflegerin aufmerksam gemacht worden sind. Ein Säugling, der der Krüger abgenommen und einer andren Pflegerin übergeben wurde, befand sich� in einem furchtbaren Zustande. Der ganze Körper war mit einer Schmutzkruste überzogen, die Löcher in die Haut eingefressen hatte. Die Krüger hat die Kinder oft tagelang ohne jegliche Abwartung liegen lassen und trug sie selbst bei der strengsten Kälte nur mangelhaft betleidet über die Sttatze. Mehrere andre Pflegerinnen, Ivelche die mimenschliche Behandlung der Kleinen beobachtet hatten, veranlatzten, dah ihnen die armen Geschöpfe über- geben wurden, doch war die» leider in mehreren Fällen schon zu spät; die Kinder, die infolge Hungers an Darmkatarrh erkrantt waren, koimten nicht mehr gerettet werden. DaS Treiben der Eisenbahndiebe, vor denen schon wiederholt öffentlich gewarnt wurde, hat auch in den letzten Wochen immer noch mehr zugenommen. Diese„Specialisten" begnügen sich auch nicht mehr damit, schlafende Fahrgäste der Stadt-, Ring- und Borortzüge auszuplündern, sondern sie wenden in der letzten Zeit mehr und mehr auch noch Betäubungsmittel an. um sicher zu gehen gn vielen Fällen, die jetzt der Kriminalpolizei angezeigt wurden, ekamen die Bestohlenen, wenn sie aus ihrem tiefen Schlaf er- wachten, heftige» Erbrechen, das sich nicht selten auch später noch wiederholte. Die Kriminalpolizei giebt sich grotzc Mühe, den Dieben daS Handwerk zu legen. Zahlreiche Beamte befinden sich auf allen Bahnhöfen und in allen Zügen, da sie aber nicht in jedem Abteil aller Züge zugleich sein können, so wird es immer schwierig bleiben, die Langfinger, die oft nur von einer Station bis zur andern fahren, unschädlich zu machen. Nicht selten scheitert auch alle Mühe daran, datz es nicht gelingt, genügendes Beivetsmatcrial gegen Verdächtige beizubringen. Daher ist die Achtsamkeit des fahrenden Publikums selbst dringend notwendig. Vorgestern, Mittwocd. abend gelang es einem Reisenden, einen Langsinger, der schon früher ein- inal fcstgenoinmen war, aber nicht überführt werden konnte, auf ftischer That festzuhalten. Der Fahrgast war eingenickt, merkte aber noch, datz jemand zu ihm einstieg. Bald begann der Reisebegleiter seine Taschen zu befühlen und dicht vor dem Bahnhof Börse griff er in sie hinein, in der er daS Portemonnaie„getastet" hatte. Der Reisende packte ihn und übergab ihn auf dem Bahnhofe der Polizei. Der Dieb nennt sich Arbeiter Häusler, wurde aber von der Kriminalpolizei als ein 21 Jahre alter erst kürzlich wegen Mangels an Beweisen wieder entlassener Paul Pätzold sestgsstcllt. Jetzt leugnet ocr Ertappte nicht mehr. Zwei Zigeunerinnen mit der„Wechselsalle" wurden gestern in. der Gartenstratze festgenommen. Die Weiber lietzen zunächst in einen» Bäckerladen ein Zwanzigmarkstück wechseln und erhielten mit dem Wechselgeld auch ein Zehnmarkstück mit de», Hamburger Wappen, wie sie eS wü» schien. Ihr Versuch, beim Durchloühlen der Kasse einige Stücke verschwinde»» zu lassen, scheiterte an der Wachsamkeit der(Geschäftsfrau. Diese sah»»»in den unredlichen.Kundinnen nach und nahm Ivahr, daß sie in der Nachbarschaft in einen Cigarrenladen gingen. Um den Verkäufer zu ivarneu, folgte die Frau und kam gerade dazu, wie sie wieder in der Wechselkasse herumslichten, um angeblich auf einem Hundertinarkschcin die geivünschtei» Münzsorten herauszubekomnien. Es zeigte sich uuu aber, daß sie gar leinen Hundertmarkschein, sondern nur ein lvertloscS sächsisches Lotterielos hatte»». Die Schivindlerinnen lvurden auf die Revierwache gebracht lind von dort der Kriininalpolizei zugeführt. Sie gehören zu einer Bande, die sich gegenwärtig bei Köpenick herumtreibt. Eine Ohrfeige, die der Schlächlermcistcr Ernst Hähnel seinem Dienstmädchen versetzt hatte und für die 28 WS M. als Entschädigung eiugetlagt worden sind, bildete ein Hindernis für den Vergleich des in Konkurs befindlichen Meisters Hähnel mit seiiien Gläubigern, über den eine Einigimg bereits erzielt war. Unmittelbar vor den» Abschluß des Vergleichs tritt»»ämlich der RechtSbeistand des Dienst- Mädchens hervor ui»d machte die Forderung von 23(XX) M. für das Dienstmädchen geltend, das infolge der Ohrfeige angeblich irrsinnig geworden sein soll und fiir die Zeft ihres Leben» Versorgung beansprucht. Die Gläubiger wollten diese Forderung nicht au- erkennen und daran scheiterte der Vergleich. Die wegen der Forde- rung von feiten des Dienstmädchens gegen die Konkursmasse an- gestrengte Klage kommt,»vie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" berichtet, am 5. Januar zur Verhandlung: die bisherige Beweis- aufnähme hat allerdings ein fiir de»» Meister günstiges Ergebnis gehabt. Durch das Platzen eines Siedcrohrcs ist in der vergangenen Nacht der 22 Jahre alte Heizer Theodor CzaplinSki aus der. Borsig- sttatze 7 sSiver verunglückt. Der Main» hatte Dienst im Kessel- raun» der Elektricitätsgesellschaft in der Luisensir. 35. Hier platzte ein Teil des Röhrenkessels, dessen Inhalt sich über seinen ganzen Körper ergötz. Am Gesicht, an der Brust, ai» Händen und Beinen schwer verbrüht, lvurde der Verunglückte von seinen Arbcitsgenossen nach der Charits gebracht._ Die Beteiligung an den Kursen,»velchc Dr. Magnus Hirschfeld an der Freien Hochschule in Berlin über„Das Geschlechtsleben deS Menschen" hielt, war eine so starte, daß die beiden Chile»» im neuen Quartal wiederholt»Verden sollen, und"zlvar beginnt der Special kursnS für Herren am 11. Januar, abends 9 Uhr,»»» der Aula des Wilhelm-Ghmnasium» lBellevuestr. 16), der DamcukursuS in der Charlotten-Schule(Stcglitzerstr. 29) am 12. Januar, abend» 8 Uhr. Die Hörgebühr betrügt für den Chkln» 3 M. bezlv. 2,59 Vi. Die Programme und Eintrittskarte»» sind von Neujahr ab n. a. in der Nicolaischen Buchhandlung, Doroihecnstr. 75, und an der Billetkasse von Wcrtheim, Leipzigerstratzc, erhältlich. „In Freien Stunden." Romane und Erzählungen für daS arbeitende Volk. Von dieser illustrierten Wocheuschrist, die im Ver- läge unsrer Partei-Buchhaudlung Vorlvärts erscheint, beginnt mit den» 1. Januar der achte Jahrgang mit zloei neuen Lttmanci»:„Die Flutzpirateu des Mississippi" von Fr. Gerstäcker, und„Gabriel Lambert, der Galeerensklave" von A. Dumas. Der unsrer heutigen Nummer beiliegende Prospekt, auf den»vir»msre Leser verweisen, enthält eine kurze Inhaltsangabe beider Romane. Die Jllustrierung des HanpttomanS hat auch diesmal der M»inck>.>er Maler I. Dam- bcrger übernommen. Es ist die Aufgabe dieser Zeitschrift, durch die Verbreitung guten Lesestoffes die verheerende Pest der Schund- litteratur zu bekämpfen. Deshalb sollten Arbeiterinnen und Arbeiter die»veiteste Verbreitung der Wochenschrist„In Freien Stunden" in den Kreisen ihrer Freunde und Familien unterstützen. Wir empfehlen unfern Lesen» das Abonnement ans die Wochcnhefte, die zum Preise von 19 Pf. abgegeben Iverden. Abonnements»Verden in den auf dem Prospekt angegebenen Stellen entgegen genommen; sie»verde» auch voll sämtlichen Parteispedittoneu und von der Vorwärts- Buchhandlung, Li itdenstratzc 69, geliefert. Heft 1 wird zur Ansicht gern gratis geliefert, auch zur Agitation in Fabriken und Werkstätken in größerer Anzahl. Cirku» Schumann bat eine neue..Attraktion" seine»» Programm einverleibt. Selbstverständlich ein halsbrcchendcs Radfahrknnststück, dem» daS Verlangen vieler Leutc»»ach solcher Äugenweide scheint immer noch nicht nachgelassen zu haben; vielmehr sieht es so ans, als ob jeder Unglücksfall einen neuen Nerveilkitzel für die auf ge- fährliche Dinge versessenen CirkuSfteunde bildet. DaS neue Schau- stück nennt sich der„Offene Loop" und»vird ausgeführt von einem Herrn Ancilotti. Der Herr ist von Paris gekommen, um den dort aufgeführien Trick auch hier allabendlich zu zeigen. Er fährt eine Schleife, die oben vollständig geöffnet ist, so daß er den Sprung durch die Lust mit den» Kopfe»tach unten vollführt. Die Leittmg deS Cirkus Schumann geht wohl nicht fehl,»venit sie sich von der neiiesteil Methode, den Todessprung zu vollführen, einen Bombenerfolg verspricht. Datz»vir für derarttge Kimststücke keine besondere Begeisterung hegen, haben»vir schon früher ausemandcr- gesetzt. Da loben»vir uns das philosophische Schauspiel„Bibel und Babel", das trotz seines um die bessere Hälfte verminderten Titels ein verständniseifriges Publikum findet»»ud dabei für die Körper der Mitwirkenden völlig gefahrlos ist. � Heute am Neujahrstage finden zwei Vorstellniigeu statt. Julius Seeth»nit seiner berühmten Lvwengruppe Witt in beiden Vorstellungen auf. EirkuS Busch steht im Zeichen der Ticrdressur. Waren die Darbietungen der Miß Heliot mit ihren Löwen grandios zu nennen, so bietet jetzt Richard Sawade mit seilten bengalischen Königstigern. Löwen und Bären das non plus ultra der Raubtierdressur. Und ebenso hervorragend ist die meisterliche Dressur der ostafrikanischei» ZebraS durch Herrn Busch. Und doch bilden diese beiden genannten Forcenummern mir einen kleinen Teil des reichen und nmüscnrten ProgrannnS, das in der neuen Prachlpaiitomime„Ans den Alpen einen ebenso entzückenden»vie harnionischen Abschluß findet. Am heutigen ersten Neujahrstage finden zivci Vorstellungen statt. Wohnung zu begleiten, wo er sofort einen Empfehlungsbrief schreibe» lvollte. Der nichts ahnende Maurer folgte dem unbekannten Man»« in das HauS; kaum war dasselbe verschlossen, so zog der Fre»rlde einen Revolver aus der Tasche und forderte sein Opfer unter An- drohung, ihn»in Falle der Weigerung zu erschießen, zur Vornahme bcziehuiigslveise Duldung unsittlicher Handluiigei» auf. Der Maurer wurde späterhin in einem hilflosen Zustande von Passanten aufgefunden, die ihn nach seiner Wohnung brachten. In der Nacht erstattete er noch Anzeige bei der Rirdorfer Kriminal- Polizei, welche am nächsten Morgen den Verbrecher aus dem Betts holte. Dieser ist verheiratet und als Kellner in einem Brauerei- Ausschank in der Hasenheide beschäftigt. Da er schon vorbestraft ist und sich der Revolver in seinen Kleiber»» vorfand, soivie sich alle soiistigei» Angaben des Maurers bestätigten, erfolgte trotz des LengnenS die sofortige Verhaftung des Sittlichkeitsverbrechers. fltos den Nachbarorten. Das Schiffahrtsbctricbs-Monopol dcö Kreises Tettoi» scheint sich ganz gut zu rentieren und soll»vieder crwe»ert werden. Nachdem der Kreis für sein ganzes Kanalgebiet das Bctricbsmonopol vom Staate verliehen bekommen hatte, hatte er bekanntlich auch den Bc- trieb aus dem Griebnitzsee mit Anschlutzfahrten auf Havel und Jiulgfcrnsee von der Tcrraingesellschaft Neu- Babelsbera erworben und diesen Sommer in eigner Regie verwaltet. Dies Uirternchmen erwies sich nun,»vie in der letzten Sitznilg des Kreistages mitgeteilt lvurde, wirtschaftlich als recht erfolgreich, da die drei Betriebsmouate einen Reingewinn von 1249 M. abwarfen, der sich unter Abrechnung der im Winter vorzunehmenden notwendigen Reparaturen an den Schiffen und Landungsvrücken noch immer auf 3000 M. halten wird. Jetzt, wo der Tcltowkanal feiner Fertigstellung naht und der Prinz Friedrich Leopold-Kanal bald eröffnet»vird, soll die Personeit- schiffabrt des Kreises auch weiter ausgedehnt werden. Dem Kreis- rage ist eine Borlage zugegangen, lvonach folgende neue Linien in den Betrieb ctiibezogen iverden sollen: 1. Bon Bahnhof Neu-BabelS- berg über Kohlhasenbrück und Albrechtsteerofen nach der Schleuse bei Klein-Machnoiv und zurück. Anschluß einzelner Fahrten an die be- stehende Strecke Potsdam—»itcu-Babclsberg. 2. Rundfahrt Neu-Babels- berg Bahnhof— Stolpe— Wannsec— Beelitzhof— Moorlake— Glicnicker Brücke— Kl.-Glicnickc—Ne»i-Vabe!Sberg und»ungekehrt unter möglichster Vermeidung der Konkurrenz mit den bestehenden Linien der Dampf- schiffahrts-Gesellsibaft„Stern". Anschlllß von Potsdam an der Glienicker Brücke. Einzelfahrten von Potsdam über NeubabelSberg, Prinz Friedrich Leopold-Kanal nach Bcelitzhof und zurück. Die alten Linien zivischen Ncubabelsberg, Potsdam»md Nedlitz»verde» beibehalten. Im ganzen Umfange Iverden diese neuen Linien erst im Fahre 1995 in Betrieb genommen»Verden können. Für Schiffe, Schuppen und ähnliches sind 829999 M. veranschlagt, waS mit den bereit» früher belvilligten 59 999 M. ein in der Personenschiffahrt des Kreises investiertes Kapital von 499 999 M. crgiebt. Bei vor- sichtiger Schätzung soll es mindestens eine Verzinsung von 4,8 Proz. bringen. Köpenick. Soiinabendabend Stzß Uhr findet im Stadt-Theater ein Fritz Reuter- Abend statt, zu»velchem Parteigenossen und gciverkschastlich organisierte Arbeiter sowie deren Aiigehörige nur die Hälfte des Eintrittspreises zu zahlen haben. Man fordere an der Kaffe BereinsbilletS. Einem fchivere» Bcrörcchc» zum Opfer gefallen ist der in Rixdors wohnhafte, unverheiratete Maurergeselle K. Dieser kehrte vorgestern abend in der elften Stunde nach Hause zurück, als er umnittelbar in der Nähe seiner Wohnung Wisiliianitstratze von einem elegant gekleideten Herrn angesprochen uitd in ein Gespräch gezogen wurde. Da der Maurer am nämlichen Tage seine Arbeit verloren, versprach der„elegante Herr", der sich seiner Bekamitschaft mit hiesigen Bailineistern rühmte, dem Gesellen eine dauerilde Stellung zu verschaffen. Jngeschickter Weise wußte er femer den Maurer z»« überreden, ihn nach seiner Sericdts-Leitung. Koitservative Zeugnisverweigerer. Ein interessanter Falk von Zcngnisvcrwcigerimg, der allerdings nicht auf politischem Gebiete liegt, wurde neuerdings vom Reichsgericht entschieden. Die Märkische M i l ch c e i» t r a l e hatte seiner Zeit ihren Mitgliedern cine»» MindestverkaufSprd» von 13V- Pf. unter Festsetzung von hohe:» Vertragsstrafen vorgeschrieben und dies damit begründet, datz die landwirtschaftlichen Produktioiiskosten für Milch sich auf den Lite»: mit nnndeftcns 13 Pf. berechneten, und datz demzufolge ein Verkaufs- preis, der weniger als 13V- Pf. betrüge, für den Landwirt geradezu verlustbringend sei. In einem Civilprozetz gegen einen Genossenschafter der Milchcentr.ilc wurde nun die Behauptung aufgestellt, datz — entgegen dieser als§ la einen Teil des Statuts der Centrale bildenden Vorschrift— die Mi l ch c c n tr a l c selbst auf Grund eines G c h c i m v e r t r a g e» an die Ai c i e r e i B o l l e ungefähr den vierten Teil der gesamten Milchprodnktion der Genossen unter dem Preise von 13V- Pf. abgebe.— Vor das Kammergericht ge- laden, weigerten sich der Vorsitzende der Mtlchccntrale, eliemaliger Landtags-Abgeordneter Ring- Düppel, und der Geschäftsführer Fritz K r a n's c, aber auch die Inhaber der Meierei Bolle und deren Geschäftsführer, Zeugnis abzulegen. Das Kammergericht hielt. nachdem die Zeugen ihre ablehnende Haltung begründet hatten, die Zeugltisverweigerung für gerechtfertigt. Es führte aus, datz ei»» Geschäftsgeheimnis ocr Aiilchcentrale und der Meierei Bolle vorliege, bei dessen BekanntNvrde»» möglicherioeise durch Abfall der Genossen der Centrale die Existenz der Genossenschaft selbst in Frage gestellt und dadurch auch das gewerbliche Interesse der Meierei Bolle geschädigt iverden könne. Dazu komine noch, daß nach der unbestrittenen und glaubhaften Erklärung der Zeuge»» die Milch- centrale und die Meierei Bolle sich in betreff de» zivischen ihnen bestehenden Vcrtragsverhältnisses die Geheimhaltung ausdrücklich zu- gesagt hätten.— Das Reichsgericht hat die Entscheidung des Kammergcricht» gebilligt. Es heißt in der Entscheidung:„Es kann dahin gestellt bleiben, ob die Abmachung zwischen der Mietetet Bolle und der Milchcentrale dadurch, daß beide Teile sich Ver- schwiegeuheit auferlegt haben, zu einem Gctoerbcgcheimnis im Sinne des Gesetzes werde. Tie Abmachung selbst ist nach den Umständen. schon ihrer Natur nach, als etil solche» Geheimnis anzusehen utü» zivar auch für die Meiere» Bolle, die durch diese Vereinbarung in eine iv i r t s ch a f t l i ch vorteilhafte Lage gebracht ist. reichliche Milcknncngen zu erhalten und nutzbar absetzen zu können. »vas in Frage gestellt sein würde, wenn die Existenz der Cen t r a l e durch Bekanntwerden des von den Klägern behauptete»» Sachverbalts gefährdet wäre." Der Kläger hat inzwischen andre Zeugen ermittelt und benannt, die in keinem unmittelbare»» Verhältnis zu der Milchcentrale oder der AÜeierei Bolle stehen und deshalb kein Recht auf Zeugnisverweigerung haben. Hier waren es ganz gewöhnliche Gründe deS Geschäftsiitteresses, die de»» Richter veranlatzten. den Einwand des Zeugen zu berück- sichtigen und von der Äcrhängung der Zwangshaft abzusehen. Uu» wieviel höher müssen die idealen Motive, die Zeitungsredak- teure zur Zeugliisoerweigeruug zwingen, von deutschen Richtern anerkannt»verde»», wem» diese Richter-— int stände wäre»», derartige Motive in der Rechtsprechung zu würdigen. Das öffentliche Interesse. Ein merkwürdiger Beleidigung?- Prozeß ist vor einigen Tagen vor der vierten Strafkammer des Land- gerichtS II verhandelt worden. In Wilmersdorf genießt der.Haupt- lilni»»» a. D. M. nicht des besten Ansehens unter den Geschäftsleuten. Er schuldet an manchen Stellen mich kleinere Summen und die Leute, die dem früheren Offizier auf Borg geliefert haben, snid auf ihn begreiflicherweise nicht gut zu sprechen. Am 14. August d. I. bracht« e» der Zufall mit sich, daß der Tischlcrnteister K.. dem der Haupt- mann seit Jahren 17 Mark schuldes, diesen in einer Restauratioi» traf. Es kam zu eiuer Auseniandcrsctzung»vegen der Schuld- forderung uud daS Ende war, daß K. seilte»»» Schuldner etliche Unverblümtheiten sagte und der ebenfalls im Lokal attwcsende Glasermeister St. den Offizier a. D. ans dem Lokal brachte. Dieser Privat- angelcgenheit des ehemaligen Hauptmanns nahm sich die Staats- anwaltschaft mit regem Eifer cm. Sic, die Arbeiter, die sich von Unternehmein» beleidigt glaube»», gmeinhii» auf den Weg der Privat- klage verweist, hielt im Falle des Hauptmann» a. D. W. ein öffent- liches Interesse für vorliege»»d und brachte die Sacke vor die Straf- kammer. In dieser Verhandlung»uaxschierien diverse Handwerker und Geschäftsleute auf, die an den Hauptmann, alte Fordi tiingen haben. Die Vertreterin eines SeifengqchäftS hat für Streichhölzer 6,41 M. zu fordern, ein als Zeuge vernommener Tischler-, meister bekundete, daß er für eine Restsordertmg von 9 M. 3 M, quittieren mußte, da»»»cht mehr zu erlange»»»var. ein Schlächter- meister hatte 42 M. zu fordern. Dem Angeklagten lvurde es besonders übel genommen, daß er bei einer Mahnung seinen Schuldner gefragt hatte, ob er in der deutschen Armee oder in einer Neger» Republik Offizier gewesen sei. Der Staatsanwalt ließ die Ursprung- liche Anklage»ocgen Nötigung fallen und stellte den Antrag, den Angeklagten K. lvegen Beleidigung zu 11 Tagen Gefängnis, den Anaeklagten, St. desgleichen zu 69 M. Geldstrafe zu verurteilen. Da» Gericht erkannte gegen K. ans eine Woche Gefängnis und geget» St. auf 50 M. Geldstrafe. Schunkelt»nit Mafien! Ein häßlicher Jahresabschluß wurde dem Arbeiter Max Deutsch zu teil, welcher gestern unter dcr Anklage der Körperverletzung vor der 139. Abteilung des Schössen» gcrichts stand. In der Laubenloloiite in Alt-Berlin herrschte an einem Oktobcr-Sonntage cii» lebhaftes Wirken mid Treiben. Die Landpächter waren dabei, ihre Lauben abzubrechen»md deren Be- standteile soivie die übrigen zur Soinmerfrische gehörigen Gegen» stände bis zum nächsten Sommer nach dcr Wohnung zn scyaffcn. Männer, Frmien und Kinder, alle legten mit Hand an. Natürlich fehlten dabei die Getränke nicht. Als die Arbeit sich dem Ende nahte. befanden sich alle in mehr oder weniger gehobener Stimmung. Mail scharte sich schließlich zusammen, nm die Erlebnisse de» verflossene»» Sonip» erS zn besprechen. Es kam das Gespräch darauf, wie friedlich und einträchtig die Laubenkolonisten, zusammen gelebt und»vie gut sie sich vertragen hätten. Da kam Frau Deutsch, die Ehefrau des Angellagten, auf cine Idee. Man solle doch auch während des Wmters im Verkehr bleiben. Wie wäre c», wenn ein„gemischter" Ilegelflnb gegründet würde? Dieser Vorschlag fand allseitig enthusiastischen Beifall. Es sollten sofort die einleitenden Schritte gethan werden. EL wurde ein großer Bogen Papier besorgt, w»k> nachdem die Statuten in eingehendster Weise beraten waren, schrieb Frau Deutsch, welche am besten mit dcr Feder Bescheid wußte, die Natzungen fei»» säuberlich nieder. Sodann unterzeichnete jeder Teil- nehmer seinen Namen und die Sache war vorbereitet. Nm» handelie es sich»och um ein geeignetes Lokal. Viele Vorschläge wurden gc- macht und wieder verworfe», üi» schließlich cine Kommission ge- »vählt wurde, welche die nötigen Schritte zn thün hatte. Als die» beendet»var, wurde Frau Deutsch, die Schriftführerin, von eine»: heftigen Lustigkeit ergriffen. Sie sprang auf eine Bank, streckte beide Arme au» und rief:„Kommt mal her, Kinder, nun wolle:»»vir mal schunkeln 1" Im Nu war die Bank besetzt. Sic faßte»» sich gegen- festig unter und dann ging's los:„Denn so wie Di», so lieblich und fo schLnl Frau Deutsch gab den Ton an, sie schunMte außerdem cm besten. Ihr Mann sah dem harmlosen Treiben unthätig zu. Er toar von der gethanen Arbeit nnd den dabei genossenen Schnäpsen «etwas ermüdet. Aber auch ihn wandelte die Lust an, zu schunkeln. Er bestieg ebenfalls die Bank und dann wiederholte sich das Spiel. Was ihm an Anmut fehlte, suchte er durch Kraft zu ersetzen, er trat so stark auf, daß das Bankbrett stöhnte. Plötzlich gab es einen Krach; »ie Ben,!_ war zusammengebrochen. Alle mußten springen. Deutsch benahm sich aber so ungeschickt dabei, daß er platt zu Boden fiel. Soweit war es sehr nett gewesen, doch jetzt trat eine Aenderung ein. Als der Angeklagte am Boden lag, ließ sich einer der Anwesenden, r ZT. uu»*uh, fiu; cmci ucc cmiocfenoen, oer Clgarrenmacher M., zu der Aeuherung hinreißen:„Da liegt der lange Lulatsch auch!" Alle lachten, nur Deutsch ärgerte sich. Er wurde von solcher Wut ergriffen, daß er den Cigarrenmacher packte und ihn mit großer Wucht zu Boden, warf.„So," meinte er. „nun liegst Du auch I" M. jammerte laut, er hatte sich den kleinen Finger gebrochen. Als er ün gestrigen Termin die Rechte zum Schwur erhob, sah man, daß die beiden ersten Glieder des Fingers in einem rechten Winkel standen. Sie würden auch wohl so bleiben, hatte der Doktor gesagt. So hatte das scböne Fest mit einer Dis- hannorsie geendet. Der Angeklagte Deutsch soll seine jähzornige That mit einem Monat Gefängnis büßen. Eue der frauenbewegung. 8e«in für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 4. Januar, abends S'/z Uhr, in den Arminhallen. Komman- dantenstraße 20: Vortrag deS Herrn Waldeck Manasse über „Spinoza und Goethe". Gäste sind sehr willkommen. Am 2ö. Januar, nachmittags 5 Uhr(Eröffnung 4 Uhr), der- anstaltet der Verein eine Uranw-Vorstellung. Wir machen unsre Mitglieder ganz besonders auf dieselbe aufmerksam. Wilhelm Bölsche ist der Verfasser des Vortrags, das bürgt für einen wissen- schastlichen und künstlerischen Genutz. Näheres über diese Vor- führung ist in der Nummer des„Vorwärts" voin 23. Dezember zu lesen.— Billets sind im Berein und in folgenden Zahlstellen zu haben: Frau Panzeram, Pappel-Allee 128 I., Frau Bauschte, Rostocker- stratze 43, Frau Steinkopf, Schlvedtcrsir. 34, Frau Seeger, Kolberger- stratzc 23, Frau Klotsch, Koppenstr. 81. Der Vorstand. Verniisebres. TaS Artillcriegcschost als Spielzeug. Kastel, 31. Dezember. Die Kinder der Witwe eines vor zwei Jahren im Jrrenhause der- storbcnen Tagelöhners Möslein spielten seit längerer Zeit mit einem Shrapnell-Artilleriegeschotz, ohne datz jemand ahnte, das eS noch geladen war. Der zehn Jahre alte Knabe wollte gestern abend ein Loch in einen Lederriemen schlagen und benutzte als Unterlage das Geschotz. Beim Zuschlagen mit dem Hammer explodierte das Shrapnell und richtete große Verwüstung in der Wohnung an. Der Mutter wurde der Unterleib ausgerissen, so datz die Därme hervortraten. Dem dreijährigen Mädchen drang der grötzte Teil des Geschosses in den Körper ein. dem Knaben selbst wurde der rechte Arm zerrissen. Die Schwerderlctzten wurden nach dem RochuS« Spitale geschafft, wo das Mädchen innerhalb einer Stunde und die Mutter heute früh starb. Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen des "Weizen, gut D.«Ctr. , mittel, genug. "Roggen, gut mittel gering. s(Berste, gut mittel, gering. tHaser, gut mittel gering Rlchtstroh Heu, Erbsen, Speisebohnm. Linsen » ab Bahn. -s frei Wagen und ad Bahn. am 30. Dezember 1SV3 tgl. Polizeipräsidiums. Marioficlu, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch idammctflcijch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Bariche Schleie Bleie Krebse ev Stück I kg per Schock 7.00 1.80 t„-i0 l.so 1,80 1,80 2,80 5,00 2,40 2,80 2,80 2,20 1,80 3,00 1,40 15,00 5,00. 1,20 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3,00! 1,20 1,40 1.20 1,00 0,80 1,40 0,80 3,00 Wetter-Prognose für Freitag, de» 1. Januar 1S01. Etwas lältcr, trocken und vorwiegend heiter de! ziemlich scharfen öst« lichen Binden. Berliner Wetterbnreau. i (Osten). Stadtbezirke 175a u. a. Todea-Anseige. Am 29. d. M. verstarb der Tigarrenmacher Lust»? Heueiidorf im Alter von 63 Jahren. Ehre seinem Andenke». Die Beerdigung findet ani seitag. den t. Januar 1904, nachmittags 2 Uhr von der Leichen- c des MarluSttrchbos« in Bll- nSberg- Hohen» Echönhausen au« statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 214/1 Der Vorstand. (SWidosi.) Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, datz unser Genosse, der Schnitlartxntcr Karl Brliick wohnhast Grünauerstratze Rr. 10, tu. Stadtbezirk gestorben ist.' 214/2 Ehre seinem Zlndcnlen l Di« Beerdigung findet am 2. Januar, nachm. um 2st, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhoss in Rixdors au« statt. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht Der»orstaüd. Deutsctor Metallarbeiter-Verbandl Verwattungssblle Berlin. Todos-Auxcige. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Schnittarbeiter Karl Brink am 30. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. Januar 1904, nachniittagS 2'/, Uhr, von der Leüchenholle des EmmauS-Kirch- Hess in Rixdors auS statt. Rege Beteiligung erwartet Hie Ortsverwaltung. Mut! der Bau-, Eni- mi Bezirk Moabit. Tode«• Anzelire r» Den Ätttgliedern zur datz der Kollege achricht, l-ittlmg Hahn Freitag, den 1 jahrgtag), Dezember verstorben ist. Beerdigung findet am am 24. «e anuar 1904(Neu- nachmittags 3'/, llbr, vom städtisch. Kranlcnhaus Moabit au« nach dem HeilandS-Kirchbose in Plötzcnscc statt. 32/1 Um rege Beteiligung ersucht ie Qrtsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-VerbandJ Den Mitgliedern zur Kenntnis, datz der Kollege, der Tischler Lsn Tylinski am Dienstag, den SS. Dezember, an der Pioletarierkcankheit ocr- slorben ist. Ehre seinem Andenleu I Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. Januar, nachmittag; S1/, Uhr. von der Leichen- Halle~ de« Matthäus- Kirchhofes (Südeude) aus statt. Um zahlreich« vetelligung ersucht 77/2 Wo Ortsverwaltung. Durch den Tod de« Tischlers Ii. Tylinski verlieren wir einen ehrenhasten, lieben Kollegen. Di« Kollegen �>«r Firma ot. 7316 die traurige Nach jt datz am Dienstag, den 29. Dezember, nachmittags 7>/,Uhr. meine liebe Frau, unsre gute Mutter lfcssHe Mandel geb. Mtttzel nach langem, schwerem Leiden ent- sch lasen ist. Dies zeigen ttesbcttübt an Ole trauernden Hinterbliebenen. Augnitt Handel nckbst Kindern. Die Beerdigung findet am Frei- tag. den 1. Januar, nachmittags l llhr, vom Certtral-Friedhos in Friedrichsseide aus statt. »»»SSÜ Am 30. Dezember verschied unser alloerehrter Kollege, der Schriftsetzer 737b Frieilricfi Sireckert im 59. Lebensjahre. Mit ihm ist ein Mann gestorben. den» jeder die grötzte Hochachtung zollen mutzte und der stets nur für feine Mitmenschen da« Beste erstrebte. Als Kollege aber ivar er uns ein treuer Berater und Helfer. Orfire feinem Andenken! Das Personal der Bucbdrockerei Müs Sittenleid. M einen geehrten Kunden und Freunden wünsche ein glückliches neue« Jahr! A. Worniann. Schneider- Atelier. Kottbuser Thor, Dresdenerstratze 1. Zum neuen Jahre die besten Glückwünsche t lHandtych-Uerleihinkitutl „Emensia", Stralanerstr. 11. 7016J »»«»«»«««»«««»««»»»s Hmiichkn Hlückwullsch zum neuen Jahre ruft allen seinen werten Gästen, Freunden und Gc- »osseu zu F. Weniger. 7246 Brih. Werderstr. 27. Orts- Krankenkasse der SildhWkr. Mkdatture uns verwandten Gewerbe. Bekanntmachung. Die in den Generawcrjammlungcil am 31. August und 2. November d. I. auf Grund de« Gesetzes vom 25. Mai 1903 beschlossenen gdSaderungon der §9 2, 5, 11, 13, 14, 21, 23, 28, 29 und 52 unsres Statuts babcn unterm 15. Dezember 1903 die Genehmigung der AusfichtSbehörde erhallen und treten mit dem 1. Januar 1904 in Kraft. Desgleichen sind die in der General- Versammlung am 2. November 1903 angenommenen„Vorschriften betreffend die Krankmeldung, das Verhalten der Kranken und die Krankenaufsieht", unter dem 11. Dezember 1903 genehmigt worden. Die vierte Statutenadänderung sowie die neuen Krankenvorschristen erhalten die Mitglleder und Arbeit- !brr«nsrcr Kasse aemötz§ 64 de« tatuts zugestellt, bezw. im Kassen- iolal ausgehändigt. Iker Vorntand. 270b I. v.: feite Waideger, Vorsitzender, _ KönigSbergerstr. 4. Neues Programm: Harry Rocher Hundcdresseur. Wood u. Bates Amerik. Ezoentrics. Lorraine's Lebende Bilder. Die beiden Freydos Oymnaetiker. Cook u. Clinton Amerik. Kunst schützinnon. Meers u. Omo Drahtsellkünstler, Otto Rentier Humorist. Malerno Meister-Jongleur. Annette Gillard Pariser Opemsäng. Mite. Oltro in ihrer Pantom.«Opiumrausch' irH' r&neerin, Theresas Komischer Hypnotiseur. „Karneralsgsister" Wiener Ballett. Biograph.__ (»«««««««>«««»««»» ; Inventur- i iAusverkauf ! Besondere ! Preisermäßigung » bis ! 32/ Pr;; IlSenftTeppichliausi Köalgslrasse 28.| Kanarienhähne, Selbstzucht, KMarl au, verlaust Meyer, Waldemar. stratze 46 IH. 452b» 4».«» Untomeht im Naben n. Stick» durch geschult«! Personal gratis. 1«. 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M. 1,00. hierdurch fest Da zur Wiederherstellung der Lcistungssähialeit der Kasse eine schleunige Vermehrung der Ein- nahmen erforderlich ist, bestimme ich zugleich gemätz K 33 Wsatz 4 deS KrankenverficherungS- Gesetze», datz vom 4. Januar 1VV4 ab die wöchentlichen Beiträge sür Mitglieder zu a.. M. 0,KS. ... b.. M. 0,33. „,. o,. M. 0,24. . d.. M. 0,18. zu betragen haben. 127b v. Bethmann-Hollwcg. Der Borstaud. Dr. Simmel, Prinzen- Str. 41, Epecialarzt für(41/10" Uant- und Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntag« 10—12. 2—4 Rohtabak i jWolph Buhl im IUI Brunuenftrafie' IUI OHs-MeDkasse der Gürlltt M Serlill, Ritterstraße 121. Kekanntmachuttg. Das in der Generalversammlung vom 2. November 1903 beichloflenc neue Statut ist vom BezirlSausschutz am 15. Dezember genehmigt und tritt am 1. Januar 1904 in Kraft. Die gesetzliche Mindestleistung ist von 13 aus 26 Wochen und die Wöchne- rinnen- Unterstützung von vier ans sechs Wochen crböht worden. Die Beiträge betragen: für die 1. Klasse 90 Ps. . e 2. m 69# .. 3-. Sl. .. 4.. 42. .. 5.. 24. Die neuen Beiträge werden vom Montag, den 4. Januar 1904, ab er- hoben. Des wetteren machen wir bekannt. datz der Vertrag mit dem.Verein der srcigewählten Kassenärzte" weiter bc. Tie neuen Aerzteverzeichnttse für 1904 werden nur im Kassenlolal ver- absolgt. 7346 Der Vorstand. G. KneifT. Vorsitzender. Pelzwaren- Fabrik Gegründet 1864. Mcne Königstr. 21. D, verkauft noch einige Tage ihre Reisemuster bestehend aus Pelzstolas, Kolliers, w etc. zu billigst. Engröspreis. Es gelangt nur reelle Kürschnerware zum Verkauf. billigste Preise, Max Jacoby, M., Slrelitzerstr. 52. Klostcr-Gartcn direkt n. Spandauer Schiffahrtskanal u.a. Jungfernsteg gelegen. Stadt- u. Ringbahn-Verbindung Bahnhof Beussclstratze und der elettrischen Straßenbahn Görlitzer Bahnhof— Plötzense«. ÄUÄ; Grosser Ball unter Leitung des Tanzmeisters Herrn Max Ens». Vereinen u. Gesellschasten aus das beste empfohlen. 729b Sm> 2. 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Der Centralverbaird des Massage-, Bade- und Krankenpfleger- Personals hielt am 16. cr. seine zweite Monatsversammlung im Gewcrkschastshause ab. Es wurde vom Vorstand mitgeteilt, daß sich die neugcgründete Filiale Lichtenberg gut entwickelt hat und die Zahl der Mitglieder binnen 2 Monaten auf 51 gestiegen sei. Beschlossen wurde, von Mitte Januar ab einen Massagekursus einzurichten. Die Mitglieder werden vom Geschäftsführer aufgefordert, für die Verhandlungen über das Reichsversicherungsamt im Reichstag 1904 reichlich Material zu sammeln und dasselbe in seine Hände gelangen zu lassen. Blankenfelde(Bezirk Pankow). Die erste öffentliche Volks- Versammlung Hierselbst am dritten Weihnachtsfeiertage lägt auf einen guten Anfang der Parteibewegung und Organisation auch in diesem Orte schließen. Räch langen Bemühungen ist es gelungen, das Lokal von Tinius zur Abhaltung von Versammlungen zu er- halten. Gegen 259 Personen hatten sich am Sonntag eingefunden, darunter ein Stamm von Genossen aus Mühlenbeck, Französisch« Buchholz, Nicder-Schönhausen, Pankow. Genosse Kiesel- Berlin referierte über»Den neuen Reichstag". Seine Ausführungen fanden Anklang, wie der Beifall zeigte. 24 Personen beantragten ihre Aufnahme in den Wahlverein Bezirk Pankow. Socialdemokratischer Agitations-Vcrein für den Reichstags- Wahlkreis Stralsuud-Franzburg-RÄgen. Sonntag, den 3. Januar, vorm. 19 Uhr, bei Ramlow, Schönhauser Allee 135: Generalversammlung. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Neue Mitglieder werden ausgenommen. Gäste willkommen. Actoig! Bildhauer! Aewngi Dienstag, den 5. Januar, abends 8>,'» Uhr, im Gewerkschaftshausc, Engel-Ufer 15(großer Saal): Geffeutliche Versammlung. TageS-Ordnung: Vortrag des Kollegen Lüttich- Leipzig über:„Welche Aufgabe« harren unser im neuen Jahre"? äDBff- Jeder Kollege, ob Holz-, Stein- oder Gips- Bildbauer, ob organinert oder unorganisiert, mache es sich zur Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. W/1 Recht zahlreichen Besuch erwartet_ Per Einbernfer. Verband der SiSbelpoUerer. Die Kollegen werden ersucht, ihre Kontrollkarten auszufüllen und uwrgcn abend von 8—10 Uhr in den Zahlstellen abzuliefern. Die arbeitslosen Kollegen brauchen bis Sonnabend, den 30. Januar, nur einmal täglich, vormittags 9—10 Uhr oder nachmittags 3— 1 Uhr, zur Kontrolle zu erscheinen._ Montag, 4. Januar, abends S'/1 Uhr, in Rixdorf, Steinmetzstr. 1VZ: WM" VersammmSyng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion 3. Bericht der Kommission und dcS Delc- gierten vom GewerkschaftSkartell. 4. Wahl. S. Verschiedenes. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen,_ Mittwoch, de« 6. Januar, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshausc, Engel- Ufer 15: Ikrfaullnllms für sämtliche Uertranevsmänner. TageS-Ordnung: 1, Bericht der Vertrauensmänner und der Kommission, 2. Wie ist cS möglich, die Interessen der Mitglieder besser als bisher zu vertreten? 3. Verschiedenes._ Montag, den 11. Januar, abends 8 Uhr. im Gewcrkschaftöhanse, Engel- Ufer IS: M General- Versammlung Allen Kollegen wünscht ein Fröhliches Neujahr! 145/ 1__ Oer Vorstand. !s r Berlins und Umgegend. Sonntag, den 3. Januar 1904, vormittags 10 Uhr: Generat Aersammlung in den Bornssla- SUlen, Ackerstr. 6/7. Tagesordnung: 1. Vortrag des Schrijtstellers N. H. Baege über:«Monistische Welt- anschauung", 2. Diskussion, 3. Vercinsangelegenhcitcn Da es die erste Versammlung im neuen Jahre ist, ersuchen wir die Mitglieder, pünktlich und vollzählig erscheinen zu wollen. 129/1__'_______ Per Yorntand. Gentral-Verlianil der Maschinisten und Heizer sowie Berufspen. Deutschlands, Sonntag, den 3. Januar, nachmittags 6 Uhr, bei Voigt. Ritterstr. 75: WM" Versammlung."MD �s/i Tagesordnung wird daselbst bekannt gemacht- 0'« Gentral-Verband deutscher Maurer iEwelgrerein Berlin.— Bezirk Süd-West. Sonntag, den 3. Januar 1904, vormittags 10 Uhr, bei Bakel, Bcrgmannstr. 5/6: MttgUeder Versammlung. Dages-Ordnung: 1 Bericht und Neuwahl der Viertelsleitung. 2. Wahl der HauSkasfierer. 3. Bericht aus der Vertrcter-Sitzung. 4, Vcr- schiedenes." 136/2 Zahlreichen Besuch erwartet___ Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband� Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353, Sonntag, den 3. Jannar, vormittags 10 Uhr: KmllMiierjiiiuillliW der Smnfdiliigci im Oewerkschaftshanse. Engel-Ufer 15, Saal I. Tages-Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion, 3. Branchen-Angcicgenhcitcn, 4. Verschiedenes, 110/1 Mitgliedsbuch legitimiert, Mitglieder werden ausgenommen. Zahlreichen Besuch erwartet Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Stiftungsfest am 23. Januar im großen Saale dcS GewerkschasiShauseS stattsindet._ Die Ortsverwaltung. m . O. Arbeiter- Bildungs- Schule Berlin. Freitag, den 8. Januar 1004, abends 8'/, Uhr Im Clewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, Saal 8: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, oer Revisoren und des Lehrer- Kollegiums. 2. Anträge und Wahl eines Revisors. 3. Schulangelegenhciten und Verschiedenes. ilttglledsbaeh legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. � t s/1 Sonnt»«, den 17. Jannar 1904, In Kellers Feststtlen, * Koppcnstr. LS: Dreizehntes Stiftungsfest. Prolog, Kammermusik, Keeitationen, Gesang. Professor Waldemar Meyer-Quartett Bccitator: Karl Heiickell. Rachher Tanz. Eröffnung 6 Uhr. Beginn 7 Uhr. Bülets a 50 Pt inkl. Programm Sind in den Zahlstellen der Schule und der„Freien Volksbühne' zu haben. Unterstütznngs-Verem der Mersehmiede Seutsehlands ■fiUalc BerUn. Sonnabend, den 16. Jannar 1904, im großen Saale des CtawerkRchaftshanses, Engel-Ufer 15: feiet? des 17. Sllffunss- festes. Konzert. � � � Vorträge. Ball. Unter Mitwirkung des«ssangvereins der Knpferschmiede und des Berliner Ulk- Trio. 730b B i 1 1 c t s sind bei sämtlichen Komitee- und den Vorstandsmitgliedern z» Haben. Um zahlreichen Besuch bittet Pas Komitee. Zar Beachtang! Die ordentliche Generalversammlung findet am 9. Januar, abends 9 Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 7/8, statt. TageS-Ordnung: Bericht vom Kongreß. Verschiedenes. _ Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwünscht__ Per Vorstand. Central-Verband der Maurer etc. Zweigverein Berlin.(Sektion Pntzer.) Sonntag, den 3. Januar, vorm. 10 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. SO: ilglivehsu-VsnssiBNHlung. TageS-Ordnung: 1. NeujahrSgrusi des Gesangvereins, 2, Bericht des Vorstandes und Abrechnung. 3. Neuwahl der örtlichen Verwaltung. 4. Verschiedenes. OUl Da der Saal mittags 1 Uhr unsrerseits geräumt werden muß, ersuche ich die Mitglieder, pünktlich zu erscheinen: gleichzeitig ersuche ich die Mitglieder, soweit dies noch nicht geschehen ist, in den nächsten Tagen Buch und Karte zwecks Kontrolle in: Bureau, Roscnthalerstr, 57, vorzulegen, 133/1 Tie örtliche Verwaltung. F. A.:». Neumann. tüchtig«nd fleißig, sofort gesucht. Meldungen abends 7—8 Uhr im Haupicomptoir. $. ZLKüorl$ Co* Bclleallianccstr. 1/3. ÄrheiteF-Raillabpemreiii „Beplin"« Freitagmittag 1I.12 Itihr: nach Hichclswerder(Freund)." Start: Brandenburger Thor.— Sonntag, den 3.: Start: Charlottenburger Knie 2 Uhr, bei schlechtem Wetter per Bahn: Besichtigung der Arbeiter» wohlfahrts- Ausstellung.— Freitag, den 8. Jannar, Generalversammlung bei Mcrkowski, Andreasstr. 26. Ich bin zur Rechtsanwaltschttt beim Amts- und Landgericht in Oanzig zugelassen. Mein Bureau ist in DaMlg lopengasse 6. Paul Westphal4 Rechtsanwalt. Verband der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. (Zahlstelle Berlin und Umgegend.) Sonntag, de» 3. Januar, vorm. 10 Uhr: Kesirlis- iinh GruWN-Ntchuliulllilgeil: Bezirk Osten im Ost-Kasino, Franlfurter Allee 106. Bezirk Süd-Ost bei Graumann, Naunynstraße 27, Bezirk Süd-West bei Richter. Willibald Alexissttaße, Ecke Friescnstraße. Bezirk Siord-West Moabit, Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47—49. Bezirk Rovd-Ost bei Schneider, Bclsorterstraße 16. Bezirk Weddiug im Acdding-Casino, Schulstraße 9. Bezirk Rosenthalcr Vorstadt Swinemündcrstraßc 51. Bezirk Schönhauser Vorstadt bei Ramlow, Schönhauser Allee 135. Bezirk Nieder-Schönewetde bei Franz, Grünauerstr, 5. Bezirk APlershof bei Fechner, Oppcnstr. 56, WM- nachmittags 3 Uhr. Bezirk Alt-Glieuicko bei Saß, Grünauerstr- 19, WWW- nachm. 4 Uhr. Bezirk Teltow bei Derb, Zehlcndorserstraße, nachmittags 3 Uhr. Tagesordnung in diesen Versammlungen: 1. Wahl der Ortsverwal- tungen. 2, Wahl der Bezirksleitung. 3. Verbandsangelegenheiten. Sektton der Putzerträger bei I. Wernau, Schwcdterstraße 23, vormittags 11»/, Uhr. Tagesordnung: 1. Die Praxis der Ge>verbegerichte und die Bedeutung für unsre Kollegen. Rescrcnt: Kollege I. O e h I s ch l ä g e r. 2. Wahl der Ortsverwaltung. 3. Wahl der Sektionsleitung. 4. Verbandsangelegenheiten. Sektion der Fahrstuhlarbeiter bei O. Bauer, Kraiüstraße 6, vormittags 10 Uhr. Tagesordnung: 1. Regelung unfrei Lohnfrage und Aufstellung eines Tariss. Reserent; Kollege Wende. 2. Wahl der Ortsverwaltung. 3 Wahl der Settionsleitung. 4. Verschiedenes. Sektton der Fliesenarbeiter bei Wendt, Beuthftraße 19/20, vormittags 10 Uhr. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen K. Heidcmann. 2. Wahl der Ortsverwaltung. 3. Wahl der Sekttonslcitung. 4. Besprechung eines Lohntarifs. Sektion der Lugino-Arbeiter bei Wendt, Beuthstt, 19/20, vorm. 10 Uhr. Tagesordnung: I. Vorttag des Kollegen C. Gräber. 2. Wahl der Ortsverwaltung. 3. Wahl der SektionAeitung. 4. VerschledeneS. Abends« Uhr! AbendS« Uhr! In den„Jnduftrle-Festsälen«, Beuthstr. 20: Gr. Unterhaltungs- jtbend verbunden mit Konzert, Theater und Kall. Einlaßkarten a 30 Pf. sind bei sämtlichen BezirlSkassierern»nd hu VcrbandSburcau zu haben. Der Ucberschuß ist sür die Ausgesperrten In Crimmitschau bestimmt. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Die stOrtsvcrwaltnng. I. A.: Karl Heidemann, Mlung! Bauansehläger! Der Berei« der Bauanschläger Berlins«nd Um- gegend hält am Sonntag, den 3. Jannar, vorm. lO'/a Uhr, bei Franke, Sebastianstr. 39, seine Monatsversammlnng ab. Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstand. RB, Der Arbeitsnachweis befindet sich bei Aug. SchrOdcr lfrüher Opatz), Sebastianstr. 50.__ 690B Lese- und Diskutier-Rlub „Süd-Ost". Sonntag, den 10. Januar 1904: 13. Stiftungs-Test in Kelters Testsälew, Koppenstr. 29. - M- Vikal- und Snstrnmental- Konzert. Berliner Sinfonie s Orchester. Kapellmeister: Baxlmlllan Fischer. Jestrede, gehalten vom Reichstags-Abgeordneten 8!ttgef, Gesang-„fgpograpkia" Gesang- Verehr Berliner Buchdrucker und Schristgießer(M. d. A.-S.-B.) Chormeister: Alexander Weinbaum. Anftretcn des Berliner„Ulk-Trio". Von 5 Uhr ab im kleinen Saale: TatIZ. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 59 Pf. nach. Kasseneröffnnng 4 Uhr.) Anfang des Konzerts 5 Uhr. BilletS 39 Pf., an der Kasse 49 Pf. Programm und Liedertrxte gratis. Während des Konzerts bleiben die Saalthiiren geschlossen. Rauchen ist im Konzertsaal nicht gestattet. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Das Kvmttee. Kchtung! Gentral-Verband d. Maurer Mscblatids. Sektion der Gispser u. Cementencfie. Gruppe: Rabttzspanncr. Sonntag, den 3. Januar 1904, vormittags 10 Uhr, bei Jannaschk. Jnselstr, 10: 136/1 AKKtKKKSÄSr-V«r8ainn»KnnK Tages-Ordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben, Oes Erscheinen aller Kollegen iet dringend netwendig. Der Vorstand. Gegründet 1874. Prämiiert: Berlin 1890. Dierks Hochschule lubnsclialclie. lethisel! nml praflistbe»m leMIt für Zuschneidekunft im Herren-«. Oamenbekleidungsfaehe Berlin N., jetzt Friedrichstr. 122/123. Gründliche und gewissenhaste theoretische wie praktische Ausbildung— Schnittmusterversand.— Stellenvermittelung. 35878 Direktion: C. IMerk, Schneidermeister» Ehrenmitglied des Centralvereins deutscher Zuschneider, Ehrenmitglied des Berliner Zuschneideroereins, Ehrenmitalied de? Berlwer MetftervereinS und Ehrenmitglied der Zuschneider-Berehngung, soherehaktsKoptheckechungsn usv. zu ausssrgcrvöhnlich hilligsu Preisen, z. B. Schneebälle Dtzd. 22 Pfg., Pfannkuchen Dtzd. 33 Pfg., Knallbonbons Dtzd. 15 Pfg,, L>uft schlangen 25 Stück 13 Pfg., Kotlllonorden usw. Gessllschads- und Beschäfligungs- Spiele für Kinder und Erwachsene in vielen hundert Arten. Bernhard Keilieh. Grösstes Spielwarengeschäft der Welt. 19 8chanfenster nur Spielwaren! 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