g-lp» Ä» flbonncmenfS'Bedingunficn: HBonncmentS- Preis piänumerandii! Liertcljährl. 8,30 SMt, monatl. 1,10 SRI., wöchentlich 28 Pfg. frei fnS HauS. Einzelne Rummer S Pfz. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Reue Well' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Merk pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für taZ übrige Ausland z Mark pro Monat, 2h Jahrg. Crfdiilnt täglich auBtr IHontw. Vevlinev Daltelrlatf. DU Intcrtions- Gebühr betrügt für die fechSgcspaltene Kolonel- zcilc oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertfchaftNchc BereinZ- und BcrsammlnngS-Anzetgen 25 Pfg. „Aleine ZIn-«izen", das erste lfett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes ivejtsr« Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist a» Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-Adresse: «5»2lalllil»»likat Berlin", Zentralorgan der foziatdemobrattfehen Parte» Deiitfcblands. Redaktton: 8Ctl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr.»»83. Expedition: 8 Tl. 68, Lindenetraesc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Preußen— eine russische Spitzelprovinz. Die Verfolgungen und Drangsalierungen, denen die in Dciltsch- land dauernd oder vorübergehend weilenden Russen und Russinnen ausgesetzt sind, spotten jeder Beschreibung. Von Tag zu Tag mehren sich die Nachrichten darüber, fort und fort werden uns neue un- erhörte Fälle gemeldet, so daß wir es für unsre Pflicht halten, das von uns gesammelte Material der Oefsentlichkeit zu unterbreiten. Wir beschränken uns dabei auf die Schilderung der krassesten Fälle. Zur Belvachung der Russen ist ein ganzes Heer von russischen, in Deutschland approbierten Spitzeln engagiert. Ter Oberspitzel ist ein Herr, der von seinen Untergebenen ehrfurchtsvoll als„Excellenz" angeredet wird. Sein Gehalt, das er von der russischen Regierung bezieht, ist in der That das einer„Excellcnz", er bekommt jährlich 36 000 M, also genau so viel wie ein preußischer Minister. Seine Verhältnisse ermöglichen es ihm, in cincin Borort, wo er als Ingenieur gemeldet ist, eine Villa zu bewohnen. Nicht ganz so hoch, aber doch inunerhin auskömmlich besoldet— er bezieht aus Rußland monatlich 600 M.— ist ein„Baron", der den Spitznamen(nach Verbrechcrart tragen alle diese Gentleincn Spitznamen) Michel trägt, ein kleiner, schmächtiger Mcmn von aristokratischer Figur, der einen unruhigen, schüchternen Eindruck macht, seit etwa einem halben Jahre verheiratet ist und bis dahin als Junggeselle mit eigner Wirtschast in Charlottenbnrg wohnte. Dem„Baron" sind eine Anzahl Helfer beigegeben, u. a. Karl Wolz genannt Hansen, Neuhaus genannt Seltmann und ein gewisser Schlieper. Einen von diesen Ehrenmännern Ivollen wir ausführlicher porträtieren. Karl Wolz, geboren im Jahre 1875 in Stuttgart, verheiratet mit Agnes Wolz, wohnte bis zum 12. Februar 1902 in Berlin, Fenn- straße 60, und zog dann nach Charlottenburg, Sesenheimerstr. 4. In Berlin war er als Kaufmann, in Charlottenburg dagegen als Beamter gemeldet. Er tvar früher Matrose, hatte an beiden Unter- annen Tätowierungen, die er sich jetzt hat ausbrennen lassen; die Narben sind noch zu sehen. Auch sonst ist er leicht erkennbar durch seine stark hervorstehenden Zähne und seine tiefliegenden, Chinesen ähnliche Augen. Mit Vorliebe hielt er sich bis vor kurzem am Stuttgarter Platz iu Charlottenburg auf, von wo aus er die Rüsten beobachtete. Löste sich ein Russe ein Billet, so stand hinter ihm der Spitzel am Schalter, um sich gleichfalls ein Billet in derselben Rich- tung zu lösen und seinen Schutzbefohlenen zu begleiten. Den Wolz unterstützt seine Schwägerin, ein gut dressiertes Kind von etwa zwölf Jahren, das bei ihm lvohut und für dessen Erziehung seine Frau Pflegegelder erhält. Wolz ist sich seines unanständigen Treibens toohl bewußt; es ist deshalb, vielleicht auch wegen seiner grenzen- losen Ungeschicklichkeit, schon wiederholt zu Familienscenen gekommen. In einem Brief seiner Mutter auS dem Frühjahr vorigen Jahres— einem lehrreichen Dokument der Spitzel- und Spitzelmutter- Psychologie— heißt cS unter andenn: „Habe diesen Morgen Deinen Brief erhalten und bin einiger- maßen ruhiger; aber wie soll man sich so lange verbergen, wie Ihr ausziehet und wieder einziehet, das kann man doch nicht so geheim, bei Eurem Hausherrn loird gewiß auch nach- gestagt, ob eS niemand sieht oder hört, da darf man ja nicht einmal sprechen. Daß Dein Chef erfahren, daß Tu in Waiblingen als Kriminalbeamter bekannt bist, ist unglaublich, die wollen Euch nur auf die Probe stellen, vor allem thut nur Stiefel, Kleider lMontterungSstücke zur Spitzel-Amtsttacht. Amn. der Redaktion.) usw. auf die Seite, denn da könnte einmal unerhoffter Besuch kommen. Bon mir aus kommt auch nichts heraus, da soll sich nur zuerst Agnes in acht nehmen, denn allem nach ist sie doch die Hauptschuldige von HermSdorf her.... Für Karl wäre es doch am Ende besser gewesen, er hätte AgneS zuerst mit den Kindern weggeschickt, als immer in der Angst leben, verraten zu werden. Ihr müßt mm aber tüchtig auf der Hut sein." WaS die Bezugnahme dieses Briefes auf Hermsdorf betrifft, darüber weiter unten Näheres. Hier sei nur noch mitgeteilt, daß Wolz monatlich 175 M. russisches Gehalt hat. Neuhaus, genannt Seltmann, bezieht von„Väterchen" 150 M. monatlich, wohnt gleichfalls in Charlottenburg und ist nebenbei FeuervcrsicherungS-Agcnt; cS ist ein starker, kräftiger Mann, mit dunkelblondem Vollbart. Allerdings ist auf die Bartttacht kein allzu großes Gewicht zu legen, denn sowohl er als Wolz wechseln von Zeil zu Zeit die Barttracht, um sich unkenntlich zu machen. Der jüngste der Ehrenmänner ist Schlieper; er mutz sich vor- läufig mit 125 M. monatlicher Zarensubvention durchschlagen. Seine Anstellung erfolgte durch Vermittelung eines Kriminal- Wachtmeisters. Er ist ein großer, blonder, kräftiger Herr, einem Offizier ähnlich und hält sich ebenso wie Wolz gern auf dem Stutt- garter Platz auf. Alle genannten Spitzel, mit Ausnahme des„BaronS" sind auf bierwöchentlichc Kündigung angestellt. Doch klagen die„Herren" sehr darüber, daß sie manchmal drei- bis viermal inS Spitzclbureau laufen müssen, ehe sie ihren Judaslohn erhalten. Für Extraleistungen giebts besondere Gratifikattonen; bare Auslagen werden ihnen ver- gütet, und hierbei machen sie ab und zu auch einen kleinen Rebbach s„VertrauenSspescn"!). Nun zu der erwähnten Sache in HermSdorf! Hier wohnt ein Russe Dr. v. W., welcher, wie alle im Ausland lebenden russischen Intellektuellen, der russischen Regierung verdächtig ist. Wolz wurde mtt seiner Uebcrwachung betraut; er sollte beobachten, was Dr. v. W. treibt und falls dieser nach Rußland abreisen würde, sofort nach dort telegraphieren. Wäre es gelungen. Herrn Dr. v. W. an der Grenze zu fasten, so hätte Wolz für seine Bemühungen 500 M. extra bekommen. Wolz mietete sich also neben seiner Wohnung in Charlottenburg in HermSdorf, Bahnhofstt.1. ein möbliertes Zimmer zum Preise von monatlich 30 M. Liquidiert hat er dafiir dein Spitzelbureau gegenüber 45 M. Um ans Ziel zu gelangen, bediente er sich der gemeinsten Mittel. In Verkleidung, aber doch nicht so, daß er nicht erkennbar wäre, suchte er eines Abends mit Hilfe zweier Komplizen in das Zimmer des Herrn Dr. v. W. zu blicken,»in zu beobachten, was dieser treibe oder wer sich bei ihm aufhalte. Er hat es auch verstanden, sich Einblick in Telegramme, die Dr. v. W. empfing und absandte, zu verschaffen. Die Berichte des Wolz müssen wohl seinen Vorgesetzten nicht genügt haben. Deshalb erschien eines schönen TageS der„Baron" in höchsteigener Person mit einem andern Spitzel in HermSdorf und die Ehrenmänner hatten im Wirtshaus Treff eine lebhafte Unter- redung, suchten im Anschluß daran einen Schlosser auf, der ihnen für die Summe von 20 Mark, welches Geld zugleich als Schweigegeld diente, die Wohnung des Herrn Dr. v. W. öffnete, und hielten hier iu Abwesenheit des Wohnungs- inhabcrö und ohne diesen vorher und nachher zu benachrichtigen, Haussuchung. Mitgenommen haben sie bei diesem dreisten Einbruch anscheinend nichts., Wolz selbst befand sich auch oft in Geldnöten. Eines Tages drohte er sogar zu streiken, er telegraphierte an den„Baron":„So- fort Geld schicken, lann sonst nicht weiter arbeiten!"(Man beachte daS Wort„arbeiten".) Der Staatssekretär deS Auswärtigen Amtes hat in der vorigen Session des Reichstages, als von socialdemokratischer Seite bereits das russische Spitzeltvesen in Preußen aufgedeckt tvurde, zugestanden, daß russische Polizeibeamte sich hier aufhalten dürfen und er suchte diese schmähliche Unterwürfigkeit unter die russischen Wünsche durch die Ausflucht zu entschuldigen, es handle sich nur um die lieber- wachung von— Anarchisten, welche Gewaltthätigkeiten vorbereiten. Schon damals wurde bewiesen und diejetzt bekannt gewordenen That- fachen, die wir oben schilderten, bestättgen cS. daß in Wirklichkeit diese russische Spitzclbande zur Beobachtung, Auskundschaftung, Beunruhigung aller derer bestimmt ist, die irgendwie mitthätig sind, in Rußland bessere Zustände vorzubereiten. Dies feile russisch- Sweben unterstützt der preußische Staat, indem er dieses Spitzelunwesen duldet und hegt. Zu Gunsten der russischen Barbarei opfert Preußen den Rest eigner Äulturehre. Wie lange wird die öffentliche Meinung Deutschlands solche Knlturschmach dulden? poUtifcbe(leberlickt. Berlin, den 2. Die politischen Neujahrsempfänge Januar. find auch in diesem Jahre ohne jede Sensation verlaufen. Die aus- getauschten Reden wiederholten nur in banalen Allgemeinheiten die oft genug präciser markierten Auffassungen der Regierungen resp. Parteien. In Wien war diesmal jede Kundgebung unterblieben. In Budapest verbreitete sich der Ministerpräsident TiSza über den Parka- mentariSmuS im allgemeinen und die Schädlichkeit der unversöhn- lichen Obstruktion einer kleinen Minorität. Man spricht vielfach von dem allgemeinen Niedergang des Parlamentarismus. Er sei jedoch der Ansicht, daß der Parlamentarismus nur bei solchen Nationen einen Verfall anzeige, deren öffentliches Leben überhaupt krank- hafte Gebrechen aufweise. Die ungarische Nation werde die Probe, auf die sie jetzt durch die Obstruktton gestellt werde, siegreich bestehen. Sie dürfe den Glauben an den Parlamentarismus nicht verlieren, da dieser die einzige Bekundung ihres nationalen Daseins. ihrer nationalen Bestrebungen bilde. tLebhafter Beifall.) Er kömie an die cynischc Hartnäckigkeit der noch obstruierenden verschwindenden Minorität, die sich mit der öffentlichen Meinung, mit der Mehrheit deS Parlaments und mit dem nationolen Interesse in Widerspruch setze, nicht recht glauben. Die Natton müsse die unfruchtbare Bcschwerdepolitik fallen lassen, da die Interessen deS UngartumS sich mit denjenigen der Dynastie und den wohlverstandenen Interessen der Großmachtstellung der Monarchie vollkommen in Einklang be- fände». Auf eine Begrüßungsansprache der nationalen Dissi- d ente n erwiderte Graf Albert Apponqi mit einer längeren Rede, in der er ausführte, daß die Politik der gegenwärtigen Regierung ihm keine volle Bürgschaft dafür biete, dap sie die nationalen Bc- strebungen in ihrer Gesamtheit verwirklichen werde. Er könne sie daher nicht unterstützen. Die sogenannten militärischen Zu- g e st ä n d n i s s e böten keine Sicherheit für die Politik der Regierung, da sie ivohl geeignet seien, einen gewiss enWaffen- st i'l lst a n d herbeizuführen, jedoch zur Befriedigung aller berechtigten Wünsche der Natton nicht genügten. In Paris hielt bei dem Empfang deS diplomatischen Corps der päpstliche NunttuS Lorenzelli eine Ansprache, in der er ausführte, das Jahr 1903 habe einen internationalen Friede» gebracht, zu dem die Haltting Frankreichs sehr wesentlicki beigetragen habe. Der NunttuS erinnerte sodann an den Tod Leo XIII.. der die 25 Jahre seines Ponttfikats den höchsten Interessen der Menschheit gewidmet habe. Präsident Loubrt erwiderte, Frankreich ver- gesse nicht, i» lvelchcm Maße die Welt den Frieden auch der klugen Haltung der aus- wältigen Regierungen verdanke. Dieser Klugheit und dem guten Willen. Konflikte zu vermeiden, seien die Konven- t i 0 n e n entsprosicn, die große Mächte in richtiger Würdigung der unveränderlichen Grundsätze, nach welchen die auswärttgc Politik Frankreichs geleitet Iverdc, mit Frankreich geschloffen hätten. Loubet drückte sodann sein Bedanern über den Tod Leos XIII. auS und schloß mit den besten Wünschen für die Staatsoberhäupter. In klerikalen Kreisen hat die Zurückhalttmg Lorenzcllis, der die antiklerikale Campagnc mit keiner Silbe erwähnte, ziemlich verschnupft. In Rom hielt beim Empfange der französische Bot- s ch a f t e r Bnrrere eine Ansprache, in der er die italienisch-fran- zösisÄe Freundschaft feierte. Die Neujahrsempfänge in Brüssel und N e tv U 0 r k verliefen gleich belanglos.— Als Stille vor dem Sturme deutet man in England das Ausbleiben von Nachrichten au« Ost» asicii. Zum erstenmal seit Beginn der ostasiatischen KrisiS sind am Sonnabend nämlich die Londoner Blätter und Depeschenagenturen ohne jede Nachricht aus Japan. Da die englischen Blätter in Japan zahlrcicheKorrespondenten unterhalten und die japanische C e n s u r b i S h e r m i l d c g e h a n d h a b t wurde, nimmt man an. daß die Telegranime absichtlich aufgehalten worden sind. DailyTclegraph" bringt an hervorragender Stelle fettgedruckt folgende Auslassung:„Selbst in diplomatischen Kreisen, die bisher eine hoffnungsvolle Auffassung bezüglich einer ftiedlichcn Lösung der ostasiattschcn Frage hegten, tvurde gestern an- erkannt, daß ein Bruch zwischen Japan und Rußland fast un- vcrmcidlich ist. Rußland und Japan sind beide nicht Willens, in ihren Forderungen nachzugeben, und keines der beiden Länder ist geneigt, die Verinittelung einer befreundeten Macht anzurufen. Man glaubt, das; Japan bimien tvenigen Tagen einen entscheidenden Schritt thun lvird, falls nicht vorher eine versöhnliche Nachricht aus Petersburg abgeht, eine Biöglichkeit, auf die man in denjenigen Kreisen, die sich nach Lage der Dinge am besten ein Urteil bilden können, nicht rechnet." Auch der getvöhulich gut unterrichtete und häufig inspirierte „Daily Graphic" hört, die in den letzten 24 Stunden in London eingetroffenen Nachrichten rechtfertigten eine wachsende Br- sorgnis hinsichtlich der Lage in Ostasien. An bcstunterrichteter Stelle glaube man, Rußland sei zu einer Entscheidung gekommen, die den Ausbruch von Feindseligkeiten beschleunigen müsse. Großbritannien und Frankreich inachten die äußersten Anstrengungen, um eine fricd- liche Verständigung zwischen Rußland und Japan herbeizuführen. Die ftauzösische Regierung erkenne, daß ein russisch-japanischcr Krieg den französischen Besitzen, russischer Werte ungeheure Verluste bringen würde. Der Kuröfall der russischen Werte nach der Kriegs- erklärung müßte den Franzosen viele Millionen Pfund Sterlii kosten. Tokio, 2. Januar. fMeldung deS„Reuterschcn BureauS".) wird angenommen, daß morgen ein starkes Geschwader, das ans sechs Panzertreuzern besteht, von Saseho nach M a s a m p h 0(Korea) abgehen und auch Admiral Kaminura sich dorthin begeben tvird. Nach einer andren Meldung deS„Reuterschen BureauS" auö Tfchifu habe Japan noch eine Anzahl von Transportschiffen gechartert; das sechste Armee» corps fei kriegsbereit, ebenso die F l 0 t t e, die in vier Geschwader geteilt ist. „Daily Telegraph" meldet auS Nagasaki, die Bahn nach KuiShu erhielt Befehl, am 2. Januar 5000 Mann, die nach Korea unterwegs sind, nach Nagasaki zu befördern, ferner 20000 Tonnen Kohle von Kusatsu zur Ergänzimg der großen schon in Nagasaki befindlichen Kohlenvorräte zu bringen. London, 1. Januar.„Daily Telegraph" meldet aus Tokio vom 31. Dezember: Die Lage bleibt sehr ernst und erscheint verschlechtert. Japan gab dringende Anweisungen zur Vollendung beziehungsweise Erbauung mehrerer neuer Kreuzer und der Armierung von drei seiner besten Fahrzeuge der Handelöniarma als annierte Äreuzer. Seit Januar ver in ehrte Rußland fortwährend die Zahl seiner Kriegsschiffe in O st a s i e n. Der Tonnengehalt der russischen Schiffe betrug zu jener Zeit weniger als 90000 Tonnen, wird aber anfangs des neuen Jahres 200000 Tonnen bettagen. Eine Anzahl Schiffe liegt zur Abfahrt nach den ostasiattschen Gewässern bereit. Der Tomien- geHall der japanischen Schiffe bettägt 170000 Tonnen. 'New Aork, 2. Januar. Ein Telegramm aus Tokio besagt, es sei das Gerücht im Umlauf, daß der Zweck der bevor» stehenden Abreise des japanischen Geschwaders unter Admiral Kaminura von Saseho der sei, von M a s a m p h 0 Besitz zu ergreifen. Unterrichtete Kreise zweifeln indessen. daß ein solcher Schritt unternommen werden wird, es fei denn, daß nian Rußland zuvorkommen wolle ftir den Fall, daß letzteres offen- kundig die Absicht zeige, in ähnlicher Weise vorzugehen, oder wenn die rüssisch-japanischen Verhandlungen fehlschlagen sollten. » Ueber die militärischen Chancen der beiden Mächte äußert sich der bekannte M. v. Brandt, der ehemalige deutsche Gesandte in Peking, folgendermaßen: „Was nun den Ausgang des Kampfes anbetrifft, so ist es ge- fährlich, in solchen Fragen den Propheten spielen zu wollen. Japan ivürde dicht an seiner Basis kämpsen und besitzt die Mittel, etwaige Verluste nach jeder Richtung hin schnell und leicht ergänzen zu können. Außerdem ist seine Flotte der russischen in den ostasiati- schen Gewässern mindestens gleich, seine Armee dem, was Rußland dort hat und in absehbarer Zeit haben kann, weit überlegen, und es ist nicht zu beftirchtcn, daß sich in der japanischen Armee Eifersüchteleien zeigen werden, wie die, Ivelche Rußland i, seinem letzten Kriege gegen die Türkei nicht vor harten Rückschlägen bcivahrten. Freilich fehlt es Japan an der Hmiptfache für eiiia Krieg, dem Gelbe, aber Rußland ist in der Beziehung nicht bester gestellt, und Japan würde eine finanzielle Krisis voraussichtlich schneller und leichter überwinden als Rußland, das sich seit einem Jahrzehnt und länger dauernd in einer solchen befindet." Deutrchea Reich. Ein Reichötags-Abgeordneter Wege» Wechselfälschung verurteilt! München, 2. Januar.(Privat-Depcsche.) DaS hiesige Land» geeicht verhandelte gegen den Reichstags- Abgeordneten Seyboty wegen Urkundenfälschung und Bcttug. Er ist vorbestraft wegen Körperverletzung und Bestechung. Er leugnet, selbst Wechsel gefälscht zu haben, wahrscheinlich habe einer seiner Angestellten, den er aber nicht nennen wolle, die That begangen. Jede weitere Aussage verweigerte der Angetlagte. D?r Staatsanwalt geißelte den geringen sittlichen Riilt, die That einzugestehen, und die Dreistigkeit, nach er- solgter Anklage noch das Mandat zum Reichstag anzunehmea, Er üeankaüt« z'.vci Jahre Gefängnis und fünf Jahre GhrenrechtSNerlust. '.ZaL Urteil lautete auf lä Mvnatc Gefängnis und fünf Jahre Ehren- rechisverlust. " Der Abgeordnete Sehhoth gehörte der Freisinnigen VolkSpartei an. Es ist betrübend, das; ein Mitglied des Reichstags sich derartig ehrloser Handlungen schuldig gemacht hat. Al-Z die Nachricht Do« der gegen ihn gerichteten Strafverfolgung vor einiger Zeit bekannt wurde, versuchte die freisinnige Presse cS so darzustellen, als sei Seyboth das Opfer unwahrer Beschuldigungen. Tie Gerichtsverhandlung hat das Gegenteil erwiesen. Seyboth ist im Wahlkreise E s ch w e- Schmalkalden gc- wählt worden, und zwar mit konservativer Hilfe gegen die Socialdemokratic. Der Kreis war seit 18S8 durch die frei- konservative Partei vertreten. Am 10. Juni 1003 erhielt diese Partei 3812, die Freisinnige VolkSpartci 4316, die deutsth-sociale Ncform- partei 3300, die Socialdemokratic 0483 Stimmen. In der Stich- Wahl siegte Seyboth mit 10348 gegen?030 socialdemokratische Stimmen. Bei der bevorstehenden Ersatzwahl dürfte ein sehr leb- hafter Wahlkampf entbrennen. 4»* Ueber die Prozefjverhaichluiig geht iniS noch dieser ausfuhr- nchere Bericht zn: . Die Anklage geht dahin, dag Seyboth einen am 4. Juni ausgestellten und am 4. September fälligen Wechsel über 1 1 700 M. fälschlich mit dem Accept der Firma Jakob Andreas Klosterbraucrei Eschwege versah. Den Wechsel setzte Seyboth � bei der Handelsbank in München in Bargeld um, und diese gab ihn wieder an die Reichsbank weiter. Am Verfalltage löste Seyboth den Wechsel bei der Reichsbank in Berlin selber wieder ein. Seyboth giebt zn Beginn der Verhandlung die Erklärung ab, das; er unschuldig sei, daß er im übrigen aber auf die Anklage nicht antworten werde. Es wurde sofort in die Zcugcnvcrnchmnng eingetreten. Direktor Manz der bayrischen Handelsbank giebt an, daß unter dem 4. Juni von Leonhard Seyboth an die Bank die briefliche Anfrage erging. ob die Handelsbank einen auf die Finna Jakob Andreas lautenden Wechsel diskontiere. Die Handelsbank Kabe keinerlei Bedenken gehabt. Diese Mitteilung wurde Seyboth postlagernd-zu teil. Für den Zeugen besteht kein Ziveifel. daß dieAnfrage thatlächlich vonSeyboth er- folgt ist. Ungefähr acht Tage später sei der Wechsel an der Kasse zur Auszahlung präsentiert worden, nachdem vorher ein Brief Scybolhs einlief mit der Mitteilung, daß er nach seiner Rückkunft den Wechsel vorlegen werde. Die Empfangsbescheinigung über die Valuta trage die Unterschrift: Leonhard Seyboth. Der Zeilge halte diese Unter- schrift für echt. Der Wechsel sei an die Reichsbank in Berlin weiter- gegeben worden. Bei dieser sei es Usus, daß einen Tag vor dem Verfalltag der Acccptant benachrichtigt werde. Dies sei auch bei der Firma Jakob Andreas der Fall gewesen, wodurch die Sache aufkam. Zeuge Kailfmaun Eduard Doehle, Teilhaber der Firma Jakob Andreas, habe, als er durch die Rcichsbank von der Eristcnz des fraglichen Wechsels benachrichtigt wurde, sofort tekcgraphisch Aufklärung[verlangt. Darauf erhielt er die briefliche Mitteilung, daß der Wechsel von Leonhard Seyboth- München ausgestellt sei und von dem angeblichen Acceptanten Jakob Andreas an der Kasse der Reichsbank eingelöst Ivurde. Doehle wandte sich hierauf an Seyboth, worauf er von diesem einen Brief erhielt des Inhalts, daß er den Wechsel nicht ausgestellt habe, sondern selbst von dessen Existenz überrascht sei. Seyboth lenkte den Verdacht auf einen von ihm entlassenen Buchhalter, dem er einen solchen Streich zutraue, und der ohne Schwierigkeit sein Accept fälschen konnte. Da doch alles gedeckt sei, riet er der Firma Jakob Andreas, daß man die Sache auf sich beruhen lassen und sich wegen des Kerls keine weiteren Laufereien machen solle. Der Zeuge forderte energisch weitere Aufklärungen. Darauf erhielt er von Seyboth die Mit- teilung, daß der betreffende Buchhalter die Fälschung eingestanden und ihn unter Thränen um Verzeihung gebeten habe. Seyboth kündigte sein persönliches Erscheinen an und riet, die Sache in Anbettacht der gefährdeten Existenz des jungen Mannes nicht weiter zu verfolgen. Seyboth fuhr nach Schmalkalden, wo er bei der Unterredung mit dem Zeugen trotz eindringlichen Vorhaltes die Angabe des Namens des betreffenden Buchhalters verweigerte. Die Angslegenheir wurde sodann der Polizei übergeben. Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt eine Gefängnis- strafe von zwei Jahren und den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre. Das Urteil lautete wegen Verbrechens der Privaturkundeu- fälfchung im Zusammenhang mit einem Vergehen des Betruges auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahre drei Monaten und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte aus fünf Jahre. Aus der Urteils- bearünduug ist zu entnehmen, daß der Gerichtshof nach dem Er- gebnis der Beweisaufnahme keinen Zweifel mehr bat, daß der Angeklagte den Wechsel selbst gefälscht und ihn zum Zwecks der Diskontierung an die Bayrische Handelsbank geschickt hat. Der Gerichtshof hat als erwiesen angenommen, daß der Angeklagte die bezüglichen Briefe selbst gefälscht hat. Der Gerichts- Hof hat aber mit Rücksicht auf den llmstand, daß der Angeklagte denWechsel rechtzeitig eingelösthat. beschlossen, ihm mildernde Umstände zuzubilligen. Bei der Strafbemessnng hat der Gerichtshöf erwogen, daß der Angeklagte beharrlich leugnete und daß er vor- bestraft ist mir 300 M. wegen Bestechung, ferner die bohe Summe und daß er sich vergangen hat gegen Treu und Glauben im Handels- verkehr. Aus diesem Grunde hat der Gerichtshof für richtig erachtet, dem Angeklagten auch die bürgerlichen Ehrenrechte abzuertennen.— Schäffle. ES wird uns geschrieben: In den Nekrologen, welche die Parteipresse anläßlich deS Todes von Profestor Schäffle veröffentlichte, ist ein Vorgang ans seinem Leben nicht erwähnt worden, der ftir die Partei ein besonderes Interesse bat. Als im Februar 1871 Schäffle in das öst- reichische Ministerium Hohenwort trat, machte er zur Bedingung, daß die im Jahr zuvor in Wien loegen angeblicher hochverräterischer Handlungen zu mehrjährigem Zuchthaus verurteilten Parteigenossen Oberwindcr, Andreas Scheu, Tischler Härtung, Johann Most:c. be- gnadigt würden. Und diese Begnadigung erfolgte. Von den damals Begnadigten ist Obertvinder zuerst der Partei mitten geworden; er trat Ende der siebziger Jahre in die offiziösen Dienste des Bismarck- scheu Regiments und ist gegenwärtig Redakteur an dem offiziellen Organ des Dresdener Stadtrats, dem„Dresdener �Anzeiger"; Johann Most wurde bekanntlich nach Lerhängung des Socialiften- gesetzes Anarchist und lebt gegenwärtig in' den Vereinigten Staaten; Andreas Scheu, der heute noch zur Partei gehört, wanderte nach England aus und Härtung lebt seit Jahrzehnten als wohlbestallter Tischlermeister in Zürich, woselbst er sich von jeder öffentlichen Thätigkeit fernhält. In Bezug auf Schäffle sei noch folgendes erwähnt: Als Schäffle 1808' als Mitglied des Zollparlaments nach Berlin kam, ttat er dort mit einem Teil seiner schwäbischen Kollegen in nähere Beziehungen zu Liebknecht und Bebel. Eine Folge dieser Beziehungen war, daß, als Anfang 1873 der erste Band seines Werkes:„Vau und Leben des socialen Körpers" erschien, er diesen nebst eineni freundlichen Schreiben an Bebel übersandte. Als er dann 1877 nach Leipzig kam. um seinen dort an der Universität dozierenden Freund Prof. Dr. Fr zn besuchen, suchte er auch Bebel ans. In der längeren Unterhalumg, die iJameis seide führten, der zufällig auch Jul. Mottelcr beiwohnte, war es SchäffleS hauptsächlichstes Bemühen, Bebel auseinanderzusetzen, in wel.»er Weise der socialistische Staat und speciell die Wehrverfassung desselben organisiert sein müßte. Später erwiderte Bebel zweimal und zwar Ende der siebziger und anfangs der achtziger Jahre den Besuch Schäffles in dessen Wohnung in Stuttgart, woselbst man sich in der Hauptsache über dasselbe Thema wie in Leipzig unterhielt. Die Hauptdifferenz zwischen beiden bestand darin, daß' Schälle die Verwirklichung des SocialismnS ins 21. Jahrhundert verlegte, während Bebel dafür einen iveit früheren Zeilpunkt in Aussicht nahm, aber daß der SocialismuS seine Ziele verwirkliche, darüber war nach jenen Unterhaltungen bei Schäffle kein Zweifel. Um so überraschender war, daß er einige Jahre später seine Schrift „Die Aussichtslosigkeit der Socialdemokratic" erscheinen ließ, die von Hermann Bahr, der zu jener Zeit in socialistischen Bahnen wandelte, mit einer Broschüre„Die Einsichtslosigkeit des Herrn Schäffle" beantwortet wurde. Schäffle unterließ cS, ans die gut gezielten Hiebe Bahr's auch mir mit einer Zeile zu antworten. Was" ihn zu seinem Gesinnungswechsel veranlaßle, der bei einem in vorgeschrittenen Jahren stehenden Manne wie Schäffle doppelt auffällig war, er- scheint auf den ersten Blick als ein Rätsel. Aber Mitte der achtziger Jahre verlautete, daß Bismarck zu Schäffle in Beziehungen getreten und sein Gutachten über die damals in der Ausführung begriffene Versicherniigs-Gesetzgebung eingeholt habe. Es ivurde sogar be- haupter. Schäffle habe sich mit der Hoffnung getragen, Bismarck werde ihn in ein hohes Reichsamt berufen. Das scheint seinen auf- fälligen Gesinnungswechsel hervorgerufen zu haben, der sonst nicht erklärlich wäre.—'_ Als dreißigste größere Uniformändcrung binnen 16 Jahren bezeichnet die konservative„Schles. Ztg." die neueste von oben vorgeschriebene Mode der Offiziersmäntel, über die wir bereits in einer unsrer letzten Rnmmcni berichteten. Nach einer dem Blatt zugegangenen Zuschrift aus Offizierskreisen hatten diese Aendeningen jedem Ofnziersinnerhalb der 16 Jahre eine Extta-AuSgabe von 803 M. verursacht. Dabei sei die Ausrüstung um kein Haar kriegsmäßiger geworden. Auch die„National-Zeitnng" schreibt: „Wir haben gestern die sehr niedrig gegriffene Schätzung eines Militärs in einer konservativen Zeitung wiedergegeben, in der die den Offizieren durch die neueren Uniformänderungen ans- gebürdeten Mehrkosten der Ausrüstung auf 583 M. pro Kopf beziffert werden. Bei einem Offiziercorps von fast 25 000 Köpfen ergiebt bereits diese, wie gesagt, sehr niedrige Schätzung, bei der alle not- wendigen und alle als Fortschritt anerkannten Veränderungen ab- gerechnet sind, einen cnwrhrlichrn Mchraufwaud von etwa 15 Mill. Mark allein für die einmalige Anschaffung, ungeachtet dir fortgesetzte Erneuerung." Und da eifert man gegen den Luxus im Offiziercorpz l � Mißbrauch der Staatsmaschinerie. Wir haben die ministerielle Anweisung erwähnt, die den Land- räten und Bürgermeistern Preußens die Verbreitung der B ü l o w- Reden austrug. Natürlich kommen die Unterbehörden dein Befehl unverzüglich nach. Aus verschiedenen Kreisen wird uns gemeldet, daß die Landräte die Bülow-Propaganda ciftig aufgenommen haben. Als Beispiel diene das uns zugehende Empfehlungsschreiben, das im Kreise LandeShut an alle Industriellen versandt worden ist: „Der Königliche Landrat. LandeShut, den 21. Dezember 1903. ES erscheint erwünscht, die von dem Herrn Reichskanzler in den Reichstagssitzungen vom 10. und 14. d. Mts. gegen die Socialdemottatie gehaltenen Reden zur Kenntnis möglichst weiter VolkSkrcise zu bringen. In dem Verlage von E. S. Mittler u. Sohn in Berlin, Kochstraße 68/71, ist eine diese Reden auszugsweise enthaltende Broschüre erschienen, von welcher 100 Abdrücke zum Preise von 4 Mark, 500 zuin Preise von 16 Mari und 1000 Abdrücke zum Preise von 23 Mark bezogen werden können. Ich bin bereit, den Bezug zu vermitteln und ersuche ergebenst um recht baldige Mitteilung, lvie viel Exemplare zur Verteilung unter die dortigen Arbeiter gewünscht werden. gez. v. Tocttnchem." So dankbar wir nnS wiederholt dafür bekannt haben, daß den Arbeitern gezeigt wird, mit welcherlei Spaßhaftigteiten der erste ReichSbeamte den SocialismuS zu bekämpfen vermeint, so liegt es uns doch fern, den Mißbrauch des staatlichen Apparates, der zu diesem edlen Zwecke betrieben wird, ohne Widerspruch geschehen zn lassen. Weder der Minister noch die Landräte erhalten äuS Staats- mittel» ihre Besoldung, mn ihre Zeit und Arbeitskraft zur Be- kämpfuug einer einzelnen Partei aufzuwenden. Auch die Ver- scndung' der zahlreichen Angebotsbricfe, die Ausführung der ein- gehenden Bestellungen usw. erfordern finanzielle Aufwendungen, zu denen die Behörden keineswegs berechtigt sind. Die Umgestaltung der Landratsämter in Buchhandlungsstellen für Bülow-Broschürcn ist leider im Organisationsgesetz der preußischen Behörden nicht vor- gesehen.—___ Daß in Breslau auch milde Richter ihres AmteS walten, konnte in einer Gerichtsverhandlung am Sonnabend der Vorsitzende des Maurcrvcrbandes erfahren. Diesmal stand ein Arbeits- williger nicht als Kläger oder Zeuge, sondern als A n- geklagter vor dem Richter; nicht er war von den terroristischen Verbändlcrn beleidigt worden, sondern er hatte den Führer der Maurerorganisation beleidigt. Ans einem Bau hatte er diesem nach- geredet:„Ter Löidera soll nur ruhig sein, der hat s r ü h e r s ch o n einmal 500 M. gestohlen und sich schöne Anzüge dafür ge- kauft, dem ist so lvas auch jetzt wieder zuzutrauen." Ter angeklagte Arbeitswillige, der sich als verfolgtes Opfer d c r V c c- Händler hinstellte, wollte diese Behauptung nicht ausgestellt, sondern nur ein bestehendes Gerücht weiter verbreitet haben. Jedenfalls wurde festgestellt, daß er die Beleidigung verbreitet habe, und erhielt dafür— 30 M. Geldstrafe. Als Belastungszeuge trat in diesem Prozeß auch der wegen Bedrohung von Arbeitswilligen zu eineinhalb Jahren Gefängnis ver- urteilte Maurer Machate auf. Der augetlagte Arbeitswillige erzählte dem Richter, er sei von Machate und andren verprügelt worden. Als dann Machate vorgelassen wurde, sagte der Richter zu dem Streikbrecher:„Nun stehen Sie stch Aug' in Auge gegen- über, sind Sie von Machate geprügelt worden?" Hierauf antwortete er kleinlaut:„Nein, von Machate n i ch t I"— Und auf die Aussage von solchen Menschen hin werden oft genug ehrliche Arbeiter inS Gefängnis geschickt.— Zum„Rrichsvcrband" ftir Socialistenbekämpfung, von dessen Treiben wir wiederholt Mitteilungen machten, hat Herr Dr. Heinrich Fränkel-Bürger, wie er uns mitteilt, leine Beziehungen, auch stamme die Idee des Verbandes nicht von ihm.— Die„Germania" braucht eine Ausflucht vor den ungeheuerlichen Bloßstellungen, denen ihre Partei und der gesamte KatholicismuS durch die neuesten Verlündigungcn des katholischen Kirchenoberhauptes — Verewigung des Gegensatzes von Reich und Arm, Ertötung aller freien Forschung— ausgesetzt wurde. An der welthistorischen An- klage diabolischer Kulttirfeindschaft und Gcistesertötung drückt sich das Centtumsblatt scheu vorbei und versucht auf örtliche Kleinigkeiten im Lager der Gegner die öffentliche Aufmerksamkeit abzulenken. Die verbitterten Darstellungen in der Broschüre Görke» über Eharlotten- burger Parteiverhältnisfe geben ihr Anlaß zur Entdeckung erschreck- lichster„Korruption in der Socialdemokratie". Die„Germania" setzt dieses Ablenkungsmanöver im neuen Jahre unvermindert fort, wie der 31. Dezember, so brachte per 1. Januar lange Abhandlungen über die Görkeschen„Enthüllungen". Nur die Unehrlichkeit der„Germania" gestattet solchen„Feld- zug" und sie Beschuldigungen, die gegen uns erhoben werden, weil wir nicht sofort die Broschüre G.s abgedruckt und widerlegt haben. Die„Germania" erklärt Görkes Broschüre für eine sehr lehrreiche Lektüre, die im Buchhandel weitesten Kreisen zugänglich gemacht werden sollte. Wir hätten hiergegen nicht das mindeste einzuwenden und geben der„Germania" anheim, diese Aufgabe zu besorgen und etwa mit den Bülow-Reden zugleich diese Broichüre zur Verbreitung zu bringen. Nur dadurch, daß die Broschüre nicht allgemein zu- gänglich ist, kann sie den Zwecken der„Germania" dienen. Jeder, der die Broschüre sachlich beurteilt, wird zu der Meinung ge- langen, daß sie ebenso stark an erregten Worten wie arm an be- weisenden Thatsachen ist, wobei wir es dahingestellt lassen, ob der Verfasser der Broschüre Thatsachen», aterial beizubringen im stände ist oder nicht. Die Broschüre ist nur ftir Personen versaßt und ver- stündlich, die mit den Details der Charlottenburger Verhältnisse lind Personen durchaus vertraut sind. Besäße die„Germama" nur ven Mindcstgrad politischer Ehrenhaftigkeit, so würde sie zugestehen, daß auf Grund der in der Broschüre beigebrachten Behauptungen sich uberhanptz keinerlei Urteil fällen läßt, ob wirtlich in Charlottenburg einige menschlich allzumenschliche Berfehlungeu festzustellen sind. Ebenso lächerlich erheuchelt ist die wiederholte Enttiistung der „Germania", daß der„Vorwärts" den Inhalt der Broschüre nichr mitteile oder widerlege. Sie schnaubt uns an, daß wir doch Zeit genug gehabt hätten, die Behauptungen zu untersuchen. Aber die „Germania" weiß genau, daß es für den„Vorwärts", selbst wenn die Angelegenheit wichttger wäre als sie ist, unmöglich sein würde, selbst eine Untersnchung zn führen und die Wahrheit festzustellen. Wir teilten schon mit, daß bereits ein Schiedsgericht mit der An- gelegenheit besaßt ist. in daS auch Genosse Görke seine Vertreter cnt- sendet. Dieses Schiedsgerich: wirddenFall inallerSachlichkeit behandeln und der„Vorwärts"'wird dann alles mitteilen, was irgend zur Ans- klärung erforderlich ist. Jetzt die cinseingen und der sachlichen Be- urteilung unzugänglichen Anschuldigungen Görkes, die dieser selbst nicht der Oeffentlichkeit unterbreiten wollte, mitzuteilen, wäre wertlos und sinnlos. Wenn die„Germania" aber bestreitet, daß sie auch noch grobe Entstellungen deS Inhalts der Broschüre sich hat zu Schulden kommen lassen, so genüge ein Hinweis. Nach der„Germania" hätten unsre Genossen, die dieVorbcrcittmgcn des VolkshausmtternchmenS besorgten, in den zahlreichen Konserenzen, die mit dem Bauunternehmer, dem Ver- mittler k. stattfanden, auf K o st en andrer gelebt; diese gemeine Bezichtigung ist nur eine freche Erfindung der„Germania", denn Görke bar eine solche Behauptung, die ihn selbst tteffen würde, nicht aufgestellt. Der Einzelsall zeigt, daß die„Germania", wenn sie Korruption andrer aufznwsisen vorgiebt, nur die eigne Verlogenheit zur Schau bringt.— Huöland. Rußland. Ueber die Studentenuiiruhcn wird aus Kiew gemeldet: Die fogevannken„Heiligen Liguen", die der Minister des Innern v. Plehwe zusammen mit dem Unterrichtsminister kürzlich ins Leben gerufen hat, haben sich, wie vorauszusehen war, als jämmerliche F a l f ch s p c k u l a t i o n e n erwiesen, und sie sind hauptsächlich für die Schärfe und Bitterkeit verantwortlich zu machen, die au den gegenwärtigen Studenten- bewegungcn aussällr. Herr v. Plehwe hoffte, durch diese anti- s o c i a l i it i s ck' e n, antirevolutionären„Heiligen Liguen" der aufrührerischen Propaganda unter der großen Mehrheit der Studenten entgegenzuwirken, indem er die kleinen Minderheiten anscheinend loyaler Alumnen zu einem Lundeslrenzzug gegen ihre mißvergnügten slommilitoncn vereinigte. In Wahr- heil g ic b t e s aber keine loyalen Minderheiten unter den Studenten, wenn auch Gruppen vorhanden sind. die. um ihre Studien ungestört verfolgen zu können, ihre politischen Gefühle unter äußerem Wohlverholten verbergen. Unter den Studenten selbst herrscht starke Meinungsverschiedenheit über die Mittel, die anzuwenden sind, um die Regierung zur Einführung von Reformen zn zwingen. Tie Begründung der„Heiligen Liguen" darf als ein letzter, verzweifelter Versuch der Behörden bezeichnet werden, ein wirksames System der politischen Spionage an den Universitäten einzuführen, nachdem alle früheren derartigen Ver- suche gründlich mißlungen sind. Die dem Gedanken der„Heiligen Liguen" anhaftende Unklugbcit tritt in der Wirklichkeit auch schon darin zu Tage, daß unter ihren Mitgliedern sich bereits zahlreiche revolutionäre Studenten befinden. Mit der bei ihnen gewohnten Gewandtheit haben die Revolutionäre sich sofort der Waffen be- niächligt, welche die Regierung gegen sie zn richte» gedachte, und ein neues Mittel gefunden, geheime Gesellschaften zn bilden. Im letzten Jahre sind die revolutionären Tendenzen, die an den Universitäten herrschen, auch in die technischen Hochschulen und die höheren Klassen der Gymnasien eingedrungen, und außerhalb dieser akademischen Kreise macht die socialdemokratische Pro» p a g a n d a unter f a st allen industriellen.�lassen der Bevölkerung außerordentliche Fortschritte. Und bei alledem ist wohl lauin ein einziges Mitglied der Regierung oder deS laiscrlichen Hofes im stände, die ernste e-prache dieses un- heilkündenden Grollens dieses unterirdischen Rußland richtig zu deuten. Tie Strebungcn eines von der Polizei geknechteten Volkes können selbst von einer autokratischen und despotischen Regierung nicht immer übergangen werden. Die Thatsache, daß jährlich fünfundzwanzig- bis dreißigtausend intelligente, hochgebildete junge Leute, alle von dem Gefühl starker Mißstimmung über die bestehenden Zustände erfüllt, von den Uuivcrsilä-cn und Hockffchulen in alle Schichten der russischen Gesellschaft eindringen, bildet an sich ge- uügenden Gniud zum ernstesten Nachdenken mif feiten der Auto- kratie und der russischen Gesetzgebung. Ein russischer General soll kürzlich zu einem englischen ZeitungS» k o r r e s p o n d e n t e n bemerkt haben:„G o t t s ch ü tz c uns, wenn wir in einen langwierigen und unglücklichen Krieg mit Japan verwickelt lv erden sollten. Wir würden gleichzeitig mit einer inneren Erhebung zu kämpfen haben."— Amerika. lieber die Panama-Affaire, schreibt man nnS aus New Jork vom 14. Dezember, werden die Leser, was den Gang der Ereignisse in der letztenZeit betrifft, schon durch die täglichen Nachrichten unterrichtet sein. Es bleibt aber ein Punkt zn erörtern, den die kapitalistische Presse hier nicht oder nicht in klarer Weise besprochen bat. und der also wobl auch nicht in der europäischen Presse behandelt worden ist. Wir haben es nämlich da mit einem gigantischen Schwindel zu thun, der würdig dem alten Panama-Schwiudel an die Seite gestellt werden kann._ Handelt eS sich doch darum, aus„Onkel Sams" Tasche für ein nicht exisnerendeS Etwas die hübsche Summe von 40 Millionen Dollar zu erlangen wovon freilich ein hübscher Teil im Lande bleiben wird, wenn er auch nicht in jene Tasche zurückfließt.— Die sogenannte„Neue Panama Canal Co." führt, was nie recht beachtet worden ist, diesen Namen mit Unrecht und sollte richtiger„Anti- Eanal Eo." heißen. Sie ist die Erbauerin der. Eisenbahn über die Landenge und hat aus derselben sch�n seit Jahren hübsche Profite bezogen; voriges Jahr betrugen die Dividende» auf daS 15 Millionen Dollar be- lrageude Kapital 20 Proz. Sie hatte also das größte Interesse daran, daß überhaupt kein Kanal zur Verbindung der beiden Meere gebaut werde, weder durch Panama, noch einen andren Teil der Landenge. Seitdem nun in den_ Vereinigten Staaten die Kanalbauftage in Fluß gekommen ist, hat die Gesellschaft alle.Hebel angesetzt, um Hindernisse in den Weg zu legen. Von ihr rühren auch zweifellos die überttiebenen Nachrichten von den Vulkaiiausbrüchen und Erdbeben in dem an Nicaragua grenzenden Guatemala her, die in die Welt gesetzt worden waren, nachdem sich die namhaftesten Ingenieure der VereinigtcnStaaten dahin ausgesprochen, daß nur die Nicaragua- Route in Betracht kommen könne. Und als nun trotz jener„abschreckenden Naturereignisse" das Repräsentantenhaus des BundeSkongresses die Nicaragua-Vorlage annahm und die Häupter der Panama-Compagnie also einsahen, daß kein andres Mittel mehr helfen konnte, machten sie fünf Tage nach jenem Beschluß— den Vereinigten Staaten den Vorschlag, die ge- samten Kanal-(wohlverstaitden, nicht Eisenbahn-) Privilegien und das dito Eigentum der Gesellschaft für 40 Millionen Dollar abzukaufen. DieS brachte die Sache vorläufig zum Stillstand, und die inzwischen von den Agenten der Gesellschaft in den Vereinigten Staaten bettiebcncn geheimen Manipulattonen zeigten ihre Früchte, als sechs Monate später im Bundesscnat obige Kanalvorlage dahin amendiert wurde, daß der Bundespräsident berechtigt sei, die Offerte der Ge- sellschaft anzimehme» unter der Bedingung, daß sich Columbia mit den bezüglichen Beslimnumgen innerhalb eines' bestimmten Zeit- pmikteS(als welcher später der 23. September festgesetzt wurde) einverstanden erkläre; andernfalls ward_ dein Präsidenten freie Hand gegebe», wegen deS Nicaragua» Kanals Echritte elilzuleiten. Iltib das Repräsentantenhaus stimmte dieser Vorlage fast mit derselben Majorität bei, die früher für die Nicaragua-Vorlagc erfolgt war. Die Regierung von Columbia nahm aber eine ablehnende Haltung ein und die Legislatur des Staates lehnte die betreffende Vorlage ab fohne Zweifel, lveil in derselben nicht genügend„Schmier- geld" vorgesehen war), so das; also für den Präsidenten der Vereinigten Staaten eigentlich nichts andres übrig blieb, als die in diesem Falle vorgesehenen Schritte bezüglich des Nicaragua- Kanals zu thiut. Es geschah aber nichts dergleichen— dagegen erfolgte einen Monat später die„Revolution" in Panama, welcher die Unabhängigkeitscrklämng und die Etablierung einer„Legislatur" folgte, deren erste Handlung die Ernennung des Agenten der Panama Eanal Eompagnie-Agenten in Washington, Varilla, zum Unterhändler mit der Vereinigte» �taaten-Rcgieruiig bezüglich der Eanal-An- gelegenhcit war. Das Weitere wissen die Leser. Nene Unruhe» auf dem JsthmuS stellt eine Meldung des„Daily Telegraph in Aussicht. Dem Blatte wird aus New Dorl gedrahtet, auf dem JsthinnS von Panama bestehe die Dt ö g l i ch k e i t einer neuen Revolution, diesmal aber gegen die Regierung der neuen Republik; in Washington werde diese Möglichkeit lebhaft erörtert.— In Colon erhält sich, wie telegraphisch berichtet wird, hart- näckig d»S Gerücht, dah amerikanische Kriegsschiffe das k o l u m b i s ch e K a n o n c u b o o t„P i n z o n" zum Sinken gebracht hätten; eine Bestätigung des Gerüchtes liegt nicht vor.— parlamcntarifcbca. Die Zusaimnensekmig des preußischen Abgeordnetenhauses. Nach amtlichen Quellen werden bei der am 16. Januar erfolgenden Er- öffnung des Landtages in das preußische Abgeordnetenhaus einziehen die Konservativen mit 143 fdarunter LS Reichstagsmitglieder und als Hospitant Dr. Gaigalat), die Freikonservativen mit 59(darunter 1l Reichstagsmitglieder, als Hospitant Lüdicke, 6. Potsdam), die Nationalliberalen mit 79(darunter 11 im Reichstage, als Hospitant Kölle, 4. Hildesheim-, die Freisinnige Volkspartci mit 24(darunter 7 im Reichstage), die Freisinnige Bereinigung mit 8. das Eentrinn mit 97(darunter 42 im Reichstage), die Polen mit 12(außerdem ein Mandat erledigt, darunter 5 im Reichstage) Mitgliedern; bei leiner Partei sind 10 Mitglieder des Abgeordnetenhauses. Im ganzen besitzen 106 Mitglieder des Abgeordnetenhauses Doppel- wanoutc für Reichstag und Landtag. Ein verlorenes Jahr. -st- Wien, 31. Dezember. Am Ende jedes Jahres steht in Oestreich der§ 14. Mit Ans- nähme eines Zufallsjahres— jenem, wo die Kanal- und Bahn- vorlagen dem Parlament ein kurzes Scheinleben verschafften— wird feit dem Schicksalsjahre 1897 jeder Silvester mit der fälligen $ 14-Berordnung begrüßt: mit dem Berfassmigsbruch, dem traurigen Reste der gesetzlichen Verfassung. So war es voriges Jahr, so ist es dieses: das obstruierte Parlament wurde heimgeschickt und die „provisorische" Feststellung des Budgets erfolgt durch eine kaisei liche Verordnung— als Sinnbild der traurigen Thatsache, daß Oestreich kein Parlament hat und keines haben wird. So ist die Bilanz jedes Jahres die gleiche: verlorene Zeit, und auch an der S owelle des tomnienden Jahres steht Trost- und Hoffnungslosigkeit. Die Krise des Parlaments ist natürlich keine isolierte Erscheinung. kein Problem ftir sich, sonder» eine Folge-Erscheinung der unnatür- lichen Bildungen dieses Staates und. vor allem und zum größten Teile, ein Strack) des Wahlsystems, das in seinem liederlichen Ge- misch von sinnlosen Privilegien und allgemeinem Stimmrecht ein Haus erzeugen muß, dessen Unwahrheit keine Lebensfähigkeit aufkommen läßt. Die unnatürlichen Bildungen stammen nicht, wie man so oft annimmt, von den verworrenen und ungeordneten nationalen Vcr- hältnisscn— diese Schwierigkeiten besiegt die Entwicklung selbst. Hier kam sogar wahrgeuonimen Iverden, daß die Dinge allmählig zum Ruhen kommen, daß der Kämpf der Länder, der die Anfänge der konstitutionellen Periode ganz in Beschlag genommen hatte, entschieden ist, und zwar entschieden zu Gunsten des Staates und seines centralen Parlaments. Hier haben sich eben die wirtschaftlichen Kräfte als stark genug erwiesen, den verstaubten Ideologien der„.Königreiche und Länder" den GarauS zu machen, und das Bedürstiis nach ivirtschastlicher Einheit hat den Träumen vom böhmischen Staat, von dem autonomen Galizien, dem südslavischen Emporium ein gründliches Ende bereitet. Was Oestreich krank macht, ist nicht die Thatsache, daß acht Ratio- ualitäten schwerer zu einem staatlichen Verband kommen als eine, wo der Staat nur der Ausdruck der Nation ist: Die östreichische Krankheit ist der Dualismus, der beide Staaten— die„im Reichs- rat vertretenen Königreiche und Länder" und Ungarn— zu einer Gemeinschaft zwingt, die gegen ihre Interessen und, was noch wichtiger ist, gegen ihre Wünsche geht. Der Zwang, für den Dualismus in stetig loiederkehrender Zeit roboten zu müssen, der dynastischen Großmachtpolitik Opfer zu bringen— das ist es, was als Last auf Oesweich u.>. wie die Geschehnisse des heurigen Jahres erweisen, auch auf Unga.'' liegt und dessen Druck keine ruhige Stunde aufkommen läßt. Wenn das politische Leben eines Staates alle zehn Jahre bis auf die Grundlagen hinunter erschüttert wird, alle inneren Angelegenheiten einenr Zwecke dienstbar gemacht werden, der außerhalb des Staates und außerhalb der Interessensphäre der Völker liegt, so werden die logischen und natürlichen Linien der Entwicklung gestört, das Gefüge des Staates gerät ins Schwanken und das Parlament geht in krampfhaften Zuckungen unter. Was sich technisch als Obstruktion darstellt, das ist also nichts andres als die Ausnutzung einer Verlegenheit, in die der Staat durch den Dualismus gerät— deshalb ergreift auch die Obstruktion als Objekt zum Schlüsse inmier die berüchttgten„gemeinsamen Angelegenheiten", welche die Entäußerung des selbständigen Staates zu Gunsten der dynastischen Großmacht bedeuten. Die Krankheit Oestreichs und Ungarns ist der Dualismus— und so besteht der einzige Fortschritt, den das scheidende Jahr gezeitigt, darin, daß die Krankheit erkannt wird, daß man das, was so lange nur gefühlt wurde, endlich zu verstehen beginnt. Daß sich der Reichsrat von dem Nebel der Obstruktion nicht befreien kann— obwohl sie nun sechs Jahre zu Gaste ist und eigentlich der allgemeinen Geringschätzung verfallen— daran liegt der Grund fteitich nur in der Qualität dieses Parlaments, und dessen Ohnmacht ist im Wesen nichts andres als das FiaSco des Wahl- systems. von dem daS HauS stammt. Die geschriebene Vcr- fassung, hat uns schon Lassalle gelehrt, ist nur gut. wenn sie den wirklichen Machtverhälttnssen Ausdruck schafft— wenn sie sagt, waS ist und eS sagt, wie es ist. DaS Privilegienwahlrecht produziert aber lauter falsche Werte. Einen Adel, dessen Macht, im Reichsrat nicht auf seiner ja zweifellos vorhandenen Stellung im Volksleben beruht, sondern nur einem wahrhaft läppischen Privileg sein Dasein verdankt: eine Bourgeoisie, welche durch den Census abgedrängt wird, die wirklichen Klassenintercssen des Bürgertums zu vertreten, die vielmehr nur den Schreierbedürsnissen der Chan- vinisten dient; und schließlich Abgeordnete der fünften Sinrie, welche durch die Ungetüme der Wahlweise— zweiundsiebzig für eine Bevölkerung von 26 Millionen Menschen!— des unmittelbaren Zusammenhanges mit den Wählern beraubt sind und also gezwungen, die wahnsinnigste Demagogie zum Inhalt ihres polittschen WirkanS zu gestalten. So kommt ein chaotisches Gebilde heraus— unfähig zum Leben, unfähig zum Sterben. Oestreich, das aus acht einander haffenden Nationen besteht, braucht ein Wahlrecht, das bindet; der durch seine Bestandteile schon zerrissene Staat empfing aber eines, das trennt. Was Wunder also, daß ein Parlament entstand, dessen Grundlage die Lüge, dessen Wirksamkeit Gewiffenlosigkcit ist— ein Parlament, ebenso volksfeindlich wie anttstaatlich! Desivegen kann keine Beffcrnng im Parlanicnt kommen — woran auch die kurzen Zeiten seiner„Arbeitsfähigkeit" nichts ändern— solange nicht eine Verbesserung des Parlaments zu stände gebracht ist. Das Geheimnis des vsireichischen RcichSrars ist das Wahlsystem, das kein andres Parlanicnt hervorbringen kann als dasjenige ist, an dem die bürgerlichen siurpfuscher seit nun sechs bösen Ärisenjahren ihren Witz üben. Ohne fundanientale Veränderung der Thatsachen, aus denen sich das Parlament bildet, ist ein wirklicher Fortschritt in Oestreich unmöglich. Die Wahlreforni ist nicht zu unigehen. Deshalb hat es auch so wenig Interesse, Vermutungen über die nächste Zeit anzustellen. Im Grunde genommen lebt jetzt Oestreich von der ungarischen Krise. Weil dort der Kampf uni die Magyari- sierung der Armee daS Parlament so lange und so völlig in Anspruch nahm, ist nun der ungarische Reichstag, der in den Dingen des wirt- schafttichen Dualismus sonst pronipte Arbeit lieferte, mit dem sabel- haften Ausgleich in Rückstand geraten— und deshalb wurde die Frage nicht aktuell, wie in Oestreich der Ausgleich gemacht werden soll, wenn sich daS Parlament dauernd als arbeitsunfähig erweist. Aber so wenig noch heute abzusehen ist— trotz der Abrüstung der Uiiabhängigkcttspartei— wann im Budapester Reichstag daS Rciriitengchetz, dessen„Generaldebatte" über zwei Paragraphen mm ein volles Jahr dauert, fertig werden wird, so ist doch sicher, daß der am vorigen Silvester zwischen den Regierungen perfektuierte Ausgleich in Ungarn früher erledigt sein wird als in Oestreich, wo ihn nicht bloß eine Obstruktion bedroht, sondern wo auch für ihn keine Majorität vorhanden ist. Was aber dann und vor allem: Wie lange lann Oestreich warten? Der vor einein Jahre getiindigte Handelsvertrag mit Italien wird jetzt, unter Ach und Sirach, auf ein paar Monate„provisorisch" erneuert, für wirk- liche Verträge fehlt es aber an der unerläßlichen Voraussetzung: an dem neuen Zolltarif. Mit Dank mußte in der östreichischen Dele- gatton anerkannt werden, daß nur der Umstand, daß Deutschland den abgelaufenen Vertrag nicht gekündigt hat, die Monarchie vor den schlimmsten Verwicktungen bewahrt. Aber die Verträge sind abgelaufen und ihre inneren Verhältnisse können die Anslandsstaaten jeden Tag zur Siündigung zwingen. Was dann? Im Reichsrat steht die Sache am alten Fleck: daß die Ezechen eine nationale Eroberung machen wollen, bevor sie auf ihre Obstruktion vcrzichien. Wohl hat ihnen 5ioerber erklärt, daß die Obstruktion auch die Obstruicrung ihrer nationalen Postulate ist, und der Siaiser wiederholte daS Wort noch in zugespitzter Fassung: „Mit Obstruktton werden Sie nichts erreichen", sagte er bei dem Empfang der Delegierten zum Jnngczechenführer Kramarch. Aber wenn es auch wahr sein niag, daß sich die Jungczechen mit ihrer Lbslrukttonspolitik in eine Sackgasse verrannt haben und wenn eS auch sicher ist, daß ihnen die Obstruktion alles andre denn Freude macht: die ganze Partei, die noch dazu ein ganzes, mit Ver- sprechungen gefüttertes, von Hoffnungen erregtes Volk repräsentiert, ist kaum in der Lage, begangene Fehler von einem Tag auf den andern„gutzumachen" und ihre polinsche Stellung nur nach Er- wägungen der Vernunft einzurichten. Die Hoffnung ans diese Aendernng ist dennoch Herrn v. Sloerbers ganzer politischer Plan. Wie ungewiß also die nächste Zukunft ist. kann leicht ermessen werden. Die politische Bilanz des Dualismus in diesem Jahre ist also ein- fach fürchterlich. In Ungarn wird das ganze Jahr ohne verfassungS- mäßige Genehmigung regiert; das sonst so solvente ungarische Parlament ist durch die Obstruktion ans den Fugen geraten und der Staat ist ox lox— außerhalb des Gesetzes. In Oestreich wird der ordentliche Lauf der Verwaltung nur durch das mechanische Mittel des Vcrfasjnngsbruches erhalten, ja selbst die Delegationen mußten zu dem Notbehelf eines Provisoriums für den gemeinsamen Vor- anschlag greifen. Allerdings vollzieht sich Entwicklung und Eni- faltnng auch ohne die Krücken, die der ParlanienlarismuS liefert, und diese Erwägung ist'S, die die Arbeiterschaft dieser unseligen Staaten mit Mut und Entschlossenheit erfüllt und sie ohne Verzagen den kommenden Tagen entgegenblicken- läßt. Untröstlich ist's zwar allerwürts— aber wenn die Arbeiterklasse ihrer Ziele bewußt bleibt, wird sie den Weg aus dem Wirrnis nicht verfehlen. parUi-fStadmcKten. Die Revisionisten an der Arbeit. Diese vom Genossen v. Elm für einen Artikel der»Socialistischen MonalShefte" gewählte Ueber- schritt ist der„Vossischen Zcitun;" so lieblich erschienen, daß sie sie sofort mit Beschlag belegt und für einen Leitartikel benützt hat, in f-rn sie eine ganze Reihe von Artikeln des Januarheftes der„Monats- hefte" mit breitem Behagen ausschlachtet. Den Artikel v. Elms bc- handeln wir an andrer Stelle dcS Blattes heute ausführlicher. Den Artikel des Genossen Bruhns über die preußischen LandtagSwahlen, der gleichfalls von der„Bossischen Zettung" verarbeitet wird, werden wir in einer der nächsten Nummern erledigen. Nur sei heute schon gegenüber der„Vossischen Zeitung" bemerkt, daß Bruhns ausdrücklich am Schlüsse seines Artikels die Meinung vertritt, es liege keine be- rcchtigte Veranlassung zur Unzufriedenheit mit den Erfolgen unsrer Beteiligung an den Landtagswahlcn vor. In dem Rcvisionssalat der„Vossischen" dürfen David und Bernstein nicht fehlen. David beginnt eine Artikelserie unter dem Titel„Die Eroberung der politischen Macht". Der vorliegende erste dieser Artikel ist lediglich einer Darstellung der Entwicklung von Anschauungen über den Weg der Eroberung der politischen Macht gewidmet, ohne eigne Ansichten des Verfassers darüber auszusprechen: die Aiisschlc chtuiig des Artikels durch die„Vossische Zeitung" stützt sich allein a' den Namen David, und ähnlich ist es mit Bernsteins Artiiel, der Mnächst hauptsächlich die Formalien und Aeußcrlichlcitcn einer Prograi imrevision erörtert. Es liegt für uns noch kein Anlaß vor. diese Artii'l zu erörtern oder zu citicren. Wenn der„Vossischen" die Artikel gar so lieblich revisionistisch duften, so wird sie gewiß niemand hindern, sie ganz abzudrucken. Es müßte ihr doch daran liegen, für diesen von ihr so schön revisionistisch gereinigten SocialismuS recht eifrig Propaganda zu machen. Von der Parteiprcssc. Die„Mitteldeutsche Sonntagszcitung", ein Wochenblatt, das in Gießen erscheini, beging die Feier des zehnjährigen Bestehens. Die„N o r d>v'a ch t", ein als Wochenblatt erscheinendes Kopfblatt der„Norddeutschen Bolisstimme" in Bant, hat ihr Erscheinen eingestellt. An ihrer Stelle iverden die Leser jetzt das Tageblatt beziehen. Sie hat einst unter dem Socialistengcsetz in ganz Deutschland Verbreitung gehabt und gegen 22 000 Abonnenten gefunden. Sie räumt nunmehr der TageS- zeitung den lange trefflich ausgefüllten Platz. Tie„Volkszeitung" in Düsseldorf wird seit dem 1. Januar in eigner Druckerei in Firma Wallbrecht u. Eo. hergestellt. Aus der Redaktton der Erfurter„Tribüne" ist der Genoffe Pappe ausgeschieden. An seine Stelle trat Genosse Michaelis, bisher Metteur des Blattes und Vertrauensmann der Partei. Die Stuttgarter Gcmcindcratswahlcn. die einen für unsre Partei so weiiig befriedigenden Ausgang hatten, werden setzt in der „Schwäbischen Tagwacht" ausführlich besprochen. Bekanntlich steht die Sache in Stuttgart bei den Gemeindewahlen so, daß zwar unsre Genossen fast die stärkste Partei sind, wenn man die dortigen bürgerlichen Parteien nach den Gruppen bewachtet, in die sich selbst äußerlich scheiden, daß aber diese Parteien einander doch so nahe stehen, um sich leicht zu ver- einigen und dann noch erheblich stärker sind wie die Socialdemokratie. Die mit der Socialdemokratte verbündet gewesene Volkspartei ist sogar nicht einmal halb so stark wie wir, hat aber trotzdem dank unsrer Hilfe ihre Slaiididateii durchgebracht, während unsre Kandidaten bis ans einen in der Minderheit blieben. Dieses Resultat wird nun in den Stuttgarter Parteikreisen sehr lebhaft besprochen und wenn die Genossen den Thatsachen klar ins Gesicht sehen und die richtige Lehre ans ihnen ziehen, dann ist die Niederlage nicht allzu sehr zu bedauern. Daß nicht bloß das Erfordernis der Bürgerrechts-Erwerbnng und einige kleinere äußere Mängel, die in der„Tagwacht" erörtert werden, die Schuld tragen, das enthüllt der Artikel der„Tagwacht" ganz deutlich. Sie sehr schreibt am Schlüsse ihres ausführlichen Artikels: „Vor einer Reihe von Jahren hat man es bei den Gemeinde- Wahlen mit Wählerversammlnngcn versucht, die sich nicht lohnten. Inzwischen ist aber das Interesse der Arbeiter an den Gemeindewahlen bedeutend gewachsen, und ein erneuter Versuch mit der Versammümg-Zagitatton wäre erwägenswert. Daneven sollte auch die Flugblattagitation nicht ganz verachtet werden._ Natürlich muß in den Versammlungen sowohl wie in den Flugblättern ein kerniges Wort über die wichtigsten Fragen der Gemeindepolitik ge« sprochen werden, mit allgemeinen Wendungen derart, daß die Wähler nicht die„wirtschaftlich reaktionären Gruppen", sondern die„Ver« einigung von Socialdemokratie und Voltspartei' unrerstützen sollen, ist weder ein wirksames Flugblatt, noch eine Vcrsammlungsrede zu füllen. Ten Wählern muß gesagt werden, warum sie so und nicht anders wählen sollen. Die Unterschiede der praktischen Rathauspolitik der Socialdemokratie und der übrigen Parteien müssen an konkreten Beispielen aufgezeigt werden. Damit kommen wir freilich an einen heiklen Punkt. Bestehen doch nicht nur zwischen unsren kommunalpolittschen Bestrebungen und denen der Rechts» Parteien, sondern auch zwischen unsren und denen der Volkspartei große Unterschiede. Dazu kommt, daß die Volkspartei in den letzten Jahren auf dem Sttittgarter Rathaus die herrschende Partei war und wir allen Grund haben, für so manche Beschlüsse der Rathaus- Mehrheit die Veraiitworttmg allein ihr zuzuschieben. Einer Aufdeckung der Gegensätze aber steht die noch weit verbreitete Anschauimg im Wege, daß unser Zusammengehen mit der Volks- vartei lediglich ans polittschen und nicht vornehmlick) ans rechnerischen Gesicktspimkten erfolge. Gewiß, es wird weniger selten vorkommen. daß Socialdemokraten und Volksparteiler, als daß Socialdemotraten und Deutschparteiler oder Konservative in einer Sache gemeinsam stimmen, und darum liegt es am nächsten, daß Socialdemokratie und Volkspartci ihre Wählerstimmen zusammenführen, um die von keiner von beiden allein zu erlangende Mehrheit gcmeinschaftlicki zu erzielen; aber c-Z giebt doch auck, sehr zahlreiche Fälle, in denen auch die Voli'sparteiler den bescheidensten Forderungen unsrer Partei sich widersetzen, und darum muß trotz dem gemeinschaftlichen Wahlgeschäst den Wählern gesagt werden, daß sie gerade zur Stärkung der Socialdemokratie und keiner andren Partei beitragen sollen. DaS ist in den diesjährigen Wahlaufrufen weniger als ja geschehen. Hierin liegt eine bedenkliche �Erscheinung der Wahl- bewegnng. Ein Zusammenwerfen unsrer Stimmen mit denen einer gegnerischen Partei zu einem bestimmten, von uns allein nicht zu erreichenden Zwecke kann uns, wo das Wahlverfahren dazu nötigt, dann nicht schaden, wenn wir un-Z nicht verpflichtet halten müssen, unsren eignen Charakter zu verleugnen und die Sünden der Gegner zu beschönigen. Von dieser Auffassimg gingen sowohl unsre preußischen Genossen ans, als sie nach schärfstem Kampfe mit den, Freisinn sich zu Vereinbarungen mit ihm in einigen Landtags« Wahlbezirken bereit erklärten, wie auch unsre bayrischen Partei« genossen, als sie mit ihrem schwärzesten Feinde, dem Centtum, ein Wahlabkommen trafen. Wenn wir aber des Wahlbündnisses halber loben sollen, was verurteilt werden muß, so ist der moralische Schaden der Bündnisse unvergleichlich größer als der scheinbare Augenblickserfolg. Wir sind der Meinung, daß sich zwei Parteien, unbeschadet eines Wahlbündnisses sachlich und deutlich sagen können, was sie auf dem Herzen haben, und könnten Beispiele dafür an- führen, daß diese Taktik sich schon bewährt hat. Wer aber andrer Meinung ist, thut ini Partei-Jnteresse gut, von jedem Slompromiß abzuraten, denn der blanke Schild unsrer Partei muß uns Mehrwert sei» als einige Gemeinderatssitze." Also, es ist keine VersanmilungSagitation getrieben worden und keine Flugblattagitation, und statt einer eiilschiedenen social« demokratischen Hai man eine Slompromitzpolittk bei den Wahlen ge« trieben, statt socialdemokratische Arbeiterforderimgen zu erheben. deren auch in der Gemeinde recht viele geltend zu machen sind, empfahl man die socialdemokraiischcn Kandidaten als„echte und rechte Vertreter des kleingeloerblichen Mittelstandes" und beschönigte die Sünden der volkspartcilichen Bundesgenossen. Und der Erfolg dieser Politik, der Erfolg der„Zusammenführung der Wähler- stimmen" war nicht einmal der AugenblickSgewinn eines oder einiger Mandate. Aus diesem Wege dürfen die Sttittgarter Parteigenoffen nicht weiter gehen, er führt in den Sumpf. Crimmitschau unterm Belagerungszustand. Die erste Auflage der unter diesem Titel im Kommissionsverlage der Buchhandlung Vorwärts erschienenen Broschüre ist bereits vergriffen. Die Schrift enthält eine Darstellung der Ursachen und der Geschichte der Aus- Iverrung von G. Schöpslin; einen Artikel:„Der Stteik als Stlassenkaiupf" von F. Mehring; ein Bild aus dem Streikleben: „Wir halten aus" von E. Rosenow; ein Gedicht von Clara M ü l l c r:„Den Ausgesperrten" und ein Schlutzgedicht von R. L a v a n t. Die Darstellung ist unterstützt durch charakteristische Illustrationen, die nach in Crimmitschaus aufgenommenen Photo- graphicn gezeichnet sind. Der Einzelpreis ist iö Pf. Bei Partie« bezng Rabatt. Der Ucberschuß aus dem Verkauf der Broschüre wird den Ausgesperrten überwiesen. Bestellungen werden unigehend erbcren und sind zu richten an die Buchhandlung Vorwärts, Berlin Lindenstr. 69. Ter holländische Socialdemokratische Studicnkliib, der am vorigen Sonntag zu Amsterdam seinen allgemeinen Kongreß abhielt, hat eine sehr rege und fruchtbare Thätigkeit entfaltet. Wie im Jahres» bcricht mitgeteilt wurde, sind von den 24 Vorlagen, die zur Zeit des vorigen Stougresses noch in Arbeit waren, 20 erledigt, darunter eine Enquete über den Zustand des privaten UnterrichtswescnS, worüber dem Parteivorstande Bericht erstattet wurde, und eine Untersuchung über die Arbeitergenossenschaften im Auslande, deren Ergebnis in „De Rieuwe Tijd" veröffentlicht wurde. Zu den noch nicht er- ledigtcn Vorlagen gehört auch eine Enquete über die Arbeits« zeit. Hierzu sind von ungefähr 70 Berufen 240 Antworten ein- gegangen.(Der Slongreß beschloß, daß der in Arbeit befindliche Bericht gedruckt herausgegeben werden soll.) Es sind, außer den erwähnten. 43 neue Borlagen in Arbeit genommen worden, davon fünf auf Initiative des Vorstandes, die andern infolge von An- fragen; unter diesen: acht von der Sl'ammerftaktion. einer vom Partei-Organ, drei vom Partcivorstand. zwei von Gewerkschaften und zwei von ausländischen Parteigenossen. Unter diesen 43 Vor- lagen, wovon acht noch in Arbeit sind, befinden sich unter anderm Berichte� über die Arbeiterbelvegung(für das Internationale socialistische Bureau), über die Wirksamkeit der Arbeitsuörsen, die Organisation der Apothckcrgehilfcn im Ausland und über die aus- ländische Gesetzgebung ans verschiedenen Gebieten. Der Kongreß bc» schloß sodann einige Äenderungen des Reglements, wonach in Orten außerhalb Amsterdams örtliche Kommissionen deö Sludieiikliibs er- richtet werden können, soweit ein Bedürfnis hierfür vorliegt. Als Funktionäre des geschästsführenden Vorstandes(„Het dagelijksch bestuur") wurden gewählt: Vorsitzender Th. van der Waerdcn. e r st e r Sekretär und Kassierer G. Mi a n» o u r y. 2. H o l m e r S st r a a t 68. A m st e r d a m. zweiter Sekretär F. Buys. )Zus Inäultrie und Handel. Kaufmannkgcrichte. DieHamburgerHandelSkammer beschäftigt sich in ihrem eben erschienenen letzten Jahresbericht auch mit der Errichtung von Kaiisinannsgerichten, gegen die sie schon früher Stellung gcnonimen hat. Sie mottviert diese Haltung in folgender kuriosen Weise: „Wir haben Gelegenheit gehabt, uns zu dem RegiernngS- entWurfe zu äußern, und uns dabei entschieden gegen die in Aussicht genommene Regelung ausgesprochen. Hierzu bewogen uns zunächst principiclle Bedenken gegen jede weitere Aus« dehnung der Sondergerichtsbarkeit, für die wir in diesem Falle ein Bedürfnis nicht anerkennen können. weil wir der Ansicht sind, daß Schnelligkeit und Billigkeit der Recht« sprechung im Interesse nicht nur der kaufmännischen Angestellten. sondern aller Bevölkerungskreise liegen und daß die Berücksichtigung dieser Wünsche demnach zu einer entsprechenden Umgestaltimg des allgemeinen, fpeciell des anitSgerichtlichcn, Prozeßverfahrens führen sollte, nicht aber zur Errichtung eines SondcrgerichtS für eine Klaffe der Bevölkenmg. Vor allem spricht gegen die geplante i Maßnahme die Erwägung, daß von der Errichtung und der Thätigleit der KaufmannSgerichte unheilvolle Wirkungen auf das biSer im allgemeinen gute Verhältnis zwischen Prinzipalen und Angestellten zu gewärtigen sind. Schon die Beisitzerwahlen, die nach dem Entwürfe durch unmittelbare Wahl der Prinzipale bezw. der Angestellten erfolgen sollen, werden A nl a ß zu Agitationen geben, bei denen erfahr nngsge in äß gerade die extremste», d. h. in diesem Falle die prinzipal- feindlichsten Richtungen am lautesten z n Worte kommen. Werden gar Vertreter dieser Richtungen zu Beisitzern gewühlt, so werden dieselben sicherlich die dem KaufmannSgerichte in dem EntWurfe zugesprochene Befugnis zur Abgabe von Gutachten und Stellung selbständiger Anträge dazu benutzen, die Institution zum Tmmnelplatze ihrer Bestrebungen zu machen. Bezeichnend in der Handlungsgehilfen" bezeichnet. Von der Thätigleit eines derartigen»Gerichts" ist kein Vorteil für die Rechtsprechung, vielmehr nur eine Untergrabung der Be- ziehungen zivischen kaufmännischen Prinzipalen und ihren Angestellten zil erwarten, auf deren gedeihlichem Zusammenwirken die Erfolge des Handels wesentlich mit beruhen. Der Gesetzentwurf birgt eine schwere Gefahr für den gesamten Kaufmanns stand in sich und die Handelskammer kann daher schon aus diesen allgemeinen Erwägungen, abgesehen von ver- schiedenen gegen Einzelheiten des Entwurfs zu erhebenden Bedenken nicht ernstlich genug vor dem Erlaß derartiger gesetzlicher Bestimmungen warnen." Deutlicher ist noch nie verkündet worden, daß es sich für oie Herren Prinzipale um nichts andres handelt, als von ihren Angestellten jegliche Agitation fernzuhalten und sie vor dem Einfluß der„p r i n z i p a I f e i n d I i ch e n Richtung" zu ichiitze». Daß in der Begründung der Regierungsvorlagen von einer„Vertretung der besonderen Interessen der Handlungsgehilfen" gesprochen wird, ist den hanseatischen Phäaken sogar schon ein Greuel. Wie kann ein Handlungsgehilfe sich herausnehmen, andre Interessen als die seines Herrn Chefs haben zu wollen. Wie bei den Jtze- und Pritzewitze der Mensch erst beim Lieutenant oder Rittergutsbesitzer anfängt, so bei den Hamburger Handelsherren erst bei jenen Sterblichen, die ein eignes Bankconto besitzen— und zwar muß eS ein Bankconto bei der Norddeutschen Bank, der Kommerz- und Diskontobank, der Filiale der Deutschen Bank, der Reichsbank, der Dresdner Bank oder zum mindesten der Hamburger Vereinsbank sein— die andren Geldinstirute zählen nicht mit. Noblooss oblige. Zur Lage des Baumwollmarktes bringt der soeben erschienene Jahresbericht der Bremer Handelskammer— Bremen ist bekanntlich der deutsche Hauptmarkt für Rohbaumwolle— folgende Auslassung: „Die neue amerikanische Ernte wird voraussichtlich leider, trotz einer starken Vermehrung der Anbaufläche, wieder ein quantitativ ungünstiges Resultat liefern; die Schätzung der amerikanischen Ne gierung bewegt sich unter 10 Millionen Ballen, und wenn dies auch reichlich tief gegriffen sein dürfte, so ist doch zu befürchten, daß auch im Jahre 1901 der Konsum sich Einschränkungen wird auferlegen müssen. Unter dem Eindruck dieser Schätzung fanden in den letzten Wochen bei sprungweise in die Höhe gehenden Preisen enorme Um sätze statt; die amerikmnsche Spekulation hat von neuem lebhaft ein- gesetzt und beherrscht einstweilen vollständig die Situation. Bei der .Knappheit an amerikanischer hat sich der Verbrauch von ostindischer Baumloolle auf dem Kontinent bedeutend gehoben, viele Spinnereien sind dazu übergegangen, sie zum Beimischen zu verwenden. Vom 1. Lktobcr 19 Ol vis SO. September 1903 wurden von Bombay nach dem Kontinent 932 000 Ballen erportiert, gegen 492 400 Ballen im Vorjahre. Für das neue Jahr steht wieder eine gute Versorgung in Aussicht, und kontinentale Spinnereien haben bereits bedeutende Posten ostindischer Baumwolle neuer Ernte gekauft; es ist aber nicht außer acht zu lassen, daß auch Japan und China stärker als Käufer auftreten, und daher voraussichtlich weniger Baumwolle für den Export von Indien nach Europa frei werden dürste als im ver gangenen Jahre." Produktionseinschränkung des Walzdraht-Syndikats. Es mehren sich die Nachrichten aus den verschiedenen Zweigen der deutschen Eisenindustrie über Herabsetzungen der Produktionsziffern für die nächsten Monate: ein Beweis dafür, daß man in den betreffenden Produzentenkreisen auf weitere Abnahme des Exports rechnet. Auch der geschäftsführendc Ausschuß des Walzdraht-Syndikats beschloß, wie die„Kölnische Volk.Szeitung" meldet, für daS erste Vierteljahr des Jahres 1904 eine Betricbseinschränkung vorzunehmen. Sie beträgt S Proz. für Thomasflußeifeic, Puddelwalzdraht und für Specialwalzdraht Gruppe 1 und Gruppe 2, dagegen 3 Proz. für Specialwalzdraht Gruppe 3. Der amerikanische Stahltrust hat abermals eine Lohnreduktion vorgenommen. Er setzte die Löhne der Beamten und Arbeiter auf den Werken in Homeslcad und Duquesna um 10 Proz. herab. Da durch soll eine Ersparnis von 12 Millionen Dollar jährlich erzielt werden._ GcwcrkfcbaftUcbee. Crimmitschau. Der Kampf dauert fort! Zlvar hat Herr Professor B ö h m e r t seine Hoffnung auf Bei- kegung des Konfliktes noch immer nicht aufgegeben. Worauf er sie aber noch gründet, ist unerfindlich, nachdem ihm von dem Fabrikanten- Verband ein recht energisch gehaltenes Schreiben zugegangen ist, in dem er„gebeten" wird, allen Zeitungsnachrichten entgegenzutreten, die noch von einem Erfolg der B ö h m e r t scheu Bestrebungen zu melden wissen. Die Herren erklären, daß sie eine Verkürzung der Arbeitszeit nur dann eintreten lassen könnten, sobald die mit ihnen in Wettbewerb stehenden Städte ein Gleiches thun. Die Fabrikanten dieser Orte aber machen sie wieder mit dem Hinweis scharf, daß auch sie den Arbeitern den Zehnstundentag bewilligen müßten, wenn dies in Crimmitschau geschehen sei. So hebt also thatsächlich ein Argument das andre auf. DaS Gewerbe- gericht als Einigungsamt anzurufen, erklären die Fabrikanten aus irgend welchen geheimnisvollen, Herrn Prof. Böhmert münd lich mitgeteilten Gründen für ausgeschlossen. Diese Gründe sind offenbar so fadenscheinig, daß sie lediglich deswegen das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen haben. Die„Post" lügt: „Der„Vorwärts" weist den Vorschlag als„Utopie" und als! indiskutabel zurück, weil die Verhältnisse in der Crimmitschauer! Textilindustrie derart schlechte seien, daß kein Unternehmen nur eine Stunde lang zu solchen Bedingungen j produzieren könne. Man. sieht also recht wohl ein, daß die extravaganten Forderungen der Arbeiter nicht zu verwirklichen sind; man will aber die Fabrikanten einfach ruinieren." Diese freche Fälschung soll den Anschein erwecken, als hätte der „vorwärts" geschrieben, kein Unternehmer könne eine Stunde lang I zu den Bedingungen produzieren, welche die Arbeiterl forderten. In WirNichkeit schrieben wir in unsrer Nr. 303 vom 30. Dezember: „Die Lohn- und ÄrheitSbedingungen sind in der Criinmit- schauer Textilindustrie derart schlechte, daß kein vo» Arbeitern selbständig oder auch nur verantwortlich mitgelcitetcS Unternehmen eine Stunde lang zu solchen Bedingungen produzieren dürfte. Also: Kein Arbeiterunteniehmen kann nach dem„Vorwärts" eme Stunde lang zu den Arbeitsbedingungen der Unternehmer produzieren, weil diese so himmelschreiend elend, so unsocial sind, daß Arbeiter es vor ihrem Gewissen nicht verantworten könnten, diese Lohn- und Arbeitsbedingungen beizubehalten! Durch Streichung der fettgedruckten Worte! und Umstellung von „mir" und„Unternehmen", also durch eine recht komplizierte und wohlüberlegte Handlung kehrt die„Post" die Worte des„Vorwärts" ins Gegenteil um. Eine b c iv u ß t e Fälschung. Verbote» f Versammlungen der Ausgesperrten, die einberufen Iverden sollten. Die altenburgischen Behörden wollen durchaus in das vernichtende, die sächsischen Be- Hörden treffende Urteil eingeschlossen sein. Die altenburgischen Behörden haben nicht einmal den Schein zu ihren Gunsten; bei ihnen ist es einfach Gefälligkeit gegenüber dem stärkeren Nachbar. AnS der Blutgcschichte der sächfischcu Textilindustrie. Zu diesem Kapitel schreibt man uns noch: Daß die sächsischen Textilindustriellen es immer gewesen sind, Ivelche in der Tcxtilbranche allen socialpolitischen Maßnahmen zum Schutze der Arbeiter feindlich gegenüberstanden, läßt sich allen Ab- leugnungen der reaktionär-antisemittschen sächsischen Presse zum Trotz aktenmäßig feststellen. Die C r i m m i t s ch a u e r Webwaren- Fabrikanten, die von jeher in den sogen..Fabrikantenvereinen" das große Wort führten und die in ihrer„Denkschrift" sich soviel auf ihre Arbeiterfürsorge einbilden, mögen sich dies besonders merken. Hier sind die Dokumente: Ain 4. Januar 1884 fand in Leipzig eine Delegiertenversammlung des„Centralvereins der deutschen Wollwarenfabrikantcn"(Vorsitzende der antisemittsche LandtagS-Abgeordnete Buchwald- Großenhain und der Tuch fabrikant Döhler-Crimmitschau) statt. Herr Gustav Müller- C r i m m i t s ch a u hielt einen Vortrag und verlangte, daß f ü die jugendlichen Arbeiter eine elfstündig ArbeiSzeit gefordert werde. Derselbe Verein tagte am 10. Mai 1887 in Pößneck und beschloß nach einer Beratung über die Anträge ans Erweiterung der Arbeiter schutz-Gesctzgebimg, sich den Anträgen des Ccntralvcrbandcs deutscher Industrieller gegenüber den auf Erweiterung der Arbeiterschutz Gesetzgebung gerichteten Bestrebungen anzuschließen.(Diese Anträge waren natürlich gegen die Erweiterung der Arbeiterschutz-Gesetzgebung gerichtet.) Am 7. Oktober 1888 empfiehlt Herr Buchwald- Großenhain auf einer Versammlung in Görlitz, daß die bisherige Arbeitszeit der jugendlichen Arbeiter innegehalten werde. Am 3. bis 5. Mai 1891 war man in Forst zusammen. Hier lvurde beschlossen, dem Reichs- tage eine Petitton zu unterbreiten, daß jugendlichen Arbeitern, die über ihr körperliches Wohlbefinden ein ärztliches Zeugnis beibringen können, eine elfstündigeArbeitszeit gestattet werden könne. In der aitt 11. April 1893 in Leipzig abgehaltenen Vev sammlung führten der be— kannte Herr Bueck-Berlin und der Tuchfabrikant Otto Ullrich- W e r d a u(bekanntlich ein Nachbarort von Crimmitschau) daS große Wort. Der letztere beantragte eine Petition an den Reichskanzler, den jugendlichen Arbeitern im Alter von 14—10 Jahren eine tägliche Arbeitszeit von elf Stunden zu gestatten. Daß sich auf der im Jahre 1899 in Kottbus abgehaltenen Versammlung die Herren, die in ihrer Mehrheit wieder aus sächsischen Textilindustriellen bestanden für die Z u ch t h a u S v o r l a g e aussprachen, versteht sich wohl von selbst. Gekrönt wurde die Arbciterfürsorge der Herren Buchwald, Döhler, Ullrich und Genossen noch in den letzten Jahren durch ihre energische Unterstützung einer von C h e m n i tz (Sachsen innner voran) ausgehenden Petitton an den Reichs- kanzler gegen die Beschränkung der Frauenarbeit, wodurch die Texttliudustrie geradezu vernichtet werden würde! Jetzt aber kommen die Herren und verweisen die Zehnstunden- kämpfer heuchlerisch auf die G e s e tz g e b u n g. um nachher selbstvcrständ lich jede sociale Regung in der Gesetzgebung ebenso wieder zu hinter- treiben, wie sie es bisher gethan und wie sie es der gewerkschaftlichen Forderung ihrer Arbeiter gegenüber jetzt zu thun versiub-n Eharlotteuvukg. Laut Bekannkmachung des Magistrats tverde» die diesjährigen Geluerbegerichtswahlen am LS. Januar d. I. voll- zogen. Zwecks Aufstellung der Kandidaten findet am Mittwoch, den 0. d. M., abends 8V- Uhr, im Volkshause eine öffentliche GeWerk- schaftsversammlung statt. Um rege Beteiligung ersucht der Wahl- ausschnß der Charlottenburger Gewerkschastskommission. Achtung, SchLuebcrg! Am Sonnabend, den 9. Januar 1904, finden nachmirtags�ön 4— S Uhr in unserm Orte die Neuwahlen der Beisitzer zum Gewerbe- gericht statt. Tie Unzuträglichkeitcn bei den berflosscncn Wahlen haben es bcwirtt, daß nicht wie bisher in einem, sondern in fünf Wahllokalen gewählt wird. Maßgebend für den Umfang der fünf Bezirke sind die Polizei- revierc. Durch diese Teilung ist es jedem Arbeiter möglich geworden, sein Wahlrecht ausüben zu können. Wir halten es daher für die Pflicht aller wahlberechtigten Arbeiter unsrcs Ortes, am genannten Tage ihre Stimmen für die noch aufzustellenden Kandidaten der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter �chönebergs abzugeben. Am Sonntag, den 3. Januar, früh 7V> Uhr, findet zum Zwecke der Agitation für die Gewerbegcrichtswahlen eine Flugblatt-Ver- breitung statt und ersuchen wir die Genossen, sich rechtzeitig in folgenden Lokalen einfinden zu wollen: 1. Bezirk: Hohenstaufen- straßc 79 bei Ständer; 2. Bezirk: Kyffhäuserstr. 16 bei Schilling: 3. Bezirk: Gruncwaldstr. 110 bei Krüger; 4. Bezirk: Mcrscburger- stratze 7 bei Döring; ö. Bezirk: Mciningerstr. 8 bei Obst; 6. Bezirk: Kaiser Friedrichstr. 8 bei Horlemann; 7. Bezirk: Hohcnfriedberg- stratze 20 bei Reimer; 8a. Bezirk: ChcruSkerstr. 10 bei Hoffmann; 8b. Bezirk: Sedanstr. 00 bei Hauser; 9. Bezirk: Marsrr. 25 bei Hoffmann; 10. Bezirk: Sponholzstr. 34 bei Moll. Bertin und lkmzcgend. Neue Einigungsvcrhandlungcn aus Anlaß des Droschkeukutschcr- Streiks sollen am Montag vor dem EinigungSamt des GelverbegerichtS statt- finden. Die Anregung hierzu ging vom Gcwerbegerichts- Direttor v. Schulz aus, der durch den Gewerkschaftssckretär K ö r st c n bei den Vertretern beider Parteien anfragen ließ, ob sie zu VerHand- lungen geneigt seien. Die Bersamnilung der Fuhrherrcn, die gestern nachmittag stm„Prälaten" tagte, erklärte sich bereit, eine Kommission zu diesen Verhandlungen zu entsenden. Jedoch soll auf der Grundlage verhandelt werden, daß de» Kutschern lediglich 40 Prozent der Einnahmen gewährt werden, daß sämtliche Sperren sofort aufgehoben werden und daß die während des AuSstandcs eingestellten neuen Kutscher nicht entlassen werden müssen. Diese Beschlüsse wurden einstimmig ge faßt. Die Verhandlungskommission soll dem EinigungSamt eine genaue Aufstellung über die Unkosten, die dem Fuhrherm auS seinem Betrieb erwachsen, vorlegen, um zu beweisen, daß die Forde- rungen der Kutscher unerfüllbar sind. In der Versammlung wurde ferner mitgeteilt, daß sich 120 neue Arbeitswillige gemeldet hätten und 30 neue' Fahrscheine erhalten hätten. Die Polizei, so lvurde weiter ausgeführt, gehe in dieser Hinsicht nicht so schroff vor; wenn sie nur sähe, daß einer fahren könne, nähme sie eS mit Kleinigkeiten nicht so genau. Im übrigen behaupteten mehrere Redner, daß die Mittel der Streikenden erschöpft seien, waS nach Angaben der Streikleittmg aber durchaus nicht der Fall ist.— Zur selben Zeit wie die Fuhrherren hielten auch die Droschken- lutscher eine Versammlung ab. Hier wurde fast ein- stimmig folgende Resolution angenommen: „Die heute in Kellers Festsälen tagende Versammlung beschließt, den Vorstand des.Vereins der Berliner Droschkenkutscher sowie das Agitationskomitee zu beaufttagen, eine Kommission zu wählen, welche anl Montag vor dem Gewerbegericht verhandeln soll und eventuell endgültige Abmachungen treffen kann." Zum Fall Menzel erhalten wir vom Vorstande des Verbandes der an Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigten Arbeiter folgende Zuschrift: Wir erklären die Behauptung der„Fachzeitung"(Nr. 52), „daß Menzel in der gemeinsten und niederträchtigsten Weise seitens des Maschinenarbeiter-Verbandes verfolgt wurde und kein Mittel zu schlecht war, um den Mann wieder und wieder außer Arbeit zu bringen", für eine niederträchtige Unwahrheit! Das in den beiden„Vorwärts"-Notizen Gesagte entspricht völlig den That- fachen. H e r m. I a e ck, Vorsitzender. Soziales. Ter allgemeine Kraukenkassen-Kongrrß am 25. Januar, der sich lediglich mit den Forderungen der Acrzte beschäftigen soll, wird am genannten Tage im Restaurant Sanssouci in Leipzig eröffnet werden. Ter Kongreß hat fiir das gesamte Krankenkassenwesen erhebliche Bedeutung. Es handelt sich um eine Auseinandersetzung der Kranken- kasscn mit einer sehr großen Anzahl organisierter Aerzte, die den Krankenkassen Lasten auferlegen wollen, denen diese mit den gegen- wärligcn Mitteln nicht gewachsen sind. DaS hat die Kasscn aller Formen in Bewegung gebracht und auf dem Leipziger Kongreß werden Orts-, Betriebs- und Freie HilfS- kaffen zahlreich vertreten sein. Der Vorstand des Verbandes der freien Krankenkassen fordert alle ihm angeschlossenen Kassen unter Hinweis auf die Wichttgkeit des Kongresses zu vollzähliger Beschickung desselben auf. In Magdeburg haben bei verschiedenen Kassen sämtliche Aerzte die Kündigung eingereicht. DaS gleiche thaten sämtliche Acrzte der Leipziger Ortskaffen. Eine Schnciderinneuschule. Daß vor dem Abschluß nur mündlicher Lehrverträge aus daS entschiedenste zu warnen ist, beweist folgender Fall: Die Schneiderin Frau Sommerseldt in Berlin verlegt sich bei Ausübung ihres Berufes zugleich auf die Ausbildung von Schneiderinnen. Sie läßt sich ein Lehrgeld zahlen und verspricht dafür die Ausbildung der„Schülerin" zur perfekten Schneiderin innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Vor dem Gewerbegcrickt, Kammer I, klagte nun eine solche Schülerin, die ehemalige Putzmacherin S., gegen Fron Sommerseldt auf Herauszahlung ihres Lehrgeldes von 25 Mark. Fräulein S. machte geltend: ES fei eine Lehrzeit von sechs Monaten vereinbart worden.' Nach sechs Tagen habe sie bei Frau Sommerseldt eine Unterredung nachgesuchr in der Absicht, neben der Erörterung einer andern Angelegenheit— ihre Schwester war krank— auch auf den Abschluß eines schriftlichen Vertrages zu dringen. Die Be- klagte habe ihr aber die Unterredung verweigert und sie obendrein beleidigt. Beklagte weigere sich auch, ihren Verpflichtungen nach- zukommen. Sechs Tage sei sie nur als Lehrling thärig gewesen.— Tie Beklagte behauptete dagegen, die Klägerin sei nach dem sechsten Tage unter dem Vorgeben, die Schwester sei krank, ohne ihre Ein- willigung weggeblieben. Die Klägerin indessen hat aus einer, ihrer Angabe nach" hefttgen Aeußerung den Schluß gezogen, daß Frau Sommerseldt sie fortschicke. Der Vorsitzende Dr. Leo stellte fest, daß ein schriftlicher Vertrag nicht vorliege, und hob hervor, daß der Klägerin ein Rechts- anspruch deshalb nicht zustehe, da der§ 127f der Gewerbe-Ordnung bestimme:„Erreicht das Lehrverhältnis vor Ablauf der vereinbarten Lehrzeit sein Ende, so kann von dem Lehrherrn oder dem Lehrling ein Anspruch auf Entschädigung nur geltend gemacht Iverden, wenn der Lehrvertrag schriftlich geschlossen ist." Dr. Leo suchte dennoch einen Vergleich herbeizuführen, um wenigstens der Klägerin einen Teil ihres so gut wie nutzlos ausgegebenen Lehrgeldes zu sichern. Der Ehe- mann der Beklagten flüsterte dieser etwas zu, worauf sich der Vorsitzende jede Beeinflussung derPartei energisch verbat. Frau Sommerseldt lehnte jedoch einen Vergleich ab und beklagte sich über die Klägerin. Diese habe ihre andern Lehrmädchen aufgehetzt und sich mit erhobener Hand vor sie hingestellt und gesagt:„Wehe Ihnen, wenn Sie nicht binnen sechs Monaten mir die Schneiderei beibringen". Der Vorsitzende bemerkte:„Die Klägerin ist doch aber jetzt weg. Wollen Sie. wenn Sie sich geärgert haben. eS sich von der Klägerin mit 25 Mark bezahlen lassen? DaS sieht ja beinahe nach einem Geschästemachen auS!"— Die Beklagte ließ sich jedoch zu keinem Vergleich bewegen, während die Klägerin zu einem solchen gern bereit war. Der Gerichtshof riet deshalb der Klägerin, mit Rücksicht auf die' citterte Bestimmung deS§ 127k der Gewerbe« Ordnung die Klage zurückzunehmen, was sie dann auch that. Die Klage» zweier andrer Lehrdamcn der Frau Sommer- 'eldt schweben noch beim Gewerbegericht. Leider haben auch diese keinen schriftlichen Verttag. Einer von ihnen, die einen solchen aus- driicklich verlangt hatte. wurde die schriftliche Fixierung der Ab- machungen direkt mit den Worten verweigert, daß eS ja„nicht nötig" sei._ Letzte l�acbricbtcn und Depefeben. Köln, 2. Januar.(B. H.) Heute früh verunglückte ein an der Briickenrampe an der Deutzer Seite angestellter Streckenwärter. indem ihm beide Beine abgefahren wurden. Der Verunglückte ist Vater von neun Kindern. Englisch-italienischer Schiedsvertrag. London, 2. Januar. Wie das„Reutcrsche Bureau' erfährt, ist der Wortlaut des englisch-italicnischen SchiedSgerichts-Verttages im wesentlichen festgesetzt worden. Der Vertrag, der nach den Grund- zügen des«ngliich-franzöfischen Vertrags ausgearbeitet worden ist, wird voraussichtlich in nächster Zeit unterzeichnet worden. Beerdigung der Opfer deS ThcaterbrandeS. Chicago, 2. Januar.(W. T. B.) Heute wurde unter»ll- gemeiner Teilnahme der Bevölkerung und unter dem Geläute ämtlicher Kirchen mit der Beerdigung' der Opfer deS BrandeS des JroquoiS-TheaterS begonnen. Alle Geschäfte sind geschlossen; die ganze Stadt trägt zum Zeichen der öffentlichen Teilnahme Trauerschmuck. Morgen und am Montag erfolgen weitere Beisetzungen. Montevideo, 2. Januar.(W. T. B.) Gegenwärtig macht sich m Uruguay wachsende polittsche Erregung bemerkbar. Die Regierimg hat Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, welche anscheinend von Erfolg ind. Vereinzelte Unruhen dürften leicht unterdrückt werden, doch lieht man einem geschlossenen Vorgehen der Pärtei entgegen._ der Bloncos VerantwortlRedatteur: Julius KaliSki inBerlin. Inseratenteil verantwortl.:TH. Glocke in Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei».VerlagSanstalt Paul Singer Sc Co., Berlin SV. Hierzu 3 Beilagen u. UncerhaltnngSblatt it. 2. A. Zchg«A 1. DtÜlljt „Die Revisionisten an der Arbeit." Genosse v. Elm, der sich noch jüngst entschieden dagegen der- lvahrie, in eine der zwei Rubriken„Revisionisten" oder„Radikale" eingeschaltet zu werden und energisch darauf bestand, nichts als Socialdemokrat zu sein, schreibt unter dem obigen Titel im Januar- Heft der„Socialistischen Monatshefte" einen Artikel, in dem er sich selbst zu einem„revisionistischen Standpunkt" bekennt. Er wird sich demnach nicht wundern dürfen, wenn er auch von andren in den revisionistischen Orlus geworfen wird, namentlich nachdem, was ganz begreiflich ist, die interessierte bürgerliche Presse den Artikel im Zusammenhange mit einigen andren desselben Heftes in ihrer Weise ausschlachtet. Materiell wendet sich der Artikel Elms allerdings in der Hauptsache gegen Untcrschätzung der Gewerkschafts- und Genossen- schaftsbcwcgung und überhaupt gegen Unterschätzung der Gegenwarts- arbeit, die der Verfasser verschiedentlich gefunden zu haben glaubt. Tie Art. lvie er es thut, ist aber nur zu geeignet, der gegnerischen Presse zu falschen Unterstellungen sowohl ihm gegenüber als auch andre» Partcikreiscn gegenüber Anlaß zu geben. Den von ihm so genannten revisionistischen Standpunkt kenn- zeichnet er im Anfang so: „Durch Evolution zur Revolution— durch fortgesetzte Demokratisierung und Socialisicrung des Gesellschaftskörpcrs zur völligen Umgestaltung der kapitalistischen in die socialistische Gesellschaft: das ist, mit lvenigcn Worten gekennzeichnet, der Standpunkt der „Revisionisten" in der Partei. Sie glauben nicht cm das Wunder der plötzlichen„Katastrophe", halten diejenigen, die die Massen durch diesen Wunderglauben, der in völligem Gegensatz steht zur materia- listischcn Geschichtsauffassung, zu elektrisieren, zu fanatisicren suchen. nicht für wirkliche Revolutionäre, sondern sind im Gegenteil der An- schauuug, daß dieser unselige Wahn nur lähmend auf die Thätigkcit der Arbeiter, ihre Organisationen auf allen Gebieten auszubauen, wirken mutz. Daß der„revisionistische" Standpunkt heute noch nicht von der Mehrheit der Parteigenossen verstanden wird, ist nur zu erklärlich. Es ist die Sehnsucht nach dem Heil, der Wunsch, möglichst bald heraus- zukommen aus der Misere der kapitalistischen Mißwirtschaft, unter der große Massen der Proletarier dahinvegetieren, welcher sie jubelnd jenen Genossen zustimmen heißt, die ihnen verkünden, daß der große Tag der Erlösung nun in greifbare Nähe gerückt sei.„Halten Sie uns doch nicht ständig auf mit Ihren ewigen Bedenken", rief unter Zustimmung der Mehrheit der Genossen ein Redner in einer Ham- burgcr Parteiversammlung den sogenannten„Revisionisten" zu.„die Proletarier besitzen längst die nötige Reife zur Äeitung der Wirtschaft- lichen Betriebe. Glauben Sie etwa, daß. wenn wir morgen die „Hamburg-Amerika-Linie" übernehmen sollten, es uns an Kräften dazu fehlen würde?" Es schmeichelt dem Selbstbewußtsein der Massen, wenn ihnen so ihre„Reife" attestiert wird; wer diese Verherrlichung der Volksmajcstät nicht mitmacht, ist ohne weiteres„dringend ver- dächtig", die Socialdemokratie au die bürgerliche Gesellschaft an- gliedern, den Klassenkampf abschwächen oder gar ganz aufgeben zu »vollen. Zum Glück für die deutschen Arbeiter lassen sich dieselben heute jedoch nicht mehr durch solchen Utopismus abhalten, ihre müh- same Organisationsarbeit fortzusetzen; das eherne Mutz, sich gegen die Profitgier des Kapitals zu wehren, die sich den unorganisierten Arbeitern durch Lohnreduktionen. Verlängerung der Arbeitszeit ständig fühlbar mächt, zwingt sie dazu. Aber um wie viel gewaltiger mutzte der Fortschritt sein, wenn die großen Massen von der Ilaren Erkenntnis durchdrmigen ivärcn, daß ihre Organisationen nicht nur ein Mittel sind, in der heutigen Gesell- fchaft dem Kapital kleine Vorteile abzuringen, sich der schlimmsten Ausbeutung durch dasselbe zu erwehren, sondern daß der Ausbau von Weiverkschafteii und Genossenschaften absolut notwendig ist zur end- lichen Befreiung des Proletariats aus den Fesseln der Lohnsklaverei. Die Gefahr ist noch längst nicht überwunden, daß, wenn infolge eines Geschäftsrückganges die Arbeiter bei ihren minschaftlicheu Kämpfen nicht den gewünschten Erfolg haben, sie von lähmendem Pessimismus erfaßt werden und ihrer Gewerkschaft den Rücken kehren.„Es nützt ja doch nichts" ist die bekannte Redensart dieser Rißmutigen. Tic Kapitalisten kennen diese Schwäche der Arbeiter; sie verstehen eS vorzüglich, durch den von ihnen bei Geschäftsflaucn ausgeübten unerhörten TerroriSmuS, durch die Anwendung der Hungcrpcitsche, durch Ent- lassungen. Rtvhregelungcn der eifrigsten Gewerkschaftsmitglieder die Arbeiter in dem Gefühl ihrer scheinbaren Ohnmacht gegenüber dem organisierten Unternehmertum zu bestärken. Plötzlich entdecken in solchen Situationen dann auch theoretisch« Freunde der Gewerkschaften aus dem bürgerlichen Lager, welche zur Zeit der Prosperität die Macht der Organisation gar nicht genug preisen konnten.„Grenzen der Gewerkschaftsbewegung". Alten, erfahrene» Gewerkschaftern klingt es nur zu bekannt, wenn jen« Leute jetzt plötzlich deduzieren:„Je lveitcr die Anhäufung des Kapitalismus, die Vergrößerung der Be- triebe und vor allen» die Organisation deS Unternehmertums fort- schreitet, um so sicherer wird die ehemals so schneidige und gefährliche Waffe des Streiks in den Händen der Arbeiter stumpf", und wenn dann weiter gesagt wird:„das Schtvergewicht des gewerblichen Kampfes darf nichr mehr bei den Gewerkschasten liegen" und schließlich die„politische Arbeitervertretung" als alleinige Rettung vor der entsetzlichen Macht des Kapitals empfohlen wird."*) •) Vcrgl. Friedrich Weinhausen:„Grenzen der Gewerkschafts- bewegung" in der„Hilfe" vom 6. Dezember 1903. Der Artikel polemisiert dann gegen diejenigen, die in der GewcrkschastS- und GenossenschaftSbewegung nur Palliativ mittel sähen, die zur B e s e i t i g u n g der Lohnsklaverei ernstlich nicht in Betracht kämen. Inwiefern Gewerkschafts- und GenossenschaftSbewegung zur Beseitigung der Lohnsklaverei beitragen, das zu erörtern unterläßt Elm allerdings. Er begnügt sich mit diesem Satze: „Die gewerkschaftliche und die genossenichastliche Thätigkeit der Arbeiter zur Stärkung ihrer wirtschaftlichen Macht im Verein mit ihrem Wirken in Reich, Staat und Gemeinde zur Socialisierung und Demokratisierung dieser Institutionen: das ist der Weg zum SocialiSmuS." In dieser Allgemeinheit ist über Satz den keine ersprießliche DiS- kussion abweichender Meinungen möglich, da abweichende Mei- nllligen innerhalb unsrer Partei nur erst bei der Bewertung der einzelnen Elemente des Satzes entstehen können. Sollte Elm aber seine Wertung der einzelne» Elemente damit gegeben haben wollen, daß er der Geiverkschasts- und GenossenschastS- bewegung zuschreibt, die wirtschaftliche Macht der Arbeiter zu stärken, dann lohnte eS sich wohl nicht, gegen angeblich davon abweichende Meinungen in der Partei zu polemisieren. Das wird ihm niemand ernstlich bestreiten. lieber die Genossenschaften, insbesondere die Konsum- vereine, sagt Elm dann allerdings im weiteren Fortgange des Artikels noch mehr. Er schreibt ihnen anscheinend die Aufgabe zu. den Handel auf eine höhere Stufe der Organisasion zu heben und damit aiiZ dem rückständigen kapitalistischen in einen socialistischen Znstand überzuleiten. Gewiß wirken die Konsumvereine in der Richtung einer höheren OrganisattonSform des Handels, jedoch wirken in diesem Sinne in viel stärkerem Biaßc, ja, ivie uns scheinen will, so stark, daß dagegen die_ Konsumvereine zur Zeit fast verschwinden, auch rein kapitalistische Unternehmungen. Bon ihnen spricht Elm nicht, daß er eS aber weiß, darf doch wohl bei einem so erfahrenen Manne angenommen werden und sein Artikel verrät auch, daß er diese Schwäche seiner Argumentasion sehr wohl kennt. Denn nachdem er die Erfolge der englischen Genossenschafts- bewegung zahlenmäßig darstellt, sagt er selbst, daß damit nicht diel erreicht ist, wenn man sie der Gcsamtwirtschaft Englands gegenüberstellt. Er giebt damit selbst zu, daß das wirtschaftliche Wirken der Genossenschaften, daS in Egland in(50 Jahren nur dazu gelangt ist, etwa 90000 Arbeiter zu beschäftigen, auch itS JdwW zur Beseitigung der Lohnsklaverei jedenfalls sehr wenig beigetragen hat. Deshalb greift er nun zu einem andern Argument und sagt, die Genossenschaften hätten„durch praktischen Anschauungsunterricht den unum- stößlicheii Beweis erbracht, daß der SocialiSmus keine Utopie, sondern eine Kultur Notwendigkeit i st Nur schade, daß dieser praktische Anschauungsnnterricht gerade ans die englischen Arbeiter so wenig gewirkt hat, daß sie vom Socialismus noch immer nichts wissen wollen. Elm hat zwar diesen Einwand vorweg genommen, hat ihm aber nichts weiter entgegenzuhalten, als daß er falsch sei und daß der Umschwung nicht mehr s�ril sei. Wir wollen hoffen, daß Elm, der hier mit einem Male m die Rolle des Propheten verfällt, die ihm sonst so wenig behagt. Recht behält mit der Voraus- sage. Dann bliebe aber immer noch zu beweisen, welchen Einfluß der Anschauungsunterricht deS Wirkens der Genossenschaften auf diesen Umschwung gehabt hat. Jedenfalls haben sich die socialistischen Agitatoren in England dieses Arguments noch nicht bedient, um die Arbeiter zur Socialdemokrasie zu bekehren und jedenfalls haben die deutschen Arbeiter dieses etwas umständ- lichen Beweises noch nicht bedurft, um in Millionen zur Social- demokratie zu kommen. Auch siir seine Würdigung der Gewerkschaftsbewegung hat Elm den Einwand, daß in England trotz großer, alter und starler Geiverkschaften weite Schichten der Arbeiterklasse in siefstein Elend leben, voriveg genommen, jedoch nur, um einem eingebildeten Gegner entgegen zu treten, der angeblich daraus den Schluß ziehe, daß deshalb die ganze Gewerkschaftsbewegung, die ganze prakttsche GcgenivartSarbeit keinen Zweck habe. Wir muffen sagen, daß Elm sich damit an eine falsche Adresse wendet. In den Kreisen, an die sich die Artikel der„Socialistischen Monats- hefte" wenden, in Parteikreisen, gegen welche gerichtet Elms Artikel doch nun einmal bei der gegenwärtigen Sachlage in der Oeffentlich- keit angesehen wird, ist uns die Behauptung noch nicht begegnet, daß die ganze praktische Gegenwartsarbelt keinen Zweck habe. Der Artikel läuft schließlich in einen Lobgesang auf die Ge- nossenschaftsbewegimg hinaus und schließt: „Allerdings Socialismus steckt in diesen Genossenschaften, wie alles, was darauf hinzielt, die Profitgier zu belämpfen, die Solidarität der Jutcressen aller Volksgenossen zu fördern, Socialismus genannt werdeil lann. sind als cm Zeichen der Zeit kann man nur mit hoher Ge- nugthuung begrüßen, was Profeffor Staudinger, in seiner Schrift „Konsum und Profit", schreibt:„Socialismus heißt weiter gar nichts als Durchführung des Rechtsgedankens der Freiheit lind Rechtsgleichheit auf dem Boden des Wirtschaftslebens, also An- glicderung der Produktion an den genossenschaftlich organisierten Konsum unter Ausschaltung des Profits, das heißt derjenigen Tribute, die dem Menschen aus der Arbeit seiner Nebenmenschen zufließen..... Socialismus heißt Genossenschaftlichkeit. Socialist ist, wer dies Ziel in der That und Wahrheit als das wirtschaftlich und sittlich notwendige Ziel anerkennt und bereit ist, mit den best- nlöglichen Wittel» zu dessen Verwirklichung mitzuhelfen. Es ist ruhig und klar zu betonen und zu bekennen, daß der ehrenhafte Mensch heutiger Tage, sobald er nur einmal ein wenig über die beengeudeil Hofmanern seines Eigeninteresses hinwegzusehen gelernt hat, Socialist ist und sein mutz. Auf dieser Grundlage mutz dem Profit- interesse als dem sich immer unsittlicher, immer korrumpierender, immer mehr die Grundlagen jeder sittlichen Gemeinschaft bedrohenden Ungeheuer entgegengetreten und nicht bloß der Arbeiter, sondern die Masse des Volkes für das höhere, reinere Interesse freier ge- ordneter Genossenschaft gewonnen werden." „Das ist freilich eine ungeheure Aufzabe," sagt Professor Staudinger, aber sie wird gelöst werden: die„Revisionisten" sind überall an der ArbeitI" In den, Sinne, nicht nur die Arbeiter, sondern die Masse deS Volkes für das höhere reinere Interesse freier geordneter Genossenschaft im Gegensatz, zu dem korrumpierenden Profisinteresse zu gewinnen. ist die ganze Socialdemokrasie einmütig thätig; in dem Sinne ist jeder Socialdemokrat Revisionist und fleißig an der Arbeit, dazu braucht man wahrhastig nicht erst Revisionisten und Radikale gegen ein- ander anszuspiclen. Nur handelt sich's dabei nicht um Konsumvereine und Produksivgenossenschaften, sondern um die socialdemokratisch organisiere Gesellschaft und wir sind sicher, daß sogar Genosse v. Elm uns be- richtigend erklären wird, daß auch ihm als Ziel des Kampfes nicht bloß die Gründung von Konsum- und Produksivgenossenschaften vor- schwebt, aber— das Wort vom Revisionisteil und Radikalen ist ge- prägt und so kämpft der Revisionist gegen den Radikalen und der bürgerlichen Presse giebsiS einen Hauptspaß. Zum Theaterbrand in Chicago. Die neueren Meldungen stellen daS Unglück noch viel entsetzlicher dar, als die ersten schon fürchterlichen Meldungen annehmen ließen. Bis zum 1. Januar wurden 690 Tote gezählt. 300 Personen werden noch vermißt. Die Theatertruppe war 300 Köpfe stark und 2000 Zuschauer waren im Theater, von denen 1740 Sitzplätze imiehaten. Während der Panik kamen ganze Familien um. Mehrere Notausgänge waren durch eiserne Thüren geschlossen, siir deren rechtzeitiges Oeffnen niemand sorgte. Vergeblich war von den Zuschauern versucht worden, diese Thüren mit Gewalt zu öffnen. Da vor dem Theater kein Feuermelder stand, ging viel Zeit ver- loren, bevor die Feuerwehr einttaf. Auf telcphonischen Anruf eilten etwa 100 Aerzte und 150 Krankenwärter herbei, Priester erteilten den Sterbenden den Segen. Die Kellner und Köche eines benachbarten Restaurants brachten eine Leiter auf das Dach eines Schuppens und der Küchenchef fing, auf der Leiter stehend, nacheinander fünfzehn aus einem Fenster springende Frauen auf.— Die Vorstellung im Theater war zu ermäßigten Preisen gegeben worden, hieraus erklärt sich die große Zahl der Zuschauer. DaS Jroquois-Theater sieht von außen unverändert aus und über dem Haupteingange erhebt sich noch unbeschädigt das mächsige Jndianerhaupt. Verhaftungen. Nun. nachdem daS entsetzliche Unglück geschehen, suchen die ver- antwortlichen Behörden durch einen unsimiigen Eifer ihre früheren Vernachlässigungen wieder gut zu machen. Am Abend deS 31. Dezember wurden sieben Angestellte des JroquoiS-TheaterS unter der Anschnldiguilg der fahrlässigen Tötung verhaftet. Unter ihnen befinden sich der Bühnenleiter, der Bühnen- zimmermanil und mehrere Couliffenschieber. Freitag früh wurde der Assistent des Bühnenleiters Plimkett und vier Chorsänger ebenfalls verhaftet. Zwanzig weitere Verhaftuilgen von Mitgliederi, des ChorS und des BalletS stehen bevor. Zahlreiche andre Angehörige des Theaterpersonals wurden polizeilich vernommen. „World" meldet, gegen Davis und Powers, die Besitzer deS JroquoiS-TheaterS, sowie gegen dessen Erbauer, den Bauunternehmer William, seien Haftbefehle erlassen. William Mc. Müllen, welcher die BeleuchsiingSapparate für den Mondscheintanz im zweiten Akte der Pantomime bediente, während der das Feuer im JroquoiS-Theater ausbrach, ist ebenfalls verhastet worden. Er wurde über die Entstchung deS Feuers vernommen und gab an, als er von weißem zu blauem Licht um- schaltete. sprühte der Lichtbogen zwischen den elektrischen Kohle» Funken ans, ein Flinke erfaßte den Saum der Draperie des Vorhanges, und eine zwölf Zoll hohe Flamme schoß empor. Er versuchte die Flamme mit den Händen zu löschen, daS Sonntag, 3. Januar tM. Feuer breitete sich jedoch weiter aus. Er rief um Hilfe. Die Feuer- ivache eilte mit den Patent-Löschgeräten herbei, deren Anwendung blieb aber ohne Erfolg. Nunmehr hat der Bürgermeister die Schließung von 19 Theatern angeordnet, welche den Bestimmungen über die Sichcrheft der Be- sucher nicht nachgekommen sind. Auf Grund einer Proklamation des Mahors ist das neue Jahr der bisherigen Gepflogeiiheit entgegen nicht mit Glockengeläute ein- geleitet worden. Der Mayor hat ferner beantragt, daß am zweiteil Neujahrstage zum Zeichen der Trauer alle Geschäfte geschlossen bleiben sollen. Wahrscheinlich ist bei dem Brande im Jroquois-Theater nur eine Person fremder Staatsangehörigkeit umgekommen und zwar eine Engländerin, die bei dem Ballet des Theaters mitwirkte. Aus New sstork, wird gemeldet: Der neue Feuerwehrkommissar von New Jork, Mr. HaheS, versprach, an, 2. Januar den Brandinspektoren Anweisung zu erteilen, die FeuerschutzeinrichtungenIiii allen Mio U orker Thealern zu unter- suchen. Die Stadträte von New Aork legten den Entwurf einer Verordnung vor, worin gefordert wird, daß die Asbcst-Vorhänge in den Theatern ebenso wie in London in jeder Paufe einer Vor- stellinig herabgelasieii werden müssen. Eine Schilderung der Katastrophe. Eine Dame, welche eine Loge hatte und sich merkwürdigerweise mit der ganzen Familie retten konnte, schildert das Unglück wie folgt: Ich war wohl die erste, welche das Flämmchen sah, und machte die andern in der Loge darauf aufmerksam. Einer der Schauspieler erschien vor dem Vorhang und bat daS Auditorium, die Plätze nicht zu verlassen. Ich blickte den Zuschauern ins Gesicht, und blitzartig kam mir der Gedanke, wie viele Kinder da saßen. Ich sah die kleinen Gesichter mit ahnungslosem Interesse aufleuchten und die Augen sich weit öffnen, als sie die Dekorasioiieu brennen sahen. Jetzt staiiden die Leute auf der Galerie auf und reckten sich vor, um das Feuer besser sehen zu können. In diesem Moment schrie eine Frau hinten unter den Zuschauern:„Feuer!" Das eine Wort machte alles verrückt. Das Publikum stand auf wie ein Mann, mit wahii- sinnigem Schrecken erfüllt, und stürzte sich wie besessen den Ausgängen zu. Im Theater waren nur wenig Männer, aber ich sah mehrere Männer, die Frauen weg- drängten und Kinder niederstießen. Viele Kinder sah ich uiiter den Füßen der Drängenden verschwinden; sie standen nicht wieder auf. Auf der Galerie spottete die Scene aller Beschreibung. ES war eine Masse von kämpfenden Menschen. Die Galeric war so steil, daß viele stürzten, bevor sie die ersten vier Sitzreihen er- reichten. Dann jagten die Flammen mit lmbeschreib sicher Ge- schwilldigkeit durch das Haus. Im selben Moment, als die Panik auf den Fenerrnf begann, schoß eine ungeheure Stichflamme unter dem Vorhange brüllend und zischend ins Publikum hinein, über die Köpfe der Parkettbesucher hinweg in den ersten Rang und tötete sofort die Leute in den vorderen Reihen, während sich der gräßliche Kampf weiter hinten entspann. Nahe der Bühne fand man eine ganze Reihe von Frauen tot in den Stühlen sitzen, den Kopf in die Brust gesenkt, und im ersten Rang saßen viele ähnlich da. Dem ersten Ausbruch der Flammen folgte nnverzüglich eine Explosion der GaSrescrvoire„nd die ganze Decke flog mit dem Dach in die Luft. Wie beim Mont Pelo scheinen Zahlreiche durch den ersten Vorstoß von Gas und Flammen getötet ivordcn zu sein, bevor sie sich retten konnten. Dies waren die Glücklicheren. Eine außerordentliche feuerpolizeiliche Revision fand heute im Berliner kgl. Opernhause statt. Anwesend waren u. a. der Polizei- Präsident von Borries, Branddirektor Gicrsberg, die Brandinspektorcn Rohnstock und Becker. Besonders die Bühneneinrichtnng sowie die elektrischen Beleuchtungsanlagen, die Regcnvorrichtung und der eiserne Vorhang wurden eingehend geprüft. Das Ergebnis dürste in einem Bericht zum Ansdriick kommen.— Abgesehen von derarsigen außer- ordentlichen Revisionen erfolgt selbstverständlich täglich eine ein» gehende Kontrolle aller Lösch- und SicherheltSeinrichtuilgen auf den Berliner Bühnen durch die Feuerwachen. Die geringste Unregel- Mäßigkeit wird sofort dem Kommando gemeldet, das für Abstellung der etwaigen Uebelstände sorgt. berliner partei-Hngclegcnhcitcn. Steglitz. Mittwochabend 8 Uhr Mitgliederversammlung des Wahlvereins üiit Vortrag im Lokal Schellhase, Ahornstr. 15».. Die Genosien werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Mariendorf. Die siir Dienstag fällige Monatsversammlung fällt aus; es findet dafür am 12. Januar die Generalversammlung Klcin-Schönebcck, Fichtenau, Schöneiche und Münchehiife. Heute. Soimtagnachmittag 4 Uhr Mitgliederversammlung des Arbeiter- Bild ungs Vereins für Friedrichshagen und Umgegend im Saale von Karl Clasen, Schöneiche. Tagesordnung: 1. Unsre Volks- schule. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Lokales. Die merkwiirdige Gliickökorrcktiir, welche die freisinnige Stadtverordneten- Mehrheit bei der Prüfung der Wahl nnsre-Z Parteigenossen Kerfin vorgenommen hat, ist selbst von socialistcnfeindlichen Leuten dürr als das bezeichnet worden, ivas sie ist: Als ein Unrecht nämlich, das aus kleinlichem Partei- Egoismus begangen wurde. Wir hätten die schnöde That vorläufig auf sich beruhen lassen, wenn nicht die Erinnerung an einen ähnlichen Fall bei dieser Gelegenheit aufgefrischt zu werden verdiente. Im Jahre 1902 wurden in unsrem Nachbarorte Rixdorf Ge- werbegerichts-Wahlen vorgenommen. Unsre polittschen Gegner, die Herren von der Jnnuiig, stellten u. a. auch den Schneider- meister Müller als Arbeitgeber-Kandidaten auf. Die Ssimmzettel aber, welche vom Wahlkomitee der Arbeitgeber ausgegeben wurden, lauteten, wahrscheinlich infolge eines Druckfehlers, auf den Schmiedemeister Müller. Erst bei der Verkündigung wurde der Fehler entdeckt, und trotzdem schwarz auf weiß ein Schmiede- meister Müller als Kandidat proklamiert stand, erklärte das Wahlbureau ohne weiteres die Wahl des formell gar nicht gewählten, ja nicht einmal als Kandidaten genannten Schneidermeisters gleichen Namens für vollzogen. Diese Verwechselung erschien dem Gewerkschastskartell am Orte beim doch bedenklich und eS erhob gegen die Wahl des Schnei denneisterS Müller Protest beim Bezirksausschuß. Der Protest wurde aber als unbegründet zurückgewiesen. In dem Urteil hieß es, daß bei der Wahl der Wille der Wähler als aiisschlaggebend betrachtet werden müsse, und da ein Schmiede- meister Müller von keiner Seite als Kandidat aufgestellt sei, so müsse angenommen werden, daß die Wähler den Schneidermeister als ihren Kandidaten ins Auge gefaßt hätten. Dies Urteil wurde gefällt, trotzdem, wie bemerkt sei, auch ein Schmiedemeister Müller am Ort existiert, der gleich dem Schneidermeister alle Oualifikasionen zur Almahnie der Wahl besitzt. DaS Kartell hat sich bei diesem Urteil beruhigt lind daS Obcr-Vcrwaltungsgericht nicht erst an- gerufen. Es mochte auch erwogen haben, daß eine ständige Gerichts» Praxis in Frage kommt, welche das Urteil des Bezirksausschusses bc- stätigen würde. Hier wurde also von zwei Instanzen eine Wahl für gültig erklärt, trotzdem alle Wähler eine ganz andre Person als die für gewählt erklärte als ihren Kandidaten proklamiert hatten und ferner thatsächlich jemand vorhanden war, der sich mit dem formell zum GewerbegerichtS- Beisitzcnden gewählten Mann identifizieren liest. Die Berliner Stadtverordneten-Mehrheit be- mäntelt ihr schreiendes Unrecht aber damit, das; einige Wähler den Namen ihres Kandidaten undeutlich oder falsch ansgesprocken habcm und kassiert aus diesem Grunde die Wahl. Wenn das kleinliche Partei-Jnteressc der Arbeiterschaft gegenüber in Frage kommt, geht auch bei der sonst übcrloyalen Stadtverordneten- Mehrheit die Achtung vor der Gerichtsautorität spornstreichs zum Teufel._ Dem würdigen Bürger im hilflose» Alter die Stadt Berlin. � Die Alten- und Sieche nsiirsorge ist eine wichtige Aufgabe der Genieindeverwaltung, aber in Berlin findet sie noch immer nicht die ihr gebührende Beachtung. Wie wenig die Stadt- gemeinde auf diesem Gebiete bisher geleistet hat, darauf ist vom „Vorwärts" seit einer langen Reihe von Jahren immer wieder hingewiesen worden. Die Fürsorge besteht vielfach darin, dast arbeits- und erwerbsunfähig gewordene alte Leute von der Armen- Verwaltung mit Geld oder gelegentlich auch mit Lebensmitteln usw. unterstützt werden und in Krankheitsfällen unentgeltliche Behandlung beim Armenarzt erhalten. Wir denken aber hier mehr an die dauernde Verpflegung alter, siecher Personen in besonderen Alter S v er s o rgu n g s- Anstaltc n und S i e ch enhäuscrn. Die diesem Zweck dienenden Anstalten sind in Berlin so wenig zahlreich, dast namentlich in den letzten Jahren der Mangel an solchen Anstalten immer fühlbarer geworden ist. Der Plan, ein neues städtisches SiechenhauS zu bauen, das für 1700 Personen Raum bieten soll, ist ja nun endlich fo weit gediehen, dast mit dem Bau hoffentlich noch im Jahre 1004 begonnen werden wird. Aber selbst wenn das geschieht, werden voraussichtlich noch drei, vier Jahre vergehen, ehe die neue Anstalt bezogen werden kann. Und bis da- hin wird die Kalamität in«nscrm piidtischcn Hospitalwescn aufs äußerste gestiegen sein. Die Stadtgemeinde hat mehrere Hospitäler und AlterSversorgungs- Anstalten, die nicht eigentlich städtisch sind, aber unter städtischem Patronat stehen. Sie sind auS Stiftungen hervorgegangen und sind teils schon vor Jahrhunderten, teils erst in neuerer und neuester Zeit gegründet worden. Wer hier Aufnahme finden will, mutz sehr, sehr lange warten können. Wiederholt haben einzelne dieser An- stalten zu dem Dkittel greifen müssen, für ein paar Jahre überhaupt keine Auftiahmegesuche mehr anzunehmen, weil sich bereits so viele Personen hatten vormerken lassen, dast auf Jahre hinaus alle Plätze im voraus vergeben waren. Da stirbt dann mancher weg, noch ehe er die ersehnte Aufnahme erlangt. Außerdem stehen der Stadt ihre eigentlich städtischen, allgemeinen S i e ch e n h ä u s e r in der Pallisaden- und Großen Frankfurterstraße sowie in der Fröbelstraße zur Verfügung; dazu für Dienstboten das Gesindehospital und für bescholtene Personen daS ArbeitShaus-Hospital. In diesen Anstalten, besonders in den allgemeinen Siechcnhäusern, herrschen ganz ähnliche Zustände. Auch hier muß so manchem, der Aufnahme sucht, mit Achselzucken erwidert werden, es sei kein Platz vorhanden; auch hier geht oft der Auf- nähme, wenn sie überhaupt gewährt wird, erst noch eine lange Warte- zeit voraus. So wurde uns unlängst mitgeteilt, dast in einem Falle nahezu drei Monate erforderlich waren, um endlich die Aufnahme einer alten, völlig siechen Frau zu erlangen, die von ihrer unbemittelten Tochter nicht weiter gepflegt werden konnte. Im letzten Jahresbericht über die städtischen Sicchenhäuser wird vom Arzt der Anstalt in der Fröbelstraße hervorgehoben, dast 61 Personen noch innerhalb der ersten zwei Wochen nach Aufnahme starben. Ja, wenn man Sieche bis zum letzten Stadium ihrer Krankheit warten läßt, ehe ihnen Aufimhnie gewährt wird, dann darf man sich über solche Ergebnisse nicht wundern.» Freilich, was soll die Verwaltung der Siechenanstalten machen, wenn alle Betten belegt sind? Sie sucht sich in der Weise zu helfen, dast sie Sieche in Familienpflege zurückgicbt und ein Pflege- geld zahlt. Aber es liegt auf der Hand, dast dieser Notbehelf, der in den letzten Jahren immer mehr in Gebrauch gekommen ist, selten zum Borteil der Siechen ist. Die Familien, die bereit sind, für monatlich 20 M. oder wenig darüber eine alte, sieche Person in Pflege zu nehmen, leben nicht in glänzenden Verhältnissen. Sie haben gewöhnlich eine ganz knapp bemessene Wohnung, müssen sich auch in allem andren einschränken und sind schließlich froh, wenn sie ihren Pflegling gerade nur satt machen. Von einer sachgemäßen Siechenpflege kann überdies in solchen Familien oft schon deshalb keine Rede sein, weil dazu eine gewisse Kenntnis erforderlich ist, die keineswegs jeder ohne weiteres besitzt. Wir haben unS gelegentlich die Pflegestellen solcher in Austenpflege gegebenen Siechen angesehen und haben dabei manches gefunden, ivorübcr wir den Kopf schütteln mußten. Die Anstalt in der Fröbelstratze hat im letzten Etatsjahr über 300 Per- sonen in Austenpflege gegeben I „Dem würdige» Bürger im hilflosen Alter— die Stadt Berlin." So steht'S zu lesen über dem Portal des NikolauS-Bürger-Hospitals in der Großen Frankfurterstratze. dem die Stadtgemeinde Patronin ist. Dieses Wort, so schön eS ist in seiner Schlichtheit, wirkt wie ei» Hohn, wenn an ihm das städtische Hospitalwesen Berlins gemessen wird. Wie toenig geschieht hier für daS hilflose Alter, für den Arbeiter, der sich abgerackert hat und aufgebraucht ist. Auch die „Würdigsten" müssen lange bitten und lange warten, ehe ihnen Hilfe wird. Sterben sie vorher hin. so sind andre in Masse da— andre, die vielleicht schon lange ans den Tod ihrer Bordermänner warten.- Die öffentliche Beleuchtung Berlins, die Gaserzeugung und der allgemeine Gasverbrauch, soweit die städtischen �Gaswerke in Frage kommen, hat in Berlin auch während der Sommermonate zu- genomnien. Die Zahl der Gasflammen für die öffentliche Beleuchtung betrug 30 635, der Petroleumlampen 453 und der Spiritusglühlicht- Flammen 0, wozu noch 729 elektrische Lampen kommen, so daß die Gesamtzahl der Flammen sich auf 31 826 Ende September v. I. erhöhte. Die Gaserzeugung vermehrte sich im Kalendervierteljahr Juli-Septembcr 1903 gegen dieselbe Zeit des vorigen Jahres um 2 820 000 Kubikmeter, d. h. uni 9 Proz. Die Gasabgabe hielt damit gleichen Schritt, sie stieg um 9% Proz. ES wurden 34 Millionen Kubikmeter Gas abgegeben, davon 27-/z Millionen Kubikmeter durch gewöhnliche Gasmesser und l'/z Millionen Kubikmeter durch Münz- gaSmeffer. Die Zunahme bei letzteren betrug 15,5 Proz. Ausschreitungen in der Silvesternacht. Zu außergewöhnlichen Skandalscenen kam es in der Silvesternacht nur in der Friedrich- straste. Die Polizei nahm eine große Zahl von Sistierungen vor. Um 12 Uhr noch war das Aussehen der Fricdrichstadt in der Gegend der Linden nicht viel anders als in den Vorjahren; jedoch schon gegen V«1 Uhr zog sich in der Friedrichstraste zwischen Behren- und Französischestraste eine ungeheure Menschenmenge zusammen, die Fahrdamm und Bürgersteig besetzt hielt und jede Passage der- hinderte. Die Eingänge zu den Gastwirtschaften waren förmlich be- setzt; niemand wurde hinein- oder Herausgelaffen. Als die Polizei Viesen Stratzenzug daraufhin sperrte, sammelte sich die Masse wischen Französische- und Jägcrstraste an; verstärkte Schutzmanns- ommandos zerstreuten die Menge irnd dehnten die Sperre weiter aus. Vor dem Kaiser- Cafe kam es zu besonders tumultuarifchen Auftritten, den intervenierenden Schutzleuten wurde Widerstand cnt- gegengesetzt.� Mehrfach versuchte auch die Menge, Arrestanten zu be- freien. Verstärkte Polizeiposten verblieben bis um 8 Uhr früh in den Straßen der Friedrichstadt.— ES würden 331 Verhaftungen vorgenonnnen, davon 254 wegen Unftigs. Die Mehrzahl der Vor- Haftungen erfolgten im Bezirke der 1. Polizeihauptmannschast, in der Gegend der Linden und der Friedrichstraste. Es wurden dort 202 Personen verhaftet, davon 175 wegen Unfugs. Ucbcr eine» Akt christlicher Unduldsamkeit schreibt uns ein Partei- genösse auS dem zweiten Reichstags-Wahlkreise: Am Sonntaguach- mittag brachten wir die Leiche eines wackeren Parteigenossen, des Tischlers Leonhard Ty li n s k i, nachdem in Südende belegeuc» Friedhofe der katholischen Matthias-Genwinde. Thlinski war im dreistigsten Lebensjahre an der Prolctarierkrankheit gestorben; er hatte sich das qualvolle Leiden bei der Verbüstung einer anderthalb- jährigen Gefängnisstrafe zugezogen, die von der bürgerlichen Gerech- tigkeit wegen angeblicher Majestätsbeleidigung über ihn verhängt worden war. Kurz vor seinem Tode hatte Thlinski den letzten Wunsch ausgesprochen, dast an seinem Grabe ein Lied gesungen werden möge. Doch konnte dieftr Wunsch von dem Verein„Kreuz- berger Harmonie" nicht erfüllt werden. Schon vor dem Thor des Friedhofes war die Rotscheu frommer Christen zu Tage getreten; die Schleifen sollte» von den Kränzen entfernt werden. Um dcS lieben Friedens willen kam man diesen» unbercchttgtcn Verlangen nach. DaS Singen eines harmlosen Liedes an der Gruft wurde dann aber einfach untersagt. Besonders große Entrüstung erregte cS unter den zahlreichen Leidtragenden, als der Totengräber sogar verbot, einen Kranz mit der kurzen Widmung„Im Namen der Werkstatt" an der Gruft niederzulegen. Ein hundcrtstimmlgcs Bravo übertönte das Schluchzen der An- gehörigen, als ein Parteigenosse seine Hand voll Erde mit dem Protest gegen die christliche Unduldsamkeit dem Toten in die Gruft nachwarf. Auch tu diesem Fall zeigt sich, dast die Organe der christ- lichcn Kirchen weit mehr thun, um die Oeffentlichkeit gegen die Kirche einzunehmen, als bewußte Gegner der Religion je vermöchten. Die Inhaber und Pachter der natürlichen Eisbahnen haben am Ncujahrstage ein sehr gutes Geschäft gemacht. Bereits am Donnerstag hatte sich auf vielen Gewässern der Umgegend Berlins eine so feste Eisdecke gebildet, dast auf ihnen das Sch'litffchuhlaufcn polizeilich ge- stattet werden konnte. Besonders darunter zu erwähnen sind der Hundekehlen- und der Halensee im Grunewald, sowie der Spandauer Schiffahrtskanal, auf dem man bis Saatwinkel laufen konnte. Tic Eisbahn aus diesem Kanal ist eine der ältesten Berlins; sie ivar be- sonders in früheren Jahren bei Tonren läuscrn sehr beliebt. Nicht frei gegeben waren zum großen Leidwesen der Pächter die Tier- gartciigcwäsier, der Wanniee und der Müggelsee. Trotzdem tummelten sich auf diesem, dessen Eis bereis eine Stärke von fünf Zoll— also einen weniger als zur polizeilichen Freigabe nötig ist— erreicht hat, viele Menschen umher. Kurzschluß im„Neuen königl. Openithcutcr" iKroll) alarmierte gestern abend um 8 Uhr die anwesende Feuerwehr des Theaters. Der Kurzschluß war in einem sogenannten Stuckkontakt in der Garde- robe 10 entstanden. Die Feuerwehr bemerkte die Gefahr und be- seitigte sie ohne Beunruhigung des Publikums. Zahlreiche Taschendiebstähle wurden auf dem Silvesterball, der in der Philharmonie stattfand, unter eigenartigen Umständen aus- geführt. Eine hübsche Dame hatte in einer Löge Platz genommen und warf wiederholt Konfekt den sich im Parterre schnell an- sammelnden Herren zu. Diese Gelegenheit wurde von den Dieben sofort benutzt; unter anderm wurden bei einem solchen Auflauf einem Kaufmann und einem Offizier die gefüllten Portemonnaies gestohlen. Bei der Matinee, die am 1. Weihnachtstage bei Münch, Trist- straste 4l, abgehalten wurde, hat ein Besucher ein Portemonuaic mit etwa 50 M. Inhalt verloren. ES wird gebeten, den Fund bei Reck, GotztöwSkistr. 11, abzugeben. Einen dreisten Raub in einem Juweliergeschäft vollführte Freitag- mittag der Maurer Franz Sagemann in der Weißenburgersir. 23. Als dort der Juwelier A. Köunccke um 12 Uhr seinen Laden öffnete, betrat diesen als erster Kunde der genannte Maurer. Er liest sich von den im Laden allein anwesenden Herrn K. Schmucksachen zur Ansicht vorlegen. Bei einer paffenden Gelegenheit holte der Kunde eine Dose mit Schnupftabak hervor und schleuderte den In- halt Herrn K. ins Gesicht. Dieser hatte jedoch die verdächtigen Be- weaungen rechtzeitig bemerkt und war dem Wurf ausgewichen. Die Absicht dcS Verbrechers, den Juwelier für den Moment zu blenden und kampfunfähig zu machen, mistlang. Sagemann, der eine An- zahl Ringe an sich gerissen und zur Thür hinausgeeilt war, wurde auf der Straste infolge der Hilferufe des Herrn K. von einer Menge Menschen verfolgt und niedergeworfen. Die geraubten Ringe hatte der Bursche, der wegen ähnlicher Verbrechen schon vorbestraft ist, auf der Flucht von sich geworfen. Der gemeingefährliche Mensch wurde dem Untersuchungsgefängnis zugeführt. Vermißt wird seit dem 15. Dezember eine Frau Lina Jansen geborene Pichtler. Diejenigen, die über den Verbleib derselben Aus- kunft geben können, ivollen Mitteilung an Heinrich Jansen, Köpnicker- straste 36, gelangen lassen. Ein Opfer des StraßenbahnverkehrS. Einem entsetzlichen Unglück zum Opfer gefallen ist am Silvester der 31 Jahre alte Stattons- Assistent Mar Krickstatt, Siemcnsstr. 8 wohnhaft.— Herr K., der auf dem Nordringbahnhof Beusselstraste angestellt war, hatte am Donnerstag in der Großen Frankfurterftraste wohnende Verwandte besucht und wollte sich gegen i!.ß Uhr nachmittags nach der Station Ccntralviehhof begeben, um von dort�auS mit der Stadttingbahn nach Hause zu fahren. In der Pctersburgersttaße überschritt K. den Fahrdamm und Mittelpromcuade, als ein Strostenbahuwagen der Linie 65 lMoritzplatz— Centralviehhos) hcrangesaust tam. Der Führer des Wagens gab das Warnutigssignal und K. blieb an dem Rande der Promenade stehen. Als sich der Sttastenbahnwagen bis auf vier Meter Entfernung genähert hatte, trat der Stalionsassistent plötzlich von der Bordschwelle der Promenade auf das dicht daneben laufende Geleise, wurde niedergcrisien und geriet unter die Vorderplattform, unter welcher der Unglückliche buchstäblich festgeklemmt wurde. Der Wagen wurde mittels Winden augehoben und dann erst konnte K. aus seiner furchtbaren Lage befteit werden. Ärickftatt wurde nach der Unfallstation in der Warschauersttaste gebracht, verstarb jedoch dort unter den Händen des Arztes infolge innerer Verblutung. Zwei schwere Unfälle sind wieder durch daS Besteigen resp. Verlassen von fahrenden Straßenbahnwagen herbeigeführt worden. Die 42 Jahre alte Frau Anna Hohn, Brunnenstr. 83, wohnhaft, versuchte vor dem Hause Brunnenstr. 131 einen in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 38(Gesundbrunnen— Kreuzberg) zu besteigen. Sie glitt vom Trittbrett ab und fiel so unglücklich zu Boden, dast sie cme schwere Gehirnerschütterung erlitt und nach dem Lazarus-Kraukenhause gebracht iverden mußte.— Vorgestern nachmittag gegen 5 Uhr benutzte daS in der Mittelstt. 63 wohnende Fräulein Emma Dohne zu einer Fahrig nach der Marienburgerstraste einen Strasteubahnzug der Linie 60(Schöneberg— Weistensee). Kurz vor der Haltestelle, als sich der Wagen bereits ii� langsamer Fahrt befand, sprang die Dame trotz der Warnung des Schaffners von der Hinlerplattform des Motorwagens ab, siel zu Boden und schlug mit dem Hinterkopf auf das Straßenpflaster. Sie erlitt eine stark blutende Wunde und eine Gehirnerschütterung, und wurde nach der Charitee gebracht. Die illustrierte Wochenschrift„In freien Stunden" betrifft ein Prospekt, der von der Buchhandlung Vorwärts unsrer heutigen Nummer beigefügt ist. Wir empfehlen diese Aiiliindigung der Auf- mcrksamkeit unsrer Leser. Bier staatliche Keizrrknrse werden vom 7. Januar ab in Berlin abgehalten werden: sie dauern je 14 Tage lang täglich 8 bis 9 Stunden. Das Schulgeld beträgt 0 M. Arn Schluß wird eine Prüfung abgehalten und eine Bescheinigung erteilt. Den im praktischen Betriebe stehenden Heizern, lvelche mindestens ein Jahr lang einen Kessel bedient und möglichst das Schlosser- oder ein der- wandtes Handwerk erlernt haben, wird durch prattischeu und lheoretischcu Unterricht Gelegenheit gegeben werden, diejenigen Äeunt- nisse und Fertigkeiten zu erwerben oder zu erweitern, welche zur sachgemäßen Ausübung des Dienstes als selbständiger Heizer er- forderlich sind. Neben der Sicherheil des Bettiebes wird namentlich auch die sparsame Bedienung der Feuerungen berücksichtigt werden. Den Besitzern von Dampfkesseln ivird daher die Beachtung der Kurse dringend empfohlen. Anmeldungen sind schriftlich an das Polizei» Präsidium, Abteilung IIb, unter Angabe des vollständigen Namens des Teilnehmers, seiner Geburtsdaten. deS erlernten Handwerks und der Dauer seiner Thärigkeit im Dmnpfteffelbettiebe einzureichen. Die Anzahl der Teilnehmer kann nur eine beschränkte sein. Die Teilnehmer an de» gemeiilsanun Besichtizunge« der Ausstellung der Seceffion(4. bis 7. Januar) werden darauf aufmerksam gemacht, dast die Ausstellungsräume um 81/, Uhr geöffnet werden; der einleitende Bortrag(4. und 5. Januar Herr Otto Feld, 6. und 7. Januar Herr Alexander Koch-Hessc) beginnt um 81ä Uhr. Zum 7. Januar sind noch einige Zutrittskartcn a 20 Pfennig im Gewerkschaftshause, Cigamngcschäft von Horsch, zu haben. Das Institut für Meereskunde, Georgenstr. 34—36, veranstaltet in der kommenden Woche folgende öffentliche, Herreu und Damen zugängliche Vorttäge: Dienstag, den 5. Januar, spricht Professor von Halle-Berliu über:„Der neueste Phase der englischen Handels- und Schiffahrtspolitik"; Mittwoch, den 6., und Donnerstag, den 7., spricht Prof. Rodcnberg-Kiel über:„Der Indische Ocean in der Ge- schichte des Mittelalters und der Neuzeil"; Sonnabend, den 9.. Pros. Rudolf Credner-Greifswald über„Die Entstehung der Ostsee", mit Licht- bildern. Einlastkarten scnd wochentäglich von 12 bis 2 Uhr mittags und an den Vortragsabenden selbst von 6 Uhr ab iin Institut, in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags in der Ge- schäftsstelle des Deutschen Flottenvereins, Bernburgerstr. 35 I, erhältlich. Im Institut sind auch die allgemeinen Berichte über die Deutsche Südpolar-Expedition von Professor v. DrhgalSki zu haben. Der Berliner Zoologische Garten besitzt seit neuerer Zeit ein Paar Pferdespringer, die in einem der Glaskäfige am Ein- gange des Antilopenhauses untergebracht sind. Diese den Spring- mäusen verwandten Nager zeigen sich erst mit Einbruch der Dämme- rung und macheu dann mit den großen Augen und ihrer Känguruh- figur einen äußerst absonderlichen Eindruck. Nur die riesigen Hinterbeine, die wie bei den Vögeln einen durch Ver- wachsung von drei Mittclfußknochen gebildeten Laufknochen aufweisen, werden zum Laufen benutzt und ermöglichen es dem Tiere, in mächtigen Sätzen dahinzueilen. Herr E. Bnssius, der Inspektor des Herren F. Falz-Fein in Askania Nova in Südrußland, brachte sie den, Garten als Geschenk mit. Die Pferdespringer werden in den südrussischen und sibirischen Steppen, wenn sie sich zun: Winterschlaf in ihre unterirdischen Baue zurück- gezogen haben, ausgegraben und gewöhnen sich dann leicht an die Gefangenschaft. Aus Schöneberg schreibt man uns: Einige Jnnungsschwärmer fordern beharrlich, dast die Gemeinde eine B augewerk schule errichte. Sowohl der Magistrat als jetzt auch der zur Erörterung der Angelegenheit eingesetzte Ausschuß haben die Errichtung einer solchen Schule abgelehnt. Dieser Standpunkt ist nur zu billigen, da es hier Sache des Staates sein muß, eine derartige loftspielige An- statt zu errichten, und Schöueberg noch viele Aufgaben zu erledigen hat, die dringender sind alS die von den Jnmmgsmeistern der Stadt gestellte. Gerichts-Leitung. Fortdauernd Freisprechungen von Streikpofte». Vor der Straf» kaminer 8 hatte sich gestern der Maurer Kilian wegen Vergehens gegen die Strastenordnung zu verantworten, das er anläßlich des KaiialmaurerstreikS in der Kaiser Wilhelmstraste als Streikposten begangen haben sollte. Er war damals sistiert und mit einem Strafmandat über 30 Mark bedacht worden; daS Schöffengericht hatte ihn jedoch freigesprochen. Tie Staatsanwaltschaft glaubte sich bei dem Urteil aber nicht beruhigen zu können, sondern legte Berufung ein. Zu der Verhandlung waren eine Anzahl Schutzleute sowie der Bauführer Exner geladen worden, weil die Staats- anwattschaft nachweisen wollte. dast bei jenem Streik Unruhen und Belästigungen Arbeitswilliger usw. vorgekommen und daher die Maßnahmen der Polizei den Streitposten gegenüber berechtigt gewesen seien. Sämtliche Zeugen lvustteil jedoch absolut nichts Belastendes zu bekunden, die Beweisführung der Anklagebehörde versagte vollständig. Infolgedessen erkannte das Gericht demAnttage des' Verteidigers gemäß auf l o st e u l o s e Freisprechung. In der Urteilsbegründung hieß cS: Sowohl der Augetlagie wie auch die übrigen Streikenden haben sich durchaus ruhig und anständig be-. nommen; es seien ieinerlei Unruhen� und Belästigungen Arbeits-: Ivilliger vorgekommen, auch keine Ausschreitungen zu befürchten ge-: lvesen. Die Aufforderung des Schutzmanns au den Angeklagten, die Straße zu verlassen, sei deshalb zu Unrecht erfolgt, denn der An- geklagte habe lediglich ein ihm zustehendes Recht ausgeübt und das- selbe in keiner Weise überschritten. Vom Schöffengericht wurden am selben Tage vier Metall- a r b e i t e r freigesprochen, die anlästttch des Drücker- und Gürtlerstreiks als Streikposten von der Polizei fortgelviesen, sistiert und mit Strafmandaten über je 30 M. beglückt worden waren. Die als Zeugen vernommenen Schutzleute mußten samt und sonders zugeben, dast sie gegen die Augeklagten lediglich deshalb eingeschritten seien, weil sie direkten Befehl vom Reviervorstand hatten, keine» Streikposten aus der Straße zu dulden, lieber irgend eine strafbare Handlung der Angeklagten wußten die Schutzleute nichts zu be- klinden. In der Urteilsbegründimg führte der Borsitzende aus: Das Gericht halte sich befugt, nachzuprüfen. ob die hier in Frage kommenden Anordnungen der Polizei-Organe berechtigt waren oder nicht, denn die Entscheidung dieser Fmge gehöre mit zur Schuld- frage, und es cnlspräche einfach der Würde des Gerichts, alles zur Schuldftage gehörige in den Kreis der Erörterung zu ziehen. Nu» stehe das durchaus cinivandfreie Betragen dieser Streilposten außer allem Zweifel; es habe auch keine Besorgnis vorgelegen, dast aus diesen gesitteten Männern plötzlich Leute würden, die sich zu ungesetzlichen Handlungen hinreisten ließen. deshalb sei das Vorgehen gegen sie. ungerechtfertigt. Insbesondere habe für deu Reviervorstand kein zwingender Grund vorgelegen, die generelle Verfügung bcttcffcnd Fortweisung der Streikposten an die Unterbrnmtcu zu erlassen, weil es an konkreten Borkommuisscn wie Ausschreitungen, Belästigungen:c., die eine solche Maßnahme eventuell rechtfertigen würden, fehlte. Von der Polizeibehörde konnte nicht von vornherein als sicher angenommen worden, dast Ausschreitungen seitens der Streikenden begangen werden würden; somit habe jene Verfügung die Wirlung gehabt, das Strcikposteilstchen an sich unmög lich zu mache». Die Streikposten sind eben fortgewiesen worden weil sie thateu, was sie thun durften, deshalb rechtfertige sich d Freisprechung. Man kann wirklich nicht behaupten, dast die Polizei bei ihr Kampfe gegen streikende Arbeiter Lorbeeren erntet. Trotzdem nn' 1 sich ihr Verhalten nicht, wie der gegcnioärtige Troschkenkutsc l Streik beweist. Wenn bei der Beratung de? Jusliz-Etats nächste», 9 die üblichen Klagen über Mißachtung der richterlichen Autorität hoben werden, kann am Ende einmal auf die Verwüstungen gewiesen werden, die die Polizei mit ihrem Verfahren im R � bewusttscin der Bevölkerung unfehlbar anrichten muß. Wege» Beleidigung deZ Vorsitzenden des Favrikantenringes der Musikinstrumenten-Branchc, Herrn Petermann, hatte sich der Obmann der im Deutschen Holzarbeiter-Verbande organisierten Musilinstrumenten-Arbeiter. A. S i ck f e l d, vor dem hiesigen Schöffen- gericht zu verantworten. Der Anklage lag folgender Thatbestand zu Grunde: Gelegentlich einer Zeitungspolemik zwischen der„Musik- instrumenten-Zeiwng" und der„Holzarbeiter-Zeiüing" über die Lage der Piano-Mechanikarbeiter wurden auch Vorkommnisse aus dem Betrieb des Klägers(Firma Ad. Lexow, Tresdcnersir. 43) erwähnt. Unter Hinweis auf 8 11 dcS PretzgesetzeS verlangte Kläger eine Be- richtiguug in der„Holzarbeiter-Zeitung". Diese Berichtigung vcranlatzte den Beilagten. eine Mitteilung zu erwähnen, die ihm von dem Piano-Mechanikfabrikanten Herrn Li s sauer gelegentlich einer Verhandlung während des Streiks bei Herrn Lissauer, gemacht wurde. Danach habe Herr Lissauer erklärt, er verhandle nur init seinen Arbeitern. Er habe sich bei Herrn Peterntann erkundigt, dieser habe ihm gesagt: Hauen Sie den Mann in die Fresse, daß das Blut in Strömen fliegt usw.. Der als Zeuge vernommene Fabrikant Lissauer bestritt zunächst, eine derartige oder auch nur eine ähnliche Aeusie- rung gethar zu haben. Während der übrigen Zeugenvernehmung gab er jedrch zu, etwa gesagt zu haben:„Man hat inir mitgeteilt: Mit solche« Leuten verhandelt man nicht, die schmeißt man die Treppe herunter!" Die vom Kläger angegebenen Zeugen sagen nichts Wesentliches auS, Wgcgen bekunden die vom Beklagten geladenen Zeugen, die zum Teil noch im Betriebe des Herrn Lissauer beschäftigt sind, daß die fraglichen Acutzerungen von Herrn Lissauer gemacht tmd auch als solche de- Herrn Petermann hingestellt worden sind. Der Ver- trrter des Klägers, Herr Rechtsanwalt Livpmann-Wulf. beantragte, den Beklagten zu verurteilen und. da die Strafe doch vom Holz- arbeiter-Berbande bezahlt werde, diese recht hoch zu bemessen: er be- antrage ZüO Mark Strafe.— Der Beklagte führte aus: Die Beweisausnahme habe ergeben, daß die fraglichen Aeußerungen von Herrn Lissauer gemacht und auch als solche des Herrn Petermann hingestellt wurden. Bei der Bereitwilligkeit, mit der Herr Lissauer zwei Tage vorher mit dem Beklagten»erhandelt habe, sowie auch in Anbetracht der Stellung, welche Herr Petermann den Organisationen der Arbeiter gegenüber einnimint, lag für ihn kein Grund vor. an den Aeußerungen des Herrn Lissauer zu zweifeln. Auch die An- Wendung des§ 190 sei hier vollauf gerechtfertigt, denn bei allen Differenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern habe er im Auftrage der Arbeiter Verhandlungen geführt. Beklagter be- antragt Freisprechung. Der Vertreter des Beklagten, Genosse Dr. K. Liebknecht, wies noch darauf hin, daß s 187 keine Anwendung sinden könne. Aach etwa halbstündiger Beratung erklärte der Vorsitzende, das Gericht hält es nicht für erwiesen, daß der Kläger die Aeußerungen zu Herrn Lissauer gethan hat. Dagegen ist durch die Beweis- aufnähme erwiesen, daß Lissauer dem Beklagten gegenüber die erwähnten Aeußerungen gebraucht und sie als solche des Herrn Petermann hingestellt hat. Der Beklagte konnte unter deit obwaltenden Verhältnissen der llcberzeugung sein, daß Lissauer ihm gegenüber die Wahrheit gesagt habe. Aus allen diesen Gründen kommt das Gericht zu der Anitahnte, daß ein Vergehen gegen 8 186 vorliegt. Der Beklagte habe aber nicht das Bewußtseilt gehabt, eine strafbare Handlung zu begehen und ist deshalb auf Freisprechung erkamtt ivorden. Die Kosten wurden dem Privat- Wäger auferlegt. GewerhrcbaftUchea. HusUnd. Internationale Streikstatistik. Obgleich die Lage des internationalen ArbeitsmarkieZ im Monat November sich mit Ausnahme Deutschlands in fast allen Industrie- ländcrn verschlechtert hat, so nahm nach der„Arbeitsmarkt-Äorresp." tüchtsdestoweniger die Streikbewegung ganz erheblich zu. In Deutschland, England und Frankreich zusammengenomnien fanden im November 114 Streiks statt gegen 91 int Oktober. In England und Frankreich, wo die Ziffern der an den Streiks Beteiligten schon ermittelt sind, sind nicht weniger als 21 1 17 Arbeiter in den Ausstand getreten gegen 11 949 int Oktober. In England ist die erhebliche Steigerung der Streits aus mehrere Ätisstättde im Bergbau zurück- zuführett. Von den 10 215 Beteiligte» im November entfielen allein 0308 auf den Bergbau. In Frankreich dagegen waren eS die Textilarbeiter. die das größte Kontingent zu der Zahl der Ausständigen stellten. Nicht nur, daß im November 27 Streiks in diesem Gewerbe begannen, an denen 5410 Arbeiter sich beteiligten, eS dauerte auch noch der Streik in Armentiörcs fort, der an 147 900 Arbeiter direkt oder indirekt in Mitleidenschaft zog. Auch sonst fanden in Frankreich größere Streiks statt, darunter 0. an denen sich 5500 Arbeiter be- teiligten. Wenn auch in den Vereinigte» Staaten die Streikbewegung im Rückgang begriffen ist, so findet! doch noch immer zahlreiche Streiks, vor allem Abwehrftretls statt. An einem großen BcrgarbeiterauSstand in Kolorado, Wyoming, Nim-Mexiko und Utah sollen sich 35 000 Berg- leute beteiligt haben. In Chicago traten die Angestellten der Stadt- bahn in den Ausstand, ihnen schloffen sich auch die Arbeiter in den Fabriken und Reparaturanstalten der Bahngesellschaft an. Die Ar- beiter verlangten eine Erhöhung der Löhne ttm 25 Proz. Ungefähr 3000 Mann beteiligten sich an der Arbeitsniederlegung. Für die streikende« und ausgesperrte» Weber in Crimmitschau gingen bei der Berliner G e w c r k s ch a s t S k o m m i s s i o n folgende Beiträge ein: S e ch st c r W a h I k r c i S, geinniinelt auf Listen: Abteilung Gesund- b r u n ii c n. Zur WeihnachtSbescherung vom Lotterieverein„Glückslern" 6.—. Nr. 4602 8.-. 4610, Tischlerwerkstatt Reichert. Schönhauser Allee 73 16.45. 4615 2.80. 4632 20,95. 4634 10,20. 4636 9.85. 4638 2.50. 4641 8,25. 4650 15,35. 4667 20,20. 4669 1k, 25. 4670 ,5.55. 4671 4.15. 4672 7.50. 4675 10,10. 4680 36,85. 4683 7,45. 4689 6,80. 4692 4,50. 4693, gesammelt von den Arbeitern und Arbeiterinnen der Schraubenfabrik A. Schwarhkopsf 35,05. 4696 5,50. 4701 4,40. 4702 12.55. 4719, gc. sammelt bei Schulz. Uandsbergerstr., Quast 14,15. 4723 7,15. 4725 5,25. 4729, gesammelt durch Maaß u. Mochals 14,50. 4736 19,25. 4738 6,50. 4743 19,65. 4747 14,10. 4748, Gietzcrei-Arbeiter der Firma Eckert, FricdrichSberg 23.-. 4751 21,20. 4770 25,55. 4772 12.15. 4776 22,90. 4777 12,95. 4778 12,55. 4780 13,35. 4781 7,70. 4786 14,—. 4787 10,60. 4782 6,—. 4783 8,—. 4788 17,80. 4789 18,10. 4790 2,35. 4791, Eber- Schönewcide, A. E.-G., Saal 26/27 durch Jäger 20,60, 4795 17,30. 479? 16,40. 4S2S'4.50, 4828 5,40, 483l 14,-. 4833 20.30. 4835 9,—. 4836 16,60. 4638 13,70. 4840, A. E,-G,, Ableitung Serncrl, Saal 20 24,50 4844 2.60. 4846 6.—. 4847 14,35, 4867 6,15, 486? 19,55. 4871 7.05. 4872 17,20. 487« 9,75. 4877 11,90, 4878 10.65. 4879 10,15. 488013,10. 4892 15,55. 4894 13,55. 4697 9,45. 4899 14,10. 4900 5,80, 5702 10,55. 5704 21,45. 57-20, gcf. Reiiebaznr, 3. Rate 8.15. 5731 10,75. 5732 19,00. 5733 14.10. 5776 7.80, 5791 6.—. 5796 9.95, 9001 10,65, 9002 20,-, 9006 15,05, 9017 15,85. 9050 10.70.— o s e n l h a l e r B o r st a d t: Listen 4901 11,20. 4903 3,50. 4911 6,70. 4929 10,40. 4941 6,25. 4956 6,60. 4957 7,50. 4958 4,60. 4960 5,30. 4965 3,95. 4966 22.—. 4969 10,90. 4970 9.55. 4985 7.20. 4986 6,20. 4967 19,95. 4989 7,15. 5000 4,60. 5001 17.45. 5002 7,25. 5024 22,15. 5033 4.10. 5064 10,40. 5072 5.50, 5093 10,-. 5095 6.—. 5609 10,05. 9105 21.60. 9107 10,50. 9122, vedeisabr, Schlegel 13,90. 9153. Firma C, Lange, Maler Bau Herrenhaus 16,25. 9154 15,65. 91708,95. 9178 7,15, Schönhauser Vorstadt: 5462 3,—. 68 14,35. 69 2,70. 70 (tlintral-Krankenkasse d. Tapezierer, Weihnachtssetts 17,—. 79(darunter K abelwerk Qbersprce 12,95) 22,50. 85 22,25. 5500 12,15. 4 lgesammelt G, S.. iilostersttaßc) 38,85, 45 4,—. 55 4,05. 62 5,70. 63 4,35. 9604 5,25. 8 3,30. 15 14,35. 16 7,05. 19(hiervon gesammelt 10,50 von Arb,- Radiahr, Berlin) 13.70. 5412 16,50. 15 2,60. 16 18,75, 17 9,55. 18 5,70. LI 1,—. 26(gesammelt Kindtausc Gutschlc) 10,—. 35 1.30. 37(Tele- graphenbau Lorenz, Abt, I u. II u, Boden-Arb,, 4. Rate) 63,30. 9657 9.—. 0763 11,85. 5203. gesammelt GeburtStagsscicr. Fürstenaus Marmotfäle 5,50. 5286(gesammelt Arb. d, Firma Max Pätcr, Schönb. Allee) 33,70. 8 9.60. 15 2,75. 17 10,—, 30 6,35. 35 12,15. 36 5,50. 37 5,40. 38 8,—. 39 27,15. 43 11,85. 48 7,—. 53 7,40. 60 15,65. 64 7,45. 65 10,95. 69 4,65. 71 3,05. 72 21,60. 75 7,—. 76 16,60. 5278 9,40. 60 18,90. 83 21,50. 88(gesammelt Tischlerei Cosas, Fehrbcllinerstr. 45) ll,80. 95 6,—. 5321 11,20, 30 5,40, 38 6,10, 39 7.—. 40 13,10, 42 5.—, 43 8,45. 44 3,—. 45 6,30. 73(gesammelt Tischlerei v. Liebock, außer einem) 4,—. 77 13,85. 79 6,20. 90 11,95. 93 3,20. 94 4,20, 5105 10,55, 6 17,85, 9 7,10. 10 3,10. 20 12.35. 21 13.0-5. 5139 u, 9596 iPianosabrik Görs iL Kallmann) 12,25 u. 30,80. 5146 17,—. 50 13,50. 72(Tapezicr-Werkstatt Herrn. Ecrson) 33,50. 84 5,70. 85 6,33. 92 16,03. 93 1,80. 05(Ludwig Löwe, Centrale) 11.95. 96(„Union", Dreherei, Abteil, See- selb) 28,75. 61(Bau Gitschinerswaße, Reichs-Patent-Zlmt 28,60. 68 15,50. 9556 5,55. 72 9,35. 73 7,—. 81 11,40. Oranienburger Vorstadt: 4109 2,65. 4111 9,70. 4113 3,80. •1116, Arbeiter der Fabrik Hauptncr 33,95. 4127 7,35. 4130 7,70. 4134 10,80. 4111 1,75. 4143 4,05. 4144 13,20. 4147 31,15. 4148 4.—. 4152 Kevling u. ThomaS 12,—. 4153 5,85. 1154 7,45. 4155 5,-. 4156 7,75. 4157 6,30. 4158 5,75. 4162, Bau Chausfeestr. 100 14,80. 4101 A. E.-G., Schlegelstr. 26 3,—. 4166 21,65. 4174, gei. durch Niese 10,—. 1175 8,25. 4176 10,05. 4180 22,70. 4182 16,80. 4184 4,05. 4185 5,05. 4196 7.40. 4198 19,30. 4199 10,40. 4200 10,20. 1201 11,60. 4218 3,—. 4221 3,30. 4222 7,05. 4223 3,30. 4224 2,10. 4225, von den Maurern der Beamten- Häuser, Prenzlauer Thor 32,30. 4214 9,20. 4245 3.70. 4247 1 0,30. 424? 10,—. 4249 2,15. 4250, Spindcbauer von Lorenz, Gitschiner- straße 26,25. 4251, Arbeiter bei Lentz, Birkcnstraße 1? 34,—. 4258 5,05. 4260 8,10. 4261 4,40. 1264 10,80. 4270 21,60. 4271, Arbeiter d. Firma Schmidt u. Co. 24,75. 4293 13,70. 4294 16,70. 4295 5,85. 4296 12,90. 4297 Masch.-Fabrik Weist u. Eo. 33,-. 4298 Metallarb. d. Firma Dr. Aren. Chartottcnb. 17,10. 4300 12,—. 9101 E.-G., Brunnen str. 18,55. 9402?!. E.-G., Brunnenstr. 20,90. 9403 A. E.-G., Brunnenstr. 10,—. 9404 A. E.-G., Brunnenstr. 10,35. 9405 A. E.-G., Brmmenstr. 8,05. 9406 A. E.-G.. Brunnenstr. 14,55. 9407 A. E.-G., Brunnenstr. 19.10. 9408 A. E.-G. Brunnenstr. 12,30. Olli A. E.-G., Brunnenstr. 12,30. 9412 A. E.-G., Brunnenstr. 22,30. 9413 A. E.-G., Brunnenstr. 10,45. 9421-gcs. d. Schwarzburger 12,25. 9422 ges. d. Belitz 8,35. 9429 9,40. 9433 Kunstschmiede Krüger, Aortstr. 27,50. 9131 3.-. 9436 Firma Kapler, Prinzen-Allce 11,60. 9438 6.10. 9140 gest Firma „Tresor", Prenzlauer Allee 19,05. 9441 11,05. 9442 12,80. 9443 7,90. 9444 die organisierten Arbeiter der Firma Goede, Chausteestr. 14,25. 9445 8,95. 0513 11,60. 9514 Qrts-Ärankenkasse d. Buchdrucker, 4. Rate 10,50.— W c d d i ii g. 4309(darunter 4,01 von den Ackerbauern von Klein-Machnow) 12,91. 4323 A. E.-G., Ackerstraße, Saal 2?, 2. Rate 17,20. 4349 Arbeiter der ckiemisSen Fabrik Schering|15.1.\ 4358 Former und Gießerei-Arbeiter von L. Wolfs„Vulkan", i. Rate 16,—. 4110 Arbeiter von Steffen«. Nolle 48,—. 4430 Arbeiter der Firma Bolzaui 38,65. 44L3 gcs. durch Schmidt 11,25. 4507 Neubau Hasse. Lindowerstr. 22 40,65. 4518 Dreherei II Flohr, Chausfeestr. 29 K 37,35, 4529 F. Schuchardt, 4 Treppen 24,50. 5611 Rabitzputzer, Bau Stetlincrstr. 56 6,50. 5619 Zeitungsfrauen der Spedition Stolzenburz 4,10. 4304 5,45. 4306 14,80. 4313 23,85. 4317 7,05. 4326 30,75. 4327 1,45. 4329 7,35. 4330 12,60. 4361 5,75. 4365 6,75. 4371 15,—. 4372 5,10. 4376 24,10. 437728,—. 4385 3,55. 438613,65. 438910,20. 4392 5,20. 4393 6,40. 4450 5,80. 4451 7,95. 4453 12,15. 4454 21,40. 4455 12,50. 4456 11,—. 4460 10,65. 4461 9,80. 4462 4,35. 4468 4,20. 4190 10,50. 4491 10,—. 4500 15,65 4502 20,80. 4503 15,20. 4516 13,70. 4569 8,—. 5642 6,46. 5643 1,60. 5644 2.35. 5651 24,20. 5652 32,—. 565510,75. 567214,20. 93087,15. 93259,55. — M o a b i t. 3932 22,50 Arb. der Ehem. Fabrik Schering. Eharlottenburg. 3925 20,05 Elfengießerei Fachmann. 3915 20,70 Arb. it. Arbeiterinnen der Lanolinsabril Marlinickenselde. 4016 14,60 Drahtzieherei Nonnendanint. 4031 19,85 Weihnachtskneipe. 4081 12.— Plattensetzer Bruno Kleinke, Friedenau. 3895 26,50 Arbeiterinnen v. Pctsch, Z wietusch u, Eo. 389«! 24,70 Arbeiter n. Petsch, Zwielufch iL Eo. 4084, 4083 u. 4086(Siemens- Schlickert Wert, Nonncndamms: 11)80, 13,70»,12,20. 3812 10,45. 3816 16,80. 3819 13,85. 3822 7,50. 3826 12,60. 3827 3.—. 3828 14,10. 3831 6,95. 3832 14,60. 3833 6,45. 3834 1.75. 3837 6,65. 3852 10,70. 2854 19,40. 3867 23,15. 3868 17,20. 3869 14,45. 3870 11,45. 3897 36,35. 3903 4,—. 3913 7,50. 3914 18,80. 3919 18,25. 3930 9,20. 3933 7,70. 39-19 31,10. 3951 31,85. 3952 10,95. 3953 12,30. 3958 10,25. 3961 17,20. 3964 11,55. 3967 11,—. 3987 32,55. 3989 9,15. 3991 16,60. 3998 10,20. 3999 5,20. 4003 5,55. 4009 22,55. 4010 0,15. 4061 8,50. 4079 11,25. 4080 25,60. 4093 26,10. 3908, S.». Sch. Werke, Abt. 52 20,25. 3985 6,80. 3992 9,20. 3993 15,05. 3994, Arb. d. Flaschcnkellerei Brauerei Patzenhoscr, LUt.Moabit 15,30. 4040 13,75. 4011 26,—. 4012 27,70. 4043 21,10. 4015 27,75. 4063 9,50. Vorstehenden Teil der Abrechnung mußte die Redaktion aus dcr ReujabrSnummer Raummangels wegen zurücklassen. Fm ührigeii ändert sich auch die Schlußabrechnung. Die Gesamtsumme am 31. Dezember betrug nämlich nicht 161 127,93 M. sondern 165 674,20 M. Infolgedessen beträgt die jetzige Endsumme nicht 171411,70 M. sondern 175 987,97 M. Weitere Beiträge werden in unserm Bureau in der Zeit von 9—1 und 6—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, sind an A. Körften, Engel-Ufer 15, zu senden. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschastskommissio». Versammlungen. Der Cciitralllervaiid der Fleischer und Bcnifsgenossen Deutsch- lands(Verwaltungsstelle Berlin) hatte zum Sonntag, den 27. De- zember, eine Versammlung nach dem Englischen Garten ein- berufen, die von über 500 Personen, darunter vielen Mamsell?, ve- sucht war. Fräulein Helene Grünüerg hielt einen Vortrag über„Zeitgemäße W e i h n a ch ts- B e tr a ch tun g e n". in dem sie speciell der ausgesperrten Criinmitschauer gedachte. Brausender Beifall wurde der Reserentin gespendet. In der Dis- kussion führte H c n s e l an, daß auch die Arbeitgeber des Fleischer- gewcrbes nicht davor zurückscheuen, kurz vor dem Weihnachtsfest Massenaussperrungen vorzunehmen. Es sei dies am schärfsten in Preetz(Holstein) geschehen, too augenblicklich 24 Kollegen aus- gesperrt sind wegen Zugehärigleit zum Verband. Am genannten Orte sind im ganzen mir 39 Schlächtergesellen, so daß jetzt nur wenige arbeiten, darunter leider einige Kollegen, welche schon seit langer Zeit im Verbände sind, auS Furcht vor Maßregelung aber den Revers der Meister unterschrieben, ivodurch sie den Austritt aus dem Verbände erklärten. In Berlin habe man ähnliches zu verzeichnen, nur handele es sich hier nicht um Aus- sperrungen, sottdern um direkte Eittlassimge» wegen„Arbcitsmangel". In Wirklichkeit ist das Ucbcl in dem noch bestehenden Usus, den Gesellen ein Weihnachtsgeschenk zu verabreichen, zu suchen. Gern verzichteten die Gesellen darauf, da ihnen an einer dauernden Stellung mehr gelegen ist, als an einer Gratifikation, Die Innung habe dieses Jahr den arbeitslosen Gesellen daS bis jetzt übliche„Freiessen" am ersten Weihnachtsfeiertag nicht ver- abfolgt. Dies sei aber von feiten der verschiedenen Gesellen- Korporationen geschehen. Andre Kollegen erntahnen in scharfen Worten zum Beitritt in den Verband und zur Fürsorge der Aus- gesperrten. Hcnsel berichtet sodann über die bisherigen Antworten der Meister- Korporationen ans die Gesellen-Forderungen und schlägt ein schärferes Vorgehen vor. Der Obermeister Moritz Schmidt, Prinzenstr. 40. habe in der Jnnungsversammlung dem Vorsitzenden des Meistervereins„Moabit", P a b st, Lübeclerstr. 21, gegenüber auf eine Frage bezüglich der Beantwortung der Forderungen,' wie aus dem Bericht der„Allg. Fleischer-Zeitung" hervorgevt. geäußert, daß man mit dieser Seite überhaupt nichts zu schaffen habe und daß keine Antwort auch eine Antwort sei. Einige ein- gegangene Antworten besagen, daß, sobald die Innung bewillige, auch von den andern Korporationen die Bewilligung nicht ausbleiben wird. Man � wolle sich speciell nach der Innung richten. Die Gesellen müßten nunmehr wissen, was sie zu erwarten haben. Redner verliest einen ausgearbeiteten Revers, der nach früherem Be- schlutz jedem Meister zugesandt wird. Sämtliche Meister im Norden. Nordosten, Osten und Südosten erhalten die Reverse am 31. Dezember zugesandt, um sie bis zum 4. Januar 1904 zu beantworten, lieber 00 Gesellen traten dem Verbände bei. Chlertsche Kranken- und Ztcrbckassc 9tr. 27. Sonntag, den 3. Januar 1904, vornnttags tO'/. Uhr: Gencralvetsammlimg. Centralvcrband der Handlungsgehilfen und" Gehilfinnen. Außerordentliche Mitgliederversammlung am Dienstag, den 5. Januar, abends 9 Uhr, in den„Arminhallcn", Kommandantenstr. 20. TageS- ordnung: 1. VierteljahrSbericht. 2. Diskussion. Eintritt nur gegen Vor- zeigung des Mitgliedsbuches. Hilfskafie der Graveure, Ciselenrc und verwandten BcrusSgenosscn Berlins tagt jeden 1. Montag im Monat im Restaurant Eltze, Luilen-User 1, abends S— 10 Uhr.__ Vermißtes. I» Kiel kam cS in der Silbesternacht aus dem Marktplätze zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und dem Publikum. Da letzteres um 12 Uhr den Markt nicht rämucn wollte, machten die Schutzleute von ihrer Waffe Gebrauch und verhafteten zahlreiche Personen. Der Reichs-Postdnmpfer„Preußen", der an der holländischen Küste auf Gnind geraten war. ist durch Schleppdampfer deL Nord- deutschen Lloyd heute früh glücklich abgekommen. Der Dampfer ist auf der Vltssittger Reede unbeschädigt zu Anker gegangen und nimmt die gelöschte Ladung wieder ein. Bcrhaftetcr Bnukdieb. Der vor einigen Tagen aus Nachen unter Mitnahme von 45 000 Mark geflüchtete Bankangestellte Stanislaus Rieke, aus Berlin gebürtig, ist in Brüssel verhaftet worden. Der größte Teil der entwendeten Summe wurde noch bei ihm vorgefunden. Auf seine Festnahme war eine Belohnung von 3000 Marl ausgesetzt worden. Die Nhcinschiffahrt ist wegen Eisganges völlig eingestellt worden. Tie Rhemhöhe beträgt 1,20 Meter. Franeumord. In Whitfieldstreet in London fand man am Mittwochmörgen eine durch ihre Schönheit bekannte sunge polnische Jüdin mit dnrchscknittenem Halse und geknebelt in ihrer Wohnung vor. Die Unglückliche war verheiratet, hatte sich aber, da ihr Mann im Gefängnis ist, durch Verkehr mit andren Männern ihren Lebens- unterhalt zu erwerben versucht. Des Mordes verdächtigt ist ein Deutscher, der ebenfalls in dem Hanse wohnte und während der Mordnacht verschwand. Die Arbeit der Detektivs ist dadurch sehr erschwert, daß sämtliche Insassen des Hauses Ausländer sind. Man hofft, des Mörders habhaft zu werden, da derselbe außer dem lleineu Barbestande an Geld, den die Ermordete nnvorsichtigerweisc am Abend bor dem Morde gezeigt hatte, auch die Ohrringe und zwei leicht erkennbare Ringe der Ermordeten mitnahm. Der Hofbuchdruckereibcsitzer Eugen Trowibsch, Verleger der „Frankfurter Oderzeitung". ist Freitagnachmittag, nachdem er sich zwei Tage vorher einer schweren Operation unterzogen hatte, gc- storben. Wie auS Haniburg amtlich gemeldet wird, hat die Untersuchung der an Bord des Dampfers„Eordoba" tot anfgesundenen Ratten den Pc st verdacht bestätigt. Die Untersuchung des Schiffes erfolgt unter amtlicher Aufsicht. Eine Erkrankung von Mannschaften ist nicht vorgekommen. Eine Gefahr für die Oeffentlichleil ist angesichts der getroffenen Vorsichtsmaßregeln und der abgeschlossenen Lage des Schiffes nicht vorhanden.— Wie gemeldet, kam der Dampfer ans Santos in Südamerika. AuS jener Hafenstadt sind in letzter Zeit unmittelbare Pestfälle nicht bekannt geworden, toohl� aber in Rio de Janeiro. Da der Dampfer zur Ueberfahrt mindestens 20 Tage gebraucht Hit, so werden inzwischen alle Ziatten, die etwa in Südamerika mit Pest angesteckt waren, schon tot sein. Trotzdem wurde aucki die Claytonsclie Vorrichtung, durch die in alle Teile des Schiffes schweflige Gase geblasen lverdcn, angewandt. Gelingt_ es, sämtliche Ratten des Schiffes zu töten, und daran ist kein Zweifel, dann ist jede Verschleppung der Pest so gut wie ausgeschlossen. I» Rom drangen in der Silvesternacht zwei als Briefträger ver» kleidete Verbrecher in das Pakct-Postamt ein und stahlen mehrere wertvolle Pakete. Nach den letzten Meldungen soll der Wert der entwendeten Sachen 150000 Fr., nach der„Tribuna" sogar 300 000 Fr. betragen. Ein Kampf mit Räubern. AuS Tislis, 31. Dezember, wird be» richtet: Gegen abend brachen vier bewaffnete Räuber in ein Comptoir der Station Alexandropol ein. Ein Gendarm, der Wider- stand leistete, wurde getötet, ein andrer tvnrde tödlich, zwei Beamte wurden leicht verletzt. Es gelang den Räubern jedoch nicht, die Kasse zu berauben, da ein Beamter aus dem Fenster sprang und um Hilfe rief, worauf die Räuber die Flucht ergriffen. Mlocden- Spiel plan der Berliticr Cheater. Königliches Opernhaus. Sonntag: Migitott. Montag: Die Meister» singer von Nürnberg. Dienstag: Die Hugenotten. LNittwoch: Mignon. Donnerstag: Hansel und Gretel. Tie€ pernprobe. Freitag: Sinsmiie» 'Abend. Sonnabend: Lohengrin. Soimtagnachmittag: Hansel und Gretel. Sonntagabend: Manon. Montag: Tristan und Isolde. Königliches Schauspielhaus. Sonntag: Wann wir altern. Die Romantischen. Montag: Corivlait. Dienstag: Judith. Mittwoch: Wann wir altern. Die Romantischen. Donnerstag: Egmont. Freitag: Wann wir altern. Die Romantischen. Sonnabend: r>m stillen Gäßchen. Sonntag: Wann wir aliern. Die Romantischen. Montag: Die Journalisten. Neues kömgl. Opern- Theater. Sonntag: Die Räuber. Von Montag bis Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Faust. Monlag: Geschlossen. Schiller-Theater O. sWallner-Theater.) Sonntagiiachiiiittag: IDie Slützcn der Gesellschaft. Sonntagabend: Der Bibliothekar. Montag i Kollege Cramptou. Dienstag: Vasantaicna. Mittwoch: Kollege Crampton. Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Der Eompagnon. SomNagnachmittagi Die Ehre. Sonntagabend und Montag: Kollege Erampion. Schiller. Theater �7.(Friedrich WilhelmstädtischeS Theater.) Sonntag- nachmittag: Maria Stuart. Sonntagabend und Montag: Der Compagnon. Dienstag: Licbctri. LNteratur. Mittwoch: Wilhelm Tell. Donnerstag: Kollege Crampton. Freitag: Vasrnttasena. Sonnabend: Kollege Crampton. Sonntagnachmittag: Die Juugsrau von Orleans. Sonntagabend: Im weißen Rößl. Montag: Der Eompagnon. Tcntkches Theater. Somitaanachmittag: Mauna Vanua. Smmtag- abend: Der Meister. Montag: Rose Bernd. Dienstag: Der Meister. Mittwoch: Rose Bernd. Donnerstag: Der Volksfeind. Freitag: Rose Bernd. Sonnabend: Der Meister. Sonntagnachmittag: Die versunkene Glocke. Sonntagabend: Rose Bernd. Montag: Der Meister. Berliner Theater. Soimtagnachmitlag: Die siieboii Raben. Sonntag- abend: Maria Theresia. Montag: Alt-Heidelberg. Dienstag: Maria Theresia. MittwochnachiPttag: Die sieben Raben. Mittwochabend und Donnerstag Maria Theresia." Freitag: Alt-Heidelberg. Sonnabendnachmittag: Die sieben Raben, sonnabendabend: Maria Theresia. Sonmagnachmittag: Alt-Heidelberg. Sonntagabend: Maria Theresia. Montag: Alt-Heidewerg. Lessing-Theater. Sonntag: Familie Schierke. Montag: Zapienstreich. Dienstag: Familie Schierle. Mittwoch: Zapsenslreich. Donnerstag: Familie Schierke. Freitag und Sonnabend: Zapsenstreich. Neues Theater. Sonntag und Montag: Der Strom. Dienstag: Logik des Herzens. Salome. Mittwoch und Donnerstag: Der Strom. Freitag: Der Kammersänger. Salome. Sonnabend und Sonntag: Der Strom. Montag; Der Kammersänger. Salome. Theater des Westens. Somitagnachnnttag: Der Troubadour. Sonntagabend: Der lustige Krieg. Montagnachmittag: Rotkäppchen. Montagabend: Der Barbier von Sevilla. Dienstag: Der lustige Krieg. Mittwochnachmittag: Rotkäpvcheu. Mittwochabend: Das Glöckchen des Sremiten. Donnerstag: Die Jüdin. Freitag: Der Beitelstudent. Sonn- abcndnachmittag: Rotkäppchen. Sonnabendabend: Der Troubadour. Sonntag» nachmittag: Der Trompeter von Sättingen. Sonntagabend: Martha. Montag: Die Jüdin. Lnisen-Thcater. Soimtagnachmittag: Die Logenbrüder. Sonntagabend: Berliner Kinder. Montag: Romeo und Julia. Dienstag: Berliner Kinder. Mittwoch: Rcis-Rcislingcn. Donnerstag: Der tzltticnbudiker. Frei» tag und Sonnabend: Der Veilchensresier. Soimtagnachmittag: Lltpenkontg und Mcnschenscind. Sonntagabend: Der Veilchensresser. Montag: Berliner Kinder. Residenz- Theater. Somilagnachmittag: Lutli. Von Sonntag« abend bis Sonnabend: Der keusche Casimir. Sonniagnachmittag: DaS beste Mittel. Sonntagabend und Montag: Der keusche Casimir. Kleines Theater. Soimtagnachmittag: Serenissimus-Zwischeitspiele. LiebcSträiime. ISonntagabend; Elettra. Montag: Nachtasyl. Dienstag: Elektra. Mittwoch: Nachtasyl. Donnerstag: Elettra. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend: Elektra. Sonntagnachmittag: Serenissimus- Zwischenspiele. Liebesträume. Sonntagabend: Nachtasyl. Montag: Elektra. Triauou-Theater. Sonntagnachmittag: Die Rotbrücke. Sonntagabend. Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Biscottc. Freitag, Sonnabend, Sonnlag und Montag: Madame X. Thalia- Theater. Soimtagnachmittag: Chmleys Tante. Sonst all» abendlich: Der Hochtoiirßl. Soimtagnachniitiag: CharlehS Tante. Eentral-Theater. Sonntagnachmittag: Der Zigeuncrbaron. Sonntag» abend, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Der Rastelbwdcr. Min» mach und Sonnabendnachmittag: Der gcstiescltc Kater. Freitag: Die Geisha. Sonnabend: Das Schwalbennest. Sonntagnachmittag: Der Bettelstudent. Carl Weist- Theater. Sonntagnachmittag: Die Jungfrau von Orleans. Sonntagabend: Bruder Martin. Montag: Der Gewissenswurm. Dienstag; Tie Kreuzeiichreibcr. Miltwochnachmittag: Die Räuber. Mitt» wochabcnd: Bruder Martin. Donnerstag: Der Memeibbauer. Freitag: Der G'wisscnswurm. Sonnabendnachmittag: Frau Holle. Sonnabend- und Sonntagabend: Die Leni von Oberammergau. Sonntagnachmittag: Die Waise aus Lowood. Deutsch-amerikanischeS Theater. Allabendlich: Uebcr'n großen Teich. Slpollo-Tdcater. Allabendlich: Frühlingslnst. Metropol- Theater. Allabendlich: Durchlaucht Radieschen. Casino-Theater. Sonntagiiachnüttag: WeihnachiSglocken. Die Diebes» falle.'Allabendlich: Weihnachtsglocken. Der vertauschte«obn. Zteidl-Tbcater, Linienstraße(Ecke Fricdrichstraßo). Täglich: Der große Cohn und andre Vorträge. Wintergarten. Täglich: Spedalitätcu. Nrania- Theater. Taubensttaßc 48/49. Der Erdball als Trägt: deZ Lebens. «itterungsnberftcht vom S. Januar morgen» 8 Uhr Wetter-Prognose für Sonntag, den 3. Januar 1N04. Ein wenig wärmer, ziemlich trübe und nebelig bei schwachen südöstlichen Winde«! keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wettcrbureau. ßHcfhaften der Redaktion. P Förster- Düsseldorf. Nr. t der„Hütte" enthält das gewünschte Bild. Preis 25 Ps. In der Vorwärts-Buchhandlung noch vorrätig. JurirtiTdier Ceti. Die juristische Sprechstunde findet täalich mit Ausnahme de? Sonnabends vo» 7'/, bis»>/, Uhr abcudS statt. Geöfinct: 7 Uhr. Ausland. Es ist Ihnen wie in allen das Ausland und Ansiedelung im Auslande bcttcssendcn Aiigclcgcnhcilcn zu raten, sich an das Bureau Schlllingsttaße i zu wenden. lästige LluSkunst.�— W.00, sondern 60�/, Proz. Jeder Arbeiter, Beamte usw., der eine Unlallrenlc bezieht, erhält mindestens'h, iveniger als jemand, der nicht im Betriebe beschäftigt ist und infolge beS Unfalls Anspruch aus eine Rente hat. Sine tOOprozentige Rente kann aber in dem Falle gewährt werde», wenn fremde Hilfe zur Pflege des Verunglückten erforderlich ist.— Geust. I. DaS Gefe» führt nicht einzelne Gegenstände aus, die unpsändbar sind. WaS nach dem Gesetz unpsändbar ist. finden Sie S. 359 bis 3Sl des ,. Arbeiterrechts" unter 1» Nummern angesührt. 2. Die sür den Schuldner, seine Familie und sew Gesinde auf 4 Wochen erjorderlichen Rabrungs-, Fenerungs- und Be» IcuchtungZmittcl oder, sofern solche Vorräte auf 2 Wochen nicht vor» Händen sind und ihre Beschaffung aus andrem Wege nicht gesichert ist der zu Beschaffung erforderliche Gcldbettag, ist unpsändbar.— M. 12. Ja.' — Gustav Schulz. Da der Ehemann ini letzten Quartal 1903 verstorben ist, so tarm die Witwe den noch länger währenden MietSvertrag bis am 3. Januar zum 1. April kündigen. Voraussetzung ist, dnst nicht etwa fie selbst als Mieterin gcniietet hat.— Dcgelerstr. Nein. Die liebernahm« einer Vormundschaft kann nur ablehnen: 1. eine iveibliche Person, 2. wer da-Z SO. Lebensjahr vollendet hat. 3. wer mehr als 4 eheliche Kinder hat, 4. wer durch Krankheit oder Gebrechen an ordnimgsmästigcr Führung der Vormundschaft verhindert ist, 5. wer wegen Entfernung feines Wohnsitzes vom Sitz der VonnirndschaftSbehörd« die Vormundschaft nicht ohne besonder« Belästigung führen kann, 6. wer zu einer Sicherheitsleistung als Vormund nngehattcn ivird, 7. iver mehr als zwei Gegenvormmidlchasten führt(die Vormundschaft über mehrere Geschwister gilt als eine) untz 8. wer gemein« schaitlich mit einem andern Vormund(nicht Gegenvormund) die Vormund- fchast führen soll.— F. 12«. Wiewohl wilde Kaninchen in der Mar! nicht zum jagdbaren Vieh gehören, kann das Nachstellen mit Schlmgen. Fangen mit Frettchen usw. ohne Emwilligung des Jaqdberechtigten durch Polizei- Verordnungen unter Strafe gestellt werden.— Rosenkranz. 1. Leider ja. 2. Nein.— B. 100. Eine Klage gegen den Förster hätte wenig Aussicht aus Erlolg. Vielleicht hilft eine eingehende Schilderung an das Lancratsamt. — Treuer Abonnent 40. Sie hasieu nicht jür die gegen Ihrer Willen von Ihrer Tochter gemachten Schulden. fn dkm Woeh, Wch dw ImmMt fÜP Wßk JUIrtiJkßll* Die im Preise ermäseigten Artikel sind in jeder Abteilung besonders ausgelegt. U. a.: _ Kleiderstoffe Melierte u. gemusterte Kleiderstoffe ca. mo««. ig«!.os u. 1.35 Wollene Kleiderstoffe 1.75 u. 2.10 Reinwoll. einfarb. Cheviots 1.10». 1.30 Reinw, Blusenstoffe 95 pt. Velour-Barchent°"�'48pr. regulär Mtr. 70 Pf. Damen-Paletots Leinen- w. Bau mwoll waren Hemdentuch«w. 30, 38, 42 pr. Louisianatuch Mlr. 40 u. 48 pr. Louisianatuch D,ckb,t,bc5S. 80 p». Bettsatin Kisscnbrei,fM,r, 55 pr. v----«--»»»,.. 90 Bettdamast Lakendowlas Laken-Halbleinen Mtr. 68 Pr. ,, Mtr. 1.OÖMk. ganie vreite gQ p( Mtr. Mtr. 80 Pf U. 1.20 Mk. schwarz, mit Kragen, mit Kiothfutter I L/.75, regulär 20 bis 23 Mk. mit gestreift, Atlasfutter Bunte Kaffeedecken 1.25«. 2.10 (Zerstenkorn-Handtücherot-3.50'-. 5 M». 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Das Land der unbegrenzten MögUcbkeiten/) Seit einigen Jahren gefällt sich die im Dienste der rheinisch- Westfälischen Großindustrie und des ostelbischen Junkertunis stehende Presse darin, von Zeit zu Zeit vor der drohenden„amerika- uischen Gefahr" zu warne» und loehmütsvolle Älagegesänge über das Zurückbleiben der wirtschaftlichen Entivicklung des„ergrauten" Europas hinter dem jugendfrischen Borwärtsftürmen der Vereinigten Staaten von Amerika anzustiminen. Zum Teil mögen diese Älägen der ehrlichen Besorgnis vor dem neuentstandenen Weltreich jenseits des OceanS und den in ihm kräftig zur Bethätigung drängenden imperialistischen Wcltbeherrschungsausprüchen entspringen: vielfach jedoch verbirgt sich hinter den wehleidigen Furchtäußerungen vor dem industriellen Aufschwung der Union und der Macht ihrer Wirtschaft- lichen Riesenkoalitionen nichts als das zollpolitifche Interesse des Kraut- und Schlotjunrertums. das seine Zollforderungen um so sicherer durchzusetzen hofft, je mehr es gelingt, die deutsche Geschäftswelt in einen Gemütszustand bangen Zagens vor dem amerikanischen Gespenst hineinzutreibe!?. _ Wie sehr solche Beweggründe mitsprechen, zeigen allein schon die schönen Nutzanwendungen, die meist den Gefahrenschilderungen folgen. Ja den von den rheinisch-ivestfälischen Industriellen alimentierten Blättern laufen sie geivöhnlich auf die Behauptung hinaus, daß Ivenn die deutsche Industrie von der amerikanischen nicht auf dem einheimischen deutschen Markt verdrängt tverden solle, die deutsche Schutzzollpolitik ähnliche Bahnen einschlagen müsse, wie sie drüben mit den Mc Kinley- und Dingley-Tarifen beschritten worden seien, während die Blätter der Richtung Oertel und Kropatscheck aus den Fortschritten der amerikanischen Industrie folgern, t>aß. da die deutsche Exportindustrie sich doch bald mit der amerikanischen nicht mehr auf den Auslands- Märkten werde messen können, es verkehrt sei, durch Handelsverträge '>en industtiellen Export zu fördern: vielmehr müsse als Ziel gelten, Deutschland in Bezug auf feine Lebensmittelproduttiou unabhängig wm Auslande zu machen, d. h. die deutsche Landwirtschaft vor der amerikanischen Lebensmittclkonkurrenz zu schützen. Noch im vorigen Jahre, zur Zeit des Zolltariflampfes, konnte man diese Argumentationen mit kleüien Variationen fast täglich in der Presse finden. Seitdem jedoch der kardörffisch veredelte Zolltarif im Reichstage Annahme gefunden hat, hat vorläufig die Amerikafurcht der Blätter von der Species der„Rheinisch-Westfälischen Zeittmg", der„Kölnischen Zeitung", der„Post" und ihres Sprößlings, der„Berliner Neuesten Nachrichten", merklich nachgelassen. Ja. als kürzlich die Nachrichten vom amerikanischen Eisenmarkt auf den Kurs der Hüttenakttcn zu drücken begannen, wußten einige der Blätter sogar zu versichern, daß die deutsche Eisen- und Stahlindustrie von dem in den Vereinigten Staaten erfolgten wirtschaftlichen Umschlag nichts zu befürchten habe, da sie nicht nur auf dem zollgefchützten deutschen Inlandsmarkt, sondern selb st auf dem Auslands- markte es mit der amerikanischen Konkurrenz aufzunehmen vermöchte. Lange vorhalten dürfte diese Sinnesänderung allerdings nicht. Wenn erst die neuen Tarif- Verträge zur Beratung kommen oder gar die Neuregelung unsrer handelspolittschen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten heran- naht, werden ebenso sicher, wie die Schwalben im Sommer, auch die Heraufbeschwörungen des amerikanischen Gespenstes sich wieder ein- i' flen. Gegenüber diesem frivolen Gaukelspiel verdient das Buch des Geh. KommerzienratS Goldberger„Das Land der un- begrenzten Möglichleiten", das sich als Erweiterung und Ergänzung einer Reihe in der„Woche" und im„Berliner Tageblatt" veröffentlichter wirtschaftlicher Skizzen erweist, allgemeine Beachtung. Die frischen impressionisttschen Schilderungen stehen im wohlthnenden Gegensatz zu den lamentablen Jeremiaden ä la Tiele- Winckler. Es steckt in GoldbergerS Ausführungen eine gute Portion alter tüchttger Kanfmannsauffassung, in gewissem Sinne kann man sagen, althanseatischen Handelsgeistes, der mit starkem �Selbst- und Kraftgeftihl, scharfer Beobachtung und schnellem Sickihineinfinden in fremde Verhältnisse, nüchterne Abwägung ge- schästlicher Chancen und eine gewisse großzügige Kombinationsgabe vereint. Der Verfasser ist Praktiker, nichts als Praktiker, aber von jener Sorte, die. wenn sie auch ihren eignen Beobachtungen und Er- fahrungen den ersten und höchsten Wert beimißt, doch das Bedürfnis fühlt, sie mit den Auffassungen andrer Beobachter zu vergleichen und sie durch stattstische Nachweise zu stützen. Aus dieser einseitig praktischen Vorbildung des Verfasser? ergeben sich naturgemäß neben manchen Vorteilen schwere Nachteile. Mehrfach tntt das Bestreben des Verfassers hervor, in die Zusammen- hänge des Wirtschaftslebens einzudringen: aber da ihm die nötigen theoretischen und wirtschaftshistorischen Kennwisse fehlen, gelingt es ihm nirgends deren inneres Wesen zu erfassen: er siebt stets nur die äußeren Verbindungslinien. Die Folgeist, daß ihm die Bedingtheit der einen Wirt- schaftlichen Erscheinung durch die andre meist gar nicht, oder doch nur teilweise deutlich wird; daß er zwar recht instruktive, von guter Beobachtung zeugende Einzelschilderungen bietet, ihm aber die scharfe Erfassung der einzelnen wirtschaftlichen Vorgänge in ihrem Kausal- Verhältnis zum loirtschastlichen Gesamtgetriebe fehlt. Seine Wirt- schaftliche Diagnose ist demnach denn auch eine rein symptomattsche, die sich nur an äußere Anzeichen hält, die tiefen inneren Funkttons- Veränderungen und-Störungen des WirtschaftSorganismus aber unberücksichtigt läßt. Kennzeichnend hierfür ist. daß z. B. Goldberger noch im August oder September dieses Jahres— früher dürste er das„Nachwort" zu seinem Bnch kaum geschrieben haben— die Besorgnis vor dem Ausbruch einer Kriseder amerikanischen Eisen- und Stahlindnsttie für ganz ungerechtfertigt erklärte und seine Aulfossung mit köstlicher Raivetät folgendermaßen begründete:„Nicht die Industrie ist bislang von einer Kalamität heinigcsucht worden, nicht der Verkehr auf den Schienenstraßen ist rückläufig, nicht der Handel liegt danieder, nicht die Ernten haben versagt und nicht die Kohlen- und Erzgruben und die Oelquellen."(®. 292.) Die seitdem immer schärfer hervorgetretene Absatzkrise der amerikanischen Eisenindustrie, die diese zu öS bis svprozcntigen Produkttonseinschränkungen zwingt, der enorme Rückgang des Fracht- Verkehrs auf den amerikanischen Eisenbahnen, die massenhaften Be- triebseinstellungen und Arbeiterentlassungen zeigen, wie sehr der Geheime Kom,nerzienrat Goldberger sich noch vor kurzem über die wirtschaftliche Situatton täuschte. Doch nicht nur diese Selbsttäuschung beweist des Verfassers Oberflächlichkeit weit mehr noch kommt sie in der Art der obigen Gegenargumentatton zum Ausdruck. Derartige Gründe gegen den Ausbruch einer Jndujtrickrise oermag nur jemand zil erheben, dem die ganze ältere und neuere Krisentheorettl unverständlich geblieben ist. Genau mit demselben Recht, mit dem Herr Goldberger sich darauf beruft, daß bei der Abfasiung seines Nachworts noch die amerikanische Industrie von keiner Kalamität heimgesucht und der Frachtverkehr noch nicht rückläufig sei, könnte jemand, dein auf Grund festgestellter innerer FunkttonSveränderungcn von seinem Arzt der bevorstehende Ausbruch einer schiveren Krankheit angekündigt wird, daraushin erwidern:„Das ist unmöglich, ich spüre ja noch gar keine Fieber- erscheinuiigen." •) Ludwig Max Goldberger.„Da? Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Beobachtungen über das Wirtschaftsleben der Vereinigten Staaten von Amerika". Berlin und Leipzig 1VV3, F. Fontane u. Co. 299 S. Ottav. Goldberger leugnet keineswegs die enormen wirtschaftlichen Fortschritte der nordamerikanischen Union im letzten Jahrzehnt. Er bringt selbst eine Reihe statistischer Zahlen fiir die Zunahme des Nattonalreichtums, der Entwicklung des Eisenbahnwesens und des Außenhandelsverkehrs der Vereinigten Staaten bei und behandelt in einem der längsten Kapitel seines Buches ziemlich ausführlich die Trustfrage; aber, obgleich er die Wettbewerbsfähigkeit der Union auf dem Weltmarkt noch einer bedeutenden Steigerung für fähig hält und, wie es scheint, der Ansicht ist, daß die Vereinigten Staaten eine ähnliche Rolle im internationalen Handels- verkehr des beginnenden Jahrhunderts zu spielen berufen sind, wie England sie im letzten Jahrhundert gespielt hat, so verschließt er sich doch nicht der Einsicht, daß nicht nur iu den wirtschaftlichen Schilderungen der ainerikanischen Presse eine gute Dosis Humbug und Selbstüberschätzung steckt, sondern auch die schnelle industrielle Entfalttmg viele krankhafte Auswüchse hervorgetrieben hat. Von einer wirtschaftlichen Unterjochung Deutschlands durch die Union will er entschieden nichts wissen und lehnt deshalb auch alle jene Maßnahmen ab, welche die deutschen Ameriianophoben zur Abwehr deri„amcrikanischen Gefahr" Planen, vornehmlich den mittel- europäischen Zollbuud. Zur Begründung seiner Auffassung von der amerikanischen Ge- fahr führt der Verfasser an, daß die finanzielle Basis der amerika- nischen Jndustrie-Entwicklung eine höchst unsichere ist, daß fast alle Aktiengesellschaften und Trusts an starken Ueberkapitalisierungen leiden und eine ungeheure tote Last mit sich schleppen. Dazu kommen die Störungen, welche der Jndusttie durch das erst im Werden begriffene Arbeiterassociationswesen drohen und ferner die Eigenttimlichkeiten der ameriranischen Produktion inr Gegensatz zur deutschen. Die anierikauische Produktton hat sich— und diese Tendenz wird durch die Trust- bildungen noch verstärkt— voir vornherein auf Massenarbeit, auf die Herstellung gleichartiger Massenartikel eingerichtet. Damit war notwendig eine weitreichende Schablonisierung verbunden, die im Gegensatz zu der mit der Kultur- höhe steigenden Geschmacksdiffercnzierung und Individualisierung steht. Die Folge ist, daß nicht nur auf dem eignen Markt der Union sich in vermehrteni Maße die Notwendigkeit einer Ergänzung der einheimischeii Produktion durch fremde Zufuhren geltend macht, sondern daß auch die amerikanische Industrie sich nur äußerst schwer den auf den verschiedenen Auslandsmärkten herrschenden verschieden- arttgcn Geschmacksrichtungen und Bedürfnissen anzupassen vermag. Ein>veitercS Hindernis aber findet nach Goldbergers Meinung die befürchtete wirtschaftliche Unterjochung Deuffchland in dem natür- lichen Reichwm der Union wie dem Geschäfts- und Erwerbssinn der Amerikaner. Eine Verdrängung deuttcher Industriewaren vom Weltmarkt wäre, so argumentiert der Verfasser, nur dann möglich, wenn die amerikanischen Produzenten ihre Erzeugnisse zu Preisen auf den internationalen Markt würfen, die weit unter dem einheimischen Marktwert, oft sogar unter den eignen Produktionskosten ständen. Eine solche Praxis aber würde— von Ausnahme- fällen abgesehen— nicht nur bald von den amerikanischen Produzenten als nutzlos, als eine Schmälerimg ihres Erwerbs erkannt werden, sie würde auch bei den Konsumenten auf energischen Widerstand stoßen, da ein derartiger Absatz nach außen sich nur anstecht er- halten ließe, wenn die Verluste des Auslandsgeschäfts durch Er- höhungen der Inlandspreise ausgeglichen würden, also den inländischen Verbrauchen, zu Gunsten des Auslandes ein entsprechender Tribut auferlegt würde. Zudem aber sei die Aufnahmefähigkeit des einheimischen Marktes der Union infolge des enormen natürlichen Reichtums des Landes und der raschen Bevölkerungsvermehrung einer solchen Steigerung fähig, daß vorläufig sich dort iroch der amerikanischen Jndusttie ein weites ein- heimisches Absatzgebiet darböte. Auch auf die Arbeitcrverhältnisse geht Goldberger ausführlich ein: in drei Kapiteln beschäftigt er sich mit den Verbänden, den Lohnverhältniffen und der Lebensweise der anierikanischen Arbeiter. Da diese Ausführungen untre Leser speriell interessieren dürften, lasse ich einige kurze Auszüge folgen: „Der Widerstreit und die Gegensätzlichkeit zwischen Arbeit- geber und Arbeitnehmer sind in der Union noch schärfer als anderwärts, vielleicht weil Arbeitgeber und Arbeitnehmer einander in den Grundanschauungen und Gnmdbestrebungen so außer- ordentlich ähneln. Die beiden Gruppen bewegen sich dort durchaus auf dem gleichen Boden des Geld- e r w e r b s. Von Seiitimentalität ist nicht die Rede. Ueberall starrste Jnteressenvertretnng. Dazu kommt, daß von einer Arbeiterfürsorge im Sinne und Geiste unsrer socialpolittschen Einrichtungen nirgends ein Hauch zu verspüren äst... Wohl nirgends in der Welt ist der Arbeiter als solcher so sehr Individualist wie in den Vereinigte!! Staaten: er ist, wie der Arbeitgeber, gleich rücksichtslos in der Ver- folgung des Endzwecks, auch für seine Person „Geld zu machen". Nicht daß er dem andern das Erworbene mißgönnt— wohl aber will auch er, der in den Betticben der Trust-Magnaten im Schweiße seines Angesichts schafft, seinen Anteil haben.... Auf beiden Seiten drangt sich selbstsüchttge Ausnutzung der jeweilig vorhandenen Chancen fcharf in den Vordergrund. Beweiskräftig hierfür war u. a. im April 1902 die Haltung der Gruppeii-Jntcressenten bei Botterung der„Chinesen- Ausschluß-Bill". Und nachdem der Verfasser dann die Vereinigung der meisten amerikanischen Geioerkschaftsverbände in der von S. Gompers ge- leiteten„American Federation ofLabor" geschildert hat. fährt er fort: „Konzentration steht gegen Konzentratton, und der Zu- sammenprall ist sehr häufig und sehr scharf gewesen. Die Washingtoner Angaben zeigen, daß in den Jahren 1881—1901 die Zahl der Streiks, die Aussperrungen nicht mitgerechnet, in den Vereinigten Staaten 22 793 betragen hat, und daß die hierbei in Bettacht kommende Zahl der Fabriken sich auf 117 S09 beläuft. Die Arbeiter haben dabei an Löhnen 258 Millionen Dollar eingebüßt, die beteiligten Fabriken haben ihren Verlust auf 123 Millionen eingeschätzt." Ferner heißt es über die rein gewerkschaftliche, mir auf die Besserung des Lohnverhälttnsses gerichtete Haltung der Arbeiter- Verbände, die alle politischen Attionen, vielfach sogar jegliche Dis- kussion polittscher Fragen in den Gewerkschaftsversammlungen auS- schließt: „Als ich mit Herrn GoncherS unter dem Eindrucke des eben damals ausgebrochenen Kohlenarbeiter-Streiks die allgemeine Situation besprach und seine Meinung hierüber wie über die großen Kapitals- und Jndustrieverbnnde, wie sie u. a. in erster Reihe die Trusts darstellen, erbat, anttvortete er mir:„Mit Abraham Lincoln spreche und meine ich:„Das Kapital ist die Frucht der Arbeit und könnte nicht bestehen, hätte die Arbeit nicht vorher bestanden. Deswegen verdient die Arbeit die viel höhere Berücksichtigung." Wir wollen das Produkt der Arbeit sichern. Anderseits ist der Feldzug gegen d i e T r u st s ebenso wirtschaftlich unmodern ivie der gegen die Arbeitervereinigungen. Jede Partei muß sehen, zu ihrem Recht zu kommen. Alles ,nuß auf den praktischen Boden ge st ellt werden: dabei ist es nur die Konzentration� die Stärke oerleiht." Und als ich ihm dann sagte,„ich kenne die Auf- faffung, die Sie vor einigen Jahren ausgesprochen haben, und möchte jetzt von Ihnen hören, ob, wie man mir berichtet hat, die »Americait Federatton of Labor" die Abficht hat, eine eigne politische Partei zu bilden," entgegnete er:„Nein und ja. Wir sind zur Zeit keine polittsche Partei. Natürlich wollen wir Gesetze haben, die uns fördern: daher müssen wir durch die Politik und durch die von uns zu erstrebende politische Macht uns Einfluß für unsre gute Sache verschaffen." „Die amerikanischen Löhne", schreibt Herr Goldberger an andrer Stelle,„sind ttotz der vielfach kürzeren Arbeitszeit im Durchschnitt dreimal so hoch wie die bei uns ge- zahlte n. Auch darauf ist wiederholt hinzuweisen, daß die amerikanischen Arbeiter sich zu Qualitätsarbeitern ausgebildet haben, daß sie— oft auf einem erstaunlich engen Feld— zu wirklichen Specialisten herangewachsen sind, sei es in der Bcendi- gung einer von Maschinen bis zu einem gewisse!, Punkt gefertigten Arbeit. Die Griffssicherheit der amerikanischen Arbeiter ist erstaunlich. Auf der andern Seite darf man nicht etwa glauben, daß die Monotonie der Arbeit den Arbeiter abstumpft. Er sinnt vielmehr immer auf neue Arten, seine Specialität lukrattver zu gestalten. Mir wurde von einem zuverläsiigen Maschincnbau-Jngenieur berichtet, daß ihm Arbeiter bekannt sind, die sich verschiedene von ihnen ersonnene Einspannungs- Vorrichtungen in Wafhington haben patentieren lassen. Wenn man von dem stanckarck ok liks der arbeitenden Be- völkerung Amerikas sprechen will, muß man vor allem zwischen den amerikanischen Arbeitern und den Arbeitern in Amerika unter- scheiden.... Der amerikanische Arbeiter sorgt durch aus- reichende und beinahe gewählte Nahrung und durch gesunde Wohnung für Erhaltung seiner Kraft, deren er bedarf, um die erforderte Leistung zu bewältigen und sich oder seinen Kindern die Möglichkeit zum Vorwärtskommen, zum Uebertritt in die Klasse der wirtschaftlich Selbständigen so schnell wie irgend t h u n l i ch zu v e r f ch a f f e n. Ist doch in ihm da? Bewußtsein lebendig, daß nicht wenige der großen Industrie- und Handelsmänner des Landes selbst aus der Klasse der Vermögenslosen hervorgegangen sind und täglich neu hervor- gehen, ebenso wie er weiß, daß mancher, der heute Hundert- tausende im Vermögen befitzt, vielleicht schon morgen wieder ge- nötigt ist, als Arbeiter oder Angestellter von vorn anzufangen. Deshalb und ferner, weil in Erziehung, Unterricht und im socialen Verkehr Klassen- und Kastcnunterschiede nur in beschränktem Umfange existteren, erlveckt der Luxus, den sich der Begüterte gestatten kann, im Amerikaner kein Neidgeftihl, das ihn mißvergnügt und unlustig macht, sondern eröffnet seinem Optimismus immer wieder die Zuversicht, es recht bald oder erneut zu ähnlichen Glücksumständen bringen zu können. In solcher jeden einzelnen beseelenden Hoffnung ver- schlägt es dem amerikanischen Arbeiter nichts, daß weder Staat noch Unternehmertum ihn mit zwangsweiser oder freiwilliger Fürsorge, mit WohlfahrtS-Einrichtungen umgeben haben. Kein Industrieller hat ihn nach Art der Krupp und Stumm mit Wohn- Häusern versehen, keine staatliche Kranken-, Unfall- FnvaliditätS- oder Altersversicherung nimmt ihm die Sorge für die Zukunft ab oder erleichtert sie ihm. Manchmal hat es mir, ivenn ich in Gesprächen mit diesem oder jenem Arbeiter oder An- gestellten von Jndustriewerken und Verkehrs-Unternehmungen auf unser vorbildliches sociales Versorgungswerk hinwies, fast den Anschein erweckt, als wolle man drüben das alles schon um deswillen nicht, weil man vermeint, selbst den Schein bekämpfen zu müssen, als sei man nicht stark gemlg, sich aus eigner Kraft vor den Folgen der Krankheit oder der Erwerbs- Unfähigkeit zu sichern. Dem amerikanischen Arbeiter würde vielleicht auch die zugewiesene Wohmmg nicht behagen, und noch deutlicher, als seine deutschen Berufsgenossen würde er in seinem ausgeprägten und aufrechten Selbstbewußtsein es empfinden, daß ein der- artiger Besitz, so Angenehmes er auch mit sich bringt, doch zugleich einen nicht"immer willkommenen Druck zum Fe st halten an dem bis- herigen Arbeitsverhältnis und seinen manchmal einseitig festgesetzten Bedingungen in sich schließen kann." In diesem rein wirtschaftlichen Egoismus des amerikanischen Arbeiters und der durch ihn aufgestachelten Stteiklust sowie in der hohen Lebenshaltung erblickt Herr Goldberger ein wesentliches Hindernis der Konkurrenzfähigkeit der amerikanischen Jndnfttie auf dem Weltmarkt. Daß diese Auffassung richttg ist, möchte ich bezioeifeln. Ganz abgesehen davon, daß die hohen Löhne teilweise durch die außerordentliche Intensität der amerikanischen Arbeit wieder ausgeglichen werden, und daß durch die weite Anwendung sogenannter„Arbeitsersparnis-Maschinen". Ivie der Verfasser selbst anerkennt, die Höhe des Arbeitslohnes für die Produktionskosten der rnnerikanischen Industrie nicht entfernt die gleiche wirtschaftliche Bedeutung hat wie bei uns, können die amerikanischen Großunternehmer sich kaum eine günstigere Gewerk- schasts-Bewcgung denken wie die ,.p ur s an ä simple" Gewcrk- schaftlerei, die drüben vorherrscht. Allerdings das„ewige" Streiken haben die amerikanischen Unternehmer satt, da ihre Dis- Positionen dadurch immer wieder gestört werden. Es entspricht völlig der Meinung der amerikanischen Industriellen, wenn der Ab- geordnete Macco-Siegen, der gleich Herrn Goldberger jüngst die Union zun, Zwecke wirtschaftlicher Studien bereist hat, jüngst auf der Düsseldorfer Hauptversammlung des Vereins deutscher Eisen- Hüttenleute erklärte, die Anmaßung der amerikanischen Arbeiter- verbände sei zur Tyrannei ausgeartet: nach der amerikanischen' Statistik seien in den letzten 20 Jahren von 1000 beschäftigten Arbeitern durch Arbeiteraus st ände in den Ver« einigten Staaten jährlich 30,6. in Großbritannien 27,0, in Frankreich 18,3, in Oestreich 15 und in Deutschland nur 11,1 Proz. arbeitslos geworden. Aber andrerseits weist dieselbe Stattstik nach, daß in den letzten 15 Jahren keine der Gewerkschaftsbewegungen in den vorgeschrittenen Ländern Europas so geringe Erfolge aufzuweisen hat, wie in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das zeigt sich schon darin, daß mit Ausnohme einiger Kategorien sogenannter„skilleck workmen" s qualifizierter Arbeiter) die Löhne der amerikanischen Arbeiter seit 1890 gesunken sind: eine Thatsache, die Goldberger selbst in folgenden Sätzen zugiebt:„Im Jahre 1890 ver- diente der erwachsene sin ehr denn sechzehnjährige) männliche Arbeiter durchschnittlich 499 Dollar Lohn (1 Dollar— 4,20 M.) im Jahr 1900 um 1,0 Proz. weniger, 491 Dollar. Die erwachsene sinehr denn sechzehnjährige) Arbeiterin erhielt im Jahre 1890 durchschnittlich 268, im Jahre 1900 durchschnittlich 273 Dollar Lohn, also 1,9 Proz. mehr. Die Kinderarbeit wurde 1890 mit 137, im Jahre 1900 mit durchschnittlich 152 Dollar oder 10,9 Proz. höher entlohnt." Dagegen sind die Nahrungsmittel seit 1890 beträchtlich gestiegen, namentlich Brot st off e. Fleisch-, Molkerei- und Garten- Produkte, vielfach um 25 bis 40 Prozent, eine Zunahme, die durch den Rückgang der Preise für Kleidungsstücke und manche Wirtschaftsgeräte keineswegs ausgeglichen wird. In den letzten Prospcritätsjahren vermochte die nordamerikanische Arbeiterschaft, nachdem die Jahre 1894/95 bettächtliche Lohn- redukttonen gebracht hatten, zwar ihre Löhne vielfach wieder um 10, 15, teilweise auch um 20 Proz. zu erhöhen: aber gegenüber den riesigen Profitsteigernirgen der Untemehmer sind das recht bescheidene Erfolge: umsomchr als gleichzeittg die Preise der Lebensmittel im annähernd gleichen Verhältnis in die Höhe gegangen sind, gestiegen sind, so daß sich vor kurzem der Statistiker des amerikanischen Arbeitsamtes, Carol Wright, selbst zu dem Zw KeständniS gezwungen sab. die amerikanischen Durchschnittslöhne seien prozentuell nicht stärker als die Unterhaltsmittel gestiegen. d. h. der ganze Milliardcnscgcn der letzten AuffchwungSperiode ist der Unternehmerschaft in ihren verschiedenen Abstufungen zugeflossen. Und doch haben feit dem Ausbruch der Krise selbst diese kargen Er- rungenschaftcn von den Arbeitern nicht mehr ausrecht erhalten werden rönnen. In den verschiedensten Branchen sind Lohnrcduktionen von 10 und lä Prozent erfolgt, in manchen auch noch höhere, und die Arbeiter haben sich meist geduldig den Dekreten der Direktionen der groszen Werke gefügt, ohne auch nur einen Versuch zur Abwehr zu machen. WaS sollten sie auch thun? Die Streik- lassen sind durch die Ausgaben für die letzten Lohnanfbesserungs- Streiks größtenteils erschöpft, die Aussicht auf BctriebSeinsiellungen und-Beschränkungen vermag unter den jetzigen Verhältnissen die Unternehmerschaft durchaus nicht zu schrecken, und die Wssinenz da Gewerkschaften von der Politik hat c-Z glücklich zu Wege gebracht. daß es weder eine weitverbreitete politische Arbeiterpresse giebt, die Lärm zu schlagen vermag, noch daß die Arbeiterschaft als kompakte Masse irgend welchen politischen Einfluß für ihre Lebenshaltung ein- zusetzen hat. Das sind die Erfolge der reinen Gewerkschaftspolitik. EL C. freie BMMHne: SS»**»äs? Kostümfest Mitwirkende: Sclilicrseer Bauerntheater(Zithervorträge, Schuhplattler), Couplets(Martin Kettner), Balletttänzerinnen, Einakter, Austreten der weltberühmten Schmicrcnlruppc„G.m.b.H.", Tomliola, Internationalo Kunstbuden.— Die schönste MaSke wird preisgekrönt.— Die neuesten Tänze gelangen zur Darstellung(Cake walk zc.).— Garderobe"""".......*""*'-~—-...... Der Eintritt ist auch im modernen Gesell- schafts-Anzun { mit und ohne Maske gestattet. Festmarken » 50 Pf. in allen Zahlstellen. 15 Pf.— Um zahlreichen Besuch bitiet Bei" Vorstaiul. 0.2t.: G. Wickler. Our den Intialt der Inserate übernimnit die Redaktion dem Pnblikum gegenüber keinerlei Bernnttvortung. Zhcatcr. Sonntag, den 3. Januar. Freie Volksbühne. Nachmittags 2'/, Uhr: 7. IS. Abt.: Mctropol-Thcater: Mcr- cadct. 11./1S. Wt.: Lessing-Theater: Der Verbrecher. Ansang. 7'/, Uhr: Opernhaus. Mignon. Slnf. 7 Uhr. Montag: Die Meistersinger von Nürnberg. Schauspielhaus. Wann wir altern. Die Romantischen. Montag: lloriolnn. Neues Königl. Opern- Theater. Die Räuber. Montag: Geschlossen. Deutsches. Der Meister. Nachm. 2'/, Uhr: Monna Vanna. Montag: Rose Benid. Berliner. Maria Theresia. Nachm. 2'/„ Uhr: Die sieben Naben. Montag: Zllt-Heidclbcrg. Lcssing. Fainilie Schierke. Nachmittag(Freie Volksbühne). Montag: Zapscustreich. Westen. Der lustige Krieg. ?lachm. 3 Uhr: Der Troubadour. Montag: Der Barbier von Sevilla. Neues. Der Strom. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Der keusche Casimir. Stachln. 3 Uhr: Lulli. Montag: Der keusche Casimir. Central. Der Rastelbinder. Nachm. 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Montag: Der Rastclbinder. Thalia. Ter.Hochtourist. Nachm. 3'/, Uhr: CharleyS Tante. Montag: Der Hochtourist. Bclle-Zltliance." Der reichste Der liner. Nachm. 3 Uhr: Nora. Montag: Der reichste Berliner. Slnsang S Uhr: Schiller O.(Wallncr- Thealer.) Der Bibliothelar. Nachm. 3 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. Montag: Kollege Crampton. Schiller St.(Fricdrich-Wilhelmstädt.) Der Compagno». Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Rtoutag: Der Compagnon. Luisen. Berliner Kinder. Nachm. 3 Uhr: Die Logenbrüder. Montag: Romeo und Julia. Kleines. Elektro. Nachmittags 3 Uhr: SerenissimuZl Ztvischcnspiclc. LicbeSträume. Montag: Nachtasyl. Trianon. Biscotte. Nachm. 3 Uhr: Die Notbrücke. Montag: Biscotte. Deutsch- Amerikanisches. Uebcr'n großen Teich. Montag: Uebcr'n großen Teich. Carl Weist. Bruder Martin. Nachm. 3 Uhr: Die Iungsrau von Orleans. Montag: Der G'lvisscnswurm. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Slnsang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Casino. Wcihnachtsglocken. Der vertauschte Sohn. Ans. 7'/, Uhr. Nachm. 4 Uhr: Wcihnachtsglocken. Die Dicbcösalle. Montag: Wcihnachtsglöckcn. Der vertauschte Sohn. Apollo. FrühlmgÄust. Vision nach dem Balle. Spccialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Winter- Garten. Otero. Otto Reutter. Spccialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage- Theater. Enthauptung. Spccialitäten. Ansang 5 Uhr. Gebr. Herrnfcld. Papa Ava. Rcichshallen. Stettincr Sänger. Urania. Taubenstraste 48/49. Der Erdball als Träger des Lebens. Um i Uhr im Theater: Lln den Seen Oberitallens. Jnbalidenstraste 37/98. Sterin warte. Täglich geöffnet von 7 bis Ii Uhr. tSchlller» Theater O. (Wnllncr-Theater). Sonn tag nach mittag 3 Uhr: vie Stützen der Eesellscbalt. Schauspiel in 4 Sluszügcn von Henri! Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Sonntagabend 8 Uhr: Ber Bibliothekar. Schwank in i Akten von G. v. Moser. Montagabend 8 Uhr: Kollego Crampton. Dienstagabend 8 Uhri Vasunfasena. Schiller-Theater BT. (Friedrich-Wilhelmstädtischcs Theater). Sonntag nach mittag 3 Uhr Barla Stuart. Trauerspiel in 5 Sluszügcn von Friedr. Schiller. Sonntagabend 8 Uhr: Ber Compagno». Lustspicl in 4 Akten v. Ad. L'Zlrronge. Montagabend 8 Uhr: Ber Compagnon. Dienstagabend 8 Uhr: Uebelel. Hierauf: lättcratar. Neues Tiieater, Schiffbauerdamm 4a— 5. Dei* Sii*om Ansang 7I/j Uhr. Cenkaä'theatßr. Heute nachmittag 3 Uhr halbe Preise: Der Zigeunerbaron. Operette in 3 Akten von J. Strauß. Abends 7»/, Uhr: Der Nastelbinder. Operette in 3 Akten v. Franz Lehär. Montag bis inkl. Donnerstag letzte vier Aiffsührungcn: Der llastetdinder. Ms-iUIfemes-skests!'. Dir.: Aren u. Schönsew(Thatia-Theat.) Heute und täglich?>/, Uhr: Der Keichste Kerllner Große Zlusstattungs-Possc mit Gesang und Tanz in 4 Allen. Heute nachmittag 3 Uhr bei kleinen Preisen: Nora. Schmifp. v. Ibsen. Cirkns Sehumann. Heute Sonntag, den 3. Januar 1304, nachmittags 4 Uhr, abends 7'/, Uhr: Ä grosze Extra-Vorstellungen 2. Nachmittags ein Kind frei, weitere Kinder zahlen halbe Preise. Nachmittags die reizende Kindcr-Pantomime: Pierrots Weihnachten mst d°m Zonbonregen. In beiden Vorstellungen nachmittags u. abends Das Neueste vom Neuen, das Original vie offene f„oop. Crcalcur Ulr. Ancillottl. Bei? Jul. Seeth Ä Ä5 Löwen. AV AbendS:»ahel _ SluSstattungSpantomimc in 11 mit seinen Eine Wanderung durch acht Jahrtausende.' ....... Abteilungen. Ilrania. Taubenstrasse 48/49. Um 4 Uhr: An den Seen Ober-Italiens. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Ein Naturwunder; Die sfterkulesbrüders 10 u. 11 Jahre alt, Athleten, Sänger, Balalaika-Virtuosen! Indianer-Riese" Die wunderbare Illusion: Oer Weihnachtstraum d. Matrosen in den Tropen. Ii »eil! Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Leone gesetzt vom Direktor Richard Schultz. _ Im 4. Bilde: OV Grosses Ballett"�82 Wie damals im Monat Mai. Anfang fljS Uhr. — Rauchen überall gestattet.— Trianon-Theater. Georgcnstrasie, zwis- und Untversitä icn Friedrich» isstrasic. /�l.?- ckjlblfl ZiMi-AuWieilung L&pZlßZR.' STRAsaata Täglich geöffnet tO-8. P~ Hcnte£ntrcc 50 Pf. Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr zu llelnen Preisen: Die Logenbrüder. Abends 8 Uhr: Berliner Kinder. Montag: Romeo und Julia. Dienstag: Berliner Kinder. Mittwoch: Relf-Reistlngen. Donnerstag: Der Akticnbudilcr. Freitag zum erstenmal: Der Veilchenfresser Sonnabend: Der Veilchcnfresser. Reßilknz-Thkater D irekttorr S. Lautenbiwg. Heute und folgende Tage: Slnsang 7-, z Uhr. Nachmittags 3 Uhr zu über die Hälfte ermätzigten Preisen: JjUTTI. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachmittags 3 Uhr. bei bedeutend ermäßigten Preisen: Liebeslräumc. X Famil'enidyll, Kollegen. Serenissimus-Zwischenspiele. Abends 8 Uhr: Plektra. Montag: Nachtasyl. Biscotte. Ansang 8 Uhr. In Vorbereitung: UfiMlame X. Cirkns Snseh. Meiler- Bildungs- Sehule. Sonntag, den 3. Januar 1904: 2 große Gnla-ZIoritelilmgk» nachm. 4 Uhr und abends Uhr. Nachm. 4 Uhr: 1 Kinb frei. In beiden Borstellimgen: SawadeSbeiühmteTiger-Dressu Die besten Clowns der Welt: Gebert Gotting. Allred Daniels, Geb Tratellini.— Gala-Tregramm. Ä: Berliner Winterfreudei r,%:$nsäßn$lp& Großes Mancge-Schnustüu. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. S)as gtänzends Sanuar-�rogvamm. Enthauptung einer lebenden Dame! prolongiert! Willy Prager Humorist. 14 neue erstklassige Nummern. Gewcrkscbaftsbaus, Engel-Ufer 15, Hof links II. Sehrplan für das 1. Quartal 1904. Semhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraßc 58. Sonntag, ben 3. Januar 1904: nachmittags 3 Uhr: Einer von unsere i'ent'. Posse mit Gesang in 3 Akt.(6 Bildern). Abends 7 Uhr: Der Waldteufel. Posse mit Ges. in 4 Akt. v. Mannstädt. Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/40. Sonntag, den 3. Januar 1904: Bernhard teTheatep-Ensemlile. Die Rosa-Dominos Posse in 3 Akten von Delacour. Gebrüder Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 71/,. h'cuc Bcbnts. Kesemann Felicitas-Truppe. Allee Kalten. Ar. IHorlno. Dazu nur noch einige Tage: WhnMsgloekn.Veitechte Sohn Sonntagnachm. 4 Uhr: Oiebesfalle. Vertauschte Sohn. Carl Weiss-Thealer. Kroste Frankfurter Straste IST. Nachmittags!! Uhr. Parkett 50 Pf.: Die Jungfrau von Orleans. AbendS V'/. Uhr: Gastspiel dci Oberbayrischen Baucrn-Thcaters. Bruder Martin. Bolksstück mit Ges. in 4 Akt. v. Costa. Montag: Der G'wiffcnswm-ni. s. Direktion: Robert Dill. Brnnnenstraase IG. Mein Geld. Ansang 7 Uhr. Entrce 30 Pf. Nach der Borstellimg: «all. Montag: Der Verschwender. ThaliasTheater. Heute nachmittag 3'/, Uhr: Charlys Tante. Täglich abends T/, Uhr: Der Hochtourist. Guido Tiilclseher spielt beiden Stücken die Titelrolle. m Apollo-Thsater. Täglich 7'/, Uhr: krühliligsluft mit dem reizenden Ballett Blütcnhochzcit. Um 9',. Uhr: Vision nach dem Balle. Musil von Joachim Albrecht Prinz v. Preutsen. Heue semtioiielie Speeialilea. 6 l>ebuts. Kasseneröffnung G1/. Uhr. Sonntagnachmittag 3 Uhr, �it er- i mösiigten Preisen: Lyalstrat» und neue Specialitäten. Kermfsld Theater. ?fur noch wenige Tage die erfolgreiche Herrnseld-Posse «»p» mit den Autoren In den Hauptrollen. Der Unterricht beginnt in Xntlonslöhonomle hlentag, den it. Januar; Ge»ehlehte Dienstag, don 12. Januar; Sociale Gesetzgebung Donnerstag, den 14. Januar; Bcdc-Vebnng Freitag, den 15. Januar. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abendo und beginnt pünktlich um 9 llbr und ondet pünktlich um'ZU Chr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8— 9 Uhr geöftnet. Der Kitgliodshoitrag beträgtpro Monat 25 Pf.; das Untemchts- geld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kursus steht jedermann zum unent- geltliehcu Besuch frei. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schnllokal Gowerksctiaftshans, Engel- Ufer 15, Hof links 2 Tr., und in nachstehenden Zahlstellen; Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a; Beul, Barnim- Strasse 42; Vogel, Dcmminerstrasse 32; Kranse, Müllerstr. 7a; Horsc.h, Engel-Ufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann Eamme, Berlin SW. 43, Ilomstr. 20, Querg. U, Goldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, Hasenheido 50, zu senden 5 CycK Knltni *) Dieses Thema ist als erst« Abteilung eines aus bestehenden Kursus über allgemeine„Welt- und geschlchte" gedacht. 5/8 Ber Vorstand. den ir- Ferner: Hanny Luxa. Fcrry u. Perry, Longonells. Bcndix. Am Montag, den 4. Januar 1904: Miläum5-Vor5le!!llag: Zum IVO. Male: «»zm Noa. In Vorbereitung: „Nur eine Nacht". 2 Akte aus einer Ehe von A. und D. Herrnfeld. Billetvorverkauf tägl. 11-2 Uhr. Neues Programm: Harry Rochez Hundedresseur. Wood u. Bales Amerik. Excentrics. Lorraine's Lebende Bilder. Die beiden Freydos Gymnastikor. Cook u. Clinton Amerik. Kunstschützinnon. Meers u. Omo Drahtseilkünstler. Otto Reutter Humorist. Malerno Meister- Jongleur. Annette Gillard Parisbr Opcrnsäng. Mlle. Olfro in ihrer Pantom.„Opiurarausoh". Theresas Komischer Hypnotiseur. ..Karnevalsgeister" Wiener Ballett. Biograph. Keiclisliallen Steltiner Sänger. Graumanns Festsäle und Garten, Naunynstraßc Nr. 27. 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Jeden Sonntag 5 Uhr: Extra- Vorstellung der Norddeutschen Sänger Nach der Vorstellung um Iv Uhr: Großer Ball. Entree 30 Pf. Sperrsitz 50 Ps. Etablissemut Suggtlihage» lklorltzplatz. Im Kastersaal: Hudelt Sehnauss' Künstler- Gnsemble ..Vordstcmc". Nach der Vorstellung: Tanz. Donnerstag, 7. Jan.: voekhier-Anstich. Kaffeneröffn.'/- 5 Uhr, Anfang»/,7-Uhr. In de» unteren Säle» um 6 Uhr: ■ Slllitiir- Konzert, m iGermania Prachtsälej Chausseestr. 103. Arnold Scholz� Jeden Sonntag: f S»; 3# -- s tr« s» - 2 nt o c» I f»« «1 Familienbali.| Ansang 6 Uhr. Entree JjO Ps.£ » Von 5 Uhr ab im weihen«aale: ßg » Großer Ball* I bei stark besetztem Orchester. A Nach der Soiree: f�aa«siaav».' Kottbuser Thor— Stat. der Hochbr.hn. MJeden Sonntag. Montag und Donnerstag:* Hotfmnnnet Kordd. Sänger., Na») jeder Soiree: Tunzkränzchen.* Jeden Dienstag: Theater-Abend.* Dienstag, den 5. Jayuar Ein ehriieher Makler, Volksstück mit Gesang in 4 Akten, f, Königstadt-Kasino;. Holzmarktstr. 72. Ecke Nlexanderstraße� Täglich:>. t'ranz tlobonskl. a Kita Uoselll. X Geschwister Banela.*- The Teklys usw. h Ein praktisches Geschenk. Nach der Vorstellung: Mittwochs. Sonnabends u. Sonntags: Tanz.� Jiünstüche Zähne, Plomben. ?c.[7726 Carl Goerlngcr, Denttst, N.,Eichendarlfstr.21,fi'ü6ei'Bi'unucnfh°. Bei Vorzeig. d. Ztiinonee, PreiSermäßig. Liege mit einer Ladung 753b* Marke„Ida', an ber Köpnicker Brück«. Mariannen-User. 7" 7 M., 6" 5 M. pro 1000. Schiffer Lookr. Kr. 2. 21. Jahrgang. 3. Stilnge i>kg Joritiärts" Knlim OolUIntt. Sonntag, 3. Jannar 1901. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 2, Januar 1904. Der Industrie- Aktien- Markt am Schlüsse des alten Jahres.— Das Kriegsgespenst in Ostasien.— Englisch-ostasiatischc Meldungen.— Wirtschastliche Aussichten im neuen Jahr.— Jahresbericht der Hamburger Handelskammer. — Das Hamburger Ülussuhrgeschäst in 1303.— Zur Lage der Schiffahrt.— Eine Philippika der Hamburger Handelskammer gegen die Socialdemokratie. Das alte Jahr ist mit einer fast allgemeinen Abflauung des Jndustrie-Akticn-Marktcs zur Ruhe gegangen; im Gegensatz zum vorletzten Börsenjahr, das mit einer fröhlichen Silvesterhausse schloß. Tie großen Bankinstitute haben diesmal nicht nötig, dem Kursstand der Effekten, die in ihren Tressors ruhen, zur Jahreswende künstlich nachzuhelfen, um in den, Bilanzen ihre Effektenbeftände möglichst günstig erscheinen zu lassen. Das Wirtschaftsjahr 1903 hat nicht nur beträchtliche Kurssteigerungen der meisten dieser Werte gebracht, sondern auch auf andren Gebieten so gute finanzielle Resultate ge- liefert, daß die Bauken es sich verkneifen können, lediglich eines gc- wissen äußerlichen Ansehens wegen weitere Kurssteigerungen zu inscenieren, um so mehr als erfahrungsgemäß der Appetit mit dem Essen kommt und sich im Gefolge der Hausscstimmung alsbald allerlei unbequeme Kredit- und Gewinnansprüche einstellen, die, wenn die Resultate hinter den Erwartungen zurückbleiben, leicht in Enttäuschungen und Anklagen gegen die Bankpolitit der großen Kreditinstitute umschlagen. Zudem aber fühlt sich die Spekulation anscheinend doch mehr durch die Nachrichten über den im fernen Osten bevorstehenden Rivalitätskampf zwischen Rußland und Japan beunruhigt, als sie zugeben will. Die Furcht vor einer internationalen Verwickelung auf dem Balkan, die eine Zeitlang die Börse beeinflußte, ist zwar völlig geschwunden; desto gespannter aber richten sich die Blicke nach dem fernen östlichen Horizont. Auch in Bezug auf die aus Ost- asten einlaufenden Meldungen ist man allerdings durchweg— und unsres Evachtcns mit Recht— optimistischer Auffassung, sind doch die meisten dieser Nachrichten über den bevorstehenden Ausbruch eines japamsch-russischen Kampfes entweder Produkte des bekannten Reuterschen Bureaus oder der ostasiatischen Berichterstatter der großen englischen Blätter: d. h. der Agenten der englischen Interessen- Politik, die nicht nur alle Vorgänge in Ostasicn durch die englische Brille betrachten, sondern die sich auch direkt die Aufgabe stellen, die bestehende Rivalität zwischen Rußland und Japan zu schüren und letzteres zum Kampf zu treiben, da sie heute noch in Anbetracht der Ucberlcgenheit der japanischen.Kriegsflotte die größeren Chancen des Sieges auf Japans Seite erblicken. Das Ziel ihrer Politik ist, Japan dazu aufzustacheln, für Old England die Kastanien aus dem Feuer zu holen und ihm zur Wiederherstellung seiner früheren über- mächtigen Position in Ostasicn zu verhelfen: eine Arbeit, die selbst zu unternehmen, John Bull sich in Rücksicht auf Ostindien und seine Interessen im Orient gerne überhoben sähe. Dieser zweifelhafte Wert der cnglisch-ostasiatischen Meldungen ist in den intelligenteren Börsenkreisen reckt wohl bekannt, und ebenso kennt man die finanziellen Verlegenheiten nicht nur Ruß- lands, sondern auch den noch größeren Geldmangel Japans, das absolut unfähig sein dürfte, ohne wiederholte Zwangsanleihen und schwere Kriegskontributioncn die Mittel zur Durchführung eines Krieges mit Rußland zu beschaffen, der voraussichtlich sich jahrelang Hinzrehen wird. Aber wenn die englischen Nachrichten über die Lage in Ostasicn vcrr geringem Werte sind, so sind die von Peters- bürg und. Wladiwostok in die Welt gesandten Telegramme und Korrespondenzen nicht minder unzuverlässig. Es fehlt also jede genauere Kontrolle darüber, wie die Dinge zur Zeit im östlichen Asien liegen, und so verlegt sich die Börse vorläufig aufs Abwarten, das Gescheiteste, was sie unter den jetzigen Verhältnissen thun kann. Darüber, daß von einem Kriege, selbst dann, wenn er auf Rußland und Japan beschränkt bleiben sollte, das deutsche Wirtschaftsleben im höchsten Maße beeinflußt werden würde, ist sich wohl der Un- Wissenste ziemlich klar. Nicht nur hat Deutschland bedeutende Handelsinteressen in Ostasien, sondern es stecken auch Riesensummen deutschen Kapitals in ruspschen Rentenpapiercn, Eisenbahn- Obligationen und industriellen Anlagen, und von diesen Kapitalien werden im Fall eines Krieges gar manche verloren gehen, denn der ganze russische Finanzbau ruht auf ausländischem Kredit, und das russische Jndustriesystem ist zum großen Teil von so leichter Kon- struktion. daß es, wie vor ungefähr drei Jahren der Zusammenbruch der südrussischen Eisenindustrie bewiesen hat, selbst relativ schwache Stöße ins Schwanken bringen. Vielleicht würde diese Furcht vor dem Auflodern roter Kriegs- gluten am östlichen Horizont noch weit mehr die Stimmung beein- flussen, wäre nicht eine Reihe von Momenten vorhanden, die zu ver- heißen scheint, daß die im vergangenen Jahr im Wirtschaftsleben ein- getretene sogenannte Erholung im neuen Jahr ihren Fortgang nehmen wird und auf finanziellem wie industriellem Gebiet wieder größere Gewinne als„Entbehrungslohn" in die großen Taschen der im Kampf ums Dasein„Auserlesenen" und«Besten" fließen tvird. Zu diesen Momenten gehört vornehmlich die Erneuerung des Rheinisch- westfälischen Kohlcnsyndikats und die Errichtung des Kohlenkontors, durch die nicht nur die jdohlenproduttion, sondern auch der Kohlen- großhandcl zu einem Monopol gestaltet wird, das den Leitern des Syndikats erlaubt, die Preise und Abnahmebedingungcn für die von den Syndikatszechen geförderten Kohlen ganz nach ihrem Belieben zu stellen. Wird dadurch auch das Interesse der großen Konsumenten- maffe und die Konkurrenzfähigkeit mancher Industriezweige auf den Austen dsmiirlteu geschädigt, so können doch andrerseits die Aktionäre und die mit den rheinisch-westfälischcn Kohlenbergwerksbetriebcn liierte Hochfinanz auf eine Vermehrung ihrer Profite rechnen— und nur diese, nicht das lvirtschaftliche Allgememinteresse, kommt natürlich für die Börse in Betracht. Ferner zählt in diesem Sinne zu den günstigen Momenten die zunehmende Nachfrage nach Eisen- und Stahlprodukten auf dem deutschen Inlandsmarkt und die Ver- längerung der meisten Syndikate und Preiskonventioncn in der Eisen- industrie, durch die auch Ivciterhin eine rentable Ausnutzuitg dieses Marktes gesichert wird; sodann die zunehmende Beschäftigung in der Elektricitätsindustrie, die, wenn sie auch hinter den Riesenerfolgen der letzten Prosperitätsjahre beträchtlich zurückbleibt, doch eine lang- same Wiedergesundung dieses wichtigen modernen Industriezweiges bekundet, und schließlich die relativ günstige Lage der Textilindustrie, die sich im vergangenen Jahr mehr und mehr verbessert hat, wenigstens was die Woll- und Halbwoll-, sowie die Leinen-, Strumpf- und Wirkwaren-Branche anbetrifft, während die deutsche Seidenindustrie unter dem verminderten Bedarf Amerikas und die Baumlvollindustrie unter den Preistreibereien an den New Orleanser und New Dorker Baumwollbörsen zu leiden hatten. Solche Treibereien werden auch im beginnenden Jahr nicht fehlen, die amerikanischen Hauptspekulanten Brown und Sully sind bereits wieder an der Arbeit; aber, soweit sich ersehen läßt, haben die deutschen Fabrikanten schon den größten Teil ihres BaumwollbedarfsMedeckt, so daß, wie im vorigen Jahr, sie auch in diesem weit wenigerwurch die amerikanische Spekulation getroffen werden dürften, wie ihre englischen Konkurrenten. Das sind recht günstige Aussichten für das nächste Wirtschafts- jähr, die allerdings der Börse dadurch teilweise etwaS versauert werden, daß das Zustandekommen des geplanten deutschen Stahl- wcrks-Verbandes heute fast noch ebenso fraglich ist wie vor Monaten, und daß sich zugleich, hervorgerufen durch die Konkurrenz der ameri- kanischen Eisenindustrie auf verschiedenen neutralen Absatzmärkten, ein zunehmender Rückgang des deutschen Eisen- und Siahlerports fühlbar macht; doch glaubt man noch immer nicht daran, daß die amerikanischen Werke im beginnenden Jahr energisch zum Export greifen werden, sondern rechnet mit einer baldigen Aendcrung der Verhältnisse des amerikanischen Eisenmarktes. Die wenigen Berichte industrieller und kaufmännischer Korpora- tionen, die bisher zur Veröffentlichung gelangt sind, äußern sich denn auch recht befriedigt über die wirtschaftlichen Aussichten des neuen Jahres. So heißt es beispielsweise in dem soeben erschienenen Bericht der Hamburger Handelskammer, der deshalb auf besonderes Interesse Anspruch hat, weil keine andre Handelskammer in gleichem Maße die Handelsbeziehungen Deutschlands zum Auslande und die Schifsahrts- Verhältnisse zu beurteilen vermag: „Die wirtschaftliche Lage Deutschlands hat im Berichtsjahre gegen die beiden Vorjahre eine gewisse Besserung erfahren. Aber die Er- holung von den schweren Störungen der Jahre 1900 und 1901 geht dock nur langsam von statten, und das Gesamtbild kann daher, trotz verschiedener erfreulicher Einzelheiten, immer noch kein ganz bc- friedigendes genannt werden. Hindernd machte sich vor allem der Umstand bemerkbar daß die in den letzten Jahren abhanden ge- kommene Unternehmnngsluft in Industrie und Handel sich erst allmählich wieder einzustellen beginnt, und das Wirtschaftsleben stand daher im große» und ganzen auch in diesem Jahre noch zu sehr unter dem Zeichen geschäftlicher Ruhr, um zu wirklich' zufriedenstellenden Erfolgen führen zu können.... Für die deutsche Industrie scheint nach Ueberwindung der Schwierigkeiten der letzten Jahre sich eine allmähliche Gesundung der Verhältnisse angebahnt zu haben, au welcher Besserung allerdings u. a. die Textilindustrie in höherem Maße teilgenommen hat als die Eisenindustrie.... Besondere Belebung erfuhr die Gcschäftsthätigkeit im Herbst, wie die um diese Zeit einsetzende rege Inanspruchnahme der dem Giro- und Kreditvcrkehr dienenden Einrichtungen der Banken beweist. Aus dem Zusammentreffen aller dieser, die Kaufkraft der deutschen Volkswirtschaft günstig beeteflussenden Momente darf die Hoffnung geschöpft werden, daß die jetzt begonnene Gesundung der Verhältnisse keine zufällige, vorübergehende Erscheinung bildet, sondern von Dauer sein und tvcitere Fortschritte machen ivird." Im lveiteren wird dann die Lage des Hamburger Exports- und Jmportsgcschäftes geschildert und mit Bedauern das Bestreben Frankreichs und Portugals konstatiert, ihre Kolonien in Afrika mehr und mehr gegen den deutschen Handel abzuschließen: „Entsprechend der Hebung der allgemeinen Lage in Deutschland ist auch speciell im hamburgischen Geschäftslcbcn eine, wenn auch nur beschränkte, Besserung unverkennbar eingetreten. So hat sich auch in der hiesigen I n d u st r i c wieder, allerdings nicht in allen Zweigen gleichmäßig, eine gewisse Belebung eingestellt. Diese Entioicklung ivurde gestützt dadurch, daß das Ausfuhrgeschäft Hamburgs, im ganzen betrachtet, sich gleichfalls wieder zu heben begann. Aller dings haben verschiedene Umstände gerade auf diesen Zweig des hiesigen Geschäfts ungünstig eingewirkt und seine größere Ausdehnung verhindert. Beispielsweise haben sich die Hoffnungen, die an die Bc- endigung des Krieges in Südafrika geknüpft wurden, bislang immer noch nicht erfüllt, vielmehr liegt der dortige Handel nach wie vor sehr danieder. Zu den Momenten, die die freie Entwicklung des deutschen Ausfuhrgeschäfts beeinträchtigen, ist ferner das in immer stärkerem Matze hervortretende Bestreben Frankreichs und Portugals hinzugekommen, ihre Kolonien mehr und mehr gegen den Handel mit andren Ländern abzuschließen, welche Maßnahmen eine nicht unerheb liche Gefahr für den Handel, die Industrie und die Schiffahrt Deutsch- lands bedeuten. Ruit Aufmerksamkeit ist die Entwicklung der gleichen Bestrebungen in England und seinen Kolonien zu verfolgen, von denen jetzt auch Südafrika, wenn auch nur in mäßigem Umfange, sowie Neuseeland zu Vorzugszöllen zu Gunsten des Mutter- landcs geschritten sind." Auch eine Besserung der Schiffahrtsverhältnisse wird konstatiert, allerdings nur der Lage des regelmäßigen Dampf- schiffsvcrkehrs, während die Tramp-Dampfcr und Segelschiffe noch immer Mühe haben, lohnende Ladungen zu finden: „Die Lage des Frachtenmarktes ist das ganze Jahr hindurch eine sehr gedrückte gewesen. Die kleine Besse rung, die sich in den ersten Monaten bemerkbar machte, war nicht von Dauer. Infolge des lebhafteren Ausfuhrgeschäfts konnten sich allerdings die ausgehenden Frachten etwas erholen, eingehend sind aber die Raten wieder auf dem tiefsten Stande deS Vorjahres an gelangt, ja noch unter denselben hinuntergegangen. Den Passagier- Linien nach Amerika gewährte der lebhaftere Auswanderer- und der sich stetig mehr entwickelnde Reiscndenverkchr einen erfreulichen Ersatz, wie überhaupt die regelmäßigen Linien, die durch Verein- barungen sich einen Stamm fester Kundschaft zu sichern suchen, unter der Ungunst der Zeiten weniger leiden als die in freier Fahrt bc- findlichen Schiffe, denen eine derartige Macht nicht zu Gebote steht und die sich in den immer beschränkteren Fahrten, die ihnen ver bleiben, um so schärfere Konkurrenz machen. Für die in dm letzten Jahren übermäßig vermehrten Trmnp-Dampfer und für Segel schiffe ist es vielfach unmöglich, Frachten zu erlangen, die auch nur die baren Auslagen der Reise, ohne jede Verzinsung und Abschreibung. decken. Bezeichnend ist. daß gerade von, einer Vereinigung französischer Segelschiffs-Reeder, die infolge der hohen ihnen gc- lvährten Meilengelder am meisten zu dem Druck auf die Frachten beigetragen haben, in diesem Monat die Einladung zu einer Kon- fercnz ausgegangen ist. um über etwaige Mittel zur Besserung der Lage der Segelschiffs-Reederei zu beraten. In der That ist nach den Angaben Sachverständiger die Lage der französischen Segelschiffs Reederei trotz der Subventionen noch ungünstiger als die ihrer un subventionierten Konkurrenz, weil infolge der Unterstützungen die Sparsamkeit im Betriebe leidet und der kaufmännische Geist gelähmt wird. Es ist zu hoffen, daß diese Erkenntnis sich weiter Bahn bricht und zur Beseitigung des ungesunden Subventionssystems führt, das noch nirgend dauernde Erfolge erzielt hat." Natürlich fehlen in dem Jahresbericht der Hamburger Handels- kammer auch die alten konservativen„hanseatischen Beschränktheiten" und kuriosen Selbstüberschätzungen wieder nicht. So spricht z. B. die Handelskammer sich gegen die Kaufmannsgerichte aus. da von diesen „unheilvolle Wirkungen" auf das gute Verhältnis zwischen„Prinzipalen und Angestellten zu gewärtigen sind", ver- urteilt die Errichtung von HandelS-Hochschulcn, da nach ihrer Ansicht durch die theoretische Ausbildung der Blick für das Praktische verloren geht, und wendet sich schließlich in einer keifenden Philippika gegen die den„socialen Frieden" störende Thätigkeit des Vereins für Socialpolitik, die„vermittelnden Tendenzen" des Pfarrers Naumann und das„Liebäugeln" mit der Socialdemokratie. Da auch in ernsten Zeiten der Humor seine Berechtigung hat, mögen hier einige der niedlichen Auslassungen— zugleich als Stilmuster— folgen: „Die im September hier stattgehabte Tagung des Vereins für Socialpolitik hat sich außer mit den Ursachen des letzten Wirtschaft- lichen Rückganges, über welchen die Erörterungen wesentlich Neues nicht zu Tage gefördert haben, mit einer Untersuchung der Lage der Seeleute beschäftigt. Die Handelskammer hat sich von der Zusammen- kunft schon deshalb ferngehalten, weil sie es unzeitgemäß und für den socialen Frieden nachteilig hielt, daß diese Fragen, nachdem sie viele Jahre hindurch unter Vernehmungen von Vertretern aller Interessentenkreise in der Technischen Kommission für Seeschiffahrt, im Rcichsamt des Innern, im Bundesrate und schließlich im Reichs- tage voii allen Seiten aufs gründlichste durchberaten und neu geregelt waren, von einem privaten Vereine von neuem, und zwar auf Grund eines Fragebogens, der dem Arsenal des Seemanns-Verbandes entnommen zu fein schien, zur Erörterung gestellt wurden, und dadurch die durch jene Beratungen hervorgerufene Erregung, die sich nach Verabschiedung der neueii Sccmanns-Ordnung eben erst einigermaßen gelegt hatte, von neuem entfacht wurde." „Die Vorgänge auf dem(Dresdener) Parteitage und die Auf- lösung der Nationalsocialcn Partei, nachdem die Reichstagswahlen ihrem Führer gezeigt hatten, daß für seine vermittelnden Tendenzen in der breiten Masse des Volkes kein Boden sei, lverden hoffentlich den Anhängern der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung die Augen darüber öffnen, daß auf dem Wege immer weitereu Entgegen- kommens gegen die Forderungen der Arbeiterführer der sociale Frieden nicht zu erreichen ist, daß dadurch bielmehr nur das Ansehen und die Anhänzerfchaft der Socialdemokratie gesteigert wird. Die bürgerliche� Parteien und die Regierungen sollten erkennen, daß einem Gegner gegenüber, der den Kampf will, schwächliche Theorien nicht am Platze sind, und sollten mehr denjenigen Gehör schenken, die in ihrer Gcschäftsthätigkeit mit den Arbeitern in persönlicher Berührung stehen und über die Bedeutung und Behandlung der Arbeiterfragen praktische Erfahrungen gesammelt haben." „... Das Liebäugeln mit dem sogenannten vierten Stande, lvie es heutzutage Mode geworden ist, schafft keine Zufriedenheit, sondern schwellt nur der Socialdemokratie die Segel, und das Trugbild der wirtschaftlichen und politischen Gleichheit aller Mensche» führt mit unabweisbarer Konsequenz zur Massenhcrrschaft nnd zu einer Tyrannei, von der der socialpolitische Parteitag(gemeint ist der so cialistische Parteitag in Dresden) einen Borgeschmack ge- geben hat." Man begreift nach diesen Auslassungen die Abneigung gegen die „theoretische Bildung" und die Handels-Hochschulcn; wahrscheinlich entspringt sie bei manchem der Herren dem instinktiven Gefühl, daß es um ihre theoretische Bildung mehr als mangelhaft bestellt ist. _ Tat. ¥. Gentral-VersWmlullg des Werstuhnngsverems der Kvpftrsllimiede DeuWlUlds. Letzter Verhandlungstag. Zmtächst werden einige Bestimmungen über die Aufstellung und Verösfentlichung der Abrechnungen der Filialen und der Central- verlvaltnng geändert. Eine längere zeitraubende Debatte führen drei Anträge Hamburg, Hannover und Nordhausen herbei, welche die Aufhebung' der Agitationsbezirke bezwecken. Die Anträge lverden mit großer Majorität abgelehnt, dagegen beschlossen, sämtliche Kosten der Bezirke auf die Centralkasse zu übernehmen und den Filialen 7 Proz. der Brutto-Einnahmeu zur gänzlich freien Verfügung zu überlassen und nicht wie bisher 10 Proz., von denen die Hälfte zur Agitation verwendet werden sollte. Die Generalversammlungen sollen auch in Zukunft alle drei Jahre abgehalten werden und findet die nächste 1007 vor Ostern in Breslau statt. Die»niindlichen Berichte der Filialvertretcr und Bezirkslciter auf den Generalversammlungen sollen fernerhin weg- fallen. Die Kompetenzen des CentralauSschusses lverden durch folgende Bestimmungen festgelegt: Der Ausschuß hat Beschwerden über den Centralvorstand zu regeln. Den Beschwerden einzelner Mitglieder ist stets das Mitgliedsbuch beizufügen, ebenso alle aus den Beschwerdefall Bezug habenden Schriftstücke. Die Entscheidungen des Ausschusses sind bis zur nächsten Generalversammlung eud- ie gemeinsamen Bestimmungen beider Körperschaften lauten in Zukunft: 1. Mitglieder des Centraivorstandes und CentralauSschusses dürfen kein zlveitcS Amt im Verein bekleiden. 2. Die Mitglieder der Centralvcrwalwng haben vor allem das innehabende Amt in der Centralverwaltung wahrzunehmen und gilt eine Verhinderung durch ein andres Amt nicht als Entschuldigung. 3. Die Wahlversammlungen zur Neu« resp. Ersatzwahl der Centralverwaltungsverwaltungs- Mitglieder am Sitze des Central- Vorstandes und Ausschusses werden von den jeweiligen Vorsitzenden dieser Körperschaften einberufen und geleitet. Wahlberechtigt ist jedes anwesende Vereinsmitglied. 4. Mitglieder des Vorstandes oder deS Ausschusses können, wenn sie ihren Pflichten gegen den Verein nicht nachkommen oder sich Unredlichkeiten zu Schulden kommen lassen, durch Beschluß eines gemeinschaftlichen Kollegiums der nichtbeteiligten Vorstands- und Ausschußmitglieder ihres Amtes einstweilen enthoben«verden; deßs bezügliche Antrag kann auch aus der Mitte der Vereinsmitglieder hervorgehen, muß aber von dem dritten Teile derselben unter- stützt sein. S. Ein zweimaliges aufeinanderfolgendes unentschuldigtes Fehlen in den Sitzungen zieht ohne weiteres die Absetzung des betreffenden Mitgliedes nach sich. 6. Eine Geschäftsordnung giebt sich jede Körperschaft selbst. Zur Vertretung zeitweilig ortsabwcsender oder erkrankter Mit- gliedcr des Centralvorstandes und Ausschusses werden je drei Ersatz- Mitglieder gewählt. Dieselben haben dieselben Rechte wie die ordentlichen Mitglieder dieser Körperschaften sobald und solange sie zur Vertretung berufen lverden. Bei Verhandlungsgegenständen, an deren Ausgang Mitglieder persönlich interessiert sind, haben sich die betreffenden Mitglieder von der Beratung und Beichlußfassimg, um Parteilichkeiten zu vermeiden, fernznhalten. Streftigkeiten hierüber entscheidet in jedem Falle die nicht beteiligte Körperschaft. Die Kartellverträge mit den ausländischen Organisationen werden in einer Resolution, die eine dazu gewählte Kommission aus- gearbeitet hat, und nach Befürwortung der ausländischen Vertreter festgelegt. Danach erhalten die ausländischen Kollegen innerhalb des deutschen Vereinsgebietes dieselbe Unterstützung wie in ihrer Heimat, da diese Sätze durchweg niedriger sind als in Deutschland. Dagegen erhalten deutsche Kollegen im Auslände auch die Sätze desselben. Dadurch fallen die gegenseitigen Abrechinmgen weg. Ein Antrag des Ausschusses: Im Falle des Beitrittes der be- soldeten Vereinsbcamten zur Unterstützungs- Bereinigung der in der modernen Arbeiterbewegung thätiaen Angestellten wird die Hälfte der Beiträge aus der Vcreinskasse geleistet, wird angenommen. Das neue Statut tritt an, 1. April ,n Kraft. Es folgen nunmehr die Wahlen. Als Centralsitz wird Hamburg mit 32 Stimmen bestimmt. Berlin erhält mw 31 Stimmen, bleibt aber Ersatzort. Der Sitz des Ausschusses wird einem Antrage desselben gemäß, nach einer dem Sitze des Centraivorstandes näher gelegenen Filiale verlegt und zwar von Berlin nach Kiel. Das Gehalt des Vorsitzenden wird von 1700 auf 1800 M. erhöht, das des Haupt- kassierers von 1000 auf 1100 M. Als Vorsitzeuder wird Bischofs- Hamburg mit 27 Stimmen gegen 13 weiße bezw. ungültige Zettel gewählt. Als Hauptkassierer L i n d n e r- Hamburg mit 37 Stimmen. Nachdem dem bisherigen Berliner Centralausschuß durch Koch- München für seine Thätigkeit die besondere Anerkennung der General» Versammlung gezollt war. wurde die Wahl der Vertreter zum nächsten Gewerkschaftskongreß vorgenommen und hierzu L a u p e« Magdeburg und Fritz- Berlin gewählt. en Crimmitschauer Ausgesperrten Ivurde die lebhaste Sympathie der Generalversammlung ausgesprochen und verpflichteten sich die Delegierten, in ihrer Heimat rege für dieselben einzutreten. Stach den üblichen Dankesworten an das Lokalkomitee usw. wurde die Generalversammlung abends 6% Uhr geschlossen. Marktpreise von Berlin am 31. Dezember 1903 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. »Welzen, gut D.-Clr. , mittel gering »Roggen, gut . mitte! gering fGerste, gut „ mittel gering fHaser, gut mittel . gering Richtstroh "ei, rbsen Speisebohnm Linsen » ab Bah». 16,10 16.02 15.04 12.85 12,83 12,81 14.20 13,60 13,00 15,50 14.20 12,00 4.00 7,00 40,00 50,00 60,00 16,06 15,93 15,00 12,84 12,82 12,80 13,70 13.10 12,50 14,30 13,00 ll, 80 3.50 5,00 25,00 26,00 20,00 Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindstcisch, Keule 1 kg da. Bauch Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 ig Per Schuck 2,00 t stet Wage» und ab Bahn. { Raucher i nctutnei mm.» Ä-Mdsk _ Specialifäh Anerkannt beste Qualitäten in 10,20 u.30 Ffg.-Packeten für kurze und lange Pfeifen zu haben inden(igarr&n-Specialgeschäfren. Aus Anzeige unfrei früheren Geschästsleitcrs Emil Rlcwc ist gegen ften Schlächter Paul Dempke ein Strafverfahren wegen Diebstahls er- öffnet ivorde». Das Verfahren hat Beweis dafür, dag die Anzeige bc- rechtigt sei, nicht erbracht. Dempke ist daher am 8. Oktober vom Schöffen- gcricht wegen mangelnder Bclveiie freigesprochen worden. Die Gesellschaft bedauert, daff aus Anzeige des GcschüjtSIcitcrS der Geselle des Diebstahls beschuldigt worden ist. 105/3 RaMt-Zpai'-Vei'ein Süd-Ost G. m. b. H. Berliner Konsumverein. Central s Verwaltung: Krautstr. 7, Verkaufsstellen: Abteilung I, Luisenstadt. Michaelkirchplatz 4. Abteilung II, Osten. Krautstraßc 7. Zorndorscrstratze 62. Liebigstraffe 7. Eintrittsgeld SO Pf. Abteilung III, Moabit. Rostockcrstraffe 20. .ldavelbcrgcrstraffe G. (Jmbcnci-fti.iBc 45. Mteilung IV, Rummelsbnrg. Türrschmidtstraße 6. Abteilung V, Lichtenberg. Frankfurter Chaussee 48/49. Mainzcrstraffc 4. Wilhelmstraffe 9. Abteilung VI, Stralau. Stralaucr Allee 20 a. 105/1 txescltäftsanteil 10 Mark. 45.00 Unterricht im Nähen u. 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