Ar. 3. flbonnemenlS'Bcdingungcn: Monnümmts- Preis pränumerando: Tiicrlcljährl. 3, SO 3J!!., monatL 1,10 HRf., wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nmnmer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Monnemcnt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen In die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. St Jahrg. Die TnfertlonS'GebUljr beträgt für die sechsgefpaltene Kolonel- zeilc oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gcwcrlschaftliche Vereins- und Versammlung?. Anzeigen 25 Pfg. „Kleine Hnieigen", das erste ssclt- gedrucktc) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag? in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. kllchtlnt täglich außtr montags. Derlinev Vollrsltlcrkk. Telegramm- Adresie: „SozIaliUmokrat Rtrlin". Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlands. Redahtton: SSI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Aint IT, Nr. 1983. Bxpeditton: SSI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1981. Das britische Reich im Jahre 1903. London, 31. Dezember. Durch da-Z Zusammentreffen einer Anzahl von Ereignissen und Maßnahmen scheint das Jahr 1903 bestimmt zu sein, ein Grenzstein in der britischen Geschichte zu werden. ES hat manche alte Frage gelöst oder einer Lösung näher gebracht; es hat aber auch neue Fragen gestellt, an denen die Zukunft schwer zu arbeilen haben wird. Hauptsächlich kommen dabei in Betracht: die irische Bodenreform; die Chainberlainsche Zollagitation; das Hervortreten der Umrisse der neuen äußeren Politik Englands. An diese großen Maßnahmen und dtundgebungen schloß sich eine Reihe von minder wichtigen Gesetzes- bcratungen, politischen Debatten und Ereignissen, die dem Jahre 1933 ein besonderes Gepräge geben, wie das neue Schulgesetz, die Ablehnung der Gcwcrkschastsvorlage und die australischen Wahlen. Die wichtigste inucrpolitische Maßnahme ist ohne Zweifel die irische Agrarreform. Im Laufe der nächsten fünfzehn Jahre werden die irischen Grundherren ihren Pächtern etwa fünf Sechstel des landwirtschaftlichen Bodens von Irland, rund 403000 Pachtgütcr, zum Ankauf anbieten. Der Marktpreis dieser Güter wird auf hundert Millionen Pfund Sterling(zwei Milliarden Marl) geschätzt. Diese Summe wird den Pächtern vom Staate vorgeschostcn. Die Rück- Zahlung soll ratenweise im Laufe von 08 Jahren erfolgen. Die Jahresrate, die sowohl Zinsen wie Schuldendeckung enthält, beträgt 3,25 Prozent des vorgeschossenen Geldes, d. h. voir je 100 M. zahlt der Pächter 3,25 M. jährlich: 2.75 M. als Zinsen, 0.50 M. als Schuldcndeckung und Verwaltungskosten. Um die Grundherren zum Ausverkaufe zu ermuntern, schenkt ihnen der Staat die Summe von 12 Millionen Pfund Sterling. Der Ausverkauf ist ein freiwilliger■ der Staat überläßt es den Grundherren und Pächtem, sich über die Kaufbedingungen zu einigen; erst weim diese Einigung zu stände gekommen ist, tritt der Staat als Zahler auf und legalisiert die EigentumSübertragung. Die Reform fand die ungeteilte Zustimmung des britischen Reiches. Ende Juli stattete König Eduard VII. den Jr- ländern einen Besuch ob und wurde überall freundlich begrüßt. Es ist indes sicher, daß die Jrländer in ihrem Kampfe um Selbst- xegierung nicht nachlassen werden, nur wird der Kampf sich in milderen Formen vollziehen. Denn Irland ist jetzt loyal. Einer seiner Führer sagte soeben,„die Jrländer werden sich bemühen, ihre Insel zu einer Perle in der britischen Krone zu machen". Die zweilwichtige Maßnahme ist das Londoner Schulgesetz. daS der bisherigen Zersplitterung des NntcrrichtSwcscnS ein Ende macht. Die einzelnen Körperschaften, die bisher unabhängig von einander das Schulwesen vertvaltetcn, iverdcn beseitigt, und das ganze untere und mittlere Unterrichtsivesen in die Hände des GraffchaftsratS gelegt. Diese Centralisation ist ohne Zweifel ein Vorzug des neuen Gesetzes, das aber auch einen Nachteil brachte, indem es den klerikalen Einfluß auf eine große Anzahl von Schulen befestigt und den konfessionellen Hader innerhalb der Gemeinden verschärft. Die Befestigung des KlerikaliSmnS ist im gegenwärtigen Moment um so schädlicher für England, als es zur Rettung seines ganzen socialökonomischen Lebens die freie Schule und die fteie, revolutionäre Forschung nötig hat. Vor einigen Jahren waren es nur einige einsichtige Socialisten, die die Erstarrung des englischen Geistes beklagten; jetzt ist diese -Klage fast allgemein; dennoch konnte sich die englische Regierung— offenbar aus Furcht vor der Arbeiterbewegung— nicht dazu ent- schließen, die Schule ganz zu bcfteien.— Bon den kleineren legislativen Maßnahmen sind erwähnenswert: Die Ausdehnung des gesetzlichen Schutzes auf -einige Kategorien jugendlicher Arbeiter, und die c!Erleichterung des munizipalen H ä u f e r b a u e S durch clErweiterung der Befugnisse der Gemeinden.-- Dagegen hat die in den letzten Jahren eingerissene Verwirrung des G e w e r k- schastSrechtS nicht die geringste Klärung gefunden. Auf Grund der Beschlüsse der letzten Gewerkschaftskongresse wurde im April eine GewerkschastSnovelle eingebracht, die den Zweck hatte, das Streik- postcnstehcu und die wirksame Vorbereitung des gewerkschaftlichen Kampfes zu sickern. Ain 8. Mai kam die Vorlage zur zweiten Lesung, wurde aber nach einer vierstündigen Debatte mit 30 Stimmen Mehrheit abgelehnt. Dafür ivurde eine Kommission eingesetzt, die die Lage der Arbeiterorganisationen untersuchen soll. Die TradeS- lluions beschlossen indes, vor der Kommission keine Aussagen zu machen. Man darf aber nicht annehmen, daß den englischen Ar- bcitern das Streikpostenstehen verboten wäre. Das Picketing in England ist noch unvergleichlich freier als in Deutsch- laut».'Streikpostenstörungen und-Prozesse, wie sie in Deutsch- land vorkommen, sind in England einfach unmöglich. Was die englischen Arbeiter jetzt anstreben und in den Jahren von 1873 bis 1900 auch hatten, ist das Recht auf ein wirksames Bewachen der unter Streik stehenden Lokalitäten durch eine Reihe von Posten und deren Verkehr mit den Arbeitswilligen. Diesem Kampfe um ein wirksames Gewcrkschaftsrecht ist es auch zuzuschreibeii, daß die Trades- llnionisten jetzt der politischen Aktion mehr Aufmerksamkeit zuwenden als früher. Im Berichtsjahre wurden zwei neue Arbeiter-Abgeordnete ins Parlament gewählt. Jedoch hat sich der Gedanke der selbständigen Arbeiterpolitik in England noch lange nicht so eingebürgert wie in A u st r a l i e n, Ivo die organisierten Arbeiter— unter dem Einfluffe de? deutschen SocialismuS— sich im Jahre 1890 von der englischen Gewerkschaftstaktik abwandten, um zur parlamentarischen Aktion überzugehen. Die australischen Bundeswahlen vom 10. Dezember»nachten die Arbeiterpartei zimi ausschlaggebenden Faktor sowohl im Senat wie im Abgeordnetenhausc. Zu diesem Resultat hat wohl der Eiscnbahner-Swcik in Victoria viel bei- getragen, der aus politischen Motiven entstanden und durch ein SluSnahmegcsetz unterdrückt wurde. Umwälzende Maßnahmen sind jedoch vom australischen Arbeitersiege nicht zu erwarten. Dem Pro- gramm gemäß wird die Arbeiterpartei für den Ausbau dcS Arbeiter- schutzeS, für die Verstaatlichung der Bergwerke und für die Ein- richtung von obligatorischen Schiedsgerichten wirken. Die australische Arbeiterbewegung mit ihrer starken Betonung der parlamentarischen Aktion dient den weißen Arbeitern in Südafrika zum Muster. Auch diese legen auf eine selbständige politische Organisation .Oesonderes Gewicht, schaffen sich eine eigne Presse und üw verden g-mz im Sinne ihrer australischen Genoffen wirken. lobald CC eroberten südafrikanischen Republiken die Selbstregierung er» aalten. Dagegen folgen die Arbeiter Kanadas dem Muster des englischen Trades-UnioniSmus und konzentrier ganze Slufmerl- samkeit auf die wirtschaftliche Organisation; nur in Britisch- Columbia besteht eine gut organisierte socialistische Partei, die viel Energie in der Verbreitung der socialistischen Lehren zeigt und im August zwei Genossen in das Provinzialparlament(Landtag) brachte. Die große Mehrzahl der britischen Arbeiter, sowohl in England wie in den Kolonien, sind gegen den Imperialismus und sür eine selbständige nationale Entwicklung. Wie der Sieg der Arbeiter in Australien auf die Chamberlainschen imperialen Pläne wirken wird, läßt sich noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Mr. Chamberlains Birminghamer Rede vom 15. Mai hat einen tiefen und nachhaltigen Eindruck auf England gemacht. Sie hat die seit zwanzig Jahren besprochene Lage eines britischen Zollvereins in den Mittelpunkt des öffentlichen Lebens gerückt. Die parlamentarischen Beratungen über den Etat und über die Brüsseler Zuckerkonvention sowie über jede andre Frage, die irgendwie nnt Zoll- und Reichs- Politik verknüpft ist, standen ganz unter ihrem Eindrucke. Das Kabinett wurde gespalten; im September traten Chamberlain, der Finanzminister Ritchie und der indische Sekretär Lord G. Hamilton von ihren Posten zurück und eine Parlamentsauflösung wurde nur dadurch verhindert, daß der Premierminister Mr. Balfour eine Mittel-Linie zwischen den imperialen Schutz- Zöllnern und absoluten Freihändlern einnahm und in seinem Mani- feste„Insular Free Trade" die Zolldebatte auf die heimische In- dustrie beschränkte. Die zahlreichen Nachwahlen, die teils infolge der Ernennung neuer Minister, teils infolge des Absterbens einiger Abgeordneten in den letzten sechs Monaten vorgenommen werden mußten, wurden bereits auf Grund der Zollpolitik auSgefochtcn und sind nicht zu Ungunsten der Regierung ausgefallen. Die Regierung verfügt immer noch über eine Mehrheit von über 100 Mitgliedern und das Land ist fast ganz impe rialistisch, wenn cS auch über die Methode des Jmperialisnius geteilter Meinung ist. Die Konservativen wollen einen Zollverein, die Liberalen betrachten das geistige Band als die beste Methode. Aber beide Parteien sind darin einig, daß daS Ziel der britischen Politik die Konsolidierung des Reiches sein muß: Ausbau und Bc- festiaung der in den letzten Jahrhunderten eroberten Länder. Ausbau im Innern durch die Pflege gemeinsamer Interessen, und Befestigung nach außen durch Sicherung der Grenzen. Dieses Ziel beherrscht auch die ganze äußere Politik, in der England zwei Gegner findet Rußland und Deutschland. Rußland ist der politische Gegner Englands in Asien; Deutsch- land der wirtschaftliche Gegner auf dem Weltmärkte und demgemäß der maritime Gegner in der Weltpolitik. Mit diesen diplomatischen Kämpfen, die sehr shstematisch geführt wurden, waren die englische Presse und Regierung während dcS ganzen Jahres beschäftigt. Der Kämpf geAen Deutschland bestand in den Bemühungen nach einem engeren Anichluß Englands an Frankreich, Italien' und die Vereinigten Staaten von Amerika sowie in der Verstärkung der eng tischen Seemacht. Der Kämpf gegen Rußland bestand in direkt feindlichen Kund- gebungcn und militärischen Unternehmungen in Asien. Zuerst die Schachzüge gegen Deutschland. Das englisch-deutschc Zusammengehen gegen Venezuela wurde von der englischen Presse mit außerordentlicher Heftigkeit angegriffen, ebenso die Absicht Balfours, die Teilnahme Englands an der Bagdadbahn zuzusagen. Die Regierung gab der öffentlichen Meinung nach und zog sich, so weit es ihr möglich war, aus beiden Affairen zurück. Chamberlains Birminghamer Rede nahm ihren Ausgangspunkt vom deutsch kanadischen Zollkrieg. Das Marineamt beschloß, einen KricgShafen in der Nordsee, am AuSfallsthor Deutschlands, zu errichten. Schließ lich wurde ein englisch-französischcS Einvernehmen angebahnt; König Eduard VII. ging am 1. Mai nach Paris und Präsident Loubct kam am 0. Juli nach London und wurde von der Bevölkerung mit großer Herzlichkeit begrüßt. Ein ähnliches Verhältnis wurde zwiscken Eng- land und Italien, sowie zwischen Italien und Frankreich hergestellt. Diese ganze, auf Europa und Aftika sich beziehende Politik ist gegen Deutschland und nicht gegen Rußland gerichtet, was ja auch der Zar bestätigt hat, indem er, am Vorabend seines Zusammentreffens mit dem deutschen Kaiser in Wiesbaden, ein Handschreiben an Loubct richtete und die Neugruppierung der Westmächte billigte. Das Ver- hältniS zwischen England und den Vereinigten Staaten von Amerika wurde in diesem Jahre viel enger als je zuvor im neunzehnten Jahrhundert. Der Grenzstreit in Alaska wurde zur Zufriedenheit der Vereinigten Staaten geschlichtet und somit die letzte Quelle von Mißverständnissen zwijckeir den beiden angelsächsischen Mächten verstopft. Mr. Balfour hat sogar in seiner Guildhall-Rede vom 9. November von„allied countries" (verbündeten Ländern) gesprochen. Ein dcutsch-englisches Zusammen- gehen im amerikanischen Gewässer ist nunmehr eine Unmöglichkeit geworden. Das Konfliktsgebict zwischen England und Rußland ist Central- asien: Pcrsien, Amhanistan und Tibet. Der Südwesten und Nord- osten Asiens: die Türkei und Japan werden von England nur als Schachfiguren gegen Rußland benutzt. Anfang Januar protestierte England gegen die Durchfahrt von vier russischen Torpedobooten durch die Tardanellen; jetzt hält es Rußland in der Mandschurei fest durch die Opposition Japans, und benutzt diese Gelegenheit zur Eroberung Tibets und zur Befestigung des indischen Einflusses am Persischen Meerbusen. Während des südafrikanischen Krieges erlangte Rußland bedeutende Vorteile sowohl in Tibet wie in Siidpersicn, wo es sich den Hafen Bender Abbas, an der Straße von Ormus, als Endstation seiner persischen Eisenbahnen sicherte. Bald nach Ende des BoerenkriegeS ging England daran, die russischen Pläne abzuschwächen. Am 5. Mai erklärteLord Landsdowne im Oberhause, Eng- land werde eS keiner Macht gestatten, sich am Persischen Meerbusen nieder- zulassen. Gleichzeitig wurde eine Expedition nach Tibet unternommen, die jetzt nach Lhassa marschiert. Im November besuchte Lord Curzon, der indische Statthalter, den Persischen Meerbusen und wurde von mehreren Häuptlingen des Küstengebietes begrüßt. Besonders Ivichtig ist sein Einvernehmen mit dem Sultan von Oman. Es herrscht vielfach die Ansicht vor. daß England an der Nordküste von Oman einen befestigten Platz errichten will, um die Straße von Ormus. den Eingang in den Persischen Meerbusen, beherrschen zu können. Hat Loro Curzon eine derartige Konzession vom Sultan von Oman erlangt, so ist der Zweck seiner Reise erreicht.— polltifchc deberHcbt. Berlin, den 4. Januar. KonfliktSscheu der Konfliktslicgicrigcil. Die„Freisinnige Zeitung" hatte jüngst die Ansicht ans- gesprochen, daß es im nächsten Herbst leicht zu einem schweren Kon- flikt zwiscken der Regierung und einer Reichstagsmehrheit kommen könne, weil die sehr bedeutenden Militärforde rungen auch Widerstand im C e n t r n m finden würden. Daraus könnten Reichs« tags-Anflösung und tveitere Wirren entstehen. Diese Aussichten sind der. P o st" höchst widerwärtig. DaS Blatt, dessen ganzes Sinnen auf eine große Katastrophe des deutschen Lebens gerichtet ist, wird plötzlich gar sanft und milde und rät der Regierung zu möglichstem Verzicht auf allzu große Militärforderungen. Die„Post" will keinen Konflikt zwischen Regierung und einer oppositionellen Reichstags- Mehrheit, sie denkt auf einen ganz andren Konflikt. Die„Post" macht dabei daS interessante Zugeständnis, daß„an eine Wiederholung der Septcnnatswahlen von 1887 nicht zu denken sei"; schon der Erfolg der Militärvorlage von 1393„war nahezu nur ein Zufallserfolg". Ja, um zu beweisen, waS sie in diesen Zusammenhang beweisen will, versteigt sich die„Post" zu einer An- crkcnnung des jetzigen ReichstagswahlrechtS, die ihren sonstigen Bestrebungen iuS Gesicht schlägt, die wir aber uns merken dürfen; sie sagt: „Gegenwärtig aber wird man darüber nicht zweifelhast sein können, daß die jetzige Zusamnicnsrtzung des Reichstages im großen und ganzen dem Stande der politischen Auffassungen nnsrrs Volkes entspricht. DaS ist die Schlußfolgerung, zu welcher die letzten Reichstagswahlcn, welche bekanntlich unter voller Neutralität der Regierung sich vollzogen, nötigen." Die„Post" nimmt daher an, daß ein„besserer" Reichstag durch eine Auflösung unter der„nationalen Parole" einer SP. Vorlage nicht zu erreichen sei und aus diesem Grunde rät sie c-, zum Konflikt kommen zu lassen. Vielmehr empfiehlt die„Post" dieses Programm: „Bei richtiger Würdigung aller dieser Nnistände wird die Rc- gicrung sich in Bezug auf ihre Forderungen für Heeres- und Flottciizwecke sicher auf das u n b c d i n g t N o t w e n d i g e beschränken und dieselben so der ihr bekannten Tragfähigkeit der!1k eich S tags Mehrheit aiizupasseii wiffen. Das wird ja'uatur- gemäß nicht ohne Schwierigkeiten abgehen; denn es iverdcn dabei eine ganze Reihe von Wünschen der Heeres- und Flottenverwaltung zurückgestellt werden iiuissc». Allein die dira necessitas(furchtbare Notwendigkeit!) wird dem verantwortlichen Leiter der Reichspolitik die Kraft zur Neber- Windung solcher Widerstände verschaffen. Auf der andern Seite hat daS Eentrum ein so dringendes Jnter- esse an der Erhaltung der gegenwärtigen politischen Verhältnisse. durch welche ihm die ausschlaggebende Rolle im Reiche ivie in Preußen gesichert ist, daß,' wen» man ihm nicht UebcrmnßigcS zumutet, es sicher die Hand zu einer Verständigung auch in HeercS- und Flottenfragen bieten wird. Gerade für die kirchlichen Interessen, welche dem Eentrum noch höher stehen, als die politischen, ist seine Stellung als Regierungspartei ungleich günstiger denn die als Opposition?- Partei. Endlich hat das Centnim mit seiner ausschlaggebenden Stellung auch ein höheres Maß von politischer Verantwortlichkeit überkommen, und es hat bereits wiederholt den Beweis geliefert. daß eS dieser Verantwortlichkeit gerecht zu werden geneigt und stark genug ist. Gerade der Umstand, daß ein Konflikt zwischen der Regierung und der Reichstagsmehrheit in Heeres- und Flottenfragen eine große, in ihren Folgen im voraus gar nicht zu übersehende Tragweite haben müßte, trägt die Gewähr in sich. daß ein solcher Konflikt durch ein sachgemäßes Verhalten sowohl der Regierung wie des Ccntrums vermieden werden wird. Wir haben in Wirklichkeit ja an der Aufgabe der Urb er- Windung der Socialdcmokratie gerade genug und können uns den LuxuS eines zweiten schweren inneren Kampfes um so weniger leisten, als auch die auswärtigen Verhältnisse dringend zu einer Sammlung unsrcr inneren Kräfte mahnen." Die Wünsche der Zcdlitz-Partei sind offenbar. Die Konservativen wünschen die berühmte„Sammlung der bürgerlichen Parteien" nicht durch eine„übermäßige" Militärvorlage gestört. Wichtig sind Militärvorlagen. aber zehnmal wichtiger ist der Kampf gegen den „Umsturz". Am liebsten sehen sie bald eine Wahlrechts- Verschlechterungsvorlagc erscheinen, dann, wenn erst die Socialdemokratie— so kalkuliert man— mit Gewalt entrechte� können die versäumten Militärvorlagen doppe nachgeholt werden, ohne daß das Centrum nn stände w sie zu verhindern. � Wie sich die Dinge thatsächlich im Verlauf dieses Jahrein stalten werden, läßt sich natürlich nicht voraussehen. Vorläufig�. scheinen die Bestrebungen der Konservativen mehr Aussicht auf t wirklichung zu haben, als die Konfliktsprophezeiungen der„Fr sinnigen Zeitung". Nach der Entwicklung, die das Eentrum einem Jahrzehnt nahm, ist eine irgendwie ernsthafte Oppositioi' Militär- und Marineftagen kaum noch zu erwarten. Die„Po sagt, die Regierung solle dem Centrum„nichts Ucbermäßigcs zumuten, aber das Centrum hält schon längst nicht mehr für„über- mäßig", was es früher als unmöglich abgelehnt hat. Die„Sammlung", welche die„P jst" wünscht und welche auch gegenüber den zu erwartenden großen Militärvorlagen dauern dürfte. ist aber nur möglich durch weitere reaktionäre Entwicklung bisheriger Mittelparteien, lind die Massen, die diesen Parteien folgten, fallen Weg"—-z nur der eine Ein„führender Geist" über den SocialismuS. DaS Blatt für Massenverdummung, der Scherlsche„Lokal- Anzeiger", hatte zu Weihnachten als Ertrafpende feinen Inseraten auch eine Textbcilage hinzugefügt, die„Ausblicke undWün sch c führender Geister" enthalten sollte. Wie der an der Spitze dieser Beilage befindliche Reklamesatz besagt, hat die Redaktion des Blattes„an eine Reihe der hervorragendsten Männer der Welt, Staatsmänner, Politiker, Künstler, Gelehrte... die Frage gerichtet, loaS sie von ihrem fpeciellen, persönlichen Standpunkt aus vom kommenden Jahre crwünschen und hoffen". Die Enquete ist ungemein dürftig ausgefallen. Von deutschen Staatsmännern und Politikern hat es offenbar nicht ein einziger für angängig gehalten, im Schcrlblatt seinen Tieffinn abzulagern. Selbst Gra B ü l o>v und L i e b e r m a n n v. Sonnenberg haben sich in philosophisches Schweigen gehüllt. Nur von dem naiveren Völkchen der Gelehrten und Künstler sind eine Anzahl auf den Reklmnelcim gehüpft. Dagegen ist cS der Zudringlichkeit der Scherlfchen Interviewer geglückt, einigen wenigen ausländischen Politikern einige Ausfluchts Phrasen zu entlocken, mit denen sich freilich auch gerade kein Staat machen läßt. Der Originalität wegen sei nur ein Ausspruch der guten Bertha v. S u t t n e r— die sich als Verfechterin der bürgerlichen Abrüstungsidee ja selbst wohl auch zu den politischen Persönlichkeiten rechnen dürfte— wiedergegeben: „Der F r i c d e n s g e d a n k c hat in der letzten Zeit eine reale, greifbare Form angenommen... Ich hoffe mit voller Zuversicht von der Zukunft, daß sie uns den Frieden bringen wird, und meine Wünsche und Hoffnungen beginnen sich schon zu erfüllen, noch che das neue Jahr beginnt. Ich begrüße die V e r m e i d u n g des Krieges zwischen Japan und Rußland als eine kost bare Frucht der Friedens bewcgung: denn sie ist gewiß das Werk des Zaren, der mit Leib und Seele einer der unseren i st." Man wird begreifen, daß sich neben einem solch blühenden— Optimismus politische Auslassungen nur komisch ausgenommen haben würden. Das hat sogar die Redaktion des Scherl-Blattes ein- gesehen, indem sie aus den eingegangenen Antworten selbst aus- ländischer Gelehrter mit peinlicher Sorgfalt alles entfernte, was dem karnevalistifchen Reigen den Reiz der Stimmungscinheit hätte rauben können. Wie einsichtig sie dabei vorgegangen, beweist uns folgende Zuschrift unsreS Londoner Korrespondenten vom 2. Januar: Der„Berliner Lokal-Anzeiger" wandte sich vor einigen Wochen an die Iviffenschaftlichen Führer der Menschheit, um ihre Ansichten über das zwanzigste Jahrhundert zu hören. Alfred Rüssel Wallace, der Mitbegründer der Entwickelungstheorie und einer der hervorragendsten Männer unsrcr Zeit, war ebenfalls unter den vom Berliner Blatt Eingeladenen. Wallace sandte einen kurzen Auffatz ein, der aber nicht veröffentlicht wurde. Tie Ursache der Zurückweisung wird der Leser aus dem Auffatze selbst ersehen: Aussichten und Hoffnungen auf die nächste Zukunft. Ich erwarte keine großen politischen und socialen Aenderungen vom nächsten Jahre, wohl aber hoffe und glaube ich, daß die große Bewegung unter den Arbeitern zu Gunsten einer vernünftigeren und gerechteren(equitable) Regierungsweise und socialen Organisation weiter wachsen wird, wie sie in den letzten Jahren gewachsen ist. Ich hoffe, daß in den fortgeschritteneren Ländern— besonders in kreich und Deutschland— die Arbeiterbewegung hinreichend ill werden wird, um der Reaktion Trotz bieten zu können uch im stände zu sein, eine Gesetzgebung einzuleiten und viel- leicht durchzusetzen, um die persönliche Frcuhcit auszudehnen und den militärischen Ausgaben Einhalt zu gcdietcu. Ich glaube, daß dieselbe Bewegung bestimmt ist, im zwanzigsten Jahrhundert große und wohlthätige Resultate zu erzielen. Tic Ereignisse der letzte» Jahre mutzten alle fortgeschrittenen Denker überzeugen, daß es vergeblich ist, von den gegenwärtige» Regierungen der großen civilisierten Länder mit ihren machtvollen militärischen und bureau- kratischen Organisationen irgend welche Verbesserung zn erwarten. Diese Organisationen sind eine Gefahr für die Freiheit, für die nationale Sittlichkeit und für allen wirklichen Fortschritt zu einer vernünftigeren socialen Entwicklung. Diese Organisationen sind cS, die uns in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts Beispiele von Heuchelei und Verbrechen gegen Freiheit, Menschlichkeit und Christen- tum boten, die fast ohne Gleichen in der modernen Geschichte da- stehen. Kaum war die Tinte an den Akten der Haager Konferenz trocken,... alS die Unterzeichner dieser Akte sich auf die schwächeren Völker warfen, ohne jede vernünftige Ursache, und oft im Gegensatz zu den Grundsätzen ihrer eignen Verfassungen und feierlichen Ver- sprechen ihrer Vertreter. England überzog Südafrika mit Feuer und Schwert und beraubte die Republiken ihrer Unabhängigkeit, die es ihnen garantiert hatte.— ein Verbrechen, das noch durch die Heuchelei erschwert wird, womit es begangen wurde... Die Bereinigten Staaten von Amerika haben— im Gegensatz zu ihrer Verfassung— in einem blusigen Kriege die um Unabhängigkeit ringenden Philippinen niedergeworfen. Nusckaud, das die Haager Konferenz einberief, verfolgte unmittelbar darauf die Inden und die Duchoborzcn wegen ihrer Religion und nahm den Finnen, die an wirklicher Civilifasion viel höher stehen als die Russen, die ihnen garantierten Freiheiten. Diese drei Regierungen, Ivic auch Teutschland und Frankreich, überfielen China... Dies find die Thatcn der offiziellen und militärischen Herrscher der Nationen, die den Anspruch erheben, an der Spitze der Civili- sation und Religion zu stehen I Und sie zeigen keine Spur von Besserung. Aber zum erstenmal in der Weltgeschichte haben die Arbeiter— die Onclle alles Reichtums und aller Civilifation— die Ge- legcnheit, sich zu bilden und zu organisieren, und eine Stimme 'n der municipalen und nationalen Regierung zu erhalten. Sobald • sich ihrer Macht bewußt werden und zur Einigkeit über ihre Ziele 'ngen, wird der Anbruch einer neuen Aera beginnen. Vor allen, müßten sie danach trachten, durch Einigkeit in ihren siinacn stark znwerden, dann den Militarismus zu schwächen, hn schließlich zu beseitigen. Das zweite Ziel sollte sein, die „nkratie zu beschränken, um sie in Diener des Volkes zu ver- .dein. Drittens, die Vereinfachung des ganzen gesetzlichen ■avated. Viertens, das größte aller Ziele: die Organisation der it, die Beseitigung des Erbrechts und die Herstellung gleicher .itSgelegenheit für alle. Die Ausführung dieser Ziele wird den wahre» Individualismus herstellen, der unter den .egcuwärtigcn Umständen nicht existieren kann.... Zum erstenmal in der Menschheitsgeschichte find die Arbeiter bestrebt, der inter- nationalen Verhetzung ein Gsi'de zu machen; die Völker aller Länder werden Brüder und würdige., die Tugenden, die jedem von ihnen angeboren find.... DaS Volk ist immer besser als feine Herrscher. Aber die Herrscher haben die Macht, den Reichtum, die Tradition und die unersättliche Gier n'"'IH'ichur■-mdrer Menschen cn deren Wille," Vol-m die Zu- Mm»"* p DieS die Ansichien eines der bedeutendsten Ge- lehrten unsrerZeit. Es war seine Begeisterung für die Ar- beiter und für die Demokratie, die den„Lokal-Anzeiger" verhinderte. die erbetenen Ansichten zu veröffentlichen. Wallace sandte sie der Londoner Wochenschrift„Clarion" zu. die sie gestern zum Abdruck brachte. Tie Betrachtungen, die das Blatt daran knüpft, können wir unter der deutschen„Freiheit" nicht wiedergeben. . Soweit unser Londoner Korrespondent. Ter„Lokal- Anzeiger" sollte sich wirklich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, durch Bekanntgabe dieses Vorfalls seinen Lesern einen glänzenden Beweis für die Umsicht, die Gewissenhaftigkeit und den journalistischen Schönheitssinn seiner Redaktion zu liefern!— Ncber Ostasicn liegt heute wieder das übliche Ouauium drohender und be- schwichtigendcr Nachrichten vor. Die beschwichtigenden Nachrichten melden, daß noch nicht alle Aussicht auf friedliche Beilegung des Zwistes geschwunden sei. Noch immer bemühten sich England und Frankreich, eine friedliche Schlichtung des Konfliktes herbeizuführen. Sonder- barerweise ist ein Vorschlag, die Angelegenheit dem H a a g e r Schiedsgericht zu unterbreiten, noch nicht gemacht worden, obgleich Väterchen es doch schwerlich verübeln könnte, wenn man ihn auf die Existenz derjenigen internationalen Schiedsgerichtsinstanz aufmerksam machte, zu deren Schaffung er doch selbst die An- r e g u n g gegeben hat! Daß keiner der Mächte in den Sinn kommt, dem Initiator der SchiedSgerichtSfaree einen solchen Vorschlag zu machen, beweist aber wieder einmal, wie geringschätzig man über dies lächerliche Tribunal denkt, dessen Bedeutung lediglich in der kindlichen Phantasie der Bertha Suttner und tutti quanü besteht. Eine eigenartige Demonstration für einen vorläufigen Frieden meldet der Shanghaicr Korrespondent der„Kölnischen Zeitung". Derselbe übermittelt eine Meldung der Zeitung„Tokio Asahi" aus Port Arthur, wonach der rnsstschc Statthalter Alerescw jüngst in einer Ansprache an die Offiziere erklärt hatte, daß Ruß- l a u d den Kampf mit Japan aufnehmen würde, wenn es drei Docks in Port Arthur und zwei in Dali, y hätte. Gegenwärtig ständen indessen den Japanern weit mehr Mittel zur Verfügung, ihre Schiffe nach einer für sie nn- günstigen Seeschlacht auszubessern, als Rußland in gleichem Falle. Aus diesen, schwerwiegenden Grunde sei ein Krieg für jetzt besser zu Venneiden. Diese Rede wird auf Japan schwerlich als BenihigungSpille wirken! Zwei„ L a f f a n"- M e l d u n g c n besagen: Aus Tokio meldet ein Privattclegramm, daß die Japaner jetzt an allen Telegrammen strenge Censur üben und bcabsichiigen, in die Redaktionen aller japanischen Blätter Offiziere abzuordnen, die als Censoren fun- gieren und alle Nachrichten und Artikel, die zur Veröffentlichung ge- langen, überwachen sollen.— Auf den Pekinger Gesandtschaften glaubt man, daß ein K r i e g zwischen Rußland u n d I a p a n fast sicher i st und höchstens noch um einen, bestenfalls um zwei Monate hiuanSgeschobci, werden kann. Die Russen kaufen in Tientsin und an andern Plätzen der Provinz Tschili Pferde und uinsangreichc Vorräte. Ferner liegen folgende Telegramme vor: Köln, 4. Januar. Ter„Kölnischen Zeitung" wird auS PctcrS- bürg von gestern gemeldet: Neuerlich hat die Spannung zwischen Rußland und Japan, wie wohlunterrichtete russische Kreise versichern, merkbar nachgelassen. Maß- gebenbei, Orts wird die Lage als durchaus beruhigend angesehen. Wenn auch beiderseits Vorbereitungen für den bisher als möglich vorgesehenen Fall des Ausbruches des Krieges fortgesetzt werden und der strategische Aufmarsch beider Armeen zunächst„ach nicht unterbrochen werden wird, o haben in den allerletzten Tagen die schwebenden Ver- Handlimgen eine Wendung genominen, die die besten A u S s i ch t e n auf eine völlige Verständigung Rußlands mit Japan bietet. Die russische Antwort auf die japanischen Gegenvorschläge dürste binnen kurzem zu erwarten sein. Nach lvie vor wird hier daran festgehalten, daß die auS englischer Ouelle kämmende Nachricht, nach der Rußland von Japan für die Bcant- Wartung der letzten japanischen Note keine bestimmte Frist gestellt worden sei, den Thatsachen nicht entspreche. Allen anderwenigen Gerüchten zuwider, wonach die Reise des Statthalters Alexejew nach Petersburg auf unbestimmte Zeit verschoben sei, verlautet in ministeriellen Kreisen, Alexejew werde im Februar nach hier ab- reisen. London, 4. Januar. Wie den,„Daily Telegraph" aus Tokio gemeldet wird, hat Rußland nunmehr Japan seine Antwort auf die letzte Note Japans zugehen lassen. Der Korrespondent glaubt zn wissen, daß sie, wie es bisher der Fall war, nicht verbindlichen Charakters sei und nur einen Aufschub bezwecken wolle. Jedenfalls seien die apancr entschlossen und hätten schon vor mehreren Tagen Maß- regeln getroffen, um gewisse japanische Interessen ans Korea sicher zu stellen. Man werde Rußland nicht gestatten, Häfen auf Korea zu besetzen, jedenfalls nicht diejenigen von Mokpho und Mafampho, wo Maß- regeln ergriffen sind, um eine Inbesitznahme derselben zu ver- hindern. Wegen der Gefahr des Ausbruchs von Unruhen in Söul ist das englische Kriegsschiff.Sirius" nach Chemulpo gesandt worden. Neue jliplmische Kreuzer. Es bestätigt sich nunmehr doch, daß die beiden auf der Werft Ansaldo in Genua für die Argentinische Republik gebauten Panzerkreuzer von Japan für die Summe von l'/n Million Pfund Sterling gekanft wurden. ES sind Schiffe von 7700 Tonnen, die man ebenso gut als kleine Linienschiffe bezeichnen könnte. Sic haben dieselben Größenmaße. Beide werden durch einen Panzer- gürtel von 6 Zoll Dicke auf mehr als zwei Drittel ihrer Länge ge- schützt. An den Enden beträgt die Dicke des Panzers 4,5 Zoll. Das Deck besteht aus l�zölligem Stahl. Auf den. Deck erhebt sich eine Batterie, die an den Seiten durch ßzölligcn Panzer und an den Enden durch 4,7zölligen Panzer geschützt ist. Der Beobachttmgsturm vor den, vordersten Schornstein ist eben- falls durch 4,7 zöllige Platten gedeckt. Vor und hinter der Batterie befindet- sich je ein Panzerturm von 5,3 Zoll Wandstärke, und in diesen Türmen sind die Hauptgeschützc untergebracht. Die „Rivadavia" trägt in dem vorderen Turme ein einzelnes Ivzölliges Geschütz und in dem hinteren Turme zwei 8 zöllige, während die „Moreno" in beiden Tünnen mit je zwei 8 zölligen Geschützen armiert ist. Die Batterie besteht aus vierzehn 6 zölligen Geschützen. Außerdem haben die Kreuzer je zehn Zwölfpfiinder, zwei Maxims, zwei Feldgeschütze und vier Torpedo-Lancierrohrc. Die Geschütze sind Elöwick- Fabrikate. Tie Granate des Ivzölligen Geschützes wiegt 500, die de"«aölligci, 250 und dir s Ozölligen 100 Pfund. Die•"/ Knoten. Beide Schiffe Veutfcken Reich. Die Macher des„Rcichsvcrvandes". Der„Reichsvcrband", der„im großen Sttle" betteln geht,«n die nötigen Mittel gegen die Socialdemokratte zusammenzubringen. zählt unter seinen Machern eine Anzahl wohlbekannter Persönlich- ketten, deren Namen allein die bcabsichrigte Kampfcsführung ehrlicher kennzeichnet als das Programm, das in geheimen Eirkularen ver- sendet wird, aber von uns bereits mitgeteilt werden konnte. Die Magdeburger„Volksstimme" ist in der Lage, die führenden Männer der endgültigen Socialistenvernichtung vollzählig zu nennen. Danach wird der„vorläufige geschäftsführende Ausschuß" des„Reichs- Verbandes" von diesen Herren gebildet: Maurer- und Zimmermeister Alb recht, Vorsitzender des All- gemeinen Arbeitgeber- Verbandes der Kreise Bitterseld und Delitzsch, Roitzsch. Kammerhcrr v. Ä r n i m, Haupt-Ritterschasts-Direktor, Mitglied des Abgeordnetenhauses, Züsedom t. M. Schnlrat Besser, Vorsitzender des Arbeitervereins, Altenburg. Dr. W. Ben ,n c r, Generalsekretär, Mitglied des Reichstags und des Abgeordnetenhauses. Düsseldorf. E. F. D i c t s ch. Vorsitzender der Schuhfabrikanten- Vereinigung Pegau-Groitzsch-Lucka-Wurzen, Pegau i. S. Kaiserl. Gesandter v. D i r k s c n, Mitglied des RcichStags, Berlin und Gröditzberg i. Schl. RegiernngSrat D i t t r i ch, Berlin. Rittergutsbesitzer Dr. Freiherr von Erffa-Wernburg, Mit- glicd des Abgeordnetenhauses. Pfarrer Graf, Königsberg i. Pr. Landgerichtsrat H a g e m a n n, Mitglied des Reichstages, Erfurt. Freiherr von der H e h d e n- R y n s ch, Wirkl. Geh. Ober- Bergrat und BerghauptmaM, a. D., Berlin. Syndikus Hirsch, Essen-Ruhr, Mitglied des Abgeordnetenhauses. Generalmajor z. D. von I a g w i tz, Eharlottenbnrg. I c n ck c, Dr. Jng., Finanzrat a. D., Dresden. Direktor W. Kot:, Erfurt. Fabrikdirektor Dr. Kuntze, Vorsitzender des Bezirks Provinz Sachsen östlich Halle der Abteilung der NoHzuckerfabriken des Vereins der deutschen Zuckerindustrie, Delitzsch. Oberlehrer Dr. L a n g>, e r. Brieg. Geh. Konimerzienrat Lehmann, Halle a. S. Generallteutenant z. D. von L i e b e r t, Charlottenburg. Rittergutsbesitzer Geh. Regierungsrat von Locbell, General- di'rektor der Landfeuersoeietät der Provinz Brandenburg, Mit- glied des Abgeordnetenhauses. Berlin. Stadtverordneter Tischlermeister Pauli, Mitglied des Reichs- tages, Potsdam. Rechtsanwalt Dr. Regula, Vorsitzender deS Wirtschaftlichen Schutzverbandes, Harburg a. E. Rittergutsbesitzer Oberregierungsrat a. D. Freiherr von R i ch t- hofen-Daillödorf, Mitglied des Reichstages, Kohlhöhe b. Gutschdorf i. Schl. Geii.-Dircktor Dr. Ritter, Waldenburg i. Schi. LandgcrichtSrat S ch c t t l c r. Mitglied des Abgeordnetenhauses, Erfurt. Bergrat Schräder, Ober-Berg- und Hüttendircktor der Mans- teldschen Gewerkschaft, EiSlebcn. Konsistorial-Präsident Dr. W. S t o ck m a n n, Mitglied des Reichstages und des'Abgeordnetenhauses, Münster i. W. RegiernngSrat v. S t r a n tz, Berlin. Regierungspräsident a. D. v o n T i e d c m a„ n, Mitglied deS Reichstages und des Abgeordnetenhauses, Berlin. Kommerzienrat Jul. Vorster, Mitglied des Abgeordnetenhauses, Köln. Landrat Freiherr von Zedlitz und Neukirch. Linden vor Hannover. Scehandlungs-Präsident a. D. Freiherr von Zedlitz und N c u k i r ch, Mitglied des Abgeordnetenhauses, Berlin.. Es sind also fast ausschließlich Herrschaften vom konservativen Scharfmacherberufe, die da unter falscher Maske Angehörige der ver- schiedcncn bürgerlichen Parteien ködern wollen. Jenckc, v. Löbell, Stockmann, Pauli, v. Zedlitz— diese Namen bürgen dafür, daß es sich um—„geistige" Bekämpfung der Socialdemokratte handelt. UebrigenS, eine bescheidene Anfrage. Hat der geschäftsführende Ausschuß seine Vercinsgründung der zuständigen Behörde angezeigt und seine Statuten usw. ihr übermittelt? Wir haben die Hüter der Gesetze gegen die umstürzlerische Socialdemokratte ein wenig im Verdacht, daß sie ihre lobesame Thättgkeit mit Gesetzwidrigkeiten einleiten.—__ Vermehrung deS unwürdigsten Wettspieles— ist eine neue Kultur» ausgäbe, der sich die preußische Regierung und die Reichsämter liebe» voll widmen. Herr v. Podbiclski hat jüngst über die Herabsetzung der T o t a l i s a t o r st e u c r nachgedacht. Um sich gehörig zu unter- richten, hat er zu einer Sitzung eine Anzahl berühmtcr�S p o r t s- leute zugezogen und das Ergebnis dieser Beratungen soll, so verlautet, sein, daß demnächst dem Reichstage eine Vorlage zugehen wird, in der die jetzt 20 Proz. betragende Steuer stark herabgesetzt wird— man meldete ttS ans 0 oder 5 Proz. Außerdem soll die Buchmacherei und das private Glücksspiel der Rennwettbureaus durch strenge Strafe unterdrückt werden. Der Staat will also die durch den Schein der Osfiziösität geweihten Rennvcreine zu Monopolisten des � Wettspiels machen, er will den Umsatz und Gewinn dieser Vereine durch Steuerherabsetzung vennehrcn. Der Slaat, das Reich als eiftiger Anstachler zur leichtferttgstcn Geldverschwendung im losen Glücksspiel des RennsportS! Ein herrliches Schauspiel! Sollte der Reichstag wirklich diesen neuesten Sport des Herrn v. Podbiclski genehmigen?— Die Gleichwertigen Bülows. Aus Dessau wird der«Fr. Ztg." mitgeteilt: Nach dem preußischen Muster hat jetzl das a n h a l t i s ch e Staatsmini st erium die Oberbürgermeister und Kreisdirektoren aufgefordert, dafür zu sorgen, daß die Reden, die der Reichskanzler in den Rcichötagö-Sitzungen vom 10. und 14. Dezember gegen die Socialdemokratte gehalten hat,„weilestc Verbreitung" finden. Es ist nicht zu bezweifeln, daß mancher von den außcrpreutzischen Ministern wenig genug von der Socialdemokratte versteht, um aus Bülows Wunderwirkung zu rechnen.— DaS rusfische Spitzcltreiben in der deutschen Hauptstadt, das wir in unsrcr vorigen Nummer schilderten, wird von mehreren liberalen und demokratischen Blättern besprochen. Man giebt der Erwartung Ausdruck, daß die Regierung den ruWchen Agenten das Handwerk legen werde. Wir sind angesichts d �fortschreitenden Russifizierung Preußens vorsichtig genug, von der Regierung zunächst nichts zu er- warten, sondern lediglich abzuwarten, was sie zu lhun gedenkt. Unsre Erwartungen richten sich mehr an die deutsche Ocffcnilichkeik und daS deutsche Ehrgefühl. Bisher freilich haben auch liberale und demokratische Blätter das preußische Kriechen vor Väterchen höchstens sehr sanft getadelt.—_ Die OpPositionSgriuilisse des CentrnmS. Zu den Ulliformänderungen bringt die„Kölnische VolkSzeiwng" einen Leiter, in dem sie aus die Schürfe und die Rückhaltlosigkeit hinweist, welche in bei militärischen Dingen ungewohntem Grade in der Presse, keineswegs nur der Linken, zum Ausdruck ge» langt. Nun dürsten es auch die andern in Bettacht kommenden Faktoren an Entschiedenheit nicht fehlen lassen; wo sei der Kriegsminister, der im Berantwortlichkeitsgefühl mit ganzem Ernst daraus aus- merksam mache, daß der SchnciderluruS das Heer schädige? Diese Frage müsse ans dem Reichstag aus der Mitte derjenigen Parteien gestellt werden, welche die unbedingt nptwendiz?' HeereSausgaben bewilligen wollen. ES wäre von der Volks- vcrttetung unvxrar�" ttttch, den keineswegs notwendigen Belastungen lia I rT oeS Militäretats, de-S Offiziercorps und der Mannschaften nicht mit vollem Nachdruck entgegenzutreten. Das dürfe unter keinen Umständen den Socialdemokraten überlassen bleiben. Das Ccntrum werde es sich nicht nehmen lassen, gegen- über den allmählich unerträglich werdenden Mißständen nicht nur zu reden, sondern auch alle L u d g et h a n d h a b c n zu benutzen, um das Wort zur T h a t zu machen. Die Oppositionsgrimasse, die der Etatsredner des Centruins kürzlich sin Reichstag zur Schau trug, wird jetzt also von der Cen- trumspresse nachgeschnitten. Herr S ch ä d l e r operierte aber wenigstens noch am tauglichen Objekt, gegenüber den Soldaten mißhand- l u n g e n; die„K ö l n. V o It S z t g." aber will in der Frage der Offiziers mäntel der Socialdemokratie den Rang ablaufen! Will das Centrum etwa den Militär-Etat verweigern, loeil die Offiziersmäntel einen neuen Schnitt haben sollen? Das wäre eine lustige Obstruktion! Wir gönnen einstweilen dem Centrum das Vergnügen, den wilden Mann zu mimen. Bei der F r a g e der militärischen M e h r b e lv i I l i g u n g e u werden wir uns weiter mit ihm unterhalten!— Ter wegen Wcchselfälschung verurteilte Abg. S e h b o t h hat, ohne die eintretende Rechtskraft des Urteils abzuwarten, durch Schreiben an das ReichStagSbnrean sein Mandat niedergelegt. Die Ersatzwahl im Kreise Eschwcge-Schmalkalden kann also in die Wege geleitet werden.— Gcfinnungsgriijie beweist die Stadtverwaltung in Esse n. Tic Gewerkschaften wollten dort für das Arbeitersekretariat einen Wohn- räum mieten. Das in Aussicht genommene Haus gehört aber der Stadt Essen und diese verbot aus Grund einer kontraktlichen Be- stimmung, die der Stadt die Genehmigung vorbehält, dem Vermieter, der zur Vermietung bereit war. an die Gewerkschaften die Räume zu vermieten. Offenbar wird städtisches Eigentum herabgewürdigt, wenn darin ratsuchenden Arbeitern Hilfe zu teil wird.— MajrstStsiclcidignngSprozcß. Wie der..Vossischen Zeisimg" aus K o b Ii r g gemeldet wird, wurde dort unser Parteigenosse Zietsch, der Redakteur der„Ameise", wegen angeblicher Beleidigung des Kaisers, die er gelegentlich der Wahlen im Wahlkreise Sonncberg begangen haben soll, zu d r c i Ri o n a t c n Gefängnis verurteilt.— Husland. Gescheiterter Generalstreik. Pari?, 1. Januar.. Januar zu den alten Bedingungen lvicder aufzunehmen. Ilebcrall dort, Ivo bereits unter günstigeren Bedingungen als 1,50 M. Grundlohn und 25 Proz. von der Brntto-Einnahme gearbeitet wird, sollen diese günstigen Bc- dingungen Geltung behalten. 3. Maßregelungen der Streikenden beziehungsweise Aus- gesperrten dürfen nicht stattfinden, ebensowenig wie von den letzteren die von den Arbeitgebern eingestellten neuen Kutscher behelligt werden diirfcir. Die Vertreter beider Parteien erklärten sich bereit, diesen Vor- schlag den am Abend stattfindenden Versammlungen ihrer Mandat- geber zur Beschlutzfassung vorzulegen. Die Fnhrherrn lehnen den Eimgnngsvorschlag ad. Jtl der st a r k b e s u ch t e n Kutscherversammlung in Kellers Festsälen sprach sich der Referent Becker entschieden für Annahme des Vorschlages des EinigungSamteS aus, was, wie der Beifall bezeugte, der Stimmung der Versammlung entsprach. Um Vz12 Uhr traf die Nachricht ein, daß die Fuhrherrcn in ihrer Bersammlung beschlossen hatten, auf ihre» Vorschlag von 40 Prozent der Tageseinnahme zu beharren und zwar Versuchs weise bis zum 1, April d. I. und ihre Kommission beauf- tragt hatten in neue Verhandlungen vor dem Einigungsamt einzutreten.— Die Verkündigung dieses Ergebnisses der Fuhrherrn Versammlung erregte große Unruhe. Gleichwohl erklärte man sich damit einverstanden, daß wiederum verhandelt wird. Es wurde unter allgemeinem Beifall scharf betont, daß zu einem Lohnsatz von 40 Prozent nicht angespannt iverden soll.— Die weiteren Per- Handlungen finden heute nachmittag statt. Veutlcbes Keick». Tie Aussperrung der TSpfer ist beendet. Auch der Streik in Fürstenwalde ist nun beigelegt worden. Die Fiirstcnwalder Ofenfabrikanten standen noch bis in die jüngste Zeit auf demselben Standpunkt wie ihre Veltener Kollegen; sie wollten aus Princip nichts bewilligen und ebenso au? Princip nicht mit dem Vorstand deS Töpfervcrbandes verhandeln. Nun ist aber am vergangenen Sonnabend doch verhandelt worden Vertretern der Streikenden aus Velten und wie dem Vorsitzenden des Ccntralverbandes nosscn Drunsel, auf der einen Seite, tretern der Ofenfabrikanten aus den beiden Orten, sowie dem Vorsitzenden des Ofenfabrikanten-Verbandes, Herrn Teich ert ans Meißen, auf der andern Seite. Die Verhandlung tvnrde also in aller Form zwischen den beiderseitigen Organisationen geführt. Die Fabrikanten, welche noch vor wenigen Wochen von den bei ihnen beschäftigten Arbeitern den Austritt aus dem Wer- band der Töpfer verlangten und durch die allgemeine Aussperrung diesem Verlangen Nachdruck gaben, haben also eingesehen, daß der Kampf gegen den Verband der Töpfer nutzlos ist, und haben, indem sie mit dem Vorsitzenden des Verbandes unterhandelten, die Arbeiterorganisation als gleichberechtigten Faktor anerkannt. Den Streikenden in Fürsten- Walde wurden Lohnerhöhungen bewilligt, die für Simszeug 3 Proz. und für Kachelzeug 7 Proz. betragen. Die Fiirstenivalder Töpfer haben demnach dieselben Löhne, wie ihre Kollegen in Velten. Die Lohnsätze sind sowohl für Fürstenwalde wie für Velten durch einen zwischen den beiderseitigen Organisationen abgeschlossenen Vertrag festgelegt, der bis zum 1. Oktober 1005 gilt, und, falls er nicht vorher gekündigt wird, weiter läuft. Ferner ist vereinbart worden, daß die Aussperrung aufgehoben und die Arbeit ani Montag sgestern) wieder aufgenommen wird und zwar zu den- selben Bedingungen, welche vor der Aussperrung bestanden. Damit ist der Friede im Töpfergewcrbc lvieder hergestellt, und die Arbeiter können nach Lage der Sache mit den Fricdensbedingungen zufrieden sein umsomehr, als ihre Organisation dem Anprall des organisierten Unternehmertums Stand gehalten hat und ungeschlvächt aus dem Kampfe hervorgeht. Ja, der Zusammenhalt der Töpfer dürste durch den Schlag, welchen der Ofeufabrikanten-Verband gegen die Arbeiterorganisation geführt hat, fester geworden sein als er vorher war.— Allerdings hat der nunmehr abgeschlossene Kampf dem Verband der Töpfer schwere finanzielle Opfer auferlegt, die zum Teil auch noch ferner getragen werden müssen, denn es sind noch etwa 200 Arbeiter zu unterstützen, die»licht gleich wieder be- schäftigt werden können. Das liegt zun» Teil daran, daß die Be- triebe, welche längere Zeit rrihten, nicht sofort wieder in vollem Um- fange arbeiten können, andrerseits sind aber auch während der Aussperrung eine Anzahl Arbeitswilliger eingestellt, die — wenigstens vorläufig— nicht wieder entlassen werde»». Besonders ist das in Fürstcnwalde der Fall, Ivo Kacheln durch Maschinen her- gestellt werden. Vor dem Streik Ivurden die Maschmen von gelernten Töpfern bedient, während des Streiks sind hierzu ungelernte Arbeiter herangezogen worden, die ihre Plätze auch jetzt noch behalte»». Der Verband der Töpfer hat einen nicht zu unter- schätzenden moralischen Sieg errunge»», der aber schwere Opfer gekostet hat. Die Gewerkschaften, welche die Töpfer im Kamps unterstützten, werde»» ihnen hoffentlich auch zur Seite stehen, so lange die auf der Strecke gebliebenen Kollegen zu unterstützen sind. und zwar zwischen Fürstenwalde so- der Töpfer, Ge und den Ver Die„Gärtner- Zeitung", das Organ der Deutschen Gärtner- Vereinigung, stellte»nit ihrer Nr. 2S des 15. Jahrganges das Erscheinen ein. Ursache dazu ist ein recht erfteulicher Umstand, die von uns mehrfach erwähnte Vereinigung der beiden bisher bestehenden Gärtnerorganisationen zu einen» Allge meinen Deutschen G ä r t u e r v e r d i u. Ten Mitgliedern dieses Vereins wird»»»»»- »nchr als Fachorgan die lvöchentlich einmal erscheinende„Allgemeine Deutsche Gärtnerzeitung" zugestellt.— Die.Gärtner-Zeitung" hat zur Einigung der gewerkschaftlich organisierten Gärtner Deutschlands ihr gut Teil beigetragen. Ihr erster Rcdakte»»» war P. Maetzke, der die„Deutsche Gärtnergehilfen- Zeitung", deren erste Nummer am 5. Januar 188S erschien, redigierte. Nach Gründung des CentralvcreinS, Juli 1889, erhielt sie den Namen „Gärtner-Zeitung". 1890 übernahm sodann Paul Ising die Nc- daktion, die er bis zu seinem Tode, am 29. Juli 1894, führte. Von» 26. Mai 1894 bis 31. Dezember erschien das Blatt unter dem Namen„KorrcspondenzblaU deS CentralvereiuS der Gärtner". Nach den» Tode Isings leitete Fr. Meyer die Redaktion bis zu»» Schluß des Jahres 1895. An, 1. Januar 1896 übernahm sie Hern». Holm, der sie am 1. Januar 1898 an August Müller, den späteren Majestätsbeleidiger in Magdeburg übergab, der jedoch schon an» 15. Februar desselben Jahres Hamburg verließ, um seine Stellung an der Magdeburger„Volksstunme" anzutrctcn. Vom 15. Februar 1898 bis 31. Dezenibcr 1902 leitete Franz Reitt die Redaltioi», und ain I. Januar 1903 übertrug der Ha»lptvorstand die Redaktion und Herausgabe der„Gärtuer-Zeltnng". die auf Beschluß der Generalversammlung von der Geschäftsführung getrennt wurde. auf I. H. Schwartz und Janzon. Bis März 1891 erschien sie im Verlage von E. Jensen u. Co. in Hamburg und seitdcin in eignem Verlage. Die jetzige Redaktion ist in der seltenen Lage, in ihrem Abschieds artikel das E i i» g e h e»» deS Blattes als einen Erfolg feiern zu können I Sie schreibt: „Im Kampfe ist die„Gärtner-Zcitung" geboren, de>n Ka?i»pfe war sie gewidmet und als Siegerin in einem Ideen kämpfe stellt sie ihr Erscheinen ein. Die großen wirtschaftlichen Känipfe. von denen wohl auch»mser Beruf nicht verschont bleiben»oird, wird sie� nicht �in ehr führen und leiten dürfen, aber das wird feststehen, daß das Samenkorn, das sie gesäet, sowie es jetzt keimt, auch der- einst Früchte bringen»vird, herrliche Früchte, die aus der Erkenntnis der Pflichten ernster, wolle», der und handelnder Männer hervor- gehen iverden." Die Aussperrung der Schilridcrgchilfei» in Jena erfolgt in dieser Woche. Bei einem Teil ist die Kündigung bereits abgelaufen. Von bcii_ 33 Ausgesperrten sind 24 verheiratet. Eine öffentliche Schneider- versainnilung, an der auch Ausgesperrte aus Weimar teilnahmen, hielt an der bisherigen vierzehntägigen Kündigungsfrist, die durch den neuen Arbeitgeberverband be»eitigt werden soll, fest. Der Geiverbevercin hat sich»nit dem Verband der Schneider solidarisch erklärt. Merklvürdigcrweise haben Mitglieder beider Organisationen den Vertrag unterschrieben und arbeiten weiter. Wollen sich diese »sicht in einen Gegensatz zu ihrer Organisation bringen, so müssen sie nach Ablauf des Kündignngsterinins ihrer Kollegen die Arbeit einstelle»». kZuslanck. Der Handlungsgehilfen-Streik in Prag ist durch eine Vereinbarung beendet. Die Streikenden erklärten, nicht mehr in das Tewelessche Geschäft zurückkehren zu»vollen. Trotzdem zahlt ihnen Herr Teweles Gehalt bis zum 15. Januar also für drei Wochen »nehr, als sie gearbeitet haben, da sie am 22. Dezember in den Streik traten. De»,»nehr als sechs Monate bei ihin beschäftigt gewesenen Gehilfen zahlt er das Neujahrsgeld. Er verpflichtete sich auch, was für Handlungsgehilfen sehr»vichtig ist, nur die der Wahrheit ent sprechenden guten A»lskünste über sie zu erteilen. Für die künftigen Angestellten TelvcleS' wurde die vollständige Sonntagsruhe und das Zugeständnis, daß er ihnen kerne Schwierigkeiten »vegen der Zugehörigkeit zur Organisation macht und diele an- erkennt. Die SchiffSnrdeiter in Barcelona find in einen Ausstand getreten. Die Zahl der Ausständigen beträgt annähernd 4000. Die AuS- ständigen haben an die Arbeiter an Bord der in andern spanischen Häfen vor Anker liegenden Schiffe Telegramme abgesandt mit der Aufforderung, sich ihnen anzuschließen und in den Ausstand zu treten._ Gmchtö-Zeitung. Wie ehrenhafte Arbeiter wegen Erpressung angeklagt werden Wieder einmal hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Erpressung erhöbe»» gegen sechs Arbeiter, die nichts Ul»ehrei»haftes gcthan hatten. Die Veranlassung zur Anklage bot lediglich der Umstand, daß die Betreffenden geäußert haben sollen, sie würden mit einem bestimmten Nichtorganisierten nicht zusammenarbeiten. Tic Anklage erwies sich jedoch in allen Punkten so unzureichend be- gründet, daß in der Verhandlung, die am Sonnabei»d vor der ersten Strafkammer des Landgerichts II stattfand, der Staatsanwalt selbst die Freisprechung sämtlicher Angeklagten beantragte, auf die das Gericht denn auch erkannte. Es handelte sich uin folgendes: Angeklagt»varcn die Bauarbeiter Sack, Gnosa, Smuda, West- phal, Mars und Dochoio. Sie arbeiteten im Februar v. I. auf dem Neubau des Magerviehhofes in Fricdrichsfclde und sollen von den» unorganisierte»» Bauarbeiter Krüger, der gleichfalls dort beschäftigt war, verlangt haben, daß er einer der hier bestehenden Bauarbeiter Organisationen beitrete,»ind dem Polier sollen sie in Aussicht gestellt haben, daß sie selber die Arbeit niederlegen würden, tvenn Krüger, der voi» der Organisation»»ichts wissen lvolltc, nicht entlassen würde. Zwei der Angeklagten sollen außerdem dem Krüger mir Schlägen bedroht habe»» für de»» Fall, daß er sich Nxigcre, der Organisation beizutreten. Dieser Teil der Anklage wurde durch den Hauptzeugen Krüger selbst»oiderlcgt. Er ist nicht tragen seines Fernbleiben» vo»» der Orgmrisatioi»»nit Schlägen bedroht worden, sondern nachdem er, wie schon öfter, seine Mitarbeiter beim Polier verklatscht hatte, sagte ih>n einer der Arbeiter:„Wenn Du bei jeder Kleinigkeit zum Polier läufst, wärst Tu loert, daß Du eins»nit der Wasser- latte kriegtest". Diese Acuße»ul»g hatte also»nit der Organisations frage nichts zu thun, und doch diente sie der Staatsanwaltschaft zur Begründung der Anklage. Richtig ist zwar, daß die Angeklagte»» »nit Krüger nicht zusaminen arbeiten»rollten, sie gaben dafür aber andre Gründe an,»»sie die Anklage ihnen unterstcllt. Bekanntlich ist es. ivenn eine Erpressung koi»struicrt werden soll, erforderlich, daß der Angeklagte sich oder einem andren eine»» rechtswidrigen Vermögcnsvorteil verschaffe»» will. Das ist im vor- liegenden Falle iiach der zur Praris gctvordencn juristischen Ans legungsknnsr der für die Organisation zu erwartende Beitrag. Der „rechtswidrige Bermögensoorteil" m»iß aber erlangt»verde»» durch Trohui»g mit einen» Ucbel. Das Uebel soll nun für Krüger darin bestanden haben, daß ihm die Entlassung in Aussicht gestellt wurde, während der Arbeitgeber angeblich mit dem Ucbel eines Streiks zu rechnen hatte. In dieser Hinsicht versagte aber die Anklage voll- ständig, denn cS wurde festgestellt, daß Krüger gar nicht ci»t- lassei»»vor den ist. Er sollte vielinehr an einer andren Stelle des umfangreichen Baues beschäftigt werden, und zivar so, daß er jeder etivaigcn„Belästigung" seitens seiner Mitarbeiter überhoben war. Krüger hat dann aber freiwillig die Arbeit aufgegeben. Unter diese»» Umständen konnte selbst der Staatsanwalt die Anklage nicht halte»». Er beantragte die Freisprechung der Lütge- klagten. Der Verteidiger, Dr. Karl L i c b I»» c ch t, stellte den Iveircrgehendei» Antrag, daß auch die Koste»» der Verteidigung der Staatskasse auferlegt ivürdci», weil die Anklage auf einer falschen Auffassung des Erpressungsparagraphen beruhe, und Iveil sie bei einigermaßen gründlicher Untersuchung des Thalbestandes gar nicht hätte gestellt»verde»» können.— Das Gericht erkannte auf Frei- s p r e ch u n g. weil eine Erpressimg nicht vorliege, da das angedrohte Ucbel nicht eingetreten sei. Ten Ai»trag des Verteidigers lehnte das Gericht ab, weil cS ja die Absicht der Angeklagten gewesen sei, die Ei»tlassu>»g Krügers herbeizuführen. „Versuchte Nötigung." Bor der ersten Strafkammer des Landgerichts Berlin II hatte sich der Arbeiter Rogge aus Veite»» zu vcrantivortcn. Er soll sich einer Nötigung im Sinne des 8 240 Str.-G.-B. schuldig gemacht haben, indem er den Arbeiter Wemert. der während des Streiks, der sich bekanntlich nicht nur auf die Töpfer, sondern auch auf sämtliche Hilfsarbeiter der Ofcnfabrikcn erstreckte, als Kutscher in einer Ofensabrik thätig war, zur Teilnahine am Streik zu vercmkasse»» suchte. Rogge soll zu Weinert gesagt haben, wenn er die Pfcdc nicht im Stall stehen lasse, würde ihm eine 5llamoite an den Kopf geworfen werden, und bei einer andren Angelcgcl»heit soll Rogge dem Weinert für den Fall, daß er »rciter arbeite, eine Tracht Prügel in Aussicht gestellt haben. Die Anklage stützte sich in» wesentlichen auf die verworrcncn und un- bestimmtei» Aussage»» Weinerts. Ai»dce Zeugen wußten von der Drohung mit der Klamotte überhaupt nichts, und nur ein Zeuge außer Weinert hatte etivas von einer„Tracht", die der Arbeits- willige bckomnre»» köni»c, gehört. Weinert hat sich auch durch die angeblichen Drohungen»»icht veranlaßt gesehen, dem Streik bcizu- treten, er hat vielmehr nach Rücksprache mit seinem Arbeitgeber anstatt der Beschäftigung mit den Pferden eine andre Arbeit ver- richtet,»ind der Arbeitgeber hat den Vorfall zur Anzeige gebracht. Trotz der ziemlich unbestimmten Zeugenaussagen wollte der Staats- 1 anlvakt den Angeklagten wegen Nötigung und öffentlicher Beleidigung »»»it sechs Wochen Gcfängis bestraft wissen. Der Verteidiger. Dr. Karl Liebknecht, führte demgegenüber aus: Selbst wem» man trotz der unzrircichenden Bekundungen der Zeugen eine strafbare Handlung als vorliegend erachten wolle, so könne doch höchstens der V e r s u ch einer Nötigung begangei» sein, denn der durch die angeblichen Drohungen beabsichtigte Erfolg: die Arbeitsniederlegung Weinerts, sei nicht eingetreten. Von einer Beleidigung könne überhaupt keine Rede sein. Hierin folgte das Gericht den Darlegungen des Ver- tcidigers. Es erkannte, daß sich der Angeklagte des Versuchs der Nötigung schuldig geinacht, eine Beleidigung aber nicht begangen habe. Die Strafe wurde, dein Antrage des Smatsamvalts entsprechend, auf sechs Wochen Gefängnis festgesetzt. Der sj 240 läßt zloar Geldstrafe zu, und in einem Falle, der so harmlos ivar wie dieser, wäre eine»nilde Strafe am Platz ge- wesen. Aber das ist in der Rechtsprechung scho», so emgebürgcrt: Wenn jemand mit vielleicht drasttscheu, aber keineswegs böse gemeinten Worten auf einen Arbeits»villigen cmzuwirkcn sucht, so muß er unter allen Umständen ins Gefängnis. Ter Logenbruder. Größeres Jirteresse für Freimaurer-Kreise erregte eine Anklage Ivcgcn Unterschlagung, die gestern vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I gegen de»» Schriftsteller Hans Spatzicr verhandelt wurde. Der Angeklagtc war Meister vom Stuhl der nicht anerkannten Logen„Großloge Socrates" und der fünf Töchterlogcn„Treue Hand"(Goethe zum aufsteigenden Licht),„Victoria-Loge"(Spinoza),„Lcssing"- und Bismarck-Logc". Ter Angeklagte hatte in den Kreisen dieser Logen eine sehr einflnß- reiche Stellung, und in seiner Hand flössen die Gelder crncr Reihe von Logen zusamme»». Seine Arbeitskraft und seine Aufwendungen für Repräsentation waren so groß, daß ihin alljährlich zu Weihnächte»» eine freiwillige Spende von über 1000 M überbracht wurde. In einem gegebenen Moment wurde sein Antrag, sich einer anerkannten Loge aiizuschließen, angenommen und die Mitglieder sind nach der „Galiläi-Loge" übergeführt wordei». Aus dieser Ueberführung er- gab sich die Notwendigkeit, eine ganze Reihe vermögensrechtlicher Fragen zu regeln und es fanden höchst verwickelte Abrechnungei», finanzielle Transaktionen usw. statt, über die der Angeklagte die nötigen Daten in ein Kassabuch eintrug. Als dann infolge be- scrndcrcr Vorkommnisse der Angeklagte seinen Austritt anmeldete, wurde eine RevisioirSkommission mit dem Auftrage niedergesetzt, die Buch- und Kassenführung des Angeklagten zu prüfen. Der gericht- liche Bücherrevisor Doerck stelltcd abci auf Grund einer Prüfung der Bücher, die eine gcregltc Buchführung nicht darstellten, und der Angaben der Mitglieder der Revisionskoinmission einen Fehlbetrag von über 5000 M. fest. Die Revissioirskourmission hat nach verschiedenen Richhingen hin Unregelmäßigkeiten nachweisen zu könne»» gemeint und daraufhin»st dann der Strasantrag gestellt und die Anklage erhoben ivordei». Ter Angeklagte hat von Anfang an jede Untreue auf seiner Seit« abgelehnt. Er gab nur zu. daß ein Fehl- bettag von etwa 3300 Di. vorhanden sei und erklärte ihn dahin, daß er diese Summe für Repräsel»tationskostcn, die»hm in den letzten zwei Jahren nicht gezahlt worden seien,»nit Fug und Recht zurück- behalten habe. Alle übrigen, von der Revisionskommission gezogene» Dionita erkannte er nicht als berechtigt an, da sie teiltr>cise gcnizlich in der Luft schwebten, teilweise vern ihm als auf uirrichtigen Voraus- setzungen beruhend, schon aufgeklärt seien. Ans der umfangreichen Beweisaufnahme nahm der Staatsanwalt die Uebcrzcugung von der Schuld des Angeklagten. Mit Rücksicht auf den nach seiner Meinung vorliegenden außerodentlich großen Vcrtrauci»sbr»ich beantragte er 3 Jahre Gefängnis, 2000 Geldstrafe cvcnt. noch 400 Tage Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust.— Der Gerichtshof würdigte die Ergebnisse der Belvcisausnahme ganz anders. Auf Grund des Zeugmffes verschiedener Logenbrüder nahm der Gerichtshof an. daß der Angeklagte bezüglich der 3300 M. persönlich wohl des guten Glaubens sein konnte, daß er zur Zurückbehaltung dieser Summe zur Deckung seiner Rcpräsentcttions-Auslagen berechttgt sei. In diesem Falle verneinte also der Gerichtshof, daß eine dolose Hand- lungsweise deS Angeklagten vorliege. Bezüglich der andren Punkt« der Anklage hielt der Gerichtshof die Sachlage keineswegs zu Un- gunsten des Angeklagten für aufgeklärt und erwog, daß die Mlonita sich auf eine regelrechte Buchführung stützte»», die der Bücherrevisor Doerck als eine regelrechte nicht anerkennen kcmnte. Es erfolgte des- halb die kostenlose Freisprechung des Angeklagten. Versammlungen. Die Relief-, Buntdruck- und Golddruck-Graveure ncchmen 2. Januar im Gewcrkschaftshause in einer gut besuchten VcrsamnrlunA Stellui»g zu den Bestrebungen und Maßregeln der vor kurzem ver- eii»igtcn Prinzipale, die fett Mitte November v. I. bewilligte tägliche Zsrüirdige Arbeitszeit wieder bis auf 9 Stunde» auszudehnen. In einem iurzcn einleitende»» Referat krittsierte Brückner an der Hai»d eines mit ca. 50 Unterschriften der Prinzipale versehenen Cirkulars das Gebahrcn und die Handlungsiveife derselben. Nicht weil die- selbe»» bei der jetzigen kürzere»» Arbettszcit nicht bestehen könne»», sondern weil mif Betreiben einiger kleiner Scharfmacher die Arbetts- zeit nicht eingeführt werden soll, haben sich die Prinzipale verleite»» lasse»», diesen Schritt zu unternehmen und eil»e Machtprobe zu forder»». Brückner fordert auf. das Ansinnen der Prinzipale entschieden» zurückz»ltveiscl» und am Montag, dm 4. Januar, die Arbeit in den bettessendei» Werkstätten niederzulegei». In der Diskussion wurden die Vcrbältnisse der einzelnen Wertstätten klargelegt und ausgeführt. daß verschiedene Prinzipale an ihre Leute das Ansinnen stellten, 9 Stunden täglich zu arbeitm, die Zeit über 8 Stunde»» aber als U e b e r st u n d e»» gelten zu lasse»». Von verschiedenen Setten wurde m» geregt, den Prinzipalen verschärfte Forderungen zu unter- breiten. Die weitere Diskusswn verdichtete sich zu folgender von Brückner gestellten Resolution:„Die heute a>ii 2. Januar tagende Vcrsammlinig der Relief-, Buntdruck- und Eolddrnckgraverire hat davon Kenntnis genominm, daß die vereinigten Prinzipale genannter Branchen die Absicht haben, die erst vor tvcuigcn Wochen festgelegte Arbeitszeit von 8 Stunden bis auf 9 Stunden wieder zu erhöhen. Tie versammelten Kollegen verpflichten sich, dieses Ansinnen der Prinzipale zurückzuweisen u»»d legen dort die Arbeit»»icder, wo der Prinzipal die 8stündige Arbeitszeit nicht anerkenirei» will." Diese Resolution wurde einstimmig angenommen.— Nachdem wurde eine dreigliedrige Stteikkommission gewählt und als Ort der Strcikkonirolle das Gewerkschafthaus bejttmmt. Hierauf erfolgte Schluß der Ver- iammlung. Letzte]Sacbnchtcn und Dcpelchcn. Unsre Sonnenpliibe. Berlin, 4. Januar.(W. T. B.) Nach einer telcgraphischei» Meldung des kaiserlichen Gouverneurs von Deuffch-Neug»linea ist die Handelsstation in Peterhafen auf den Französischen Inseln, die der Insel Neupommer»»»»ördlich vorgelagert sind, von dm Eingeborene,» überfallen worden, lvobei der Händler Reinhardt und der Maschinist Doe ll ihr Lebe», eingebüßt haben. Die Eingeborenen sind durch eine Expedition der Polizeittuppe, die in- zwischen nach Herbertshöhe zurückgekehrt ist, besttaft worden. London, 4. Jannar.(W. T. B.) Premierminister Balfour hatte heute eine längere Besprechung mit dem Minister des Aenßern Lord LanSdowne in» Auswärtigen Amte. Es heißt, es habe sich um die o st asiatischen Angelegenheiten gehandelt. Auch wurde eine Versammlung von dem Komitee fiir die Landes- Verteidigung abgehalten. Palermo, 4. Januar. oie Er- krankung des N. keine Auszeichnungen gemacht. Ein Prof. Sch., der dann noch gehört wurde, stellte eine sehr beschleunigte Herzthütigkeit fest. Die Zahl der Pulsschläge steigerte sich in der Minute bis 120. Es wäre möglich, daß die Erkrankung auf den Unfall zurückzuführen wäre; die Erwerbsbeeinträchtigung könne man auf lOProz. schätzen. Anders beurteilte Dr. Berger in Ruhrort den Fall, der eine Reihe schwerer nervöser Symptome feststellt, die Erkrankung auf den Unfall mit Bestimmtheit zurückführte und den Patienten zur Zeit für vollständig erwerbs- unfähig erachtete. Ein später von der Bonner Klinik eingefordertes Gutachten, das von Prof. Schulz erstattet lourde, kam auch nur zur Schätzung von 10 Proz., hielt aber auch nur den Znsammenhang des Leidens mit dem Unfall für m ö g l i ch. Ausdrücklich wird bemerkt, daß objektive Zeichen einer organischen Erkrankung des Centraluervensystems, die für die angegebenen Beschwerden ver- antwortlich gemacht werden könnten, nicht vorhanden sind. DaS Schiedsgericht lehnte unter Außerachtlassung des Gutachtens deS Dr. Berger am 27. Juli 1902 den Anspruch des Verletzten ab, da die Aerzte nur die Möglichkeit eines ursächlichen Zusammen- Hanges des Leidens mit dem Unfall dargethan haben, zur Be- grimduiig des Anspruchs aber ein höherer Grad der Wahrscheinlich- keit gehöre. Der Verletzte erhob Rekurs beim Reichs-Versicherungsamt und dieses holte nochmals ein Gutachten von der Bonner Universitäts- Klinik ein. Privatdocent Dr. Graff kam nach längerer eingehender Beobachtung auch zu keinem sicheren Schluß. Er sprach die Ver- mutung aus, daß der Verletzte bei dem Schlag auf den Kopf einen Schädelbruch erlitten hat, der äußerlich nicht wahrnehmbar ist. Möglich, daß die Bruchstelle nach innen liegt und hier ständig auf das Gehirn drückt, wodurch die Beschwerde des Patienten erklärlich würde. Durch Röntgen-Aufnahmen gelang die Feststellung dieser Annahme nicht, der Gutachter schlug deshalb dem Verletzten vor, er möge eine Operation vornehmen lassen, die den Nachweis obiger Annahme bringen könnte und auch den: Patienten Heilung in Aus- ficht stellte. Es müsse zu dem Zwecke ein Teil der Schädeldecke ge- öffnet werden, eine Operation, die heute keine Gefahr mit sich bringe. Der Verletzte schwankte in seinem Entschluß, als aber dann am 19. Juni in der Verhandlung vor den: Reichs-Versicherungsamt ihm klar wurde, daß wohl sein Anspruch abgelehnt würde, wenn er nicht dem Dr. Graff die unzweifelhaften Nachweise fiir seine Leiden durch operativen Eingriff führen ließ, drängte er alle Befürchtungen zurück und entschloß sich, diese Operation vornehmen zu lassen. Ueber den Ausgang der Operation lassen wir den Gutachter selbst sprechen: „N. ließ sich am 29. September 1903 zur Operation in die hiesige Klinik aufnehmen und es tvurde einige Tage später von dem Herrn Professor Dr. Bier die Oeffnung der Schädelhöhls mittels eines elektrischen Trepans in der Ausdehnung von Hand« flächengröße an dem Ort der angeblichen Schmerzen vorgenommen. Nach Aufklappen des Knochenlappens zeigte sich an der Innen- scite des Knochens keinerlei Veränderungen, die für einen vorhandenen Schädelbruch sprechen könnten. Nur die harte Hirnhaut loar an dieser Stelle etwas gelblicher gefärbt und vielleicht auch etwas ver- dickt, indes nicht in so hohem Matze, daß sich ein sicherer ©djtefc auf 8fe Herkunft zfehen lieft. Die Spannung der Hirnhaut war jedenfalls eine ziemlich starke, und erst nach Spaltung derselbe» durch einen Krcuzschnitt fing das Gehirn an wieder normal und ausgiebig zu pulsieren. Der Knochen- läppen wurde darauf zuriickgcklappt und die Wunde vernäht. Der Heilverlaus war ein vollkommen ungestörter und konnte N. schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder das Bett verlassen.... Die Operation hat uns also in der Beurteilung des Zustandcs nicht die gewünschte Aufklärung gegeben, insofern als sich keine beweisenden Veränderungen ergeben haben. Trotzdem möchte ich jetzt mit größerer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die Verletzung doch die Ursache der Kopfschmerzen, des Schwindels und des ganzen Zu- standes war. Man könnte die geringe Veränderung an der Hmr haut au der Verlctzungsstelle als Narbenschrumpfung auffassen und es wäre damit alles erklärt. Ich kann daher nur sagen, daß ich zwar den Beweis, daß der ganze Zustand die Folge der Verletzung gewesen ist. nicht erbringen kann, aber nach meiner persönlichen Anschauung dies doch wahrscheinlich ist."— Der Gutachter schätzt dann die Erwerbsbeeinträchtiguitg auf 76 Proz. Dein hat sich dann das Reichs-Versicherungsamt an- geschlossen und dem Verletzten eine Rente in dieser Höhe zugesprochen. Ein wichtiger Grund. Für Werkmeister und ähnliche Angestellte ftt leitender Stellung, zum Beispiel auch für Direktricen, gilt außer den Entlassungsgrülrden des§ 123 der Gewerbeordnung noch ein «wichtiger Grund" im Sinne des§ 133b. Die Putzdircktrice O. war ün Verlaufe eines Streites mit ihrer Arbeitgcbcrin D. entlassen worden, weil sie in Gegenwart der Ar- beiterinnen die Anständigkeit der Arbeitgcbcrin in Zivcifcl gezogen hatte, weil diese, Ivie Frau O. von ihr erfahren hatte, die Stacht vorher ihren Bräutigam in ihrer Wohnung hatte schlafen lassen. Der Haupttcil der Acußerung der Klägerin lautete:„Wie anständig Sie sind, beweist ja die letzte Nacht". Frau O. verklagte Fräulein D. beim Gewerbcgericht wegen der Entlassung und beansvruchte eine Eni- schädigung von 120 ML Die Kammer 2 des Gerichts, unter dem Vorsitz des Herrn Direktor von Schulz, wies die Klägerin ab und führte aus: Wäre die Klägerin nur Arbeiterin gewesen, dann hätte die Beklagte verurteilt werden müssen, denn eine grobe Beleidigung im Sinne des§ 123 der Gewerbeordnung sieht das Gericht nicht in der Aeußcrung der Klägerin. Das Gericht verkennt nicht, daß die Beklagte durch ihr eignes Verhalten(die Beherbergung des Bräutigams) die Acußerung der Klägerin gewissermaßen mit vcran- laßt hat. Hier komme indessen§ 133b der Gelocrbe-Ordnung in Betracht, und danach könnten Direktricen gleich den Werkmeistern usw. vor Ablauf der vertragsmäßigen Zeit die Arbeit aufgeben und e n t- lassen werden, wenn„ein wichtiger, nach den Umständen des Falles die Aufhebung des Vcrtragsvcrhälttnsscs rechtfertigender Grund" vorliege. Klägerin sei mm Direktrice. Als solche habe sie aber die Pflicht, die Autorität der Arbeitgeberin den Arbeiterinnen gegen- über zu wahren. Das habe sie nicht gcthan, sondern habe im Gegen- teil durch unvorsichtige Redewendungen, die sie in Gegenwart der Arbeiterinnen gebrauchte, das Ansehen der Beklagten den Arbeite rinnen gegenüber stark herabgesetzt. Das sei hier ein„wichtiger Grund" im Sinne des§ 133b. der nach den Umständen des Falles die Entlassung rechtferttgte. Die Direktrice habe nach jeder Richtung hin das Wohl und Wehe der Arbeitgeberin zu vertreten. Die niederländische„Socialdemokratische Lehrervcreinigung", die eine besondere Organisation der socialdemokrattsch gesinnten Mitglieder des„Verbandes der niederländischen Lehrer" bildet, hielt am 23. Dezember zu Dortrccht ihren 14. allgemeinen Kongreß ab. In seiner Eröffnugsrcde wies der Vorsitzende C. Bijkerk auf die Ver- folgungen hin, denen die soeialdemokratischcn Volksschullehrer im verflossenen Jahr, namentlich anläßlich der Generalstrcikbewegung, ausgesetzt waren. Der Redner führte ferner aus, daß die Grund- sätze der Socialdcmokratischcn Lehrcrvcrcinigung immer mehr Einfluß innerhalb des Lehrer- Verbandes gewinnen. In der Abteilung Amsterdam des Verbandes wurden bei der letzten Vorstandswahl von 7 Kandidaten der Vereinigung 6 gewählt und der siebente nur des- halb nicht, weil sein Gegenkandidat eine Dame war.— Dem Jahresbericht, den der Sekretär Ccton gab, ist zu entnehmen, daß die Socialdemokratische Lchrcrvereinigung jetzt 155 Mitglieder hat, davon /, Ilhr, in Nieder- Schönhausen(Nordende) statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet " Der Vorstand. Am 1. Januar verstarb plötzlich unser guicr Bruder und Schwager, der Schneider friedricii Hildebrandt im 31. Lebensjahre. 3/1 Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle des Kranken- Hauses am Friedrichshaiu aus nach dem Bcgräbnisplatze der Auscritchungsgcmeinde in Weißen- scc statt. Ilm zahlreiche Beteiligung bitten Die trauernden Hlnterdlledenen. Verband der Sebnelder öbiI Scbnelderinnen DeutsehMs, (Filiale Berlin.) Todes-Anzeige. Am NeujahrStage starb nach längerem Leiden unser Mitglied Eriedrieh Hiidebrandl (Fcilncrsw. 11) im 31. Lebens- jähre. Ehre seinem Andcuken! Die Beerdigung erjolgt heute DicnStagnachmittag um 2 Uhr vom Krankenhaus Fricdrichsham nach dem Friedhos der'Aus- crstehungs-Gcmeindc in Weißensee (Swaßc von Wilhelnisberg nach Weißensce). Die Drtsverwallung. Für die Beteiligung bei der Be- crdigung meines Mannes Ciustav Venendorf sage ich hierdurch meinen herzlichen Dank. 794b Vkitws Neuendorf und Kinder. Stempel- Fabrik von[39022* Robert Hecht, Berlin S., Lranienftr. 142. liefert schnell und billig alle Arten «tempel in bester 'Ausführung. 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Ueber'n groffen Teich. Carl ilSeis«. Die Kreitzelschreiber. 'Metropol. Durchlaucht Radieschen. pCasino. Weihnachtsglockcn. Der -- vertauschte Sohn. Apollo. Frühlingslust. Viston nach dem Balle,«pecialitätcn. Winter- Garten. Otüro. Otto Reutter. Speciallläten. Passage- Theater. Enthauptung. Specialitäten. Anfang 5 Uhr. Gebr. Herrnfeld. Papa Noa. Rcichshallrn. Stettincr Sänger. Urania. Tanbensirahe 4*1/49. Der Erdball als Träger des Lebens. Um 4 Ubr im Theater: An den Seen Oberitaliens. Jnbalidenstraffe S7/K3. Stern. warte. Täglich geöffnet von 7 bis ll Uhr.__ Central-Theater. Heute 7>/zUhr: Drittlepte Aufführung: Ter Rastelbinder. Operette in 3 Akten v. Franz Lebär. Mittwoch- it. Sonnabcndnachm. 4 Ubr: 5tindervorstellung, halbe Preise, jeder Erwachsene ein Kind frei. Jedes ftütd erhält ein Geschenk. Ter gestiefelte Kater. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Zum 75. Male: Salome. Borher: I-oglk den Herzens. Ansang 7'/. Uhr. Mittwoch: Hpr»trom._ Luisen-Theater. Abend? 8 Uhr: Berliner Kinder. Mittwöth: Reij-Reisliugen. Donnerstag: Berliner Kinder. Freitag zum erstenmal: Der Vcilchensresser Sonnabend: Der Veilchensresser. Sonntaanachmittag ii Uhr: Alpen- könig und Menschenfeind. Abends 8 Uhr: Der Veilchensreffsr. Montag: Berliner Kinder._ ROknMriltkk Direktton S. Lautenburg. Heute und folgende Tage: Ii. Ansang 7,/j Uhr. Apolto-Theater. 8 I hr: Frühlingsluft. 95/. Ihr- Vision nach dem Ball. lO Ihr: Das neue lanuar- Programm, Kasseneröffnung 7 CTir. Anfang 8 Uhr. Cebrßder Kerrttfeld Anfang Thoofor SonnlagS L Uhr. I llvdlvl,? Uhr. Xur n»eh veoise T'»ee die erfolgreiche Hcrr-.ffeld-Poffe ?sps Ms mit den'Autoren in den Haupttollen. L-rn-r- Um KBistler-Prograiii. Hanny Luxa. Ferry u. Perry. Longonells, Bendix. In Vorbereitung; „Nur eine Nacht". 2 Akte aus einer Ehe von Anton und Donat Herrnfcld. P) iüetvorverkauf täglich 11-2 Uhr. Schiller-Theater. Schiller-Theater O. (Wallner-Ttzeater). Dienstagabend 8 Uhr: VaNantascna. Drama in 5 Akten nach einer Dichtung des Kölligs Iudraka. Frei bearbeitet von Emil Pohl. Mittwochabend 8 Uhr: Kollekte Crampton. Donnerstagabend 8 Uhr: __ Per Coaipagiion. Urania. Taubenstrasse 48/49. Um 4 Uhr: An den Seen Ober-Italiens. Um 8 Uhr: Oer Erdball als Träger des Lebens. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. CASTANS IPANOPTICUM Friedrichstr. 165. Ein Naturv/undor: Die S KerkulesbrMer s 10 u. 11 Jahre alt. Athleten, Sänger, Balalaika-Virtuosen! Indianer-Riese S0 Die wunderbare Illusion: | Der Weihnachtstraum d. Matrosen in den Tropen. Schlllor-Theater ST. (Fricdrich-Wilhelmslädtisches Theater). Dienstagabend 8 Uhr: I-Ichclcl. Schauspiel in 3 Alten vonA. Schnitzler. Hieraus: I-ittci-atai». Lustspiel in 1 Att v. Arthur Schnitzte. Mittwochabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. Donnerstagabend 8 Uhr: Kollege Crampton. Heute Dienstag, den 5. Januar er., abends?>/. Uhr: Erstes Debüt des Universal-Clowns �Toiis. Gontard mit dressierten Tieren. Vom Neuen das Neueste. Immer d. Neueste, Immer d. Original. /\LT- CH'Nft Kttiist-jlusstellung LapiißER1 s-ftAsaeta Tagüch geöffnet 10-8. Entrcc 1 M., Sonntag 50 Pf. Metropol-Theater MM! Burleske Ansstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Leone gesetzt vom Direktor Bichard Schultz. Im 4. Bilde: Gi'Omhcs ICallett Wie damals im Monat Mai. Anfang 8 Uhr. Hänchen überall gestattet. Sonnabend, den 9. Januar 1904: Erster grosser Bfetropol-Theater-Ball. Passage-Thsater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anlang der Abendvorstellung 8 Uhr. Cntl)auptuDg einer lebenden Dame! Willy Prager mit seinem Schlager; Die kleine Garnison. 14 neue erstklassige Nummern. Belie-älliauce-Theater. Dir.: Kren u. Schönseid(Thalia-Theat.) Heute und täglich l'l, Uhr: Der reichste Kerliner. Grosse AuSstattungS-Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten. ThaliasTheater. Täglich abends VI, Uhr: Der Hochtourist. Guido Thielscher spielt die Titelrolle. Casino-I'keate!'. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. VI,- Vene Debüts. Nesemann Felicitas-Truppe. Alice Malten. Mr. Morino. Dazu nur noch einige Tage: Mitinaclifcghiülieg. VertaDSEhte Sohn Sonntagnachm. 4 Uhr: Oiebesfalle. Weihnachtsglocken._ Etablifftment öttMuhagkn Moritzplatz. Im Äaffersaal: Rudolf Schnauss' Künstler- Ensemble ,, Vordsterne". Nach der Vorstellung: Tanz. Donnerstag, 7. Jan.: Vockhier-Anslich. , Kaffencröffnung 7 Uhr, Anfang ll,6 Uhr. Jli den unleren Sälen um 8 Uhr: » Ml Ii tür- Konzort,■ Creatcur Mr. Ancillotti. 25 Löwen 25 des Herrn Julius Seeth. Zum 34. Male: Die grosse üluSstattungS> Pantomime Baliel. Eine Wanderung durch acht Jahr- taufende in 11 Abteilungen. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Elektra, Anfang 8 Uhr. Morgen: Vachtasyl. Trianon-Thealer. Georgenstrasse, zwischen Friedrich- und UiiivcrsttätSstrasse. kisvette. Anfang 8 Uhr. In Borbereitung: Madame X. FröbePAilerlei-Tlieater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Erübel. Mittwoch, den 6. Januar: Gastspiel des lgl. Hofschauspielers Emil Richard mit seinem erstklassigen Schau- spicl-Ensemble. Zlnfang 8 Uhr. Eintritt 49 Pf. Paiasl-Theater Burgstrahe 2Ä, früher Feen-Palast. Heute und folgende Tage: 3 Uhr: 8 Uhr: Bsplin. wie es weint unil lacht. Volksftück mit Gesang in 9 Bildern von Kaiisch. Musik von Conrad!. Freitag, den 8. Januar, ab. 3 Uhr: Elite» Vorstellnng. Medea•><«"-: Das goldene Vliess. Trauerspiel in 5 Akten v. Grillparzer. In Vorbereitung: Die Dünber. Wilhelm Teil. Zwischen zwei Herzen. Der Verschwender. I Direktion t Roberl Dill. Brunncnstrasse 16. Die Seie Des Lelm Ansang 8 Uhr. Entt-e 80 Pf. Mittwoch: Klein Geld. Donnerstag: Elite- Vorstellung: Das bemooste Haupt._ Carl Weiss-Theater. Grosse Frankfurter Strasse I8S. Gastspiel deS Oberbahrischen Baucrn-TheaterS. Tie Äreuzelschreiber. Volksstück mit Gesang und Tanz in 5 Mten von L. Anzengruber. Mittwochnachmittag 4 Uhr: Die RSuber. Abends: Bruder Martin. Haussonci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Heute Dienstag: t!n ehrlicher Makler. Volksstück mit Gesang in 4 Akten. Jeden Donnerstag, Sonntag und Montag: HolTmanns Kordd. Sänger und Tanzkrttnzchen. Jede» Dienstag: Theater-Abend. Nhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Größere und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � �rbeiter-güdunyssehule Berlin. 1 Sonntag, den 17. Januar er., in Kellers fcftfälen, Koppenftr. 29: Dreizehntes Stiftungs-feft Prolog. Kammermusik. Recitationen. «t«t«t Gesang. � � � Professor Waldemar Meyer-Quartett. Nachher: TaUZ. Eröffnung 6 Uhr.« Beginn 7 Uhr, Blilets a 50 Pfg. inkl. Programm sind in den ZahlsteUen der Schule und der„Freien Volksbühne" zu haben. Cirkus Busch. sDienStag, den 5. Januar 1904, abends 70. Uhr: Aus den Alpen. Mr. Richard 8awado mit seiner berühmten Tiger-, Löwen- und Bären-Dressur. Herr Darhhardt- Foottit. Schulreitcr aus dem Lippizaner Hengst NoapolitanoSoja v. Neapolitano Trompeter a. d. Soja v. Pluto.<»obcrt Delling und Gebr. FratcIIIal. Keiclis h allen Stettiner Sänger. Neues Programm: Harry Rochez Hundedresseur. Wood u. Bates Amorik. Excentrics. Lorraino's Lebende Bilder. Die beiden Freydos Oymnastikcr. Cook u. Clinton Amerik. Kunstschützinnen. Meers u. Omo Drahtseilkünstler. Otto Reutter Humorist. 8alerno Meister-Jongleur. Annette Gillard Pariser Opemsäng. «Ile. Oltro S{EÄ in ihrer Pantom.„Opiumrausch". Thereses Komischer Hypnotiseur. „Karnevalsgeister" Wiener BaUett. Biograph. Kömgstadt-Kasino Holzmarktstr. 72, Ecke Alcxandersttasse. Täglich: Franz 8«ban«>>lrl. Mita Roseiii. X Geschwister Sanola. The Teklys usw. Ein praktisches Geschenk. Nach der Vorstellung: Mittwochs, Sonnabends u. Sonntags: Tanz. Bekanntmachung. Gtts-Krankeuktisse d. Kergolder«. Sernfsg. Die durch die neue Novelle zum Krankcnversichcrungs-Gesetziwtwendig gewordene Abänderung deS Statuts, sowie des Gebührcn-TarisS und der Perhaltungsmassregew, ist genehmigt und seit 1. Januar 1004 in Ärast getreten. Die Nachträge können Ende Januar im i'tasscnlokal, Engel-User 15, in Empfang genommen werden. HB. Wein, Eognac, Irrigatoren und Malzexttakt(rem und mit Eisen) werden im Kassenlokal abgegeben. 279/5 Der Vorstand. Fritz Nicolai. I. A h m a n n. Vorsitzender. Schristsührer. Orts- Krankenkasse der S t r u m p f in i r k e r. Vekannrmachnng. Die von der General-Versammlung am 5. November 1903 beschlossene Abänderung der HZ 2, lZ, 17, 19, 22, 24. 29, 53 und 63 a des Stawts sind vom BezirkS-AuSschuh genehmigt und treten vom 1. Januar 1904 in Kraft. Die XI V. Abänderung deS Statuts erhalte» die versicherungspflichtigen Mitglieder durch den Arbeitgeber, die sreizahlenden im Kassenlokal. In den Verhaltunasmassregeln für erkrankte Mitglieder ist Ziffer 5 durch die Gewerbe- Deputation dahin ab- geändert, daß Zuwiderhandlung für jeden einzelnen Fall bis zum drei- fachen Betrag des täglichen Kranken- geldes geahndet wird. 270/4 Der Borftand. ÖHs~Kranketiliasse für das BnehfeMhpoerfae zu Berlin. Den Kassenmitgliedem bringen nach§ 62 des Kassenstatnts liierdurch zur Kenntnis, dass die in der Generalversammlung der Kasse vom 1. November 1903 beschlossene ucante Ab&nderang de» Ka»»en»tatat8 die behördliche Genehmigung erhalten hat und mit dem 1. Januar 1904 in Kraft tritt. Statt der bisherigen Einteilung der Mitglieder in vier Klassen findet jetzt eine solche in fünf Klassen statt, deren Grundlage ein Wochenverdienst von 6 M., 12 M., 18 M., 24 JL und über 24 M. ist. Bio Knssenbeiträge sind für die erste Klasse 27 Pf., für die zweite Klasse 39 Pf., für die dritte Klasse 66 Pf., für die vierte Klasse 90 Pf., für die fünfte Klasse 1,05 M. Das Krankengeld beträgt für die erste Klasse pro Wochentag 0,50 M., für die zweite Klasse pro Wochentag 0,75 M., für die dritte Klasse pro Wochentag 1,25 M., für die vierte Klasse pro Wochentag l,7o M., für die fünfte Klasse pro Wochentag 2,00 M. und wird für 52 Wochen gewährt. Erkrankt indes ein Mitglied innerhalb der ersten 26 Wochen der Mitgliedschaft, so endet die hochstzulässige Krankenunterstützung mit Ablauf der 26. Woche. Das Krankengeld für die fünfte Klasse ß M. pro Wochentag) kann nur bei Erkrankungen nach dem 2. Januar d. J. von den Mitgliedern dieser Klasse bezogen werden. Das BegrttbniMKeld beträgt in der ersten Klasse 50 M., in der zweiton Klasse 52,50 M., in der dritten Klasse 87,50 M., in der vierten Klasse 122,50 M., in der fünften Klasse 140 M. Bei SterbcfäUen innerhalb der ersten 26 Wochen der Mitgliedschaft beträgt dasselbe: in der ersten Klasse 20 M., in der zweiten Klasse 30 M.,.in der dritten Klasse 50 M., in der vierton Klasse 70 M., in der fünften Klasse 80 M. WUchnerinnen-Vntei'HtUtziing: wird nicht mehr für vier, sondern für sechs Wochen von der Kasse gezahlt. Die Wahl der Vertreter der Kaseenir.itglieder zur Generalversammlung geschiebt nicht mehr klassenweise, sondern von allen Mitgliedern in einer(in ungeteilter) Wahlversammlung, zu der seiner Zeit Einladungen ergehen werden. 7ür die Herren Arbeitgeber ist eine weitere Aenderung von Wichtigkeit. Es muss bei Anmeldungen jetzt stets die Höhe des thatottchlicben Woctaeitvardlensiat angegeben werden und genügt es nicht mehr zu schreiben:„über 24 M." Bei berechnenden Kassenmitgliedem ist hierbei der im. gefähre Durchschnittsverdienst massgebend. Gleichzeitig bringen wir zur Kenntnis, dass auch die erste Abänderung der Vorschriften über die Krankcnmeldnng, das Verhalten der Krankon etc. die behördliche Genehmigung erhalten hat und mit dem 1. Januar 1904 in Kraft tritt. Berlin, 31. Dezember 1903. Der Torstand. J. Blenz, Vorsitzender. 270/3 Otto Wonitzki, Schriftführer. 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Verschiedenes. Rosentdster und Schönhauser Vorstadt: bei Wernnn, Gchivedterstr. 23/24. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstatt» Kontrollkommission. 2. Ver> bandS-Angclegcnheiten. 3. Werkstatt-Angclcgenhcitcn. 4. Verschiedenes. Gedding und Gesundbrunnen:«c?ä5Ä Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verbands- und Werk- statt-Angclegcnheiten. 3. Verschiedene». Moabit: Jockaclt, Xnrmftr. 84. Tagesordnung: 1. Bericht der Vertrauensmänner. 2. Verband» Angelegenheiten. 3. Verschiedene». Westen und Süd- Westen: Tagesordnung: 1. Bericht der Kontrollkommission. 2. Bericht der Bertrauensleute. 3. Verschiedenes. lSravcheäerMtlell-rabrikMchiel' bei vlcko, Ackerstrahe 123. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. VcrbandS-Angclcgen- heilen. 3. Verschiedenes. Lebe Werkstatt mutz vertreten sein. Musikinstrumenlen-irbeiter im OewcvkHchartMliaiiMe, Engel-User Nr. 15(Saal V). Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Branchen-Angclegcn- Helten. 3. Verschiedenes. NB. Da in dieser Versammlung die neuen Vertrauensmänner-Karten ausgegeben werden, so ist es Pflicht der Kollegen dasür zu sorgen, dasi ihre Werlstatt vertreten ist. Drechsler. Osten: bei Nattkv»,.Koppcustrasic 41. Norden: bei I.let-kv, Brunnenstrasie 41. Südosten und Westen: bei«tranun, Rittcrstroste 123. Tagesordnung: l. Bericht der Kommission. 2. Werkstatt- Differenzen. 3. Brau che»-/Ungelegen Heitel!. 4. Verschiedenes. Jede Werkstatt mug vertreten sein: auch die in Tischlereien beschästigten Drechsler haben einen Delegierten zu entsenden. Oezirit Friedrichsberg-Friedrichsfelde: im Lokale des Herrn I.nttei->»U«e, Friedrich Ki.�strasie Nr. 11. Tagesordnung: I.Bericht des Obmannes. 2. Wcrkstatt-Angelegcnheiten. 3. Verbands-Angelcgenheiten und Berschiedenes. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen von SiappelberB, Bau-Werkstatt Franksurter Allee Nr. 194, eingeladen. Jalousie-Ärbeiler. iEiüüü Die Kontrollkommissions-Tibung findet am Montag, den 11. d. Mts.. abends 8'/» Uhr, bei I.nilen lg', Kvmmandantcnstr. 65, statt. Hierzu sind sämtliche Vertrauensleute aus allen Jalousiesabriken ein- geladen. Das Erscheinen ist dringend nötig. Besonders zu beachten ist der § 13 de» Verbandsstatuts vom I. April 1993._ Bildhauer! Dienstag, 5. Januar, abds. 8Vs Uhr, im Gewerkschastshaufe, Engel-Ufer 15(großer Saal): oetteotliche Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Kollegen Lüttich-Leipzig über:„Welche Aufgaben harren unser im neuen Jahre" 7 20/1 Jeder Kollege, ob Holz-, Stein- oder Gips- Bildhauer, ob organisiert oder unorganisiert, � mache es sich zur Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen.• Recht zahlreichen Besuch erwartet Akt �lOllktllhk. Achtimg! Schöneberg! Mittwoch, den 6. Januar 1904, abends 8 Uhr: Oeffentliebe Oewerkschafts-Versamtnlnng im Lokale des Herrn Obst, Meiningerstraste 8. Tages-Ordnung: 1. Die Bedeutung der Gewerbegerichte. Referent: Arbeiter- ekretär G. Link. 202/1 2. Aufstellung von Kandidaten zur Gewerbcgerichtswahl. _ Die GewerhrchaftshomimlTioii für Schömberg. Arbtjjknikcktikr-Ntmii Berlin. Donnerstag, den 7. Januar 1904, abends S1/* Uhr: VM" Vonsammlung-ME im GcwertschaftShause, Engel-Ufer 15. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Redaltcurs N.«A-Narv über:»Die Krankenkassen und die Forderungen der deutsche» Aerzteschaft". 2. Diskussion. 3. Verschiedene». 53/1 Käste haben Zutritt.— Krankenkaflen-Vorstände und Verwaltung»- bcamte sind besonders darauf aufmerksam gemacht. Der Vorstand. I. A.: F. Pieschel, Vorsitzender, Gartenstr. 51. flentseher jjrfaeiter-�hstinenfen-aund Ortsgruppe BerUn. Sonntag, den IO..Haimar, in den Industrle-Fcstsiilon, Beatliütrasse 10: Winter-Fest oK J& anter Mitwirkung erster kiinstlerlscber Kräfte. 0 0 Leitung: Genosse Dr. 31. Alberty, Anfang llfi Uhr. Eintritt 30 Pf., an der Kasse 40 Pf. Naoh dem Konzert: ßclll. Billets sind zu haben in allen mit Flakuten belegten Handlangen und bei Fr. Otto, N., Swinemlinderstr. 40, und iah. 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Geschäftliches. L.Abrechnung vom Quartal. 3. Bericht des Vorstandes über das abgelaufene iereinsjahr. 4. Neuwahl des Vorstandes und der übrigen Funktio- näre. 5. Besprechung über den am 6. Februar stattfindenden Kunstabend. 6. Verschiedenes.— Wegen der wichtigen Tagesordnung er- wartet zahlreichen Besuch_ Der Vorstand. Lokales. Selbstzucht des Publikums. Der«Schutzmann" ist an der ganzen Geschichte schuld, der uniformierte Schutzengel, der uns guten Deutschen durch das ganze Leben geleitet. Wir sind nämlich immer noch viel zu wenig selb- ständig, bewegen uns in der Oeffentlichkeit nicht mit der genügenden Sicherheit und haben uns nicht so in der Gewalt, wie es sein sollte. «Wir", das ist das Publikum, die Menschen, die im hastigen Getriebe des Lebens an öffentlichen Plätzen aufeinanderstoßen und mit einander auszukommen genötigt sind. Der Großstädter hat fteilich schon mancherlei gelernt und beginnt sich eben vom«Schutzmann zu emancipieren, aber es wäre angebracht, daß auch er noch mehr Wert auf seine Selbsterziehung legte. Nnr mit einem gelinden Grausen kann man an die Scenen zurückdenken, die sich während der bewegten Festtage an den Schaltern der Postämter und auf den Bahw steigen abspielten. In dichten Haufen drängten eiligeMenschcn heran, von denen jeder nur darauf bedacht war, seine eignen Geschäfte ohne Rücksicht auf den neben ihm Stehenden zu erledigen. Der„Schutz- mann" fehlte wieder einmal. Aber Warum wollen wir nicht lieber selbst„Schutzmann" spielen, warum wollen wir nicht selbst den unverkennbaren Segen der Ordnung verwirklichen. Anderswo ist der Beweis längst geliefert, daß das geht. In Paris zum Beispiel tvürde der Versuch eines rücksichtslosen Menschen, sich durch kräftigen Gebrauch seiner Ellenbogen durch die Schar der vor einem öffent- lichen Schalter Harrenden hindurchzudrängen, sofort scheitern. Treten dort nämlich mehr als drei oder vier gleichzeitig oder dicht hinter- einander an einen Paketschalter oder ein Zollbureau oder an einen Ladentisch, dann geben sie sich selbst sofort Nummern.„Eins, zwei, drei, vier"... rangieren sie sich sofort hintereinander und der zuletzt Stehende ruft dem neu Hinzukommenden unaufgefordert seine Nummer zu, worauf dieser laut mit„fünf" oder eben seiner entsprechenden Nummer antwortet, um seinerseits wiederum seinen Hintermann zu instruieren. So wird ohne allen Lärm, ohne Streit und häßliche, nebenbei auch noch zeitraubende Schimpferei die Ordnung gewahrt. Niemand braucht in Sorge zu sein, daß er von einem Flegel benachteiligt wird, und die Abfertigung geht ohne Q Störung vor sich. Man sollte, meinen wir, mit einem solchen System auch bei uns einmal einen Versuch machen, es kommt nur darauf an. daß jemand anfängt. Die Hausdiener der viele Packete vcr- sendenden Firmen haben ja, wie loir wenigstens auf einigen Postämtern zu bemerken Gelegenheit hatten, schon ein ähnliches System ein- gerichtet. Aber in den breiten Massen des Publikums ist diese Selbst- zucht leider noch schr wenig gekannt und gepflegt. Also: Emanci- pation vom«Schutzmann" durch Selbsthilfe des Publikums. Wer fängt an? Die amtliche Statistik über den Berliner Briefverkehr am Neujahr liegt schon vor. Sie ergiebt, daß in der Zeit vom 30. Dezember ' ,3 abends bis zum 1. Januar 1904 11 Uhr abends bei den Post- atern in Berlin allein nahezu 13 Millionen Stadtbriefe aufgegeben vorden sind. Die von auswärts angekommenen Brieffendungen sind ebenso wenig dabei mitgerechnet, wie die in Berlin nach auswärts eingelieferten Briefe. Auch sie lociscn selbstverständlich eine Wer- vielfachung auf. Die genaue Zahl der NcujahrSstadtbriefe ist 12 824 200. Nachdem der Neujahrsbriefvcrkehr in Berlin nach der Uebernahme der Privatposten sich zu Neujahr 1901 verdoppelt hatte, ivar er seitdem bis zun, vorigen Jahre fast zum Stillstand ge- kommen. Er betrug nicht ganz 12 Millionen. Der diesjährige Verkehr bedeutet also eine Zunahme um 887 800 Stück oder 7,4 Prozent. Die Verzögerung eines Begräbnisses hat in dein Kreise der Leidtragenden peinliches Aufsehen erregt und wird im Wedding- Stadtteil viel besprochen. Auf dem in Reinickendorf gelegenen Friedhof der katholischen S c b astian s- G cm e ind e sollte eine Frau beerdigt werden, die in der Koloniestraße gewohnt hatte. Einer der Hinterbliebenen that alle zu dem Begräbnis erforderlichen Schritte, und die Küsterei setzte Tag und Stunde fest. Als aber das Trauergefolge an, Stachmittag um 4 Uhr nach dem Friedhof hinaus- kam, eröffnete der Friedhofsinspektor den Angehörigen, die Beerdigung könne nicht stattfinden, ivcil das Grab noch nicht fertig sei. Auf die erstaunte Frage, warum so spät mit der Herstellung des Grabes be- gönnen worden sei, erwiderte der Inspektor, die Nachricht sei ihm erst gegen Mittag desselben Tages zugegangen, er dürfte aber ver- langen, daß er 24 Stunden vorher benachrichtigt werde. Er blieb dabei, daß an diesem Tage nichts mehr zu machen sei. Nach Lage der Sache mußte das Trauergefolge sich fügen und wieder nach Haufe gehen. Die Angehörigen verabredeten mit dein Fricdhofs- inspekior, daß die Beerdigung am andern Vormittag stattfinden lolle. DaS ist dann auch geschehen.— Wen die Schuld an diesem Vor- koinmniS trifft, ist von uns schwer zu entscheiden. Anscheinend ist von der Küstcrei aus die Nachricht zu spät an den Friedhofs- inspektor abgesandt worden. Wie das möglich ist, das ist uns aller- dings unfaßbar I Mr Eiseilbahu-Rciseiidc ist ein Reichsgcrichts-ErkennwiS von Bedeutung, das die«Deutsche Juristen-Zeikmg" mitteilt. Es bezieht sich auf die Haftung der Eisenbahn für Unfälle der Reisenden bei den Zu- und Abgangen auf den Bahnhöfen. Ein Reisender hatte die Eisenbahn benutzt und den Zug verlassen, ist dann aber vor Verlassen des Bahnhofes auf den, Bahnsteig durch Glatteis zu Fall gekommen. Er nahm den EisenbahnfiSkuS aus den, Be- förderungSvertrag in Anspruch, kraft dessen nach 8 278 des Bürgerlichen Gesetzbuchs der EisenbahnfiSkuS für das Ver- schulden seiner Gehilfen funterlasienes Bestreuen mit Sand) ihm hafte. Der Verklagte erwiderte, es sei ein Anspruch auf den Ver- trag nicht vorhanden, da die Beförderung des Beklagten beendet war; er könne daher auch nur nach Maßgabe des § 831 des Bürgerlichen Gesetzbuchs in Anspruch genommen werden und sei hiernach nicht haftbar, da er in der Auswahl seiner Beamten nicht gefehlt und für deren Verschulden somit nicht einzu- stehen habe. Das Reichsgericht hat aber die verurteilende Ent- fcheidung der Vorinstanz bestätigt: Der Eisenbahn-Unternehmer nötige die Reisenden, um zu dem Zuge zu gelangen, beziehungs- weise un» nach dessen Ankunft die Bahnanlage zu verlassen. Räume und Anlagen, insbesondere Zu- und LlbgangSwcge zu passieren, die von ihm zu diesem Zweck hergestellt sind. Hieraus ergebe sich, daß die Verbindlichkeit des Unternehmers, von ernem Ort zum andern gemäß der Fahrkarte zu befördern, nicht schon im Augenblick der Ankunft des Bahnzuges auf dem Bahnhof des Bestimmungs- ortes gelten könne, daß sie vielmehr auch die Verpflichtung umfasse, den Reisenden einen sicheren Ausgang aus dem Bahnhof zu ge- währen, es sei daher ein Anspruch aus dem Vertrag gegeben. Fritz Friedmann vermißt. Der frühere bekannte Verteidiger Dr. Fritz Friedmann, der sich der Arttstenlaufbahn zugewandt und auch in Berlin debütiert hat, wird seit dem 31. v. M. vermißt. Seine jetzige Frau Anna, geborene Mertens, die er nach erfolgter Scheidung von seiner ersten Gatttn vor einem Jahre geehelicht hat, ersucht ein hiesiges Blatt dringend um Aufnahme der Mitteilung, daß Dr. Friedmann am 31. Dezember abends von Würzburg, wo er aufgetteten ist, nach Berlin abgereist, hier aber nicht angekommen ist. Sie fürchtet, daß ihrem Manne ein Unglück zugestoßen ist. Wird wohl nicht so schlimm sein. Der internationale Hochstapler und Hoteldieb ManolcSco alias Fürst Lahovary, der im Juli v. I. aus der städtischen Irrenanstalt Herzberge entsprang und nach seiner Wiederfestnahme in Innsbruck zunächst nach Wien gebracht wurde, ist nunmehr in seiner rumänischen Vaterstadt Bukarest eingetroffen. Bekanntlich wurde Manolesco von den Wiener Behörden vor einiger Zeit in Freiheit gesetzt, jedoch auS der östrcichischen Monarchie ausgewiesen, nachdem ihn die dortigen Gerichtsärzte für vollkommen geistig gesund erklärt hatten. Mano- lesco beabsichtigt jetzt, seine Memoiren zu schreiben, was sehr interessant zu werden verspricht, wenn man die Thatsache in Er- wägung zieht, daß er während feiner fast zwanzigjährigen Laufbahn Diebstähle in einer Gesamthöhe von nahezu 2'/« Millionen Frank verübt und m den höchsten Gesellschaftskreisen der alten und neuen Welt die interessantesten Abenteuer erlebt hat. linier andern, hat der Abenteurer sich in Genua unter falschem Namen mit einer sächsischen Gräfin verheiratet, von der er inzwischen wieder geschieden ist. Wie übrigens noch gemeldet ivird, behauptet Manolesco, in Berlin nur Geisteskrankheil simuliert zu haben. Fiirsorge-Anstalten, Zufluchtsstätten. Arbeitshäuser und wie diese Jnstittlte alle heißen, wirken nach dem bürgerlichen Katechismus bekanntlich„segensreich". Eine besondere Frivolität ist eS. wenn die Insassen dieser Anstalten auf nichts andres sinnen, als nur so bald wie nivglich aus dem schützenden Heim herauszukommen, wenn sie Hunger, Kälte und Obdachlosigkeit in der Freiheit für weniger ent- setzlich halten, als daS sichere Brot in diefen Häufen,. Dag solche Stätten aber mit Strafanstalten eine ganz verzweifelte Achnlichkeit haben, zeigt folgende Mitteilung, die wir bürgerlichen Blättern entnehmen: Ein sonderbares Gespann erregte in den letzten Tagen im Westen Berlins die Auftnerksamkeit der Passanten. Ein kleiner Wagen, mit gefüllten Wäschekörben hoch beladen, vor dem zwei junge Mädchen in einer wenig kleidsamen Tracht mit breiten Gurten über der Brust vorgespannt sind, während ein drittes Mädchen von hinten den Karren schiebt, ist auch in der an seltsamen Fuhr- werken aller Art gewöhnten Reichshauptstadt nichts Alltägliches. Dazu kommt, daß das wunderliche Gespann von einer Schwester in Ordenstracht begleitet und beauffichtigt wird. Eine Aufschrift auf den, Wagen belehrt die Vorübergehenden, daß er einer Zufluchtsstätte für gefährdete und gefallene Mädchen in einen, Vororte gehört, einer Wohlthätigkeitsanstalt unter Leitung eines hohen Geistlichen. Die vorgespannten Mädchen sind Zöglinge dieses Besserungsinstituts. Darf man sich da wundern, wem, die sich christlich nennende Fürsorge so verzweifelt geringe Erfolge hat? Die Objekte dieser Fürsorge müssen ja mit Grauen an die Behandlung denken, die ihnen in manchen Besserungsanstalten winkt. Beim Zcckspielcn verunglückt ist gestern nachmittag der 13 Jahre alte Sohn Paul des Arbeiters Kuckhahn aus der Putbuserstr. 44. Er erhielt von einem Spielkameraden einen so heftigen Schlag auf die Schulter, daß er hinfiel und sich den rechten Oberschenkel brach. Der Verunglückte, der sich im vergangenen Jahr denselben Ober- schenket an derselben Stelle schon einmal unter den Rädern eines ArbeitsfuhrlvcrkS gebrochen hatte, wurde mit einem Lückschen Wagen von der RetttingSwache in der Kastanien-Allee nach der Eharitb gebracht. Ii, Brüssel ist der 2S Jahre alte Bankbuchhalter Fritz Linfener ergriffen worden, der vor etwa 14 Tagen einer hiesigen großen Bank mit 30 000 M. durchbrannte und auf dessen Festnahme die Bank eine Belohnung von ö00M. ausgesetzt hatte. Die hiesige Kriminalpolizei hatte die Behörden aller Großstädte ersucht, auf ihn zu fahnden. Belgische Kriminalbeamte fanden ihn am letzten Sonnabend in Brüssel, wo er in leichter Gesellschaft Silvester und Neujahr gefeiert hatte, und verhafteten ihn. Man fand bei ihm noch 3000 Fr. und 1000 M. Zigeunertum. Wegen Kuppelei verhaftet ivurde am Sonnabend- abend die Zigeunerin Pctcrmann. Seit vier Tagen lagerte auf dem Grundstück Müllerstraße 73 eine Zigeunerbande von acht Personen. die zu drei Familien gehören und in drei Wagen schliefe». Frau Pctcrmann hielt am Sonnabendabend um 6 Uhr auf der Straße in der Nähe des Eingangs zum Gehöft einen verheirateten Fischermeistcr an und suchte ihn zu überreden, gegen ein Entgelt von 1,50 M. sich mit ihren beiden Töchtern von 13 und 15 Jahren in ihrem Wagen einen vergüngtcn Abend zu machen. Der Fischermeistcr ging auf das unzweideutige Anerbieten nicht ein, sondern begab sich nach der Wache des 57. Reviers in der Müllerstratze und machte Anzeige. Ein Wacht- meister und sieben Schutzmänner holten darauf die ganze Gesellschaft aus der auf demselben Grundstück gelegenen Schankwirtschaft heraus und brachren sie nach der Wache. Nach Aufnahme des Verhörs wurden die übrigen wieder entlassen, Frau Petermann verhaftet und der Kriminalpolizei zugeführt. Die beiden Töchter wurden ebenfalls nach dem Polizeipräsidium gebracht, ,im als Zeuginnen vernommen zu werden. Die Verhaftete bestreitet die Aussage des Fischermcisters, behauptet vielmehr, dieser habe ihr zu dem unsittlichen Zwecke Geld angeboten. Die andren Mitglieder der Bande verließen in der- selben Nacht heimlich das Gehöft und waren am nächsten Morgen verschwunden. Wie kann man nur! Ein unangenehmes Erwachen hatte am Sonnabendmorgcn der Vorsteher des 7. Polizeireviers, Polizei- licutenant Mölhusen» in der Novalisstrahc Nr. 3. Nach an- strengendem Dienst in der Silvesternacht hatte sich der Revier- Vorsteher am Ncujahrstage abends zeitig zur Ruhe gelegt. Als er am nächsten Mvrgen erwachte, fand er ein Kleiderspind und den Schreibtisch erbrochen und zum Teil ihres Inhalts beraubt. Die Wohn- und Schlafräume liegen im Vordcrhause, die Rcvicrwache mit dem Bureau an, Hofe. Von dem Flur, an dem sich hinten die Diensträume befinden, kann man durch eine Verbindungsthür auch in die Privaträume gelangen. Wahrscheinlich benutzten die Ein- brcchcr die Gelegenheit, als der Rcvicrvorstchcr abends noch auf der Wache zu thun hatte, sich in seine Wohnung einzuschleichen. Hier hielten fie sich in den hinteren Räumen verborgen, bis er sich vorn im Schlafzimmer zur Ruhe gelegt hatte, erbrachen dann das Kleider- spind, aus dem sie mehrere Anzüge mitnahmen, und hoben vom Schreibtisch das obere Gestell ab. Im Schreibttsch fanden sie gegen 1000 M., die der Beamte erst am Tage vorher als Gehalt bekommen hatte und die noch in Rollen dalagen. Mit der Beute verließen sie die Wohnung durch die Hinterthür, deren Schlüssel sie dann in einen Raum neben dem Ausgang legten. Da die Häuser, in denen sich eine Revierwachc befindet, nicht verschloffen zu sein Pflegen, so konnten sie das Grundstück leicht ungestört verlassen. Auf alle Fälle zeugt es von grenzenloser Vcrruchlheit. bei einen, Polizeibeamten einzubrechen. Ein schlagfertiger Eafetier. Ein Kaffechausbesitzer B. in Potsdamer Viertel geriet mit einem seiner Kellner aus geringfügiger Ursache in Streit und richteto-Wr derartig daß der Mißhandelte mehrere klaffende Wunden davontrug. Als ein ärztliches Attest die brutale That des Herrn Prinzipals bescheinigte, verlangte dieser von den übrigen Kellnern die Unterzeichnung einer„Erklärung", welche den Vorfall in einem für ihn wesentlich günstigeren Lichte dar- stellte. Die meisten Kellner lehnten dies Verlangen ab und wurden zur Strafe entlassen, was jedoch nicht verhindern konnte, daß sich der schlagfertige Cafetier wegen Körperverletzung vor dem Straf- richter zu verantworten haben wird. Opfer des Straßenverkehrs. Die Zahl der im Monat Dezember 1903 im Sttaßenverkehr Berlins verunglückten Personen zeigt gegen den Vormonat einen kleinen Rückgang; es wurden 54 Personen schwer verletzt gegen 56 im November.— Von den 54 schwer verunglückten Personen fanden neun, ebensoviel wie in, November, ihren Tod und zwar drei unter den Rädern von Lastfuhrwerken, drei in, Sttaßenbahnbetriebe und drei durch Geschäftswagen und Droschken. Von den 54 Schwerverletzten wurden 14 durch Last- fuhrloerke niedergerissen, neun Personen gerieten unter die Räder von Geschäftswagen, eine unter ein Automobil. In, Omnibus-, Droschken- und Stadtbahnverkehr kamen je zwei Personen, im Sttaßenbahnverkehr 12 Personen schwer zu Schaden.— Von diesen verunglückten sechs beim Auf- resp. Abspringen, während bei zwei Personen Selbstmordabsichten vorlagen. 34 der verunglückten Per- sonen waren Männer, 13 Frauen und sieben Kinder. Verloren gegangen ist die Sammelliste Nr. 8695. Gezeichnet Ivaren ca. 10 M. darauf. Der Finder wird gebeten, die Liste in, Bureau der Schmiede. Stralaucrstr. 48, abzugeben. Das königliche Opernhaus ist gestern auf kaiserlichen Befehl g e- schlössen worden— eine Folge deS Chicagoer Theaterbrandes. Nach einer Unterredung mit dem Hausminister v. Wedell, dem Finanz- minister v. Rheinbaben, dem Generalintendanten v. Hülsen und dem Polizeipräsidenten v. BorrieS ist vom Neuen Palais in Potsdam aus folgende Bekannt», achung erlassen worden: Der Zustand des räumlich überaus beengten, mit ungenügenden Ausgängen und hölzernen Treppen versehenen Bühnenhauses des königlichen Opernhauses entspricht nicht den Anforderungen, die im Interesse der Sicherheit des in dem Bühnenhause wirkenden, oft nach Hunderten zählenden Personals gestellt werden müssen. Nach dem Ergebnis der von den beteiligten Refforts seit geraumer Zeit vorgen onnnenen Prüfungen kann es keinem Zweifel, mierliegen, daß ein gänzlicher Neubau des Bühnenhauses unerläßlich ist, und da die Ausführungen auf dem gegenwärtigen Platze nicht möglich, der Frage des Neubaues des ganzen Opernhauses näher getreten werden muß. Der Kaiser hat indes in der Fürsorge für das ,m Opernhause wirkende Künstlerpersonal angeordnet, daß noch in den, jetzigen Bühncnraumc unverzüglich alle Maßnahmen getroffen lverden, die zur Er- höhung des Schutzes für Leben und Gesundheit der beteiligten Personen irgend möglich sind. Die Arbeiten werden hauptfächlich in der Feststellung weiterer Ausgänge von beiden Seiten des Bühnen- Hauses und Anbringung unilaufender Galerien bestehen. Zugleich hat der Kaiser befohlen, daß bis zur Vollendung dieser Arbeiten das königliche Opernhaus geschlossen wird. Auf der Generalintcndantur und im königlichen Opcrnhause Ivar erstaunlicherweise am Nachmittag noch nichts von einer Schließung des Opernhauses bekannt. An der Kasse wurden in gewohnter Weise Billets verkauft. Die plötzliche Schließung des Opernhauses ist, wie ersichtlich, zum wesentlichen auf den bedenklichen Zustand des Bühnenhauses zurückzuführen. Die Garderoben sind es hauptsächlich, die durch ihre Anlage eine Rettung der Bühnenangchörigen fast unmöglich machen, sie führen auf schmale Holztreppen hinaus, von denen der Weg ins Freie nur schwer zu erlangen ist. Dieser ungeheuerliche Mißstand war es auch, der den neuen Generalintendanten veranlatzte, immer und immer wieder auf den notwendigen Neubau eines königlichen Opernhauses hinzuweisen. Auch das Schauspielhaus soll, einer Zeittmgsmeldung zufolge, des erforderlichen Umbaues wegen geschlossen werden; ferner heißt es, daß auch etliche Privattheater auf polizeiliche An- ordnung hin diese Maßregel zu beftirchten haben werden. DaS Apollo-Theater hat mit den, I. Januar eine neue Dircktton erhalten. Der bisherige artisttsche Direktor, Herr Rudolf Schier, hat jetzt die Gesamtleitung des Theaters in Händen. Das Specialitäten- Programm der Bühne ist vielseitiger geworden, wenn auch das Hauptgewicht selbstverständlich auf die Operette gelegt ist. Die „Frühlingsluft" init ihren jugendfrischen Melodien gefällt immer „och, trotzdem sie seit Monaten auf dem Spielplan steht. Aus den, artistischen Teil des Programms erwähnen wir die waghalsigen Kunststücke der Perez-Gesellschast an der stehenden Leiter sowie die Leistungen der Jongleuse Selma Bratz. Der amerikanische GroteSk-Komiker Little Pitch iveiß von neuem das Publikum zum Lachen anzuregen. Vortrefflich in ihrer Art ist Rille. Oriona, die sich als„modernste Tänzerin" einführt und in ihrer Kunst es an excntrischen Waghalsig- ketten nicht fehlen läßt. Meßlers Biograph bringt etliche neue Bilder. Von der Pantoniime„Vision nach den, Balle" findet die letzte Auf- führung am 6. Januar statt. Die Nationalgalerie-Fragc ist noch immer ungelöst. Bekanntlich sollte in, Zusammenhang mit dem Decernatswechsel im Kultus- Ministerium Herr v. Tschudi, der Direktor der Nationalgalerie, dessen inoderne Neigungen im Ministerium nicht gern gesehen wurden, von seinem Posten abberufen und zun, Direktor des Kupferstich-Kabinetts bestellt werden. Wie wir aus vertrauenswürdiger Quelle vernehmen, ist die Entscheidung dieser Frage nicht eher zu erwarten, als bis die Nationalgalerie nicht wieder direkt dem Ministerium— wie dies früher der Fall war— unterstellt ist. Der jetzige Chef der General- Verwaltung der Museen, Exccllenz Schöne, ist nämlich gegen die Abttennung der Nattonalgalerie von der Museenverwaltung und gegen die Versetzung des Herrn v. Tschudi. Die Herren Prof. Clemcn-Bonn und Prof. Knackst, ß-Kassel, welche als die Haupt- kandidaten des Kultusministeriums für die Nachfolgerschaft Tschudis in den unterrichteten Kreisen gelten, dürften danach noch keine AuS- sicht auf Beruftnig in absehbarer Zeit haben. Die Arbciter-Baugenossenschaft ParadieS teilt uns mit, daß sie nach zweijährigem Bestände 900 Mitglieder zählt, die ein verhältniß- mäßig bedeutendes Kapital aufgebracht haben. In den letzten Tagen des verflossenen Jahres hat die'Genosicnschaft bei Bohnsdorf-Grünau ein schönes Gelände von 145 Morgen Flächeninhalt zu außer- gewöhnlich günstigen Zahlungsbedingungen gekauft. ES können darauf 1450 kleinere Wohnungen mir allen Bequemlichkeiten errichtet werden. Die Genossenschaft hofft, ihren Mitgliederbestand bald auf 1500 erhöhen zu können. Die Kommission der Freien Arbeitcr-FortbildungSschiilc, welche von der socialwisscnschaftlichcn Abteilung der Wildenschaft der Technischen Hochschule zu Charlottenburg abgehalten werden, giebt bekannt, daß die Direktton des Schillcr-Theaters in entgegen- kommender Weise für die Hörer ihrer Kurse und deren Bekannte zu bestimmten, besonders angesetzten Vorstellungen sehr ermäßigte Preise bewilligt hat. Als erster Versuch ist die Aufführung von „Wilhelm Tell" in neuer Ausstattung auf den 16. Januar a. c. 8 Uhr im Schiller-Theater N. angesetzt. Die Karten für die Parkettsitze sind mit 50 Pf. einschließlich Garderobe und Zettel bei der oben- genannten Kommission am Montag, Dienstag, Donnerstag mid Freitag, abends 8—10 Uhr. in der Gemeindeschule, Charlottenburg, Schloßstt. 2, erhälllich oder auch gegen Einsendung des Betrage» durch Herrn Ingenieur W. Wagner, Westend, Alazien-Ällee 17.' ®tr Steruenhimmcl im Januar gegen 10 Uhr abend-?. Da? charakteristische Sternbild de? g r o s; c n B ä r c n oder Wagen? ist Au Anfang de? Monat? hoch am nordöstlichen Himmel zn suchen, >vo die drei Schloanz- oder Deichselsterne fast parallel mit dem Aieridian nach dein Horizont hinweisen. Im Laufe des Monat? bewegt sich da? Sternbild langsam um den Pol herum und ist in den letzten Tagen de? Januar noch immer im Nordosten, doch etwas südlicher, zu erblicken. Vom Wagen au? findet man leicht, durch Verbindung der Hinterräder und Verlängerung der Verbindungslinie, den nn- Uerriickbarcn Himmel-Zpol, an welchen, der P o l a r st e r n steht, der zum Sternbild des kleinen Bären gc- hört. Geht fmair bom Polarstern etwas unterhalb dieser Linie nach Ostcir, so stößt man auf den hellsten Stern de? Löwe n, den R e g n l u?, der sich allerdings erst etwa Lö Grad über den Horizont erhoben hat. ohne freien, weiten Ausblick, der in den Straßen und auf den Plätzen Berlins freilich fehlt, also kaum zu sehen ist. Gegen Ende des Monats steht er um 10 Uhr bereit? 4ö Grad über dem Horizont ziemlich genau im Südosten, ist dann also recht gut zu beobachten. Von Südosten zieht sich das zarte Lichtband der Milch- straße nach Nordwesten herüber. Nach östlich von ihren« südlichen Teile ist der hellste Stern des k l e i n e n H u u d, P r o k y o n, zu sehen, westlich dagegen befindet sich der g r o ß e H u n d mit dein blitzenden und funkelnden Sirius, dem hellsten Stern an unsrem ftirmament; freilich ist er in den ersten Tagen erst wenig über den Horizont erhoben, und auch gegen Ende des Monats, wenn er um 10 Uhr fast genau im Süden steht, ist er noch nicht um 25 Grad hoch gestiegen. Am südlichen Himmel, noch ein wenig östlich vom Meridian, gegen Ende de? Mondts bereits um ebenso viel westlich, steht da? schöne Sternbild des Orion, zlvischen ihm und dem Polarstern der fy u h r m anu, dessen hellster Stern, C a p e l l a, ganz dicht an der Milchstraße an ihrer nördlichen Seite steht. Zn Anfang de? Monats ist Capclla besonder? leicht zn finden, weil er fast genau über unsernr Haupte, inr Zenith, steht. Von den drei Sternen, die den Gürtel des Orion bilden, nord »vestlich fortschreitend, treffen wir auf den Stier mit dem hellen Aldebaran und die Sterngruppe der P l e j a d e n, dem sogenannten Siebengestirn. Weiter nordwestlich, gegen Ende dcS Monats fast nördlich davon steht Cassiopeia,"die wegen der Wfförinigcir Anordnung ihrer fünf Sterne leicht zu finden ist. Zwischen den beiden zuletzt genannten Sterichildern befindet sich das de? P e r s e u s, dessen hervorragendster Stern Algol mit fortwährender Veränderung der Lichtstärke ist. Westlich, zu Ende de?_ Monats nordwestlich von ihm, steht hoch im Westen respektive Nordwesten die A n d r o m e d a, deren drei helle, in gerader Linie stehende Sterne auf C a p e l I a, zu An- fang des Monats also direkt auf den Zenith, hinweisen. Der Mond erhellt die ersten Nächte des Januar, da wir am 8. Vollmond haben; in der Mitte de? Monat? ist er verschwunden, nur 17. haben wir Neumond. Letztes Mondviertel haben wir am 0., Erste? Viertel am 25. Januar, in der erstcrcn Zeit glänzt der Mond also abends am östlichen Himmel, in der letzteren am westlichen. Die Sonne, die bereits lvieder auf ihrer Rückkehr nach Norden begriffen ist, erreicht am 31. Januar eine Mittagshöhe von 20 Grad. Der Abcndstern begleitet sie nicht, denn die Venns glänzt noch während de? ganzen Januar als Morgenstern. Dagegen steht der Merkur noch östlich von der Sonne und ist daher bis zum Stunden nach Sonnenuntergang am locstlichcn in 10. Januar etwa Himmel sichtbar. Doch steht er so tief an, Horizont, daß er uvsrcn nebeligen Breiten kaum ohne Fenrrohr aufzufinden ist. Schwere Jmigc» könnte man die seit gestern in C a st a n S Panoptikum auftretenden Brüder Adolf und Friedrich Schneider nennen, wenn die erwähnte Bezeichnung nicht einen höchst unmigenehmen Beigeschmack hätte. Alle Achtung vor den beiden Ricscnknaben aus Neufahrloasser, von denen der eine 18V1 geborene 250 Pfund wiegt, während das Gewicht seine? nur i'/z Jahr jüngeren Bruders 224 Pstmd beträgt! Tie Linder sind bei" der Geburt von normaler Größe gewesen und haben sich erst vom zweiten Lebensjahre an zn ihrer jetzige« Gewichtigkeit entwickelt. In Rußland, Ivo die Lnaben sich längere Zeit aufhielten, haben sie das Spiel?« der Balalaika erlernt. Das ist ein der Guitarrc ähnliches Instrument, womit sie inr Panoptikum die Zuschauer unterhalten. Außerdem zeigen sie durch Hantieren mit Gewichten, daß ihre Körpertrast nicht von Pappe ist. Auch bemerkt man, daß die Muskulatur der Knaben in guter Verfassung ist: ebenfalls sollen ihre inneren Organe durchaus gesund sein. Bemerkt sei, daß CastanS Panoptikum neuerdings durch Umbauten wesentlich ver- schönert worden ist. Der Konzertsaal ist mit vielem Geschmack neu hergerichtet und auch iir deir übrigen Räumen sind uranche Wer- änderungen zu bemerke«. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird am Freitag, den 15. Januar, abendS 3 Uhr, der Leiter der deutsche« Südpolar- Expedition, Herr Professor Dr. Erich von Drygalski, cirrcn einmaligen Vortrag über die Ergebnisse der Forschungsreise der „Gauß" halten. Der Vortrag wird durch Lichtbilder erläutert. Eintrittskarten für diesen Vortrag sind von heute ab an der Ka�e der Urania erhältlich. Theater. Der nächste Tondichter-Abeird de? Schiller- Theaters im Bürgersaale des Rathauses(Sonntag, den 10. d.M.) bringt eine Wiederholung de? Millöcker-Abeirds.— Carl Weiß- Theater.„Die Lern von Obcrainniergau" ist die kommende Novität der oberbayrischen Bauernspieler. Die Handlung dieses echten Gebirgsstückes spielt in dem berühmten Orte Oberammergau. — Ludwig Fulda? neues Schauspiel„ N o v e l l a d' A n d r e a", daS sich in Wien dauernd als einer der größten Burgthcatcr-Erfolge der letzten Jahre bewährt, soll seine erste Aufführung im„Deutschen Theater" am Sonnabend, den 10. Januar erfahren. Der Dichter nimmt an den Proben Teil, die bereits im volleil Gange sind. Ms clen Nacbbaropten. Der Rixdorfcr Magistrat ist dem Beschlüsse der Stadtverordneten- Versammlung beigetreten, wonach die Stadt sich der Petition der Vereine für Fori erb estattuirg anschließen soll, die air den Landtag wegen Einführung der fakultative« Feuerbestattung ergehen wird.— Ten Beschlüssen der Stadtverordnctcn-Versamnilung, be- treffend die Bildung urrd Besetzuirg der Verlvaltungs-Deputronen für das Kalenderjahr 1M4. trat der Magistrat ebenfalls bei. Weiler fand dse Zustimnmng de? Magistrats der Entwurf zu einer Ordnung, die die Erhebung besonderer Vergütungen(Gebühren) für die Benutzung der Kranken- und Leichenwagen der Stadtgenreinde in Ripdorf regelt. Von der Erhebung der Grundwcrtsteuer für die städtischen Gruird- stücke soll künftig Abstand genommen werden. Der Magistrat trat auch den Beschlüssen der Deputation für die städtischen Begräbnis- Plätze bei. Welche die Verpachtung des Leichentragens betreffen und vom 1. Januar 1904 ab die Löhne der Fricdhofsarbciter etwa? er- höhen. Für den Fall der Eingemeindung des zur Zeit zu Tempelhof gehörigen Teiles der Hasenheide in Ripdorf sollen voir Ripdorf die HerstcllungS- und llnterhaltungskosten für deir zu Tcmpelhof gehörigen Teil des Straßendanrnres Übernommen werden. Durch die Gebühren- ordnung für die Schwemmkarralisation Wird für das Jahr 1004 der Gebührensatz auf 2'/z Proz. des Gebäudestcuer- Nutzungswcrtes herabgesetzt." Für das städtische Krankenhaus Ripdorfs hat der Magistrat sokgende Aerzte gewählt: Dr. Otto Böllke aus Charlottenburg als ersten Assistenzarzt, Dr. Hans Wienecke ans Hanau als ziveiten Assistenzarzt und Arno Braffart au? Groß-Lichterfelde als Volontärarzt. Der neue Stichkanal in Ripdorf, der die Köllnischen und Rixdorfcr Wiesen durchschneidet, wird nach einem Beschluß de? Magistrats den Namen Rixdorfer Schiffahrtskanal erhalten. Das Schicksal eines Kaplans� Ein peinlicher Vorgang hat sich in der katholischen Gemeinde zu Epandau abgespielt. Zur dortigen Geistlichkeit gehörte seit eimgeir Jahrerr ein junger Kaplan Horoba, der au? Schlesien srammt. Er War ein sehr eifriger Seelsorger und machte bor längerer Zeit durch eine Preßpolemik mit einem protestantischen Arzt von sich reden, der ihn bezichtigte, am Tterbcbcii eines Spandaucr Einwohners allzustarr katholische Propaganda be- trieben zu haben. Der Kaplan trug seit einiger Zeit Spuren von Nervenüberreizung zur Schau. Sein Justaud Wurde allmählich schlimmer und vcranlaßte feine Umgebung, seine Ueberführung in eine Heilanstalt in Erwägung zn ziehen. Dieser Plan wurde ihm bekannt, und während dcS Gottesdienstes, deir der Kaplan am Neu- jahrstage abhielt, nannte er in seiner Andachtsrede mehrere Personen auS der Gemeinde, die ihn mit jenem Vorhaben beleidigt hätte«. Der Gottesdienst konnte bei dem seltsaineir Verhalten des Kaplans nur nrit Mühe zu Eirde geführt werden. Noch an demselben Tage wurde der unglückliche Geistliche aus der Wohnung eines Gemeindemitglicdcs, bei dem er in Gesellschaft eines Freundes, eines Berliner Lehrers, zu Gast War, von einem andren Geistlichen sowie Mitgliedern der Kirchenbchörde unter dem Beistand von Polizeibeamten abgeholt und nach der Heilanstalt der Abrianer in Neu-Weißensee gebracht. Der Vater des Unglücklichen ist Lehrer in Schlesien, sein Bruder ist Pfarrer. Fricdrichsfrlde. Seit einem Jahre war es uns nicht möglich, im OrtSteile K a r l s h o r st eine Versammlung abzuhalten, da uns kein Lokal zur Verfügung stand. Dem Bemühen der Ge- Nossen sowie andern Umständen ist es zu danken, daß uns das Lokal'von Kupsch„Zur Waldschänke", Trcsckow- Allee, wieder zur Verfügung steht. Wir bitten die Genossen, von jetzt air nur dieses Lokal als frei zu betrachten. Herr König, der Besitzer des neu erbauten Saales, erklärte, uns seine« Saal zu Versammlungen nicht geben zn können, da die besser situierten Einwohner voir Karlshorst dies nicht wünschen. Die Arbeiter Iverden sich hoffentlich danach richten und diese bürgerlichen Leute durch ihre Au- wefcirhcit nicht belästigen. Das Opfer eines Messerstechers ist der Trikotweber Max Werrdler in Niedcr-Schöne weide geworden. Er wurde irr der Frühe an der Grnirauerstraße inr bewußtlosem Zustande aufgefunden. Als er nach Hause gebracht worden war, entdeckte seine Frau, daß er aus mehreren Stichwunden blutete. Ein Arzt sorgte dafür, daß Werrdler ins Britzcr KrciskrankenhauS geschafft wurde, wo er noch nicht wieder zn sich gekommen ist. Ein Kindcsmord, dessen Fäden nach Berlin weisen, ist auf dem Bahnhofe Kreiensen entdeckt worden und hat zur Verhaftung der unnatürlichen Vluttcr geführt. Arn NenjahrSmorgen traf mit dem Berliner Personenzuge ein junges Mädchen in Kreiensen ein, das sich vormittags aus der Station aufhielt und dann mit dem fälligen Mittagszuge nach Northeim weiterfuhr. Als bald darauf die Wartefrau die Bahnhofsaborte reinigen Wollte, fand sie die Röhren des einen Frauen- aborts verstopft. Bei näherer Untersuchung entdeckte sie die Leiche eines Kindes. Diese war in den Röhren so fest eingezwängt, daß sie nicht zurückgezogen, sonder« hinabgestoßen werden»rußte, che »ran sie air das Tageslicht befördern konnte. Ein sofort herbei- gerufener Arzt loustatierte als Todesursache Mord»rittet? einer Schnur. An demselben Nachmittage kehrte die mutmaßliche Mörderin, die sich durch ihr scheues Wesen verriet, von Northeim nach Kreiensen zurück, lvo bald ihre Festnahme durch die Gendarmerie erfolgte. DaS Mädchen, welche? aus Ditfurt gebürtig ist, hatte anr 14. De- zember in einer Privat- Eiitbiirdungsanstalt zn Berlin ein Kind männlichen Geschlechts zur Welt gebracht. Die jugendliche Kindes- Mörderin wurde in das zuständige Gcrichtsgefängnis zu Gandersheim eingeliefert. In Ripdorf sind in dein Liruenzuge Berlinerstr. 73 bis Reuter- straße 72 acht Fernsprech- Anschlubleimngen herausgeschnitten und gestohlen worden. Die Leitungen hatten eine Länge von etwa 30 Meter und ein Gewicht von 11 Kilograinm. Die Leitungen waren außer Betrieb. Der Diebstahl ist anr 30. Dezember früh entdeckt worden. Für die Ermittelung der Thätcr hat die Obcr-Postdirektion eine Belohnung von 50 M. ausgesetzt. Vermiscdtes. Von der Brandkatastrophc i» Chicago. Nach einem Telegramm von gestern ist endgültig festgestellt worden, daß die Gesamtzahl der bei dem Brande des Jroquois-Theatcrs Umgekommenen 537 beträgt. Inzwischen hat sich in Chicago ciir andres Brandunglück zugetragen. Die gestrigen Londoner Sonntagsblättcr melden, daß in der Nacht zum 2. Januar in Chicago das Louvre-Hotcl niederbrannte. Es entstand eine große Panik unter deir Gästen. Drei sind verbrannt, drei schwer verletzt. Auch ein neuer Thcatcrbrand wird aus Nordamerika gekabelt. Das Opernhaus in Mormt Sterling(Kentucky) ist niedergebrannt, lvobei zwei Personen umgekommen sind. Die„Franks. Ztg." meldet aus New Aork: Alle Theater iir Chicago sind geschlossen und sollen erst wieder eröffnet werden, nach- dem eine Prüfung ihrer Schutzvorrichttrng porgcnoinnrcn ist. Der Staatßsckretär Hay hat die amerikanischen Botschafter rn den verschiedenen Hauptstädten beauftragt, den Regierungen den Dank der amerikanischen Regierung für die Beileidskundgebungen anläßlich der Katastrophe in Chicago auszudrücken. Beim Brand des Jroquois-Thcaters find 70 Prozent aller Opfer infolge des Gedränges zu Schaden gekommen. 25 Personen, die sich an einer RettungSleitcr festhielten, sind in die Flammen ge- stürzt und verbrannt. 50 junge Mädchen des Ballettcorps wurden von einem Choristen gerettet, der sie in einem Kcllerraum gebracht hatte. DaS Verhör der Zeugen hat bereits vor einen, Untersuchungs- ausschuß begonnen. Dieser besichtigte gestern eingehend die Brand- statte. Die Direktoren der größeren Theater hielten gestern eine Versammlung ab, um über die verschiedenen Sicherheitsmaßregeln für Theater zu beraten. Schriftsteller v. Ompteda als Duellant. Sonnabendmorgcn soll in der Umgegend von Dresden ein Pislotenduell stattgefunden haben. Als Gegner standen sich gegenüber der bekannte Romanschriftsteller Frhr. v. Ompteda und ein Rittmeister, der mit der Gattin OnrptedaS, einer geborenen Französin, die Flucht ergriffen hatte. DaS Duell ist, dem Vernehme« nach, unblutig verlaufen. Ermordung eines Lehrlings. Eine Blutthat ist im Kreise K o t t b u s verübt worden. Ein Lehrling Namens Jürk Wurde von drei jungen Burschen zwischen den Ortschaften Peitz und Ottendorf überfallen, beraubt und tödlich verwundet. Der Lehrling sollte einen Betrag von etwa 550 Mark aus Peitz nach der Fabrik in Otienoorf bringen. Unterwegs wurde er von zwei Brüdern Dippe und einem gewisse» Stecklinn, Arbeitern im Alter von 17 bis 20 Jahren, angehalten und durch einen Messerstich in die Kehle verletzt, worauf die Räuber die Geldsunrnre, welche Jürk bei sich führte, an sich«ahmen und davon gingen. Trotz der schrecklichen Wunde hatte der Lehrling noch die Kraft. die Namen der drei Verbrecher, die ihn, bekannt waren, in sein Notiz- buch zu schreibe«. Als man den armen Jungen in seinem Blute liegend fand, brachte man ihn sofort nacti KottbuS in eine Privat- llinik, lvo er aber kurze Zeit nach feiner Einlicfcrung verstarb. Tie Mordgesellen saßen wenige Stunden später bereits hinter Schloß und Riegel. Stecklimr ergriff man in Peitz, die beiden Dippe auf dein Bahnhof von KottbuS. Letztere hatten sich schon neue Kleider, Wäsche und Uhren gekauft, ihre alten Anzüge und ein blut- bespritztes Heind trugen sie in einem Bündel bei sich. Welöber der Verhafteten Jürk die tödliche Wunde beigebracht hat, ist noch nicht festgestellt. Die Juwelen der ermordeten Schauspielerr» Fougerc. Es scheint, daß eS gelungen ist, Mitschuldige an dem Morde der Schauspielerin Fougere, die im September vorigen Jahres in Aix-leS-Bains in brutaler Weise ermordet wurde, zu verhaften. Anr Mitt- woch bot ein schlecht gekleidetes Individuum einem Juwelen- Händler in Lyon drei große Diamanten zum Kauf an. Der Juwelen- Händler erkannte sofort den hohen Wert der Steine und fragte d� [ Mann, einen Arbeiter Naincns Rebardet, wie er in den Besitz de» --teure gelangt sei. Der Arbeiter erktärtc, seine Frau habe sie al' Hochzeitsgeschcnk crhaltcir. da es ihnen aber augenblicklich schleck gehe, sehe sie sich genötigt, die Steine zn versetzen. Der Juwelen« Händler that, als glaube er die Geschichte, zahlte dem Arbeiter einige Frank und erklärte, er»verde den Rest am andenr Morgen zahlen, wenn er sich von dem wahren Werte der Steine überzeugt habe. Tie drei Steine repräsentieren einen Wert von 320 Pfd. Ster Ab? der Arbeiter am nächsten Morgen wiederkam, wurde er verhafte und lieferte in feiner Wohnung nach kurzem Versuch, seine unwahr scheinliche Geschichte aufrecht zu erhalten, den Beamten einen ganze it Beutel von Steinen aus, den seine Frau an dem Ufer derSaone gesunde'.? haben will. ES stellte sich heraus, daß man es mit den Jnweleir der ermordeten Schauspielerin Fougsre zu thnn hatte. Tie Frau des Arbeiters erzählte, daß sie eines Tage-?, als sie mit ihren Kindern an der Saone spazieren ging, sich über eine Brüstung beugte und an, Fuße derselben ein Paket liegen sah, daS ihre Slustnerkfainke''- erregte. Sie holte dieses Paket und fand in demselben eine m Juwelen gefüllte Damenhandtasche, die sie mit nach Hause»ahn Ob diese Erzählung auf Wahrheit beruht, oder ob Rebardet cinei Mitschuldigen verriet, läßt sich aus den Berichten über die Ver- Haftung vorläufig noch nicht ersehen. Schwere SchiffSunfälle haben sich in den letzten Tagen ereignet. So Wird jetzt der gänzliche Verlust der Bark„Holmstrand" ge- meldet, die bei Marsurrd gestrandet war. Der Schifisrumpf ist in der Mitte durchgebrochen. Der Drcinrastschoner„Christine" von Rudkjöbing(Insel Langcland) kommend, mußte iu der Nordsee inr sinkendeir Zustande von der Besatzung verlassen werden, nachdem die Leute zehn Tage lang durck unausgesetztes Pumpen das Schiff über Wasser gehalten hatten. Acht Mann der Besatzung wurden von einein englischeir Fahrzeug aufgenommen: ein Matrose ertrank, als er ins Boot springen Wollte. Bei Skagen geriet die Bark„Haakou Haakonson" auf Grund; das Schiff ist ebenfalls vollständig verloren. Ter Kapitän, der zugleich Eigentümer des Schiffe» War, hatte anfangs die ihm angebotene Bergerhilfe abgelehnt. Als er später den Lotsendampfer„Skagerrak" um Hilfe anrief. War die Bark durch das Aufstoßen auf den steinigen Grund bereit» in allen Fugen gelockert und leck geworden, so daß sie beim Ab« schlepprrngSverlauf gänzlich zerbarst. Inr Hafen von Leith kenterte das Schiffsboot des Hamburger Dampfers„Formica": Kapitän Horn und der Matrose Lehmann ertranken. Das deutsche Segelschiff „Katharina", mit Kohlen von England nach Nordenham bestimmt, ist. lvic unS gedrahtet wird, mit der ganze» Besatzung in der Nord- sec mltcrgegangcn. Unter den Umgekommenen befindet sich Boots- mann Klau»»ebst Sohn au» FlachSmccr, Kreis Leer. Denkmalsschänder. In N ü r ir b e r g fand man vorgestern früh den Ncpttlnbrunncn auf dem Nürnberger Harrplnrarkt arg beschädigt. Einem Waffergott. der auf einem großen Sccpferde reitet, war während der Nacht die lange, schwere Peitt'che au» der Hand ge- schlagen worden. Zweifellos haben den nichtswürdigen Streich mehrere Personen mit eigen? mitgebrachten Werkzeugen vollführt. Von den Thäterir fehlt leider noch jede Spur. Marktpreise von Berlin am 1. Januar 1904 nach Ermiltclmrgcii des tgl. Polizeipräsidium». "Weizen, gut D.-CIr. 10,10 16,00 mittel, 10,02 10,08 „ gering„' 15,94 15,90 "Roggen, gut„ 12,65 12,84 mittel, 12,63 12,82 gering„ 12,81 12,80 �Gerste, gut„ 14,20 13,— mittel„ 12,90 11,70 gering„ 12,90 11,80 fHaser, gut„ 15,50 14.30 „ mittel„ 14.20 13,00 . genug. 12,90 11.69 Richtstroh„ 4,00 3,60 Heu„ 7,20 4,80 Erb'en„ 40,00 25,00 Spciicbohncn..• 50,00 26,00 Linsen„ j 69,00 20,00 * ab Bahn. t frei Wagen und ab Bahn. Kartoffeln, neue D.-Ctr, Rindjicisch, Keule 1 kx do. Bauch„ Schivcineficisch„ 5lalbslei!ch. Hammeijlcisch Butter Eier dlarpsen Aale Zander Hechte Barsche Schiere Bleie Krebse ö0 Stück 1 kl? per Schock 7.00 1,80 1.50 1,60 1,80 1,80 2.80 5,00 2,40 2,89 2.89 2,29 1,89 3,99 1,49 15.90 S.iX 1,21 U> 1.» 1,2 1,1' 2,9 3,9 1,2 1.4 1,- 1,C 0.i 1,40 0,80 3,00 Briefkaften der Redaktion. Südende. Brief dankend erhalten. Vielleicht ist es möglich, gelegentlich liou Ihrer Ofscrte Gebrauch zu machen,— 31. K. 117. 1. Nein. 2. Der Geburt nach: ja! Nicht der Konsejfion nach.— Fort ach. Nicht das Dorf iii Baden, sondern Stadt und KiintonShauotort in Lothringen. In F. starb 1599 der berühmte satirische Schriststeller Johann Fijchatt. An ihm gcmcfst ist der Belletrist Bilse ein Waisenlind. Jimstitcker C«U. Tie juristische TprechstniiSe findet täglich mit Zl»s»ahme deS Sonnabends bon?r/z bis Osti tthr abends statt. Gcössnct:? Ilbr. — O. W. 1901. Dagegen läßt sich nichts wachen. Sie können einen Arzt konsulticren. der weniger AiisteckiliigSsurcht hat.— Franz S. l.Nach- licht ist wahrscheinlich nicht erteilt. 2. Ein Hindernis für Ihre Ehe liegt nicht vor. — H. Soweit au» Ihren Andeutungen ersichtlich ist. sind Sie zur Zahlung nicht uerpslichtet. Bei Ziusrageir, die sich auj Rechtsansprüche beziehen, bezüglich derer-ochriststüüe, Verträge und dergleichen vorliegen, ist es geraten, mit diesen die Sprechstunde zu besuchen oder der Anfrage Ab» schrist beizufügen.— E. Schninnchee 90. Nein: Ansprüche für Lieferung von Waren sür den Gcwcrbebelrieb de» Schuldners sind seit dem 1. Januar 1990 in vier Jahren verjährt. Die vor dem 1. Januar 190-1 entstandenen'Ansprüche verjährten mithin mit Ablauf de» 31. Dezember 1993. In Ihrem Falle ist die Verjährung durch Zustellung des Zahlung»» befchlS unterbrochen.— 3. 6t. Wenden Sie sich vorher an da» Regiment: e» wird in der Regel Untersuchung bei dem Truppenteil verlangt, bei dem Sic eingestellt fein wollen. — II.'i7. Kehren Sie nach Deutschland zurück, so tmr» die etwa in Ihrer Abivdenhcil gegen Sie wegen Enlziehung von der Militärpflicht fest- gesetzte Strafe vollstreckt werden. Im iibrigcn steht Ihrer'Anwesenheit in Dculschiaird nichts im Wege. Durch zehnjährigcit'Aufenthalt im Ausland haben Sie die deutsche SlaatSarigchörigleit verloren, tonnen demnach als „lästiger Ausländer" ausgewiesen werden. Sie köimc» aber auch Wiederaufnahme in ihrem früheren Heimatsstaat crioirkcn.— Pleite. t.Der Gerichtsvollzieher hat durchaus den gesetzlichen Vorschriften enisprcchcnd gc- handelt. 2. Die Kosten hängen von der Höhe de» Objektes ab.— St. X. Die Schwestern können gerichtliche AuScinanderjetzung betreiben. Je länger sie warten, desto ungünstiger ist für sie die Rechtslage. Verjährung liegt nicht vor. Anwalltichc Hitje ist für die ersten Schritte nicht notwendig, aber zweckmäßig.— H. Gi. Ist zulässig. — W. St. 1. Jetzt. 2. 2 Prozent. 3. Nein.— F. S. 90. Sic können aus Slusstcllung eines Zeugnisse» klagen, deisen Inhalt sich auf die Leistungen erstreckt.— M. L., Schönweidc. Berufung gegen den Straf- bcschl wäre zwecklos. Anders läge die Sache, wenn Sic, ilait das Spielen zuzugestehen, eine Beantwortung abgelehnt oder bestritten hätten.— (?. S. 100. Mitglieder einer Prodiiltivgenoisenschast sind al» solche nicht vcrsichcrimgSpjlichtig, wohl aber die Angestellten der Genosseiischast.— Krause. Die Wartezeit bis zur Wicdcrvcrheiratung einer geschiedenen oder Witwe gewordciicn Ehefrau beträgt 19 Monate, von der Rechtskraft de? Urteils, beziehentlich von dem Tode de» Manne» ab gerechnet. Ein Antrag aus Abkürzung der Wartezeit lami gestellt iverden. Ein Beispiel sür solchen 'Antrag sinden Sie S. 224 Nr. 13 dcS dem„Arbeiterrecht" beigefügten Führers. DaS Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus.— 8. Z, Ja. WitteriingSübcrsicht vom 4. Januar 1901. morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin 8« 766 SD 761-DSD 761 SD iOLlllIt I U-4 O Frairts.a.M. 762 SO München 1762 SD Wien j 767 ISO Delle: »bedeckt 5 bedeckt 3 bedeckt 1 wollen! 2Nebcl 3, wolkig ö» s C» -1 —2 —4 —10 Stationen Z Haparanda Petersburg-774 Cork Abcrdecn Paris Wcttcr-Proguoie für Tienstag. de».l. Januar 1901. Ein tvcnig gelinder, teilweise ausklarcnd, vorwiegend trübe bei mäßig«» südöstliche» Winden z teine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Merantw. Redakteur: Julius Kaliski, Bcrliil. Für den Jnserakente-i vcranttv.'?&. Glicke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Tingcr& Co., Berlin SW.