Ur. 4. BbomumentS'Bcdlngungen: KSoniienients- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M5, monoH. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nmnmer 5 Pjg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Pofl- llbonncment: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Wart, für das übrige Ausland g Marl pro Monat. 21. Ilchrg. Die TnfertlonS'Gebülfr veträgt für die sechsgespaltcnc Kolonel- zeilc oder deren Raunt 40 Pfg.. für politische und gcwerlschastliche Vereins- und Vcrsammlungs-Anzeigc» 25 Pfg. „Kleine Hnzcigcn", das erste(fcit- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte übe: 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn und Festtagen bis 8 Uhr dormlltagS geöffnet. CrfdKjnt täglich außer montags. Derlinev VolksMatt. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Zcntralorgan der fozialdemokratifcbcn Partei Deutfcblands. Redahtton: SCd, 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. I«8Z. Mittwoch, den 6. Januar 1904. Expedition: SM. 68, lindenstrassc 69. Fernsprecher: Zlmt IV. Nr. 1984. Bis ans bittere Ende. An eine Einigiwg in C r i m m i t s ch a u ist auf absehbare Zeit nicht zu denken. Auch Herr Gehcimrat Dr. Roscher hat seine Anwesenheit in Cri'.mnitschau dazu benutzt, die Parteien über eine etwaige Geneigt- heit zur Einigung zu hören. Es ergab sich dasselbe Bild, wie bei den privaten VerinitbelungSversuchen des Herrn Professors B ö h m e r t. Die Arbeiter waren zu einem Entgegenkommen geneigt, die Unternehmer Lehnten ein solches ab! Das darf nicht wundernehmen. Als die ersten Mitteilungen von den Versuchen zur Beilegung deS Konfliktes bekannt wurden, war eS die arbeiterfreundliche Prefle, die sich in Anbetracht der Situation den Gegnern gegenüber der Mäßigung befleißigte. Manch wohkberechtigtes Wort über die Unternehmer blieb ungesagt und ungeschrieben, weil cS zu bitter geklungen und vielleicht die Herbeiführung des Friedens nicht ver- hindert, wohl aber hinausgezögert hätte. Anders in der Scharsmacherpresse. Dort hob auf einmal ein ohrenbetäubender Lärm an, weislich darauf berechnet, den bc- fürchteten Frieden fernzuhalten, den Unfrieden dagegen zu schüren. Schlankweg beschuldigte man die Socialdemokratie, s i e habe in Erimmitschau den Handschuh hingeworfen, tvährend in Wirklichkeit diese sich um den Kampf der Weber im Anfange gar nicht gekümmert, wohl allerdings später den Handschuh aufgenommen hatte, den die von den Scharfmachern hypnotisierten Behörden in Crimmitschau der Arbeiterschaft hinwarfeni Wäre es so, wie die Scharfmacher heuchelnd in die Welt rufen, daß in der That die Socialdemokratie eS gewesen ist, welche die Crimmitschauer Weber und Spinner aufgestachelt hat. in den Kampf für Verbesserung ihrer zweifellos elenden Lebenshaltilng zu ziehen, wir wären die Allerletzten, die das be- streiten würden. Warum sollten wir das ableugnen? Der Kampf gegen die in Crimmitschau herrschenden geradezu menschen- unwiirdigen Lohn- und Arbeitsbedingungen ist ein verdienstliches Werk, das begonnen zn haben die Socialdemokratte sich rühme n könnte, besten sie sich zweifellos nicht zn schäinen hätte! Nicht um die Socialdemokratie zu entschuldigen, sondern mn die historische Wahrheit festzustellen, weisen ivir deshalb die Scharf- macherlüge zurück, die Socialdemokratie wäre es gewesen, die in Crimmitschau den Kampf entfesselt hat, um eine Machtprobe zu ver- anstalten. Die Socialdemokratie steht denn doch nach dem 1(5. Juni in Sachsen wirklich so da, daß sie einer Machtprobe dort nicht bedarf. Aber der rote Wauwau war den Scharfmachern gerade recht, um die Behörden und daS ängstliche Spießbürgertum zur Gefolgschaft in einem Kampfe zu zwingen, der sich in erster Linie nicht gegen die politische, sondern gegen die wirtschaftliche Organi- sation der Arbeiter, gegen die Gewerkschaftsbewegung richtet. Deswegen trompeteten die Schweinburgfchen„Politischen Nach- richten" mitten in die Friedensklänge aus Crimmitschau hinein: „Der Socialdemokratie soll diesmal mit Hilfe des Central- Verbandes deutscher Industrieller eine Niederlage bereitet werden, wie sie noch nicht dagewesen ist und an die die Socialdemokratie lange denken soll." Der Socialdemokratte? Lb es dem Centtalverband gelingt, die Crinnnitschauer Tcxtil- arbeiter niederzuzwingen, ist trotz seiner großen Mittel mehr als fraglich. Aber an der Socialdemokratie wird er sich die Zähne ans- beißen. Die Socialdemokratie hat in Crimmitschau durch das Ver- halten der Behörden nicht Niederlagen erlitten, sondern Triumphe gefeiert; die Socialdemokratie wird— wenn die Crimmitschaucr Unternehmer sich nicht zu einer andren Taktik entschließen— als einzige Siegerin dastehen! Die Socialdemokratie hat bisher in Crimmitschau Triumphe über Triumphe gefeiert und sich die Herzen der dortigen Arbeiter zu eigen gemacht, weil sie die einzige politische Partei ist, die rück- haltlos das Verlangen der Textilarbeiter gebilligt hat, die einzige polittschc Partei, die rückhaltlos das Vorgehen der Behörden getadelt hat, und die einzige politische Partei, die den Kämpfenden daS Brot der Unterstützung gab, statt ihnen in Form von guten Ratschlägen Steine in den Weg zu legen. lind wird sich das etwa ändern, wenn etwa der Kampf in Crimmitschau den Ausgang nehmen sollte, den die Macher des Cciitralverbandes wünschen? Es ist nicht faßbar, daß die Herren thöricht genug sein sollten, daS zu glauben! Wenn der vom Ccntralvcrband gewünschte äußerste Fall eintreten sollte, daß die Crimmitschauer Weber zu Paaren getrieben werden, daß sie bedingungslos in die Fabriken zurückkehren müssen, daß ihre Organisation zerstört wird, ihre besten Kämpfer gcmaßrcgelt und durch die Unternehmerrache von Ort zu Ort gehetzt tverden— tväre das eine Niederlage der Socialdemokratie?— Wenn wir den- selben Mut der Kaltblütigkeit besäßen tvie die Herren vom Central- verband, die an der Leiche der von ihnen in blinder Wut ge- mordeten Crimmitschaucr Industrie ihre Hctzarbcit nicht zu reuen scheint, wir könnten uns einen größeren politischen Triumph für die Socialdemokratie als diese„Niederlage" nicht denken I Ist die Menschlichkeit in den Herren so weit abgetötet, daß sie die menschliche Natur nicht mehr kennen? Die zu Paaren ge- tricbcncn Weber würden mit hffßcr Dankbarkeit der Socialdemo- ttatic gedenken, die sie so selbstlos unterstützt hat. In dumpfer Ber- zivciflung würden die in die Fabriken Zurückgekehrten auf die Socialdemokratte als einzige Erlöserin hoffen; aus der zerstörten gewerkschafllichen würden sie in die unzerstörbare politische Organisation übertreten und die tausend auf die Landstraße Ge- worfenen wären ebenso viele rastlose Agitatoren, die das Evangelmm der Socialdemokratie in alle Winde trügen! Von einer Niederlage der Socialdemokratie könnte also dabei keine Rede sein. Aber darum handelt eS sich für den Scharfmacherverband gar nicht. Gewiß es geht in Crimmitschau eine Kraftprobe vor sich, aber nicht die Socialdemokratie hat sie begonnen— der Central- verband deutscher Industrieller hält die Gelegenheit für günstig, sich auf die gewerkschaftliche Organisatisu der deutschen Arbeiter zu stürze»! Im Sommer haben die verschiedensten Arbeitgeberorganisattonen beschlossen, angrifisweise gegen die organisierten Arbeiter vorzugehen. Auf jede Arbeiterforderung antworten sie systematisch mit Aussperrungen. Aber nicht das allein. Wo keine Forderungen ge stellt tverden, versucht man mit Aussperrungen den Arbeitern eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen aufzuzwingen. So thun dies gegenwärtig die Schneidermeister, so haben dies im kommenden Sommer die Bauunternehmer vor. Da wird es bittere und schwere Kämpfe setzen, die für die Unternehmer aussichtslos sind, Ivenn die Arbeiterschaft mit ganzer Frische in sie hineinziehen kann. Da erwiesen sich die Crimmitschaucr Unternehmer als so hartnäckige und eisenstirnige Preissechter des Kapita- lismuS, daß notwendigerweise in den Machern des Centtal- Verbandes die Idee auftauchen mußte, sie als Avantgarde gegen die Arbeiterschaft zu verwenden. Gelingt es dem Centtalvcrbande deutscher Industrieller, die Crimmitschaucr Weber niederzuwerfen, dann glaubt man die Arbeiterschaft für die kommenden Kämpfe genügend geschwächt zu haben und weiß auch, wie weit man der eignen Kraft trauen kann. Darum die Kraftprobe in Crimmitschau. Fällt sie zu Gunsten deS Centralverbandes aus, dann dürfte derselbe im kommenden Sommer vor allen Dingen die Kämpfe gegen die Bauarbeiter organisieren. Bei dieser Sachlage war natürlich dem Centralverband die Ein leitung von Verhandlungen äußerst unangenehm; nur so erklärt es sich, daß die von ihm ansgehaltenen Blätter und Korrespondenzen statt sich während dieser Zeit der Zurückhaltung zu befleißigen, in einen wahren Scharfmacherparoxiömus verfielen. Herr Bueck reiste in höchsteigner Person nach Crimmitschau, und so ist denn ja auch glücklich gelungen, die Einigmig zu hintertreiben. Die Unternehmer haben die Böhmertschen Vorschsäge abgelehnt, sie haben sich auch dem Vertreter der Regierung, dem Ministerial- dircktor Dr. Roscher gegenüber ablehnend verhalten und der Stadtrat von Crimmitschau, den man als mit den Unternehmern identisch ansprechen kann, hat dem Vorsitzenden des Gewerbcgerichts die gesetzliche Möglichkeit zur Erzwingung von Verhandlungen praktisch abgeschnitten, indem er beschloß, folgendes Schreiben an Herrn Professor Böhmcrt abzusenden: „Wir teilen Ihnen ergebcnst mit, daß für das hiesige Ge- Werbegericht zur Zeit um deswillen kein Anlaß vor- liegt, als Einigungsamt zusammenzutreten, weil sich aus der gestern infolge ihrer Anregung durch Herrn Stadtrat Dr. Schneider, als Gewerbcgerichts- Vorsitzendem. vorgenommenen Befragung dcö Vorsitzenden des hiesigen Spinner« und Fabrikanten-VcrcinS cr- gicbt. daß die Arbeitgeber ihren auch Ihnen gegenüber eingenommenen ablehnenden Standpunkt auch weiterhin fest zuhalten entschlossen sind." Nach der Richtung hin wäre also ebenfalls der Weg verrammelt, denn der Vorsitzende des Gewerbcgerichts wird natürlich nicht der Meinung deö Stadtrates zw> Trotz dennoch Verhandlungen einleiten. In Bezug auf die Hintertreibung der Einigung hat also der Centtalverband der Industriellen einen vollen Erfolg erzielt. Wird ihm dies auch in andrer Beziehung gelingen? Die 2 Prozent von der Lohnsumme, welche die Herren Unter- nehmer nach dem Wunsche des Verbandes aufbringen sollen, tverden nicht überall gern gegeben. Im Rheinland, wo der Zehnstundentag längst durchgeführt ist, weigern sich die Fabrikanten vielfach, das Geld herzugeben, da sie gar keine Veranlassung sehen, warum sie ihre Crimmitschauer Konkurrenz bei der Aufrechterhaltung deö Elf- stundentageS unterstützen sollen. DaS wird aber den Centralverband mit seinen Millionen nicht hindern, den Kämpf weiter zu führen bis ans bittere Ende für— die Crimmitschauer Fabrikanten. Geben die Herren jetzt nicht nach, so bedeutet daS den Verlust ihrer gesamten Kundschaft, die sie auch bei niedrigsten Löhnen nie wieder zurückerobern können. Die rheinische und Förster Konkurrenz der Herren, die sich jetzt auf ihre Artikel einrichtet, besorgt sich natürlich die besten und neuesten Maschinen, während in den älteren Crimmitschauer Betrieben nicht jede von ftüher her stehende Maschine zum alten Eisen geworfen werden kann. An eine Anschaffung der neuen Maschinen kann nach der Aussperrung natürlich für lange Zeit noch nicht gedacht werden, und so liefern die Crimmitschauer Fabrikanten sich in ihrer Verblendung mit gebundenen Händen der Konkurrenz aus. Davor können die Millionen des Centraiverbandes sie nicht retten. Diese Millionen sind lediglich daS Irrlicht, dem die Textilunternehmer Crimmitschaus in den Sumpf folgen. Eine ruinierte Industrie bedeutet für sie denn doch etwas andres, als für die Arbeiter. Der besitzlose Proletarier findet das Los, das ihm in Crimmitschau blüht, überall anderwärts auch; der Kapitalist, dessen Produktionsmittel wertlos geworden sind, rückt aus seiner bisherigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stellung herab. Der Proletarier hat nichts zu verlieren, alles zu gewinnen in einen, solchen Kampfe wie dem der Crimmitschaucr; für die Unter- nehmer ist jetzt auch der ihnen vom Centralverband vorgegaukelte Sieg ein schwerer Verlust. Auch der Centralverband ber Industriellen kann in Crimmitschau nichts gewinnen. Selbst wenn er diesen Kampf zu seinen Gunsten durchführen könnte, würden die Unternehmer andrer Orte sich bestens bedanken, die Crinnnitschauer Kraftprobe noch einmal am eignen Leibe durchzumachen. Lehrt sie doch der Verlauf der Sache, daß auch die deutsche Arbeiterschaft entschlossen ist, solche Kämpfe nicht feige aufzugeben, sondern durchzufechten bis ans bittere Ende!_ poUtifcbe deberfiebt» Berlin, den 5. Januar. In der Sackgasse. In letzter Zeit sind mehrfach, bald hier, bald dort, in offiziösen Blättern oder Korrespondenzen sogenannte Berliner Meldungen auf- getaucht, die in verklausulierten Sätzen zu verkünden wußten, daß die Handelsvertrags-Vcrhandlungen zwischen den deutschen und russi- scheu Unterhändlern zu„gewissen" Einverständnissen geführt hätten und daß die Beratungen, die demnächst in Petersburg fort- gesetzt werden würden, sicherlich ein baldiges beftiedigcndes Resultat ergeben dürften. Erst vor einigen Tagen wußte zum Beispiel wieder die Wiener„Allgemeine Korrespondenz' aus Berlin zu melden, daß die Verhandlungen so weit vorgeschritten seien, daß der Vertragsabschluß„in den nächsten Monaten mit Sicherheit' er- wartet werden könne. Irgend welchen Wert haben diese BeschwichttgungSvcrsuche nicht; sie verdienen genau dieselbe Einschätzung wie die im vorvorigen Jahre zur Zeit der heftigsten Zollkämpfe im Reichstage in der Zoll- Wucher- Presse auftauchende Mär, es sei unter der Hand bereits zwischen der deutschen und nissischen Regierung über die wichtigen Zollfragen des neuen Handelsvertrages ein stilles Einvernehmen cr- zielt, so daß dieser schon in der ersten Hälfte des kommenden JahreS 190t! zum Abschluß gelangen werde. Würde thatsächlich die deutscheRegierung, ohne befürchten zu müssen, sofort von der offiziösen russischen Presse der Lüge geziehen zu werde», günstige Verhandluugsrcsultate be- richten können, sie würde zu den höhnischen Anzapfungen, denen sie von agrarischer Seite ausgesetzt ist, nicht beharrlich schweigen; sie würde sich sicherlich nicht den kleinen Triumph entgehen lassen, mit stolzer llebcrlegenheit in irgend einer Form den Zweifelnden zu verkünden: „Seht, wir waren doch die Klügeren, welche die handelspolitische Situation tveit richtiger beurteilten, als Ihr!" Aber weder in der RegiennigSpresse oder der jüngsten Thronrede findet sich ein Wort der Aufklärung über die jetzige Lage, noch hat bei der ersten Lesung deS Etats, obgleich sich mehrfach dazu die Gelegenheit aufdrängte, einer der Regierungsvertteter das Stillschweigen gebrochen, und doch wird man schwerlich dem Reichskanzler vorwerfen können, daß er keinen Sinn für kleine Thcatcreffekte besitzt. Seine EtatSreden beweisen daS Gegenteil. Wenn er ttotzdem darauf verzichtete, einen Trumpf auszuspielen, so deshalb, weil er keinen hatte. Die Verhandlungen über den neuen Handelsvertrag mit Rußland scheinen thatsächlich auf einem toten Punkt angelangt zn sein. Dafür spricht wenigstens daS Ge- schreibe der aus den russischen RegiernngSkreiscn inspirierten Presse. So äußert sich beispielsweise über die Erfolge der bisherigen Be« ratungen die Zeitschrift„Rußland und Deutschland": „Aus einer ganz bestimmten Ouclle wissen wir, daß die in Berlin geführten Verhandlungen über den neuen russisch-dentschen Handelsvertrag diesen letzteren nicht im geringsten näher ans Ziel gerückt haben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß während der nach Berlin verlegten kommissarischen Verhandlungen die neuen Zollsätze gar nicht ge- lesen to u r d e n. Es kann also von Minimalzollsätzen auf russisches Getreide keine Rede sein. Hierüber wird man in den nächstfolgenden Verhandlungen, welche im Januar oder Februar in Petersburg stattfinden sollen, sprechen. Werden aber diese „dritten" kommissarischen Verhandlungen die letzten und endgültigen sein? Werden zur Herbei- fllhrung eines Verständnisses in Bezug auf Forderungen so- wohl Deutschlands wie Rußlands, und zwar in so wichtigen Fragen wie der„Veterinären", der Jndustrie-Kartellfrage und vielen andren, welche mehr oder weniger die Interessen beider Staaten betteffen, noch neue Konferenzen nötiy sein, auf welchen diese Fragen von den Delegierten beider Reiche noch weiter behandelt werden müßten?... Wann eS den Herren Delegierten beider Länder gelingen wird, endlich iiberein- zukommen, ist schwer vorauszusehen, man kann aber mit einer gewissen Bestimmtheit voraussagen, dajj ein günstiges Resultat dieser Ver- Handlungen zum größten Teil von der deutschen Regierung ab- hängt; je schneller diese letztere auf ihre unverhältnismäßigen Forderungen verzichtet, desto schneller wird Rußland den Wünschen deutscher Industrie entgegenkommen, und um s» schneller wird die neue Ordnung im gegenseitigen Warenaustausch eintreten. Im entgegengesetzten Fall wird Rußland gar keinen Grund haben, die Zollsätze auf seiner Landgrenze und die Zolltarifsätze auf die aus Deutschland herausgeführten Produkte niedriger zu stellen, und dann werden beide Teile einen für gegenseitige Interessen(infolge von unbedeutenden Tarifveränderungen) nutzlosen Vertrag abschließen". Eine Bestätigung findet diese Darstellung durch eine vom Berl. Tageblatt" veröffentlichte Mitteilung(für deren Richtigkeit wir natürlich dem genannten Blatt die Verantwortung überlassen müssen), daß die deutsch-rilssischen HandelSvertrags-Vcrhandlungen jetzt bis auf weiteres vertagt worden seien, während über dieZölle auf Vieh und Getreide eine Ver» st ä n d i g n n g s a k t i 0 n auf diplomatischem Wege ein- geleitet sei. Mit andern Worten: die Beratungen haben vorläufig keinen Zweck mehr; eS muß erst für sie auf diplomatischem Wege eine andre, neue Basis geschaffen werden.— Koloniale Thate». Seit den» Sommer 189» sind die Karolinen deutscher Kolonialbesitz; man hat die teuer gekauften Inseln damals preisend mit viel schönen Reden gefeiert, und der Reichskanzler spaßte über die lieben Mädchen, denen man die Thür nicht vor der Nase zuschlage solle.- Jetzt entnimmt man aus ciucin Bericht des„Deutschen Kolonial- blattcs" die verwunderliche Thatsachc, daß erst vier Jahre nach der Erwerbung der Äkstlarolinen sich ein Vertreter der kaiserlichen Ver- waltung die Mühe genommen hat, mit eignen Augen einen Teil der erworbenen Herrlichkeiten anzuschauen. Erst im August M>03 nämlich besuchte der BezirkSamtmaim Senfft die Inseln Olcar>md Lanutrik. Die Insel Lanutrik. diese Perle deutscher Kolonialpolitik. zählt 299 Köpfe, 68 Männer, 64 Frauen, 68 Kinder. Oleai ist ein aus 23 Inseln bestehender Atoll, von denen 8 be- wohnt sind, und zwar inSgcsammt von 661 Personen, 136 Männern, 272 Frauen und 203 Kindern. Ter Gesundheitszustand ist so schlecht, daß in wenigen Jahren ein Drittel der Bewohner gestorben ist. Die Bcwohlcr leiden an DySentrie, Augenübeln, Elefantiasis: auch ein schwerer Fall von Paralyse wurde bcobachiet. Tie Krankheiten sind so furchtbar und so häufig, daß die Insulaner gänzlich gegen sie ab- gestumpf sind; wenigstens behauptet der Bericht: „So schrecklich der Anblick war, l'.ntcr einem hannlosen, froh- launigen Völkchen, unlgebcu von Gräbern, eine Pandorabüchse von Gebrechen ausgestreut zu sehen, noch schrecklicher berührte inich der Umstand, daß der Tod ganz seinen Stachel verloren zu haben schien. Unter Lachen wurde von den vielen Todesfällen gesprochen, unter Lachen»nir die Todeskandidaten gewiesen und mit Lachen die Anstrengungen de-S Paralytikers begleitet, der sich mit Hilfe von zlvei Stöcken ausrichtete, um das heftige Zittern seines kräftigen Körpers zu zeigen." Aber so ein deutscher Kolonialpionier verzagt auch nicht»md unser BezirkSmutmann verbreitete unverzüglich europäische Kuluir, indem er— zwei tüchtige Polizeisoldaten stationierte, um das Trinken von„Saucrtoddy", ein Getränk aus gegorenen» Äokos- palmcnblütcusaft, zu verhindern. Auf den Genuß dieses Getränkes wird nämlich zun» Teil der üble Gesundheitszustand zurückgeführt. Die beiden Polizisten werden,»nit Ttrafgcwalt ausgerüstet,»mn gewiß blühendste Gesundheit verbreite». Polizei war die eine europäische Äultunnaßnahme; die andre war ebenbürtig. Der BezirkSamtmann veranlaßte eine Preiserhöhung für die hauptsächlichsten Konsumartikel der Insulaner, die jährlich etwa 100 Tonnen Kopra(gedörrte Kolosnußkeme) produzieren und dafür Tabak und Kattun eiiitauschen; der BezirkSamtmann vereinbarte nun mit den Leitern der beiden dort bestehenden Handelsfaktoreien, daß sie„zur Verhinderung ungesunden Wettbewerbes" die gleichen Preise auf die Dauer von drei Jahren vereinbarten. Das heißt: die Händler verpflichteten sich,»ücht sich gegenseitig in den gezahlreu Preisen zu überbieten. Die neugewoirnene!» Brüder deS Deutschen Reiches haben also bei dem ersten Erscheinen cineS deutschen Beamten sofort die Segnungen der kapitalistische!, Kultur kennen gelernt: die Lohndriickerei für ihre Arbeit. Der Vertreter der deutschen Regierung vertrat also die Interessen kapitalistischer, wie es scheint, nicht eim mal deutscher Firmen— D. D. Ö'Kcese und S. Murayama in Uokohama—»in, die eignen RrichSangchörigcu in dem Ertrag ihrer Arbeit zu benachteiligeu. Sollte es nicht eher die Pflicht deS Herrn Bezirksamtmauuö gewesen sein, die Insulaner zu koalieren, damit sie sich nicht unterbieten in der Festsetzung des Preises für ihre Arbeitsprodukte. Aber der Händlerprofit über alles I Tic deutschen„Untcrthanen" von Llea» verdanken es dem Vertreter der deutschen Regierung, daß sie für ihre Kopra ja nicht zu viel Kattun und Tabak erhalten. Und wenn sich die Aermstcn über die schlechteren Zeiten in„Sauertoddy" trösten wollen, so nimmt sie der nencrnannte Polizist Hein» Kragen und svcrrt sie ein. Glückliche Kolonien!— Tic ostasiatische KrisiS. Darüber, ob Rußlands Antwort auf die lchte Note Japans bereits in Japan eingetroffen ist, gehen die Meldungen wieder ein- »nal auseinander. Eine offizielle japanische Verlautbarung darüber liegt nicht vor. Während von einer Seite gemeldet wird, daß die Antwort bereits eingetroffen sei und wenig eiitgegeukommcud laute, so daß mau dein Ausbruch des unvermeidlich erscheinenden Krieges »oieder einen Schritt näher gerückt sei, ivird der«Köln. Ztg." ans Petersburg von» 4. Januar gedrahtet: An» 3. d. M. fand unter dem Vorsitz des Kaisers eine Beratung statt, an welcher die Großfürsten Wladimir»nid Alexe», Minister- präfident Witte sowie die Minister des Aus- wärtigc u, des Kriegs und der Marine teilnahmen. V e r»u u l l i ch ist in dieser Beratung der endgültige Wort- laut der russische» Antwort auf die letzte japanische Note festgestellt worden. Der Korrespondent der „Kölnischen Zeitung" glaubt nach allem, was er hört, nicht allzu optimistisch zu sein, lvenu er der Annahme zuneigt, daß durch die russische Note die Möglichkeit eines friedlichen Ausganges des Konflikts gegeben werde und die Losung der Krisis nach dieser oder jener Richtung jetzt nur noch von Japans A u» lv o r t abhänge. Mau ivird das Bckanntiverdcu dcS Inhalts der russischen Note abwarten müssen,»in, zu beurteilen, Ivic groß Rußlands Entgegen- kommen ist. Natürlich wird Rußland die Sache nach Möglichteil zu drehen versuchen, als ob Japan die Schuld an dem ausbrecheudeu Kriege trage. Dies Bemühen der russischen Diplomatie tritt auch in der Be- Handlung der Frage der Unterdrückung der seit kurzem ansgebrocheiicu korcanischcii Unruhen durch Japan hervor. Während Rußland noch in den letzten Tagen die Auffassung zu vertreten schien, daß es in der Landung japanischer Truppen auf Korea zur Herstellung der Ruhe durchaus keinen oasns belli erblicke, nimmt jetzt, wo Japan sich ernstlich anschickt, zwei Divisionen nach Korea cin-uschiffen, die russische Presse ans einmal eine drohende Haltung an, indem sie erklärt, daß ein solches Vorgehen Japans einer Kriegserklärung gleichkomme! Tie Vorbereitungen für die Einschiffung der erwähnten zwei Divisionen»verden lebhaft sortgesetzt:.man glaubt, daß die beiden Divisionen dazu bestimmt sind, die Ordnung in den Häfen von Süd-Korea wiederherzustellen". Kurssturz infolge der Kricgsgerüchte. An der nach dem Neujahrsfeiertag wiedereröffneten Börse von Tokio trat heute(4. Januar) ein beispielloser Kurssturz ein. Mehrere Maller sind ruiniert. KricgSvorbcreitungen der neutralen Mächte. Der„Kölnischen Zeitung" zufolge beginnt nunmehr nach beendeter Instandsetzung der großen Kreuzer eine lebhafte Thätigkcit der d c n t s ch e n o st a s i a t i s ch e n S e e st r e i t k r ä f t e. Das Flaggschiff des Geschwaderchefs Konteradmiral Prittwitz ist Sonnabend von Nagasaki nach Tsingtau abgedampft, nachdem vorher mit dem von Uruga eingetroffenen zweiten Admiral eine Beratung stattgestmdeu. Der Geschwadcrchef soll angesichts des zu befürch- tenden Krieges die'besten Schiffe nach Kiisteiiplätzcn dirigieren, wo deutsches Leben»md Eigentum gefährdet werden könnte. Die „Kölnische Zeitung" schreibt heute zur Lage, die für Rußland und Japan in Betracht koinmcnden politischen LcbenSintcrcssen seien derart hart aneinander gerückt, daß ein Zurückweichen preisgeben dieser Interessen bedeute. Der Würfel müßte bald fallen, da ein gegen- seitiges Spielen mit Notenaustausch nicht mehr lange anhalten könne. Die deutschen Schiffe werden ja wohl selbst beim Ausbruch des Krieges nicht allzuviel zu thun haben. Liegt es doch im Interesse beider kriegführender Mächte, auf die Angehörigen neutraler Mächte jede irgend mögliche Rücksicht zu nehmen. Hätten wir nicht ein einziges Schiff in Ostasien, so tvürdcn englische oder amerikanische Schiffe deutschen ReichSaiigchörigeii genau dieselben Dienste leisten können,»oie nnsre deutschen Fahrzeuge. Derartige „Aktionen" gehören nun aber einmal zum Paradedicnst der Flotten- Politik. Auch Italien benutzt die Gelegenheit, etliche Schiffe einmal eine Ertra'pazicrfabrt antreten zu lassen. Dem„Giornale d'Jtalia" zufolge ordnete der Marincmiiiister infolge der letzten Nachrichten aus dem äußersten Osten die A b f a h rt der Schiffe„Marco Polo".„Dagali" und„Umbria" d o r t h i n a n. In den Gewässern des äußersten Ostens befinden sich bereits die Schiffe„Vcttor Pisani",„Piemonre" und„Elba". Die russischei» und die japanischen Truppen vergleicht ein britischer Offizier, der lange Jahre in Ostasien gedient und das russische, javanische und chinesische Militär genau kennen gelernt hat, in eincin'Artikel, den er im„Daily Tele- graph" veröffentlicht. Einleitend schickt er einige Bemerkungen über die sibirische Bahn voraus, die, wie er sagt, im Kriegsfälle für die Russen eine Quelle großer Schwierig- kcitcn werden würde. Bei der Bahn, so führt er aus. kommen zuerst zwei Punkte in Betracht, erstens die Sicherheit und der Schutz der Bahn selbst, zweitens ihre Brauchbarkeit für den Transport von Truppen und Kriegsmaterial. Was den ersten Punkt anbetrifft, so ist es außer Zweifel, daß die Chunchusen(chinesische Räubert, die größtenteils entlassene Soldaten, vielfach von aus- ländischen Ofsizicrei» gedrillt, mit Männlicher- und Winchester- Repctiergcwehrcn bewaffnet und mit Munition versehen sind, jede Gelegenheit loahrnehmcn würden, die russischen Truppen zu be- lästigen, die Schienenwege zu zerstören und zu Zuge zu verbrennen, wie sie es im Jahre 1900 thaten. Weiter ivird die Bahnlinie ans eine beträckitliche Strecke im Norden von Port Arthur von der See beherrscht, das heißt sollte die russische Flotte Unglück haben, so würde Port Arthur von der Zufuhr abgeschnitten sei». Infolge dessen wird der Schutz der Bahn einen erheblichen Teil der jetzt in der Mandschurei stehenden russischen Streitkräfte erforden» und bis zu einem gewissen Grade zur Un- thättgkeit zlvingci». UcberdieS ist die Verwendbarkeit der Bahn für den Transport von Truppen und Kriegsmaterial äußerst zweifelhaft. Die Lokomotiven sind größtenteils auf Holzverfeucrung eingerichtet, jedoch ist lein Holz in der Mandschurei z» haben. Die Lokomotiven versagen häusig, da sie schlecht gehalten»verden. An vielen Stellen der Bahn sind die Erdwcrke gegen nngüiiftige WitternngSeinflüsse nicht widerstandsfähig. Die Rusien haben wohl zwischen Port Arthur und Niutschwang und bei Mulden Kohlenbergwerke eröffnet, jedoch ist die dort geförderte Kohle zur Lokomottvfeucrunz wenig geeignet. Was die inilitäi-ischc Stellung in der Mandschurei anbetrifft, so sind zwar alle großen Städte von den Russen besetzt, aber die Japaner haben in, Lande gekämpft, und kennen alle seine schwachen und starken Punkte ebenso gut, lvenu nicht besser, als die Russen. Die Japaner finden außerdem die Sympathie der Bevölkerung, die wohl »veiß, daß die Japaner sofort iiach Besetzung einer Stadt die Einivohner- schaft vor Plünderung schützen,>vie sie eS im Jahre 1900 in Tientsin und im chinesischen Kriege in Niutschwang� thaten. Tie Ehunchusen, die gute Schützen sind,»vürdcn den Japanern eine wesentliche Ver- stärkniig bringen. Bei einem Vergleich der soldatischen Eigenschaften der russischen und der japanischen Truppen ist zu erwähnen, daß die Rusien zwar sehr ausdauernd, aber andrerseits auch langsam sind und beim Angriff keinen besonderen Elan entwickeln. In der Verteidigung sind sie allerdings ausgezeichnet, wie noch von der Belagerung von Tienlsin her in bester Erinnerung»st. Der Japaner dagegen»st ein entschlossener Draufgänger und folgt seinem Offizier, dem er große Anhänglichkeit und Achtung entgegen bringt, überall hin. Der schlvache Punkt der Japaner ist ihre Kavallerie. Sie sind nn» ein- mal leine guten Reilcr und haben auch keine guten Pferde. Dagegen ist ihr Hospitalwcscn vorzüglich organisiert. Bei einem Kampfe zlvischcn Russen und Japanern in der Mandschurei würden gerade die defensiven Eigenschaften der Russen und die offensiven der Japaner gute Gelegenheit haben, sich bon ihrer besten Seite zu zeigen.— Deiitfckea Reich. Kirche gegen Socialdcmokratic. Viel Feind viel Ehr! Kein Tag ohne neue Gründungen zur Er- reichung des erhabenen Zieles der Socialistenvernichtung. Verbände ohne Ende entstehen, senden Bettelbriefe in daS Land, bieten fich an als Erlöser vom socialdcmokrattschen Ucbcl. Gestern ein„Reichs- verband gegen die Sociatdcmokratio", geführt von der Scharf- macherei der Jcncke, Jser Dircksen, der Stockmann, zum Zlveck, die Arbeiter über die>socialdcmolratie„auszuklären". Heule d i e K»»che in» Wetteifer mi» den lucttlichcn Machthabern. die heutigen Zustände zu beschönigen, zu erretten. Diese neueste Gründung nennt sich„Sociale Gcschäftssiclle für daö evangelische Teutschland". Wessen„Geschäfte" mag diese Geschäftsstelle wohl besorgen wollen? Die Geschichte dieser Gründung schon ist interessant, sie kennzeichnet das Wesen der heurigen offiziellen Kirck, e und das Christentum ihrer Geistlichkcir. Als im Oktober 1903 die preußische Generalsynode in Berlin tagte, ver- sammelte Pastor Weber, Führer der reaklionär gerichteten so- genannten evangelischen Arbeitervereine und Freund«tockers, eine Anzahl Vertreter seiner Bestrebungen. Aus diesen Kreisen ging ein Antrag hervor, den Graf H o b c n t h a l ans der Generalsynode stellte und der die Bekämpfung der Socialdemo- kratie durch die Kirche forderte. Eine Kommission der Synode beschloß den» auch wirklich eine Erhöhung der K i r ch e n st e u e r um Vi Prozent, welche Steuereinnahmen zur Unterstützung Stöcker-Weberscher Gründungen nnd Bestrebungen verwendet»verden sollten. Der Ober- Kirchenrat n»ußte jedoch die Zulässigkeit von allgemeinen Stenern für privaic VereinZzwecke ab- lehnen. Daraufhin verfaßte man einen Aufruf, den die meisten Mitglieder der Genernlsynode niitersckiriebei», in dem„die gesamte evangelische Christenheit" zu Geldbeiträgen aufgefordert»vird. Die Beiträge sollen zur Fördening der evangelischen Arbeitervereine. der Stöckerschcn„Freien kirchlich-socialen Konferenz" und endlich der neuen Weberschen„Socialei» Geschättsstellc" vcrlvcndet werden. Zur Herbeibettelung reichlicher Gaben rühmt der Aufruf die Gründungen seiner Urheber reichlichst; mSbesondere von der neuen„Geschäftsstelle" wird gesagt: „Tie sociale Geschäftsstelle für daö evangelische Deutschland, deren Satzungen am 20. Oktober 1903 in Berlin beschlossen sind. erstrebt zunächst z»lr Förderung der christlichen Arbeiterbeivcgnng die Heranbild»»ng tüchtiger Arbeiter und Ar- bcite rinnen zu berufSinäßiger und gelegentlicher Prepiganda unter ihren TtnudcSgcuossen; sie gedenkt, sociale Unterrichts- k u r s e siir Männer»md Frauen aller Stände zu halten und i»l jeder Weise die Gedanken und Kräfte des Evangeliums im Volksleben zu vertreten. Groß sind die Gefahren, die irnsenn Volke durch den Geist des ManimoniSmuZ und durch die materialistische Geschichtsauffassung der Socialdcmokratic drohen. Groß muß deshalb auch die Arbeit »md die Opferfreudigkeit derer sein, die von der Lebenskraft de? evangelischen Glaubens in den Kämpfen unsrcr Zeit Zeugnis geben wollen. Wir wenden uns darum an alle, die mit uns in demselben teuren Glauben stehen, mit der Bitte um finanzielle Kräftigung der socialen Arbeit der evangelischen Christenheit." Die Socialistenängstlichen haben also reichliche Auswahl, ob sie ihre Geldbeutel behufs Vernichtung der Socialdcmokratic auf»velt- lichem oder kirchlichem Wege zur Verfügung stellen wollen, sie können dem Jencke und dem Stöcker einige Schärflein senden. Freilich ist eS einigermaßen schwer zu cnt- scheiden. an welcher Stelle die Moneten am besten angelegt werden. Die politischen Macher des„Reichsverbandes" haben bisher durch ihre Bethätigung der Socialdemokratie ünmcr nur Nutzen gebracht. Und die blöde Stöcker-Heuchelei, den MammoniSinus in der That zu schätzen durch Wortgefcchle gegen ihn, hat gleichfalls längst und allzu oft Fiasko gemacht. Ob das alte Geschäft unter nencr Firma viele finden wird voir denen, die nicht alle werden? Das Ernste deS Falles aber bleibt, daß fast vollzählig die Würdenträger der evangelischen slircho sich an Unteriiehmungen be- teiligen,»velche die Aufrechterhalinng der heutigen Zustände be- zwecken, die allen Grundsätzen deS Christentums Hohn sprechen. Kirche und C h r i st e n t n m!— Ei» Neiijahrsgebet an den Reichskanzler. An: ersten Tage des neuen Jahres hat sich der Philosoph dc§ ZolliouchcrS, Graf v. K a n i tz in Podangen hingesetzt und eiire kuriose„Bitte an den Herrn Minislerpräsidciitcir nnd Reichskanzler" airSgcarbeitct, die er in der„Kreuz-Zeitung" veröffentlicht. Darin fordert er vom Reichs- kanzle»-, demütig in der Form, die aber nur mühsam den herrischen Hohn verbirgt, daß er sich hüten solle, die angekündigte Kanalvorlage vorzulegen. In der Borlage, die dem preußischen Abgeordnetenhause zugehen soll, werden, wie verlautet, die östlichen Sttomregnliernngen mit einem Kanal verkoppelt, der den Rhein mit dem Dortmund-Emskanal verbindet. Oblvohl nun also der Mittel- landkanal einsllvcilen geopfert ist, protestiert doch der Graf selbst gegen jenen Verbindungskanal, der„natürlich nur als der Beginn des später auszuführenden Mittellandkanals gedacht" fei. „Eine Verkuppelung des Kanals mit den Flllßregnlierimgen könnte(so schreibt Graf Kaniy) leicht den Glauben crivccken, daß es die Absicht der Regierung sei, auf diejenigen Abgeordnete»». »velche»nit Rücksicht ans ihre Wahlkreise für die Fluß- reguliernngen stimmen m üssen, einen Druck dahin ans» zrrüben, daß sie auch für den Kanal stimmen, selbst»oeim dies ihrer besseren Ucberzeugung znlviderlauscn sollte. Eine der- artige Absicht liegt der Regierung natürlich fern. Jedoch schon nm den Anschein zu vermeiden, als wolle sie zu einem so unschönen Mittel greifen, dürfte es sich empfehlen, diese Ver- luppelung zu vermeiden und nicht»vieder in den mit der Vorlage von 1901 gemachten Fehler zu verfallen. Eine rein sachliche Prüfung des Kanalprojektcö Ivird in der That unmöglich, wenn dasselbe mit den Flußregulierungen in einen Topf geioorfen»vird. Ohnehin dürste eS nicht leicht sein, die gegen das Kanalprojekt, sei es auch nur dessen»vestliche Teilstrecke, schon früher erhobene»» Bedenken zu widerlegen." Dieses„unschöne" Mittel der Verkuppelung hatte die Regierung lediglich den Kanalrcbellen abgeguckt, die semer Zeit den Mittel- landkanal mit einer unübersehbaren Anzahl östlicher Kanalprojekte verkoppelten, um ihn zu Falle zu bringen. Un» aber die Agrarier aus der Zwangslage zu befreien, mit der Kanalstrecke entweder auch die Flußregulicrungcn niederzustimmen oder aber auch de» Kanal zu schlucken, verlangt nun Graf Kanitz von dem Grafen Bülow, daß er seinerseits den Kanal mit der-- Zuchthausvorlage verkuppelt. Der Philosoph deS Zollwuchers findet diesen Zusammenhang auf höchst verschlungenem Wege. Durch den Kanal werde die Industrie tunstlich gefördert, Arbcitcrmassen herangezogen nnd der Landwirt- schaft entfremdet: „Wir sehen, daß die Zahl der socialdcmokrattschen Stimmen sich seit fünf Jahren von zwei ans drei Millionen vermehrt hat, daß diese Vermehrung aber fast ausschließlich ans die Groß- städte und die Jndustriebezirke entfällt. Daraus ist zu folgen». daß der industrielle Anftchwimg, die Anhäufung der Menschen» massei» in den Jndustriebezirken der socialdemokratischen Beivegung»vesentlich zu statten kommt. Sollte es da nicht,»oeiii» der Großindustrie jetzt»vieder eine neue künstliche Förderung zu teil wird, die Aufgabe der Regierung sein, auch ans �gesetzliche Maßnahme» gegen Ausschreitungen der Social- demokratie Bedacht zu nehmen?... Wenn»vir»viederholt, nnd auch jetzt»vieder in Erimmitschan, wahrnehmen, welcher Terrorismus bei ArbeitcrauSständen geübt wird,»oie die Arbeits- »villigcu gewaltsam an der Arbeit gehindert»verden, dann darf man allerdings die Frage stellen, ob nicht gesetzliche Maßnahmen gegen solche Ausschreitungen und zum Schutz der Arbeits» willigen am Platze sind. Schon vor Jahren wurde in voller Würdigung dieses Schutz» bedürfnisfes von hoher Stelle auf die unbedingte Rot« »oendigkeit eines bezüglichen Gesetzes verwiesen. Aber was »st seitdem geschehen? Als im Juni 1899 dem Reichstage endlich der Gesetzentwurf„zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses" vorgelegt worden»var,»oürdigte man diesen Entwurf nicht einmal der Kommissionsberatung, sondern stimmte ihn in zweiter Lesung nieder, lind die damalige Regierung ließ sich dies ruhig gefallen; trotz der wachsenden Mißstände ist das Gesetz nich» ivieder eingebracht worden. Noch niemals hat eine Regierung init solche»» Gleichmut eine parlamentarische Niederlage hin- genommen! Recht bemerkenswert ist cö auck'. daß diejenige Parteigruppe. »velche immer am lautesten nach dem Kanal schreit, im Reichstage init großer Mehrheit gegen das Arbeitswilligen-Gesctz gestimmt bat. Der Führer der Natioiialliberalen, Abg. Basscrmann, er- klärte gleich bei der ersten Lesung am 20. Juni 1899:„Wir legen Wert darauf, schon beim ersten Schritt ein ablehnendes Votum zu geben." Er crklänc sich serner gegen jede Bcschränlung des KoalitionsrcchtS der Arbeiter.... Der Erlaß eines Gesetzes zum Schutze des gclverblichcn Arbeitsverhältnisses aber erscheint heute ebenso dringlich, wenn nicht dringlicher als zuvor, in keinen» Falle sollte, ehe ein solches Gesetz in Kraft getreten ist, an ein Unternehmen gegangen werden. welches— wie der Mittellandlanal— die künstliche Förderung der Großindustrie bezweckt, in seiner Wirkung aber ebenso dem Anwachsen der Socialdemokratie Vorschub leisten muß. Möchte der Herr Ministerpräsidenr— und diese Bitte sollte in den vorliegenden Zeilen zum Ausdruck gelangen— das Kanal- Projekt dem Landtage erst dann vorlegen, wenn der Herr Reichs- kanzler das längst verheiyene Gcscn gegen soeialdcmvkratische Gewaltthäligkeite» im Reichstage zur Annahme gebracht haben wird." Der Znsaimnenhang zwischen Kanal und Zuchthaus ist so wild bei den Haaren herbeigezogen, der Gedankengang so blödsinnig, daß inan glauben»nöchte, der Gras Kanitz habe unter den Nachwirkungeir des Silvesters seine Bctrachttmgen niedergeschrieben. Aber die Sache gelvinnt ein andres Gesicht,»vciin man den geheimen Sinn dcS Artikels erfaßt. Dieser loyale Erguß ist nämlich eine maskierte Verhöhnung des Kanzlers. Znchrhausvorlage und Kanalvorlage haben zwar sächlich nichts gemein, aber in einer Hinsicht sind sie doch verwandt, insofern als für beide Entwürfe der Kaiser sich persönlich engagiert hat. Graf Kanitz hat nur deshalb Beziehungen zwischen den beiden wellvcrschiedcncn Plänen anSgetiftelt, mn die versteckte Bosheit anzubringen; der Kanzler habe eS wirklich nicht nötig, um der Einlösung eines kaiserliche» Wortes Willen die Kanalgeschichte »vieder anzurühren; da solle er erst einmal die kaiserlichen Ver- sprechnngcn von Bielefeld und Oeynhausen»vahr machen, wo jeder mit Zuchthaus bedroh: wurde, der zum Streik anreizt. So ulkt der MonarchisinnS der Junker!— Schemen der Immunität. Wie uns miZ Halle gemeldet wird, ist dort am Dienstag der Reichstags-Abgeordnete Adolf Thiele durch Polizeigewalt vor Gericht gezogen worden. Es war Verhandlung gegen ihn in einer Privatbcleidigungssache angesetzt und er wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Die Strafkammer hatte beschlossen, den Abgeordneten Thiele gegen seinen Willen vorführen zu lassen, in- dem sie erklärte, seine Immunität als Mitglied des Reichstages schütze ihn nicht. Es erschien ein Polizei- beamtcr in der Wohnung des Abgeordneten und nötigte ihn, vor Gericht zu erscheinen. 31 der Reichsverfassung bestimmt: „Ohne Genehmigung des Reichstages kann kein Mitglied des- selben während der Sitzungsperiode wegen einer mit Strafe be- drohten Handlung zur Untersuchung gezogen oder verhaftet werden, auszer ivcnn er bei Ausübung der That oder im Lause des nächst- folgenden TageS ergriffen wird." Wenn derselbe Vcrfassungsparagraph weiterhin besagt, dah auf Verlangen des Reichstages jedes Strafverfahren gegen ein Mitglied desselben einzustellen ist, so konnte sich der Abgeordnete Thiele, wie uns mitgeteilt wird, dieser Bestimmung zur ausdrücklichen Einstellung des Verfahrens nicht bedienen, weil die Ladung zum GerichtZtcrmin ihm erst während der Reichstagsferien zugegangen ist. Die Immunität der Mitglieder des Reichstages ist durch mannig- fache Auslegungslunststücke der Justiz schon längst zum blassen Schemen geworden. Erst, wenn die Rechtslage genau bekannt ist, lästt sich beurteilen, ob das Gericht den Artikel 31 der Verfassung verletzt hat.— Crimmitschau als Borbild. In der„Deutschen Tageszeitung" beloährt sich Herr Dr. Oertel sortdauernd als eifrigster Fürsprecher und Verherrlicher sächsischer Mißstände. Es war jüngst die Rede davon, daß etwa das Reichsamt des Innern beeinflußt werden könnte, in das sächsische Verfahren in Crimmitschau korrigierend einzugreifen. Diesef wenn auch ferne Gefahr für die geliebte sächsische Reaktion läßt Herrn Dr. Oertel zur Abwehr eilen und den Preußen, die cS sicherlich sehr nötig haben, das sächsische Ideal empfehlen: „Man möchte die Reichsregienmg, insbesondere wohl das Rcichsamt des Innern, ein ivenig scharf machen gegen das sächsische VereinSgesetz und seine behördliche Durchführung. Man deutet sogar an, daß man die leise Hoffnung hegt, wachsen werde im Reichstage von seilen des Reiches in dieser Beziehung rektifiziert werden. Diese Hoffnung wird sich sicher als trügerisch erweisen. Das Vorgehen der sächsischen Regierung ist auf allen Gebieten und auch auf dem des VereinsrcchteS durchaus verfassungsmäßig und gesetzmäßig. Es giebt in Preußen viele treffliche Männer, und zwar nicht nur konservative, sondern auch ualionalliberale, die den dringenden Wunsch hegen und gelegentlich auch ausgesprochen haben, daß Preußen das Vorbild Sachsens auf diesem Gebiete etwas auf sich wirken lassen möge. Wenn man aber, was wir für gänzlich aus- geschlossen erachten, in irgend einem Rcichsamte die Steigung hegen sollte, die Handhabung des sächsischen VcreinSgesetzes im allgemeinen oder im besonderen der von linksliberalcr Seite gewünschten Kritik zu unterziehen, so würde man allerdings Dissonanzen hervorrufen, die im Interesse des Reiches zu bedauern wären." Die sächsischen Wähler haben den Helden der„Deutschen Tages- zeiwng" des Landes verwiesen. Aber das treue deutsche Herz des Agrarierhäuptlings schlägt ungcwandelt für die sächsische Bedrückungs- und Entrechtungspolitik.— Gegen die„nervöse Abäiiderungsneigimg", die sich bei den mchrerwähntcn Offiziersuniform-Aen- derungen bemerkbar macht, eifert auch die„Deutsche Tages- zeitung" mit einem Temperament, das ihr sonst nur bei Zoll- Haubzügen gegen die Taschen der Unbemittelten oder bei Scharf- macher-Campagnen gegen die politischen Rechte des Proletariats zur Verfügung steht. Das Agrarierblatt schreibt unter anderm: Uniformänderungen. Die Klage über die vielen Aenderungen an den Uniforinen, besonders denen der Offiziere, bilden eine ständige Rubrik in der deutschen Presse. Wie berechtigt sie vielfach sind, bc- darf näherer Darlegung nicht.... Man � beklagt diese Steuerungen meist unter dem Gesichtspunkte der Kostspieligkeit. Dieser Gesichtspunkt kommt ohne Frage sehr in Betracht, aber wesentlicher scheinen uns zwei andre zu fein. Durch die fort- währenden Aenderungen wird eine Unruhe und Unrast erzeugt, die dem Heere unmöglich förderlich sein kann. Außerdem wird durch die fort loährende Betonung der Aeußerlich leiten das Heer und das Offiziercorps geradezu veranlaßt, in solchen an sich untergeordneten Aeußerlichkeiten etwas Wesentliches und BcdeutsamcSzuschen. Das kann dem Geiste der Truppe und der O f fiz i e r e nur schaden. Deshalb sollte man endlich diese fast nervöse A b än d e r u n g s n e i g u n g über- winden und sich auf solche Abänderungen beschränken, welche un- zweifelhaft notwendig und genügend erprobt sind.... Aber auch wir sind der Meinung, daß mit aller Ruhe, aber auch mit allem E r n st e d c ni K r i e g s in i n i st e r im Reichstage gesagt werden müsse, wie diese Aenderungen nicht nur von den gc- «verbsmäßigen Nreglern, sondern auch von den ruhigsten, b c s o n n e n st c n und l o h a l st e n Kreisen der B e- Völker ung beurteilt werden. Man sieht, daß das Blatt der Krautjunker selbst vor schärfsten und allerschärfsleu Ausdrücken nicht zurückschreckt, sobald cS gilt, den Geldbeutel der„Edelsten und Besten" gegen„fast nervöse" Maß- nahmen zu schützen. Leider müssen ja die Offiziere ihre Unifornien noch selbst bezahlen! Und die finanzielle Beunruhigung der Offiziere führt sogar, wie das Blatt entdeckt, zu„einer Schädigung d e s Geistes der Trupp e". Daß die neuen Offizierspaletots künftig eine Falte im Rücken haben sollen, untergräbt also den Geist der Annce in viel höherem Matze, als alle siulturthaten der Breiden- b a ch, F r a n z k e und Konsorten! Und diese„ruhigsten, besonnensten und loyalsten Kreise der Be- Völkerimg", die jetzt ganz nervös über die Nervosität gewisser Stellen werden, zetern über„Umsturz" und wüste„Verhetzung", wenn das Proletariat sich die ungeheuerlichste politische Unterdrückung und materielle Ausbeutung nicht ruhig ge- fallen lassen will!—_ Preußische Wahlfreiheit. Seit langem häufen sich die Klagen über die staatsbürgerliche Entrechtung der Beaniten und Arbeiter in den Staatsbetrieben, ins- besondere in den preußischen. Der bekannte Erlaß des Freiherni v. Berlepsch richtete sich gegen die Socialdemokratie. In neuerer Zeit beginnt man gegen die Ar- bester, welche au der polnischen Bewegung teilnehmen, in derselben Weise vorzugehen. Der Handelsminister Möller erklärte am IS. Februar 1903 im preußischen Abgcordneteuhause rundweg: „Wenn Arbeiter sich beteiligen an offenbar großpolnischen Agitationen, die neuerdings in Obcrschlesien eindringen, so halte icki mich für verpslicbtei, für die lgl, Werke allerdings dafür zu sorgen, daß derartige Agitatoren dort nicht beschäftigt werden. Sie mögen sich anderswo Arbeit suchen." Keimzeichnenderweise fand sich in dem Dreiklassen- Landtag keiner, der dieser Auffassung des Ministers widersprochen hätte, Jetzt teilt ein polnisches Blatt eine Maßregelung mit, welche ungewöhnliches Juteresse beansprucht. Aiff der königlichen„Königin Louisc-Grube" zu Zaborze wurden nach den Reichstagswahlen die Bergarbeiter Alfted B. und Adolf G. entlassen. B. hatte 21 Jahre, G. sogar 25 Jahre auf dieser Grube gearbeitet. Sie verdienten 120—130 M. pro Monat. Bei der neuen Arbeit, welche sie auf einer andern Grube nehmen mußten, betrug der Verdienst 70—72 M. pro Monat, sie erhielten auch keine Freikohle und müssen für Straßenbahn 4,60 M. pro Monat ausgeben. Die beiden Bergleute bemühten sich nun, wieder bei der könig- lichen„Louisen"-Grube anzukommen und sandten auch eine Beschwerde an das Ober-Bergamt in Breslau ab. Die Antwort lautete: Königliche Berginspcltion I Nr. 8461. Nachdem das königliche Ober-Bergamt uns Ihr Gesuch um Aiederanlegung auf„Guido"-Grube zur Erledigung weitergegeben hat, eröffnen wir Ihnen, daß von einer Wiedcranleg'ung auf königlichen Staatsgruben nicht die Rede sein kann, da Tie rrwicsenermaße» gelegentlich der diesjährige» Reichstags- wählen im großpolnischcn, d. h. slnatsfciudliihcn Sinne agitiert haben. Königliche Berginspeltion. ftlntcrschrifl,) Auf der Königin Louise- Grube arbeiten ausschließlich polnische Arbeiter. Auf diese werden solche Maßnahmen keinen Eindruck machen. Der 16. Juni hat es bewiesen. In Zaborze, das zum großen Teil von den Tausenden der Belegschaft„Königin Louise" bewohnt wird, erhielt das Centrum 1070 Stimmen, Korfaisty 304, Morawski 1öS3 und der„deutsch-nationale" Kandidat 126 Stimmen. Trotzdem solche Ukase unsre Agitationsarbeit sehr erleichtern, müssen wir mit aller Entschicdenbeit fordern, daß der Staat als Arbeitgeber sich nicht um die politische Ueberzeugung der für ihn unter fortwährender Lebensgefahr Mehrwert schaffenden Arbeiter kümmert.— Die deutsch-schwedischen Handelsbeziehungen werden aller Wahr- scheinlichkeit nach durch die Zolldrohuiigcn Deutschlands eine wesciit- lichc Aenderung erfahren. In Schweden gewinnt nämlich die Ab- ficht Verbreitung, den bisherigen einfachen M e i st b e g ü n st i- gungs-Vertrag mit Deutschland durch einen specialisierten Tarif-Vertrag zu ersetzen. Die deutsche Regierung stellt sich, wie verlautet, dieser Absicht sympathisch gegenüber und will dabei noch einige specielle Erleichterungen für den deutsch-schwedischen Handelsverkehr zu erreichen suchen. Sie will vor allem danach trachten, daß die strengen Lorschristen Schwedens über die Behandlung auswärtiger Handlungsreisender gemildert werden. Insbesondere sollen die von den HandlungSreiseuden zu ent- richtenden Abgaben beseitigt oder wenigstens ermäßigt werden; semer wird angestrebt, die Bestimmung aufzuheben, daß Ausländer kein Grundeigentum für sich erwerben dürfen. Es ist natürlich klar, daß alle diese deutsckien Absicknen grade durch den neuen deutschen Tarif erschwert oder völlig unmöglich gemacht werden, es sei denn Deutschland verstände sich Schiveden gegenüber zu bc- deutenden Zugeständnissen. Der HandelsverkehrDeutschlandsmitSchweden ist bekanntlich bedeutend. Deutschland führte im Jahre 1902 Waren von ca. 119 Millionen Mark Waren nach Schweden ans, darunter Fabrikate aller Art. so daß Deutschland unter den Bezugsländern Schwedens an erster Stelle erscheint. Der schwedische Erport nach Deutschland betrug in demselben Jahre ca. 80 Millionen Mark Wert. Er besteht hauptsächlich aus Holz, Holzwaren, Cellulosc, Holzstoff, Eisenerzen, Eisenfabrikaten, Steinen, Fischen, Häuten, Beeren:c.— Eilfertige Reaktion. Anfang Dezember waren in der sächsischen Stadt Pcnig die Stadtverordnctenwahlen, die eine socialdcmokratische Mehrheit ergaben — jetzt, nach fünf Wochen hat bereits ein neues Wahlsystem die Zu- stimmung der Aufsichtsbehörde erlangt, das in Zukunft die Herrschaft der Minderheit über die Mehrheit dauernd sichern soll. Als das Wahlresultat bekannt wurde und sich zeigte, daß trotz der schon bestehenden Scheidung der Wähler in Haus- besitzer und llnangefesiene die übergroße Mehrheit für die Social- demokratte gestimmt hatte, da wurde alles lebendig, was den Fort- schritt fürchtet und vom Unrecht lebt. Nur knapp vier Wochen sollte die Herrschaft der Privilegierten noch dauern, und diese Zeit nützten sie mit einem Eifer, den man sonst vergeblich er- wartet, wenn cS sich um Maßregeln zum Wohle des Volkes handelt. Obwohl unsre schon im Kollegium be- findlichen Parteigenossen zwei Sitzungen durch Obstruktton zu verhindern vermochten, wurde die neue Wahlrechts- Vorlage durchgepeitscht und beschlossen, und mit der gleichen un- gewohnten Eilfertigkeit entschloß sich die Aufsichtsbehörde, dem neuen Lrtsstatut die Zustimmimg zu erteilen. Es werden nunmehr die Wähler neben der schon bestehenden Einteilung nochmals in drei Klassen nach dem Einkommen geteilt, so daß die erste Klasse 82 Wähler umfaßt, die zweite 240 und dritte gegen 600. Der Vorgang ist nicht neu in Sachsen; er bleibt aber immer charakteristisch für die Skrupellosigkcit der Reaktion um so mehr, als diese Klassenteilung, soweit die unangesesseneii Wähler in Frage kommen, direkt den positiven Vorschrifren der Gemeindc-Ordnung, also des Staatsgesetzes widerspricht. Sie ist nur möglich durch gewaltsame Auslegung einer Vorschrift, die der Behörde das Recht giebt, unter gewissen Umständen von den Vorschriften des Gesetzes zu dispensieren. Seltsam! Da wird die Socialdemokratie bei jeder Gelegenheit aufgefordert zu zeigen, was sie Positives leisten kann, in jedem AnitSblättchen bekommen wir die billige Weisheit zu hören, daß wir nichts Posittves leisten, nur immer kritisieren können, und sobald sich eine Gelegenheit bietet, uns au positiven Leistungen zu Grunde zu richten, da wendet man alle Kräfte auf, uns das unmöglich zu machen.—_ Ein Dankschreiben des preußischen LandwirtschastsministcrS. Wie die„Berliner Neueste Nachrichten" berichten, hat Herr v. Podbielski an Mr. W. Allison, den Spccial-Commissioner des„Sportsman" und Leiter der„International Horse Agcncy", dessen„Geschick- lichkeit und Umsicht" daS deutsche Volk den Ankauf dcS 420000 Mark- Hengstes zu danken hat, folgendes amtliche Dank- schreiben gerichtet: .„Nachdem der Vollbluthengst„ A r d P a t r i ck" an der Stätte seiner lünftiaen Wirksamkeit, dem Hauptgestüt Grabitz, gesund an- gekommen ist, nehme ich gern Veranlassung, Ihnen für Ihre Be- mühungen und das besondere Geschick, welches Sie in Wahrnehmung der Interessen der preußischen Gestütsverwaltuiig bei Vermistelung des Ankaufs bewiesen haben, meinen Dank auszusprechen. Der königl. preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. v. Podbielski." Man ersieht hieraus mit aller wünschenswerten Klarheit, daß der Posten eines preußischen Ministers eine Arbeitskraft verlangt. wie sie am ehesten ein alter General besitzt.— Uebrigcns ist „S t ä t t e s c i n e r künftigen Wirksamkeit" in Bezug auf einen Deckhengst gut gesagt.— Uebrr die Eingeborcnen-Erhebung in Deutsch-Neu-Guinea wird der „Elberf. Ztg." aus Sidney gemeldet: Bei dem Uebcrfall in Peter- Hafen sind außer den beiden Deutschen Döll und Reinhardt auch zwei Chinesen und zehn Eingeborene von den Ein- geborenen ermordet worden. Der Stattonschef Hansen wurde von befreundeten Insulanern beschützt und ist nach Friedrich Wilhelmshafen enikommen. Am 12. November wurde die Filialstation auf der Mundua- Jnsel angegriffen und die Eingeborenen wurden ermordet. Der Händler Lauer erhielt zwei Spcerwunden, ist aber nebst seiner Familie nach Herbertshöhe entlommen. Das Gouvernement hat 20 Mann Schutztruppen nach dort entsandt und 22 Eingeborene wurden getötet. AlS angebliche Ursache der That wird der Umstand bezeichnet, daß die Europäer Land, das sie bereits bezahlt hatten. übernehmen wollten, worauf der Ucberfall erfolgte. Die Schutzkuppe fetzt gegenwärtig die Verfolgung fort, sonst herrscht Ruhe. Die wahre Ursache deS Zusammenstoßes wird schwerlich fest- gestellt iverden.— Hualand. Der englische SocialismuS im Jahre 1003. Die„Justice das Organ der Socialdemokratischen Fede» ration, wirft in einem Neujahrsartikel einen Rückblick auf die socia» listische Bewegung in England während des letzten JahreS. Die Agitation fei mit erneuter Kraft und bemerkenswertem Erfolge im ganzen Lande betrieben worden. Neben dem südaftikanischen Krieg haben hierzu vor allem die zollpolittschcn Pläne Chamberlain? den gewünschten Anlaß gegeben. H y n d m a n vor allem habe nach seiner Wiedergenesung die Agitation gegen den Exminister mit der gewohnten Kraft und Begeisterung aufgenommen; seine Versammlungen in fast allen größeren Städten des Landes seien so stark besucht gewesen, wie noch nie socialistische Versammlungen in diesem Laude; hunierte, ja tausendc hätten oft keinen Eintritt in die Versammlungen finden können. In Barnley, loa bekanntlich Hyndman sür die nächsten Wahlen als Kandidat aufgestellt ist. haben die Liberalen den beliebten Trick in Anwendung gebracht, dem GcnossenHyiidman einen liberalen„Arbeiterkanditaten" entgegen zu stellen. Gerade dies habe aber in den Arbeiterorganisattonen des Landes große Entrüstung hervorgerufen; die Arbeiter hätten daraus ersehen, daß die kapitalistischen Parteien sofort einig sind, wenn das kapitalisttsche System ernstlich angegriffen wird. Der Arstkel sucht des weiteren die Lossage der Federatton von dem„Arbeitervertreter-Komitee" zu rechtfertigen. Es habe sich herausgestellt, daß eS den Liberalen immer wieder gelinge, jede unabhängige, politische Aktion der Arbeiterklasse durch schlaues Ent» gegcnkommen zu vernichten. Diese Taktik der Liberalen sei von so großem Erfolge begleitet gewesen, daß eine ganze Anzahl Männer. welche unter der Führung und Protektion des Arbeiter- Vertreter- Komitees gewählt worden wären, abgeschwenkt seien. Die Führer der„unabhängigen Arbeiterpartei" sdie I. L. P. ist im Gegensatz zu der S. D. F. mit den GeWerk» schaften zusammen bei dem Arbeitervertreter-Komitee geblieben), die ihren Socialismus abgeschworen hätten, um die Einigkeit mit den nichtsocialisrischen Körperschaften aufrecht zu erhalten, kämen jetzt selbst in Gefahr, von den letzteren verlassen zu werden. Das sei von der S. D. F. vorausgesehen worden; eine Vereinigung, die nicht auf der Basis gemeinsamer Principicn aufgebaut sei, könne keinen Bestand haben. Der Verfasser hofft, daß gerade dieser Um- stand zu einer Einigung der beiden soeialistischcn Flügel führen könne. Im übrigen ist der Artikel sehr optimistisch und zuversichtlich gehalten.— Oestreich-Ungar». Gehorsamsverweigerung ungarischer Soldaten. In Ungarn wurden bekanntlich ausgediente Mannschaften des dritten Jahrganges bei der Fahne zurückgehalten, da eine Neu» einstellung von Rekruten wegen der parlamentarischen Obstruktion nicht erfolgen konnte. Unter diesen Mannschaften des dritten Jahr- gangS ist es nun stellenweise zu einem hefftgen Widerstand gegen die Vorgesetzten gekommen. Ein Privattclegramm der„Münchener Allgemeinen Zeitung" schildert die Vorkommnisse folgendermaßen: „Bei den ungarischen Truppen in T r e b i n j e und B i l c k in Bosnien ist eine förmliche Revolte ausgebrochen. Die Leute des dritten Jahrganges, die schon im Oktober zur Beurlaubung fällig gewesen wären, verweigerten den Gehorsam und durchzogen johlend die Straßen; sie demolierten die Wirtshäuser, wobei sie die dort auf- gehängten Porkäts des Königs zerstörten. Da infolge der viele» Verhaftungen die Räume deS Bileker Militärgerichts-GesüngniffeS als unzureichend sich erwiesen, wurden die Revolnerenden je zwei und zwei aneinandergefesselt nach Trebinje eskortiert. ES wurden übrigens nur die Reiiitentesteii eingesperrt, denn sonst hätten noch Hunderte verhaftet werden müssen. Auch gelegentlich der Berhastungen kamen Gewaltsamkeiten seitens der Mannschaften vor. Ein Lieutenant, welcher zur Vornahme einer Verhaftung in einem Wirtshaus erschien, wurde von den Soldaten vor die Thüre gesetzt. Ein Jnspektionshauptmann mit verstärkter Patrouille ließ darauf die Maimschast abführen. Bei einem Marsche nach Trebinje ver- weigerten� die Drittjährigen den Gehorsam und duldeten keine Offiziere an der Spitze der Marschkolonne, woraus die Offiziere abtraten und die Mannschaft ihren Ein- zug in Trebinje unter Führung von Unteroffizieren hielt. In Bilek dauert die Gärung noch fort/ Vor zwei Tagen riß einer von der Maunsckiaft den am Thor angebrachten kaiserlichen Doppel- adler herab und warf ihn in den Mvrast, weil ein Offizier erklärt hatte, daß. wenn der Adler wegfliege, auch die Beurlaubung erfolgen werde. Die That wurde mit lauten Jubelrufen begrüßt. Sodann traten die Soldaten vor den inspcktionierendcii Offizier und forderten linier Hinweis darauf, daß der Adler bereits weg- geflogen fei, die Beurlaubung. Mit Rücksicht darauf, daß weitere Meulereien in Aussicht stehen, wurde der Zapfenstreich in Bilek schon auf 6 Uhr abends fixiert. Die Mannschaft der jüngeren Jahrgänge erklärte, in keinem Falle von den Schußwaffen gegen ihre Kameraden Ge- brauch machen zu wollen. Unter den Mannschaften ist die Erbitterung gegen diejenigen Abgeordneten, welche die Obstruktion weiterführen, geradezu grenzenlos." Diese Vorfälle bildeten am Dienstag im Abgeordneten» hause in B u d a p e st den Gegenstand der Verhandlung. .Hoiivedminifter v. Nlsiri erklärte die Berichie der Blätter für vielfach übertrieben. Thatsache sei jedoch, daß infolge der Zurückhaltung von Soldaten, die ihr drittes Jahr abgedient haben. sich Unzufriedenheit bemerkbar gemacht habe und daß am 22. Dezember ein Fall von Verletzung der den Vor- gesetzten schuldigen Achtung vorgekommen sei, so daß sechzehn Mann arretiert wurden. Die Unter- suchung habe ergeben, daß die Widersetzlichkeit plan- mäßig verabredet gewesen sei. Am 27. v. M. hätten Soldaten in einem Wirtshaus in Bilct aufreizende Reden gehalten, weswegen gegen sieben Mann ein»Strafverfahren ein- geleitet worden sei. An den Ausschreitungen hätten ins« gesamt 60 Mann teilgenommen, cS sei jedoch nur gegen 16 ein Strafversahren eingeleitet worden. Aus eine Bemerkung RakovSkyS wegen der angewendeten Milde erklärt der Minister, daß. wenngleich die Verletzung der Disciplin nach den militärischen Vorschriften geahndet werden müsse, doch die mildernden Umstände berücksichtigt werden müßten, welche in den außerordentlichen Verhältnissen begründet seien. DaS Haus nahm darauf mit 161 gegen 21 Stimmen die Vorlage über das Rekruten- Kontingent in der Generaldebatte an.— Belgien. Ein militärisches Bagno, von dessen Existenz man bisher in der Oeffentlichkeit wenig wußte, hat jetzt durch einen Prozeß die Auf- merksamkeit weiter Kreise auf sich gezogen. Vor dem Kriegsgericht von Brabant hatten vier Soldaten zu erscheinen, welche als Sttäf- linge in dem Militärgefängnis von Velverde gehalten werden. Im Laufe der Verhandlung wurden die Grausamkeiten geschildert, die in jener Strasänstalt zur Anwendung tönimcn. Die Sträflinge von Velverde haben in der Regel keine andre Vergehen begangen, als Descrtton, Insubordination, Beleidigungen von Vorgesetzten usw. In der Strafanstalt kommen zur Anwendung: die Zwangsjacke. Haft in dunklen, kalten Zellen, die, obgleich sie unterirdisch'liegen. so daß nur wenig Licht hinein dringt, selbst im Winter nicht gebeizt werden; das Anlegen von schweren Ketten usw. Tie vier Angc- schuldigten hatten gemeine Vergehen begangen �Zertrümmerung von Gegenständen. Anlegung von Feuer, Ungehorsam usw.), um diesem Bagno zu eiitkommcii und einem Eivilgefängnis überwiesen zu werden. Die Verteidiger, unter ihnen der socialistische Advokat Mar Hallet, geißelten in scharfen Worten die Grausamkeiten, wie sie hier der Milita- rlSmuS mt den Söhnen des Vaterlandes deaeht. Die Angeschuldigten wurden zu vier Wochen bis sechs Monaten Gefängnis, die sie in einem Civilgefänanis verbüßen können, verurteilt. Jedoch läßt der Mili- tarismus seine Opfer so leicht nicht los und die Bedauernswerten müssen nach verbüßter Gefängnisstrafe wieder in das Militärbagno zurück. Die öffentliche Meinung aber ist durch den Prozeß auf- gewühlt»nid das Parlament tvird sich noch damit zu beschäftigen haben.— England. Krise und Deficit. London, 3. Januar,(©ig.©er.)©hamberlain hat Glück. Die Beweise der Freihändler für die Geschäftsblüte Englands werden von den Thatfachen Lügen gestraft. Neben der zunehmenden Arbeitslosigkeit zeigt sich ein Rückgang in den Staatseinnahmen. Mit Ausnahme der Postvcrwaltung hatten im letzten Lnartal (Oktober— Dezember) alle Etatsposten einen beträchtlichen Verlust gegen die gleiche Zeit dc-Z Vorjahres sowie gegen den Voranschlag zu verzeichnen. Die letzten neun Monate brachten an Einnahmen rund !)8 Millionen Pfund Sterling gegen rund 102 Millionen Pfund Sterling in der gleichen Zeit des Jahres 1902. In seiner Budgctrede vom April 1900 rechnete der freihändlerische Finanzminister Ritchie auf eine Zunahme an Zöllen und Verbrauchssteuern, obwohl er den Kornzoll beseitigte. Bis jetzt haben die Zölle eine Mindereinnahme von 435 000 Pfund Sterling und die Verbrauchssteuern eine Minder- einnähme von 810 900 Pfund Sterling zu verzeichnen, ebenso die Erbschafts-, Stempel-, Grund- und Einkommensteuern, so daß ein beträchtliches Deficit zu erwarten ist.— Gcwcrkschaftsprozeß. London, 3. Januar.(Eig. Bcr.) Der südwalisische Bergarbeiter Prozeß, bei dem es sich um einen Schadensersatz von zwei Millionen Mark handelt, wurde bekanntlich im August 1903 von der zweiten Instanz zu Gunsten der klagenden Bergbesitzer-Gescllschast entschieden. Die Klage wurde sodann an die erste Instanz zum Zwecke der Fest- stellung des Schadens zurückgewiesen. Ende Dezember 1903 unter- suchte Richter Bigham das Geschäft einer der klagenden Firmen und berechnete den Schaden auf 5825 Pfund Sterling<119 500 Mark). Da diese Firma nur ein Fünfzehntel der Gesamt- Kohlenausbeute hat, so beträgt der Gesamtschadcn etwa 119 500 X 15— 1 747 500 M. Die Ursache der Klage war die Anordnung einiger Ruhetage durch den Verband der südwalisischen Bergleute.— GewerKscKaftliedes. Berlin und Qmgegend. Ein neuer EinignngSvorschlag im Droschkcnkutscherstrrik. Bei Beginn der gestrigen Verhandlungen vor dem Einigungs- umt deS GcwerbegerichtS zogen sich die Parteien sofort zu vertrau- lichen Beratungen zurück. Nach Verlauf von ungefähr zwei Stunden tvurde die Sitzung wieder eröffnet und den Parteien vom Einigungsamt folgender Vorschlag unterbreitet: 1. Es wird vom 7. Januar 1904 ab jedem Kutscher, der bei den Mitgliedern des Arbeitgeber-Verbandes Droschke fährt, ein Grundlohn von täglich 1 M. und 30 Prozent von der erzielten Brutto-Einnahme gewährt. Dieses Abkommen soll Gültigkeit haben bis zum 1. Juli 1904. 2. Es ist sofort eine paritätische Schlichtungskommission zu bilden, bestehend aus sechs Arbeitgebern und sechs Arbeitnehmern. welche unter Vorsitz eines Richters als Obmann umgehend in Funktion zu treten haben. Es soll von dieser Kommiision über alle strittigen Punkte im Gewerbe, welche zu Sweiks oder Aus- sperrungen führen können, und über die Regelung der Arbeitszeit verhandelt und auf Grund dieser Verhandlungen ein für beide Organisationen zu schaffender Vertrag aufgestellt werden. Schon vor Ablauf des letztgenannten Vertrages soll die SchlichtungS- kommission sich bemühen, einen Vertrag auf längere Dauer zu stände zu bringen. 3. Die Parteien verpflichten sich für den Fall, daß eS über- Haupt zu einer VertragSschließung nicht kommen sollte, das Ver- liner Gcwcrbegericht als EinigungSamt anzurufen, damit dieses »nit ihnen weiter verhandele und einen Vertrag durch Vergleich bezw. Schiedsspruch herstelle. 4. Bei Differenzen, Welche zu Streiks oder Aussperrungen führen könnten, soll zunächst die Entscheidung der Schlichtungs- kommission bezw. des EinigungSamtcs abgewartet werden, bevor der Streik oder die Aussperrung proklamiert wird. 5. Maßregelungen der Streikenden bezw. Ausgesperrten dürfen nicht stattfinden, ebenso wenig wie von den letzteren die von den Arbeitgebern'gegenwärtig eingestellten Kutscher zu behelligen sind. 9. Die Arbeit wird am 7. Januar morgens wieder auf- genommen. 7. Die Vertreter der Parteien nehmen vorstehenden Vergleich mit dem Vorbehalt an. daß die Versammlungen der beiden Organisationen den Vergleich genehmigen. Die Vertreter beider Parteien erklärten hierzu, daß sie ihr Möglichstes thun wollten, um in den Versammlungen ihrer Organi- sationen für Annahme dieses Vergleiches zu wirken.— Die Fuhr- Herren haben heute vormittag, die Kutscher abends Versammlung. Es bleibt abzuwarten, ob auf Grundlage dieses für die Kutscher offenbar recht inageren Vergleiches endlich der auf beiden Seiten er- sehnte Friede zu stände kommt. Eine Aussperrung am Wcihiiachtshciligabend ist in der Kisten- fabril von Funke in der Dieffenbachsw. 35 zu verzeichnen. Bisher hatten die Arbeiter der Fabrik keine Ursache zn erheblichen Klage». Das Verhältnis war ein gutes zu nennen. Da kam kürzlich ein neuer Werkführer in die Fabrik und auf dessen Betreiben wurden am WeihnachtSheiligabcnd sämtliche ftistenmacher— es sind elf Familienväter— plötzlich entlassen, ohne daß sie. die sich in der eben beendeten Saison noch tüchtig geplagt hatten. eine Ahnung davon hatten, daß sie gerade zu Weihnachten ohne ersichtlichen Grund auf die Straße gesetzt werden würden. Nach der Entlassung verhandelte die Lohnkommission mit dem Funleschen Werksührcr und da gab derselbe als Grund der Entlastung an, daß ihm die organisierten Kistenmacher zu teuer seien: er wolle es mit unorganisierten billigeren Arbeitern versuchen, Obgleich bei Funke nicht gerade die besten, sondern die im all- gemeinen üblichen Durchschnittspreise bezahlt wurden, wäre die Kommission doch bereit gewesen, sich über die Löhne nit der Firma zu verständigen; aber der Werkfiihrcr blieb dabei, er wolle mit den. VereinSbrüdern", das heißt mit den organisierten Kistenmachern nichts mehr zu thun haben. Die Verhandlungen hatten also keinen Erfolg und die Kom- Mission verhängte deshalb die Sperre über die Funkesche Fabrik. Aus Solidaritär mit den ausgesperrten Kistenmachern legten auch der Kutscher und der Hausdiener der Fabrik die Arbeit nieder. Bis jetzt ist es der Fabriklcitung nur gelungen, als Arbeits- willige drei Kistcnmachcr und einen Kreissägenschneider zu bekommen. und dürfte es für die Dauer doch nicht ohne Verständigung mit der Organisation gehen.— Eine Versammlung der Kistenmacher, die sich am Montag mit der Angelegenheit beschäftigte, nahm eine Resolution an. durch die daS Verhalten der Firma Funke entschieden verurteilt wird und die Versammelten dahin zu wirken versprachen, daß die organisierten Kistenmacher die Funkesche Fabrik meiden und die Ausgesperrten unterstützt werden.— Ferner erklärte sich die Ver- sammlung damii einverstanden, daß die Sperre der Funkeschen Fabrik so lange bestehen bleibt, bis sie durch die Lohnlommifsion aufgehoben wird. Deutkebes Reich. Ein württembergischer Gewerkschaftskongreß. Am Sonntag tagte in Stuttgart die 10. Jahreskonfercnz der Vertrauenspersonen für die Gcwcrbe-Jnspektion und der Kartell- bertreterr Württembergs. Ursprünglich bloß als ein Fonim für Beschwerden und Wünsche an die Gewerbe-Jnspcktion gedacht, ist diese Institution im Laufe der Jahre weit über den ursprünglichen Rahmen hinaus gewachsen und hat so durch die offizielle Teilnahme der Vorstände der württembergischen Gewerbe-Jnspektion sehr an Bedeutung gewonnen. Auch diesmal wieder waren die württembergischen Gewerbe-Jnspcktoren: die Bau- räte Berner, Hochstetter und Hardcgg, sowie die Assistentin Frau Gruner anwesend. An da? Referat des GewcrkschaftssekrctärS Rüther über die Gewerbe-Jnspektion im abgelaufenen Jahre knüpfte sich eine lebhaste Diskussion. Rüther hatte darauf hingewiesen, daß im zweiten JnspektionSbezirk sich Differenzen'zwischen den Arbeitern und dem Gewerbe-Jnspcktor Hochstetter ergeben haben, und ein Delegierter hatte sich insbesondere darüber beschwert, daß Baurat Hohnstetter Sttcikinformationen bei der Polizei eingezogen habe. Ter angegriffene Gewerbe-Jnspcktor verteidigte sich gegen die Angriffe und erklärte, daß er zur Einholung von Strcikinformationcn bei der Polizei amtlich verpflichtet sei. Nach ihm ergriff Gewerbe-Inspektor Hardcgg daS Wort, um auszuführen. daß bezüglich der Streikinformattonen in erster Linie Unternehmer und Arbeiter in Betracht kommen müßten. Im übrigen beruhe die Einholung einer Information bei der Polizeibehörde aus einer Reichsvorschrift, aber nur für statistische Zwecke. Zu In- formationen über den Streik selbst würde er die Polizeibehörde nie in Anspruch nehmen. Alle drei Gewerbe-Jnspektoren wiesen in der Diskussion auf die großen Schwierigkeiten hin, die ihnen von manchen Unternehmern in den Weg gelegt werden, und Gewerbe-Jnspektor H a r d e g g betonte die Wichtigkeit eines besseren Ausbaues der Vertrauensmänner- Organisation. Landtags- Abgeordneter Keil befürwortete eine Resolution. die eine Verstärkimg des völlig unzulänglichen Personals der Gewerbe- Inspektion verlangt. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Sodann referierte Huß über die kürzlich erfolgte Hinzuziehung von Arbeiterverttetern als Beisitzer zur Centralstelle für Gewerbe und Handel. Eine von ihm beantragte Resolution, die darin bloß eine karge Abschlagszahlung auf die Forderung nach Arbeiterkammern erblickt und deren landesgesctzliche Einführung fordert, wurde einstimmig angenommen. GewerkschaftSsekretär Rüther gab zum Schluß noch einen Bericht über.den Stand der gewerkschaftlichen Organisation in Württem- berg'. Nach demselben bestehen in Württemberg 280 Vcrwaltungs- stellen der Verbände, welche der gewerkschaftlichen Organisation an- geschlossen sind, mit einer Mitglicderzahl von rund 22 000. Vor- Händen sind 23 Gcwerkschaftskartelle mit 17 390 Mitgliedern. Von den übrigen Organisationen haben, soweit festzustellen war, die Hirsch-Dunckerschen 2000 Mitglieder und die Christlichen Gewcrk- schaften zusammen etwa 1500 Mitglieder. Ohne Zweifel trägt die intime Fühlungnahme zwischen Gewerbe- Inspektion und Arbeiterschaft, wie sie auf diesen Konferenzen erfolgt, viel dazu bei, das Vertrauen der Arbeiterschaft zur Gewerbe- Inspektion zu heben und diese zu befruchten. HusUnd. Dem Ausstand der Schiffsarbeiter in Barcelona haben sich auch viele ausländische an Stelle der cinheimischen angeworbenen Arbeiter angeschlossen. Eine Besprechung des Gouverneurs mit Vertretern der SchiffahrtSuntcrnehmcn hat zu einem Ergebnis nicht geführt. Im Hafen ist alle Thättgkeit eingestellt. Serickts-Leitung. Ein Verstoßener. In einem Anfall von Liebeötollheit will der Arbeiter Otto Linke den Exceß begangen haben, der ihn gestern unter der Anklage deS v e r s u ch t e n R a u b e s und der ver- s u ch t e n R o t z u ch t vor die Schranken des Schwurgerichts am Landgericht I fiihrte. Der Angeklagte ist, wie er den Geschworenen in etwas schwülstiger Weise erzählte, einer jener.Heimatlosen", die von ihrem Bater, ihrer Mutter nichts wissen, kaum über das Jahr ihrer Geburt Auskunft geben können. Famiiienglieder und Freunde nicht besitzen und einsam und verlassen sich durch die Welt schlagen. Er ist wegeir BettelnS und VagabondierenS vorbesttaft und auch schon einmal wegen eines Exceffes, bei dem er in eine große Er- regung geraten war, vorübergehend in eine Anstalt gebracht worden, aus der er dann als gcistesgcsund cntlaffen worden ist. EtwaS Seltsames haftet ihm aber an und wie er gestern mit der ehrbarsten Miene der Welt und den sonderbarsten Geftttulattoncii dem„werten Herni Präsidenten" immer und immer wieder ver- sicherte, daß.nur die Liebe" ihn auf die Anklagebank gebracht hätte, wirkte er unwillkürlich auf die Lachmusleln der Zuhörer. Linke ist kurze Zeit bei einem hiesigen Bäckermeister als Hausdiener angestellt gewesen und hatte jeden Morgen bei einer in der Schulstraße wohnenden Milchhändlcrin Backwarc abzuliefern. Er wurde dabei von dem 15 jährigen Töchterlein Elftiedc abgefertigt, die das Laden leschäft besorgte und aus der Geldtasche, die sie an einem Riemen um ihre Taille trug, den Bewag für die Backware bezahlte. DaS Mädchen hatte es. ohne eS zu wissen, ihm angechan, denn er versicherre gestern den Geschworenen ganz treuherzig:„Ich hatte das Mädel lieb und war ihm furchtbar gut und hatte die große Sehnsucht, doch auch einmal ein Mädchen zu habe», mit dem ich ausgehen könnte. Wie es die andern jungen Leute thun." DaS Mädchen will von seiner Zuneigung aber nichts gemerkt haben und bestritt die Be- Häuptling des Angeklagten, mit ihm hier und da über Liebcsgeichichtcn geplaudert zu haben. Sie will nur einmal von ihn, gehört haben, daß er aus Landsberg a. W. stainine und darauf esagt haben: sie habe auch eine Freundin in Lnndsbcrg a. W. und esitze sogar deren Photographie. Der Angeklagte versicherte aber, daß sie auch über die Liebe geplaudert hätten; daS sei„so wahr, wie er hier vor gebildeten Leuten stehe." Er wußte, daß die Mutter des Frl. Elftiede als Friseurin thättg war und um 8 Ilhr daS Haus verlieb und daß die beiden Geschwister deS Mädchens in die Schule gingen, so daß letzteres in den Vormittagsstunden sich ganz allein in dem Verkaufökeller befand. Am 12. August erschien er gegen 10 Uhr vornrittags daselbst und ersuchte das Mädchen um ein'Glas warmer Milch. Als daS Mädchen in die Küche ging, um die Milch zu wärmen, folgte er ihr, sie kehrte jedoch sehr schnell wieder in den Laden zurück. Dann plauderten sie über gleichgültige Dinge und schließlich bat Linke daS Mädchen, ihm doch einmal die Photographie der Freundin aus Landsberg zu zeigen; vielleicht würde er sie auch kennen. Das Mädchen ging denn auch in ein Nebenzimmer, um das Photographie-Album zu holen; der Angeklagte war ihr gefolgt, hatte unbemerkt den Thürriegel vorgeschoben und als das Mädchen ihm die Photographie zeigte, packte er sie plötzlich bei der Gurgel und warf sie aus das Bett nieder, sich selbst aber auf ihren Körper. Das zu Tode erschrockene Mädchen konnte keinen Laut von sich geben, sie will aber gefühlt haben, daß der Angeklagte sich mit der einen Hand an ihrer Geldtasche zu schaffen machte. Eirdlich gelang es ihr, sich seinen Händen zu entwinden. In ihrer Angst ließ sie den Angeklagten ruhig seines Weges ziehen und erstattete dann Anzeige wegen RaubmordvcrsuchS. Linke war aus Berlin verschwunden und ist schließlich erst im September in Landsberg a. W. verhaftet worden. Die Anklage wegen versuchter Notzucht ist eigentlich nur auf sein Conto zu setzen, denn er beswitt einerseits entschieden, es auf die Geldtasche abgesehen zu haben, und meinte, er könne höchstens wegen eines unsittlichen Attentats auf das Mädchen zur Verantwortung gezogen werden. Auch gestern wies er jede diebische Absicht unter allen möglichen Beteuerungen zurück.„Als das Mädchen so vor mir stand, wußte ich nicht, wie mir geschah. Mir wurde ganz wirr im Kopf und der Anblick des Mädchens zog mich so an. daß ich sie umfassen mußte. Ich wurde von einer unwiderstehlichen Gewalt getrieben So der Angeklagte. der unter Schluchzen versicherte:„An dieser Anziehungskraft gehl ja mein Leben noch einmal zu Grunde I"— Ter Gerichts- arzt Dr. Hoffmann hat den Angeklagten im Ge fängnis auf seinen Geisteszustand untersucht. Nach seinem Gutachten ist der Angeklagte ein schwachsinniger, minder« werttger, aber kein geisteskranker Mensch.— Die Verhandlung ffkitte ein eigenarttges Ergebnis. Tie Geschworenen verneinten die Schuld« fragen betreffend versuchte Notzucht und versuchten Raub, bejahten dagegen die vom Rechtsanwalt Dr. Fuchs gestellte Unterfrage wegen thätlichcr Beleidigung. Zur Strafverfolgung vieles Vergehens gehört ein Sttafanttag nud da ein solcher nicht vorlag, so erkannte das Gericht auf Einstellung des Verfahrens. Zu Unrecht beschuldigt. Der Schlächter Dcmpke beanspruchte durch Klage beim Gewerbcgericht von dem Berliner Rabatt-Spar- verein Südost, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, außer 13 M. Lohn eine vierzchntägige Lohnentschädigung wegen unberechtigter Entlassling. D. War in einer der Fleischereien des Rabatt- Sparvereins beschäftigt gewesen und wegen Verdachts deS Diebstahls entlassen worden. Der frühere Leiter jenes Geschäfts, Herr Riewe hatte ihn auch angezeigt, das Schöffen« geric&t sprach D. jedoch frei, weil er des Diebstahls von Fleisch nicht überführt sei.— Der Vertreter des beklagten Verein?, einer seiner Geschäftsführer, gestand den rückständigen Lohn dem Kläger ohne weiteres zu. machte sich aber anheischig, den Nachweis sür den Ausschluß der Kündigungsfrist zu erbringen,' folgte dann je- doch den Vergleichsvorschlägen des Vorsitzenden Dr. Neumann und schloß mit dem Kläger folgenden Vergleich: Die beklagte Gesellschaft mit beschrankter Haftung zahlt dem Kläger ver- gleichsweise 30 Mark und verpflichtet sich, im„Vor- wärtS", wo früher eine Erörterung des Falles erfolgt ist, folgende Erklärung zu veröffentlichen:„Auf Anzeige unsrcS ftüheren GcschäftSlciters Riewe ist gegen den Schlächter Paul Dcmpke ein Strafverfahren wegen Diebstahls eröffnet worden. Das Verfahren hat einen Beweis dafür, daß die Anzeige berechtigt sei, nicht erbracht. Dempke ist daher am 8. Oktober 1903 vom Schöffengericht frei- gesprochen worden. Tie unterzeichnete Gesellschaft bedauert, daß auf Anzeige eines ihrer Geschästslciter der D. des Diebstahls beschuldigt worden ist."— Kläger verzichtet auf alle weiteren Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis._ Neichstags- Ersatzwahl im Kreise Neichenbach-Kirchberg. Rcichendach i. V., 5. Januar.(W. T. B.) Bei der heutigen Reichstags- Ersatzwahl im 22. sächsischen Wahlkreise Reichen» bach- Allerbach wurden nach den bisherigen Zählungen für Hoffmann(Soe.) 13 864 und für Graf Hoensbrocch(natl.) 8682 Stimmen abgegeben. Es fehlt nur noch das Ergebnis aus einigen kleinen Orten. Die Wahl des Genossen Adolf Hoffmann mit großer Majorität gesichert. Diese durch den Tod unsreS Genossen Franz Hofmann notwendig gewordene Ersatzwahl im 22. sächsischen Wahlkreise brachte, wie vorauszusehen war, den Sieg der Socialdeinokratte. Bei der Hauptwahl 1903 erhielt Hofmann(Soc.) 19 109 Stiinmen, während die vereinigten bürgerlichen Parteien für ihren geineinsainen Kandidaten, den Erjesuiten HoenSbroech, 12 988 Stimmen aufbrachten. Im Jahre 1893 erhielt die Socialdemokratie 13 154 Stimmen, auf den damals konservativen Kandidaten der geeinten Gegner entfielen 11 583 Stimmen. Letzte JVaebnebten und Depclcben. Die Wahle cchts-„Neform" in Sachsen. Chemnitz, 5. Januar.(B. H.) Wie der«Chemn. Allgcm. Ztg." aus zuverlässiger Quelle bestätigt wird, ist die Beschleunigung der Veröffentlichung der Denkschrift bei der Wahlrcchts-Reform auf den Wunsch des Königs Georg zurückzuführen. Der König hat beim Nenjahrsempfang dem Geh. Hofrat Mehnert gegenüber sich aus- drücklich in diesem Sinne geäußert. Aus unterrichteten Kreisen ver- lautet ferner, daß die Kundgebung auch eine Verschärfung der Ge- schäftSordming enthalten soll, um der Obstruktion entgegenwirken zu können._ Abgeordnetenhaus. Budapest, 6. Januar._ llutct den Soldaten der eng tischen Garnisonen der Kolonie sind ernste Unruhen ausgebrochen, die durch schlechte Besoldung der Koloirialtruppen und durch die Mißstimmung vcrunacht find, welche infolge der mangelhaften Wohnlichkeil der Kasernen bei den Soldaten Platz gegriffen hat. Laibach, 5. Januar.(B. H.) Unter den Arbeitern beim Tunnel- bau in Wochcin sind die schwarzen Blattern ausgebrochen. Zwei Arbeiter, welche die Krankheit eingeschleppt hatten, find bereits verstorben. Perantw. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstal: PaulSingerL-Eo..BerlinL1V. Hierzu 2Veilagenu.UntcrhaltungSblatt St.1. 21. loljtjnng. 1. Die preußischen Landtagswahlen. Aus dem Artikel des Genossen B r u h n s im Januacheft der „Socialistischen Monatshefte", über den die„Vossische Zeitung" eine so auffällige Freude gemimt hat, teilen wir nachstehend einige Auszüge mit. Wenn es auch richtig ist, daß Bruhns von einem vollständigen Fiasko der Prcssionspolitik gegen die Freisinnigen redet, fo zeugt es doch nur von einer unbegrenzten Bescheidenheit, wenn die„Vossische" um dieser Wendung willen den Genossen Bruhns für sich reklamiert. Bruhns wendet sich zunächst gegen die Parteigenossen, die in unsrer Teilnahme an den Wahlen einen Mißerfolg sehen, und Vorschläge zur Einschränkung einer künftigen Beteiligung machen. Er führt dann aus. daß die Anhänger der Beteiligung durchaus keine überschwänglichen Erwartungen gehegt haben und beruft sich dafür u. a. auf Auers Ausführungen 1897 in Hamburg, der damals sagte, daß es schon ein Gewinn wäre, der jetzigen Mehrheit nur ein Dutzend Sitze abzunehmen und an ihre Stelle „Vertreter solcher Parteien zu bringen, die uns lieber sind, als die Sorte, die jetzt das große Wort führen". Darauf fährt der Artikel fort: „Freilich, selbst das ist nicht erreicht worden, aber nicht durch unsrc Schuld. Es hätte erreicht werden können, wenn das nicht durch dos bekannte jämmerliche Verhalten der Freisinnigen bei den Ab- gcordnetenwahlen in mehreren Kreisen verhindert worden wäre. Vielmehr jedoch hätte erreicht werden können, wenn der Mainzer Parteitag dir ursprüngliche Resolution Bebel angenommen hätte, die lediglich die Verpflichtung zur Beteiligung an der Landtagswahl aussprach. Um den Gegnern der Beteiligung die Saebc etwas lveniger unangenehm zu machen, wurde bekanntlich die Bestimmung hineingebracht, daß die Beteiligung„mit eignen Wahlmännern" stattfinden müsse. Donit war die Möglichkeit, mit bürgerlichen Parteien ein Bündnis zu schließen, die Kräfte zum Kampf gegen die Reaktion im einzig geeigneten Augenblick, bei den Urwahlcn nämlich, zu konzentrieren, aufgehoben. Zur Freude der Konservativen usiv. waren nun Socialdemokratcn und Liberale gezwungen, in getrennten Heeren nicht nur gegen die Reaktionäre, sondern auch gegeneinander zu kämpfen. Und notwendigerweise nmßte unsre ausschließlich selbständige Beteiligung, unsre Ablehnung jedes Kompromisses mit bürgerlichen Parteien schon bei den UrWahlen, zu jener Prcssionspolitik gegen den Freisinn führen, deren vollständiges Fiasko wir jetzt allerdings nicht bestreiten können. Cb der Liberalismus auf ein solches Bündnis bei den Urwahlcn, auf die Aufstellung gemcinschaft- lichcr Wahlmännrrlistcn in einer grös-ercn Zahl von LandtngSwahl- kreisen, eingegangen wäre, ist ja nach den in den letzten Fahren, insbesondere mit dem Richterschen Frcifinnsflügcl, gemachten Er- sahrungcn sehr fraglich. Das aber ist auch hier nebensächlich, denn hier handelt es sich zunächst darum, daß wir selbst die Grund- bcdingungen für die Möglichkeit eines solchen Bündnisses schaffen mußten. Das haben wir in Mainz nicht gethan, vielmehr das Gegen- teil, obwohl, wie gesagt, auch Genossen dazu geneigt waren, wie Bebel, der in seinem Referate wörtlich sagte:„So liegen die Dinge nicht, daß wir nicht die Hilfe der cnischicdencn bürgerlichen Elemente für unsrcn eignen politischen Befreiungskampf gebrauchen tonnten."... ... Nachdem wir uns also selbst die Möglichkeit, jenen energischen Ruck nach links im preußischen Landtage zu verursachen, genommen hatten, dursten tvir nach dieser Richtung hin nicht viel mehr erlvartcn und haben auch nicht viel erwartet, so daß in dieser Beziehung von Enttäuschungen nicht die Rede sein kann. In andrer Beziehung aber haben sich die an unsre Beteiligung geknüpften Eclvartungen nicht nur erfüllt, sie sind zum Teil weit übcrtrofsen worden. Ich nenne hier vor allem den glänzend geführten Stachlveis, daß wir auch unter dem Drciklassenwahlspstem Mandate aus eigner Kraft erringen können. Tie Gegner der Beteiligung hatten das auf das allercntschicdenste bestritten. Unser alter Liebknecht erklärte in Hamburg:„Durch eigne Kraft Mandate zu gewinnen, ist undenkbar I" Und ihm schlössen sich fast alle Berliner Redner an. Adolf Hofsmann sagte auf dem Hamhurger Parteitage wörtlich:„Sie können ebenso gut beschließen, einen Abgeordneten in den Mond zu schicken, er wird auch nicht hinauf kommen l" Selbst die dritte Abteilung würde man in Berlin erst gewinnen, wenn auch die Minister Socialdemolraten geworden seien, erklärte derselbe Wortführer der Berliner Genossen auf dem Mainzer Parteitage. Und wie glänzend haben die Berliner Genossen selbst alle diese Behauptungen ad absurdum geführt. Von den rund 7000 Berliner Wahlmänncrn waren 2490 social- demokratenl Und der dritte Berliner Wahlkreis war nahe daran, von den Genossen aus eigner Kraft erobert zu werden. Wer da weiß, welche ungeheure OrganisationSarbcit die Dreiklassenwahl in Preußen erfordert, der muß von Bewunderung für eine solche Leistung erfüllt werden. Und wer Iveiß, wie wertvoll die Erfahrungen eines ersten Wahlkcmipfes unter dem Dreiklassenwahlsystem für kommende Wahlen werden, der ist mit dem Schreiber dieser Zeilen fest überzeugt, daß der dritte Berliner Wahlkreis, der auf den ersten Anlauf ein derart glänzendes Resultat zeitigte, bei den nächsten Wahlen ganz sicher der Socialdemokratie gehört. Eine andre Behauptung der Gegner der Wahlbeteiligung in unsrer Partei ist durch die jüngsten Wahlen ebenfalls gründlich wider- legt: nämlich die. daß eine Massenbeteiligung unter dm Dreiklassenwahlsystem ganz unmöglich sei. Gewiß müsse» die socialdemokratischen Wähler, auch in den Großstädten, zur öffentlichen Abstimmung'erst erzogen werden. Die Stadwerordnetcnwahlcn wirkten in dieser Richtung nur in bescheidenem Matze, schon weil nur ein mehr oder minder geringer Teil der Arbeiter das Gcmcindcwahlrecht besitzt. Hier konnte in großem Maße erziehlich in der That nur die Land- tagswahl wirken. Und sie hat gelvirkt, wie die Beteiligungszifscrn der einzelnen Städte, soweit sie bisher bekannt wurden, beweisen. So haben in Breslau über 11999 Urwähler socialdemokratisch ge- wähltl Vor fünf Jahren, bei dem ersten Versuch in Breslau, betrug die Zahl der socialdemokratischen Urwähler daselbst nur 2599 l Kann es einen besseren Beweis für die gewaltige erzieherische Wirkung nnsrer Wahlbeteiligung auf die Arbeiter geben, als er in diesen Zahlen liegt? Und kann es zugleich eine bessere Garantie für die erhebliche Steigerung unsrer Bedeutung bei kommenden Wahlen geben, als sie in dieser Vermehrung unsrer Stimmenzahl von einer Wahl zur andren liegt? Sind doch die Verhältnisse in Breslau keineswegs günstiger, eher ungünstiger, als in den meisten andren preußischen Städten mit starker Arbcitcrbcvölkcrung. Ter große agitatorische Erfolg unsrer Wahlbeteiligung ist freilich nicht klar in Ziffern darzustellen. Daß die Erörterung einer ganzen Reihe von Fragen, die von unmittelbarstem Lcbensintcresse für die Masse sind, bei den Rcichstagswahlcn aber nicht behandelt werden können, ihre lverbende Kraft für unsre Partei ausübt, ist gar nicht zu bezweifeln, ivcnn auch diese Kraft sich nicht immer unmittelbar bei diesen Landtagswahlen bemerkbar machte. Unsre Landtagswahl- agitation bringt uns vielfach einen Wechsel auf die Zukunft, der bei den kommenden Reichstagswahlcn sicher eingelöst wird. Zweifellos aber hat auch der jüngst vergangene Wahlkampf uns ganz dirclr eine Menge neuer Genossen zugeführt. Und von ganz besondrem Werte ist die Beteiligung an den Landtagswahlen für unsre politischen Organisationen. Das Aufsuchen. Heranziehen und Ausbilden von Wahlmannskandidatcn bedeutet nach meinen Breslaucr Erfahrungen eine dauernde Stärkung und Erweiterung der politischen Organisation. Daran ist eine kniffliche Bestimmung des WahlshstemS selbst schuld, die nämlich, welche fordert, daß de., Wahlmann aus seinem eignen UrWahlbezirk genommen werden muß. Könnte jeder beliebige Ur- Wähler in jedem beliebigem Urwahlbczirk zum Wahlmann gewählt werden, dann wäre allerdings unsre Arbeit erheblich leichter, denn mir würden eben zunächst alle schon politisch organisierten Genossen als Kandiaten verwenden und erst bei einem darüber hinausgehen- den Bedürfnisse andre, der Organisation noch fernstehende Partei- Ks Jorrtris" freunde heranziehen. Die oben erwähnte Bestimmung aber bewirkt, daß wir in manchen Urwahlbezirkcn für die zwei zu wählenden Wahlmänner vielleicht zwanzig und mehr Genossen haben, die zur Kandidatur bereit sind, in andren Bezirken aher— und deren gab es in Breslau einige hundert— mit Mühe und Not erst aus den politisch nicht organisierten Urwählern die geeigneten Wahlmanns- kandidaten herauszusuchen und für ihre im Wahlkampfe sehr wichtige Aufgabe erziehen und ausbilden müssen. Tie so ganz neu ge- wonncnen Mitkämpfer finden aber nach meinen Erfahrungen durch die ihnen zugewiesenen, ihr Ehrgefühl anstachelnden Funktionen in den meisten Fällen einen derartigen Gefallen an der politischen Tätigkeit, daß sie dauernd eifrige Mitglieder der politischen Organi- sation werden. Aus all den vorgenannten Gründen kann von einem unnützen Geldvcrpulvcrn bei diesm ersten ehrlichen Versuch unsrer Beteiligung durchaus nicht geredet werden. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, daß wir unsre Geldmittel, soweit sie für die Agitation bestimmt waren, gar nicht nutzbringender hätten verwenden können, wie es hier geschehen ist. Daß in manchen Kreisen der Wahlersolg weit hinter den Erwartungen zurückblicb, ist nach meiner Ucberzcugung, abgesehen von vereinzelten besonders ungünstigen lokalen Verhält- nissen, fast immer auf den Mangel einer straffen, ausgebildeten Organisation zurückzuführen. Die Art der Landtagswahlagitation ist von der der ReichStagwahlagitation erheblich verschieden. Der Wahlkreis zerfällt mit semen Hunderten von Urwahlbezirkcn in ebenso viele Miniaturwahlkreisc, deren jeder in der Person des Kandidaten einen rührigen Agitator erfordert. Das setzt einen Stamm erprobter Genossen voraus, die solvohl als Wahlmannskandidaten, wie als Ausbildner von solchen sehr wichtige Aufgaben zu erfüllen haben. Wo solche Kräfte respektive solche Organisation von Kräften nicht vorhanden— und das ist leider in vielen Reichstagswahlkreisen, auch in solchen, die uns bei Rcichstagswahlen sichere Mehrheiten bringen, der Fall—, da ist man allerdings nicht in der Lage, nennenswerte Erfolge zu erzielen. Lediglich dieser Mangel hat es auch verursacht, daß in einer ganzen Reihe von Wahlkreisen von der Beteiligung trotz des verpflichtenden Parteitagsbcschlusscs ganz ab- gesehen wurde. Man deckte sich mit der bequemen Erklärung, daß die öffentliche Abstimmung die Beteiligung unmöglich mache, glaubt auch>vohl selbst an diese Erklärung, die in viel weniger Fällen tvirkliche Berechtigung hat, als man selbst in Parteikreisen annimmt, und übrigens mit jedem Versuch der Beteiligung mehr und mehr auch von ihrer thatsächlichcn Berechtigung verliert. Wenn wir alleö das, was nach den hier bezeichneten Richtungen hin die Beteiligung an den Landtagswahlen für unsre Partei an Nutzen schon geschaffen hat, nicht wieder verlieren, sondern ganz bc- deutend erivcirern und vennehren wollen, dann ist es gar keine Frage, daß ivir die Beteiligung in der Zukunft nickst auf einige wenige Wahlkreise beschränken dürfen, sondern ganz entschieden dahin wirken müssen, daß an die Ausführung des Mainzer Beschlusses viel mehr preußische Wahlkreise mit Ernst und Eifer herangehen, als das dies- mal der Fall gewesen ist. Ob unsre Beteiligung schon jetzt auch zu einer Erschütterung des Drciklassenwahlsyftems selbst geführt hat, lvill ich hier incht untersuchen, das dürfte auch zunächst wohl schwer nachzuweisen sein. Das aber kann doch niemand leugnen, daß in all den vorhergegangenen Jahren zusammen nicht entfernt so viel zur Kennzeichnung und Diskreditierung dieses ebenso lächerlichen ivic unwürdigen Wahlsystems im arbeitenden Volke, wie vor aller Welt geschehen ist, wie in den wenigen Wochen des nun vergangenen WahlkampfeS. Daß das, systematisch und geschickt fortgesetzt, auf die Dauer denn doch nicht etlva zur Befestigung dieses Systems dienen kann, trotz der Dickschädcligkeit und Brutalität unsres mächtigen Junkertums, scheint mir sicher. Ilnd um so sicherer, je mehr die socialdemokratische Partei als einzige konsequente und gefähr- liche Gegnerin dieses Junkertums infolge ihrer lveiteren politischen Erstarkung, ihrer Gewinnung immer größerer Schichten des MSttel- standes auch bei den preußischen Landtagswahlen an Terrain ge- lvinnt— auch ohne Hilfe des Liberalismus, auf die nach den bis- herigen Erfahrungen in nennenswertem Maße wohl nicht mehr zu rechnen ist. Daß>vir die Presfioicspolitik gegen den Freisinn in der Zukunft aufgeben sollten, darin bin ich mit Kantsky durchaus einverstanden. Es fragt sich nur, ob wir sie auch aufgeben können, ob wir zur Fortsetzung derselben nickst geradezu gezwungen sind, wenn wir bei zukünfligen Wahlen nicht rechtzeitig, das heißt bei den UrWahlen, zur Aufgabe der jetzt geübten, beiderseits selbstmörderischen Taktik kommen. Wir könnten das nach den Erfahrungen des jüngsten Wahl- kampfcs, die uns unsre Kräfte, die vorläufige Verteilung derselben wenigstens annähernd richtig zeigen, ja viel besser, als das vorher möglich war. Indes, ob wir das thun wollen und werden, das ist mir recht zweifelhaft, noch viel zweifelhafter aber, ob der Liberalis- mus im stände sein wird, sich zu einer solchen belebenden That auf- zuraffen. Am wenigsten ist in dieser Beziehung wohl von den Frei- sinnigen Richtcrscher Observanz zu erhoffen, diesen politisch bornierten Spießbürgern. Ob und wie weit eS der kleine» Gruppe groß- kapitalistischer Liberaler vom Schlage Barths aber gelingen wird, in der Zukunft Einfluß auf den GcsamtliberaliSmus zu gewinnen, vielleicht unter der Einlvirkung lveitcrer junkerlicher Attentate auf das moderne Wirtschaftsleben, ist heute nicht vorauszusehen." Welche Anerkennung für die„Bossische", zu hören, daß an dem jämmerlichen Verhalten der Freisinnigen selbst die bescheidne Hoffnung auf die Vermehrung der freisinnigen Mandate um ein Dutzend ge- scheitert ist! Welche Wonne für sie. zu hören, daß der Artikelschreiber selbst an d e r Miiglichkcit starke Zweifel hat, daß die Freisinnigen bei einem Zusammengehen schon in der UrWahl den nötigen Mut aufgebracht hätten oder in Zukunft aufbringen würden! Welch eine Gegnerschaft zwischen Bruhns und Bebel, wo jener sich auf diesen berufen kann! Wir wollen es aber der liebedürstendcn„Vossischen" selbst- verständlich keinen Augenblick wehren, Ohrfeigen für Liebkosungen zu nehmen. partei-�sadmcklm polizelliches. Omchtlichcs uto. Der Offiziersbeleidigung soll sich der verantwortliche Redakteur der„Frankfurter Bolksstimme", Genosse Quint in Frankfurt am Main, schuldig gemacht haben. In der Nummer vom 1. Oktober 1993 brachte die„Voltsstimme" einen der „Neuen Badischen LandeS-Zeitung" entnommenen Artikel, wo- nach in Reichartshausen 15 Grenadiere den Gasthof, in dem die Offiziere tafelten, mit Steinen beworfen hätten, so daß die Offiziere flüchten mußten. Auch aus verschiedenen andren Orten>vie Nußloch, Linzheini und Dllren seien ähnliche Vergehen, jedoch leichterer Art, gemeldet tvorden. Darauf ging der„Volksstimme" von dem Generalkommando des 14. Armcecorps in Karlsruhe eine Mitteilung zu, nach der genaue Umfragen angestellt worden seien, die die vollkommene Haltlosigkeit der Meldung ergeben hätten. In Nr. 244 kam dann diese Berichtigung des Generalkommandos zum� Abdruck mit dem Zusatz:„Gerne haben wir auch das Generalkommando' zu Worte kommen lassen; nur fragt eS sich jetzt noch, ob dasselbe auch folgende Möglichkeit in den Bereich seiner Nachforschungen gezogen hat daß die an den jetzt als falsche Mitteilungen bezeichneten Vorfällen etwa beteiligte» Offiziere es für besser gehalten haben können, nichts über die Sache verlauten zu lassen." In dieser Randbemerkung erblickte die Staatsanwaltschaft eine schwere Beleidigung, da darin dem Offiziercorps der Vorwurf gemacht werde, eine dienstliche Meldung falsch erstattet zu haben. Auf erhobene Anklage erkannte das Gericht auf 290 Mark Geldstrafe. Unbrauchbarmachung der Platten und vorhandenen Exemplare und Veröffentlichung des Urteils. Wwolh, 6. Januar 1904. Em Induftrie und fjandeU Der Jahresbericht der Handelskammer zu Essen. Unter den verschiedenen von den deutschen Handelskammern herausgegebenen Jahresübcrsichten hat der Bericht der Essener Handelskammer An- spruch auf besondere Beachtung— nicht wegen der Tiefe seiner Auffassung, oder weil er bisher noch nickst bekannte Thatsachcn zur Beurteilung der heutigen Wirffchaftslage beibringt, sondern weil in ihm am deutlichsten und konsequentesten jene Anschauungen zum Ausdruck kommen, die in den Kreisen der Leiter der rheinisch-west- fälischen industriellen Syndikate, spccicll der Syndikate der Montan- induftrie, vorherrschen, d. h. jener Kreise, die man meist als „Scharftnacher" bezeichnet. Vorläufig ist nur der erste Teil des Jahresberichts der Essener Handelskammer erschienen, der eine Besserung der wirtschaftlichen Lage im vergangenen Jahre konstatiert. Die von der Industrie er- griffenen Maßnahmen, die, wie die Verstärkung der Ausfuhr, Ein- schränkung der Produktion, Ermäßigung der Preise für Rohstoffe, bezweckten, den heimischen Markt zu entlasten, die Gütcrerzcugung dem Bedarf anzupassen und den verminderten Konsum zu heben, hätten in der That eine gewisse Wirkung ausgeübt und die rheinische Industrie dem Ziele, die in der Zeit des Aufschwungs durch Schaffung neuer und Vergrößerung bestehender Anlagen weit über den that- sächlichen Bedarf gesteigerte Produktionsfähigkeit mit der Nachfrage wieder in Einklang zu bringen, ein gutes Stück näher gebracht. „Wesentlich Vorschub geleistet ist dieser Entwicklung," heißt e? dann weiter,„allerdings dadurch, daß es möglich war, vor allem die Eiscnvorräte, welche auf unsrcn heimischen Markt drückten, nach dem Auslmide, insbesondere nacb den Vereinigten Staaten von Amerika, abzustoßen, sowie dadurch, daß die Gütermengen, welche weiter über unsren heimischen Bedarf hinaus erzeugt wurden, auch im Jahre 1993 im Auslände willige Abnahme fanden, wodurch unsren Werken vorab Beschäftigung, wenn auch zu wenig lohnenden Preisen, gesichert wurde. Wen» nunmehr, auch nachdem gegen Ende des Jahres 1903 dieser Auslandsabsatz bei gleichzeitiger Zunahme der Einfuhr in Wegfall gekommen ist, der Beschäftigungsgrad unsrer Werke und der Absatz ihrer Erzeugnisse nicht irgendwie merklich nachgelassen hat, so läßt dies die Annahme berechtigt erscheinen, daß der lange zurückgehaltene Inlandsbedarf sich jetzt wieder stärker dcthätigt. Ist dies aber der Fall, so wird man begründete Hoffnung hegen dürfen, daß auch die seit langem gedrückten und tvenig lohnenden Preise der gewerblichen Erzeugnisse im kommenden Jahre wieder eine Hebung erfahren werden, und daß auch den Arbeitern stetige und lohnende Beschäftigung gesichert sein wird." Nachdem dann auf verschiedene Momente hingewiesen worden ist, die nach Ansicht der Handelskammer iin vergangenen Jahre„die Wiederkehr einer festen geschäftlichen Zuversicht" gehindert haben— z. B. die Unsicherheit darüber, ob die Syndikate der Kohlen- und Eisenindustrie erneuert werden würden—> folgt das übliche Lob ans das Rhcinisch-Westfälische Kohlensyndikat und die Syndikats- Politik im allgemeinen, von der nach Versicherung der Handelskammer in der Hauptsache die Zukunft der deutschen Industrie abhängt: „Wird bei der Leitung des Syndikats(des neuen Kohlen- syndikats) daran festgehalten, daß Sondcrintcressen hinter den Interessen des Gemeinwohls zurückstehen müssen, so wird die neue gewaltige Organisation einen Grundpfeiler bilden nicht mir für eine gedeihliche Entwicklung des Bergbaues, sondern der gesamten vatcr- läudischen Industrie. Hoffentlich giebt das Beispiel des Kohlen- Bergbaues einen kräftigen Anstoß für eine Einigung auch des Schwestergewerbes, der Eisenindustrie. Möchte der Erneuerung der Roheiscn-Shndikate diejenige weiterer wichtiger Verbände und, als Krönung des Ganzen, der Zusammenschluß der sämtlichen deutschen Stahlwerke folgen; denn niemals war ein Zusammenwirken und ein geschlossenes Auftrete!« der Eisemndustrie nottvcudiger als heute, Ivo damit gerechnet werden muß, daß die ausländische Konkurrenz, die seit langem darauf bedacht ist, ihre Kräfte zu konzentrieren und alle für die Gütercrzcugung erforderlichen Materialien und Hilfsmittel, wie Erze, Kohlen, Kalksteine und Verkehrsunternehmnngen, in eine Hand zu bringen, uns in bedrohlichster Form entgegentreten wird. Ii« der Durchführung des Syndikatsgedankens, im Zusammen- schluß, im einheitlichen Auftreten der Gewcrbsgenossen liegt, wie allem Anschein nach die Dinge sich entwickeln, die Zukunft unsrer Industrie, daraus wird sie die 5iräfte schöpfen, um die Schwierig- kciten, welche ihr«us dem Erstarken der fremdländischen Konkurrenz erwachsen werden, zu überwinden." Damit die Syndikate aber diese segensreiche Politik durch- führen können, muß nach der Logik der Handelskammer der innere Markt natürlich gegen die fremde Konkurrenz möglichst geschützt, dagegen aber der Auslandsmarkt dem deutschen Export im weitesten Maße offen gehalten werden. So wird denn an die Regierung die deutliche Mahnung gerichtet: „Die gesunde Unterlage für das Gedeihen nnsrer Wirtschaft- lichcn Thätigkcit kann in der Hauptsache nur der innere Markt bieten. In ihm wurzelt unsrc Kraft, und auf seinen Schutz muß daher in erster Linie das Augenmerk gerichtet sein. Hoffentlich wird dies nicht außer acht gelassen, wenn es sich darum handelt, Ermäßigungen für Jndustriezölle zuzugestehen, besonders wenn solche Positionen in Frage kommen» die bereits jetzt auf das Mindestmaß des Schutzes herabgesetzt sind, dessen die Industrie im Kampfe gegen die ans- ländischc Konkurrenz bedarf. Nach Ansicht der Handelskammer dürfen solche Ermäßigungen von Jndustriezölle» in keinem Falle zu- gestanden werdei«, ohne daß vorher sachverständige Vertreter der betreffenden Industrie zu Rate gezogen worden sind. Auch bei einer etwaigen weiteren Ausgestaltung des zollfreien Vcredelungsverkehrs wird man die fundamentale Bedeutung, lvelche der Sichcrstellung des inneren Marktes im System einer auf dem Princiv des Schutzes der nationalen Arbeit aufgebauten Zoll- und Wirtschaftspolitik bei- zumessen ist. nicht außer acht lassen dürfen. Die weitere Voraus« sctzung für das Grd ihcn der deutschen Industrie und des deutschen Wirtschaftslebens klldet sodann die Erhaltung und Erschließung nuswärtiger Märkte und die Stetigkeit der Handelsbeziehungen zu denselben; denn ohne Absatz nach dem Auslände würde Deutschland nicht in der Lage sein, seine Jahr um Jahr stark anwachsende Be- völkerung zu beschäftigen und zu ernähren." An Bescheidenheit giebt das rheinische Schlotjunkcrtum seinen östlichen Geistesverwandten, den ostclbischm Großagrariern, nichts nach. Bremens Schiffahrt hat im letzten Jahre fast noch mehr, als die Hamburgs, unter dem Mangel an Frachten und dem Rückgang der Frachtsätze gelitten. Nach dem Bericht der Bremer Handelskammer machte sich zwar im Frachtgeschäft nach den Vereinigten Staaten von Am erila eine gewisse Besserung bemerkbar; im Frachtgeschäft von dort haben sich aber die Erwartungen nicht er- füllt. Auch der Maistransport brachte einen Ausfall. Wenn sich auch anfänglich das Geschäft etwas lebhafter gestaltete, so trat doch schon nach kurzer Zeit ein erheblicher Rückschlag ein, der sowohl auf die schlechte Beschaffenheit der Maisernte als auch auf die hohen Preise zurückzuführen ist. die einen Wettbewerb mit den Maisbezügcn aus Argentinien und der Einfuhr russischer Gerste nicht zuließen. Nach Brasilien war der Verkehr lebhafter als im Vorjahre, doch blieben die Frachten infolge großen An- gevots von Dampferräumcn durch die in unregelmäßiger Fahrt beschäftigten Schiffe, sogenannte Trampdampfcr, sehr niedrig. Das Einfuhrgelchäft zeigte eine äußerst träge Haltimg. Da die Tabakbezüge Bremens sich in engen Grenzen hielten und auch der Kaffeemarkt den Erwartungen nicht entsprach, wat zeitweilig ein Mangel an Ladungen ein, der einen weiteren Rückgang der Frachtsätze bewirkte. Nach dem La Plata war ausgehend genügend Ladung vorhanden, die sich indessen vorzugsweise aus Bulkgütern zusammensetzte, für die nur niedrige Raten bedungen werden konnten. Auch das heimkehrende Frachtgeschäft hielt fich trotz der reichlichen Ernte nur auf nnttelinätziger Höhe. Auf der ostasiatischen Linie hatten die Reichspostdampfer nach beiden Richtungen im allgemeinen volle Ladung; seit kurzem hat das Güteranaebot etwas nachgelassen. Räch Australien blieb bei der geschwächten Kaufkraft des australischen Festlandes daS Gc- schüft still, so dast nicht immer genügend Ladung zu erhalten war. In der europäischen Fahrt waren bei zeitweise regerem Güterverkehr die Frachten für Holz, Kohlen, Getreide und Erze anhaltend sehr niedrig, für eine Besserung im kommenden Jahre bestehe bei dein viel zu groben Angebot an Tonnage wenig Aussicht, wie denn auch schon jetzt Abschlüsse für 1901 zu den Sätzen des vergangenen Jahres gethütigt würden. Erfreuliche Ergebnisse erzielte der Passagierverkehr. Nachdem die Zahl der beförderten Personen bereits 1902 eine ansehnliche Hohe erreicht hatte, erfuhr sowohl der Kajüts- wie auch der ZivischendeckSveriehr im letzten Jahre noch eine beträchtliche Steigerung. Der Bicrkiiilsum im Jahre 1902 hat, ivie das soeben erschienene vierte VicrteljahrSheft zur Statistik des Deutschen Reichs pro 1903 nachweist, unter dem Einfluß der Krise beträchtlich abgenommen. Im Gebiet der Bransteuergemeinschaft sind im ganzen 2,8 Millionen Hektoliter Bier(0,2 Proz.) weniger als im Vorjahre gebraut worden. Die Gesamterzeugung betrug 12,2 Millionen Hektoliter gegen 10,0 Millionen Hektoliter im Vorjahre. In den übrigen Steuergebictcn wurden erzeugt: in Bayern 17 30(1901: 17,82), in Württemberg 3,79(1901: 1,01), in Baden 2,97(1901: 2,96) und in Elsaß-Lothringen 1.13(1901: 1,12), und zwar gelten diese Angaben bei Bayern und Baden für daS Kalender- jähr, bei den übrigen Ländern für das Rechnungsjahr. Der Bierverbrauch berechnet sich mit Berücksichtigung der Ein- und Ausfuhr auf den Kopf der Bevölkerung für das Brausteuer- gebiet auf 96,7 Liter(1901: 101,8), für Bayern auf 234,6 Liter (1901: 211,9), für Württemberg auf 172,1 Liter(1901: 181,2), für Baden auf 136,1 Liter(1901: l'33,1), für Elsaß-Lothringen 83,4 Liter (1901: 82.7). Tic Firma Krupp in Esse n hat mit ihren Patentansprüchen wie es scheint, wenig Glück. Wie aus Essen gemeldet wird, versagte ihr daS Patentamt endgültig das angemeldete Patent auf ein Verfahren zur Erleichterung des Transports von fahrbaren groß- kalibrigcn Geschützen mit Rohrrücklauf. Gegeil dieses Patent hatte die französische Firma«Schneider in Le Ereusot und die Fahrzeug- fabrik in Eisenach Beschwerde eingelegt. Ter Eisenbahnbau in Deutschland während des Jahres 1903 war beträchtlich geringer als in früheren Jahren. Fertiggestellt wurden an neuen Strecken im ganzen 820 Kilometer; davon sind 386,7 Kilo- meter Staatsbahnen, 233,3 Kilometer Privatbahnen. Schmalspurig sind von dieser Gesamtlänge 6,3 Kilometer in Staats- und 93 Kilo- meter in Privatbetrieb. Im Jahre 1902 wurden eröffnet 970 Kilo- meter(697 Kilometer in Staats-, 273 Kilometer in Privatbetrieb), 1901 dagegen 1230 Kilometer(678 Kilometer in Staats-, 352 Kilo- meter in Privatbetrieb). Vereinfachtes AbfertiguugSvrrfahre» im Güterverkehr. Die könig- liche Eisenbahndirektion Berlin hat der H a n d e l S k a m in e r nähere Mitteilungen über das am 1. Februar d. I. zur Einführung ge- langende vereinfachte Abfcrtigungs verfahren für Eil- und Frachtgut, lebende Tiere. Fahrzeuge und Leichen zugehen lassen. Die Neuerungen sind im wesentlichen folgende: AlS AbfertigungS- und Befördcrungspapier dient künftig unter Wegfall der Frachtkarte lediglich der Frachtbrief. Infolgedessen müssen auf demselben einige Vermerke über die Verrechnung, die Ilmladcstempcl sowie die cisenbahnseitigen Leitvermerke ec., die bisher in der Frachtkarte enthalten waren, gesetzt werden. Die cisenbahnseitig hergestellten Frachtbriefe werden" hierzu auf der Vorderseite, am oberen Rande der linken Frachtbriefhälfte über der starken schwarzen Umrahmung mit entsprechendem Vordruck versehen werden: Von dein angegebenen Zeitpunkt ab wird ferner innerhalb der eingangs bezeichneten Bcrlehrsbeziehnngen das Markenverfahren in Geltung treten. Nach demselben wird bei frankierten Eil- und Frachtstückgut- sendungen, bei denen die Gesamtgebühren nicht höher als 1 M. sind, die Erhebung und Verrechnung der Fracht durch Aufklebung und Entwertung von Eisenbahn-Frachtnmrken auf den Frachtbriefen be- wirkt. Die Eiscnbahn-Frachtmarken, in den Werten zu 3, 30, 10, 30, 60, 70, 80, 90 Pf. und 1 M. hergestellt, werden den Interessenten gegen Barzahlung des Betrages von den Abfertigungsstellen der- abfolgt. Zur schleunigeren Berechnung der Frachten und zur Benutzung durch die Absender werden Frachtentabellen herg�tellt und von den AbfertigungSstellcn an die zur Sclbstverwendung von Frachtmarken bereiten Versender auf Wunsch abgegeben werden, aus denen zu ersehen, wieviel Kilogramm Stückgut der allgemeinen Eilgutklasse, des Special- tarifS für bestimmte Eilgüter, der allgemeinen Stückgutllaste und des SpccialtarifS für bestimmte Stückgüter gegen Zahlung einer Fracht von 30 Pf. bis einschließlich i M. auf die einzelnen Eni- fcrnungen befördert loerden. Die kilometrischcn Entfernungen für die in Betracht kommenden VerkehrSbezichungeu werden von den LlbfertigungSstcllen auf Wunsch ebenfalls bekannt gegeben werden. Soziales. Die„Sucht nach Rente". Der Umbaumacher P. erlitt am 17. Januar 1901 einen Betriebs- anfall. P. glitt am Fahrstuhl aus und schlug mit beiden Knien auf die Eisenschiene des Fahrstuhls und mit dem Gesicht nach dem Fahr- ftuhlschacht geneigt, trug er außer Knicschmerzcn auch einen ge- wältigen Schreck davon. Er legte, wie cS leider noch so oft ge- schicht, dein Vorfall keine besondere Bedeutimg bei. Nachdem er sich erholt, arbeitete er wieder weiter; indes am andern Tage hatte P. so heftige Schmerzen, daß er seinen Kassenarzt aufsuchen mußte und von diesem acht Tage lang behandelt wurde. Dann nahm er seine Arbeit loieder auf. Die Musikinstrmnenten-Jndulstrie-Berufsgenossen» schaft kümmerte sich nicht um ihre Entschädigungöpslicht. Von andrer Seite austnerksam gemacht, stellte P. im September 1901 den Antrag auf Rentenentschädigung. Während der behandelnde Arzt die Erwerbs- beschränkung durch die Unfallfolgen auf 33>. Proz. bewertete, zahlte die BerufSgenosscnschaft der Schätzung ihres Vertrauensarztes folgend, imr eine solche von 10 Proz. P.. des Gesetzes unkundig, unterließ es. gegen diesen Bescheid Berufung beim Schiedsgericht einzulegen, und es blieb bei der Rente von 10 Proz. Indessen hatte P. fortgesetzt an Schwindel und Kopfbeschwerden, namentlich beim Bücken, zu leiden. Sein Zustand verschlechterte sich derart, daß er anfangs November 1902 die Arbeit aufgeben mußte und in die Behandlung des Nerven- arztes Dr. K. trat. P. betraute nunmehr das Berliner Arbeiter- sekretariat mit der Verfolgung seiner Ansprüche. Dieses stellte den Antrag lgemäß§ 83 d. G.-U.-B.-G.) auf Gewährung der Vollrente, da P. völlig erwerbsunfähig war. Die Berufsgcnossenschaft lehnte eine Erhöhung der Rente mit der Begründung ab, daß daS be- stehende Leiden(Nervenerkrankung) nicht mit dein Unfall in ursäch- lichem Zusammenhange stehe. Auf die hiergegen eingelegte Bc- rufung holte daS Schiedsgericht ein Gutachten vom Kreisarzt, Geh. Mcd.-Rat Dr. Becker ein; dieser stellte Erkrankimg des Rückenmarks fest und führte dieselbe auf den Unfall vom 17. Januar 1901 zurück. Die Berufsgenosse, ischaft be- mangelte das Gutachten und beantragte, da der gehörte Sach- verständige kein Specialarzt auf dem Gebiete der Nervenheilkundc fei, eine Autorität(Prof. Dr. Mendel oder einen andren) zu hören. Dem Antrage wurde stattgegeben. In einem umfangreichen Gutachten. erstattet von dem Privatdozenten an der Universität, Herrn Dr. P. Schuster, gegengezeichnet vom Professor Herrn Dr. Mendel, kamen auch diese Sachverständigen zu dem Ergebnis, daß das Leiden mit dem Unfall im Zusammenhang steht, allerdings nicht in direkter, sondern nur in indirekter Weise. Tie Erwerbsunfähigkeit sei eine völlige. Das Schiedsgericht verurteilte nun auf Grund der vor- liegenden Gutachten die Musikinstrumenten- Berufsgenossenschaft zur Zahlung der Vollrente. Gegen diese Entscheidung legte die Berufsgenossenschaft Rekurs beim ReichS-Bersichernngsamt ein. Sie bestritt, daß ein mittelbarer Zusammenhang angenommen werden könne. Vor dem Reichs- Versicherungsanit machte der Vertreter der Berufsgenossenschaft unter andcrm geltend, durch die Konstruktion des mittelbaren Zusammenhanges Ivürdcn die Genossenschaften, nicht im Sinne der socialpolitischen Gesetzgebung, aus daS schwerste bc- lastet werden. Hier liegt offenbar die Sucht, eine höhere Rente zu erlangen, vor, dem müsse energisch entgegengetreten werden. ES habe sich auch der Geh. Medizinalrat Prozessor Dr. Eulenbnrg gegen die Annahme des mittelbaren ZusamcnhangeS ausgesprochen. Er beantrage daher die Entscheidung der Vorinstanz aufzuheben, eventuell ein Dbcrgutachtcn von Professor Dr. Eulenburg cinzu- fordern. Arbcitersekrctär L., der Vertreter des Verletzten, machte dagegen geltend, daß, selbst wenn man annimmt, der Unfall sei ein leichter gewesen, dann doch die Schreckeinwirkung zweifellos so groß gewesen ist, daß dadurch eine Störung im Nervensystem herbei- geführt wurde und hieraus sich das Leiden allmählich entwickelt habe. Daß von einer Sucht nach Rentcnerlangung nicht gesprochen werden kann, dürfte am besten dadurch lviderlegt sein, daß P. so lange gearbeitet hat, bis es ihm nicht mehr möglich war. Der Berufs- genossenichast müsse vielmehr der Vorwurf gemacht tverden, daß dieselbe ihre Pflicht nicht erfüllte. MS P., von andren austnerksam gemacht, seine Ansprüche geltend machte, wurde ihm, statt wie der be- handelnde Arzt eine Rente von 33'/�. Prozent empfohlen, eine solche von 10 Prozent gegeben, Die Genossenschaft habe in diesem Falle aus der Unkenntnis des Verletzten Nutzen gezogen. Die Einholimg eines weiteren Gutachtens dürste sich erübrigen, insofern als hier eine anerkannte Autorität gesprochen, andrerseits es ja auch der- jcnigc Gutachter ist, den die Genossenschaft selbst vorgeschlagen. Der Senat unter dem Borsitz des Geh. Rats Graes beschloß, ein weiteres Gutachten vom Geh. Medizinalrat Professor Dr.' Eulenburg ein- zuholen. Diese Sucht nach Gutachten bekam aber der Berufsgenossenschaft schlecht. Dr. Eulcnburg erklärte allerdings, die Annahme des mittelbaren Zusammenhanges sei zu verwerfen, cS bestehe aber ein unmittelbarer Zusammenhang zloischcn dem Leiden und dein Unfall. Nunmehr erlitt der Vertreter der Bcrufsgenosieuschaft einen abermaligen Anfall von Gutachtensucht und verlangte die In- kommodierung des Professors Flexig aus Leipzig. Das Reichs- Lersicherungsamt hatte jedoch genug von diesem Spiel und ver- urteilte die BerufSgenosscnschaft zur Zahlung der Vollrente. Zum Schutz der Koufektionsarbeiter. Die Verordnung des Bundesrates, betreffend die Anwendung der§§ 133 bis 1393 der Gewerbe-Ordnnnz auf Konfetti ous-Werk- stätten bot Gelegenheit zu einer juristischen Wortklauberei, die nun schon dreimal die Gerichte beschäftigt hat und sie aucy»och ein viertes, eventuell fünftes Mal beschäftigen wird. Der Kon- fektionär Adler in Berlin hat die Mädchen in seiner Einrichterei Sonnabends nach S1/» Uhr abends noch beschäftigt. A. hat ein Engrosgeschäft für Blusen und Kostüme, die er bei 60 Zwischenmeistern anfertigen läßt. Sein Jahresumsatz beträgt eine halbe Million Mark. In seinem Gcschäftshause besteht nun eine Einrichteret", wo etwa sechs junge Mädchen unter Leitung einer Direktrice die Stoffe zur Abgabe an die Zwischcumeister Herrichten. Sie schneiden sie nach Maßen, die ihnen aus der Kalkulations- abteilung auf den sogenannten Kommissionszetteln zugehen. Das Schöffengericht verurteilte Adler auf Grund der Konfekrions- arbeiter-Verordnung zu einer Geldstrafe von 30 M., das Landgericht als Berufungsinstanz sprach ihn jedoch frei. ES verfiel auf den wunderlichen Gedanken, daß daS Vorschneiden der Blusen und Kostüme eine— kaufmännische Thätigkcit sei. Daraus wandte sich die Staatsanwaltschaft an das Kammcrgcricht. Dieses neigte dazu, daß es sich hier um eine technische Thättgkeit handle. Es gab jedoch dem Landgericht noch einige Feststellungen darüber auf, ob durch das Einrichten nicht das richtige Zuschneiden erspart, wobei dann die Anwendbarkeit der Schutzvorschristen zweifellos wäre. GeilverkIckaMickes. Für die streikenden und ausgesperrtc» Weber in«Crimmitschau gingen bei der Berliner G e w e r k s ch a s t s k o m m i s s i o u solgendc Beiträge ein: Maschinenbau E. Hummel(außer Schmiede), 3. Rate 30,20. Gesangv. „Syrene"(Weihnachtsbescheruna) 10,—.„Alter Fritz", Stendal d. Bcrgoldcr Becker 6,90. Siwestcrscier b. Wcgcncr, Bez. 17So 1,50. Silvcstcrfeicr bei Esch mann, Rirdors 6.50. Leere Streichbolzbüchse, Äommandantcnstraße, 2. Rate 1,30."Auslosung einer Ziege bei Obst,(schöneberg 6,—. Arbeiter und Arbeiterinnen von PH. Funk 16,20. Zietbcwußtc der Anilinsabttk Rmnmelsburg 15,50. F. Brcskcr b. Reimann, GrcisSwalderslraße 3,50. Praktisches Christentum, geübt v. einigen Bankangestellten 10,—. Stammgäste v. Rud. Sommer, Britzcrstraße 4,—. Stammgäste b. Rieb 18,—. G. Äohl, Reichcnbergcrsttaße 1,—. Schraubendreher v. Stclzncr 3.80. Silvestcrfcier, Warm. ftU&£ ft in X> � r> n« A fix D~ Raunhnstr. 17,—. Tischlerei Fülle, Fruchtsir., 5. Rate 26,50. Silvestcrfcicr Dl. Böhmchen, Kreuzbergstr. 3,60. Silvcstcrsamml.„Neue Gemeinschast" 10,10. Neujahrsseier b. Alanegold 1,—. Höhne 1,80. H. Baude 6,15. Äindtause i. Miersdorf 2,30. Liste 7236 11,63. Liste 7211 12,50. Silvester- seier b. Ritter, Ebertystr. 2,50. Amerikan. Auktion Rudcrvcrein„Freiheit" 12,—. Klempnerei Mulack, 3. Rate 2,—. Siloesterseicr b. Liefe, Markus sir. 3,—. Arb. von Bischofs, Neue Königstr. 7,—. Gcsangvercüi „Freie Liedcrtascl" 25,—. Zahnarzt Sch. 3,—. Daimler, Marien- setde 32,90. Liste 11 317 3,10. Gesangv.„Einigkeit", Friedrichsberg 5,—. Rote Silvesterseier Pankow 1,61. Hoppe 12,15. Deutsche Garwin-Maschincn- sabrik, 2. Rote 28,55. Pinlus, Gr. Frantsurtcrstr. 13 8,—. Graudcnzcr- slraße Rauchllub„Graue Asche", M. d. A.-R.-B. 10,30. Indifferente von Mosse Nchfg. 6,85. Schreincrgeh.. Schinkelstr. 10 5,—. Fr. Piechoski v. d. NeujahrSgäste» R. Riese 5,—. Diauchklub„Eldorado". M. d. A.-R.-B. und Wirt, am. Auktion 12,—. Am. Auktion Ii. Beetz, Fruchtftr. 13,—. Dr. Liers, Wunsch zweier Tertianer statt Silvesterseicr 10,—. Werkzeugbau u. Stanzerei v. H. u. S. d. Thielicke, 5. Rate 12,92. Rohrleger und Heiser v. Aug. Baatz 10,75. Fischer, Waldslr. 8 51,35. Für abh. gekommene Kranzschleife 8,—. Gcsangver.„Sangerkranz", am. Auktion 10,85. WilliHans, Mananncnstr. 33 5,—. Neujahrsspitzen b. Schaufler, Swinemündcrstr." 1,70. Liste 1016 6,80. Tischlerei Böhm u. Haroske, 4. Rate 13,70. Silvesters, b. Kuntzc, Kottbuser Damm 06 6,—. Einige Norddeutsche 1,50. Versteigerung einer Preßkohle, Silvester 2,32. Silvester b. G. Gecse, Gr.-Lichtcrielde 3,50. Rotes Neujahrsfest, Stallschreiberstraße 6,—. Burisch u. einige Gäste 1,85. G. E. F. d. Grb. 6,87. T. E. M. d. Grb. 2,13. KaMwm Oberspree, Installateure 13,10. K. W. O. Werkzeugbau 8,50. Buchdruckerei.H. Klockow, 4. Rate 12,35. A. v. M. 11. 2,—. Bichncr 1,20. Ricke 1,—. Am. Auktion. Schmidt, Swinemünderstr. 15 4,60. Ges. b. Karbe, Hascnbeide 10 u. 11 5,—. Inventur, Werkzeugbau Gebr. Rmhman» 7,10. Arb. b. G. Buchholz, Koch- slraße 6,—. Rote Kesielreinlger 5.—. Kammsabr. Mannasse, i. Rate 12,05. Arn Stammtisch b. A. Hohn 1,70. Taubstumme Brüder 2,-� Silvesternacht, Ncandersir. 30 4,65. Verlobung, Ooerbergerstr. 1,30. Personal der Buchdruckerei W. Vobach, 5. Rate 8,15. Ges. b. Hänisch, Koburgerstr. 5 10,70. D. Otto Ernst 12,80. Püschel, 3. Rate 3.—. Tischlerei Fischer 11,60. Rauchllub„Seegras", AeihnachtSbesch. 1,65. Buchbinderei Mosse d. Anna DolmSki 10,—. Steindrnckcrci.Hollmann 6,50. Conrad 2,15. Ges. bei Stlb erstem u. Safe 3,—. D. Reichert 20.10. D. Polack 7,50. Beleuchtungskörper-Fabrik Krcy u. Co. 26,65. Kollegen ungenannter Firma d. Fries; 10,—. Elende der Neuen Königstr., 7. Rate 12,30. Rote Schnapsdroßel b. Borgseid, Arndtstr. 3,25. Buchdruckerci E. Rosen, 6. Rate 5,20. Orchesterverein„Wedding", Gesamterwag der Weihnachis-Matince 33,75. S. u. H., Berlin, Packerei 18,05. Buchbinderoi H. Reis, 3. Rate, d. Land- gras 11.50. Rote Silvesters., Putbuserstr. 15 6,20. Buchdruckerei Hempel u. Co. 17,10.' Frost u. Söhne, Kronleuchtersabr., Listen 19 205 u. 6 42,30. Gesangv er.„Anakreon", Fichtestr. 20 10,50. A. Novotny 15,55. Liste 1842 (■darunter 8,— Bautischlcrci Bolkmann) 11,75. Dilcttantenvex.„Blaue Männer" in. Wirt u. Gästen 3,50..Holzarb. v. A. Werkmeister, Brunnenslr., 4. Rate 3,05. Eine Gcsellenseicr, Lüboenerstr. 27 3,10. Schlosserei Bcch- stein, Erünauerstr. 13,10. Siwcstcrseier Grün d. Heimfahrt 3,55. Wrangel- slraße 105, H. 10—.50. Schmidt, Langestr. 71 1,50. Feihmkes—,50. Mterscher Gesangverein, Weihnachtsfeier 6.75. Mitgl. d. Eenw.'-Berb. d..Handlungsgehilsen d. K.(dar. v. russischen Studenten 15.—) 10,50. T. Schmidt 11,30. Tanzschnle Otto Pölte 1,-. Centobüchcrjadr. Stich. Pörtner 7,00. Gießereiarb. Sentker 13,50. Lederwarenfabr. C. Hase, DrcSdcncrswaße 4,50. Schlafburschen Akt.-Gesellsch. 3,50. GewerkschastS- karten RummelSburg, auf Listen 80.—. Stammgäste b. Jänile, Tresckow» swaße 7,50. Iraucrcihilssarb., 8. Rate 100,—. Schröder, Sebastianswaß« 17,85. Gesangv.„Olympia" 10,—. Zwei Verlobte und ein Gast 1,50. Bronzcwarcnsabr. O. Falbe, 1. Rate 17,95. Putzcrkolonne F. Häusler 3,—. Lotteriegeioimi, Dalldorf 4,—. Rauchllub Pseisenoeckel, M. 6. A.-R.-B. 10,10, OSk. Rusch 6,65. Verband der Bäcker durch die„Bäckcr-Zeitung" 15,—. Kponleuchterjabr. v. Pjeffer 13,10. L. V. N. W. 1896, 2. Rate 5,—. St. M. u. M. M. aus Posen 10,75. K. W. 88 aus Schmicdeberg 3,—. Ges. bei Heinzcl, Luisenufcr Z,55.„Nattonal-Zeiwng", Hilfspersonal 9,75. Nicht« wohlriechende von Schwarzlose und Treu u. Nuglisch 21,10. Maurer u. Slrv. Bau Hertzog, Breitestrage 6,25. Motorlvagcnsührer u. Schlosser von Sl. Werlheim 11,65. Weihnachtsfeier b. Waage in Borsigwalde d. Lt. 5,25. Desgl. Silvesterseicr 11,55. Gesangvcr. d. Kolonistc!: Berlin-Nord 1,05. Arb. v. HünclcnS 3,50. Jp. Bigaisky 14,—. Hmkelsche Fabrik 17,35. Gasmesser» Fabr. Baumgartcn u. Sohn lt.—. Ncujahrsspifecn Marter, Bcrgstr. 10 6,50. Ges. b. Strauß, Rest.. Rcichcnbergcrsw. 113' 6,75. Kellerratzen 1,—. Schneiderwerkstatt Pischel 1,—. Stuft, eines CognacS b. Hochzeit 8,60. Tableausaal Mix u. Genest, 1. Rate 9,60. Liste 12 270 8,60. Geburtstags« seier Sorauerstr. 13 4,—. W. Schütte b. Di. Berk, Verlobung 1,50. Gold» Icistenfcbrif Spisicke, 6. Rate 7,60. Slmer. Stuft, einer Cigarrc, Pendschinsli, FricdrichSscidcrstr. 5,65. Tischlerei Saucrwei», 7. Rate 10,50. Elende Graveure 7,—..Heinle u. Genossen 2,55. Rauchllub„Slritema", M. d. Sl.» R.-B., 2. Diaie 10)—. Kleiner Kobn, Eyarlotienburg 2,—. Rote Geburts» tagsscicr. Görlitzer User 1 3,5(1. Lederarbeiter Brauer, Sachs 12,50. Die Gaste Boß, Klostersw. 101 10,70. Töpfer, Bau Groß, Rixd., Jägerstr., 2. Rate. Vorschuß aus Listen v. Centr.-Verb. d. Schmiede 100,—. Liste 12 262 22,05. Kegelllub„Earrö". 2. Rate 21,70. Sitvcsterscier Mell- mann, Frankfurter Slllce 3,55. Stammgäste von Rattke, Neue Jatobstr. 1— 3, 2. Rate 11,10; do.. 3. Rate 7,10. Siuer-Gesellschast, Mt. A 9,10. Ein Roll» mops nach l2 b. Mrose, Naunynswaßc 1,05. Freunde v. Baumann u. Sldler 3,—. Braun u. Wolf, org. Soll., 5. Rate 7,80. Skatklub„Unverdrossen", «merit Aull. 6,73. Verb, städt. Arbeiter(Rohrleger) d. Dttw.ier 19,30. Verb, slädt. Arbeiter, Sektion Friedrichshagen 12, 6o. Könkow 1,50. Etui» 'Arbeiter v. TiniuS 6,80. D. Rehder 6,55. Sllvcsternacht b. Patzschke 3,—. Lautifchlerci Rüge. Kochbannswäßc, 5. Rate 11,50. Gesamniclt d. Belitz., 3. Rate 10,45. Buchdruckerei V. Kohn, Neue Promenade, 2. Rate 5,55. C. Tiß-Barmstcdt 15,12. Ein sreisinniger Vollspariciler 3,—. Dl. Schlag- mann. dar. Steinarb. auS Tschirnitz 5,15 M.. 7,75. Tcllersammlung bei Lanzer d. Fr. Huth 1,15. P. Wenzel) Wilmcrsd. 2,—. Silvestersammlung l>. Siöckel, d. Sonncmann 5,20. Stcimnefeen d. F. Schober 4,—. Mitgl. u. Wirt'Rauchll. Weddina d. Röscl 2,60. Ges. Restaurant Danbrowski 3,75, Rauchk. Grüne Eiche, Rirdors, 2. Rate 10,—. Rote verw., Mitglied. Kons.» Ver. KöpPcISdorj 3,50.' Tischlerei Becker, Gr.-Lichtericldc, 3. Rate 8,25. Geiaugver. Maiglöckchen, Köpenick 10,—. Fidcle Silvesterseier, Niedcr-Schönh. 5,05. 1 Komitcemitgl. d. Masch, u. Heizer Berlins 3,—. Gemütliche Silvester» frier i. d. Hcidestraße 2,—. Fidrie SUvcstcrseier m Spandau d. Schulz 4,15. Ucbersch. der Wrihnachtsseicr der Gewerksch. ZehlendorfS 20,60. Ges. am Silvester, Lokal Bettrick 1,20. Turnv.„Eiche", Köpenick 20,—. Bon Sabbat» schändcr» 13,15. Slincrilanische Auktion b. Stielicke 16,35. Glasarbeiter zu Porta, Westfalen 80,—. Ligarettenfab. Josctti 150,—. Telegr.-Bauanstalt Hauuuacher u. Pctzold, 4. Rate 10,15. Gesangverein„Freiheit West", Silvesterseicr 17,50. Mundharmonila-Klub„Tirol", Rirdors 2,65. Slrb. d. Firma Hoffmann u. Co., 3. Rate 7,15. Perf. d. Buchdruckerci W. Hartman«, 5. Rate 10,50. Ges. am Bierlisch b. G- Wille, Dorotheenstr. 8,—. Slmer. Slukt. l Slpfrisinc b. Gen. Stahn 1.75. Slrb. n. Arbetterinnen von Budwea u. Sohn, 2. Dlate 23,50. Silvesterfeier b. Baumann, Ehorinerfw. 3,10. Silvesterfeier l>. Rausch 8,—. Ledersabr. Eick u. Swasser Lager 6,25. Sllvestcrsrice b.'Anton Görs, Wicnerstr. Ecke Forfterstr. 1,—. Ver. sröhl Weihn. gcs. b. d. Swszahl. u. b. Vergnügen 25,27. Verb. d. Schneider, 23. Rate 100,—. Pcrs. d. Firma Hellmarm 1,10. Org. Alb.-Slrb. Neujahrs. frier 3,—. Klaviatursabr. i>. Hermann u. Bartrow. 5. Rate 10,—. An» erkannt, aber leider? 6,—. Stich. Gärwerv ereinig. Listen 352 u. 355 7,20. Rote Hochzeit Waldstr. 57 6,20. Vaterlandslose Gesellen 6,30. Buchdruckerci Sl. W. Schade, 5. Rate 13,50. Schleifer von Pintsch exwa 7,50. Klub der.Harmlose», Fruchtswaße 33—31 1,—. Buchbinderei, Buchdruckerci Sld. Zumpe, 3. Rate 16,75.'Amerik. Slult. bei F. Frccr d. H. Rother 4,65. Ver. d. Bauanschläger BerlmS u. Urngeg. 18,—. Lotterievcrein„Duste Rose" 27.—. Perf. d. Buchdruckerci Lichtwitz, 2. Rate 14,50. Frühschoppen b. Schultheiß 1F0. Liste 6610(erster Wählte.) 9,75. Tischlerei H. Schulz, RüderSdorserswaße 11,—. Stammttsch b. Noack, Reichen» beraerswatze 1,10. Gewmnst am Skatttsch, Putlitzstr. 10 2,—. Joh. Psarr, Putlitzstr. 10 2,—. Rote.Hochzeit Rirdors Dl. G. 3,55. Rest. Näther, Hutten» slraße 9 10,—. Lotterieoereiii„Verlorenes Glück" 5,—. Gesangv.„Korn- blume". M. d. A.-I.-B., Silvesters. 10,15. Slmer. SWIt. 1,05. Silvester- ichmaus bei Kellermstr. Grube 3,11. Gesangverein„Sanges- blülen" 10,—. Stammgäste von E. Güldenpfcnnig 3,55. Schramm« Sllvesteririer 3.—..Hoistädt ges. b. TMWich 1,50. Matinee dee ver. Rauch klubs Rixdoris am 26. Dez., Victoriasäle 32,55. Ein nicht christ- licher Gegner d. Socialdcmokratte 1,—. Dicnswiädchen C. L. 2,—. Skalitzc,- swaße 10t 1,80. B. Siwesterscier d. IS. Bogdan 3,—. Durch Faber 7,30. Stammgäste v. Porschena. Frankfurter Allee 38,25. Siwesterscier b. Wiebe, Franlsurterswaße 7,50. Ecntralverband d. Textilarb. 170,—. Sclirsli 1,—. Rother, Bergcr, Bandt u. Dr. G. 25,—. Kmdtaufe F. K., Saarbrücker- swaße 1,50. Rost 1.—. Tivoli, Caprivisw. 1,—. Summa 3353,36 M. Bereits quittiert ISO 383,15 M. Gesamtsumme 183 730,81 M. Weitere Beiwäge werden m unserm Bureau m der Zeit von 9—1 und 0—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post riugesandl werden, sind an Sl. Körsten, Engel-Uscr 15, zu senden. DerAuSschußderBerlinerGewerkschastSkommissisn. Gingegailgen für die ausgesperrten Textilarbeiter in Crim- mitschau: Personal der Buchdruckerci von Vorbach u. Eo. 8,25. Aschers- leben durch R. Greim: Former 32,60. Maschinenbau-Anstalt 5,—. Gcwerl- verein der Maschinenbauer 22,—. Deutscher Tcxttlarbriter-Verbmid. G. T r e u e, Kassierer. Eus der frauenbenegung. Friedenau. Donnerstag, den 7. Januar, abends S1/* Uhr, hält der Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglitz und Um» gegend, bei Grube, Kaiser-Allee, eine Wander-Versamm- l u n a ab, in welcher Herr Dr. Röder einen Bortrag über„Frauen» krankheiten und ihre Verhütung", 2. Teil, halten wird. Gäste willkommen. Regen Besuch erwartet Der Vorstand. Ober-Schöncweide. Am Montag hielt der Bildungsverein der Frauen und Mädchen seine Generalversammlung ab, in welcher die Neuwahlen des Borstandes stattfanden. AlS Vorsitzende wurde Frau Gleich, als Kassiererin Frau Büchner gewählt, als Beisitzerinnen Frau' Stephan und Frau Schneider. Am 16. Januar findet das erste Sttfwngsfest des Vereins in Töpfers Lokal, Siemensstr. 5. statt, wozu alle Mitglieder und deren Angehörige steundlichst einladet Der Vorstand. Die nächste Vereinsversammlung ist am 13. d. M., abends S1/« Uhr, bei Kaufhold, Wilhelminenhofstr. 18. Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgicffer. Am Donnerstag, den 7. Januar, abends 8>/» Uhr, wird im Gc- wcrtschastshause der Reichstags-Wgeordnete Eduard Bernstein über daS Thema:„Das Reich der Gewerh'chastcn und seme Grenzen" sprechen. Gentralvereiu der Bureau-Angestellten Deutschlands(Mitglied- schaft Berlin». Mittwoch, den 6. Januar, abends 81/; Uhr: Mitglieder-Versammlung in Wcndts ÄlubhauS, Königsgraben' Iis. Tagesordnung: Bericht über die Regulativ-Bewegung. Gäste willkommen. Verband der Friseurgehilfe« Teutschlands(Zweigverein B e r I i n). Mittwoch, 6. Januar, abends 10 Uhr bei Pfeffer, Roscnthaler- straße 57: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Umtauschen der Konttrollkarteu und Bücher. Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen des 'Weizen, gut D.-Cw.' mittel gering„ 'Roggen, gut „ mittel„ gering„ IGerste, gut mittel gering„ -(Hafer, gut „ mittel gering„ Richtstroh Heu Erbsen„ Speisebohnen„ Linsen ® ab Bahn. t frei Wagen uitd ab Bahn. am 4. Jmmar 1904 kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Cw. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch„ Kalbfleisch, Hammelfleisch„ Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 k? per Schock 7.00 1,80 1,50 t.60 1,80 1,80 2,80 5,00 2,40 2,80 2,80 2,20 1,80 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3.00 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80. »,00 ßnefbaften der Redafttton« C. B. 333. Wir werden der Zlnregung nachzukommen suchen. I. K. l7K. Die erste elektrische Vcrsuchsbahn ist 1879 aus der Ge- oerbe-Slusstellung in Berlin errichtet worden. Ein„Freies ttorrespondenz- Blatt" kennen wir nicht. E. Spr. Igav. Nein. T» H. Buchhandlung Vorwärts. Preis 2 M. ■Juriftirchcr CcU. Tie juristische Sprechstunde findet tätlich mit Zlusuahme des Sonnabends /0U 71li bis U'/a Uhr abends statt. Gcöfinet:? Uhr. Alwin 30. Die Schneiderin kann lediglich auf ZaHIimg oder aus Mnahine gegen Zahlung klagen. Ei» Formular für solche Klage finden Sie Seite 239 Nr. 55 des dem..Nrbeiterrccht" bcigesügtcn Führers. Das Buch iegt in den öffentlichen Lesehallen aus.—.vausottcr ö'Z. Wenn nicht turch ausdrückliche Vereinbarung aus Vollstreckung des Urteils verzichtet ist, >ann es noch jetzt vollstreckt werde».— W. 33. Nein.— A. R. V, �Sedding 1903, F. 3. Ja.— W. A. K3. Werden Ihre Sachen ge- isändct, so müssen Sic Einstcllungsantrag stellen und JntcrvcntionSllagc erheben.— Noack. Zahwngsbcsehle ivcrdcn vom Gericht, nicht vom Gerichtsvollzieher erlassen.— H. G., Licbenwalderstr. 00. Sie haben einen Tag zu spät gekündigt. Ist im Vertrage als Kündigungsfrist drei Monate ausgemacht, so müßte spätestens an» 31. Dezember die Kündigung dem Wirt zugegangen sein.— A. It. Ja.— O. Nein. — M. H. Ist in Ihrem Vertrage als Küudigungssrist drei Monate drei Tage vereinbart, so mußte der Kündigungsbrief spätestens am 28. in den Händen des Wirtes sein. Ob der Wirt die Annahme des Brieses ablehnt, ut gleichgültig. Welche Kündigungsfrist in Ihrem Vertrage vereinbart ist, erhellt aus Ihrer Anfrage nicht.— S. C. 10. Die Kinder sind als gesetzliche Erben verpflichtet, dasjenige, was sie von ihrem Vater bei dessen Lebzeiten als Ausstattung erhalten haben, bei der Erbauseinandersctzung unter einander zur Ausgleichung zu bringen, soweit nicht bei der Zuwendung etwas andres dem Zwecke gegeben sind, als Einkünfte sür die Vorbildung zu einem angeordnet ist. Zuschüsse, die zu verwendet zu werden, sowie Aufwendungen Berufe sinch insoweit zur Ausgleichung zu bringen, als sie das den Ver- mögensverhältnisscn deS Vaters entsprechende Maß überstiegen haben. Andre Zuwendungen sind zur Ausgleichung zu bringen, wenn der Vater bei der Zuwendung die Ausgleichung angeordnet hat. Nach diesen Grund- sähen ist bei der Nachlaßtcilung zu verfahren.— O. R. 100. Nein. — P» Ticckstrafie. Ihre Forderung ist noch nicht verjährt. Lohn- sorderungen verjähren mit Ablauf deS zweiten auf die Fälligkeit der Forderung folgenden Jahres. Mithin verjährt eine im Jahre 1992 cnt- standene Lohnforderung mit Abiaus des 31. Dezember 1904.— Wiedc- maun. Wenn der uns nicht bekannte Wortlaut des Statutennachtrages nicht das Gegenteil besagt, so tritt die Erhöhung auch sür die vor dein 1. Januar erkrankten Mitglieder ein.— Fischer. Sie können Einräumung des gepachteten Landes zum 1. SJlpril verlangen. Nach Ihrer Darstellung steht Ihnen aber zur Zeit ein Recht aus Jnnehabung des Pachtlandes nicht zu.— Rnd. K. 1. Falls nicht noch eine Polizeiverordnung in entgegenstehendem Sinne erlassen wird, müssen Sie am Ersten räumen. 2. Wenden Sic sich an Ihre Gewerkschaft. 3. Offen- bacher Krankenkasse, Vorsitzender Hinz, Prinzcnstr. öS.—$. Ja. — Willy. Rixdors. 1. Nein. 2. Ein Zwcithalerstück hat keinen Kurswert, sondern nur einen zwei Thalcr übersteigenden Licbhaberwert. Einen bc- stimmten Sammlerwert hat keine Münze. Bei einer rbtünzenhandlung er- sehen Sic, wieviel diese Ihnen zahlen würde; sie verkaust dann die Münze an Sammler sür soviel als sie erhalten k-mn.— H. D.. Thacrstr. Leider ja.— M. G.. Schönleinstr. 31. Unverständlich: die Krankenkaffen- Beiträge werden durch die Kasse, quittiert. Ob sie gezahlt sind, erfahren Sie bei der Kasse. Der Ehes ist keineswegs berechtig!. Bemerkungen in daS Krankcnkasscnbuch einzutragen.— Max Levy. 1. Die Kündigung gilt nicht zum 1. Februar, sondern zum 31. Dezember. 2. Der Chef kann eine Kündigung unter Einhaltung der vereinbarten Monatsfrist von neuem aus- sprechen. 3. Ist Ihnen eine Nummer nicht geliefert, weil Sie zu spät abonniert haben, so können Sie bei der Postanstalt Nachlieferung beantragen. — Apselbtiimchen 151. Ein Dienstmädchen ist nicht krankcnverstcherungt» pflichtig. Die Herrschast hat 5 Wochen lang sür den Fall einer Kran kh est zu sorgen. Berechtigt, nicht aber verpflichtet ist ein Dienstmädchen, sich aus eigne Kosten zu versichern.— H. W. 100. Mit dem 31. Dezember v. I. — W. 3, Viaxstr. Das ist unmöglich, der Kostenpunkt für die AnS- Bildung beträgt ungefähr 300 M., der Andrang ist so stark, daß aus eine Freistelle nicht zu rechnen ist. Wer Hebamme werden will, muß sich zu- nächst an das Polizeipräsidiinn wenden. Dann erfolgt Vorprüfung(Sehen. Lesen, Rechnen u. dgl.) bei dem Physikus. Nach bestandener Prüfung wird die Kandidatin vorgemerkt und sobald Platz ist, zur Ausbildung(in der Eharitä) zugelassen. Nach sechSmonatlichem Kursus wird sie zum Epamen und eventuell zur Hebammenschast zugelassen. Da sie bei der Zulassung noch nicht 30 Jahre alt sein darf und eine außerordentlich große Anzahl vorgemcldct ist, so kann eine Kandidatin, die älter als 20 Jahre ist, aus Zulassung als Hebamme nicht rechnen.— Tausend. Ja. Wittcrungsübersicht vom 5. Januar 1001, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wim Ä K .= 5 SS 767 SO 754 O 765 DSD 76 IN 759 Still 768 1 SO Wetter i-ck =!Ä wt heiter INebcl 3 heiter 1 bedeckt — chiebel llheitcr 7 1—1 — 5 0 4 -6 Stationen st s s E S~ 5 3 s— i§ Haparanda Petersburg Cork ütberdem Paris I 770® 773® 3® 757 mo 753:0 Wetter 2 bedeckt 1 bedeckt 1 heiter 2haldbd. --!»{ S 11 S w& -8 -3 4 Wetter-Prognose für Mittwoch, den V. Januar 1001. Zeitweise heiteres, vielsach nebeliges Frvstwettcr mit mäßigen südöstlichen Winden; keine erheblichen Niederschlage. Inserate für die nächste Uummer müssen bis 5 Iuserate bitten wir vorher anzumelden Ülstr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � Expedition. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcater. Mittwoch, den 6. Januar. Ansang 7st, Uhr: TchausPielhauS. Wann wir altem. Die Romantischen. Neues Königl. Opern- Theater. Mianou. Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Maria Theresia. Nachm. 3 Uhr: Die sieben Raben. Lessing. Zapfenstreich. Westen. Das Glöckchen des Eremiten. Nachm. 3 Uhr: Rotkäppchen. Neues. Der Strom. Residenz. Der keusche Casimir. Central. Der Rastelbinder. Nachm. 4 Uhr: Der geslleseltc Kater. Thalia. Der Hochtourist. Belle-Alliance. Der reichste Ber- liner. Ansang 8 Uhr: Schiller v.(Wallner- Theater.): Kollege Erampton. Schiller X.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Wilhelm Tell. Luisen. Reis-Reislingcn. Kleines. Nachtasyl. Trianon. Biscottc. Deutsch- Amerikanisches, lieber'» großen Teich. Carl Weist. Bruder Martin. Nachm. 3 Uhr: Die Räuber. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Casiuo. WeihnachtSglocken. Der vertauschte Sohn. Apollo. Frühlingslust. Vifion nach dem Balle, speeialitäten. Winter- Garten. Otoro. Otto Rentier. Specialitäten. Passage- Theater. Enthauptung. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Gebr. Herrnfeld. Papa Noa. Reichshallen. Stettincr Sänger. ttrania. Taubeiistrasie 18/10. Der Erdball als Träger des Lebens. Um 4 Uhr im Theater: An dm Seen ObcritalienS. Jnvalidenstraste 57/03. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Centrai-Theater. Heute nachm. 4 Uhr halbe Preise, jeder Erwachsene ein Kind frei. Jedes Kind erhält ein Geschenk. Ter gestiefelte Kater. Aimds 71/, Uhr: Zum vorletztcnnial: Ter Rastelbinder. Operette in 3 Akten v. Franz Lchär. Morgen zum letztenmal: voe llsstel- bimlei'. Freitag: Die Geisha. Neues Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. DerStrom. _ Ansang Vlt Uhr. RkjidkllMkattl Direktion S. Lautenburg. Heute und folgende Tage: »« Ansang 7'/. Uhr. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Reif-Reillingen. Donnerstag: Berliner Kinder. Freitag zum crstemnal: Der Veckchentresscr Sonnabend: Der Veilchenfresser. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Alpen- tönig und Menschenfeind. Abends 8 Uhr: Der Beilchensresscr. Montag: Berliner Kinder. Schiller-Theater. ScliIIIcr-Theater O. (Wallncr-Thealcr). Mittwochabend 8 Uhr: Kollege Crampton. Komödie in 5 Asten von Gerhart Hauptmann. Donnerstagabend 8 Uhr: ve»' Conipagnon. Freitagabend 8 Uhr: _ Dee Compagnon._ Schiller-Theater stT. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel in fünf Auszügen von Friedrich Schiller. Donnerstagabend 8 Uhr: KoIIexe Crampion. Freitagabend 8 Uhr: Vasantasena. IX. Berliner Saison. Cirkus Busch. Mittwoch, den 6. Januar, abends 7'/z Uhr: Zum mtta Hot* WlnOM Original-Pantomime 11. Male: ntlii* UClJ /UipCll« d. CTrkns Bnsch. Mr. Richard Satvadc! Die wunderbaren mit seiner berühmten filte!'-4ii?ei!-«.I!!ifei!-I!NM', des Herrn. Schumann. Herr Gustav Goebel aus Berlin, Schulreitcr, Schüler dc§ berühmten James Fillis. Mademoiselle de Holstein, Schulreiterin. Die besten LIowns der Welt Gohert Beliing, Alfred Daniela und Gebrüder Fratellini. -i-ie umiiutiuiaut Zeöra-Dressuren Charlottenburg(Yolhshaus) Itosinonstrasr o S. Sonntag, den 10. Januar 1904, nachmittags 4 Uhr: Grosses Wohltiiätiokeits-Festl zum Besten der Ausgesperrten in CrimmitSGtiau, Mitwirkende; Sämtliche Arbeitergesangvereine Charlottenburgs(Mitgl. des A.-S.-B.\ Charlottenburger.,Bülinenklab", Theateivercin „Mehr Licht", Artistonvereine„Teutonia" und„Roter Stern", Charlottenburger Arbeiter• Radfahrerverein(M. d. A.-R.-B.) und die Kapelle des Herrn Bosshard. Prolog-. V.ebcRdes Bild. Festrede des Gen. Dr. Alberty.— Von 4 Uhr ab Tanz im kleinen Saal, desgleichen von 9 Uhr ab im grossen Saal. Eintrittspreis 20 Pfennig. Tanz für Herren 50 Pfennig. Bei der ausserordentlichen Reichhaltigkeit des Programms und mit Hinsicht auf den Zweck der Veranstaltung rechnen wir auf die Beteiligung aller Parteigenossen. 230/1 Das Komitee. Urania. Taubenstrasse 48/49. Um 4 Uhr: An den Seen Ober-Italiens. Um 8 Uhr; Der Erdball als Träger des Lebens. Sternwarte Invalidenstrasse 57/62. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Ein Naturwunder: Die stferkulesbröderz 10 u. 1t Jahre alt, Athleten, Sänger, Gatalalka-Virtuasen I Indianer-Riese K Die wunderbare Illusion: Der Weihnach'.straum d. Matrosen in den Tropen. - CHlNF Kunst-jlussteliung STWS»« I • 1IWUW11W luwutwi• Direktion: Robert Dill. Brnnnenst ranze 16. Klein Geld. Ansang 8 Uhr. Entree SV Ps. Donnerstag: Extra- Elite- Bor- stcllung: Das bemooste Haupt. ThaliasTheater. Täglich abends 7J/j Uhr: Der Hochtonrist. Cioid» Xlflelscher spielt die Titelrolle. Carl Weiss-Thealer. Groste Frankfurter Straffe 133. Nachm. 4 Uhr Schülcrvorstcllung. 10, 25. 40 Pf. Tic Räuber. Abends 8 Uhr: Gastspiel deS Oberbayrischen Bauern. Theaters. Bruder Martin. Morgen: Der Meinciddaucr, Iggüvii göMnöt 10-8. Entree 1?!.. SonntagSO Pr. Kleines Theater, Unter dm Linden 44. Nachtasyl. Anfang 8 Uhr. Morgen: Elektra. Casino-Theater. Lothrmgerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/,. Zum letztenmal: VeihnaMglMn.Vei'lallzchieSlihn Freitag Premieren-Abend. Sonntagnachm. 4 Uhr: Diebesfalle. Weihnachtsglocken. Bernhard Rose-Tlieater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Mittwoch, den G. Januar 1904: Der Wuldtrilskl. Posse mit Ges. in 4 Akt. v. Mannstadt. Ansang 8 Uhr. Heute Mittwoch, den 5. Januar er., abends 7llt Uhr: Vom Neuen das Neueste. Immer d. Neueste, immer d. Original. Crcatmr Mr. Aneiiietti. Teout des Universal-Clowns Mens. eontard mit dressierten Tieren. Herr iul. Seeth, Löwendressur: 25 liöwen 25. Die Pracht- ES«S i* A 1! Pantomime: E9«t3Wt*ia Eine Wanderung durch acht Jahr- tausc.ide in 11?lbteilungen. Apollo-Theater. S Ehr: Frühlingsluft. »-/. Ehr: Vision nach dem Ball. 10 Ehr: Das neue lanuar- Programm. Kasseneröffnung 7 Uhr. _ Anfang 8 Uhr._ Metropol-Theater Ii WM! Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildem von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Leone gesetzt vom Direktor Kichard Schultz. Im 4. Bilde: Cfrosses Ballett HW Wie damals im Monat Mai. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonnabend, den 9. Januar 1904: Erster grosser Metropol-Theater-Ball. Belle-Aliiance-Theater. Dir.: Krcn u. Schönscld(Thalia-Theat.) Heute und täglich 7'/, Uhr: Der rekchste DerUner. Große AuSstattungs-Posse mit Gesang und Tanz in 4 Asten. ysdrüSer Kerrtifeld Anfang Thoofor Sonntags 8 Uhr.| liGdtÜil � Uhr. Mar noch wenige Tage die erfolgreiche Herrnseld-Poffe ?apa Koa mit den Autoren in den Hauptrollen. Ferner: Hanny Luxa. Ferry u. Perry. Longcnells. Bendix. In Vorbereitung: „Nur eine Nacht". 2 Akte aus einer Ehe von Anton und Donaf Herrnfcld. Billetvorvcrkauf täglich 11-2 Uhr. Sanssouci. Kostb.iscr Thor—©tat. der Hochbahn. Jeden Donnerstag, Sonntag und Montag: Boftmanns Nordd. Sänger. Nach jeder Soiree: XanxkrÜnzchen. Jeden Dienstag: Cbeater-Hbend, Deutscher Holzarbeiter-Verband. Bureau: Engel-User 15.— Fernsprecher: IV 3578. Stock» und CelluloidsArbeiter. Bertrauensmiinner-Sitznng Mittwoch, den 6. Januar, abends 8� Uhr, bei Barcinz, Brückcnstr. 7. 77/5 Der Obmann. Achtung! ElllSetZer. Achtung! Sonntag, den 10. Jannar. vormittags O'/s Uhr: �usserordentl. ¥es*samni8ung im Gewcrkschaftshause, Engel-User 15, Saal I: TageS-Ordnung: 1. Die Lohnfrage. Referent: Kollege Dchönberg. 2. Bericht der Kommission. Neuwahl der Kommission. Trisrnm-Tlielltei'. Georgenstraße, zwischen Friedrich» und Ulnversitätsstraßc. vissQU«. Anfang 8 Uhr. In Vorbereitung: IKadame X. Fröbel�lierlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Frübei. Mitttvoch, den 6. Januar: Gastspiel deS tgl. Hofschauspielers Emil Richard mit seinem erstklassigen Schau- sPiel-Ensemble. Anfang 8 Uhr. Eintritt 40 Pf. emge-Möl. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Enthauptung einer lebenden Dame! Willy Präger mit seinem Schlager: Die kleine Garnison. 14 neue erstklassige Nummern. Palast-Theater Burgstraste 33, früher Feen-Palast. Heute und folgende Tage: 8 Uhr: 8 Uhr: Berlin, wie es weint und lacht. Volksstück mit Gesang in 9 Bildern von Statisch. Musik von Conrad!. Freitag, den 8. Januar, ab. 8 Uhr: Elitc-Aorstcilani;. Meäea Das goldene Vliess. Trauerspiel in 5 Akten v. Grillparzer. In Vorbereitung: Die Käahcr. Wilhelm Teil. Zwischen zwei Herzen. Der Verschwender. Reiclis hallen Stettiner Sänger. Konigstadt'KasUio Holzmarktslr. 72, Ecke Sllexandcrittaße. Täglich: Frnnz Sobanski. Mita Roselli. X Geschwister Banola. The teklys usw. Ei» praktisches lSeschenk. Nach der Vorstellung: Mittwochs, Sonnabends u. Sonntags: Tanz. Neues Programm: Harry Rocher Hundsdrcsscur. IVeed u. Gates Amerik. Bxcentrics. Lorraine's Lebende Bilder. Die beiden Freydos Gymnastiker. Cook u. Clinton Amerik. Kunstschützinnen. Meers u. Omo Drahtseilkünstler. Otto Kcntter Humorist. htaierno Meister- Jongleur. Annette Gillard Pariser Opemsang. Nile. Oiero in ihrer Pantom.„Opiumrausch". Theresas Komischer Hypnotisenr. „Karnevalsgeister" Wiener Ballett. Biograph. iGermania Praclitsälel i thauftccjtr. 103. 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Slratzen, Bahnstation bequem gelegen, BorortSoerlehr, niit tl. Anz. preiswert zu Verl. Ostet icn Q. Zl. 31 t Rudols 2nossc, Leizigerstr. 103. 48/20» W�Sß�ji{(leine ßnzeiaen. M W als IS Buchstaben zählen doppelt. 4N r Strasse( Ämpltrcn für die nächste Anzeigen Kummer Verden in den AnnahmesteLlen für Berlin bist Uhr, für die Vororte bis l2Ubr, Ringfchisfchcn, Bobbin, Schnech Näher, ohne Aiizahluug, Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Kopnickerftrasze 60/81, Prenzlaucrstrabe SV/SV und Große Frankstirterstraße 43._ fOS- "Musikwerke, sclbstspielende, Teil Zahlungen. Jnvalidenstrastc 143{<£in gang Bergstraste), Skalitzerslrage 40.' der Hauptexpedition Linden- Strosse� bis S Uhr angenommen| Aste 3 'erden Jr.i Hin M Verkäufe. Eigarrengeschäft billig verkäuflich. 350, passend sür Cigarrenmacher. Warschauerstraste 47._ 1128* Lftvorort Fredersdorf, Qundrat- rute mit Klcscrn 12 Mark verlaust Hausverwaltung Bruniicnstratze löt. 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Wir machen die organisierten Mitglieder des Centralverbandcs nnd der Lokaloraanisation der Glaser darauf auf- mcrksam, dag das Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen zc. nicht zur Verfügung steht und ersuchen deshalb, das Vergnügen unter allen Umständen zu meiden. Friedrichsfrlde. Da das Lokal„Lindenpark", Wilhelmstr. 11, der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht mehr zur Verfügung steht, so ist eS in der Liste zu streichen und als gesperrt zu betrachten. Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 10. Januar, abends 3 Uhr, findet in den A r m i n b a l l e n, Liommandantcnstr. 20. eine öffcnt- liche Versammlung statt. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein und Tanz. Eine polnische Protest-Versnmmlung gegen die moskowitische Acra in Prcußen wird am Sonntagnachmittag iv» Uhr in den„Andreas- Sälen", Andreasstraste 21. abgehalten. Referent ist Genosse Georg Haase. Um rege Agitation unter den polnischen Arbeitern ersucht Der Einberufer. Potsdam. Der Wahlverein hält am Donnerstagabend 8Vz Uhr bei Ladenthin seine Versammlung ab. Tagesordnung: OnartalS- abrechnung, Wahl eines Kassierers und Verschiedenes. Wilhelmsruh. Freitagabend 8'/z Uhr findet eine Mitglieder- Versammlung des Wahlvercins im Lokale Hamann. Ecke der Kronprinzen- und Walderseestraste statt. Die Genossen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. lokales. Der Feuerwehrmann auf Thcatcrwachc. Der Chikagoer Theotcrbrand hat jähes Entsetzen in der ganzen Kulturwelt geweckt und überall ist sogleich die Frage aufgeworfen worden, wie eS anderwärts um die Fenersichcrhcit der Theater bc- stellt sei. Auch in Berlin wurde diese Frage in der Presse erörtert. Das Ergebnis war im ganzen: die Berliner brauchen nichts zu fürchteu i unsre Theater sind alle feuersicher, und unsre Polizei pastt auf und duldet keinen Verstost gegen die von ihr aufgestellten Fordermigcn und Vorschriften. Dieses BcschwichtigungSkonzert, an dun mancher besorgte Thcatcrbesitzer seine Freude gehabt haben dürfte, endete mit der Nachricht der plötzlich erfolgten Schliehung des königlichen Opernhauses, dessen Bühnenhaus bei einer vor- genommenen austcrordcntlichen Revision als nicht feuersicher erkannt worden war. Ileberschcn wurde bei diesen Erörterungen das eine, dast bei allen grösteren Theaterbränden die meisten Menschenleben nicht durch Rauch, Hitze und Feuer, sondern durch die sofort ausbrechende allgemeine Panik vernichtet wurden. So tvar es bei dem Brand des Ring-Theaters in Wien, so ist es auch jetzt wieder bei dem Brand des Jroquois-Theaters in Chskago gewesen. Wir wären ganz damit einverstanden, Ivcnn in, Hinblick auf die Möglich- keit und Wahrscheinlichkeit solcher Panik die Besitzer der Theater gezwungen Ivürden, im Zuschauerraum die Sitzreihen inehr aus- cinairderzurückcn, noch mehr Gänge anzulegen, die Thürcn und Treppen noch zu vermehren! nnd auch die königlichen Theater sollte man sich daraufhin recht genau ansehen. Es ist mich zu Ivünschcn, dast die Theaterbesucher mehr Besonnenheit in der Gefahr bekundeten. Aber leider wird es sich wohl niemals erreichen lassen, dast ein vielhundcrtköpfigeS Publikum, das in einem Theater zusammensitzt, bei ausbrechendem Feuer das HauS in Ruhe verläßt. Und schwerlich ivird ein Zuschauerraum so eingerichtet werden können, daß eS völlig ausgeschlossen wäre, daß die erschreckt ausspringende, in sinnloser Hast fliehende Menge schon zwischen den Sitzreihen und in den Gängen übereinanderstürzt und in wilden, Ringen schließlich selber sich die Ausgänge versperrt. Das Wichtigste bleibt auch hier, wie überall, das vorbeugende Verfahren: keinen Brand auf der Bühne entstehen lasten, einen etwa doch entstehenden Brand sofort im Keime zu ersticken, ihn den Augen des Publikums möglichst entziehen, den Ausbruch einer Panik vcr- hüten. Das Verfahren wird in Berlin und anderswo seit langem befolgt und hat sich bewährt. Was keine noch so große Fcucrsicherheit des Bühnenhauses, keine mit dem Raum nichts kargende Einrichtung des Theatersaales zu ver- hüten vermöchte, das verhüten die drei oder vier Feuer« »o e h r m ä n n e r, die am Abend im Theater ihre Posten hinter den Coulissen beziehen und mit scharfem Auge darüber wachen, daß jede Gefahr sofort abgewehrt wird. Von' diese» Männern hängt allabendlich daS Schicksal Tausender von Theaterbesuchern ab. Dem Unkm,digen mag ihr Amt als ein sehr leichtes und sogar angenehmes erscheinen. Man steht hinter den Coulissen oder spaziert umher, man hört gratis das Stück an, man scherzt mit den Statistinnen, darf sich vielleicht sogar mal mit einem berühmten Mimen unterhalten und so weiter.' Aber nein, so amüsant ist die Sache denn doch nicht I Der Feuerwehrmam, zieht nicht zum Spaß auf Theater- wache, sondern zu einer sehr ernsten Pflicht, und er hat hierüber seine sehr strenge Instruktion, deren Nichtbefolgung ihm 24 Stunden Arrest oder Schlimmeres eintragen kann. Oefter, als das Publikum es ahm, schwebt es im Theater in Gefahr, die durch den Feuerwehrmann bescittgt wird. Auch in Berlin ist daS wiederholt vorgekommen. ES ist nicht zuletzt der Um- ficht, der Geistesgegenwart und der Pflichttreue unsrer Berliner Feuerwehrmänner zu danken, dast wir hier noch keine jener furchtbaren Theaterbrand-Katastrophen gehabt haben, wie sie ander- ivärts vorgekommen sind. In Chicago sollen die Feuerlvehrmänner die ersten gewesen sein, die ihr Leben zu retten suchten. DaS ist in Berlin unmöglich 1 Kein Feuerwehrmann, dem hier die Bedienung des eisernen Borhanges überttagen ist. würde bei ausbrechendem Feuer fliehen, bevor er feine Pflicht gethan, den Vorhang herunter- gclasten hätte und noch durch die darin befindliche Thür in den Zuschauerraum getteten wäre, um seiner Instruktion gemäß das Publikum zu beruhigen und zu langsamem Verlassen des Theaters aufzufordern. Die Ausübung ihre? verantwortungsvollen Amtes, so wird hier mancher unsrer Leser ftagen, wird doch diese» Feuerwehrleuten gewist auf alle Weise erleichtert? Wir bitten, hierüber nach den folgenden Angaben selber zu urteilen. Die Feuerwchrmannschaften haben im allgemeinen zweimal vierundzwanzig Stunden Dienst und dann einmal vicrundzwanzig Stunden Ruhe. Während des Dienstes verweilen sie auf der Feuerwache und kommen in den achtundvierzig Stunden niemals dazu, sich völlig zu entkleiden. An ihrem dienst- freien Tag bleiben sie in ihrer Wohnung. Die T h e a t e r w a ch e wird nun gewöhnlich aus den dienstfreie» Mannschaften genommen. Die Leute müssen spätestens eine Stunde vor Beginn der Vorstellung auf ihrem Posten sein. Rechnet man den Weg nach und von dem Theater mit. so kostet der Theaterwachtdienst fünf der.dienstfreien" vierundzwanzig Stunden. In Berlin werden allabendlich 50—60 Feuermänner und 15—20 Oberfeucrmänncr soder als ihre Vertreter ältere Fcuermänner) in die Theater geschickt. Das ist ungefähr der vierte Teil der jeweils dienstfteien Mannschaften. Jeder kann da im Monate mehrere Male in die Lage kommen, ein Fünftel seines dienstfreien Tages der ihm so notwendigen Ruhepause zu opfern. Bezahlt wird ihm dafür nichts! Das klingt unglaublich, ,st aber Ivahr./z Uhr beginnt der auf die Crimmitschauer Er- cignisse sich beziehende'Terl des Programms, bestehend aus Prolog, Chorgesang. Ansprache des Genossen Dr. Alberty und gemeinsamem Gesang der Arbeitermarseillaise. Daran schließen sich in bunter Reihenfolge die Darbietungen der einzelnen Vereine. Das Programm ist ein ungewöhnlich reichhalttges und abwechselungsvolles. Der Einttitt kostet 20 Pf. Herren,"die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach.(Siehe Inserat.) Deutscher Verein für Gesundheitspflege. Donnerstagabend 8'/g Uhr werden aus dem Gebiet der Gesundheiispflege folgende Vorträge in den Aulen der genannten Gemeindeschulcn gehalten werden: Berlin K. Schwedterstr. 232/234, spricht Herr Sanitätsrat Prof. Dr. Lazarus, dirigierender Arzt der Abteilung für innere Krankheiten des jüdischen Krankenhauses, über„Das Herz in seiner Bedeutung für Leben und Arbeit". Berlin N0„ Friedenstr. 23, spricht Herr Dr. med. R, Lennhoff über„Die Entstehung und Verhütung von Erkältungskrankheiten". Berlin K, Auguststr. 67/68, spricht Herr Dr. med. K. Beerwald über„Der Einfluß des Sonnenlichts auf die Gesundheit". Berlin O., Rüdersdorferstr. 4/5, spricht Herr Privatdocent Dr. med. Albu über„Die Bedeuttmg der Kochkunst und Gewürze für die Verdaulichkeit der Speisen und die Verdauung". Berlin 8„ Dieffenbachstr. 60/61, spricht Herr Dr. med. H. Weber, Direktor des Auguste Victoria-KrankcnhauseS, über„Die häusliche Gesundheitspflege und ihre wirtschaftliche Bedeutung". Berlin SW., Bergmannstr. 28/29, spricht Herr Medizinalrat Dr. Leppmann, ärztlicher Leiter der Sttafanstalts-Jrrenabteilung, über„Beruf und Nervenkrankheiten".— Der Zuttitt zu sämtlichen Vorträgen steht jedermann unentgeltlich frei. Am III. Bcobachtnngsabend des„Vereins von Freunde» der Treptow- Sternwarte" spricht Herr Prof. Dr. Seler über: „Astronomie und Kalendcrwesen der Alt-Mexikaner". Da voraus- sichtlich der Vorttagssaal der Treptow-Stcrnwarte zu klein sein wird, so findet der Vortrag im großen Hörsaal des„Physikalischen JnstititutS", ReichStagS-Ufer 7/8, am Mittwoch, den 6. Januar. abends 8 Uhr, statt. Die Beobachtung des O r i o n n e b e l s mit dem großen Fernrohr ist bis zum'16. Januar allabendlich von 7�2— 10 Uhr angesetzt. Gastkarten werden rm Bureau der Treptow« Sternwarte wie auch am Abend vor dem Vortrag ausgegeben. Die Bauarieite» für den Umbau des Opernhauses sollen sofort in Angriff genomnic» werden; die Dauer dieser Arbeiien wird au: etwa('> Wochen berechnet. Das ganze Bühnenhaus wird außen mit eisernen Galerien verschen werden; breite, ebenfalls außen an gebrachte Thüren und zwei inächtigc Thore werden vom inneren .Bühnenraum auf die Galerien, also inS Freie führen. Auch für das k>ll. S ch a u s p i e l h a u s sind umfassende Umbauten angeordnet, die sich auf Garderoben, Zuschauerraum und Treppen erstrecken. Dieser Um- bau soll im Frühjahr, ctiva im April, beginnen und dürfte erst im Oktober beendet sein. Dem Sckauspiclpersonal stehen also ausgedehnte Ferien in Aussicht.— Die Besichtigungen der Privattheater durch Vertreter der Baupolizei und der Feuerwehr haben bereits begonnen. Es wird aber voraussichtlich nirgends eine Schließung nötig sein, die eine ungeheuere Schädigung der Direktion wie des Personals bc deuten würde.— Nach den Umbauten ivird man, wie scholl an gekündigt, mit allem Nachdruck dem völligen Neubau des konigl. Opernhauses näher treten. Der Liaiser will dazu als Bauplatz, dem Vernehmen nach, das Prinzessinncn-Palais hergeben. Im Herrnfcld-Thcatcr. Seit einer Reihe von Fahren wird in dem früher Kaufmanns Lariötü genannten Theater eine cigentüm liche Specialität, die jüdische Komödie, gepflegt. Es sind Genre Bilder aneinandergereiht, die zum Teil einen sentimentalen Charakter kragen, zunicist aber voll blühenden UnsinnS sind. Auch inancher ge- pfefferte Situationswitz ist darunter. Alle diese Scherze stimmen .zum Lachen: aber ihre Wirksamkeit ist bedingt durch den jüdischen Dialekt, iir dem sie vorgetragen werden. Anders würden sie dem Publikum zumeist schal vorkommen. Mit den Scherzen an sich ist es natürlich in den Herrnfeldschcn Schlväitkcn nicht abgcthan. Die Stücke sind aus dem Leben gegriffen und spiegeln zum Teil mit verblüffender Naturtreue die specifisch jüdischen Ansichten über Ehe- und andre Dascinsfragen wieder. Und weil sich in der Handlung und in den Scherzeu alles so gelassen, so selbstverständlich gicbt, verletzen sie auch nie- inals. Es muß schon jemand ein ganz bornierter Semit oder Anti- semit sein, uni aus der bunten Komik eine häßliche Tendenz heraus- zufischcn.— Gestern wurde„Papa N o a", eine besonders lustige Komödie, zum hundertsten Male aufgeführt. Es gab am Schluß die üblichen Kranzspenden in schwerer Menge. Besonders die Herren Anton und Donat Hcrrnfeld, Autoren, Direktoren und Schauspieler in einer Person, wurden in dieser dreifachen Eigenschaft geehrt, wie man eben nur auf der Bühne geehrt werdeit kann. Auf Veranlassung des„Deutschen Vereins für VoNöhygicur, Orts� gruppe Berlin" c. V. und des„Zweigvercins Berlin des Vaterländischen Frauenvereins" spricht Freitag, den 8. Januar 1904, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses Herr Prof. Dr. Zuntz über„Die Bedeutung der Leibesübungen und der Sports für die Gesundheit."— Der Zutritt steht jedermann unentgeltlich frei. Für das Lehrerkollegium der kaufmännischen Fortbildungsschulen wird Herr P. G. Puy-Fourcat, OkKcier d'aeademie und langjähriger Lehrer dieser Anstalten, mit Gcnchmignng des Kuratoriums eine Reihe von Vorträgen vom V. Januar ab, jeden Mittwoch 8V4 Uhr abends im Börsensaal, Neue Friedrichstr. 51/52, Part., veranstalten. An jedem Vortragsabend werden drei Franzosen über vollswirt- fchaftliche und litterarische The»nata sprechen. Sonstige Interessenten, besonders aus kaufmännischen und pädagogischen Krciien. Damen und Herren, erfahren Näheres in der Buchhandlung von Schneider u. Co., Leipzigerftt. 129. Eine Ausstellung von Kanarieuvögelit, sowie anderen Sing- und Iiervögeln, ausgestopften Vögeln und Säugetieren veranstaltet der Verein Rixdorfer Kanarienzüchter in der„Neuen Welt", Hasen Heide 108—114 vom 8. bis 12. Januar. Die Ausstellung ist von morgens 9 bis abends 8 Uhr geöffnet. Die 262. Veranstaltung des Vereins für Bolksunterhalwngcn findet am Sonntag, den 10. Januar, nachmittags 5 Uhr, in der Urania, Taubensttaße, statt. Zum Vortrag gelangt:„Unser Planet als Träger deL Lebens". Treptow- Baumschuleuweg. In der Klage unsreS Parteigenossen Krebs gegen die Wahl des GemeindevertteterS S ch i r m e r hat nun auch der Bezirksausschuß in Potsdam die Wahl für ungültig erklärt, nachdem der Kreisausschuß schon vorher der Klage unsreS Parteigenosien stattgegeben hatte. Ob die Gemeindevertretung ihre verlorene Sache mm noch vor das Ober-Vcrwaltungsgericht bringen wird? Theater. Maurice Ordonneau und Henry Herblay. die Ver fasser der neuen französischen Operette„Das Schwalben- n e st" ldeutsch von M. Rappaport) sind in Berlin eingettoffen, um den Proben des Werkes, dessen Uraufführung am 9. d. Mts. am Central-Theater stattfindet, beizuwohnen.— Im Carl Weiß-Theatcr gelangt heute lMittwoch) nachmittag 4 Uhr als Schülervorstellung„Die Räuber" zur Aufführung. Am Abend bringt dos Oberbayrische Bauern-Theatcr das so überaus lustige Volksstück „Bruder Martin" zur Aufführung, während am künftigen Sonnabend die Novität„Die Leni von Obcrammergait" zum überhaupt erstenmal in Scene geht._ Klus den Nachbarorten. Charlottenburg. Die freisinnige Charlottenburger„Neue Zeit" stellt an den Genossen Sellin das Ansinnen, sein Stadtverordneten Mandat so lange nicht auszuüben, bis eine gerichtliche Aufklärung der in der Goerkcschcn Broschüre gegen ihn erhobenen Besckuldü gungen erfolgt sei. Dem gegenüber wird uns mitgeteilt, daß Sellin selbst in der letzten Fraktionssitzung die Frage zur Entscheidung gestellt hat, ob es nicht angemessen sei, daß er sein Mandat bis zur völligen Klärung der gegen ihn erhobenen Anschuldigungen nicht ausübe. Die Fraktion hat dem Antrage Sellin nicht stattgegeben; sie ging dabei von der Ansicht aus, daß bewcislos erhobene Bc- fchuldigungcn für einen Stadtverordneten keinen Grund bilden können, das ihm anvertraute Amt nicht auszuüben. Gleichzeitig wird uns mitgeteilt, daß das vom Charlottenburger Wahlverein beabsichtigte Schiedsgericht zur Untersuchung und Er- ledigung der von Goerke erhobenen Behauptungen und Anschuldigungen nicht zu stände kommt, weil G. seine Meldung zum Wiedereintritt in den Wahlvercin wieder zurückgezogen hat. In einen: Briefe an den Vorstand behauptet er, er habe sie seiner Zeit „sofort widerrufen". Die Meldung GocrkeS zum Wiedereintritt bildete für den Vorstand des WahlvereinS den einzigen Grund und die einzige Möglichkeit, die Angelegenheit auf dem in der Partei üblichen Wege eines lokalen Schiedsgerichts zu erledigen. Nachdem diese Möglichkeit entfallen ist. hat Genosse Sellin beim Pattcivorstand die Einsetzung eines Schiedsgerichts beantragt. Schöncbcrg. In der ersten diesjährigen Stadtverordneten- Sitzung erfolgte zunächst die Einführung der aus den November- wählen hervorgegangenen zwanzig Stadtverordneten. Unter den Neueingcsührtcn befindet sich auch unser im 7. Bezirk gewählter Genosse Wollermann, während Genosse P ans er aus- geschieden ist. Unsre Fraktion behält demnach ihre frühere Stärke. Zum Stadtverordneten- Vorsteher wurde Herr G. Müller und zum Stellvertreter Herr Justizrat Dr. v. G 0 r d 0 n wieder- gewählt. Dem neugcwählten Wahlansschuß gehört zum erstemnal unsrerseits Genosse Obst an. Zur Frage der Errichtung einer BaugelverkSichule, die de» städtischen Etat in erschreckender Weise ohne nennenswerte Vor- teile belasten würde, brachte Stadtv. Kütcr(Soc.) einige Zahlen, die wohl den größten Schwärmer für ein derartiges Experiment etwas kühler summen dürfte. Während fiir die Volksschule unsre Nachbarstadt Berlin nur 70 M. pro Kops, für die höheren Schulen aber 195 M. auSgiebt, beträgt der Zuschuß der Kommune für die städtische BaugelverkSichule pro Kops sogar das Vierfache der Ausgaben für die Volksschüler, nämlich 288 Mark. Neben den nicht unbedeutenden Ausgaben für Grund und Boden, sowie für Baulichkeiten und Einrichtung beträgt der bare Mindest Zuschuß etwa 40 090 Marl. Nebenbei hätte die Kommune, wenn wirklich der Staat gewisse Garantien übernehmen würde, nicht den geringsten Einfluß auf die Gestaltung des Instituts. Mit der bei nahe einstimmig erfolgten Ablehnung des Antrages wird hoffentlich für absehbare Zeit dieses Projekt verschwinden. Die Festsetzung des Gehalts der neugeschaffenen Auffeherstelle für daS Baracken- und Armenhaus hat schon verschiedene Sitzungen beschäftigt. Als seiner Zeit der Magistrat diese Stelle mit 80 Mark monatlich„dotieren" wollte, hatten unsre Genossen dafür mindestens 90 M. beantragt, da ein Ehepaar unmöglich von 90 M. leben könne Nun hatte sich aber durch ein magiftratlicherseits aufgenommenes „Protokoll" der betreffende Aufseher mit jenem Gehalt, wohl um nicht ganz auf das Pflaster geworfen zu werden,„zufrieden erklärt.(Wie solche„Protokolle" da zu stände kommen, kann man sich unter solchen Verhältnissen denken!j Diese„selbstlose Zuftiedcu hcit" schien denn doch sogar manchem Bürgerlichen nicht ganz echt zu sein, und so erhöhte man ziemlich einstimmig da fürstliche Gehalt nach einen: Antrag Lohausen auf 45 Mark, nachdem der„freisinnige" Stadtverordnete Knorr noch knickriger sein wollte und 40 M. beantragt hatte. Nicht so ängstlich zeigte sich der Magistrat bei dem Verlangen auf Neuregulicru n g d e r H a u p t st r a ß e, die sich übrigens noch in sehr gutem Zustande befindet. Um der Straße ein„groß städttscheS" Aussehen zu geben, verlangt er die Kleinigkeit von 209 000 M. Mit Recht wies Stadtv. Hasuch darauf hin, daß eine Anzahl sehr bewohnter Straßenzüge, wie z. B. die Sedan und Kolonnenstraße, durch die an ihnen geübte Vernachlässig begreiflicherweise an Steucrkraft verlieren müssen. Man möge.. H erst jene Stadtviertel in besser passierbarem Zustand versetzen. Diese Angelegenheit wurde einem Ausschuß überwiesen. Eine wichtige stcucrrcchtlichc Vorlage des Rixdorfer Magistrats wird die Stadtverordneten-Versammlung zu Rixdorf in ihrer nächsten Sitzung beschäftigen. Es handelt sich::::: die A e n d e r n n g der Um s a tz steu er- Or d nun g. Vor allem ist hierin vorgesehen die Verdoppelung des bis jetzt 1 Proz. de-Z Wertes bettagenden Steuersatzes für unbebaute Grundstücke. Während der Magisttat also hierfür die Erhöhung auf 2 Proz. des Wertes beantragt, soll es beim Verkauf bebauter Grundstücke bei dem Steuersatz von Proz. de-Z Wertes verbleiben. Als unbebaut im Sinne der vor- geschlagenen Bestimmungen sollen Grundstücke auch dann gelten, wenn nur Schuppen, Baracken und ähnliche der einstweiligen Bc- imtzung oder andren vorübergehenden Zwecken dienende Baulichkeiten darauf errichtet sind.— Die fchriftliche Begründung des Magistratsantrages ist recht interessant, da sie zugleich ein Streiflicht auf die finanziellen Verhältnisse Rixdorfs und der großen Masse seiner Ein- wohner wirft. ES ist daraus besonders hervorzuheben: Die rasche Entwicklung der Stadt hat Mehrausgaben in solcher Fülle in: Gefolge, daß sie nach aller Voraussicht aus dem bisherigen Steuer einkommen der Gemeinde von Jahr zu Jahr weniger gc deckt werden können. Die erforderlich gewordene neue Anleihe von rund 5 Millionen Mark wird durch ihre Verzinsung und Tilgung einen jährlichen Mehraufwand von mindestens 250 090 M. erfordern, während die Schul- und Armenlasten schon im nächsten Etalsjahre allein eine Vermehrung von mehr als 109 000 M. erfahren. Noch tärker wird der laufende Etat mit der Inbetriebnahme der geplanten neuen städtischen Anstalten(Krankenhaus, höhere Mädchenschulen) belastet werden, ganz abgesehen davon, daß Rixdorf bei seiner Finanz- läge schon genötigt ist. Bedürfnisse, die aus l a u f e:: d e n Mtteln besttitten werden müßten, wie die Vottsschulbauten, aus befriedigen. Die Erschließung neuer Ein unabweisbar.— Von den vorhandenen hat die Einkommensteuer(erhoben am wenigsten in ihren Erträgnissen mit der Entwicklung der Stadt Schritt gehalten. 1 Proz. Zuschlag zur Ein- kommenstcucr bedeutet für die Gemeinde zur Zeit nur den Eingang von 5000 M. Die Einkommensteuer, die sich i n Rixdorf zum größten Teil nur aus kleinsten Beträgen zusammensetzt, bringt hier im Verhältnis nicht nur hohe Verwaltungskosten, sondern auch bedeutende Ausfälle mit sich. Am geeignetsten zur Herbeiführung der städtischen Einnahmen er- weise sich die anderweitige Bemessung der Umsatzsteuer. Die gleiche mäßige Besteuerung bebauter und unbebauter Grundstücke sei dabei aufzugeben und zu dem Mehr nur der Verkauf de-Z unbebauten Landes heranzuziehen. Man ist von J5er Erwägung ausgegangen. daß eS gerechtfertigt erscheine, die Spekulationsgeschästc :n unbebauten Grundstücken, die erfahrungsgemäß einen hohen und leichten Gewinn abwerfen, die aber andrerseits durch Erschließung neuer Bauterrains der Stadtgemeinde mit �gewissen Vorteilen anch erhebliche Mehrbelastung(insbesondere im Schul- und Armenwesen) mit sich bringen, in höherem Maße zu besteuern. Von 1898 bis Ende 1903 hat sich der JahreSerttag der llmsatzsteucr in Rixdorf von 166 952 M. auf 282186 M. erhöht. Aus einer Tabelle ergiebt sich, daß der Umsatz der unbebauten Grundstücke im Gegensatz zu dem bebauter Grundstücke in stetem Steigen begriffen ist. Eine Verscheuchung der Grundstücksspekulanten werde aus verschiedenen Gründen nicht eintreten. Der Magisttat glaubt, daß nach Annahme der neuen Ordnung für das Etatsjahr 1904/1905 ein llmsatzsteucrsoll von 409000 M. werde angenommen werden können, ein Erfolg, der bei Erhöhung der Gemeindc-Einkommenstcuer nur durch einen Mehr Zuschlag von neuen 39 Proz. möglich wäre. In Anerkennung dieser Thatsache will der Magisttat bei der Festsetzung des Steueretats vorschlagen, einen Teil der auS der Erhöhung der Ilmsatzsteuer sich ergebenden Mehreinnahmen zur Ermäßigung der Einkommensteuer ur das folgende Etatsjahr zu bestimmen, und zwar von 10 Proz. Zwei schwere Unfälle ereigneten sich gestern in der Bergstraße in R i x d 0 r f. Der Kutscher Protzky fuhr mit seinem Gefährt gegen einen Straßenbahnwagen, wurde dabei aufs Pflaster geschleudert u:ib schwer verletzt. Außer einem Armbruch erlitt er erhebliche Kopfverletzungen. Nach Anlegung von Notverbänden wurde P. aus seinen Wunsch nach seiner Hobenzollernplatz 9 belegenen Wohnung geschafft.— Der Restaurateur Kaukarath aus der JuliuSstr. 32 wurde am Ringbahnhof beim Ueberschreiten des FahrdammeS von einem schweren Kohlenwagen überfahren. Außer andren Verletzungen er- itt der Bedauernswerte mehrfache Knochenbrüche des linken Unter- chcnkels. K. wurde nach dem Krankenhause Bethanien gebracht. Anleihen zu nahmeguellcn ist csteuergattungen werden 150 Proz.) Sericdts-�eitung. Der Fluchtbcgünstiguugs-Prozeji Bauer. Ein Prozeß, der ganz besonders im den höheren Gesellschaftskreisen großes Interesse er- regen dürfte, wird heute(Dienstag) die erste Strafkammer des Landgerichts Köln beschäftigen. Wie den Lesern noch erinnerlich 'ein wird, wuröe vor einiger Zeit der Kaufmann Adolf Bauer, Stadtverordneter, Hauptmann der Landwehr und Vorsitzender des Ehrenrats des Offizierscorps des Kölner LandwchrbezirkS wegen Verleitung zum Meineid zu!>/, Jahren Zuchthaus und wegen Unterschlagung von 18 000 Mark zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Letztere Strafe verbüßte Bauer bereits, die Zuchthausstrafe ist dagegen noch nicht rechtskräftig, da deshalb zum zweitenmal Revffion eingelegt worden ist. Außerdem 'chwebt gegen Bauer eine Anklage wegen Unterschlagung von 30000 M. Um seine Verteidigung auf diese Anklage vorzubereiten, war dem Bauer gestattet, von Zeit zu Zeit in Begleitung eines Schutzmannes in Civil in einer geschlossenen Droschke in das Bureau des gerichtlichen Bücherrevisors Gelsam zu fahren. Er wurde gewöhnlich von dem Schutzmann Hennann Schnitzler be- gleitet. Lauer soll dem Schutzmann das Ehrenwort gegeben haben, )aß er an eine Flucht nicht denke. Dieser Umstand und das Ver- fircchcn von Geldgeschenken bewogen den Schutzmann, dem Bauer zu gestatten, bei den Fahrten zu Gelsam auch seine Familie zu besuchen. Der Schutzmann soll in der Wohnung der Familie Bauer von Frau Bauer und den drei Söhnen mit Speise und Trank be- wirket worden sein und auch Geldgeschenke erhalten haben,«ei diesen Besuchen winde die Flucht des Bauer vorbereitet, ein Automobil bestellt usw. Am 3. November 1903 gelang eS, den Schutzmann derartig zn täuschen, daß Bauer durch eine.Hinterthür seiner Woh- nung entkam. Er flüchtete mittels Automobil in Begleitung seiner Frau nach Belgien. An: 1. Dezember 1993 gelang es aber, den Flüchtling in Paris zu verhaften. Die AuslieferungS- Verhandlungen sind noch nicht beendet. Sogleich nach geschehener Flucht lourde der Schutzmann Hermann Schnitzler und Frau Adele. Bauer verhastet. Diese haben sich nun in Gemeinschaft mit den drei Söhnen des Adolf Bauer, den Kauflcuten Fritz und Eugen Bauer ,uud dem 18jährigen Handelsschüler Hans Bauer, sowie dem hiesigen Rechtsanwalt Simon Mayer wegen Bestechung. Gefangcncnbetteiung. Begünstigung. Schnitzler speciell wegen passiver Bestechung und EntweichenlassenS eines Gefangenen, dessen Beaufsichligung. Begleitung bezw. Bewachung ihm anvertraut war, ans Grund der§§ 120, 257, 332, 333 und 347 Absatz 2 des Strafgesetzbuchs, vor Eingangs bezeichnetem Gerichtshof zu verantworten. Rechts- anwalt Simon Mayer war der Verteidiger des Angeklagten. Er soll von dem Fluchtplan Kenntnis gehabt und die Flucht durch Rat- schlüge, insbesondere durch den Rat, wohin Adolf Bauer sich wenden soll, u:n nicht ausgeliefert zu werden, begünstigt haben. Fritz und Eugen Bauer sind beide Reserve-Offiziere." Vermilcdtes. Vom Thcatcrbrand in Chicago. Die Polizei Zahl der Opfer auf 690 Tote. 200 Verwundete giebt nunmehr die und 306 Vermißte an. Die Untersuchungen der städtischen Behörden und der Leichen schau-Kommission über die Ursachen des Brandes ergaben, daß durch das Ocffncn der Thüren hinter der Bühne ein Zug- wind cmstand, durch den eine Couliffe, die berschicdene Lichter enthielt, umgeworfen wurde. Ihr Fall rief ein cxplosionS- artiges Geräusch herbor und dies trug dazu bei, die Panik unter der Zuhörerschaft zu steigen:. 75 000 Fuß geöltes Manilascil, das dazu benutzt wurde, 180 hängende Coulissen u hatten, gab den Flammen natürlich besonderen Nährstoff. Der Asbestvorhang war so aufgehängt, daß er nur mit(Rühe herunter- gelassen wexden konnte. Dabei blieb er an einem Leuchter hängen. Der Stadtrat hat inzwischen Zusatzbestimmungen für die Kontrolle aller Schauspielhäuser und.Konzerthallen angenommen. Der Mayor verlangt, daß diese Asbestvorhänge, die überhaupt nur aus aneinander gereihten ASbeststreifen bestehen, durch stählerne Rollvorhänge ersetzt werden. Die Leiter der größeren hcatcr haben den Beschluß gesaßt, alle Vorschläge des Mayors genau zu befolgen. Jedes Theater muß in Zukunft weite Ausgänge haben. Brennbare Stoffe irgend welcher Art werden nicht mehr geduldet, und die ganze Scenerie nmß aus unbrenn- barein Material bestehen. Ueber dem Bühnenraum sind Fenster anzubringen, die sich leicht öffnen lassen und dem Rauch bei einem Bühnenbraude Abzug gestatten. Jeder Notausgang ist mit einer Treppe z« versehen, die auf die Sttaße fuhrt. Die Ver- Wendung von Caleiumlichtern wird untersagt.— Ein städtischer Feuerinspektor behauptet festgestellt zu haben, daß der Vor- hang durch einen in nachlässiger Weise angebrachte Reflettor festgehalten wurde. Infolge dessen sank er an einer Seite bis anf 5 Fuß von der Bühne, während er an der andern Seite in einer Höhe von 20 Fuß stecken blieb. Der für das Luftballett verwendete Draht war dem Vorhang nicht in: Wege. Die Reflektoren standen auch für gewöhnlich nicht in: Wege, sondern lagen in Wandvertiefungen. Wenn sie gebraucht wurden, so schwentte man sie vor. damit ihr Licht auf die Schauspieler fiel. So lange beide Reflektoren rechts und links in den Nischen lagen, hinderte nichts das Herunter- lassen des Asbcstvorhanges; sobald aber einer vorgezogen war. mußte er den Vorhang fangen. Sttafbare Unkenntnis der neugriechischen Sprache. Der deutsche Rcichsangehörige Hans Stelling, der als Einwanderer in Sydney (Australien) wegen Unkenntnis der neugriechischen Sprache zu einem halben Jahre Gefängnis verurteilt worden war, ist auf Protest des deutscheu Generalkonsuls am 19. Dezember sreigelaffen worden. Etu Ersatzanspruch ist vorbehalten. Nach dem australischen Einwanderungsgesetz muß jeder Ein- Wanderer, um die Erlaubnis zum Landen zu erhalten, 50 Worte nach Diktat in einer vom Zollbeamten zu bcsttnunendcn europäischen Sprache schreibe:: können. Da der Maat Hans Stelling der Sohu eines Deutschen und einer Acgypterin ist, so glaubte der Zollbeamte die griechische Sprache wählen zu sollen, da Griechenland Aegypten am nächsten ist. Für die ReichtagswahlrechtS-Gegner in Deutschland eröffnen sich ungeahnte Aussichten. Nur wer neugriechisch versteht, ist Wahl- berechtigt.— Nitroglycerin-Explosiou. Aus London Ivird berichtet: Nach einem Telegramm auS Penzcmce fand in den National Explosive Works von Hayle(Cornwall) eine Explosion statt; Einzelheiten über daS Unglück sind noch nicht bekannt geworden, doch ist die ganze Gegend voll schwarzen RaucheS, der von explodiertem Dynamit oder Eordil hcrrübrt. Fast alle Fensterscheiben in einer Entfernung von drei Meilen von Hayle sind eingedrückt, auch in Pcnzance. das acht Meilen von Hayle entfernt liegt, wurden viel Fenster zerttümmert. Eine weitere Meldung besagt, daß vier Personen ums Leben ge- kommen und mehrere verletzt worden sind; die Explosion ereignete sich in der Nittvglycerin-Abteilung. lieber die Stadt'New S)ork sind schwere Schneestürme herein- gebrochen, die namentlich für die ärmere Bevölkerung großes Un- gemach mit sich bringen und in weiterer Folge bereits mehrere Todesfälle verursacht haben. Während des ganzen Sonntags fiel unaufhörlich dichter Schnee, so daß bereits am frühen Nachmittag die Straßen und Geleise fast unpassierbar toaren und eine all- gemeine Verkehrsstockung eintrat, bis schließlich an: Abend überhaupt nur noch lvenige Wagen fahren konnten. Auch die Hochbahn konnte nur unter den größten Schwierigkeiten den Ber- kehr auftecht erhalten. In der unteren Stadt wurde bereits lange vor Einbruch der Dunkelheit der Verkehr völlig eingestellt. Vielfach blieben die Wagen mit ihrer Ladung auf offener Sttaße stehen. Die Eisenbahnen versuche:: nicht einmal mehr, die Fahrzeiten innezuhalten, und lassen viele Züge ausfallciu Zahl- reiche Unglücksfälle haben sich ereignet. Die Züge mußten versuchen, durch die undurchdringliche Dunkclh.'it anss Geratewohl hindurchzukommen, und so ereignete eS sich, daß bei Nctv-Haven viel Arbeiter. die den Schnee von den Schienen schaufelten, überfahren und getötet wurden. Der heutige Sonntag war der bisher kälteste Tag dieses Winters. Die niedrigste Temperatur bettug 7 Grad. Das Thermo- mcter fällt weiter. LlMlMAl-ii.MellM Den Mitgliedern zur richt, daß unser Kollege Nach. ktfedfieti Ibscb am 2. Januar nach längerem Leiden verfwrbcn ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung jindet am Mist- woch, den 6. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Schönebcrger Kirchhosts, Max- sttaße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Voreitai»«!. Percmtw. Redakteur: JnliiiS Kalistff Berlin. Für den Fnleratentell verantw.-Th. Glocke, Berlin. billigste Preise, ?liix Jacoby, M., Strelitrerstr. 52 Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdnickerei it. VcrlagScm statt Paul Singer Lt Co., Berlin L>V. Danklagung. Für die zahlreiche Lcleiligmig bei der Beerdigung unsreS lieben BaterS sagen wir dem Genossen Wolbeck Manasse, dem Gesangverein„LiedcZfrciheit". den Pattelgcuoiscn des 4. Berliner Reichstags. Wnhllreiies(Osten) und dem Wahwercin, den Kollegen des Ver- bandcs der Bauarbeiter, und dem Krankcn-UntcrltützungS-Verem, sowie den sonstigen Freunden, Freundinnen und Bekannten unsrcn innigsten Dank. GtschwiSer Kaudale ßOLv und Verwandte. Robtabak,