Nr. 9. fltoniKmcn tS'Bedingsngen: Sttomicmciüi»- Prcis pränumerando: Lierteljährl.!!,U> Mk., monatl. I.lO SKt.. wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Rümmer 7. Psg. Sonntags- «mmicr mit illilstricrter Sonntags- Beilage„Die Reue Welt»>0 Pf». Post- Abonnement: l.lo Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft Zcitungs- PrciÄistc. Unter Kreuzband für Dcutschlwrd und Oesterreich. Ungarn L Mark, für das übrig- Ausland 3 Marl pro Monat. 21. Ilchrg. Vit Inltilionz-IZebiihi' beträgt für die scchsgcspaltcnc Kolonel- zcile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- lmd Vcrsammlungs-Anzeigcn 2Z Psg. ..Utein- Zlnreigen", das erste ssett- gedruckte) Wort>0 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lö Äuchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 6 Uhr vormittags geöffnet CrfdKiBt liglich uBtr montags. Devlinev VolkSblÄtk. Telegramm-Adresse: „Sozlaldtntoknt RtrllB". Zentralorgan der rozialdemokrattfchen Partei DeutCchlande. Redaktion: 850. 68, Lindcnatraasc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 198it. Expedition: 850. 68, Lindcnatraaae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 19S4. Reklame- Soeialpolitik. Die erste Sitzung des heute wieder bcgiimcuden Reichstages ist ein ReNarnetag des Ccntrunts. Es steht dessen Interpellation zum Koalitionslrecht auf der Tagesordnung, die in Anknüpfung an die Febrilar-Ertasse die Reichsregierung bestagt, ob sie bald einen Gesctzentlvurf vorlegen wolle„behufs Regelung der privatrechtlichen und öffentlich-rechtlichen Verhältnisse der Berufsvereine, insbesondre hinsichtlich der leichten Erlattgung der Rechtsfähigkeit und der vollen Sicherung deö ÄoalitionsrechteS". und ob sie zweitens bald einen Gesetzentwurf vorlegen wolle„betreffend die Errichtung einer geordneten Vertretung der Arbeiter sArbeitSkammern) zum stcien und friedlichen Ausdruck ihrer Wünsche und Beschwerden auch gegen- über den Staatsbehörden". Die Interpellation stellt zwar die Frage der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine in den Vordergrund, selbstverständlich wird aber dafür gesorgt werden, das; das Koalitionsrccht überhaupt in allen seinen Bezichllngen erörtert, der gegenwärtige Unrcchtszustand krisisch bloß- gestellt und die Forderungen der Arbeiterklasse hinsichtlich des »oalitionSrechtes nach jeder Richtung energisch zum Ausdruck gc- bracht werden. Auf diesem Gebiete herrscht eine»veitgehende Ueber- einssimmung in der Arbeiterschaft. Auch diejenigen Teile der Arbeiterklasse, die sich leider noch immer als Stimmvieh bürgerlicher Parteien mistbrauchen lassen, die noch hinter Bülows geschniegelten Schwatzereien einen greifbaren Kern von Arbeitersteundlichkeit suchen und sich von Schädler und Hitze blauen Dunst vormachen lasten, erheben nachdrücklich eine Reihe von Forderungen, die alle Scharfmacher mit Bangen erfüllen. Eine Rc- gicrung, die ihr Heil nicht auf die Gewalt gestellt hat. müstte sich beeilen, die mit so viel Königs- und Gottvertrauen vorgelkugenen Wünsche der jüngst in Frankfurt versammelt gewesenen Vertreter der„vaterländisch gesinnten" Arbeiterschaft zu erfüllen. Denn wenn diese gutgesinnten Arbcitervcrtretcr erklären, daß ihre Forderungen Dsittel seien und erhoben werden, um der Verschärfung der Klassen- gegensätze und der wachsenden Verbitterung und Entfremdung zwischen Arbeiter und Unternehmer Einhalt zu thnn, so dürfte ihnen in Erwägung ihrer Absichten unbedingt zuzustimmen sein, im übrigen aber stinunen wir ihren Ansichten nach der negasiveu Seite gleichfalls zu: Die Rechtlosigkeit der deutschen Arbeiter, für welche jeder Tag neue Beweise liefert, die der Kampf m Crimmitschau in geradezu bengalische Beleuchtung rückt, das sind allerdings recht wirksame Mittel zur Verbitterung und Entfvemdung zwischen Arbeitern und Unternehmern, zur Verschärfung des Bewuhsieins der Klassengegensätze. Die Erreichung der politischen und wirsichaftlichen Ziele der Socialdemokrasie ist nicht abhängig von der Klugheit oder Einsichtslosigkcit der herrschenden Klassen und ihrer Regierung, aber ein wenig vertrauen loir doch der Einsichtslosigkcit der von den Industrie- und Agrar-Feudalcn bc- herrschten Regierung, sie werde mit der bisherigen Konsequenz fort- fahren, unsre Bemühungen um die Gewinnung der ganzen Arbeiterklasse für eine socialdemokrattsche Politik brav zu fördern und uns behilflich fein, auch die uns noch fernstehenden Arbeiter von der Notwendigkeit dcü Klassenkampfes zu überzeugen. Indessen ist das Cent nnn klug und treibt geschäftig Soeialpolitik, schön auf- geputzt, innerlich aber hohl und leer. Wir haben auf die Gewährmig der Rechtsfähigkeit an die Berufs- vereine nie das Hauptgewicht gelegt, trotzdem halten Wir sie aus principiellen und praktischen Gründen für erforderlich. Der gegen- wältige Zustand, daß die Verwaltungsbehörde gegen die die Rechts- sähigkeit herbeiführende Einwägung nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch Einspruch erheben kann, widerspricht durchaus der Stellung, auf welche die Arbeiter im Staate Anspruch erheben müssen. Sie fordern mit Recht, daß ihre der Förderung ihrer Interessen dienenden Koalitionen jeden möglichen Rechtsschutz ohne weiteres in Anspruch nehmen können. Sie bedürfen der Rechtsfähigkeit aus praktischen Gründen. Ohne diese können sie nicht als Verein erwerben und nicht klagen, wohl aber können sie verklagt und in Konkurs erklärt werden iE.-P.-O. tz 733, K.-O.§ 213). Daneben hasten aber sowohl die Vorstände wie alle Mitglieder als Gesamsichuldner unbeschränkt aus Rechts- geschästcn, welche sie im Namen des Vereins mit Dritten abschließen. Der Verband der Porzellanarbcitcr hat es im Jahre 1901 am eignen Leibe erfahren, wie verhängnisvoll die Unfähigkeit zu erwerben und zu klagen einer Gewerkschaft werden kann. Nur einigen neben- sächlichen Zufälligketten— ein einsichsiger Richter und etwas Un- geschick der verklagten Partei— hat er es zu danken, daß er sein 116000 M. betragendes Barvermögen gegen die Erben seines ver- storbenen Kassierers Bei) zu retten vermochte, trotzdem er bereits im Besitz der Depotscheine war. Und wäre der Kassierer gestorben, ehe er die Depotscheine für das bei der Rcichsbank hinterlegte Geld an einen andern Verbandsbcainten auszuhändigen vermochte, dann wäre der Verband den Erben des Verstorbenen völlig auf Gnade und Un- gnade überliefert gewesen, dann konnten ihm auch die erwähnten Zu- fälligkeiten nicht zu Hilfe kommen. Andrerseits sind die Bedingungen, denen ein cingettagener Verein auf Grund deS Bürgerlichen Gesetzbuchs unterworfen ist, der- art, daß sich ihnen eine Gewerkschaft nicht unterwerfen kann; es bandelt sich also nicht bloß darum, daß die Erlangung der Rechts- sähigkeit für die Gewerkschaften dem Belieben der Vettvaltungs- behörden entzogen wird, sondern daß die Rechtsfähigkeit gewährt wird unter Bedingungen, die das freie Walten der Gewerkschaft nicht beengen und sie nicht aktionsunfähig machen. Die Bedingungen des B. G.-B. mögen allenfalls für reine Erwerbs- oder Unter- stützungSvereine crttüglich fein, fiir eine GewerkschastSorganisation. die kämpfen muß um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder, sind sie unerträglich. Ein Gesetz, durch welches den Gewerkschaften die Erlangung der Rechtsfähigkeit ermöglicht wird, muß von solchen Bedingungen abschen, es muß sehr präzise gefaßt sein und seine Bestimmungen bedürfen, bevor loir ihm zustimmen können, der sorgfältigsten Prüfung auf ihre Auslcgungsfähigkcit. Die Erfahrungen, die uns die Rechtsprechung aufgenötigt hat,,»ahnen zur Vorsicht. Zudem ist offenkundig, daß das Centn tm mit der Forderung der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine die ihm vertrauenden Arbeiter nicht nur sacht über die andren viel schwereren Mängel im Koalitionsrecht hinwegführen mochte, sondern daß es die Gelegenheit sucht. durch daS Nüttel der Gewährung der Rechtsfähigkeit den Gelvcrk- schafren einen Kappzaum anzulegen, sie den Iknternehmcnt gegenüber mehr zu binden als bisher. Wohl hat das Centrum mehnnals Gesetzentwürfe beantragt, die sich darauf beschräntten, das Einspruchs- recht derPolizci gegen die Einwägung sowie die Vorschrift der Einreichung der Mitgliederlisten zu beseittgen, cS im übrigen aber in der Hauptsache bei den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs beließen, doch die von uns jüngst erst citiertcn Aeußerungcn Hitzes bei der Notstands- debatte 1893 im Reichstage verraten, welche Erwartungen das Eentnun wenn nicht an die ausdrücklichen Vorschriften, so doch an die Auslegung der Vorschriften knüpft. ES handelt sich bei den schwarzen Herren weit mehr darum, den Gewerkschaften Ver- antivortlichkeiten aufzubürden, ihre AkttonSfähigkeit einzuschränken, sie in der Verwendung ihrer Fonds zu beschränken, und an, Ende würde es recht angenehm empstmden werden, wenn die Gelder der Gewerkschaft von den Unteniehmerir nach dem Muster deS englischen Taff- Thal- Entscheides für Schadensersatz in Anspruch genommen iverdcn könnten. Solche Auslegung des§«it des Bürgerlichen Gesetzbuchs, der nach den früheren Eentrumoau trägen linverändert bestehen bleiben soll und der auch in den jetzt wieder eingebrachten Gesetzentwurf der Freisinnigen auf- genommen worden ist, wäre nicht schwieriger, wie die Anwendung des NötiguugS- und Erpressungs-Paragraphcn auf Lohnforderungen der Arbeiter. Auch die englischen Gewerkschaften, die seit 1870 oder 1871 die Rechtsfähigkeit auf Grund besonderen Gesetzes besitzen, haben damals nicht daran gedacht, daß ihre Fonds durch Schaden- klagen der Unternehmer fiir Anwendung der zum Streik erforderlichen Maßregeln in Anspruch genommei, werden könnten. Dennoch sehen sie sich heute in die Notwendigkeit versetzt, eine Aendcrung des Gesetzes anzustreben, da das bestehende Gesetz so gegen sie aus- gelegt wird. Einer solchen Möglichkeit muß voir vornherein vorgebeugt werden. Ein Gesetz über die BerufSvereinc, wenn es den Gewerkschaften nutzen und unsre Zustimmung finden soll, muß also in diesem Punkte zweifellos sein. Ebenso sorgfältig muß es die Mög- lichtcit von Ansprüchen an das VcrcinSverinögen für Mitglieder und zugleich die Klage auf Wiederaufirahme ausschließen, wenn solche wegen Streikbruch oder sonstiger die Interessen der Gewerkschaft verletzenden Handlungen ausgeschlossen wurden. Es darf nicht Vorschriften über die innere Verwaltung machen, darf vor allen Dingen die Gewerkschaften nicht in der freien Vcrfiigung über ihre Geldmittel behindern. Dagegen ist unbedingt erforderlich, daß die Gewerkschaften von den bedrückenden Fesseln der emzelstaatlichen Vereinsrechte befreit werden. Ihre Rechte müssen klar umschrieben in den Schutz deS ReichSgesetzes gestellt werden und jede dem einzelnen Bürger erlaubte Handlung muß auch den Arbeiterkoalttionen erlaubt sein. Einst glaubte man, eS genüge, die vorher verbotene Koalition freizugeben, um den Arbeiter mit dem Unter nehmer gleichzustellen und ihm zu gewähren, wessen er an Rechten bedarf unter der Herrschaft deS freien Arbeits- Vertrages. Wir haben inzwischen erfahren müssen, daß die Freigabe der Koalitton zum Zwecke der E r l a n g u n g günstigerer Srbeitsbedingungeir nicht einmal die Aufrechterhaltung bestehender Arbeitsbedingungen einschließt, obwohl air solche Auslegung bei Schaffung des jetzigen 8 132 G.-O. gewiß niemand gedacht hat. ES muß an Stelle der papicrncn Koalitionsfreiheit ein Koalitionsrecht geschaffen werden, dessen Ausübung in allen Formen unter der Ge- währ des ReichSgesetzes steht und dessen gesetzwidrige Behinderung strafbar ist. DaS RcichSgesetz muß deshalb auch allein maßgebend sein sür eine etwaige Auflösung der Koalitton wegen gesetzwidriger Handlungen und die Auflösung darf nur in einem ordentlichen Gc- richtSverfahren möglich sein. Da wir principiell fordern, daß der Koalitton oder dem Mit- gliedc einer Koalition erlaubt sein muß, tvaS dein einzelnen Bürger überhaupt erlaubt ist, daß Handlungen, die in Ausübung des KoalittonsrechteS begangen werden, nicht strafbar sein dürfen, wenn sie nicht gegen die allgemeinen Strafgesetze verstoßen, verlangen wir auch die glatte Abschaffung deS AusnahrnestrafgesetzeS. da§ im§ 153 der Gewerbe-Ordnung gegeben ist, während der 8 132 der Gewerbe- Ordnung entsprechend umgestaltet und erweitert werden muß. ES muß den Gewerkschaften jede Art Einwirkung auf daS Arbeits- Verhältnis und daS öffentliche Leben gestattet werden, die nicht gegen die allgemeinen Strafgesetze verstößt. Daß wir diese Rechte nicht bloß für die gewerblichen männlichen Arbeiter, sondern für alle Arbeiter mid Angestellten jeder Art und für beide Geschlechter fordern, ist zu selbstverständlich, um noch besonders erörtert zu werden. Bei alledem haben wir nicht den Papieraberglauben, der einst da? liberale deutsche Bürgertum von seinen papierenen Verfassungen Wunder erhoffen ließ; uns kann nur eine handfeste Gegenständlichkeit des Rechtes beftiedigen. Auf die Handhabung der Gesetze kommt es an. Wir brauchen uns nicht bei der Aufzählung einzelner Fälle aufzuhalten; jede Nummer unsres Blattes, jede Nummer aller socialdemokratischen Parteizeitungen und jede Nummer unsrer Ge- werkschastS-Blätter ist angefüllt mit Thatsachen, bergehoch ist das Material angeschwollen nicht bloß aus dem Gebiete des spcciellcn ArbeiterrechtS, sondern des Rechts überhaupt, das die bittere Wirk- lichkeit des Klassenkampfes predigt. Klassenkampf ist das Kennzeichen der Zeit und die Rechtsprechung ist ihm nicht minder unterworfen, wie alle sonstigen Einrichtungen der Gesellschaft. Wenn nicht die zum Schutze der Arbeiter erlassenen Gesetze gestützt werden durch die Macht einer organisierten Arbeiterklasse, die nur auf sich selbst berttaut, dann nützen uns die schönsten Schutzgesetze nichts. Sind doch die GesetzeSauslegungcn und Gesetzesanwendungen. über die wir Tag für Tag zu Ilagen haben, ein deutliches Kennzeichen dafür, daß selbst die bestehende socialpolittsche Gesetzgebung noch lange kein gesichertes RechtSgut der Arbeiterklasse ist. Die Anwendung des Erpressungsparagraphen auf Arbeiter, die Lohnerhöhungen fordern, die unzähligen Maßregeln gegen Streik- Posten, die ebenso unzähligen Anwendungsformen deS Paragraphen von, groben Unfug auf den gewerkschaftlichen und polittschen Kampf. die grandiosen Anwendungen der Vereinsgcsetze gegen die Arbeiter, die Auslegung so vieler Arbeiterschutz-Vorschriften entgegen den Ab« sichten, die bei ihrer Schaffung obwalteten, die haarsträubend schweren Verurteilungen von Arbeitern und ihrer Vorkämpfer im gcwerkschaft- lichen und polittschen Kampfe, was sind sie weiter, als redende Zeugen von der noch ungebrochenen Macht der herrschenden Klaffe und das schönste RoalitionSschntz-Gesetz, das schönste Koalittons- Recht, daS uns etwa ein Bülow im Bunde mit dein Ecntrum bescheren möchte, es wäre wie weiches Wachs in den Hände» einer arbeiterfeindlichen, das Recht beherrschenden Macht. DaS sollte bc- sonderS den Arbeitern eindringlichst vorgehalten werden, die noch immer den Schwanz bürgerlicher Parteien abgeben, namentlich dem Centnim vertrauende Gefolgschaft leisten: selbst bei den b e- stehenden Gesetzen wäre vieles nicht möglich, wenn den herrschenden Mächten das Interesse der Arbeiter- klaffe wirklich am Herzen läge und das beste Koalittons- recht wird sich in der Praxis zu einem Schemen ver» flüchtigen, wenn die Arbeiter nicht selbst es zu schützen vermögen. Die herrschenden Parteien treiben nicht Soeialpolitik aus Liebe zu den Arbeitern und in, Interesse der Arbeiter, sondert, iveil sie fürchten, ihre Arbeiteranhänger könnten zur Socialdemokratie über- gehen. Und so lange noch Hunderttausende von Arbeitern hinter den falschen Arbeitcrfrennden herlaufen und schöne Versprechungen oder auch papierne Gesetze für bares Recht nehmen, so lange werden diese Parteien mit verwirrender Geschäftigkeit socialpolittschen Dunst bereiten, der keinen Kern hat. Nicht eher, als bis die ganze Arbeiterklasse in einer geschlossenen Organisation selbst ihr Recht wahrnimmt, wird ihr daS Reiht werden; erst wenn der Einfluß der organisierten Arbeiterklasse daS ganze öffentliche Leben durchdringt, wenn ihre Macht sich allen Organen und allen Institutionen deS Staates fühlbar macht, erst dann werden wir eine lebendige an Stelle der geschwätzigen Reklame- Soeialpolitik haben.______ politilcbc(ledersicdt. Berlin, den 11. Januar. Machtprobe! Aus Dresden wird telegraphtsch gemeldet: DaS offiziöse„Dresdner Journal" veröffentlicht den heute den, Landtage zugestellten Bericht, den Gehet in rat Roscher der Staatsregierung über das Ergebnis der von ihm an, 4. Januar in Crimmitschau mit den dortigen Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gepflogenen Besprechungen erstattet hat. Der Bericht legt zunächst eingehend die von den Arbeitern gemachten Vorschläge dar. Dieselben bezweckten in der Hauptsache Herabniinderung der Arbeitszeit von 11 auf 10V» Stunden, mit der Maßgabe, daß»ach einen, Jahre über etwaige weitere Hcrabrninderung beraten werden soll, frühzeitigeren Schluß an Sonnabenden, allgemeine fünfprozentige Erhöhung der Akkord- Löhne, Aufrcchterhallung der festen Wochenlöhne in bisheriger Höhe. Vereinheitlichung der Lohnberechiumgen, Unterbleiben von Maßregelungen und Wiedercinstellung von Ausständigen:e. Der Bericht fährt dann fort, diese Vorschläge seien u, der Nachmittagssitzung von den Unternehmern mit Entschiedenheit abgelehnt worden, denn in den, jetzigen Kanchse handle es fich nicht«ehr um die Arbeitszeit und einzelne Wünsche, sondern um eine Machtftagc. Daher seien auch die Unter- nehmer nicht darauf eingegangen, die Sache dem Gewcrbcgcricht alS Einigungsamt zu unterbreiten. Die Unter- nehmer würden von den Arbeitswilligen förmlich gebeten, den lediglich von einigen Führern der Socialdeinokraten gestellten Forderungen jetzt nicht nachzugeben, da sie andernfalls dem Terrorismus der Führer schutzlos gegeu über stehen würden. Siege der Verband der Textilarbeiter in Crimmitschau. so werde einem andem Platz wohl dasselbe Schicksal bereitet werden. An sich seien die Unteniehrncr in Crimmitschau keine Gegner des Zehnstundcntages. hättcir vielmehr die Arbeiterschaft dringend ermahnt, abzuwarten, ob nicht vielleicht von Reichswcgeu eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit für Frauen cintteten werde. Die Arbeitszeit in Crimmitschau bc- trage ja heute schon meistens nur lO'/» und 10:l/i Stunden. Berechtigte Wünsche der Arbeiter zu erfüllen, iverde stets das ernste Bestreben der Erimmitschaner Tertilindusttiellen sein. Aber an den Versuch einer Einigung zwischen den Verttctcrn der Arbcittr und den Unten, ehmcrn' sei bei dem Verhalten der Arbeiter nicht zu denken und ein baldiges Ende des Kampfes sei daher zunächst leider nicht zu erhoffen. Der Bericht weist zum Schluß darauf hin. daß die E r r i ch t u n g von Arbeiter- a u s s ch ü s s e n für jede einzelne Fabrik socialpolitisch ungemein wertvoll sei: sie sei die einfachste und natürlichste Organisation der Fahritarbeiter, deren Wirken im Interesse der Erfüllung der Wünsche der Arbeiter das Verlangen nach einer großen Gemeinschaft der Arbeiter eines ganzen Industriezweiges herabmindere. Diese telcgraphische Mitteilung zeigt nicht deutlich, ob der Ge- hcimrat Roscher seine eigne Meinung oder die der Unternehmer äußert, lveim er berichtet, daß'„bei dem Verhalte» der Arbeiter" eine Einigung ausgeschlossen sei. Sonst zeigt Auch dieser Bericht, so günstig er für daZ Crimmitschouer Unternehmertum gefärbt ist, wer es ist, der die Aiachtprobc will! Lächerlich �ist das Unteniehmcrgeschtvätz, dast die„Arbeits- willigem' nm Schutz Nor zukünftigem Terrorismus der Arbeiter bitten, Deutlich und nnzwcidentlg ist, daß die Arbeiter ernsthast bereit sind AN Unterhandlungen, zur Einigung. Sind sie doch von ihrer wichtigsten Forderung, dein Zehnstun den tag, erheblich zurück- gegangen. Dagegen verharrt das Unternehmertum in brutalem löochimst und verweigert jede Verhandlung mir den Arbeitern, ja selbst vor dem Gewerbcgcricht! Kein ruhig Urteilender kann den leisesten Zweifel hegen, daß in Pnmnritschau alles Recht, alle Ordnung, alle Vcr- n u n f t bei den Arbeitern, daß alles Unrecht, alle Herrschsucht, aller Terrorismiis bei den Nnternchmern ist!— Friedensaussichten sollen nach Petersburger Meldungen vorhanden sein. Ter„Kölnischen Zeitung" lvird von Petersburger Kor- respondcnten unter dem 10. Januar telegraphiert: A m t l i ch e russische wie japanische Kreise fassen'die Lage ruhig auf. Wie mir von beiden beteiligten Seiten versichert wird, fehlen für die in der Presse des Auslandes zunr Ausdruck gelangende Annahme, daß wegen der russischen Antwort an Japan der Ausbruch des Krieges bevorstehe, alle Voraussetzungen. RussischerseilS wird nach wie vor erklärt, die russische Antwort sei versöhnlichen Sinnes>lnd bekunde durch weitestgehendes Entgegen- kommen d cn Wun s ch n a ch b ei d e r s e it s befriedigender Verständigung. JapanischerfeitS wurde heute Ruß- lands Antwort als nicht ganz unbefriedigend bc- zeichnet, woraus hervorgeht, daß man in Tokio die russische Note für c r ö rt e r u n g s f ä h i g hält und ihren Inhalt that- sächlich als in g e>v i s s e in Grade c it t g e g c n k o m m e n d an- sieht. Man erhofft daher I a p a n s Antwort als Grundlage für wertere Verhandlungen, durch die die Kriegsgefahr in weitere Ferne gerückt und die Aussicht auf eine friedliche Lösung wieder- gegeben wird. Inzwischen r ü st e n allerdings beide Staaten eifrig weiter und verstärken ihre Stellungen. Wie man dem Korrespondenten mitgeteilt hat, erklärte die sibirische Bahnverwaltung, stets innerhalb von vier Wochen 72«XX» Mann mit allem Zubehör nach Ostasien befördern zu können. Rußland dementiert gleichzeitig Mclduitgen über Kriegsschiffs- bewequngcn und SchiffSankäufe: Wladiwostok, 10. Januar. iMeldung der„Russischen Telegraphen- Agentur".i Die Meldung auS Tokio, daß die hier befindlichen Kriegsschiffe in See gegangen seien, ist unrichtig. Die in Wladiwostok überwinternden Kriegsschiffe„Gromoboi",„Rurit".„Bogatyr", „Rossiya" und das Transportschiff„Lena" befinden sich sämtlich auf der hiesigen Reede. Nur„Gromoboi" ging auf eine Hebung in See, kehrte jedoch nach zwei Tagen zurück. Es sind keinerlei besondere Kricgsvorbcrcitungen bemerkbar. Petersburg, 1l. Januar. Die„Russische Telcgraphen-Agenwr" meldet: Infolge von Zeitungsnachrichten über cm Wetteifern Rußlands mit Japan im Ankauf von Kriegsschiffen und Dampfern bei verschiedenen Firmen und Regierungen sind wir ermächtigt mit- zuteilen, daß das Marineministerium keine Absichten hat. irgendwelche ausläitdrsche Schiffe zu kaufen, und leine Untcrhaitdluitgcn mit irgend jemand darüber geführt hat. Weniger optimistisch llingcn Meldungen: Paris, 11. Joimar. Die hiesige Ausgabe des„New Jork Herald" meldet ans Petersburg: Ucbcräll sind Anzeichen für einen nahe bevorstehenden Krieg vorhanden. Das 10. Armee- eorps in Stärke von 37 000 Mann hat Befehl crhalteit, nach der Mandschurei abzugehen. An amtlicher Stelle betrachtet man sich bereits als iin Kriege>nit Japan befindlich. Söul, 11. Januar.(Meldung der„Agence Havas".) Ter japanische Gesandte hat im Palais wiederholt Schritte gethair, nm den Kaiser von Korea zur Anerkemmng des Protektorats Japans zu veraltlassen. Seine Bemühungen sind bis jetzt ohne Erfolg geblieben. Die koreanische Regierung erklärt, sie halte sich an die Bestimmungen des russisch-japänischen Vertrages über Korea. Londirn, 11. Januar.(„Bureau Laffan".) In der jüngsten Sitzung des Petersburger Kabinetts zur Beratung der ostasiatischen Frage soll es, wie der Petersburger Korrespondent der„M arning P o st" ans ausgezeichneter Quelle melden können will, stürmisch zugegangen sein. Der Kabinettsrat habe einen dramatischen Verlauf genommen. Zar Nikolaus habe schließlich ans- gerufen:„Bin ich Kaiser von Üt u ß l a n d oder bin r ch e S nicht? Bin i ch ein F riebe nslaiser oder nicht?" Danach habe der Zar an den Statthalter von Ostafien ein Telegramm gesandt, worin er ihm befehle, ohne direkten pcrsön- lichm Befehl vom Zaren keine Truppenbewegung oder irgendwelche andre Aktton zu uniernchinen. In schroffem Widerspruch zu dieser Meldung der „Morniug Post" steht ein dem Pariser„New Jork Herald" zugegangenes Telegramm aus Petersburg, das heute in den Londoner Blättern erscheint. Darin wird unter Bcrustmg auf einen russischen Großfürsten und einen hochstehenden General mitgeteilt, der Zar habe nach l a n g e m Z ö g c r n e n d g ü l t i g b e s ch l o s s c n. d i e F r a g e. ab Krieg oder Frieden, gänzlich der Entscheidung des Statthalter LAlerejelv zu über lassen und ihn ermächtigt, zu einer irgend ihm geeignet scheinenden Zeit eine feindliche Aktion zu unter- nehmen. China als Puffer. Peking, S. Januar. Meldung des„Reuterschen Bureaus". Der Kaiser hat die Handelsverträge mit Am eri la und Japan ratifiziert. Nach den Vertragsbestimmungen ist China verpflichtet, Mulden, A n t u n g und T a t u n g k a n un- mittelbar nach der Rattfikation der Verträge dem fremden Handel zu eröffnen. Port Arthur, 10. Januar.(Meldung der„Russischen Telegraphen- Agentur".) Amerika und Japan bestehen auf der sofortigen Rati- si tatton der Verträge mit China. Das chinesische Mmislerium des Aeußern befindet sich im Hinblick auf die Wahrscheinlich- k c i t. daß Rußland nicht einwilligen wird, die Häfen der Mandschurei zu öffnen, in einer schwierigen Lage. Dcutrche» Reich. Der Reichstag nimmt seine Arbeit nach Ablauf der Ferien heute wieder auf. Vor dem Eintritt in die zweite Etatsberatung werden verschiedene aktuelle Fragen bei den Interpellationen ver- handelt werden, die von verschiedenen Parteien eingebracht sind. Räch der nur noch formalen endgültigen Präsidiumswahl steht als erste Interpellation die des Centrums ans der Tagesordnung, welche sich mit einem Teil der in unsrem heuttgen„ Leitartikel bc- handelten socialpolitischcn Angelegenheiten' befaßt. Es ist möglich, daß sich eine erneute Erörterung der Vorgänge in Crimmitschau schon bei dieser Gelegenheit einstellen wird. Diese Interpellation dürste. gleichgültig wie die Regierung sich zu ihr stellt, sicherlich nicht in einem Bcrhandlungstage erledigt werden können. Es folgt dann die Beratung der soeialdemokra- tischcn Jnterpellatton bctt. Maßregeln gegen die Wurmkrank- h e i t in den Bergarbeiter- Bezirken. Weiter folgen die national- liberalen Interpellationen über obligatorische Alters- und In- validitätsversichcrung der Handwerker und über den Zeugniszwang gegen Redaktcure. Endlich die konscrvativ-agrarifche Interpellation, in'der die Regierung befragt wird, warum sie die Handclsvcrttägc noch nicht gekündigt habe.—_ Zweierlei Centrumsrccht. Die Ausweisung des ReichstagS-Abgcordneten D e l s o r aus Frankreich ist eine kleinliche und unwürdige Maßregel der französischen Regierung. Wenn die französische Regierung in ihrem Kampfe gegen den KlerikälismuS sich durch einige Reden des Herrn Delsor irgendwie bedrohr ficht, so ist das eine Bekundung von Schwäche, die nicht einmal■ begründet ist. Aber so verwerflich das Verhalten der französischen Regierung ist, eS giebt eine günstige Ge- legenhcit, wiederum die Gerechtigkeit zu erkennen, deren sich die Politik des deutschen Eentrums zu rühmen pflegt. Die„Germania" erklärt die Ausweisung als ein„klärendes polittfches Ereignis" in den Beziehungen Frankreichs zu Elsaß- Lothringen und führt weiter aus: „ES ist nicht allein eine Brüskierung. cS ist vielmehr ein Faustfchlag ins Gesicht für alle Elfäffer, iveun die französische Regierung in dieser feindseligen gehässigen Weise einen BcrtraucnS- mann des elsässischen Volkes, wie es der Herr Pfarrer Delsor als Abgeordneter unleugbar ist, vom französischen Boden als einen gefährlichen Ausländer ausweist. Ein solches Vorgehen kann selbstverständlich nicht ohne Rückwirkung auf die politischen Empfindungen der Elsaß-Lothringer bleiben. Es ist vielmehr geeignet, die letzten Sympathien für Frankreich, die aus einer jähr- hnndertclangcn staatlichen Zusammengehörigkeit bis zu einem ge- wissen Grade noch immer erhalten geblieben sind, vollends zu vernichten." Welche Töne das milde Ccntrumsgcmiit findet, wenn es gilt, gegen ein Unrecht zu protestieren, das einem ihm benachbarten Politiker geschieht! Aber die Socialdemokratie hat dasselbe er- tragen müssen, lvas dein Ccntrmnsfreunde jetzt zustößt. Nicht nur, daß 1800 Bebel und Blieb ebenfalls aus Frankreich aus- gewiesen wurden«wegen Gefährdung der öffentlichen Sicher- heit", ohne daß das Centrum sich irgendwie entrüstete,— hundertfältig schlimmer als die französische Regierung vcr- fahren die preußische Regierung und andre Bundes- regicrungen Deutschlands gegen Ausländer. Ter ösircichifche Social- dcmolrai Dr. Ellenbogen, der dem Brcslauer Parteitag iinfrer Partei beiwohnen wollte, wurde alsbald ausgewiesen: der englische Gewerkschaftsführer Tom Mann, der den Streik der Hamburger Hafen- arbeitcr beobachten wollte, wurde ausgewiesen: Ocsireicher und Italiener. welche sich irgendioie an gesetzlich gestatteten Arbciterbesirebungen in Preußen oder Sachsen beteiligen, werden aus dem Lande gejagt: Russen, welche sich von deutschen An- gelegenheiten fernhalten und lediglich an Bestrebungen der russischen Freiheit mitwirken, werden ausgewiesen. Die Social- demokratte hat diese Kulturichande der AasweisiingSwirtschast in ihrer Presse und im Reichstage oft aufgedeckt und zur Scham ge- rufen. Aber das jetzt entrüstete Centrum war niemals zu finden! Das Centrum tobt gegen das vereinzelte Unrecht, das in einem Auslandsstaat einer der Seinigen erleidet, um das Maffeuunrecht zu vertuschen, das der eigne Staat verübt, in dem das Ccntrnm verantwortlich herrscht.—_ Die Gcheimwcgc des„Reichsverbandes". Unser Parteiorgan in Köln ist in der Lage mitzuteilen, daß der „Reichsverband zur Bekämpfung der Socialdemo- kralie" seine geheimen Dnicksackicn in der Bache mschen Druckerei herstellen läßt, das heißt im Geschäftsbetrieb der „Kölnischen Volkszeitung". Sowohl das Programm und das Einladungseirkular wie auch die Mitgliederliste sind in der Bachcmschcn Druckerei hergestellt worden und zwar unter A n iv e n d u n g o r i g i n e l l e r V o r s i ch t s m a ß r e g e l n, damit nur ja daö Geheimnis gewährt bleiben solle. Ein Beispiel: In der Mitgliederliste, die an der Spitze den Vermerk„Vertraulich" trägt, heißt es in der Ueberschrift:„Dem Aufruf zur Begründung eines Verbandes zur Bekämpfung der Socialdemokratie sind bisher beigetreten":(folgen die Namen). Bei Bachem hat man nun, um die Setzer zu täuschen, statt Social- demokratie„Nnsiltlichkeit" gesetzt, und erst im Drucksale, dem Geheimraum, wo Alien und dergleichen hergestellt werden, wurden die beiden Wörter ausgewechselt, jedoch wieder umgekehrt, bevor der Satz in die Setzerei zurückwanderte. Tie„Köln. VollSztg." teilt nun mit, daß ihre Redaktion von diesem geheimen Drnckbertrage für den siaatsretterischen Bettelberband nichts gewußt habe, und die Buchdruckern I. P. Bachem" rühmt sich in demselben Blatte, das Geheimnis der Triickauftraggcbcr so sorgfältig bewahrt zu haben, daß die eigne Redaktion nichts davon erfahren konnte. Es zeigt sich, daß die Socialdemokratie erst die Redaktion der„Kölnischen BolkSzeitung" über das unterrichten mich, was in der„Kölnischen Volkszeitung" vor sich geht! Die„Rheinische Zeittnig" teilt bei dieser Gelegenheit noch mit, daß die gedruckte Mitgliederliste des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Socialdemokratie, der nichts weiter als ein Scharfmacherverband ist, insgesamt 370 Namen ausweist, darunter 58 Landrötr, 47 Kommerzienrätr, 72 Reichstags- und LandtagS-Abgrordncte. Auch zahlreiche HemnhiiuSler weist sie ans, darunter sogar Seine Durch- laucht den Prinzen Heinrich XXVHI. Rcntz j. L. Die vier Genien deS Herrenhauses. In dem neuen Berliner Herrenhause versinnbildlichen' vier Marmorsigurcn die Tugenden der Wahrheit, Gerechtigkeit, Weisheit und Mäßigung. Mit diesen vier Vorzügen kommen die Herren schon, wie bekannt, zur Welt; denn ihre Abstammung schon besähigt sie zur herrenhäuslerischen Gesetzgebung. Als neuer Vertreter für Wahrheit, Gerechtigkeit, Weisheit und Mäßigung wird übrigens der in militärischen Kreisen viel kritisierte Chef des Generalstabes Graf Schlieffen ins neue Haus einziehen. Er wird von dem Domkapitel in Brandenburg präsenttert, jener er- lauchten VersorgiuigSanstalt, von desien Bezügen n. o. auch Graf Bülow bequem leben kann, wenn er seine Reichskanzler-Stelle einst verloren haben wird.— Neber den Offiziersluxus schreibt die an der Spitze der Opposition gegen die neuen OffizicrSmäntcl stehende„Schlei. Ztg.": „All der Unfug ist neueren Datums! Früher war es nicht Brauch, daß der Lieutenant seinen Obersten, der RegierungSrat seinen Oberpräfidentcn zu Tische lud. Natürlich lebr man über seinen Stand und meistens auch über seine Mittel, wenn man den Wirt spielen und aus gleichem Fuße mit denen, die in einer besseren Lage sind, und sich Repräsentationspflichten einbildet bezw. RepräsentationSrcchie anmaßt, die jenen standesgemäß zukommen und bei jenen auch schon im Budget vorgesehen sind... Wer einen Minister zu Tische bat. glaubt seinen Gästen besonders zu imponieren. Freilich hätten Staatsmänner etwas Besseres zu thun, als die R o l l c v o n T a f e I a u i s ä tz e n zu spielen, aber das ist Sache des Geschmackes, und allzusehr verargen darf man es ihnen nicht, wenn sie mit lächelnder Philosophie die Eitelkeit ihrer Nebenmenscheu befriedigen, die ihnen selbst doch schmeichelt. Minister bei Tische! Wer einmal die tsittcngeschichtc unsrer Zeit schreibt, mutz diese typische Erscheinung mit allen ihren socialen Untergründen schildern. auch den Minister beim Bercinsfcst, bei der Grundsteinlegung, bei der Dcnkmalsivcibe. bei den unzähligen Festen, die jetzi gefeiert werden. Denn was feiert man jetzt nicht alles? Ein Verein, der fein 23 jähriges Sttfttmgssest begeht, will seinen Mini st e r dabei haben; das Denkmalskomitee, das zur Enthüllung schreitet, thnt es nicht ohne Excellenzen und womöglich nicht ohne ein paar Prinzen. Noch nie haben die Deuffchen soviel gefeiert, wie in der neuesten Zeit, die in Wirklich- kcit nur wenig Anlaß zum Feiern gwbt und thatjächlich die wenigsten unter uns in Feierstimmung versetzt."— Boykottierte Kunst. Wilhelm II. hat betont, daß er kein Freund der Rinnsieinkunst ist; zu dieser Rinnsteinlnnst rechnet er insbesondere Künstler der Secesfton. Da min die Secessionisten offiziell boykottiert werden, haben sie sich in Weimar jüngst zu einem Bunde organisiert, der natürlich, wie das in deutschen Landen der Brauch, auch nicht des höfischen MäeenatenttimS entraten zu lönnen glaubt� es sind Kunst- revolutionäre mit einem Großherzog an der Spitze, nämlich dem Weimarauer. Bor einer Woche nun berichtete die„Welt am Montag",«ach der Gründung des Bundes sei der Kultusminister im Auftrag Wilhelms II. nach Weimar gereist und habe den Großherzog zu ver- anlassen gesucht, doch nicht der Schützer der Rinnsteinkunst zu werden. Der Grotzhcrzog habe sich aber für diese Vorstellungen nicht zu- gänglich gezeigt. Tic„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" erklärte darauf prompt die Meldung für erfunden. Wie ehrlich und ernst die Dementis unseres Regierungsblattes aber sind, zeigen weitere Mitteilungen der„Welt am Montag", aus denen hervorgeht, daß ihre erste Meldung allerdings falsch war: beim der Kultusminister war nebst seinem Kunstdezernenten nicht nach, sondern vor der Gründung des Bundes in Weimar und seine Mission war, der Organisation der Secessionisten Schwierigkeiten zu bereiten. Das hat Herr Studt nun allerdings nicht erreicht. aber ganz wirkungslos scheint seine Reise doch nicht gewesen zu sein: denn der Größherzog von Weimar hat bisher das Protektorat über den Secessionistcnbimd nicht übernommen.— Während der Stimmlippcnpolypea-Erkrankung hat der Kaiser sich, wie der„Lokal-Anzeiger" jetzt verrät, mit argentinischen Kriegs- schiffen beschäftigt, denselben, die jetzt Japan übernommen hat. Der Kaiser hatte die Genueser Schiffswerst, welche für Agentinicn die Schiffe baute,. sich Pläne und Beschreibungen schicken lassen. Nach einer Weile schrieb Wilhelm II. einen Brief an den Generalkonsul in Genna, der so beginnt: „Brief erhalten, danke, freue mich, auS den Beilagen zu er- sehen, daß mein II r t e i l. obgleich auf Studien un- vollkommener Vorlagen gegründet, richtig ist. daß nämlich die beiden argentinischen Kreuzer den besten Typus gepanzerter Kreuzer darstellen, die gegenwärtig bei sämtlichen Marinen im Gebrauch sind, und daß Ansaldo mit diesen Konstrukttonen ein groß- artiges Werk verrichtet hat." Ccutrum,„Siinplicisfimus" und Staatsanwalt. Eine in ihrer Art ivohl einzige Konfiskation ist nach den„Müucheiier Neuesten Nachrichten" am Sonnabend von seilen des Untersuchungsrichters am Landgerick't I erfolgt. Sie bezieht sich ans die Spccialimmmer 42 des„Simplicissimus", die sich„Das Centrum" betttclt und erst am Dienstag erscheinen sollic. Rur durch Indiskretion soll es möglich gewesen sein, daß der Staatsanwalt vorzeitig in den Besitz der Nummer gelangt ist. Tic Konfiskation erfolgte wegen eines angeblichen Vergehens wider die Religion. Der„Simplicissimus" lvird in Stuttgart gedruckt, die dortige Polizei Hot durch Weisung der Miinchener Behörde die vorhandenen Exemplare beschlagnahmt. Nach München sind keine Nummern gelangt. Die Münchener Polizei ist angewiesen, die von Stuttgart eintteffende Sendung ab- zufangen.— Wegen Beleidigung der Unterofsizicre der Armee hatte sich der verantwortliche Redakteur deS„Hamburger Echo", Gcnoise Stengel, vor dem Landgericht Hamburg zu verantworten. In einer Sonntagsplanderei hatte das„Echo" zur Zeit der Rekruten- einziehung eine Erklärung dafür zu geben gesucht, daß die jungen Leute nicht mit gar großer Freude in das Toldaienleben einträten, und die Erklärung darin gefunden, daß ihnen„der llnteroffizicr" vor Augen stehe, der mit seinen Baschkieren-Augen sich der neuen Opfer freue, an denen er seine erzieherischen Gelüste au?» üben könne. Die„Hamburger Nachrichten" und die„Kreuz- Zeitung" denunzierten die Plauderei dem Kricgsminister, und Herr v. Einem stellte gleich in den ersten Tagen seiner M i n i st e r s ch a f t S t r a f a n i r a g. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis gegen St., das hohe Strafmaß damit begründend, daß weite Schichten durch derartige Artikel ver- hetzt würden. Das Gericht nahm an, in der Bezeichnung„der llntcrofttzier" liege eine Verallgemeinerung über den ganzen Stand, crlaunlr aber, wie schon gemeldet, ans 600 M. Gcldslrafe, weil in der That recht viel Unteroffiziere in der letzten Zeit wegen recht grober Mißhandlungen von Untergebenen zu teils schweren Strafen vernilcilt seien, worüber der Angeklagte wohl seiner Empörung hätte Ausdruck geben können.—_ Ein LandtagSwahl-Piozeß. Am 20. November 1003 fand in der Schützenburg in Solingen die Wahl der drei Landtags-Abgcordnclcn für den Wahl- kreis Soliiigen-Remscheid-Lemiep statt. Dabei standen 800 national» liberal-freisinnigen Wahlmäimern 220 joeialdcmokratische gegenüber; von den ersteren tvähllen 830, von den letzteren, denen die Bc- teiligung freigestellt worden war. nur 85. Als Wahlkommisiar fungierte der Solinger Oberbürgermeister Dicke, der mir Wahl- männer des nationalliberal-freifiimigen Kompromisses in den Wahl» vorstand berief. Der als Wahlmann anwesende Vorsitzende des focialdemokraiischen Wahllomitees, Redatteur Dittmann von der„Bergischen' Arbeiterstimme" in Solingen, forderte Einzel- abstimmung, Gegenprobe und namentliche Abstimmung. Ivclchem Verlangen der Wahlkommisiar, mit Ausnahme des letzten Punktes, nachkam. Dann überreichte Dittmann mehrere Wahlprotefte, die der Wahlkominiffar zu den Akten legte, statt die Wah lmänner-Versanmi- lung über sie abstimmen zu lassen. Genosse Dittmann protestierte gegen dies Vorgehen und verlangte Protolollieiung seines Proteste», was der Wahlkommissar zusagte. Daraus wickelte sich fünf Stunden lang im gleichen Einerlei das eigemliche Wahlgeschäfr ab. Als die Wahlmäimer zur nachträglichen Stimmabgabe aufgefordert worden� waren, die beim Aufrus gesehlx hatten, trat u. a. auch der social» demokrattsche Wahlmann Strunk an den Wahltisch und wählte statt der Parteitandidatcn Arons, Meist und Scheidemann an elfter Stelle einen Halbidioten Karl Schien z, Tagelöhner in Solingen, an zweiter Stelle den Latrinenreinignngs» Unternehmer a. D. D a n i e I m e y e r in Solingen und trat dann mit den Worten„Das genügt" wieder ab. Kurz darauf gab ein zweiter sodaldemokratischer Wahlmann, der Gastwirt Lutz, seine Stimme für Schien z und Danielmeyer ab und wollte offensichtlich. noch einen dritten Namen nennen. Dazu kam er aber nicht, deinr dcr Wahlkommisiar. Oberbürgermeister Dicke, sprang auf und rief erregt aus:„Ich habe die Ueberzeugimg gewonnen, daß es diesen» Wahlmann nicht darum zu thun ist, sein Wahlrecht auszuüben. sondern den W a h l v o r st a u d zu verhöhnen", dann fügte er hinzu:„Herr Polizei-Inspektor, führen Sie den W a h l ni a n n aus dem Saal c." Die liberalen Wahlmänner riefen„Bravo!" die socialdcmolratischen„Oho!" Der Wahlkommisiar verbat sich alle Beifalls- oder Miß» fallenSäußerungen. Dittmann trat nun auf den Wahlkommisiar zu und protestierte gegen die Hinausweisung des WahlmannS, da der» selbe w ä h l e n könne, w e n er wolle.' Ter Wahlkommisiar, der zu Beginn der Wahl dem Genossen Dittmann nicht im geringsten das Recht des Einspruchs gegen seine Handlungen bestritten hatte, schien sich jetzt als Diktator zu fühlen. Statt jeder Antwort rief er dem Polizei-Jnfpektor zu, auch d e n G e n o s f e n D i t t m a n n hinauszuführen. Unter Protest verließ Dittmann schließlich den c-aal, kehrte aber bald zurück und wurde nun ohne jeden weiteren Anlaß vom Wahlkommissar zum zloeitenmal hinaus» gewiesen. Diese Lorgänge wurden am nächsten Tage von Solinger Zci» tungen besprochen, wobei sich die bürgerlichen Blätter auf die Seite des Wahlkommissars stellten, während Dittniann in der„Belgischen Arbcitcrstimme" das Vorgehen des Wahlkommiffars als ungesetzlich bezeichnete und auf einen argen Mangel an Kaltblütigleit zurückführte. In der nächsten Nummer seines Blattes wehrte sich dann Dittmann in cincin'Artikel„Oberbürgermeister Ticke und seine freiwilligen Leibjournalistcn" gegen die Angriffe der bürgerlichen Presse. Dabei wies er den Vorwurf zurück, daß er und die beiden Wahlmänner, die für Schlenz und Danielmeyer gestimmt hatten, die Wahl gestört hätten. Tie Störung sei lediglich durch den Wahl- kommissar erfolgt, der den hinausaewieseucn Wahlmann mit Gewalt verhindert hätte, seine dritte Stimme ab- zugeben, ein Vergehen, das vom ij 107 des Strafgesetzbuches mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten bedroht werde. so daß Oberbürgermeister Dicke, wenn Strafanttag gegen ihn gestellt werde und die Regierung nichi durch Erhebung des Konflikts für ihn einspringen würde, sich darauf gefaßt machen könne, sechs Monate hinter die schwedischen Gardinen zu wandern. Jedenfalls feie» {"Cjclüb die Kriterien des � 107 Str.-G.-B� gegebeir, aber cS sei in Preuszcn ja allerdings nicht dasselbe, wenn zwei dasselbe thun. Durch diese Aeuizerunaen fiihlte sich Oberbürgermeister Dicke beleidigt und stellte Strafantrag gegen den Genossen Dittmamr Am Freitag kanr die Angelegenheit vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Elberfeld zur Verhandlung. Den Vorsitz führte LandgcrichtSrat Fricdländer, der seiner Zeit zu den Liichtcnl im Elberfeldcr Geheimbunds- Prozeß gehörte; der Air- geklagte wurde verteidigt durch Rechtsanwalt W a l l a ch II- Essen.. Oberbürgermeister D i it e behauptete unter seinem Zeugcneide, er habe bei der einseitigen Besetzung des Wahlvorstandc's gar nicht a n d a S Vorhandensein s o c i a l d e m o k r a t i s ch e r Wahlmänner gedacht. Tie Beantwortung der vom Verteidiger gestellten Frage, ob er sonst einen oder zwei Social- demokraten nnt vorgeschlagen haben würde, blieb ihm erspart, da das Gericht die Frage als unzulässig zurückwies. Der Oberbürger- Meister behauptete weiter, ihm sei am Wahltage im Laufe des Nach- »nittags mitgeteilt worden, daß e r und der neben ihm sitzende Kommcrzienrat Cappel zusammen mit Tchlenz und Danielmehcr gewählt werden sollten. Er habe daher zum Polizei-Inspektor geschickt und denselben im Vorraum des Wahllokals warten lassen. Als dann der erste Wahlmann Schlenz und Daniclmeyer ge- «vählt habe, habe er das für einen„argen Unfug" gehalten und den Polizei-Jnspektor in den Saal kommen lassen. Als dann ein zweiter Wahlmann cbenio gewählt, habe er denselben durch den Polizei-Jnspektor hinausweisen lasse», weil er in der Stimmabgabe eine„Verhöhnung des Wahlvorganges, der staatlichen Autorität und des ganzen staatlichen Apparats" erblickt habe. Daß der betreffende Wahlmann noch eine dritte Stimme abgeben wollie, habe er nach Lage der Dinge nicht angenommen. Ter als Zeuge vernommene Protokollführer bei der Wahl, Bankier Driesch in Solingen, hat denselben Eindruck gehabt wie der Wahlkommisiar, belundetc aber, daß sich die Wahlmäuner bei der Stimmabgabe durchaus ruhig �erhalten hätten. Ter Zeuge Schneidernwister Strunk iii Solingen erklärte, daß er und der Wahlmann Lutz sich verabredet hatten, in ihrer Stimmabgabe das Dreiklaffen-Wahlsystem zu persiflieren, da sie es für widersinnig, ungerecht und veraltethielten. Daher hätten sie den Halbidioten Schlenz. den LatrinenreiniguiigS- Unternehmer Danielmehcr und den Althändler Coopmann wählen wollen. Damit hätten sie sagen wollen: Dies Wahlsystem ist für Idioten, dies Wahlsystem gehört in die Latrine, dies Wahlsystem gehört zum alten Trödel! Irgendwelche Personen hätten sie nicht verhöhnen, sondern mir das Wahl s y sl e m b r an d m arten wollen. Als er, der Zeuge, den zweiten Namen genannt, habe der Wahlkommissar zu einem der Umstehenden gesagt:„Holen Sie den Polizei- Inspektor!" Trotzdem er sich im Recht gewußt, habe er als sladtbekanntc Person den Eklat vermeiden wollen, von der Polizei abgeführt zu werden und sich Hänseleien auszusetzen. Daher habe er daraus verzichtet, den dritten Namen zu nennen, indem er mir den Worten:„Das genügt" wieder abgetreten sei. Der Gastwirt Lutz iir Solingen sagte in demselben Sinne aus und bestätigte, daß er gleichfalls die beste Absicht hatte, außer Schlenz und Danielmeyer noch Coopmann zu loählen, aber durch seine vom Wahlkommissar verfügte HinmiSwoisuiig daran gehindert worden sei. Tie weitere Beweisaufnahme ergab keine neuen Momente. Ter Staatsanwalt Dr. M e tz suchte das Vorgehen des Wähl- kommissars als korrekt hinzustellen, da derselbe für den ordnungs- mäßigen Verlaus der Wahlhandlung verantwortlich gewesen sei und mit Recht in der Stimmabgabe der beiden Wahlmäuner eine Störung der Wahl erblickt habe. Cr beantragte eine Geldstrafe von 000 M. und Publikation des Urteils in sämtlichen Solinger Blättern, in der„Freien Presse" in Elberfeld, im„Vorwärts" und andern geeignet erscheinenden Zeitungen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt W a l l a ch' II.- Essen wies zunächst aus die Geschichte de» inkriminierten Artikels hin, der eine provozierte Antlvort gegen die bürgerliche Presse darstelle. Dem Angeklagten stehe in doppelter Hinsicht der Schutz deS§ 193 des Strafgesetzbuchs z», einmal, weil er von der Presse angegriffen, dann aber auch, weil er vom Wahl- kommissar zu Unrecht aus dem Saal gewiesen sei und ein berechtigtes persönliches Interesse wahrnahm, indem er sich gegen beides der Oeffentlichkeit gegenüber rechtfertigte. Zudem sei in der Verhandlung erwiesen, daß der Wahlkommissar thaffächlich den einen Wahlmann durch Bedrohung, den andren durch Amvendung von Gewalt a n der völligen Ausübung ihres Stimmrechts v e r- hindert habe. Objektiv seien dadurch die Kriterien des ds 107 des Strasgesehbuchs gegeben, loie der Angeklagte behauptet hatte, wenn dem Wahlkommissar eventuell auch vom Gericht geglaubt werden iviirde, daß er der Meinung loar, der ziveite Wahlmann ivollte leinen dritte» mehr wählen. Der Angeklagte habe sich voll- ständig korrekt verhalten, er hätte das Recht gehabt, gegen Ungeseb- kichkeiien des Wahlkommissars Einspruch zu erheben, und dieser habe ihn deswegen nicht aus dein Saale weisen dürfen. Ebenso seien die Wahlinänner Strunk und Lutz vollkommen gesetzlich vorgegangen. Sie könnten wählen, wen sie wollten, auch einen Latrinen- reinigungS-Uiltcrnehincr: das sei gesetzlich durchaus zu- lässig. Auf den§31 deS Aahlreglements und dessen Erläuterung durch den M i n i st e r i a l e r i a ß vom 9. September könne sich der Wahllonunissar nicht berufen, denn dort heiße cS. der Wahlkommissar solle mit den„gesetzlich zulässigen Mitteln" seine Anordnungen in Vollzug setzen, hier sei der Wahlkommissar aber un- gesetzlich vorgegangen. Der Aiigcklagie hätre seine Vorwürfe gegen den Wahlkommissar bona filo unter dem Schutze des§ 193 des Strafgesetzbuches erhoben und daher rechtfertige sich seine Freisprechung. Der Angeklagte, Genosse D i t t in a n n, er- gänzte die Ausführungen seines Verteidigers noch kurz durch den Hinweis, daß die Motive des Wählers keiner Begutachtung des Wahlvorstehers unterliege». Hier habe es sich um die Bedrohung »es Prineips der Wahlfreiheit gehandelt, denn wenn Stimmen zurückgewiesen werden könnten, weil nnt ihrer Abgabe angeblich jemand verhöhnt werde» solle, so sei eS nur ein kleiner Schritt. Stimmen mit der Motivierung zuriickzuwcisen. daß mit ihrer Abgabe aus einen„Umsturz des Staates" hingewirkt werden solle, während das Wahlrecht der„Erhaltung des Staates" diene. In solchen principiellcn Fragen gelte das Sprichwort, daß man dem Teufel nicht den kleinen Finger geben dürfe, weil er bald die ganze Hand nehmen würde. Ans diesen principicllen Bedenken habe er sofort gegen das Vorgehen deS Wahlkommissars protestiert. Nach halbstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende das Urteil. Es lautete aus 300 M. Geldstrafe event. 30 Tage Gefängnis und Publikation in drei Solinger Zeitungen. Nach der Aussage des Oberbürgermeisters Dicke könne davon keine Rede sein, daß er Wahlmänner gehindert habe, ihre Stimme abzugeben, das sei weder objektiv noch subjektiv erwiesen. Der Oberbllrgcnneister habe lediglich seine Pflicht gethan, indem er, der zur Wahrung der Ordnung berufen war, die staatliche Autorität lvahrte und den Wahlmann hinausbringen ließ. Der Schutz des § 193 deS Strafgesetzbuchs sei dem Angeklagten allerdings zuzubilligen, da einesteils die Wahlcrregung, dann die persönliche Humusweisung de» Angeklagten und schließlich die Angriffe der bürgerlichen Presse gegen ihn strastnildernd in Betracht zu ziehen seien. SS gicbt keine Bestimmung im preußischen Wahlgesetz. die dem Wahlkommiffar eine"Befugnis zucrteilt, wie sie der Oberbürgermeister Dicke sich angeeignet hat und wie sie daS Landgerichl in Elberfeld anerkennt. Eine solche Bc- stimmung kann es nicht geben, da sie de» ordnungsmäßigen Verlauf der Wahlhandlung unmöglich machen würde. Die durch den Oberbürgermeister hinauSgcwiescnen Wahlmänner hatten das Recht, an der Wahlhandlung ivciler teilzunehmen, das Gesetz fordert die Möglichkeit für alle Wahlinänner. an allen Teilen der Wahlhandlung instzuwirken. Tic Vollmacht des Wahlkommissar» ist darauf beschränkt, Ordnungsmaßregeln gegen Wahlinänner zu verfügen, welche die Wahl hindern. Die Hinauswcisnng von Wahlmännern, die in dcrAusübnng ihreS Wahlrechts angeblich den'Wahlvorstand beleidigen oder die staatliche Autorität herabsetze», ist ungesetzlich, und die Verurteilung desjenigen, der gegen die ifstn widerfahrene Ungesetzlichkeit öffentlichen Protest «hebt, bedeutet eine schwere Rechtsirrnng.— Hiidlattd. Preßstimmen über den Fall Millerand. Paris, 10. Jamiar. lEig. Ber.) Millcrands Ausschluß au» der P. S. F. bildet hier da» wichtigste Ereignis der letzten Woche und wurde in der Presse eingebend besprochen. Freilich die Urteile der bürgerlichen Blätter sind fast durchweg von Sachkenntnis ganz un- getrübt. Tie Socialistenfresser inil dem„Temps" an der Spitze juchcn außerdem das Ereignis gegen den Soeialiömu» überhaupt auszuschlachten, insbesondere gegen dessen„Vaterlandslosigkeit" und „iirchlich-dogmatischcn" Fanatismus, wobei sie sich in letzterer Hinsicht allerdings auf das„dogmcn'ffeindliche Seufzen Geranlt-Richards be- rufen können. Die socialistensrcundlichcn radikalen Zeitungen schießen ihrerseits daneben, weil sie für den proletarischen Klafienkamps ein noch geringeres Verständnis besitzen als die ministeriellen Socia- listen. Sie beurteilen da» Ereignis— steilich ebenfalls nach dem Muster ihrer ministeriell-socialistischen Bundesgenossen— im schiefen Lichte des angeblichen Gegensätze» zwischen Reformen und Revolution. Al» ob die antisocialistischen und antiproletarischen Abstimmungen von Millerand, JaureS und Genossen im Interesse irgendwelcher Reformen erfolgt wären und nicht gerade umgekehrt die konservative Ausrechtcrhaltung der bürgerlichen Gesellschaft bezw. sogar einiger ihrer schlimmsten Auswüchse zur objektiven Folge gehabt hätten. Im einzelnen sei hervorgehoben daS Urteil Clemenccau 3 in der„Aurore". Dasselbe iit immerhin iniosern zutreffend, al» es Millerand und namentlich JaureS zur logischen und politischen Folgerichtigkeit crmahnt, und zwar im Süme ihres förm- lichcn Z u s a m m e n s ch l n s s e ö mit den bürgerliche n Radikalen in einer Partei: Cleincnccau wünscht die„Be- gründuilg einer großen Partei politischer und socialer Reformen, in der sich Radikale und resormerische Socialisten, ohne sich zu ver- schmelze», für die Aktion vereinigen würden. Millerand ist dieser Versuch mißlungen, aber er hat wahrlich sein Bestes gethan. um den Erfolg zu verhindern. Wird JaurvS glücklicher sein? Er müßte sich entschließe», nicht mehr in der Vorhut zu stehen oder vielmehr nicht mehr sich diesen Anschein zu geben und den reinen Revolutionären die einzige noch nützliche Rolle zu überlassen, die Erreger der reformatorischen Energie bei unsrer republilanisckieu Regierung zu sein.. Ferner ivarnt Clemenceau Jauro», sich durch ein längere» Beharren in seiner zwicschlächtigcn Stellung MillerandS Schicksal zuzuziehen. Die sich socialistisch nennende antiklerikale Zeitung„Attion" giebi ein unftciwillig-heitercs Urteil ab. das ein trauriges Licht wirft ans die dank dem Ministerium wieder,>vie vor 10— lä Jahren, verfahrene Lage de» sranzöfischen SocialiSmus: Millerand könne sich nach seiner Ausschließung damit trösten, daß er wie die Redakteure der„Aktion" nunmehr zu den Reihen des—„Allerwelts-SocialismuS" gehöre... Ebenso beachtenswert wie zutreffend ist die Meinungsäußerung de» Eentralorgans der revolutionär-soeialistischen P. S. de F., „S o c i a l i st e". das dem Vorfall drei Eniresilets widmet. Genosse D ubreuilh betont zunächst den organischen Widerspruch, der die ministerielle Partei notwendig zur fortivährenden Zerklüftung ver- dämmt. Der Widerspruch liege darin, daß die minifterialistische Führerschaft sich aus proletarische Truppen zu stützen suche. Daher die iiwner sich erneuernden Proteste und Erhebungen der letzteren gegen die erstere. Millerand habe dafiir endlich die Zeche bezahlen müssen, wenn auch unter einem zufälligen Vorwand. „Aber Millerand ist und kann nur sc!» das erste Sühuopscr. Die Frage ist durch seinen Weggang nicht gelöst. Die Kameradeit. die er in der(ministeriell- socialistischen) Äammersraktion verläßt, sind von demselben Geiste durchdrungen... Sie können ebensowenig wie er die wirksame Kontrolle einer Partei vertragen, die Klastcntendenzen organisierter Arbeiter vertreten." Dabei sei eS Millerand, der auf seiner Seile die Tolirin und die Methode der P. S. F. habe, die im Gegensatz stehen zum eigentlichen Wesen de» internationalen revolutionären Socialismns. Janrss und die andern würden ihm nachfolgen müssen, gleichviel ob sie die Ausschließimg treffen sollte oder nicht, sobald sie persönlich und offiziell an der Regicriing würden teilnehmen wollen. Genosse Bracke erblickt in der Attsschließuitg ein schlaue» Manöver, daraus berechnet, den Zorn der naiven Gefolgschaft der Ministerielle» von der ministcrialrstischcu Politik und ihre» Vertretern ans eine einzelne Person abzulenken. Die Naive» merkten nicht, daß einen II n t e r s cht e d zwischen Millerand und den andren machen so viel heiße wie die ganze bürgerlich-socialistischc Kartellpolitik nebst den besonderen skandalösen Abstimmungen der Fraltion billigen. „Die Schlauen benutzten diese Geistesverfassung(der Naiven), um an eine„Säuberung" der Partei glauben zu machen, dank dessen man dann die JaureS und die andren Genossen vo>n Ministerium in Rnhe lassen wird." Im gleichen Sinne urteilt Genosse Rappoport:„Die Aus- schließung MillerandS, die die Amnestierung von JaureS einschließt, ist ein Akt von seltener,»tan kann sagen. neu- methodischer— Tapferkeit, Wenn man an akutem JanresismuS laboriert, ist e» einigermaßen ungeschickt, in hyperakuteu Anti- Millerandismus zu verfallen." Endlich sei erwähnt die Meinungsäußerung des„Socialiste A r d e n n a i S". des linksstehenden Organs der j a u r e s i st i s ch e n Ardcnnen-Födcration. Im Gegensatz zu den allermeisten Vertretern des linken Flügels der P. T. F. beurteilt der leitende Redakteur des Blattes, Genosse Varöde, die Ausschließung Millcrands recht pessimistisch:„Wird da» die P. S. F. vom Reformismus heilen? Wir werden es ja bald sehen, aber rechnen lvir daraus nicht zu sehr."-_ Oestreich-Uugarn. lieber den Dreibund verhandelte der Budgetausschuß der östreichischeu Delegation bei Er- örterung de» Voranschlags des Ministeriums de» Aeußern. Nachdem der Bertchterstaticr Bacguehein die Verhandlinigen eingeleitet hatte, er- griff Delegierter K r a m a r c z da» Wort und ertlärte, die freudige Botschaft über die Erneucriliig des Dreibundes habe kaum jemand besonders ausgeregt, lind der Minister de» Auswärtigen habe offenbar die Bc- deutung diese» welthistorischen Ereignisses etwas heben inid unterstreichen wollen. Er(Kramarez) glaube, daß die ernsten Gegner des Dreibundes es gar nicht der Mühe f ü r w er t hielten, durch scharfe Bekämpfung seine geringe Bc- d e u t u u g für die gegenwärtige und auch künftige Politik des östreichischeu Staates zu hebe n. Ein solcher rhetorischer Aufputz in der Rede des Ministers deS Aeußern verwirre aber ciusache Gemüter dermaßen, daß zum Beispiel der preußische Kritiker der östreichischeu Dkanöver zu ver- langen wagte. deuffche Kavallerie- Offiziere seien den östreichischeu Kavallerie- Manövern zuzuziehen, damit sie da» östliche Gelände besser kennen lernten. Die Herren schienen wirtlich die Entwicklung der letzten Jahre ganz nnd gar verschlafen zu haben. Sonst müßten sie doch wissen, daß solche I n s p i z i e- r II II g e n des ö st r e i ch i s ch e n Heeres Ivohl früher möglich waren, zu der Zeit, wo inau mit dem Dreibünde einen wahren Götzendienst trieb, daß sie jedoch in die heutige Lage nicht hineinpassen.„Gott sei Dank", fuhr der Redner fort,„wir stehen nickit mehr unter dem Zwange der Gegnerschaft zu Rußland, und solche Intimitäten mit den preußischen Offizieren mit einer dircltcu Spitze gegen Rußland wären zwar ivohl nach dem Berliner Geschmack, aber für die östrcichi'chc Politik sind sie wohl für die Zukunft undenkbar. Delegierter Schön vorn hebt den guten Eindruck herbor, den die B e f e st i- g u n g nnd die Vertiefung des guten Ein- Vernehmens mit Rußland gemacht hätten, erkennt die Bemühungen GoluchowskiS um die guten Beziehungen mit den alliierten andren Mächten dankbar an und weist auf die charakteristische Annäherung der euroväi scheu Staaten hin. die nicht miteinander in einem Allianee- Verhältnis stehen, namentlich auf die zwischen England nnd Frankreich. Er empfiehlt die ausgiebige Pflege und Vertieiung der östreichisch- ungarischen Beziehungen zu Frankreich, wo die Sympathien für Oestreich-Ungam im Parlament neuerlich zum Aus- druck gekommen seien, und eine weitere Ausgestaltung der internationalen Schiedsgerichte.— Delegierter SuSdcrsic erklärt: Die Erneuerung des Dreibundes, der durch die vstreichisch-rusfische Entente bedeutend an Akmalität eingebüßt habe, habe er, Redner, gleichmütig zur Kenntnis genommen.— Delegierter Sylvester drückt seine Befriedigung au» über die Erncnerimg des Dreibundes. Schweiz. Tie Schmach der politischen Polizei. Zürich, 7. Jamiar. lEig. Ber.) Wir berichteten jüngst über die Geißelung der elenden Machenschaften der politischen Polizei durch imscrn Genossen Greulich im Züricher KantonSrat und im schweizerischen Nationalrat. Nun ist das„Volksrecht" in der Lage, einen Beitrag zu der die Schweiz erniedrigenden Schmach der politischen Polizei zu leisten. Danach hat der Züricher Polizeihauptmann Rappold einen gewissen Metzger Zollinger aus Saar- brücken, der seit Oktober 1901 als Polizeijpikel im Dienste der preußischen Polizei steht und der sich in Zürich an die organi- sierten Arbeiter herandrängte, um ihncu da» Berliner Anarchtsten« blatt„Neues Leben" und andre anarchistische Zeitungen zu verkaufen, auch in seine Dienste genommen. Seit mehr als zlvei Jahren lieferte dieser preußische Spitzel dem Züricher Polizeilommando lvöchcntliche Berichte über die gesamte zürcherische Arbeiterbewegung und dafür wurde er au» der Bundeskasie bezahlt!„Die Berichle dieses bezahlten Polizeispitzels bildeten die Grundlage sür die Thätigkcit der politischen Polizei." Das sind traurige, die demokratische Republik schändende Zu« stände, deren Bekämpsmig bis jetzt nur die socialdcmokrarische Partei und ihre Preise besorgte. Ob nun nach den vorstehenden Eni» hüllungen auch in bürgerlichen Kreisen die Scham sich regen und die Socialdcmokratie in ihrem Kampfe gegen die Schmach des Landes unterstützen werden? Viel Hoffnung daraus haben wir nicht. Vor- aussichtlich wird die neueste Spitz elcntlarvuug von der Socialdemo- kraiie im KantonSrat zur Sprache gebracht werden.— Frankreich. Eine Manifestation gegen die Militärjustiz hat die Liga für die Verteidigung der Soldaten für den 13. Januar beschlossen. An diesem Tage sind c» fünf Jahre, seitdem Emile Zola seinen be- rühmten offenen Brief:„Joecnsa", der sich belanntlich gegen die verrottete Militärjustiz wendete, veröffentlichte. Am 13. Januar mm soll der Kriegsminister eine Hoaistut von illustrierten Postkarten er- halten, durcki ivelche Tauscnde mid Abertausende von Staatsbürgern ihren Protest gegen die Militärgerichte aussprechen. An dieser originellen Kundgebnng beteiligen sich die Ligen der Menschenrechte sowie socialistisch'e und Freidenker-Gmppen.— England. Die gelbe Gefahr. Die Goldminen-Besitzcr von Transvaal behaupten bekanntlich, daß sie ohne die Zulassung chinesisckier Kulis nicht auskommen könnten i die in Südafrika vorhandenen Arbeits» kräfte reichten nicht hin oder seien für die zu leistende Arbeit»n« geeignet. Der noch unentschiedene Streit um diese Frage hat nun durch das Eingreifen der chinesischen Regierung eine eigne Wendung bekonimcn. Wie englische Blätter kürzlich mitteilten, soll die chinesische Regierung ihren Unterthanen die Aus» Wanderung nach Transvaal so lauge verboten haben, so lange noch in den andren englischen Kolonien anti- chinesische Gesetze auftecht erhalten bleiben. Bekanntlich bestehen in Kanada, Australien und andren britischen Kolomeu Gesetze, welche die Einwanderung von chinesischen Kuli» verbieten. Da gar nicht daran zu denken ist, daß die genannten Kolonien ihre anti-chincsischen Gesetze fallen lassen, so lvcrdcn die Minenbesitzer wohl gezwungen sein, die Lösung der Frage durch Verbesserung der Arbeitsverhältnisse in den Rand- inineu herbeizuführen.— Eine neue Arbeiter- Zeitung will der Abgeordnete Richard Bell. Vorsitzender des Eisenbahner-VerbandeS, mit einigen andren Arbeiter» Vertretern herausgeben. DaS Blatt, die„Tribüne", soll in erster Linie der Bekämpfung Chamberlains dienen, iin übrigen aber auch alle andren Arbeiterfragen behandeln.— Richland. Reue öicwalrmaßregcln gegen Fimiläuder. Der russische Kaiser Hai eine Verfügung an den Generalgonvcrneur von Finnland erlassen, worin Befehl gegeben wird, alle im Dienst des Staates oder der Kommune stehenden Finnen, die sich ihrer Wehrpflicht beim dritten finnischen Schiitzciibataillon entzogen haben, zu verabschieden und ihnen ivährend der nächsten 5 Jahre keine Pässe für Auslandsreise» auszustellen. Ferner wird darin befohlen, daß bei Gesuchen um Besreiung von Geldbußen sowie bei Gesuchen um Darlehen uuv llnterstützuugcu aus Staatsmitteln für Kommune oder einzeln« Personen genau untersuchr werde, welchen Anteil die betreffenden an dem Widerstand gegen die Einberufung der Webrpflichtigcn genommen haben. Schüler höherer Lehranstalten, die keine triftigen Gründe gehabt haben, sich nicht ausheben zu lassen, sollen für einen Zeit» räum von bis zu einem Jahr von den Lehranstalten entfernt werden. Außerdem ivird dem Generalgouverneur anheimgestellt, einen Teil derjenigen Personen, die der Einbernfungsorder Folge leisteten, au« dem Dienst zu entlassen und dafür solche Finnen einzuberufen, die sich ihrer Wehrpflicht zu entziehen suchten, oder sie in die Landwehr zu übcrfiihren. Ter Gencralgouverncur wird ermächtigt, der Be» völkerimg kundzugeben, daß alle Finnländer, die der EinbcrufungS» ordcr von 1901 nicht gehorchen, ihrer Wehrpflicht bei Regimentern außerhalb Finnland» genügen müssen.— Slfrika. Tie europäischen Eivilisatoren am Kongo. Im„West Afriean Mail" ivird der Brief eines englischen Missionars, der seit dein Jahre 1883 im Kongogebiet lebt, veröffentlicht. In demselben wirb eine Schilderung gegeben, ivie die iveißen ttultnrträgcr die Ein- geborncn zur Arbeit, bczicheiftlich zur Ablieferung von Gummi zwingen. In Mbongo, einer Station am oberen Kongo, ist ein großes„Gunimilagcr-HauS" errichtet, in welchem die Eingebornen de» Gnmnii abliefern müssen. Wehe, wenn sie nicht genug bringen, Stockhiebe ist das mildeste. ivas ihnen droht, vielfach werden sie sofort niedergeschoffen.„damit die Ucber- lcbcnden fleißiger lvcrdcn"!„Da diese Kreaturen nicht eine» Schuß Pulver wert sind", läßt man häufig eine Anzahl von ihucii hinter einander antreten nnd schießt ihrer mehrere durch eine Kugel nieder. Ans einer andern Station sah der Misssonar Haufe» von Meuscheliknocheil im Grase herumliegen, er zählte 33 Schädel. Ans Befragen wurde ihm gesagt, daß. als der Gummwertrag bc- gaim, viele der Schwarzen von den Soldaten niedergeschossen wurden und daß mau de» Ueberlcbcndeu vielfach nicht erlaubte, ihre Toten zu begraben.— Hier sind es die Belgier, über die sich ein Eng- ländcr beschwert, anderwärts treiben es jedoch die englischen Civili» satoren nicht besser und in gleicher Weise fassen die europäischen Kulturträger aller Nationen ihre Mission in den überseeischen Ländern aus. Amerika. Saut» Domingo, 10. Januar. Der Präsident JimeneS der in Santiago errichteten provisorischen Regierung hat Santo Domingo beschossen. Eine Granate ist in der a in c r i« k a n i s ch e n Gesandtschaft explodiert.— parlamentarisches. Der Präsident des Reichstages Graf Ballestrem ist zum Wiederbeginn der Reichstagssitzungen wieder eingetroffen und hat seinen E i n z u g i n das neue R e i ch S t a g s- P r ä s i d i a l- gebäude, in welchem er ständig Wohnung nehmen wird, ge» halten. Dieses Gebäude ist am vcrslosseucn Sonntag von der Bau» lcituug amtlich an den Reichstag übergeben worden. Die im Reichs- tagöhause bisher vom Direktor des Reichstages Geh. RegicrungSrat Knack bewohnten Räuniz, werden zu andren amtlichen Zwecken� wie als Abteilung»-, Kominissions-, FraktionSziminer verwendet werden, da auch Direktor Knack im Prästdialgebäude Wohnung erhalten hat. Tic erste Pleniusikung des Herrenhauses ist auf den 16. Januar, 2 Uhr nachmittags, mit der Tagesordnung: Wahl des Präsidiums und der Schriftführer offiziell angeordnet worden. Die erste Plenar- jitzung des Sl b g e o r d n e t e n h a u s e s wird eine Stunde nach dem Tröffnungsakt stattfinden.(Tagesordnung: Feststellung der Beschlusz- Ähigkeit.)_ Huö Induftrie und Handel Kapitalserhöliung der Berliner Tiskonto-Gescllschaft. In der Heutigen auficrordcntlichen Generalversammlung der Diskonto- Gesellschaft, in welcher 8601 Stimmen vertreten waren, wurde die dcantragte Erhöhung des Llommmrditkapitals ans 170 Millionen Mark durch?lu-Zgabe von 20 000 000 Mark neuen Konunandit- antcileu mit Dividcndenbcrcchtigung vom 1. Januar 1904 ab bc- schlössen. Bon den neuen Kommanditanteilen sind 6666 Anteile von je 1 200 Mark von der Norddeutschen Bank in Hamburg iibernonnncn worden gegen seitens derselben zu gewährende nom. 10 000 000 Mark ihrer eignen Anteile: weitere 3548 Anteile von je 1200 Mark und ein Anteil von 2000 Mark sind von den Inhabern der Firma I. S ch u l tz e n. Wolde in Bremen übernommen worden, wogegen das von diesen bisher betriebene Bantgeschäft mit allen Aktiven und Passiven sowie das von ihnen benutzte Geschäfts- haus in das Eigentum der Diskonto-Gcscllschaft übergehen wird. Tie restlichen 6451.Anteile von je 1200 Mark sind von einem unter Führung des Banthauses vs. Bleichröder stehenden Konsortium über- uoimnen und werden den bisherigen Kommanditisten zum Kurse von 165 Prozent dergestalt angeboten werden, daß auf je nom. 24 000 Mark alte Anteile ein neuer Anteil von nom. 1200 Mark entfällt. Tie Anträge wegen einiger Acndcrungcn der Statuten— in der Hauptsache, um diese mit der Ziffer des erhöhten Kommanditkapitals in Einklang zu bringen, sowie einige, die interne Verwaltung be- treffende Anordnungen enthaltend— erlangten gleichfalls die Ge- uchmigung der Generalversammlung. Vom rheinisch- westfälischen Arbritsmarkt. Der„Kölnischen Volkszeitung" zufolge ergab eine Umfrage des Verbandes der r h ei n i sch- w e st fä l i s ch c n G e w e r b e V e r e i n e in Düssel- d or s über die gegenwärtige Lage des rheinisch- West- f ä l i s ch e n A r b e i r s in a r k t e ö, dag in derselben eine Verschlechterung eingetreten ist. Soiveir sich aber bis jetzt übersehen lasse, brauche man leine übertriebene Furcht zu haben; alles komme nur darauf an. ob es in Ostasien wirklich zum Kriege komme, worunter die Ausfuhr sehr leiden würde, und ob der g e- plante S t a h l lv e r k s- V e r b a n d zu stände komme. Natürlich darf unter den Faktoren, von denen die Besserung des ArbcilSmarktcS abhängt, auch der Stahlwerksverband nicht fehlen. Wo cö nur irgend geht, wird jetzt von den an seinem Zustandekommen interessierten großen Werken fiir ihn Reklame gemacht und zu beweisen versucht, daß ohne ihn jim laufenden Jahr die Eisenindustrie in eine Notlage kommen muß. Warum sollten da die rhcinisch-westfälischen Gewcrbevereine nicht dieselbe Flöte blasen? Gegen das Wcistbleichkariell. Auf der am Sonnabend hier in Berlin abgchältcncn Versammlung der Grlippc VII der Weißblech verarbeitenden Industriellen Teutschlands legte zunächst der Schrift- führer die Denkschrift vor, die dem ReichSamt deö Innern auf ein- stimmigen Beschluß präsentiert werden soll, und in welcher der zahlenmäßige Nachweis zu führen gesucht wird, daß daö deutsche Weißblechshndikat den deutschen Konsum in Weißblechen nicht au- nähernd deckt. Im Zusanimenhangc hiermit wurde konstatierst, daß das Resultat der noch nicht abgeschlossenen Enquete über den Weiß- blcchtonsuni Deutschlands ergiebt, daß die betreffenden Betriebe Deutschlands von ihrem Gesaintbcdarf reichlich 60 Prozent in englischen Blechen bezogen haben. Todann erfolgte unter einstimmiger Annahme aller einschlägigen Vorlagen betreffs der Ausdehnung des Bezuges von englischen Blechen fiir die Vereinigung der Zusammenschluß der Anwesenden zu praktischer Wahrung ihrer Interessen und die Festsetzung von KonvcntionZ- bedingungen, welche in Zukunft seitens der Mitglieder bei ihrem Einkaufe als Grundlage für die Liefernngsvcrträge gefordert werden. Während der Verhandlungen wurde der Schriftführer der Ver- einignng, Dr. Wendlandt, nach dem ReichSamt dcS Innern gerufen zur Information über den Stand der heutigen Verhandlungen. Die Unterredung hatte zur Folge, daß der Vorstand zu einer ferneren Vorbesprechung nach dem ReichSamt dcS Innern geladen wurde, da die kontradiktorischen Verhandlungen über das Weitzblcch-Kartell be- reitS Anfang Februar beginnen sollen. Hamburger Histzothekcnbank. Der soeben veröffentlichte Jahres- bcricht der Hypothekenbank in Hamburg weist mit Einschluß des Vor- rragcs aus 1902 einen Gewinnüberschuß von 2 611 270 M. aus, der in folgender Weise zur Verteilung gelangen soll: für die Reserve II 247 122 M.. für Tantiemen an die Tirckrion 177 927 M.. für Tantiemen an den Aufsichtsrat 108 617 M., für eine 8 vrozentige Tividcnde auf das auf 24 Millionen Mark erhöhte Aktienkapital 1 920 000 M.(1 680 000 M.), und Vortrag auf neue Rechnung 157 602 M. Heber den Geschäftsgang während deS abgelaufenen Jahres heißt es im Bcricht: „Der Pfmidbricfumlauf und der Hypoihekcnbcstaitd haben eine Vermehrung von 16V- bezlv. 19 Millionen Mark erfahren. Gemäß dem von der ordentlichen Generalversammlung am 7. Februar 1903 gefaßten Beschlüsse haben Ivir das Grundkapital unsrer Gesellschaft um 3 Millionen Mark erhöht und damit für eine Erweiterung unsreS Pfandbriefmnlaufs über die bisherige Grenze hinaus die gesetzliche Basis geschafft n. TaS bei der Begebung der jungen Aktien erzielte Agio ist in Höhe von 1 365 485,75 M. dem ordentlichen Reserve- fonds zugeflossen. Ilnsre Thätigkeit im Hypothekengeschäst gestaltete sich infolge der vielfachen Hypothekcnrückzahlungen, für die Ersatz zu beschaffen war, zu einer ungemein arbeitsreichen. Die neu abge- schlosscnen Darlehen betragen insgesamt 51 669 975 Mark. Die Rückzahlungen haben sich auf 18 925 466,13 M. belaufen, wovon nur 11 321,11 M. auf das bei uns keine Nolle spielende Amorti- sationsgeschäft entfallen."_ Soziales, Tic gegenwärtige Aerztebewcgung gicbt der bürgerlichen Presse Wieder Anlaß, gegen die Socialdemokrarie zu Hetzen. So behauptet ein Artikel der„Kölnischen Volkszeitung", der von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" reproducicrt ivird, Genosse Fräßdorf schlage den socialdemokratijchen Grundsätzen ins Gesicht. Iveil er in feinem kürzlich in der„Neuen Zeit" veröffentlichten Artikel zwar für gute Bezahlung der Aerzte eintritt, aber verlangt, daß die Kasse sie auch ertragen könne. In der Arbeiterbewegung frage die Socialdcmokratie ja auch nicht danach, ob der einzelne Unternehmer die Forderungen der Arbeiter bewilligen könne. Das soll der große Widerspruch sein. Zunächst ist noch kein Unternehmer bankrott geworden an zu hohen Arbeiterlöhnen. Man kann aber natürlich leicht Widersprüche konstatieren, wenn man widerspruchsvolle Dinge miteinander in Vergleich setzt. Den Streit der Aerzte mit den Krankenkassen mit der allgemeinen Arbeiterbewegung zu vergleichen, Iveil die Aerzte ebenso wie die Arbeiter höhere Bezahlung fordern, das ist ungefähr ebenso, als wenn man den Arzt mit einem Unternehmer vergleichen wollte, weil beide von der Gcwerbc-Ordnung als Gewerbetreibende behandelt werden. Bei den Aerzten handelt es sich nicht lote bei der Arbeiterbewegung um Fragen der allgemeinen Volkswirtschaft, sondern einfach um eine materielle Notlage eines einzelnen Berufsstandes, deren Beseitigung wir lebhaft wünschen, zu deren Beseitigung aber die Krankenkassen weder berufen noch in der Lage sind: sie wurde selbst dann nicht beseitigt werden, wenn den Krankenkassen, die ja keine Pro- Viiitionsunternehmungen sind, sondern Untcrstütziingövereine, größere öffentliche Mittel zugeführt toürden» die ihnen eine erheblich höhere Hononerung der Aerzte gestattete. Es würde sich dann sehr bald ein erneuter Andrang zum ärztlichen Berufe bemerkbar machen und die Notlage wäre die alte und neue Forderungen an die Kranken- lassen wären die Folge. Der Arzt darf nicht Gewerbetreibender sein, der von den Krankheiten seiner Mitmenschen lebt, sondern er muß zum öffentlichen GesimdheitSbeamtcn werden. Dazu wird die Socialdemokratie gern mitwirken. Unterdeß handelt es sich für die Krankenkassen, die der Ver- sicherten wegen bestehen, allerdings einzig und allein darum, was sie mit den vorhandenen beschränkten Mitteln leisten können. Zinn Hcimarbciterschutz-Kongrefi erläßt der Vorstand des Ver- bandes Fortschrittlicher Frauenvercine, gezeichnet Minna Cauer, einen Aufruf, in dem cS am Schlüsse heißt: „Der Borstand des Verbandes Fortschrittlicher Frauenbereine richtet daher an alle Frauen und Frauenvereine das dringende Er- suchen, dem bevorstehenden Kongreß über Heimarbeit lebhaftes Interesse entgegenzubringen und zunächst sich ernstlich mit der Frage der Heimarbeit zu beschäftigen. Die Frauenvercine hasten oft zu sehr an der Oberfläche mit ihren Arbeiten, sie lernen das entsetzliche Elend nicht kennen, da sie sich nicht genügend in die Ursachen des Elends vertiefen: hier ist ihnen Gelegenheit gegeben, sich gründlich mit einer der brennendsten Fragen der Gcgcnlvart zu beschäftigen. Wir empfehlen den Vor- ständen der Frauenvercine die Veranstaltung von Diskussions- und Vortragsabenden über die Heimarbeit und geben der Hoffnung Aus- druck, daß sie sich an dem mehrerwähnten Kongreß durch Entsendung von Delegierten, mindestens aber durch ZustimmnngSkundgebungen:c. aktiv beteiligen und auf solche Art beweisen, daß sie ernstlich gewillt sind, alle Bestrebungen zu unterstützen, die dahin zielen, der Aus- beirtung der Menschcnkräfte, wie sie in der Heimarbeit getrieben wird, zu steuern." Tie Socinlpolitik der Dresdener Stadtverwaltung. Tie mehrfach behandelte Arbeiterordnung für die städtischen Arbeiter in Dresden ist nun am 1. Januar in Kraft getreten. ÄuS diesem Anlaß wird der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" noch über eine Bestimmung dieser Arbcitcrordnung Mitteilung gemacht, die geradezu den guten Sitten widerspricht. ES wird bestimmt: „Bezieht der Arbeiter eine Unfallrente, so ist diese in den Lohn einzurechnen." ES werden von der Stadt eine Anzahl Arbeiter beschäftigt, die früher als Handwerker Unfälle erlitten haben und deshalb den früheren Beruf nicht mehr ausüben können, aber als städtische Tage- löhner das gleiche leisten, wie andre Arbeiter. Nichts berechtigt die Stadt Dresden, den Wert der Unfallrente für sich in Anspruch zu nehmen. Der Lohn, den städtische Arbeiter beziehen, ist ja erheblich niedriger, wie der cincö geschickten Handwerkers, daß solche Unfall- rentner als städtische Arbeiter viel weniger verdienen wie in ihrem ehentaligen Berufe._ Esiltragniig in das BereinSregistcr. Der Vorstand des„Verbandes der MilitäranwLrter der Steuer- Verwaltung Preußens" hatte mit dem Berliner Polizeipräsidenten einen Rechtsstreit wegen seiner Eintragung in das VcreinSregistcr gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch durchzufechten. Gegen die vom Vorstand beim Amtsgericht beantragte Eintragung in das BereinSregistcr erhob der Polizeipräsident Einspruch und machte geltend, daß der Verband politische und socialpolitischc Zwecke verfolge, wenn er dies auch in seinem Statut ansdrücklich ablehne. Wenn er den Schutz und die Vertretung aller Interessen seiner Mitglieder bezwecke, so vcdicne er sich dabei auch politischer Mittel, z. B. oeS Mittels von Petitionen an die gesetzgebenden Körperschaften, wie einige Petitionen bewiesen. Diese seien zwar von„Saalfeldt und Genossen" unterschrieben, es komme aber in Betracht, daß die Herren Or. jur. Hugo Saalfeldt und pensionierter Steucraufscher August Saalfeldt die Seele des Verbandes feien und die Petitioneii als vom Ver- bände ausgehend angesehen werden müßten. Dann käme hinzu die Haltung des von vr. zur. Saalfeldt heraus- gegebenen Verbands-Organs, die entschieden eine polinsche sei. Der Bezirksausschuß gab jedoch der gegen die Beanstandung des Polizeipräsidenten gerichteten Klage statt und erklärte den Einspruch deö Polizeipräsidenten für unberechtigt. Das Lber-VerwalinngS- gericht bestätigte als Berufungsinstanz dieses Urteil und führte begründend aus: Weder aus dem Statut noch ans dem Vereins- leben deö Verbandes könne hergeleitet werden, daß der Verband politische oder socialpolitischc Zwecke verfolge. Auch seien die vorn Polizeipräsidenten aus der Haltung der VerbandS-Zeitung ge- zogenen Schlüsse nicht zutreffend, da die Redaktion der Zeitung dein Verbände gegenüber unabhängig sei. Eine Arbeiteriiga gegen die Tuberkulose. Aehnlich ivie in Berlin die gesundheitswidrigen Zustände vieler Wohnungen die Arbeiter zur Bildung einer Arbciter-Sanstäts- kommisstoir veranlaßt haben, hat die starke Verbreitung der Tuberkulose in Algier, wie die„Depöeye algerienne" berichtet, die dortigen Arbeiter' zur Bildung einer a n tit u b e r k u l o s c n A r b e i t e r l i g a veranlaßt, der zwar in erster Linie Arbeiter angehören sollen, die aber auch andre Per- sonen, namentlich Aerzte, welche durch Belehrung und Auf- klärung zur Bckämvfung der Tuberkulose beitraget! können, aufinmmt. Die Liga erhebt vorläufig keinen Beitrag und hat deshalb sehr zahlreiche Mitglieder. Denn es handelt sich vorerst darum, die Bevölkerung über die Gefahren der Ansteckung aufzu- klären und den Kranken die vorhandenen Hilfsmittel nutzbar zu machen. Man hat die Stadt deshalb in Sanilätsbczirke cingeteilr. die den Polizeibezirken entsprechen. Für jeden dieser Bezirke ist eine aus Arbeitern bestehende Kommission ernannt, die mit einer Unter- suchnng der Wohnungen beauftragt ist. Ferner hat sie daftir zu sorgen, daß die Lungenkranken von Beginn der Krankheit an in ärztliche Behandlung und Pflege kommen. Dem Ganzen steht ein leitendes Bureau vor, an dessen Beratungen alle Mitglieder teil- nehmen köniten._ Versammlungen. Gegen den Zarismus demonstrierte eine sehr stark besuchte polnische PolkSversamuilniig. welche am Sonntagnachniittag in den Andrcas-Festsälcn tagte. Genosse Georg H a a s c referierte über daS Thema:„S o l l E u r o p a k o s a t i f ch werden?" Der Redner schilderte den wachsenden Einfluß Rußlands auf die politischen Ver- Hältnisse der europäischen Staaten und geht nach einem längeren Rückblick in die Vcrgangcnhcit auf die heutigen Beziehungen Preußens zum Zarat über und erörtert die Fälle Kalajcw, Frau Kugel, die oslprenßischcn Verhaftungen und die in der letzten Zeit vom„Vorwärts" veröffentlichten Thatsachen.„Wir Deutschen fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt",' werde wohl mit Bezug auf das offiziöse Preußen-Teutschland umgemünzt werden können in„Wir Deutschen fürchten Gott und den Zaren von Rußland'." Ter Redner erörtert dann in lebhafter Schilde- rung die Zustände im Zarat, den revolutionären Kampf gegen die Despotie, die zahllosen Opfer des Hcldcnkampfcs. Zum Schluß erklärt der Redner die Stellung Polens zur Demokratie und zu den revolutionären Bewegungen des vorigen Jahrhunderls. Stets feien die Reaktionäre die Feinoe deö Fortschritts, die Freunde des Zarats — zugleich die Feinde des polnischen Volkes gewesen. Nur müsse mau sich hüten, ans Haß gegen fremde Reaktionäre den eignen p o l n i s ch e n R e a k t i o n ä r e n in die Arme zu laufen. An dem brutalen, egoistischen Älasseninteresse der polnischen Magnaten seien alle bisherigen Freiheitskämpfe der Polen ergebnislos gewesen. Das beweist die Geschichte. Auch heute ist jede nationale Bewegung eine leere Phrase, wenn sie nicht den Ausgangspunkt nimmt an den realen Interessen der Arbeiterklasse. Zum Schluß legt der Redner der Versammlung eine Resolution vor, welche einstimmig angenommen wird. Die Resolution geißelt nachdrücklich alle Sünden deö Zarismus und fährt dann fort: „Wir berurteflen mit der größten Entschiedenheit alle Dienste, welche die preußische Rcgiening den mit dem Blut der Rußland bewohnenden Völker befleckten russischen Schergen erweist. Den revolutionären Parteien, welche mit einer be- wunderungSwürdigen Aufopferung den Heldenkampf um Freiheit und Wohlstand gegen die zarische Uebennacht führen, drücken lvir unsre glühende Sympathie aus.— Der italienischen Socialdemokratie, welche mit der Drohung der Volksdcmonstration dem Zaren den Weg in ihr Land versperrl hat, drücken wir unfern Tank aus.— Dem Abgeordneten Bebel sprechen wir für seine mannhafte BrandmarKlng der barbarischen russischen Regierung im deutschen Reichstage unsre Anerkennung ans.— Angesichts der zarenfrennd- lichen Bestrebungen, welche in polnischen Kreisen auftauchen, erklären wir, daß ein Volk, welches erlauben würde, daß in seinen Reihen— ohne einem Protest der Volksmassen zu begegnen— der Gedanke der Versöhnung oder der Verständigung mit dem blutigen Zarat, mit den Mördern von Zyrardow, Lodz. Warschau, Kroze, der Ukraine, Bakum. Kischyniew, Zlatoust. Rostow und unzähliger andrer Orte und Länder— daß ein solches Volk der Schande ver- fallen wäre." In der Diskussion sprach zunächst Genosse E b r z a n o w S I i in zustimmendem Sinne. Herr RogozinSki wundert sich, daß die deutsche Socialdemokratie keine Versammlungen in der bc- handelten Angelegenheit einberufe. Die Solidarität erkenne auch er an, sie werde aber auch in Berlin von organisierten Arbeitern nichr immer gegen polnische Arbeiter gewährt. Die Genossin Kuba- c z e w ö k a wandte sich an die anwesenden Frauen, zur Organisation auffordernd. Dann ergriff Genosse H a a s e noch einmal das Wort, um in Kürze die hakatistischen Wünsche, welche darauf hinauslausen, daß in Versamnilungen nur in deutscher S p räche verhandelt werden dürfe, zu kennzeichnen. Seine AuS» fnhrnngen gipfelten in nachstehender Resolusion, die gleichfalls ein- st i m m i g angenommen wurde: „Wir brandmarken alle hakatistischen Angriffe auf die Freiheit unsrer Versammlungen als einen Gewaltakt, der eineS kulrurcllcn Volkes unwürdig ist und erklären: Das Äersmnmlungs- und Vereins- recht lvar schon bei den heutigen Rechtsverhältnissen in den polni- scheu Landestetlcn Preußens sehr beschränkt.— Wir fordern die deutsche Soeialdemokratic auf, in eine energische Protcst-Aktiou gegen die rraktionSrcn Pläne der Hakatisten cinzutreteii. Die Beschränkung des Versammlungs- und VereinZrcchts wird nicht vermögen, uns einzuschüchtern oder uns von der politischen und socialen Arbeit, die wir für nötig halten, abzuwenden. Tie Agitation in Versammlungen werden wir durch mündliche Agitation und durch das gedruckte Wort ersetzen. Tie neuen hakatistischen Pläne sind für uns ein entcucrter Be- weis, daß ztvischen dem polnischen Volke und den herrschenden Klassen keine Versöhnung, leine Verständigung sein kann. Das Vor- gehen der Hakatisten ermuntert uns aufs neue, die Reihen zu ver- stärken, welche die heutigen Zustände, die Ausbeutung und Unter- drückung am encrgischtcn bekämpfen, die Reihen der Social- demokratie." Nach Annahme der Resolution wurde die Versammlung mit einem kurzen Schlußwort des Genossen B e r f u s und einem lebhaft aufgenommenen Hoch auf die Socialdemokratie beendet.— Ter Eentralverband des Massage-, Bade- und Krankciipstcge- Personals hielt am 3. Januar er. seine erste Monatsversaninilung im Gelverkschaftshause ab. Der Vorfitzende teilte zunächst mit, daß die Krankenpfleger und Pflegerinnen vom städtischen Siccheuhans in der Frövelstraße die Summe von 18,75 Mark für Crimmitschau abgeliefert haben und forderte die Bersamm- lung ans, sich recht rege an den weiteren Samnilunaen zu beteiligen. Hierauf wurde P. Strunk zum Delegierten für die Berliner Gewerkschaftslonimission gelvählt. Beschlossen ivurde. a»i Dienstag, den 5. Januar, eine Agitationstour nach der kgl. Eharitä zu unternehmen. Die Direktion dieses kgl. preußischen Muster- instituts, welche inzwischen davon Kenntnis erhalten hatte, schien aber ein sehr unruhiges Gewissen zu haben, denn cö soll ihr nicht angenehm gewesen sein, daß in einer Zusammcuknnst dcS dortigen Personals über Verhältnisse ans der Mustcranstalt gesprochen würde. Die Polizei erschien und löste die Versammlung am 5. d. M. auf. Der preußische Staat war wieder einmal gerettet. Wilmersdorf. Am Mittwoch, den 6. Januar, tagte in Wittes Volksgartcn eine gut besuchte Generalversammlung deS social- demokratische» WahlvereinS. AuS dem VorsrandSbcricht für das verflossene Vcrcinsjahr ist hervorzuheben; Es haben stattgefunden vier Generalversammlungen, drei außerordentliche Generalversammlungen, acht Verein svcrsiimmlungcn sowie eine außer» ordentliche VcrciiiSvcrsanimlung. Außerdem fanden neun öffcnt» liche Versammlungen, neun Handzettelverteilungen und sechs Flug- blattvcrbrcitiiiigen statt, desgleichen wurden fünf AgitationStonren gemacht. Bei der Landtagsivahl lvurden 931 Stimmen für unsre Kandidaten abgegeben. Tic Mitgliederzahl ist auf 266 gestiegen und verteilt sich nach folgenden Berufen: Arbeiter 59, Maurer 5", Zimmerer 23, Tischler 13, Gastirnrte 17, Stukkateure 11 Töpfer 9. Stcinmetzc und Schuhmacher je 7, Schlosser und Maler je 6, Bildhauer, Schriftsetzer und Kutscher je 4, Llauflcute, Händler und Buch- bindet je 3, Schriftsteller, Apotheker, Hutmachcr. Klempner, Uhr- macher, Gärtner und Schneider je 2, je 1 Redakteur, Lichtdrucker, Jnstrumcntenmachcr, Steinsetzer, Tapezierer, Barbier. Dachdecker, Rohrleger, Bodcnlcgcr. Schriftgießcr, Gürtler. Schirmmacher und Drechsler. Ter Bericht über die Kasscnverhältniffe im vierten Quartal ergab eine Einnahme von 219,40 M. An die Centrale Wurden abgeführt 146,27 M., die sonstige Ausgabe beträgt 122 M., bleibt ein Deficit von 48,87 M.— Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Gieblcr, Vorsitzender- Radtkc, Vorsitzender; Köpping, Kassierer; Schneckenhaus. Schriftführer-. G o d d ä ri s, Beisitzer. Die Lokaltommifsion besteht aus I a k o b s e n, G c i s e n h a i n e r und Schnell. Bibliothekare sind Grcß. Gladigotv. Reiche. Kahle. Revisoren. Bezirksführcr: Murrer, Schulz, Hörnig. Kiefer und G e r l a ch._ Letzte ISacbricbten und Depefeben. Berbrechcrischcr Anschlag gegen einen japanischen Kreuzer. Mailand, 11. Januar. In der Grube Gradakgar.r in Mexiko fand eine Dynamit-Explosion statt, wobei 20 Bergarbeiter getötet und 40 verletzt wurden. Vcrantw. Redakteur: Julius Knliski, Berlin. Inseratenteil veranttv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt PaulSinger SeCo.. Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u.UntcrhaltungSblatt i, 9. A. MM-, i Keilaze des„Mmiilts" Dellilltl NolkstlÄ � � M 0 N G 0 L lE� TsduUuibiSi o0Ma**tr* T.» Ittingkula? f �j�kt/üiAo &Dolon-rwr�fi-'y Tsrh T S C H 1- L I «CflONG Vukden ruc � ffnm fau/UL#' tywy- T�lmj MZMU MMD MlljW V'>.> � X X tvK&fic a «%Ä\n\v i MMH, P®' x v& TCtflK�SA s-ci S S%uas.,!■/# c---:--sS 'i�-'Z— JTv _ limeasMffk. ��')yfe>V:• H Grju-emv 1° Aussen, , Ky•# KLKrcuzJfainimidi%• Japaner ,■F_.' J 5 Torpcdühoolr ric. Mass lab. - p so mc i______ �-�s y.s' /C Homeien — �l-�Aampson j. Mariin, Berlin-Schöneberg. 5rotz aller Ariedensschalmeien dauern die Rüftungen in Ostasien fort. Wie ernst es den beiden Parteien mit der Instandsetzung ihrer maritimen Streitkräfte ist, geht aus den fieberhaften Rüstungen in Port Arthur, Dalny und den japanischen Äricgshäfen und aus den Ankäufen niehrerer Kriegsschiffe sowie aus dein Charten» zahlreicher Kohlen- dcunpfer sowohl durch Ruffland als Japan hervor. Unaufhaltsam dampfen die an avdren Orten nur einigern,aye>l entbehrlichen Kriegsschiffe Rußlands nach Lstasien; auch die im Mittckmcer befindlichen Kreuzer find zum Teil nach dein fernen Osten dirigiert, ferner sollen unterwegs mit den, Ziel.Port Arthur" das Linienschiff„Osliaba", die großen Kreuzer.Aurora"..Dimitri DonSkoi" sowie ß Hochseetorpedobovte und 4 kleine Torpedoboote sein, lieber welche maritiinen Biachtmittel die beiden sich gegenüber- stehenden Nationen verfügen und wo inS» besondere die russischen Flottenstreitkräste zur Zeit bsreir liegen, geht aus unsrer Karte hervor. Dieselbe ist nach den neuesten Angaben angefertigt und läßt erkcnneu, daß sich die beiden Flotten, wenigstens lvaS Linienschiffe betrifft, einander fast gleich- werfig gegenüberstehen. Nutzland verfügt in KricgShäfen der ostasiafischen Gewässer über die Linienschiffe.Petropawlowsk", .Poltaiva",„Sebastopol",„Percswjet". .Retwisan",„Pobjeda",.Zesarewitsch"; die grotzenKreuzer.Astold",.Pallada",. Diana", .Warjag",.Bajan"; die kleinen Kreuzer .Nowlk",„Sabjaka"; die Kanonenboote .Gremjaschtschi",„Koreetz"; die Transport- schiffe.Jenissei",.Armur",„Angara" und zahlreiche Torpedoboote. Von diesen Schiffen sind die 7 Linienschiffe in Port Arthur stationiert: gleichfalls befinden sich dort 5 große Kreuzer, 4 kleine Kreuzer respektive Kanonenboote und 21 Torpedofahrzcuge. In Wladiwostok halten sich zur Zeit nur 3 grotze Kreuzer und 2 Kanonenboote sowie 10 Tor- pcdoboote auf. Seit geraun, er Zeit sind ständig stationiert je ein Kanonenboot in Tschemulpo, Masampo, an der ostchinesischen Küste in Nimrod-Bai und in Nagasaki. Letzteres ist vermutlich dazu bestimmt, beim Ausbruch der Feindseligkeiten die diplo- mafischen Vertreter fortzubringen. Die japanische Flotte, ivclche von den im No- vembcr stattgehabten Manövern noch im Verbände geblieben ist. verteilt sich auf die verschiedenen Kriegshäfen, die mff unsrer Karte unterstrichen sind. Ihr letzter Auf- enthaltsort ist indessen nicht bekannt, da die Schiffe zun, großen Teile auf Kreuzfahrten i», japanischen Meer unterwegs sind. Auf unsrer Karte ist daher von der japanische« Flotte keine DiSlocicrung wiedergegeben, sondern ihr Bestand an schwimmendem Material>nit Ausnahme der Schulschiffe und ganz veralteten Kanonenboote berüikfichtigt. Wie wir sehen, verfügt Japan über 7 Schlacht- schiffe, die zu den besten und modenisten aller Marinen gehören, und welche gleich- zeitig auch zu den größten und stärksten Schiffen zählen. Die 7 Linienschiffe führen die Namen„Mikasa",„Asahi",„Hatsuse", „Schikischima",„Fuji",„Jaschima" und „Tschinjusn"; letzteres wurde im japanisch- chinesischen Krieg 1894 erbeutet. Zu diesen Linienschiffen gesellen sich noch die Küsten- Panzer„Hey Vuen",„Fuso" und.Seiyuen". Die großen Kreuzer heißen„Azuma", „Jwate",„Fzuma",.Asama",„Toliwa". „Jakumo". 27 kleine Kreuzer vervollständigen die eigentliche für den Krieg in Frage kommende Flotte. Ferner zählt die japanische Marine rund 199 Torpedoboote verschiedenen Typs. Alles in allem dürften die Japaner. was die Flotte betrifft, gegenüber Rutzland im Vorteil sein, weil sie seit geraumer Zeit in Dienst befindlich und eingefahren ist, während die Russen erst nach und nach von der Heimat nach Ostasien gekommen sind und bislang wenig Gelegenheit zu Hebungen im Geschwaderverbande gehabt haben. Anders dürfte sich die Sachlage aber bei der Armee gestalten, da hler die Russen jedenfalls bedeutend überlegen find. Rußlands und Japans Flotieumacht i« Ostasien. partel-JVacbnchten. Agficr. Trüb wie d,e letzten Lebensjahre ist das Ende unsres Partei- genossen Agster. Aus Stuttgart kommt die bedrückende Kunde, daß Agstcr am Sonntag im Dcgerlocher Walde erhängt aufgefunden lovrde» ist. Der Unglückliche, der seit Jahren geisteskrank war und bereits srllhcr im ReichStagS-Gebäude einen Selbstmordversuch unternahm, hat selbst in der Umnachtung des Geistes sein Leben be- schlössen. Agstcr wurde 1868 im württeinvergischen Ort Jlsfeld geboren. Er besuchte das Gymnasium in Heilbronn, mutzte aber als junger Mensch bald mancherlei sociales Ungemach erfahren und konnte die höhere Schule nicht vollständig durchlaufen. 1872 lvurde er Apotheker- lehrling und absolvierte 1876 das Apothckergehilfen-Examcn, nahm dam, in verschiedenen Geschäften Deutschlands und der Schweiz Stellung, leistete zwischendurch das Einjährigenexamen und schlietzlich führte ihn heißer Bildungstrieb wieder zum Gymnasium zurück; er legte 1881 das Abiturienteneyamen ab und studierte dann Medizin. Wiederum aber mutzte er dieses Studium infolge materieller Schwierigkeiten verlassen und zum Apothclcrberufc zurückkehren. Miltlcrweile hatte er sich nnt politischen Fragen befaßt, und er ge- langte zu der llcbcrzeuguug, daß in der Socialdeinolratie die bessere Zukunft einer schlimmen Zeit liege. Bald wurde er„anrüchig" und mutzte 1889 den Apothekerberuf aufgeben. Dann war er in Stuttgart einige Jahre hindurch journalistisch für die socialistische Presse thätig. 1897 wurde Agster an die Spitze des Stuttgarter Arbeiterfekretariats berufen und 1898 wurde er im 9. badischeu Wahlkreise sPforzheimi zum ReichStagS-Abgeordncten gewählt. Doch schon nicht lange nach der Wahl zeigten sich die Anfänge der geistigen Erkrankung. Schon 1899 mußte er in eine Kaltwafser-Heilanstalt gebracht werden, die dort erzielte Besserung hielt nicht lange an. Die Freunde des Unglücklichen in seiner Heimat sowie in der Reichstagsfraktion be- mühten sich dann fortdauernd, ob eine Wendung zur Besserung zu erzielen sei. Wer ihn im ReichstagSgebäude still und in sich gelehrt umhergehen sah. bemerkte bald, daß er einen kranken Menschen vor sich habe. Alle HeilungSversuche waren vergeblich, im ReichstagSgebäude selbst versuchte Agster einen Selbst- Mordversuch, der aber'ohne schwere körperliche Schädigung ausging. Er wurde dam, nochmals in der Schöneberger Nerven-Heilanstalt behandelt, kehrte nach Stuttgart zurück und nun kommt die Trauer- Meldung seines Todes durch eigne Hand. Wo immer Agster für die Arbcitersache eingetreten, hat er mit tiefer Begeisterung und ehrlichste», Streben gewirkt. Sein ganzes Sein gab er der Partei und die Partei wird daS Angedenken dieses Unglücklichen nicht vergessen I—_ Totenlistc der Partei. In Alfeld f Hannover) starb der Partei- genösse Zigarrenfabrikant Friedrich Ohlendorf im Alter von 93 Jahren. Der Verstorbene hat in den schwersten Zeiten der Partei seine Kräfte in ihren Dienst gestellt und sich für alle Zeiten das ehrende Andenken seiner Gciwssen gesichert. Eine Warnung vor einem Schwindler erlätzt die„Bremer Bürgerzeitung". Er sucht Unterstützungen von Parteigenossen zu erlangen, indem er sich alö Bertraileiisinaim der Partei aus irgend einen, schleswigschen Wahlkreise vorstellt, der auf der Rückreise' von einer Beerdigung i», Bahnzuge um Geld und Uhr bestohlen worden sei und nun»mtellos dastehe. In Bremen zog man über seine Angaben erst Erkundigungen ein und unterdessen drückte er sich ohne Unterstützung. Seine Angaben erwiesen sich als falsch. Offenbar derselbe ist auch in Magdeburg bereits aufgetaucht und hat dort eine nennenswerte Summe erlangt. CS ist zu vermuten, daß er das Schwindelmanöver auch in andern Orten noch versuchen werde. Es handelt sich um einen etwa SV Jahre alten Man». SewerkscbaMickes. Crimmitschau. Blödsinnige Lügen und lügenhafter Blödsinn. Die„Deutsche Jnduftrie-Zeifimg" bemüht sich krampfhast aber vergeblich, die jetzt von aller Welt klar erkannte Thatsache, daß die Fabrikanten in Crimmitschau die Kraftprobe wollen, ins Gegenteil zu verdrehen. So schreibt das Blatt:„Schon vor drei Jahren wurde die Forderung aufgestellt, daß die Arbeiter zu bestiuimen hätte», wie viele und welche Leute an den einzelnen Maschinen arbeiten sollten."— Vor drei Jahren wurde nämlich den Arbeitern zngenultct, mehr als die bisher von ihnen bedienten Stühle zu bedienen. Die Unternehmer wollten einen Teil der Arbeiter über- bürden, den ander» brotlos inachen. Dagegen verwahrten sich die Arbeiter. An einer andren Stelle sagt die„Deutsche Jndustrie-Zeitung": „Nicht das Verhalten der Arbeitgeber-Verbände im Sommer hat. wie der„Vorwärts" behauptet, den Ausbruch beschleunigt. Vielmehr hat. wie berits in letzter Nummer erwähnt wurde, der geheime Rat der socialdemokratischen Partei darüber entschieden, daß, nachden, die Arbeiterorganisationen in Neun, ü n st e r und F o r st sich für das Unternehmen nicht gc- niigend stark erklärt hatten, das Versuchsfeld in C r i m m i t s ch a u zu wählen sei. Diese Tharsackie ist scstgeftcllt und kann durch kein Leugnen aus der Welt geschafft werden." Uns ist nichts davon bekannt, daß die Arbeiterorganisationen in Nenn, iin st er und Forst sich nicht für genügend stark erklärt hätten, für Erringung des Zehnstundentages einzutrete». Sie sind genügend stark dazu, verehrte„Jndustrie-Zeitung I" Darüber sind mir besser unterrichtet, als das Unternehmerblatt. Aber die Geschichte vom„geheimen Rat der socialdemokratischen Partei" ist uns in der That so neu und interessant, daß wir darüber unbedingt um nähere Angaben bitten müssen. Der„geheime Rat" hat offenbar so geHein, getagt, daß von jscinen Beschlüssen außer der„Industrie- Zeitung" niemand in der Welt etwas erfahren hat. Wir find natür- lich nicht so frivol, Thatsache,, durch Leugnen aus der Welt zu schaffe!,; aber die„Jndustrie-Zeitung" sollte doch leere Behauptungen nicht einfach wider besseres Wissen als Thatsachcn ausgeben. Unverschämtheiten. Die„Deutsche Arbeitgeber-Zeitung" wirft diese» Kotballen nach Herrn Professor Böhmert: „En, ige dieser socialpolitischen Kon fusionSräte glaubten auch in dem GcwerbeschiedSgericht diejenige Instanz er- blicken zu müssen, die zur Schlichtung der häßlichen Wirren be- rufen sei, obwohl sie sich doch sagen konnten, daß dieser Rat höchstens beim Ausbruch der Differenzen unter der Voraussetzung etwas für sich gehabt hätte, daß die Arbeiter irgend welche Neigung gezeigt hätten, die gegen ihre Fordeningen erhobenen Einwendungen der Fabrikanten zu berücksichtigen." ES war bekam, tlich Herr Professor Böhmert, der gefordert hatte, daß das Gcwerbcgericht eingreifen möge, und bewies, daß seine gesetzlichen Befugnisse ausreichten, die Arbeitgeber zu Vcr- haudlungei, zu zwinge n. Eine neue Denkschrift der Unternehmer, die offenbar für ihre Helfershelfer im Reichstrage als Rede-Unterlage dienen soll, enthält folgendes: „Eine Dreistigkeit ist es, die Stellungnahme der Behörden in diesen bewegten Zeiten einfach auf Parteilichkeit zurückzuführen. Man weiß, daß es regelmäßig das ungebildete Publikum ist, welches in jedein ihn, nicht nach Wunsch entschiedenen Falle Parteilichkeit der Behörden vermutet. In unsrem Falle sind es Socialdemo- ' kratcn, mehrere Prosefforci»»nd einige Socialpolititer, z. B. die Zeitschrift„Sociale Prariö", der die Socialdcmokratie bei jeder Gelegenheit nachrühmt, daß sie Herr» Staatsminister a. D. v. Berlepsch zu ihren Mitarbeiter» zählt, die aber nichtsdesto- weniger hier mit den Socialdcmolraten durch dick und dünn geht." Wirklich sehr gebildet I Uebcr die neue Konkurrenz für Crimmitschau schreibt man uns: Die Crimnntschauer Fabrikanten wollen cS nicht glauben, daß die rheinischen Fabrikanten gerade jetzt, wo den Crimmitschanern das Messer an der Kehle steckt, so wenig„fair" handeln können, ihnen Konkurrenz zu machen und neue Jmitatspinnercien zu bauen. Die armen Crimmitschauer Textilherren mögen sich beruhigen. Der Plan der rheinischen Fabrikanten(und auch der andrer Plätze, welche Jmitatgarne verarbeiten) sich von Crimmitschan zu emanzipieren, stammt allerdings nicht von gestern und heute, er ist auch nicht erst durch den Streik in Crimmitschau veranlaßt worden, sonderu man ist es in jenen Fabrikanteiikreisen schon seit langer Zeit satt, sich von den Erim mit schauer Jmitatwebern terrorisieren zu lassen. Der Plan' der rheinischen Fabrikanten hat vor einigen Jahren schon feste Gestalt angenommen, als die C r i n, mit- schauer In, itatspinner einen Ring schlössen und eine wahre Schreckensherrschaft über ihre Abnehmer ausübten. Diesen Terrorismus, erklärten die rheinischen Fabrikanten schon damals, nicht weiter ertragen zu können. Man wird ihnen daher auch heute nicht den Vorwurf inachen könne», daß sie nicht„fair" handeln, wie es einzelne Blätter im Auftrage der Crimmitschauer Fabrikanten jetzt thnn müssen. Die Wirkung auf die Crimmitschauer Industrie ist natürlich dieselbe verheerende, ob die Konkurrenzunternchmen jetzt oder früher geplant waren. Unternehmer-JdealismuS. UnS wird geschrieben: Der„Vorwärts" berichtete vor einigen Tagen, daß zwei Chemnitzer Maschinenfabrikanten so generös gewesen seien, je 199 009 M. für die notleidenden Crimmitschauer Fabrikanten zu opfern. Wem, lvir nicht sehr irren, bezieht sich diese Meldung ans zwei T e x t i I» m a s ch i i, e i,- F a b r i k e n in Chemnitz, deren Generosität nicht zu hoch zu veranschlagen ist. Man hat daS Geld nur gegeben, da die Crimmitschauer Fabrikanten Kunden der Maschinen- fabrikanten sind, die man im eigensten Interesse vor der„Pleite" retten will, welche den Herren in Chemnitz noch viel teurer zu stehen kommen würde als einige hnnderttausend Marz l Also, von Idealismus, tvie er bei den Arbeiter-Unterstützern besteht, keine Spur, sondern das reine Geschäftsinteresse! Und schließlich macht es doch auch den Herren Aktionäre» dieser Maschinenfabriken nichts aus, wenn sie an, Jahresschluß'/ioo Proz. Dividende weniger erhalten.— Der Berliner würde von diesem Großmut sage»— er ist billig und schmutzt nicht! Eine parlamentarische Aktion für die Crimmitschaner Fabrikanten steht in, Reichstage bevor. Wir haben genügend Mitleid mit den Herren Abgeordnete!,, die undanlbarerwcise den Auftrag haben, im Reichstage die Interessen des Crimmitschauer FabrikantcntumS wahr- zunehmen, ihnen das warnende Schicksal ihres sächsischen Landtags- kollcgcn T e i ch m a n>, vorzuführen. Derselbe nahm ebenso wi« Graf Bülow und der sächsische Minister M e tz s ch die Angaben einer Unternehmer-Denkschrift für bare Münze und gab die Löhne der Weber auf 19 bis 27 M. pro Woche an. Ein Weber sandte dem Herrn neugicrigcrweise folgende Postkarte: „Unter Bezugnahme auf Ihre Landtagsrede vom 15. De- zcmber muß ich mir erlauben, Ihnen die höflichste Bitte zu stellen, ob Sie die Löhne, welche der„Crinmiitschauer Anzeiger" anführte, für acht Tage berechnen. Wenn das der Fall ist, so bitte ich Sie, mir eine solche Stelle mit 19—27 M. als Weber nachzuweisen. Achtungvoll G. Sch.. LeitelShaiu, Leipziger Straße." Die Autwort lautete: „Herrn G. Sch., Leiteishain. Auf Ihre Postkarte vom 19. Dezember, Ivclche ich am gestrigen Tage hier vorfand, teile ich Ihnen mit, daß die Lohnsätze, lvclche ich il, Dresden vorgetragen habe, von Crimmitschau auS als D u r ch s ch n i t t S l o h n s ä tz e angegeben waren, und da diese Sätze auch noch in der„ A r b e i t g c b e r- g e i t n n g" in Berlin verbürgt wurden, so konnte ich von der Wahrheit der Angaben über- zeugt sein. Dies als Antwort ans Ihre Anfrage, doch werde ich weitere Anfragen ohne Beisiigung von Rückporto nicht beantworten. Werdau, 22. Dezember 1993. Achtungsvoll Herrn. Teichmann." Ehe die Herren ReichstagS-Abgeordnctcn sich derselben Blamage aussetzen, wie Herr T e i ch m a n>,. telegraphieren sie vielleicht doch noch einmal rasch nach Crimmitschau und bitten statt um un- kontrollierbare Zahlen u», Angabe einer Stelle, wo ein Weber durchschnittlich 27 M. verdiente.— Wenn sie in jedein von den Fabrikanten angegebenen Falle Nachweise statt Redensarten vcr- langen, können sie vielleicht ihre ganze Rede sparen. Berlin und Umgegend. Lohnbewegung der Einsetzer. Die im Holzarbeiter- Verband organisierten Einsetzer halten eine Erhöhung ihres Lohntariss für angemessen. Sie haben denselben revidiert und Erhöhungen der einzelnen Positionen vorgeschlagen, wodurch der gegenwärtig geltende Tarif um etwa 6 Proz. aufgebessert wird: er bleibt aber trotzdem noch un, 29 Proz. hinter den Preisen zurück, welche die Einsetzer in den 79er Jahren erhielte». Die gegenwärtige Situation erscheint der Lohnbewegung günstig. Die Arbeitgeber sind bereit, noch im Laufe dieser Woche mit den Vertretern der Einsetzer zu verhandeln. Zu diesen Verhandlungen soll— wie die am Sonntag abgehaltene Branchenversammlung beschloß— ein Mitglied der lokalen Organs- sation hinzugezogen werden. Sollte eine befriedigende Verständigung mit den Unternehmern nicht erzielt werden, dam, wird die Arbeit niedergelegt. Die Mitglieder der Branchenkommission, die in der Versammlung zur Neuwahl standen, sollen noch bis zur Beendigung der Lohnbewegung im Amt bleiben. Neinickcndorf. Am Dounerstag, den 14. Januar, nachmittags von i—7 Uhr, finden für den hiesigen Bezirk die Gcwerbegerichts- wahken statt.®a5 Wahllokal für den westlichen OrtsKil ist in MüllerZ Restaurant, Scharnwebcrstr. 1t, stir die übrigen Ortsteiie in Lcders Restaurant, Residenzstr, 1/2. Es sei liesouders darauf hin- �gewiescu, dasz alle gewerblichen Arbeiter über 25 Jahre, welche in Reinickendorf wohnen oder beschäftigt sind, wahlberechtigt und mit Ausnahme derjenigen, welche im letzten Jahre Armen- Unterstützung erhalten haben, Ausländer sind, oder bei einem Mit- gliede einer Innung beschäftigt sind, für welche ein Schiedsgericht errichtet ist. Legitimationsformulare sind im Gemeindebureau sowie bei den Vertrauensleuten der Partei und Gewerkschaften uucntgclt- lich zu haben. Heute abend 7'.'z Uhr findet von den bekannten Lokalen aus «ine Ilugblatt-Verbrcitung statt. OeutlcKes Reith. Mühlsteinarvcitcr, Achtung! lieber höchst traurige Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Mühlsteinfabriken von Wegner und R. Becker, beide in Stettin, wird von der dortigen Verwaltung des Mühlenarbeiter-Verbandes bc- richtet. Natürlich ist hier wie überall das Accordarbciten Sitte. Es wird berichtet über Löhne von 6—14 M. pro Woche. Taft bei solchen traurigen Löhnen in einer Groftstadt von genügender Ernährung keine Rede sein kann, ist klar. Und doch ist gerade in der Mühlstein- fabrikation infolge der anstrengenden Arbeit und bei der groften Staubcntwickcluug eine robuste Körperkonstitutiou und selbstverständlich eine kräftige Nahrung unbedingt erforderlich. Doch was schert das den Unternehmer. Er sorgt für seinen Profit; alles andre ist ihm Hekuba. ES versteht sich, das; von einem Innehalten der gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze von Leben und Gesundheit der Arbeiter keine Rede sein kann. So ist bei der Firma Wegner ein besonderer Speiseraum über- flüssiger Luxus. Ebenso bei R. Becker. Nur ist in dem Speise- und Arbeitsraum auch noch eine Hühnerzucht placiert. Desgleichen sind in letzterer Fabrik die Arbeitsstände statt zwei, wie das Gefetz vorschreibt, nur 1— IVe Meter von einander entfernt, so daft die Arbeiter stets in Gefahr sind, von dem abspringenden Stahl- und Steinstücken verletzt zu werden. Bemerkt sei noch, daft entgegen der gesetzlichen Bestimmling auch Sie Schutzbrillen von den Arbeitern der Betriebsleitung von 25 bis 50 Pf. pro Stück bezahlt werden müssen. Aus allen diesen Gründen nehmen wir Beranlaficmg, die Mllhlsteinarbeiter auf diese Betriebe besonders aufmerksam zu machen. Der Gauvorsland des deutschen Mühlenarbeiter-Verbandes _ Gau I. Berlin. Di« Aussperrung der Schneider in Weimar scheint eine ernste Wendung zu nehmen. Es ist den Arbeitgebern gelungen, einesteils ihre Arbeit in?kachbarsiädten unterzubringen, audernteils einige Arbeitswillige zu bekommen. Die Schneider sind jedoch dadurch nicht entmutigt, s ondcrn weigern sich nach wie vor, einen kündigungslosen Bertrag zu unterschreiben. Die Unternehmer haben die Namen der Ausgesperrten in ihrem Centralorgan veröffentlicht. Auch dadurch lassen diese sich nicht mürbe machen. HusUud. Streik der Reinigungsarbeiter Kopenhagens. Die Arbeiter der Kopenhagener Reinhaltungsgesellschast, die die Reinigung der Straften und Latrinen in der dänischen Hauptstadt besorgt, befinden sich im Streik. Die Gesellschaft suchte ihren jugendlichen Arbeitern, die bis- her nur die Entleerung und Reinigung der Tonnen auszuführen hatten, alle Arbeiten,>vte Reinigung der Ställe, Besorgung der 100 Pferde, Reinigung der Latrinenwagen, Reinhaltung der Plätze und Straften der Stadt usw.. aufzubürden und verabschiedete einen Teil ihrer erwachsenen Arbeiter. Die jugendlichen Arbeiter ver- langten darauf mehr Lohn und als ihnen das abgelehnt wurde, traten sie in den Streik. Nun haben auch die noch übrigen er- wachsenen Arbeiter die Arbeit eingestellt. Die Gesellschaft ist nicht mehr im stände, ihren Verpflichtungen gegenüber der Stadt und der Bevölkerung nachzukommen._ Für die streikenden nnd ausgesperrten Weber in Crimmitschau giuam bei der Berliner G e w e r k s ch a s t s k o m m i s s i o n folgende Beiträge ein: Vierter Wahlkreis(Osten) aus Listen(darunter Maschinen- Arbeiter Sommerlattc, Stralau 7,15; Fliesenleger u. Arbeiter von Keller u. Körner 15,15; Brauerei tz. Schulz. Schönleinstraftc 13,45; Tischlerei Flatow, 4. Rate 19,85;"Maschinenfabrik O. Vogel, An dreashof, ohne Werkzcugm. 15,85; Arbeiter und Arbeiterinnen ainerik. Menzenhauer- Zitbersabr. Langseldcr 23,—; Union, E.- K., Abteilung Gieftcrei, 2. Rate 26.—) 391,46. Für die KriegStaktfesteil 2,79. F. Faehdc, Kunstanstalt, Berlin 5,—. Böse, Franzstratze 1,—. Billardllub„Einigkeit" 5,—. Rauchklub„Veiichenduft"(M. d. D. R.-B.) 18,—. Ncu-Dabendors, durch Kahl 5,—. Stockfabr.Gembicki 6,25. Hmidt.-Verleihinst. Viegener(aufter einem) 8,39. Wild-West, erster Feiertag 3,—, Gesangverein„Linde I", erster Feiertag, 2. Rate, amerik. Aukt, 29,91. Verlorene Wette im Rathaus, Berlin—,59. Erster Wahlkreis. Liste 6133 6,45. 6449 19,-. tl 892 d. Schmalland 14.15. 11 891 dar. v. Straßenfeger, d. Knappe 19.— 23.—. 6413 6,95. Silvester- frier b. Koch 3,95. Vorst, n. Beamte d. Klempncr-O.-Kr.-K. 13,19. Grüner Weg 2,59. Untern: Weihnachtsbaum, Grunauerstrafte 2,—. Lotterie- verein„Treffer", Rest. F. Kowald 9,—. Abstinente Schlittschuhpartie 27. 12. und 3. 1. 6,29. Liste 12 372 17,29. D. Wisch 3.—. Angestellte der O.-Kr.-K. der Buchbinder, 6. Rate(?). Gesammelt von Deutschen in Glasgow(dar. v. Beinwürstessen 6,— M.) 32 Shill.— 32,64. — Dritter Wahlkreis ans Listen Nr. 3926 Buchdruckerei Trowitzsch n. Sohn durch H. Voigt 7,95. 3927 13,49. 3933 16.39. 3936 durch August Voigt 15,15. 3938 mechanische Werkstatt, Camphausenstraße, durch Abend 13,15. 3939 17,69. 3986 17,49. 3991 5,75. 3998 von Arbeitern der Firma Baschwitz, 2. Rate 26,29. 3193 8,92. 3t 11 6,25. 3179 3,29. 3214 5,45. 3216 4,39. 3223 17,59. 3224 7,59. 3226 von Arbeitern der.Hos-Pianosortc- sabrik W. Biese 19,10. 3248 durch Ruga, Friseur. Berlin 0. 7.29. 3249 2,85. 3279 Graphische Anstalt Otto Schloß, 2. Rate 17,70. Durch das Sekretarial der soeialdemokratischen Partei Ungarns als I.Rate: Schneider 15,39 Kronen; Eteidschrank-Tchlosser 29 Kr.; Julius Herz 1 Kr.; Verein Jövö 9,69 Kr.; Budapester Arbeiter- Bildungsverein 5,— Kr.; Tischler 159,— Kr. Insgesamt 299,99 Kr.— 171,49 M. Moppel. Max und Emil 2,—. Witwe A. Roilhmaicr, Schönhauser Allee 5,—. Fabr.-Arb.-Vcrb. Bromberg 5,25. Ein Dachdecker 0,50. Ges. d. H. F. 33,—. E. Hirsch, Barmen 19,—.„Beati possidcntcs", 4. Rate lt.—, Eelluloiesabrik Stock- stadt a. M., Meister. Vorarbeiter und Arbeiter 39,39. Pflegepersonal Heil- o.nstalt„Berolinmn" 11,99. Pfleger d. Jüdischen Krankenhauses 2,25. Gesammelt bei Wittstock 1,29. Otto Klischat 4,59. Rauchtlub„Alpen- Veilchen", Mitgl. d. B. R.-B. 5,—. Portier, Friedrichstraße 1,—. Gürschner, Fleischhammel u. Hädrich 3,69.?l. E.-G. Brunnenstr., Gf. l 27,59. Gs. II 23,50. Gehäuse-Wickelei 11,45. Gf VI 17,20 und 11,40. Verb. d. Bäcker, Tellersamml. äff. Vers. v. 5. 1. 04. 32,40. Rauchtlub„Vesuv", 2, Rate d. Krug 8,—. Amer. Auttion d. vaterlandsl. Rotte b. Rösch 4,—. D. A. L. 3.59 Putzerkolanne Ahl, 2. Rate 5,79. Pers. A. Gnmpert 13,29. Eies. i. Eselskeller b. GeburtstagSs. d. Bolze 3,79. Bez. 199, 2. Rate 19,—. Bau Tietz, Slukkateure u. Rabitzer 7,59. Osnabrücker Papierwarensabrik, 4. Rate 6.49. Liste 12 284 6,69. Kronlcuchtcrsabrik Frost Söhne, 5. Rate 43,39. Buchdruckerei Rosen, 7. Rate 5,29. Buchbinder von Littaucr u. Boysen 8,—. Geiger 1,—. Mahlsdors, O. Vogel, Tischler 19,59. Stern, Seeliger u. Co., 6. Rate 14,25. Tischlerei Tonsmnnn, Ackcrstraßc 9,—. Graveure und Cisclcure von Haclbig, 3. Rate 6,—. Dampfroß Lichtenberg, 2. Rate 1,59. Pers.„Galvanoplastik", Lindenstraße, 6. Rate 15,15, do. 7. Rate 15,65. Gürtler von Gebr. Engelhardt, 3. Rate 4,95. Tischler von Sommerlatte, Stralau, 3. Rate 1l,75. Werlstelle Salvatzki 21,15. Portseniller von Otto Matern, 3. Rate 7,75. Bronzeivarensabrit Thiel u. Bertling 4,—. Berl. Tanzlehrer- verband 19,—. Zünmercr, Bau Heims, Kopenhagenersiraße. 2. Rate 8,89. Putzer, Romwtenerstr. 29, 3. Rate 19,—. Goldleistensabrik Fruchtstr. 63, Herrnsaal 349. Metallwarensabrik voller it. Co., 5. Rate 17,—." Töpfer bei Schmidt, Schreinerstr. 57 4,59. Werkstatt v. Zwiener 6,75. Sammlung v. S.Ii. 04 d. Koblenzer 12,—. Maurer, Bau Mommienstraße. Aklienges., 7. Rate 9,50. Parkettbodenleger v. Wolf u. Sohn 15,—. Buchdruckerei G. Eichter, 9. Rate 6,65. Gastwirt Angelmüller. Tresdcnerstraße 5,69. Fidele Raucher. Rirdorj 3,—. Arb. v. Novotnv 15.69, 6 Kollegen einer Gummisabrik 6,—. Pumpgenossen der Buchbinderei„Woche" 3,55. Tischlerei Seling, Langestraße, 3. Rate 4,—. Tischlerei Fränkel, 5. Rate 6,75. Bierprozente, Bau Potsdnmerftraße 19—11 29,—. Sattler v. Lehmann u. Schlesinger 4,—. 3 Kollegen aus dem Keller 1,59. ■iketklub„Eiche!", Swinemünderstr. 20 6,—. Rauchklub„Kornblume" 19,—. Möbelsabr. v. Latz. 6. Rate 5,49. Tischlerei Haberland, Krausenstraße, 3. Rate 11,59. Merallarb. n. Ensbcrger, 3."Rate 9,59. Gesanover. „Liederlust" d. Proskc 19,69. Taubstumme Brüder, 3. Rate 2,25. Liste 6444 4,25. Buchdruckerci Janiszewski 5,90. Silbcrarb. v. Seppe, 3. Rote 4,05. Kohlenarb. Cäsar Wollhcim 5.—. Skat Rcichenbergerstraße 1,32. Etui- Arb. v. Tinius, 5. Rate 6,55. Parteigenossen Friedrichssclde 23,65. Mehrere org. Lackierer 5,25. Lcderwarcnfabrik S. Hirsch, Ritterstraße, 4. Rate 5,85. Milkercit Liste 6329 7,—. Portcscuiller d." Moritzburg, 2. Rate 19,59. Fidelitas Werkst. Prill, Mittenwaldcrstr. 5,69. linterstützungsv. d. Bierabzieber Berlins u. Umg., 2. Rate 19,—. Otto Meier 3,69." Pianosabr. E. Krause, Rcichenbcrgerstr., 2. Rate 9,—. Kofsersabr. Lange, Märler u. Co., 6. Rate 8,59. Norddeutsche Buchdruckerci HUssarb. 5,69. Haferkorn. Stiller Verlag 29,85. Bau Töpfer Togostr. 3,25. Glasmalerei Viitali 4,—. Mecki.?lbt. v. B. Köhler, 3. Rate 13,95. Friedr. Niclebock, Sattler 2,—. Tischlerei Eckwitz, Frankfurterstr. 19,49. Leere istreichholzbiichse Kommandantenstraße, 4. Rate 4,92. Buchdruckerei Schenk Nächst. P. M. Weber, 3. Rate 12,55. Ueberschuß durch Neujahrskarten org. Fensterputzer 12,—. Stocksabr. C. Retzloss, 4. Rate 7,39. Aköbeltischlcrei P. Humer 4,—. W. Büxenstei», Gutcnbergbündler, 6. und 7. Rate 29,—. Holzarbeiter Zl. Werkmeister, Brunnenstr. 3,95. Schuhmacher- Werkstatt Jägerftr. 9,—. Drechslerei Blumenthal, Schöneberg. 3. Rate 9,59. Tapezierer v. Flatow n. Priemer, 4. Rate 16,35. A. E.-G., Hs. I, 4. Rate 29,49. Firma Neumam: u. Hennig, Zeughosstr. 16,—. Schärfe, Petersburgerstrafte 86 i,—. Kleber v. Haase, Bau Seibt 2,59. Note Verlobung 2,—. Möbelfabrik Schäffler j/�Petersburgerftr., 3. Rate 19,—. Holzbearbeit.- Fabrik Blubme u. Stolzenberg, 3. Rate 19.—. Lotteriever..Berk Modderkrebse", 2. Rate 7,75. Lotterieklub„Harmlos". Ripdorf 2,—. Tischlereft v. HanSmanu, Grünauerstr., 4. Rate 9,25. Skat- tlub„Gcnüitlichletl", Schulzendorseritr. 2 5,—. Spiralfedern- u. Kübler» sabrik v. Saucrbier 8.—. Möbelsabr. Seifert n. Wolf, Fruchtstr., 3. Rate 19,60. Reim u. Friedrich 8,55. Tischlerei Bannmam: u. 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Weitere Beiträge werden in unscrm Bureau in der Zeit von 9—1 und 6—8 Uhr entgegengenommen. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engcl-Ujer 15, zu senden. Der Ausschuß der Berliner Gewcrkschajtskommijsi»«. )Zus cler Frauenbewegung. Steglitz. Der Bildungsvercin für Frauen und tNädchen von Steglitz und Umgegend hielt Donnerstag, den 7. Januar, bei Grube in Friedenau, Kaiser Allee, eine Wanderversammlung ab, in welcher „Herr Dr. Röder den zweiten Teil seines Vortrages„Fraucnkranl- heiter: und ihre Verhütung" erledigte. Der reiche Beifall, welcher dem Redner zu teil wurde, zeugte davon, daft der Vortrag ein sehr interessanter und lehrreicher war. ssum Schluß machte die Vor- sitzende bekannt, daß die Vereinsversammlung in Sieglitz, welche jeden Donnerstag nach dem 15. ftattfindct, nicht mehr bei Vogel. Flensburgerstrafte, sondern bei Wahrendorf, Schloftstr. 117. abgehalten wird. Vermischtes. Aus Dresden wird berichtet. In der Eingangspforte des ToMewitzer Friedhofes erschoß Montagmiltag ein Sattlermeistcr aus KunnerSdorf bei Schandau seinen 8 Jahre alten Sohn und sich selbst. Der Knabe war sofort tot. Der Vater starb nach kurzer Zeit._ Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen des am 9. Januar 1904 kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindsleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch„ Kalbfleisch„ Hammelfleisch Butter Eier 69 Stück Karpfen 1 kg Aale Zander„ .vechte. Barsche Schleie Bleie Krebse per Schock 7.99 1,89 1,59 1,69 1,89 1,89 2.89 5,99 2.40 2,89 2,80 2,40 1,80 3,99 1,49 15,99 5.90 1,20 1.10 1.90 1,2» 1,1» 2.90 3,90 1,20 1,49 1,20 1,2» 9,8» 1,40 9.80 3,90 ab Bahn. 4 srei Wagen und ab Bahn. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcatcr. Dienstag, den 12. Januar.. Ansang Tl, Uhr: Schauspielhaus. Der grüne Zweig. Neues Königl. Oper»- Theater. Tam: Häuser und der Sängerkrieg aus Wartburg. Deutsches. Faust. Berliner. Maria Theresia. Lessing. Zapsenstreich. llLeften. Martha. Neues. Der Kammersänger.•— Salome. Residenz. Der keusche Casimir. «Lentral. Das Schwaibenncst. Thalia. Der Hochtourist. Belle-Alliance. Der reichste Bcr- liner. Ansang 3 Uhr: Vchiller«».(Wallncr- Theater.): Der Compagnn. «chiller«.(Friedrich-Wilhelmstädl.) Kollege Crampton. Luise». Der Vcilchcnsrcsier. Kleines. Nachtasyl. Trianon. Madame?. Deutsch-Amerikanisches. Ucber'n ?roßen Teich. Weist. Die Leni von Ober- ammcrgau. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Easino. Wie einst in: fllai. Die Wenzel. Apollo. Frühlingsluft. Vision nach dem Balle. Speeialitäten. Winter- Garten. Otsro. Otto Reutter. Speeialitäten. Passage- Theater. Enthauptung. Speeialitäten. Anfang 3 Uhr. Gebr. Herrufcld. Papa Noa. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubcustrafie 48/49. Der Erdball als Träger des Lebens. Im Hörsaal: Dr. B. Donath: „Jsaäc Newton". Juvalidcnstrastc 57/62. Stcrn- waric. Täglich geöffnet von 7 bis II. Uhr._ Deutsch AriXaug 8 Ulir! Zum 137. MALE: Amerikanisches Theater. KSpnickerslr. 67. GAST SP! El. AD, PHILIPP L'ehcr'n GROSSEN TEICH Urania. Taiihenstp, 48/49. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Hörsaal: Dr. B. Donath: „Isaac Wewton". Sternwarte CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Xen! Die phänomenalen Merkules Brüder 10 und 1t.Tahm alt, 226 resp. 236 Pfund schwer. Athleten, Sänger, Musikvirtuosen! Hagar- Der Indianer-Riese Mianko Karoo. Schiller-Theater. {{LX- CKlHft Hnnst-JlttsstelSnng CfiipaQ£R' Täglich geöffnet 10-8. Enlree 1 Iii.. SonnfaBÖOPr. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5.; Der Strom. Anfang 7'/, Uhr. Mittwoch: Salome. Der Kammersänger.__________ Trianon-Theater. Gcorgcnftraße, zwischen Friedrich- und Universitätsstratzc. Madame K. Ansang 8 Uhr. »ediner- Hieater O. (Wallncr-Thcatcr). Dienstagabend 8 Uhr: Der Kompagnon. Lustspiel in 4 Akten v. Ad. L'Arrongc. M i t t w o ch a b c n d 8 U h r: Zun: erstenmal: Lin Dnell. Vorher: Ein Sonnenstrahl. Donnerstagabend 8 Uhr: Ein Duell. SBorh.: Ein Sonnenstrahl. Schiller-Theater Bf. (Fricdrich-Wilhelmftädtisches Theater). Dienstagabend 8 Uhr: Kollege Crampton. Komödie in 5 Akten von Gerhart Hauplman». Mittwvchabcnb 8 Uhr: »er Compagnon. Donnerstagabend 8 Uhr: Oer Compagnon. Thalia-Theater. Dresdeners!:-. 72/73. Amt IV 4140. Direktion Jean Kren Heute und folgende Tage 7'/. Uhr: Der Hochtonrist. Giiido Thielscher in der Titelrolle. Sonnlagnachmiltag 3'l, Uhr: Charley» Tante. Belle-AIIianee-Theater. Bellc-Alliancestr. 7/8. Amt VI 283. und Alfred Schonfeld. Heule und solgendc Tage 7'/, Uhr: Der reichste Derliner. Große AuSstattungs-Posse in 4 Akten. Sonnlagnachm. 3 Uhr bei kl. Preisen: Ria tokier Rinkall. Immer«las Xencste— Immer da« Original! Oeffnuug 6 Meier. Cirbns Sehnmann. eneste— Immer das Original! Die offene Loop. Crcatcur Mr. Aneillotii. ierr Jul. Seeth Ä. SS Löwen. Dressierte Tiere des Clowns«ontard. ff® B■ Prachiv. Au-ist-Pattiomimr. STRjgaB'atflB- Eine BSandrrnng durch acht Jahrlausende. eSnLral-Nisater. Abends 7','z Uhr: Das Schwalbennest. Operette in 3 Akten von Maurice Ordonueau. Musik von HenryHcrbiay. Morgen nnd solgendc Tage all- abe::dl:ch 7'/zUhr: Dac SehWaldonnest. Sonnabcndnnchm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung: Der gestiefelte Kater. Hetropolllieater ll M'— Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern ' von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Leone gesetzt vorn Direktor Hichard Schultz. Im 4. Bilde: v CJrosses Ballett-"WM Wie damals im Monat Mai. Anfang 8 Uhr. Kauchsa überall gestattet. Luisen-Theater. Abends 8 Ubr: Der Neildpstefftt. Mittwoch; Der Verschwender. Donnerstag: Romeo und Julia. Freilag zum erstenmal: Ter Sohn der Wildnis. Sonnabend: Der Vellchensresser. Sonnlagnachm.: Der Altienbudikcr. ZlbcndS: Der toohn der Wildnis. Montag: Der Vcilchensrcsier. stödel�IIelleiTiisslel st. PrüNmann. Schönhauser Allee 148. Inhaber: �Vllhelm Fröbel. .Mittwoch, den 13. Januar: Z.Gastspiel des kgl.Hofschauspielers Emil Richard mit seine« erstklassigen Schau- ipiet-Enlcmble. Ansting S Uhr. Eintritt 19 Pf. CirkusBnscb. Dienslag, den 12. Januar er., abends 7l/2 Uhr: Oala-Abend. Aus den Alpen. Besonders hervorzuheben: Der Felsstorz und Schiffsuntergang. Eine Hirschjagd. Frl. Martha Uohnho. SchuIrcUcrin. Der berühmte»ober! volling, A. Daniels, Gebr. Fralellini. .71 r. Kiehard 8a«ade mit seiner bcrühntten Tiqer-, Löwen- und Bären-Dressur. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl. Ansang 8 Ubr. Mittwoch zum 399. Male: Xaeht- aKyl.___ RtsldtllMkdftt Dstekiion S. Laulcnburg. Heute und folgende Tag«: ?l::fang 7'!, Uhr. Direktion; Robert Dill. Brnnnenstrassc 16. Pos bkmiistt Haupt oder: Der lange Israel. Ansang 8 Uhr. Eittrce 30 Pf. Mittwoch: Der Verschwender. AM-Iiisslöl Moabit Alt-Moabit 47/49. Dienstag, den 12. Januar 1904: BerDlaril Rose-Theater-EDsemlle. Lorbtttballlu undKetttlstab. Schausvicl in drei'Akten und einem Nachspiel von Karl v. tzoltci. kpelie-Theater. Um 8 Uhr: prülilinxslutt ÄsSMÜ« WMi!» mit dem reizenden Ballett Blütenhoehzeit, »' Uhr: u. Messters Kasmograph' u. Biophon. Sonntamiachm. 3 Uhr. kleine Preise: Gesindehail, Gesangs- burlesko von L. Herrmann, und die sensationellen Speeialitäten. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/,. Wie einst im Mai. Schauspiel mit Gesang m 2 Akte». Dazu neu: Die Wenzel und das brillante Januar-Programm. Sonntagnachm. 4 Uhr: vor ver. tauschte Sohn. Lsr! Weiss-Thestei'. Graste Frankfurter Strafte 132. Abends 8 Uhr: Gastspiel des Oberbay rächen Bauern-Thraters. Tie Leni von Tbcramm ergau. Oberbayrisches Volksslück mit cZesang und Tm:z in 4 Akten v. Chr. Flüggen. Mittwochnachm. 4 Uhr: Lochustr» Vorstellung: Wilhelm Teil. 8 Täglich ittl 8 Uhr. onntags 7 Uhr. Oranießli. Thor teidl-Theater teidl-Sänger. Neues grossariiges Programm. 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Die Todeslatirt im Hexenkessel. 3 Brothers Kellinns Musilalischcr Cr.cntrigue-Balancc-?M. Passage-Theater. Anfang Senntags 3 Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. enthauptung einer lebenden Dame! Willy Prager mit seinem Schlager: Die kleine Garnison. 14 neue erstklassige Nummern. Neues Programm: Harry Rochez Hundedresseur. Wood u. Batos Ämerik. Excentrics. lorrame's Lebende Bilder. Die beiden Freydes Gymnastiker. Cook u. Clinton Amcrik. Kunstsohützirmen. Meers u. Omo Drahtseilkünsller. Otto Rcntter Humorist. Salerno Meister-Jongleur. Annette Gillard Pariser Opernsäng. Nile. Öftre in ihrer Pantom.„Opimurausch". Therese« Komischer Hypnotiseur. ,.Karnevalsgeisler" Wiener Ballett. Biograph. Etablissement önggenliagkn tüloritzplatz. Im Kailcrsaal: Künstler- Enscniblc „Voi'ilsto'uc" unter Leitung d. Herrn Rudolf Schauss. Kaiseneröffn. 5 Uhr, Ansang-,.7 Uhr. Cntrec bO Pf. Nach der Vorstellung: Danztränzchen. In den unteren Säten: «»örisch-Konitert und Bockbierfeft. 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Die Ausgabe des Tarifs erfolgt von 5 Uhr ab an diescnigen, die ihr Mit- gliedsbuch zur Abstempelung vorlegen. 195/1 Die Ortsverwaltung. Verband der Graveure, Ciseleure und verw. Bemlspossen Ceutsehlands, Sitz Berlin. äciilii! DeileK BiH- Dnil Boinick- Brat eure! Dienstag, den 12. Januar 1904. abends 8'/. Uhr: Dersammluug sämtlicher Hraoeure obiger Branchen im Bcivcrkschaftshanses, Engel-User 15, Saal V. 74/1 Die Verwaltung, Deutscher Holzarbeiter-Verband. Bureau: SO., Engel-User 15(Gewerk'chastshauS).— gcrnspr.: 9tmt 7, 3258 AcBituug! Parkettleger! Heute, Dienstag, den iL. Januar, abends 8 Uhr: Kommiffionssitznng mit Vertrauensleuteee im Gcwerkichaftshause. Sngel-Ufer 4S. 77/11 Es ist Pflicht, dast jede Jirma vertreten ist k Her Obmann. Sodaldemokraiiseber Watiluerem Jtixdorf. Mittwoch, den 13. Januar 1904, abends S'/j Uhr: Krnrral- Versammlung im Lokale des Herrn Eisermann(Biktoria-Täle), Hcrmannstr. 49. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Kassierers, des Parteispediteurs und Bibliothekars und der Lotaikommi'siou. 2. Neuwahl des Gcsamtvorjtandcs und der Revisoren. 3. Wahl von drei Delegierten und Antrüge zur Kreis- Geueralveriammlulig. 4. Ausnahme neuer Mitglieder, VcrcinSangelegcnheitcn, Verschiedenes und Fragckaften. 232/1 Um zabrcichen Besuch bittet Der Borftand. _ Hitglicdwhnch legitimiert!"kWU DM! Bauhandwerker. DM Seit dem 6. d. Rts. stehen die Töpserträgcr in der Lohnbewegung. Alle Versuche seitens der Lrganisatton, aus gütlichem Wege eine Regelung der Streitfrage herbeizuführen, lehnte die Innung entschieden ab. Da nun ein großer Teil der Firmen die Forderung der Streikenden bereits anerlannl hat, so hat die Organisation rote ArbeitSberechligungs- Karten ausgegeben. Wir richten deshalb das Ersuchen an die organisicrien Arbeiter der Baubcrufc, uns in diesem Kampfe zu unterstützen, indem sie die aus den Bauten beschäftigten Töpscrträger nach der Lcgitimationskarle befragen. Jeder Töpscrträger, der ohne diese Karle angetrosse» wird, arbeitet entgegen den Forderungen derselben und läßt sich somit als Arbeitswilliger benutzen.. 32/6 Die Ortsverwaltung des Berbnndes der Bau. Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter. Lckte atzenhofer giere aizenhofer Heil>, vs T. M. 3.00 atzenhofer Marine J M| 1/8 T. M. 3.25 atzenhofer Dunkel) 3 B ,/z 7. m. 3.50 atzenhofer Crystall 2S Fl. 3 M. Vs HI. M. 3.00 Geßllige Bestellungen an Pafzenhofer Brauerei NO. Landsberger Allee 24/27 Telephon VII, SSX)«.-W5. NVP. Strom-Strasse 11/16 Telephon II, 127 und S7S. Schutzmarke m Pfand pro Flasche 10 Pf. iKur 1 Siede Uhr � bei Mir zu reparieren u. reinigen unter Garantie des Gut- gohens(ohne Bruch), kleine Reparaturen billiger. Grosse Auswahl in Uhren u. Goldwaren zu billigsten Preisen. Goldene Oamen-Remontair, 10 Steine, v. 18,—, Goldene Herren-Doppel- kapsel-Remontoir v. 50,—, Silberne Remontoir v, 9,—, Regulateure, Freischwinger, Wecker- u. Wanduhren. Goldene Herren- u. 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Januar, nach- mittags um 3 Uhr, von der Wohnung Llckerstr. 133 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 77/12 Die Drtsverwaltung. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekmmte» zur Nachricht, das; mein lieber Mann und guter Vater, der Bildhauer Paul Wittwer am 9. d. M., abends 11 Uhr von seine» Leiden erlöst wurde. Dies zeigen ticsbetrübt an l-niiie 4Vittsvci' geb. Ritzau. nnd Tochter. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des allen Jalobi-Kirchhoscs am Roll- krug aus statt. S21b Verband der Sattler (Ortsverwaltung Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser langjähriges Mitglied, der Kollege Anton Weiss (Treibrlsmen-Branche) am Soimtag, den 10. Januar, ver- sterben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- ivoch, den 13. Januar, nachmittags 3-/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Michacls-5iirchhols, Marien- dorjer Weg, aus statt. 156/3 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Drtsverwaltung. Am Sonntag früh 7J/, Uhr entschlief sansl nach langem Leiden im 56. Lebensjahre mein lieber Mann, unser guter Vater und Grostbater, der Kasienbcamte Gustav WoH. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme au 922b Helene Wolf, Harle Kryska, geb. Wolf. Die Beerdigung findet am Don- nerstag, den 14. Januar, nach- mittags von der Halle der hl. Kreuz-Gemeinde in Mariendors aus statt. Danksagung. Allen Freunden, Bekannten, dem Trauerverein der Maurer, Sektton Putzer, dem Gesangverein der Putzer, den Hausgenossen des Berliner Spar- und Bauvcreins Slargarderstraste sage ich für die Teilnahme bei der Beerdigung meines mir unvergestlichen Mannes Karl Ternpilnei» meinen herzlichsten Dank. 933b Ww. Templiner. Kranhenbasse für d. Beamten u. Angestellten der Krankenkassen» Berufs» Genossenschaften, sowie der Invaliditäts- und Hltera- rcrstchcrungs- Angestellten In Berlin.(6. D. ,oS.) Hittwoch, den 20. Januar er, abends 7'/, Uhr, sindet-bei Hivgel, Ttraiancr Zlllee 57, die orticntHch« General- Versammlung der Hitgliedcr stall. 915b Tages-Ordnung: t. Jahres- und Kaisenbericht pro 1903 sowie Bericht der Revisoren, 2. Beschlustsassung über das zu be- stimmende Publikationsorgan 1S04. 3. Wahl von 5 Vorstandsmitglieder« für die Jahre 1901—1905. 4. Wahl von 3 Revisoren für 1904. 5. Innere Kassenangelegenheiten. 6. Verschiedene» Der Vorstand. erhalten elcg. Garderoben nach Mast in hervorragend guter Ausführung u. tadel- losem Sin bei nur geringer i Teilzahlung. 39622*' — Werkstatt iin Hause.— j Nene Konigstf.j «. II. diu:» am ÄiWiiSciMtz.4 Inserate für die nächste Uummer müssen bis 3 Inserate bitten wir vorher anzumelden I. Ziehung t. Klasse m Kgl. Preuh. Lotterie. Riflj:«« vom 11. Januar ISW*. Mra�ag«, Rar ilt Ücwlnnt über 50 Ml. fob iiciriffrndm üiuninien ia illamment deiaetüat. lvhne Sewähr.) Nachbru« verSoke». •[X 63 240 73[800] 535[3001 43 68 602 807 24 53 &/ 1170 270;ö3 558 684(1001 91 747 073 2222 328 70 423(100 1 49[1001 738 SO 871 74 3201 558 fii; W./MI 29 923 425-1 366 608 710 823 922[190] 02 520$ 53 403 too 825 60 flOOl 94 6Ö22 93 96 2J0 27 �0 77« 969 7071 78 Sl'M flOOl 277 366 1 100] 428 314§fo Wefo%3:%% m m � 77 008 8078 780 Jim! 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Größere und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � 927 91 11S054 179 423 SSI 868 89 970 114253 RRO M 955 nOOl 115289 93 555 M.N 36« 468 54« 89[2001 654 50 11703: 47 7««L?7, K.IN A? 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Na ich ging wo anders hin, dort sollte der'Anzug für de» Jungen ) ,50 mehr kosten, was blieb mir weiter übrig, wieder zurück zu Schlesinger und getaust, ich werd' doch nicht so dumm lein und doli 1,50 mehr geben, 2 richtsiache», Eingabengesuche. Daus, Lothringcrstraffe t®._ 65/18* Köpnickerstraste 108; Taschcimhr reinigen 0,75, Feder 0,75, Wecker 0,60, Wanduhr 1®._ 9138 "Bete' i iisz immer! F. Schulz, Fruchtstraffc 6l._ 9036' Bcreinszi»«meriKlubhauS2lime>l- straffe 16.(Weibbier.) 924b* Vermietungen. Wobnungen. Atühlenilrasie 8, nahe öochbahn- ftation Strataucrthor und Stadlbahn- (lation Karschanerstratze, sind vom 1. April 1904 Hoswohnungen von 1 und 2 Stuben nebst Zubehör billig zu vermieten. Nähere» daselbst beim Vermalter 8-10, 2-5. 2048K* Nnmmelsburg. Kantstrabe 38, am neuen Stadtbahiihof, drei Zubehör, April. Stuben. _ 2066ft* Gharlottenburg, nahe Bahnhos Westend, Christilrabe 20, Laden mit Wohnung und grobem Keller zum 1. April. 927b Schlafstellen. 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Ältcnbergs Färberei, Neu- Wetbenicc, Langhansstraffe 4. il33* Geübte Paginiecerinnen oerlangen Ricienstahl, Zumpc u. Co., Holz>narkt- strabe 67. 2067ft* L« ArbeitSmarkt durch besonderen Druck hcrvorgchoven« «»zeige» kosten 40 Pf. pro Zeile. zchtmg.StSlIli>rbritkr! Der Zuzug für Stockarbciter aller Branchen ist streng fern- zuhalten bei Bcdmitllnzr A Barta, Thüringerstr. 18. 88/9 Die Ortsvertvaltnnsr. Achtvvß, Marbkitkr! In der Möbeltischlerei von S. Bieaitn, Weiftenicc. Langhans. straff« 22, find Differenzen aus» gebrochen. Zuzug ist streng sernzu« halten. 77/1 Gesperrt ist feimer Bai»»» Ä Metakow. König-Chaussee 71. Die Qrtsverwattung. ülchtuiig! Ächtung!~ Holzarbeiter und Kisteomaeber! In der Kistensabrik von Wonke, Diessenbachitraffe, sind sämtliche Kollegen ausgesperrt worden. Die Fabrik ist sür KrciSsägcnjchncider und Kistenmacher bis aus weiteres gesperrt. 103/11* Die Lohntommission. Achtung! Achtung! Relief-, Snntdruck- nnd Golddruck-Graveure! Die Firmen Ke«!dieb, Nszek& Co., Renaud, Jakob, Grieb, Scholz, MeiM«), Paal, Mühlmann, Holiatein habe» die bewilligte achtstündige 'Arbeitszeit wieder zurückgezogen, dem» zufolge sind die Arbeiter daselbst in den Ausstand getreten. 74/3 vi» Ortsverwaltung. Redakteur. Aus den i. April ist an der Mann- heimer„VolkSstimmc* die Stelle eines Lokal-Redakteurs zu besetzen. 30302* Bewerber wollen sich unier'Angabc ihrer Gchaltsansprüche bis 1. Februar meiden. Mannheimer Aktiendruckerci A.-G. Mannheim NB. Mit den süddeutschen refp. badische» Verhältnissen Bertraule er» halten den Vorzug._ Fletstige Personen verdienen an dem Verlaus meiner Damenkleibcr- Stoffe(nur Neuheiten) ohne Risiko viel Geld. Interessenten belieb, genaue Adr. unt. V. S Cr.pcd. d. Ztg.* Kerant]». Redakteur: Julius ii«lt»ki, Berlin. Für den Inseratenteil vcraiitw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Borwärts Buchdruckcrei u. BerlaaSanftalt Paul Singer Sc/z Uhr, bei Kaufhold, Wilhelminenhosstr. 18. seine Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Vortrag: Die Genossenschaft eine wirtschaftliche Notwendigkeit. 2. Diskussion. 3. Bericht des Kassierers. 4. Vereinsangelcgenheiten. Nowawcs- Ncucndorf. In unsren beiden Gemeinden finden in diesem Frühjahr Ergänzungswahlen zur Gemeinde- Vertretung statt. Die Wählerlisten liegen in den beiden Rat- Häusern vom 19.— 39. Amuar während der Geschäftsstunden aus. Es ist dringend erforderlich, daß sich jeder wahlberechtigte Arbeiter überzeugt, ob er in der Wählerliste verzeichnet steht. Falls einzelne Genossen keine Zeit haben, persönlich diese Einsichtnahme auszusühre», wollen sie sich an einen der folgenden Genossen tvenden, welche bereit sind, für sie die Wählerlisten einzusehen. ES sind dies für ?! c n c» d o r f die Genossen Simon Dummernix, Triftstr. 9, Wilh. Schulze, Luisenstr. 19, Friedr. Liebing, Stahnsdorferstraße. Für ?! o lv a lo c S: Karl Gruhl, Restaurateur, Prinzenstraße, Wilh. Jappe, Friedrichstr. 1, Herrn. Hähnchen, Turnstr. 29, Karl Krohnberg, Turnstraße 43, Otto Weiser, Müllerstr. 3. Treptow Vauuischuleiiweg. Heute abend 7 Uhr: Flugblatt- Verbreitung. Treffpunkt bei Dreßler, Kiefholzsw. 9; Preuß, Steue Krug- Allee SV, und Staffeld, Baumschulenstr. 84. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. lokales. Bom großstädtischen WohnungSelend. Die statistischen Nachweise über die Bautätigkeit in Berlin, die kürzlich an andrer Stelle unsrcs Blattes mitgeteilt wurden, lassen er- kennen, daß sich die Zahl der leerstehenden kleinen Wohnungen im Jahre 1992 gegen die beiden vorhergegangenen Jahre vermehrt hat, und daß auch in dem soeben obgelaujencn Jahre eine weitere Vcr- mchrung der uiwermieteten kleinen Wohnungen eingetreten sein dürfte. Es ist eine Freude für den kleinen Mieter, wenn er erfährt. daß zur Zeit mehr als 1999 Wohnungen mit einem Zimmer, und mehr als zweieinhalb Tausend Wohnungen mit 2— 4 Zimmern leer stehen, weil die Hausbesitzer keine Mieter für diese Wohnungen fanden. Zwar, die Mietspreise, die in den Jahren offenbaren Wohnungsmangels riesig in die Höhe geschraubt wurden, gehen auch beim Eintritt einer für die Mieter günstigen Konjunktur nicht so bald wieder herunter; ahec wem» so viele Wohnungen leer stehen, da kann man vielleicht versuchen, eine mit mancherlei Mängeln behaftete und noch dazu teuere Wohnung mit einer besseren, die auch nicht mehr kostet, zu vertmischen.— Gedacht, gethan.— Man kündigt also und begicbt sich auf die Wohnungssuche. Trepp' auf. Trepp' ob, von Haus zu Haus, von einer Straße zur mrdren geht die Wanderung, und nach tagelangem rastlosem Suchen kommt man zu der Er- kcnntnis. daß es mit der erhofften Verbesserung für die Mieter kleiner Wohnungen nichts ist. Die Mietspreise sind in den letzten Jahren gerade für kleine Wohnungen so in die Höhe getrieben, daß der Besitzer eines größeren Hauses ohne Bedenken die eine oder andre Wohnung leer stehen lassen kann und doch noch sein Geschäft macht. Deshalb denkt er auch nicht an eine Herabsetzung des Preises. Tie glücklichen Eigentümer neuerbautcr Häuser haben schon gar nicht nötig, sich bei der Festsetzung der Mictspreisc in bescheidenen Grenzen zu halten, denn sie werden ihre Wohnnngen los„wie die warmen Semmeln".?!icht nur in der inneren Stadt, wo ja die Wohnungen mehr und mehr durch Geschäftslokale verdrängt werden und deshalb der Nachfrage nach Wohnräumen nicht genügt werden kann, sondern auch in den Antzenvicrteln, bis an die Grenzen der Stadt werden kleine Wohnungen gerade in ncucrbauten Häusern mit Vorliebe ge- sucht, meist wohl deshalb, weil sie doch ein wenig bequemer eingerichtet find, etwas mehr Luft und Licht gewähren, wie die Wohnungen in alten Häusern mit engen Höfen und finsteren Treppen. Kaum ist cin Haus im Rohbau fertig, so finden sich auch schon Wohnung- suchende cin, und sie mieten, obgleich viele von ihnen sich noch gar keine klare Vorstellung davon machen können, wie die Wohnung im fertigen Zustande aussehen wird. Bei so starker Nachfrage ist es natürlich nicht zu verwunden?, daß die Hausbesitzer auf hohe Micts- preise halten; wundern kann man sich vielmehr darüber, daß sich immer noch gemig Mieter kleiner Wohnungen finden, die im sta??de sind, die horrenden Mietspreise zu zahlen. So werden beispielsweise in einem Neubau in der inneren Luisenstadt für eine aus zwei ein- fenstrigcn Zünmer?» nebst Küche bestehende Hofwohnung 559 Mark gefordert, und trotzdem sind in dc?n Hause, obgleich es kaum»Her das Stadium des Rohbaues hinaus ist, schon längst sämtliche Wohnungen zum 1. April vermietet. Im äußersten Osten der Stadt, also in chner Gegend, wo fast nur Proletarier ivohnen. liegen die Verhält- nisse für den Mieter auch?»icht viel günstiger. In Häusern, die erst z?!m 1. April bezogen werden köm?en, sind gegenwärtig alle kleil?cn Wohnungen bereits vermietet, und zwar zu Preisen, die hinter den in der ii?l?ercn Stadt geforderten höchstens?un den Betrag deS Fahrgeldes zurückstehen, welches der Meter ausgeben nwtz. um zu seiner Arbeitsstätte zu gelangen.— So kommt der Woh??ungsuchende nach tagelangein Laufen zu der Ucberzeugung, daß er aus den» Regen in die Traufe kommt. Er wechselt seine Äohmmg, aber er verbessert sich nicht, llebcrall ist er ein Ausbcutungsobjekt für den oft nur nomiiullen Hausbesitzer, hinter dem Bauunternehlner, Grundstücks- Wucherer und Geldgeber stehen, ihren Tribut fordenid von dem kleinen Manne, der nicht selten den dritten Teil seines Einkommens für eine recht bescheidene Wohnung zahlen muß. In der gestrigen Sitzung der städtischen Parkdcputation führte der Borsitzende Bürgermeister Dr. Reicke den Stadtrat Ve?lsky als Mitglied der Deputation in sein neues Aint ein. Auf der Tages- ordnung stand u. a. die Aufstellung von Plänen für den„Nordpart". Nach längerer Erörterung wurde beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, sich damit einverstanden zu erklären, daß zur Gelvinnmig von Plänen w. für die Ausführung des.Nordparks" eine öffentliche Ansschreibmtg erlassen wird und dafür 19999 M. bewilligt Iverden Maßgebend für diesen Beschluß war, daß durch eine Ausschreibung auch Iveiteren Kreisen Gelegenheit gegebe?i wird, sich zu beteiligen, und dadurch die eine oder andre?teue Idee bei der Ausfühftmg benutzt tverden kann. Das kl?pierte Terrain der Rehberge bietet für die Gartenbaukünstler vieles, was zu einer neuen schöpferischen Idee führen kölmte und Gartenbau- Direktor Mächtig ist die geeignetste Person, großangelegte Pläne in würdiger Weise aus zuführen, zu ergänzen oder event. auch umzugestalten. Weiter ivurde beschlossen, im Interesse des Publikums den Teich in? FriedrichShain für die Eiszeit freizugeben. Die Eisbahn soll an einen Unternehmer verpachtet werden. l??it der Verpflichtul?g. an be stimmten Tagen und Stiniden den Berliner Gemeindeschülern den Eislauf ohne Entgelt zu gestatten. Ferner würde die Hergabe eines Terrains in» östlichen Teil des Huniboldthains zur Verbindung der Hoch- mit der Behinstraße und eine Beteiligung an der Düsseldorfer Gartcnbau-Ausstellung beschlossen. Die Berliner Rechtsanwälte haben sich kürzlich mit einer Petition wegen Aenderung der bestehenden Anwaltsordnimg an den Berliner Magistrat gewandt, wobei sie die Bitte aussprachen, sich der Petition anznschlicßc??,»md zwar dahingehend, daß auch der Magistrat die Zulassimg der Berliner Anwalte si?nultan bei sämtlichen Bcrlii?er Landgerichte?? befürworten möge. Der Magistrat hat daraufhin be- schlössen, selbständig zu petitionieren, auf die Nachteile hinzuloeise??, die durch die Tejl?lng in drei LandsgerichtS-Bezirke entstehen, u??d auf die Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, die dem recht- suchenden Pt?blik??m d??rch eine Teil?l??g der Stadt und eine Be- schrönkung der Vertret?lng erivachse??, falls die Anwalte??ur bei einem Landgericht zugelassen werden und bei den übrigen sich durch Kollegen stäi?dig vertreten lassen müssen. Ei?» hübsche Bescherung für die Bcrlii?er Bcvölkeru??g hält Professor Adolf Wagner bereit. I?» der Gesellschaft für sociale Reform ließ der beka??nte Natio??alöko??o?n sich übe» Berli??er Steuer- fragen auS und redete gar eiftig den indirekte?» Steuer?? das Wort. Wenn er sich auch??icht die Bedenken verhehle, die i?? Staat und Ko?nm?l??e gegen das System der indirekte?? Verbrauchs- steuern gclte??d zu machen sind, so sollte man doch der Frage näher treten. Tabak u??d Alkohol, diese.natürlichen indirekten Steuer- objekte", sollten auch die Kommu??e?? zur Besteucr»u?g heranziehen dürfen, u?n so mehr, da sie vom Staat lächerlich niedrig belastet lverden. Redner denkt dabei a?? eine L?cenzste??er, mit der???an i?» Elsaß- Lothringen gute Einnahme-Quelle?» sich erschlösse?» habe. Ein lveiteres Muster biete Engla??d. Redner e???pfiehlt dann die Ein- führung der Lustbarkeitssteuer, die aber so eingerichtet lverden müßte, daß auch die Lustbarkeiten der höheren Stände getroffen würden. Dagegen kön??e er der Hu??desteuer nicht das Wort reden, ul»d er be- greife?licht, lvic?na?? diese Abgabe noch verdoppeln Ivolle, da der Hund in so vielen Fällen die einzige Freude seines Herrn bilde. — Hlllide llnd Hllndebesitzer lverden Herr?? Wagner dankbar sein für die Fürsorge, die er ihnen widmet. Die Menschheit aber wird seine tonln?u??alen Steuerbeglückungsplänc ebensowenig schlnackhaft finden, lvie die indirekte Besteuerung durch den Staat, deren wir uns er- freuen. Hinter Schloß und Riegel gebracht hat die Kriminalpolizei in letzte» Zeit?nehrere Einbrecherbanden. Der oft bestrafte Einbrecher P h i l i p o t t, der i?? gewisse?» Kreise?» unter de?n Namen„Lieschen bekannt war, hatte eine al?s acht jugendlichen Burschen bestehende Bande gebildet, die für ihn stehlen und andren Lastern dienen mllßte. Zun? großen Teil wäre?? es Burschen, die ihren Eltern oder alls der Fürsorge-Erziehung entlaufen waren. Aus den Herrschaft lichen Wage??, die?>? der Weihnachtszeit vor den Kaufhäusern hielten, stahlen sie die Decken, von den Geschäftsauslage?? alles, lvaS sie nur bekommen konnten. Durch fortgesetzte Beobachtungen gelang eS dann nach und nach, die Mitglieder der Bande, die säst alle??nter 16 Jahren si??d. und ihr Oberha?lpt abzufassen.— I?? der Jndenstr 59 wurde gestern eil? Verbrechernest ausgehobeil, auf das die Polizei schon lauge ein wachsames Auge hatte. In der Woh??ung einer Dirne I. hatte die Polizei schon oft Nachsuche ge- halten, lveil die Person mlter de??? Verdachte der Hehlerei stand, da sie unter ihresgleichen einen schwunghaften Handel nnt allerhand Waren trieb. So oft die Bea???te?? an ihrer Wohmlng klingelte??, entwischten sie und ihre Helfershelfer dllrch einen Ausgang nach dem Dach dcZ Nachbarhauses. Gestern nun gelang es durch Besetzung deS Daches, die I. ulld vier ihrer Colnplicen zu übcrlvältigen und nach dem Polizeigcwahrsam zu bringen, wohin auch die Wohullllgs� iilhaberin folgen mutzte. Techs Opfer deS Eissports. Der Eissport, der a??» Sonntag alle Schlittschuhbahnen in und um Berlin bei dem schönen Wetter mit zahlreichen Besuchern füllte, hat auf der Havel und der Spree schwere Uilglücksfälle im Gefolge gehabt. Eine ga?izc Anzahl von Personen ist eingebrochen, lvobei sechs Mensche?» ums Leben gekommen find Uns wird berichtet: Am gestrigen Sonntag liefen alif den großen See??, wie Müggel-, Wa??n- u??d Tcgclersee Tausend« Schlittschuh oder fuhren lnit Eis- fachten und Eisschlitten. Aber auch die viele?» klci??en Seen, tvie Schlachtensee, Hundekchlen-, Halen-, Teufels-, Pech- und Koch- see usw. ivaren von früh an besucht. Auch auf der Havel, Spree u?id den Kanälen wurde vo>? Jung u??d Alt dem Eissport gehuldigt. Tie schöne Lust des Eissports führte leider auch zu tiefer Trauer; es Ivarei» zahlreiche Unglücksfälle zu betlagen. Aus P o t s d a??» wird gemeldet, daß mittags auf der Havel zwischen Sakrolv und M o o r l a k e fünf Personen beim Schlitlschuhlaufcn eingebrochen sii?d. Eine Dame, die Tochter des Kunstverlegers Kirmse aus Halen- see und zivci Herren sind ertrunke?». Die beiden a??drcl» Herren, Brüder der gc??an??ten Dame, wurden gerettet. lJm vorigen Winter ertra??ken ebenfalls beim Eislauf zwischen Sakroiv ui?d Moorlake drei Personen, cin Oberlehrer aus Steglitz und zivc? j?lnge Dame??.) An dieser Stelle, wo der Fluß durch das enge Bett in Verhältnis- ?näßig starker Strömung geht, ist das Eis a?ich bei großer Kälte häufig unsicher.— Auf der Wannsee-Eisbahn, wo noch bis in die Abendstunden hinein starker Verkehr herrschte, veru??glückte?? die beiden Pförtner Hoppe und Hillig aus Berlin gegen 9 Uhr. Hoppe konnte gerettet lverden, H i l l i g ertrank unter de??? Eis«, ulld seine Leiche kon??te bisher l?och nicht geborgen lr>erdcn.— In der Mitte des Gatolver Sees zlvischei? Gatow und Schildhorn brach gegen Mittag ein Berliner Schlittschuhläufer ein, weil dort das Eis nur eine geringe Stärke hat, da erst vor Ivenigen Tagen eii? Schlepp- dampfer hindurchgcfahrcn war. Ei?? andrer Schlittschuhläufer versuchte ihm Hilfe zu brillgeu; er geriet aber selbst in größte Lebe?ls- gefahr. Beide tvurden von Gmotver Fischern und Beivohnern von Schildhorn, die Kähne über das Eis heranbrachten, nach dreiviertel- stündiger gefahrvoller Arbeit gerettet. Bei Spandau ist cin Schulknabe ertrunken.— Auf der Obersprce ist ein Fräulein Schneider ertrunken, die Tochter � eines Bahirbeamten aus Rnmmelsburg. Das Mädchei? war i?» Ober-Schö??elvcide bei Ber- walldten zu Besuch u??d lvagte sich trotz vorheriger Warnung«?? auf das Eis. Bald brach das Eis unter ihr zusam???en, und die Un- glückliche ertrank, ehe Hilfe zur Stelle Ivar. Die Leiche komtte noch nicht geborgen werden.— Einen glücklichen Ausgang nahmen Un- fälle auf dem Eis. die sich gestern auf dem M ü g g e l- und Tegeler See ereigneten. Aus den» Müggelsee sollen im ganzen dreizehn Perstrnen eingebrochen sein, fünf in der Rahnsdorfer, die andren in der Friedrichshagener Gegend. Genau ließ sich die Zahl nicht ermitteln. Die Verunglückten wurden alle gerettet, soweit sie überhaupt in Lebensgefahr schwebten. Wen?? gesagt wird, das Eis sei infolge des Tauwetters bereits brüchig geworden, so trifft das nicht zu. Es ist so stark und so kernig, daß es?»och geraume Zeit gehalte?? hätte, auch wen?? heute??icht wieder Frost eingetreten wäre. Die Unfälle haben mit einc?n Witter????gseinfluß nichts zu thun, sind vielmehr durchweg auf eigne Unaufmerksamkeit der Verunglückten zurückzuführen, die a?lf die Warnungszeichen nicht genügend achteten. Wohl mit Rücksicht auf die gestrigen Unglücksfälle erinnert zur Vorbeugung voi? Unglücksfällen auf dem Eise der Polizei- Präsident daran, daß das unbefugte Betreten des Eises soivie das?mbef?lgte Schlittschuhlaufen auf den hiesigen Gewässern verböte?» ist. Die Polizeibcamiei? seien a??gewiesc?» worden, gegen derartige Ucbcrtrctui?gen ohne Nachsicht einzuschreiten. Pa?il A!?i??d??cr gestürzt. Am So??nave??dabend sollte zu?n erste?»« ?nal der Rennfahrer Paul Mündner im Cirkus Busch die unter- brochene Schleifenfahrt ausführen. Das Publik?:??» mußte aber ailf diese Sensation verzichte?», da Mündncr a?»» Vor?nittag bei der Probe gestürzt war und infolgedessen a??» Abend nicht auftrete?» koimte. Ni»schuldig verhaftet. Wie»iotlve?ldig die Entschädig»lng un« schuldig verhafteter und nicht nur der u?isch?»ldig verurteilte?» Per» so?»e?i ist, zeigt folgender Fall einer»lugerechtfertigten Verhastu?»g. Ein Herr N. lernte i?n Jahre 1999 cin Mädchen Namens Kcmpf kennen, da§ unter de?n Naiiien„Lucie" den Besuchern vo?» Nachteafvs und nächtlichen Tanzlokalcn bekannt, sodan?» auch als Kellnerin i?n „Sportsmail" und der„Feschen Radlerin" thätig lvar. Sie machte den Eiildrnck einer etwa 25 jährigen, thatsächlich zählte sie aber noch nicht 18 Lenze. Die Beziehungen zwischen beide»», die sich damals nur einigemal träfe?», wurden erst i??» Jahre 1992 engere. N. wollte damals als Monteur nach Elvgland reisen nl»d wurde von der K., die ihm hoch und heilig versicherte, sie sei über 21 Fahre alt, ge- beten, sie nach England liiitzunehme?». weil sie sich dort eine Stellung suche?» ivolle. Das Paar lebte?i??gefähr cin Jahr in London?l??d kehrte vor kurzem i?ach Berlii? zurück. Der nichts ahnende Herr N. wurde hier eines TagcS plötzlich verhaftet?li?d er- fuhr?????? z?? seine??? Erstaunen, daß gcgc?? ihn ei?le Strafverfolgung wegen Entführung einer Minderjährige?? ei??geleitet lvorden sei. Vo??» 28. Oktober bis 9. November 1093 war Herr N. in Ui?tersiichn??gs- Haft, da?»?? ivurde er aus Antrag des Rechtsanwalts Bahn entlasse?». Es stellte sich nämlich hervns, daß überhaupt ein gültiger 2 t r a s a?» t r a g nicht vorlag. Die Ai»zeige lvar von' der Mlltter der K. erstattet lvorden, diese aber besaß keil? Recht zur Stellung eines Stcafantrages, da der Vater der K. noch am Leben lvar. Dies hatte der die Verhastuilg verf?ige?lde Richter übersehen. Wer eiltschädigt nui? Herrn N. für die materiellen»lnd ideellen Folgen seiner Verhaftung Die zerstückelte Leiche eines neugeborenen KilldeS fanden Arbeiter a?n Soiinabend beim Ausräumen eines verstopften AbortrohreS in einem Grundstück am Grünen Weg. Als verdachtig wilrdc die vor siebe?? Monaten dort die??e??de Magd Alma Nothnagel auf tele« graphische Allweisung in ihrer Heimat Pittscha?? ii? Schlesien ver- haftet?ind zlir lveitere?? Veranlassmlg hierher gebracht. Bon Stufe zu Stufe. Ein hiesiges Blatt erzählt folgende Ge- schichte: In dem Flur eines Hauses in der Chausseestraße fand man Sonnabendabend ein etwa 24jähriges junges Mädchen in total be- trunkenem Zustande auf, in dessen Begleitung sich eine Prostituierte aus der Liniellstraße befand, die die Umstehende?? unter Thränen bat, ihr doch beim Trallsport der Bcivutzllosen nach ihrer gemein- faulen Wohnung behilflich zu sei??. Auf Beftagen erzählte die Pro- stittlierte folgende romantisch klingende Geschichte. Ihre„Frc?llldill", lvelche sie erst seit einen» Vierteljahr kenne»md die eine verhängnisvolle Vorliebe für alkoholische Getränke hätte. fei die Tochter ei?,es hohe?» vstprenßischen Verlvalttmgsbeamtc?,. Die Familienverhätttlisse i»n Elternhause lvarcn aber sehr unglückliche, den?» die Mutter, die nebenbei dem Alkohol sebr zugethan war, unterhielt ein unerlaubtes Liebesverhältnis?nit eine?» RegienlngS« assessor. Der kränkliche Vater, der bedeutend älter war als sei?»e Frau, ko?mte die Schande?ncht überleben»»»d beging Selbstmord. i?ide?,» er sich auf dem F?»ttciboden seines Pferdestalles aufhi?rg. Diese trübe?» Familienverhältnisse bliebe?» nicht ohne Eimvirlilng aus die Kinder.?i??d die älteste Tochter, ei?le pikante Schönheit, sank schließlich zur Prostituierte?» hen?i»ter. Bemerkt sei noch, daß der Liebhaber, der damalige Assessor, gegenivärtig in Berlin Geheimer Rat sein und eine sehr bevorzugte Stellung eii»nehmen soll... In der Werkstatt tot aufgeftl?»de?l w»lrde am Somttagmittag der 45 Jahre alte Schleifer Joh?» a?iS der Rosei»str. 7 zu Rixdorf, der seit drei Jahre?» ii? der Schleiferei vo?» Witzle, Brande», burgstr. 6, be- schäftigt»vor. John loollte an» Sonntag eine kleine Ausbesserung vornehmen. Als ettvas später der Schleifer Grauer i?» die Werlstatt kam. um ihm zi» helfe?,, lag John neben der Maschine tot auf dem Flrßboden. Ein Arzt gab als mutmaßliche Todesursache Gehirn- schlag an. Fruerbericht. Die Brandchronik der letzten 24 Sttmden ist eine ungeivöhnlich reichhaltige, denn sie weist über drei Dutzend Alarmierringen auf. Sonntag, rachmittag ivurde die Wehr nach dem Herrenhaus in der Leipzigerstr. 4 gerufen, weil dort durch Unachtsrnnkeit im Zimmer 120 Vorhänge, der Fußboden und Decken in Brand ge- raten ivaren. Auch in der Käiserstr. 39. Pasewalkerstr. 1, Pappel- allce 4, Solmsstr. 10. Glogauerstr. 31, Reichenbcrgerstr. 93, Höchste- straße 19 und in der Königstr. 48 mußten ähnliche Feuer abgelöscht iverden. Möbel, Portieren, Kleider, Gardinen usw. wurden im ivescntlichen in allen diesen Fällen beschädigt. In der Alten Leipziger« straße 19 ging der Inhalt eines Schaufensters in Flammen auf, während in der Goßlerstr. 32 auf der städtischen Müllabladestelle ein Brand entstanden lvar. Allerlei Gerumpel, Kisten, alter Hausrat und Packmaterial Ivurde abends in der Kurfürstenstr. 192, Lübbener- straße 3 und in der Reinickendorferstr. 29 eingeäschert. Zur selben Zeit kamen in der Dresdenerstr. 94 und in der Berlichingenstr. 19 Küchenbrände aus. die neben Möbeln auch den Fußboden beschädigten. Regale mit Inhalt brannten in der Turmstr. 47» und Wäschestücke in der Miinzstr. 11. Gegen 9 Uhr entstand in der Naimlinslr. 24 in einer Tischlerei ein Brand, der an den dort lagernden Hölzern reiche Nahrung gefunden hatte und daher längere Löschthätigkeit erforderte. Eine Bückerei brannte gleichzeitig in der Gräfestr. 19. Die übrigen Alarmierungen, die im Lause des Sonntags von der Friedrichstr. 248, Leipzigerstr. 6, Nostizstr. 31, Oranienstr 29, Groß« beerenstt. 62, Weißcnburgerstr. 8, Köpnickerstr. 49, Keibelstr. 4. Feldstr. 1, Goßlerstr. 32, Dresdenerstr. 93, Graunstr. 3, von dem Vi?, etaplatz 3 usw. einliefen, betrafen Brände, die teils vor Ankunft des ersten Löschzugcs von Hausbewohnern beseitigt waren, teils die Wehr nur wenige Minuten beschäftigte?». Die Freie Bolksbühne hat am Sonnabend im Riesensaal der Neuen Welt ihr Kostümfest abgehalten. Ein Bacchanal voll über- sprudelnder Lebensftcude lvar cS eigentlich nicht. Die Mitglieder waren allerdings so zahlreich erschienen, daß die weiten Räume im Gedränge kaum ausreichten, aber sie vergäße?» anscheinend, daß ihnen eine midre Aufgabe als die geivöhnliche zugefallen war. B!aii kam nicht so recht auS der Passivität deS Zuschauers heraus und über« ließ die aktiven Purzelbäume einer Elite, die sich in Begeisterung für die gute Sache zur Bühnenthätigkeit ausgeschwuiigen hatte. Ein bekanntes Mitglied der Freie?» Volksbühne, dem die Hingebung ür alles Gute, Edle»md Schöne im Blute steckt, hatte lüh?» die Leier ergriffen und mit ihrer Beihilfe ein ergreifendes Bild au» einer kleinen türkischen Garnison entworfen. Es kam in diesem Drama alles ans Rampenlicht, was staatserhaltend wirkt, vom Sllltan bis zum Kamel herab, und streng staatserhaltend war daher auch die Tendenz des Stückes. Das schöne Vorbild des türkischen Herrschers, der sich aus Lidße zu seinem Volle sogar mit dem Ee- danken der Auswanderung vertraut macht, wird gewiß überall Bc- »vunderung erregt haben. Die Schliersecr Bauern, der Komiker Kettner und einige andre auserlesene Gäste trugen ebenfalls ihr Teil zur Unterhaltung bei; und wer zur Wissenschaft stärkere Neigung zeigte als zur Kunst, dem bot sich im Raritätenkabinctt eine reiche Auswahl sonderbarer Naturerscheinungen dar. Kurz, an Unter- Haltung fehlte eS nicht. Aber so vergniigt es auch im Publikum zuging, karnevalistisch war die Stimmung doch nicht recht. So etwas liegt dem Berliner und vor allein dem Berliner Arbeiter nun ein- mal nicht. In später Stunde wurden die Prämien ausgeteilt, die sehr sorgfältig zuirmmrengestellt waren. Das schönste Damenkostüm wurde mir einer Gans ausgezeichnet; um aber zur Weiheftunde der Abstinenzbcwegnng gerecht zu werden, erhielt der hübsche junge Mann, der in Sammet und Seide herumstolziert war, einen ganzen Kasten niit Selterwasser als Prämie. Unter den Charakter- kostümen fiel ein Kleeblatt: Fabrikant, Gendarm, Pastor und Arbeitswilliger aus Chemnitz wohlgefällig auf. Es soll sehr spät geworden sein, als die letzten Gäste sich zum Aufbruch rüsteten und als dann der Vorstand den Kassencrfolg überschaute, ging ein Lächeln der Zufriedenheit über sein Antlitz. Die Freie Volksbühne kann den Ueberschuß zur Zeit gerade gebrauchen. Das Apollo-Theatcr hatte sich Sonntaanachmittag mit einem in zweifacher Hinsicht seltenen Ereignis zu befassen. Der Oberregisseur dieser Bühne, Herr Worms, feierte sein 30 jährigeS Bühnenjubiläum und aus diesem Anlaß wurde eine Operette von Genve, nämlich die graziöse„N a n o n" gegeben. Operetten werden zwar alle Tage im Apollo-Theatcr aufgeführt und zwar stets solche mit blendender Ausstattung. Aber eben deswegen ist ein Singspiel, das auf alle Bcleuchtungs- Effekte getrost ver- zichten kann, an dieser Stätte etwas ebenso Seltsames wie im allgemeinen eine 30 jährige Jubelfeier. Vor zwanzig Jahren hat der Geschmack des Publikums sich noch nicht fiir die heute übliche „Kunstrichtung" begeistern können, die eine angenehme Musik nicht minder überflüssig macht lvie ein angenehmes Spiel. Unter Berück- siihtigung dieser Umstände war der Jubilar so gescheit, sich Fräulein D o n i n g e r vom Theater dcS Westens für die Titelrolle und Herrn Philipp vom Opernhause für die Rolle deS d'Aubigne zu verschreiben. Beide ernteten dank ihrer Stimme und ihres hübsch pointierten Spiels lvohlverdientcn Beifall. Auch Herr Worms, der den Abbe, eine ihm altgewohnte Rolle, darstellte, wußte sich hierin. selbswerständlich mir Schicklichkeit zurecht- zufinden. DaS übrige �var aber zum Teil bedenklich. Wohl spielten Herr Rieck und Herr Steidl sich leidlich in ihre komischen Rollen hinein, aber die Damen des Apollo-Theaters waren denn doch nicht recht auf„Nanon" eingerichtet. Aber der gute Zweck der Vorstellung gebietet, über solche 5Aeini gleiten hinwegzusehen. Alle meinten es gut mit ihrem Oberregisseur und das zahlreich erschienene Pubkikum nicht zum wenigsten. Im Berliner Zoologischen Galten ist seit kurzem eine weiße Fruchttaube ausgestellt. Das slattlichc Tier ist im neuen Bogel- Hause neben den Nashornvögeln untergebracht, wo es, wie die meisten Fruchtfresser, mit Mohrrüben, Reis, Früchten und Ei ernährt wird. Alle weißen Fruchttaubcn, deren es mehrere, sehr ähnlich gefärbte Arten gicbt, bclvohneit Neu-Gumea und die benachbarten Gebiete und ziehen oft m großen Flügen, die wieder aus einzelnen Schwärmen bestehen, in denen die eiuzelireir Vögel in gerader Linie neben ein- ander fliegen, von einer Insel zur andren, um tragende Fruchrbäume aufzusuchen. Wie alle Fruchtiauben haben auch sie einen äußerst erweiterungsfähigen Schlund und Darm, der es ihnen ermöglicht, über wallnußgroße Früchte zn verschlucken, deren lvciche Schale ver- dant und deren mit harter Schale umgebener Kern unverletzt ausgeschieden wird. 73iis den Nachbarorten. Der„Gemeindcsumpf" von Wilmersdorf. In diesen Tagen haben an unserm Ort liberale Männer gezeigt, daß die Uncntwcgtheit doch kein leerer Wahn ist. Es handelt sich um eine Entdeckungsfahrt, deren Ziel zwar nicht des Südpols nie gei'chaute Sterne waren, sondern der heimische Herd, und zwar ist als Forschungsrcsultat bekannt gegeben worden, daß dieser Herd ein .Korrilptionshcrd sei. Das mag baß Erstaunen wecken, sowohl wegen des Ergebnisses als auch um der Persönlichkeiten willen, die diese Frucht vom Baume kommuitalgeographischcr Erkenntms gepflückt haben. Denn man darf es wohl als gerichtsnotorisch hin- nehmen, daß beim Geldverdicnen gerade die Geruchsnerven liberaler Männer cisengcpanzert in die Erscheinung treten nnd so leicht von üblen Dünsten nicht indigniert Iverden.«ieht man genauer nach, so ergiebt sich denn auch,' daß cS mit dein WilmerSdorier Korrupt, vus- fall sein eignes Bewenden hat. Die Angriffe aus liberalen Kreisen sind erfolgt wegen des Anlaufs eines Grundstücks an der Westseite des Wilmers- dorfer Sees, das die Gemeinde zum Ausbau ihrer Parkanlagen benötigt. Das Terrain befand sich seit fünf Jahren im gemeinsamen Besitz des Gemeindeschösten R a m r a t h und des Ingenieurs N c u m e y c r. Bevor diese Herren es— wie es heißt für den Preis von 118 000 M., wozu noch M000M. Ausgaben für Aufschüttungsarbesten kommen sollen—. in ihren Besitz brachten, ivar es zu einem ähnlichen Preise der Gemeinde zum.Kalif angeboten, von dieser jedoch ausgeschlagen worden. Jetzt ist die Gemeinde in der Z lo a n g S l a g e. dies Grundstück an sich zu bringen, weil sie eS. wie gesagt, für öffeut- liche Zwecke haben muß, und cS entstand bei den Be- ratungeu über den Erlverb die Frage, ob es durch Expropriation oder frcihäitdig am vorteilhaftesten zu erlangen wäre. Es wurden von den beiden Besitzern gefordert für 853 Ouadratruten aufgeschüttetes Sumpfland und 305 Ouadratruten als Bauland be- zeichneies Land zusammen 410 000 M.; die Gemeinde erhielt dies Terrain für 400000 M. Beim Kauf wurde in Erwägung gezogen, daß den Besitzern eines in der nächsten Nähe des m Betracht kommenden Grundstücks belegenen Terrains 135 M. für die Ouadralrute Sumpsland geboten worden sind, ivährcnd man Bauland in der be- nachbarten Schrammstraße vor kurzem mit 1080 M. und 1030 M. tue Ouadralrute bezahlt hat. Die Grultderwcrbs-Deputa- tion legte bei der Einschätzung des zu erwerbenden Geländes für das Sunipfland den Preis von 165 M., für das Bau- land den Preis von 000 M. als Wert zu Grunde und kam so zu dem Resultat, daß das Terrain einen Wert von 415 245 M. habe. Gekauft wurde das Grundstück, wie erwähnt, für 400 000 2)?. Gegenüber dem Bedenken, ob man es in dem als Bau- land bezeichnetem Gelände auch mit wilktichem Bauland zu lhun hqbe, wurde geltend gemacht, daß bereits 1907 ein eingereichtes Baugesuch für das Terrain, das aber nicht ausgeführt wurde, von der Behörde geprüft und bewilligt worden ist. Die Grunderwerbs- Deputation zog hierbei noch folgenden Umstand in Betracht: Die Gemeinde hat im letzten Frühjahr den östlich von dem in Frage stehenden Terrain belegenen Seepark zu dem nach damaligen Schätzung toohlfeilen Preise von 321 M. für die Luadrat- rute erwarben. Bergleicht man mit diesem Kauf den Erwerb des Ramrath-Neumeyerschcn Grundstücks, so ergiebt sich, daß dafür im Verhältnis 10 000 M. mehr gezahlt sind, wobei noch zu erwägen ist, daß die projektierte Straße durch den Seepark noch nicht vorhanden ist. die Schrammstratze aber, an der das jetzt gekaufte Grundstück liegt, als fertige Straße bereits bebaut wird. Unter Bcrücksichiigung dieser Umstände nahm man an, daß bei einer gerichtlichen Taxation des Grundstücks ein wesentlich höherer Preis als der geforderte herauskommen würde. Es verlautet übrigens, daß die Herren Ramrath und Neumeyer,' um. üblen Nachreden aus dem Wege zu gehen, sich bereit erklärt haben, den Kauf wieder rückgängig zu machen; auch haben die social- demokratischen Gemein devcrordneten durch eine Interpellation dafür gesorgt, daß die in dieser Angelegenheit erhobenen Angriffe in der Gemeindevertretung öffentlich zur il�p röche kommen. Was den Borwurf betrifft, daß der Kauf in geheimer Sitzung erledigt ist, so wird darauf hinzuweisen sein, daß Grunderwerbs-Angelegenheiten aus stichhaltigen Gründen allgeniein geheim beraten werden. Betrachtet man nach diesem die Sachlage, so ergiebt sich, daß in der Gemeindevertretung von unlauteren Rkachenschaften keine Rede sein kann. Wohl aber zeigt dieser Fall besonders drastisch, wie auf dem Gebiete der Bmispekulation fast mühelos immense Reichtümer erworben werden. Bor fünf Jahren hätte die Gemeinde das Land, das sie jetzt für 400 000 M. gekauft hat, für vielleicht noch nicht den dritten Teil dieser Summe an sich bringen können; der Mehrbetrag fällt jetzt der P r i v a t s p e k u I a t i o n zu. Sieht man von den paar Bodenreformern ab. so war eS bisher einzig die Socialdemokratie, die darauf hingewiesen hat, daß ein solcher Zustand ungeheuerlich und aus die Dauer un- erträglich ist, wenn man auch Einzelpersonen fiir diese erst mit der kapitalistischen Ordnung der Dinge zu beseitigenden Verhältnisse nicht zur Rechenschaft ziehen kann, Wissen möchten wir aber, ob unter den liberalen Männern, die jetzt wo die Zeit der Gemeindewahlen heranrückt, ein so mörderisches Geschrei erheben, auch nur einer gewesen wäre, der als Besitzer des strittigen Grundstücks nicht nach Kräften seinen Vorteil wahr- zunehmen verstanden hätte? Prüft man diesen und jenen der Unentwegten auf Herz und Nieren, so mag das Resultat heraus- kommen, daß nicht so sehr die Sorge um den Geldbeutel der Ge- meinde, als die Betrübnis darüber, daß kein Hüter des liberalen Princips daS Fett abschöpfen konnte, den Lärm in die Welt gesetzt hat._ BuS der Spandauer Stadtterordnrten- Bersammlung. Sehr schmerzlich wurde dem Oberbürgermeister offensichtlich die Einführung der neu- und wiedergewählten Stadtverordneten; befanden sich doch unter diesen vier Socialdcmokratcn, mit welchen die Zahl unfrei: Mandate im Stadthause nun 12 erreicht. Die Vorstandswahlen ergaben die Wiederwahl des vorjährigen Vorstandes. Unsre Genossen hatten mit Rücksicht darauf, daß sie nun vollkommen die dritte Abteilung beherrschen, die Einräumung eines Postens im Vorstände verlangt. Damit kamen sie aber bei den bürgerlichen Stadtvätcrn schön an; für Scholz(Soc.) wurden nur die 12 Stimmen unsrer Genossen ab- gegeben. Hierauf gab der Vorsteher davon Kenntnis, daß die socialdemo- kratischen Stadtverordneten folgenden dringlichen Antrag eingebracht hätten: 1. Einsetzung einer Kommission zur Untersuchung der gegen die Verwaltung der städtischen G a s a n st a l t vorliegenden Be- schwerden. 2, Sofortige Ergreifung von Maßnahmen zur Revision deS von dem bisherigen Materialienverwalter zurückgelassenen Lagers und zur Anstellung eines neuen Verwalters. Die Dringlichkeit begründete kurz Stadtv. Rieger lSoc.); die; Versammlung erkannte dieselbe jedoch mit allen gegen die Stimmen der Anttagstcller nicht an, so daß der Antrag erst in nächster Sitzung verhandelt werden wird. Die Neuwahl des VI. Ausschusses ergab sofort wieder neuen K onfli kts st o ff. Stadtv. Jen n e«lib.) empfahl mit Rücksicht auf das jetzige Stärkeverhältnis, den Socialdemokrateii zwei Sitze in diesem Ausschuß sdcr die Wahlen für die Kommissionen und Deputationen vorbereiten einzuräumen. In Anknüpfung hieran wurden von der socialdcmokrattschen Fraktion die Stadrvv. Pieper und Scholz präsentiert. Ilm nun einen Keil zwischen unsre Genossen zu treiben, schlug der bürgerliche Stadtv. Kersten noch unsren eben eingeführten Genossen Ducksch vor. Durch diese Keiltteiberci ergab sich nun folgendes Resultat: Pieper erhielt 22, Scholz 15 isocialdemokratische und bürgerliche), und Tucksih 18 srein bürgerliche) Stimmen. so daß schließlich nur Genosse Pieper allein die Majorität erhielt. Dieser hinterhältige llcbcrfall soll den bürgerlichen Herren un- vergesien bleiben. Bei der Beratung des Stiftungskassen- Etats monierten noch imsere Genosien Pieck und R i c g e r. daß die Verteilung der Stipendien sehr iiiibefricdigcnd sei. indem oft die Söhne reicher und reichster Eltern mil Stipendien bedacht werden. Zleu-Weißenser. In einer Bekanntmachung in den hiesigen Ortsblättern giebt der Gemeindevorsichcr den Einwohnern folgendes zur Kenntnis:„Die am 6. Juni 1002 erfolgte Wahl des Rcftaura- teurs Adolf Garz zum Gemeindcvcrordncten ist durch Entscheidung des löniglichen Oberverwaltungsgerichts vom 13. November 1003 für gültig erklärt und der Beschluß der Gemeindevertretung vom 22. August 1002 aufgehoben worden." ES wird nunmehr dem Genossen Garz noch vergönnt sein, vor Ablauf seiner Wahlperiode End: März d. I. einigen Sitzungen beiziuvohnen. Auf Betreiben des Grundvesiyer-Vcrcius ist seiner Zeit die Wahl für ungültig erklärt worden, weil diese Herren annahmen, daß der Erwerb von V- des Hauses seiner Tochter nur eine„Schiebung" fei. Das Gegenteil ist den Herren nun vom Ober BerwaUungsgericht bewiesen worden und die nicht unbclräcbtlimen Kosten des Strcitverfahrcns fallen der sowieso schon stark belasteten Gemeinde zu. Die Herren Grundbesitzer hätten es wohl auch für selbstverständlich gehalten, daß ihr Äandidak, der von ca. 450 abgegevenen Stimmen nur 4 auf sich vereinigte, seinen Einzug in die Gemeindevertretung hielte. Iliisrc Gegner scheinen sich zu den im März statffindcnden Neuwahlen ganz besonders stark rüsien zu wollen. Denn ver- schiedene Vereine, die sich sonst rühmen, keine Politik zu trciven. werden sich der Socialdemokratie gegenüberstellen und gemeinsame Kandidaten aufstellen. Die sonst feindlichen Brüder des Hausbesitzer- und Grundbesitzcr-Vereins werden gemeinsam mit dem Verein der Gewerbetreibenden und dem Gailwirtcvercin(I) den roten Feind" bekämpfen. Aber gerade die Mitglieder der beiden letztgenannten Vereine sollten sich dieses Bündnis reiflich überlegen. Sollten den Haus- und Grundbesitzern die Trauben allein zu sauer sein? Johannisthal. Eine bedeutsame kommunalrcchrliche Entscheidung hat das Ober-BerwalttingSgericht gefällt. Ter§ 62 der Landgemeinde-Ordnung schreibt vor, daß bei der Gemeiudevertteterwahl der als gewählt zu erachttn sei. der die meisten Stimmen und zugleich mehr als die Hälfte der abgegebenen S t i m m e n erhalten habe, lim die Anwendung und Aus- legnng dieser Bestiminuug handelte es sich nun in einem Rechtsstteit gegen die Gcmeindeverttetung von Johannisthal bei Berlin." Bei einer Gcincindeverlrcterwohl im Jahre 1002 standen sich als Kandidaten gegenüber der Bau- meistcr Schmidt und der Amtsbaumeistcr Posek. Schmidt erhielt 3 Stimmen mid Posek 5 Stimmen. Der Wahlvorstand ertlärte aber die 5 Stimmen für Posek für ungültig und cschmidt mit seinen 3 Stimmen für gewählt. Er ging davon ans, daß Pofek nicht wählbar gewesen sei, weil er noch nicht seit einem Jahre in Johannisthal wohnte und die vorher bc- ' c s s e n e F o r e n s e n- E i g e n s ch a f t, mit der das Wahl- recht so lange verbunden gewesen sei, durch seinen Zuzug nach Johannisthal verloren habe. Die Herren Karl Ludwig und Wilhelm Lenze erhoben vergeblich Einspruch und klagten dann auf Ungülngerklärung der Wahl Schmidts, indem sie ich auf die oben citierte Bestimmung beriefen.— Die Gemeinde- verttetung machte dagegen geltend, die ungültigen Stimmen Poseks zählten überhaupt nicht als..abgegebene" Stimmen im Sinne des Gesetzes, so daß Sckimidt thatfächlich die meisten und mehr als die Hälfte, nämlich alle bekommen habe.— Der Kreisausickiuß gab der Gemcindcderttetung recht, der Bezirksausschuß Potsdam indesien erklärte Schmidts Wahl für ungültig und das Lber-Serwaltungs- gericht bestätigte diese Entscheidung mit der Begründung: Schmidts Wahl sei m i t R e ch t für ungültig erklärt, weil er nicht die meisten Stimmen und nicht zugleich mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhalten habe, mögen auch die übrigen Stimmen auf eine nicht wählbare Person ge- ällen sein. Senats-Leitung. Freundliche Bilder aus dem Ehclcbcu enttollte eine gestern tat dem Schöffengericht sich abspielende Verhandlung gegen dn? Schlächtergesellen August und Earl Brunn und den Portier S z y v a n s t i, die der thäilichen Beleidigung bezw. der Bedrohung beschuldigt waren. Der erste Angeklagte war mit einer jetzt erst zwanzigjährigen Frau etwa ein Jahr lang verheiratet, als das Eheglück schon in die Brüche ging. Nach der Versicherrnig der Frau hat ihr der Ehemann eines Tages die licblickic Alternative gestellt. entweder sofort freiwillig die eheliche Gemeinschaft aufzugeben oder etwas unsanft hinausbefördert zu werden, Sie zog das crstere vor, packte ihre sieben Sachen zusammen und ging grollend davon. Als Grund für diese Entwicklung gab der Angeklagte B. gestern an, daß. während er fleißig arbeitete, die Frau den Besuch von allerlei Mannspersonen empfangen. Die Ehefrau erklärte nun dem Gericht, daß sie nur Wicdcrvcrgcltung geübt habe: ihr Ehemann sei ihr mit bösem Beispiel vorangegangen und sie habe sich für berechtigt gehalten, dasselbe zu thun. wie er. Frau B. zog nach der Mirbach- straße zu einer Freundin und scheint den kleinen häuslichen Zwischen- fall nicht sehr tragisch genommen zu haben, denn sie ließ sich von ihm nicht abhalten, abendliche Konzerte und Vergnügungen zu bc- suchen. Ihren Ehemann aber wurmte es, daß sie bei ihrem Wegzuge auch ein Jackett, eine Pclzboa. einen Hut und den Trauring mit- geiuniunen hatte. Er hatte ihr diese Gegenstände seiner Zeit ge- schenkt und reklamierte sie als sein Eigentum. Er ließ der Frau da- bei sagen: Wenn sie die Sachen nicht freiwillig herausgäbe, würde er sie totschießen; einen Revolver habe er schon gekauft. Vor Gericht behauptete er. er habe den Revolver nur zum S ch u tz g c g c n s e i n e Schwiegermutter gekauft, denn diese habe die löbliche Absicht ausgesprochen gehabt, ihm bei passender Gelegenheit Oleum ins Gesicht zu spritzen.— Als am S. November Frau B. in vollem Staat das Haus verlassen wollte, um sich wieder zum Vergnügen zu begeben. wurde sie auf dem Hausflur von ttäftigcn Armen gepackt und am Weitergehen gehindert. Ihr Ehemann und dessen Bruder hatten ihr aufgelauert und risien ihr nun die Pelzboa und das Jackett, welche Dinge sie freiwillig nicht hergeben wollte, einfach vom Leibe, während der Portier ihr die Hand vor den Mund hielt, um sie ani Schreien zu hindern. Auch ihr Portemonnaie wurde nach dein Trauringe durch- sucht, der aber nicht gefunden wurde. Mit dem Vergnügen für diesen Abend war cS uittcc diesen Ilmständen natürlich vorbei, Frau B. steckte aber die ihr bereitete Tchmack nicht. ruhig ein. sondern erstattet« Strafanzeige.— Das �Schöffengericht hielt das Vorgehen der An- geklagten zwar für ein sehr brutaleS und tadelnswertes, ließ aber angesichts des ganzen Milieus Milde walten, indem es annahm, daß in Bezug auf moralische Oualifikation die Ehegatten wohl auf einer Stufe ständen. Der Ehemann wurde zu 4 0 Mark Gcldsttafs cvcnt. 8 Tagen, die beiden Mitangeklagten zu 20 Mark Gcldsttafs cvcnt. 4 Tagen Gefängnis verurteilt. Durch ein Gerichtsurteil der Strafkammer Potsdam ist die Oeffentlichkeit der Reichstags wähl in Frage geiiellt worden. Unser Parteigenosse, der Maurer Zimmermann aus Eiche. hatte sich wegen Hausfriedensbruchs zu verantworten. Vom Schöffen- gericht war er dieserhalb'zu 3 Mark Gcldsttafc evcnt. 1 Tag Ge- fängiiis verurteilt, wogegen er Berufung eingelegt hatlc. Am 25. Juni, als die Stichwahl zwischen dem tonservativcn Kandidaten Tischlermeister Pauli und unsctm Parteigenossen Rechtsanwalt Dr. Liebknecht stattfand, war Zimmermann als socialdemokratischei: Vertrauensmann beauftragt, in dem Dorfe Golm bei Potsdam die Feststellung des Wahlrc sultats zu konttollieren. Das Wahl- lokal befand sich im Schulzcschcn Gasthof, woselbst in der Mitte des Saales der von allen Seiten zugängliche Tisch des Wahlvorstandes stand. Der Gemeindevorsteher Schweingrubcr wurde nun, als er dis Wahlzettel verlas, von Wählern uniringt, welche laut die Namen mit vorlasen, Tics störte ihn und er forderte deshalb die Umstehenden auf. drei Schritt zurückzutreten, was auch geschah. Der Angeklagte hatte diese Aufforderung nicht gehört und ttat deshalb wieder hinter den Stuhl des Wahlvorstehers, welcher ihn nun gewaltsam zurückdrängte und ihn aufforderte, da» Wahllokal zu verlassen. Die Parteigenossen des Angeklagten zogen ihn zurück, er aber ertlärte dem Wahlvorsteher, daß er dasselbe Recht habe im �aale zu vcrvlcibcn, wie dieser und blieb alsdann im Wahllokal, worauf da» Waylresultat anstandslos festgestellt wurde. Da» erste Urteil hatte dem Wahl- Vorsteher, trotzdem die Oeffentlichkeit der Wahl gesetzlich feststeht, das Recht zugestanden, Personen, welch« die Ordnung im Wahllokal stören, wie dicS der Angeklagte gethan, hinauszuweisen. Von der Verteidigung Ivurde dagegen geltend gemacht, daß Zimmermann vollberechtigt im Wahllokal verweilt habe und der Wahlvorsteher allein nicht berechtigt war. ihn hinauszulvcisen. Der Gerichtshof bestätigte aber da» erste Urteil._______________ ßnefhaften der Redabttan. Mitfühlende Seele.(Reiße O.-S.) Laut Posteinlicseruitgsschein haben Sic 5 R. sür die Ausgeiperrtcn in Criiiiuiitflhan an das Gcwcrktchajis- bureau geschickt. Quitticreii können wir trotzdem darüber nicht, weil die uittiing von der Berliner Gewerkschastskommiflion im..Vorwärts" aus- gestellt wird. Wenden Sie(ich in der Sache selbst dabcr nochmals an Herrn Körstcn. Bcrtüi. Engel-Uscr 15. Ihren Vriei und den Schein werden wir an die gleiche Adresse senden.— Reichstag. Beginn der Plenar» sttzung: Dienslag, den 12. Januar. nachmillagS 2 Uhr.— Breslau.„Die Bestrebungen der Socialdemokralle, beleuchtet vom Jrrsimi Eugen Richters". Die Broschüre rührt von Bruno Geiser her, erschien unter dem Pscudonpm Kurt Falk. Preis des trefflichen Wcrkchcns 25 Pf Von demiesheii Autor: ..Die christliche Kirche und der SocialiSinuS". Preis 35 Pf. Beides in der Vorwärts-Buchhandlung vorrätig.— 21. R. P. Erklärt sich sehr einfach: Durch ein techniicheS Verfeben wurden in Nummer 7 des„Vorwärts" oll« gemeiner und juristischer Teil deS Btteskaslcns irrtümlich unter eine Rubrik gebracht. Jurittikcber Ceil. Tie juristische Sprech stunde findet täglich mit AuSuahmc dcS SonnadsttdO von?>/, bis O'/a Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Rixdors i»Ä. Leider ist nach der preußischen Gcsinde-Ordnung das Gesinde zum Schadensersatz des durch sein Vcrschuldcit verursachten Schadens vcrpsiichtct, die Herrschaft zur Aufrechnung gegen den Lohn vervsstchict. Die Frage, ob Verschulden vorliegt, ist vom Richter zu entscheiden. Die Ansicht deS Richters neigt sich nach der bereits vor 100 Jahren aus» gcivrochencn Ansicht von Suarcz in der Regel der Seite der.Herrschast zu. Ein Prozeß wäre also aussichtslos.— K. Ripdorf, tticgt lein Scheidungs» grund vor, io kann eben gcrichllichc Trennung der Ehe nicht erwirkt werden. H. H. Wenn Sie zwei Wohiuitzc in verschiedenen Staalen haben so kann nur in estiem Staat Staatssteucr, an beiden Gemeinden aber Gemeindesteuer erhoben werden.— E. D» 100. ES liegt Verjährung des StroiantragSrcchtS des Lchrherrn vor.— — Koch. Der Ausgang des Prozei'cs haust u. E. davon ab. ob Kläger seine Behauptungen bewcüen kann. Aus den Fall bezügliche oberstttlbter« liche Enhcheidungcn anzusühren, sind wir nicht in der Lage.— Fr. Meiscl. Leider hätte ein Schadensersatz-Prozeß gegen die Gemeinde wcma'Aussicht aus Erfolg. Versuchen Sie gütliche Einigung und eventuell da» Arnicurccht zwecks Prozeßführung zu erwirken.— P. P. Wir hatten seiner Zeit wiederholt vor der Kasse E. H. 120 gewarnt und ferner den Rat erteilt, schleunigst mittels Einschreibebriefs aus der Kasse auszutttten. Da Sic den Rat nicht befolgt haben, sind Sie jetzt zahlungspflichtig. WitterungSüberficht vom U. Januar 1004, morgens 8 Uhr. Stationen „~ c» Swinemdc.; 764 Hamburg 761 Berlin §ranks.a.M. iüncheu Wien SO ....I® 765|iäv;D 766 iS 765 Still 770! SO bis S? H& 3 heiter—3 3 heiter j 2 2;rooffcnIl— 3 2NcbcI-3 -Nebel—2 ! wollig j— 4 Stationen 85 S« Detter .Haparanda 752 S| 2bcdeckl Petersburg 76� SSW i 1 bedeckt Cor! l753k~.s.« I Zlberdeen Paris 765, Z L �«Regen SD: 2 bedeckt t»« c -tl! ='S M S> • — 3 7 -I Wetter-Prognose für Dienstag, den Iii. Januar 1001. Etwas wärmer, vielsach wolkig mit geringen Niederschlägen und ziem» iich lebhaften südwestlichen Winden. Berliner Wctlerburean. Pcrautw. Redätteur: JttsitiS Kaliski, Berlin. Für den Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u. Kerlagsanstalt Paul Guger& Eo., Berlin SW,