lo« HbonncmentS'Bedingungen: HJonncmcntä- Preis pränmner-mda 1 BierteljShrl. 330 WS, mmatL 1,10 SW, wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer B Pfg. SonntagZ- nummer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: l.lv Marl pro Monat: Eingetragen in die Post-ZeitungS» Preislifte. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 21. Jahrg. OldKla, tigli» JuBcr lilontaat Serlinev VolkSblcrtk. Dl« Infertions-Gcbüljr beträgt für die fechsgcfpaltcnc Kolonel« zeilc oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bercins- und Bersammlungs. Anzeige» 2ö Pfg. „Aleine 3Jn«>g«n", das erste fsctt- gedrulktc) Wort lv Pfg. jedes weitere Wort S Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis b Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochen- tagen biZ 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtage» bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adreffe: „S«zlaliuin«krit Rull»", Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Dcutfchlands. Redahtion: 8 AI. 68» Linden Strasse 69. Kernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Dienstag, den 19. Januar 1994. Expedition: 8 AI. 68» Lindenstrasse 69. Kernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Das Ende des Kampfes in Crimmitschau. Aus Crimmitschau wird in später Wendstunde telegraphiert: Die Lohnkommisfion und die Fabrik- BertraucnSmännrr de- schlössen, die Arbeit bedingungslos aufzunehmen. Die Leiter der Bewegung in Crimmitschau haben durch eignen Entschluß den Kampf abgebrochen. Die gegenwärtige Lage der kämpfenden Arbeiter von Crimmitschau war nichts weniger als schwierig oder gar verzweifelt. Vor allem sind sie auf längere Zeit hinaus durch die Hilfe der gesamten deutschen Arbeiterschaft mit Geldinitteln reichlich versehen und nach Erschöpfung der jetzigen Mittel hätte der Opfermut der Arbeiterschaft neue Unterstützung gebracht. Wenn dennoch der Kampf jetzt abgebrochen wird, so ist sicher, daß entscheidende Gründe die zunächst an Ort»md Stelle Vcr antwortlichcn dazu bestimmt haben. Die Arbeiter in Crimmitschau wußten, daß die materielle Hilfe ihnen auch weiterhin nicht fehlen werde, aber sie scheinen zu der Ansicht gelangt zu sein, daß der Kampf nicht in ungewisse Zukunft fortgeführt werden dürfe, weil das llnternehmertmn ganz Deutschlands den Kampf zu einer Machtprobe -stoischen Kapitalistcnklasse und Socialdemokratie fälschte und durch Hingabe gewaltiger Geldmittel die Fabrikanten von Crimmitschau auf unbestimmte Zeit in die Möglichkeit des Widerstandes setzt. Dazu kam, daß die AuSlöschung des Versammlungsrechts durch die sächsischen Behörden schließlich die Gefahr herbeiführen mußte, daß die Massen der Kämpfenden des nötigen ZufamnienhaltS verlustig gingen, daß die zu Strcilbrecherdicnstcn herbeigezogenen fremden Arbeiter nicht unterrichtet und für den Kampf gewonnen werden konnten. Die Lohnkommission uird Fabrik- Vcrtrauensmänncr haben geglaubt, es sei besser, den Kampf abzubrechen, als ihn inS un- gewisse fortzuführen und der deutschen Arbeiterschaft weiterhin außer ordentliche Opfer aufzuerlegen. AlS ein heldenhafter Mschnitt in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung lvird dieser Kampf in Crimmitschau dauernd denkwürdig bleiben. Cr zeigt die Größe der Arbeiterklasse: den tapferen Mut der armen Arbeiterschaft der Textilindustrie, die um ein wenig kulturellere Arbeitsbedingungen ringt, den gewaltigen Opfcrsinn der Arbeiternlassen im ganzen Reiche, die von ihrer Kargheit den Kämpfenden reichliche Spenden geben. Er zeigt alle Gewissens- Verhärtung und Geistesenge des Unternehmertums, das den Arbeitern brutal die elementarsten Verbesserungen ihres Lebens verweigert. Er zeigt, wie die Behörden des Staates durch schroffste Handhabung reaktionärster Gesetzesbestimmungen das Vcreinigungsrecht der Ar- bester zu»richte»nachen»md die Voraussetzung jeder friedlichen Arbesterkoalition aufheben I Die ganze Epoche der kapitalistischen Brutalität spiegelt sich in diese»»» Bilde deS heroischen Kampfes in Crimmitschau. Wie unsäglich er scheiirt eine Ordnung deS Staates und der Gesellschaft, wenn in ihr die Arbeiterschaft trotz der größesten Aufopferungen durch die Herrsch- gcwalt der llnternehmerklasse»md durch das Eingreifen der Be- Hörden verhindert wird, selbst nur geringe Kulturforderungen zu ver- wirklichen! Der letzte Arbeiter erkennt, daß in diesen Klassenstaat und in diese verblendete Kapitalistenklasse keinerlei schwaches Hoffen ge- setzt werden kam». Der socialdeinokratische Kampf in der Gesetz- gcbiMg und zur Beseitigung des Unternehmcrstaates ist die einzige Zuflucht aller Arbeiter, aller derer, die unterdrückt sind und das Licht suchen.~_ Unser nener Kolonialkrieg. Die deutsche Regierung verlangte heute vom Reichstage IV2 Millionen Mark für den Krieg mit den Hereros. Der Feldzug gegen die BondelzwartS im Süden unsrer südwestafrikanischen „Kolonie", der ja auch noch keineswegs siegreich beendet ist, dürste auch bereits ein beträchtliches Sümmchei» verschlungen haben. Und da die 1'/» Millionen, die heute vom Reichstage gefordert wurden, ja auch mir als erste Rate zu betrachten sind, kostet uns unser neuestes koloniales Kriegsabcnteuer ein recht nettes Sümmchei». Hinzukommt, daß diese einmalige Ausgabe auch noch eine recht erhebliche dauernde Ausgabe nach sich ziehen wird. Schon seit geraumem verlangt man ja eine Verstärkung der südwestaftikanischen Schutztriippe. Der Krieg mit den BondelzwartS und den Hereros wird nun als Argument für die dauernde Verstärkung unsrer südwestafrikanischen Schutztruppe dienen, und die Mehrfordcrung wird vom Reichstage schwerlich abgelehnt werden. So werden sich die Gesamtkostcn für diese neueste koloniale Katastrophe auf eine ganze Reihe von Millionen belaufen. Eine KriegSentschädigrmg aber ist bei den„Rebellen" nicht zu hole»», denn diese armen Te»lfel be- sitzen ja nichts. Man wird zur Sühne ihre armseligen Dörfer ver- brennen und ihnen wieder eimnal einige gehörige Fetzen Land abnehinen. Ihr bißchen Vieh wird man den Ueberlebcnden dagegen lassen müssen, wenn»nan sie nicht in einen neuen Hungeraufstand treiben»vill. Dcutsch-Südwestafrika gilt als unsre beste afrikanische Kolonie. waZ allerdings nichts für ihre Güte, sondern lediglich von der traurigen Oualität»»isrer andren aftikanischcn Sonncnplätze zeugt. Das Land besindet sich nun seit zwanzig Jahren in unsrem Besitz, eS hat ungezählte Millionen verschlungen, es ist mit dem ko st spielig st en Verwaltungsapparat ausgestattet »oorden, allein es ist noch immer die gleiche dünn bevölkerte Streu- sandbüchse, die eS auch Anno 1884 war, als Deutschland in der Lüderitz-Bucht stolz seine Flagge hißte. Hin die wirtschaftliche Wertlosigkeit dieses„teueren" kolonialen Kleinods richtig beurteilen zu können, möge»nan eine Reihe statistischer Zahlen würdigen, die »vir der neuesten a»» t l i ch e n Denkschrift entnchinen. Die gesamte Einfuhr nach Deutsch-Südlvestaftita rcpräseilticrte i>n Jahre 1V02 einen Wert von 8 ä67 550 M. Die Ausfuhr be- zifferte sich auf 2 212 973 M., so daß der G e s a m t h a n d e l 10780 523 M. betrug. Eine geradezu lächerliche Summe also! Ausgeführt»vurde außer Tieren und tierischen Erzeugnissen im Werte von 1023 637 M. fast nur noch— Guano für 863890 M. Tie Bedeutung Deutsch-Sndwestaftikas in kommerzieller Be- ziehung ist also gleich Null. Und so oft man auch Gerüchte von Gold- und Kupferfunden ausgesprengt hat— bis jetzt hat sich„och keine Gesellschaft gefunden, die diese angeblichen Mineral- schätze auszubeuten Lust verspürt hätte. Ebenso wenig Zukunft hat die Kolonie als Siedelungsgebiet für Ackerbauer. Das ganze Land ist v e g e t a t i 0 n S a r»», u n- fruchtbar, da ihn» fast vollständig daS Wasser fehlt. Die Niederschläge sind miniinale. Kein einziger Fluß des Binnenlandes weist ständigen Wasserstand auf. Nur zur Regenzeit verwandeln sich zeitweise, aber nicht einmal periodisch, die aiisgetrockneten Rinnsale in reißende, verheerende Ströme. Auch in der Denkschrift klagen wieder„fast alle Missionare" über die„anhaltende Dürre", die die lvkissionSstationcn entvölkert. Nun ist allerdings eine Anzahl von Farmen entstanden, die Viehzucht betreiben, allein ihre Zahl ist so gering und ihre Erfolge sind derartige, daß die Regierung bekanntlich unlängst dem Reichstag eine Vorlage unterbreitete, lvonach daS Reich jedem»ruen Ansiedler 10000 M. Zuschuß bewilligen sollte. Wie weing Anziehungskraft die Kolonie auf Ansiedler ausübt, beweist der langsame und unerhebliche Zuwachs der w c i ß e n B e v ö l k c r u n g. A» erwachsenen männlichen Weißen wurden gezählt 1896......... 1080 1002......... 2569 sunahme....... 1489 Der Zuwachs erscheint aber noch»niniinaler, Ivenn man berück- sichtigt, daß die Zahl der Regierungsbeamte»» und An- gehörigen der Schutztruppe 1396 686 betrug gegen 939 im Jahre 1902. Von den übrigen 1500 waren 54 Missionare, 277 Kaufleute und Händler. 813 Ansiedler und Farmer und 693 Handwerker und Arbeiter. Diese Zahlen drücken den wirtschafttichen Wert Dcutsch-Südwest Afrikas»vohl genügend aus. Und für diese Kolonie, in der außer der Schutztruppe nur ganze 1200 Deutsche ihren Unterhalt finden, haben wir iin Laufe der Jahre viele Dutzende von Millionen auS gegeben, haben die deutschen Steuerzahler allein im Jahre 1904 nach dem Etat 5 41k 200 M. Reichs-Zuschuß zu zahlen— ganz ab- gesehen von den diversen Millionen, die uns das neueste KricgSabenteuer kostet! lieber die Ursachen der Erhebung der HereroS hat uns Graf B ü l 0 w in der heutigen Reichstagssitzung keinerlei Mitteilung geinacht. Seiner Darstellung nach kam der Aufstand»vie ein Blitz auS heiterem Himmel. Selbst die genauesten Kenner des Landes hätten keine Ahimng von vorhandener Unzufriedenheit gehabt. Das erschiene ganz unglaublich,»venn nrau nicht aus Erfahrung wüßte, mit welcher VerständniSlosigkeit, welch souveräner Verachtung die Weißen in den Kolonien dem Empfinden der Eingebornen gegenüber zu stehen pflegen. So war's ja auch in China vor den,„Boxer"-Aufstand. Man bettachtet den Farbigen als eine Art zweibeinigen Tieres, um das man sich nicht kümmert, außer»venu man etwas von ihm haben»vill. Und da er das brutale Hcrrenturn der Weißen gewöhnlich stoisch erträgt, hält man ihn für viel zu stumpssinnig, als daß er sich auch einn»al seiner Menschenwürde bewußt werden könnte. Immerhin ist eS höchst erstaunlich, daß der Telegraph nicht einmal die kleinste Andeutung über die»nuttnaßliche Ursache der Erhebung mitzuteilen wußte. In, Reichstag wurde seiner Zeit sogar von„staatserhaltender" Seite bittere Klage über die k 0 st sp i e l i g e»»nd überflüssige Tele- graphiererei mit dem Grafen Waldersee geführt— aber über wichtige Angelegenheiten schweigen sich die offiziellen Tele- gramme ja gewohnheitsmäßig aus! Aus der Ferne lassen sich die Verhältnisse natürlich nur schlecht beurteilen. Eine sensationelle Konjektur hat ja bekanntlich Dr. Förster in der„Deutschen TageS-Zeitung" aufgestellt. Danach hätten die Hereros a>»s Furcht vor einer Annektion ihres Landes zu den Waffen gegriffen. Der Reichskanzler hat es nicht für nötig gehalten, diesen ungeheuerlichen Verdacht auch nur mit einer Silbe zu streifen. Oder sollte schlechte Behandlung oder Hunger den Aufftand veranlaßt haben? Sollten die Ein- geborenen die Prügelstrafe als ehrlos empfunden haben? G e prügelt wird näinlich auch in dieser Kolonie sehr ausgiebig. Die Denkschrift verzeichnet ftir das Jahr 1902 nicht weniger als 473 derartige Exekutionen. Ilnd namentlich im Herero-Gebiet wurde besonders oft geprügelt, nämlich in S w a k 0 p m u n d 128»nal. in Karibik 87 mal, in W i n d h u k 99 mal. Es wäre also nicht auSgeschlossei». daß der Aufstand eme Art Revolte gkj die Nilpferdpeitschr darstellte! Hinzukam vielleicht noch der Hunger. Wie arm die Ein- �lSchon geborenen der Kolonie sind, erhellt schon auS der V i c h st a t i st i k der Denkschrift. Ter Viehbestand der gesamten Ein- geborenen- Bevölkerung wird nämlich für 1902 auf 45 895 Stück gl i n d v i e h, 1675 Pferde und 136 557 Stück Kleinvieh geschätzt. Für eine ausschließlich von der Viehzucht lebende Be- völkerung von 200 000 Köpfen ist das außerordentlich wenig. Namentlich wenn die Denkschrift den Biehstand der noch nicht den 50. Teil so starken weißen Bevölkerung mif 44 487 Stück Rindvie 3590 Pferde und 210 803 Stück Kleinvieh beziffert! Eine gerad ideale Besitzvcrteilung also! Und wenn man sich vergegenwärttgt, daß dies Bich der Weißen dem Bich der Eingeborenen das kärgliche Futter wegfrißt, so braucht man gar nicht erst lange über die Ursache des AufftairdcS nachzugrübeln! Die Eingeborenen an sich sind eher friedliebend, als kriegerisch. Außer den» Krieg gegen die W i t b 0 i s war nur dreimal in den zwanzig Jahren Krieg zu führen; eimnal gegen die BondelzwartS. einmal gegen die ZlvartboiS und einmal gegen die Hereros. ES scheint also, als ob die Gärung langsam um sich gefressen habe, >nn sich endlich mit voller Wucht zu entladen. Denn diese Er- Hebung übertrifft alle übrigen weitaus an Heftigkeit und Zahl der Beteiligten. Erklärte doch Graf B ü l 0 w. daß dieser Aufftand bereits jetzt die kolonisatorische Thätigkcit eines ganzen Jahrzehnts vernichtet habe. DaS trifft zu, ist das AufftandSgebiet doch daS besiedeltste, weist doch der Bezirk Windhnk allein 78 Farmen auf, die»veitauS größte Zahl von sämtlichen Bezirken. Und jetzt soll, nachdem blutige Vergeltung an den arme»» Teufeln von hungcrndcn Schivarzen geübt, die fainose Kolonisationsarbeit von nenen» aufgcnonnnen»Verden— auf K 0 st e n der deutschen Steuerzahler, der deutschen arbeitenden Klasse, die künftig statt 5l/3 wahrscheinlich 7 Millionen jährlichen Zuschuß leisten soll. Man koinme uns nur ja nicht»nit der«civili« satorischcn" Thätigkcit. Wie die aussieht, schildert ein in der- Denkschrift citierter MissionSbericht aus dein Herero-Land folgendermaßen: „Besondere U 1» z u ch t und Trunksucht herrschen in hohem Grade. Leider sind oft Weiße nicht allein schlechte Vorbilder in dieser Beziehung, sondern auch direkte Verführer. Venerische Krankheiten haben in besorgniserregender Weise mn sich gegriffen..." „Sehr bedauerlich ist es. daß es hier in weiten Kreisen üblich ist,\ eingeborenen Arbeitern den Genuß von Branntwein regelrecht anzn- gewöhnen...." y Schnaps und Syphilis, das sind auch hier die Kulturgüter, die n»an den Eingeborene»» neben der Nilpferdpeitschr gebracht hat! Die Beglückten zahlten dafür mit ihren» Land und ihren» Vieh! Zur direkten oder indirekten Förderung solcher Kolonialpolitik bewilligt die Socialdemokratie nie und nimmer einen Mann oder einen Groschen!_ ) 18. Januar. Politifchc Ocbcrftcbt. Berlin, den Die Haftentlassung der„Hochverräter". Am Tage vor der Beratung der socialdcmokratischen Jnter« pcllation über die Russcndienste der preußischen Justiz tvird au» Königsberg die endliche Befreiung unsre Parteigenossen Braun und N 0 w a g r 0 tz k i aus der Untersuchungshaft gemeldet. Völlig abgesehen von der linhallbarkeit des gesamten Anklage» Verfahrens, das in Königsberg und Memcl wegen angeblicher Geheimbündelei. sowie tvegen angeblichen Hochverrats gegen da» russische Reich und tvegen Beleidigung des Zaren unternomme» worden ist, stellte sich die Inhaftnahme der Angeschuldigten als ein Akt besonderer und überflüssiger Härte dar. Selbst vom Standpunkt des Staatsanwalts hätte die Haft« entlassung alsbald nach der ersten Vernehmung der Angeschuldigten erfolgen sollen und nicht erst jetzt, noch fast 10 Wochen dauernder Einkerkerung. Denn die Verhaftung war nicht mit Flucht» verdacht, sondern»nit Kollusionsgefahr tVerdiuikelungSgefahr) be» gründet worden. Es war und ist uns aber unverständlich,»vie diese Gefahr bestanden haben soll, da von vornherein durch Brieffperre bei allen Beteiligten und deren Angehörigen sämtliche Zuschriften abgefangen, durch Haussuchuirgei» alles denkbar mögliche Material festgelegt»oar und somit vom ersten Tage ab daS, was die Staats- anwaltschaft als geeignet zur Belastung der Angeschuldigten ansieht, sich bei den Akten befand. Die Staatsanwaltschaft hat dennoch allen Bemühungen der Angeschuldigten u>»d ihrer Verteidiger zum Trotz die Haftentlassung hartnäckig verweigert und die Strafkammer hatte sich bisher auf denselben Standpunkt gestellt. Erst auf die letzte Beschwerde des Verteidigers von» 13. d. Mts., also demselben Tage, an dem»msre Interpellation im Reichstag eingebracht wurde, sind die Angeschul- digten aus der Haft entlassen worden. Ueber das Geschick der andren Angeschuldigten, die in Memel und Tilsit verhaftet wurden und die nur wegen Gehein»bi>i»delei verfolgt werden, ist uns bis zu diesem Augenblick noch nichts bekannt geworden. Die Haftentlassung der„Hochverräter" bedeutet unter diesen Umständen das erste Eingeständnis einer unmöglichen Justiz- aktion!— den floj öicW, gü d�dn Die Interpellation über die Handelsverträge im Reichstage. Sie hatten ihre Mannen zahlreich aufgeboten, sie. die Herren uf den Adelssitzen der preußischen Ostprovinzen, da sie allem »»scheine nach ein lustiges Turnier erwarteten, halte doch noch vor rzem Graf Kanitz in einer Rede in Pr.-Holland angekündigt, er erde es bei der Vertretung der konservativen Jirterpellation über die Handelsverträge iin Reichstage an Deutlichkeit nicht fehlen lassen. Aber von dieser Erwartung hat sich wenig erfüllt. I gleich zu Beginn der Debatte wurde das Interesse >n der Interpellation durch die Erklärungen des Reichs» anzlcrs über den Aufstand der Hereros in Siidlvcstafrika md die von der Regierung dagegen ergriffenen Maßnahmen ab» iclenft, und was noch übrig blieb, vernichtete alsbald der Sprecher >er Konservattven, Gras Kaiiitz, durch seinen profcssoralcn Vorttag Graf Kanitz ist der Denker und Theoretiker der Ag»m konservativen, einer der»vcnigcn unter den ostelbischcn. mit Ritter- gütern erblich belasteten Junkern, dessen Lektüre sich nicht allein auf die.Krenz-Zeitimg", die»Norddeutsche Allgemeine Zeitung" und die „T.utsche TngeZzettung* beschrankt, sondern Ver ose Volks- Noirtschaftlicho Litteratnr, besonders soiveit sie.die Agrar- frage betrifft, verfolgt; aber der„Weise von Podangcn" ist t'ein interessmiter Redner. Er hat ctlvaS vom deutschen Professor und trägt seine reich mit statistischen Ziffern und Eitaten gespickten Reden mit einer gewissen selbstgefälligen Gespreiztheit vor. Zu An- fang seines Vortrags suchte er zwar sein in Pr.-Holland gegebenes Versprechen zu erfüllen und„völlig deutlich" zu reden; er nannte das Saratoga-Ablommen der deutschen Regierung mir der nord- amcrikanischen Union einen„lächerlichen Vertrag"; ein Ausdruck, der ihm eine Rüge des Präsidenten zuzog; doch alsbald verfiel er in seinen altgewohnten Docententon. In behaglicher Breite sprach er über den Nutzen der Getreidezölle, über die verschiedenen Tarissysteme und ihre größere und geringere Schädlich- keit, die Abwanderung der ländlichen Arbeiter und noch allerlei sonst. Erst zum Schluß seiner Auseinandersetzung, als ex an die Regierung die Frage richtetet?, ob die Meldungen der englischen Presse über das Zurückweichen der deutschen Regierung itvder Zoll streilsache mit Kanada richtig seien, gewann seine Rede wieder ein? gewisse Schärfe. Gras Posadowsky antwortete auf diese unbcqueme.Frage nicht. Er erklärte es einfach für äußerst gefährlich, in dcm-jetzigen Stadium der Vertragsverhandlungen, das er als„weißglühend" bezeichnete irgend welche Mitteilungen über die augenblickliche Situation machen, suchte jedoch die konservativen Interpellanten dadurch etwas zu versöhnen, daß er die schwierige Lage der Landwirtschaft ohne jeden Vorbehalt anerkannte und erklärte, daß die Regierung bisher »gewisse elementare Forderungen" bei den Vertrags Verhandlungen festgehalten habe und„nur unter Erfüllung dieser Forderungen" neue Verträge abschließen werde. Eine Erklärung, die, wie die Zustimmung von den Bänken der Agrarier zeigte, von letzteren auf die Miudestzölle bezogen wurde. Als halb akademische Auseinandersetzung, als welche die Debatte begonnen hatte, setzte sie sich dann auch weiter fort, indem die nachfolgenden Redner die Äanitzschen Ausführungen über Getreidezölle. die Nützlichkeit der Tarif- und Meistbegünstigungsverträge, die Lage des ländlichen Grundbesitzes teils zu widerlegen, teils durch allbekannte Gründe zu stützen suchten. Von der Kündigung der Handelsverträge loar meist nur nebenbei die Rede. Erinnert man sich, mit welcher profitlüsternen Gier in der denk würdigen Nacht vom 13. zum 14. Dezember 1902 die damalige Reichs tagsmehrheit den Antrag Kardorff auf Erhebung der Zölle„nach .Maßgabe der endgültigen Beschlüsse der XVI. Kommission" gewaltsam durchpeitschte, unterstützt von der Regierung, dessen oberster Vertreter zu Anfang der Sitzung die Tarifteform bombastisch„als großes Werk zum Segen des Vaterlandes" pries, dann stachell das Fragespiel, das heute von der Rechten im Reichstage inscenicrt wurde, zu lachender Schadenfreude auf. Das„große, segensreiche Werk" deS Grafen Bülow hat sich als völlig ungeeignete Grundlage für die Vertrags- Verhandlungen erwiesen; die Verhandlungen mir Rußland stehen noch beim ersten Paragraphen deS neuen Zollgesetzes, und immer deutlicher ergiebt sich für die Regierung die bittere Notwendigkeit, sich vor den Anforderungen Rußlands in ähnlicher Weise rückwärts zu konzentrieren, wie vor den Ansprüchen Englands und Kanadas, d. h. die Getreidc-Mnimalsätze fallen zu lassen; während andrerseits die konservative Clique immermehr einzusehen beginnt, daß sie in jener De-cmbernachi ihre unter Anführung des Laurahütten-GriinderS unternonnnsne Attacke umsonst geritten hat und schließlich doch um den größten Teil des Erfolges geprellt werden wird/ Eine hoch- komische Situation.— Die Herrenhäusler haben ihr neues Geschäftsgebäude bereits wieder verlassen, nachdem sie zwei volle Sitzungen abgehalten haben. Am Montag überwiesen sie den Gesetzentwurf betr. die Befugnis der Polizeibehörden zum Erlaß von Vorschriften über die Verpflichtung zur Hilfeleistung bei Bränden an eine Kom Mission und besprachen zwei Interpellationen, von denen sich die eine auf die Automobilschädcn, die andre auf angeblich focialpolitisch schädliche Geschäfte der Landbank in Ober- schlefien bezieht. Es wird der Landbank zum Vorwurf ge- Macht, daß sie größere, lebensfähige Rittergüter behufs Zer schlagung aufkaust und selbst solche Rentengüter bildet, die von vornherein bankrott sind. Die Regierung und einige Redner des Hauses stellten dies in Abrede. Die Debatte, in der wieder über die Rot der Landwirtschaft geklagt und oft Gesagtes wiederholt wurde, bot wenig Interesse. Um das„Ansehen des arbeitslustigen Hauses zu erhöhen", sprach der neue Präsident Fürst zu Inn- und Änlchhauscn am Schluß der Sitzung den Wunsch aus, die Regierung möge den „Herren" mehr Vorlagen zugehen lassen. Voraussicht- Uch werden nun in jedem Ressort eine Anzahl von Geheim- raten mit der Ausarbeitung von Specialvorlagen ftir das Herrenhaus beschäftigt werden, damit die„geborenen" Gesetz- geber nicht aus der Uebung kommen. Die nächste Sitzung findet voraussichtlich Ansang Februar statt.-'_ Ostasien. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Petersburg: ES verlautet, der japanische Gesandte werde am Montag in Zarskoje Ssclo in außerordentlicher Audienz empfangen werden. Das Blatt bemerkt dazu, bestätige sich die Nachricht, so sei zweifel- los hierin ein Akt von eminenter Bedeutung im Interesse einer friedlichen Lösung deS Konfliktes zu erblicken und zugleich das beste Dementi aller KriegSnachrichten. Wie der„Standard" aus T i e n t s i n»reldet, werden die russischen Truppen in Peking und T i e n t s i n in Sonder- zügeu nach Port Arthur abgehen: eine kaum nennenswerte Wache werde zum Schutze in Peking zurückgelassen werden, während Tientsin vollständig geräumt iverde. Es heißt, die russische Regie- umg habe verlangt, daß 12 000 Mann chinesischer Truppen nach der Mandschurei zum Schutze der chinesischen Unterthanen geschickt werden. „Dailh Graphic" glaubt zu wissen, die gegenwärtige Phase in den ruffisch-javanislben Verhandlungen sei, obwobl unzweifelbast ernst, doch nicht kritisch; der Ausbruch des Krieges fei nicht un- mittelbar zu befürchten. T-ki», 17. Januar. iMeldung des Reuterschen Bureaus.) Die japanische Regierung rechnet nicht daraus, die Antwort Rußlands vor einer Woche zu erhalten. Indessen ist sie vollständig fiir den Krieg gerüstet, den sie mit Ruhe erwartet. DaS ganze Land ist patriotisch geeinigt. Das Volk, obwohl geneigt, einen ehrenvollen Frieden anzunchnien, ist entschlossen, eher zu kämpfen als seine im absoluten Verstauen auf Armee und Marine eingenommene Haltung nffzugeben.— Deutfeheo Reich. Das Hazardspicl deS Rechts. Eine Verschärsting der Belcidi- gungSstrasen wird neuerdings im Reichstage von nationalliberaler Seite angeregt. Eine vorgeschrittene Rcchtsauffassnng wird schon deshalb für eine völlige Beseitigung des Bcleidigungs- Paragraphen einsteten— nur die Verleumdung mag strafbar bleiben—, weil der Begriff der Beleidigung so unbestimmt ist, daß die Paragraphen längst zu gefährlichen Jiistninienien von Klassen- shmpathie-und Klassenantipathie geworden sind, in de, ich der erste Grundsatz deS Rechts, die Rechtssreiheit, bis zur völligen Aufhebung leidet. Stehen oppositionelle Preßsüuder auf der Aullagebauk. so empfinden die Richter, gewiß nicht in böser Absicht, aber aus den Instinkten ihrer gesellschaftlichen Konvention heraus, jeden Angin1 als beleidigend. Umgekehrt wird den Vertreten! der gleichen Klaffe gegenüber eine Toleranz gezeigt, die auch für das schärfste Wort eine milde Entschuldigung findet. Unser Redakteur wurde, wie erinnerlich, neulich zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt, weil er als„sehr gemürsticf bezeichnet hatte, daß ein Amtsvorsteher über einen getöteten Arbeiter herabsetzende Aeußernngen in der Presse verbreitet hatte, die sich obendrein als völlig haltlose Beschuldigungen ergaben. In Oldenburg hatte sich am Somiabcnd der berühmt gewordene Zilstizminister Ruhstrat wegen Beleidigung zu verantworten. Der Manu hatte eine wehrlose Frau, die Gattin des Redakteurs Bier- mann, die vertrauensvoll zu ihm kam, um für ihren Mann ein gutes Wort einzulegen, in einer Weise behandelt, die man kaum für möglich halten sollte. Der Herr nannte den Mann, für den die Fran doch bat, ihr ins Gesicht einen Lumpen. Dafür erhielt der— wir wagen es— gemütsiiefe Mann 20 M. Geldstrafe. Die Begründung mag man im Prozeßbericht nachlesen. Der Justizminisier von Oldenburg wird die 20 M. gern bezahlen, die Fran deS Redakteurs, die sicher nicht wieder zu einem Minister gehen wird, wird darüber nachdenken, wie wenig eS kostet, wenn Beamte einfache Staatsbürger„in den Schmutz ziehen"— wie der staatsanwaltliche Ausdruck sonst lautet— und der Redakteur Bier- mann, der übrigens vor Gericht recht mannhast auftrat, wird im Gefängnis wie ein gemeiner Verbrecher behandelt. Herr Ruhstrat ist als Justizminister auch Chef des Strafvollzuges.— Gegen die Wahl der Herren Hammer und Felisch als Landtags- Abgeordnete ist von socialdemokratischer Seite Protest eingelegt. In der Begründung heißt es:„Nach dem Gesetze betreffend die Feststellung der Wahlbezirke für das Haus der Abgeordneten vom 27. Juni 1860 hat die Abgeordnetenwahl für den ge nannten Kreis in Köpenick stattzufinden. Nach§ 3 dieses Gesetzes steht dem Minister des Innern eine Verlegung des gesetzlichen WahlorteS nur dann zu, wenn die Abhaltung der Wahl an dem im Gesetz genannten Orte durch ansteckende Krankheiten, Unterbrechimg der Verbindung mit dem Wahl- orte oder durch andre unabwendbare Zufälle uuauS- führbar wird. Obgleich keiner der hier aufgeführren Gründe zutraf, hat dennoch der Herr Minister des Innern den Wahlorr von Köpenick nach Rixdorf verlegt. Die Unterzeichneten erblicken hierin einen Verstoß gegen das Gesetz, der zweifellos die Ungüliigkeitserlläruug der gesamten Wahlhandlung zur Folge haben muß. Die Unterzeichneten stützten sich hierbei auf die Aeußerung des Kommissars des Herrn Ministers in der Petitionskommission,„daß das Gesetz vom 27. Juni 1860 eine Verordnung in diesem Falle nicht zulasse; denn nur dann, wenn die Abhaltung der Wahl an dem im Verzeichnis bestimmten Orte durch ansteckende Krankheiten, Unterbrechimg der Verbindung mit dem Wahlort oder durch andre unberechenbare Zu- fälle unausführbar werde, sei dies möglich. Diese Umstände kämen aber hier nicht in Betracht: denn man könnte auch nicht von einem unabwendbaren Zufall sprechen, da die beklagten Verhältnisse sich ja allmählich entwickelt hätten". Aus dem angeführten Grunde wird die Erwartung ausgesprochen, daß das Abgeordnetenhaus die Wahl der Herren Felisch und Hammer kassiert und dafiir sorgt, daß die Wahlmänner dem Gesetz entsprechend zur Vornahme cincr Neuwahl nach Köpenick eingeladen werden. Dr. Leopold Wilhclmi, der Präsident deZ Statistischen Amtes, ist nach längerer Krankheit verstorben. Wilhelini hat in jungen Jahren eine hohe Staffel in der Beamtenlausbahn erklommen. Er kam. nachdem er kurze Zeit Amts- richter im Elsaß gewesen, kaum 31 Jahre alt, in das Reichsamr des Innern. Seinen Neigungen entsprach der FebruarkurZ deS Jahres 1890. Er gedachte es mit der angekündigten Socialreform ernst zu nehmen. Bei Schaffung des Gcwerbegerichts-GesetzeS und bei Be- ratung der Novelle zur Gewerbe-Lrdnung war er mit großem Eifer beteiligt. Ihm war es später überlassen, die verschiedenen Aus- 'ührungSbestimmungen vorzubereiten. Bald aber gewannen die Scharfmacher den Sieg über die Februarversuche, und auch Wilhelmi hatte unter dem Druck ihres Einflusses schwere Reibungen zu überstehen. Die Widerwärttgkeiten dieser Situation haben 'chon damals seine Nerven zerrüttet. Vor zwei Jahren wurde Dr. Wilhelm: zum Präsidenten deS Statistischen Amtes ernannt. In dieser Stellung setzte er seine ganze Kraft ein, die Arbeiterstattstik weiter auszubauen. Die Kommission ür Arbcitcrstatisiik wurde als Beirat für Arbeitcrstatistt! dem Statisti- scheu Amt angegliedert. Das„Neichs-Arbeitsamt" wurde geschaffen. So hoffte er wohl das Material herbeizuschaffen, was bisher gefehlt hatte. Wohl hatte man alle möglichen Statistiken im Reiche, aber an einer Arbeiterstatistik fehlte es. Das machte dem Gesetzgeber, der Arbeirerschutz-Gesetze entwerfen und Auslührungs- bestimmnngen dazu ausarbeiten soll, das Leben besonders schwer. Das hatte er in seiner stüheren Stellung bitter empfunden. Diesem Mangel wollte er abHelsen. Aber bevor er seine Absichten verwirklicht 'äh. brach er völlig zusammen und wurde nun durch den Tod von 'chweren Leiden erlöst. So schnell Wilhelmi auch in der Beamtenlausbahn emporgestiegen ist, kann man ihn doch als Opfer eines tragischen Geschicks bezeichnen. Er wollte natürlich nicht„uinstürzlerisck" wirken, sondem nur das Schaffen, was im Interesse des Gemeinwohles dringend geboten ist, und was auch ohne Gefährdung des Unternehmerprofits bewilligt werden kann. Und doch mußte er ununterbrochen kämpfen, weil die Scharf- macher auch jede Scheinkonzession an die Arbeiter als Beginn deS Umsturzes bezeichnen. So ist dem in seinem Wesen so bescheidenen Manne das Leben verbittert worden. Wäre er eine Kampfnadir gewesen, dann hätte er wohl längst seine Aemtcr niedergelegt. Aber er hoffte immer, daß eine Zeit kommen werde, in der er.GuteS 'chasfen könne. Insbesondere die Arbeiter, die Gelegenheit hatten, mit ihm zersönlich zusammen zu kommen, werden seiner mit Hochachtung gedenken.— DaS Elend der ländlichen Armenfürsorgc. Aus Mannheim wird uns vom 13. Januar geschrieben: Vor dem Schöffen- gericht erschien heute der politische Redakteur der hiesigen„Volks- "limine", Oskar Geck, als Beklagter in der Beleidigungssache des Bürgermeisters und der Gemeinderäte der Ge- meinde WeiSbach im Odenwald. Den Gegenstand der Privatklage bildet ein Ende März v. I. erschienener Artikel der„Volksstimme", der an der Hand des Briefes einer Weisbacher Armenhäuslern! die geradezu grauenerregenden Zustände im dortigen Gemein de-Armenhaus childette. Die heutige Verhandlung bestätigte die thatsächlicheu An- gaben des von Geck verfaßten und verantwortlich gezeichneten Artikels in vollem Umfange, ja cS gelang dem Beklagten, mittels der auf- gebotenen Zeugen ein solch haarsträubendes Bild von den in Frage tehenden Verhaltnissen zu entwerfen, daß schon nach kurzer Ver- handlungsdauer der Gerichtsvorsitzende an den klägerischen Ver- treter— allerdings vergeblich— die Mahnung richtete, den Straf- anttag zurückzunehmen. Eine als Zeugin geladene Weisbacher OrtSarme, die Verfasserin des oben erwähnten, an einen Verwandten in Ludwigshafen gerichteten und von Geck in der„Volksstimme" verwendeten Briefes, insbesondere aber der protestantische Orts pfarrer Hoff mann entwarfen in ihren eidlichen Aussagen ein Bild von den in Frage stehenden Zuständen, das die zahlreiche Zuhörerschaft im Gerichtssaal des öfteren zu Ausdrücken der Entrüstung veranlatzte. DaS Annen- bnuS, das der Pfarrer lieber eine:: Stall nennen möchte, steht ohne Unterkellerung direkt aus dem Boden. Die untere Stube hat nur einige Dielen, sonst ist der blanke Erdboden zu sehen, und die Maulwürfe stoßen lustig unter der Bettstelle der Insassin, einer93j ährigen hilflosen Greisin. Diese lag, als der Pfarrer ins Armenhaus kam. in denkbar verwahrlostem Zustand im Bett. Auf dem Boden stand ein Eßnapf, um den in Scharen die Mäuse liefen, einige waren auch wohl hineingefallen. Den schanderhaftesten Anblick bot jedoch die Fran selbst, vsie hatte sich eine Rute verschafft, mit der sie nach den Mäusen und Ratten schlug, die ihr ungeniert tibetts Bett liefen und an den Arme» zeigte sie jainmernd die schwärenden Wunden, die von den Bissen der hungrigen Nager herrührte».„Was die„ A o l ks st i m m e" schrieb,— so meinte der Herr Pfarrer— beruht alles auf Wahrheit, die Zustände sind noch weit schlimmer, als sie dort geschildert wurden." Der Briefschreiberiii kann man es unter solchen Umständen gewiß nachfühlen, wenn sie sich dagegen wehrte, nach den: Tode jener Armen in dasselbe Loch gespcrr: zu werden.„Schlagt mich lieber tot!"— flehte sie den Bürgermeister an—„damit i ch weg bin; aber sperrt mich nur nicht ins Armenhaus!" Ganze 3,50 M. waren es pro Monat, die die Gemeinde für dieses unglückliche Weib auswarf: dafür mutzte sie sich— Brennholz gab man ihr � alle N v h r u n g s m i t t e l beschaffen. Die Kleider, in denen sie zum Verhandlnngstermi!! erschien, hatte die Frau leihen müssen. um überhaupt der Ladung Folge leisten zu können. Es verdient noch bemerkt zu werden, daß die dem Weisbacher Armenrat vor- gesetzte Behörde bei ihren O.r l s b c s i ch t i g u n g c:: stets alles tu„bester Ordnung" vorfand. Das Urteil des Gerichtshofes erachtete den Wahrheit?» b e w e i s als i n vollem Umfang erbracht, sprach den Be- klagten von der Beleidigungsklage frei und bürdete die Kosten den Privatklägern aus.—_ Die Wirkung der„Bülow-Rcden" in Ostpreußen. Aus mannigfache Art werden die Broschüren mit den„be» rühmten" Reden„Biilows gegen Bebel" hier in Ostpreußen ver- breitet. In Königsberg laßt man sie i n den größeren Fabriken durch Lehrlinge und Arbeiter, die das Vertrauen der Meister besitzen, verteilen. Zwei bis drei Mann erhalten aber nur zusammen ein Exemplar, weil der Vorrat nicht groß genug zu sein scheint. In I n sie r bürg und andren Städten bringen Poliziste n das Büchelchen in die Wohnungen der Bürger. In den Dörfern und auf den Gütern verbreiten die von der Wahl her bekannten tonservativen Agitatoren: Pfarrer, Lehrer, Gemeindevorsteher und ähnliche OrdmingS» stützen diese Schrift. In verschiedenen Ortschaften erleichtert man sich die Arbeit dadurch, daß man die Broschüren in der Schule den Kindern f ii r' d i c Eltern m i t g i e b t. Welche Wirrung übten denn nun bisher die von dem Kanzler des Deutschen Reiches gegen die Socialdeniokratie gehaltenen Vemichtungsreden auf die ostpreußische Landbevölkerung auS? In einer Auflage von 40 000 Exemplaren wird, wie seit einige» Jahren in der Provinz, der socialdemokratische Kalender„Ost- preußischer Landbote" verbreitet. In diesem Jahre gerade zu gleicher Zeit mit den„Bülow-Redcn". Trotzdem uns nun lange nicht so viele und einflußreiche Agitatoren zur Verfügung stehen wie den Ordmmgsparteien, so scheint unser Kalender doch die Konkurrenz der„Kanzler-Reden" ganz gut auszuhalteu. Der von unsreu Genossen auf dem Lande verbreitete Kalender enthält auch eine Aufforderung zum Abonnement ans die Landarbeiter- Zeitung„Ostpreußischer Landbotc". In der Zeit vom 1. Januar d. I. bis ietzt sind nun zu dieser Zeitung trotz heftiger Gegenagitation von seilen sämtlicher Gegner f a st 300 neue Abonnenten aus der Provinz hinzugekommen. Ob dieser Erfolg trotz der „Bülow-Reden" oder infolge derselben eingetreten ist, darüber mögen sich die den Kopf zerbrechen, die einen großen agitatorischen Wer: auf die Verbreitung der„Vernichttmgsreden" gelcgr haben.— Schöne Worte für die Kriegsveteranen. Im badischen Landtage hatte die C e n t r:: m s f r a k t: o n, um einem brennenden agitatorischen Bedürfnis abzuhelfen, den Antrag eingebracht: Die badische Regierung möge im Bundesrat dahin wirken. daß den Kriegsveteranen im Sinne des Gesetzes vom 22. Mai 1895 die jährliche Beihilfe von 120 Mark fli schon dann gewährt wird, wenn deren Erwerbsfähigkcit unter ein Dritte! der normalen Höhe herabgesunken ist, und daß die Beihilfe von dem Tage au zur Auszahlung gelangt, an welchem die Lezugsbercchtigung an- erkannt wird. Zur Begründung dieses Antrages schilderte der Eentnimsredner Zehnter die Not der Kriegsveteranen in den düstersten Farben. Der Mann ist zugleich Rcichsiags-Abgeordneter, er hätte also besser 'eine Rede im Reichstage angebracht, aber da wäre ja der Zweck bei den ländlichen und der ReichSpoluik sehr fernstehenden Centrums- Wählern nicht im gleichen Maße erreicht worden. Der Meinung waren gewiß auch die Nationalliberalen, die. obwohl sie den Anttag mit scheelen Augen betrachteten, außer dem Land- und Reichstags- Abgeordneten Blankenhorn noch ihren Fraktionschef vorschickten, um 'chöne Worte für die Kriegsveteranen zum Fenster hinaus zu reden. Gewiß haben die Kriegsveteranen die Hilfe dringend nötig und es ist eine Schande für das Deutsche Reich, daß diejenigen, die nach patriotischen Kriegervereinsreden mit ihrem Blute das Reich zusammen- kitten halfen, nunmehr in diesem Reiche von Armenmtterstützung leben müssen und demzufolge deS Wahlrechts verlustig gehen. Aber wenn man hier eine Schuld abtragen will, so helfen nicht Worte, sondern Thatcn. Und daran haben es im Reichs- tage außer denSocialdemokraten alle Fraktionen fehlen lassen. Als der socialdemokratische Redner dies fest» stellte, heulten zwar die Nanonalliberalen und Centrumsleute auf. aber abstreiten konnten sie die Thalsache nicht.— Nicht uninteressant ist, daß der nationalliberalc Reichstags-Abgeordneic Blankenhorn Stimmung für die Wehr st c u er machte, die in Süddentschlani, „populär" sei. Die Nationalliberalen sollen nur mit einer Krüppel» steuer kommen, sie werden ihr blaues Wunder mit der„Popularität" solcher reakttonärcn Experimente erleben. Hudland. Das Wahlresultat in Norwich. London, 16. Januar.(Eig. Ber.) Ter Sieg deS Liberalen Louis I. Tillett wurde bereits telegraphisch bekannt gemacht. Er bedeutet den Verlust eines Mandats für die Negierung. Die Be- dcutung dieses Sieges ist jedoch mit dieser Thatsache nicht erschöpft. Wie früher mitgeteilt wurde, kandidierte dort Genosse Roberts für die organisierten Arbeiter, die die Mehrheit der Wähler bilden. Roberts hat sich seine Sporen in der Bekleidung verschiedener Lokalämter erworben. Er ist ein tüchtiger Gewerkschaftler, überzeugter So, c i a l i st und Schriftsetzer. Alle proletarischen Richttinge» haben seine Kandidatur unterstützt. Dennoch ist die Stimmenzahl, die er auf sich vereinigte, eine beschämend geringe. Tillett erhielt 8276 Stimmen, Wild(kons.) 6756, Roberts 2444. Dieses Stimmen, Verhältnis ist ein Armutszeugnis für den Geists der organisierten Arbeiter Englands. Keiner von den englischen c--ociali>tcn hat aus einen Sieg lliobcrts' gerechnet, was ja vor einigen Tagen im„Vor- wätts" ausgesprochen wurde. Aber auf eine derartige Niederlage hat auch keiner von uns gerechnet. Die Folgen für eine unabhängige Arbeitervertretung werden geradezu verhängnisvoll sein. Aus den Wahlen der letzten zwölf Monate läßt sich leicht der Schluß ziehen. daß Arbeite rkandidaicn nur dann aus Erfolg rechnen dürfen, wenn sie als«L i b e r a l- L a b o u r". als liberale Arbeiter auftreten, d. h. wenn sie zur Bourgcosie halten. Diese Erwägung ist es, die der Wahl in Norwich ihre unglückliche Bedeutung giebt. Sie zeigt die ersten Früchte der Geistesverwirrung, die die Z o l l k o n t r o v c r s e er- zeugt hat und die wir gleich bei ihrem Beginn befürchtet haben. In der Siegesfanfare der heutigen„Daily News" ist dieser To« deutlich hörbar. Das führende liberale Organ sagt:„Wir sind überzeugt, daß die Arbeiter und die radikale(freisinnige) Partei einander brauchen und wir hoffen, daß diese wichtige Erwägung angesichts des überwältigenden Sieges, den Mr. Tillett errungen hat, nicht verschwinden wird."— Gestern erschien die erste Stummer des„Liberal Labour Journal" einer Monarsschrist der Liberalen Arbeiter-Liga, die es sich zur Auf- gäbe gemacht hat, Frieden zu stiften zwischen den Gewerkschaften und der liberalen Partei. Ihr Präsident ist H o l y o a k e ein alter Owenist und Genossenschaftler. Seiner Ansicht nach ist es die Hauptaufgabe der Arbeiter, die liberale Partei zu stütze n. Das neue Blatt, das in jeder Beziehung minderwertig ist. bespricht auch die Wahl in Storwich. Es erklärt:„Mr. Roberts ist ein tüchtiger Redner, ein aufrichtiger Mann und wurde von vielen ernsten Arbeiterpolitikern aufgestellt. Aber wir können ihn als Arbeiterkandi baten nicht a c c e p t i e r e n, da er sich für den Socialismus erklärt." Also, beser ein liberaler Liapitalist als ein socialistischer Arbeiter. Ter Bergarbeiterführer Mr. Burt. der ehemalige Unterstaatssekretär, ist selbstredend einer der Protektoren des Blattes.— Italien. Militärskandal in Mailand. Rom. den 14. Januar(Eig. Ber.) Seit längerer Zeit waren in Mailand Gerüchte in Umlauf, die den Regimentskommandeur Oberst Terzi schwer belastete». Jetzt endlich ist der Fall offen zur Sprache gekommen, nachdem am 11. d. M. der genannte Offizier telegraphisch vom Minister aufgefordert wurde, seinen Abschied zu nehmen. Die militärische Untersuchung ist im Gange. Vor der Hand weiß man nur. daß der Marchese Terzi seine Autorität als Bor- gesetzter gemißbrauchi hat, uni mehrere Soldaten seinen anormalen geschlechtlichen Begierden gefügig zu machen. Der Oberst Terzi entstammt einem alten adligen Hause und ist hei den Jesuiten erzogen worden. Er ist ziemlich jung Oberst geworden, wohl, weil er sich als Offizier sehr brauchbar erwies. Er war nämlich 1894 in Sizilien, um unter den, General Morra die Bauernaufftände niederzuwerfen: im Jahre 1898 war er unter dem Mailänder Belagerungszustand Beisitzer des Kriegsgerichts. Ein Mann Ende der Vierziger ist der Marchese Terzi zum zweiten- mal verheiratet und Vater von neun Kindern. Wegen seines herrischen Wesens war er von seinen Untergebenen in hohem Maße gefürchtet.— England. Der englische Arbeitsmarkt. Die„Labour Gazette" vom 1ö. Januar enthält den Bericht über den Arbeitsmarkt im Monat Dezember 1903. Der Bericht ist auf 3950 Mitteilungen begründet, davon 2033 von Arbeitgebern und deren Verbänden, 1332 von Gewerkschaften und 83 von andren Quellen. Die Arbeitslosigkeit zeigte eine Zunahme und betrug im Berichtsmonat 6,7 Prozent gegen 6,0 im Vormonat und 3,5 inr gleichen Monat des Vorjahres. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit im Dezember der letzten zehn Jahre belief sich aus 4,8 Prozent. Die Mechaniker hatten eine Arbeitslosigkeit von 7,7 Prozent, die Schiffbauer von 16,7 Prozent, die Holzarbeiter von 8,2 Prozent. Während desselben Monats waren nur 7304 Per- sonen im Streik. Von Lohnänderungen wurden 368 400 Arbeiter betroffen, davon erhielten 1000 eine Lohnaufbesserung, 367 400 eine Lohnherabsetzung; daS Reinergebnis dieser Aenderungen ist eine wöchentliche Lohnabnahme von 18 300 Pfund Sterling. Ein Nachspiel zur Breslauer Kaiserrede. In dem MajestätsbeleidigungS- Prozeß gegen die Genossin Dr. Rosa Luxemburg, über welchen wir kurze Mitteilung brachten, handelte eS sich um eine Aeutzerung, die Genossin Luxem- bürg in einer Wählerversammlung im 17. sächsischen Wahlkreise, Mülsen-St. Michael, am 7. Juni gethan haben soll. Der be- aufsichtigende Beamte, ein Herr Assestor Dr. Richter, entzog seiner Zeit der Referentin schon nach etwa 20 Minuten das Wort, löste die Versammlung auf und„beanzeigte dringend" der Staats- anwaltschaft die von der Rednerin angeblich verübte Majestätsbeleidigung. Nach der Behauptung des jungen und schneidigen Herrn Assessors soll Genossin Lurembcrg nämlich nach einer allgemeinen Kritik der politischen und socialen Zustände in Deutschland, des Militarismus, der Welt- und Kolonialpolitik, mmentlich aber der socialen Gesetzgebung, die Breslaucr Kaiserrede erwähnt und dabei gesagt haben:„Der Mann, der von der guten und gesicherten Existenz der deutschen Arbeiter spreche, habe keine..." Hier folgt die inkriminierte Stelle. Die Staatsanwaltschaft stützte ihre Anklage namentlich darauf, daß die Rednerin dem deutschen Kaiser eine völlige Unkenntnis der in Deutschland bestehenden Verhältnisse zugeschrieben und daß sie ihm rückständige Ansichten, wie sie den Japanern oder Chinesen eigen sind, vorgeworfen haben soll. Sie berief sich dabei auf zwei Be- lastungSzeugen: den erwähnten Assessor Richter und auch auf » den Gemeindevorstand aus Mülsen Gottlieb Sonntag. In der Verhandlung gab Gen. Luxemburg eine ganz andre Darstellung der Sache. Sie stellte fest und bewies, daß sie vor allem in jener Versammlung weder über Kolonial- und Welt- Politik, noch über Militarismus und sociale Gesetzgebung gesprochen habe, was auch in den 13 bis 20 Minuten, die ihr vor der Wortentziehung zur Verfügung standen, gar nicht denkbar ge- wescn wäre Sie konnte deshalb unmöglich dem Kaiser eine all- gemeine Unkenntnis der Verhältnisse in Deutschland zugeschrieben haben. Was sie in Wirklichkeit darlegte, waren lediglich die wirt- schastlichen Folgen des neuen Zolltarifs für die arbeitende Bevölke- rung Deutschlands, die sie an der Hand zahlenmäßiger Beweise eingehend schilderte. Unmittelbar darauf zog sie die Worte des Kaisers in Breslau von der„guten und gesicherten Existenz der deutschen Arbeiter" heran und sagte, dies sei ein völlig unzutreffendes Urteil. Einem solchen könnte nur beistimmen, wer etwa in Japan oder China seine Ansichten über die Existenz der Arbeiter gebildet habe. Die Erwähnung von Japan oder China hätte demnach nicht den Zweck, dem deutschen Kaiser die weltfremde Unkenntnis der thatsächlichen Verhältnisse in Deutschland zu imputieren, sondern den falschen Maßstab des kaiserlichen Urteils über die Lage der deutschen Arbeiter drastisch zum Ausdruck zu bringen. Vom Stand- punkte eines wirtschaftlich noch viel tiefer stehenden Arbeiters könne allerdings die Existenz des deutschen Arbeiters als eine„gute und gesicherte" erscheinen, und wenn man ein Land mit noch viel rück- ständigeren Arbeiterverhältnissen heranziehen Ivolle� so könne man doch nicht etwa England oder die Vereinigten Staaten nennen, sondern man Pflege sich auf Japan oder China mit seinem bekannten Kulitum zu berufen. Genossin Luxemburg bewies demnach, daß in ihren Worten allerdings eine scharfe Kritik des kaiserlichen Urteils nach seiner sachlichen Rede hin lag, nicht entfernt aber eine persön- liche Beleidigung für den Kaiser. Der Herr Assessor mußte auf einzelne Fragen deZ Verteidigers Dr. Siegfried L ö w e n st e i n, der der Genossin Luxemburg zur Seite stand, zugeben, daß er„sich schließlich nicht entsinnen könne", ob die Worte genau so lauteten, wie er sie„dringend be- anzeigt" hatte, oder so. wie Genossin Luxemburg behauptete. Der Herr Assessor blieb aber fest und sieif dabei, daß der Sinn ihrer Worte eine Beleidigung und V e r h ö h n n n g des Kaisers enthielt. Dabei brachte er u.a. folgenden Beweis vor: Die Heranziehung Japans und Chinas hätte nicht den Zweck des Vergleichs der Lebenshaltung der Arbeiter mit derjenigen in Deutschland gehabt, denn„wenn sie(die Refcrentin) zugegeben härte, daß die Arbeiter in Deutschland besser als in Japan und China leben, so müßte sie sagen, daß sie gut leben, denn was nicht gut ist. kann nicht bester sein, und sie ließ überhaupt nichts Gutes an den Zuständen in Deutschland". Ferner sei der Ton der Refcrentin ein ausgesprochen höhnischer gewesen, die Versammlung habe auch„mit höhnischem Lachen und lautem Beifall" feantwortet. Und gerade in denKreisen, die injener ocialdemokratischen Versammlung vertreten waren, wäre ja der Chinese„das Lächerliche xs.r oxoollonoo", also habe die Referentin den Kaiser lächerlich machen wollen. Gen. Luxemburg stellte darauf zunächst fest, daß die Ver- sammlung unter freiemHimmel, auf einem Gartengrundstück, stattfand und zwar unter strömendem Regen und bei starkem Winde. Die Rcdnerin habe, um sich einigermaßen ver-. ständlich zu machen, mit größter Kraftanstrengung und lautester Stimme sprechen müssen, da sei eS doch ein Unding, noch die Nuancen des Hohnes oder der Ironie herausgehört haben zu wollen. Zugleich wies Genossin L. energisch die Auffassung des Herrn Assessors in Bezug auf die Begriffe der Arbeilsrkreise über die Chinesen zurück. Sie versicherte, daß die deutschen Arbeiter im Japaner und Chinesen den gleichberechtigten und ebenbürtigen Menschen und seine anders geartete Kultur ebenso achten wie joden Europäer. Es sei vielmehr die eigne Ethik und Psychologie, die der Herr Assessor da der social- demokratischen Versammlung imputieren lvolle. Der Rechtsanwalt Dr. Löwcnstein wollte nun näheres über das „höhnische Gelächter" der Versammlung erfahren. Auf seine direkte Frage, ob in der Versammlung wirtlich gelacht wurde, ob der Zeuge es gehört hatte, antwortete der Herr Assessor. daS sei„ein unterdrücktes Lachen" gewesen, also eigentlich nicht hörbar, aber eben darin lag ja der Hohn.... Sodann hielt der Ver- teidiger dem Zeugen entgegen, daß er nacki der Aussage der Einwohner von Mülsen seinem Kutscher, der ihn zu jener Ver- sammlung in Mülsen gefahren harte, besohlen habe, zu tvarten mit den Worten:„er würde sehr bald mit der Versammlung fertig werden und zurückfahren". DaS zeige doch, daß der bcauffichtigcnbe Herr Assessor direkt mit der Absicht in die Versammlung ging, sie möglichst bald so oder anders los zu werden, also nicht in der Ver- fastung war, die Rede ruhig anzuhören und objektiv zu beurteilen. Die alsbald erfolgte Auflösung bestätigt ja auch diese Ver- mutnng. Der Zeuge konnte auf diese wichtige Frage keine aus- reichende Antwort geben: er könne sich nich t entsinnen, vielleicht— habe er den Wagen überhaupt nicht gebraucht. Der zlveite Zeuge der Staatsanwaltschaft, Gemeindevorsteher Sonntag, sagte unter Eid aus. wobei er Wort für Wort dieDarstellung dcrGenossinLuxemburgbestätigte. Zur sichtbaren Uebcrraschung der Anwesenden verwandelte er sich eigentlich in einen Entlastungszeugen für die Angeklagte. Und da erfolgte die folgends interessante Scene. Der Gerichts- v r ä s i d e n t: Hai die Rednerin die Worte gesagt: Der Kaiser habe keine Ahnung von dem, was in Deutschland vorgeht?— Zeuge:„Nee, das hat sie nicht gesagt."— Präsident: Hat die Rednerin in höhnischem Tone gesprochen?— Zeuge:„Nee, nee, sie hat nicht höhnisch gesprochen. Sie hat so gesprochen, wie es sich gehör t."— Präsident: Hat die Versammlung gelacht bei diesen Worten?— Zeuge:„Nein, man hat nicht ge- lacht, man hat bloß laut Bravo! gerufen, wie immer in den s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n Versammlungen."— Der Gerichtspräsident dringt weiter in den Zeugen ein:„Aber der erste Zeuge, der Herr Assessor, hat doch ausgesagr, daß die Angeklagte höhnisch gesprochen hat." Darauf steht der Zeuge einige Zeit ratlos da, um schließlich zu sagen: „Na so eigentlich, wenn man so verstehen will, da hat sie doch damit den Kaiser verhöhnen wollen." Nach diesem äußersten Resultat wurde der Zeuge entlassen. Der Staats- anwalt iah sich jedoch genötigt, auf diesen Zeugen zu verzichten und stützte sich in seinem Plaidoyer nur auf den'Herrn Astestor. Den Widerspruch in der Aussage seiner beiden Zeugen erklärte er durch d�e n Unterschied im B i l d u n g s g r a d" der beiden! Der Staatsanwalt stellte keinen Antrag auf ein bestimmtes Strafmaß, sondern forderte im allgemeinen Bestrafung der Rednerin für Beleidigung und Verhöhnung des Kaisers nach§ 93 des Strafgesetzbuchs. Für den Verteidiger war es ein leichtes, mit der Anklage fertig zu werden. In seinem über eine Stunde dauernden Plaidoyer wies er die Anklage Schritt für Schritt in ihrer Nichtigkeit nach. Er stellte den schwankenden und stark subjektiv gefärbten Aussagen des Assessors die sicheren und logischen Aussagen des zweiten Zeugen und der Angeklagten entgegen, wies die Uusinnigkeit der Behauptung nach, die Angeklagte hätte dem Kaiser eine völlige Un- kenntnis dessen was in Deutschand vorgeht, zu- schreiben wollen. Er setzte auseinander, daß die Berufung auf Japan, nach alledem was jeder halbwegs Gebildete heute von den Kultur- fortschritten Japans wissen müsse, durchaus keine Beleidigung für irgend jemand fein könne. Schließlich schrumpfe die ganze Anklage ans die Behauptung von dem„höhnischen Ton" der Angeklagten zusammen. ES sei aber ein Unding, den Ton vor Gericht zu stellen. In den 12 Wähler- Versammlungen, die die Angeklagte außer dieser in Sachsen allein ab- gehalten hätte und in den im ganzen 27 Versammlungen, in denen sie zur Wahlzeit gesprochen, habe sie nirgends Anlaß zur Anklage gegeben. Hier fehle jeder sichere objektive Tharbestand und die Freisprechung sei das einzig konsequente Ergebnis aus der Verhandlung. Für den Fall der Verurteilung plädierte der Verteidiger dringend auf Festung, da die inkulpierte Handlung der Angeklagten von jedem ehrenrührigen Moment frei sei. Genossin Luxemburg wies noch in ihrem Schlußwort daraus hin, daß die für den Begriff der Majestärsbeleidigung, wie jeder Beleidigung, wesentliche vorsätzliche Kundgebung der Mißachtung vollständig fehlte. Die Absicht, den Kaiser zu beleidigen, liege jedem Socialdemokraten vollständig fern. Die Socialdemokratie bekämpfe die Institutionen und nicht die Personen, die Monarchie und nicht die Person des Kaisers. Die Socialdemokratie suche in den Versammlungen aufzu klären und nicht aufzuhetzen, schon deshalb sei ein Vorsatz der Beleidigung gänzlich ausgeschlossen. Der Eindruck der Verhandlung war ein derartiger, daß im Publikum, daS zum Teil aus Juristen bestand, der Freispruch all- gemein erwartet lvurde. DaS Urteil lautete nach Ift.slüiidiger Be- ratung des Gerichts, wie gemeldet, auf drei Monate Gefängnis. Man darf auf die schriftliche Begründung dieses Urteils ge- spannt sein._ Hm Induftrlc und Handel. Der Halbzengvcrvand fühlt sich in Rücksicht auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe veranlaßt, seine Ausfuhrvergütung zu erhöhen. Er ermächtigte der„Köln. Volks-Ztg." zufolge die Abrechnungsstelle für Ausfuhr in Düsseldorf, mif die im ersten Vierteljahr zur Ausfuhr gelangenden Fabrikate eine Ausfuhrvergütung bis zur Höhe von 15 W. pro Tonne Halbzeugverbrauch zu gewähren. Dieser höchste Satz bestand zwar schon im letzten Vierteljahr 1903, aber nur für Feinblcck«, während für sonstige Waren höchstens 10 M. gewährt wurden. Ein grosses Hechofenwcrk in Hamburg. Schon im Jahre 1900 vor dem Ausbruch der Krise verlautete, daß in der Nähe Hamburgs die Errichtung eines großen Hochofcmverkes geplant sei.'daS teils für den Export arbeiten, teils Materialien für die Hamburger Schiffs- werften, Maschinenbau-Anstalten usw. liefern solle. Wie jetzt der „Köln. Ztg." gemeldet wird, ist in Hamburg dieser Plan wieder aufgenommen, und zwar wird beabsichtigt, zunächst zwei Hochöfen zu errichten, wofür der Senat der Stadt Hamburg bereits einen Platz auf dem Finkcnwerder bei Hamburg vorgesehen habe. Auch werden schon Kapitalien genannt, die angeblich für die neue Anlage bereitgestellt sind, und Persönlichkeiten bezeichnet, die für die Leitung in Aussicht genommen seien.„Inwieweit das in allen Einzelheiten richtig ist," bemerkt dazu das Kölner Blatt,„entzieht sich unsrer Kenntnis. Wir unterlassen es deshalb auch vorerst, näher auf den ganzen Plan einzugehen. Denjenigen, die sich etwa an diesem Unternehmen beteiligen wollen, wird aber zu empfehlen sein, daß sie die aufgestellten Rentabilitätsberechnungen mit ganz besonderer Sorgfalt und Vorsicht daraufhin prüfen, ob ein derartiges Werk Aussichten auf besonders reichliche Erträgniste für die darin an- gelegten Kapitalien bieten wird." Der Plan erscheint in Anbetracht der Hamburger Lohn- Verhältnisse, besonders aber der Entfernung Hamburgs von den west- sälischen Köhlengruben etwas abenteuerlich; aber wahrscheinlich rechnen die Gründer mit der Zufuhr billiger Kohlen durch eigne Kehlenschiffe aus England sowie mit den geringen Transportkosten für daS gewonnene Roheisen— Finkenwerder ist eine Elbinsel unter- halb Hamburgs, von der aus das Roheisen direkt verschifft werden könnte—, und ob durch diese Vorteile nicht manche vorhandenen Nachteile aufgewogen werden, steht noch keineswegs so fest, wie die „Köln. Ztg." anzunehmen scheint. DaS Kalisyndikat. Die heute hier abgchqltene Versammlung Hai zu keinem Resultat geführt, da man sich über die Beteiligungs- ziffer nicht einigen konnte. Der Vertreter dcr fiskalischen Werke er- klärte sich zwar bereit, den jüngeren Werken.Konzessionen zu machen, aber die fünf Werke Solvav, Aschersleben, Westernegeln, Hereyma, Neustahsurt beanstandeten die Einschätzung und erklärten, eventuell ein neues Sonderabkommen treffen zu' wollen. Die Verhandlungen wurden darauf vorläufig auf unbestimmte Zeit vertagt. TaS Stahlwerksverband- Projekt. Die Agitation der rheinischen Unternehmerpresse für den, geplanten Stahlwertsvcrband zeitigt höchst kuriose Erscheinungen. Nicht nur, daß die Blätter in ihrem Bemühen. Gründe für die Nottvendigkeit der Errichtung eines solchen Per- bandes zu erfinden, sich in die lächerlichsten Widersprüche verwickeln, jetzt beginnen sie sich auch schon gegenseitig zu dementieren und sich der völligen Unkenntnis der in Betracht kommenden Verhältnisse zu bezichtigen. Jüngst hatte die„Rhein.-Wests. Ztg." behauptet, daß, wenn ein Zusammenschluß dcr rheinischen und oberschlesischen Werke nicht erfolge, eventuell eine teilweise Konstituierung des Stahlwerks- Verbandes durch den Zusammenschluß von dreizehn Werken der rheimsch-westfälischen und der süddeutschen Gruppe erfolgen werde. Darauf entgeguct in ihrer letzten Sonntagsnummcr ironisch die „Köln. Ztg.":„lieber den augenblicklichen Stand der Berhandlmcgen, die über die Begründung eines deutschen StahlwcrksverbandeS geführt werden, ist in den letzten Tagen durch verschiedene Blätter eine Reihe von unrichtigen und irreführenden Mitteilungen verbreitet worden. Ein Blatt, das sich besonders schlecht unterrichtet zeigte, behauptete, daß sich dreizehn Werte zu einer besonderen Gruppe zusammenschließen würden und daß außerhalb dieser Gruppe neben.5t r u p p, Phönix, B v ch u m- r Verein und den Westfälischen Stahlwerken auch das Gußstahl- werk Witten stehe. Das ist vollkommen unzutreffend, denn das Gußstahlwerk Witten ist an den Verhandlungen überhaupt nicht be» t-iligt: eö kann also auch keiner der bestehenden oder sich bildenden Gruppen zugezählt werden. Im übrigen ist es auch unzutreffend, wenn, wie das in einem andren Blatt geschehen ist, noch immer von dem Gegensatz zwischen der Frankfurter und der rheinisch- West« fälischen Gruppe gesprochen und behauptet wird, daß die Frankfurter Gruppe ihren Standpunkt den übrigen Werken aufzwingen möchte, Das ist ebenfalls unzutreffend, deim die Scheidung zwischen der Frankfurter und der rheinisch-tvestfälischen Gruppe, die in einem früheren Stadium der Verhandlungen allerdings vorhanden war, besteht nicht mehr. Einzelne Werke, die ursprünglich dcr Frank- surter Gruppe angehörten, sind aus ihr ausgeschieden, und die andren haben sich mit dcr Mehrzahl dcr rheinisch-tvestfälischen Werke ver- einigt, so daß man heute von einer vereinigten Äheinisch-Westsälischen Frankfurter Gruppe sprechen muß, die cttva 60 Proz. dcr gesamten Erzeugung in sich schließt. Diese Gruppe hat auch offenbar das erst- erwähnte Blatt im Auge, obwohl die sonstigen Angaben, die es dar- über macht, ebenfalls unrichtig sind. Abgesehen davon nun, daß außerhalb dieser Gruppe noch verschiedene große Werke des Westens stehen, mit denen bisher eine Einigung über die Frage der Beteiligung nicht erzielt werden konnte, sind weitere Schwierig- leiten noch insofern vorhanden, als einerseits die Verhandlungen mit Schlesicn noch nicht zum Abschluß gelangt sind, und als andrer« seitS der Gegensatz zwischen den großen Thomaswerkcn und dar Martinwcrken schwer zu überbrücken ist." Kohlensyndikat. In der am Sonnabend abgehaltenen Zechen- besitzerversammlung wurde nach der„Rhein.-Westfäl. Ztg." für die Monate Januar bis März 1904 die prozentuale Verringerung der Beteiligungscmtcile für Köhlen und Coaks auf 20 Proz. festgesetzt. während für Briquetts die Verringerung auf 30 Proz. bestehen bleibt. Die Abgabe und Entschädigung für den Mehr- und Minder- absatz wurde auf 1,30 M. pro Tonne erhöht, die Strafe für jede Tonne der von den Beteiligten nicht gelieferten Mengen auf 2 M. belassen. Verlängerung dcr Schichtdaner im Ruhrgebiet. Die Ruhr- zechen sollen nach Mitteilung dcr„Köln. Volks-Ztg." eine Ver« längerung der Schichtdauer beabsichtigen, angeblich deshalb, weil die Bergleute nicht geneigt seien, Uebcrschichten zu verfahren. Schon kündigte die Zeche Oberhausen für den 1. Februar eine Verlängerung der Schichten um eine halbe Stunde an. Unter den Bergleuten herrscht darüber große Erregung. Vor» gestern fand eine Belcgschastsvcrfammlung statt, in der der Deutsche Bergarbeiterverband und die christlichen Bergleute sich in der Abwehr dieser Aenderung einig erklärten. Eine Deputation der Bergleute verlangte gestern von der Zechenverwaltung die Beibehaltung der bisherigen Arbeitsordnung. GcwerhrchaftUcbcö. Crimmitschau. Geheimer Kriegsrat der Unternehmer. -.or elnigen Tagen verkündeten unternehmerfteundliche Blätter, daß eine Organisation des gesamten deutschen Unternehmertums vorbereitet werde, wozu die Vorgänge in Crimmitschau die Ver- anlassung gegeben hätten. Der Zweck dieser Gründung soll zunächst sein, die Textilindustriellen Crimmitschaus in dem von ihnen mut» wiflig heraufbeschworenen Machtkampf gegen die Arbeiter zu unter» stützen' und weiter den gemeinsamen Widerstand gegen die gewerkschaftliche Bewegung zu organisieren. Im Jargon der Scharstnacherpresse heißt daS„Abwehr unberechtigter Bestrebungen der Socialdemokratie". Geheimer Kommerzienrat Vogel, der führende Scharfmacher im Crimmitschauer Kampfe, ist die Seele der Neugründung zur Niederdrückung der ge» ioerkschaftlichen Arbeiterbewegung. Er ist es auch, auf dessen Be« treiben sich eine Gruppe von Industriellen in Berlin am Sonntag im Kaiserhof zusammenfand, um eine Vorbesprechung abzuhalten für die Verwirklichung des Planes, den Crimmitschauer Textilbaronen den Rücken zu steifen durch den Zusammenschluß des gesamten Unter» nehmertmnS. Da der Kampf in Crimmitschau augenblicklich im Vordergrunde des öffentlichen Interesses steht, so war auch die am Sonntag abgehaltene Unternehmer- Versammlung von Interesse für die Oeffentlichkeit. Die Herren aber, welche im Kaiser» hos tagten— es war übrigens nur eine kleine Zahl, etwa 40—30 — hielten es für angebracht, die Oeffentlichkeit bei ihren Ver- Handlungen auszuschließen. Vertreter der Presse wurden nicht zugelassen.— Wie erklärt sich diese ängstliche Scheu vor der Oeffentlichkeit? Wenn die Herren das wirklich glauben, was sie in den ihnen dienstbaren Blättern in die Welt hinausposaunen, ivenn sie eS selber für wahr halten, daß die Crimmitschaner Textilarbeiter durch gewissenlose socialdemokratische Hetzer zu einer Machtprobe veranlaßt worden sind, und daß den bedrängten Unternehmern in Crimmitschau nun die Hilfe ihrer Klassengenossen in weitestem Maße zu teil werden soll, dann hatten die Industriellen wirklich keine Veranlassung, ihre Beratungen vor der Oeffentlichkeit geheim zu halten. Während man der Berliner Presse unmöglich machte, über die Verhandlungen der Unternehmer unparteiisch zu berichten, stellte Herr Kommerzienrat Vogel der Chemnitzer Presse einen Bericht zur Ver- fügung. Der Draht berichtet darüber: Die Versammlung deutscher Industrieller billigte einstimmig die Haltung dcr Crimmitschaner Arbeitgeber und erklärte sich zu deren ferneren Unterstützung bereit. Vom Centralverband deutscher Industrieller wurde mitgeteilt, daß der Geldbedarf für die Crimmitschauer Fabrikanten jetzt schon auf Dtonate hinaus ge- sichert sei. Die Versammlung sprach einstimmig ihr Vertrauen zur bisherigen Führung aus und beschlog, einen allgeiueincn deutschen Arbcitgebrrverbnud ins Leben zu rufen. Mit der Ausführung dieses Beschlusses wurde ein aus 11 Personen bestehendes Komitee betraut. Auch der Vertrauensmann der Scharfmacher, Schweinburg, verbreitet nähere Mitteilungen über die Verhandlungen. Herr Vogel hat danaa) ganz besonders scharf betont, wie die Crimmitschauer Arbeitgeber alles versucht haben, um den Frieden mit ihren Arbeitern aufrecht zu erhalten, bis es eben nicht mehr Wetter ging. Die Arbeitgeber wollten keine Unterstützung, aber auch keine Vermittlung der Rc-iicrung. An Unter- stützungen seien wöchentlich 50 000 M. nötig, die auf längere Zeit gesichert seien„dank dem thatkräftigen Eingreifen des Central- Verbandes". Die Mittel seien so reichlich, das, das Anerbieten eines großen Bankinstituts, in den Kreisen der deutsche» Bankwclt eine Sammlung in großem Stil für die Crimmitsckiauer Arbeitgeber ein- zuleiten, vorläufig mit Dank abgelehnt werden komtte. Was mag das lvohl für ein großes Bankinstitut gewesen sein? Tie elf Socheiser des Komitees sind Beumer, Blohm, Bueck, Groß- Augsburg. Heckmann, Holtz, Krabler. Vogel- Chemnitz, Bopelius, Vor st er. Wendlandt. Auch eiuc„Aufreizung zum Klassenhaß". Die Prozesse gegen die Ausgesperrten und ihre Führer in Crimmitschau enden, selbst lvenn sie zu einer Verurteilung der An- geklagten führen, stets mit einer moralischen Rechtfertigung der Ausgesperrten. Bekanntlich werden über dieselben die schlimmsten Terrorismus-Borwürfe beweiSlos verbreitet und finden ihren Weg selbst in die Parlamente. Dieser Tage hatte sich nun wieder der Genosse Köhler als Vorsitzender deS GcwerkschaftS- Kartells in Crimmitschau wegen Aufreizung z u m K I a s s e n h'a ß zu verantworten. Es handelte sich in der Anklage um ein Flugblatt an die Arbeiterschaft, in dem dieselbe zur llnterstütznng der Weber aufgerufen wird mit den Worten: .Auf die Schanzen!"„An die Gewehre!"— Die Staatsanwaltschaft bringt das Unglaubliche fertig, diese retorischen Wendungen wörtlich zu nehmen! Im andren Falle könnte sie nämlich gar teine Anklage erheben.— Heiliger Pückler l Bürgermeister Beckmann führte als Zeuge ans:„Das Flugblatt habe ich konfisziert von der Erwägung ausgehend, daß, wenn das negative Ergebnis der Einigungs- Verhandlung bekannt werde, das Flugblatt die gereizte Stimmung vermehren werde. Auch befürchtete ich Ruhestörung." — Diese EinigungSvcrhaudlungcn verliefen bekanntlich negativ, iveil die Fabrikanten das Erscheinen vor dem Gewcrbegericht ablehnten. Interessant war an der Aussage des Zeugen noch, daß er das Einschlagen der Fe n st er, das auch im Reichstage eine Rolle spielte und jetzt neuerdings von der Scharf- macherpresse(siehe gestrige„Neueste Nachrichten") wieder aufs Tapet gebracht ward, nicht auf das Conto der„Strrikeudeu" setzt! Polizei-Jnspektor Elsner soll darüber Auskunft geben, wie sich die„streikenden" Arbeiter vor und nach dem Erscheinen dieses Flugblattes betragen haben. Er meint: Nach Erscheinen des Flug- blattes hat sich die Erregung gesteigert nicht nur bei den Streikenden sondern auch bei den Fabrikanten. ES war allgemein Besorgnis vorhanden, daß etwas Besonderes vorfallen könne. Die Leute ver- iveigerten ihre Namen, in den Bürgerkreisen war die Meinung vor- banden, daß es noch zum Blutvergießen komme. Daß EewaltthStig- tciten vorgekommen, könne er sich nicht entsinnen. Amtsrichter Kaiser giebt an: Bis zun. Erscheinen deS Flug- blattes standen 11 Sachen an. Seitdem sind 32 Sachen zur Ab- urteilung gelangt. Die Stimmung nach dem Erscheinen kenne er ans den Verhandlungen: sie war eine gereiztere. Thätliche Be- leidigung wäre nnr in zwei Fällen zur Aburteilung gelangt. Ein Fall sei noch nicht entschieden. Es werden sodann noch eine ganze Anzahl von Zeugen ans den Reihen der Streikenden vernommen, welche in den Worten keine Aufforderung zum Straßen kämpf erblickt haben, sondern nur eine Aufforderung zur Unterstützung. Die Be- völkerung Crimmitschaus neige überhaupt nicht zu Gcwaltthättgkeiten. Das Gericht beschloß, die Sache behufs to eiterer Zeugen- v'e r n e h m n n g zu �vertagen. Auch dir Untrrnrhnicrkreise sollcn darüber befragt werden._ Berlin und lllmgegend. Achtung. Parkettleger! In dem Parkettgeschäft von A. u. H. Mittag, Grolman- slraßc 35, haben am Montag sämtliche Parkettleger die Arbeit ein- gestellt. Die Firma ist die einzige, welche den 1900 mit dem Holz- arbettcr-Berband vereinbarten Tarif nicht zahlt. Herr Mittag hat einen Llgenten mit Namen Fischer aus Leipzig beauftragt, von außer- halb Parkettleger hcrm, zuziehen. Sämtliche Parkettleger Berlins sind organisiert und lverden alles thun, um auch die Firma Mittag zur Anerkennung des Tarifs zu veranlassen. Zuzug von auswärts ist fernzuhalten. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Branchenkommission der Parkettbodenleger. I. A.: Paul Walter. Oeutlehe» Reich. Zur Schnetderaussverrnng in Jena ist weiter zu berichten, daß der Vorsitzende des Gelvcrbegericksts. Dr. Wagner, die Beteiligten aufgefordert hat. das Gewcrbcgcricht als Einigungsmnt anzurufen. Während die Gehilfen dazu bereit waren, verhielten sich die Arbeit- gcbcr— wie in Weimar— strikt ablehnend. Infolge der riefigen Anstrengungen des Arbcitgcbcrverbandcs, der überall inseriert, treffen fast täglich Arbeitswillige von auswärts ein, die aber mit der gleichen Regelmäßigkeit wieder von dannen ziehen, lvenn sie über die Sgch- läge Aufklärung erhalten haben. Die Lohnbewegung der Zwicker von der Finna Heinrich Jehl «. Co. in L e i s n i g ist durch Vergleich beigelegt. In der Fürther SpiegelglaSindustrie stehen ernste Differenzen bevor. Die einst so blühende Industrie ist von einer schweren Krise bedroht. Mit Neujahr wurde die PreiSkonvcntion der Unternehmer aufgelöst, und sofort entwickelte sich eine wilde Preisdrückerci, deren Folgen natürlich wieder die Arbeiter tragen sollcn, die sich seit Jahren schon vielfach bedeutende Lohnverkürzunge» gefallen lassen mußten. Neuerdings sind wieder in mehreren Fabriken Lohnkürzungen vor- genommen worden, in andren sind sie angekündigt. Die Lebens- Haltung der Glasarbeiter verträgt aber keine weitere Verschlechterung mehr. In einer Versammlung wurden die Lohnzettel eines ganzen Jahres vorgelegt, nach denen der Wochenlohn 6, 7, 11 und 16 M. betrug, der geringste Lohn war 3 M. der höchste einmal 23 M. und einmal 28 M. Im ganzen Jahre betrug der Lohn 692 M.. also 13'/- M. pro Woche im Durchschnitt. Ter Glasarbeitcrvcrband ist bemüht, die drohenden Differenzen abzuwenden. Dieser Tage war der Centralvorstand am Orte und besuchte mit der Leitung der Zahlstelle die Fabrikmtten, um die Einführung eines einhettlichen Lohntarifs anzubahnen. Ein Teil der Unternehmer erklärte sich bereit, auf ein VcrtragSverhältniS einzugehen und durch eine gc- memschaftluste Kommission einen einheitlichen Tarif ausarbeiten zu lassen, der für eine bestimmte Zeit Geltung haben soll; andre machen Ausflüchte oder kehren den„Herrn im eigenen Hause" heraus. Eine GlaSarbeitcrversainmlung faßte den einstimmigen Beschluß, an den Stadtniagisirat die Aufforderung zu richten, daß er alles aufbieten möge, die drohenden Differenzen zu verhüten, da eine Iveitere Ver- schlcchterung der Erwerbsverhältniffe der Glasarbeiter nicht nur die bürgerlichen Kreise in Mitleidenschaft ziehen, sondern im Verein mit der schon herrschenden Arbeitslosigkeit auch die Stadl schwer belasten würde. Eine Lohnreduktion soll unter keinen Umständen mehr gc- duldet werden._ Gerichts-Zeitung. Der Mord in Stccgers vor dem Könitz» Schwurgericht. Könitz, den 13. Januar 1904. Ein Nachspiel zu der Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter in Könitz, die bis zum heutigen Tage eine Sühne nicht gefunden hat, bildet gewissermaßen der Todschlags-Prozeß, der heute daS hiesige Schwurgericht beschäftigt. Aus der Anklagebank sitzen unter der Beschuldigung,, am Abend des 28. September vorigen Jahres den jüdischen Schriftsetzer Berthold Levy aus Warschau zu Tode geprügelt zu haben: 1. der Schlossermeistcr Mar Hahn und 2. der Nachtwächter Johannes V e r g i n aus dem kleinen westpreußischen Städtchen Steegers. Die beiden Angeklagten befanden sich am 28. September im Verein mit andern Einwohnern in der Gast- Wirtschaft von Schälke, woselbst auch der ermordete Levy. der tags zuvor überAlexandrowo von WarsckaNjjllgereist war.Luarticr genommen hatte. Der fremde Mann mit dem jüdischen Aussehen und Namen erregte naturgemäß gerade zu dainaligcr Zeit, wo die antisemitische Agitation im Lande mit der unaufgeklärten Erinordung des Ernst Winter wirkte, allgemeines Interesse. Die gegen den Schlächtermeister Levy in Könitz erhobene Anklage, welche schließlich mit der Freisprechung des schiocr Verdächtigten geendet hatte, war noch in aller Erinnerung und ebenso_ die iir der damaligen Verhandlung aufgetauchte Vermutung, daß von auswärts gekommene Inden im Verein mit dem Namensvetter des Fremden die Ermordung des unglücklichen Gymnasiasten bewerkstelligt hätten. Dazu kam noch, daß man sich gerade am Vorabend des jüdischen VersöHnungSsesteS befand. Die Folge davon war, daß Levy allerhand Sticheleien von seilen der zum Teil angetrunkenen Gäste ausgesetzt war. Man fragte ihn, ob ein Seitenstück zu dem Konitzer Mord in Steegers geplant sei und forschte den Fremden über seine Anficht bezüglich der Konitzer Mordthat au?. Levy verbat sich diese Anzapfungen und Beleidigungen und beging darauf die Unklug- hcit, nun auch seinerseits aggressiv zu werden, indem er auf dw antisemitische Bewegung schall und der Vermutung Ausdruck gab. daß vielleicht die Antisemiten selbst den Mord in Könitz begangen hätten, um den Juden eins auswischen zu können. Darob erhob sich ein Heidenlärm in der Wirtschaft. Man drang ans Levy ein und siel über den Wehrlosen mit Fäusten und Stöcken her. Namentlich die beiden Angeklagten sollen sich an dieser Schlägerei sehr lebhaft beteiligt haben. Schlossermeister Hahn soll den Levy gezwungen haben, niederzuknien und das Vaterunser zu beten, woraus der Ängeklagte Vcrgin dem Levy dann einen SÄlag versetzt haben soll, an dessen Folgen der Unglückliche am nächsten Morgen verschieden ist. Der Fall hat seiner Zeit großes Aufsehen erregt und sogar den für den Kreis Schlochau-Flatow gewählten antisemitischen ReichStagS-Abgcordneten Redakteur Böckler-Berlin zu einer Erklärung auf dem Parteitage der antisemitischen Partei in Berlin veranlaßt, wonach er bei seinen AgitationSreisen niemals in Steegers gesprochen, also die dorttge Bevölkerung auch nicht gegen die Juden aufgereizt haben könne. Gerade dort habe man ihm jedesmal die Säle verweigert. Die beiden Angeklagten sollcn ihre Stimme bei der letzten RcichStagSlvahl auch nicht dem antisemitischen Kandidaten, sondern dem der Polen ge- geben haben. Beide Angeklagten sind noch nicht bestraft und haben seiner Zeit angegeben, sie wären total betrunken gewesen. Der An- gcklagie Bergin ist Vater von acht Kindern. Den Vorsitz im Gerichts- Hofe führt Landgerichts-Direktor Monschaw. Unter den Geschworncn befindet sich ein einziger Israelit, Kauf- mannn Solomon Friedlaendcr(Zempelburg). Dieser wird vom Staatsanwalt angenommen, vom Verteidiger, Rechtsanwalt Gebauer. abgelehnt. Ans den Verhandlungen sei folgendes wiedergegeben: Vors.: Es wird erforderlich sein, zunächst festzustellen, ob der Angeklagte überhaupt vcrhandlungsfähig ist. Dr. med. N c u ß, der den Angeklagten in Bublitz behandelt hat, bekundet auf Befragen des Vorsitzenden, daß der Angeklagte tark zum Alkohol neige.— Kreisarzt Dr. König bemerkt danach: Der Angeklagte Hahn habe ihm heute früh über körperliches Un- behagen geklagt, er halte aber denselben für verhmidlungsfähig und 'ei auch der Ansicht, daß der Angeklagte bei Begehung der That sich in einem Zustande befand, in dem seine freie Willcnsbesttmmung nicht ausgeschlossen lvar.— Es wird danach in die sachlich« Ver- Handlung eingetreten. Der Angeklagte Hahn bemerkt auf Be- ragen des Vorsitzenden: Am Abend des 28. September 1903 sei in der Schülkeschcn Gastwirtschaft ein Jude gewesen. Der Postbote Werner kam in die Gastivittschaft und verteilte Briefe. Da sagte der Jude: Ich bin Postdirektor und werde den Postboten anzeigen; nach 8 Uhr abends dürfen Brief« nicht mehr ausgeteilt lverden. Tischlermeister Stutzke ärgerte sich darüber und gab dem Juden eine Maulschelle. Daraufhin lvar der Jude sehr aufgeregt und fragte: ob die Anwesenden katholisch oder evangelisch seien? Als ihm ge- mitivortct wurde: beides, begann der Jude in einer fremden Sprache zu singen.— Vors.: Was lvar das für eine Sprache?— A n g c k l.: Ich ivciß es nicht, die anwesenden Katholiken sagten: er singt lateinisch, er scheint das„Paternoster" zu singen.— Vors.: War der Gesang nicht hebräisch?— A» g c k l.: Ich kann cS nictit sagen.— Vors.: Betete der Jude vielleicht für sich bcbräisch oder sind Sic der Meinung, daß er eine evangelische oder karholische gottesdienst- liche Handlung vcrhöhnan! ivollte?— Sin gell.: Ich war der Ansicht, daß er eine gottesdiernttiche.Handlung nachahmen wollte, deshalb war ick ärgerlich.— Bors.: Sic hielten es für eine Verhöhnung einer christlichen gottesdienstlichen Handlung? Haben sich die andren auch darüber geärgert?— A n g e k l.: Ich nicht, es haben sich alle geärgert.— Vors.: Sie und Graebcr haben deshalb den Juden auf den Kvvf geschlagen?— A n g e k l.; Jalvohl.— Bors.: Ist der Jude ins Gespräck gezogen worden?— A n g e k l.: Der Jude hatte sich ohne Veranlassung ins Gespräch gemischt. Der Angeklagte H a h n erzählt im weiteren ans Anfrage des Vorsitzenden: Nachdem Schulte Feierabend geboten hatte, sei er, Schälke, ein fremder Fleischergeselle und der Jude im Lokal geblieben. Er sei noch geblieben, da Schülke ihm Abendbrot geben wollte. Der fremde Fleischcrgesclle sagte: Ich bin mit dem Juden von Hammer- stein gekommen; dort hätte er auch bald Wichse wegen gotteslästcr- licher Redensarten erhalten. Sehr bald sei auch Nachtwächter Vergilt in die Gastwirffchaft gekommen. ES sei Schnaps getrunken worden, der Jude habe aber keinen Schnaps bekommen.— Vors.: Woher wissen Sie, daß es ein Jude war?— A n g e k l.: Das wurde gesagt. Vors.: Sah er denn aus wie ein Jude?— Angekl.: Jüdisch sah er aus.— Der Vorsitzende teilt mit: es sei bei dem Getöteten eine Alters- und Jnvaliden-Versicherungskarte gefunden worden, die in Hannover ausgestellt ist. Danach hieß der Getötete: Abraham Lewy, er war am 22. Februar 1845 zu Warschau geboren und Schrifffctzcrgehilfc.— Ter Angeklagte Hahn bemerkt ferner auf fragen des Vorsitzenden: Der Jude sagte plötzlich: Wenn heute Ehristtls auf die Welt käme, dann würde er wieder verdammt und gesteinigt lverden. Darüber ärgerten wir uns, Vcrgin ergriff den Juden an der Brust, wirbelte ihn ein paarmal umher, so daß der Jude zur Erde fiel. Alsdann versetzte Vergin dem Juden mit seinem Stock ein paar Schläge. Er(Angeklagter) habe den cstock des Fleischergcsellcn genommen und damit dem Juden auch etlva 6 Schläge versetzt. Der Jude wollte sich darauf erheben, das konnte er aber nicht, erst später sei er ausgestanden und in seine Kammer gegangen. Vors.: Sie haben den Juden nicht mit Füße» getreten und ihn „geschuppst"?— Angekl.: Nein.— Vors.: Sie sollen sich, als Sie am folgenden Tage hörten, daß der Jude tot sei, gerühmt haben, daß Sie denselben heftig mit einem dicken Stock geschlagen haben und zwar ohne zu sehen, wohin Sie schlugen?— Angekl.: Davon weiß< ich nichts.— Der Vorsitzende bemerkt den Geschworenen, daß der fremde Fleischcrgesclle und auch dessen Stock trotz aller Nach» forschungen nicht aufgefunden lverden konnte.— Der Angeklagte Vcrgin bemerkte auf Befragen des Vorsitzenden: Er, der Jude, habe sich gerühmt, er könne die Gesänge und gottesdienstlichen Hand- langen aller Konfessionen nachahmen. Darüber und über andre gotteslästerliche Redensarten des Juden habe er sich geärgert. Er habe daher den Juden am Kragen gefaßt, ihn ein paarmal in der Luft hcrnmgewirbelt, auf die Erde geworfen und ihm mit seine r Stock einige Schläge versetzt. Darauf habe Hahn den Juden auch niir einem Stock geschlagen.— Vors.: Wofür wurde der Jude gc- schlagen?— Vergin: Das kann ich nicht sagen.— Vors.: Wurde der Jude nickst auch mit Füßen getreten?— Berg in: Nein.— Vors.: Was geschah dann weiter?— Vergin: Der Jude stand schließlich auf und sagte: er wolle schlafen gehen.— Vors.: Klagte er nicht über Schmerzen?— Vergin: Nein.— Vors.: Waren Sie angetrunken?— Angekl. Vergin: Nein.— Vor s.: Hahn, Sie waren an diesem Abend auch nicht angetrunken?— Angekl.: Etwas lvar ich angetrunken. Tie Zeugen Gemeindevorsteher Mausolf-Srccgers und Amts- Vorsteher Schulz-Hammcrstein geben dem Angeklagte» Vergin ein gutes Zeugin. Einige Zeugen bekunden, daß Lcwy die Schlägerei provo- zierr habe. Die medizinischen Sachverständigen geben ihr Gutachten dahin ab, daß der Tod des Lewy offenbar infolge der Mißhandlungen eingetreten sei. Der erste Staatsanwalt Schweigger beantragt, die Angeklagten der schweren Äörpcrletzung schuldig zu spreche»! In später Nachmittagsstunde wird das Urteil verkündet. Es lautet: Der Schlossermeistcr Hahn wurde unter Zubilligung mildern- der Umstände zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Ter Nacht- lväckstcr Vergin wurde freigesprochen» da die Geschworenen die Schuldfrage ihm gegenüber verneinten. Zum Polizeikampf gegen Streikposten. Anläßlich des Gürtler- und Drückerstreiks hatte der Arbeiter G. Streikposten gestanden. Er wurde polizeilich sisttcrr, niit einem Strafmandat über 30 M. bedacht und auch vom Schöffengericht zur Zahlung verurteilt, weil er der Aufforderung des Schutzmanns, sich zu entfernen, keine Folge leistete Auf die eingelegte Berufung hin erkannte gestern l- 8. Strafkamnicr ans Freisprechung mit folgender Begründung: Dur.:, die Beweisaufnahme sei festgestellt, daß der Angeklagte wie auch die übrigen Streikenden sich durchaus ruhig, ordentlich und anständig betragen hätten. Es seien bei dem Streik wohl die Interessen der Fabrikanten, nicht aber öffentliche Interessen verletzt worden, des- halb sei die polizeiliche Fortweisung der Streikposten zu Unrecht erfolgt. Bor dem Schöffengericht wurde gegen den Metalldrücker S. verhandelt, weil er bei demselben Streik groben Unfug verübt und einen Auflauf verursacht haben soll, indem er in Gemeinschaft mit 16 andren Arbeitern zwei Arbeitswillige der Thade- scheu Fabrik verfolgte. Der als Zeuge geladene Schutzmann wußte nicht zu sagen, ob der Angeklagte Arbeitswillige belästigt oder verfolgt habe; er habe ihn nur mit andren Personen vor dem Polizei- burcau stehen sehen und seine Fortweisung für notwendig gehalten, weil die Polizei Arbeitswillige von und nach der Arbeitsstätte habe begleiten müsse». Zcugc Fabrikant Thade erklärte, er wisse auch nickst, ob der Angcklagc Arbeitswillige belästigt hat; polizeiliche Hilfe habe er lediglich deshalb erbeten, um sich auf diese Weise einige Arbeiter zu erhalten. Der angeblich verfolgte„Arbeitswillige" de- kündet, er sei von niemandem belästigt worden, habe auch keinen Menschen um Schutz angerufen und auch keine Besorgnis vor Aus- schreitungen der Streikenden empfunden. Die Schutzmafmahmen der Polizei habe er über sich ergehen lasse», weil sein Chef es so wünschte. Ans Anttag des Verteidigers, der an diesem drasttschien Falle wieder zeigte, was es mit dem viclvcrschriccnen«T e r r o r i s m u S" streikender Arbeiter eigentlich auf sich hat und wie die Polizei lediglich im Privatinteresse der Unternehmer gegen die Arbeiter eingeschritten ist. erkannte das Gericht auf Frciwrechung und legte auch die Kosten der Vertetdigmig sowie die dem Angeklagten erwachsenen Auslagen der Staatskasse auf. Dies geschah nach den Ausführungen des Vorsitzenden deshalb, weil es bekannt sei, daß solche Strciksacken bis in alle Instanzen durchgefochten würden und die Angeklagten da eines Verteidigers nicht cntraten könnten. Im übrigen hätte es den Polizeibeamten auch schon zum Bewußtsein tommen müssen, das? Sie Streikenden als Streikposten lediglich ein Recht ausübte», welches ihnen laut Entscheidung des Reichsgerichts gesetzlich eingeräumt sei. Das Urteil rechtfertige sich, da sich die dem Angeklagten zur Last gc- legten Beschuldigungen als völlig haltlos erwiesen hätten. Die Berufungsinstanz beschäftigte sich am selben Tage mit der Sache des Feilenhauers Z a a g e. der vom Schöffengericht zu drei Tagen Gefängnis verurteilt lvar, Iveil er als Stteikpostcn beim Fcilenarbcitcrstrcik mit Bezug auf einen Arbeitswilligen gcsagc Hecken sollte:„Das ist auch einer von denen." Wie noch erinnerlich sein dürfte, hatte dieser Arbeitswillige mit seinem Bruder zusammen den Angeklagten nach jenem Ausspruch auf das brutalste gcmißhandelt. Beide hatten außerdem die Umstehenden mit Revolvern bedroht, die sie sich auf Anraten von Polizeibeamten hin gekauft hatten. DaS Gericht sprach den Angeklagten frei, da nickst erwiesen sei, daß sich jener Ausspruch mif den Arbeitswilligen be- zogen habe.. Wer terrorisiert? Versammlungen. Lichtenberg. Eine öffentliche Versammlung aller Gewerkschaften am Orte tagte am 11. Januar im großen Tale von Höflich. Genosse Litfin sprach über:„Die Gewerkschaften und ihre Zukunft". Der Redner kam im Verlaufe seines mit reichem Beifall aufgenommenen Vertrages zu dem Schlüsse, daß gar keine Veranlassung vorhanden wäre, aus dem Umstände, daß sich die gewerkschaftlichen Kamp'- immer mehr zu Machtfragen zuspitzten, eine Besorgnis für die Eni- Wicklung der Gewerkschaften zu hegen. Redner ermahnte zur fleißigen und systematischen Agitation und appellierte an das Znsammengebörtgkeitsgesühl der Arbeiter. Die nachfolgenden Redner Brauer, Buse und Liebermann feuerten die Anwesenden im gleichen Sinne an und wiesen besonders auf die bevorstehenden Wahlen zum Gewerbegericht und zur General- Versammlung der Orts-Krankenkasie hin.— Am Schlüsse der Versammlung wurde empfohlen, daß jeder Gelegenheit nehmen solle, die Wählerliste zur Gemeindewahl, die vom 15. bis 30. Januar d. I. im Ralhause von Lichtenberg ausliegen müsse, einzusehen. Wer nicht in der Liste verzeichnet i)t, mutz sofort feine Nachttagung veranlassen, wenn er nicht seines Wahlrechtes verlustig gehen will. Letzte Nachrichten und Depefchen. Paris, 18. Januar.(W. T. B.) In der Deputiertenkmnmer wurde heute ein Aktenstück verteilt, welches die Ergebnisse der von der Zollunterkommission angestellten Prüfung der Tarife Deutschlands, Englands, Belgiens, Italiens, Rußlands» der Schweiz usw. enthält. Ein zweites Aktenstück mit den Ergebnissen der Prüfung der Zolltarife andrer Länder wird demnächst ver öffentlicht werden. Erst dann werden allgemeine Schlußfoigerungcn gezogen werden aus allen den vorgenommenen besonderen Prüfungen. Vnrnos Aires» 18. Januar.(Meldung der„Agcnce Havas"). Einem Telegramm ans M o n t e v i d e o zufolge hat bei Jlleseas ein blutiger Kampf zwischen den Negierungstruppen und den Aufständischen stattgefunden. Letztere seien geschlagen worden. Sie hätten gute Stellungen innegehabt, aber zu den Regierungsttuppen gestoßene Verstärkungen und die Mitraillcusen hätten sie zum Rückzüge gezwungen. Ein andrer Kampf soll bei Mansavillagra vorgefallen sein. Es heißt, Aparicio Saraiva sei am Bein verwundet worden. General Muniz verfolge die Anfftändiscken lebhaft. Porantw. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Inseratenteil vercmtw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer chCo.. Berlin L1V. Hierzu 2 Beilagen». Unterhaltungsblatt »t. i5. 21.?°w.g. 1. Ktllllgt des Imilkts" Kerlilltt VsIdsdlM 19 1904 Rclcbstag. 13. S i tz u n g. Montag, den 13. Januar 1904. n a ch„i i t t a g s 1 Uhr. Ani Vunde-ZratStifchc: Reichskanzler Graf B ü l o w, Graf P o s a d o Iv s k l,. v. T i r p i tz. F r h r. v. R i ch t h o f e ,r. Präsident Graf Ballcstrrm teilt init, daß der Äaiser dein Reichs- tage wieder eine neue ZchiffStabelle„England II. Nachtragötafcl" hat überreichen lassen. Dem Abg. v. Vollmar werden auf seinen Antrag weitere vier Wochen Urlaub bewilligt. Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt das Wort Reichskanzler Graf Biiloai; Meine Herren? Ich betrachte es als meine Pflicht, diesem hohen Hause Aufschluß zu geben über die ernsten Ereignisse in Südwest- Afrika und Mitteilung zu machen von den Massnahmen, die wir zum Schutz von Leben und Eigentum Hunderter von dortigen deutschen Ansiedlerfamilien unverzüglich in das Werk werden setzen müssen. Der Aufstand der Hereros. der in wenigen Tagen eincn bedrohlichen Umfang angenommen hat. ist ohne sichtbaren Anlaß und auch für genaue Kenner des Schutzgebietes unerwartet Zum Ausbruch gekommen. Die ersten Nachrichten über die Möglichkeit einer solchen Erhebung haben wir heute vor acht Tagen ans den Schutzgebieten erhalten. Die seitdem ein- gegangenen und von uns durchweg sofort veröffentlichten Tele- gramme lassen leider keinen Zweifel an dem Ernst der Lage. Der Aufstand hat in wenigen Tagen den von der Eisenbahn durchzogenen und von Weißen am dichtesten besiedelte» Teil der Kolonie er- griffen. Die Früchte des Fleißes und der Ausdauer eines Jahrzehnts sind im Aufstand Sgebict vernichtet worden, ein grosser Teil der An- fiedler hat fem Eigentum an Haus und Hof, an Land und Gut verloren. Schwerer noch ist die Sorge um das Schicksal der von ihren Farmen nach den Stationen geflüchteten Weißen, die jetzt einen verzweifelten Kampf gegen eine Ucbermacht von Eingebornen führen. Es läßt sich heute noch nicht übersehen, wieviel von den in weiten Entfernungen über das Land verstreuten Farmrrfamilien nicht mehr rechtzeitig die schützende« Mauern der Station haben erreichen können. Der Aufftand ist in einem Zeitpunkt ausgebrochen, als sich der Gouverneur mit dein Gros der Schutztruppe Ivcgcn der Erhebung der B o n d c l- z w a r t S im Süden des Schutzgebietes mehr als Li) Tagcmärschc von dem Schauplatz der gegenwärtigen Katastrophe entfernt befand. Dadurch sind die Zufluchtsorte itp Gebiete der Kolonie nur niit schwachen, auf weite Gebiete zersplitterten Kräften versehen. Okahnndia und Karibib sind aufs äußerste bedrängt, Windhuk selbst, die Haupt- stadt des Schutzgebietes ist ernstlich bedroht. Gleich die ersten Nach- richten zeigten die Notwendigkeit einer ansehnlichen Verstärkung der Schutztruppcn. Infolgedessen wurde die Entsendung von 5vi) Manu mit sechs Maschinen- Kanone» vorbereitet. Ihre Zustimmung zu dieser Maßnahme wird im Wege von Vorlagen erbeten, die ich nach bereits erfolgter Genehmigung durch den Bundesrat Ihrem Herrn Präsidenten hiermit übergebe, und die einen Nachtrags-Etat von 1903 und einen Ergänzungs-Etat von 1904 umfassen. Die erbetenen Truppen dürften jedoch nicht vor dem 30. Januar resp. 6. Februar die Ausreise antreten. Die am Sonnabend eingetroffenen Nachrichten. die das schlimmste befürchten lassen, machen aber sofortige«eitere Massnahmen notwendig. Es sind deshalb noch gestern alle Vorbereitungen getroffen worden. »in ein zusammengestelltes Bataillon Marine-Jnfanteric von lrOO Mann nebst einigen Geschützen und einem Drtochemcnt Eisenbahn-Pionicre» mit größter Beschleunigung zu expedieren. Diese Truppen werden am Donnerstag mit einem Dampfer des Norddeutschen Loyd in See gehen, dessen Eintreffen in Swakopmund etwa am 8. Februar erwartet werden kann. Für die Kosten, die durch die AuSsendung dieser Truppen entstehen, deren Höhe sich heute noch nicht genau feststellen läßt, werde ich zur gegebenen Zeit die nachträgliche Genehmigung des hohen Hauses nachsuchen. BiS zum Eintreffe» der Marine-Jnsanterie wird durch einen jetzt unterwegs befindlichen AblösuugötranSport von 230 Mann, der am 3. Februar in Swakopmund fällig ist, bereits einige Unterstützung gebracht werden. Außerdem hat das in Kapstadt stationierte Kanonen- boot Befehl erhalten, nach Swakopmund in See zu gehen. Das Schiff wird dort voraussichtlich bereits heute eintreffen. Meine Herren! Die geplanten Matznahmen sind, soweit sich die Sachlage bis jetzt übersehen läßt, das Mindestmaß desjenigen, was wir unsrcn in der Kolonie in vollster Pflichttreue thätigen Beamten und Soldaten schuldig sind, tvie auch denjenigen, die sich dort an- gesiedelt haben im Vertrauen auf den Schutz des mächtigen Deutschen Reiches, und vor allem unfern deutschen Mitbürgern, die dort für deutsche Sitte eine neue Heimstätte begründet haben. Die Borgänge der letzten Tage und die Hilferufe unsrcr auf das äußerste bedrängten und bedrohten Landsleute werden— das hoffen die verbündeten Regierungen zuversichtlich— das deutsche Voll uud seine Vertretung einig finden in schleunigem Eintreten für die Rettung der Bedrohten und für die Verteidigung der Ehre unsrer Flagge./- bis»V-«br abends statt. Geöffnet: 7 Mir. 31. T. 6. Soweit ersichtlich, kann die Slusübung des Wdeckerci- Privilegiums noch in vollem Umfange geltend gemacht und Schadensersatz begehrt werden. Die Klage mühte durch einen Anwalt eingereicht werden. Ob etwa das Privileg beim Hauskauf übertragen ist, können Sie aus den Grundbllchakten feststellen. Ob Verjährung vorliegt, jläht Ihre Frage nicht ersehen.— N. 99, A.®., I. B. 88. Ja.— 17.©. 7. 1. Auch die Lnspcktor mit oder beantragen Sic bei der Staatsanwalhchäst Bestrasung.— — GcwerkschaftShaus Stralsund. Wenn die Kündigung per 1. Januar und nicht etwa, wozu der Chcs berechtigt war. die Entlassung am t. De- zember ausgesprochen ist, so ist für den Dezembernionat Gehalt zu zahlen. — G. H. 1. Wenn Ihr Lohn läOO M. jährlich nicht übersteigt und es sich um eine andre als eine Alimenten- oder Steuersorderung handelt. so ist Ihr Lohn unpsändbar.— Ernst Krey. Voraussichtlich würde der Wirt mit seiner Schadensersatz-Forderung durchdringen, weil in dem Offenlassen des Hahns ein Verschulden liegt.—.H. I. fiOll. 1. Nehmen Sie mit dem Geistlichen Rücksprache. 2. Wie zu 1; zulässig ist das.— Lausiher- straffe IVO. Die unentgeltliche Lieferung der Lehrmittel ist keine Annenuntcr- jlützung. Wird das Buch nicht geliefert, so ist derVater zur Beschaffung verpflichtet. — Lehmann, l. Vom 4. März ab. 2. Vierteljährlich. 3. Die Einigung mit der Mutter ist ohne Zustimmung des Vormundes und' Genehmigung durch das Vormundschastsgericht rechtsungültig. 4 und 5. Die Vollstreckung ist zulässig. 6 und 7. Nein.— G. H. 166. Ja. Wenn sie großjährig sind, so sind Sie verbunden, den Vertrag zu halten, den Sie durch Ihre llntcrschrist eingegangen sind.— H. 3k., Rodenburg. Soweit ersichtlich, kann Ihre Tante ohne Zustimmung ihres Mannes die Schenkung nicht vor- nehmen. Ein Testament kann sie ohne seine Zustimmung errichten.— 31. B. 69. Sie sind zur Zahlung verpflichtet.— Otto Z.» 17. Wenn die Schuld im Jahre 1902 oder später anerkannt ist, sind Sie rechtlich zur Zahlung verbunden, sonst nur moralisch.— 36 367. 1. Das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner wohnt, ist für einen gegen ihn zu erlassenden Zahlungsbefehl zuständig. 2. Nein. 3. Die Kostenhöhe hängt von der Höhe des Objekts ab. 4. Nach jeder Pfändung. ö. Nein. — Reform 36. 1— 3. Nein, niemals.— Tcmpelhof. Nein. — August Schröder. Ihrem Antrage aus Wiederausnahme in den deutschen Staatsverband muh, soweit ersichtlich, stattgegeben werden. Bleiben Sic Ausländer, so können Sie sowohl wie Ihr Sohn als Ausländer ausgewiesen werden. Weshalb Ihr Gesuch abgelehnt sein soll, geht aus Ihrer Anfrage nicht hervor. Legen Sie den Sachverhalt unter Beifügung einer Abschrist der bezüglichen Bescheide klar oder sprechen Sie in der juristischen Sprech- stunde vor.— A. Winter. Gesetzliche Dorschristcn hindern einen Amt«» Vorsteher an dem Betrieb derartiger Gewerbe nicht.— M. K. Sie könne» der Gemeinde-Krankenversichernng(Stralaucrstr. 3— 6, Gewerbe-Deputation) beitreten.— W. W. 14. sie wurden Ihre Frau voll zu alimcntieren haben, wenn Sie von ihr fortgehen. Wollen Sic sich gegen Schuldcnmuchen von ihrer Seite schützen, so müssen Sic ihr Borgerecht beschränken oder aus« heben. Das geschieht durch Eintragung eines Verincrks im Heiratsregister. Ein Beispiel hierfür finden Sie s. 225 Nr. 20 und 21 des dem„Arbeiter- recht" beigefügten Führers.— N> Z> Das kann nicht mehr möglich sein. — P. R. 314. Lassen Sie Ihrem Mündel vom Vormundschastsgericht bescheinigen, dah es außer stände ist, Kosten zu tragen, überreichen Sie dann das Attest unter Darlegung des Sachverhalts dem ZlmlSgericht(Prozeß- geeicht) mit dem Antrage, dem Mündel, das Armeurecht zu bewilligen, und reichen Sie entweder selbst oder durch einen Anwalt die Alimentenklage ein. Ein Beispiel für solche Klage finden Sie in dem dem„Arbeiterrecht" bei- gesügten Führer s. 218 Nr. 9. Das Buch liegt in den öffentliche» Lese» ballen aus.— M. M. 166. Die Verpflichtung des Vaters bleibt be- stehen. Den Ziamcn des nicht von Ihnen erzeugten Kindes können Sie nur mit Genehmigung des Polizeipräsidiums ändern. Für die Genchmigmigs» Urkunde werden 50 M. erfordert. ßriefkaften der Expedition. Niederschönhausen. wieder vorrätig. Der„Arbeiter-Notizkalender" ist seit Sonnabend Socialdetnokratiselier Wahlverein für den 6. Berliner Beiehstags-WahUtreis. Dienstag, den 19. Jamiar, abends 81/. Uhr, im Eiskeller, Ehanst'eestr. 88: AchmdkiWe Gkilml-Wmimß. Tages-Ordnung: 1. Vortrug des Genossen Dr. Alberty über: Ter Socialismus tu Ruffland. 2. Diskussion. 3. Antrag des Genossen Marx. 249/3 Zahlreichen Besuch erwartet Der Vurstaiid. Jlehtung! Trauen! Mnner! i Dienstag, den IS. Januar, abends 8Ve Uhr: V olliS- VsrsÄMmIunK im Lokal des Herrn K l i e m, Hasenheide, großer Saal. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen Stadthagen über: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Genoffen, sorgt dafür, daff auch Enrc weiblichen Angehörigen diese Bersammlnng zahlreich besuchen. 1/1__________ Die Vcrtranenspcrsonen der Frauen. ISf Achtung BfSoabit!-WU Sonntag, den 24. Januar 1904, in der Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47—49: AohlthNigketts-Uatinee str enmmitsew« arrangiert vom lZessnavereill„Vereinte Sannesbrüder Moabit" (M. d. A-S.-B.) unter Leitung des Dirigenten 1!. Himmel unter gütiger Mitwirkung der Hauskapellc O. Tngendheim sowie mehrerer Mitglieder des Turnvereins „Fichte" und des Charakter-Humoristen R. Schreiber. Ansaug präc. 12 Uhr.— Billct 25 Ps. LZ5,7 Das Komitee. Allg.Krtlnkku-u.Zttrbtkllsse der Metallarbeiter (E. H. 29 Hamburg) Filialen Berlin 9 nnd 19. •Heute, Dienstag, den 19. Januar, abends S Uhr, in den Arminins- .Hallen, Bremerstr. 72/73: Mitgliedkr-UersltMtnlNg. TagcS-Ordnung: 1. Kassenbericht von Filialen 9 u. 10. 2. Statulcnbcratung. 3. Anträge zur Gencral-Bersamm- lung. 4. Verschiedenes. 1083b Hierzu laden crgcbcnst ein Die Ortöverwaltnngen. Am Frcitagvormittag zwischen 11 und 12 Uhr wurde aus dem Wege von der ,,Von»ärts"• Druckerei bis zum Gewerkschaftshause(durch die Linden-, Oranien-, Alte Jacob- und Zlnncnstraße) ein 1045b Mmonnsie mit Inhalt (620 M. in Gold, ein Fünsmarkstück und 45 Ps.) Geill kür öle Crimmitschauer Weber von einem Gewerkschasts- bcamte» verloren. Der ehrliche Finder wird gebeten, das Geld aus dem Gc- ivcrkschastsbureau, Engel-User 15, ab- zugeben.___ Achtung! Vertine! Lonnabenll, öer 27. ssebruar 1304 ist frei geworden. Scholz, Frank- snrtcrstraße 74. 40112« 3993L:S Von der Reise zurück! Dr. md. Schauer Homöopathischer Arzt, Specialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Königgrätzerstrasse Nr. 27. 8rster WaHtkrets. Dienstag, den 19. Januar, abends 8 s/z Neue Friedrichstr. Uhr. in Drnsels Festsälen, Oeffentl. Versammlttng. 1. Zur Erössnuug Dr. Ee« Arons. 2. Diskuisiou. Zahlreichen Besuch erwarten TagcS-Ordnung: des preußisches Landtages. Referent: Genosse 203/1 Die Vertranenalente. Soeialdemohratiseher lahberein f. d. 4. Serl. Beiebstags-Wahlkreis(0.). Dienstag, de» 19. Januar 1964, abends 8 Uhr, in den Andreas- Feisttililen, Andreasstraste 31: Leneral-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht dcS Vorstandes und der Revisoren. 2. Ergänzungslvahl dcS Vorstandes: Es scheiden aus der erste Vorsitzende, der erste Schriftführer, der erste Kassierer und der Beisitzer. 3. Wahl der Revisoren. 4. Bortrag deö Stadtv. Hugo Heimann Über:„Rückblicke auf das Wahljahr 1903. 5. Diskussion.— V»»- Mitgliedsbuch legitimiert, ......'' r""— V« Um zahlreichen Besuch ersucht [242/4] Der VorHtand. Wpstr-Triizkr Berlins«ad Umgczead! Verband der Van-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. (Zahlstelle Berlin und Umgegend.) Dienstag, den 19. Januar 1964, abends 6 Uhr. im Rosenthalcr Vereinshans, Rosenthalerstraste 67: liruppeN'VerLAmmluvg der Töpfer-Träger. Tages-Ordnung: 1. Die Verhandlung mit dem Jnnungsvorstand und das Ergebnis der- selben. 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegenheiten. 195/2 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwaltung. Nnb««d der Tapeziem Eilialc Kerli«) Engcl-Ufer 13. Zimmer 35. Fcnisprechanschluß: Stummer 9720 der Bermitteluligsaiistalt Nr. 4. Mittwoch, den 36. Januar, abends 8'/- Uhr: General-Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel-User 15. TageSordung: 1. Borstandsbericht und Kassenbericht. 2. Diskusfion. angclcgenhcitcn. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erschemeu. buch legitimiert. �ie Drtsnoi S. Verbands- 177/1 Mstglieds- Die Ortsverwaltung. £jj>H�"FraeIlt od. portofrei g. Nachn. 8o lange Vorrat!"TBG Das Konkurrenzkolli. Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. DOr Mittwoch, den 36. Januar, abends 8 Uhr:-MS Mitglirder-Nersammlung in Drdsel« Festsaal, Neue Friedrichstraffe 35. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Bartels über:„Die Arbeiter und der Klaffen- kämpf". 2. Diskussion. 3. Regelung der Zahlftellenleilungen und deren Entschädigungen. 4. Verschiedenes. 1299/3 Der Vorstand. diö. Zu dieser Versammlung ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder notwendig, auch werden die Mitglieder, loelche noch Beiträge vom Jahre 1903 resticren, aufgefordert, dieselben im Bureau, Stralanerftr. 48. zu bezahlen, lvidrigensalls ihnen die„Einigkeit" entzogen wird. Mitgliedsbuch legitimiert.-DW Deutscher Metallarbeiter-Verband. Vem-altnngsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1— 5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Mittwoch, den 36. Januar 1964, abends S1/, Uhr, bei Wllke, Brunnenftraffe 188: Nttsemmlnug der lhirmzislhe« Krnndje. 1. Vortrag des Genoffen Dr. kaffcn". 2. Diskussion. 3. Verb, Tages-Ordnung: Dr. Wcyl über:„Aerztc«nd Kranken- Vcrbands-Angelegcnhciten. 110/10 Mirtivoch, den 36. Januar 1964, abends 8 tlhr: Konferenx der Uertrauenslrutc des Südens im txen-erhsehnttslianse, Saal I. Zahlreichen Besuch erwartet__ Die Drtsverwaltnng. Das Gute bricht sich immer Dahn,— langsam, wenn man es durch sich allein wirken läßt, schneller, wenn man schlicht und sachlich darauf hinweist. Daher ist es eigentlich die Pflicht eines jeden Menschenfreundes, das Gute, das er einmal als solches erkannt und erprobt hat, auch andren nach Kräften mitzuteilen. So sollte zum Beispiel jeder, der den Wert und die Güte von Äathreiners Malzkaffee all sich und den Seinen erfahren, seine Freunde und Bekannte auf dieses gesunde, wo h l schmeckend e Getränk aufmerksam machen. Er VerHilst damit denen, die seine» Rat befolgen, zu zwei wertvollen Gütern— Gesundheit und Zufriedenheit. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Morgen, II l't t w o e h. den 36. Januar, abends 8ff. Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15: 77/18 Bertranensmäuner- Versammlung Lämllieder Bezirke und Brauehen. TageS-Ordnung: I.„DaS Recht der Streikposten." Referent: Rechtsanwalt Dr. Hostw- mann. 2. Streiks und Differenzen. 3. Berbandsangelegenheiten. WST" Jede Werkstatt muff vertreten sein.-MO Vertranensmänner-Karte nebst Mitgliedsbuch legitimiert. _______ Die Ortsverwaltnng. Achtung! Porteleuiller! Achtung! Uttband der Portefeuilirr und FedergalMerie-Arbeiter und Arbkittrinnkn. Iahlstkilt Krrtin. Mittwoch, den 36. Januar, abends 8 Uhr: General-Versammlung in Graumanns Festsälen, Nannynstr. 37. Tages-Ordnung: 1. Anträge zum VerbandStage. S. Berichte der Ortsverwaltung und des Kassierers. 3. Neuwahl der Ortsverwaltung imb Revisoren. 4. Bericht der Arbeitsnachweis- und Agitationskommiffion. 5. Verbandsangelegenheilen und Verschiedenes. IW Mitgliedsbuch legitimiert. Der außerordentlichen Wichtigkeit wegen ist es Pflicht aller Mitglieder, in der Persaurmlung zu erscheinen."MU Voran neige. Sonntag, den 31. Februar, in Kellers Festsälen(groffer Saall. Koppenstraffe 39: ��5 3. TKiittungs-k'oss. �& Die Billeis iverden in der Versammlung ausgegeben und sind bei den Werkstatten-Vertrauensleuten zu habe». '____ Die Ortsverwaltnng. üionseo. mn Dirnstag, 19. d. M.. abends 8'/. Uhr, im„Prälaten", Lehdrrstr. 182: Genera r-NersammIuttg. Tages-Ord nung: i. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassierer». 8. Bericht der Bibliothekare. 4. Bericht des Vertrauensmannes. 5. Bericht der Revisoren. 6. Neuwahl des GesamtvorstandeS und des Vertrauensmannes. 7. Vereins- angelegenheiten. ig/l pjpp- Mitgliedsbuch legitimiert. Die Zahlstelle des Wablverems be- et sich b'....."■'—"" � finde bei Schmust, König-Chaussee 38. Der Vorstand. WMorwp Um meine Rirma der aan�en Welt bekannt schreibe 1,95 meine Firma der ganzen Welt zu geben. liefere mein Reklame-Kalli Nr. 3 für sage und Fachverein der Tischler Berlins u. Umgegend. Mittwoch, den 20. Januar, abends S1/« Uhr, im Fürstenhof. Köpniderstraffe 137: 186/1 General Uersantmlung. Der wichtigen Tagesordnung notwendig. lvegen ist zahlreiches Erscheinen dringend Der Vorstand. I.scki«i*«nl Donnerstag, den 21. Januar, abends 8'/„ Uhr, im Gewerffchaftshausr, Engel-Ufer 15, Saal III: 107/2 "' r- det Filiale II Berlin der Vereinigung der Maler, Lackieret etc. Tages-Ordnung: 1. Die Berschmelzungssragc. Referent: Kollege A. Dobler, Hamburg. 1 ganz fett. Rauchaal.>/, Pfd. Lachs. 2 Dos. ca. 59 Eollmöpso u. Deli- 2. Wahl zweier Delegierte» zum Provinzialtag. 3. Verschiedenes. catessherinKe. 1 Dos. Oelsardin. 40 Sprott.-Büokl. u. Bravhor. O'/.M. Kollegen! Angesichts der änßestt wichtigen Tagesordnung erwarten ww 4!. Degener, Nord- u. Ostseeflscherci-Es]?., Swinemündc 102. I das Erscheinen aller Mitglieder. Die Ortsvcrivaltnng. Bedingung: sofort bestellen, mehr wie 2 Kolli werden mr eine Adresse nicht abgegeben.■ 47/19* 1 Dose mit 25 Bismarck-Delikatestheriug in Senf-Sance«md 25 Stück ff. Slollmöpse in gl. Sauce, sctt,-MA I Dose mit ss. Ocl-Sardinen, fett, und Ml» . 13 Goldbücklinge, hochfeine Räucherung, und neueste Preisliste. F. Aapp Vach f.. Swlnemünde\'o. 5WA. Fischerci-Jmp.. Erp. Dr. Schünemann Specialarzt für staut-, Harn»«nd Frauenleiden. Seydelstr. 9. V»! Sonnt.»-II Vollständige Zakrgänge »M- diverser Zeitschriften-H>U verleiht billigst 38M2* Jonmal-fesezirkel Qermann, SW., Solmsftraste 44. Abonnements von 20 Pfennig an pro Woche.— Prospekt gratis. fc, Q/ Pfund Brot � /-v 5 Albreehis Bäckereien; Markthalle Andreasstr., Stand 16/18. Dr. Simmei, Prinzen- Str. 41, Specialarzt für[41/10* Haut- nnd Harnleiden. 10-3,5-7. Sonntags 10-13,2-4 MaMarM von 39242* Carl Ernst, Köpnickcrstr. 126, 1 Tr. Gröffte Auswahl! Billigste Preise! Vorzeigcr dieser Annoiiee erhält 10°/„ Preisermätzig. »iünltl. 3Hne. tadellose Anssiihrvng von 3 M. an, Plomben von 2 M. an fRayt Guchela l.ausitzer Platz Ä. Vorzeiger dieses erhält: 4 M. Er« Mäßigung bei Auftrag von 20,00 M., unter 20 M. 2 M. 20212» »M- leilrshlong gestattet.-WD Aür de» Inhalt der Inserate ubernimmt die Redaktion dem Vnbliknm gegenüber keinerlei Verantwortung. UKeater. Dienstag, den IS. Januar. Ansang VI. Uhr: Schauspielhaus. Wann wir altern. Die Romantischen. Neues Königl. Opern- Theater. Der Waffenschmied. Deutsches. Novella d'Nndrca. Berliner. Maria Theresia. Lessing. Zapfenstreich. Westen. Die Jüdin. Neues. Der Strom. Residenz. Der keusche Casimir. Central. Das Schwalbennest. Thalia. Der Hochtourist. Brlle-Alliance» Der reichste Bcr liner. Anfang 8 Uhr: Schilleranskl. Mita Roselli. Georg u. Pepi Wagner. Bertolctti—Müliardo— Renas. Zum Schluß:$ 3. Zum Schluß. Zeitlomödie mit Gesang. Räch der Vorstellung: Mittwoch», Sonnabends n. Sonntags: Tanz. Schmuck für jede Wohnung! Winter, Sommer Orsa- Petrol.- m.Striunpf Stadt, Land Glühl.- Brenner Cyl.6.50.M.I 16 gotd. Med. Leucht. wie GaSgl., I paßt aus j. Lampe/ 1. Liter ca. l 30 SL Gut. Funkt, gar., cventl. z. I Probe. Elektr. la Taschenl. u. o.[ v. 85 Ps. an. Orsa, Berlin S. 6. Prinzenftr. 38. Wta-Mkel empfchlcn PohU Weber Nacht. Fabrik und Versand: Berlin 8.. Heue Jakobstrasse 8. Zweiggeschäft: 39982«' Alexanderstrasse»1 SS. 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Das Anfstandsgebiet der Hereros in Deutsch-Südwest-Afrika. Nachdem erst vor wenigen Wochen die Aufstände der BondelzlvartS im südlichen Teil Deutsch-SüdlvestafrikaS niedergedrückt worden sind, kommen jetzt recht bedrohliche Nachrichten über den Aufstand des im Norden wohnenden Stammes der Hereros. Besonders schwer ist das Schutzgebiet durch die von den Hereros verursachten Zer- slvruugen aus der Eisenbahnstrecke Swakopmund— Windhuk getrosten. Ocstlich der Station Okahandja ist sogar eine Eisenbahnbrücke bei Osona zerstört worden, so daß der Betrieb unterbrochen ist. Aber auch zwischen Okahandja und der Küste ist die Eisenbahn das einzige und daher hoch wichtige Verkehrsmittel Deutsch-Südwcstasrikas be- schädigt und ein Hilsszug von Swakopmund bei Waldau an der Weiterfahrt verhindert worden. Ilnsre beistehende Karte gicbt über die Lage der verschiedenen Ortschaften, über die Trace der Eisenbahn Swakopmund— Windhuk und über die Ausdehnung des gewaltigen Gebietes, das vom Stamme der Herero bewohnt wird. Aufschlug. Obcrhäichtling der Hereros ist der in Okahandja wohnende Samuel, ein Sohn Maha- reros, welch letzterer sich lange gegen die Herrschast der Deutschen gesträubt hat, 1890 starb, nachdem er namentlich in den Jahren 1885 und 1883 dem damaligen Führer der Schntztruppe, Hauptmann von Frautzvis viel zu schaffen gemacht hatte. Wenn Jttstizmiilifter schimpfen. Oldenburg, den 18. Jaimar. Vor dein hiesigen Schöffengericht wurde heute unter riesigem Andränge des Publikums der Beleidigungsprozes; verhandelt, welchen der Verleger des hier erscheinenden„Residenzboten". Bicrmann, gegen dcil groffherzoglichen Jlistizminister Ruhstrat migestrcngt hatte, ivcil der lvtinistcr der Frail des Privatklägers gegenüber im Laufe einer dieser bewilligteu Audienz geäußert haben sollte, ihr Mann sei ein Llunp. Wie eriimerlich, hatte die Zeitung des PrivatklägcrS Biermann in den letzten Jahren eine heftige Eampagnc gegen den oldenburgifcheu Justizministcr geführt. Bicrmann erhielt als Verleger und Redakteur des„Residcnzboten" eine hohe Gefängnis- strafe, die er zur Zeit unter erschwerenden llmstäiidcn in der Strafanstalt Vechelde verbüßt. Als nun das Verfahren gegen Biermann eingeleitet und dieser in Untersuchungshaft genommen worden war, riet sein Verteidiger seiner Gattin, bei dem beleidigten Justizmimster um eine Audienz nachzusuchen und ihn um Schonung ihres Mannes zu bitten. Im Verlauf ihrer Unterredung mit dem Minister soll dieser die vorerwähnte Beleidigung begangen haben. In der heutigen Verhandlung war als einzige Zeugin Frau Bicrmann geladen. Die Zeugin erklärte zunächst, daß sie der festen Ueberzeugung gewesen sei, der Minister lverdc trotz der ihm seitens ihres Mannes zugefügten Ehrcukränkungen doch soweit eine Grenze zu ziehen wissen, daß er die Existenz einer ganzen air der Affaire unbeteiligten Familie nicht aufs Spiel setze, mir seine Rache zu einer vollkommenen zu machen. Andernfalls würde sie sich nienrals neben der Deinütiguirg auch noch der Beschimpfung ausgesetzt haben. Der Minister habe sich aber ganz unversöhnlich gezeigt, als sie ihm ihre Bitten vorgetragen habe, ebeirso wie er ihr ja neuerdings auch jede Erleichterung der Lage ihres Mannes im Gefängnis rundweg abgeschlagen habe, trotzdem die jetzige BeHand- luug ihres Mannes den gesetzlichen Vorschriften zuwiderlaufe. Er habe ihr erklärt, ihr Maim müsse ganz empfindlich bestraft werden. „Ihr Mann ist mir wirklich nicht mehr als der Kot an meinen Stiefeln 1" habe der Minister u. a. geäußert, und als sie. die Zeugin, darauf erwidert habe:„Herr Minister, Sic sprechen von meinem Manne!" habe der Minister gesagt:„Ihr Mann! Ihr Mann ist ei» Lump! Ein Jahr muß er mindestens kriegen!" Darauf sei sie aus dem Audienzzimmer gegangen. Im Anschluß an die Vernehmung der Zeugin erhielt der Kläger Bicrmann das Wort zur Begründung der Klage. Er sehe davon ab, au dieser Stelle nochmals seinen früheren Prozeß auszurollen, der den unmittelbaren Anlaß zu der heute hier verhandelten Sache ge- boten habe. Ob er aber in jenem Prozeß zu Umecht verurteilt worden sei oder nicht,— in jedem Fall sei es eine seltene Roheit, wenn ein Justizminister die ihn mn Gnade für ihren Mann angehende Frau eines widerrechtlich in Untersuchungshaft genommenen Augeklagren in dieser brutalen Weise abfertige. Er habe die Thränen dieser Frau mißachtet und sie obendrein beschimpft und dadurch aufö tiefste gedemüttgt. Borsitzender: Sie haben sich hier aller Beleidigungen des Herrn Ministers zu enthalten und nur Ihre Anträge zu stellen!(Unruhe im Zuhvrerraum.) Biermann: Nun, ich bin in dem Verfahren deS Herrn Ministers gegen mich ganz anders hergenommen worden. Hier war es. wo der Herr Vertreter des Ministers von meinem„verbrecherischen Willen" sprach. Angesichts der ergangenen drakonischen Urteile gegen mich... Vorsitzender(unterbrechend): Ich mache Sie nochmals darauf aufmerksam, daß Sie sich hier aller Beleidigungen zu enthalten haben. Ein Wort wie„drakonische Urteile" ist unstatthaft! Biermann: Der Herr Minister hat auck oft genug die Grenzen deS Zulässigen weit überschritten. Es ist doch weit schlimmer, wenn ein Minister seinen Mund nicht halten kann, als lvenn ein Mann aus dein Arbeiterftande einmal über die Schnur haut. Er müsse bitten, so schließt Biermann, den Minister wegen der Schwere der Beleidigung nicht zu einer Geld-, sondern zu einer Freiheitsstrafe zu verurteilen. Rechtsanwalt Wiffer als Vertreter des Justizministers erklärt zunächst, er gebe namens des Ministers ohne weiteres zu, daß eine Beleidigung vorliege, müsse aber trotzdem um Freisprechung seines Klienten bitten, da es sich im vorliegenden Fall um eine gewisser- maßen sofort erwiderte Beleidigung handele. Denn als die Frau des Privatklägers zu dem Minister gekommen sei, sei diesem zum ersten- mal die Gelegenheit geboten gewesen, die ihm zugefügten Beleidigungen deS„Nesidei!zbotcn"zn erwidern. Nach einerEntscheidnng des Oberlandes- gerichtsJena sei eine Aufrechnung solcher Erwiderungen auch dann möglich. toenn ein gewisser Zeitabschnitt zwischen der ersten Beleidigung und der Erwiderung liege. Die Frau habe zum Minister gesagt:„Mein Mann ist unvorsichtig gewesen in seineu Ausdrücken!", sie habe also nicht zugegeben, daß die Angriffe unberechtigt waren: angesichts dieser Aeußerung habe dann der Minister in höchster Erregung er- widert:„Unvorsichtig nennen Sie das von Ihrem Manu? Ihr Mann ist ein Lump I" Diese Aeutzerung stelle sich namentlich im Munde eines gebildeten Mannes ohne weiteres als eine solche dar, die nur in höchster Erregung gcthan werde. Sie sei also als eine spontane Beleidigung anzusehen gegenüber jenen wohlüberlegten und fein durchdachten des PrivatklägcrS rmd seiner Hintermänner. Er nehme im übrigen auch gar nicht an, daß der Privattläger es mit seinen? Antrage auf eine'Gefängnisstrafe ernst meine, daS scheine vielmehr nur auf die Leser seines Blattes wirken zu sollen. Nach längerer Beratung erging folgendes Urteil:„Der Privat- beklagte Justizminister Ruhstrat wird wegen einfacher Beleidigung des Redalteurs Bicrmann zu einer Geldstrafe v»n LOM., an deren Stelle im Unbermögensfalle eine Haftstrafe von zlvei Tagen tritt, verurteilt. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Beklagten zur Last." In der Begründung dieses Urteils wird ausgeführt: Durch die Beweis- aufnähme erscheint festgestellt, daß der Justizmimster zu der Frau des Klägers die Acußenmg gethan hat, ihr Mann sei ein Lump. Die Beleidigung sei mit Vorsatz und Ucberlegung erfolgt. Die Strafausschließungsgründe aus§ 198 lWahrnehmuug berechtigter Interessen) lagen nicht vor. Somit ist der Beklagte zu verurteilen. Es war noch zu prüfen, ob der K 199(sofortige Erwiderung einer voraufgegangenen Beleidigung) dabei heranzuziehen war. DaS Gericht hat nun zwar angenommen, daß die inkriminierte Acußerung in der Erregung gefallen ist, diese Erregung war aber nicht die Fortsetzung derjenigen, die durch die Lektüre der Biermaimschen Beleidigungen hervorgerufen lvordcu lvar. Auch kam in Betracht, daß die Be- leidigung nicht dem Privattläger, sondern dessen Frau zu teil wurde, die mit der vorausgegangenen Beleidigung nichts zu thun hatte. Dieser Umstand mußte eigentlich sogar strafvrrschärfeiid wirken. Allein das Gericht hat näch der ganzen Lage der Sache den Fall milde beurteilen zu müssen geglaubt, indem es ein- stimmig der Ansicht war, daß eine Periöiüichkcit, die, wir Biermann es that, sich nicht scheute, Behörden und Einzelpersonen in seinem Blatte fortwährend in den Schmuu zu ziehen, durch de» inkviminierten Ausdruck„Lump" nicht sehr empfindlich in ihrer Ehre gekränkt werden könne. Auch war die berechtigle Erregung zu berücksichtigen, in der sich der Privatbellagte durch das Borgehen BiermannS zur Zeit der That befand. Soziales. Aerzte und Krankenkassen. Mit dem Ersuchen um Veröffentlichung geht uns folgendes zu: Im„Vorwärts" vom Sonntag, den 17. Januar 1904, wird unter Sociales berichtet, daß ich als d a S Endziel der jetzigen ärzt- lichcu Bewegung in der letzten Nummer der„Medizinischen Reform" die Durchführung der organisierten freien Arztwahl bei allen organisierten Krankenkassen Deutschlands erklärt habe. Daraus folgert der„Vorwärts", daß dieses Ziel den Hauptzweck habe» soll, die durch die Ueberfüllung des ärztlichen Standes geschaffenen Mißstände zu beseitigen. Ich habe— lvie ich mir hierdurch zu berichttgen erlaube— die Durchführung der freien Arztwahl nur als eines der zu erstrebenden Ziele und nicht als das Ziel hingestellt. In demselben Artikel habe ich gegen den neuerlich von den Gegner» erfundenen Zusammeuhaug zwischen freier Arztwahl und ärztlicher Ueberprodnktiou mich entschieden gewandt. Bei der Wiedererschlicßung der Millionen Versicherter und ihrer Angehörigen für alle Aerzte, die sie unter gewissen von andern Seiten stipulicrten Bedingungen behandeln wollen, fallen die Illusionen der werdenden Acrztegeneralion fort. durch Nepotismus, Konnexionen und andre wenig schöne Praktiken den Kampf um die„Stellen" zu bestehen, auf deren Basis sie dann leichter in die Privatpraxis kommen wollen. Das unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen auch für die Ver- sicherten m. E. wirtschaftlichste System der organisierten freien Arztwahl bietet im allgemeinen dem jungen Mediziner nur dieselbe Aussicht auf Erlangung von Praxis, wie die Privatpraxis, die selbstverständlich um so mißlicher ist, je mehr der Stand überfüllt ist. Ganz abgesehen von diesen logischen Thatsachen, welches Interesse sollte— rein materialistisch diese Bewegung aufgefaßt— die gegenwärtige Ai-rztegeiieration in ihrer Majorität daran haben, ein neues Lockmittel für de» Eintritt in den ärztlichen Berns zu schaffen? Dr. D. Munter. Wir haben dieser Zuschrift Raum gewährt, um uns nicht dem Verdacht auszusetzen, als wollten wir unsre Leser— in der Mehr» zahl Kraukenkasseilmitglieder— absichtlich falsch unterrichten über die Ziele der gegenwärtigen ärztlichen Staudesbewegung. In Wirklich- keit bestätigt Herr Dr. Munter nur, was er zu berichtigen vermeint, genau so, wie er schon in seinem Artikel in der„Medizinischen Reform" gethan. Auch dort nennt er es einen uuglaublichen Mangel an Wahrheit uiid Logik, das; von den Vertretern der Kassen- Interessen behauptet wird, die Aerzte Ivollten durch die freie Arzt- ivahl nur Beschäftigung für die Ueberzahl der Aerzte finden. Vorher aber spricht er in diesem Artikel ans, was wir durch unsre Notiz beleuchtet haben mid was ausgesprochen zu haben Herr Dr. Munter auch nicht bestreitet. Er bestreitet nur, die„Abschaffung aller ärztlichen Monopole in allen organisierten Krankenkassen durch Einführung der orgmiisierteii freien Arztwahl" als das alleinige Ziel der Acrztebewegung bezeichnet zu haben. Er hat in aller Form recht. Denn selbstverständlich fordert er danebeii noch angemessene Honorierlmg der Kassenärzte. Natürlich. Beides gehört ja zusainmeil. Die eine Forderuilg soll ja die andre erst sicherstellen. Die freie Arztwahl soll allen Aerzten die Möglichkeit geben, an der Äasscnpraxis teilzunehmen und deswegen sollen die Kassen größere Siimmen für ärztliche Behandlung ausgeben. Die Stellcnjägcrei der Aerzte, von der Herr Dr. Munter spricht, Geschäftspolitik und»och viele ähnliche Erscheinungen im ärztliche» Bernfe sind gewiß sehr häßlich. Sie sind eine Begleiterscheinung der heftigen Konkurrenz unter den Aerzten, die sich ans der„Ueberfüllung" des Berufes ergiebt. Sie sind aber keineswegs eine Specialität des ärztlichen Beruses i es sind die gleichen Erscheiimngen— in beruflich eigentümlicher Form— die als Folge der kapitalistischen Wirtschaftsweise in allen Erwerbs- zweigen austreten. Wenn die Aerzte dagegen ankämpfen, so ist das ganz schön und es mag vom Standpunfte des engen ärztlichen StandeSintcresses lvohl auch begreiflich erscheinen, die Kraiikenkasieii, die ein faßbarer Organismus sind, als Mittel gegen die Mißstände in Anspruch zu nehmen. Aber mau mute doch de» Krankenkassen nicht zu, daß sie bei dieser Operation still halten. Sie sind nicht berufeu zur Wahrung ärztlicher Standes- intereffen, sondern zur Wahrung ihrer eignen Interessen. Ucber die Frage der freien Arztwahl kann man wohl auch vonl Kasscnstandpnnfte geteilter Meinung sein, aber immer nur von der Voraussetzung ausgehcnd, wie etwa das Interesse des emzelncn Versicherten mit dem Jittereffe der Gesamtheit der Versicherten in Einklang z» bringen sei. Es kann sein, daß der einzelne Versicherte ein Interesse an möglichst freier Wahl seines Arztes hat, und cS kann sein, daß das finanzielle Jittereffe der Kasse dem entgegensteht. Wie zwischen diesen scheinbar widerstreitenden Interessen ein Ausgleich zu finden sei, ist aber lediglich Sache der Versicherten selber. Es könnteu darüber Differenzen zwischen den Versicherten lind ihren Ver- waltungen cntstchen; solche sind aber zur Zeit in irgendwie nciuieiis- wertem Maße nirgends vorhanden. Rur die Aerzte sind cS, die den Versicherten durchaus die freie Arztwahl als Schablone aufzwingen wollen. Die Versicherten haben ein Juteresse daran, daß die Aerzte an- gemessen honoriert werden, doch wenn die Aerzte wie in Köln und Leipzig Hoiiorarerhöhungeu um zwei Drittel des bisherigen und mehr fordern, eine angebotene Erhöhung um fast ein Viertel als gänzlich ungenügend zurücklveisen, ein garantiertes Mindesteiilkommcn von 6000 M. neben ausdrücklich gestatteter Privatpraxis als zu dürstig bezeichne», dmm wird eine Verständigung über den Begriff eines aiigemcssencn Honorars zwischen den Versicherten und den Aerzten schwerlich möglich werden. Die Krankeiikassenkoininffsioi, der Aerzte Düsseldorfs und Umgegend erläßt folgende öffentliche Erklärung: Die königliche Eiseubahndircktioll Elberfeld hat für ihre Betriebskrankenkassc die freie Arztwahl nicht nur nnidiveg abgelehnt, sondern auch den Gegen satz zu den Forderungen der Aerzte dadurch verschärft, daß sie auch die Bahiiarztstellen gekündigt und auswärtige Aerzte angestellt Hai. Durch dieses Vorgehen sind die Düsseldorfer Aerzte gezwungen, von jetzt ab allen Bahubcamten und Bahnarbeitern sowie deren Familienangehörigen jegliche ärztliche Hilfe zu versagen mit Ausnahme ein- maligen, dann aber unciitgeltlicheii Eingreifens in drmgendcn Notfällen._ Ter Kampf gegen die Heimarbeit. Der Borstand des Verbandes fortschrittlicher Fraucnbcreine hat „zur Regelung der Heimarbeit" seinen Mitgliedern die Annahme folgender Thesen empfohlen: 1. Durch die Heimarbeit mit ihrer unbcgrcnzteii Arbeitszeit, ihren niedrigen Löhne», ihren ungesunden Arbeitsstätten iverden die in ihr beschäftigten Männer, Frauen und Kinder wirtschaftlich und geistig zu Grunde gerichtet. 3. Die Heimarbeit erschwert auch den in Werkstätten und Fabriken beschäftigten Arbeitern den Kampf um die Hebung ihrer Lage, weil viele Uittcrnchmcr sich de» Anforderungen der Arbeiterschutz- und Vcrsicheruiigsgesctze zu entziehen suchen durch immer größere Verwendung der Heimarbeit; die in der Heimarbeit be- schäftigtcn Arbeiter sind ohne ihr Verschulden die gefährlichsten Schmutzkonkurrenten der Fabrik- und Wcrkstättenarbciter. 3. Uni die verhängnisvollc Lücke zu verstopfcii, die in der deutschen Arbeitcrschutzgesctzgebung klafft, so lange die Heimarbeit ungeregelt ist, sind die folgenden gesetzgeberischen Maßnahmen zu fordern: a) Gesetzliche Beschränkung und entsprechende Vergütung der Nebcrstundcii, sotvic Verbot der Mitgabe von Arbeit nach Hause. k>) Verpflichtung der Arbeitgeber und Zwischemneister, eine genaue Liste aller von ihnen beschäftigten Arbeiter zu führen, die sichtbar aushängen mutz und von Zeit zu Zeit,«ttva alle drei Monate, der Gcwcrbcinspettion einzusenden ist. c) Erlaß strenger allgemeiner Vorschriften über die sanitäre Beschaffenheit der Räume, in de»«» Heimarbeit verrichtet iverden darf, sowie Erlaß von Specialvorschriften für die verschiedenen Zweige der Heimarbeit. Jeder in kontrollierten Räumen hergestellte Artikel ist mit einer amtlichen Er- kennungsmarke zu versehen, so daß die Konsnmenteu gleichfalls eine Konttolle über die Herstellungsart ausüben können. ä) Gründliche, häufig wiederkehrende Aufsicht über diese häus- lichcu Arbeitsstätteli; dazu ist eine starke Vermehrung des Gcwcrbeaufsichtspersouals nötig. Vor allem sind weibliche. vollberechtigte Beamte sowie Assistenten aus den Kreisen der mäniilichen und weiblichen Arbeiterschaft anzustellen. e) Ausdehnung der Arbciterschiitzgcsetzc auf die Heimarbeit, vor allem der Paragraphen betr. Sonntagsnihe, Verbot der Kinderarbeit, Regelung der Arbeitszeit und Paust». Erlaß von Arbeitsordilungen. k) Erlaß strenger Strafen für die Ucbcrtretung der gesetzlichen- Vorschriften; die Arbeitgeber sind mit hastbar zu machci» für die Jnnehaltting der unter e angeführten Bestimmungen, ig)" Unterstellung der Heimarbeiter unter di» ArbvterliersicherungZ- gesetze tKrai�cn>, Unfall-, Jnvaliditälüvcrsichecung) und Zwar sind die Arbeitgeber zu einer bAiercn prozentualen Beitragspflicht für die von ihnen beschäftigten Heimarbeiter heranzuziehen, als sie für ihre Fabrik- und Werkstätten- arbeiter leisten. Diese höhere Bcitragspflicht ist ein Aus- gleich dafür, daß die Arbeitgeber durch die Heimarbeit an Bctricbsunkosten(Fabrikraum. Maschincnabnutzung, Be- lcuchtung) sparen. '4. Infolge der unter 3 aufgeführten Maßregeln ist zu erwarten. daß die Heimarbeit immer mehr eingeschränkt loerdcn wird, weil sie sich für den Arbeitgeber nicht mehr profitabler stellt als die Fabrik- und Wcrkstättcnarbcit; diese Folge wäre mit Freuden zu begrüßen, weil die Kontrolle über Fabriken und Werkstätten viel leichter durch- führbar ist als die über die vereinzelten Kleinbetriebe, und weil die in Fabriken und Werkstätten arbeitenden Männer und Frauen leichter zu organisieren sind als die zerstreuten Heimarbeiter. S. Das Verschwinden der Heimarbeit würde keinen Schaden, sondern einen Vorteil für den nationalen Wohlstand bedeuten. Die Industrien, welche mit dem Schwitzspstem arbeiten, bereichern sich auf Kosten des allgemeinen Volkswohls und Volksvermögens, denn: die unterbezahlten und unterernährtcn Arbeiter müssen zum Teil von der Armcnverwaltung unterstützt werben; sie nehmen in weit stärkerem ■Raße die Krankenkassen und Krankenhäuser in Anspruch als die besser gestellten Arbeitcrkategoricn; die in der Hcimarbcic beschäftigten Frauen werden häufig aus Not der Prostitution in die Arme gc- trieben; aus den gewerblich thätigen Kindern rekrutieren sich nur gar zu oft die Verbrecher._ Kllufmanusgerichte. Der Hauptborstand des Kaufmännischen Verbandes für weibliche Angestellte in Berlin hat an den Reichs- tag das Ersuchen gerichtet, den Gesetzentwurf betr. die Kaufmanns- gerichte nach folgenden Richtungen abzuändern: das Wahlrecht für die Beisitzer auch den Frauen zuzugestehen, die Errichtung von Kauf- mannsgerichten von der Größe der Stadt unabhängig zu machen, auch Streitigkeiten aus einer Konkurrenzklausel der Zuständigkeit des Kaufmannsgerichts zu unterwerfen und vertragliche Vereinbarungen, wonach Streitigkeiten aus dem kaufmännischen Anftellungsverhältnis einem privaten Schiedsgericht unterbreitet werden sollen, fiir nichtig zu erklären._ Aus Musterwerkstätten. Die Eisenbahn-Direktion Köln erließ im vergangenen Sommer eine Verfügung, in der nach dem„Weckruf" der Eisenbahner folgendes Musterbeispiel von fiskalischer Socialpolitik enthalten war: „Trotz wiederholter Aufforderung ist der Verdienst der Arbeiter derselbe geblieben mrd vereinzelt noch gestiegen. Wir verordne» hiermit noch einmal, den Verdienst den Verhältnissen entsprechend zu reduzieren und werden bei der nächsten Rechnungsrevision in Betracht ziehen, inwieweit davon Gebrauch gemacht ist." Danach find dann den Rangierern, die bei zwölfstündiger Arbeitszeit 3,20 M. verdienen, Abzüge von 10 und 20 Pf. gemacht worden._ Wem gehören die Schularbeiten? Anläßlich eines Konflikts, der zn gunstcn eines Schuldirektors, zur Abwendung einer Privatklage gegen diesen erhoben worden war. hat das Ober-VerwaltungSgcricht ausgesprochen, daß die von Schülern gelieferten Arbeiten zur Ver- fügung der Schule ständen, und daß Lehrer und Schulleiter bcrech- tigt seien, die Arbeiten im Interesse des Unterrichts und der Erziehung zurückzuhalten und zwar auch dann, wenn der Schüler von der Schule abgehe. Die Schule schulde den Eltern nur, die Ansicht der Arbeiten ihnen zu gestatten und ihnen die leeren Blätter zurückzugeben._ Berliner partei-Hngelegenbeiten. Zu de» Gemeindcwahlcn. In Johannisthal liegt die Wählerliste während der Dienststunden in» Gemeindebrlreau ans, ferner ist sie bei Martins, Roonstr. 2, ein- zusehen. In Rudow liegt die Liste im Gemeindebureau aus. In Schmargendorf in, Rathause von 0 bis 3 Uhr. Wer verhindert ist. die Liste selbst einzusehen, wende sich an Genossen Leonhardt, Warnemünderstr. 6. In Stralau im Gemeindebureau; ebenso in Britz während der Dienststunden im Zimmer 9. Diejenigen. welchen es an Zeit fehlt, selbst die Listen einzusehen, können sich bei folgenden Herren melden; Friedrich Weniger. Werderstr. 20, Restaurant; Aug. Ringe. Chausseestr. 38. Cigarrengcschäft; Hugo Fuchs, Rudowcr- straße 30, vorn I. Wilhelmsruh. Die Einsichtnahme der Liste kann im Gemeinde- Bureau zu Roscnthal, Wochentags von 8—12 Uhr vormittags und 2— ä Uhr nachnlittags, Sonntags von 9—12 Uhr stattfinden. Wer verhindert ist. die Liste selbst einzusehm, wende sich an die mit roten Plakate»» versehenen Stellen. DailkeS wollen die Genossen so weit Fähigkeit und Kraft Tie Bcthätigung meines innigen in der Versicherung erblicken, daß ich, reichen, in bisheriger Weife lveitcr im Dienste der Partei arbeiten und wirken»verde. Bcrlii», 18. Jni»»lar 1904. Dritter Wahlkreis. Wahlvereins. Donnerstag, den 21. Jamiar, Zahlavend dck Der Vorstand. Schönebcrg. Heute, Dienstag, findet bei Obst, Meininger- straße 8, die Generalversammlung des W a h l v e r e i n s statt. Auf der Tagesordnung steht u a. ein Vortrag des Reichstags-Abgeordnetcn Fritz Zubeil:„Rückblick und Ausblick"»uid Stellungnahme zur Tagesordnung der Ärcis-GeiieralvcrsaiiimUnig. Weißensee. Die Generalversammlung des socialdemokratischen Wahlvereins findet am Dienstag, den 19." d. Mts., abends 8�/, Uhr, statt. Da der gesammte Borstand sowie der Vertrauensmann zur Wahl stehen, erwarten wir, daß alle Mitglieder zur angegebene», Zeit in der Versammlung erscheinen. Der Borstand. Britz. Heritc, Dienstagabend W,« Uhr, spricht Stadtverordneter Ewald- Berlin in einer bei Bethge." Chausseestr. 39, stattfindenden Volksversammlung über die Ausspernmg der Crimmitschauer Weber. Zahlreicher Bcstlch wird crlvartet. Nowawes. Mittlvochnachmittag 9 Uhr»vird die Genieiude-Ncr- tretung sich mit der von den socialdemokratischen Gcnicindevertrctcrn »oegen der Friedhofs schändung eingereichten Interpellation zu"beschästigen haben. Unsre Parteigenosse»» sind der Ai»sicht, daß bei besserer Verwaltung die Ruchlosigkeiten»»icht hätten verübt werden kvi»nen,|unb so wird es vielleicht zi» scharfen Auseinander- setzungen koinmcn. Ebenso steht die Kanalisationsfrage und der Schul'hausbau auf Tagesordnung. Dalldorf-Borsiglvaldr. Mittwoch findet bei H. Koll ii» Dalldorf ein Diskutierabend für Dalldorf und Borsigwalde statt. Außer einem Vortrage des Genossen Schulz steht die G em ein d c»v a h l. besonders die Kandidatcnfrage. aus der Tagesordnung»»»»d es wird deshalb auf das Erscheinen sämtlicher Mitglieder gerechnet. Spandau. Donnerstagabend 8 Uhr: Generalversainmlrmg des socialdcmokratislben Wahlvereins bei Genosse Köpnick, PichelS- dorferstraße. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und der Revisoren. Vorstandswahl. Gäste willkommen. lokales. Zu meinem diesjährigen Geburtstage find mir so zahlreiche Gratulationen und Wünsche zu teil gewordci», daß ich»nir versagen iiruß. dieselben— so gern ich es möchte— einzeln zu beantworten. Allen Genossinnen. Genossen und Organisationen, den Partei- Organen und den Freunden im Reich, solvie den Vertretungen und Organen der ausländischc», Bruderparteien. die in so überaus «freundlicher Weise meiirer dachten, sage ich hierdurch wärmsten Dank für die Beweise der Liebe, Frc»lndschaft. Anerkennung und des Ver- tranench die mich herzlich erfreut und hoch geehrt haben. P a»1 1 Singer. Die Arbeitcr-Bildungsschule hat au» Sonntag in iviirdigcr Form ihr 13. Stiftungsfest ge- »eiert. Keilers Festsäle in der Koppenstraße sind»vohl'die größten Räuine, die der Arbeiterschaft»n Berlin zur Verfügung stehen, und doch genügten sie bei lvcitcm nicht, im» die große Schar der Männer und Frauen zu fassen,»velche zu geistiger Erquickung herbeigeströmt waren. Das Programm lvar nicht un»fai»greich: Kammermusik, Koiizertgesang und Rccitafiou; aber in dieser»veisen Beschränkung brachte cS Auserlesenes. Frau Helene Löffler sang einige Lieder von BrahniS und Weber solvie die Arie„Er schläft" aus Lortzings„Waffenschmied", Herr Professor Waldemar Meyer spielte allein Biolinsoli von Wieuiawsk», VieuxtcmpS, Saint-Saöns »uid eigner Koii»position, und mit sciucn drei Partnern das Streich- auartett Cl-dur von 1 Haydn und das Streichquartett I'-dur von Beethoven. Daß diese vorzüglichen Kunstleiftuiigen gute Aufuahine fanden, bedarf»vohl kaum der Er>vähi»uiig. Eine besondere Be- de»ltung erhielt das am Sonntag gefeierte Stiftungsfest aber da- durcki, daß einer der bekanntesten Dichter des Proletariats, Karl Heu kell, einen Prolog für diese Feier verfaßte und vortrug. Die Schlußstrophen lauten: Unendlich mannigfach, in» Grund doch eiilS e�ind Geistesordnung, Wissenschaft und Kunst, Wer einen Punkt ergreist mit ganzer Seele, Dem tritt in» einen Punkt das Ganze nah. Und ob im bunten Wandel der Statur Ihr nachgeht dem bestimmenden Gesetz, Wodurch sich, alles höher zu entfalten Und passender en»porzuringen scheint— Ob an der Menschheit Heldenführern Ihr, Die selten nur mit Krön' und Sccpter kamen, De»» eignen Sinn zu kühnem Mut ei»tflamn»t— Ob Ihr die regelnde Gestaltung spürt, Wie aus Vergangenheit zur Gegenwart Gemeinschaftsleben sich im Wechsclgang Von Rückwärts, Vorwärts höhere Formen zeitigt, Und Ihr als wirkend Glied am rechten Platz Euch selbsterziehend einzufügen trachtet— Ob Ihr des Menschen Körperbau studiert, Das Ineinandergreifen der Organe, Des Lebens Lauf, der Nerven dicht Gespmnst Und des Gehirnes meldungsflinke Leitung: In allem Eifer, d'rin sich glühend regt Erkenntnisdurst, ist BildungSsaat entsprossen. Die schwachen Halme sammeln Kraft, zu tragen, Aus grünem Saatfeld steigt der Aehrcn Gold. Arbeiter aller Länder, bildet Euch! In solchem Zeichen kann der Macht ein Sieg, Ter nicht verderblich ist, verliehen»oerdei», Und neu von„unten" schichtet sich, die„oben" Längst Risse zeigt, die menschliche Kultur. Ul»endlich fiesverzweigt, im Grund doch eins «sind Geistessammlung, Wissenschaft und Kunst, Wer liebei»d sie besitzt, kann sich erlösen. So lauscht den Tönen, drin aus Kampf und Not Stets höher sich die Harmonie erhebt Und laßt die Seele von des Dichters Liedern Zum Flug in'S Land der Schönheit Euch beficden»! Dreizehn Jahre find verflossen, scitdcin eine Massenversammlung bei Lipps am 13. Januar 1891 die Arbeiter- BildungSschnIe zu gründen beschloß. In dieser Versammln», g sagte Lieb knc cht als Referent: „Wir haben große Kräfte, die für die Zwecke»msrer Partei Ivirten möchten, zur Verfügung, aber cS ist unsre Pflicht, diese Kräfte auszubilden, uns umzuschauen und die Talente zu suchen und heranzuziehen. Die besten und bernfensten Agitatoren für die Ziele»msrcr Partei entstammen doch aus dem Arbeiterstande selbst." Diese Kräfte nach jeder Richtung hin zu schulen, ihnen die höhere Bildung zu geben, die die Volksschule ihnen vorenthalten hatte, das sollte der Zweck der Arbeiter-Bildungsschule sein. Manche Enttäuschung ist seitdem über die Schule gekommen. Anfangs lvar in weiiigqu Monaten die Zahl der»Mitglieder auf 5000 gefticgei» und über die Hälfte davon nahinen am Unterricht teil. Dann zeigte sich, daß eS unmöglich lvar, mit den beschränkten Geldmitteln, die Arbeitern zur Vcrfüguilg stehen, eine„Arbeiter Universität" dauernd zu erhalte»». Eine Deroute trat cin, cS fehlte»ficht an iimeren Streitigkeiten und Mitte der 90cr Jahre stand die Schule vor der Auflösung. Langsam kam die Ge- sundung und jetzt wirkt die Schule zwar nicht in den» weiten Rahmen. de»» sie sich bei der Gründung gesteckt hat, aber sie kann mit einem auf zweckmäßige Fächer beschränkten Lehrplan getrosten Mutes tu die Zukunft blicken. Daß die Sympathien der Berliner Arbeiterschaft für die Schule sich befestigt habe»», hat von neuem das letzte SfiftungSfest gezeigt._ Bor zehn Jahren. Am 18. Januar 1894 brachte ein Ereignis, dessen Wirknug»»och lauge nachzitterte, die Bevölkening Berlins in Erregung. Der strenge Winter hatte das Ele»ld riesengroß anwachsen lassen, und um der Oeffentlichkeit ein Bild ihres Jammers zu geben und das Gewissen der Behörden zu schärfen, waren eillige tausend Arbeitslose am Vornlittag zu einer Versammlung in der Brauerei Friedrichshain vereinigt. Es geschah aber etwas ganz andres als die Arbeitslosen erwarten mochten. Die Versammlung»vurde aufgelöst und die Teil- nchmer dan»»� bei einem Polizei- Vorgehen zusammengehauen. Uniformierte� Schutzleute bearbeiteten die Leute»int dem Säbel; eine große Schar dieser Beamten lvar aber in Lumpen gesteckt und mit G u m m i s ch l ä u ch e n bclvaffnct»vordei», und in dieser frag- würdigen Gestalt schlugen sie auf die Arbeitslosen ein. Getroffen lvnrden, tvie vor Gericht festgestellt»vurde, durch Gummischläuche auch a Cji Arbeiterver kleidete Polizeizugehörigc. Es lvar ein Anblick zum Gotterbarmen, als die Mißhandelten in der elften Morgen- ftnnde zn Dutzenden in»msrcr Redaktion erschienen, um hier, teil- lvcise blutend, den Vorfall zu inclden und Hilfe zu suchen. Durch die Berliner Bevölkerung ging ein Auffchrci der Empörung als die Affaire bekannt»vurde»»nd fast alle Zeifilngen klagten am nächsten Tage die Polizei des Amtsmißbrauchs an. Nur ganz wenige Blätter. darunter der damals schon offiziöse„L 0 k a l-A»» z e i g e r", wagten die Polizeithat zu beschönigen»md die Arbeitslosen als Mob zu be- schimpfen. Die Polizei verfiel auf ein sensattouelleS Mittel, um sich zu rechtfertige»». Sie arrangierte einen Mon st reprozeß gegen die Berliner Presse, und die Staatsanwaltschaft richtete cS so ein, daß der Prozeß vor B r a u s e»v c t t e r kam. Dieser nach einiger Zeit im Wahiistiin verstorbene Richter war berüchtigt ivcgcn des FaiiattsmuS, mit dem er in Prcßprozesicn gegen die Angeklagten wütete,»md eine Verurteilung zu harten strafen war daher auch selbstverständlich. Es erhielte»» Robert Schmidt vom„Vorwärts" 6 Monate, Keßler vom Tcltower„Bolksblatt" Monate, Wißberger von der„Berliner Zeitung" 3 Monate, Zach au vom„Socialdcmokrat" 2 Monate, Harnisch von den Lichtsttahlen" 2»Monate Gefängnis, Grüttcsin vom„Berliner Tageblatt" 300 M. Geldstrafe. Schütte von der„Fahr-Zeilung" 159 M. Geldstrafe aufgebrummt. Es soll ja Beamte geben, die dem Glauben nachhängen, daß eine gerichtliche Verlirteilung im stände sei. eine in der Presse an- geklagte Behörde vor den Augen der Oeffentlichkeit zu rehabilitieren. In diesem Sinne war also die Repniatton der Berliner Polizei mit einem geradezu»mheimlichc»» Ueberschwang wieder ii»S Lot gebracht worden. Der in der Verhandlung seines Amtes waltende Staatsanwalt— Venedig hieß der heute längst verschollene Mann— sagte de«» auch Uli vollen Ernst in seinem Plaidoyer: „Zweifellos»vird der Segen dieses Prozesses dadurch, daß er Klarbcit herbeigeführt hat, ein»vcittragender sein»md wohl auch für die EntwiÄmig unsreS politischen Lebens von weittragender Bedeutung bleiben,»veil für jeden, der hören und begreifen will, klargelegt ist, daß das»Mißtrauensvotum, das die so- genannte Oeffentlichkeit dem Polizeipräsidium dargebracht hat, in Wirtlichkcit zu einem Vertrauensvotum des großen, durch die Verhandlung aufgeklärten Publikums geworden ist." In Wirklichkeit lvar der Erfolg dcS Gummischlauch-ProzesseS der. daß nicht allen» die bekannte Anschauung des Publikums über das Wirken der Polizei durch die Verhandlung befestigt, sondern auch das Ansehen der Justiz selbst auch dort, wo eS noch etwas galt, für lange Zeiten erschüttert wurde. Die Polizei»vurde in der Verhandlung durch die Aussage des Oberstlieutenants v. E g i d y gekennzeichnet, der der Polizei-Attacko beigewohnt hatte und als Zeuge sagte, daß die feindselige Er- regung der deutschen Soldaten ii» Frankreich nicht so groß gewesen sei, wie die der Schutzleute bei diesem Vorfall, der den Überfallenen Arbeitslosen das Zeugnis musterhaften Ordnungssinnes gab, sodaß, wie er sagte, auch nicht- cin Schatten von Veranlassung zum Einschreiten für die Polizei vorgelegen habe und der Iveiter sich dahin äußerte, daß jedermann im Vater- lande, der noch für sich die Bezeichnung patriolisch, religiös, ehrlich, gesittet, gut, ordnungsliebend oder auch nur feinfühlig in Au- i'pruch nehme. von einem unsäglichen Schmerz erfüllt sein würde,»venn er Zeuge dieser 15 Minuten im Friedrichshain gewesen wäre. Was aber die Bewertung der B r a u s c w c t t c r- T h a t an- geht, so gab es damals sogar preußische Richter, die mit geziemender Deutlichkeit das fanatische Gebaren ihres Kollegen verurteilten. Der Landgerichrsrat R ö s e l c r fällte 14 Tage nach dem Gummischlauch- Prozeß gegen den Anarchisten P a lv l 0>0 i t s ch in derselben Sache ein eklatant mildes Urteil»md fragte in der Verhandlung mit einem deutlichen Hinweis auf die Branscivetterschc Bewertung der Affaire, ob denn bei der Gummischlauch-Praxis nicht die Gefahr vorliege, daß cin Krakeel, der vermieden werden soll, sich vermehre. Der Reichsgerichtsrat B a e r aber griff»oegen eines mit der Gummischlauch- Affaire zusammenhängenden Falles ii» einen» in der„National- Zeitung" veröffentlichten Artikel die Brauselvetterei so scharf an. daß später der verantwortliche Redakteur des erwähnten Blattes neben unserm Kollegen Pötzsch, der den Artikel im„Vorwärts" ab- gedruckt hatte, zu 600 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Was nun die weitere» Folgen der Gummischlauch-Affaire an- langt, so schien es als ob einige Polizeibeamte aus ihr einen Ansporn herleiteten, weiter nach den Principien zu wirtschaften, die bei der Thai am Friedrichshain maßgebend waren. In mehreren Polizei- mißhandluugS-Prozessen fteilich konnte der Angeklagte als Bclveis- mittel nur anführen:„Wäre Pergament»nein Rücken und Tinte jeder Schlag, so könnte ich belvcisen, lvas jetzt ich nicht vermag." Erst nach einem Ereignis, über dessen Folgen einige Polizei- beamte sich vorher gelviß nicht klar waren, trat allmählich Wandel zum Bessern ein. Unser Parteigenosse Stadthage n hatte sich im Oktober 1393 wegen Beleidigung des Berliner Polizeipräsidiums zu verantworten; der Prozeß»var eingeleitet »vorden,»veil Stadthagen die Binsenwahrheit verkündet hatte. daß aus Berliner Polizeitvachen geprügelt»verde. stadthagen brachte für diese Behauptung eine solche Ucberfülle erdrückender Beweise herbei, daß die Prügelpraxis für alle Zeiten gerichtet»var und man oben sich sagen npißte, daß es so nicht iveiter gehe. Gelviß sind auch noch später Schutzmanns- auSschreittlngen schlimmer Art ans Licht gekommen, aber es ist nicht zu verkennen, daß sich die Dinge seit den Tagen der Gumnlischlauch- Affaire»vohl doch geändert haben. Eine Erscheinung im öffentlichen Leben ist jedoch stabil geblieben, nämlich die Bewertung der unabhängigen Presse am Gerichts- tisch. Erst die letzte Zeit hat Beispiele dafür erbracht, nach wclckcn Maximen die Justiz in polifischen Prozessen glaubt urteilen zn müssen; ja. eS unterliegt wohl keinem Ziveifel, daß das Geschlecht der Röseler, Schmidt, Denso und Baer nur noch in der Erinnerung fortlebt. Das gilt nicht nur für Berlin, sonder»» für gal»z Deutschland. Die Socialdemokratie ist in den letzten zehn Jahren von knapp anderthalb auf drei Millionen Wähler angewachsen._ Ordcnsfest. Fahnen wehten am Soirntag auf den öffentlichen Gebäuden»md Häusern der Hoflieferanten. Die ReichSfarbcn schienen an diesem Tage verpönt zu sein. Nur preußische Adler auf schwarz- weißem Tuch flatterten im Winde. Die Straßeupassauten, in deren Kalender höfische Feste nicht verzeichnet sind, fragten verwundert:„Was ist dem» heule loS?"— Auf dem Schloßplatz und Unter den Linden sah »nai», Ivos loS»var. Pomphaft aufgeputzte Staatskarossen rollte»» dahin: die Kutscher auf den Böcken und die Diener auf den Tritt- brcttcrn waren in altertümliche, grellfarbene, von Gold und Silber strotzende Gewänder gesteckt, aus ihren Köpfe»» prangten gepuderte Perrücken, über denen dreispitzige Hüte thronten. Die„gute" alte Zopfzeit. die ja in de»» maßgebenden Regionen des preußischen Staates immer noch fortlebt, trat an diesem Tage auch äußerlich in die Erscheinung. Sie hatte ihr Festgewaud angelegt, dem» man feierte im Königsschlosse cin dem Geiste jener Zeit entsprechendes Fest: Das prcilßische Ordensfest. Unter den Linden gab es, wie immer bei solchen Gelegenheiten, ein Heer von Gaffern. Eine Menge Polizcibeamte lvarci» in Thätigkcit, die Mannschaft der Hauptlvache hatte fast ohne Unterbrechung»nit präsentiertem Gewehr und Trommelschlag die vvrüberrollcnden Equipagen zu ehren. Aufgeputzte Staatskarossen und einfachere herrschaftliche Kutschen fuhren in das Portal des Schlosses.— Da rollt in bedächtigem Tempo— eine auffallende Erscheinung in all' dem festlichen Glanz— eine ganz alltägliche Taxamete'rdroschke heran. Sie nimmt ihren Kurs gerade auf das Schloßthor zu.— Handbcwegungen der Schutzleilte, welche besagen sollen: Gehörst auch Du hierher?— Selbstbeivußtes Kopfincken des Rosselenkers als Antlvort.— Energischer Wink des Schutzmanns: Die Droschke fährt nicht ins Portal, sondern hält an der Bordschwelle. Ein ganz gc- »vöhnlicher Civilist. mit schwarzem Rock und Angströhre bekleidet, steigt aus. Die Schutzleute und»Militärpoften sahen bisher nur glänzende Uniformen passieren, sie betrachten den Mann im bürger- lichcn Rock mit mißtrallischen Blicken,»md erst nach Vorzeigung eines LegittmattonSpapiereS öffnet auch ihm sich der Weg ins Schloß. Es ist einer aus der untersten Schicht der OrdcnSgesegnetcn. Ein fleincv Beamter, dem als Anerkemmng für treue Pflichterfülllmg und gute Gesinnung das allgemeine Ehrenzeichen wintt, der aber schon an» Schloßportal recht deutlich daran erinnert wird, daß zwischen ihm und den höher gestellten Festteilnehmern eine breite Kluft gähnt, die durch Pflichttreue»md gute Gefinmmg nicht überbrückt wird. Der unerwartete Schneefall führte gestern vormittag zu vielen Störungen im Straßenverkehr. Da am Morgen die sttaßen trocken waren und niemand au einen Schneefall dachte, so wurden alle Rollwagen so schwer beladen,»vie es fiir eine»:»mgchiiidcrten Ver- lehr üblich ist. Dieser Last ivarcn aber in dem Schiree die Pferde nicht gelvachsen und bis Vorspann geholt war. blieb mancher Wagen liegen und sperrte oft auch andern Fahrzeugen die Bahn. Beim Wiederaufrichten gestürzter Pferde leistete oft die Feuerwehr Hilfe. Auch die Omnibuspserde hatten einen schweren Tag. Die Maßnahme»» zur Lösung der socialen Frage mehren sieb. Zwar»st Herr August Scher! mit seiner Sparlottcrie abgesallei», aber schon ko>nmt jemand anders, der zwar auf tleincre, aber wenn der Augenschein nicht täuscht. etlvaS soliderer Grundlage die Welt reformieren will. Bon der Wäschelieferungs-Gescll- schast m. b. H., Friedrichstraße 85, erhalten wir eii»e Zuschrift, in der es heißt: „Die unterzeichnete Wäschelieferungs-Gesellschast mit beschränkter Haftpflicht unteri»iinml es, wie schon auS ihrem Namen hervorgeht. äit jedermann, gleichviel welchen Standes, vollkommen kostenlos Wäsche, d. h. Hemden, Kragen, Manschetten:c.:c. zu liefern unter der einzigen Bedingung, das) diese Wäsche zu den in Berlin iißlichcn Preisen in der mit allen modernen Einrichtungen ausgestatteten Wäscherei der Gesellschaft gewaschen wird. Es ist selbstverständ- Uch,_ daß die gelieferte Wäsche zur ausschließlichen Benutzung des de- treffenden Slunben geliefert und zu diesem Zwecke mit einer Marke versehen ist. Da es schon in unsrem Interesse liegt, das) die gc- lieferte Wäsche dauerhaft sei, so ist cS selbstverständlich, daß wir nur allerbeste Qualitäten liefern." Ter Plan ist originell. Allerdings wird der Leser die Frage aufwerfen, wie die Gesellschaft sich sichern will. Hier kommt der metallische Beigeschmack. Der Abonnent hat eine Ä a u t i o n zu hinterlegen, deren Betrag ungefähr die Hälfte dcS Wertes der ge- lieferten Wäsche ausmacht; diesen Betrag erhält er nach Ablauf der zweijährigen Bcrtragsdauer zurück, ebenfo�bleibt ihm dann die gc- lieferte Wäsche als Eigentum überlassen. Die Waschpreise entsprechen ungefähr den in besseren Waschanstalten üblichen. Ob der auf den ersten Blick frappierende Gedanke, der diesem Unternehmen zu Grunde liegt, sich im großen realisieren läßt, daS muß der Zukunft über- lassen bleiben. Vielleicht findet er in mannigfachen Variattoncn Nach- ahmung. Wie wäre es, wenn der Bevölkerung nach den Grund- sätzen der G, m, b, H. auch daS berühmte Huhn im Topfe kostenlos geliefert würde'! Protcstversammlungcn der Handclsangcstelltcu. Der bundesrat liche Entwurf über die Kaufinaunsgerichte, von dessen Gesctzwcrdung die HandelSangcstellteu mit voller Veranlassung schwere Gefahren für die langersehnte berufliche Rechtsprechung befürchten, hat eine starke Protestbewegung in den beteiligten Kreisen hervorgerufen. Zu heule Dienstagabend 9 Uhr hat der Centralverband der Handlungs- gchilfen und Gehilfinnen Deutschlands eine öffentliche Ver- f a m m l u n g nach den Brunnensälen, Brunnen st r. IL, einberufen, die zu der Borlage Stellung nehmen wird. Das Referat hat der Ret chsiags- Abgeordnete Richard L i p i» S k i übernommen. Zu dcni gleichen Zweck haben der Deutschnationale Handlungs- gehilfen-Verband, der Verein der Deutschen Kaufleute, der Kauf- inännische Verband für weibliche Angestellte, die Allgemeine Ver einigung Deutscher Buchhandlungs- Gehilfen. der Verein junger Droguisten und der Gesellen-Verein katholischer Kauflcutc„Eoncordia" gemeinsam eine öffentliche Handlungsgehilfen- Versammlung für Mittwoch, den 29. Januar, abends 9�Uhr, nach Buggen Hägen Etablissement, Moritzplatz, großer«aal, einberufen. Das Referat hat Herr Richard Döring vom Dcutschnattonalen Handlungsgehilfen- Verbände übernommen. Es sind auch die verschiedenen Fraktionen deS Reichstages eingeladen worden, Die Empörung über diesen Gesetzentwurf hat den Verband für weibliche Angestellte mit kaufmännischen Vereinen znsammengebrackit, die entweder grundsätzlich die Frauenarbett im Handelsgewerbe be- kämpfen oder doch stets gegen das akttve und passive Wahlrecht der weiblichen Angestellten zn den Kaustnannsgerichten eingetreten find. Polizeilicher Frauenschutz. Das Polizeipräsidium giebt bekannt: Im September 1993 wurde zunächst versuchsweise ein Straßendienst von luchtnnifonnierten Polizeibeamten zum Schutze der Frauen und Mädchen gegen Belästigungen eingerichtet. Die gewonnenen Er- fahrungen haben bestätigt, daß ein Bedürfnis nach Maßnahmen dieser Art im Straßenleben Berlins besteht, und daß der ein- geschlagene Weg geeignete Abhilfe schafft. Zum Jahresbeginn hat bei dem Polizeipräsidium die erforderliche Beamtenvermehrung stattgefunden, welche die Durchführung eines ständigen Damenschutz- dienstes ermöglicht. Schutzmänner in Civilkeidung überwachen nicht nur die Hauptverkehrssttaßen der inneren Stadt, sondern auch die entlegeneren Stadtteile, um insbesondere auch den Frauen und Mädchen des ArbeiterstandeS auf ihren Wegen den wünschenswerten Schutz zu verleihen. Die Thätigkeit der Beamten soll hauptsächlich eine beobachtende und vorbeugende sein, Sie werden Damen, deren Frauenehre angegriffen wird, schützend zur Seite treten, indem sie sich als Kriminalschutzleute zu erkennen geben und, soweit erforderlich, die Feststellung der Personen bewirken, denen Ausschreitungen. insbesondere Beleidigungen, grober Unfug oder dergleichen zur Last fallen. Die Einführung des besonderen Patrouillendienstes läßt selbstverständlich die bestehende Dienstanweisung unberührt, toelche die sämtlichen unifornnerten und nichtuniformiertcn Becmtten verpflichtet, belästtgten Frauen oder Mädchen jeden ge- wünschten Schutz angedeiheu zu lassen. Es steht zu hoffen, daß die getroffenen Maßnahmen genügen werden, unliebsanie Auswüchse des Straßenlebens, lvelche sich gegen allein- gehende Damen richten, mehr und mehr zu verhindern, vor- kommenden Falles aber die Belästiger der verdienten Bestrafung zu überweisen. Zur Förderung dieses Zweckes können auch die be- troffcnen Damen in wünschenswerter Weife beitragen, wenn sie die Beamten, die zu einem rücksichtsvollen und unauffälligen Vorgehen angehalten sind durch Mitteilung deS Sachverhaltes und Stellung von Strafanträgen untersttitzen. Die Maßnähmen der Polizei zum Schutze allcingehender an- ständiger Frauen wird man nur billigen können. Sie sind um so beachtenswerter als die Zeit noch nicht sehr weit zurückliegt, wo Mitteilungen unter dem Stichwort„Was einer anständigen Frau passieren kann" ständig in der Tagespresse wiederkehrten. Neber ei» Schwindlcrpaar wird uns mitgeteilt: Am vorigen Sonnabend erschien ein Arttstenpaar unter dem Namen Wilson und Frau auf dem vom Rudcrvercin„Freiheit" im Klubhause in der Kommandantenstraße veranstalteten Vergnügen und produzierte sich als„Suggestions- und Münzbefchwörer". Nach Schluß ihrer Vor- stellung gestatteten sie sich eine Tcllcrsammlung vorzunehmen, deren Ergiebigkeit dadurch gesteigert werden sollte, indem sie das Anerbieten machten, den vollen Ertrag den Crimmitschauer Webern zukommen zu lassen. Ms jedoch die freundlichen Spender die Prüfung des Ergebnisses der Sammlung vornehmen wollten, war das„selbstlose" Artistenpaar mitsamt der Tellersammlung verschwunden. Sollte» diese Münzbefchwörer bei Arbeitcrfcstlichkeiten wieder eine ähnliche Gast- rolle geben, so wird denselben gewiß die nötige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Falschmünzer. Seit fünf Mmiaten liefen im Berliner Geschäftsverkehr salsche Fünfmark- und Thalerstücke um. Nach langen ver- geblichen llnterluchungen wurde in dem Maler Emil Klauritz, der im Osten der Stadt im Keller eines Hofgebäudes seine Wohnung und eine kleine Werkstatt hatte, der richttge Mann gefaßt. Zwar ließ sich auch ihm zunächst das Verbrechen nicht nachweisen, bei der Ver- nehmung aber war er so befangen, daß der Verdacht gegen ihn sich noch steigerte. Klauritz lourde wieder ans freien Fuß gesetzt, aber bei Tag und Stacht beobachtet, lim den Verdacht abzulenken, arbeitete er öfter in seinem Berufe. Auffallend war sein reger Verkehr mit einem Manne, den man zunächst nicht kannte. Was es mit diesem Verkehr für eine Bewandtnis hatte, ließ sich aber lange nicht aufklären. Ebenso wenig gelang eS, zn erfahren, was Klauritz in feiner Werlstatt trieb. Erst als ein smminalbeamter als Maler seine Bekanntschaft machte, kam die Aufklärung. Der zweite Mann, der einen falschen Namen führte und in einem Borort wohnte, wurde erkannt als ein ehemaliger Arbeiter Wilhelm Kristall, ein alter Falschmünzer, der vor längerer Zeit die«trafanstalt wieder ver- lassen hatte. Mehrere Beamte fielen nun in die Werkstatt ein und ertappten den alten Fälscher mit feinem Gchilfen, den er„angelernt" hatte, bei der Arbeit. Beide wurden festgenommen und in Unter- suchungshaft gefetzt. In der Werkstatt beschlagnahmte die Kriminal- polizei alles, was zur Herstellung falscher Münzen dient, und auch einen Sack voll Falschstückc. Unglückliche Liebe hat den 18 Jahre allen Kutscher Ernst Fabian in den Tod getrieben. Der junge Mann kanr vor einigen Monaten von seiner Heimat Rüdersdorf hierher und fand Stellung bei einem Molkereibcsitzer in der Müllerstraße. Nach acht Tagen verliebte er sich aus deni Tanzboden in eine Wherin, die fünf Jahre älter ist als er. Weil er noch so jung war. gab er sie jedoch überall sllr seine Schwester aus. Sonnabcndmorgen war er sehr betrübt und beichtete einem Arbeitsgeiiosstn, daß das Mädchen nicht seine Schwester, sondern seine Braut sei. Den Abend vorher habe er mit ihr neuen Acrger gehabt, den er nicht überleben könnc. Mehr sagte « nicht. Abends vermißte mau den jungen Kutscher, suchte nach ihm und fand ihn auf dem Heuboden als Leiche an einem Balken hängen. Auf dem Heimwege vom Tode überrascht wurde am Sonnabendabend»m 7 lihr der 92 jährige Cigarrenmacher Karl Etzer aus Franzöfisch-Buchholz. Etzer hätte in Berlin zu thun gehabt und wollte um 7 Uhr voni Bahnhof Gesundbrunnen heimfahren. Auf der Treppe zum Bahnsteig fiel er plötzlich um und war tot. Wahr- scheinlich hat ihn der Schlag gerührt. Bei einem Autouiobil-Uufall schwere Brandwunden erlitte» hat der Hausdiener Becker, welcher bei einer Baufirma in der Alten Schönhauferftr. 39 angestellt ist. J3. wollte auf dein Hofe des ge- nannten Grundstücks aus dem Steffel eines Automobils die Benzin- füllung ablassen und zündete ein Streichholz an, um damit nach"der Schraube deS Kessels zn leuchten. Aus unbekannten Ursachen— B. bestreitet entschieden,'dem Benzinbchälter zu nahe gekommen zu sein— entzündete sich der auslaufende explosive Stoff, eine gc- wältige Stichflamme erfaßte den B.. dessen Kleidung im nächsten Augenblick in hellen Flammen stand. Einige auf dein Hofe be- schäfiigte Arbeiter eilten sofort zu Hilfe, und'eS gelang ihnen auch, die Flammen durch Ueberwerfen von Decken zu ersticken. Trotz- deni hatte B. bereits schwere Brandwunden an der rechten Hand erlitten. Kann man da seine Sinne beisammen habe»? Uns wird geschrieben: Dieser Tage hatte ein in Ostrowo dienender Soldat hier vor Gericht in Moabit als Zeuge zu erscheinen. Die Verhandlung begann vormittags 9 Uhr, Um L Uhr morgens war der Mein» aber erst auf dem Schlesischen Bahnhof angekommen, er hatte während der nächtlichen Fahrt natürlich nicht an Nachtruhe denken können und vier Stunden später sollte er schon einen schwerwiegenden Eid leisten. So kam es denn, daß der Zeuge allem Anschein nach wirklich nicht ganz bei der Sache war, so daß der Staatsanwalt ihn fragte, ob er auch wisse, was er beschwöre, und welche Schule er besticht habe. Hätte der Urlaub des Soldaten sich bei dieser Sachlage nicht so ein- richten lassen, daß der Mann seiner Nachtruhe teilhast wurde und er dann mit frischen Geisteskräften der doch wahrlich nicht geringfligigen Zcugenpflicht zu genügen im stände gewesen wäre k Die Deutsch-Jiitrrnationale TranSpvrt-Gesellschaft, Köpnickcrstr, 21, ersucht uns, folgendes bekannt zu geben: Am IL, ds, abends zwischen 9—7 Uhr ist einem unsrer Kutscher auf dem Hamburg-Lehrter Glltcr- hahnhof während deS Abladens seiner Fuhre ein Reisekorb, Eigentum des Herrn Dr. Hellmann hier, abhanden gekommen. In dem Korbe befanden sich: ein neuer Frackanzug, bezogen von der Firma Zobel, Köpnickerstraße, eine Standuhr, zwei Bilder und diverse wissenschaftliche Bücher, letztere sind mit dem Namen des Herrn Dr. Hellmann be- schrieben. Die Firma sichert dem Uebcrbringer der Wertsachen eine Belohmmg zn._ Zwei volkstümliche Vortragsabende fanden am Sonntag im Gewerkschastshause statt. Die Hörerschaft von Maria H o l g e r s, den Riitgliedern der N e u e n.f r e i e n Volksbühne seit langem rühmlich bekannten Schauspielerin und Rccitatorin, hatte sich im Saal 1 des Gewerkschaftshauses zahlreich eingefunden. Der Haupt- teil des Programms umfaßte Dichtungen von Ada Negri und Ernst Prerzang. Traurig-ErgrcifendcS mit socialen Anklängen, gemüt- voll finnende Naturbetrachtnng und hier und da Kampfes- Hitze. Nichts Heiteres, Erheiterndes. Und ernst, wie der Vortragsstoff, so die Künstlerin. Ein tiefes Empfinden und Mit- empfinden scheint ihr zn eigen. Jede Stimmung holt sie heraus. Ganz gleich, ob stilles Sehnen, gcmütrcichcs Träumen oder die Er- griffenheit starrer Trauer im Liede lebt: sie erlebt eS mit und mit ihr die Hörer. Und auch für den, der sich krasthcwutzt reckt und vorwärts strebt zu besserem Sein, findet die Künstlerin den richtigen Ausdruck, Wohlthucnd berührt auch die reine, klare Aussprache. Fräulein HolgerS. die zum Schluß noch einige Gocthesche Gedichte brachte, erntete vielen Beifall. Wirksam unterstützt wurde sie durch den Violinisten Jean Ell und den Pianisten Künicke, welche einige Sachen von Vieurtemps, Grieg und Sinding spielten. Ueberflüssig schien uns die Erklärung der Vortragenden, daß sie die Gedichte von Ada Negri und Prcczcng nur als Künstlerin vor- trage, die sich, tvie jeder Künstler, nur an das menschliche Gefühl loende.— Im großen Saal hatte der H o l z a r b e i t e r- V e r band einen solchen Abend veranstaltet. Hier brachten Gertrud Arnold vom Schiller-Thcater und Max Alberty eine reiche Anzahl socialer Dichtungen von Heine, Henckcll. Glasbrenner u. a. recht wirkungsvoll zu Gehör. Der Besuch des Abends war infolge einer Anzahl ähn- licher Veranstaltungen etwas beeinträchttgt. Im Hörsaale der ständigen Ausstellung für Arbcitcrwohlfahrt, Charlottcnburg. Fraunhoferstr. 11/12 sin unmittelbarer Nähe der Station„Knie" der Untergrundbahn), beginnt am Dienstag, den 19. d. M., abends S/K Uhr, Professor Dr. T h. Sommerfeld eine auf vier Vorträge berechnete Vortragsreihe über g e w e r b- Ii che Gesundheitspflege. Der Zutritt zn den Vorträgen steht jedermann frei und ist unentgeltlich. Urania. Professor Dr. v. Drygalski hat sich bereit erklärt, da so überaus viele Besucher Plätze zu seinen! ersten Vortrag nicht mehr erhalten konnten, seinen Vortrag„Die Südpolar-Expedition der Gauß" ani Montag, den 2ö. d. M., abends 8 Uhr, im großen Saale der Urania, Taubenstr. 43/19, noch eimnal zn wiederholen. Billets zu diesem Vortrag sind bereits von heute ab an der Kasse der Urania erhältlich._ Huo den Nachbarorten. Ja Charlottenburg wird die Hundesteuer nicht erhöht. Ter Magistrat von Cbarlottcnburg beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der Frage der Erhöhung"der Hundesteuer auf 49 M. Wie verlautet, war unter den Magistratsmitgliedern sehr wenig Stimmung für eine derartige Vermehrung der Steuereinnahmen vorhanden. Nach längerer Debatte wurde mit großer Majorität be- schlössen, das Projett abzulehnen, umsomehr, als keine Aussicht vorhanden ist. die Zustimmung der Stadtvcrordnetcn-Bersammlung für eine solche Vorlage zu erhatten. Schwere Brandwunden erlitten hat am Freitagabend die neun- jährige Tochter des Gastwirts Helling in Köpenick, Schöncrlinder- straße ö. An diesem Abend wollte das Kind die Fenster der im ersten Stock befindlichen Wohnung schließen. Beim Anbrennen einer Lampe muß lvohl von dem brennenden Streichholz ein Funke au die Kleider der Kleinen gekommen sein, sie fingen Feuer und im Nu schlugen helle Flammen empor. Durch das Geschrei anfincrksam gc- macht, eilten Hausbewohner herbei und erstickten das Feuer. DaS Kind, an Händen, Brust und im Gesicht schwer verletzt, wurde mittels Krankenwagens nach dem Kreis-Krcmkenhanse in Britz gebracht. Dort liegt eS hosftningsloS danieder. Sericbts-�eitung. H 175. Bor der vierten Strafkammer des Landgerichts 1 fand ani Sonnabend eine bis zum späten Abend währende Verhandlung gegen den Grafen Thschkiewicz und seinen Coinplicen. den Schlächtergesellen Hermann K n o r r c statt. Beide waren beschuldigt, ich gegen den§ 175 deS Strafgesetzbuches vergangen und im Zu- sammenhang damit schwere Erpressungen verübt zu haben. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Ocffenllichkcit statt und führte hinein in die tiefsten Tiefen moralischer Verkommenheit und die Gefahren, die die Furcht vor dem 8 17Z des Strafgesetzbuches ür sexuell veranlagte Naturen herbeiführt und sie als die ge- eigneten Opfer gemeiner Erpresser erscheinen läßt. Aus der Urteils- Verkündigung sei hervorgehoben, daß eins der Opfer dieser gemein- gefährlichen Subjeltc, der S3jährige bonioseruclle Konsul K. v. Schenk. Bruder des Wiesbadener Polizeipräsidenten und des Obersten v. Scki., sich inzwischen, nachdem er, wie sich der Vor- sitzende ausdrückte,„bis aufs Blut gepeinigt war", in Buenos Ah res seinem Leben gewaltsam ein Ende bereitet h a t. Graf Tysckilicwicz wurde wegen Erpressung zu ein Jahr neun Monaten, wegen Vergehens, gegen§ 175 zu sechs Monaten, ins- gesamt zu z iv e i I a h reu G e f ä n g n i s, K>i o r r c wegen Erpressung zu einem Jahr drei Monaten, wegen Vergehen? gegen§ M zu vier Monaten, insgesamt zu einem Jahr sechs Monate« Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Vom städtischen Obdach. Die Flucht von vier wcib« l i ch c n Insassen des städtischen Obdachs in der Fröbel» straße beschäftigte gestern die erste Strafkammer des Landgerichts l. Die Hausdiener Ferdinand Hartwig und Eduard Schmidt hatten sich wegen Gcfangenenbefreiung zn verantworten. Die Be- weisanfnahme ergab, daß die Angeschuldigten, lvelche in der ge- nannten Anstalt als Hausdiener angestellt waren, sich in der Pflicht- widrigsten Weise gegen die Hausordnung vergangen hatten. Im städtischen Obdach befindet sich eine, von den übrigen Räumlich- leiten getrennte Station, welche zur Aufnahme derjenigen geschlechts- kranken Frauenzimmer dient, welche von der. Polizei aufgegrissen worden sind. Diese Personen sind im Gegensatz zu den sogenannten „freien Kranken" als Gefangene zu betrachten und lverden bis zu ihrer Genesung hinter«chloß und Riegel gehalten. In der Nacht zmn 1. Juli vorigen Jahres wandelte die beiden Angeklagten die Lust an, den Insassen dieser«tation einen Besuch abzustatten. In der Thür zu dem gemeinsamen Schlassaal, in welchem sich sieben Frauenzimmer befanden, befand sich ein Guck- loch, durch welches die Angeklagten zunächst das Innere beobachteten. Dann machten'sie sich bemerkbar und reichten den Frauenzimmern, die aus den Betten aufgestanden waren. Cigarcttcn zu. Dann holten die Angeklagten einen Kasten voll Flaschenbier, Hartwig öffnete die Thür mittels eines Dietrichs oder eines falschen Schlüssels, und nun wurde in dem Schlafsaale eine förmliche Orgie abgehalten. Endliäi äußerten einige der Mädchen den Wunsch,' daß sie gern zur Anstalt hinaus möchten, und die schon stark angetrunkenen Angeklagten erklärten sich bereit, ihnen da» bei zu helfen. Die Mädchen erreichten ohne Schwierigkeit den Hof. der von einer Mauer umgeben war. lieber diese gelangten sie mit Hilfe der beiden Hausdiener. Es waren vier Personen, welche von der Fluchtgelegcnhcit Gebrauch machten. Natürlich wurden die An« geklagten am folgenden Tage entlassen. Im Termin legten sie ein Geständnis ab und führten nur An- gctrunkenheit als Milderungsgrund an. Sie wollten auch nicht ge- wüßt haben, daß die weiblichen Insassen als Gefangene zu betrachten seien. Der Staatsanwalt wies darauf hin, daß die An- geklagten eine sehr hohe Strafe zu gewärtigen hätten, wenn sie Beamteneigenschaft besäßen, aber immerhin sei ihre Handlungsweise eine so pflichtvergessene und verdaminenswerte, daß er gegen sie eine Gefängnisstrafe von je drei Monaten beantrage. Der Gerichtshof verurteilte Hartwig zu zwei Monaten, Schmidt zu eine m Monat Gefängnis. Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter (E. H. 29,.Hamburg). Filiale» Berlin 9 und 10. Mitglieder-Ber- sammlung am Dienstag, den 19. Januar 1994, abends 3 Uhr, in den Arminiushallen, Bremerstr. 72/73. Verniilcbres. Bei der Gefährdung eines Eiscnbahnzugeö ist nach amtlicher Nachricht ans Essen am Sonnabend ein Mann getötet worden. Die Meldung lautet: Sonnabcndmorgen gegen 7 Uhr erfaßte die Lokomotive des Personenzuges 9S3 auf der Strecke Saarn-Kettwig bei Nummerstein 8,5 und 7 einen dem Arbciterstande angehörigen Mann Namens Johann Woltcrhof bei dem Versuche, den Personenzug durch Auflegen von Steinen auf daS Gclcis zur Entgleisung zu bringen. Wolterhof wurde sofort ge- tötet. Das Gcleis war auf eine Länge von ungefähr 89 Meter mit Steinen bedeckt. Der Zug hat keinen Schaden erlitten. Der streitende Schnellzug. Eine kleine, nicht uninteressante Episode, durch welche Gericht, Geschworene, Staatsanwalt ze. einmal den Bureaulratismus in unsrem lieben Vatcrlandc gründlich kennen lernten, spielt« sich gelegentlich des Wilderer-Prozesses Schollbach in Gräfenhainchen ab. Das Schwurgericht hatte von Halle aus mit der Bahn in dem Zschieschenitzcr Gemeindewalde, wo der Amtsvorsteher Beudtmann erschossen wurde, eine Lokalinspektion unternommen. Die beteiligten Gerichtsherrn wollten 4 Uhr nach- mittags, als sie von dem Walde zurückkehrten, mit dem Schnellzuge, der sonst in Gräfenhainchen nicht anhält, nach Halle zurückfahren. Die zuständige Bahnbehördc war tclegraphisch ersucht worden, für die Station Gräfenhainchen einen Waggon zlveiter Klasse bereit zu ballen. Als der Schnellzug in Gräfenhainchen eintraf, gab der Stationsvorsteher das Haltesignal und der Zug blieb auch stehen. ES kam zu lebhaften Anscinandersetzungen, und der Zugführer ließ sich darauf nicht ein, die bereitstehenden Gerichtsherren mitzunehmen. da dort leine Haltestelle v o r g c s ch r i c b c n s e i. Er dampfte ab, dabei vielleicht denkend, den Schnellzug in seinem Laus. hält auch das Schwurgericht nicht auf, und ließ spater zwei Herren, die aus Unkenntnis eingestiegen sein sollen, sistteren. Alle übrigen Herren konnten infolgedessen erst mit dem Zuge, der abends 8 Uhr in Halle a. S. eintrifft, abfahren. lieber einen Hauseinsturz wird aus Zürich gemeldet: An der Straße zwischen Unter- und Ober-Wetzikon stürzte Sonnabendiiacht infolge einer Gasexplosion ein Haus ein. Drei Bewohner des Hauses wurden getötet, einer verletzt. Eine aus vier Personen be- stehende Familie fiel aus der Giebelwohming in ihren Betten her» unter, ohne Schaden zu nehmen. Aus Bilbao wird gemeldet: Im hiesigen Deutschen Klub brach Sonnabendabend bei einer Festlichkeit ein Gardincnbrand aus, durch den eine große Verwirrung in der Gesellschaft angerichtet wurde. Die städtische Feuerlvehr löschte das Feuer; dabei erlitt ein Feuer- wehrmann Verletzungen. Wasscrkntastrophc. Aus B l o e m f o n t e i n wird vom 18. Januar gemeldet: Der niedriggclegcnc Teil der Stadt ist gestern infolge Berstens der Wasserleitung überflutet worden. Drei Hotels und viele Häuser sind zerstört. Die Anzahl der Toten ist noch unbekannt. Hunderte von Personen find obdachlos. »Weizen,' Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen dcS gut D.-Etr.> mlltcl 10,! ! 16,25 | 16,15 i 12,85 , 14,00 12,80 ! 11,70 15,50 i 14,50 i 13,50 3.82 7,30 1 40,00 50,00 i 60,00 gering »Roggen, gut mittel gering -sGcrstc, gut „ mittel gering iHascr, gut initlel .. gering Richlstroh■ Heu Erbsen Speisebohnen Linsen » ab Bahn. 1' srei Wagen und ab Bahn 16,39 16.20 16,10 12,90 11,80 10,70 14,60 13,60 12,60 3,50 4.89 26,00 26,00 20,00 am 16. Januar 1904 tgl. Polizeipräsidiums. ' K artoffeln, neue D.-Etr. Rindsleisch, Keule 1 kn do. Bauch„ Schiueinesleisch Kalbfleisch„ Hammelfleisch„ Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 d? per Schock I 7.00 1,80 1.50 1,69 1,89 1,80 2,69 5,99 2.19 2,80 3,00 2,40 1,80 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,09 BSittcriingsübcrficht vom 18. Januar 1991, morgens S Uhr. Bett« | lr bedeckt pSchnce liwolkig 2pedcckt «s- c -» il gts izs» -1« -l 8 BScttcr-Proaiwsc für Dienstag, den 19. Januar»994. Vorherrschend wolkig mit Niederschlägen und ziemlich frischen westlich«, Winden; Temperatur wenig verändert. Todes- Anzeige. Rm 13. d. Mts. starb plötzlich «nser inniggclicbter Bruder Paul Müller, wohnhaft gewesen Brnimcnstr. 193. Die Beerdigung sinket statt: Dienstag, den IS. Januar, nach- mittags 31;. Uhr, aus dem Friedhos der Freien(Gemeinde, Pappel-Allce. Um stille Teilnahme bitten die Geschwister 1034b Agnes Menger gcb. Müller. Hngo Miiller. für den Todes Anzeige. Am Mittwoch, den 13. d. Mts., verstarb insolgc eines Unfalles das langjährige Mitglied, der Metall- drchcr Paul Müller im Alter von SS Jahren, Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den IS. Januar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle der Freireligiösen Gcmemde, Pappcl-Allee, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 416/4 Der Vorstand. Allen Kollegen und Genossen hiermit zur Kenntnis, daß unser Kollege, der Dreher Paul Müller am 13. d. MtS. durch einen Ltrafienbahn-Unfall zu Tode ge- kommen ist. Wir verlieren in dem so jäh £ aus dem Leben Geschiedenen einen ' treuen und braven Mitarbeiter, der jederzeit als llasscnbcwusjter 'Arbeiter für die Interessen der Allgemeinheit eingetreten ist. Er war in politischer ltnd getvcrl- schastlicher Beziehung ein ganzer Mann und hat als solcher auch in der schwersten Zeit der Arbeiter- bewegung seine Pflicht erfüllt. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten, Die Arbeiter der Firma iSiemcns& Halske, Berliner Werk. Die Beerdigung findet am Dienstag, den Ii), d. Mts., nachmittags Z'/, Uhr, von der Leichenhalle des Freireligiösen Friedhofs in der Pappel-Allcc aus statt, lOSSb Oeuf§.ci)er Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Paul Müller am 13. d. Mts. durch einen Un- glückssall gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1». Januar, nachmittags S'/, Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde aus statt, Rege Beteiligung erwartet 110/8 vis Ortsverwaltung. Todes-Anzeige. AllcnVerwaildtcn, Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachricht, dafi unser innigstgeliebtcr Bruder, Schwager und Onkel, der Zapser Johann Regin am«ountagvormittag 10'/, Uhr nach kurzem Leiden im Alter von 37 Jahren sanft entschlafen ist. Dies zeigt tiesbetrübt im Namen der trauernden Hinterbliebenen an Wilhelm Fuhrmann. Die Beerdigung findet am Mitt- woch.dcn 20. d.M., nachm. 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisen- Kwchhoscs am Fürsten- brunner Weg aus, statt.[10986 Central-KrankeD-Ooterstiitzungs- verein der Schmiede, Berlin II. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege August Fritz am Freitag, den 15. Januar, ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. d. M., nach- mittags 3 Uhr, vom Tranerhause Emdencrstr. 8 aus statt. 176/1 Oie Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Schwager, Bruder und Onkel, der Fraiser Richard Oblrich im 43. Lebensjahre am Sonntag, den 17. Januar, nach kurzen Leiden an Hcrzlähmung ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. Januar, nach. mittags'1,3 Uhr, von der Leichen- Halle der Emmaus- Gemeinde, Rixdors, statt, 402SL TieS zeigen ticfbetrübt an Fnmiiie Pritzkotv. Sage hiermit allen Freunden, Be- kannten, Kollegen und Vereinen für die überaus reichen Kranzspenden und den erhebenden Grabgesang bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des RcstaurateurS lOSOb Hermann Heyer, meinen tiefgefühlten Dank. Die trauernde Witwe nebst Kindern. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeige De» Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Feilenhauer Dllo Lehmanii am 14. d. MtS. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den IS. Januar, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS Luisenkirchhofs(West- cnd, Fürstenbrtinner Weg) aus statt. Rege Beteiligung erwartet 110/9 Oie Ortsverwaltung. Am 16. Januar 1904 verstarb unser hochverehrter Ches, der Pianosortesabrilant Herr Gottlieb Barsch im Alter von 53 Jahren. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. 44331! Das Arbeiterpersonal. Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag um 4 Uhr von der Leichenhalle des alten Sankt Thomas-Kirchhofes aus statt.. Verein zur Wahrung! Interessen der laurer Berlins u. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied (Zottlieb(Zutscke gestorben ist. Die Beerdigung findet am DienS- tag, den 19. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der MarkuS-Gcmeindc in Wilhelms- berg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 129/4 Her Vorstand. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, daß meine innig geliebte Frau, unfre sorgsame Mutter und Großmutter, Schwester und Tante lös Geisthardt gc6. nach schwerem Leiden ini 52. Lebens- jähre am 16. Januar sanst ent- schlafen ist. 1102b Aug. Oeistliardt nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. Januar, nach- mittags 3 Uhr, vom Lazarus- Krankcnhause aus nach dem Golgatha-Fnrdhos, Barjusstraße, statt. Kranz- und Ktumeubindkrej von Rodert Mever,. nur Mariannen-Straße 2. BereinS-Kränze. Palmen- u. Blumen- Slrrangements, Bouqucts, Guirlanden usw. werden sew u. preiswert geliejcrt LngeMsrät-| Caramel-lfialZ'Sier Gesetzlich geschützt No. 34 934 enthält den geringsten Alkoholgehalt� ist reich an Nährstoffen und deshalb ein hervorragendes Stärkungsmittel. Aerztlich wird es empfohlen für Nervöse, Bleichsüchtige, Mütter, Rekonvalescenten. Als Tafelgotränk ist es allgemein bevorzugt.— üebcrall käuflich. Preis pro Flasche 10 Pf. Brauerei Ernst Engelhardt Nachf. 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.