Nr. 16. flbonnementS'Bedlnaungen: HSotmEmcitlä- Preis pränumerando� Niertcljährl. Z,Z0 Mk, monatl. 1,10 Mk., wöcheiUIich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nunimer B Pfg. SonntagS- n unimcr mit illustrierter Sonntags- Betlage.Die Neue Welt" tv Pfg. Post. Monnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?- Preisliste. Unter Krcuzdand für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für d-S übrige Ausland s Marl pro Monat. 31. Jahrg. vi« InSertions'Gebübr beträgt für die sechsgeipaltenc Kolonei- zeilc oder deren Rawu so Pfg., für politische und gcwcrlschafllichc Vereins- und BersammlungS-Anzcigcii 26 Pfg. „Ultine Anreisen", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte iibcr 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsscii bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormUtagS geöffnet CrfchtiRt ldglich ittiver montags. Devlinev VolKsblstt. Telegramm. Adresse: „Sopidstltmolini llltiin" �entualorgan der fozialdcmokrati f eben parte» Dcutfchlands. Redaktion: SRI. 68. Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Str. 1983. Mittwoch, den 30. Januar 1904. Sxpedition: SRI. 68. Lindcnetraesc 69. Fernsprecher: Amt IV, Str. 1981. Quittung. Im Monat Dezember gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibciträge ein: " Berlin, Beiträge der Wahlkreise:?. Kreis öOO,—(darunter Ungenannt—,50, Schäfer v. d. Heydtstrabe 10,—, Lnkcl 2.—.) f>. Kreis 3000,—. Berlin diverse Beiträge: A. B. 5,—. D. ii. 21. 100,—. L. u. H. 23. 10,—. M. H.. Lübeckerstrage 4.—. Tic Contobuch- arbcitcr v. Wcdding 5,—. A. W. n. A. 2., Lllcxandrinenstr. 27 10,—. P. S. 50,—. Ä. B. 50,—. Munition zum Kamps für Wahrheit und Recht 4,—.„Fahr wohl" 10,—. Zwerg Ulbst 1,—. Arbeiter der Reuen Berliner Gcnossenschastsbäckcrei 2t!,—. A. Tu.,©logauer- strafte 3,—. Hansaviertcl 1,—.©ntenberg 30,90. Von Mitgl. der U.-Dr. 3,50. Cohn 1,—. Blcistcg 1,—. Bleistegs Bicrrasse 3,—. C. D., Öutjrau 1,—. Bern 50,—. Bremen, von den Parteigenossen 300.—. Breslau, s ocialdemokratischc r Verein 100,—. Buxtehude. von den Alten durch Weber 3,—. Cöln a. Rh., Parteibcitrag von Stadt Cöln 70.—. Drciftighuben iWahlkr. Rcichcnb.-Ncurode), Wahl- verein 5,—. Falkenberg iTberschl.) 3,—. Frankfurt a. M„ X.?). 2,—. Gotha, durch den Vertrauensmann 30,—. Groftotterslebcn, Boitr. d. socialdcni. Kreisvcr. d. Wahllr. Wanzlebcn April, Dez. 90.— Grötzingen bei Durlach i. B., socialdcmokr. Verein 15,—. Lucken- walde, Riisus(2 Raten) 10,—. 2udwigshafcn a. Rh., socialdemokr. Verein 200,—. Mannheim, socialdcmokr. Verein 200,—. Mül- Hausen i. Ii., Einzclmitgliedcr der socialdcmokr. Partei Deutschlands 10,—. Mannheim, Mannheimer Aktien-Druckerei, A.-G. 1000,—. München, Waldläufer 5,—. Nürnberg, socialdcmokr. Verein 350,- Rordische Wasserkante 00 000,—. Neustadt(Herz. Koburg) A. G. 5,—. Nürnberg, H. u. M. 4,—. Ohlau 47,45. Tbcrhaiisen-Alstadcn a. Rh.. dlirch den VcrtraucnSmanir 20,—. Lbcrlangcnbielau, durch 2f. Kühn. Partcibeitrag aus den: Culengcbirge 100,—' Potschappel bei Dresden, 0. sächsischer ReichstagS-WahlkreiS 1500,—. Reichenbach i. Schl., von Genossen 20,—. Rcichcnbach i. Schl., Wahlverein 10,—. Randolv-Grcifenhagcn, socialdemokr. Wahlverein, 4. Quartal 1903 100,—, ptichzcnhain. Arbeiter-Bildmigsverein 3,—. Stettin, socialdemokr. Wahlvcrcin 500,—. Stuttgart, G. U. 10,—. Straftburg i.(?., Llltvater 5,—. Sachscn-Weimarische Landcsorgani- sation, 4. Quartal 1903 durch L. 50,—. Solingen, durch das Kreis- fouritcc 25,—(darunter vom Volksvercin Solingen 15,—). Tonga, Island, G. Rah» 4,80. Ucbcrschnft des prenftischen Landtagö-Wahl- f.itbs 8364,58. Württemberg 100,—. Waldhcim, Wahlvcrcin, viertes Quartal 1903 25,—. Berlin, den IS. Januar 1904. Für den Partcivorstand: 2t. Gerisch, Kreuzbergstr. 30. Dentsch-Rutzland. Rußland ist der Mühlstein, der die moderne Entwicklung Europas belastet. Rußland ist der mächtige Hort aller Reaktionstendenzen. Auf Rußland richten sich in Westeuropa alle konservativen und abloO'O'f, schon Erwartungen. Preußen und Deutschland— in irr ge. graphischen Mitte zwischen Rußland und den Weststtaatcn— geben den Schauplatz, aus dem russische Reaktion und westeuropäische Entwicklung seit Jahrzehnten in noch immer unentschiedenem Kampfe ringen. Preußen wird Rußland nicht los und je mehr das Volk in Preußen und Deutschland ivesteuropäisch geworden, um so inehr wird das herrschende Preußen und Deutschland russisch und sibirisch. Das konservative Junkertum Preußens begeistert sich ebenso für den östlichen Nachbarn, wie es die westlichen Demokratien haßt, und dieses Junkertums Kulturhaft ist zugleich die beherrschende Macht über die Regierung in Preußen und Deutschland. An der Spitze des Reiches steht ein Staatsmann, der das Bc- dürfnis zeigte, einen Schein niodcrncrcn Wesens zu gewinnen, der eine Weltpolitik vertrat, die, wie die Gläubigen einst venncinten, hinausführen sollte an6 der Enge, aus altem Schutt in freie Weite. Doch der moderne Bülow ist des trügenden Scheines längst entkleidet, und, trotz Seeluft und Weltpolitik, trotz Engländcrei und Amerika- fahrten, verblieb Prenften-Deutschland im russischen Bann. Die deutsche Politik hat an allen Thoren angeklopft und wurde an allen Thoren abgewiesen, bis sie zurückkehren muftte zur traditionellen Russenfreundschaft, die niemals etwas andres bedeutete als die Herrschaft russischer Kulturwidrigkeit in Preußen und Deutschland. Niemals noch ist diese Rnssenschmach so schmählich zum Llusdruck gelangt als in der heutigen RcichStags-Berhandlung. da die Social- demokratie der Empörung über die unwürdigen Schcrgendicnste Ausdruck gab, die Prcuften-Deutschland zur Erhaltung und Förderung der Russenreaktion fortgesetzt übt. Bereits in den vorigen Jahren hat unsre Partei die Regierung vergeblich zur Umlehr in civilisiertere Wege zu rufen versucht. Der heutige Tag zeigt, daft die Regierung den russischen Weg fortsetzt und bis an sein äußerstes Ende zu gehen gewillt ist. In ununterbrochener Fülle und in stets sich steigernder Un- geheuerlichkeit sind in dem letzten Halbjahre die deutschen Unter- würfigkeiten unter russische Befehle zu Tage getreten. Unsre ReühstagSfraktion wollte darum nicht den Etat des Auswärtigen Amtes erwarten, um diese Angelegenheiten zur Sprache zu bringen, sie hat durch besondere Interpellation diese Zustände im Zusammen- hange vor die deutsche Oeffentlichkeit gebracht und der Verurteilung durch das deutsche Volk unterbreitet. Unser Parteigenosse H a a s e, der in Königsberg besonders reichliche Gelegenheit hatte, d«l Russendienst der deutschen Regierung zu erfahren, entnahm das Wichtigste aus dein massenhaften Material und trug es sachkundig und in der ernsten Eindringlichkeit vor, die dieser Aufgabe ziemt. Er schilderte die Ausbreitung des russischen Spitzelwesens in deutschen Städten, das schamlose Treiben dieser erbärmlichen Existenzen, die gegen Bezahlung ehrenwerte Menschen verdächtigen und ins Unglück stürzen, die zur Durch- fiihrung ihrer edlen Zwecke verbrecherische Handlungen allerlei Art nicht scheuen, die in Wohnungen einbrechen. zu Paftfälschungen provozieren, Postbriefe und Tnickschristen unterschlagen. Deutsche Behörden treten in Beziehungen zu solchen Elenden: Grenz- Zollbehörde», Polizeibehörden, Justizbehörden, ja, auch Universitäten werden Mitschuldige an der Uebcranttoortung der fteihcitlich begeisterten Jugend Sinftlaudö an die russisch-sibirische Barbarei. Selbst elementarste Bestimmungen deutscher Gesetze gehen dabei zu Gniudc: es werden Männer und Frauen als„lästige Ausländer" ausgewiesen, die nichts gegen deutsche Gesetze begingen; es werden Haussuchungen vorgenommen, nicht weil Thatsachcn für den Verdacht der„Lästigkeit" vor- liegen, sondern weil solche Thatsachcn erst gesucht werden sollen; es ivird zu Gunsten RuftlandS tvcgcn Geheimbündelei gegen deutsche Reichsangehörige prozessiert; es werden Strafanträgc von der russischen Regierung erbeten, wir deutsche RcichSangehönge wegen Hochverrates gegen Rußland und wegen Beleidigung des Zaren zu verfolgen. Jede Thatsachc, die der Redner vorführte, bedeutete eine Ll n k l a g c. eine Anklage wider den Verrat der deutschen Ehre und Würde. Die Wucht der Thatsachcn»ud die Kraft unsreS Redners zwangen die bürgerlichen Parteien, die zunächst verständnislose Un- aufmcrksamkcit gezeigt hatten, zu einiger Einsicht in den Ernst der Frage. Tic ÄnSführungcn Haases verblieben selbst in diesem der kulttircllcn Erregung kaum zugänglichen Reichstag nicht ohne Ein- druck. WaS aber wird die Regierung antworten V Der Staatssekretär v. N i ch t h 0 f c n hat vor Jahresfrist die ihm befohlenen Rnsienneigungen bereits inbrünstig verkündigt und es war nicht zu erwarten, daft er ohne Weistnig von höherer Stelle die frühere Haltung aufgeben könnte. Es geschah aber, daß der Staatssekretär umgekehrt die vorjährige Haltung verleugnete, indem er den Russendienst im gesamten Umfange u n d in all seinen w i d e r w ä r t i g st cn Er s ch c i n n n g cn b i l l i g tc n ir d verherrlichte. Kein russischer Minister kann eifriger für russische Interessen eintreten als der deutsche Staatssekretär des LluStvärtigcn Amtes. Kein russischer Kulturfeind kaim die jkultur schmählicher verlciigiicu als dieser Staatssekretär, der die Schmach der russischen Spitzclumtricbc billigt, der die KönigSberger Prozeßführung verteidigt, der schließ- lich, über alle bisherigen Russenleistungen noch weit hinaus, die Erklärung abgab, daß die Regierung Ausländer, die sie ausweisen wolle, über diejenige Grenze bringen könne, die sie fiir die richtige halte! Die subaktcrn-rnsfische Gcistlosigkcit dieser Erklärung gab sich bald in brüsk herausforderndem Tone, bald in hochmütig verächt- lichen Wendungen, bald gar in unerhörten Beleidigungen der russischen Jugend. So entfesselte dieser Staatssekretär der geistigen BedentungSlosigkeit und des russischen Polizeitons alsbald nngestiimc Empörung auf socialdemokrattscher Seite, ivclchc in erregten Unter- brcchungen und Protesten ausbrach; der Bieepräsident v. Stolbcrg versuchte vergeblich, die gerechte Empörung niederzuklingclu. Richthofcn rief Bebel ans den Plan. Bebel entzog dem Staatssekretär sofort die ganze Grundlage des Russenrettungsvcrsuchs, indem er feststellte, daß die Bchauptnng, es handele sich um die nöttge lieber Ivachung von gcwaltthätigcn und verbrecherischen„Anarchisten", durch nicht die allergeringste Thatsache begründet worden sei, daß vielmehr die schnödeste Vergetvalttgung jeder freiheitlichen Entwicklung Ruß lands durch deutsche Hilfsbereitschaft betrieben werde. In lodernder Entrüstung wies Bebel die HcrauSsorderungeil deS Staatssekretärs zurück und geißelte in schärfsten Worten die unsägliche Schmach, die Deutschland auf sich ladet. Der Staatssekretär v. NichtHofen darf im deutschen Reichstage russisch reden, ohne die bürgerlichen Parteien zu erregen. Amtsbeflissenheit und natürliche Neigung hatten ihn allzu russische Acccnte anschlagen lasten: das war dem Reichstage doch zu viel. Nicht nur der Abgeordnete Schräder von der Freisinnigen Per- einigung legte mit guten Gründen Vertvahrung gegen die fortschreitende Russifizierung, gegen die Rechtlosigkeit der Ausländer, gegen das Spitzel- wesen ei», auch das C e n t r u in sah sich zum Einspruch deranlaßt. Dr. Spahn schloß sich zwar nicht allen socialdcmolrattschen An- klagen an, aber er forderte Ueberwachnng und Ausweisung verbrecherischer Spitzel, er bedauerte die Dienstbarkeit der deutschen Polizei unter russische Spitzclwünsche, er verwarf die Ausweisung über eine bestimmte Grenze und polizeiliche Haussuchungen, die erst BerdcichtSgründe herbeiführen sollen. Auch Dr. Müller- Sagan von der Freisinnigen Bolkspartci sprach sich gegen die Russen- Wirtschast äuS, und die Zustimmung, die der Regierung allein von k 0 n s e r v a t i v e r Seite zu teil wurde, vollendete die.Blamagc deS russischen Staatssekretärs v. Richthofen. So erntete die Regierung zur moralischen eine arge parlamentarische Niederlage. Die Socialdcmokratie darf der Regierung danken, daft sie durch allzu kecke Herausforderung die Schmach des Rusiendienstes auch den bürgerlichen Parteien zum Bc- wufttsein bringt. Unsre Aufgabe ist eS, die schmählichen Znstände, die wir aufgedeckt haben, unablässig zu bersolgen und unser Land von der Entwürdigung zu befreien, der eine kulturvergesiene Regierung es überliefert.— Kapitalistische Machtproben! Das ist die kapitalistische Legende: Jeder Arbeiter laiin cS, wenn er fleiftig und intelligent ist durch seiner Hände Mühe zu einer behäbigen Lebensstellung bringen. Die Slrbeiterschast als Ganzes entwickelt sich zu immer höherem Lebensniveau, sie gewinnt stetig reicheren Anteil an den Schätzen der bürgerlichen Gesellschaft. Es sei die infame Lüge der socialistischen Hetzer, daß eS für die Millionen der Proletarier— innerhalb ganz enger Schranken— keine Möglichkeit gebe, jemals ihre Lage erheblich zu verbessern. Vielmehr sei auch in dieser Hinsicht der Kapitalismus die göttliche Ordnung der unbegrenzten Möglichkeiten. Und wenn auch, wie man zugeben müsie, der einzelne Arbeiter zu schwach sei, um dem Kapital gewachsen zu sein, nun, so organisiere man die Selbst- Hilfe und alle berechtigten und vernünftigen Slnsprüchc der Arbeiter können erfüllt und der schrankenlosen Willkür etwaiger verblendeter Unternehmer erfolgreich Einhalt geboten werden. Organisierte Selbsthilfe ist das LlnsgleichSmittel, um die Harmonie zwischen Llrbeit und Kapital, zwischen Unternehmer und Proletarier her- zustellen, wenn sie einmal— was ja vorkomine— gestört werden sollte. DaS ist die Doktrin deS Kapitalismus; so rechtfertigt er sich in der Theorie. Da nun das entscheidende Mittel d�r organisierten Selbsthilfe die SlrbcitSnicdcrlegung ist— der Streik' als Instrument der Selbsthilfe ist dem Princip nach dem liberalen, nicht dem socialistischen Gedankenkreis entnommen— so müssen die Theoretiker des kapitalistischen Ideals logischer Weise nicht nur theoretisch die günstigen Erfolge solcher Slktionen behaupten, sie müßten den sehnlichsten Wunsch haben, daß die Wirklichkeit des socialen Lebens ihre optimistischen Behauptungen nicht Lügen strafe. Sie müßten jeden Kampf der organisierten Selbsthilfe, den Llrbeitcr um Besserung ihrer Existenzbedingungen ans eigner Kraft führen, mit ihren Sympathien und ihrer Untersintzmig begleiten. Sie müßten trauern über jede Niederlage der Arbeiter, über jeden Vkißerfolg des Streiks. Denn jedes Scheitern der Selbsthilfe lvürde ihre theoretische VoraiiSsetzung zu Schanden machen, das; die Arbeiter im freien Wettbewerb aufwärts zu steigen vermögen. Siege der Kapitalisten sind— als logische Konsequenz der bürgerlichen Lehre— Niederlagen des Kapitalismus. Triumphe der Unternehmer beweisen in diesem Gedankengang nur, daß das Proletariat innerhalb der bestehenden Ordnung nichts oder so gut loie nichts, auch mit Anspannung aller Kräfte und Aufbietung aller Opfer, zu erreichen im staude ist, daß nur die Eroberung der Staatsgewalt und die Beseitigung des Kapitalismus die Ketten der Lohnsklaverei brechen lömten. 2lber diese Theorie des kapitalistischen Optimismus, die in Tausenden von Flugschriften und Zeitungsartikeln die unermeßlichen Freiheiten des Kapitalismus für das Proletariat gegenüber der Socialdcmokratie verkündet, vcrschlvindet sofort in der brutalen Wirklichkeit der kapitalistischen Praxis. DaS enge und rohe Klassen- bewußtsein der Unternehmer spottet der Gedankenfädelungen ihrer Soldschrcibcr. Rufen die Sophisten des Kapitalismus dem Proletariat zu: Rührt nur Eure Hände und Ihr iverdet GclvalttgeS erringen, so schreien die Kapitalisten: Wagt es nur, auf Eure Kraft zu bauen, lvir loerden Euch zerschmettern, Ihr könnt gar nichts, ohne imS, die Herren! Versucht eö mit der Selbsthilfe, und Ihr lvcrdct erfahren, daß eS innerhalb der kapitalistischen Ordnung keine Möglichkeit gießt, Euch zu emancipiercn. Tie Klasicnbornicrtheit des Unternehmertums schlägt den Klopf- fcchtcrn deS Kapitalismus die einzigen Waffen rüd ans der Hand. Die Kapitalistenklasie läßt zwar Traktätchen schreiben, nm eS den Arbeitern zu beweisen, wie herrlich weit sie cS bringen könnten. In ihrem eignen Geschäft haben sie kein heißeres Bemühen, als dem Proletariat die Aussichtslosigkeit ihrer ivirtschastlichen Bemühungen handgreiflich zu demonstrieren. WaS scheren sie die Theorien! Welche Tendenzen der Kapitalismus hat, ist ihnen da ganz gleichgültig. Ihr Klassenegoismus»vird ausschließlich von andren Er» wägungen tyrannisiert und geblendet: Sie ivollen Herren im Hause sein, sie wollen keinen Pfennig mehr, als unbedingt not» wendig, von ihrem Profit einbüßen, sie wollen vor allem nicht das Kraftbewutztsein der Arbeiter aufkommen lassen; daS ist ihnen daS nn» heimlichste Gefühl, daß diese verwünschten Arbeiter, von deren Ausbeutung sie leben, ihre Unentbehrlichkeit im Produktionsprozeß kennen und beweisen. Die Arbeiter sollen schuften, aber sie sollen nicht zum Bewußtsein kommen, daß die Herren von ihnen leben, die Unter- nchmer wollen in patriarchalischem Glänze ihre Wahnstellung be« Haupte», daß sie es sind, die den zur Arbeit Geborcneit Brot und Dasein spenden. Da aber m jedem Streik sich die Ueberflüssigkeit des Unternehmertums und die Arbeiterschaft als die produktive Klasse erweist, darum hassen sie den Streit, darum entfesseln sie alle Gewalten des Kapitals, imi Arbeiterausstände niederzuwerfen, darum jubeln sie und jauchzen, wenn cö ihnen gelingt, für den Augenblick als die Stärkeren sich zu erweisen. Und sie merken eS in der Leidenschaft ihres Klassenhasses gar nicht, daß solche Siege doch nur beweisen, daß in der kapitalistischen Ordnung nicht das Recht, nicht die Wohlfahrt der Schwachen sich durchringt, sondern das Faustrecht der Besitzenden. So klingt denn auch jetzt wieder, nachdem die tapferen Weber von Crimmitschau darauf verzichtet haben, den Kampf weiter zu führen, ein unmäßiges und unflätiges Jubclgehcul über diesen Triumph des koalierten Unternehmertums in den von ihnen aus- gehaltenen Organen; die„Deutsche Industrie- Zeittmg", daS Organ des CentralverbandeS deutscher Industrieller, schwingt sich sogar zu einem Extrablatt der Freude auf. Wir werden auf diese Aeußerungcu der Industriepreise noch zurückkommen. Daß überall von der Machtprobe und der Niederlage der Socialdcmokratie die Rede ist, versteht sich von selbst. so dumm auch dies lügenhafte Gewäsch ist, das nicht ehrlicher und klüger durch hundcrttnalige Wiederholung wird. Wie eine von den Unternehmern herbeigeführte SlnSsperrniig eine Machtprobe der Tocialdemokratie' sein soll, bleibt tiesstcö Geheimnis der Schreib- lehrlinge der Industrielle»; es scheint als ob die Unternehmer gegen- wärtig die Machtproben der Socialdemokratic machen. Die social- demokratische Partei hat begonnen, die ausgesperrten Weber von Crimmitschau zu unterstützen, als die sächsische Staatsgewalt sich in den Dienst des llnternehmertuukö stellte. Das war ihre Pflicht. Welches parteipolitische Interesse aber die Socialdcmokratte an sich mi Streiks haben sollte, ist nicht eiiiznsehen. Streiks sind dieNeicht in den Anfängen einer modernen Arbeiterbewegung bedeutsame Wecker des Klassenvewutztseins. Im Hände der stärksten Socialdemokrane, bedarf die Partei solcher Aktionen Nicht � hier sind Streiks ausschließlich Mittel zur Verbesserung der Wirtschaft- lichen Lage bestimmter Berufe, sie sind rein gewerkschaftlicher Natur, Sie beweisen zwar immer ailfS neue in greller Eindringlichkeit die Unversöhnlichkcit des Klassengegensatzes zwischen Kapital und Arbeit, aber die Partei bedarf Ihrer nicht, um diese tiefste und sicherste Er- kenntnis der deutschen Arbeiterschaft zu deinonsiriercn. Im Gegen- teil; die schweren Opfer, die in Streiks und Aussperrungen gefordert werden, können sogar ungiinstig auf die Mittel der politischen Be- wegung zurückwirken. Die wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeiterklasse find Bemühungen, innerhalb der gegenwärtigen Ordnung- Besserungen zu erzielen. Würde erwiesen, daß solche Mittel untauglich sind, so wäre damit nur die Aussichtslosigkeit demonstriert, daß das Prole- tariat nie etwas zu erreichen vermag, so lange die gegenwärtige Ordnung besteht. P b l i t i s ch c Machtproben init wirtschaftlichen Mitteln unternimmt vielnichr das Unternehmertum. Eine kapitalistische Machtprobe war der Kampf in Crimmitschau von Anfang an. Weil ein paar hundert Arbeiter in den Ausstand traten, darum. wurden 7000 Arbeiter auf die Straße gcivorfen. Die ganze Staatsgewalt lieh dieser kapitalistischen Machtprobe ihre Hilfe. NuS der Tendenz, eine Machtprobe des NnteniehmertumS zu liefern, scharte sich das gesamte deutsche Unternehmertum um die Kollegen in Crimmitschau. ES war eine Machtprobe, die rein politische Zwecke verfolgte und durch keinerlei sachliche Erwägungen erzwungen war. Der Zehn- stundentag konnte den Erimmitschauer Webern ohne jede Benäch- teiligung deS Unternehtncrprofits bewilligt werden. Wenn die Fabrikanten sich dennoch weigerten, so thntcn sie es eben lediglich zu dem Zweck, um zu beweisen, daß die Kapitalisten die Stärkeren seien. Und wenn nicht alle Zeichen trügen, so wird das deutsche Unternehmertum solche Machtproben nunmehr systematisch orgaiii- steten— in seiner Klajscnbornicrthcit der wirksamste Agitator für seine Todfeinde, die Socialdemokraten. Denn wäre es nun wahr, daß die kapitalistische Machtprobe in Crimmitschau gelungen, daß all die erhebend gewaltige Solidarität des Proletariats sich als ohnmächtig erwiesen gegen- über dem Hertcscherdünkcl einiger Kapitalisten, was wäre erreicht, was wäre demonstriert? Doch nur eines: Wäre cS möglich, daß der beschränkte Trotz einer Handvoll von Unternehmern— gegen die Millionen des opferbereit kämpfenden Proletariats— einen kleinen socialpolitischen, längst als notwendig erkannten und für das Unter- nehmertuin völlig unschädlichen Fortschritt zu hemmen vermag, so iväre das das Todesurteil einer Gesellschaft, die darauf beruhte, daß ein paar Besitzende Leben und Kultur zu hemmen und zu lmtcrdrücken die Macht hätten. Die Kapitalisten haben sich allerdings als unbeschränkte Herren im Hause erwiesen, aber in einem zusammenstürzenden Hause, das keinen Tag länger wegen seiner Gemeingefährlichkeit be- wohnbar wäre. Zum Glück aber, könnte man sagen, gerade für das Unter- nehmertuin, ist der Triuinph der Crimmitschaucr Fabrikanten nur eingebildeter Sieg. Zwar hat er thatsächlich die Machtfülle eines organisierten, zähen, rücksichtslosen.Kapitaltcrrori-zmns wiederum gelehrt, aber er hat zugleich auch die Kraft der proletarischen Solidarität gezeigt. Die Weber von Crimmitschau kehren nicht gebrochen, als willenlose Besiegte in die Fabriken zurück. Sie haben auf der Höhe des Kampfes, in voller Kraft, die Waffen niedergelegt, weil ihre Klugheit und Besonnenheit ihnen dazu riet. Der letzte Grund zu ihrem nüchternen und ruhigen Entschluß warderfolgende: Nachdem die Arbeiter die Ueberzrugung gewonnen hatten, daß die Unternehmer, ausgehetzt durch die Scharfmacher, auch bereit wären, die nächste Saison preiszugeben. standen die Aus- gesperrten vor der'Frage: Wollen ivir noch sechs Monate die Arbeit ruhen lassen, sechs Monate den Webern von Crimmitschau und der gesamten Arbeiterschaft die dazu notwendigen Opfer auferlegen? Mitte Januar lvar der kritische Augenblick. Jetzt die Arbeit nicht aufnehm«!, hieß auch die konuncnde Winter- saison verlieren, bedeutete Fortsetzung des Kampfes mindestens ein tveiteres halbes Jahr. Darum gaben sie,' als die Klügcrem nach. Sie hätten den Kampf weiter führen können,— die Mittel waren da— aber je länger er währte, desto ungünstiger wurde das Ver- hältnis der Opfer zum möglichen Gewinn. So kehrten sie, un- gedemütigt, zur Arbeit zurück. In dem Flugblatt, das zur Aufnahme der Arbeit auffordert, heißt eS: „Aber eine Fortsetzung des Kampfes um ein weiteres halbes Jahr lvärc gleichbedeutend mit vollständigem Ruin der .Crimmitschauer Fabrikanten, mit vollständigem Ruin der Crimmitschauer Industrie und des ganzen Gemeinwesens. Ein solcher Ruin würde andrerseits auch bedeutende Schädigungen Eurer selbst zur Folge haben. Der Arbeiter weiß, daß das Interesse der Stadtgemeinde Berücksichtigung erheischt. Mit seinem ganzen Sinnen und Trachten, seinem Fühlen und Denken steht er bei seinen. Gemein- Ivesen, bei seiner Heimat. Dem gemeinsamen Wirken des gc- samten werkthätigen Volkes verdankt die Stadtgemeinde ihr Ansehen. ihre Blüte. Und diese Blüte, diese Größe der Gemeinde zu erhalten, muß immer das Streben des ge- samten Volkes sein. Der Arbeiter, die Arbeiterin, der Vater und die Mutter, sie können sich nur wohl fühlen in einer blühenden, nach aufwärts strebenden Zusammen- gehörigkoit. Kann cS deshalb den 8000 Proletariern gleichgültig sein, ob ihre Stadtgemeinde im innersten Mark erschüttert tvird und schließlich zu Grunde geht? Nein I Das Unternehmertum hat bewiesen, daß es Rücksichten auf die Allgemeinheit nicht nimmt. Es führt das Wort„Gemeininteresse" im Munde und tritt das Gcmeininteressc mit Füßen. Der Arbeiter steht auf einer höheren Warte. Er kann nicht wollen, daß die Gemeinde, in der er lebt und wirkt, an der Rückständigkeit einer Kaste zu Grunde geht." Und das Flugblatt zieht folgende Lehre aus dem Riesenkampf: „Eine ganze. Welt stand gegen Euch, die Armen, die Unter- drückten! Gegen Euch, die Enterbten, die wirtschaftlich Schwachen, standen die Reichen und Mächtigen ganz Deutschlands und deren offizielle Institutionen. Wohlan denn: Lernt daraus! Glaubt nicht, daß dieser Kampf vergeblich war. Nicht von selbst fallen Euch Früchte in den Schoß. Bessere Zustände für die Arbeiter müssen erstritten und erkänrpst werden. Unter Leiden und Schmerzen und Stürmen und Kämpfen schreitet die Arbeiterklasse nach vor- wärts. So wird auch dieser Kampf seine Früchte zeitigen und vielleicht der Entscheidungskampf um den Zehnstundentag gewesen sein. Schaut nicht hoffnungslos in die Zukunft! Schreitet mutig nach vorwärts einer schöneren Zukunft entgegen! Beendigt den Kampf in dem Bewußtsein, Cure Pflicht als Arbeiter, als Menschen im vollsten Maße erfüllt zu haben! Vor allen Dingen bleibt treu Eurer Organisation. Das Unternehmertum tvird � sich zu rächen suchen. Da wird die Organisation wiederum die Stütze sein, die helfend eingreift. Sic war es, welche Euch stiitzte, als Ihr aufs Pflaster geworfen wurdet. Sie tvird auch für die Zukunft Euch stützen. Deshalb, Genosfinnen und Genossen, was da auch kommen mag: Kopf hoch, die Augen muf und vorwärts mit dem Ruf: Eö'lebe die Solidarität des Proletariats' Es lebe der Zehnstundentag' ES ist zu erwarten, daß das Unternehmertum nunmehr einen Rachezug unternimmt gegen alle, die sich gegen ihr Herrenrecht auf- gelehnt, die sich zu verteidigen, die freie Menschen zu sein wagten. Aber es ist dafür gesorgt, daß auch diese Machtprobe unwirksam sein wirb. Noch stehen Hunderttausende von Mark den Crimmitschauer Webern zur Verfügung, genug, um die Opfer des Racheaktes zu unterstützen. Die Arbeiterschaft weiß die Machtproben des Kapitals wohl zu würdigen. Sie sind ihr Bestätigungen ihrer Weltanschauung. Sic feuern sie an zu neuer Arbeit, zum Kamps um die wirtschaftliche Besserung und die vollkommene Erlösung von der Sklaverei des Kapitalismus!_ politifcbc(leberficdt. Verlin, den 19. Januar. Zum Hercro-Krieg. Dr. S t ii b e l erklärte zwar auch gleich Herrn v. Bülow, daß man über die Ursache des Herero-Anfftandes nichts wisse, er machte dann aber doch im Verlaufe seiner Ausführungen allerhand Gestand- niste, die zur Erktärung des AufstandeS vollständig aus- reichen. Zunächst entschlüpfte ihm die interessante Bemerkung, daß unsre südafrikanischen schwarzen Reichsangchörigen die Zeit vor der Hissung der deutsche» Flagge noch nicht vergessen hatten. Damals seien sie frei und unabhängig gewesen. Herr Dr. Stübcl hätte auch gleich sagen sollen, was sie heute sind: des besten Teiles ihres Landes und ihres ViehbcsidcS beraubte, auSgcwucherte, mit Prügeln traktierte Kulis und Bettler! In welchem Grade man sie ihrer Weideplätze und ihres Viehes entledigt hat, beweisen ja die gestern citiertcn Zahlen der a m t- lichen V i e h st a t i st i k für 1902. Circa 800 lvciße Ansiedler besitzen weit mehr Bich, als 200 000 Eingeborene zusammen- genommen' Und gleich dein Vieh hat man ihnen auch das beste Land„abgekauft". Wie es bei diesen„Käufen" zugegangen ist, enthüllte ja Herr Dr. S t ü b e l selbst in seiner heutigen Rede: Die Eingeborenen wurden von den Weißen derartig ausgebeutet, daß die Regierung sich der übers Ohr gehauenen Schwarzen an- nehmen wollte. Aber da erhoben die biederen Händler und Farmer ein solches Geschrei, daß die R e g i e r u n g ihre Absicht aufgab und es bei einem unzulänglichen„ Kompromiß" be- wenden ließ. Eine Bestätigung für die unerhörte Ausbeutung der HcrcroS durch die habgierigen Händler liefert ein Artikel der „Franks. Ztg.", dessen Verfasser vor acht Monaten Dentsch-Südwest« Afrika bereiste und beobachten konnte, welcher Haß gegen di� Händler sich bei den Eingeborenen angesammelt hatte. Die Ein- geborenen hätten sich„freundlich und zugänglich" gezeigt, nur aus ihrer Erbitterung gegen die Händler hätten sie keinen Hehl gemacht. Diese Händler hätten mit ä u ß e r st e r Rücksichts- losigkeit Schulden eingetrieben und im Falle des Zahlungs- Unvermögens große Rinderheerden weggetrieben. Das ganze Volk der HerervS befinde sich denn auch„infolge un- sinniger Viehwirtschaft und Vcrschiildiiug in fortschreitender Bcr-/ armnng". Es sei daher die höchste Zeit, daß eine Reform de/ Händler Wesens durchgeführt werde. � Trotz der von Herrn v. S t ll b e l selbst eingestandenen That- fache der Ausbeutung der Hereros besaß Herr Liebermann v. S o n n e n b e r g die dreiste Stirn, gegenüber den Ausführungen des Genossen Bebel zu behaupten, die Hcreros, deren Bebel sich angenommen. seien Diebe, Räuber und Mörder. Dieser Anti- scmiterich, dessen Spccialität es ja wohl ist, sich über jüdischen Landwncher sittlich zu entrüsten, findet also die skandalöse Aus- Wucherung wehrloser Eingeborener durch arisch-teutsche Vieh- Händler ganz in der Ordnung! Aber auch für die Behauptung, die HcrcroS seien D i e b c� Räuber und Mörder, wird der Antisemitenhäuptling nicht die; Spur eines Beweises beibringen können. Nach der Kriminal- st a t i st i k der neuesten Denkschrift über Südwestafrika wurden nämlich im Jahre 1902 in der ganzen Kolonie Ivegen Eigentumsvergeheii, Raub, Erpressung. Brandstiftung usw. insgesamt 510 Eingeborene bestraft. Das sind 0,25 Prozent. Wegen der gleichen Vergehen wurden 28 Weiße bestraft, das macht bei einer weißen Bevölkerung von 4635 Köpfen 0,00 Prozent. Unter den Weißen war also die Zahl der Diebe prozentual mehr als doppelt so groß, als unter den Eingeborenen! Noch viel schlechter schneiden die Weißen ab, wenn man die Verbreche» und Vergehen wider die Person in Betracht zichk. Solcher Vergehen wegen wurden 1902 ganze 17 Eingebor ei« verurteilt, also auf je 11 704 Personen einer! Die Zahl der wcgib» dieser Delikte verurteilten Weißen beträgt dagegen 10, dnH macht auf je 403 Personen eine Verurteilung! Man sieht alio. w o in Siidwestaftika die Diebe und Räuber zu suchen sind, ich: einmal in der Liebcrinann v. Sonnenbergschen VcrallgemeineruUg zu sprechen! Brutalste Raubgclüste// aber kennzeichnen einen Artikel„Der Hcrero-AilsstandL�m der „Täglichen Rundschau". Dort setzt ein Kolonialfex als„selbstver- ständlich" voraus: „daß die Kosten, welche dem Reiche durch diesen Aufstand erwachsen und welche sehr bedeutend sein werden, nach Möglichkeit dem einzig zahlungsfähigen unter den aufständischen Eingeborenen Südwcsiafrikas und sicher auch dem Anstifter des Aufstandes, dem Herero, aufgebürdet werden. Sein Land muß zu Kronland erklärt, aber nicht etwa später an Gesellschaften abgegeben, seinBiehreichtum muß ihmabgcnommen, rrsclbst zum Arbeitererzogen(!) werden. Auf dem Kronland soll man Reservisten der Truppen an- siedeln und mit diesem die jetzt schwer geschädigten Farmer entschädigen, das Bich soll man an diese ver- teilen und de» Herero in absoluter Abhängigkeit erhalten." Man soll also den 80 000—100 000 Hereros einfach ihr ganzes Eigentum konfiszieren und sie dadurch zu Sklaven der Ansiedler machen! Eine profitable Kolonialpolitik, in der That. Erst nimmt man den rechtmäßigen Besitzern des Landes die bessere Hälfte des Landes und Viehes und treibt sie damit zu einem„Ver- zweiflungskampfe", wie selbst Herr Dr. Stübel sagte. Und dann benutzt man diesen Kampf dazu, den Niedergeworfenen den letzten Rest ihres Eigentums zu rauben. So achtet der Kapitalismus das Eigentum in den Kolonien! Die dauernde Verstärkung der Schnbtruppe gilt jetzt bereits als ausgemachte Sache. Die Regierung hat außer den IVs Millionen für den Krieg bereits IVi Millionen für die Verstärkung der Schutztruppe verlangt. Damit würde der jährliche Rcichsznschuß für Südwestafrika auf 7 Millionen anwachsen. Da- mit 1200 deutsche Ansiedler, Kanfleute, Handwerker und Arbeiier dort ihre Existenz fristen, zahlt der deutsche Steuerzahler sieben Millionen. Zahle Dcrckschland jedem dieser 1200 Personen bare 3000 M., so sparte eS dabei noch immer 3>/z Millionen! Welch ein Geschäft, diese Kolonialpolitik! Eine Wiederholung der Ehina-Komödie befürchtet die„Rheinisch-WestfälischeZeitung" von der Trilppcnentftndnng nach Südwestafrika. Das Blatt schreibt: 1„Vorausgesetzt, daß die Regierung keine neuen Meldungen erhakie« hat, die sie einstweilen noch geheim hält, müssen wir das ganze Ver« fahren, das sie jetzt einschlägt, als überstürzt und verfehlt bezeichnen. Berechtigt wäre es nur, wenn nach neuesten Meldungen eine bedeutende Verschlimmerung eingetreten wäre, und es sich darum handelte, so schnell wie möglich hart bedrängten LandSleuten Hilfe und Rettung zu bringen. Davon kann aber bei ruhiger Be- trachwng der Lage nicht die Rede sein. In Sndwestafrika steht eine wohlbewaffnete deutsche Schutztruppe in der Stärke von 816 Mann. Sie kann durch Einziehung von Ersatzrescrven und waffenfähigen Ansiedlern um etwa 1000 Mann vermehrt werden. Die Hottentotten, die alten Tod» feinde der Hereros, die zum Teil sogar gegen ihre Stammes- genossen, die Bondelzwarts, Heercsfolge geleistet, werden mit Heiden freu de zu den Waffen greifen, um mit ihren verhaßten Verdrängern aus dem Norden noch ein» mal abzurechnen. Der„Habicht" ist wahrscheinlich inzwischen schon in Swakopmund eingetroffen und hat eine Abteilung mit Gc- schützen gelandet. Am 2. oder 3. Februar trifft ein Ersatztransport von etwa 250 Mann ein. Nach nnsrer Ansicht genügen diese Streitkräfte vollkommen, die Hereros wieder zur Ord- nimg zu bringen. Man darf doch nicht aus dem Auge verlieren, daß die Hereros nndisciplinierte Wilde sind, die mit unfern wohlgeschnlten, tapfer geführten Schutztruppen gar nicht zu ver» gleichen sind. Wozu haben wir denn die Schutztruppe, wenn bei jedem kriegerischen Zwischenfall gleich eine teure Erpedition aus der Heimat geschickt werden muß? Anstatt ruhig auf Grund der leider nicht vorhandenen genauen Kenntnis aller Verhältnisse zu beraten— ein schneidiger Entschluß: Expedition nach Südwestafrika nach beliebten: Programm: Ein General wird an die Spitze gestellt, der das Land nie gesehen hat. aber nach früheren Leistungen die Gewähr für eine imponierende Rede beim Abschied giebt. Fernere Programmpunkte: Neue Tropen uniform, Fahnen» Verleihung, Abschiedsse st, natürlich zahlreiche Reden, neues Abzeichen und vor allem eine neue Medaille. Hoffentlich aber fahren einige kolonialfreundliche Ab» geordnete noch rechtzeitig über dieses Programm und es wird so geändert, daß wir wenigstens den Spott der andren Kolonial st aaten uns nicht zuziehen. Tamtam, Brimborium und Reden ans der einen Seite, Spott, Hohn und Mißachtung des Auslandes hat die China-Expedi» tion unö genug eingebracht."— Abgeordnetenhaus. Das Preußische Abgeordnetenhaus vollzog am Dienstag Mächst die Wahl des Präsidiums. Wie vorauszu- vheu lvar, wurde der bisherige Präsident von Äröcher(f.) lud die beiden Vicepräsidenten Dr. P 0 r s ch(C.) und fcr. K raufe fnatl.) durch Zuruf wiedergewählt. Bei der Wahl des zweiten Vicepräsidenten führte ein Teil der , louservativen eine kleine Komödie auf. Es giebt unter den Herren auf der Rechten eine Anzahl von Mitgliedern, denen Herr Dr. Krause zu„liberal" ist und die ihn deshalb nicht wieder wählen wollten. Offen gegen ihn zu stimmen�wagten sie nicht und so verließen sie denn, um die holde Eintracht nicht zu stören, den Sitzungssaal, oder vielmehr, sie machten einen Anlauf dazu, denn kaum war der erste von ihnen� bis an die Thür vorgedrungen, als auch schon unter großer Heiterkeit Abg. Dr. Krause als gewählt proklamiert wurde. Zu den neuen Schriftführern gehört auch der freisinnige Abg. F i s ch b c ck, von dem das Wort stammt:„Lieber mit Kröcher als mit Barth",; Herr Fischbcck hat nun sein Ziel erreicht, er wird an der Seite des„starken Mannes" über die Würde des Hauses wachen können. Nachdem das Hans sich konstituiert hatte, brachte der Finanzminister den Ctat ein. Herr von Rheinbaben schaut [rosig in die Zukunft. Von seinem Standpunkt aus nicht ohne Ii) mild. Während das Etatsjahr 1901 mit einem Fehlbetrag von Millionen schloß, weist das Jahr 1902 einen Ucberschntz von t5'/z Millionen aus. und das Jahr 1903 wird voraussichtlich mit 22 Millionen MarkUebcrschußabschticßen. Auch der neue Etat, der mit fast 3 Milliarden Mark balanzierk, spiegelt den wirtschaftlichen Aufschwung wieder. Fast zwei Stunden lang trug der Mi- inster in seiner trockenen Art Zahlen, und nichts als Zahlen vor. Nur hin und wieder flocht er einige allgemeine Ve- trachtnugen über die wirtschaftliche Lage in seine Rede ein. Wie alljährlich, so klagte er auch diesmal in bewegten Tönen über die Not der L a n d w i r t s ch a s t. Die agrarische Mehrheit spendete ihm verständnisvoll lebhaften Beifall; die Herren, denen bekanntlich Schüchternheit al» die größte Sünde gilt, iverden mit ihren Forderungen schon hervortreten. Die Etatspositionen, die sich auf die O st m a r k e n- P 0 l i t i k beziehen, trug der Minister in preußischem Hurra-Ton vor. Dagegen wußte er über die wasserwirtschaftliche Vorlage auffallend wenig zu sagen. Es scheint fast, als ob die Regierung den Verkchrsfeinden noch weitere Zu- geständnisse machen will als wie sie bereits in der Thronrede angekündigt find. Um so iveitläufiger äußerte sich der Herr Finanzminister über die industrielle Entwicklung. Fast scheint es, als ob er. seit er die riesige Entfaltung des Jndustrialismus in der nord- amenkanifchen Union schaute, sich von einem jnnkerlich-agrarischen Saulus zu einem für die Industrie begeisternden Paulus zu wandeln begonnen hat. Mit hohem Lob sprach er von dem Nutzen der Syndikatspreis-Politik, dem Vorteil, welcher der deutschen Industrie aus der Erneuerung des Kohlen» syndikats erwächst, und leistete sich schließlich sogar eine Reklame fiir den geplanten Stahliverks-Verband. der den zur Zeit in Köln zur Gründung eines solchen Verbandes ver- sammelten Herren ein verständnisvolles Schmunzeln entlockt haben dürfte. Den Schluß der nüchternen Etatsrcde bildete ein Loblied auf die preußische Regierung, von der der Minister zu sagen ivagtc, daß sie für Änlturaufgabcn mehr thut, als für irgend- welche andren Zweige der Verwaltung. Gewiß, der Kultus- etat ist prozentual ain meisten gestiegen, aber einmal sind längst nicht alle Positionen dieses Etats solche, die im Kultur- interesse liegen, und zweitens darf man nicht außer acht lassen. wie sehr Jahrzehnte hindurch die Kulturausgaben in Preußen vernachlässigt worden sind.' Die Beratung des Etats beginnt am Sonn- abend. Die Zwischeutage fallen die Plenarsitzungen aus, damit die Herren den Etat studieren können.— Ostasien. Das„Rentersche Bureau" meldet aus Port Arthur vom Man» iag: Die Haltung der hiesigen rnsfischen Behörden läßt crlenncn, daß sie d e n Gedanken an den Ausbruch v 0 n F e i n d» seligkeiten bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge zurückweisen. Im täglichen Leben ist keine Verände» fmtg bemerkbar. Gleichzeitig nehmen die Truppenbewegungen und die Beratungen der höhere» Offiziere ihren Fortgang. Ein Telegramm aus Petersburg meldet, der dortige japanische Gesandte habe erklärt, es sei nicht der Mühe »vert, wegen der noch inSchwebe befindlichen Fragen einen Krieg anzufangen. Port Arthur, 19. Januar. Aus Söul wird gemeldet, daß dort eine beunruhigende Stimmung herrsche. Man befürchte den Ausbruch einer anticuropäifchen Bewegung. Zur Ver- flärkung des Schutzes der diplomatischen Missionen seien dort außer dem russischen auch ein amerikanisches, englisches und italienisches Detachement eingetroffen; ein deutsches und französisches würden erwartet. Japan soll über MV Soldaten in den Kasernen und über 3VOO in den Dörfern verteilte verkleidete Soldaten verfügen. Eine bedeutende Zahl hochgestellter Koreaner gehöre der cmtieuropäischcn Partei an und stehe unter dem Einfluß der Japaner. London, 19. Januar. Wie„Daily Mail" aus Tokio nieldet, berief gestern der japanische Finanzminister die Leiter der hervor- r a g e n d st e n B a n k f i r ni e n zu einer Besprechung; nach der- selben erließ der Minister besondere auf die gegenwärtige Lage be- zügliche Anordnungen. Aus Schanghai wird demselben Blatte telegraphiert: Der Dicekönig in Nanking, Wei, bereitet die Entsendung von IV VVV Mann chinesischer Truppen nach dem Norden vor; die ersten 5000 Mann sollen im Februar abgehen. Der Bicekönig hat auch von Japan um eine Million TaelS Gewehre gekaust; auch die Vice- könige und Gouverneure in den andren Küstenprovinzen machen in Japan große Bestellungen von Gewehren und Schießbedarf.— Deutrehea Reich. Tie Rcichspost in der Budgetkommission. Wen der Hauswirt lieb hat, den steigert er. Die Wahrheit dieses Spruches auszukosten, hat besonders der Reichspostfiskus Ge- legenheit. Kaum hat er in den Großstädten des Reiches Räume für ein Postamt gemietet, dann fangen die Hausbesitzer, die schon beim Abschluß des Mictsvertragcs jcdivede Schüchternheit abgethan harten, bei jeder Gelegenheit zu schrauben an. Die Folge ist, daß die Reichspost mehr und mehr zum Eigenerwerb von Häusern übergehen urußte. Aber auch dabei muß sie sich auf exorbitante Forderungen gefaßt machen, sobald die Hausbesitzer durch die Macht der Verhältnisse eine Monopolstellung gewinnen. In Berlin ist das jetzt z. B. bei der notwendigen Erweiterung des Postamtes 9 am Potsdamer Bahnhof der Fall. Die Zustände sind bei diesem Amt infolge der Zunahme und Konzentration des Vorortverkehrs geradezu unhaltbar geworden; der Paketpostdienst und die Auflieferung zur Bahn spielt sich allabendlich zum großen Teil auf dem durch Fuhr- toerke aller Art verrammelten Platz vor dem Bahnhof ab; die Schallerräume sind unzulänglich, die zum Postdicnst verwendeten Kellerräume des Bahnhofsgebäudes sprechen den Anforderungen der Hygiene Hohn. TaS Postamt kann aber auch nicht weit von dem Bahnhofe wegverlcgt werden: diese Situation nutzen die Besitzer der Häuser in der Linkstratze aus und verlangen für den Quadrat- meter Bodenfläche mehr als 600 M., einzelne sogar bis zu 900 M. Vom Standpunkte der heutigen Wirtschaftsordnung aus ist das ihr gutes Recht, und der Reichstag wird,'wie feine Budgetkommission wohl oder übel in den saureu Apfel beißen und die exorbitanten Preise bewilligen müssen. Es ist nur die Frage, ob nicht die Post- Verwaltung schon vor Fahren das Terrain sich hatte sichern können, als ohne Zweifel die Preise noch mäßiger gewesen wären. Abgeordneter Singer stellte in der Budgetkommission vergeblich die Frage nach der Methode des Grunderwerbs, die bei der Postverwaltung in solchen Fällen beliebt ist; die Geschichte des Plans zur Terraincrwerbung in der Bellevucstraße für die Zwecke des Reichsmarincamts lehrt deurlich, daß die Volksvertretung in der Prüfung solcher Projekte nicht vorsichtig genug sein kann. Singer tvics darauf hin, daß durch ein zurückhaltendes Votum des Reichs- tags und seiner Kommission die Stellung des Postfiskus bei Ver- Handlungen mit Hausbesitzern gestärkt loerde; hätten die Haus- besitzer häufig ein Monopol, so sei doch andrerseits die Post- Verwaltung bei ihren Käufen ebenso häufig ohne Konkurrenz. Eine längere Debatte entspann sich über die Forderungen der Regierung(800 000 M.) zum Bau von Wohnungen für Beamte und Bedienstete. Im vorigen Jahre lvurdcn für diesen Zweck 600 000 M. mehr gefordert und verbraucht. Irgend eine Er- läuteruug lvar von der Poswerwaltung diesem Etattitel nicht bei- gegeben worden; die Kommission regte deshalb die Vorlegung einer Denkschrift noch für diese Session und die späteren an, die vom Staatssekretär auch versprochen wurde. Trotz der allgemein empfohlenen sparsamen Bmiart wurde doch, besonders von den Ver- trctern der Socialdemotratic. darauf hingewiesen, daß die reichs- eigenen Bcamtenwohnungcn sowohl in der Bemessung des Raumes, wie in der Ausstattung billigen Ansprüchen genügen müßten. Die Hauptsorge des Staaissetretärs scheint freilich zu sein, die Be- wohner solcher„Friedensburgen" nicht—— zu verwöhnen! 45 Quadrat nrcter Grundfläche der Wohnräume und Küche scheinen ihm schon sehr opulent für einen Untcrbemnten zu sein. Freilich kann er sich dabei mif die aus Fonds des Reichsamts des Innern unter- stützten Baugenossenschaften berufen, die auch durchschnittlich einer Wohnung nicht mehr als 42— 15 Quadratmeter Grundfläche geben. Mußte mit dieser Frage des Wohnungsbaues nach der Ansicht einige Vertreter der Rechten die„Mittelstandsrettung" notwendig verbunden werden, so wurde im weiteren Verlaufe der Verhand- lungen die Kommission mit einer ebenso unvermeidlichen Kolonial- debatte beglückt. In Deutsch-Ostafrika haben wir eine Telegraphen- linie von Tar-eS-Salaam nach Tura bezw. Tabora; die Regierung möchte sie gerne nach Udjidji am Tanganykasce fortsetzen, um dort Anschluß an den weiland Cecil Zthodesschcn Ilcberlandtelegraphen vom Kap nach Kairo zu gewinnen. Die Kommission bewilligte aber die gc- geforderte Rate von 300 000 M. nicht, weil sie sich nicht von der Notwendigkeit der Forderung zu überzeugen vermochte. Herr Paaschs meinte elegisch, gegen die Mehrheit der Socialdemokratie, deö Frei- sinns und des Cenirums sei nun einmal nichts zu machen. Abg. Dr. Arendt, der mit dem Roten Adlerorten(in der homöopathischer Verdünnung IV. Klasse!) Beglückte, wollte die Forderung durch Einteilung in homöopathische Tosen retten— aber auch dafür hatte die Mehrheit der Kommission kein Verständnis.„Nichts zu macheul"—_ Ter deutsch-französische Krieg vor Gericht. Alle Kriegsmärchen- erzählcr sind durch die Veröffentlichung der Kriegsbriefe des Generals v. Äretschmann in Aufregung versetzt worden. Das_ Wort eines Offiziers gilt sonst in deutschen Landen als lauterste Wahrheit. Wenn aber ein Offizier eimnal Aenßerungen thut, die den Schön- färbcrn«nd Hurrapatrioten nicht gefallen, so wird ein solcher Frevler noch überS Grab hinaus beschimpft. Aber damit nicht genug: Sogar der Staatsanwalt wird zu Hilfe gerufen! Herr v. Kretschmann hatte in seinen Briefe von Plündenuigen erzählt, die hessische Truppen im Kriege von 1870/71 in Scns verübt hätten. Die„Mainzer Volkszeitung" hatte diese Briefe nachgedruckt. Darob empörte sich„Der hessische Kamerad", das Organ der hessischen Kriegervereine, und behauptete. Herr v. Kretschmann habe Unwahres behauptet. Nunmehr will die Mainzer Staatsanwaltschaft auf Antrag des Lberstlieutenauts a. D. Balje und des Majors a. D. Mickel öffentlich Anklage gegen die„Mainzer BolkSzeiiung" erheben.„Der tjessische Kamerad" fordert bereits alle ehemaligen Angehörigen der 2. Compagnie des 1.(Garde-) Jägerbataillons, welche am 13. No- vember 1870 in Scns waren, auf, sich als Zeugen zu melden. Die„MaiitZer Volkszeitung" bat lediglich Briefe eines preußischen Offiziers nachgedruckt, dem also nunmehr angesonnen wird, daß er die Absicht verfolgt habe, die Ehre der deutsche» Armee zu beleidigen. Natürlich ist da? eine lächerliche Vorstellung. Herr b. Kretschmann hat ebenso wie die socialdemokratische Presse nur die Tendenz gehabt, auf die sittlichen Verheerungen des Krieges hinzuweisen. Trotzdem wird die„Mainzer Volkszeitung" nicht um die Not- wendigkeit herumkommen, jetzt nach 33 Jahren den Beweis der Wahrheit für Einzelheiten aus dem Kriege 1870/71 zu führen. Die besten und zuverlässigsten Zeugen find natürlich die Bewohner von Scns und Umgegend, die noch Zeugen der Ereignisse gewesen sind. Denen werden die Vorgänge gewiß unvergeßlich geblieben sein. Uebrigens könnte man auch gegen die sich beleidigt Fühlenden den Spieß umkehren! Denn sie beleidigen den General v. Kreisch- mann. Die Töchter Kretschmanns hätten demnach die Möglichkeit, im Interesse Ihres Vaters mit einer Gegenklage zu antworten, die freilich deshalb schwierig wäre, weil der Nachweis geführt werden müßte, daß die Beleidigten die Verdächtigung der Wahrheitsliebe Kretschmanns wider besseres Wissen unternommen hätten.— Der preußische Staatshaushalt. Der Etat für das Jahr 1904 schließt in Einnahmen und Aus- gaben mit 2 800 805 050 Mark ab. Von den Ausgaben entfällt der größte Teil, mehr als 2626 Millionen, auf das Ordinarinm, der Rest auf das Extra-Lrdiuarium. Bei den staatlichen Betriebsverwaltungen ist im Ordinarinm ein Mehrüberschuß von 98% Millionen veranschlagt, der sich aus Mehrüberschüssen von 103,3 Millionen und aus Minderüberschüssen von 4,5 Millionen zusammensetzt. Von den Mehrüberschüssen gegen das laufende Jahr entfallen fast 83 Millionen aus die Eisenbahnvcrwaltung, deren Einnahmen bei dem Personen- Verkehr um 30 Millionen, bei dem Güterverkehr»m 109 Millionen höher veranschlagt sind, tvährend an dauernden Ausgaben 55% Millionen mehr angesetzt sind. Bei der Forstverwalttmg ist ein Mehrüberschuß von 11% Millionen veranschlagt, bei der Verwaltung der direkten Stenern ein solcher von 4,6 Millionen, und zwar sind die Einnahmen aus der Einkommensteuer um fünf Millionen höher, die aus der Eiscnbahu-Abgabe dagegen um 304 000 M. niedriger in Ansatz gebracht. Bei der Verwaltung der indirekten Steuern ergiebt sicki ein Mehrüberschuß von3,8 Millionen. Hervorzuheben sind dabei 759 000 M. Mehransgaben ausAnlaß des ucucnZolltnrifs zur Vermehrung und anderweitcn zweckmäßigeren Einteilung sowie zur besseren Aus- bildung der Beamten der Zollverwaltung. Auf die Dowäncii-Bcr- waltung entfallen 207 000 M., auf das Scehandlniigs-Justitut 382400 Mark Mehreinnahmen. Dagegen weist die Berg-, Hütten- und Salincilverwaltuiig 4% Millionen Mindcrüberschüsse auf. Einer Mehreinnahme von 7,5"Millionen Mark steht hier eine Mehrausgabe von 12 Millionen gegenüber. Diese Mehrausgabe beruht hauptsächlich auf der fortschrettenden'Entwicklung des angekauften westfälischen Bergwerksbesitzes und auf der BetriebScrweiterung der bereits vor- handenen anderweittgen Werke. Von Mehrausgaben sind u. a. zu erwähnen 2,5 Millionen für Materialien und Geräte, 5 Millionen für Löhne, 664 000 M. für Wohlfahrtszwecke und 2% Millionen für Neu- und Erlveitemiigsbcmten. Die Dotationen uud die allgemeine Finauzvcrwaltnng weisen einen Minderbedarf von 237 774 M. auf. Die Ueberweisungen vom Reich sind, dem Entwurf zum RcichshauShalts-Etat entsprechend, um 7 188 240 M. höher eingestellt; andrerseits zeigt der Matrikularbeitrag eine Steigerung, die mit 7 237 825 M. annähernd der Sreigerung der Ueberweisungen gleichkommt. Bei den eigentlichen Staatsverwaltungen ist die Einnahme um insgesamt 11 Millionen Mark höher veranschlagt, während sich die dauernden Ausgaben um 22'/.z Millionen Mark erhöhen. Wir erwähnen daraus weitere 500 000 M. zur Verstärkung des Dis- Positionsfonds der Oberpräsidentcn zur Förderung und Befestigung des Deutschtums in den Ostmarkcn, 100 000 M. für Ostmarken- Zulagen an die in Posen uud Weftpreußen augestellten mittleren Kanzlei- und Unterbeamteu. ferner aus dem Extra-Ordinariuni eine Million als erste Rate zur Herstellung eines königlichen Residenz- schlosscö in der Provinz Posen, 3 Millionen als dritte Rate des Bedarfs zum Erwerb und zur Erschließung des Umwallungs- gcländcs der Stadt Posen, 150 000 M. Beihilfe für den Neubau eines Stadtthcatcrs in T h o r n. Bei der Handels- und Gcwcrbcvcrwaltting ist die dauernde Aus- gäbe um 1 044 542 M. gestiegen; insbesondere treten hinzu 834 961 M. für das gewerbliche Unterrichtswesen, darunter 400 000 Mark Zuschüsse zur Einrichtung und Unterhaltung von Fortbildungs- schulen, 50 000 M. für Fachschulen von geringerer Bedeutung und 30 000 M. zur Förderung der nicht gewerbsmäßigen Arbeits- venniticlung und Rechtsberatnng für die minder bemittelten Bevölkerungskreise. Die dauernde Mehrausgabe der Justizverwaltung stellt sich auf 3 741 600 M. Bei der Verwaltung des Jnucru sind, au Mehrausgaben namentlich vorgesehen 257 569 M. für die Polizeiverwaltung in Berlin und Umgebung, 304 867 M. für die Polizeiverwaltung in den Provinzen, 129 241 M. für die Landgendarmerie, 1 427 071 M. für allgemeine Ausgaben im Interesse der Polizei und 403 293 M. für die SttafanstaltS-Verwaltuiig. Bei der landwirtschaftlichen Verwaltung sind an dauernden AuS- gaben 1 381 686 M. mehr eingestellt, darunter 760 000 M., die vom Extra- Ordinarinm auf das Ordinarinm übernommen sind. Der Dispositionsfonds zu Prämien bei Pferderennen ist verdoppelt worden, er beträgt jetzt 300 000 M. Im Kultus-Etat endlich bettagen die dauernden Mehr- ausgaben etwa 5 Millionen Mark.— Stnatsgelder für Privatzwecke. Wie immer derChicagoerBrand das PerantwortungSgefühl geschärft haben mag, durch jene Katastrophe wird keineswegs das Wunder bewirkt, daß ein Privatunternehmen plötzlich zu einem Staatsbetrieb wird. Kein Thcaterbcsitzer würde beanspruchen können, auf Slaatskosten ein neues Gebäude errichtet zu sehen, wenn sein Institut sich als feuergefährlich erweisen würde. Wäre dem so. dann würden sicher plötzlich alle Theaterbesitzer, die sonst auf die Feucrsicherheit ihrer Theater schwören, behaupten, ihre Baracken seien lebensgefährlich. Die preußische Regierung aber hat es fertig gebracht, solche Folgerungen aus dein Ehicagocr Brand zu ziehen. Ein neues Opern- Haus soll aus Staatsmitteln errichtet werden. Bereits der preußische Etat für 1904 verlangt 50 000 M. für die Vorbereitungsarbetten. Das ist nach den primitivsten staatsrechtlichen Grimdsätzen eine un- mögliche Forderung. Das Berliner Opernhaus ist ein reines Privatunternehmen des Kaisers. Es gehört ihm, er allein hat über seine künstlerische und gcschäftlicke Leitung zu entscheiden. Wie soll nun der Staat dazu kommen, für ein Privatnnternehmen eine Millionenspende beizusteuern, ohne daß er ancki nur ein Mit- bestimmungsrecht über die Verwendung der Gaben hätte. Will der Staat ein Opernhaus bauen— gut. Dann hat auch der Staat die Verantwortung und die Leitung des Instituts. Es geht aber nicht an. auf Staatskosten ein Privatimtcrnchmen auf solche Weise zu subventionieren. In andren Ländern bezahlen die Monarchen ihre Hoftheater. So sind die neuen üppigen Wiener Hostheater ausschließlich auS den Mitteln der Krone errichtet worden.— Der silberne Maulkorb. Wir lesen in einem Berliner Blatte: „Man erzählt sich in militärischen Kreisen, daß eine Kabinetts- order über die schriftstellerische Bethätigung der Offiziere, und zwar auch der verabschiedeten, ergangen sei, die in sehr scharfen Ausdrücken die kaiserliche Miß- billig» n g über manche Angriffe und Veröffent- lichungen der jüngsten Monate ausspreche und jedenfalls für die Zukunft eine w e s e n t l i ch e'E i n s ch r änkung in der öffentlichen Besprechung von Heeresangelegen- hcitcn durch aktive oder inaktive Offiziere zur thatsächlichen Folge haben werde. Unter den solchergestalt einer freimütigen Aussprache mehr oder weniger entzogenen Gegenständen würden dann wohl insbesondere die Taktik, Organisation, Be- waffmmg und die inneren Zustände des deutschen Heeres und des deutslheu Offiziercorps begriffen sein. Das heißt so ziemlich alleS, waS die Oeffentlichkeit und die Vertretungskörperschaften des Deutsche» Reiches interessieren könnte." Es ist auch wirklich allerhöchste Zeit, daß endlich dem Unfug der Nörgelei an den Einrichtungen nnsreS herrlichen Heeres ein Ende acniacht wird. Nicht nur Majore und Obersten machen in Besserwisserei gegenüber den vorgeschriebenen Einrichtungen, sondern auch leibhaftige Generale gehen bereits unter die„Nörgler". So meldet jetzt wieder die„Frankfurter Zeitung": „Der Kritik in der Schrift des ehemaligen kommandie» r c n d e n Generals des 15. Armeecorps, des Freiherr» v. M e e r s ch e i d t, wonach die Ausbildung unsrer In- fanter ie den veränderten Anforderungen des Krieges nicht genügend Rechnung trage, tritt der ehe« malige kommandierende General v. Blume bei. Er bedauert, daß man nur zögernd von dem früher mit so großer Virtuosität betriebenen Drill bei der Infanterie nachlasse. Die kriegsmäßige Ausbildung der Infanterie werde durch den übertriebenen Exerzier- und Parade- drill beeinträchtigt. Selbst ehemaligen kommandierenden Generaken ist der Parademarsch nicht mehr heilig— da hört doch alles auf!— Fliigblflttrnikleben auch zur Wahlzeit verboten. Eine Fran in Thor» hatte zur Zeit der amtlich ausgeschriebenen Reichstagswahlen ohne polizeiliche Erlaubnis„Druckschriften zu Wahlzwecken" an Telegraphenstangen und Sttaßenzänneii angeklebt. Sie wurde des« halb in zweiter Instanz wegen Uebertretung der§§ 10 und 41 deS alten preußischen PrcßgesetzeS verurteilt und das K a m m e r- g e r i ch t bestätigte das Urteil mit der Begründung, daß die im K 43 der Gewerbe-Ordnung für die Wahlzeit ausgesprochene Freiheit des öffentlichen Verteilens von„Druckschriften zu Wahlzwecken" nicht das.Anheften" von solchen umfasse.— Hiid Induftnc und Dandcl. Die Große Berliner Straßenbahn. Seit einigen Tagen sind die Aktten der Großen Berliner Straßenbahn an der Börse in einem flotten Aufstieg begriffen. Der Anlaß liegt in der nenlichen Ankündigung der Direktton dieser Gesellschaft, daß sie nicht gewillt ist, eine Untergrundbahn vom Potsdainer Platz bis Spittelmarkt neben sich als Konkurrenz- unternehmen zu dulden, sondern dagegen die richterliche Eni- scheidung anrufen werde. denn diese Entscheidung kann nur. so wird in Börsenkreisen angenommen, zu Gunsten der Großen Berliner ausfallen. Ob diese Auffassung richtig ist, ver- mögen wir nicht zu beurteilen. Die Streitfälle, auf die man sich als Beweis beruft, lagen wesentlich anders; aber in jenen Kreisen glaubt man nun mal, daß auch die Stadtverwaltung sich der Einsicht nicht verschließen kann, auf dem Rechtswege sei gegen die Große Berliner nichts auszurichten und daher sich dazu bequemen werde. mit vorteilhaften Uebernahme-Angeboten an die Aktionäre heran- zutreten. Neben diesen Kalkulattonen spricht die Aussicht auf eine neue Kapitalserhöhung der Gesellschaft mit. Von der Verwaltung ist zwar kürzlich dementiert worden, daß eine solche Absicht besteht; aber trotzdem erhält sich das Gerücht aufrecht, daß die Erhöhung des Aktienkapitals auf 100 Millionen Mark geplant sei— nicht weil die Gesellschaft größerer Kapitalien bedarf, die sie sich zudem leicht durch eine Anleihe beschaffen könnte, sondern um den Gewinnanteil der Stadt Berlin an der Bahn hcrabzudrückcn. Bekanntlich besagt der von der Stadt mit der Bahn abgeschlossene Vertrag, daß die Stadt die Hälfte von dem Reingewinn-Ueberschnß erhält, der nach Abzug von 12 Proz. auf die früheren Aktienkapitale (22,8 Millionen) und von 6 Proz. auf den Rest deS Kapitals (62,9 Millionen) verbleibt. Je höher nun das Kapital und der auf dieses entfallende Gewinnanteil ist, je mehr ermäßigt sich der Gelvinn- anteil der Stadt. Und falls eine Kapitalserhöhung erfolgt, werden natürlich, wie bisher, die neuen Aktien den alten Aktionären zu einem niedrigen Kurs augeboten werden. Beschäftigung im H-lzgewerbe. Während im Januar des Vor» jahres fast an asten Plätzen mit stärker entwickelter Holzmdusrriö erhebliche Arbeiterentlassungen wegen Mangels an Beschäftigung eintraten, fehlen im laufenden Monat diese ungünstigen Anzeichen eines scharf nachlassenden Beschäftigungsgrades fast völlig. Jeden- falls ttcicn sie lange nicht in dem Maße wie im Vorjahr zu Tage. Schon die Gestaltung des Rohholzmarktes weist lebhafte Züge auf. Die Zufuhren sind knapp, die Nachfrage lebhaft, die Preise fest. Tie großen Umsätze lassen allein schon auf einen Verhältnis» mähig befriedigenden Geschäftsgang der meisten Zweige des Holz« gcwerbes schließen. Am besten ist zur Zeit ivohl in Anbetracht der Jahreszeit die B a u t i s ch l e r e i mit Aufträgen versehen. In manchen Gegenden, vor allem an den rheinisch-westfälischen Plätzen. ist auf Wochen hinaus genügend zu thun. Vielfach hängt diese reiche Arbeitsgelegenheit mit der langen Fortdauer der Bauihätigleit in diesem Winter zusammen. Für die Orte des platten Landes liegen die Verhältnisse freilich wesentlich ungünstiger. In ihnen fand die in jedem Winter eintretende Einschränkung des Betriebes auch dies- mal statt. In der Möbelindustrie ist wohl eine Abnahme des Be- schäftigungsgrades gegenüber dem Vormonat zu beobachten. Am schärfsten kommt er in den Betrieben zum Ausdruck, die billige Möbel für Bazare, Ausstattungsgeschäste usw. massenweise her- stellen. Hier gab es vor Weihmrchteil sehr viel zu thun, während nunmehr eine gewisse Ruhe eingetreten ist, die dazu zwingt, auf Vorrat arbeiten zu lassen. Wenig oder nicht zeigt sich eine Abnahme des Beschäftigungsgrades in den Betrieben, in denen feinere Möbel hergestellt werde». In der Böttcherei merkt man die günstigere Gestaltung des Branergewerbeö sehr deutlich. Im vorigen Jahre war der Geschäftsgang vis gegen den Herbst äuherst flau. Alsdann setzte eine Besserung ein: die Brauereien, die sich bis dahin im Einkaufe und in den Bestellungen sehr zurückhielten, ivurden Ivieder stärkere Abnehmer. Auf den Schiffswerften sind die Tischler befriedigend beschäftigt. In der Pianofabrikation zeigte Süd- deutschland ein günstigeres Gepräge als der Norden. Namentlich liegen für die süddeutschen Betriebe ziemlich belangreiche Auslands- aufträge vor, während die billigeren Klaviere, wie sie z. V. in Berlin hergestellt werden, weniger begehrt sind. Wenn aber auch der Gc- schäftsgang gegenüber dem Vorjahr erheblich besser ist. so ist doch noch immer ein ziemlich starkes Angebot auf dem Arbeitsmarkt vor- Händen, so daß bislang von Lohnerhöhungen nichts verlautet. Zu den Berhandluiigen über die Erncuernngen des KalisyndikdtS werden nach und nach weitere Einzelheiten bekannt. Danach sttmmien gegen die von der eingesetzten Vermittelungskommission aufgestellten Beteiligungsziffern fast zwei Drittel aller Werke, darunter auch der anhaltische Fiskus und die Mehrzahl der jüngeren Werke, und zwar. wie die„Magdeburgische Ztg." erfährt: Johannashall, Wintershall. Andreashall. Mansfeld, Hohenfels, Einigkeit, Kaiserode, Justus 1. Jeßnitz/ Hohenzollcrn, Beyenrode, Carlsfund, Hcdwigsbnrg, Wil- Helmshall, Thiederhall und Ludwig 2. Dagegen waren zur An- nähme ihrer Anteilsziftcrn bereit: der preußische Fiskus, Salzdet- urth, Asse, Glückauf und die älteren Werke Ncu-Staßfurt, Wester- egeln, Ascherslcben, Solvay, Hercynia. Die Gewerkschaft Burbach war gar nicht vertreten. Der preußische Fiskus ließ in den Verhandlungen erklären, daß er mit dem Produktionsaffteil für sein Staßfurter Werk in keinem Falle unter die Quoten der großen älteren Werke herab- gehen werde. Darauf haben sich die vorerwähnten fünf älteren Werke solidarisch verbunden und die Erklärung abgegeben, daß sie unter keinen Umständen von ihren seitens der Vennittelungs» Ifflirmtfftwi nochmals iermäßigten Quoten auch nur den geringsten Bruchteil abgeben und deshalb an weiteren Bestrebungen falls solche von den jüngeren Werken zur Erzielung einer anderen Verteilung beliebt werden sollte, in keinem Falle teilnehmen mürbem Die älteren Werke würden erst dann wieder zu einer Sitzung erscheinen, wenn die jüngeren Werke ihnen die schriftliche Erklärung abgeben, daß sie über die ihnen nach dem Verteilungsplan der bisherigen Bermittelungskommission zu- gebilligten Quoten unter sich eine Verständigung erzielt haben. Nach dem bestehenden, Syndikatsvertrage verlängert sich dieser, falls er nicht im März d. I. gekündigt wird, um ein Jahr. Das Hamburger Hochofenprojckt. Die Mitteilungen über den Plan der Gründung eines Hochofenwerkcs in Hamburg werden von verschiedenen Blättern, darunter auch von den„Hamburger Nach- richten" und der„Köln. Volksztg.", bestätigt. Nach erstgenanntem Blatt befindet sich das Projekt allerdings noch im ersten Vorbereitungs- stadium. Man beabsichtigt, ausländische Erze(Schweden, Spanien) zu verhütten. Als Kapital wird die Summe von 6 000 000 M. genannt. Die Verhandlungen über die Gründung eines deutschen Stahl Werksverbandes, die gestern aufs neue in Köln begonnen haben, führten, wie die„Köln. Atg." zu berichten weiß, zur Beilegung ver- schiedener bisheriger Differenzen. So hat die deutsch-luremburaische Bergwerks- und Hüttengesellschaft sich mit der ihr zugewiesenen Beteiligungsziffer einverstanden erklärt und sich der vereinigten süddeutsch-rheinisch-wcstsülischen Gruppe angeschlossen. Auch Dillingen und Haspe sind beigetreten. Mit Düdelingen wird noch verhandelt, und zwar scheinen die Aussichten für den Beitritt dieses Werkes günstig zu sein. Im ganzen nehmen jedoch die Verhandlungen den Verlauf, daß man nicht auf die Begründung eines allgemeinen Stahlwerkvcrbandcs auf der ursprünglich geplanten weiteren Grund- läge hinstrebt, sondern den Ausbau der bestehenden Verbände, ins- besondere des Träger- und Halbzcugverbandes in festerer Forin und unter Einbeziehung des Ausländsgeschäfts in Aussicht ninimt. Schienen und Schivcllen bleiben anscheinend hiervon ausgeschlossen. Charlottenburger Wasserwerke. Der Geschäftsbericht der Gesell- schaft für 1902/03, das fünfnndzwanzigste Jahr seit dem Bestehen der Gesellschaft weist eine Gesamteinnahme von 2 016 212 Mark (im Vorjahr 2420 000 M.). darunter 1784 230 M. für Wasser- gelber zc., nach. An Ausgaben waren erforderlich: für Unkosten und Zinsen 008 738 M.. für Abschreibungen 157 754 M.(i. V. 131 333 M.s. Aus dem mit 1 717 941 M. verbleibenden Reingewinn soll eine Dividende von 14 Prozent gegen 1 3>/» Prozent iin Vor- jähre verteilt werden. Der auf neue Rechnung vorgetragene Saldo beträgt demnach 37 941 M. Mit dem Abschluß eines Wasser- lieferungs-Vertrages mit der Gemeinde Britz wurde das Ver- sorgungsgebiet nach dein Süden hin vergrößert. Wie der Bericht weiter besagt, bedingen die Erschließung neuer Wasserguellen für Station Beelitzhof, Rohrnetz-Erwcilerungen die Aufwendung weiterer Geldmittel. Es soll daher eine Erhöhung des Aktienkapitals um 3 000 000 M. stattfinden. Die Gewerkenvcrsammlung der Zechc�,, Freie Vogel und Un- v erhofft" in Hörde, die sich bekanntlich dem Kohlensyndikat nicht tm- geschlossen hat, gestaltete sich recht lvenig angenehm für deren Bor- stand, da. wie sich bald zeigte, die Mehrzahl der Gcwerkcn mit dem Nichtmischluß der Zeche an das Kohlensyndikat nicht enwerstanden ist. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Sauer- Köln, führte in seiner Darlegung der Geschäftslage aus, die Situation der Gewerkschaft habe sich in letzter Zeit anders gesralteti die Annahme, es werde der Zeche, nachdem der Beschluß, einen neuen Schacht anzulegen, gefaßt war, eine Mehrbeteiligung zugebilligt werde», habe sich nicht bc- ftätigt. Nach Lage der Sache habe die Zeche mit 180 000 Tonnen Jahrcsbeförderung nicht beim Syndikat bleiben können, solch eine Förderung sichere der Zeche nicht das Bestehen. Tie Anlage eines neuen Schachte? im Wcstselde werde 2— 2'/. Millionen kosten. Soviel Geld könne man aber nicht ausgegeben. Der Vorstand schlage deshalb vor, in der Nähe des alten Schachtes einen neuen Schacht niederzubringen, der sich billiger stelle. Es müsse auch eiuc neue Fördermaschine für den alten Schacht sowie andre Anlagen beschafft werden. Er ersucht schließlich im Auftrage des Vorstandes um Bc- toilligung von 1 Million Mark Zubuße. Von feiten verschiedener Mitglieder wurde die Befürchtung aus- gesprochen, das Äohlenshndikat werde die Zeche niederkämpfen. Be- sonders war Dr. K l e w i tz der Ansicht, die Zeche werde üp Kampfe gegen das Syndikat unterliegen. Die guten Nußkohlen möge mem absetzen, aber wie werde es mit der großen Menge Jndustrickohlen werden. Das Heil der Zeche sei nur beim Syndikat. Vielleicht er- reiche man den Anschluß noch. Vom Vorstand lmirde die eingenommen« Haltung verteidigt. Einen Kampf Ivcrdc das Syndikat gegen die Zeche auf keinen Fall führen, da derselbe unverhältnismäßig teuer sein werde und auch nicht den noblen Anschauungen des Syndikats entspreche. Wolle »mn uiit letzterem wieder verhandeln, so könne das der jetzige Vor- fiand so gut wie ein neuer, da die früheren Verhandlungen in durchaus korrekter Form gcfrchrt seien, aber es sei ausgcschlosstn, günstigere Begingiingcn zu erreichen, und bei einer Beteiligung von ILO 000 Tonnen könne man nicht existieren. Schließlich wurde der Antrag des Vorstandes auf Zuzahlung von 1 Million Mark abgelehnt und beschlossen, mit dem Syndikat neue Verhandlungen anzuknüpfen. GevperKscKaftttches. PrineipielleZ vom Strcikpostenstchcn. (Kammergericht als Kommentator des Reichs« g e r i ch t s.) Uin„gewisse Unterschiede deutlich zu machen", wie der Prä- sideut sagte, verhandelte der Strafsenat des Kammergerichts in seiner letzten Sitzung zwei Streikpostensachen, die nichts mit einander zu thun hatten, hinter einander und publizierte die Urteile in beiden Sachen zusammen. In den, ersten Fall waren die Streikposten Schulz und Geuosseu wegen Nichtbcfolgung einer„zur Aufrecht- crhaltnng der Ruhe, Ordnung und Sicherheit auf der öffentlichen Straße ergangenen" polizeilichen Aufforderung zum Weggehen aus der Streikgcgend vom Landgericht I Berlin zu einer Geldstrafe mit folgender Begründung verurteilt worden: Es sei festgestellt, daß hier der Schutzmann, der von seinem Lieutenant die An- Weisung zum Aufpassen auf die Streikposten hatte, gleich dem Lieutenant die Befürchtung hegte, eS könne wieder, wie ein Jahr vorher bei einem Streik derselben Arbeiterkategorie(Maschinenbauer) zu Ausschreitungen und Störungen des öffentlichen Verkehrs kommen. Die Streikposten hätten Passanten, unter denen sie Arbeitswillige vermuteten, befragt. Das sei eine Belästigung gewesen. In dieser Weise für ihren Streik zu werben, berechtige§ 152 der Gewerbe- Ordnung die Streikenden nicht. In dem andern Falle des Streikpostens Beirau fällte das Landgericht ein freisprechendes Urteil und führte im wesent- lichen aus: Die Wegweisung sei hier erfolgt auf die Anweisung des Revierlieutenants, ans die Streikposten aufzupassen und diejenigen tvcgzuweiscn, die Arbeitswillige zur Niederlegung der Arbeit an- halten oder sie am Eintritt in die Fabrik hindern würden. Wenn nun auch die Schutzleute sagten, der Grund ihres Vorgehens sei die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung gewesen, so genüge die bloße Angabe nicht, sondern nur Ivenn das Verhalten der Streik- Posten t h a t s ä ch l i ch geeignet gewesen sei, die öffentliche Ruhe und Ordnung zu gefährden, sei die Wegweisung berechtigt. Es sei nun hier nicht ersichtlich, wie durch das Auf- und Abgehen der Leute auf der Straße und durch ihr gelegentliches Stehenbleiben habe die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört werden sollen. Vorliegend sei vielmehr anzunehmen, daß die Schutzleute, der obigen Weisung des Lieutenants folgend, zum Weggehen lediglich deshalb aufgefordert hätten, um das Streikposten st ehen zu verhindern. Dazu hätten sie lein Recht. Gegen das erste Urteil legten die Angella gten, gegen das zweite die Staatsanwaltschaft Revision ein. Rechtsanwalt Koppel, der als Substitut des Rechtsanwalts Dr. Heineman» die Angeklagten vertrat, suchte ausführlich die Un- Haltbarkeit des Urteils in Sachen Schulz nachzuweisen und bezog sich auch auf das bekannte Urteil des Reichsgerichts, wonach das Streikpostenstchen als ein Ausfluß des KoalitionSrechtes nicht ver» boten werden könne. In Widerspruch zu dieser Entscheidung setze sich das Landgericht namentlich dadurch, daß eS das Werben für den Streik unter den Arbeitswilligen und denen, die von den Streik- Posten für solche gehalten würden, verurteile. Gerade das Werben sei ein wesentlicher Bestandteil des Stteikpostenstehens und der Ausübung des Koalitionsrechts. Es sei unhaltbar, sagen zu wollen. an sich sei das Streikpostenstchen erlaubt, seine Ausübung sei aber ein Vergehen gegen die Straßenpolizei-Berordnung. Der Strafsenat des Kammergerichts verwarf beide Re Visionen, so daß es im Falle Schulz bei der Verurteilung, im Falle Beirau bei der Freisprechung bleibt. Präsident Lindenberg fiihrte aus: Zunächst zur Sache Schulz und Genossen. Es sei unrichtig, daß. weil das Reichsgericht das Streik- Posten st ehen für erlaubt erklärt, nun jeder Streik- Posten das Recht habe solle, das Publikum zu belästigen. Er könne ja mit den Leuten in Verkehr treten, sobald aber dies in eine Belästigung ausarte, so habe die Polizei dieser entgegen zu treten. DaS sei aber die Absicht der Beamten in Sachen Schulz gewesen. Nach den„thatsächlichen Feststellungen" des Landgerichts sei an- zunehmen, daß der Beamte nur um die Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten, vorgegangen sei. Somit rechtfertige sich die Bestrastmg. Im Fcche Beirau, w o mit Recht Freisprechung erfolgt sei, lägen die Dinge ganz anders. Da habe der Lorderrichtcr fest- gestellt, und daran sei das NevisionSgericht gebunden, daß die Polizei- liche Verfügungsgewalt sich darauf richtete, die Streikposten zu ent- fernen, weil sie Streikposten seien. Das gehe nicht. solche Verfügung trete dem Koalitionsrecht entgegen. Wenn nun ein treikposten einer zu Unrecht ergangenen polizeilichen Auf- forderung nicht nachkomme, so könne er nicht bestraft werden, wenn auch an sich niemanden das Recht zustehe, erst nachzuprüfen, ob eine polizeiliche Anordnung berechtigt oder nicht berechtigt sei.— Das Landgericht sei auch berechtigt gewesen, selbständig nachzuprüfen. ob die Wegivcisung auch wirklich zur Ausrechterhaltiing der Ruhe, Ordnung und Sicherheit erfolgt sei, und sei dabei nicht an die An- gaben der Beamten gebunden. Andrerseits habe der Richter aber die„Zweckmäßigkeit" und„Notwendigkeit" einer Anordnung, von der fe st st ehe, daß sie„zur Aufrechterhält ung der Ruhe, Sicherheit, Ordnung und Bequemlichkeit des Verkehrs ergangen" sei, nicht nachzuprüfen. Das Kammergericht zeigt hier also den Polizeibehörden an zwei Schulbeispielen, wie sie eS machen sollen, um auf alle Fälle des Kannnergerichts bei der Verurteilung von Streikposten sicher zu ein. Die Ausübung des ihnen gesetzlich garantierten KoalitionS- rechtes ivird den Arbeiten: damit noch weiter erschwert. Der Erfolg wird auch hier sein, daß man die Arbeiterschaft mehr und mehr dazu drängt, den Kamps um ihre Befreiung auf politischem Gebiet auszusechten. Berlin und Clmgegend. Achtung, Schuhnmcher! Laut Beschluß der Generalversammlung vom Montag ist über die Filzschuh-Fabrik von Kusche, Büschingstr. S. endgültig die Sperre verhängt worden. Tie Organisation sieht sich zu dieser Maß- nähme veranlaßt, nachdem Herr K u s ch e die ihm von seinen Ar- beitcrn gemachten Eimgmigsvorschläge brüst abgelehnt hat. Da plausible Gründe für die Entlassungen nicht angegeben werden konnten, sind dieselben thatsächlich nur darin zu suchen, daß Herr K n s ch e genötigt ivar, im Herbst v. I. die Lohnsätze einiger Artikel aufzubessern, die niedriger waren, als es sonst üblich ist.„Aer- gangenen Herbst hatten Sic die Macht, jetzt habe ich dieselbe!" so ungefähr äußerte sich Herr K u s ch e seinen Arbeitern gegenüber. Doch um auch Herrn K u s ch c Gerechtigkeit widerfahren zu laffeu, ei hier noch erwähnt, daß derselbe noch erklärte, daß er nicht ab- geneigt sei, einige von den Entlassenen wieder einzustellen, d o ch müßten dieselben einzeln zu ihm kommen und u m A r b c i t a n f r a g c n. Es ist selbstverständlich, daß die AuS- gesperrten diese Zumutung zurückwiesen. Von der Aussperrung bc- troffen sind 14 Personen, darunter drei weibliche, sämtlich unter- tützungsberechtigt organisiert. Kollegen und Kolleginnen I Wir er- neben Euch dringend, den Zuzug nach der Fabrik von Kusche streng fernzuhalten. Die OrtSberwaltung des Vereins deutscher Schuhmacher. Ei»„Ardeitöwilligen"-Ageiit ist der Schneider Hcrmnnn Rutschte, DrcSdriicrstr. 83, Hof III. Der- selbe sucht Arbeitswillige für die Schneidermeister in Jena, die ihre Gehilfen aufs Pflaster geworfen haben.— Alle Schneider seien hiermit gewarnt._ Achtung! Kistcumiicher! Die Sperre über die Kistenfabrik von Funke, Dicffenbachstraße, ist hierdurch ausgehoben. Die Lohnkommission. Oeutt-bes Reich. Zur Schnridrrbcwegung. Die Aussperrung in Jena dauert fort. Die Unternehmer versprechen etwaigen Arbeitswilligen „gute JaHresftellen" und hohe Löhne, die sie bisher nie gezahlt und welche die von ihnen aufs Pflaster geworfenen Schneider auch nie verlangt haben. In der vergangenen Woche kamen 14 Mann in Jena an, die aber sofort wieder abreisten, als sie von den Verhältnissen Keimtiiis cr- hieltew— Die Unternehmer im Schneidergewerbe zu Bremen haben, wie schon kurz mitgeteilt, den dort gültigen Tarif gekündigt. Dieselben erklärten. mit mchrcrcii Ge- hilfcnmitgliedern deZ TarifaiiSschusseö nicht zusammenarbeiten zu können. Nicht etwa auS dem Gefühl der Schwäche heraus, fondern weil sie den streitsüchtigen Unternehmern jeden Vorwand zur Scharf- macherei nehmen wollten, teilten die Gehilfen den Arbeitgebern mit, daß sie an Stelle der unliebsamen zwei andre KommiffionS- Mitglieder delegieren würden, wenn die Uiiicrncbmcr ihrerseits zwei namhaft gemachte scharfmacherisch gesinnte Vertreter durch andre er- setzen.— Auf die Antwort darf man gespannt sein. Wieder zwei Opfer des§ 153. Ein auffallendes Urteil, das sehr an Breslau erinnert, fällte heute das Landgericht Mag de- bürg. Die Baudepiitierten, Arbeiter Lorenz und U h d e,(letzterer ist Vertrauensmann und Angestellter des Bauarbeiter-VerbandeS) hatten von einem Nichtorganisierten verlangt, er solle, wenn er schon nicht dein Verbände beitreten wolle, doch wenigstens die Lokalmarlen kleben. Als der Betreffende das brüSk ablehnte, sagte Lorenz: „Na, dann muß ich da» dem Vertrauensmann sage n." Uhde aber soll, alS der Nichtorganisierte auch ihm gegenüber sich weigerte, Marken zu kleben, gesagt haben:„DaS wird sich sinde.zi." Wegen dieser Acußcrungen verurteilte das Gericht Uhde zu einein Miniat Geföngnis, Lorenz zu drei Wochen Gefängnis. Das Gericht führte aus, die betreffenden Worte sollten „bedeuten": Wenn Du die Marken nicht klebst, fliegst Du aus der Arbeit. Gegen da» Urteil hat Rechtsanwalt Landsberg sofort Revision eingelegt. Nachklänge vom Kampf in Crimmitschau. Die Crimmitschauer Justiz hatte sich am Sonnabend wieder mn einer Anzahl der bekannten fürchterlichen„Terrorismusfälle" zu be- schäftigen. Der erste derselben war eigentlich ein Fall, in dein ein Ausgesperrter, der Weber Max Schiller, die Polizei des Terrorismiis beschuldigt hatte. Er hatte in einer Versammlung bc» hnilptet und stellte auch vor Gericht unter Beweis, daß die Behörde alle Milte! anweiidc, auf die Arbeiter und den Streik einzuwirken. Die Polizei verfahre in einer Weise, wie man cS sich kaum denken kann. Unter Pfeifen laufe diese hinter den Streikposten her, als ob es sich um Verbrecher bandle, und harmlose Stratzenpassanten würde!. belästigt. Ein Zeuge wurde, al»_cr eines Morgens nach der Arbeits- stätte ging, plötzlich von ciiicin Schutzmann angepackt und am Arme geschiittett. Er sollte sich nicht mehr in dieser Straße blicken lassen. Der Schutzmann kannte ihn und habe gewußt, daß er kein Tcxtil- arbeitet fei. Auch sei niemand weiter auf der Straße gewesen. Der Angeklagte hatte zu seiner Entlastimg noch mehrere Zeugen laden lasten. Der Gerichtshof lehnte d i e V e r n e h m u n g b\. r Zeugen ab, da die Sachlage genügend geklärt sei. Wegen Be- leidigung in zwei Fällen wurde der Angeklagte zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt. D e r F o r m nach soll der Angeklagte sich der Beleidigung schuldig gemacht haben. Der Weber Apitz hatte vereint mit einem Kollegen die arbcilS- willige Fabrikarbeiterin Brämttich aufgesucht, um dieselbe zu ver- anlasten, die Arbeit einzustellen. Bei dieser Gelegenheit hat er die Worte geäußert:„Schämen Sie sick, da nicht, zwischen Raupen« Helmen auf Arbeit zu gehen! ES sei eine Schande, wenn sie arbeiten und ihren Schwestern nebst Brüdern in den Rücken fallen." Er wäre beinahe der Erimmitschaucr Justiz entgangen, denn die angeblich Beleidigte erklärte: Ich fühle mich nicht b c- l c i d i g t! Ich will nicht haben, daß der Man n b e- straft werde, ich habe auch keinen Strafantrag gestellt.— Der Fabrikant Böttgcr hat eö gemacht. Der Amt*- anwalt beantragte eine hohe Strafe wegen Vergehen gegen§ 153 der Gewerbe-Ordiuliig. Urteil: 4 Tage Gcfäilgnis. Bemerkenswert von den Verhandlungen dieses TaaeS ist auch noch eine, die einen im Reichstage und sächsischen Landtage erörterten Fall behandelt. Der Arbeitswillige Lorenz auS Frankciihallse» hatte bei einem Tanzvergn ii g e n im Gast Hofe unter den höhnischen Zurufen dcS PublikuniS allein tanzen müssen. Die Mlisit sollte dabei ciiien Tusch geblasen haben. Dieser hatte gegen einen gewissen Otto und den Miisildircklor Ahncrt Strafantrag gestellt, außerdem noch durch Rechts- anwalt T i e tz e Privatklagc gegen Ahncrt erhoben. Durch eine umfangreiche Zeugenvernehmung wurde die Unschuld der Angeklagten bewiesen. Der Gerichtshof sprach beide frei. Wir fiirchten. der Arbeitswillige wird auch in Zukunft allein tanzen. Schließlich geht es doch selbst in Crimmitschau nicht so weit, daß man anständige Arbeiter zwingen kann, mit Arbeits- willigen zusammen zu tanzen. Die priestcrliche Einmischung in einen Lohnkampf hatte in Laus bei Nürnberg dazu geführt, daß eine Anzahl Arbeiter aus der Kirche austraten. In genmintem Ort dauert die TöpferauSsperrung noch immer fort, da der Fabrikant Bankel von den 125 Ausgesperrten nur 85 wieder einstellen will, welcher Borschlag von den AuS- gesperrten in geheimer Abstimmung einstimmig zurückgewiesen wurde. Die Situation ist für sie sehr günstig, da wenig ArbcitSwilligefzn ver- zeichnen und diese meistens nur ungelernte Arbeiter sind. In der höchsten Not erschienen die beiden OrtSgeist lichen nebst einem Amtsbruder auS Sibwabach dem Unternehmer als rettende Engel; sie bemühten sich e i f r i g u m A u w e r b u n g v o n Streikbrechern und suchten auch eine Organisation der Arbeits- willigen zu gründen. Damit riefen sie einen Sturm der Entrüstung unter der Einwohnerschaft hervor, und eine Anzahl von Arbeitern kehrten der Kirche, deren Diener so offensichtlich zu Gunsten der Besitzenden gegen die Nichtbesitzcnden eiiigetretc», den Rücken. In einer Volksversammlung wurde ihr Vorgehen auf daö schärffte verurteilt. Die beiden Geistlichen waren eingeladen und auch erschienen) sie gaben zu, daß ihre Handlungsweise geeignet gewesen sei, die Meinung zu erwecken, daß sie, die Verkünder der christlichen Lehre, dieser entgegen handeln und anstatt sich der Armen und Unterdrückten an- zunehinen, die Reichen und Mächtigen unterstützen. Sie hätten aber nicht» Böse» gewollt. Nun seien sie zu andrer Ansicht gekommen und sie würden keinen Fuß mehr in die B a n k e l s ch e Fabrik setzen. Die Versammlung sei für sie eine große Lehre. Angesichts dieser Erklärungen wurde von der An- nähme einer Resolution abgesehen. Folgende Sei« S t ü r z e r: Geiverkschastskartrll für Berlin und Umgegend. träge gingen ein: Für die ausgesperrten Zink gießet und Von den Metallarbeitern 50,—. Von den Fliesenlegern 30,—. Für die streitenden und ausgesperrten Weber in Crimmitschau: Ein kranker Schuster 2,—. Vom Bau Alexandrmcn- straßc 50 durch Biel aus Liste 13 10,05. Von den Töpfern Bau Lange, Friedenau, Wielandftr. 8, d. DtathcS 6,—. Durch eine amerikanische Auktion b. Boß. Klosterstr. tOI 4,—. Bon d. Putzern, Kolonne Sprechcrt d. Sack 4.50. Von den Maurern n. Arbeitern Bau Stepfanftr'KS durch Ä. Hackstew 7,90. Von dem Personal d. Firma GauS u. Eoldschlniot 11,—. Von de» Fliesen. legem nebst Arbeitern o. Firma Biclsky u. Co. durch Vvllack, 4. Rate 10,25. Gesammelt Bau-Ausstellung durch Schorratz, 2. Rate 11,—. Bau Ulmftr. 3 durch August Schulz. Liste 17 7,—. Gesamuielt am Dombau zu Berlin. 3. Rate, Liste 14 10,60. Bon» Verein der Martthallcn-Arbcitcr 20,—. Von den Maurern und Arbeitern am Bau Sophienstraßc durch Rossade 10,05. Von den Fliesenlegern nebst Arbeitern der Firma BicISkh u. Co. durch Vvllack, 5. Rate 7.05. Berichtigung. Ju der letzten Quittung muß eS heißen: Bon einem Elenden an» der Wrangelstraße 3,— M. Weitere Beiträge werden in unserin Bureau, Dragonerftr. 15, Hos Part., Mittwochs und Sonnabends in der Zeit von 8—10 Uhr abends entgegen- genommen. Ferner werden aus Wunsch auch Liften ausgegeben. Gelder, welche mit der Post eingesandt werden, find an den Kassierer Arthur P i e S l e r, Chorincrstr. 61 zu senden. Letzte Nachrichten und Depefchcn. Zwei Maurer bei der Arbeit verschüttet. Güttingen, 19. Januar.(B. H.) Bei Ausschachtimgsbauten wurden zwei Maurer verschüttet und einer getötet. Hnmberts— Trchfus. Paris, 19. Januar.(W. T. B.) In der von der Deputierten- kammcr ernannten Untcrsuchungskommission in der Angelegenheit der Hunibcrts wurde heute Labori vernommen. Derselbe erklärte, er habe niemals in seiner Verteidigungsrede gesagt, daß die Hnmberts volitiscke Mitschuldige hätten. Labori führte ans, eS gebe hier keine Gaunerei, deshalb gebe es auch keine Mitschuldig»!. Der Staatsanwalt Baudouin hat heute nachmittag dem Präsidenten des Kassationshoscs den Bericht über die Dreyfus-Angelegen- hcit überreicht; dieser Bericht ist sehr lang. Man glaubt beim Gc- richtshofe, daß die Knuiinalkammer selbst eine Untersuchung an- stellen werde wie im Jahre 1899. Die ciidgülligen Verhandlungen würden dann erst im Juni vor den Kassationshos kommen. Barmen, 19. Januar.(B. H.) Auf dein Bahnhofe Ritter?« Hansen wurde der Schaffner Kleine von einer Lokomotive erfaßt und zermalmt. Barcelona, 19. Januar.(W. T. B.) D e r A u s st a n d d e r S ch i f f s a r b c i t e r ist in das Stadium von Verband- l u n g c n getreten. Etwa 10 Schiffsrceder haben die von den Ausständigen vorgeschlagene Grundlage angenommen. Nach Mcldnngen aus Tarragona kam es dort wegen der Steuer auf Lebensmittel zu Ruhestörungen, in deren Verlaus da» Steuer- gcbäude in Brand gesteckt ivurde. Vcraniw. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtsBuckdr.u.VerkaelSanstalt Pmil Singer �Co, Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltnngSblatt Dr. 16. 21. Jahrgang. 1. Kriliße des Lmärls" Kerlilier VsIksdIM Mittinoch, 26. Jannar IM. l<.eickstag. Sitzung� T i c n Z t a g. Ben 10. QoNUac 1001« nachmittags I II h r. Am Bemde-ZratStische: Freiherr v. Richthosen. Kolonial- oireklor Dr. S t ü b e l, v. E i n e m, r>. T i r p i tz, o. 2 t e n g e und Dr. Nieberding; später der Reichskanzler Graf Biilow Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Beratung der beiden Nachtrags-Etats für 190, 1 und des Ergänzungs Etats für 190t für das siidwestafrikanifche Schuügebiet. 5lolvnialdirektor Tr. Ztübel Zuerst auf der Tribüne schwer perständlichs giebt zunächst eine Dar- ftellung des Verlaufes des Aufstaudes der Bondelzwarts. Wir tvissen aus Telegrammen, dag der Aufstand am 2ö. Oktober in Wareubat ausgebrochen ist. Es sollte ein Führer der Aufständischen ivegeu einer Handlung zur Rechenschaft gezogen werden und bei dieser Gelegenheit entspann sich daS erste Gefecht. Die Hottentotten find in Wareubat eingedrungen und eS kamen zu uns Nachrichten von diesem Vorgehen. Gleichzeitig kam die Mitteilung von dem Hmiptquarticr, daß die Weißen sich vorläufig halten könnten. Wir wissen bestimmt, daß die Besatzung sich bis l. November ge- halten hat. Von den weiteren Vorgängen haben wir dann nichts erfahren, als daß am 20. oder 21. November bei Sandfontein Ge fechte mit den Hottentotten stattgefunden haben. Wir haben dann weiter Kunde erhalten von Gefechten, die am Orangefluß stattfanden, bei denen eine deutsche Patrouille gezwungen wurde, über die eng- lische Grenze zu gehen, nachdem der kommandierende Offizier schwer verwundet war. ES ist dann der Ueberfall einer kleinen Zollstation gemeldet und mitgeteilt ivordeu. daß alle Streitkräfte in Windhoei und Okahaudja zusammengezogen seien. Am 0. Januar erfuhren wir von der Eiuslelluug der Feindselig leiten mit den BondelSzwarts durch ein Telegramm, daö am 10. Januar hier eingegangen ist. Ebenfalls aus Kapstadt erfolgte die Nachricht von ihrer E r g e b u u g. Wenn eine amtliche Bestätigung dieser Nach, richt nicht eingelaufen ist, so liegt das zweifellos an den gestörten Telegraphenverbindungen. Zweifellos ist zwischen dem(J.mid 10. Januar der Aufstand der B o n d e l S z w a r t s z u n ä ch st niedergeworfen worden, sonst hätten wir über Kapstadt anders lautende Nachrichten erhalten. Gleichzeitig mit dem letzteren liefen die ersten Sllannnachrichten über den Aufstand der HereroS ein. Die Kapitäne zeigten sich widerspenstig aber die Feindseligkeiten hätten noch nicht begonnen. ES ständen im ganzen 400 Mann zur Verfügung. O k a h a n d j a. welches vorläufig mit 55 Mann besetzt sei. werde weitere 55 Mann zur Verstärkung erhalten. Noch am 12. erhielten wir ein Telegramm auS Okahandja des Inhalts, daß die Station fast eingeschlossen und die Telegraphenverbindungen bedroht seien. Fast gleichzeitig erhielten wir ein Telegramm aus Swakopmund, welches die Unterbrechung des Telegrapheuverkehrs auch von den weiteren westlich liegenden Gebieten anzeigte. Die letzten Telegraphen gaben ungefähr folgendes Bild der Vorgänge der letzten 8 Tage. Auf die Nachricht vom Aufstand der HereroS wurde von Swakopmund auS eine Ersatzkolomie nach dem Schauplatz des Aufstandes gesandt. Wie weit diese mit der Bahn über Kar ibib hinausgekommen ist. ist uns nicht bekannt. Jedenfalls hat sie die Bahnstation Okasise passiert. ist aber nicht bis Okahandja gelangt, sondern befindet sich etwa in der Nähe der Station Waldau. Hinter dieser Kolonne wurde eine weitere Reservekolonne entsandt, bestimmt, die sehr wichtige Station Karibib zu halten. Von hier aus soll auch die Entsetzung von Otjimbingue versucht werden. In den letzten Tagen sind dann noch iveitere Verstärkungen aus der Bahn zur Deckung der Station ent- sandt worden; Karibib selbst ist in verteidigungSniäßigem Zustand gesetzt worden. Die Farmer der Umgebung haben sich dahin zurück- gezogen. D i e m i l i I ä r i s ch e n Magazine von Johann Albrechtöhühe sind geplündert worden. Ein Telegramm aus Wmdhoek, gezeichnet von dem Stellvertreter de» Gouverneurs, besagt:„Okahandja schwer bedrängt. Entsatzversuch vonWindhoek gescheitert. Maschinengewehre beim Eindringen in Okahandja zeitweilig unbrauchbar geworden. W i n d h o e k sehr bedroht, zahlreiche Verl n sie. Landsturm eingezogen. Eisenbahn unterbrochen. Sofortige Hilfe erbeten. HereroS vor- züglich beritten, teilweise in Tropennniforin.* Diese Uniformen haben die.HereroS möglicheriveise aus dem Bestände des geplünderten Magazins in JohauiiAlbrechtshöhe geraubt. ES braucht also auS dieser Erscheinung nicht die Befürchtung einer großen Katastrophe entnommen zu werden. Nach einem >v eiteren Telegramm auS Windho ek muß sich Oberst Lcutwein an einem Punkte befinden, der in heliographischer Per, bindung mit Windhoek steht, es ist aber unbekannt, in welcher Entfernung, ob 20 oder 3 Tagereisen von Windhoek. Ein Tele- gramm des Vertreters des Gouverneurs in Verwaltungsangelegenheiten bezeichnet die Lage ebenfalls als f e h r e r n st. Um Ihnen über den Umfang einer etwaigen Katastrophe einen Begriff zu geben, führe ich einiges aus der Statistik des Schutzgebietes an. Redner giebt die bekannten Daten über die Einwohnerzahl und die tvirtschaftlichen Verhältnisse Deutsch-SüdwestafrikaS. Die weißen Ansiedler seien über 118 Wohnplätze zerstreut, die oft nur zwei oder drei Weiße zählten. Suchen wir nach den Beweggründe» für die Erhebung der HereroS, so muß man davon ausgehen, daß sie die Zeit vor der Okkupation des Landes noch nicht vergessen habe», wo sie i» vollkommener Freiheit, Ungebunden- heit und Ziigellosigkeit lebten. Haben Sie doch 1880 den deutschen R e i ch s k o»r m i s s a r Tr. Göring, der ohne genügende Mannschaft in ihr Gebiet kam, einfach des Landes verwiesen. Später, als wir das Land besetzten, waren ihnen die Deutschen als Bundesgenossen gegenüber den WitboiS will- kommen. Aber schon 1806 fanden partielle Unruhen statt: Eine einmarschierende Truppenabteilung wurde angegriffen, und erst in zwei Gefechten wurde der Aufstand überwunden. Er endete mit einem standrechtlichen B erfahret! gegen die beiden Rädelsführer in Okahandja. Sie wurden zum Tode verurteilt und erschossen. Der Hauptstamm der HereroS hat sich aber damals durchaus loyal benommen. Es lag also kein Grund vor, in ihre Friedfertigkeiten im allgemeinen Zweifel n setzen. Die jetzige Bewegung erklärt sich daraus, daß i« Gegner der staatlichen und wirtschaftlichen Ordnung geblieben sind, die wir ihnen gaben. Durch die zunehmende Zahl der Einwanderer wurde zudem die�BewegungSfreiheit der Eingeborenen immer mehr eingeschränkt. Die Siedelmigen hatten zugenommen, insbesondere infolge deS Baues von Eilenbahnen. Eine große Zahl von Farmen ivar im Laufe der Jahre längs den Schienen in die Hände der Weißen über- gegangen, und zwar meist von den HereroS selbst verkanft. Ihre wirtschaftliche Selbständigkeit wurde vielfach durch Schulden machen wesentlich eingeschränkt. Hier lagen nrchrfach widerstreitende Interessen vor. Es ist versucht worden, die Kaufverträge zwischen Weißen nnd Eingeborenen klaglos zu stellen, um die Eingeborene» vor Ausbeutung zu schütze». Dagegen erhob sich der lebhafteste Widerspruch der Weißen, und es wurde schließlich ein Kompromiß dahin geschlossen, daß wenigstens für diese Kaufverträge eine kurze Verjährungsfrist eingeführt wurde. Das find die hauptsächlichsten Beweggründe, die die A u f st a u d S g e l ü st e immer reger gehalten hat. Als Anlaß ist die Entblößung des Gebietes von Schutztruppen anläßlich des Aufstandes der Bondelzwarts anzunehmen. Vielleicht find auch falsche Nachrichten über Niederlagen und Rückschläge der Schutz- truppen an Sie gelangt. Die Phantasie der Hereros soll sehr lebhaft sein und Gerüchte verbreiten sich wie Laulfcner durch daö Land. Ob die«ache von langer Hand vorbereitet ist? Ja und nein. f Symptomatisch ist ein Umstand, der vielleicht bis jetzt noch imbekannt ist. Eine große Zahl von E i n g e b o r e n e n deö Schutz- gebietes war als Arbeiter nach den R a n d m i n o n d es früheren Staates Transvaal ausgeführt worden. Als sie durch englische Zeitungen in Johannesburg die Nachricht von dem Aufstand der Bondelzwarts erhielten, hatte eine große Anzahl, etwa 30 dieser Arbeiter, sofort ihre Arbeit niedergelegt und ist zurückgeeilt mit der Absicht, ihre L a n d ö l e n t e beim A n f st a n d z u unter st ü tz e n. Es kann also angenommen werden, daß längst die Absicht bestand, bei günstiger Ge- legenhcit eine Erhebung gegen die Weißen zu unter- nehmen. Jedenfalls aber sind diese Absichten vorzüglich geheim gehalten worden. Die Missionare, die unter den Eingeborenen lebe» und ihre Sprache lemien, waren vollständig imunlerrichtet. Auch die Nachricht, die vom Korrespondenten einer hiesigen Zeitung hierher iveiter gegeben ist, ist erst vom 4. Januar datiert, also auch erst acht Tage, bevor der Ausstand effektiv ausgebrochen ist. Auch ein Brief des Farmers Hoch von der Firma Hoch und Ecke, der 12 Jahre in Südafrika lebt, bestätigt mir. daß er vollständig überrasch: ist. ..Wie haben sie die Sache nur so lange geheim halten können Ist der Ausbruch des AnfftandeS zum Ileberraschcn aller gekommen, so kann von einer Verantwortung der Verwaltung kaum die Rede sein. Aehnliche Aufstände haben auch in andren Kolonialgebieten statt- gefunden, z. B. der der Malabele von 1896. Ehe die Eingeborenen sich dauernd in die neuen Verhältnisse fügen, ist noch keiner Macht der Verzweifiungskinnpf erspart geblieben. Noch ein Wort über die B e d e u i n n g der Eisenbahn. Durch sie ist die Operationsbasis bis in die Mitte des Landes vorgerückt. Die Erhaltung und Sicherung der Bahn wird der Gegen- stand der weiteren Operationen sein. Jedenfalls würde der Aufstand ganz anders verlaufen, ivenn wir die Bahn nicht zur Ilnterstützmig hätten. Zunächst gilt eS. den bedrohten Landslenteri Hilfe zu bringen. Dazu dient vor allem das Bataillon Marine- Infanterie, welches ohne Verzug Donnerstag abreisen lvird. Aus dem bedrohlichen Aufstand aber ergiebt sich die zwingende Not- wendigkeit, unsre Tchulttruppe bedeutend zu verstärke». Ich hoffe, daß diese Verstärkung nur vorübergehend sein wird bis zur völligen Pazifizirrnng des Schutzgebietes, und ich bitte Sie»m Bewilligung der Vorlage im Interesse des südwestafrikanischen Schutzgebietes und unsre» Kolonialgebietes im großen und ganzen. lBravo!) Abg. Dr. Spahn iE.): Die Zahl der Weißen, die in Südwestafrika in Betracht kommt, ist so erheblich, daß, wie ich glaube, das ganze HauS darin e i n i g s e i ii w i r d, den B e d r o h t e n H i l f c zu bringen. Der Herr Kolonialdirektor hat gesagt, daß der Verwaltung' eine Verantwortung dafür nicht zuzuschreiben sei, weil sie die Unruhen nicht rechtzeitig erkannt habe. Wir wissen ja allerdings, daß solche Änfsiände sich gewöhnlich in aller Stille und Heimlichkeit vor- bereiten, aber im vorliegenden Fall ist doch bereits im vorigen November durch cm«Flugblatt der Deutschen K o l o n i a l g e s e l l s ch a f t auf die d r o h e n d e G e s a h r auf- merksam gemacht worden, und ein Artikel der„Frankfurter Zeitung" von heute morgen siihrt eingehend aus. daß eine V e r I a m m l u n g sämtlicher Häuptlinge der Kolonie, die vom April biSMai vorigen Jahre» dauerte, die Aufmerksamkeit der Verwaltung hätte er- regen müssen. In dem Artikel wird auch als Grund für den Aufstand die Berschuldung der HereroS gegenüber den Händlern an- gegeben und mit scharfen Worten daS Borgehen der Händler ver- urteilt. Doch im gegenwärtigen Moment werden wir von den Gründen der Bewegung absehen und mit der Thatsache rechnen müssen, daß die Bedrohten schleimigst Hilfe brauchen.— Was die etatsmäßige Behandlung deS Nachtrags- und dcS ErgänzinigS-Etats betrifft, so, glaube ich, können wir, da der Etat für 1903 bereits erledigt ist, d e n N a ch t r a a s- E t a t a u f G r n n d d e r e r h a l t e« e n M i t« teilungen ohne w C i t e»e s heute im Plenum i II erster und zweiter Lesung und an einem der nächsten Tage in dritter Lesung erledigen. Was den EegänzungSetat für 1004 anlangt, so konnten wir auch diesen, da keiner der in Betracht kommenden Etatstitel der Budgetkommission bisher überwiesen ist, in erster und zweiter Lesung im Plenum er- ledigen. Die dritte Lesung dieses Ergänzungsetats würde ich aber vorschlagen, hinanSzuschieben, bis der Etot für 1004 überhaupt in dritter Lesung hier beraten wird.(Bravo! im Eentrum.) Präsident Graf Ballestrem: Auch ich halte eS für geschäftS- ordnungsmäßig zulässig, den NachtragS-Etat hinter einander in erster und zweiter und dann auch in dritter Lesung zu erledigen. Anders steht eS mit dem Ergäuzungsetat. Die erste und zweite Lesung dieses könnten wir gewifsennaßeii mir provisorisch und als Direktive für die Herren von der Reichsverwaltung vornehmen, die dritte Lesung aber erst im Zusammenhang mit der Feststellung deS ganzen Hauptetats. Abg. Bebel(�ie gefielen einfach der Polizei nichr. weil sie derselben von den russischen Spitzeln angeschwärzt wurden. In Rußland aber konnte man kein Falsch mid Fehl an ihnen ent- decken. Ja, als sie zur Fortsetzimg ihrer Studien einen A u s l a n d s- paß verlangten, wurde ihnen dieser schlankweg von den russischen Beamten ausgehändigt.(Hört! hört! bei den Socialdcmokraten.) Sie setzen jetzt ihre Studien in einem wirk- lichen Kulturlaiide fort, das nicht wie Preußen und andre Staaten des Deutschen Rcichc� sich durch den russischen Zarismus lenken läßt. Gewiß hat die deutsche Regierung die Befugnis, jeden Ausländer, der ihr nicht paßt, auszuweisen: aber die tnoralische Pflicht als Regieriing eines Kulturlandes, als eines sogeiiannten Rechtsstaates, sollte sie doch dazu fsthreu, die- jenigcn Ausländer, welche ihre Gastfreundschaft in Anspruch nehmen, wenigstens so lange zu dulden, als sie nichts gegen nnsre Gesetze und gegen die Sicherheit unsreS Staates u n t e r n e h m e n. In all' den Fällen, die ich an- geführt habe, handelte es sich aber um Personen, die in nichts gegen die deutschen Gesetze sich vergangen hätten, sondern die ledig- lich»ach Ansicht dcr russische» Spitzel der russi scheu Regierung iiiibeguem waren. Weil sie der russischen Regieriing unbequem Ivaren, deshalb wurden sie bei nns zu„lästigen Ausländern". Aber nicht genug, daß man die Russe» ausweist, man bringt sie auch wider ihren Willen an die russische Grenze! In einem Fall wurde ein Mann, den die Spitzel für einen Russen crllärten, der aber ausdrücklich betonte, er sei Schweizer und wolle»ach England, wochenlang festgehalten, um festzustellen, welcher Nationalität er sei. Und als»lau herausgefunden zu haben glaubte, daß er Russe sei. brachte mau ihn in i t -Gewalt an die russische Grenze. Tic russischen Be- Hörden waren aber in diesem Fall doch noch etwas c i v i l i- s i e r t e r als die preußischen. Nachdem sie eine Anzahl Personen aus dem angeblichen Heimatsorte des Mannes vernommen imd diese erklärt hatten, sie keuilten ihn nicht, trugen sie doch Bedenken, den ZKann zu übernehmen imd gaben i h n d e n p r c n ß i s ch en Behörden zurück.(Hört! hört I bei den Socialdemokrajen.) Mir wurde einmal von einem höheren Bcam teil erklärt, dieses Bci-fahrcii werde eingeschlagen aus Befehl von oben. Es ge- schehe wahrscheinlich deshalb, weil einmal ein Russe, der keine Legitimationspapiere hatte, an der russischen Grenze von rnssischcn Grenzsoldaten niedergeschossen ivordcn sei. Daher bringe man nun alle Russen ohne Ausweispapiere mit Zwang über die russische Grenze, um sie vor e i nj; m ähnlichen Schicksal zu bewahren.(Lachen bci den Socialdemokratcn.) Das stimmt aber doch nicht iiberein damit, daß man. wie ich nachgewiesen habe, auch vielfach Leute, die im Besitz von Ausweispapiere» waren, zwangsweise über die Grenze gebracht hat. Das Ashlrccht hat sich im vorigen Jahrhundert geradezu als Maxime herausgebildet, an dcr jeder Slaat festhalten müßte, ivcnn er sich einbilde, K u l t u r st a a t zu sein. Und Deutschland hätte allen An- laß, das Ashlrccht in weitestem Maße zu üben. Denn die Russen, welche unsre Gastsreuiidschast in Anspruch nehmen, sind gewiß nicht Aliarchisten im Sinne uiisrer Polizeibeamten, sondern Männer, die in einem Helden haften Kampfe gegen den Ab- solutiSmus stehen, der jedem, auf welchem Standpmitt er auch steht, Bcwuudcrimg einflößen muß. Und so ist damals das Asyl- recht auch immer von tz-m Lehrern des Völkerrechts begründet worden, daß cS unmöglich sei, einen politische» Flüchtling nur deshalb auszuliefern. weil er für das gekämpft hat, was bei uns geradezu als lobenswert angesehen werden muß. Aber das müßte man doch wenigstens erwarten, daß die Regicruiig nicht einfach»ach den Anweisungen der russischen Beamten handelt, nicht auf die Denunziationen russischer Spitzel hin Leute mit eincin Makel belegt und dadurch ins Unglück stürzt, Welche Erfahrungen haben denn andre Länder mit diesen russischen Spitzeln gemacht, AiiS dcu Dokumeuteii sind kürzlich die Notizen des Leiters der bulgarischen Spitzelpolizei veröffentlicht worden, Dieser Mensch, NamenS WeiSmann, hat alle Postbeamten bestochen, Er bespitzelte nicht nur alle Russen, sondern auch die Bulgaren, die irgendwie mit Russen befreimdet waren. Nachdem er elf Jahre diese Thätigkeit unter allen möglichen Verbrechen ausgeübt Hatte, hat er sich dann auch in die h ö h e r e P o l i t i k eingemischt und einige Depeschen in die auswärtige Presse lanciert. Will die RcichSregirriing warte», bis auch hier die nisfischen Polizeibeamten, die immer mehr e r m u t i g t w e r d e n, scdeS Verbrechen za verüben(Sehr richtig! links), sich in die hohe Politik einmischen wollen? Die Spuren sollten doch schrecken. ES ist ja nicht dabei geblieben, daß man alle Russen, auch die harmlosesten, bespitzelt, daß man unsre Beamten besticht, täglich in der gröbsten Weise gegen Treue und Glanben verstößt. Man hat auch deutsche Reichs- angchörige, so ivcit sie nur irgend welche Beziehungen zu Rußland hatten, übertvacht. Ich kann Ihnen zwei Fälle anführen, in denen einmal dcr Spitzel versucht hat, zu einem Verbrechen zu provozieren und einmal ein Verbrechen selbst verübt hat. Vor nicht langer Zeit erschien einer dieser Nicht-Gentlcmen bei unsrem reichs- deutschen Genossen N o w a g r o d s k y, suchte sich als Flüchtling hinzustellen und machte den Vorschlag, imser Genosse sollte ihm einen Paß mit dem Siegel und der Unterschrift einer dcutschen Behörde ausstellen. Als Nowagrodsky ihn entlarven wollte, da verduftete er ans Nimmerwiedersehen. Ich denke aber, Spuren dieses Spitzels im Königsberger Gehcimbunds» Prozeß zu finden. Ein Stettiner Spitzel hat auf die unrichtige Vermutimg hin, daß unser Kollege Herbert Briefe aus Rußland bekäme, Ivährend einer Reise Herberts uutcr Fälschung von dessen Nomen bei der Postbehörde den Antrag gcstellr, die Bviese und Drucksachen künftig auf dcr Post liegen zu lassen, damit er sie abholen könnte. Er erhielt daraus auf Grund der ge- fälschten Bollnincht die Korrespondenz Herberts i» die Hand. Zufällig erfuhr Herbert schon am dritten Tage von diesem Vorfall. Alles fragt nun: oui dono? Wer hat ein Interesse daran, die Unter- fchrist Herberts zu fälschen? Herbert selbst war harmlos, dachte nickt an einen Spitzel, Aber bei einem Verfahren wegen Urkunden- fälschung kam nichts heraus und erst später erfuhr man zufällig, daß der Ehrenmaim, der sie gefälscht hatte, jetzt in Zürich als Spitzel amtiere. Aber in der Schweiz haben ja die russischen Spitzel auch ibr Wesen getrieben. Sie haben Hansthürc» erbrochen, Briefkästen mit Nachschlüsseln geöffnet— auch hier haben sie wiederholt Briefkästen geöffnet und einmal sogar den falschen Schlüssel liegen lassen— aber die Schweiz hat die ganze Gesellschaft mit dem Nabinowitsch an der Spitze ausgewiesen. Was die deutsche RcichSregiernng gethan bat, davon haben wir bis jetzt noch nichts gehört. (Vicepräsidcnt Graf Stolberg erhebt sich und greift nach der Glocke.) Unsre Reichsregiermig mutz wenigstens vor zwei Jahren noch der Meiining gewesen sein, daß der- artiges nicht zu dulden sei. Bei der Etats» beratung von 1001 gab Herr v. 3i i ch t h o f e n unserm Genossen Bebel gegenüber die Erklärung ab, daß nach seinen Ermittelungen es schlechterdings ausgeschlossen sei. daß der deutsche Reichs- angehörige K u b e von russischen Spitzeln überwacht worden sei. Hcntziitnge geschieht das tagaus, tagcin. Und die Rcichsregierung ist nicht eingeschritten und hat die Würde imd das An» sehen des Deutschen Reiches gegenüber den russischen Behörden nicht ge- wahrt. Aus der früheren Rede des Frhrn. v. Richthofen ging jedenfalls hervor, daß jedermann im Deutschen Reich russische Druckschriften empfangen und absenden könne. Aber noch ist kein Jahr seitdem verflossen und man hat in M e m c l und Königsberg deutsche Reichsangehörige wegen Gchciliibündclci verhaftet, lediglich aus dem Grunde, weil sie russische Druckschriften aus dcr Schweiz empfangen und weitergesandt hatten. Es ist ganz unersindlich, worin die geheime Berbindung bestehen soll. Bei der Staatsanwaltschaft waltete zunächst die Meinung ob, als ob irgendwo in der Sckweiz ein nihilistisches, aktives Komitee bestehe zur Verbreitung russischer und nihilistischer Drucksachen. Mit diesem Komitee sollte' die Verhaftung in Verbindimg stehen. Die„Frank- furter Zeitung" hat aber mitgeteilt, daß der schweizer Bundes- rcgicrnng von'cincm solchen Komitee gar nichts bekannt sei. Be- sonders auffallcnd ist, daß man Reichsangehörige zehn Woche» und »och länger in Nntci-snchungshaft hält lediglich wegen angeblicher Kollusionsgefahr!(Hört! hört l bei den Socialdemokraten.) Worin soll diese Kollusionsgefahr bestehen? Man hat eine Haussuchung vorgenommen, man hat das letzte Blättchen Papier, auch die Privatkorrespondenz mitgenommen, man hat die Briefsperre eingeführt und alle eingehenden Briefschaften ein» fach festgehalten. Und trotzdem spricht man von Kollusionsgefahr! Das Dber-Landesgericht in Königsberg hat allerdings einfach erklärt,„daß nach der Natur der in Betracht kommenden Strafthat Kollusionsgefahr ohne weiteres anznnchmcii sei".(Lebhafte Rufe: Hört! hört! bei den Socialdemokratcn.) Aber wo war denn das Geheimnis? Die Druckschriften. die ans dcr Schweiz gekommen sind, sind auf den deutschen Zollämtern geöffnet worden. Die Angeschuldigten haben sie z.»n Teil/ weil sie vermuteten, eS handle sich um ganz gleichgültige harmlose Schriften. sogar ge» öffnet auf dem Zollamt liegen lassen. Kann man'offener zu Werke gehen? Geheimgehalten wurden die Schriften doch nur vor der russischen Regierung, nicht vor der Rcichsregierung. Wie hier eine geheime Verbindung im Sinne des Z 128 des Strafgesetzbuches gefunden lverden soll, ist schlechterdings nickt einzusehen. Das Ober-Landesgericht sagt allerdings, wenngleich die Geheimhaltung in erster Linie gegenüber Rußland erstrebt werde, so seien doch bei den internationaleii Beziehungen(Hört! hört! bci den Social- demokraten) auch Einwirkungen auf die öffentlichen Angelegenheiten des unmittelbar benachbarten Deutschland' als unvermeidlich zu er- warten.(Hört! hört! bci den Socialdemokratcn.) Also die freund- nachtbarlichen Beziehunge» zwischen den beiden Reichen begründen den Thatbcstand eines Verbrechens auch in Deutschland! Es hat sich ein Vorgang abgespielt, der in dcr ganzen preußischen, ja deutschen und in der ganzen westeuropäischen Geschichte vereinzelt dasteht. Man hat nämlich gegen vereinzelte dieser Per» soncn auch noch ein Verfahren cingeleiret wegen Beihilfe zuui Hoch- verrat gegen das russische Reich und wegen Beihilfe zur Beleidigung des russischen Zaren.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Ter Thatbcstand dieses Verbrechens wird gefunden in dem Inhalt der Drucksache», die ein Teil der Aiigeschuldigteii erhalten haben soll. Die Angeschuldigicu können aber nicht russisch, sie koimteir von dem Inhalt keine Kenntnis haben. Es fehlt auch an allen aiidrcil Voraussetzungen. Ich weiß sehr wohl, daß zur Ein- leitung des Verfahrens der Strafantrag nicht notwendig ist, daß dieser noch später gestellt werden kann. Wie kam aber die russische Regierung dazu, den Strafanrrag zu stellen? Welche Be- Hörde hat dcr russischen Regierung Kenntnis gegeben von dem Inhalt dieser Strafakten, die sogar dem Verteidiger und zum iv i ch t i g st e n T e i l sogar d e n A n g e s ch u I d i g t c n s c l b st vorenthalten to o r d e n sind?(Hört! hört! bei den Social- demokraten,> Wer hat�die russische Regicrung veranlaßt, den Straf- antrag zu stellen? Sie koimte doch keinen Strafantrag stellen, bevor man ihr nicht den Inhalt dieser Druckschriften bekannt gab. Die beiden Angeschuldigten haben den Wunsch aus» gesprochen, daß man ihnen in einer deutschen Uebertragung den In» halt dieser Druckschriften vorlege. Im Widerspruch mit der Straf» Prozeßordnung hat man aber den Angeschuldigten bis jetzt den Inhalt dieser angeblich verbrecherischen Druckschriften noch nicht bekannt gegeben(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) ebensowenig wie dem Verteidiger. Das kommt in Rußland häufig vor, in Deutschland Ipar es bisher nicht üblich. Das ist auch ivohl eine Folge unsrer freuiidnachbarlicheil Beziehungen? Nach der Persönlichkeit desjenigen, von dem die Druckschriften erwartet Ivurden, dem die Angeschilldigten versprochen hatten, sie in Empfang zu nehmen, ist es einfach ausgeschlossen, daß irgendwelche Druck- fachen hochverräterischen Inhalts abgesandt sein köimen. Die betreffende Persönlichkeit ist eine überaus maßvolle. Dcr junge Russe ist ein Gegner des Anarchismus und der Propaganda der That. Da liegt allerdings wohl die Frage nahe, ob nicht auch hier ein russischer Spitzel seine unsauberen Hände im Spiele hatte. Sollte nicht einer dieser gemeinen Lumpen einfach Druckschristen mit solchem Inhalt abgesandt haben, um sie nachher den Empfängern ankreiden zu köimeii und die Behörden darauf hinzuweisen? Mich interessiert zunächst mehr die politische als die juristische Seite dcr Frage. Wir wollen wissen, was die Rcgicrnng zu thun v gedenkt gegenüber de» verübten Verbrechen uuh den Anstiftungen zu Bcrbrcchcn. Will die Regierung weiterhin diese Liebenswürdigkeiten gegenüber den russischen Schergen fortsetzen? Sollen Personen, die «ach unser aller Auffasiung ehrenhaft sind, vergewaltigt werden, um nach Sibirien gebracht und in den Kerker geworfen zu werde»? Wir interessieren und für die Frage, ans welche Weise die russische Re- gierung van dem Inhalt der in lKrmel und Königsberg beschlagnahmten Druckschriften Kenntnis bekommen hat. An der Spitze u n s r e r Reichsregierung steht ein Mann, der sich auf Kant beruft, Fichte glühend verehrt und es dennoch dulden sollte, dast freiheitsliebende junge teilte, freiheitsliebende Mädchen und Frauen dem Henker ausgeliefert werden Hier helfen nicht irgendwelche scherzhaften Redensarten, keine vertuschenden Bemerkungen. Hier handelt cS sich um unsre Kulturehre» um unsre Würde und deutsche Ehre. Diejenigen, die sonst so oft die deutsche Ehre im M u n d e f ü h r e n, sollten hier beweisen, dast es ihnen e r n st damit ist, damit nicht ein unauslöschlicher Schandfleck uns vor Mit- iveli und Nachwelt besudele. Wenn der Reichstag einmütig dagegen Stellung nimmt, mnst das auf die Regierung Eindruck machen. Fch kann dem Staatssekretär nur sagen:„Hier hilft kein Maulspilicn, hier ums! gepfiffen werden".(Lebhafter Beifall bei den Social- demokraten.) Für Beantwortung der Interpellation ergreift das Wort Staatssekretär Freiherr v. Nichthofcn: Tie erste Frage erhält folgende Erwiderung: Tein Reichskanzler ist lickannt, dast ein zur hiesigen russischen Botschaft gehöriger russischer Bcaintcr von seiner Regierung damit betraut ist, das Thnu und Treibe» der rlissifchen Anarchisten«Hört! hört! vei den Social- demokrateni, die sich in Deutschland aushalten, zu beobachten und die russische Regierung darüber fortlaufend zu unterrichten. Dem Reichskanzler ist dagegen nichts bekannt, lvoraus hervorgehen könnte, dast der russische Beamte seine Thätigkeit auch auf Reichs- an gehörige erstreckt. Dem Reichskanzler ist nicht bekannt, dast dieser Beamte oder von ihm zur Hilfe herangezogene Personen in Deutschland Verbrechen verübt oder versucht hätte, andre Personen zur Begehung von Verbrechen zu bestimmen. Auf die zweite Frage: W a s g e d e n k t d e r H e r r R e i ch S- kanzlet zu t h u n. um diesen Zustand zu beseitigen, habe ich zu erwidern: Eine Beseitigung des brstchriiden Zustnudrs erscheint dem Reichskanzler nicht angezeigt.(Hört! hört! und Pfuirufe bei den Socialdcnlokratcn.) Es liegt auch im Interesse des Reiches, wenn das Treiben fremder A n a r ck i st e n durch Organe ihres Heimatsstaates beobachtet wird, so weit dies ohne Ausübung eines öffentlichen Amtes geschehen kann. Die weitere Frage wegen des Königsbcrgcr HochvcrratsprozcsscS gehört an sich zur Zuständigkeit der preustis chen Regierung.«Lachen bei dcn> Socialdcmolraten.s Für das Reich liegt zur Zeit keine Verair lassung vor. dieser Frage näher zu treten, weil.schon deren Fassung in der Jnter- pellation kein Vorkommen einer Unregelmästigkcit bei Ausführung eines Reichögefehes erkennen lästt. Nach K 13u der Slrafprozcst- Ordmmg kann wegen Verdachts einer strafbaren Handlung, deren Verfolgung nur auf Antrag eintritt, auch bevor der Strafantrag eingeht, ein Haftbefehl erlassen und selbstverständlich auch ein Ver- fahren cingcleiter ivcrdcn. Die letzte Frage lautet: auf wessen Bcranlassmig und auf welchem Wege ist die russische Regierung zur Stellung des Straf- antrages veranlastt Ivorden?' Nachdem der Haftbefehl erlassen war, ist die kaiserlich russische Regierung ans Veranlassung der königlich preußische» Zustizverwaltung durch das Auswärtige Amt ans diplomatischem Wege von dem Erlast des Haftbefehls i» Kenntnis gefrvt worden.(Lebhaftes Hört! hört! un!> groste tinruhe bei den Social- demokraten. Ruf: Sehr ehrenvoll für die preußische Regierung!) Die preustischc Regierung hat lediglich ihre Pflicht gethan.(Andauernde Unruhe- bei den Sociatdemolraten.) Die kaiserlich russische Regierung hat darauf durch ihre hiesige B v t f ch a f t S t r a f a n t r a g gestellt, dieser Strafantrag ist vom A u ö w ä r t i g e n A in t dem königlich p r e u st i s ch c n I u st i z m i n i st e r übermittelt tv o r d c n. Soweit zur Beantwortung der Interpellation.— Die lebhaften Ausführungen des Herrn Interpellanten geben mir Anlast, nach ver- schiedenen Richtungen noch etwas hinzuzufügen. Was ich zur Beantwortung der ersten Frage gesagt habe, habe ich bereits bei früherer Gelegenheit betont. Ich habe damals hinzugefügt, dast auch in Paris fich ein ähnliches Bure au mit einem russischen Beamten an d e r 2 p i tz e mit Kenntnis der französischen Regierung befindet. Bei dem gemein- samcn Jutereffe, das sämtliche Regierungen gegenüber dem Anarchismus haben, ist das etwas ganz Selbstverständliches und nach den Aus- fühnmgcn des Herrn Borredners scheint auch die Schweiz sich dieser Ansictn anzufchliesten. Ein Eingreifen des Reiches in Fragen der Behandlung von Ausländern nmerhalb des Reichsgebiets kann nur aus drei Gründen geschehen. Erstens wenn ein Antrag oder eine Beschwerde seitens des Vertreters der betreffenden Macht vorliegt..Der Herr Abgeordnete von Königsberg k a n ii j e d e n f a t l s a I f o nicht als vollgültiger Ver- t r e t e r der russischen Interessen gelten.(Heiterkeit rechts.> Der befugte Vertreter ist lediglich die kaiserlich russische Botschaft. Sie werden es verstehen, dast von feiten der russischen Botschaft in dieser Richtung Anträge nicht vorliegen. «Heiterkeit rechts.) Ein zweiter Grund, auS dem von feiten des Reichs eingegriffen werden kann, ist, wenn eine Verletzung von Staatüverirägcn vorliegt. Das ist hier nicht der Fall. Drittens käme ein solches Eingreifcii in Betracht. wenn etwa unsrerseits eine Verletzung von Rcichsgeietzen bei der Vc- Handlung des betreffenden Ausländers konstatiert werden könnte. Wir haben die socialdcmokratische Presse» die sich ja ganz besonders zum Sprachrohr der fremden Anarchisten gemacht hat(Unruhe bei den Socialdcmokraten. Rufe: ES sind keine A n a r ch i st e n!>, mit Aufmerksamkeit verfolgt und haben ja auch heute eine ganze Menge von Einzelfällen gehört, von denen ich allerdings nicht weih, ob viel aus ihre'Beweiskraft zu geben ist. Eine einzige Behauptung, die, wenn sie wahr wäre, entschieden den Reichs- gesetzen entgegenlaufen würde, wäre die Thatsache, ivclchc im „Vorwärts" erivähni wurde, wonach in die Wohnung des Dr. v. W e t s ch e S l a s s in Hcrinsdorf mit Hilfe eines Schlossers durch russische Agenten eingebrochen sei. Dieser Fall erregte Natur- gemäst unsre Aufmerksamkeit, und die Herren Minister der Justiz und deö Innern haben Ermittelungen angestellt, aus denen hervorgeht, dast bei der Staatsanwaltschaft irgend eine Anzeige der Art nicht vorliegt.(Lachen bei den Socialdeniokraten.)»Ferner aber haben die Polizeibehörden festgestellt, dast die Hausgenossen des russischen Arztes und sämtliche Schlosser in Hermsdorf sowie auch die Frau Wetscheslaff darüber befragt worden sind, od irgend etwas über die vom„Vorwärts" aufgestellte Behauptung bekannt sei. Sämtliche Personen haben erklärt, dast sie Ha r nichts davon wüstten.(Hört! hört! rechts.) Wenn alle übrigen Fälle, die wir nicht haben untersuchen können, ähnlich liegen, so hätten sich die Herren allerdings ihre Interpellation ersparen können. Die A n s ch u l d i g u ii g e n gegen P o st b e a III t e werden beim P o st c t a t ja eingehend zur Verhandlung kommen. Sehr auS« .stcbig hat der Herr Vorredner den Königsbcrgcr Prozeß behandelt. Es erklärt sich das ja dadurch, dast er selbst Verteidiger in diesem Prozest war, er hat sedcnfallS einen Teil seiner Ver- teidigungSrede hier vorgetragen.(Heiterkeit rechts, Unruhe bei den Socialdeniokraten.) An sich gehört der ganze Prozest hier nicht hin. Er ist noch in der Schwebe und es must zunächst die Entscheidung der prcustischen Gerichte saUcn.— Der�Herr Vorredner hat ferner von unsren Gefälligkeiten, ja" von Liebedienerei gegenüber Rnstland gc- sprochen. Das will ich Ihnen" vollständig zugeben, dast wir für revolutionäre Untrrthmien des bcfrcmidctcn Nachbarstaates in keiner Weise einzutreten Veranlassung haben, dast wir für fanatische Gegner der bestehenden Rcchtsordiumg in diesem Nachbarstaalc kein besonderes Interesse nach irgend einer Richtung haben. Aber im übrigen— eS ist nicht das Jiitcresse Rußlands allein» sondern, wie ich schon ausgeführt habe, das gemeinsame Interesse, welches alle rivilifierten Staaten im Kampfe gegen den Anarchismus verbindet» welches in dieser Frage maßgebend ist. Erst vor einigen Tagen ist wieder in Mailand ein anarchistisches Verbrechen begangen worden: ein ganz harmloser Kapitän wurde von einem An- archisten getötet, mir weil er Soldat war. Ich glaube, es ist unsre Pflicht, gegenüber solchen Vorkommnissen die engste Fühlung zu den Polizeibehörden der verschiedenen Kulturstaatcn zu fördern.(Sehr richtig! rechts. Hört! hört! bei den Socialdemolraten.) Was die Answeisungeu betrifft, so ist das ja Sache der Emzelstaateu. Jcki möchte erwähnen, dast eigentlich nichts andres möglich ist, als daß wir solche ausgcwicscuen Russen an die russische Grenze schaffen. Eine Auslieferung liegt in dem von dem Herrn Vorredner erwähnten Fall schon deshalb nicht vor, weil ein Antrag der russischen Regierung nicht ergangen ist.(Groste Iliiruhe bei den Socialdeniokraten; Rufe: Desto schlimmer! P f u i!- R u f e.) Vicepräsident Graf Stolbcrg: Ich habe soeben den Pfui! gehört. Derselbe ist parlamentarisch unzulässig. Frhr. v. NichtHofen(fortfahrend): Gegenüber der anarchistischen Gefahr ist keine Sentimentalität am Plaste.(Unruhe bei den Socialdcmokraten; Rufe: Es sind keineÄnarchi st e n, das ist r n s s.i s ch c r S ch iv i n d e l!> Wenn die Leute uns unbequem werden, so werden wir sie über diejenige Grenze bringen, die uns als die richtigste erscheint.(Groste an- dauernde Unruhe bei den Socialdeniokraten. t Kein Mensch zwingt ja diese Leute, Anarchisten zu sein. Wenn sie das bleiben wollen, dann müssen sie auch die Konsequenzen ihrer Aktionen tragen. Es giebt ja auch Damen darunter, die dem Grundsatz der freien Liebe huldigen.(Pfuirufe.) Es mag ja für sie sehr bequem sein, hier zu bleiben, wo es ihnen viel besser geht als in der Heimat und dazu noch die politische Märthrerkrone auf das Haupt zu setzen. Aber wir haben keinen Anlast, sie darin zu unter- stützen. Wenn der Herr Vorredner gesagt hat, sie kämen hierher im Vertrauen aus unsre Gastfreundschaft, so sage ich. dieses Vertrauen sollen sie lieber nicht haben. Vertrauen auf Staatsrechte können nur solche Leute haben, die willkommen sind, diese Leute sind aber gänzlich unwillkommen. Je eher sie den deutschen Boden ver- lassen, desto erwünschter ist es, desto freudiger werden wir über ihre Abwesenheit sei».«Unruhe bei den Socialdeniokraten.) Es ist ja wahrscheinlich, dast diese Interpellation besprochen werden wird, ich habe schon gelesen, man würde bei dieser Gelegenheit Fraktur sprechen mit dem prcustischen Herrn Minister des Innern. Er scheint keinen Wert darauf gelegt zu haben/ da er nicht erschienen ist.(Fi scher-Berlin: Er trägt den silbernen Maulkorb.) Etwas von Fraktur haben wir ja bereits gehört. Welches Schicksal diese Interpellation schliestlicki haben wird, darüber schreibt die„Berliner Zeitung":„Wie sich die Majorität des Reichstags gegenüber der soeialdemokratischen Interpellation wegen der russischen Polizeispitzel verhalten wird, darauf braucht man wirklich nicht gespannt zu sein. ES werden einige mehr oder weniger schöne lltedcn gehalten werden, ans den Gedanken aber, dast der Reichstag etwa einstimmig einen Antrag auf Untersuchung des Verhaltens der deutschen Behörden annehmen könnte, wird kaum jemand kommen, denn wir leben in Prensten." Ja, wenn es sich in Preußen und Deutschland so schlecht leben lästt, warum legen diese Herren Anarchisten solchen Wen darauf, bei unS zu sein k (Sehr gut! rechts.) Wir andern aber freuen uns, in Preußen und Deutschland zu leben. Ich bin viel im Ausland gewesen, aber ich must sagen, ich lebe nirgends lieber wie in Preußen, c Große Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Ich hoffe, dast die Erwartung, welche in der„Berliner Zeitung" über den Erfolg der Interpellation ausgedrückt wird, sich tu vollstem Maße erfüllen wird. Auf Antrag des Abg. Singer(Soc.) wird gegen die Stimmen der Rechten die Besprechung der Interpellation be- schlössen. Abg. Bebel(Soc.): Die„Berliner Zeitung" hat sich in der von dem Herrn Staats- sekrctär vorgelesenen Betrachtung über das Ergebnis der Jnter- pellation schlecht unterrichtet gezeigt, wir sind bekanntlich nicht in der Lage, bei einer Interpellation irgendeinen Antrag zu stellen. Allerdings kann die Interpellation noch insofern ein stach spiel haben, als wir bei dem Etat des AuS- w artigen Amtes Gelegenheit nehmen könnten, einen Antrag in Bezug auf diese Angelegenheit• zu stellen. Die Antwort des Herrn Staatssekretärs auf die Interpellation wurde mit solcher Schnelligkeit verlesen, dast es uns nicht möglich war, ihr in allen Einzelheiten zu folgen, wir werden also den Wortlaut abwarten müssen.— Charaktcrisiisch ist der Ton, den der Herr Staatssekretär stets bei solchen Erörterungen einschlägt. Er bezieht sich daraus, dast die Regierungen der verschiedenen Staaten Europas übereingekommen seien, die A n a r ch i st e n zu bekämpfen und sich zu diesem Zwecke gegenseitig Hilfe zu leisten. Wenn aber A n a r ckn st e n bekämpft werden sollen, dann müssen docki auch Rnurchisten vorhanden sein. Bis heute haben weder der Staatssekretär noch die preustischc Polizei oder die Gerichte Gelegenheit gehabt, n a ch z u w e i s e n, daß es sich auch nur in cincm einzigen der Fälle, die hier erwähnt worden sind, um Anarchisten gehandelt hat.(Sehr richtig! bei den Socialdcmokraten.) Thatsächlich hat cS sich in diesen Dutzenden von Fällen niemals um Anarchisten gehandelt. Das muß festgehalten werden. Ob es überhaupt angebracht ist, so in B a u s ch und Bogen über die A n a r ch i st c n zu urteilen, wie es der Herr Staatssekretär gethan, darauf will ich mich jetzt nicht einlassen. Es giebt auch unter den Anarchisten ver- s ch i c d e n e Schattierungen, und insbesondere die kleine Sekte der Anarchisten in Deutschland ist weit davon entfernt, den Terror zu befürworten. Es sind austerordcntlich harmlose Leute, die sogar fort- gesetzt dagegen kämpfen, daß die Arbeiter sich politisch bcthätigen. Von sehr unterrichteten Leuten ist mir versichert worden, daß es heute auch in Rnstland eigentliche Anarchisten nicht giebt. Ein wirtlicher Anarchist ist Gras Leo Tolstoj, und auch der leider verstorbene Oberst- lieutenant v. Egidy hat sich selbst stets als Edelanarchist bezeichnet. Der Staatssekretär hat speeiM auch den Herrn Dr. v. Wetscheslaff als Anarchisten bezeichnet und betont, dast von dem Einbruch bei diesem bei dem polizeilichen Verhör niemand etwas habe wissen wollen. Dr. v. Wetscheslaff selbst ist nicht verhört worden, denn er ist schon im Dezember 1903 des Landes verwiesen worden. Dast die alte Frau v. Wetscheslaff. die obendrein längere Zeit kraul lag, sich hüten wird, eine Aussage zu machen, die ihr nur Unainiehmlich- leiten bereiten kann, liegt doch auf der Hand. Im übrigen ist das Schloß nicht erbrochen, sondern von einem Schlosser mit einem richtigen Schlüssel geöffnet worden. Sehr charakteristisch ist nun, daß diesem Dr. v. Wetscheslaff, der als Anarchist von der preußischen Regierung ausgewiesen wurde, vom russischen K o n s u l noch im Herbst vorigen Jahres die Erlaubnis zum weiteren Aufenthalt in Deutschland erteilt worden ist.«Hört! hört! bei den Socialdemolraten.) Wenn jemals die deutsche Polizei und die deutsche Regierung bis aus die Knochen blamiert worden ist, dann in diesem Falle.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten. Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballcstrcm: Herr Abg. Bebel, Sie dürfen nicht sagen, dast die deutsche Regierung blamiert sei(Unruhe b. d. Soc.). Das ist im Reichstage nicht zulässig. Abg. Bebel(fortfahrend): In allen ähnlichen Fällen würden sich, wenn die Fälle untersucht werden könnten, ganz ähnliche Thatsachen herausstellen. Darauf ist der Herr Staatssekretär gar nicht eingegangen, daß die Charlottenburger Studenten, die von der prcustischen Polizei nach Rußland abgeschoben wurden, von dem Gouverneur von Warickau ihre Papiere zurückerhalten haben, ja, ihnen wurde die Erlaubnis erteilt, ihre Studien im Auslände fortzusetzen. Das hätte der G o ii v c r n c n r von Warschau niemals gethan, ivemi sich diese Studenten auch nur irgendwie a n a r ch i st i s ch e Umtriebe hätten zu Schulden kommen lassen.«Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Wie kann solchen Thalsachcn gegenüber der Herr Staatssekretär den Mut finden, m dieser Weise von anarchistischen Umtrieben zu reden. Das ist eine Täuschung» der der Herr Staatssekretär und die deuffche Regierung zum Opfer gefallen sind, vielleicht zum Opfer habe» fallen sollen.(Sehr richtig! bei den Socialdeniokraten.) Ich behaupte, dast diesen Vorgängen, wie wir sie in den letzten Monaten in Deutschland erlebt haben, in keinem Lande der Kulturwclt ähnliches an die Seite gestellt werden kann. Und nun die geradezu iiiigehcuerlichc Proklamicriiiig des Herrn Staatssekretärs: wir senden die Leute an die Grenze» die uns die � genehmste erscheint! Wo hat es je eiit moderner Staat gewagt, einen solch barbarischen Grundsatz aufzustellen! Es ist eine Barbarei ohne Gleichen, wenn ein.Kultur- staat Leute, die sich in nichts gegen die Gesetze des Landes vergehen, mit Absicht den russischen'Schergen überantwortet, damit sie in den Bergwerken Sibiriens elend verkommen! Ein russischer Student, der selbst 16 Jahre lang in der Verbannung in Sibirien gelebt hat, hat in einem Stuttgarter Verlage u diesen Tagen eine «ehr interessante Schilderung von den Leiden gegeben, welche» die Edelsten und Besten des russischen Volkes in Sibirien zu erdulden haben, wie sie auch nach Verbüstung ihrer Strafe in sagenanntcil milderen Stationen jahrelang zurück- behalten werden, wenn eS ihnen nicht wie dem Verfasser gelingt, durch eine glückliche Flucht sich der russischen Gewalt: zu entziehen. Ich kann Ihnen nur dringend empfehlen, diese Schrift zu lesen. Wie tief ist auch nach dieser Richtung das deutsche Bürgertum gesunken. Da lesen Sie nach wie Peutz und die übrigen Männer des jungen Deutschland in den s6er Jahren über Rutzland schrieben, selbst Friedrich Wilhelm IV. hat sich nie soweit Rußland gegenüber g e d e m ü t i g t. Und was ist alles in Rußland revolistwuär? Herr Graf Limburg» S t i r u m, wenn Sie in Rußland nur das verträten, was Sic im preußischen Landtag vertreten müssen, wären Sie schon längst nach Sibirien verschickt.(Stürmische Heiterkeit.) Ich wünsche der Regierung E n c r g i e, möge sie die Energie die sie so oft gegen- über Klein st aate n gezeigt hat, auch gegenüber Rußland beweisen und Deutschlands Würde wahren. Aber dast man Männer, die hier ruhig ihren Studien nachgehen, wie wilde Tiere hetzt, der Existenz bei»ubt, herausjagt, das ist Schmach und Schande für die ganze Kulturwclt!(Sehr richtig! bei den Socialdemolraten.) Kein einziger Russe, der herkommt, steht in begründetem Verdacht, ein Anarchist zu sein. Aber nachdem eininal von der Regierung alles darauf zugespitzt wird, dast es sich nur um Anarchisten handelt, was ist natürlicher, als dast die russischen Spitzel jeden als Anarchisten bezeichnen. Merken Sic(zum Bundes» ratstisch) nicht die erbärmliche Rolle,_ die unsre Behörden gegenüber der russische» Polizei spiele»! Sie kennen die Sprache, die Schriften, die Persönlichkeiten nicht: Sie sind ganz aus die russischen Beamten angewiesen. Die russische Regierung hält hier einen hohen Bcamteii, der das Gehalt eines preußischen Ministers bekommt. ein ganzes Bureau, Dutzende. vielleicht Hunderte von Polizeibeamten, nicht nur in Berlin. nein, auch in Leipzig, in Darnistadt, in Stuttgart» in München. überall wo nur einige wenige Russen sich aufhalten, an Universitären, Poly» techniken, Kunstschulen: Polizeibeamte, die nach ihrem eignen Er» messen die deutschen Polizeibeamten anweisen, die nichts weiter sind als ihre Handlanger.(Sehr richtig I links.) Daß dabei nach der Art, wie Rnstland zu verfahren pflegt, auch der russische Rubel hier eine Rolle spielt, ist mir ohne allen Zweifel sicher. Ein Brief von der Mutter des Wolz, den der „Vorwärts" kürzlich abdruckte, zeigt, wie die eigne Mutter das Handwerk ihres Sohnes beurteilt. Der Brief zeigt deutlich, welcher Art das Handwerk ist, das er treibt. Und Sie sollten da-Z größte Interesse daran haben, dast solchen Lanoesangehörigen, die sich für schnödes Geld verkaufe,':, das Handwerk bald gelegt werde. Statt dessen hat man Papiere, die mau vorgefunden hat, an die russische Polizei auS» geliefert und ein hoher russischer Beamter ist daraufhin nach Sibirien geschickt werden. Wenn eine deutsche Regierung noch ein bischen Hninanitätsgesiihl in der Brust hätte» sollte sie sich schäme».(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Ich würde mich bis zum letzten Atemzuge in meiner Seele schämen. wenn ich mir sagen inüstte, dast ich auch nur aus Unvorsichtigkeit dazu beigetragen hätte, einen Menschen für Sibirien auszuliefern. Aber unter Zustimmung des Staatssekretärs hat das groste und mächtige Deutsche Reich dazu beigetragen, unschuldige Leute dem preiszugeben. Auch zum Fall Herbert kann ich Ihnen ein Gegenstück mitteilen. Am 21. November 1903 wurde in der Wohnung und auf der Arbeitsstelle des Arbeiters E. in Charlottenburg eine Haus s u ch u n g abgehalten und trotzdem man nichts fand, er' selbst verhaftet. Aus dem Charlottenburger Polizeipräsidium wurden ihm nebst zwei Briefen an seine Frau— er hatte keine Ahnung davon, dast über ihn die Brieffperre verhängt war— auch zwei andre Briese vorgelegt, die seine Untevschrift trugen. Der eine davon war an den kürzlich nach zehnwöchentlicher Haft entlassenen Genossen Braun in Königsberg. Der Arbeiter erklärte, dnß er die Briefe nicht geschrieben hätte und sckilicßtich wurde durch einen S ch r e i b s a ch v e r st ä n d i g e n festgestellt, dast sie in de» That gefälscht seien. Diesen Zustand'sollte sich anstandshalber das Deutsche Reich und der deutsche Reichstag nicht gefallen lassen. Das ist ein Unfug, wie er noch in keinem Parlament der Welt zur Sprache gekomnir» ist. Gewist, auch in Paris und London sind solche russischen Spitzel und der Staatssekretär vom Rcichs-Justiz» amt wird mir bestätigen. dast ich schon bei der Umsturz» Vorlage den Namen des Londoner Spitzels mitgeteilt habe. Aber, als im Falle Götz die italienische Regierung versuchte, den M a n n auszuliefern, ging durch die Presse allcr�Parteirn ei« Schrei der Entrüstiiiig. So handelt ein Kulturstaat.(Sehr richttg l bei den Socialdemokraten.) Je mehr wir Rußland entgegenkommen, desto unverschämter und frecher werden die russischen Ansprüche. Aber die deittsche Regierung, das Deutsche Reich, scheint bereits der Stiefel- putzcr Rußlands zu sein.(Lebhafter, anhaltender Beifall bei den Socialdemokraten und Polen.) Präsident Graf Ballcstrem ruft den Redner zur Ordnung. Abg. Bebel(fortfahrend): Wie der russische Appetit wächst, beweist eine Nachricht aus den letzten Tagen, die ich Ihnen vorlesen werde. Sje bezieht sich dem Wortlaut nach auf Rußlands Nachbarstaaten, aber neben Deutschland könnte dessen nur noch Oestreich-Ungarn fähig sein. Könnte, sage ich, ob Oestreich dazu fähig ist, scheint mir noch sehr zweifelhaft. Es heißt da. Rußland walle Mast- regeln ergreifen, um in den Rußland benachbarten Staaten Haussuchungen anstellen zu lassen. um die Beamten zu ermitteln, welche ausländischen Zeitungen ständig Nachrichten zu- kommen lassen. Es sei festgestellt, daß zwischen den Socio- listen und Liberalen(Hört! hört! bei den«socialdemokraten.) innerhalb und außerhalb Rußlands ein reger Verkehr st a t t f i n d e. Bei einer Haussuchung sind denn auch neulich einige hundert Briefe gefunden worden, die n» die höchste» erste» StaatSmäiiner und höchsten Beamten Rußlands gerichtet sind. Wahrscheinlich hat auch da die preußische Regierung Licbcödienstc gc- leistet, um die Prinzen und Generäle blostzustellen, die dann von der russischen Polizei als Anarchisten denunziert werden.(Stürmische Heitertest.) Nun noch einige Worte darüber, wie man in Rußland in Bezug auf Deutschland denkt. Nicht nur, wie es den einfachen Reisenden geht, sondern auch den Vertretern deS Auswärtigen Amtes, den Militäragenten und Konsularbeamten. Anfangs der achtziger Jahre trat in Petersburg eine Konferenz mehrerer Ministerien zusaminen. Auf dieser wurde beschlossen, daß uwoht die Militär- wie die Konsularagenten der fremden Staaten einer ständigen Polizci-Aiifsicht unterworfen werden sollten. Wenn der Staatssekretär zweifeln sollte an der Richiigkeit dieser Mitteilung, will ich ihm erklären, dast sich dieser Beschlust unter Nr. 1861 vom 9. Juli 1881 in der„ K u r z c n s y st c in a l i s ch c n Z u s a m in e n» s a s s u u g der geltenden Gesetze in Bezug auf die Gendarmerie- Verwaltung" sindei. Ich bin bereit, ihm das Aktenstück im Original auf einige Tage Mit Lerfügimg zu stellen. iSehr gut! bei den Socialdcmokraten und Bewegung.) Wie behandelt man ferner die deutschen Inden in Rußland? Tic Antisemiten niögen über die Inden denken was sie wallen, das können sie nicht leugnen, daß wir in Bezug � auf die Staatsangehörigkeit keinen U n t c r s ch i e d z>v i s ch e n Jude n und C h r i st e n kenne n beide sind deutsche Staatsangehörige. Di russische Regierung macht einen Unterschied zwischen jüdischen und christlichen Reichsangehörigcn. Den Juden werden die im- erhörtesten Paßschwierigkeitcn gemacht und das Deutsche Reich läßt sich das alles gefallen, ohne zu protestieren und die Schmach auszulöschen.(Sehr gut! links.) Das ist sehr charakteristisch für unsre Zustände, und die Art, lvie man Rußland entgegenkommt ein schlechtes Zeichen für Deutschlands Stärke und Kraft. Wenn so ein englischer Jude von Rußland behandelt würde, ich möchte die Note sehen, die der, e ng li sch e K! ini ster des Aus w ä r t i g e n nach Rußland s ch i ck e n lv ü r d c. Bor einigen Tagen hat Graf B ü l o w im Herrenhause seine Rede ge schlössen.- Der König in Preußen voran I Preußen in Deutschland voran! Deutschland in der Welt voran! OTieiterkeit links. Worin voran? Im Wettkricchen vor Rußland!(Heiterkeit und leb hastes Bravos! links.) Die Worte des Reichskanzlers haben in der rückständigsten parlamentarischen Körperschaft Beifall gefunden. Tie Bevölkerung hat ganz andere Gefühle bei solchen Reden-Zarten. Deutschland marschiert in der Welt nicht voran, es marschiert hinten nach!(lebhafter sich wiederholender Beifall links. Zischen rechts.) Abg. Schräder(frs. Vg.); Alle Parteien sollten zu dieser Frage Stellung nehmen. Ich will aber nicht in der Weise sprechen, wie die beiden socialdcino kratischcn Redner, sondern die Sache in ein ruhiges Fahr- w a s s c r lenken. Wer gicbt dem betreffenden hohen Beamten das Recht, auf diese Weise unsrcr Polizei in das Handwerk zu pfuschen? Ich zweifle keinen Augenblick, daß die von den A ß g g. H a a s e un d Bebel angeführten B e r b r e ch e n v o rgekom me n s i n d. Wenn ich preußischer Justizminister wäre, würde ich den ersten möglichen Tennin wählen, um dem Reichstage darüber Auskunft zu geben. Zweifellos existiert ein ganzes russisches Spitzelshstein unter einheitlicher Leitung bei uns. Nicht nur die in Deutschland lebenden Russen, sondern alle Leute, die mit Russen zu thun haben, kommen in Gefahr, von russischen Spitzeln denunziert und unter Umständen der rnssischen Polizei denunziert zu werden. Wenn bestimmte Personen der Vorbereitung von Attentaten ver- dächtig sind, so mag der betreffende russische Botschafts- beamte nnsrer Polizei davon Mitteilung machen, dann wird unsre Polizei eingreifen. Ein andrer Staat hat in u n s e r m Lande keine polizeilichen Maßregeln zu treffen. Der Minister des Innern in Preußen sollte dagegen einschreiten. Auch ist ja der russische „Anarchismus" keineswegs das, was man in Deuffchland als Anarchismus verfolgen möchte. In Rußland heißt jeder Anarchist, der mit den bestehenden Zuständen unzufticden ist. Ich selbst habe in meiner Bibliothek manche Bücher, deren Lektüre einen Russen schon des„Anarchismus" verdächtig m a ch c n w ü r d e. Aufs schärfste zu tadeln sind auch die„Aus- Weisungen"»ach Rußland, die in Wirklichkeit einer Auslieferung gleichtouimcn. Welcher Polizei- und gerichtlichen Willkür Deutschland jene Russen damit ans liefert, kann man u.a. auch amKischinewer Prozeß ermessen.(Sehr richtig! links.) Aber leider scheint heute in Preußen und leider auch in Bayern der Grundsatz zu herrschen: ein jeder, den Rußland will, muß ausgeliefert werden, lieber manchen Souverän.eines freniden Staates können mit Recht Aeußerungen gemacht werden, die als beleidigend anzusehen sind. Wir müssen gegen das russische Spitzelwesen in Deutschland Protest erheben.(Beifall links.) Abg. Dr. Spahn(C.) (auf der Tribüne sehr schwer verständlich): ES sind so viele. Thatsachen über das Treiben russischer Spitzel angeführt worden, daß man doch verlangen muß, wen» die Anarchisten «uSgewirsen lverden, so dürfen auch die rnssischen Polizei-Agenten hier kein HeimotSrecht haben. Der Staatssekretär meinte, es handle sich um keine ReichSsache. Aieines Erachtens ist es Reichssache im aller- höchsten Grade. Das Frcmdcnrccht ist ein Gewohnheitsrecht aller Kulturstaaten.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten), und es muß einheitlich im Reiche gehandhabt werden, damit die Einzel- jtaatcn nicht Verwicklungen mit dem Auslande herbeiführen können. Augenblicklich mag es ja der russischen Regierung sehr unangenehm sein, wenn ihre Angehörigen aus Deutschland ausgewiesen werde»! cS können aber auch einmal Zeiten kommen, wo das Gegenteil der F a I l i st. Die gegen die Richter erhobenen Vorwürfe sind zum großen Teil nicht berechtigt. Nach dem Strafgesetzbuch müssen strafbare Handlungen genau so behandelt werden, wenn sie gegen einen fremden Staat erfolgen, wie gegen unsren Staat. Es isl die Pflicht des Staatsanwalts, die ftemde Regierung zu befragen, ob sie den Strafmi trag erheben will. Aber auf keinen Fall dürfen deutsche RcichSangehvrige von russischen Polizeispitzeln beobachtet werden. In Ausnahmefällen mag etwa die �deutsche Polizei einen ausländischen Polizeibeamten bei ihren Ermittelungen zuziehen. Die Kulturanschauungen, die für n n S v e r s a s s u n g S- mäßig fe st gelegt sind, haben wir auch gegen Aus- l ä n d e r zu beobachten.(Sehr richtig! im Eentrnm und bei den Socialdemokraten.) Das erfordert unsre Ehre. Gegen berechtigte Ausweisungen will ich nichts sagen. Aber Fremde, die sich bei uns in leiner Weise lästig gemacht haben, könne» wir riihig ihren Weg gehen lassen, wohin sie wollen. Ob der bc- treffende Mann Anarchist ist, wissen»vir so lange nicht, als er sich nicht uns gegenüber lästig gemacht hat. Mögen »vir den andren Staaten überlassen, ihn eventuell weiter auszuweisen, Andre Staaten sind auch nicht so rücksichtsvoll gegen uns. Ich möchte wünschen, daß in solchen Einzelfragcn wie der heutigen die Einzelstaaten rechtzeitig ihre Informationen an den Bundesrat bringen, damit dieser uns AnSknnft geben kann, (Lebhafter Beifall im Centrnm; einige Abgeordnete des EentrumS klatschen in die Hände.) Präs. Graf Ballcstrem: Beifallklatschen ist nicht üblich im deutschen Reichstage. Abg. v. Norman»(k.): Meine Freunde hatten nicht die Absicht, sich an der Besprechung der Interpellation zu beteiligen. Wir wollen aber doch erklären, daß wir mit den Ausführungen des Herrn Staatssekretärs i n vollem Umfange einverstanden sind(Laute Rufe links: Selbstverständlich! Das glauben wir gern!)— mit erhobener «ttmmc wiederholend: vollkommen einverstanden sind(Rufe links: Wir haben es schon das erste Mal gehört!) und den Herrn Staats- sckrctär nur bitten kömien, ans dem bisher von ihm betretenen Wege »reiter zu gehen.(Bravo! rechts. Lachen links.) Abg. Dr. Müllcr-Sagan(frs. Vp,): Es ist ja nicht verlvuuderlich, daß der Rechten die Ausführungen des Staatssekretärs so gut gefallen haben. Die Herren mochten ja am liebsten bei uns russische Zustände einführen.(Sehr gut! links.) Nach den Ausführungen des Staatssekretärs ist leider die Befürchtung gerechtfertigt, daß»vir russischen Z n st ä n d e n z u t reiben.(Sehr wahr I links.) Ein Gefühl tiefsten Abschcus muß jede» freiheitlich empfindenden Menschen erfassen bei den Schilderungen, die»vir heute von socialdemokrattscher Seite gehört haben und diesem Gefühl tiefen Äbfchens Ausdruck zu geben, war mir ein inneres HrrzrnsbediirsniS.(Bravo! bei den Frei- sinnigen) Kann man es noch allenfalls begreifen, daß der Staatssekretär alles gut und schön findet,»vas die preußische Polizei thut, so fehlt mir jedes Verständnis dafür, daß Herr von Richthosen nicht auf die Aeußerungen des Kollegen Bebel über die Behandlung jüdischer Reisender in Rußland eingegangen ist.(Sehr richtig I links.) Was n n tz c n u n s Handel S Verträge in i t Ruß- l a u d, wenn sie nicht loyal gehandyabt werden? Sie sind ein wertloser Fetzen, den man ans die Erde werfen kann. Ich hatte bor, die Sache beim Etat des Auswärtigen Amtes zur Sprache zu bringen und ivill deshalb hier nicht iveiter darauf eingehen Bei der Etatsberatung»verde ich dein Herrn Staatssekretär mit Material aufwarten. Ich bitte ihn heilte schon. dieser Frage seine intensivste Aufmerksamkeit znzulvenden. Es bandelt sich hier nicht um eine konfessionelle Frage, sondern um eine Frage der Würde des Deutschen Reiches.(Sehr richtig! links.) Ich lvill deshalb mit dem Wunsche schließen, daß der Staatssekretär über eine loyale Durchführung der jetzt noch geltenden Handels vertrüge mit Rußland zu wachen und jede Chikane seitens Rußlands zu verhindern sucht.(Lebhaftes Bravo! links. Wg. Dr. Sattler(natl.) Herr Spahn hat recht,»vir kömien das vorgetragene Material ohne»vettere Aufklärung nicht beurteilen. In einzelnen Fällen scheint mir. lväre weitere Aufkläriiiig auch notwendig gewesen.(Ruf links Echt nationalliberal! Heiterkeit.) Hiermit schließt die Besprechung. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr.(Dritte Lesung des Nach- tragsetatS. Erste Lesung des Gcsetzentlvurfs betrcffei'id die Kauf nlannsgerichte.) P-rfksim �3 Schluß 53 4 Uhr. Geriebtö-Zeitung. Professor und Heiratsagent. Unter Nr. L83ll war der m Leipzig wohnende Professor et. D. v. Bamberg bei denr Heirat- agenten Fritz Podczus eingezeichnet, der nicht nur sejne be- kannte„Hcirats-Zeitnng" herausgiebt, sondern auch die Ehe vcrinittclung im großen betreibt. Wie er selbst stolz behauptet, erhält jeder seiner Klienten, unter denen sich viele hochgestellte Personen, auch Staatsanwälte, Amtsrichter u u d Rechtsanwälte befinden, eine laufende Nummer; er hat bereits 1l! 00» numerierte Heiratskandidatcn in seinem Register und Professor Dr. v. B. hatte die Nr. 0830. Er war auf Empfehlung einer in Leipzig Ivohncnden Dame mit Herrn P. in Verbindung ge treten, um mit dessen Hilfe in den Besitz einer reichen Frau zu ge- langen. Am 6. Dczelnbcr 1002 hatte er mit diesem einen Vertrag abgeschlossen und ihm 12 Blancoweckssel im Gesamtbeträge von 5000 M. übergeben, die nach dem Wortlaut des Vertrages am Tage der standesanitlichen Eheschließung als Bermittlergebühr zahlbar- lverden sollten. Falls der Proftssor vvn dem Vertrage einseitig zurücktreten sollte,>var ein Reugeld von 1000 M. ausgemacht worden. ein Professor v. Bamberg that die ganze Geschichte sehr bald leid, und da er wußte, daß nach§ 656 des Bürgerlichen Gesctzbuche Hciratsvcrmiitler-Gebühren uncinklagbare Forderungen sind, so hielt er sich auch nicht zur Zahlung des Reugeldes für verpflichtet, sondern verlangte kurzerhand die Rückgabe seiner Acccpte. Seinem Ver- langen wurde aber nicht entsprochen, und als er im April 1003 mit P. in Leipzig zusanuimttraf, drohte er diesem, ihn zur Herausgabc der Accepte zu zwingen, wenn dies nicht gntlvillig geschehe. Am 21. April hat alsdann der Angeklagte drei Accepte a 300 M. an seine Frau gegeben, von der sie auf Umwegen zu einem Goldschmied gelangten, der einen davon gegen Prof. Dr. v. Bamberg einklagte. Inzwischen erwirkte letzterer, der nun auf Herausgabe der Wechsel klagte, eine einstlvcilige Verfügung gegen P., am 11. Mai sollte die Zwangsvollstreckung stattfinden, und da der Gerichtsvollzieher die Wechsel nicht herausvekam, wurde P. zur Ableistung des Offen- barungscides geladen. Er erschien nicht zum Termin, es erging ein Norführungsbeschlutz und am 16. Inn» leistete er vor dem Amts geeicht einen Offenbarnngseid dahin:„er besitze die drei Wechsel nicht und könne Aussagen über ihren Verbleib nicht machen". Die rcsticrendcn 0 Wechsel ivaren dem Gerichlsvollzichcr ausgehändigt worden.— Auf Grund dieses ThatbesraudeS stand gestern Herr Podczus unter der Anklage des fahrlässigen Falsch e i d e L und strafbaren Eigennutzes vor der neunten trafkammer des Landgerichts I. Er bestritt, sich strafbar gemacht zu haben; nach dem Inhalte des Vertrages und da Prof. v. Bamberg ihm nicht einmal seine baren Ausgaben habe eniatten wollen, habe er sich zur Weitergabe der Acceptö für berechtigt gehalten. Bei einem regen Wechselverkehr habe er nach seiner möglichen Verhaftung thatsächlich nicht wissen können, Ivo sich die drei Wechsel be fanden.— Staatsanwalt N o e t i n g beantragte auf Grund der längeren Beweisaufnahme zwei Monate Gefängnis.— Rechtsanwalt C h o d z i e s n c r meinte, daß er über die moralische und ethische eite des Verhaltens des Angeklagten kein Wort zu verlieren habe, hielt aber aus juristischen Gründen die Freisprechung für geboten. Ter Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu einer Gr- ä n g n i S st r a f e von vier Wochen. Als Höhlenbewohner von der Wannsec-Bahn" standen gestern zlvei junge Burschen vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts II. Im Juli v. I. machte der Krimmalschutzmann S e i d e l in Friedenau die Entdeckung, daß mchrcec junge Burschen am Bahndamm der Wannsec-Bahu eine Erdhöhle erbaut hatten und dort ein- und aus- gingen. Tie mit Stangen und Rasenstücken usw. überdachte Erd- höhle war im Innern mit Strohschüneir als Lagerstätten, mit Tcppichen, Decken und Vorhängen ausstaffiert und enthielt allerlei Gegenstände, die aus Balkon- und Schaukastcn-Diebstählcn her- rührten. Ter Dicnstknccht WilhelmDüntzcl und der Arbeits- bursche Emil K a l s k i Ivurden in der Erdwohnung abgefaßt. Beide sind die Opfer ihrer mir Vorliebe betriebenen Lektüre von Räuber- und Jndianergeschichtcn geworden, sie waren ihren Elten» entlaufen und schwelgten in dem Gedanken, ein„Räuberkcben" zu ührc». Sie wurden nun lvcgcn mehrerer in Schöneberg und Friedenau begangener Diebstähle und nebenbei auch noch wegen einer böswilligen Sachbeschädigung zur Verantlvorttmg gezogen. Sic hatten am 28. Juni nachts vor dem Laden eines Bäckermeisters in der Wielandstraßc den frisch bereiteten Teich der Backwaren dazu benutzt, um damit die Fronten und Thüren der Häuser vollzuschmieren. Ter Gerichtshof hielt die Thatcn der Angeklagten für Dnminejungen- streiche, bei denen Kalski offenbar unter dem Einfluß des Düntzcl gcstomden hatte. Letzterer wurde zu drei Monaten. Kalsli zu eine m Mona r Gefängnis verurteilt. Versammlungen. Tie Sektion I des Eentralvcrbandcs deutscher Brauerei-Arbeiter hielt am Sonntag, den 10. Januar, ihre Generalversammlung im GctvcrkfchaftShcnise ab. Ter Vorsitzende Hodavo gab den Vor- landsbcricht. Es haben im verflossenen Jahre 12 Borftandssitziingen tattgcfunden. Tie Mitglicderzahl hat sich im Laufe des Berichts- jahres von 526 uaf 610 zahlende Mitglieder erhöht. Tie Einführung der Bezirkskassiercr har sich bewährt. Ter.naiienbericht tonnte wegen Erkrankung des Kassierers nicht gegeben lverden, doch gab der Vor- ätzende einen ungefähren lieberblick. An die Hauptkasie konnten im ganzen 1021,13 M. avgeliefm werden. Ter Bestand der Lokalkasse beträgt 3102,67 M. Tie Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Hodapp, 2. Vorsitzender Richter. 1. Schrift- »ihrer W i r t h, 2. Schriftführer Meyer, 1. Kassicrer chwedlcr und 2. Kassierer Knechtet. Zu Beisitzern und gleichzeitiger Bibliothct-Äolinnission Ivurden gewählt: Wunder- l icki, Webe r und I u n g h a n s. Zu Revisoren; T r ö g e r, H c y d e r und T h a l c r. Tie Abrechnung vom Stiftungsfest konnte der Saumseligteir zweier Vertrauensmänner wegen auch nicht voll- ständig gegeben werden. Sie Irird mit einem kleinen Ilebcrschnß abschließen. Von der gesammelten Weihnachtsgabc erhielten 36 arbeitslose Mitglieder pro Mann 11 Marl und pro Kind 1 Mark.— Tie übrige Zeit der Versammlung wurde vollständig ausgefüllt mit Klagen über Nichtinnchaltung des am 1. Januar in Kraft getretenen Tarifs. Diesbezüglich»vird Klage geführt über die Brauereien Königstadt, Pfefferberg, Victoria 1, Habel, Bergschloß, FlehinghauS, Löwen- brauerei, Kronen- und Ädlcrbrauerci, Brauerei Osw, Berliner und Spaudauer Bcrg-Braucrci. Schlechte Behandlung sciteus des Keller- meisters der Brauerei Havpoldt»vurde ebenfalls gerügt. Tic ge- imiieii Angaben, in welchen Punkten der Tarif von den eiltzelnen Brauereien nicht eingehalten ivird, Ivurden nach Schluß der Per- sanunlung von Mitgliedern der Agirationskvmmisfion entgegen» genommen, die über geeignete Schritte zur Abstellung der Beschwerden beraten wird. Als befremdend wurde es bezeichnet, daß Betriebsleiter und sonstige maßgebende Vorgesetzte, die doch sonst so schön in moralischer Entrüstung machen können,»venu ein Arbeitnehmer angeblich nicht seinen Verpflichtungen nachkotnmt, nun ihrerseits so Ivcnig durch Vertrag übernommene Verpflichtungen respektieren. Durch einige vorgebrachte Vorkommnisse aufmerksam gemacht, warnen T r ö g e r und Richter noch vor Sonderabmachnngen, da solche nach dem Tarif ungültig sind. Berband der Friienrgehilfen Teutschlands(Zweigverein B e r l i n). Mittwoch, 20. Jatttmr, abends 10 Uhr. Roscnthalerstratze 57 i Gencralversgmmümg. Wahl des Vorstandes, AebeilsnachweiS-Vorstehers»c. Eingegangene vruckfcbriften. Tie deutsche Stadt. Zeilichriit sür deutsches Städtcwescn. G. Füll- borns Verlag, Dresden X. Erscheint vicrzehntägig, Bezugspreis M. 6,— vierteljährlich. Ter Städtebau. Alollatsschnst sür die künstlerische Ausgestaltung dcr Städte nach ihren wirtichastlichen, gcstindhcitlichcn und socialen Grundsätzen. Gegründet von Theodor Gomke und Cannllo Sitte. Verlag vvn Ernst Wasmnth, Berlin und Wien. Nummer 1. Etscheint in Monatsheften. Preis des Jahrgangs 20 Al.__ Briefhaften der Redahtion. Wusterhausen. Tie«. Das bctrefiende Konsulat befindet sich Schöne» berger User 10 I. �urifttkeber Cell. Tie jnristifchc Sprechstunde stndct täglich mit SliiSnahmc dcS Sonnabends von 7'i'; bis O'.'-J Uhr abends statt. Geiissuet: 7 Uhr. M. M. 31. In der Regel bis Nummer ö.— Tachdecter. 26 Wochen. — Otto Freitag. Leider läßt sich gegen den Verlust der dirallkenkasicti- berechliglmg durch verspätete Zahlung der Wcitcrvcrsicherung nichts machen. — C. S. Wenn sie jemand im Gefängnis besuchen wollen, so müsse» Sie bei der Direktion lun Besuchserlaubnis nachsuchen. Sic erhalten datin Nachricht, ob und wann Sie den Besuch abstatten können.— H. F. Daß Nachteile aus dem Dandcl Ihnen erwachsen könnten, ist nicht anzniiebmcn. —, 166. Sie haben als märkische r t i u d c r l o j e r Witwer das Recht, innerhalb sechs Wochen nach dem Tode Ihrer Frau dem Nachlaßgericht(Amtsgericht) eine uotariell oder gerichtlich beglaubigte Erklärung abzugeben, die etwa lautet: „Meine Frau ist am... in... verswrbcn. Geheiratet haben wir vor dem t. l. 1300, nämlich am... in... Statt der Rechte, die mir nach den früheren Gesetzen an dem Vermögen meiner verstorbenen Ebeirau zu- steheti. wähle ich die Erbfolge nach den» Bürgerlichen Gesetzbuch." Tbu» ie das. so erben Sie die eine, die andren Erben die andre Hälfte des Nachlasses Ihrer Frau. lleberdicS cchallcn Sic als voraus die HochzeitS» geschcnke und alle Gegenstände, die zum thellchcn Haushalte gehört haben, find demnach so gestellt, als ob Ihre Ehe nach dem lt. 12. 1899 geschlossen lväre. Unterlasse« Sic die rechtzeitige Abgabe solcher Erklärung, so erben Sic nach märkischem Recht. Danach haben Sic die Wahl, Ihr eignes Ver- mögen für sich zu behalten und den Nachlaß den Erben zu überlassen oder die Hälfte der am Todestage vorhanden gewesenen Vermögens- masse zu erben. die durch Zlisammenwersung Ihres eignen Ver« mögens nnt dem Ihrer Frau gebildet wird.—-k. A. Z. Rein. — Verletzter. Statt der acht allgemeinen Fragen, deren Bcant« wortung ohne sehr lange Aussübrungell unmöglich ist, thäten Sie besser. den Sie betresiendell Fall rnitzuleUen. Soweit derselbe sich aus Ihren An- fragen enttlehlnen läßt, diene Ihnen solgettdes als Richtschnur: Unfall- ocrsichcrmlgspflichtig ist jeder Unfall, der sich beim Betrieb ereignet. Ob der Betrieb SonntcgS oder Alltags ftattlindet, ist gleichgültig. Verjährung dcS Anspruchs tritt ein, wenn der Verletzte nicht innerbalb zwei Jahren leinen UniaUanspruch bei der Bcrussgenossenschast geltend macht. Liegt ein LctriebSunsall vor, so ist in der Regel eine Schadctisersatzpsllcht des Unter» nchmcrs ausgeschlossen.— E. K. 188. Eilte Beschwerde wäre zwecklos. — Kühn. Wende» Sie sich an den Verband deutscher GastwittSgehilse», Dirlscnitr. 39, Verwalter Rudols Ströhlinger.— A. H. 42. 1— 3. Klage beim Landgericht ist ntöglUb. Beispiele finden Sic in dem dem„Arbeiter- recht" beigefügten Führer S. 220 Nr. Il», bis o. 4. Klägerin suche da» Ariuettrecht nach. 5. Ja, aber seien Sic mit Rücksicht aus den ErprcllungS- Paragraphen vorsichtig: mit Anzeige drohen oder bergt, dürjen Sie nicht. Wichtig 32. Die Fuhrherren sind, so lange keine ausdrücklichen Gegen- abreden getrosten sind, im Recht, Sic sind aber verpflichtet, BvrsichtS- maßregeln zu lreiien. Fehlen dahingehende Vorschriften in den Unfall- verhütungsvorschristell der Beruisgliostcuschast, so können Sie solche bei dieser oder bei denr Ncichs-VersicherullgSamt oder beim Gewerbe-Inspektor beantragen.— N Z. DaS kann nicht mehr möglich scw.— X. H. Rem. Leseholz, t. Der Einspruch wird voraussichtlich Srsolg haben. Di« Bcschntdlglen sollen beantragen, sie sreizusprcchen und auch die ihnen crlvachscncti Auslagen der Staatstasse auszuerlegen. Das noch nicht zwölf Jahre alte Kind ist überhaupt noch nicht strasjähig. Die andren scheinen sich gleichsalls nicht strafbar gemacht zu haben. Ferner scheint Verjährung vorzullegen. Von dem Aussall des Termins setzen Sie uns in Kenntnis. 2. Legen Sic nach Abschluß des SttasvcrsahrenS bei der vorgesetzten Behörde Beschwerde ein.— F. B. Einem Zeugeti werden in der Regel Fragen nach Vorstrafen nicht gestellt, umgekehrt ftcbt es bei Angeklagten. Wünschen die Betrostenen, daß ihre Vorstrafen kerne Erwähnung finden, so richten Sie an den Vorsitzenden ein dahmgebendeS Gesuch. Dasicwc wird Zeugen gegenüber stets, Angeklagten gegenüber nach Lage des Falles Erfolg haben. Marktpreise vvn Berlin am 18. Jsnuar 19t14 nach Ermittelungen dcS kgl. Polizeipräsidiums. »Weizen, gut D.-Etr. »Nittel gering »Roggen, gut mittel gering fGerftc, gut mittel gering ßHaser, gut mittel gering Richtstroh Heu Erbse» 'pciscboblicn Linsen * ab Bahn. f frei Wagen und ab Bahn. Kartofscln.ncuc D.-Ett. Rindfleisch, Keule 1 lex do. Bauch. Schwcmcfleisch Kalbfleisch Hamilictsicisch Butter Eicr Karpjcn Aale Zander 60 Stück 1 l-g ürsche Schleie Bleie Krebse per Schock 7.00 1.80 1.40 1,60 1,80 1,80 2,60 5,00 2,40 2,80 3,00 2,40 1,80 3,00 1,40 15,00 5,00 ILO 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 WittcrilligSübersicht vom 16. Januar 1664, mvrgeng 8 Uhr. Wetter-Prognose für Mittlvoch. den L6. Januar 1664. Etwas kälter, zeitweise nebelig, sonst ziemlich heiter und trocken schwachen östlichen Winden. Berliner W e t t e r b n r e a u, bat Seravtlv. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Für bei» Inserate», teil verautw.: Th. Glvikc, Berlin. Druck»>. Verlag: Vorwärts Bn-hdruckerci u. Verlagsanpalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. t6. 21, 2. KeilM bts Jonpitts" Knlim 9plMlittt. Mtvoch, 20. Januar 1904. Hbcfcordnetenbaud« 2. Sitzung, Dienstag, den IS. Januar 1904, 11 Uhr. Am Regierungstisch: Frhr. v. R h c i n b a b e n. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Wahl des Prä- s i d i u>n s. Auf Vorslhlag des Abg. Stengel sfl.), gegen den sich ein Widerspruch nicht erhebt, wird zum ersten Präsidenten der Abg. v. K r ö ch e r/z Uhr werden aus dem Gebiete der Gesundheitspflege folgende Vorträge in den Aulen der genannten Gemeindeschulen ge- halten werden: Berlin!l.. Schwedterstr. 232/234 spricht Herr Privat- docent Dr. Bendix über:„Die Krankheiten im Kindesalter und ihre Verhütung". Berlin IlO., Friedensw. 23 spricht Herr Sanitätsrat Prof. Dr. Lazarus, dirigierender Arzt der Abteilung für innere Krankheiten des jüdischen Krankenhauses, über:„Das Herz in seiner Bedeutung für Leben und Arbeit". Berlin dl., Auguststr. 67/68 spricht Herr vr.meä. R. Lennhoff über:„Die Entstehung und Verhütung von Erkältungskrankheiten". Berlin 0.. Rüdersdorferstr. 4/5 spricht Herr Medizinalrat Dr. Leppmann, ärztlicher Leiter der Strafanstalts- Jrrenabteklung, über:„Beruf und Nervenkrankheiten". Berlin 8., Dieffenbachstr. 60/61 spricht Herr Dr. med. K. Beerwald über:„Der Einfluß des Sonnenlichts auf die Gesundheit". Berlin SW., Bergmannstr. 28/29 spricht Herr Prof. Dr. Rofin über:«Die Gesundheitspflege erwachsener Mädchen". Der Zutritt zu sämtlichen Vorträgen steht jedermann unentgeltlich ftei. Im Apollo-Thcater ist am Montag die Operette„Frühlingslust" zum hundertstenmal aufgeführt worden. Es versteht sich, daß die hauptsächlichen Mitwirkenden wie Frl. Augustin und die Herren Steidl und Rimk überreich durch Blumen- und Kranzspenden geehrt wurden. Im übrigen Teil des Programms zeichnet sich Herr Kcttner aus, der durch derben Humor zu wirken weiß. So in der Pfand- leiher-Scene und in der Kopie bekannter Bühnenkünstler. Luv den Nachbarorten. Parteigenoffen! Seht die Wählerlisten zur Ge- meindewahl bis zum 3«. Januar nach oder beauftragt die an den einzelnen Orten bekannt gegebeneu Personen mit der Durchficht der Liste! Liberalismus und Grundstücksspekulation in Wilmersdorf. Wie in den meisten Berliner Vororten, so spielt auch in Wilmersdorf der Liberalismus nur eine nebensächliche Rolle. Die Herren von Besitz halten durchweg zur Partei des Landrats, wie man in der Reichs- Hauptstadt zur Partei des Magistrats hält, wobei, bei Licht besehen. die Unterschiede zwischen liberaler und konservativer Weltanschauung zuweilen auch mit dem Mikroskop kaum zu erkennen sind. Immerhin besteht hier am Ort eine winzige Gruppe von Personen, die sich liberal nennen, und die. in Ermangelung eigentlicher Principien, nach einem äußeren Anlaß zur Agitation für die Gemeindewahlen Umschau hielten. Dieser Anlaß bot sich ihnen nach ihrer Meinung in die G r u n d e r w e r b s- A ff a i r e, über die wir am Dienstag voriger Woche berichtet haben. Die Gemeinde sollte das Grundstück ain Wilmersdorfer See, das sie zum Ausbau des projektierten Parkes benötigte, von den Eigentümern Schöffen Ramrath und Ingenieur Nenmeyer zu teuer erworben haben. Wir setzten in unsrem Bericht auseinander, daß der gezahlte Preis von 400 000 M. nach eingehender Prüfung als dem gegenwärtigen Wert des Geländes angemessen erachtet wurde, daß aber an sich die auf dem Gebiete der GrundstückS-Speüilation herrschenden Zustand; un- erträglich sind. Der Geldwert eines Geländes steigt in wenigen Jahren um dasDoppelte, ohne daß der Eigentümer auch nur eineHandzu rühren braucht; der leidendeTeil ist natürlich derMeter oder wie hier der Steuerzahler. Um nun zu zeigen, was der Liberalismus leisten kann, hatte der liberale Verein zum Montag eine Volks- v e r s a in in l u n g einberufen, in der es gar merkwürdig zuging. Einer der Vereinsleiter, Anitsgerichtsrat Gaulle, eröffnete die Versammlung nnd begann sofort über den auf die Tagesordnung gesetzten Gegenstand zu reden. Eine Anftaae von social- demokratischer Seite, ob man denn in dieser ausdrücklich als Volksversammlung bezeichneten Zusammenkunft kein Bureau kon- st i tui e r en wolle, wurde dahin beantwortet, daß zwar eine Volksversammlung abgehalten werde, daß aber die Leiter des liberalen Vereins in dieser ihrer Eigenschaft auch die prädestinierten Leiter der Versammlung wären. Nun kam ein technischer, wenn auch nicht von besonderer Sachkenntnis zeigender Vortrag eines Maurer- meisters G r o h, worauf Gemeindeschöffe Prof. Beyschlag und die Gemeindebauräte Lambert und Herrnring die Recht- fertigung der Gemeindevertretung vorbrachten. Eine gar merkwürdige parlamentarische Sitte trat hierbei in die Erscheinung. Jedesmal .wenn ein Redner etwas gegen die liberalen Ansichten gesagt hatte, sprang der Vorsitzende der Versammlung auf, um sich einen mehr oder minder heftigen Ausfall gegen seinen Vorredner zu leisten; von parlamentarischen Pflichten hatte dieser Schildträrger dcs Parlamen- tarismus offenbar keine Ahnung. Auf einen gröberen Ton Ivurde die Diskussion durch einen Herrn Dr. Frankel gestimmt, der auch seinem Aerger über den im„V o r w ä r t s" erschienenen Be- richt Ausdruck gab. Der Gemeindevertreter Schröder (Soc.) verurteilt dann das Wesen der Grundstücksspekulation und unterbreitete den Herrn Liberalen einen praktischen Vorschlag. Da die Eigentümer des in Frage stehenden Grundstücks wegen der Angriffe jetzt auf einer Expropriation beständen, möchten die Herren, die ausdrücklich betont hätten, daß man auch dem allgemeinen Besten Opfer bringen müsse, ihrerseits zeigen, daß sie von besserem Schlage seien als die Konservativen. Sie sollten das Grundstück zum amtlichen Taxwert erwerben und es dann zu dem ihnen maß- geblich erscheinenden Preise, also mit einem wahrscheinlichen V e r l u st von 150 000 M. der Gemeinde überlassen. Auf diese Weise setzten sie ihrer Selbstlosigkeit ein rühmliches Denkmal und erwürben sich im Fluge die ihnen heute fehlenden Sympathien der Bürgerschaft. Leider ging keiner der Herren auf diesen Vorschlag ein. Die Ver- sammlung zog sich noch bis weit nach Mitternacht hin und ging schließlich unter allgemeinem Lärm resultatlos auseinander. Neu-Weißensee. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde der Genosse Garz eingeführt. Bei der Einführung betonte der Gemeindevorsteher, er bedauere, daß er die Einführung nicht schon ftüher vornehmen durfte, da aber durch den Entscheid des Ober-Verwaltunasgerichts alle Zweifel über die Angesessenheit gehoben seien,>0 sei doch jetzt Klarheit geschaffen über die Ans- legung des Z 41 der Landgemeinde-Ordnung, das gereiche nicht nur Weißensee sondern auch andren Gemeinden zum Vorteil.— Dann wurde die Aufnahme einer Anleihe von 500 000 M. beschlossen. Diese soll zur Deckung für �nachstehende Posten dienen: Ankauf des Grundstückes Albertinenstraße 6 135 000 Mark, Bau des Dienstgebäudes 125 000 Dkark, für Straßenpflasterunge» 100000 Mark, Bau eines Armenhauses 60 000 Mark, Restzahlung für die Kläranlage 20 000 M., für Aufftellung von Anschlagsäulen, Bedürfnisanstalten usw. 10000 M., zur Stärkung des Betriebsfonds 50 000 M. Die Anleihe wird der Liegnitzer Kreis- Sparkasse entnommen, mit 35/8 Proz. verzinst und mit 1 Proz. amortisiert.— In der Prozetzsache eines Grundbesitzers gegen die Gemeinde wurde einem Vergleich zugestimmt. Der Betreffende führt den Prozeß bereits seit 9 Jahren wegen Entwertung seines Grundstücks, da durch die wohl nicht ordnungsgemäße Verlegung der Röhren der Kanalisation, bei starken Regengüssen sein Grundstück regelmäßig überschwemmt wurde. Da der Prozeß für die Gemeinde ungünstig steht, werden dem Besitzer 4000 M. gezahlt, hinzu kommen noch die Kosten des Rechtsstreits in ungefährer Höhe von 3000 M. „Die Sünden der Väter rächen sich an ihren Kindern."— Die Vergebung der Abfuhr des Straßenkehrichts zeitigte eine längere Debatte, weil auf die Ausschreibung zwei Gebote in ver- schiedener Höhe einliefen und durch Verstoß eines Mit- gliedes der Kommission wider Treu und Glauben der höhere Submittent von dem niedrigen Gebot Kenntnis erlangte und dem- zufolge sein Gebot in gleicher Höhe änderte. Unsre Genossen be- nutzten die Gelegenheit, auf die Schädlichkeit des Submissions- Wesens hinzuweisen und empfahlen, die Abfuhr in eigne Regie zu übernehmen. Jedoch fanden sie nicht das richtige Verständnis bei den bürgerlichen Herren. Meinte doch einer von ihnen:„Da müßten wir erst Pferdeställe bauen und dann ist es mit dem Pferdekaufen auch so eine eigne Sache" und dergleichen mehr. Solche Intelligenzen sitzen an der Grenze der deutschen Metropole in der Gemeinde- Vertretung. Das Projekt des Anschlusses der Gemeinde Weißensee an die Ä a n a l i s a t i o n s a n l a g e von Neu-Weißensee ist insofern gescheitert, als Weißensee den von uns vorgelegten Entwurf ab- lehnte und neue Anträge stellte, welche der bestehenden Kommission zur Erledigung überwiesen wurden. Für das Rixdorfcr Gewerbegcricht werden die Ersatzwahlen für die ausgeschiedenen und auszulosenden Beisitzer im Februar statt- finden. Der Wahltag ist noch nicht bestimmt. Im Anschluß an die nächste Sitzung des Gerichts wird die Auslosung des Beisitzerdrittels erfolgen, das m diesem Jahre auszuscheiden hat.— Prozesse wurden 572 im Jahre 1903 beim Gewerbegcricht Rixdorfs anhängig gemacht, gegen 436 im Jahre 1902. Das Gericht erledigte: durch Ver- gleich 208, durch Anerkenntnisurteil 16, durch Versäumnisurteil 59 und durch sonstige Endurteile 110. Für ruhend erklärt wurden 42 Klagen, 79 wurden zurückgenommen und 31 mit andren Klagen verbunden, eine einem andren Gericht überwiesen. Von den bereits 1902 angesttengten Klagen schwebten beim Beginn des Jahres 1903 noch 58. Sie erledigten sich wie folgt: durch Vergleich 6, durch Versäumnis- urteil 8, durch ordentliches Endurteil 11.— 24 wurden für ruhend erklärt und 9 zurückgenommen.— Auf das Baugewerbe entfielen die meisten Steitigkeiten, nämlich 193 der angesttengten 572 Klagen. Es wird deshalb an leitender Stelle gewünscht, daß das Baufach bei der Besetzung der Beisitzerstellen verhältnismäßig berücksichtigt werde. Das geht namentlich die Arbeitgeber an, die nicht genügend durch Leute aus dem Baugewerbe vertteten sind. Steglitz. 7000 M. für Errichtung zweier Scheunen auf dem Rieselgut Klein-Zielhen, 5000 M. Nachbewilligung für Stratzcn- reinigung, desgleichen 3000 M. für Verschönerung der öffentlichen Plätze und rund 770 M. für Mehrbeittäge zur Witwen- und Waisen- lasse, ferner 3000 M. für Notstandsarbeiten. 2000 M. für ein Kaiserbild im Rathaussaal, 100 M. für M u s i k und Ans- schmückung des Rathaussaales gelegentlich des Kaiser- aeburtstag- Festessens, 500 Mark ftir ein halbes Freibett für in der zu errichtenden Lungenheilstätte der Provinz Brandenburg— das war das Resultat der Beratung der ersten acht Punkte der Tagesordnung der letzten Gemein oevertreter- Sitzung. Daß danach das Gesuch der Gemeindeschullehrer um Gehaltsaufbesserung und dasjenige der unverheirateten Gemeinde- schullehrer um Gleichstellung mit ihren verheirateten Kollegen in Bezug auf Wohnungsgeld aigelehnt wurde— du lieber Himmel, das ivar eben das Pech unsrer Jugend- erzieher, daß diese Sachen erst als Punkte 10 und 11 der Tagesordnung standen: die Versammlung konnte doch nicht den ganzen Abend Geld bewilligen, wenngleich unsre Finanzen sehr günstig stehen sollen. Wenn man außerdem die Gründe gegen die Gesuche der Lehrer berücksichtigt und beherzigt, daß denselben„erst im Vorjahre die Alterszulagen um 25 M. erhöht wurden" und es „für einen unverheirateten Lehrer leicht ist, ein Zimmer für 30 M. monatlich zu bekommen", so daß er„von den 400 M. Wohnungsgeld sogar noch bare 40 M. sparen kann", so wird man der Mehrheit für die Ablehnung nur dankar sein können. Zum Schluß wurde noch eine Kommission gewählt, welche sich mit der Frage der Errichtung eines kollegialen Gemeindevoxstandes be- fassen soll. Adlershos. In der letzten Sitzung der Gemeindeverketu«> wurde das Ortsftatut betr. die Gewährung von Ruhegehalt fftB die Gemeindebeamten einer Abänderung unterzogen. Es wurde fest» gesetzt, daß bei Militäranwärtern deren bisherige militärische Dienst» zeit bei Gewährung des Ruhegehalts in Anrechnung kommt, während diejenigen Beamten, welche nicht Militäranwärter sind, einen An» spruch auf Ruhegehalt erst durch 10jährige THättgkett am Ort erwerben.— Ein Antrag des Gemeindevorstehers aus Be» sörderung von Beamten und Gründung der erforderlichen Stellen wurde von der Verttctnng abgelehnt, doch wurde dem Beamten, der das Armenwesen bearbeitet, eine Stellen» zulagc von 200 M. jährlich bewilligt.— Als im letzten Frühjahr die Straßenreinigung in Submission ausgeschrieben wurde, machten auch die Kuhnertschen Eheleute in Köpenick ein An» gebot in Höhe von 1200 M., welches hinter dem niedrigsten Adlers« hofer Angebot um 1300 M. zurückblieb. Die socialdemokratische» Vertreter wiesen schon bei der Vergebung darauf hin, daß bei einem derartigen Angebot unmöglich auf gute Reinigung zu rechnen sei, oder aber die Bezahlung der Arbeitskräste vollständig ungenügend sein müsse; doch wurde gegen die Stimmen der Social- demokraten den, niedrigsten Angebot der Zuschlag erteilt. In der letzten Sitzung lag nunmehr ein Antrag des Unternehmers auf Nachbewilligung von wöchentlich 10 Mark vor. Nachdem sich die socialdemottatischen Vertteter gegen den An» trag ausgesprochen hatten, Ivurde er der Straßenbau-Deputation zur Prüfung überwiesen. Hoffentlich wird die Deputation konsequent genug sein, die M lehnung dieser Forderung zu be» antragen.— Bei der Auslosung eines GemeindeverttetcrS, an welcher auch unser Parteigenosse Kretschmar beteiligt war, traf daS Los den Vertteter der l. Abteilung Herrn Kriesch. da aber der frei« sinnige Vertteter der HI. Abteilung. Herr Wießner, zum 1. April er. ausscheidet, wird die Beteiligung unsrer Partei an der G e m e r.n d c« vertreter-Wahl im März davon abhängen, ob wir in der Lage sind, einen geeigneten Hausbesitzer als Kandidaten aufftcllen zu können. Aus der Spandaucr Stadwerordneten- Bersamvilung.„Nichts gelernt und alles vergessen" scheint die bürgerliche Mehrheit der hiesigen Stadtverordneten zu haben, denn sonst würde sie nicht schon wieder unsre Parteigenossen in der Versammlung so dreist heraus« gefordert haben, wie dies bei den Ausschuß- und Deputattons- wählen in letzter Sitzung geschah. Obgleich unsre Parteigenossen zufolge ihrer Stärkezahl Anspruch auf mindestens je zwei Sitze in den einzelnen Ausschüssen zc. erhoben, gestand man uns doch nur einesteils einen Sitz zu, oder aber man schloß die Socialdcmottaten von verschiedenen Posten überhaupt aus. Stadtv. Pieper legte namens unsrer Genossen gegen dieses Ver» fahren entschiedene Verwahrung ein und Stadtv. R i e g e r appellierte an die öffentliche Meinung, welche über diese eklatante Mißachtung der Rechte der Minderheit richten solle. Eine längere Debatte rief die Magistratsvorlage bett. Aeudc« rung der U m s a tz st e u e r- O r d n u n g(Erhöhung der Umsatzsteuer für unbebaute Grundstücke von 1 Proz. auf Iftz Proz.) hervor. Unsre Parteigenossen traten durch Müller, Ducksch und R i e g e r entschieden für eine weitere Erhöhung dieses Steuersatzes um Va Proz. d. i. auf 2 Proz. ein! Dieser Anttag wurde jedoch abgelehnt, ebenso— allerdings mißverständlicher- weise— die Magistratsvorlage. Diese soll nun dem» nächst erneut eingebracht werden. Nahezu zwei Stunden lang Beschäftigte sich alsdann noch die Versammlung in geheimer Sitzung mit dem socialdemokrattschen Anttag auf Einsetzung eines Ausschusses zur Untersuchung der gegen die Verwaltung der städtischen Gasanstalt vorliegenden Beschwerden. Der Anttag, der sehr eingehend von unserm Genossen Rieger begründet wurde, erfuhr— wie dies bei dem oft genug bewiesenen Charakter der Versammlung kaum anders zu erwarten war— Ablehnung, wohingegen die bürgerliche Mehrheit folgende Vertrauenskundgebung für den Magistrat votterte: „Auf Grund der Verhandlungen in der heutigen Stadt« verordneten-Sitzung, insbesondere der umfassenden Erklärungen des Magistrats, und den von der Gasdeputation geführten Ver» Handlungen hält die Stadtverordneten-Versammlung die gegen den Magistrat und Magistratsmitglieder in der Oeffentlichkeit vor- gebrachten BesHwerden für unbegründet und kann daher die beantragte Einsetzung eines Untersuchungs-AusschuffeS nicht für notwendig erachten." Rixdorf. Beim Kaiser Friedrich-Realghmuasium und der Ober» Realschule fanden bisher Einschulungen von Anfängern nur immer zum April statt und wer nicht versetzt wurde, kam wegen deS Mangels von Wechselconten um ein ganzes Jahr zurück. Der Ab- änderung dieses Uebelstandes war die städttsche VerwalwngS» Deputation für die höheren Lehranstalten Rixdorfs schon vor längerer Zeit näher getreten. Es kam schließlich auch zu einem Beschlüsse auf Einführung von Wechselconten. Der Magisttat hat jetzt den Beschluß der Deputation genehmigt, der vom kommenden 1. April ab zur Durchführung kommen soll.. Neueinschulungen können nunmehr auch im Ottober erfolgen.— Der Magisttat sttmmte auch den Beschlüssen der Deputatton zu. welche die AuS- führung eines Erweiterungsbaues der Anstalt auf dem angrenzenden Terrain bezwecken. Durch den Bau sollen die Räume zum völligen Ausbau einer der beiden Lehranstalten und zu einer für beide An- stalten genügenden Vorschule beschafft werden.— Zum Decernenten der städtischen Bettiebs- Krankenkasse ist Stadttat Weinreich ernannt worden.— Der Magistrat lehnte ein Gesuch der in städtischen Be» trieben beschäftigten Personen ab, welches dahin ging, ihnen An- stellung aus Lebenszeit mit Pensionsberechtigung zu gewähren. Dem Kommlssionsbeschlusse auf Festsetzung einer Lohnskala für das Personal der städtischen Pflcge-Anstalten wurde zugesttmmt. Die Verlängerung der sog. Prachtstrahe Schöneberg-Friedenau» Steglitz nach Groh-Lichterfelde hinein ist nunmehr gesichert. Ii, der vorgestrigen Sitzung der Grotz-Lichterfelder Gemeindevertretung wurde eine Vorlage des Gemeindevorstehers in 1. und 2. Lesung angenommen, welche die völlige Umwandlung der unansehnlichen, schlecht oder gar nicht gepflasterten Chausseesttaße in eine vornehme Hauptverkehrsstraße bezweckt. Diese wird sich an den Steglitzer Aus- läufcr der Prachtstratze anschließen und bei einer Breite von 32 Meter, die nur auf der Lichterfelder Dorfaue eine Einengung erfährt, bis zum Schnittpunkt der Drake-, Zehlendorfer- und Teltowersttaße i» einer Länge von 2450 Meter geführt werden. Die Rummelsburgcr Gemeindevertretung hat in ihrer vor- gesttigen Sitzung beschlossen, die Zahl der Schöffen von vier auf sieben und die Zahl der Gemeindevertteter von 15 auf 24 zu er- höhen. Die Neuwahlen sollen im Miirz stattfinden. Auf die An» frage der Gemeinde an den Lmidwirtschaftsminister, warum der Gemeinde Rummclsburg die Viehmärkte genommen wurden, ist jetzk eine Antwort eingegangen. Die Rummelsburger sanitärpolizeilichei» Einrichtungen werden darin als ungenügend und die von Friedrichs- felde geeigneter für die Abhaltung der Viehmärkte bezeichnet. Vermischtes. Hinrichtung einer Frau. Die Wirtsfrau Przygodda aus Röblau, die wegen Ermordung ihrer drei Ehemänner zum Tode ver- urteilt worden war, ist gestern früh in Allenstein hingerichtet worden. Die große Ueberschwemmung in Blocmfontein, über die wir schon kurz berichteten, ist durch Bersten des außerhalb der Stadt ge-- legenen Wasserbehälters, der durch anhaltende Regenfälle überfüllt war, verursacht worden. Zwanzig bis dreißig Personen sind er- trunken. 176 Häuser wurden zerstört. 197 Personen sind obdachlos und erhalten von den Gemeindebehörden und der gesetzgebenden Versammlung Unterstützungen. Im Schneesturm entgleist. Wie aus Wien gemeldet wird, ent- gleisten infolge eines orkanartigen Schiieosturmcs bei Mroviace zwischen Sini und Spalato die Lokomotive und oicr Wagen eines Zuges und stürzten von dem 20 Nieter hohen Bahndamm hinab. Ein Reisender wurde getötet, zwölf verletzt. uächke Zlummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. �(£�e�att Niir den Inhalt der Inserate ttbernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zheatcr. Mittwoch, den 20. Januar. Ansang?>/, Uhr: Reues«önigl. Opern- Theater. Manon. Echauspislhans. Im stillen Gäßchen. DentfcheS. Rose Bernd. Berliner. Mt-Scidclberg. Lessing. Zapsenstrcich. Westen. Martha. Nenes. Minna von Barnhelm. Residenz. Der keusche Castmir. Central. Das Schwalbennest. Thalia. Der Hochtourist. Belle-Alliance. Der reichste Ber- liner. Anfang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.) Der Kompagnon. Schiller X.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Kollege Erampton. Luisen. Der Sohn der Wildnis. Kleines. Elektro. Trianon. Madame X. Carl Weih. Die Kreuzclschreiber. mpollo. FriihlingSIust. Blüten- Hochzeit. Spccialitätc». Sehr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Reichshallen. Stettiner Sänger. Deutsch. Amerikanisches. Uebcr'n großen Teich. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Casino. Wie einst im Mai. Die Wenzel. Winter- Garten. OtSro. Otto Reutter. Specialitäten. Passage> Theater. Enthauptung. Specialitäten. Ansang 8 Uhr. Urania. Taubenftras?e 48/gS. Der Erdball als Träger des Lebens. Um 4 Uhr: An den Seen Ober- italiens. gm Hörsaal abends 8 Uhr: Prof. Müller:„Unser Ohr und seine Einrichtung". Jutialide,»strafte 67/63. Stern. warte. Täglich geöffnet von 7 bis ll Uhr._ Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Minna von Barnhelin. Ansang 7V, lihr. Ccntral-Theater. Täglich 7'/, Uhr: Das Schwalbennest. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Kinder- Vorstellung, jeder Erwachsene ein Kind srci. Halbe Preise: Der gestiefelte Kater. Märchenspiel in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. l.ujLe«-7lls»ler. Abends S Uhr: vor Salin der Wildnis. Donnerstag; Othello. Freitag zum erstenmal: Kean. Sonnabend: Der Veilchensresser. Sonntagnachm.: Der Veilchensresser. Abends: Kean. Montag: Der Veilchenfresser._ Meiy-Theickr Direktion S. Lautenburg. Heute und folgende Tage: ». Anfang 7'/, Uhr. Deutsch-Amerikanisches Theater. Anfang 8 Uhr! Zum 145. MALE: Köpnickerstr. 67 GASTSPIEL AD. PHILIPP Ueder'n GROSSEN TEICH Apollo-Theater. Um 8 Uhr: Frühlingsluft mit dem reizenden Ballett BlUtenhochzelt. 9'U Uhr: Die glänzenden Jann»r-8pecialitilten. Programm; Selma Braatz. Mist Blanche Sloan. X Les Perez. LiNle Pich X X Martin Kettner mit neuen Schlagern. Messters Biophon und Kotmograph. Nene Bilder-Serie. MT Anfang 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. I Direktion: Robert Dill. Brannenstrazae 16. Dos bemooste Hiilipl. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Donnerstag: Benefiz für Arthnr Seelen. Onkel ßräsig. Schiller-Theater. Schiller- Theater O. (Wallner-Thcater). Mittwochabend 8 Uhr: Der(Kompagnon. Lustspiel in 4 Akten v. Ad. L'Arrongc. Doirncrstagabend 8 Uhr: Ein Duell. Vorher: Ein Sonnenstrahl. Freitagabend 8 Uhr: Die Stützen der Geseiischait. Schiller-Theater X. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Itallege Urampten. Komödie in 5 Akten von Gerhart Hauptmann. Donnerstagabend 8 Uhr: Triel Acosta. Freitagabend 8 Uhr: Urlel Acosta. Thalia-Tlieater. Belle-Älliance-Tbealer. Dresdencrstr. 72/73. Amt IV 4440. Bellc-Allianccstr. 7/8. Amt VI 283. Direktion Jean Kren und Alfred SchSnfeld. Heute und folgende Tage 7'/, Uhr: Der Hochtourist. Dulde Thielsoher in der Titelrolle. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Charleys Tante. Heute und�solgcnde Tage 7'/, Uhr: Der reichste Kerlmer. Grogs ZluSstattungS-Poffe in 4 Akten. Sonntagnachm. 3 Uhr: ILrehse. Hieraus: Der Rauh der Sabinerinnen. CirUns Schumann. Oeffnung 6 Meter. Immer daS Original. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Um 4 Uhr(kleine Preise): An den Seen Oberitaliens. 8 Uhr; Prof. Müller:„Unser Ohr und seine Einrichtung." Sternwarte SlSS: Heute zum 50. Male: Die grösste Ausstattungspantomime der Gegenwart. E'ne Wanderun3 durch acht ELB<£a Bv£ B■ Jahrtausende, Herrn Jnllns Seeths einzig dastehende S5 männlich dressierte LOwen. 95 Immer das ücneste. Sie phänomenale offene Loop. Createur Möns. Anclllnttl. CASTANS PANOPTICUM Priodrichstr. 165. Ein Naturwunder: Die bildschönen Ilerkules- Brüder Der Indianer Biese Mianko Karoo. /\LT- CHlNfi Xitiist-Jittsstetinng Täglich geöffnet tO-8. Kntree 1 W.» Sonntag SO Pf. Passage-TMer. gs 3 Uhr, Wochen- Anfang der Abend- Anfang tags S Sonntai Uhr. Vorstellung 8 Uhr. €ntl)auptung einer lebenden Dame! Willy Prager mit seinem Schlager: Die kleine Garnison. 14 neue erstklassige Nummern. Metropol-Theater Ortliii Radi Ai! Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Seena gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Im 4. Bilde: ■PST* Grosses Ballett-MM Wie damals im Monat Mal. Anfang 7ll, Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonnabend, den 23. Januar 1904: II. grosser Metropol-Theater- Ball. Palast-Theater Burgstrafte 83, früher Feen-Palast. Heute abend 8 Uhr: Benefiz fili- Hans Reitz u Karl Pohlig. Zum erstenmal: Das JVIUUoiicntnädcl. Lebensbild mit Gesang in 5 Bildern von Jacobson und Willen. Sperner, Schlosiermstr.: Hans Reilz. Jules Arthur Süffmund: K. Pohlig, Austreten erstklassiger Specialitäten. Nach der Vorst.: Familienkränzchen ohne jede Nachzahlung. Morgen abend 8 Uhr: Das Millionenmädel. Freitagabend 8 Uhr: Eliievorsteüung: Othello. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Ps. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Llvliiti's. Ansang 8 Uhr. Kasino-Theater. Lothrlngerslr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/,. Wie einst im Mai. Schauspiel mit Gesang in 2 Akten. Dazu neu: Die Wenzel und das brillante Fanuar-Programm Sonntagnachm. 4 Uhr: Der vertauschte Lohn. Trianon-Theater. Gcorgcnstrnffc, zwischen Friedrich- und UnioersitätSstraffc. Madame K. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachmitiag:„Biscotte." Carl Weiss-Theater. Grefte Frankfurter Strafte 133. Vorletzte Woche deS Oberbahrischen Baucrn-TheaterS. Ter Urcuzclschreiber. Vollsstück mit Gesang und Tanz von L. Anzengrubcr. segr Anfang 8 Uhr.-Wg Donnerstag: Die Uni von Oberammergau. Gebrüder Herrnfeld- Ansang 8 Uhr. Theater.T?,;? „Wieder ein neuer grosser Erfolg!" lautet die einstimmige Kritik der gesamten Presse über die St. und D. Herrnscldsche Novität: Zwei Slkte ans einer Ehe mit den Autoren in d. Hauptrollen. Ferner: Januar-Attraktionen mit Bendi». Vorvcrkaus 11—3 Uhr mittags. Fröbels Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: Wilhelm Fröbel. Jeden Sonntag 5 Uhr: Grosse Extra- Vorstellnng Zimmermanns»0MM. BKlW. Um 10 Uh�c: Grosser Ball Entree 30 Sperrsitz 50 Ps. Linien- strasse 132 STen! Bas Oranienburger Thor. >cii: teure Vaterhaus. Lebensbild von Fritz Steidl. Letzte Woche: „Der grosse Cohn". Ans. 8 Uhr. Sonnt. 7 Uhr. Hönigsfadt-Kasino Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Täglich: Franz 8obanskt. Mita Roseiii. Georg u. Pepi Wagner. Bertoletti—Miillardo— Renas. Zum«chluß:$ 3. Zum Schluß. Zeitkomödic mit Gesang. Nach der Borstellung: Mittwochs, Sonnabends u. sonntags: Tanz. IX. Berliner 8alson. CirknsSnseti. Zum 38. Male: Aus den Alpen. Besonders bemerkenswert: Der Antomobilstarz. Die Original- Offene Schleife s8 Meter Sprung). — Ar. Blehard Sawadc— mit seiner berühmten %!>-. Löwen- und Bären-Dressur. Die besten Clowns der Welt: Gobert Helling. Gebrüder Fratellinl u. AI fr. Daniels. Bernhard Bose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Mittwoch, den 20. Januar 1904: Der jüngste Lieutenant. Posse mit Gesang in 3 Akten von E. Jacobson. Anfang 8 Uhr. treues Programm: Harry Rochez Hundedresseur. Wood u. Rates Amerik. Excentrice. Lorraine s Lebende Bilder. Die beiden Freydos Gymnastiker. Cook u. Clinton Amerik. Kunstschützinaen. Meers u. Omo Drahtseilkünstler. Otto Renttcr Humorist. 8alerno Meister-Jongleur. Annette Gillard Pariser Opemsäng. ffllle. Oltro"KSiS in ihrer Pantom.„Opiumrausch". Komischer Hypnotiseur. Tharesos „Karnevalsgeister" Biograph. Wiener Ballett. EMlissentkut KtWelchltgen Borltzplatz. Im Kaisersaal: Künstler- Ensemble „X ordsterne" unter Leitung b. Herrn Rudolf Schauss. Kassenerössn. 5 Uhr, Ansang V.7 Uhr. Entrec 50 Pf. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchc«. In den unteren Sälen: Görisch-Kouzert und Bockbterfeft. 8s»»88VA»«ti. Kottbnser Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Hofflnanns Norddeutsche Sänger und Tanzkrünzchen. Neu! Neu! Grilneberg, gehn Sie mit nach s Eierhaus, VorzugSlarten an allen Wochenlagen gültig. Jeden Dienstag: Theaterabend. S»»»«»««««»»«««»««!» GermaniaPractitsälei; i Chausseesir. 103. Arnold Scholz. Jede» Mittwoch: -GS!! Sl v: S � --« x»« s 2 ~ CÄ( CS( «( Ansang 8 Uhr. Entree 30 Ps.| Vorzugskart cn gelten. Reichs hallen Stettiner Sänger. ZUr örObc!«anrm«Rtr - y*»«r V«l«! empf. aegc» Nachnahme od. vvrh. Kaha i Feist Anmneeeynhr.Fochv, Solingen, Siahlwarensadrik und Wcriand. Viamantstastl-Raiiruirliei M. Z.—. dc«gl. Silberstahl M 2.— mit Etui. Streichriemen mit PastaM I.Zn.Pinlel u.Nav|»v.50. Seist 0.2!. Abziehstein M. 2 i0. Kompl. Stahe- garnitur in feinem stui M. 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Oktober 1902.... 905 Im Laufe des Jahres eingetreten.. 133 1033 Mitglieder Ausgeschieden durch Verzug usw.... 79 Stand am 14. Oktober 1903...... 959 Mitglieder 8 976,41 3 280,03 Die GeschästSguthabcn der Mitglieder betrugen am 15. Oktober 1902......... M. Zuwachs im Jahre 1902/03...... Gesamtbetrag am 14. Oktober 1903.. Die Haftsumme der Mitglieder betrug am 15. Oktober 1902........ Zuwachs im Jahre 1902/03..... Gesamtbetrag am 14. Oktober 1903... M. 28 770,— Ter Borftand. 105/10 E. K u r t h. A. Seilt n. F. P a s ch e. Charlottenburg, 19. Januar 1904. M. 12 236,49 M. 27 150,— „ 1 620,— Konigsberger W Lotterie. Staatlich gonehmigt. Zichnng 16. n. 17. Februar 1004. 1 1 386 ueld-Gewinne im Betrage von 267500 Mark bar. Die Hauptgewinne sind: 40 100000, 20000, 10000, 5000, 3000 Mk. 4037L' ____ etc. Lose a 3 Mk.(Porto n. Liste SO Pf. extra/empfehlen und 1 and Briefmarken[ Berlin W. Friedrichsir. 193/199, Ecke Krausenstr. versenden auch gegen Nachnahme Werner& Co., ä. 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Viele Besucher fanden keinen Einlaß mehr. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung ehrte man das An- denken der verstorbenen Mitglieder Daus, Brinck und Zander in der üblichen Weise. Dann nahm Genosse Singer das Wort. Er bc- trachrete zunächst die W a h l k ä m p f c des verflossenen Jahres. Das gewaltige Anwachsen der bei der R c i ch s t a g s w a h l abgegebenen focialdemotratischen Stimmen sei der Ausdruck der in den weitesten Kressen des Volkes herrschenden Unzufriedenheit mit der Politik, welche die Regierung, unterstützt durch die bürgerlichen Parteien, treibt. Der Stillstand, ja der Rückgang auf dem Gebiet der Social- reform, die Begünstigung einer kleinen Minderheit Besitzender und die Schädigung der großen Masse der Besitzlosen durch die Zollpolitik, das Bestreben, die Arbeiterbewegung mederzuhalleir.- das seien die hauptsächlichsten Gründe, weshalb das Volk mit der Regierung un- zufrieden ist. und sich deshalb auf die Seite der Socialdeniokratie stellt. Nicht in letzter Linie erzeuge auch die fortgesetzte Erhöhung der Aufivendungen für Militär, Marine und fiolonialpolitit die Unzufriedenheit der breiten Massen, und so sei nichts natürlicher. als daß sich der Socialdemokratic, welche diese Politik von jeher bekämpft hat, neben den Stimmen der eigenen Anhänger auch die Stimmen derer zuwenden, die mit der Politik der Regierung und der herrschenden Parteien nicht einverstanden sind.' Wohin die deutsche Kolonialpolitik führt, das werde uns jetzt durch die Vor- gänge in Deutsch-Südwest-Afrika vor Augen geführt. Der Reichs- kanzlcr hat einen Kredit gefordert zur Bekämpfung des Aufstandes des Eingeborenen. Natürlich wird das Deussche Reich in der Lage sein, die armseligen Neger zu zerschmettern, aber das zerstörte Bc- sttzmm der deutschen Ansiedler kann dadurch nicht wiederhergestellt werden. Die deusschcn Soldaten werden nun als Rachecngcl in Afrika auftreten. Dieser Rachezug wird der Anfang der Kolonial- kriege sein, welche die notwendige Folge der deutschen Kolonialpolitik sind. Wir loerden dahin kommen, eine Kolonialarmee zu errichten, welche die Last, die der Militarismus dem Volke auferlegt, noch vermehrt und eine Quelle des Leidens für das deutsche Volk imrd! Es wird dahin kommen, daß in der Geschichte der deutschen Kolonial- volitik jedes Blatt mit Blut beschrieben ist. Diese Kolonialpoliiik, besonders aber die Zollpolitik der Regierung hat das Volk auf- gerüttelt, und es will, indem es für die Socialdemokratie stimmt, die Folgen dieser unseligen Politik abschütteln. Nach der Betrachtung der Rcichstclgswahlen sei ein Blick auf die preußischen Landtagswahlen gelvorfcn. Daß wir keine Mandate erhalten haben, das hat diejenigen, welche dieser Wahl von Anfang an mit kühler Ruhe gegenüberstanden, nicht überrascht. Es fehlt eben bei der Landtagswahl das, was unfern Erfolg bei den Rcichstagswahlcn verbürgt: das gleiche Wahlrecht.— Bei dieser Gelegenheit— sagte der Redner— will ich auch im Hinblick auf die Interessen der Partei den Genossen des vierten Berliner Reichs- tagswahlkresses danken, Ivelche die Wahlagitation zum Reichstage organisiert und es durch ihre aufopfernde Arbeit dahin gebracht haben, daß Berlin IV mit an der Spitze der deutschen Social- demokratie marschiert.— Die preußischen Landtagswahlen haben bewiesen, daß unter dem Dreiklasscnwahlsystcm eine gerechte Vcr- tretung des Volkes nicht zu erwarten ist. Wenn es uns auch nicht gelang, Kandidaten durchzubringen, so hatte unsre Wahlbeteiligung doch das Gute, daß den Massen die Augen geöffnet wurden über die volksfeindliche Natur dieses Wahlsystems. So lange dieses Wahl- shstem herrscht, kann der Geist der Freiheit und des Fortschritts in den preußischen Landtag nicht einziehen, und es ist auch nicht zu erlvarten, daß durch den Landtag das Wahlsystem verbessert wird. In dieser Hinsicht kann nur der Reichstag Abhilfe schaffen durch ein Gesetz, welches bestimmt, daß die Lemdtagc der Einzelstaatcn auf Grund der allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl zu- sammengcsetzt werden.— Wir, die als Gegner der Wahlbeteiligung zum preußischen Lairdtag uns als Parteigenossen dem Parteitags- bcschluß fügten, haben auf Mandate nicht gerechnet. Trotzdem brauchen wir die Agitation und die Arbeit, welche uns diese Wahlen verursachten, nicht zu beklagen. Auch diese Wahlarbeit war nicht vergcbeUs, denn sie hat die Zahl unsrer Anhänger vermehrt und unsre Reihen gestärkt. Wir können mit dem Erfolg zufrieden sein. DaS sage ich nicht, weil ich hinsichtlich der Landtagswahl meine Ansicht geändert habe, sondern weil ich dies für den einzigen Nutzen hielt, den uns die Landtagswahl bringen konnte. Wir in Berlin brauchen uns gar nicht über die Ergebnisse der Wahlarbeit zu beklagen. Wenn der Südosten zum vierten Landtagswahlkrcise gehörte, dann hätten wir ihn jedenfalls erobert. Besonderes Lob gebührt auch den Ge- nosscn des dritten Landtagswahlkreises, die nahe daran waren, den Kreis aus eigener Kraft zu erobern.— Nach dem Ausgang der Landtagswahlen werden auch denen die Augen geöffnet sein, ivelche sich in dem Glauben wiegten, daß von dem bürgerlichen Liberalismus eine ernsthafte Bekämpfung der Reaktion zu erwarten sei. Wer dieses Glaubens war, wird jetzt eingestehen müssen, daß auf den Liberalismus keine Hoffnung zu setzen ist. Diese Er- kcnntnis ist auch ein Erfolg der Wahlen. Eine weniger bedeutende Erscheinung im vergangenen Jahre sind die S t a d t v c r o r d n e t c n- E r s a tz w a h l c n, wo die Socialdemokratie ebenfalls geschlossen gegen die bürgerlichen Parteien vorging, um die dritte Wählcrklasse mehr und mehr für die Arbeiter zu erobern. Nach der Betrachtung der Wahlkämpfe beleuchtete Genosse Singer die gegenwärtige Situation. Anknüpfend an die Rede des Reichskanzlers gegen Bebel meinte der Redner, man könne ein Gefühl der Beschämung nicht unterdrücken, wenn man sieht, mit welcher Unkenntnis der erste Beamte des Reiches der größten Kulturbewcgung der Gegenwart gegenübersteht. Ein Gefühl des Ekels aber errege es, wenn die bürgerliche Presse dieses Auftreten des Reichskanzlers verherrlicht. Diese Borgänge beweisen, daß die bürgerliche Gesellschaft nicht im stände ist, die Socialdemokratie zu bekämpfen, und daß sie deshalb ihre Zuflucht zur Gewalt nehmen möchte. Es weht zur Zeit ein scharfer Wind gegen die Social- demokratie, so daß man sich in die Situation vor dem Socialisten- gesetz zurückversetzt fühle. Jedenfalls herrsche in matzgebenden Kreisen die Meinung, daß gegen die Arbeiterbewegung gar nicht scharf genug vorgegangen warben könne. Eine kleine aber mächtige Partei sehne den Augenblick herbei, wo die Staatsgewalt gegen die socialdemokratische Bewegung ins Feld geführt werden könne. Von unsrer Seite würde dazu jedoch keine Veranlassung gegeben werden. Was aber auch kommen möge: die Socialdemokratie werde den Weg, den sie bisher wandelte, nicht verlassen. Sie werde nicht säumen, durch positive Arbeit die Lage der arbeitenden Klasse in der Gegen- wart zu verbessern, sie werde dabei aber keinen Augenblick unter- lassen, Propaganda zu treiben für ihr großes Ziel: Beseitigung der bürgerlichen und Errichtung der socialistischen Gesellschaft. Keine Gewaltmaßregcln können die glühende Begeisterung für dieses hohe Ziel in den Köpfen und Herzen der Arbeiter auslöschen. Der Redner schloß seinen IV.stündigen, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag damit, daß er die Parteigenossen auf- forderte, den Wahlverein, als die Stelle, welche die Vorarbeiten für die Ereichung unsrer Ziele zu leisten hat, zu stärken, damit die Organi- sation auch in Zukunft ebenso erfolgreich für die Parteiintcrcssen wirken könne, wie sie es bisher getan hat. Zur Diskussion nahm niemand das Wort. In einer kurzen Pause, die nach dem Vortrag eintrat, ließen sich gegen 199 neue Mitglieder aufnehmen. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit dem Ausdruck der Befriedigung darüber, daß die erste Versamnilung, welche der Verein im neuen Jahre abhielt, einen so starken Besuch und einen so guten Erfolg aufweist, er wünschte, daß der Eifer der Parteigenossen auch im Laufe des Jahres nicht nachlassen möge. Eingegangene Drudtfdmften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dich' Verlag) ist soeben da? 16. Heft des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Die russische Hegemonie.— Ein sächsisches Jiiwel. Von Gustav Jaeckh.— Statistische lllachklänge zu den Reichstagswahlen. II. Von Akadeinikus.— Die Arbeiterbewegung im modernen Japan. Von Gustav Eckstein.— Der Kamps der Acrzte gegen die Krankenkassen. Von Dr. med. Georg Wagner(Hanau).— Acrzre und Krankenkassen. Erwiderung von Julius Frätzdorf(Dresden).— Die Forderung der sreicn Arztwahl. Von Dr. med. C.% Lehmann(München).— Notizen: Slerzte als Streik« brechcr. Von IC. IC.— Literarische Rundschau: Map Kraft, o. ö. Prosessor in Graz, Das System der technischen Arbeit. Von I. German. Brockhaus' Konversationslexikon. Von IV. Die„Nene Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- handlmigen, Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 6,26 M. pro Quartal zu beziehe». In der ZeiwngSprcislifte der Postanstalten ist die „Neue Zeit" unter Nr. 6675 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung." Bon den„Dokumenten des Docialtsmus", herausgegeben von Ed. Bernstein,(Stuttgart, Dich' Verlag) ist soeben das 1. Heft des lV. Bandes erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: I. Kritische Bibliographie des Socialismus. 1. In deutscher Sprache. Rat- geber für Arbeiter.— Die Nccordarbeit in Deutschland. Von Dr. Ludwig Bernhard.— Die erste Hilse bei Unglücksfällen. Von Dr. med. Ehristellc» Berlin.— Die Agrarfrage in der deutschen Socialdemokratie von Karl Magp bis zum Breslauer Parteitag. Von Dr. Wilhelm Cohnstädt.— Ausgaben der Gemeindepolitik.(Vom„GemcindcsocialismuS".) Von Adolf Damaschke. — Sechzehn Jahre in Sibirien. Erinnerungen eines russischen Rcvolukionärs. Von Leo Deutsch.— Solidarisnius. Natürliche wirtschaftliche Erlösung der Menschen. Von Rudolf Driefel.— Zur Lage der Hoteldicner.— Konsuln- genossenschasten und Mlttclstandspolikikcr.— Geschichte der deutschen Social- demokratie. Von Franz Mehring.— Meine Rechtsertigung. Ein nachtrees Secrdtariats Ouvriers en Allcrnagne. Von Dr. Andre Morizct.— De Szmdioalisme Ailemiind. Von Albert Thomas.— Da Quintessence du Socialisme. Von A. E. Schäffle.— 3. In holländischer Sprache. Trusts en ICartels. Von F. M. Wibant. II.'Aus der Geschichte des Socialismus. Der Rodbertl.lSsche normale WerkarbeilStag und die Rodbcrwsschc Utopie. IN. Urkunde.»» des Socialismus. Ein Persassungsentwurs der socialistischen Arbciicrparbei des Kantons Zlppcilzcll-Autzcrrhodcn(Schweiz). IV. Der SocialiömuS üi den Zeitschriften. V. Ansragcn und Nachweise. VI. Notizen. Die„Dokuincntc des Socialismus" erscheinen monatlich cmmal und sind durch alle Buchhandlungen, Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 2,25 M. pro Ouai lal zu bezichen. Das einzelne Hcst kostet 75 Ps. In der Zeitungspreisliste der Postanstallen sind die„Dokumente" unter Nr. 2206 eingetragen, jedoch ist bei der Post nur Ouartal-Woimcment zulässig. Sonntag, den 24. Januar, nachm. 3 Uhr: Ordentlichr Gktleral-Nkchmmlmlg m Jiowawes, Priesterstr. 31 bei Bernhard. TageS-Qrdnung: l. Berichte des Vorstandes, des Kassierers und der Revisoren. 2. Berichte der Funktionäre des Kreises. 3. Anträge: a) Antrag Schöncberg, betreffend anderweite Zusammensetzung des Vorstandes, d) Antrag, belrcffcnd An- flellung eines besoldeten Beamten, e) Antrag Nowawes: Die Genoffen find verpflichtet, sich in dem Wahlvereü» ihres Wohnortes zu organisieren. d) Anträge Ripdorf und Ichöncbcrg, bclreffend die Delegation zu den Generalversammlungen, e) Antrag Neu-Zittau, betreffend Landagiiation. ii Antrag Schöncberg, betreffend Ausnahme des Programms in die Mit- gliedSbücher. 4. Neuwahl aller Vorstandsmitglieder und Funktionäre. 5. Verschiedenes. 202/3" Jeder Verein ist berechtigt, bis zu drei Delegierten zu entsenden.— Gäste haben Zutritt.»er VOTstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Donnerstag, den£1. Januar 1994, abends 8'/, Uhr» in den„Armin-Hallen", Kommandantensw. 20: Krailchkli-Ncrs«iWlil«g der Mechliiiilitt. TageS-Qrdnung: 1. Vortrag des Genoffen Max Schütte. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet 110/11 Die Ortsverwaltung. Die Lebertran»Kur ärztlich empfohlen und anerkannt das Beste znr Stärkung und ti rii tYlgung blutarmer, schwäch- lieber Personen und Kinder. medizinal- Kinder-Mertran hcllgolden sorgfältig gereinigt und gellärt, von mildem Geschmack, wird gern ge- nommen und leicht vertragen. Der beste und wirksamste Lebertran geg. 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Jede Werkstatt mutz vertreten sein."MU Vertrauensmämier-Karte nebst Mitgliedsbuch legitimiert. Dfe Ortsverwaltnng. Donnerstag, den 21. Januar er., abends 8'/, Uhr, bei Pfeifer, Rosenthalcrstrafte Nr. 57:. Branchen-VersanimlünB der Stellmacher. TageS-Qrdnung: I. Vortrag de» Genossen Kiesel. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission und Neuwahl derselben. 4. Delegierten- Ausstellung zur In- nungs-Kraukenlasse und als Beisitzer zum Jnnungs-Schiedsgericht. 5. Vcr- schicdenes. Es ist dringend notwendig, daß diejenigen, die beim Jmmngimeister arbeiten, zu dieser Versamnilung erscheinen, um genügend organtsierte Kollegen als Delegierte auszustellen. Die Kommission. Charlottenburs:. Freitag, den 22. Jannar, abends SVa Uhr: Oeffentliche Versammlung im„BolkShanse", Rofincnstr. 3(großer Saal). Tages-Qrdnung:„Die Bedeutung der Gewcrbegerichte". Referent: Genosse Barteh. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um recht zahlreichen Besuch ersucht 202/4 Der Wahl-Ansschass. DrahtgeflechtsMim tüchtige, suchen t1l3b Carl Lernt£ Cbr. Ludewig, Andreasstr. 32, Portal 4, 2 Treppen. Dr. Siinmel, Specialarzt für[41/10* Bant- nnd Harnleiden. 10—2,6—7. Sonntags 10—12. 2— 1 ler Bau-, Eni- uod gewerbl. HiMeiter Deutsehl. Zahlstelle Berlin u. Umgegend. Bezirk Xordcn. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; der Kollege Emü Krtetsch am 16. Januar an der Proletarier- krankhcit gestorben ist. 32/8 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Begräbicksplatzes der Friedens- Gemeinde in Nieder- schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Centralverbanii der Handels-, Transport- u. Verkehrsarbeiler Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin I. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied der Kohienarbeiter Hermann Gröpler am 18. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nazarcth- Friedhofes, Reinickendorf, Berliner- stratzc 17 aus statt. 67/1 Um reg« Beteiligung ersucht vis Ortsverwaltung I. Rolfttabak! Sumatra, seinbraun, tadellos bren- nend, Vollblatt, grökte Decktraft, per Pfund nur 1,55 MD. empfiehlt Carl Koland, NO., 3 a Kottbuserstrasse Nr. 3 a. Todes-Anzeige. Am Sonntag, den 17. d. MIS., vormittags 10«/,, Uhr, entschlief nach kurzem Leiden unser Freund und Gönner, der Büffeticr in unsrem Verbandslokal «iolRaiin Regia im 37. Lebensjahre. Wir verlieren in ihm einen treuen Freund und Anhänger unsrer Verwaltung. Ehre seinem Andenken I Verb, deutscher Gastwirtsgehllfen. OrtSv. Charlottenburg. Die Beerdigung findet heute nachmittag 2'/, Uhr von der Halle des neuen Luiscn-Kirchhoses aus statt. Die Kollegen I reffen sick', ll/3 Uhr im Vcrcinslokal.[285/ BeerdigungsTerein Berliner Zimmerleulje. Am 17. Januar starb im Achter von 70 Jahren unser Miigfied, der Zimmerer, Herr Carl Grothe. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am 20. Januar, nachmittags 3»/, Uhr, vom Trauerhause Möckcrnsttohe 70 aus statt. Um rege Beteiligung erstecht 11196 Der Vorstand. Am 18. d. Mts. verstarb in der Charite der Tapezierer beo Schmidt an der Schwindsucht. Die Be- erdigung findet heute, Mittwoch- nachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Simeon« Kirch- Hofes in Brist aus statt. 4042L Seine altru Bekannten. Achtung! Mösl,». Achtimg! Mittwoch, den SO. Januar, abends 81/, Uhr. im Saale der Kronen-Branerel, Alt-Moabit 47/48 1 iroftr öfrntl. Fmktt-Uortmg. Nur Frauen nnd Mädchen reifere» Alters haben Zutritt. Thema: iSchMngerschaft. Geburt und WocheubeU. Referent: Herr Dr. M. Hirschfeld, Eharlottenburg. Jede Mutter und alle, die es werden wollen, sollten sich über diese Vorgänge unterrichten, die nicht nur sür die Frauen, sondern auch für die ins Leben tretenden Kinder von höchster Bedeutung sind. Ruht doch im Schöbe der Frau die Zukunft der Menschheit. Zu diesem interessanten und lehrreichen Vortrag bittet um zahlreichen Besuch 11205 Der Berein für Gesundheitspflege des Volkes Berlin-Moabit. Dr. Schfinemann Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, Mvz-delstir. 9. V.lS-'/j», Va«— 1/Ä®ontit.9-ll Ton der Reise Bnpttekt )432 Dr. F. Mainzer, Chanfseeftrafte Ztr. 81* Ächtung! Sonnabend, den 83. Januar 1904: Grosser Miener j�asken-Ball in den Fcstsälen des Herrn krocbnov, Wcbcr-Straßc 17. 12 Uhr Demaskierung.— 1 Uhr Kaffeepause. Es ladet freundlichst ein Der Vorstand. Billets sind bei den Werlftatt-Vertrauensleuten und an den bekannten Stellen zu haben. 103/13 D. O. Neues PlttMlkrullgsterrM 3>/. Meilen v. Centrum Berlins» 5 Mark pro □Rnte!! Stratzenland gratis, feinster Gartenboden, herrliche, gesunde Lage, verl. Scdulr, Rixdors, Lenaustr. 12, Suekdarilt, Ober« _ Schöneweide, Siemensstr. 9.• Anfang 8 Uhr. 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