Nr. 19. flbonncmentS'Bedingungen: Abonncmcnts- Preis pränuiiicrando! «iettegährl. S.M M5, monatt. 1,10 M5. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. einzelne Siuinmcr 5 Pfg, Sonntags, nummct mit illustrierter Somitags- Beilage„Die Neue Welt- 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Hilter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. 21. Jahrg. vi« Insertion!-Ledithr betrügt für die scchsgespaltcnc Kolonel- zcile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschasttiche Vereins- und Bcrsainmlungs-Nnzcigcn 25 Pfg. „Klelne Hnreigcn". das erste ssctt- gedruitte) Wort 10 Pfg., jedes lvcitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Puchstaben , zählen für zwei Worte. Inserate für die nächsic Nummer nuissen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben loerdcn. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet CrfdKint täglich»Her montags. Vevlinev VolksblÄkk. Telegramm- Adresse: „Sczlaltkmekrat Rerlln" Zentralorgan der fozialdemokratifcberi Partei Deutfchlarsds. Redahtion: SRI. 68. Ltndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Sonnabend, den A3. Januar 1994. Expedition: SM. 68, binden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Rußland und Japans IL (Schluß.) Rllßlauds Rivale in Ostasien. Japan, hat sich mit beispielloser Schnelligkeit aus einem nach außen hcnnetisch abgeschlossenen Feudal- staute, dessen Kulturelemente ihre specifisch chinesische Herkunft verrieten, in einen Militär- und Kulturstaat nach europäischem Muster verwandelt. Bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts hatte Japan alle Versuche Europas und Amerikas, das System schroffster llnzugänglichleit zu durchbrechen und Handelsbeziehungen anzubahnen, mit aller Entschiedenheit abgelehnt. Erst 1853 vcr- mochten amerikanische Kriegsschiffe die Regierung zu Deddo dazu zu bewegen, cincil FrcundschaftS- und Handelsvertrag mit den Bereinigten Staaten abzuschließen, der 1855 ratificicrt wilrde. Da das Eis einmal gebrochen ivar, nötigten nun auch die übrigen Mächte Japan zu ähnlichen Handelsverträgen. Zugleich fand die Missionsthätigkeit Einlaß in dem Jnselreiche. Diese zwangsweise Oeffnnng Japans für den Handel und die Mission führte nun.zur völligen politischen Umgestaltung des Landes. Die eigentliche Regierungsgeioall des Lande» lag bisher in den Hände» des Shogun, des mächtigsten der Vasallenfiirstcn, der DaimioS, der die Rolle des HauSmaierS spielte, während der Kaiser nur eine Schattengewalt verkörperte. Auch die Handels- vertrage waren von dem Shogun abgefchloffcn worden. Einer Anzahl der Vasallenfürsten gefiel die neue Politik nicht. sie suchten deshalb den Kaiser gegen den Shogun aus- zuspielet!, in der Hoffnung, dadurch ihre frühere Unabhängigkeit wieder erlangen zu können. Mehrere mächtige DaimioS des Südens eröffneten den Kanipf gegen die Fremden, deren sie eine Anzahl niedermetzeln ließen. Die Mächte suchten durch militärische Expeditionen die Schuldigen zu züchtigen, gleichzeitig verlangten sie aber ein Vorgehen des ShogunS gegen die rebellierenden DaimioS. Der Shogun vermochte aber die Widerspenstigen nicht nieder- zuwerfen; seine Macht verringerte sich in demselben Maße. toie die des Kaiser» durch die Unterstützung der auf ständischen Vasallcnfürsten wuchs. Der 1866 zur Herrschaft gelangte Shogun sah sich durch diese Entwicklung veranlaßt, zu Gunsten des Kaisers abzudanken. Später allerdings ließ er sich durch ihm treu gebliebene Daimios veranlasicn, seine Abdankung zurückzuziehen. Mit einem Heere zog er gegen die abtrünnigen Daimios zu Felde, wurde aber geschlagen und derartig bedrängt, daß er in einem Kloster Zuflucht suchte. Er wurde nun in aller Form ab- gesetzt, zugleich aber wurde der Krieg gegen seine Anhänger mit solchem Nachdruck fortgesetzt, daß der Kaiser gegen Ende des Jahres 1868 feine Macht im ganzen Lande befestigt hatte. Das Shogunat war nunmehr gestürzt, aber die Hoffnungen der großen Feudalherren auf Erringung einer größeren Unabhängigkeit gingen gleichwohl nicht in Erfüllung. Der Kaiser, der ja die Ge- fährlichkeit der Macht der DaimioS hinlänglich kennen gelernt hatte, benutzte vielmehr die erlangte Machtstellung dazu, die der Vasallen- sürsten endgültig zu brechen. Er hob das erbliche Lehnsrecht der Dailnios auf und verwandelte dainit, ähnlich wie seiner Zeit Ludwig XIV. Frankreich, Japan aus einem Feudalstaat in eine absolute Monarchie. Auch die Vorrechte der Kasten— außer den DaimioS gab cS noch eine Äriegerkaste. die Samurais, eine Priester- und Gelehrtenkaste, eine Kaste der Landleute, eine Kaste der Handwerker, Schiffer und Fischer und schließ- lich eine solche der Kauflcute— wurden allmählich aufgehoben und theoretisch wenigstens jedermann die Anwart- schaff zu den höchsten StaatSämtem eröffnet. Ferner wurde das Hörigkeitsverl, SltniS der Landleute beseitigt, die Natural- leistungen wurden durch Geldleistungen ersetzt. Und wie Japan nach europäischem Muster die Gregorianische Zeitrechnung, eine Reichspost, ein neues Münzftistem. Eisenbahnen usw. einführte, so führte es schließlich— allerdings nach dem allerfchlechtesten Vorbild: dem preußischen auch eine Verfassung ein, die unlängst an andrer Stelle unsres Blattes eingehend behandelt worden ist. Welch gewaltige Entwicklung seitdem Japans Handel und Industrie erfahren hat. inögen einige Zahlen beweisen. Japans Handelsmarine repräsentierte 1802... 214 000 Tonnen 1903... 934000„ Japans Steinkohlen-Produktion betrug 1892 3 100 000 Toimen, davon 1300 000 Tonnen Export 1901 8 900 000... 2 900 000.. Der häusliche Verbrauch von Steinkohlen betrug 1892... 1 700 000 Tonnen 1901... 6 600 000 Der Handel Japans bezifferte sich Export Import Zusammen 1892 auf 91102 000 Den 71 326 000 Den 162 428 000 Yen 1902 ,. 268 303 000, 271 731 000. 530 034 000. Eine Industrie im modernen Sinne existierte vor 1870 in Japan überhaupt nicht. Selbst die heutige Scidenfabrikation Japans nahm ihren Ausgang von einer staatlichen Musterfabrik, die 1872 unter Leitung eines Franzosen mit 200 Arbeiterinnen eröffnet wurde. 1898 betrug die Zahl der Seidcnspiuncrcicn. die mehr als 10 Ar- beitcr beschäftigten, 2163, die Zahl der Arbeiterinnen 99 933, der Arbeiter 7908. In der Wollspinnerei waren 1890 in 76 Fabriken 70 000 Arbeiter beschäftigt(Arbeiterinnen 78 Proz.. Arbeiter 22 Proz.). Die Gesamtzahl der Webereien betrug in demselben Jahre 1291, die Zahl der in denselben beschäftigten Ar- befterinnen 38 399, der Arbeiter 6154, In 19 Cementfabriken waren ") Vergl. Nr. 11 vom 14. Januar. 1899 3047 Arbeiter beschäftigt. Die Zahl der Glasfabriken mit mehr als 10 Arbeitern betrug in dem gleichen Jahre 43, die Zahl der Arbeiter 1612. Japan besitzt gegenwärtig eine Reihe großer Werften. Die dem Marincministerium unterstellte Werst in Dokohama, die 1866 ge gründet wurde, beschäftigte 1901 4907 Arbeiter. Die in Privatbesitz befindliche Akunoura-Werft in Hizen zählte 1899 5066 Arbeiter. Auf zwei Marine-Docks im Saseho-Kriegshafcn waren 1902 2441 Arbeiter beschäftigt. Außerdem giebt es noch eine ganze Anzahl kleinerer Werften und Docks. Auch eine Anzahl von Maschinenfabriken besitzt Japan 1897 gab eS 22 derartige Fabriken in Tokio und 26 in Osaka. Mit der Steigerung des Eisenbahnverkehrs wurde auch die Schaffung großer Waggonfabriken notwendig. 1899 gab es bereits 30 Maschinenbau- und Waggonfabriken, die über 100 Arbeiter bc schäftigtcn. Die Gesamtzahl der Arbeiter dieser Betriebe betrug 11437. Die Entwicklung von Industrie und Handel entspricht auch der Entwicklung der Eisenbahnen. Die Länge des Eisenbahnnetzes erhöhte sich während des letzten Jahrzehntes von 1621 aus 4025 Meilen. Die Zahl der beförderten Passagiere betrug 1890 1901 22 840 000 111210 954 die Menge der beförderten Güter 1 759 000 Tonnen 14 409 000 Tonnen So erstaunlich aber auch Japans wirtschaftliche Entwicklung ist, sie stellt immerhin erst einen Anfang dar. Der Export Japans be- schränkt sich auf seidene Fabrikate und Halbfabrikate, Baumwoll- garne, Streichhölzer, Matten, Porzellanwaren, Thee, Reis, Kamphcr, Steinkohlen und Kupfer; bezüglich der für ein modernes Industrie� land wichtigsten Industrie, der Metallindustrie, ist es zum größten Teil auf den Import des Auslandes angewiesen. Der Entwicklung dieser Industrie steht nauicntlich der Mangel an Eisen entgegen, dessen Prodnktion im letzten Jahr zehnt nur uni 18 Prozent zugenommen hat und den Bedarf bei weitem nicht deckt. Damit sind wir denn bei dem Jnleressengegensatz zwischen Japan und Rußland angelangt. Japan hat das vitalste Interesse an der Hebung seines Exports. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Ausfuhr aber geht nach N 0 r d ch i n a und Korea, den von Rußland bedrohten Gebieten, lind die Annektion Koreas wäre für Japan— ganz abgesehen von den politischen Gründen— schon deshalb sehr wichtig, weil in Korea außer Gold, Kupfer und Kohlen auch Eisen und Blei in größerer Menge vorkommt als in dem eisenannen Japan, die industrielle Entwicklung Japans also durch die Ausbeutung der koreanischen Minenschätze mächtig gefördert werden würde. Nun aber ist Japan auch derart dicht bevölkert— auf den Ouadratkilometer kommen in Preußen nach der Volkszählung von 1900 nur 99, im Deutschen Reiche 104 Einwohner, in Japan 118 Einwohner, wobei in Betracht gezogen tverden muß. daß ein großer Teil der Bodcnfläche Japans aus vulkanischen Gebirgen bc steht— daß es ihm ein Bedürsins ist, einen Teil des Geburten- Überschusses an Kolonien abzugeben. Die Bevölkerung hat sich seit 1891 um vier Millionen, von 1399 auf 1900 um 550 000 Köpfe vermehrt, so daß die Bcsiedclung Koreas begreiflicherweise ein LicblingSprojekt des emporstrebenden JnselvolkcS darstellt. Zu all diesen wirtschaftlichen und nationalen Momenten kommt nun noch die drohende politische Gefahr deS Vordringens Rußlands hinzu. Nicht nur, daß Rußland Japan uni den Preis des siegreichen Krieges von 1894/95, den Südteil der Mandschurei, geprellt hat, Rußland hält bereits Korea umklammert und ist zweifellos bestrebt, auch die Wladiwostock und Port Arthur trennende Halbinsel früher oder später in seinen Besitz zu bringen. Damit hätte sich Rußland aber eine ökonomische und strategische Position geschaffen, die Japan jede nationale Expansionsmöglichkeit abschnitte, seine industrielle Entwicklung gefährdete und es zur politischen Ohnmacht für alle ab- sehbare Zukunft verdammte. Wir sehen also: Japan hätte den triftigsten Grund, sich Ruß- lands Vordringen entgegenznstcllcn, so lange sich das MachtvcrhältniS noch nicht allzusehr zu seinen Ungunsten verschoben hat. Läßt es sich jetzt mit allerlei kleinen Konzessionen abspeisen, so hat eS voraus- sichtlich daS Spiel endgültig verloren. Rußland seinerseits wird natürlich alles aufbieten, den ihm zur Zeit äußerst unbequemen Krieg zu vermeiden. Trotzdem kann es in seinen Konzessionen nicht so weit gehen, wie eS die japanischen Interessen erheischen. Es kann nicht Korea, nicht einmal den Südteil der Halbinsel an Japan abtreten lassen, weil in diesem Falle Japan sich eine kontinentale Operationsbasis schaffen würde, die für Rußland sehr bedrohlich werden könnte. Dagegen wird es sich zur offenen Thür für die Mandschurei sowie zur— einstweiligen!— Neutralisierung Koreas wahrscheinlich bereit finden lassen, um die endgültige Auseinander- sctzung auf einen günstigeren Zeitpunkt zu vertagen. lieber den Ausgang des Konflikts läßt sich mit Bestimmtheit ftcilich trotz alledem nichts sagen. Der Krieg oder der Mckzug Japans hängen schließlich von der Energie und dem Einfluß der japanischen Kricgspartci ab, von Triebkräften also, deren Wirksam- k--it sich schwer aus der Ferne beurteilen läßt. Japan gegen ein Schiedsgericht? Die Meldungen von der Möglichkeit einer Vermittelung zwischen Japan und Rußland durch andre Mächte werden von der „ M 0 r n i n g Post" in einem anscheinend von der japanischen Botschaft ausgehenden Artikel in einer Form zurückgewiesen, die jedes Mißverständnis ausschließt.„Versuche, eine derartige Eiümischung herbeizuführen", so schreibt dcjK Blatt,„müssen entweder auf einer interessierten oder einer irrtümlichen Auffassung beruhen. Von unanfccht- barer Stelle wird un» versichert, daß japanische Staats- männer keine mögliche Grundlage für eine solche Einmischung entdecken können. Sie haben ihr letztes Wort gesprochen, indem sie Ansprüche aufgestellt haben, die ein unvcrtürzbareS Minimum darstellen. Eine Einmischung würde nur ihunlich sein, falls beide Seiten bereit wären, Zugeständnisse zu machen; da aber Japan seine Stellung gründlich erwogen hat, bevor es seine Sache darlegte, und fest cnt- ichlosscn ist, bei seiner Entscheidung zu beharren, ist keine Aussicht sür eine Vermittelung andrer Mächte vorhanden. Wir können aufs bcstimintestc erklären, daß Japan von seiner bisher beobachteten Haltung nicht abweichen wird. Es i st sein f e st e r Entschluß, aus der Wiederherstellung der chinesischen Souveränität in den drei mandschurischen Provinzen und der vollständigen A» c r l e n n u n g der Unabhängigkeit und territorialen Integrität des Kaiserreiches China und de» Kaiserreiches Korea zu bestehen. Die wechselseitige Anerkennung der russischen und der japanischen Sonderint er essen in China und Korea durch Japan und R u h l a n d muß der An- nähme dieses er st en Vorschlages folgen, nicht ihr vorangehen und muß von ihr direkt abhängig gemacht werde n." Eine Intervention Amerikas? Nach einer Washingtoner Meldung der„Moming Post" ist eS gewiß, daß hohe amtlickie Stellen in Washington sich mit emer Au- regung beschäftigen, wonach für Großbritannien, die Vereinigten Staaten und Japan, falls möglich unter Mitwirkung von Deutsch- land und Frankreich, die Zeit gekommen wäre. Rußland eine Kon- fercnz vorzuschlagen, auf weicher die Rechte Rußlands und der andren Nationen in der Mandschurei, die internationalen Handels- rechte und die Militärmacht, die Rußland in der Mandschurei zu halten hätte, abgegrenzt werden sollen. Die Beschlüsse der Konferenz würden die Gestalt eines von allen Mächten unterzeichneten Ab- kommen? oder Vertrages annehmen. Söul, 22. Januar.(Meldung der„Agence HavaS".) Eine chinesische Truppe nabteilung wird hier erwartet. Nach ihrer Ankunft werden alle Lcgasionen, mit Ausnahme der belgischen, die neben der ftanzösischen" liegt, geschützt sein. Die Fremden befinden sich in Sicherheit. Japan läßt in Tschemulpo beträchtliche Mengen von Kriegsmaterial landen, mehrere hundert K a st e n mit A r t i l l e r i e in u n i t i 0 n find bereits an Land gebracht. lieber die japanische Garnison in Söul. 800 Mann Infanterie, 50 K a v a l l c r i st c n und 2 Batterien, wurde heute in der Nähe der Stadt eine Parade abgehalten, an die sich Schießübungen anschlössen. London, 22. Januar. Die„TimeS" veröffentlicht eine Aufstellung ihres Korrespondenten in Peking über die Stärke der russi- schen Truppen, die ö�lich dc§ BaikalsceS stehen. Nach seiner Bc- rechnung beläuft sich die Stärke der Truppen auf 3115 Offiziere. 147 479 Man» und 266 Geschütze. Ferner meldet die„TimeL" aus Tokio, daß eS wahrscheinlich notwendig werde, die in W l a d i w 0 st 0 k lebenden Japaner, die dort viel unter den Russen zu leiden hätte«, von dort fortzuholen.— politifcke(leberNckt. Berlin, den 22. Jannar. Der Reichstag hatte sich am Freitag mit der Wahl deS Abgeordneten Will. der in Stolp-Lauenburg mit einigen 500 Stimmen Mehrheit gewählt ist, zu befassen. Geschäftsordnungsmäßig haben die Abteilungen des Reichstags diejenigen Wahlen zu prüfen, bei denen kein Protest vorliegt. Auch gegen die Willsche Wahl liegt ein solcher Protest diesmal nicht vor. Die prüfende Abteilung hatte aber weitere Beweiserhebung beantragt, iveil es im Kreise Stolp an'der genügenden amtlichen Publikation der Wahlvorsteher gemangelt haben soll. Die Rechte und das Ccntrum versuchten einen formalen Irrtum im Abteilungsbcschluß zu benutzen um die Gültigkeir der Wahl sofort festzustellen, mußten jedoch dem Einspruch Singers nachgeben und die Zurückverweisung in die Abteilung zulassen. Es wurde beschlossen, die von der Abteilung ge- wünschten Ermittelungen durch den Reichskanzler vornehmen zu lassen. Tie Debatte über den S c r v i s t a r i f, der zur ersten Lesung stand, hielt sich in engen Grenzen. Der alte Wunsch des Reichstages, daß mit dem neuen ServiStarif auch eine neue Regelung der Wohnungsgcld-Zuschüsse vor- genoitimen iverden solle, ist unerftillt geblieben. Allseitig war das Bedauern über diese Unterlassung, und die Versicherung des Staatssekretärs Graf Posadotvsky, daß die auch von ihm gewünschte Erhöhung des Wohnungsgeld-Zuschusses für die unteren Beamten aus Rücksicht auf die jämmerliche Finanzlage des Reichs unterbleiben müsse, war nicht geeignet. dieses Bedauern zu vermindern. Das Ccntrum erklärte, daß es den neuen ServiStarif nur für drei oder höchstens fünf Jahre, nicht aber für neun Jahre, wie die Vorlage verlangt, gelten lassen tvolle. Der Entwurf wurde der Bndgenommission überwiesen. Das gleiche geschah mit dem Entwurf, der das Bestehende F r i e d e n S p r ä s e n z- G e s e tz auf ein Jahr verlängert. Die sieben Zeilen lange, höchst komische Begründung besagt be- kanntlich, daß diese einfache Verlängerung nur deshalb vor- geschlagen wäre, weil der Reichstag in der laufenden Session bereits über eine Reihe umfangreicher und wichtiger Vorlagen zu beschließen habe. Thatsächlich ist es aber die finanzielle Notlage des Reiches, die die militärischen Projektcnmacher zu einer Vertagung ihrer Wünsche zwingt. Im nächsten Jahre fflim c3 g.uig anders kommen. Ter KriegSmlnister bestritt zwar, daß„Bedeutendes" geplant sei; aber was einem KriegSmimster als unbedeutend erscheint, kann vom Volk schon als schwere Last empfunden werden. Wir werde», wie Genosse B e b e l erklärte, die Vorlage ablehnen. Tas Centrum will sich in der Biidgcttommiision vom Äriegsminiftor über die weiteren Pläne beruhigen lasten, bevor es der Vorlage zustimmt Wir können aber sicher sein, daß es jedes Berilhigungs Pulver mit größter Bcreillvilligkeit verschlucken wird. Tic Debatte lvnrde duräi die Rode eines nengewähltcn Konservativen verschönert, des Oberst v. Elcrit, der.yeiligenbeil und Preußisch Eylau vertritt. Er sollte die schriftlich fixierte Erklärung seiner Fraktion dem Hanse übermitteln und litt an dem krank haften Ehrgeiz. die wenigen Zeilen austvcndig her zusagen. Leider hatte er aber schlecht memoriert— er holte sich sein Zettelchen ans der Westentasche— und so entstanden in seiner Rede fortwährend beängstigende Pausen, die von dein heiteren Lachen der Linken ausgenillt wurden. So kamen auch die.llriegervereins-Phrasen, die den Schluß bildeten, ganz nin ihre Wirkung. t'tin Montag beginnt die ziveite Lesung des Etats mit dem Etat des Reichstags und dem Etat des Innern.— Die verstaatlichte«parlotte. Als die preußische Regierung durch die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" der Wclr die traurige Nachrichl verliinden ließ daß der Zeituiigsfabrikaiit August Scherl wegen der gegen ihn gerichteten Angriffe sich von der MiUvirtung an der Sparlotterie zurückgezogen habe, vertraten wir im Gegensatz zn dem EptimiSnmS der übrigen Presse die Auffassung, daß jene offizielle Darstellung keine Todesnachricht, sondern eine Geburtsanzeige darstelle. An das von der Presse herausgelesene„Begräbnis erster Klaffe" glaubten wir aus triftigen Grüudcu nicht. Eine Regierung, die den Mut besessen hat, Verträge mit einem durch Korruption der öffentlichen Meinung zum Millionär gewordenen Emporkömmling abzuschließen, die diesen zum Regenten eines gewaltigen, auf de» Spielkricb spckuliereitdcn, staatlich unterstützten Verwaltiingsapparates zu inachen, würde, so meinten wir, wahrhaftig nicht vor dem doch minder skandalösen llnteniehmen zurückschrecken die Sparspieleret und die„Sprechstelle" in eigner Regie zu über- nehmen. Der von August Scherl der Regierung eingeblasene Gc- danle war denn doch zu verführerisch, als daß sie ihn, wegen eines, Überdies lediglich ans Koitkttnreitzrttcksichtctt erhobenen Preßlärmes fahren ließe. Durch das sinnreiche Mittel der mit der Sprcchstellc und der Lotterte verbtiitdcitcit Sparerei erhielt die preußische Regie- rung mit einem Schlage Millionen der kleinen Kapitalien zur Ver- fügung und gewann zugleich einen WelsettsottdS zur Vernichtung der öffentlichen Meiniuig, bei dem der Witz war. daß die zu Kor- rumpicrenden selber die Mittel für Irreführung und Verdummung aitsbringen mußten. So herrliche Zwecke opfert man nicht leicht- herzig ekligem-intcrcffierteu Papieraufruhr! actzt kommt nun in der That— unsre Auffassung bestätigend— die Nachricht, daß die Regierung keineswegs die Scherische Idee aufgegeben habe. Die Sparlottcrie soll verstaatlicht werden. Das beißt: Beamte des Staates werden die Spargelder abholen, der Staat selbst wird deit kleinen Sparer» die Zinsen ihrer Einlage «ntlisten und sie dafür erstens mit der süßen Narrenhoffming des großen Loses tntd zweitens mit einem Gratisblatt entschädigen, da-5 den feinsten Geist des Bitlow-Rhctnbabenschcu Ministeriums in jede Hütte trägt. Man hegt jetzt die Hoffnung, daß der Landtag eine solche Vorlage ablehnen würde. Das ist iiiöglickt. wenn auch nicht sicher. Offenbar haben gerade diese Bedenken wegen des parlamentarischen Schicksals die Regierung veranlaßt, August Scherl vorzuschieben und so unter dem Schein eines Privat- Unternehmens und mit, Umgehung der koiistitutioiiellcn Garantien den beabsichtigten Zweck zu erreichen. Es ist nicht ouSgeschlosicn, daß auch jetzt noch die Regierung nach einem AttSkuustsntittel sucht, um die Sache auf dem Verwallluigswege zu orgaitiffereit und der Notwendigkeit enthoben zu sein, die verfaffuitgöiitäßigcit ,«örper schaftcn um ihre Genehnngung zu ersuchen. Vielleicht erscheint eines Tages eine große private Svarlotterie-Gescllschaft unter staatlicher Protektion auf dem Plan, welche den PanamtSmuS der Reptilien- Sparlotterie in System bringt. Damt bedarf man des Land- tags nicht. Man wird also nach ivic vor damit zu rechnen haben, daß durch die Sparlottcrie in der einen oder der andren Form die Wieder- geburt des Welfcnfonds geschieht. Man will die echten Spargroschen einsammeln und dafür die Falsifikate einer offiziösen„Sprcchstelle" gewähren. Die Socialdemokratie verfolgt diese nette Methode der Socialiftcn- tötcrei, die doch nur eine neue Verfallserscheinung des herrschenden Systems darstellt, init boshaftem Vergnügen. Diese koinpro- mittierendeit Spielereien verraten doch nur die Unwissenheit, Urteilslosigkeit und die innere Ohnmacht der Herrichaften. Ein Dresdener Blatt bringt gerade lustige Offenbarungen über die grenzenlose Naivetät unsrer regierenden Strategen gegen den Umsturz. Der „Dresdener Anzeiger" erzählt nätnlich: .... ES wird allgemein behauptet, die Regierung verspräche fich von der geplanten Vcrbandszcttschrift. der>ogenanntcn „SP r e ch st e l l e im Dienste des öffentlichen Lebens" Wunderdinge. Tie wurde in Kreise dringen, wo sonst nur socialdemotratische Blätter gelesen würden, und mit dem „Umsturz" wäre es eines schönen Tages dank dein �cherlschen Spar- und Präitiienshstent zu Ende. Diese Version mutet der königlich preußischen Staatsrcgierung allerdings eine große Raivetät zu. ahcr sie ist nach denn was ich vor Jahr und Tag von sozusagen„bestunterrichteter Seite" hörte, nicht so unwahr- scheinlich. Ich beschiverre mich einmal bei einem Herrn, der ans die amtliche Rachrichtenbermittlniig Eiitslltß hat. über die für die ernste Presse verletzende Bevorzugung, die daS Organ Scherls und Holzbocks erfahre. Da zog der' also Apostrophierte die Schulter» hoch und sprach:„Sehen Sir, der Minister sgemeint war Herr ». Hanniierstcutj sagt, der„Lokal-Anzeigcr" kostet der Socialdemv- tratir jährlich schlecht gcrrchiiet llO 000 Wähler. DaS löuitcn Sie von sich doch nicht sagen. Ihr Blatt kommt an soeialdemokratischc Kreise doch überhaupt nicht heran...." Danach hätte die Socialdctnokratic seit den Wahlen von 1898 in Berlin„schlecht gerechnet" 120 099 Wähler verlieren müssen. Wohl aber ist die Wirkung der Lokalanzeigerei unbestreitbar: sie verkrüppelt jährlich schlecht gerechnet mindestens 30 000 bürgerliche Iirtelltgenzen und inacht damit de» Gegensatz zwischen dem Proletariat und den kapitalistischen Klassen auch auf dem Gebiet der reinen In- telligenz immer schroffer. Soll nun der„Lokal-Äuzeiger"-Geist so oder so verstaatlicht werden— wir kömien eö nicht hindern, tvenit es uns auch aus gewisseit ästhetischen Erwägungen nicht sonderlich behagt, haß unsre Gegner geistig immer armsetiger werden. Wir suhlen national genug, um solche Entartung mich der Bourgeoisie und den seudalen Schichten nicht zu wünschen.—_ Ter Hcrero-Kricg. DaS für Südwest-Afrika bestimmte Mariue-ExpeditiouSeorps be- steht nach den Mitteilungen der„Nordd. Allg. Ztg." aus 747»topfen — 30 Ossizieren, 2 Stabsärzten:c. und 420 Gemeinen, sowie aus 09 Unteroffizieren und Gemeinen zur Ausfüllung für das Kanonen boot„Habicht", dessen Besatzung sich zum größten Teil in Karibik befindet. Hinzn koinmt noch ein Eisenbahn- Dctachemcnt von 00 Mann, so das; dieser erste Schub sich ans insgesamt 813 Mann bcläurt. Diesen Truppen sollen im Anfang des nächsteu Monat weitere 50O Mann folgen. Rechnet»tan hierzu den LblösungS trauSport von 230 Mann. der sich bereits unterwegs be fand, als der Krieg ausbrach. so bcläufl sich das Extra Truppenaufgebot für Südwest-Afrika ans circa 1000 Maim. Damit scheint freilich die Mobilmachung noch nicht erschöpft zu sein denn die„Neue H a in b u r g i s ch e Börsenhalle" berichtet über Truppentransporte für Südwe st- Afrika fol gendes: Ter D a m p s e r„Emilie Wörmann", welcher von Lagos nach S w a k o p m n n d unterwegs ist, ist nach D u a l a in K a in c r u n beordert worden, um von dort Truppen, M u n i t i o n u nd Geschütze a b z n hole n. Der Dampfer„Eduard Bohlen", welcher den Dienst zwischen Swakopiniind und Kapstadt versieht, und gewöhnlich Port Nolloth anläuft, ist am 20. Januar von wakopmund d i r e k t n a ch K a p st a d i g c g a n g c n, um auch von dort Mannschaften s?), Proviant und Munition zu holen. Bon den in S w a l o p m u n d befindlichen HereroS sind etwa 300 Mann mit dem Dampfer„Eduard Bohlen" nach»iapstadt befördert, und zwar als letzte Ab- teilung der ine narbeiter für die Witwatcr Rand Labour Association in Johannesburg. Auf der Reede von Swakopnumd liegt zur Zeit der Dainpfer„Helene Wörmann D i e V o r b c r e i t u n g e n für den Transport mit dem a in p s c r„Adolf Wörmann" am 30. d. M. sind in vollem Gange. Nach dieser Meldung scheint es, als ob man auch einen Teil der K a in e r n n e r Sctmtztmppe in Südwest- Afrika verwenden wollte. In Kaniernn befinden sich außer 100 weißen Offizieren und llnterosfizicren 1000 Mann farbiger Soldaten und Polizisten. Aber elbst wenn nur die von Deutschland abgegangenen resp. noch ab- gehenden 1000 Mann in' Frage kämen, würden die bewilligten 2% Millionen direkter und indiretrer KriegsanSgaben bei weitem nicht ausreichen! Nach der Meldting der„Hamb. Börsenhalle" sind 300 Hereros als Miiienarbeiter nach der Kapkoloine verschickt loorden. Ob die Leute sich freiwillig haben aniverben lassen, oder ob man einen sanften Druck angewendet hat, die Leute, die man, wie seiner Zeit gemeldet lvnrde, gleich Gefangeiieit aus Schiffen isoliert halte, auf bequeme Art loszuwerden?! Tic neuesten Nachrichten vom Kriegsschauplatz lauten: Nach heute nacht ans Sloakopmund eingegangenen tele- graphischen Nachrichten haben die gestern mit der Eisenbahn entsandten weiteren 29 Mann S.'M. S.„Habicht" mit einem Maschinengewehr und einer Revolvcrkanone Karibik erreicht. Die Stationsgebäude in Ohahiö und Habis find zerstört. Mit der Repa- ratur der Bahn jenseit Karibik ist begonucn. In einem Patrouillen- gefccht bei Kubas ist ein Unteroffizier— Name nicht be- kannt— verwundet worden. Eine größere Anzahl von Ein- geborenen soll dabei gefallen sein. AnS O m a r u r n liegen Nachrichten vor vom 18. d. M., wonach die Besatzung dort 20 Gewehre zählt. Sie hat sich gut verschanzt und hofft, sich halte» zu können. Ueber die Kolonne Ziilow liegt in Stvakopmnnd keinerlei Nachricht vor. lieber die Ursachen deö Hcrero-Aufstandcs schreibt Dr. F ö r st e r in der„ D e u t s ch e n T a g c S z e i t u n g": „Durch die Zeitiiiigen sind allerlei Nachrichten über den äußeren Anlaß der Empörung gegangen. ES ist von wenig Belang, an welcher Stelle und zu welcher Zeit das Feuer ausbricht, das längst verhüllt glühte und das zur offenen Flainme zu entfachen eine Kleinigkeit genügt. Der Aufstand der Hereros ist die Folge ihres Ingrimms darüber, dost ihr Besitz an Land in die Hände der Weißen übergeht. I m m e r mehr eingeengt als zum Teil Wcchsclwirtschast treibendes V i e h z ü ch t c r V o l k durch die Verordnungen der Regierung, den t e i l w c i s e n Verlauf ihres Landes, verschuldet an die weiße» Händler, die allzu freigebig im Kreditgeben waren, kämpfen sie jetzt den LcrzwciflungSkampf um ihre wirtschaftliche Existenz und Selbständigkeit, denn selbständig waren sie bisher, da man cS nicht gewagt hat, sie zu entwaffnen." Dr. Förster gicbt dann auf Grund der amtlichen Denkschriften eine Darstellung der Art, wie man die Eingeborenen um Land gebracht hat. DaS Verfahren war ein sehr einfaches. Man erklärte einfach g e lv a l t i g e Komplexe, die noch daS rclatib beste Weideland enthielten, für„herrenlos". Das geschah schon vor einem Jahrzehnt. In netterer Zeit nahmen die Enteigmingen überhand. Von der Bahnlinie Swakopnumd und Windhuk, die durch den besten Teil des Landes geht, wurden die HereroS imnicr mehr zurückgedrängt, so daß sie schließlich begreifen mußten, daß man sie nach dem unwirtlichen Osten ab rängen will". Zu diesen Enteignungen kam dann noch die ungeheuerliche AuSwucherung durch d i e H ä n d l e r: „Zu guterlctzt kommt noch eine sicherlich recht gut gemeinte Verordnung vom Herrn Reichskanzler v. Bulow vom 23. Juli 1903, gegeben zu Norderney, die bcstiinmt ist, d i e HereroS für die Zukunft zu schützen, die aber so- zusagen dem Faß den Boden wird aitsgeschlagen haben in ihrer unerwarteten, aber recht natürlichen Wirkung. Sie bestimmt, daß Forderungen an Eingeborene(nach cincin bestimmten Foniuilar) nur innerhalb zwölf Monaten c i n k l a g b a r sind. Die Folge bei der Unzahl von Schulden der Eingeborenen war, daß eine ebensolche Unzahl von Klagen mit allen ihren Folgen anhängig gemacht wurde. Ich er- sehe aus einer Notiz in der„Siidwest-Aftikanischen Zeitung", daß von den Kaufleute n zum Gebrauch nicht weniger als 106v i r k e n wollen, sondern s i ä, Mühe gegeben, um zu versöhnen. Sie wurden frei- gesprochen, Bieneck dagegen zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Ein Mene Tekel für die Scharfmacher. Die jetzt von den Herren Scharfmachern in allen denkbareil Gewerben insccniertcn Aus» spermilgeu dienen bekanntlich samt und sonders dem Zweck, die Organisation der Arbeiter zu zerstören oder, wie die Herren sich auszudrücken pflegen,„der Socialdemokratic eine Nieder- läge zu bereiten". Dast durch jeden verlorenen Streik oder eine von den Unternehmeru siegreich durchgeführte Aussperrung die Socialdcmokratie gewinnt, iiidem die Arbeiter von der Gewerkschaftsbewegung auf die politische Bethätigimg verwiesen werden, haben wir aus Anlast der Aussperrung in Crimmitschau wiederholt»achgewiesc». Aber auch das Bestreben der Herren, die gewerkschaftliche Organisation zu vernichten, wird durch die von ihnen in Scene gesetzten Aussperrungen nickt erreicht. In Kassel wurden bekanntlich im vcrgaiigeiien Sommer sämtliche Bauarbeiter ausgesperrt. Man verlangte von ihnen, sie sollten auf die streitendeir Tischler einen Einfluß dahin ausüben, daß diese die Arbeit wieder aufiiehinen sollten. Also an Stelle der in südlichen Ländern so beliebten Generalstreiks eine Generalanssperrung. Bon den an der Aussperrung beteiligten Gewerkschaften liegt uns jetzt die Abrcchmmg der Zimmerer vor. Tie Aussperrung kostete den Zimmerern und 20 000 M. Aber das Charakteristischste der Abrechnmig ist wohl. dast die Mitgliederzahl des Verbandes in Kassel sich am Jahres- schlust vor der Aussperrung bclics ans 121, am Jahresscklnß n a ch der Aussperrung betrug sie 235, also beinahe das Doppelte.— Sa hat die brutale Anssperrungstaktik der Unternehmer die Arbeiter» schaft zusammengeschmiedet. Gilt Crimmitschau tut Kleinen. Ju der Stadtbraueret zu Glauchau sind die organisierten Brauer geinaßregelt worden, weil sie eine Stunde Mittag verlangten. Nachkliinge von der Aussperrung in Crimmitscha». Wie selb st das Gericht die Arbeitswillige it einschätzt, trat in einer Verhandlung zu Tage, die sich gegen den Weber Max Weber richtete. Dieser hat den Arbeitswilligen Hesse in der Fröhlichschen Gastwirtschaft dadurch bcleioigt, das; er zu diesem äußerte:„Du alter Liimperich kannst immer arbeiten, Du machst Sommer ttnd Winter nichts." Der Amtsanwalt bean- tragte, den Angeklagten auch wegen Vergehens nach 8 1S3 der G.-O. zu bestrafen. Der Zeuge beschwor seine Aussage. Das Gericht sprach den Angeklagten frei. Das' Gericht erkannte an, daß der Zeuge leinen günstigen Eindruck gemacht habe und eö zweifelhaft set, daß der Angeklagte den Zeugen veranlassen wollte, die Arbeit zu verlassen. Wie die Straßenpoliz ei- Verordnung w'irkte, selbst ganz Unbeteiligten gegenüber, zeigte sich in dem Falle des Färberei-Arbeiters F e n k. Dieser hat sich ein Vergehen gegen die Straßenpolizei-Berordnung. sowie wegen Widerstandes gegen die Polizei-Organe zu Schulden kommen lassen. Fenk stand vor der Sarfertschen Fabrik und erwartete den Arzt, da er ein krankes Kind hatte. Vom Gendarm Fröhlich wurde er verwiesen und als er der Aufforderung nicht Folge leistete, sistiert. Der Arretierung setzte er Widerstand entgegen durch Einstemmen mit den Füßen. Die Beweis aufnähme ergab, daß die Angaben des Angeklagten der Wahrheit entsprachen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen llebertretiing der Straßenpolizei- Ordnung zu zwei Marl, wegen Widerstandes gegen die Beamten zu zehn Mark Geldstrafe. Die Gendarmen waren unbedingte Herren in Crimmitschau. Wir berichteten seiner Zeit über einen Fall, in dem ein Arbeiter am Bahnhof von einem Gendarmen hingcstoßen Wörde» war. Der betreffende Arbeiter strengte gegen den Gendarm «ine Klage an, wurde aber damit abgewiesen. In der Zurück- Weisung der Anklage durch die königl. Staatsanwaltschaft in Zwickau heißt es: „In diesem Verhalten des beschuldigten Henrion sdes Gendarmen. Red.) ist eine strafbare Handlung nicht zu erblicken. Henrion war nach der Bekanittmachuiig dcS Stadtrats zu Crimmitschau vom 1)5. August 1903 verpflichtet, gegen das Stehenbleiben und Heran- drängen Geißlcrs sowie gegen die Ansammlung von Personen, unter denen Geißler sich befand, einzuschreiten, und er war weiter nach§ 14G der Straßenpolizei-Verordnung für die Stadt Crimmitschau berechtigt, den Anzeige-Erstattcr Geißler zur Erhaltung der Sicherheit. Ruhe und Ordnung in und vor dem Bahnhofe zu Crimmitschau fortzuweiscn. Da Geißler aber den deshalb gc- troffcnen Anordnungen des Polizeibcamten nicht nachkam, vielmehr sein das Einschreiten des Gendarmen veranlassendes Ver- halten fortsetzte und da Henrion in dem gegen seine eigne Person sich richtenden Vorgehen des Anzeige-Erstatters mit Recht eine Auflehnung gegen seine Amtsausübung erblickte, so war der Beschuldigte befugt, die Durchführung seiner A it o r d- n u n g durch Gewalt zu e r z tv i it g e n. Die Art und Weise. in der er seinen Willen Geltung verschafft bat, erscheint durchaus aitgentesfett und es würde auch dann nicht von einer Ueberschreitnng der Amtsbefugnisse Henrions gesprochen werden können, wenn derselbe in der vom Anzcigc-Erstatter behaupteten Weise gegen diesen eingeschritten wäre." Gegen den Gendarinen vorzugehen, fand also die Staatsanwalt- schaft keinen Anlaß. Den Arbeiter aber, der sich naiver Weise be- schwcrt hatte— verurteilte matt zu einem Tage Haft wegen Vergehens gegen die Straßenpolizei-Verordnung I )Zus Induftrie und ftandeL Große Berliner Straßenbahn. Wenn noch bisher ein Zweifel darüber bestand, ob die Große Berliner zu einer Kapitalerhöhung greifen werde, so ist dieser durch die gestrige Aufsichtsrats-Sitzung völlig gehoben worden. Nachdem die günstige Entwicklung der Westlichen Berliner Vorortbahn im letzten Jahr erörtert worden war. welche die völlige Tilgung der früheren Unterbilanz gestattet, ging man ohne Umschweife zur Frage der Kapitals- Vermehrung über. Daß eine Erhöhung des Kapitals nötig fei, wurde als selbstverständlich vorausgesetzt, nur über die Art der Kapitalsbeschaffung war man sich nicht eittig. Die eine Gruppe möchte die Kapitalsbeschaffung durch die Ausgabe von Obligationen, die andre möchte sie durch Begebung vonsAktien beivirlen. Zu einem Be- schluß kam eS nicht; die Frage soll noch erst näher geprüft werden, doch darf man wohl annehmen, daß es schließlich doch zur Auf- legung neuer Aktten kommen wird, da mtr dadurch der eigentliche Zweck der Kapitalserhöhung, die Vermutdcruitg des der Stadt zu- fallenden GeloinnanteilS. erreicht wird. In der Sitzung wurde allerdings als Ziveck der Kapitalbeschaffung die Regulierung der finanziellen Verhältnisse der Vorortbahnen, d. h. die Entlastung deS BahnkörpertilgungS-Fonds von den Aktien der Vorortbahnen, ge- nannt. Gründe sind bekanntlich noch billiger als Brombeereit. Die Gründuuz der neuen Petroleum-Gesellschaft, der wir in letzter Nummer erwähnten, ist schneller erfolgt, als man nach den -in die Oeffenllichkeil gedrungenen Nachrichten annehmen durfte; sie ist bereits am Donnerstag vor sich gegangen. In der offiziellen Meldung wird als Gegenstand des Unternehmens die Gewinnung, Verarbeitung und Verwertung des Erdöles und der daraus her- zustellenden Erzeugnisse bezeichnet. Die Gesellschaft ist auch befugt, sich bei Unternehmungen im In- und Auslände, die sich mit der Petroleuin-Jndustrie befassen, zu beteiligen. Der Sitz der Gesellschaft ist Berlin. Das Kapital bcttägt 20 Millionen Mark, wovon 8 Millionen Mark voll cinbezahlt, die restlichen 12 Millionen mit 25 Proz. einbezahlt sind. Gründer sind die Deutsche Bank, der Wiener Bankverein, die Bank für Handel und Industrie, die Mitteldeutsche Kreditbank, die Nationalbank für Deutschland und die Firma Jakob S. H. Stern. Der Aufsichtsrat besteht aus den Herren Max Steinthal sVorsitzender), Moriz Bauer sstellvertretender Vorsitzender), Konsul Otto Braunfels, Wirklicher Geheimrat Dr. v. Jagemanu, Assessor Dr. Mommsen, Bankdircktor Th. Winklcr, Geheimer Regierungsrat R. Witting und Arthur Givinner. Den Vorstand bildcit die Herren Julius Zeller und Dr. Arthur Herz. Welche Pläne die Gesellschaft verfolgt, ist noch recht dunkel. Um den Konkurrenzkampf mit der Standard Dil Co. aufnehmen zu können, ist sie zu schwach, besonders da die DiSkonto-Gescllschaft, der eS gelungen ist, die bedeutendsten der rumänischen Petroleum« selber an sich zu bringen, nicht mit zur Gründungsgruppe gehört; oder sollte die Gründung nur in der Absicht erfolgt sein, sich ichließ- lich vorteilhaft von der Standard Oil Co. abfinden zu lassen? Der Konkurrenzkampf zwischen deutschem und englischem Näh- garn. Zu dem kürzlich gemeldeten Ankauf der Sächsischen Nähfaden- sabrik vonnals R. H e y d e n r e i ch durch die I. u. P. Coats Co. in Glasgow schreibt der„Confectionär" nach einer Schilderung der Machtstellung letzterer Firma auf dem Weltmarkt: „Die Firma war schon seit langen Jahre» die gefürchtetste Kon- kurrenz auch der deutschen Fabriken. Aber in unserm eignen Laude erwehrten wir uns bisher mit Erfolg der Uebcrinacht der englischen Firma. Es wäre dies voraussichtlich auch selbst trotz der ungünstigen Situation der Heydenrcich-Gesellschast noch fernerhin möglich ge- wesen, wenn sich der geplante Zusammenschluß aller deutschen Näh- fadenfabriken hätte durchsetzen lassen. Aber die beabsichtigte Kon- ventton scheiterte an dem Widerstande der G ö g g i n g e r Fabrik, die die erste der Branche itt Deutschland— sich in keiner Weise binden wollte, da sie die Fessel einer Konvention bei ihrer glänzenden Prosperität fiir überflüssig erachtete. So konnte mit Leichtigkeit eine Bresche in die deutsche Nähsadenindustrie gelegt werden, durch die jetzt die englische Gesellschaft nach Teutschland kommt, um sich hier einzunisten. Der Schaden den die deutsche Zwirn-Jndustrie durch diese Manipulation erleiden wird, ist vorläufig noch ganz unberechenbar,— er wird ganz enorm sein._ Die englische Firma wird das Geschäft in Deutschland selbstverständlich zuerst einmal vollständig ruinieren— denn das ist ja der Zweck ihres Eindringens, sie will Alleinherrscherin ans dem deutschen Markte werden. Es wird jetzt ein_ Zwirnkrieg von enormer Heftigkeit entbrennen. Die CoatS-Gcsellschaft wird unentwegt ihr Ziel im Auge haben. das deutsche Geschäft an sich zu reißen. Hierfür wird sie erfahrungsgemäß zwei Mittel und Wege zur Anwendung bringen. Einerseits ivird sie alle Preise, gleichviel auf ivelcheS Niveau diese schon herabgesunken sind, konsequent unterbieten, koste es waS eS wolle, — andrerseits wird sie gar zu unbequeme Konkurrenten durch ver- lockende Kaufangebote aus dem Wege zu räumen suchen. Und eS ist ein alter Ersahrungssatz: Bar Geld lacht. Man kann eö einem durch die Ucbermacht der Konkurrenz an den Rand des Abgrundes gebrachten Unternehmen nicht einmal verdenken, wenn es unter günstigen Bedingungen seine Selbständigkeit aufgiebt. Die Gefahr ist sehr groß, und der Zusammenschluß aller Interessenten ist jetzt in verdoppeltem Maße notwendig. Noch ist eS vielleicht Zeit Gegen maßregeln zu treffen. Wie es von feiten der englischen Konkurrenz„gemacht" wird, zeigen die Verhältnisse in O e st r c i ch. Dort ist der Zwirnkrieg bereits entfesselt. Die Spulenzwirnpreise sind trotz der Baumwollhaussc von den englischen Fabriken und der mit ihnen liierten Aktiengesellschaft, der Harlander Baumwollzwirncrci, wesentlich herabgesetzt. Angeblich haben diese Fabriken unter der Konkurrenz einiger in- und ausländischer Firmen zu„leiden". Selbstverständlich ist das nur ein— recht durchsichttger— Vorwand. Gerade umgekehrt ist es der Fall gewesen. Die englische Invasion hat schon er- folgreich einige große und viele kleine Fabrikanten aus dem Wege geräumt. Auch der Beweggrund der diesmaligen Preisherabsetzung ist der, einigen kleinen, in Öestreich neu entstandenen Fabriten sowie einigen ausländischen Erzeugern den Absatz unmöglich zu machen. Wenn man bedenkt, daß der jährliche Umsatz der koalierten Spulenzwirn- Fabrikanten, die angeblich so sehr unter der Konkurrenz zu leiden haben, 13 Millionen Kronen in Öestreich allein beträgt, während der Gesamtalffatz aller andern Spulenzwirn Fabrikanten in Öestreich mit zwei Millionen Kronen kaum zu niedrig geschätzt werden dürfte, so ist eö klar, daß davon keine Rede 'ein kann, daß die Harlander und die mit ihr verbundenen eng- tischen Produzenten irgendwie unter der Konkurrenz tveseutlich zu leiden haben. In die patriotische Jercmiade dcS„Confectionär" einzustimmen ällt uns nicht ein. Dieser Konkurrenzkampf zwischen kleinen und großen Finnen mit dem Ergebnis, daß die großen die kleinen auf angen, gehört nun mal zu den Eigenheiten der kapitalistischen Wirtschaftsweise, die das Blatt sonst überall verteidigt. Daß es eine ausländische Firma ist, die diesmal sich als die stärkere erweist, ändert daran nichts. Wenn deutsche Finnen grobbritannische auf dem englischen Markt unterbictcit und dort ihr Absatzgebiet aus- dehnen, findet sicherlich der„Confectionär" das höchst erftculich Jedenfalls ist es vorteilhafter für die deutsche Volkswirtschaft, wemi die Coats Co. die deutschen Nähfadenfabriken aufkauft und deren Betrieb fortsetzt, als wenn sie ihre Produkte von England aus auf den deutschen Markt wirft. Abgesehen aber von dem in der Notiz des„Confettionär steckenden ProfitpatriotisinuS sind die Aussichten des deutschen Näh- garnmarltcs richtig geschildert. Es steht auf ihm ein Konkurrenz� kämpf zwischen deutschem und englischem Garn bevor, der noch manche Fabrik zu Fall bringen dürste. Bont Stahlwerksverband-Projett. Unter den Firmen, die fttr den geplanten Stahlwerksverband in Betracht kommen, ist nach der Mitteilung der„Rhcin.-Westf. Ztg." offener Zwist ausgebrochen Auf der einen Seite stehen die für den Zusammenschluß eintretenden Träger- und Halbzeugwerke, auf der andren Seite die vornehmlich Schienen und Eiscnbabn-Baumatcrialicn fabrizierenden Firmen. Der erstgenannten, zur Gründung eines Stahlwerksverbandes geneigten Gruppe gehörten ursprünglich 13 Werke an, nämlich Aachener Hütten verein, Gewerkschaft Deutscher Kaiser, Gutehoffnungshütte, Hörder Bcrgwerksverein, Eisenwerk Hocsch, Rheinische Stahlwerke, Dort- munder Union, Burbach. Röchling, Rombacher Hütte, Stumm, de Wendel und Pciner Walzwerk; diesen haben sich weiter an- geschlossen: Diffcrdingen, Düdelingen und Maximilianshütte, so daß also im ganzen 13 Werke dem Stahlverband zustimmen. Außerhalb des Verbandes stehen: Bochumcr Gußstahlwerke. Georg-Marien-Hüttc, Krupp, Phönix, Westfälische Stahlwerke. Gußstahlwerk Witten, Aumetz- friede, Dillinger Hütte, Hasper Eisen und ferner die oberschlesische Gruppe. !er Produktion nach umfaßten die erstgenannten 13 Werke 4,8 Mill. Tonnen der Erzeugung, während die ursprünglich für den Zusammen« schluß vorgesehenen 29 Werke ungefähr 8 Mill. Tonnen Stahlerzeugung darstellten. Die Absicht der geeinigtcn Werke geht nach den gestrigen Ver- Handlungen dahin, in der auf den 5. Februar angesetzten Sitzung mög- lichst alle Halbzeug- und Trägerwcrkc zu einer Kampforganisatioii gegen die außenstehenden, größtenteils Schienen- und Eisenbahn- Oberbaumaterial erzeugenden Werke zu vereinigen und auf diese Weise die außenstehenden zum Beitritt zu zwingen. Ob das sich er- reichen läßt, erscheint fraglich, denn eS handelt sich bei den außen- stehenden Werken hauptsächlich um solche, die im Inlands wie im Aus- lande wegen der Güte ihrer Erzeugnisse einen guten Ruf haben und deren Material deshalb vielfach bevorzugt wird. Soziales. Acrzte und Krankenkassen. In der„Leipziger Volkszeitung" ist folgendes Inserat zu lesen: „Der Vorstand der Leipziger OrtS-Krankenkasje beschuldigt die Leipziger Acrzte, durch zu ausgiebige Behandlung der Angehörigen der Mitglieder der Orts- Krankenkasse die Preise für die Einzel- leistungen selbst herabgedrückt zu haben. Es wird deshalb hier- durch das höfliche Ersuchen an die Mitglieder der Orts-Krankenkasse sowie deren Angehörige gestellt, soweit sie sich über zu ausgiebige Behandlung seitens der Kassenärzte äußern zu können glauben, ihre Adresse und entsprechend« Angaben behufs Bearbeitung des einschlägigen Materials an Dr. Popitz, Leipzig, Sophicnstr. 34, pari., einsenden zu wollen." Ungeheuer schlau l Nach einiger Zeit werden dann die Herren triumphierend mitteilen, daß sich kein einziges Kasscnmitglied ge- meldet habe, das sich durch zu ausgiebige ärztliche Behandlung be- schwert gefühlt hat. Auf dem Wege ist natürlich zu reichliche Be- Handlung nicht zu erweisen, sondern nur durch entsprechende fach- männische Kontrolle der Aerzte und der Kranken, die an den zu vielen Einzelleistungen beteiligt find, kann dies erwiesen werden. Uebrigens ist es sehr naiv sich anzustellen, als ob das nicht vorkäme. Das wird ja selbst von Acrzten unumwunden zugegeben. AuS vielen ähnlichen citieren wir z. B. Dr. med. F. Grimm in Stuttgart„Mißstäitdc der Aerztcversorgung": »Ebenso könnte es nichts schaden, wenn den Pointsjägern bei der Bezahlung der sogenannten Einzelleistung in den Tops geguckt würde, wenn sie bei einer regelrecht verlaufenden Influenza, wo ein ängstlicher Regierungsrat mit 8 bis 10 Besuchen zufrieden ist, ihre 40 bis 50 Krankenbesuche absovieren, ohne den Kranken einmal recht angesehen zu haben." Oder Dr. med. Knicke:„Die Kassenarztfrage". Verlag der Arbeitcrversorgung: »Denn diese geforderte freie Arztwahl und Bezahlung der Einzelleistungen würde nicht nur verhängnisvoll für die Kranken- kassen und den Staat, sondern auch für die Aerzte selbst kein Segen sondern ein Fluch werden. Dadurch würden die stärksten Motive geschaffen für die Produttion ärztlicher Einzelleisttingen, daS heißt der Charlantaneric." Wir können mit ntehr aufwarten! In Köln führten die Verhandlungen zu keinem Ergebnis. Die Aerzte bestanden auf freier Arztwahl und die Kassenvcrtrcter lehnten das ab. Darauf lehnten die Aerztevertteter die weiteren Verhandlungen ab. Der Regierungsvertreter teilte mit, daß die Aufsichtsbehörde »unmehr gezwungen sei, einzuschreiten, da nicht in genügender Weise für ärztliche Hilfe gesorgt sei. DaS Einschreiten kann natür- lich auch nicht in der Gewährung der ftcien Arztwahl bestehen. Die Kassen sind bereit, Aerzte gegen angemessenes Honorar anzustellen, die Aerzte sind jedoch durch Ehrenwort und Konventionalstrafe« gebunden, keine Anstellung zu angemessenem Honorar anzunehme«. Versammlungen. Die Tapezierer hielten am Mittwoch im Gewerkschastshanse ihre regelmäßige Ouartalsversanimluug ab. Nachdem L o b i tz einen kurzen Bericht über die Thättgkeit der Ortsverwaltung gegeben hatte, verlas der Kassierer M o s k o p f die Abrechnung. In der Filiale wurde eine Einnahme von 2l05,82 M. erzielt, der eine Ausgabe von 2679,48 M. gegenübersteht. Mit Einschluß des ftühercn Bestandes ist ein Vermögen von 4323,77 M. vorhanden. Der Zahlstelle gehören gegenwärtig 950 Mitglieder an. Einer Anregung des Bibliothekars zufolge beschloß die Versammlung, die Bibliothek aus dem bisherige» BerkehrSlokal nach dcni VerbandSbureau int Gewerkschaftshanse zu verlegen, um dadurch die Bibliothel den Mitgliedern zugänglicher zu machen und eine höhere Leseziffer zu erzielen. Die Bcschlußfastung über die außerdem noch vorliegenden Anträge wurde der vorgerückten Zeit halber bis zur nächsten Versammlung vertagt. �et2te I�admcbten und Depefeben. Tie Ausweisung des Abgeordneten Dclsor vor der Teputiertenkammer. Paris, 22. Jmtnar.(28. T. B.) Olivier(liberal) führt aus, der Präfctt des Departements Meurthe et Moselle suche vergeblich, die Maßregel zu rechtfertigen, die gegen einen Mann oerfügt worden sei. der in Teutschland ein Beispiel treuer Er- innerung gebe.(Beifall rechts und im Centrum.) Redner fügt hinzu, der Ministerpräsident habe eine That begehen lassen, die er— Redner— eine Entweihung nenne und die andre als die schwerste aller Dummheiten bezeichnen würden. Ter Deputierte für Nancy, Ferri de Ludre(Nationalist), wirft der Präfckturvrrwaltung Parteilichkeit rmd Chilaniersuckit vor. Er könne nicht zulassen, daß man einen Elsässcr, wie Dclsor. der in der Liebe zu Frankreich erzogen sei. als fremden Untcrthan bezeichne.(Beifall rechts und im Ccnttum.) Der Minister- Präsident Co in des erklärt nunmehr, er»volle die Debatte wieder in einfachere Bahnen lenken. Er Ivcrdc sich nicht an die Methode halten, welche hier angewendet. worden sei. uni dem ab- sterbenden Nationalismus wieder ein wenig Prestige zu verschaffen. (Beifall links.) CombcS verliest den Artikel eines Freundes des Herrn Dclsor, in welckcm erklärt wird, daß Dclsor ein unabhängiger Abgcordetcr sei und sich im Interesse der Religion mit den That- fachen abgefunden habe.(Bewegung.) Somit find Dclsor ttnd dieser Freund ivcdcr Frmtzoscn noch Deutsche, sie sind eben nur Kalholikeu.(Beifall links.) Sie operieren gemeinsam für die klerikale Politik. Es ist also nicht die Wahrheit eines Faktums, was Corrard des Ejsarts zur Einmischung belvogen hat, sondern der Wunsch, die Regierung in Verlegenheit zu stürzen(Bewegung. Lärm rechts.) und diesen mehr oder lvenigcr unglücklichen Vorfall für sid> auszunutzen. Combes fährt fort: Sie haben den Nationalis- inus unter das Patronat TelsorS gestellt. Ihre Art der Sluffassung des Patriotismus ist ebenso lärmend wie großmäulig. Sie be- sitzen nichts von dieser stillen Trauer, die Gambetta im Herzen trug. (Beifall links, stürmische Protestrufe auf den Bänken der Nationalisten.) Der Ministerpräsident giebt nun seinerseits an der Hand des Berichtes des Untcrpräfckten in Luneville den Thatbestand wieder. ES folgt daraus, daß man ein großes Geheimnis um den Vortrag, der stattfinden sollte, ivob, man hatte darum das Recht, in Erwägung zu ziehen, daß dieser Vortrag nur die Fortsetzung der bei den in Luneville wohnenden Elsässcr» begonnenen Campagne war hinsichtlich der Munizipalwahleit. daß Dclsor gekommen war, um die Wahlpropaganda gegen den Maire von Luneville zu er- öffnen, der der Konkurrent von Corrard des Essarts bei der Teputicrtcnwahl war. Man kann es bedauern, daß der Präfclt von Nancy, anstatt zur Ausweisung seine Zuflucht zu nehmen, sich nicht mit einer bloßen Drohung der Ausweisung begiuigt habe, die vielleicht dieselbe Wirkung gehabt hatte. Im übrigen ist das Formular, dessen sich der Präfekt bediente, ein seit 30 Jahren gc- bräuchliches. Man hat sich gegen die Worte„deutscher Untcrthan und Ausländer" gewandt, der Unwille ist ein sehr verspäteter. (Beifall auf der Linken)«eit dreißig Jahren tragen sämtliche Beschlüsse diese Ausdrücke, sämtliche Minister haben sie ottgc- wendet. Unter diesen Minister» giebt es einen, der die Lage der Elsässcr gut geheißen hat. er hat daS Elsaß mit einem Fedcrzug gestrichen, hat den„deutschen Unterthan" in dem Auslveisungs- bcschluß verschwinden lassen, aber hat an seine Stelle„geboren in Bischweilcr Deutschland" gesetzt. Dieser Minister ist Ribot.(Beifall auf der Linken.) Ich verstehe nunmehr, weshalb er mich in der vorigen Woche aufordcrte, die Tribüne zu besteigen.(Beifall links.) Der Socialist Paul Constant protestiert gegen jede Art der Ausweisung. Er pcrftehe nicht, daß man jenseits der Grenze geborene Leute als Wilde betrachte, und mißbillige auch die unter Ribot dekredierten Ausweisungen. Sodann besteigt Ribot die Tribüne und hält Coinbeö vor, er habe acht Tage lang die Akten durchwühlen lassen, um die Ausweisungsbefehle zu finden, die er(Ribot) seiner Zeit gegen Verbrecher oder Straf- gefangene erlassen habe und die von Beamten des Sicherheits- dienstes ausgesülli worden seien. Niemand denke daran, aus dieser Frage, welche die zartesten Gefühle des französischen Herzens berühre, eine ÄabincttSfrage zu machen. Er frage aber alle Tcpu- tiertcn, was mau von einer Maßregel denken solle, die mit solcher Ungeschicklichkeit ergriffen worden sei, und frage weiter, ob sie nicht alle die patriotische Erregung billigten. S a r r i e n beantragt im Namen der Linken eine einfache Tagesordnung, um dem Zwischenfall nicht eine Bedeutung zu geben, die er nicht verdiene. Diese Abstimmung werde eine Billigung der Erklärungen CombcS' in sich schließen. Hierauf werden mehrere motivierte Tagesordnungen eingebracht. CombeS spricht sich ur die einfache Tagesordnung' aus, die darauf mit 295 gegen 293 Stimmen unter dein Beifall der Linken angenommen wird. Rußlands Antwort. Köln, 22. Januar.(W. T. B.) Der„Kölnischen Zeittmg" wird heute von ihrem Petersburger Korrespondenten telegraphiert. wie ihm von russischer amtlicher Stelle mitgeteilt werde, sei die Ueberrcichung der russischen Antwort an Japan nicht vor Sonntag zu crlvarten._ Streik von Straßenbahnangestellten. Prag, 22. Januar. Die Bediensteten der hiesigen elektrische» Straßenbahn sind wegen Lohndifferenzen in den Ausstand getreten. Lille, 22. Januar.nuß man sich den Verhältnissen fügen und auf eine bessere Gestaltung der Dinge warten. Ich wünsche dringend, daß eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses der unteren Beamten in den großen Städten und den Jndustriecentren sich ermöglichen lassen. Wenn ivir das Geld haben, sind wir sehr gern bereit, diesen Wünschen in weitestem Umfange zu genügen. Abg. Lattmann(Ant.) stimntt der Verweisung an die Budget« kommission zu und kündigt einen Antrag an, die Stadt Kassel in die Klasse A zu versetzen. Damit schließt die Diskussion; die Vorlage geht an die Budget- kommission. Letzter Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Lesung des Gesetzentwurfs betr. Verlängerung des FriedenSpr äse nz- g e s e tz e s vom 25. März 1899 um ein Jahr. Kriegsminister v. Einem mit einem Stabe von Offizieren betritt den Saal. Abg. v. Elern(k.): Namens meiner politischen Freunde habe ich unsrem Bedauern Ausdruck zu geben darüber, daß in der Vorlage nur eine einjährige Periode für die Feststellung der Friedenspräsenz in Aussicht genommen ist. Wir bedauern das um so mehr, als die Regierung lvohl in der Lage gewesen wäre, den Reichstag früher eiiizuberufc» und ihm Gelegenheit zu geben, schon früher in die Beratung dieses Gesetzes ein- zutreten, das alsdann sicher zur Verabschiedung gelangt wäre. Wir fürchten, daß die Parteien, die einer mehrjährigen Feststellung der Friedenspräsenzstärke unfreundlich gegenüberstehen, die jetzige Vor- läge später benutzen werden, um der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten. Wir iverden in diesem Jahre für die Vorlage eintreten. Ich bitte aber die Regienmg dringend, uns im nächsten Jahre ein Gesetz mit einer mehrjährigen Friedenspräsenz vorzulegen. Abg. Bebel(Soc.): Ter Vorredner hat sich gewundert, daß die Regierung die Friedens-Präsenzstärke nur auf ein Jahr festlegen Ivill. Voraussichtlich lvird sie nächstes Mal niit einer bedeutenden E r b ö h u n g tsmmeu, und deshalb jetzt diese Vorlage. Ich habe nicht die Absicht, zu der eigentlichen Vor- läge zu sprechen. Wir stimmen aus demselben Grunde heute gegen sie, aus dem ivir vor fünf Jahren gegen sie gestimmt haben. Ich will nur meiner Verlvundenlng Ausdruck geben über die Art der Motivierung. Der Reichstag soll keine Zeit mehr haben zur Beratung einer größeren Lorlage. In andren Sessionen sind ivir in einer ganz andren Weise überladen gewesen und das hat die verbündeten Regierungen nie abgehalten. Vorlagen von politisckier Wichtigkeit vorzulegen, lind Militärvorlagen sind für die Regierung immer wichttg.(Heiterkeit.) Wie jetzt überhaupt Vorlagen begründet werden, ist unglaublich. Man verlangt 1>/a Millionen zur B e- kämpfung des Herero- Auf stau des. Weshalb der Aufstand ausgebrochen sei, wisse man nicht. Man verlangt die/Festsetzung der FriedenLpräsenz nur auf ein Jahr, weil der Reichstag angeblich mit Arbeiten überhäuft ist. Und dabei hat er außer dem Etat vorläufig nur zwei Vorlagen zu erledigen, von denen wir die eine gestern, die andre heute beraten haben und die die Zeit des Reichstages schwer- lich sehr in Anspruch nehmen werden. Die Session ivird also vergleichsweise kurz sein. Wir müssen e n er g i s ch dagegen p r o t e st i e r e n, daß man uns blauen Dunst vormacht und müssen die wirklichen Gründe verlangen. Man lvill tine be- deutende Vermehrung der F r i e d e n s p r ä s e n z st ä r l e. vielleicht auch bedeutende organisatorische Veränderungen. Die können aber der dermaligen Lage der Finanzen iintcr keinen Umständen erfüllt werden, und aus diesem Gründe und. aus keinem andern hat die Regierung diese Vorlage gemacht. Wenn sie das einfach erklärt hätte, hätte ich kein Wort gesagt. Abg. Fritzen(C.): Wir sind der Ansicht, daß es überhaupt lo eck mäßig wäre, die Friedenspräsenz jährlich e st z u s e tz e». Daher sind ivir mit der Vorlage, durchaus ein- verstanden. Die Begründung scheint auch m i r w e n i a ausreichend zu sein. Sonst ist die Militärverwaltung nicht so rücksichtsvoll gegenüber den Arbeiten des Reichstags gewesen, sondern hat stets gefordert, was den militärischen Interessen cut- sprach. Ich hoffe, daß uns in der Budgcttommission einigermaßen reiner Wein eingeschenkt lvird über das, was im nächsten Jahre zu erwarten ist. Ich kann, ohne die Stellungnahme meiner Fraktion zu binden, schon jetzt erklären, daß. wenn die Vorlage im nächsten Jahre irgend welche ins Gewicht fallende Erhöhung des Ouiuqucnnats briugen würde, sie die Zustimmung niemer Freunde nicht finden würde.(Bravo! im Ecntrum.) Abg. Sattler(natl.): Wir haben stets betont, daß wir eine Bindung der Friedcnspräsenz auf mehrere Jahre für durchaus not- wendig halten. Daher erfiillt uns der Weg, den die Regierung in diesem Jahre eingeschlagen hat, mit Besorgnis. Wir sind auch für Kommissionsberatung. Abg. Schräder(frs. Vg.): Die Motivierung der Vorlage geht uns nichts an, daß sie nicht zutreffend ist, davon sind wir alle mit einfand er überzeugt.(Große Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Es ist möglich, daß im nächsten Jahre eine Vorlage kommt, die uns nicht gefällt. Jetzt handelt es sich nur darum, dies Gesetz zu stände zu bringen, um vom 1. April an unsre Militärverhältnisse aufrecht zu halten und da uns keine neuen Lasten damit auserlegt werden, so haben wir gar keinen Anlaß, dem Gesetz zu widersprechen. Wir werden ihr lvohl alle zustimmen mjt Ausnahme meiner Freunde auf der linken Seite.(Rufe rechts: Freunde'{ Heiterkeit.) Abg. v. Kardorff(Rp.): Mir scheint die Sache ganz einfach so zu liegen, daß wir jetzt die Vorlage annehmen und uns alles übrige vorbehalten. Kriegsminister v. Einem: Ich möchte dem Herrn Redner vom Centrum erwidern, daß ich hoffe, in der B u d g e t k o ni in i s s i o n Gelegenheit zu haben, mich darüber aussprechen zu könncn. was die Vorlage des nächsten Jahres enthalten wird. Ich bin überzeugt, sie wird nicht das Bedeutende enthalten, was Herr Bebel erwartet. Damit schließt die Beratung. Die Vorlage wird an die Budget- kommission verwiesen. Präsident Graf Ballestrem: Wir würden jetzt zur zweiten Beratung des Reichshaushalts-Etats kommen. Ich glaube aber nicht, daß es sich empfiehlt, dieselbe an einem Sonn« abend zu beginnen(Sehr richtig!) und schlage Ihnen daher vor, die nächste Sitzung zu halten Montag 1 Uhr mit der Tagesordnung': 2. Beratung des Etats und zwar Etat des Reichstags und des Reichsamts des Innern. Schlich 3°/« Uhr. partci-JVacbncbten, Der Dresdener Parteitag und die sächsische Wahlresorm. Der sächsischen Regierung, die im Jahre 1836, sieben Jahre vor den« Dresdener Parteitage, das damalige gleiche Wahlrecht abschaffte und damit die Arbeiterklasse vollständig von der Per- tretung im Landtag ausschloß, hat es gefallen, sich jetzt für die Verweigerung des gleichen Wahlrechts auf den Dresdener Parteitag zu berufen. Durch diesen faulen Zauber hat sich die Chemnitzer„Volks- stimme" zu einer argen Ungeschicklichkeit verleiten lassen, indem sie schrieb: „In der Uebersicht, die die Denkschrift von den verschiedenen Refornivorschlägeil giebt, wird die Forderung unsrer Partei und der Freisinnigen nach dem allgemeinen gleichen Wahlrecht aus der Grundlage des Proportionalsystems vornehmlich unter Berufung auf den Verlauf des Dresdener Parteitags abgethan als etwas-, was für die sächsischen Verhältnisse nicht pasie. Weil Bebel sich als Todfeind der bürgerliche» Gesellschaft und � ihrer Staatsordnung bezeichnet und der Parteitag ihm zugestimmt hat, deshalb müsse das allgemeine gleiche Wahlreckll unbedingt verworfen werden, weil es Mittel und Weg zum social- demokratischen Endziel sei. Nun, hätte Bebel jene Worte nicht ge- sagt und hätte der Parteitag auslatl„revolutionär"„revisionistisch" entschieden, so würde die Denkschrift das allgemeine gleiche Wahl- recht sicherlich aus einem andern Grunde ebenfalls unbedingt ver- werfen: immerhin beweist diese Verwertung deS Verlaufes des Dresdener Parteitags durch die Regierung.>oic recht unser Blatt hatte, als es in der stritik deS Dresdener Parteitages dem Sinne nach äußerte, daß man dort unfern Gegnern Waffen verschafft habe. Die Wiedererlangung des gleichen Wahlrechts ist jetzt, nach dem Dresdener Parteitage, auf unabsehbare Zeil so gut wie aus- sichtslos. Es hieße die gemeinste.Kriecherei vor den Führern unsrer Partei treiben, wenir wir den schweren Fehler, den die Redselig- keit auf dem Dresdener Parteitag begangen hat, bei dieser Gc- lcgcnheit nicht als das bezeichnen wollten, was er ist." Wir sind gewiß nicht entzückt gewesen voni Verlauf des Dresdener Parteitages und haben das zur rechten Zeit auch gesagt, aber jetzt, wo eS sich darum handelt, den Kampf gegen die Ver- Weigerung des wichtigsten Volksrechtes, gegen die Majorisierung der Volksinehrheit durch eine Minderheit zu führen und durch rücksichts- lose Aufdeckung der Iv a h r c n Gründe der herrschenden Clique dein Volke die Augen zn öffnen, jetzt sich hinstellen und sagen: seht, das kommt davon, das mag dem kühlen Zuschauer eines netten Spieles als überlegene Objektivität wohl anstehe«, dem Kampfe für die Rechte des Volkes dient eine solche Taktik jedoch nichts, Die„Leipziger Volkszeitung" hat bereits sehr scharf gegen die Auslassungen der„Volksstimme" protestiert und auch die„Sächsische Arbeiterzeitung" hat sie entschieden zurückgewiesen. Wir erwarteten, die.Volksstimme" werde einsehen, daß sie einen Fehler gemacht, nachdem sie aber heute in Erwiderung aus die aller- dings sehr heftigen Angriffe der„Leipziger Volkszcitung" ihre Taktik als eine ganz besonders kluge noch zu rechtfertigen sucht. loollen auch wir mit unsrer Meinung nicht hinter dein Berge halten. Jetzt gilt es den entschiedensten Kampf gegen die sächsische Reaktion; mit Klagen über Vergangenes schlägt man keinen Feind, am wenigsteit einen solchen, der so skrupcl- loS von feiner Macht Gebrauch macht, wie die herrschende Clique. Zur Stimmenthaltung unsrer Reichstags-Fraknon gegenüber der Nachtragsforderimg zum Kriege gegen die HereroS schreibt die „Freie P r e s s e" in E l b e r'f c I d: „Wir müssen gestehen, baß uns der Beschluß der Fraktion nicht gefällt. Mag man auch zugleich betonen, daß unsre bisherige grund- sätzliche Haltung zur Kolonialpolitik dadurch nicht alteriert werde, in Wirklichkeit ist das doch der Fall. Wir befürchten, daß das der erste Schritt ist, die Kolouialpolitik auf halbem Wege mitzumachen, etwa in dem Sinne, den Bernstein schon längst entwickelt hat. Und von da bis zur Welt- und Flottenpolitik der Freisinnigen Vereinigung ist nur ein zweiter Schritt. Unter der Begründung, welche unsre Fraktion ihrem Beschluß gegeben hat, werden sich eine ganze Anzahl weiterer Forderungen der herrschenden Klasse bewilligen lasse», Ivelche die Partei bisher grundsätzlich abgelehnt hat." Auch die„Dortmunder Arbeiter-Zeitung" spricht ihr Bedauern über die Haltung der Fraktion aus. Die Stuttgarter Gemeindewahlen. In der Parteiversammlung, die sich mit dem Ausfall der Wahl beschäftigte, kam es zu erregten Auseinandersetzungen. Ter Bor- sitzende des städtischen Komitees, Genosse Hey m an», beschuldigte, so schreibt man uns von dort, in seinem einleitenden Referat die Redaktion der„Tagwacht", daß s i e Artikel in die Parteipressc lanciere, um sie dann als„Preßstinnnen" repro- duzieren zn können, insbesondere rühre die scharfe Kritik in der Nummer vom 16. Dezember des„Vorwärts" von dem Stuttgarter Korrespondenten des„Vorwärts" her, der in der Redaktion der„Tagwacht" sitze. Wir haben, meinte Heymann, es mit einem geschlossenen Kreis zn thun: diesen müssen wir überwinden, s o n st sind iv i r verloren'! Wenn in einem andern Artikel deS„Vorwärts" getadelt werde, daß die Kandidaten der Partei„als echte und rechte Ver- treter des Mittelstandes" empfohlen ivordcn, so müsse gesagt werden, daß dieser Satz nur eine polemische Antwort an die deutsche Partei gewesen ist. Man könne nicht annehmen, daß der Schreiber des„Vorwärts"» Artikels so dumm gewesen sei, dies nicht zu merken: so bleibe nichts übrig. als böse n Willen anzunehmen. Der Ausfall der Wahl sei durchaus kein Beweis für die II n Zuverlässigkeit der Volks- Partei; denn die Zahl der unabgeänderten Stimmzettel fei gegen- über der letzten Wahl von 1206 auf 1317 gestiegen. Auch fei ein Flugblatt, welches das focialdemokratische Kommunalprogramm enthielt, am Tage vor der Wahl zur Verbreitung bestimmt gewesen. Man dürfe also nicht den Vorwurf erheben, daß keine prin- cipielle Agitation getrieben worden sei. Wenn leider «wie cS sich in der Versammlung ergab). kein einziger der vier Redakteure der„Tagwacht" und eine sehr große Zahl der VersammlungSbcsucher von diesem Flugblatt und von vier andren Special-Flugblättcrn keine Kenntnis erhielt und von ihren. Erscheinen erst in der Versammlung erfahre, so sei daran die Nachlässigkeit der für die Flugblattverteilung angestellten Arbeitslosen schuld. Zu dem Ausfall der Wahl habe auch die wenig glückliche Auswahl der Kandidaten beigetragen. In längeren und zum Teil sehr scharfen Ausführungen kommt Genosse Heymai, n sodann aus die Entwicklung der Proporzfrage zu sprechen, die einer Anregung des Genossen S p e r k a entsprang. Die in der„Tagwacht" gemachten Darlegungen über den rein rechnerischen Charakter der Wahl ivcisc er zurück und er möchte den Parteigenossen, der auf einen socialdemokratischen Vorschlag dcutschparteiliche. konscr- vative und Centrumskandidaten setzen wolle, wie es die Befürworter des„fteiwilligcn Proporzes" wollen, nicht der Kritik einer Partei- Versammlung aussetzen. In der Diskussion wies Genosse S p e r k a darauf hin. daß e-Z ein andres gewesen sei, der Volkspartci auf dem Rathause Wahl- Hilfe zu leisten, solange sie Minorität gewesen sei, und ein andres, sich jetzt. Ivo sie die absolute Mehrheit habe, mit- verantwortlich zu machen für ihre Thaten, die die schärffte Kritik herausfordern. Das Wahlbündnis aber verurteile nur in der Agitation zum Schweigen: wir können die Wirtschaft aus dem Rathause nicht angreifen, wenn wir selbst der Majoritätspartei zur Verlängerung ihrer Alleinherrschaft frei- willig verhelfen. Die Art. wie die Volkspartei bei dem Kompromiß die Soeiakdemokratie regelmäßig übers Ohr haue, müsse die Abneigung gegen das Kompromiß noch verstärken. Deshalb«ei bei ihm der Gedanke eines„freiwilligen Proporzes" auf- getaucht, den er in Besprechungen rein privaten Charakters mit Führern der Deutschen Partei erörtert habe. ES sollte auf Grund des Kräfteverhältnisses, welches die verletzte Gemcindewahl aufwies, eine Aufteilung der Mandate an die verschiedenen Parteien erfolgen: dadurch wäre zwar die Deutsche Partei auf dem Rat- Haus gestärkt worden, aber auch die Socialdemokratie: diese hätte statt eines Mandats, deren drei oder vier erhalten, und wäre infolge Verdrängung der V o l k s p a r t c i aus der absoluten Majoriät das Zünglein an der Wage geworden. Dann hätte sie ihre Macht gebrauchen können, während sie heute— selbst bei einer weiteren Vermehrung der Mandate— zur Ohnmacht verurteilt ist gegenüber der kompakten Majorität der Volkspartei. LaudtagS-Abgcordneter Genosse Keil protestierte scharf gegen Heymanns Unterstellungen bezüglich des Artikels in der Partei- presse. Bei der durch das L i st e n- W a h l s y st e m bedingten Aussichtslosigkeit, allein etwas zn erreichen, sei er nicht gegen Kom- promisse überhaupt: aber er könne ein politisches Zusanm, engchen weder mit der Volkspartci, noch mit einer andern Partei auS andern als aus rechnerischen Gründen befürworten, niemals aber aus politischer Zuneigung. In dein Augenblicke, wo die Volks- Partei die absolute Mehrheit auf dem Rathause erlangt habe, müsse sich unsre Opposilio» gegen diese richten. Wenn wir eine Oppositions- Partei bleiben wollen, müssen wir nicht nur bei den Gemeinde- wählen socialdemokratische Po'u-t treiben, sondern auch auf dem R a t h a u s c. Aber die Uebereinstiminiutg unsrer RathauSvcrtretcr in sehr wichtigen Dingen ist Lider zn vermissen. Der zerfahrenen Rathaus-Politit müsse ein Ende gemacht werden, damit man endlich einmal wieder zu einer einheit- lichen. richtigen, proletarischen Taktik gelange.«Beifall.) Genosse F i s che r erklärte sich mit den Darlegungen Heymanns voll- ständig einverstanden. Es sei falsch, die Volkspartei vollends nach rechts hinüber zu trcibeii. Tie Genossen O st e r. F r e y und Rudolph erklärte» sich für nicht einverstanden mit der Art der betriebenen Agitation. Letzterer griff die„Tagwacht" scharf an. weil sie gegen die S t e g m ü l l e- r e i e n. wie sie bei der diesmaligen Geineiuderatswahl unterlaufen sind, nicht genügend scharf Stellung genommen habe. lim 1 Uhr nachts wurde die Versammlung abgebrochen und die Fortsetzung der Diskussion auf die nächste Woche vertagt. Die Annahme des Genossen Heymann, daß die kritischen Artikel im„Vorwärts" von Redakteuren der„Tagwacht" herrührten, ist irrig. Keiner dieser Artikel stammt von einem Korrespondenten: es sind Rcdaktionsartikel, die geschrieben wurden auf Grund der Mit- teilungen und Artikel in der„Schwäbischen Tagwacht. Daß uns von einer Agitation zu den Wahlen nichts bekannt geworden ist, kann man uns wohl nicht zur Schuld anrechnen, wenn nicht einmal das Parteiblatt und die Besucher der Parteiversammlung etwas davon erfahren haben. Sehr erheblich kann sie danach nicht ge- lvcsen sein. In dein einzigen uns bekannt gewordene» Aufrufe ist in der That von dreien der aufgestellten fünf Parteikaudidaten nur gesagt, die Partei„präsentiere in ihnen drei echte und rechte Vertreter deS kleingewerblichen Mittelstandes". Es ist richtig, daß der Aufruf gegen den Borwurf polemisiert, die Socialdemokratie wolle den Mittelstand vernichten, aber Ivir können den Vorwurf der Mittelstands-Ver- n i ch t u n g sehr wohl widerlegen, ohne uns als Mittelstands- Vertreter zu empfehlen. Und schließlich gehört zur Wahl- agitation noch envas mehr wie die bloße Verwahrung gegen einen solchen Vorwurf._ Aus de» Organisationen. Der socialdemokratische Verein Magdeburg hat jetzt rund 1600 Mitglieder. daS sind seit dem 1. Juli 340 Zuwachs. Aus der Abrechnung geht hervor, daß die Landtagswahl den Verein 3290 M. gekostet hat. Eine Kreiskonferenz für den Reichstags-Wahlkreis U s e d o m- W o l l i n beschloß die Gründung eines Wahlvercins für den ganzen KreiS mit dem Sitze in Jatznick. Als Beitrag wurden 20 Pf. pro Monat festgesetzt. Der socialdemokratische Verein in O f f e n b a ch hatte am Jahresschlüsse 1330 Mitglieder gegen 1051 am Beginn des Jahres 1903. Die Einnahmen betrugen 5089 M., darunter 3311 M. Beiträge. Ter socialdemokratische Verein in M ü n ch c n zählt jetzt 3904 Mitglieder gegen 3132 am 1. April. Die Jahreseinnahme bc- lief sich auf 24 551 M., darunter 10 306 M. au Beiträgen und Eintrittsgeldern: aus Darlehen werden 2070 M. und aus dein Reservefonds 1500 M. als Einnahme genannt, alles übrige sind reine eigne Einnahmen der Organisation. KerUmr partci-Hncfclegcnbcitcn. Sechster Wahlkreis, Schönhauser Vorstadt! Sonntagabend 5 Uhr ,..idcr im„Jägerhaus", Schönhauser Allee 103, eine Versarnrn- l u n g für Männer und Frauen statt, in welcher Genosse Bartels 'einen dritten Vortrag über„Das Erfurter Programm" halten wird. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. Um rege Be- tciliguug ersucht Der Vertrauensmann. Steglitz. Wir inachen daraus aufmersam, daß die Wählerlisten auch am kommenden Sonntag von'/„12—'/„l Uhr mittags im Rathause, Zimmer 13, jauslicgcn. Nieder-Schöneweide. Heute abend 3>/z Uhr findet bei Franz, G r ü n a u e r st r a ß e, die fällige V e r c i n s v e r s a in m l u n g des Wahlvercins statt. Desgleichen werden die Parteigenossen ersucht, soweit sich noch Urania-Billets in ihren Händen befinden, dieselben abzuliefern oder den Betrag dafür abzurechnen, da noch anderweitig Billets verlangt werden. Die Gemeindewähler- l i st e n liegen für unser» Ort im Gemeindchause in der Zeit der Bureanstunden bis zum 31. d. M. öffentlich aus. Für diejenigen, welche keine Gelegenheit haben, die Listen nachzusehen, wird dieses von den Parteigenossen Paul Bcngsch. Hassclwerderstr. 2, sowie von Johann Franz, Grünaucrstr. 5, besorgt werden. lokales. Altbcrlinische Zeitungöplackereicn. Wir haben uns bereits vor einigen Tagen mit dein lesenswerten Buche von Conscntius„Die Berliner Zeitungen bis zur Regierung Friedrichs des Großen" beschäftigt und daraus nachgewiesen, daß sie Demütigungen vor Rußland altes Herkommen in Preußen sind. Aber ebenso alt sind die Scherereien, die an sich den Zeitungen in Preußens Hauptstadt bereitet wurden. Die ersten Spuren gedruckter Blätter sind aus dem Beginn des dreißigjährigen Krieges erhalten und aus derselben Zeit bringt der Verfasser auch Nachrichten über Censurmaßnahmen. Auf eine Beschwerde des kaiserlichen Gesandten über Nachrichten in dem damaligen Berliner Blatt. die in Wien iinaiigenehm empfunden wurden, verordnete der Kurfürst Georg Wilhelni, das Mann das Jenige vngedrückt lasse, was zu vcrmuthen. das olkeus erregen möchte, vnd tan Allein das vbrigc gedrückt vnd was dergestalt Außgelas'en wirbt, doch ivoll denen, lvclchen die gedrückte JWison zugeschickt, dabey geschrieben werden. Im Jahre l66l beschwerten sich die Berliner Geheimen Räte beim Rat zu Hamburg über die in der dortigen Zeitung über Brandenburg gedruckten„auSverschämten lügen": und bei dieser Ge- legenhcii wurde auch dein damaligen Berliner Zeitungsdrucker Christoph Runge von neuem der Befehl erteilt,„nichts zu drucken, so einem oder andern Potentaten anzüglich sein kann" und seine Zeitung dem Caminer-Sekrelario zur Revision zu bringen. Doch scheinen diese Sicherheitsmaßnahmen nichts genützt zu haben, denn in einer Ver- ordnung vom 5. März 1662 befahl Kurfürst Friedrich Wilhelm dem erwähnten Buchdrucker,„daß er sich von äato an des Druckes der Zeitungen durchaus enthalten solle". Lange Zeit scheint dies Verbot nicht bestanden zu haben, denn eS finden sich schon ans dem nächsten Jahre wieder Reste an Zeitungen. Im Jahre 1691 wurde der Geheime Sekretär Fisch« als Censor bestellt und zwar mit der Weisung, daß er sich von de» Geheimen Räten Bescheid holen sollte, wenn er„einigen Skrupcl" in einem Zeitungsblatt fände. Um die Wende des Jahrhunderts war trotz der Censurhemmungen die Zeitungsleltüre so allgemein geworden, daß„nun fast kein Handwerks Mann, der des lesenS und schreibe»-- kundig ist. sich findet, der nicht gern wöchentlich seine Zeitung lesen solle". Das Zeitungslescn gab nach der Ansicht der Behörde..auck, Gelegenheit zu allerhand unnützen und ungebührlichen auch öffters in der Eo(mblicnis scbädlichen rliscursen und urtyeilen". Es schien mithi» nötig, den Versand der Zeitungen in gewisser Weffe zu beschränken, und da die„Avisen" fast das ganze Felleisen der reitenden Post füllten, sollten sie zum Teil der fahrenden Post überschrieben werden. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erhielt der Censor Anweisung, alles zu streichen, was die Ehre Gottes verletzte, der christlichen Religion oder der gefunden Moral schaden konnte. Er durfte nicht zulassen, daß von der Regierung und hohen Obrigkeit verächtlich gesprochen wurde, und hatre darauf zu sehen, daß der schuldige Respekt gegen die höchsten Häupter gewahrt würde. Es durfte nichts gegen das Interesse des Königs und feiner hohen Alliierten gesagt werden, der Censor hatte auch ein vorschnelles Urteil über fürstliche Handlungen zu unterdrücken und„ein vernießnes 0! r übel n in den G e h e i m n ü s s e n des Staate s" nicht zu dulden. Schließlich hatte der Censor auch alles zu streichen,„woraus dem publicc, mehr schaden als nutzen erwachsen und die Leser mehr geärgert alß erbauet werden möchten". Im Jahre 1713 wandte sich Friedrich Wilhelm l. in einem un- gnädigen Dekret gegen den damals wie heute üppig wuchernden Byzantinismus.„Sie«des Königs Majestät' wolle nicht, daß wenn Sie kaum etliche Stunden aus der Stadt reisen, oder das Geringste, was Sie hier nur vornehmen, gleich in den Zeitungen hier und anderswo gedrucket werden." Daß dieser Monarch im übrigen auf eine strenge Zeitungscensur hielt, zeigen die Mitteilungen, die wir über seine Maßnahmen wegen der russischen Beschwerden veröffentlicht haben. Als am l i. Februar 1737 ein Lustspiel„Die Pietistercy im Fischbein-Rocke" in der Zeitung angezeigt wurde, Kerregte dies solchen Anstoß, daß ein neues überaus strenges Censur-Edikt erlassen wurde. Wie aber damals mit Preß sün der n umgesprungen wurde, lehrt eine Mitteilung, die am 18. Dezember 1728 auf Befehl des Königs in die Zeitung gerückt wurde: „Es hat sich Hierselbst ein betrüglicher Mensch gefunden, welcher allerhand gottlose und grund-falsche Zeitungen, von hier an, an seine auswärtigen Korrespondenten und GazettierS gc- schrieben. Da er aber darüber ertavpct. und zur gebührenden Inquisition gezogen werden solle, hat sich derselbe des Nachts. zwischen dem 16. und 17. dieses, auf dem Bett liegend, aus Trieb seines bösen Gewissens, mit einem heimlich bcy sich gc- tragencn Federmesser entleib t." Möge dieser tragische Fall heute noch allen, die eine gottlose Feder führen, zur Warnung dienen! Das Berliner Fernsprechnetz hat jetzt die Zahl von fast 73000 An- schlüsselt zu Anfang dieses Jahres erreicht. Die Zusammenstellung der Anschlüsse im Ober-Postdirektionsbezirk Berlin, wie sie alljährlich auf Grund der Fernsprechgebühren erfolgt, hat 72 869 Haupt- und Nebenanschlüsse ergeben. In Betracht gezogen sind hier lediglich die Orte des Berliner Bezirks, deren Teilnehmer im Fernsprech-Vcrzeichnis unter Alphabet gebracht sind. Die Anschlüsse der Vororte im Pots- damcr Bezirk sind dabei nicht einmal gezählt. Das Berliner Fern- sprechnetz hat sich demnach im Jahre 1903 um fast 10 000 Anschlüsse vergrößert. Nicht viel mehr als dieser ZulvachS, nämlich 10 923 Anschlüsse, entfallen auf die Vororte. Der ganze Rest mit nahezu 62«X)0 Anschlüssen kommt auf die Vermittclungsstcllen in Berlin selbst. Die genaue Zahl ist 61 949. Berkchrsvcrhältnissc am Potsdamer Platz. Seit Jahren ist man seitens der Stadt bemüht, die Verkehrsverhältnisfe am Potsdamer Platz zu bessern. Die bisher zn diesem Zweck angewandten Mittel haben den erhofften Erfolg indessen nicht gehabt, wie sich leicht jeder- mann überzeugen kann. Auch in der gestrigen tvtagistralssitziing fand wieder einmal eine Besprechung der mißlichen Zustände stall. und zivar anläßlich einer Aufforderung seitens des Polizei- Präsidiums. Einzelnen der vorn Polizeipräsidium vorgeschlagenen Maß« regeln konnte nicht zugestiinint werden, so der Anlage eines neuen Fahrweges vor der Jostyschen Konditorei. Zur Erörterung kam auch, ob nicht die Anlage einer Unterführung für den Personen- verkehr unter dein Potsdamer Platz den überstarken Verkehr auf dem Platze ablenken würde. Man sah aber davon ab, einem solchen Plaue näherzutreten, weil, abgesehen von dein Kostenpunkte, eine Unter- fllhrung auf der in Frage kommenden kurzen Strecke nicht von Nutzen sein würde, ebensowenig wie das Verbor, leeren Droschken nur den Weg hinter den Steuerhäusern zu gestatten. Dagegen fand der Vorschlag, den Taxameterdroschken zu erlauben, den Iveitcreu Weg durch die Leimestraße und Voßslraße, anstatt durch die Bellevue- und Boßstraße zu fahren, Annahme.— Einem Durchbruch der Margaretheiistraße nach der Potsdamerstraße wurde nicht zustiimm, weil dadurch eine Erleichterung des Verkehrs kaum stattfinden dürfte. Die Beratungen haben also zn keinem greifbaren Resultat geführt. Unglückliche Liebe zum Militär. Ein fahnenflüchtiger Freiwilliger vorn 3. Garde-Ulanen-Reginicnt. der seit neun Tagen aus Potsdam abgängig war, wurde in Berlin, wo er früher als Sckmeider ge- arbeitet hatte, festgenommen und zu seinem Regiment zurückgebracht. Ebenso wurde in Plaue an der Havel ein vom 3. Feld-Arffllcric- Regiment in Brandenburg a. H. desertierter Kanonier, der erst kürzlich neun Monate Festung verbüßt hatte, festgenommen. Der Schwindler Major von Schiemang ist der hiesigen Kriminal- Polizei schon vor ctiva 4 Monaten von Nc>v?)ork ans signalisiert worden. Die Bemühungen der Kriminalpolizei, des Burschen habhast zu werden, waren lange Zeit vergeblich, obwohl Schiemang im Verkehr mit Damen stets unter seinem richtigen Namen auftrat. Erst Dezember vorigen Jahres konnte die Polizei feststellen, daß der Major eine Wohnung in der Nähe der Brunnensrraße hatte, sie vermochte aber den Oiamier noch immer nicht zu fassen. Indessen gingen fast täglich Meldungen bei der Polizei über das Auftauchen des Schwindlers ein, der bald Heiratsabsichten zu erkennen gab. bald Agent war, je nachdem er sich irgend welche Geldmittel ver- schaffen konnte. Er besaß u. a. auch eine Vollmacht zum Verkauf eines Specialitätcn-ThcaterS in New Aork und suchte längere Zeit nach Personen, die die Absicht hatten, eine kleine Anzahlung zu leisten. ischiemang verstand es vorzüglich, sich den Anschein eines steinreichen Mannes zu geben und besaß eine ganze Kollektion von Diamant- ringen und Colirärs, deren Steine zum Teil von geradezu riefen- haften Timcnsioncu waren und, wenn sie echt gewesen wären, ein ungeheures Kapital repräsentiert hätten.— In der Auswahl seiner Bräute war der amerikanische Offizier durchaus nicht besonders peinlich: die Kapitänswirwe hatte mit Dienstmädchen, Kellnerin neu, und Artisttnnen zu konkurrieren, die Heiratsvcrsprcchen von Schiemang erhalten hatten und vielfach dem im Augenblick in Geld- Verlegenheit befindlichen zukünftigen Gatten kleinere oder größere (.Geldbeträge liehen. Natürlich haben die Bräute das Geld nie, den Bräutigam nur ausnahmsweise wieder gesehen. Die Voruntersuchung gegen die Engelmacherin Krüger aus Schöne- bcrg ist noch immer nicht abgeschlossen. Es liegen der Untersilchungs- behörde neue Meldungen vor. durch welche die K. beschuldigt wird. durch systematisch schlechte Behandlung den Tod von Säuglingen herbeigeführt zu haben. Die bisherigen Vernehmungen haben dazu geführt, daß die Untersuchung auch aus Personen ausgedehnt worden ist. welche Kinder in Pflege gegeben haben. Es wird behauptet. daß die Beschuldigten Kevntnis von der Art der Behandlung der Kleinen gehabt hätten. Die Krüger ist schon vor mehreren Jahren wegen ähnlicher Bergehen in Untersuchung gewesen und wegen Miß» Handlung ihr anvcrtrantcr Kinder bestraft worden. Ein aufregender Lorfall ercigneic sich gestern morgen auf der Stadtbahnstation Sralau- Rummclsvurg. Der Maurer Bauer wollte ge�u 7. illst«inen in der SWiing der Tindt fMellden. tifrcitS in Bewegung befindlichen Tudringzug bciwigen Und sprang auf das TrittUrett des vorlcprcn Wagens.?>ss B. die Coupäthür auftntz, gliil er aus. fiel jedoch nicht auf den hochliegcndcn Bahnsteig, sondern geriet mit den Beinen in die schmale Spalte zwischen Tritt- breit und Pcrronwand. Ter Maurer stürzte in die Tiefe, so da st er mit den Fitsten auf dem Bahnkörper zu stehen kam, während sein Unterleib zwischen den Trittbrettern des Zuges und der Bordschwelle des Bahnsteiges festgeklemmt wurde. Durch die Rufe der Bahnsteig- beamten und der Passagiere aufmerksam gemacht, gab der Lokomonv- sichrer sofort Gegendampf, doch rollte noch der Tchlustwagen des Zuges über den Lrörper des B. hinweg.— Die entsetzten Fahrgäste glaubten, dast der Bcrungtückie völlig zermalmt sein müstte. Wunder- barerweise jedoch hatte der Maurer nur leichte Quetschungen am Unterleib und Berletzuugen am linken Bein erlitten und konnte nach erfolgter Pcrsonalfcststcllung seine Arbeitsstelle aufsuchen. StaatsanwaltlicheLerfolgung von Humor. Nachdem der Strafantrag der Staatsanwaltschaft gegen die Redaktion des„Humoristischen Erira- blattcs" wegen einer politischen Buschiade in Nr. l des Blattes vom königlichen Landgericht abgelehnt worden ist, unter der Begründung, dast sich der fragliche Artikel mit zugehörigen Bildern nur als eine .Karikatur darstelle, hat auf Beschwerde des Oberstaatsanwalts der Strafsenat des königlichen skammergerichts beschlossen, nunmehr doch das Hauptvcrfahrcn gegen die Redaktion des„Humoristischen Extra- blattcs" zu eröffnen. Einen empfindliche» Berlust erlitt gestern nachmittag ein Kauf- manu aus Mvabit. der in der Dirasenftraste in der Nähe der Spandauer Brücke ein Cafe besucht hatte und um 4 Uhr mit der Stadtbahn vom Bahnhof Börse wieder nach Moabit fuhr. Entweder im Cafe oder auf dem Wege zum Bahnhof kam ihm seine Brief- tasche mit 20350 M. abhanden. Erst als sich der Zug in Bewegung gesetzt hatte, nahm er den Berlust wahr. Die Tasche besteht aus schwarzem Leder und hat einen länglichen schwarzen Berschlust. In ihr befand sich ein Notizbuch, das 20 Eintausendmarscheine, 3 Ein- Hundertmarkscheine und einen Fünfzigmarkschein barg. Vom Fahrstuhl erschlage» wurde gestern nachmittag der 48 Jahre alte verheiratete Schlossergesclle Rudolf Gramsch aus der Acker- strahe IN. als er auf einem Fabrikhof in der Ackerftrastc 120 mit einer Ausbesserung der Anlage beschäftigt war. In dem Augenblick. als er sich in den Schacht vorbeugte, kam der Stuhl herunter, traf ihn im Genick und zerschmetterte ihm den Wirbclknochcn, so dast er tot zusammenbrach. Mit Leuchtgas vergiftet Hai sich im Untersuchungsgefängnis ein Arbeitsbursche Alfred Zicgler aus Steglitz, der sich seit kurzem in Haft befand. Als man ihn auffand, war er tot. WiederbelebungS- versuche hatten keinen Erfolg. Die Leiche eines neugeborenen Mädchens wurde am 20. d. M. in dein Hausflur An der Michaelbrücke 1 geftindeit. Die Leiche war in graues �und gelbes Packpapier eingeschnürt. Zur Umschniirung war ein Stück Bindfaden und ein �tück Gardinenichnnr benutzt worden. Auf der linken Wange befand sich ein blauer Fleck, an- scheinend von einem Schlage herrührend. Zweckdienliche Mitteilungen zur Ernmielung der Mutter des .tdindcs wolle man auf dem nächsten Polizeirevier zu Nr. 645 IV. 27. Ol machen._ Im Arbcitcrinncnheim wird am Sonntagabeud 7 Uhr ein Lichtbilder-Vortrag„Eine Reise durch Italien" gehalten. Der Eintritt ist frei; Mädchen und Frauen sind willkommeit. Im Verein für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschullehrern beginnt am Montag, den 25. d. M., abends 8'/» Uhr, Herr Profesior Dr. H o e n i g e r seinen Bortragskursus über'„Sociale Geschichte Teutschlands von der Reformation bis zur Revolution" in der Aula des städtischen Realgymnasiums in R i x d o r f, Kaiser Friedrich- siuiste 210. Eintrittskarten zu einer Marl für den sechs Abende um- sauenden Kursus sind zu haben in Rirdorf, Bickhardtsche Buchhandlung, Bergstr. 13, und am ersten" Vortragsabend im Real- ghumasium. Im EirkuS Vilich haben Spröfzlingc einer bengalischen Königs- tigcrin und eines Scncgallöwcn wu Donnerstagabend das Licht der Welt erblickt. Tie Sawadesebc Raubtiergruppc, wclcbcr die Eltern angehören, hat durch diesen seltenen Zuwachs eine ganz besonders interessante und außerdem noch recht wertvolle Bereicherung erfahren, denn Bastarde von Löwe und Tiger zählen in der That zu den seltensten Vorkomuinisfen auf zoologischem Gebiet. Herr Richard Eatvadc bat in Beziehung auf Zuchtrcsullatc übrigens Glück; »Venus", die augenblickliche Wöchnerin, überrascht jetzt schon zum zweitenmale mit solchen Bastardspröstlingen. Vom ersten Wurf leben vier prachtvolle Exemplare und gedeihen vorzüglich; sie sind vorläufig im Carl Hagciibcckschcu Tierpark in Hamburg untergebracht und sollen demnächst als Prunkstücke mit einer Drcssnrgrnppe zur Welt- ousstellung nach t-r. Louis gehen. Die Bastarde zeigen in Kopf- und Prankenform, desgleichen in der gelben Grundbchaarung Aclmlichkeit mit dem Vater, haben aber von der Mutter die schwarzen Streifen. „Milan", der Löwenvater, befindet sich zur Zeit bei einer andren Dresiurgruppe. Die jüngsten Geburten, Drillinge, nahmen unter Assistenz des bekannten Tierarztes Klmguer einen durchaus normalen Verlauf: die tieiiien, etwa 8 Zoll langen Kätzchen sehen niedlich aus und werden von der Mutier mit rührender Sorgfalt bebütct und genährt. Wann„Frau Venu" ihr nächstes Debüt in der bekannten Sawa deichen Gruppe geben lvird, ist unbestimmt; bei der kräftigen Konstitntion der fünfjährigen Mutter dürfte es aber nicht allzulange auf sich warten lassen. Hochinteressant in es. zu beobachten, wie sanft und anscheinend dankbar sich die Tigcrin ihrem Herr» und Meister, Herrn Sawade. gegenüber.bewein, der ihr persönlich die peinlichste Sorgsalt und Pflege angedcihen lätzi; ein leises, behagliches Schnurren nach Katzcnart läßt sie hören, sobald er sich ihrem Käfig nähert. Treptow �Sternwarte. Nur noch kurze Zeit wird der größte Planet, Jupircr, am Abcttdhinimel zu l>cobachtcit sein. Die Sonne nähert sich immer mehr dem Stcrnbilde des Wassermann, in dem der Jupiter steht. Eine Ziisainmenfassung der neuesten Forschungsresultaic üper diesen noch in der Rotglut befindlichen Planeten, der in seiner Entwicklung zwischen Sonne und Erde steht, giebt Direktor Archenhold am Sonntag, den 24. Januar, nachmittags 5 Uhr, auf der Treptow Sternwarte in dem Vortrag„Jupiter und Saturn". Das Thema für den 7 Uhr-Vortrag kantet:„Der Mund im Treptower Riefen-Fernrohr". Montag, den 25. d. M.. lautet das Thema abends 7 Uhr:„Uebcr die Bewegungen der Fixsterne". In den frühen Abendstunden wird zunächst der Jupiter, dann der Mond mit dem großen Fernrohr den Besuchern gezeigt. Huq den Nachbarorten. Parteisienossen! 2eht die Wählerlisten zur Ge- mcindewahl bis zum ittt. Januar nach oder beauftrasit die an den einzelnen Orten bekannt gegebenen Personen mit der Turchsicht der Liste! Aus Spandau schreibt matt uns: Mit militärnskalischcn Arbeiter-Wohnhäusern soll nun unter allen Umständen unsre Rachbarsiadl S p a n d a n bedacht werden. Nach den bisher in Bezug auf die Abhängigkeit der Mieler solcher Wohnunjsen gemachten Erfahrungen kann es dem denkenden Teile der Arbeiter vollständig gleichgültig sein, ob die verheißenen 500 Arbeiter- Wohnungen gebaut werden oder nicht: jedettkallS können einsichtige Leute sich mcktt enträtseln, weshalb man setz! noch diese„gemein- nützigen" Bauten so forciert, da doch-die Spandauer Staatsbetriebe immer mehr entvölkert werden, und mau in maßgebenden Kreisen gerade jetzt mit der Absicht umgehen soll, weitere Massenentlasiunge« in den Militärwerkstättcn vorzunehmen und die inännlichen Arbeiter durch weibliche zu ersetzen. Zur Zeit ist infolge gesteigerter Baulhäligkeir von einem Mangel an kleinen Wohnungen keine Rede wehr, zumal ja die Bcvölterungsziffer Spandaus infolge der fort- mährenden Massenentlafftingen eher sinkt als steigt. Wie sieht es aber mit der Beseitigung der schier uubeschreiblicheit Mißstände im Spandancr Eisenbahnwesen? Möchten doch die staatlichen Instanzen den Umbau der Spandaucr Bahnanlagen ebenso citcrgiscb belrcibcit. wie den Bau von Arbciterwohithäuscrii. Auf ein bedenltiches Mittel verfallen die Hausbesitzer nnsreS Ortes, um Geld für ein Kaiser W i l h e l m I.- D e n k m a l zu bctommcn. oie veranstalten Hauskolletten und verschonen dabei selbst solche Mieter nicht, die ihnen als Socialdemokraten bekannt sind. Daß ihnen bei diesem Kollektieren zuweilen Antworten zu teil werden, die sie sich nicht hinter den Spiegel stecken, ist begreiflich. Alt-Weißensee. Tic Gemcindevcrtreiimg ermäßigte in ihrer letzten Sitzung den Gemeindezufchlag zur Betriebsstcuer von lOO auf SS'/a Proz. Einem Antrage an die Englische Gasanstalt, das Gas billiger als bisher zu erhalten, will diese Gesellschaft nach- kommen, wenn die Gemeinde den Vertrag mit der Gesellschaft um 20 Jahre verlängert. Dann solle der Preis für Leuchtgas von 18 auf 16, für Äochgas von 18 auf 10, fiir gewerbliches Gas von 12Vz ans 10 Pf. erniedrigt werden, ebenso sollten die Straßenlaternen Gasglüblicht erhalten. Die Gcmeindcvertretnitg lehnte das Ver- langen der Gesellschaft ab mit der Motivierung, daß bei dem heutigen Stande der Tcchnil nach so viel Jahren fcdcnfalls mit einer besiercn und billigeren Beleuchtung zu rechnen sei. Der bestehende Vertrag läuft noch bis 1019. Somit hat Alt-Wcißensce in dieser Angelegen- hcit Ncn-Weißcnsec überflügelt, denn diese Gemeinde hat bei<>'in- sührung des GasglühlichtS den Vertrag mit der Gesellschaft um 20 Jahre, also bis 1030, verlängert. Neu-Wcißensee. Bei den im März stattfindenden Gemeinde- v c r t r e t e r- W a h l e n ist die dritte Abteilung in drei Bezirke gc- teilt, während die zweite und erste Abteilung über den ganzen Ort ivählt. Für die dritte Abteilimg kommt nur der 1. und 3. Bezirk in Betracht und es muß in diesen sc ein Hausbesitzer(Angesessener) gewählt werden. Tie zweite Abteilung wählt fünf(mindestens zwei Angesessene) und die erste Abteilung zwei Gememdeverweter. letztere können Unangesessene sein. Wie ungleich daS Stimmenverhältnis ist, ersehen wir aus folgenden Zahlen: die dritte Abteilung hat(in zwei Bezirken des Orts) 3786 Wähler; die zweite Abteilung 083 und die erste Abteilung 210 Wähler. DaS Verhältnis der dritten zur ersten Abteilung ist 18:l, der dritten zur zweiten Abteilung 4:1. Hinzu kommt noch, daß die dritte Abteilung in einem Bezirk ganz ausfällt. Lichtcnhcrg. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung damit, alte Sünden wieder gut zu machen. Ans ErsparniS-Rücksichten hatte man in der Siegfriedstraße seiner Zeil nur eilte Seite mit GaSröhrcn belegt. Nunmehr mußten die(ehr verteuerten Mittel für die zweite Rohrlcgung bewilligt werden. Aus denselben Ursachen hat man jetzt in die Verstärkung der Gasröhrcn nach Neu- Lichtenberg einwilligen müssen. Der Eisenbahnfiskus möchte gern der Unterhaltungspflicht für diejenigen Straßen ledig sein, die er wegen der durch Bahnbautcn kassierten Wege hat schaffen müssen. Die Gemeindevertretung erklärte sich mit der Uebernahme der Pflicht in dem Falle ciitverstanden, daß der Fiskus die sogenannten Parallelwcge, die sich heute in„bodenlosem" Zu- stände befinden, in der durch das Ortsstatut vorgeschriebenen Weise anbaufähig herstellt. Unsre Parteigenossen regten bei dieser Gc- lcgcnhcit von neuem an, daß die Bahndnrchlässe an der Gurtelstraße und an der Pfarrstraße, die heute ein Verkehrshindernis schlimmster Art sind, verbreitert werden möchten. AuS Lichtenberg schreibt man uns: Allmählich kommt Klarheit in die Angelegenheiten der hiesigen Orts-Krankenkasse. und wir hoffen, daß auch die AnfsichtSbehörden sich nachgerade davon überzeilgcn, daß es in der Kasse nicht ordnungsgemäß zu- gegangen ist. Auch ist zu hoffen, daß sich das Rätsel löst, warum der mit 2000 Mark Pension in den Ruhestand getretene Herr Kaufs- m an» alle Maßnahmen des Vorstandes durchkreuzen konnte, auch wenn diese Maßnahmen sich in Schriftsätzen an die Auffichts- behörde usw. darstellten, von denen er nach Meinung der Beschwerde- führcr keine Kenntnis erhalten haben konnte. Der im Dezcntber vorigen Jahres unter so seltsamen Umständen „erkrankte" Gcmeindesekretär Mai er hat zum I.April um die Entlassung aus dem Amte ersucht und diese Entlassung erhalten. Er ist schon jetzt vom Dienste entbunden worden. Durch Bearbeitung der Kratlkeitkaffcn-Aiigelegcnhciten ist dieser Beamte, gegen den wegen Amtsvergehens eine Untersuchung eingeleitet ist, auch mit Herrn Kauffntaim in Berührung gekommen. Die Amtsniederlegung hat auf den Fortgang der Untersuchung keinen Einfluß. Steglitz. Endlich scheint der schwer emvfundene Uebelstand, daß unser Ort von dem ZtachbarortSverkehr mit Berlin ausgeschlossen war, beseitigt werden zu sollen. Auf eine vor längerer Zeit ab- gesandte, mit über 2000 Unterschriften versehene Petition und eine besondere Eingabe des Gemeiitdevorftandes ist nunmehr vom Reichs- Postamt, die Antwort eingegangen, daß in Aussicht genommen sei, bei der nächsten, voraussichtlich schon im März d. I. stattfindenden Erweitcrtmg dcS Nachbarortsverkehrs auch für den Postverkehr zwischen Steglitz und Berlin die Ortstare zuzulassen. Zehlcndorf. Mit 1300 Wählern schließt die hiesige Gemeinde- Ivählerliste ab. Danach sind 17,02 Proz. der Einwohnerzahl Wahl- berechtigt. Der ersten Klasse gehören ganze 35 Wähler an. der zweiten 174 und der dritten 1600 Wähler. Inder ersten Klasse zahlt der niedrigste Steuerzahler 2350 M.; der letzte der zweiten Klasse zahlt 538 M. Man muß also über ein ganz respektables Einkominen verfügen, um noch Wähler der zweiten Klasse zu sein. Obwohl noch nichts für die ärmere Bevölkerung in den letzten Jahren gethan wurde, erschallt schon jetzt wieder der Ruf:„Bürger, seid einig gegen die bösen Tod", sonst könnte uns so ein Aufpasser in die Karten sehen. Komisch wirkt dieser Ruf. weil ihn auch angeblich freisinnige Mannen erheben. Hoffentlich gelingt es diesmal unsren Genossen, einen der ihrigen ins Ortsparlament hineinzubringen. In Wilmersdorf sind die Parteigenossen bereits in die Agitation zur Gemeinde wähl eingetreten. Während sie am Dienstag- abend ein Flugblatt verbreiteten, hielten sie Donnerstag in Wittes Volksgarten eine Volksversammlung ab, in der die drei socialdemo- kratischcn Gemeindeverordneten über ihre Thätigkeit im Ortsparlamcnt Bericht erstatteten. Bemerkt sei noch, daß die Wählerliste auch am Soimtagmittag von ll'/o bis 121., Uhr im Rathause, Branden- burgische Straße 2, anstiegt. Rownwes. In der letzten Sitzung der Geuteitidebcrtreiung kam nach einigen Mitteilimgen die von de» Socialdemokraten eingereichte Interpellation zur Besprechung:„Welche Maßregeln gedenkt der Gemeiudevorstniid zu ergreifen, um eine Wiederholung solcher Vor- fälle, wie sie sich in der Nacht vom 7. zum 8. Januar auf dem alten Friedhofe ereignet haben, für die Zukunft unmöglich zit machen und die Ruhe und Sicherheit des Ortes während der Nachtzeit mehr als bisher zu schützen?" Der Aniiövorstchcr gab die Erklärung ab, daß sich auck der Amtsausschutz in seiner letzten Sitzung mit dieser Frage beschäftigt habe, aber zu einem positiven Resultat nicht gekommen sei. Gegen eincii solchen BandaliSmus gebe es keinen sicheren Schutz, auch eine nächtliche Polizeiwache sei nicht im stände, solche Vorkommnisse zu ver- hüten. Der in Frage kommende Nachtwächter habe erklärt, zweimal in der betreffenden Nacht am Friedhofe vorbeigegangen zu sein, ohne etwas Verdächtiges zu bemerken. Um die Wäcutcr zu kontrollieren, fei die Einführung von Kontrolluhren das einzige Mittel; von der Vermehrung der Erekutivgewalt sei keine Abhilfe zu erlvarten. Genosse Grtthl betonte, daß bei den mittelalterlichen Zuständen, die hier im Nachtwachtdicnst herrschten, schon iveit mehr Roheiten bor- getömmen wären, wenn wir nicht eine so gesittete Bevölkerung hätten. Verlange man von den Wächtern prompte Pflichterfüllung. so möge man die Leute auch entsprechend bezahlen, ihnen Beamten- charaktcr und Pcnsionsbcrechttgiing verleihen. Heute könne man eS einem solchen Manne nicht verdenken, Ivenn er sich hüte, seine Haut zu Markte zu tragen. Auch sei zu erwägen, ob nicht eine nächtliche Polizeiwache eingerichtet werden müsse. Genosse Hoffmaim erklärte, daß schon im Vorjahre von den Socialdemokraten ein Antrag auf bessere Bezahlung der Wächter eingebracht, van der Mehrheit aber abgelehnt worden sei: letzterer fehle jedes sociale Verständnis. Ein Gehalt von ca. 400 M. fei leine angemessene Entlohnung. im übrigen stellte sich Redner ans den Standpunkt des Genossen Grtthl mit» sprach die Hoffnung aus, daß der Gemeinde« vorstand demnächst eine im obigen Sinne gehaltene Vorlage ein- bringen werde. Ein bürgerlicher Vertreter wandte sich gegen den Vorwurf der socialen BerständniSlvsiglcit. Schließlick» erklärte der Amtsvorsteher, daß er der Vertretung in einer der nächsten Sttztntgcit eine Vorlage bezüglich der Wächtcrverhältnisse unterbreiten werde.— Mit der Ausfübriing des Kanalifationsprojekts, daS eine gemein- schaftliche Kanalisation der Gemeinden Nowawes und Renendorf vor- sieht, soll am 1. April 1005 begonnen ivcrdcn. Wege» einer ungesetzlichen Eheschiießung hatie sich der Gemeindevorsteher Hermann Hille aus Döberitz(Kreis Wefthavelland>■ vor der Potsdamer Strafkammer zu verantworten. Er war stellvertretender Standesbeamter und vollzog am 27. Mai 1001 die Eheschließung zwischen dem Arbeiter Schivarzrose und der Karoline Schütte, obgleich der Bräutigam erst 10 Jahre alt war. Hille cn!' schuldigte sich damit, daß er geglaubt habe, er dürfe dies thuu. weil sein Vorgänger, der verstorbene Standesbeamte Melves, auch einen Minorennen, Namens Bolle, ehelich verbunden hatte. Erst bei einer Revision sind diese Verstöße entdeckt worden. Gemäß dem Antrage des Staatsanwalts erhielt Hille 3 M. Geldstrafe eventuell 1 Tag Hast. Ein humorvoUcr Koiislitt zwischen Kricgcrvcrein und Orts- geistlichen iit gegenwärtig in dem Schifferdorf C a v u t h an der Havel ausgebrochen. Der seit über 30 Jahren besiehende Krieger- verein beging bisher immer die Feier von Kaisers Geburtstag durch einen Festzüg nach der Kirche, in welcher der Geistliche dann eine Festpredigt hielt. Für kirchliche Zwecke wurden dann früher stets von den Mitgliedern des Kriegervereins einige Spenden in die S a in in c l b ü ch s e gelegt, was aber seit etwa 2 Jahren unterbliev. In diesem Jahre hat sich nun der Orrsgeistlickic. Prediger Hermes, geweigert, bei der Kaiser-GeburtstagSfeier des Kriegervereins die Festrede zu halten und dies mit dem„ungünstigen" Ausfall der Reichstags wähl in Caputh begründet. Der Kriegcrverein zählt mehrere hundert Mitglieder und trotzdem sind nur ca. 50 konscrvatiüe Stimmen in Caputh abgegeben. Bon den Vor- standömitgliedern in Caputh wurde daraus hingewiesen, daß viele seiner Mitglieder ihr Wahlrecht nicht ausüben tonnten, weil sie sich auf Schiffahrt befanden, aber der Geistliche ließ diesen Einwand nicht gelten und vervlieb bei seiner Weigerung, so daß jetzt gegen ihn vom Kricgcrverein eine Beschwerde beim Konsistorium der Provinz Brandenburg eingereicht wurde. Danach scheint auch der OrtSgeisrliche die heurigen Tages ganz natürliche Auffassung zu hegen, daß die Kriegervereine Geschäfts� agenturen der konservativen Partei sein sollen. Mau kann dem Herrn dankbar dafür sein, daß er so naiv diese Ansicht zum besten giebt. Nicdcr-Schönrwcidk. Im Kabelwerl Obcrspree verunglückte am Frcitagvormittag durch die Erplosion beim Abkochen von Imprägnier» masse der Arbeiter Förster, Ober-Schöneweide, der Arbeiter Otto und der in der Nähe beschäftigte Schlosser Schulz. Förster, welcher den Kessel bediente, goß einen Eimer neuer Masse in dcnÄossel, als der Inhalt sich entlud, bis zur Decke geschleudert wurde und die drei Arbeiter überschüttete. Während Otto leichter verletzt ist, sind Förster und Schulz schwer verbrüht. Allem Anschein nach war Wasser in der neu zugeschütteten Ntasse enthalten, welches die Explofion bewirkte. Gerichts-Zeitung. Polizei irnd Vereinsgesetz. Anläßlich des Metallarbeiterstrcik-Z bei der bekannten Firma Me hl i ch hatte der Verbandsvertreter Cohen zwei Streikvcrsammlungen zum 15. Juni v. I. einberufen und beide auch vorschriftsmäßig polizeilich angemeldet. Der Berliner Polizeipräsident verbot jedoch einfach aus eigener?N achtvollkommen- heit die Abhaltung der Versammlungen im Interesse der Aufrecht- crhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit, deren Störung er durch die Streikenden angeblich befürchtete. Da eine Beschlverde über das Borgchen der Polizeibehörde vom Obervräsidentcn als unbegründet zurückgelviefeit wurde, klagte Cohen beim Ober-Ver- waltungsgericht. Dieses entschied türzlich zu Gunsten des Klägers unter ausdrücklicher Hervorhebung der Ungesetzlich- keit des polizeilichen Versammlungsverbots. In der interessanten schriftlichen Urteilsbegründung heißt es wörtlich:..... DiePolizci i si, da das Vereinsgefetz eine dahingehende Vorschrift nicht kennt, nicht befugt, V c r s a m m l u u g e n in geschlossenen Raunten wegen der Befürchtung von Ausschreitungen der zu einer Versaumtlung zusammentretenden Personen zu verbieten, damit keine Störungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung vorkommen. Nur bei Versammlungen unter freiem Himmel kann die Genehmigung der OrtspolizeibeHörde, von deren Erteilung die Abhaltung von Ver- sammlimgen dieser Art abhängig ist. versagt werden, falls Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung zu befürchten ist.(§ 0 des Vereiitsgesetzes.) Soivcit es sich um andre Gefahren handelt als diejenigen, die durch die Abhaltung von Versammlungen für die öffentliche Sicherheit und Ordnung erwachsen können, ist die Polizeibehörde allerdings auf Grund des§ 10 ct. a. O. auch dann zum Einschreiten berechtigt. wenn die Personen, die dadurch betroffen werden, ihr verfassungs- mäßiges Versammlungsrecht ausüben wollen. Von diesem Grund- satz hat der Gerichtshof insbesondere Anwendung gemacht, wenn der Zustand des BersammlungsranmeS die Versammelten zu gefährden geeignet ist. Die Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, denen im vorliegenden Falle das Verbot der Versammlungen vorbeugen sollte, st e h c n in Wahrheit mit der A h b a l i u n g der letzteren gar nicht in ursächlichem Zusammen- hang, sondern nur in rein äußerer Verbindung. Die Polizei fürchtete, daß ihre Llufgabe, in der Sophienstraße die öffentliche Ordnung des Verkehrs aufrecht zu erhalten, erschwert Ivcrden würde. wenn der infolge des«treiks ohnehin gesteigerte Verkehr des Publikums noch durch die Besucher der Versammlungen weiter an- geschwollen wäre; deshalb sollten die an sich zulässigen Versammlungen in Wegfall gebracht lverden. Die Bcrvote waren also bestimmt, der Polizei die Fürsorge für die öffentliche Ordnung zu erleichtern. Dazu mochte s i e d i c nötigen Vorkehrungen, sei es durch Regelung des Ab- und Zugangs zu den Versammlungen, sei es a u f andre W eise, treffe n. Letztere zu verbiclen, war sie nicht befugt, weil damit ohne gesetzliche Unterlage in die Versammlungsfreiheit eingegriffen wurde. Die Maßnahme des Verbots der Versammlungen verletzte das bestehende Recht schon deshalb, weil sie nicht.i>is „nötige Anstalt" darstellte, um polizeiwidrige Zustände zu ver- hüten." Daß es dieses Urteils erst bedurfte, um die Berliner Polizei- behörde über das Versammlungsrecht zu belehren, ist für die Haupt- städtischen Polizeizustände ja recht charakteristisch, es bleibt aber immerhin noch abzuwarten, ob die Polizei diesen gerichtlichen „Wischer" in Zukunft auch entsprechend respektieren wird. Mißverstandenes Prcußcntnm. Die„preußische" Sprache ist für den-auck. meck. Walter Musculus zu Halle a. S. in M ü n ch e n verhängnisvoll geworden. Das Landgericht I ni München hat ihn am 0. Juli v. I. wegen Beleidigung des Prinz- regenten und eines Schutzmannes zu 4 Monaten und einer Woche Gefängnis verurteilt. Er hatte auf einem Maskenball mit einem andren Studenten getanzt und dabei hatte einer von ihnen un- absichtlich einen andren Tänzer auf den Fuß getreten. DaS Publitum warf— so heißt es im Urteile— die beiden preußisch sprechenden Studenten einfach hinaus. Es war nachts 3 Uhr. Auf der Straße schimpfte die Menge über die preußischen Studenten. Tie Gefährten des Angeklagten gingen iveg. dieser aber ging auf einen Schutzmann zu und sagte: Was bleiben Sie da stehen? Schaffen Sie mir den Pöbel fort! Dte Menge lvprdc aufgeregt, trotzdem sprach der Angeklagte wieder von Pöbel. Ter Schutzuiauu ttahui ihn nun fest, um ihn in Sicherheft zu dringe». IMeripeg« tnnchn er dam, eine wegwerfende Bemerkung über daZ gesamte Bayern Volk cm schließlich des Prii�rcgcntcn. Er war stark angetrunken und leidet cm hochgradiger Neurasthenie.— Seine Revision, zu deren Begründung der Verteidiger geltend machte, daß Schwester, Bater, Großvater und Urgroßvater des Angeklagten geistesgestört waren, wurde gestern vom Reichsgericht verworfen. Eine kleine Nachtscene, die sich an der Haltestelle einer Straßen Kahn ereignete, beschäftigte gestern das hiesige Schöffengericht. Vor diesem hatrc sich der Kaufmann H. Lehmann wegen thätlicher und wörtlicher Beleidigung zu verantworten. Am 23. Dezember, abends II Uhr. warteten an der Haltestelle der Straßenbahn, Ecke der Leipziger- und �riedrichstraßc, mehrere Personen, darunter auch einige Damen. Zwei der letzteren wurden von einem Manne, der der Angeklagte gewesen sein soll, belästigt und waren froh, als sie den von ihnen erwarteten Straßenbahnwagen besteigen konnten. Nun hatte sich ein junges Mädchen, das in der Küche eines großen Restaurants beschäftigt ist und an jener Haltestelle gleichfalls ihren Wagen zur Heimfahrt erwartete, der Zudringlichkeit des Angeklagten zu„erfreuen". Nach ihrer Behauptung hat er sie in einer ihre weibliche Ehre verletzenden Weise umfaßt und als sie sich dies energisch verbat und ihm vorhielt, daß sie ein anständiges Mädchen und sein Verhalten ein« Rüpelei sei. hat er ihr eine Reihe häßlicher Schimpf- Worte entgcgengerufen. Weinend sah sich das Mädchen nach einem Schutzmann um; ein solcher hatte aber schon die Belästigung von seinem Standorte aus bemerkt und war bereits unterwegs, um dem Mädchen seinen Schutz angedeihcn zu lassen. Der Angeklagte hatte sich inzwischen in die Friedrichsrraße begeben, er wurde dort von dem Schutzmann festgehalten und zur Wache sistiert.— Er behauptete gestern, von dem Vorfall nichts zu wissen, wenn er in der Trunkenheit entgleist sein sollte, so stehe er nicht an. die Beleidigte um Verzeihung zu bitte»i. Das Mädchen war hiermit aber nicht zufrieden, sondern verlangte die Bestrafung des Angeklagten, der sie in ihrer Ivciblichen Ehre zu sehr gekränkt habe. Die Beweisaufnahme bot ein eigen- tümliches Bild: die abgeleisteten Zeugeneide standen in einem un- vereinbaren Widerspruch zu einander. Auf der einen Seite be- schworen das Mädchen, der Schutzmann und ein gleichfalls an der Haltestelle wartender Herr, der schon die Belästigungen der beiden änderen Damen durch den Angeklagten angesehen hatte, daß letzterer die Person geivesen sei, die das Mädchen in der geschilderten Art beleidigt hatte. Andrerseits kamen dem Angeklagten zloci an- scheinend uninteressierte junge Männer zu Hilfe. Sie bekundeten unter ihrem Eide, daß nach ihren Wahrnehmungen das Mädchen mit einem ganz andren Manne, der sich entfernt habe, als die Be- leid igte nach einen, Schutzmann sich umsah, einen Wortwechsel ge- habt' habe und der Angeklagte erst später hinzugekommen sei. Der Gerichtshof hielt sich jedoch an die ganz sicheren und nicht zu er- schütternden Bekundungen der drei Belastungszeugen und verurteilte den Angeklagten, der sich wohl in angeheitertem Znstande befunden haben mag, zu 30 M. Geldstrafe. Vermifcktes. Verschüttet durch herabstürzende Erdmassen wurden gestern, wie unS aus Jena telegraphisch gemeldet wird, vier Arbeiter bei den Ausschachtungsarbeiten am Weimar-Geraer Bahnhof. Zwei Arbeiter waren sofort tot. Wegen Ermordung seiner Geliebten zum Tode verurteilt. DaS Schwurgericht zu Mannheim verurteilte nach dreizehnstündiger Ver- Handlung den 19 Jahre alten Landwirt Knopp wegen Ermordung seiner Geliebten, die sich von ihm in andern Umständen befand, zum Tode. Ein Pestfall in Petersburg. Der russische„Rcgierungsbote" meldet: Am 10. Januar erkrankte der Leiter des Laboratoriums des kaiser- lichen Instituts für Experimentalmedizin zur Herstellung von Antipest- Präparaten. Das Laboratorium befindet sich in dem Fort Alexander L, das sich auf einer von Kronstadt und andren Befestigungen ganz isolierten kleinen Insel befindet. Der Erkrankte beschäftigte sich mit lebenden Pcstkulturen. Am 20. Januar verstarb er trotz energischen ärztlichen Eingreifens und trotz der wiederholten Einspritzungen mit Antipestserum an der Pest. Bei den Personen seiner Umgebung sind rechtzeitig Einspritzungen gemacht Ivorden. Der zun» Äomman- danten des Forts ernannte Generalmajor Orbeliani traf am 19. Januar dort ein und ordnete eine völlige Isolierung des Personals an._ ßrfefharten der Redahtion. I. 100. Llus anonyme Zuschrijtcii kömien wir uns nicht einlassen.— Tarmstadt. Die Adresse ist: Kronprinzenstr. 47 kPrivatwohnung) oder Andreasstratze St. Kronprinzenstr. 7 ist ein Drucksehler.— G. P. Wir haben Ihren Bries an die Leitung des GewerkschastshauseS überjandt. Jurlktikeber Ceü. Tie juristische Sprechstunde finde» täglich mit Ausuahme des SonnabrudS von 71l'j bis O'/i Uhr abends statt.st»et: 7 llbr. .. L. K. ION. 1. Wenn nicht etwa in Ihrem Vertrag Ausrechnung gegen die MictSsordenmg mit einer Gcgensorderung ausgeschlossen ist, so sind«ic zum?il'.'>ug Ihrer Forderung von der Mietssorderung berechtigt. 2. Nein. — 1000. 1. Der Flaschcnbierhandcl ist nicht konzeshonspflichtig. Er kann nur untersagt werden, wenn der Gewerbetreibende wiederholt wegen un» konzessionierten Betriebes einer Gaftwirtschast, Schankwirtschast oder eines Kleinhandels mit Branntwein oder Spiritus bcstrast ist. 2. Die Erteilung der Konzession hängt davon ab, ob die Behörde das Vorliegen eines Be- dürsnisses bejaht. Auch müssen die baupolizeilichen Vorfchristen beobachict sein. Ob dies der Fall. Iaht sich vor dem Ba» nicht ersehen. Deshalb ist eine Konzession vor Fertigstellung der zu konzessionierenden Räumlichkeiten unzulässig.— H. Ä. 97. 1. Der Verkauf ist strafbar. 2. Entsagen. — 31. B. 1857. Nicht das Bürgerliche Gesetzbuch, sondern die Wechsel» Ordnung enthält die Verjährungsfristen sür Wechselansprüchc. Der Wechsel- anli'.uch gegen den Accepianten verjährt in drei Jahren vom Versalltag ab gerechnet, die Rcgrehansprüchc gegen den Aussteller und die übrigen Bor- männer in 3 bis 18 Monaten vom Tage des Protestes ab gerechnet.— Schmidt. Während der Unterstütznngszcit hat die Kasse zu zahlen. Nach 'Abiaus dieser Zeit steht eS dem.Kranken frei, sich ärztlicher Hilfe zu bedienen, welche er will. Das geschieht aber aus seine Kosten. Es ist nicht verständlich, was für diese Zeit ein Krankenschein soll. L>at der Kranke den Besuch des Arztes geivllnscht und angenommen, so muß er bei» Besuch auch bezahle».— A. K. 9, I. 100. Ja.— W. L. 8. Die Lloiizessionserteilung kann verweigert werden.— F. P. 11. Fragen, die sich aus den Inhalt eine? schriftlichen Vertrages bezicheu, sind ohne Einsicht in diesen nicht zu beantworten. — P. N. 10. Der Bcrussge.nossenschast gehören die unsallversicherungS- Pflichtigen Betriebe krast Gesetzes an. Der Betrieb Ihres Verwandten ist ein unsallversicherungspslichtigcr. ivcnn sein Gewerbebetrieb sich aus die Aus» sührung von Bauarbeiten erstreckt oder eine Fabrik darstellt oder wenn in seinem Betriebe durch clcincntarc oder tierische Kraft bewegte Triebwerke (z. B. Schneidemaschinen) nicht nur vorübergehend in Anwendung kommen oder wenn in der Regel mindestens 19 Arbeiter in dem Betriebe beschäftigt sind. Der Betrieb wird nach dem Gesetz in das Genossenschastskaiaster durch die Berussgenossenschast ausgenommen. Gegen die Ausnahme in daS Katastar steht dem Gewerbetreibenden, der glaubl, sein Betrieb zähle nicht zu den unsaUvcrsichcrungSpflichtigen, Beschwerde binnen einer Frist von zwei Wochen nach erfolgter Zustellung des Rtitgliedscheins zu. Die Be» schwerdc geht an das Rcichs-Vcrsicherungsamt und ist bei der unteren Ver» walwligSvchörde einzulegen, lieber die gesetzliche Verpflichtung hinaus kann Ihr Verwandter sich selbst und Dritte nach 51 bis 53 des Statuts für die Norddeutsche Holzberussgenosscnschast versichern.— B. A. Ja.— Z. Z. New. Marktpreise von Berlin am 21. Januar 1901 nach KrirnOpfimacn das kgk Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Etr. Rindfleisch, Keule 1 kg dv. Bauch„ Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Bulter Eier Karpfen Aal- Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 50 Stück 1 kg per Schock 7,00 1.80 1,40 1.50 1,80 1,80 2.K0 5,00 2,40 2,80 3,00 2,40 1,80 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 ab Bah». f frei Wage» und ab Bahn. Witterungsübersicht vom»2. Januar 1991, morgeu» 8 Uhr. Stationen Q„ Swinemde. Hamburg Berlin Frauts.a.M. München Wien LS a S -? £ c 8« 775 W 777 WNW 77SNW 777 N 773 NO 774 NNW velln 1 Dunst , Nebel SRebcl 3 wollenl 4bedeckt 2bedeckt lSSi S« =? HS: -0 1 _ 2 2 —3 -1 Stationen L n c 3 S=. «= £ S 8« s-c taparanda 757W etcrsburg 786® Cork Aberdeen Paris 782» — I— 778, NO 8 Setter 6 wolkig 4 halb bd. l.bedcckt 3, bedeckt S'l 5" H So Wetter Prognose für Sonnabend, de» 25. Januar 1991. Ziemlich trübe und nebelig bei schwachen westlichen Winden und wenig veränderter Temperatur; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t e r b u r e a u. Allgemiiit Lrlitillkli- u. Aerbe-KO der denWn Drechsln und deren Berufsgenossrn. sE. H. 86, Hamburg.) Mitglieder» Versammlungen finde» statt: Vonit'Ir A: am Sonntag, den 21. Jauuar, vormittags 19'/- Uhr, mi Gewerkschaftshause, Saal 7. „.„„„„ 10 Uhr, im Restaurant„Zur Hütte«, Sialitzerstr. 30/31. v:, g»0»» 10 Uhr, bei AaxtMtin, Lindenstrage 69 „ D: am Montag, den 25. Januar, abends 81/, Uhr, bei PfelTep, Roseuthalerstr. 57. Tages-Ordnuna: 1. Geschäftliches. 2 Vierteljährlicher Kassenbericht pro IV. Quartal. 3. Verschiedenes. Im Bezirk v findet als 3. Punkt die Wahl des ersten Kassierers statt. Die Zahlstellen, in denen an jedem Somiabendabend von 8—10 Uhr neue Mitglieder(bis 45 Jahre) auf- genommen werden, befinden sich: Rannstnftr. 78 im Restaurant. Kl. AudreaSstr. 15 im Restaurant. Reicheubergerftr. 29 bei Schmidt. Staliverstr. 69 bei GraM«>mann. Zossencrftr. 16 bei Stadler. Alte Jakobstr. 69 bei licnz. Elsafferstr. 11 bei Kaddatx. Reue Köuigstr. 7 bei Httller. 285/12_ Die Ortsvertvaktmlge». Meih und Sterbekasse aller perblicben Arbeiter für Sebüneberg u. Berlin. 1A!' Sonntag, den 31. Januar, vormittags 10 Uhr: General-Versammlung im Lokale des Herrn Krüger, Erune- waldstr. 110. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Jähr licher Kassenbericht. 3. Neuwahl d-S GcsamtoorstandeS. 4. Verschiedene Kassenangelegenhciten. Mitgliedsbuch legitimiert. Um pünltlicheS Erscheinen ersucht 285/9*_ Der Vorstand Sentsehe UKetallarbeiter-Uewerksehaft. Ortsverwaltung Berlin Tonntag, den 21. Jauuar er., vorm. 9'/, Uhr, im„EnxliUehen Garten"»oberer Saal). Zllexanderftr. 27c: General- Uersammlung für Sag Vieris Quarfat. TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht der OrtSvcrwaltung. 2. Kassenbericht und Bericht der Slebisoren. 3. Neuwahlen(cv. Wahl eine» besoldelen Beamten und Errichtung eines eignen Bureaus). 4. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 280/1 IHr- Mitgliedsbuch legitimiert,"tzn Da Punkt 10 llfir die Versammlung eröffnet wird, ist srüheS und zahl- reiches Erscheinen notwendig._ I. A.: Die OrtwverwaltnnK. Deutscher Buchbinder-Verband. SEahlatolle Berlin. Dienstag, den 26. Januar, abends präc.>/, 9 Uhr, im groben Saale des„GeHcerh�chattshanaeB", Engel-Ufer 15: Ordentliehe General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Festsetzung der Zahl der Mitglieder zur Ortsverwaltnng und Enffchädigung' derselben. 3. Neuwahl der OrtS» 4. Abrechnung vom ProjckiionS-Vortrag(15. November 1903). verwaltm».W»„ r. 6. Veffbandsangelegcnheitcli und Verschiedenes Wir ersuchen alle Mitglieder, diese wichtige Versammlimg vollzählig zu besuchen. Sln die Werrftuben-VertrauensPersonen richten wir die dringende Aufforderung, die Mitgliedsbücher den VersammlungSbesuchern auszubändigen. SU" Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt:-WU Deute» Sonnabendabend, in Kellers fest-Sälen, Koppenstrastc Rr. 29: Grolscr Wiener Masken-Kall. BtlletS n 60 Pfennige sind noch an den bekannten Stellen zu haben. 23/4 Die OrtDverwaltnnx. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Achtung, Kontrolleure! Heute, Sonnabend, abends 8'/, Uhr, bei Herrn Cibrowlnai, Alcxanderstraße 8: 78/2 Ceitterlmil«er Mels-, f nspork Verfcrtiler Dentüchlanda.— Verwaltungsatelle Berlin. Buroau und ArbeiUnachwtis:„fiewerktchafishaut", Engel• Ufer IS, It., Zimmer 13.— Telephon: Amt 4 Nr. 3348. Achtung! Achtung! Kollege» Kettergerüstllauer! Sonntag, den 21. Januar, vormittag« 10 Uhr. im GewcrkschastShausc, Engel-User 15, Saal 5: MU" Versammlung.-WU Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Kiesel über: Arbeiter- und Unternehmer- Organisationen. 2. Diskussion. 3. Bericht und Neuwahl der Sckttonslcitung. 4. Geschäftliches._ 67j2 Achtung! Rollkutscher, Begleiter, Bodenarbeiter und Mitfahrer sowie Möbeltransportarbeiter! Sonntag, den 21. Jauuar. abends 6 Uhr. im«ewertschaftshause, Engel-User 15, Saal 1: Versammlung."HW TageS-Ordnung 1.„Welchen Wert bietet uns eine eigene Orisverlvaltung?' Referenten: Hedtkc und Schumann. 2. Diskussion. 3. Bericht der SektionSleitung und Neuwahl derselben. 4. Geschäftliches. Da in diesen Versammlungen hochioichtigc Fragen zur Verhandlung kommen, so muh ein jeder Kollege der obengenannten Branchen anwesend sein. Bie Ortsverwaltnng I. Singer Nähmaschinen. Einfache Handhabung! Große Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Weltausstellung fifartrl Deiv höchster Preis Paris 1900: VJIdilU rilA ver Ausstellung. Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nähmaschinenbetrieb. Singer Co. JSahmaschinen Hct. Ges. _ Berlin W., Leipzigerstrasse 92._ Deutscher Metallarbeiter-Verband. VcrwaltnngastcIIc Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Sonntag, den 21. Januar, vormittags Punkt 10 Uhr: Allgemeine Versammlung der Stohrteger und Keifer Berlins und Umgegend 110/13 im CiewerkacliafttihauNO, Engcl-llfer 15, Saal IV. T.-O.: 1. Bericht über die Thätigkeit der AgitationSkominission. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Agitationskommission. 4. VerbandSangclegcuhcitcn. Kollegen I Wir erwarten das Erschein» aller Kollegen, da die wichtige Tagesordnung dieses erfordert. Mebr wie bisher muh von Euch für einen guten Besuch der Versammlungen agitiert werden, ggf Klärt Eure Kollegen aus, werbet Mitglieder für Euren Verband I CM Die Ortsverwaltung. Verband der jdöbelpolierer. Montag, den 25. Januar, abends 8'/, Uhr: 2 Vsi'ssmmlungsii. I. Berlin SO., Admiralatr. 18c, X. Lichtenberg. Friedrich Karlstr. 11. TageS-Ordnung: 1. Bericht vom Verbandstag. 2. Bericht der Kommission. 3. Diskussion über die Anstellung eines Kollegen. 4. Wahl. 5. Verschiedenes. Mittwoch, den 27. Januar: Vorstandnnitanng. Die Kollegen, welche ihre Kontrollkarten bis heute abend n i ch t w den Zahlstellen abgeliefert haben, können nicht mehr berücksichtigt werden. Der Maskenball findet am 5. März in KellerS Feftkälcn, Koppenstr. 29. statt. 145 4»er Vorntand. WM- Zusammenkunft. Verband des teehn. Sühnen-Personals. Eonnabend. den 23. Jauuar. abends 11 Uhr. im Gewerkschaftshause, Gugel-Ufer 15: Gouonsl-Vm'ssmnilungs. Tagcs-Ordnung: 1. Borstandsbericht. 2. Kassenbericht. 3. Bericht der AgitationS- ßomniission. 4. VcrbandSangelegenheiten. Um rege Beteiligung bittet ver Vorstand. NB. Ausgabe der Billets zum Maskenball. 190/1 Sonntag, den 24. Januar, nachm. 3 Uhr: Orbkütliche Gkllklnt-Ntrslimillllliig in ftowatves, Priesterstr. 31 bei Bernhard. TageS-Ordnung: 1. Bericht« deS Vorstandes, dcS KasfiererS und der Revisoren. 2. Berichte der Funktionäre des KreiseS. 3. Anträge:») Antrag Schöneberg, betreffend -I) Anträge Rftdorf und Schöneberg, betreffend die Delegation zu den Generalversammlungen, s) Slnirag Neu-Zittau, betreffend Landagitation. k) Antrag Schöncberg. betreffend Ausnahme des Programms in die Mit- gliedsbücher. 4. Neuwahl aller Vorstandsmitglieder und Funktionäre. 5. Verschiedenes. 202/3» Jeder Verein ist berechtigt, bis zu drei Delegierten zu entsenden.— Gäste haben Zulriü. ver Vorntand. Dr. Simmel, � Spccialarzt sür s4l/1<>» Bant- nnd Barnlelden. lOMI.C-?. Soynigg» 10—12 2—1 Pttmuiv. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:ZH. Glocke, Berlin. Dnick u. Versag: Porwärt» Buchdrucker« u. Vcrlagsanstaft Paul SnPer& Co., Berlin SW. Koeiii|;al>er|;er fflltf-lotterie Zlehans wchon IB. n. 17. Vebraar. 11.386 Geldflewlnn» bar ohne jeden Abzug zahlbar Im B irage«en Mark 267500 Hauptcen lon! lOOOOOM. Lom» 3 M(Porto u. Liate 30 Pf.) OscarB[iuefSCii.N]Clif. O m. b. H., Bankgeecbait, neriin W..l''rt«drleliatr.l81. F i I i m I aa; NW.: WtlHnarberatr BS, O.t Andreaaatr. 46a, MO.: Oranl-nMr. 177. Kranz- und Bluineubinderei von H. Rodewald, Alexandrlnenstrasse ta. Kränze mit Widmungsschleiscn. Arrang. zu Festlichteiten, Bouaucts, Topsgewächse jeder Art ec. preiswert. Zllbum- und Lederwaren-Aabrtt vnhar«nndan, Oravlenstr.Zll, eelteL.ckaIbertstrasss. sz. Eine Forschungsreise durch Palästina. Dr. Thiersch aus München hielt am Donnerstagabend im Theatersaal der Hochschule für Musik einen äußerst interessanten Vortrag über eine Forschungs- reise durch Palästina, die er im Auftrage der„Deutschen Orient-Ge- sellschaft" ausgeführt hat. Die Expedition sollte archäologischen Zwecken dienen, aber nicht durch Ausgrabungen an einzelnen Punkten, sondern durch eine orientierende Abstreifung des ganzen Landes, die vorläufig feststellen sollte, wo eine planmäßige Aus- grabunasthätigkeit anzusetzen habe: zum Unterschied von andren »torgenländischen Gebieten hat eine solche in Palästina bisher näm- lich noch fast gar nicht stattgefunden. Dr. Thiersch und sein Reisegefährte Dr. Hölscher nahmen also eine Rekognoscicrungstour durch das ganze Gebiet der 12 Stämme vor. Beirut war der Ausgangspunkt, von dem die kleine Expedition längs der phönizischen Küste über Sidon und Tyrus nach Haifa zog. lieber den Berg Karmel ging der Weg nach Nazareth, von hier über den Berg Tabor ins Jordanthal und zum See Ttberias. Galiläa wurde bis ins Ouellgebiet des Jordan bereist. Daran schloß sich die baumlose Hochebene des Tscholan. Noch monotoner war im Südosten die Landschaft von Hauran, dem alten Basan im Ostjordanland. Um so reizvoller war weiter südlich das Gebiet des alten Gilead, das mit seinen vielen tiefen Schluchten zwar schwer zu bereisen ist, landschaftlich aber an Tirol eriimcrt. Die Expedition über- schritt dann wieder den Jordan in seinem Mittellauf, um sich über NabuluS, die Hauptstadt von Samaria, nach Jerusalem hinzuwenden. Nach kurzer Rast in der uralten Hauptstadt von Palästina ward eine Tour durch das GebirgSland von Judäa angetreten, das mit seinen aus- getrockneten, vegetationslosen Flächen heute den trostlosesten Teil des „gelobten Landes" darstellt, besonders nach dem Toten Meere zu. O estlich von dessen unwirtlichen und fieberreicheit Gestaden liegt das alte Moab, das über die berühmte Gartenstadt Jericho erreicht ward. Nach einem Besuch deS Philisterlandes, von Gaza und Askalon, ward die viermonatliche Rundreise in Haifa abgeschlossen. Zahlreiche Lichtbilder illustrierten die Reiseroute. Man sah zunächst Seenerien aus dem Libanon. einePartie von den weltberühmten Cedern dieses Gebirges, die aber bis auf geringe Restbestände verschwunden sind. Glockenförmig erhebt sich der Berg Tabor aus der weiten Ebene Jesreel, dem beliebten Schlachtfeld, wo schon Deborah ihr SiegeSlied sang. Ueppigen Baumwuchs, mächtige Steineichen, zeigt eine Photographie aus dem Ouellgebiet des Jordan. Landschaftlich wohl das anmutigste, was Palästina hat, ist der See TiberiaS, an feinen Ufern die gleichnamige Stadt mit ihren flachen Häusern und einem mittelaltcruchen Kastell, auf seinen Wassern hin und wieder ein fremdartiges Fischerboot; deren sind heute freilich nicht mehr viele. Der den See durchfließende Jordan ist schon in seinem Mittellauf recht stattlich und nur hier und da an Furten zu passieren, die bloß den landeskundigen Beduinen bekannt sind; Tamariökengebüsch umsteht seine Ufer. Ganz öde ist dagegen die Küste des Toten Meeres. Auf einer nackten Felshöhe an der Westküste erhob sich einst die jüdische Festung Masada, die sich im Kriege gegen die Römer am längsten behauptete. Einen scharfen Kontrast stellt das folgende Bild dar, die Philisterstadt Askalon, eine Oase inmitten der Wüste. Die Gegend mutet schon ganz ägyptisch an, und ebenso erinnert die Tracht der Bewohner ans Nildclta. Aus dem Altertum ist hier, wie in Gaza, nichts erhalten. Um so mehr dagegen im ehemals jüdischen Innern die Landes. Die antiken Reste gehen hier bis in prähistorische Zeiten zurück. Es ist wenig bekannt, wie reich Palästina an Dolmen. Blockmonumenten usw. von derselben Art ist, die auch in Europa häufig vorkommt, wo das Volk sie den Hünen zuschreibt. Solch' ein vorgeschichtliches Hünen- zeitalter hat auch Palästina gehabt. Am meisten derartiges findet sich im Ostjordanlande. Im Hauran giebt cS Ruinen, die an Mächtigkeit alles aus Thiryns und Mykenai Bekannte übertreffen: die aus cyklopischen Blöcken zusammengeschichtete Stadtmauer von Jrbit. Englische Ausgrabungen haben eine Anzahl von Steinpfeilern ergeben. Massen von Kinderleichcn in der Nähe deuten darauf, daß auf diesen Steinen einstmals jene heidnischen Erstlingsopfer dar- gebracht worden sind, vor denen noch in der Bibel gewarnt wird. Eine zweite Reihe von Ruinen stammt auch noch aus der Zeit vor der israelitischen Bcsiedelung Palästinas, von dem Volke, das unmittelbar vor den Juden hier gehaust hat. den Kanaanitern. Die Trümmerstätten, die bis in deren Zeit zurückgehen, führen arabisch die Bezeichnung„Tell". Damit sind Erdhügel von der Form des Lowiick" eines abgestumpften Kegels gemeint, wie man sie überall in Vorderasien als Reste alter Städte findet. In Europa finden sich solche Tells nicht; der westlichste ist der von Hiffarlik, das alte Troja. In diesen Teils liegen Schicht an Schicht die zerstörten Ansiedelungen aus verschiedenen Zeiten übereinander, die ältesten zu unterst. Auf palästinensischem Boden giebt cS mehr als hundert Tells, wovon noch keiner systematisch untersucht worden ist. An einen haben die Engländer einigermaßen Hand gelegt. Da zeigte sich nun schon, daß die kanaanitischc Kultur durchaus auf babylonischer Grundlage berichte. Den Beweis liefern die ge- fundenen Thontafcln, die zeigen, daß die Fürsten Palästinas damals auf babylonisch untereinander korrespondierten. An den Tell, in dem sich die alte Festung Megiddo birgt, hat sich der Deutsche Palästina-Vercin gemacht; ein Versuchsgraben hat hier eine Mauer aus getrockneten Luftziegeln bloßgelegt, die auf eine Felsschicht fundiert isfl Archäologische Beihilfe wäre hier dringend von nöten. Ein zweiteiliger Tell findet sich im Jordanthal: darin steckt das älteste Jericho. Hier ist noch alles zu thun. Im Hauran hat die Expedition selber einen Fund gemacht. In der Nähe der Stelle, wo der sogenannte Hiob- stein, ein Denkmal des ägyptischen Eroberers Rhamses II., steht, wurde ein Löwe entdeckt, in mehr als Lebensgröße in Basalt ge- meißelt. Er ist die erste Spur einer alten Kunst im Basan der Zeit gegen 1000 v. Ch. Er erinnert an den affyrischen Stil, ist aber plumper als die assyrischen Vorbilder. Aus der jüdischen Zeit ist, was Jerusalem angeht, nicht viel zu hoffen. Der Tempel ist auf immer verschwunden. Es ist nicht einmal möglich, an die Reste seiner Fundamente heranzukommen, denn der Platz ist mit einer Moschee besetzt. Dagegen sind in Galiläa stattliche Reste von anttken Synagogen erhalten; von einer steht die Faffade, von einer andren zwei Eiugangsthore auftecht. Diese wichtige Bautengruppe will die Orientgesellschast als einen ihrer nächsten Untersuchungsgegenstände in Angriff nehmen. Der römischen Herr- schaff gehört die Ruine eines Tychctempels im Hauran an. Aus derselben Epoche stammt eine Säulenstraße in Dscherasch. wo sich auch ein antikes Theater findet, lieber das Altertum hinaus führt ein Bau im Moabiterland. das Schloß von Bischetta. Es mag zu Anfang des 7. Jahrhunderts n. Chr. entstanden sein, zur Zeit der Sassaniden, die damals das Ostjordanland beherrschten. Der Bau ist dadurch bemerkenswert, daß er ein bisher unbekanntes Ueberganas- stadium vom byzantinischen zum islamitischen Stil darstellt. Die Fassade zeigt herrliche Arabesken, wohl die feinsten, die bekannt sind; daneben aber erinnern zahlreiche Tierbilder an byzantinische Vorbilder. Die Fassade ist seit kurzem in Berlin und wird bald im Kaiser Friedrich-Museum zu sehen sein. Das Großarttgste von monumentalen Resten in Palästina sind die mittelalterlichen Schlösser und Kastelle der Kreuzfahrer, von denen noch imposante Trümmer aufrecht stehen. Es ist höchste Zeit, all das zu erforschen. Schon durchziehen mehrere Eisenbahnunien das Land, und in wenigen Jahrzehnten wird alles Originale, Altertümliche in Palästina unwieder- dringlich verschwunden sein. Schon jetzt sieht man die alten einheimischen Trachten immer seltener. Der malerische Kopfputz der Drusenfrauen z. B. ist bereits nicht mehr häufig an- zutreffen. Auf archäologischem und kunstgeschichtlichem Gebiet bietet Palästina also ein großes Arbeitsfeld, das noch fast ganz brach liegt, aber baldiger Bestellung bedarf und reichen Ertrag verspricht.— _— y- GewcrkfcbaftUcbea. Für die ausgesperrten Weber in Crimmitschau gingen bei der Berliner G e w e r ks ch as ts k o m�ni s s i o n folgende Beittäge ein: Buchdruckerei JaniSzewsli 5,56. Stukkateure v. Hensecke, Bau Char- lotten-. Ecke Kronensir. 10,—. Töpfer Bau Hlldebrandt, Rixdors 5,50. Telegraphenbauanstalt Hammacher u. Pätzold 7,5V. Verein d. Former 50.—. Prozente S. 6,—. Stern, Secliger Co., 7. Rate 12,60. Tischlerei v. Böhm it. Haroske, 5. Rate 11,—. Möbclsabr. DunSky, 11. Rate 19,35. Tischlerei Frankel(dar. Liste 1548 6,—), 6. Rat- 15,25. S. u. H.. Saal 32 A, 3. Rate 28,60. Hochzeit Danzigerstr. 7,10. Arb. v. Heber, Melchiorstt., 2. Rate 16,50. Buchdruckerei E. Eichler, 10. Rate 7,30. Personal der Stuhlfabr. Margraf u. Tau und Polierer von Mozikatis, 3. Rate 17,60. Tischlerei Spränge, Liebcnwalderstraße, 3. Rate 9,50. Tischlerei Bormann, Admiralstt., 6.) Rate 10,70. A. E.-G. Hf. I, 5. Rate 26,25. GrotzmutterS Geburtstagsfeier 3,95. Tischler von Kohl u. Wolf, Kraut- straßc 9,35. Naucksche Buchdruckerei, 4. Rate 11,—. Möbclpoliercr der Genossenschaft„Ostend", 4. Rate 11,70, Kistenmacher Th. Adolf, Rummels- bürg 13,50. Buchdruckerei H. Klockow, 5. Rate 10,70. Sl. E.-G., Ackerftraste, Saal 9A, 3. Rate 42,55. Bergkotonie„Ostbahn-Brücke", 2. Rate 5,05. Hülsenbeck, Kroll u. Co., Saal 2, mit Maschinenarbeitern, 5. Rate 20,—. Werkstatt Jarotzki 17,95. Liste 5910<2. Wahlkreis) 5,95. Tischler von Sommerlattc,«ttalau, 4. Rate 12,10. Schleifer von Gebr. Krüger, Köpenick 7,—. Werkstattvcrsammlung o. d. B. E.-W. 8,75. Bildhauer von Schrocke, Fürstenstrahe 5,—. Buchdruckcrei G. Schade(O. Franke), 4. Rate 21,10. Firma A. Zander, Schöncbergcrsttaßc 13,50. Bau Wasjerthorstraße 12,20. Seifert u. Wolf, Fruchtstratze 36 19,15. Roic Kindtause Hcidcnfeldstraßc, Gebauer 2,—. D. Ballmann 27,75. Tischler u. Polierer v. Harris u. Scheldon 9,25. Buchdruckerei C. Rosen, 8. Rate 5,—. Branchenvcrf. d. Kartonarb. 13,30. Schildermaler, Patzen- hofcr, Holzmartlstraszc, 3. Rate 5,—. Bautischlerci Peckcl, Wcißensce 7,—. Stistimgssest d. Rauchklubs„Pretoria", Rixdors 10,—. Küchenmöbelsabrik I. Schwarzer, Wienerstraße, 4. Rate 12,20. Arb. v. Nowotny, Marienstratze 17,20. Kronleuchtersabr. Frost u. Söhne, 6. Rate 42,30. Gaswerk Stralauerplatz 5,90. Möbelfabr. I. C. Psast, Saal 2, 7. Rate 19,75. Töpfer Bau Schulz, Fontane- Pronienade 7,50. Aus dem Löwenkäsig Petersburgerstraße 5,—. Tischler v. Mau, Memelcrstraßc, 5. Rate 5,40. Liste 3131, gesammelt bei Baruch, Llltc Jacobstraße 8,50. Tischlerei Hellmann«. Co., 6. Rate 6,—. Höchstem n. Weinberg 36,—. Matinee a. 2. WeihnachtStag, Königsbank v. Männcrquartett„Slrion" und Musikverein„Hoffnung 0" 80,—. Taschensabrik von Fischer u. Richter 13,80. Silberwarenfabrik v. Körner u. Proll 21,40. Tischlerei Langemann 14,40. Tischlerei Kuttner u. Hans. 5. Rate 18,05. Arb. der Cigarreusabril Mazanlc 5,70. Organisierte der Schlosserei Bichl, 3. Rate 5,80. Tischlerei W. Apclt, Reichenbcrgerjttaße, 4. Rate 12,50. Brauerei Pichelsdors, Brauer u. Hand- werter 44,20. Blankenburg u. Schnabel, Möbclttschlcrei, 5. Rate 8,65. Bau Rakowskt, Töpser, Boxhagcnersttaße 4,—. Firma Loth u. Wcinland d. Eberhardt 10,05. Prägeroi Rcinickendorserstraße 6,25. Lronzewarcnfabrik Thiel u. Bertling 4,15. Drechslerei Blumenthal, Schöneberg, 4. Rate 10,—. Deutsche Telephon- werke, Saal 19, Sibirien 17,10. Bau Tietz Stuklatcurc und Rabitzputzcr 3,10. Klempnerei Schäffer 9,—. Werlstattvers. R. u. H., Brandenburgstr. 16,55. Chltbg. Centr.-Heizung(dar. Seidel 1,—.) 10,20. Lenz 1,—. Werlstattbespr. Börn u. Herzberg 3,50. Vergoldcrci v. Andrer, Beuthstr. 9,50. Rcstübersch. v. Matinee 25. Dez. b. Münch, Triststr., Gcsangv.„Licdcrlust II" und„Maiglöckchen I" 21,—. Glasmalerei Bittali 5,50. Bautischlerci Müller, Görlitzer- Ufcr, 5. Rate 10,—. Stockjabr. Bernh. istoa 23,55. Maler Bau Stralauer Allee 5)50. Koblanckstr. 12 b. Schulz 6,85. 12 233 d. Octtrich 20,25. Hein, Lehmann u. Co., Ablellung III, 4. Rate 25,30. Dritter Wahlkreis aus Listen: 3012 Arb. der Lampcnsabrik von Eckel u. Glienicke, 3. Rate 14,45. 3015 Tischler u. Polierer von Becker, Oranlenstraße(außer einem) 27,50. 3097 10,35. 3105 Arbeiter der Metall- sargsabrik Solan u. Co. 10,50. 3106 durch Gölte 21,05. 3187 5,—. 3195 0,10. 3271 4,—. 3257 5,15. 3297 20,80. 11931 Arb. d. Bert. Dampf- mühlen-Att.-Ges.(außer einigen) u. Pers. 23,80. 11932 Arb. d. Lederwaren- sabrik Herbert Bunke, 6. Rate 11,25.— Der Pastor v. Venedig i. Zeuthen b. Schult d.„Borax" 6,—. Linoleum!, v. Lammfromm u. Vogel 9,05. 8 Schlosser, 1 Klempner, O. F. Schäffer, 2, Rate 8,50. BauNempnerci Müller, Großgörschenftraße 5,35. 6419(Erster Wahlkreis) 5,—. Gesammelt durch Wülfer! bei Thcilcr, Kochstraße 4,—. Möbelfabrik Heim und Gerken, 7. Rate 29,35. Gesangverein„Modestia I" 23,—. Firma Schulz u. Co., Chausseeswatze 4,75. Tapezierer v. Thiele, Gräsestraße. d. Rohrdorff 5,80. Tischlerei Wolff, Waldcmarstr. 25,—. Möbelfabr. F. Maust, 7. Rate 11,75. Tischler u. Möbelpolicrer v. Thomas, Adalbert str. 9,75. Maurer u. Arb. Bau Tietz 12,75. Arb. d. Metallgießerei Knoll, Linlenstr., 2. Rate 5,80. Firma Prachtel d. Lenz 12,40. Ricsenstahl u. Zumpc, Buch- binderabt., 5. Rate 36,85. Verband d. Schneider a Eonlo aus Listen 140,—. Bauarb. 6. Haberland, Friedrichsscldc 1,70. Rauchllub„Geknickte Rippe" 5,—. Krahnsuhrer, Transporteure u. Arb. d. A. E.-G. 21,40. HUjsarb. d. A. E.-G. V. Neumann 1,—. Arb. d. Berk. Genosscnsch.-Bäckcrci, 6. Rate 13.10. 1. Wahlkreis: Liste 6422 4,50. 6427 3,80. Pianosabr. d. Stadt Strausberg, 5. Rate 23,85. Centt.-Verb. d. Zimmerer, Barth a. O. 20.—. Stukkateure und Bildhauer v. Admiralschulz 11,55. Zahlstelle der Swkka- teure Sieglitz 9,15. Lollcriellub„Hostnungsstern" 10,—. Maschinenbau- u. SolMllbtlld, 23. Januar 1904. Mat.-Arb. Fürth 15,—. Tischlerei vom Osten, Brunnensttaße, 4. Rate 7,—. Töpser v. Bau Spiegel, Steglitz 10,50. Tischlerei A. Kusfin, Wollincrstraße, 6. Rate 17,65. Heimstätte Gütergotz 10,10. D. Wuls, Beelitz 5.-.„Ber. liner Holzwürmer" 5,—. Chemigr. Kunstanstalt v. C. Schütte 9,80. Drei Ciseleure 1,50. Arb. v. Aug. Schulz. Bcllcalliaucestraße, 5. Rate 7,—. Tischleret G. Scyffert, Wilmersdorf, 2. Rate 8,—. Steinmetzen Bau Jandorf 5,50. F. Seifett, Berlin 1,05. Die Wohlriechenden, 3. Rate 2,90. Lottettcverein „Niete" 5,—. Rohrleger d.„Neptun" Filiale XV/. 2,95..Heimann München 17,75. Unbekannt d. W., Ohlau 1. Schi. 125,05. Töpser v. Bau Mcmclcrstr. 16 6,—. Eisbcinessen der Schlesw.-tzolstcin. Landsutannschajt 6,65. Möbelpolierer Dischlcit u. Co. 13,55. Pers. Haascnstcin u. Vogler 45,55. Sparverei» „Liegnitzer Schweiz", 2. Rate 17,55. Tischlerei Gerds, 5. Rate 8,—. Tapez. o. Prcchtel 13,85. Bautischlerei Hoffmann, Anllamerstraßc, 3. Rate 13,15. Baulischlcrci Hermann, Skalitzerstraße, 3. Rate 11,10. Handwerkerverei» All-Füdersoors a. Nordbahn 20,—. Hilssarb. Druckerei„Woche", 8. Rate 14,70. Möbelfabrik Bönisch, Fruchtstraßc 6,—. Möbeljabrik Fr. Bern dt, 4. Rate 3t,90. Fliesenleger und Hilfsarbeiter von Rosenseld u. Co. 25,50. Loraberg 10,—. Bautischlerci Kühn. Luisenuscr(darunter von Klug u. Lange 3,—) 30,—. Möbelpolierer der Genossen» schast„Stent" 5. Rate 6,—. Arbeiter von M. Koppe, 2. Rate 14,85. S. Oppenhcimer, Hamburg 1,—. Zander u. Opitz 5,55. Tischlerei von Anders, 3. Rate 6,50. Bei einer Bierreise ges. 2,15. Arb. d. Masch.-Fabr. JohanneSbcrg 15,60. Arb. d. Bert Molorwagensabr. Tempclhos, 3. Rate 33,65. Tischlerei Gurisch. Fruchtstraße. 6. Rate 13.—. Lange, Merker u. Co.. Kostcrsabr., 7. Rate 7,45. Tischlerei Bartz, Graunsttaße 1,50. Tischfabr. v. Nauckc, Mariushos, 4. Rate 10,—. Bautischlcrei Knoll u. Bittner 8,70. Disclplin u. Opserfreudigkeit 10,—. Pianosabr. Trautweht, 4. Rate 5,75. Pers. v. Kühl u. Glatt, 4. Rate 11,95. Nicke, Blumenstraße 1,—. Lcder» warcnsabr.<3. Markiewicz, 12, Rate 6,—. Photogr. Fabr. v. Zoller, 4. Rate 4,75. Personal v. Langenbruck 8,50. Metallsargsabr. Solo» u. Co., 7. Rate 12,15. Grün u. Hedwig, Gneiscnaustraße 26,—. Wcrlstelle Stein 3,60. Tischlerei Couttois, Schwedterstr. 8,—. Jule II. 3,—. Gel. d. Belitz, 4. Rate(dar. Uebersch. d. Kranzspende 1,80) 9,40. Arb. u. Arbeiterinnen v. Schäser Nchsg.. Balanciersaal 11,45. Schraubendreher v. Butzke, Brandenburgstr. 12,45. Wengler, Mohrmann 18,40. Arb. d. Möbel» sabrik A. Lade, 4. Rate 30,50. S. u. H., Lindenhos Saal II, 2. Rate 26,40. Frühschulz 1,85, Bauglaserci 5,50. Silberarb. v. Mosaau, 4. Rate 15,—. Blldhauer v. Pros. Taubert 6,25. Pianosabr. � A. Loth, Prinzenstr. 7.—. Liste 12 281 d. Conrad 16.—. Bautischlerei Schüler> Graunstraße 4. Rate 7,50. Bautischlerei Kukahn, Adolssttaße 11,95.„Ostend" 19,50. Gasosenfabrik Maricndors, 5. Ziate d. P. B. 15.-. Rauchllub„Einigkeit ll". M. d. A.- R.- B. 6,80. Tischleret Fülle, Fruchtstraßc, 7. Rate 17.—. Gesammelt bei Müller, Zorndorscrslr. 11 1,20. Schäffer u. Walckcr, Bauabt. Rohrleger. 3. Rate 13,10. A. E.-G. Ackerstraße. Abteilung Barth 36,—. do. Meister Bahn 13,15. Pianomechaniksabr. E. Jakob, 3. Rate 78,—. Gießerei Grauert, Stralau 23,80. Tischlerei Körner, 11. Rate 12,—. Tischlerei Linke. 3. Rate 12,50. Möbelfabrik„Hoffnung", 7. Rate 15,75. Tischlerei Joneleit u. Psaff 7.50. Fr. Trump ke 3,90. Tischlerei Flatow 10,80. Geselliger Abend der„Liedertasel" Tischler 12,75. Buchbinderei Thomas 7,35. Möbelsabril Neumann u. Bunar, 6. Rate 4V,—. Fabrik L. u. H. Löwenstein 21,40. Bauttschlcre! Schüler 5,50. Tischlerei Kimbcl u. Friedrichscn 30,25. Geselliges Beisammensein Maler von Gebr. Drabtg 17,60. Liste 8592 5,80. Tischler und Polierer JleS u. Co. 5,50. Wegner. Bredowstraße 4,60. Role Kindtause, Rixdors. Lesstngskaße 3,16. Kranzüberschuß 2,10. Bautischlerei Wesencr nebst Einsetzern, 4. Rate 7,70, Jungnitfch, 2. Rate 4,—. Maurer Bau Halensee d. Leonhardt, Bornimerstraßc 18,85. Buchdruckcrei M. Rcttembeil 10,05. Gummi-Arbetter und Arbeiterinnen von Hetz 15,05. Luxuspapier-Fabrik W. Bernhard u. Co.. 6, Rate 14,70. Kistenjabrik Funk u. Co. 4,35. Firma Vater Steglitz, 2. Rate 22,20. Tapezierer v. Dittmars Möbelsabril 13,—. Personal von Hellmann 2,65. Bautischlerci Lieberens, 5. Rate 10,50. Maschinensabttk Düdcck, Rixdors 10,25. Hanke u. Kebcr, Königsbergersttaßc, 4. Rate 25,30. Freunds Eisengießerei 41,95. Möbel- sabrik Zelter u. Plathcn 30,15. Schlosserei Schiffner u. Co. 12,—. Bauklempnerei Moritz Schulz 14,26. Möbellischlcrei Hoffmann, Pallisaden» straße 19,65. schlosseret von Scheidenrecht, 2. Rate 8,50. Graveure von P. Hübner, Markussttaße 4,05. Töpser vom Bau Wüst u. Werner, Harzersttatze 8,—. Pianofabrik von E. Schops, 3. Rate 8,40. Rud. Müller, Rummclsburg, aus Listen gesammelt(darunter A. E.-G., Kabelwerk 8,50) 118,37. Organisierte Fensterputzer v. Arnhetm. 3. Rate 9,50. Stammttslh Baum, Wrangelstraße, 5. Rate 10,—. Liste 12 253 d. Trops 9,—. Lithographen v. Heimann u. Schmidt 20,50. Nieder- Schönhausener Männcr-Gesangverein 4,—. Stukkateure und Arbeiter von Schneider 9,50. Möbelsabril Wöhler u. Schwab, 5. Rate 22,35. Einige Staatsarb. aus Buxtehude d. 4 v. d. Kappe, 4. Rate 37,15. Telephonsabrik v. Becker, Skalitzerstraße 4,80. S. U. H., Saal 25 o, 6. Rate 9,75. Möbel» sabttk Hein, Pallisadenstratze, 4. Rate 12,20. Eisengießerei L. Löwe 57,55. Wethnachtsttsch Pitzcr 4,75. Buchdruckeret A. W. Schade, 7. Rate 14,—. Metallarbeiter Bernert, Charlottcnburg, 7. Rate. 9,—. Durch Fischer, Neue Jakobsttatze 2,—. Metallgießerei Lohse 2,80. Möbel» tischlere! O. Weise, Tilsitcrsttaße 7,—. Kronleuchtcrsabrik Ftttze, Rummels- bürg 7,55. Simons Möbeljabrik, Wallftratze, 2. Rate 16,10. Mübclsabrit Leimig tt. Jatzky 18,60. Buchdruckerethilfsarb. 2,60. Tischlerei Grauer, Pallisadensttatze 3,90. Berliner Büffellsabttk, Elisabeth-User, 5. Rate 12,45. Schraubendreher v. Louis 9,95. Liste 5005(6. Kreis) 9,10..Hutmacher, Fischerstraße 10,—. H. Payard, Grünau 1,—. Bläsing u. Sohn, Neichen» bergcrsttaße 9,10. Möbelfabrik Schäsler, PoterSburgerstraße, 4. Üiate 15,—. Pianofabrik„Merkur", Urbanstraße, 2. Rate 15,60. Werkzeugbau St W. O. 6,10. Installateure K. W. O. 13,95. Möbeltischlerei Weise u. Natnttann, Pctersburgcrftraße, 4. Rate 16,—. Gesammelt b. Mariechcn Woditzka 4,—. Pianofabrik Lehmann, Königsberger- und Fruchtstraßc, 4. Rate 30,60. W. 2,—. A. E.-G., K.-W. O. A. S. 13,50. Masch.-Arb. Automobilsabrik, 5. Rate 35,60. Gäste v. Borsch, Reichcnbergersttaßc 3,10. Stukkateure von Schirmer 10.50. Tischleret C. Pohl u. Fraiseret Sl. Espig. 5. Rate 9.20. Pianosabrit Giese u. Neinecke, 3. Rate 8,—. Klavialursabrik Rcinke u. Waller, 6. Rate 15,65. Stukkateure Firma Miker 10,50. S. u. H., Saal 34, 5. Rate 30,30. Arbeiter d. Möbelsabril I. C. Psaff. Saal 4, 10. Rate 16,10..Karl Harnich 2,—. Buchbinderei A. Scherl, Abt.„Woche" 50,50. Kabclivcrk Obersprec, Saal B, 3. Rate 25,25. Tapezierer Berlin W., 2. Rate 3,—. Versamml. Sektion 9 d. städt. G.-W., Rosenthalerstraße 15,—. Töpfer v. Back- bans, Rixdors, Weserstraße 7,25. Elende aus d. Neuen Königstraßc, 8. Rate 9,69. Vom Personal der B u ch d r u ck e r e i c n: Ferd. ASHelm, 8. Rate 12,25. C. Behrens aus Liste 8323 4,05. W. Büxenslein, Vcrbandsmitglieocr, 11. Rate 24,05. Denker u. Nicolas, 7. Rate 15,70. Deutscher Verlag, Gesamtpersonal 52,70. Deutsche Watte, 8. Rate 15,—, Otto Elsner 51,50. Gebr. Grunertt 4. Rate 12,15. Harrwitz Nachs., 2 Raten 9,10. Ad. Hauß- inann 9,15. H. S. Hermann, 12. Rate 112,60. Th. Kaiser, Stcmpelsabrik 10,—. Karl Kühn Söhne, 5. Rate 38,35. Rcitth. Kühn, 9. Rate 7,10. E. S. Mittler u. Sohn, 9. Rate 53,05. W. Möscr 18,55. R. Mosse, Accidcnz, Setzer, Drucker, Slereothpeure 51,20. R. Mosse, Zetluna 25,35. „Nalional-Zcitung", 9. Rate inkl. 3 M. vom Kanlinenwirt Burg für eine gut besuchte Druckerelversammlung 37,70. Norddeutsche, Saal 5, Pflicht- steuer 8,40. Paß u. Garlcb, 8. Rate 33,—. Pormcttcr, 5., 6. Rate 12,10. Rosenthal it. Co., Rungcstraßc, 5. Rate 11,15. c-eydcl it. Cic. 10,75. Scydel u. Etc., Hilfspersonal 5,45. L. Simlon Nachs., 6. Rate 8,20. 21. Scherl, Slereolypeure 3,50. Stern-Adler 21,—. Stern-Eisenbahner 13,70. Ullstein u. Co., Accidcnz, 11. Rate 24,—. Ullstein u. Co., Zeitung, f 11. Rate 22,35. Gebrüder Unger, lt., 12. Rate 35,40. VercinSburcau 4,50.„Vorwärts", Zeitung, 11. Rate inkl. 3 M. v. Gen. Augustin 33,—. Skatklub„Schieber" 2,—. Z w e i t e r W a h l k r e i s, ges. aus Listen: 6093 4,05. 6096 8,65. 6097 10,50. 6098 8,15. 6099 Berl. Tapissette- Manufaktur, Schlesischestraße, d. Lindner 5,85. 6100 11,05. 6124 6,25. 6128 durch Oerlel 13,95. 6079 Tischlerei C. Luckat, Dieffenbachstraße, 5. Rate 22,35. 6246 Lederwarensabril von Hugo Bunke, 5. Rate 15,30. 6057 3,35. 6254 Bau Holfteiner Ufer, Firma Schulz. 3. Rate 9,75. 6258 9,25. 6171 10.20. 6183 d. Jolhcn- schwäger 19,90. 6141 2,85. 6144 d. A. Mansie 6,15. 6176 10,60. 5927 14,75. 5928 15,25. 5929 9,45. 5934 3,60. 5948 10,50. 5808 17,50. 5809 4,53. 5820 12,65. 5989 5,40. 6009 14,—. 6010 16,—. 6200 3,70. 12522 Bau Holsteitter Ufer. Firma Schulz, 4. Rate 6,—. 5870 17,—. 5963 Personal von P. PittiuS, Oranicnstraßc 119, 3. Rate 17,45. 6299 7,50. 5972 12,60. 5960 Tischlerei Schwarz 26,90. 12547 Kunst. auSstellung Moabit, 6. Rate 11,10. 5983 Tischleret von Bobenheim 7,50. 6215 1 3,10. 6241 d. Karl Graul 7.50. 6980 11,78. 5904 9,15. 5912 9,40. 5918 Noack 9,30. 6294 23,80. 6296 27,—. 5825 34,80. 5832 neun Töpfer. ein Träger, Bau ParickS, Katzbachsttaße 15,—. 5838 Bauttschlerei Plagemann, 3. Rate 14,20. 5846 13.-. 5801 6,05. 12551 von de» Zimmerern der Firma Geßner bei Rudolph Hertzog 4,70. 5851 9.-. 5372 9,53. 5880 13,20. 5882 5,80. 5834 5,—. 6259 9.—. Vier ler Berliner Wahlkreis(Osten) aus Listen gesammelt 426,52(dar. Stocksabr. Goldmann 6,60. Liste 6709 inkl. 10,25 von Mitgl. des CirkuS Busch 15,—. Einige Mitgl. d. Verwaltungsralssitzung d. Bert. .Mrnt-Vcr. 21,85. 8743 Schuhfabrik Schliewe, Brunuenstr. 11,—. 8756 Aiejenleger, Hilssarb. durch Kräkel 11,15). Summa 6287,25 M., bereits quittiert 211 413,91 M., Gesamtsumme 917 701,19 M. Alle noch ausstehenden Betröge und Listen er» suchen wir baldigst in u n s e r m Bureau in der Zeit von 9—1 und 6—8 Uhr abzuliesern. Postsendungen sind an A. Körsten, Engel-User 15, zu adressieren. Der Ausschuß der Berliner GewerkschastSIom Mission. Hiis der Frauenbewegung. Oder-Schöncwcidr. Der Frauen- und Mädchen-Bilduugsticreiu hielt am Montag eine Versammlung ab, in der Genosse Walter referierte. Unter Bereinsangelegenhellen wurde beschlossen, die Ver- sammlungen in verschiedenen Lokalen stattfinden zu lassen. Die nächste Versammlung findet am 15. Februar im Wilhelminenhof Kasino statt._ Proletarische und bürgerliche Frauenbewegung in Norwegen. Der„Norwegische Frauen-Nationalrat", der eine Abteilung des .Internationalen Frauenratcs" bildet, hielt vor kurzem seine erste Versammlung in Kristiania ab. In diesem Frauen-Nationalrat sollen sich nach deni Wunsche der Gründeriimen„alle arbeitenden Frauen", die Vereinigungen gebildet haben, durch Repräsentanten zusammenschließen zu einem großen Verbände, der dementsprechend plle Arten weiblicher Arbeit, Vertreter aller Gesellschaftsklassen, aller GlanbcnsbekemUnissc und aller politischen und socialen Parteien umfassen soll." Der Frauen-Nationalrat soll„arbeiten für eine höhere Moral in Politik und Gemeindeverwaltung, in Handel und Wandel des täglichen Lebens und das wachsame Gewissen der Frauen sein, daS seine Aufmerksamkeit auf Gesetze und Verordnungen richtet, besonders auf solche, die Frauen und»linder angehen." Die socialdemokratischen Frauen, die mau noch vor anderthalb Iahren bei dem großen Frauenkongreß vergessen hatte, waren zu der erwähnten konstituierenden Versammlung des„Nationalrates" freundlichst eingeladen, haben aber die Einladung abgelehnt, und zwar wurde sie in sämtlichen dem„Fraiienverband der Norwegischen Arbeiterpartei" angeschlossenen Vereinen abgelehnt. Hierüber hat sich nstn in„Socialdeinokraten" eine lange Debatte cutwickelt. Die Führerinnen der bürgerlichen Frauen sprachen in Einsendungen ihr liefstes Bedauern über die abweisende Haltung der Arbeiterfrauen aus, worauf unsre Parteigenossinnen selbstverständlich die Antwort nicht schuldig blieben. Die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen haben übrigens, selbst wenn man annehmen wollte, es wäre unsren Partei- Genossinnen möglich, mit einer Organisation wie der oben charakterisierten zusammenzuwirken, die Abfuhr wohl verdient, und zwar wegen ihrer höchst verdächtigen und reakftonären Haltung dem gesetzlichen Ärbeiterinneuschuy gegenüber. Wie wir seiner Zeit mitteilten, haben sich die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen in edler Begeisterung für die Gleichberechtigung der Franen gegen jeden besonderen Wrbeiterinnenschutz in der Fabritgesetzgebung gewandt und damit das gleiche AusbcutungSrecht der Unternehmer feinen weiblichen wie seinen männlichen Arbeitern gegenüber verlangt. DaS haben ihnen die organisierten Arbeiterinnen noch nicht vergessen. Frau Martha T h n ä s schreibt im übrigen zu dieser An- Gelegenheit:„Die Frauen von der Arbeiterpartei wissen auch, daß, »oenn man im Ernste die socialen Fragen lösen will, man sich dem socialistischen Programm ganz anschließen muß, weil es nur dadurch möglich wird, wirklich praktische Reformen durchzuführen. Darum schließen sich auch immer mehr Frauen und Männer diesem Programm an, da sie einsehen, daß dies der einzige Weg ist, um zu den Rechten innerhalb der Gesellschaft zu gelangen und alle Miß- Verhältnisse auszugleichen. Sollte es sich jedoch zeigen, daß der Frauen-Nationalrat>v i r k l i ch mitwirken will, die socialen Forde- rungen zum Wohle der leidenden Menschheit, der arbeitenden Klasse zu erfüllen, so wftd ihm unsre Unterstützung nicht fehlen." Versammlungen. Die Berliner Lithographen, Filiale des Vereins der Lithographen, Steindruckcr und Bernssgenossen Teutschlands, hielt ihre Jahres- generalvcrsammlung am 13. Januar ab. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles gab Dübelt den Kassenbericht sowie den Jahres- beruht des Vorstandes. Ter Vcrsainmlungsbcsuch hat sich im ver- aangenen Jahre erfreulich gehoben, und wurde beruflichen Fragen das größte Interesse entgegengebracht. Es fanden 12 Monats- und 3 öffentliche Versammlungen, sowie 11 Vorstands- und 13 Ver- trauensmännersitzungen statt. Außerdem wurden 38 Geschäfts- Versammlungen veranstaltet, die guten Erfolg hatten. Es gelang. die Mitgliedcrzahl, die am Jahresanfang 187 betrug, auf 350 zu erhöhen. Die Jahrcseinnahme betrug 13 317,30 M. Für Arbeits- losenuntcrstüyung wurden ausgegeben 3105 M., für Unterstützung auf der Reife 1230 M., Umzugskostcu 70 M., Maßregelungsunterstützung 478 M., für örtliche Verwaltung 1580 M., und der Haupt- iasse 3783 M. überwiesen. Die Agitation unter de« Mcrkantil- lithographcn und Kartographen war von wenig Erfolg begleitet. Ein- gaben an die Handlvcrkerkannncr und an die Gclverbedcputation, die sich gegen Auswüchse im Lehrlingswesen richteten, blieben resultatlos, während sich durch die öffentliche Kritik die Zahl der Lehrlinge in einigclvGcschäften verminderte. An Arbeitslosenunterstützung wurden im Dezember allein 1107 M. gezahlt. Die Arbeitszeit wurde bei einer Firma um eine halbe Stunde verkürzt, bei mehreren kleinen Firmen der Mindestlohn heraufgesetzt. Beschlossen wurde die Be- teiligung am Heimarbeitcrschutzkongreß. Die Nculvahl dc-Z Vorstandes ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Dübelt; 2. Vorsitzender Rill; 1. Schriftführer Tomnick; 2. Schriftführer Haber- tern; 2. Kassierer Graßmann; Beisitzer Gundlach. Wildt, Burchelt lind FuchS; Revisoren Pätzold, Rochau und Wittstruck; in die Matincekominission wurden gewählt Atbrccht und Jehniche. Der Verband der Lagerhalter hielt am Sonntag im Gewcrk- schaftshause seine Monatsversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand:„Die Konferenz der Lagerhalter der Provinz und Ver- schiedene-s". Nachdem Lamme die Notwendigkeit»nö Bedeutung der Konferenz erörtert hatte, wurde beschlossen, dieselbe am 4. April dieses Jahres(2. Osterfeiertag), nachmittags 2 Uhr, zu Berlin im Gewerkschaftshanse abzuhalten. Die Tagesordnung wurde nach kurzer Debatte wie folgt festgesetzt: 1. Die Versicherungspflicht der Lager- Halter. 2.«ind unsre Mindestforderungen reformbedürftig? 8. Situationsberichte der Kollegen. 4. Verschiedenes.— Unter Ver- schiedenem wurde die Freigabe eines halben Tages in der Woche erörtert. Es wurde darauf hingewiesen, daß es für die Lagerhalter besonders schwierig sei. ihre Versammlungen abends abzuhalien. Dieselben könnten schwerlich vor 10 Uhr ihren Anfang nehmen, wegen des weiten Weges, den verschiedene Kollegen zurücklegen müßten. Beschlossen wurde, sämtlichen Verwaltungen Berlins und Umgegend einen dementfprechcnden Amrag zu unterbreiten, damit die Lager- Halter im stände wären. ihre gcwerkschaftlichcu Pflichten mit Ruhe wahrzunehmen. Eine Saminlung für die Crimmitschauer Weber ergab 15,70 M. Verband der Möbelpolierer. In einer Bezirksversammlung für den Osten erstatteten der Bezirlsleiter B a r e n t b i n sowie die Mitglieder der Kartclltommission Bericht über ihre Thätigkcit im verflossenen Jahr. Sie war eine sehr rege und auch fruchtbare. 270 Werkstätten wurden zu Sitzungen eingeladen; 450 Kollegen au-s III Werkstätten leisteten der Einladung Folge. Meistens dienten diese Sitzungen der Agitation, teilweise hatten sie den Zweck, dem Uebcr- stundenwesen entgegenzuwirken. In dieser Hinsicht ist, namentlich was die organisierten Möbelpoliercr anbelangt, eine Besserung eingetreten; dennoch kommt auch jetzt noch übermäßige Ueherzeitarb«t und Sonntagsarbeit nicht selten vor. Ueverzeitarbeit wurde fit 35 Wertstätten konstatiert. SonntagSarbeit i» 31.— An die Gerichte knüpfte sich eine kurze Debatte, ist der besonders gegen die Üeberzeit- und Sonntagsarbeit gesprochen wurde. Sodann berichtete Reuter über die Verhandlungen der Vcrbandstages. Der Referent sowohl ime die Diskussionsredner gingen besonders aus den vom VerbcmdStag abgelehnten Antrag auf Anschluß an den Holzarbeiter- Verb mi d ein. Der hierin vom VcrbandStag gefaßte Beschluß wurde von den meisten Redncrst nicht für richtig befunden. Darauf wurH über die Frage: Wie stellen sich die Kollegen zur Anstellung eines Beamten? debattiert. ES hat sich gezeigt, daß es immer schwieriger wird, die Leitung der Verbandsgeschäftc und der Agitation durch einen Kollegen zu besorgen, der den gmizen Tag in der Werkstube thätig sein muß, weshalb es einem Teil der Mitglieder unumgänglich notwendig erscheint, einen besoldeten VcrbandSvorsitzenden anzustellen. Die Bezirksversammlung beschloß nach langer und lebhafter Debatte, der Generalversammlung die An- ftellung eines besoldeten Verbandsbeamien zu empfehlen — Als Bezirksleiter sowie auch in die Kontrollkommission wurden die bisherigen Mitglieder wiedergewählt.— Bezugnehmend auf den Hcimarbeitcrkongrcß machte Reuter noch darauf auf- merksam, daß auch im Möbelpolicrergewerbe die Heimarbeit mit allen ihren schlimmen Folgen Eingang gefunden hat, namentlich auch. was die schrankenlose Ausbeutung der weiblichen Arbeitskräfte an- betrifft. Er forderte diejenigen Kollegen auf, denen derartige That- fachen und Zustände bekannt sind, Mitteilung an seine Adresse: M c m e le r st r a tz c 42, zu senden. Der Lerem der Zimmerer Berlins und Umgegend hielt am 17. Januar in den Jndustrie-Festsälen seine Generalversammlung ab. Nach der Abrechnung vom vierten Onartal, die der Kassierer M c tz n e r vorlegte, beliefen sich die Einnahmen auf 7398,05 M., die Ausgaben auf 3915,95 M., so daß ein Ueberschuß von 3482,10 M. erzielt wurde; dazu der alte Bestand von 31 518,34 M. gerechnet, ergab am Ende des Ouartals einen Kassenbestand von 35 000,74 M. Der Kassierer wurde von der Generalversammlung einstimmig entlastet. Dem Berichte des Vor st an des. den der Vorsitzende Schäfer gab, ist zu entnehmen, daß das ver- flosiene Jahr nach außen hin recht richig verlaufen ist. Große Bewegungen fanden nicht statt und nur verhältnismäßig wenig Sperren wurden notwendig. Innerhalb der Organisation herrschte dagegen reges Leben. Es fanden im verflossenen Jahre vier ordent- liche, drei außerordentliche Generalversammlungen, sieben Vereins- Versammlungen, zehn Bezirksversammlungen und 137 Morgen- sprachen statt. Wegen der Maifeier haben 30 Unternehmer 279 Mit- glieder dcS Vereins einen Tag ausgesperrt. Arbeitslose meldeten sich im Laufe des Jahres 502 aus dem Bureau, verlaugt wurden 3l0, in Arbeit gebracht 245. Die Zahl der Mitglieder ist im verflossenen Jahre von 1548 aus 1639 angewachsen. Seit 1893, wo der Verein nur 253 Mitglieder zählte, hat, mit Ausnahme des Jahres 1901, wo ein unbedeutender Rück- gang stattfand, die Mitgliedcrzahl von Jahr zu Jahr beständig zugenommen. In gleichem Maße sind auch die Einnahnien und Ausgaben, sowie der Kassenbestand des Vereins gestiegen. Tie Aus- gaben für Streiks und Maßregelungen beliefen sich im Jahre 1903 aus 8199,45 M., wovon 1750 M. auf Unterstützungen für Lohnkämpfe in andren Berufen entfallen. Pro Mitglied wurden im Jahre 1902 5,31 W., 1903 6,07 M. für Streiks und Maßregelungen ausgegeben. Die Summe der gemeldeten Arbeitslosigkeit bclief sich im Jahre 1903 auf 3242 Wochen gegen 4078 Wochen im vorhergehenden Jahre. Durch Fragebogen wurde ermittelt, daß 1498 oder 91,4 Proz. der Mitglieder ihre PereinSbeiträge statulgcmäß in Ordnung hatten, 1247 oder 73 Proz. an der Maifeier teilnahmen, 376 oder 41 Proz. Abonnenten des„Vorwärts" waren und 348 oder 2l,2 Proz. politisch organisiert waren.— Wie der B i b l i o t h e k a r K l i n g e r bc- richtete, haben 403 Bücherverleihungen stattgefunden; 42 Bücher wurden angeschafft, der Bücherbestand ist auf 356 Bände angewachsen. Den Bericht der Rechtsschutz- Kommission gab Fischer. Der Kommission wurden im Jahre 1903 38 Fälle gemeldet: 3 Strafsachen, 2 Lohnklagen und 33 Unfallsachen. Bei den Straffachcn kam es zweimal zur Verurteilung, einmal erfolgte Freisprechung. Die Lohnklagen Ivurden beide gc Wonnen. Von den llnfallsachrn hatten 13 Erfolg, 13 blieben erfolglos. Bei der Bcrufsgenossenschaft wurden drei Anträge auf Wiederaustiahme des Heilverfahrens und Rentengewährung gestellt. Beim Schiedsgericht für Arbeiterversichcrung wurden 18 Klagen ein- gereicht, wovon 11 gewonnen wurden und 7 verloren gingen. 11 Rekurse gegen Urteile des Schiedsgerichts wurden beim Rcichs-Vcrficherungsmnt erhoben; davon wurden 5 gewonnen und 3 abgewiesen. Vom Bureau aus sind außer den GcwcrbcgerichtSsachcn 3 von den Unfallsachen vertreten worden bei den übrigen war wegen Rkangcl an Zeit fremde Hilfe notwendig.— Sodann berichtete Labitzki über die Thätigkeit des Gewerffchaftskartells. Darauf gab Fischer den Bericht von der A ch t z e h n c r- K o m in i s s i o n. Im verflossenen Jahre sind nur wenige und unbedeutende Differenzen vorgekommen, so daß zu größeren Maßnahmen lein Anlaß gegeben wurde. Der vereinbarte Lohn>ourde in den meisten Fällen ohne lveitercs gezahlt und dort, wo daS nicht geschah, mußte das Fehlende nachgezahlt werden. In einem Falle kam eö zur Klage; auch hier lourde der Unternehmer zur Jnnehaltung der Vereinbarungen veranlaßt. In- folge der guten Konjunktiw wurde in vielen Fällen mehr als 37>/.. Pf. Stundenlohn gezahlt. Die festgesetzte Einteilung der Arbeitszeit wurde leider nicht immer innegehalten, was, wie der Redner erklärte, weniger Schuld, der Arbeitgeber als der Arbeiter war und ans deren Gleichgültigkeit zurückzuführen ist. Hinsichtlich der Baubuden und Aborte ist eine geringe Besserung ein- getreten, doch bestehen noch mancherlei Mißstände. Ueber die Berichte fand nur eine kurze Diskussion statt. Da- gegen wurde sehr lebhaft über einen vom Vorstände, sowie in der erweiterten Sitzung gutgeheißenen An- trag; einen besoldeten erstell Vorsitzenden a n- zustellen, debatttcrt. Für den Antrag wurde geltend gemacht, daß der jetzige, vom Verein nur zu zwei Drittel, im übrigen von der Vereinigung der Zimmerer Deutschlands besoldete Angestellte nicht Zeit genug übrig hat, um die Interessen der Berliner Zimmerer genügend wahrzunehmen, so daß die Mitglieder sich bei Differenzen oft vergeblich an das Bureau wenden. Der Antrag wurde schließlich niit 15 Stimmen angenommen. Die Wahlen zum Vorstande hattteu folgendes Ergebnis: Erster Vor- sitzender Juppenlatz, zweiter Herrn. Lehmann; erster Kassierer Gottlieb M e tz n e r, zweiter Reichert; erster Schriftführer G l a g o w. zweiter Labitzki. Als Kon- trolleure wurden P l a n tik o w und Pflaume gewählt, als Revisoren Hoff und sorgenfrei, als Kartclldelegicrter Fischer und als dessen Ersatzmann P ä s l e r. Die Kartell- delegierten sollen in Zukunft zum engereu Vorstand gehören und zu allen Sitzungen zugezogen werden. In die Achtzehner-Kommission wurden als Delegierte Juppenlatz, Fischer. Hoffmann und Berneck er, als Ersatzmänner Weisel, Reichert. Sorgenfrei, Waschulewski und SmhSlaivski gewählt. In die AgitattonSkommission wurden gewählt: M ii n n i ch. Weisel, Waschulewski, Hoher, S ch m ö k e l, Sorgenfrei und M e h e r. Die Wahl der Rechtsschutz- kommission wurde vertagt. Da am 21. Februar die Konferenz der Zimnierer Deutschlands stattfindet, lvurde beschlossen, die nächste Versammlung, wo die Delegierten zur Konserenz ge- wählt werden, am 14. Februar abzuhalten. Daß der Vorstand 200 Mark für die Crimmitschauer Weber und 100 Mark für die Zink- aießcr bewilligte, wurde von der Generalversammlung genehmigt. Ein Antrag, den ausgesperrten Webern noch weitere 100 Mark zu bewilligen, wurde dem Vorstand überwiesen. Schöncbcrg. In der am 19. d. M. stattgcfundenen General- Versammlung des Socialdemokratischen Wählvereins ehrten die An- lvesenden vor Eintritt in die Tagesordnung das Andenken des ver- storbencn Genossen Philipp P rächt in der üblichen Weise. Als- dann erstattete der Kassierer den Bericht vom 1. Quartal, aus welchem zu entnehmen ist, daß bei einer Einnahme von 1237,82 M.. ein- schließlich des Bestandes voni letzten Quartal in Höhe von 210 Mi, eine Ausgabe von 1053,72 M. zu verzeichnen war. An den Kreis wurden insgesamt 1103,72 M. abgeführt. Aus dem Kassenbericht für die. Stadtverordneten- und LandlagSwahlen ist zu ersehen, daß bei einer Einnahme von 1033,65. M. und einer Ausgabe von 833,95 M. ein Ueberschuß von 232,70 M. erzielt wurde. Genosse Fischer. welcher noch einige Erläuterungen zu dem Bericht gab, deamragte die Entlastung des Kassierers, welche einstimmig angenommen wurde. Alsdann referierte Genosse Z u b e i l über„Rückblick und Ausblick". Er wies darauf hin. daß die Arbeiterschaft auf der Hut sein möge, gehen wir doch schweren Zeiten entgegen. Zur Zeit lasse sich noch nicht mit Bestimmtheit voraussagen, was die Regierung und die Scharfmacher im Schilde führen. Aber zum Beiveise, daß etwas in der Lust liege, möge man nur die Reden des Grafen B ü l o w und des Frei- Herrn v. L i m b u r g- S t i r u m, anläßlich der Etatveratung im Dezember des vorigen Jahres, aufmerksam nachlesen. Auch der jetzt in Crimmitschau so jäh beendete Kampf der Weber gegen das Fabrikantentnm mußte den Nur-Gewerkschafrlern doch endlich tzii Augen öffnen, daß mit der reinen Gewerkschaftsbewegung nichts zu erreichen sei, sondern nur durch ein Zusammenarbeiten von Ge- werkschaft und Partei. Unter Hinweis auf die stattgehabten Stadt- vcrordnctemvahlen, bei welchen die Parteigenossen schlecht ab- geschnitten haben, wendet Redner sich zum Schluß an die an- lvesenden Frauen und ersucht dieselben, wenn auch ihre Forderungen in absehbarer Zeit noch nicht verwirklicht werden sollten, treu Schulter an Schutter mit den Männern zu kämpfen zur Befreiung des Proletariats und stets unsrcs Mahnrufes eingedenk zu sein:„Durch Kamps zum Sieg!"(Großer, langanhaltender Beifall.) Genosse K ü t c r sprach in der Diskussion in längeren Ausführungen im Sinne des Referenten.— Unter Vereinsangelegen Heiken gelangten 14 Genossen zur Aufnahme und 34 Genossen zur Abmeldung. Die nächsten Bezirkssitzungen finden am 2. Februar statt.— Zur Kreis-Generalversammlung werden drei Anträge gestellt: 1. Andcrweite Zu« sammensetzung des Centralvorstandes; 2. Aenderung des tz 11 de? Organisationsstatuts dahingehend, daß Orte mit bis 200 Mit- gliedern 2 Delegierte, Orte mit 200 bis 500 Mitgliedern 3 Tele- gierte und Orte mit über 500 Mitgliedern für jedes angefangene 500 Mitglieder einen Delegierten mehr entsenden soll: 3. den Mitgliedsbüchern ist das Organisationsstatut und das Programm an- zuheften. Sämtliche Anträge fanden die Zustimmung der Ber- sammlung. Steglitz, lieber den Nutzen von Bibliotheken für Arbeitervereine sprach Genosse Grunwald- Friedenau in der letzten Bahlvereins-Versammlung. Nach einer kritischen Würdigung der heutigen Volksbildungsmittel und der Äonstarieruiiq von deren Unzulänglichkeit in jeder Beziehung, betont Redner die sich daraus für die Arbeiter ergebende Notwendigkeit, wie aus allen andren Gebieten innerhalb des Klassenstaates, so auch hier sclbn- Hilfe zu üben, um eine bessere Allgemeinbildung zu erringen. Als eincS der verschiedenen Mitlel herzu empfiehlt Redner die Ein- richtuug von Bibliolheken und eventuell Lesezimmern und giebt ver- schiedcne Anregungen über deren prattische Ausgestaltung und die Auswahl der Bücher, Zeitschriften usw. Um die gehörten Ratschläge für den Verein nutzbar zu machen, wurde auf Vorschlag deS Vorsitzenden eine Kommission gewählt, welche sich mit dem Gegenstande befassen und einer späteren Versammlung diesbezügliche Vorschläge machen soll. Gleichzeitig wurde dieser Kommission aufgegeben, die vom Gciverksckiafrskartcll vor längerer Zeit angeregte Ceutrali- sierung aller hier bestehenden Arbcitervercins-Bibliothelcn weiter zu verfolgen, um auf diese Weise die vorhandenen Bücher einem größeren Leserkreis zugänglich zu machen. Hierauf nahm die Ver- sammlung den Kassenbericht vom letzten Quartal entgegen und wählte die Genossen D r ä g e r und T i n a r t als Delegierte zur General- Versammlung des Central-Wahlvereins. In der vorigen Ver« sammlung war der Antrag auf Ausschluß eines Genossen, lvegen Nichtausiivung seines Wahlrechts bei der Landwgswahl, zurückgestellt worden, weil der letztere nicht anwesend war. Wie der Borsitzende milteill. war der Genosse zu einer BorstandSsitzmig sowohl als auch zur heutigen Versammlung schriftlich eingeladen, um sein Verhalten zu rechtfertigen. Er hat der Einladung nicht Folge geleistet un» ivurdc nunmehr der Antrag auf Ausschluß nach kurzer Debatte ein- stinimig angenommen. Die Anfrage, ob das„B i r l e n w ä l d ch e n" freigegeben sei, wie der Wirt gegenüber seinen Gästen behaupte. wurde dahin beantworret, daß dieses Lokal nach wie vor als gesperrt zu betrachten sei. Aus der Mitte der Versammlung wurde Beschwerde geführt, daß über die letzte ösienrlick)e Versammlung lein Bericht im„Vorwärts" erschienen sei. Genosse Krause als Schriftführer der betreffenden Versammlung versicherte, daß er seine Pflicht er- füllt und einen Bericht eingesandt habe. Nachdem noch zur Einsicht- nähme der Wählerlisten zur Gemcindewahl, welche jedenfalls vom 1 5. Januar bis. 1. Februar ausliegxn. aufgefordert war. erfolgte Schluß der ziemlich gut besuchten Versammlung. Ter Sorialdemotrattiche Wahlverein Zehlcndors hielt am Dienstag, den 19. d. Mts.. seine fällige Miigliedcrverscmunlung ab. Ans der Tagesordnung stand ciw Bortrag des Genchscn E. F u ch s:„Die Entwicklung der bürgerlichen Parteien". Leider war Genösse Fuchs verhindert und so sprang Genosse Paul Göhre für denselben ein und gab einen politischen Rundblick, in welchem er alle wichtigen Ercignijie der letzten Zeit Revue passieren ließ und auch unsre bevorstehenden Gcmcindevertretcr-Wahlen nicht vergaß. DaS Referat, welches sehr beifällig ausgenommen wurde, klang zum Schluße aus in die Aufforderung, daß alle bei den bevorstehenden Wahlen ihre Pflicht thun mögen, um auch in den Karpfenteich unsrer Gemeindevertretung einen Hecht in Geffalt eines socialdemokratischen Vertreters zu entsenden. In der Diskussion äußerte sich Genosse M i tz n e r im Sinne des Referenten. Den Kassenbericht über dos 1. Quartal des BereinSjahres 1903/1904 gab Genosse Böhm. Die Einnahme betrug 52,58 Mt.; davon zwei Drittel an den Central- Wahlverein— 35,32 M., verbleibt ein Drittel für den Ort von 17,36 M. Die Ausgabe am Orte beträgt 13,11 M., mithin ist der OrtSbcstand 4,55 M. Abgesetzt wurden 55 Parrcitags-Protokokle. dazu brachte eine Crimmiischauer Sammelliste 4,00 M., so daß ins- gesamt an den Centralvorstand abgeliefert werden konnten 44,82 M. Nach dem Kassenbericht gab Genosse Nk i tz n e r den Bericht Von der Gemcindcvertrclcr- Sitzung. DaS Interessanteste in dieser war. daß vom 1. April 1905 ab Rcal-Parallelllasscn am hiesigen Gvinnasium eingerichtet werden. Vorläufig sind 12 Schüler dafür vorhanden. Trotzdem will man aber doch schon vom 1. April dieses Jahres ab diese zwölf Schüler in den unteren Klassen des Ghmnasiums unterbringen mit der Maßgabe, daß für das fortfallende Latein Französisch gelehrt werden soll. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen des Vorstandes schloß der Vorsitzende di« imposante Versammlung. Köpenick. Die hiesige Verwaltungsstelle der Handels-, Transport» und Verkehrsarbeiter hielt am 10. Januar ihre Generalversammlung ab. Dem Bericht der OrtSverwaltuug für 1903 ist zu entnehmen. daß die Filiale bei Beginn des Jahres 43 Mitglieder und am Jahres- schlusse deren 114 zählte. Der DurchschnittSbesuch der Versammlungen tcllt sich auf 29 Personen. Die Kassenverhältnisse sind durch günstige Abschlüsse der beiden Vergnügen gute zu nennen: für 1904 konnte ein Saldo von 101,85 M. vorgetragen werden. Die Neuwahl der VerbandSfunltionäre ergab folgendes: Nickel, Bevollmächtigter, S e in r a u Kassierer, G ü n d e l Schriftführer, Rausch 2. Bcvoll- mächtigtcr, Masche WS kl) und Lange Beisitzer. Gewerkschafts» delegierte: Rausch und Tauchmann. Die Wahl der Revisoren wurde ausgesetzt. Zum Kongreß sämtlicher im Transport- und Fuhrbetriebe beschäftigter Arbeiter, Ostern in Berlin, wurde Rausch als Tele- stcrlcr bestimmt, als Stellvertreter Nicke l. Die Versammlungen ollen in diesem Jahre bei Adolf Helling, Schönerlinderstr. 5, statt» iitben. Unter Verschiedenem wurden den Webern in Crimmitschau 20 M. bewilligt. Die Zustände in der hiesigen Orts-Krankenkajse Ivurden wieder einer herben Kritik unterzogen. Ter Wahlverein für Britz hielt am 15. Januar seine General- Versammlung ab, in welcher Genosse Sr r a m m einen Vortrag über „Revisionismus" hielt. Ter Vortrag fand reichen Beifall. Aus dem Bericht des Vorstandes über das verflossene Quartal sei erwähnt. daß 3 Mitglieder-, 3 Vorstands-, 5 außerordentliche Vorstands-, 3 Volksversammlungen und 2 Handzettclvcrvreitungen stattgefunden haben. Der Bericht des Kassierers ergab eine Einnahme von 268,89 M., die Ausgabe betrug 139,44 M., mithin verblieb ein Bestand von 99.45 M. Zur Aufnahme kamen 5 neue Mitglieder. Als Delegierte zur Generalversammlung wurden die Genossen Nierich, Vogt und Julius Sandmann gewählt. Zum Schluß machte der Vorsitzende noch bekannt, daß die Wählerlisten zur Gemeindevertreterwahl vom 15. bis 30. Januar ausliegen. Er wies zu gleicher Zeit darauf hin, daß die Genossen, welchc keine Zeit haben, die Listen cinzuschcn, sich zu melden haben bei Weniger, Werdersttaße 27. August Ringe. Chausseestr. 38. im Cigarrenladen und bei Fuchs, Rudowerstr. 36. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 24. Januar, vorm. 8'/, Udr. in der Schul-Aula. Kleine. Franksurtcrstr. k: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Uni Uhr vorm. ebendaselbst: Vortrag des Herrn Profi Dr. Albert Gehrke:„Weltschmerz und Erlösung". Gäste, Damen wd Herren, sehr willkommen. Kür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcatcr. Sonnabend, 23. Januar. Ansang 71/, Uhr: Neues Königl. Opern- Theater Keine Borstellung. Schauspielhaus. Johaunisnacht.— Die Schule der Frauen. deutsches. Rose Bernd. Berliner. Götz von Berlichingcn. Lrssing. Zapsenslreich. Westen. Die schöne Helena. Neues. Der Strom. Residenz. Der keusche Casimir. Central. Das Schwalbennest. Nachmittags i Uhr: Der gesticselte Kater. Thalia. Der Hochtourist. Belle-Alltance. Der reichste Der imer. Ansang 8 Uhr: Schiller(Wallner- Theater.) Die Stützen der Gesellschaft. Schiller Zi.(Friedrich-Wilhclmstädt.) Ursel Acosta. Luisen. Der Veilchensresser. «kleines. Nachtasyl. Trianon. Madame£. Carl Weist. Der Meincidbauer. Nachmittags 4 Uhr: Die sieben Raben. Deutsch- Amerikanisches. Uebcr'n großen Teich. Apollo. Frühlingslust. Blüten� Hochzeit. Spccialitäten. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Reichshallen. Stctttner Sänger. Casino. Wie einst im Mai. Die Wenzel. Winter- Garten. Otero. Otto Reutter. Specialitäte». Paffage- Theater. Enthauptung Spccialitäten. Ansang 3 Uhr. Urania. Taubenftraste 48/4i>. Der Erdball als Träger des Lebens. Nachmittags 4 Uhr» An den Seen Obcrstaliens. 8 Uhr im Hörsaal: Prof Dr. C. Müller:„Die Vorgänge der Wasserversorgung und die Ur- lachen der Waiserbewcgung in der Pflanze". gnvalidcnstraste 57162. Stern «arte. Täglich geöffnet von 7 bis ll Uhr. Neues Theater. eochiffbauerdamtn 4a— 5. Salome. Lorher: Der Kammersünger. Ansang 71/, Uhr. Morgen: Minna von Barnhelm. Central-Theater. Heute zwei Borstellungen?tach mittags 4 Uhr jeder Erwachsene ein Kind srei. Jcd. Kind einen Eytraplatz. Der gestiefelte Kater. Abends 7'/, Uhr: _ Das Schwalbennest. Sonntagnachm. 3 Uhr halbe Preise: Oer Baeteibiniler. Abends 7'/, Uhr: Vae Schwalbennest Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Der Pkilihkllfrkjstr. Sonntagnachm. 3 Uhr zu kleinen Preisen: Der Peilchensresser. Wends: Kcan oder: Genie und Leidenschaft. Montag: Der Peilchensresser. Dienstag: Der Sohn der Wildnis. Mittwoch: Fcstprolog.—.Alpen- fönig und Menschenfeind. Kefidkilj Thtlitkr Direktion S. Lautenburg. Heute und jolgende Tage: IN. Ansang 7>/z Uhr. Apollo-Theater. Um 8 I hr: Frühlingsluft mit dem reizenden Ballett Bliltenhoohzcit. VI, Uhr: Die glänzenden Jannar-8pecialltateii. Programm: Selma Braatz. Miss Blanche Sloan. X Las Perez. Liltle Pich X X Martin Kettner mit neuen Schlagern. Messters Biophon und Kosmograph. Neue Bilder-Serie. Anfang 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Sonntag, den 24. Januar, nachm. 3 Uhr, bei ermässigten Preisen: Gesinde-Ball. Metropol-Theater DareHi ßaUeii! Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In ßcene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Im 4. Bilde: DM- Grosse« Ballett Wie damals Im Monat Mai. Anfang 7','j Uhr. Bauchen überall gestattet. Schirer-Theater. Schiller-Tbeater O. (Wallner-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: _ Die Stützen der Gesellscbaft. Schauspiel in 4 Auszügen von Henrik Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Sonntagnachmittag 3llhr: Dl« Ränhcr. Sonntagabend 8 Uhr; M as Ihr wollt. Montagabend 8 Uhr: Ein Duell. Vorher: Ein Sonnenstrahl. Schiller-Theater ST. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Urlel Acosta. Trauerspiel in 5 Auszügen von Karl Gutzkow. Sonntagnachmittag 3Uhr Kollege Craiupton. Sonntagabend 8 Uhr: Die Ehre. Montagabend 8 Uhr: Eriel Acosta. Thalia-Thealer. Drcsdcncrstr. 72/73. Amt IV 4440. Direktion Jean Kren Heule und folgende Tage 7>/„ Uhr: Der Hochtourist. Luide Thielscher in der Titelrolle. Sonntagnachmittag S'/j Uhr: _ t.'harleys Tante. Belle-Ällianee-Thealer. Velle-Alliancestr. 7/8. Amt VI 283. und Alfred Schönfeld. Heute und folgende Tage 7>/.>Uhr: Der reichste Derliuer. Große Ausstattungj-Posfc in 4 Akten. Sonntagnachm. 3 Uhr: Krebse, Hieraus: Der Rauh der Sabinerinnen, Immer das Original. Cirkus Schumann. Die phänomenale offene Loop. Crcatcur Möns. Anclllottl. testierten LötveU des Herrn 8eeth Dressierte Tler&�cä Clown Gontard. Adolf und Coco, die ocstcn Clowns in Berlin. R—elsoI Ausstattungs-Pantomime MJMSEe der Gegenwart. '•f•••••••••—•••••••••••••••»»«ff Ii I Metropol-Theater, jj Deute Sonnabend, den 23. Januar 1904: Zweiter grosser Metropol-Tlieater-Ball. ünfang n Ohr. Morgen und die folgenden Cage: Durchlaucht Radieschen. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr; Der Erdball als Träger des Lebens. Um 4 Uhr(kleine Preise): An den 8een Oberitallen«. SFhrimHörsaal: Prof. Or.C. Müller: „Die Vorgänge der Wasserversorgung und die Ursachen der Wasserbewegung in der Pflanze." Sternwarte lnva,iden sfr. 87/82. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Ein Naturwunder: Die bildschönen Herkules- Brüder Der Indlaner-Rlese Tlianko Karoo. {{LT- CKlHf) Kunst-Ausstellung CapzisER1 Täglicii geöffnet 10-8. Entree 1 W.» Sonntag 50 Pf. Deutsch-Amerikanisches Tbeater. Kipnickerst. 67. Stat. JannowitzbrQcke. Anfang 8 Uhr!-•~ Montag: SOUVENIR- VORSTELLUNG. Zum 150. Male, GASTSPIEL AD. PHILIPP Ueber'n GROSSEN TEICH Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nsektaszsl. Anfang 8 Uhr. Morgen: Elcktra. Etabliffemeut Kuggeuhagen Miorltzplatz. Im Kaisersaal: Künstler- Ensemble ..Xocd�tccne- unter Leitung d. Herrn Rudolf Sehauss. Kaffeneräffn. 5 Uhr, Ansang'1,1 Uhr. Entree 50 Pf. Nach der Vorstellung: Tanzkrünzchen. In den unteren Sälen: Görisch-Konzcrt und Bockbierfeft. ?0SS0g0-Iil0Z!0s. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 6 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Cntbauptung einer lebenden Dame! Willy Prager mit seinem Schlager: Die kleine Garnison. 14 neue erstklassige Nummern. Carl Weiss-Theater. ©roste Frankfurter Strafte 132. Nachmittag 4 Uhr: Kindervorstellung Die sieben Rabe». Abends 8 Uhr: Gastspiel des Oberbayrischen Vauern-TheaterS Vorletzte Woche. Der Meineidbauer. Morgen nachm. 3 Uhr. Parkett 60 Ps.; Die Schule des Lebens. Ab. 7'/, Uhr � Die Leni von Oberammerga'u. Bernhard Hose-Theater Gesundbrunnen, Badstrahe 58. Heute: Keine Vorstellung. Morgen Sonnlag. den 24. Januar, nachmittags 4 Uhr: Ein voriichtiqer Man«. Abends 7 Uchr: Der Lumpensammler von Paris. Nach der Vorstellung: Kr. Ball. Gebrüder Hernifelil- Anfang Thngfor Sonntags: 8 Uhr. IllCdlCll 7 Uhr. „Wieder ein neuer grosser Krfolg!" lautet die einstimmige Kritik der gesamten Presse Über die A. und D. Herrnfeldsche Novität: Zlvei Akte aus einer Ehe mit den Autoren in d. Hauptrollen. Ferner: Januar-Attraktionen mit Bendix. Vorverkauf 11— Ä Uhr mittags. Steidl-x�Jheater Linien- Dranien- Strasse 132 burger Thor. Heute Sonnabend, den 23. Fan., zum lestten und 100. Wale: Der groste Cohn. Kolossaler Erfolg! Neu! Das teure Vaterhaus. Dramolet von Fritz SteidL Montag, den 25. Januar 1004: 1. 8teldI-8Hngcr-BaII. Ein Bolkssest in Kuhbergsdorf. , IX. Berliner 5aison. w Cirkus Busch. Cliala-Abend. Die offene Schleife 8 Meter«prung. Herr Poottit-Burkhardt, Schulreit. Frl. Martha Mohnke, Schulrciterin. Mlle. de Holstein, Schulreitcrin. Mr. Blcliard Savvade mit seiner berühmten Tiger-, Löwen- u. Bären-Dressur. Zum 31. Male:-Mx us den Alpen. Bemerkenswert: ver)Zutomobilstur2. Gasino-Theater. Lothringerstr. 37. Slnf. 8, Sonnt. 7'/, Wie einst im Mai. Schauspiel mit Gesang in 2 Akten. Dazu neu: Die Wenzel und das brillante Januar-Programm. Sonntagnachm. 4 Uhr: Der vertauschte Sohn. Fröbel5 Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Inhaber:'Wilhelm FrUbel. Jeden Sonntag 5 Uhr: Grosse Kxtra- Vorstellung MM. Singer. Um 10 Uhr: Grosser Ball. Entree 30 Ps._ Sperrsitz 50 Pf. Trianon-Tbeater. Georgenstratze, zwischen Friedrich. und Universitätsstrasje. Madame F. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachmiltag:„Biscotte." I Direktion- Robert Dill. Brunnenstrasse 16. Heute wegen Privatsestlichkeit mr geschlossen, qg Sonntag: Onkel Bräsig. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Ball. ?alast-Tbealer Burgstraste 2'i, früher Feen-Palast. Heute abend 8 Uhr: Dae JVIUUoncnmädcl. Lebensbild mit Gesang in 5 Bildern von Jacobson und Willen. Austreten crstllaislger Spccialitäten. Morgen nachmittags 3 Uhr: Elltc- Vorstellung. Othello. Trauerspiel in 5 Akten v. Shafespearc. Bedeutende Gäste. Howe Kassenprcisc. -Abends 8 Uhr: Das Millionenmädel. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Montag und folgende Tage: Das Millionenmädel. Neues Programm: Harry Rochez Hundedresseur. Polk& Collins, Banjo- Virtuosen. Lorraine s Lebende Bilder. Die beiden Freydes Gymnastiker. Cook u. Clinton Amerik. Kunstschützinnon. Meers u. Omo Drahtseilkünstler. Otto Rentter Humorist. Salerno Meister-Jongleur. Annette Gillard Pariser Opernsäng. Spanische ------. Tünzerln in ihrer Pantom.„OpiumrauBch". Theresas Komischer Hypnotiseur. ..Karnevalsgeister" Wiener Ballet*. Biograph. Reichs hallen Stettiner Sänger. Sanssouci. Kottbufer Thor— Sfat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffknanns Norddetifsche Sänger und Tanzkränzchen. Neu! Neu! Gritneberg. jehn Sie mit nach s Eierhaus, Borzugskarten an allen Wochentagen gülttg. Jeden Dienstag: Theaterabend. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dag mein lieber Mann, Vater und Groß- vatcr, der Werkzeuqschlosser Karl Pachuntke am 21. d. Mts. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. d. Mts., nach- mittags 2'/. Uhr, von der Leichenhalle der Eharitö aus auf dem Eharite-Kirchhos statt. Die trauernde Witwe nebst Kindern. Dr. Schfineitiann Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden. ISevdelstr. 9. '/sv-'/sS.Sonnt.S'»» Allen Kollegen und Genossen die traurige Nachricht, dag am 21. Januar nach langen, schweren Leiden im 53. Lebensjahre der Werkzeugschlosser larl Pachuntke verstorben ist. Wir verlieren in demselben einen ausopserungsfreudigen Kol- legen, der da, wo es galt, Arbeiter- intcressen zu vertreten, stets seine Pflicht that. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Kollegen und Kolleginnen der Firma Siloincns-Gohnckor-t. Charlottenburger Werk. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. d. Mks., nach- mittags 2ll. Uhr, von der Leichen- Halle der Eharits ans aus dem Eharite-Kirchhos statt. Jnnungs- Krankenkasse der Dach-, Schiefer- und Zicgeldecker-Jnnung zu Berlin. ISO. 26, Waldemarstr. 39. Mit dein 1. Januar 1904 tritt das von d en Aussichtsbehörden unter dein 8. Januar 1904 genehmigte Statut in Kraft. Die hanpffächlichsten Veränderungen dieses Statuts sind aus nachstehender Ausstellung ersichtlich: Klasse I. Täglicher ülrbcilsvcrdienst 4 M. oder mehr, wöchentlicher Bei- trag 0,66 M., Eintrittsgeld 1,50 M., Krankengeld pro Tag 2,00 M., Sterbegeld 120 M. Der durch- schnitllichc Tagelohn ist festgesetzt aus 4,00 M. Klasse II. Täglicher Arbeitsverdienst 2,75 bis 3,09 M.. wöchentlicher Bei trag 0,54 M., Eintrittsgeld 1,25 M., Krankengeld pro Tag 1,65 M., Sterbegeld 99 M. Der durchschnitt- lichc Tagclohn ist ffestgesetzt auf 3,30 M. Klasse III. Täglicher Arbeitsverdienst 2,00 bis 2,75 M., wöchentlicher Bei- trag 0,42 M.. Eintrittsgeld 1,00 31?., Krankengeld pro Tag 1,25M., Sterbe geld 75 M. Der durchschnittliche Tagclohn ist festgesetzt aus 2,50 M. Klasse IV. Täglicher Arbeitsverdienst weniger als 2,00 M., wöchentlicher Beitrag 0,27 M..Eintrittsgeld0, 75 M., Krankengeld proTag0,80M., Sterbe- acld 48 M. Der durchschnittliche Tagclohn ist festgesetzt auf 1,60 M. Der Vorstand. I. 81.: 11726 Gustav Hohdorf, Wilh Hirschfeld, Vorsitzender, Schriftsübrer, X.Pslugstr. 13,1. KV.. Zostenerstr. 24 1. Borstenhergersrh« Sterhohass« Vo.!1I. gegründet 1813, Hält ihre regel- mästige Versammlung an jedem ersten Sonntag im Monat, nach- mittags von 4—7 Uhr, im Kassen- lokal Ackerftraste 1Z. Restaurant Kummer. Männer und Frauen, welche gesund sind und das 45. Lebens- fahr nicht überschritten haben, können daselbst Ausnahme finden. 11666 Mittwoch, den 27. Januar, abends 8 Uhr, findet die Generalversammlung statt. Näheres beim.Kassenschreiber lottcnburg, KnobelSdorsssttaße 7. fl ar- 1-135 Verschiedenes. RechtSburea»(Alexander-Platz) I Kurzestraße achtzehn I Gcrichtsbeisland, Eingabengcsuchc, Ratertcilung. 66/8» Patentanwalt Dammann, Ora nicnstraßc 57, Moritzplatz. 1019b» �Rechtsbnreau!(Andreasplatz), Grünerweg vierundneunzig. Lang jähriger Gerichtsbeistand I Erfolge reichste Ratcrteilung l Eingaben- gesuchcl_ 11016* RechtSburean, GcrichtSsekrctär, früherer, Andreassttaße 38. 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