Nr. m flbonnementS'Bedinsuftaen; HBonncmentä- Preis pränumerando; Licrteljährl. 330 MB, nionaU. 1,10 Ml., loöchcntlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags- Äeilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Emgetrageu in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Wart, für das übrige RuslanH S Marl pro Monat. crffttiit äati« aufm montags. Devlinev Volksbl�kk. 21. Jahrg. vle Inieitions-Lebiihr kelrägt für die sechsgespaltcne Kolonel- zeilc oder deren Raum 40 Psg., für politische und gcwerlschaftliche Vereins» und Berjammlungo-Anzeigen 25 Psg. „irleine Unreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes iveitcre Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr tiachmiltags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet, Telegrannn. Adresse: „SozlakUmc'iint R«rlln". Zentralorgan der fozialdem okrati f eben Partei Deutfchlands. Redaktion: SN. 68, Lindenstrasee 69. Kernsprecher: Amt IV. Nr. INS». Sonntag, den A4. Januar 1904. Expedition: SM. 68, Lindenstraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Rr. 1984. Bor dem Wettlauf. Der Herr Wgeordnete Bebel hat tvieder gesprochen von den positiven Leistungen der Socialdemokratie. Wo sind diese positiven Leistungen? Ich sehe nur eine fortgesetzte wüste Kritik, ich sehe einen ununterbrochenen Appell an die niedrigsten Instinkte, an die schlechtesten Leidenschaften, ich sehe usw. Graf Bülow in der ReichStagSsitzung vom 14. Dezember 1003.' Am Monkag beginnt im Reichstage die Beratung und Beschlußfassung über den Etat des Innern, den Etat der Socialpolitik. Solche Beratungen haben sich seit Jahren überaus interessant gestaltet. Seit jener großen Abrechnung mit dem Zuchthauskurse, die in der Debatte über den Etat des Innern für das Jahr 1901 von unfern Genossen gehalten morden ist. hat man sich daran gewöhnt, die Parteien jenes hohen Hauses m einer rührende, 1 Ueberoinstimmung zu finden darüber, daß die positiven Leistungen der Verbündeten Regierungen hinter den Ansprüchen der Parteien und der von ihnen vertretenen Wähler weit zurückgeblieben sind. Zwar ist den beiden Fraktionen der Rechten heute schon zu Gunsten der Arbeiter eher zu viel als zu wenig geschehen, desto lauter versichern die übrigen Parteien, also die über- wältigende Mehrheit des HauseS, den Ernst und den Eifer ihres socialpolitischcn Thatendranges. Hätte Graf Bülow auf dem Gebiete der inneren Politik etwas mehr Erfahrungen gesammelt, als er sie thatsächlich be- sitzt, so würde er wissen, daß es nicht immer so gewesen ist. Er würde sich dann einer Zeit erinnern, in der die offiziöse Presse den socialdcmokratischen Vorschlag ans Errichtung einer allgemeinen Arbeitervcrsicherung als die wüste Ausgeburt socialistischcr Begehrlichkeit zurückgewiesen hat. Er würde sich dann der Zeit erinnern, da jeder, der für die gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit oder sonst überhailpt für eine ernstere Förderung des Arbeiterschutzcs eintrat, schon in hohem Grade socialdcmokratischer Gesinnung verdächtig war. Er würde sich auch daran erinnern, daß die socialdemokratische Fraktion des Reichstages schon im Jahre 1877 einen umfänglichen Arbeiter- schuh-Gesetzentwurf eingebracht hat, dessen Forderungen heute zum Teil erfüllt, zum Teil zum mindesten auch für die Re- gierung und die bürgerlichen Parteien diskussionsfähig ge- worden sind. Dieser Entwurf, das Muster eines maßvollen Programms positiver Arbeit, ist gleichwohl unerledigt geblieben. und liegt heute unter den Aktenstößen eines Vierteljahrhunderts begraben.! Nur ganz allmählich ist in den Kreisen der regierenden Klassen ein Umschwung der Ucberzeugungen eingetreten. Nur langsam haben sie einsehe» gelernt, daß Parteien, die im allgemeinen Wahlrecht ihre Wurzel suchen, die Interessen der breiten Massen nicht völlig vernachlässigen dürfen. Und ist diese Ucbcrzeuguna vorläufig bei ihnen auch nur zu tönenden Redensarten und Versicherungen gediehen, so ist auch das schon ein Erfolg. Denn solchen Versprechungen muß die Erfüllung folgen, wenn die Versprechenden nicht auch von dem blödesten Auge als das erkannt werden sollen, wofür sie mißtrauische Gemüter längst halten: als die H 0 ch st a p l e r der„p 0 s i- t i v c n" Arbeit! Auch das ist tvie gesagt schon ein Erfolg. Er ist der erste Erfolg einer geduldigen, unermüdlichen Erziehungsarbeit, die das arbeitende deutsche Volk an seinen Regicrern geleistet hat. Daß sich in den letzten Jahren die Debatte über den Etat des Innern zu einem socialpolitischen Wettlauf der bürgerlichen Parteien gestaltet hat und sich vermutlich auch in diesem Jahre zu einem solchen gestalten wird, daß die herrschenden Parteien alles mögliche zu versprechen, wenn auch vorerst noch nicht zu erfüllen gezwungen sind, daß sich eine hohe Reichsregierung förmlich überkugelt in Ausdrücken des Wohlwollens fiir die arbeitenden Stände— das ist eine „positive Leistung", deren Wert nur der beurteilen kann, der weiß, wieviel Schweiß sie gekostet hat. Indes ist die Socialdemokratie weit davon entfernt, nach benihmten Mustern den socialpolitischcn Triumphator zu spielen, zu erklären, was sie erreicht und bewirkt habe, sei unerreicht in der ganzen Welt, kurz auch ihrerseits jene Melodie anzustimmen, die uns heute schon aus jedem bürger- lich-politischen Leierkasten tagtäglich grell in die Ohren tönt. Die Socialdemokratie ist weit davon entfernt, mit sich zufrieden zu sein. Sie ist lveit davon entfernt, ihre social- politische Erziehungsarbeit als abgeschlossen zu betrachten. oder den Wert dieser„positiven Leistung" überhaupt zu über- schätzen. Sie mutet sich nicht die Kraft zu. ihren socialpolitischen Zöglingen, die ihre Lektion schon so hübsch aufsagen, das Schwindeln abgewöhnen zu können. In dem Mittelpunkt der beginnenden Debatten wird die Forderung des Zehnstundentages stehen! Sie ist nicht neu. Als eine vorläufige Forderung, die sich aus dein Vcr- langen nach dem Achtstundentage crgiebt, steht sie schon seit jeher auf dem socialdcmokratischen Programm. In der vorigen Session hat sie b e t n a h e die Mehrheit erreicht. In dieser wird sie sie vielleicht ganz erreichen. Was wäre damit erreicht? Viel und wenig! Viel, weil sich damit die Mehrheit des Reichstages auf eine Forderung festgelegt hätte, die seit jeher eine dringende Forderung der Arbeiter ist. Wenig, weil ein solcher Beschluß, wie er bei der Etatsdebatte gefaßt werben kann, nicht mehr als ein pla- tonischer Wunsch ist, der den verbündeten Regierungen vorgelegt wird. Herr Spahn mag seinen Cylinderhut hervorholen, zum Reichskanzler oder zum Kanzler-Stellvertreter gehen und ihn dazu einladen, sich mit der Mehrheit des Hauses über diese dringende Frage zu verständigen. Er hat es beim Brotwucher- tarif so gemacht, warum soll er es— wofern es dem Centruin um den Zchnstundentag nicht minder ernstlich zu thun ist als um den Broüvuchcr— für das Zehnstunden-Gcsetz nicht ebenso machen? Vielleicht, weil die Begeisterung des Centrums für den Zehnstundentag zu neuen Datums ist? Hämisch hat ein Scharfmacherblatt dieser Tage geschrieben, nun»verde nach der Jnterpellationsflut die Rcsolutionsflut über den Reichstag hereinbrechen. Resolutionen allerdings, hinter denen nicht der feste Wille steckt, ihren Inhalt zur That werden zu lassen, die nian mit einen» heiteren und einem nassen Auge beschließt, sind keine„positiven Leisülngen". Sie sind mir ein„Appell an die niedrigsten Intelligenzen, an die blindeste Leichtgläubigkeit", der schon längst nicht»nehr vcr- fängt._ Aerzte und Krankenkassen. In Leipzig tritt am heutigen Sonntage der außerordentliche deutsche Krankenkassentag zusammen, um zu den Forderungen der Aerzte an die Krankenkassen Stellung zu nehmen. Die Aerzte fordern auf Grund der Beschlüsse und Verhandlungen ihrer Kongresse aus den letzten Jahren angemessene Honorierimg. freie Arztwahl und Schiedsgerichte. Daneben, wenn auch nicht allgemein ausdrücklich beschlossen, geht das Verlangen, daß Personen mit mehr als 2000 M. Einkommen nicht gestattet sein soll, einer Krankenkasse anzugehören. Es steht heute schon fest, daß die Krankenkassen sich in der Haupt- fache ablehnend verhalten werden. Selbstverständlich will niemand den Aerzien eine angemessene Hmwrierung versagen. Wo die Bezahlung der Aerzte in einzelnen Fällen ungenügend ist, da sind es gerade die führenden Kassen- Vertreter gewesen, die bei jeder Gelegenheit für Besserung ein- getreten sind. Eine Verständigung über diese Frage wäre ungeheuer einfach, wenn eS sich bloS darum handelte, die ärztliche Thäiigkeit, deren die Krankenkassen bedürfen, angemessen zu honorieren. Die Aerztebewegung geht aber viel weiter. Für sie handelt eS sich darum, der Gesamtheit der jetzt vorhandenen Aerzte ohne Rücksicht auf den Bedarf erheblich höhere Einkünfte zu verschaffen, um, wie sie sagen, die Proletarisierung des AerztcstandeS zu verhindeni. An sich ist gegen diese Bestrebungen natür- lich auch nichts einzuwenden, nur ist das eine Sache, die die Krankenkassen nichts angeht. Es ist ein Problem, das den Volkswirt, den Politiker, den Staatsmann angeht. Die Aerzte behaupten allerdings, die Versicherungs-Gesetzgevung sei schuld an der Notlage des AerztestandeS. Durch sie seien Millionen Menschen der freien ärztlichen Praxis entzogen worden, die sich nun nach den niedrigen Sätzen der Kassen tnrieren lassen und deshalb wendeten sie sich mit Recht an die Kassen. Wiederholt ist darauf hingewiesen worden, daß dem die Thatsache wider- spricht, daß sich die Zahl der Aerzte seitdem ganz außerordentlich viel stärker vermehrt hat wie die Bevölkerung. Dazu kommt ferner die Ertvägung, daß die gegen Krankheit der- sicherten Arbeiter vor der Einsührimg der Versicherung ohne Zweifel erheblich weniger ärztliche Hilse in Anspruch genommen haben, weil sie den Arzt nicht bezahlen konnten. Sie mußten eben ohne Arzt sterben oder— wieder gesund werden. Sichere Zahlcnnachweise lassen sich ja dafür nicht erbringen, aber wenn man erwögt, daß von 1885 bis 1901 der Arzneiverbrauch der Kassenmitglieder von 1,65 M. auf 2.70 M. und daS Arzthonorar von 3,15 M. auf 8,70 M. jährlich pro Kopf der Versicherten gestiegen ist, so ergiebt sich doch daraus eine ganz erhebliche Steigerung der Aufwendungen für ärztliche Hilfe aus den Mitteln der Versicherten seit Einführung der Versicherung und darin spricht sich ohne Zweifel eine allmähliche Gewöhnung an den Gebrauch ärztlicher Hilfe aus. Wäre das nicht der Fall, hätten die in die Versicherung fallenden Personen schon vor Einführung der Versicherung in gleichem Maße wie nachher ärztliche Hilfe in Anspruch genommen, dann hätte zu keiner Zeit die»Notlage des AerztestandeS größer sein können wie gleich nach Einführung der Zwangöversichenmg durch die plötzliche Herabsetzung des Honorars. Aber da ist von einer solchen Notlage keine Rede gewesen, jetzt aber, trotz dauernd gestiegener Aufwendungen des einzelnen Versicherten werden die Klagen von Jahr zu Jahr lauter. Es liegt also nicht an den VersichernngSeinrtchwngcn. Die Aerzte operieren allerdings hauptsächlich mit dem Argument, daß ihre Leistungen jetzt nicht angemessen honoriert tverden. Auf dem von den Aerzten eingeschlagenen Wege kann man jedoch den Maßstab dafür. waS eine angemessene Honoricrung sei nicht finden. Der einzig sichere Maßstab dafür wäre der, daß Krankenkassen fest angestellten, nur für sie thätigen Aerzten ein Jahreshonorar zahlen, wie eS Männer mit ähnlicher Borbildung in festen Stellungen, eUva in Staatsstellungen erhalten. Ginge man diesen Weg, da würde sich sehr bald zeigen, daß die Aerzte bei ihren Auftrag- gcbern im allgemeinen größeres Entgegenkommen fände», wie Staatsbeamte. Davon wollen die Aerzte jedoch nichts wissen. Sie verlangen bei freier Arztwahl eine angemessene Honorierung ihrer Einzelleistungcn. Soweit sie da bestiimnte Forderungen ge- stellt haben, gehen diese weit über alles Maß hinaus. Wir haben vor einigen Tagen an dem Beispiel der Leipziger Forderungen gezeigt, daß ihre Verallgemeinerung für alle Kassen allen gegen- wärtig in Kassenpraxis thätigen Aerzten ein Einkommen zwischen 6000 und 6000 M. aus dieser Praxis garantiere» würde. Run wird aber von ärztlicher Seite selbst zugegeben, daß die Arbeit, die jetzt von etwa 15000 Aerzten für Kassen geleistet wird, von bielleicht einem Drittel dieser Zahl geleistet werden könnte, toenn sie bei richtiger Organisierung lediglich Kassenpraxis übten. Die Arbeit wird sich mehren infolge des neuen K.-B.-G. und würde sich noch weiter mehren, »venn alle Kassen die so»vünschenswerte Familienbchandlung hätten, aber immerhin steht fest, daß die Kassen nur eines Bruchteiles der vollen Arbeitskraft der jetzt für sie thätigen Aerzte bedürfen und deshalb sind Forderungen, wie sie in Leipzig. Köln und andren Orten von den Aerzten erhoben werden, gänzlich Undiskutabel. Die Aerzte erniedrigen ihre Thätigkeit selber zu einer Hand- langerarbeit, wenn sie die Einzelleistung als Maßstab fiir die Be- zahlung wählen. Wissenschaftliche Thätigkeit soll und kann nicht »ach Points bezahlt werden, es kann nur gefordert werden und ist allein würdig, daß einem wissenschaftlich thätigen Manne angemessene Lebenshaltung gewährleistet»vird. Auf der Grundlage der Be« zahlung der Einzelleistnng loird es nie zu einer Verständigung zwischen Kassen und Aerzten kommen, Iveil jeder Maßstab dafür fehlt, tvclcheS eine angemesiene Bezahlung der Einzelleistnng ist. und weil diese Einzelleistungen ganz willkürlich vermehrt werden können. Die staatliche Gebührcntaxe, an die sich die Aerzte halten möchten, kann im Ernste nicht als solcher Maßstab gelten. Behauptet doch die„Korrespondenz des Verbandes der Aerzte Deutschlands", daß selbst bei der von der Leipziger Kasse angebotenen Erhöhung des Kopfpauschale auf 6,50 M. kaum ein Drittel der staatliche» Mindest- taxe erreicht Iviirde. Der Einzelne, der auf eigne Kosten ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt, ist persönlich daran interessiert, nicht unnütze Einzelleistungcn des Arztes schaffen zu helfen, bei einer Kassenorganisation schwindet dieses Interesse ganz erheblich: Mangel an Gelvisicnhastigkcit beim versicherten Patienten und persönliche« Interesse beim Arzte begegnen sich und statt einer sachgemäßen Krankenbehandlnng nach wissenschaftlichen Grundsätzen kommt eine Jagd nach Points heraus, die um so»veniger gehemmt werden kann, je größer eine Kasse ist. Es handelt sich hier um Erfahrungsthatsacheu. Die Leiter der Aerzte- bewegung bestreite» zwar, daß die Kassen bei diesem HonorierungLshstem nicht bestehen könnten, und ztvischcn ihnen und den Kasse, lfachleuten»vird seit längerer Zeit mit subtilen Zahlennachweisen gestritten. Wir können uns hier auf diese nicht einlassen, sondern nur sagen, daß die Beweise der Kassenvertteter nach unsrer Auffassung von den Aerzten noch nicht erschüttert»oorden sind und daß sie auch von einer großen Zahl ein- sichtiger Aerzte unterstützt werden. Wir haben auch zu den Stach- weisen der Kassenvertreter, die ganz unpersönlich die Interessen der Versicherten wahrnehmen, mehr Zutrauen»vic zu denen der persönlich interessierten Aerzte. Ueberdics, wenn sich der Streit so allgemein gestaltet wie jetzt, hie Kassen, hie Aerzte. so stehen wir von vornherein auf Seite der Kassen. Das Interesse der 10 Millionen Ver- sicherten ist unS wichtiger wie das Interesse der etwa 20000 Aerzte, die an Kassenpraxis interessiert sind. Für die Versicherten leisten die Kassen heute noch so herzlich wenig, daß das»neiste noch zu thun übrig bleibt. Freie Arztwahl soll die einzig würdige Form der Versorgung der Kassenmitglieder mit ärztlicher Hilfe sein. Wenn es sich um nichts weiter wie um die würdigste Form der ärztlichen Hilfe(fiir die Versicherten) handelte, dann könnten es die Aerzte doch ruhig den Versicherten überlassen, fiir welche Form sie sich entscheiden. An diese Sorge für die Wahnmg der Würde der Versicherten glauben wir nicht. Die Kassenmitglieder mögen sich dadurch nicht irreführen lassen. Wo ans den Reihen der Kassenmitglieder daS Verlangen nach freier Arztwahl ausgesprochen wurde, da hing eS meist mit dem Umstände zusammen, daß die Mitglieder sich nicht um die Ver- waltung kumnierten, diese den Unternehmern überließen und von diesen im Verein mit den Aerzten als Objekt behandelt wurden. DaS ist unterdes anders geworden. Die Versicherten sind dahinter gekommen, daß sie nur ihre gesetzlichen Rechte in der Kassen- Verwaltung wahrzunehmen brauchen, um sich auch eine geeignete Behandlung zu sichern, und daß es dazu keiner freien Arztwahl bedarf, dafür haben große Kassen längst den Beweis geliefert. Es klingt recht bestechend, man könne bei freier Arztwahl den Arzt seines Vertrauens wählen. Worauf gründet sich denn dieses Verttauen? Etlva auf die Kenntnis der Befähigung und»vissen- schaftlichen Gewissenhaftigkeit des Arzteö? Sticht doch! Sie gründet sich auf ei», zuvorkommendes Wesen, recht fleißige Besuche, recht reichliche Arzneiverordnung und etwa darauf, daß eS„geholfen" hat. Alles recht zweifelhafte, zum Teil sogar verdächtige Merk- male, die den Kurpfuschern den größten Zulauf sichern. Ob der Arzt lvirklich etwas kann und nur nach wissenschaftlicher lieber» zeugung handelt, das kann der Laie nur in den seltensten Fällen be- urteile». Da bietet die Auswahl angestellter Aerzte durch erfahrene Verwaltungen unter dem fachmännischen Beirat erprobter Vertrauens« ärzte wahrhaftig weit mehr Garantien. Wo bleibt denn die freie Arztwahl für die Kranken, die ins Krankenhaus müssen? Und da handelt eS sich neben den ledigen Leuten für alle«ranken gerade um die schwersten Fälle, bei denen eS zu allererst auf ärztliche Tüchtigkeit ankommt. Keiner kann sich da den Arzt seines VerttauenS wählen. Schließlich ist es doch der zu erstrebende Zustand. daß alle crlverbSunfähig Kranken in gut eingerichteten Anstalten behandelt»verde», wo ihnen allein eine sachgemäße Pflege und Behandlung gesichert ist und die gesunden Familienglieder nicht belästtgt»verde,,. Wir wissen sehr wohl, daß bei den meisten Kranken eine starke Abneigung gegen daS Krankenhaus besteht, das liegt aber nicht im Wesen der Sache. sondern daran, daß Arbeiter heute in Krankenhäusern„och vielfach wie Rekruten oder Gefangene behandelt werden. Das läßt sich ändern und in Anstalten, die von Berficherungsorganisationen eingerichtet sind, wie in den Lungenheilstätten der Invaliden- berficherungsauKiÄken, iit den hün Krankonkassen errichtete» Re?»»- Äalcsccütcnanstcilteu, wie beispielsweise i» Dresden, ist e-s mich zum Teil schon erheblich besser geworden. Und für de» ärzt- liche» Stand muß das Ziel auch sein, an die Stelle des Gewerbe- treibenden, dessen Geschäft blüht, wenn recht viele Menschen krank sind. den scsibesoldcteu G es nndheitsbeamtcn öffentlicher Körper- schaften zu setzen. Diesem Ziele tonnen die Krankenkassen schon er- hcblich entgegenkomnien durch feste Anstellung der Aerzte. Für die llnterrichtung imfrer Kinder in der Schule können wir uns auch nicht den Lehrer nnsres Vertrauens aussuchen- Aiemand wird trotzdem und trotz der schweren Mängel unsreS VolkSschnlnntcrrichtZ auf den Gedanken kommen, das Schulwesen zum freien Geiocrbebctriebe inachen zu ivollcn. Daff die Aerzte so entschieden gegen feste Anstellung bei den Krankenkassen sind, den Kassenverwaltungen so zahlreiche Schlechtigkeiten nachsagen und sich so schwer bedrückt zeigen durch die bei fester Anstellung natürlich entstehende Abhängigkeit oder mindestens Verantwortlichkeit, das hat seinen Grund ivohl weniger in einer besonderen Schlechtigkeit der Kassenverwaltungen oder einer be- sonderen moralischen Feinfühligkeit der Aerzte. Darin äustert sich neben der begreiflichen Borliebe für die Ungebundenheit und Vcr- aniwortungslvsigkeit des selbständigenKleingewerbetreibeuden ein gutes Stück Klassengegensatz. Der meist aus der kleineu Bourgeoisie stammende Arzt mit seiner akademischen Bildung kann es nicht verwinden, sich von Proletariern Vorschriften machen zu lassen. Es ist der Klassen- Hochmut des Gebildeten, der im Proletarier einen Untergeordneten sieht und gern von„Gleichheitsstegelei" redet. Es sind in dem gegenwärtigen Kampfe schon viele in dieser Hinsicht charakteristische Aeußerungen gefallen. Wir bestreiten gar nicht, daß wohl oftmals Kassenvorstände den angestellten Aerzten gegenüber unangemessen austretet««nvgen und es fällt uns nicht ein, das zu billigen. Wir wünschen durchaus, daß zwischen den beiden aufeinander angewiesenen Parteien ein Verhältnis gegenseitiger Achtung bestehe und wir halten es für ganz angemessen, daß die Aerzte gegen unangemessene Behandlung in ihren Organi- sationen Rückhalt suchen und Instanzen zur Schlichtung von Differenzen wünschen, au denen sie oder ihre Vertrauensleute bc- teiligt sind. Aber sind es denn nur die Kraukenkassen, in denen Angestellte init und ohne höhere Bildung oft ungehörig behandelt werden t Haben nicht Staatsbeamte Grund genug zu derartigen Klagen? Trotzdem ist nur gegen die Krankenkassen das mächtige Geschrei., Der angestellte Arzt hat natürlich seinen Auftraggebern gegen- über eine erhebliche Verantwortung, jedenfalls eine viel größere, als der frei praktizierende Arzt. Aber das ist wahrhaftig kein Unglück. Auch die Angehörigen andrer akademischer Berufe, die auf eine amtliche Anstellung angewiesen sind, haben diese Verant- Wartung ohne daß sie daran zu Grunde gehen. Auch der in Amts- stellimgen befindliche Arzt hat sie und er findet es ganz selbst- verständlich: warum soll das gegenüber den Krankenkassen so unerhört sein? Die freie Arztwahl ist ein Popanz, der den Kassemnitglicdern vorgehalten wird, um die Kassen den Interessen des Aerztestandes dienstbar zu machen. Gelänge es den Aerzten. mit Hilfe ihrer staatlich autorisierten und mit erheblichen Machtmitteln aus- gestatteten Organisationen allen Kassen die freie Arztwahl aufzu- zwingen, dann würden die Ärankentasseu aus einer Einrichtimg zur Versicherung der Arbeiter gegen die Äraukheitsnöte zu einer Versicherung gegen die Proletarisierung des Aerztestandes. Der organisierte Aerztestand hätte zu bestimmen, ivie viel von den Versicherungsbeiträgen zunächst zur Beseitigung seiner Nöte zu ver- wenden ist und wieviel den Versicherten übrig gelassen werden soll. Es gilt für die Kassenvertreter, sich mit aller Kraft zu wehreu, damit die Staffen ihrer Aufgabe, den« Wohle der Versicherten zu dienen, nicht entfremdet werden. politifcke(leberlickt. Berlin, den 23. Januar. Die Junker in Preußen voran! Das aus der Dreiklassen-Dcstillation hervorgegangene Parlament Preußens begann an« Sonnabend seine Etatsunterhaltungcn. Es ging friedlich und temperamentlos her. Der Kanal-Fricde zwischen dem Junkertum und der Regierung ist besiegelt. Wenn Wilhelm II. 1000 seine Zuversicht aussprach, daß das große Skulturwerk des Mittellandkanals noch in diesem Jahre zu stände kommen würde, so begründete vier Jahre später der Mülisterpräsidcnt die Notwendigkeit, auf diese Vorlage zu verzichten. Der König in Preußen voran!— nennt das Graf Bülolv. ülls ihm deshalb Eugen Richter einige Kletten in die gänzendc Frisur warf, schüttelte Gras Büloiv die stachtich-klebrigen Dinger init dem liberalen Eidschw«lr ab: Das Verfahren sei konstitutionell: die Regierung müsse sich eben der Atehrheit des Parlaments fügen. S>at der Ministerpräsident diese Anschauung, so heißt das: In Preußen geht nicht der König, sondern die Parlamentsmehrheit, das heißt im wesentlichen das parlamentarisch maskierte Junkertum voran! Das ist auch eine unbestreitbare Wahr- heit. Nur heißt das nicht„konstitutionell". In keinen« konstitutionell regierten Laude der Welt hat die Regierung die Aufgabe, sich der Mehrheit des ParlanientS zu füge n. Solche Charakterlosigkeit mutet ,«ach konstitutionelle Princip leitenden Mannen« nicht zu. Viel- mehr hat— nach konstitutionelle» Grundsätzen— entweder die Regierung der Mehrheit zu weichen, und, ivenn ihre Politik ver- worfen wird, zu deinissionieren, vder sie iäun es durch Auflösung der Kammer mit cinein Appell an die Wähler versuchen. Das Ver- fahren der preußischen Regierung ist nicht konstitutionell, sondern lächerliche Wurstelei, Schwäche und Älleberstin«. Graf L iniburg-Stirum, der konservative Diskant- Frondeur, begann die Debatte. Es scheint, daß die Konservativen diesmal mit sich reden lassen«ind die„Teilstrecke" huldvoll be- willigen würden. Der Grqf brachte die agrarischen Handels- bcrtragsschmerzen vor, rüffelte den Staatssekretär Posadowsty, weil er einmal im Reichstag über das berühinte„Bollwert gegen die Socialdemokratie" ein paar halbwegs einsichtige Bcinerkungcn ge- macht hat, und gebot Ausnahmegesetze gegen die Socialdemokratie; auch von Crimmitschau sprach er im Stil des Centralvcrbandes. Nachdem Eugen Richter ciiie Eratslritik geliefert hatte, wie man sie ii« Preußen noch als„oppositionell" empfindet— er fand einige glückliche Wend«lngen über den Zusammenhang zlvischen Kavallerie-Ättacken. Totalisator und Pferdezucht, ritt Graf Bülow für den Monarchen in die Schranken und bemühte sich iin übrigen durch aneinander gereihte Inhaltslosigkeiten, den Geist des Parlaments und Preußens auf das Niveau der gegenwärtigen Schcrl-Mmister zu seirken. Für das Centrun« sprach Herr Bachein: er warf dieSinal gänzlich die demokratische Berm»lmmung ab; er sprach von„führenden Ständen" wie ein.Hofkaplan vor der französischen Revolution, oder loie der Philosoph des FeildaliSmuS, Stahl, der bekanntlich der jüdische Gründer des christlichen Staates gewesen ist. Herr Bachen« sprach seine inbrünstige Sehnsucht nach einem christ- lichen Volksschul-Gesetz aus und berief sich in fronimer Begriffs- schändung auf den Idealismus, den er gegenüber den feindlichen Mächten des Materialismus und Pessimismus proklmnierte: der Bachemsche Jdcalisinus besteht im Wucherzoll und in der Sstrechtung des Geistes, fein Optimismus in der Zuversicht, daß das Reich der Not und Ausbeutung clvlgen Bestand habe: umgekehrt sind ihm Materialisten und Pessimisten, die für die geistige und materielle Befreumg der Menschheit opferfreudig kämpfen und von dem Siege der gesellschaftlichen Erlösung überzeugt sind. Für die crzrcattionäre Entwicklung ist aber besonders charakteristisch, daß Herr Bachem sich ganz inulmwunden gegen das Reichstags- Wahlrecht aussprach, das kein Ideal sei und mischrancht«verde;«ver iiicht schwarz wählt, mißbraucht das Wahlrecht! Der Fiiianzmiinster R h e i n b a b c n, der bedeuteingslos und schneidig genug ist, um der kommende Mann zu sein, erhob sich,«im die Polcnpolitik und die Kartelle zu verteidfizci«. Der sogenannte Kultusminister S t u d t kündigte ein Schustlnrcrhaltmigs-Gesetz an, „thunlichst" schon für die nächfte Session. Schon! Seit mehr als einem halben Jahrh«lndert ist das Gesetz fällig. Ob der angekündigte Entwurf auch zur verschärften Förderung des Christentums dienen wird, ließ der Minister im Unklaren. Schließlich sprach der national- liberale Professor F r i e d b e r g nationalliberal. Zwischen ihm und dem Grafen Lnnbtirg-Sliriim kam es nebenher auch zu eiucr Plänkelei lvegen unnnstüildiger Wahlagitation: in Preußen sind ja Natiolial- liberale«md Konservative noch Konlnrrenten! Mustert man die Debatten auf die gesetzgeberischen Anregungen, so ergiebt sich der folgende armselige Thatbestand: 1. Eine Wahlreform steht in Aussicht: sie lvird vielleicht nach Zedlitzsche» Vorschlägen gebaut sein. Das heißt: sie läßt das Drei- klasjen-Shstem in seiner ganzen Brutalität«md Sinnlosigkeit bestehen, bemüht sich aber, den herrschenden Klaffen die Unbequemlichkeiten des jetzigen Wahlverfahrens zu erleichtern. 2. Ein Schulnntcrhaltnngs- Gesetz lvird koininen, fraglich ist aber, in welchem Jahrhundert. Der reaktionäre Geist des Schul- Wesens bleibt jedenfalls ungemindert, lvird wahrscheinlich noch ver- schärft. 3. Von der Reform des VereinsgesetzcS ist alles wieder still! Die Regierung antwortete ans die diese Reform betreffenden An- fragen nicht. 4. Die glorreiche Polcnpolitik wird fortgesetzt. Auch hier läßt man die Maske fallen. Die Gcrmnnisierung ist nur Vorwand: es handelt sich einfach«un Millionen-Liebesgaben an die deutschen Grundbesitzer und um Förderung jener famosen„Landbank", deren Interessenten die Hauptschreier der polenhetzenden Germanisiernng sind. Auf den Hinweis, daß infolge der preußischen Ansiedelungs- Politik der polnische Grundbesitz dauernd zunehme, erwiderte Herr v. Rheinbaben, dieser kausale Zusammenhang sei nicht möglich, da die Ansiedelungskommission ja fast nur noch deutschen Besitz aufkaufe. Das heißt man„germanisieren". Für O b e r s ch l e s i e i« soll eine neue Art der Eisenbart- Germanisiernng erfunden und angewandt werden. Man kann sich auf Wunderdinge gefaßt machen. 5. Der Mittelland-Kanal wird„konstitutionell" verschüttet. TaS ist die Politik eines Staates, in dem das Junkertum voran ist!— Ter mitteleuropäische Wirtschastsverein. Seit einigen Wochen läuft durch die Presse � die Nachricht, daß es dem bekaimten Nationalökonomen, Marxvernichter und Professoren der Staatswissenschaften, Dr. Julius Wolf, der seiner Zeit als Vertreter unverfälscht liberalkapitalistischer Volkswirtschaststheoretik zur Bekämpfung der kathedersocialistischen Anschamuigei« an die Universität Breslau berufen wurde, endlich nach heißen« Bemühen gelungen sei. seinen Plan: die Gründling eines mitteleuropäischen WirtschaftSvercins, zu verwirklichen. Gestern fand die konstituierende Versammlung dieses neuen Vereins statt. Unter den Anwesenden bemerkte mai« unter andern den Herzog Ernst Günther zu Schleswig- Holstein, Prinzen von Arenberg, Grasen v. Tiele-Winckler, Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat Dr. Bödiker, Geheimen Konmierzienrat L. M. Goldberger, die Abgeordneten Kommerzienrat Vorster-Köln und Bassermann und den Vorsitzenden des Centralvcrbandes de«ltscher Industrieller VopeliuS. Die Begrüßungsansprache hielt als Vorsitzender des Initiativ- Skomitees Freiherr von M a n t e n f f c l, der erklärte, daß der Verein sich die Ausgaben stelle, unter Hintansetzung aller persönlichen Interessen zunächst für die Wohlfahrt des dmt'chen Vaterlandes einzutreten: doch auch über die Greuzen desselben hinaus wolle der Verein segensreich wirken und im Verkehr mit den andren in Be- tracht kommenden Staaten Europas kräftig die Interessen des eignen Vaterlandes zu fördern bestrebt sein. Dann erhielt zum Zweck der Darlegung des Zieles der lleuen Gründung Herr Dr. Julius Wolf das Wort, der nach der„Voss. Ztg." ausführte, die Bestrebungen des Vereins nähmen ihren Ausgang von Beobachtmigcn in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort sehe man ein großes und einheitliches Konsnmtions-«md Slbsatz- gebiet. Für Mitteleuropa hat»nan durch Zollunionen eine Ver- grötzcrung des Absatzgebietes angestrebt, aber vergebens. Da«oar es nötig, einen Weg, der die Vorteile der Zollunion ohne deren Aachteile bietet, zu fiildcn. Es bedarf zunächst der Einführung von Produktionsthpeii und Ttzpenkonveiltioneii, wie Amerika lehrt. Ferner handelt es sich um die Anbahnung von Arbeitsteilung in der Pro- duktion im Lande und zwischen den europäischen Staaten zum Zwecke der Verbilligung der Produktion und Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit. Weiter bedarf eS einer Reform des Meistbegüiistigu>«g§rechts. Man muß erwägen, wie man den Grundsatz der Meistbegünstignng mit demjenigen der Reciprocität verknüpft. Eine der erheblichsten Ans- gaben aber ist die Schaffung handelspolitischer Alliancei« zwischen Staaten mit gleichen Interessen. Man lviirde dadurch große einheitliche Wirtschaftsgebiete von großem Schwergewicht herstellen: der einzelne Alliierte konnte dem fernen AnSlmide ganz andre Bedingungen vorschreiben, als wenn er isoliert austritt. Zu den kleineren Ausgabe««, denen der mitteleuropäische Wirtschaftsverein sich lvidmen lvird, gehört die Verbesserung der ganz rückständigen Zolltechnik, eine Verbesserung der internationalen Handelsstatistik, die noch große Mängel aufweist, die Ordnung der gegenseitigen Rechtshilfe. Wir ständen an der Wende einer neuen Ordnung der internationalen Handels- und Zollpolitik. Aus Deutichland sei der Idee auch a«ls den Reihen derjenigen Parteien Zusttmmung z«« teil geworden, die nach mancher Richtung andrer Anschauung sind. Ein eifriger An- Hänger des Gedankens war Georg v. Siemens: lebhafte Sympathie brachte ih«n Albert Schäfflc entgegen. Zu Glinften des Vereins haben sich Fürst Herbert Bismarck, der Reichsballkpräsident Dr. Koch, der Gouverneur der östreichischen Bai«k Bilinski, die Minister Tisza und GoluchowSki, Luzzalti u. a. ausgesprochen. Stach dem Vortrage wurden die aus 21 Paragraphen bestehende«, Satzuilgen angenommen und die Wahlen des Vorstandes vollzogen. Präsident des Vereins wurde Herzog Ernst Günther zu Schleswig- Holstein: zu Vieepräsidenten wurden gewählt die Herren Geheimrat Pros. Dr. Paasche, Dr. Nötiger, Prof. Dr. Julius Wolf und Frhr. v. Manteuffel. Sonderlich klar ist die Rede des Herrn Wolf nicht. Er will die Arbeitsteilung zwischen den inittelenropäischen Staaten zum Zweck der Produttionsverbilligung fördern, die Meiftbegüiiftigungs- Verhältnisse in ihrer heutigen Form verschwinden lassen, die Zoll- Politik ändern, und doch soll der Verein keine Politik treiben, denn in seinen Satzungen heißt es, er wolle sich„rein ans«virt- schaftlichcm Boden halte» und keine irgelidwie gearteten politischen Ziele erstreben, sondern die Aufmerksamkeit der Bevölkerung und der Rtgicrimg ans solche wirtschaftliche Gegenstände lenken. hinsichtlich deren die mitteleuropäischen Staaten nicht einander widerstreitende, sondern übereinstimmende Interessen haben". Herr Wolf will auch keinen mitteleuropäischen Zollbund, wohl aber „die Schaffung handclspolittscher Alliancei« zwischen Staaten mit gleichen Interessen". Dieses bunte Durcheinander mcrcht durchaus den Eindruck, als möchte der Verein sich vorläufig noch nicht gerne in die Karten blicken lassen. So weit sich ersehen läßt, handelt es sich jedoch in der »Hauptsache um Ablvchr- und Aösperrmaßnahmen gegen die Bereinigten Staaten, und zwar zmiächst um slündigung des deutsch- amerikanischen Meistbegünstigungs- Verhältnisses und Erhöhung der Zölle auf amerikanische Produkte: die sonsttgen geiianntei« Bestrebungen dienen lediglich zur Dekoration. Solche Tendenz erklärt es auch, warum sich im Verein so manche Blüte der deutschen Hochschutzzöllnerei eingestellt hat und in ihm einträchtig die Leiter des CentralverbandcS deutscher Industrieller neben behmnten hochagrarischen Zollpolitiken« sitzen. Verwandte Seeleu finden sich zu Wasser und zu Land.— Der Hrrero-Krieg. Auch die Lvambos, der im nördlichsten Teil Deutsch-Südwest» Afrikas ansässiige, den Hereros stammesverwandte Banttlstamm, scheint sich erheben zu wollen. Wie ein offiziös bedientes Organ incldet, beginnt es auch in den« Ovambo-Gebict belegenen Terrain der Otavi-Minen-Gesellschaft„bösartig zu gären". Namentlich in Grootfontein macht sich eine starke Unruhe bemerkbar. Die Ovambos zählen über 30000 Köpfe. Sie zeichnen sich gleich den HereroS durch kräftige Körperkonstitution auS. In dein»ach amtlichen Ouellcn bearbeiteten„Kolonial-Handbuch" von Rudolf Fitzncr find sie„cm Ackerbau treibendes Volk mit ziemlich hoch entwickelter Bodenkultur". Ferner wird ihnen— nach den amtlichen Onellen! — folgendes Zeugnis ausgestellt:„Sie werden als fleißig, zu- V e r l ä s s i g«md treu geschildert und haben sich auch als Ar« b e i t e r der weißen Ansiedler im Danaraland bewährt". Ihre Vorzüge werden ihnen wahrscheinlich zum Verderben gereichen. Ihr teilweise einer gewisien Bodenkultur fähiges Land hat»nan ihnen zum Teil schon abgenommen— der Rest wird folge««. Und ihre Tauglichkeit zum Scharwerken für die weißen Ansiedler wird die Begier lvecken, sie durch ein gründliches„Bauernlegen" zu hablosen Proletariern und damit zu siulis der weißen Menschenrasse zu machen! Das ihnen ausgestellte amtliche Führungsattest:„Fleißig. zuverlässig u n d t r c«l" lvird natürlich unsre kolonialbcgeisterte Preßhorde nicht abhalten, sie Diebe, Räuber«md Mörder zu titulieren, sobald sie zur Verteidigung ihrer heimischen Scholle zu den Waffen gegriffen haben werden!— Die bisher vermißt gewesene Expedition des Obcrlicutenants v. Ziilow ist, Ivie eine Drahtmelduilg des Kommandanten des „Habicht" aus Swakopmund besagt, in Okahand ja an- g e k o m m c n. Ter Ort ist vorläufig uncinneh»nbar befestigt. Von O k a s i s c ab ist die Bahn gänzlich z e r st ö r t. Fortwährend finde ein starker Zuzug von Hereros nach Okahandja statt. Die Lage i aber vorläufig befriedigend. Der.Kommandanr des„Habicht" meldet ferner aus Swakopmund. daß die Lage unverändert sei und daß infolge starker Regenfälle der Bahnbetrieb hänsig nnterbroche» w ü r d e.—_ Ostasien. „Standard" lvird aus Tientsin gemeldet, nach ekcklm gestern dort veröffentlichten Berichte habe die russische Regierung alle japanischen Forderungen b e lv i l l i g t. Nach einer andren Meldung ist die russische Antwort noch nicht e i n g e t r o f f e>«. „ M o r n i i« g P o st" berichtet aus Tschifu vom 22. Jaiular. 12 000 Japaner seien in M a s a m p h o gelandet. „ D a i l«, Telegraph" zufolge melden dem japanischen Blatte„Dschidschi Schinpo" aus Söul und Tschemulpo zu- gegangene Telegramme, daß der koreanische Kriegs- in« n i st c r mit einer britischen Firma einen Vertrag über Lieferung von 10 000 Gewehren abgeschlosscii habe. Die Ernennung des Generals Schiji z««»« japanischen Militärattache«n Söul werde als bedeutungsvoll angesehen. Wie„ D a i 1«> Mail" aus Tschifu gemeldet wird, erwartet man dorr das Eintreffen einiger britischer Kriegsschiffe. Dasselbe Blatt berichtet ans Shanghai vom 22. d. M., zwischen China und Japan sei ein vollständiges Av- k o>n m c n zu stände gekommen. Für den Fall eines Krieges sollen 50 000 Mann gutbewaffneter chinesischer Truppen dienstbereit sein. Nachrichten zufolge, die dem Blatte gestcri« aus Söul zugingen, soll Du Uong Jk unter dem Drucke der russenfreundlichen Partei zum stellvertretenden Kriegsminister emamtt sein. Diese Maßregel lasse den Ausbruch von Unruhen befürchten. 400 Slistei« Munition, die von Port Arthur an V«« Dong Jk persönlich gesandt seien, würden ietzt in ostentativer Weise ausgeschifft. Deutschen Reich. Ein starker Mann. Freiherr v. Manteuffel, der Vicepräsident des Hauses der Herren, hat in der Hauptversammlilng des Konservativen Volks» Vereins für Niedcrbarnim der Regierung des Grafen Bülow gezeigt, loie Politik gegen die Socialdemokratie gemacht werden muß. Mit„Dresden", gestand der Freiherr, war es wieder nichts, Bülows Ziikuiiftsstaatsreden helfen auch nichts:„Die Socialdemokratie wird man nicht mit Reden besiegen! Man wird die Socialdemo» kratie nur mit Thaten besiegen." Crimmitschau ge- fällt dem Freiherrn v. Manteuffel schon besser:„Es loar ei» großes Glück, daß die Arbeitgeber den Streik durchhalten«md die Arbeitnehmer zwingen konnten. die Arbeit bedingungslos wieder aufzunehmen." Diese That sei„viel wirksamer und vcr- nichtender für die Socialdemokratie als der Unfug in Dresden und die herrliche Rede des Grafen Bülow". Freiherr v. Mailtenffel wird vielleicht auch in seinem Crimmitschauer TriumpHgefiiHle ctlvas herabgestimmt, wem« er liest, was Herr Lorenz in der„Antisoc. Korresp." über den Ausgang in Criminitschan schreibt; er. der die Dinge etwas besser kennt als der konservative Feudalherr, sagt: „Die socialdemokrattschen Strategen haben es mit großem Geschick so einzurichten verstanden, daß gerade infolge der gewerkschaftlichen Niederlage das socialdemokratische Wachsen nach der politi- schen Seite hin steigen wird." Also auch mit Crimmitschau dürfte es nichts sein. Hören wir aber die staats- «nännischeu Ratschläge, die Freiherr v. Manteuffel der Regierung für die Zukunft erteilt: „In dem bevorstehenden Kampfe gegen die Socialdemokratie muß die Regierung eigentlich die Führung übernehmen. Wer- sagt sie da, so müssen wir sie fortreißen dazu. Wenn man an die Zustände vor Jahresfrist denkt, so waren es doch schwere Fehler, die die verbündeten Regierungen gemacht haben. lieber die wilde Obstruktion im Dezember 1902 herrschte nur eine Stimme der Erbitterung. Hätte damals die Regierung den Reichstag anfgelöst und an das Volk appelliert, so wären die Zwistigkeiten unter den bürgerlichen Parteien nicht erst wieder ausgebrochen und es wäre nicht daran zu denken gewesen, daß nach diesen scheußlichen Scenen im Reichstage'über 30 Socialdemokraken zurückgekommen wären. Hier haben uns die verbündeten Regicnmgen im Stiche gelassen! Ich habe da-Z auch maßgebenden Pcesönlichkeiten gegen- über ausgesprochen. Aber man hat mir erwidert, daß die Zeit zu rnergischc» Maßregel» nach nicht gekommen sei und daß das Er- gebnis der Wahl doch zweifelhaft wäre. Ich sagte darauf: ES gehört eben ein feiner politischer S i n n dazu, daS zu wissen, was wir bei Bismarck so sehr bewunderten. Als 188ö die Armeevorlage gefallen war, löste Bismarck auf und lvartete nicht erst die dritte Lesung ab. etwa in der Hoffnung, das; die Gegner vielleicht doch noch umfallen würden. Es kam der Septennatsreichstag mit einer so gestnnungStüchtigen Mehrheit, wie wir sie nie wieder hatten und schwer auch tvieder bekommen werden. Wir müssen wünschen, daß man auch so handelt, d a s; n i ch t w i c d c r ein großer Moment v e r- paßt wird. In der ersten Sitzung des Herrenhauses hielt Graf Bülow eine äußerst bemerkenswerte Rede, ebenso kurz wie treffend und schlagend: In Preußen der König allezeit voran, in Deutschland Preußen voran und in der Welt DeutscUland alle- zeit voran. Dieses Wort wird jeder von uns unterschreiben. Wir wünschen, daß dieses Wort geprägt werde auch für u u s r e n .Kampf gegen die Socialdcmokratie..In diesem .Kampfe der König voran, Preußen wird ihm folgen und mit Preußen Deutschland, und dann werden auch im übrigen Europa die Staaten folgen und nian wird ein gründliches Aufräume» mit der Socialdcmokratie vornehmen." Nach einem gründlichen Aufräumen mit der Socialdemokratic verlangt es die Scharfmacher. Wenn die Sache nur so einfach lväre! Leider find die drei Millionei! deutscher Socialdcmokraten zugleich die Blüte der Arbeiterschaft, die den Herren Großgrund- besitzern und Kapitalisten den Reichtum schafft, dessen sie sich er- freuen, und man kann die Socialdemokratcn nicht los werden, ohne zugleich mit den Schöpfern des Reichtums aufzuräumen; will man aber die Arbeiter behalten, so muß man auch die Socialdcmokraten behalten. Wie man aufräumen soll, lveiß natürlich auch der Freiherr p. Manteuffel nicht zu sagen. Er spielt den starken Mann: es muß etwa» Kräftiges, etwas ganz Kräftiges geschehen! Aber w a S? Und was wird lvcitcr werden, wenn eine neue Kur von Untcrdrückungs- maßnahmen irgend welcher Llrt versucht wird? Bisher erntete man bekanntlich stets das Gegenteil und die stärksten Männer mußten schließlich jämmerlich zusammenklappen. Nur einen faßbar bestimmten Vorschlag hat Freiherr t>. Manteuffel: Die Regicnmg müsse eine gute Gelegenheit zur NeichStagsauflösnng erfassen. Freiherr v. Manteuffel gedenkt gern des Hurra-llieichstages von 1887,— wenn sich das lvicdcrhoken ließe! Er vergißt mir, daß gerade der politische Betrug, der den Kartell-Reicksstag znsammenschenchtc, dein deutschen Volke politische Klarheit gab und die vernichtende Niederlage von 1890 vorbereitete. Schließlich rügt der edle Freiherr die Regierung, daß sie nach der Turchzwingimg des Zolltariss im vorigen Dezember nicht zur Auflösung des Reichstages geschritten sei. Bei nicht scharstnacherisch gestärktem Verstände löst eine Regierung das Parlament auf. wenn sie eine Mehrheit gegen ihre Wünsche hat. Starke Männer lehren die seltsame Weis- heit, daß eine angeblich besonders siegreiche Regierung das Parka- meut auflösen soll. Freiherr v. Manteuffel sollte sich auch erinnern, daß gerade die Socialdcmokratie iin ganzen Verlauf der;sollkämpfe die Bestagung des Volkes gefordert hat, und hätte die Regierung ivirklich im Dezember„nach den scheußlichen Scencn". welche die Gcwaitthätigkcit der Zollparteicn herbeigeführt hatte, den Reichstag aufgelöst, foie Socialdemokratic würde aus dem Wahlkampfe sicherlich nicht weniger sizghasl hervorgegangen sein als einige Monate später. Ter„starke Mann" glaubt, die Regierung müsse nur einen„günstigen Moment" abpassen, er lveiß in seiner Stärke nichts von den Ueber- zeugungen. die das Volk tief erfüllen und die Launen des Augen- blickes und die politischen iumststückc der Scharfmacherci überdauern.—_ Ten Diäteuautrag bringt die nationallibcrale Fraktion zum Etat des Reichstags wieder ein, der am Montag zunächst zur Bc- ratung im Reichstage steht.— Kunftdiktatur. Die„Post" sucht unsre Bemerkungen über die preußische�.'lUmstdiktatur mit dem weisen Einfall zu parieren, daß ja auch die socialdemokratic die— Berliner„Philharmonie" boykottiere. Es wiri> die„Post" beruhigen, wenn»vir ihr verraten, daß jeder Sociaweniokrat die künstlerischen Veranstaltungen der„Philharmonie" im Privatverkehr besuchen lmm: nur für Feste von Organisationen ist das Lokal gesperrt, lveil die Direktion die Säle zwar für politische Versammlungeu hcrgiebt, die Socialdemokratic jedoch ausschließt. Im übrigen wäre es natürlich ganz ctivas andres, wenn die Socialdemokratie wirklich das Etablissement auch für den Einzel- verkehr boykottiert hätte, als was sich die Hannöversche Militärbehöroe erlaubt hat: In Hannover hat man dem Militär den Besuch eines Theaters verboten, weil es ei» angeblich militärfeindliches Stück, das in Wirklich- keit ein militärfrommer Jffländcr ist. aufgeführt hat. Kein Socialdcmokrat hat jemals den idiotischen Anspruch erhoben. daß Parteigenossen Theater meiden, iveil sie mal ein socialisten- feindliches Stück bringen. Im Gegenteil: die von der Arbeiterschaft erhaltene Freie Volksbühne führt sogar künstlerisch wertvolle Stücke auch dann auf, wenn sie antisocialistifche Tendenzen oder Bemerknngeil enthalten Und sie übt auch keinerlei Censur an solchen Werken. Eine Äeußerung der„Post" aber verdient besondere Beachtung: „Daß den Offizieren der Besuch von Vorstellungen unter- sagt loird, in denen ihr Stand karikiert und beschimpft wird, ist eine einfache Forderung der Selbstachtung." Eine bösartigere Beleidigung der Offiziere ist nicht leicht denkbar. Wie, diese Leute, die doch von ganz besonders feinfühligem Ehr- bcwußtscin sein sollen, haben so»ocnig Empfindungsvermögen für Kränkungen ihrer Ehre, daß ihnen erst, lvie unmündigen Kindern, untersagt werden muß, daß sie gewisse Schauspiele besuchen! Im Civil pflegen Personen über achtzehn Jahre, und schon jüngere, selbst zu wissen und selbst zu entscheiden, was sich für ihre Ehre ziemt. Offiziere aber, so lästert die staatscrhaltcnde„Post", müssen erst zum Ehrgefühl kommandiert werden! Das kommt von der schwitzenden Soldschreiberei. Welch ein Esel hat denn das wieder geschrieben, pflegte Herr v. Stumm zu seinen Redakteuren zu sagen.— Zur Statistik der preußischen Landtagswahlen. Das statistische Amt der Stadt Altona veröffentlicht seine Feststellungen betreffs der Landtagswahl. Danach waren in Altona wahlberechtigt 31077 Per- sonen, von denen 10208, also 3V Proz., ihr Wahlrecht ausübten, gegen 24,0 Proz. im Jahre 1898. Bereits 1893 hatten sich gerade in Altona nnsre Genossen lebhaft an der Wahl beteiligt; bei der vorhergehenden Wahl 1893 hatten in Altona nur 8,9 Proz. der Be- rechtigten gewählt, in der dritten Abteilung gar nur 5,5 Proz.! Abgegeben wurden 18 055 Stimmen sin der großen Mehrzahl der Bezirke waren von jedem Wähler zwei Wahlmänner zu wählen!) — von diesen erhielten die Socialdcmokratte 11 460, die National- liberalen 5013, die Freisinnigen 1388, während 188 Stimmen zersplittert waren. Die Socialdemokratie hatte also 6 3 P r o z. der Nrwahl- stimmen auf sich vereinigt, trotzdem siegte bei der Abgcordnetenwahl glatt der Nattonallibcrale, der bei der UrWahl noch nicht 23 Proz. der Stimmen erhalten hatte. Die Urwahlcn hatten nämlich 296 nationalliberale, 206 social- demokratische und 82 freisinnige Wahlmänner ergeben(die 19 Wahl« männer, die nicht zur Wahl gingen, haben wir den Freisinnigen zu- gerechnet). Die Socialdcmokraten mußten ihre Wahlmänner mit durchschnittlich 56 Stinimen wählen, während zur Erlangung der Würde eines nationaNiberalen oder freisinnigen WahlmanneS 17 Stimmen genügten! Warum hat übrigen-Z der Berliner Magistrat seiner Veröffentlichung im Gcmcindeblatt vom 27. Dezember 1903 keine Zahlen über die Parteistcllung der Urwähler hinzugefügt?— Mnjcstätsbelcidigcr Witz! Am Sonnabend wurde in der Buchhandlung Vorwärts die neueste Nummer der Wiener„Gliihlichter" konfisziert. Der 51ri>ninalkomlniffar, der das Witzblatt abholte, gab MajestätSbelcidignng als Grund feines Thuns au. Wenn alle ausländischen Organe, die über Wilhelm II. Acußc- rungen bringen, die in Deutschland nicht gedruckt werden können, beschlagnahmt werden, so mußte unsre Kriminalpolizei verdoppelt und ein eigner Wagenpark für die Abholung gestiftet werden. Im Ausland hat man ja noch vor der Preßfreiheit Respekt und ist noch nicht so weit vorgeschritten, um angebliche Majestätsbeleidigungcn, die an fremden Monarchen verübt werden, zu prozessieren.— Der silberne Maulkorb. lieber die augeblich kürzlich ergangene Kabinettsorder, durch die in ungewöhnlich scharfen Ausdrücken die Mißbilligung über die an militärischen Einrichtungen geübte Kritik von Offizieren a. D. ausgesprochen und ihnen eine künftige Thätiglcit in diesem Sinne verboten worden sein soll, urteilt, ein offenbar militärischer, aber ungenannter Verfasser im„Berliner Tageblatt" folgendermaßen: „Es scheint fast, als wenn man jedes offene Besprechen wirk- licher oder vermeintlicher Mißstände hinfort als großen Mangel an Taktgefühl, an Charakter und an Vornehmheit betrachten lind danach sein Vorgehen einrichten würde. Sonach müßte jeder verabschiedeteOffizier, der im Besitz d c r U n i f o r m s c i und_ dennoch seine Ansicht über Organisation, Bewaffnung, innere Zustände in einein der Heeresverwaltung mißliebigen Sinne öffentlich zu vertreten wage, sich auf seine Brand markung durch Entziehung des Rechtes auf die Uniform gefaßt machen. Es kommt uns nicht u n w a h r s ch c i n l i ch vor, daß eine Kabinettsorder, die aus ähnliche Aussichten schließen läßt, in d e r Th a t ergangen sein lönnte, lvie ivir denn auch hören, daß der offiziösen Ableugnung zum Trotz den Forbacher Richtern lvcgcn der S! i ch t a n s s ch l i e ß n n g der O e f f e n t l i ch- t e i t im B i l s c- P r o z e tz allerdings ein harter Tadel zu teil geworden sei. Eine Interpellation im Reichstage würde über beide Punkte ja wohl die Klarheit verschaffen, auf welche das deutsche Volk ein unbe- dingtes Anrecht hat. Erscheint nach der einen Nachricht die Unabhängigkeit der Militärgerichte auf das äußerste bedroht, so würde die andre Order, sofern die von uns angedeuteten Folgen ans ihr wirklich gezogen würden, eine Verkürzung der verfassungsmäßig gewähr- leisteten Li e ch t e einer ganzen Klasse von Staatsbürgern gegenüber bedeuten."_ Einen amüsante» Antisemitrnmor �rchismns entdeckt die„Berliner Zeitung" nachträglich in dem Organ der Hamburger Antisemiten, den«„Deutschen Blatt". Auf Grund einer idiotischen Raffenthcorie schrieb das Blatt gerade zu der Zeit, als der Kaiser sich dcr Sttmm- lippcn-Opcration hatte unterziehen müssen: „Scun, die Hoffnung, daß lvie beim Kaiser von heute so auch beim Kaiser der Zukunft Blut dicker als Wasser sich erweisen «verde. Die Hoffnung, daß der Sohn einer Frau aus dein edlen deutschen Holstenncschlechte in seinem Thun sich dereinst als echter deutscher Nordrnärkcr erweisen werde. Von seiner hohen Mutter wissen wir ja, daß sie einem dreisten Juden in der Berliner Stadt- väter-Synagoge bereits einmal so derb ans die Finger geklopft hat, daß man ihr daS dort noch heute nachträgt. Hoffen wir, daß er ihre Holstcnnatur insbesondere auch in diesem Teile geerbt hat. Daß der Festlandssproß aber eine andre Gesa m t Politik treiben ivird als der Sprößling der Tochter des Handels- und Jnselvolkes, das werden die, die an d i e Stimme des Blutes glauben, sicher als ihre feste Hoffnung aufrichten. Niemand von ihnen ivird darob den Kaiser d e r Z u k u n f t schneller herbei- und den Kaiser von heute hinwegwünschen. Jedes Gelüste zu diesem Verstoße gegen die Lvhalitär nimmt ihnen das Bewußtsein, daß eine Monarchenzeit iin Völkcrlebc» wenig ausmacht, daß ins- besondere das deutsche Volk gesund und stark geimg ist, um getrost sich noch lveitere Jahrzehnte lang einer f a l s ch e n Re g i e r u n g s- tendenz auszusetzen, so wie cS bisher ttinfzehn Jahre derselben überstanden hat. In diesem Bewußtsein kann man dem Fürsten von heute langes Leben wünschen und geduldig und wohlgemut ans einen Kaiser der Zulunst harren. Und das wird die vielleicht znni Ausharren ermuntern, die jetzt verzagen möchten." Wegen Soldatenmitzhandlmig stand in Trier vor dem Kriegs- gcricht der 16. Division ein Unteroffizier der 12. Comgagnie des Jnsantcrie-RegiliicntS„von Horn". Es lvnrde durch Zeugen- vernch'.mmg festgestellt, daß er eine Anzahl Soldaten wieder- holt ins Gesicht geschlagen hatte, darunter einen mit einein schmutzigen Fußlappen, daß ihm die Augen schmerzten. Einen andren ließ er solange Kniebeuge machen, daß dieser Schmerzen in den Beinen hatie. Das Gericht bestrafte ihn mit vier Wochen Mittelarrest. Politik in Kricgcrvcrcinc». In Feyen bei Trier wurden zwei Maurer aus dem Kriegerverein ausgeschlossen, weil sie bei"der Gewerbegerichtsivahl für die Kandidaten der freien GeWerk- schaften gestimmt hatten. Nächstens ivird wohl jeder aus jenen Vereinen auSgescblossen werden, der sich überhaupt noch an einer Wahl, außer der Vorstandswahl, beteiligt.— Wahlfälschung. Wegen Wahlfälschuiig bei der Reichstagswahl im Wahlkreise T h o r n- Kulm- Briefen, wo der Pole BrejSki init kleiner Mehrheit gesiegt hat. verurteilte die dortige Sttaskammer den Zimmergesellen Joseph JensurSki zu zivci Monaten Gefängnis. Der Angeklagte hatte doppelt gestimmt, zuerst für sich, später für einen andern, von dem er wußte, daß er verreist war, indem er sich' für diesen ausgab.— HudUnd. Schweiz. Ein außerordeutlichcr socialdcniokratischcr Parteitag. Zürichs 22. Januar.(Gig. Ber.) Die in Biel domizilierte Geschäftsleitung der schweizerischen socialdcmokratischen Partei vcr- öffentlicht in unsrer Parteipresse eine längere Erklärung, in der sie die Gründe der Verschleppung der 20 Millionen- Initiative mitteilt. Die erste Urjache erblickt die Ge- schästslcitmig darin, daß Genosse Rapin- Lausanne seine Thesen nicht rechtzeitig, wie die Geschäftsleitnng verlangte, vor dem Parteitage veröffentlichte, sondern sie erst aus demselben vorbrachte; sie erklärt, daß sie ein zweites Mal ein solches Vorgehen nicht mehr zulassen Ivürde. Die Sache war zu wenig durchdacht und so tauchten nachträglich Bedenken und Fragen auf: Wo bleiben denn unsre Forderungen auf Erhöhung des MannschastssoldeS, auf Unterstützung der Familien bedürftiger Wchrmänncr, auf Versicherung gegen die Folgen des Militärdienstes? Wolle man das obligatorische oder daS fakultative Referendum bezüglich der eine Million überschreitenden antzerordent- lichen Ausgaben? Unter diesen Umständen erklärte sich zunächst die soeialdcmolrattsche Fraktion des Nationalrates gegen die Ausführung des Jnitiativbeschlusses in der vom Parteitag gewählten Form. Weiter ivird angeführt, daß dann das Parteikomitce einberufen und eine Kommission zur Formulierung des Juitiativbegehrens bestellt wurde, die indes ihre Arbeit noch nicht beendigt hat. Jetzt schon erklärt die Geschäftsleitmig es für unmöglich, die Militär- ausgaben auf rund 20 Millionen Frank zu reduzieren, ohne der Feldtüchtigkeit der Armee Eintrag zu thun, aber ivesentliche Abstriche von den jetzigen MilitärauSgaben seien danach möglich. Man könnte dazu auf die Weise gelangen, daß bestimmt wurde, die M i l i t ä r a u s g a b e n dürfen in Friedenszeiten nicht mehr als 7 bis 3 Franken pro K o p s d e r Bevölkerung betragen, wozu noch einige Ausnahiiien bezüglich der Austveudungen füv sociale Zwecke gemacht werden köuntcii. Am 6. März findet wieder eine Sitzung des ParteikoinitecS statt» in der die beiden Referenten des Oltencr Parteitages, die Genossen Müller-Bern und Rapin-Lanscmne, vollständig durchgearbeitete Reformprojekte vorlegen sollen. Und zu Ostern soll sodann im Anschluß an den in Luzern stattfindenden Gcivcrkschastskongreß ein außerordentlicher Parteitag zur definitiven Beschluß- fassung über die 20 Millionen-Jnittative abgehalten werden. Die Geschäftsleitnng schließt ihre Erklärung:„Wir wollen dem Lande zeigen, daß man Ersparnisse machen kann, ohne die Feld- tüchtigkeit einer Armee zu vermindern; ja wir wollen sogar den Beweis erbringen, daß durch die Aimahme unsrer Rcformprojekte diese Feldtüchtigkeit eher noch gehoben werden kann ohne Mehr« belastung des Landes." Die Erklärung ist gut, aber sie hätte zwei Monate früher ver« öffentlicht werden sollen.— Frankreich. Uctzcr den Ausgang der Affäre Delsor wird aus Paris gemeldet: Die Stimmenzahl, mit der in der gestrigen Sitzung der Kammer die vom Ministerium gebilligte Tagesordnung angenommen wurde, linfolgc eines Druckfehlers hieß es in unsrcm gestrigen Telegramm, das Vertrauensvotum für die Regierung sei mit 295 gegen 293 Stimmen angenommen worden, während es 243 Stimmen heißen mußte. Tie Regierung erzielte also eine Mehrheit von 52 Stimmen. Red.) hat unter seinen Gegnern, ivclchc große Hoffnungen aus die Debatte gesetzt hatten, große- Neberraschung hervorgernfen, um so mehr, als verschiedene revolutionäre S o c i a l i st e n und mehrere Radikale, die g r n n d s ä tz» l i ch Gegner jeder An s iv e i s un g sind, zusammen mit der Opposition stimmten. Die meisten radikalen Blätter erklären, daß das Ministerium ans der gestrigen Sitzung gestärkt hervorgegangen sei und noch eine lange Laufbahn vor sich habe, wenn es auch fernerhin das Vertrauen der Republikaner rccht-- fertige. C l e m e n c e a n schreibt in der„Aurorc": Die Niederlage,, welche die Opposition erlitten hat, trifft in gleicher Weise die> rohalistischen Fanatiker in der Bretagne, wie die klerikalen Scpara- tisten in den Ostdepartcments, ivelche inr Dienste Roms stehen. Die' nationalistischen und die gemüßigten republika« nischcn Blätter schreiben, die K a!ii m er sei nicht mehr der Ausdruck d eS Herzens und der Ge sinn un g, Frankreichs. Tie„ R6 p n b l ig u e frangaise" sagt, dw' Deputierten, ivelche Frankreich in seinen innersten Gefühlen beleidigt haben, werden Mühe haben, ihre Gesinnung vor ihren Wählern zu rechtfertigen. E a s s a g n a c schreibt: Der Tran m i st z n Ende, die grausame Wa l, r heit i st an seine Stelle getreten. Die französische Deputiertenkammer hat den Frank- furter Vertrag ratifiziert. Die antiklerikale Aktion veröffentlicht eine Unterredung mit dem deutschen Reichstags-Ab» geordneten Blumeuthal, ivclchcr der Sitzung auf der Journalistciitribünc beigewohnt hatte; dieser habe sich geäußert, die Sitzung sei sehr ruhig gewescu. Es sei kein Wort davon wahr, daß die Ausweisimg DclsorS im Elsaß schmerzlich berührt hätte. Delsor sei in erster Linie Klerikaler.— Partei-I�ackrickten. Aus den Organisationen. Eitz? Kpesskonfereuz für den Reichstags- Wahlkreis Schwiebps- Krassen beschloß die Gründung eines de» ganze» Kreis umfassenden(JciAmlöcrcins, Der Monatsbeitrag wurde auf 20 Pf. festgesetzt mit 20 Pf. Ein« trittsgcld. Der Verein bcgimir seine Thätiglcit am 1. Februar. Ter socialdemokratische Verein in Bar m>e n hat, wie der Jahresbericht mitteilt, jetzt 777 Mitglieder gegen 431 cm Anfang des Jahres. Die Eiuuahmcu betrugen 4146 M. Em Industrie und Tfmdcl Neue Mnnchcncr Stadtanleihe. Die städtischen Kollegien bc« schlössen in gemeinsamer Sitzung, eine neue Anleihe im Betrage von 36 Millonen Mark anfzunehmen und hiervon 22>/„ Millionen. außerdem aber von der Anleihe von 1901 den Rest mit 12'/., Millionen Mark, zusammen also 35 Millionen Mark, flüssig zu machen. Zu diesem Zwecke werden o�prozenttge, auf den Inhaber lautende Schuldverschreibungen begeben. Hierfür ivurde die Offerte der Baulfirma Robert Warschauer u. Co., Berlin, angenommen. Der Uebernahmelurs beträgt 99 7125 Prozent. Die Anleihe ist vom Jahre 1909zab mit jährlich l'/a Prozent zu tilgen. Außer der unter Leitung der Bankfirma Robert Warschauer u. Co. stehenden Gruppe hatten noch zlvci andre Bankgruppcn Angebote gemacht; eine Gruppe, unter Führung der Bayrischen Bank, zu der auch die Nattor.albank für Deutschland sowie die hiesigen Bant- Häuser Delbrück. Leo u. Co. und F. W. Krause gehören, und ein zweites Konsortinm unicr Führung der Bayrischen Hypotheken- und Wechselbant, dem die Diskonto-Gesellschast, S. Bleichröder, die Handelsgesellschaft, die Dresdner Bank, die Kommerz- und Diskonto- dank und die Seehandlung angehörten. Die Offerten dieser Gruppen sollen um ca. bezw. j/r, Proz. niedriger gewesen sein, als die des Hauses Warschauer. Zur Gründung der neurn Pctrolciimgescllschast. Wie die„Neue Hamburgische Börsenhalle" erfährt, hat die Deutsche Bank durch Vennittelung einer Hamburger Firma mit der Londoner Shell Transport and Trading Company Ltd. einen auf mehrere Jahre lautenden Kontrakt abgeschlossen für die Beförderung rumäliischcr Pctrolenmprodukte in Tankdainpferu nach Hamburg. Rußlands Ernte-Ertrag im letzte» Jahr. Das statistische Central« koinuee hat nunmehr die endgültigen Daten über die Ernte 1903 veröffentlicht. Danach sind in den 72 Gouvernements und Gebieten des Reichs im ganzen 3 922 967 500 Pud Getreide und 1 546 955 900 Pud Kartoffeln gecrntet worden. Die Gctrcide-Ernte übertrifft den Durchschnitt des letzten Jahrfünfts 11898—1902) um 414 041 900 Pud oder 11,8 Proz., während die Saatfläche um 8,5 Proz. zugenommen hat. Das Resultat ist also ein ginistigeS, doch gilt das nicht für alle RayonS. Ain günstigsten ist im Vergleich zum Durchschnitt der letzten fünf Jahre die Ernte in Neurußland, im Rayon der unteren Wolga. im Südivcst-Rayon, im Steppengebiet und im nördlichen Kaukasus ausgefallen. Auch Sibirien hatie eine reichliche Ernte; während sich in, Durchschnitt der fünf Jahre von 1898 bis 1902 der Getreidcertrag auf nur 130 Millionen Pud stellte, belief er sich im Jahre 1903 ans 193 Millionen Pud. Dagegen hatten Kleinrußland, der Moskauer Jndustrierayon, Weiß« rußland, daS Seengebiet und die baltischen Gouvernements schlechtere Ernten als im letzten Jahrfünft. Folgende Gouvernements können ihren Bedarf nicht selbst decken: Archangel, Astrachan, Witebsk, Kaluga, Moskau, Nishnij- Noivgorod, St. Petersburg und das Schwarzmcec-Gouvernement. In diesen Gouvernements wird jeden« falls Mangel an Saatkorn eintreten. Soziales. Der Verein der frcigcwLhltcn Kassenärzte für Berlin macht be« kannt, daß seine Vertragskonmrission den Vertrag, durch den sich eins größere Anzahl Aerzte zu einer fünfjährigen Thätigkcit bei ver» fchiedcnen hiesigen Kassen verpflichteten, abgelehnt hat. Ter preusfische Staatsangehörige und der Schulbesuch iin Auslände. Wegen nnberechttgter Schulversänmnis seines Kindes war der Besitzer Roczock aus Tnlce in zweiter Instanz vom Landgericht Posen zu einer Geldstrafe verurteilt worden, nachdem er sein Kind aus der preußischen Schule hercnisgeuommen und es in einer galizischeu Schule untergebracht hatte. Das Kammergericht ver« tvarf die hiergeI-n eingelegte Revision ScZ Angeklagten mit folgender Begründung: DaS Ämnmcrgericht gehe von folgenden Erwägungen aus: In Prcutzen fei die Schulpflicht durch das Allgemeine Land- recht begründet. Danach habe das Kind jedes preußischen Staats- ungehörigen die Schule zu besuchen bis zur Erlangung der für «inen vernünftigen Manschen seines Standes notwendigen Kennt- nijse. Die Kontrolle darüber stehe der Schulinspektion zu. Sie werde ihr aber unmöglich, wenn das Kind eine ausländische Schule besuche. Der preußische Staatsangehörige dürfe deshalb seine Kinder nicht dem Unterricht in einer inländischen Schule entziehen und nicht in eine ausländische Schule schicken. Thue er es. so komme das einer unberechtigten Schulvcrsäumnis im Sinne des öffentlichen Schulrcchts gleich.— Auch auf 8 1ö31 des Bürgerliche» Gesetzbuches könne sich Angeklagter nicht berufen. Wenn dort als Teil der elterlichen Gewalt auch das Recht, den Aufenthalt des Kindes zu bestimmen, bezeichnet werde, so sei die Bestimmung nur privat- rechtlicher Natur und durchbreche nicht die öffentlich rechtliche Pflicht des Preußen, sein Kind in eine inländische Schule zu schicken. Wirkungslose Arbeiter- Schutzvorschriftc». Der Stadtmagisirat Von Würzburg befindet sich in einer eigentümlichen Lage: er kann die oberpolizeiliche Vorschrift vom 1. Januar 1301 zum Schutze der an Bauten beschäftigten Personen nicht ausführen. Vor einiger Zeit fand der städtische Bauaufscher an einem Bau der Bau- Unternehmer Kratz u. Co.. daß die Balkenöffnungen nicht vorschrifts- mäßig abgedeckt Ivaren, und erstattete Meldung. Der Magistrat beauftragte die Firma, die gerügten Mißstände unverzüglich ab- zustellen, dieselbe kümmerte sich jedoch nicht im geringsten darum, sondern ließ die lebensgefährlichen Zustände ruhig tveiter bestehen, so daß der Bau polizeilich geschlossen wurde. Die Firma wurde auf erfolgte Anzeige hin vom Schöffengericht zu Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil legten die Unternehmer Berufung ein, und sie erzielten nunmehr Freisprechung! Ter Unternehmer kann also in dem alten sicherheitsgefährlichen Schlendrian wciterwursteln und sich über die Handhabung der betreffenden Verordnung seitens des Magistrats noch lustig machen. Der Magistrat hat thatsächlich keine Handhabe mehr, die Verordnung zur Durchführung zu bringen. Er beschloß deshalb, das Ministerium zu ersuchen, eine genauere Jntcr- pretation oder eine klarere Fassung der Borschrift herauszugeben. Klarheit über das Arbeitsverhältnis. Einen erheblichen Teil der Streitsachen vor den Gewerbegerichten bilden diejenigen, wo zwischen Arbeiter und Unternehmer Differenzen über die bestehenden Vertragsbedingungen entstehen. Um dem entgegen zu wirken und die Parteien zur Vereinbarung zweifelloser und nachweisbarer Bedingungen zu veranlassen, hat das Gewerbe- gericht Magdeburg ein Vertragsformular entworfen, das in der Gerichtsschreiberei unentgeltlich abgegeben wird. Das Formular hat folgenden Wortlaut: Vereinbarung zwischen............................ Arbeitgeber und................................. Arbeiter. 1. Die Arbeit wird angetreten am....... mittags... Uhr. 2, Der Betrag des Lohnes wird vom Eintritt an auf....... für......... festgesetzt. Die Lohnzahlung findet Freitags— Sonnabends statt. S. Die Arbeitszeit beträgt ausschließlich der Frühstücks- und Vesperpauscn......... Stunden. Für Ueberstunden und für Sonntagsarbeit, soweit sie zulässig ist, wird......... Zuschlag bezahlt. i. Die Kündigungsfrist ist die gesetzliche— beträgt gegenseitig ...... Tage. Die gesetzliche Kündigungsfrist wird gegenseitig aufgehoben. Bei Stückarbeit kann in jedem Fall das Arbeitsverhältnis von beiden Teilen erst nach Fertigstellung der Stückarbeiten gelöst werden, sofern kein gesetzlicher Entlassungs- oder Austrittsgrund vorliegt. §, Besondere Vereinbarungen: Magdeburg, den.............. 190... Unterschrift a) des Arbeiters................ b) des Arbeitgebers................ Zur Beachtung 1 Dieser Zettel ist, gehörig ausgefüllt, jedem Arbeiter beim Antritt der Arbeit zu übergehen. Nichtzutreffendes ist zu durchstreichen. Di« Krankenkasse Wettin in Dresden, E. H. Nr. 130. ist in Konkurs erklärt worden. Es ist eine derjenigen Kassen, die nicht eurem Versicherungsbedürfnis der Mitglieder, sondern nur den, Versorgungsbedürfnis der Gründer und Leiter ihre Entstehung verdanken._ Verbot der Bleifarben in der Schweiz. Der schweizerische Bundesrat hat auf eine Eingabe des Vcr- bandes der Maler. Gipser und Berufsgenossen betreffend Verbot der Verwendung von Bleiweiß und seinen Präparaten im Maler- berufe bezw. Ausschließung derselben bei der Ausführung der bc- züglichen Bundesarbeiten beschloffen, vom 1. Januar 1904 an versuchsweise während eines Zeitraums von vier Jahren bei Maler- arbeiten, die in Regie ausgeführt oder an private Unternehmer ver- geben werden, nur bleifreie Farben zuzulassen. Sämtliche Verwaltungsabteilungen des Bundes sind ferner cm- gewiesen, während der Versuchsdauer diejenigen Wahrnehmungen, die auf eine zu tveffende Entscheidung hinsichtlich eines allgemeinen Verbotes der Verwendung von Bleifarben bei Malerarbeiten von Einfluß sein können, zu smnmeln und darüber dem schweizerischen Jndustncdepartement bis Ende August 1907 zu berichten. In dem von den Fabrikinspektoren eingeholten Gutachten wird mitgeteilt, daß ihnen in der Zeit von 1893 bis 1902, also in 5 Jahren, 131 Bleierkvantungen, wovon 57 Malcrarbeiter betrafen, zur Kenntnis gekommen sind, daß jedoch diese Zahlen hinter der Wirklich- jeit erheblich zurückbleiben. Die Ausschließung der Bleifarben beschränkt sich nicht nur auf Rtoutm. sondern erstreckt sich auch auf bcloegliches Material. Zur Unfallversicherung in Belgien. Der Minister für Handel und Gewerbe hat eine permanente Kounnission von 11 Mitgliedern ernannt, bestehend aus einigen Aerzten, Juristen, Parlamentariern, Unternehmern und Arbeitern, di« über die zu dem am 21. Dezember 1903 angenommenen Arbeiter- Unfallversicherungs-Gesetz auftauchenden Fragen zu befinden hat. In besonderem fällt der Kommission die Aufgabe zu. eine eventuelle Ausdehnung des Gesetzes auf weite« Industrien ins Auge zu fassen, die Höhe der Renten sowie die des Garantiefonds zu bestimmen, die von den Betriebsinhabcrn gegründeten Versicherungskassen) gegen Unfall zu überwachen usw._ Huö der frauenbewegung. Schäneberg. Der Verein für Frauen und Mädchen Schöncbergs und Umgegend hält Montag, den 2S. Januar 1904, eine Wanderversammlung im Lokal Wilhelmshof, Ebersstr. 80, ab. Herr Dr. Roeder, an Stelle des erkrankten Herrn Maurcubrecher, wird einen Vortrag über«Innere und äußere Krämpfe" halten. Da dieser Portrag ein sehr wichtiger ist, so ersuchen wir um zahlreichen Besuch dieser Versammlung. Gäste, Herren sowie Dmnen, haben Zutritt._ Der Vorstand. Versammlungen. Der Arbeiter-Sängerbund hielt mn 17. Januar eine Ausschußsitzung in der Brauerei Friedrichshain ab. Aufgenommen in den Bund wurden vier Vereine:„Flora"-Pankow.«Waldchor"-Borsig- Walde,„Sängerlust"-Werder a. H. und ein Verein aus Habclberg. Der 2. Kassierer gab die Abrechnung vom Sängerfest in Friedrichs- Hägen. Aus derselben ergiebt sich eine Einnähme von 4836,64 M., eine Ausgabe von 2172,15 M., mithin ein Ueberschuß von 2664,40 Mark. Nachdem der Kassierer noch einige Ausgabcposten klargelegt hat, wird er einstimmig entlastet. Es wurde ferner angeregt, den Rechenschaftsbericht in Zukunft den Vertretern der Vereine gedruckt einzuhändigen, was allgemein Zustimmung fand. Hierauf verlas der Vorsitzende die Rezension des Stiftungsfestes, die ein ziveiter Rezensent an ihn gesandt hat, und gicbt dann einen Artikel aus der „Tonkunst" bekannt, welcher an die Rezension des Stiftungsfestes im„Vorwärts" anknüpft. Er nimmt den Bund dagegen in Schutz. daß derselbe Politik treibe; eher würde dieselbe von einer andren Stelle aus betrieben. Der Antrag, einen Liederabend im März zu veranstalten, wurde abgelehnt. Die Bundesvereine in Luckeiiwalde sprechen den Wunsch ans, das diesjährige Provinzial-Sängerfest in ihrer Stadt abzuhalten. Die Beschlußfassung hierüber wurde vcr- tagt. Die Generalversammlung des Bundes findet mn 21. Februar statt. Anträge zu derselben müffen bis zum 7. Februar an den 1. Vorsitzenden I. Meyer, Urbanstraße 131, 4 Tr., eingereicht sein. Der Verein Deutscher Schuhmacher, Zahlstelle Berlin, hielt am Montagabend seine Generalversammlung im„Rosenthaler Hof" ab. Ans dem vom Kassirer Weber erstatteten Rechnungsbericht ergiebt sich, daß im 4. Quartal die Centralkasse mit 3643,40 M. an Ein- nahmen und Ausgaben balancierte, während in der Lokalkasse der entsprechende Betrag 6312,29 M. betrug. Die Mitgliederzahl am 1. Januar 1904 betrug 1900 männliche(gegen 1880 am 1. Oktober 1903) und 123 weibliche(114). Im ganzen Jahre 1903 betrugen die Einnahmen der Centralkasse 13 477,45 M.. der Lokalkasse 22 715,87 M.; das Gesamtvcrmogcn der Zahlstelle Berlin war am 1. Januar 1904 3509,27 M. Die Mitgliederzunahme im Jahre 1903 stellt sich auf 459.— Den Geschäftsbericht erstattete Karl Herrmann für das dritte und vierte Quartal 1903. Im Sommerhalbjahre war es in der Bewegung stiller. Im 4. Quartal wurde es lebhafter. Der Streit der Schoßschuhmachcr wurde nach elfwöchentlicher Dauer eingestellt, nachdem die Unter- nehmer zugesagt hatten, im Oktober in Verhandlungen einzutreten. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die erstklassigen Geschäfte waren eher zu größeren Zugeständnissen bereit, dagegen lehnten die kleineren Geschäfte nennenswerte Zugeständnisse ab/ Die Unternehmer verlangten bei kleiner Lohnerhöhung, daß die Arbeiter sich auf 5 Jahre festlegten. Als Scharfmacher erwies sich der Ober- meister B i e r b a ch i er sagte, die Gegensätze müßten auf dem Gebiet des Kampfes ausgesochtcn werden. Bei partiellen Streiks würde in der Zukunft sofort die Aussperrung erfolgen.— In der Fabrik von Kusche sind am letzten Sonnabend fast sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen worden. Die Schuhmacher haben beschlossen, über die Fabrik sofort die Sperre zu verhängen. Herr Kusche hat erklärt, er sei Herr im Hanse und entlasse wen er wolle. Wer von den Entlassenen wieder bei ihm arbeiten wolle, der solle sich persönlich melden, er werde es sich dann überlegen. Die Entlassung rst erfolgt, um die Organisation in der Fabrik zu vernichten. In der Fabrik von S ch l i e b e sind am Sonnabend gleichfalls neunzehn Arbeiter entlassen worden. Näheres ist noch nicht bekannt.— In der sehr lebhasten Diskussion wurde n. a. unter stürmischer Ent- rüstuug mitgeteilt, wie Herr Kusche sich einer hochschwangeren Arbeiterin gegenüber verhielt. Die Versammlung beschloß ein- st immig. über die Fabrik Kusche die Sperre zu verhängen.— In die Ortsverwaltung ivurden gewählt: Zum ersten Bevollmächtigten Grunow(117 Sttmmen), zum stell- vertretenden Bevollmächtigten Winter, zum Kassierer Weber (142 Stimmen), zum Schriftführer Titze<119 Stimmen). Als Revisoren: B e n d i g, Ullrich, Fleischer.— Zum Heim- arbeiterschutz-Kongreß wurden delegiert: Christensen für die Scboßschuhinacher. Titze für die Ballschuhmacher. H o h a u s für die Filzschuharbeiter und Karl Herrmann als Vertreter der Gesamtorganisation. Die Filiale Berlin des Centralvcrbandcs der Stukkateure hielt am Montag die erste diesjährige Generalversammlung ab. Die vom 1. Revisor verlesene Abrechnung vom 4. Quartal wurde für richtig befunden und auf Antrag desselben der Kassierer ent- lastet. Beim 2. Punkt, Vcrwaltungsbcricht, wurde vom Vor- sitzenden i'och eine Uebersicht über das Fluttuierm unsrer Zahlstellen gegeben, welche in dem gedruckten Bericht im Fachorgan nicht mit aufgenommen worden. Kleiner! berichtete dann über seine Thätigkeit als Delegierter zur Handwerkskammer. Der Be- richt des Geiverkschaftsdclegiertcn wurde bis zur nächsten Versamm- lung zurückgestellt. Die Anstellungsbedingungen für den zu be- soldenden Vorsitzenden ivurden in folgendem Beschluß resümiert: „Die heutige Gcneralversamnclung beschließt, daß das Gehalt unsres besoldeten Vorsitzenden pro Jahr 2000 M. tietragen soll. Sie bc- auftragt tveiter den Vorstand, die Einnahmen und Ausgaben zu diesem Zweck möglichst so zu stellen, wie sie in einem provisorischen Voranschlag den Zahlstellen zur Besprechung vorlagen. Als Bc- schwerdckommission über die Thätigkeit des Besoldeten gilt der ge- samte Vorstand unter Leitung des 2. Vorsitzenden, an den auch eventuell Beschwerden zu richten sind. Die Geschäftszeit ist von 8— 1 und 3— 7 Uhr bei einer halben Stunde Frühstückspause, also 8V- Stunden. Die Wahlzeit dauert vom 16. Januar bis 15 Januar inklusive, also ein Jahr, und findet gegenseitig vierteljährliche Kündigung statt, wenn nicht gesetzliche Gründe diese Kündigungszeit aufheben. Dieselbe lvird durch den 2. Vorsitzenden auf Grund eines Beschlusses des Gcsamtvorstcmdes ausgesprochen; endgültig ent- scheidet die Generalversammlung der Filiale Berlin darüber. Ge- haltzahlung findet monatlich postnumerando statt."— Das Bureau des Vorsitzenden soll der Wohnung desselben angegliedert sein, damit auch während seiner Abwesenheit durch Vertretung der Frau die Verbindung mit ihm aufrecht erhalten werden kann. Die nun- mehr vorgenommene Wahl der gesamten Ortsverwältung ergab das folgende Resultat: P. Krebs, 1. Vorsitzender(besoldet); C. Scheck. 2. Vorsitzender; Fr. Koppe und P. Hanke. Kassierer; M. F u ch s und C. Jockel, Schriftführer; F. R ö s n e r und A. I a e n i ck e, Beisitzer; Vi. B k e i b a u m lind O. Gladigow, Revisoren; T. N i t s ch k c, Bibliothekar; H. N a d t k e, Geiverkschastsdeleisterter. Sodann wurde noch die Wahl der notwendigen.Hilfskassierer vorgenommen. Unter Ver- schicdcnem wurden dtc Mitglieder ö ch n c i d c r(Buch Nr. 5492) und S o l> i s ch e ck(Buch Nr. 4539) ivegen ihres Verhaltens als Zwischcnmeister auf Grund des§ 19 Abs. a unsres Statuts ausgeschlossen, und erfolgte nach einigen persönlichen Bemerkungen Schluß der gut besuchten Versammlung. Ter Centralverband der Dachdecker, Filiale Berlin. hielt am 17. Januar eine gutbesuchte Generalversammlung im Feindschcn Lokal, Wcinstraße, ab. Es Ivurde zunächst beschlossen. den Bericht vom Verbandstag von der Tagesordnung abzuseycn. Der Kassierer H a u s ch i l d legte darauf Rechnung vom 4. Quartal 1903 ab. Die Einnahmen einschließlich des Bestandes vom dritten Quartal betrugen 2511,05 M. die Ausgaben 1726,56 M. Von den verbleibenden 784.49 M. wurden 533,95 M. an den Ccntralvorstand abgeführt, so daß der Bestand der Ortskaffe am 1. Januar 250,54 Mark betrug.— Beschlossen wurde, daß der Vorstandsbericht zu Beginn des neuen Geschäftsjahres zu geben sei. Die dann vor- genommene Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: H ö p p n e r, 1. Vorsitzender: Rosenbaum. 2. Vorsitzender; Hauschil'd, 1. Kassierer; Görnitz. 2. Kassierer; Hermann Merl ein; Schriftführer; Fuchs und Weiske. Beisitzer. Zu Revisoren Ivurden Küter, Schlewing und I a n n e l gewählt. Zcittmgs- spediteur wurde W i tz k o w s k i.— Tarifüberschreitungen hinsichtlich der Arbeitszeit führten zu einer lebhaften Debatte. Der Tarif sieht als Arbeirszeit vor: für die Zeit vom 1. März bis zum 30. September 9 Stunden, für die Zeit vom 1. Dezember bis zum 15. Januar 7 Stunden und für die dazwischen liegenden Zeiträume 8 Stunde». Gerügt wurde zunächst, daß bei Bcller u. Strutze zur Zeit der sicbenftündigen Arbeitszeit 3 Stunden gearbeitet worden ist. Zahlreichere Uebcrschreitungen sind aber beim ttebergange der neun- stündigen Arbeitszeit zur achtstündigen vorgekommen. Verschieden« Redner entschuldigten dies damit, daß bis in den Oktober hinein die Konjunktur noch eine so vorzügliche gewesen sei, daß teinerlei Schaden daraus erwachsen wäre. Es könne sich, meinten diese Mit- glieder, im nächsten Herbst wiederholen, daß die gute Konjunktur noch einige Zeit über den 1. Oktober hinaus anhalte. Sie regten an, auf eine Aenderung des Tarifs hinzuwirke», etwa dahingehend. daß die neunstündige Arbeitszeit um 14 Tage verlängert und dafür ein Ausgleich durch eine entsprechende Verlängerung der sieben- stündigen Arbeitszeit geschaffen werde.— Andre Redner be» kämpften den Standpunkt der Vorredner energisch und verlangten strikte Jnnehaltung des vorhandenen Tarifs. Ter Vorsitzende stellte fest, daß der Tarif noch bis zum 1. April 1905 gilt, und erklärt« mit Rücksicht darauf die Anregung auf Aenderung für verfrüht. Andrerseits wäre ein Antrag auf Aenderung innerhalb der Laufzeit des Tarifs bedenklich. Außerdem hätten die Unternehmer- Vertreter in der Tarifkommission versprochen, bei den Meistern auf zukünftige Jnnehalttmg des Tarifs hinzuwirken.— Die Anregung auf Tarifäudcrung wurde darauf fallen gelassen und folgende Resolutton angenommen:„Die Versammlung verurteilt entschieden das Verhalten der Kollegen, welche den Tarif in irgend einer Weise gebrochen haben. Sie erwartet, daß sich in Zukunft die Kollegen an den Tarif halten. Sollte dies nicht geschehen, so Ist die Organi- sation verpflichtet, dagegen einzuschreiten."— Es wurden schließlich noch verschiedene interne Verbandmigclcgenheiten erledigt. Die Quartalsentschädigung des Kassierers jvurde auf 20 M. erhöht.— Dienstag, den 26. Januar, findet bei Feind, Weinstraße, die Neu« wähl der Beisitzer zum Jnnungsschiedsgericht statt. Ter Verband der im Bergoldergewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen(Filiale Berlin) hielt am 18. Jmruar im großen Saal der Arminhallen eine gut besuchte Versammlung ab. Der Kassierer K r ü g c r gab den Kassenbericht für das 4. Quartal 1903. Vom dritten Quartal ivar ein Bestand von 322,96 M. verblieben. Einschließlich dieses Bestandes betrug die Einnahme 3204,40 M. Nach Abzug der Ausgaben von 1035,65 M. blieben 2168,75 M, wovon an die Hauptkasse 2123,45 M. abgeführt wurden. Der Bestand der Filiale war demnach am Quartalsschluß 45,30 M,— Ter Lokalfonds stieg von 12 429,42 M. auf 13 200,67 Mark. An Unterstützungen wurden 232,50 M. ausgegeben. Der Bestand betrug am 1. Januar 12 963,17 M. Er zerfällt in den eigentlichen Lokalfonds mit 8741,12 M. und 4227,05 M. als Arbeitslosenfonds.— Die Matinee ergab einen Ueberschuß von 117 M— Der Vorsitzende Q e hlc r t erstattete darauf den Thätigkcitsbericht des Filialvorstandes für das letzte Geschäftsjahr. Er gab eine Uebersicht über alle die Filiale betreffenden Vorgänge des Jahres. Unter midenn stellte er fest, daß die an die Einführung der Arbeitslosenunterstützung seiner Zeit von verschiedenen Seiten geknüpften Befürchtungen sich nicht erfüllt haben. Im Gegenteil, der Mitgliederstand ist ein stabilerer geworden. Die Zahl der Mit- glieder der Filiale Berlin ist im vorigen Jahr von 650 auf 740 gestiegen. Weibliche Mitglieder sind 20 hinzugekommen.— Die Neuwahlen hatten folgendes Resultat: Oehlcrt. 1. Vorsitzender; Hedmann. 2. Vorsitzender; Krüger. 1. Kassierer; Stell- macher, 2. Kassierer; Otto Schulz(Farbigmacher-Rixdorf). Schriftführer; Hugo Otto. Beisitzer. Revisoren wurden: W o r- muth, Boges und Ambosch; Biblüithckare Jache und Beek. In die Gelverkschastskommission delegierte man Hahn und O e h l e r t. Als Bibliothekkommission wurden die bisherigen Mit- glieder iöcbntann, Späth« und L a n g n c r neu bestätigt. Unter„Vereinsangelegenheiten" wurde u. a. die Sperre über die Werkstatt von Müller u. Vogler zur K) räche gebracht. Die Au- gelegen heit soll nock, näher erörtert in einer Sitzung, woran der Porftand teilnehmen wird, geklärt werden. Jedoch wurde schon jetzt von zwei bei der Firma in Arbeit getretenen Verbandsmitgliedcrn gefordert, mit Rücksicht aus die Sperre sofort die Arbeit niederzulegen. feixte Nacbricbten und Depefcben. Das Urteil im Mainzer Krawall-Prozeß. Biainz, 23. Januar.(B. H.) In def heute fortgesetzten Verhandlungen gegen die vier Maurer Johann Orth. Peter Barth. Johann Barth und Christian Ditt, die an- geklagt sind, sich an dem Uebersu�i auf d.ie italienischen Arbeitswilligen bei?- Maurer streik im vorigen Jahre beteiligt zu haben, wurde,! die beiden Barth freigesprochen, während die beiden andern zu je acht Monaten Gefängnis verurteilt wurden. vier Monate wurden ans die Untersuchungshaft angerechnet. Verleitung zum Meineide. Düsseldorf, 23. Januar.(B. H.) Das Kriegsgericht verurteilte den Sergeanten Hermann Baumann vom 5. Ulanen- Regiment wegen Verleitung zum Meinei de zu zwei Jahren und einein Monat Zuchthaus. Aus dem Aufstandsgediet. London» 23. Januar.(W. T. B.) Eine Depesche des«Reuterschen BnreauS" aus Swakopmund von heute besagt, daß nach der Meldung eines eingeborenen Boten Okahandja, woselbst sich Ober- lieuienant v. Züber mit seiner Kolonne und der bisherigen Besatzung in starker Stellung befinde, noch von einer großen Anzahl Hereros belagert werde. Von Windhuck und aus dem Süden lägen neu« Nachrichten nicht vor. Ueberall im Lande herrsche Regenwetter. Die Haltung Koreas. London, 23. Januar. tDas Reutersche Bureau meldet aus Söul. Korea habe erklärt, ii* Falle eines Krieges Neutralität zu beobachten; der eziglische Gesandte billige dies.— General Jchiji. Dtititärattachec bei der japanischen Gesandtschast, ist am 22.> M. in Söul eingetroffen._ Zur Aalesunder Katastrophe. . Chttstiania, 23. Janua?.(W. T. B.) Die Zeitung„Dages- posten" lvird aus Droittheim gemeldet, daß zwei Personen bei dem Brande in Aalcsund umgekommen seien, und daß ein Dampfer, inöglickicriveise auch noch mehrere Schiffe verbrannt seien. Die Stadt- Verwaltung von Drontheim hat beschlossen, ein Schiff mit Proviant. Kleidern usw. und wenn notwendig, ein Schiff mit Holzmaterial ab- zusenden. In Bergen wird eine große Hilfsaktton in die Wege geleitet. Aus Privatinitiative wurde ein Schiff mit Geldmitteln Kleidern usw. abgesandt. In den Kirchen in Bergen wird morgen eine Kollekte für die durch den Brand Betroffenen veranstaltet. Von Christtansund wurde ein Schiff mit Eßwaren und Kleidern abgesandt. Ferner hat die Stadtverwaltung ein Hilfskomitee errichtet. Stuttgart, 23. Januar.(B. H.) In der Angelegenheft der Beschlagnahme des„Simplicissimus" hatte der nach Stuttgart ge- tömmene Oberstaatsanwalt beim Landgericht München eine.Kon- ferenz mit dem württembergischen Ministerpräsidenten Breitling, Ivelcher der Minister des Innern Pischek und mehrere Beamte bei- wohnten. Gegenstand der Beratung war die Frage, ob für Stuttgart als Druck- und Versandtort(Erscheinungsort) ein strafrechtliches Forum nach dem neuen Gesetz über die Aufhebung des fliegenden Gerichtsstandes der Press« besteht. Außerdem wurde erörtert, ob Stuttgart oder München als sogenannter Ausgabeort das Form» für Abgabe des Pflichtexemplars ist. Die Auffassungen der Juristen in München und Stuttgart stimmten nicht überein. Es stehen VerHand- lungcn mit den hiesigen und den bayrischen Ministerialbehörden in Aussicht. Philadelphia. 23. Januar.(W. T. B.) In der hiesigen Gegend herrscht Hochwasser. ES droht eine Ueberschwemmung. wie sie seit 1892 hier nicht erlebt wurde. Die Geleise der Baltimore- und Ohio» Bahn und der Pennsylvania-Bahn stehen, soweit sie nahe am Fluß» ufcr vorüberführen, mehrere Fuß unter Wasser. Nerantw. Redakteur: JulinS Kaliski, Berlin. Inseratenteil pcrm'ttv.: Th. Glocke, Berlin. Drucku.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlag sanstalt Paul Singer LiCo.BerlmLW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterh«ltungsdlatt Nr. 20. 21. 1. jieilM des JgrMttf Skllim ftlblilntl Sottvtilg, 24. Janultt 1901. Die„Kriegsbriefe" und der Krieg. Seit dem Erscheinen der Kriegsbriefe meines verstorbenen Vaters, des Generals Hans von 5iretschman, ist kein Tag vergangen, ohne dag die deutsche und die ausländische Presse sich mit ihnen beschäftigt hätte. Falls es sich dabei nur um Kritiken, seien sie günstig oder ungünstig, handeln würde, hätte die breitere Oeffcntlich- keit keinerlei Interesse daran, ebensowenig wie es für sie irgendwelche Bedeutung hat, wenn, wie im vorliegenden Fall, Familienscenen in die Spalten der Blätter getragen werden. Aber es handelt sich hier um etwas andres. An einzelnen Stellen seiner Briefe erzählt mein Vater von Aus- schreitungen, Plünderungen, Grausamkeiten, die sich die Deutschen zu Schulden kommen liegen, und spricht offen und ehrlich von der durch den Krieg tief verderbten Moral. Sie verschwinden räumlich fast ganz im Vergleich zu den zahlreichen Beweisen eines glühenden, beinahe blinden Patriotismus und einer einseitigen Vorliebe für den Soldatenstand, und doch genügten sie, um fast die ganze bürgerliche Presse Deutschlands in chauvinistische' Raserei gelangen zu lassen. Bon den hessischen Käseblättchen an, die als Organ der Kriegervereine nahe daran waren, den toten Verfasser der Kriegsbricfe wegen Be- leidigung zu verklagen, bis zu den Leitartikeln der„Münchner Neuesteir Nachrichten", die als Beweis gegen das von meinem Vater verurteilte Gebaren bayerischer Truppen die tönenden offiziellen Anerkennungen von Fürsten und Heerführern nach dem siegreichen Fcldzug citieren— ein Trompetengeschmetter beleidigter Hurra- Patrioten! Ziemlich deutlich lassen die Kritiker sich in die Menge derer einteilen, die nicht„dabei" waren und in das kleine Häuflein jener, die„dabei" gewesen sind. Die tollsten Schreier sind natürlich die, denen die Schule die Helden von 70/71 mit einem Heiligenschein überliefert hat. Es genügt ihnen nicht, daß sie siegten, sie müssen auch als reine Tugendspiegel gesiegt haben, deren weißes Gewand wie das der Ritter vom heiligen Gral, trotz Pulverdampf und Blut, fleckenlos geblieben ist. Manch ein ehrlicher Schwärmer mag so urteilen, noch viel mehr aber handelt es sich dabei um Heuchler, die. ebenso wie sie dem Volke die Religion erhalten wollen, nur, um es zu knechten, auch den Herocnkultus zu schützen suchen. Er gilt, neben allem andren, auch als fester Damm gegen das Vordringen der roten Internationalen. Aus dem ganzen Gebaren dieser gegen die „Kricgsbriefe", die an sich nichts weniger als umstürzlerisch sind losgelassenen Meute geht hervor, mit welcher Angst die bürgerliche Gesellschaft um jeden Fuß breit Boden zittert, wie jedes abbröckelnde Stückchen alter Märchenherrlichkcit ihr als eines der„heiligen Güter der Nation" erscheint. Dabei muß es heute für jeden oberflächlichen Äeimer der Geschichte, für jeden dilettantischen Psychologen feststehen, daß der Krieg, wie er einerseits große Charaktereigenschaften zur Erscheinung bringt,— Ausdauer, Mut, Tapferkeit,— er andrerseits die niedrigsten Triebe— Selbstsucht, Habsucht, Grausamkeit,— auslöst. Man verurteilt keine Armee und setzt keinen Sieg herab, wenn man konstatiert, daß diese Triebe zur Geltung kamen. Wie die Not Verbrechen und Prostitution erzeugt, so erzeugt auch der Krieg sei« eignen Laster. Darum kämpft ein aufgeklärter Mensch gegen die Not, nicht aber gegen die Notleidenden, und gegen den Krieg, nicht aber gegen die Soldaten. Wer, wie ich, fünfundzwanzig Jahre seines Lebens fast aus- schließlich In Offizierskreiscn lebte, wer nicht nur den eignen Vater, an dessen Worten ich trotz aller Kriegcrvcreine der Welt nicht zweifeln würde, sondern zahlreiche seiner zum Teil heute recht hohe Stellungen bekleidende Kricgsgefährten reden und erzählen hörte,— Männer, die, wenn sie unter sich sind, nie einen Augenblick die häßlichen Bcglcitersckieinungen des Krieges zu leugnen versuchen,— den muß die Heuchelei der Sorte von Vaterlandsliebe, die sich angesichts der „Kricgsbriefe" hören ließ, doppelt anwidern. Daß niemand von denen, die für meinen Vater und seine Auffassung von den Wirkungen des Krieges Zeugnis ablegen könnten, es gethan haben.— private, wenn auch noch so interessante Mlitteilungen bedeuten in dieser Hinsicht nichts, da ich sie selbstverständlich ebensowenig verwerten würde, wie ich die Namen derjenigen nennen würde, deren Er- Zählungen mir erinnerlich sind,— erscheint mir weniger vcr- urteilenswert. Es sind alles Abhängige: abhängig von den Existenz- bedingungcn. der Familie, der Traditwn, den Klassenvorurteilen. Wegen einer Wahrheit, die ihnen nicht mehr bedeutet als ein toter Kamerad, wirft man das alles nicht über Bord. Umsoweniger, als die weitaus meisten unter ihnen die Wahrheit nicht anders ansehen, als die katholische Kirche die Bibel: sie taugt nur für die Geweihten und ist eine Gefahr für die Massen. General von Boguslawski, der typische Vertreter der Kritiker, die„dabei" waren und darum in der Verurteilung der Kriegsbriefe zurückhaltend sind, sagte in der„Täglichen Rundschau", daß ich 25— 30 Briefe und mehrere Stellen in den Briefen„geziemender- weise" hätte fortlassen sollen. Diese Bemerkung wirft ein grelles Schlaglicht auf die Art, wie Geschichte gemacht wird und nach der Auffassung dieser Kreise sogar gemacht werden soll: man verfälscht die Wahrheit und schafft so einen in seiner Wirkung ewig dauernden Betrug. Das gehört aber mit zu jenen„Sünden wider den Geist". die nie vergeben werden können. Zum Schlüsse seines Artikels citiert General von Boguslawski den Ausspruch des Herzogs von Biron, als er die Guillotine betrat:„Ich war untreu gegen Gott, meinen König und meinen Stand; ich bereue", und bemerkt dazu. daß die Herausgeberin der„Kricgsbriefe" dieses Bekenntnis wohl niemals ablegen würde. Er hat recht. Es giebt nur eine Treue, die gegenüber der erkannten Wahrheit.„Wer die Wahrheit weiß und saget sie nicht, der ist fürwahr ein erbärmlicher Wicht." Auch mein Vater hat nicht gewollt, daß sein Zeugnis der Wahrheit vernichtet werde. Er hat den Krieg immer als eine Geißel der Menschheit angesehen. Wenn seine Briefe dazu beitragen, den falschen Nimbus zu zerstören, mit dem ein kriegsfremdes Geschlecht ihn heute um- giebt, so haben sie auch in seinem Sinne gewirkt. Lily Braun. �bgeordmtenkaus. g. Sitzung, Sonnabend, den 23. Januar 1904, 11 ITH r. Am Regierungstische: Graf v. B ü l o w, Frhr. v. Rhein- baben, Dr. Studt, Budde, v. Hamm er st ein. Auf der Tagesordnung steht die e r st e L e s u n g des E t a t S. Abg. Graf Limburg-Stimm(k.): Die Erkrankung und glückliche Wiedergenesung Sr. Majestät des Kaisers hat zu meiner Freude bewiesen, wie das Band der Liebe und Treue das deutsche Volk mit dem Hause der Hohenzollern verbindet. Dieses Band zu zerreißen ist das Bestreben der nichtswürdige» Verhetzung der Soeialdcmvkratie, wieder ein Beweis, wie notwendig eine kräftige Legislative ist, um diese Verhetzung zu bekämpfen. Bravo! rechts.) Mit Befriedigung kann ich konstatieren, daß meine politischen Freunde ungeschwächt aus den Wahlen hervorgegangen sind, trotz der heftigen Angriffe namentlich von feiten der Nationalliberalcn. Die Nationalliberalen treiben ein gefährliches Spiel, wenn sie sich bemühen, uns aus unsren festen Wahlkreisen zu vertreiben. Sie sollten bedenken, daß, wenn es ihnen gelingt, sie jedenfalls nicht unsre Nachfolger werden würden, sondern andre Elemente.(Sehr richtig I rechts.) Was den Etat anlangt, so wird er ja stets ungünstig beeinflußt durch das Verhältnis zum Reiche. Es müssen Garantien gegen die von hier kommenden Schwankungen geschaffen werden. Die Haupt fache ist, daß im Reiche'Sparsamkeit geübt wird, sonst ist nichts zu machen. Unsre finanzielle Lage ist ja ivescntlich besser als in den letzten Jahren. Die Grundlage des Etats sind die Eisenbahnen. Es geziemt sich heute, des eben verstorbenen Mannes zu gedenken, der durch die große That der Verstaatlichung der Eisenbahnen uns diese reiche Einnahmequelle verschafft hat, des Herrn v. Maybach.(Lebhaftes Bravo I) Den jetzigen Herrn Eisenbahnminister mochte ich ersuchen, die socialdemokratischen Organifiltioncn von den Eisenbnhnbcamtcn und Arbeitern mit allen Mitteln fernzuhalten. Weiterhin erwarten wir, daß die Regierung energisch die Frage der Wasserstraßrn-Abgaben prüft. Wir machen so außerordentlich hohe Auswendungen für Wasserstraßen, daß die Interessenten kein Recht haben, sich über die Erhebung von Abgaben zu beklagen. Die Parität zwischen Landwirtschaft und Industrie wünschen wir möglichst gewahrt zu sehen. Beide sind auf einander angewiesen. Wir sind bereit, für die Industrie alles Nützliche zu bewilligen, hoffen aber, daß auch der Landwirtschaft ihr Recht wird. Was den Mittelstand anlangt, so bedauere ich die Aeußerungen des Staatssekretärs Graf Posadowsky im Reichstag, aus denen im Lande der Eindruck ent- stehen mußte, daß er den Mittelstand nicht so hoch schätzt, wie dieser eS als Bollwerk gegen die Socialdrinokratie verdient.(Zustimmung rechts.) Die von neuem angekündigte wasserwirtschaftliche Borlage werden wir ohne Befangenheit und ohne Rücksicht ans politische Momente, die nicht von uns, sondern von andrer Seite in die Vorlage hinein- gebracht worden sind, lediglich nach ihrer finanziellen und Wirtschaft- lichen Bedeutung prüfen.(Unruhe links.) Es erscheint trotz der günstigen finanziellen Lage angebracht, in der Bemessung der Aus' gaben möglichst sparsam zu sein. Hoffentlich wird der neue Zolltarif sichere Einnahmequellen erschließen. Was die Handelsverträge anlangt, sieht man im Lande vielfach nicht ein, warum wir solche unbedingt haben müssen. Sie sind er- wünscht, aber nicht notwendig. Deutschland ist gegenüber dem Aus' lande ein viel besserer Kunde als umgekehrt. Wir können also das Ausland an uns herankommen lassen. Die großpolnische Agitation ist noch gefährlicher ge- worden, scildem sie zum Teil mit radikalen Bestrebungen ver- quickt ist. Deshalb bitte ich die Regierung dringend, alle Maßregeln zu ergreifen, die diese Gefahr von uns abwenden können. Der Reichskanzler hat im Reichstage das stolze Wort ge' sprachen: die bürgerliche Gesellschaft sei stark genug, um mit der Socialdemokratie fertig zu werden. Das hat sich erfreulicherweise in Crimmitschau gezcrgt. Dieser neueste Streik bedeutete keinen Versuch oder wurde nicht insceniert, um die Arbeitslöhne zu erhöhen, sondern stellte lediglich eine Machtprobe der Social- dcmokratie dar. Erfreulicherweise hat der Verband der Textib industriellen gegenüber dieser Machtprobe stand gehalten. Ich möchte anregen, ob sich nicht ein allgemeiner Ccntralvcrband der Arbeitgeber empfehlen würde, der bei solchen ungerechtfertigten Streiks mit ,der ganzen Gewalt und Macht der Arbeitgeber hinter denen zu stehen hätte, die in dem einzelnen Falle dem Ansturm der Socialdemokratie ausgesetzt sind. Es wird nötig sein, das) dabei die Vertreter der Land- Wirtschaft wie die der Industrie gemeinschaftlich den Kampf führen. Aber auch darüber hinaus muß etwas gegen die focialdemokratische Verhetzung geschehen. Wemr man auch zu A u s n a h m e- M a ß- regeln noch nicht greifen kann, so erwarten wir doch, daß die Staatsrcgierung die Mittel, die sie in der Hand hat, mit großer Energie und Entschlossenheit gegen die Socialdemokratie anwendet. Ich möchte mir die Frage erlauben, ob nicht gegen die unerhörten und unqualifizierten Ausschreitungen, die seitens der Socialdemokratie bei den Wahlen vorgekommen sind, von den Behörden mit Ent schiedenheit vorzugehen sei. Die Grundlagen des Staates sind von der Socialdemokratie aufs ernste bedroht. Möge die Regierung sehen, was gegenüber dieser Gefahr geschehen nmß. Roch ist es nicht zu spät, möge es nie zu spät werden!(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Richter(frs. Vp.): Zollpolitischc Betrachtungen hier aufzustellen, halte ich für zweck- loS.— Der Herr Finanzminister hat uns mitgeteilt, daß das Jahr 1902 nicht, wie er seiner Zeit schätzte, mit einem Deficit, sondern mit einem Neberschnß von 10 Millionen abgeschlossen hat. Warum erfahren wir das erst jetzt? Der Herr Finanzminister kannte doch das Ergebnis schon im vorigen Juni ozu diese Geheimniskrämerei?(Sehr richtig links.) Weite Kreise haben ein Interesse an der Ge- staltung unsrer Finanzverhältnisse, weil diese gewissermaßen ein Barometer sind für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung des Volkes.— In den Jahren 1895— 1900 sind, wie der Herr Finanz- minister im vorigen Jahre mitteilte, 721 Millionen thesauriert worden. Seitdem hat sich unsre Bilanz bis auf 821 Millionen ver- bessert. Ziehen wir weiter die Ausgaben für werbende Anlagen in Betracht, so kommen wir zu dem Schluß, daß in den acht Jahren von 1895—1903 die Bilanz des Staates um mindestens zwei Milliarden verbessert ist.(Hört I hört! links.) DaS ist eben das, was ich ThcsaurierungSpolitik nenne, die von Herrn Miqnel angebahnt und jetzt weitergeführt wird. Und dasselbe Bild zeigt der Etat für 1904. Gewiß müssen wir darauf bedacht ein, daß das StaatSvcrmögen sich verbessert im Verhältnis zur Bevölkerung, aber diese ThesaurierungSpolitik geht weit darüber hinaus. Ich verwerfe es, wenn man die Gegenwart beschweren will zu Gunsten der Zukunft.(Sehr richtig I links.) Wir haben noch sehr viel Bedürfnisse in der Gegenwart zu erfüllen.(Sehr richtig I links.) Der Herr Finanzminister hat im vorigen Jahre 10 Millronen Mark an Forderungen aus den verschiedenen Ressorts zurückweisen müssen. Als ich im Reichstage bemerkte, Preußen wäre sehr ivohl in der Lage, 15 Millionen mehr Matrikularbeiträge zu bezahlen, jammerte und klagte der Finanzministcr, er wüßte nicht, wie er das Geld auf- bringen sollte. Er brauchte nur 15 Millionen weniger zu thesaurieren. " n Preußen schwimmt man geradezu im Gelde.(Heiterkeit links.) >ie Seehandlung Hai eine halbe Milliarde zu Lombardgeschäftcn zur Verfügung gestellt. Das beweist, daß in Preußen heidenmäßig viel Geld vorhanden ist im Gegensatz zum Reich.(Heiterkeit links.) Auch der neue Etat ist von vornherein wieder auf Uebcrschüsse zu- geschnitten. Unter diesen Umständen ist eS dem Finanzministcr leicht, ich als Goldonkel hinzustellen, der mit seinen guten Ratschlägen die Vertvaltung der Eisenbahnen zu günstigen Ergebnissen geführt hat. Warum ändert sich das nicht? Weil ivir i cin EinnahmcdcwiUigiiNgsrccht und daher gar keinen Einfluß auf die Gestaltung des Etats haben.(Sehr richtig I links.) Ohne Einnahme- bewilligungsrecht bedeutet auch unser AusgabebewilligungSrccht nichts. Wenn nicht besondere politische Momente hinzukommen, wird alles bewilligt. Sind etlva die Herren am Ministertisch Bittsteller uns gegenüber? Umgekehrt die Abgeordneten der einzelnen Ivirtschaft- lichen Gruppen treten hier als Bittsteller auf. Es fehlt jedes Verantwortlichkeitsgefühl, jeder nimmt, was er kriegen kann.(Heiterkeit.) Von den Ausgaben entfällt ivieder eine erhebliche Summe auf die Ostmarkcnpolitik. Durch die bisherige Polcnpolitik sind die Gegensätze in den östlichen Provinzen nur noch heftiger geworden. Darin wird nichts geändert, 'elbst wenn es dem Monarchen gefallen sollte, ein paar Tage länger als sonst in Posen zu verweilen. Wir sind grundsätzlich gegen den Bau von Residcnzschlösscrn aus Mittel» des Staates. Zu solchen Leistungen ist nach allen preußischen Traditionen der Kconfidci- kommiß-Fonds verpflichtet. Für die Pferdezucht sind reiche Summen ausgeworfen. Man hofft ja auch auf Herabsetzung der Totalisatorsteuer. Aber dafür ivird der Reichstag kaum zu haben sein. Das erhöhte Interesse für die Pferdezucht rührt Wohl von den großen Kavallerie- Attacken der letzten Manöver her. Diese Attacken sind zwar alle sehr siegreich verlaufen(Große Heiterkeit), aber sie sollen doch nicht schneidig genug gewesen sein. Es ist ja zweifelhaft, ob die Wert- schätznng dieser Kavallerie-Attacken mehr als eine subjektive Liebhaberei ist. Unzlveiselhaft aber ist der Totalisator eine durchaus unsittliche Einrichtung, die vom Staate nicht geduldet werden dürfte.(Lebhaste Zustimmung links.) Der verminderte Erttag der Totalisatorsteuer beruht übrigens nicht auf der Erhöhung der Steuer, sondern auf dem Entstehen der vielen kleinen Wettburcaus, deren es allein in Berlin über 1000 geben soll. Diese kleinen Bureaus sind aber nicht minder steuerpflichttg als der Totalisator. Der Reichstag hat auch schon die Regierung auf- gefordert, Mittel zur Herbeiführung dieser Besteuerung ausfindig zu machen. Man sollte den Totalisator ganz verbieten, wie es schon von 1881—80 in Preußen der Fall war. Statt dessen hören wir jetzt zu unsrer Verwunderung, daß man beabsichttgt, das Spiel am Totalisator in Berlin auch am Sonntag zu gestatten. DaS reimt fich schlecht mit der Sonntagsruhe zusammen! Jetzt versucht man in Preußen sogar ein Lottcrirspiel in Verbindung mit Sparkassen zu organisieren. Wir haben gegen dieses System einen besondren An- trag eingebracht. Es kommt uns dabei nicht auf die Person des Herrn Scherl an oder auf irgendwelche Jnseratspekulationen, die damit verbunden sind, sondern wir verwerfen grundsätzlich ein Lotteriespiel in Verbindung mit den öffentlichen Spar- lassen.(Sehr richtig! links.) Man will hier den Spartrieb dem Spielteufel ausliefern und geradezu Gift mischen in gesunde Säst« der Volkskraft. Der Minister des Innern ist in erster Linie berufen. diesen Plan zu verhindern. Herr v. Hammerstein hat in Hannover eine sehr schöne Red« gehalten über den Bürgerstolz und dergleichen. Die Herren Minister reden überhaupt in der Provinz sehr sckiön(Große Heiterkeit), viel liberaler als hier. Wie paßt aber zu so schönen Worten die Nicht» bestätigung des ftiihcrcn freisinnigen Abg. Wenzel als Gemeinde- Vorsteher.(Ruf: Hört I hört! und Unerhört I links.) Wie steht es weiterhin, Herr Minister, mit der angekündigte» Novelle zum Vereins- gesetz? Wollen Sie die Frauen wieder aus dem Segment befreien (Heiterkeit) und wenigstens die schlimmsten Polizeichikanen ein- schränken? Was den KultuS-Etat anlangt, so ist eS über ein neues Schul- dotations-Gesetz wieder ganz fttll geworden. Graf Bülow sagte neulich, Preußen in Deutschland voran! Aber im Volks schul- Wesen haben uns andre deutsche Staaten läng st über» flügelt. Es ist zu befürchten, daß beim Schuldotations-Gesetz schließlich ettvas herauskommt, was die konfessionellen Unterschiede im Bolksschulwesen noch schärfer gestaltet. 850 000 M. sind eingesetzt zur Erhöhung des Reliktenfonds der Geistlichen. Solche Leistungen sind aber doch Sache der einzelnen Konfcssionsgemeinschasten, nicht der Allgemeinheit. Den Staatsbeamten dagegen und namentlich den unteren Staatsbeamten wird nichts gewährt. Und doch wird gerade bei ihnen das Mißverhältris zwischen Wohnnngsgeldzuschuß und Miete immer schwerer zu ertragen. Gegen den Plan des Grafen Limburg, auf den großen Strömen Schiffahrtsabgaben zu erheben, müssen wir uns auf das entschiedenste wehren. In der Kanalvorlage soll nach der Ankündigung der Thronrede das Hauptstück, die Verbindung von Hannover nach der Elbe fehlen. Das steht im kläglichsten Widerspruch mit den früheren Worten der Regierung. Der Osten zwar bekommt alles, ivas die Vorlage enthielt und noch etwas dazu. Deshalb spricht auch der schlosische Graf Limburg von„Wohlwollen"(Heiterkeit), aber dem Westen Ivird das wichtigste Stück entzogen. Herr Budde, der ftüher als Oberst eure so glänzende Rede über dw militärische Bedeuttmg deS Mittellandka nals hielt, hat jetzt das Hauptstück schweigend in die Tasche gesteckt.(Heiterileit.) Und warum die Beschränkung? In der Thronrede wird die Kosten- frage als Grund angeführt. Die ausgelassene Strecke von Hannover bis zur Elbe kostet aber nur den sechsten Teil desjenigen, was die ganze wasserwirtschaftliche Vorlage kosten würde. DasßBaukapital kostet nur 59 Millionen Mark, nach 15 Jahren hätte Preußen zur Unterhaltung der Strecke nur Millionen Mark jährlich zu zahlen, das heißt den drcitnlisendsten Teil � unsreS Etats. Nein, der wahre Grund ist, man streckt die Waffen vor den Agrariern.(Sehr richtig! links.) Warum sagen Sie cL nicht offen heraus: wir bekommen für mehr hier keine Majorität und deshalb lassen wir das wichtigste Stück fallen. Die Agrarier wollen nicht, deshalb parieren wir Order.(Sehr richtig> links.) Man sollte doch dann wenigstens nicht immer so stolze Worte machen! Man hat stets gesprochen von der wichtigsten wirtschaftlichen Borlage, von der Wacht des Staates, die man einsetzen werde. Man soll nicht derart mit dem Schwert rasseln, wenn man nachher den Degen so einsteckt, wie Sie es jetzt thun.(Sehr richtig! links.) Graf Bülow hat das stolze Wort gesprochen:„Der König in Preußen voran, Preußen in Deutschland voran, Deuffchland in der Welt voran!" Er hätte hinzufügen müssen: In der Kanalpolitik Deutsch» land hinten dran!(Große Heiterkeit links.) Graf Bülow hat das Herrenhaus den regulierenden Ballast im Staatsschiff genannt. Das war nicht sehr schmeichelhaft für das Abgeordnetenhans. Wir haben an Ballast ohnehin genug.(Sehr richtig l links.) Wir brauchen vielmehr einen frischen Luftzug, eine kräftige Strömimg, um auf dem Gebiete der Finanzpolittk, der Verkehrs- und Schulpolitik die notwendigsten Reformen zu schaffen, damit wir nicht gar zu sehr hinter andern Ländern zurückstehen. (Lebhafter Beifall links.) Ministerpräsident Graf Bülow: Auf das, was der Herr Vorredner über den Totalisator gesagt hat, Ivird der Herr Landwirtschastöminister erwidern. Ich möchte nur mein Bedauern ausdrücken über die Art und Weile, Ivie der -err Vorredner bei diesem Anlaß die Person Sr. Majestät deS önigs in die Diskussion gezogen hat. Das Interesse Sr. Majestät für die Hebung der P f e r d e z u ch t ist nicht zurückzuführen auf irgend welche persönliche Liebhaberei, sondern ans die richtige Ein- ficht deS Wertes dieses Ivichtigen Zweiges der Landwirtschast und Rücksichten auf unsre Wehrkraft. Ich hatte gehofft, daß Herr Richter mir in den wasserwirtschaftlichen Fragen Schonzeit gewähren würde, bis die betreffenden Gesetzentwürfe diesem hohen Hcrnse vorliegen. Nachdem er aber schon heute über mich hergefallen ist wie Ziethen aus dem Busch, muß ich mich gegen seine Angriffe zurWehr setzen. Herr Richter hat mir und' der Staatsregierung Inkonsequenz vor- geworfen. DaS ist der ungerechteste Vorwurf, der mir in meinem polittschen Leben noch gemacht worden ist. Ich habe stets betont, daß die Behandlung der wasserwirtschaftlichen Fragen a u S s ch l i e ß» lich vom wirtschaftlichen Standpunkt aus zu erfolgen habe. daß dabei in erster Linie praktische Gesichtspunkte maßgebend sein müßten. Ich bin also in der Behandlung dieser Fragen durchaus konsequent geblieben.(Lachen links.) Im übrigen aber nmß ich eS ablehnen, ein Äonscqucnzmachcr zu fein. Die starre Kon- s e q u e n z, daß man im Jahre 1904 voll und unentwegt dasselbe sagt, was man 1807 gesagt hat, das mag dem Parteiführer 'ehr schön anstehen, aber bei der p r a k t i s ch c n Leitung großer politischer Geschäfte an v e r a n tw o rtl i ch c r Stelle kommt man nicht weit damit. Die Regierung muß mit den Verhältnissen rechnen, wie sie tbaffächlich liegen. Thatsächlich ist die Provinz Schlesien und das übrige im Flußgebiet der Oder belegene Gebiet wiederholt von verheerenden Ueberschwemmungen heimgesucht worden und besonders im vergangenen Sommer der Schauplatz einer schweren Hochwaffer-Katastrophe gewesen. Vor dieser Thatsache kann ich die Augen nicht verschließen. Sie legt mir als preußischen Ministerpräsidenten die Pflicht auf, dem betroffenen Landesteil unter die Arme zu greifen und sobald wie möglich Vor« der Handelsverträge gehe gehört vor den Reichs befürchtet hat, daß die Landwirtschaft ausfallen ich in die Vertrags kehrungen gegen eine Wiederholung derartiger berhängniSoollcr Ereignisse zu treffen. Die königliche Regierung hat ihren grund- s ätz lichen Standpunkt der Behandlung der loasserwirtschaftlichen Vorlage nicht aufgegeben und braucht ihn nicht zu verleugnen. Ich glaube auch heute, daß die Herstellung eines z u s a m m c n- hänge n d e n und wirklich leistungsfähigen Wasserstraßcnnetzes im Interesse der Gesamtheit liegen würde. Aber nach den Ereignissen des vergangenen Sommers glaubt die Regierung, daß von allen loasserwirtschaftlichen Fragen diejenige des wirksamen Schutzes gegen Hochwassergefahr ail der Oder, Havel und Spree die dringendste ist. Wo die Rot am größten ist, muß die Hilfe anr nächsten sein. Indem sie die Bedürfnisse des Ostens in erster Linie berücksichtigt, hofft die Regierung, daß das hohe Haus die berechtigten Verkehrswünsche des Westens anerkennen wird und aus Gründen der ausgleichenden Gerechtigkeit auch ihrer Erfüllung zustimmen wird. Ich hoffe, daß es gelingen wird, eine Streitfrage, die nur zu lange und in mehr als einer Richtung hemmend und störend gewirkt hat, durch ein allgemein annehmbares positives Ergebnis aus der Welt zu schaffen. Herr Richter hat mir vorgelvorfen, ich hätte die Waffen gestreckt vor den Agrariern, der Mehrheit dieses Hauses. Dieser Vorwurf berührt mich eigentümlich aus dem Munde des Herr« Slbg. Richter, der doch ein liberaler, ein konstitutioneller Mann sein loill,(Sehr gut! rechts.) Das zeigt wieder einmal, daß das Temperament, die Lust am Herrschen, der Eigen- Wille stärker ist als alle Theorien und alle Doktrinen. ?jfch habe immer das dunkle Gefühl gehabt, daß ich eigentlich viel liberaler und konstitutioneller bin als der Herr Abg. Richter.(Große Heiterkeit.) Ich halte es für die Pflicht des preußischen Minister- Präsidenten, zu thun» was ihm niöglich ist, und eine Entfremdung zu verhindern zwischen der Regierung und denjenigen staatserhaltende» Faktoren, die gemeinsam mit der Regierung die Grundlage abgeben sollen, auf welcher die preußische Monarchie aufgebaut ist.(Lebhaftes Bravo I rechts.) Gerade jetzt in unsrer Zeit halte ich es doppelt für meine Pflicht, zu thun. was von mir abhängt, damit diese beiden Faktoren zusammengehen können. Wenn zum Schaden des Landes ein solches Zusammengehen vereitelt werden soll, so soll vor dem Lande und der Geschichte die Verantwortung dafür nicht mich treffen. Auf die Frage der Kündigung ich in diesem Hause nicht ein, sie tag. Wenn Graf Limburg-Stirum Handelsverträge zum Nachteil der könnten. so erwidere ich, daß Verhandlungen eingetreten bin mit derselben Absicht, nur der ich seiner Zeit in die Z o l l t a r i f- A k t i o n eintrat, mit der Absicht, für unsre Landwirtschast soviel durchzusetzen als die Rücksicht auf die andern Erwerbszweige und das Gemein- wohl irgendwie gestattet. In Bezug auf die Mittelstandspolitik hat Graf Limburg-Stirum gegen den Grasen Posadowsty unberechtigte Vorwürfe erhoben. Graf Posadowskh wie ich haben Interesse und Verständnis für die Kräf- tigung des kleinen Handwerker- und des Bauernstandes, Diese Streife stellen einen bedeutsamen Faktor dar, dessen Pflege für uns_ von allergrößtem Interesse ist. Aber wir können die wirtschaftliche Entwicklung nicht zurückschrauben. Es ist die Pflicht der Regierung, ausgleichend einzugreifen, soweit die wirtschaftlich Schwachen sich aus eigener Kraft nicht mehr behaupten können, Diese Pflicht hat die Regierung durch die Handwerker- Gesetzgebung genügt und wird ihr weiterhin genügen, Herr Richter meinte, unsre Parteipolitik erreiche das Gegenteil des Gewollten. Dann würde sie doch aber von den Polen nicht so lebhaft bekämpft werden. Ohne unsre Maßnahmen hätte die großpolnische Agitation noch größere Fortschritte gemacht, Wäre durch die bisherigen Gesetze nichts erreicht, so müßte man sich fragen, nicht ob diese Gesetze abzuschaffen, sondern ob sie noch zu verschärfe» sind. Wir werden unsre Ostmarken- Politik ruhig und konsequent fortsetzen. Besonders in Oberschlesien hat die großpolnische Agitation immer mehr einen antipreußi- ) ch e n und antideutschen Charakter angenommen. Ich berufe mich auf das Entstehen des„Gornoslazak", aus die Begründung einer polnisch-socialdcmokratischen, durch die „Gazeta Robotnicza" vertretenen Partei und auf die Bekenntnisse der früher intransigcanten Katolik-Partei. Die großpolnische Agitation in Oberschlesien verfolgt die Absicht, die dortige Bevölkerung wirt- schaftlich und politisch vom Deutschtum abzulösen und so eine Brücke von Krakau nach Posen für das Polentum zu schlagen. Um so größeren Wert müssen wir auf die Erhaltung deS Deutschtums in diesem Lande deS Eisens und der schwarzen Diamanten legen. Eine besonders ernste Gefahr bietet die gehässige Hervorkehrung des GegeusntzeS zwischen der polnischen Arbeiterschaft und de» deutschen Unternehmern, besonders iin Falle von Verwicklungen. Die Verhältnisse in Oberschlesien liegen in vieler Beziehrmg anders als in Posen und Westpreußen, Der Ministerpräsident er- örtert die politische Vergangenheit der Provinzen Posen und West- Preußen einerseits und Oberschlesiens andererseits. In Oberschlesicn gehen die polnische und die socialdemokratische Agitation Hand in Hand in der Feindschaft gegen jede Autorität, gegen Monarchie und vaterländische Gesinnung. Wir werden in Obcrschlesie» zwar ebenso energische und nachhaltige, aber doch andere Maßnahme» ergreifen vliisscn als in Posen und Westpreußen, Darüber werden sich die beteiligten Minister im einzelnen auslassen. Allerdings verinag ich die inir von verschiedenen Seiten anempfohlenen Repressivuiaß- regeln auf dem Gebiet des Bereinsrechteö und der Polizei nicht als Allheilmittel anzusehen. Ein guter Freund der oberschlesischen Verhältnisse sagte mir einmal, das komme ihnr vor, wie die Bett- decke, die fich einer über die Ohren zieht, um lveiter schlafen zu können und den Kampf des Tages mcht zu sehen. Die führenden Deutschen in Oberschlesien müssen aber auch mehr als bisher selbst die Hände rühren. Mit Resolutionen und Anrufen der Regierung ist es nicht gethan. Der gegenwärtige Oberpräsident von Schlesien ist ein durch Kenntnisse und Charakter gleich hervorragender Staats- mann. Wenn der ihm zur Verfügung stehende Dispositionsfonds für den Regierungsbezirk Oppeln nicht ausreichen sollte, so werde ich für seine Verstärkung sorgen. Die Regierung wird die Deutschen in Oberschlesien nicht im Stiche lassen, damit das Land ein preußisches, ein deutsches Land bleibe.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Bachem(E.): Es ist verwunderlich, wie angesichts diese? günstigen Etats der Finanzminister erklären konnte, er wisse nicht, woher er die Mittel nehmen solle, wenn im Reich wieder eine Zuschußanleihe notwendig würde. Wie konnte er einen so schlechten Schein ans die preußische Finanzverwaltung fallen lassen? Preußen hat einen viel sichereren finan- ziellen Rückhalt als das Reich. Bei der wachsenden Verschuldung des Reiches uiuß unbedingt zur Zeit das Finanzinterefse des Reiches an die Spitze treten, das Preußens zurücktreten, An dem wirtschaftlichen Aufschwung ist leider die Landwirtschaft nicht beteiligt. Ihr geht es nach wie vor schlecht.(Zustimmung im Centrum und rechts.) Meine politischen Freunde wünschen einmütig, daß ihre Interessen gebührend gewahrt werden. Auch in Berlin wird ja über schlechte finanzielle Vcr- hältniffe geklagt: aber nur aus politischen Gründen. Mit Iflv Proz. Zuschlag zur Staatseinkommensteucr kann man eS noch aushalten. Ich verstehe ja, daß man es unbequem enrpfindct, wenn durch Erhöhung des Zuschlags über 100 Proz. die Staatsaufsicht in Aktion trrtt. Aber auf viel Mitgefühl im Lande hat Berlin dabei nicht zu rechnen; im Lande bezahlt»ran viel höhere Stcuerzuschläge. Es war ein hartes Wort des Futanzministers, daß die Gehalts- aufbesserung der Beamten als abgeschlossen an- zusehen sei. Bei der g ü n st i g e n Finanzlage wird dies Wort im Lande viel Enttäuschung hervorrufen. Ich will nicht eingehen auf die Handelsverträge, auf den Streik in Crimmitschau und die Mittelstandspolitik, Wenn keine unbedingte Not- wendigkeit dagegen spricht, so halten meine Freunde daran fest, daß das Abgeordnetenhaus nicht in die Kompetenz deS Reichstags ein- greifen soll. Der Finanzminister hat sich zur großen Verwunderung weiter Lrci.se über die Syndikate, besonders das Kohlen- und das Stahlwerks-Shndikat, so lohend ausgesprochen, wie wohl noch niemals ein Regicrungsvertretcr. Viele Leute denken ganz anders als der Minister. Wenn Herr v, Rheinbabcn die Syndikate so unbedingt lobt und für unerläßlich erklärt, so ist er auch verantwortlich für ihr Geschäftsgebahren,(Sehr richtig! im Centrnin.) In erster Linie ist es die Aufgabe der Staats- Verwaltung, die Interessen der Konsumenten zu wahren. Der Minister muß sich einen bestimmten Einfluß auf die Syndikate ver- schaffen durch ein S y n d i k a t s g e s c tz und eine geordnete Staats- aufsicht über die Syndikate. lieber die neue Kanalvorlage muß das Haus in erneute, sorg- fältige Prüfung eintreten. Man muß sich klar darüber sein, daß der Bau der Strecke vom Rhein nach Hannover präjudizirrend wirkt für den Wcitcrbau bis zur Elbe. Die Industrie verlangt mit Recht billigere Frachten, aber die Landwirtschaft kann beanspruchen, daß das, was der Industrie zu gute kommt, ihr nicht zum Schaden gereicht. Man muß auch genau überlegen, welche Rückwirkung die Wasser- wirtschaftliche Lorlage auf unsre Finanzen haben wird, Specielle Stellung können wir erst nehmen, wenn die Vorlage in ihren Einzelheiten uns zugegangen sein wird. Die Forderung des Grafen Limburg nach Erhebung von Abgaben auf den großen Strömen wird besonders in meiner rheinischen Heimat sehr wenig Gegenliebe finden, Im Etat stehen 10 600 000 Mark für die direkten Ausgaben der Ostmarkenpolitik, ferner noch viele andre Posten, die unter der Hand dasselbe verfolgen. Wir erklären uns nach wie vor im Interesse der socialen Gerechtigkeit und verfassungs- mätzigen Gleichheit bestimmt gegen die Polenpolitik der Regierung, Selbst Graf Kanitz hat im Reichstag ja das Fiasko dieier Politik zugeben müssen, und die Ostmarkenzulage für die Postbeamten wird, wie iir der Budgetkommission, so auch im Plenum des Reichstags abgelehnt werden. Allerdings verlangen wir als gute Preußen von unfern polnischen Mitgliedern, daß sie sich der sogenannten groß-polnischen Bestrebungen enthalten(Zustimmung im Centrum) und ihre Pflicht als preußische Staatsbürger erfüllen, Auch wir empsinden die Erfahrungen in Oberschlesien schmerzhaft, aber gerade diese Erfolge der Radikalen und Socialdemokraten sind eine Folge der verkehrten Polenpolitik der Regierung,(Sehr richtig! im Centrum.)— Das preußische Drciklassen-Wahlfystem haben wir stets bekämpft, wir sind nach wie vor bereit, alle vernünftigen Bor- schlüge zu prüfen. Selbst Vorschläge zu machen, dazu, sind wir nicht m der Lage, dazu bedarf es umfangreicher Er- Hebungen, die Sache der Regierung sind. Daran ist nicht zu denken, das Reichstags- Wahlrecht einfach auf den Landtag zu übertragen. Wir betrachten das Rcichstags-Wahlrccht nicht als Ideal, und wir wissen alle, welch ein Mißbrauch mit diesem Wahlrecht getrieben wird! Wenn aber eine Reform kommt, die einen Mittelweg geht, so darf sie sich nicht auf Flickwerk beschränken, sondern muß gründlich sein und vom socialen Standpunkt aus- gehcm Sehr unangenehm berührt sind meine Freunde dadurch, daß die Thronrede ausschließlich materielle Fragen erwähnt, von socialen und ideellen Dingen ist in ihr keine Rede, Nichts ist für das deutsche Volk]o wichtig wie eine christliche Volks- schule�(Sehr richtig! im Centrum,) Seit lange warten wir auf ein Schulunterhaltungs-Gesetz, auch diesmal wieder ist es in der Thronrede nicht angekündigt. Es ist dieS die wichtigste Aufgabe, die unser Kultusministerium zu lösen hat. Heute herrscht ein Pessi- mismus, der eine ideale Weltanschauung für ganz unmöglich hält. Vom Pessimismus auf religiösem Gebiete ist man fortgeschritten zum Pessimismus auf moralischem Gebiete, Ihre Spitze richten all diese Bestrebungen gegen jegliche Autorität, kirchliche und staat- liche, vor allem gegen die heute führende» Stände. Tritt aber die Demokratie an die Stelle der führenden Stände, dann haben wir führende Individuen an Stelle der führenden Stände, und bei diesen ist eine ruhige Entwicklung viel weniger gewährleistet, als wenn alte bewährte Stände an der Spitze sind, die durch ihre alten Ueberlieferungen einen festen moralischen Halt bieten.(Bravo! rechts� In diesem Jahre können ivir ein Schulgesetz nicht mehr erledigen, ich hoffe aber, daß der andtag iin nächsten Jahre so zeitig einberufen wird, daß wir ein Unterrichtsgesetz zu stände bringen können. An unsrer vollen Hiu- gäbe an diese Aufgabe soll es nicht fehlen.(Lebhaftes Bravo! im Centruni.) Finanzminister Freiherr v. Rheinbabcn: Ich gebe dem Herrn Vorredner zu, daß sich in weiten Kreisen der Litteratur und Presse ein zunehmender Pessimismus und Materia- lismus geltend macht, die Regierung stimmt auch init ihm voll ständig in dem Wunsche«bcrein, unsre christliche Schule und Er ziehung zu erhalten.— Dem Wunsche nach einer Revision unsrer Polen- Politik werden wir keine Folge geben.(Bravo I rechts.) Nicht die Regierung hat durch ihre Politik die polnische Agitation hervorgerufen, sondern die großpolnische Agitation ist künstlich hineingetragen worden und hat an Schärfe immer zugenommen,— Was die Syndikate anlangt, so giebt es für ihre Nützlichkeit oder Schädlichkeit keine Formel, Es kommt auf ihre Wirlsamkeit, vor allem auf die leiten- den Personen an.— Herr Richter hat von unsrer finanziellen Lage ein Bild entworfen, von dem ich wünschte, daß es zuträfe. Er hat aber ganz vergessen, die Zunahme der Schulden in Betracht zu ziehen. Wir halten diese sogenannte Thesaurierungspolitik für die einzig sichere Grundlage unsrer Finanzen. Kultusminister Dr. Studt: Gegen die Behauptung des Herrn Richter, daß die preußische Volksschule nicht mehr auf der Höhe steht wie früher, muß ich entschieden Verwahrung einlegen. Unser BolkSschnlwesen erfreut sich, soweit dies überhaupt durchführbar ist, eines günstigen Standes, das beweist schon die Thatsoche, daß häufig ausländische Gelehrte nach Deutschland kommen, um die Vorzüge der preußischen Volksschule zu studieren und andren Ländern zugänglich zu machen. Insbesondre ist die Zahl der Lehrer- Bildungsanstalten erheblich vermehrt worden. Zu der Frage eines Bolksschuluiiterhaltnngs-GcsetzcS habe ich folgendes zu erklären. Die Staatsregierung hält nach loie vor die Beseitigung der bestehenden Härten und der Rechtsunsicherheit auf dem Gebiete der Unterhaltung der Volksschulen für geboten. Sie ist daher fort- dauernd bestrebl gewesen, eine Lösung dieser gesetzgeberischen Auf- gäbe unter thunlichster Vereinigung der widerstreitenden Interessen zu erreichen. Bei der Vorberatung eine? diesbezüglichn Gesetzentwurfs haben sich erneute Prüfungen über die finanziellen Wirkungen deS Gesetzes als notwendig erwiesen, insbesondere auch darüber, ob es sich nicht ermöglichen ließe, für die Schulbaukosten, die in unbestimmten Zeit- räumen auftreten, dann aber so hoch sind, daß sie die Leistungs- fähigkcit vieler kleiner Gemeinden übersteigen, durch eine Art Bau- Versicherung einen Ausgleich herbeizuführen. Bei dieser Sachlage war cS nicht möglich, schon im gegenwärtigen Stadium das Gesetz vorzulegen. Ich hoffe aber, daß es gelingen wird in naher Zeit, thunlichst schon in der nächsten Session dem Landtag den Entwurf eines VolkSschlllunterhalttmgs-GesetzeS vorzulegen.(Bravo! im Centrum.) Daß das Centrum gewillt ist, auf ein Gesamtschnlgesetz, wie es in der Verfassung vorgesehen ist, zu Gunsten eines solchen Volksschul- unterhalttmgs-Gesetzes zu verzichten, erleichtert unsre Aufgabe wesentlich. Nach dem Abg. Bachem soll an den Verhältnissen in Oberschlesien die Schulpolitik der Regierung schuld sein. Ich aber weiß, daß seit 1863, wo ich dort war. die großpolnische Bewegung vorbereitet worden ist und ihre Ziele mit eiserner Konsequenz verfolgt hat. Gerade diejenigen, die von jeher unsre Warnungen leicht genommen haben, müssen jetzt überrascht sein.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Fricdberg(natl,): Die Lage der Landwirtschaft ist noch immev sehr trübe, nicht nur wegen der niedrigen Preise, sondern auch wegen der Leutenot, die dilrch Rentengüter bekämpft werden sollte. Gerade im Interesse der Landwirtschaft wünsche ich das baldige Zustandekommen neuer Handelsverträge- Auf die Frage der Kündigung der be- stehenden will ich nicht eingehen: jedenfalls könnte es die Regierung vor dem Lande nicht verantworten, den Maximaltarif in Kraft zu setzen. Das Recht zur Erörterung dieser Fragen hat der Landtag zweifellos, denn die preußischen BundeSratsmitglieder müssen un? Rechenschaft ablegen,(Sehr richtig! bei den Natt.) Bei der Einkommensteuer fragt sich, ob man die unterste» Stufen nickst den Gemeinden überweisen soll. Das Kommunal- abgabcn-Gcsetz muß reformiert werden: heut lverden die Kommunen vom Staate geradezu ausgebeutet, Ist es wahr, daß man jetzt sogar die Universitätsstädte zu den Kosten dieser Anstalten heran- ziehen will? Wenn der Fideikommißstempel, wie verlautet, ermäßigt wird. warum setzt man nicht den Stempel für wohlthätige Stiftungen herab? Wenn die verringerten BergwerkSelnnahmcn aus gestiegenen Löhnen herrühren, bin ich zufrieden. Aber warum beschleunigt die Regierung die Anlage neuer Schächte nicht. Der Finanzminister soll der Onkel der Eisenbahnen sein. Aber man liebt nicht die Onkels, die nur gute Ratschläge haben und ihr Portemonnaie nicht- aufmachcn.(Große Heiterkeit.) In der sehr wichtigen Tariffrage ist unser preußisches System rückständig, Für die Beamten müssen Lücken im Besoldungssystem noch auS- geglichen werden, für sie ist auch die Wohnungsftage von ungemeiner Wichtigkeit, Die Forderungen für die Ostmarkenpolitik der Regierung be- willigen ivir gern. Wir halten es für die nattonale Pflicht der bürgerlichen Parteien, die Stellung deS Deutschtums gegenüber de« Polen auf jede Weise zu stärken,(Bravo! bei den Nationalliberalen und rechts.) Graf Limburg-Stirum warf uns verhetzende Wahlagitation vor. Wer im Glashause sitzt, der soll nicht mit Steinen werfen l(Unruhe rechts.) So wurde unser Freund Wamhoff, gewiß ein verständiger Mann und ein praktischer Landwirt, in einem konservativen Wahlflugblatt als ein„Landwirtschaftsfeind" bezeichnet, durch desien Aufstellung man einen Schlag gegen die landwirtschaftliche Bevölkerung führen wolle!(Lärm rechts. Hört I hört! bei den Nationalliberalen.) Im Wahlkreise Äolberg-Köslin wurde Dr. Barth sogar von kon» servativer Seite des«ttmmenkanss beschuldigt. Das ist doch ein Vorwurf, der nicht nur die private Moral trifft, sondern ein Ein- schreiten der Staatsanwaltschaft aus Gründen der öffentlichen Moral rechtfertigte!(Große Unruhe rechts, Zustimmung links.) � Was die Kanalvorlage anlangt, so treten wir im Interesse des Verkehrs unbedingt für den Ausbau unsrer Wasserstraßen ei». Leider hat Graf Bülow die Stellung der Regierung zur Kanalvorlage gegenüber den erhobenen Angriffen nicht so prägnant verteidigt, wie er sonst wohl zu reden gewohnt ist. Er drehte sich im Kreise herum und schloß mit einem Vorwurf gegen de« Abg. Richter, dessen mangelnden Äonstitutionalismus er tadelte. Graf Bülow scheint den Konstitutionalismus in der unbedingten Kapitulatton vor der Mehrheit zu sehen. Diese Auffassung stellt vielleicht den cnglisch-amcrikanischen, nicht aber den deuffchen Konstituttona lismus dar. Die neue Kanalvorlage hat uns eine schwere Enttäuschung bereitet, weil sie den großen Grundgedanken einer durchgehenden Verbindung vom Westen nach dem Osten auf- giebt. Gerade in diesem Gedanken lag die wirtschaftliche und auch die strategische Bedeutung der Vorlage, Gegen die Einführung von Wailerstraßen-Abgabe» müssen wir uns mit Bestimmtheit wenden,— lieber die Erklärung deS Herrn Ministers in Bezug aus das Schuldotationsgesetz fteue ich mich: wenn sie auch etwas verklausuliert war, so hatte sie doch den erfreulichen Zusatz, daß das Gesetz in der nächsten Session jedenfalls zu erwarten ist. Wir bedauern, daß nicht in Aussicht gestellt sind eine Ab- änderung deS Bcrcinsgcsctzes und des Wahlgesetzes. Der Zustand. daß wir bei Versammlungen die Damen etwa wie die Frauen deS Harems in einen besonderen Raum verweisen müssen, ist nicht länger haltbar. Ebenso sind die Zustände unter dem jetzigen Wahlgefttz unerträglich, Wahlkreise, in denen 3000 Wahlmänncr zur Wahl zu- sammcnkommen müssen, sind unmöglich. Es darf auch kein Wahl« system aufgebaut sein auf Steuern, die gar nicht gezahlt werden. Herr Bachem hat bewegliche Klage angestimmt über Verwilderung des sociale!� Lebens und der Litteratur. Er sprach auch von den führenden Ständen. Das klingt so feudal. Ich habe Herrn Bachem bisher immer für einen großen Demokraten gehalten,(Große Heiterkeit links.) Ich kann nicht zugebe». daß es führende stände im eigentlichen Sinne des Wortes noch giebt. Zn den führenden Ständen gehören alle, die für die Gc- iamtheit etwas Tüchtiges leisten.«Bravo! bei den Rational- liberalen.) Eine gewisse gesunde Demokratie kann unsrem Pater- lande nichts schaden. Sticht die polittsche Demokratie m.-we ich, welche die Herrschaft in die Massen legt, für die werden wir wohl nie reis sein, sondern die gesellschaftliche Demokratie, die jedem den Zugang zu jedem Beruf, zu jedem Staatsamt offeu läßt, die frei ist von jedem Feudalismus. Graf Caprivi hat seiner Zeit das sehr richtige Wort geprägt: Die Staatsverwaltung soll so geführt werden, daß jeder in der Lage ist. seinem Vaterlandc mit Kopf und Herz zu dienen.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) Das Haus vertagt hierauf die Weiterberatung auf Montag 11 Uhr, Schluß tf/i Uhr.____ Allgemeine Familien-Stcrbekaffc zu Berlin. Heule Zahltag: Ackerstrafee 123 bei Diele und Mariannenltr. 1ü bei Liebehenschel von 3— ö Uhr, Arbeiter-Samariterkolonne. Morgen Montagabend 9 Uhr Uebungs- stunde in der Centtale, Dresdcnerstr, 15. Vortrag über Vergistungen, Nachher praktische Hebungen, Reue Teilnehmer können in den UebimgSstunden ein- treten, Gäsle haben einmaligen freien flutritt, Eintrittsgeld sowie Monats- bcitrag 25 Ps. Reichhaltige Bibliothek für die Teilnehmer unentgeltlich,— Heute vormittag 1 1 Uhr: Besichtigung des Pathologischen Museums cun Alcxandcr-Ufer. Um II3, Uhr im Hörsaale des Instituts: Vortrag mit Demonstrationen an Präparaten über Schädelbrüche, Gehirnblutungen, «chlagansälle usw. Vortragender: Herr Dr. Kaiscrling, Bekanntmachung. Eine anhervrdcntliche General- Versammlung der Orts-ßriulkliise UGewertohetrieli tler Kaulleute, Handelsleute und Apotheker findet statt am 11846 Montag, 1. Febr., abds, 8'/, Uhr, in den Inilu«tris.5osts»Ion, Beuthstr, 19/20. T a g e s- O r d ii u n g: t. Be- willigung der Mittel zur Erbauung einer Heilstätte. 2, Beschlutziasiung über verschiedene Perträge, Ibei- Vorstand. R. Nürnberg, Vorsibendcr, H. Philipsohn, Schristsührer, Kranken- und fiegräbniskasse des Vereins der deutsehen Kutscher und verw. Berufsgenossen zu Berlin. (Eingeschriebene Hilsstasse Nr, 83.) Ansserordentllchc General-Versammlung am Montag, d. ÄL. Februar 1SV4. abends 9 Uhr. bei ttunfc. Große Franksurterstr. 47. 1 Tr. ver Vorsteller. G. Alisch, 12316 Schmidstr, 9. Kranken- und Sterhekasse aller geweriiliehen Arbeiter für Sehönelienj u. Berlin. lÄf Sonntag, den 31. Januar, vormittags 10 Uhr: General-Versammlung im Lokale des Herrn Krüger, Grunc- waldstr, 110. Tagcs-Ordnung: t, Bericht des Vorstandes, 2, Jähr- lichcr Kassenbericht. 3, Neuwahl des GciamlvoislaiideS, 4. Verschiedene Kassen angelegciihciteu, Mitgliedsbuch legitimiett, Um pünktliches Erscheinen ersucht 285/9» Der Borftand. Preise• beliebige Deil- zahlnng. Olga Jacobson, s,™«. Immlgs-Krankeukasse der Tifchler-Jnnnng. Montag, 1. Febr., abds, 7>/. Uhr: Aufterordentlichc General- Versammlung der Vertreter der Kaffenmitgtieder und der Jnnungsmitgtiedcr im Gewerkschaftshause, Engel-User IS. Tages-Ordnung: t. Der Erlas; deS Herrn Oberpräsidenten vom >7. Dezember 1903 über die Festsetzung der Beiträge, 2> Vortrag deS Herr» Dr. Lennhoff. 3. Wabl eines Bureauarbeiters. 4. Verschiedenes. 1158b Der Vorstand, Dritter Wahlkreis. Dienstag, den 3V. Januar, abends HlU Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstrafte 20: Generalversammlung des Wahlvereins. TageS-Ordnung: Bericht und Abrechnung vom letzten Quartal. Ergänzungswahl des Vorstandes. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Hax Schlppel über:.Ter Plan eines mittcleuropaikchen Zollvereins." Drskussion. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches Erscheinen erwünscht ,• v. Ter Borstand. Mitglieder werden m der Versaiiimlung und in solgcndcn Zahlstellen aus- genommen: Gottfried-Schulz. Adiniratstr. 40a(Kottbuser Thor). Wil- beim Börner. Rittcrstr. 15. Martin Mcscha. rtdalbertstr. 24. Eingang Engel-User. Emil Göttc, Brandcnburgstr. 18. Adolf Flick, Simeon- ftraße 18. Ernst Lier. Alte Jalobstr. 11?. Franz Krüger. Naunhnstr. 54. VI. VfakIIti'vis. (Tvkönksusvn Worsladi,) Sonntag, den 24. Januar 1904, abends 5 Uhr, im„Jägerhaus", Schönhauser Allee 103: Vensmmlung für Wimer und Tranen. TageS-Ordnung: 1. Dritter Vortrag des Genossen Ssrtels über:„Das Erfurter Programm". 2. Diskussion. Nach dem Vortrage: Clcmiitllclies Ileisammenscin. 246/5 Au zahlreichem Besuch dieser Versammlung ladet ein Der Bertrauensman». Mittwoch. 27. d. M.. abends 8'/. Uhr. bei Keller. Koppeustr. 29: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom IV. Quartal. 2. Bericht dcS Vorstandes, dcS Arbeits- Vermittlers, Bibliothekars, der Kontrolltommission und des Gauvorstandcs. 3. Ersatzwahlen zur QrtSverivaltung und Wahl dcS Gauvorstandes. 4. Auf- stellung der Kandidaten zur Delegation zum Verbandstag in Leipzig. b. Verbandsangclegenbeiten. StF* Eintritt nur mit Mtgliedsbuch."ÖS Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht 78/13« 01« OrtsTerwaltnng. NW Eiusetzer. Dienstag. 26. d. M. abends 0 Uhr. bei Feuerstein(oberer Saay, Alte Jakobstr. 75: iosserorileiitliebe Versammluiig der Einsetzer Berlins und Umgegend. Tages-Ordnuug:„Unsrc Lohnbewegung". Btf Es ist Pflicht, daß jeder Kollege pünktlich erscheint.~6Wg Dienstag, den 26. d. M.. abends 8 Uhr. im Gewerkschaftshause, Engcl-Ufer 15(Saal VII): Branchen-Versammlung der Ladentischler. TageS-Ordnung: 1.„Die gegenwärtige Lage in unsrcm Berus". L. Diskussion. 3. Verbandsangelcgcnhcilen. HM" ES ist Pflicht aller in der Branche der Ladentischler beschäftigten Kollegen, zu dieser Versammlung zu erscheinen. MUmg! KorbmachePe Achtung! Montag, den 25. d. M., abends 8'/, Uhr. im Gcwerkschaftshaufe, Engcl-Ufer 15(Saal Iva) llitglieder-Versammliiiig Tage s-Ordnung: Branchenangelegcnheiten und Verschiedenes. Am 1. Februar findet eine austerordcntliche Berfammlung statt, ivozu der Genosse RcichStags-Abgcordneter Schöpfltn das Referat übernommen hat. Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Kommission. Montag, 25. d. M.. abends 8'/. Uhr, im Lokale des Herrn Pfeffer, Skosenthalerstr. 57: BmHninliiiig der Bürsten- Ii Pioseliclier. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen O. Klinger. 2. Vcrbandsangelegenhcitcn. 2. Verschiedenes. 3. Ausnahme von Mitgliedern. Um recht zahlreiches Erscheinen der Kollegen ersucht vi« Branchenkominlsalon. Süderrahmenmaeher. Montag. 25. d. M.. abends 8-/, Uhr. bei Voigt. Ritterstr. 75: Snsnvken-Vvnssmmlung. �1 Der wichtigen TageS-Ordnung wegen ist das Erscheinen aller Kollegen Notwendig.— Ebendaselbst um 7�/. Uhr: KommiHsions-�ltziiiig. Pünktliches Erscheinen notwendig._ Der Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltangsatellc Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV. 3353. 'Achtung! SchtOSSei*. Achtmtg! Montag, den 25. Januar, abends 8 Uhr: AdMtinc Ntrslimmlunl! der Schlnffkr Berlins und Umgegend im Lokale von Basgenliagen, am Moritzplatz(großer Saal). Tagesordnung: Wie bringen wir ulzsern Tarif zur Anerkennung? Kollegen! Da in vielen Betrieben der Tarif nicht innegehalten wird und der Absatz 3 nicht so wiedergegeben ist als vereinbart, so ist es dringend notwendig, dag wir ip öffentlicher Versammlung darüber beraten, welche Schritte untcriiomnlcn werden sollen, um den Tarif zur Anerkennung zu bringen. Darum erscheint Mami sür Mann in der oben genannten Versammlung I, Iw/ll Die Ortsvcrwaltnng. I. A.: L u b a t s ch. «Ii #• ■Verwaltungsstelle Berlin. 20/4 Dienstag, den 26. Januar 1904, abends 8'/- Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-User 13. Saal 1: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. GcschästlichcS. 2. Entgegennahme der Rcchenichastsbcrichte. 3. Reu- jbqM des ilokaloorstandcs sowie der einzelnen Kommissionen. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Oer Vorstand. Arfjfnng! Modelleure. Achtung! Donnerstag, den 28. Fanuar, im Gewcrkschaftshaufe: Branchen-abenil. ■U\\ Filiale Berlin. Dienstag, den 26. Januar, abends 8'. llhr. in den Lnna-Sälcn, Stcuc Königstrastc 7: Geueral-Nersammwng. Tages- O r d n u» g: t. Bericht des Vorstandes. 2. Stellungnahme zmn Heimarbciterkongreß eventuell Wahl von Delegierten. 3. Vicrtcljahrcsbcricht des Kassierers. 4. Bericht des Arbcitsvcrmitllers. 3. Rcuivabl der örtlichen Verwaltung. 6. Stellungnahme zum Vcrbandsstalut. 7. Verlchiedencs. 'Der wichtigen Tagesordnung wegen ersucht um pünktliches und zahl reiches Erscheinen Der Vorstand. I. A.: Paul stelier, Grcisswaldcrstr. 218. 8onnabenci. äen 27. fcbruar 1904 Kostüm-Fest Ein Sonmerlag in Luddewitz in den Sekamtraumen der Brauerei fncdrichsbäin(fr. Lipps) Anfang 8 Uhr 59 Minuten. Eintritt-/. Mark. Billcts sind zu haben beim Vorsitzenden P. Keller, Grcisswaldcrstr. 218 vorn II; Kassierer W. Eue, Königsbcrgerstr, 21 Part.\ C. Hergt, Landwehr strasic 1 Part.; Karl Eck, Kastanien-Allee 56; M. Stanowski, Höchstcstr. 48 Hos I; Fr. Hahnhold, Qderbergerstr. 37 I; M. Zomke, Neu-Wcisicnsee, Wilhelmstr. 47a I; Frau Schmidt, Charlottenburg, Wilmersdorserstr. 130 PI.; J. Ziemann, Moabit, Stcndalcrstr. 23, sowie in allen Zahlstellen. 251 K I. A.:\N. Eue Central- Krankenkasse der Maurer zc. „Grundstein zur Ciuigkeit". Sonntag, den 31. Januar 1904. vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause: pF" V e i* s a in sn 1 ii n g. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1903. 2. Neuwahl des ersten Kassierers zweiten Bevollmächtigten, zweiten Schrisfführcrs und zweier Revisoren� 3. Kassenangelcgcnhciten. 149/1 Mitgliedsbuch legitimiert. Die örtliche Verwaltung Verband der Kursehner Berlins und Umgegend. Geschäftsstelle und Arbeitsnachweis: Mendelssohnstr. 9. Tel. Amt 7a. 6071. Täglich geöffnet von 9—1 und von 3—7 Uhr uachmittags, Sonnabends bis 9 Uhr abends. Montag, den 25. Januar, abends 8�/, Uhr, im Alten Schübenhause, Linicnstraste 5: MUgAtedSr- Versammluiig. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal und vom Hcrbstvergnügen. 2. Bericht über den Arbeitsnachweis. 3.. Stellungnahme zur Zeitungssrage. 3. Ver- schiedcncs. 102/2 Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. IS Militärschneider. MM Montag, den 25. Januar, abends 8'/, Uhr. in den Arminhallen, Kommandantenstrasze Nr. 20: Versammitinx. Tagesordnung: 1. Die Situation in der Militärbranche«nd die hieraus der Kollegcuschaft erwachsenden Berpflichtnnge». 2. Diskussion. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen und außerdem für einen guten Besuch der Versammlung zu agitieren. 162/2 Der Einberufer. Verein deutscher Schuhmacher. Montag» den 25. Januar, abends S'h Uhr, bei Merkowski, Zlndreasstraste 26: Versammlung äer Kall" und Keise-Schuhmachei'. TageS-Ordnung: 1. Neuwahl der Branchenvertrctung. 2. Der Heimarbeiterfchutz-Kongreß. 3. Verschiedenes. 169/5 Bl« Verband der Sattler. Ortsversvaltnng Berlin. Bureau: GewerkschastShaus, Engel-User 15, Zimmcr22. Fernsp. Amt4 Nr. 6076. Mittwoch, den 27. Januar 1904, abends S'/a Uhr: Mitglieder- Nvrsammlung in den„Arminhallen", Kommandanteiistraße 20(großer Saal). Tages-Ordnung: 1. Bericht und Abrechnung vom vierten Quartal 1903. 2. Vortrag des Genossen Barl Zlii«I<«:„Die Konsum-Gcuostenschaftsbcwcgung." 3. DiSkuision. 4. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung legitimiert das Mitgliedsbuch. Die Versammlung wird pünktlich um 8'/. Uhr eröffnet. 156/5 Bl« Orts Verwaltung. Sonnabend, den 13. Februar 1904; Mienen Masken SaU in den Gesamtrüumen des Gewerkschaftshanses, Engcl-Ufer 15. Während der Kafseepause: 'kke ttlfee öucepels IN idrem sensationellen Teutelsatt. Anfang 8 Uhr. iV Entree 50 Pf. Um zahlreiche Beteiligung ersucht llas Vergnilflungskomitee. I. A.: W. Tuschlie, Mchaclkirchslr. 28,>>. v. IV. Verband der an Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 25. Januar, abends S1/* Uhr. Im Gewerbschaftshause, Engcl-Ufer 15, großer Saal: Ausserordentliche General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Berichterftaltung über die Verbandlungen mit der Ortsverwaltung des Deutschen Holzarbmer-Vcrbandes. 2. Diskussion. 3. Beschlustfassung über den Anfchlust. 4. Mitteilungen und Gewerkschaftliches. Da in dieser Versammlung die Abstimmung über de» Anfchlust vorgenommen wird, ersuchen wir um pünktliches Erscheinen samt- lichcr Mitglieder. Ohne Mitgliedsbuch wird niemand in den Saal hineingelassen. 76/2 Der Borstand. Morgen, Montag, obends 8 ZlHr, im großen Saale der„Lranerei Lriedriltishain": Uolks UerjammWng. Tages-Ordnung: 1 Schriftsteller Scnna Hoy: CriMNtttschlM. 2. Freie Diskussion. 235/13 WM' Zu den Unkosten 10 Psennig. Männer und Frauen werden zu zahlreichem Erscheinen dringend ausgesordert. Oer Einbcrnfcr: _ Schriftsteller Max Schatte, Kleine Mauerstraße 6. Rummeisburg. Soeialdemokratischer Wahlverein. Dienstag, den 26. Januar, abends S1/. Uhr, bei Neue Prinz Zllbertstraste 74: iorga». M General- Versammlung. � Tagcs-Qrdnnng: Bericht des Vorstandes.— Bericht der Gemeinde» Vertreter.— Diskussion.— Wahl eines WahlkomiteeS.— Verschiedenes. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch ersucht 8/1 Oer Vorstand. Altjwlg! Huttfiaßhciv! Altitmlg! Dienstag, den 26. Januar, abends 8 Uhr. im Saale des Herrn Wilhe, Brunnenstr. 188: Mitglieder Urrsammlung TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Stellungnahme zu den Differenzen in der �.troh- und Damenhutbranche. 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist cS Pflicht aller Mitglieder, pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Waler 1 Mittwoch, den 27. Januar 1904. abends 7'/z Uhr, in der Berliuer Ressource. Kommandantcnstr. 57: belfenMvke Versammlung. TageS-Ordnung: Neuwahl sür die ausscheidenden Mitglieder dcS Gehilfenausschusses. Abends 10 Uhr: Uersammlllug alltr im Matergemerbe beschilft. Persolltv. Tages-Ordnung: Wahl der Gehilfen- Beisitzer und Stellvertreicr zum JnnungS- SchicdS» gcricht für das Jahr 1904. 1124/3] Der Gehilsenausschnst. Natnrheilv. Reform, Heilanst.Köpnickerstr.72. Sprechst.ll— 2. 6—8. # Ktrnhlendr Mkischeii. + Heute Sonntagabend 7 Uhr, in de» Armin- halle». Kommandantenstr. 20: Lungen-, Herz-, Magen-, Nervenleiden für Männer und Frauen. Morgen Montag, abends 8'/, Uhr, Moabiter Kasino, Wilsnackcrstr. 63, für Frauen: DaS Ge» fchlechtsleben und die Ausstrahlungen des Weibes, erklärt an grasten Lichtbildern vom prakt. Natnrheilk. Orundmann. __ Gäste Eintritt nebst Broschüre 20 Pf. itatitabak. mit Decke, seine Qualität a 135 Pf. 8. Hammersteln Filiale, Vertr. Gustav Boy, 100 Berlin N., Brunnenstr. 10(1. Roh'Tabak Sumatra-Decken- Ablall» Pfd. 95 Pf., enorm billig. 38282* W. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, »-» a w-» 2. Itilap iltg Amiirls" Derlim NolksM........... 6ewcrkrchaftUcbc9» Berlin und llmzegend. Lertragöbewegimg der Vureau-Angcstellten der Rechtsanwatte und Notare Berlins. Die Berliner AnwaltSaiigestellten haben sich zu einer gemein- samcn Aktion aufgerafft. ES handelt sich um nichts weniger als um die Anbahnung eines korporativen Arbeitsvertrages. Zu diesem Zwecke schloffen sich zusammen die Mitgliedschaft Berlin des„Centralvereins der Bureau-Angestellten Deutschlands", der Berliner Ortsverein des„Verbandes deutscher Rechtsanwalts- und Notariats-Burcaubcamten(Sitz Wiesbadens", der„Verein der Bureallbeamten der Rechtsanwälte, Notare und Gerichtsvollzieher zu Berlin", der„Verein Berliner Rechtsanwalts-Vureauvorsteher" und der„Berliner Bureaubeamten-Verein". Aus den Vorständen aller dieser Vereine hat sich eine Kommission gebildet, die deil Entwurf zu einein korporativen Arbeitsvertrage ausarbeitete und ihn am 22. Januar einer Versammlung der Angestellten unterbreitete. Das cinträchtsgliche Zusammenarbeiten der fünf Berussvcreine hatte ein erfreuliches Resultat, denn noch nie hat Berlin eine derartig imposante Versammlung von Anwaltsangestellten gesehen, wie am Freitag. Der große Saal von Wendt, BeutHstr. 19, war schon lange vor Beginn der Versammlung überfüllt. Die Tische mußten hinausgeschafft werden, die Polizei sperrte ab und Hunderte, die die Treppe belagerten und bis auf die Straße hinaus standen, fanden keinen Einlaß mehr, mußten wieder umkehren. Wohl an 1000 Kanzlisten, Bureauvorsteher. Registratoren zc. waren im Saal und folgten mit großer Aufmerksamkeit den Ausführungen des Re° fcrenten G. Bauer, der nach einer allgemeinen Darlegung der Bedeutung korporativer Arbeitsverträge eingehend die Lage der Aiiwaltsangestellten schilderte und die Bestiinmungcn des Entwurfs zu einem„Regulativ zur Regelung der Arbeits- und Lohn- Verhältnisse der Burcau-Angestclllen der Berliner Rechtsanwälte und Notare" begründete. Unter anderm hob er hervor: Besondere Auf- merksamkeit verdiene zunächst das Lehrlingswesen, das ohne jede nähere Regelung sei und das zulässige Matz weit überschreite. Wenn jemand einem Lehrvcrtrage sich unterwerfe und er eine mehrjährige Lehrzeit absolviere, dann müßte auch die Garantie geboten werden oder doch begründete Aussicht für ihn vorhanden sein, nach beendeter Lehrzeit als Gehilfe und eventuell später als Bureauvorsteher Stellung zu erhalten und so eine Existenz zu finden. Das sei aber aus- geschloffen ohne eine Beschräiikung der LehrlingSzahl und ohne eine Regelung, wie sie im Regulativ(stehe unten) bor- geschlagen werde. Die Statistik beweise das. Von 1784 am 31. Dezember 1901 in Anwaltsbureaus beschäftigten. bei der Orts-Krankenkasse gemeldeten Personen waren S42 im Alter von 14 bis 16 Jahren, 388 im Alter von 17 bis 19 Jahren, zusammen also 930 jugendliche Personen unter 19 Jahren, während nur 864 Personen in höherem Alter standen. Alljährlich schieden, wie die An- und Abmeldungen der Ortskaffe ergäben, mehrere hundert Personen aus den Bureaus aus, um wieder durch neue Lehrlinge ersetzt zu werden. Dann die Entlohnung der An- gestellten. Die Statistik der Orts-Krankenkasse ergebe hier, daß von 1934 Angestellten nur 354 ein Gehalt von über 100 M., 666 ein Gehalt von 50 bis 100 M. und 914 ein Gehalt von weniger als s>0 M. pro Monat bezogen. Und unter den mit iveniger als 50 M. Entlohnte-z befanden sich etwa 200 Personen in einem Alter von 20 bis 50 Jahren und darüber. Die größte Hälfte der Berufsgenossen erhalte also nicht mal so viel, als der amtlich in Berlin auf 2,90 M. festgesetzte ortsübliche Tagelohn ungelernter Arbeiter betrage. Die meisten könnten bei ihren Gehältern nur leben infolge Unterstützung von Verwandten, und Ivenn sie verheiratet seien, nur mit Hilfe des Vor- diensteö der Frau. Die größere Hälfte der Bureau- v o r st e h e r, die doch eine verantwortungsvolle Stellung hätten, erhalte nicht die geforderten Mindestsätze von 125 M. bis zum 25. Jahre und von 150 M. im höheren Alter.— Mit der Arbeitszeit stehe es, natürlich immer abgesehen von guten Ausnahmen, auch recht schlecht. Sie werde festgesetzt, wie es gerade beliebt. Einzelne An- walte verlangten einfach die Aufarbeitung aller im Tage ein- gegangenen Sachen, andre, daß die Angestellten da blieben, bis alle Klienten aus der Sprechstunde fort seien. Dann tviedcr welche, daß lange Schriftsätze denselben Abend noch expediert würden. So werde es 10 Uhr und noch später. Daß die Leute bis 9 Uhr säßen, komme sehr viel vor. Ucberstunden bezahlten die meisten Anwalte auch nicht. DaS bewirkte, daß in einem Prozeß eines Bureau- Vorstehers, der auf Bezahlung von Ucberstunden klagte, ein Vorstands- Mitglied der Anwaltskammer als Sachverständiger sein Gutachten dahin abgab, die Nichtbezahlung der Ueberstundeu sei usuell. Der Kollege sei darauf mit seinem Anspruch abgewiesen worden. Auch in der Beziehung müsse allgemein Aenderung eintreten. Auch der GesnndheitSschädlichkeit deS Berufs widmete Redner nähere AuS- führungeii, die er auch wieder mit den Zahlen der Krankenkasse belegen konnte. Bei ca. 80 Prozent der Todesfälle ist Schwindsucht die Ursache. Die Arbeitszeit müsse allgemein auf acht Stunden fest- gesetzt werden, es sei auf gesunde ArbeitSrämne hinzuwirken. Er- schreckliche Wohnungsverhältnljse, eine Folge der schlechten Bezahlung, feien durch die Krankenkontrolle festgestellt worden.— Auch Me Regelung deS Arbeitsnachweises dürfe nicht vergessen werden. Gerade bei den Anwaltsangcstellten wäre sie eines der besten und , totwendigsten Mittel zu einer Gesundung der ganzen Ber- hältnisfe.— Zum Schluß erinnerte Redner daran, daß schon am 22. Januar 1898, also genau vor sechs Jahren. infolge von Borstellungen der Agitationskommission der Berliner Bureau- Angestellten der Vorstand der Airwaltskammer den Mitgliedern der Kammer dringend empfohlen habe:„Die Arbeits- und Lohnverhältniffe ihrer Angestellten zu überwachen und. wo Ucbelstände, wie zu lange Arbeitszeit, ungesunde Räume, unzureichender Lohn sich als vorhanden herausstelle, Abhilfe zu schaffen." In der ganzen Zeit sei sehr wenig in der Richtung geschehen. Immerhin sprechen Gründe dafür, daß daS sociale Gewissen der Anwalte immer mehr erwache. Uno der Vorstand der Anwaltskammcr werde sich jetzt seiner damaligen Mahnung erinnern müssen. Für die Anwaltsangestellten handele es sich jetzt darum, den augenblicklichen Znsammenschluß zu festigen, dann werde auch für sie das Morgenrot einer besseren Zukunft an- brechen.(Stürmischer, minutenlanger Applaus.) In der Debatte sprachen sich alle Redner für das Regulativ aus, das dem Berliner Anwaltsvcrein unterbreitet werden soll. DaS Regulativ sieht einen schriftlichen Lehrvertrag und eine mindestens zwei-, höchstens dreijährige Lehrzeit vor. Zur Beschränkung der LehrlingSzahl ist eine Skala vorgesehen, nach der bei weniger als drei Gehilfen ein, bei mehr als drei Gehilfen zwei Lehrlinge beschäftigt werden dürfen.— Das monatliche Mindestgehalt beträgt: bei Lehrlingen im ersten Lehrjahre 25 M., im zweiten Lehrjahre 33 M., im dritten Lehrjahre 50 M.: bei Gehilfen bis 17 Jahren 60 M., bis zu 21 Jahren 75 M., bei älteren Gehilfen 100 M.; bei Bureauvorstehcrn bis zum Alter von 25 Jahren 125, bei älteren 150 M. Für Angestellte, welche mit Maschinenschreiben oder Stenographieren beschäftigt find, erhöhen sich die Mindestgehälter um 25 Prozent. Die tägliche Arbeitszeit beträgt höchstens acht Stunden. Ucberstunden sind möglichst� zu vermeiden. An Sonn- und gesetzlichen Feiertagen herrscht vollständige ArbeitSruhe und dürfen den Angestellten keinerlei Verrichtungen übertragen werden. Ueberstundenarbeit ist besonders zu bezahlen. Allen Angestellten wird alljährlich während der GerichtSfcricn ein znsa»»nenhängcndcr Urlaub von mindestens 14 Tagen unter Fortzahlung des Gehalts gewährt. Die Stellen- vermittelung erfolgt durch einm auf paritätischer �rnndlaae er- »ichtetcn Arbeitsnachweis. In einer Resolution billigte die Versammlung ein- st immig das Regulativ, verpflichtete die ge- mischte Kommission, c S mit einem Anschreiben dem Anwaltsverein zu unterbreiten, und bevoll- mächtigte sie mit weiteren Verhandlungen. Mit einem Hoch auf die Einigkeit trennte man sich._ Die Lohnbewegung der Töpferträgcr kann als beendet angesehen werden. Sie hat ein für die Arbeiter günstiges Resultat gehabt. Ausständige sind zur Zeit nicht mehr vorhanden. Etwa 200 Träger, das ist die überwiegende Mehrheit derselben, arbeiten zu den neuen Bedingungen, während nur einzelne, die der Bewegung fernstehen, unter den alten Bedingungen beschäftigt werden. Am 12. d. hat die Lohnkommission mit dem Jnnungsvorstande verhandelt. Der Vcr- lauf dieser Verhandlungen berechtigt zu der Annahme, daß die am kommenden Montag startfindende Quartalsversammlung der Innung die Forderungen der Arbeiter anerkennen und auf Grund derselben einen Tarif mit der Arbeiterorganisation abschließen ivird. Der alte Tarif war bekanntlich am 1. Januar abgelarrfen, nachdem ihn die Arbeiter gekündigt hatten, und die Töpfermeister sich lveigcrten. eirren neuen Tarif mit erhöhten Löhnen zu bewilligen. DaL einmütige Vorgehen der Arbeiter hat ihnen nun die Erfüllung ihrer Forderungen ge- sichert. Achtung! Charlottenburg. Die Gewervegerichts-Wahlen werden morgen, Montag, den 25. Januar, von vormittags 10—1 Uhr und nachmittags von 5—8 Uhr vollzogen. Wahlberechtigt ist jeder Deutsche, der 25 Jahre alt und am Tage der Wahl in Charlottcnburg wohnt oder im gewerblichen Arbeitsverhältnis steht. Jeder Ivählt in demjenigen Bezirk, in dem er beschäftigt ist. Diejenigen Wähler, die hier ivohnen und außer- halb Charlottenburgs arbeiten, ivählen in demjenigen Wahlbezirk, in dem sie wohnen. Die Wahl ist geheim; es wird mittels Stimm- zettel gewählt. Zur Legitimation dient ein Ausweis, daß man in Charlottenburg wohnt oder im Arbeitsverhältnis steht. Für letztere muß der Arbeitgeber die Legitimation ausstellen resp. bescheinigen, für diejenigen, die außerhalb Charlottenburgs arbeiten, aber hier wohnen, stellen die zuständigen Polizei-Reviervorstände die Bescheinigung aus. Formulare hierzu sind auf den Polizei- bureauS und in der Gerichtsschreiberei des GewerbcgerichtS, Kirch- straße 10(Eingang Grünstraße), 3 Treppen, Zimmer 30, während der üblichen Gescbästsstundcn unentgeltlich zu haben. Arbeiter Charlottenburgs! Gebraucht Euer Recht und übt Eure Pflicht aus; nur so wird es möglich sein, daß unsre Kandidaten gewählt werden. Der Wahlausschutz der Charlottenburger Gewerkschafts-Kommisfion. Deutkehee Reich. Die allgemeine Aussperrung der Töpfer hat. wie schon öfter mit- geteilt wurde, einige Differenzpunkte insofern hinterlasfen, als einzelne Ofenfabrikanten hinsichtlich der Wiedereinstellung der Ausgesperrten, welche bereits am 2. Januar erfolgen sollte, Schwierigkeiten machten. In Lauf bei Nürnberg waren bis jetzt noch 25 Ausgesperrte nicht wieder eingestellt, in Bayrenth sollten neun Arbeiter, darunter der Vorstand der dortigen Filiale des Töpfcr-Vcrbandcs, nicht wieder eingestellt werden, ebenso ging es den Vorstandsmitgliedern der Filiale in Nortorf in Holstein. Alle diese Differenzpnnkte sind jetzt cndgülttg beseitigt, so daß nunmehr auch die letzten Nach- wehen der Aussperrung beendet sind. In Dyherrcnfurth könnte es vielleicht zu einem neuen Konflikt kommen. Dort verlangt ein Fabrikant, daß die wiedereingestellten Töpfer aus ihrem Ber- bände austreten, und er droht mit Entlassung, falls das nicht geschehen sollte. DaS Verhalten des Fabrikanten verstößt gegen die Abmachungen, welche bei Beendigung der Aussperrung zwischen den beiderseitigen Organisationen vereinbart wurden. Sollte der Fa- brikant in Dyherrenfurth auf seinem Verlangen beharren, so müßte der Ofenfabrikanten-Verband gegen ihn Stellung nehmen. Die Ar- beiter können also dem Verlaufe dieser Angelegenheit gelassen ent- gegensehen.— In Fürstemvalde sind noch etwa 60 Töpfer arbeitslos, welche nach Aufbebung des Streiks nicht wieder eingestellt werden konnten, weil die Betriebe noch immer nicht in vollem Umfange zu thun haben. Busland. Der Kongreß des schweizerischen Gewerkschaftsbnndes findet während der Ostertage in Luzern statt. Die Lehrlingsfrage in der Diamantindustrie. Der Korrespondent des„Nieuwe Rotterdamsche Kourant" teilt auf Grund einer Unterredung mit dem Sekretär der Amsterdamer Juweliersvcrcinigung mit, daß diese Vereinigung fest entschlossen ist, auf ihren Vorschlag, 750 Lehrlinge einzustellen, zu beharren. Wenn erst einmal diese Sache geregelt sei. so erklärt der Sekretär Hartz dem Korrespondenten, dann würde man endlich auch Gelegenheit finden, andren Interessen, die die ganze Industrie be- treffen, Aufmerksamkeit zu widmen. Durch den Jnter- nationalen Verband der Juweliere könnte man gegen die„De Beers Gesellschaft in Südafrika"(die alleinige Eigentümerin der Diamantminen) und gegen das sogenannte„Roh-Sy»dikat"(das Syndikat der Kaufleute in London, das den„Alleinverkauf" der rohen Diamanten in Händen hat) vorgehen. Diese Gesellschaften machten Millionen-Gewinne, während die Juweliere und Arbeiter mit einem geringen Verdienst zufrieden sein müßten.„Aber leider", so schloß der Sekretär,„ist der Allgemeine Niederländische Diamantarbeiter- Verband wie ein Junge, der einem immer hinten auf den Rücken springt, so daß man verhindert wird, seinen Weg zu verfolgen".— Diefcr geschmacklose Vorwurf gegen den Diamantarbcitcr-Verband ist nattirlich nicht ernst zu nehmen. Hätten die Juweliere wirklich die Absicht und die Macht, gegen die genannten großen AuSbentungs- gesellschaften vorzugehen, so hätten sie wohl Zeit genug dazu ge- ftmden.— Uebriaens haben, loie weiter mitgeteilt wird, die Amsterdamer Juweliere ihren Kollegen in Antwerpen versprochen, auf jeden Fall, auch wenn in Amsterdam ein direkter Anlaß dazu nicht vorliegt, mit am Kampf gegen die Arbeiter teilzunehmen, falls die Antivcrpener Diamant- arbeitet nicht auf die Forderungen der Juweliere eingehen; sie wollen also offenbar in diesem Fall eine allgemeine Aussperrung vornehmen._ Der schwedische Maurcrverband, der jetzt in 50 Ortsabteiknngen 2873 Mitglieder zählt, hielt vom 17. bis zum 19. Januar zu Stock- Holm seinen zehnten Kongreß ab. Aus den Verhandlungen ist bemerkenswert, daß der Kongreß sich für die Ausbildung von Mitgliedern zu Samaritern, die bei Unglücksfällen auf den Bauten die erste Hilfe leisten können, aussprach und für OrtSabteilungen. die nicht in der Lage sind, die Kosten für einen derartigen Unterricht selbst zu tragen, 300 Kronen auS Verbandsmitteln bewilligte. Bei Abschuß von Tarifverträgen soll an die Unternehmer die Forderung gestellt werden, auf den Arbeits- Plätzen die notigen Verbandstoffe bereit zu halten. Ferner wurde beschlossen, eine genaue Statistik über alle vorkommenden Unglücks- fälle aufzunehmen. Außerdem wurde der Vcrbandsvorstand be- auftragt, Abmachungen mit den Maurerorgani- sationen andrer Länder zu treffen, durch die den Mit- gliedern der freie Uebertritt aus der Organisation des einen Landes m die des andern Landes möglich gemacht wird.— Der bisherige Verbandsvorsitzende, Reichstags- Abgeordneter N i I S P e r s s o n, wurde einstimmig wiedergewählt. Aus der italienischen Arbeiterwelt. Rom, den 20. Januar.(Eig. Ber.) Die verstärkte Streik- bclvegung in allen Teilen Italiens dauert fort. In Regalbuto < C a t a n i a) streiken 6000 Schwefelarbeiter, um eine Lohnvermindc- rung abzuwehren. Vorgestern haben 1000 Kohlenarbeiter im Hafen von Neapel die Arbeit niedergelegt, weil die Händler von ihren in einein Memorandum ausgesprochenen Forderungen leine Notiz genommen haben. Aus Solidarität legten heute auch die Gasarbeiter die Arbeit nieder. In S p e z i a(Ligurien) streiken die Arbeiter einer Fliesen- fabrit; sie fordern den achtstündigen Arbeitstag und 45 Cent Stundenlohn. Der in der staatlichen Tabakfabrik von Venedig ausgebrochene Ausstand, an dem 1200 Arbeiterinnen beteiligt stnd, die bessere Garantien für die Altersversorgung fordern, hat gestern zu einigen Ausschreitungen gegen Streikbrecherinnen Anlaß gegeben. In den Marmorwerken von C a r r a r a streiken die Säger, die für ihre schwere und furchtbar ungesunde Arbeit Erhöhung des Stundenlohnes fordern. Seit zlvei Monaten sind in B r e s c i a die Lohgerber einer Firma ausgesperrt. Die Unternehmer hatten fünf Arbeiter aus einem benachbarten Dorf angeworben, die sich zu diesem Judasdienst hergaben. Am 19. d. Rk. sind einige der Ausgesperrten mit den Streikbrechern handgemein gclvordcn und haben ihnen das Fell ge- gerbt. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her. Für die Opfer der Aussperrung in Crimmitschau gingen bei der Berliner G e!o e r ks ch a s t S k o m mi s s i o n folgende Beiträge ein: Sechster Wahlkreis auf Listen: Rosenthaler Vorstadt: 4905 5,25. 4321 ,1.25. 4922 15,39. 4923(dar. Pcrs. d. Buchdruckerei Rosenseld 3,75; Bautischler Iben. Aiillamcrstr., 8. Rate 6,80) 19,15. 4925 14,92. 4927 9,80. 4942 16,—. 4948 11,—. 4951 12,10. 4959 9,05. 1990 7,15. 4993 13,40. 5030 Botenfrauen d. Partcispcd. Rosenthaler Vorstadt u. Gesundbrunnen 22.85, 9101 Stammlisch Eule 8.35, 9108 12,25. 9121 Maskenball Schmeizergarten, 16. Januar 13,55. 9123 7,15. 9152 7,70. 9167 15,75. 9168 6.-. Schönhauser Vorstadt: 9815 13,50. 9817 Hülscnbcck u. Kroll, Möbelsabrik, Saal 3 10,90. 9818 Goldleistensabrik Raschig 11,20. 9841 1,70. 9842 5,35. 9803 18,50. 9901 7,45. 5124 Zimmerer von Miesjner 22,10. 3566 durch E. Berndt 12,65. 9591 Weber u. Hampel, Schulzendorfcrstraßc 26,80. 3863 Maschincnsabeit Palihsch 14,7o. 9602 Pianosabrik Görs u. Kallmann 22,—. 9603 Bau Amts» Beriefst, Neue Friedlichste. 16,60. 9641 Daimler Motoren 16,30. 9678 Personal Buchdruckerei Ricsenstahl, Zumpe u. Co. 11,30. Liste: 5571 6,60. 5581 4,60. 9607 3,70. 9617 5,75. 9618 13,95. 9638 5,25. 9642 8,45. 9643 5,60. 9653 8,75. 0679 4,05. 9684 15,20. 9694 5,70. 5103 0,25. 5108 4,05. 5135 2,70. 6165 4,25. 5166 6,05. 5170 3,60. 5171 5,50. 5173 6,10. 5169 2,00. 5198 10,50. 5200 8,80. 9554 7,—. 9569 9,05. 9857 8,80. 5401 3,00. 5411 8,05, 5414 Vronzesabrik Karl Lege!. Rückerstr. 4 26,90. 5410 14,80. 5423 5,70. 5432 8,85. 5438 Rudervercin„Vorwärts» Weih. nachts-Fcicr 9,50. 5422 8,—. 5443 5,50. 5449 5.50. 9698 5,75. 9754 durch Konmahl, darunter 1,— von Nr. 23 3,70. 9757 durch Sturmann 8,10. 9752 12,00. 9753 3,30. 9760 4,20. 9761 4,25. 9764 9,25. 9784 6,—. 9785 4,85. 9786 9,85. 9788 6,45. 9789 6,95. 5220 7,60. 5231 8,45. 5250 9,95. 5281 9,55. 5282 6,50. 5284 9,75. 5298 4,55. 5299 4,45. 5279 2,30. 5296 4,60. 5300 5,25. 5308 4,05. 5332 durch Richard Senteck 4.50. 5367 4,35. 5387 12,65. 5389 13,50.— Wedding: 4347 3,50 durch Steaemann 4348 5,70 der Mulle. 4350 10,80 durch Wolter. 4352 12,85 durch FendhiS. 4356 14,30 durch Ritter. 4436 Gebrüder Bolzant, 3. Rate 27,55. 4522 Schneider, Bornauerstrahe 24,83. 6691 darunter 10,— aus der Kranzkasse des 678. Bezirks 2l,15. 9346 darunter 3,— vom Gesangverein Oranieburger Vorstadt 12,05. 9349 F. Schuchardt, 4 Treppen. 4. Rate 23,40. 9376 Bergemann, Oudenarderstraße 31,—. 4301 4.—. 4302 4,20. 4305 6,30. 4307 4,40. 4308 4,95. 4322 11,20. 4325 7,90. 4335 13,—. 4337 3.50. 4333 2,80. 4343 13,20. 4344 10,73. 4346 5,83. 4359 6,70. 4360 5,30. 4397 6,15. 4400 4,50. 4402 1,—. 4432 9,90 4555 2,60. 4532 9,50. 4536 8,80. 4538 7,20. 4558 8,40. 4561 7,90. 4566 7,25. 5623 4,—. 5653 3,20. 5657 8,25. 9303 7,55. 9305 3,40 9306 18,05. 9347 4,10. 9348 6,—. 9381 14,75. 9389 5,06. 9394 2,30. 10 023 16,70.— Oranienburger Vorstadt: 4103 1,50. 4106 5,95. 4107 4,85. 4110 1.70. 4135 4,70. 4149 9,50. 4130 18,25. 4169 8,—. 4170 6,—. 4181 10,35. 4191 7,60. 4197 12,80. 4212 8,85. 4257 10,—. 4259 2,60. 4280 5,75. 4287 12,75. 4292 27,80. 9414 A. E.-G. Brunnenstrasje, Werk. zcugmacherci 14,50. 9415 Li. E.-G. Brunnenswaße, Werkzeugmacherci 8,10. 9416 7,20. 9426 3,60. 9431 Tischlerei Reddcmann. Schünebcra, 3. Rate 27,40. 9446 ges. von Hulh 40,40. 9447 3,10. 9448 2,80. 9449 10,25. 9452 10,25. 9453 ges. b d. Firma„Tresor", Prenzlauer Allee, 2. Rate 16,75. 9455 7,55. 9484 6,10. 9485 16,35. 9488 25,10. 9501 Werkzeugbau K. F. Voltasw. 25,30. 9509 29,-. 9515 A. E.-G. Brunnenstr. Werkzeugniacherel 12,55. 9516 8,55. 9517 17,90. 9519 15,85. 9526 7,30. 9527 19,60. 9329 12,40. 9531 8,35. 9539 4,75. 10108 Maschinenfabrik F. Werner, Lützowstr. 6, 3. Rate 15,50. 10109 desgl. 15,80. 10110 desgl. 17,25. 10122 9,90. 4289 12,13. 9510 14,70. 9512 13,40. Moabit. Liste 4099, Arbeiter d. Firma H. Krause, Turmslraße, 2. Rate 24,10. 4100, Dtfch. Wastenfabr., Kugellagerbau 58,60. 9202, Union 11,30. 9206, Union 18,10. 9207, Union 24,80. 9208, Uniou 18,63. 9209, Union 20,30. 9221 16,20, 9222 11,45. 9223 7,30. 9225 9,—. 9233 14,35. 9243 14,80. 9251 16,60. 9263 8,45. Amerik. Auktion d, Gronke 4,70. 3824 10,-. 3842 10,15. 3846, K. W. O., Abteilung Seifert 17.—. 3347 9,15. 3860 3,75. 3874 2.60. 3893 9,65. 3904, Wcihnachtsbcscherung d. Ver. s. Gcsundheitspslcge Berlin-Moabit 16,65. 3978, Dreherei II bei Jlohr 25,80. 4006, Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Petsch, Zwitusch u. Co. 13,95. 4008, Arbeiter und Arbeitcriimcn der Firma Petsch, Zwitusch u. Co. 29,40. 40l9 7,15. 4050 14,95. 4054 11,06. 4069, gcsamm. bei A. Schulz, WIlhelmShavcnerswatze 10,20. 4070. gesamm. bei Woltcrsdors, Calvinstr. 11 8,65. 4073, Union 25,83, 4074, Union 12,30. 4076 12,80. 4077 10,55. 4078 6,60. 4097. Arbeiter der Schüttschcn Dampsmühle 23,60. Zahlabend Bandelstraße 45 7,15.— Geiuiidbrunnen: Gesammelt d. Moldenhauer, Ewinemünderstr. 12,85. Bautischlerei Müder, Nicdcr-Schönhausen, 5. Rate 7,75. Liste 4603 20,—. 4605 10,20. 4606 7,50. 4625 1,50. 4639 1,65. 4673 9,35. 4676 10,—. 4679 10,55. 4681 9,35. 4685 Bau Schultheiß, Schönhauser-Allee, 2. Rate 6,35. 4691 6,65. 4694 4.10. 4699 15,80. 4704 5,45. 4705 12,40. 4721 6,15. 4727 7,25. 4737 Personal der Buchdruckerci Kühne Söhne. 4. Rate 41,80. 474 l 3.75. 4758 9.75. 4771 34.-. 4774 17,85. 4775 2,70. 4779 16,75. 4703 9,35. 4801 1,—. 4806 5,30. 4814 2,13. 4815 3,60. 4817 2,75. 4824 12,—. 4827 7,70. 4841 4,65. 48451,80. 4849 2,95. 4850 2,65. 5723 8,98. 5735 10,10. 5736 11,35. 5738 5,15. 574011,35. 5741 Allg.Maschincnb.Schwartzkopss, 3. Rate 15,10. 5744 14.—. 5745 12,40. 5753 lt.-. 5755 19,50. 5778 8,35. 5793 8.10. 5794 7,10. 5795 gesammelt bei Schübbe u. Co. 14,60. 5797 5,60. 9025 Zimuicrcr von Naß, Pappelallee(mit Ausnahme von einem) 10,90. 9036 bis 9040 Lederfabrik Eyk u. Straßer, 3. Rate 48,86. 0032 3,20. Butcher(Fleischer) W orkin en Brooklyn d. Haar 104,17. G. Muehler, Buch» Händler, A. Goro, Schauspieler, und Ewald Saun, Pastor, Cincinnati 12,50. Alex Friedrichs, Söxtcr a. W. 17,50. Wilh. Meyer, Halensee 20,—. Landes» gewerffch.-Komm. M Südöstreich, Trieft(297,10 Kronen) 253,61.„Organlsace Prostejor»(30 Kronen) 25,61. Arbeit erbund Zug, Schweiz 9,60. Aus dem schwärzesten Schwarzwald 1,—.„Ausrichtig» GUgelwifc für Auskunft 2.—. Müdcnsabrik G. A. Hossmann, 3. Rate 34,25. Otto Lustig 5,20. Töpfer v. W. Schmidt, Schrcinerswaße 5,50. Ohne Liste, Fruchtstraßc 1,50. Taubstumme Brüder. 4. Rate 2,—. Lederwarensabrik S. Hirsch, Ritterstraße, 5. Rate 5.50. lltuisarbeiter von Tinlus, 6. Rate 6,35. Tischlerei Kaiser, Kreiizbergstrasje, 5. Rate 16,95. Summa 3 366,98 M., bereits quittiert 217 701,19 M., Gesamtsumme «21 008,17 M. Alle noch ausstehenden Beträge und Liften er- suchen wir baldigst> n u n s e r m B u r e a u in der Zeit von 9—1 und 6—8 Uhr a b z u l l e s e r». Postsendungen sind an A. Körsten, Engel-User 15, zu adressieren. Der Ausschuß der Berliner GewerkschastSkom Mission. Serlmer partei-)Znge!egenkeiten. Die Lokal-Listc für Berlin und Nmgegend ist neu herausgegeben und der heutigen Stummer unsreS Blattes beigefügt worden. Bei der Wichtigkeit der Lokalftage erivächst den Parteigenossen die dringende Pflicht, die Lokal-Listc streit, zu beachten. Den Saalabtreibereien und Verweigerungen gegenüber, die in Berlin teilweise noch versteckt, in den Bororten dagegen offen betrieben werden, bleibt unS kein andres Mittel übrig als die Lokalsperre; und diese dort, wo nöttg, durchzuführen, muß das Bestreben aller Parteigenossen sein. Arbeiter. Partei» genossen. Gewerkschaften. Gesangvereine zc., besucht daher bei Ausflügen. Vergnügungen zc. mir solche Lokalitäten. welche auf der Liste verzeichnet stehen. Vor allen Dingen erwächst aber den Vorständen von Arbeitervereinen die Pflicht, beim Ab« schluk von Festlichkeiten und Partien auf daö strengste die neue Lokal-Liste zu beachten. Die Vorstände wollen in solchen Fällen auch darauf sehen, das; in den Verträgen mit den Wirten eine Klausel Platz findet, wonach für den Fall, dast das Lokal für Arbeiter- Versammlungen später verweigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Verschiedene Vorkommnisse der letzten Zeit lassen eine Bestimimmg dieser Art dringend ratsam erscheinen. Ebenso ist cS Pflicht der Vorstände und Komitees, dafür nach Mög- lichkeit zu sorgen, das; bei Mehrbedarf an Bedienungspersonal der Stellennachweis des„Verbandes deutscher Gastwirts- gcyilfen"(Ortsverwaltung Berlin), Dircksenfir. 39 1, Telephon Amt 3 1313, Berücksichtigung findet. Thut ein jeder seine Pflicht. so kann der Erfolg nicht ausbleiben. Lokale, die keine Säle haben, sind frei. Die Lokalkommission. Achtung, Parteigenossen und-Genossinen des zweiten Wahl- kreiscs Ain 1. Februar wird für den Westen die Parteispeditioir er- Westert. Es ist daher Pflicht aller Parteigenossen des zweiten Kreises dahin zu wirken, das; die noch unter den Genossen gelesenen gegnerischen, farblosen Blätter verdrängt loerden und an deren Stelle der„Bor w ä r t S" im Kreise immer größere Verbreitung findet und durch die Partcispcdition Herrn. Werner. Mittcnwaldcr- striche 30, bezogen wird. Die Spedition ist geschaffen im Interesse des Kreises und der Partei. Die Genossen, die zu», 1. Februar d. I. den„Vorwärts" und sonstige Parteilitteratur bei der Parteispcdition bestellt, aber versäumt haben bei ihrem bisherigen Privatspeditcnr abzubestellen, werden hiermit ersticht, bis zum 31. Januar dem nachzukommen. Die Abonnenten des„Vorwärts", welche bisher von der Spedition der Frau Kleine rt bedient wurden, sind durch Vereinbarung von der Parteispedition übernommen, und bedürfen einer Abbestellung nicht. Die Kommission und die VcrauenSlcutc. Dritter Wahlkreis. Dienstagabend 8'/- Uhr in den Armin- hallen, Kommandantenstraße 20 Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht und Abrechnung vom letzten Quartal. Ergänzungswahl des Vorstandes. Vortrag des Genossen Schippet über:„Der Plan eines mitteleuropäischen Zollvereins". Verschiedenes. Ober- Schöneweidr. Heute abend 8 Uhr ist bei Kaufhold, Wilhelminenhofstrastc 18 eine Versammlung, in der ein Vortrag über Fritz Reut er gehalten wird. Die" Parteigenossen werden ersucht, die Wählerlisten einzusehen. Lichtenberg. Montagabend 8 Uhr veranstalten die Parteigenossen in Höflichs„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 120 einen ?samilienabe>id. bestehend aus Konzen, Lichtbildcrkarikatnre», Auf- treten des Berliner Ulk-Trio und nachfdlgendem Tanz. Der lieber- schliß ivird den ausgesperrten Erimmirschauern übcrlviesen. Schmargendorf. Die W ä h l e r l i st e n liegen heute von 1 1 bis 12 Uhr im Rathause aus: an Wochentage» von 9—3 Uhr. Wer keine Zeit hat. die Listen jeinzusehenj, wende sich an Loenhardt, Warnemiinderslraße 0. Ter Wahlverein hält am 20. Januar bei Loenhardt seine Generalversammlung ab. Lankwitz. Der Gemeindcvorstaitd hat auf nnsren Antrag auch die Sonntage zur Einsichtnahme der Wählerliste freigegeben, so daß die Liste bis 31. Januar Ivocheutäglich von 10—3 Uhr und Sonntags von 8—10 Uhr eingesehen' werden kann. lokales. Eine neue Probe der KrankenIialis-„Tisc>p>m". Schon wieder haben wir über eine Ausweisung aus einem Krankenhausc zu berichten, die unter sehr eigen- artigen Umständen vor sich gegangen ist. Diesmal handelt es sich um das Krankenhaus am Urban. Dort war ein Maler S eh. eingeliefert worden, der an akutem Gelentrheumatismus litt. Lcichi scheint seine Erkrankung nicht gewesen zu fein; denn unsrc städtischen Kranicnhäuser nehmen besonders im Winter so rasch keinen Patienten auf, der nicht dringend der Aufnahme bedarf. Auch wurde dem Kranken, als er schon zwei Tage nach seiner Einliefcrung fragte, ob er nicht bald werde auf- stehen können, vom Arzt mit„nein" geantwortet. Trotzdem hat Sch. dann nur noch einen dritten Tag das Vergnügen gehabt, die Luft des Krankenhauses am Urban atmen zu dürfen. Am dritten Tage mittags wurde er von einem Assistenzarzt in einem Zeitraum von etiva zwei Stunden ztveimal unter sucht. Beide Male mußte er das Hemd abstreifen und mit entblößtem Oberkörper im Bett sitzen bczlo. liegen. Als bei der zweiten Unter- suchung der Arzt für einige Zeit abgerufen wurde, zog Sch. das Hemd wieder an, weil ihm fror. Daß es ihm zu kalt geworden war, sagte Sch. dem Arzt, als dieser zurückkam und sich Ivunderte, Sch. schon wieder im Hemd vorzufinden. Ter Arzt beendete nun seine Untersuchung und ging. Nicht lange nachher kehrte er in Bc- gleitung des Stationsarztes zurück, und wortlos begannen beide, dem Sch. die Hcmdännel aufzuknöpfen. Sch. erklärte, er wolle sich jetzt das Hemd nicht schon ivicdcr abziehen lassen'.„Sie wollen nicht?" fragte der Siationsarzt.„Nein!"„Nun. dann werden Sie entlassen."„Da kann ich mir audi nicht helfen."„Sic werden sofort entlassen."„Schön, dann entlassen Sie mich." Beide Aerzte gingen, und der Stationsarzt rief nach der Schwester, um das Er- forderliche anzuordnen. Nach etwa zwei Stunden brachte der Wärter dem Sch. die Sachen. Als Sch. fragte, ob Stiefel dabei seien, bekam er zur Antwort, er sei ja in Latschen getoimncn. Sch. bat nun um eine Droschke; er sei in einer Droscbke hergebracht worden, habe aber jetzt kein Geld bei sich. Der Wärter erwiderte, da könne er nichts machen. So mußte der eben erst wegen akuten GelenkrhrumatismuS ringelicferte Mann, den vor drei Tagen zwei Männer aus seiner Wohnung in die Droschke getragen, den im Ärankenhause ein Wärter von der Droschke in das Llufnahmebureau und von dort nach dem Pavillon getragen hatte, sich zu Fui? und i» Latschen und überdies ohne Paletot aufmachen, um das Krantentzans zu verlassen. Am Ausgang hielt der Portier ihn an:„Wohin?"„Bin ja raus- geschmissen!"„Tu Holen Sie sich man erst Ihren Entlassungs- schein." Der Mann hatte recht: eS muß alles seine Ordnung haben. auch wenn ein an akutem Gelenkrheumatismus leidender Mensch »nittcn im Winter aus einem Krankenhause„rauSgeschmissen" worden ist und sich anschickt, ohne Paletot und in Latschen durch die schneebedeckten Straßen nach Hanse zu humpeln. Als Sch. im Bureau das unentbehrliche Schriftstück erhielt und darin las, daß et„wegen ungebührlichen Betragens" entlassen sei, wies er den Schein zurück. ES gab nun einige Verhandlungen zwischen, ihm und dem Beamten, bis schließlich der Beainte— ohne sich vorher mit einem Arzt verständigt zu haben— sich dazu bequemte, dem Sch. einen andren Schein zu schreiben, der ihm nur bestätigte, daß er wegen„akuten Gelenkrheumatismus" eingeliefert und drei Tage svätcr„gebessert" entlasse» worden sei. Tann verließ Sch. die der Krankenpflege geweihte«tätte und schleppte sich nach der in der Hollmannstraßc gelegenen Wohnung seines Bruders. Wir könnten hier auf etilen Kommentar verzichten, aber ein paar Worte noch find crsorderlich. um Mißverständnissen vor- zubeugcn. Unsre grundsätzliche Stellung zur Frage der Kranken- haus-Diseivlin haben wir bereits aus Anlaß eines früheren Aus- weisungsfalles dargelegt, der im Krankenhausc am Friedrichshoin vorgekommen war. Wir wiederholen, daß unsres ErachtenS im Krankenhausc nicht der Patient zu bestimmen hat, sondern das Arzt- und Pflegepersonal, und daß jeder Patient die Pflicht fühlen sollte. Aerzten und Pflegern ihren schweren, verantwortungSvc�lcn Beruf zu erleichtern. Andrerseits sollte aber daS Personal, vor allem der Arzt, sich nicht sofort auf seine„Rechte" besinnen, wenn einmal ein Patient nicht bei allem und jedem stille halten will. Soll der Gc- sunde nicht besonnener sei als der Kranke, der Arzt nicht ver- ständiger als der Patient? Im übrigen ist es doch wohl lein .Wunder, daß eilt KroÄer bei Embipßwg des Oberkörpers friert. Kanu mack eö ihm da llerdenkeü. daß er die sofortige Vornahme einer nochmaligen Untersuchung scheut und ablehnt? lind darf ihm daS als ein„ungebührliches Betragen" angerechnet werden, das eine AuAvcisnng rechtfertigt? Die Autorität des Arztes lvärc nicht sofort in die Brüche gegangen, wenn er die lllitcrsiichung ver- schoben hätte. Gewiß, Disciplin muß im Krankenhanse herrschen, aber am Ende sind berufliche Tüchtigkeit eines Arztes und Herzensgute, sofern er sie besitzt, wirksamere„Disciplinmittel", als eine in raschem Entschluß verfügte Ausweisung. Krankenhausärztc, die vorschnell zu dein Mittel der Auslocisung greifen, sind für ihren Posten nicht geeignet. Tic tragen nur dazu bei, die Abneigung gegen die Krankenhäuser, die im allgemeinen nicht berechtigt ist, aber in der Bevölkerung nun einmal besteht, noch zu steigern. Zur Spaltung der„Reut» Linkeu" der Ttadwerordncten-Vcrsainmlung. Den sechs Stadtverordneten Deutsch, K o l l o k o lv s k N. fOl arggraff, Nathan. Preuß, Ullstein, die aus der „Neuen Fraktion der Linken" ausgetreten sind, hat sich nun als siebenter der Stadtverordnete F r i e d e m a n n angeschlossen. Am Freitag waren diese„Neuesten" fast vollzählig in einer vom„Fort- schrittlichen Verein der Potsdamer Vorstadt" cinberufenen öffentlichen Versammlung erschienen, und es kam hier zu einer lebhaften Aus- spräche über die Gründe des Austrittes. Stadtverordneter KollolowSkn, der an Dienstjahren jüngste der sieben, berichtete über den Hergang. Es handle sich nicht um eine bloße Pcrsonensrage, sondern um tiefgehende Gegensätze. Kollo- tewskl� sprach von dem„schärfer fortgeschrittenen socialpolitischen Boden"(wörtlich), auf dem die nun ausgeschiedene Minderheit der „Neuen Linken" stets ip? stau den habe, von dem„radikaleren Konlniunalprogramm" dieser Minderheit, das der Socialdemvtratie „den Wind aus den Segeln zu nehmen" geeignet sei, das aber bei der dem Wink Eugen Richters gehorsame» Mehrheit der„Neuen Linken" keinen Beifall gesunden habe. Ter Bruch sei schon lange zu erwarten gewesen. Tie bei der Wahl des Fraktionsvorstandes vor- gekommene Bcrgctvaltigung der Minderheit durch die Mehrheit habe nur den letzten Anstoß gegeben und das Maß zum llcberlaiifen gebracht. In der Diskussion erzählten die Sccessionisien und ihre Freunde mancherlei von der„Wiedergeburt des Liberalismus", die sie von dieser Spaltung erwarten. Sic vetrachren sich als den Kern einer Neubildung, die entstehen soll durch den Anschluß aller noch social empfindenden Liberalen. Von andrer Seite wurde zum Frieden gemahnt. Einer dieser Friedensstifter ivurde so derb zurück- gewiesen, daß er sich„achljer beklagte, man habe ihn„angepöbelt". die ihm widerfahrene Behandlung sei eine„Gemeinheit", und so weiter. Die Freunde der„Neuesten" antlvortcden mit wütendem „Raus, rauSl" und es gab für eine Weile einen ganz niedlichen Skandal. Heilerer gestaltete» sich die Verhandlungen über die Resolution, durch die man sich mit den sieben Secesfionisten einverstanden er- klären wollte. Der Passus, daß man von dem Ausscheiden dieser sieben eine„Reinigung innerhalb der Fraktion" erhoffe, ivurde aus Rücksicht aus den sprachgcschmack beseitigt— zum Glück für die Secession; denn sonst hätte die Richter-frvnnne FraktionSmchrhcit am Ende den darin liegenden Doppelsinn für sich selber ausgebeutet. Wie und wo die Worte„liberal",„kommunal",„social" in der Resolution anzubringen seien, darüber konnte man sich nicht sogleich einigen. Der Vorschlag„socialkcnununalcr Liberalismus" wurde aus sprachlichen Gründen verworfen.„Socialer Kommunalliberalismiis" ivurde nicht direkt vorgeschlagen, aber derAusdruck wurde von einem der Redner gebraucht. Die Fortsetzung der Pernmtation führte schließlich zum„kommunalen Socialliberalismus". Für seine Zuiunft erhofft die Versammlung, nach dem von ihr festgesetzten Wortlaut der Resolution, das beste. So ähnlich dofstc und versprach man'S sich und andren auch damals, als die„Neue Linke" aus der alten„Fraktion der Linken" hervorging. Auch damals sollte neues Leben aus den Ruinen des LiberaliSnms blühen, auch damals gedachte man den e-ocial- demokratcn den Wind aus den Segeln zu nehmen. Inzwischen sind iv i r flott weiter gesegelt, und auch für die Zukunft ist uns nicht bange um den Wind._ Tie Bildung einet„Eity" im Innern Berlins hat in den letzten Jahren weitere Fortschritte gemacht. Sie lassen sich messen a» der im Stadtinner» zu beobachtenden Verminderung der Grund- stücke und der Wohnungen, die ein Ergebnis der Zusammenlegung kleiner Grundstücke zu größeren und Verdrängung alter Wobn- Häuser durch Geschästshausbautcn und öffentliche Gebäude ist. In welchem Umfange diese Entwicklung seit der bei der letzten Volts- Zählung ausgeführten Grundstücks- und Wohnungsaufncchmen fortgedauert hat. ergeben die alljährlichen Ermittelungen der Steuervcrwaltung. Vom Steuerjahr 1000/01 bis zum Steuerjahr 1002/03, also im Laufe von zweimal zwölf Monaten, verminderten sich im Stadtteil Berlin-Kölln-FriedrickSwerder-Dorotheenitadl die Gtundstücke von 1639 auf 1579, die Wohnungen, Gescbäftslokale usw. von 14 224 aus 13 389. In demselben Zeitraum sank auch in der Friedrichsstadt die Zahl der Grundstücke von 1532 auf 1518, die Zahl der Wohnungen usw. von 13 832 auf 18 638. Noch stärker hat die Wohnbevölkerung(mit den vorübergehend Abivesenden, ohne die vorübergehend Anwesenden) sich in diesen Stadtteilen vermindert. Die Pcrsonenstandsausnahmcn der Steuervcrwaltung ergeben für Berlin-Kölln-Friedrichswcrdcr-Dorotheenstadt einen Rückgang von 40 648 auf 39 577, für die Friedrichsstadt einen Rückgang von 56 029 aus 54 360. Für Maximilian Hördens„Zukunft", nacht die preußische Re- gierung mit wahrem Feuereifer Reklame. Jetzt hat die königliche Bibliothek die Zeitschrift aus ihren Lesesälen verbannt und zwar soll dies ans höhere Anordimng wegen eines Artikels„Saint Louis" geschehen sein. Dieser Artikel behandelt die vorschriftsmäßige Secessionistenfeindschaft und die künstlerische Rückständigkeit der preußischen Regierung und hat zu den belannten Erörterungen über die„Rinnsteinkunst" in der Budgctkommisfion wohl einen lvesent- lichen Anstoß gegeben. Dafür wird nunmehr durch den Boykott der Zeitschrist quittiert. Tic Partei, deren historischer Beruf eS ist, Preußen einem neuen Jena entgrgenzuführen, hat auch im Kreise N i c d c r- Barnim eine Organisation, die sich Konservativer Voltsverein nennt. Dieser Verein hielt mit Freitag in den Germaniasälcn zu Berlin seine Hauptversammlung ab. Landesdirektor Freiherr v. Mi a n t e u f f c l referierte über die politische Lage. Er erklärte, die gewaltige Zunahme der socialdemokratischen Stimmen bei der Rcichstagswahl habe allen bürgerlichen Parteien Schrecken eingejagt. Graf Bülow habe mit der Abfertigung Bebels eine rettende Thal vollbracht, hoffentlich schreite er auf dem Wege fort und stelle sich an die Spitze einer großen stamScrhaltendcn Partei, deren Hauptziel die Bekämpfung der Socialdemokratie sei. DaS Zusammenhalten der Fabrikanten in Crimmitschau mid der herrliche Sieg über die auf- gehetzten Arbeiter bewiesen, daß noch gesunder Sinn im deutschen Volke lebe und der Wille nicht fehle, sich des socialdemokratischen Terrorismus zu erwehren.(Lebhafter Beifall.) An Stelle Professor v. Wencksterns sprach Professor Dr. I r m c r als„schlichter. um das Wohl des Vaterlandes bekümmerter Bürger". Die ganze Socmlgesetzgebung, behauptete er, habe ihren Zweck verfehlt und das Volk nur noch begehrlicher gemacht. Leider behandle die Regierung die Socialdemokratie immer noch als gleichberechtigte Partei, ja als wirkliche Vertretung der Arbeiter. Das Drciklassen- Wahlreckst müsse erhalten, daS Koalitionsrecht dürfe nicht erweitert werden, sonst trete die VolkSsouveranität an Stelle der Souveränität des Monarchen. In einer Resolution ivurde die Hoffnung auf den Zusammenschluß aller bürgerlichen Parteien unter Führung der Regierung zum Kampfe gegen die Socialdemokratie ausgesprochen.— Das Beispiel Sachsens zeigt, wohin ein derartiger Zusammenschluß führt. Jnimer zul Stadt und Straßenliahit. Der Einspruch der Straßenbahn gegen die Fortführnng der Untergrundbahn nach dem Spittclmarit' ist bereits mehrfach bon juristischer Seite als unbegründet bezeichnet worden. Die Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen enthält jetzt zu dein Gegenstand aus sachverständiger Feder die folgenden Ausführinigen:„Ter jetzt geltende Vertrag der Großen Berliner Straßenbahn mit der Stadl Berlin datiert aus einer Zeil, in welcher das Kleinbahngesetz bereits in Krast war. Die bisher ergangenen Reichsgerichts- Entscheidungen betreffen aber Verträge, die vor dem Kleinbahngesetz geschlossen lvaren. Schon diese Umstände rechtfertigen die Annahme, daß die ergangenen höchstrichterlichen Entscheidungen im vorliegenden Falle nicht präjndizierlich sind. Wenn bei Verträgen der in Rede stehenden Art allerdings anzunehmen ist, daß der Wille des Unter- nehmers aus möglichsten Schutz gegen Konkurrenzunternehmungen gerichtet sein wird, so muß doch andrerseits auch vorausgesetzt werden, daß die Gemeinden sich nicht für alle Zeit eine Besserung der Ver- kehrsverhältnisse durch Zulassung andrer Unternehmungen unmöglich machen ivollen. Man Ivird dies ganz besonders unter der Herrschast des Kleinbahngesetzes nicht annehmen können. Nach demselben kann eine etwa fehlende Zustimmung der Gemeinden durch die Behörden ergänzt werden. Auch solche allgemeinen Erwägungen wurden allerdings nicht entscheidend sein, wenn ihnen der Inhalt des Ver- träges entgegenstände. DaS ist aber bei dein Vertrage der Großen Berliner Straßenbahn nicht nur nicht der Fall, sondern ails seinen einzelnen Bestimiimngen geht klar hervor, daß sich die Stadt Berlin der Großen Berliner Straßenbahn nicht auf Gnade und Uli- gnade ergeben hat. Auch der Begriff des Konkurrenzbetriebes, wie er in den bisherigen gerichtlichen Emscheidiliigen lonstruiert wird, ist nach den, Verträge der Großen Berliner Straßenbahn nicht im Interesse derselben verwertbar. Nach der Reichsgerichts-Entscheidung vom 29. März 1898 muß ein„gleichartiges" Unternehmen vorliegen. Ter vorliegende Bertrag nun deruht seinem ganzen Inhalte nach auf der Benutzung der Straßenflächen, die lviederinn bei der Untergrundbahn nickt in Frage steht. Der Protest der Berliner Straßenbahn dürfte hiernach jedes Rechtsbodcns entbehren." Nach Südamerika verschleppt. Böse Erfahnnigcn auf der Bühne machten zwei junge Berlinerinnen, die soeben über ihre Abenteuer dem dcnffchen Nationalkomitee zur Bekäinpstmg des Mädchenhandels eine Schilderung gaben. Die beiden Mädchen, die in einem Alter von 17 und 19 Jahren stehen, lvaren von einem Agenten für drei Monate als Artfftinncn für eine BorstellungSserie i» Buenos Aires engagiert worden, und zwar als Akrobatinnen, obwohl sie noch niemals derartige künstlerische Talente entwickelt hatten. Durch rosige Schilderungen verleitet, gingen beide mit ihrem Ver- sichrer heimlich davon: einige notwendige artistische Handgriffe für die Bühne erlernten sie während der Uebcrfahrt nach Argentinien, Ivo sie denn auch bei Schaustellungen niedrigster Art mitwirkten. DaS Gehalt blieb natürlich weit hinter den gehegten Erwartungen zurück, und als die drei Monate vorüber ivarcn, besaßen die Unglücklichen nicht die geringsten Mittel. Der Agent M. aber ließ die Mädchen sitzen und stellte es ihnen anheim, sich ihren Unterhalt in gewisser Weise zu verdiene». Nach Wochen- langem abenteuerlichen Leben voll Hunger und Entbehrungen hatten die Aermsten soviel erspart, daß sie die Uebcrfahrt nach England zu zahlen vermochten, und ohne einen Pfennig Geld langteii sie in London an. Das dortige Nationalkomitee nahm sich der Bcrsührteit an und gab ihnen die notwendigen Mittel zur Weiterreise nach Berlin. Die hiesige Kriminalpolizei hat sich bisher vergeblich bc- müht, den gewisseiilosen Agenten zu ermitteln; M., der kürzlich in Berlin gewesen sein soll, scheint nach der Rückkehr seiner Opfer sofort die Flucht ergriffen zu haben. Eine Feueimetdiulg aus dem Passage-Theater rief gestern nacht gegen 11 Uhr die Feuerwehr uack der Behrcnstraße, Ecke Friedrich- »traßc. Ivo in sehr kurzer Zeit fünf Löschzüge eintrafen, die aber glücklicherweise nur noch wenig zu thnn fanden. Bei der Vor- führung des Kiiiematographen war Kurzschluß am Scheinwerfer cut- standen, wodurch etwas Holz und Papier in Brand geriet, der aber rasch gelöscht wurde. Das Publikum verließ den Saal, ohne besondere Aufregung zu zeigen. Ein abgefeimter Schwindler, aus den die hiesige Kriminalpolizei von Köln aus aufmerksam gemacht worden war, wurde in Hannover ergriffen, während die Kriminalpolizei ans seine Geliebte noch fahndet. Der junge Mann loar in einem Warenhaus angestellt und baute auf der Gepflogenheit seines Chefs, die Losungen der einzelnen Kassen zu einer ganz bestimmten Zeit zu sanuneln und in einem Blechkasten mitzunehmen, seinen Plan ans. Zu den besten Kimdimten des Hauses gehörte eine Dame, die nur mit dem Chef selbst ver- handelte und ausschließlich von ihm bedient sein wollte. Der Schwindler veranlaßt« nun seine Geliebte, die Rolle dieser Dame zu spielen und durch ein Ferngespräch die Aufmerksamkeit des Chefs von der Kasse abzulenken. Der Plan gelang auch vollkommen. In dem Augenblick, als der Geschästsmaun gerade etwa 25 000 M. in dem Blechkasten gesammelt hatte, klingelte es am Fernsprecher. Die gute Kundin lien sich melden und dienstbeflissen eilte er an den Apparat, nachdem er im Eifer die Kasic auf den ersten besten Tisch gestellt hatte. Die Dame wünschte sofort eine Auswahl lvertvollcr Sachen. Schleunigst ging der Geschäftsmann in ein Obergeschoß. um sich das Gewünschte zusammenstellen zu lassen. Unterdessen ver» schwand der junge Mann mit der Kasse, subr mit seiner Geliebten, die ihn nach dein Ferngespräch mit einer Droschke erwartete, nach dem Bahnhof und fuhr nach wenigen Minuten in der Richtung nach Berlin ab, wo er sich mit seiner Geliebten, die, mit reichen Mitteln versehen, zunächst einen andern Weg einschlug, wieder treffen wollte. Aber schon in Hannover ereilte ihn sein Geschick. Während er nach Köln zurückgebracht wurde, ist das Mädchen noch nicht gefaßt. Bon einem Baugerüst abgestürzt find die Zimmerleute Werner und Zimmer auf dem Central-Viehhof. Beide waren damit bc- schästigt, an der Decke einer Biehhalle Arbeiten anszufichren. als einer der eisernen Haken, mit denen das Gerüst an der Decke der Halle befestigt war, brach. W. und Z. stürzten anS einer Höhe von 7 Meter herab: sie halten durch den Fall schwere innere Verletzungen sowie Arm- und Beinbrüche erlitten. Ein herbeigerufener Arzt legte ihnen Notverbände an und sorgte für ihre Ueberführnng in das Krankenhaus am Friedrichshain. Raubmordversuch. Ein aus Leipzig zugereister neunzehnjähriger Klempncrgeselle Namens Theodor Menzel verübte gestern nach- mittag an der Schanlwirtin Ernestine K a t e r b o w. Wauzlickstr. 9 in Ripdorf, einen Raubmordversuch. Auf das Hilfcgeschrei der Ueberfallenen eilten Leute herbei, ivclche den Thäter au der AuS- Übung seines Planes hinderten, ihn festnahmen und der Polizei übergaben, lieber den aufsehenerregenden Vorfall brachten wir olgcnde Einzelheiten in Erfahrung. Menzel, welcher aus Scller- Hausen bei Leipzig gebürtig ist, begab sich im Oktober vorigen Jahres von Leipzig aus aus die Wanderschaft und traf Ende Oktober in Berlin ein,' wo er sich bisher vergeblich um Beschäftigung bemühte. Seinen Lebensunterhalt verschaffte er sich durch„Fechten", während er die Nächte in Herbergen verbrachte. Gestern nachmittag kam Menzel nach Ripdorf, um sich hier nach Arbeit umzusehen. Da er Durst hatte, betrat er daS Lokal der Witwe Äaterbow, ließ sich Bier und Schnaps geben und nahm darauf eine Zeitung zur Hand. Die Wirtin saß mit einer Handarbeit am Fenster, da Menzel der einzige Gast war. Wie Menzel bei seiner polizeilichen Vernehmung zugestand, gab ihn der letztere Umstand den Gedanken ein, die Frau niederzuschlagen und sich der Ladenkasse zu bemächtigen. Er habe dabei die Frau nicht morden, sondern nur besimiUligsloS machen wollen, um mit dein Raube ungehindert entkommen zu können. Er .ei daher plötzlich aufgestanden, habe das Zimmer durchschritten und als er bei Frau K. vorüberkam, sei er über diese hergesallen und habe ihr mit einem zugeklappten Taschenmesser mehrere louchtige Hiebe auf den Kopf gegeben. Blutend sei die Frau ans den Fußboden gesiniken, aber sie habe noch so viel Geistes- aegenwart gehabt, daß sie um Hilfe schrie, woraus Passanten das Lokal betraten und ihn festgenommen hätten, als er durch eine Hwterthür z« entkommen suchte. Die Ermittelungen der Kriminal« Polizei ergaben die Richtigkeit dieser Darstellung. Die Verletzungen der Frau Käterbow sind erfreulicherweise ungefährlicher Natur. Menzel wurde in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Zum Besten der Crimmitschauer veranstaltet der Gesangverein ..Vereinte Sangcsbrüder Moabit" heute Sonntag, mittags 12 Uhr, in der Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47/49, eine Matinee mit ausgewähltem Programm. Die„Freie WassersporkZeitung". Auch die parteigcnössischen Ruderer- und Seglerocreine haben sich jetzt ein eignes Organ gc- schaffen. Das Blatt erscheint vorläufig einmal im Monat und heißt „Freie Wasscrsport-Zeirung". lieber das Programm der Zeitung sagte ciinc Zuschrift des bekannten Berliner Rudervereins„Vorwärts" an die Redaktion das Erforderliche:„Es ist für jeden Verein, dessen Mitglieder hauptsächlich dem Arbciterstande angehören, von größter Wichtigkeit, ein Publirationsorgan zu besitzen. Tie Zahl der Wasser sport-Verrcine sowie der Mitglieder ist in letzter Zeit ganz bedeutend gestiegen. Darum hat ein Blatt, das sich diesen oben angeführten Vereinen jjur Verfügung stellt, nicht allein durch die Vertretung der gemeinsamen Interessen, sondern auch durch den billigen Preis, voll und ganz e?ne Existenzberechtigung. Ihre Leser werden Ihnen für die angckündeten, von ärztlicher �cire geschriebenen Aufsätze�übcr Wassersporh usw. gewiß dankbar sein. Auch giebt es viele Punkte, wie Schleusen usw., speciell für die Tourenruderei, über zurückgelegte Fahrten und die dabei gemachten Erftthrunge», die mir in einem solchen Blatte publiziert werden können. Für größere Vereitle kann unter Ifcisiäiiden schon zur Benachrichtigung der eignen Mit- gliedcr Ihre Zeitung wesentliche Dienste leisten." Wir wünschen, daß die neue Sportzeitung sich kräftig ent- wickeln und das Interesse für den Wassersport in Arbcitcrkreisen fördern möge. Die. Redaktion liegt in den Händen von Hans Tackenberg, Maybach-Ufer S. Im Arlchtcrmncithcim H, llsedomstraße 7, wird heute Sonntag, abends 7 Uhr, ein Lichtbild er- Vortrag„Eine Reise durch Italien" gehalten. Der Eintritt ist frei; Mädchen und Frauen sind willkommen. Rixdors. Der vierte volkstümliche Knnstabend�aur heutigen Soirntag(T�/z Uhr) im Rcalgymnasirun gilt denr Schassen Ibsens. Während in der ersten Hälfte des Programms die Lyrik Ibsens in Wort und Ton zum Vorwag kommt, werden im zweiten Teile, der dem Dramatiker Ibsen gewidmet sein wird, Scenen ans„Nora", „Volksfeind",„Gespenster",„Frau vom Meere" usw. gesprochen iverden. Mitwirkende sind: Dr. Gust. Mauz, Leop. Thurner vom Kleinen und Neuen Theater, Sascha Sani, Almati- Rundberg, schwedische Hofopernsängerin, u. a Karten a 30 Pf. sind in der Expedition des„Vorwärts", Prinz Handjerystr. 7, Rixdors, erhältlich. „Bahn frei den Frauen lautet das Thema eines Vortrages, den Frau L i l y Braun am Dienstag, den 26. Januar, abends 8 Uhr, in den Industrie- Festsälen, Beuthstraße 19/20, halten wird. Der Eintritt ist frei für jedermann. Hua den Nachbarorten. Parteigenossen! Seht die Wählerlisten zur Ge- meindewahl bis zum LU. Januar nach oder beauftragt die an deti einzelnen Orten bekannt gegebenen Personen mit der Durchsicht der Liste! Aus der Stadtverordnewn-Sitzung zu Spandau. Die ganze f\l\ L>SS ist gegen das Vorjahr eine weitere Steigerung um 33 097,18 M. Die Schullasten werden für das finanzarme Spandau immer unerwäg- lichw, erreicht doch der aus der Siadtkasse im nächsten Jahre zu stitmde Zuschuß die Summe von 441 148,37 M., d. i. etwa der vierte Teil des ganzen Haushalwngs-Etats. Ans Antrag des Etatsausschusses sprach sich die Versammlung einstimmig für ein er- »eutcs Gesuch an die Ttaatsregiennig um E r h ö h u n g der StaatS- bÄhilfe zu den Schullasten aus. Ttadtv. Pieper(Soe.) drang in der Debatte auf möglichste Beschleunigung der Angelegenheit betr. Anstellung bon Schul- ä r z t e n und stellte den grundsätzlichen Antrag, bei allen neuen Schulbauteir die Anlage von Schulbädern vorzusehen, welcher Antrag aber keine Gnade vor der in allen socialen Dingen höchst rück- ständigen Stadtvcrordneten-Mchrheit sand. Gegen die Stimmen unsrcr Genossen sand der Etatsentwurf die Zustimmung der Bcr- sammlung. Die Beratung des ElektricitätZ-Etats� gestaltete sich ziemlich lebhast, insofern unsre Parteigenossen D u ck s ch, Vi ülle r und Rieger scharf die Art der Aufstellung des Etats kritisierte» und einen socialdemokrattschen Antrag auf Erhöhung der Gebühr für Kraftstrom von 14 auf 16 Pf. pro Kilowattstunde zwecks gründlicher Beseitigung der jetzigen Teficitwirtschafk verteidigten. Dieser Antrag wurde abgelehnt und dagegen gemäß der Vorlage die Er- höhung auf 15 Pst beschlossen. Beim F o r st-E t a t gelang es unsren Genossen, einen von R i e g e r verteidigten Antrag zur Annahme zu bringen, wonach die„Holzzettel" künftig an ärmere Leute zum Sammeln von Raff- und Leseholz in der städtischen Forst unentgeltlich ausgegeben und als Sammeltage Mittwoch und Sonnabend jeder Woche freigegeben werden sollen. Die Magistratsvorlage betr. Erhöhung der Hundesteuer von 16 ans 20 M. erfuhr nach kurzer Debatte glatte Ablehnung. In die gemischte Kommission für die Er- Achtung einer Realschule wurden schließlich noch unsre Genossen Müller und Linz gewählt. GmcKts-Leitung. Die bürgerliche Justiz gegen ailSständigcArliclter. Eines der üblichen starten Nteile gegen Streikende fällte gestern die achte Strafkammer unter dem Vorsitz des Landgerichts-Direktor C a s p c r. Angeklagt waren die elf Metallarbeiter Krause, Schumann. Schwarz. Pähl, Köhler. Wulfs, Leuschner. A p e l, S u c r o w, Hoff- m a n n und G n t s ch e. teils wegen Bedrohung und Mißhandlung Arbeitswilliger, teils wegen Beleidigung oder Hausfriedensbruche«, begangen im Jaünar und Februar v. I. anläßlich des Streiks in der Telegraphenbau-Anstalt von K a y s c r u. Schmidt, llrspriinglich (UHU Ulü(II VIKVV—-y die stundenlange Beweisaufnahme ergab, ist es thatfächlich mehrfach zu Zusammenstößen und Schlägereien zwischen Streikenden_ und Arbeitswilligen gekommen, bei denen sich einige der letzteren sogar des offenen Messers und des Revolvers bedienten. Die Anklage nahm selbstverständlich an. daß die Zusammenstöße von den Streikenden provoziert worden waren. Staatsanwalt Figge be- antragtc gegen Krause 3 Monate Gefängnis. Schumann 2 Vlonate. Schwarz 2 Monate. Pähl 3 Wochen. Köhler 14 Tage, Wulff 3 Wochen, Leuschner 1"" Monat, Apel 10 Tage; gegen Sucrow. Hoffmann und Gntsche auf Freisprechung. Die Verteidiger, Rechtsanwälte Wolfgang Heine und Dr, Heine- mann plädierten, soweit nicht Freisprechungen in Frage kommen konnten für Geldstrafen, da cS sich um bisher unbescholtene Leute handelte. Nach l>,',.stiindiger Beratung verkündete der Vorsitzende das Urteil, und zwar wurden verurteilt: Krause zu sechs Monaten, Schumann zu sechs Monaten, Schwarz zu sechs Monate», Pähl zu einem Monat, Köhler zu einem Monat und Wulff zu drei Woche» Gefängnis. Bemerkt sei dabei, daß der Gerichtshof noch fast jedem der Verurteilten ein oder mehrere Strafdclikte, weil unbewiesen, freisprechend anrechnete. Tie übrigen fünf Angeklagten wurden frei- gesprochen. Konsequent halten die bürgerlichen Richter daran fest, baß Ausschreitungen Ausständiger so hart wie nur möglich ge- ahndet werden müssen. Selbst bürgerliche Socialpolmker haben wohl zu dutzendcn Malen dargelegt, daß, lvcnn irgendwie Gewalt- thätigkeiten milde Beurteilung verdienen, es die sind, die ehrenhafte Arbeiter in begreiflicher Entrüstung gegen Deserteure begehen, daß man die Männer, die im harten, opferreichen Kampf um eine geringe Verbesserung ihres elenden Daseins sich einer Ausschreitung schuldig machen, zum mindesten nicht strenger bestrafen sollte als „gebildete" Studenten, die auf der Straße ehrbare Frauen thätltch beleidigen. Die Folgen einer solchen Rechtsprechung brauchen wir nicht erst zu schildern; sie liegen für jeden, der sehen will, offen zu Tage. Streikprozcß. Am Freitag hatten sich wieder zwei Veltener Streilsünder wegen groben Unfugs vor dem Schöffengericht in Spandau zu verantworten. Es waren dies der Arbeiter Georg Hirsch und der Töpfer Franz Pruschke. Als Zeugen waren wieder die Gendarmen Jauernick und Geist geladen. Der grobe Unfug, den die Angeklagten in der Nacht zum 9. November vor. Js. verübt haben sollen, wurde darin erblickt, daß Hirsch mit einer clek- irischen Taschenlatcrne einigen Personen, darunter auch dem Gen- darmen Geist, ins Gesicht leilchtete und daß beide an der Hausthür eines Ofenfabrikanten gerüttelt hatten. Hirsch wurde zu 20 M., Pruschke zu 12 M. Geldstrafe verurteilt. Ter Freiherr von Münch. Einen ganzen Sitzungstag hatte die neunte Srrafkaiiimcr des Landgerichts l gestern der Angelegenheit des früheren Reichstagsabgeordneten Freiherrn v. M ii n ch zu Mül, ringen zu widmen. Ter Strcir desselben mit der württembergischen Staats- rcgicrmig und sein Kampf gegen die Psychiatrie, die ihn für geistes- krank erklärt und dadurch seine Ilcbcrfiihrung in ein Irrenhaus veranlaßt hatten, ist bekannt. Er hatte seine Erlebnisse in einer Broschüre unter der Ucberschrift„Württcmbcrgische Rechtspflege und Verwaltung" veröffentlicht und diese in 2600 Exemplaren drucken und an viele Persouen, u. a. auch au die Rcichstagsmitglieder ver- teilen lassen. Er verfolgte in der Broschüre seine Rechte und versuchte darzulegen, wie bitteres Unrecht ihm von den württcmbcrgischcn Bc- Hörden zugefügt sei. Der Inhalt der Broschüre gab Anlaß zur Er- Hebung einer Anklage gegen Freiherrn v. Münch wegen Beleidigung des Staatsministers v. P i s ch c t, des Mcdizinn-lrars Dr. D i c tz und des Obcramtmanncs Stiefenhofen. Die vor der neunten Strafkammer am 28. Februar v. I. geführte Verhandlung hatte das Ergebnis, daß der Angeklagte persönlich für straffrei erklärt 1 miede, weil das Gutachten der Medizinalräte Dr. L a p p m a n n und Dr. Mitten z w e i g dahin ging, daß der Angeklagte geistes- trank gewesen sei und deshalb S 51 des Strafgesetzbuchs aus ihn Anwendung finde. Dagegen erkannte das Gericht auf Einziehung und Vernichtung der noch vorzufindenden Exemplare der Broschüre, deren Inhalt„objektiv beleidigend" und geeignet sei, die drei gc- nannten Personen in ihrer Ehre zu kränken. Gegen das Urteil legte der Angeklagte sowohl bezüglich seiner Freisprechung als bezüglich der Vernichtung der Broschüre Revision ein. Das Reichsgericht hat den zweiten Teil der Revision für begründet erachtet und die Frage der Unbrauchbarmachung der Broschüre zur andcrlvcitigcn Ver- Handlung an die Strafkammer zurückgewiesen. Das Reichsgericht hat cS nicht für genügend erachtet, festzustellen, daß der Inhalt der Schrift chrverlctzcnd fei, der Gerichtshof hätte vielmehr, da auch K 186 in Frage stand, auch die Mchtnachwcislichkcit der behaupteten Thatsachen prüfen müffcn. In der gestrigen Sitzung konnte sich der Gerichtshof der Notwendigkeit, die gesamte umfangreiche Schrift zur Verlesung zu bringen, nicht entziehen. Hieran knüpfte der Angeklagte v. Münch au-ffichrlichc rechtliche und thatsächliche Darlegungen und stellte eine lange Reibe von Beweisanträgen zur Erhärtung der Bchauptung, daß die beleidigten Personen verschiedene Maß- nahmen gegen ihn wider besseres Wissen ergriffen haben. Staats- anwaltschaftsrat Schmidt hielt den Antrag auf Unbrauchbar- machung der Schrift aufrecht; die in der Sehnst enthaltenen Ehren- lränkungen könnten nicht bewiesen werden, denn sie stützten sia, gar nicht ans Thatsachen, sondern seien bloße Urteile.— Der Gerichtshof erkannte auf Abweisung des Antrages des Staats- anwalts und Auferlegung der Kosten des Verfahrens ans die Staatskasse. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß die Schrift zur Wahrung berechtigte» Interessen, nämlich zum Nachweise, daß er widerrechtlich interniert geivescn, veröffentlicht worden sei. Ainn mindesten sei der Angeklagte von dieser Ansicht ausgegangen. Form oder Inhalt der Broschüre lassen aber auf eine beleidigende Absicht JJ,!";*"8 nicht schließen.__ Vermifcdtes. Die Stadt Aalesund in Norwegen ist gestern nacht von einer furchtbaren F e u e r s b r n n st heimgesucht worden. Gestern nacht 2'/z Uhr brach im westlichen Teil der Stadt Aalesund Feuer aus, das sich bei orkanartigem Sturm mit rasender Schnelligkeit über die ganze Stadt ausbreitete. Die Löscharbeiten waren sehr er- schwcrt, da die Wasserwerke nicht richtig arbeiteten. Um fünf Uhr morgens waren die Kirche, das Gymnasium, die beiden Apotheken und das Postgebäude niedergebrannt. Da auch das Telcgraphcngcbäude niedergebrannt ist, so war es schwer, Verbindung mit der Stadt zu erhalten. Als um 9>/z Uhr vormittags eine Verbindung erlangt war, wurde mitgeteilt, daß drei Viertel der Stadt schon nieder- gebrannt sei und der Rest in Flammen stehe. Verluste an Menschen leben sind nicht zu beklagen. Die meisten Einwohner sollen sich ge- rettet haben. Um 9 Uhr 35 Mmuten war die telegraphische Ver- bindung loiedcr abgebrochen. Die Bevölkerung ist ohne Nahrung und Kleidung. Aus Bergen wurden Hilfsdampfer abgeschickt. Nach einer Meldung vom Sonnabcndnachmittag 2'/4 Uhr ist die ganze Stadt am Vornnttag niedergebrannt, 12 000 Einwohner sind obdachlos, es fehlt an allem, besonders Medikamente werden verlangt. Der Schaden wird auf viele Millionen geschätzt. Da die tclegraphische Verbindung noch abgebrochen ist, fehlen Einzel- Heiken. In München wurde gestern morgen in den dortigen Pschorr- bräu-Bierhallcn der 25jährigc stuck, jur. Anton Willems aus Köln von seinein Freund, dem 25jährigen Chcmicstudicrendcn Kurt Lcquis, ebenfalls aus Köln, bei fahrlässigem Spielen mit einem Revolver durch einen Schuß ins Herz getötet. Drei Kinder erstickt. Dein Packer Güllendorf zu Erfurt erstickten dieser Tage drei Kinder. Sie hatten aus Papicrstrcifcn Fidibusse gemacht und diese am Zugloch der Ofenthür angezündet. Mit diesem gefährlichen Spielzeug haben sie dann das Sofa in Brand gesteckt. Das Feuer entwickelte in wenigen Augenblicken so viel Rauch, daß die Kinder ebenso plötzlich, wie dies von Theater- bränden berichtet wird, erstickt sein müssen. Denn als Leute in das dicht mit Qualm erfüllte Zimmer eindrangen, fanden sie den fünf- jährigen Erich am Tische und den vierjährigen Karl auf einem 5tosfer sitzend, beide mit offenen Augen und ohne wahrnehmbare Ver- änderung. Erst �als Frau Güllendors, in der Vermutung, die Kinder seien vor Schreck noch starr, sie aufzurütteln versuchte, sanken die kleinen, bereits erkalteten Leichen der Mutter haltlos in die Arme. Auch dakS kleine, eineinvierteljährige Mädchen machte in seinem am Boden stehenden Korbe ocn Eindruck, als ob es noch lebe. Der rasch herbeigerufene Arzt konnte aber bei allen dreien nur den schon mehrere Stunden zurückliegenden Tod feststellen. Mordthatcn. In K i e l sind in der Nacht zu gestern der achtzig- jährige Gärtner Ehrich und seine Frau in ihrer Wohnung ermordet und beraubt worden. Die Ermordeten, die das Leben von Sonder- lingen führten, galten als sehr reich.— Wie schlesischen Blättern aus Dobrjcmka, Gouvernement T s ch e r n i g o tv, gemeldet wird, drangen des Nachts vermummte Männer in das dortige Bank- acbände ein, ermordeten die drei Wächter desselben, erbrachen den Geldschrank und ciitwendeten 53 500 Rubel in Silber, und Papier. Die Raubmörder sind noch nicht ergriffen. Gold Vom Chintz»er Theaterbkatzd. Eine eins Berlin stammende Tänzerin des vom Brande heimgesuchten Jroquois- Theaters schildert in einem Briefe an hiesige Verwandte ihre Rettung aus den» brennenden Biihcnhause folgendermaßen: Als der Fcnerruf erschallte, befand ich mich mit mehreren Kolleginnen in der i m s e ch st c n Stockwerk liegenden Garde- robe. Schnell grisscn wir nach einigen Kleidungsstücken, die wir über unser. leichtes Thcaterkostüm warfen. Als ich die Garderoben- thür öffnete, zeigte sich, daß das ganze Bühnenhaus mit rotem Feuerschein erfüllt!var und dicker Qualm zn uns ausstieg. Es schien unmöglich, die sechs Treppen hiiiuntcrzukommcn bis zum Ausgang. Wir hatten im sechsten Stock den Feuerrns erst gehört, nachdem fast das ganze Bühnenpersonal bereits geflüchtet war. Als wir den Fußboden der Bühne erreichten, befanden wir uns misten in einem Meer sausender Flammen. Den uns bekannten Ausgang zn erreichen» war unmöglich, ob und Ivo es noch andre Ausgänge gab, das wußten wir nicht. Da sahen wir einen Menschen durch einen langen Gang rennen. Unwillkürlich folgten wir ihm und gelangten, wir wußten selbst nicht wie, ans die Straße. Tie Flammen hatten uns zwar nicht erreicht, aber die Hitze war so stark, daß meine Kolleginnen, ivelche im Theakerkostüm die Flucht ergriffen hatten, durch die Glut schwere Brandwunden erlitten. Eine ist bereits gestorben, die andren liegen schwer krank im Spital. Da ich ineuien Mantel umgenommen hatte, blieb mein Körper von der Einwirkung der Glut- Hitze verschont, ich erreichte das Freie; es war höchste Zeit, denn mein Mantel war bereits glühend heiß. Kopf und Oals, die durch den Mantel nicht geschützt waren, hatten durch die Hitze etwas gelitten. im übrigen war ich unversehrt. Leute, die sich um die Geretteten bemühten, führten mich in ein Hotel, Ivo bereits etwa 100 Ver- unglückte lagen, die alle vom Feuer schwer beschädigt waren. Zwei von den schwer verwundeten Tänzerinnen sowie die Verstorbene stnd Berlinerinnen. Ncbcrschwcmmung im Staate New Jork. Im lvcstlichcn Teile des Staates New /York sind durch die Wafserfluten Brücken zerstört und der Eisenbahnverkehr unterbrochen. Die Häuser an der Ufer- straße in Pittsburg sind überflutet und viele Fabriken gezwungen. den Betrieb einzustellen. Die starke Flut droht Boote und Güter wegzuschwemmen. Der Schaden wird ans 1 Million Dollar geschätzt._ ßnefkaften der Redaktion, ■jfimrtifclicr Ceti. T ic juristische Tprcchstuudc studct tiialich Iiiit Ansnahmc VcsIZoiliiabeudS von liw»'/s Npr nbciids statt. Gciiffnct: 7 lliir. M. W. 2it, R. B. 31»»d andre Seiratsfragcr. 1. Zur Else- sHlicsjUiig ist für die Braut Zurücklegimg des 16., sür den Bräutigam Boll- jährigkeit(Zurücklegung des 21. Lebensjahres oder Vvlljähriglcitserklärung nach volkenbctri» 18. Lebensjahre) erforderlich. Das Ehemündigkeitsalter mus! bei der Anmeldung zum Ansgcbot vorhanden fein. 2. Bis zur Vollendniig des 21. Lebensjahres bedürsen eheliche Kinder der Einwilligunz des Vaters, uneheliche der Mutter. 3. Beim Ausgebot iverden verlangt: die Geburtsurkunden beider, die Militärpapicre des Bräutigams, eine beglaubigte Emwilligkeitserklärung des BatcrS(oder der Mutter) für die etwa noch inindcrjährigcn Braullcutc. 4. Das Aufgebot criolgt in der Geniemde oder in den Gemeinden, wo die Verlobten ibrc» Wohnsitz haben, ferner wenn einer der Verlobten feinen gewöhnlichen Ausenthalt ausicrhalb feines gegenwärtigen Wohnsitzes hat, auch in der Gemeinde feines jetzigen Aufenthalts, und endlich, wenn einer der Verlobten seinen Wohnsitz inner- halb der letzte» sechs Monate gewechselt hat, auch in der Gemeinde seines srührcn Wohnsitzes. Es ist daher zwcckmäsjig, dem �Standesbeamten eine polizeiliche Anmeldung über de» Zuzug initzubriiigcn. Der Aushang er- folgt zwei Wochen lang. Die Verlobten können sich an den Standes- bcamten des Wohnsitzes der Braut oder des Bräutigams, nach ihrer Wabk wenden. 5. Vor der Hochzeit müssen mindestens 200 Marken geklebt sein, wenn die jinige Frau den Anspruch aus Rückerstattung der Hülste der für sie geklebten Marken geltend machen>uill. Sie verliert dann aber alte Au- sprüche aus der Versicherung. Klebt sie stlbst ueiter(niindsstciis 40 Marke» in je zwei Jahren), so behalt sie ihre oft wertvolleren Ansprüche, z. B. die Möglichkeit. eine Heilstätte zu bekuchen.«>. Rücksichtlich des Anbictciis der Bruderschajt dem Verschwägerten gegenüber � besteht kein fester Brauch: in der Regel bietet bcr Verständigere das Duzen an. 7. Eine kirchliche Trauung ist sür die RcchtSbcständigleik der Ehe völlig unerheblich. Die Ehe wird durch das Ja der Heiratslustigen vor dem Standesbeamten geschlossen. Dieser Heirat kann ffich ein Hochzcits- schmaus, ein Gang in die Kirche, eine Hochzeitsreise anjchiicsten, irgendwelche Rechtssolgon sind an solche Ecremonicn nicht geknüpft. Darüber, unter welchen Umständen eine kirchliche Trauung vorgenommen wird, giebt der Geistliche der Konscssion AuSknnst, der einer der Brautleute angehört.— Umzug. 1. 1. April. 2. u. 3. Ja. bis zum 31. März. 4. Im Lause de» Ersten.— 3k.-)}{. 23. Ihnen steht ein blecht aus Herausgabe des Kindes nicht zu. Die Alimente müssen Sic zahlen, wegen der Alimciilc ist Lohn» beschlagnahme zulässig.— 3k. 3k. 1000. X. und 2. Plein. 3. Ja. — Maschinen, ester Barme». 1. Wenn Sie als Minderjähriger tich haben beschwätzen lassen, ein Buch gegen monatliche Teilzahlung zu lausen. das Buch aber zurückgegehen haben oder als Volljähriger weder durch Ratenzahlung noch sonstwie den Vertrag anerkannt haben, so ist eine gegen Sic aus Zahlung gerichtete Klage abzuweisen. 2. Kaiser Wilhelmstr. 42.— P. S. 32. 1. Die Grundsätze sür die Berechnung des Jahres-Arbeits» Verdienstes zwecks Berechnung der Lnvalihitätsbciträge sindeu Sie S.:i05 und 306 des in den öftentlichen Lcscballen ausliegenden..'Arbeiterrechts". 2., 4. Ja. 3., 5., 8. Nein. 6. und 7. Die allgcnicine» Pcnsionsgesetze sind »abgebend.— Unfall. Wenden Sic sich an dnS Arbeitersekretariat Engel-llser 15, GewcrkschnstshauS.— 3 Fi?, Glühwein-Extrakt Med. Ungarw Clll. Süss, Ltr. M.. Stonsdorfer vorzüglich, Ltr. M. 1,—. 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Zu fragen in der Bäckerei Bismarck- ftraße 18, A. Wartonhorg. 40302* Aerantw. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Für den Inseratenteil vercmtw.: TH. Glvcke, Berlin. Druck u. Perlag: Borwätts Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 9t. 20. 21. 3. Iriltp dkg Joniiärts" f trlintt PolMlott. Sonntag, 24. JannartM. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 23. Januar 1904. Die Kartelle in der Eisen-Jndustrir. Der Stahlwerksverband und die Börse.— Die Kartellierungsbestrebungen in der Eisen-Jnduftrie.— Die großen Verbände der Schwcreisen-Jndustrie. — Die Verbände der Klemeisen-Lndustrie.— Die Motive der Kartell gründungcn.— Die Förderung des industriellen Konzentrationsprozesscs durch die Kartellbildungen.— Betriebsvereinigungen in der Hochosen- und Flußeisen-Jnduftrie. Der japanisch-russische Konflikt, der noch in voriger Woche die Börse in Spannung hielt, hat inzwischen für sie seine Bedeutung fast gänzlich verloren. Sensationssucht und Meinungswechsel sind die hervorstechendsten Züge des neurasthenischen Charakters der Börse, die fast stets, wenn eine neue Frage am politischen Horizont auftaucht, dieser zunächst übertriebene Wichtigkeit beimißt, um sie dam nachdem sie kurze Zeit, oft nur einige Tage, das Spekulations- treiben beherrscht hat, als abgebraucht fallen zu lassen. Statt der Borgänge im fernen Osten beschäftigte in letzter Woche die schone Etatsrede Rheinbabens, der voraussichtliche Ucberschutz der pveußi scheir Staatsbahnen, die geplante Kapitalserhöhung der Großen Berliner Straßenbahn und vor allem das Scheitern der Stahl- verbands-Gründung die Börse. Obgleich der Kartellierung der Stahlwerke in dem geplanten Umfange schwer zu überwindende Hindernisse entgegenstehen, rechnete man in Anbetracht der rast losen Energie der Leiter der Unterhandlungen auf die Durch- führung des Projekts. Um so mehr verstimmte die Trennung der in Betracht koinmenden Werke in zwei bciikahe gleich starke Gruppen und die Ankündigung der etwas größeren Hälfte, gegen die andre einen rücksichtslosen Konkurrenzkampf eröffnen zu wollen. Dabei wird ganz übersehen, daß immerhin der feste Zusammen- schluß des größeren Teils der Werke, mag er auch hinter den an der Börse gehegten Hoffnungen West zurückbleiben, insofern einen gewissen Erfolg bedeutet, als er die Basis für eine spätere um- fassendere Kartrllierung der Stahlfabrikation» liefert. Allerdings vorläufig kaum. Das nächste Ergebnis dürste vielmehr ein heftiger Konkurrenzkampf der beiden Gruppen gegeneinander sein; aber dieser Kampf wird alsbald die dissentierenden Werke zur Bildung einer festen Gegenkoalition zwingen, und nachdem dann beide feind- lichen Brüder eine Zeitlang ihre Kräfte gemessen und sich gegen- seitig geschädigt haben, wird ihnen voraussichtlich, wie so manchen heute zu Kartellen vereinigten, früher einander wütend bekämpfenden Jnteressenrliquen, die schöne Einsicht kommen, daß es profitabler ist, sich zu verständigen und die Preise aufwärts zu treiben, statt sie durch Unterbietungen herabzudrücken. Und die Folge wird ent- weder die Vereinigung beider Koalitionen zu dem erstrebten Stahl- werks-Berband sein oder die Schaffung einer Art Kartellverhältnis zwischen ihnen, daS jeder Gruppe ihre Interessensphäre abgrenzt und die Einhaltung bestimmter Preislagen für die wichtigsten Fabrikationsartikel sichert. Nicht wenige der heutigen großen Syndikate sind bekanntlich aus derartigen früheren Kämpfen hervorgegangen. Das Kartellierungbestrcben geht nun mal durch unsre gesamte Industrie, und fast auf keinem Produktionsgebict findet es trotz aller Rivalitätsstreitigkeiten so gute Vorbedingungen, wie in der Schtverciseninduftrie. Die Fabrikations- wie die Rbsatzverhältnisse smd, wenn es auch an einzelnen Unterschieden natürlich nicht fehlt, im Ivcsentlichcn gleichartige. Nur auf sehr wenigen Produktions- gebieten gleichen die Fabrikationsmethoden, der Arbeitsprozeß und die Arbeitervcrhälwisse einander in dem Maße, wie in den verschiedenen Zweigen der Eisen- und Stahlindustrie. Dazu kommt, daß die Zahl der konkurrierenden Werke eine beschränkte ist und die Fabrikation sich nicht auf eine große Masse verschiedenartiger, dem Modewechsel unterworfener Artikel erstreckt, sondern nur auf einige wenige sich gleichbleibende Produkte, die direkt an einen engen Kreis von weiterverarbeitenden Werken oder allenfalls an eine kleine Gruppe von Großhändlern abgesetzt werden. Das sind für die Syndikatsbildung besonders günstige Momente, und thatsächlich hat. wenn man von der unter ähnlichen Bedingungen vroduzierenden Kohlenindustrie absieht, in keinem andren Gewerbe das Kartellwcsen einen gleichen Umfang und eine ähnliche Bedeutung erlangt, wie in der Schwereisenindustrie. Nach dem„Bericht über das Kartellwesen in der inländischen Eisenindustrie", der vom Rcgicrungsrat Dr. Voelkcr als Einleitung in die Verhandlungen über die Rheinisch-Wrstfälischcn Rohcisensyndikate am 30. November und 1, Dezember vorigen Jahres verfaßt und dem Verhandlungs- stcnogramm beigegeben ist, bestmiden gegen Ende des vorigen Jahres nickst weniger als 4 4 Kartelle oder Syndikate üi der Eisen- industrie, ungerechnet die Händlervercinigungen und die nur zum Zweck der Preisvereinbarung geschlossenen losen Verbände ohne eigentlichen Kartellcharaktcr. In der Hochofenindustrie finden wir fünf Syndikate. An erster Stelle ist zu nennen das 19 Werke umfassende Rheinisch- Westfälische Roheisensyndikat in Düsseldorf, an zwester Stelle der Verein für den Verkauf von Sieger- länder Roheisen mit dem Sitze in Siegen, dem 16 Werke angehören. Beide Verbände stehen wieder untereinander in einem gewissen Kartellverhältnis. Es ist zwischen beiden ein Vertrag ge- schlössen, nach welchem der Verkauf bestimmter Roheisensortcn. in denen beide Syndikate konkurrieren, nur auf gemeinschaftliche Rechnung durch das Roheisensyndikat in Düsseldorf stattfinden darf. Zu erwähnen ist außerdem, obwohl es seinen Sitz und seine Verkaufs- stelle nicht im Deutschen Reiche hat, das Lothringisch- Luxemburgische Roheisensyndikat in Luxemburg, denn von den diesem Syndikat angehörenden neun Werken liegen fünf in Elsatz-Lothringen bezw. im Saarrcvicr. Auch zwischen diesem und dem Düsseldorfer Roheisensyndikat besteht betreffs des Verkaufs bestimmter Eisensorten ein gegenseitiges Abkommen. Beide unterhalten nämlich eine gemeinschaftliche Thomas- Roh- eisen, Verkaufs st elle in Düsseldorf, der zur Ver- mcidung der Preisunterbietung für bestimmte Bezirke der Berkauf von Thomas- Roheisen übertragen ist. Zu diesen rheinisch-west- fälischen Kartellen kommt dann noch als fünftes das Ober- sch lesische Roheisensyndikat in Beuthen mit S Hoch- oscnwcrken. Von den Flußeisen herstellenden Betrieben haben sich 19, meist rheinische und westfälische, Stahlwerke zu dem vielgenannten Halbzeugverband mit dem Sitz in Düsseldorf vereinigt, während die größeren Schweißeisen produzierenden Betriebe sich zur Vereinigung rheinisch- westfälisch er Schweiß- «isenwerke zusammengeschlossen haben, der 20 Werke an- gehören. Neben ihnen besteht der Düsseldorfer„St a h l f o r m- guß-Verband" mst 24 Werken, die bis auf einige wenige ebenfalls ihren Sitz im Rheinland und in Westfalen haben. In der Walzwerks-Jndustrie, einschließlich derjenigen Industrie- zweige, die sich mit der Weiterverarbeitung von WalziverkS- Erzeugnissen befassen, finden wir 19 Kartelle und Konventionen. Das wichtigste unter diesen Kartellen ist der T r ä g e r v e r b a n d, dem 21 Werke angehören, die meist ihren Sitz im rheinländisch-west- fälischen Industriegebiet, im Saarrevier, in Lothringen und in Ober- schlesien haben. Ferner haben sich in dem Eisenbahn-Bedarfsarfilel herstellenden Teil der Walzlvcrks-Jiidustrie folgende Verbände gebildet: Der Verband der vereinigten deutschen Stahlschienen-Walz- werke(Deutsche S ch i e ir e n- G e in e i n s ch a f t>, der verewigten deutschen Stahl- und Eisenschwellen- Walzwerke(Deutsche Schwellen-Gemeinschast), der vereinigten deutschen Rad- reifen-Walzwerke(Deutsche Radreifen-Gemeinschaft) und die vereinigten deutschen Radsatz-Werke(Deutsche Radsatz- Gemeinschaft). Der ersteren Vereinigung gehören 24 Mit- glieder, der zweiten 21 Mitglieder, der Radreifen-Gemeinschaft und der Radsatz-Gemeinschaft je 19 Mitglieder an. In der Röhrenwalzwerks-Jndustrie bestehen die Röhren- streifen-Vereinigung mit dem Sitze in Eschweiler-Pümpchen und mit 7 Mitgliedern, ferner das Gasrohrsyndikat, dem 20 Mitglieder, und das Siederohrsyndikat, dem lö Mit- glieder angehören. Unter den Blechwalzwerken haben sich 28 Werke in dem Verbände deutscher Grobblech- Walzwerke mit dem Sitze in Essen, serner 46 Werke mit dem Sitze in Köln zu dem Verband deutscher Feinblech-Walz- werke vereinigt. Die Werke, die Weißbleche herstellen, haben ein Weißblech-Verkaufscomptoir in Köln gegründet. Die Mitgliederzahl beträgt fünf. Von den blechverarbeitenden Gewerbe- zweigen haben sechs Emaillierwerke das Verkaufsbureau vereinigter Eniaillier werke in Berlin errichtet. In der Drahtindustrie ist zu erwähnen der Verband deutscher Drahtwalzwerke in Berlin mit 24 Mitgliedern, welche in allen Teilen Deutschlands wohnen, ferner der Verband deutscher Draht st ift-Fabrikanten in Berlin, dem 76 Mitglieder angehören, sowie der Verband deutscher Draht seil-Fabrikanten in Köln mit 18 Mitgliedern und der Verband deutscher Drahtgeflecht-Fabrikanten in Köln mit 6 Mitgliedern. Außerdem giebt es noch das Syndikat: Vereinigte Ober- schlesische Walzwerke, deren Verkaufsstelle sich in Berlin befindet, init neun Mitgliedern; ferner die Vereinigung Rheinisch-Westfälischer Bandeisen- Walzwerke, die sieben Betriebe umfaßt, sowie der Verband von abrikanten gebeizter Eisenbleche in Hagen mit uns Mitgliedern: der Verband deutscher Stahlflaschen Fabrikanten mit dem Sitze in Düsseldorf und sechs Mitgliedern und endlich der Verband deutscher Feder st ahlwerke in Hagen mit zwölf Mitgliedern. Unter den in der Eisengießerei bestehenden Verbänden ist zu erwähnen: das Deutsche Gußröhren- Syndikat in Köln mit 20 Mitgliedern und der Ostdeutsch-Sächsische Hütten- verein in Waldenburg i. Schl., dessen drei Unterabteilungen ins- gesamt 27 Werke umfassen. Im Vergleich zu diesen großen Kartellen der Schwercisen industrie haben die Verbände in der Kleineisenindustrie nur geringe Bedeutung. Zwar hat auch in diesem Teil der sich mächtig reckenden Eisen- und Stahlindustrie die Kartellicrungsmanic ihren Einzug ge halten und eine große Anzahl Verbandsgründungen hervorgerufen da aber hier die Vorbedingung für die Durchführung der Syndi- zierung: die Gleichartigkeit des Arbeitsprozesses und der Absatz- Verhältnisse, vielfach fehlt, und sich dafür oft eine weite Zersplitterung der Produktion über eine große Anzahl kleiner Betriebe und eine beträchtliche Specialisierung der Fabrikation vorfindet, da ferner der Absatz häufig direkt an Kleinhändler erfolgt, wodurch die Er- richtung' einer gemeinsamen Verkaufsstelle und eine wirksame Kontrolle der Jnnehaltung der Preisfestsetzungen erschwert wird, so haben nur einige wenige Kartelle der Klcineisenindustrie annähernd jene Festigkeit und jene Bedeutung innerhalb ihres Produkfions- zweiges erlangt, wie die Verbände der Schwereisenindustrie. Nach der Angabe verschiedener jüngst über die sogenannte „Kartellfrage" erschienener Schriften entstehen die Kartelle Haupt- sächlich in Krisenzeiten und entspringen dem Versuch, den schranken- losen Wettbewerb und den mit diesem verbundenen Preisdruck ein- zuschränken. Die Entstehung der meisten Kartelle der Eisenindustrie ividerspricht dieser Behauptung. Einige sind wohl in der Zeit der Krise aus den vorgenannten Gründen errichtet worden. Die große Mehrzahl aber ist in den vergangenen Prosperitätsjahrcn entstanden und ihre Gründung erfolgte zu dem klar ausgesprochenen Zwecke einer besseren Ausnutzung der damaligen günstigen Konjunktur. Selbst in Bezug auf die Verbandsbildungen in der rheinisch-west- fälischen Hochofenindustrie, auf die oft als Beweis für die oben erwähnte Behauptung hingewiesen wird, trifft sie nicht zu. Die erste Vereinigung der Gießereiroheisen produzierenden rheinisch-west- fälischen Hochofenwerke mit den hessischen und Harzer Werken zu einem kartellartigen Verband erfogtc nicht zur Zeit der 5irise in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, sondern erst 1879, als nach dem Äräch ein treuer Aufschwung der Eiscinndustrie einsetzte. Drei Jahre später wurde dann ein weiterer Verband zur gemein- schaftlichen Preisbestimmung für Oualitätspuddeleisen und zwecks Jnnehaltung gewisser, durch die Vereinigung festzusetzender Ver- taufsbedingungen gegründet Aus diesen Verbänden bildete sich im Jahre 1886 der Rheinisch- Westfälische Rohoisen-Verband für Gießerei-, Bessemer-, Thomas- und Oualitätspuddeleisen. Er löste sich jedoch infolge innerer Zwistigkeiten bald wieder auf, und nun erfolgte allerdings 1889, als sich auf dem Eisemnarkt eilte Ab- flauung eingestellt hatte, die Griindung der Rheimsch-Westfälischcn Verkaufsstelle für Oualitätspuddeleisen. mis der direkt das jetzige Rheinisch-Wcstfälische Roheisensyndikat in Düsseldorf hervorgegangen ist. Doch auch diese Umbildung zur jetzigen festeren Form fand nicht in den nachfolgenden Jahren wirtschaftlicher Depression statt, sondern erst 1897 zum Zweck einer besseren Ausnützung der mzwischcn um geschlagenen günstigcit Marktlage. Und wie mit dieser Behauptung, welche die Kartelle lediglich als Verbände zur Ahwehr des sogenannten„unlauteren Weit- bewerbs" erscheinen lassen möchte, steht es mit der andren Bc- hauptung, durch die von einem Teil der liberalen Presse dem Mittelstand" die Kartellierungsbestrebungen schmackhafter gemacht werden soll, der Behauptung, daß durch Aufhebung der Konkurrtpiz innerhalb der betreffenden Branche und Festsetzung von bestimmten Produktionsantcilsziffern dem Konzentrationsprozeß, der Auf- saugung der kleinen durch die großen Betriebe vorgebeugt werde. In gewissem Sinne ist die übliche Argumentation zwar richtig; es wird dabei nur übersehen, daß der KonzeutrationSprozeß das Ergebnis einer ganzen Reihe Faktoren ist, und daß, wenn die Wirkung des obgenannten Faktors gehemmt wird, dafür die der andren Faktoren desto mehr verstärkt wird. Die in der Eisenindustrie durch die Kartelle für die einzelnen Produktionsstufen normierten Preis- lagen geben ganz naturgemäß den Werken, die tnehrere derartige Produktionsstusen betriebsmäßig vereinen, ein bedeutendes liebet» gewicht über tue Werke, die nur die Produkte einer bestimmten Stufe Herstelleu. Nehmen wir an, daß in einem Betrieb Hochofen-, Stahl- und Walzwerke miteinander vereinigt sind, und daß die durch die Kartelle für Roheisen, Stahlböcke und das betreffende Walzeisen- Produkt festgesetzten Preise einen Aufschlag von je 40 Prvz. auf die durchschnittlichen Produktionskosten bedeuten, dann wird das Walzwerk, das für seinen Bedarf Roheisen und Stahl selbst er- zeugt, auf seine Produkte einen Rohgelvinn von mindestens 120 Proz. haben, in den meisten Fällen noch etwas mebr.�da bei einer Vereinigung von mehreren derartigen Produktionsstusen auch häufig noch allerlei Transportkosten und Spesen fortfallen. Das erkennen selbst die Handelskammerberichte an. So meldet z. B. die Handelskammer ist Essen(Jahresbericht für 1901),„daß diejenigen Werke, welche eigne Gießereien besitzen und diesen ihr Roheisen zu nicht syndizierten Prei'en zu liefern im stände waren, vor den übrigen Gießereien hierdurch einen Vorsprung von 30 bis 40 M. für die Tonne hatten und daß sie hierdurch ihre Fabrikate bei der gedrückten Preislage und der großen Konkurrenz zu Preisen an- bieten konnten, welche für die übrigen Gießereien Verlust be- deuteten". Die Folge ist denn auch, daß in neuester Zeit die Betriebs- Vereinigung in der Eisenindustrie riesige Fortchrirte gemacht haben. So waren z. B. Ende vorigen Jahres im Deutschen Reich 88 Hoch- ofenbetriebe vorhanden, von denen 33 nicht mit andren Betriebs- zweigen verbunden, 60 aber mit solchen vereinigt waren. Bon diesen letzteren waren mit Betrieben zur Herstellung von Flußeisen ver- bunden 34, zur Herstellung von Schwcitzeisen 18, zur Herstellung von Stahlformgutz 17, zur Herstellung von Schienen, Trägem usw. 26, zur Herstellung von Stabeisen 29, zur Her- stellung von Blechen 20. Mit Gießereien waren verburide« 32 Hochofenbetriebe. An Betrieben zur Herstellung von Flußeisen, worunter in der Statistik sowohl die Stahlwerke mit Konvertern als auch mit Martinöfen zusammengefaßt wurden, waren vorhanden im Jahre 1903 96 Betriebe, die alle mit andren Betriebszweigen vereinigt waren. Darunter befanden sich 34 Flußeisenbetriebe in Verbindung mit Hochofentverken und Schweißeisen betrieben, 29 in Verbindung mit Betrieben zur Herstellung von Stahlformguß, 65 mit Betrieben zur Herstellung von Stabeisen, ferner 39 in 53er- bindung mit Walzwerken, die Schienet» und Träger herstellen. 39 Betriebe in Verbindung mit Blechwalzwerken, 13 in Verbindung mit Röhrenwalzwerken, 16 in Verbindung mit Drahtwalzwerken und 7 in Verbindung mit Drahtziehereien. Auch die Zahl der Stahlwerke, die mit Betrieben zur Herstellung von Fertigerzeugnissen vereinigt sind, ist nicht unerheblich. 17 Betriebe stellen gleichzeitig Erzeugnisse der Kleineisen-Jndustrie her, 14 sind mit Kesselschmiedeni und 14 andre mit Eiscnkonstruktionswerken verbunden. Es ist eine ganz gewaltige Konzentration, die sich hier vollzieht! eine Konzentration, die mit Notwendigkeit zur völligen Untergrabung der Stellung der sogenatmten„reinen",„mtgemischten" Betriebe führt Schon heute tritt uns denn auch überall das Lamento der „reinen" Werke entgegen, daß sie nicht mehr mit können. Eine andre Frage ist freilich, ob nicht, vom höheren Volks- wirtschaftlichen Standpunkt aus, diese Art der Betricbsvereinigung einen wirtschaftlichen Fortschritt bedeutet, der im weiteren Lauf des Entwicklungsprozesses zu einer beträchtlichen Verbilligung der Preis» führen wird. Aber, ioenn das der Fall ist, dann sollte die liberale Presse nicht diesen Prozeß verleugnen und den_ Kartellen Eigenschaften und Wirkungen andichten, von denen sie nichts ern sich haben. Sie sind und bleiben doch nur Verbände zur Erhöhung des Unternehmerprofits._ Tat. Mocken-Spielplan der Berliner Cheater. Königliches Opernhaus. Geschlossen. Königliches Tchauspielhaus. Sonntag: Im stillen Gaßchen. Montag: Wann wir alterit. Die Romantischen. Dienstag: Herbstzauber. Lästige Schönheit. Die Schule der Ehemänner. Mittwoch: 1812. Donnerstag: Der Geigcnmacher von Crcmona. Der Gewissenswnrnt. Freitag: Herbst- zaubcr. Lästige Schönheit. Die Schule der Ehemänner. Sonnabend: Faust. Sonntag: Die Räuber. Montag: König Lear. Neues königl. Opern- Theater. Sonntag: Samson und Dallla. Montag: Geschlossen. Dienstag: Geschlossen. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Carmen. Freitag: Aida. Sonnabend: Geschlossen. Soim- tag: Undinc. Montag: Geschlossen. Schiller-Theater v.(Wallner-Theater.) Sonntagnachmittag: Die Räuber. Sonntagabend: Was ihr wollt. Montag: Ein Duell. Ein Sonnenstrahl. Dienstag: Ein Duell. Ein Sonnenstrahl. Mittwoch: Hedda Gabler. Donnerstag: Vasantasena. Freitag: Der Talisman. Sonnabend: Uriel Acosta. Sonntagnachmittag: Der Bibliothekar. Sonntag» abend: Der Compagnon. Montag: Uriel Acosta. Schister-Theater lV.(Friedrich WilhelmstädttscheS Theater.) Sonnlag- nachmittag: Kollege Crampton. Sonntagabend: Die Ehre. Montag: Uriel Acosta. Dienstag: Uriel Acosta. Mittwoch:, Wilhelm Teil. Donnerstag: Uriel Acosta. Freitag: Der Compagnon. Sonnabend: Die Kinder der Excellenz. Sonntaanachmittag: Wilhelm Tell. Sonntagabend: Die Kinder der Erccllenz. Montag: Die Kinder der Excellenz. Deutsches Theater. Sonntagnachmittag: Die Weber. Sonntag- abend: Novells d'Andrea. Montag: Novells d'Andrca. Dienstau: Der Meister. Mittwoch: Rose Bernd. Donnerstag: Novells d'Andrea. Freitag i Ziose Bernd. Sonnabend: Novells d'Andrea. Sonntaanachmittag: Monna Vanna. Sonntagabend: Novells d'Andrea. Montag: Faust. Berliner Theater. Sonntagnachmittag: Ein Wintermärchcn. Sonntagabend: Maria Theresia. Montag: Alt-Hetdelberg. Dienstag: Maria Theresia. Mittwoch: Maria Theresia. Donnerstag: All-Hcideiberg. Freitag und Sonnabend: Maria Theresia. Sonntagnachmittag: Das Käthchen von Heilbronn. Sonntagabend: Maria Theresia. Niontag: AIt»Hcidclberg. Lessing-Theater. Vom Sonntag, den 26. Januar bis Montag, de« 1. Februar: Zapfenstreich. Neues Theater. Sonntag: Minna von Barnhelm. Montag: Der Strom. Dienstag und Mittwoch: Minna von Barnhclm. Donnerstag: Logik des Herzens. Salome. Freitag und Sonnabend: Minna von Barnhelm. Sonntag: Der Strom. Montag: Minna von Bmnhclm. Theater des Westens. Sonntagnachmittag: Der Freischüb. Sonnlagabend: Die schöne Helena. Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Die schöne Helena. Freitag: Der Zigcunerbaron. Sonnabend: Die schöne Helena. Sonntagnachmitlag: Undinc. Sonntagabend und Montag: Die schöne Helena. Luisen'Thrater. Sonntagnachmittag: Der Vellchenstesser. Sonntag» abend: Steint. Montag: Der Veilchenfresicr. Dienstag: Der Sohn der Wildnis. Mittwoch: Alpenkvnig und Menschenseind. Donnerstag: Kernt. Freitag: Die relegierten Studenten. Sonnabend: Das Käthchcn von Heilbrornt. Sonntagnachmittag: Stenn. Sonntagabend: Die relegierte» Studenten. Montag: Der Sohn der" Wildnis. Ncsideuz-Theater. Sonntagnachmittag: DaS beste Mittel. Sonntag« abend: Der keusche Casimir. Von Montag bis Sonntag: Die Empsehlung. Der keusche Casimir. Sonntag, den 31. Januar, nachm. 3 Uhr: Luttn Montag: Die Empsehlung. Der keusche Casimir. Kleines Theater. Sonntagnachmittag: Schöne Seele». Serenissimus« wischenspiele. Sonntagabend: Elektra. Montag: Doppelgänger-Komödie. »ienstag: Elektra. Mittwoch: Nachtasyl. Donnerstag: Elektra. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend: Elektra. Sonntagnachmittag: LiebeSträumc. Schöne Seelen. Carlos. Serenissimus-Zwischenspiele. Sonntagabend: Doppel- gängcr-Stomödie. Montag: Nachtasyl. Trianon-Theater. Sonntagnachmittag: BiScotte. Sonntagabend: Madame X. Vom Montag bis Sonnabend: Madame X. Sonntag, de« 31. Januar, nachmittags: Bisckdtle. Sonntag und Montag: Madame X. Thalia- Theater. Sonntagnachmittag: Charleys Tante. Sonst all« abendlich: Der Hochtourist. Sonntagnachmittag: Charleys Tante. Central-Thcatcr. Sonntagnachmittag: Der Raftclbinder. Sonntag» abend: Das Schwalbennest Sonst allabendlich: Das Schwawennest Sonnabcndnachmittag: Der gestieselte Kater. Sonntagnachmittag: Madame Sherry. Carl Weift- Theater. Sonntaanachmittag: Die Schule des Lebens. Sonntagabend: Die Lcni von Oberammergau. Montag: Der. Gewissens- wurm. Dienstag: Die Lcni von Obcrammcrgau. Mittwoch: Die Bauern- Brünhilde. Mittwochnachmittag: Die Jungfrau von Orleans. Donnerstag bis Sonnabend: Die Baucrn-Brünhildc. Sonnabendnachmittag: Der ge» stiefelte Kater. Sonnabendabend: Di« Bauern-Brünhllde. Sonntag» nachmittag: Der Hüttenbesitzer. Sonntagabend und Montag: Die Bauern- Brünhilde.» Teutsch-amerikanischeS Theater. Allabendlich: Ueber'n großen Teich. Apollo-Theater. isonntagnachmittag: Gesindeball. Allabendlich k Frühlingslust. Sonntagnachmitlag: Gcsindcball. Metropol- Theater. Allabendlich: Durchlaucht Radieschen. Casino-Theater. Allabendlich: Wie einst im Mai. Die Wenzel. Tteidl-Theater. Linienstraße(Ecke Friedrichstraße). Täglich: DaS teme Vaterhaus und andre Vorträge. i(Siitfiaubhina. Palast-Theater. Allabendlich: DaS Millioncnmädel und Specialitäte«. Wintergarten. Täglich: Spcclalitütcn. Urania- Theater. Taubenftraßc 48/49. Der Erdball alZ Träger d«S Lebens. Montag: Die Südpolar-Expedition der.Gauß". Witterungsübersicht vom»3. Januar 1904. inorgeitS 8 Uhr» Stationen Swinemde. Hamburg Berlin ranks.a.M. München Wien A." 1 5 8 V 774 WSW 777 WSW 777 W « O 77!) 776 778191 Weiler 4 bedeckt Äwolkig 1 wolkig Lbcdeckt öbedeckt ühedeckt ufm riS- 5» 5? W 3j t —2 1 1 4 — 1 Stationen L e V g Ii « a Haparanda Petersburg Cork Werdem Paris 746 Still 754:32®» 778M 7760 Wetter — Nebel 2Schnee ijfiebctkt 2bedeckt aisi = s. s n ga» w S> — 1 6 Wetter-Prognose für Sonntag, den 24. Januar 1904. Ziemlich heiter, ein wenig kälter bei mäßigen nordwestlichen Winde«: keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterburea«. ftn* den übernimmt Publik» in gegenüber keinerlei Verantwortung Inhalt der Inserate lt die Redaktion dem Theater. Sonntag, 24. Januar. Jvtcic Volksbühne. Nachmittags '"/.i Uhr.- 13J14. Abt.: Metropol- Theater: Mcrcadet. 2.13. Abt.: Lessing- Theater: Der Meineidbaiier. Ansang 7>/z Uhr: ReueS tliönigl. Opern- Theater. Samson und Dalila. Moniaa:.Äcine Vorftellirng. Gchanspielhans. Jmstillen(Läßchen. Montag: Wann wir altern. Die Romantischen. Deutsches. Novells d'Andrea. Nachm. 2'/» Uhr: Die Weber. Montag: Ztovella d'Andrea. Berliner. Maria Theresia. Nachm. 2'/, Uhr: Ein Winter märchen. Montag: Alt-Heidelberg. Lessing. Zapfenstreich. Atontag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Die schöne Helena. Nachm. 3 Uhr: Der Freischütz. Montag: Martha. Neues. Minna von Barnhclm. Montag: Der Strvmi. Residenz. Der keusche Casimir. Nachm. 3 Uhr: Das beste Mittel. Montag: Der keusche Casimir. Central. Das Schwalbennest. Nachm. 3 Uhr: Der Rastelbinder. Montag: Das Schwalbennest. Thalia. Der Hochtourist. Nachm. 3>/2 Uhr: Charleys Tante. Montag: Gastspiel Jsadora Duncan Bclle-Allinncc. Der reichste Ber lincr. Nachm. 3 Uhr: Krebse. Hieraus: Der Raub der Sabinerinnen. Montag: Der Hochtourist. Apollo. Frlihlingslust. Blüten Hochzeit. Specialitäten. Nachm. 3 Uhr: Gesindeball. Montag: Arühlingslust. Gebr. Herrufeld. Nur eine Nacht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Casino. Wie einst im Mai. Die Wenzel. Nachm. 4 Uhr: Der vertauschte Sohn. Montag: Wie einst im Mai. Die Wenzel. Anfang 8 Uhr: Schiller O.«Wallncr- Theater.) Was ihr wollt. Nachm. 3 Uhr: Die Räuber. Montag: Ein Duell. Vorher: Ein Sonnenstrahl. Schiller Zl.(Friedrich-Wilhclmstädt.) Die Ehre. Nachm. 3 Uhr: Kollege Crampton. Montag: Uricl Acosta. Luisen. Kean. Nachm. 3 Uhr: Der Veilchensresser. Montag: Der Leilchenstesser. Kleines. Elcktra. Nachm. 3 Uhr: Schöne Seelen. Montag: Doppelgänger-Komödie. Trianon. Madame de. Nachm. 3 Uhr: Biscotte. Montag: Madame X. Carl Weist. Der Mcineidbauer. StachmittagS 3 Uhr: Die Schule des Lebens. Montag: Leni von Oberammergau. Ansang 7'/, Uhr. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n grogen Teich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Rcichshallen. Stettiner Sänger. Winter- Garten. Ltero. Otto Reuttcr. Specialitäten. Passage- Theater. Enthauptung. Specialitäten.'Ansang 3 Uhr. Urania. Tnubenstraste 48/49. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Montag 8 Uhr: Prof. Dr. E. v. Dry- galsli: Die Südpolar-Expedition der„Gouß". Nachmittags 4 Uhr(kleine Preise): An den Seen Oberitaliens. 8 Uhr im Hörsaal: Dr. F. Risten- part: Die Begründer der astro- nomifchen Weltanschauung: Co- pernicus, Galilei, Kepler, Newton. Jnbalidenftraste S7/V2. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 14 Uhr. Urania. Tauhenslr. 48/49. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Montag 8 Uhr; Prof. E. v. Dry- galski: Die SUdpolar-Fxpedition der „Gauss'1. Nachm. 4 Uhr(kloine Preise): An den Seen Oberitaliens. Hörsaal 8 Uhr: Dr. F. Kistenpart; Die Begründer der astronom. Weltanschauung: Copernicus, Galilei, Kepler, Newton. Sternwarte ,nva,iden ■ Str. 57/62. Central-Theater. Heute nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Ter Rastelbinder. Operette tu 3 Atten von Franz Lehär. Abends 7-/2 Uhr: Das Schwalbennest. Morgen und folgende Tage all- abendlich 7'/, Uhr: Das Schwalben- nest. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Minna vnn Barnhalm. Ansang 7>/z Uhr. Montag zum 85. Male: Der Strom. CASTANS PANOPTICUM Friedriohstr. 165. Ein Naturwunder: Die bildschönen W Herkules- Brüder Der Indianer-Riese Tllnnko Karoo. l\LX- CHlNfs Kimst-lusstellimg CspaKR' KOkNj-Thkiltkl Direktion S. Lautenburg. Heute und solgende Tage: ir. Ansang 7'/2 Uhr. Carl Weiss-Theater. Graste Frankfurter Straste 132. Nachmittags 3 Uhr, Parkett 60 Pf.: Die Schule des Lebens. SlbendS VI, Uhr: Die Leni von Oberammergau. Aolksstück mit Gesang in 4 Akten von Chr. Flüggen. Montag: Der Gewissenswiirm. Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr zu kleinen Preisen: Der Veilckenfresser. AbcndS 8 Uhr: Montag: Der Beilchensresscr. Dienstag: Der Sohn der Wildnis Mittwoch: Festprolog.— Alpen könig und Menschenfeind. Donnerstag: Kean oder Genie und Leidenschaft. Metropoi-Theater inefit RadUen! Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Leone gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Im 4. Bilde: Grosses Ballett"W Wie damals im Monat Mai. Anfang 71/, Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. Nachm. 3 Uhr bei ermässigten Preisen: Gesinde-Ball. Vorher; Sämtliche Specialitäten des grandiosen Januar-Programms. Abends 7'12 Uhr: Frühlingsluft mit dem Ausstattungs-Ballett Blütcnhochzelt. O'l, Uhr: Das glänzende .Januar- Programm. Martin Kettner. X Selma Braatz. Miss Blanche Sloan X t-es Perez. Ulttle Rieh. Messters Biophon und Kosmograph, AJM- Anfang 7'/» Uhr."VS Kassenerönnung 6l/2 Uhr. Passage-Theater. Anfang sAintags 3 Uhr, Wochen- S Uhr. Anfang der Abendtags Vorstellung 8 Uhr. Cnchauptung omer lebenden Dame! Willy Präger mit seinem Schlager: Die kleine Garnison. 14 neue erstklassige Nummern. Steidl-x&Jheater Linien Strasse 132 Oranienburger Ihar. Kolossaler Erfolg! Neu I Das teure Vaterhaus. Dramolct von Fritz Steidl. Montag, den 23. Januar 1004: 1. Steidl-Sdnger-Ball. Ein Volksfest in Kuhbergsdorf. Schiller-Theater. Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Sonntag nach mittag 3 U h r: Die Biiuher. Schauspiel in 3 Auszügen von Friedrich Schiller. Sonntagabend 8 Uhr: i>Vasi ihr wollt. Lustspiel in 5 Atten von William Shakespeare. At 0 n t a g a b c n d 8 Uhr: Bin Duell. Vorher: Bin Sonnenstrahl. Dienstagabend 8 Uhr: Bin Duell. Vorher: Bin Sonnenstrahl. Schiller-Theater ST. (Fricdrich-WilHelinstädtischcs Theater). Sonn tagnach mittag 3 U hr: Kollege C'ranipton. Komödie in 5 Akten von Gerhart Hauptmann. Sonntagabend 8 Uhr: Die Ehre. Schauspiel in 4'Akten von Hermann Sudcrman». Montagabend 8 Uhr: Uriel Acosta. Dienstagabend 8 Uhr: Uriel Acosta. Thalia-Tlieater. Belle-Älliance-Tliealer. Dresdenerstr. 72/73. Amt IV 4440. Vcllc-Alliancestr. 7/8. Amt VI 283. Direktion Jean Kren und Altred Schünkeld. Heute nachm. 31/, Uhr b. halb. Preisen: Chariez'» Tante. 'Abends 7-/z Uhr: Der Hochtourist. Montag: Gastspiel Isadora Duncan. Heute nachm. 3 Uhr kl. Pr.: Krehse. Hieraus: Der Raub der Sabinerinnen. Abends U/z Uhr: Der reichste Kerliner. Montag: Ter Hochtourist. Cirktts Sebumantt Immer das Original. Tgglieli gsöffnet 10-3. Beute Entree 50 Pf. Berliner Aquarium Unter den Linden 68a Eingang Schadow- Strasse No. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis: 50 Pfg."W Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. Immer das Neueste. Beute 2 Vorstellungen, nachm. 4 Uhr, ab. Vl2 Uhr. Nachmittags ein Kind frei, weitere Kinder zahlen halbe Preise. Nachmittags die reizende Pantomime Pierrot* Weihnachten mit dem beliebten Bonhonregen. In beiden«er T.Üwä« des Herrn Vorstellungen: � c" ÜvWCJi. Seeth. Dressierte Tiere des Clown Gontard. Sie plmmetale gllene Loop. ÄÄ1 Säbel. Gr'"rtsisr— Kloines Theater. Unter den Linden 44. Nachmittags 3 Uhr, bei bedeutend ermäßigten Preisen: Eicbcsträurne. X Lcböne Seelen. von Larlos-parodie. SerenissimusSwischenspIele. Abends 8 Uhr: Elektra. Montag: Die Doppelgänger-Komödie. Casino-Theater, Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7>/z. Wie einst im Mai. Schauspiel mit Gesang in 2 Akten. Dazu neu: Die Wenzel und das brillante Januar-Programm. Sonntagnachm. 4 Uhr: Der*er tauschte Sohn. Gebrüder Herrnfelil- Anfang Thftntnr Sonntags: 8 Uhr. Illüdlül, 7 Uhr. „Wieder ein neuer grosser Erfolg!" lautet die einstimmige Kritik der gesamten Presse über die A. und D. Hcrrnscldschc Novität: Zwei Akte aus einer Ehe mit den Autoren in d. Hauptrollen. Ferner: Januar-Attraktionen mit Bendix. Vorverkaus 11—2 Uhr mittags. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraffe 58. Sonntag, den 24. Januar 1904, nachmittags 3 Uhr: Gin vorsichtiger Mann. Posse mit Gesang in 3 Akten von Moser und Jacobson. Abends 7 Uhr: Der Lumpensammler von Paris. Drama in 5 Akten und einem Bor- spiel von Felix Pyat. Montag, den 25. Januar: Kroße Extra-Vorstellung: Kabale und Liebe. Ansang 8 Uhr. 8tadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Sonntag, den 24. Januar 1904: Bernhard Rose- Theater-Ensemble. Der jüngste Lieutenant. Posse m. Ges. in 3Akten v. E. Jacobson. MM- Ansang 6 Uhr.-tzWH Nach der Vorstellung: 44 r. Ball. Dienstag, den 26. Januar: Eine leichte Person. I. Direktion: Robert Dill. Brnnnenstrasse 16. Onkel Bräsig. Ansang 7 Uhr. Entree 30 Ps. Nach der Vorstellung: Fajiilien-Ball, Montag: Onkel Bräfslg. Etablissemellt Kuggenhilgtu Mioritzplatz. Im Äaisersaal: Künstler- Ensemble „Nordsterne" unter Leitung d. Herrn Rudolf Schauss. Kassencröffn. 5 Uhr, Ansang'1,7 Uhr. Entree 50 Ps. Nach der Vorstellung: Tanzkranzchen. In den unteren Sälen: Gorisch-Konzert und Bockbierfest. üeM-im Heute: Zum 151. Male: EitaniseliES Theater. Köpnickerstrasse 67. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr 30 Min. GASTSPIEL Ad. Philipp. Uedem grossen TEICH. Palast-Theater Burgstraste 22, früher Feen-Palast. Heute nachmittag 3 Uhr: Grosse Extra- Elite- Vorstellung: Otliello. Trauerspiel in 5 Akten v. Shakespeare. Bedeutende Gäste. Halbe Kasscnprcise. Abends 3 Uhr: Das jVliUionenmäclel. Lebensbild mit Gesang in 5 Bildern von Jacobson und Willen. Vorher Konzert und Austreten der großartigen Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Morgen und solgende Tage: Das Millionenmädel. Vorher: Konzort und Specialitäten. Triauou-Theater. Georgenstraffe, zwischen Fricdrich- und Univcrsitälsflraffe. Madame F. Anfang 8 Uhr. Sonntagnachmittag:„Biscotte." Fröbels Allerlei-Theater st. Puhlmann, Schönhauser Allee 148 Jnbaber: Wilhelm Erdbel. Jeden Sonntag 5 Uhr: Grosse Extra-Vorstellung der beliebten"""'" Zimmermanns Um 10 Uhr Enlree 30 Pf. Sperrsitz 50 Pf. Jordileutseii. Sänge t: Grosser Ball. Neues Programm: Harry Rochez Hundedresseur. Polk& Collins, Banio-Virtuosen. Lorraine's Lebende Bilder. Die beiden Freydos Gymnastiker. Cook u. Clinton Amerik. Kunstschützinnen. Meers b. Omo Drahtseilkünstler. Otto Rcutter Humorist. Salerno Meister-Jongleur. Annette Gillard Pariser Opemsäng. Mite. Oltro"kSSiÄ in ihrer Pantom.„Opiumrausch". Thereses Komischer Hypnotiseur. „Karnevalsgeister" Wiener Ballett. Biograph._ iiGermaniaPrachtsäleil Chaussecslr. 103. Arnold Scholz. Jeden Tonntag: ZG»!! ~ S•' --» c! s» S S« n O fs jgy n rt Nach der Soiree: Familien-Ball. Ansang 6 Uhr. Entrce.50 Ps. Im weißen S«ale von 5 Uhr ab: Grosser Ball bei stark besetztem Orchester. Achtung! Vereiiie! Sonnabend, der 27. Februar 1904 ist frei geworden. Scholz. Frank- «rtersttaffe 74. 401 Iii' Sodaldetnokraliseher Wahlvereln für den 3. Seriiner fciehsta gs-VahDireii Gonnabend, den 30. Januar 190-1: Stiftungsfest im Gewerkschaftshause, Engel-User 15. Künstler� Konzert unter Leitung dcS Herrn Dr. Alhert.v und unter Mitwirkung des Frl. Frida Herper und der Herren Hans Schröder, Harry Peters und Rieh. Kursch. Rccitation von Dr. Max Alberty. TANZ. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Ps. nach. Anfang 8 Uhr. Blllets ä 25 Pf. sind bei allen Vorstandsmitgliedern sowie in den Zahlstellen zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Reue freie Volksbühne. Sonntag, den 31. Januar, nachmittags 3 Uhr» im l�euen theater erst c V o r st c l l u n g der V. Abteilung: Der Strom. Mitglieder zur V. Abteilung werden noch in allen Zahlstellen auf- genommen. Das Einschreibegeld beträgt 1 Marl, der monatliche Borstellungsbeitrag 80 Ps... ,150/2 Ter Vorstand. I. A.: Heinrich Nett, Veteranenstt'. 6. Zahlstellen: H. N c s t. Veteranenstr. 6. A. Knapp, Grün- thalerstr. 5. O. K l e i n a u, Gerichtstr. 4. W. S ch r o l l e, Land- wehrstr. 3. H. B e ck e r, Gotzkowskystt. 9. K. M a r t i e n z e n, Belle- Alliancestr. 7.' H. Bobsien, Kommandantenstr. 62. S. K a u s h o I d, Wrangelstr. 52 III. Udo Stangcnberg. Köpenilkerstr. 20a., Part. A. Gorn, Franksurter Allee 119. Rixdors: C..Heinrich, Münchenerstr. 19. Charlottenburg: E. Schäfer, Schillerstr. 102. Berliner Mum- verein Abteilang III, Hoabit. Mittwoch, de» 27. Januar 1904: KunstsAbend im großen Saale der Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47/49, unter Leitung des Herrn Dr. Utax Alberty und Mitwirkung Mtr erstklassiger Äräste(Gesang, Geige, Cello und Recttation). Antang prücisc 9 Uhr abends. Billets 40 Pf. Programm und Text gratl». Rauchen nicht gestattet!———» Eisbahn Karpfenteich| (Treptower Park) ist wieder eröffnet.— 20 cm starkes spiegelglattes Kerneis. 1193b Grosses Konzert nsn _ IX. Berliner Saison.—» Cirkus Busch. 2 Gala- Vorstellungen 2. Nachm. 4 Uhr u. abends VUi Uhr. Nachm. 4 Uhr: ein Kind frei, sofern eS ein Angehöriges der Familie ist: weitere.stinder aus allen Sitzplätzen halbe Preise. In beiden Vorstellungen: Mr. Bichard Hatrade mit seiner berühmten figer-. Löwen- u. Bären-Dressur. Die offene Schleife 8 Meter Sprung. Die besten Schul- u. Freiheitspserde. Die besten Clowns der Welt Nachmittags 4 Uhr: Berlines Winterfreuden. Abends 7-/2 Uhr: Zum 32. Male: Zttts den Alpen. Bemerkenswert: Oer)Zutomobilstur2. Bvt vk« hallen Stettiner Sänger. Kötiigstadt-Kasino Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Täglich: Erauz Gobannkl. Mita Roselli. Georg u. Pepi Wagner. Bertoletti—Milllardo— Renas. Zum Schluß: 8 3. Zum Schluß. Zeitlomödie mit Gesang. Nach der Vorstellung: Mittwochs, Sonnabends u. Sonntags: Tanz. Kaassaavl. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoirmanns Norddeutsche Sänger u. Tauzkränzchen. Jeden Dienstag: Theater-Abend. Vorzugskarten an allen Wochentagen gültig. Dienstag, den 26. Januar: Don OSs«r. ELYSIUM Landsberger Allee 4 O— 41. s�'g- Großer Ball. 'Ansang 4 Uhr. Entrce frei. Joden Mittwoch: Xardurger Länger. Nachher: Erel-Tanz. Ansang 8 Uhr. Entrce 10 Ps. 'Avis: Sonnabende im April, Mai, Juni unter coulanter Bedingung zu vergeben, sowie Ostcrscicrtagc zu Matineen. 4005L* Amt 7, 2617. Barl Elsermann. Msetier Hof Luckauerstr. 15. Am Moritzplatz. Heute sowie jeden Sonntag 1 Unttthaltungs- Kontert des 38202* Berliner lonkiinstler-Orchesters| Dirigent: Punl Gossen. Ansang 6'/, Uhr. Kassenöffn.b'/zUhr. Einlaß 75Ps. AIKSNHKPS Wallnertheater.i!!»tr. IS. Jeden Sonntag: Grofter Extra- Ball bei doppelt besetztem großen Orchester. Ansang 5 Uhr. Empfehle mein Lokal sür Vereine und Versammlungen. 39112* A. Zameltat. Urania. Wrangelstrasse 10/11. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Zlnschlagsäulen. Empfehle mein Lokal zu Fest- lichkeiten und Versammlungen. 39122* C. F. Walter. Dietriclis Festsäle, TreSdenerstraste 116. Siilc für Hochzeiten und Gesellschaften. Limmer sür Vereine taglich frei. 11766' Müllerstr 178. Inh. Carl Maschke. «"1 zu Festlichkeiten u. Ver. \ 9| P sammlung. Sonnabende u. Sonntage noch steh Jeden Sonntag: Groster Ball. Lchemchs f cstsälc Berlin 0., Rüdersdorferstrasse 92. Sonntagnach mittag 5 Uhr: zum Besten der Weber in Crünmitscbau. Hotel Klinsebusch Origmal-Yolksstück in 5 Bildern von E. Kneisel. Vor der Vorstellung: I Nach der Vorstellung: lirosses Xonsert.> yrosssr 3sN. Der Gcsamt-Rcinertrag wird an obige Nntcrstüyungskasse abgeführt. 408 IL widert Solieniieti. Besitzer. Oer �usstoss unsres \ Bockbiers S beginnt 4077L* Mittwodi, den 27. lanar er, Hiitlutr Iruliis Ut-Ets. Berlin und Oranienburg. Theaterverein„Pegasus" lüontagr, den 85..lanuar, abends 7lj., Uhr, In Julias Wernaus Festsaal, Schwcdterstr. 83: Grosse Wohlthätigkeits»Vorstellung. Zur Ausführung gelangt: „Doi� Stneikführer" Volksstück in 4 Akten von CS. Borr Programme o 20 Ps. sind zu haben bei Viernau, Schlvcdtcrstr. 23, und bei tut. IZetdgs, ZionSkirchplatz 12, Hos IE.— Der Reinertrag ist für Crimmitschau bestimmt und wird im„Vorwärts" bekannt gegeben.— Abendkasse'indet nicht statt.[285/11] Ter Vorstand. Danipfsehiffs- Reederei Ködert Tismer Nieder-Schcineweide Teleph. 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Die Beerdigung sindei heute, Sonntagliachmittag 2'!2 Uhr, von der Leichenhalle der Charite(Ein- gang am Neuen Thor) aus. aus dem Charite- Kirchhos, Müller- stratzc, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 246/6 Der Vorstand. Vöde«- Anzeige. Alle» Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz unser werter Kollege, der Hustrumcntm- mach er 1232b Max Schneider am 22. d. Mts. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. Januar, nach- mittags 3 Uhr von der Leichen- Halle'des St. Gcorgcn-Äirchhoses, Landsberger Allee, aus statt. Bio Kollegen der Pianotabrik L. Schmidt, KönigSbergcrstr. 33. Teilzahlung Auf aller- benuemste Weise alle Arten Uhren, auch Geld«aren usw. (wöchentlich nur 1 M.) führe& König, Warschauerstr. 78 I. Kinderwagen, Kindertettstellen, Puppenwagen, Trinmphstühle, Kindermöbel etc. Grosstes Spezialgeschäit Berlin o., Andreasstr. 23. Q. Geschäft: Brunnenstr. SS, Hl., Bsusselstr. 67, XV., LeipziserstrM-SS. 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Des weiteren ist der Schloffer Karl paditmtke- am 21. d. M. gestorben. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. d. Vits., nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle der Eharits ans airs dem Charito-Kirchhos statt. Rege Beteiligung erwartet 110/15 Die Ortsverwastung. Zahlstell« Rlxdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Kollege Fritz Herkt am 17. b. Mts. plötzlich am Herz- schlag verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag. den St. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des st. Michaels- Kirchhofes, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 133/10 Der Vorstand. Die Kollegen versammeln sich um l'/z Uhr im Verkehrslokal bei Grosser, Kirchhosftr. 45. Beutsetor Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern izur Kennwis, datz der Kollege, Tischler Bernhard Zauseb am 22. Januar nach kurzer Krank- heil verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 25. Januar, nach- mittags um ll2i Uhr von der Leichenhalle des Zions-KirchhoseS in Nicder-Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/5 Die Drtsverwaltung. )r. Schünemann Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, 8«y.d«lstr>.». '/sia-'/jS,-/.«-'/K, Sonnt. 9-1 i Jütetliciie Zähne, Carl Gocringer, Dcniist, N./Eichendorffstr.ZljfiühcvBiunncnste Verkäufe. Restaurant mit Vorgarten sofort zu verkaufen Hasenftcide lt.+122* Sichere LebenSeMenz. Eine Ba« und Möbeltischlerei, Möbellager und Sargmagazin, K Jaln« bestehend, mit sehr guter Kundschajst, Miete billig, in einem verlehrsreichei» Marktflecken ge- legen, sämtliche Maschrnen zurTischlcrei im Ort, ist umständehalber billig zu verkaufen. Erforderlich sind 1500 bis 2(XX) Mark. Auskienft erteilt Otto Schulze, Möbelgeschäft Kriescht. 1177b* Vorjährige Herrenanzüge, Wintev Paletots, Beinklciden, aus fcins.en Magstoflen spottbillig täglich, Sonm tagsverkaus. 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Co., Wil- helmstratze 123. 1203b Korbmacher äü| Rohrmöbcl. Gebert, Richthosensttatzc 6. 1202b Formerlehrling für Eisengießerei verlangt Allicngesellschast. Acker» sttatze 129. 11S5b Malerlehrling»«langt Heinrich Schultz, SW., Simeonsttatze 13. Mel» düngen schriftlich erbeten. 1190b Schlofferlehrling v«Iangt Große, Gartensttatze 101._+106* (unges Mädchen zur leichten Hand» näheret verlangt Klictmann, Rixdorf, Münchenerftratze 27, I links.[11916 Berkuöpferin, die etwas Maschine näht, verlangt Lambrecht, Seneselver» stratze 42, Laden._+66 Plätterinnen aus Umlegekragen, im und autzcrm Hause, verlangt. Junge Mädchen«lernen das Plätten unentgeltlich. Max Treppe, Schön- haus« Allee 167a.____+66 Schnlfreies Mädchen zu leicht« Arbeit verlangt. Meyer, Franksurtcr Chaussee 100.+140 Blusen-Stcpperinnen im Hause bei hohem Lohn verlangt. 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Fron Januschat, Acker» stratze 132/133, fünfter Hos. 68/3» Acht Dclacheusen per Februar ge» «cht. Gebrüder AltenbcrgS Färb««, Kcu-Wcitzenscc, Langhansstratze- 4.» Chemische Waschanstalt. Eine tüchtige Schneiderin zum Garni«en resuchi. Gebrüder Altenbergs Färberei» Neu-Wcltzensee, LanghanSsttage 4. Geübte Paginiererinn cn verlangen Ricfenstahl, Zumpe u. Co., Holzmarki- stratze 67. 2067K* i-ljttng.Ztoltilirlicltkr! Der Zuzug sür Stockardeiter all« Branchen ist streng fern, zuhalten bei 8cl>inaUnx die Barta, Tbürmgerstr. 18. 88/9 Die Ortgverwaltnng. Howrbtiter! In der Möbeltischlerei von J. Krans, Weiften, ee. Langhans. sttatze 22, sind Diff«enzen aus- gebrochen. Zuzug ist streng sernzu- alten. 77/1 Gesperrt ist ferner Haha dt Hetzkow, König-Chaussee 71. Die Ortsverwaltung. Achtung! Achtung! Rohrer. Gesperrt find die Geschäfte untz Bauten folgender Finnen: H. Bcermann, Lehrterstr. 48 o. Julius Bcermann,.Südcnde. W. Stahl. Wollanckslr. 67. C. Jngold, Prinz Eugenstt. 24. A. Krause, SiemcnSftr. 25. A. Schrödter, Gr. Hamburgerstt. 30». C. Weise jun., Wiimersdorj, Prinz. Regentcnstratze. 285/2* Die Lohnkommission. Berantw. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.