Ur. 84. Hbonnements-Bcdingungf n: Abonnements- Preis pränumerando: «ierteljährb 3,30 SKI., Mona». 1,10 Mk.. WScheMich 28 Pfg. frei inZ HauZ. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nummer mit Auftricrter Sonntags« Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- «bonnemcnt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich. Ungarn > Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. 81. Jahrg. VIe Inkertisnz-Levilhi' beträgt für die sechsgespaltene Kolon«!» zcile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» und AerfammlungS-Anzeigen 25 Pfg. „Utein« Hnzeigen", daS erste fsett- acdrulltc) Wort 10 Pfg., jedes weitere tBort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für cie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags In der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr dormittags gevssnet, vlchtiot tiglldi außer Blontags. Devlinev Volksblatk. Zelegramm- Adresse: „SsaiZliltmsIinf Kkllil»". Zentrahrgan der rozialdcrnokratifchcn Partei Dcutfchlands. Redaktion: 8W. 68» Llndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Freitag, den 89. Januar 1994. Expedition: SM. 68» lUndenstrasse 69. Fsernfprechcr: Amt IT. Nr. 1984. Die Wahl in Frankfurt-Lebus. Die Ungültigkeitserklärung der Wahl unsres Ge- Nossen Dr. Heinrich Braun in Frankfurt-Lebus giebt der gegnerischen Presse, unter Führung der.Vossischen Zeitung", den Anlah zu Hämischen Bemerkungen über die socialdemokratischen Mitglieder der Wahlprüfungskommission. Die«Vossische Zeitung" schreibt zum Beispiel: .Daß gleichwohl die Socialdemokraten in der Wahlprüftings- kommission gegen die Ungültigkeitserklärung gestimmt haben, beweist nur, daß sie das P a r t e i« I n t e r e s s e über die Gerechtigkeit stellen. Was natürlich die edlen Freisinnigen niemals gethan haben und niemals thun werden I Wie liegen die Dinge? In Frankfurt- Lebus standen sich drei Kandidaten gegenüber Baumeister Fetisch für die Konservativen, Geh. Reg.-Rat Schwabach für Nationalliberale und Freisinnige, Dr. Braun für die Social- demokraten. Bei der Hauptwahl erhielten Stimmen: Felisch 8208. Schwabach 7025, Braun 12 817 Stimmen. In der S t i ch w a h l erhielten Felisch 14304, Braun 14685 Stimmen. Braun war somit gewählt. Gegen diese Wahl erhoben die Nationalliberalen Protest mit der Behauptung, daß im Kreise ein vom Januar 1903 datiertes Flugblatt für Felisch verbreitet worden sei, das unter andren Unterschriften auch folgende trug: v. Windheim, Regierungspräsident; Dr. Slndrescn, Regierungsrat; Bauer, Regierungsrat; v. Stoessel. Regierungsrat; v. Schroetter, OberregierungSrat; Bräuer. Regierungsrat. Durch die Beifügung deS amtlichen Charakters sei eine unzulässige amtliche Wahlbccinflussung geübt worden; ohne dieselbe wäre nicht Felisch sder 1243 Stimmen mehr als Schwabach erhalten hatte), sondern S ch w a b a ch in die Stichwahl niit dem Socialdemokraten gekonimeu und dann hätte Schwabach über den Socialdemokraten gesiegt. Nach bisheriger Praxis der WahlprüfungS-Kommission gilt die Beifügling des amtlichen Charakters neben dem Namen solcher Beamten als Unterschriften für Wahlflugblätter als unzulässig. Ilnd auch in diesem Falle ist daS natürlich von den Social- demokraten nicht be st ritten worden. Aber bisher war in der WahlprüfungS-Kommission der Grund- satz maßgebend, daß ihrer Entscheidung die Thatsachen unterliegen, die in die Zeit von der Ausschreibung der Wahl bis zum Schluß der Wahlhandlung fallen. Und ferner hat die Wahlprüfungs- Kommission bisher stets die Frage sich gestellt: ob und welche Einwirkung eine solche Thatsache auf das Ergebnis der Wahl gehabt habe. Und endlich hat die Wahlprüfung keine Protcstbehauptung als Thatsache angenommen, Ivcnn sie nicht enttveder in den Wahlakten ihre Bestätigung gesimden oder durch Erhebungen oder sonstwie für bewiesen zu erachten war. Von all' diesen Voraussetzungen ist die Wahlprüstingskommisiion in ihrer Mehrheit bei diesem Proteste trotz der diesbezüglichen Ein- wände der Minorität abgewichen. Nicht einmal den Beweis, daß das Flugblatt überhaupt verbreitet worden sei. hat die Mehrheit für not- wendig erachtet. Was würde die«Vossische Zeitung" von einem Nichter halten, der den angeblichen Verbreiter eines Flugblattes mit strafbarem Inhalt verurteilen würde, ohne vorher geprüft zu haben, ob der Angeklagte überhaupt das qu. Flugblatt verbreitet habe. Die Wahlprüfungs- Kommission begnügte sich in ihrer Mehrheit mit der Kenntnisnahme einer— übrigens völlig unbeglaubigten— Bescheinigung, daß die Drucker einen Wahlaufruf für Felisch, unterzeichnet von Herrn Regierungspräsidenten v. Windheim, im Januar 1903 in 12 400 Exemplaren gedruckt haben. Ein B c- weis dafür, daß er mit dem dem Proteste beigelegten Wahlauftuf identisch sei, war so wenig erbracht als dafür, daß dieser von ihnen gedruckte Wahlaufruf nun auch tvirllich zur Verbreitung gelangt sei. Daß aber Wahlaufrufe gedruckt und gleichwohl nicht verbreitet worden sind,.das dürfte von niemandem bestritten werden wollen I Gewiß wird kein vernünftiger Mensch behaupten, daß ein im Januar verbreitetes Flugblatt unter allen Umständen ohne jeden Einfluß auf eine im Juni stattfindende Wahl sei; solch ein Flugblatt kann im Juni vergessen sein und umgekehrt können die be- haupteten Beeinflussungsmomente mit der Länge der Zeit ihre Wirkung gesteigert haben. Aber die Mehrheit der Wahlprüfungs- Kommission hat daS Verlangen der Minderheit abgelehnt, aus diesem Fall grundsätzliche Konsequenzen zu ziehen. Sie hat nur für diese eine Frankfurter Wahl diese Einwirkung zugegeben. Welches sind nun die T h a t s a ch e n. die eine solche Wirkung, wie die Protesterheber sie behaupten, bestätigen? Der konservative Kandidat, zu dessen Gunsten die amtliche Becinflusiung der Windheim und Genossen erfolgte, hat weniger Stimmen erhalten als der konservative Kandidat bei der letzten Wahl. Der liberale Kandidat, der durch diese amtliche Beeinflussung angeblich benachteiligt war, erhielt mehr Stimmen als der liberale Kandidat bei der letzten Wahl erhalten hatte. Soweit also Zahlen Beweiskraft haben, würden sie in diesem Fall« gegen die Protestbehauptung sprechen. Eine weitere Beweisbehauptung nach dieser Richtung enthält aber der Protest unsreS Wissens nicht, und weitere BeweiSmomente sind unsres Wissens in der WahlprüfungS-Äommissiou auch nicht hervorgehoben worden. Nim kommt aber zu unsrer Kenntnis noch eine Thatsache, die der WahlprüfungS-Kommissio:? nicht vorgelegen hat, die aber geradezu schlagend klarlegt, daß die Mehrheit der Wahlprüfungs Kommission in ihrer Leichtgläubigkeit das Opfer einer Irreführung seitens der Protesterheber geworden ist. Zur Ehre der Protesterheber wollen wir annehmen, daß es bei ihnen um eine Vergeßlich- keit sich gehandelt hat. Der Wahlprotest ist unterzeichnet:«I. A.: D e t t 0, Pro- fessor(Frankfurt a. O.)" Der Protest wendet sich, wie gesagt, gegen amtliche Wahl- beeinflussung, die dadurch betrieben worden ist, weil Beamte den Wahlauftuf für Felisch mit ihrem aintlicheil Charakter unter- zeichnet haben. Nun höre man: Vor uns liegt ein Wahlaufruf der vereinigten Liberalen deS Wahlkreises Frankfurt-LebuS, datiert vom 27. Februar 1903, zu Gunsten deS nationalliberale» Kandidaten Geh. Reg.-Rat S ch w a b a ch- Berlin. Der Aufruf ist unterzeichnet u. a. von Detto, Professor, daneben auch von M a t h i S, LandgcrichtS- Präsident, und Z e i d l e r, Erster Bürgermeister, Fürstenwnlde. Die Verbreitung dieses Wahlaufrufes ist erwiesen durch die Thatsache, daß er als I n s e r a t in der Nr. 57 der«Frankfurter Oder-Zeitung" vom Sonntag, den 8. März 1893, erschienen ist. Und für die Wirkung dieser amtlichen Beeinflussung wollen wir zunächst nur die Zahlen des Wahlergebnisses in Fürstenwalde anziehen. Dort wurden bei der Hauptwahl von 3653 Wahlberechtigten 2906 gültige Stimmen abgegeben, davon für Schwabach 700, für Felisch 489 und für Braun 1717 Stimmen. Als E r st e r B ü r g e r m e i st e r von Fürstenwalde übt nämlich Herr Zeidlcr auch die P 0 l i z e i g e w a l t auS. Kein Zweifel, wenn die Unterschrift WindheimS, Regierungspräsident, als amtliche Wahlbceinfluflnng sich kundgiebt, wird niemand diese Be einflussung seitens des Zeidler, Erster Bürgermeister, Fürstenwalde, bestreiten können. Nur übt sie Windheim für Felisch, Zeidler für S ch w a b a ch. Aber die Konservativen hatten wenigstens soviel politisches Selbstgefühl, daß sie nicht Protest erhoben gegen die Beeinflussung zu Gunsten SchivabachS, und dabei ihre eigne Beeinflussung verhehlten I Die Konservativen begnügen sich damit, daß die Mehrheit der WahlprüfungS-Kommission, im Vertrauen auf die politische und persönliche Glaubwürdigkeit der liberalen Protesterheber. die von diesen aufgestellten Behauptungen als w a h r s ch l a» k w e g hin nimmt und dann— frei von jedem Partei-Jnteresse, rein geleitet von ihrem Gerechtigkeitsgefühl— einfach die Konsequenzen zieht und die Wahl des socialdemokratischen Abgeordneten, gegen den beide Wahlbeeinflussungeu erfolgt sind, kurzerhand kassiert, obgleich die Wahl den Beweis erbrachte, daß diese gegen den socialdemokratischen Kandidaten insccnierten Wahlbecinflussungen erfolglos geblieben sind. kilit justitia, porcat mundus I Ueber solcher Gerechtigkeit gehe die Welt zu Grunde I AlS in der Sitzung der WahlprüstingSkommission seitens der socialdemokratischen Minderheit warnend auf die Konsequenz deS Mehrheitsbeschlusses hingewiesen wurde, daß künftig in allen Fällen, wo gegen eine» konservativen oder sonstigen OrdnungSkaudidatcn der Sieg des socialdemokratischen Kandidaten drohe, eS einfach ein Beamter durch solche Unterschrift jedesmal in der Hand habe, trotz Erfolg« lvsigkeit feines BeeinflussungSverstiches die Kassation der Wahl herbeizuführen, da wurde dieser Einwand als leere, will kürlich formale Konstruktion belächelt. Die Protesterheber, dir selber diese Wahlbeeinflussung getrieben haben, erbringen rascher, als die Minorität selber es gedacht hat, den Beweis für diese— Logik deS Mehrheitsbeschlusses. Ob nach Kenntnisnahme dieser Thatsache die Mehrheit der Wahl- priistmgS-Kommission ihren Beschluß aufrecht erhalten wird, wollen wir vorläufig bezweifeln. Geschähe es, so würde daS Plenum sich damit zu befassen haben. Vorläufig aber wird die edle„Vossin" unter dem Beifall der Staatsbürger-" und der«Deutschen Tageszeitung" ihren Lesern weiter erzählen, daß die Socialdemokraten «das Partei-Jntcrcssc über die Gerechtigkeit stellen", politilcke debersicbt. Berlin, den 23. Januar. Im Reichstage wurde am Donnerstag die große focialpolitische Debatte fortgesetzt. Als erster Redner kam der freisinnige Abgeordnete G 0 t h c i n an die Reihe. In seiner Besprechung des Crimnüt- schauer Streiks stellte er sich fast in allen Punkten auf die Seite der socialdemoftatischen Kritik, ein Beweis dafür, wie minder befangene Beurteiler, selbst aus dem liberalen Lager, durch die Wucht der Thatsachen gedrängt werden, über daS terroristische Unternehmertum von heute den Stab zu brechen. Weiterhin verlangte Herr Gothein eine unparteiliche Agrar-Enquete und leistete sich zum Schluß ein paar billige Witzchen über die Socialdemokratie, die mehr Behagen als Geist verrieten. Interessanter gestaltete sich das erste Auftreten des radikal- polnischen Abg. K 0 r f a n t h, der im Wahlkreise Kattowitz den früheren CentrumS-Abgeordneten Letocha verdrängt hat. Der noch nicht 31 jährige, blondgelockte Pole bestätigte den Ruf eines guten Kenners der oberschlesischen Arbeitcrvcrhäitnisse und eineS temperamentvollen Gegners der Bülow- Hammerstein- scheu Dcspotcnpolitik. Unter steigender Erregung deS HmiseS geißelte Korfanty die Chikanicrungen und Bestrafungen poliiischcr Arbeiter, die nichts gethan haben, als ihre Muttersprache zu sprechen oder von ihrem OrganisationSrccht den bescheidensten Gebrauch zu machen. Die Herren Hakatistcn der Rechten gerieten in große Wut. als der Redner von«politischer Hochstapelei" sprach und auch Graf Ballestrem wurde nervös. Der folgende Redner, Herr Dr. Müller- Meiningen von der Freisinnigen Volkspartei erklärte ettvaS mißvergnügt, er mache den „socialpolitifchen Wettlauf" nicht mit. Dagegen ist er ein eiftiger und galanter Beschützer der bürgerlichen Frauenbewegung und kritisierte mit Recht den Don Ouixotestreich der Hamburger Polizei, die während des FranentageS im vorigen Herbst einen Vortrag des Fräulein Lydia Heyinann über„Die Reglementierung der Prostitution" verboten hatte, mit dem einzigen Erfolg, daß dieser Vortrag am selben Tag im benachbarten Altona gehalten wurde. Doch der Hainburger Polizei erstand ein Retter in Herrn Dr. Schäfer, einem noch ziemlich asscssorhaft aussehenden Bundes- rats-Vcrtreter der freien Hansastadt an der Elbe. Mit dem ganzen ordnungsbegeisterten Pathos eines jungen Staatsmannes, der an die «beste aller möglichen Welten" recht innig glaubt, gab Herr Schäfer nicht nur eine intime Rechtfertigung hanseatischer Polizei-Psychologie, sondern lieferte auch eine tiefgründige Untersuchung über Prostitution und„Anständigkeit" noch gratis dazu. Weniger harmlos als diese unfreiwillig komischen Ergüsse war es, daß er die Frauenrechtlerinnen für sittlich gefährlicher erklärte als alle Hamburger Bordelle zu- sammen. Genosse Wurm führte die etwas entgleiste Debatte wieder in das reiche Feld unsrer socialpolitischen Forderungen zurück. Im kritischen Teil seiner Rede widerlegte er zunächst den unbeweisbaren Anspruch des Grafen PosadowSky, als ob die Monarchie die treibende Kraft unsrer Svcialpolitik sei. und die ebenso haltlose Centrums« legende, die den Bischof Ketteler zum Urheiligen deö Arbeiter- schutzeS stempeln möchte. Dann zu den märchenhaften Er- findungen über unsre Partei übergehend, mit denen neulich Herr v. Hehl auf die Unwissenheit der bürgerlichen Parteien spekuliert hatte, wies Wurm an der Hand der Thatsachen nach, daß der reichste Manu von Hessen wieder einmal CheckS ausgegeben hatte, die von der Mehrheit nicht honoriert werden. Nachdem unser Genosse auch die von einseitigen ärztlichen Interessen inspirierten Ausführungen deS freisinnigen Abgeordneten Dr. Mugdan zurückgewiesen, beleuchtete er in eingehender Weise die Berichte der Gewerbe- Aufsichtsbeamtcn und stellte fest, daß in Süddeutschland gewisse Fortschritte im Ver« kehr der Gewerbe- Inspektoren mit den Arbeiterorganisationen zu verzeichnen sind, während Preußen und selbstverständlich Sachsen aulb hier um keinen Schritt vorwärts gekommen sind. In diesen Zusammenhang fügte sich ein Hintveis auf die edle Rache der Crimmitschauer Fabrikanten. aus die Christlichkeit ihrer geistlichen Trabanten und die Klassenjustiz auch innerhalb der Gctverbe-Ordnung trefflich ein. Wurm schloß seine mehr als zwei- stündige Rede mit einem Mahnruf an das arbeitende Volk, alleS Vertrauen nur au die eigne Kraft zu setzen. Im Verlaufe seiner Ausführungen war unser Redner auch auf die Acußerungcn zurückgekommen, die Genosse Schippe! nach dem Bericht unsres Blattes im Wahlvcrcin für den dritten Wahlkreis über die Agrarfrage und die Bewertung der Agrarzölle gethan hat. Er hatte sie als unvereinbar mit der seitherigen Haltung der Fraktion, den von Schippe! mit unterzeichneten Parteidokumenten und den Abstimmungen SchippelS beim Zolltarif erklärt. Schippe! versicherte darauf in einer persönlichen Bemerkung, daß der Bericht des„Vorwärts" in vielem ungenau sei und seine Ansichten verzerrt wiedergebe. Den Schluß der Sitzung füllte eine Rede des Grafen PosadowSky anS, die 20 oder 30 im Laufe der Diskussion angeschnittene Fragen behandelte. DaS wichtigste daraus war die Erklärung, daß die LereinSgesetz-„Reform" in Preußen den Frauen zwar daS Recht geben soll, an gcwerk- schaftlichen Vereinen und Versammlungen teilzunehmen, nicht aber an politischen. Dadurch würde der Polizeiwillkür nach wie vor Thor und Thür geöffnet sein. Ueber den Automobil- und den Zwciradverkehr sollen in allen Bundesstaaten gleiche Polizei« Verordnungen erlassen werden. Im Reiche stehen Gesetzentwürfe in AuSsichr über denKmistschutz und das künstlerische photographische Urheberrecht. Morgen geht die Beratung weiter.— Zum Hcrerv-Krieg. Nach telcgraphischer Mitteilung deS Generalkonsuls in K a p st a d t ist dort über die gefährliche Lage und angeblichen Greuel in dem Gebiet vonKeetmanShop nichts bekannt. Die englischen Nachrichten werden für unglaubwürdig gehalten. Nach einein in Kap- stadt vorliegenden Telegramm deS Führers der 3. Feldcompagnie, Hauptmanns Koppy, dauert der Waffenstillstand mit den BondclswartS fort und sollten Verhandlungen beginnen. Gefechte haben nicht ftattaciunden, und es ist die deutsche Truppenmacht am Orange dem Feind Überlegen.— Um Millerand. PariS, 27. Januar.(Eig. Ber.) Millcrand hat seine AuS- schlicßung aus der Partei so kaltblütig aufgenommen, daß die Meinung entstehen konnte, er wäre innerlich froh, die lästige 5iontrolls einer Partci-Organisation losgeworden zu sein. Ganz anders haben seine Anhänger und Freunde auS der P. S. F. auf die Ausschließung reagiert. Sie gehen mit der Seine-Föderation scharf ins Gericht. sowohl in der Presse wie in Versammlungen, und in einzelnen Fällen sogar durch direkte Verletzungen der Parteidisciplin. So haben drei von der Seine-Föderation aufgestellte Kandidaten für die kommenden Gcmcinderatswahlen darauf ver- zichtet, unter dem Schild dieser Föderation zu kandidieren, und das im Einverständnis mit ihrem Bezirks« verbänden. Das heißt, sie ziehen in den Wahlkampf auf eigne Faust, ohne sich an die Föderation zu kehren. Ferner hat der Abg. Gabriel D e v i l l c in einer Ver» ammlung seines Pariser Wahlkreises eine Protestresolution zur Annahme gebracht, die überhaupt jegliche Partei- lontrollc ü6cr d i e Gewählten verwirft:„Keiner Organisation darf es gestartet sein, durch ihre eigne Kontrolle will- tnriich diejenige der Wähler über das Votum ihres Vertreters zu ersetzen." Das Wahlkomitce des Pariser Abg. Rouanet pro- testierte gegen Millcrands Ausschliessung und will nach wie vor aus ihn als auf cincit„Verteidiger der socialistischcn Grundsätze rechnen". Ter Verband des ll. Pariser Bezirks hat an Millerand eine ebenso pathetische wie l ä p v i s ch- b v z a n t i ir i s ch e H u l d i- guugs-Adresse gerichtet. Da wird der ehemalige Minister nlit dem„bochgradigsten Glanz der ersten socialistischen Tugend" umgeben. Diese Tugend sei die Arbeitsfähigkeit:„Um sie(bei Millerand) zu loben, wird sie bald„erschreckend" genannt wie das Genie von Pascal, bald mannigfaltig und großartig wie die Unter- nchmungen Franklins und Robert Owens; wir sagen lieber, daß sie methodisch und unermüdlich ist wie der Gang der Menschheit ihrem Geschick entgegen... Zweifelt weder am SocialismuS noch am Menschengeschlecht,� weil sich irgendwo ein vorübergehendes Wieder- erwachen vorgeschichtlicher Ticrheit ereignet hat..." Und so fort. Der köstliche_ Einfall, in Millcrands Ausschließung einen Rückfall in„vorgeschichtliche Ticrheit" zu erblicken, wird minder gelehrt, aber viel gröber entwickelt im„Parti Socialifte", dem Organ der Eber- Föderation und des Abg. Breton. Da werden die Ausschlicßer cinfach in den Kot gezcrrt. steinreiche Tagediebe, Säufer usw. geschimbst. Die saurösistische K a m m er f r ak t i o n endlich hat ihrem Mißmrrtituft gemacht in der diskreten Form folgender Resolution: "Aus Achtung vor der Wahrheit kann die varlamentarifche focialiftische Gruppe nicht ohne Protest die Behauptung hingcheit lassen, daß Genosse Willerand die Disciplin der Gruppe und sein Versprechen, diese Disciplin zu beobachten, verletzt hätte, denn' in Bezug auf das ihm vorgeworfene Votum war kein Frattionsbeschluß gefaßt worden."—• Dieselbe gewiß wahrheitsgemäße Feftftellung wird offenbar auf sämtliche dreifach gespaltenen Abstimmungen der Fraktion Anwendung finden. Im Grunde aber bedeutet diese Recht- fertiguug Millerands soviel als die Verurteilung der ganzen Fraktion und eine weitere Bestätigung der politischen Bclmiglosigkeit der einseitigen Attion gegen die Person des ehemaligen Ministers. Den Millerand sind sie los, die Millcrands sind geblieben. Tie T c i n c- F ö d e r a t i o n hat ihrerseits auf die Angriffe mit einer Resolution geantwortet, die sich namentlich gegen die Ans- fassung Devilles über das Verhältnis zwischen Partei und Ab- geordneten wendet. Es heißt da unter andrem:„Angesichts der Kritiken, auf welche selbst die Idee der socialistischen Partei- disciplin in gewissen Kreisen stößt, die die Grundideen des modernen SocialismuS mangelhaft erfaßt haben,— stellt die Föderation fest, daß die politische Aktion des Proletariats zur notwendigen Be- dingung hat die.Kontrolle der socialistischen Erwählten, durch eine d'sciplinierte Klassenpartei, daß die Erwählten die politischen Per- tretcr der gesamten socialistischen Partei sind und nicht nur der nichtorgmnsierten Wähler..."— Stimmt! Aber die Abschlachtung eines einzigen Sünders unter Verschonung seiner zahlreichen Mit- siinder läßt sich dadurch am wenigsten rechtfertigen. Und ferner vermögen die schönsten Resolutioncn nicht auS der jauresisrischcn Partei eine„diSciplinierte Klassenpartei" zu machen.—' Ostasien. In Bezug auf in Europa verbreitete Nachrichten über an- g e b l i ck> e c r n st e U n r u b c n in Korea wird in T o k i o an maßgebender Stelle versichert, daß dieselbe: von keinerlei Bedeutung sind. Nach javanischen Könsnlarberichten aus Söul sind seit Anfang dieses Jahres nur an zwei Punkten, nämlich in Phöng-lhaik und in Thyön-an im Bezirk Tschyung-tschqöng-do unwesentliche Beunruhigungen durch eine Räuberbande entstanden, welche etwa zehn Mann stark sein dürfte. Alle an diese an- geblichen Unruhen und an die Ernennung des Generals Jjichi zum Militärattachü in Söul geknüpften Folgerungen seien grundlose Erfindungen. Die„Times" melden aus Söul: Der japanische Konsul beklagte sich beim Minister des Aeußcrn über Dieb- st ä h l e, die aus der Eisenbahnstrecke Söul-Fusan begangen würden, und drohte, er werde entsprechende Maßnahmen treffen, wenn Korea unfähig sein sollte, dem Räubcrunwesen ein Ende zu machen. Der englische Staatssekretär des Innern Akcrs Douglas hielt heute abend hier eine Rede, in welcher er die Lage im fernen Osten besprach und ausführte, die Regierung werde mit ihren Bemühungen, zu einer friedlichen Lösimg der Frage bei- zutragen, weiter fortfahren. Sollte diese Hoffnung nnglüalichcrwcise sich nicht erfüllen, so werde die Regierung m Uebereinstimmu.ig mit den Bedingungen des bestehenden Vertrages verfahren und iyren Verpflichtungen gegenüber ihren Verbündeten nachkommen. Der Petersburger Korrespondent des„New ?) o r k Herald"(Pariser Ausgabe) telegraphiert:„Ich erhalte eine höchst außergewöhnliche N a ch r i ch:. die so sen- sationell ist. daß ich zogern würde, sie zu veröffentlichen, falls mir ihre Wahrheit nicht iviederholt von einer Persönlichkeit versichert worden wäre, die am besten in der Lage ist, die Dinge zu kennen." Die Meldung lautet:„Deutschland und D ä n c m a r k Hab en ein Abkommen geschlossen, wonach siir den Fall, daßEngland sich Japan gegen Rußland anschließt. Deutsch- kand mit einer mächtigen Streitkraft sofort eine freundschaftliche Besetzung Kopenhagens ausführt und dadurch die O st f e c t h a t s ä ch l i ch s p e r r t, so daß die Russen verhindert werden, aus der Ostsee auszulaufen, und die Engländer, in sie einzulaufen. Bei der inivermcidlichen Teilung Chinas im Kriegsfälle beansprucht Deutschland für sich die Pekinger Provinzen." Die Meldung klingt in der That außergewöhnlich sensationell.— Oeutrebe» Reich. Erklärung. Genosse Schippel ersucht uns um die AlifuaHms der folgenden Erklärung: Ich habe, um einer Legendeubildung vorzubeugen, bereits im Reichstage den gestrigen Versammlungsbericht des„Vorwärts" als irreführend bezeichnet— was übrigens nicht den geringsten Vorwurf gegen den Berichterstatter einschließen soll. Der Bericht erweckt besonders dadurch ein ganz falsches Bild, daß Anschauiiiigen, die ich als die h e u t e i n d e n p a r l a- mentarischeu Mehrheiten maßgebenden schilderte. als meine Auffassungen erscheinen. Nach wie vor vertrete ich die beim Zollkampse und im Wahlkampfe von der Partei und mir bethätigtcn Anschauungen. _ Max Schippel. RuffenkurS. AuS Königsberg i. Pr. meldet uns ein Privat-Telegramm: „Auf eine weitere Beschwerde des Staatsanwalts hat das Obrrlandesgericht den Haftbefehl gegen Brau» und Nomngrahkn aufrechterhalten. Es ist nicht gerade ermutigend. sich auf politische Auslassungen des Prof. Hans Delbrück zu berufen, da der Mann eine fatale Neigung zu wunderlichen Widersprüchen und Irrungen hat. Immerhin hat das historisch geschärfte Gewissen den Berliner Professor doch zu einer Kritik des schamkosen Kosakenkurses gedrängt, deren Schärfe in der Zeit der„stummen Hunde" anerkannt werden muß. Er führt in den„Preußischen Jahrbüchern" ans: „Schon die Agenten, die die preußische geheime Polizei verwendet, hat der Chef unsrcr Polizei selber, der Minister des Innern, einmal als Nicht- Gentlemen bezeichnen müssen— was für auS- gebackenc Hallunken werden erst die entsprechenden Russen sein! Nur mit der ticfsteu Beschämung konnte ein deutscher Patriot die Reichs- tagS-Verhandlungen darüber lesen, daß diese russischen Spitzel auf uiiserm Gebiet geradezu Verbrechen haben begehen können, daß sie mit Anarchisten zugleich die russischen Idealisten und Liberalen ver- folgen, daß sie nicht bloß Russcil, sondern auch deutsche Staats- angehörigc beobachten und denunzieren und daß deutsche Behörden ihnen willfährig gewesen sind. Kulturstaaten sind diejenigen, in denen gleiche Kultur-, Rechts-, Ehr- und Bildimgsbegriffe gelten. Was in Frankreich ein Anarchist ist, das ist auch in Deutschland ein Anarchist. In den Augen des russischen Staates aber und namentlich der russischen Polizei ist ein Anarchist ein Mann, der Opposition macht? gerade die Träger des europäischen Lebens in Rußland, dir Vertreter höherer Gesittung und Bildung sind es, die dort al§ Revolutionäre vrrsolgt und unterdrückt werden. Da ihnen in Rußland der Mund verschlossen ist, so haben sie sich in Deutschland ein Organ geschaffen, die in Stuttgart von Herrn von Struve herausgegebene„Befreiung", die für Rußland eine konstitutionelle Verfassung erstrebt und deren Programm wir seiner Zeit unsren Lesern mitgeteilt haben. Nur im verschlossenen Brief kann dies Blatt seinen Lesern in Rußland zugehen. Da hat die deutsche Polizei sich dazu hergegeben, bei Herrn von Struve Haus- suchung zu halten, seine Ndressenliste zu konfiszieren und sie der russischen Polizei auszuliefern. Es hat Zeiten gegeben, unter Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Wilhelm IV., Ivo mau Preußen höhnisch als eine russische Satrapie bezeichnete. Aber eine so tiefe Erniedrigung, nie heute imtcr der Verantwortung des Reichskanzlers Grafen Bülow hat Preußen doch selbst in jenen Jahren niemals auf sich genommeii. Praktische Staatsmänner pflegen die idealistischen Begriffe von Ehre, Recht, nationaler Würde gegenüber den realen Vorteilen in der Politik gering einzuschätzen, aber die Weltgeschichte weiß auch, wie sehr und wie oft diese Geringschätzung sich gerächt hat. Ohne Zweifel ist eS für die deutsche Politik wichtig und notwendig, sich mit dem Zaren gut zu stehen und ihm gefällig zu sein, wo es ohne Schaden geschehen kann. Aber es gicbt Grenzen, die man nicht überschreiten darf, und hier ist bereits ein ichwcr venvindticher Schade geschehen. Das ganze Treiben und Unwesen der russischen Spitzelwirtschaff ist an den Tag gebracht und aufgedeckt durch die Socialdcmokraten. Der Worlführcr der Anklage im Reichs- tage war der Abgeordnete Bebel; der durchschlagende Satz in seiner Rede war, als er dem Grafen Limburg-Sffrum zurief, daß auch der Herr Graf, wenn er feine Ansichten in Rußland vortrüge, dort die Aussicht auf Sibirien babe. Wie kommt die deutsche Rc- gierung dazu, Rußland im Kampfe gegen die cnropäischc Bildimg zu unterstützen? Die Empörung über die Erklärungen der Regierung, die der Staatssekretär v. Richthofcn verlas, ist allgemein, in alle» Parteien und in allen Kreisen, und der svcialdcmokratische Redner hat dagestanden als der Kämpfer für Kultur, Recht und nationale Ehre." Die andre Seele des Professors Delbrück äußert dann wieder in einer ehrfurchtsvollen Verbeugung vor der spaßhaften Socialisten- rede BiilowZ. Aber er fügt hinzu:„Was nützen alle solche Reden, wenn unmittelbar darauf der Soeialdemokralie gestattet wird, als Wortführerin des nationalen Gewissens aufzutreten?"— Herrcnhausredcn im Reichstags-Restaurant. Ter Präsident des CentrumS, Graf Ballest rem, der trotz des Mißtrauensvotums der stärksten Partei im Reiche auch das Amt eines ReichStags-Präsidenten übernommen hat, berief für den sitzimgsffeien Mittwoch seine engeren Vertrauensleute zu einem Diner ins Reichsrags-Restaurant, um ain Geburtstag Wilhelms II. gemeinsam zu tafeln. Bei dieser Gelegenheit hielt der Graf eine Rede, die als Zeugnis neudeulschcr Sitten nicht ganz übergangen werden soll, zumal sie zeigt, welch:? Taktgefühl einen Grandseigneur der Geburt und des Besitzes auszeichnet. Graf Ballesircm sprach zunächst von der unerheblichen HalS- crkrankung Wilhelms El. wie bon einem weltgeschichtlichen Ereignis. Er flocht in seine Betrachtungen einige Anekdoten im Hofstil des 18. Jahrhunderts ein. Er habe beim Empfang des Reichstags- Präsidiums durch den Kaiser bemerkt: ..daß es außerordentlich gütig und weise von Seiner Majestät ge- wescn wäre, daß er mir den ersten Nachrichten, die in das Publikum drangen über seine Krankheit, auch die Gutachten von ärztlichen Autoritäten publizierte, ivelche da? Publikum zu be- ruhigen geeignet waren. Da antwortete Seine Majestät:„Ja, Sie haben's gut gehabt, ich bin aber zwei Monate herum- gegangen, ohne zu wissen, ob die Sache gutartig oder bösartig wäre."— Meine Herren, welch großartige Auffassung! Zwei Monate ist der Kaiser llerumgegangen in der Ungewißheit, ob er den Keim eines tödlichen Ilebels in sich trüge oder nicht l Während dieser Zeit hatte er üniner seine kaiserlichen Pflichten er- füllt, und niemand ist ans den Gedanken gekommen, daß ein schweres Uebel den Kaiser bedrohe. Ich deutete dies auch in der Unterredung mit Seiner Majestät dahin an. daß ich sagte:„Und noch kurz vor der Operation haben Majestät die bedentungsvollen Zusanimcnkünfte mit dem Kaiser von Rußland gehabt! Da sagte der Kaiser ganz einfach wie ein Familienvater:„Nun ja, wenu's was Böses gewesen wäre, dann wollte ich doch meinem Sohne nn- genehme nachbarliche Verhältnisse hinterlassen." Graf Ballcstrem hat hier offenbar einen Scherz des Kaisers arg mißverstanden. Im Ernste hat er natürlich nicht gemeint, daß seine flüchtige Zusammenkunst mit Nikolaus II. von dauerndem Einfluß auf das politische Verhältnis zu Nußland sein könne. Der Kaiser hat sich durch seine Unpäßnchkeil einfach deshalb nicht abhalten lassen, das längst vereinbarte Stelldichein zu besuchen, weil die plötzliche Absage zu unliebsamen Kombinationen geführt hätte. Thatsächlich sind denn auch trotz der Zusammenkunft in Wiesbaden die„nachbar- lichen Verhältnisse" äußerst unangenehm: sie waren in der ganzen preußischen Geschichte niemals so traurig wie jetzt, wo Preußen völlig sich dem Russendienst ergeben hat. Graf Vallesstem streifte dann völlig die Würde eines Reichstags- Präsidenten ab und hielt als Herrenhäusler einen echten Herrenhaus- spcech klerikaler Rasse. Er nahm zugleich die. Gelegenheit Ivahr, um seinen Parteisteunden in Bayern in ihrem Hcldenkampfe gegen den„Simvlicissimus" bei»' stehen. Er feierte den Geburtstag seine? Kaisers, ohne jede sachliche Begründung, mit folgender Denunziation: „Das ist ein neues Band, lvclchc? den Kaiser mit dem deutschen Volke verbindet, und dieses Band soll nicht zerrissen ivcrden. Es soll nicht zerrissen werden durch Leute, die da? tnijerliche Ansehen und die kaiserliche Person in der Oeffentlichleit herabsetzen w„�en sLebhasics Bravo!) und die nicht ünmcr bloß dem Umsturz angehöre». ES giebt auch andre publi- zistische Organe und Witzblätter, welche es sich zum Beruf gemacht haben, die kaiserliche Person und die kaiserliche Würde yerabzuziehen. Dagegen wollte ich an dieser stelle em War: sagen, und wir im Reichstag werden gewiß Sei jeder Gelegenheit solchen Bestrebungen entgegentreten.(Stürmisches Bravo!, Meine Herren, ivir iverden nicht nur treu zu Kaiier und Reich stehen, sondern wir werden auch unsre Liebe aus diesen herrlichen Mann vereinigen, welcher an der Spitze des Deutschen Reiches steht. Es i't dazu zu sagen, daß im Reiche sich niemand den Berns macht, die kaiserliche Person und die kaiserliche Würde herabzuziehen. Außer den armseligen Byzantinern, die da tagtäglich durch ibrc Handlungen und Worte den Schein erwecken, als könne die Monarchie nicht leben ohne das Parasitentum ekler Lobbudelei, die jede kleine Selbstverständlichkeit zu einer Ruhmes: hat aufbläht. Viel stilechrer als die in die Rebenräume des Reichstages der Dreimillionen-Partei verirrte Herrenhauörede des Grafen Ballcstrein wirkte die Ansprache des alten jungen Präsidenten de? Herrenhauses, der trotz der gehobenen Stimmung grause Würmer kriechen sah. Dieser Fürst zn Jnn- und ÄnyPhmisen geruhte nämlich in seiner Fest- rede zu bemerken: „Zwar nagt ein böser Wnrm an seinem Fundamente(nämlich des ThroneS), gelvisienlose Agitatoren regen die Massen auf, erreichen in ihnen fortschreitende Begehrlichkeit, zeigen ihnen goldene Berge, und so wachsen die Feinde des Staates in zunehmender Progression nicht als überzengteSocialisien, sondern als arme, verführte Menschen. die auf materiellen Gewinn hoffen. Thron und Altar, Kirche und Slaat, Eigentum und Leben stehen in Gefahr, und es ist hohe Zeit, daß eine energische Regierung diesem Treiben ein Halt cnt- gegensctzt und den durch Gewalt Verführten den Frieden wieder- gicbt. Roch hat die Monarchie einen festen Boden im Volke, aber dieses will sehen, was sie bedeutet, und darum sollen Thatcn an Stelle vieler Worte treten." Vielleicht konsultiert der erlauchte Herr inal einen bewährten Wurmdoktor, wenn er von solchen Vorstellungen gepeinigt wird.•— Socialpolitische Fordeningrn. Zum Etat für das Rcichsamt deö Innern hat die social« demokratische Fraklion des Reichstages wichtige socialpolitische Forderungen in Form von Resolutionen eingebracht. Sic Resolutioncn wiederholen zumeist die bei Beginn der Session in Anträgen gestellten Forderungen, einige enthalten neue Vorschläge. Unter Verweis auf die betreffenden Drucksachen, in denen die Forderungen ausführlich dargelegt und begründet sind, wird be- antragt: Gesetzentwurf,„durch welchen ein Reichs-Arbeitsamt, Arbeitsämter, Arbeitskammern und Einignugsämter gemäß dem Entwurf eines Gesetzes' betreffend die Errichtung eines Reichs- Arbeitsamts, von Arbeitsämtern, Arbeitstanunern und Einigung?« ämtern(Drucksache Nr. 61, Auer und Genossen) errichtet werden." Gesetzentwurf„betreffend Regelung des Wohnungs» Wesens vorzulegen, insbesondere Normativ- Bestimmungen be» züglich der Beschaffenheit der Wohnungen und der Durchführung der WohnungSinspeklion, sowie Schaffung eines Rcichs-Wohnungs- amte?." Gesetzentwurf, durch den die tägliche rcgelinäßige Ar» beitszeii für alle im Lohn-, Arbeits- und Dien st» Verhältnis im Industrie-, Handels- u n d Ver» kchrswesen beschäftigten Personen spätestens ab 1. Januar 1906 ans längstens zehn Stunden. ab 1. Januar 1907 auf längstens neun Stunden und vom 1. Januar 1008 ab auf längstens acht Stunden festgesetzt und der Sonnabendnachmittag frei gegeben wird. In Betrieben mit nmutterbrochener Arbeitszeit sowie in unterirdischen Betrieben soll eine tägliche regelmäßige Arbeitszeit spätestens vom 1. Januar 1906 ab von längstens acht Stunden und in unter- irdischen Betrieben, in Ivclchen die Temperatur 28 Grad Celsius übersteigt, von längstens sechs Stunden zugelassen werden; eventuell dem Reichstage noch im Laufe dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die tägliche regelmäßige Arbeitszeit für alle im Lohn-, Arbeits- und Dienswerhältnis in der Industrie beschäftigten Personen vom 1. Julid. I. ab auf täglich längstens zehn Stunden festgesetzt und der Sonnabcndnachmittag frei» gegeben wird." Der Reichstag wolle beschließen:„den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, den Bundesrat zu veranlassen, bis zur nächsten Session für alle Betriebe mit hoher VergistungSgefahr, in de»m gistige oder infizierende Stoffe hergestellt oder verwendet werden, Vorschristen ans Grund der ZK'l20o und 130a der Gewerbe-Ordnung zu erlassen". „Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen der Schutz der Arbeiter deö Baugewerbes bezüglich Einrichtung der Bau- betriebe, Unterkunftsräume, Bedürfnisanstalten, Unfallverhütung?» Vorschristen und Baukomrollc gemäß dem Entwurf eine? Gesetze?. betreffend den Schutz derArbeitcr deö Baugewerbes(Drucksache Nr. 80, Auer und Genossen) geregelt wird." „Verordnung, durch welche die Arbeit an Sonn- und Festtagen in Glashütten verboten wird mit Ausnahme der Hilfsarbeiter. die zur Unterhaltung der Glasöfen notwendig sind."— Tic Antwort auf die Polenpolmk. Eine polnische Provinzial» delegierten- Versammlung in Posen stellte den ReichSlags-Abgeordneten Korfanty als Kandidaten zur Landtagswahl in Schrimm-Schroda-Wrcschen auf. Der Sieg des Radikalismus!— Präsidcntenkünste des CentrumS. In dem bayrischen Ab- geordneienhause hat der Centrumspräsidcnt v. O r t e r e r nicht nur die parlamentarische Minderheit, sondern sogar seine Kollegen im Präsidium skrupellos terrorisiert, um das Seelenheil der Gläubigen vor den Wahrheiten des„SimplicissimnS" zu schützen. AuS M ü n ch e n wird vom Donnerstag telegraphiert: Zu Beginn der Sitzung der Abgeordnetenkammer verlieft Präsident v. Orierer ein Schreiben des liberalen Vieepräsidenten v. Leistner, in welchem dieser sein Amt niederlegt, weil er in der Art und Weise, wie der Präsident in der Sitzung vom 25. d. M. ihm dir Leitung des Geschüsts abnahm und seine Anschauung zur Geltung brachte, eine Herabwürdigimg vor dem Hause und dem ganzen Laude erblicke. Ebenso hat der liberale Schriftführer Schmidt(Wmisiedel) sei» Aint niedergelegt. So gerecht ist der Klerikalismus, wo er Macht hat! Graf Ballestrem würde übrigens nicht anders handeln!— Hifeland» Schweiz. Maßregelungen von Bundcsdcamtcn. Die herrschsüchtige und täppiswe schweizerische Bureaukratie inklusive des Bundesrats macht sich immer schöner. In Zürich wurde ein Telegrapbenbeamter gc- maßregclr, weil er eine Broschüre über die.Mißstände in der Telegravhenverwaltnng veröffentlicht. Als sich der Tclcgraphisicn- verein Zürich des Gemaßregelten annahm, wurden zwei Vorstands- Mitglieder desselben gemaßregelt, beide Familienväter. Ihre Kollegen haben sich bis auf einige charakterlose Speichellecker mit ihnen solidarisch erklärt und unterstützen sie. Ferner ist von den verschiedenen Verbänden des eidgenössischen Personals ein Jnitativ- komitee gebildet worden, das eine Eingabe an die Bundcsversamm- lung richten will wegen Verletzung des Vereinsrechts durch den Bundesrat senier einen WidcrstandSfonds zur Unterstützung von gemaßrcgelien Beamten gründen und durch gemeinsames Vorgehen in Sachen einen bundesgerichtlichen Entscheid herbeiführen will. So arbeitet die radikale BundeSbureaukratte erstenlicherweifc der Soeialdemokralie in die Hände und so enthüllt sich da? Geheimnis, die Onelle des WachSwms und der Erfolge der socialdemokratischcn Bewegung.— Frankreich Tie Wahl von Rcmiremoitt. Paris, 26. Januar.(Eig. Ber.t Die Kammernachwahl im früheren Stammsitz M c l i n e s in ein bedeutsamer Abschluß der politischen Laufbahn dieses verflossenen Ordnungschess. Schon in den allgemeinen Knmmerivablcn 1902 hatte der bis dahin ohne Gegenkandidaten gewählte Mfstine seine liebe Not gehabt, um den bcnapartistischen Natwnalisten Flayellc mit 9197 gegen 868! Stimmen zurückzudrängen. Der Schlaumeier zog daraus die Konsequenzen. Bei der ersten Gelegenheit rettete er sich in den Senat hinüber. Tie dadurch notwendig gewordene Ersatzwahl hat nun dein Nationalisten den Sieg gebracht. Flayellc wurde mit 9500 gegen 8290 Stimmen des von Meline unterstützten Kandidaten Desblcumorticrs gewählt. Tic Niederlage ist für MeliNe um so beschämender, als er nicht einmal unter der eigne» Fahne besiegt wurde. Er war gezwungen, im Widerspruch zu seiner Parteistellung einen Kandidaten zu empfehlen, der sick', wenn auch mit gewissen Einschränkungen, zur antiklerikalen Politik des Bloc? bekannte. Denn eine melinistisch« Kandidatur wäre von vornherein anssichtslos gewesen. Tie Nieder» läge ist für ihn desto bitterer, als sie ihm von seinen eignen socialen und politischen Schützlingen bereiter wurde, von den reaktionäre» MoAndustriellen, die er durch seinen Hochschuhzoll ,ch e r ei che r i" und„g c m ä st c t" hat. wie der„TempS" schon während des Wahl- Kampfes in der Offenherzigkeit des Zornes über die Undankbaren fchirnpftc. Der Sieger Flayclle ist selber einer von diesen Groß- industriellen. Das Wahlergebnis von Nemiremont ist zudem eine logische srortschung der allgemeinen Wahlen 1902 im ganzen Vogescn- Deparrement. Damals gingen den Mclinistcn drei Sitze verloren, und zwar sämtlich ebenfalls zu Gunsten nationalistisch vermummter klerikal- Monarchisten. Der Melinismus erweist sich so im kleinen wie im grotzcn als die geeignetste Vorfrucht der klerital-nationalisti- jcheit Demagogie. Demgegenüber ist es reine Schaumschlägerei, wenn die opbo- sitionelle Presse einschließlich des„Tcmps" in der Wahl Flayellcs in diesem oder jenem Grade einen Protest der Patrioten gegen die ?lusweisung D e l s o r s zu erblicken, vorgicbr. Die chauvinistische Verblödung der ehenialigcn Melinischcn Wähler des Grenz- dcpartcinents und des Grenz Wahlkreises in allen Ehren. Ebenso imzweifelhast glaubt das belogene nationalistische Lcsepublikum, trotz aller dotnnicntarischcn Widerlegungen, au. das unverlöschliche Revmichefener des Abbe Delsor. Aber der nationalistisch-bonapartische Wahlsieg hat, wie gezeigt, denn doch viel tiefere und allgemeinere Ursachen als den chauvinistischen Lärm mir Delsor.— Ambulante Armee-Verteidigung. Paris, 26. Januar.(Eig. Bcr.) Kricgsminister Andre ist unbelehrbar und unermüdlich in seinem gerichtlichen Fcldzug für die Armec-Ehre. Er versucht sein Glück überall, vor den Ge- sctuvorncn aller Landesteile, ohne sich durch die fortgesetzicn Mist- erfolge abschrecken zu lassen. Nach der Freisprechung der Armee- Beleidiger durch die Jurb von Auxerre«dreimal) und von Paris verfiel er auf den Gedanken, das in Paris �erscheinende Gc- wcrkschaftsorgan„Aoix du Peuple" vor das Schwurgericht zu Trotzes zu schleppen im Verein mit dem dortigen revolutionär- socialistischen Wochenblatt„Defense des Travaillcnrs". Insgesamt wurden zehn Mann angeklagt, darunter auch die Verkäufer der beiden Blätter— ganz wie anderswo! Die Anklage wurde, wie immer in antimilitaristischen Prchprozcsscn, ans Grund eines der„verbrecherischen" Ausnahmegesetze von 1894 Ovidcr die „Anarchisten") erhoben. Der Staatsanwalr hielt eine besonders schneidige Rede. Er suchte die Geschwornen auch au ihrem Eigen- lumssinn zu packen und malte an die Wand die schreckliche Aussicht auf die unvermeidliche Plünderung ihrer Habe, falls die Beleidiger der Armee, des Hortes aller Ordnung, straflos ausgehen würden. Ergebnis— Freispruch sämtlicher Angeklagten. Gleichzeitig aber mit dem Freispruch von Troncs werden zwei weitere Prozesse zu Ehren der Armee angekündigt. )1 v e t o t. Sekretär der Pariser Arbcitsbörse, wird in R o n c n verfolgt wegen einer militaristischen Versammlungsrede. Das Schwurgericht von Reims wird über den Gewerkschaftler Eharmolu zu urteilen haben, den verantwortlichen Unterzeichner eines unter den Rekruten verteilten„Soldatenblattes", das nichts andres ist als eine Wiedergabe des bereits in Paris frei- gesprochenen„Soldaten-Handbuchs" l— Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. 4. Sitzung vom Donnerstag, den 28. Januar 1964. nachmittags ö Uhr. Vor der Sitzung konstituieren stch die fünf ständigen Ausschüsse. Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung' um '/z6 Uhr. Es hat zunächst die Wahl eines Mitgliedes für die Steuer- deputation, sodann linfolgc der Beanstandung der Ausschuß- Vorschläge seitens des Stadtv. Singer) die Wahl der Mitglieder zur Schuloeputation und endlich die Wahl von drei Mitgliedern zur 168b. Armenkommission durch Stimmzettel stattzufinden. Gegen die von dein Ausschuß für Unbesoldete zu letzterer Kommission gemachten Vorschläge war aus der Mitte der Versammlung ebenfalls Einspruch erhoben worden. In die Steuerdeputation wird Stadtv. B r u n z l o>v gewählt. Stadtv. Sachs berichtet über die Ausschustvcrhandlungen, welche in betreff der Errichtung einer städtischen Schwesternschule stattgefunden haben. Die Satzungen für die A u s b i l d u n g und A n st e l l u n g von S ch lv e st c r n für den Krankenpflegedienst der Stadt Berlin und die Satzungen für die Oberin der städtischen S ch w c st e r n s ch a f t sind ohne erhebliche Aendenmgcn angenommen worden. Nur über die Höhe des Ruhegehalts hat man längere Zeit hin- und herqestritten. Eine GeNeraldiskussion findet nicht statt. Zu$ 1, welcher die Errichtung einer städtischen Schwesternschaft festsetzt, bemerkt Stadtv. Dr. Wetzl(Soe.); Durch die Ausschustbeschliisse wird die ursprüngliche Resolution der Versammlung, welche aus Be- Schaffung eines geeigneten WärtcrpersonalS hinauslief, keineswegs erledigt, sondern nur die Frage der Beschaffung weiblichen Personals. Es ist der Verdacht entstanden, daß der Magistrat be- absichtigt, die männlichen Pfleger allmählich aus den Kranken- Häusern auszumerzen. Der Ausschuß ist andrer Meinung. Jedenfalls wären lvir dem Magistrat für eine Erklärung dankbar. Wenn man auf das Fluktuieren dieses männlichen Personals und auf das Vorhandensein ungeeignet� Elemente unter demselben vcr- weisen sollte, so ist schon jetzt zu crivider». daß dieser Mißstand bei genügender Bezahlung der männlichen Pfleger schließlich verschwinden wird. Eine Sachverständigen-Konferenz hat sich für die gemischte Pflege als das Zweckmäßigste ausgesprochen. Wir betrachten daher diese Borloge nur als Abschlagszahlung. Eine generelle Erledigung der Frage ist hier nicht beabsichligt. sonst�müßte z. B. auch die Frage der Arbeitszeit geordnet werden; ich hoffe, daß später eine Vorlage wegen solcher genereller Regelungebensallserfolgen wird. AndcrVorlage haben wir mehrere Punkte zu beanstanden, in welchen die gedeih- liche Gestaltung der Krankenpflege nicht gewährleistet erscheint. Wir beantragen u. a., daß auch die Probcschwester jederzeit das Recht haben soll, auszuscheiden- bezüglich der Zeugnisse wollen wir eine Regelung, welche den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs entspricht. Unsre weiteren Anträge werden bei den einzelnen Para- graphen zur Erörterung kommen.' Stadtrat Weigert: Mit der Vorlage ist thatsächlich nur der zweite Teil der Resolution erledigt. Bezüglich der Wärter ist in der Vorlage nichts gesagt. Andrerseits darf nicht vergessen werden, daß die Resolution allerdings den Klagen entsprang. Ivelche über das männliche Personal laut geworden sind. Die Befürchtungen. daß wir die männlichen Wörter gänzlich eliminieren wollten, trifft nicht zu. In„FriedrichShain" und„Urban" haben wir Vorzugs- weise Schwestern in Thätigkeit, aber daneben auch Wärter. Schon aus Rücksicht auf das Zartgefühl der Kranken wird das gemischte System auch weiterhin bis zu einem gewissen Grade Platz greisen müssen. h 1 wird darauf angenommen, desgleichen ohne Debatte ss 2-6. �. § 11 lautet: Beim Eintritt muß die Schülerin stch Ichnstlich verpflichten, nach Ablauf ihres AusbildungsjahreS noch drei Jahre der städtischen Schwesternschaft anzugehören. Vom Stadtv. Wetzl ist die Streichung beantragt. Referent Stadtv. Sachs: Der Standpunkt der Gleichberechtigung zweier Parteien, den der 5lollcge Wetzl in diesem Punkte bertritr, est hier doch nicht anwendbar. Wir muffen eine Gegenleistung haben für die Ausbildung, die wir den Schülerinnen gegeben haben. Sonst gehen die Ausgebildeten einfach in die Privatpflcgc und wir haben für unsre Opfer, für die unentgeltliche Ausbildung kein Aeguivalent. Stadtv. Wetzl: Ich wage es, von dem nicht gut unterrichteten Ausschuß an das bester zu unterrichtende Plenum zu appellieren. Der Referent meint, es handle stch hier sozusagen un» eine Schülerin, die mit ihrem Lehrer doch nicht in einem derartigen Vertragsverhältnis stehen könne. Es handelt sich hier um Schülerinnen, welche das 26. Lebensjahr erreicht haben. Gerade wenn Sie Wert legen auf die Erhaltung der Berufs- freudigkeit, dürfen Tie keinen Zwang ausüben, die Schivesrer in dorn Berus zurückzuhalten, in dem sie aus irgend welchen Gründen nicht mehr bleiben mag. Tie Direktion soll das Recht haben, jederzeit eine solche Schülerin zu entlassen, gleichviel aus welchen Gründen. Die Schülerinnen können ja, wenn sie durchaus fort wollen, durch schlechte Behandlung der Kranken, durch ungeeignetes Betragen und dergleichen ihre Entlassung geradezu erzwingen. Wozu also diese Vorschrift, die geradezu zu einer Hörigkeit ausarten muß? Wir wollen es auch nicht mitmachen, daß man den Schwestern auf diese Weise verwehren will, sich selbständig zu machen; es wäre das eine andre Art von Konkurrenzklauscl. Es liegt im Jnlereste der Schwestern, der Kranken und der Stadt, dieses Hörigkeitsverhöltnis auszuheben. Stadtv. Nathan lWild): Wir haben gegen die Böswilligkeit fteilich kein Mittel. Eine gewisse Gegenleistung seitens der jungen Mädchen für diese Leistung muß verlangt werden; sonst haben'wir unsre ganze Pflegerinncnschule schließlich nur zum Vorteil der Privatkrankenvflcge geschaffen. Stadtv. Dave jA. L.): Die Ausführungen des Kollegen Wehl stehen im Widerspruch mit sich selbst. Elemente, welche ihren Nn- willen an den Kranken auslassen, wird man doch gewiß schleunigst entfernen. Stadtv. Wetzl: Herr Nathan vergißt, daß die Schülerinnen doch auch in dem Ausbildungsjahr arbeiten und damit der Stadt nützen; die eigentliche Unterweisung dauert doch bloß ein paar Wochen und nicht das ganze Jahr. Deswegen ist das Rechenexempcl des Herrn Nathan falsch. Unsre städtischen Anstalten sollen doch auch Musteranstalicn sein. Stadtv. Maas tritt für Anftechterhalüing des§ 11 ein. Stadtv. Gaffel: Jedes Lehrlingsverhältnis muß eine gewisse Stabilität und Dauer haben, das liegt im Interesse der Zöglinge selbst, ihrer ordentlichen Ausbildung. Von Hörigkeit kann dabei keine Rede sein. Stadtv. Singer: Herr Cassel Hai wohl die Vorlage nicht gc- lesen. Wir reden hier von dem Stadium, welches nach B e e n d i- g u n g des Lehrlingsverhältniffes eintritt. Mit einer kleinen Variation macht die Vorlage dasselbe, was man sonst durch die Konkurrenzklausel zu erreichen sucht; die betreffende Dame wird für drei Jahre an die Kette der städtischen Verwaltung gelegt, kann also eine andre Gelegenheit, mehr zu verdienen. während dieser Zeit nicht ergreifen. DaS ist unzulässig namentlich von feiten einer Behörde, die ihre Verträge nicht schließen sollte nach der Richtung, die Angestellten nach Mög- lichkeit in, eignen Jntereffe auszubeuten. Die Bedingungen müssen für beide Teile gleich sein. Wenn die Stadt sich vorbehält, die Dame drei Jahre lang festzulegen, dann mühte sie sich auch ver- pflichten, sie nicht vor drei Jahren entlassen zu dürfen. Der einseitige Vorschlag der Vorlage erscheint daher nicht angemessen. Es fehlte nur noch eine Konventionalstrafe, wie sie bei der Konkurrenzklausel üblich ist. Ich bitte im Interesse der Gerechtigkeit, unsrem Antrage zuzustimmen. Stadtv. LangerhanS; Tie Ausbildung einer Pflegerin ist mich in einem Jahre noch nicht vollendet. Die Schwestern haben ja nicht auswendig zu lerne», sondern sich zu üben in einer großen Menge von kleinen Handreichungen und dergleichen, die sie noch nach einem Jahre nicht völlig beherrschen. Uitsre kranken Mitbürger würden unglücklich dran sein, lvenn sie Schwestern überantwortet wären, die nach einem Jahre beliebig abgehen können. Haben Sie nicht in der ganzen Welt solche Bestimmungen? Müssen nicht auch die Juristen drei Jahre lernen, was sie in einem halben Jahre lernen können?(Zuruf.) Ich kann also Herrn Dr. Wehl absolut nicht zustimmen. Erst jahrelange Arbeit macht die Pflegerin fähig. eine ordentliche Krnnkenwärterin zu sein. Erschweren Sie es doch den Mädchen nicht so. etwas Ordentliches zu lernen.(Beifall.) Stadtv. Monnnsen sFr. Fr.): Die Juristen passen hier nicht her; aber die militärärztlichen Bildungöanstalten sind eine Analogie. Die dort anSgebildeten Aerzte müssen sich zum Verbleib im Nkilitär- dienst auf lange Jahre verpflichten. Heute ist eine Versammlung von Aerzten in Berlin, da wird verhandelt über einen Revers, den die Krankenkassen, deren Vorstände den Socialdemokrate» sehr nahe stehen, den Aerzten vorlegen, wodurch sich letztere auf fünf Jahre zur ÄassenpraxiS verpflichten sollen. während die Kassen sich ein- jährige Kündigung vorbehalten.(Hört! hört! und Heiterkeit.) Das scheint mir doch viel eher ein Hörigkeitsverhältnis zu sein. 8 11 ist durchaus notwendig. Stadtv. Singer: Mit der Wärme, die ihn ziert, hat der Vor- sicher diesmal durchaus vorbeigeredet. Wir tzabcn niemals gegen eine gute Ausbildung der Krankenschwestern gesprochen. Er hat einem Teil der Versammlung Meinungen unterstellt, die nicht geäußert worden sind. Durch den Vergleich zur Pepiniere wird die Sache selbst nicht beisallswürdiger. Auch das hier hcrrschcnde Verhältnis hat in weiten Kreisen längst viel Mißbilligung erzengt. Wenn die Krankcnkassen-Vorstände etwas von den Aerzten verlangen, was wir nicht billigen können, so werden wir mit nnsrer Meinung nicht zurückhalten. Die Partei ist nicht identisch mit den Kassen und ftir ihr Thun nicht verantwortlich. In der letzten Zeit ist es ein außerordentlich beliebter Sport geworden, Dinge, die man nicht sachlich widerlegen kann, aus socialdemokrasischcu Terrorismus abzuwälzen. Diesen Sport werden Sie erst dann unterlassen, wenn Sie nach Jahr und Tag einsehen werden, daß Sie das auch nicht weiter bringt. TaS verpflanzt sich von den gesetzgebenden in die kommunalen Körperschaften und in die Bezirks- vereine, wo man. wenn man Nichts mehr zu sagen weiß, auch am besten wegkommt, wenn man auf die andern schimpft. Was Herr Mommsen anführte, ist aber thatsächlich unrichtig.� Was wir vom Magistrat verlangen: volle Gleichheit in den Verträgen, das haben die'Krankenkassen erfüllt. Ein Kollege, der selbst einen solchen Ver- trag unterschrieben hat, bestätigte mir das. Ich erwarte mm von der Lohalität des Herrn Mvmmieü einen Widerruf. Sradtv. Cassel bestreitet die Berechtigung der Vorwürfe Singers gegen ihn und den Vorsteher. Stadtv. Weql: Der Vorsteher ist einem Mißverständnis zum Opfer gefallen. Ich habe einen Revers wie erwähnt unterschrieben und stelle fest, daß diese Kassen mit der Socialdemokratie nichts zu thun haben, denn'/3 der Vorstandsmitglieder sind Arbeitgeber, also des Herrn Mommsen Klassenge nossen. Der Beschluß des Vorstandes dieser fünf Krankenkassen, die Aerzte ans fünf Jahre festzulegen, ist ein einmütiger gewesen, auch die Arbeit- geber haben ihm zugestimmt. Bei einer ganzen Reihe von Kassen waren gerade die. Arbeitnehmer dagegen. ES handelt sich um ein gegenseitiges KoutraktsverhältniS; die Kassen sind ebenso verpflichtet, die Aerzte bei sicki diese Zeit thätig sein zu lassen, wenn nicht etwa schwere Ungeüörigkciten vorkommen. Stadtv. Mommsen: Ich stelle fest, daß die Notiz, auf die ich mich stütze, die Angabc cuthält, daß die Kassen sich das einjährige KllndiguugSrecht vorbehalten haben. Sollte sie sich als falsch erweisen, so werde ich nicht mit der Richtigstellung zögern. 8 11 Ivird angenommen. Nach§ 12 erhält die Schülerin nach Ablauf von sechs Monaten ein Taschengeld von monatlich 16 Mark, nachträglich zahlbar. Stadtv. Wetzl will die Worte„nach Ablauf von sechs Monaten" streichen und befürwortet die Streichung namentlich mit Hinweis darauf, daß man den Uebertritt von Mädchen ans der Arbcncrklasie in die Pflcgcrinncnschnlc nicht erschweren dürfe. Ter Antrag wird abgelehnt. 8 16 lautet: Während der ersten Hälfte der Lehrzeil kann die Schülerin nach Ittägigcr Kündigung ausscheiden. Zur Kcantci'chflegc nicht geeignete Schülerinnen können iederzeir ohne Angy.be der Gründe von der Direktion enilassen werden. Auf ihren Wunsch erhalten sie ein Zeugnis mir Angabe der Gründe ihrer Entlassung. Nach dem Antrag Wetzl soll die Schülerin während der Lehr- zeit jederzeit ausscheiden können. Den Entlasicncn soll ein Zeugnis über Art und Dauer der Beschäftigung erteilt werden, daS sich aus Wunsch über Führung und Leistung auszusprechen hat. Ohne Debatte wird§ 13 unverändert angenommen. 8 14 schreibt die Verpflichtung der Schülerinnen zur Stellung einer Kaution von 266 M. vor. Stadtv. Wetzl: Diese Bestimmung ist im Ausschuß nur mit 7 gegen 6 Stimmen angenommen worden. Es ist ein Unding, von Angehörigen der Arbeiterklasse zu verlangen, daß sie über eine Kaution von 266 M. verfügen sollen. Im Ausschuß hieß eS zuerst ganz allgemein, es ginge nicht an. ans der Gemeinde« schule hervorgegangene Mädchen in die Pflegerinnenschule aufzunehmen, und erst eine Erklärung des Ober-Bürger« mcisters ergab, daß das die Absicht des Magistrats nicht ge- Wesen sei. Dann ist es erst recht nicht zu verstehen. wie man glaubt, daß solche Mädchen oder deren Angehörige zur Stellung einer Kaution von 266 M. gezwungen werden sollen. Wo sollen sie das Geld herbekommen? Es scheint doch darauf hinauszulaufen, daß man mit dieser Pflegerinnenschule bloß ein Versorgungsheim ftir Damen privilegierter Stände erstrebt. Auch mit der Kaution wird übrigens nichts erreicht, denn die Dame, die weg will, kann das durch unartiges Benehmen, Widerspenstigkeit usw. erreichen und bekommt dann die Kaution zurück. § 14 wird unverändert angenommen. 8 16, der auch der P r o b e s ch w e st e r die Pflicht auferlegt, 3 Jahre in der Schwesternschaft zu verbleiben, wird, entgegen dem Antrag Wetzl auf Streichung, auftccht erhalten. 8 18 besagt, daß die Probeschwcster während der Probezeit nach 14tägiger Kündigung ausscheiden kann. Stadtv. Wetzl:' Bei den Probeschwestern liegt es anders wie bei den Schülerinnen. Die Probcschwester ist eine junge Dame, die ihre Schulung hinter sich hat und sich durch ein Bcfähigungs- zeugnis ansgewiesen hat. Da halten wir es ftir unbillig, daß sie 14 Tage vorher kündigen soll, während die Direktion sie zu jeder Zeit entlassen kann. 8 18 bleibt unverändert; ebenso lverden die übrigen Para- graphen und die Satzungen für die Oberin nach den Ausschuß- beschlüffcn angenommen. Das Ziesultat der Wahl zur S ch u lj) e p u t a t i o u wird bekannt gegeben. Getvählt sind mit 86— 77 Stimmen die Stadtvv. Preuß, Fri'tsch, Cassel, Schulze, Scegcr, Bütow, Hartmann, Ulrich. Lemp, Hermes, Jden; 27 rel'p. 26 Stimmen haben Singer und Borgmann erhalten. Auch in die 168b. Armenkommission werden die von dem Ausschüsse vorgeschlagenen mit 78 gegen 25—23 Stimmen gewählt. Vom Stadtv. Wallach liegt ein Antrag vor, den-Magistrat um Auskunft zu ersuchen, wieweit die Angelegenheit wegen Ver» breiter ung der Alex ander st raße bczw. das EuteignungS« verfahren wegen der Grundstücke 12 und 12o gediehen ist. Stadtv. Zylicz(A. L.) weist auf das ungewöhnlich langsame Tempo der Erledigung dieser wichtigen Angelegenheit hin. Stadtrat Böhm teilt mir, daß ohne Schuld der Verwaltung da? Enteigniingsverfahren sicki hinausgezögert hat. Die Entschädignngs- summen seien erst im Oktober-Novcmbcr festgestellt worden. Im Februar werde der Versammlung eine Vorlage zugehen. Sradtv Wallach bemängelt, daß man die Grundstücke viel zu früh von Mietern freigestellt hat; eS sei event. ein ganzes Jahr Miete der Stadt verloren gegangen. Stadtv. Hoffmann(tooc.): Daran? kann ich dem Magistrat keinen Vorwurf machen; ich muß im Gegenteil lobend anerkennen. daß er nur dem Drängen des Ausschusses gefolgt ist. Mit dem Abriß müßte aber so bald wie möglich begonnen werden, um die von den Fahrern der elektrischen Straßenbahn als„Galgengalerie" bezeichnete Stelle, wo iinvorhergesebeue Unglücksfälle jeden Augenblick passieren können, zu beseitigen. Mit dem Niederlegen eines Teils des sogen. „Grauen Elends", der Kaserne, ist es allein nicht gethan, sondern diese beiden Häuser müssen fallen. Ein fernerer Antrag Wallach bezweckt, Auskunft vom Magistrat zu erhalten darüber, ob die Verhandlungen wegen der Ein- gemeindung der südlichen Seite der Straße Hasenheide noch nicht zu Ende geführt sind resp. in welchem Stadium sich dieselben befinden. Stadtv. Wallach: Seit 1901 haben wir von der Sache nichts mehr gehört. Hier konnte es sich empfehlen, das Weichbild der Stadt zu arrondieren, weit mehr als die Eingemeindung von Plötzensce uns nützen wird. Stadtrat Böhm: Früher hat es sich immer bloß um die Ein« verleibung der Hasenhcide als Park gehandelt. Der Fiskus hat dort inzwischen parzelliert und bauen lassen. Wir haben mit Tempekhof. mir Kreis, Provinz und MilitärfiSkns verhandelt; die Ansprüche bc- liefen sich auf insgesamt(inklusive Lkanalisationsanschlich an Berlin) l'/a Millionen. DaS Tcmpelhofer Feld sollten wir mit einverleiben; an'Bebauung ist aus absehbare Zeit nicht zu denken. Wir haben unter diesen Umständen der Eingemeindung nach Rixdors, die inzwischen nahezu perfekt geworden ist, nicht widersprochen. Eine Vorlage oder einen Bescheid an die Versammlung haben wir bei der Klarheit der Sachlage nicht für nötig gehalten. stadtv. Wallach bedauert lebhaft dieses Verhalten des Magistrats, wodurch die ans dem Gebiete der Eingemeindung gemachten Fehler sich wieder um einen vermehrt hätten. In der weiteren Debatte bemerkt Stadtv. Borgmann(Soc.), daß anscheinend für den Magistrat auch der Kostenpunkt bei eventueller Einverleibung des Tcmpelhofer Feldes maßgebend gewesen sei. DaS Feld werde sicher ftiiher oder später bebaut werden, wenn auch der FiSkns heute nicht daran denke. In 16, 15 Jahren könnten ganz andre Ansichten' herrschen und dann würde wieder einmal feststehen, daß Berlin in pnnoto Eingemeindung nicht weitsichtig gcmig gewesen sei. Der Magistrat sollte also noch jetzt alles thun, die Sache im Interesse Berlins zu erledigen. Ans dem Potsdamer Platz sollte in der Achse der Leipzigerstraße vor dem Jostyschen Gebäude ein größerer, künst» lcrisch ausgestalteter Kandelaber aufgestellt werden. Die Mittel dafür waren schon im Jahre 1898 bewilligt. Der Magistrat hat auf Grund der Erfahrungen in neuester Zeit von dieser Aufstellung Abstand genommen und plant als Ersatz die Aufftellung von zwei 16 Meter hohen, mit stark leuchtenden Bogenlampen versehenen Kandelabern, die auf den beiden JnselperronS ihren Staudort erhalten sollen. Zur Bestreitung der Kosten sollen die seit 1898 zur Verfiigimg stehenden 26 666 M. mit verwendet werden. . Stadtv. Michclet(Fr. Fr.) hält die Vorlage für gegenstandslos. sofern demnächst der ganze Potsdamer Platz wieder umgestaltet werden sollte, und wünscht event. Aussetzung der Beschlußfassung. Stadtv. Eckard stellt denselben Antrag und wünscht, zuvor Probe« beleuchtungeu anzustellen. Stadtrat Ramslau: Es handelt sich bloß um eine Umbuchimg, der für den Potsdamer Platz bestimmte Kandelaber ist inzwischen nach dem Brandenburger Thor übersiedelt worden. Die neuen Kandelaber sind bestellt.(Zurufe.) Es liegt das durchaus innerhalb unsrcr Zuständigkeit.� Die Versammlung kaim sich unmöglich darum kümmern, wie in, einzelnen irgend eine Laterne aufgestellt wird. Tie hat ja nachher die Kritik der AnSführungsmaßnahmen des Magistrats und wir müssen dieser Kritik still halten. Stadtv. Singer: So tief kann sich die Versammlung doch nicht herunterdrücken lassen, wie eS nach den Worten des Stadtrats scheinen könnrc; sie wäre ja dann bloß noch eine Geld« bewillignngs-Maschine. Nachdem über die Kandelaber-Frage eine neuerlichste Verständigung innerhalb der Verwaltung erzielt ist, würden wir die Vorlage ohne weiteres annehmen können, wen» uns bestätigt wird, was ick ftir sicher halte, daß der Teil des Potsdamer Platzes vor Josty auch von einer event. projektierten Aendemng der Untergrundbahn nicht berührt wird. Probebelcuchtungcn habe» wir wirklich nicht mehr nötig. Ick finde auch die Beleuchtung der Leipzigerstraße nicht mangelhaft. sondern halte sie aus lange hinaus für die destbeleuchtete Straße Berlins (Lebhafte Zustimmung.) Unsre städtische Beleuchtung hat sick über« Haupt sehr verbessert und nur in den abseits vom großen Verkehr liegenden Straßen sollte noch etwas nachgeholfen werden. Stadtrat Namslau hat durchaus nicht im geringsten in die Ztt« ständigkeit der Versammlung hineinreden wollen. Stadtbaurat Krause erklärt die Voraussetzung Singers als durchaus zutreffend. Die Vorlage wird nach kurzer weiterer Er örterung angenommen. Nachdem der Schankwirt Emil Kerfin, Pankstr. 32b, wegen der Kassierung seiner Wahl die Klage gegen die Versammlung iin Verwaltnngsstreitverfahren erhoben hat, mutz eine Vertretung der Versammlung bestellt werden. Das Mandat hierfür wird dem Gstadt verordneten Cassel übertragen. Nach Erledigung einiger kleiner Vorlagen stellt sich um 3 Uhr die Mchtbeschlutzfähigkeit der Versammlung heraus. Soziales. Acrzte und Krankenkassen. Mit welchen grundlosen Behauptungen in dem gegenwärtigen Streite von ärztlicher Seite operiert wird, lehrt ein Artikel der „Vossischcn Zeitung", der offenbar von einem Arzte herrührt. Darin heißt cS: „Es ist uns unbegreiflich, wie man bestreiten kann daß der Erlaß des KrankenversichcrungS- Gesetzes die Lage der Aerzte verschlechtert hat."... „Die Kr-ankenkassen haben die Preise der ärztlichen Leistungen herabgcdrückt, soweit sie nur herabgedrückt werden konnten." Demgegenüber sei doch einmal darauf Vertviesen, daß daß kaiser- liche Statistische Amt in der Statistik der Krankenversicherung für lAX) alle von den Aerztcn erhobenen Klagen einer gründlichen Unter- suchung unterlvirft. Darin wird festgestellt, daß erstens— was wir schon mehrfach dargelegt haben— die Arztkosten per Kopf der Versicherten seit 1885 von 2,16 M. auf 3,60 M. im Jahre 1900(und 3,70 M. im Jahre 1001) gestiegen sind; baß zweitens die Arztkoste» jetzt einen größeren Bruchteil der gesamten KrankheitSkostcn ausmachen als im Jahre 1888; daß drittens die Arztkosten bei den Ortskassen in erheblich stärkerem Maße gestiegen sind als die Verivaltungßkosten; daß viertens, trotzdem die Zahl der Aerzte in Deutschland seit 1885 um 74 Proz. gestiegen ist, die Ausgaben der deutschen Krankenkassen, berechnet auf den Kopf aller approbierten Aerzte, noch viel stärker, nämlich um 118 Proz. gestiegen sind; daß fünftens zwar die Kassenllientcl pro Kopf des approbierten ArztcS um 75 gestiegen, die nicht versicherte Klientel aber um 089 abgenommen hat. Von dieser Abnahme entfallen demnach nur 75 auf die Zunahme der Versicherten, 014 aber auf die Zunahme der Aerzte. Nach diesen Untersuchungen kommt das kaiserliche Statistische Amt zu dem Schluß, daß sich die Lage der Aerzte während des Bestehens der Vcrsichcruiigsgrsetzgebung nicht wegen, sondern trotz derselben verschlechtert hat. Wie man angesichts solcher Feststellungen behaupten kann, die Kassen hätten die Bezahlung der Aerzte herabgedrückt, ist uns unbegreiflich; umgekehrt ist es: die Kassen haben die Bezahlung der Aerzte fortgesetzt erhöht. Aber ebenso unbegreiflich ist uns, wie der Arzt in der„Vossischen Zeitung" schreiben kann: „Die Kunden, die außerhalb der Kassen stehen, sind spärlich gesät." Von den 66 Millionen Einwohnern des Deutschen Reiche? ge- hören nmd 10 Millionen den Krankenkassen an. Nur ein ganz ge- ringer Bruchteil der Kassen hat bis jetzt Familienversicherung, die Zahl der mitversicherten Familienangehörigen läßt sich mit der vor- handenen Statistik leider nicht feststellen, aber sie erreicht nicht entfernt die Zahl von 10 Millionen, auch noch keine 5 Millionen; es bleiben »lehr als 40 Millionen der freien ärztlichen Praxis übrig und das nennt man gegenüber der Zahl der Kassenpatienten spärlich gesät? Die Aerzte in Crimmitschau haben ihre Thätigkeit für die dortige Ortskasse eingestellt. Arbeitslosigkeit und Arbeitsnachweis. Die Stadtverwaltung in Köln hat nach vorheriger Beratung mit den gewerkschaftlichen Organisationen Sonntag, 17. Januar, eine amtliche Arbcitslosen-Zählung vorgenommen, wobei die Organi- sationen die Zähler stellten, die Stadt die Kosten trägt und die Bearbeitung deS Materials übernimmt. Diese Zählungen sollen sich periodisch wiederholen. Das vorläufige Ergebnis der ersten Zählung liegt jetzt vor. Es waren danach am 16. Januar, einein Sonnabend, arbeitslos: 2476 arbeitsfähige männliche, 161 arbeitsfähige weibliche Arbeiter, 507 kranke niännlichc, 105 kranke weib- liche Arbeiter; insgesamt ergaben sich also als arbeitslos 3420 Arbeiter beiden Geschlechts. Die Zahl ist aber noch erheblich höher, da es in einzelnen Bezirken mit den Zählern haperte. Der Zähltag wie die vorhergehenden Tage hatten für die Arbeitsgelegenheit günstiges und frostfreics Wetter. Und dennoch die erschreckend hohe Zahl! Es hat sich eriviescn, daß der einzig zuverlässige Maßstab zur Feststellung der Arbeitslosigkeit solche amtliche Zählungen von Wohnung zu Wohnung sind. Die städtische Verwaltung hatte bisher stets die Arbeitslosigkeit nach den Zahlen der allgemeinen städtischen Arbeitsnachweise-Anstalt taxiert und sich bei ihrer Haltung gegenüber den Anträgen auf Schaffung von Notstandsarbeiten auf diese berufen. Am Tage der Zählung waren bei der Anstalt nur 068 männliche in Köln ansässige Arbeits- lose eingezeichnet, während die Zählung 2676 arbeitsfähige männliche Arbeitslose ergeben hat._ Der Achtuhr-Ladrnschluß wurde in Gera durch polizeiliche An- ordnung für Bäcker und Fletscher eingeführt. Ausgenommen von dieser Bestimmung ist nur der Sonnabend, an dem, wie in den anderen Geschäften, um 0 Uhr Geschäftsschluß ist. Für alle andren Geschäfte, ausgenommen die Milchhandlungen, war der Achtuhr- Ladenschluß bereits seit dem 1. Januar eingeführt worden. Eine Probe glänzender DiSciplin haben die Arbeiter Nürn- bergs gegeben. Vor einiger Zeit wurde vom Magistrat neuer- dings wieder die Errichtung emer allgemeinen Orts-Krankcnkasse verlangt. Wie gewöhnlich lehnten die fteisinnigen Stadtväter dieses Verlangen ab, weil sie den Arbeiten! nicht das Recht einräuincn wollen, in ihren Versicherungsangelegenheiten mitzubestimnien. Als die Regierung dann den Magistrat zwang, wenigstens eine Abstiminung über die Frage unter den Beteiligten zu ver- anstalten, klügelten die Herren einen AbstimmungSmoduS aus. der auf der ganzen Welt noch nicht angewendet wurde. Es wurde nämlich die Zahl der Versicherungspflichtigen festgestellt und bestimmt, daß die Kasse nur dann errichtet werde, wenn mehr als die Hälfte der Stimmberechtigten stch für die Orts-Krankenkasse er- kläre. Da unter solchen Umständen an die Erzielung einer Mehrheit nicht zu denken Ivar, wurde in einer Arbeiterversammlung be- schwssen, sich an der Abstimmung überhaupt nicht zu beteiligen. Nunmehr liegt das Resultat der Abstimmung vor: von 54000 Stimm- berechtigten haben ganze 42 abgestimmt, von diesen erklärten sich 35 gegen die Orts-Krankenkasse. Gesetzlicher Schutz des Wirtschaftspersonals in der Schweiz. Bei der Revision deS Wirtschaftsgesetzes des Kantons Basel ist der schon bestandene Schutz des Wirtschaftspersonals in erfreulicher Weise erweitert worden/ wozu Eingaben deS Vereins der Hotel- angestellten und der Vereinigung für internationalen Arbeiterschutz vorlagen. Beschlossen wurde vom Großen Rat, nachdem auch der socialoemokratische Regierungsrat Wullschlcger entschieden für einen weitherzigen Arbeiterschutz eingetreten, das Verbot der Verwendung von männlichen Personen im Alter von unter 16 Jahren, während bisher nur eine solche von Mädchen unter 18 Jahren, insofern sie nicht zur Faniilie des Wirtes gehören, verboten war. Die ununterbrochene Minimal- Ruhezeit innerhalb 24 Stunden wurde von 7 auf 10 Stunden verlängert und zwar für das gesamte, im Dienste des Wirtes stehende Personal. Die bisherige Bcstinimung betreffend die Frei- gäbe von mindestens 6 Stunden an einem Nachmittag in jeder Woche wurde beibehalten und neu hinzugenommen die Bestimmung, daß in jedem Monat ein voller Ruhetag von 24 Stunden zu ge- währen ist. Weiter werden die Wirte verpflichtet, dem Dienst- personal gesundheitlich befriedigende Schlafräume zur Verfügung zu stellen, welche der Kontrolle unterstehen. OerichtQ-Zeitung. Die„bösen Buben" gaben gestern eine eigenartige Gastrolle vor dem hiesigen Schöffengericht. Es handelte sich um eine Privatklage der Schauspieler Karl Meinhard vom Deutscher Theater und Rudolf Bernauer vom Neuen Theater, beide vertreten durch Justizrat Paul Jonas, gegen den Hausdichter des Metropol Theaters, Julius Freund, vertreten durch Rechtsanwalt Leonhard F r i e d m a n n. Die beiden Privatklägcr sind die Unternehmer der unter der Spitzmarke„Die bösen Buben" von Zeit zu Zeit in Scene gehenden Vorstellungen. Der Zutrittzu diesen ist nur denjenigen Personen gestattet, welchen auf ihre Namen lautende Eintrittskarten zugestellt sind. Zu einer solchen Vorstellung ersuchte Herr Julius Freund um die Zustellung einer Eintrittskarte. Er erhielt aber das Geld mit folgendem ablehnenden Bescheid zurück:„Die bösen Buben bedauern, an Julius Freund keine Einladung senden zu können, da ihnen die Anwesenheit des Herrn Freund bei den Veranstaltungen der„bösen Buben" nicht erwünscht erscheint." Julius Freund fühlte sich durch diesen Brief verletzt und schrieb an die Privatklägcr folgende Antlvort:„Ich habe Ihre albernen, im vollsten Sinne deS Wortes„bubenhaften" Zeilen erhalten und würdige diese einer Antwort nur, um ein Mißverständnis zu berichtigen Ich selbst habe nur ein einziges Mal einem Ihrer allerersten Dilcttantcn-Abende beigewohnt und diesmal die Besorgung der Karte nur im Austrage emer mir bekannten jungen Künstlerin über nommcn, in der irrigen Meinung, es mit wohlerzogenen Leuten zu thun zu haben, ohne auf eine derartig pöbelhafte aber mich eigentlich recht belustigende Anrempclung impotenten Brotneides gefaßt zu sein."— Dieser Brief bildete den Gegenstand der Privat klage.— Justizrat Jonas hielt die in dem Briefe ent- haltcnen Beleidigungen für sehr schwere. Der Beklagte habe gar keine Veranlassung gehabt, so in Zone zu geraten, denn die Privatkläger seien die Veranstalter eines in geschlossenem Kreise sich abspielenden Unternehmens, es müsse ihnen daher unbenommen bleiben, zu bestimmen, wessen Anwesenheit ihnen erwünscht sei oder nicht.— Rechtsanwalt Friedmann machte dagegen geltend, daß der Angeklagte durch die ihm gewordene Abweisung in der ihr gegebenen Form sich sehr verletzt fühlen mußte. Schließlich würden Eintrittskarten zu den Veranstaltungen der„Bösen Buben" doch an jeden gegeben, der 10 Mark zahle. Die„private" Veran staltung und die„Geschlossenheit" sei nur eine Form für das sonst einer Konzession bedürftige und vielleicht nicht konzcssionS fähige Theaterunternehmen der Privatklnger. Diese hätten Herrn Freund aufS schwerste auch dadurch beleidigt, daß sie dritten Per- sonen gegenüber den Verdacht ausgesprochen haben, der Beklagte könnte seine Anwesenheit dazu benutzen, um sich etwas von ihrem geistigen Eigentum anzueignen.— Der Gerichtshof hielt dafür, daß der Brief des Angeklagten in hohem Maße beleidigend sei und bei weitem daS Maß dessen übersteige, was der bei Künstlern vielleicht übliche ungebundene Ton gestatte. DaS Ablchnnngsschrciben der Privatkläger enthalte objektiv zwar keine Beleidigung, aber man könne doch verstehen, daß der Empfänger sich darüber ärgern mußte. DieS berücksichtigend, erkannte der Gerichtshof gegen Herrn Freund nur auf 50 Mark Geldstrafe. Ein eigensinniger Arbeitgeber. Der Inhaber des Telikateß- warcn-Geschäfts von Wilhelm Lindstcdt, Leipzigerstr. 126, weigerte sich, einem Hausdiener, den er am 3. Dezember entließ, ein Zeugnis auszustellen, obgleich der Entlassene unter Berufung aus die Ge- werbe-Ordnung ein solches forderte. Ter Hausdiener sei zu frech aelvescn, er habe kein Zeugnis verdient, meinte Herr Lindstedt. Nachdem der Entlassene wochenlang vergebens versucht hatte, durch briefliche Wiederholungen seiner Forderung ein Zeugnis von seinem früheren Arbeitgeber zu erlangen, wandte er sich an das Gewerbe- gcricht, und dieses belehrte den Arbeitgeber am 7. Januar, daß er zur Ausstellung eines Zeugnisses verpflichtet ist. Abermals ver- gingen zwei Wochen, ohne daß der Entlassene ein Zeugnis erhielt. Am 20. Januar fand ein zweiter Termin vor dem Gcwerbegericht statt. Hier muhte Herr Lindstedt das verlangte Zeugnis sogleich ausstellen. Gleichzeitig sollte auch eine Entschädigungsklage ver- handelt werden, die der entlassene Hausdiener gegen seinen früheren Arbeitgeber anhängig gemacht hatte. Da der Entlassene ohne Zeugnis über seine bisherige Thätigkeit eine neue Stellung nicht erhalten konnte, forderte er eine Entschädigung von 82 M.. er ver- glich sich jedoch mit dem Beklagten, dahin, daß dieser ihm 41 M. zahlte. Immerhin eine verdiente Strafe für unbegründeten Eigensinn. Wegen thätlicher Beleidigung seines Dienstmädchens wurde gestern der Friseur Heinrich Hollmann vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I zur Verantwortung gezogen. Der Angeklagte wurde beschuldigt, fem Dienstmädchen in beleidigender Weise berührt und gelicbkost zu haben. Er behauptete, daß dies nur in der An- getrunkenheit geschehen sein könne. Die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vorgenommene Beweisaufnahme muß diese Behanp- tung aber nicht bestätigt haben, überdies traten zwei ehemalige Dienstmädchen als Zeugen gegen ihn auf, indem sie bekundeten, daß der Angeklagte auch ihnen sonderbare Beweise seiner„Zuneigung" gegeben habe. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis, der Gerichtehof sah aber die Sache milder an und erkannte nur auf 100 Mark Geldstrafe. Zwei jugendliche Selbstinordkniididntcn, die ihren Eltern die Weihnachtsfreude völlig verdorben hatten, standen gestern in den Personen der lOjährigcn Buchhalter G. und L. vor dem Schöffen- gericht, um sich wegen eines ganz thörichten Streiches zu vcrant- Worten. Beide waren in einem hiesigen Engrosgcschäft thätig, dessen Chef krankheitshalber längere Zeit von Berlin abwesend sein mußte. Während dieser Zeit waren die Angeklagten mehr sich selbst über« lassen als sonst. G. trug den Schlüssel zum Geldschrank bei sich, der außer den Geschäftsbüchern auch kleinere Geldsummen be- herbergte. Bei dem Mangel einer strengeren Aufsicht ver- absäumten die beiden jungen Menschen ihre Pflichten, die sie sonst ganz eifrig ersüllten. und kamen mit Buchungen und der Erledigung sonstiger geschäftlicher Angelegenheiten in Rückstand. Alle ihre Sünden fielen ihnen ein, als sie erfuhren, daß der Chef am 24. Dezember heimkehren würde. Nun überfiel sie eine Angst, die sie ganz kopflos machte. Sie waren beide der Meinung, daß ihnen gar nichts übrig blieb, als sich daS Leben zu nehmen. Zu diesem Zweck steckte der erste Angeklagte eine Summe von 480 M., die für das Geschäft eingegangen war, zu sich und beide entflohen, nachdem sie je einen Revolver eingekauft und nicht etwa bei Dressel, sondern bei Aschinger zu Mittag gegessen hatten. Ihre Uhren schickten sie ihren Eltern mit einigen Abschiedsworten zu. Nun ist aber das Revolver- kaufen leichter, als die Ausführung eines Selbstmordes. Die beiden thörichten Menschen kamen schon in Erkner auf andre Gedanken, sie ließen vom Selbstmord ab und schickten daS gesamte Geld, das sie bei sich hatten, ihren Eltern ein, mit der Bitte, cS ihrem Chef wieder zuzustellen. DaS geschah denn auch, und der Chef wurde völlig schadlos gehalten. Die beiden Ausreißer hatten aber gar keine Vorstellung, was ans ihnen eigentlich ivcrden sollte. Sie wanderten noch kurze Zeit planlos in der Nachbarschaft von Berlin umher und kehrten dann als renige Sünder zu ihren gcängstigten Eltern zurück. Inzwischen war bereits Strafanzeige erstattet worden. Die beiden jungen Menschen gaben gestern vor Gericht ihre Ent- gleisung reuevoll zu._ Trotzdem beantragte der Staatsanwalt je sechs Wochen Gefängnis, da es sich doch um einen erheb» lichen Vertrauensbruch handele. Die Verteidiger empfahlen dagegen dringend, den Angeklagten nickt ihre ganze Zukunft dadurch zu ver» derben, daß man sie für den dummen Streich, der allerdings eine Unterschlagung darstelle. ins Gefängnis schicke. Das Schöffen» gericht entsprach diesem Ersuchen und erkannte auf je 100 M. Geld- strafe._ Versammlungen. _ Die Frcingchte der Bäckergesellen. Am Dienstagnachmfttag be» schäftigte sich eine im Gewerksckaftshause abgehaltene Bäckerversamm- lung mit der seit Jahren erhobenen aber immer noch nickt durch» geführten Forderung: Gewährung je einer arbeitsfreien Nacht an den drei hohen Festen: Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Der Referent H e tz s ch o l d beleuchtete zunächst die äußerst Mangel» hafte Befolgung der für das Bäckergewerbe bestehenden Arbeiterschutz-Vortchristen, dann ging er auf das eigentliche Thema der Versammlung ein und führte dazu aus: Drei arbeitsftcie Näckte im ganzen Jahre für die Bäckergesellen, welche jahraus, jahrein Sonn- und Feiertags ebenso wie an Wochentagen schuften müssen, das ist eine gewiß recht bescheidene Forderung. Sie spielte schon seit einer Reihe von Jahren eine Rolle bei allen von den Bäckern geführten Lohnbewegungen, ohne daß sie bis jetzt zur allgemeinen Anerkennung gekommen wäre. Wohl haben die Bäcker- Innungen in Berlin bei den EinigungSvcrhandlungen im Jahre 1000 erklärt, daß diese Forderung durchaus berechtigt sei; aber nur die Concordia-Jnnung hat sich um die Erfüllung dieser For« derung einigermaßen bemüht, die Gcrmania-Jnnung bat nichts gethan, unr ihre Mitglieder zur Anerkennung der berechtigten Forderung auzu- halten. Wenn ein Teil der Berliner Bäckereien in der Nackt vom ersten zum zweiten Feiertag jetzt nicht arbeiten lassen, so ist das im ivesentlichen dem Umstände zu danken, daß das Publikum, veranlaßt durch die Aufrufe der Bäckergesellen, am zweiten Feiertage keine Backwaren kauft. Obwohl sich längst herausgestellt hat, daß die Bäckerarbeit in der Nacht vom ersten zum zweiten Feier» tage den Meistern keinen Vorteil bringt, ja daß sie die Unkosten nicht einmal deckt, müssen doch die Gesellen in einem sehr großen Teil der Berliner Bäckereien in den genannten Nächten arbeiten, sie haben also während des ganzen Jahres nickt einen einzigen freien Tag. In Nürnberg. Fürth, Würzburg. München und einigen andren bayrischen Städten ist die Arbeit rn den drei in Rede stehenden Nächten durch Polizeiverordnung bereits verboten. Was sich in diesen Orten durchführen läßt, ist auch anderwärts möglich. DaS Bestreben der Gesellen geht nun dahin, durch Petitionen an die Negierungen um Erlaß von Verordnungen zu ersuchen, wie sie in den genannten bayrischen Städten bestehen. Die Petitionen sollen gemeinsam von den Gesellenausschüssen und den Lorständeir der Innungen unterzeichnet werden, ivozu sich die letzteren bereit erklärt haben. Für Berlin wird die Petition an den Polizeipräsidenten gerichtet. Der Redner verlas dieselbe. Sie fordert unter ausführlicher Begriindrmg, daß die Herstellung sowie das Austragen von Backware zu Ljter», Pfingsten und Weihnachten in der Zeit vom ersten Feiertage morgens >/�10 Uhr bis zuin zweiten Feiertage abends'/jlO Uhr verboten wird.— Zum Schluß betonte der Referent, daß, wenn die gewünschte Verordnung erlassen werden sollte, es Pflicht der interessierten Bäckereiarbeiter sei, über die strikte Durchführung derselben zu wachen. Ferner betonte derRedner. daß die Gewährung der drei geforderten Frei- nachte der Anfang sein müsse zur Durchführung der vollen Sonntagsruhe im Bäckergewerbe.— Die Diskussionsredner stimmten dem Referenten in allen Punkten bei. Als Illustration zu dem oft er- örterten Thema: Kost- und LogiSwcsen, hatte ein Versanrnilungs» besucher sein Mittagscssen in natura inirgebracht: Ein Teller Kartoffeln mit einem halben Hering, welches in der Versammlung unter allgemeiner Entrüstung vorgezcigr wurde und als ein in die Augen springender BeloeiS dafür diente, wie notwendig die Ber« besserung der Arbeitsverhältnisse der Bäckergesellen ist. Die Versammlung erklärte sich mit der Fassung der ihr vor- gelegten Petition einverstanden. Diese wird nun den Vorständen der beiden Jnnungeir zur Unterschrift präsentiert und dann dem Polizei» Präsidenten zugestellt. Die Drahtarbeiter(Sektion des Metallarbeiter-Verbandes). besprachen am Mittwoch in einer stark besuchten Versammlung die eventuelle Neuregelung ihres L o h n t a r i f s. Wie der Referent W i e s c n t h a l ausführte, hat es während des verflossenen JahreS wegen Nichtinnehaltung des Tarifs verschiedentlich Differenzen zwischen Arbeitern und Unternehmern der Branche gegeben. In einem Falle ist sogar der seit 27 Jahren in der betreffenden Fabrik be- Ääftigt gewesene Vertrauensmann entlassen worden, angeblich wegen Mangel an Arbeit. Um nun die Mängel des am 1. April ablaufen- den Tarifs zu beseitigen, hat die Kommission bereits einen neuen Tarifcntwurf ausgearbeitet, jedoch sind die Verhandlungen darübe iZ mit den Unternehmern noch nicht zum Abschluß gekommen. Bezüg- lich der Frage, ob der jetzt bestehende Tarif gekündigt werden solle oder nicht, beschloß die Versammlung: Die Mitglieder der Schlichtungskommission erhalten Vollmacht, bei der Ortsvcrwaltnng die Kündigung des alten Tarifs zu beantragen, falls bis zun, Kündigungstermin die Verhandlungen über den neuen Tarif nicht abgeschlossen sind. (kentralverband der Handlungsgehilfe» und-Gehilfinuen Deutschlands, Bezirk Berlin �üden. Freitagabend 3 Uhr: Sitzung im Reslaurant zur Turnhalle, Prinzenstraße 60. Frl. Bader spricht über .Emancipationskämpje". Gäste sind tvillkoimnen. Berliner Tanzlehrer- Bcrciu(Freie Vereinigung). Sitzung sowie UcbungSstimden jeden Freitag 3'/, Uhr.>m Englischen Hof, Reue Roßstr. 3. Prüfung der neu auszunehmenden Mitglieder. Letzte r�aebnebten und Depefeben. Zum Darmstädter BergiftungSfall. Frankfurt o. M.» 28. Januar. Nach Meldung der„Frank« iirtcr Zeitung" aus Darmstadt ist heute mittag die Gemeindeschwester Ägues als fünftes Opfer der Vergiftung im Elisabethstift gestorben. Darmstadt, 28. Januar. Laut Meldung der..Darmstädter Zeitung" beläuft sich die Gesamtzahl der an Vergiftungserscheinungen erkrankten Besucherinnen der Kocksschule des Alice FrauenvereinS auf 16. Mit der wissenschaftlichen Untersuchung deS mutmaßlichen Krankheitserregers sind die Professoren Gaffky und Bostrocm betraut worden._ Der französische Senat. Paris, 23. Januar.(W. T. B.) Der Senat genehmigte die im aag zwischen Frankreich und mehreren Mächten zur Regelung von .lesetzeSstreitigkeiten und Streitigkeiten in der Rechtsprechung abgeschlossenen Uebereinkonrmen, erstens bezüglich des Schutzes Minderjähriger, zweitens bezüglich der Verheiratung und drittens bezüglich der Trennung von Tisch und Bett. Im weiteren Verlaufe der Sitzung genehmigte das Hau» mit 238 gegen 30 Stimmen den Gesetzentlvurf betreffend Auf» Hebung der Stellenvermittelungs-Bureaus; die Aufhebung wird jedoch in daS Belieben der Gemeinderäte gestellt.— Madame Hnmbert. Paris, 28. Januar.(W. T. B.) Vor dem Berufungsgericht öllte heute die Klage des Bankiers Cattaui gegen die Humberts vegen Verleumdung verhandelt werden; die Verhandlung mutzte edoch vertagt werden, da Thörvse Hnmbert sich krank gemeldet und sröderic Hnmbert sein Erscheinen verweigert hat. Hamburg, 23. Januar.(B. H.) Der Kassierer einer hiesigen leging Wechsclfalschungi beteiligte Firma ist gedeckt. Höhe Petersen ist verhaftet. Pprantw. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Berlagsanstalt Paul Singer LrEo., Berlin 5 V/. Hierzu2 Beilage» u.NntcrhaltungStlatt Nr. 24. 21. Jahrgang. 1. WIM des, Amiirls" Krim VcksdIM Freitag, 29. Jannar 1994. Keickstag. 20. Sitzung. Donnerstag, den 23. Januar 1904, nachmittags 1 II Hr. Äm Bmrdesratstische: Graf P o s a d o w S k y. Die zweite Beratung des Etats des ReichsamtS deS Inner» wird fortgesetzt. Abg. Gvthcin sfrs. Vg): Ich bm mit Herrn v. Hehl durchaus darin einverstanden, datz der Crimmitschauer Streik derSocialdemokratie mehr genützt als ge- schadet hat,� allerdings bin ich andrer Meinung über die Ursachen dieser Thatsache. Der Grund liegt wohl darin, daß es sich hier um die Forderung der Äcrkürzung der Arbeitszeit handelte, die man vom Humanitären und sanitären Standpunkt nur durchaus billigen kann und zweitens darin, dah eine Aussperrung— wenigstens zum grositen Teile— vorlag. Die gesetzliche Einführung des ZehnsrundentageS zum mindesten für Arbeiterinnen scheint uns heute durchaus spruchreif zu lein. Meine Erfahrungen, die allerdings im wesentlichen nicht aus der Textilindustrie herrühren, zeigen mir. daß dadurch kein Ausfall an Arbeitsleistung entsteht.— Tritte sollen sich nicht in Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern einmischen. Aber eZ ist kein Beweis dafür erbracht worden, daß die Socialdcmokratte den Streik veranlaßt oder sich nachträglich in ihn hineingemischt hat. Bor allem aber hätte man von der sächsischen Regierung Unparteilichkeit erwarten müssen; ich bedauere, daß die sächsische,« Behörden hierbei wieder ihr historisches und notorisches Deficit in der Behandlung von Arbeiterftagen bewiesen haben. Sicherlich hätten die Crim- mitschaucr Arbeiter nicht daran gedacht, die Weihnachts- feiern zu agitatorischen Zwecken zu mißbrauchen, wenn man ihnen nicht ohne jeden Grund das Vereins- und Versammlungsrecht geraubt hätte.(Sehr richtig l links.) Charakteristisch zur Kenn- zeichnung der ganzen Stellungnahme der. Behörden ist. daß Herr Dr. Fischer— wenn auch vielleicht versehentlich— von einem Auftrage des Crimmitschauer Stadtrates, von einem Auftrage des Jimungsverbandes sprach.(Gehennrat Dr. Fischer, der sich mit dem Abg. Stolle unterhält, zuckt die Achseln.) Das erinnert mich an die Geschichte, die mir ein russischer Fabrikant erzählte: Wir in Rußland sind viel freier als Sie in Preußen. Sie müssen der Polizei gehorchen, und in Rußland gehorcht die Polizei uns, den Fabrikantei«.(Heiterkeit.) Auch in deni neuesten großen Streik, dem zwischen Aerzte» und Krankenkaflen, halten wir es für die Aufgabe der Parteien, sich nicht einzumischen. Eine gute Bezahlung der ärztlichen Leistung liegt sicher auch im Interesse der Nassen selbst. Sehr überrascht hat mich die Nachricht über das Eingreifen der preußische» Behörden in Köln. Ich erwarte, daß sich der Herr Staatssekretär zu diesem Vorgehen der Behörden äußert.— Herr v. Hehl verlangte schärfere Strafen für Beleidigungen seitens der kleinen social demokratischen Presse. Dadurch würde der Klassencharakter der heutigen Rechtsprechung nur vermehrt werden.(Sehr richtta! bei den Socialdemokraten.) Schon heute stehen viele Urteile m Be- leidigungS- und Strafprozessen nicht in, Einklang mit dem Empfinden deS Volkes. Das führt der Socialdemokratie immer neue Kreise zu, die sonst nicht zu ihr kommen würden. Besonders aber hat die Annahme des Zolltarifs den enormen Stimmenzuwachs der Socialdemokratie herbeigeführt. Herr v. Hehl »«einte, amerikanische Arbeiter hätten für den Zolltarif gestimmt. Nun, dann sind die deutschen Arbeiter eben intelligenter als die amerikanischen. Zum lvenigsten in exportierenden Ländern haben die Arbeiter große? Interesse gegen Schutzzölle, besonders gegen Agrarzöllc. Die industriellen Schutzzölle kommen heute im wesentlichen nur den Syndikaten zu gute. Abg. Heyl v. Herrnsheim forderte Kündigung deS östreichischen Handelsverttags. Die Folge einer solchen Maßnahme würde aber sein, daß wir init Ostreich und Ungarn wieder zu einem MeistbegünstigungsverhälttiiS kämen— und das wünscht doch auch Herr v. Heyl nicht. Wir bekänipfen den Zolltarif, so lange er noch eristiert; wir müßten ja sonst unsre bei den Zoll- tarifkämpfen so häusig ausgesprochene Meinung verleugnen. Wir provozieren handelspolitische Debatten weder setzt, noch auch in nächster Zeit: aber wir werden uns das Recht, zu antworten, nicht beschränken lassen, wenn man uns provoziert ivie bei der konscr- vativen Jnterpcllatton. Vergeben? habe ich im Etat einen Posten fiir Enqueten gesucht. Für die Teilnehmer an der Kommission für die Kartcll-Euqucle sind ivcder Diäten noch Reisegelder eingesetzt. Das muß zu Mißständen führen. Auch sind die Berichte über die Kartell-Enquete übermäßig teuer: 800 Seiten kleinen Formats kosten 10 M. Möge die Rc- gicrung dafür sorgen, daß diese Berichte weiteren Kreisen zu einen, billigen Preise zugänglich werden. Die Kommission hat keine eigentliche„Engnete" veranstaltet, sondern es handelt sich nur um ein kontradiktorisches Verfahren, bei dem e§ den ncuttalen Zuhörern häufig geht wie Friedrich Wilhelm I.. der, nachdem er einen Redner gehört, sagte:„Der Kerl hat recht 1". und»ach dem zweiten Redner: »Der Kerl hat auch reckst I"(Heiterkeit.)\| Der preußische Finnnzminister hat ein Loblied auf die Syndikate gesungen. Ich gebe zu, daß das Kohlensyndikat geschickt geleitet ist. Aber die Kohlenpreise werden doch hoch gehalten und damit die Kvnsinncnten bedrängt. Bei der Beratting über den Zolltarif habe ich selbst eine Enquete über den Notstand der Landivirtschaft beantragt. 1388 und 1889 haben in Preußen solche Enqueten stattgefunden,«n Bayern 1894/95, in Württemberg 1884/8S, in Baden 1883. Seitdem haben sich die Verhältnisse so geändert, daß die Veranstaltung einer neuen Enquete notwendig ist. In England werden schon heute die Ergebnisse der letzten dortigen Agrarenqucte von 1895/96 als nicht mehr beweiskräftig angesehen. Mein Enquete-Anttag wurde damals an den Schluß der zweiten Beratung deS Zolltarifs verwiesen, und er ist dann mit dem ganzen großen Rummel unter den Tisch gefallen. Aber es hat sich niemand, weder von konservattver noch von nattonalliberaler Seite, gegen meinen Antrag ausgesprochen. Diese Enquete müßte aber nicht nach dem Muster der Kartell-Enquete, sondern der amerikanischen und englischen Enqueten erfolgen. Herr v. Heyl erörterte den Gedanken, einen Socialdemokraten ins Ministerium zu berufen. Schon vor langen Jahren, bei einem Diner des damaligen Reichskanzlers Fürsten hu Hohenlohe, als wieder einmal die Unterhaltung darüber ging, wie man die gemein- gefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie am besten bekämpfe, äußerte jemand«um Reichskanzler:„Durchlaucht, machen Sie ein- mal esti paar Socialdemokraten zu Miiiistern." Darauf sagte Hohenlohe:.Ja, das wäre vielleicht das beste." Ich würde allerdings nicht dafür sein, daß man etwa Herrn Stadt- Hägen zum Justizminister machte.(Heiterkeit.) Dazu ist die Fülle seiner Beredtsamkeit zu groß.(Zuruf bei den Socialdemokraten.) Herr v, Heyl scheint zu glauben, daß z. B. Dr. David Herrn v. Podbielsli als LandwirtschaftSministcr ganz gut vertreten könnte, wenn vielleicht auch nicht mit so viel Bonhommie. Auch die Abgg. Schippe! oder Calwer könnten nach der Meinung des Herrn v. Heyl den Handelsminister Möller, der ihm ja socialpolitisch lange nicht weit genug geht, sehr wohl ersetzen. Nur für den preußischen Minister des Jimern würde ein Ersatz schwer sein, da niemand die ., Volksseele" beim Wahlrecht so gut beurteilen kann und mit gleicher Ilnpartcilichket sein Amt führt, ivie dieser Minister.(Heiterkeit und Beifall liitls.) Abg. Korfanty(Pole): Der Herr Staatssekretär sagte, keiner kann es dem deutschen Arbeiter verwehren, wenn er für die Verbesserung seiner Verhältnisse eintritt, er stellte es so dar, als sei Deutschland für die Arbeiter geradezu ein Paradies. Ich bin doch andrer Meinung. Speciell die Polnischen Arbeiter in Oberschlesien, die ich zu vertreten habe, lernen in Deutschland nichts kennen als Ncpressivniaßregeln gegen das polnische Volk. Die angetilich in Bildung und Kultur führenden deutschen Oberschichten in Schlesien stehen, nnmcntlich was den social- polilische» Fortschritt anlangt, auf der niedrigsten Stufe. Der einfache nationalökonomische Lehrsatz, daß der Arbeiter in den Arbeitsvertrag lediglich seine Arbeitskraft hineinbringt, ist diesen führenden deutschen Oberchristen vollkommen unbekannt. Sic verlangen, daß der Arbeiter Leib und Leben, politische und nationale Ueberzengung, alles, was er hat, für die paar elenden Groschen, die er den Tag verdient, de», Arbeitgeber zur Verfügung stellt.(Sehr richtig! bei den Polen.) Es gicbt kein Gebiet in Deutschland, wo die menschliche Würde des Arbeiters in so nieder trächtiger Weise mit Füßen getreten wird.(Zurlif bei den Social demokraten: Sachsen!> Ich glaube kaum, daß es dort so schlimm ist. Hcrr Gamp sagte gestern, die Lanrahütte hätte 50 Proz. des Unternehmer- gewinn? zu ivohlthätigen Zwecken fiir die Arbeiter gegeben. Ich ivürde ihm doch raten, etwas vorsichtiger in seinen Be'haupttingen zu sein; uns nicht etwa zu versprechen, das etwa Fehlende zu den 50 Proz. ans eigner Tasche zuschießen zu wollen. Es könnten ihm sonst doch bald die Wälder, in denen er so gern spazieren geht, flöten gehen. lHeiterkeit.) In den Bergwerken werden die Arbeiter gezwungen, sowie ei» Beamter erscheint, anzutreten und in deutscher Sprache die Meldung über ihre bisherige Tagesleistmig zu erstatten, genau wie in de» preußischen Gefängnissen. Wenn sie eS nicht deutsch sagen wollen oder können, so werden sie chikaniert und in Geldstrafen genommen. Ein Arbeiter, der einem der Grubenbesitzer polnisch antwortete, wurde ob dieser fanatischen Frechheit von dein Inspektor Gräfe entlassen und mit seiner zahlreichen Familie auf die Straße geworfen. So macht ein östreichischer Staatsangehöriger, der Gräfe ist, preußische lliiterthanen aus Monate arbeitslos. In welch roher Weise alte polnische Arbeiter von jungen Beamten, die kaum von der Bergschule hermitergekoinmen sind, beschimpft werden, können Sie sich kaum denken, aber in de» Berichten der Berg AnssichtSbehörden, die berufen wären, hier einzugreifen, finde» Sie kein Wort darüber, in welch unnienschlichcr Weise diese Arbeiter br handelt werden Auf der kgl. Ferdinandsgrnbe werden sie gezwungen, de» Kricgcrvcreincn beiziittctcn, die Beiträge werde» ihnen vom Loh» abgezogen. Die Gewerbe-Aufsichtsbeamten entwickeln sich allmählich zu politischen Agenten. In ihren Berichten heißt es, die grotzpolnische Agitatton mache sich in der Nichtbefolgung der deutsch erlassenen Ordnungsvorschriften beträchtlich bemerkbar.'Wissen denn die Herren gar mcht, daß 60 bis 70 Prozent der dortigen Arbeiter wegen der»nverininftigen Methode des Schulunterrichts die deutsche Sprache gar ntchr gelernt haben? Ein alter Bergmann Simon Peters, der seiner Zeit noch die polnische Schule besucht hatte, wurde entlassen, angeblich weil er nicht deutsch antworten wollte, Dabei bescheinigte ihm der Gemeindevorsteher, daß er nur einige deutsche Worte kannte. Trotzdem wurde ihm der Stuhl vor di Thür gesetzt»md er nicht wieder angelegt. Aufs tiesste empören aber muß es, wenn die Staatsbetriebe in derselben Weise verfahren. Auf der königlichen Luisengrube wird jeder, der polnisch spricht, mit 5 M. Strafe belegt. Ans derselben Grube wurde ein tüchtiger, niichterii-r Arbeiter, Vertrauensmann und Mitglied des Arbeiter ansschusseS, entlassen, weil et bei der Vertretung ihm anvertrauter Arbeiterintcresten die ihm besser bekannte polnische Sprache verwandte. Ali we» sollen die Arbeiter sich wrnden, wenn ihr Recht in nieder trächtigster Weise mit Füßen getreten wird? Sln den Gewerbe- Aufsichtsrat? An den Staatsanwalt? Durch beide wird ihr Name bekannt und sie können ans der Straße vor Hunger sterben. Ich habe ja selbst, als ich als Student als Bergarbeiter arbeitete, einiger maßen Einblick in diese Verhältnisse gewonnen. Bei der Wahl von Arbeitcrausschüssen wird einfach befohlen, welchen Arbeitern die Beamte» ihre Stimme geben müssen. Einer, der nicht gehorcht hatte, ivurde nach Lljähriger Thätigkeit ain nächsten Tage entlassen. ES wird den polnischen Arbeitern vollkommen unmöglich gemacht, ihre staatsbürgerlichen Rechte auszuüben. Arbeiter, die Berufs vereinen beitreten, werden häufig vom Amtsvorstcher ihrem Arbeit- gebcr denunziert. Während der Wahl konnten in vielen Orten die polnischen Arbeiter keine einzige Versammlung abhalten. Wenn die Behörden in dieser Weise vorgehen, kann man sich nicht wundern, wenn das Volk Preußen haßt. Die Wirtschaft- liche Lage deS Volkes ist chatsächlich eine elende, die Arbeits- löhne sind die niedrigsten, die Arbeitszeit die längste. Di« sanitären Borschriften werde» in den Bergwerken OderschlesienS am wenigsten brachtet, selbst in Gruben socialpolitisch angehauchter Herren giebt es äußerst selten frisches Wasser. Es ist nicht wahr, daß die Polen staatsfeindliche Bestrebungen verfolgen. Wir sind stets bereit, friedlich nebe» unsren deutschen Mitbürgern an der Hebung der Kultur dieser Ländcreien zu arbeiten. Wenn man uns aber mit Füßen tritt, müssen wir nnsre menschlichen nationalen und religiösen Güter wahren. In der Schule lernen die polnischen Kinder fast nichts, weil sie die deutsche Sprache nicht verstehen. Schule, Religion und Kirche werden mißbraucht zur sogenannten Gerinanisiernngspolitik. Fiir eine solche Kultur danken lvir, dann bleiben wir lieber bei nnsrcr beimischen Kultur, Wir lvollen dem Volke die Möglichkeit bieten, seine freie Zeit in menschlicher Weise zu verbringen, die Arbeitgeber aber treiben die polnischen Arbeiter durch Verhinderung jeder BercinSthättgkeit in die Kneipen und die Arme des Alkohols. Graf Bülow sprach im Abgeordnetenhause von uns als von Wasserpvlncken. Dies Wort ist ein Schimpfwort: ich protestiere energisch dagegen, daß der höchste Beamte des Deutschen Reiches rS wagt, preußische Staatsbürger in dieser Weise zu beschimpfen.(Lebhafte Zustimmung bei den Polen.) Der Reichskanzler darf sich nicht wundern, wenn das polnische Volk darüber empört ist. Diese Be- leidigungen, die er uns an den Kopf warf, werden uns als Agitatton gegen das Preußenttim gute Dienste leisten. Der Reichskanzler sagte, die gebildeten deutschen Stände müßten sich mehr rühren. Der Erfolg davon wird der sein, daß die Arbeiter noch mehr mit Füßen getreten werde»; es wird noch mehr„polnische Schweine", „polnische Ochsen" und„polnische Schafe" geben.(Stürmisches Ge- lächter.) Wir werden dafür sorgen, daß die Worte des Reichs- kanzlers in jedes Hans, in jede Stube dringen, damit das Volk steht, wie es behandelt wird. Die preußische Kultur muß an den Pranger gestellt werde». Die anttpolnische Politik bringt uns eine Armer von modcrne» Industriellen, von modernen Hochstaplern, die das Boll wirtschaftlich auSplündrrn. (Großer Lärm und stürmische Unterbrechungen.) Ein Beispiel für die Hochstapelei bei den deutschen Aerzte»: Ein deutscher Arzt sprach sich auf einer Brrsammlnng in Breslau im September 1903 gegen die freie Arztwahl bei den oberfchlesifchc» Krankenkassen aus, weil dann die polnischen Aerzte großcn Zulauf bekomme» könnten. (Hört! hört! bei den Polen.) Dieser Arzt ist ein verkommenes Individuum, er ist ein Lügner.(Große Unruhe.) Präsident Graf Ballcstrrm(unterbrechend): Ich muß doch den Herrn Abgeordneten bitten, von Leuten, die sich hier nicht verteidigen köimen, nicht unter Ausnutzung der Rede- freibeit in solchen Ausdrücken zu sprechen.(Bravo I rechts.) Das ist nicht Sitte im Reichstage.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen. Zuruf rechts: Im polnischen Reichstag( Stürmische Heiterkeit.) Abg. Korfanty(fortfahrend): Ich wollte die preußische Kultur und dies moderne Hochstapler- t»m geißeln. Wenn diese Art Politik von höchster Stelle»ntcrstüyt wird, so kann man von einem derartigen System nur sagen: Es ist eine Schande!(Lebhaftes Bravo! bei den Polen und Socialdemo- kratcn. Rufe rechts: Zur Ordnung!) Abg. Dr. Müller-Meiiiingen(srs. Vp.): Wir haben an dem socialpolitischen Wettlauf nicht teilgenommen, weil wir diese Häufung von Initiativanträgen und Resolutionen als eine Verstockung der parlamentarischen Maschine ablehnen müssen. Ich bin nicht so optimistisch, wie die Herren vom Centrum, zu meinen, daß in diesen papierenen Resolutionen der socialpolitische Geist sich widerspiegele. Fast scheint es vielmehr, als ob das böse Gelvisien der Majorität über das Zustandebringen des Zolltarifs diese Flut von Resoluttonen gezeitigt habe. Biel besser wäre es, eine oder zwei Resolutionen beim ReichS-VersichernngZamt auch wirklich zur Durchführung zu bringen.(Sehr richtig! bei den Freis.) Zwingen Sic(zum Centrum) doch die Regierung z» einem Borgehen besonders in der Frage des zehnstündigen Fraucn-Arbeitstagcs, veranlassen Sie, daß die verkehrte Verwaltungspraxis aufhört! Damit nehmen Sie der Socialdemottatte viel mehr Arbeiter, als durch alle diese Resolutionen. Schaffen Sie(zum Centrum) freies Koalitionsrecht. freies Vereins- und Bersamnilungsrecht. Ganz nnhaltbar ist der Zustand, daß bei diesem Etat die wichtigste» Materien tti Forni von Resolutionen, die manchmal ganze Gesetzentwürfe enthalten, in Bausch rnid Bogen verhandelt werden. Was ist denn das Schicksal solcher Resolutionen. I» dritter Lesung, wenn die Koffer bereits gepackt sind, wird über 20 bis 30 Resolutionen abgestimmt, wobei es vorkommen soll, daß viele Abgeordnete gar nicht wissen, worüber eigentlich abgestimmt wird. Hier muß Abhilfe geschaffen werden, weil» nicht unsre ganze EtatSoebatte Fiasko erleiden soll. Die Socialdemokratie verzichtet ja bereits mit der stolzen Miene des Siegers darauf, dem Beispiel der Herren vom Centrum und der nationalliberalen Partei mit einer ähnlichen Flut von Anträgen zu folgen. Den Herrn Staatssekretär möchte ich fragen, ob die Nachricht der Presse richtig ist, daß in nächster Zeit die Anerkennung der Rechts« persönlichkeit der BrrufSvcrcinr erfolgen soll. Ferner bitte ich um Auskunft, ivie es mit dem Erlaß eines Automobilgcfetzes steht. Ich will auf die Materie nicht näher eingehen, nachdem das Herrenhaus sich erst kürzlich damit beschäftigt hat. Zurückweisen muß ich die Be- hanptimg deS Herrn v. Mirbach, als ob wir daran schuld seien, daß die Entschädignngsftagc im Automobilvcrkchr jetzt so schlecht geregelt ist.— Ich frage weiter, wie cS mit dem künstlerischen Urheberrecht steht.— Vinch wir halten die Gesundheit für das höchste Gut deS Arbeiter?. Aber manche Verordnungen, die sich am grünen Tisch ganz gut an- sehen, schlagen schließlich zum Nachteil der Arbeiter aus. So zum Beispiel die Verordnung vom 20. März 1902 betreffend die Stein» Hütten und Steinhanereien. Sie ist in Bezug auf den roten Nürn« bcrger Sandstein völlig undurchführbar, wie Schöffengerichts- Verhandlungen in Nürnberg und Oberkassel beweisen. Die wichtigste socialvolitische Aufgabe der nächsten Zeit ist die Beseitigung der Rückständigkcit unsres Vereins- und Bersammlungsrechts. Hohn und Spott ist ausgegossen ivorden über die Bestimmungen in Preußen, Sachsen, Sachscn-Weimar, Mecklenburg usw. Und doch hat dns Reich die Verheißung des Artikels 4 der Verfassung noch immer nicht erfüllt, seine moralische Verpflichtung, die durch§ 17 des Wahlgesetzes gleichsam zu einer juristischen geworden ist, noch immer nicht erfüllt. Und jetzt ist Gefahr im Verzuge; denn wenn erst die preußische VereiuSgesetz-Novelle angenommcn ist, dann ist eine Reichsgesetzgebiing auf lange Jahre hinaus nicht zu erwarten. In Preußen sollen ja jetzt die Rechte der Frauen erweitert werden, aber warniii nicht auch z. B. in Sachsen-Weimar. Der Reichskanzler hat doch erklärt, er stehe der Franeubeiuegung sympathisch gegenüber. Dabei macht sich jetzt sogar nicht nur Mecklenburg, sondern eine Republik und freie Hansastadt den Sport, die Frauenbewegung zu chikauieren. Hamburg ist ja durch seine Bordcllwirtschaft in der Ulrikenftraße berühmt. Man stellt noch jetzt Mädchen unter 16 Jahren unter Sittenkontrolle und entläßt sie wieder, bevor sie 18 Jahre alt werden. Die Bordelle sind durch einen Bescheid der Hamburger Staatsanwaltschaft gleichsam zu einer Staatseinnchtung erklärt. Als die Frauen auf Grund des§ 118 (Kuppelciparagraph) Anzeige erstatteten, hat er sie abgewiesen. Weil die polizeiliche Reglementterung gesetzlich zugelassen sei, könne man nicht einschreiten. Wahrscheinlich haben die Hamburger ein schlechtes Gewisien, daß sie die Frauen diese Verhältnisse nicht erörtern lassen wollen. Man überwacht ihre Versammlungen lind verbietet ihnen Lokale, Themata usw. Meine Herren aus Preußen! Sie können sich ja beinahe aufs hohe Pferd setzen. Gegen- über dieser Republik sind Sie doch bessere Menschen.(Sehr gut! links und Heiterkeit.) Eine Führerin der Frauenbewegung hat man so lange chikaniert, bis sie nach Bayern verzog. Mit derartigen Krühwinkelelei« und Philiftereien geht Deutschland noch lange nicht in der Welt voran!(Sehr richttg l links.) Man kaim die Frauen nicht länger vereinsgrsctzlich wir Bankrotteure und Verbrecher be- handeln. Wir werden alles thun, damit dieses unangenehme Kapitel der deutschen Kulturgeschichte möglichst bald der Vergangenheit an« gehört.(Beifall links.) Vicepräsident Graf Stolberg: Herr Abgeordneter! Ich habe Ihre AuSführungm über Arbeit?« kammsm und BerufSvercine nicht unterbrechen lvollen, ich möchte aber darauf aufmerksam machen, daß diese ganze Materie bei der Resolution Triinborn«Dr. Hitze eingehend beraten werden soll. Hamburgischer BundeLrats-Bcvollmächttger Syndikus Dr. Schäfer: Die Thatsache, daß eine in Hamburg angemeldete Frauen« Versammlung mit dem Thema„Reglementieruna der Prostitution" von unsrer Polizeibehörde verboten wurde, ist richtig. Die Damen haben sich dabei zunächst beruhigt. Ich vermute allerdings, daß der Dame, die diese Versammlung angemeldet hatte, auch in der Be« schwerdc-Jnstanz der Vortrag verboten ivorden wäre. Diese Dame ist den Hamburger Behörden bereits seit einer Reihe von Jahren bekannt. Vor etwa einem Jahre wolle dieselbe Dame(Heiterkeit.) einen Vortrag hatten genau über das gleiche Thema. Auch jene Versanunlmig war von den Hamburger Polizei- behörden verboten worden. Als dann dieselbe Dame aus demselben Tage eine neue Versammlung mit dem Thema„Die Hamburger Vereinsgesetzaebung und die Frauen" anmeldete, lag die Vermutung nahe, daß sie unter diesem un« verfänglichen Thema ihre zuerst beabsichtigten Ausführungen dennoch machen würde.(Große Heiterkeit.) Die neue Versammlung verfiel denn auch bald der polizeilichen Auflösung.(Zuruf bei den Social« demokraten: Ganz sächsisch!) Alle Berufungsinstanzen haben der olizeibehörde recht gegeben.(Die folgenden Ausführungen >r. Schäfers werden von steigender Heiterkeit deS Hauses begleitet, da der Redner, die Hände meist über der Brust lekreuzt, fortwährend mit großen Schritten auf der Redner« ribüne hin und her wandelt.) Jene in Hamburg im vorige» Jahre verbotene Vcrsamniluiig hat dann in Altona statt« gefunden, Aber ich zweifle daran, ob die Altonaer Behörden sie ohne weiteres gestattet hätten, wenn ihnen das der Hamburger Polizei vorliegende Material auch vorgelegen hätte.(Unruhe linkö,) Die bcttcffcnde Dame hatte den betreffenden Gegenstand(Heiterkeit) schon > häufig behandelt, und zwar i» einer Art und Weise, die erkenne» ließ, daß die Dame nicht verstand, die Grenze einer sachlichen Erörterung innezuhalten.(Große Heiter- keit und Oho!- Rufe bei den Socialdeinolraten.) Ich bezweifle nicht die gute Absicht der Dame. Wer über die Reglemen« tierung der Prostitution sprechen lvill, mag es thun, so viel es ihm Vergnügen macht. Die Hamburger Behörde vertuscht nichts, was in Hamburg geschieht. Ich will hier Rede stehen aus alle Frage». Es würde die allerschwerste Gefahr für die öffentliche Sittlichkeit in Hamburg entstehen, wenn die Hamburger Behörde das System auf- gäbe, dns sie nach reiflicher Ueberlegung und in vollem Bewußtsein ihrer Verantwortung eingeführt hat.(Große Unruhe und Zurufe.) Diese Dame— ich wiederhole es— hat wiederholt(Heiterkeit) über dieses Thema gesprochen. Ihre Aussührungen konnten nicht ge- stattet werden, ivcil diese Versammlungen besucht wurden von Per« sonen beiderlei Geschlechts, die zum Teil in einem Alter standen, in dem man solche Dinge»och nicht zu erfahren pflegt. Wenn diese Dinge hier im Reichstage öffentlich erörtert würde», so würde das «ach«einer Meinung sehr bnld eine Leerung der Tribiincn zur Folge haben. lGrobc Heiterkeit.) Die Dame hat, als ihr Schwierigkeiten bereitet wurden, das Thema gewählt:„ilnsrc Vaterstadt."(Heiter-« kcit.) Das war ja ganz hübsch und harmlos, von einer Hamburger Dame Borträge über die Hamburger Baterstadt zu hören.(Heiterkert.)' Es gingen uns aber zahlreiche Beschwerden zu von Besucher» jener Vorträge, unter andern von einem jungen Theologen (Stürmische Heiterkeit), der beobachtet hatte, wie den jungen Mädchen im Alter von 12—15 Jahren, die sich unter den Zuhörern befanden, die wachsende Sinnlichkeit allmählich vom Gesicht abgelesen «erden tonnte.(Erneute schallende Heiterkeit.) Die Mädchen be kamen Dinge zu hören, die sie sonst wahrscheinlich in ihrem ganzen Ilebcn nicht zn hören bekommen hätten. Diese Ärt und Weise des Vortrages bedeutete eine sittliche Gefahr. Diese Damen bedeuten trotz ihrer lvohlmeinendcn Absichten eine weit ernstere Gefahr für die öffentliche Sittlichkeit als alle diese öffentlichen Einrichtungen zu- samiiic»(Groffc Unruhe), deren Bekämpfung diese Damen(Heiterkeit) sich zur Aufgabe gemacht haben. ES ist leicht zu sagen:„Die Pro stitution gefällt inir nicht!" Mir gefällt sie auch nicht. Wenn Sie «nr einen Weg angeben lvollen, wie man sie beseitigen kann, werde ich JKnen dankbar sein Aber so lange es die Erde gegeben hat hat die Prostitution existiert.(Groffe Heiterkeit.» Die Berpflichtung, welche durch diese Thatsache der Hamburger Polizeibehörde auferlegt �ist, ist die Pflicht, die Prostitution zu überwachen, damit ihre Schäden auf das allergeringste Matz zurück geführt werden. Die Hamburger Polizei verfolgt daher mit vollem Bewußtsein das System der Kascrnicrung, der Lokalisierung der Prostitution. Ob Sie das Bordelle nennen wollen, ist niir ganz gleich.(Heiterkeit.» Auf den Namen kommt cS mir nicht an, sonder» lediglich auf die Sache. Durch das System der Kasemierung Ivird natürlich erreicht, daß die Prosli- tuiertcn üi� bestimmte Straßen ziehen, und daß der andre, der anständige Teil aus der Bevölkerung, aus diesen Straßen mehr und mehr hinauszieht. Das ist ja gerade das, was wir durch unser System erreichen wollen: die Scheidung zwischen den Prostituierten und dem anständigen Teile der Bevölkerung. Ich kenne keine Stadt, in der es so Ivie in Hamburg anständigen Damen möglich ist, auch in den Abendstunden unbehelligt über die Straße zu gehen.(Zuruf links.) Natürlich kommen Belästigungen durch Betrunkene ausnahmsweise auch vor, aber solche Fälle werden von unfern Gerichten besonders streng ge ahndet. Es wird mir zugerufen, daß die Hamburger Polizei durch diese sitteupolizciliche Einrichtung viel Geld verdiene. Ich muß die Berechtigung dieser Behauptung auf das aller entschiedenste in Abrede stellen. Eine sehr ernste Frage, die den Reichstag auch verschiedentlich beschäftigt hat. ist ja die des Zuhälter- tums. Wir in Hamburg sind stolz darauf, daß es uns gelungen ist, dieses Zuhältertum nahezu vollständig zn unterdrücken. Weiter ist cs uns durch unser System möglich geworden. die Geschlechtskrankheiten auf das geringste Maß einzudämmen. Die Kasernicrung der �Prostitution hat zur Folge, daß die Prostituierten nicht auf die Straße herauszugehen brauchen.(Heiterkeit.) Sie können natürlich auch auf die Straße gehen.(Heiterkeit.) Nur sollen sie den nötigen Anstand bewahren und sich nicht als das zu erkennen geben, was sie sind. So ist cö bei uns nicht möglich, daß die Frauen auf der Straße und in ösiemlichen Lokalen ihr Gelvcrbe betreiben, wie das in andren Städten vielfach vorkommt. ES ist darauf hingewiesen worden. daß die Hamburger Staatsanwaltschaft es ab gelehnt hat, gegen eine Person, welche in einer dieser Straßen eine Wohnung an Prostituierte vermietete, strafrechtlich ein zuschreiten. Auf diesem Standpunkt steht die Hamburger Staats- anwaltschaft allerdings auch heute noch. Das Reichsgericht sagt, eine Kuppelei liegt schon vor, wenn überhaupt gegen Entgelt Wohnungen an Prostituierte vennietet werden. Meinen sie denn, daß in irgend einer Stadt, wo Prostituierte überlvacht werden, die Polizei nicht genau lveiß, wo die Prostituierten wohnen. Sie muß es ja wissen, wie soll sie sonst die Prostituierten überwachen? Es ist gewiß nicht angenehm, diesen Schmutz hier aufzurühren: mich leitete lediglich das Bestreben, den Standpunkt der Hamburger Be- Hörden vollständig klarzustellen. Sie mögen sich noch so sehr ereifern(Große Heiterkeit),»vir werden uns nicht uin Haaresbreite von dem Wege abbringen lassen, den wir als den richtigen erkannt haben. Abg. Wurm(Soc.): Der Polizeigeist Sachsens hat auch in Hamburg moralische Eroberungen gemacht. Das Verbot einer Versammlung mit der Be- gründung, es hätten in der anschließenden Diskussion ungehörige Dinge gesagt werden können, erinnert an die schlimmsten Zeiten des Ausnahmegesetzes. Im Gegensatz zu seinen Borgängern hat Dr. Schäfer uns heute sein Herz ausgeschüttet und zugegeben, daß es in Hamburg Bordelle im Polizei- technischen Sinne gicbt. Wenn Pr. Schäfer behauptet, es gebe seit Erschaffung der Welt Prostituierte, so gehörte Eva Ivohl auch dazu.(Heiterkeit.) Notwendiger aber als die Erwiderung auf diese geistvollen Ausführungen über Prostitution scheint cs mir, an die vorherige Debatte anzuknüpfen, die sich ja eigentlich nur um uns gedreht hat. Unsre drei Millionen Stimmen haben eben erzieherisch gewirkt.(Lautes Oho! rechts und in, Eentrum.) Herr Dr. Müller-Meiniiigeii ineinte,»vir könnten mit der stolzen Miene des Siegers zusehen, wie kräftig mn die A r b e i t e r g u n st um die Wette gelaufen wird. Wir könnten das ja. Aber um gewisse mit dieser Praxis verbundene Absichten zu hintertreiben, werden wir unsre Signale aufftellen, nach denen Sie dann weit- laufen werden. Denn sie zu erreichen, dazu reicht Ihre Kraft nicht. Sie können den Arbeitern nicht das gewähren wollen, was von diesen selbst als notwendig anerkannt wird. Wir werden also unsre Anträge in Form von Resolutionen einbringen, ohne indes, wie das Centrum, diese Anträge zurückzuziehen. Wir wollen zeigen, wie die notwendigen Arbeiter-Schutzgcsetze sich von der flauen Brühe unterscheiden, die Sie den Arbeitern bieten. Graf Posadolvsky nahm für die Monarchie das Verdienst in An- spruch, die Arbciterschntzgesetzgcbung eingeleitet zu haben. Aber die kaiserliche» Erlasse vom 4. Februar 1800 berufen sich auf die Ber- Handlungen, welche die Arbeiter schon vorher auf internationalen Kongressen geführt haben. Ich unterstreiche nicht die kleinlichen Motive Bismarcks, der Kaiser habe die Erlasse nur unterzeichnet, um uns bei den damaligen Wahlen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es genügt ja der Wunsch, dem Zug der Arbeiter zur Socialdcmokratie Dämme entgegenzustellen. Wir haben stets mit Stolz darauf Hingelviesen, daß Deutschland auf vielen Gebieten eine bessere Arbciterschutzgesetzgebung hat als andre Staaten, aber mit demselben Stolz darauf, daß Deutschland auch die best organi- sierte Socialdemokratie der Welt hat. Und die wachsen beide parallel, das läßt sich Schritt für Schritt verfolgen. Ich gebe dem Grafen PosadowSky zu, daß auch in Republiken Militär zum Schutze des Kapitalismus bereit steht. Aber er pries die Monarchie als Schutzwall gegen Ausschreitungen der Geldaristokratie und das im Lande des Geldsack-Wahlrrchts, das Herr v. Hammerstein für das beste erklärt bat, dies System, das Haupt- sächlich von der Monarchie erhalten wird, in Sachsen von ihr eingeführt i st! In derselben Rede berief sich Graf Posadowsky auf die Aristokratie des Besitzes, die herrsche» müsse. Solche Widersprüche in einer Rede! Wir haben kein Hehl daraus gemacht und machen keines daraus, daß die Umgestaltung der Produktion den Menschen auch auf politischen, Gebiete frei machen tvird, daß wir dann keinen Herrscher und keinen Knecht haben werden und des Volkes Wille das höchste Gesetz sein wird. Dann giebt es keine Könige von Gottes oder von GeldsackS Gnaden. Wenn Graf Pofadowky recht hätte, daß die Monarchie in der Socialpolitik führe, so hätte sie bei ihrem Alter schon viel n, e h r l e i st e n müsse n. Was jetzt die Arbeiterschaft ihr abgerungen hat, ist doch zn Ivenig. Die Abgg. Erzberger und Dr. Bachem haben die Legendezfm verteidigen gesucht, als sei die Socialreform ausgegangen vom Erzbischof Kctteler von Mainz. Damit befinden Sie (zum Centrum» sich durchaus anf den, Holzwege. Erzbischof Ketteler hat sich allerdings mit Socialreform beschäftigt, aber nicht nur zeit- lich nach Laffalle, sondern auch anknüpfend an Lassalle.(Sehr richtig! bei den Socialdcmokraten.) Er hat 1861 einen anonymen— nachher von ihm anerkannten— Brief an Lassalle gerichtet mit der Bitte um Rat über Arbeiterangelegen heitcu, in die ihm selbst der tiefere Einblick mangele. Bon Anfang an fuhr die Socialpolitik des Centrums im S ch l e p p- t a u der«socialdemokratie. Ihre(zum Centrun,) Bor- schlüge sind nur Abgüsse unsrer Forderungen. Im Oktober 1818 führte Ketteler auf der Versammlung der katholischen Vereine DeuffchlandS aus, daß die endgültige Lösung der socialen Frage der katholischen Kirche vorbehalten sei, denn der Staat habe dazu nicht die Kraft. Und was beweist es überhaupt viel, wenn 1818 ein gebildeter Mann über sociale Reform nachdachte? Die Märztage waren vorhergegangen, sogar die Handwerker hielten sociale Tage ab, und auf der Tagung des Arbeiterparlaments hatten die A r b e i t e r Berlins den Z e h n st u n d e n t a g gefordert. Wie rückständig erscheint demgegenüber die Auffassung in Ketteler? Rede vom Oktober 1813: „Habgier, Genußsucht und Selbstsucht haben i» Verbindung mit großer Not den Haß der Armen gegen die Reichen hervorgerufen!" Das ist allerdings eine vormärzliche Anschauung über Social- reform.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) I», Jahre 1867 wurde der erste Arbeiterschutz-Antrag im deutschen Reichstag ausgearbeitet, und zwar von der Socialdemokratie. Damals hatten schlv eitzer, Fritz f che und Hasenclever einen ganzen Gcsetzcntwurz von 17 Paragraphen ausgearbeitet, in dem der Zehnstundentag, Schutz der Wöchnerinnen, AuS»chließung der Kinder von der gewerblichen Arbeit usw. verlangt wurde. Da aber die Liberalen die zuerst versprochene Unterschrift unter den Antrag verweigerten, konnte dieser nicht einmal gedruckt werden und findet sich nicht in den Akten des Hauses Aber in der Geschichte der Socialdemokratie ist er verzeichnet. 1861» kamen zahlreiche Anträge Bebels zur Gcwerbe-Ordnung. Damals habe» die Windhorst, llieichcnspergcr, Malinckrodt nicht mit einer Silbe von Arbcitcrschutz gesprochen. Sie haben ruhig zugehört, wie Herr v. Stumm gegen die Arbeiter donnerte und wie der Fortschrittler seine Witze n, achte über unser Verlangen nach F a b r i k i n s p e k t o r e n. Wo blieb da das Centrum?(Zuruf des Centrums: Es war noch gar nicht da!) Als Partei sind Sie allerdings erst 1871 aufgetreten, aber Vertreter Ihrer politischen Gedanken waren in den Genannten da schon vor- hnndcn. Der spätere Arbciterschutzantrag von Galen war sehr schwächlich und verknüpfte mit geringen Forderungen sür die Arbeiter gleichzeitig die reaktionäre Forderung der Einschränkung der Gewerbesreiheit und der Freizügigkeit.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Herr Erz- berger behauptete, Sie hätten keine Angst vor der Socialdemokratie, aber schon 1873 rief Reichensperger mit Hinblick auf die Socialdemokratie:„Hanibal vor den Thoren!" Damals brach auch in den katholischen Arbeitervereinen Westfalens die Rebellion aus und sie schickten die Priester und Kapläne los. Nur die Angst trieb Sie, nicht die sSympatie mit den Arbeitern. Wir haben an diesem Wettlauf niemals teilzunehmen brauchen; wir sind stets unbeirrt auf unser Endziel losmarschiert. Wenn das Centrun, es Ernst meinte selbst mit den bißchen Abschlagszahlungen für die Arbeiter, dann hätte es ganz andre Wege zur Durchsetzung seiner Anträge zur Verfügung. Wir wissen ja, wer in Deutschland regiert. Eine gründliche Beratung seiner Resolutionen ist gar nicht möglich und wenn diese Resolutionen angenommen werden, wird das Centrum auch nur einen Finger krun, m inachen. um sie bei der Regierung durchzusetzen? Wird es den Etat ablehnen? Die Arbeiterklasie verlangt niehr Ernst für die Socialpolitik. Ihre blinden Schüsse, Ihr Blendfeuerwerk machen nirgends Eindruck. Wir halten den Arbeiterschutz im Interesse der Kultur für notwendig. Deshalb haben wir, die Jntransigenten. die wir angeblich nichts andres wollen, als alles zusammcnhanen, vom ersten Augenblick unsrer Fraktionsbildung an Anträge auf Arbeiterschutz ein- gebracht, die im Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft ohne weiteres zu verwirklichen und anderwärts zum Teil bereits verwirklicht sind. Wenn Sie mit Ihren Anträgen nur paradieren wollen, dann ist eS notlvendig, mit Ihnen Fraktur zu reden und zu zeigen, wie wenig auf diese Ihre neueste Schwenkung zu geben ist. Es ist noch gar nicht lange her, da konnte sich das Eentrum über den Zehn stunden tag nicht einigen. Es war sür unsren Antrag nicht zu haben. Unter dem Eindruck des C r i m m i t s ch a u e r Streiks, unter dem Eindruck unsrer riesigen Fortschritte bei der letzten Wahl haben Sie sich ent- chlossen, Ihren Antrag einzubringen. Wir wollen sehen, ob Sie der Regierung, wenn Sie bei Beratung der Resolution eine ablehnende Stellung einnimint, die gebührende Aut- wort geben werden. Herr Erzberger hat uns den Vorwurf ge- macht, wir seien unter uns nicht einig, wir wüßten nicht, was wir wollten, widersprächen uns auf aktuellen Gebieten der Agrarpolitik. Er hat behauptet, unter Genosse S ch i p p e l trete für die A g r a r- z ö l l e ein und erkläre sie, wie das Centrum, für not- >v e n d i g zur Aufrechterhaltung der Lebenshaltung der Arbeiterklasse. Herr Erzberger ist, wie der heutige Bericht des Vorwärts" zeigt, durch eine Rede, die Genosse Schippe! im dritten Wahlkreise gehalten hat, in einer auch für unfre Fraktion überraschenden Art und Weise in seiner Auffassung unter st ützt worden. Die Auffassung, der Schippe! dort Ausdruck gegeben hat, ist nicht mit dem Standpunkt vereinbar, den er durch die luierschrift unter den Aufruf der Fraktion gegen den Zolltarif und auch durch seine Abstimmung bei den Agrarzöllen sich zu eigen gemacht hat.(Lebhafte Zustimmung bei den Socialdemokraten.) Meine Freunde und ich können auch keineswegs verstehen, wie Kollege Schippe! zu solchen Anschauungen kommen kann(Hört! hört! rechts»— immer vorausgesetzt, daß der„Vorwärts"- Bericht zuverlässig ist: er ist von einem Berichterstatter gemacht und ein solcher ist nicht immer in der Lage, eine lange Rede kurz richtig wiederzugeben. Nach dem, was im VorwärtS"-Bericht steht, hat Schippe! allerdings alle Ber- anlassung, das richtigzustellen, was ihn von uns in diesen Anschauungen scheidet, und er wird Gelegenheit haben i ch sür die Anfchauungen, die er ausgesprochen hat. zu recht- e r t i g e n. Die socialdemokratischr Partei aber, Herr Abgeordneter Gerstenberger, steht nach wie vor auf demselben Boden, auf dem sie gestanden hat, nicht um eines Fingers Breite weicht sie davon ab. (Zuruf: Calwer!) Calwer hat niemals erklärt, daß er außerhalb des Rahmens der von uns gezeichneten Linie steht.(Widerspruch rechts. Ruf: Handelspolitik.» Um die Handelspolitik handelt es sich hier nicht, sondern um die Agrarpolitik, und hier steht Calwer auf keinem abweichenden Standpunkte, sonst hätte er nicht die Aufrufe unterschrieben, die er unterzeichnet hat. Also beruhigen Sie sich, die Socialdemokratie hat darum keinen Kummer, wenn mal einer von uns eine Zeitlang einen andern Weg einschlägt. Wir brauchen uns nicht zu fürchten, daß die Erörterungen auf dem Dresdener Parteitage uns die Volksmassen abspenstig machen. Wir ind durchaus damit einverstanden, daß die Parteitags-Protololle ebenso wie die Bülow- Reden verteilt werden. Wenn die notleidenden Agrarier dazu nicht in der Lage sind, werden wir gern einen Zuschuß aus der Agitationskasse geben.(Heiterkeit.) Wir wis»en genau, daß alle diese Auseinandersetzungen, so heftig und schroff sie waren, nicht im geringsten uns irgend welche Elemente abspenstig machen könnnen, die überhaupt socialiftisch denken gelernt haben, die auf dem Boden des Klassenkampfes stehen, die den un- übcrbrückbaren Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit erkannt haben. Die wissen, daß wenn ihre Wortführer, ihre Vertrauenspersonen mit einander streiten, welcher Weg der richtige ist, dies doch«ur dem guten und ehrlichen Wollen zuzuschreiben ist, den Arbeitern zu helfen. Sie haben ja die Probe anf das Excmpcl bei den Nachwahlen ge- habt.(Zuruf rechts Aber Stimmen!) Ach, Sie haben viel mehr Stimmen verloren, Sie wissen ja, daß bei den Nachwahlen nie solche Beteiligung ist, wie bei den Hauptwahlen. Aus dem Dresdener Protokoll geht hervor, daß die deutsche socmldemokratische Partei fest anf dem Boden steht, auf dem sie immer gestanden hat, nachdrücklich das Ziel verfolgt: Beseitigung der kapitalistischen Produktionsweise, des Privateigentums an Produktionsmitteln und Ueberführung derselben in gesellschaftliches Eigentum. Diesem Ziele strebt sie zu mit jedem Schritt, den sie thut, mit jedem Antrag, den sie stellt. Darüber sind wir niemals Schwankungen unterworfen gewesen in allen Jahrzehnten. Herr G a m p behauptete, daß die Laurahütte 50 Prozent für WohlsahrtScinrichtungcn gebe. Im Bericht für 1902 kann ich solche Ausgaben in der Höhe nicht finden(Abg. G a m p: 1901), auch enthalten die Gewerbe-Jnspcktionsberichte nichts von irgendwelchen besonderen Wohlfahrtseinrichtungen der Laurahütte. Herr v. Heyl hat behauptet, Genosse Ulrich habe im hessischen Landtage eine progressive Einkommensteuer vorgeschlagen, welche die reichen Leute mit 118 Prozent ihres Einkommens besteuern wollte. Herr v. Hehl sollte doch nicht so unvorsichtig sein, wider besseres Wissen Behauptungen aufzustellen, die sofort widerlegt werden können. Präs. Graf Ballestrem: Sie dürfen nicht sagen, daß ein Reichstag?« Abgeordneter Behauptungen wider besseres Wissen aufstelle, das ist nicht zulässig. Abg. Wurm(Soc.): Thatsache ist. daß der Finanzausschuß in Hessen einen Steuer« entwurf des Genossen Ulrich der Regierung zur Prüfung übergab. Der Regierungsvertreter aber mißverstand den Antrag und stellte eine falsche Berechnung auf. Ulrich hat dann selber eine Berechnung aufgestellt, die zu ganz andern Resultaten kam, nach der allerdings der reichste Mann in Hessen, der Herrn v. Heyl nicht unbekannt sein wird, bei 1 400 000 Mark Jahreseinkommen statt jetzt 92 000 dann 110 000 Mark Stenern zahlen müßte. Herr v. Heyl hat es also verabsäumt, sich über Dinge zu orientieren. die ihn als hessischen Landtags-Abgeordncten besonders interessieren müßten.— Daß wir von allen Arbeitern gewählt seien, haben wir nie behauptet, sondern lediglich, daß wir die Interessen aller Arbeiter vertreten. Herr v. Heyl lobte uns gegenüber die Arbeiter in England, Amerika, Neu-Sceland. Die Unternehmer in jenen Ländern aber bekämpfen die Organisationen der Arbeiter genau so wie die unsrigen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Ebenso unrichtig waren die Ans- führungen des Herrn v. Heyl über den angeblichen Finanz» minister Ernst in der Schweiz. Genosse Ernst ist Re gierung s- r a t in Zürich. Sein Steuerentwurf wird vielleicht abgelehnt. aber von wem? Von den Kleinbürgern und Bauern, weil Ernst den Deklarationszwang einführen will, dessen Einführung in Preußen den Stolz des früheren Frattionsgcuoffen dcS Herrn v. Heyl, des Ministers Miqucl bildete!— In Lyon, wo die Reparatursteuer eingeführt sein soll, giebt es kein socialdcmokratischcs Gcmeindrkollegium. Tie Leute, die sich in Frank- reich socialistisch nennen, stehen zum Teil auf dem Standpunkt der Hirsch-Dunckerschen, auch Schultze-Dclitzsch wurde ja S o c i a l i st genannt.— Die Behauptung des Herrn v. Heyl, ein socialdemokratischer Gesetzentwurf über Ar b e l t s ä m t e r sei von einer ReichStagskonmüssion für un» brauchbar erklärt, ist ebenfalls unrichtig. Herr M u g d a» hat die Ausdehnung der Gewerbe» a u f» i ch t auf das Handwerk für überflüssig erklärt. Gerade im Handwerk aber herrschen oft die schlimmsten sanitären Zustände, ich erinnere nur an die Bäckereien. Es ist ja auch selbst- verständlich, daß gerade der Kleinbetrieb, der kleine Handwerker sich dagegen sträubt, Einrichtungen im Interesse der Gesundheit der Arbeiter durchzuführen. Natürlich kann uns das nicht hindern. auch von den Handwerkern auf das energischste hygienische Schutz- maßregeln zu fordern. Herr Dr. Mugdan hat es so dargestellt, als ob die freie Arztwahl eine Sache der Socialdemokratie, eine Partei- frage sei. Er müßte wissen, daß in den Reihen der Social» demokratie sehr verschiedene Ansichten in dieser Hinsicht herrschen. In der„Neuen Zeit" sind Artikel für und gegen die freie Arztwahl von guten Parteigenossen erschienen. Ich selbst stehe auch heute noch auf dem Standpunkt der freien Arztwahl. Herr Mugdan aber hat weiter behauptet, daß die Parteigenossen, welche für die fteie Arztwahl waren, es heute nicht mehr wagten, dafür einzutreten, weil die Kassenbeamten in der Mehrzahl Socialdenwkratcn seien. Was soll diese Verdächtigung? Sie haben sich das nicht richtig überlegt: es widerspricht Ihrem ganzen Austreten. In allen Parteien haben wir Gegner und Anhänger der freien Arztwahl; es ist eine Frage der Praxis, keine der Partei. Wir wollen diesen Streit über die Partei-Angehörigleit hinausheben: wenn Herr Dr. Mugdan ihn hineinziehen will, so verleugnet er seine eigne ftühere Thätig» reit.— Gerade die Acrzte benutzen in ihrem Streit Atittcl, die sie bei den Arbeitern als Terrorisums zu bezeichnen pflegen. Sie bezeichnen die Aerzte, die mit den Kassen Verträge abschließen, als Lumpen, niit denen man nicht verkehren dürfe. Dabei ist es ganz falsch, wenn die Aerzte sich nnt den Arbeitern in eine Reihe stellen. Sie sind im Besitz ihrer Produkrionsmittel und die Krankenkassen sind nicht Unternehmer, sondern Kon» s u m e n t e n: die Acrzte gleichen vielmehr Unternehmer- Verbänden, wie dem Milchhändler-Ning, den Agraricrir. Die freie Arztwahl, die jetzt als Allheilmittel gepriesen wird, hatten wir 1892 gegen die Aerzte zu vertcidigcu, die damals die verhaßten Natur heilkundigen principiell aus« schließen wollten. Bei denen war nicht vom„Arzt des Vcr» trauens" die Rede. Noch heute verlangen Aerzte, daß Krankenkassen selbst rite promovierte Naturheilkuudige nicht beschäftigen. Un- widersprochen ist die Erzählung des Abg. Korfanty über das Benehmen der oberschlesischen Aerzte seit Wochen durch die Zeitungen gegangen. Es kann nicht geleugnet werden, die Aerzte führen den Kampf mit Mitteln, die sie nicht anwenden sollten. Paßt es ihnen nicht, in der Gewerbe-Ordnung zu stehen, so paßt es uns schon lange nicht: Wir wollen die Verstaatlichung des Acrztcberufs. Auch uns paßt es nicht, daß er als Gewerbe» treibender allen W e ch s e l f ä l l e n des M a r k t s ausgesetzt sein soll. Aber sie sollen für eine verkehrte Gesetzgebung. wie es die Krankenkasien-Gesetzgcbung zum Teil ist, nicht die Arbeiter büßen lassen. Sorgen Sic lieber dafür, daß die Kranken- kassen-Gesetzgebung geändert wird, dann werden auch rößere Mittel zur Verfügung st ehe n. Und dann da- für. daß die Unternehmer nicht mehr 13 Wochen Unfallszeit auf die Krankcnkas�n abschieben können und daß sie höhere Beiträge zahlen. Sorgen Sie dafür, daß den Arbeitern die Selbstverwaltung nicht genommen wird. Es schien fast, als wünschte Herr Dr. Mugdan an Stelle der Gewählten Staatsbeamte. Daß ein Freisinniger dieses Restchen von Selbstverwaltung noch rauben will, das paßt zu dem traurigen Kapitel des Niedergangs des Freisinns. (Widerspruch des Abg. Mugdan.) Sie haben doch in Ihrer Rede ge- sagt, die Krankenkassen seien nicht um ihrer selbst willen da. Das konnte doch im Zusammenhang nicht anders heißen, als daß Sie die Selbstverwaltung beseittgt wünschen.(Lautes Lachen bei den Freisinnigen.) Sie haben gesagt. Taufende recht gut bezahlter Stellen hätten wir mit unsren Leuten besetzt.(Sehr richtta! rechts.) Sie haben gesagt, cS würde ein greulicher Unfug getrieben. Nachher haben Sie gesagt, Sie würden auch nur Freisinnige als Rassenbeamte anstellen. Wenn Sie bereit sind, Unfug zu tteibeu, dürfen Sie doch nicht glauben, daß die Krankenkassen es thun. Auch bei den Konsun, vereinen erhebt man ja denselben Vor- wnrf, sie seien socialdcmokrattsch. Wo rührige, tüchtige Elemente aus dem Arbeiterstandc gebraucht werden, da sind eS natürlich Socialdemokraten. Sie können sich also die Ver- dächtigung. daß wir unsren Parteigenossen die„gut bezahlten Postengeben, ruhig sparen. Wir kümmern uns nicht darum, welcher poli» tischen Partei die Leute angehören.(Widerspruch reck So beweisen Sie doch das Gegenteil. Sie sind das wohl von.ch aus gewöhnt. Wir stellen bei den Kassen die Leute an, die wir für Vertrauens» würdig halten. Herr Dr. Mugdan aber wird von den Krankenkassen noch die gebührende Antwort bekommen. Ich komme zu den allgemeinen Gesichtspunkten, die bei der Gewerbe-Aufficht maßgebend find. Zunächst möchte ich das Reichsamt des Innern darauf hinweisen, daß das jetzige Schema der Stattstik in den Gewerbe- Jnfpekttonöberichten keinen Vergleich mit dem früheren Schema gestaltet.— Weiterhin ist uns das Recht bestritten worden, die Ausführung der Gewerbe-Jnspektiou im einzelnen zu kritisieren, da sie Zache der Einzelstaaten sei. Aber in den Einzel st aatcn bestehen Landtage, deren b ü r g e r l i ch e M i t g l i e d e r nicht i m g e r i n g st e n d a r a'n denken, für die I n n e h a l t u n g der A r b e i t e r s ch u tz- B e st i m m u n g e n zu sorgen. Die Reichsregierung könnte allerdings schon durch ein erinnerndes Wort ans Durchführung dieser Bestimmungen dringen. Wenn sie aber glaubt, dnh das nickt geht. wann* widersetzt sie sich dann unsrcm Autrag, die Gewerbe-Aufficht zur Reichssache zu machen? Wie wir ein Reichs-Gesundheitsamt, haben, so müssen wir auch ein Reichs-Gewerbeamt bekommen. Sonst bleiben alle Arbeiterfchutz-Gesetze nur auf dem Papier stehen, und die Unternehmer kümmern sich nicht darum. Die Gewerbc-Aufsicht steht auch sckeinbar machtlos der Thntsache gegenüber, datz in fortwährend zunehmendem Mah'e Ausnahmen von der Beobachtung der Sonntagsruhe gestattet tverden. Besonders Wa l z h ü t t e u- W c r l e n. Zinkhütten. Zuckerfabriken. Gros; mühlen und so weiter, lauter Betrieben, die im Besitz reicher Leute sind und sehr gute Dividenden verteilen, werden immer mehr Aus- nahmen von der Sonntagsruhe gewährt. Verantwortlich dafür find ja zunächst die unteren Verwaltungsbehörden: wenn aber das Reichsamt des Innern sich dieie Durchbrechungen des Gesetzes gefallen Iaht, so wird eben dieses verantwortlich. Das Reichsamt des Innern hat einmal erklärt, es wolle diese Ausnahmen von der Sonntagsruhe verringern. Sofort aber trat der Central- verband der Industriellen in eine Gegenaqitation ein, wonach die Sonntagsarbeit im Gegenteil noch vermehrt werden sollte! Auch in der Gcwerbe-Aufsicht macht sich die deutsche Zer- rissenheit und Kleinstaaterei geltend. Was in dem einen Lande die Regel ist, wird in dem andern als gemeingefährlich pcrhorres- ziert. In Baden. Württemberg. Bavern sind die Ge- «verbe-AufsichtSbeamten eiidftch, wie wir das immer empfohlen haben, m üt den G e w erkschaften in Verbindung getreten und- haben mit ihnen regelrechte Konferenzen und Diskussionen ab- gehalten. Das ist. so lann� die Arbeiter noch nicht selbst zur Gewerbe- Aufsicht zugezogen werden., der richtige Weg. um das Vertrauen der Ar- beiter zur Gewcrbe-Aufsicht zu gewinnen. In Preuhen aber waren nur ganz vlereinzelte Beamte dazu bereit, in Sachsen denkt man gar nicht daran. In S ch w ar�burg-Sondershause» rühmt sich gar der Gaverbe-Jnspektor, eine begründete Beschwerde der Gewerkschaft nicht beantwortet zu haben!«Hört! hört! bei den Socialdcmo- traten.).Merken die Herren nicht, lvie sie sich mit diesem Kunter- bunt van Angst und Liebe bei den Arbeitern lächerlich»lachen? Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte neulich:„Niemand wird es den Arbeitern verständigerwcise verdenken, daß sie sich orgamsieren, um ihre äußere' Lage zu verbessern." Wir freuen uns dieses Fortschritts in seiner Anschauung seit dem Streikerlasse und dem Zuchthausgesetze. Aber die dem Staatssekretär unterstellte» Organe denken teilweise' anders. Ein Teil der Gewerbe- Aufsichtsbcamtea berichtet, daß Arbeiter nur deswegen vom Unter- nehmertum mißhandelt und ausgesperrt wurden, weil sie organisiert waren. � In.Kassel verlangte eine Schuhfabrik, daß Arbeiter aus der Organisation austräten. In Sachsen- Altenburg wurden Arbeiter ausgesperrt, weil sie dem Buchbinderverband angehörten. In der Porzellan- und Glasindustrie erfolgten große Aussperrungen organisierter Arbeiter. In Dresden— das liebe Sachsen!— haben Stadtverordnete und Stadtrat sogar den städtischen Arbeitern die Zugehörigkeit zu einem Konsumverein vcr- boten.(Hört! hörtl bei den Socialdemokraten.) Dieser Konsumverein, der keine Politik treibt, wenn er auch von Social- demokraten gegründet ist, hat 28 000 Mitglieder und einen Umsatz von 7— 8- Millionen Mark. Das sind Maßnahmen, schlimmer als russisch!«Lebhafte Zustimmung bei den Socialdemokraten.) Und wie treiben es die Herren, die jetzt in Crimmitschau triumphieren I Eine Firma forderte ihre Arbeiter auf. durch Unter- schrift zu bescheinigen, daß sie dem Tertilarbeiter-Lcrband nicht fernerhin angehören wollten! Das ist die dnitalste, kleinlichste Rache des augenblicklichen Sieges! Aber die Herren Crimmitschauer täuschen sich; sie sorgen nur dafür, daß unsrc Partei wieder mehr und mehr wächst k Wieder wird hier deutlich die unüberbrückbare Kluft: hüben und drüben—, Arbeiter und Socialdemokraten, Kapitalisten und Ausbeuter I In einer R e i s m ü h l e in Dresden wurde ein Maschinen- meister, der 23 Jahre dort thätig war, auf die Straße gesetzt, weil er sich nicht zum Streikbrecher hergeben wollte!«Hört I hört! Lei den Socialdemokraten.) Ist es verwunderlich, wenn auch einmal Haß bei den Arbeitern entsteht? In Crimmitschau haben sich ja auch die Pastoren— freiwillig oder unfreiwillig— als Söldner in den Dienst des Kapitalismus gestellt. Pfarrer Schink mußte sich sogar von einem Berufskollegen vom Evangelisch- Socialen Verein sagen lassen, daß er durch fem Vorgehen der Sache de6 Christentums eminent geschadet habe. Aber dem Kapitalismus ist nur die Richtung wohlgefällig, der Herr Schink angehört. Nicht allein in der harten Be st rasung der Arbeiter zeigt sich die Klassenjustiz, sie zeigt sich auch in der milden B e- strafung der Unternehmer, die nachher dann noch b e- g n a d i g t werden. In Stettin verurteilte die S t r a f! a in m e r einen Topfermeister zu drei Monaten Gefängnis, weil seine Fahr- läsfigkeit den Tod eines Arbeiters verschuldet hatte. Mc Instanzen bestätigten das Urteil. Auf dem Gnadenwege aber wurde dann die Strafe in eine Festnngsstrafe umgewandelt.«Hört, hört! bei den Socialdemokraten.) In derselben Reihe stehen die lächerlich niedrigen Be- strafungen von Unternehmem. die die Vorschriften der Ge- werbe-Ordnung übertreten. Monatelang, jahrelang beschäftigen sie Frauen und Kinder gegen die Vorschriften des Gesetzes, und dann werden sie zu 10. 20 M. Geldstrafe verurteilt. Eine demüttgende Stelle wird den Gewerbe- AufsichtSbcamtcn an- gewiesen. Sie werden wie Denunzianten und Spitzel be- handelt. Das muß die Erbitterung der Arbeitcrkreise erhöhen. Alle Verurteilungen von Fabrikanten ivcgen Verstoßes gegen die Gewerbe-Ordnung sollten zur KennttnS der Gewerbebeamten ge- bracht und dem Reickstage in einer tabellarischen Uebersicht Rechenschast über die Höhe der Strafen erteilt werden. Dabei steigen die Gefahren fortwährend, die den Arbeiter umgeben. Auf die Milliarden wird hingewiesen, die die Unternehmer zu Gunsten der Arbeiter leisten, und aus die schönen Unfallverhüttmgs-Vor- schristen. In der Praxis ist aber nichts davon zu spüren, d i e Zahl der Unfälle wächst und es wächst die Zahl der Erkrankungen, die durch mangelnden Schutz gegen Unfallgefahrcn hervorgerufen werden. Scheinbar ist die Gewerbe-Aufsicht ein wesentlicher Faktor im Deutschen Reich, �hatsäcklich aber ist die Zahl der nicht kontrollierten Betriebe ungeheuer groß. Auch die Art der Zusammensetzung der Gewerbe- Aufsicht ist ungenügend. Wann wird die Regierung endlich Wort halten und dafür sorgen, daß hinter die Gesetze auch eine wirksame Kontrolle gestellt wird? Das arbeitende Voll muß seine politischen und wirtschasllichen Interessen selber in die Hand nehmen. Es hat jahrhundertelang gesehen, wie die Regierung und die bürgerlichen Parteien es nickt schützen, sondern es verkauft und verraten haben.«Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Auf die V o r g ä n g c in K ö l n kann ich hier nicht eingehen. Der Reichskanzler hat allerdings dafür zu sorgen, daß die ÄeichS- gesetze durch Anordnungen der Landesbehörde» nicht verletzt werden, aber er kann unmöglich eingreifen, wenn irgend eine Lokalinstanz ein Rcichsgefctz etwa irrtümlich aus- legt. Damit würde er in die Autorität der Landesregierungen ein- greifen, und die Folge wäre, daß alle LandeSverwallungen unter die Konttolle des Reichstages gestellt würden. In Köln ist der Entscheid des Regierungspräsidenten endgültig, und der preußische Haiidclsminister, an den sich die Beichlvcrdcführer gewandt haben, kann nur eingreifen, wen» Formalitäten verletzt sind. Uebrigens hat er über den Kölner Fall auch kein Urteil, da ihm der Bericht des Regierungspräsidenten noch nicht vorliegt. Was dieKartellenquete anlangt, so würde sich die zwangsweise Vor- ladung und zeugeneidliche Vernehmung der Kartellvorsteher gar nicht empfohlen haben. Nach der Prozeßordnung kann kein Geschäftsmann gezwungen werden, über Geschäftsverhältnisie. die für ihn ungünstig liegen, Auskunft zu geben, oder über Fabrik- und Geschäftsgeheimnisse aus- zusagen. Die Enquete, in der Fonn, wie wir sie veranstaltet haben, hat sehr interessante Auskünfte ergeben und liefert eine ausgezeichnete Grundlage für die gerechte und leidenschaftslose Beurteilung der Kartelle. Wenn Diäten für die Teilnehmer an der Enquete ver- langt werden, so läßt sich darüber reden. Die Berichte werden im „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht, und der„Rcichs-Anzeiger" übt kein Autorrecht aus. Herr» Korfanty will ich sagen: ich kenne Oberschlesicn genau. Ich entsinne mich noch, wie von keiner polnischen Be- wegung dort die Rede war, und wie jeder Oberschlesier es abgelehnt hätte, ein Pole zu sein und sagte: ich bin Preuße. Ober- schlesicn ist über 600 Jahre von der alten Krone Polen getrennt. Die preußische Regierung wird unter keine» Um- ständen dulden, daß Ober schle sie» zuni Schauplatz einer großpolnischen Agitation gemacht wird! «Lebhafter Beifall rechts.) Alle Mittel der Gesetzgebung werden dagegen in Bewegung gesetzt werden, sehr nächdrücklich und sehr energisch!«Lebhafter Beifall rechts. Ruf bei den Socialdemokraten: Es werden noch mehr Polen gewählt werden.) Daß man den Teil der Bevölkerung Wasserpolaken nennt, ist ein in Schlesien ganz gebräuchlicher Nusdrnck, den der Reichskanzler adoptiert hat: jede Herabsetzung hat ihm dabei völlig ferngelegen, er hat nur eine Art der polnischen Sprache mit diesem Ausdruck bezeichnen wollen. Die Anfrage des Abg. Dr. Müller über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine will ich heute nicht beantworten, benutze aber die Gelegenheit, dem Herrn Präsidenten zu erklären, daß ich jederzeit bereit bin, der Jnter- pcllation Trimborn— Dr. Hitze Rede und Antwort zu stehen. Abg. Dr. Müller fragte ferner nach der Regelung des Automobil- Verkehrs. So gern wir bereit sind, die ausgezeicknete deutsche Automobilindnstrie zu unterstützen, so sollten sich doch die Automobilisten mehr Rücksicht auf ihre Nebenmenschcn auferlegen. Ich habe in Berlin Automobile mit solchem Leichtsinn und solcher Schnelligkeit davonfliegen sehen, daß eS nur ein Zufall ist, wenn nicht ein Unglück dabei passiert ist. Ich glaube, daß dagegen etwas Nachdrückliches geschehen muß. Ein entsprechender Entwurf liegt dem Bundesrat schon vor. Auf ganz andrem Gebiete liegt die Frage, ob gesetzliche Bestimmungen betreffs Hastung der Inhaber von Automobilen im Privatreckt er- laisen werden sollen. Aber von dieser Stelle möchte ich noch einmal all den Personen, die Automobile besitzen, im eignen Interesse ibres Sports- oder Geschäftsverkehrs ans Herz legen, die erforderliche Rücksicht auszuüben.«Vielfaches: Sehr richtig!) Der Photographie-Gesetzentwurf ist im wesentlichen festgestellt, ebenso wie ein Kunst-Schutzaesetz. Der Gesetzentwurf über das künstlerische und photographische Urheberrecht wird zur Zeit im Reichs-Justizamt ausgeführt. Der Abg. Dr. Müller hat ferner von der Verordnung über die Steinhauer gesprochen. Ich halte die hierbei gettoffene Entscheidung eines Schöffen- gcrichts. daß nach neunstündiger Arbeit die Steinhauer noch andre Arbeiten verrichten können, für unzutreffend. Der Grundgedanke solcher Schutzverordnungen ist doch, daß gewisse Arbeiten so gefährlich, so nervcnangreifend sind, daß man nur ge- wisse Zeit hindurch diese Bcschäfttgung vcrrickten kann. Dann seien die Kräfte soweit verbraucht,.daß eine Arbeit darüber hinaus ge- snndheitsschädlich ist. Wenn nun der Arbeiter noch darüber hinaus mit leichteren Arbeiten beschäftigt werden darf, so ist das immer ausdrücklich gesagt. Bezüglich des fränkischen Sandsteins liegt der bayrischen Regierung schon eine Petttion vor; wir müssen ihre Antwort abwarten. In der F r a u e n f r a g e bin ich durchaus dafür, daß den Frauen die Möglichkeit, ihr Brot zu erwerben, nicht erschwert und im Gebiet des öffentlichen Rechtes ihnen freigestellt wird, ihre Interessen in Bezug ans die Ausübung ihres Berufes zu vertreten. Der preußische Minister des Jnnenr hat ja ein G e s e tz vorbereitet, durch das den Frauen in dieserHinsicht weiterer Spielraum gewährtwerden soll. Aber verzeihen Sie mir, daß ich es ausspreche— rch werde mir wohl die Feind- schaff Weiler Frauenkreise zuziehen: Bon der Politik sollten die Frauen die Hönde weglassen und ihre öffentliche Thättgkeit auf das beschränken, was ihren Berus angeht. Außerhalb ihres Berufes agitatorisch aufzulreten, steht den Frauen nicht an. Ich möchte hier eine allgemeine Bemerkung einschieben. Man klagt hier oft über Rücksichtslosigkeit der verbündeten Regierungen dem Reichstag gegenüber. Ja Sic bringen hier immer dieselben Anträge ein, obwohl Sie wissen, daß ihnen der Bundesrat nicht z u st i m m t. Wir handeln anders. Wir unterbreiten Ihnen nur Vorlagen� von denen wir mit einiger Sicherheit annehmen können, daß Sie sie acceptieren. Behandeln Sie doch die Frage einmal von diesem Gesichtspunkt. Ich meine, wenn Sie sich etwas mehr beschränken würden, könnten wir beiderseits bessere Geschäfte machen. Herr Wurm hat heute anerkannt, was bisher immer bestritten wurde, daß wir in Deutschland socialpolitisch weiter sind als irgend anderswo. Er hat auf die Botschaft von 18V1 hingewiesen, während ich die Botschaft von 1881 gemeint habe. Seine Auoführimgen über Frantteich und Amerika bestätigten lediglich meine Ausführungen, die dahin gingen, daß auch in monarchischen Staaten plittokrattsche Ausschreitungen und Auswüchse vorkommen, daß man ihnen aber in Monarchien besser entgegentreten kann wie in Republiken. Daran Iverden Sie auch nichts andern können, daß die ihre» Einfluß geltend machen werden, die durch Bildung. Besitz und historische Ueberlicferung zur Regierung berufen sind. Herr Wurm hat den Vergleich von Arbeitern und Aerzten abgelehnt und sie in Parallele mit dem Milchrina gestellt; aber der Arzt verkauft doch wie der Arbeiter seine physische, seine geistige Arbeitskraft. Was dem Arbeiter recht ist, ist dem Arzt billig. Ich hoffe, die Krankenkassen werden schließlich einsehen, daß sie den Aerzten, studierten gebildeten Leuten, ein höheres Maß von Rücksicht schulden, als sie bisher glauben. De» Vergleich der Gewerbe-Aufsicht mit dem Reichs-Gesundheitsamt kann ich als richttg nicht anerkennen. Das Reichs-Gesundheitsamt ist eine rein wissenschaftliche Behörde, die Gewerbe-Aufsichtsbeamten haben lokale Funktionen, sie müssen also Landesbeamten sein. Daß die Gewerbe-Aufsicht noch verbesserungs- bedürftig ist, will ich gern anerkennen. Die Schutzbestimmunaen müssen streng durchgeführt werden: es giebt da keine nebensächlichen Bestimmungen, und mit dem Arbeitgeber, der sie nicht einhält und bestraft wird, habe ich nicht das mindeste Mitleid. Wenn aber Abg. Wurm über einzelne Begnadigung S- fälle hier gebrochen hat, so kann man da aus der Hand nichts sagen, man muß die Akten und den Einzelsall kennen. «Sehr richtig! rechts.) De» Arbeitern erkenne ich selbstverständlich das Recht zu, sich zu organisieren, aber die Gefahr ist die, daß die rein lvirtschaftliche Organisation zu rein politi- scheu Zlv ecken ausgenutzt wird. Das macht anch die Arbeitgeber de nArbciterorganifationengeaenü ber f o feindlich.«Lachen bei den Socialdemokraten.) Diese Ansicht wird a'uch von den Hirsch-Dunckerschen Geiverkvereinen geteilt.«Er- neutesLachenb.d.Soc.) DieArbeiter würden mehr erreichen, wenn siesich nur gu rein wirffchaftlichen Zwecken organisierten. Herr Wurm hat sich über die Dresdener Kommune beklagt, die ihren Arbeitern den Beitritt zu einem Konsumverein untersagt hat. Da muß man erst wissen: Was ist das für ein Konsumverein, und allgemein möchte ick sagen, die Arbeiter, die in einem öffentlichen Betriebe Arbeit »chmen, müssen sich klar machen, daß sie nicht das gleiche Maß von Freiheit haben, wie die Arbeiter in privaten Belricbcn.«Beifall rechts.) Direktor im Reichsamt des Innern Easper«ans der Tribüne lmverständlich) polemisiert gegen die Bemerkungen des Abg. Wurm über die Statistik der Jnspektionsberichte. Hierauf vertagt sich das Hau?. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Ganip«Rp.):' Die Laurahütte hat im Jahre 1001 an Dividenden verteilt 2 700 000 M., an Wohlfahrtseinrichtnngen aber ausgegeben 2 800 000 M.— Herr Wurm hat mir persönlick einen billigen Preis für den Vertrieb der Dresdener Protokolle an- geboten: Präsident Graf Ballestrem: Es ist nicht persönlich, waS der Helft Abg. Wurm Ihnen billig verschleißt.«Große Heiterkeit.) Abg. Dr. Muzdan«stf. Vp): Ich habe nicht gesagt, daß für das Handwerk eine Gewcrbe-Jnspektion unnötig ist, ich habe nur be« stritten, daß Handwerk und Fabrik in dieser Beziehung gleich be- handelt werden sollen, wie es von feiten der Socialdemokratie gewünscht wird. Ich habe auch nicht behauptet, daß alle Socialdemokraten die freie Arztwahl als Partei verwerfen, sondern darauf hingewiesen, daß das offizielle Organ der Socialdemokratie, der„Vorwärts", diese Frage jetzt als Partcisache erklärt. Ich habe schließlich nur gesagt, daß ich bezweifle, daß socialdemokratische Führer, die früher Freunde der freien Arztwahl Ivaren, noch so für dieselbe eintreten würden wie vor Jahren, und diese Zweifel hat Herr Wurm durck seine Allsführungen glänzend bestätigt.«Sehr gut! bei den Freisinnigen.) Abg. Schippet«Soc.): Es ist vorhin die Rede gekommen auf einen Vortrag, den ich am Dienstag gehalten habe. Der Redner selber, mein Fraktionsfreund Wurm, hat zu gleicher Zeit hinzugefiigt. daß er annehme, der Bericht sei unrichtig. Mein Vortrag war b e st i m m t für einen kleinen, geschlossenen Vereinskreis, er war überhaupt nicht bestimmt für die größere Ocffcntlichkcit. Nachdem aber nun der Bericht in_ die Zeitungen gekommen ist, nehme ich Anlaß, zu erklären, daß mir vor der Drucklegung der Bericht nicht vorgelegen hat, daß der Bericht viele meiner Aus- führungen vollständig verzerrt enthält und daß ich darum jede Ber- antwortung für den Wortlaut des Berichtes ablehnen muß. Abg. Wurm«Soc.): Ich habe nicht gesagt, daß Deutschland die beste Socialpolitik in der Welt hat, sondern daß die Fortschritte in unsrer Socialpolitik erzielt sind. weil Deutschland die beste Socialdemokratie hat. Wenn der Herr Staatssekretär sich darüber freut... Präsident Graf Ballestrem: Das Freuen des Herrn Staats- sekretärs ist nicht Gegenstand einer persönlichen Bemerkung. «Heiterkeit.) Der Präsident teilt mit. daß der Staatssekretär deS Innern sich nunmehr bereit erklärt habe, die Interpellation Trimborn«Rechts- fähigkeit der Berufsvereinc) zu beantworten. Er werde darauf am Schluß der morgigen Sitzung zurückkommen. Nächste Sitzung: Freitag 1 llhr.«Fortsetzung der heutigen Be.- ratung.) Schluß 6'74 Uhr. parlamcntarifcbee. Eisenbahnsragen. In der Budgetkommission des Reichstags entspann sich am Donnerstag bei der Beratung einzelner Forderungen für das Reichs- Eifcnbahnamt eine weitausgreifende allgemeine Cffenbahndebatte. Die Abgg. Gröber und Dr. Spahn bean- tragten, den Reichskanzler zu ersuchen, er möge bei den einzelnen Eisenbahnverwaltungen darauf hinwirken, daß den gegenseitigen Konkurrenzmanövern durch Umleitung des Güterverkehrs ein Ende gemacht und daß allgemein für Verbesserung der Anschlüsse Sorge getragen werde. Der Präsident deS Reichs- Eisenbahnamtes, Dr. Schulz, versuchte vergeblich die Existenz der Konkurrenz- Manöver, durch die Preußen sich die andren deutschen Eisenbahn- Verwaltungen gefügig zu machen sucht, zu bestreiten; es kämen zwar noch Umleitungen vor, sie könnten auch vielleicht noch etwas eingeschränkt werden, im allgemeinen sei aber alles wohlbestellt und er bitte, dem von Dr. Spahn und Gröber angezogenen Arttkcl 42 der Reichs-Verfassung«der eine gewisse Vereinheitlichung des deutschen Eisenbahnwesens verlangt) keine allzu große Bcdeuttmg beizumessen. Ein gewisser Wettbewerb der einzelnen Bahnen untereinander werde aus finanDiellen Ursachen Ivohl immer bestehen bleiben: gehe eine Verwaltung, wie z.B. die badische im Jähre 1903, in ihren Konkurrenzversuchen zu weit, dann schreite auch schon jetzt das Reicks-Eisenbahuamt ein. Abg. P a y e r trat den Ausführungen des Präsidenten Sckulz entgegen und bewies, daß die einzelnen Ver- waltttttgen nicht loyal gegeneinander handeln; übrigens stimmte er mit Abg. Gröber darin überem. daß die Schuld nicht am Reichs-Eiscnbahn- amre läge. Abg. Bebel führte aus, daß das Reichs-Eisenbahnamt. das lerne Rudiment des Bismarckschen Planes der Schaffung von Reichs-Eisenbahnen, bisher eine fast nur dekorattve Rolle gespielt habe. Es liege zweifellos eine gewisse Gefahr in der Personal- union des preußischen Eisenbahnministers und des Chefs der elsaß- lothringischen Bahnen; durch die außerordentliche Ausdehnung seines Netzes sei Preußen in der Lage, allen andren Verwaltungen eine sehr empfindliche Konkurrenz zu bereiten, und thue das auch. Nicht nur im Güter-, sondern auch im Per- sonenverkehr stieße man auf die Umleitungen, damit andren Bahnen der Verkehr entzogen werde. Abg. Bebel belegte diese Behauptungen mit einer Fülle von Beweisen, gegen die nicht einmal der Versuch der Widerlegung gemacht wurde. Er stehe auf dem Standpunkt, daß eine Belriebsvereinigung sämtlicher deutschen Bahnen das allerbeste Mittel sei, um mancher Misere ein Ende zu bereiten. Eine» großen Raum in dieser Debatte nahm der allcrneueste „Fall Spahn" ein. Damit hat es folgende Bewandtnis: Abg. Dr. Spahn hat neulich, wie er schilderte, am eignen Leibe die chikanösc Vernachlässigung der Verbindungen zwischen Leipzig und Berlin erfahren müssen; ein Schnellzug von Leipzig fährt in Halle genau in derselben Minute ein, wo ein v-Zug»ach Berlin den Bahnhof Halle verläßt. Ein Regierungslomnnffar suchte diese Absonderlichkeit des Fahrplanes damit zu entschuldigen, daß er mit über- legener Miene erklärte:„Ja, der Abg. Spahn hätte«o llen nur den richtigen Weg einschlagen, nämlich von Leipzig nach Bitterfeld fahren, dann hätte er den gewünschten v-Z»g schon erlangt." Eilfertig behaupteten einige Vertreter bürgerlicher Parteien, wie Dr. Arendt, damit sei die Unhaltbarkeit der Angriffe im Falle Spahn erwiesen und die preußische Eisenbahn- Verwaltung stehe groß da. Unser Genosse Abg. Ledebour belvieS aber an der Hand des ReichS-Kursbuchs zum lebhaften Erstaunen der Kommission, daß Herr Spahn, wenn er dem Rate des Geheimrats aus dem Reichs-Eisenbahnamte gefolgt wäre, in Bitterfeld nur das zweifelhafte Vergnügen gehabt hätte. den II- Zug— vor seinen Augen vorbeisausen zu sehen, sintemalen er dort nicht hält! Allgemeines Erstaunen, Entschuldigung des Ge« Heimrats. usw. Ledebour wies ferner darauf hin,'daö mit dem Unsiig gebrochen werden müsse, für einzelne Privatpersonen Aus- »ahmen von den Regeln des Fahrplanbnchs zu machen: so lebe zum Beispiel in der Nähe von Hamburg ein Gutsbesitzer, für den die Schnellzüge Hamburg-Bcrlin und umgekehrt fahrplanwidrig an einer kleine» Stattoir zu halten pflegten; diese Station ist Friedrichsruh und der Gutsbesitzer-- Herbert Bismarck! Anch die Ausnahme- stellung des„starken MalineS" v. Kröcher, der eine Prwat-SchnellzngS» halreslelle iuVinzelberg erhalten hat, wurde erwähnt. Abg. Dr. Müller- Sagau wies ferner daraufhin, daß ein in Berlin an gewissen Stellen sehr einflußreicher Arzt«Dr. Renvers Red.) für sein Sanatorium in Gremsmühlen eine Schncllzngsstation durchzusetzen vermocht habe. genau so, wie der Minister v. Podbielsti bei seinen Ausflügen nach seinem Rittergute und seiner Schweinemast in Karstadt Schnellzüge halten lasse. Alle diese Hinweise vennochten die Kommissare der Regienmg nickt zu entkräften. Die Rcsolutton Gröber-Spahn wurde cinstiiumig angenommen. Beim Etat ftir den Rechnungshof des Deutsche» Reiches, der dann verhandelt Ivurde. benutzte Abg. Liebermann v. Sonnen- v e r g die Gelegenheit, als Referent eine kleine Konfusion anzu- richten. Er„referierte" nämlich zu einer ganz falschen Positton. Der Korreferent, Abg. Singer, renkte die Geschichte wieder ein und benutzte die Gelegenheit, um eine cruste Mahnung an die mit den Ban-Äusfühnmgen für das Reich betrauten Behörden zu richten: in den letztei« zlvei Jahren waren nämlich Mittel zu einem II m bau der Gebäude des Rechnungshofes in Potsdam gefordert werden, jetzt wünscht mau statt dessen einen Neubau; Abg. Singer meinte, die llutersuchungeu und Vorarbeiten müßten doch mit so großer Ilm- ficht geführt werden, daß über eine so wichtige Frage von Anfang an keine Unklarheit bestehen könne. Gegen die Forderung selbst wurde kein Einspruch erhoben. Freitag: Militär- Etat. Von den beiden Referenten ungültig erklärt. In Wri- Mahlzeit von 1l) Uhr vor- Kreisblatt amtlich angekündigt. WahlPriifungSkommission. Am 28. Januar prüfte die Kmumission die Wahl des Abgeordneten Äraf Stallcftrevi, Wohl kreis Lublinitz(4. Oppeln). Graf B a I l e st r e m siegte mit 42 851 Stimmen! die absolute Mehrheit beträgt 12 605 Stimmen, er hat also nur 246 Stimmen über die Mehrheit erhalten. Lo» der Partei seines polnisdien. Gegenkandidaten ist Protest gegen die Wahl erhoben worden. Im Protest werden Verstöße gegen das Wahlgesetz sowie amtliche und private Wahlbecinflussungen behauptet und die Ungültigkeitserklärung der Wahl beantragt. Der Referent konstatiert, daß der Wahlkommissar moniert habe, daß die Wahlliste» in einigen Orten, ebenso einige Wahlprotokolle nicht ordnungs- gemäß vollzogen worden sind.~ wurden 83 Stimmzettel für schinka bei Laband sei die mittags bis 6 Uhr nachmittags im_________„,u________ u später aber, wie durch den dortigen Wahlvorstand konstatiert wurde, berichtigt worden. Die Konimission hält fest, daß die Wahlzeit der Ocsseutlichkeit amtlich richtig bekannt gemacht wird und daß die Wählerschaft nicht irregeführt werden darf durch unrichtige, dem Gesetz nicht entsprechende Angaben. Aber es haben in Wrischinka von 214 Wählern 187 gestimmt, also nur 27 sich der Wahl ent- halten, während der Protest behauptet, 404 Wähler hätten nicht gewählt! darum wird der Einwand des Protestes von der Kom- Mission für nicht beachtlich gehalten. In Bezug auf amtliche Wahlbeeinflussungen wird die Protestbehauptung, der auf die Wahl Bezug nehmende Hirteubrief des Fürst- Erz bischofs Kopp sei von den Kanzeln herab verlesen worden, nicht genügend substantiiert, für unerheblich erachtet, sowie Beweiserhebung darüber, ob durch polizeiliche Drohung Konzessionsentziehung zwei namhaft gemachte Saalinhaber ihre Säle zu Versammlungen für den polnischen Gegenkandidaten Ballestremö verweigert haben, gegen den Antrag lind die Stimmen der drei socialdemokratischen Abgeordneten abgelehnt, weil die betreffenden Saalinhaber eine polizeilich beglaubigte Erklärung zu den Akten ae- geben haben, ein solch polizeilicher Druck sei nicht auf sie ausgeübt worden. Ferner wird die Brrinflussmig vou Wählern durch katholische Geistliche gegen vier Stimmen als keine amtliche deklariert und die als eine mit nn Protest angegebenen Fälle gegen vier Stimmen als unbeachtNch erklärt. Eventnelle Beweiserhebung beschloß die Kommission danlbcr, ob in Soto der Jsolicrrnum durch die Aufftcklung einer Schul- tafel auf einem Tisch des Wohllokals, hinter dem der Wähler beob- achtet werden komite, hergestellt worden sei und ob der Pfarrer vordem Wahllokal sich die Slimmzcttcl von den Wählern zeigen ließ, sie zerriß, wenn es keine mit dem Namen Ballestrcms loaren, dm Wählern andre einhändigte und die Wähler bis zum Bahltisch beobachtete, ob sie in seinem Sinne wählten. Weitere Bcein- flnffungeil durch Private und Pfarrer wurden alle als unerheblich erachtet. Nach alledem berechnete die Kommission, daß nach Kassierung resp. Abrechnung der sämtlichen Stimmen der unter Beweiserhebung zu stellenden Wahlakte immer noch eine Majorität von über 40 Stimmen für Ballestrem vorhanden sei und erklärte die Wahl mit allen gegen drei Stimmen für gültig. Bei der Prüfung der Wahl Barbecks, zweiter Wahlkreis Mittelfranken sErlangen-Fürth), stellte sich heraus, daß für den Kau- didaten Beck, der 2866 Stimmen erhielt, Stimmzettel in der Größe von 12 zu 18 Centimrtcr ausgegeben worden find; die amtlich vor- geschriebene Größe soll 0 zu 12 Centimeter betragen. Die Kom- Mission beschloß, die sänitlrchen Stimmzettel für Beck zur Prüfung einzufordern. Dann erklärte die Kommission folgende Wahlen für gültig: Doerksen, zweiter Wahlkreis Danzig; Sieg, dritter Marien- Werder und Walzer, zweiter Marienwerder. Gegen diese Wahlen hatte das focialdemokrattsche Central- Wahlkomitee für Westpreußen in Danzig Protest eingelegt, aber das zur Nachlieferung angekündigte Material nicht eingesandt. Eue der frauenbewegung. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 1. Februar, abends 3'/, Uhr, in den Arminhallen, Koinman- dantcnslratze 20, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht der Kassiererin. 3. Bericht der Biblio- thekann. 4. Bericht der Rebisormnen. 8. Neuwahl des Gesamt« Vorstandes. 6. Vereinsangelegenhciten. Sonnabend, den 20. Februar, findet unser Stiftungsfest statt. Villets zu demselben sind im Verein und in de» Zahlstellen zu haben. Der Vorstand. Stimmrecht der Frauen in kirchlichen Angrlkgrnheitrn in der Schweiz. In Neuenbürg hat eine Wahlversammlung der.un- abhängigen Gemeinde" sich mit der Frage des kirchlichen Stimm- rechts der Frauen beschäftigt und bezügliche vier Fragen zur Ab- stimmung gebracht und zivar betreffend die grundsätzliche Anerkennung des Frauen-Stimmrechts. betreffend Pfarrerwahl, betreffend Wahl des Aeltesteukollegiums, der Kirchcnräte und der Synodalmitglieder, betreffend MitberatungSrecht bei Wahlen, Bon den vier fragen wurde die erste mit 72 gegen 50 Stimmen bejaht und damit grund- sätzlich die Erteilung des kirchlichen Stimmrechts an die Frauen erklärt. Marktpreise vou Berlin nach Erniiltelungen des Eier Karpfen Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse ab Bahn. f frei Wagen und ab Bah». am 27. Januar 1904 lgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindsleisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch. Hammelslcisch ' utter SV Stück 1 ig per Schock 7.00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 5,00 2,40 2,80 3,00 2,40 1.80 3,00 1,40 15,00 5,00 1,30 1,10 1,00 1,20 1,10 L/X) 3J00 1,20 1,40 1,30 1,20 0,80 1,40 0,30 3,00 btiichste Uummer müssen i»is 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. Für den Inhalt der Inserate üverniinmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Bcrantwortnng. Zhcatcr. Freitag, 29. Januar. Ansang 71/, Uhr: Neues Köuigl. Oper»- Theater. Alba. SchauspielhanS. Lästige Schönheit. Die Schule der Ehemänner. Herbstzauber. Deurlches. Rose Bernd. Berliner. Maria Theresia. Lessing. Zapsenslreich. Westen. Der Zigeunerbaron. SteucS. Minna von Barnhelm. Otesidenz. Die Empsehlung. Der keusche Casimir. Eentral. DaS Schwalbennest. Thalia. Gastspiel Jsadora Duncan. Bcllc'Allianee. Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr: Schiller O. Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Winter- Garten. Otäro. Otto Reutter. Spccialitäten. Passag«> Theater. Enthauptung Specialitute». Ansang 5 Uhr. Apollo. Frühlingslust. Blüten- Hochzelt. Specialltätc«. Meichshallen. Stetttner Sänger. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. ltastno. Wie einst im Mai. Die Wenzel. Urania. Tanbenftraste 48/49. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger de» Lebens. Im Hörsaale um 8 Uhr: Dr. Naß: Chemie der Toilette. Jnbalidenstrastc 07/6!?. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis lt Uhr. Urania. Taubanolr. 48/49. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Hörsaal 8 Uhr: Dr. 49. Bf«..: „Ctaeuiie der Toilette." Sternwarte'nv#"iM" ttr. 67/82. CASTANS 1PANOPTICUM Friedrichstr. 185. (Ein Naturwunder: Die bildschönen Herkitles- JBrüder Der Indianer-Rle.e mianko Uaroo. f{LT- CHlK'fl Kunst-üussMung tdipZIBER» STRfl&aa« Neues Theater. Schiffbauerdamm 4o— 5. Minna von Barniielm. Anfang V/t Uhr. Csatral-Theater. Täglich Vi, Uhr: Das Schwalbennest. Operette in 3 Alien v. M. Orbonneau. Deutsch von M. Rappaport. Musik von Henry tzerblay. Sonnabendnachmiltag 4 Uhr hawc Preise, jeder Erwachsene ein Kind frei. Der gestiefelte Kater. Luisen-Theater. Zum erstenmal: ' iierli Hi Ansang 8 Uhr. Sonnabend: DaS Käthchen von Heilbronn. Sonntagnachmittag: Kean. AbendS: Die relegierten Studenten. Montag: Der Sohn der Wildnis. Reßdkilz-Theiitkl Dlrektton G. Lauteilburg. Abends 7 l/i Uhr; Die Empfehlunü. i Abend« 8 Uhr: Täglich geöffnet 10-8. Ewtree I IB.. SonntaffSOPf. Metropol-Theater DDirUUll UMie»! Burleske Ausstattungsposso mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Leone gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Im 4. Bilde:_ IJSar CtroHises Ballett Wie damals im Monat Mal. Anfang 7V, Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. Abends 8 Uhr: Frühlingsluft Operette von Strauss. �dritten Blütenhochzeit. Grosses Ansstattungs-Ballett. Q'l, Uhr: Das erstklassige Januar* Specialitäton-Programm. Miss Blanche Sloan. X Oelma Braatz. La* Perez. XXX Uttlo Pich. Bartlii Ketlncr. Messters Biophon und Kosmograph, Bar* Anfang 8 Uhr.-WIU Kassenerönnung 7 Uhr. Sonntag, den 3t. Januar er., b«i»r mSssigten Preisen: Gesinde-Ball- f. Direktion; Robert Dill. Brun n enots' aase 10. Onkel Bräsig. Ansang 8 Uhr. Entree To Ps. Sonnabend: Keine Vorstellung. Sonntag: Kean. Schiiler-Theater. Scbillcr-Theater O. (Wallner-Theater). Freitagabend 8 Uhr: Der Talisman. Dramatisches Märchen in 4 Auszügsn von Ludwig Fulda. Sonnabendabend 8 Uhr: vrlel Acosta. Sonntagnachmittag ZUhr: Der Bibliothekar. Sonntagabend 8 Uhr: _ Der Compagnon._ mpagnon. ten o. Ad. L'Arronge. Sehlller-Tbeater BT. (Friedrich-Wilhelmltädlisches Theater). Freitagabend 8 Uhr: Der Co Lustspiel in 4 Alten"», Sonnabendabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Die Binder Oer Kxcellenc. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Teil. Sonntagabend 8 Uhr: Die Kinder der Excellenn. Tballa-Ttieater. DreSdenerstr. 72/73. Amt IV 4440. Bclle.Alliancestr. 7/8. Direktion Jean Kren und Alfred Schönfeld. Heute Freitag, Montag u. Mittwoch: Gastspiel Jsadora Duncan. Sonnabend und Sonntag: � Boemist Belle-Äiliance-Thealer. Amt VI 283. _________ lönfeld. eutc Freitag, Montag und Mittwoch: »Ide Thielsck-a-»MM. Sonnabend und Sonntag: Der reichste Derlmer. Lirkus sestumsnn. Omni er da« Oitginal. Direktor Ulbert Sebninanns neuest« und modernen Dressuren. StT" Nur noch kurze Zeit"MW Oie BiiiiMWgls Mlis loop. Herrn teUrtMhi» Theater. Ereateur Möns. Anclllotti. Seeth» dasteSen UiVflL TOcalkAl Le. Ausstattungs-Partomim» ■oil Ar t i. der Gegonwart. Beate: 51um 156. Male; Köpnickerstrasse 67. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr 30 Win. GASTSPIEL Ad. Philipp. Uebem grossen TEICH. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7Vr Wie einst im Mm. Schauspiel mit Gesang in 2 Alten. Dazu neu: Die Wenzel und das brillante Januar-Programm. Sonntagnachm. 4 Uhr: tzm edles Weib. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl. Ansang 8 Uhr. Morgen: Elektra. Fröbeh Allerlei-Theater fr. Puhimann, Schönhauser Allee 148. Inhaber: XViiiielm FröUol. Sountagnachwiitag 5 Uhr: Korddentsebe Sänger. Nach der Vorstellung um 10 Uhr: «Srowier Ball. Sntree 30 Pf. Sp-rrsth 50 Pf. Montag$V, Uhr: Gastspiel Sur. meistert Goothe-Ensembl«. Passage-Theater. Anfang Sonntags S Uhr, Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abond- Vorstellung 8 Uhr. Lnthauptung einer lebenllen Dame! Willy Prager mit seinem Schlager: Die kleine Garnison. 14 neue erstklassige Nummern. Gebrüder Herrnfeld- Anfang TJlOQfnr Sonntag«: 3 Uhr. I llvllivll 7 Uhr. „>VI«d«r«Iii neuer grosser Erfolg t" lautet die einstimmige Kritik der gesamten Prost« über die A. und D. l-erniseldiche Novität: m IX. Bertiner Saison._ Cirkus Busch. Humomtischor Gala-Abend. Zum 40. ä'ialc: Alls den Alpen. Bemerkenswert: Vei' TZutoniobilsturL. Mr. Biehard Mawade mit feiner berühmten M-. Löheii- n. Bären-Dressiir. Die offene Scbieife 8 Meier Sprung. Herr Burkbardt-Poettit, Schulreiter. Die beste« Clown« der Welt. Die Eepedttion. ÜnfrcnT Zahl/lellen-Wirt Karl Kaasch zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch. 4ll5L Die Mitglieder des Bezirks IL des Central-Verbandcs der Zimmerleute. Trianon-Theater. Georgeuftraß«,.. und Unioerfitäi u Friedrich. stratze. Madame F. Anfang 8 Uhr. Sonntagnachmittag: ,, Biscotta." Zwei Akte aus einer Che mit den Autoren in d. Hauptrollen. Ferner: Januar. Attraktionen mit Bendis. Bomrfauf 11—* Uhr mittag». Palast-Theater Bnrgftraste 22, früher Fean-Palast. Heut« abend 8 Uhr; Mr* Cxtra-Elite-Voratallung-WM zu halbe» Kasscnprelseu: me CTHIIe. Charaltergemälde in 5 Alien von Ch.«irch-Pseifter. Dtp- Morgen abend 8 Uhr:-WW Das JvlilUoncunrädel. Sonntagnachm. 3 Uhr: kllte-Vor- Stellung: Die Brille. Abends 8 Uhr: llrlra-Vorsteiiung: Das nillioncnnittdcl. Borher Konzert und Speciaiitäten. Berliner Prater Koftanien-Zlllee 7—9. Frettag, den 29, Januar 1901: Bernhard Rose-Theater-Ensenible, Gv vorfichligkr Mann. Große Posse mit Gesang von Moser und Jacobson. Musik von Bial. Dtif- Ansang 8 Uhr.-Wik Montag, de« 1. Februar: Mutter- liebe. Novität! für lieg Bezirk Liehienherg. Todeis- Anzeige. Am Mittwoch, den 27. Januar, verstarb unser Mitglied, derTischler VViikeim Witzlau an der Prolctarterkrmckhett. Ehre seinem Audenkenl Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 30., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhall« des Gemeinde-Friedhojes(Ärugstegc) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 14/1 Der Vorstand. Stei(ll-<£Jtieater 2�9� I Linien- Oranien- Strasse 192 burger Thor. Kolossaler Erfolg! Neu! Das teure Daterhaus. Dramolet von Fritz Stcidl. Kotibuser Ther— Etat, der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: lioffhiann« Norddeutsche Sänger u. Tanzkrilnzchen. Jeden Dienstag: 'Dheater- Abend. Wochentags Vorzugskarten gülttg. In Borbereitung: ein bann aus dem Volke. XLnigstsüt-Xssino Holzmarlistr. 72. Ecke Sllexandcistraß«. Täglich: »arnz»obunski. Mita Roselli. Georg u. Pepi Wagner. Borteletti—MSIIarde— Renas. Zum Schluß: Die zweite Frau. Nach der Vorstellung: Mittwoch«, Sonnabend« n. Sonntags: Dornz. Dnilkumgung. Für die reichen»i ranzipenden und rege herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unsrcs lieben Bruders und Schwagers, de« Herrn 1327b rbiHpi» Bracht sagen wir allen Kollegen der Firma Meisenbach, Niffart u. Co, Schone» berg, dem soctaldenrolratischen Wahl» verein, dem Berein der Chemigraphen, dem Gcjangverein..Scuefelder', dun Senesclder-Bund sowie allen Freunden und Bclanntcn hcrzllchen Dank. Georg Pracht und Frau Friedrich Pracnt und Frau. Friedrich Schmidt und Frau geb Pracht. Danksagung. iv die eichen rege Teilnahme und Kranzspenden bei die der Beer digung meine» lieben Sohnes, des Buchdruckers Benno SeuHcl, lagen wir Alle» unser» besten Dant. insbesondere dem Pcrtonal der Buch- druckerei I. Sittenfeld sowie dem Verein Berliner Buchdruck-Aiafchinen» meiftev. Bio trauernden Hinterbliebenen- Carl Weiss-Theater. Große Frankfurter Strafte 132. Abends 8 Uhr: Letzte Woche de« Oberbayrischen Baucrn-ThcatcrS. Novität! Zum erstenmal: Novität l Die Bauern-Brünnhilde. BolkSstück mit Gesang im» Tanz in 4 Alien von Neal. Sonnabcndnachm. 4 Uhr: Kinder» Vorstellung: iiansai und Bretel._ Iii Neues Programra: Harry Reehez Hundedrcsseur. Polk 4 Colllnt, Banjo-Virtuosen. Lerraino's Lebend« Bilder. Bis beiden Freydot Gywnastiker. Cook u. Clinton Amerik. ICanstschützinnen. Moers u. Ome Drahtseilkünstler. Otto Reutte*' Humorist, Mzleriio Meister-Jongleur. Annette Gillard Pariser Operas&ng. nie.»itte»niirJk: in ihrer Pantom.„Opiumrausch''. Thoresas Komischer Hypnotiseur- „Karnovalsgeister" Wiener Ballett. BMsflfilHi« Mblissemeut Kuggtuhagea Horitzplatz. S« Kaisersaal: Künstler> Ensemble „Zloi-dztoeno� unter Leitung d. Herrn Budalt Schauss. Kasjeneröffn. 5 llhr, Ansang'IJ Uhr. Enlrre 50 Ps. Nach der Borstellung: Tanzkränzchen. Ün den unteren Sälen: Gärifch-Konzert und«ockbierfeft. Hasen Z,?««. I.oo Hasen 1,-« Wildfleisch 30, 40. Blatt 00 Pf- Ete«•>« ÄulKSÄ A. Rltschl, Drosdenerstr. 61. IV, 1509. Är-ße Kette« 12 M? rDberbttt, Untnbttt, zwei«isi«»>»U gevrintgtem neu» flirbn» Iii «Uft«» vu«ia.«»rUu Printen. grah« 46.«uttltf» CsJOoftA Ottlo ________________ WW «i>»rk«NUUna»tch»»i»»n. Rohtabak jfij jldolpb Suhl Ijj] IUI Brnnnenstraft«* IUI Peiatztw. Redakteur: Julius italiski, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Hr. 24, 21. 2. f tiliip Ks JdtMtfs" jieriim WsblM Freitag, 39. Iailttar tM. parteL-I>sacdrickten. Der Bcricht über die Geucralrersammlung des Centrnl- Wahl- lercinS für Teltow-Bceskew-Storkow-Charlotteuliurg in der Dienstag- nummer des„Vorioärts", der mir erst nachträglich zu Gesicht kommt, veranlaßt mich zu einer Richtigstellung. In der Besprechung über die Haltung der Reichstags- Fraktroi, zum Herero- Aufstande sagte Genosse Zubeil: er sei in Uebereinstimmung mit andern Fraktionskollegen der Meinung gewesen, daß wir selbstverständlich gegen die Borlage stimmen müßten, ohne daß es erst einer Fraktionssitzung bedürfe. Ein Fruktionsmirglied sei aber der Ansicht gewesen, daß sich die Fraktion über diese Angelegenheit schlüssig werden müsse. Es habe denn auch eine Sitzung stattgesundeu und zwar am Montag, wo viele aus- wärtige Abgeordnete, die Sonnabends nach Hause reisen, noch nicht zurück waren. An dieser Darstellung ist verschiedenes unrichtig bezw. unvollständig. Als am Montag, den 18. d. M. der Reichskanzler den Nachtrags- und Ergänzungsetat im Reichstag ankündigte und dieser noch im Laufe der Sitzung an die anwesenden Mitglieder verteilt wurde, um am nächsten Tage sofort beraten zu werden, tauchten innerhalb der aniv es enden Fraktions Mitglieder Meinungs- Verschiedenheiten auf über unsreHaltung zu dieser Angelegenheit. Darauf hielt ich es als meine s e I b st verständliche Pflicht— Singer war verhindert anwesend zu sein-» unmittelbar nach der Plenarsitzung eine Fraktionssitzung an- zuberaumen, damit die Meimmg der Fraktion festgestellt iverden konnte. Wie notwendig diese Sitzung war, ergab sich daraus, daß die Verhandlungen lebhaft waren und ziemlich lange währten, Iveil sich drei Meinungen gegenüberstanden. Schließ- lich wurde mit zwei Dritteln gegen ein Drittel der Stimmen beschlossen, aus den von mir im.Vorwärts" auszugs- weise mitgeteilten Gründen sich der Abstimmung zu enthalten und wurde ich mit der Abgabe der Erklärung betraut. Ob die Abstimmung der Fraktion eine andre geworden wäre, wie Genosie Zubeil glaubt, wen» die Sitzung Ivesentlich stärker besucht Ivorden wäre, ist eine müßige Frage. Es fehlten nicht nur solche, die gefordert hätten, gegen den Etat zu stimmen, sondern es fehlte auch ein ganz Teil solcher, die sich der vorhandenen Mehrheit angeschlossen hätten. Ob die Fraktion bei der dritten Lesung des Nachtrags- und Ergänzungsetats ihre Abstimmung ändert, ist Sache besondrer Beratung, die sich die Fraktton ausdrücklich vorbehalten hat. A. Bebel. Mehrere Parteiblättcr beschäftigen sich noch mit der An- gelegenheit. Die Frankfurter„ V o l k s st i m in e" sowohl wie die Mannheimer„ V o l k S st i m m e" vertreten in längeren Ausführungen die Ansicht, die Fraktion hätte ohne weiteres gegen die Forderung stimmen müssen. Die„Bremer Bürger- Zeitung" nimmt an, daß die Fraktion in der dritten Lesung gegen die Forderung stimmen werde. Der„Volksfreund" in Karlsruhe aber schreibt: „Wir glauben, daß nach den inzwischen über die Ursachen des Herero-Aufstandes in die Oeffentlichkeit gedrungenen Berichten die Fraktton auch ohne das Eingreifen der Teltow-Charlottenburger Generalversammlung ihre Stellung einer nochmaligen Prüfung unterzieht. Aber auch jetzt Ivird die Fraktton in ihren Beratungen sich nicht der Thatsache entschlagen können, daß es sich nicht lediglich um die Niederwerfung des AufstandeS, sondern auch um den Schutz des Lebens von Rcichsangehörigen handelt, die für unsre verfehlte ftolouialpolittk schließlich nicht verantwortlich zu machen sind." Socialdemokratische Redaktcure im Gefängnis. Dem Genossen Markwald, der in seiner Eigenschaft als Redakteur der„Magde- burgischen Volksstimme" fünf Monate Gefängnis in Gommern zu verbüßen hat, ist sowohl die Selbstbeschäftigung sowie jede andre Bergünsttgung verweigert worden. Genosse Markwald hat sich be- schwerdeführend an den Minister gewandt. Das Verfahren gegen Markwald ist um so auffälliger, als, wie die„Magdeburgische Volks- stimme" mitteilt, im Gefängnis in Gommern bisher Redakteure stets Selbstbeschästigung erhielten. Totenlifie der Partei. In Dortmund starb der Bergmann Formel als Opfer seines Berufs. Vor einiger Zeit verunglückte er in der Grube schwer; Steine des Deckgebirges stürzten auf ihn und zerbrachen ihm das Rückgrat. Formel lvar ein überaus ciftigcr und braver Genosie, mehrjähriges Mitglied der Preßkommission und in sonsttgen Vertrauensstellungen der Partei thätig. Die Social- demokratte des Wahlkreises Dortmund-Hörde wird dem Dahin- geschiedenen ein ehrendes Andenken bewahren. Aus der socialdemokrattschen Partei ausgetreten ist der seit einigen Jahren in Dresden wohnende Schriftsteller Lebius. Er hat seinen Austritt schriftlich ohne Angabe von Gründen dem Ver- trauenömann und dem Vorstand des Socialdemokrattschen Vereins angezeigt. Der Delegierte Japans beim Internationalen Socialistifchcn Bureau Sen Sataiiama hat dem Sekretär Victor Serwy mitgeteilt, daß er am Kongreß von Amsterdam teil nehme. Katahama hat bereits vor etlichen Wochen Japan verlassen und sich nach Amerika eingeschifft, um die socinlistische Bewegmig w den Vereinigten Staaten Nordamerikas zu studieren. Hiid Induftric und ftandd. Deutschlands Außenhandel im Jahre 1903. Das Statistische Amt veröffentlicht die Ziffern des deutschen Außenhandels im letzten Jahre. Danach hat sowohl die Ein- als die Ausfuhr im Vergleich zu den beiden vorausgegangenen Jahren eine beträchtliche Steigerung erfahren, und zwar beträgt diese, da sich der Gesamtwert des Specialhandcls auf 11.4 Milliarden Mark stellt gegen 10,0 und 10,2 Milliarden Mark in de» beiden Jahren 1902 und 1901. gegenüber dem letzten Vorjahr 7,5 Prozent und gegenüber 1901 11,3 Prozent. Dem Gewichte nach betrug im Jahr 1903 die Einfuhr: 47 034 035 gegen 43 335 652 und 44 304 577 Tonnen(a 20 Centner) in den beiden Vorjahren, daher diesmal mehr 3 698 413 und 2 729 433. Darunter Edelmetall-Einsiihr: 1264 gegen 1193 und 1279 Tonnen. Die Ausfuhr stellte sich auf: 38 279 707 gegen 35 029 560 und 32 362 589 Tonnen in den beiden Vorjahren, daher mehr 3 250 147 und 5 917118. Edclmetall-Ausfuhr: 355 gegen 438 und 381 Tonnen. Der Einfuhrwert stellt sich für das ganze Jahr auf: 6299 gegen 5806 und 5710 Millionen Mark in den beiden Vorjahren. daher mehr 493 und 539. Darunter Edelmetallwerte: 315 gegen 175 und 289 Millionen Mark. Mit mehr als 100 Millionen Mark sind an der Einfuhr beteiligt: Abfälle. Baumwolle. Droguen, Erden, Erze usw., Flachs. Getreide, Häute und Felle. Holz. Kupfer. Materialwaren, Oel und Fette. Erdöl, Seide, Kohlen, Tiere und tierische Erzeugnisse. Vieh, Wolle. Der Ausfuhrwert stellte sich auf: 5095 gegen 4813 und 4513 Millionen Mark in den beiden Vorjahren, daher mehr 282 und 582 Millionen Mark. Darunter Edelmetallausfuhr: 116 gegen 135 und 81 Millionen Mark. Mit mehr als 100 Millionen Mark sind an der Ausfuhr beteiligt: Baumwolle, Droguen, Farbwaren, Eisen, Erden. Erze, Getreide, Häute und Felle, Holz, Instrumente, Maschinen, Kleider, Kupfer, Kurzwaren, Leder, littcrarische und Kunstgegenstände, Materialwaren, Papier. Seide, Kohlen, Wolle. Die Werte für 1903 sind auf Grund der für das Jahr 1902 ermittelten sogenannte Einheitswerte berechnet, nnd da diese für das letzte Jahr zu einem wesentlichen Teil erhöht oder herabgesetzt werden müssen, so werden die obigen Wcrtsummen bei der end- gültigen Ernnttelung noch manche Aenderungen erfahren; doch werden sich, soweit die Preisbewegung des letzten Jahres sich über- schauen läßt, die endgültigen Gesamtwertzifsem des letztjährigen Außenhandels eher erhöhen als ermäßigen. Vergleicht man die Ein- und Ausfuhrziffern des Specialhandels seit 1894, also fi'ir das letzte Jahrzehnt, miteinander, ergiebt sich folgendes Bild der Handelsentwicklung: Einfuhr Ausfuhr 1894... 4285 Millionen Mark. 3051 Millionen Mark, 1895... 4246„„ 3424 1896... 4558... 3754 1897... 4865„ ,. 3786 1398... 5440„„ 4011 1899... 5784„„ 4368 1900... 6043„„ 4753 1001... 5710„„ 4513 1902... 5806„„ 4813 1903... 6299„„ 6095 Berlins Kohlen-Verbrauch. Die Kohlenanfuhr Berlins ist nach dem vorjährigen Rückgang in 1903 zwar wieder gestiegen, aber noch nicht ganz auf die in 1901 erreichte Höhe. Dagegen ist die Anfuhr für die Vororte weit stärker gewesen, so daß sich für Berlin mit Bor- orten eine nicht unbeträchtliche Zunahme ergiebt. Nach dem.Berliner Aktionär" betrug die Anfuhr für: Berlin Berlin und Vororte tT o n n e n) 3 079 491 381 245 2 922 182 4 162 192 3105 466 4 068178 2 978 746 4 124 041 2 652 865 3 590 881 2 588 594 3 415 128 Berlins an Steinkohlen und 1903 1902 1901 1900 1899 1898 Von dem Bedarf Co als wurden von der mit insgesamt 1 874 539 Tonnen si. V, 1 761 904 Tonnen) gedeckt aus England 342 601 Tonnen H- 17 867 Tonnen),....... Ruhr 179 279 Tonnen(-}- 9860 Tonnen), von Zwickau 8981 Tonnen s— 8326 Tonnen), von Oberschlesien 1 076 137 Tonnen(+ 60 864 Tonnen), von Niederschlesien 267 541 Tonnen(+ 56 420 Tonnen), zusammen 1874 539 Tonnen(+ 112 635 Tonnen), An Braunkohlen kamen aus Böhmen 16 728 Tonnen(— 5133 Tonnen), aus Preußen und Sachsen 1 000 524 Tonnen(-s- 16 570 Tonnen), zusammen 1 017 252 Tonnen s-s- 10437 Tonnen), Hieraus ergiebt sich, daß die Kohleneinftihr aus England, die im Jahre 1900 mit 479 907 Tonnen eine vordem nie verzeichnete Höhe erreicht hatte, dann aber zurückging, neuerdings wieder im Steigen ist. Di« fich widersprechenden Nachrichten über die Stahl-Syndikats- gründuug, deren wir gestern erwähnten, erklären sich daraus, daß auf der Düsseldorfer Konferenz nicht die Vertreter aller streitenden Stahlwerksgruppen, sondern nur von acht der größten Werke, ver- sammelt ivaren, die schon ftiiher ihre Zustimmung zur Gründung und der Beteiligungsfestsetzung bekundet hatten, Be» der sogenannten „Einigung" handelte es sich denn auch nicht um die Gesamt» beteiligungsziffern, sondern lediglich darum, wie der jedem der acht Werke zugebilligte Anteil an der Produktion auf die einzelnen Unter- arttkel: Rohstahl, Schienen, Träger usw, zu verteilen sei. Deutsche Hypothekenbank, A k t,- G e s. B e r k i n. Nach dem Geschäftsbericht beliefcn sich die Gesaniteinnahmen des Instituts im vergangenen Jahre auf 6 988 060 M,, wovon auf Hypotheken und Kommunal- Darlehnszinsen 5 633 393 M. entfallen. Die Unkosten erforderten 263 914 M., Hhpotheken-Pfandbnef-»md Komm.-Obligat.- Zinsen 4 016 587 M, Hypotheken-Pfandbrief- und Komm.-Obligat,- Druckloste» und Steinpel 43 360 M„ so daß als Ueberschuß 764 198 Mark verbleiben. Hieraus sollen 6'/., Proz. Dividende verteilt, dem außerordentlichen Reservefonds 50 000 M., dem Unterstützlmgsfonds 20 700 M. überwiesen, 36 320 M. für Tantteme und 72 178 M. zum Vortrag für 1904 verlvandt werden. Der Hypothekenstand erhöhte sich von 124 834 135 M. auf 136 670 267 M. um 11836132 M.: der Pfandbrief-Umlauf von 117 052900 M. aus 130 146 500 M. um 13 093 600 M. Dem im Jahre 1902 aufgenommenen Kommunaldarlehen-Geschäft hat die Bank weitere Ausdehnung gegeben. Es wurden 3 663 865 M. solcher Darlehen abgeschloffen, wovon 2 407 500 M. bis zum Schluß des Berichtsjahres zur Vcrzahlung gelangten. Das Institut schritt infolgedessen auch zur Verausgabung von Konimunalobligationen und brachte 15 000 000 M. Serie I, je zur Hälfte mit einem Zins von'!>/„ und 33/4 Proz. an der Berliner Börte zur Einführung. Die bei dem Ankauf des Bankgebäudes Dorotheenstr. 54 übernommene Hypothek des Berliner Pfandbrief- Instituts konnte im abgelaufenen Jahre zur Ablösung gebracht werden, ohne daß der Bank ein Verlust an dem für die Hypothek angesammelten Amortisatious-»»nd Reservefonds erwachsen wäre. Im Berichtsjahre wurden der Gesellschaft 154 freihändige Ver- kaufe beliehener Grundstücke gemeldet. Die ermittelten Verkaufs- preise betrugen 16 025 132 M., die Beleihungen 9 383 250 M, also 58,56 Proz. der Verkaufspreise. Ferner wurde ein Teil eines von der Bank erststellig mit 40 000 M. beliehenen Grundstücks für 1540 000 M. verkauft. Bon Hypothekenziiisen waren am 31. De- zember 1903 9910 M. rückständig, welche sämtlich aus dem Jahre 1903 herrühren. Die Bank war im vorigen Jahre an 37 Zwangsverwalwngeu (35 städttsche, 2 ländliche Grundstücke betreffend) beteiligt, wovon 27 erledigt sind und 10 in der Schwebe blieben. 12 Fälle haben zur Zwangsversteigerung geführt. In 30 Fällen ist die Zwangs- Verwaltung von der Bank beantragt, in 7 Fällen von andrer Seite. Ferner war die Bank an 36 Zwangsversteigerungen beteiligt, wovon 35 auf städttsche Grundstücke und eine ans landliche Grundstücke entfalle»»._ GcwerkrcbaftUcbcö. Sertin und QmgegtnA, Rummelsburg. Diejenigen Parteigenossen, welche sich noch im Besitz von Sammellisten für die Ausgesperrten in Crimmitschau bc- finden, soweit dieselben»nit dem Stempel des hiesigen Gewerkschaftö- kartells versehen sind, werden ersucht, dieselben unverzüglich mit dem Unterzeichneten abzurechnen. Gelverkschaftskartell Rummelsburg-Berlin. Karl Brüschkc, Rummclsburg, Bahnhofsttaßc 32. veutkcbes Rtid». Zur Schneiderbewegung. Die Schneideraussperrung in Jena erstreckt sich jetzt aus eine weitere Wcrkstqtte. In dieser wurde am Montag den dort beschäftigten 9 Gehilfen ebenfalls gekündigt. Schutz- leute begleiten die Arbeitswilligen von und nach der Arbeitsstätte. vermutlich, damit sie den Ausgesperrten nicht gar zu handgreiflich beweisen, daß sie»ihren freien Willen haben". Neben den Aus- gesperrten stehen auch die Schneidermeister Streikposten, dazwischen nicht selten ein Schutzmann. Arbeitswillige werden in höchst nobler Weise per Wagen vom Bahnhof abgeholt. Ausgesperrt sind 44 Mann, darunter 25 Verheiratete mit 61 Kindern,— Die Schneidermeister von Weimar suchen auf östreichischem Gebiete, so in Mährisch- Schönberg Arbeitswillige. Wir haben unser dortiges Parteiorgan von der Sachlage unterrichtet.— Die„Thüringer Tribüne" meldet: Ein in Eisenach zugereister organisierter Schneider teilte einem dortigen Genossen mit, daß er von G e r a, wo er in Arbeit stand, nach Erfurt gefahren sei. ihm aber dort erklärt worden wäre, daß von Gera kein Schneider eingestellt würde, weil dort ebenfalls ausgesperrt werden solle.— Auch von B r e m e n ist Zuzug von Schneidern fern zu halten. Werkstatt- Bersammlullge», in denen nur Fabrikangclegeuheiten erörtert werden, bedürfen einer polizeilichen Anmeldung nicht. Der Geschäftsführer des Metallarbeiter- Verbandes in Solingen, Max S e n d l e r, war angeklagt, das Vereinsgesetz dadurch übertreten zu haben, daß er in die Gastwirtschaft von H. Pütze irbacher in Ohligs eine Versammlung von Arbeitem der Finna„Kronprinz A. F." einberufen hatte. Neben ihm mußte als Angeklagter der Wirt de« Lokals Platz nehmen, weil er die Versammlung geduldet hatte. Die Zeugen bekundeten, daß nur von Werkstattangelcgenheiten gesprochen worden sei. S e n d l e r, der fich selbst verteidigte, beantragte seine Freisprechung. Das Gericht sprach beide Angeklagte frei. ES folgte den Ausführungen der Angeklagten in seiner Be- gründimg. Der Gegenstand der Versammlungen habe nur die Lohn- differenzen bei„Kronprinz" betroffen, zudem seien aber auch nur Arbeiter dieser Firma eingeladen worden. Wenn trotzdem Arbeiter andrer Fabriken daran teilgenommen hätten, so sei den Angeklagten hieraus kein Vorwurf zumachen. dennSendler habe ja a»lch anfangs Konttolle ausüben lassen. Aus allen diesen Gründen, mißte Frei« sprechung erfolgen._ Aus Crimmitschau. Bürgerliche Blätter geben jetzt die Zahl der noch Ausgesperrten nur noch auf etwas über 1800 cm. Die Webereien haben nur unge« nügcndc Aufträge. Der Brand bei der Firma Gebrüder Hoffmann wird einer- seits auf Fahrlässigkeit, andrerseits aus Heißlaufen ciirer Trans- missionSwelle zurückgeführt. Der entstandene Schaden, der jedoch durch Versicherung gedeckt sein dürfte, wird auf 100 000 M- geschätzt. Die Fabrik war eine der ältesten. Wer alis dem Fest der Liebe ein Fest des Hasses machte, Ivurde in der letzten Stadtverordnetcipsitzung jedem, der sehen kann, vor Auyen geführt. Dort konnte Genosse Fiedler konstatieren, daß er»n der vorletzten Sitzung recht gehabt habe, als er feststellte, daß gelegentlich der letzten städtischen Weihnachtsbescherung d i e K i n d e r derjenigen Eltern ausgeschlossen worden seien. welche damals nicht gearbeitet hätten. Er habe in dieser Angelegenheit nochmals Erörterungen angestellt und er sei von dem betreffenden Armenpfleger auch autorisiert worden, zu er« klären, daß der Beschlus, vorgelegen habe, die Kinder der Nicht- arbeitenden von der Bescherung auszuschließen. Diese Hcmdlungs- weise charakterisiert die Crimmitschauer Stadtväter ganz vortrefflich und es erübrigt sich, auch nur ein Wort der Kritik darüber zu vor- lieren._ Eine Lohnbewegung der Maurer steht für den kommenden Sommer in Bremen bevor. Dort haben die Unternehmer den Maurern eine Verschlechterung des bestehenden Tarifs angekündigt. Die Arbeiter antworteten darauf»ntt einem verbesserten Tarif» entwurf. Die Unternehmer an den Unterwcserorten planen etwas gegen die dortige Arbeiterschaft. Während man auf der einen Seite die Schiffe möglichst nach andern Ladeplätzen dirigiert, so daß unter den Arbeitern bereits eine große Arbeitslosigkeit herrscht, sucht man andauernd von andern Orten Arbeitskräfte heranzuziehen. Die Ar- beiterschaft der Unterweserorte hat dagegen bereits in großen Arbeits- losen-Versammlungen protestiert und an die Behörden um Abhilfe petitioniert. Die Behörden haben aber ihre Machtlosigkeit gegen- über dem Privatkapitalismus zugestehen müssen. Der Bremcrhavener Stadtrat hat zwar bisher eine Antwort nicht finden können, dagegen erklärten die Behörden von Lehe und G e st e m ü n d e, sie seien außer Stande, mit gesetzlichen Mittel» gegen die Heranziehung aus- wärtiger Arbeitskräfte durch den Arbeitsnachweis des Unternehmer» Verbandes einzuschreiten. Diese Ohnmacht benutzt der Arbeitgeber- verband, um ruhig weiter nach ftemdcn Arbeitskräften zu suchen, während die einheimischen Arbeiter hungernd und frierend auf der Sttaße stehen. Nach den eignen Ziffern des Untcrnchmeruachweisos befinden sich in Bremerhaven circa eintausend Arbeitslose, derweil' hängt auf dem Bahnhof zu Minden i. W. folgendes Plakat: Arbeitsnachweis. Schloffer. Maschinenbauer, Dreher, Kesselschmiede, Schmiede, Schiffbauer, Nieter. Former. Gelbgießer, Kupferschmieds, Modell- tischler wollen sich wegen Arbeit an die Arbeitsnackweisstelle dcS Arbeitgcberverbandes Unterweser in Bremen, Vegesack und Bremer« Häven wenden, bezw. sich dieserhalb unter Vorlage des Militär- passes, Führungsattestes und der Zeugnisse über ihre frühere Thättgkeit bei einer dieser Stellen melden. Arbeitgeber-Verband Unterweser. Anmeldungen beim Vorsitzenden des Kriegervereins Minden i. W. R. Rumpf, Königstraßc 40. (Im Stempel: Bremischer Landes-Krieger-Verband.) Hier werden also mit kaltblütiger Berechnung Arbeiter auf die Straße geworfen und Arbeitswillige herangezogen zu einer Zeit, wo äußerlich ein Konflikt noch gar nicht erkcmibar ist. Wenn dam» der letzte große Coup erfolgt und die geplante Aussperrung perfekt wird, dann erzählt man. wie in Crimmitschau, der Welt mit eiserner Stirn, es handle sich um eine socialdemokratische Macht- probe!— Die Behörden aber stehen nach eignem Bekenntnis dem Unternehmertum ohnmächtig gegenüber, um sofort wieder aus ihrer Ohnmacht zu erwachen, wenn die Arbeiterschaft sich nicht gutwillig den 5!ackcn beugen lassen will. Da ähnliche Plakate ivie das obige zweifellos sich auch ander» wärts finden, sei die Arbeiterschaft unter Hinweis auf die Verhält- niffe vor Zuzug nach den Untcrwescrorten gewarnt. Huoi»nd. Gewerkschaftliche Fortschritte in Oestreich. Die östreichischc Ge- Werkschaftskommission hat soeben ihren Bcricht über das Jahr 1908 herausgegeben. Danach hat die Kommission im vergangenen Jahre im monatlichen Durchschnitt für 110 839 Mitglieder von den Gewerk- schaften Beiträge erhalten. Das bedeutet gegen das Vorjahr ei' Steigerung um 24 835 Mitglieder durchschnittlich. Dabei sind Gewerkschaften in ihrer Mehrzahl kampfesfähigcr geworden, indem sie sich centralisierten und ihre Verbände über das ganze Reich aus- dehnten. Bei den eigentümlichen östteichischen Rassen- und Sprache» Verhältnissen war dies eine schwere Aufgabe. Die Bäcker haben'«> voriges Jahr eine selbständige Reichsorganisation gegründet i zählen heute bereits 66 Ortsgruppen: die Textilarbeiter haben letzten Reste der selbständigen Vereine in den Rahmen der IVou eingefügt. Diese zählt heute mehr als 11 900 Mitglieder vi''ist finanziell sehr gettäfttgt. Neben den Fortschritten in der AuSb�ng der Organisationsform und der Zunahme ihrer Mitglieder sm) solche in dem Ausbau des Unterstützungswesens, sowie auf den»>,gcnt» lichen gewerkschaftlichen Kampffeld, der Verbesserung der IrÄttS- bcdingungen, zu verzeichnen._, Der Achtstundentag in der Landwirtschaft. Die Landarbeiter von NarbonnaiS Frankreich) haben den Schiedsspruch des Präfekten angenoimnen. T�cich ist die Arbeitszeit vom 1. November bis 1. Januar aus 7 Stunden, vom 1. Februar bis 31. Oktober auf 8 Stunden bei Lohn von 30 Pf. pro Stunde für die festen und 35 Pf. für die AnshilfSarbeitcr. Uebcrstunden werden mit 40 Pf. bezahlt; während Wintermonate beträgt der Lohn 40 Pf. pro Stunde. Für die Opfer der Aussperrung in Tri» u,«tschau gingen bei der Berliner GewerlschastStommilsio»v. olaenbe Bciuäge ein: Aiützenfabr. S. Gärtner 16,29. Arbeiter v. Geb'* �ügcr, Köpenick 35,50. Klempner v. Konrad u. Grübler 6,59. Cioldlei.ck,!� Sinei ecke. 8. Rate 9,75. Pianojabr. ö Lupitz. 2. Rate 15,95. ihasch-Arb. d Bautischlceci Grün u. Hedwig 14,—. Schultheitzbrauerei i j, Behrens 22,50. Zwölf rote Graveure, 8. Rate 4,59. Flügel- v Pianojabr. v. J. L. Duysm, 1. Rate 25,70. Tischlerei Pannemann u. Hoffmann, 6. Rate 8,50. Nrb. Neumann u. Hennig 18,15. Töpfer v. Bau Jäger, Schöneberg 7,50. Tischlerei Dijchleit, 8. Rate 22,50. slirmci Duste auf Liste 12 102 17,— Arb. o. Moldenhauer u. Metzdorf, 7. Rate 18,—. Mützenfabr. Grotehcnn. 5. Rate 4,75. Linolcumleger von Ouantmcicr" u. Eickc 16,15. Töpfer vom Bau Höpsner, Ravenöstratze 5,—. Frauen- BilbungS Verein Ober- Schöneiveide 8,25. Bautifchlerci Ruae, 7. Rate 9,30. Tischlerei Kalisch, Älarkushos 10,—. Steindrucker u. Hilfsarb. v. Priester vyck 15,65. Goldleistenfabr. Bartels u. Co. 4,80. Friedrich, Fruchtstraße 6. Rate 33,—. Angest. d. JnnungS-Är.-Kassc d. Tischler 12,—. Bautischlerei Dennitzel, Reinickendorf, 4. Rate 5,—. Kunze, Maurer, Lichtenbergerstraße, 13,05. Pianosabr. C. Olto, 5. Rate 19,35. G. Schulz, Stukkateur, Bukarest 3,—. Versamml. d. Goldschnittmachcr 5.30. Gcburtstagsseicr Stromstr. 28 4.-. Arb. d. Gr. B. Str.-B., Bahnhos 13, 2. Rate 20,35. Liste 6373 1. Wahlkreis 11,45. Müllerstr. 171a d. Peters 7,45. Arb. d. Stanz.-Fabr. 1,50. Liste 12 927 d. Schröder 10,—. Arb. v. Pardemann u. Co., 5. Rate 12,—. Goldleistenfabr. Aug. Werkmeister 18,45. Gimzicki 2,—. Schilderanmachcr 1,70. Werkzeugbau S. u. tz., 6. Rate d. Thielicke(trotz Verleumdung) 35,40. Verb. b. Steinarbciter Berlin I, 5. Rate 170,—. Ccnlralverband d. Hut arbeiter und-Arbeiterinnen, Rüdersdorf 20.—. Gewerkschastskartell Grün. berg i. Schl., 3. Räte 80,—. Geburtstagsfeier Gesango.„Freie Sänger t offen" 10,—. Zimmerplatz Wessel u. Burchardt, Lichterfelde 7,05. Ehlcrt, reienwalde 12,60. Org. Bauarb. Bezirk Berlin W. und Schöncberg 50,— «paudauer Gewerkschastskartell 48,10. Spandauer Parteibuchhandlung 42,75, Personal v. Bleistein, Friedrichstr. 22,60. Pers. d. Judlmschen Waschanstalt u. Färberei, 3. Rate 10.—. Tischlerei H. Feldmann, Hagelsbergerstr. 16,—. Maskenball städt. Arb b. Gasanst. Müllerstr. 10,20. Rauchklub„Kräftige Lunge" M.b,A.«R.-B. 6,—. Maurer U.Zimmerer BauHaustein, Friedenau, 4. Rate 5,40. Tapezierer v. Matschke, Lützowstraße 4,10. Blldhauer-Atelier B. u. K. 3,75. Central-Berb. d. Krankenpflegepersonals 2,—. Klaviawrfabr. Galowsky 6,25. Bautischlerei Schüttle, Fruchtstraße 4,30. Werkstätte b.„Linnaea 4,75. Graphische Gesellschaft, Linoenstraße 16,65. Arb. v. Lücke, Linden straße, 2. Rate 4,80. Hoch- u. Untergrundbahnwerkst. Zoologischer Garten 10,90. Hoskunstschlosserci M. Böttcher 5,—. Unter Polizeiaufsicht gesammelt, 3. Rate 5,—. Arb. d. Gr. Berl. Str.-B. Gesundbrunnen d.'Abendröte. 3. Rate 174,—. Geldschranksabr. S. S. Arnheim, Ladstraße, b. Slbendrotc 83,20. Vcrgnüg.-Ver.„Fröhlichkeit 1896" 4,80. Möbclfabr. Leciejewski. Küstrinerplatz, 3. Rate 10,50. Pers. KrollS Buchdruckerei, 6.� Rate 6,65, Aufgelöster Verein ehemaliger Paketfahrt-Angcftellter 18.50. Sumser Blou berg, Kopenhagen 5,—. Schneidergewerkschaft Romanshorn(30 Fr.) 24,- Fünf Schuhmacher b. Wildgrube 2,05. B. M. D. 3,50. Stcindruckerei Katzenellenbogen 5,45. Sammlung bürgerlicher Frauen d. E. L. 91,05. Pers. d. Akt.-Ges. vorm. Gladenbcck u. Sohn, Friedrichsh. 2,35. Bau tischleret L. Lassen, 7. Rate 7,—.„Munition" Zesch, Franksurt a. O. 8,85 Cigarrcnsabr. Rich. Schulze, Friedrichsselderstraße 8,—.„Rote" Bcschneidungs feier 3,50. Zwei Handwerke burfchcu auS Hornberg—,20. Tischlerei Fiedler- Gr. Lichterseide, 3. Rate 2,80. Tischler v. Stikklcr d. Hennig 3,—. Grunewald, Dclbrückstraße, 2. Rate 8,05.„solidaritäts"-Buchdrucker, 5. Rate 8,90. Buchdrnckeret P. Stankiewicz, 6. Rate 8,45. R. Bote, 3. Rate 10,65. Krön tcuchtersabr. Nicmann u. Co., 6. Rate 25,53. Hausdiener A. Wertheim. Sioscnthalerstraße 25,—. Metallarb. v. Musle. Brwidenburastraße 14,60. Personal der Buchdruckerei W. Hartmann, 7. Rate(dar. v. Gießkannenklub 3,—) 16,30. Fidele Nacht b. Schmidt, Prinzenallee 3,—. Goldleistensabrik Kubitz u. Imberg, 5. Rate 13,50. Lampensabr. C. Holh, 3. Rate 5,75. Firma Werkmeister(12889) Lifte verloren 8,10. Kammfabrik Manasse, 6. Rate 10,50. Buchbinderet Lüberitz u. Bauer, 6 Listen 86,10. Personal V A. Fries, 5. Rate 10,95. Fabr.-Pers. v. Gebr. Suff, 6. Rate 8,—. Buch bruckcrci Schmidt d. Steinweg 8,45. Maschinensabr. UHImann, 4. Rate d. Otte 10,45. Pianosabr. Knabe u. Thal 13,35. Osnabrücker Papierwarensabrik, 5. Rate 8,15. Klavierarb. H. Neske Co.(dar. Preuß, Treptow 1,—) 11,85. Wahlkr. Niederbarnim, Kreis Rcinickendors aus Listen: 2481 7,40. 85 20,—. 37 15.45. 88 18,10. 8911,95. 90 20.-. 92 7,90. 93 5,30. 99 12.—. 2500 27.75. S. u. H. L. 7. 23,—. Fabr. Georg Dietrich Ritterstr. 2,86. Pianosabr. v. Ouandt 4. Rate 19,—. Geselliger Bcr. Brüderlichkeit 16,10. Arb. d Möbelsabr. Kümmel 30,50. Siebert u. Aschenbach. Tischlerei 5. Rate 25,50. Lustige Gesellschaft Rxd. Steinmetzstr. 1,05. Tischlerei Wolter Büfchingstr. 0,40. Bronzewarcnsabr. O. Falbe 5. Rate 16,10. Stammgäste Wrangelstr. 7 8,55. Töpfer v. Bau Kramaske Rxd. Hermann-Ecke Warthestr. 14,50. Liste 6398 I. Wahlkreis durch Patacck 24,50. Drechslerei M. Müller Königsbergerstr. 3. Rate 8,—. Plätterinnen d. Wäschesabr. Fundhcim 8,85.„Norddeutsche Schleife" Ständchen b. SchoStag 4,—. Atelier Stcrner d. Frau Feiste! 11,—. Ilm. Auktion b. Werner, Hagelsbergerstr. 5,30. Bluhme u. Stolzenburg, Hagelsbergerstr., 5. Rate 11,80. Bautischlerei Trops, Pankow 3. Rate 11,75. Lithographen und Steindrucker von Stange u. Wagner 28,—. F. Watern 6,85. Gürtlerci G. Bartel, Sebastianstraße 3,—. Lithographische Anstalt I. Aberle, 7. 21,55. W. Büxenstein, Gutenbergbündler, 8. Rate 9,70, ». Rate 7.15. Liste 12 706 21,75. Hüffe, Wienerstraße 4,70. Pers. d. Buch drucke«! Litsaß' Erben 13,25. Gießereiarb. v. Grünauer 26,—. Bildhauer d. Grunewaldkirche 9,50. Kommission d. Stemblldhauer 28,—. Personal d Allg. Stereotypie-Anstalt 5,—. Setzer d.„Berl. Lokal-Anz." 15,60. Spar- vercin„Alaska" 14,40. Kommißbrot, Rixdors 4,—. Gruna, Ritterstraße 1,—. Galantcricarb. von Götz 2,—. Buchbinderverband Steglitz 5,—.' Schrift. aießerei Gursch, 7. Rate 38,75. Friseur Liepe u. Weihnachtsvcrgnügen des Gesangv.„Rote Relke" 29,10. Ges. b. W. Schütze 5,25. Borsdors ges. aus -Maskenball Wilmersdorf 2,50. Gießereiarb. Sentker 16,50. Lagerhalter 12,80. Lagerhalter, 3. Rate 15,70. Polierer v. Zelder u. Plothen d. Burkschat 16.10. Rauchklub„Vergißmeinnicht", M. d. B. R.-B. 8,—. Buchdruckerei Wilh. Baensch 4,40. Liste 12232 d. Büttner 0,70. H. H. G.. 2. Rate 14.-. Ginige Arb. v. Epenstetn u. Co. 12,—. Druckereipers. G. Regenhardt 3,10. Silvesternacht, Restaurant Ehrlich 2,—. Einige Norddeutsche 4,50. Liste 11041 d. Riemer 10,—. Liste 11680 d. Scheich 10,73. Tischlerei v. G. u. Schütze, 4. Rate 10,50. Firma H. V. 9,45. Rest. Thiele u. Co. 0, Liste 11419 1,95. Arb. v. Reiß u. Martin 22,75. Möbeltischlerei v. Werner, Frankfurterstraße, 6. Rate 7,30. Hartwig u. Laufs 19.65. Töpser, Schmargendors, Millionenschmidt 7,—. Dreher und Revolvcrdreher B. Joses 16,80. Liste 12876 5,20. W. F. Hirschmann, Pankow 36.05. Liste 12296 d. Horsch 11,95. Arb. v. Delikat� 3.—. Berliner Orchefterver.„Eutcrpe" 3,8o. Münchmeher u. Co. 25,95. S. u. Bohrer u. Fraiser 31,50. S. u. H., Abt. Wels 17,70. Schuhsabr. Kallmann m. Budiker, 5. Rate l2,90. Hempel n. Co., Buchdruckerei 47,83. Deutsche Waffen- und Munittonssabr. 21,—. Tischlerei Bulgereit 7,60. Arbeiter u. Arbeiterinnen d. Dreherei Lachmann, 3. Rate 19,15. 21. E.-G., K.-W. O., Abt. Gießerei 22,85. Klempner u. Rohrleger, Werlstatt Rixdors 5,25. Werk- statt Roller, 6. Rate 13,30. Arb. d. Stuhlfabr. HeiniS u. Sohn, 3. Rate 20,—. Möbelsabr. GroschkuS, 6. Rate 67,40. Lnxuswagenbau I. Neuß, 4. Rate 31,90. Tischserei Sauerwein, 9. Rate 8,—. 1. Wahlkreis, Liste 6378 8,80. 6384 7,80. Buchdruckerei 31. W. Hayns Erben 27,65. Tischlerei F. Rahn, Brunnensw., 3. Rate 39,45. Tischlerei Oelschlägcl, 5. Rate 11,90. Bauttschlerei Dittmer, Pankow 5,50. Ges. v. P. M. Mustau(dar. Ueberschutz v.„Bahren Jacob" 3,—) 10,30. Sühnegcld Czekonski. Danzia 10,—. Allgem. Arbeiterverein Peveh, Schweiz 12,—. Zlllgcm. Arbeiterverein Aarau, Schweiz 8,—. Br. Götze, Rittergut Karthause 5,—. Spandaucr Verbandsbuchdrucker, 7. Rate 3,45. A. E.-G. Slckerjtraße, Abt. Dotiert, 1. u. 2. Schicht 6,30. Blomberger Langohren d. Ilnger 2,—. Ges. v. Frauen aus Putlbuserstr. 7 3,—. Ges. b..Hoffmann. Gr. Frankfurterstraße 4,25. Wahkvcrein Zehlcndors, Ucbcrsch. d. Broschüre 2.80. Hochzeit b. Regel. Nowawes, d. Hoffmann 7,05. Turnverein„Eiche", .Köpenick, vom Maskenball 16,08, Bilchbindereiperfonal der Ashelmschcn Contobuchsabrik, 11. Rate 32,10. Zweigverein Königs« Wusterhausen durch Lehmann 50,—. Organisierte Glasarbeiter zu Porta Wcstsalica 100,—. Sammlung bürgerl. Frauen d. A. Solomon 140,—. Heidelberger Frauen durch Fr. Dr. Jaffö, Kitthoscn 160,—. Handtuchvcrleihinst. Figner(außer Schneider) 4,—. Pianosabr. v. L. Krause 10,10. Geburtstagsfeier, Schön- Häuser 2lllee 109 3,—. Lottcrievercin„Fortuna II", Lichtenberg 10,—. ArbeilcrbildungSv. Friedrichshagen, Referat v. Dr. Fr. 6,—. Tischlerei H. Ziellow d. L.'Arndt. 2. Rate 15,50. Textilarb.-Berb. Berlin(dar. v. U G. 100,—) 200,—. Liste 11513 3,60. Sttasprotokolle 4,—. Zlrb. von Schmidt, Elisabethhos, 3. Rate 7,30. Tischlerwerlst. Riedel, Eisenbahnstraße 4.—. Konfumver. Erkner v. Maskenball d. Stein 10.—. Slffociation selbst. Schuhmacher vorm Halleschcn Thor 5,—. Tischlerei Herm. Gerson 8,60. on den Heilstätten in Beelitz durch Gries Liste 8273 23,65. k Summa 4 1 97,78 M., bereits quittiert 221 368,17 M., Gesamtsumme ' A-i 565,05 M. In Nr. 19, 9. Zeile vor Schluß, muß cS statt„Paricks" heißen: Brucks. 1 1 l e noch ausstehenden Beträge und Listen er- s u ch' n wir b a l d i g sl> n u n s e r m B u r e a u in der Zeit von 9—1 und 8 Uhr abzuliefern. Postsendungen sind an Sl. Körstcn, Enael-iser 15. zu adressieren. Der W s s ch u ß der Berliner Gewer IschastSkommission. Lobalca. A»S der Stadtverordneten-Versammlung. Die Woi� der in die S ch u l d e p u t a t i o n abzuordnenden Stadlverordneten hat das Ergebnis gebracht, daß man erwarten muhte. Der Fr.isinn hat wiederum sämtliche Stellen sich selber vorbehalten. D? tion der socialdemokratischen Fraktion vor- geschlagenen Geno�n Singer und V o r g in a n n bekamen nur die Stimmen de* Fraktion und vereinzelter Freisinniger. .Es würde ja doch nichts nützen/ sagte Herr Cassel— da folgten ex und seine Leute de/ Wunsch der Regierung.- Ein groher Teil"rr Sitzung wurde in Anspruch genommen durch die Verhandlungen über die geplante Pflegerinnen- schule. Der Entwurf d.� Magistrats ist von dem zur Vorberatung eingesetzten Ausschuß ziemlich unverändert accepiiert worden. Von l Tnä Berliner Gcwerbegencht weist darauf hin, daß die Fassung unsren Vertretern iin Ausschuß war eine Reihe von Anträgen der Satzungen freiwilliger U n t e r st n tz u n g s k a s s e n von einzelne« gestellt worden, die darauf abzielten, die Rechtsverhältnisse zwischen den vertragschließenden Parteien d. h. den Pflegerinnen und der Krankenhaus-Direktion klarer und gerechter zu ordnen und die'Alls- bildung zur Pflegerin auch den Mädchen Iveniger bemittelter Kreise zu ermöglichen. Diese Anträge waren von der Mehrheit des Ausschusses abgelehnt worden, sie wurden aber von unsrer Fraktion noch einmal dem Plenum vorgelegt. Der Erfolg war hier der gleiche: auch das Anträge ab und genehmigte alles, Ausschuß empfahlen. Die' freisinnige Mehrheit der Versammlung fand es ganz in der Ordnung, daß die Pflegerinnen sich verpflichten müssen, nach ihrer Lehrzeit noch drei Jahre in städtischen Diensten zu bleiben, während ihnen jederzeit von der Direktion gekündigt werden kann. Sie hatte auch nichts dagegen einzuwenden, daß die Pflegerinnen eine hohe, für un- bemittelte Personen mierschwingliche Kaution stellen müssen, daß sie in den ersten sechs Monaten kein„Taschengeld" zur Be- strcitung persönlicher Ausgaben erhalten sollen, und so weiter. Genosse Dr. Wehl, der die Anträge begründete, verglich die Lage der auf drei Jahre verpflichteten Pflegerinnen treffend mit einem„Hörigleits Verhältnis", und beklagte im weiteren Verlauf der Debatte, daß aus pekuniären Gründen die Pflegerinnenschule schließlich vielleicht nur ein Versorgungsheim für Mädchen der besser situtierten Kreise sein werde. An dem„Hörigkeitsverhältnis" nahm keiner der Freisinnigen Anstoß, keiner von den Rednern der„Alten Linken" und auch nicht der aus der„Neuen Linken ausgetretene Herr Nathan. Genosse Singer nannte die im§ 11 der der Stadt zu dienen, eine Variation der berüchtigten„Konkurrenz kausel". Sie sei Unzulässig, wenn auch nicht im gesetzlichen Sinne. so doch vom Standpunkte der Moral. Auch Herr M o m m s e n beteiligte ich an der Debatte; ohne ihn geht es nun einmal nicht. Mit der Arroganz, die ihm eigen ist. zog er zum Vergleich die Vertragsverhältnisse der Krankenkassen und ihrer Acrztc heran, aber Singer wies ihm sofort nach, daß er falsch unterrichtet war, und Wehl bestätigte es. Nach Erledigung des§ 11 wurde der Rest der Satzungen rascher durchberaten. Das Resultat war. wie gesagt, Ablehnung aller von socialdemolratischer Seite be- antragten Aenderungen bezw. Streichungen. Dafür stimmten außer unfern Genossen nur vereinzelte Freisinnige. Es folgte dann eine lange Reihe kleinerer Vorlagen. Bei mehreren kam es zu sehr ausgedehnten Erörterungen. aber die darin hervortretenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Magistrat und Versammlung wurden in friedlicher Weise ausgetragen. Einige Male wurden Fragen von allgemeinem Interesse und principieller Wichtigkeit gestreift. Zu einem Sln- trag Wallach über die Eingemeindung der Hasen- Heide bemerkte Genosse Borgmann, daß der Magistrat auch hier wieder, wie bisher immer in Eingemeindungsfragen, [ich sehr kurzsichtig zeige. Eine ganz harmlos aussehende Vor läge über zwei elektrische Kandelaber für den Potsdamer Platz führte zu einer lebhasten Aussprache, in der Genosse Singer dem Magistrat gegenüber das Recht der Versammlung wahrte, die Maßnahmen des Magistrats zu kontrollieren._ Die GesuudheitSschiidlichkeit ausgeliehener Bücher, durch welche vielfach ansteckende Krankheiten verbreitet werden, hat das Kuratorium unsreS städtischenBibliothekwefens veranlaßt, sich näher mit der Frage zu beschäftigen, welche Vorbeugungsmaßregeln nach dieser Richtung hin getroffen werden könnten.' Auf die Gefahr der Verbreitung von Krankheitserregern durch den Lesestoff hat kein Geringerer aufmerksam gemacht, als der Geheime Medizinalrat Prof. Dr. Koch und in dessen Abwesenheit hat der Vorsteher des königl. Instituts firr Infektionskrankheiten. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Dönitz, dem Kuratorium der städtischen Bibliotheken Vorschläge unterbreitet, welche in der nächsten, am Dienstag stattfindenden Sitzung Fabriken oft viel zu wünschen übrig läßt, besonders wenn die Kasten schon vor langer Zeit begründet worden sind. Eine Durchsicht uud Acnderimg sei in vielen Punkten angebracht. Für die Fernsprecher mit Selbstanschluß, die sogenannten auto» malischen Telephone, hat die Postverwaltung nunmehr die Bedingungen erlassen, unter denen diese Einrichtung zur Verfügung gestellt wird. Es handelt sich bekanntlich um ein System, das es dem Benutzer er« i möglicht, sich selbst durch einige Handgriffe innerhalb von wenigen � 7" �"'re Sekunden die Verbindung mit der gewünschten Sprcchstelle zu ver- was Magistrat und| schaffen, also das Anrufen des Amtes und die von diesem vorzu« nehmenden Manipulationen überflüssig macht. Die Vermittelungs« anstalt befindet sich in der Französischen- Straße im Ge» bände des Haupt- Fernsprech- Amtes und für alle Teil- nehmer bis zu fünf Kilometer Luftlinie von ihr wird die Jahresgebühr auf 200 Mark festgesetzt, während die weiter entfernt wohnenden Teilnehmer den auch für die gewöhnlichen Fern« sprecher üblichen Zuschlag zu zahlen haben. Ferner können die Inhaber von selbstthätigeit Fernsprechanschlüssen mittels dieser An- schlüsse Telegramme beim Haupt-Telegraphenamt aufliefern und sich angekommene Telegramme von dorther zusprechen lassen. Die Ver- gütung für das Ausliefern beträgt 1 Pf. für das Wort, mindestens aber 20 Pf., während sich die Gebühr für das Zusprechen eines Telegramms, ohne Rücksicht auf seine Länge, auf 10 Pf. stellt. Die Zeitung als Einwickelpapier. Eine Leserin schreibt nnS: Obgleich schon seit Jahren ein Feldzug gegen die Zeitung als„Ein« Wickelpapier" eröffnet ist, findet man es immer noch, beim Bäcker. beim Kaufmann, beim Grünkramhändler usw., vorzugsweise jedoch beim Bäcker. Wenn mir Fleisch in ZeitungSpapier gewickelt wird. laste ich es mir allenfalls noch gefallen, denn das Fleisch kann ich -Satzungen vorgesehene Verpflichtung, noch' drei" Jahre I waschen, ebenso Obst Gemüse und dergleichen. Backware aber gehört � nicht hinein, und doch ist es, wie schon erwähnt, gerade diese, die einem ständig darin präsentiert wird. Zlllerdings— das muß vorausgeschickt werden— nicht in den Bäckereien des Westens und andrer„feiner Viertel". Hier bekommt man Düten und saubere Einschlagebogen. Bei den Bäckern der ,. Arbeitergegenden" herrscht dagegen das Zeitungspapier. Es ist ja„billig" und zu andenn„langt der Verdienst nicht". Daß er sehr wohl langt, zeigen, wie schon gesagt, die Bäckereien deS Westens, denn mehr wie fünf Groschen kostet das Fünfgroschenbrol auch dort nicht. Daß es die Bäcker gemeinhin mit der Reinlichkeit nicht zu genau nehmen, weiß man, hier aber, wo das Publikum sie kontrollieren kann, sollte es auch energisch Front machen. Unsre Hausfrauen sind in diesem Punkt noch lange nicht energisch genug. Freilich, macht man solchem biederen Herrn Meister den Standpuntt klar, heißt es: mein Papier ist ganz sauber, ich kaufe es nur von sauberen Leuten. Uin sich von der„Sauberkeit" des Zeitungs- Papiers einen Begriff zu machen, braucht man sich nur vorzustellen, welchen Weg es wandert und durch wieviel Hände eS geht, wie es eventuell— im Bett— von Kranken gelesen wird, ehe eS noch scheinbar sauber zum Bäcker kommt. In das mit Keimen und Bazillen aller Art behaftete Papier wandern dann Brot und Schrippen. Ich für meine Person habe es„auch im Arbeiterviertel" durchgesetzt, daß ich Brot und Backware im sauberen Umschlag be« komme, ich habe die Annahme andrer Ware nämlich einfach ver« weigert. In Geldangelegenheiten hört auch auf der„Menschheit Höhen" die Gemütlichkeit auf. Die Schwarze Tafel des Landgerichts I, Berlin, schmückt die nachfolgende öffentliche Ladung:„Seine Kgl. Hoheit, Prinz Heinrich der Niederlande, Herzog von Mecklenburg, im Haag, Prozeßbevollmächtigte Geh. Justizra! v. S i m s 0 n und Rechtsanwatt Dr. R. v. S i m s 0 n in Berlin. Jäaerstr. 62, klagt im Wechsel» Prozeß gegen den Herrir Rudolf V. S ali s ch, zur Zeit un- bekannten Aufenthalts, stüher zu Koschnöwe bei Prausnitz, auf Grund deS Wechsels vom 10. Oktober 1900 über 13 607 Mark. fällig am 10. Januar 1901, und des Protestes vom 11. Januar 1901 mit dem Antrage, den Beklagten kostenpflichtig zu verurteilen, an Kläger 13 697 M. nebst 6 Proz. Zinsen seit 10. Januar 1901 und 63,15 M. Wechselunkosten zuzahlen."— Prinz Heinrich ladet" nun, wie üblich, den Beklagten zur mündliche Verhandlung vor die Kammer für Handelssalben mit der Aufforderung, einen beim Land» gericht I, Berlin, zugelassenen Anwalt zu bestellen. Fleischdiebstähle. Die polizeiliche Nachforschung wegen der Dieb« desselben zur Beratung gelangen sollen. Das Referat über diese wichtige I 1:1°n F l e i s ch e r- F u h r w e r ke n, die in der letzten Zeit arg Slngelegenheit wird der Stadtrat. Geh. Sanilätsrat Dr. S t r a ß n. a n n uberhalst» nahmen und eme große Beunruhigung der M-Fter zur -u ö•---......---........--> Folge hatten, hat zur Entdeckung der Diebesbande gefuhrt. Der Geselle Drescher und der Kutscher Zastrow sind verhaftet worden. Dem dritten Mitgliede im Bunde ist man auf der Spur. erstatten, der sich als medizinischer Sachverständiger mit dieser Frage eingehend beschäftigt hat, außerdem aber auch insofern als der be- rufenste Vertreter der Kochschen Anregiing gelten darf, als er z»- gleich Magistratskommissar für Desiiifektionsangelegenheiten ist. Die .tnschädlichmachung der den Bibliotheksbüchern etwa anhaftenden chädlichen Mikroben und Bacillen soll nämlich durch die städtischen Desinfektionsanstalten geschehen, lieber die Slrt der Aus ührung dieses Reinigungsprözesses wird sich das Kuratorium dann erst schlussig machen. Die öffentlichen Bedürfnisanstalten. Der Magistrat will den Vertrag mit den Unternehmern Protz und Asten wie bekannt auf zwei Jahre verlängern, wogegen nach einen, socialdemokratischen Antrage die Bedürfnisanstalten auf den öffentlichen Plätzen Berlins vom 1. April d. I. ab in städtische Regie genommen werden ollen. Ein zur Beratung dieser Angelegenheit eingesetzter Ausschuß hat jetzt den Magistratsantrag angenommen. Gegenüber dem social- demokratischen Antrag wurde behauptet, daß der Stadt noch zu wenig Erfahrungen zur Seite ständen, den» die beiden in städtischer Regie betriebenen Anstalten auf dem Garteichlatz und in Moabit seien erst seit kurzem im Betriebe Ferner wurden Billigkeitsrücksichten dem Unternehmer gegenüber zeltend gemacht, der erst jetzt aus den Slnstalten Gewinn ziehen könne. Von socialdemokraNscher Seite wurde auf diese Argumente erwidert, daß in zwei Jahren die finanziellen Erfahrungen keine andren sein würden als heute: die besten Plätze seien eben von den Unternehmern mit Beschlag belegt und durch ihr Verhallen stelle die Stadt sich abermals em Armutszeugnis aus. Dann wurde von unsrer Seite ebenfalls auf den bedenklichen ustand der jetzigen'Anstalten hingewiesen. Die Freistellen ür Frauen seien oft höchst unsauber und an vielen Tage» über- iaupt nicht zu benutzen. Nur die Stadt könne diesen unwürdigen Zustand beseitigen. Daß die Unternehmer bisher zu ihrem Recht ekommen seien, lehre ihr Angebot, statt 10 Proz. des Gewinnes ortan 13 Proz. an die Stadt abzuführen. Getreu dem von der liberalen Stadtverwallung seit je befolgten Grundsatz, in allen das Gemeinwohl angehenden Dingen konsequent die Gelegenheit zu ver- passen, stimmte, wie gesagt, die Mehrheit des Ausschusses gegen den von den beiden socialdemokratischen Mitgliedern vertretenen 2lntrag und beschloß, die Slnstalten auch stir die nächsten zwei Jahre dem Privatniiterliehmcrtunt zur Ausbeutung zu überlassen. Krämcrpolitik. Der Berein Berliner Kolonialwarenhändler schreibt unS u.a.:„Die Stellungnahme des Vereins gegen die Kaufmanns- gerichte erklärt sich daraus, daß die Inhaber der mittleren und kleinen Betriebe infolge ihrer socialen Lage nicht die genügende Zeit haben, sich hierbei thätig zu beteiligen. Allerdings liegt Anlaß zu Klagen durch die Langsamkeit der Rechtsprechung und die hohen Kosten vor; um diese Klagen zu beseitigen, bedarf es aber nach Meinung der Vereine nicht erst eines Sonder-Gcrichts. Ter Mädchenhändler LoniS Breier, dessen Verhaftung in Nagy» Surany gemeldet worden ist, wird zunächst nach Budapest gebracht und in Untersuchung genommen werden, da er sich auch in der ungarischen Hauptstadt angeblich hat Vergehen zu Schulden kommen lasten. Ob er dann hierher ausgeliefert werden wird, erscheint noch fraglich. Der Aufenthalt des von ihm entführten Fräuleins F. ist noch nicht wieder entdeckt worden, und von ihrer Aussage wird es abhängen, ob durch die hiesige Behörde strastechtlich gegen B. vorgegangen werden kann. Teurer Schlaf. Ein Bosnier, der vom hiesigen Anhalter Bahnhof in der Richtimg nach München abgefahren war. schlief bald ein uud wurde erst wieder munter, als in Wittenberg ein andrer Fahrgast ausstieg und ein stischer Luftzug durch das Abteil ging. Nachdem er sich den Schlaf aus den Augen gerieben hatte, vermißte er seinen gelben Lederkoffer, der über seinem Sitz auf dem Netze gelegen hatte, und fand ihn trotz allen Suchens uud aller Nach» forschungen nicht wieder. Vermutlich hat ihn ein Berliner Eisenbabu- dieb gestohlen und ist damit hierher zurückgefabren. Der Koffer enthielr eine schwarze J. K. gezeichnete Brieftasche, die 1200 Kronen und die SkUsiveispapiere des Bestohlenen barg, einen blauen bosni- scheu Nattonalanzng mit Goldstickerei, einen schwärzen Gcsellschafts- anzug und Wäschestücke, die ebenfalls J. K. gezeichnet sind. Der Dieb, der nicht beschrieben werden kann, wird vielleicht versuchen. den Nationalanzug bei einem MaSkenhändler zu verkaufen oder zu versetzen; die Händler seien daher vor dem Ankauf gewarnt. Verschmähte Liebe. Im Cafö Josty vergiftete sich vorgestern. Mittwochabend, die 21 Jahre alte Etfriede Wichmann, die als Kinder- fräulein bei dem Kaufmann Gcoßmann in der Neuen Winterfeldt« straße 20 angestellt war. Nachdem sie von einem Beamten, mit dem sie seit mehreren Monaten ein Liebesverhältnis unterhielt, den Abschiedsbrief erhalten hatte, ging sie nachmittags um 6 Uhr, alz die Familie Großmann nicht zu House war. weg, um den Geliebten noch einmal zu sprechen. Ob sie ihn getroffen hat. weiß man nicht. Um 8>.'„ Uhr kam sie in das Cafö Josty, trank eine Tasse Kaffee in den sie Gift gemischt hatte, und mußte bewußtlos mit einer Droschke nach einem KrantenhauS gebracht werden. Im Mcnschentrubcl gestorben ist Mittwochabend während der Illumination der 48jährige Kaufmann Enist Bäcker, der in Char» lottenbnrg in der Spandauerstraße wohnte. Herr B. wollte gestern nachmittag gegen 6 Uhr nach Hause fahren und ging die Leipziger« straße entlang, um bei dieser Gelegenheit auch einen Teil der Illumination in Augenschein zu nehmen. Innerhalb deS dichten Menschengewühls brach der Kaufmann plötzlich besinnungslos zu- sammen. Er wurde zu einem in der Nähe wohnenden Arzt gebracht, Die weitere Ausgestaltung der socialpolitischen Gesetzgebung m oer �-aqe woynenoen»rzr gevracht, b-d-n----- MmJ mm.flferjaag die Lage der Prinzipale der mittleren und kleinen Betriebe aus be- kannten Ursachen derart ist, daß dieselben mit der socialpolitischen Gesetzgebung nicht überhastet werden dürfen, und daß zunächst Rücksicht auf deren Existenz genommen werden muß. Aus diesem j Grunde hält der Verein eine weitere Ausdehnung des Ladenschlusses, B. durch Eiusühnilig des obligatorischen A ch t u h r- L a d e n- � ch l u s s e s. für mehr als b e d e n k l i ch." Bei solchen rückständigen und arbeiterfeindlichen Anschaulingen> wundern sich die Kleinhändler noch, daß die Arbeiterschaft sie ge- lassen ihrem Schicksal überläßt. Die benachrickitigten Angehörigen Leiche nach Charlottenbürg. veranlaßten die Uebexführung der Ein ungarischer Taschendieb konnte gestern vormittag durch die Aufmerksamkeit von zwei Kriminalbeamten festgenommen werde». Die beiden Beamten bemerkten, wie sich ein junger Mann Unter den Linden vorwiegend an Damen heranzuschlängeln versuchte. Schließ» lich gelang es an der Schloßbrücke den Beamten, den Dieb in dem- selben Moment abzufassen, als er die Stahltasche einer jungen Dame öffnete und untersuchte. Der Bursche, der angeblich kein Wort deutsch verstand, wurde nach dem Polizeipräsidium gebracht. 3» der Kleidung einer Diakonissin bollführt seit einiger Zeit in fctit Bororten Berlins und in einigen Städten der Provinz Branden- bürg ein junges Mädchen Schwindeleicir Es suchte namentlich Goldarbeiter und Uhrengeschäste auf. um dort, unter dem Vorgeben, sie sei von einem im Orte wohnenden Offizier, den es bei Namen nannte und als dessen Pflegerin es sich ausgab, abgeschickt, um eine Uhr, Kette usw, zu besorgen, die Geschäftsleute zu beschwindeln, Jetzt ist es gelungen, die mehr als dreiste Person in Grotz-Wuster- Witz, wo sie eine Pastorenfamilie betrügen wollte, festzunehmen. Sie ist ein aus Feldbcrg im Kreise Osthavelland gebürtiges Dienst- mädchen und hatte sich in Berlin die Kleidung einer Diakonissin ver- schafft. Selbstmord aus Not. Ein entsetzlicher Vorfall spielte sich gestern vormittag gegen>/»12 Uhr in der Greifs walder st raste ab, Als um diese Zeit der Wagen 1324 der Strastenbahnlinie 62, Richtimg TönhoffSplatz, den genannten Strastenzug in der Nähe der Danziger- straste passierte, sprang etwa fünf Meter vor dem heranbrausenden Motorwagen ein reduziert aussehender Mann auf dem Strasten- bahngeleffe und warf sich quer über die Schienen. Der Wagen- führer bremste sofort, doch gelang es ihm nicht mehr, den Wagen rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Die Räder gingen des Selbst- mörder über den Rücken und zerbrachen die Wirbelsäule deS Unglücklichen. Der Lebensmüde wurde tot vom Fahrpxrsonal hervor- gezogen. Es ist der obdachtose Händler Otto Piehler, der an- scheinend aus Not den Tod auf den Schienen gesucht hat. Feuerbericht. Ein größerer Kellerbrand kam in der Nacht zum Donnerstag Unter den Linden öl aus und beschäftigte die Wehr fast zwei Stunden. Als er bald nach 1l Uhr bemerkt wurde, schlugen schon helle Flammen aus den Kcllcrfenstern heraus. Der erste Löschzug ging daher sofort mit mehreren Schlauchleitungen acgen den Brandherd vor. Immerhin dauerte es doch fast eine Stünde, bevor die Flammen, die an altem Hausrat, allerlei Gcrümpcl, Park- Material usw. reiche Nahrung gefunden hatten, erstickt ivarcn. Zwei weitere Kellerbrände mußten später in der Wrangclstr. 1ö und in der Friedrichstr. löl beseitigt werden. Ein Schornstcinbrand mußte in der Wilsnackerstr. 37 beobachter werden, während in der Neuen Königjtr. 23 die Verpackung eines Klosetts Feuer gefangen batte. Ein großes Löschaufgebot wurde infolge dreimaliger Meldung um Mitternacht nach der Königgrätzerstr. lvl gerufen. Dort standen im Erdgeschoß in einer Wohnung Decken. Portieren. Kleidungs- stücke usw. in Flammen. Es gelang indes, dieselben bald zu ersticken. Aehnliche Brände wurden aus der KönigSbergerstr. 11, Alt- Moabit 133 und aus der Fürbringerstr. 2b gemeldet. In der Jnvalidenstr. 123 mußte gegen Abend ein Feuer abgelöscht werden, das den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Um 6 Uhr waren in der Oranienstr. 118 Kisten und Körbe auf dem Hofe in Brand geraten, der indes vom 17. Löschzuge bald unterdrückt werden tonnte. Die übrigen Alarmierungen, die noch aus der Wolliner- stratze 70, Waldemarstr. 42 usw. einliefen, waren auf ganz un- bedeutende Anlässe zurückzuführen. Theater. Carl Weist-Theater. Das Gastspiel des Ober- bayrischen Bauern-TheaterS wird mit Dienstag, den 2. Februar, definitiv beendet sein.— Die nächste Novität des Carl Weist- Theaters, welche im Laufe der kommenden Woche in Scene geht, ist die Voudeville-Opcrettc in drei Akten„Der Alte kommt" von R. Felden und A. Tyrkowski, Musik von Friedrich Junger.— Central-Theater. Montag, 1. Februar, wird eine Wohlthätigkeits-Vorstellung zu Gunsten der durch das furchtbare Brandunglück in Aalesund Geschädigten veranstaltet und ge- langt„Das Schwalben-Nest" zur Aufführung.— An dem Anzengruber- Abend des Schiller- Theaters, der nächsten Sonntag, den 31. Januar, im Bürgersaale des Rat- Hauses wiederholt wird, wirken wieder Elisabeth Guhman», Max Pategg und Franz Rolan vom Schiller-Theater als Sprecher und Karl Schulz vom Central-Theater als Sänger mit.—„Die relegierten Studenten", Lustspiel in vier Aufzügen von Roderich Benedix, geht heute Freitag im Luisen-Theater mit den Damen Stauffen, Hüftel, Sylva, Bottstein und den Herren Ruff, Bartels, Wald, Achterberg, Hüner und MajewSki in den Hauptrollen zum erstenmal in Treue. Die Poliklinik für Kinderkrankheiten von Dr. Michael Cohn ist mit Beginn dwsts Monats nach Ziegelstr. 2 verlegt worden. Arme kranke Kinder finden daselbst unentgeltliche Behandlung wochentäglich 2'/z-3'/s Uhr. Treptow- Sternwarte. Um weitesten Kreisen den Besuch der Treptow-Sternwarte, insbesondere die Beobachtung des Jupiter, der demnächst durch die Annäherung der Sonne un- sichtbar wird, zu ermöglichen, hat die Direktion für den 31. Januar. den letzten Sonntag im Monat, den Preis für die Beobachtung auf die Hälfte ermäßigt und- das„Astronomische Museum" bei Entnahme eines Vortrags- oder Beobachtungs- BilletS ganz frei gegeben. Um S Uhr spricht Direstor Archen hold über„Die Planeten, ins- besondere über Jupiter", um 7 Uhr über„Die Bewohnbarkeit der Welten". Dir erste Nottreppe für daS kgl. Opernhaus ist jetzt an der toest- lichen Seite des Gebäudes angebracht worden. Sie erhebt sich vom Bürgersteig aus in zehn Abschnitten, von denen jeder ebenso viele Stufen zählt, bis zum Dache und wird durch mehrere Podeste unter- brachen. Zu diesen gelangt man von den emzelnen Stockwerken aus durch Thüren, die in dem Mauerwerk hergestellt worden sind. Die Arbeiten an dem Hause werden jetzt auch während der Dunkelheit bei elektrischen, Licht betrieben. Abermals eine verunglückte Schleifenfahrt. In, CirkuS Schumann ereignete sich gestern abend ein Zwischenfall, indem der bekannte Loopingfahrer, Herr A n c i l l o t t i, mit seinem Rade nach Ueber- springung der offenen Stelle der Bahn zu Fall kam. Einen Augen- blick kan, der Beifall, der bereits eingesetzt hatte, zum Stocken, als aber Herr Ancillotti sofort wieder aufsprang und flink dem Ausgang zueilte, sah das Publikum, dast das gefährliche Wagnis im ganzen doch wieder geglückt war. Jubelnd wurde der kühne Fahrer begrüstt. als er sich nach der Pause dem Publikum wieder vorstellte: er hatte sich nur eine lleine Abschürfung im Gesicht zugezogen. Die Schuld an dem Unfall dürfte in der Aufftclluiig der Bahn gelegen haben. An dieser ist nämlich in ihren, zweiten Teil eine Klappe angebracht, durch die beim Hochziehen des Apparates die Seile gezogen werden müssen; die erwähnte Klappe nun soll nicht ganz geschloffen gewesen sein, so dast die Bahn nicht glatt war. Der übrige Teil der Vor- stell, i»g wickelte sich mit der gewöhnlichen Bravour ab. Hua den Nachbarorten. Parteigenossen! Nur zwei Tage noch liegen die Wählerlisten zur Gemeindewahl öffentlich ans. Ber- säumt nicht, die Listen einzusehen oder sie durch die an den einzelneu Orten bekannt gegebenen Personen einsehen z« lassen! Adlrrshof. Die Adresse des Parteispediteurs ist Paul Schmidt. Bismarckstraste 7, vorn ll, Eingang Friedenstraste. Die Ausgabe des„Vorwärts" erfolgt jeden Morgen ,n der Laube. Bismarckstraste Zir. öl. Abonnements werden auf beiden Stellen entgegengenommen. Die Bereinsbibliothel ist jeden Sonntag von 11—12 Uhr im Lokale von Fechner, Oppenjtratze ö6, geöffnet. Mariendors und Umgegend. Dienstagabend 8 Uhr siiidct eine Mitgliederversammlung bei Reichardt, Chausfcestt. 16. statt, in der ReichStags-Abgeordneter Goldsteii, über Zwecke und Ziele der Socialdemokratie spricht. Um rege Agitation wird ersucht. Die postalischen Mißstände in Rixdorf, die schon oft gerügt worden sind, scheinen sobald nicht aus der Welt geschafft zu werden. obwohl die Rcichspost-Ve, waltung schon vor mehreren Jahren zwei Grundstücke znm Bau eines Hauptpostamts angekauft hat. Der Bau sollte schon zum I. April 1302 begonnen werden. Etatsrllcksichten führlen aber immer wieder dazu, dies aufzuschieben. Inzwischen sind nun die Verhältnisse im Rirdorfer Postwescn so unerträglich gc- worden, sowohl was die Bestellung als auch die Abfertigung'im Postgebäude betrifft, dast sich der Magistrat in einer ausführlich begründeten Petition an den Reichstag und den Bundesrat gewandt hat. Unter andern, wird hervorgehoben, daß die Schalterräume am Hauptpostamt in der Bergstrahe nur die Grötze eines kleinen Ladens hätten und dast die Lust darin meist so verdorben sei, dast ein längeres Warten in diesen Räumen schwere Gesundheitsschädigungen bedeute. So unwürdig, dast eigentlich ein Einschreiten der Polizei notwendig wäre, seien aber die Zustände an Tagen, wo die Renten- auSzahlungen erfolgen. Da der Raum für die Renten- empfänger nicht ausreiche, mühten diese zuin Teil stunden- lang in Regen und Kälte auf der Strohe stehen. Zu dieser Zeit sei an eine Abferttgung desjenigen Publikums, welches Postsachen in Empfang nehmen oder aufgaben wolle, gar nicht zu denken. Eine Abschrist erhielt der Staatssekretär des Reichs- Postamts mit der Bitte, sich über die Zustände informieren zu wollen und selber einzugreifen. Vom Reichspostamt erhiell darauf der Magistrat die Antwort: „Die Erbauung eines reichseigenen grosten Postgebäudes in Rixdorf auf dem Grundstück Richardftr. 113/120 hat mit Rücksicht darauf ausgesetzt werden müssen, dast noch Erwägungen wegen der Fern- sprech-Einrichtungen in Rixdorf zum Abschlust zu bringen waren. Der Bau ist für daS Rechnungsjahr 1305 in Aussicht genommen, so dast mit ihn, im Frühjahr 1905 begonnen werden wird, voraus- gesetzt, dast die Mittel durch den Reichshaushalts- Etat bewilligt werden." Es bleibt also alles vorläufig beim alten. Und an Abhilfs- versuche für die Zwischenzeit scheint man gar nicht zu denken. Wir stehen aber im Zeichen des Verkehrs! Schöneberg. Ueber das A r m e n w e s e n kam es bei der Etatsberatung in der letzten Sitzung der Stadtverordneten-Versamm- lung zu eingehenden Erörterungen. Besonders das Elbcrfelder System des Armenwesens erfuhr in seiner hiesigen Anwendung eine eingehende Beleuchtung. Mutzte doch seü, erster Befürworter, Stadtv. Lohausen, bedauernd zugeben, dast von dem genannten Shsten, nur die Schale, nichts vom Kern der Sache übrig geblieben fei. Dem System die ethische Seite abzugewinnen, dazu fehle es den meisten Organen dieses Verwaltungszweiges an dem nötigen Verständnis. Wenn der Armenetat gegenüber dem Vorjahre so erheblich gewachsen sei, so liege dies daran, dast im allgemeinen die Grundsätze des früheren Systems beibehalten sind, während doch gerade der Grund- gedanke der neuen, in Elberfeld zuerst erprobten Einrichtung eine Entlastung des städtischen Säckels herbeiführen sollte. Bon unfern Genossen war deshalb Streichung einer Position von 3000 M. bc- antragt, die für Entschädigung eines sogenannten Sprechzimmers au 12� Armenkommissions-Vorsteher eingesetzt war. Stadtv. M c s u eh («oc.) meinte, da jetzt der Schiverpunkt der wirklichen Armenpflege, um dem System die ethische Seite abzugewinnen, in den Händen der Pfleger liege, so sei ein Dienstzimmer für die Vorsteher nicht mehr erforderlich. Der Antrag wurde natürlich gegen unsre Stimmen abgelehnt und der gesamte Etat mit 37 32ö M. in Einnahme und 336 350 M. in Ausgabe genehmigt.— In der Desinfektionsfrage hatten die Socialdemokraten wiederum Unentgeltlichkeit bc- antragt mit der Motivierung, daß gerade durch die Ausnahmestellung eines Teils der Bevölkerung— nur bei Einkommen bis 2100 M. besteht Gebührenfrcihett— das Gebot der Desinfektion bei Ausbruch ansteckender Krankheiten zu leicht umgangen wird. Es sei besser, dast mit der Unentgeltlichkeit einmal Mltzbrauch getrieben werde, als dast hygienische Borsichrsmaßregeln vereitelt würden, die bei ausbrechenden Epidemien der ganzen Bevölkerung nachteilig werden konnten. Die Mehrheit hatte natürlich dafür keinen Sinn und lehnte unfern Antrag wegen den zu hohen Küsten ab. was natürlich nicht hindert, ihn immer wieder einzubringen. Vermifebtea. A«S Aalefund. Der Fuhrer der Hilssexpeditimr der„Phönicia" hat der Hamburg-Amerika-Linie folgendes Telegramm aus Aalcsund zugehen lassen: Die unterwegs getroffenen Vorbereitungen haben sich überall auf das beste bewährt. Wir wurden sofort„ach dem Ankern von Massen hungriger Leute in Anspruch genommen und könnten innerhalb zlveier Stunden 2100 Portionen glatt ver- ab, eichen. Der Zulauf ist dauernd:' wir werden nachts circa 2500 Personen beherbergen: alle Sorten Schuhzeug sind dringend nötig, ebenso alle Sorten Werkzeuge für den Bau von Baracken und Häusern. Den ersten Ankerplatz, welcher sich in der günstigsten Lage der Stadt befand, mußten wir leider ivechseln, da wir beim Schwoicn Grund berührten. Der jetzige Ankerplatz ist etwas weiter entfernt, trotzdem ist gute Verbindung durch die eignen Boote und durch die Boote der Kriegsschiffe. Wir verbeten, die Transport- Möglichkeiten stündlich. Das Wetter ist trocken und milde bei Süd- wind. Das Feuer glimmt unter den Trümmern weiter, das Kohlenlager ist noch nicht ausgebrannt. Nur wenige Häuser find unbeschädigt, 700 sind zerstört. Die Stadt bietet einen grauenhaften Anblick; es herrscht ein penetranter Geruch von verbrannte» Fisch- lagern,— Die erste Stadtverordneten-Versammlung, die nach dem Brande stattgefunden hat. beschloß, ein Komitee mit diktatorischer Gewalt einzusetzen, und gab ein neues Bauregulativ mit Mauer- zwang.— Es sind drei Depots für Proviant und Kleider errichtet worden.' Es werden Bons verteilt, die für eine Woche Gültigkeit und einen Wert von 3 Kronen pro Kopf haben. Der dänische HilfSdompfer„Cimbria" kam gestern früh 4 Uhr in Aalesund an. das fchwedisthe Kanonenboot„Svensksund" gestern vormittag 3 Uhr. Gestern tobte ein heftiger Sturm und es regnete stark. Man hat begonnen, kleine Hütten aufzuführen. Opfer der See. Aus Tromso wird gemeldet: Drei Schiffer- boote sind heute nacht in dem schweren Schneesturm verschwunden. Es wird angenommen, daß die an Bord befindlichen sechs Personen umgekommen sind. Folgenschwere Vergiftungen hat der Genuß verdorbener Bohnen- konsccven in der Kochschule des Alice-Fraucnvereins zu Darmstadt herbeigeführt. Von den Frauen, die von den, Gericht genossen haben, sind mehrere erkrankt, vier davon bereits verstorben, darunter die 34 Jahre alte Lehrerin und Jnstitutsleiterin Fräulein Göring. die den Bohnensalat bereitete, und ein Fräulein Bernau. Drei Gemeindeschwestern erkrankten, wie die„Franks. Zeitung" mitteilt, so, daß sie ins Elisabcthstift gebracht werden musttc». Bei der Koch- schülcrin Fräulein Mahr aus Eberftadt. die mit Fräulein Göring den Bohnensalat bereitete, haben sich nun gleichfalls.Krankhcits- erscheinungcn eingestellt. Fräulein Göring hatte die Bohnen selber eingemacht. Was den Zersetzungsprozetz der in der Konservenbüchse luftdicht verschlossenen Bohnen herbeigeführt hat. ist rätselhast. Teile der alten und eine noch ungeöffnet« Konserve, wüchse werden zur Untersuchung nach Gießen an Professor Gaffky gesandt. Nansen und der Sport. Eine schwedische Zeitung schreibt nach hiesigen Blättern: Nansen sprach dieser Tage mit einem Journalisten von den Sports. Er kann weder den Namen noch die Sache leiden. „Die jungen Leute von heute," sagte er.„setzen eine Ehre darein, in Rennen und Wettkämpfen zu siegen und alle Rekords zu schlagen. Das durckmus übertriebene Lob. daS man ihnen zollt, schmeichelt ihrer Eitelkeit. Aber Ivas gewinnen sie in Wirklichkeit dabei? Sic geben ihrem Körper eine Entwicklung, die nicht harmonisch genannt werden kann, und werden dann leichter als andre Leute von Krank- heiten. besonders von der Tuberkulose, befallen; außerdem verlieren sie jedes Interesse für das praktische Leben und werden schlechte Geschäftsleute und unfähige Slaatsdiencr. da sich ihre Gedanken nur mit den nächsten Siennen und Wettkämpfen beschäftigen. Die Jugend sollte mehr aufS Land, in die Wälder gehen und die Natur studieren. Die Einsamkeit bildet den Charakter, Das moderne Lebe» ist zu oberflächlich. Man springt von einem Gegenstand zum andren, will alles kennen lernen, alle Bücher und alle Zeitungen gelesen Habels, bei allen BorstelluMn und allen Borträgen dabei gewesen sein. Die industrielle Entwicklung hat raschere Fortschritte gemacht als die Entwicklung des Menschen. Deshalb ist die moderne Litteratur auch so pessimistisch, es fehlt ihr das Gravitätscentrum. Sagen Sic den jungen Leuten, daß sie sich mehr körperlichen Hebungen widmen sollen, aber keinem Sport. Sie sollen, wie die Propheten, die Einsamkeit in der Wüste suchen." Diese Worte ver- dienen um so mehr Beachtung, als sie aus dem Munde eines Mannes kommen, der zahlreiche Beweise von Energie und Kraft gcgcPen hat. Das Minenunglück in Amerika. Nach den letzten Telegrammen aus Pittsburg ist kaum mehr Hoffnung vorhanden, 134 Bergleute zu retten, die durch eine Explosion in dem Harwickbergwcrk bei Chcswick begraben sind. Wahrend des ganzen Dienstags spielten sich an der Grubencinfahrt, Ivo die Frauen und Kinder der vermißten Bergleute zusammengeströmt waren, herzzerreißende Szenen ab. Die Rettungsabteilung arbeitete unermüdlich und mit hervor- ragendem Mute, und die Leute dieser Abteilung, die bereits während der ganzen Nacht gegraben hatten und dabei doch nur wenige Nieter weit vorgedrungen waren, erklärten, trotz ihrer Erschöpfung an der Arbeit bleiben zu wollen. Es fehlte aber an Leuten, die berest waren, sich in das Bergwerk herunterzulassen, trotzdem die Berg- Werksverwaltung hohe Belohnungen aussetzte. Verzweifelte Frauen waren zwar bereit, sich in die tödlichen Gase hinunterzulassen, doch komiten nur Sachverständige von irgend welchem Nutzen sein. Der Bcrgwerksingenicur Taylor, der das Bergwerk ganz genau kennt, stellte sich selbst an die Spitze einer Abteilung, die bereit war, in das Innere vorzudringen. Diese Rettungsmannschaft floh jedoch bald vor den Gasen und brachte einen bewußtlosen Kameraden ans Tageslicht. Nur der Ingenieur selbst blieb in dem Bergwerk und lvurde dort ein Opfer seines Heldenmutes. Erst„ach Stunden er« laubtc der Zustand der Luft ein Eiirdringen in das Innere. Plötz- lich verbreitete sich das Gerücht, daß der Ingenieur und 75 der eingeschlossenen Bergleute lebend aufgefunden worden seien. Leider bestätigte sich diese frohe Botschaft nicht, und man fand nur die Leiche Mr. Taylors 220 Fuß unter der Oberfläche. Da dort schon ein menschliches Wesen die nötige Lust zum Leben nicht mefn hatte, kann man annehmen, daß alle in der Tiefe des Bergwerks befind- lichen Leute längft tot sind. Die Rcttungsarbciten wurden«un Dicnstagnachmittag als aussichtslos eingestellt. Eine andre Meldung besagt: Die Identifizierung von 43 auf- gefundenen Leichen der Grube von Chcswick ist nur durch Papiere der Umgekommenen möglich, da die Leichen völlig unkenntlich sind. Die Rettungsmannschaften sind nunmehr in den nördlichen Teil der Grube gelangt, auch hier liegen zahlreiche Tote. Man glaubt, daß die Grube in Brand steht, wodurch die Rettungsarbcitcn ver« citelt wurden. Zigeuner als Kinderräuber? Zwischen den Ortschaften Wrcske und Birkowitz in Schlesien fand ein Gcndarmcricwachtu, eistet bei einer Zigeunerbande zwischen den Betten versteckt ein ettva acht- jähriges Mädchen in gänzlich verwahrlostem Zustande. Das Mädchen soll, nach vorhandenen Merkmalen zu schließen, die vor einigen Jahren aus Hannover verschwundene Else Kassel sein. Die ganze Bande wurde verhaftet und sofort nach Hannover berichtet. Eingegangene Druckfchriften. Die„Socialistische« Monatshefte"(Administration: Berlin 81V. 1» Bcuthstr. 2) haben soeben das Fcbrua»-.Hest ihres 10. Jahrganges er» scheinen lassen. Aus dem Inhalt desselben heben«vir hervor: Max Schippe!: Eine politische Musterbibliothek.— Pros. Dr. Franz Staudiiigert Kant und der SocialismuS. Ein Gedenkblatt zu Kants Todestage.— Dr. Eduard David: Die Eroberung der politischen Macht.— Dr. Conrad Schmidt: Zur Theorie der industriellen Reservearmee.— Eduard Bern- stein: Kapitalmacht und Gcwcrkschastsinacht. Ein Beitrag zur Dynamik des Gewerkschastskampses.— Paul Umbreit: Crimmitschau und der gesetzliche Zehnswndcntag.— Dr. Georg Zepler; Zur Arztsraac.— Wirtschaft uon Max Schippcl.— Politik von Richard Calwer.— Socialpolitil von Paul Kampffmeyer.— Sociale Kommunalpolitik von Dr. Hugo Lindemann.— Bewegung von Hugo Poetzsch.— Gewerkschaftsbewegung von Paul Umbrcit. — Gcnossenschasisbewcgung von Gertrud David.— Bildende Kunst von Anna Plehn.— Buchbesprechungen von Max Schippe! und Dr. Ladislaus Gumplowicz.— Der Preis des Heftes beträgt 50 Pf.; vierteljährlich 1,50 M. Zu beziehen durch alle Buchbandlungen, Kolporteure und durch jede Post- anstatt. Ferner direkt durch den Verlag der.Socialistischen MonatShcstc", Bcuthstr. 2, Berlin 8W.(Zusendung unter Kreuzband oder in geschlossenem Eouvert). Probehefte stehen ans Verlongen jederzeit kostensrei zur Ver» sügung. Kant. Sechzehn Borlcsunae», gehalten an der Berliner Universität von Georg Simmel. Leipzig, Dunckcr u. Humblot. 1901. LriefKaften der Redaktion. ■Juriftifchcr Cell. Tie juristische Tprcchstuud- fiudct täglich mit'Ausnahme de? TouuabeudS von?>/, bis»V, Uhr abcudö i-att. Geöffnet: 7 Nbr. Seil 2. Da der Käufer rechtzeitige— sosortige— Bemängelung der gelieferten Ware unterlassen hat. so wird er voraussichilich zur Zahlung verurteilt und sein Gegenanspruch zurückgewiesen werden. Anders liegt der Sachverhalt, wenn nachgewiesen wird, daß der Warenmangel erst später bat erkannt werden können und dann sofort geltend gemacht ist.— K. B. 20. Nach Ihrem Vertrag ist der Wirt im Recht. Sie müssen künstig pünktlich zahlen. Der Vcrirag spricht von Vorauszahlung.— bansend. Nein, — Z. A. 1. und 2. Nein. 3, Etwa 200 Dollar.— Elend, H. M. Maurer, ff. K. 100, Leubc. Ja.— Sch. 1863. 1. Nein. 2. Wen» Lohn oder Gehalt gezahlt wird, ja, sonst nein. 3. Ja. es kann aber der Antrag gestellt werden, die Bezüge nach dein jetzigen Wohnort de» Berechtigten zu überweisen.— P. R. 6. l. Nein, der unterliegende Teil hat die Auwaltskosten des Gegners zu tragen, nicht aber die vereinbarten, sondern lediglich die ohne Vereinbarung dem Tarif entsprechenden. 2. Ja, aber die GcrichlspraxiS schwankt. — P., Engel-ttfer 15: Ueffentl. Versammlung sämtl. Sinsetzer Berlins und Ilmgegend. Tagesordnung: i. Bericht über die Verhandlung mit den Arbeitgebern. 2. Weitere Stellungnahme zur Lohnbewegung. 78/8 BW Die Versammlung wird pünktlich eröffnet.-MW KommissionSmitglicder erscheinen um 11 Uhr. Der Obmann. Sonnabend, de« S. Februar 1904, in Kellers Festsäle«, «oppenstrafte 89: Grosses Sommer-Test. BW Die Teilnehmer werden ersucht, in Sommer-Toilette zu erscheinen. Bidet» a 50 Pf. in allen Zahlstellen und im G e w e r k s ch a s t S> Hause, Zimmer 11.__ Steinarbeiter."WW Sonntag, den 31. Januar, vormittags 10 Uhr, im„Englischen Garten". Al-xanderstr. 27o: Mitglieder-Verfammlung. Tages-Ordnung: 1. Treten wir zum Frühjahr in eine Lohnbewegung ein? S. Borschläge der Delegierten zum VerbandStag. 3. Verschiedenes. 172/4 DaS Erscheinen aller Kollegen erwartet �_ vi« OrtaverwaUnn«. Gentraiverband deutscher Brauerei-Arbeiter Sektion II Berlin. Sonntag, den 31. Januar, nachmittags 8 Uhr: UrHKHSÄSr-VersammKung; in Kellers FcstsiUcn, Koppcnstr. 89. Tagesordnung: 1. Rcchenschastsbencht vom IV Quartal 1303. 2. Vortr-ag und Diskussion. S. VercinSangelegenheiten. 1330b Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Borftand. I- n Zahlstelle Charlottenbnrgr. Sonnabend, den 30. Januar, im„Tolhohaure", Rofinenktraree it Grosser Wiener KSaskenball verbunden mit den groftartigsten Ueberraschunge«. Vlbrens ser Xalieepsuse:»ulnoristiscde Vorträge. « iihY Billets a 40 Pfg. find beim Gen.«iillor, beim Kassierer g � sowie bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern zu haben. ZW Nbeudkaffe findet nicht statt.-MW Zahlreichen Besuch der Kollegen erwartet Mit bestem Gruß 13v/l1 vi« Örtliche'Vemiiitung. Freunde und Bekannte sind gleichfalls herzlich riugeladeu. Aufruf! 31 arWUr IzwhTBiwn«. welche gewillt sind, am diesjährigen klrbeiter-Zpott�est tellzilnehiucn, werden ersucht, ihre Adressen bei«. Uiiller, Weide« weg 88, baldigst einzusenden. 285/14 Koustitnierende Versamaulmtg am Freitag, de« 36. Febr., abds. Hr, bei Merkowsky, ffrSS: wozu sämtliche fich eventuell beteiligende Berrine Vertreter zu entsenden haben. vor Fest>A.u».ehn.s. »mubaus, Empfehlen unser helles u. dunkles Tafelbier: Gambrinusbräu(Münchener) Nepomukbrau(Pilsener) iobtnisebes Sraubans no. 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Mit Einleitung von Fr. Engels und Dokumenten. M.—,25 Lohnarbeit und Kapital. Separat- abdruck aus der„Neuen Zlheinischcn Zeitung" vom Jahre 1843. M.—.20 Das Elend der Philosophie. ?liltivort aus ProudhonS„Philo» sovhie des Elends". Deutsch von Ed. Bernstein und K. KautSky. Mit Vorwort und Noten von Fr. Engels. Brosch. M. 1,50; gebd. M. 2,— Marx vor den Kölner Ge- schtvoreuen. Prozeß gegen den Ausschuß der rheinischen Demo. traten wegen Ausrufs zum bc- waffneten Widerstand(3. Febr. 1843). Mit Borwort von Fr. Engels. Nene Sluftagc. M.—.20 Revolution' und Konter-Revo- lutiou i» Deutschland. Deutsch von Karl Kautsky. Brosch. M. 1,50; gebd. M. 2— Der 18. Brumaire des Louis Bonapartc. M. 1,— Dünstige tzelegenbeit! Ümen. MmkM, Semteiirs. EinPostenHcrrenkragen.beft Fabrik., rein Lein.. 4 fach, p. Dtzd. nur 8 M. Manschetten, prima, garant. 4 fach, '/„ Dhd. 1,80 M. 33342» Serviteurs. ganz prima, einzelne Sachen, Stck. 30, 40 u. 50 Pf. • Oderhempcu, Nachthemden,• außergewöhnlich preiswert. 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