Nr. SS. nbonn(m«ntS'Ralingungen: Abonnements- Preis pränumerando z M-rteljährl. 330 Mb. monatl. 1,10 Ml, wöchentlich LS Pfg. frei WS HauS. Sinzeine Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post- ZcitungS» Preisliste. Unter Koeuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 8 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 21. Jahrg. trlchilnt«gl!» außer DlMitags. Vevlinev Dulfe&Ialf. Die Tntertions-GcMiljr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und VerlammlungS, Anzeigen LS Pfg. „Aleine Bnzeigen", das erste sfett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buchstaden zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr dormittagS geöfsnet. Telegramm-Adresse: ,,5oÄaIlliln»l!rat Berlin". Zcntralorgan der foz»aldcmokrati fchen Partei Deutfcblands. Redahtfon: 8M. 68. Lindenstraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 30. Januar 1904. SxpedMont 8M. 68» I-lndensrrasse 69. Fernsprecher: Amt FV. Nr. 1084. klbonnementt-einlaäung. ITIit dem I. Februar 19M eröffnen wir ein neues Abonnement auf den„Vorwärts" mit seinem wöchentlich fünfmal ericheinenden Onterhaltungsblatt und der Sonntagsbeilage„Die Neue Welt". Für Berlin nehmen sämtliche Zeitungsspediteure sowie unsre Cxpedition, tindenstrasse 69, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 IMarft 10 Pfennig frei ins Raus. 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M. näher auf die Leiben und Freuben der hier lebenben Russen, dieser Parias des deutsch-russischen Ab- solutismus, einzugehen, auf daß die Menschen- und Kultur- freundlichleit unsrer modernen ReichS-StaatSmänner in ihrer ganzen Glorie beleuchtet werde. Die Russen und Russinnen, die im eifrigen Bildungsdrange an die deutschen Universitäten strömen, werden, wie bekannt, nicht wie Angehörige andrer ausländischer Staaten einfach auf Grund ihrer Pässe zur Immatrikulation zugelassen. Man unterwirft sie vorher einer polizeilichen Kontrolle, einer wahren politischen Seuchen- Untersuchung, die bis in die geheimsten Schlupfwinkel des Gehirns, des Herzens, des Familienlebens geht.— Mit Rücksicht auf die Armen- Verwaltung entspricht es der Uebung, daß Fremde, bevor ihre Nieder- lassung in Deutschland geduldet wird, die Grundlage ihrer materiellen Existenz offenzulegen haben. Das ist indes im allgemeinen nicht Brauch bei Studenten, und es dürste sich bisher noch nicht ereignet haben, daß ausländische Studenten der deutschen Armen- pflege zum Opfer gefallen sind. Bei russischen Studenten und Studentinnen macht man eine Ausnahme. Die Polizei nimmt sie. sobald sie in dem Dunstkreis der preußischen Kultur erscheinen, in ihre liebevolle Fürsorge. Wenn bei der Anmeldung nicht die dreitägige Frist(für Berlin) oder die zweitägige Frist(auf die jetzt für die Russen in Charlottenburg die bisher sechstägige Frist verkürzt ist) innegehalten wird, setzt es eine Strafverfügung. — Die Studentenkarte ist offiziell ausdrücklich als das besondere studentische Legitimationspapier qualifiziert. Bei russischen Swdenten genügt sie nicht; man verlangt stets Paß und alles mögliche. Gewöhnlich entlädt sich die polizeiliche Fürsorge nach der An- Meldung, und zwar bei allen Russen, nicht bloß den Studenten und bei letzteren gleichviel, ob die Jmmattikulation schon statt- gefunden hat oder nicht, mit Vorladungen auf die Polizei. Dort werden ausführliche Verhöre vorgenommen. Man forscht nach Namen, Vornamen, Geburtstag, Geburtsort der Groß- eltern, Urgroßeltern und so weiter; man erkundigt sich auf das sorgfältigste, wieviel Geld einem zur Ver- fügung stehe und woher dieses Geld komme.— Jede Antwort wird zunächst in Zweifel gezogen, jedes Wort mit Mißtrauen auf- genommen, denn„alle Russen sind uns verdächtig".— Man fragt den Vorgeladenen, warum er gerade in Deutschland studiere, ob er denn auch wirklich studiere. Eine junge Dame, die an der Musikhochschule immatrikuliert war, wurde gar genötigt, dem Polizeibeamten auf dem Klavier vorzuspielen. Hoffentlich war dieser Polizeibeamte Mitglied der berühmten Kunstkommission I Wer weiß aber, ob daS vorgespielte Klavier nicht ein elektrisch-autonlatisches war und die Polizei trotz alledem irregeführt ist?„Alle Russen sind verdächtig." Eine einmalige Vorladung genügt nicht; zwei, drei, vier, fünf, sechsmal finden die Vernehmungen statt, wobei sich immer dasselbe Spiel wiederholt. Und auch damit nicht gemig: es pflegen auch Kriminalbeamte und Schutzleute in den Wohnungen der Russen zu erscheinen und dort weitere Vernehmungen auszuführen. Man denke nicht, daß es sich hierbei um ein Entgegenkommen gegenüber den Studenten handele, die wahrlich etwas Besseres zu thun haben, als ihre Stiefel auf den Gängen nach den Polizeirevieren abzutreten. Das meist— gelinde gesagt— recht derbe Auftreten der Polizeibeamten schon müßte eine derartige Illusion erbarmungslos zerstören. Manch einer der Rechercheure hat denn auch mit jovialer Offenherzigkeit ausgeplaudert, daß jene Besuche hauptsächlich stattfinden, um einen Einblick in die Wohnungen und die Lebensweise der Russen zu gewinnen. Daneben her geht der Zweck, sich die Persönlichkeit, das Aeußere der Verdächtigen zur Erleichterung ihrer Ueberwachung einzuprägen. Aber damit nicht genug. Trifft ein Polizist in der Wohnung eines Russen irgend welchen Besuch, so wird die Recherche sofort auch auf diesen ausgedehnt. Einerseits weil nun auch der Besuch sofort„verdächtig" ist; andrerseits zur genauen Feststellung des Ver- kchrs, den der Gastgeber pflegt. Vielfach fordert man von den Heimgesuchten geradezu allerhand Angaben über ihre Freunde! Aber noch mehr. Mit besonderer Vorliebe wandeln diese Leute krumme Wege. Sie kommen in Abwesenheit des Be- spitzelten und suchen die Familienangehörigen auszuhorchen. Sie spitzeln bei den Hausbewohnern herum. Schließlich wagen sie es sogar, sich in Abwesenheit der Aftermieter bei den Wirtsleuten in aufdringlichster Weise nach allen möglichen Einzelheiten zu er- kundigen, nach der Lebensweise, nach der Kleidung, nach der Zeitung (wobei der„Vorwärts" eine große Rolle spielt), nach der Bibliothek, nach der Korrespondenz, nach dem Verkehr usw. Nach echter Deteftiv- art Verstecken sie sich auch hinter die Küchenschllrzen und suchen die Neugier und Geschwätzigkeit des Dienstpersonals für sich auszubeuten. Selbst an sieben- bis achtjährige Knaben machen sie sich heran! Das grenzt geradezu an Hausfriedensbruch und wir hoffen von jeder an- ständigen Frau, daß sie solchen ungebetenen Eindringlingen, die zu unehrenhaften Handlungen verleiten wollen, mit größter Energie die Türe weist. Es wäre sehr am Platze, dabei beleidigende Zu- mutungen grundsätzlich im Prozeßwege zu verfolgen. In dem Falle eines Russen T. interessierte sich ein Spitzel so lebhaft für die Kleidung des Bespitzelten i bh a nd lun g en verspricht. Sie lautet: „Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zur Berkmtung der Soldatenmißhandlungen, ins- besondere der stistematischen'Mißhandlungen, darauf hmzuwirlco, *0%\n den Föllm des MWär-Strafgesetzbttches � 1t7, welcher die ichulddafte Verabsäumung der Bcaufsichngung von Unter- gcbcncn»nt Freiheitsstrafe und Dienftentlasmng bedroht, gegen die für die Disciplin verantwonlichen Vorgesetzten die Straf- versalgung unuachsichtlich eingeleitet wird" Abg. Gröber führte aus: Tie Zahl der Militärgerichts- Verhandlungen gegen Soldatenschinder habe sich in den Jahren Ivbt und 1002 solgcndcrmaszcn gestaltet: in Preußen 647(1901), 656 (1902!, in Sachsen SH(1901). 63(1902), in Bayern 17(1901), 2S(1902), in Württemberg 23(1901), 30(1902). Vor allem sei bellagensivert. dag noch immer so viele Fälle langandauernder und systematischer Misthandlungen vorkämen. Das sei nicht möglich, wenn der K 147 des Militär-Strafgeietzbuches scharf in Anwendung gebracht werde. Verurteilt worden sei aus§ 147 im Jahre 1902 in Preustcn nur in 36 Fällen(1901: 26), in Bayern in keinem Falle(1901: 0), in Sachsen 5(1901: 5), m Württemberg 1(1901; 0). Die Kommission ichlost sich in ihrer grasten Mehrheit diesen Darlegungen ohne weitere Diskussion an. Nur die Abgeordneten Liebermann v. Sonncnbecg und zwei Nationalliberale stimmten dagegen! Schon int vorigen Jahre hat sich der Reichstag mit der Forderung der Regierung zu beschäftigen gehabt, den O b e r st- lieutenants der Infanterie eine Gehaltszulage von 1350 M. und entsprechende Erhöhung des Servisgeldes und der Wohnungszulage zu gewähren. Es sollen dadurch die Ungleichheiten, die beim Aufrücken der Offiziere bei den verschiedenen Waffengatmngen bestehen. ausgeglichen werden. Der Referent, Abg. von Elern, ein früherer Oberst, ttat für die Bewilligung der Vorlage ein. Der Korreferent, Abg. 2 p c cl(E.), schlug die Ablehnung vor. Erhöhe man jetzt die Gehälter der Oberstlieutenants, dann würde das zu bedenklichen Konsequenzen führen. Wenn gesagt werde, der Offizicrcrsatz bei der Jntanterie sei un- zulänglich, bei den andern W asten aber sei der Andrang wegen der besseren Aufrückungsverhältnisse in den höheren Stellen allzu stark, so müsse man dem im Verwaltungswege entgegenwirken, indem man die Ofsiziersaspiranten der Infanterie überweise. Die Gehalts- Verhältnisse der Oberstlicutenants seien an sich zureichend, besonders im Vergleich mit ent'prcchenden Stellen in der Civil- Verwaltung. Koinnts mair jetzt zu einer Erhöhung, dann dürfe man auch die im gleichen Range stehenden Militärärzte nicht übergehen, bald würden dann auch die Fregattenkapitäne von der Marine eine Gehaltsausbesserung fordern, und so komme mau zu einer Mehrausgabe, für die beim jetzigen Stande der Finanzen niemand die Verantwortung übernehmen könne, zumalsie schwere etattechtlichcBedenken gegen sich habe. Da im nächsten Jahre eine neue Militärvorlage zu erwarten sei, so könne mair erst dann die ganzen Konsequenzen überschauen und dann auch vielleicht die Frage generell regeln. Wie schon der Referent, so wies auch der Korreferent aus den steigende» LuxuS imOfsizicrcorps und auf die vielen kostspieligen Uniform- änderungcn hin. Kriegsminister v. Eine m suchte die Forderung für die Oberstlicutcuauts zu verteidigen und meinte, in der ablehnenden Mehrheit sei ivohl mancher„im Grunde seines Herzens" eigentlich dafür. Bei der Infanterie bestehe eilt Mangel an Ossizierscrsatz, der bedenkliche Folgen haben könne. Einen eigentlichen L u x u S in der Ann« gäbe es nicht, höchstens einige luxuriös lebende Regimenter und einzelne luxuriös aus- tretende Offiziere. Eo herrsche aber der Grundsatz, dast man sich immer nach dem Aenncren richte, freilich habe mau auch ein seines Gefühl dafür,„wenn einer, der es tan», sich aus Geiz oder andren derartigen Gründen zurückziehe". Es seien steilich in den letzten 15 Jahre» Uiiisormverönderiingen vorgenommen worden, aber sie hätten sich zum Teil ans dasselbe Objekt, z. B. den Ueberrock bezogen: man habe eben„dem Hunde den Schwanz stückweise abgehackt": das Ziel sei immer gewesen. die Bekleidung gleichmästiger zu gestalten. Die Kückenfalte im Paletot, die neueste Errungenschaft, sei aus seine Verantwortung eingeführt, weil sie dem Offizier gestatte, sich in, Winter dicker an- ziizichcu. Auch die Epaulcttcn aus den Mänteln habe er dem Kaiser vorgeschlagen, um eine bessere Ilitterscheiduug der Offtzierc im Atautel zu ermöglichen. Er wolle allerdings zugeben. dast— e s auch ohne diese Neuerung gegangen wäre! Abg. Gras O r i o l a spann die Debatte über deir Luxus in der Slrmcc weiter: die Eltern konnten ihre Söhne vielfach nicht Offiziere werde» lassen, weil das Leben in den Ofnzicrsrorps zu kostspielig geworden sei. Daran seien auch die vielen llniforntändcrungen schuld; iin übrigen trat er für die Regierungsvorlage ein, die er auch auf die Bezirtskommandeure ausgedehnt wissen wollte. Husaren- Umtcnant a. D. Abg. v. Böhleitdorff forderte die Kommission auf. die„Sorgensalte» zu glätten", die sich in die Gesichter der Lberstlieutenantö eingegraben hätten. Auffallend sanft verhielt sich sodann Abg. Dr. Spahn. Er fragte den Kriegsminister, wie es mit der Bemessung der Servis- und Wohnungsgelder bei eventueller Belvilligung der Gehalts- erhöhung für die Oberstlicutenants gehalten werden solle. Darauf erklärte der K r i e g s M in i st e r, dast er nichts dagegen habe, wenn man die Erhöhung dieser Gelder streiche. Nachdem der Kriegsminister sodann»och vertrauliche Auf- kläruugen über die zu erivartende neue Militärvorlage gemacht hatte, beantragte Abg. Dr. Spahn Vertagung der B e r h a n d- l u n g. Ihn» widersprach der Abg. Bebel, der bemerkte, die Erklärung des Ministers müsse von der Kominissiou so behandelt werden, als ob sie gar nicht abgegeben worden sei; man könne deshalb die Frage der Gehaltserhöhung für die Oberstlieutenants noch erledige». Nachdem noch längere Zeit über die Geschäftsordnung debattiert worden war. wurde der Abschluß der Verhandlungen auf nächsten Mittwoch vertagt. Es scheint demnach als, ob wir hier vor einem neuen ttmsall des Centruniö ständen. Die Anfrage des Abg. Dr. Spahn und sein Vertagungsantrag deuten daraus hin. dast er eine Verständigung mit der Regierung auf der Grundlage herbeiführen will, dost den Oberstlientenanss der Infanterie(zunächst diesen!) die Gehalts- erhöhung ohne Erhöhung des Servis und der Wohnungszulage gewährt werden soll. Tie durchschlage»!)«» Gründe derfeignen Parteigenossen gegen die Vorlage waren einer sofortigen Bewilligung aller- diugs schwere Hindernisse, auch bedari vielleicht die Frage der„Gegen- dienste" noch der Erörterung, deshalb die Vertagung der Entscheidung. Die Bewilligung der Forderung der Regierung hat in der That die Folge, dast die Lasten für das Volt sehr erheblich iem werden und dast die Durchbrechmtg des bisher beobachteten Princips der GehaltSbenressung(nach den, Amte) eine Flut von neuen Ansprüchen naäi sich ziehen wird. Es würde aber ferner die Bewilligung ei» Helles Licht auf dieSparsamkeitSmcthodc deSCeutrumS werfen: einpaar Militärgerichtsschreiber werden abgelehnt, 250 Oberstlieutenants mit einer un- verhältnisrnästig grasten Gehaltsaufbesserung beglückt! Alan darf in der That gespairnt daraus sein, ob und wie sich hier ein neuer „Kuhhandel" entwickelt.—__ Riissrukurs. Zum Köniasberger„Geheintbnnds"-Prozest wird der dortigen„Harluugschen Zeitung" folgendes mitgeteilt: „Die Wiedervcrhaftung des Friseurs Nolvagrotzki erfolgte auf Be- schlust des Strafsenats des Obcr-LandcsgcrichtS. Gegen die Verfügung der vierten Strafkammer des Landgerichts, durch ivelche die Freilassung NowagrotzkiS und des Kasseurendanien Braun angeordnet war, halte der Erste Staatsanwalt schon am folgenden Tage(17. Januar) Beschwerde erhoben, und dieser Beschweroe hat das Ober-Landes- gericht nuter dem 26. Jamiar in der Erwägung stattgegeben, dast beide Angeschuldigten der ihnen zur Last gelegten Handlungen nach wie vor dringend verdächtia seien und auch Kollusionsgefahr nach wie vor bestehe. Der Haftbefehl gegen Braun hat bisher noch nicht ausgeführt werden könne». Braun war in der vorigen Woche nach Leipzig zum Krankenkastcntage gereist und wurde i» den ersten Tagen dieser Woche hier zurückerwartet. Da er bis heute nicht ein- getrosten und sein Aufenthalt nicht zu ermitteln ist, besteht der Verdacht, dast cr sich der Wiederverhastung durch Flucht ins Ausland entzogen hat."— Väterchen ist dankbar. Die preustisch-russischen Grenzbezirke werden gegenivärtig nnt rnssischen Orden überschüttet. Jetzt ist dem Oberbürgermeister von Königsberg i. Pr. Körte durch den Regierungspräsidenten der ristsische Stanislaus-Orden zweiter Klasse überreicht worden. Was fiir Verdienste hat Herr Körte um die Unterstützung des Zarismus erworben?— Als Mann der Zeit preist die„Deutsche Tageszeitung" mit kaum verhülltem Hohn den Minister des Innern, Herrn v. Hammer- stein. Es sei gar nicht daran zu denken, dast er zurücktreten werde; denn man„werde allerseits zugeben können, dast kaum ein Minister so in das jetzige System patzt wie er". Sehr boshaft und bitter, aber auch sehr zutreffend' Bissig fügt das Organ des Bundes der Landwirte hinzu, der Minister habe ja auch gelegentlich antiagrarische Aeusterungen von sich gegeben: da? habe aber nichts zu bedeuten, derartige„kleine Entgleisungen", die rein auf dein Gebiet des Rhetorischen liegen,„pflegt man heutzutage nicht allzu tragisch zu nehmen". Das Mnisterium des„falschen Zungenschlages"!— In der StaatS-Forstverwaltung waren nach der dem Abgeordneten- hause zligeaangenen Deulschrift für das Elatsjahr 1902 im ganzen 150 283 Arbeiter beschäftigt, die zusammen 10 506 941 Arbeitstage leisteten. Hiervon waren versicherungspflichtig bei forstfrskalischen Bettiebs-Krankenkassen 9035, bei Orts-Krankenkasien oder Gemeindelassen 41 803. Die Zahl der Erkrankungen bei Betriebs-Kranken- kasten belief sich auf 1642, die Beiträge des Forstfiskus auf 28 901 M., die Zabl der Erkrankungen bei andren Kassen aus 3580. die Zahl der Beiträge auf 42 916 M. Die Betriebsunfälle betrugen 1952, von denen 37 tödlich verliefen. In seiner Eigem'chast als Betriebs- Unternehmer wandle der Forstfiskus hierfür 365 693 M. auf. Die Kosten des Heilverfahrens während der ersten 13 Wochen, soweit sie den forstsiskalischen Gutsbezirken zur Last fallen, betrugen 22 156 M.. die freiwillige» Unterstützungen von Waldarbeitern und deren Hinter- bliebencn 16 332 M., die Beiträge des Fiskus zur Unterstützung von Waldarbeitern an Kassen, die nicht auf Grund gesetzlicher Be- stimmungen errichtet sind, 32 157 Vi., aus dem Gnaden-Pensions- fonds wurden 6313 M. gezahlt. Wieviel Mehrwert der Fiskus aus den Arbeitern herausgeholt hat, wird in der Denkschrift nicht mit- geteilt.— Die Furcht vor wissenden Zeuge». Gegen unser Mainzer Partei- blatt ist, wie erinnerlich, Anklage erHobe» worden wegen Abdrucks aus den Kriegsberichten des Generals v. Kreffchman. Ein hessisches Regiment will durch die Schilderung der Vorgänge bei der Er- stürnmng von Dens beleidigt sein. Ein' französisches Fachblatt„France iniliiaire" fordert jetzt die Einwohner von«ens auf, die den Krieg von 1870 miterlebt haben, ihm über die damaligen Ereignisse Mitteilungen zugehen zu lassen. Die„Tägliche Rundschau" der Herren Rippler(bekannt durch heldenbaftc KriegSführung gegen Schwerkranke) und v. Boguslawsii sagt höhnisch:„Vielleicht setzt sich nun unsrc soeialdcmokrattsche Presse mit der französischeil in Verbindung." Wir wüstren nicht, warum das nicht geschehen soll. Die Ein- wohner von Scns sind doch die einzigen zuverlässigen Zeugen in dieser Frage; sie werden doch in treuer Erinnerung habe», was ihnen damals geschehen, und Meineide werden doch sie cbe»ffo wenig leisten.>me Soldaten imd Offiziere des hessischen Regiments. Die „Tägliche Rimdschau" verrät mit ihrer Notiz nur, dast sie wissende Zeugen bei der Feststellung der nach semein Tode angegriffenen Wahrhaftigkeit eines ausgezeichneten preustischen Offiziers nicht zu haben wünscht.— Der Branddirektor i» Brand. Weint man die zahllosen siaats- erhaltenden Artikel und Redeberichte liest, die der Geburtstag des Kaisers veranlaßt hat. so bemerkt man, dast alle die Patrioten in das illuminierte Schaufenster ihre? Geistes gar nicht die Figur Wilhelms II., sondern ein Schauergespenst der Social- demokrätte gestellt haben. Diese Geburtstags- Gratulanten scheinen für uns ein weit größeres Interesse zu haben als für den eigentlichen Gegenstand ihrer Huldigungen. Es gäbe ein prächtiges Buch zeitgenössischer Dummheit, wemi man mal ein paar hundert dieser GeburtstagSartikel und Geburtstagsreden gegen die Soeial- demokratie zusammenstellte. Einen besonderen Ehrenplatz würde in dieser Sammlung die Rede des Hamburger Branddirektors W e st p h a l e n einnehmen, der bei der Feier des dortigen Krieger-Verbaudts. den Geburtstag Wilhelms II. nicht besser und würdiger ehren zu löirnen glaubte, als indem cr die wundersamsten Offenbarungen über den Dresdener Parteitag von sich gab. Dieser Republikaner erzählte: „Wir alle haben die Verhandlimgen des socialdemokratische» Parteitages in Dresden verfolgt. Vielleicht mag es ja auch sei» Gutes haben, dast die socialdeniolratische» Parteiführer sich dort einmal gegenseitig die Maske gründlich vom Gesichte gerissen imd vor aller Welt erklärt haben, dast sie keine» Gott, keine Religion, keinen Familiensinn, keine Vaterlandsliebe besitzen, und dast sie auch das ehrliche deutsche Manneswort, den Eid der Treue, nicht gelten lassen wollen... In Frankreich würde ein Mensch, der sein Vaterland in gleicher Weise schmähen würde, wie es die Führer der deutschen Soeial- demolratie thun, auch unter seinen rotesten Genossen keine Gelttmg behalten können. Jedenfalls aber haben uiiS die Dresdener Verhandlungen wieder einmal so recht klar vor Augen geführt, loelch tiefe Kluft uns von Leuten solchen Schlages trennt und dast lvir nock' vielmehr als bisher danach streben müssen, ilnsre Krieger- vereine, spceicll auch imsreu jungen Nachwuchs vor dem Gifte der Soeialdemotratie zu bewahren." Weil der Herr Branddirektor sich gerade an dem mangelnden Familiensinn der Socialdemokratie entrüstete, so requiriert das „Hamburger Echo" die Feuerspritze»ud löscht den pattiotischcn Brand des MarnteS mit der Erinnerung, daß er einmal in der Redattion des socialdemokratischen Blattes vorstellig geworden sei, damit sie über gewisse unliebsame Vorkommnisse in der Familie des Branddirektors schweige. Das„Hamburger Echo" erfüllte dann seinen Wunsch, und dieses Verhalten har der Herr Branddirektor offenbar»mit als forialdemokrtttifche Gleichgültigkeit gegen den Familiensinn aufgefaßt!— Vom Freisinn. In B r e s l a u versuckicn, wie der„Von. Ztg." gemeldet wird, die beiden freisinnigen Gruppen eine Verschmelzung. Es wurde darüber in geheimer Sitzung verhandelt, unter Vorsitz des Breslauer Oberbürgermeister Bender, lieber die Stellung zur Socialdemokratie konnten sich iüdessen die Herren nicht einigen und man setzte deshalb eine zehngliedrige Kommission ein, die einen Programmentwurf ausarbeiten soll.— Das Anti-„Simplicissimus"- Präsidiuui. Das bayrische Ab- geordneteiihaus hat setzt ein rein klerikales Bureau. Die liberalen Mitglieder haben, wie berichtet, demissioniert und auch die Wieder- wähl abgelehnt. Es ist schön, dast die Liberalen jetzt so feinfühlig gegen lleri- kale GeschästSordnmigobrüche find: nur ernten sie. was sie gcsäet. Im Reichstage haben sie ja das Centruin zu solchem Vorgehen ermutigt und durch ibre Beihilfe die präsidialen Vergewaltigungen im Zollkampfe erst ermöglicht.— HudlamL Schweiz. VoktSabstimmnng. Zürich, 2«. Januar. tEig. Ber.) Im Kanton Zürich findet am nächsten Sonntag eine Volksabstimnumg statt �über zwei Vorlagen, wovon die eine die Vereinigung von S ck' n l g e m e i n d e n und die andre die Einführung von Bordellen betrifft. Tie erstere Vorlage bezweckt die Bereinigung von kleinen, kost- spieligen und doch nicht leistungsfähigen Schiilgemeinden z» größeren mit rationellem Schuldetrieb. Es herrscht auf diesem Gebiete im Kanton Zürich eine starke Zersplitterung. Auf 189 politische Gemeinden entfallen 351 Schulgemeinden, von denen 37 in allen sechs Schultlasien nur S, 10, 11 bis 20 Schüler haben, wobei aber die Kosten des Schul- betrießs so hoch sind wie in den größeren Schulgemeinden und womit besonders der Staat belastet ist. Das Gesetz gehört bis zu einem gewissen Grade zu jenen Maßregel», durch ivelcbe die Finanzen des Kantons Zürich gebessert werden sollen. Die Vorlage wird von keiner Seile bekämpft und dürfte daher angenommen werden. Tie Wiedereinführung der Bordelle, die 1897 abgeschafft wurden, wird durch ein Jniliativbegehren verlangt� dessen Urheber frühere und eventuell zukünftige Bordellinhaber sind. Sie brachten dafür 5470 Unterschriften ans. Der Kantonsrat und die Regierung lehne» das Begehren einstimmig ab, und auch die socialdemokratische Partei fordert in einem Ausritt zur Verwerfung auf. Sie sagt darüber: „Die sogenannte Sittlichkeitsimtiatiye ftihrt mit Unrecht diesen Namen. Unter dem Vorlvande, der Moral und Volksgesundheit zu dienen, fordert sie. dast von Staatswegen die Wiedereinführung der Hurenhänser bewilligt werde. Dadurck' wird aber erfahrungsgemäst weder die Anfteckungsgefahr für Geschlechtskrankheiten vermindert, noch die öffentliche Moral gehoben, noch die Jugend vor Verführung behütet. Also irgendwelchen Nutzen brächte die Initiative dem Volke nicht, wohl aber den beschämenden Zustand, dast dadurch das schänd- lichste aller Aüsbeuiergewerbe, dasjenige der Mädchenhändler und Hurenhausbesitzcr, eigentlich patentiert würde." Voraussichtlich wird die Bordell-Jnitiative verworfen werden.— Abschaffung des Genfer Antisireit Gesetzes. Genf, 24. Januar.(Eig. Ber.) Das berüchtigte Antistreik- Gesetz oder wie eS offiziell heißt, das Gesetz über die Kollektiv- Konflikte, hat. wie seinerzeit berichtet, während des vorjährigen Maurerstreiks kläglich FiaSko gemacht, nachdem es übrigens schon bei seinem Erlast be! der großen Mehrzahl der Arbeiter auf cnt- schicdenc Ablehnung gestoßen war. Ans letzterem Gründe beantragten die soetaldemolratischen Vertreter im Großen Rate(Landtage) schon vor einiger Zeit die Wiederbeseiligung des verhaßten Gesetzes und die Mehrheit der bezüglichen Kommission beantragte dann auch demgemäß beim Großen Rate in seiner jüngsten Sitzung; allein die bürgerlichen Freunde desselben scheinen sickt van dem Wechsclbalg nicht trennen zu töiinen und so meinte der Radikale Moriaud, man könnte das Gesetz ja„verbessern" und der Staatsrats- Präsident Fazy sprach im Namen der Regierung für Vertagung der Entscheidung, wohl nach dem Grundsätze: Zeit gewonnen, alles ge- Wonnen. Die Vertagung wurde auch beschlosieu, aber sie bedeutet nur die längere Aufrechtcrbalttmg eines verfehlten und die Arbeiter erbitternden Gesetzes, das schließlich doch fallen muß.— Belgien. Der Kampf um die Schule. In der belgischen Kammer wird schon fett einigen Tagen über das Budget des öffentlichen Unterrichts verhandelt. Die Social- demokratcn und die Liberalen fordern die Einführung des obligatorischen konfessionslosen Unterrichts. V ander Velde hielt eine glänzende Rede, in tvelcher er die jetzt herrschenden tramigen Schulzustände geißelte. Er tvieS auf die große Zahl der Analphabeten hin und verglich damit die Kriminalität, die er zum großen Teil auf den Mangel au Schulunterricht zurückführt. Belgien weift von den europäischen Staaten, bezüglich der Analphabeten, mit die un- günstigsten Ziffern auf. 13 Prozent der Rekruten können weder lesen noch schreiben, 45 Prozent lesen, schreiben imd rechnen und 12 Prozent haben einen höheren Unterricht erhalten. Auf dem Lmtde, so führte Vcmderveldo aus, verlassen die meisten Kinder im 11. oder 12 Jahre die Schule; das wenige, was sie gelernt haben, baben sie bald wieder vergessen und vermehren die Zahl der Analphabeten. In der vor- ausgehenden Sitzung hatte der llnterrickttsminister versucht, zu be- weisen, dast in gewissen Ländern mit obligatorischem Schulunterrickst die, Zahl der Analphabeten cbensalls sehr bedeutend sei. Vaudervelde antwortete ihm. indem er folgende Zusammenstellung ausführt: In Deutschland kamen auf 1000 Rekruten 0,7 Analphabeten; in Schweden 0,8; in Dänemark 2; In der Schweiz 20; in Holland 23; in England 37; in Frankreich 46; in B e l g i c n 101. Nach Belgien kommt MW noch Italien mit 338 und Rußland mit 617. Am Schluß seiner Rede stellte Vandervelde die baldige Koalition zwischen den Socialdemokraten und den Liberalen in Aussicht; die, ohne dabei ihr Programm und ihre Prmcipien auszugeben, sich verbinden müßten, um die Macht der Klerikalen zu brechen, das allgemeine Wahlrecht und den obligatorischen �Schulunterricht zur Einführung zu bringen. Langendonck(Soeialist) verlangte die Einrichtung von Schul- kmiiincn, wie das in der freien Schule zu Löwen mit gutem Erfolge geschehen sei. Der Führer der Klerikalen. Herr W o e st e suchte die Angriffe abzuwehren und sang den, von den Klerikalen ein- gerichteten„freien" Schulen, hohe Loblieder. Rur das wenig an Freiheit gewöhnte Deurschland habe sick dem obligatorischen Schul- Unterricht unterworfen; der weltliche Schulunterricht allein genüge nickst, die Kinder müßten durch die Religion und Moral eine Stütze finden. In Deutschland habe der obligatorische Schulunterricht zum SocialismuS geführt und in Frankreich seien mehr Streiks zu verzeichnen gewesen als in Belgien. Die Debatten werden fortgesetzt. Norwegen. Tie Arbeitslosen vor dem Storthing. Eine von ca. 800 Arbeitslosen in Christiania gewählte Deputation erschien am 27. Januar, uackmittags, vor der Präsidentschaft des Storthings, um Hilfc gegen die immer noch erschreckend umsangreiche Arbeitslosigkeit zu fordern. In der dort verlesenen Resolution der Arbeitslosen wird verlangt, daß Staat und Koimmine Arbeiten ausführen lasten, nickti allein um der Not der Arbeitslosen eutgegetizuwirken, sondern auch um einen nottvendigeu Regulator gegen die ivahuwitzige und planlose, bald übertrieben forcierte, bald teilweise eingestellte Produktion zu schaffen. „W i r hungern und leiden", heißt es am Schluß der Resolution,„aber wir bitten nicht um Barmherzig- k e i t. wir verlangen Gerechtigkeit." Es ist dies bereits das dritte Mal im Laufe der letzten Jahre, daß sick> die Arbeitslosen in dieser Weise an das Storthing wenden. Wie früher, so versprach der Präsident auch diesmal, daß die Sache im Thing ernstlich erwogen iverden sollte. Mehrere der vom Wort- führer der Deputation Maler Vinja vorgeschlagenen Maßnähmen standen bereits zur Beratung im Storthing.— Italien. Ein Gesetzentwurf über die bedingte Bernrtcilinig. Rom, den 26, Januar. Der italienische Rechtsgelehrte und Ab- geordnete L u e ch i u o hat in der Kammer einen Gesetzentwurf über die bedingte Verurteilung eingereicht, iveil er augenscheinlich dem Versprechen des Ministers Ronchetti ein solches Projekt dem-- nächst vorzulegen, nicht übertrieben viel Glauben beimaß. Folgende sind die Hauptpunkte des Entwurfs: Die Richter sind ermächtigt. Minderjährigen unter 14 Jahren. die ein leichtes Verbrechen begangen haben, die Abbüßung der Strafe zu erlassen und ihre Aufnahme in iicite, nach moderne» Prinzipien zu gründende Besserungsanstalten zu verfügen. Minderjährige unter 18 Jahren dürfen in den Strafanstalten nicht mit Erwachsenen gemeinsam interniert werden. Die Richter sind bestlgt, den Strafvollzug auszuschieben, wenn es sich um eine nickit vorbestrafte Persönlichkeit und ein leichtes Verbrechen handelt. Nach kurzer Zeit gute» Verhaltens tritt an Stelle des Strafaufschubs die völlige Annullierung des Urteils und feiner Rechtsfolgen. Schließlich' enthält der Entwurf Vorschläge zur Erleichterung der Rehabiliticrung(der Austilgung einer Vontrase aus den Dokit» menten eines Bestraften) und setzt fest, daß der diesbezügliche Antrag nicht veröffentlicht werden darf.— Ein mißglückter Versuch. Rom. 27. Januar.(Eig. Ber.) Am 24. und 25. Januar haben sich in Turin abgeordnete und Senatoren versammelt, um die Basis einer neuen liberalen Partei zu ent- werfen. Es handelte sich um die Verwirklichung des schon vor Zanardellis Tode gefaßten Planes, seiner Partei eine Spitze in der Richtung nach links zu geben. Nur hatte man den Grundgedanken etwas verrenkt: ursprünglich sprach man von einer konstitutionellen Oppositionspartei, später mehr von einer Art heiligen Allianz gegen den Umsturz: das oppositionelle Element gegen das Kabinett trat im», er mehr in den Hintergrund. Trotzdem machte die Negierungs presse der Zusammenkunft kein freundliches Gesicht und freut sich jetzt herzlich über das Fiasko. Von SV Senatoren und 123 Abgeordneten, die ihren Beitritt versichert hatten, waren nur 20 Senatoren und 33 Abgeordnete er- schienen, die letzteren fast ausschliestlich Zanardelliner. Geredet hat man viel und Beschlüsse gefaßt über die konstitutionelle Propaganda, die meridionale Frage, über die Schulftage und noch Verschiedenes Hinter der spärlichen Versammlung steht keine Partei und es lohnt nicht, sich mit ihren Beschlüssen zu befassen. Der mißglückte Versuch hat noch einmal gezeigt, daß Parteien nicht dadurch gegründet werden, daß man mit Programmsätzen eine Hürde absteckt und dann die Menschen hineinlockt, sondern daß vitale Parteien entstehen nur als ein Ausdruck realer und wenigstens zun, Teil bewußter Interessen gesell schaftlicher Gruppen oder Schichten. Die Herren in Turin fanden, daß das Etikett:„liberale Partei" in Italien augenblicklich keine Verwendung fand und wollten dem Namen zu einer Partei ver- helfen. Ganz so einfach ist aber die Sache denn doch nicht.— Amerika. Ein amerikanisches Protektorat iidcr San Domingo. Das„Bureau Lasfan" meldet: Die Vereinigten Staaten dürsten in nicht ferner Zeit ihr Protektorat über die Republik San Domingo erklären. Mächtige Einflüsse sind am Werk, um den Präsidenten Roosevelt zu diesem Schritt zu veranlassen, der jedoch nicht vor der Ratifikation des Panamakanal-VcrtrageS erfolgen wird. Im Hafen von San Domingo liegen drei amcnkanische, zwei deutsche und ein französisches Kriegsschiff. Die Regierung in Washington weiß bereits, daß jedes Vorgehen ihrerseits, wie drastisch es auch sei, das die Herstellung der Ordnung und die Begründung einer festen Rc- gierung in der unruhigen Republik zum Zweck hat. von europäischer Seite leinen Widerstand finden wird.— Hua Induftm und Kandel. Geiicralversammlniig der Gelsrukirchencr Bergwerk?- Aktie»- gesellschaft. In der heute hier abgehaltenen Generalversammlung, in der ein Kapital von 33,4 Millionen Mark durch 36 Aktionäre ver- treten war, wurde ohne Debatte die Erhöhung des Aktienkapitals von 60 auf 69 Millionen Mark genehmigt, die bekanntlich in der Hauptsache zum Erwerb der Kuxe der Gewerkschaft„Vereinigte Hain- bürg und Franziska" solvie der Gewerkschaft„Prinz Schönaich" dienen soll. Ferner wurden als Männer des Vertrauens der Schaaff- hausenschen» Dresdener Bankkoalition die bekannten rheinischen Kohlenmagnatcn A. Thyssen und H. Stinnes in den Aussichtsrat gewählt. Charakteristisch für die Stellung, die beide in der Gelscnkirchener Gesellschaft einzunehmen gedenken, ist. daß Herr Thyssen die Forde- rung aussprach, daß künftig, wenn sich wieder Geldbedarf einstellen solle, die Mittel nicht durch Vermehrung des Attienkapitals, sondern durch Begebung von Obligationen beschafft würden. Die Herren Thyssen und Stinnes vertraten nämlich in der heutigen General- Versammlung beinahe 18 Millionen Mark Aktien, und da ihnen noch S'/z Millionen Mark des A. Schaaffhausensche» Bankvereins zugezählt werden können, hatten sie die entschiedene Majorität, die sie auch künftig noch oft haben dürften. Eine noch weitere Vermehrung des Aktienkapitals könnte aber dieser Positton leicht hinderlich werden. Berliner Kassenvrrrin. Die wirtschaftliche Besserung, die sich im letzten Jahr, besonders in seiner zweiten Hälfte, vollzogen hat, kommt auch in dem soeben von der Bank des Berliner Kassenvercins Veröffentlichten Geschäftsbericht für 1903 zum Ausdruck.„Wie da§ gesamte Geschäftsleben." heißt es in dem Bericht,„so hat auch uusre Thätigkeit. insbesondere unser Inkasso und unsre Ab- rechnung im Jahre 1903 wiederum einen bemerkenswerten Aufschwung genommen, so daß das Berichtsjahr bezüglich der Höhe der Einliefemngen, von loelcher unsre Umsätze aus- schlaggebend beeinflußt werden, mit über 13 123 Millionen Mark nur von den drei Jahren 1898/1900 übertroffen wird und die Periode dcS Niederganges der Jahre 1901 und 1902 überlvnnden zu sein scheint; insbesondere war entsprechend der Entwicklung der Börsenkurse im letzten Quartal eine erhebliche Zunahme der Ein- lieferungen sowohl nach der Gesamthöhc, wie nach der Stückzahl zu bemerken. Wie die später folgenden Tabellen de? näheren ersehen lassen, hat der Jnkasso-Vcrkehr etiva 10 Proz. gegen das Vorjahr zugenommen." Die Zahlen des Jnkasso-Verkehrs und der Gesamt-Umsätze be- stätigen diese AuSfiihrungen. So betrug z. B. das Gesamt-Jnkasso ut Millionen Mark: Davon am Ultimo 5047----- 33 Proz. 4643----- 33„ 3814= 80„ 4730--- 28„ 5297--- 29„ 4492--- 30„ 1903 1902 1901 1900 1899 1898 Ebenso Milliarden 15 125 13 913 12 604 16 841 18 210 15177 70 72 An sonstigen Tagen 10 078--- 67 Proz. 9 270-- 67„ 8 790 12111 12 913-----71„ 10 685---- 70„ sind die Gesamtumsätze gestiegen, und zwar von 33,9 auf 38,6 Milliarden. Diese Zahlen werden nur m den zwei Jahren 1899 und 1900 übertroffen. An diesen erhöhten Um- sähen ist der Jnkassoverkehr mit 1,2 Milliarden und der Giroverkehr mit rot. 1 Milliarde beteiligt. Es betrug der Gesamtumsatz in Ein- und Ausgang zusammen sin Mllionen Mark): 1903 38 611 davon: Bankvcrkehr.. 393 Jnkassoverkehr.. 15123 Giroverkehr... 16 363 ReichSbankvcrkc.,.. 6 723 Ferner in: Inländischen Wechseln Lombards..... . 83,48 85,04 89,46 88,16 88,05 . 101,15 82,23 77,33 96,27 128,25 Die Getreide-Ernte der Bereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1903. Das Ackerbaubureau der Vereinigten Staaten von Amerika veröffentlicht seine Schlußschätzung der Ernten des Landes im Herbst 1903. Danach sind die Erträge des Ackerbaues im ganzen gut, wenn auch nicht außerordentlich günstig ausgefallen, obgleich die Aussichten für die Ernte im Laufe des Jahres vielfach nicht ermutigend waren, weder während der Zeit der Aussaat, noch in der Periode des Wachstums. Namentlich für die Maisernte war die Be- forgnis groß, denn die Aussaat disser Frucht wurde in beträchtlichen Gebieten durch übermäßigen Regenfall verzögert, und ihr Wachstum in der ersten Zeit durch' fortgesetzt kühles Wetter sehr behindert. Glücklicherweise kamen während der verspäteten Reifezeit des Maises Fröste nur auf sehr beschränkten Gebieten vor und thaten der Ernte wenig Schaden, so daß sie zwar spät, aber ziemlich reichlich und gut einkam. Der Ertrag der Maisfeldcr wird für 1903 auf 2244 Millionen Bushel sl Bushel--- 35,24 Liter) veranschlagt gegen 2523 Mllionen in den, zu den besten Maisjahren zahlenden Vorjahre und gegen 1522 Millionen in dem schlechten Ernte- jähr 1901.— Die Hafererute blieb zwar hinter dem ausnahms- weise guten Ertrag von 1902 zurück, war aber trotzdem eine gute Mittelernte, die den Vergleich init denen friiherer Jahre aus- hält; der Haferertrag wird auf 784 Millionen Bushel geschätzt gegen 987 im Vorjahre, 736 für 1901 und 809 für 1900.— Die Weizen- ernte fiel nicht ganz so günstig aus, wie man anfänglich vermuten konnte; es wurde angenommen, daß sie der vorjährigen gleichkommen lvürde, das Ackerbau-Bureau setzt sie indessen um 33 Millionen Bushel niedriger als jene an, nämlich mit 637 Millionen gegen 670 für 1902 und 748 für 1901. Die Erträge der fünf Hauptgetreide-Arten lvaren 1903 im Ver- gleich zu den drei Vorjahren: 1903 1902 1901 1900 in 1000 Bushel Mais.... 2 244 177 2 323 648 1 522 520 2 103 103 Weizen... 637 823 670 063 748 460 522 229 Hafer.. 734 094 987 843 736 809 909 126 Gerste... 131861 134 934 109 933 58 926 Roggen... 29 363 33 631 39 343 23 996 Summe. 3 827 318 4 350139 3 157 067 3 519 880 Die Gesamtmenge des geeruteten Getreides ist hiernach 1903 gegenüber der außerordentlich reichen vorjährigen Ernte um 523 Millionen Bushel geringer, aber gegenüber den knappen Er trägen von 1901 um 670 Millionen Bushel reichlicher ausgefallen. Außer der Größe der Ernte gestaltete sich auch der Preis des Getreides für die Farmer günstig. Die Durchschnittspreise für Mais, Weizen, Hafer und Roggen waren um einige Cent höher als im Vorjahre und auch im allgemeinen höher als in den fünf Vor jähren mit Ausnahme des ungünstigen Erntejahres 1901. Die durch schnittlichcn Preise für den Bushel der verschiedenen Getreidcsorten im Jahre 1903 und den vier Vorjahren sind in nachstehcuder Tabelle zusainmengestellt: IM IM 1901 1000 1890 Cent pro Bushel 63,0 62.4 61,9 53,4 51,4 55.7 51,2 51,0 30,7 39,9 25,8 24,9 45.9 45,2 40,8 40,3 40,3 60,5 35,7 30,3 Weizen Roggen Hafer Gerste MaiS Die Höhe .. 69,3 54,5 .. 34.1 .. 43.6 .. 42,3 der Preise glich demnach den Ausfall in der Menge der geentteten Früchte gegeiniber dem Vorjahre zum größten Teil auö. Der Werl der gesamten Gctreide-Ernte berechnet sich unter Zugrundelegung dieser Durchschnittspreise 1903 auf 1 739 713 476 Psd. Sterl. gegen 1 821 805 745 Pfd. Sterl. für das Jahr 1902. Die Stellung der englischen Eiscnindustticllcn zu ChamberlainS Zollpläne». Die erfolgreiche Konkurrenz der deutschen und anierika- nischen Eisenindustrie auf dem englischen Markt hat die englischen Eisen- und Stahl-Industriellen, die einst neben den Bauniwoll- königen am meisten für den Freihandel schwärmten, sehr schnell zu chutzzöllneri scheu Ansichten bekehrt. Das englische Fachblatt „Jronmonger" hat kürzlich an seine Leser die Frage gerichtet, wie sie sich zu den Chambcrlainschen Schutzzollplänen stellen. Von den zahlreich eingelaufenen Antworten, die zum weitaus größten Teil von Eisenindustriellen und nur zu einem mäßigen Teil von Eisenhändlcrn herrühren, sprechen sich nur ca. 43 Proz. für das Freihandelssystem. ca. 54 Proz. aber für Schutzzölle aus, während 3 Proz. die Frage als unentschieden betrachten. Die Fabrikanten erklären sich mit 71 gegen 29 Proz. für Schutzzoll, die Inhaber kleinerer Eisenhandlunaen meist flir Freihandel. Gegen eine Verzollung von Nahrungsmitteln, dagegen für einen Zoll auf ausländische Waren söhne Nahrungs- mittel und Rohmaterial) entschieden sich 79,9 Proz., dafür waren 19,8 Proz. und unentschlossen waren 0,3 Proz. Für Besteuerung von Nahrungsmitteln und fabrizierten Waren, also für Chamber- lains Pläne, waren 34,2 Proz., dagegen 57 Proz. und unentschieden 18,8 Proz.: ferner sind für Schutzzoll im allgemeinen 20,9 Proz., dagegen 57,7 Proz. und unentschieden 21,4 Proz. eine preußische, sächsische usw. Landeskirche, die ein Jusimmetrt des KlassenstaateS fein soll oder i st. Diese Landeskirche ist leider im Lohnkampf so Partei wie in allen wirtschaftlichen Kämpfen. Daran wird sich erst etwas ändern, wenn die socialistische Forderung nach Erklärung der Religion zur Privatsache verwirklicht ist. (Ze\verKscKaft:lLcKes. Lohnkampf und Kirche. Während des Kampfes in Crimmitschau trat bekanntlich der Pfarrer S ch ink dortselbst in einem Briefe an die„Christliche Welt" objektiv" auf die Seite der Fabrikanten. Als feine Haltung An- cchtung erfuhr, bescheinigten ihm die Fabrikanten seine„Objektivität", indem sie diesen Brief zu ihrer Rechtfertigung in Crimmitschau als Flugblatt verbreiten ließen. Als dann dennoch von verschiedenen Seiten über die Haltung des Herrn Pfarrer Schink der Stab ge- krochen wurde, traten seine Crimmitschaucr Amtsbrüder schützend neben ihn, und man erlebte das Schauspiel, daß die Vertreter der Kirche in ganz Crinimitschau geschlossen für die Unternehmer und einig gegen die Arbeiter auftraten. Natürlich mußte solch ein Verhalten notgedrungen zu einer Reaktton führen. In Crimmitschau kam eS zu Austritten aus der Landeskirche und in einer großen Anzahl von Versammlungen im Reiche wurde das Verhalten der Crimmitschauer Pastoren heftig ge- tadelt. Eine Anzahl social denkender Pfarrer trat ja Herrn Pfarrer Schink sofort entgegen, andre lockte die Gefahr für die Kirche, die durch dasselbe entstanden war, an die Oeffentlichkeit. So ist eS auch in Dortmund gewesen, wo eine Versammlung das Verhalten der Kirche in Crimmitschau ebenfalls in einer Ver- ämmlung angegriffen worden war. Das veranlaßte Herrn Pfarrer Traub, in der letzten Sitzung des socialdemokratischen Vereins zu erscheinen, und dort folgende Ausführungen zu machen: Ich habe in der„Arbeiter-Zeitung" gelesen, daß in voriger Versammlung die Kirche scharf angegriffen ist, dicS ist auch heute abend von einem Redner geschehen, wobei ich bemerke, daß durchaus sachlich verhandelt worden ist. Ich hielt es aber für feig, wenn ich hier nicht erscheinen wollte, um die Kirche zu verteidigen. Vorweg sei bemerkt, daß ich den Brief des Herrn Pfarrer Schink vcnirteile. Ich bedauere aber sehr, daß Sie Urteile aus dem Vor- gehen der Pfarrer in Crimmitschau verallgemeinern. Ich weiß, daß viele Pfarrer auf feite der Arbeiter standen. Von dem Augenblick an. wo die Regierung die Wage zu Gunsten der Unternehmer drückte, war die Sympathie auf feite der ausgesperrten Weber. Die evangelischen Arbeiter haben für die Crimmitschauer gesammelt. Der Pfarrer hat meiner Meinung nach in Streiks:c. sich absolut neutral zu verhalten, im weiteren aber soll der Pfarrer sociale Bestrebungen unterstützen. Darum bedaure ich nochmals schmerzlich st die Stellungnahme des Pfarrers Schink, und ich bitte, das Urteil nicht zu ver- allgemeinern. Denken Sie daran, daß es uns Pfarrern oft sehr schwer gemacht wird. Ich verstehe den Haß im Kampfe gegen die Kirche, aber ich bedaure denselben sehr. Ich spreche die Kirche nicht vollständig ftei, aber bedenken Sie, daß durch den Haß gegen die Kirche den Pfarrern sehr schwer gemacht wird, social zu wirken." Im Verlaufe der Diskussion ergriff Herr Pfarrer Traub dann noch einmal das Wort und sagte: „Daß ein Pfarrer Streikbrecher werben kann, ist mir vollständig unbegreiflich. Nicht richtig ist, daß die Kirche der Socialdcmokratte den Krieg erklärt hat, es war umgekehrt. Daß die Kirche Fehler gemacht hat, gebe ich zu, aber das rechtferttgt nicht den Angriff auf die ganze Institution. Der Hauptpunkt ist: Ist die Kirche ei» Jnsttumcmt des KlassenstaateS, dann ist sie nicht christlich I Ich nehme für mich und die Mehrzahl meiner Amtsbrüder in Anspruch, daß die evangelische Kirche kein reines Instrument des Klassenstaates ist." Alle Achtung vor dem Standpunkt, den Herr Pfarrer Traub gegenüber dem wirtschaftlichen Kampf einnimmt. Wir sind mit ibm der Ucberzeugung, daß dies auch der Standpunkt der christlichen Religion sein müßte. Aber Herr Pfarrer Traub irrt, wenn er meint, eS sei der Standpunkt der Kirche und die Kirche sei kein Instrument des Klassenstaates. ES giebt zwar einen christ- lichen Glauben, aber es giebt keine christliche Kirche. ES giebt Verlin unck Qmgcg-entU Die modernste Organisation. Die BerlinerBerufs- Automobilfahrer haben sich auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung zusammengeschlossen. Für die„Chauffeurs" gab es schon bisher Vereine, so den Verein der Motorführer Deutschlands 1900 und den Mitteleuropäischen Motorführcr-Verein. Diese Vereine standen unter dem Protektorat einzelner Persönlichkeiten, genügten aber namentlich der Kerntruppe der neuen Organisation, den Geschäfts-Automobilfahrem, nicht. Diese haben erkannt, daß die Hauptausgabe einer Organisation die Aufvesserung der Ivirtschaftlichen Lage ihrer Mitglieder sein mutz, und daß sie im Verkehr der Großstavt mit denselben Widerwärtig« keilen zu kämpfen haben, Ivie andere Berufsarten des Transport- arbeiter-Gewerbes. Am Donnerstag fand eine Versammlung statt, die sich mit diesen Verhältnissen beschäftigte. Man beschloß m der- selben, sich als besondere Sektion dem Handels- und Transport- arveiter-Verbande anzuschließen. Es wurde eine aus fünf Personen bestehende SektionSleitung gewählt, welche in der nächsten Zeit eine umfangreiche Agitation unter den Berufs-Automobilisten Berlins und Deutschlands entfalten soll. Deutkebes Releb. Zur Erringung des NeiinstundeiitageS waren die Textil« a r b e i t e r zu M ii h l h n n s e n i. T h. in eine Bewegung getreten. Seit einiger Zeit schwebten Verhandlungen mit den dortigen Fabrikanten. Nach dem Ausgang des Kampfes in Crimmitschau sind die Herren andrer Meinung geivorden, sie verlangen, daß die alten Bedingungen beibehalten werden. Eine nunmehr stattgcfundene Versammlung nahm folgende Resolution an:„Da die Stricker und Strickerinnen von Mühlhauscn auch die jetzigen Lohntarffs-Verhandlungen in Frieden durchzuführen gewillt sind, beauftragen sie die Lohnkvinmission, nochmals mit den Fabrikanten in Verhandlung zu treten. Die Versammlung stellt es der Lohnkoinnnssion anheim, darauf zu achten, die Verbniidluiig an den strittigen Pnnkte» 6 und 7<6 und 7 betrifft Freigabe des 1. Mai und Einführung der neunstündigen Arbeitszeit) nicht scheitern zu lassen, in. betreff der übrigen Punkte wird der Lohnkommission freie Hand gelassen."— Der Vorgang ist nach zlvei Ricinungen hin interessant. Er zeigt auf der einen Seite die Friedensliebe der Arbeiter und kennzeichnet auf der andern Seite die Kainpfcswcise der Crimmitschaucr Industriellen. Diese erweckten bekanntlich mit Hilfe der ihnen dienstwilligen Presse den Anschein, als herrsche in der Textilindustrie noch ganz allgemein der Elf- stundentag. Während man diese Lüge noch lustig verbreitete, dachten die Textilarbeiter Thüringens schon an eine Perkürzung der Arbeits- zeit auf neun Stunden. Bor Zuzug«ach den Nuterweser- Orte» warnt unser Bremer« havener Parteiblatt. Die Arbeitsnachweis-BureauS in Bremerhaven haben über ihre Thätigkeit i» den letzten Monaten folgende Zahlen veröffentlicht. Es meldeten sich an den genannten Stellen im Okt. v. I. 3511 Arbeitsuchende, 1335 erh. Arbeit, 2176 blieben arbeitslos Nov.., 2952, 898„„ 2059„ Dez.„„ 1676„ 684„„ 992. Aehnlick traurig liegen die Verhältnisse an den übrigen Arbeits- Plätzen der Unterwefer. In ihrem eignen Interesse werden die Ar- beiter allerorts gewarnt, dem Liebeöwerben des Arbeitgeber- Ver- bandeS„llnterweser" Gehör zu schenken, da bei den oben veröffent- lichten Zahlen es aussichtslos erscheint, in Bremerhaven bald lohnenden Erwerb zu finden, die Lebens- und Wohnungsverhältnisse dort aber die denkbar teuersten sind. Huglanct. Die Lohnbewegung der Buchdrucker und verwandten Berufe in Amsterdam. Die Buchdruckercibesitzcr Amsterdams haben die von der tvderation der Arbeiter der typographischen Gewerbe vorgeschlagene ohnregclung abgelehnt. Sic wollen mir die Bestimmung, daß ein Schriftsetzer im fünfundzwanzigsten Lebensjahr mindestens 20 Cent pro Sttmde verdienen soll, beibehalten, knüpfen daran je- doch noch eine Menge Regeln über die fachlichen Keimtmsse und Fähigkeiten, die ein solcher des MinimallohneS würdiger Setzer haben soll. Eine Lohnregelung für die Drucker erklären sie der großen Verschiedenheit der Thätigkeit und des Bildungsgrades wegen für unmöglich und ebenso meinen sie. daß auch die Löhne der Buchbinder, deren Beruf in den Druckereien nur als Nebenberuf gelte, nicht geregelt werden könnten. Die Buchdruckcreibesitzer haben diese ablehnende Antwort nicht der Föderation oder den betreffenden Organisationen zugesandt, sondern in der bürgerlichen Presse veröffentlicht. Diese Nichtachtung ihrer Organisation hat den Unwillen der Arbeiter über die Hallung der Prinzipale zur Lohnfrage selbstverständlich noch vennchrt. Eine von der Föderation einberufene Versammlung faßte den Beschluß, die An- gelegenheit der Arbeitskammer für das Buchdruckgewerbe zu über- weisen, um zunächst einmal Verhandlungen mit den Prinzipalen anzubahnen. Bleibt das erfolglos, so soll zu ernsteren Maßnahmen gegriffen werden. Auch die Typographen von Rotterdam befinden sich in der Lohnbewegung. Die von der Arbeitskammer entworfene Lohnregulierung ist bis jetzt nur von nenn Firmen durchgeführt worden. Die Gehilfen beschlossen, die Lohnbewegung durch ihre Organisationen fortzusetzen. Der Diamantarbciter-Ausstaud ist in A n t w e r p e n für Montag wahrscheinlich. Letzte IVachnchtcn und Depcfchcn. Protest gegen die preußische Scherlsche Sparlotte. Karlsruhe. sB.H.)DerVorstand des badischcnSparkassenverbandeL beschloß einstimmig, sich dem Antrage des Schlcsischen Sparkassen- Verbandes auf alsbaldige Einberufung einer Generalversammlung des Deutschen Sparkassenvcrbandes mit der Tagesordnung:„Ist das Scherlsche Sparsystem anzunehmen?" anzuschließen. Der Vorstand des badischen Verbandes erblickt in der Einführung der Scherlschcn Sparlotterie eine Untergrabung des Ansehens und des Gedeihens der Sparkassen._ Ost-Asien. London, 29. Januar. Dem„Reuterschen Bureau' Ivird von seinen, Privatkorrespondentcn aus Petersburg von heute gemeldet: Bon maß- gebender Seite verlautet, daß die russische Antwort an Japan wegen der bei der Abfassung dieses Schriftstückes erforderlichen Sorgfalt nicht vor der nächsten Woche übern, ittelt werde. Ein hoher Beamter äußerte in einer Unterredung:„Natürlich können wir den Krieg nicht verhindern. Rußland w,rd sein äußerstes thun,„in Japan die Grundlage flir einen dauernden Frieden zu bieten, es giebt aber eine Grenze, über welche wir nicht HmanS gehen können. Wir gewähren in Korea thatsächlich alles und haben bereits die Vertrags- rechte sowohl Japans als andrer Mächte in der Mandschurei au- erkannt." Es verlautet, innerhalb der letzten vierzehn Tage hätten sowohl Rußland als Japan den Regierungen in Amerika und Europa ihre Stellungnahme bezüglich einiger strittiger Punkte amtlich mitgeteilt._ Die Grubenkatastrophe in Nordamerika. Von den 71 Leichen, die bisher auf der Grube Cheswick geborgen worden sind, konnten bis- her nur 13 rekognosziert werden. Die Hälfte der Grube ist erst abgesucht worden. Verantw. Redakteur: Julius Kaliski» Berlin. Inseratenteil verantw.: Th, Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u.PerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen. Nr. 25. 21. Jahrgang. 1. SeilM des Jotuiärtü" fnliiut flulWlatt Sonnabend, 30. Jaunar 1904. Reichstag� 21. Sitzung. Freitag, den 29. Januar 1904, nachmittags 1 U h r. Am Bundesratstische: Graf Posado wsky. Die zweite Beratung des Etats des Rcichsamts des Innern (Titel Staatssekretär) wird fortgesetzt. Wg. Lehmann(natl,): Die socialdenr akratische Presse hat im C r i m mit- schauer Streik die öffentliche Meinung irre geführt. (Unruhe bei den Soc) Ich werde mich auf eine möglichst objektive Darstellung der Thatsachen beschränken. Das gute Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern, das früher in Eriinmitschau herrschte, wurde erst 1900 gestört, vor allem durch das Wirken eines Mannes, dessen Namen ich nicht nennen will, der srliycr Ardciler war. jetzt aber VerbandSbcamter ist. Eine Arbeiterin, die lein Mai fcst-Abzcichen kaufte, hatte seitdem keine ruhige Stunde mehr. Heute besinden sich besonders auch bei uns in Thüringen die Unternehmer in einer unwürdigen Abhängigkeit von den A r b e l t e r n. Am 25. Juni fand nun in Crimmitschau die erste Volksversammlung statt; die Lage wurde als überaus günstig hingestellt, eventuell für später der Generalstreik in Aussicht gc- nommen. Daß während die Unterhandlungen noch dauerten, am 8. August in fünf Fabriken gekündigt Ivnrde, war der erste Vertrauensbruch. Am 25. August traten in fünf weiteren Fabriken die Arbeiter in den Streik. Um einen solchen handelt es sich also, nicht um eine Ans- sperrung. Am 12. September hat ein socialdemokratischer Referent in einer Crimmitschauer Versammlung offen die Machtfrage auf geworfen: in Betracht kämen für den Streik Forst, Neu> m ü n st e r und Crimmitschau. Sei es an einem Orte ge- lungen, so würde sofort in den andern der Streik proklamiert. Es war also kein Kampf zwischen Arbeitern und Unternehmertum, sondern eine Machtfrage.(Lachen bei den Socialdcmokratcn.) Die Löhne in Crimmitschau waren höher als in den andern Orten der Textilindustrie.(Abgeordneter Hoffinann-Berlin(Soc.) ruft: Das haben Ihnen die Unternehmer aufgeschwindelt.) Die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter in Crimmitschau sind durchaus keine schlechten. Die Socialdemokratie bezeichnet sich immer als die Vertreterin der ärmsten Arbeiter. Die zwei Millionen aber, die sie für Crimmitschau ausgebracht hat, ist doch ein recht gutes Zeichen für die Stcucrkraft der Arbeiter, das dem Herrn Reichs Schatzsckretär sehr angenehm sein wird.(Lachen' bei den Socialdcmokraten.) ES ist der Socialdemokratie ja gar nicht um den Z e H u st u n d e n t a g zu thun, hat sie diesen erreicht, so wird sie sicher den Achtstundentag fordern (Sehr richtig! bei den Socialdemokraten). Dann den Sechs- stu n d e n ta g( S eh r r i ch t i g! bei den Socialdemokraten) und wenn sie diesen hat, die Beteiligung der Arbeiter an der Leitung der Fabriken.(Sehr richtigl bei den Socialdemokraten.) Sie wollen eben die Arbeiter nicht zu frieden werden lassen, sonst würden Sie ja den Ast ab sägen, auf dein Sie sitzen.(Sehr richtig I rechts.)— Herr Bebel hat behauptet, daß die Maßregeln des Bürgermeisters von Crim- mitschau gegen die Streikenden dadurch zu erklären seien, daß er Schwiegersohn eines der Fabrikanten sei. Aber das war er nur durch seine erste Frau, die schon seit 6 Jahren tot i st.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Zu An- fang war es ja ganz ruhig in Crimmitschau. Erst als die Fabrikanten mehr Arbeitswillige von auswärts heranzogen, kam es zu Unruhen. Mußte nun nicht der Bürgermeister Maßregeln zum Schutz der öffentlichen Ordnung ergreifen? Wenn 13 streiken, hat nicht der 1ö. das freie Recht zu arbeiten? Wer hat die Crimmitschauer Arbeiter gehindert, auswärts Arbeit zu suchen?(Lachen bei den Socialdemokraten.) Der Abg. Fischer hat behauptet, die Unternehmer wollten auch jetzt noch nicht den Frieden und zögen auswärtige Arbeitswillige heran. Ich kann in ihrem Namen erklären, daß sie das nicht mehr thun. Im Gegenteil ist ihr eifriges Bestreben, die Crimmitschaucr Arbeiter möglichst bald die ganze traurige Angelegenheit vergessen zu lassen. (Bravo! rechts.) Und wie liegt eS denn mit dem Verbot der WeihnachtS- fei er. Das Fest am eignen Herd im Kreise der Familie zu feiern, ist niemand verboten worden.(Große Heiterkeit.) Auch eine öffentliche Feier wurde nicht verboten, nur als man socialdcmokratische Redner zuziehen wollte, erging das Verbot. Eine WeihnachtS- feier etlva mit HerrnFischer-Berlin als Redner, das könnte eine nette Bescherung werden.(Stürmische Heiterkeit.) Hunderte von Arbeitern sollen aus der Kirche ausgetreten sein, wiederholte auch neulich Herr Fischer. In der That sind aber vor Weihnachten nur 21 Arbeiter auS der Kirche ausgetreten(Hört! hört! rechts), nach den Feiertagen niemand mehr. Als die Arbeiter zu den Geistliche» kamen, erklärten diese, so viele Gesuche mit einmal könnte» sie nicht abfertige»(Hört! hört I bei den Socialdemokraten), die Leute möchten nach dem Feste wiederkommen; aber die Arbeiter erklärten, nach den Feiertagen habe es ja keinen Zweck mehr. (Große Heiterkeit rechts.) ES war also eine reine Demonstration. Herr Fischer hat gesagt, es hat in der W e l t g e s ch i ch t e noch keine Jnfanme gegeben, über die nicht ein Pfaffe den Segen gesprochen hätte.(Sehr richtigl bei den Socialdemokraten, Unruhe rechts, Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballrstrem(sehr erregt): Ich bitte Sie. sich solcher empörenden Aeußerungen zu enthalten. Ich weiß nicht, wer da gerufen hat, daß es sehr richtig wäre; jeden- falls sind solche Aeußerungen im deutschen Reichstag un- zulässig.(Große Unruhe bei den Socialdemokraten.) Abg. Lehman»(fortfahrend): Ich erkläre zu dieser Aeußerung. daß mir kein parlamentarischer Ausdruck zu Gebote steht, um solches Vorgehen zu brandmarken. Außerhalb dieses Hauses würde ich dieses Vorgehen als bodcn- lose Gemeinheit bezeichnen.(Große Unruhe bei den Socialdemokraten.) Was für ein todeswürdiges Verbrechen hat denn Pfarrer Schink in Crimmitschau begangen? Er hat einfach nur die Wahrheit gesagt. Der Crimmitschau er Streik hat eine erfreuliche Folge gehabt: den Zusammenschluß aller deutschen Industriellen. Die gut nattonalliberalen Crim- mitschauer Fabrikanten haben durch Einsetzung ihrer ganzen Existenz den Vorstoß der gesamten deutschen Socialdemokratie aufgehalten und zurückgeschlagen und sich dadurch den unauslöschlichen Dank aller derjenigen verdient, die auf dem Boden des modernen Staates stehen. Ich hoffe, daß durch das gemeinsame Zusammenwirken der Unternehmer und Arbeiter die früher blühende Industrie in Crim- mitschau den schweren Schlag bald überwinden wird.(Lebhafter Beifall bei den Nattonalliberalen.) Abg. Gräfe(Antis.): Die maßlosen Angriffe der Socialdcmokraten auf die sächsischen Fabrikanten und die sächsische Regierung zwingen mich, als den leider einzigen bürgerlichen VertreterSachsenS im Reichstag(Heiterkeit bei den Socialdemokraten),� noch einmal Ihnen die Thatsachen darzulegen, wie sie in Crimmitschau nach meinen Informationen liegen. Die Lohnverhältnisse in Crimmitschau waren vor dem Streik die folgenden: Die Weber erhielten 19 bis 27 M. pro Woche, die Weberinnen 15 bis 29 M.(Rufe bei den Social- demokraten: Ist ja längst widerlegt I) Sie legen sich Ihre Wider- legungen zurecht. wie Sie sie zur Verhetzung der Arbeiter brauchen.(Sehr richtig! rechts.) Die jugendlichen Arbeiter in Crimmitschau erhielten 8 bis 9, später 19 bis 12 M. Diese Zahlen sind notariell beglaubigt aus den Lohnbüchern der Fabrikanten. Die Einlagen in der Crimmitschaucr Sparkasse betragen 10 Millionen Mark und sind in den letzten zwei Jahren um 2>/z Millionen Mark gestiegen. Sicherlich rührt nicht wenig davon»von Arbeiten: her. Ein Notstand, der zum Streik drängte, lag also gar nicht vor. Dabei hatte die Vigogne-Spinnerei gegenüber der Konkurrenz z. V. Oest- reichs einen sehr schweren Stand. Es handelte sich nur um eine Machtprobe der Socialdemokratie. Juristische Beweise dafür sind vielleicht schwer zu bringen, aber das ganze sächsische Volk (Lachen bei den Socialdemokraten), das ganze deutsche Volk bis tie� in die Reihen der socialdemokratischen Wähler fühlt es, daß nur sie den Streik auch fortgeführt hat, als längst ein Sieg nicht mehr denkbar war. Und die berühmte deutsche Wissenschaft ist auf bloße Zeitungsnachrichten hin für diesen Streik eingetreten, obwohl es nie einen frivoleren gegeben hat. Ich habe meine Informationen nicht nur von den Unternehmer,:. Ich habe, hier einen Brief eines siebzigjährigen Fabrikarbeiters vor mir. den Namen kann ich Ihnen nicht nennen, weil er schreibt, lmnn das die Arbeiter in Crimmitschau erfiihrcn, könnte er dort nicht länger bleiben.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Dieser Arbeiter verdient noch jetzt wöchentlich 29 M. und ist damit durchaus zufrieden. Das ist die christliche Zufriedenheit,„Ihre ver- dämmte Zufriedenheit", Herr Bebel. Solange der alte Gott noch lebt, und er wird schon leben, kommen Sie(zu den Socialdemo- traten) nicht zum Siege. Sie fürchten, daß sich jetzt den Arbeitern die Augen öffnen, darum rnfcir Sie:„Haltet den Dieb I Aber nun haben Sie den Diebstahl an Freiheit und Menschenwürde begangen(Rufe bei den Socialdcmokratcn: Aus gezeichnet!) Die Ausschreitungen will ich im einzelnen nicht an- siihren.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Aber neben dem Koalitionsrecht, von dem ich feierlich für meine Partei erkläre, daß wir es hoch und heilig halten werden alle Zeit, liegt uns auch der Schutz der Arbeitswilligen und die Ruhe des friedlichen Bürgers am Herzen. In diesen schweren Zeiten muß durch die That gezeigt werden, daß es noch andre Interessen giebt als die der Arbeiter. In: ersten Augenblicke konnten die Versammlungsvcrbote verfehlt erscheinen, jetzt aber bin ich überzeugt, daß spätere Kulttwhistorikcr das Vorgehen der sächsischen Gendarmerie als rettende That preisen werden.(Lauter Beifall bei den Socialdcmokraten. Was ist dem: bei dem Streik herausgekommen? Noch vierzehn Tage vor dem Ende des Streiks schrieb der„Vorwärts": der Streik werde fortgeführt bis zum bitteren Ende. Der einzige Erfolg des Streiks ist, daß die Unternehmer zu einer Phalanx zusammengeschweißt sind, die vielleicht auch berechtigte Streiks in Zukunft unmöglich machen lvird.(Abg. Bebel: Wie stehen Sic denn zum Zrhnstundentag? I ch bin für den Zehn stunden tag. Das ist ja gerade das Frivole bei dem Vorgehen der Socialdemokratie, daß sie gewußt hat, es kommt der Zchnstnndentag in bälde, im Bundesrat und Reichstag ist eine Mehrheit dafiir, und daß sie dennoch den Streik provoziert hat.— Mit aller Entschiedenheit muß ich protestieren gegen die Kritik des Hern: Fischer an der Erhöhung der Civilliste in Sachsen. Kümmern Sie sich doch vor allem um Ihr RoteS Haus in Berlin. Wenn die Führer der Socialdemokratie nur einen Schein von dem Ernst und der Gewissenhaftigkeit vor Gott und den Menschen, die unfern König beseelt, gehabt hätten, so wäre das aUnglück von Crimmitschu nicht ausgebrochen.(Unruhe bei den Socialdemokraten.) Aber gerade darum müssen wir den Arbeitern auf'dem Wege der Socialreform gewähren, was ihnen zukommt. In gleicher Weise sollte die Rcgwrung auch für die Handwerker und Land- wirte sorgen. Aber die können warten, bis die Weltausstellung in St. Louis vorüber ist! Dieser Regierung widmet das„Sächsische Volksblatt" mit Recht folgenden St'ammbuchvcrs:„Wir erwägten noch immer, wir erwägen noch heut, wir werden erwägen in Ewig- keit." Die Vorwürfe gegen den Pfarrer Schink kann ich nicht verstehen; die Ausführungen des Abg. Fischer über ihn sind eine Beleidigung des gesamten Christentums, der g e s a m t e n ch r i st l i ch e n K: r ch e. Ich wollte einmal hören, welchen Lärm Sie(zu den Socialdemokraten) machten, we:ln man dem Rabbinertum derartige Vorwürfe machen würde. Dabei ist bei Ihnen auch nicht alles in Ordnung. Die Arbeitszeit der Konsumvereine ist unerhört lang. Eine Konsumvereins- Fleischerei mußte wegen Gesundheitsgefahr polizeilich geschlossen werden; bei dem socialdemokratischen„Düsseldorfer Volksblatt" streiken die Aus trägerinnen, weil ihnen ein paar Pfennige Lohnerhöhung ver- weigert werden. Wenn Sie(zu den Socialdemokraten) sagen. es giebt keine Infamie, Über die ein Pfaffe nicht den Segen ge- sprachen hat, so sage ich, es giebt kein Verbrechen in der eltgeschichte, keinen Mord, der nicht von Ihnen verherrlicht und sanktioniert wäre.(Gelächter bei den Socialdemokraten.) Präsident Graf Ballestrcm: Herr Abgeordneter, Sie dürfen das andern Abgeordneten im deutschen Reichstag nicht vorwerfen! Abg. Gräfe(forffahrend): Sie leugnen, daß das aristokratische Element immer regieren muß, und doch herrscht eS in Ihrer Partei. Die Diktatur ist in Dresden proklamiert, und der Staatsstreich kommt vielleicht an: 2. Dezember.(Lautes Lachen bei den Socwldemokraten.) Wir fürchten, daß der deutsche Handwerkerstand geopfert werden soll, daß er keinen Freund in der Regierung hat. Die Regierung soll die Stunde zu seiner Rettung nicht vorübergehen lassen, sonst wird das alte deutsche Sprichwort gelten: Wen der Herr verderben will, den schlägt er mit Blindheit.(Bravo! rechts.) Sie aber(zu den Socialdemokraten) werden nicht siegen, solange das 'kreuz in deutschen Landen aufgepfanzt ist. Wir vertrauen_ fest auf unfern endgülttgen Sieg, weil wir heute noch an die Verheißung glauben: In ttoo signo vLnees!(Bravo! rechts.) Abg. v. Gerlach(Hosp. der frs. Vg.) fragt an, ob die Ausdehnung der Krankenversicherung auf die Dienstboten und das Gesinde von der Regierung angestrebt werde. Die Erklärung des Herrn Staatssekretärs in dieser Beziehung war mir nicht präcis genug. Ich wünschte, daß der Herr Staatssekretär mir wirkliche Gründe dafür angeben könnte, daß die Dienstboten bisher von der Wohlthat der Krankenversicherung ausgenommen sind, bisher habe ich nur leere unbeweisbare Redens- arten gehört. Wenn es sich um die L a n d a r b e i t e r handelt, ist ja Graf Posado wsky für sociale Regung cn absolut u n- zugänglich; die Landarbeiter sind von jeher Stief- ki n d der Gesetzgebung. Alle Pflichten haben sie wie andre Arbeiter, aber alle socialen Errungenschaften sind für sie nicht vorhanden. Wer bei den heutigen Rechtsverhältnissen den Landarbeitern zuredet. imOsten zu bleiben, handelt unverantwortlich; ich stamme selbst aus dem Osten und aus ländlichen Verhältnissen und kenne die Dinge genau. In Schlesien herrschen zum Teil noch Lohnverhältnisse. wie sie sonst unerhört sind. Auf einen: Gut im r e i s e W o h l a u— das ist durch Zeugenaussagen vor einem Berliner Gericht festgestellt— wird Frauen ein Lohn von 45 Pfennig im Sommer, 35 Pfennig im Winter, Männern 80 Pfennig im Sommer, 90 Pfennig im Winter gezahlt.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Man sollte nicht glauben, daß bei dich elenden Hungerlöhnen überhaupt noch Arbeiter zu finden ind. Freilich sind diese Arbeiter auch die a l l e r r ü ck st ä n d i g st e n. zu denen noch kein Strahl der Aufklärung gedrungen ist. Und das wird nicht anders werden, bevor nicht auch den Landarbeitern das Koalition srccht gewährt wird. Das preußische Abgeordneten- haus freilich wird nie dafür zu haben sein, die Rechtslage der Arbeiter zu verbessen:, hier muß das Reich einschreiten. Nun könnte man ja sagen, daß das KoalitionSrccht auch für die Jndnstricarbeitcr nur auf dem Papier steht, wie sich in Crimmitschau gezeigt hat. Ich will den Anschein nicht aufkommen lassen, als ob wirklich alle bürgerlichen Abgeordneten eine reaktionäre Masse bilden. Ein größerer Gefallen könnte der Socialdemokratie gar nicht gcthan werden. Ich erkenne an, daß unüberlegte Streiks den Arbeitern großen Schaden stiften, daß es Kriegsrecht der Unternehmer ist, bei StteikS in einigen Fabriken alle zu schließen. Aber dann komme man nicht mit solchen Kleinigkeitei: wie den heute auch hier erwähnten Mai- Festzeichen. Jeder Fabrikant, jeder Geistliche, jede Behörde hat in Crimmitschau die Geschichte erzählt. Sie ist die pieos de resistauce der staatserhaltenden Parteien geworden. Ich fürchte, sie lvird zu einer so unfreiwilligen Berühmtheit kommen wie die„höhnischen Gesichter" des Geheimrats Dr. Fischer. Pfarrer Schink hat sich keineswegs der Zustimmung der evangelischen Geistlichkeit Sachsens zu erftcuen. Ich muß im voraus feststellen, daß dieser Herr nie nationalsocial gewesen und bei meinen politischen Freunden in Leipzig völlig unbekannt ist. Sei» Vorgehen hat zur Gründung einer evangelisch-socialcn Konferenz geführt, in der weite Kreise der eßnngelischen Theologe» sein Verhalten ausdeiicklich mißbillige». Eine Rede des Herrn Fischer wäre den Crim» mitschauer Arbeitern sicher viel lieber gelvesen, als eine sanfte Predigt des Herrn Schink.(Sehr gut! links.) Herr Lehmann behauptete, es hätte niemand die Arbeiter gehindert, außerhalb Crimmitschau Arbeit zu suchen. That- sächlich aber sind i u verschiedenen Fällen Crim- mitschauer Arbeiter von Fabrikanten außerhalb Crimmitschau abgewiesen worden, weil sie aus Crimmitschau kamen.(Hört I hört! bei den Socialdemokraten.)— Noch ein Wort zu dem Verhalten der Crimmitschauer Arbeiter zu den Arbeitswilligen. Die notwendige Aufklärung voi: auswärts zugereister Arbeiter, die meist nur aus Unwissenheit ihren Arbcitsgenossen in den Rücken fallend(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten) folgt absolut auS dem Koalitions recht. Wirkliche Belästigmigen von Arbeitswilligen, wie körperliche Mißhandlungen, Beschimpfungen, können schon heute bestraft werden. Die sächsische Regierung könnte sich bei ihrer traurigen Finanzlage die Kosten eines be- sonderen Vertreters hier im Reichstage w:rklich sparen, sie hat ja, wie wir gehört haben, so vorzügliche freiwillige Kommissare(Heiterkeit und Sehr nchtig I links.) Herr Abg. Lehmann hat sogar versucht, sogenanntes Material beizubringen, während Geheimrat Fischer sich außerordentlich allgemein ausgedrückt hatte. Dieser sagte nur immer, es sind Seile durchschnitten, es sind Fenster eingeworfen worden. Ja, wer beweist denn, daß die Streikenden das gethan haben? Es giebt doch noch dumme I u n g e n S.(Sehr richttg I links.) DaS Einwerfen von Fenstern ist doch keine Specialität von Crimmitschau. Jedenfalls können durch allgemeine Behauptungen keine Versammlungsvcrbote gerechtfertigt werden.(Sehr richtig! links.) Im Dezember waren nach Herrn Fischer nach löwöchiger Dauer des Streiks erst 16 Fälle von Vergehen Streikender bestraft worden, seitdem ist die Zahl um 75 gestiegen. Sie ist die Folge der segensreichen Versa m ml nngs- Verbote. Natürlich, wenn man den Arbeitern verwehrt, in regulärem Kampfe das zu thun, was sie für nötig halten, dann wird man leicht die verzweifelten Elemente zu unüberlegten Handlungen bringen.(Sehr richtig! links.) Solche willkürlichen Ein- schränkungen der Versammlungsfreiheit können uns jeden Tag wieder beschert werden, so lange diese Materie nicht reichsgesetzlich geregelt ist. Graf P o s a d o lv s k y hat uns auf die preußische Vereins- Novelle verwiesen, er hat dabei den Frauen das Recht ab- gesprochen, sich politisch zu bethätigen.(Sehr richtig! im Centrum.) Es ist bedauerlich, daß iin zwanzigsten Jahrhundert noch solche Anschauungen geäußert werden, die kaum ins neunzehnte Jahrhundert hineingepaßt hätte,:. Ebenso wenig darf man das Versammlungsrecht der nicht deutsch sprechenden Arbeiter in die Hände der Polizei legen. Für den Staatssekretär gäbe es keine edlere Aufgabe, als nach den Ver- heißungcn der Gewerbe-Ordnung an Stelle der einzclstaatlichen Un- Vernunft auf dem Gebiete des Vereinsrechtes die reichsgesetzliche Vermmft zu setzen.(Beifall links.) Abg. Dr. Dröscher(k.): Der Abg. v. Gerlach hat ja früher seine glänzende Beredsamkeit in den Dienst der Berliner Dienstboten-Bewegung gestellt. Inzwischen ist ihm sein Macedonien zu klein geworden und er hat sich in die frischere Landluft unter die gesunderen Anschauungen der ländlichen Bevölkerung begeben. Wenn es den Landarbeitern lvirklich so schlecht ginge, w:e seine mit den Thatsachen leider nicht in Ucbereinstimmung stehende Beredsamkeit uns angiebt, so begreife ich nicht, wie seine Partei und seine Freunde von noch weiter links so schlechte Erfolge bei den Landarbeitern haben können.'(Wider- spruch bei den Socialdemokraten.) Wenn er die Löhne der Land- arbeiter erhöhen will, so sollte er für die dazu unentbehrlichen Agrarzölle eintreten. Daß diese notwendig sind, erkennen auch vernünftige Socialdemokraten an!(Lachen bei den Socialdemokraten.) Ich verweise nur auf S ch: p p e l. (Erneutes Lachen und Widerspruch.) Daß die außerordentlich ge- sunden Ausführungen des Herrn Schippe! Ihnen lässig sind, läßt sich begreifen. Ich bestreite, daß die Landarbeiter außerhalb der socialen Gesetzgebung stehen. Die Fürsorge für sie im Krankheitsfälle nach 8 86 der Gesinde-Ordnung ist sogar besser als die "ranke»Versicherung der Jndustrie-Arbeiter. Trotz des zersetzenden Einflusses der Socialdemokratie ist der patriarchalische Geist noch nicht zum Untergang gekommen(Lachen links), und wir "aben weit zuverlässigere Arbeiter als die industriellen Unternehmer ei ihren Versicherungsgesetzen. Auch die Arbeiterwohnungen auf dem Lande sind viel besser als in Berlin und Charlottenburg. (Zwischenrufe bei den Socialdemokraten.) Da wohnen eben nur Schweine.(Zuruf bei den Socialdemokraten: Cadinen.) Wenn man zum erstenmal hier in: Hause diese:: social» politischen Wettlauf sieht, so muß man sich sagen, daß alle bürgerlichen Parteien die maßlosen Anforderungen derSocialdemokratie nie beftiedigen könne».(Sehr richtig I rechts.) Dadurch, daß wir in:n: er hinter ihren Anträgen zurückbleiben, ent« steht ein höch st bedenkliches Resultat: eine Anfstachelung der Unzufriedenheit.(Ironischer Beifall bei den Socialdemokraten.) Wir tragen Bedenken, das mitzumachen, tragen aber gern bei zur Verbesserung der Arbeiter-Existenz. Wir beteiligen uns aber nicht an Maßnahmen, die hinauslaufen auf einen Byzantinismus nach unten. Für die Ausbildung des freien Arbeitsvertrages treten wir gern ein. Das zeigen wir bei der Schaffung der Gewerbe- und Kausinannsgerichte.(Zuruf bei den Socialdemokraten: Und für die ländlichen Arbeiter?> Worüber ich rede, darüber entscheide ich selbst. Ich habe mich socialdemokratischer Führung noch nie anvertraut(Zu- ruf bei den Socialdemokraten: Das merkt m a::.), und werde mich auch nie anvertrauen, so alt ich werde. Ich bedaure nur, daß in Mecklenburg ein Wahlkreis unter socialdemokratischer Führung steht. Paritätischen Arbeitskammern könnten wir zustimmen, aber einseitige Arbeitskammern würden uns Organe zur Vertretung des Klassenstandpunkts bedeuten. Weit wichtiger als diese Arbeits- kämmen: erscheinen uns Tarifverträge, in denen die Arbeiter auch eine gleichmäßige Herabsetzung ihrer Arbeitszeit erlangen können. Den Maximalarbeitstag an sich müssen wir unbedingt ab- lehnen, aber den sanitären Maximalarbeitstag und den Frauen- Maxiinalarbeitstag könnten wir acceptieren. Zum Ausbau der Gewerkschaften würden wir gern mittvirken;aber er st e Vor- anSsetzung ist ihre Befreiung von der So« cialdemokratie. Die Gewerbeordnung bedarf einer Ergänzung dahin, daß Arbeiter, die sich gegen ihre Kollegen thätlich vergehen, sofort entlassen werden können. Eine Vermehrung des Gewerbe-Jnspekttonspersonals, auch der weiblichen Assistenten, halte ich für durchaus angebracht; auch besonders vorgebildeten technischen Assistenten und Baukontrolleuren würden wir zustimmen. Dagegen ind wir für die Heranziehung von Hilfskräften aus dem Arbeiterkrcise nicht z» habe». Ein Wunsch zahlreicher Kreise der Handlungsgehilfen ist eine Ausdehnung der Gclverbe-Anfsicht auf den Handel, namentlich die S rohen Betriebe: dagegen>v ollen lvir das ohnehin stark edrängte Handwerk mit einer solchen Aufsicht verschont wissen, zumal sie hier absolut unnötig ist. Für die gesundheitlichen Verhält- nisse im Handwerk haben die Handwerkskammern zu sorgen.— Eine Bethätigung der Frauen an politischen Veranstaltungen und Wahlen lehnen wir ab. Die Arbeiter durch socialpolitische Mahnahmen aus der Umschlingung durch die Socialdemokratie zu befreien, halten wir für unmöglich,'die Socialdemokratie erstrebt nichts als die Er- ringung der politischen Macht, nicht die Gleichberechtigung, sondern die Alleinherrschaft der Arbeiter. Die Stärkung des Mittelstandes ist die wichtigste Aufgabe des Staates. Wir müssen es bedauern, daß die Handwcrksenquete aus finanziellen Gründen verschoben ist; es wäre besser gewesen, für die Ausstellung in St. Louis weniger Mittel aufzuwenden.(Sehr richtig! rechts.) Ebenso wichtig ist die Kartellenguete. Kartelle halten wir für notwendig im Interesse der Konsumenten, der Allgemeinheit. Die Handwcrkerfrage ist heute lediglich eine Bildungsfrage. Von den Meisterprüfungen versprach man sich eine Verjüngung des Hand- tverkerstandcs: leider haben sich diese Hoffnungen bisher nicht be- stätigt. Im Publikum wird auf den Meistertitel wenig Wert gelegt, eine geschäftliche Bedeutung besitzt der Titel leider nicht. Wir wünschen, daß mit dem Meistertitel verknüpft werde das Vorrecht zur Ausführung von Arbeiten im öffentlichen Austrage. Alles das aber wird dem Handwerk nicht helfen, wenn nicht eine kaufkräftige landwirtschaftliche Bevölkerung verstanden ist. Deshalb haben die Handwerker das allergrößte Interesse an einer gesunden Agrarpolitik, ebenso wie auch die landwirtschaftlichen Arbeiter.(Bei- 'fall rechts.) Abg. Dr. Benmer inatl.): Ich möchte zu einigen socialpolitischen Fragen meine p e r s ö n- l i ch c Meinung sagen. Es ist hier geäußert worden, der Streik in Crimmitschau wäre nicht ausgebrochen, wenn der zehnstündige Arbeitstag allgemein eingeführt gewesen wäre. Es handelte sich aber in Crimmitschau nicht um den Zehnstundcntag und nicht um eine lOprozentige Lohnerhöhung, sondern um eine Machtprobe der Socialdemokrarie. Es handelte sich recht eigentlich darum, wer Herr im Hanse sein sollte, nicht im Sinne eines Herrn init der Peitsche in der Hand, sondern des Herrn als Disponenten und verantwortlichen Leiters des Betriebes. Diese Herrschaft den Arbeitgebern zn nehmen ist das Bestreben der Gc- werkschaften, au ch derGewerkve reine neu ererRichtung in England. Wenn aber die Leiter nicht mehr das Recht haben sollen, berechtigte Arbeiterentlassungen vorzunehmen, so geraten wir in ein ChaoS, in dem Arbeitgeber Ivie Arbeitnehmer untergehen. Der Zchnstundentag ist thatsächlich in vielen Betrieben Rheinland- Westfalens eingeführt, aber die Arbeiter wollen ihn mit Rücksicht auf die Saisonarbeit nicht gesetzlich festgelegt wissen.(Viccpräsidcnt Graf Stolberg bittet den Redner, jetzt uiän näher auf den Zehnstundentag einzugehen). Tie Centrums- r e s o l u t i o n auf Einführung des Zehnstundentages für Frauen würde in textilindustriellen Betrieben sofort den Zehnstundcntag auch für Männer herbeiführen und fernerhin den Neunstunden- tag usw.. bis wir schließlich zum Ein stundentag kämen..(Friedrich-Dilhelmstädt.) Dir Kinder der Excellenz. Luisen. Das Käthchen von Heil- bronn. Kleines. Elektro. Trianou. Madame X. «karl Weist. Die Baucrirbrünhilde. Vtetropol. Durchlaucht Nadiescheu. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n große« Teich. Passage- Theater. 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(Friedrich-WilbelmstädtischeS Tbcater) Sonnabendabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Die KIniler der Excelleuz. Lustspiel in 4"Aufzügen von E. v. Wotzogc» u. W. Schumann. Sonnlag nachmittag 3 Uhr: Wilhelm Teil. Sonntagabend 8 Uhr: Die Kinder der Kxccllenx. Montagabend 8 Uhr: Die Kinder der Kxcellenz. Thalia-Tlieater. Beilc-Äliianee-TiiealeF. Bellc-Allianccstr. 7/8. Amt VI 283. und Alfred Schünfold. Ans. V/, Uhr. Heute Sonnabend und Sonntag: Der reichste KerUner. Montag u. Mittwoch: Luid» Tbielsobor als Hochlourist. Sonntagnachm. 3 Uhr: Dor Glöckner von Notre Dame. Drcsdenerstr. 72/73. Amt IV 4140. Ans. 7'/, Uhr. Direktion Jean Kren Heute Sonnabend und Sonntag: Der Hochtourist. Montag und Miiiwoch: Gastspiel Isadorn Diwoan. Sonnlagnachmittag 3'l.j Uhr: fcharlcys Tante. Cirkus Schumann. Heute Somiabend, den 30. Januar: High-life-Soirec. Immer das Origwal. Anr noch knrze Zelt! Die phänomenaie offene Loop. Crcatenr Möns. AnclUottl. Frl. Dora Schnmann, jugendl. Schulreiterin. 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Die heute veröffentlichten Erklärungen, die Schippe! im Reichstag und im„Vorwärts" erlassen hat, veranlassen mich, auf die Veröffentlichung dieser Kritik zu vcr- zichteu. Nicht etwa deswegen, weil sie dadurch hinfällig geworden wäre, sondern deswegen, weil diese Erklärungen eine neue Frage haben auftauchen lassen: Was hat Schippe! eigentlich gesagt? Schippe! behauptet, der Bericht des„Vorwärts" gebe seine Aus- fiihrungen falsch und verzerrt wieder. Ich habe der Versammlung nicht beigewohnt. Trotzdem erkläre ich, der Bericht des„Vorwärts" ist in allen entscheidenden Punkten richtig, und ich glaube, das auch beweisen zu können. Ich kann inich dabei auf eine Publikation berufen, die Schippe! vor ihrer Drucklegung sicher vorgelegen hat, nämlich sein Buch über die„Grundzüge der Haudelspolltik", das 1g02 im Edelhcimschen Verlag erschien. Wenn es nicht soviel Aufsehen erregte, wie jetzt seine Rede, so liegt das einfach daran, daß es in ennüdender Breite auf 350 Seiten den Gedankengang verfolgt, der jetzt in einer Spalte im„Vorwärts" zus ammengedrängt war. Dadurch erst ist dieser Ge- dankengang in die Oeffentlichkeit gelangt. Tie springenden Punkte in dem Bericht über Schippels Rede find die Behauptungen, die Lebensmittelzölle erhöhten nicht die Lebensnnttelpreise, die Hochhaltung der Grundrente sei notwendig im Interesse der Landwirtschaft, die landwirtschaftlichen Schutzzölle seien unentbehrlich, um die Landwirtschaft zu retten, die ohne sie unrettbar dem Verfall entgegengehe, unentbehrlich aber auch in, Interesse des industriellen Proletariats, daö unter dem Niedergang der Landwirtschaft am meisten zu leideu hätte. Will Schippe! behaupten, in diesen Punkten seien seine Ans- ftlhrungen falsch wiedergegeben? Dann sei er an einige Stellen seines Buches erinnert. In dem Bericht des„Vorwärts" heißt es: „Es ist nicht wahr, daß die Preise infolge der Zölle gestiegen find. Die Agrarzölle sind Zölle, welche mit Mühe und Not die alten Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse erhalten und die Landwirffchaft vor dem völligen Zusammenbruch bewahrt haben. Niemand ist durch die Agrarzölle bereichert worden. Sie haben den Zusammenbruch der Landwirtschaft aufgehalten, können ihn aber nicht verhindern." Der Schlußsatz beruht vielleicht auf einem Irrtum des Bericht- erstatters. Mit dem sonstigen Inhalt dieses Absatzes vergleiche man folgendes Citat: „Nur iveil man in freihändlerischcn Kinderfibeln und Leit- artileln immer wieder auf die groteskcstcn Einbildungen stößt, sei es gestattet, hervorzuheben, daß alle deutschen Getreidezölle mit Eimchluß des Fünfmarkzolles von 1837 ein Sinken der Getreide- preise nicht zu hindern vermochten.... Ohne Zölle hätte man vielleicht schon damals sin den achtziger Jahren) von einer K a t a- strophe sprechen müssen." sS. 237, 238.) In dem Bericht deS„Vorwärts" heißt es ferner, von der eng- lischen Landlvirtschaft, deren Pachtzinsen unter dem Einfluß des Frei- Handels sanken: „Die englische Landwirtschaft ist in rapidem Verfall begriffen, Ivas für England, das sich ja Ivesentlich auf seine In- dustrie stützt, nicht schlimm ist. Sollen wir aber auch in andren europäischen Ländern die Landlvirtschaft verfallen lassen?" In seinem Buch aber sagte Schippel: „Wenn dieser Prozeß(des Sinkens der Grundrente) noch weiter fortschreitet, so dürfen selbst die blindesten theoretischen Worte- inacher zu fühlen bekommen, daß die Preis- und Grundrenten- Bewegung allerdings sehr viel mit der landwirtschaftlichen Pro- duktion zu thun hat. Wir in Deutschland haben die praktische Probe auf das Exempel noch nicht recht gemacht, weil unfre Agrarzölle die historisch gewordene Grundrcnten-Bildung leidlich aufrecht erhalten und jedenfalls ihren vollständigen Zusammen- bruch abgewehrt haben. Aber in Großbritannien war man in der Lage, die Grundrente frei fallen zu lassen. Iveil man bereits mit einem unendlichen Uebergewicht der industriellen Interessen in die AgrarkrisiS eintrat. Wenn nun hier zwischen 1871 und 1901 von 3,57 Millionen Acres Wcizcnland 1,87 Millionen außer Anbau gesetzt wurden, so daß nur noch etwa 1,7 Millionen Acres dieses Brotkorn Englands tragen, so dürfte doch wohl die Bewegung dcrGrund- rente auch etwas auf die Ausdehnung und Einschränkung der landwirt- schaftlichen, sachlichen Produktion eines Landes eingewirkt haben". sS. 221, 222). Dieser Passus unterscheidet sich von dem Bericht des„Vorwärts" nur dadurch, daß er die Vermengung der Interessen der Grundrente mit denen der Landwirtschaft und die Verteidigung hoher Grund- renten und hoher Lebensmittelpreise noch weit stärker hervorhebt als der Berichterstatter des„Vorwärts". Endlich ließ dieser Schippel sagen: „Wenn unsre Landwirtschaft nicht wäre, wo bliebe da die Industrie? Für sie sind doch die ländlichen Bezirke ein gutes Absatzgebiet. Wenn sich die Verhältnisse auf dem Lande noch mehr verschlechtern, so würde das eine Abwanderung der ländlichen Bevölkerung in die Städte zur Folge haben, wo sie in der Industrie Beschäftigung suchen. Das erhöhte Angebot würde die Löhne der Jndustrie-Arbeiter drücken, dadurch würde die Lebenshaltung der Arbeiter verschlechtert und der Absatz der Industrie in Arbeiterkreiscn verringert." In Schippels Buch aber heißt es: „Es wäre doch eine Verblendung ungeheuerlichster Art, wenn man ignorieren wollte, daß die Landwirtschaft, die noch immer einen so großen Bruchteil der ganzen Bevölkerung umfaßt, für das Absatzreich unsrer Industrie ganze Provinzen bedeutet.... Oder ist es sicher, daß die Industrie leicht und bequem Ersatz für olles finden kann, was sie bei einem Zusammenbruch der Land- Wirtschaft verlieren würde?... Allerdings, wenigstens ein teil- weiser Ersatz ihres Absatzverlustes schien der Industrie auf einer andern Seite zu winken. Was der Lohnarbeiter weniger für Lebensmittel aufzuwenden braucht, muß zur gesteigerten Nachfrage nach Industrie-Erzeugnissen werden. Doch war selbst diese Wirkung so sicher? Wenn die Industrie vor einem rapiden Rückgang ihres Absatzes auf dem Lande steht, wenn gleichzeitig in hellen Scharen die expropriierten Landwirte den Arbeitsmarkl überfluten... war dann nicht eine tiefe, schwere Erschüttenmg auch des nationalen Lohnniveaus weitaus das Wahr- scheinlichere, eine Lohndepression vielleicht so verhängnisvoller Art. daß der Jndustrie-Absatz am Ende auch noch unter den lohn- arbeitenden Massen zurückzugehen drohte?" sS. 225, 226.) Man sieht, der Parallelisnius zwischen dein Bericht des„Vor- wärtS" und den„Grundzügen der Handelspolitik" ist ein voll- ständiger, und da nicht anzunehmen ist, daß der Berichterstatter das Buch Schippels abgeschrieben, sondern dessen Rede nachgeschrieben hat, kann man nicht im geringsten zweifeln, daß dieser Bericht ein völlig sinngetreuer ist. Wie kann dann aber Schippel erklären:„Nach wie vor v e r- trete ich die beim Zollkampf und im Wahlkampf von der Partei und mir bethätigten Anschauungen"? Sind die Anschauungen der Partei nicht das gerade Gegenteil derjenigen, die Schippel vor dem Zollkampfe und Wahlkampfe in seinem Buche entwickelte? Er giebt uns auch auf diese Frage eine Antwort. Wir haben oben einen Satz daraus citiert, in dem Schippel die Ueber- zeugung ausspricht, ohne den Getreidezoll hätte man vielleicht schon in den achtziger Jahren von einer K a t a st r o p h e der deulschen ondwirtschaft sprechen müssen sS. 238). Auch sonst fehlt es nicht an Schwarzmalereien der Lage der Landwirtschaft und des ihr drohenden Zusammenbruchs. Auf S. 233 aber citiert Schippel einen Brief deS Freiherrn von Thüngen an den jungen Grafen Bismarck, der genau dieselben Gedankengänge entwickelt, und spöttelt über dessen„Schwarz- malerei". Woher dieser Widerspruch? Ich habe schon bei meiner Be- sprcchung des Schippelschcn Buches in der„Neuen Zeit" von 1902 darauf aufmerksam gemacht, es lohnt sich wohl, das Gesagte hier zu wiederholen. Der Widerspruch rührt daher, daß Schippel es liebt. Ausschnitte aus andern seiner Schriften in dem Text späterer zu verwenden, was sehr bequem ist und viel Schreibarbeit erspart. Seine„Schwarzmalereien" schrieb er ftir das Publikum seines Buches— die vorwiegend bürgerliche und revisionistische Kundschaft des Edelheimschen Berlages. Die Verhöhnung der Schwarzmalerei schnitt er aus dem Neichstags-Handbuch heraus, das er für ein proletarisches, socialdemokratisches Publikum geschrieben hatte. Man begreift jetzt auch, warum«chippel in seiner Erklärung vor dem Reichstag so viel Gewicht daraus legte, daß sein Vortrag für einen kleinen, geschlossenen VereinSkreiS bestimmt war, nicht für die Oeffentlichkeit. Vor der Oeffentlichkeit vertritt er den Stand- Punkt, den die Partei verficht, im kleinen, geschlossenen Kreis kommen die Gedanken seiner dicken Bücher zum Vorschein. So hat er auch 1897 vor dein Hamburger Kongreß erklärt, es sei höchst unangenehm, daß für Milizanträge im Reichstag keine Mehrheit aufzutreiben sei; 1893 aber verhöhnte er vor den Lesern der„Monatshefte" jeden als Idioten, der für das Milizsystem eintrat. Angesichts alles dessen werden die Parteigenossen es wohl ver- stehen, warum trotz der Schippelschen Erklärungen incine auf den Bericht des„Vorwärts" gestützte Kritik seine Rede mir nicht im mindestens hinfällig erscheint. Sie werden es aber auch verstehen, warum ich trotzdem auf ihre Veröffentlichung verzichte. Man diskutiert nur mit Leuten, die zu dem stehen, was sie gesagt haben. _ Karl K a u l s l y. Partei-I�admcbteri. Der Beschluß des Central- Wahlvcrcins für Teltow- BeeSkow- CharlottenSurg betreffend die Haltung unfrer ReichstagS-Fraktion zum Hcrero-Kredit giebt der„Münchencr Post" Anlaß zu einem sehr un- freundlichen Ausfall gegen Genossen Zubcil. Das Blatt schreibt nach Mitteilung der Resolution: Hauptsächlich Genosse Zubeil war cS, der für diese Resolution eintrat und erklärte, er habe auch in der Frakiion für Berlveigc- rung der Mittel gesprochen, aber die betreffende Fraktionssitzung, die an einem Montag stattfand, sei sehr schwach besucht gewesen, da viele auswärtige Genossen nicht in Berlin anwesend waren, und so sei der Antrag auf Verweigerung der Mittel nicht durch- gegangen. Das Nachmaulen ist in der Politik eine üble Sache. Zubeil und die übrigen, die angeblich in der Fraktion Gegner der kritisierten Haltung waren, hätten eben dafür sorgen müssen, daß bei einer so wichtigen Angelegenheit die Fraktion zahlreich genug vertreten gewesen wäre. Die Sache war ja nicht so plötzlich gekommen, daß nicht die nötigen Vorbereitungen hätten getroffen werden können. Mit Resolutionen»ach Zubeilschem Muster bringt man sich höchstens in eine komische Situation. Was die Sache selbst anbetrifft, so kann man allerdings der Auffassung sein, daß das Verhalten der Fraktion nicht übermäßig logisch war. Der vorliegende Anlaß wenigstens scheint uns keinen genügenden Grund abzugeben, von der' bisherigen principiellen Haltung in Kolonialfragen abzuweichen. Den„Unentwegten" um Zubeil aber sollte cS immerhin bekannt sein, daß Genosse Bebel, der„Schöpf- mcister des Dresdener Jungbrunnens", die Haltung der Fraktion motiviert hat. Hätte die„Münchener Post" sich die Mühe gemacht, den Bericht im„Vorwärts", Nr. 2l, 3. Beilage, zu lesen, anstatt nach ent- stellten Mitteilungen bürgerlicher Blätter draufloS zu schreiben. dann hätte sie sich diese unbegründeten Angriffe auf Genossen Zubeil zum Teil erspart. In unscrm Bericht steht nichts davon, daß die Reso- lution vom Genossen Zubeil herrührt und wir stellen noch ausdrücklich fest, daß Genosse Zubeil an der Entstehung und Einbringung der Reso- lution gänzlich unbeteiligt ist; er hat mit der Angelegenheit nichts weiter zn thun, als was in unserm Ver- sammlungsbericht darüber mitgeteilt ist. ** ♦ Die„Sächsische Arbeiterzeitung" behandelt die Angelegenheit in einem Leitartikel, in dem sie zum Schlüsse sagt: „In der Sache hat die Fraktion keinen Fehler gemacht, wie sie freilich ebenfalls leinen gemacht hätte, wenn sie die Forderung abgelehnt und in einer besonderen Erklärung ausgesprochen hätte, daß sie damit lediglich ihrer gründsätzlichen Stellung zur Kolonialpolitik, ihrer Anerkennung der Berechtigung des Hercro- kampfes Ausdruck geben, nicht aber den Kolonisten Hilfe verweigern wollte. Vor diesem letzteren Verfahren hat aber, wie kurze Ueber- legung zeigt, die Stimmenthaltung formale Vorzüge." TaS Gruppenbild der focialdemokratifchc» Reichstagsfraktion ist soeben im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin S\V., Lindcnstraße 69, im Neudruck hergestellt. Das Bild ist auch diesmal auf gutem Kunstdruck-Karto», nach den neuesten Aufnahmen in vor- züglickxm Druck hergestellt. An Stelle Göhres und des verstorbenen Genossen Hoffmann sind die in den Nachwahlen gewählten Genossen A. Hoffmmm und D. Stücklen aufgenommen. Die Kartongröße des Bildes ist 57X77 Ecntilnetcr. Es ist ein prächtiger Zimmcrschmuck für jedes Arbeiterhcim, Arbeiterverkchrslokal usw. Ter Einzelpreis ist 60 Pf., Porto 30 Pf. Das Fraktionsbild ist in allen Parteibuch- Handlungen, in Berlin bei allen Partcispcditcurcn zu haben und wird von jedem Zeitungsausträger besorgt. Totenlistc der Partei. In M c i ß c n ist der Genosse A r t u r K ü h n e l, noch nicht 50 Jahre alt, nach langjährigem Siechtum (Lähmung) verstorben. Kühne! war ein pflichtgetreuer, opferwilliger Parteigenosse, der besonders unterm Socialistengcsetz hervorragend im 7. sächsischen Reichstagswahlkreise gewirkt hat und langjähriger Vertrauensmann der Meißner Genossen war. Im Jahre 1881, als wegen eines Wahlflugblattes im genannten Kreise 10 Genossen an- geklagt waren, darunter Genosse Friedrich Geber, erhielt Artur Kühnel wegen Verbreitung des Flugblattes sechs Monate Gefängnis, Geyer zehn Monate. Ätebcn den beidn wurden noch vier andre Ge- nossen verurteilt und 31 freigesprochen. Kühnels aufopfernde Thätig- kcit um die Organisation und Propaganda besonders der Meißner und Riesaer Genossen wird nie vergessen werden. Die Diskussion über die Stuttgarter Gemeiudewahlen wurde, wie man uns aus Stuttgart schreibt, am Mittwoch in der General- Versammlung des socialdemokratischen Vereins fortgesetzt. Ihr ging die Erstattung des Rechenschaftsberichtes deS Stuttgarter städtischen Komitees voran. Dieser wurde von der Versammlung zur Kenntnis genommen, da in formeller Beziehung gegen die Thätigkeit des städtischen Komitees nichts einzuwenden war und die Kontroverse über die Taktik bei den Gemetndcwahlcn von der Leitung der Ver- sammlung als eigner Punkt der Tagesordnung an den Schluß der Versammlung gesetzt worden war. Vor Behandlung dieses Punktes wurde die Neuwahl vorgenommen, bei der die bisherigen Mitglieder des städtischen Komitees wiedergewählt wurden. Bei der hierauf folgenden Debatte über die Gemeindelvahlen zeigte sich, daß die Meinungen über den Wert des Wahlbündnisses init der Volkspartei und die Anschauungen über die Verpflichtungen, die es der Social- demokratie auferlegt, sehr geteilt sind; die Mehrzahl der Redner neigte der Auffassung zu, daß ein schärferes Betonen der social« demokratischen Principien auch bei Aufrechterhaltung des Bündnisses notwendig sei. Arbeitersekretär M a t t u t a t erklärte, die Partei sei durch das jahrelange Kompromisseln auf eine schiefe Ebene gelangt. Die Volkspartei gebe sich nach außen oft radikaler als wir. Das zeige auch das vom städtischen Komitee herausgegebene Flugblatt. Auf dem seitherigen Standpunkt können wir nicht weiter verharren. Vor dem Hin übertreiben der Voltspartei ins deutschparteiliche Lager brauche man keine Angst zu haben, das habe sich schon vollzogen. Ein that sächlich er Unterschied zwischen Volkspartei und Deutscher Partei bestehe bereits nicht mehr. Redner widerspricht der in voriger Versammlung geäußerten Ansicht, daß die Volkspartei zu manchen Arbeiterforderungen sich freund- licher stelle als lvie die Deutsche Partei. Wir könnten nur wünschen, daß Volkspartci und Deutsche Partei sich auch äußerlich verschmelzen. Wir sind in einer entwürdigenden Abhängigkeit von der Volkspartei, wir haben der Partei, die ohne uns eine Null wäre, mit unsren nahezu 5000 Stimmen zu einer Macht, zur Herrschaft auf dem Rathaus verholfen. Es bleibt uns mir übrig, selbständig vorzugehen. Nur so können wir da? Interesse der Arbeiter an der Wahl wecken. Ein andrer Redner hob hervor, daß weder in einem der social- demokratischen Wahlaufrufe, noch in dem Flugblatt auf den Gegen- satz hingewiesen worden sei, der auch zwischen der Volkspartei, als einer kapitalistischen Partei, und der Socialdemokratie bestehe. Des« halb hat die Partei bei den Wahlen keinerlei werbende Kraft entfaltet. Warum soll ein bisher volksparteilicher Kleinbürger zu uns abschwenken, den socialdemokratischen Zettel ab- geben, wenn Volkspartci und Socialdemokratie von uns gewissermaßen als gleichwertig hingestellt werden, wenn m den Wahlauftufen von„volksparteilich- social- demokratischen Kandidaten" gesprochen wird? Diesen und andren Rednern gegenüber trat Reichstags-Abgeordneter Hilden- b r a n d für die Bündnistreue der Volkspartci ein; wer sagt, die Volkspartei habe uns betrogen, treibe ein Gaukelspiel mit den Zahlen. Im übrigen ist Hildcnbrand der Meinung, daß im nächsten Jahre durch die neue Gemeinde-Ordnung die Proportional- wähl in Stuttgart gesetzlich eingeführt sein werde, wodurch der Streit hinfällig wird. Ob diese Hoffnung Hildcnbrands sich erfüllen wird, erscheint allerdings sehr zweifelhaft, da das volksparteiliche Organ, der„Beobachter" bereits in eine Artikelserie gegen die Proportionalwahl Stellung ge- nommcn hat, und die Volkspartei im Landtag ausschlaggebend ist. Es wird sich zeigen, ob die Volkspartei, um ihre künstlich auf- gerichtete Herrschaft auf dem Stuttgarter Rachaus zu behaupten, die demokratische Forderung der Proportionalwahl nicht ebenso ver- raten wird, wie sie es mit andren Forderungen der bürgerlichen Demokratie bereits wiederholt gethan hat. Ter Vorstand der Socialdemokratie Niederöstrcichs teilt in seinem Jahresbericht mit, daß jetzt in jedem Provinzkrcise Vertrauensmänner vorhanden sind. Beiträge an den Landesvorstand zahlten 1 29 Organi- sationen in Wien und 79 in der Provinz. Die Auflage der„Volks- tribüne" ist von 26 100 auf 12 000 Exemplare gestiegen. Politische Verfolgungen gab es insgesamt in 30 Fällen. Die Freiheitsstrafen betrugen 6 Monate schweren Kerkers, 1 Monat, 185 Tage und 18 Stunden Arrest. Die Geldstrafen beliefen sich auf 55 Kronen. Freisprüche erfolgten in 5 Fällen. Die Auflage der„Arbeiterinnen- Zeitung" ist von 3800 auf 5000 gestiegen, wovon in Niedcröstrcich über 2000 abgesetzt lverden. Professor Antonio Labriola, der wegen seiner Arbeiten über den geschichtlichen Materialismus bekannte und allgemein geschätzte Genosse, hat sich heute früh, wie man uns vom 27. Januar aus Rom schreibt, einer schweren Operation unterziehen müssen. Labriola leidet seit längerer Zeit an einer gutartigen Neubildung am Kehlkopf, weshalb er sich schon vor mehr als Jahresfrist einer Tracheotomie unter- ziehen mußte. Seitdem trug er eine Kanüle. Da sich die Wucherung auf die benachbarten Organe, vor allem auf die Speiseröhre ausdehnte, erachteten die Aerztc eine zweite Operation für unerläßlich. Der Eingriff dauerte drei Stunden und war auS- gedehnter, als man voraus sah. Trotzdem hegen die behandelnden Aerzte, Professor Ferreri und Professor Basterelli, die Hoffnung, daß die Operation dem Fortschritt des Uebels Einhalt thue und unsren Genossen bald wieder in stand setze, am Leben und an seiner Arbeit Freude zu empfinden. polizeiUlbeo, OmebtUcKes ufw. Hammerstcins Opfer. Tic Verwirrung, die unser Polizciministcr mit seiner patent- fähigen Erfindung des Frauenscgmcnts in allen Polizetköpfcn angc- richtet hat, wirkt immer noch. In N o r d h a u s e n sollte eine öffentliche Versammlung der Tabakarbeitcr und Tabakarbeitcrinnen abgehalten werden. Die Bescheinigung über die erfolgte Anmeldung hatte folgenden Wortlaut: Polizei-Verwaltung. Nordhausen, den 25. Januar 1904. Die Anmeldung der am Mpntag, den 25. d. M, abends 7 Uhr im Saale der„Drei Linden" stattfindenden öffentlichen Versammlung wird hiermit bescheinigt. Frauen dürfen nur als Zuschauerinnen erscheinen und sich an der Versammlung nicht thatsächlich beteiligen. I. A.: Hild. ES handelt sich hier erstens um eine öffentliche Verfamm» lung und zweitens nm gewerkschaftliche Angelegenheiten, daran können Frauen genau so teilnehmen wie Männer; eS war weder die agrarische CirkuSvcrsammluug noch Hammerstcins lostbare Geistesarbeit nötig. um ihnen das zu ermöglichen. Soziales. Der Kamps gegen die Krankenkassen. Die Orts-Krankenkasse der Kaufleute in Berlin hat den Aerzteit durch Vermittclung des Vereins der Berliner Kassenärzte die Ver» längerung des bestehenden Vertrages auf fünf Jahre angetragen, und darauf sind bis jetzt 365 Aerzte durch Unterschreiben einer schriftlichen Verpflichtung eingegangen. Das hat unter den gegen die Kassen kämpfenden Aerzten eine große Er- regung hervorgerufen. Sie erblicken in dieser Verpflichtung ein Hindernis für die Erhöhung ihrer Ansprüche an die Kranken- lassen. Diese Erregung kam zum Ansdruck in einer Aerzte- Versammlung. die am Donnerstag im Langcnbeckhause stattfand. besucht von reichlich 500 Aerzten. ES kam zu sehr lebhaften AuS- ciuaudersetzungen zwischen den Anhängern des Vereins der frei- gewählten Kassenärzte und den Vertretern deS Vereins Berliner Kassenärzte. Der Kern der Auseinandersetzungen war. daß die Verpflichtung auf fünf Jahre die Aerzte in ihren Forderungen an die Krankenkassen behindere, und deshalb wurden gegen diejenigen Aerzte, die sich bereits verpflichtet haben, die heftigsten Vorwürfe erhoben. Die freie Arztwahl im wirtschaftlichen Interesse der Aerzte war das Leitmotiv. Die freie Arztwahl— die übrigens auch für die beteiligten Kassen im Kreise aller der Aerzte existiert, die sich auf die Bedingungen der Ortskasse der Kaufleute auf fünf Jahre ver- pflichtet haben— soll gefährdet sein durch diese Verpflichtung. Von allen Rednern, die für die freie Arztwahl eintraten, hörten wir immer wieder nur, daß sie den Zweck haben soll, allen Aerzten die Teilnahme an der Kassenpraxis zu ermöglichen. und ausdrücklich wurde von Dr. Mugdan hervorgehoben, daß die freie Arztwahl das Mittel sein soll, die Honorar» zu rrhöhen. Die Kassenbcrtreter seien gegen die freie Arztwahl, locil sie ein Interesse daran hätten, den Stand der Acrzte hcrabzudrnckcn. Dab die Kassen- Mitglieder die freie Arztwahl nicht forderten, liege daran, daß die Acrzte nicht genug gcthan hätten, um sie über ihre Rechte aufzuklären. Früher habe man geglaubt, die Kassen- Mitglieder würden selbst für freie Arztwahl wirken und für gleichmäßige Beanspruchung aller Acrzte sorgen, aber man habe sich in ihrer Intelligenz getäuscht. Die Kassenmitgliedcr seien wie eine Herde; eins laufe dem andren nach und stille die Sprechzimmer monopolisierter Aerzte. Interessant waren auch die gegenseitigen Bortvürfe iiber die Ärt der Bewerbung um Praxis. Die eine Seite behauptete, es sei unwürdig, wie Acrzte sich, um Anstellung durch den Verein Berliner Kassenärzte zu bekommen, bei den Äassenvorstandsmitglicdcrn und den sieben Vertrauensärzten lieb Kind machten; die andre Seite behauptete, man laufe den Kassenmitgliedern in der Fabrik, in der Kneipe, in der Portierloge nach, um ihre Kundschaft zu bekommen. Minutenlanger tosender Lärm folgte diesen Anschuldigungen. Wir wüßten ein Mittel gegen solche unwürdigen Vorkommnisse: die Anstellung fest besoldeter Bczirksärzte nach feststehenden Grund- sähen, die ja im Einverständnis mit den ärztlichen Bernfsvereincn aufgestellt lvcrdcn könnten. Besonders charakteristisch war die Aufforderung zum 5tonkralt- bnich an diejenigen Acrzte, die sich bereits auf fimf Jahre ver- pflichtet haben. Sie ist charakteristisch in ethischer Beziehung und charakteristisch für die juristischen Ansichten der Herren, die sie cm- pfählen. In einer Resolution, die angenommen wurde, wird es aus- gesprochen, die Herren, die sich bereits auf fünf Jahre Unterschrift- lich verpflichtet haben, sollen diese Unterschrift„zurückziehen" und sich nur auf ein Jahr verpflichten. Es wurden juristische Bedenken laut gegen diese Forderung. Mehrere der Herren, darunter besonders Herr Mugdcm, der freisinnige Reichstags- Abgeordnete, wußte wunderlichen Rat, den er angeblich bei Juristen eingeholt hat. Der§ 119 des Bürgerlichen Gesetzbuch soll die Handhabe bieten: „Wer bei der Abgabe einer Willenserklärung über deren In- halt iin Irrtum war, oder eine Erklärung dieses Inhalts über- Haupt nicht abgeben wollte, kann die Erklärung anfechten.. Der Irrtum soll nun nach Herrn Dr. Mugdan darin bestehen, daß die Unterzeichner der Erklärung sich in der irrigen Annahme befunden haben, die übrigen Aerzte würden einverstanden sein mit der Verpflichtung. Die Unterzeichner, die dem Verein der frei- gewählten Kassenärzte angehören, hätten nicht gewußt, daß sie des- wegen aus ihrem Verein ausgeschlossen iverden würden, und die andern, die diesem Verein nicht angehörten, hätten nicht gewußt, daß sie mit dem Eingehen der Verpflichtung die ärztlichen Standes- intcressen verletzten. Der Jurist, der Herrn Dr. Mugdan da? eingetrichtert hat, sollte auf die Weltausstellung nach St. Louis geschickt werden als Beweis für die Fortschritte der juristischen Wissenschaft in Deutschland. Aber Herr Dr. Mugdan gab auch noch eigene juristische Wissen- schafr und eigene ethische Grundsätze zum besten. Jedennann, sagte tt, kann natürlich von einem Vertrage zurücktreten. Die andre Partei könne höchstens Schadensersatz beanspruchen. Der Schade muß aber nachgewiesen werden und cS käme auf einen Prozeß an. Entweder fänden die Kassen andre Aerzte zu denselben Bedingungen, dann haben sie leinen Schaden, oder sie fänden keine, denn ständen ihnen sämtliche Berliner Aerzte nach den Grundsätzen der freien Arztwahl zur Verfügung und sie hätten auch keinen Schaden. Wir haben absichtlich diese Anschauungen und Darlegungen, die in den Berichten bürgerlicher Blätter nicht enthalten find, so aus- jährlich mitgeteilt, uin die Kassen aufmerksam zu machen, damit sie sich vorsehen bei Vertragsabschlüsse» mit Aerztcn. Sie dürfen, wenn die von Herrn Dr. Mugdan vor- getragenen Grundsätze von der Mehrheit der Berliner Aerzte ge- billigt werden— und in der Versammlung fanden sie rasenden Beifall— auf Treu und Glauben bei Vertragsabschlüssen mit Aerzten nicht rechnen. Noch wollen wir erwähnen, daß die Stellungnahme der Auf- sichtSbchörden in Köln gegen die Kassen von den meisten Rednern unter lebhaftem Beifall als ein„herrlicher Sieg" der Acrzte gc- feiert wurde. Das Berliner Gewcrbegericht teilt, wie cm Berichterstatter meldet. mit:„Die Festsetzung bestimmter Ruhepausen für die Gehilfen hat sich bei kleinen Betrieben dcS Gast- und Schankwirts- und Barbiergewerbes insofern oft als nachteilig gezeigt, als hier der Besuch von wecbselnder Stärke ist und der Verdienst des Arbeit- gebers oft lediglich von der Ausnutzung der sich in ungleichen Perioden wiederholenden Gelegenheiten besteht. Fällt der AuSgehctag nun in eine betriebsreiche Periode, so kann dadurch oft der gesamte Verdienst verloren gehen, ins- besondere kann sich die Kundschaft dadurch verziehen. Die Regelmrg der Freistunden müsse unsrcs Erachten? bei den kleinen Betrieben eine andre sein, wie bei den großen. Dies ist auch in- sofern möglich, als bei den crstercn die Ausnutzung der Arbeitskräfte keine so fortlaufend gleichmäßige ist, wie in: Großbetriebe. Die sociale Stellung von Arbeitgeber und Arbeiter ist bei den genannten Kleinbetrieben auch keine wesentlich verschiedene. Der Verdienst der Gehilfen hängt hier hauptsächlick vom jeweiligen Geschäfts- umsatz ab, während dieser beim Großbetriebe ohne wesentlichen Einfluß auf die Lohnhöhe bleibt." Wir wollen die guten Absichten des Berliner GewerbegcrichtS — soll wohl heißen„der Ausschuß des Berliner GcwerbegerichtS"— gern anerkennen, aber bevor eS nicht einen Weg mitteilt, auf dem diese Umstände berücksichtigt werden können, ohne daß da- durch die A n g e st c l l t e n in ihrer zur Zeit noch so außerordentlich ktiavv bemessenen Ruhe- zeit beeinträchtigt werden, läßt sich über die Sache nicht reden. Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, erklären wir noch ausdrücklich, daß auch die Regelmäßigkeit und die zusammenhängende Dauer der Pausen ein notwendiges Erfordernis für die ersprießliche Regelung der Ruhezeit ist. Eine Eingabe des Verbandes der Deutschen Buchbinder- Innungen läßt der Bundesrat bei den Stadtverwaltuitgen cirkuliercn, worin die Herren vom Klcistertopf für sich das Recht zuerkannt haben wollen an bestimmten Sonntagen iin Jahre ihre Gehilfen und Lehr- linge über die vorgeschriebene Sonntagsruhezcit hinaus zu be- schäftigen. Ter Stadtmagistrat Würzburg lehnte die Befürwortung ab. da in keiner Weise ein Bedürfnis zu solcher Ausnahmebestimmung gegeben sei._ Landstraßen-Proletarier. Im Abgeordnctenhcmse haben die konservativen Abgg. v. Bodel- fchwingh und v. Pappenheim den Antrag eingebracht, die Regierung um Vorlegung eines Gesetzentwurfes zu ersuchen, durch welchen die Fürsorge für arbeitsuchende mittellose Wanderer mittels Einrichtung von Wanderarbeitsstätten in Verbindung mit Arbeitsnachweisen ge- regelt wird. Die Einrichtung soll aber nur für die Provinzen in Kraft treten, deren Vertretungen dies beschließen. Bcrimcr pami-Hngclcgcnbciten. Zur Lokalliste. Die in den Partciversammlnngen am Donners- tag gewählten Mitglieder der Lokalkommission werden ersucht, ihre genaue Adresse bis zum 2. Februar an Wilhelm Hinz, Berlin S. 14, Prinzenstraße 66, einzusenden. Folgende Vereine halten in gesperrten Lokalen ihr Vergnügen ab: Mandolinen- und Zitterklub Ktzffhäuser am 7. Februar in Kellers Neuer Philharmonie, Köpnickerstr. 99 97: Lrtsvereiu Berliner Straßeiirrmigcr an, 20. Februar in den Concordia-Sälen, Andreasstr. 64(Maskenball»: Gesangverein Oberspree am 19. Februar iin Kliffhäuser. Niedcr-Schöneweidc: Gesangverein Licderziveig in Hcrnisdorf(Mitg. d. A.-S.-B.) im Restaurant Soolguellc(Schützen- haus). Maricndorf-Südcildr. Der Gesangverein„Männcrchor Süd- ende" veranstaltet am Sonnabend, den 6. F e b r u a r. bei Schultkeß in Südende einen Maskenball und versucht hierzu in Arbeiterkreisen Billets abzusetzen. Das betreffende Lokal ist für die Arbeiterschaft zu V e r s a m m l u n g e n:c. nicht zu haben. Daher sind die angebotenen Billets zurückzuweisen. Die Arbeiterschaft wird ersucht, diese Vergnügungen nicht zu besuchen. Im dritten Berlnier Wahlkreise stehen Sprelbergs Köpenickcr Fcstsälr, Köpnickcrstraßc 127g, der Arbeiterschaft zu Vcrsammlungcir zur Verfügung, ebenso in Henningsdorf(Kreis PotSdam-Ostbavelland) Evens Gasthof, Fabrikstraße, in Tegel R. Mcrmanns Lokal, Schlicper- straße 69. Gesperrt sind fortan: In Johannisthal das Lokal von Fährcnk, Friedrichstraße 10, in Fichtenau Braubachs Gesellschaftshaus. BeidcLokale sind von der Lokalliste zu streichen. Wilmersdorf. Da das Lokal Luisen-Park, Wilhelms- Aue 112(Inhaber Georg Strauß), zu Versammlungen ic. nicht mehr zur Verfügung steht, so ist dasselbe von der Liste zu streichen und nicht zu besuchen. Erster Wahlkreis. Den Parteigenossen des Hansa-Viertels zur gefl. Mitteilung, daß am Montag, den 1. Februar, abends 81/., Uhr, in den Sprcc-Hallen, Kirchstr. 19, eine V c r s a m m l u n g stattfindet, in der Genosse Katzen st ein über:„Unsre Strafrcchts- pflege" spricht. Um rege Beteiligung und Agitation ersucht Der Vorstand. Friedrichshagcn. Sonntagnachmittag 4 Uhr findet bei Witte, Secstraße 22, ein öffentlicher Vortrag für Männer und Frauen statt. Genosse Alberty spricht über„Kunst und Proletariat" mit Recitation. Hernach gemütliches Beisammensein mit Tanz. Grünau. Am Soiuitag, den 9l. Jamlär nachmittags 3 Uhr findet bei Duchauffour, Köpnickerstr. 79, eine öffentliche Bersamnilung für Männer und Frauen statt. Gcnoiie W e tz k e r spricht über: „Die bevorstehende Gemeindevertreterwahl." Zahlreichen Besuch erwartet Das socialdemokratische Wahlkomitee. Obcr-Schöncwcide. Tic F a b r i k- F e u e r w e h r des Kabel- Werks„Obersprec" hält am Sonnabend, den 13. Februar, tu Möruers Blumengarten einen Maskenball ab. Man versucht nun, unter der Arbeiterschaft Ober- Schön ewcides Billets abzusetzen. Wo dieses Angebot gemacht wird, weise man dieses zurück, da M ö r n c r s Blumengarten der A r b e i t r s ch a f t zu Versammlungen u.'s. w. nicht zur Verfügung steht._ Lokales. Menschenopfer. Auch der Winter hat bekanntermaßen seine Poesie und mancher alte Bolksbrauch der Wcihnachts-, Karnevals- und Fastentage soll an die symbolischen Handlungen uralter Heidcnzeit anklingen. Solch ein Symbolismus ist es auch, der zur jetzigen Jahreszeit zuweilen in den Straßenbahnwagen zartsinnigc Pflege findet. Nicht alle Tage, sondern nur bei empfindlicher Kälte öffnet der Schaffner auf Anweisung seiner Direktion einen kleinen Schrein, der in der Mitte des Wagens unter einem Sitz angebracht ist..'In diesen Schrein thut der dienende Bruder ein Stückchen Kohle und versucht mit Hilfe eines Streichholzes dieses Partikelchen zum Glühen zu bringen. Zuweilen, bei besonderer Veranlaglmg der Kohle gelingt das Vorhaben, zuweilen auch nicht. Ist der Versuch aber geglückt, dann empfängt den Fahrgast beim Betreten des Wagens bald ein feiner Dust, der entfernt an den Weihrauch in katholischen Kirchen erinnert und auch als Einanation eines rituellen Brauches auf- zufassen ist. Das zum Glühen gebrachte Kohleilstückchen soll als Opfergabe für den Gott Mammon betrachtet werden, der wenn irgendwo, so bei der Straßenbahn- Tireliion geziemende Verehrung findet. Früher lvar nur das Direkttonsgebäudc am Leipziger Platz diesem Gott als Kullftätle hergerichtet; die zunehmende Frömmigicit in gutgesinnten Kreisen gebietet aber, mit der Zeit jeden Straßciibahliwagen als Tempel auszubauen. Skepiiker werden crividern, daß Gott Mammon sich nicht mit einem Surrogat von Weihrauchduft nasführen läßt, und nach derberer Kost verlangt. Gemach, die wird ihm auch zu teil und zwar in Gestalt seiner Lieblingsspeisc. Menschenopfer kriegt er nämlich im Straßenbahnwagen, und das auf eine Weife, die der geschäftlichen Findigkeit der Direktion von neucnr alle Achtmig abnötigt. Von den zwanzig Fahrgästen iin Wagen strampelir neunzehn vor Frost mit den Füßen und hauchen sich die erstarrten Hände an. Auch der zwanzigste, der sich eben gesetzt hat. strampelt anfangs mit. Bald aber hört er mit dieser Sportsübung auf. obgleich ferne Füße nicht minder Eisklumpen sind wie die seiner Leidensgefährten. Er zuckt in die Höhe, bald mit der rechten, bald mit der linken Körperhälfte, und diese Bewegungen wiederholen sich ebenso rhythmisch wie die des Bären, der auf der zum Glühen gebrachten Eisenplatte das Tanzen lernt. Und wirklich befindet sich unser Fahrgast in ähnlicher Situation wie Meister Petz, nur daß es nicht seine Füße find, der er als Opfer darbringen mutz. Dicht unter feinem Sitz ist der erwähnte Rost angebracht, auf dem er dem Gott Mammon zu Ehren bei lebendigem Leibe gebraten werden soll. Die Geschichte wird immer peinlicher. Ein kleiner Junge, der dieser Tage mit seinem Papa auf der Straßenbahn fuhr, sprang in seiner Naivetät heulend von dem Martersitz auf. den er ahnungslos oktupierl hatte, und rief entsetzt dem Alten zu: O, fühle doch, Vater, wie gräßlich das brennt! Erwachsene aber, und namentlich Damen, empfinden natür- lich das Peinliche solchen Wehklagens, verbeißen sich für eine Weile den Schmerz und stürzen endlich, wenn es nicht mehr zum Aus- halten ist, entsetzt aus dem Wagen, um eurem neuen Opfer Platz zu machen. Das Bedauern mit diesen Menschenopfern äußert sich dann meist so lebhast, daß die Fahrgäste kaum Zeit gewinnen, eine andre in dieser Jahreszeit sehr aktuelle Frage zu erörtern. Die nämlich, wann denn endlich die Straßenbahnwagen mit der längst ver- sprochenen Heizung versehen werden. Tie Geburten haben sich in Berlin im letzten Jahre wieder vermindert, und zwar diesmal so beträchtlich, daß sich gegenüber den Geburten des vorletzten Jahres ein Unterschied von rund 1700 ergicbt, während das vorletzte Jahr hinter dem drittletzten um etwa 1109 Geburten zurückgeblieben lvar. Nach den bisher eingegangenen Meldungen, die durch nachträgliche Meldungen noch um einige Dutzend vervollständigt werden können, wurden hier im Jahre 1003 nur rund 49 S00 Kinder geboren(einschließlich 1746 Totgeborene). Im Jahre 1902 waren noch 91 191 Kinder ge- boren worden lcinschließlich 1829 Totgeborene), im Jahre 1991 noch 52 259 Kinder(einschließlich 1896 Torgeborcne). Wird die Geburtenhäufigkeit an der Bevölkerungszabl gemessen, so ergicbt sich, daß ihre Zunahme schon seil der zweiten Hälfte der siebziger Jahre nicht mehr mit der Vermehrung der Bevölkerung Schritt ge- halten hat. In 1992 und 1993 ist die Geburtenhäufigkeit so stark zurückgeblieben, daß die Zahl der Geburten, wie oben angegeben, sogar an sich geringer geworden ist. Dieselbe Erscheinung zeigte sich zu Beginn des vorigen Jahrzehnts, von 1892 an(1891: 53 595 Kinder. 1392; nur 52 495 Kinder). Damals begann die jährliche Zahl der Geburten erst wieder 1396, tvenigstcnz an sich, größer zu iverden(1895: nur 48 856 Kinder, aber 1806: 50 099 Kinder). Es mutz abgewartet lvcrdcn, innerhalb toclcher Zeit diesmal der Umschwung kommen wird. Bis zu einem gewissen. Grade wird das Auf und Ab der Geburlenhäufigteit durch die Vermehrung oder Verminderung der neuen Eheschließungen beeinflußt. Im vorigen Jahrzehnt war die jährliche Zabl der Eheschließungen seit 1891 auch an sich geringer geworden, und erst das Jahr 1395 hatte wieder eine Besserung gebracht. In diesem Jahrzehnt begann 1901 für die Eheschließungen eine Abwärtsbelvegung gleicher Art, aber dies- mal ist schon 1909 wieder ein Umschwung eingetreten, eine Zunahme um 1009 Eheschließungen gegenüber dein vorhergehenden Jahre. Der Etat im Magistrat. Der Etat der Armcnverwaltung, der gestern den Magistrat beschäftigte, ist wiederum in den Ausgaben ungemein gestiegen. So werden für die monatlich gezahlten Unter- stlltzungcn— Almosen— 6 700000 M., also 850000 M. mehr, für die monatlich gezahlten Pflcgegclder 1 009 000 M. oder 142 000 M. mehr, für die außerordentlichen Unterstützungen 1 075 000 M. oder 75 090 M. mehr als im Vorjahre bewilligt. Für Winter- Unterstützungen werden 309 000 M.(Z- 16 900 M.) verwendet. Kleinere' Beträge sind für die Ocffentlichkcit weniger von Interesse, doch dürfte noch hervorzuheben sein, daß an die königliche Charit« nach Abrechnung der der Stadt zustehenden 100 000 Verpflegungstage immer noch an Berpslegungsunkosten 509009 Mark gezahlt werden, ettvas ivemger als im Vorjahre in Anbettacht der Minderzahl von 699 Betten in dem neuen Charitsgebäude. Der gesamte Etat würde mit einer Mehrausgabe— nach Abzug der un- gcfährcn Einnahme von 759 999 Mark— von beinahe 11 Millionen Mark abschließen. Ans der Heilstätte Gradowsce wird uns geschrieben:„Zu den bekannten Klagen über politische Agiration unter den Kranken paßt schlecht das Verhalten des Chefarztes am verflossenen Mittwoch. Als das Mittagessen begann, erschien der erwähnte Herr mit den Ober- und Unterärzten und hielt eine auf Verherrlichung Wilhelms II. ausklingcnde Ansprache. Tie Schlußworte der Rede waren die auf Ariegervereins-Festlichkeiten üblichen: Ich fordere Sie auf, Ihr Glas zu erheben mrd mit mir einzustimmen in den Ruf: Kaiser Wilhelm lebe hoch usw.— Dem Chefarzt muß bekannt sein, daß Unter den Kranken sehr, sehr viele Socialdemo- traten sind, deren Gesinnung der Herr ebenfalls kennt. Diese Kranken kamen durch die unerwartete Ansprache in die peinlichste Verlegenheit; wären sie sitzen geblieben, so hätte der Staatsanwalt zur Einleitung von Majestätsbeleidigungs- Klagen Anlaß belmranen und eine Anzahl Lungenleidende hätten ins Gefängnis wandern müssen. Um dieser Gefahr zu entgehen, blieb den Kranken nichts übrig als aufzustehen. Daß aber die guten Beziehungen zwischen Kranken und Arzt an diesem Tage gefördert wären, kann man nicht behaupten." Die verschleppte Berlinerin. Die. durch den Mädchenhändler Louis Breier aus Berlin entführte Jenny F. hat sich nach Fest» stellung der östreichischen Liga zur Bekämpfung des Mädchenhandels zuletzt'in Wien aufgehalten, doch ist sie von dort verschwunden, und ihr gegenwärtiger ÄufenthaltSort konnte noch nicht ermittelt werden; ie dürste sich vermutlich noch in Wien aufhalten.— Auf Grund der Veröffentlichung über daS Verschwinden BrcierS, der die Mitteilung gelesen hatte, schrieb, er aus Ketzthely(Ungarn) an die hiesigen Ver- wandten des Fräulein F. und teilte ihnen mit, daß die junge Dame ihn in Wien heimlich verlassen habe. Der Brief wurde sofort der hiesigen Kriminalpolizei übergeben, die die Festnahme des in Ketzthely weilenden Brcicr veranlaßt?.— Nach Lage der Sache erscheint es jedoch zweifelhaft, ob gegen den Mädchenversiihrer vorgegangen werden tarnt. Romane und Erzählungen für das arbeitende Volt dringt die illustrierte Wochenschrift„In Freien Stunden", von der Heft 5 heule ausgegeben ivird. Das Heft bringt die Fortsetzung von Gersräckers Roman„Die Flußpiraten des Missisiipvi"»nd der spannenden Er- Zählung„Gabriel Lambert, der Galeerensklave", von A. Dumas. Als kleine Erzählung enthält dieses Heft„Der kurierte Abt". Am 1. Januar hat ein neues Abonncinent begönnen, ans das wir unsre Leser aufmerksam machen. BcsrcllUngcit nehmen alle Partei« speditionen, Partcikolportcnrc und die Postaiistalleit entgegen. Die Hefte erscheinen wöchentlich je 24 weiten stark zu 10 Pf. Infolge eines DrohtbnicheS entstand gestern abend in der Jnvalidenstraße eine Störung des Slraßenbahnbetriebes. Ter Draht riß ca. 1 Centimeter in der VerbindungSöse, siel jedoch nicht zur Exde. sondern Ivurde durch den Schutzbügel gehalten. Zwischen der Bruchstelle und dem offenen Ausschalter am Neuen Thor war in- folge des Unfalles die Strecke stromlos und so mußten die in der Richtung nach Moabit fahrenden Straßenbahnzüge in der Zeit von 1'47 bis 7 Uhr über das Friedrich-Karl-llfcr abgelenkt werden. Ter Schriftsteller Kurl Emil FnmzoS ist Donnerstag hier ge« storben. Er ist mehr als 55 Jahre alt geworden. Franzos hat „Halbasicil", die Judennester in Ostgalizicn und die interessanten Völkerschaften der Ruthcncn, der Huzulen:c. für die deutsche Litte- ratur entdeckt. Sein Buch„Ans Halbafieu" wurde in viele ftemde Sprachen übersetzt, später schrieb er noch Romane und Novellen. Einige von ihnen wurden auch in unsren Parteiblättern zum Abdruck gebracht. Franzos, der aus dem östlichen Galizien stammte, lebte seit einem halben Menschenalter in Berlin und gab hier eine Halb- inonatsschrisl„Deutsche Dichtung" heraus.— Eine Erkundungsfahrt machten gestern Krimiiialbeamte mit dem Einbrecher Henscl, der zu der gefongenett Röhlschcn Bande gehört. Während Röhl noch immer den wilden Mann macht und die mit verhafteten Sommer und Körber schweigen, ist Hensel jetzt geständig. Da er nun aber die Nummern der Häuser, in denen die Bande stahl, nickit kannte, wohl dagegen ihr AeutzereS, so fuhr man mit ihm int Westen der Stadt, in Eharlottenbnrg, Schöneberg, Friedenau und Wilmersdorf umher und ernnttelte so über 39 Einbrüche, die tinter der Leitung von„Seidenschnnr" ausgeführt wurden, darunter nenn in Eharlottenbnrg, sechs in Schöneberg und drei in Friedenan. Röhl, der int Untersuchungs- gefängnis alles, was ihm in die Hände fiel, kurz und klein schlug, hatte einen eigenen Weg. die Einbrüche auszubaldowern. Unter dem Namen und in der Uniform eines Feuerwerkers Paul Dallchow vom Artillcriedcpot in Magdeburg oder als Eisenbahn- assistent gleichen Namens machte er sich an Dicitstmädchen ans dem Westen auf dem Tanzboden oder bei andrer Gelegenheit heran, ver- sprach ihnen die Ehe und vereinbarte mit ihnen ein Stelldichein, wenn die Herrschaft nicht zu Hause war. Während er dann mit seinem Schatz eilt Plattdcrstttitdchen hielt, brach seine Bande in die unbe- auffichtigte Wohnung ein und plünderte, was an Gold und Wert- fachen zu haben lvar. Oft ließ er auch das Mädchen umsonst warten und half selbst beim Einbruch. Drei solcher Brautens nannte er ftüher selbst. es sind aber schon 15 ermittelt und damit ist ihre Reihe wahrscheinlich noch lange nicht erschöpft. Bei einer Reise mtt Hensel traf der Häuptling in Stetttn, wo die beiden einen Juvelenlöden ausrauben ivollten, eine alle Belannte und knüpfte wieder mit ihr an. Das hatte für Hensel unangenehme Folgen. In den Annen der Liebe vergaß„Seidenschnnr" den Ein- bruch und ließ seinen Helfershelfer allein am Juwelenladen stehe«. Hensel wartete so lange, bis er einem Schutzmann auffiel, der ihn festnahm. Da man Diebeswerkzeug bei ihm fand, so mutzte er vier Wochen in Untersuchungshaft sitzen. Dann wurde er lvieder emlasseit. weil man ihm keilte Sttas- tyat nachweisen konnte. Da er aber keinen Pfennig Geld hatte,»o mußte er zu Fuß nach Berlin wandern. Diesen Streich konnte er Röhl, der imterdessen den Einbrauch selbst aus- geführt und mit den übrigen Komplizen in Saus und Braus gelebt hatte, nicht vergessen. In Magdeburgs aber ging dieselbe Geschichte noch schlimmer aus. Hier wollte Hensel nicht noch eimnal zu lmtge warten, machte sich auf eigne Faust an die Arbeit und wurde gefaßt. Diese schlechten Erfahrungen mit den Liebschaften„SeidenschnurS", der später in Berlin festgenommen lvurdc, haben ihn gegen den Häuptling sehr verstimmt und machen ihn jetzt wohl auch gesprächig, Vi» sehr böses Gewissen muß ein derhasieter Paletoidieb haben, ber seine Wohnung nicht angeben will. Der kleine unscheinbare Mensch, ein'27 Jahre aller Äcllncr£tiü Rcinelt. würbe abgesas;t, als er seine Dreistigkeit doch etiva-Z gar zu ivcit trieb. Er besuchte mit Borliebe die Äafsee- und Bicrhäuser der Friedrichstadt, lvcil eS dort die besten Paletots giebt. In einem Ense stahl er nun einem Gast den Ueberziehcr und verkaufte ihn sofort einem der dort beschäftigten Kellner. Ter ärgerte sich nicht ivcnig, als der Gast beim Verlassen des Eases sich meldete und nun herauskam, dast das Kleidungsstück gestohlen war. Rcinclr hatte an die Mög- lichkeit eines solchen Ausganges wohl nicht gedacht und kam den nächsten Abend ganz vergnügt wieder. Jetzt holte aber der geprellte Kellner einen Schutzmann, der ihn festnahm und der Kriminalpolizei übergab. Diese fand bei ihm noch einige Pfandscheine. Seine Wohnung will der Mann durchaus nicht angeben. Er behauptet zwar, daß er keine habe, das ist aber ganz ausgeschlossen, da er stets fein und sauber gekleidet ging. Tic Wohnung birgt jedenfalls noch Sachen, deren Entdeckung dem schon bestraften Menschen un- erwünscht sein mutz. Bcrkehrszählmig bei der Snahciibnh». Eine inicressante und seit langem wünschenswerte Verkehrszählung wird die Grotze Berliner Stratzenbahn für sich und die mit ibr vereinigten Gesellschaften zu Anfang Februar vornehmen. Die Zählung findet an vier Tagen, vom Freitag, den 3. bis Montag, den 8. Februar statt. Für jede Linie und jeden Wagen loerdcn zu diesem Zwecke besondere Zählblättcr ausgegeben, in Ivelche die Aufnahmen einzutragen sind. An den beiden ersten Tagen, am Freitag und Sonnabend, den 3. und K. Februar, wird der Verkehr auf den einzelnen Teilstrecken sämtlicher Linien gezählt. In dem gesamten Netz sind zu diesem Zwecke 220 Zählpunkte bestimmt worden. Sie wiederholen sich in Abständen von IV- bis 2 Kilometer. Ein Bild von der Aufnahme bieten z. B. die Zählpunktc der Ringbahn. Sie befinden sich: Bergstratze, Friedrich Karls-Platz, Reichstagsplatz. Lennästratze, Dessauerstratze, Gros;- beerenstratzc, Gitschinerstratze, Wasserthorstratze. Anncm'tratze, Rlichaellirchstratze, Langestratze usw. An jedem Zählpunkt wird die Zahl der im Wagen befindlichen Fahrgäste aufgenommen. An jeder Haltestelle werden außerdem die Personen gezählt, die awa zurückgewiesen Werdens' um_fo das Vcrkehcsvcdürsnis der einzelnen Linien zu ermitteln. Am Sonntag und Montag, den 7. und 8. Februar, erfolgt die Aufnahme des Verkehrs nach den einzelnen Stunden. Es werden dabei außerdem die Arten der Fahr- gaste unterschieden. Fahrscheine, Zest-, Arbeiter- und Schülerkarten, „Postkarten" usw. Jeder Schaffner soll außerdem angeben, bei welchen Fahrten Fahrlustigc ctlva zurückgelassen werden mutzten. Eine weitere Frage lautet: Worüber tlagten die Fahrgäste im besondren? Tie Zählung bietet somu dem Publikum eine bequeme Gelegenheit, Wünsche zur Geltung zu bringen. Auch ist es jedem Schaffner ermöglicht, seine Erfahrungen nutzbar zu machen, denn eine letzte Frage an den Schaffner lautet: Welche Vorschläge t» Bezug auf Fahrplan und Verkehr gern gesehen werden und besondere Anerkennung finden. Hoffentlich scheuen sie sich nickst, die Wahrheit zu sagen. Haussuchungen. Die Berliner Polizei hat am Dienstag dieser Woche bei einem Restaurateur im Tslen Berlins nach Exemplaren der anläßlich des 25jährigen Bestehens der Mostschcn„Freiheit" herausgegebenen Jubiläumsnumm er gchaussucht. Gesunden wurde nichts. Im Laufe dieser Woche sollen aus derselben Veranlassung Vernehmungen auf dem Polizeipräsidium statigefunden haben. Fcucrbericht. Durch Uebcrkochen von Fett kam gestern Feuer in der Müllerstraße 36 aus. Als der Wohnungsinhabcr die Flammen löschen wollte und dazu Wasser benutzte, hatte dies eine c x.p l o f i o n S- artige Wirkung. Die Wand nach dem Vorderramn ivnrde zer- riiien und ein großes Schaufenster in diesem Vorderramn total zer- irümmert. Der WohnungSinhaber kam mit dem Schrecken davon. Gestern abend mußte die Feuerwehr einen größeren Kcllerbrand in der Fehrbellincrstratze 2l, wo eine Menge Hausrat brannte, löschen. Die Wcbr mußte kräftig Waiser gebe», um die Gefahr zu beseitigen. In der letzten Nacht gegen 1 Uhr kam ein gefährliches Feuer in einer Pianoforic-Fabrik in der Kastauicn-Allee 34 aus. Tie Flammen fanden an Hölzern reiche Nahrung und konnten vom 3. Zuge nur durch energisches Vorgeben und kräftiges Wassergebcn gelöscht werden. Durch Unvorsichtigkeit kam in der AndreaSstr. l! Feuer aus, dem Stroh». a. zum Opfer fiel. Außerdem wurden in den letzten Stunden noch Brände vom Grünen Weg 63 und andren Stellen gemeldet. Iii der Marienkirche werden Montag, den 1. Februar, abends 7'/. Uhr Musikdirektor Otto Diene!, Frl, Kate Ravottc. Frl. Eva Friedcmann. Frl. Emiily Selbmann, der Cellist Herr Otto Tormin und der Heilands-Kirchenchor unter Leitung des Organisten Herrn Rcinhold Kurth Orgel- und Ecllostücke, Lieder, Arien, Duette und gemischte Chöre berühmter Meister bei freiem Eintritt ans- führen._ Hua den Nachbarorten. Eharlottcnliurg. Die Ersatzwahlen für die Stadtverordneten Vogel und Hirsch, die belamulich. da sie doppelt gewählt waren, ihre Mandate im 3. bezw. 7. Bezirk niedergelegt haben, finden am Dienstag, den 9. Februar, statt. Der Charlottenburger StadthaushastSetat für 1994 schließt im jOrdinarium des HauptctatS in Einnahme und Ausgabe mit 14 642996 M., im Extra-Ordinarium mit 7 023 209 M. Dos Ordinarium ist ctlva um' 1 Million höher, das Exwa-Ordinaruim um 3.8 Millionen niedriger veranschlagt als im lausenden Etat. Die Einnahmen betrugen' unter andren bei der allgemeinen Verwaltung 2 048 082 M.. bei den höheren Lehranstalten 33l 069 M.. bei den Wesen 133 629 M., bei den Hospitälern: 368 999 M., beim Hochbau 63 273 M., beim Straßenbau 691 693 M., beim Feuerlösch- und Straßenreinigungswesen 6 999 Mk., bei den Gemeindesteuern 8 131 430 M. Von den Ausgaben beziffern sich die sortdauernden auf 126 649 999 M., die einmaligen auf 1 902 009 M Am belrächtlichsten sind sie beim Kapitel Schuldendicnst mit 3 294 000 M. Das Armenwescn erfordert 997 973 M. gegen 926 330 M. in, Jahre 1004. In, einzelnen sei bemerkt, daß die Gemeindesteuern solgendennaßen per- anschlagt sind: Einkommensteuer 4 341 090 M.. Grundsteuer 2 309 909 Mark, Umsatzsteuer 1 109900 M., Gewerbesteuer 2 073 009 M.. Betricbssteucr 28 099 M. Hundesteuer 84 009 M. Der Steuersatz ist der gleiche wie im laufenden Jahre. Dem Voranschlag der Gc- meinde-Grundsterrcr ist ein geschätzter Wert von 086 Millionen Mark zu Grunde gelegt. Der Uebcrschnß ans dem Jahre 1002, i&r in die Einnahme des Jahres 1094_ eingestellt wird, beziffert sich auf 302 387 Mark, der Ueberschuß aus den Gasanstalten ist mit 1 938 269 M. veranschlagt, der vom Elek- tricitätswcrk mit 66 364 M. Die Provinzialabgaben betragen 619999 M. Bon einzelnen Forderungen heben mir hervor: 400 M. für Schwimmunterricht in d e n G e n, e i n d e s ch u l e n, 25 000 M. für die Einführung des obligatorischen Fort- bildungs-Schulunterrichts, ferner die Forderung der Mittel für die Anstellung einer Schulärztin für die beiden höheren Mädchenschulen und die Bürger-Mädchenschule. Das Kapital- vermögen der Stadtgemcinde ist auf 1833 223 M. geschätzt. Der Pockensall. Zu der vockenverdäckstigen Erkrankung des Ober- realschülers Goldbcrgcr aus Budapest, der sich bei dem Gemeinde- schullehrcr Voigt in der Kaiser Friedrichsir, 23 zu Charlottenburg in Pension befand, wird uns weiter gemeldet, daß sich auch der Sohn des Lehrers Voigt wegen Verdachts der Erkrankung an Pocken in ärztliche Behandlung begeben mutzte. Ter junge Voigt, der die Weihnachtsferien im elterlichen Hause verlebte, besucht zur Zeit die dritte Klasse des Lehrersciniirars in Altdöben,. tvo er auch Pension bezogen bat; er wurde gestern dem dortigen städtischen Kranken- Hause zugeführt zwecks längerer Beobachtung in einem isolierten Räume,'Gleichzeitig fand aus behördliche Anordnung die sofortige Schutzimpfung der Mitschüler und Richenjionäre des Erlrankten statt. In der Wilmersdorf« Gcmrindcvcrtrcter-Sitzimg gab gestern abend der Aintsvorstchcr in der Angelegenheit des Rainlvarth- Rcumeherschcn Grundstückes die verlangte Auskunft. Iknsre Partei- genossen halten bekanntlich die Anfinge gestellt, was er gegen die von liberaler Seite erhobenen ehrenrührigen Angriffe zu thun gedenke. Der Amtsvorsieher gab eine eingehende Darstellung der Angelegenheit und erklärte, daß demnächst eine Recht- sertiguug in der„Gcmeinde-Zeitung" erfolgen iverde; ferner solle eine kurze Richtigstellung den Zeitungen zugehen. Dann ivnrde die Terrainaiigelegenheit noch in längerer Debatte erörtert, an der sich außer dem Amtsvorsieher die Gemciudcvcrireter Bchschlag und Schröder beteiligten.— Weiter beschloß die Gemeindevertretung, bei ansteckenden Kranlheiteu die obligatorische Desinfektion einzuführen. Auf socialdemokratischen Antrag hin wurde beschlossen, daß die Des- infektion ohne Unterschied kostenlos erfolgen soll. Mit fünf Murk Geldstrafe belegter Terrorismus. Solcher TerroriÄnns ist selbstverständlich TerroriSmus von der staats- erhaltenden Sorte. In Brandenburg a. H. sind in einer JiknUngsversannnlung nämlich etliche Bäckermeister über einen Kollegen thätlich hergefallen, iveil er— sechs Stück Backware für 19 Pf. verkauft. Die andren Jiumngs-Bäckermeister gaben nur vier Stück für 19 Pf. Dieser Ausbruch wilden Terrorismus, um im staatserhaltenden Jargon zu reden, ist, wie die„Potsdamer Körresp." meldet, dadurch vom Schöffengericht gesühnt worden, daß zwei der beklagte;,„Terroristen" zu se s ü im Marl Geldstrafe verurteilt wurden. Ob es seit Bestehen des Staates der Social- reform schon jemals vorgekommen ist, daß ein Arbeiter, der einen Streikbrecher verprügelte, von einem Gerichtshofe zu einer ähnlich milden Strafe verurteilt wurde Wir wissen keine solche Leistung der deutschen Justiz zu nennen. Zur Beurteilung der Höhe des Profits, den die ob de», bißchen Arbeiterschlitz jammernden Bäckermeister einsacken, ist die Mitteilung noch von Wert/daß die Innung neben dem verprügelten Bäckermeister einen Konkurrenzladen eröffnet hat, in welchem acht Stück Back wäre für 19 Pf. verkauft werden. Scharfe Patronen. Eine militärische Bewachung des Potsdamer G« ri ch t s g e s ä„ g„ i s s e S ist jetzt, infolge der dort in letzter Zeit mehrfach vorgekommenen Ausbrüche und Entweichungen von Ge- fangene», angeordnet worden. Von abends 3 bis morgens 7 Uhr steht jetzt ein Wachtposten mit scharfer Patrone auf dem Hofe des GefängnisgebäudeS. Schon in früheren Jahren hatte das Gefängnis Tag und Nacht militärische Bewachung. Von den in letzterer Zeit aus dem Gefängnis entflohenen UntersuchungSgcfangencn fehlt noch immer der Arbeiter Rudolf Lange, geboren am 20. August 1889 in Zehdenick, welcher wegen Diebstahls und Bettelns inhaftiert war. Mir mehreren andren, inzwischen lvieder eingcsangenen Gefangenen gelang es ihm. am 23. November 1093 zu entfliehen. Mau glaubt, daß er sich in Berlin verborgen hält. Lange hat auf beiden Unter- armen eine Tätowierung. Tie Rixdorser Stadtverordneten Bcrsammlung''nahm in ihrer letzten Sitzung ohne Widerspruch die Erklärung des Stadtverordneten Heinrich sSoc.) entgegen, daß ihn Gründe des Berufs zwängen, sein Mandat niederzulegen. Beschlossen wurde, die für die Er- Weiterung der Krankenanstalt an der Canncrstraße ausgeworfenen Mittel von 0999i9 M. auf 119 999 M. zu erhöhen. Die Verfamm- lnng erklärte sich auch damit einverstanden, daß die Ver- waltung der crlveiterten Krankenanstalt in der Canner- siraße der Krankenhaus-Baudeputioi, übertragen und diese durch ein Magistratsmitglied und einen Stadtverordneten ans der Armendeputation verstärkt wird. In den letzten zwei Jahren bat die Armendeputanon die Krankenanstalt mit verwaltet. Die Stadtverordneten-Versammlung wählte den Stadtverordneten Zimmer meister Jentsch in dick Ztrankenhans-Baudeputation.— Für die 7. Kochkunst- und fachgewerbliche Ausstellung des deutschen Gast- wirts-VcrbandeS wurden 399 M zu einen, Ehrenpreise bewilligt. Eine Schulvorlage führte zu einer kurzen Debatte. Stadtv. Conrad iSoc.s vermißt in den, Bauprojekt für die Schule, die auf einem Grundstück zwischen der Weise- und der Fontanestraße erstehen soll, eine Turnhalle, Zcichensäle, eine Aula und Einrichtungen, die später die Slnlegnng von Brausebädern ermöglichen. Dieser Mangel moderner Einrichtungen bei Volksschulbauten falle um so mehr auf, als für das Gymnasium alles mögliche bewilligt werde.— Stadtv. G r ö p l e r �Mitglied der Schuldeputation) betonte demgegenüber, daß in Rixdorf vor allem die Klassen fehlten und deshalb die Schul- aruiidstücke möglichst nach dieser Richtung ausgenutzt werden müßten. Erst wenn man in Rixdorf nicht mehr so viel fliegende Klassen habe, werde mehr in der gewünschten Richtung ge- than werden können. Für die Errichtung einer Turnhalle- Habe sich das Grundstück nicht geeignet.— Die Vorlage wurde angenommen. Zugestimmt lmirde ferner der Einrichtung von Wechscleocten an der Höberen Lehranstalt vom I.April ab, und zwar zunächst für die lk. und III. Vorschulklasse, die Sexta, Omnta, Ouarta und Untertertia der Realschule und die Sexta, Quinta, Ovaria des Realgymnasiums.— ES folgte eine geheime Sitzung, in welcher unter' andrem eine ö'/2 Millionen-Anleihe beschlossen wurde. Britz. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde zunächst Kenntnis gegeben von der Genehmigung einer neue» Lehrer- stelle.— Die Schnlbaü-Angclcgcnheit wuroe an die Kommission zurückverwiesen, die nach Anhörung der Boukommission einen schrifl- lichen Bericht erstatten soll. ES bestehen Zweifel, ob es richliger ist, zur Ausgestaltung des nebenllassigen Schulsystems au eine der drei bestellenden Schulen einen Anbau vorzunehmen oder ob in den, wenig bewohnten OrtSteil am Bukchlrug eine vier-�odcr siinfklassige Schule zu errichten sei, welch letztere noch große Straßeubaukosten verursachen würde.— Einem vom Grundbefitzervcreiu gestellten Antrag auf Teilung der dritten Wählerklasse in zwei Bezirke wider- sprachen unsrc Vertreter, Iveil unsre Wünsche auf Ausdehnung der Wahlzeit bis 8 Uhr abends bis jetzt noch keine Berücksichtigung ge- funden hätten,— DaS Triicksyslem soll beim Bahnhofsbau in Ze Hiendorf ein- geführt fein. Die dort beschäftigten Arbeiter, zumeist Polen und Italiener, erhalten zur Befriedigung ihrer Tagcsbedürfnisse von dem Schachtmeister, der zugleich einen Schnaps- und Bierhandel unterhält, einen täglichen Borschuß in Gestalt von Blcchmarken, Bei der Lohn- zahluug wird der Betrag abgezogen und es bleibt dam, für die Arbeiter wenig oder gar nichts übrig. Leider hat es die Gemeinde- Verwaltung bei Vergebung der Arbeiten seiner Zeit versäumt, sich einen Einfluß aus die Arbeitsverhältnisse zu sichern— dank ihrer jWialpolitischen Einsichtslosigkeit. Hinweisen möchten wir aber doch «USdrücklich auf den Umstand, datz das erwähnte Lohiffystcm durchaus uugesctzlicki ist,— Inzwischen i't. wie un? berichtet wird, infolge deS Eingreifens der Polizei das Ausgeben der Marken inhibiert worden. 6erichts-Zeitung. Ein Akt energisch« Selbsthilfe führte den Putzer Franz Engel- b ar d und die Maurer Albert P o d d i g und Karl M a h n unter der Anklage der versuchten Nötigung, des Hausfriedensbruchs und der Beleidigung gestern vor die 19. Strafkammer des Landgerichts I. Die Angeklagten führten für den Putzer Karl Friedrich im Accord Bauarbeiten aus. Infolge eines nicht sehr klaren Arbeitsvertrages kam es zwischen ihnen und Friedrich zu Lohndifferenzen; sie be- hauptetcn, daß sie noch_ insgesamt 53 Mark Lohn zu fordern hätten, was Friedrich bestritt._2fin 20. August vorigen Jahres trafen sie letzteren auf der Siratze. sie'sprangen auf den- selben Straßenbahnwagen, den er bestiegen hatte und beleidigten ih» so, datz der«chaffner sie zur Ruhe' verlocisei, mutzte. Als Friedrich bei der Wicleffstratze ausstieg, folgten ihm die drei. Engelhard faßte ihn am Arm und führte ihn wie einen schweren Verbrecher durch die Straße, wobei er ihn„Spitzbube, Betrüger, Pollack" schimpfte und fortwährend laut verkündete, datz er ihnen ihren Lohn vorenthielte, lgin Nu hatte jich eine hundertlöpfige Menschenmenge angesammelt, die der Gruppe lärmend folgt«.. und deutlick)' Partei gegen Friedrich ergriff. Dieser ging schließlich in das Marquardsche Lokal in der Emdener- stratze. eskortiert von den Angeklagten, die aucki dort durch ihre laute» Gcldsorderungen ihn in eine sehr nnangenehme Situation brachten. Mahn ging hier aus ihn zu und stellte ihm die Alternative: „Geld oder Prügel". Friedrich betreibt dort seit Jahren ear Eigarrengeschäst; von hier kam ihm seine Frau zu Hilfe, sie tönnie aber nichts ausrichten, denn ihr sowohl, wie ihrem Ehemann wurde der Weg vertreten und Engelhard blieb dabei, datz„erst gezahlt werden müsse". Schließlich' gelang es dem Friedrichscheu Ehepaare doch, ihren Laden zu erreichen, hinter ihnen waren aber sofort all!» die drei Angeklagten im Laden und Engelhard wurde so laut, datz sich vor dem Lade» wiederum eine gewaltige Menschenmenge ansammelte. Hierbei soll sich Engelhard eines Hausfriedensbruchs schuldig gemacht und auch noch Frau Friedrich geschlagen haben.— Auf Grund der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt gegen Engelhard vier Monate, gegen P o dd i g eine Woche und gegen a h u drei Wochen Gefängnis. Ter Gerichtshof verurteilte Engelhard zu vier Wochen Gefängnis, M a h n wegen versuchter Nöutgung zu 39 M. Geldstrafe, sprach da- gegen den Angeklagten Poddig frei'. Der vor einigen Tagen verhandelte Prozeß gegen Rex und Genossen, bei dem es sich um Schädigungen einer Anzahl von Firmen durch T e l e p h o u s ch w i n d c l und Warenbestellung mittels gefälschter Bestellzettel handelte, hatte gestern noch ein Nachspiel. Die Verhandlung gegen den der gewerbsmäßigen Hehlerei beschuldigien Schneidermeister Karl August Felske war auf gestern vertagt, weil noch ein Beweis erhoben werden sollte. Felske ist derselbe Schneider- meister, der vor einiger Zeit zu 1' Jahren Zuchthaus ver- urteilt wurde, weil er Einbrüche bei einem mit ihm in demselben Hause wohnenden Schneidermeister verübt und diesen, Stoffe ge- stöhlen hatte. Jetzt wurde er durch den Hausdiener Rex beschuldigt, die von diesem durch seine Schwindeleien erlangten Waren im Werte von 4—3909 M. für den Preis von 430 M. an sich gebracht zu haben. Er bestritt dies und behauplete. datz Rex einen ganz andren Abnehmer gehabt habe und ihn fälschlich belaste. Der Gerichtshof hatte aber keine» Zweifel an seiner Schuld und verurteilte ihn mit. Rücksicht ans die Gemeingefährlichkeit seines Treibens zu zwei Jahren Zuchthaus. Gegen de» Redaltcur der Leipziger„Rundschan", Hermann Scheide», ante l richtete sich eine Privatklage des Chefredakteurs der„Täglichen Rundschau", Heinrich R i p p l e r, die gestern vor den, hiesigen Schöffengericht zu Verhandlung anstand. Es handelte sich um einen in Nummer 39 der Leipziger„Rundschau" unter den Titel„Gesinnungslumpen und Pretzgauncr" veröffentlichten Artikel. der schwere Anschuldigungen gegen Herrn Rippler enthielt. Diese Angriffe waren einer Broschüre entnommen, die der Schriftsteller Dr. Hans Wagner gegen den Verlag und die Redaltion der„Täglichen Rundschau" gerichtet hatte. Unter Mitwirkung des Justizrats Kleinholz für den Privatkläger und Rechts- anwalts I a c ii f i c I für den Angeklagten kain im gestrigen Termin ein Vergleich zu stände. Der Angeklagte erklärte zu Protokoll:„Ich b'abe mich überzeugt, datz der'.Inhalt jener Schrift den Thatsachci, nicht entspricht und bedauere daher aufs tiefste, datz ich jenen Auslassungen eine weitere Verbreitung gegeben habe. Ich erkläre hiermit, datz ich gegen die journalistische und persönliche Ehre des Chefredakteurs R i p p l e r nicht den mindesten Einwand zu er- heben vermag und nehme daher auch alle au die aufgestellten Be- hauptunacu geknüpften Bemerkungen und Schlußfolgerungen zurück," — Der Angeklagte übernahm die Kosten des Verfahrens und ver- pflichtete sich, den Wortlaut des Bergleickis ans seine Kosten im „Leipziger Tageblatt" zu veröffentlichen. Der Privatkläger nahm hierauf seine Klage zurück. Die Prescrvesqlz-Prozesse wollen kein. Ende nehmen, trotzdem die Gerichte jetzt mir hohen Strafen vorgehen. Gestern würde der Schlächtermeister Schröter, der nach dem Gutachten des Gerichts- chemikerS Dr. Juckenack seinem Sckabcfleisch 0.3 Proz. Prcservesalz zugesetzt hatte, zu 30 Vi. Geldstrafe verurteilt und die Veröffcnt- lichung des Erkenntnisses in der„Allgemeinen Fleischerzeittmg" verfügt. Gegen einen Prügelpädagogcn verhandelte das Schöffengericht in Nürnberg. Ans der Küche des dortigen Waisenhauses wurden im vorigen Sommer einige Stücke Zucker entwendet. Die Zöglinge Winter und Steininger gestanden auf Vorhalt zu, die Thal verüvt zu haben, worauf die„Oberschwester" sie de», Diakon Pirner überantwortete mit dem Auftrage, sie streng zu bestrafen. Diesen Auf- trag führte der Herr Diakon auch getreulich aus. Er legte den Knaben Winter über einen Tisch und bearbeitete ihn mit einem Rohrstock, bis der Tisch samt dein Knaben umfiel; obwohl der Knabe blutete, hob ihn der Herr Diakon an den Beinen in die Höbe und schlug weiter auf ihn. Der Junge erhielt zusammen 41 Stockhiebe! Der andre Knabe kam glimpflicher davonZ aber alle beide konnten mehrere Tage nicht sitzen. Der Fall wurde von der „Fränkischen Tagespost" an die Oeffentlichkeit gebracht, worauf eine Untersuchung eingeleitet wurde. Das Gericht behandelte den Prügelhelden sehr milde und verurteilte ihn, obwohl die oben mit- geteilten Mißhandlungen erwiesen wurden, zu einer Geldstrafe von 19 M.l Heinrich Hofsmann und nicht Hollmann, wie gestern berichtet, heißt der gestern wegen thätlichcr Beleidigung seines Dienstmädchens Verurteilte. Tins der Frauenbewegung. Stellungnahme der deutsche» Genossinnen zum internationalen Fraucntongres! zu Berlin. Das Organisationskomitce der bevor- stehenden internationalen Tagung bürgerlicher Frauenrechtlerinnen fordert in einem Schreiben an Genossin Baader die deutschen Socialistinnen zur Beteiligung an dem Kongresse ans. Im Einvcr- ständms mit den Genossinnen hat unsre Bertrmiensperson geantwortet. datz die deutschen Socialdemokrattnnen es ablehnen, sich an dem Kongreß und seinen Veranstaltungen zu beteiligen. Die Begründung der Ablehnung soll in nächster Nummer der„Gleichheit" mitgeteilt werden. Wcißeilsce. Dienstag, den 0. Februar, abends 8Vz Uhr. findet im Prälaten. Lehderstt. 122, eine öffentliche Frauenpersammlung statt, Genosse Waldeck M a n a s s e spricht über das Thema:„Die Frau als Mitstreiterin in den, Befreiungskämpfe".— Es wird er- iucht, für diese Versammlung recht rege zu agitieren. _ Die Einbcruferin. Frauen als Rechtsanwälte. Kristiania, 28. Dezember. Das Lagthing hat heute mit 10 gegen 19 Stiinmen einen Gesetzentwurf angenommen, wonach Frauen Rechtsanwälte werden können. Es wurde einstimmig beschlossen diese» Gcsetzeittwnrs an die Regierung zu übersenden. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 31. Januar, vorm. 8'/, Ilde' in der Schnl-Anla, Kleine Franksurterstr, 6: Versammlung, Freireligiöse Vorlesung,— Um lO3/, Ubr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille:„Leo Tolstoj als Freireligiöser". Gäste,'Damen" und Herren, sehr willkommen._ eingegangene Druchfchriften. Die Gruudzüge der israelitischen stieligionsgeschichte. Von Vroi. Dr. Fr. Gie'ebrecht.(„Aus Nalur und Geistesweli". Sammlung wistcuschastlich-oemeiiwerstäiidlicher Darstellimgen ans allen Gebieten des Wissens. 32. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzia.(IV n 132 S.) Preis geh. 1,— M., geb. 1,25 M. Johann Weist. Oeftreichische Schuwerhältnisse. 34 Seiten. F. BaerZ Buchdruckerei. G. m. b. H. in Reitze. Ergebnis der staiistischcii Erhebungen über Arbeits- und Lohnverhältnisse in der Metallindustrie in Berlin. Ausgenommen Im Herbst 11)02 noni Teutschen Metallarbeiter. Verband. Preis 2,— Vi. Vorlag: Vorwärts. Berlin, Luide, ijir. LS. 1003.' — IX. Berliner Saison. Cirkus Busch Wiederholung der Galavorstellung vom 27. Januar. Mr. Richard üiasvade mit seiner berühmten . Löwen- ii.'' Zum 41. Male: Aus den Alpen. B e nre r t e n S w e r t: Der Hutoniobilaturz. 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Bilde: BOT* Grosses Ballett"MM Wie damals im Monat Mai. Anfang 7'!3 Uhr. Rauchen überall gestattet. Palast-Theater Burgstraste 3a, früher Feen-Palast. _ Heute abend 8 Uhr: Extra-Eliie-Vorstellung zu halben Kasscnpreiscn: Wie �eRlRe. Charaktcrgemäldc In 5 Zlktcn von Eh. Birch-Pseisfcr. «onntaaiiachm. 3 Uhr: Elite-Vorstellung: vie Grille. Abends 8 Uhr: Extra-Vorstellung: Bas Rillloncninödcl. Vorher Konzert und Specialitätcn. Nerdand der Fadrik-z Land-, HUfsardeiter und-Ardeiterinnen Deutschlands. HLahlstelle Berlin. Sonntag, den 31. Januar, vormittags v'�UHr. im Englischen Garten (oberer Saal), Alexanderstrabe Nr. 27c: Außerordentliche Generalversammlung. Tages-Ordnung: l. Vortrag dcZ Rcichstags-Abgcordnetcn E. Legion:„Der Emanzi- pationSkamps der Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Bericht dcS Kassierers. 4. Wie stellen sich die Mitglieder zur versuchsweisen Anstellung eines Beamten für unsre Zahlstelle? o. BerbandSangelegenhetten, Verschiedenes. 84/1 HB. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder wird in Anbciracht der so wichtigen Tagesordnung erwartet. fjlF" Buch legitimiert. .... Z. r Die Ortsverwaltnng. A.: Cäsar Bruns, Antonstr. 24. Apollo-Theater. Abends 8 Uhr: Frühlingsluft Operette von Strauss. �Büd"611 Blütenhochzeit. Grosses Ausstattungs-Ballett. 9'/« Uhr: Das erstklassige Januar Specialitäten-Programm. Miss Blanche Sloan. X Selma Braatz Lea Perer. XXX Little Pich. Bartin Kettner. Messters Biophon und Kosmograph. OV Anfang 8 Uhr.-Hvgs Kasseneröfinung 7 Uhr. Sonntag, den 31. Januar er., bei er- mässigten Preisen; Gesinde-Ball. Gebrüder Herrnfeld- Ansang TflDOtOr Sonntags: 8 Uhr. I llvlUvI, 7 Uhr. „WJecher ein neuer grosser Befolg!" lautet die einstimmige Kritik der gesamten Presse über die 91. und D. Herrnseldsche Novität: Zwei Akte aus einer Ehe mit den Autoren in d. Hauptrollen. Ferner: Januar-Attraktionen mit Bendix. Vorverkauf 11—8 Uhr mittags. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 6 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. €nti)auptUD3 .mer lebenden Dame! Willy Präger mit seinem Schlager; Die kleine Garnison. i4 neue erstklassige Nummern. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstrabe 58. Heute: Keine Vorstellung. Morgen Sonntag, den 31. Januar, nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. AbenbS 7 Uhr; Der jüiigste Mrnimt. Nach der Borstellung: {wrossSr Ball. ZLX- CHlNZ Kunst- jtassteilung tflpZlߣR' Täglich geöffnet 10-8. Entree 1 JH., SonntasöOPf. Neues Programm.: Harry Rochez Hundedresseur, Polk& Collins, Banjo-Virtuosen. Lorraine's Lebende Bilder Oie beiden Freydos Gymnastiker. Cook u. Clinton Amerik. Kimstsohützimien. Meers u. Omo Drahtseilkünstler. Otto Kentter Humorist. Salerno Meister-Jongleur. Annette Gillard Pariser Opernsäng. Mile. Olero sksä in ihrer Pantom.„Opiumrausch". Thereses Komischer Hypnotiseur. „Karnevalsgaisier" Wiener Ballett. Biograph. Belclis hallen Stettiner Sänger. Etabliffemeut Kuggtuyageu Borltzplatz. Im Kaisersaal: Künstler- Ensemble „Morel.tori»«" unter Leitung d. Herrn Rudolf Schauss. Kasseneräfsn. 5 Uhr, Ansang 3/47 Uhr. Entrcc 30 Ps. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. In den unteren Sälen: Görisch-Konzert und Bockbierfest. �anssnnel. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Holfinanns Norddeutsche Sänger u. TanxkrHnxchen. Jeden Dienstag: Theater- Abend. Wochentags VorzugSfarten gültig. In Vorbereitung: Ein Mann aus dem Volke. Deutscher Holzarbeiter-Verband. PF" Aelituiig! Einsetzer! Sonntag, 31, Jannar, mittags 13 Uhr, im GewcrkschaftShanse. Engel-Ufer IS(groster Daal): Oeffenlt. Dersilmintuirg fämtl. Eiusktztr Derlins a. Nmg. TageS-Ordnuiig: l. Bcrichi über die Verhandlung mit den Arbeitgebern. 2. Weitere Beschlubsaffung über die Lohubewegung. Die Versammlung wird pünftlich eröffnet Die Kommissionen beider Organisationen erscheinen um 11 Uhr. 78/ S Der Obmann. Verband der jßöbeltiolierer. Heute abend S'/a Uhr in Welsiscnsec, Köntgs-Chaussce 55; VersaminBung. Tages-Ordnung: 1. Bericht vom Kartell. 2. Diskussion über die Anstellung eines Kollegen. 3. Verschiedenes und Zlusgabe der BilletS zum Maskenball, welcher am 5. März bei Keiler, Koppenstr. 29, stattfindet. Montag, den 1. Febrnar 1S04, abends S'/s Uhr, in Rlxdorf, Steinmctzstrabe Nr. 103: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion über die Anstelluug eines Kollegen. 3. Ver- schiedcncs. Mittwoch, den 3. Februar, abends 8 Uhr, Engel-Ufer 15: Versammlung sämtlicher Vertrauensmänner. TageS-Ordnung:- 1. Bericht der Kommission und der Vertrauensmänner. 2. Vortrag über die Streiks im Jahre 1903 und die Ausgaben der Gewerkschasien. Jede Werkstatt hat die Pflicht dafür zu sorgen, dab der Vertrauensmann um 8 Uhr anwesend ist. Die arbeitslosen Kollegen müssen wieder vom Montag, den 1. Februar, vormittags 8— 10 Uhr, zur Kontrolle erscheinen und die ersten zehn Ein geschriebenen auch nachmittags von 3—4 Uhr. 145/5 Der Torstand. Aufforderung. In der aubcrordenilichcn General- Versammlung am 9. Dezember 1903 ist die'Auslösung des Gemeinnützigen BauvercinS, c. G. m. b. H., Schöne- berg, beschlossen worden. Es werden deshalb hiermit etwaige Gläubiger aebctcn, sich bei den unterzeichneten Liquidatoren zwecks ihrer Ansprüche baldigst zu melden. 989b* Schöncberg, den 15. Januar 1904. Kemimmtziger Kauverelv e. G. m. b. H. In Liquidation. E. Larnbardt, Friedenau, Kirchstr. 24. Petzhold, Schöncberg, Maxstr. 6. H. Herfort, Friedenau, Bismarckstr. 23. Rohtabak. Bekanilt beste Qualitäten. F. Wienert Naehf. L. Lelunanö, Rosenthalerstr. 83. Partei- Speditionen: Berlin.weiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalder strahe 30, v. Part.— Dritter Wabikrei.: S t. Fritz, Prinzcnstr. 31, Hos rechts Part.— Vierter Wahlkreis D.: Robert W c n g c l s, Gr. Franksnrterftr. 133, Hos Part.— SO.: Paul Böhm, Lausitzcrplatz 14/15 (Laden).— 8eebster Wahlkreis(Aoahit): Karl Anders, Salzwcdelcrstt'. 8, im Laden.— Weddinx und Oranienburger Vorstadt: Emil Stoltzcnburg, Wiescnsir. 4l/42.— Boseu- thaler Vorstadt, Gesundbrunnen. Beiniekendorr(Ost und West). Wilbeiinsrub und 8chtinholx: Hermann Raschle, Rügenerstr. 24, vorn pari, links.— 8eb5nbauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Alt. GUenieko: W. Pries, Rudowerstr. 68.— Obarlotteuburg: Guswv Scharnberg, Sesenhcimerstr. l. Ecke Goeihestrafie, vorn I— Deutseb-Wiiniers- tlorf: W. Nickel, Uhlandsir. 108, pari.— FriedrlcUsberg- Eriedrlchsfelde- Wllhelmatberg- HohcnschUnhansen: Otto Seikcl, O. 112, Krvnprinzenstrafie 50, I.— Grünau: Fritz Budack, Köniitr. 1, II.— Rlxdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerystraxe 7, im Laden.— 8ctattneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Luthersir. 51, im Laden.— Ober- 8eböue- « eide: Otto Münz er, Ohmstrafie la, 2 Treppen.— Mieder- 8ebvueu'eide: Bonakowsky, Berlinerstr. 8.— Johauuls- thal: Paul Mann, Bismarckstr. 7.— Adlershof: Paul Schmidt, Bismarckstrahe 7 II.— Köpenick: Friedrich W o i ck, Grünstr. 29.— Friedenan-Stegllt.: H. Bernsee, Schlojjftr. 115, Gartenhaus I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in 8teglits: H. Mohr, Düppclstr. 8, und Fr. S ch e I l h a s e, Ahornstr. 15 a.— Baumsebuleu- weg: Stock, Ernst str. 2,11.— Treptow: R. Voigt, Elsenstr. 37, vorn III l.— Meu-Weisseusee: W. R e s k e, König-Ehaussee 33a, I. — Rummeisburg: gor g Bert, Prinz Albcrtstr. 5a.— Tegel, Rorsigwaide, Dalidorf und Waidmanuslust: Paul Kicnast, Borsigwalde, Schubartsir. 43.- Bankow: K. Kümmert, Florastr. 43. Auherden» ist sämiliche Parteilitteratur sowie alle wissenschasllichen Werke dort zu haben. 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Januar, nach- mittags um 4 Uhr von der Leichenhalle des Gemeindc-Fried- Hofes in Lichtenberg, Krugstego, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/10 Die Ortsverwaltung. Centrai-Verband der Schmiede. Zahlstelle Berlin. Unfern Mitgliedern zur Nach- richi, dafi am Mittwoch, den 27. Januar 1904, das Mitglied Paul Schumann nach 2'/, jähriger Krankheit an Gehirnerweichung gestorben ist. Die Beerdigung ist am Sonn- tag, den 31. Januar 1904, nach- mittags 3 Uhr, aus dem Friedhof der Gemeinde Lichtenberg, Krug- siege. 176/3 Um recht rege Beteiligung ersucht Die Drtsverwaltuug. Allen Freunden, Genossen und Genossinnen die traurige Nach- richi, dag meine inniggeiiebie Frau Hiss Nopgel geb. DQsterwald am Donnerstag, den 28. Januar, irüli 8'/, Uhr nach langem schweren Leiden verstorben ist. Um stille Teilnahme bittet der trauernde Gatte Hermann Norgel, Dunckcrstr. 6. Di« Beerdigung findet Sonntag, den 31. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des siädti- scheu Friedhofes in Friedrichsfeldc aus statt. 1362b Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dafi unser Mitglied, der Rohrleger Robert ATetfmei* am 27. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. d. Mts., nach- mittags 2>/. Uhr, vom Krankonhause Friedrichshain nach dem Bartholomäus-Kirchhos inWeifien- see statt. Rege Beteiligung erwartet 110/19 Die Ortsverwaltung. Verband der Möbelpolierer. Am 27. d. Mts. verstarb unser Kollege Paul pixors im Mer von 26 Jahre». Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 30. d. Mts., nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des alten Thomas-Gemeinde- Kirchhofs in Rixdors, Hermann- strafic, aus statt. 145/6 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben, unvcrgefi- lichcn Mannes, des Steinmetz IMKvi'K Gonnert sage ich allen meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe E. Gönnert. Inventur- Ausverkauf! ygeh beendeter Inventur sind die Preise auf gM- sämtliche Artikel bis zu 33% 7. herabgesetzt. Jede Hausfrau benutze diese günstige Gelegenheit! Teppichhans B. Adler«1 Co. Kttnlgstrasse 20—21, an der JUdenstrasse, im altbekannten Lokal beim Rathaus. Wer feine Flechten ob nasse oder trockene Flechte- Borkenstechte, Bartflechte. Haut- ausschlüge und Hnutunreinig- kette» bald los sein will, dem ist die neue übersciteic Moiyd-Naphtol- Seife in Salbenform (bestehend aus 84,5 Proz. wcifier über» selteier Seife, 14 Proz. reinem Zink- oxyd. 1,5 Proz. Beta- Raphtols Wärmstens zu empfehlen. Selbst jahrelang Flechten-Leidende, die alles mögliche schon nutzlos versucht, fanden auffallend rasch die ersehnte Hilfe. 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In der Parteiversammlung, die in den Arminhallen tagte, gav zunächst der Vertrauensmann O p p e l seinen Bericht, der sich auf einen erheblich längeren Zeitraum erstreckt als sonst, weil die Neuwahlen der Vertrauensleute seiner Zeit mit Rück- ficht auf die Wahlbewegungcn des verflossenen Jahres verschoben worden sind. Die Einnahmen des Verrraucnsinanncs betrugen ein- schließlich des alten Bestandes von 613.73 M. 9036,11 M.. darunter 1000 M. vom Wahlvcrcin überwiesen; die Ausgaben 8881,02 M.; es blieb also ein Bestand von 101,09:N. 700 wurden dem Partei- vorstand, 450 der Ägitationskomniission überwiesen. Tie ausge- sperrten Weber in Crimmitschau wurden mit 300 M. unterstützt. Das Berichtsjahr war ein außerordentlich arbeitsreiches und auch agitatorisch erfolgreiches. Der Redner wies auf den Kamps gegen den Zolltarif hin. dann auf den mit der Kruppaffairc zusammen- hängenden Protest gegen die Ballcstrcmcrci, ferner auf die vcr- schiedcnen Wahlen. Gelang es auch nicht, den ersten Reichstazswahl- treis zu erobern, so zeigte sich doch, daß die Socialdenwkratie die stärkste Partei im Kreise geworden ist und mit Sicherheit auf Er- oberung des Kreises bei der nächsten Wahl zu rechnen ist. Der Redner führte eine Aufstellung über den Prozentsatz der bei den Reichstagswahlen im ersten Kreis seit 1871 abgegebenen social- demokratischen Stimmen, aus der hervorgeht, daß dieser Prozentsatz mit Ausnahme der Attentatswahlen von 1873 und der ersten Wahl unterm Socialistengcsctz, wo er von 1 1,86 auf 0,24 Prozent gesunken ist, beständig im Steigen begriffen war und bei der letzten Wahl von L8,51 auf 41,50 Prozent, bei der Stichwahl gar auf 48,70 Prozent siieg. Der Redner erwähnte schließlich noch die guten Rcesultate bei den Kommunalwahlen und die mit diesen Wahlen zusammen- hängende liberale Alugblattfälsckung, an der, wie festgestellt wurde, keiner unsrcr organisierten Genossen beteiligt war. Tie Hauptaufgabe für die nächste Zeit sei es, unermüdlich für die Erstarkung der Organi- fation thätig zu sein und zu neuen Kämpfen zu rüsten.— Bon der Preßkommission berichtete K u b a t. der eine specialisierte U ebersicht über die größcrn Einnahme- und Ausgabeposten des Centralorgans gab und siel, auch im übrigen mit der principiellen .Haltung des„Vorwärts" in der Iolldcbatte und in der Wahlbewcgung, sowie hinsichtlich der Auseinandersetzungen über die Taktik der Partei einverstanden erklärte. An Beschwerden hätte es auch im verflossenen Jahre nicht gemangelt; namentlich hätten sich auch Gewerkschaften darüber beschlvert, daß Berichte gekürzt oder nicht abgedruckt worden seien. Bian müsse hierbei jedoch Rücksicht guf den beschränkten Raum nehmen. Die Zunahme deS Abonnenten- standes um 20 000 sei sehr erfreulich, der jetzige Stand von 80 000 Abonnenten sei jedoch im Vergleich mit der Zahl der socialdemo- tratischcn Wähler noch viel zu gering; unablässig müsse dafür gesorgt loerdcn, daß innerhalb der Arbeiterschaft an Stelle der gesinnungs- losen Presse immer mehr der„Vorwärts" trete.— Das Preß- kommissionsmitglied S t r e h l ergänzte die Ausführungen des Redners und besprach besonders die günstige Entwicklung des Partei- gcschäftes, forderte die Genossen auf. dafür zu sorgen, daß der Partei- druckcrei Aufträge aus der Arbeiterschaft überwiesen Iverdcn, erwähnt die Neueinstcllungen ün Geschäft, ferner die harten Urteile gegen die Redakteure Leid»nd Kaliski und sprach die Hoffnung aus, daß die beiden Genossen vom Reichsgericht freigesprochen würden.— Von der Lokalkonunission berichtet Ego. Diese Kommission ist ebenfalls sehr thätig gewesen. Es ist jedoch nicht gelungen, im ersten Kreis ein weiteres Lokal für die Lokalliste zu gewinnen. Die Arbeiterschaft, erklärte der Redner, habe in diesem Kreise nur wenig Einfluß, da hier andre Gesellschaftsklassen den Wirten mehr Einnahmen böten. Gestern jedoch habe der Wirt eines Lokals in der Friedrichstadt seine Unter- schrift gegeben und sie bis jetzt nicht zurückgezogen. Einige Gewerk- schaftcn hätten im verflossenen Jahre Lokale genommen, die nicht auf der Liste standen, nach Rücksprache mit der Lokalkommission jedoch versprochen, in Zukunft davon abzulassen. Ter Redner erwähnte ferner die Anträge auf Freimachung der Philharmonie, die von der Lokalkommission abgelehnt wurden; ferner die Tiffercnzen mit dem Wirt von Scheruchs Festsälcn, früher„Lcohosviz": er billigte den Beschluß der Lokalkomimssion, die dieses Lokal trotz des Protestes vom vierten Lireis freigemacht hat, da der Wirt alle an ihn gestellten Bedingungen erfüllt, und Garairtie geboten habe, daß die schlimmen Borgänge, die zur Sperre seines Lokals geführt haben, sich nicht loiederholen. Der Redner forderte schlichlich die Genossen auf, die Lokallistc auch außerhalb Berlins streng zu beachten.— Von der A g i t a t i o n s k o m m i s s i o n gab Schuster einen mit Rück- ßicht darauf, daß über die wichtigsten Punkte der Agitation bereits ausführlich berichret worden ist, nur kurzen Bericht. Er wies darauf hin, daß die Wahlen bewiesen haben, daß die Agiiationskommission für die Ausbreitung der Partei in der Provinz noch lange nicht ent- behrlich sein wird, und besonders auch jetzt, wo alle reaktionären Elemente zusammen strömen zum Kampf gegen die Socialdemokratie. eine große Aufklärungsarbeit geleistet werden muß. Er forderte die Genossen zu thatkräftiger Unterstützung der Agitationskommission auf.— An die Berichte knüpfte sich eine Diskussion, die sich hauptsächlich auf Abhaltung von Temonitrations- Versammlungen gegen die Schergendienste Preußens für die russische Despotie und auf die Stellungnahme unsrer Rcichstagsfrakrion zum Nachtragsetat gegen den Hereroaufftand bezog. Bon den Genossen Kussel und Felix G u t t m a n n wurde� folgender Antrag eingebracht; „Die Parteigenossen des ersten Berliner Wahlkreises beauftragen ihre Vertrauensmänner dafür zu wirken, daß schleuiügsr. Demon- strations-Vcrsammlungen betreffs der Russenangelegeuheit über ganz Berlin veranlaßt werden." G u t t m a n n j u n., der den Antrag begründete, nannte es eine Unterlassungssünde, daß in dieser Hinsicht noch keine große Demonstration veranstaltet wurde. Die Stellungnahme der Fraktion zum Hcreroaufstaude nannte der Redner inkonsequent. Im übrigen bedauert er, daß durch die Broschüre von Kraft über Soldaten- Mißhandlungen, der Wunsch der Parteigenossen nach einer billige n Ägitationsbroschüre dieser Art nickst erfüllt wird.— In dieser Beziehung pflichtete Ovpel dem Redner bei.' und auch mit der Stellung der Fraktion zur Hcrcrofrage ist er nicht cinvcrstandc», findet sie jedoch ertlärlick und verweist in dieser Hinsicht auf die Ausführungen vom Rcichstagsabgeordncwn Zubeil in der Generalversammlung des Wahlvercins von Teltow-Bcestow. Bezüglich der Rufsenangclegenheit erklärte der Redner, daß die Vertrauensleute die Versammlungen nur vorläufig abgelehnt hätten, da die Interpellation im Reichs- tag noch nicht erledigt sei.— T ä t e r o w wünschte, daß der hierzu gestellte Antrag den Vertrauensmännern zu ernster Erwägung über- wiesen werde; lvarntc bezüglich der Hercroangelegenheit vor einem voreiligen Urteil über die Haltung der Fraktion. Diese Sacke müsse erst geklärt werden.— G u t t m a n n s e n. sprach sich dafür aus. daß in der Russenangclegcnhcst internationale Demon. strationen veranstaltet werden.— Von L ö w e n b e r g wurde eine von ihm und Kussel eingebrachte Resolution gegen die Stimm- cnthaltung unsrer Fraktion beim Rachtragsetai gegen den Hcrero- aufstand begründet. Diese Resolution wurde jedoch schließlich ab- gelehnt. Tagegen wurde die oben augeführte Resolution zur Russen- äiigelegenhcii angenommen.— Den Vertrauensmännern wurde ein- stimmig Dccharge crtcill.— Tic Neuwahlen hätten folgendes Er- gebnio; 1. Vertäue nsmann Oppel. 2. W e i h n a cht; in die Preß- kommisjion wurden Strchl und Kubat gewähU; in die Lokal- kommission E g e und W o l d t: in die Agitationstommisjion Schuster; als Revisoren Günther. Strchlow und Fischer. Die Parteivcrsammlung für den zweiten Reichslaqs-Wahlkreis tagte bei Kliem in der Hajcnhcidc. Der Genosse P. Scholz als Vertrauensmann berichtete über die Parieithätigkeit im Kreise während der letzten Gcschäftspcriode, die diesmal fünf Vierteljahre umfaßte. Er hob zunächst hervor, daß die Parteispcdition einen erfreulichen Aufschwung genommen habe, und gab dann einen lieber- blick namentlich über die Agitation bei den Reichstags-. Landtags- und Stadwcrordneten-Wahlen. Nach den Wahlen sei auch die Re- organssation des Kreises in Fluß gekommen. Er erhoffe eine weitere Stärkung der Organisation, welche im Wahljahr schon erheblich zugenommen habe. Genosse Scholz ließ seinem Thätigkeitsbericht die verschiedenen Spccialabrcchnungcn und die Gesamtabrechnung folgen. Tic Maifeier ergab einen Ueberschuß vonl 142,00 M., das Sommcrfest einen solchen von 917,50 M. Für die Rcichstagswahlen kanten auf Listen und durch Tellersammlungcn 6598,03 M. ein, während 3932,75 M. ausgegeben wurden, so daß ein Ueberschuß von 2665,28 M. verblich. Für die Landtagöwahle» und Stadtverordneten-Wahlen kamen 1912,56 M. zusammen, wogegen eine Ausgabe von 3647,79 M. erwuchs, was ein Deficit von 1735,24 M. ergiebt. Tic Generalabrechnung umfaßt folgende Hauptzahlen: Bestand vom 2. Oktober 1902 war 356,17 M., Gcsamtcinnahme 24 479,71 M., Gesamtausgabe 24 190,74 M., wovon an den Partei- vorstand 12 050 M. gingen. Verbleibender Bestand 258,97 M. Die Einnahme aus Parteibons und die Ausgabe an den Parteivorstand waren beinahe doppelt so hoch, wie im Jahr vorher.— Für die Crimmitschauer Weber wurden im Kreise einschließlich des Beitrags der Partci-Organisation etwa 5000 M. von den Partei- genossen aufgebracht. Uebcr die Thätigkeit der Preßlommissiou berichtete Genosse Fülle. Die rund 16 Monate umfassende Berichtsperiode fei eine sehr arbeitsreiche gewesen. Es habe auch nicht in den Sitzungen an lebhaften Auseinandersetzungen gefehlt, die zumeist auf die Er- eignisse vor und nach dem Parteitage sowie auch auf innere Ver- waltungsangelegenheiten zurückzuführen waren. Die Auflage des „Vorwärts" fei ständig gestiegen bis über das 80. Tausend hinaus. Freilich sei das noch zu wenig, wenn man die wirkliche Partcistärke Berlins und der Vororte berücksichtige. Es sei dahin zu streben, daß im neuen Geschäftsjahr das 100. Tausend erreicht werde. Die Ucberschüsse seien ebenfalls ständig gestiegen, zugleich seien aber auch die Ausgaben für Redaktion und Mitarbeit bedeutend in die Höhe gegangen. Das habe ja die Entwicklung und das Wahljahr mit sich gebracht, andrerseits fei es aber doch Pflicht der Preß- kommission gewesen, darauf zu achten, daß die Ausgabe» für Rc- daktion und Mitarbeit nicht ins ungcmessene stiegen, sondern daß der„Vorwärts" auch Ueberschüsse erzielen solle für die Partei, für die Agitation. Das Hauptverdienst an dem Aufschwünge des„Vor- wärts" hätten die Parteigenossen, die in ununterbrochener Thätig- kcit Abonnenten warben. Durch dieses Lob wolle er die nicht ver- kcnnbaren Verdienste der Redaktion um das Blatt nicht schmälsrn. Die Beschwerden über den„Vorwärts" bezögen sich meist aus den Vcrsammlungsteil, auf nicht genügende Berücksichtigung von Vcr- sammlungcn aller Art in der Berichterstattung. Nun, eine volle Zufriedenheit auf diesem Gebiete werde wohl nie erzielt werden. Hie>r ständen sich eben gegenüber das Interesse der Genossen und Gewerkschaften auf möglichst ausführliche Berichterstattung über ihre Angelegenheiten und die Unmöglichkeit, alles im gewünschten Matze zu berücksichtigen. Gewiß käme auch mal ein Fehler vor, von bösem Willen der Redaktion sei aber keine Rede. Gegen die taktische Haltung des Organs sei wegen des Verhaltens in der Mehring- Tlfsaire Beschwerde geführt worden. Man habe sich gründlich aus- einandergesetzt, und es seien dies wohl die erregtesten Sitzungen gewesen, von denen er glaube, sie werden beiden Teilen zur Klärung dienen. Es habe sogar eine Kabinettskrise gegeben, die Wogen hätten sich aber wieder geglättet und 4oc schreibe seine Sonntags- vlaudereien weiter, was wohl der beste Beweis sei, daß wieder Friede in Trojas Mauern herrsche. Die unangenehmste Aufgabe sei die Stellungnahme zu Gehaltsfragen. Im letzten Monat des ver- gangenen Jahres sei eine größere Pauschalforderung der Expedition abgelehnt worden. Die Angestellten dürften aber davon überzeugt sein, daß mau nach streng pflichtgemäßen Erwägungen als Sach- Walter der Parteigenossen verfahren sei, nicht aus persönlichen Motiven. Sein grundsätzlicher Standpunkt sei in der Frage: Jedem Angestellten möglichst günstige Lohn- und Arbeitsbedingungen, aber die Anstellungsbedingungen und Bezüge dürften nicht das Matz dessen überschreiten, was für die heutige Zeit angemessen sei. Es sei richtig, daß in bürgcrlick?en Geschäften der eine oder der andre höhere Verwaltungsposten höher bezahlt iverde wie im„Vorwärts". Wenn man aber den Durclsschnitt aller Gehälter nehme, dann werde der„Vorwärts" besser abschneiden als jene. Die Parteigenossen wollten nicht einen Direktor oder Chefredakteur mit ungeheuren Gehältern ausstatten und andre mit zu geringen Löhne» abspeisen. Unter Wahrnehmung der Interessen der Genossen werde die VerWallung im„Vorwärts" so geführt, daß Recht und Billigkeit herrschten. Auf Angriffe, die gegen ihn gerichtet worden seien, möchte er feststellen, daß die thätigen Parteigenossen des zweiten Kreises immer denselben Standpunkt vertreten hätten wie er.— Das 2Sort_ zu dem Bericht wurde von niemand gewünscht. An«stelle des verhinderte» Mitgliedes der Brandenburger Agitationskommisston gab Genosse S ch o l z einen kurzen Bericht über deren Thätigkeit. Genosse P o l e n s k i berichtete für die Lokalkommission. Zu den Wahlen der Funktionäre nahm Genosse H. Werner das Wort. Gemäß einem Beschlüsse der Generalversammlung des Wahlvereins habe die Bezirksführer-Versammlung die Besetzung der Aemtcr und die Delegationen vorzllberaten und dann Borschläge zu machen. Die Bezirksführer-Versammkung habe sich damit befaßt und schlage vor, von der Wabl der Funktionäre, abgesehen von der der beiden Vertrauensleute, Abstand zu nehmen. Binnen kurzer Zeit werde die Gcnoralversammluug des Wahlvereins das schon vorbereitete neue Statut zu beraten haben, wonach die Wahlen im Verein erfolgen sollten. Er erhoffe die Annahme des Statuts, wodurch die Partei im 2. Wahlkreis in die Latze versetzt werden solle, die im Kreise erforderlichen Arbeiten selbständig auszuführen.— Die Versammlung erhob den Wunsch der Bczirlsführcr zum Bcsckiluß und nahm nur die Wahl der Vertrauensleute vor, die nach dem Vorschlage der Bezirkssührer- Versammlung auf die Genossen Hermann Werner und Ernst Schneider siel. Eine gut besuchte Versammlung des dritte» Wahlkreises nahm am Donnerstagabend im Geiverlschaftshause die Berichte der Funktionäre deS dritten Kreises entgegen. Aus dem Bericht der Vertrauensmänner des Kreises, der Genossen Hock, und Pohl, ist hervorzuheben, daß durch die intensive Agitation die Stimmenzunahme für die Socialdemokratie ganz bedeutend gewachsen ist. Versammlungen haben im abgelaufenen Berichtsjahre 45 stattgefunden. Tie Einnahmen betrugen insgesamt 16 788,12 M., darunter 1996,35 M. aus Tellersammlungen, auf Listen usw. 6746,11 M., Erlös für Broschüren:c. 884,20 M., Ver- schleiß von Bons 2778,70 M. Die Slusgaben betrugen insgesamt 16328,35 M. darunter für Einrichtung der Spedition 1015,65 M.. an die Agitationskommission 3322,20 M. an den Parteivorstand 6500 M„ so daß ein Bestand von 459,77 M. verbleibt. Sodann berichtete für die Agitalions-Kommission Genosse Dimmick. Insgesamt haben sieben Touren stattgefunden. Die Erfahmngen der Agitation und die Ergebnisse daraus haben zur Folge gehabt, daß sich Soran-Forst, Koitbus-Sprcmberg, Frankfurt- Lelms und Guben- Lübbe» zu cüiem Wahlverein verbunden haben, um so die Agitanon intensiver gestalten zu könne». Für die Lokalkommission gab Genosse H i n z den Be- richt. Nach einer längeren Debatte wurden die Neuwahlen für die Funktionäre, die die Geschäfte des Kreises für das nächste Jahr zu leiten haben, vorgenommen. Es wurden als Vertrauens- lcntc die Genossen H o ch und Pohl, als Preßkonnnissions- Mitglieder W u s ch i ck und E h r in a n n. in die Lokalkommission Hinz und Heise» in die Agitationskommission Dimmick und als Revisoren R a p p e r t, Schmidt und F ü q n e r gewählt.— ES erfolgt sodann eine Interpellation des Genossen Krater über die Abstimmung bei der Bewilligung des Kredits für Aftik� bezüglich der Stimmenthaltung unsrer Frattion. Der Abgeordnete des Kreises, Genosse Heine, rechtfertigt die Stellungnahme der Fraktion.— In die Neunerkommissiön wurde Genosse Albold weiter bestätigt. Die Pnrteiversammlung des vierte» Wahlkreises tagte am Donnerstagabend in den AndreaS-Festsälen und mar sehr stark besucht. Den Bericht der Vertrauensleute für de» Osten erstattete Franke für die Zeit vom Oktober 1902. In der Berichtszcit fanden im ganzen 37 Versammlungen statt, außerdem eine große Anzahl kleinerer Versammlungen zur Vorbereitung der Landtags- mahlen. Die Ergebnisse der Reichstags-, Landtags- und Stadt- verorduetenwahlen waren durchaus befriedigend. Der Wahlverein hat um etlva 900 Mitglieder zugenommen. Es wurden 11 Flug» blättcr in einer Gesamtzahl von 977 000 Ereniplarcu verbreitet. Außerdem wurden austzegebeu zusammen 60 000 Exemplare„Das rote Wahljahr",„Märzzeitmig",„Maizeituna".„Rote Wahlen". „25 Jahre Kampf und Sieg" und„Silvesterzeitung"; schließlich 9500 Broschüren. Die Einnahmen betrugen u. a. aus Partei- Einrichtungen 17 870,19 M., aus Tcllersammlungen, auf Listen 10 564,90 M., Bons 5050,— M. Von den Ausgabeposten erwähnen ivir: an den Parteivorstand 23 035,50 M., Agitation 1700,— M., für Crimmitschau 1000,— M., Agitation in Königsberg, N.-?)?., 1406,80 M.. in Landsbcrg-Soldin 1079,90 M., in ländlichen Kreisen 1163,42 M. Die Gesamteinnahmen betrugen 48 142,12 M., die Ausgaben 45 937,73 M.; es blieb ein Bestand von 2204,39 M. Den Bericht der Vertrauensleute für Südost erstattete Hackel» busch. Aus den Einnahmen erwähnen ivir: Bons 83-19,— M.; auf Listen 7069,44 M., auf Listen für Crimmitschau 4360,— M., Partei-Einrichtungeu 12 067,56 M. Unter den Ausgaben finden wir u. a.: an die Agitationskommission für Brandenburg 3510,70 M.. RcichStagSwahlen 3034,— M., Landtagswahlen 2352,33 M., Agitation 5336,22 M.. an den Parteivorstand 24 500,— M., für Crimmitschau 6100,— M. Die Gesamteinnahmen betrugen 46 320,87 M., die Gesamtausgaben 45 213.25 M.. es verblieb cm Bestand von 1107.62 M. In der Berichtszeit fanden 51 Versammlungen statt. Verbreitet wurden über 500 000 Flugblätter und 25 000 Zeitungen. Durch die Agitation zur Landtagswahl gewann der Wahlverein etwa 300 neue Mitglieder. Diele Agitation hat überhaupt aufklärend gewirkt und scbr zur Festigung der Organisation beigetragen. Ändrcrsetts haben wir bewiesen, daß die Berliner Socialdemolrateu sich vor der offenen Stimmabgabe absolut nicht fürchten. Den Bericht der P r e ß k o m m i s s i o n erstattete Rich. Weise. Für die Lokalkommission berichtete Zimmermami. Die Ein- nahmen betrugen 186,81 M., die Ausgaben 112,32 M., der Bestand ist 74,49 M. Es fanden'25 Sitzungen statt. Räch einer sehr leb- hasten und teilweise erregten Diskussion über die Zulassung des Lokals Scheruch sLeo-Hospiz) zur Lokalliste wurde nachstehender Antrag des Genossen Brückner angenommen: „Beantrage, daß in Zukunft die Freigabe eines strittigen Lokals seitens der Lokallommisfton nur nach Uebereinstimmung mit den Genossen des betreffenden Kreises erfolgen kann." Den Bericht der Brandenburger Agitationskommission ifür den Osten) erstattete Wasewitz: Im Kreise Königsberg stand uns nicht ein einziges Lokal zur Verfügung, wir haben während des WahltampfeS in gegnerischen Versammlungen diskutiert. Der Kalender ist ün Kreise verbreitet worden, außerdem drei Flug« blälter zu je 30 000 Exemplaren. Wir haben aus Kreismittcln 1496,80 M. Zuschuß geleistet. Im Kreise Landsberg-Soldin haben wir vier Flugblätter zu je 36 000 Exemplaren und den Kalender in 16 000 Exemplaren verbreitet. Der Kreisznschutz be- trug hier 1979,00 M. In diesen beiden ländlichen Kreisen haben wir eine günstige Stimmenzunahme. Den Bericht der B r a n d e n b u r g e r Agitattonslonmnssion(für den Südosten) erstattete Scholz: Der Kreis Schwiebus- Sommerfeld entwickelt sich günstig und wird bald auf eignen Füßen stehen. Ost- und W e st- S t c r n b e r g ist noch sehr rück- ständig. In Aruswalde-Friedeberg beweist der Anli- seMitismus»och immer seine Brutalität. In der lebhaften Diskussion wird darauf aufmerksam gemacht. daß es in der Provinz bei den Wahlen schon an den Vorarbeiten fehlt. Die Kommission wird ersucht, den örtlichen Vertrauensleuten schon in dieser Beziehung vor den Wahlen beizuspringen. Vor der Wahl der KreiSfunktionäre wird auf Antrag MatheS beschlossen, jeden vorgeschlageneu Genossen zu beftagen, ob er gewerkschaftlich organisiert sei. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Vertrauens- l e u t e: für Ost: Franke. Wasewitz; für Südost: I o e ch e l, Hackelbusch. P r e ß k o m m i s s i o n: ftir Ost: Büchner; für Südost: W e r m u t h. Lokal kommission: für Ost: Fritz Zimmermann, R a h n, für Südost: Sedier, H a u s ch i l d. Brandenburger Agitationskommission: für Ost: Jansen: für Südost: Paul Scholz. Revisoren: für Ost: Zicse, Walter. Winter; für Südost: Herrn. Voigt. G e s ch e. Erbe. Nach Beendigung der Wahlen wurde die Versammlung ge- schlössen. Tie Versammlung für den fünften Wahltreis, die im„Swützen- hause" tagte, hatte einen guten Besuch aufzuweisen. Für die Per- irauensmänner erstattete Li c v in a n n Bericht. Unter Bezugnahme auf die stattgehabte Reorganisation in den Berliner Parteiorganisationen führte derselbe aus, daß die Vertrauensleute des fünften Wahlkreises bei ihrer Parieithätigkeit stets im engsten Konnex mit den organisierten Parteigenossen gestanden hätten, da diese es doch seien, welche in allen Partciangelcgcnbcitcn das entscheidende Wort zu sprechen hätten. Die Hauptthätigkeit der Vertrauensleute habe natürlich die Wahrheit in Anspruch genommen. Die Parteigenossen des fünften Kreises hätten in der Thätigkeit zu den Rcichstagswahlen ihre Schuldigkeit im höchsten Maße gcthan. Dafür sei aber auch der Erfolg ein über alle Erivartnngen überraschender gewesen. Aufgabe der Parteigenossen sei es, die errungene Majorität dauernd zu erhalten. In Bezug auf die Landtagswahl müsse er als früherer Gegner der Beteiligung bekennen, daß das Klasienbelvußtscin und die Klasscncnergic des Proletariats selbst die Schwierigkeiten der Agitation für diese Wabl überwunden haben und cS sei jedenfalls zu erwarten, daß für Berlin die Beteiligung an den Landiagswahlen auch für fernerhin beschlossen werden würde. Für Criinmitschau seien in ganz kurzer Zeit 2500 M. in dem kleinen fünften Kreise aufgebracht worden. Insgesamt hat der.Kreis im verflossenen Jahre ca. 16 000 M. ausgebracht. Eine Diskussion knüpfte sich an den mit Beifall aufgenommenen Bericht nicht. Es hielt dann der Reichstags- abgeordnete Dr. Herzfeld einen Vortrag über: Die polmsck« Lage. Eine Diskussion über den mit stürmischem Beifall ausge- nommcncn Vortrag wurde nicht beliebt und fand die Versammlung mit einem Hoch auf die Socialdemokratie ihren Abschluß. Sechster Wahlkreis. Die Parteiversammluug in Weimaims Volks- garten war ihrer Bedeutung entsprechend gut besucht. Genosse Eugen E r n st erstattete den Bericht der Vertrauensleute. In Anbetracht dessen, daß erst in der kürzlich staitgefuudeneu Generalversammlung des Wahlvereins ein detaillierter Berich: über die Parteithälig- kcit im sechsten Kreise gegeben wurde, beschränkte sich der Redner auf einige Ergänzungen. Das vergangene Jahr, reich an Arbeit und reich an Siege», hat die Genossen eine opferreiche, hin» gebende Thätigkeit entsalten lassen, wie nie zuvor, llcberall im Kreise Fortschritt zu Gunsten der Partei. Während bei der Reichstagswahl des Jahres 1SS8 von 142 226 Wahlberechtigten 87 300 sich an der Wahl beteiligten und davon 58 778 für die Socialdcmokratie stimmten, stieg unsre Stimmenzahl im Jahre 1903 auf 79178 unter 112014 Stimmabgaben bei 164932 Wahlberechtigten. Die bürgerlichen Parteien erzielten zwar einen Stimmenzuwachs von 2500, wir dagegen einen solchen von 21 000, ungefähr gleich der Zu- nähme der Wahlberechtigten. 1898 verfügten die Gegner noch über 38 Proz. der abgegebenen Stimmen, 1903 nur noch über 23 Proz. Auch die Thätigkeit während der Landtagswahlbewegung war, namentlich im Hinblick auf die Neuheit dieser Wahl, eine zufrieden- stellende. Sicher werde es das letzte Mal sein, daß die Gegner diesen Kreis erobert haben. Von besonderem Interesse ist auch hier das Stimmenverhältnis. Im 3. Berliner Landtags-Wahlkreise, der den 6. und einen Teil des 5. Neichstags-Wahlkreises umfaßt, waren im 6. Kreise 166 919 ein- geschriebene Wähler vorhanden. Davon haben im 6. Kreise 71 295 Wähler ihre Stimme abgegeben— 42,72 Proz. der eingeschriebenen Wählerzahl. Für die Wahlmänner der Socialdemokratie stimmten 54 238 Personen — 76,07 Proz. der abgegebenen Stimmen. Die Freisinnigen erhielten nur 9328— 13,08 Proz. und die Konservativen 7271 Stimmen 10,2 Proz. Dem gegenüber bekamen an Wahlmännern die Socialdemokratie 1082— 42,7 Proz.; die Freisinnigen 1084 — 42,8 Proz. und die Konservativen 367— 14,5 Proz. Der pluiokratische Charakter des Dreiklassen- Wahlsystems ist damit jedermann offenbar geworden, denn die ca. 64 000 social- demokratischen Wähler konnten nicht soviel Wahlmänner durch- bringen, wie die_ ca. 16 000 Freisinnigen und Konservativen; 76 Proz. der ärmeren Wähler hatten weniger Rechte wie die 24 Proz. der Leute von„Bildung und Besitz". Wenn auch noch «ine stärkere Beteiligung der socialdemokratischcn Wählermassen hätte stattfinden können, so hat diese Wahl doch einen eminent agitatori- schen Wert gehabt. Der Mnsie sind die Augen aufgegangen über die schreiende Ungerechtigkeit dieses verrotteten Wahliystems, und die Partei hat wichtige Erfahrungen gesammelt, die sie bei der nächsten Wahl sicher zu ihren Gunsten verwerten wird. Bei den Stadtvcrordnetenlvahlen hat die dritte Abteilung eben- falls ihre volle Schuldigkeit gethan; es wurden zwei neue Mandate erobert, somit haben im 6. Kreise die Gegner nur noch zwei Mandate der dritten Klasse in ihrem Besitz, die ihnen das nächste Mal voraus- fichtlich auch entrissen würden. Im ganzen wurden im Kreise 113 öffentliche Versammlungen abgehalten, darunter 42 zur Reichstags-, 16 zur Landtags- und 24 zur Stadtverordneten- wähl. Mit dem Wahlbereiusvorstand sowie den Leitungen der übrigen Kreise haben die Vertrauensleute in engster Fühlung ge- standen. Redner ersuchte die Genoffen, nach wie vor die politische Organisation zu stärken und für die vermehrte Ausbreitung der socialistischen Idee zu wirken, damit allen kommenden Eventualitäten mit Zuversicht entgegengeblickt werden könne.(Beifall.) Ohne Debatte wurden darauf folgende Vertrauensleute wiedergewählt: Br Moabit: Karl Zorstadt: Eugen fischet; für Wedding und die Oranienburger : r n st; für Gesundbrunnen und die Rosen- thaler Vorstadt: Bittorf; für die Schönhauser Vorstadt: Karl RiarS.— Nunmehr hielt der Abgeordnete des Kreises, Genosse Ledebour, einen von häufigem Beifall unterbrochenen Vortrag über„Die politische Lage". Mit einem kurzen Schlußwort und einem dreifachen Hoch auf die Socialdemokratie erklärte der Vorsitzende B i t t o r f die Ver- sammlung für beendet._ Versammlungen. Holzarbeiter-Berband. Der am Mittwoch in Kellers Saal ab- gehaltenen Generalversammlung der Zahlstelle Berlin lag ein Ge- schäftsbericht für das Jahr 1903 vor. Derselbe sagt unter anderm: Das verflossene Jahr brachte fiir unser Gewerbe eine kleine Besserung der Geschäftslage, doch zeigte das zeitweise starke Nachlassen der Arbeitsgelegenheit in verschiedenen Branchen, daß die Krisis noch nicht überwunden ist. Die Bautischlerei hatte vermehrte Aufträge; auch in der Aöusikinstrumentenbranche belebte sich der Markt, wäqrend in fast allen andern Branchen das Gefühl der Unsicherheit über die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse vorherrschte. Dies Gefühl der Unsicherheit wirkte auch auf die Haltung der Untemehmer-Organi- sationen in unsrem Berufe, unfern Kollegen und unsrer Organisation gegenüber, ein. Während in den vorhergegangenen drei Jahren die Unternehmer stets bereit waren, jede Gelegenheit zur Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu benutzen, war ihre Haltung im verflossenen Jahre eine mehr reservierte. Jedenfalls hat der erfolg- reiche Widerstand des Holzarbeitcr-Verbandes in-den Kämpfen der letzten Jahre den Unternehmern gelehrt, in ihrem Vorgehen gegen die Arbeiter vorsichtiger zu sein und mit deren Organisation zu rechnen. Im Berichtsjahre wurde eine Reihe von Lohnkämpfen durch- gefochtm. Besonders ist zu erwähnen der Kampf gegen den Arbeitsnachweis der Innung. Das Ziel dieses noch nicht abgeschlossenen Kampfes ist, die Unternehmer zu veranlassen, einen Arbeitsnachweis auf paritätischer Grundlage einzurichten. Zu Anfang des Jahres sollte aus Anlaß eines Streiks der M a s ch i n e n- ar b e i t e r eine Aussperrung der Tischler vorgenommen werden, die jedoch nicht allgemein durchgeführt wurde, und sich auf 359 Tischler erstreckte. Die M a i f e i e r, an der sich 15 000 Kollegen beteiligten, hatte die Aussperrung von 114 Kollegen zur Folge. Die Bau- t i s ch l e r erzielten durch wcrkstellenweises Vorgehen die Durch- führung eines Nettotarifs. Die Musikinstrumenten- Arbeiter stellten in 17 Fabriken Forderungen, die in 16 Fabriken ohne Arbeitsniederlegung bewilligt wurden. Die Möbeltischler hatten während des ganzen Jahres Angriffs- und Abwehrkämpfe zu führen. In vielen Werkstellen handelte es sich darum, die Wochen- abschlagSzahlungen dem verdienten Akkordlohn näher zu bringen, um die Lohnarbeit, oder doch die Lohnsichcrung einzuführen. In einigen Werkstellen gelang die Durchführung dieser Forderungen ohne Arbeitsniederlegung, in andern erst durch Wochen oder Monate dauernde Streiks. Die Drechsler beschränkten sich fast aus- schlichlich mif Abwehrkämpfe, während die Rahmenmacher und Jalousiearbeiter in einigen Fabriken die Anerkennung ihrer Tarife, die Rahmenmacher auch die Verkürzung der Arbeitszeit durchsetzen konnten. Einen größeren, leider erfolglosen Abwchrstreik, führten die Korbmacher. Einen hartnäckigen Kampf, der am Jahresschluß noch nicht beendet war, führten die Stockarbeiter gegen eine Finna wegen der Anerkennung ihres Tarifs. Die Stellmacher setzten in zwei Werkstrllen Arbeitszeitverkürzung und kleine Lohnerhöhungen durch.— Eine tabellarische Uebcrsicht giebt Auskunft über 75 einzelne Werlstättenstreiks, von denen 47 erfolgreich. 20 ohne Erfolg und 7 mit teilweisem Er- folge endeten, während in einem Falle kein Resultat angegeben ist. Außerdem wurden in 126 Werkstellen Forderungen gestellt, über die eine Verständigung ohne Arbeitsniederlegung herbeigeführt wurde. In 25 Fällen wollten die Unternehmer Lohnabzüge machen, die jedoch nach stattgehabten Verhandlungen nicht zur Ausführung kamen. — Die fortgesetzt ausbrechenden Werkstatt-Diffcrenzen haben bei den Unternehmern den Wunsch nach Wiedereinsetzung einer Schlichtungskommission entstehen lassen. Die Verhandlungen über diese Angelegenheit sind noch nicht abgeschlossen. Die K o n t r o l l- und B r a n ch e n- Kommissionen hielten im vergangenen Jahre 274 geschäftliche und 1637 Werkstatt- fitzungen ab, an denen 26 122 Kollegen teilnahmen. Im Arbeitsnachweis ließen sich 14 436 Arbeitssuchende einschreiben, verlangt wurden 7448 Arbeiter, besetzt 5319 Stellen. Tie Zahl der verlangten Arbeiter ist gegen das vorhergegangene Jahr um 1400 gestiegen. "Bibliothek umfaßt 1834 Bände, ausgeliehen wurden Die 11 620. Tie Quartale Zahl der Mitglieder betrug am Schluß der 13 090. 13 824, 15 102, 15 614. Gegen das Jahr 1902 ist die Mitgliederzahl im vergangenen Jahre um 3248 gestiegen. Von den jetzigen Mitgliedern sind 12 783 Tischler, die übrigen verteilen sich auf 17 Branchen mit 31 bis 451 Mitgliedern. Aus dem Kassenbericht sei folgendes angeführt�: Das Conto der Hauptkasse weist in Einnahme und Ausgabe die von 261 693,59 M. auf. Die Lokalkasseh at eingenommen 423 429,62 Mark, ausgegeben 162 355,69 M., der Bestand beträgt 260 073,93 Mark. An Unterstützungen laus der Haupt- und Lokalkasse zu- sammen) sind ausgegeben: Für Streiks 71 540,35 M., Rechtsschutz 7316,69 M, Gemaßregelte 6005,65 M., Notfälle 5685 M.. Umzug 1362,80 M., Rciscuntcrstützung 1021,91 M.— Aus der Lokalkasse allein wurden gezahlt für Arbcitslosen-Unterstützung 65 953,80 M., für Streiks andrer Gewerkschaften 4000 M.. Aussperrung wegen der Maifeier 1847,45 M.— In der Versammlung erstatteten die Vorstandsmitglieder Be- richt über die Geschäftslage des vierten Quartals. Das wesentlichste daraus ist bereits im Jahresbericht wiedergegeben. Dann folgte ein Bericht des Gauvorstehers S t u s ch e, der einen guten Fortschritt der Vcivegung im Gau konstatierte.— Tie hierauf vorgenommenen Wahlen zur Ortsvcrwaltung hatten fclgendcs Ergebnis: 1. Vor- sitzender Glocke, 1. Kassierer Miele, 1. Schriftführer Leopold, Beisitzer K l e h, Revisoren P o st und Brcitkopf. — In den Gauvorstand wurden Leopold, Sickfeld, Klingner, Böske, Fendel und K l e ß gewählt.— Schließlich wurde eine größere Zahl von Kirndidaten für die Delegation zum Vcrbandstage aufgestellt. Die Wahl der Delegierten erfolgt in der nächsten Versammlung. Die Mitglieder L ü d i ck e und W e n d l a n d, die sich als Beitragssammler Unregelmäßigkeiten zu Schulden konimen ließen, wurden aus dem Verbände ausge- schlössen. Berichtigung. In dem Bericht über die Maschineuarbeitcr-Vcr- sammlung heißt es: Die Maschinenarbciter wünschen ihren Arbeits Nachweis zu behalten, was ihnen auch von der OrtSverwaltuug zugestanden wurde. Das ist ein Irrtum. Es muß heißen: Tie Maschinenarbeiter behalten ihren Arbeitsnachweis solange, bis sich die Arbeitgeber an den neuen Arbeitsnachweis ini Holzarbeiter-Vcrband gewöhnt haben. Der Zeitpunkt ist nicht festgestellt. Es sind auch im Verband nicht 1107 Kollegen, sondern 1170 organisiert, von denen nur 441 anwesend waren und abgestimmt haben. Adlcrshof. Der Wahlverein hielt am 21. Januar in, Fechnerschen Lokale, Oppenstraße, seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab, in welcher Gemcindevertreter Genosse H. Hildebrandt einen beifällig aufgenommenen Vortrag hielt über:„Die bevorstehende Gemeindcwadl und welches Interesse haben wir an derselben". Folgende Resolution wurde hierauf einstimmig angenommen:„Die heutige Versammlung des socialdcmokratischen Wahlvcreins bettachtet die Beteiligung an der bevorstehenden Gemeinderatswahl für dringend notwendig und beaufttagt den Vorstand mit Parteigenossen, die Hausbesitzer sind, in Verbindung zu treten, damit auch der vierte Sitz der dritten Abteilung in die Hände der Socialdemokratie ge langt".— Wegen Nichtbctciligung an der Landtagswahl wurden die Genossen Vehrend und Schulz aus dem Wahlverein ausgeschlossen. Nachdem die Reueinteilung Adlershofs in sechs Bezirke bekannt gegeben war und die hierfür vom Vorstand bestimmten Bezirkssiihrer und Hilfskassierer verlesen wurden, erfolgte um 11'/� Uhr Schluß der gut besuchten Versammlung; aufgenommen wurden fünf neue Mitglieder. Runimelsfhirg. Der hiesige Wahlverei» hielt am 26. Januar seine Generalversammlung ab. Aus dem Geschäftsbericht ist hervor- zuhcbcn, daß der Vorstand beabsichtigt, in nächster Zeit eine rege Agitation zu entfalten, um die hiesige Arbeiterschaft als Leser des «Vorwärts" zu gewinnen. Als Einnahme im 4. Quartal waren zu verzeichnen 853,41 M., an Ausgaben 559,88 M., so daß ein Kaffenbestand vvn 293,53 M. verbleibt. Ter Mitgliederbestand am Schluß des 4. Quartals betrug 519, neu aufgenommen wurden 49, verzogen resp. ausgeschieden sind 23 Genossen, so daß ein Mit- gliederbcstand von 545 am Schluß des Quartals zu verzeichnen war. Des weiteren beschäftigte sich die Versammlung mit den be- vorstehenden Gcmcinderatswahlen. Dem Bericht der Gemeinde- Vertreter ist zu entnehmen, daß sich die Einkommenverhältnisse der Gemeinde in letzter Zeit etwas gehoben haben. Aus diesem Grunde soll versucht werden, den Zuschlag zur StaatS-Einkommensteuer, welcher zur Zeit 160 Proz. beträgt, herabzusetzen. Außerdem be- absichtigt die Gemeindevertretung, für die begabteren Kinder der ärmeren hiesigen Einwohner einige Freistellen an der höheren Schule zu errichten. Befriedigt wurde konstatiert, daß durch den Neubau der Schule in Boxhagen die Schulverhältnisse sich etwas ge- bessert haben; es ist aber notwendig, diese Schule bedeutend zu ver- größern, da durch das enorm« Anwachsen des Ortsieils Boxhagcn mit einer baldigen Ueberfüllung zu rechnen ist. Bemängelt muß werden, daß die Gemeinde sich immer noch nicht bis zur Anstellung von Schulärzten und zur Einrichtung von Brausebädern aufschwingen konnte. Zur Vorbereitung der Gemeindevertreter- Wahl, Auf- stellung der Kandidaten usw. wurde eine Kommission, bestehend aus den Genossen Stein, Berger, Prüfer, Schulz und Tempel gewählt._ ßHefhaften der Redahtion. M. E. 4. Bitte Quittung einsenden.— K. Z. 3. Spkelfragen entscheiden wir nicht. Bilse.»Kleine©nrnifon" zollfrei zu beziehen von Beyers Buchhandlung, Wien l, slbottengaffc 40.— Schönebeck. Gewünschte Adresse: Felix Scheuer, Stralsundcrstt. l. Buchhandlung ist benachrichtigt. I. 084. Wenden Sie sich an einen'Arzt.— L. L. Wenden Sie sich an Herrn C. Grosse, Vorstand des Turnvereins„Fichte", Berlin L>. 17, Lange- sttatze lt.— Lepidoptera. Leider ist uns die Zeitschrist nicht bekannt. Sollte man Ihnen aus dem Postamt nicht Auskunft geben können, so wenden Sie sich an Herrn Karl Franz in Guben, Crossenerslr. 3K.— Weder. Die Bezeichnung„Reitende Arlilleriekaserne" ist natürlich großer sprachlicher Unsinn. Ob eine Berliner Kaserne in frühem Zeit eine solche Ausschrist trug, vermögen wir im Augenblick nicht zu enticheiden.— Streitende. Friedberg: ja. Fall: nein.— 0I!i. l. Nein, da Ueberangcbot. 2. Alle größeren Zeimngen. Erfolg sehr unsicher.— Beelitz. Können wir Ihnen leider nicht sagen.— F. C. 102. Die Frage ist in der Organisation des Bcttcsfendcn zu beantworten. Die Entscheidung ist selbstverständlich.— 5t. B. 83. Sie müssen sich einem Arzte mitteilen, zu dem Sie volles Vertrauen haben.— M. B. 63. Wie bitten um Ihren Besuch zwischen 6—7 Uhr abends.— Attentäter. Das jetzt allgemein gebräuchliche Wort „Attentäter" ist noch gar nicht sojitt. Zum erstenmal soll eS angewandt sein in dem bekannten Licde:„«agt, wer war wohl je so stech, wie der Bürgermeister Tschcch", daS 1844 nach dem Attentat TschcchS aus Friedrich WUhelm IV. entstand. Die bettesscnde Strophe lautet: „So'n verfluchter Hochverräter, KvnigSmördcr, Attentäter l Hätt' uns ja bei einein Haar Erschossen's janze Königspaar l" �urrttikester Cell. Di« juristische Sprechstunde findet täglich mit Zlnsnahme beS Sonnabend? von bis»?, Nbr abend? statt. Geiistne«: 7 Ubr. Hundert. Die von Ihnen dargelegten Umstände lassen nicht erkennen, ob die JnterventtonSklage Ihres Schuldners Erfolg haben oder ob thni Schiebung nachzuweisen sein wird. Die Leistung des OsfenbarungSeidcs zu verlangen steht Ihnen srei, ohne daß Sie dadurch das Recht verlieren, gelegentlich wieder Psändungsvcrsuche zu unternehmen.— R. K. 100. Ist nichts andres vereinbart, so ist bei Schlaslcutcn, Chambregarnisten usw., die monatlich zahlen, bis am Fünfzehnten zum Ersten Kündigung möglich (nicht umgekehrt am Ersten zum Fünfzehnten). Ist der MietSzjnS nach Wochen bemessen, so Ist die Kündigung bis spätestens am ersten Werktage der Woche zum Wochcnschluß zulässig.—®. B 31. 1. Ja. 2. Nein. —®. M. DaS ZahIungSdesehls-Gesuch Ist an daS Gericht des Wohnorts de« Schuldners zu richten. Ein Beispiel für einen Zahlungsbefehl finden ie S. 436 des„ArbeiterrechlS", ein solches für eine Darlehnskiage S. 229 des dem„Ardeiterrecht" bei unterliegen nicht der Unsa! ten Führers.— A. R. 35. HauSreiniger erfichcrung. Anspruch aus Invalidenrente er- wächst erst, wenn mindestens 200 Marken gellebt find. Für den Anspruch ans Altersrente ist viel zu wenig geklebt.—®. Beantragen Sie bei der Versicherungsanstalt oder beim Magistrat Ihre« Wohnort», das Nach- kleben herbcizusühren. Die Hälste der Beittäge müisen Sie leisten. — A. B. 1000. Gesinde ist nicht lrankenversichmingspflichtig, sondern nur berechtigt, aus eigne Kosten der Gemeindeversichming beizutreten. Die Herrschaft ist vcrpslichtct, sechs Wochen lang sür Kur und Pflege zu sorgen, kann aber den Lohn anrechnen.— 2. 97. Sie sind keineswegs ver- pflichtet, für die Schulden auszukommen. Sie müssen schleunigst beim Amts- gettcht Berlin I Jntervciitionsklage und Elnsicllungsbeichluß mit oder ohne Anwaltshilse einreichen. Ein Beispiel finden Sie in dem in den öffentlichen Lesehallen auSlieaenden„Arbeitcrrecht", S. 432.— Z. Ja. — N. C. 20. 1. Wenden Sie sich an einen Arzt oder an«inen Masseur. Wir empsehlen grundsätzlich bestimmte Personen nicht. 2. Falls nicht noch eine Polizeiverordnung ergeht: ja.— A. C. 100. Die sür die Aichung und Stempelung zu erhebenden Gebühren sind durch eine allgemeine Taxe einheitlich geregelt. Die Aichgcbührcn-Taxe vom 24. Dezember 1884 ist im „Reichs-Gesetzblatt im Jahre 1885 abgedruckt.— Faust 78. Da der Betrieb, in dem der Verstorbene sich die Verletzung zuzog, kein unsall- versichcruilgspftichtiger ist, und da nach Lage der Sache ein Verschulden des Bäckermeisters schwerlich nachzuweisen sein wird, so steht der Witwe ein weiterer Anspruch als der gegen gcldeS) leider nicht zu.— X. die Krankenkasse Leider ist des Sterbe- c unmöglich. ... Z.!. — A. T. Berlin. 1. und 2. Kann Ihre Frau nachweisen, daß der Aster- mictsvertrag nur mit ihr, nicht mit Ihnen geschlossen ist, so hätte ihre Klage gegen den UeberweisungSbeschiuß Aussicht auf Erfolg. 3. Ja. 4. Sie können wie vertraglich vereinbart kündigen. 5. Der Wirt has da» Recht, die aus Richtzahlung der Miete folgenden Rechte geltend zu machen.— A. B. 25. Erben würden die Wilwe und die Kinder sein; der erstercn fiele ein Viertel, den Kindern drei Viertel des Nachlasses zu.— G. T. 0. 1. Der Vergleich ist in vollem Umfange gültig. Aus demselben sind Sie Ihrem Gläubiger, und wenn dieser die Forderung abiritt, dem neuen Gläubiger in vollem Umfange zur Zählung verpflichtet. 2. Die VeriährungS- srist beträgt 30 Jahre, von der ietzlen Psäiidmig ab gerechnet.— T. Nein. — W.(9. 500. Einen Anspruch aus Rente würden Sic mit Aussicht aus Erfolg nicht durchictzcn können, weil der Kriegsschissdienst als solcher noch nicht als ein unsallversicherungspflichkiger erachtet wird. Wohl aber schewt Ihnen, soweit sich aus Ihrer Darstellung enttiehmen läßt, ein Anspruch aus Militärpcnsion zuzristchen. Dieser'Anspruch müßte spätestens innerhalb eines Jahres beim Gettcht geltend gemacht werden. Besuchen Sie mit allen Ihren Militärpapicrcn die juttstische Sprechstunde zwecks Darlegung Ihres Falls.— H.