Ur. 81. nbflniKiBwfs-Brtlnguftgd): HBonncmente■ Preis prSnumerando! »erteljShrl. 8,30 StW., monaH. 1,10 Ml, »»SchenNich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 6 Pfg. SonntagS- nmnmn mit illustrierter Sonntag». Vellage»Die Reue Seit' 10 Pfg. Post» «donnemrnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen In die Post, Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2 Start, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. «chtlit agil»«Bfitr Blonrtgi. 2t Jahrg. Vevlinev VolktSblÄtk. Vit InlefNonz-LedUhs »«trügt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Rainn 40 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 25 Pfg. „Kleine Snretgen", da» erste(seit» gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weiter« Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zühlen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 5 Uhr nachmittag» in der Expeditionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittag» geöffnet. Telegramm• Sdressel „SciUMtawlint B Meiningcn sah bereits den Himmel voller Geigen hängen, weil selbst Herr Stöcker eine leise Sehnsucht nach der rcichsgesetzlichen Regelung dieser Frage verraten hatte. Aber Graf Posadowsky äußerte sich wiederum sehr skeptisch. Er kennt seine Pappenheimer, die Kollegen in den preußischen und sächsischen Ministerien, die ein Reichs- Vereinsgesetz nur nach dem Muster ihrer chikanösen Landes- tzgebung zulassen würden. Neben Preußen und Sachsen steht auch die„Republik Hamburg": von den Schönheiten des Hamburger Vereins- -setzes gab Herr Müller nochmals einige charakteristische roben. Leider wurde die Hoffnung, von dem Verteidiger der Republik, dem Syndikus Dr. schäfer, eine lveitere Probe seiner köstlichen Beredsamkeit zu erhalten, arg ent- täuscht. Dieser Löwe scheint nach seinem ersten Aziftreten durch einen Scnatsbeschluß gefesselt worden zu sein. Er durfte keine weitere Rede zum Ruhme des Bordellwcsens seiner Vaterstadt halten, sondern mußte sich auf einige trockene Sätze beschränken. Auch umherlaufen durfte er nicht, still mußte er auf seinem Platz in der äußersten Ecke der kleinen Bundcsratsscite stehen bleiben. Nach einer Rede des Dänen Jessen über die preußischen Polizeigepflogenhciten in Nord-SchleSlvig wurde die Fortsetzung der Debatte auf Sonnabend vertagt.— Slbgeordnetenhaus. DaS Abgeordnetenhaus hat am Freitag die Generaldebatte des Etats der landwirtschaftlichen B c r w a l t u 11 g beendet. Die Agrarier schickten als letzten Redner einen ihrer Häuptlinge, Herrn v. Oldenburg(k.) vor, der noch einmal alle agrarischen Wünsche zusammenfaßte und besonders eifrig gegen das Koalittonö- recht der ländlichen Arbeiter wetterte. Der Bundesführer verstieg sich sogar zu der kühnen Behauptung, die Landarbeiter husten auf das Koalitionsrecht und würden gegen den, der in einer Versammlung dafür eintritt, handgreiflich werden. Wir laden Herrn v. Oldenburg fteundlichst ein, einmal gemeinsam mit unsren Genossen eine Agitationö- tour aufs Land zu machen, er wird dann die Stimmung der Landarbeiter besser kennen lernen. Bon Wichtigkeit ist die Ankündigung eines neuen Antrages der Konservativen auf Bestrafung des Kouträktbruchs ländlicher Arbeiter. Die Herren verlangen die Bestrafung der Arbeit» geber, die wissentlich kontraktbrüchige Arbeiter annehmen, der Ber» mittler solcher Arbeiter und aller derer, die Arbeiter zum Kontrakt» Bruch verleiten. In Wirklichkeit bedeutet der angekündigte Antrag, ebenso wie ähnliche in den letzten Sessionen verhandelte, ein Neues Ausnahmegesetz gegen die Landarbeiter, die unter Androhung mit Gefängnisstrafen zu niittclalterlichen Hörigen gemacht werden sollen. Großmütig ließ die Mehrheit, bevor sie die Debatte schloß, noch einen Redner der Linken, Herrn Goldschmidt(frs. Vp.) zu Worte kommen; allerdings wird man kaum fehl gehen in der Annahme, daß sie diesen Redner nur deshalb noch reden ließ, um sich eine heitere Stunde zu bereiten. Denn thatsächlich spielt Herr Gold« sännidt, wenn er seine abgestandene FreisinnSweisheit an den Mann bringt und in wohlgefälliger Art gegen die Agrarier zu Felde zieht, eine etwas komische Rolle. Auf die agrarische Anmaßung gehört denn doch eine etwa« kräftigere Antwort, als sie dieser unentwegte Harmonie-Apostel zu erteilen verniag. Nachdem das Gehalt des Ministers bewilligt und der dazu vor- liegende Antrag Herold(E.) u. Gen. auf Aenderung des Jagd- polizei-Gcsetzes angenommen war, erledigte das Haus in rascher Reihenfolge noch eine ganze Reihe von Kapiteln dcS landwirtfchaft- lichen EtatS. Am Sonnabend wirb die Beratung fortgesetzt. Dem folgt die Beratung deS GestütS-Etats.— Bom Hcrcro-Krieg liegen heute folgende Nachrichten vor: Das Gouvernement in Windhuk telegraphiert, daß nach Angabe eingeborener Diener der Hilfsarbeiter in der Kolonialabteilnng, LegationSrat H ö p n e r, und der landwirt» schaftliche Sachverständige beim Gouvernement: Watermeyer. am 14. Januar in Watcrberg von den HercroS ermordet worden seien. Hinsichtlich deS Korrespondenten der„Kölnischen Zeitung" Müllcndorff»nd de« ihn begleitenden forstwirtschaftlichen Sach- verständigen Dr. G e r b e r, die hier eingetroffenen privaten Mit» teilungen zufolge ebenfalls ermordet worden sein sollen, meldet das Gouvernement, daß eine Nachricht nicht vor» liegt.— Der„Kolonialen Zeitschrift" ist nachstehendes Tele- gramm am 4., abend« 10 Uhr, von ihrem Windhuker Korrespondenten zugegangen: „Der Telegrammbote vom 19. Januar wurde von den HercroS abgefaßt. Windhuk ist ohne Angriff geblieben. Die Omnnl-Eompagnie ist vom Süden zurückgekehrt. Bahn und Tele- graph sind wieder hergestellt. Otjimbingive und Gobabis sind noch belagert. Der Herero-Aufstand ging von Waterberg aus und begann überall am 12. Januar. Vom Norden liegen keine Nachrichten vor. Frau Pileth und Schwägerin Viereck sind am Leben. Die überlebenden Farmer haben nichts als das nackte Leben gerettet. Alles Vieh ist geraubt worden. Man befürchet, daß die HereroS bei einem Angriff mit ihrem Raub nach Osten über die Grenze ziehen werden.—_ Dir KriegSrüstunge» in Ostasicn nehmen einen bedrohlichen Charakter an. Rußland sowohl wie Japan treffen alle Vorbereitungen, um sofort losschlagen zu können. Nach Meldungen der Blätter aus Söul sind etwa 6000 Mann russischer Truppen in Port Arthur nach Korea ein» geschifft worden. Die Transportschiffe werden von rufst« scheu Kriegsschiffen geleitet. Man erwartet, daß die Truppen in Tschemulpo landen und sich auf dem Landwege nach Söul begeben werden. Die russische Flotte segelte am M i t t w 0 ch ab, und kehrte jedoch am Donnerstag nach Port Arthur zurück, ging aber nicht in den Hafen. Nach einer andren Meldung soll Japan bereits 8000 Mann Truppen verkleidet nach Korea eingeschmuggelt haben. Selbst die russischen Nachrichten bezeugen die große Auf- regung in Ostasien. Die„Nowoje Wremja' meldet aus Wladiwostok vom 4.: Auf Anordnung des japanischen Konsuls wurden heute nacht über tausend japanische Mädchen auf einen Dampfer gebracht. Drei Dampfer mit apanischen Familien gehen nach Japan ab. Ans Nikolsk im Uffurigebiet zogen am S. d. M. eine große Zahl japanischer Familien fort. Der Russischen Telegraphen-Agentur wird ans Port Arthur gemeldet: Die Reutermeldung, daß die Mandschurcibahn keine Handelsfrachten annehme, ist unrichtig. Die Schiffe des Geschwaders im Stillen Ocean, welche sich in Reserve befanden, sind in Dien st gestellt worden. Die Regimenter der dritten ostsibirischen Schützen- brigade- begannen aus Port Arthur» auszurücken, um zeitweilig längs der Linie der chinesischen Bahn Aufstellung zu nehmen. In Port Arthur befinden ich die Regimenter der siebenten Brigade. Hier sind Rekruten ein- getroffen, für welche verkürzte Frist zur Einübung bestimmt ist. Kohlen und Proviant werden beschafft. Die crforder- lichen Arbeiten werden energisch betrieben. Armee und Flotte sind in vortrefflichem Zustande; für etwaige Even» ualitäten ist alles bereit. Man erwartet jedoch init Geduld die Ergebnisse der Berhandlungen. Die russische Bevölkerung ist ruhig: nur einzelne Personen reisen ab; viele japanische Händler verkaufe» ihre Waren und verlassen den Ort; diejenigen, welche zurückbleiben, zeigen der Verwaltung VerKauen. Die Meldungen aus Wladiwostok über eine in den Gebieten dcS fernen Ostens be- vorstehende �Mobilisierung sind verfrüht. Der„ M a t i n" publiziert eine Unterredung feines Londoner Korrespondenten mit dem japanischen Gesandten Vicomte H a y a s h i. Der Korrespondent fragt: Hält die japanische Regierung daran fest, dasi Rustland einen Vertrag unterzeichne, in dein eS die Ilnab- yängigkeit Chinas in der Mandschurei anerkenne? H a y a s h i: Das ist absolut richtig! Korrespondent: Und wenn Rußland sich weigert? H a y a s h i: Wenn Rußland sich weigert, werden wir uns schlagen. Korrespondent: Die japanische Regierung ist in diesem Punkte unbeugsam? H a y a s h i: Unbeugsam. Korrespondent: Und wenn Rußland in einer Note an die Regierungen Japans und der andren Nationen feierlich er- klärte, die chinesische Unabhängigkeit in der Mandschurei an- zuerkennen? H a y a s h i: Wir würden uns mit Versprechungen nicht bc- gniigen, zuviel Versprechungen sind nicht gehalten worden, wir bc- stehen ans einem von Nußland unterzeichneten Vertrag. H a y a s h i erklärte ferner, man spreche immer von den Kon- Zessionen, die Rußland schon gemacht habe. Vom japanischen Gesichtspunkt aus habe Rußland keine Konzessionen gemacht. AlleS, was es verspreche, habe es schon oft versprochen. Europa scheine über die Situation in Ostasien nicht im klaren zusein. Es wisse nicht, welche Gefahr die bedingungslose russische Okkupation der Mandschurei für Japan bedeute. Der Korrespondent fragt, wie Japan eine eventuelle Intervention Englands aufnehmen würde? H a y a s h i antloortet, daß Japan sie durchaus ablehnen müßte. Wir wünschen, sagt er, daß man uns in nnsrem Duell mit Rußland allein läßt. Wir verlangen keincn Beistand, keine Hilfe; wir wünschen, unsre Rechnung mit Rußland allein zu regeln. Korrespondent: Falls also Rußland ablehnt, jenen Ver- trag zu unterzeichnen, ist das der Krieg? H a y a s h i: Das märe der Krieg! Korrespondent: Das ist die Absicht Ihrer Regierung? H a y a s h i: Ich glaube. Korrespondent: Sie gcstaten mir, das zu sagen? H a y a s h i: Gewiß.— *• • Deutfcbea Reich. Ueber den Stand der deutsch- riissischen Handelsvertrags- Ver- Handlungen wird dem„Berliner Tageblatt" aus Petersburg gemeldet, daß nach einer Mitteilung der russischen Handelstelegrnphcn-Agcntur die Fortsetzung der deutsch-russischen Handelsvertrags-Verhandlungen in Petersburg im Februar nicht stattfinden werde. Die Ver- Handlungen seien vielmehr für unbestimmte Zeit wegen der Ver- Wickelungen in, fernen Osten aufgeschoben. Dagegen behauptet die „Nowoje Wremja" in einer inspirierten Notiz, daß die Lage im fernen Osten nicht die geringsten Beziehungen zu den Verhandlungen über den Abschluß eines Vertrages hat. Ob die Verhandlungen im Februar aufgenommen werden oder nicht, erklärt das Blatt nicht zu wissen. Doch wisse sie zuverlässig, daß das ausschließlich von der deutschen Regierung abhängt. Wenn eS nicht zu Verhandlungen kommt, so geschehe das nur,'weil die deutsche Regierung aus nur ihr bekannten Gründen solches nicht wünscht, auö Gründen jedoch, die nichts mit der Lage im fernen Osten zu thun haben. Die Meldung bestätigt nur, loaS sich schon aus der Meldung ergab, die deutsche Regierung habe die östreichische zum Beginnen mit den Handelsvertragsverhaiidlungen aufgefordert. Bisher war es nach wiederholter Ankündigung offiziöser Blätter die Absicht der deutschen Regierung, zunächst mit Rußland zur Verständigung zu gelangen und erst dann auf Grund der deutsch-russischen Vereinbarungen mit Oestreich-Ungarn in llntcrhandlungen einzutreten. Wenn sie nun plötzlich init dieser Absicht bricht und zunächst mit Oestreich zu unter- handeln sucht, so bedeutet dies nichts andres, als daß sie mit Ruß- land auf einen toten Punkt angekommen ist und nun in ihrer Ver- legenheit unternimmt, auf umgekehrtem Wege zum Ziel zu gc- langen.—_ Sachsen-Klemme. Die sächsische Politik weiß nicht ein und nicht aus, sie sitzt fest zwischen dem Groll des tausendfältig beleidigten Volkes und dem Machtgebot der konservativen Gruppe, die im Landtag die Allein- Herrschaft führt. Unter dem Wahlschreck vom 16. Juni 1803 brach in der kon- servativen Presse der Ruf nach Wahlrechtsreform hervor; die „Dresdner Nachrichten" gingen voran und bald erklärte die Regierung ihre Bereitschaft, eine Reform einzuleiten. Die sächsifche Socialdemokratie, zu der die große Mehrheit deS sächsischen Volkes sich bekannt hatte, wußte sofort, daß die Verzweiflung der Regierung noch nicht im mindesten die Gewißheit einer auch nur mäßigen Aenderung des schmählichen Wahlunrechts verbürge. Sie kennt die Brutalität und den Starrsinn der konservativen Führer, die, je zorniger die Flut deS Unwillens im Volke aufschäumt, in um so bornierterer Reaktion ihre Rettung suchen. Thatsächlich stellte sich bald heraus, daß die konservativen Politiker und die eigentliche Parteipresse der Konservativen im Votum des 16. Juni keinen Anlaß zur Umkehr sehen. Schon bald nacki dem ersten Neformrnf der„Dresdner Nachrichten" wandte sich der Vice- Präsident der Zweiten Kammer, der Abgeordnete Opitz in Treuen. einer der cnggeistigsten Fanatiker der Socialistenverfolgung, gegen die Reform. Das„Vaterland", das offizielle Blatt der konservattvcn Partei in Sachsen, folgte seiner Anschauung. Auch die Regierung inußte sich daher bald von ihren ersten Absichten zurückziehen. Auch sie dachte von vornherein nicht an die völlige Beseitigung des Unrechts von 1896, aber sie gedachte den Wahlschreck auszunutzen, um wenigstens die seit Jahren schwer auch auf ihr' lastende konservative Herrschast zu mildern. Die sächsische Regierung hatte sich durch die Wahlenttechtung von 1896 selbst in die jämmerlichste Abhängigkeit von einer konservativen Zweidrittel- inajorität gebracht, die für daS industrielle und kommerzielle Land stets unerträglicher wurde und die es liebte, ihre eigenen Ver- fchlungen, wenn sie allzu offenbar wurden, auf das Schuldkonto der Regierung zu setzen. Durch den Sturz des Finanzministers v. Watzdorf, deS nahen Verwandten des leitenden Ministers v. Mctzsch, trat die unwürdige Gefangenschaft � der Regierung im konservativen Joch auf das peinlichste zu Tage. Die Regierung wünschte daher eine Wahlrechtsänderuug. durch welche das konser- vative Uebergewicht einigermaßen gemildert und die Nationallibcralcn, die sich gleichfalls zur Teilnahme am Unrecht von 1896 zur poli- tischen Ohnmacht herabgewürdigt hatten, zu größerer parlamentarischer Macht gelangen könnten. Um dies Ziel zu erreichen und vielleicht ouck>, um die entrechtete dritte Wählerklasse einigermaßen zu be- schwichtigcn, baute die Regierung das Kunterbunt der Wahlrechts- Vorschläge aus, das sie in ihrer von uns genugsam kritisierten Denkschrift dem Landtag vorgelegt hat. Sie wagte eS schon nicht, eine Gesctzesvorlage zu niachcn, weil sie die Ablehnung in den Kammern befürchten mußte. Die Debatte, die in der Zweiten Kammer am Mittwoch statt« fand, hat min bestätigt, daß die Situation der sächsischen Re- gierung gänzlich aussichtslos ist. Diese Debatte bot das Bild des schamlosesten Klassenegoismus. Es war nicht die Frage, wie Gerechtigkeit geschaffen werden könne, wie die entrechteten Massen zu ihrem Menschenrecht gelangen sollen; im Gegenteil: die durch- gehende Meinung der Konservativen und nicht minder der National- liberalen war, daß das Unrecht gegen das Volk bleiben müsse, daß der Socialdemokratie nicht in, geringsten Raun, gegeben werden dürfe. Und man haderte nur unter- einander über den Anteil am Unrecht, das jeder der beiden streitenden Parteien zukommen solle. Ten Nationalliberalcn genügt daS nicht, was die Regierung bietet. Die Konservativen erklären hohnlachend, daß sie nicht daran denken, ihre Zweidrittel-Majorität zu gefährden. In einer eintägigen Debatte, die das Ungeheuerlichste an blöden und stechen Bcschiinpfnngcn der Socialdemokratie und damit der Mehrheit des sächsifchen Volkes leistete, haben die sächsischen„Patrioten" die Wahlreform und zugleich die Wünsche der Regierung begraben. Es ist nicht daran zu denken, daß in der jetzigen Session irgend etwas aus der Sache herauSkoimnt, und e,ft in der nächsten Session» in zwei Jahren, wird der sächsische Landtag höchstens einige Geringfügigkeiten am Wahlrecht flicken, so daß bei Neuwahlen die Zusammensetzung der Zweiten Kammer fast völlig dieselbe bleiben muß wie jetzt. Eine winzige Minderheit widersetzt sich hochmütig der gewaltigen Bewegung und Erregnng im Volle!■ Der 16. Juni hat diese gcwalt- thättge Reaktion nicht zur Einsicht und Einkehr erzogen. Diese Reaktion erwartet noch immer, daß die Mafien des Volkes schließlich ermüden und den Kampf um ihr Recht preisgeben. Dies aber ist der große Jrrttim der Reaktion. Das sächsische Volk hat zwar keine Gewaltmittel, um die kon- servativ-nationallibcrale Gewaltthätigkeit zu verjagen. Mer die Empörung im Volke, die den 16. Juni 1993 herbeigeführt hat, wird höher und höher schwellen, die sächsische Reaktion wird vollends dem Gerichtsspruch deS Volkes verfallen. lind die sächsische Regierung? Und der König? Es ist bekannt, daß der König von Sachsen, der selbst als Prinz in der ersten Ständekammcr an der Einführung des Drei- klaffen- Wahlsystems mitgewirkt hat, schwer unter den, Druck der jetzigen Zustände leidet! Er hat den konservativen Partei- führen, bedeutet, daß er eine Wahlreforn, stir nötig halte, durch die einige Beruhigung in da? zu des Königs Entsetzen r o t gewordene Land getragen werden könne! Doch es scheint, daß die glühenden Monarchisten un, Mehnert, daß die eifrigst KönigStreuen um Opitz doch nicht genug Monarchismus und nicht genug KönigStreue empfinden, um ihre brutalen Partei- und Klaffen- intereffen auch nur wenig den Wünschen des Königs anzupassen. Wenn aber, die konservativen Matadore ihres Königs Wünschen die Erfüllung hindern mögen, so werden sie doch in all ihrem hart- nackigen Dünkel sich als machtlos erweisen gegen die geschichtliche Entwickelung. gegen die elementare Bewegung des Volkes, das sein WahlrechtSschwert erst am SicgcStag aus der Hand legt. Ein verunglücktes WahlrechtSattcntat. Aus Bremen wird uns geschrieben: In den letzten zwei Wochen hat sich hier in Bremen ein Kampf abgespielt, der nicht ohne allgemeine Bedeutung ist. Die beiden einzigen Parteien in Bremen, die Liberalen und die Socialdemo- kraten, rangen in erbitterter Weise miteinander um das Wahlrecht zur bremischen Bürgerschaft. Es ist den Socialdemokrate!, gelungen, daS geplante Attentat auf das bremische Wahlrecht in de.: Ivcsent- lichsten Punkten abzuschlagen. Bremen hat trotz seines vielberühmten„Liberalismus" keines- Wegs ein liberales Wahlrecht zur Bürgerschaft, dem bremischen Land- tag, zugleich Stndtparlament. Daß aus der Reaktion der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts stammende Wahlrecht teilt die Wählerschaft in acht f!) Klaffen ein. Die Klasse der Kaustnannschaft kommt dabei am besten weg, bevorzugt sind ferner noch die Klaffe der gelehrten Berufsstände, des Gewerbes und der Land- Wirtschaft. Während bei diesen Klassen schon ein Vertreter auf etwa zwanzig Wähler kommt, können bei den aus den allgemeinen Wahlen der übrigen Klassen hervorgegangenen Verttetern erst etwa 399 Wähler einen Vertreter wählen. Auf die bevorrechteten Klassen kommen 82 Vertreter in der Bürgerschaft, durch allgemeine Wahlen werden nur insgesaint 68 Vertreter gewählt. Dazu kommen noch einige weitere Schwierigkeiten für die Wähler, besonders für die Erwerbung des Bürgerrechts, wofür eine Registrattirgebühr von 16,59 M. erhoben wird. Da eine Summe von 16,50 M. für Arbeiter kaum erschwinglich ist, so stellte die socialdemokratische Fraktion der bremischen Bürgerschaft im Oktober 1909 den Antrag, diese Gebühr auszuheben. In der folgenden Zeit zeigte sich bereits, daß in den„Ordnungs"- kreisen die Neigung besteht, eine Verschlechterung des Wahlrechts durchzuführen. Eine von der Bürgerschaft eingesetzte Kommission trat vor 14 Tagen plötzlich mit Vorschlägen bervor, die in ihrer Wirkung auf den unerhörtesten und schamlosesten Wahl- rechtsraub hinausliefen. Die Kommission ließ die Gebühr von 16,59 M. bestehen. Verschärst wurde dieser Vorschlag noch dadurch. daß sie von Ausländern eine Nnturalisattonsgebühr von 59 M. verlangte, die nur zur Hälfte zurückgezahlt werden soll, falls die Naturalisation abgelehnt wird. Ferner wollte die Kommission den Zwang zur Ableistung des BnrgcrcideS aufheben, aber nur für die Steuerpflichtigen mit einem Einkommen unter 1599 M. Die wohlhabenderen und„gesiinnmgstüchtigen" Kreise sollen also nach wie vor zum Bürgerwerdcn gezwungen' und damit der liberalen Partei zwangsweise einige Stimmen zugeführt werden. Am unerhörtesten war aber die„Anregung" der Konimiision, die Einführung der C e n s u s w a h l e n für die bisher ans allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Klaffen der bremischen Bürgerschaft ein- zuführen. Nach dem Vorschlage der Kommission sollte nur derjenige wahlberechtigt sein, der fünf Jahre lang mindestens 1299 M. Jahreseinkommen versteuert hat. Damit wären über zwei Drittel der bremischen Bevölkerung politisch entrechtet worden. Die bremische Socialdemokratte erkannte natürlich sofort die ihr drohende Gefahr und sie fühlte auch sofort heraus, daß es der liberalen Mehrheit um eine Ueberrnmpelung der Bevölkerung zu thun war. Das einzige Mittel der Gegenwehr war deshalb die so- sortigc Organisierung eines Volksprotestes. Mit Energie und Umsicht wurde die Protestbewegung insceniert und durchgeführt. Zuerst sorgte das Partci-Organ, die„Bremer Bllrger-Zcitung" für die notwendige Aufrüttelung der parteigenöffifchen Kreise. Sodann wurden zwei Flugblätter in einer Auflage von je 59 999 Exemplaren im bremischen Staatsgebiet zur Verteilung gebracht. Und in den letzten Tagen vor der entscheidenden Bürgerschaftssitzung fanden noch ins- gesamt dreizehn Protestversammlungen statt, davon acht im bremischen Landgebict, je eine in Bremerhaven und Vegesack und drei in der Stadt Bremen. Diese letzteren drei Versaninilungen, die an einem Abend stattfanden, vereinigten in drei der größten Säle Bremens etwa 6999 Personen zuni Protest. Durch diese gewaltige Protestbewegung wurden auch die Liberalen ans ihrem Hinterhalt hcrvorgclockt. Da auch bürgerliche Kreise die besonders den kleinen Handwerkern, Geschäftsleuten und Beanitcn drohende Gefahr der CensnSwahlcn herausfühlten, so konnten die Liberalen nicht anders, als sich, lendenlahm und matt zwar, dem socialdemokratische» Proteste anzuschließen. Damit war daS Schicksal der Kommisjionsvorschläge besiegelt. In der am letzten Mittwoch stattgefundcnen Bürgerschaftssitznng wurden nach dreistündiger Debatte die Vorschläge der Konimission abgelehnt bis auf die Erhöhung der NatnralisationSgebühr. die nebst den Vorschlägen der Deputation auf Aufhebung des Zwanges und Verkürzung der Frist angcnomntcn wurden. Für den Vor- schlag. E e ii s u§ w a h l c n in Bremen e i n z u s ü h r e n, erhob sich nicht ein Mann. Selbst den Anregern dieses schimpflichen Antrages war das Herz in die Hosen gefallen. Der Referent hatte„plötzlich über Land" müssen und war gar nicht er- schienen, sein Vertreter aber machte einen so kläglichen Eindruck, daß er dem Zuschaner beinahe leid thun konnte. Er erklärte, daß er und seine Freunde sich der Stimme enthalten würden. So kam eS, daß der arbeiterfeindliche Censusvorschlag, ähnlich wie seiner Zeit ein bekamiteZ arbeiterfeindliches ReichSgesctz,„verscharrt" wurde. Der Wachsamkeit der Socialdemokratie verdankt eS die bremische Arbeiterschaft, das; sie vor diesem Ausnahmegesetze bewahrt geblieben ist, und der Anftüttelnng durch die Socialdemokratie verdankt es der bremische Liberalismus, daß ihm die Schande einer unauslöschlichen polittschen Diskreditierung erspart geblieben ist.— Der Fürstbischof Kopp klagt gegen den radikalpolnischen „Gornoslazak". Er fühlt sich durch zwei Artikel beleidigt; mehr als dreißig katholische Geistliche klagen außerdem für ihre Person. In einem Artikel war behauptet worden, daß katholische Geist- liche nur dann in Oberschlesien angestellt würden, nachdem ihre antipolnische Gesinnung bor Polizei- oder Regiernngsorganen er- härtet sei. Ein andrer Artikel cntbielr allgemeine Angriffe gegen die politische Thätigkeit des oberschlesischen KleruS. Tie Prozciie werden in Benthe» verhandelt. Man sieht: die christlich-kathvlische Geistlichkeit begnügt sich nicht mehr mit Be- schwerden vor der himmlische n Instanz. Zum Benthe n er Gericht haben sie anscheinend ein noch höheres Zutrauen.— Das Heilige Köln. Es wird uns geschrieben: Alljährlich findet an dem katholische» Feiertag Maria- Lichtmeß in dem städtischen Festhaus Gürzenich, einem vornehmen alten gothischcn Bauwerk, der Lichwictz-Ball statt. Wie jedesmal, so füllten auch diesmal tansende MaSken die weiten Räume. Ein großer Teil der weiblichen Teilnehmer gehörte der Halblvelt, die männlichen meist dem zahlungsfähigen Bürgertun, an, die herbei- geströmt waren, um im Sekt- und Sinncnransch zu schwelgen. Was sich da abgespielt hat, läßt sich nicht beschreiben. Das ganze bot ein Bild entsetzlichster sittlicher Verkommenheit. Allenthalben sah man Scenen der abstoßendsten Art: Einige Momentphotographien: In dem Saale trieben sich eine Anzahl Weibsbilder umher, deren Ober- körpcr bis zu den Hüften völlig nackt waren. Mit ihnen ergötzten sich die Lüstlinge, die die Weiber mit Sctt, das Gläschen eine Mark, traktierten. In den Nebcnsälcn sah man mehrfach halb- nackte Frauenzimmer in den unbeschreiblichsten Lagen und Stellungen, die in der ekelhaftesten Art mit ihren Gönnern kosten. Aus einer an den Scitenwändcn sich hinziehenden Bank tanzte, von einer Zuschancrmcnge umringt, ein üppiges Weib, indem es nach dem Tafte der Musik jedesmal auf seine nackten Brüste paffchtc. Aus der Menge wurde der Tänzerin immer wieder Sekt gereicht. Dadurch und durch den Beifallsjubel immer toller gemacht, tanzte sie schließlich mit hochgehobenen Kleidern. Endlich sprang sie hinunter, einem zu ihren Füßen sitzenden glatz- köpfigcn Galan ihre Kleider über den Kopf stülpend. Der Jubel der Zuschauer kannte keine Grenzen. An einer andren Stelle„vergnügte" sich eine Gruppe von Männern damit, die in ihre Nähe geratenden Angehörigen des andren Geschlechts zu ergreifen, hochzuhalten, dann ans den Kopf zu stellen und die ekel- haftcstcn Schamlosigkeiten zu begehen. Die wenigen anständigen Leute auf dem„Ball" wäre» gegen das Treiben machtlos. Das alles und noch vieles andre spielte sich vor ein Uhr nachts ab, wo der Beobachter den Gürzenich verließ, unfähig, länger noch den Anblick zu ertragen. Das Treiben dauerte bis zum Morgen. Solche Satnrnalien finden in einem Saale statt, der sich im Besitze der Stadt Köln befindet. Zu socialdcmokrattschen Versamm« lungen aber verweigert die städtische Verwaltung den Saal! Das Heilige Köln!— Ein Wahlidyll aus Oberschlcfien. Gegen die Gemeindevertrcterwahl in Roßberg vom März 1992 hatte die Stadt Benthen als Forense durch ihren Magistrat die An- fechtlingsNage erhoben. Allgemeines Interesse hat das Verfahren. soweit es sich im, die Anfechtung der Wahl des Herrn Witschorrck in der dritten Abteilung handelt. W. war der Kandidat der Gewalt- haber in der Heinitzgrube. Der Benthener Magistrat machte gegen seine Wahl folgendes geltend: Sie sei nur durch un- erhörte Wahlbeeinflussungen durchgesetzt worden. Als gegen Mittag— die Wahlzeit war für die Stunden von 9 Uhr früh bis 1 Uhr mittags festgesetzt, das Sttmmcnvcrhältnis sich für W. ungünstig gestaltete, sei den noch in der Heinitzgrube ihättgen Bergleuten besohlen worden, auszufahren und so schmutzig, wie sie seien, zur Wahl zu gehen und Witschorrck zu wählen. Ein Grubcnbeamtcr habe ihnen beim Abmarsch zugerufen:„Witschorrck wählen!" Im Wahlvorstand habe� dam, der Obersteiger Weigt ge» sessen und auch von einer ander» Seile hätten die Leute von einem Grnbenbeamren beobachtet werden können. So sei ihnen nichiS andres möglich gewesen, als der Weisung zu folgen und Witschorrck zu wählen, der dann auch trotz der vorherigen ungünstigen Stimmen» zahl mit 182 gegen 161 Stimme» gewählt worden sei. Auch am Wahltisch sei man der Meinung gewesen, daß diese Arbeiter in der Mittagszeit nicht freiwillig wählten, denn beim Anttitt der beschmutzten Berg- lcnte habe der Wahlvorsteher geäußert? Jetzt kommt daS Stimmvieh! Der Krcisausschuß erklärte jedoch die Wahl für gültig und der Bezirksausschuß verwarf die Berufung der Stadt Benthe» mit fol» gender Begründung: Die Beweiserhebung habe eine unzulässige Wahl- beeinflusiung nicht ergeben. Nach seiner eidlichen Aussage habe der Grubendirektor Notzry nur gelegentlich dem einen oder andren Arbeiicr die Wahl Witschorreks empfohlen und Beamten gegenüber erklärt, wünschenswert sei die Wiederwahl Witschorreks und auch erwünscht. Februar, nachmittags.(Pr i v a tte le gra mm de?„Vorwärts".) Die Bergbehörde erklärte der Kommission der streikenden Bergleute in Oberhausen, bestimmte Zusagen nicht machen zu können. Berghauptmann B a u r und 3 Kommissare wollen aber mit der Vcr- Haltung der Zeche verhandeln. Man riet der Kommission an. die Führung der Bewegung nicht zu verlieren.— Die Versammlung, welche heute Nachmittag stattfand, lehutx eS ab, wieder anzufahren. — Die Belegschaft der Zeche„Osterfeld" trat ebenfalls in den Streik «in. Der Ausbruch des Streiks auf„Ncuuiiihl" wird für heute abend Wwhte». Dir Zahl der Ausständige» beträgt jetzt schon cirea „ooo Mann.— Morgen findet wieder eine Versammlung statt. Kerlin un«l amgcgenel. verband der Banarbeitcr. Die Ortsverwaltung der Zahl- ft e I l e B e r l i n hat ebenfalls für das Jahr 1903 einen Geschäfts- bcrecht herausgegeben. Demselben entnehmen wir folgendes: Laut Beschluß des letzten VerbandstageS. in einem gemeinsamen Lohn- gebiet nur eine Zahlstelle bestehen zu lassen, ist m, Stelle des bis- her, gen losen Znsammcnhmigs der 25 im Lohngcbict Berlin und Umgegend bestehenden Zahlstellen eine einheitliche feste Organisation getreten. Dadurch konnte der innere Ausbau der jetzigen Einheits- zahlsteile wesentlich gefördert werden. Sämtliche Sektionen und Bezirke haben ihre eigene Leitung, doch werden alle Angelegenheiten. die eine Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Kassengeschäfte usw. betreffen, gemeinsam im erweiterten Vorstand beraten. Ein Ortsstatut giebt entsprechend dem VerbandSstatut bestimmte Vor schriften für die Gesamtverwaltung sowie für die Unterstützungsein- richtungcn. die Beitragsleistung und die Arbeitslosmeldung der Mit- Glieder. Eine Haupterrungenschaft war der Abschluß eines Tarifvertrags nnt den Unternehmern. Im Jahre 1902 hatten die Bauarbeiter wohl in fortwährenden Einzelstreiks eine Lohnerhöhung durchgesetzt, doch die lange Arbeitslosigkeit im Winter darauf stellte bald alle Erfolge wieder in Frage. Da die Bauunternehmer im folgenden Sommer aber wieder auf neue Lohnkämpfe gefaßt sein mußten, so kam es zwischen beiden Parteien zu Verhandlungen, die am 15. Mai zur Einführung des auf 1 Jahr abgeschlossenen Vertrags gediehen. Der Vertrag brachte ca. 5000 Arbeitern eine kleine Lohnerhöhung. Anfangs erweckte es den Anschein, als ob der Vertrag sich schlecht einbürgern würde, indem verschiedene Unternehmer trotz Jnkraft- treten desselben die Löhne dennoch nicht gutwillig zahlen wollten. Um nun zu ermitteln, in welchem Umfange dies geschah, wurde ein« Baukontrolle borgenommen. Diese fand in der Zeit vom 22. bis 27. Juni statt. ES wurden hierdurch 473 Neubauten, 7»l Aus- bauten und Scharwerke ermittelt. Beschäftigt waren hierbei 1484 Steinträger, welche alle nach den im Vertrage festgesetzten Lohn- sätzen arbeiteten, ferner 3796 Lohnarbeiter, bei denen der Lohn je nach der Art der Beschäftigung verschieden war. Es erhielten nämlich 1484 Kollegen einen Stundenlohn von 47'/. bis 75 Pf., 4694 einen solchen von 45 Pf. und nur 318 einen solchen unter 45 Pf., nämlich von 42'/, bis 35 Pf. Da nun der Vertrag als Minimallohn 45 Pf. für Bauarbeiter und 42 Pf. für jugendliche Arbeiter vorsieht, den Lohn für durch Alter und Invalidität minder leistungsfähige Arbeiter aber der freien Vereinbarung überläßt, so konnte man mit dem Ergebnis der Kontrolle in dieser Beziehung zufrieden sein, denn 618 Arbeiter kann man wohl zu den beiden letzten Positionen rechnen. Eine andre Erscheinung trat aber durch die Kontrolle zu Tage, nämlich die, daß bei 51 Firmen entweder der Wasserträger oder der bei", Rüsten beschäftigte Bauarbeiter nur 45 Pf. pro Stunde erhielt, wo- hingegen der Vertrag 50 Pf. für diese Arbeiter vorsieht. Durch das Eingreifen der Vertreter der Organisation in der Schlichtung?- kommission wurde auch diesem soviel wie möglich abgeholfen, so daß der Vertrag nunmehr im wesentlichen in allen Punkten innegehalten wird. Ferner wurden Lohnerhöhungen resp. Verträge erzielt für die Rabitz s panner, die jedoch später zum Maurerverbande über- traten, für die Luginoarbeiter, die Putzerträaer und die Töpferträger.— Was die Maifeier anbelangt, so verlief dieselbe imposant und ohne Aussperrung. Zwar hatten die Unter- nchmer eine eintägige Aussperrung angedroht, doch damit kläglich Fiasko erlitten, denn von der ganzen Masse der Bauarbeiter haben sich am 2. Mai nur Vereinzelte als ausgesperrt gemeldet. Vielleicht sehen die Unternehmer auch für die Zukunft das Nutzlose ihrer der- fehlten Matzregel ein. Die Regelung der Arbeitsverhältnisse auf den Bauten erforderte eine sehr intensiv? Thätigkeit, waren doch nicht weniger als 1152 Streitfälle zu erledigen. Davon betrafen 249 Maßregelungen, die in 55 Fällen durch Vcrmittelung der Vcrbandsleitung rückgängig gemacht wurden, in 3 Fällen kam es zur Bauspcrre. 350mal handelte es sich um Lohndifferenzen, die in 296 Fällen sofort zu Gunsten der Arbeiter erledigt wurden. In 36 Fälle» griff der Ver- band der Bmigeschäfte regelnd ein, während 17 Fälle zur Bausperre führten. 454mal mußte wegen Streitigkeiten aus dem Vertrags- Verhältnis und wegen Mißständen auf Bauten usw. eingegriffen «Verden, darunter 75mal wegen mmigclhafter Schutzborrichtungen und 33mal wegen schlechter Baubuden. 21 Fälle, in denen es sich um Schutzvorrichtungen handelte, sind der Berufsgenossenschaft gemeldet worden. Bausperren wurden insgesamt 20 verhängt, davon verliefen 13 mit Erfolg. 2 mit tcilweisem Erfolg, 5 erfolglos. Durch Streiks andrer Berufe wurden die Bauarbeiter in 16 Fällen in Mitleiden- schaft gezogen.— Eine besondere Sorgfalt Ivtwde auch mif die Agitation verwandt, wovon zahlreiche Versammlungen, Besprechungen und Flugblattverbreitungen zeugen. Die Zahlstelle hatte eine JahreSeinnahme von 128 222,43 M., der eine Ausgabe von 77 046,20 M. gegenübersteht, es verbleibt somit ein Bestand von 51 176,26 M. Die Mitgliederzahl beträgt 4100, das ist eine Zunahme von etwa 300 Mitgliedern gegenüber dem Vorjahre. Bemerkt sei. daß die Fluktuation unter den Bau- arbeitem eine ziemlich starke ist. Die Lshiibewegmig der Einsetzer hat einen vollen und über Er- Ivartcn schnellen Erfolg gehabt. Nachdem am Montag die Forde rungen vorgelegt waren, war die Bewegung bereits am Dienstag in der Hauptsache erfolgreich beendet und am Mittwoch konnte bereits das Etreikburcau aufgehoben werden. In einer gestern abend abgehaltenen Einsetzerversammlung wurde berichtet, daß 131 Firmen, bei denen 720 Einsetzer arbeiten, die Forderungen bewilligt haben. Nur einzelne Firmen haben den Tarif noch nicht anerkannt. Die Arbeiter sind be- reit, mit den Unternehmern zu verhandeln. um eine Tarif gcmciiischnft auf Grund der jetzt bewilligten Forderungen herbeizuführen. Durch Kontrolle der Bauten soll darüber gewacht werden, daß nicht gegen die bewilligten Forderungen verstoßen wird. Die Arbeiter der andre» Bauberufe werden ersucht, darauf zu sehen. daß jeder Einsetzer im Besitz einer Arbeitsbcrechtigungskarle ist. OeutTckes Reich. Was sich ein Unternehmer in Crimmitschau gegen eine Arbeiterin crlilulicn darf! Gegen den Fabrikanten Donath hat die seiner Zeit aus- gesperrte Arbeiterin Eck, niieder eine Strafanzeige erstattet wegen Vergehen nach§Z 223 sKörperverletznng) und 240 sFreihcils beraubung), die jedoch von der Staatsanwaltschast zu Zwickau durch folgenden Beschluß abgelehnt wurde: Die angestellten Erörterungen haben folgendes ergebe»: Am 23. November 1903 früh ist die AndreHerin Hermine Agnes Schmieder aus Crimmitschau in der Nähe der Donathswen Fabrik in Crimmitschau auf und ab gegangen, um die in die Donathsche Fabrik ans Arbeit gehenden Arbeiter zu beobachten, und hat auch diesen Arbeiter» wiederholt in das Gesicht gesehen. Der Bescknldigte, BuckSkinfabrikant Johann Hermann Donath in Crimmitschau, der dies wahrgenommen und schon vorher die Anzeigc-Erstatterin mehrfach beim Streik- p o st c n st e h e n beobachtet, sie aber, weil sie das Gesicht verhüllt trug, nicht erkannt hatte und sie auch an diesem Tage aus dem gleichen Grunde nicht erkennen konnte, ist der «chinicdcr nachgeeilt, hat sie, um sie festzuhalten und ihren Namen durch den in der Nähe befindlichen Gendarm feststellen zu lassen, gepackt, sie trotz ihres Sträubeiis mit beide» Hände» an den Handgelenke» gefaßt»nd sie gegen ein dort befind licheS Eiscngitter gedrückt. Als die Schmieder nunmehr um Hilfe rief und der Gendarm Hamann hinzukam, hat Donath daö Mädchen losgelassen und die Feststellung des Namens derselben ver- langt. Möglicherweise ist bei dem Handgemenge mit Donath der linke Jackellärmel der Schmieder ausgerissen. Dieser Sachverhalt ergiebt sich aus den Angaben des Be- schuldigten, sowie den Wahrnehmungen des Gendarmen Hamann, des Fabrikanten Ludwig Feodor Donath und des Kaiifmanns Weile. Jnsolveit, als die Schmieder weiter behauptet, sie sei vom Beschuldigten ein Stück fortgczogcn und absichtlich derart gegen das Eifengitter gestoßen worden, daß sie einen blauen Fleck erhallen und acht Tage lang Schmerzen empfunden habe, fehlt für das Vorbringen der Anzeige-Erstatterin der Beweis: der Beschuldigte leugnet eS, die übrigen Zeugen haben dahingehende Wahrnehmungen nicht ge- macht und die Angaben der Schmicdcr reichen bei ihrer Beteiligung am Sachausgange zu einer dahingehenden Ueberftihrung des Be- schuldigten nicht aus. In dem hiernach als erweislich anzusehenden Verhalten Donaths aber kann eine strafbare Handlung desselben nicht erblickt werden. Der Beschuldigte ist der Ueberzeugung ge- wesen, daß die Schmicdcr an diesem Morgen erneut gegen 8 153 der Reichs-Gewerbe-Ordnung und§185 des Strafgesetzbuchs durch Belästigung Arbeits- williger verstoßen hatte Derselbe war daher, als er die Schnneder hierbei betraf, mit Rücksicht darauf, daß er, wie er unwiderleglich behauptet, dieselbe nicht kannte oder nicht erkannte, nach§ 127 der Strasprozeß-Ordnung befugt, die Schmieder vorläufig fe st zunehmen. Dies gab ihm auch weiter das Recht, den auf Losreißen ge- richteten n»d bcthätigtc» Willen der Schmieder zu brechen und durch- zuführen, bei der Festnahme Gewalt anzuwenden. Daß Donath hierbei die ihm gezogenen Grenzen überschritten hat. ist nicht be- anzeigt; es ist nicht zu widerlegen, daß er nur die zur Be- Wirkung der Festnahme erforderliche Gewalt ausgeübt hat,>oie sich schon daraus ergiebt, daß er die Schmieder beim Nahen des Polizei- bcamten freiwillig losgelassen hat. Die Beschädigung des Jacketts würde daher, wenn sie überhaupt erfolgt ist, auch keine vorsätzliche und jedenfalls keine widerrechtliche sein, da sie nur eine Folge der Festnahme gewesen sein kann. Nach alledem ist die That des Beschuldigten keine widerrechtliche gewesen und werden daher die wider ihn aus ßZ 223, 240 Ao. Str.- G.-B. eingeleiteten Erörterungen unter Uebernahme der erstandenen Kosten auf die Staatskasse eingestellt. Zwickau, den 21. Januar 1904. Königliche Staatsanwaltschaft. gez. Klüber. Wir fürchten beinahe, der Staatsanwaltschaft in Z w i ck a u wird trotz aller Vorsicht ihrerseits ihr diesmal merkwürdigerweise so un- gern gesehenes Opfer, der Fabrikant Donath, nicht entgehen. Sie hat zwar zur Beurteilung des geradezu uncrhörtc» TerroriSmuS diese» Herrn vielen Scharssinn aufgewandt, sie unterliegt aber dabei einem 'chweren Rechtsirrtum, auf den hoffentlich die ObcrstaatSanwaltschaft nach erfolgter Beschwerde noch aufmerksam wird. Der§ 127 der Sttafprozeß- Ordnung befugt jemand zur vor- läufigen Festnahme einer Perjon, wenn derselbe einen andren auf rischcr That erwischt und eine Flucht oder Nichtfestste llung der Persönlichkeit zu befürchten ist. Die Staatsanwaltschaft in Zwickau hat aber s e l b st festgestellt, daß Herr Donath die Streikende nicht bei Berübung eines Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung oder§ 185 der Strafprozeß- Ordnung erblickt, sondern nur befürchtet hat, sie hätte an diesem Morgen dagegen verstoßen, ohne daß er darüber mehr als eine Ver- mutnng hatte! Aber noch mehr. Was berechtigte denn Herrn Donath dazu, sich an der von ihm Mißhandelten überhaupt in dieser Form zu vergehen, 'elbst wenn er ein Recht zur F e st n a h m e hätte? Weiß die Staats- anwaltschaft in Zwickau nicht, daß selbst ein Polizeibeamter, der eine Verhaftung in solcher Form vornimmt, ich einer Ueberschreitung seiner Amtsgewalt ch u l d i g machen würde?— Angesichts deS Verhaltens der „objektivsten Behörde' gegenüber streikenden Arbeitern, die mit dem nebelhaft gewordenen§ 1ö3 angeblich in Konflikt geraten sind, wird dieser Fall von nicht zu überbietendem TerroriSmuS eineS Unter- nehmers, und feine Beurteilung durch die Staatsanwaltschaft zu einer wertvollen Ergänzung der Stellung der Behörden im Crimmit- schauer Kampfe.__ Die Nuternehmer im Schneibrrgcwerbe zu Jena und Weimar bczw. Beauftragte von diesen versuchen es mit der alten Unternehmer- taktik, Ausländer unter Vorspiegelung falscher Thatsachen als Arbeits- willige heranzuziehen. So hat man in Oesireich eine Anzahl Schneider angeworben, welche dieser Tage eintreffen sollten. Ein Telegramm aus Prag setzte die Gehilfen in Jena und Weimar in den Stand, ihre Masnahmen zu treffen. Die Bahnstrecken Leipzig— Weimar und Gera— Eger wurden beobachtet und thatlächlich kamen 23 Czechen in Begleitung eines Agenten und Hern: vom Arbcitgeber-Vcrband gegen Abend m Gera an. Durch eingehende Aufklärung über die Lage in Jena»nd Weimar ließen sich 20 Mann bewegen, w Gern zu bleiben, und nur sechs Mann gingen mit nach Weimar, keineswegs aber um zu arbeiten, sondern um die Lage kennen zu lernen und Geld zur Rückreise zu erlangen.— Auch die erste Strafverfügung, unterzeichnet von Dr. Wagner, zweiter Bürgermeister, ist ein« getroffen. Ein ausgesperrter Schneider Namens P. H. soll dadurch groben Unfug verübt haben,„daß er am Nachmittag des 20. Januar ans dem Weimar-Geraer Bahnhof angekommene Schneidergesellen durch Redensarten wiederholt belästigte". Diese Belästigung wird in einigen aufklärenden, in durchaus anständigem Tone gehaltenen Aenßerungen des Streikpostens gefunden. Es wird Antrag auf ge- richtliche Entscheidung gestellt. Hustand, Die Differenzen in der Diamantmdnstrie. Räch einer Mitteilung von„Het Volk" aus Antwerpen stehen die Parteien dort einander schroff gegenüber, so daß ein Kampf unvermeidlich erscheint. Die Arbeiter scheinen fest entschlossen zu sein, das Aeußerste zu«vagen, um zum Siege zu gelangen. Sie wollen den Neunstundentag im Austausch für die Zulassung von Lehrlingen und werden nicht davon ablassen. Ebenso entschieden lehnen aber die Juweliere die Verkürzung der Arbeitszeit ab und bestehen gleichwohl darauf, 300 Lehrlinge einstellen zu können. Aus dem Schreiben der Juweliere an den Diamantarbciter- Verband wird noch folgender Schlußsatz mitgeteilt, der die Stellung der Arbeit- geber kennzeichnet:„Wir können, meine Herren, auf dem Wege der Zugeständnisse von«rbeitgeberseite unmöglich weiter gehen und erklären, daß weder die Ehre ihrer Vereinigung, noch die Zu- kunft der Arbeitnehmer durch uneingeschränkte Zustimmung zu den Vorschlägen der Arbeitgeber bedroht wird. Wir ersuchen Sie, uns endgültig auf den Vorschlag in unsrem Brief vom 21. Januar zu antworren; wenn Sie jedoch als unerläßliche Bedingung bei der Lehrlingsfrage verlangen, daß die Einführung des NennstnndentagS damit verbunden werde, dann können wir Ihnen schon jetzt er- klären, daß die ganze friedliche Lösung der Sache Schiffbruch leiden wird, da der Nennstnndcntag bereits früher durch unsre beiden Vereinigungen verworfen wurde und zwar ivegen Mangel an Arbeitskräften." Was die Situation in Amsterdam anbelangt, so wird mitgeteilt. daß der Allgemeine niederländische Diamantarbeiter-Verbnnd im Fall einer AuSsperrnng auch in Bezug auf das Weiterarbeiten nicht ganz ungernstet dasteht. Es würden zusammen noch ungefähr 2000' Mitglieder, darunter 1000 bis 1200 Schleifer, m Arbeit bleiben._ Eine neue Taff-Bale-Klage. Lsndon, 3. Februar. sEig.©er.) Vor dem Richter Law- ranee und einer Specialjnrh wird gegenwärtig im Oberhofgericht zu London ein Prozeß verhandelt, in dem die Bergbesitzer von Denaby und Cadeby die Kläger und die Gewerkschaft und die Be- amten der Bergleute von Uorkshire die Angeklagten sind. Der ver« langte Schadensersatz beläuft sich auf über 2,5 Millionen Mark. Die Klage beruht hauptsächlich auf dem Taff- Vale- Entscheid, obwohl noch andre Entscheide gegen Gewerkschaften angeführt werden. Der Prozeß ist die Folge des wohlbekannten Streiks im Jahre 1901 im Kohlendistrikt Cadeby und Daneby. Die Kläger behaupten: 1. die Bergleute hätten sich verschworen, die Bergbesitzer zu schädigen; 2. die Bergleute hätten Kontraktbrnch begangen, indem sie die vierzehntägige Kündigungsfrist nicht ein» hielten. Letzte JVacbricbtcn und Dcpcfcbcn. Berlin, 5. Februar.(SB. T. B.) Heute abend um 6>/j Uhr besichtigte der 5taiser im inneren Schloßhof einen VerstärkungS-TranSport, der für Deutsch- Südwestaftika bestimmt ist. Es waren 392 Mann. 13 Offiziere und 3 Aerzte. Der Kaiser schritt die Fronten ab und hielt dann eine Ansprache an die Truppen mit lauter Stimme, in der er sie auf die ihrer harrende Aufgabe hinwies, den arme» Deutschen in Südwest-Afrika Hilfe zu bringen, sie zur Tapferkeit, Selbstlosigkeit und Hingebung ermahnte und die er mit einem Adieu schloß, das die Mannschaften mit einem kräftigen„Adieu Euere Majestät" erwiderten. Der Kaiser versammelte nun die Offiziere zu einer besonderen Ansprache um sich, worauf Hauptmann v. Bageuski dem Kaiser den Dank der Truppe, die hinausziehe, aussprach, den Eid der Treue bis zum Tode erneuerte und mit einem dreifachen Hurra schloß._ Vor der Entscheidung. Wasssington, B. Februar.(SB. T. B.) Dem Staatsdepartement ist die Nachricht zugegangen, daß die japanische Regierung die auf der koreanischen Seite des Julu-FlusseS wohnenden japanischen Staatsangehörigen auffordere,«ich nach Söul zurückzuziehen. New Uork, 5. Februar.(SB. T. B.) Die hiesigen Telegraphen- kabel-Gesellschastcn machen bekannt, daß sie Depeschen nach Japan und Korea nur auf Gefahr der Absender annehmen. Paris, 5. Februar.(W. T. V.) Dem„Temps" ist,»vie er sagt, von berufener russischer Teste folgendes erklärt worden: Alles, was man über die militärischen Vorbereitungen Rußlands gesagt hat, sind nichts als seine friedfertigen Dispositionen. Rußland rüstet, solange man verhandelt. Wenn man hofft, auf Rußland durch dieses alles Eindruck zu machen, täuscht man sich. Es zeigt sich übrigens, so fährt der„Temps" fort, daß weder in Paris noch in Petersburg die Geschäftswelt sich sehr über die Hetze auftegt, deren Sitz in Eng- land ist, und welcher, wohl bemerkt, die englische Regierung durchaus fernsteht. Es giebt keinerlei Ursache zu irgendwelcher Beunruhigung. Ru, fische Rüstungen. JrkntSk, 5. Februar.(Meldung der Russischen Telegraphen- Agentur.) Hier ist der telearaphische Befehl eingegangen, schleunigst 45 Werst Schienen nebst Zubehör mit der Sibirischen Bahn ab- zuschicken und dieselben der TranSbailkalbahn zwecks Schicnenlegung über den Baikalsee zwischen den Stationen Baikal und Tanchoi zur Verfügung zu stellen. Bis zur Zeit der Durchreise des Verkehrs- Ministers Chilkow, welcher am 10. d. MtS. morgens in JrkutSk er« wartet wird, soll der Schienentransport beendet sein. Eine Strelkdebatte in der franzZfischen Depnttertenkammer. Paris, 6. Februar.(W.T.B.) L a s i e r richtete eine Slnfrage an die Regierung über den Arbciterausstand im Süden und wirft dcr socialistischen Presse vor, die Arbeiter gegen die Arbeitgeber aufgereizt zu haben. Er tvcist auf mehrere von den Ausständigen begangene Ausschreitungen und Gewaltthätigkeiten hin und verlangt den Schutz der Behörden für die Arbeitgeber. Ter Ministerpräsident C o m b e s erwidert, aus den amtlichen Berichten geh« hervor, daß der Ausstand sich in g e s e tz in ä feigen Schranken gehalten habe und ein so f r i e d l i ch e r g e w e s e n sei. wie ein Ausstand sein könne. Slllcrdings hätten sich einige bcdaner- liche Vorkommnisse ereignet. So habe ein Slrbcitgebcr zwei Aus» ständige durch Revolverschüsse verletzt und er müsse den» Justizministcr sein Erstaunen darüber anSsvrechen, daß dieser Arbeitgeber nicht festgenommen worden ist.(Beifall und Zwischenrufe.) Combes er- klärt nochmals, der Ausstand sei friedlich verlaufen; die Regierung „nd die Behörden hätten ihre Pflicht gcthan.(Beifall.) Die nahm darauf mit 343 gegen 200. Stimmen eine TageS- an. in«velcher die Erklärungen der Regierung gebilligt Kammer ordnung lverden. Die Redseligkeit der Offiziere. New Pork, 5. Februar.zu großer Ungerechtigkeit uns gegenüber erfüllt. Hat doch auch Herr Bebel auf dem Dresdener Parteitag sich als den Todfeind dieser Gesellschaft bezeichnet. Worin hat dieser Haß seinen Grund. Etwa in dem Vergleich dessen, was wir ftir die Arbeiter thun mit den socialpolitischen Leistungen andrer Länder. Was Frankreich an- langt, so hat der„Vorwärts" in seiner Jahresüberficht selbst konstatiert, daß dort völliger Stillstand in der Socialpolitik herrscht. Zu den bourgeois-konservativen Parteien gehört ja nach dem„Vor- wärtS" auch ein Teil der Hörstgen Socialdemokraten.(Oho l bei den Socialdemokraten.) Und wir in Deutschland stehen dicht vor dem 25 jährigen Jubiläum der kaiserlichen Bot» s ch a f t. Herr Fischer verfuhr ja mit einer gewissen Vorsicht; er sprach von der empörenden Ausbeutung, die die Texttlarbeitcr- Enquete 1877 ans Tageslicht brachte. Aber er verschweigt, daß diese Enquete von bürgerlichen Parteien gefordert und veranstaltet war. Damals wurde in einer Novelle zur Gewerbc-Orditung, gegen die die Socialdemokratie natürlich stimmte, die Gewerbe- aussicht eingeführt. Mt ihren Ergebnissen ist Herr Fischer unzilftieden; aber die Halste aller Betriebe wird schon jetzt jährlich revidiert; dazu kontmt noch die Aufficht aller unsallversicherungspflichttgen Be- triebe durch die Beauftragten der Berufsgenossenschasten. Und in der Versicherung werden 200 Millionen für Kranken-, 118 für Unfall- und 112 Mllionen für Invaliden- und Altersversicherung jährlich ausgegeben: bald wird der Betrag eine halbe Milliarde erreicht haben; die praktischen Engländer würden eine solche Be- lasiung der Industrie für unmöglich halten. Wie maßlos übertreibt Herr Fischer, wenn er den Arbeitern gleichsam rät, in diesem Staat alle Hoffnung draußen zu lassen. Und angesichts alles dessen spricht Herr Fischer von einer reinen Armenunterstützung, die lediglich den wirschaftlich ganz Schwachen nütze. Was ist das für etne Uebertreibung!— Die Gewerbe- Jnspekttons- Be- richte sind ja der beste Beweis dafür, was bei uns auf dem Gebiete der Socialpolitik geleistet wird. Ich billige es durchaus, daß diese Berichte nichts enthalten als eine rein objekstve Wieder- gäbe von Thatsachen. Was die Gutachten der Gewerbe-Jnspektoren über Specialftagen anlangt, so wünschte ich solche gutachtliche Aeußerungen auf dem Gebiete des WohmmgSweiens über das Ver- hältnis von Miete und LoHneiitkominen und weiter über die Frage der Regelung der Heimarbeit.— Daneben begrüßen wir die Schaffung des„Retchs-Arbeitsblatt". Seine Veröffent- lichungen aber das Wohnungswesen drängen uns geradezu zu Maßregeln, um den bestehenden Mißständen abzuhelfen. DaS„ReichS-Srbeitsblatt" sollte wichtige Entschei- düngen der Berufsgenossenschasten im Wortlaut veröffentlichen, damit man sich hinterher nicht von der socialdemokrastschen Presse Urteile austischen lassen mttß, in denen z. B. der Satz vorkommt: Ein Nervenschwacher, dem jede Auftegung schade, lasse sich auf eigne Gefahr in das Renten-Streitverfahren ein. Unter der Ueberschrist „Wie Arbeiter um ihre Rente kommen", teilt der.Vorwärts" einen Fall mit, in dem ein Kranker, der zweimal gegen den Willen der Aerzte das Krankenhaus verließ, mit seinem Anspruch abgewiesen wurde. Haben Sie(zu den Socialdemokraten) nicht den Mut, solchen Arbeitern aus Ihrer Anhängerschaft zu sagen, daß ihnen hier nur ihr Recht geworden ist? So lange sie den nicht haben, brauchen wir uns dte Strafpredigten der Socialdemokraten über die Rückftändigkeit und Ausbeutungssucht des Unternehmertums nicht an- zuhören. Sie(zu den Socialdemokraten) sollten lieber praktische Vorschläge über Einzelheiten der socialen Gesetzgebung machen,— Bismarcks Aeußerung, die übrigens schon aus dem Jahre 1884, nicht 1839 stammt, auf die Sie(zu den Socialdemokraten) sich so gern berufen, unterscheidet ganz treffend zwischen führenden Geistern in der Socialpolistt, wie Kaiser Wilhelm und er selbst waren, und zwischen Widerstrebenden, die überwunden werden müssen. Sie(zu den Socialdemokraten) sind nicht allein die treibenden Kräfte. daö sind auch die Humanität und das Christentum in Deutschland. Lange vor Lassalle haben große Unternehmen wie Krupp und Stumm Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen. DaS was Herr v. Hehl der Socialdemokraste vorgeworfen hat, war im wesentlichen durchaus berechstgt. wenn auch einzelne Details irrtümlich dargestellt sein mögen. Die Angaben über das Ulrichsche Steucrprojekt waren durchaus zutreffend, Herr Ulrich hat sich erst nachträglich berichstgt.(Abg. David(Soc.): Ganz falsch!)— Eine große Enttäuschung hat mir die neueste Auseinandersetzung innerhalb der Socialdemokraste gebracht. Als ich Herrn Schipp els Ausführungen las, sagte ich mir: jetzt hatdoch endlichmal einer den Mut einer wirklich arbeiterfreund- lichen Behandlung der zollpolitischen Fragen gefunden. Nachher aber sollte alle? nur ein Referat unsrer An- schauungen sein. Neu eS ist ja festgestellt, daß der erste Teil der Schippelschen Ausführungen nur scmen früheren Veröffentlichungen entspricht. Run war eigentlich nur der zweite Teil', wo ich mir sagen mußte: jetzt wird endlich einmal die Regierung in ihren Vertragsverhandlungen mit dem Auslande untersucht. Das stand allerdings mt Gegensatz zu dem Wahlaust'uf der Partei, den Herr Schippe! auch unterschrieben hat. Zu einer klaren Stellung gegenüber unsrer Gesellschaft wird die Socialdemokraste nie konunen, das liegt an den Gegensätzen in ihrem Programm. Demokratie und Kommunismus lassen sich eben nicht verquicken.(Sehr richtig l bei den Nationalliberalen.)— Noch ein Wort über Crimmitschau! Ich will nicht gegen die Crimmitschauer Arbeiter auftreten, sondern nur gegen diejenigen, die die Arbeiter in den Streik hinein- getrieben haben, und das ist die Socialdemokratie. (Widerspruch b. d. Socialdem.) Die Möglichkeit einer Verständigung hörte in dem Augenblick auf, als von den socialdemokrastschen Führern der Streikenden erklärt wurde, es handle sich hier um eine Machtprobe. Jetzt, nach Beeitdigung des Streiks, muß klargestellt werden, ob denn die Machtprobe zu Ende ist. Die Socialdemokraten selbst sagen, der Kampf ist unterbrochen, noch nicht beendet. Wie die Dinge liegen, wird sich zeigen, wenn wir nach Jahr und Tag beurteilen können, ob die Arbeitswilligen unbelästigt geblieben sind von denen, die jetzt zur Arbeit zurückkehren. Ich werde das von mir gesammelte Material ausführlich drucken lassen und Ihrer Nachprüfung überantworten. Das Resultat ist: Zunächst hat eine Umfrage bei den Arbeitswilligen ergeben, daß in den öffentlichen Versammlungen nur die gewöhnlichsten Tiraden vor- getragen wurden. Aber in den Hütten haben die Streikenden durch Drohungen und Beleidigungen iir unerhörter Weise gearbeitet, lvkan hat sich doch sogar nicht gescheut, auf die Folgen des Streiks in Meerane hinzuweisen, wo nach dem Siege der Arbeiter ein Arbeits- williger so drangsaliert wurde, daß er sich erhängte.(Oho! und Lachen bei den Socialdemokraten.) Ja, ich kann das beweisen. Ich zweifle auch nicht, daß. wenn die Drohungen gegen die Arbeits- willigen wahr gemacht werden, ein zweiter Streik sich dort wird vermeiden lassen. Die Fabrikanten werden hoffentlich nicht ein Tüpfelchen zum Schutze der Arbeitswilligen versäumen. Wir haben aber so mit ungeahnter Schnelligkeit einige Sstlfen der notwendigen Entwicklung übersprungen. Wir' hätten ist der That vor einem halben Jahre nicht geglaubt, daß plötzlich die Gesamtheit des Arbeitgebertums solidarisch würde. Ob dies ein Glück oder Unglück für die Zukunft Deutschlands ist: Jedenfalls werden sich an dieser festen Mauer, der Solidarität des gesamten deutschen Unternehmertums Sie(zu den Socialdemokraten) sich hoffentlich noch oft genug den Schädel einrennen. Wir sind den Fabrikanten danlbar, daß sie sich zusammengerafft haben. Aber ein andres ist die Stellung zu einem Streik und zur ge- santten Socialpolitik. Dieser Streik soll uns nicht hindenr in der Fortführung freudiger Socialpolitik. Sie(zu den Socialdemokraten) kennen nur Uebertreibung und Verhetzung, aber die Behörden mögen etwas weniger nervös und weniger übereilt sein, namentlich im Königreich Sachsen. Das Verbieten der Versammlungen ist unsreS Erachtens sehr schwer zu vereinbaren mit dem sächsischen Vereins- und Versammlungsrecht. Unser Antrag auf die reichsgesetzliche Regelung dieser Frage hängt ursächlich mit diesen Ersahrungen zusammen.(Abg. Dr. Südekum: Wie lange hat das gedauert?) So lange, bis wir hier im Reichstage zusammenkamen.(Zwischenruf des Abg. Dr. Südekum.) Herr Dr. Südekum, wir sind hier nicht allein. Wir können mit Stolz hinweisen auf unser Reichsamt des Innern, das es an aufopferungsvoller Arbeit nicht fehlen läßt, und auf unser Unternehmertunt, das sich auch gern Opfer auferlegen läßt.(Zurufe bei den Socialdemokraten.) Ich spreche nur im allgemeinen von den deutschen Berhälstnssen, Wir wollen fleißig, aber nicht überstürzt schaffen, damit die Verwüstungen vennieden werden, die Ihre(zu den Socialdemokraten) Partei herbeiführen will. Wir aber wollen diesen Staat und diese Gesellschaft festmachen, so im Geiste der Abwehr, wie in dem des Schaffens.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Müller-Meiningen(frs. Vp.): Wir haben nie die Etatsberatung mit wertlosen Resolutionen be« lastet; wenn wir eine Materie gründlich durchberaten wollen, stellen wir Jnittattvanträge. Jedenfalls danke ich Herrn Patzig für seine Anerkennung der socialpolitischen Thästgkeit der alten Fortschritts- Partei. Ich mutz jetzt etwas näher eingehen auf die neulichen Aus- führungen des Herrn Dr. Schäfer über die Knsernicnrng der Prostitution in Hamburg. Ich habe es nicht verstanden, warum der Herr Vertreter von Hamburg nach meiueti Aeußerungen so sehr auf- geregt hier auf- und ablief.(Heiterkeit.) Neun Zehntel von dem. was er sagte, gehörte überhaupt nicht zur Sache. Ich habe kein Wort über Kasernienmg und Lokalisierung der Prostitution vom principiellen Standpunkt aus gesprochen, den» ich bin kein Sachverständiger auf diesem Gebiete(Heiterkeit links), da mag sich Herr Dr. Schäfer mit den Hygienikern und Medizinern auseinandersetzen. Jedenfalls kann der Herr Vertreter von Hamburg nicht bestreiten, daß durch die Polizei thatsächlich das Bestehen des Bordellwcscns in Hamburg an> erkannt ist. Dann hat aber die Hamburger Behörde kein Recht zu sagen: Wir haben keine Bordelle im Polizei- technischen Sinne.(Sehr richtig! links.) Besonders stolz war der Herr Syndikus Dr. Schäfer darauf, daß durch die Kasernierung das Zuhälter- und Dirnenwesen in Hamburg vollständig beseittgt sei. In krassem Widerspruch dazu steht eine Notiz der„Frankfurter Zeitung", wonach in dem im Februar 1904 er- schienen«« Berichte des Budgetansschusses der Bürger- schaft Hamburgs über die ständige Zunahme der heimlichen Prostitution und mit ihr des Zuhälter- und Dirncnwesens geklagt wird.(Hört! hört! links.) Die Bürgerschaft hat dann auch Ersatz- mittel zur Bekämpfung dieses Zuhälter- und Dirnenwescns be- willigt. Wer hat nun hier recht? Herr Dr. Schäfer hat bis zum Schluß seiner Ausführungen überhaupt nicht verstanden, warum ich meine Klage vorgebracht hatte. Ich habe ans- drücklich gesagt, die rechtlichen und thatsächlichen Verhälstnsse in einer Reihe von Bundesstaaten, in erster Linie sogar der freien Republik Hamburg, bewiesen, daß unsre Verhältniffe auf dem Ge- biete des Vereins- und V e r s a m m l u n g s w e s e n s unhaltbar sind. Das Wesentliche meiner Ausführungen hat der Vertreter von Hamburg vollständig zugegeben. Er hat zu- gegeben, daß die Person der betreffenden Fraueuführerin es allein war. welche die Chikanen der Hamburger Polizei hervorgerufen hat. Sachsen und Reuß ältere Linie müssen geradezu vor Neid bersten(Heiterkeit), daß sie noch nicht auf die wundersame Idee ge- konunen sind, eine Versammlung zu verbieten, weil in der Diskussion von einer Person, von der man noch gar nicht weiß, ob sie überhaupt sprechen wird, vielleicht etwas gesagt werden könnte, ivas den betreffenden Polizeilicutenant nicht paßt. Das Harn- burger Vereinsgesetz ist ganz ultrareaktionär. § I lautet:„Vereine und Versammlungen, deren Zweck oder deren Thästgkeit mit dem Gesetze in Wiedcrspruch stehen, oder den öffentlichen Frieden, oder die öffentliche Sicher- h e i t gefährden, sind verboten." Was heißt„Gefährdung der öffcnt- lichen Sicherheit"? Nach den Ausführungen des Vertreters von Hamburg liegt eine solche schon vor, wenn eine Dame, die bei der Polizei, wer weiß, weshalb, nicht beliebt ist, vielleicht ein paar Worte sprechen könnte. 8 II lautet:„Bei dringender Gefahr für den öffentlichen Frieden oder die öffentliche Sicherheit ist die Polizeibehörde berechstgt, jede öffentliche und nicht öffentliche Versammlung zu untersagen.(Hört! hört! links.) Daß man mit derartigen Kaiitschuk-Bestimmungen aUcs mache» kann, ist klar. Eine Versammlung wurde sofort aufgelöst, als die Rednerin auf die Unkenntnis der Hamburger Unterbeamten zu sprechen kam und darlegte, daß sie das Vereinsgesetz von Hamburg nicht zu kennen schienen. Eine Beschwerde blieb erfolglos. Am 0. Februar 1903 wurde die Generalversammlung beS Hamburger ZweigvcreinS der„Jnternattonalen Födcratton", die in einem Privathause tagte, von der Polizei aufgelöst, trotzdem lediglich interne Angelegenheiten anf der Tagesordnung standen. (Hört!_ hört I links.) Hier liegt zweifellos qualifizierter Hausfriedensbruch vor. Am 13. Februar fand die General- versantmlung des kaufmännischen Vereins„Jndustria", der Organisation der Handlungsgehilfen Hamburgs, statt. Diese Versammlung war fünf Jahre lang ohne polizeiliche Au- Meldung erlaubt gewesen, solange sie unter dem Vorsitz eines Hamburger Juristen stattfand. Jetzt führte die mehrfach erwähnte Dame das Präsidium und die Folge war, daß die Versammlung, trotzdem sie in einem Privathause stattfand und rein geschäftliche Angelegeuheiten erörtert wurden, aufgelöst wurde.(Hört! hört! links.) Im März 1903 hielt der Verein für Lebensresorm eine öffentliche Versantmlung mit dein Thema: Die Prostituttou, und dem Re- ferensen Karl Schön ab. Die Versammlung wurde erlaubt. Der Zweigverein der iitternationalen Föderation berief darauf eine Ver- sammlung mit dem gleichen Thema und einem andren Referenten ein, die verboten wurde. Die Frauen haben infolge dessen den betreffenden Herrn Referenten entbunden.(Heiterkeit links.) und stellten als Referenten dettselben Herrn Schön auf, der in den Verein für Lebensreform gesprochen hatte. Trotzdem wurde es den Frauen untersagt, dasselbe Thema durch denselben Referenten in demselben Lokal behandeln zu lassen.(Hört, hört! links.) Herr Schäfer hat sich nun die Syntpathien der Rechten und des CeittrumS dadurch erworben, daß er uns graulich zu machen suchte: es seien in solchen Versammlungen jugendliche Personen zugegen gewesen. Dafür hat er aber nicht den Schatten eines Beweises beigebracht. Wären wirklich Jugendliche anwesend gewesen, so hätte die Polizei die Ver- sammlung sicher aufgelöst od er sie hätte für die Auflösung wenigstens diese Thatsache als Grund angegeben. Das ist aber in keinem einzigen Falle ge- schehen. Ich habe die ganze Hamburger Frage nur zur Jllustrierung der Notwendigkeit eines Reichs- Vereins- und L e r s a m m l u ir g s r e ch t S berührt. Und da muß ich noch einige Worte gegen den Staatssekretär sagen. Er wünscht den Frauen die Vertretung ihrer Berufsinteressen zu erleichtern, will sie aber von der politischen„Agitation" fern- halten. Welche Unklarheit der Auffassung, lediglich distiert von der Verlegenheit des Staatssekretärs. In ihm wohnen zwei Seelen: der ganz moderne Mann, der weiß, daß es mit der Frauenstelluitg nicht so bleiben kann und der z. B. über Frauenbildung sehr fteie Ansichten hat, auf der andren Seite der Vertreter der verbündeten Regierungen, der an der preußischen Tradition festhalten inuß. Nur so konnte ein so klar denkender und hell sehender Mann einen solchen Satz aussprechen. Was ist denn polittsch? Vertrete» die Frauen nicht gerade ihre Bcrufsinteressen, wenn sie das aktive und passive Wahlrecht zu den Handelsgerichten verlangen, die Zulassung zur Universität, unabhängig von einem Honorarprofessor, dem viel- leicht die Nase der Dame nicht gefällt,(Heiterkeit.) d a S ist thatsächlich vorgekommen(Hört I hört I links, Lachen rechts)— wenn sie zur Börse, zur Gelverbe-Aufficht zugelaffen zu werden wünschen, wenn sie die Prostitution, den Mädchenhandel be- kämpfen? Wollen Sie bei dieser hervorragenden Aufgabe die christ« liche Charitas, die Mithilfe der Frauen entbehren? Sind nicht gerade eine Anzahl Damen des höchsten Adels in diesen Vereinen? Die Dame, von der der Vertreter für Ham- bürg sprach. hatj, wie man mir berichtet, mehr ge» fallene Schwestern aus dem Sumpf gerettet, als zehn Vereine, die alles mit Glacehandschuhen anfassen.— Ich freue mich, daß der Staatssekretär endlich zur Frage des Reichs-Vereins- und Ver- sannnlungsrechts Stellung genommen hat, daß er es für Wünschens» wert erklärt hat, ein solches. Gesetz zu schaffen. Bor einigen Jahren wurde uns noch ein blutjunger Regierungsassessor in die Petitions» kommission geschickt, der erklärte, über diese Frage brauchten wir gar nicht zu verhandeln. Jetzt hat man eingesehen, daß es eine der ivichtigsten Fragen unsreS Staatsrechts und unsrer Socialpolitik ist. Der Reichslag ist gegenüber den verbündeten Regierungen nicht un- höflich. Sie können jederzeit den Gesetzentwurf an unser Haus bringen; aber wenn wir die wichstgsten Jnistativanträge beraten, hört uns kaum der jüngste RegieningSaffeffor zu. Der Staatssekretär drückte ferner die Furcht der Regierung aus, der Entwurf eines Veremsgesetzes würde vom Reichstage in uitannehntbarer Weise umgestaltet werden. Bor der Unannehmbarkeit hat sich ja die Regierung bei der Zuchthaus-, der Umsturzvorlage und der lex Heinze auch nicht gefürchtet, und wenn die Regierung nicht die Zeit haben sollte, die Vorlage zu entwerfen, so bin ich gern bereit, ihr uitsren vollständigen Entwurf zu überlassen, deit wir nur aus Mangel an der nötigen Zeit für die Beratung dem Hause nicht vorgelegt haben. Unsre Forderungen auf diesem Gebiete sind gar nicht so unbescheiden. Wir verlangen nur, was in einer großen Reihe von Bundesstaaten schon jetzt besteht und was die hervorragendsten Männer des gemäßigten Liberalismus, Rickcrt, V.Berlepsch und V.Bennigsen, hier im Hause längst verlangt haben. Aber die Herren, die die denkwürdige Denkschrift zur Zuchthaus- Vorlage gemacht haben, soll die Regierung aus dem Spiel lasten (Sehr richtig! links), dann wird es schon gehen. Ein kluger Mann baut vor, Herr Staatssekretär! Die Ver- Handlungen der letzten Tage haben gezeigt, daß das Drängen nach einem einheitlichen Vereins- und Versammlungsrecht von der äußersten Linken bis zur äußerste» Rechten geht, bis zu Herrn Stöcker, mit dem ich sonst wirklich sehr selten harmoniere. Mögen Sie selbst die Jnistative ergreifen, selbst vorgehen. um ein derarstges Gesetz zu schaffen. Ich kann mir überhaupt nicht denken, wie Sie ohne einheitliches Vereinsrecht ein Reichsgesetz über die Berufsvereine dem Hause vorlegen können. Die heilsame Töil- nahine des ganzen Voltes an unsrer socialpolitischen Thästgkeit ist nur unter einem reichsrechtlichen Vereinsgesetz möglich. Im übrigen wünsche ich dem Herr» Staatssekretär, daß er möglichst bald sein Gehalt bekommt.(Heiterkeit; Beifall links.) Abg. Lesche(Soc.): Herr Patzig hat sich viele Mühe gegeben, die Socialdemokraste in die zweite Reihe der Socinlpolitikcr zu drängen. Demgegenüber möchte ich Herrn Patzig auf sein Partei-Org«», die national- liberale„Osnabrncker Zeitung", verweisen. Da werden die„unerschrockene Kritik", die fruchtbaren„Anregungen auf social- politischem Gebiete"(Hört! hört! bei den Socialdemokraten) über alle Maßen gelobt. Dte Nationalliberalen seien in der glücklichen Loge, den Bestrebungen der Socialdemokratie nicht oft entgegen- treten zu müssen(Hört I hört!) und ständen im Reichstage in freundschaftlichstem Verkehr mit ihnen(Lachen rechts.) Und da bemüht sich Herr Patzig 1'/, Stunden, um unsre socialpolitische Unfruchtbarkeit nachzuweisen I Er hat entdeckt, daß in Amerika die Arbetter kein gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht haben, sondern eine Listen- wähl. In Wahrheit haben sie sowohl zum Kongreß wie zu den Einzelstaaten und Kommunen direktes, gleiches Stimmenrecht, nur bei der Wahl mehrerer Beamten kommen Listen zur Anwendung. Sie(zu den Nationalliberalen) hinken ja doch auf allen Gebiete» nach und erfüllen nach Jahren, was wir längst gefordert.— Für die kaiserliche Botschaft von 1890 haben wir die intellektuelle Urheberschaft der Socialdemokratie schon nach» gewiesen.> Jetzt hat sich der Staatssekretär hinter die von 1881 geflüchtet. Aber wir können ihn auch da nicht ungestört lassen. Wir wollen den Beweis führen, daß schon vorher die Socialdemokratie posittv ge» wirkt hat. März 1881 lag dem Reichstage der Gesetz« entwurf über die Unfallvcrsichernug vor und der erste Satz in den Mottven dieser Vorlage lautet folgendermaßen:„Bei der Beratung des Gesetzes vom 21. Oktober 1873 gegen die gemein- gefährlichen Bestrebungen der Socialdentokratte ist die Notwendigkeit anerkannt worden, die bedenklichen Erscheinungen, welche den Erlaß dieses Gesetzes notwendig gemacht haben, durch postttve Maß- nahmen zu bekämpfen."' Das kann nichts weiter heißen, als daß man die Forderungen dieser Partei, unsrer Partei, zum Gegenstand der Gesetzgebung machen wollte. In der Beratung hoü ein ALgeordneier herbor, er vcr- werfe den Entivurf, weil Methode wie Formel von der Socialdcmo- krntie herrühre. Schon Bebel habe im Jahre 1878 bei der Be- ratung der Unfallversicherung genau die Grundzüge deS heutigen Gesetzes von 1881 rntworfe». Die Thätigkeit der Socialdcinolratie hat also seit jeher sehr befruchtend gewirkt. Darüber braucht man nicht mehr zu streiten, daß wir das ganze bißchen Social- reforin noch nicht hätten, wenn nicht die Sociäldemokratie da wäre. Daß nur die Socialdeniokratie gegen diese Gesetze gestimmt hat, liegt daran, daß die Gesetze in ihren Grundlagen nicht das boten, was m a n billigerweise verlangen durfte. sSchr richtig! bei den Socialdemokratcn.) Zunächst war der Kreis der Versicherten viel zu klein. Die Krankenversicherung wurde in einer kleinlichen Weise an die bestehenden Zustände angeschlossen, so daß eine große Zersplitterung der Organisationen von vornherein eintreten mußte. Die Krankenversicherung ist infolgedessen nicht im stände, etwas Vernünftiges zu leisten. sSehr Ivahr! bei den Social- demokraten.) Auch Verslehen die Arbeiter es immer noch nicht, daß sie von vornherein auf ein Drittel ihrer Entschädigungs- ansprüche verzichten müssen. Das habe ich in meiner Thätigkeit als Arbeitersekretär fortwährend erfahren. Der- artige„ausgleichende" Grundsätze haben immer ihren Haken. Es ist so, als wenn ein behäbiger Bourgeois im Restaurant sein Beessteak ist, während da draußen ein hungernder Proletarier ihm zusieht. Da wird die„ausgleichende" Statistik feststellen, auf jeden der beiden sei im Durchschnitt ein halbes Beefsteak entfallen.(Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Keineswegs stichhaltig ist auch der neuerdings immer wiederholte Vorwurf, die Socialdeniokratie l e i st e keine positive Arbeit. So wünschen wir jetzt eine Bcrcinhcitlichung der drei Versichcrungsarten. Das Centruin aber bringt bei seiner sogenannten Socialpolitik der Regierung inimer gleich die Be- denken auf dem Präsentierteller entgegen. Der Staatssekretär hat in Bezug auf die Vereinheitlichung der Versicherung nichts Verbindliches versprochen, sondern hat nur von der Notwendigkeit eines gemein- snmen Unterbaues gesprochen. Möge doch diese Arbeit bald in Angriff gcnommcn lvcrden! Regierungsrat Dr. Zacher, Scnatspräsident im Reichsamt des Innern.' hält es ebenfalls für notwendig, der Vielheit der Versicherungsarten ein Ende zu machen. Der jetzige kolossale Apparat verursache 3ö Millionen jährliche Berwaltuiigökosten und stelle somit eine ungeheure national- ökonomische Bcrschwendnng dar. Der VcrwaltungSapparat umfaßt nach Dr. Zacher etwa l/i Million bei insgesamt 13 Millionen versicherten Arbeitern. Schlimmer noch ist die bestehende Rechtsunsicherheit und Rechts Unklarheit in, Ver- sicherungswesen. Durch die letzten Novellen ist das Verfahren noch komplizierter geworden, als es bisher war. Es besteht zum Beispiel Unklarheit darüber, welche Kasse bei einem Wechsel der Mitgliedschaft während der Krankheit die Unterstützung zu zahlen habe. Das preußische Ober-Verwaltungsgericht hat hier entschieden, daß die zweite Kasse die Unterstützung zahle» müsse, b a d i s ch e und württembergische Gerichte lvaren— n, einer Ansicht nach mit Recht— der entgegengesetzten Meinung. Achnlich liegt es mit der Frage, ob jemand, der durch Wechsel des Berufes in eine andre Ortskasse hat eintetcn müssen, neben der Zwangsversicherung in der zweiten Kasse die freiwillige Versicherung in der ersten Kasse beibehalten kann. Redner erörtert weiterhin einen Fall, in dem eine Armenverwaltung die Entschädigungs- summen einer Krankenkasse für sich in Anspruch genommen habe, und bittet den Staatssekretär, sich über diese Frage zu äußern. Dringend notwendig ist eine Vereinfachung des Streitverfahrens und die Schaffung eines einheitlichen Rechtsweges in der Versicherungs- Gesetzgebung. Noch einige allgemeine Bemerkungen. Wir sollen nicht genügend berücksichtigen, wie große Summen für die Versicherung der Arbeiter ausgegeben werden. Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß diese ganzen Leistungen der Ilnternchmer für die Arbeiter nicht mehr ausmachen, als 5 Pf. pro Tag Lohnerhöhung. Eine wirkliche Socialreform beginnt doch erst dann, wenn man nicht nur für die invaliden Arbeiter, sondern auch für die Arbeiter sorgt, die noch im Produktionsprozeß thätig sind. Aber da gehen die Interessen auseinander. Die Unternehmer »vollen sich ihre Profitrate nicht schmälern lassen, widerstreben daher jeder durchgreifenden Socialreform und»nachcn den Arbeitern die Ausübung des Koalitionsrechts so schwer wie möglich, die Arbeiter andrerseits streben nach einer Erhöhung ihrer Lebenshaltung, nach einen» größeren Anteil an den von ihnen geschaffenen Gütern, an der Kultur. Die beste Agitation für uns sind die Reden, die hier von Gegnern der Arbeiterklasse gehalten lvcrden. Wir werden in keiner Weite auch nur ein Jota zurückgehen,»vir werden immer zur Stelle sein, wenn es gilt, die Interesse,» der Arbeiter gegen den Kapitalismus zu verteidigen.(Lebhaftes Bravo! bei de,» Social- demokraten.) Hainburgischer Bnndesbevollmächtigter Syndikus Dr. Schäfer: Bei dem von Dr. Müller-Meiningen wieder erlvähi»ten Versamm- luilgsverbot handelt es sich um eine rein landespolizeiliche Frage, die lediglich nach Landesrecht zu enlscheiden ivar. Ich gehe auf die Berechtigung der hambrirgischen Polizeibehörde zu diesem Versammliingsverbot nicht»veiter ein, sondern hebe nur hervor, daß die harnbnrgische Polizei grundsätzlich keinen U>»ter- schied macht darin, ob Versammlungen von Männern oder von Frauen angemeldet sind. Das Verbot in dem konkreten Fall lag lediglich in der Art und Weise begründet,»vie vorhergegangene Versannnlungen derselben Rednern» verlaufen lvaren. Die darin anwesenden jugendlichen Personen lvaren nur durch die Hoffnung angelockt, pikante Sachen zu hören. Das hamburgische Vereinsrecht giebt der Polizei nicht das Recht, von einmal zugelassenen Versainmlungen jugendliche Personen auszn- schließen. Abg. Erzbcrger(C.): Herr v. Hehl hat daraus, daß wir den Zehnstunden-Antrag diesmal selbständig eingebracht haben, den Schluß gezogen, daß wir nicht mehr nn Verein mit den Nationalliberalen Socialpolitik machen wollten. Es lag aber nur an einem unglücklichen Zufall, daß wir den früheren Antrag Heyl-Trimborn diesmal ohne vorherige Verständigung mit dem Abg. v. Heyl eingebracht haben. Herr v. Hehl ist darüber auch von»ins verständigt worden, und ich be- greife eigentlich nicht, wie er zu einem Vorwurf kommt. Von der Rechten und den Nationalliberalen ist uns ein zu rasches socialpolitisches Tempo vorgeworfen worden, von der Social- dcmokratie wieder ein zu langsames Tempo. Das ist wohl ein Beweis dafür, daß wir die goldene Mittelstraße gehen.(Sehr richtig! im Centruni.) Die Socialdemokratie meint, wir als regierende Partei könnten jede socialdemokratische Forderung durchsetzen. Wir sind aber wiederholt in solchen Materien über st i m m t worden. Sie(zu den Socialdemokraten) haben mit Ihren 81 Mitgliedern doch auch einen großen Einfluß I Nun verlangen Sie(zu den Socialdemokraten) von uns, wir sollten eventuell den Etat ablehnen. Grillen berger hat früher solches Verlangen als eine„offenbare Bcrrücktheit" be- zeichnet. Sollen wir solche„offenbare Verrücktheiten" be- gehen?(Sehr gut! im Centrum.) Und meinen Sie, unser als sehr energisch bekannter Kaiser würde etwa das Heer auflösen und die Flotte ver- auktionieren, damit auch einige Schifflein auf dem Züricher See und dem Walchcn See herumfahren könnten?(Große Heiterkeit im Centrum.) Die äußerste Linke behauptet, wir erledigten die Socialpolitik in» Rainsch, indem wir unsre Initiativanträge als Etatsresolutionen wieder eingebracht hätten. Aber auf dem Dresdener Parteitag hat der Präsident Herr Singer dreizehn Initiativanträge glattweg»in R a m s ch erledigt.(Heiterkeit.) Es bestand eben keine AliSsicht, Initiativanträge zur Verhandlung zu bringen. Das hat Lcgien selbst für die vorige Session, wo viel weniger Initiativanträge eingebracht waren, in einem Artikel der„Socialistischen Monatshefte" vom Jahre 1001 anerkannt. Herr Dr. Müller- Meiningen hat uns Verschleppung der parlamen- .arischen Arbeit vorgeworfen: aber er sitzt im Glashause: wie war es denn vor drei Jahren Lei der lex Heinze?(Sehr gut! im Ceiitrum.) Er sagte, die freisinnigen Parteien machten den social- politischen Wcttlauf nicht mit: er mag sich beruhigen, wir haben das socialpolitische Laufen der Freisinnigen nie ernst genommen. Als ciftiger Leser des„Vorwärts" habe ich auch ein schönes Neujahrs- geschenk bekomnicn, den historischen Kalender für 1904. Ich lese daraus nur eine kleine Auswahl bis zum August vor. Der Abg. Fischer, der gerade dieser Produktioi» nicht fern st ehe»» dürfte, hat sich zu einer Redewendung verleiten lassen, die ich in Beziehung ans den historisckicn Kalender des„Vorwärts" so variieren möchte: „es giebt keine Infamie der Weltgeschichte, die er nicht für würdig erachtete, aufgenommen zu werden". Herr Fräßdorf hat wieder einmal von den Bettels nppen des Dr. Hitze gesprochen. Hat er das Buch dieses Mannes einmal in der Hand gehabt? Bebel, Singer, der„Vorwärts" haben sich nacheinander ver- anlaßt gesehen, diesen Vorwurf zurückzunehmen. Aber seit 28 Jahren geht die Socialdemoftatie damii krebsen. In Bezug auf Freiherrn v. Heyl sagte neulich der„Vorivärts": wenn er dies und jenes weiter behaupte, würde er sich der böswilligsten und harniäckigsten Ver- leumdung schuldig machen. Was soll man dann zu Ihrer Be- hauptung über Dr. Hitze sagen?! Die Männer, die sicki um die Social- Politik am meisten verdient gemacht habe», werden von Ihnen(zn den Soc.) am heftigsten angegriffen. Sie können ihin doch nicht verleiden, sich der Arbeirer anzunehmen. Aber eine Liebe ist der andern wert. Ich gestatte mir deshalb, einige Kochrezepte aus dem„Znkunftsstante" anzuführen. Herr Bebel bat sich mit seiner Schilderung der „zukünftigen Gesellschaftskiiche" in den Superlativen noch bei weitem von Herrn Stern übertreffen lassen. Nach ihm werden die Arbeiter in» Hotel speisen, was ihnen beliebt, eine höchst komfortable Wohnung haben und mit den öffent- lichen Hotels in Verbindung stehen, Telephon-, Bade- Einrichtungen usw.(Zwischenruf des Abgeordneten Bebel: Warum reden Sie nicht über die katholische Heiligen-Legende?) Tie katholischen Heiligen haben ihre Phantasie auf dieses Gebiet nie e r st r e ck t. Bischof Kettler, den Herr Wurm zum Erzbischof befördert hat, hat schon im Jahre 1848 grundlegende social- politische Predigten im Mainzer Dom gehalten. Einige Abgeordnete, lvie Löwe, haben ihn daraufhin sogar socialdemolratischcr Tendenzen beschuldigt. Ketteler war in keiner Weise von Lassalle be- einflußt, das zeigt die Vorrede zu seinem Buche„Das Christentum",»lud das zeigt seine praktische Thätigkeir in der Socialreform. Der Bries von 1804 ist ebenso alt wie echt. Ketteler wünscht darin nur Auskunft über eine Special- frage der P r o d u k t i v a s s o z i a t i o n e n. Aber L a s s a l I e s interessanter A n t w o r t b r i e f von» 2l. Januar 1864 cnihält die stelle:„Die Zeitungen haben meine Ansichten merkwürdig cnt- stellt, wenn sie mich in der unbedingten Gcwerbefreiheit das Heil für den Arbeiter sehen lassen. Die hat vielmehr Pauperismus und Proletariat geschaffen und unter ihr kann nur eine Ver- mehrung, nicht eine Verniinderung der llebel eintreten. Und 1869 hat v. Schweitzer erklärt, aus Bosheit für die Gewerbefreiheit zu stimmen. Auch das psychologische Rätsel Mehring hat L a s s a l l e und Ketteler als die beiden einzigen wirk- samcn Agitatoren großen Stils bezeichnet, die die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts kennt. Ich will aber keinen allzu großen Wert darauf legen, weil ich eine Gegen- rede des Dr. Braun nach dein Dresdener Muster fürchte. Wer der wirklich ehrliche Arbeiterfrennd war, Lossalle oder Ketteler, das beweist die Aeußerung LassallcS: Wir haben einen schweren Stand, denn der M o b i st groß, die Unwissenheit»in- glaublich.(Zurufe bei den Socialdemokraten.) Ich glaube, das dieser Ausdruck: der Mob ist groß! tief, sehr tief blicken läßt.(Sehr richtig! in, Centrum. Lachen bei den Socialdemokraten.) Zwei Gedanken hat Ketteler von Lassalle übernommen, die sich aber als Talmi erwiesen haben: die P r o d u k t i v a s s o c i a t i o n c n und das eherne Loh nge setz. 16 Jahre lang hat die Social- demokratie dies eherne Lohngesctz den Arbeitern als der Weisheit letzter Schluß vorgeführt, während die Führer schon längst von seiner Unhaltbarleit überzeugt waren. Und da hat Herr Wnrn» den Mut, gegenüber den» Centrum von Heuchelei zu sprechen.(Sehr gut! im Centrum). Herr Wurm hat mit einem ziemlich dentlichen Ruck Herrn Schippe! vor die Parteipistole gesetzt. Ich habe mir gedacht, unter Parteifreunden finde» doch solche Aussprachen nicht vor dem öffentlichen Plenum des Reichstages statt. Da hat man doch Gelegenheit, sich unter einander zu verständigen. Was Herr Schippet eigentlich gesagt hat, wissen wir heute noch nicht. Wenn aber Herr Wurm glaubt, sich mit besonderem Stolz auf das Pro- gramm berufen zu können, so erinnere ich ihn an das hochinteressante Werk seines Parteigenossen Dr. David über Socialdemo- kratie undLandwirtschaft. Dr. David weist da nach, daß die marxistische Lehre von der Konzeilttation der Betriebe für die Land- lvirtschast nicht zutreffe. Er sagt wörtlich:„Selten ist die Theorie durch die Praxis so zu»»besten gehalten worden, wie die marxistische Agrartheorie.(Hört! hört! rechts.) Damit setzt sich Herr David in den denkbar größten Gegensatz zu Aeußerungen des Herrn Bebel, und trotzdem hatte Herr Wurm noch vor drei Tagen den Mut zu sagen, daß die Social- demokratie ihr Programm nach wie vor unerschütterlich aufrecht er- halte. Herr Wurm hat anerkannt, daß auf dein Gebiet des Arbeiterschutzes bei uns viel geleistet sei. Es lväre aber nichts erreicht worden, wenn das Centrum und die widern bürgerlichen Parteien ebenso thöricht und taktisch unklug gehandelt hätten, wie die Socialdemokratie. lZuruf bei den Socialdemokraten: Im Gegenteil!) Ich niuß es entschieden bestreiten, daß»vir nur aus Furcht vor der Socialdemokratie für die Socialreform eintraten. Wenn auch kein einziger Socialdemokrat in, Hause wäre, so würde ich mich zn genau derselben Thätigkeit ver- pflichtet halten, wie jetzt.(Lebhafter Beifall beim Centrum.) Staatssekretär Graf Posadolvski: Herrn Patzig mache ich darauf aufmerksam, daß in den amtlichen Veröffentlichungen des Reichs- Versicherungsamtes wichtige Ent- scheidungen der Berufsgenossenschastei» bereits jetzt veröffentlicht werden. Es ist darin ein Fall a»ls Hamblirg mitgeteilt worden, in dem eine Rentenleistung der Berussgenosienschaft dem Arlnenverband überwiesen sei, weil dieser Armenpflege gewähre. Der Fall liegt so, daß nach dem llnfallvcrsichcrlnigs-Gcsetz§ 8 vom Jahre 1884 ganz unzweifelhaft Armeuverbände einen Erstattnngö- ansprach gegen Berufsgcnossenschaften nur erheben können bei Gleichheit der Größe der Leistlmg. Bei der letzten Revision des Unfallversicherungs- Gesetzes wurde dam» bestimmt, daß maßgebend sei die Zeit, das heißt, daß die Armeuverbände nur für die Zeit Regreßansprnch erheben könnten, für welche auch Rente seitens der Berufsgenossenschaft gewährt sei. Zweifellos ist nun nach der Ent- stehnngsgeschichte des Z 25 des Unfallversicherungs- Gesetzes, daß keineswegs beabsichtigt ist, etwa die Verfichertcn schlechter zu stellen. Meiner Meinung nach ist Gleichheit der Leistung in beiden Fällen nach wie vor erforderlich, wenn auch der Wortlaut des letzten Unfallversicherungs- Gesetzes gewisse Zweifel bestehen läßt. Jhering sagt einmal:„Je nachdem man bei der Aus- legung von Gesetzen an dem Worte hängen bleibt und in ihm den vollkommenen Ausdruck des Willens des Gesetzgebers ficht, oder über den Wortlaut hinaus den Gedanken des Gesetzes zu fördern sucht, übt man grammatikalische oder logische Interpretation. Das Ober- Verwaltungsgericht hat dadurch, daß es anerkannt hat. Gleichheit der Leistung müsse vorliegen, logische Interpretation geübt, wie sie geübt lvcrden mutz, Daß die Frauen berechtigt sind, gewisse öffentliche Zwecke zu verfolgen, erkenne ich durchaus an. Ich glaube aber, daß es eine Anzahl politischer Aufgaben giebt, die nicht Sache der Frauen sind. Herr Müller-Meiningen fragte, ob ich damit nicht nur die Auf- forderung des Biuidesrats im Gcgegcnsatz zu meiner eignen vertrete. Wie würde er darüber urteilen, wenn beispielsweise die E tauen der Mitglieder des Blindes der Landwirte in öffentlichen ersammlungen die Regierung aufforderte, die Zollsätze, die der Bund der Landwirte vertritt, zn acceptieren..Ich glaube, dann würde er doch diese Thätigkeit der Frauen für eine sehr bedenkliche halten.(Große Heiterkeit.) In Bezug auf ein Reichs-Vereins- gesetz habe ich allerdings erklärt, daß wenn Hoffnung bestände. mit diesem Hause ein solches Gesetz zu stände zu bringe»», man darüber reden könnte. Herr Müller sagte nun, er habe ein solches Gesetz fix und fertig Da fällt mir eine Er» zählung aus Jmmermanns Münchhausen ein. In einem Koffer lvar ein fronnncs und ein ziemlich leichtes Produkt der französischen Litteratur verpackt, und als der Besitzer den Koffer auspackte, waren die Seiten des französischen Buches ganz locitz: das fromme Buch hatte das französische bekehrt. Wem» ich sicher bin, daß, wenn die Regierung ein Reichs-Vcreinsgesetz einbringt und dies würde mir dem Gesetz des Herrn Müller-Meiningen znfammengepackt, daß dann unser Vereinsgesetz eine bekehrende Wirkung haben würde(Heiter- keit), dann würde vielleicht der Bundesrat bereit sein, ein solches Gesetz vorzulegen. Wir werden so oft moniert, daß wir in der Socialpolittk nicht schnell genug vorgingen. In der Medizin giebt es gewisse Stoffe» die. obwohl sie ein Heilmittel sind, doch vom Arzte nur in kleinen, vorsichtigen Dosen verordnet werden, damit man erst sehen könne, ob sie beruhigend oder aufregend wirken. Nach ganz demselben Rezept betreiben wir»nsre Socialpolitik.(Zuruf bei den Socialdemokraten: Ist das Gift?!) Eine Prüfung und Regelung der Verhältnisse der Arbeiter in den Verkehrsanstalten halte auch ich für erforderlich. Aber diese Arbeiter fallen nicht unter die Gewerbe-Ordnung, und zu solchen Erhebungen wäre zweifellos eine Uebereinstimmung der verbündeten Regierungen notwendig. Ob sie dazu geneigt sind, darüber kann ich heute noch keine Erklärung abgeben. Gegenüber meinen Ausführungen über die kaiserlichen Erlasse ist heute von den Herren Socialdemokratcn wieder die Priorität in Anspruch genommen worden für das, was auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes und der Arbeiterversicherung geschehen ist. Sie können aber doch nicht leugnen, daß den Grundstein die kaiserlichen Erlasse gelegt haben. Im übrigen aber halte ich es für das eigentliche Wesen der politischen Bildung, an jede Frage und jede Perion, sie sei, wer sie wolle, durchaus vornrtcilsftei heranzutreten. Ich halte deshalb diesen Streit, von wem irgendeine Anregung zu einer nütz- lichen That ausgegangen ist, für politisch recht gleichgültig.(Sehr richtig!> Derartiges inag bei den Wahlen seinen Wert haben, hier und für das deutsche Volk hat es keinen Wert. Wir werden das Nützliche und Verständige immer daher nehmen, woher wir es bekommen. Unser Hinweis auf das bisher in Deutschland geleistete soll keine Renommage sein— eine Regierung darf am allerwenigsten renommieren— aber diese Hinweise waren nur ein Akt notwendiger Verteidigung gegenüber der Socialdemokratie. die so oft die Socialpolittk der Regierung und der bürgerlichen Parteien als eine Reklamepolitik bezeichnet hat. Sobald von jener Seite das. was socialpolittsch gefchieht, vorurteilsfrei anerkannt wird, wollen wir von der Regierung nie wieder darauf z»irück- kommen, was wir geleistet haben. Anerkennung verlangen wir nicht, wir wollen nur dem öffentlichen Wohl dienen.(Beifall.) Abg. Jessen(Däne) kritisiert die vom„Berliner Lokal-Ai»zeiger" und in der offiziösen Korrespondenz des Herrn Schweinburg angekündigte Be» stimmuna der preußischen Verein sgesetz-Novelle, wonach Versammlungen in fremder Sprache dann nicht abgehalten werden dürfen, wenn kein der fremden Sprache »nächtiger, überwachender Beamter vorhanden i st. Es giebt wirklich dringlichere Aufgaben als das preußische Vereinsgesctz noch zu verschlechtern. Der Austritt eines Mitgliedes aus einem politischen Verein soll der Polizei an- gezeigt werden. Kürzlich ist ein Vorstand bestraft worden, weil er er ein verstorbenes Mitglied nicht abgemeldet hat.(Hört! hört! links.) Ueberhaupt werden die dänischen Vereine und Versamm- lungen in jeder möglichen Weise chicaniert. Die Lnndräte beeinflusse» mit allen möglichen Mitteln die Gastwirte, um de» Dänen die Säle abzutreiben. Die Amtsvorsteher werden in vertraulichen Schreiben aufgefordert, über den Erfolg dieser Bemühungen a» den Landrat zu berichten.(Hört! hört! links.) Die harten Urteile gegen deutsche Redatteure in Ungarn sind hier scharf an- gegriffen worden. Aber ich habe beim Vergleich der Urteile ge« ftinden, daß Ungarn doch erst einen schwachen Anfang gemacht hat. Preußens Urteile in Nordschlcswig zn erreichen, die noch viermal härter sind als die ungarischen. Ein Lied dänisch singen, kostet fünf Mark Strafe. Nächstens könnte man noch die lateinische Liturgie verbieten.(Heiterkeit.) In Jhnei»(nach rechts) steckt kein Funke von Achtung für Nationalität und Volkstum. Darauf vertagt sich das Haus. Persönlich benrerkt Abg. Fräßdorf: Ich habe bei dem Allsdruck „Hitzesche Bettelsuppen" gar riichl an die Person des Dr. Hitze gedacht. fondern habe nur einem Sprachgebrauche der sächsischen Arbeiter Ausdruck geben wollen, wonach solche Socialreform, wie sie hier gettieben wird, schlechthin als Hitzesche Bettelsuppen bezeichnet werden.(Abg. Müller-Fulda: Schlimm genug!) Abg. Wurm: Meine Aeußerung über Kettler hat Herr Erzberger nicht richtig wiedergegeben. Ich stelle ihm gegenüber fest, daß Ketteler Habgier, Genußsucht und Selbst sucht in Verbindung mit großer Not als Ursache des Hassxs der Arbeiter gegen die Reichen bezeichnet hat.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Wenn er ohne jede Berechtigung bchallptcr, Kettelers Worte bezögen sich auf die Reichen, so ist das eine sehr bequeme Kampfesweise. Abg. Erzberger: Herr Fräßdorf leugnet, die Person des Dr. Hitze genieint zu haben, hat aber»»ach de»»» Stenogramm nicht von Hitzeschen Bcttelsnppen, sondcrn von den Bettelsuppcn des Dr. Hitze gesprochen.(Fräßdorf: Nein! Hitzesche Bcttelsnppen.) Jedenfalls ift der Ausdruck erst von der Socialdemokratie nach Sachsen importiert worden. Herr Wurm muß zugeben, daß Ketteler ebenso wohl die Arinen wie die Reichen gemeint hat, also»ficht wie er zuerst sagte, nur die Arinen.(Zwischenruf von den Social- demokraten: Faule Ausrede!) Schluß der Sitzung 6'K Uhr. Nächste Sitzung»norgei» 1 Uhr.(Friedenspräsenzstärke in dritter Lesung. Fortsetzung der heutigen Beratung.) parlamentarifckes. Kanfmannsgcrichte. Die Kommission beschäftigte sich in ihrer Sitzung an» 5. Februar ausschließlich mit der Zuständigkeit der Kauftnannsgerichte in Streitigkeiten aus dem Konlurrenzklausel« Vertrage. Die Regierungsvorlage schließt die Streitigkeiten� an? dem Konkurrenzklansel-Vcrtrage'von der Zuständigkeit der Äanfmanns- gerichte ans. Müller-Meiningen beantragt, den»§ 5 Absatz 6 hinzu- zufügen:„Die Ansprüche ans Konventionalstrafen, insbesondere aus der sogenannten Konkunenzklausel. d. h. der Konventionalstrafe. welche für den Fall bedungen ist, daß der Handlungsgehilfe nach Beendigung seines AirstellungsvcrhältnisseS ein solches bei andren Prinzipalen eingeht oder ein eignes Geschäft errichtet." Trimbornle«rtnvcrwaUnng. gt. 3l 21.1�11!,. 2. Möge ilts„WWW" DerliNl AldsdlM. Ä«md»d.s.ktbtMim. )ZbgeorÄnetenkaus. tt. Sitzung, Donnerstag, den 5. Februar 1904, 11 Uhr. Slm MiMertische: v. Podbielski. Die zwei» Beratung des LandwirtschaftS-Etats wird fortgesetzt denn Titel„M i n ist e r g e h al t". Dazu lirgt vor ein A n t r a g Herold(C.) betr. Abänderung des I a g d p o l i z e i- G e s e tz e s. Abg. Wolsf lBiebrich, natl.j erklärt gegenüber den Angriffen des Abg. Herold auf die Nationalliberalen, seine Partei habe stets einen Schutz der Landwirtschaft auf der mittleren Linie erstrebt. Redner geht hierauf auf die Notlage der Winzer ein. Die auf das Weingesetz gesetzten Hoffnungen hätten sich nicht erfüllt. Die Regierung möge dafür sorgen, daff die Winzer ihre Produkte preiswert absetzen könnten. Abg. Graf Mottle>fk., fast unverständlich) wünscht die Errichtung einer landwirtschaftlichen Centralstelle, die unter Berücksichtigung aller preisbildenden Faktoren den Landwirten Auskunft über den Preis landwirtschaftlicher Produkte giebt. Abg. v. Oldenburg- Januschau Meine Freunde sind zwar zu einer generellen Revision des Jagdgesetzes nicht bereit, wohl aber zu einer erneuten Prüfung der im Antrag Herold erwähnten Be- stimmungen.— Weiterhin wünschen wir in Bezug auf den Kontrakt- bruch ländlicher Arbeiter 1. eine Bestrafung desjenigen Arbeitgebers, der einen kontraktbrüchigen Arbeiter aufnimmt; 2. die Bestrafung des Bennittlers, der dem kontraktbrüchigen Arbeiter die neue Stelle der- mittelt; 3. Bestrafung derjenigen, die zum Verlaffen der Arbeit rnid zum Kontraktbruch auffordern. lieber die allgemeinen Agrar- und Zoll fragen werden wir es uns nie nehmen lassen, hier zu reden. Das bildet geradezu ein nobile officium des preußischen Parlaments. Selb st Hilfe nützt den Landlvkrten nichts, so lange die Fundamente der Landwirtschast erschüttert sind. Das aber ist seit der Aera Caprivi und den Handelsverträgen der Fall. Die Rede des Ab- geordneten Dr. Hirsch war eine solche Fundgrube landwirtschaftlicher Irrtümer, daß einer allein das gar nicht alles glauben kann. (Grosse Heiterkeit rechts.) Für einen preußischen Landwirtschaftsminister würde es ein guter Befähigungsnachweis sein, wenn er einmal in die Lage käme, sein- Zinsen leihen zu müssen.(Mini st er V. Podbielski nickt. Heiterkeit.) Ich traue den» Landwirt- schaftsminister in dieser Beziehung ja etwas zu.(Große Heiterkeit.) Helfen Sie(noch links) der Landwirtschast nicht nur theoretisch, sondern auch pvktisch I Dazu habenSie in der Handels- vertrags-ikolitik Gelegenheit.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Dr. Becker(C.>: Einem Vertreter ländlicher Int er essen muß es schwer fallen, Millionen für den Bau vonBasserstraßen auszugeben, wo es den Bauern am Nötigster fehlt. Die ländlichen Schul- und Berkehrsverhättnisse bedürfen dvngend einer Verbesserung. Besonders im Argen liegen die ländlichrn Fortbildungsschulen. An allen diesen Uebelständen ist die Landwictschaft des Westens ebensosehr beteiligt wie die des Ostens.(Seifall im Centrum.) Abg. Loldschmidt(fts. Vp.): Mehrere Redner der Rechten und aus der Ritte haben unsrer Partei vorgeworfen, sie habe kein Herz für die Landwirtschaft.(Sehr richtig! rechts und im Centrum.) Die freisirnige Volkspartei hat aber stets Forderungen zu Gut st ender bäuerliche it Bevölkerung erhoben. Sie(nah rechts) stützen sich eben immer nur auf die Frage der Zölle und vemachlässigen alle übrigen Ratschläge. Aber seit 1878, dem Jahre, in dem die agrarische Schutzzollpolitik begonnen wurde, haben die stl-gcn über die Not der Landwirtschaft immer nur zugenommen. Die teisinnige Volkspartei ist nach bestem Wissen bemüht, der Landdirtschaft zu helfen, so sehr ihr zu helfen ist. Der Hinweis des Abg. Gamp auf die ländlichen S u b- h a sta t i o n e n i st>t i ch t st i ch h a l t i g. Kommen etwa auch die Haidels- und Gewerbetreibenden, die Konkurs g e n a ch t haben, und schreien nach Staatshilfe? Auch die vachscnde Verschuldung des ländlichen Besitzes ist kein Beweis für die wachsende Notlage der Landwirtschaft. Denn in- folxe der Zunahme der' Bevölkerung steigt natürlich der Wert von Grund und Boden, und der Gmndbesitz kann noch höher mit Hypotheken belastet w irden. Auch in Berlin hat die Verschuldung des Grund- beitzes eminent zugenommen. Aber deswegen kommen die Berliner Giundbesitzer nicht, wie Sie(nach rechts) mit dem Geschrei nach SstatShilfe.(Unruhe rechts.) Sie sollten das Verlangen aufgeben, doß die ganze Gesetzgebung auf einen bestimmten Stand zugeschnitten werde.(Oho I rechts.) Damit schaden Sie nicht nur der Allgemein- heit, sondern auf die Dauer auch sich selbst. Die Grundverschuldung der Landwirtschaft vorn im Osten ist dofpelt so hoch wie die der Landwirtschast im Westen. Das liegt damit, daß im Osten der Großgrundbesitz dominiert, im Westen ein kleinbürgerlicher Besitz, der umrahmt ist von einer industriellen Be- völleruvg. Sie im Osten sind ja gar nicht in der Lage, Ihre land- wirtschaftlichen Produkte billig nach dem Westen zu transportieren, da die Eisenbahnfrachten zn hoch sind. Trotzdem wehten Sie s i ch gegen die Schaffung einer Wasser- st r a ß- v o m O st e n nach dem Westen. Er(nach rechts) gründen Ihre ganze Politik auf rein materielle Jnterefen. Daher auch Ihre Vernachlässigung der ländlichen Fort- bildunisschulen I Aber ohne Bildung des Volkes ist kein lvirtschast- licher Fortschritt möglich. SZaS Koalitionsrecht für die ländlichen Arbeiter würde der Leute not steuern. Gerad; die jetzige Unfreiheit treibt die Land- arbeitet in die Städte.(Sehr richtig I links.) Ter Antrag Herold will an den Jagdvorständen nur die großen Grumbesitzer beteiligen. EL müßte aber Vorsorge getroffen werden, daß euch die kleinen bäuerlichen Besitzer im Jagdvorstande vertreten sind.— Meine Angaben über die ungenügenden Löhne der Forst- arbeirr hat der Minister in keiner Weise widerlegt. Er möge doch imnal eine Statistik darüber nachlesen, dann werden ihm diese arntet Arbeiter wohl selbst leid thun.— Eine Schweine-Einfuhr aus dem Auslande ist um so notwendiger, als wir in Deutschland nicht im fände sind, den ganzen Fleischbedarf zu decken.(Oho! rechts.) Die Landwirtschaft konnte allerdings dazu viel mehr fähig werden, wem sie den Körnerbau etwas mehr zurückstellen wollte. Die Schveinezucht ist eine Frage des Futters. Landwirtschaftsminister v. Podbielski: Meine Herren, bei der borserückten Stunde(Große Heiterkeit, da es erst 8/42 Uhr ist) werte ich mich kurz fassen. Abg. Goldschmidt hat die Verhältnisse des ViennarkteS falsch dargestellt.' Wir haben zur Zeit im Baterlande eine Ueberproduktion an Schweinen(Große Heiterkeit), sodaß die kleiltn Bauern ihre Schweine oft nicht absetzen können. Weiterbin hätt sich Herr Goldschmidt vor.seiner Rede über die Jagd- gejchgebung des Landes orientieren sollen. Bei uns besteht mit 300 Morgen ein selbständiger Jagdbezirk, infolgedessen kann der Grolgrundbesitz gar nicht an de» Jagdvorständen beteiligt sein. (Braw I und Heiterkeit rechts.) Darauf wird ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. Der Antrag Herold wird angenoniuten, der Titel„Mirnstergehalt" bewillgt. Sainit schließt die Debatte, der Titel wird bewilligt, ebenso bebatelos eine Reihe weiterer Titel. Seim Kapitel„Generalkommissionen" wünscht Abg. Stubbendorff(ftk.) Herabsetzung der Kosten im Auseinander- setzunisverfahren der Geiieralkommissionen und bemängelt, daß n i ch l e b e n s f ä h i g e R e n t e n g ü t e r gebildet würden. Lbg. v. Savigny iE.) fordert Verwaltungsreformen bei den Genealkommissionen. Das heutige Verfahren bedeute eine zu große Belastung der Gemeinden. Die Beamtenzahl der Generalkommission müffe verstärkt werden. Abg. Herold(C.) begründet einen von ihm gestellten Antrag auf Abänderung des Gesetzes von 1887 betr. die durch ein Aus- e i n a n d e r s e'tz tl N g s- V e r f a h r e n begründeten gemeinschaft- lichen Angelegenheiten, in der Richtung, daß die Verwaltung der gemeinschaftlichen Angelegenheiten neben dem Gemeindevorsteher durch eine Interessenvertretung unter Vorsitz des ersteren geftihrt wird, ferner daß neue Maßstäbe für die Kostcnvcrteilung geschaffen werden, und endlich, daß das Gesetz auf die sogenannten„Interessenten- Wege"(Wege, die nur von einem bestimmten Personenkreis benutzt werden dürfen) ausgedehnt wird. Abg. Christen(fk.) erklärt, daß seine politischen Freunde zum gtößten Teil den Antrag Herold ablehnen würden, da sich seine Tragweite nicht ohne weiteres übersehen lasse. Abg. v. Kessel(k.) beantragt namens seiner Freunde, den Antrag Herold der Agrarkommission zu überweisen. Der AntragHerold wird hierauf der Ag r a r k o m m i s s i o n überwiesen. Beim Kapitel„Landwirtschaftliche Lehr-An- stalten Je." bespricht Abg. v. Kessel(k.) die Denkschrift über die Entwicklung der ländlichen Forlbildungsschiilen. Er hält die Einführung der länd- lichen Fortbildungsschulen für schwierig, aber für wünschenswert. Auf die Gemeinden sollte jedenfalls kein Druck ausgeübt werden. Wo sie aber eingeführt würden, müßten sie obligatorisch sein, damit sich der Besuch lohne. Abg. v. Savigny(C.) wünscht, daß den landwirtschaftlichen Winterschulen durch die Fortbildungsschulen keine Konkurrenz gemacht werde. Für die Fachschulen müßten dieselben religiöse» Grundlagen gelten wie für die Volksschule, damit kein falscher Geist in die Jugend getragen werde. Abg. Lnders(ft.) wünscht, daß dem L a n d r a t die Beftignis eingeräumt werde, über die Errichtung von Fortbildungs- schulen zu entscheiden. Abg. Dr. Hcisigo schließt der Nachtrag,„sind mir provisorisch, vorbehaltlich ftderz-itigeiz Widerrufs genehmigt worden." FAsltast Geld. In letzter Zeit find wiederholt im Gewicht vor- sätzlich verristwerte Doppelkronen und falsche Zweimarkstücke bayerischen Gepräge«?nit der Jahreszahl 1002, Münzzeichen v, sowie falsche Dreimarkstücke sächsischen Gepräges mit der Jahreszahl 1800 in Verkehr gebracht worden. Die Doppelkronen haben ein Minder- gewicht von ca. IV« Gramm, ungeachtet dessen aber einen Klang wie volltvichtige Stücke. Die Zwei- und Dreimarkstücke find von guter Prägung, die Dreimarkstücke tragen ober statt des richtigen Münz- zeichenS? das falsche Zeichen B. Es wird ersucht, Verausgaber derartiger Stücke polizeilich feststellen zu lassen. Alter Schwindel in neuer Auflage. Das Polizeipräsidium teilt «tlt jEin Schwindler, der feit Jahren sein Unwesen hier getrieben Und Zraufleute und Gewerbetreibende jeder Art zu brandschätzen ver- ftmtdejtz bat, ist endlich in der Person des Tischlers Georg Krüger mw d/x.KriPerftraße ergriffen worden. Er war in einer Fabrik be- schäftW' und verdiente monatlich 160 M. Doch dies genügte ihm nicht,' denn er hatte sich im Laufe der Zeit Bedürfnisse angewöhnt, die Iveit über seme Mittel hinausgingen. So verfiel er darauf, sie durch„billige Einkäufe" zu befriedigen. Er suchte sich aus dem Adreßbuch irgend eine beliebige Adresie aus, wählte dann in einen, Geschäft in der Nähe den Gegenstand, den er gerade brauchte, und ließ ihn sich zu einer bestimmten Zeit an die dem Adreßbuch ent- nommene Adresse schicken, quittierte Rechnung sollte beigefügt werden. Mißtrauische Geschäftsleute überzeugten sich in, Adreßbuch, daß der Däuser wirklich, wie er angegeben hatte, wohnte und beruhigten Wenn sie dann die ausgesuchte Ware hinschickten, be- »cgntte.dcr Käufer regelmäßig dem Boten auf der Treppe, hatte es und ließ sich das Packet übergeben, während der Bote nach »er Wohnung gehen und sich das Geld dort, abholen sollte. Dort wurde der Bote natürlich, weil man nichts bestellt und auch nichts erhalten hatte, abgelviesen. Neulich erkannte ein junger Mann in einem Geschäfte den Schwindler, den er aus seiner ftüheren Stellung her kannte, und veranlaßte die Festnahme. Die Polizei fand bei ihm ein reiches Lager von erschwindelten Gegenständen, Taschentüchern ,md Strümpfen an bis zum Zubehör eines Segelbootes in Grünau.— Geschädigte, die noch keine Anzeige erstattet babcn, können dies jetzt noch auf jedem Polizeirevier und im Zimmer 43 des Polizeipräsidiums thun. Brandsliftinig. In Schrecken versetzt wurden die Bewohner des Hauses Boyenstr. 38, als sie zu später Abendstunde einen brandigen Geruch wahrnahmen.- Sofort wurde eine eingehende Untersuchung vorgenommen, die zu einem überraschenden Ergebnis führte. Im linken Seitenflügel waren ans der Bodentreppe und hinter Holzlatten Klcnipäne und Papier— init Petroleum getränkt— angezündet worden. Die Masse schwälte aber noch, und eine helle Flamme halle sich noch nicht entwickelt. Der Brand konnte„och in seinen Anfängen erstickt werden. Vielleicht ist der Brandstifter gestört worden und hat das Weite gesucht, bevor er seinen verbrecherischen Plan durchgeführt hatte. Eine kleine Ehctragödie spielte sich in dem Hause Andreasstr. 70 ab. Die Arbeiter August Sternbergschen Eheleute lebten nach einer vierjährigen Ehe in Unfrieden, weil der 27 Jahre alte Ehemann dem Kvricnspiel zuneigte und daher zu wenig Geld von seinem Verdienst nach Hause brachte. Nach einem Streit ging die Frau am Sonntag mit' ihrem kleinen Kinde zu ihren Eltern nach der Kleinen Markus- slraßc 11. Als sie am Donnerstagmorgcn die Wohnung in der Andrcasstraße noch einmal betreten wollte, um etwas zu holen, er- hicl, sie keinen Einlaß. Nachdem ein Schlosser die von innen ver- schlojjene Thür geöffnet hatte, fand Frau St. ihren Mann tot im Bett liegend auf. Er hatte sich mit einem Revolver eine Kugel in das Herz geschossen. Hausbewohner hörten am Abend vorher um 8' Uhr einen Knall, achteten aber nicht weiter darauf. Die Leiche ■j wurde beschlagnahmt. •1 Polizeilich als vermißt gemeldet tvurdcn im Monat Januar 98�13 Personen, von welchen sich acht wieder bei ihren Angehörigen eingefunden haben. Zwei der Verschwundenen hatten Selbstmord verübt und es wurden deren Leichen im Spreekanal gelandet. Ver- schollen ist das Dienst», ädchen Anna Fuhrmann, tvclches die in der Steglitzerstr. 34 belegene Wohnung ihrer Herrschaft Anfang vorigen Monats verließ unv deren Verbleib trotz sorgfältigster Recherchen seitens der Kriminalpolizei nicht ermittelt loerdcn konnte. Ebenso rätselhaft ist das Verschwinden der 27jährigcn Arbeiterin Louise Herms, Turmstr. 77, und des Dienstmädchens Schröder aus der Chausseestr. 77. Fciicrmcldungc». Gestern früh um 3 Uhr kam in der Melchior- straße 23 in einem Kesselhause Feuer aus, das durch cnergifcheS Borgehen der Feuerwehr und kräftiges Wafscrgeben auf das Kessel- Haus beschränkt werden konnte. In der Mühlenstraße auf dem Schlesischen Güterbahnhof, in der Petersburgerstr. 74, Reinicken- dorierstraße 64, Wiesenstr. 33:c. mußten kleinere Brände gelöscht werden. Ein Schwindler- Ehepaar treibt gegenwärtig in Berlin und den Vororten sein Unwesen. Gestern ist ihn, eine Familie in Charlotten- bürg zum Opfer gefallen. Dort trat in Begleitung einer Frau ein Mann zu einem Vermieter ein mit der Angabe, daß seine Ehcfran, die er als Monteur seit Jahr und Tag nicht gesehen habe, aus Bernburg zum Besuche eingetroffen sei und bis zum nächsten Tage verweilen werde. Er begehrte eine Wohnung, die er dann auch für sich allein behalten würde. Die Eheleute, die einen Koffer mit sich führten, verkehrten sehr zärtlich miteinander und blieben gleich in der gemieteten Wohnung. Natürlich hatten sie sich nach der langen Trennung vieles zu erzählen und wurden von den Wirtsleuten ungestört gelassen. Schon am nächsten Morgen sollten den Vermietern dje Augen über das verliebte Ehepaar aufgehen. Es hatte die Nacht benutzt, um die Wohnung gründlich zu plündern: Betten, Spiegel, Uhr und was irgendwie fortzubringen war, hatten sie den ahnungs- los schlafenden Wirtsleuten fortgenommen. Der Mann, 1,70 Meter groß, hatte ein rotes, anscheinend gedunsenes Gesicht, zeigte eine lächelnde Miene, hatte eine Schmarre über der Nase, einen dunklen Schnurrbart und trug einen grauen Mantel mit Gurt. Die Frau, etwa 32 Jahre alt, ist untersetzt, hat ein fahles Aussehen und ist daran kenntlich, daß ihr einige Schneidezähne fehlen. Sie trug ein dunkles Kleid, ein schwarzes Jackett und einen fchwarzen Federhut. Die Neue Freie Volksbühne bringt für die fünf Abteilungen ihrer Mitglieder an den nächsten fünf Sonntagnachmittagen s7., 14., 21., 28. Februar und 6. März) Ibsens Schauspiel„Rosmersholm" unter der Regie Friedrich Moest zur Aufführung. Orgelkonzert. Den Dienelschen Orgelvortrag in der Marienkirche am Montag, den 8. Februar, abends?>/« Uhr, werden Frau Louife Nieten-Welter, Frl. Marianne Wolff, das Damen-Terzett der Ge- schwister Else, Gertrud und Rosa Paetzold, Herr Paul Bronsch, der Cellist Herr Armin Liebermann, Herr Paul Schnyder und Herr Leopold Behrends unterstützen. Der Eintritt ist frei. Bclle-Alliancc-Theatcr. Seit Menschengedenken toar das Haus in der Tcmpelhofcr Vorstadt vom Unglück verfolgt: Pleiten und DirektionSwcchsel überstürzten sich alljährlich. Das ist jetzt anders geworden. Das Thalia- Theater hat im Schatten der großen Dragonerkasernc eine Filiale eröffnet und mit einem Male scheint das Geschäft flott zu gehen. Helmerding, Else MannowiuS, Gerda Walde und Ernst Kettner ernten Mammon und Lorbeeren, und gestern konnte vor ausverkauftem Hause gar eine besondere Nummer vom Stapel gelassen werden.„Götterweiber" hieß der nicht ganz nebensächliche Titel der von den Hausdichtern des Thalia-Theaters hergerichteten Burleske. Götterweiber im Sinne des großen Adolf Ernst waren eS, welche in schweren Massen über die Bühne schritten: sie traten auf im altgriechischen Gewände, in Civil sowie als Trommel- corps im militärischen Phantasiekostüm. War auf die Kleidung der Choristinnen schon ein schweres Stück Geld verwendet worden, so gingen die Sterne der Bühne, wie Else Mamiovius, Gerda Walde und Helene Ballot, geradezu märchenhast gekleidet. Und doch waltete eine weise Oekonomie über die Prachtwerke der Finna Hugo Baruch u. Co., denn in der Bekleidung des Körpers sowohl der sehr Hervonagenden wie der nicht sehr hervorragenden Künst- lerinnen war oben und unten alles init äußerster Knappheit bemessen. War nun auch auf diesen Teil der Ausstattung hervor- ragend Bedacht genommen worden, so fehlte es doch auch sonst nicht an originellen Ueberraschungen. Im ersten Akt tanzten Helmerding und Gerda Walde einen„Kikapoo" genannten amerikanischen Tanz, der noch gräßlicher ist als der berühmte Cakewalk, und an das Hopsen eines Rängnrupaares erinnert. Dabei müssen Leute aus dem Publikum ein mörderisches Geschrei erheben, als ob sie ihr Einttittsgeld wieder haben wollten. Dieses Publikum trat in der Gestalt eines Weißen und eines Negers in den beiden Seitenlogen in Aktion. Noch mehr überraschte ein andrer sehr gelungener Scherz der Verfasser. Im ersten Akt sah es so aus als ob Handlung in dem Stück vorkommen sollte. Helmerding als ein ins Privatleben retirierter Schauspieler that furchtbar eifersüchtig und suchte durch fingierte Liebesbriefe seinem unschuldigen Frauchen Fallen zu stellen. Das führt zu bunten Verwickelungen. In den beiden folgenden Akten aber stellte sich diese Beigabe zur Ausstattungsburleske wie gcfagt als viclbelachtcr Scherz heraus: von Handlung war keine Rede mehr und die Unterhaltung that sich nach Gebühr in Couplets, Kalauern und Gruppcnvorstcllungen genug. Das Publikum blieb bis zum Schluß vergnügt und konnte sich nicht satt sehen an den zu Dutzenden auftretenden Götterweibern. Aber auch die Männer waren nichr ohne. Helmerding als Kaiser der Sahara z. B. ist eine Nummer, die man ebenfalls gesehen haben mutz. Die Leitung des WiutergartenS hat als Hauptattraktion ihres neuen Februarprogramms lvieder Clöo de Mvrode engagiert, deren graziöse Kunst schon früher an dieser Stätte stolze Triumphe gefeiert hat. Inmitten ihres„Corps de Ballet", dessen Tanzleistungcn den ihrigen gewissermaßen als dekorative Folie dienen, fand sie auch gestern bei der eleganten Herrenwelt reichen Beifall, obgleich trotz aller Pariser Toilettenkünste die„schöne" überschlanke Clso dem Alter ihren Tribut zu zollen beginnt. Für Körperfülle scheint der LandeSvater des Kongostaates beim schönen Geschlecht nicht zu schwärmen, abgesehen von jenem wichtigen Körperteil, der bekanntlich bei den Hottentotten am stärksten entwickelt ist— vielleicht eine allergnädigste Konzession seiner Majestät an den Geschmack ihrer getreuen, Ichwarzen Unterthanen. Außer durch Clso ist die leichtgeschürzte Kunst noch durch die graziöse Signora F i o r e n t i n i vertreten, während die Brother? D a m m sich als vorzügliche Akrobaten und die sechs weiblichen Mitglieder der K a u f m a n n- T r u p p e sich als fesche, durch die Sicherheit ihrer schwierigen Exerciticn imponierende Kunst-Radfahrerinnen erweisen. fetteren Beifall erntete ferner Herr B e r n a r d i als humoristischer erwandlungsschauspieler, namentlich für seine gelungene Imitation der Komponisten Wagner, Rossini, Gounod, Mascagni, Liszt, Meyerbcer, Verdi und schließlich des Größten von allen: des ameri- kanischen Marsch- und Walzerkönigs Sousa. Alles in allem ein auch hochgespannten Anforderungen genügendes Programm. Zum Gedächtnis an de» bevorstehenden IVO. TodcStag von Kant wird Sonntag, den 7. Februar, nachnuttags 6 Uhr, Direktor Archenhold auf der Treptow- Stern warte über„Die Kant- Laplacesche Entstehungshypothese unsrcS Planetensystems" sprechen. Im Anschluß an den Vortrag wird mit dem großen Fern- rohr der A n d r o m c d a- N e b e l gezeigt, welcher von allen'Ur- nebeln dcS Himmels am besten die Kantsche Vorstellung illustriert. DaS Thema dcS Sicbenuhr-Vortrages lautet:„Die Bewohnbarkeit der Welten". /Zus cien dfackba,'orten. Von der Hofjagd. Infolge eines Unfalls bei der letzten Hof- jagd, die im Beisein des Kaisers und des Kronprinzen vor kurzem ans dem hinter dem Neuen Palais belegenen Golmer Bruch auf wilde Kaninchen und Fasanen stattfand, liegt der Kommandeur des Garde-Jäger-Bataillons in Potsdam, Oberstleutnant von Bodien sehr schwer verletzt danieder. Durch einen Schützen wurde derselbe bei der Jagd aus Unachtsamkeit angeschossen und nach dem Sankt Josephskrankenhaus in Potsdam gebracht. Da jetzt die Wundrose hinzugetreten ist, erscheint der Zustand des Offiziers recht besorgnis- erregend. Schöncbcrg. Seit Jahren fordert die arbeitende Bevölkerung unsrcr Stadt eine städtische B a d e a n st a l t. Vor kurzem hat der Magistrat nun ein Projekt ausgearbeitet, das aber so unbrauchbar war, daß es in der gestrigen Äusschutzsitzung einstimmig abgelehnt wurde. Der Magistrat wurde ersucht, ein neues Projekt vorzulegen, Ivorin folgende Forderungen zu berücksichtigen Ivären: Da das in Aussicht genommene Grundstück allen Anforderungen im Laufe der Zeit nicht genügen dürfte, so sollen in sämtlichen Stadtbezirken Anstalten mit je 15 bis 20 Brausebädern nach dem bekannten Prof. Lassarschen Vorschlage errichtet werden. und zwar in der Weise, daß noch in diesem Jahre mindestens eine Anstalt im sogenannten Jnselviertel(jenseits der Ringbahn) dem Verkehr übergeben werden kann. Nach dem Urteil Sachverständiger könnte schon in drei Monaten ein solches Gebäude in gefälliger Form hergestellt werden. Von einem Fallenlassen de? Projektes einer großen Badeanstalt mit Schwimmbassin:c. sollte jedoch keine Rede sein. Bestehen doch bereits in verschiedenen Städten, z. B. Hamburg,- Dresden, Leipzig usw. diese Lassarschen Brausebäder. Aus Wilmersdorf. Die Angriffe, welche der Vorstand de? hiesigen liberalen Vereins in der mehrfach erwähnten Angelegenheit des G r u n d st ü ck S v c r k a u f s sowohl gegen die Gemeinde- Vertretung als insbesondere gegen den stellvertretenden Amts- und Gemeindevorsteher R a in in r a t h als den Mitbesitzer des in Frage kommenden Grundstücks erhoben hat, sollen jetzt die G e r i ch t e be- schäftigen. In den„Wilmersdorfer Nachrichten" vom Sonntag be- fand sich eine Einsendung des erwähnten Vereinsvorstandes, worin von neuem Herrn Rammrath nachgesagt wurde, daß er seine amt- liche Stellung dazu benutzt habe, um für seine Tasche Nutzen zu ziehen. Diese Anschuldigung hat jetzt den Landrat v. Stubenrauch veranlaßt, dem Herrn Rammrath aufzugeben, gegen den Vorstand des liberalen Wahlvereins die Beleidigungsklage anzustrengen. Von dem Ausgang dieser Klage soll dann die Einleitung eines Disciplinarverfahrens gegen den stellvertretenden Amts- und Ge- meindevorsteher abhängig gemacht werden. Es kommen als Be- klagte folgende Herren in Betracht: Amtsgerichtsrat G a u l k c. Lehrer K ö p p e, Maurermeister G o ch t, Kaufmann Heine, Dr. S o l d i n. Dr. B a ck tv i tz, H. G e l e n g, L. Sauer und A l b r e ch t. Da die Zahl der Zeugen in diesem Prozeß voraus- sichtlich die Zahl der Beklagten noch erheblich überschreiten wird, so kann man sich auf einen kleinen Monstrcprozeß gefaßt machen. Die Neuwahlen zur Genicindcvcrttctuug werden für die dritte Klasse voraussichtlich an den drei Tagen vom 21. bis 23. März vorgenommen werden. Es stehen in dieser Klasse vorläufig zwei Mandate, nämlich das unsres Parteigenossen N a t u s ch und das des bürgerlichen Gemeindcvertreters Henze in Frage. Außerdem ist damit zu rechnen, daß von den in der dritten Klasse vor zwei Jahren neugewählten Gcmeindevertretern entweder ein oder gar zwei Vertreter der dritten Klasse ausgelost werden. Die Wahlen finden für den Ort gemeinsam in einem Wahllokal statt. Unsre Parteigenossen thun gut, sich j e tz t schon für den W a h l k a m p f zu rüsten. Schmargendorf. Das Deficit im GcmeindehauShalt beträgt für das Jahr 1002 43 000 M., wird aber auS den Einnahmen des Jahres 1003 gedeckt. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung gab der Vorsitzende der Rechnungskommission Bericht über die Ab- rechnung, operierte aber nur mit Endzahlen. Entgegen früherem Brauch war die Rechnungskommission nicht zu der Sitzung zugezogen. Gegen die unzulängliche Revision der Abrcch- nung vom Rathausbau hatte ein Mitglied der Kommission Protest eingelegt. Wer nun etwa erwartet hatte, daß jetzt eine gründliche„Abrechnung mit dein Gemeindevorsteher er- folgen würde, sah sich völlig getäuscht. Die Kosten für da? Rathaus belaufen sich auf 414 000 M., obwohl dieselben nur auf 185 000 M. veranschlagt waren. Im Oktober 1002 war dem Gemeindevorsteher aufgegeben worden, die Mehraufwendungen unter Vorlegung des einschlägigen Materials und der Kosten- anschlüge nachttaglich zu begründen und für die inzwischen bereits geleisteten Mehrausgaben innerhalb drei Monaten nachträgliche Bewilligung nachzusuchen." 15 Monate sind ins Land gegangen, ohne daß der Gemeindevorsteher diesem Beschlüsse nachgekommen wäre. Nicht einmal die als Oppositionelle gewählten bürgerlichen Vertreter fanden für diese Nichtachtung der Beschlüsse ein kritisches Wort. In trauter Harmonie nnt den Anttstreuen erteilten sie Decharge und erwiesen sich somit als unfähig, Gemeinde- interessen zu vertreten. Es wird bei der bevorstehenden Wahl Auf- gäbe der Arbeiterschaft sein, dafür zu sorgen, daß diese Herren durch Socialdemokraten abgelöst werden. Aus allen politischen Wahl- kämpfen des Vorjahres ist die Socialdemoiratie als die stärkste Partei hervorgegangen. Der freigewordene Sitz in der Gemeinde- Vertretung gebührt nur der Socialdemokratie. Versammlungen. Sechster Wahlkreis. Der Socialdemokratische Wahlverein hielt am Dienstag in Wernaus Saal eine Distriktsvcrsammlung für die Schönhauser Vorstadt ab. Genosse Bartels sprach daselbst über den„Ursprung der Familie". Gestützt auf die wissenschaftlichen Forschungen Morgans und deren Ergänzungen durch Engels legte der Referent in populärer Weise die Entwicklung des Familien- lebcns und die mit den verschiedenen Zeitperiodcn wechselnden Sittlichkeitsbegriffe von der Wiege der Menschheit an bis zur Gegen- wart klar. In treffenden Worten charakterisierte er zum Schluß die Moralheuchelei in den Kreisen der heutigen Staats- und Gesell- schastsstützen, wie sie uns aus deren lediglich ans Geldheirat basieren- den Ehen tagtäglich entgegenlcuchtet. Eine Diskussion schloß sich an den beifällig aufgenoinmenen Vortrag nicht an. Eine öffentliche Flicscnlegcr-Versammlung, einberufen vom Ver« trauenSmann der Fliesenleger Deutschlands, tagte am Mittwoch in Wendts Fcstsälcn, um gegen die Abmachungen, die die„Freie Ver- einigung der Fliesenleger", eine sogenannte„blaue" Organisation. die nicht mit der Freien Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands verwechselt werden darf, mit den Firmen Rosenfeld, Villeroy u. Boch und E m i l E n d e getroffen hat, zu protestieren. Als in diesem Sommer die Fliesenleger in die Lohnbewegung traten, nahmen die von der zuerst erwähnten Freien Vereinigung nicht daran teil mit der Begründung, sie hätten einen Tarifvertrag mit den Unternehmern, der bis zum 1. Februar 1004 gelte und den sie ans keinen Fall brechen könnten; wenn dieser Vertrag abgelaufen sei. würden sie das Versäumte nachholen. Im übrigen versprachen sie, sich bei der Bewegung neutral zu verhalten, was sie aber, wie der Referent Franz Wagner und andre in der Ver- sammlung ausftihrten, durchaus nicht gethan haben. Nun hat jene Freie Vereinigung mit den genannten Firmen einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen, der sich von den in diesem Sommer durch die Freie Vereinigung der Fliesen- leger Deutschlands und die Sektion der Fliesenleger des Maurxr- Verbandes mit den Unternehmern getroffenen Abmachungen, durch die Festlegung von Klassenlöhnen unvorteilhaft unterscheidet. Beim Uebertritt in die Branche soll der Lohn— wie das auch nach dem im Sommer geschlossenen Vertrag der Fall ist— der ftcien Vereinbarung unterliegen, danach erst auf 75 Pf., dann auf 77,/.2 Pf. und erst nach vierjähriger Thängkeit in der Branche auf 80 Pf. steigen, also auf den Lohnsatz, der im Sommer als der eigentliche Minimal- lohn festgelegt wurde. Diese Sondcrabmachungen, die auch noch einige andre unglückliche Bestimmungen, wie zum Beispiel die, daß die erste Ueberswnde mit nur 10 Pfennig Aufschlag bezahlt ivird, enthalten, tvurdcn vom Referenten als durchaus verwerflich bezeichnet. Ferner wurde der sogenannten„blauen" Organisation Terrorismus, Streikbruch und dergleichen vorgeworfen. wogegen die Vertreter dieser Richtung entschieden Widerspruch erhoben. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien. Schließlich wurde unter lauten Protestrusen der„Blauen' eine Resolution angenommen, in der das Vorgehen ihrer Vereinigung aufs schärfste verurteilt und gegen die Sonderabmachungen mit den Firmen R o sen feld, Villeroy u. Boch und Emil Ende protestiert wird. Charlottcnburg. Am 28. Januar hielt der hiesige socialdemo« kratische Wahlverein seine Generalversaiiimlung im Volkshause ab, in welcher Reichstags-Abgeordneter Genosse B a u d e r t unter großem Beifall über:„Was lehrt uns der Kampf in Crimmitschau"? sprach.— In der Diskussion sprachen die Genossen Flemming und Eike im Sinne des Referenten und forderten zur Agitation für die Organisation auf. Hierauf gab Genosse Vaake den' Bericht deS Vorstandes, welcher sich auf die Zeit von April bis Januar erstreckte. Es haben dem- nach stattgefunden 28 Vorstandssitzungen, sechs Versammlungen des Wahlvereins, 20 öffentliche Versammlungen und zwölf Flugblatt- Verbreitungen.— Den Kassenbericht gab Genosse Müller, der trotz der vielen Wahlen. Ivelche im Laufe des Jahres stattgefunden haben, eine zufriedenstellende Bilanz vortragen konnte. Den Bericht der Parteispedition gab der Spediteur Genosse Schare nberg, welcher gleichfalls der Versammlung ein gutes Resultat mitteilte.— Der Vorstand wurde bis zum April in semer bisherigen Zusammen- setzung belassen. Im Anschluß hieran bestätigt die Versammlung die Genossen D i e tz als BczirkSführer für den ersten Bezirk, Muck für den Bezirk Sa. Riede r für den fünften und den Genossen Oberländer für den siebenten Bezirk. Den Bericht von der Generalversammlung des Kreises erstatteten die Genossen Müller und R o s e n t h a l. Eine lebhafte Debatte vcranlaßte die von der Generalversamm lnng des Kreises angenommene Resolution, worin sich dieselbe mit der Haltung der Fraktion gegenüber dem RawtragSetat für Südwest afrika nicht einverstanden erklärt. Es wurde nachstehende vom Genossen B a a k c eingcbrachtcResolution gegen eine starke Minderheit angenommene Die heutige Generalversamnilung des socialdemokratischen Wahl- Vereins fiir Charlottenburg hält es für richtig, wenn Resolutionen allge- meiner Natur, wiediejenige. die dieStimmenrhaltung derFraktion beider Abstimmung über den Rachtrags-Etat für Südafrika kritisiert, vor ihrer Verhandlung auf der Generalversammlung des Centralvereins den einzelnen Orten zur Beschlußfassung unterbreitet werden, damit die Delegierten mit Instruktionen versehen werden können. Im übrigen erklärt sich die Versammlung mit dem Beschluß der Fraktion und seiner Begründung durch den Genossen Bebel einverstanden — Es wurden 103 neue Mitglieder aufgenommen. Genosse Baake teilte dann noch mit. daß die Nachwahlen fiir das Stadtverordneten- Parlament am 9. Februar stattfinden. Die Zahlstelle Weißcnsee des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes hielt am 28. Januar eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab. Kirchner gab zuerst den Kassenbericht vom 4. Quartal. Danach betrug die Einnahme der Verbandskasse inklusive des Be- standes vom vorigen Quartal 2ö3S,g9 M., die Ausgabe 1427,65 M.. bleibt ein Bestand von 1107,84 M. Die Einnahme der Lokalkasse war mit dem Bestände vom 3. Quartal 5975,84 M. Ihr stand eine Ausgabe von 713,48 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 5259,33 M. verbleibt. Die Mitgliederzahl hat sich erfteulicherweise gehoben. Sie stand am Anfang des 1. Quartals auf 253 und ist bis Ende des 4. Quartals auf 413 gewachsen. Hiervon sind 405 voll- berechtigt. An Arbeitsloseu-Unterstützung lvurde ausgezahlt im 1. Quartal 273,30 M., ini 2. Quartal 280,80 M., im 3. Quartal 123 M. und im 4. Quartal 90,80 M., in Summa 767,90 M. Nachdem die Obleute der Kontroll- Kommission ihre Berichte gegeben hatten, erfolgte die Neuwahl derselben. Es wurden gewählt: Meinike, Lippmann, Hein, Gröger, Kohlschmidt und Demmig. Die nächste Mitgliederversammlung wird sich jedoch mit einer Nachwahl beschäftigen, da die gewählten 3 Obleute zu wenig sind, und aus Jnteressenlosigkeit in dieser Versammlung eine größere Stärke nicht zu stände kam.— Den Bericht der Arbeits- nachlveis-Kommission gab S ch l e n n i n g e r. Es wurden im ver- flossenen Jahre 73 Arbeitsstellen bei 25 Unternehmern vermittelt. Klage wurde darüber gefiihrt, daß der Berliner Arbeitsnachweis nach Weißensee vermittelt. In die Arbeits- Nachweis- Kommission wurden gewählt: Emil Drohne, Kittler. Dehnert, Krause, Bernhard, Schnell und Weber.— Als Delegierter zum Gewerkschaftskartell wurde Michaelis gewählt. Sodann erfolgte die Wahl der Delegierten für die am 21. und 22. Februar im Gcwerkfchaftshause stattfindenden Gaukonferenz. Es wurde Schröder und Kirchner gewählt. MS Diäten schlug Schröder namens der Verwaltung pro Mann 16 M. vor. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt und 12 M. festgesetzt. Hierauf legte Schröder sein Mandat nieder und wurde an dessen Stelle Skala gewählt. Beschlossen wurde noch, den beiden HilfS- kassieren: pro 8 M. vierteljährlich zu gewähren. Ter Wahlverein für Maricndorf hielt am 2. Januar eine äußerst stark besuchte Mitgliederversammlung ab. Dieselbe nahm zunächst den Bericht von der Kreis-Gcneralvcrsammlung entgegen. Tie Wahl der Funkrionäre ergab als Revisor Löggow. Lokal- kommissionsmitglied für Mariendorf O. Göhl, für Marienfclde Schliebner. Als Beitragssammler fungieren für Mariendorf Heiz und Schwager, für Maricnfelde Stein. Als Bezirks- führer gelten für Maricndorf Spannberg, Lehmann II, Beyer, Lindner; für Marienfclde Greulich. Als Biblis- thekar wurde K o m n i ck gewählt. Vom Vorstande wurde eine Refo- lution vorgelegt, welche forderte, von der diesjährigen Gemeindewahl Abstand zu nehmen. Die Versammlung nahm dieselbe an. eingegangene DfueKfeKriften. Kriegskarte von Deutsch-Sudweslafrika 1: 800 000 Im Auftrage des Großen G e n e r a l st a b c s auf Grundlage aller bisher vcröffent- lichten Karten und der unveröffentlichten Materialien der Kolonial- abteilung des Auswärtigen Amts u. a. m. hergestellt in dem kartographischen Institut Dietrich Reimer(Ernst Vohsen) unter Leitung von Paul Sprigade und Max Moisel. Blatt Windhut nebst Ucberfichtsblatt des gesamten Schutzgebietes. Preis 1 M. Berlin 1904. Dietrich Reimer(Ernst Bohsen), Wilhelmstr. 20. Protokoll der eisten Generalversammlung deS Verbandes der.1•nd» schuhmacher Deutschlands, abgehalten in Zeitz 1903. 119 Seiten. Die!,' Verlag, Stuttgart 1904._ Vermißtes. Die Darmstädter Bcrgiftungen. Ueber das Ergebnis der Unter- suchungen in den Darmstädter Vergiftungsfällen wird jetzt mitgeteilt: Das Gift gehört nach den Untersuchungen von Prof. Gaffky in Gießen zu den sogenannten Ptomainen oder Leichenalkaloiden. Diese bilden sich unter dem Einfluß bestimmter Keime in verwesenden tterischen und pflanzlichen Körpern und haben, in den menschlichen Körper gebracht, eine den bekannten Pflanzcnalkaloiden(z. B. Atropin, Strychnin, Morphin usw.) ähnliche, d. h. giftige Wirkung. Gaffky gelang es, aus den übrig gebliebenen, verdorbenen Bohnenresten einen Keim rein zu züchten, der, auf Meerschweinchen und Kaninchen übergeimpft, deren Tod zur Folge hatte. Immerhin in noch nicht aufgeklärt, wie dieses Gift in die Konserven gelangt ist oder sich dort bilden konnte. Merkwürdigerweise sind die beiden Damen, welche das verdorbene Gemüse, ohne Schaden zu nehmen, genossen haben, hochbetagt. Erschossen aufgefunden wurde gestern früh in Diedenhofen der vor dem Pulverfchuppen stehende Posten, Musketier Eichhorn von der 10. Compagnie deS 3. Lothringischen Infanterie-Regiments Nr. 135. Ob Mord oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht fest- gestellt. Im geladenen Gewehr des Postens fanden sich die Patronen vollständig, nicht abgeschossen, vor. 36 900 Mark Geldstrafe. Die Glogauer Strafkammer verurteilte den Kaufmann Joseph Auerbach, Mitinhaber der Manufakturwaren- Großhandlung Lazarus Söhne und Compagnie wegen Einkommen- steuer-Hinterzrehung von 3690 Mark in den letzten fünf Jahren, da frühere Steuerhinterziehungen verjährt, zu 33 900 Mark Geldstrafe eventuell sechs Wochen Haft. ßHefhaften der Redahrton. Volk. Ludwig Büchner,„Kraft und Stoff". Volksausgabe 3 Mark.— Brieg. 26 000 Ew.— Patrizier. Herrschende Klaffe im alten Rom, später auch in den Städten während des Mitteldltcrs.— P. St. Durch Arzt zu behandeln. Wo Quittung?— Massage. Ist bereits beantwortet. 1.— 3. Centtalverband deS Maffage-Personals durch die Adresse P. Strunk, hier, Neanderstt. 13. Dort auch Geschästsstelle.— P. Zt.(Darlehn.) Versuchen Sie es im Rathau«: a) Bürger-RettungSinstttut. b) Friedrich Wilhelms-Anstalt, c) Biedersee-Stistung. Nähere Bedingungen zc. stellen Sie selbst fest.— D. L. 193. Vielleicht sprechen Sie einmal in der Mittags- oder VormIttagSzcit bei uns vor. Jedenfalls sind Sie schwer im 'lrrwm.— G. 77. Vollständig verschiedene Namen— Kiew. wzu hat man Kursbücher. Aus jedem Postamt unentgeltlich benutzbar. Land- und Seeweg- sowie Preise, Zeit-c. sicher festzustellen.— R. 4. AuskunstSbureau des Potsdamer oder Anbalter Bahnhoss.— Schach. 1. Ist nahezu unmöglich, da der HändlerpreiS fünf Pfennig beträgt. 2. Aus Spiclsragen können wir leider nicht eingehen. — A. St. 25. Lesen Sie im Inseratenteil des„Konfektionär", Kur» sttaße 43/44, da« Erforderliche nach. Fragen Sie auch in der Expedition an.— Halensee. Eine geschäftliche Verbindung soll vor zwei Jahren that« sächlich eingetreten sein: jedoch ist der Nachweis darüber, wie weit die Be- teiligung geht, äußerst schwierig.— K. 100. H. ist zunächst kalt ge« stellt. Er wurde mit„schlichtem" Wschied entlassen.— A. P. Nein, aber man plant so etwas in Sch. Warum keine Quittung?— F. P., Char- lottenburg. Das sind Fragen für Vogelhändler und Tierärzte.— Z. Z. Gemeint das Sprichwort: Es ist eine böse Sau, die ihre eignen Ferkel srißt.— 100 Stralau. Wegen Aufnahme in eine Krankenkasse für Frauen wenden Sie sich an den Vorsitzenden der Offenbachcr Frauen-Kranlenlasic, W. Hinz, Prmzenstt, 66. ■JimCtlfcbcr Ccil. Tie juristische Tprcchstiiud« findet täglich mit AiiSnahnic de? Sonnabends vo» 7>/, bis 9'/, Nhr abends statt. Geöffnet: 7«Hr. O. P. O. Fordern Sie zunächst zur Zahlung aus. Eventuell ist die Fortführung der Klage nicht ohne Aussicht aus Erfolg.— Hirsch. Versuchen «le cS mit einer Eingabe. Leider wäre der Ausgang eines Prozesses recht zweifelhaft. Sollte ablehnender Bescheid ergehen, so versuchen Sie es mit einer Petition an die Stadtverordncten-Versammlung.— E. X. R. Ist seit 1901 keine Anerkennung erfolgt, so liegt Verjährung vor.— F. 54. l. Nein. 2. Machen Sie den Verfuch: er wird schwerlich Erfolg haben.— B. L. 00. 400. 1. In der Regel nein. 2. Das Kind wird durch Ihre Anerkennung aus Ihrem vorehelichen Ihr eheliches Kind. — Charlotteuburg 48. 1. Nein. 2. Der Stempel beträgt 50 Bf., aber er ist für die Zeit von Januarzu Januar, und war auch für Teile des Kalenderjahres zu zahlen.— Morgenstern, M. H. 00: Nein.— ®. R. Nord 200. Von einer Sttafanttagstellung ist abzuraten.— K M. 77. Gegen den Beschluß ist mit Aussicht auf Erjolg beim Amts- aericht Klage seitens des Ehemannes und seiner Frau anzustellen.— Eisciiach 100. Ein Vorgehen wäre zwecklos.— A. K. Der Inhalt deS MietSvcrttagcs und die Zins-Zahlzcit ist entscheidend. Nach beider, Richtungen hin schien Ihrerseits Angaben.— TS. Bellmann, I. Briese. Raabestr. 11, Adebor: Ja.— P. S. 9750. Lassen Sic sich vom Gewerbegcricht das Urteil mit der Vollstrcckungsklausel versehen und beaustraaen Sie einen Gerichtsvollzieher mit Vollstreckung.— M. 11. Ja. — K. 22. Ja.— Bertha 28. Eine polizeiliche unwahre Behauptung darf vor Gericht nicht ausrecht erhalten werden.' Die Ausrechterhaltunz der Lüge ist Meineid, die Preisgabe straflos.— Buchholz 77. Im Fall einer Klage würde Verurteilung erfolgen.— Kurt Lougnick. l. Ja. 2. Nein. — P. S. 20. Lag keine Entmündigung vor, so war die Schenkung, soweit ersichtlich, gültig.— M. A. 30. Ter Austtag ist auszuführen. Wird derselbe abgelehnt, so ist beim Amtsgericht eventuell Beschwerde zu sühren. Marktpreise von Berlin nach Ennittelungen deS am 4. Februar 1904 kgl. Polizeipräfidiums. Kartoffeln, neue D.-Ctt. Rindfletsch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch, Hammelfleisch Bulter Eier 60 Stück Karpsen 4 kg Aale Zander, Hechte Barsche, Schleie, Bleie Krebse per Schock 7.00 1.80 1.40 1,60 1,80 1,80 2,60 5,00 2,40 2,80 3,00 2,40 1,80 3,00 1,40 15 00 6,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,10 2,00 3,00 1,20 1,40 1.20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 ab Bahn, f frei Wagen und ab Bah». llvitterungSübersicht vom S. Februar 1904. morgens 8 Uhr. Etattonen LS ?£ Swlncmde Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien .ö c - 3 S& »-c 756 SSO 755 OSO 757> SO 755 N 753 NO 756 WNW Dell er d e. t« Mfc Stattone» 2 Nebel-1 2 halb bd. 2 1 Nebel-1 Lbcdcckt 2 4 Nebel-1 1 Nebel 1 Wetter-Prognose für Sonnabend, den«. Feb Ein weng kälter, ziemlich ttübe und nebelig mit schlagen und mäßigen nordöstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. taparanda etcrsburg Cork Slberdeen Paris Nieder- Deutscher Metallarbeiter-Verband. Oi-taverwaUnng Berlin. Bureau: 80., Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt 4, 3353. Sonntag, 7. Februar, vorm. 10 Uhr, Qeworkschaftshaui, Engel-Ufer 15, Saal 4: Versammlung der Sauanschläger. Tagesordnung: 1. Ausgabe der Sterbe-Unterflützungsmarken. 2. Branchenangelcgenheit: tlnser Tarif. 3. VerbandSangelcgenhcilen. Mitgliedsbuch legitimiert. Slorgenspraehe der Sehranbendreher bei Wehet, Wrangelslr. 133. Die Statistik ist sertiq und laut Beschluß der Ortsverwaltung für unsre Mitglieder in: Bureau sür 25 Ps. zu haben. Die Kollegen, die sich als Vcrttauenslcute ausweisen, erhalten die Statistik gratis. Im Buchhandel tostet dieselbe 2,00 M. Wir machen hiermit nochmals auf die Versammlung am Sonntagvormittag 10 Uhr bei Keller. Koppen- strafte 2», aufmerksam. 111/7_ Die Orteverwaltowg. Verband der IKTÖbelpolierer. Montag, den 8. Februar, abends S'l, Uhr, Hussitenstr. 40» MM" Versammlung."WD Tagesordnung: 1. Bericht vom Berbandstage. 2. Wie stellen sich die Mttglieder zur Anstellung eines Kollegen? 3. Verschiedenes und Ausgabe der Billet« zum Bi*Mkenl»iiII am 5. März in L. Kellers Feftsälen,«oppenstr. 29. In den Versammlungen sowie in folgenden Zahlstellen werden jeden Sonnabend von 3—10 Uhr Beiträge entgegengenommen: Bninnenstt. 96: Dalldorfcrstt. 16,- Blumenstr. 38: Zorndorserstt. 8; Oranienstr. 197; Skalitzerstt. 58: Rixdorf. Steinmetzstt. 108; Lichtenberg, Friedrich Karl- jlraße 11; Weißensee, König-Ehaussee 55. 145/7 Die Zahlstellenkassicrer werden hiermit ersucht, am Mittwoch, den 10. Januar, abends 8'/, Uhr, Blumenstr. 38, zur Verbandssitzung zu erscheinen. Die Generalversammlung findet am Mittwoch, den 17. Februar, Koppen- sttaße 29 statt. Der Vorstand. Msl-Miill der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgen. Deutschlands. s£Tu';a.i Sonntag, de» 7. Februar, nachmittags pünktlich 5 Uhr, bei Boigt, M, ilttsraining.£ stellten Anträge.— Um zahlreiche« Erscheinen bittet 01« Oi-tarannaltung. Aitzmm: krandiu- mb Strrtrtnjfi der Wewlirdritcr (E. H. Nr. 29) filidli ßttliu 3. Sonntag, den 7. d. M., vormittag» 10 Uhr. im Lokale„Süd-Ost". Waldemarstr. 75 i Autzerordentl.Mitglieder-Bersammlung Tages-Ordnung: 1. Kaffcnbericht. 2. Stellungnahme zur kommenden Generalversammlung Ausstellung von Kandidaten. 3. Verschiedenes. 111/5 Um rege Beteiligung ersucht Die Oetuveiwnltnng-. und Eentrat-Krllllben' o.Sterbt- kasse der Tischler«sw. Oertliche Verwaltung Berlin R Sonntag, den 7. Februar 1004, vormittags 10 Uhr: H bei Herrn Raabe, Kolbcrgerstr. 23. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1903. 2. Kasien-Angelegenheit. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 183/2 Die Ortsverwaltung. Central-Kranken-u. Sterbe- baffe der Tischler Montag, 8. Februar, abends 81/, Uhr, bei Wollschlüger, Adalbertstr. 24; Mitglieder- Uersammluag. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1903, 2. Verschiedene Käffenangelegenhcitcn. Um rege Beteiligung ersucht 131/2 Die Ortsverwaltnng. Orts- Krankenkasse der Schmiede u. veno. Gew. Am Montag, den 15. Februar, finden im Lokal von Mcrkowskt, AudreaSstr. 26. die 271/2 Wahlell der Delegierten sür 1904 statt. 1. Abend» 7 Uhr: Wahl von acht Delegierten seitens der Herren Arbeit- geber(§ 47). 2. Abend« 81/. Uhr: Wahl von 17 Delegierten seitens der Herren Arbeitnehmer(§ 47). Ter Vorstand: Ad. Pilgrim, Bors. Sonntag, den 7. Februar 1904: öl, Bnckhier- Anstich bciWasserjuleerkfckaMickes. Für die Opfer der Aussperrung in Crimmitschau gingen bei der Berliner Geiverkschaslslom Mission solgende Beiträge ein: Glaserei Krüguleit l,ßZ. Rahmcnmacher von Mehner 2,—. Tischlerei Heinz u. Beier, Äovvcnstrahe, 5. Rate 8,10. Liste 8673 d. Böse 5,80. Such. druckcrci Moste, Hilfsarbeiter der Accidenz 25,—. Liste 12 705 5,55. Schüller u. Co. 5,60. Tischlerei von E. Lehmann 2,55. Durch Boitze 2,—. Ges. b. A.«chüstler, Schönhauser Allee 2,40. Arbeiter von Gebr. Krüger, Köpenick 16,95. Liste 1903 d. Prüssel 5,—. Verband deutscher Buchdrucker, Potsdam, 4. Rate 75,—. Mitglieder des Metallarbeiter« Verbandes, Tanzig 55,—. Kupserfchmiede von A. Borsig, Tegel0. Lifte 11 645 d. Göbel 14,85. Glasarbeiter Stralau, d. H. aus Listen 30,60 Jalousicsabrik Wohlfahrt 22,65. Jalousic-Holzpflastersabrik H. Frccsc 24,65. Liste 12 207 11,30. Liste 12 729 1,—. Buchdruckerei Kitzler ü. Hampel 1,50. K. W. O. Reparaturschlosscr, Slbt. M. 4,20. K, W. O., Abt. Iiescrt 17,50. A. E.-G., Ober-Schönewcide, Dreher d. M. W. 17,80. Liste 6971 1,—. Lotterickl.„Einigkeit", Horn- Ecke Möckernstraste 6,—. O. Kumke, Westen 4,60. Liste 12 595 10,—." Vom Biertisch bei Hamberger, Fruchtstraste 4,—. Liste 1993 d. Wagner 6,95. Maler von Bendisch, 4. Rate 23,65. Maler von Frohns n. Plath d. W. Koycn 3,45. D. Reich 2,85. Liste 1108 1,—, Tele- graphen-Bauanslalt W. Gurlt, Treptow(darunter ausgelöste Spar- und DarlehnSkasse 15,80) 49,90. ZIrbciter der mcch. Werkstatt W. A. Böse u. Co. 23,20. Firma Brandenburg 3,50. Eisenäicstcrci Ludw. Löwe 52,—. Gesangverein»Freier Männerchor Nord-West"(Grabständchen Stockfisch), 4. Rate 6,—. Modelltischler Berlins d. d. Obmann 90,75. Vierter Berliner Wahlkreis, Osten, aus Listen ges. 616,10(darunter: Hülsenbeck u. Kroll, Saal 4, 6. Rate 16,60. Pianosabr. List, Köpnickerstraste, 3. Rate 9,50. Maler v. M. I. Bodcnstcin, Krkh. Westend, 4. Rate 11,35. Möbclsabr. Nöthling 15,15. Gelbgiesterei d. Sl. E.-G.. 4. Rate 42,90).— Bautischler« Pätz, 4. Rate 9,35. D. Köhler 8,20, Stistungss. d.„Nieten- brüder", Amerik.?lukt. 1 Bulle Korn 6,—. AuS St. Gallen v.?lrbeitcr- nnion: Tellersammlung Rest. Schmidstube 5 Fr., Rauchklub St. Gallen 5 Fr., Flaschncr-Fachv.slolali, 2. Rate 15 Fr., Schmied- u. Wagner-Fachv. 10 Fr., t6ipser-Fachvcrcin 10 Fr., Arbeiterinnen-Verein 32 Fr., Seneseldcr Bund St. Gallen-Herisau 20 Fr., Schncidcr-Fachverein, 2. Rate 4,50 Fr., Ueber- schust aus der Post 1 Fr.; in Summa 102,50 Fr.— 82,08. G. Grostmann, Grünkramhandl., Friedrichsbergerstraste 2,—.«fies, unterm Weihnachtsbaum EnderS, Prinzen-Zlllce 1,40.„Manoline", Maschinenfabrik 3,40. Silberarb. v. Wcigard 2,—. Tischlerei Frankel, 7. Rate 5,20. Elektro-techn. Fabrik H. BoaS 1,30. Liste 6304 d. Rochl 3,55, Liste 11445 6.75. Silberhochzeit auf eigne Fault 1,—. Bcttors, Anschläger 8,50. Metallarbeiter von Lind, Genthinerstrast«(darunter Krebs—,50), 5. Rate 25,15. Metallarbeiter von Müller. Barutherstraste 3,65. Durch Hahn 6,55. Vierter W a h I k r e S, Südost. 5. Rate. Aus Listen gesammelt: 3321 6,10. 24 8,20. 25 1.—. 31 5,10. 75 4,70. 83 10,40. 84 6,-. 3400 4,10. 3402 15,—. 12 0,30. 25 5,20. 44 5,60. 45 8,50 64 9,90. 92 7,20.»4 6,55. 95 3,45. 3501 6,50. 3 3,70. 6 2,40. 7 7,70. 32 14,75. 36, gesammelt bei Kleemann u. Klein 7,10. 40 4,35. 41 3,05. 50, Töpser Bau Frohmann, Kantstraste 16,15. 51 4,75. 53 8,20. 72 6,50. 86 3,—. 93 3.30. 94 8,85. 95. Lottcricklub„Glückaus" 9,40. 3658 7,—. 59 13,35. 63 4,15. 65 2,—. 69 14,40. 70 8,90. 74 9,15. 77 18.70. 84 16,30. 89 8,90. 90 7,55. 3707 16,90. 78, Pianosabr. Siewert 8,50. 8804 8,80. 6, ges. b. Roststeischessen in der„WolsSschlucht" 5,50. 15 6,55. 16 20,—. 17 4,20. 30, Klaviatursabr.„Union", Wiencrstr. 44, 3. Rate 12,25. 65 4,20. 67, Petsch, Zwietusch u. Co., Charlottcnburg,' Montiersaal V», 3. Rate 35,15. 68, Äistncr u. Co., 5. Rate 17,80. 51 6,25. 52 3,55. 60 5,70. 62 9,40. 73 6,20. 74 3,35. 7» 15,62. 8876, Arb. d. Waschsabr. Hunuuel, denen das SolidaritätSgesühl noch nicht abbanden gekommen ist 32,95. 77 13,70. 93 3,90. 95 18,50. 97 10,30. 8901 6,05. 6, Mech. Werkst, u. Gravieranst. Auerbach, 4. Rate- 18,40. 7 8,10. 30, Sparvercin Kies 4,10. 31 10,8p. 32 12,35. 33 7,50. 34 12,45. 36 9,85. 38, Tischlerwerkstatt Jarotzkp. Oranicnstraste 12,40. 39 5,45. 40 5,60. 45 11,25. 47, Möbelfabrik Kiesling, Waldemarstrastc. 3. Rate 12,65. -'9, Setzmaichinensabrik Thpograph 44,50. 50 2,20. 12 006 18,70. 8, Buchdrucker« Otto Lange 7,50. 11, Pers. Deutsches Luxser- u. Prismen-Syndilat, 2. Rate 21,50. 15, Mcch. Werkst, u. Gravieranst. Auerbach, Grünaucrstr. 17, Saal 3, 5. Rate 24,05. 16, deSgl., 4. Rate 15,45. 22, Spinn u. Sohn 21,80. L S. desgl. 18,70. 25, desgl. 17,25. 26, desgl. 2l, 25. 27. desgl. 9,50. 28, desgl. 22,10. 12 058 Pianosabrik Hostmann, 7. Rate 11,60. 12066, dar. 6 M. von Werk. statt Frankel, Waldemarslraste 14, 10,50. 67 Pianosabrik.Hostmann 8,85. 74 Arbeiter der Masch.-Fabr. C. Hummel lauster Monteure), 7. Rate 22,20. 3365 10.60. 3349 durch Taubert 8,25. 3184 5,85. 3522 5,30. 3654 8,30. 3762 gesammelt in der Tischlerei von Mocker 6,30. 8821 2,05. 22 5,30. 32 von den Arbeitern des Baues Magaziustraste ll,50. 33 5,10. 34 vom Sparvercin„Luftige Seelen", Licguitzcrslraste 9 11,50. 35 2,90. 39 Spiral- bohrersabr. Stock, Saal v. 5. Rate 14,45. 40 1.95. 41 9,-. 42 7,85. 44 6,00. 47 Elende Maurer Eckbau Hohenzoller-Platz, 4. Rate 8,90. 49 18,—. 69 0,70. 12 021 Valentin 13,05. 24 1,00. 29 1,30. 60 4,—. T elcgraphenbau-Anstalt Hammach er u. Paetzold 4,50. F. Stöcke!, statt lfic- burtslagsseier 2,50. Zielbcwustte Eisenbahner 9,50. 1. Wahlkreis Liste 6374 2,55. 6386 6,45. 12 711 d. Bendit 33,50. Liste 12 734 1.—. D.Lehmann 2,30. Liga der russischen revolutionären Socialdemotratie Gens 100,— und 50 Frank— 40,—. Karl Schcjnoha, Kairo 12,90. Flicscuarb. von Warnebold u. Rasse 3,75. Von acht Verhetzten aus Bonn 5,70. Tischlerei A. Knsfin, Wollinerstraste, 9. Rate 14,45. Töpser Bau Backhaus, Rixdors 4,—. PH. Orth, Kronhosstratze 8.—. Hedt, Broschüren-Ueberschust 1,50. Durch Bierbaum bei Tornoiv gesammelt 4,80. Kollegen d. B. A. F. Müller, Naimvnstr. 6,86. Tonn U. Martins Grost-Dcstillation, Grüner Weg 19,85. SüihaltLche Maschinensabr. 9,05. Dreherei d. Maschinenbau L. Löwe 29,90, K. W. O. Abt. W. W. 8,15, Vier Schasköpse, ein Kiebitz d. Ehlers 4,60. Gebauer 10,35. Gasmeiiersabr. Mariendors 6,10. D. Henkel Listen 2243 6,65, 44 2.65, 53 4,50. 55 ges. d. Kacmdr 3,85. Bau Meinickestr. d. Gust Müller 15,35. D. W. Schmidt 2,20. Uebcrsch. v. Vergnügen d. Motor- ivagensührer A.Bcrthcim2t,30. Tischlerei v. Fischer 5,65. 2743 d. Karl Scheibe! 4,95. RoteGcburtStagss. beim steifen Wilhelm l,—, beim Schaskopstpiclen 1,40. Dritter Wahlkreis: Aus Listen Nr. 3200, ,50. 3227, Arbeiler der Klaviawrsabril Hcrrmann 14,20. 3228 6,70. 3230 7,30. 3232 4,40. 3236 12,35. 3238 15,30. 3241 28,85. 3242 25,70. 3243 19,75. 3245 1,80. 3254 3,10. 3258 6,45. 3272 Arb. d. Damps-Tstchler« v. Franke, 3. Rate 18,90. 3279 23,50. 3206 15,—. 3298 3,05. 11 921—,25. 11 932 9,95. 11 927 Tischler und Polierer v. Becker, Lranienstraste 17,25. 11 936 13,10. 3004 5.55. 3019 7,—. 3032 2,60. 3033 Arb. der Tischlerei Lüdtle, Lritzer- straste 8 17,50. 3035 10,85. 3018 9,70. 3049 8,40. 3114 Kollegen der Firma Rinoio u. KapS 13,60. 3115 4,70. 3118 Arb. von Carl Müller, Köpnickerstr. 109g, 5. Rate 20,70. 3119 13,30. 3141 5,80. 3142 5,90. 3143 15,80. 3145 4,—. 3146 9,13. 3149 16,50. 3150 7,40. 3154 Mstr. Lenz Saal 21 18,95. 3159 Gesammelt A. E.-G., Abt. 4, Stanzerei 12,15. 3162 17,50. 3163 9,55. 3164 9,50. 3168 6,60. 3173 2,40. 3183 7,60.- H. Berliner Wahlkreis: ans Listen 6228 13,65. 6229 12,15. 62-30 9,65. 6233(dar. Setzer o. Gödicke u. Gallinek, 3. Rate, 5,70) 9,85. 6239 18,55. 6061 3,20. 5991 2,95. 5982 W. Friedländer, Zieteustr. 18 8,—. 6048. 5.95. 6084 Tischlerei C. Luckat. Dienuibachstraste, 6. Rate(allster Einem 3 Treppen, 20,10. 583 l 20,45. 5833—,80, 5847 1,—. 5848 Schlosserei E. Angrick, Kreuzbergstr. 36/38 12,63. 5849 Tischlerei C. Müller U. Co.. BlüchcrsUastc 12,65. 6249 3,—. 5816 8,63. 3817 10,55. 6295 10,20. 6217 2,10. 6216 2,70. 5920 22,80. 5915 gesammelt Schützenfir. 54/55 5,35. 5914 6,70. 5902 17,25. 6058 Drucker u, Hausdiener v. B. Gisevius 9,—. 6001 Arbeiter von Biedermann u. Czarnikow, 7. Rate 16.65. 6264 Firma Gehrke, Lichterselde, 4. Rate 14,20. 6262 3,20. 6218 8.05. 6207 2.30. 6202 6,15. 6194—,20. 6192 11,60. 5890 1,55. 5893 7,95. 5890 Arbeiter von O. Schulz, Hallesches User 36 12,30. 6293 10,—. 6291 9,45. 6135 5,85. 6130 Tischlerei Siemens u. HalSke, Berliner Werk. 6. Raie 25,25. 6092 4,95. 5926 Gcrinailia-Ausichallk, Zimnierstraste 64 13,20. 5933 5,83. 5944 4,S0. 5946 4,50. 5940 27,20. 12511 13,45. 6075 5,50. 6072 Bautischlerei E. Mittag. Bette-Alliailcestr. 79, 4. Rate sdaruiiterBöhm t M.) 55,20. S c ch st c r Berliner Wahlkreis aus Listen. Schönhauser Vorstadt: 9801, Belliug u. Hirsch, Frauksurlerstr., d. Schuber! 7,70. 6 10,15. 11 3,—.- 12 0,80. 19, gesammelt o. Lottericvercin„Glück" d. Schach 5,40. 20 2,65. 21 2,40. LS 18,20. 30 5.55. 31 4,-. 97 0,70. 98 2,-. 99 4,80. 9900 3,—. 2 3,13. 4, Pianomechanik-Fabr. Fr. Krüger, 3. Rate 22,20. II, Tischlerei Koppermann. Kottbuser User 6,90. 12 8,30. 13, Tischlerei Hcllmich, Ackerstr., 4. Rate 11,60. 15 3,20. 56. Masch.-Fabr. von Wcndt, Pankow 6,50. 5138 8,25. 9552, Schwartzkopfi, Schmiede, Neues Werk 12,93. 61 4,85. 67 9,45. 68 9,40. 77, Görs u. Kallmann, Pianosabrik, Arndt- straste 34 13,05. 78, Görs u. Kallmann, Pianosabrik, Arndtstr. 34 22,—. 85, A. E.-G., Kabelwerk Obevspree, Abt. K 12,40. 86 6,80. 93, gesammelt aus dem StistungSfest der Kupserschnliede 34,05. 95 4,30. 99 2,—. 9858 9,73. 60, gel. b. d. Firma Dewill u. Herz 24,15. .5488 5.-. 94 3,95. 96 0,50. 5502 2.-. 42. Arbeiter v. Krag ü. Co. 18,50. 70 2,15. 9601 14,50. 6 0,90. 11 8,90. 20 6,05. 21 10,30. 27 2,50. 29 2,25. 44 4,—. 46 6,10. 52 8,25. 61 7,95. 62 5,20. 63, Arbeiter der Firma Wcinert, Muskauerstraste, 3. Rate 22,95. 64, Adam Schneider, Bcriiaiierstr. 101 38,90. 64 9,50. 71 3,40. 75 11,10. 77 9,10. 85 9,50. 96 13,60. 5225 4,20. 50 3,40. 97 2,—. 5328 1,90. 62 7,50. 92 3,80, 3419 1,90. 20 3,70._ 21 3,90. 25 3,45. 36 1,95. 47 3,—. 9767, Telc- graphenbauanstalt Schuchert, vsaal Wilke u. Kraincr 26,—. 62 3,25. 75 5,10. 73 4,—. 77 3,65. 78 5,30. 80, Arbeiter der Thonwarensabrik von Krüger, Pankow 10,30. 91 0,50. 92 7,70. 93 3,20. 94 2,—. 95 8,20. Oranienburger Vorstadt: Liste 9450, A. E.-G. Kleiilmotorensabrik, Abt. Meister Kaminskp 50,50. 9476. Arbeiter der Firma Schmidt u. Eo. 13,—. 9477, desgl. 17,75. 9478,'Arbeiter der Finna Schmidt u. Co. 9,75. 9535 2,38. 9536 4,50. 9537, von den orgall. Kall, der Firma Sandmann, Stallschreibcrstr. 12,20. 9538, organ.'Arbeiter der Firma Goede, Chaussee- straste 26,—. 10 102, Äepling u. Thomas 12,85. 10 126 Emaillierwerke Bohenstr. 17 8,40. Rosenthaler Vorstadt: Liste 49>5 3,50. 4917 14,20. 4918 4,75. 4963 3,30. 4972 5,50. 4975 5,—. 4978 4,15. 4980 8,20. 5043 9,35. 5044 6,55. 5070 11,65. 9123 6,95. 9128 11,25. 9137, Klempner- Abt. von F. u. M. Lautenschtägcr 9,95. 9142 2,95. 9151, zwei role Verlobungen in der Hussitenstraste 7,10. 9155 1,25. 9165—,90. 9166 2,—. 9169 15,35. 9171 u. 72 Neubau Museum Stukkateure, Rabitzer u. Arb. von Hauer 22,50. Lokalkaffe der Maurer Münchebergs 5,—. 9173 11,55. Gesundbrunnen: Kästlers Tischlerei durch Brur 10,20. D. F. Pcglow, Drontheimerstrastc 1,40. Liste Nr. 4617 2,10. 19 2,35. 20 2,3p. 46 8,—. 77 7,70. 4718 6,95. 64 5,15. 67 3.90. 4810 13,25. 81 21,10, 85 13,—. 87 12,45. 96 8,75. 98 26,85. 5701 7,40. 09 6,40. 16, gesammelt bei Tictz u. Comp. 11,45. 17 6,00. 46, Maurer«. Arbeiter Bau Hertzog 26,65. 48, A. E.-G. H. Meister Nebte 22,60. 49, A. E.-G. Brunncnstrastc, Gr. Maschmenbau l 33,—. 82, Gebr. Nothmanu, Werkzeugbau 11,70. 9004 14,35. 5 7,35. 8—,20. 42 5,21. 45 19,25. 46 11,45, 53 8,85. 54 4,80. 55 6,75. 65 2,00. 70, vom Rauchklub blauer Dunst beim Maskenball 8,—. 73, vom Verein versunkenes Eisbein 3,90. Wedding: Liste Nr. 4584, Arbeiter von E. Becker, Reinickendorf 23,40. 9330, Neubau M. Hasse, Lindowcrslraste(dar. 1,10 von: Schaskopsspiel bei Sumpf) 44,40. 9351, F. S., Reinickendorf, 3. Rate 26,10. 9365, Arbeiter und Arbeiterinnen der Schraubcnsabril von A. Schwarzkopff, Reinickendors, 4. Rate 32.—. 9369, Arbeit« von Schulz und Holdefleist(austcr einem Schmied), 4. Rate 31,65. 10 018. Bcrgemaun Abt. Leistncr 28,50. 10 020, Giestcrci Sfielinskb. Mantenffelstr. 29 8,50. 4310 1,95. 4318 3,70. 4328 4,25. 4-407 7,60. 4412 3,35. 4418 4,60. 4419 8,55. 4422 1,20. 4459 16,40. 4499 8,10. 4508 3,85. 4541 6,95. 4547 26,60. 4556 3,20. 4557 3,25. 4559 14,65. 4585 9,60. 4587 3,30. 4590 7,10, 6630 14,85. 5654 14,02. 5658 5,25. 5659 4,65. 5660 8,50. 5661 5,70. 5662 5,60. 5658 3,50. 5669 1,—. 5676 30,05. 5684 7,35. 5686 5,—. 9-304 2,65. 9327 14,25. 9352 4,80. 9356 8,25. 9373 6,-. 9374 3,30. 9375 37,40. 9378 6,—. 10 008 13,15. 10 028 21,—. 10 034 11,80. Moabit: Liste Nr. 9242, Personal von Albrecht u. Meister 19,50. 3823 14,60. 3829 24,10. 3830 10,45. 3835 5,70, 3838 3,70. 3839 6,96. 3840 17,70. 3906 3,75. 3916 2,70. 3917 4,20. 8018 8,50. 3923, Handwerker der Bcrl.- Cbarlottcnb. Strastenbabn 11,70. 3935 15,90. 3936 5,15. 3950 4,25. 3957 11,20. 3970 1,60. 3976 6,90. 3981 3,60. 4000 1,50. 4001, d. Becker 12.50. 4004 17,65. 4005 12,—. 4011 2,00. 40.30, Fabrik„Sanitas" 11,80. 4032 4.15. 4034 7,20. 4036, Union 16,50. 4059 15,00. 4060 17,55. 4062 7.15. 4085 12,10. 9201, Union 30,80. 9204, Union 53,10. 9205, Union 61,75. 9211, d. Otto Kunze 10,80. 9218 2.00. 9227 3,85. 9234 4.55. 5235, L. Löwe u. Co., Centrale. 2. Rate 13,—. 9238 14,15. 9243 5,35. 9244 2,35. 9247 8,25. 9252 3,10. 9257 17,10. 9269, Bau Wenzke 9,80. 9282 1,50. Rauchklub»Feste Brüder" 3.—.— Central- verb. d. Handels-, Transport- u. VcrkchrSarb. Berlin I aus Listen: 8607 18,55. 13 2,70. 20 ldar. Jandorss GeschästSdicncr, Gr. Frankfurter- straste 11,80) 19.85. 24 8,25. 25 12,30. 26 5.65. 27 3,90. 11534 Blaue Nadel Eppo, Kegelbrüder 7,65. 35 3,l0. 36 6,60. 12738 Nollkulscher Baartz u. Co., Schlesische Bahn 20,—. 39 Brncksch b. Stewin 2,20. AuS Mitgl.- Vers. d. GlaSarb. Finkenhecrd 6,40. Maurer u. Arb. v. Bau Tietz 5,30. Erster Wahlkreis: Listen 6408 1,30. 6432 GeburtstagSseier bei Frau Petzold 3,75. 11811 4,20. 6430 3,50. Eiseugiegcrei Elias u. Co., Wienerstraste 16,15.' Gesangverein„Vereinte Sanges- brüder Moabit" Ueber schütz derRlatinee 176,20. Bau- ti!chl«ei Meier, Neue Jakobstrastc 15,55. Attinann, Vcrg. Haukels Ablage— Zeuthen 4,—. Carpentcr u. Schulz(dar. Bärsch 2,—) 15,35. Verein„Rote Reese" 7,70. Montcurc v. Hardegcn u. Co. 4,—. Pianosabrik Giese u. Reincke, 4. Rate 4,95. S. ü. H., Saal 25 o, 7. Rate 8,—. 12753 d. Conrad 2,80. 11515 d. Stahn 4,10. Bautischlerei Martens, Turmstr. 58, 3. Rate l9,—. D. Flegel(dar. Ueberstch. v. Lachs 1,0l) 6,—. Roma 1,—. Bandagistcn von Hofsmann 5,35. Rohrleger und Helfer von M. Schneidenbach 2,80. Hartgummisabrit, Hochstreste, Saal 5, 4. Rate 7,50. GewcrkschaslSkartell Schönlanke, 2. Rate 24,55. Von einigen hier ansässigen Russen 15,—. Pers. d. Buchdruckerei Kuno Bergmann, Wilhclmstraste 5,—. Wahlkreis Nieder- Barnim, Bezirk Lichtenberg, aus Liften: 2424 3,80. 2434 5,75. 2442(darunter Werkstatt Parse 3,50) 9,85. 2448 3,—. 2449 2,—. 2536, Drahtsabrik Paul Heinze, 3. Rate 22,45. 2537, Pianosorte- Fabrik von Hcdkc 23,10. 2539 3,65. 2549 10,10. 2551 6.30. 2553 16,10. 2554 11,20. 2555 4,70. 2667 7,90. 2670 2,80. 2672 5,70. 2680 8,10 2687 3,05. 2690 1,60. 2698 13,30. 2699 10,95. Lotterievercin„Hoffnung" 7,30. Cigarrcngesch. Neue Bahnhof stf. 1 4,85.... Sunima 7521,35 M., bereits quittiert 230 857,26 M., Gesamtsumme «38 378,61 M. In Nr. 20, 7. Zeile der Quittung, muß eS heißen: 9167„Maler von Lange, Bau Herrenhaus" 15,75. Alle»och ausstehenden Listen sowie sonstigen Beiträge ersuchen wir baldigst in unsrein Bureau in der Zeit von 9—1 und 8—8 Uhr abzuliefern. Postsendungen sind an A. Körsten, Engel-User 15, zu adressieren. Der Ausschuß der Berliner Gewer kschastskommission. Versammlungen. Das G"werkschaftökartcll für Berlin und Umgegend hatte am Freitag eine Delegierten- und Vorstände-Vcrsammlung der iin Kartell vereinigten Gctverkschasten einberufen, um zu dem bevorstehenden Hcimarbeiterschutz-Kongretz Stellung zu nehmen. Zunächst hielt Frau L i l h Braun einen Bortrag über die Schäden der Heimarbeit und die Mittel zu ihrer Lcläuipfung. Tic Rednerin nannte den bevor- stehenden Kongreh eine der ivichtigsten und interessantesten. Veranstaltungen innerhalb der Arbeiterbetvegung imd erklärte: auch in bürgerlichen Kreisen hege mmi großes Interesse dafür und zlvar in dem Maße, daß eine ivtajorisierung der Arbeiterschaft durch büraer- liehe Elemente möglich werden könne, falls sich die Arbeiterschaft nicht mit großer Stärke am Kongreß beteilige. Zun. Schluß ihrer lnteresianten Ausführungen wieS die Redner in darauf hin, daß von der socialdcmokratischen Reichstags- Fraktion in allernächster Zeit eine Gesetzesborlagc gegen die Schäden der Heimarbeit zu erwarten ist und empfahl die Annahme folgender Resolution: »Tie Hausindustrie ist diejenige Betricbsform der kapitalistischen Unternehmung, bei welcher die Arbeiter in ihren eignen Wohnungen und Werkstätten beschäftigt werden. Sie ermöglicht den Unter- nehmern die Umgehung der Arbeirerschust- und Arbeitcrvcrsichernngs- Gesetze. Sie vereinigt in sich die schwächsten und Widerstands- unfähigsten Elemente, erschwert dadurch wie durch die Vereinzelung ihrer Arbeiter deren Organisation und infolgedessen den einheitlichen gewerkschaftlichen Kampf um bessere Arbeitsbedingungen. Sic ist infolge ihrer ungesunden Arbeitsstätten ein Herd infektiöser Krank- heiten, sowohl für die Produzenten als für die Konsumenten. Durch unbegrenzte Arbeitszeiten und niedrige Löhne führt sie zum physischen, wirtschaftlichen und geistigen Ruin aller i» ihr Beschäftigten. Angesichts dieser ValkSgcfahr ist es die Aufgabe der Gesetz- gebting, durch geeignete Maßnahmen einerseits auf die wirtschaftliche Hebung der Lage der Heimarbeiter hinzuwirken und andrerseits ihre Bestimmungen in der Weise zu treffen, daß eil e jede geeignet ist, die allmähliche Einschränlung und endliche Auslösung der Hausindustrie zu befördern und ihre Arbeiter in höhere, bessere Arbeitsbedingungen gewährleifteude Betriebsformell überzuführen. Als crshe Schritte zu diesem Ziel sind solgende Bestimmungen zu treffen: 1. Jeder Raum, in dem zwei und mehr Personen im Auftrag und auf Rechnung eines Dritten mit der Zurichtung,'Anfertigung, Ausbesserung und Reinigung von Herren-, Damen- und Kinder- Beklcidungsgegenständcn, Wäsche, Wirk- und Wollwaren, Korsetts, Bandagen, Spitzen, Stickereien und Tapisseriewaren, Handschuhe, Hüte, Mützen, Pelz- und Rauchwaren, künstliche Blumen und Putz- federn, Schuhwaren aller Art, Cigarren, Cig-reetten und sonstige Tabakfabrikate. Holz- und Spielwaren jeglicher Art. Galanterie- und Luxusartikel, sowie Produkten der Kleineisenindustrie beschäftigt sind, darf weder zum Kochen, noch zum Schlafen, noch als 5>rankcnziinmer benutzt werden. Auf jede darin thätige Person mutz mindestens 12 Kubikmeter Luftraum entfallen. 2. Für die Durchführung dieser Vorschrift, sowie aller von der Gesundhcitsbehördc migeordneten Maßnahmen ist sowohl der die Heimarbeiter beschäftigende Unternehmer, als der Hausbesitzer resp. Vermieter der von den Heimarbeitern benutzten Werkstättc haftbar zu machen. 3. Jeder Unternehmer ist zur Führung einer genauen Liste der von ihm beschäftigter Heimarbeiter und ihrer Wohnungen verpflichtet und hat diese Liste vierteljährlich regelmäßig und ans Verlangen jederzeit dem Gewerbe-Inspektor, sowie den auf Grund eines ein- heitlichen Reichs-Wohnungsgesetzes cmgestellten staatlichen W.ohnungs- Inspektoren vorzulegen. 4. Der Inhaber und der Vermieter einer Werkstatt oder einer damit berbirndenen Wohnung ist verpflichtet, jede ansteckende Krank- heit, die eine darin beschäftigte oder sich aufhaltende Person befällt, dem Gctvcrbe-Jnspektor anzuzeigen. Erweist sich eine Desinfizierung der Wohnung oder eine Vernichtung der darin enthaltenen zu bc- arbeitenden Materialien als nottvcndig, so fallen die Kosten dafür dem Untcrnehlner zur Last. 5. Die Diätgabe von Arbeit nach Hause, sowohl an Fabrik- wi« an Werkstattarbeiter und-Arbeiterinnen ist verboten. 6. In allen Verbrettungsbezirken der Hausindustrie ist die Er- richtung von Eentralwerkstätten für Heimarbeiter durch Geiverk- schastcn, Genossenschaften und Gemeinden durch Hingabe von Geldern zu möglichst niedrigem Zinsfuß seitens der Alters- und Jnvaliditäts- Versicheningsanstalteii zu befördern. 7. Die zuständigen Verwaltungsbehörden können zwecks Regelung der Lohnvcrhältnisse in den verschiedenen Branchen der Hausindustrie die Einsetzung von Mindestlöhn-Konunissioncn an- ordnen; sie müssen es thun, sobald ein dahinziclender Antrag seitens der Organisationen von Arbeitern oder Unternehmern vorliegt. Diese Kommissionen sollen zur Hälfte aus Vertretern der Arbeiter, zur Hälfte aus Vertretern der Unternehmer bestehen, und einen von der Regierung zu ernennenden Vorsitzenden haben. Ihre Auf- gäbe besteht darin, für den Ort und für die Branche, für die sie bc- rufen wurden, ein Mindestmatz der Entlohnung für eine bestimmte Gültigkeitsdauer festzusetzen. Tie von ihnen normierten Lohnsätze werden staatlich sanktioniert. Die Beaufsichtigung ihrer Durchführung unterliegt dem Gewerbe» Inspektor. Ihre Ucbertrrtung wird mir Haft bestraft. 3. Alle öffentlichen Arbeiten, sowohl die des Reichs als die der Einzclstaaten und Gemeinden, dürfen nur an solche Unternehmer vergeben tverden. die enttveder in eignen, den Forderungen unter 1 entsprechenden Betriebswerkstättcn oder in Eentralwerkstätten der Gewerkschaften, Gcnosscnschaftcu oder Gemeinden unter Wahrung der von den Diindestlohn-Kommissionen festgesetzten Lohn- und Arbeits- bedingungcn arbeiten lassen und ihre Arbeiten unter Vermeidung des Zwischenmeisters dire't an die Arbeiter ausgeben. 9. Die Bestimmungen der Gcwerbc-Ordnuug über Arbeitszeit, Sonntagsruhe, Wöchncrinnenschutz, Kinderarbeit, Arbeitsordnungen sind zunächst, unter Haftbannachung des Unternehmers für ihre Durchführung, auf alle hauSindustriellen- Betriebe, in denen 5 und mehr Personen thätig sind, auszudehnen. 19. Den Bestimmungen der Kranken-, Unfall- und Jnvaliditäts« verficherungs- Gesetze tverden alle Heimarbeiter unterstellt, wobei die Unternehmer jedoch zu einer prozentual höheren BeitragSleistung als gegenüber den Fabrik- oder in BetriebSwerkstätten beschäftigten Arbeitern verpflichtet werden müsse». 11. Zur Benufsichtiguiig der hausindustriellen Betriebe und der Tnrchführuilg aller auf sie bezüglichen Gesetze sind eigne Gewerbe» Inspektoren anzustellen, wobei Frauen und Vertreter der organisierten Arbeiterschaft besondere Berücksichtigung finden sollen. Alle diese Bestimmungen Ivitvden zweifellos der Ausbreitung der Hausindustrie auf das der Kontrolle schwerer zugängliche Land Vorschub leisten. Um dem entgegenzuwirken, hätte ein« zielbewußte Vcrkehrspolitik einzusetzen, die, durch Schaffimg guter Verkehrs- mittel, besonders durch Bau von Älciubahncu, der Großindustrie die Möglichkeit gewährt, sich mehr und mehr aus dem Laude anzusiedeln und die bisher in der ländlichen Hausindustrie beschäftigte» Arbeiter in die Fabriken zu ziehen. Es müßten aber auch weiterhin länd« liche Gemeinden mit vorwiegend hauSindustriellcr Bevölkerung zur Einrichtung von Eentralwerkstätten unter Heranziehung der Unter- nehmet zu den Kosten und mit Unterstützung der Jnvaliditäts» versicherungL-Anstalren verpflichtet werden. Der Hcimarbeiterschutz-Kongretz hat angesichts der für alle Kiiltnrsianten gleich großen Gefahren der Hausindustrie die deutsche Regierung aufzufordern, zu internationalen Vereinbarungen die Initiative zu ergreifen. An das mit starkem Beifall aufgenommene Refernt schloß sich eine lebhafte Debatte, in der hauptsächlich H c n n i g als Vertreter der Portefeuiller, Schäfer und Reggc von den Kürschnern, P i e s k e r von den Schirmmachern, Reuter von den Äöbel- volierern und Michel von den Konfettionsarbcitern die in ihren Berufen herrschende Hausindustrie und deren Folgen beleuchteten. Die von der Refercntin vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen. Die sechs im Kartell vertretenen Gewerkschaften, die für die Heimarbeit in Betracht kommen(dies sind außer den oben erwähnten fünf Berufen noch die Mnsikinstrumenten-Arbciter). wählen ihre Delegierten zum Kongreß selbst. Die Versammlung be- schloß ferner, daß in allernächster Zeit eine öffentliche Versammlung veranstaltet werden soll, die sich mit der Heimarbeiter-Frage befaßt. Sodann wurden die Vorgänge in der Versmiunlung zur Auf- stellung der Kandidaten zu der Gewerbcgerichtswahl in Schönebcvg besprochen, die als eine Vergewaltigung der lokalorgaiiisierten Arbeiter durch die im Schönebergcr Kartell vertretenen Central» organisationeil aufgefaßt wurde.— Ferner wurde auf Antrag von Fischer beschlossen, die für die Crimmitfchmier Ausgesperrten ge- sammelten Gelder, soweit sie noch nicht abgesandt sind, vorläufig zurückzuhalten, bis genaue Aufklärung über die Beendigung des- Kampfes in Crimmitschau vorliegt.— Der Vertreter der Zink» gießer und Stürzer berichtete, daß die Lohnbewegung in seinem Beruf glücklich beendet ist und nur noch zwei Kollegen nicht wieder eingestellt sind. Eine genaue'Abrechnung über die Bewegung wird im Februar gegeben.— Nicht anwesend waren die Vertreter der Bürstenmacher und der städtischen Markrhallenarbeiter. Verband der Tapez-ercr. Die Generalversammlung der Filiale Berlin, welche am Mittwoch in Feuersteins Saal statliand, wurde ausgefüllt durch eine Diskussion über die Neuwahl der Ort?» Verwaltung und durch die Wahlbaudlung selbst. Aus der Wahl gingen hervor: 1. Vorsitzender Paul Schmidt, 2. Vorsitzender Hirt, 1. Kassierer(besoldeter Verbandsbeamter) Lobitz, 2. Kassierer Bruno, 1. Schriftführer B ölke. 2. Schriftführer Wels, Beisitzer Hermann Schöne. B l c i ch e r t. Revisoren Hirsch, Wilde, H e ck m a n n, Bibliothelar Bechert. FretrcUgiöie«tteiuciilde. Soprnag, den 7. Februar, vorm. 8'/, Ubr- in der Schul-Alila, Kleine Franijurtersti. 6: Versammlung, Freireligiöse Vorlesung.— Um IM/. Uhr vormittags ebendasewst: Vortrag des.Herrn Waldeck Manasse:.Talmudische Märchen und Wahrheiten". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekajie der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 3. Mitglieder-Vesammlung am Sonntag, 7. Februar, vorm. 10 Uhr, im Lokal ,Süd-Ost", Waldemarstr. 7S. Kür den J.»l>alt der Inserate überniiiinit die Redaktion dem Publikum„«�griiüber keinerlei BeramNvortung. Zhcztcr. Sonnabend. 6. Februar. Ansang 7'/, Uhr: Neues Köuigl. Qp-eru- Theater. Wann wir altern. der Ehemänner. Iidelw. Schauspielhaus. Die Schule Herbftzauber. deutsche». Rovella d'Andrea. Berliner. Stella und Antonie Lessing. Zaptenslreich. Weste». Die lustigen Weiber von Windsor. Ren es. Minna von Barnhelm. Residenz. Die Empfehlung. Der keusche Easimir. (Central. Das Schwalbennest. Nachm. 4 Uhr: Der gestiefelte Kater. Thalia. Guido Thicljcher als Hoch. tourist. Belle> Zllliauee. Götterweiber. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner» Theater.) Uriel Acosta. Schiller X.(Friedrich-Wilhelmslädt.) Die Kinder der Excellenz. Luisen. Die goldene Eva. Kleines. Nachtasyl. Trtano». Madame X. (karl Weih. Der Alte kommt. Nachm. 4 Uhr: Robinson Crusoe. Wtetropol. Durchlaucht Radieschen. Deutsch- Amerikanisches. Ucber'n großen Teich. (Casino. Wie einst im Mai. Bade- kuren. Reichshalle«. Stettiner Sänger. «ebr. Herrnseld. Rur eine Nacht. Passage> Theater. Enyhauphing. Specialitäten. Ansang 5 Uhr. Apollo. Frühlingslust. Blüten» Hochzeit. Specialitäten. Wtnter-Garten. Cleo de Merode. Specialitäten. Urania. Taubenftrahe 48/49. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Nachm. 4 Uhr: An den Seen Ober» Italiens. Im Hörsaal: Professor Dr. Müller: Die Erzeugung der lebendigen Substanz durch die Pflanze. Iuvalideustrassc 57/62. Stern» warte. Täglich geöffnet von 7 bi» lt Uhr. esnirsPfhester. Heute nachmittag 4 Uhr, halbe Preise. Jeder Erwachsen« ein Kind mit einem Extraplah frei: Der gestiefelte Kater. TaS Schwalbennest. Operette in S Akten o. M. Ordonneau. Musik von Henry Herbiah. Eonntagnachm. 3 Uhr halbe Preise: vis Geisha. Ab. 7'/, Uhr: Da» Schwalbennest. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Minna von Barnholm. _ Ansang 7'/, Uhr._ Rejidkilj-TlMtn Direktton S. Lautenburg. Vlbend»?>/, Uhr- VieSmpfeblung. Vlbends 8 Uhr: Der kklOe Cnlimir. Luisen-Theater. Abend» 8 Uhr; Die goldene 6va, Sonntagnachmittag: Die relegierten Studenten. Abend»: Romeo und Julia. Montag: Die relegierten Swdentcn. Dienstag: Die Waise aus Lowood. Mittwoch: Die goldene Eva. Donnerstag: Der Veilchenfteffer. Freitag zum erstenmal: Minna von Barnbelm._ Apollo-Theater. 8 Uhr: Frfihlingsluft "bÄ Blütenhochzeit. Uhr: 0M gISnzende Februar-Programm. Robert 8teI.II mit neuem luetig-en Kepertoir. JoMcary, Akrobaten. Drei KagiSB, Luftakt. PebV! Nordini? Marlin Kettner, Humorist. Legay, französischer Tänzer. Morris Cronln, Jongleur-Akt. Meesters Kosmograph. Houe Bilder. KasscneröSnung 7 Uhr. MBU- Anfang 8 Uhr. Thalia-Theater. Belle-Alliance-Tbeater. Drcsdenerstr. 72/73. Amt IV 4440. Belle-Alliancestr. 7/8. Amt VI 283. Ans. 7'/. Uhr. Dircktton lean Kren und Alfred Schönfeld. Ans. 71/, Uhr. Heute und folgende Tage: liiiillo Thielscher als Hoehtoorist Sonntag 31/, Uhr: Charleys Tante. Dienstag, d. 9., u. Donnerstag, d. 11.: Gastspiel Isadora Duncan. Heute und folgende Tage: Götterweiber. AuSstattungs-BurleSke in 3 Aufzügen mit Gesang und Tanz. Sonntagnachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Cirkus Schumann. SW Rur kurzes Gastspiel. ABS Einzig und allein dastehendes Natur- 'gjjBBlr tu u nb er der Jetztzeit. Chitnpanse.Consul Phänonienale Löwenilressur 25 Löwen sÄ" Aujzerdem: DV RiOMen- Prograiiiiu.-TRS Bit D ge*| Grosse Ausstatfungs- ~"»a l'a■■ t oiiii um'. Sonntag in beiden Porstcll. der Chimpanse gen. Consul. Nachmittags: Pierrots Weihnachten. Abends; Babel, Urania. Taubenstr. 48/49. Um 4 Uhr(kleine Preise): An den tüeen Obcrltallens. Um 8 Uhr: Oer Erdball als Träger des Lebens. Hörsaal; Prof. Dr. Müller:„Die Erzeugung der lebendigen Substanz durch die Pflanze." Sternwarte[T™ CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Ein Naturwunder: Die bildschönen Herkules- Z5- Brüder Der Indiancr-Rlese ffllanko Karoo. Deutseh-An! Honto: Zum 164. Male: erikanisches Theater. Köpniokersuasse 67. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr 30 Min. GASTSPIEL Ad. Philipp. Uebern grossen TEICH. Metropol-Tbeater 1..... ii m Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Holländer. In Leone gesetzt vom Direktor Ricnard Schultz. Im 4. Bilde:_ Grosse. Ballett-WW Wie damals Im Monat Mal. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Casino-Theater« Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/» Das neue Februar-Programm. Friedrich Vulronu. ic. Neu! Badekuren. Wie einst im Mai. Sonntag tauschte Sohn. 4 Uhr: 0er ver- Trianon-Theater. Aeorgenstraffe, zwischen Friedrich» und UniversitälSstratze. Madame I. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachmittag:„Blscette." Kleines Thealer. Unter den Lmden 44. Nscktaszfl, Ansang Morgen: Biel 8 Uhr. .tr». Palast-Theater Burgstraffe 22, früher Feen-Palast Heut« abmd 81/, Uhr: Das Millionenmädel. Im Sperialitätenteil: Signora Erneeto mit ihrem mysteriösen Elefanten. tilll Erlston, Uostüm-Soubrett«. Oeamande u. Anni, Trapez- u. Kraftakt. Mr. C. Jörgensen, Mimiker. les Rattabis, Duo-LandschastSmaler. Morgen nachmittag 3 Uhr: Ellfe- Vorstellung. Ha l b e Kaffenpreise. Heborah. Abend» 8 Uhr: Da. Mllllonenmiidel. Vorher Konzert und Austreten der erstklassigen Specialitäten. Anfang Wochent 8, Sonnt. 7'/, Uhr. BernM Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraffe 58. Heute: Keine Vorstellung. Morgen Sonntag, den 7. Februar ct., nachmittags 3 Uhr: Mutterliebe. Abend» 7 Uhr: Der Walzerkönig. Nach der Vorstellung: Orosser Ball. Passage-Theater. Anfang Sonnt. 3, Wochentags 5 Uhr. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Die neue Sensation Berlins; Tä TT« der mysteriöse I O 8 Oj Musiker. Fred Edlawi, d.besteVerwandlungskünstler, schneller als der Blitz. Madge«• Nelly Perry, die reizend. Amerikanerinnen. 14 erstklassige Nummern. Fröbels Allerlei-Theater sr. Puhlmann, Schönliauscr Allee 148. Sonntagnachmittag 5 Uhr: Korddeutsche Sänger. Nach der Vorstellung um 10 Uhr: «i-osmei» Kall. Entree 30 Pf. Sperrsitz 50 Pf. Montag 61/, Uhr: Gastspiel de» Burmeisterschen Goethe-llnsernbies. tJehrtider Herrnfelfl� Theater. Llnfang 8 Uhr. Die anerkannt Sonntag« 7 Uhr. erfolgreichste Novität Mr eine ZVaelitl 2 Akte au» einer Ehe. Komödie von A. und D. Herrnfeld mit den Prachtflgureu Willi Waldheim... Donat Herrnfeld. Tuschek....... Anton Herrnfeld. Oambitsoh...... Ferd. Grünecker. Ferner: Da« neue Febrnar- KUnatlcr-Prograiani. lyrico■ Quartett, Italienisches Opern- Ensemble. 8 Schwestern Longonells in ihren Orig.-Gesänaen u. Tänzen. Hark» Freva,— Hilda Stadthagen. Ken t Xen! ' Sendix' oi«„Ittonna Vanna". Vorverlaus 11—2 Uhr. Carl Weiss-Thealer. «rotze Aranffurter Straffe ISS. Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung, kleine Preis«: Robinson Crusoe. Abends 8 Uhr: Der Alte kommt! Vaudeville-Operette in 3 Akten von Mar Feldberg und Alex. Tyrkowski. Morgen nachmittag 3 Uhr(Parkett 60 Ps.): Ilse Römer. Ab. 7>/, Uhr: Ger Alte kommt. I. Direktion: Robert Dill. Rrmaaeastrafiae IS. Heute wegen Privatfestlichkeit %Sr geschlossen. Sonntag: Ein gemachter Mann. Ansang 8 Uhr. Bi Entree 30 Ps. II.-M« Stei(ll-<ÄJhealer Linien- Oranien Strasse 132 burger Thor. Riesenerfolg Z-WW Das teure Iaterhaus. Dramolet von Fritz Steidl. Bollständi�nenes�Zro� sTeues Programm: „Pas des Deuz" getanzt von Sign. Fiorentini n. Sgr. Cerutti. Kaufmann-Truppe Weibl. Radfahrer. Sisters Moulier Reckturnerinnen. Brothers Damm Exentrio Akrobaten. Paul Batty Dressierte Bären. 0' Neil und Terp Excentrics. DoraKepptinger Sängerin vom 1 1 priv. Theater a. d. Wien. Costantino ßemardi In einer Komödie mit 9 Personen v. Bemardi allein dargestellt. Georg Hartmann Zauberkünstler. Athleta* Brada Kraftproduktjon. C 1 �« de ffldrmde iograph. i IX. Berliner Saison. Cirkus Busch. Parade-Qala- Vorstellung. \up noch knrxc Zelt! Wu n de r- Dress n r de» Mr. Richard Sawada mit seinen wilden Könlgsügern. Herr Burkhardt-Foottit aus Ncapo. lUano Soja, Lippizaner Hengst von Neapolitano Trourpeta a. d. Soja P. Pluto. Fräulein Martha Mohnke aus Alba Favory, Lippizaner Hengst, erworben von der k. k. spanischen Hosreitschule in Wien. Mlle. de Holstein aus ihrem irländischen Springpferd Milton. Zum Schlug zum 40. Male: Aus den Alpen. Bemerkenswert: 0er?Zutomobilstur2. A v i S I Sonntag. 7. Februar: Zwei Vorstellungen: Nachnutlag» 4 Uhr und abends 7'/» Uhr. An beiden Vorst.: Wunderdressur des Mr. Richard Sawade mit seinen wilden KOn1g»t1gecn. Sanssoncl. Kottbuser-Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: HofrmnnnN Norddaulsche Sänger u. TanzkrUnzchen. „Kalt gestellt.' Dienstag, den 9. Februar: Ein Man» aus dem «olke. Wochent. Vorzugök. gülttg. Königstadt-Kasino Holzmarktslr. 72, Ecke Alexanderstraffe. Täglich: rs-anM Madaaukl. Die neuen Specialitäten mit HM-' Hedwig Ikdring. J» Holttikt. Nach der Vorstellung: Mitttvoch«, Sonnabend« u. Sonntag«: Van». I-Mch-f-ttil, A.5S.7.- verkaujeu Rügeuerstraffe 9. Hinner. Berichtigung. In dem Inserat Weiter-WMrer-Verein ktbcckork Vereinshaus: R. Thiel. Bergstraße 151/153 soll es heißen: Sonntag, den 7. Februar, abends t» Uhr (nichts Uhr): Vortrag des Herrn dk. k. öseg�. Jeder Arheiter, Jeder Handwerker tollte-in' Hrbctt die Lederhpsc RerUnle» tragen. Allein-Verkaus. Sehr starre» Leder m praktischen grauen u. braunen Streifen, auch cinsarbig. Zl/n Bund aus einem Stuck gearbeitet. Sehr feste»läpp- nähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Groß« Fliaen umsonst. Die Haje Ibei Entnahme von I /M_ 6 Stück Ä MI. 1'Tt lNtt. Echtblaues Montem- Jackett t gg Echtblaue Monteur- Hose..> 50 Echtblaues Monte'Ar- Jacke' � Prima Köper-XAelvcbe'» M 50 Echtblaue Monte: rr- Ha',«"' Prima«opk r-Ge �xh« � ZM zg Manchester-Hose L.7 �5,50,4,50,3 IUI. 50 Gefuttert. Mau /�st�ackctt 14.50«.75 Weibe Fnsey.--Jackett» 3,50, 2 M. 75 «ondttor°�/en. Ureihig... 4»!. 50 Malcr-Krtte',.. Z— 2 50 SM— Mcchanire'..jU',tci chraun/ 2 M. 40 Weibe L �Hev-Jacketts, 2rcihig � 7,50, 3 M. 75 ?Beik> Tedethosen... 4,50, 2 M. 90 A' �rnhoien. fest u.'chön, 3.-. 1 M. 75 Sie Preise gelten flu nonnalc. Größen Beerdigimgsverein Berliner Zimmerleule. Eingetretener Umstände halber findet der schon bekannt gemachte Rauhenhall nicht am SO., sondern nchon am 18. Fchrnar »tatt in den Gcsamträumen der Bnaneeei Köuigstadt. Schönhauser Allee(am Schönhauser Thor), wozu wir die Atttgliedcr. Freunde und Gönner unsre» Verein» freundlichst einladen, recht zahlrei� zu erscheinen. Eintrittskarten a 50 Ps. sind vorher bei den unter?, enchncten Komitee- Mitgliedern zu haben: Kle b b, Zossenerstu 22: P 0 st>vu r, Schulstr. 102, 6. Aufgang 2 Treppen; Jahn, Usedomstr. 10. I. Seite/isl. 2 Tr.; H a g e n» stein, SolmSftr. 21. Seitenfl. 3 Tr.; Eayonz. Kastanien-Allee 12; J m m, Schrcinerstr. 50, 2. Ausg. 3 Tr.; G i rke, Waldemarstr. 49, vorn parterre; außerdem bei den Mitgliedern Herren B a n d e l 0 w, Langestraße 13 im Restaurant, und Brun gel, WilSuackerftr. öl, Scitensl. 8 Tr. Ansang 8'/, Uhr.[286»3] Das Komitee. En gros. Export. En detail. Ehauneestr.Lla Sö. Brück«nfir.ll. 5,7,10,15Mk. in Seidendamast.......... 20 u. 25 Mk. Amenkan. tussfreie Strassen röcke. jetzt 5.75, 9, 10 Mk. Jacken und Blusen-Cosiüme in neuesten Stoffen 12, 15 Mk. bssfreies amerik. Jackenkletd, letzte Neuheit 20, 25 Mk. Trauerkleidcr in eleganter Ausführung. 18, 20, 25 Mk. Degant garnierte Kleider in Zibeline, Satintuch und in den neuesten hantasiestotten..... 20, 25, 30 Mk. Weisse Costüm-Röcke, weisse Blusen 5,9Mk. Eleg. Ballkleider u. Organdy-Kleider 20 Mk. Seldenblusen, elegante Fagons.. 5.50, 7.50, 10 Mk. Morgenröcke, Matln�es und Jupons Sictatann§ Jtosenberg Kommandantenatrn Ecke Undcnatr. Massantertigung.- sssssssss Telephon: Amt ¥11, 4868. Vertrecer: Albert Hombui-gct Berlin, Spandauer Brücke 2. 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