Nr. 34. lrtonn«nen(S'Bf dlngongen: ftBormeinent»■ PrelZ prSnmnerando i W»tteIl«5iL»L0 rer., monoll. 1,10 SRt, WSchentltch 28 Pfg. fcei in* Hau*. «inzrlne Nummer 5 Pfg. Sonnlag«. Nummer mit illustrierter Sonntag*. Beilage.Die Neue Seit" 10 Pfg. Post- Sttonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung*. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 8 Marl, für da* übrig- Ausland S Mark pro Monat. VIchtlit tig»» auBtr DlonUo*. LI. Jahrg. Sevlinev VolKsblÄtk. vir Inlertlonz-Ledllft? betrügt sür die sechsgespaltene Nolonel» zeile oder deren Raun, 40 Pfg., für politische und gewerlschastllche Verein*- und BerlammInngS-Zlnzeigen 25 Pfg. „UUin- Hmelgen". da* erste(fest. gedrulktri Wort 10 Pfg., jede* wettere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zühlen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmiltag* in der Expedition abgegeben «erden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abend», an Sonn, und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geössnet. Zelegramm- Adresse: „SMialiUraohral Berlin". Zentralorgan der fozialdcmokrati feben parte! Deutfchlanda. RcdahHon: SM. 68, Llndcnatrasac 69. Kernsprcchcr: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der ostasiatische Krieg. Der erste japanische Flottcnerfolg. Wenn wir gestern schrieben, dast mit dem Abbruch der diplo- matischen Beziehungen zwischen Japan und Rustland bereits der Kriegszustand eingetreten sei, da es völkerrechtlich nach einem solchen Schritt keiner besonderen Kriegserklärung mehr bedürfe, dast deshalb also das Echo des Kanonendonners jeden Augenblick in Europa widerhallen könne, so hat sich diese Vermutung sehr bald bestätigt. Zwar haben nicht die Schiffsgeschiitz» gesprochen, Ivohl aber die j a p a n i s ch e n Torpedos. Prompt und schneidig hat Japan einen ersten Angriff auf das russische Geschwader in Port Arthnr unternommen und demselben dabei anscheinend schwere Verluste zugefügt. Ueber diese erste glückliche Aktion der japanischen Flotte liegt von japanischer Seite noch keine Meldung vor. Dagegen ver- öffentlicht das offiziöse Petersburger Organ, der „RegirruiigSbote" folgendes Telegramm deS Statthalters Alcxejcw an den Kaiser: Allerunterthänigst melde ich Eurer Majestät: Ungefähr uin Mitternacht des 8. auf den 9. Februar machten japanische Torpedoboote einen plötzlichen Minenangriff auf das Geschwader, welches auf der änderen Reede der Festung Port Arthnr lag, wobei die Panzerschiffe„Nrtwisan" und „Zesarewitsch"»nd der Kreuzer„Pallada" beschädigt wurden. Der Charakter der Beschädigungen wird festgestellt. Einzelheiten folgen für Eure Majestät. Ueber die vermutliche Bedeutung dieser„Beschädigung� der drei russischen Kriegsschiffe äubert sich ein anscheinend Sachkundiger im»Tag- wie folgt: »Der materielle Schaden, welcher den Russen zugefügt ist. ist ohne Zweifel ein sehr bedeutender. Wenn es sich um einen geringen Schaden handelte, würde der Statthalter dies in seiner offiziellen Depesche sicherlich sofort gemeldet haben..Retwisan' und.Zesarewitsch' sind zwei der allerneucsten Panzerschiffe von ungefähr derselben Wasserverdrängung wie unsre neueste Braunschweigklasse. Der beschädigte Panzer„Pallada' ist ungefähr so grofi wie S. M. S..Hertha', der große Kreuzer, ans welchem Prinz Adalbert von Preußen zur Zeit in den ostasiatischen Gewässern seine Ausbildung erhält. Die Bedeutung der Beschädigung wird in erster Linie dadurch bestimmt, wie viel und welche der Schiffsabteilungen voll Wasser gelaufen sind und welche Veränderung im Tiefgange, namentlich der Panzer- schiffe, dadurch hervorgerufen wird, denn die Wassertiefen in der Einfahrt von Port Arthur sind derartig, daß bei einer Vennehrung des natürlichen Tiefganges der Panzerschiffe lüber 8,3 Meter) um nur wenige Fuß die Einfahrt in den Hafen ui. d vor allem in das große Dock sehr schwierig, we im nicht unmöglich wird. Man wird in der Annahme nicht fehl gehen, daß zum mindesten die beiden großen Linienschiffe für längere Zeit nicht wieder gefechtsbereit herzustellen sind. An ein offenfives Borgehen der russischen Gesamtflotte gegen die Japaner ist deshalb noch weniger zu denken als vorher." Ueber die beschädigten, d. h. wahrscheinlich außer Gefecht ge- setzten russischen Schiffe dürsten noch folgende Mitteilungen intcr- essieren: Der»Zesarewitsch' ist 1901 vom Stapel gelaufen, hat eine Wasserverdrängung von 13 309 Tonnen, eine indizierte Pfcrdekraft von 18 309, eine Geschwindigkeit von 18,6 Seemeilen und eine Be- satzung von 732 Mann.„R e t w i s a n' lief 1900 vom Stapel, hat bei 12 900 Tonnen ebenfalls 18 399 Pferdekräfte. 18 Seemeilen Ge- schwindigkeit und 732 Mann Besatzung..Pallada' ist ein ge- schützter Kreuzer, stammt aus dem Jahre 1899. hat bei 8709 Tonnen 13190 Pferdekräste, 29 Seemeilen Geschwindigkeit und 422 Mann Besatzung. Sollten die Schiffe thatsächlich manövericrunfähig ge- worden sein, so wäre dadurch in der That die russische Flotte völlig auf die Defensive angewiesen. Sie besäße nämlich nur noch 6 Linienschiffe, 8 große und 2 kleine Kreuzer gegenüber 7 Linien- schiffen, 8 großen und 18 kleinen Kreuzen: der japanischen Flotte. An Zahl zwar sind die russischen großen Kreuzer den japanischen iiberlegen. jedoch sind von ihnen nur noch drei mit Panzerschutz ver- sehen. Hinzu kommt, daß mehrere der großen russischen Kreuzer ja in Wladiwostock stationirt sind. Nun befindet sich allerdings ein russisches Hilfsgeschnder von 14 Schiffen auf dem Wege nach Ostasien, allein einstweilen ist es erst in PortSaid, d. h. am Eingang des Suez» Kanals angekommen, es braucht also noch etliche Wochen bis zu seinem Eintreffen auf dem Kriegsschauplatz. Wie es bis dahin mit der russischen Flotte in Ostasien selbst aussieht, bleibt abzuwarten. Die Landstreitkräfte der kriegsführenden Mächte werden wie folgt geschätzt: Die aktive Armee und die Reserve Japans zusammen, die die für einen Festlandskrieg verfügbar« Feldarmee bilden, sind rund 249 900 Mann stark, da die Territorialarmee bestimmungsgemäß nur zur Verteidigung deS Landes verwendet werden darf. Diese kann in der Stärke von 130 Bataillonen, 26 EskadronS, 312 Geschützen, 3009 Offizieren und 120 000 Maim aufgestellt werden, kommt aber für einen Krieg aus dem Festlande gegen Rußland ebenso wenig in Frage, wie die auf Forinosa stehenden Truppen und die auf den kleineren Inseln befindliche Miliz. Rußland verfügte vor einem Monat in Ostasien über daS erste und zweite sibirische Corps mit rund 80 900 Mann, 29 090 Reserve- truppcn, 19090 Kosaken ersten Aufgebots. 16 990 Grenz- und Eisen- bahntruppen, etwa 19099 Mann Festungstruppcn, zusammen rund 116009 Mann mit 390 Geschützen. Dazu tritt noch eine russische Division, die im letzten Sommer dorthin transportiert wurde, um, wie bekanntgegeben wurde, die Leistungsfähigkeit der sibirischen Truppentransporte zu erproben, aber nicht nach Rußland zurückkehrte. Auch sie zählt noch rund 12 999 Mann. In den letzten Wochen sind ununterbrochen Verstärkungen nach Ostasien gesandt worden, über deren Größe nichts Zuverlässiges bekannt geworden ist. Japanische Truppenlandungen in Korea. Aus Söul wird das Eintreffen japanischer Pioniere gemeldet'! unter den Bewohnern daselbst herrscht in Erwartung des Eintreffens japanischer Truppen Unruhe; es liegen Nachrichten vor über die Landung einer größeren Ab- teilnng japanischer Truppen in Masampho. Dort nahmen russische Handelsschiffe, die„Schilka' und die.Mandschnria' und ein andres von den Russen gechartertes Fahrzeug, Kohlen- Vorräte für Port Arthur an Bord. Die Japaner fanden keinen Widerstand, und die weggenommenen Schiffe sind jetzt von japanischen Wachen besetzt. Ferner wird gemeldet, daß zwei weiter« russische Schiffe auf See genommen und nach Sascbo geleitet wurden. Ans Fusan(Korea) wird dem japanischen Blatte„Jiji" telegraphiert, daß Sonnabendmorgen um 8 Uhr östlich der Insel Koji Kanonendonner gehört wurde. Aus Tschiflt wird telegraphiert: 60 japanische TranSportdampfcr lande» an der koreanischen Küste Truppen. New Jork, 9. Februar.(Meldung deS„Renterschen Bureaus'.) Der Marinesekretär Moody hat von dem amerikanischen Marine- attachä in Tokio folgende Depesche erhalten: Eine Flotten- division hat die japanischen Gewässer verlassen. um nach Tscheinulpo zu gehen. Erneuter nissischer ReinwaschiingZ. Versuch. Der Petersburger.Regierungsbote' veröffentlicht fol- gendes RegiernngSkommuniquö: „Im vorigen Jahre wandte sich das K a b i n e t t in Tokio, unter dem Vorwande, das Gleichgewicht und eine festere Ordnung an den Ufern deS Stillen OceanS herzustellen, an die kaiserliche Regierung mit dem Vorschlage, die gegenwärtigen S c r». träge mit Korea zu revidieren. Rußland willigte ein. Auf kaiserlichen Befehl wurde infolge der zu dieser Zeit erfolgten Errichtung einer Statthalterschaft im fernen Osten die Ausarbeitung des Projektes eiues neuen Einverständnisses mit Japan dem Gcncraladjutanten Alexcjew übertragen unter Mitwirkung deS russischen Gesandten in Tokio, dem die Verhandlungen mit der japanischen Regierung übertragen wurden. Ungeachtet dessen, daß der Meinungsaustausch über diesen Gegenstand mit dem Kabinett von Tokio einen frenndschaftlichen Charakter erhielt, versuchten japanische gesellschaftliche Kreise sowie lokale und ausländische Blätter ans jede Weise unter den Japanern kriegerische Stimmung hervorzurufen und die Regierung zu bewaffnetem Streit mit Rußland zu bringen. Unter dem Einffusse solcher Stimmung fing das Kabinett von Tokio an, immer größere und größere Forderungen in den Unterhandlungen zustellen und traf gleich- zeitig umfangreichste Maßnahmen, um daS Land kriegsbereit zu machen. Alle diese Umstände konnten selbstverständlich die Ruhe Rußlands nicht stören, bewogen jedoch dasselbe, auch seiner- seitS die bezüglichen Anordnungen für Heer und Manne zu treffen. Dessen ungeachtet widmete Rußland, von dem aufrichtigen Wunsche beseelt, den Frieden im fernen Osten zu erhalten, soweit sein« unstreitigen Rechte und Interessen es erlaubten, den Kund- gedungen deS Kabinetts in Tokio die nötige Allfmerksainkeit und erklärte sich bereit, auf Grund der Bedingungen des Einverständnisses, Japans bevorzugte kommerzielleund ökonomische Stellung auf der Halbinsel von Korea anzuerkennen mit dem Zugeständnis des Rechts, dieselbe im Falle von Unruhen im Lande mit seiner Kriegsmacht zu schützen. Gleichzeitig bestand jedoch Rußland unter strenger Beobachtung des GrundprincipS seiner Politik bezüglich Koreas, dessen Unabhängigkeit und Integrität durch vorhergehende Einverständnisse mit Japan und Verträge mit andren Mächten garantiert waren, auf 1. gegenseitiger und unbedingter Garantie dieses GrundprincipS, 2. auf der Verpflichtung, keinen Teil Koreas für strategische Zwecke zu gebrauchen, da die Zitlassung solcher Handlung seitens einer mtsländischen Macht direkt dem Princip der Selbständigkeit Koreas widerspricht, und 8. der W a h r u n g voller Freiheit der Schiffahrt durch die Meerenge von Korea. Ein in solchem Sinne ausgearbeitetes Projekt befriedigte die japanische Regierung nicht, welche in ihren letzten Vorschlägen nicht nur die Annahme der Bedingungen ablehnte, dir als Garantie der Unabhängigkeit Koreas erschienen, sondern auch gleichzeitig darauf zu bestehen begann, daß in das er- wähnte Projekt Bestimmungen aufgenommen würden, welche die Mandschureifrage betreffen. Solche Anforderungen Japans waren natürlich unzulässig. Die Frage über die Lage Rußlands in der Mandschurei betrifft vor allem China selbst, sodann aber auch alle Mächte, welche HandelSintcrcssen in China haben. Daher sah die kaiserliche Regierung entschieden keinen Grund, in einen Sondervertrag mit Japan über die koreanischen Angelegen- heiten irgendwelche Bestimmungen hinsichtlich des von russischen Truppen besetzten Gebietes aufzunehmen. Die kaiserliche Regierung weigert sich dabei nicht, sttr die Daner der Okkupation der Mandschurei sowohl die Souveräne- tät deS Kaisers von China in der Mandschurei wie auch die Vorrechte anzil erkennen, welche dort die Mächte durch Verträge mit China erworben haben. Darüber ist den fremden Kabinetten schon eine entsprechende Erklärung gemacht worden. Im Hinblick darauf war die kaiserliche Regierung, indem sie ihren Vertreter in Tokio beauftragte, ihre Antivort mif die letzten Borschläge Japans zu übergeben, be- rechtigt, zu erwarten, daß das Kabinett in Tokio die Bedeutung der oben auseinandergesetzten Erwägungen in Betracht ziehen und den von Rußland an den Tag gelegten Wunsch, mit Japan eine friedliche Verständigung zu erzielen, schätzen werde. Statt dessen beschloß die japanische Regierung, ohne selbst die Antwort abzuwarten, die Verhandlungen abzubrechen und den diplomatischen Verkehr mit Rußland einzustellen. Indem die kaiser- liche Regierung die volle V e r a n t w 0 r t u n g für die etwaigen Folgen einer derartigen Handlungsweise Japan auferlegt, wird sie die Entwicklung der Ereignisse abwarten und bei der ersten Not- tvcndigkeit die entschiedensten Maßnahmen zum Schutze ihrer Rechte und Interessen im fernen Osten treffen. Die Haltung Frankreichs. Paris, 9. Februar. Der Deputierte Prcssensö hatte gestern eine Unterredung mit Drlcassö über den russisch- japanischen Konflikt. Der Minister erklärte erstens, der Kriegszustand sei noch nicht eingetreten, er brauche sogar nicht einmal ein« zutreten, falls sich Japan mit einer begrenzten Aktion im Süden von Korea begnüge. Es könne deshalb eine neuerliche Bemühung zur Herbeiführung einer friedlichen Lösung unternommen werden. Zweitens erklärte der Minister, er habe entsprechend den Interessen Frankreichs und Rußlands selbst im Sinne der Ver« söhnung gewirkt. Rußland habe der japanischen Regierung be- deutende Zugeständnisse gemacht. Alle Mitglieder der früheren französischen Regierung, ebenso wie die der gegenwärtigen, die von der französisch-russischen Vereinbarung direkt Kenntnis hätten, köimtrn bekräftigen, daß dieselbe keinerlei positive Berpstichtung sür granlreich betreffend Ostnsien ruthalte. Dies beweise mehr als hinreichend der Wortlaut der Note, die zwischen beiden Mächten zur Zeit der Veröffentlichung des englisch-japanischen Ver- träges ausgetauscht worden sei.— Der Ministerpräsident er- klärte mehreren Deputierten in bestiumlter Weise, daß die französische Regierung, was für Ereignisse auch eintreten könnten, fest entschlossen sei, keinerlei die AktionSfrriheit Frankreichs irgendwie bindende Schritte zu unlrrnchuien, ohne daß das Parlament die vollste Kenntnis von den Ereignisse» hätte und sich über die zu de» obachtcnde Haltung ausgesprochen habe. Der Deputierte Jnurös, der die Absicht hatte, die Vorlegung eines Gelbbuchcs zu verlangen, das alle Schriftstücke, die die Verpflichtung Frankreichs gegenüber Rußland, insbesondere die gelegentlich des Abschlnsseö der Allianz zwischen Alexander III. und dem Präsidenten Carnot ausgetauschten Noten enthalten sollte, hat infolge der Erklärung des Ministerpräsidenten seine Absicht aufgegeben. Börsen-Panik. Auf dem gesamten westeuropäischen Börsenmarkt hat der Aus- bruch des Krieges eine fieberhafte Erregung hervorgerufen, die sich vielfach zu wilder Panik steigerte. Hatten schon die gestrigen Meldungen Anlaß zu bedeutenden Kursstürzen gegeben, so schien es heute an der hiesigen Börse, als hätten die kapitalistischen Kreise völlig den Kops verloren. Derartige Sccnen sind seit dem Herein- bruch der letzten Wirtschaftskrise nicht mehr vorgefallen. Mit wildem Ungestüm suchten die Effcktenbesitzer ihren Besitz an Wertpapieren ab« zustoßen, Angebot häufte sich auf Angebot, und in hasttgen Sprüngen stürzten die Kurse. Und zwar beschränkte sich die Deronte nicht nur auf die beteiligten Rcutenpapiere und Bankaktien, sondern Industrie- Aktien der verschiedensten Art, inländische und ausländische Fonds, Eisenbahn-Aktien und-Obligationen: alles wurde in den Strudel hineingezogen. Je mehr man bisher in den Börsenkreisen die Gefahr unterschätzt und im Vertrauen auf die schlechte Finanzlage Rußlands und Japans mit einer stiedlichen Beilegung des Konfliktes im weiten Osten gerechnet hat, um so gefährlicher erscheinen jetzt diesen Kreisen die sich am fernen Horizont zusammenballenden dunklen Gewitterwolken, und fast überall wird die Befürchtung laut, daß der Kampf nicht auf Japan und Rußland beschränkt bleibt. sondern auf die andern in Ostasten interessierten Mächte über- greifen wird. Den bedeutendsten Kurssturz erlitten gleich nach Beginn der hiesigen Börse die Aktien der Russischen Bank für auswärtigen Handel, die schon gestern etwa 9 Proz. eingebüßt hatten; sie fielen lviedcrum um mehr als 15 Proz. Aber auch die Aktien der großen östreichischen und deutschen Banken gaben gleich zu Anfang um 4 bis 8 Proz. nach, zum Beispiel Oestreichische Kreditaktien um beinahe 8 Proz., Dresdner Bank B8/«, Darmstädter und Berliner Handelsgesellschaft je 6'/«, Nationalbank 4Vz. Diskonto- Gesellschaft 48/�, Schaaffhausener Bankverein 8>/<, am wenigsten Deutsche Bank, nämlich um 2'/« Proz. Noch weniger Rückhalt als der Bankaktienmarkt zeigte der Markt der Montan- papiere. Die Kurse stürzten bis 11'/, Proz. Das am meisten ge- drückte Papier waren Harpener Aktien; Bochumer zeigten einen Kurssturz um 8'/z Proz., Laura um 8 Proz., Dortmunder Union um 4'/« Proz., Gelscnkirchener um 6'/� Proz. und Hibernia wu O8/« Proz. Auf dem Markt fiir russische Renten fehlte e» erst ganz an Käufern, dann aber trat das sogenannte Rusienkonsortium in Aktion und stützte durch bedeutende Jmerventionskänse den Markt, dennoch büßten die russischen Renten und Eisenbahu-Prioritäten meist 3 bis 4 Proz. ein.__ poUtifchc Qcbcv ficht. Berlin, den 9. Februar. Der Reichstag. Wie unangenehm die gestrige Rede unsres Genossen S ch e i d e m a n n den ö.llep.Schnttiexungen Mr. das bewiesen die immer wiederholten Entgegnungen und An- griffe in der heutigen Sitzung. Es liegt darin eine gewisse unfreiwillige Anerkennung. Eine ganze Compagnie agrari- scher Größen trat nacheinander an, um je nach ihren Fähig- reiten in bald mehr, bald minder sachlichen Ausführungen feinen Beweis anzuzweifeln, daß dem angeblich hygienischen Fleischbeschau-Gcsetze die volksfeindliche Absicht der Fleisch- Verteuerung zu Grunde lag. Zunächst gefiel sich der Anti- semit Graf Reden tlow, getreu den Ucberliefcruugeu seiner Partei, in den geschmacklosesten Angriffen auf die geistigen Fähigkeiten und das Wissen dcS Genossen Scheidc- tnann, die um so peinlicher wirkten, als dieser durch seine sachlichen Ausführungen nicht den mindesten Anlaß dazu ge- geben hatte. Der nationallibcrale Abgeordnete Dr. W a l l a u suchte ihn zu übertrumpfen, indem er gleich gegen die ganze Partei den uralten Vorwurf der Vaterlandsfeindlichkeit und Norliebe für das Ausland erhob. Das Centrum will natürlich mit Rücksicht auf seine ländlichen Wähler nicht zurückstehen und ließ durch den Abgeordneten Dr. Dahlem verkünden, daß das deutsche Schwein überhaupt keine Trichinen habe, und die Hausschlachtungen deshalb gar nicht beaufsichtigt zu werden brauchten, daß dagegen das ausländische Schwein körperlich, geistig und moralisch minderwertig sei. Auch der konservative Abgeordnete Dr. Dröscher, der dein Reichs- tage das alte, liebe Kindermärchen von den hygienischen Gründen des Fleischbeschau-Gesetzes erzählte, erzielte bei unsrcn Parteigenossen nur einen wohlverdienten Lacherfolg. Hatte Graf Revcntlow doch selbst erklärt, das Fleischbeschau- Gesetz sei ebenso zum Schutze der Schweinezüchter wie zum Schutze der Volksgesundheit bestimmt. Glücklicher war nur der klügste der agrarischen Wortführer, Graf 5k a n i tz. Er ver- legte den Kampf ins Lager der Feinde, indem er von den freisinnigen Stadtverwaltungen die sofortige Aufhebung der Mahl- und Schlachtstcuern forderte, und den Fleischermeistern, dem sonst so gepriesenen Mittelstand, den Vorwurf des Fleisch- Wuchers machte. Genosse Horn, der als einziger aus unsrer Fraktion zum Wort kam, konnte am Eingang seiner Rede den Agrariern versprechen, daß wir ihnen die Antwort nicht schuldig bleiben werden. Im übrigen besprach er die gesundheitsschädlichen Zustände in den Glasbläsereien, in denen die Benutzung des- selben Mundstücks durch verschiedene Arbeiter Tuberkulose und Syphilis geradezu weiter verbreiten m u ß. Staats- sekretär Graf Posadowsky versprach, daß die Regierung den Gcsundhcitsvcrhältnissen der Glasarbeiter erhöhte Auf- merksamkeit zuwenden werde. Sonst wurden in der Diskussion nur Einzelheiten über das Reichs-Gcsundheitsamt vor- gebracht: Dr. Müller-Sagan(Frs. Vp.) tadelte die -Organisation der biologischen Abteilung, während Graf B e r n st o r f f(Welse) sie lobte: der Pole K u l e r s k i be- schwerte sich über die Kautschukbestimmung' in der neuen Prüfungsordnung für Mediziner; Dr. Böttger(natl.) forderte bessere Besoldung der technischen Hilfsarbeiter im Reichs-Gcsundheitsamt, und eine größere Anzahl von Ab- geordneten verlangte obligatorische Viehversicherung durch das Reich. Vor Eintritt in die Tagesordnung hatte Herr Gröber vom Centrum viel Aufhebens davon gemacht, daß Genosse Frohme eine Stelle seiner Rede über die Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft vor der Drucklegung im Stenogramm verändert hat. Es handelte sich bei dieser Stelle um ein offenbares Verschen, was aus dem übrigen Inhalt der Frohmeschen Ausführungen unzweifelhaft hervor- geht. Soll denn übrigens ein„falscher Zungenschlag" bloß das Privilegium preußischer Minister sein? Morgen 1 Uhr wird die Beratung bei dem gleichen Titel fortgesetzt.— Die deutsche Diplomatie in der Welt voran. In keinem Kutturlande beteiligt sich die Oeffcntlichkcit so wenig an der auswärtigen Politik, wie im Deutschen Reich. Man überläßt den jeweiligen Ministern die Ordnung der Geschäfte und verzichtet sogar auf die parlamentarischen Geschäfte. Die Minister profitieren ihrerseits an solcher Urteils- und Teilnahmslosigkeit und sind so in der glücklichen Lage, Dunimheiten auf Dunimheitcn häufen zu können, ohne befürchten zu müssen, daß eine parlamentarische Mehr- hcit ihre Unfähigkeit bloßstellt. In dem wallenden Mantel des er- habcncn diplomatischen Geheimnisses verstecken sie auf diese Weise ihre Thorheiten und Mißgriffe. ES gilt als„national", immer groß- Nofenow in Chemnitz und im Erzgebirge. Chemnitz, S. Februar. Wie ein Vlitz aus heiterem Himmel traf die Parteigenossen in Chemnitz und im Erzgebirge die Kunde von Rosen ows Tod. Man hielt es kaum für möglich, daß er, der noch vor acht Monaten mit uns im Wahlkampfe stand, jetzt so plötzlich gefallen sein sollte. Wie rüstig führte er noch den Wahlkampf, wie freudig und begeistert predigte er den wackeren Erzgebirglcrn noch vor wenigen Monden die Lehren des Socialismus. Wie frisch und munter sah er noch ans, als lvir, Seite an Seite mit ihm, zur Agitation in die Berge und Thälcr seines geliebten Erzgebirges hinauszogen. Und heute? Geschlossen ist der beredte Mund, der so vst und so gern zum Volke sprach. Erloschen der Glanz dcS treuen, osfcncn Auge?, das so empfänglich war für die Schönheiten des Erz- oebirgeS. Still ist da-Z Herz,'das alles Leid und alle Freude der Erzgcbirgler mit empfand. Unwillkürlich regt sich in dem Herzen eines jeden Proletariers, der mit Rosenow in engerem Verkehr gestanden, der Gedanke, was war uns Rosenow. was hat er inr Kampfe für die Freiheit, im Streite mit de» Mächten der Reaktion geleistet? Und dankbaren Herzens blicken wir an seiner Totenbahre ans seinen arbeitsreichen, frcnd- und lcidvollen Weg. den er im Dienste der Partei zurückgelegt hat, zurück. Lang ist er nicht, aber frühzeitig hat ihn unser verstorbener Freund betreten. Verhältnismäßig jung, wie selten einer, wurde er an den exponierten Posten eines Redakteurs gestellt, frühzeitig lernte er die Leiden eines Freiheitskämpfers kennen, aber frühzeitig erwarb er sich auch die Liebe und das Vertrauen der Parteigenossen, so daß er schon im Alter von 27 Jahren das höchste Ehrenamt er- längte, Iva! die Partei zu vergeben hat. Am 1. Mai 1892 war es, als Rosenow seine Thätigkeit am Chemnitzer Partei-Organ, dem„Beobachter", begann. Es war eine bewegte Zeit. Noch waren die Nachwehcn des erst zwei Jahre vor- her gefallenen SocialistengcsctzcS zu spüren. Wohl mar daS Gesetz geschwunden, aber der Geist desselben regte sich noch in den Köpfen der Polizei und der Richter. Daneben tobte ein heftiger Kampf mit den bürgerlichen Parteien. Besonders eine Partei war es, die in Chemnitz damals in Aktion trat, der Anti- scinitismuS erhob frech und wild sein Haupt und ent- saltete eine wüste Agitation. Aber nichts focht unsrcn jungen Kämpfer an. Mutig ging er dem Reptil zu Leibe. Schlag ans Schlag führte er mit seiner schneidigen Feder gegen die Anti- semiten. Bald sahen diese ein daß sie ihm mit eignen artig zu finden, was gerade die herrschende Laune zu thun beliebt. Und die Socialdemokratie, die allein auch in der auswärtigen Politik die schöpferische Kraft ihrer Erkenntnis und ihrer Grundsätze zu bewähren sucht, wird wegen dieser kritischen Erörterungen als vatcrlandsloS beschimpft oder als phantastisch verhöhnt. Gerade wegen des Ausschlusses der öffentlichen Kritik hat die deutsche Diplomatie jede Fähigkeit der Konsequenz, Weitblick und Voraussicht verloren. Geradezu beschämend ist daS völlige Versagen der deutschen Rc- gicrnng in dein ostasiatischcn Konflikt. Als vor wenigen Wochen Bebel im Reichstag die Irrungen der deutschen ostasiatischen Politik kritisierte, versuchte Graf Bülow unter Verdrehung der Bcbelschcn Ausführungen mit der spöttischen Wendung zu entwischen, es gäbe keinen Ort der Welt, wo Deutschland weniger zn suchen hätte als in der Mandschurei. Heute ist diese Mandschurei zuni Brandherd geworden, dessen Funken drohend über die ganze Welt fliegen. Freilich, diese deutsche Reichskanzlei schlummerte bis zum letzten Augenblick im rosigsten Optimismus. Während man in London und Paris schon Mitte voriger Woche mit der Wahrscheinlichkeit des Krieges rechnete, blies das deutsche Regiernngs- Organ, die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", noch in dem Augenblick sanft die Flöte, als der Abbruch der diplomatischen Beziehungen bereits zur Thatsache geivordcn ist. Ein Berliner Blatt leistet sich den grausamen Scherz, die osfiziöscn Urteile der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" aus der letzten Zeit zusannncnzuslcllcn. Am 3. Januar verkündete das Blatt des Grafen Bülow: „Der Unterschied in der Auffassung, wie sie in der deutschen Presse einerseits und in der englischen andrerseits zum Ausdruck gelangt, besteht aber darin, daß jenseits des Kanals in der Oeffcntlichkcit die Meinung vorherrscht, die Katastrophe sei nahezu unvermeidlich, während bei uns noch immer an der Hoffnung auf eine Verständigung festgehalten wird." Am 6. Januar läßt das Blatt die Fricdensaussichten noch steigen. Am S. Januar sieht es keinen Anlaß, seinen Standpunkt zu ändern. Gegenüber den„ängstlichen Gemütern", die von nahen Seeschlachten träumen, scherzt es beruhigend:„ES ist doch nicht Fasching." Am 11. Januar bestätigt sich die„Norddeutsche" selbst die „Richtigkeit ihrer Auffassung". Am 24. Januar hofft daS Regiernngs- organ weiter. Am 5. Februar konnte man lesen: „Wir sehen keinen Grund, der die deutsche Preffe veranlassen könnte, ihre bisher im allgemeinen ruhige und korrekte Haltung aufzugeben und den Wünschen derjenigen Stellen vorzuarbeiten, die eine Uebertragung des in der englischen Presse hervortretenden Pessimismus ans Deutschland gern sähen." Auch am 6. Februar ist die„Norddeutsche" noch nicht im mindesten beunruhigt. Und am Sonntag, den 7. Februar, morgens durften die wenigen Leser des Regierungsblattes das holde Orakel der Wilhclmstraße vernehmen: „So lange keine Kundgebung solcher Absichten vorhanden sind, hat niemand das Recht, Rußland oder Japan kriegerische Absichten zu unterstellen, vielmehr führt eine loyale Abwägung aller be- glaubigtcn Willcnsäicheriiiigcu jeder der beiden beteiligten Rc- gicruilgcn zu der Auslegung, daß hüben wie drüben der aufrichtige Wunsch obwaltet, bei der Verfolgung der beiderseitigen Ziele in den aneinanderstoßenden Interessensphären es nach Möglichkeit bei den diplomatischen Mitteln bewenden zu lassen." Unmittelbar darauf wurde das Telegramm verbreitet, welches den Abbruch der diplomatischen Mittel ankündigte. Glänzender ist sicher niemals die öffentliche Meinung von dem Organ der Re- gierung„geleitet" worden I Da man nun nicht annehmen darf, daß sich die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", um des Börsenschicksals einer Anleihe von 70 Millionen willen, zu niedrigen SpeknlationS- Manövern hergegeben hat, so bleibt nur die eine Deutung übrig: Die Regierung hat gar nichts gewußt, sie ist ebenso von den Er- cignissen überrascht worden wie beim Herero-Krieg. Und diese Urteilslosigkeit dauert fort. Nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen verstummte die„Norddeutsche" völlig; sie gab Telegramme wieder, ohne ein Urteil abzugeben. Am Dienstagabend begnügt sie sich mit dem einen beschwichtigenden Sntz des Tiefsinns:„Die strategische Tragweite dieses Vorgangs— des Angriffs auf die russischen Schiffe— ist nicht zu überschätzen." Dann konstatiert das RegiernngSorgan noch:„Die von Deutschland eingenommene, nach beiden Seiten ehrlich neutrale Haltung wird von den Organen der öffentlichen Meinung fast ohne Ausnahme ge- billigt." Gott sei Dank: Die Vorsehung in der Wilhelmstraße hat Ivieder einmal Gewaltiges geleistet. Fehlt nur noch, daß wegen der selbstverständlichen Proklamierung der Neutralität ganze Lorbeer- Wälder niedergehauen werden, um das Genie unsrer politischen Leitung zu feiern. Kräften nicht bcikommen konnten und riefen nach den» Kadi. Rosenow machte zum crstenmale mit den sächsischen Gerichten, besonders mit den Chemnitzer Gerichten Bekanntschaft. Bereits am 7. Juli 1892 erhielt er eine Anklage lvegen Beleidigung des antisemitischen Agitators und Verlegers von Flugblättern Ingenieurs Theodor Fritsch in Leipzig, die im öffentlichen Interesse erhoben wurde und mit der Verurteilung zu 25 M. Geldstrafe endete. Am 29. Juli hatte auch die Polizei ein Lüftchen. Rosenow kennen zu leriicn. Sie besuchte ihn in seiner Arbeitsstätte an der Gartenstraße und veranstaltete eine Haussuchung wegen eines Artikels in dem„Beobachter", betitelt „Ein neuer antisemitischer Schwindel". Damals erschien auch die zeitgemäße Broschüre„Kapital und Jndemrage ans seiner Feder. Bald sollte er auch die Praxis der sächsischen Staatsanwälte kennen lernen. Während die Staatsamvaltschaft die Beleidigungsklage des Ingenieurs Fritsch in Leipzig im öffentlichen Interesse erhoben hatte, lehnte sie dasselbe, als Rosenow den Antisemiten Dr. Paul Förster in Friedenau verklagte, der ihn in einer Versammlung im„Elysium" einen nichtswürdigen Verleumder genannt hatte, ab und verwies unsrcn Genossen ans den Weg der Privatklagc, den dieser auch be- schritt. Förster erhob hierauf Widerklage. Er fühlte sich durch eine Stelle in der Rosenowschcn Broschüre, wo die antisemitischen Agitatoren allgeincin scharf angegriffen wurden, beleidigt. Und merkwürdig, wohl sühnte das Gericht die an Rosenow verübte Beleidigung, belegte diesen aber ebenfalls mit einer Geldstrafe wegen angeblicher Beleidigung des Dr. Förster. So lag er ständig mit den Anti- scmitcn, diesen Erzreaktionären im Kampf. Heute liegt diese Partei in Chemnitz zerschmettert am Boden. Auch rednerisch trat Rosenow bald hervor. Im Jahre 1892 hatte eine rege Landagitation eingesetzt, dazu kam das drohende Gespenst der Militärvorlage, und an Rednern war kein Uebcrfluß. So ging er denn hinaus aufs Land und nnt Vorliebe ins Gebirge. Da betrat er zum erstenmal die Gegend, die er mehr liebte als seine Heimat. Von Dorf zu Dorf, von Städtchen zu Städtchen gingen seine Agitationsfahrten. Uebcrall gewann er sich durch seinen Volks- tumlichen Vortrag, durch seine persönliche Liebenswürdigkeit die Herzen seiner Zuhörer, die oft zu Tausenden ihm zugeströmt waren. Die drohende Militärvorlage gab ihm Gelegenheit, eine Broschüre, betitelt„Ivo 000 Soldaten mehr!" herauszugeben, die damals reißenden Absatz fand. Die Rcichstagswahl fand unsrcn Genossen auf dem Posten. DaS war ihm eine Freude, wenn er in der Redeschlacht die Gegner zu Paaren treiben konnte. Manch wuchtigen Hieb teilte er aus. Und wieder war es daS Gebirge, dem er sich mit Vorliebe widmete. DaS Jahr 1894 brachte viele und schlvere Kämpfe mit der Chemnitzer Polizei. In äußerst scharfer Form wurde nach den Reichstagswahlen von 1893 in Sachsen der Kampf gegen die Social- Uns aber scheint: daS deutsche Volk hat ein Recht daraus mehr zu hören, als eine inhaltlose, selbstverständliche Phrase. Graf Bülow ist im deutschen Reichstag nicht erschienen, er hat bisher nicht mit einer Silbe verraten, was er über die Dinge weiß und denkt. Weiß er nichts und denkt er nichts, so hat er doch die Pflicht, dies öffentlich zu bekennen. Die„politische Psyche" des Reichskanzlers— das wissen wir ja jetzt— interessiert sich nicht für Ziele, sondern nur für Mittel. Ihm ist es gleich, was gekocht wird, er grübelt lediglich über die Farbe der zu wählenden Kochtöpfe. Die letzten Ereignisse haben gezeigt, daß dieser Verzicht auf jede klare Politik nicht gerade zu einer führenden Rolle befähigt. Um so dringender ist das Bedürfnis, daß mit offenen Karten gespielt wird. Niemand hat das Vertrauen, daß hinter der Politik des Schweigens mehr steckt als die Verlegenheit, etwas Vernünftiges zu sagen.— # Deutfcheo Reich. Das Geheimnis der Spnrlotte. Zur Vertagung des Scherlschen Prämien« S p a r s y st e m s wird uns geschrieben: Für das Scherlsche Prämien- Sparsystcm war das Ministerium des Innern ans nach« stehenden Gründen anfangs durchaus geneigt. Den ländlichen Grundbesitzern und Vorständen der landwirtschaftlichen Pfandbrief- institute ist es schon lange ein Dorn im Auge, daß viele Landleute, Dienstboten und Bauern ihre Spareinlagen vorwiegend nicht bei den am Orte befindlichen ländlichen oder kleinstädtischen, sondern bei den nahen größeren städtischen Sparkassen machen, einmal weil sie nicht wollen, daß die Gemeindebehörde es erfahre, wenn sie Geld und lvie bicl ans die Sparkasse tragen, andrerseits weil ihnen die größeren städtischen Sparkassen sicherer zu sein scheinen. Verfügungen des Miiusterinms des Innern an die Sparkassen, sie möchten mehr als bisher und größere Teile ihrer Kassenbestände in land- schastlichen Pfandbriefen anlegen zur Förderung der land- schastlichen Kreditgewährung, hatten wenig Erfolg. Da legte Scherl sein Prämien-Sparsystcm den Vertretern des Ministeriums des Innern vor und machte besonders darauf aufmerksam, daß dir Bewegung für sein Sparsystcm auf jede, auch die kleinste Ortschaft sich erstrecken werde und daß die erhobenen Spar- betrage stets bei der am Orte befindlichen oder zu dessen Bereiche ge» hörigen Sparkasse eingezahlt wnrdcn. Dadurch würden ungleich inchr Einzahlungen auch bei den läudlichen und kleinstädtischen Spar- kassen erfolge», die viel williger wären, ihre Bestände an die im Dienste der Agrarier stehenden landwirtschaftlichen Pfandbriefinstitilte abzugeben, als die größeren städtischen Sparkassen, die ihre Bestände fast nur auf erste städtische Hypotheken ausliehen. Das leuchtete den Vertretern des Ministeriums auch ein und sie hatten Ivohl Lust,„der Landwirtschaft" auf diese Weise zu den benötigten Kapitalien zu verhelfen und waren geneigt, ans den Scherlschen Plan einzugehen, aber der auch den Herren aus dem Ministerium bekannte Geschäftssinn des Herrn Scherl und seine Rührigkeit für die Verbreitung der von ihm herausgegebenen Blätter schienen ihnen doch eitrige Bestimmungen notwendig zn mache«, damit die Abholer der Sparbeträge nicht hauptsächlich Agenten und Abonnentensamnrler für die Scherlschen Blätter werden. Sie stellten daher die Bedingung, daß diese Abholungsbcauitcu nicht von Scherl oder dem Scherlsche» Komitee, sondern von der Regiernnji oder den Sparkassen angestellt wurden, daß dieselben sich jeder Thätig- kcit für den Scherlsche» Verlag zu enthalten und jeder die sofortige Entlassung zu gewärtigen hätte, der ein Abonnement oder ein Inserat für ein SchcrlscheS Blatt annehme. Darüber war Scherl sehr gekränkt und erklärte, sich dann lieber ganz von der Sache zurnckzichc» zu wollen. Nun beschloß das Ministerium, die Angelegenheit vorläufig zu vertagen. Nach dem ganzen Verhalten des Ministeriums ist aber nicht ausgeschlossen, daß es den Plan nicht ganz fallen gelassen hat, sondern ohne oder mit Scherl auf ihn wieder zurückkommen wird, obgleich die größere Mehrzahl der städtischen Sparkassen sich gegen denselben erklären. Was thnt nicht ein preußischer Minister den ländlichen Grundbesitzern zuliebe?—_ Der deutsche LnndwirtschaftSrat begann am Dienstag im Provinzial-Laiidcshanse in der Matlhäikirchstraße seine diesjährigen Beratungen. Eine ganze Schar von RegiernngSvertretern war zn dieser agrarischen Vorstellung erschienen. Graf Schwcrin-Löwitz eröffnete mit einem Kaiscrhoch, indem er besonders„mit Rücksicht auf den Ausfall der Reichstagswahlen" Treue gelobte. General- sekretär Dade teilte mit, daß zur Fastnacht am Donnerstag im Hotel de Rome der Reichskanzler samt Ministern erscheinen werde. Graf Schwerin- Löwitz befürwortete dann, zum ersten Punkt der Tagesordnung, eine e u r o p ä i s ck e Z o l l u n i o n gegenüber Amerika und Großbritannien, begrüßte die Bestrebungen des„mittel- demokratie aufgenommen. In Chemnitz leitete ihn der bekannte Polizeidirektor Sicbdrat, in der Aintshauptmannschaft Chemnitz der jetzige Ministerialrat, frühere AmtShanptiNami Dr. Rumpelt. In der knifflichsten, rigorosesten Weise wurden die Bestimmungen des sächsischen Vereins- und VersainmlnngSgesetzes ausgelegt. Die Partei in Chemnitz wurde durch die Polizei für einen Verein erklärt und aufgelöst. DaS Gewerkschastskartell wurde aufgelöst, selbst die Einzclmitglieder einiger Gciverkschaftcn verfielen der„Auslösung". Diese und alle die andren Polizeithaten bekämpfte Rosenow mit großem Geschick. Einen großen Teil seiner Zeit nahm auch die Be- käinpfung der berüchtigten Umsturzvorlage in Anspruch, weiter wandte er sich mit aller Schärfe gegen die bekannte Rumpeltsche Verordnung über die Einrichtung und Benutzung der VersaiumlnugSsäle. die heute noch in Kraft ist. Die Jahre 1899 brachten die Kämpfe um das Landtags- und Stadtvcrordnctcn-Wahlrecht. Uebcrall stellte Rosenow seinen Mann. Zahlreiche Leitartikel hat er über die sächsische Polizeiwirtschaft ge- schrieben und bald war er bei den Polizeibehörden der bestgehaßte Mann. Mehr und mehr erwarb er sich die Liebe und Zuneigung des erzgebirgischen Volkes, sodaß er am 6. Januar 1898, nachdem der Genosse Colditz in Crimmitschau mit Rücksicht auf sein Alter die weitere An- »ahnie der Kandidatur abgelehnt hatte, als Kandidat für die Rcichstagswahl aufgestellt wurde. Mit Hilfe seiner wackeren Erzgebirgler gelang eS ihm auch in der«tichivahl nach gewaltiger Agitation und Arbeit den 29. sächsischen ReichStags-Wahlkreis stir nusre Partei zu erobern. Er hat ihn wirklich erobern müssen. Früher ein schwer zugängliches Volk hat er es verstanden, die Erz- gebirgler so fest an die Partei zu fesseln, daß sie auch jetzt alles daran setzen werden. den Kreis wieder zu sichern. Wenn Emil Rosenow auch körperlich für sie tot ist, sein Geist lebt unter ihnen fort. Was er in ihre Herzen gesät, das ist nicht wieder herauszureißen. Was mit einem solchen Feuer der Beredsamkeit und mit so überzeugender Kraft in die Köpfe der hartnäckigen und festen Gcbirgsleute hiucingebralmt ist, das bleibt sitzen. Der SocialismuS ist aus dem Gebirge nicht wieder zu ver- drängen. Wie alle Redakteure und Agitatoren der Partei der Freiheit hat auch Rosenow die GefängniSlciden kosten müssen. Am 9. Mai 1895 trat er seine erste dreimonatige Gefängnisstrafe an. Ihr folgte im März 1899 eine ebenso lange wegen„Verächtlichmachung von Staats- cinrichtnngen" und im Jahre 1897 eine dritte Gefängnisstrafe. Die Verächtlichmachung von Staats-einrichtungen sollte darin bestehen, daß er in einem Artikel, der sichmit den amerikanischen Zollmaßnahincn gegen deutsche Einfuhrartikel beschäftigte und diese als Antwort auf das scincrzeitige Einfuhrverbot amerikanischen Schweinefleisches aus- faßte, s gesagt hatte, das sei die Antwort ans die„chikanöse Aussperrung" amerikanischer Fleischwaren aus« Gefälligkeit für unsre Junker". An ruropZischen WirtfchastSvereinS'. Weiter wandte er sich gegen daS System der unbedingten Meistbegünstigung, forderte dringend die nn- VerzüglicheKündigungderHandelsverträge, damit dieLandwirtschaftnicht auch die Ernte von ISOö noch unter den jetzigen Verträgen zum Verkauf bringen müsse, Professor Wolf- Breslau verteidigte das System der Meistbegünstigung, ohne das Deutschland nicht einen so bedeutenden Ausfuhrhandel gewonnen und Frankreich so weit über- flügelt hätte, dast es an einen Revanchckrieg nicht mehr denken könne. Freiherr v. Wangenheim forderte, daß die Industrie in erster Reihe auf den Inlandsmarkt verwiesen werde. Nach weiterer Debatte wurde ein Antrag entsprechend den Ausführungen des Grafen Schwerin fast einstimmig angenommen. Den folgenden Gegenstand bildete der Bau von Land- arbeiter-Wohnungen mit Darlehen der Landesvcrsicherungs- Anstalten. Der Berichterstatter v. Schwerin-Spantekow befürwortete in Gemeinschaft mit dem Mitberichterstatter königl. Kämmerer Freiherrn v. Thüngen- Thüngen folgenden Antrag:„Der deutsche Landwirtschaftsrat beschlictzt: bei den Landesversicherungsanstalten dahin vorstellig zu werden, dieselben niöchten in noch ausgedehnterer Weise als bisher durch Hergabe von Baudarlehen zu mäßigem Zinsfuß(2—3 Proz.) den Bau von Wohnungen für landwirtschaftliche Arbeiter fördern und insonderheit Baugenossenschaften für landwirt- schastliche Arbeitcrwohnungen durch Darlehen unterstützen. In Gegenden aber, wo das Baubedürfnis weniger zu Tage tritt, durch Gewährung bon Darlehen zu sonstigen rein ländlichen Zwecken, wie Wege- Verbesserungen, Unterstützung von Darlehnskassen-Vereinen u. dgl., «inen billigen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen der Landwirtschaft und Industrie herbeiführen. Ferner hält es der deutsche Landwirt- schaftsrat für ein unabweisbares Bedürfnis, eine Statistik über die Zahl der Versicherten in der Stadt und auf dem Lande aufzu- stellen." Freiherr v. T h ü n g e n- T h ü n g e n suchte nachzuweisen, daß in Süddeutschland ein Bedürfnis zum Bau von Landarbeiterwohnnngen eigentlich nicht vorhanden sei. Charakteristisch sei es, daß selbst in Regie- rungskreisen unter„Arbeiter" nur Industrie- oder gewerbliche Arbeiter verstanden werde. Man habe stets gesagt: wenn nian dem Arbeiter ein Besitztum verschaffe, dann werde er auch politisch anders denken. Die letzten Reichstagswahlen haben jedoch den gegenteiligen Beweis geliefert. In der Nähe seiner Heimat sei eine große Fabrik, in der schon seit 50 Jahren die besten Arbeiter-Wohlfahrts- «inrichtungen bestehen und trotzdem haben die Arbeiter jener Fabrik bei den letzten Reichstagswahlcn Mann für Man» für die Socialdcmokratie gestimmt.(Heiterkeit) Dies Experiment habe sich also nicht bewährt. Der Redner empfahl schließlich �die Annahme des mitgeteilten Antrages. — Nach längerer Besprechung gelangte der Antrag' mit einem Zusatz- antrage des Rittergutsbesitzers Stockhausen aus Hessen- Nassau zur Annahme, daß zwischen Absatz 1 und 2 hinzugefügt wird:„und auch Besitzern größerer Güter zum Bau der in'ihrem WirtschaftS- betriebe erforderlichen Arbcitcrwohuungcn Darlehen unter gleichen Bedingungen zu gewähren".— Danach wurde die Verhandlung ans Mittwoch vertagt.— Ter Beirat für Ardeiterstatisti! ist zum 20. Februar zu einer Sitzung znsammenberufen. Auf der Tagesordnung stehen folgende Gegenstände: 1. ErgänznngSwahl für die Ausschüsse. Diese ist nötig geworden, weil die früheren Abgg. Letacha und Jakobskötter auch auS dein Beirat ausscheiden mußten. 2. Die Sicherung der Zu- verlässigkeit arbeitöstatistischer Erhebungen. 3. Bericht des Referenten über die Erhebung betreffend die Arbeitszeit in gewerblichen Fuhr- werkSbetricben. 4. AuSschußbcricht über die Fortsetzung der Erhebung betreffend die Arbeitszeit im Fleischcrgewerbe. ö. Mitteilung über den Stand der Erhebung, betreffend die Arbeitszeit im Binnen- schiffahrts-Gewerbe. Der zweite Punkt ist wohl auf die Tagesordnung gesetzt, weil oft absichtlich falsche Angaben gemacht werden. Schon bei den Er- Hebungen über da? G a st w i r: S g e w e r b e bemerkte der Polizeipräsident von Breslau, daß die Wirte fast allgemein die Polizei- stunde als Schlußstnude für die Arbeitszeit angegeben haben, während es notorisch ist, daß diese Stunde fast allgemein und oft erheblich überschritten wird. Noch schlimmer machten es einige Fleische r. In Koblenz hat die Fleischerinnung, nachdem das Be- vorstchen der Erhebungen amtlich veröffentlicht worden Ivar, den Beschluß gesaßt, li: Fragen, betreffend die Arbeitszeit und die SomitagSarbeit nur ganz allgemein zu beantworten. Es befanden sich unter den in Koblenz Befragten die Gehilfen von vier Betrieben, die die Auskunft verweigerten. 33 Bogen ivarcn nach einer Vorschrift ungenügend, ober völlig gleich beantwortet. Es war offenbar, daß hier der Bc- schluß zur Ausführung gekommen war. Diese Bogen mußten des- halb von der Beantwortung ausgeschlossen werden. Wie die Sicherung gegen derartige Fälschung gedacht ist. können wir noch nicht mitteilen. Am besten wäre es. wenn die Auskunftspersonen gezwungen werden könnten, ihre Angaben zu beeidigen.— Strafbares Spazicrcilgrhe». Ein Hamburger Postbeamter ging am 1. Mai 1002 mit seinem Stiefsohn, einem Cigarrcnarbeiter, aus dem Hause. Der Stiefsohn, welcher Soeialdcinokrat ist, wollte an dem großen Arbeiterfestziig nach dem Mühlenknmp teilnehmen. Z., welcher seinen Stiefsohn begleitete, ist nun etwa zehn Minuten lang neben diesem Zuge hergegangen, bis er am Mundsbnrgcr Damm nach Barnibeck abschwenkte. Ein Postbeamter hat den Z. trotz seiner die zweite Strafe im Jahre 1800 knüpft sich eine Begebenheit, die in ganz Deutschland bis jetzt einzig dasteht. Unser Genosse hatte noch nicht die gastlichen Räume des Gefängniffes verlassen und die eigenartige sächsische Freiheit wiedergesehen, als ihm folgende Verfügung der ilnitshauptmannschaft, die ihres polizeihistorischcn Inhalts tvcgcn der Nachwelt überliefert werden mag. überreicht wurde: „Die unterzeichnete königl. Amtshauplmamischaft hat be- schlössen, Ihnen, nachdem Sie am 18. dieses Monats wegen Vcr- gchens gegen ß 131 des Reichs-SlrafgesctzbuchcS eine dreimonatliche Gefängnisstrafe verbüßt haben, auf Grund von§§ 1, 2, Z. 1 des Gesetzes vom 15. April 1883 den Aufenthalt in den Orten Gablcnz b. Eh.. Niederhcrincrsdorf, Hilbersdorf. Borna, Altendorf, Kappcl, Markersdorf, Nenkirchen, Grüna, Thalhcim und Lugau auf die Dauer von zwei Jahren zu versagen, da mit Rück- ficht auf die Erfahrungen, die bisher bei Ihrem öffentlichen Auf- treten und während Ihrer Leitung des„Beobachters" zu machen gc- wesen sind, zu befürchten ist, daß Ihnen der Aufenthalt in den gc- nannten Orten, in welchen entweder socialdcmokratische Vereine bestehen oder bis in die letzte Zeit socialdcmokratische Versammlungen abgehalten worden sind, in besonderm Grade die Gelegenheit zur Wiederholung von Rechtsverletzungen in der durch die voraus- gegangene strafbare Handlung angezeigten Richtung darbieten und dadurch Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verursachen werde. Im Falle der Zuwiderhandlung gegen vorstehendes Verbot haben Sie die zwangsweise Hinausbringnng aus dein betreffenden Orte sowie achttägige Haftstrafe zu gewärtigen. Chemnitz, den 6. Juli 1806. Königliche Amtshauptmannschaft. An Dr. Rumpelt. dm Redakteur Herrn Emil Rosenow Hier. DaS ist in großen Zügen ein Bild von dem Leben und Wirken Emil Rosenows im Dienste der Partei während seines Chemnitzer Aufenthalts. Sieben Jahre hat er der Partei in Chemnitz treu gedient, hat ihr seine gewandte Feder und sein rednerisches Talent gewidmet. Weitere fünf Jahre wirkte und lebte er fern von seinem Erzgebirge. Und nun hat der Tod sein thatcn- und erfolgreiches junges Leben beendet. Manche Erinnerung steigt in uns auf an schöne Stunden, die wir mit ihm verbrachten. Sie sind dahin. Nichts bleibt uns, als das Angedenken an ihn. Dies aber wird bleiben. Wir ivcrdcn ihn nicht vergessen. In seinem Sinne, in seinem Geiste werden wir und die Erz- gebirgler weiter arbeiten, das soll die Nachwahl in seinem Reichs- tags-Wahllreise beweisen.«a. seh. Civilkleidung erkannt und seine Beobachtung zur Anzeige gebracht. Die eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß Z. sonst nie mit Socialdcmokraten verkehrt und daß auch der Touristenklub, dessen Mitglied Z. ist, keinen socialdcmokratischen Tendenzen huldigt. Die Disciplinarkammer in Schleswig hatte Z. wegen des Vergehens, am 1. Mai an einem socialdemokratischen Fest teil- genommen zu haben, zu 10 M. Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil legte der Staatsanwalt Berufung ein mit dem Antrage auf Dienstentlassung oder mindestens Versetzung. Der Disciplinarhof hat die Berufung für begründet angesehen, weil die Handlungsweise des Ilngeklagten doch eine andre Ahndung verdiene. Es wurde auf Versetzung in ein andres Amt in demselben Range und auf 10 M. Geldstrafe erkannt. Ein Bild der Freiheit im Gegenwartsstaate. Ein Beamter wird mit Versetzung bestrast, weil er mit seinem Stiefsohn zehn Minuten spazieren geht. Die Konsequenz wird sein, daß künftig jeder Beamte, der einen socialdcmokratischen Stiefsohn hat, wegen dieses Ver- brechcns gcmaßregclt wird I— Hueland. Schweiz. Ans dem Züricher Kantonsrat. Zürich, 5. Februar. jEig. Ber.) Im Anschluß an die am Sonn- tag in der Volksabstimmung erfolgte Verwerfung der Bordellinitiative beschloß am Montag der Züricher Kautonsrat auf Antrag uns res Genossen Professor Erismann einstimmig die Er- richtung einer Professur an der Universität für Haut- und Syphilis- bezw. Geschlechtskrankheiten und gleichzeitige Schaffung einer besonderen klinischen Abteilung im Kantonsspital. In der Begründung seines Antrages konstatierte Dr. Erismann, daß nach dcnjUntersuchungcn der'Prostituierten durch den Stadtarzt in Zürich 37 bis 30 Proz. derselben geschlechtslrank waren. Erlvähnenstvert aus dieser Debatte ist auch die Feststellung des Regicrungsrates Locher, daß eS trotz des 1807 erlastencn Ver- botes in der Stadt Zürich noch immer öffentliche Häuser giebt, von denen die städtische Polizei nichts weiß. Mit 73 gegen 73 Stimmen wurde ferner beschlossen, den Regicrungsrat zur Prüfung der Frage einzuladen, ob die Fort- bildnngsschnle für den ganzen Kanton oder von den Gemeinden obligatorisch zu erklären sei. Im Züricher'Kantonsrat machte der Liberale Frey-Nägeli die Probe darauf, lvie weit einen, Volksvertreter in diesem Parlament erlaubt ist, urwüchsig zu reden. Von einer Seite war auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht worden, für bessere Luft und SicherhcitSeinrichtungen gegen FeucrSgefahr�im KantonsratSsanle zu sorgen. Darauf meinte der genannte Liberale, daß der Kantonsrat doch mindestens so viel wert sei, wie die Kühe des Kantons(in den landwirtschaftlichen Schulen und andren Anstalten); in den Ställen herrsche eine bessere Luft." Ich bin doch ein gesunder Kerl, der viel vertragen mag, aber wenn ich einige Stunden darin bin, bekomme ich das Schädcllveh." Diese Argumentation ist un- widcrstehlich und so wird wohl bald die gewünschte Besserung ein- treten.— Der Spitzel Metzger und der Spitzclvater Rappold sind hinter einander gekommen. Der erstere will nur 150 Frank Spitzelgelder erhalten, sein Nährvater ihn, aber 400 Frank gegeben haben.— Quittungen scheinen nicht vorhanden zu sein.— Frankreich Am Grabe Peter Lnwroffs versamnieln sich alljährlich am 6. Februar, dem Todestage des großen russischen Socialisten, die hier lebenden Russen aller socialistischcn Richtungen. Bisher verlief die Kundgebung stets ohne jede polizeiliche Störung. Diesmal aber erschien ein starkes polizeiliches Aufgebot, u>n die übliche kurze Ansprache zu verhindenn. Einen Augenblick wurde sogar das Grab von den Schergen umringt, die erst nach erfolgten Protesten wieder zurückgezogen wurden. Auf dem Rück- wcge nahm noch die Polizei die übliche vcxatorische Zerteilung der Abziehenden in kleine Gruppen vor. Die Vergewaltigten veranstalteten sofort eine Protestvcrsammlung, die in einer Resolution gegen die kasalische Profanierung des Grabes im Dienste des Zarismus protestiert. Zur Kenntnis des Herrn v. Richthofen sei jedoch hinzugefügt, daß die Pariser Polizei den französischen Socialisten das Reden am Grabe der Komnmnards ebenfalls verbietet und daß ferner die Polizei des mit Rußland verbündeten Landes keinen einzigen Teilnehmer der Lawrosf-Kundgcbung verhaftet oder gar ausgewiesen hat. Aber freilich dürfen französische Verhältnisse nicht mit de», preußischen Maßstab gemessen werden. Niederlande. Eine Anzeige gegen den Marliiematrosen-Perband hat der Offizier der Justiz(Staatsanwalt) zu Alkmaar erstattet. Er verlangt, daß dem Verband daS Recht der juristischen Person aberkannt werde, weil in den, Vcrbandsorgan„Het Anker" Artikel enthalten seien, worin auf ungesetzlichem Wege und mit unpassenden Mitteln vor- gegangen werde, und die darauf gerichtet seien, die Ehrerbietung den Vorgesetzten und der militärischen Autorität gegenüber zu untergraben. „Het Volk" bemerkt hierzu u. a.:„Ein richtiger deutscher „ S t a a t s a» Iv a l t" könnte e s nicht b e> s e r machen. Unter nnsrcm sich so äußerst nationalistisch gebärdenden Ministerium kommen wir dazu, ans u n l i e b e n s w ü r d i g e deutsche Manier„gcmaßregclt" zu werden. Es ist im Inventar dieses christlichen Kabinetts ein Artikel mehr, auf den das„mado in Gerrnany" nicht fehlen sollte."— Dänemark. Krlrgsiliiiiistcr a. D. BahiisonS Berbrnnch von Jiivalidcngcldcrn beschäftigte in der vorigen Woche das Folkething in drei Sitznngen. Eigentlich handelte cS sich in diesen Sitzungen um GcsctzcSvorschläge zur Aufhebung des allgemeinen I n v a l i d e n f o n d s und zur Erhöhung der Invaliden- Versorgung um 25 Proz., wobei nicht nur die Kriegsinvalidcn, sondern alle In- validcu in Betracht kommen. Beide Vorschläge wurden angcnoiiimen.— Fastdieganzcn Verhandlungen bezogen sich aufdieArtund Weise, wie das Cciitralkoinitee den JnvalidcnfoiidS, diese aus privaten Sanimlnngen herstammenden Mittel zu Gunsten des damaligen K r i e g m i n i st c r s B a h n s o n verwaltet hat. Der Finanz- aiisschnß des FolkethingS hat diese Sache untersucht und darüber in scinein Gutachten einige Aufklärungen gegeben. Die erste Grundlage des JnvalidcnfoiidS bildeten Mittel, die für die Invaliden nach der Schlacht auf Kopenhagens Reede im Jahre 1801 gesammelt wurden. Nach den späteren Kriegen wurden die Sammlungen fortgesetzt, und im Jahre 1876 wurde ein Fonds von 323 400 Kr. den, Central- Komitee durch Gesetz zur Verwaltung überwiesen und jeder Aussicht des Finanzministers und der StaatSrevisoren entzogen. Dieses Komitee hat im Jahre 1880 dem damaligen KricgSministcr Bahnson auf sein jütländischils Gut Taaruggaard 140 000 Kronen geliehen— eine viel zu hohe Summe, wobei die Tönde Hartkorn auf 13 000 Kr. zu stehen kommt, während sie nach dem Statistischen Jahrbuche in jenem Jahrzehnt nur auf 5000 Kronen ein- geschützt war.— Für diese Summe hat Bahnson für einen Zeitraum von über zwei Jahren keine Zinsen bezahlt, nänilich in den Jahren 1897, 1898 und 1809. Im Jahre 1800 ließ sich das Cciitralkoinitee von derLandniannsbank 70000 Kronen auszahlen gegen Unterzeichnung einer auf 140 000 Kronen erster Priorität lautenden Psandobligation, wofür das Komitee das Pfand- recht auf Taaruggaard aufgab. Den Restbelmif der Summe der Obligation behielt sich daSKomiree als eine persönliche Forderung vor. — Um dieselbe Zeit, als Bahnson jenes hohe Darlehn erhielt, kaufte das Kricgsmiiiistcrium von dem damaligen Proscssor Baggc an der Landbau- Hochschule ein Terrain zur Anlage des GladsakSefortS zu dem sehr hohen Preis von 2500 Kr. per Tönde Land und 15 000 Kr. Er- stattung für Beschwerden bei der Anlage; Bagge war Vor- sitzender in der Verwaltung des CentralkomiteeS. Dieser Fall, der mit der Hauptsache nur lose zu- sammenhängt, kann so nebenbei als Kennzeichnung für die Art dienen, wie die durchweg selbstverständlich den „besten" Kreisen angehörenden Komitcemitglieder mit den Invaliden« geldern gcwirtschaftet haben. Die Summe, die durch das Darlchn an Bahnson verloren gegangen ist, beläust sich mit Zinsen und Zinseszinsen auf über 100 000 Kronen, ungefähr ein Drittel der Summe, die 1876 den, Komitee übergeben wurde. Bahnson hat sich nun verpflichtet, 1000 Kronen jährlich zu zahlen und auch bereits einmal gezahlt. Die Schuld kann selbstverständlich auf diese Weise nie getilgt werden, und da der Mann jetzt in den siebziger Jahren ist, so ist nicht daran zu denken, das Geld der In- validcn wieder zurückzuerhalten. Im Folkething fanden sich zwei Konservativen, die Bahnson in Schutz nehmen wollten, sonst war die Verurteilung allgemein. Unser Parteigenosse S a b r o e erklärte u. a.: Der einzig richtige Weg zur Regelung der Sache wäre, wenn sich nun die Mitglieder des Central'komitees bereit finden würden, jeder 500 Kronen zu zahlen, um die Gelder wieder aufzubringen: würden sie sich dazu verpflichten, so wolle er selbst gern noch aus seiner eignen Tasche 500 Kronen bei- steuern. Der Liberale I e n s B u s k, der Mitglied des Central- komitees ist, erklärte sich für seine Person bereit, den Vorschlag Sabroes anzunehmen._ parlamentarifcbeö. Kausmamisgerichte. Die Kommission behandelte in der Sitzung vom 9. Februar die Zulässigkeit der Schiedsverträge. Die Vorlage läßt zu, daß die Kompetenz der Kanfmannsgerichte durch Schiedsverträge unter gewissen Voraussetzungen ausgeschlossen werden kann. Müller- Meiningeit dagegen beantragt den Absatz 2 des Z 6 zu fassen: „Vereinbarungen, durch welche der Entscheidung deS Kaufmanns- gerichtS Streitigkeiten, welche zu seiner Zuständigkeit gehören, ent» zogen werden, sind nichtig." T r i m b o r n(C.) beantragt, vor dem Worte„Streitig» ketten" im Müllerschen Antrage„künftige" einzufügen. Müller« Meiningen begründet den Antrag mit Hinweis ans den einmütigen Wunsch der Petenten. L i p i n s k i(Soc.) weist darauf hin, daß von den Handelskammern systematisch darauf hingearbeitet wird, die Wohlthaten der Socialgcsetzgebung, soweit sie nicht zwingend sind, durch Vertrag mit den Angestellten auszuschließen. Dieses Vorgehen lasse befürchten, daß das gleiche Bestreben auch gegen- über den Kaufmannsgcrichten Platz greifen kann: dem müsse vorgebeugt ivcrdcn. Ministerialdirektor Caspar spricht sich im Sinne des Antrags Trimborn aus, ein Mißbrauch der Schieds- Verträge gegenüber den Gewerbegerichten sei nicht festgestellt worden. Es wird der Antrag Trimborn und dann der Antrag Müller« Meiningen mit 8 gegen 6 Stimmen angenonimeu. Gegen§ 8 und § 9 der Vorlage waren Bedenken nicht erhoben.§ 9 wurde zunächst in seinem Absatz 1 und 2 zur Debatte gestellt. Zu Absatz 1 war von den Socialdemokraten die Streichung der Worte: „Die Vorschriften des§ 11 des Gewerbcgerichts- Gesetzes finden auf die Mitglieder der Kaufmannsgerichte entsprechende Anwendung" beantragt worden. Zweck des Antrages war, das passive Wahl« recht nicht an daS 30., sondern än ein niederes Alter zu knüpfen und den Frauen das passive Wahlrecht zu geben. Dieser Antrag brachte die ganze Frage des Wahlrechts aufs Tapet und zeitigte eine Anzahl andrer Anträge. Ein Antrag L a t t m a n n wollte dasselbe, konnte aber nur dadurch zur Verhandlung gelangen, daß Trimborn ihn aufnahm. Lattmann ist inzwischen aus der Kommission ausgeschieden und durch Stöcker erletzt worden, der aber in der Sitzung fehlte. Lipinski(Soc.) begründete eingehend den Antrag und wies auch darauf hin, daß die Altersgrenze von 30 Jahren im Z 11 des Gewerbegerichts-Gesetzes den Gemeinden die Anstellung geeigneter Richter sehr erschwere. Trimborn(C.) bemcrlte, daß seine Partei daran festhalte, daß der Bezug der Armenunterstützung in, letzten Jahre von der Beisitzerwahl ausschließen soll und die Wahl« sähigkeit an den zweijährigen Wohnsitz gebunden sein soll. Für das passive Wahlrecht der Frauen seien sie nicht zu haben, über das allive Wahlrecht der Frauen werden sie später reden. Herbert(Soc.) wendet sich gegen den Verlust der Wahlfähigkeit durch Bezug von Armenunterstützung, weil auch die Krankenhaus- pflege Familienangehöriger als Armenunterstützung gerechnet werde. Trimborn(C.) stellt mehrere Anträge, die nach verschieden Aende- rungen folgende Fassung erhalten: Zum Mitglicde eines Kaufmannsgerichts soll nur berufen werden, wer das fünfundzwanzigste Lebensjahr vollendet und in den, der Wahl vorangegangenen Jahre für sich oder seine Familie Armcmintersttitzung aus öffentlichen Mitteln nicht empfangen oder die empfangene Armenunterstützung erstattet hat. Als Beisitzer soll nur berufen werden, wer im Bezirk des Gc- richts seit mindestens zwei Jahren seine Handelsniederlassung hat oder beschäftigt hat. Personen, welche zum Anite eines Schöffen unfähig sind(Ge- richtSverfassungS-Gcsetz§§ 31, 32) können nicht berufen werden. Staatssekretär Posado wsky erklärt, daß die Regierung überall dort dem passiven Frauenwahlrecht ablehnend gegenüberstehe, wo richterliche und polittsche Funktionen— wie hier— zu erfüllen sind. Eine Analogie mit dem Krankenversichernngs-Gesetz bestehe nicht, weil es sich dort nicht un, richterliche und politische, sondern um Verwaltuiigsfunktionen handle. Bayrischer Vundesrats-Bevollmächtigter Schneider gab nanienS Bayern, Sachsen und Württemberg die Erklärung ab, daß diese Regierungen gegen das Gesetz im Bundesrat stimmen würden, wenn den Frauen da§ aktive oder passive Wahlrecht eingeräumt würde. Lipinski(Soc.) wies darauf hin. daß in Sachsen daö Frauen- Wahlrecht zu den Gelverbegerichten von 1861— 1890, ebenso in Frank- surt a. M. bestanden habe, daß im östreichischcn Gewerbegerichts« Gesetz von 1896 und den, italienischen von 1893 den Frauen daS Wahlrechts gegeben worden sei, wir als erste Kulturnation aber hinter diesen Staaten zurückbleiben. Das Francnwahlrecht sei not- wendig, um den Frauen Gelegenheit zu geben, über Verletzung ihres sittlichen Empfindens selbst urteilen zu können. Bundesrats- bevollmächtigter Dr. Fischer(Sachsen) bemerkt, daß Sachsen ans dem Gcwcrbegerichts-Gesctz die Konsequenz ziehe und darum dem Frauenwahlrecht ablehnend gegenüberstehe. Staatssekretär v. Posa- d o w S k y: Preußen sei ebenfalls gegen daS Frauenwahlrecht, weil cS sich um die Ablehnung eines PrincipienbruchcS handle. Bei der Abstiinninng wird der socialdemokratische Antrag gegen die Stimmen der Soeialdcmvkratie abgelehnt, ebenso wird der An- trag Müller-Mciiiingcn mit 6 gegen 7 Stimmen abgelehnt und dann der Antrag Trimborn gegen die Stimme» der Socialdcmokraten und Freisinnigen angenommen. Damit ist das passive Wahlrecht der Frauen abgelehnt und das passive Wahlrecht der Männer im Princip auf das 25. Lebensjahr festgesetzt worden. GcwcrkfchaftUcbca. Internationale Solidarität. Der gewaltige Kampf in Crimmitschau hat weit über die Meere hinweg in, internationalen Proletariat nicht nur aufmerksame Bcob- achter und glühende Bewunderer gefunden, sondern die Arbeiter allerwärts auch zu thatkräftiger Hilfe angeregt. Noch in jüngster Zeit gingen bei unserer Expedition 23 Dollars ein, welche deutsche Arbeiter in Toronto(K a n a d a) unter sich gesammelt hatten.— In dem Begleitschreiben heißt es: „Sind wir auch durch Meere getrennt, so fühlen wir doch wie jeder recht denkende Mensch mit den heldenmütigen Streitern in Crimmitschau." Die Sendung hat ihren weiten Weg aus Kanada zu uns herüber schon zu einer Zeit angetreten, als man drüben von dem Ausgang der Sache noch nichts wußte. Wehmütig berührt unter diesen Umständen der aus vollem Herzen kommende Wunsch der Ein- sender, daß den Crimmitschauer Ausgesperrten in ihrem gerechten Kampfe ein voller Sieg werden möge. Anders klingt ein Brief aus Pelham in den Vereinigten Staaten. Er ist nach dem Eintreffen der Nachricht von der bedingungslosen Unterwerfung der wackeren Crimmitschauer gc- schrieben. Er schildert die Gefühle, welche in unsren amerikanischen Genossen wach wurden, als sie die— vermutlich ins Maßlose über- triebene— Nachricht von der Niederlage der 7000 erhielten. Mit diesem Brief kam kein Geld— waS sollte das den Unterlegenen nutzen I— aber jede Zeile ist Gold, jede Zeile zeigt, wie das Herz des internationalen Proletariats sich in einem Pulsschlag bewegt mit dem der deutschen Arbeiterschaft. Unser amerikanischer Genosse schreibt: „Gestern las ich Bestätigung der Depesche von der Kapitulation der Arbeiter im Crimmitschau. Seit dem Boercnlricg habe ich niemals wieder so entsetzlich gefühlt als gestern. Damals, als Bullcr— der Fährmann am Tugela— von den Boeren so fürchterlich verhauen worden war und 10 von seinen 11 Kanonen verloren hatte, befand ich mich in schrecklicher Auf- regung, weil die Depeschen ausblieben, die, wie ich hoffte, die Nachricht bringen würden, daß die Boeren ihre Reserven zusammen- gerafft und sich auf den aller Artillerie faktisch entblößten Feind geworfen hätten. Aber als Cronje kapitulierte, da fühlte ich geradezu entsetzlich— und so fühlte ich gestern wieder. Ein nagendes, niederdrückendes, beklemmendes Gefühl; einfach rat- und hoffnungslos und so schlich ich inich ins Bett. Es war mir einfach unmöglich mit irgend jemand zu verkehren. Hatte ich doch am Abend zuvor einen„Appell an die alte Garde" des 13. sächsischen Wahlkreises geschrieben, um denselben in der„New Dorkcr Volkszeitung" zu veröffentlichen. An diese seit ungefähr LS Jahren Vertriebenen und über den ganzen Weltteil Amerika verstreuten Lebenden wollte ich mich wenden. Ich wollte sie— da ich mir sagen mußte, die Entscheidung rückt nahe— aufrufen zu einer energischen Unterstützung für die Ausgeschlossenen in Crimmitschau. Die noch Ueberlcbendcn dieser alten Garde sollten so zu sagen die Cadres bilden für die mobil zu machende Armee, welche Unterstützung zu sammeln hatren. Alle sollten sich der Kämpfenden erinnern, alle in den be- kannten Weberstädten und Dörfern von Massachusetts, Connecticut und in den Centren von Rhode Island, und die einzelnen oben in V e r m ont. auch die in P e n n s y l v a n i e n, wo sie in größerer Zahl in Philadelphia deutschen Sang und deutsches Wort so herrlich pflegen helfen, auch jene im Staate der berüchtigten Justiz, N e w Jersey, und die in den Mietskasernen der Metropole Hausenden: auch die Neste der„Saxonia" im Staate Michigan und die einzelnen der alstn Garde in den Wäldern Wisconsins und auf den Flächen Minnesotas, ja selbst die Versprengten in Chili, Argentinien und Brasilien.— Falls der Ruf zu ihnen gedrungen, hätten sie sicherlich ihre Hilfe geleistet. Lille wären ans Werk gegangen mit demselben Feuer, wie sie es ein Vierteljahrhundert vorher gethan. Allein es war zu spät.— Zu spät!" Der Brief ahnt dann die ganze Brutalität deS Kapitalismus voraus, der als rachgieriger Sieger den Unterlegenen dem Hunger ausliefert und ihn von Ort zu Ort hetzt. Der Schreiber hat ja das alles am eignen Leibe erfahren. Dann aber warnt er davor, sich vor der Rache des Uilternehmertums ins Exil zu flüchten. So steht es nun freilich um die Besiegten in Crimmitschau nicht, daß sie den deutschen Staub von ihren Pantoffeln schütteln müßten. Seit unser amerikanischer Genosse, von der Unternehmerrache ver- folgt, über den großen Teich flüchten mußte, ist das schüchterne kleine Pflänzchen der Solidarität zu einem großen Baume angewachsen, der jetzt die ganze Erde beschattet. Das spüren nicht zuletzt die noch Ausgesperrten in Crimmitschau. Seit Sonnabend ist die Unter- stützung für dieselben noch einmal um 2 M. pro Woche erhöht worden.— Sie haben nicht nötig, das Proletariat Amerikas vermehren zu helfen, komnit doch das amerikanische Proletariat gleich dem aller Länder mit seiner Hilfe zu ihnen! Berlin und dmgcgcnd. Die Geschirrsattler hielten am Montag eine Branchenversamm- lung ab, um über ihre seit längerer Zeit vorbereitete Lohnbewegung zu beraten. Die Bersanunlung war gut besucht, ein Zeichen dafür, daß das Interesse für die Bewegung, das bei den vorhergehenden Versammlungen zu wünschen übrig lieh, jetzt mehr und niehr wach wird. Zunächst gab der Obmann der Agitationskominission der Geschirrbranche eine Uebcrsicht über das, was bisher in Bezug auf die Bewegung geschehen ist. Er erwähnte dabei unter andcrin, daß die Jnnüug' sich bereits in ihrer letzten Quartals- Versammlung mit den noch gar nicht einmal eingereichten Forde- rungen befaßt hat und sich bereit erklärte, die neunstündige Arbeits- zeit im allgemeinen zu bewilligen, doch unter der Bedingung, daß die Meister berechtigt sein sollen, in dringenden Fällen 10 Stunden arbeiten zu lassen, ohne Prozentzuschlag für die Ueberstunden zu zahlen. Außerdem wollen die Meister statt des jetzt noch in vielen Werkstätten üblichen Wochenlohns Stundenlohn allgemein ein- führen.— Mit diesen Vorschlägen der Innung erklärte sich der Referent ebensowenig wie die Diskussionsredner einverstanden. Besonders wurde hervorgehoben, daß der Neunstundentag durch die Einschränkung, die hierbei von den Meistern gewünscht wird, in vielen Werkstätten illusorisch gemacht werden würde und darum der Zuschlag von 25 Proz. schon für die erste Ueberstnnde verlangt werden muß. Als ebenso wichtig wurde die Festsetzung des Minimal- lohnes bezeichnet.— Nach eingehender Diskussion belchloß die Ver- sammlung, daß über die in der Versammlung vom 11. Januar provisorisch ausgestellten Forderungen in den nächsten Tagen inner- halb der Branche eine Urabstimmung vorgenommen werden soll, wozu die Stimmzettel am Donnerstag an die Werkstuben- Dele- gierten ausgegeben werden, und daß dann in der nächsten Woche eine Branchenversammlung stattfinden soll, die endgültig über die Bewegung zu beschließen hat. Deutlcves Reich. Schneiderdewegung. Die Schneideraussperrung in Bant, die seit dem 25. Juli beziv. 1. August vorigen Jahres dauert und gewiß mehr Ausitrerksainkeit in der Oeffentlichkeit erregt hätte, wenn der große Kampf in Crimmitschau nicht das öffentliche Interesse völlig gefesselt hätte, ist nun auch beendet. Nachdem bisher alle Einigungs- versuche an dem Widerstande der Unternehmer gescheitert waren, ist endlich eine Einigung erzielt, bei der es lvcder Sieger noch Besiegte giebt. Der Arbeitsnachweis bleibt wie bisher in den Händen der Gehilfen. Die Heimarbeit soll„nach Möglichkeit" von den Meistern vermieden werden. Jedenfalls wird eine beiderseitige Kom- Mission eingesetzt, welche in Zukunft etwaigen Wünschen und Differenzen auf dem Tarifgebiete näher tritt.— Die Kölner Schneider ver- handelten am' Sonnabend vor dem Gcwerbegcricht mit einer Anzahl Großfinnen. Es handelte sich um die Festsetzung eines Tarifs für die sogenannte„Maßkonfektion", das heißt um eine Arbeit, die etwa ein Mittelglied zlvischen Maßarbeit und Konfektion ist. Es kam darüber eine Einigung zu stände. Der Vorsitzende, der seiner Freude über die Einigung Ausdruck gab, bat, nun die ge- samten Tarisvereinbarungcn ein Jahr zu verlängern, das heißt bis 1900 gültig zu erklären. Hierüber sollen erst die Organisationen befragt werden. Berantw. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Inseratenteil verantw. Huetand. Bom Streik tu der Diamant-Industrie. A m st e r d a m, 3. Februar.(Eig. Der.) Zwei wichtige Er- cignisse zu Gunsten der Diamantarbeiter-Organisation sind heute zu vermelden. Dem„Volk" depeschiert man nämlich ans London: „Die Anstrengungen der Juweliere beim Londoner Rohdiamant- Syndikat, bis zur Beendigung des Konfliktes mit den Arbeiten: den Verkauf von rohem Grundstoff einzustellen, ist fehlgeschlagen. Der Verkauf wird regelmäßig fortgesetzt." Im weiteren trachteten die hiesigen Juweliere gestern in einer Versammlung ihres Vorstandes mit den Klover-Eigenwerkmakers, kleine nicht direkt im Dienste eines Juweliers, sondern selbständige Arbeitgeber, welche Waren zur Bearbeitung mit ihrem gewöhnlich kleinen Personal von verschiedene» Juwelieren erhalten— diese zum Anschluß an den A. I. B. zu bewegen. Dieselben verließen jedoch einmütig die Versammlung, weil der A. I. V. von ihnen ver- laugte, 1. daß sie während der ersten sechs Monate kein Stimmrecht haben und 2. sich bedingungslos doch dem Mehrheitsbeschluß in der A. I. V. unterwerfen sollten.— Dieser Versuch, diese Gruppe von eigentlich nur selbständigen Arbeitern ganz in die Hand zu bekommen und so leichteres Spiel bei der Ausschließung der Arbeiter zu haben, hat also mit einem vollständigen Fiasko geendet. Außerdem wird uns mitgeteilt: In Antwerpen haben die Juweliere am Montag Lehrlinge nach den Fabriken gesandt, die nicht der Vereinigung der Fabrikbesitzer angehören. Die Vereinigung hat bekanntlich beschlossen, vor dem 15. März keine Lehrlinge zu- zulassen. Die Arbeiter der Fabriken, wo Lehrlinge eingestellt sind, haben jedoch entsprechend der vom Hauptvorstand ihres Verbandes empfohlenen Taktik die Arbeit nicht eingestellt.— Der Antiverpener Diamantarbeiter-Verband hat ein Cirkular an die Arbeitgeber ver- sandt, worin mitgeteilt lvird, daß diejenigen Juweliere, die mit ihrem Personal weiter arbeiten wollen, mit dem Vorstand des Verbandes in Verbindung treten können, der Maßregeln für diese Fälle getroffen hat._ Versammlungen. KoilsumgeuosscnschastS-Bcwcgnng in Berlin. Einer Anregung von Freunden des KonsumgcnossenschaftSwesenS aus Partei- und Gewcrkschaftskreifcn folgend harte der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission die Vorstandsmitglieder der Gewerkschaften und Wahlvereine sowie die Vertrauensleute und sonstigen Funktionäre der Partei und Gewerkschaften zu einer Ver- sammlung eingeladen, die am Montag im großen Saale des GcwerkschaftShauses tagte und zahlreich besucht war. Der Zweck der Versammlung ivar der, die Eingeladenen für die Idee des KonsiinigenosscnschaftSwescns zu interessieren und sie zu ver- anlassen, diese Idee in den weitesten Kreisen der Berliner Arbeiterschaft zu verbreiten. Die Versammlung soll den Ausgangspunkt bilden für eine Agitation großen Stils zu Gunsten der Konsum- genosscnschaftcn. Zwei bekannte Vertreter des Gcnosseuschafts- gcdankens, die Reichstags-Abgeordncten v. Elm und Pens, traten »'s Referenten auf. v. E l m schilderte die Entwicklung der Konsumgenoffenschaften. Dir Genossenschaftsbewcgung nutzte dem Arbeiter in seiner Eigen- schast als Konsunicnt und als Produzent: sie ist natürlich nicht d a S Mittel, um die Arbeiter aus den Fesseln der Lohn- sklaverei zu befreien, aber sie ist eines dieser Mittel, und deshalb ist sie der gewerkschaftlichen und der politischen Bewegung der Arbeiterklasse als gleichwertiger Faktor an die Seite zu stellen. Es handelt sich bei den Gewerkschaften wie bei den Konsumvereinen um die Erhöhung der Lebenshaltung der Arbeiter: sie haben e i n Ziel, soweit die heutigen Verhältnisse in Betracht kommen, darum müssen die beiden Bewegungen zusammengehen, beide sich gegenseitig ergänzen. Wer dafür ist, daß die Gewerk- schaften vorlvärts kommen, der muß dafür eintreten, daß das Princip der Solidarität praktisch bethätigt wird, was ohne Zweifel durch die Konsumvereine geschieht. Berlin hat sich bisher ans dem Gebiete des Genoffcnschafts- Wesens als rückständig crlviesen. Das soll kein Vorwurf für die Berliner sein. Nach den Erfahrungen auf andren Gebieten kann man sagen: Berlin geht nicht voran, eS kommt meistens erst nach. So war es mit der gewerkschaftlichen, so war es mit der politischen Bewegung. Jetzt sollten die Berliner Genossen sich auch an der Genossenschaftsbewegung beteiligen. Was bis jetzt auf diesem Gebiete geschah, das ist im Verhältnis zu der großen Masse der Berliner Konsumenten bisher recht wenig. Wenn erst die leitenden Personen in der Arbeiterbewegung erkannt haben, daß das Genossen- schastswesen ein Mittel ist, um die ganze Arbeiterbewegung zu fördern, dann wird auch Berlin seine Genossenschaftsbewegung habe». >- Der zweite Referent, Genosse P e u s, behandelte die theoretische Seite der Genossenschaftsbewegung. Seinem Vortrage lagen folgende Leitsätze zu Grunde: Die Konsumgenossenschaft ist eine Käuferorganisation. Sie erstrebt die gemeinsame Wahr- nehmung der Interessen der Käufer gegenüber den Verkäufern durch gemeinsames Einkaufen und durch planmäßige Organisation des letzteren. Die Mittel zur Erreichung des gesteckten Zieles sind: Ausschaltung des Handelsprofits dadurch, daß die organisierten Kon- sumenten das zum Warcnbetrieb erforderliche Kapital selber auf- bringen: Ersatz unkontrollierbarer Einkommen selbständiger Handels- Unternehmer durch der Leistung angemessene Einkommen von Angestellten der organisierten Konsinnenten.— Jeder Käufer, welcher mit solcher Organisation zur Wahrnehmung der Käufer- intercssen einverstanden ist, wird von der Konsumgenossenschast will- kommen geheißen. Die Konsumgenossenschaft erkennt deshalb weder bestimmte Bolksklassen noch einzelne politische Parteien als allein« berechtigte Träger der Konsumgcnossenschafts-Bewegung an, sondern steht allen Volksklassen offen und ist politisch neutral. Das stärkere Interesse einzelner Bolksklassen und bestimmter politischer Parteien für die Konsumgcnossenschafts- Bewegung liegt darin begründet, daß die Bestrebungen dieser Volksklassen und Parteien auf andren Gebieten dem Streben der Konsumgenossenschaften näher liegen, beziehungsweise mit ihm in größerer Uebcrcinstimmung sich befinden. Der Lohnarbeiter, welcher für eine bestimmte loirtschast- liche Leistung einen bestimmten Anteil am Gesamt-Arbeitsertrag erhält, ist stärker als der vom Kapitalprofit und Selbstentlohnung lebende Unternehmer daran interessiert, daß an die Stelle unkontrollierten VerkäufereinkommcnS kontrolliertes, der wirtschaftlichen Leistung angepaßtes Einkommen von Angestellten tritt, die so von ihm abhängig sind, wie er von seinem Arbeitgeber. Der Socialist, welcher die Vcrgemcinschaftlichung der ProdnktionSmitel überhaupt erstrebt, ist stärker als der Anhänger privatkapitalistischer Wirtschaft daran interessiert, daß das'im Handel investierte Kapital Gemeineigentum der Konsumenten werde. Insbesondere ist das auf Aufrcchterhaltung der Selbständigkeit kleinerer oder inittlerer Wirtschaftsbetriebe bedachte Kleinbürgertum, so lange es die Berechtigung der Koiisumengcnossenschasts- Bewegung noch nicht begriffen hat, ein Feind der Konsumgenossenschafts- Bewegung. Das Großhandelskapital kann ebensowenig ein Freund der Konsumgenossenschafts- Bewegung sein, da die letztere den Aus- schluß bezw'. die Abschaffung des Handelsprofits erstrebt. Eine ihr Ziel mit rückhaltloser Konsequenz verfolgende Konsum- aenossenschafts- Bewegung wird daher trotz ihrer Zugänglichkeit für jeden Käufer in der Hauptsache von der socialistisch denkenden Lohuarbeiterklasse getragen. Nur die socialistisch denkende Lohn- arbeiterklasse ist auch befähigt, die Konsumgenossenschasts-Bewcgung so zu führen, daß nicht das kurzsichtige individuelle Interesse des Einzelnen(nur auf den moinentanen Nutzen bedachte Dividenden- jagd). sondern das Gesamtintcresse der organisierten Käufer in den Mittelpunkt des Interesses gerückt wird. Speciell in der Großstadt ist ein Erfolg für die Konsumgcnoffcn- schafts-Belvegung nur dann zu erwarten, wenn sie als Massenbewegung jener Käufer austritt, die sich aus der socialistisch denkenden Lohnarbeiterklasse rekrutieren. Die Konsumgenossenschafts- Bewegung der socialistisch denkenden Lohnarbeiter der Großstadt ist daher in der Agitation als wirtschaftliche Bewegung der Lohn- : Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt arbeiter k l a s s e aufzufassen. Nicht nur der individuelle Dorteil des Einzelnen, sondern der wirtschaftliche Erfolg der ganzen Klasse ist in den Vordergrund der Agitation zu stellen. So wenig die gewerkschaftliche Organisation dadurch einen politisch socialdemokratischen Charakter erhält, daß Socialdcmokraten die energischesten Vertreter der Interessen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sind, und Socialdemokraten am ehesten Neigung haben, Mitglieder der gewerkschaftlichen Organisation zu werden, ebensowenig werden Genossenschaften dadurch politische Vereine, daß socialistisch denkende Arbeiter sich für sie am leb- haftesten interessieren. Die Konsumgenossenschafts-Bewegung ist nichts als die durch die Entwicklung unsrer ökonomischen VerhälMisse ermöglichte konsequent verfolgte Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen der Menschen auf der Basis, die in der wirtschaftlichen Potenz des Käufers bezw. der Organisation der Käufer liegt.— Der Referent schloß mit der Aufforderung an die Berliner Arbeiter, sich, wie sie es politisch und gewerkschaftlich gethan haben, auch als Käufer zu organisieren und so eine neue Macht zu begründen. Die Ausführungen der beiden Referenten Ivurden mit lebhaftem Beifall anfgenoninlen. In der Diskussion sprach zuerst Genosse K a tz e n st e i n, der den Nutzen der Konsumvereine darlegte und die Berliner Arbeiter ersuchte, das Beispiel andrer Städte in der Organisation der Konsumenten nachzumachen. Daun folgte Genosse David- Mainz, der besonders auf den Zusammenhang der Gewcrkjchafts- und Konsumgenosscnschasts-Bewcgnng hinlvies. Wenn jetzt die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung durchsetzt, so halten sich die Unternehmer durch Erhöhung der Preise schadlos. Es ist also der Konsument, und wenn eS sich um Artikel des Massenkonsums handelt, der Arbeiter, welcher die seinem in einem andern Beruf arbeitenden Klassengenossen gewährte Lohnerhöhung bezahlen muß. Wenn nun ein Konsumverein die Eigenproduktion in einem Zweige, beispielsweise der Bäckerei, ein- geführt bat. und die Bäckergesellen in den Privatbetrieben setzen eine Lohnerhöhung durch, so können die Bäckermeister die Lohn- erhöhung nicht auf den Brotpreis schlagen, da ihre Kundschaft sonst durch den Konsumverein, der die Preise natürlich nicht erhöht, an- gezogen wird. Dasselbe gilt auch von andren Zweigen der Pro- duktion. Die Gewerkschaften und die Genoffcnschasten hängen also innig zusannncn. Es gilt nun. die GenossenschafiSbewegung in Fluß zu bringen, die drei Ströme: politische, gewerkschaftliche und genossen- schaftliche Bewegung zu vereinigen, damit die Arbeiterbewegung in geschlossener Kraft ihrem Ziel zustreben kann. Außer den angeführten Rednern traten noch H e r b e rt- Stettin, Lamm, T i s ch c n d ö r f e r und Brückner sämtlich unter leb- haftem Beifall der Versammlung für die Förderung der Genoffcnschafts- bewegung durch die Berliner Arbeiter ein.— Zum Schluß wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher die organisierten Arbeiter aufgefordert werden, die in Berlin und Umgegend bestehenden, auf dem Boden des Centralverbandcs deutscher Konsumvereine stehenden Konsnmcnten-Organisationcn durch Anschluß wie durch Einkauf ihres Bedarfs in deren Verkaufsstellen thatkräflig zu unterstützen. Der rusfisch-japanische Krieg. Blinder Lärm. New Aork, 9. Februar. Die„Associated Preß' verbreitete folgende von heute nachmittag Lftz datierte Depesche aus Peters- bürg: Die russische Admiralität teilt mit, sie habe die Nachricht er- halten, daß bei dem Angriff der Japaner gegen Port Arthur 11 ja- panische Kriegsschiffe und ein russisches Kriegsschiff untergegangen seien. Sieben Russen seien getötet und zahlreiche verwundet. Port Arthur stehe in Flammen. Diese Meldung entbehrt nach einer Petersburger Mitteilung von „RcutcrS Bureau" jeder Grundlage. Gott soll helfen. Petersburg, 9. Februar. Im Winterpalais versammelten sich heute nachmittag die Würdenträger und Hofchargen sowie die gesamten Offiziercorps der Garnisonen Petersburg, Zarskoje Sselo. Gatschina und Peterhof zur Teilnahme an dem vom Kaiser befohlenen Bittgottesdienst. Der Angriff auf Port Arthur. London, 9. Februar. Eine dem„Reuterschcn Bureau" aus Tschifu zugegangene Depesche bemerkt nach einer Beschreibung des Angriffes aus Port Arthur, daß der Kampf heute auf eine Schußweite von drei Meilen fortgedauert habe. Es sei auf keiner Seite weiterer Schaden angerichtet worden. Paris, 9. Februar. Der„Agence Havas" wird aus Petersburg gemeldet: Hier verlautet, daß die japanische Flotte, welche letzte Nacht die russischen Schiffe vor Port Arthur angriff, ans siebzehn Schiffen bestand. Die Panzerschiffe„Netwicsan" und„Zäsarcwitsch" sollen ernstlich beschädigt und der Kreuzer. Pallada" angeblich gc- funken sein. Neutralitäts-Erklärungen. Stockholm, 9. Februar. Die schwedisch- norwegische Regierung beschloß heute, während des russisch-japanischen Konfliktes strenge Neutralität zu beobachten. Paris, 9. Februar. Der„Tcmps" sagt, die englische Re- gierung sei durchaus entschlossen, entsprechend ihren Zusagen strikte Neutralität zu beobachten. Marquis Lansdowne habe im gestrigen Ministerräte lvörtlich erklärt: Ich habe die Gewißheit er- langt, daß nunmehr keinerlei Intervention möglich ist. Dieselbe würde von Japan nicht angenommen werden und sobald die Feind- seligkciten einmal begonnen haben, wird nichts andres übrig bleiben, als ihnen freien Lauf zu lassen. New Dort, 9. Februar.(Meldung des Neutcrschen Bureaus.) Staatssekretär Hay hat an die Mächte eine Note gerichtet, in welcher sie gefragt werden, ob sie geneigt seien, sich einer Mitteilung an Nußland' und Japan anzuschließen, die besage, daß während der Feindseligkeiten und nach demselben die Neutralität und Integrität Chinas anerkannt Iverdcn müsse. » London, 9. Februar. Dem„Rcuterschen Bureau" wird aus Port Arthur von gestern gemeldet: Der Statthalter Alexejeff trifft Maß- nahmen zur Unterstützung der japanischen Flüchtlinge in Port Arthur und Dalnij bis zur Ankunft der drei Schiffe, welche sie nach Japan bringen sollen und von denen das erste heute hier erwartet wird. Es ist eine Nachrichtcn-Censur hier errichtet worden. Die Stadt Wird jetzt auch von Leuten andrer als japanischer Nationalität verlassen. Letzte IVachrichten und DepeFeben. Zwei Stadtverordneten-Ersatzwahlen in Charlottendurg haben am gestrigen Dienstag stattgefunden. Im 3. und 7. Bezirk hatten die beiden letztgewählten socialdemokratischen Vertreter ihr Mandat wegen Doppelwahl niedergelegt. Im 7. Bezirk ist bei der gestrigen Wahl den Liberalen der früher innegehabte Sitz wieder zu- gefallen. Es erhielt der Genosse Stadtverordnete Wilhelm M i ck I e r 352 Stimmen, während der liberale Kandidat, Kaufmann Leopold Folenberg mit 583 Stimmen g e lv ä h l t wurde. Im 3. Bezirk wurde der Genosse Stadtverordnete Karl Jandcr mit 481 Stimme» gewählt.— Auf den liberalen Gegen- kandidaten, Bahnmeister a. D. Markwart, entfielen nur 92 Sttmnien. Da Genosse I a n d e r bereits Stadtverordneter ist. wird er die Wahl ablehnen und der Bezirk wird zum drittenmal zur Wahl schreiten müssen._ HinanSschiebiing der Rekrutierung. Wien, 9. Februar. Die„Wiener Abendpost" meldet: Die Regierung verfügte die Verschiebung der Termine für die Aushebung der Rekruten, da infolge der verlängerten Tagung der Delegationen die Wiederaufnahme der Thätigkeit des Reichsrats in einem Zeit- punkte unmöglich ist, welcher die Relrutierung im März wie sonst gestatten würde._ Paul Singer LrC?., Vi! rlip. L�v. Hierzu 2 Beilagen u.UntcrhaltungZblatt . 84. 21. Iahrgaug. 1. Ktilllge des Lsmörts" Kerliller UolksdlM. Mittliiolh, 10. Februar 1904. Reichstag 28. Sitzung. Dienstag, den 9. Februar 1994, 1 Uhr. Am BuiideSratstischc: Graf Posado wsky. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält das Wort Abg. Gröber/, Uhr bei Wilke, Brmmcnstr. 188: Oessentliche Versammlung. Vorwag des RcichStags-Abgeordneten Herrn. Förster-Hamburg über den bevorstehenden Heimarbeiteftchutz-Kongreff smvie Dclegiertcnwahl zu demselben. Eingegangene vruckfckriften. Fünfter JahreS-Bericht des(Kartells deutscher und östreichischer Radfahrer- und Motorwagen- Verbände(c. V.) pro 1903. 38 Seiten. Druck von G. Hafner, München 1901. vi-. luock. Georg Liebe.„Werde gesund!" Zeilschrist für Volks- Gesundheitspflege und KrankhcitSverhütung. Monatlich ein Heft von 24 bis 32 Seiten. Preis vierteljährlich 75 Pf Verlag Theodor Krische, Erlangen. Fact versus Fiction. The Oobden Club's Reply to Mr. Chamberlain. 114 Seiten. Casscll a. Company, Limited, London. Konrad Agahd. Gesetz betr. Kinderarbeit in gewerblichen Bewieben. Vom 30. März 1903. Zweite Auslage, neu bearbeitet von Konrad Agahd und M. v. Schulz. Preis 1 M. Verlag von Gustnv Fischer, Jena 1994. Theodor Barth, Politische Porträts. Preis brofch.. 2 M., gcbd. 2,80 M. Verlag Georg Reimer, Berlin, Lutzowsw. 107/8. 1901. Berftaiidlnnge» der Strafkammer zu Saarbrücken gegen Ludwig Lehnen, Redakteur der„Neimkirchener Zeitung", wegen Beleidigung des Gchetmrat Hilgcr, deS Vorsitzenden der königlichen BerglverlSdirektion Saar- brücken und Per Beamten derselben am 15., 19., 22. und 23. Dezember 1903. Trier 1994. Druck und Verlag der Paulinus-Druckerei. George Eleinow, Beiträge zur Lage der Hausinduswie in Tula 131 Seiten. Leipzig 1904. Dunckcr u. Humblot. Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen des �Weizen, gut D.-Ctr. mittel gering. "Roggen, gut mittel gering. fGerstc, gut mittel gering fHafcr, gut.„ mittel - gering Richtswoh, Scu Erbsen, Spciscbohnen Linsen am 8. Februar 1904 kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Cwi Riildsicisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch Kalbfleisch, Hammelfleisch uttcr Eier Karpfen Aale Zander .Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock 7.99 1,89 1,49 1,69 1,89 1,89 2.99 5,99 2,49 2,89 3,99 2,49 1,89 3,99 1,49 15,99 ab Bahn, f frei Wagen und ab Bahn. 5.00 1,20 1.10 1,99 1.20 1,10 2,99 3.99 1,29 1.40 1,20 1,20 9,80 1,40 0,89 3.00 WitternngSübcrsicht vom it. Februar 1904, morgens 8 llhr. Stationen Swinemdc. Hamburg Berlin Franlf.a.M. München Wien L£ = � 5-5 c 3 6)� I 742 SSO 742 WSW 743:>sW 749 ISS 751 W 759,23®® Wetter S l g« w a 2 Dunst 3 bedeckt 2 bedeckt 4 wolkig 7, bedeckt -Regen Stationen 3- -- a s>~ taparanda eterSbnrg Cork Slbcrdcen Paris 757 W 747 NO 732® 759, SD Weitet --Ä 6" n ts M Sj 2 wolkenl llbedeckt Ibcdcckt 5, halb bd. —21 —6 6 Wetter-Prognose für Mittwoch, den 10. Fcbruat 1904. Ein toeilig kühler. vorwiegend heiter mit Niederschlägen und ziem» lich irischen westlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u Dem Genossen QttSt zu seinem 40. Geburtstage ciii dreimal donnerndes Hoch. t657b Die Genossen des Bezirks 180s. Am 7. Februar entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden 16> meine liebe Frau, unsre gute Mutter Wilhelmine Dunsing geb. Hosslan im 50. Lebensjahre. Dies zeigt ttesbewübt an Ernst Dunsing nebst Kindern. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 11. V. MtS., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Heilig Kreuz-KirchhofS zu Marien- darf aus statt.■ 16796 Deutscher Metallarbeiter-Verband (Verwaltungsstelle Berlin). Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daff unser Mitglied, der Metallarbeiter Friedrich Baade am 6. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. Februar, nach- mittags 4 Uhr, vom Simons- Kirchhos, Tempelhos-Britzcr Weg, aus statt. Rege Bcleiligung erwartet 111/12 Oie Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herz- licher Teilnahme anläfflich des Hinschcidens meines lieben Man- nes, unsreS guten Vaters, meines treuen Sohnes, des Restallrateurs Gotthelf Gosslau sagen allen herzlichen Dank. Die traaerDdeii Hinterbliebenen. Nachrief. Sonntag früh verstarb nach kurzem schweren Leiden unser Parteigenosse, der Abgeordnete Emil Rosenow. Sein liebenswürdiges, offenes Wesen, sein unermüdliches Eintreten für die Rechte der arbeitenden Klassen sichern ihm ein dauerndes Andenken in jedem Proletarior- herzen. Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 10. d. M., nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhofes in der Maxstrasse aus statt. Die socialdemokratiscI)en Vertrauensleute von Berlin und Umgegend. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daff unser Mitglied, der Dreher Otto Lillge am 8. d. Bits, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bcerdigmig sindct am Donnerstag, den 11. Februar, iiachmittagS'4 Uhr, von dcrLcichen- halle des EmmauS-KirchhofcS in Ripdorf aus statt. 111/19 Rege Beteiligung erwartet Bio Ortsverwaltung. CEDtral-Men- und Sterbekasse der Tischler usw. Verwaltung Berlin H. Am 5. Februar verstarb unser Mitglied, der Tischler .lohsno Lang im Alter von 61 Jahren. Die Beerdigung findet heute, nachmittag? 4 Uhr, von der Halle des Michael-Kirchhoses, Marien- dorscr Weg, auS statt. Um zahlreiche Betciligmig ersucht 184/3 Die Ortsverwaltung. DV Hoh-TalmU."VV 8 irr Templinerstr. 3 • JlclUcti« u. d. Schwcdterslraffc. nähr Malzkaffee besres Nahrungs Ceylon und !;QenussmilteI ■SKatfeeersah Ceylon- ITJalzkaffc® u. Kaffee Surrosatfabrik nuitrsdorf-Ohcinnltz. Vertretung und Engros-Lager bei JE. Uos-giiinnii. Berlin. Fernsprecher IX 7054Parisersfcr. 2. Gegen Monatsraten von 2 Mk. an liefern wir Musikwerke ßelbstspielende sowie Drehinstrumente i mit auswechselbaren ' Metallnoten von 18 Uk. aufwarte. Phonographen nur erstklassige, vorzüglich /funktionieren- 'de Apparate von 20 Mk. aufwärts. bespielte und unbespielte Walzen Ja, Qualität. Aooordeons in sehr reicher Auswahl, | sehr preiswerte Instrumente in allen Preislagen. Zithern aller Arten, wie Aecord-, Harfen-, Duett-, Konzert-, Guitarre-Zithem etc. Bial& Freund in Breslau II. 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Es ist össenillch die Behauptung ausgestellt worden, daff der bei seinen Flugversuchen umgetoinnienc Flugtcchnifer Lilicnthal der Ersindcr der Flug- schraube sei. welche jetzt als„Optima-Schraubc" von dem Ehcs des sranzo» fischen LustschisserwescnS, Oberst Renard, crjolgrcich versucht sein soll. Morgen, DomierSlagvormittag 11 Uhr, wird nun der Erfinder Hermann Ganswindt in seiner Ausstellung in Schöneberg am Mariendorscr Weg einen Vortrag halten, worin er an der Hand seiner von ihm vor sechzehn Jahren erfundenen und seit drei Jahren wirklich fliegend vorgeführten Flug- schrauben urkundlich nachweisen wird, das: Lilienthal ein enragierter Gegner des Ftugschraubensystenis und seines Verfechters, des Erfinders Ganswindt, gewesen ist, und daff die schraube des Oberst Renard ohne widerrcchttiche Benutzung deS GanSwindtschen Patentes die Leistung der Gqnswindtschen Schrauben nicht erreicht haben kann. Für Kapitatlsten bietet sich daselbst auch Gelegenheit zu gcwinnvcrsprcchcndcr Kapitalsbetclligung an der Gründung eines transportablen Zelt-AmphitheatcrS zn östenllichen Schau- Uorsührnngeck der jetzt ihrer Vollendung entgegengehenden zn besichtigenden grasten lomptetleii lenkbaren Flugmaschinc. Eintrittspreis 1 Mark. Einlaff nur gegen Lcgitinialioii und Wohnungsaligabe. 1667b (iMöliclrtörfM Siegel& Ge. & Prlnzcnstrassc 38. 68/12* J, Gr. Auswahl 400 vcrsch. Kronen:c. von 10—250 Ml. ! Ausverkauf p älterer und einzelner Muster bedeutend unter Preis ftüc den übernimmt Inhalt der Inserate lt die Redaktion dem Publiknm gegenüber keinerlei Beranttvortung. HKeater. M U t w o ch, 10. F c b r li a r. Ansang 71/, Uhr: Neues Königl. Oper»- Theater. Romeo und Julia. Schauspielhaus. Im stillen GS« che» syualit-z�-Strest.) deutsches. Rose Bernd. Verliuer. Stella und Antonie. Lessing. Zapscilstreich. Westen, tlndine.. Neues. Schwester Beatrix. Vorher Der Schlachtcnlcnrer. Residenz. 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Carl Weiss-Theater. Krofte Frankfurter Strafte 13Z. Nachmittag 4 Uhr: Schnlervorstellung 10, 25. 40 Pf. Wilhelm Tell. Schauspiel in 5 Alten o. Fr. v. Schiller. NAip- Abends 3 Uhr:— Msii Der Alte ko»«mt. Morgen n. Freitag: Ilse Römer. s Direktion: Rodert Dill. IS. Hcuic wegen Privaljestilchleit geschlossen. Donnerstag: E x t r a- B o r st e l l u u g. 6raf Essex. Fröbels Älleriei-Tlieater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Gastspiel der Freien Vereinigung für Litteratur und Kunst. Gespenster. Familiendrama in 3 Alten. Nach der Lorstellung: Freitanz. Anfang S Uhr. Eintritt 30 Pj. Linien- Dramen Strasse 132 burger Thor ZM- Riesenerfolg l-TZSL pflü teure Werhuus. Dramolet von Fritz Sleidl. �ollsttindi�nmi���o�ramim ?llIllst-TIlöllter Bnrgsirafte SÄ. srüher Foen-Palasl. Heule und solgende Tage 8ll, Uhr: Das Millionenmiidel. Im Spccialiiätenteil: Signora llrnesw mit ihrem mysteriösen Elefanten. Liili Fristen, Kostüm-Soubrette. Doamando und Anni, Lust-Krastalt. Mr. C. JSrgensen, Mimitcr. 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I. beschlossenen Statuten sind durch die Aussichts- bchörde genehmigt und trafen vom Montag, den 8. Februar 1904 ad in Krajt. Nach denselben beträgt daS Eintrittsgeld: 1,56 M. für die I. Klasse 1,35..„ II... 0,75„ III... 0.65.... IV... 0,50...... V.„ Tie Nellräge: 0,69 M. siil die h Klasse 0,54„„„ II. 0.45...... m. ,/ 0.36„„.. TV.„ 0,27...... V.„ Sic Leistungen der Kasse: während der Dauer der Erwerbs- iinsäniglcit für jeden Tag einschließlich Sonntag und vom Beginn der Er- werbsunsähigteil ab an Krantengeld täglich i für die l. Klasse 2,25 M. „ II.„ 1,80.. „ tU.„ 1,45„ „„ IV... 1,20 „ V. 0,99„ Ter Äarsiand. Schwartze, Vors., Pankow, Breitestr. 3. Kolke, Schristsührer, Ebertystr. 55. Central- Kranken- und Sterbekasfe der Zimmerer Donnerstag. 11. Februar, abends 8'/. Uhr, im Gewerkschaftshanse «Saal 3), Gngel-llfcr IS: 259/2' MIT' Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Mrechnung vom 4. Quartal 1903. 2. Wahl der Revisoren. 3. Ber» schiedene Kassenangelegenhciten. Der Borstand. Mrateitenll-a MMi-, Iraiisporh. VcrkctirsarliEiler Dentschlands.— Versvaltungststellc Berlin I. Mitglieder aller Branchen! Am Donnerstag, den 11. Februar ISvI, abends 8'/, Uhr: örilentlikke Kenersl-Verssmmtung im„GewerkschastshauS". Gngel-llfer Nr. IS(groftcr Saal). T an es- Ordnung: 1. Mileilunaen. 2. Jahresbericht: a) Gcschästsbericht. b) Kassen- bericht. c) ArbeilSnachwcisbericht. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Orts- verwaltung und der Revisoren. 4. Wahl der Mitglieder zum Gauvorstand. S. Anträge und Geschäftliches. 67/5 Das Erscheinen eines jeden MtgliedcS ist Ehrensache. Mitgliedsbuch ist mitzubringen und als Legitimation am Eingang des Saales vorzuzeigen. Wer über 10 Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstand ist, hat kernen Znttitt. Beiträge können entrichtet und neue MUgliedcr aufgenommen werden. Die OrtSverwaltung I. Achwngk Sctiönebery. Mittwoch, den 10. Februar, abends 8'/, Uhr: Uolks- Uersammlung in Ledöusderg, Vdsts 7ss«sAe. TageS- Ordnung:„Unsre Waffen im Befreiungskampfe des Proletariats'. Rcsercntin: Genossin Stelnhach- Hamburg. Diskussion. 105/16 Am Tonnerötag, den 11. Februar, spricht Genossin Steinbach- Hantburg in Habels Brauerei, Bergmannstr. 5/7. Ilm zahlreichen Besuch bittet__ Per Elnbernfer. tdituna! Einsetzer. ti!l""i«! Mittwoch, de» 10. Februar er., abends 6 Ilhr. bei Fcncrsteln, Alte Jakobstraße Nr. 73: Oesfentliche Versammlung der Einsetzer Berlins und Umgegend. Tagesordnung: l. Bericht über die Lohnbewegung. 2. Bericht der Ver« handlungSkommission. 73/20 Es ist Pflicht, daß jeder Kollege erscheint. Der Fmbcrulcr. Verwaltniigsattcllc Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Donnerstag, den 11. Februar, abends 8'/- Uhr. in den Andreas- Festsälen. Andreasstrafte S1: Kombinierte Vertrauensmänner-Konferenz. Tagesordnung: Stellungnahme zur Generalversammlung. Ohne Mitgliedsbuch und Einladungskarte kein Zutritt. Donnerstag, den 11. Februar, abends 8 Uhr, im Gewerkschafts- Hanse. Eugel-ttfer IS, Saal I: Versammlung aller in der Drahtindustrie von Ser!i«u.zlmgkgelld beschäst. Kollege«. Tagesordnung: l. Bericht der Schlichiungs-Kommiision über den Stand der Berhandimigen, betteffend unfern neuen Tarif. Res.: Karl Wiesenthal. 2. Diskussion. 111/11 Da während der Tarisverhandlungen die Existenz emeS jeden Kollegen aus dem Spiele steht, so erwarten wir den Besuch aller. Keiner darf schien l Aus zur Versammlung! Pic Ortsvertvultanjz. Achtung! Fliesenleger. Achtung! Donnerstag, den 11. Februar, abends 8 Uhr: Versammlang bei Wendt, Am KSuigSgraben Ha. TagcS-Ordnung: Protest gegen die Handlungsweise des allen FachvcrcinS der Fliesenleger in der Versammlung am 3. Februar d. J. Rcscrcnt: A. R e c z. 1666b_ Per Einbernfcr: Karl Schwarz. und Umgegend w Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. X. 39, Willdenow-Htrasse 30.— Fcrnspr.: Amt II, 2543. Die Genossenschaft bietet den Mitgliedern gute Ware zu möglichst billigen Preisen. Umsatz 1902/03: 855515,55 Mark. Mitglicderzahl: 5400. Ünfre Verkaufsstellen befinden sich Swinemünderftrafte 44. 2. Ghorinerstrafte 40. 3. Bnttmaniiftrafte 1». 4. Willdcnowstrafte SO. 5. Gartenstrafte 3. 6. Wiclefftrafte 81. 7. Ebelingstrafte 14. 8. Arndtftrafte 5. 9. Graefestrafte 40. 10.«treuzbergstrafte 36. 105/15 Tempelhof: 11. Berltnerstrofte 76. Schöneberg: 12. Apostel Paulusstrafte 37. 13. Gothcnstrafte 1. Weissensee: 14. Friedrichstrafte 18. 15. Langhansstraftc 60. 16. Berlin: Wiusstrafte 64. In allen Verlaussftcllen werden Mitglieder ausgenommen. Emirittsgcld 50 Ps. Konsttmeuteu! Organisiert Euch! General-Versammlung der StErtB-uirankeii-ODterstlltzDiigs- ka�se Hr. 55 am Freitag, de» 10. Febr. 1004, abends 8 Uhr. im Kaffenlotal, Ltuienstr. 10. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission über die vom königlichen Polizeipräsidium genehmigten Tatzungen. 2. BctteffS in Kraft treten und Ausgabe der neuen Zungen über Kahlen des Satzungen. 3. Bcsprcc die vorzunehindndcn Vorstandes. 16716 GrSnbuch legitimiert. Per Versland. zikuespanellikrongstmiull! 81/, Meilen v. Centrum Berlins, s lHarh pro □Rate II Sttaßettland gratis, feinster Gartenboden. Herrliche, gesunde Lage, verk. Schulz, Rixdors, Lenausir. 12, Burkhardf, Ober- Schöneweide, SiemenSstt. 9.« Krau;-«ud Klumkiibindtrei von Roberl Meyer,. nur Mmauueu-Straßt 2. Vereins-Kränze, Palmen- u. Blmnen« Arrangements, Bouquets, Guirlanden usw. werden fein n. preiswert geliefert Derantw. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Für den Inseratenteil derantw.: TH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Bnchdrnckerci u. Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 34. 21. Jahrgang. 2. Iciligc des Jormiirts" ßetlintt Sultetilüft. Mitwoch, 10. Febniar 1904. Am Sonntag früh verstarb plötzlich und unerwartet unser Parteigenosse, der Reichstags-Abgeordnete Emil Rosenow. In ihm verliert die Partei einen rastlosen, nimmermüden Kämpfer für die Sache des Proletariats. Durch seine Begeisterung, Hingabe für unsre Idee, verbunden mit seiner persönlichen Liebenswürdigkeit, gewann er sich die Herzen aller Unterdrückten und wird er als leuchtendes Beispiel unvergessen bleiben. Leider riss ihn der Tod aus unsrer Mitte, gerade als seine Geistesgaben zur vollsten Entfaltung gelangten. Die Arbeiter Berlins und Deutschlands werden das Andenken dieses tapferen Streiters in Ehren halten! Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr auf dem Schöneberger Friedhof(Maxstrasse), statt, und bitten wir um zahlreiche Beteiligung. Die socialdemokratischen Vertrauensleute von Berlin und Umgegend. Professor Delbrück freigesprochen. Die bekannte Privatklage, welche seitens des Vorstandes de Ostmarkenvereins gegen dchr Professor Dr. H a n S Delbrück angestrengt worden ist. beschäftigte gestern in vierter Instanz die achte Strafkammer des Landgerichts I. Professor Dr. Delbrück war vom Schöffengericht lvcgen Beleidigung zu'600 M. Geldstrafe verurteilt worden, die dagegen eingelegte Berufung wurde verworfen. Das Kammcrgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurück, da nicht genügend geprüft worden sei, ob und inwieweit der Beklagte in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Der Klage liegt folgender Sachverhalt zu Grunde: Im Septemberheft der von Professor Dr. Delbrück herausgegebenen„Preußischen Jahrbücher" von 1002 erschien ein von ihm verfaßter Artikel:„D i e K a i s e r z u s a in m e n- lurtft und der Fall Löhn in g". Professor Dr. Delbrück behauptete darin unter andcrm, daß die große Mehrzahl der höheren Beamten in der Provinz Posen längst erkannt habe, daß der Hakatis- mus eine Berirrung sei und das Deutschtum in Posen ruiniere Diese Majorität werde aber terrorisiert durch die Minorität der Hakatisten, die sich auf den national erregten Fanatismus der öffcnr- lichen Mbinung in Deutschland stütze. Der Hakatismus trage eine moralische Verderbnis in unser Volk und zeitige eine moralische Verderbnis, wie aus dem Fälle Löhning zu ersehen sei. Am aller- schlimmsten sei das von den Hakatisten großgezogene Denunzianten- und Spionagesystem. In der„Germania" sei jüngst eine Erinnerung an den Staatssekretär v. Stephan veröffentlicht, wonach dieser schon geklagt habe über die ganz nichtigen„nationalen Denunzia- tionen, mit denen seine Beamten im Posenschen verfolgt würden." Durch diesen Artikel fühlten sich die Vorsitzenden des Ostumrken- Vereins, Major v. T i e d e m a n n- Seeheim, Exccllcnz v. Rasch- bau, Landesökonomicrat v. Kennemann und Justizrat Wagner, beleidigt. Im gestrigen Termine waren die Parteien nicht persönlich zur Stelle, die Kläger wurden durch Justizrat Wagner, der Beklagte wurde durch Rechtsanwalt Dr. Heck- scher aus Hamburg vertreten. Nach Verlesung des ersten Urteils stellte der Verteidiger mehrere Anträge, um den Beweis der Wahr- hcit antreten zu können, der Gerichtshof lehnte diese Anträge aber sämtlich ab, da es nur darauf ankomme, zu prüfen, ob der Ausdruck „Denunzianten- und Spionagesystem" beleidigend sei oder nicht. Dr. Heckscher nahm darauf das Wort, um für Freisprechung des Beklagten zu plaidieren. Er führte aus, daß der Beklagte seine scharfen Angriffe nicht gegen den Ostmartenverein, sonder» gegen den Hakatismus im Princip richte. Auch in einer Broschüre des Abg. R o e r e n sei darauf hingewiesen worden, daß es den Hakatisten an Wahrheitsmut fehle. Reichskanzler Graf v. B ü l o w habe im Reichstage allerdings den Kampf gegen das Polentum proklamiert, aber gleichzeitig daraus hingewiesen, daß dieser Kampf ohne Gehässigkeit und Ehikane geführt werden müsse. Das tverde aber gerade dem Hakatizmus zum Vorwurf gemacht, daß er den Kampf mit Gehässigkeit und Chikan« führe. Deshalb müssen dessen Bemühungen scheitern. Dem Beklagten würde es nicht schwer fallen, eine Fülle von Material zum Beweise des d e n u n z i a t o r i s ch e n Vorgehens des Hakatismus beizubringen. Er könne darauf vcr- weisen, daß der Sekretär Professor Dr. Liesegang wiederholt bei Maximilian Harden gewesen sei, um ihn durch un- richtige Behauptungen gegen Professor Dr. Delbrück aufzuhetzen. Leicht beweisbar sei. daß ein System bestehe, deutsche Firmen zu denunzieren, die in polnischer Sprache in polnischen Zeitungen inserieren, ein andres System, wonach solche deutsche Firmen, welche polnische Angestellte suchen, denunziert werden. Es würde nicht schwer fallen, einen schlüssigen und erdrückenden Beweis gegen den Hakatismus zu erbingen. wenn es im Rahmen des Prozesses möglich sei. Professor Dr. Delbrück habe cS für seine sittliche und nationale Pflicht gehalten, dieses System anzugreifen. Gerade im Falle Löhning könnte nachgewiesen werden, wohin der Hakatismus führe, denn hier sei eS ihn? gelungen, einen hoch- angesehenen tüchtigen Beamten aus seiner Stellung zu bringen. Er wiederhole, daß nicht die Kläger, sondern nur das System getroffen werden solle. Schließlich habe der Beklagte sich in Wahrnehmung berechtigter Interessen befunden und aus allen diesen Gründen sei dessen Freisprechung gerechtfertigt. Der Vertreter der Kläger, Justizrat Wagner, ivies darauf hin. daß aus dem ganzen Artikel klipp und klar zu ersehen sei. daß der Ostmarkenverein getroffen werden sollte, dem alle Schlechtigkeiten, insbesondere Denunziantentum nachgesagt werde. Er wolle noch betonen, daß der Ostmarkenverein mit dein Falle Löhning durchaus nichts zu thun habe. Ueber das Vorliegen von Beleidigungen brauche er ivohl kein Wort zu verlieren. Was die Höhe der Strafe anbetreffe, so müsse berücksichtigt werden, daß es sich um einen Universiätsprofessor. einen Mann von sehr großem Ansehen handle, der einer Reihe patriotischer Männer den Vorwurf des Denunzianten- tums mache. Em Denunziant gelte bekanntlich als der größte Schuft im ganzen Land. Er beantrage die nachdrückliche Bestrafung dcs Beklagten, denn niemand dürfe sich erlauben, die Leiter des Ostmarkenvereins, der 26 OVO Mitglieder zähle, in so unerhörter Weise zu beleidige». Der Gerichtshof gelangte nach längerer Beratung zu einem freisprechenden Urteil und kostenpflichtiger Abweisung der Kläger. Es sei dem Beklagten der Schutz deö§ 193 des Strafgesetzbuchs zugebilligt worden, aber nicht in seiner Eigenschaft als Professor oder als Herausgeber der„Preußischen Jahrbücher", sondern weil er s e l b st höherer Beamter sei, der selbst von den H a k a- listen angegriffen worden sei. Entsprach der inkriminierte Artikel der U e b c r z e u g u n g des Verfassers, welches angenommen werden müsse, so könne in dem Ausdruck„Denunzianten- und Spionagesystem" etwas Beleidigendes nicht gesunden werden. i Eue Induftnc und ftandel. Bilanz der Nationalbank für Deutschland. Die Nationalbank für Deutschland ist in den vergangenen Jahren der Hochkonjunktur durch ihre kapitalreicheren, größeren Kolleginnen ziemlich in den Hintergrund gedrängt worden und hat dann, als in 1906 die Krise hereinbrach, so harte Schläge erlitten, daß ihr nichts andres übrig blieb, als zunächst ihre Anstrengungen auf die Konso- lidierung ihrer Kräfte zu richten und riskante Geschäfte zu vermeiden. Allerdings zeugt die Wahl deö früheren Oberbürgermeisters Mitling, dcs Bruders von Maximilian Harden, davon, daß sie plant, Ivieder ins Vordertresfcn einzurücken und sich schärfer an dem Konkurrenzkampf der Großbanken zu beteiligen: aber bisher hat sie ihre Position kaum zu verbessern vermocht, wie ihre soeben veröffentlichte Bilanz für da? letzte Jahr beweist. Vielleicht gedenkt der neue Direktor erst einen genaueren Einblick in die Gesamtverhältuisse seines Instituts und dessen Konkurrentinnen zu gewinnen, bevor er eingreift, und sucht inzwischen den Bestand an minderwertigen Effetten aus früherer Zeit euvaS zu erleichtern, wenigstens deutet die Verminderung dcs Effekten-Contos um s,9 Millionen Mark(darunter für ca. 6,85 Millionen Mark Jndustricwerte) und die besondere Abschreibung von 500 000 Mark auf diesem Conto auf derartige Maßnahmen hin. Möglicherweise erklärt sich auch der Rückgang deS Gewinns auf Effekten- und Konfortialconto von 1023 640 M. im Jahre 1902 auf 858 377 M. im letzten Jahre teilweise durch versteckte Reduktionen dcs alten Effektcnbcsitzcs. Freilich steht dieser zweifellosen Verbesserung des Status auf der andern Seite eine Vermehrung der Konsortial- beteiligungen um 2,13 Millionen Mark entgegen, die zu etwa zwei Dritteln Jndustrie-Untenlehmuilgen betrifft. Einen nennenswerten Auffchwuna hat lediglich das Contocorrent- geschäst genommen. Der Gewinn aus ProvisionSconto, der im Jahre 1902 nur 1 088 514 M. betrug, ist auf 1 345 731 M. der Gewinn auf Wechsel und Zinsconto von 3111 743 M. auf 3 417 550 M. gestiegen. Auch in der Zunahme der Debitoren von 57,6 auf 70,7 Millionen Mark zeigt sich deutlich diese Ausdehnung des Contocorrentgeschäfts. Mit Einschluß des Vortrages aus 1902 ergiebt das Gewinn- und V crlust-C onto einen Bruttogewinn von 5 871 716 Mark. Davon entfallen auf: 1903 1902 Wechsel- und Zinsen-Conto... 3 417 550 3111743 M. Provisions-Conto....... 1 345 731 1 088 514„ Effekten- und Konsortial-Conto.. 853 377 1 023 645„ Sorten- und Eoupons-Eonto.. 31309 29 311„ Nach Abzug der Verwaltungskosten von 1 434 793 M.2001 66 872 943 82 83 4 5299 310 480 93 527 633 65 788 828 957 4 6015 216[300] 363 94 427 525 839 953 47038[400] 281 373 508 26 711 [2001 22 25 97 995 4 8218 317 526 34 85 610 845 49029 128 304[2001 70 410 533[200] 791 820 910 16 50074 122 208 J3001 16 60 370 433 577 89 611 15 26 99 702 5 1099 178 235 347 532 620 913 5 2079 159 253 83 99 428 65 89 647 807 908 25 6 3019 488 525 13001 68 910[2001 60 61 54053 162 255 96[300] 345 96 487 99 649 75 714 810[2001 55025 255[2001 395 520 66 688 763 5 6001 52 184 201 74 458 645 87 815 99 57082 116 327 612 55 75 728 844 5 8323 41 425 501 38 61 778 932 46 64 83 5 9049 71 114 31 401 76 644 [2001 51 697 841 60068 182 327 636 602 44 58 735 871 972 81 6 1044 190 287 399 563 609 23 34 57[400] 70 735 38 63 89 98 817 91 97[3001 938 91 62012 20 59 12001 173 206 302 36 463 510 15 628 92 810 6 3509 879 92 64095 136 272 312 765 6 5291 542 49 80 96 838 74 6 6092 238 364 494 673 790 921 90 6 7080 96 208 364 435 737 65 836 6 8022 129 214 436[200] 867 001 69031 143 84 238 54 65 365 583 723 94 815 88 932 70281 481 546 679 729 76 82 7 X012 120 219 78 301 38 520 61 631 42 714 880 72103 7 53 91 293 423 70 525 703 41 62 74 894 904 7 3021 38 39 257 98 382 869 95[3001 611[5001 95 818 918 74129 37 240 462 13001 74 90 500 623>.19 23 7 5099 154 247 376 82 402 11 77 519 38 629 752 982 7 6013 50 58 128 93 267 305 12 538 47 52 625 783 908 7 7008 92 182 234 62 643 73 78101 62 289 339 401 834 73088 115 332[2001 430 517 26 719 929 80200 460 84 503 616[2001 49 749 871 900 70 8 1018 205 320 608 94 807 82178 230 442 99[2001 653 736 937 8 3045 184 385[400] 589 94 710 908 " Ol 500 32 74 87 660 791 862 73 8 5068 83 135 287 64 641 908 8621" 79 98 633 745 63 76 84 961 79 _ 7060 125(3001 81 99 207 57 345 55 450[5001 522 62 97 602 16[2001 36 64 84 92 95 712 860 8 8094 310 32 63 69 70 524 708 814 8 9014 251 345 669 88 705 90082 125 84[2001 228 307 20 480 787.851 859 91161 322 25 412[2001 666 862 92156 75 208 821 707 971 93268 85 345.24 44 520 615 23 69[4001 734 92 853 94103 19 58 260 542 87 88 635 941 73 9 5023 102 291 328 432 554 614 30 726 9 6098 448 679 754 814 77 917 39 93 9 7020 43- 553 636 735 45 86 972 9 802/ 235 445 581 601 99249 657 715 891 100027 207 57 70 462 72 677 95 774 865 10 1006 27 67 85 220 396 673 734[3001 928 45 102006 39 200 483 568 637 52 977 103115[2001 555[2001 817 65 988 1 04003 51 76 128 209 94 397 473 501 27 929[2001 105021 26 92 110 206[3001 7 319 505 646 823 82 106213 44 431 71 921 99 107065 209 14 27 86 347 442 70 530 633 889 96 946 74 1 08070 202 38 49 311 [3001 698 712 100365 444 506 743 974 110043 236 340 79 434 788 92 805 44[300] 111010 M[3Ö0J sss 651 m um U 163 379 96 413 23 576 672 770 955 113090 248 322 665 SOS 114013 168 82 249 93 317 423 923 115180 227 533 799 110060 173 241 43 49 68 76 304 91 609 19 765 73 848 117161 66 396 40« 592 648 60 816 118002 170 279 395 560 796 119193 253 93 345 98 500 15 S56 700 16 32 76 78 917 12O040[2001 441 61 524 725 939 1 2 1556 89 629 48 122012 18[4001 211 308 686 759 61 62 1 23017 315 689 749 914[200] 124016 159 73 727 951 125095 276 326 98 574 680 792 850 902 20 28 126964 173 294 403 9 60 1 27079 105 258 78 314 430[200] 587 690 128830 64 949 1 29007 19 36 64 376 89 594 629 825 13001 52 64 77 94 943 52~ ,130206 83 340 499 742 1 3 1 535 717 68 859 950 [�L1 32037 104 215 321 49 426 82 569 93 603 27 7«) i o PQJ5 IS3018 234 lMO] 63 83 525 37 54 629 1342)5 521!« 62o 705 98 820 94 1 35679 86 891 962 1 36012 33 106 36 458 589 769 936 1 37029 143 351 93 418 23 626 56 799 1 38236 415 45 871 640 784 139185 98 232 372 94 423 719 922 ... 364 513 619 781 970[ 200[ 90 141268 J9I SS 54[200] 5o 68 995 98 1 42040 233 83 381 S*1 630/ 99 818 49 69 974 1 43148 205 29 417 09 5S7 fi/n] MV Ä �.UM W 14SZ3 � 98 617 71d 946 70 146118 72 225 365 519 651 69 qqq 954 147130 58 422| 400] 70 91 619 713 19 937 57 71 JJ8025 flOOO] 237 345 53 484 544 627 756 59 83 149134 285 369 78 513 609 41 705 8 879 995 _ 150045 52 217 408 39 572 613 739 82 909 1 5114» 492 152351 551 62 688 701 6 153070 Z3 SP, 333 62? 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Kgl. Preiiß. Zottebie. Wehimg vom 9. Februar>904, nachmittag«. Nur die Bewina« über 96 Ml. find den bettefienden Nummern w«lammern deigeftiat. (Ohne Gewähr.) 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