Ur. SS. HbonnementS'ßedlnaungen: Ubonnements■ Preis pränumerando! Lierteljährl. 3,Z0 MI., monatl. 1.10 MI.. wöchentlich 23 Pfg. frei WS Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt* 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen w die Post.ZeihmgS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 81. Jahrg. CrldKint täglich außer Clontaai. Devlinev VolkSblAkk. Die Infcrtlons-GcMUr Betragt für die sechsgespaltene Kolonel» zeile oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerlschaslliche Vereins- und Versammlungs-Anzcigcn 25 Psg. „AUwe Anreizen", das erste(feit- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 12 Buchstaben zähle» für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben worden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr vormsttags geöffnet. Telegramm- Adrcffe: „S«ziaiiuwferat Bwiln". Zcntralorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. Redahtion: SM. 68, Ltndcnstrassc 6g. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sxpedition: SM. 68, Lindcnetraaec 6g, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1084. Quittung. Im Monat Januar gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Berlin. Beiträge der Wahlkreise: 2. Kreis 1000,—. 3. Kreis 600,— �darunter Bierprozente v. Bau Potsdaillerstr. 11/12 Oktober bis Nov., durch Hinz 40,—). 4. Kreis(Ost) 1000,—(darunter Götsch 1,—, E. S. 176 3,—, Werkstatt Köhlert, Pallisadenstratze 77/78 26,—. Andreas B. 60.—). 4. Kreis Südost 1000,—. 6. Kreis 8600,— (darunter alter Genosse, Schönhauser Allee 5,—. A. B. Mister 1.— Berlin, diverse Beiträge: Jule, Ritterstrabe 86, 4. Quartal 24,10. Centralverband der Brauerei-Arbeiter, Sektion I, Sept.— Jan a 6,— 25,—. Dr. L. A. 100,—. Zur Wiedererlangung verlorener Rechte 10,—. Dr. A. Fr., Zinsen v.„Vorwärts" 20,—. Dr. C. Fr. desgl. 20.—. I. G. desgl. 10.—. M. G. desgl. 10,—. Gesang- verein S. u. H., Grabständchen bei P. Müller 10,—. Central- verband der Civllberufsmusiker Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin 43,80. Neun Maurer im Gewerkschaftshaus 30,—. Von den Arbeitern der Neuen Berliner Genossenschastsbäckerei 26.—. L. und H. B. 10,—. A. Körsten, von einem Unfall 20,—. P. S. 60,—. A. B. 50,—. Die Contobucharbeiter vom Wedding 6,—. Metallarb.-Krankenkasse, E. H. 29, Fil. 3, 10,—. Munition zum Kampfe für Wahrheit und Recht 4,90. Machetes 6,—. Von Mitgl. der U.-Dr. 3,45. Gutenberg 52,65. C. D. Guhrau 1,—. Cohn 1,— Gesammelt von einigen Cisenbahnarb. der Werkst.-Jnspektion l 10,—. Kranzübersch. v. d. Küchenmöbelfabr. v. Golz, Skaliherstr. 24a, 2,—. Von Ortsbeamten der Metallarbciter-Krankenlasse 100,—. Brüssel 20,16. Bremerhaven, von Parteigenossen v. B. u. Umg. 200,—. Breslau, socialdeniokr. Verein 100,—. Bremen. C. B. 10,—. Benthen(Oberschl.), von den Parteigenossen 3,—. Bremen, Maschincnpersonal der„Bremer Biirgerztg." 14,50. Bern 60.—. Culm, E. R. 6,—. Cöln a. Rh., socialdeniokr. Verein Cöln-Stadt «0,—. Crimmitschau, 18. sächs. Reichstags-Wahlkreis 300,—. Dessall 200,—. Dresden, 4. sächsischer Reichstags-Wahlkreis 1000,—. Darm- stadt, K. K. 4,80. Essen(Ruhr), zur Tilgung von Wahlschulden 1. Rate 260,—. Falkenberg(Oberschl.) 2,—. Furtwangen, v. d. Parteigenossen durch den Vertrauensmann 10,—. Forst i. L., Beitrag der Parteigenossen 200,—. Frankfurt a. M.,(für 30 Handbücher zu den preußischen Landtagswahlcn) 61,—. Gotha, durch den Vertrauensmann 30,—. Görlitz. Rckzhl. zwei Raten 600,—. Gießen. E. St. Dezember und Januar 20,—. Gelcnau i. Erzgeb., llebcrsch. v. Neue-Welt-Kalender 4,—. Heißen, v. Gen. durch den Bezirksvcrtrauensmann 25,—. Hermsdorf(Bez. Breslau), Rückzhl. nickt gebrauchter LandtagSwahlgelder 200,—. Hartau b. Hirschberg i. Schl. durch R. 76 Einzelspenden von Arbeitern 20,65. Hamburg, in den Monaten Dezember und Januar in der Expedifton des„Echo" eingegangen 75,31. Idar, Volksver. für I. u. Umg. 4. Quart. 03 2,60. Leipzig, 12. u. 13. sächs. Reichs tagswahlkreis 2000,—. Luckenwalde, Wahlverein 6V,—. Lucken walde, Rufus 6,—. Ludwigshafen a. Rh., von der Social demokrafte Bayerns, Gau Pfalz 600,—. Marburg a. Lahn, von der Kolportagekommission 20,—. München, socialdemokratischer Verein 300,—. München. Gau Südbayern, 4. Quartal 1903 160,—. Mannheim, socialdemokratischer Verein 200,—. Nürnberg, Eitzinger 6,—, Herrmann 3,—, Sa. 8.—. Nürnberg, Gau Nordbalie'rii, Parteibeitrag für 1903 1552,—. Nürnberg, R. 3,—. Nürnberg, H. u. M. 4.—. New Jork. D. Rous 7,50. Oberstein a. N.. Volks- verein 7,93. Ober- Langenbielau, socialdemokratischer Wahl- verein Langenbielau 50,—. Pfaffcngrund im Riesengebirge, von 7 Textilarbeitern 6,—. Peterswaldau vom Wahlvcrcin 10,—. Regensburg, socialdemokr. Verein 10,—. Rawitsch, Erlös einer amerik. Christbaum- Versteigerung 14,90. Ronsdorf, Beitrag des allgemeinen Arbeitervereins 4. Quartal 03 25,—. Nichzenhain, Arbeiter-Bildungsverein 3,—. Schmiedcberg i. Riesengcb., durch den Vertrauensmann 16,—. Schwarzenbach a. S.. socialdemokr. Verein 6,—. Striegau, Wahlverein 30,—. Stuttgart(für das socialdemokratische Reichstags- Handbuch) 200,—. Solingen, vom Kreiskomitee 36,—(darunter vom Volksverein Wald 30,—). Straßburg i. Elf., Altvater 5,—. Schwäbischer Zinsgroschcn 250,—. Stuttgart, aus dem lleberschuß der„Schwäbischen Tagwacht" 1000,—. Schwelm, von den Genossen 100,—. Tcltow-Beeskow-Charlottcn- burg, Reichstags-Wahlkreis 2000,—.„Vorwärts", 4. Quartal 1903 26 864,45. Winterbeck-Hasse bei Kiel, socialdemokratischer Verein 30,—. Württemberg 100,—.„Wahrer Jakob", lleberschuß Oktober bis Dezember 1903, abzüglich der Ausgabe für„Neue Zeit" 4500,—. Zeitz, Wahlkreis Zeitz-Weißenfels-Naumburg 300,—. In dem in Str. 16 des„Vorwärts" vom 20. Januar d. I. gnittiertcn Gesamtbeitrag des sechsten Berliner Wahlkreises von 3000 M. befinden sich folgende Einzelbeiträge: Bierprozente der Möbelfabrik Karl Nomlina, Fricdenstr. 48, 30,—, Junggeselle 10,—, alter Genosse, Buchholzerstraße, 10,—, A. B. Mister 1,—. Berlin, den 9. Februar 1904. Für den Parteivorstand: A. Gerisch, Kreuzbergstr. 30. e- Das Komitee für Arbeitervertretung. md. London, 6. Februar. Die englische Arbeiterbewegung hat feit dem Aufkommen der modernen Industrie etwa folgende Stufen durchgemacht: Zuerst führte sie einen bitteren Kampf um die Duldung ihrer Wirtschaft- lichen Verbindungen. Enttäuscht über die geringfügigen Ergebnisse ihres KainpfeS wandten sich die Arbeiter dem Chartismus zu und bildeten dessen socialrevolntionären Flügel. Mit der Ausdehnung und Verallgemeinerung der modernen Technik, mit der Bereicherung Englands, mit der Einführung einer weitgehenden Socialpolitik und überhaupt mit der Demokratisierung der englischen RcgierungS- weise verließen die Arbeiter das Banner der Revolution, zogen sich auf das GcwerkschaftS- und Genossenschaftswesen zurück und söhnten sich mit der bestehenden Ordnung aus, die ihren Schutz- und Trutz- organisationen den freiesten Spielraum gewährte. Ich lege auf die Demokratisierung der Rcgierungsweise besonderes Gewicht. Denn hauptsächlich sie hat den Umschwung vom revolutionären Klassen- kämpfe zum solidarischen Zusammenarbeiten der Klassen in England hervorgebracht. Die Socialpolitik that es nicht. Der Beweis da- für ist der Glaube des englischen Proletariats an die liberale Partei, die gar nichts für Socialpolitik, aber viel für politische Freiheit ge- leistet hat. Könnte man mit staatlicher Socialpolitik die Arbeiter klasse versöhnen, so müßte das englische Proletariat mit den Tories zusammengehen, denn alle großen socialpolitischen Maßnahmen knüpfen sich an die konservative Partei. Und dennoch sind die organisierten Arbeiter Englands überzeugt, daß von den Tories nichts Gutes zu erwarten sei. Im Grunde genommen verlangt der moderne Arbeiter nicht mehr nach Schutz, sondern nach Freiheit, da- mit er sich selbst schützen kann. Wenn im deutschen Reichstage so viel um Socialpolitik und so wenig um Freiheit und Demo kratie gekämpft wird, so ist dies ein Zeichen der Rück- ständigkeit Deutschlands. Dem Verlangen des englischen Proletariats nach Freiheit entsprach die liberale Partei, die ihrer eignen Interessen wegen die Freiheit schaffen mußte. Das englische Proletariat ist deshalb dem Liberalismus zugethan, trotzdem dieser seine Aufgabe längst erfüllt hat. Die liberale Arbeiterpcriode dauert noch, obtvohl ihre Bedingungen nicht mehr existieren und obwohl es für den Arbeiter jetzt viel nützlicher wäre, selbständig in die Politik einzutreten. Diese Thatsache wird vorläufig nur von einer Minder heit erkannt, die infolge ihrer besseren Einsicht eine viel bedeutendere Rolle spielt, als sie der Zahl nach berechtigt wäre. Der sichtbare Ausdruck dieser neuen Bestrebungen ist das Komitee für Arbeitervertretuug; Labour Eopresentation Corarnittea— L. R. C., das in den letzten drei Tagen— vom 4. bis zum 6. Februar— in Bradford zu seinem vierten Jahreskongresse ver sammelt war. Wer darauf Gewicht legt, England zu verstehen, muß nunmehr das L. R. C. ebenso beobachte», wie er früher den TradcS-Unionisinus beobachtet hat. Denn das L. N. C. ist bereits eine politische Macht. Dazu giebt es den socialistischcn Parteien neue taktische Probleme auf. Die Geschichte des L. N. C. umfaßt kaum vier Jahre und läßt sich deshalb kurz zusammenfassen. Am 6. September 1899, auf dem 32. Jahreskongreß der Trades-Unions in Plymouth, stellte ein Socialist folgenden Antrag: „In Anbetracht der Beschlüffe der früheren Kongresse und in Anbetracht der Notwendigkeit, die Arbeiterinteressen im Parlamente besser zu vertreten, beauftragt der Kongreß das Parlamentarische Komitee, eine Konferenz von Vertretern der Genossenschaften, ge- wcrkschaftlichen und socialistischen Organisationen einzuberufen, um über Mittel und Wege zu beraten, wie die Zahl der parla- mentarischen Arbeitervertreter erhöht werden könnte." Ehe wir weiter gehen, ist es nötig zu bemerken, daß das in dieser Resolution genannte Parlamentarische Komitee nichts mit dein L. R. C. zu thun hat; jenes ist nur das ausführende Organ des Gewerkschaftskongresses. Die Resolution wurde mit 616 000 gegen 434 000 Stimmen an- genommen. Gemäß dieses Beschlusses wurde auf den 27. Februar 1900 eine Konferenz nach London einberufen, an der die Vertreter der Gewerkschaften und socialistischen Organisationen sich beteiligten. Auf dieser Konferenz wurde das L. R. C. gegründet. Von den socialistischcn Organisationen schlössen sich ihm anfangs an: die Social-Dcmokratische Föderation(S. D. F.) mit 10 000 Mit- gliedern, die Unabhängige Arbeiterpartei(Jndepcndcnt Labour Party — I. L. P.) mit 13 000 und die Fabian Society mit 770. Auf dem ersten Kongresse, Februar 1901, zählte das L. R. C. 375 931 Mit- glieder, auf dem zweiten, Februar 1902, 469 311, auf dem dritten, Februar 1903, 861 160. Das Wachsen war also ungewöhnlich schnell; eS erklärt sich aber leicht daraus, daß sich ihm ganze Gelverkschaften anschlössen, da das L.R.C. eine Schöpfung des Gewerkschaftskongresses ist. Dieses rasche Aufblühen brachte aber auch schwere Nachteile mit sich. Das L. R. C. war von vornherein eine politische Arbeiterpartei, die ans gewerkschaftlich organisierten Arbeitern besteht. Das Wesen seiner Politik war aber noch nicht festgestellt. Der Lage nach konnte es liberal oder selbständig proletarisch sein. Die festgewurzelten Traditionen der liberalen Arbeiterperiode sprachen für den Liberalismus. Die Logik strach für politische Unabhängigkeit; denn eine neue liberale Partei schaffen, ist überflüssig; ferner sollte das L. R. C. das auf politischem Gebiete leisten, was die Gewerkschaft auf wirtschaftlichem Gebiete leistet; ebenso wie die Gewerkschaft die Mitgliedschaft von Unter- nchmcrn ausschließt, so soll das L. N. C. nur Arbeiter zu seinen Ver- tretcrn haben. Nun entstanden zwei Fragen: Wie hat sich das L. R. C. zu Arbeiterkandidaten zu stellen, die liberal sind? Und wie zu socia- listischen Kandidaten, die nicht Handarbeiter sind? Wäre sich die Mehrheit deS L. R. C. über das Wesen der kapitalistischen Gesellschaft und über ihre politischen Richtungen und Interessen- Vertretungen klar, so würde die Beantwortung dieser Fragen keine Schwierigkeiten machen. Sie würde sich offenbar in einen Gegensatz zu den bürgerlichen Parteien stellen und nur diejenigen als Kandi- baten annehmen, die den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit an- erkennen. Wer diesen Gegensatz anerkennt und sich auf feiten der Arbeiter stellt, müßte dem L. R. C. willkommen sein. Aber diese Erkenntnis wird in England ungemein erschwert. Die Lehre vom Klassenkampfe ist scheinbar roh und mechanisch, aber erst eine Lage, wie sie das L. R. C. bietet, zeigt ihre ganze Trag- weite. Selbstredend begriffen unsre Genossen von der S. D. F.. um was es sich hier handle. Sie stellten im Jahre 1900 den Antrag, das L. N. C. solle sich auf den Boden des Socialismns stellen. Der Antrag wurde abgelehnt und die S. D. F. trennte sich vom L. R. C. Ueber diesen Austritt wurde hier viel diskutiert; die Mehrheit billigte ihn, da sie annahm, ein Socialdemokrat könne nicht die Wahl eines Liberalen fördern, auch wenn dieser ein Arbeiter ist. Die Minderheit der S. D. F. ist noch heute der Ansicht, daß eine socialistische Organisation die Pflicht habe, mit einer politischen Arbeiterorganisation zusammen zu gehen, so lange diese den proletarischen Interessen, auch wenn sie sich nur auf die Gegenwart beziehen, treu bleibt; schon die Thatsache, daß die Arbeiter die Neigung zeigen, politisch selbständig zu werden, müßte die Socialisten veranlassen, mit ihnen zusammen zu arbeiten. Daß diese Neigung vorhanden sei, dafür spreche die Existenz des L. R. C. Die Aufgabe der Socialisten bestehe eben darin, aus dieser Neigung ein bewußtes Princip zu machen. In diesem Sinne wirkt thatsächlich die I. L. P., obwohl sie sich dazu verstehen inußte. das Wort„Socialismns" nicht zu gebrauchen. Die Hauptsache ist Unabhängigkeit der Arbeiterpolitik von den bürger- lichen i Parteien. Ist die Unabhängigkeit gesichert, so muß das L. R. C. nach der socialistischen Richtung hin wirken. Dieser Ansicht gegenüber sagt die S. D. F., die Unabhängigkeit des L. R. C. würde in die Brüche gehen, da es sich nicht bewußt zum Socialismns bekennt und sie weist auf Arbeiter- abgeordnete des L. R. C. hin. die im Parlament nach wie vor im Banne der liberalen Partei stehen. Gewiß, das Problem ist noch nicht gelöst. Einen Schritt zu dessen Lösung machte Genosse Pete Curran auf dem Kongreß des L. R. C. in Newcaftle im Jahre 1903, indem er folgenden Antrag stellte: „Der Kongreß hält es für absolut nötig, daß die Leiter deS L. N. C., sowie die Beamten der ihm angehörenden TradeS Unions sich nicht mit der liberalen oder konservativen Partei oder mit einem Teile derselben identifizieren noch deren Interessen fördem; ebenso dürfen sie gegen keinen 5kandidaten, der vom L. R. C. anerkannt wurde, auftreten. Alle Kandidaten sollen sich verpflichten, unsre Satzungen anzuerkennen und unsre Beschlüsse auszuführen, oder zu resignieren; schließlich in ihren Wahlkreisen einzig und allein als Arbeiterkandidatcn zu erscheinen." Der Antrag wurde zum Beschluß erhoben. Er wurde aber nichtsdestoweniger verletzt, besonders vom Sekretär der Eisenbahner und Abgeordneten N. Bell, der vor einigen Wochen den liberalen Kandidaten in Norwich gegen den Arbciterkandidaten Roberts unter- stützte. Bell ist der leitende Beamte derjenigen Gewerkschaft, die das erste Opfer des Taff-Vale-EntschcidcS war. Mit diesen Gegensätzen hatte sich der vierte Kongreß, der in der letzten Woche in Bradford tagte, zu beschästigen. Es waren etwa 360 Delegierte anwesend, die beinahe eine Million Arbeiter vertraten. Den Vorsitz führte der Sekretär der Stahlschmelzer Genosse John Hodge, der die Notwendigkeit der Unabhängigkeit besonders betonte und die Delegierten eindringlich bat, sich von der bürger- lichen Presse nicht beeinflussen zu lassen. Ebenso Ivarnte er sie vor der Zollagitation und meinte, weder Freihandel noch Schutzzoll könne die Armut beseitigen. Der Delegierte Genosse Snowdcn, Präsident der Unabhängigen Arbeiterpartei, schlug eine in diesem Sinne gehaltene Resolution vor, die mit folgendem SatzcMchloß: „Der Kongreß ist vielmehr der Ansicht, daß die Arheiterpolitik darauf gerichtet sein müsse, die Arbeiter von den Grund- Herren und Kapitalisten vollständig zu befreien." Die Resolution wurde mit 965 000 gegen 27 000 Stimmen an- g e n o n: m e n. Der Kongreß tadelte ferner das Verhalten des Abgeordneten Bell und forderte die Eisenbahner auf. ihren Sekretär zur Rechenschaft zu ziehen. Sollten sie dieser Aufforderung nicht folgen, so würden sie vom L. R. C. ausgeschlossen werden. Alle Anträge, die auf eine Abschwächung der Selbständigkeit des L. R. C. abzielten, wurden mit großer Mehrheit abgelehnt. Indes wurde die von Genossen Pete Curran in Nelv- Castle(1903) eingebrachte Resolutian insofern abgeschwächt, als jetzt der Kongreß einstimmig beschloß, die Worte„oder zu resig- nieren" zu streichen, da das L. R. C. nicht die Macht hat, die Resignation zu erzwingen. Das taktische Problem wurde auch auf diesem Kongresse nicht gelöst. Die einzige sichtbare Wirkung der Agitation des L. R. C. besteht vorläufig darin, daß die 14 Arbeiter-Vertreter, die gegenwärtig im Parlamente sitzen, sich zu einer besonderen Fraktion zusammenschlössen. John B u r n S wurde zum Fraktionsführer ernannt. Ebenso wurde beschlossen, in die Adreßdebatte einzugreifen und Genosse 5leir Hardt beauftragt, die Arbeitslosen frage zur Sprache zu bringen. Im ganzen großen zeigt die Arbeiterbewegung einen politischen Fortschritt, wenn auch vorläufig einen sehr geringen. Der Gedanke der politischen Unabhängigkeit, die logische Folge der wirtschaftlichen Unabhängigkeit des TradeS UnionismuS, bricht sich langsam Bahn.— Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Neue japanische Flottencrfalge. Nach dem glücklichen Torpedo-Angriff in der Nacht vom 3. zum 9. Februar ist die japanische Flotte am 9. Februar mittags 11 Uhr abermals zum Angriff übergegangen, indem sie, 15—16 Schiffe stark, auf drei Meilen an dje russische Flotte herandampfte und alsdann init dem schweren Geschütz ein heftiges Feuer auf die russischen Schiffe und die Forts eröffnete. Die russischen Schiffe sowie die Landbatterien von Port Arthur erwiderten das Feuer lebhaft, ohne jedoch, wie es scheint, den japanischen Schiffen auch nur den ge- ringsten Schaden zuzufügen, da die russifchen Geschosse ihr Ziel nicht erreichten. Das japanische Boiubardeiiient scheint dagegen sehr wirksam gewesen. Nach den Meldungen deS russischen Oberstkommandierenden Alexejew selbst wurden durch das Bombardement am Dienstagmittag„beschädigt" daS Linien» schiff„Pultawa", ferner die Kreuzer 1. Klaffe„Nowiek", „Diana" und„Askold". Die Beschädigungen sollen unter dem Wasserspiegel ersokgt sein, was ihren Charakter um so bös- artiger erscheinen läßt. Den Aiciischenvcrlust dieses Gefechtes beziffert M« russisch-offiziöse Meldung auf 10 Tote und 56 Verwundete; die Japaner haben offenbar keinen Verlust gehabt. Auher diesem Angriff auf Port Arthur, der das dortige russische Geschwader vollends jeder Angriffsfähigkeit beraubt hat, haben die Japaner bei Tschemulpo— der Hafenstadt der koreanische» Hauptstadt Söul— zwei rusfische Kriegsschiffe genommen, den Kreuzer t. Klasse„Warjag" und das Kanonenboot„Koriez". Nach der einen Lesart soll die Erbentimg der beiden Schisse ohne jeden Kampf vor sich gegangen sein, nach einer andren Meldung seien die Schiffe furchtbar zusammcngeschoffen worden. Ucbcr das Boinbardcmcnt von Port Arthur wird gemeldet: Petersburg, 10. Februar, 4 Uhr 46 Min. früh. Der Stabs- chef des Statthalters Admirals Alexejew Pflug telegraphiert aus Port Arthur vom 0. Februar: Heute gegen 11 Uhr morgens näherte sich ein auS fünfzehn Panzer- schiffen und Kreuzern bestehendes japanisches Geschwader Port Arthur und eröffnete das Feuer. Der Feind wurde mit Schüssen von den Küstcnbatterien, der Festung und dem Feuer unsreö Gc- schwaders, welches sich an dem Kampfe beteiligte, empfangen. Gegen Mittag stellte daS japanische Geschwader d a S F e n e r ein und dampfte nach Süden. Auf imsrcr Seite wurden zwei Marmcosfizicre und 51 Marincsoldaten verwundet und neun getötet; auf den Küstcnbatterien wurde ein Man» getötet und drei verwundet. Das Panzerschiff„Poltawa" und der Kreuzer „Narivik" erhielten je eine Beschädigung des unter der Wasserlinie befindlichen Teils. Die Beschädigungen der Festung sind un- bedeutend. Petersburg, 10. Februar.(Busführlichcre Meldung.) Der Statt- Halter Alexejew hat dem Kaiser folgendes Telegramm zu- gehen lassen: In Ergänzimg meines ersten Telegramms melde ich, dasz alle drei bei Port Arthur beschädigten Schiffe(gemeint sind hier nur die durch den nächtlichen Torpedo-Angriff auher Gefecht gesetzten Schiffe) fich auf dem Wasser halte». Die Kessel und Maschinen sind nicht beschädigt, der„Zesarcwitsch" ist am Steuer beschädigt, der „Retvisan" in der Abteilung unter der Wasserlinie, wo sich die Pumpen befinden, und der Kreuzer„Pallada" in der Mitte dcS Schiffes unweit der Maschine. Nach der Explosion eilten sofort die äu jour habenden Kreuzer zur Hilfe und trotz der Dunkelheit der Nacht wurden Mahnahnien getroffen, um die be- schädigten Schiffe in die innere Reede zu bringen. An Offizieren hatten die Schiffe keine Verluste, da- gegen wurden zwei UntermilitärS getötet, fünf sind ertrunken und acht verwundet. Die feindlichen Torpedoboote wurden rechtzeitig mit starkem Feuer von den Schiffen empfangen. Nach Beendigung des Angriffs wurden zwei Torpedos gefunden, die nicht krepiert waren.— Wie auS weiteren Telegrammen des Statthalters an den Kaiser hervorgeht, stellte das auS 15 Schiffen bestehende Geschwader die gestern um 11 Uhr vormittags begonnene Beschießung Port Arthurs nach einstündigem Feuer ein und dampfte nach Süden ab. Außer dem Panzerschiff„Poltawa" und dem Kreuzer„Novik" erhielten auch die Kreuzer„Diana" und„Rstold" Beschädigungen unter der Wasserlinie. Einzelheiten über die Gefechte bei Port Arthur liegen in folgenden nichtofficiellen Meldungen vor: New Dorf, 0. Februar.(Meldung des„Reuterschen Bureaus�) Ueber den Kampf bei Port Arthur wird aus Tschifu gemeldet: Der japanische Vice-Admiral Togo befehligte eine Flotte, bestehend aus den Panzerlreuzern.Tschitose".',,Kasagi".„Takasago" und„Joschino"; diese nahmen im Kreise außerhalb der Reede Stellung und zogen das Feuer der Russen auf sich. Dann stießen sie zur japanischen Hauptflotte und darauf dampften alle japanischen Schiffe an die russischen Panzerkreuzer xheran. Die japanische Hauptflotte bestand aus zwei Divisiimen; eS waren dabei das Flaggschiff„Mikasa", die Linienschiffe„Asahi",„Fudschi",„Schikischima" und„Hatsusc", ferner die Schiffe„Onaschima" und„Tabuma". Die zweite Division, welche Admiral Kamimura an Bord des Panzerkreuzes„Jdzumo" befehligte, bestand außerdem auS den Panzerkreuzern„Jakumo", „Asama" und„Jwate". London, 9. Februar. Dem„Reuterschen Bureau" ist über New Dork folgendes Telegramm aus Tschifu von heute zugegangen: Der Dampfer„Columbia", der von Port Arthur in Tschifu ein- getroffen ist, befand sich zur Zeit des japanischen Torpedo-Angriffes auf der Reede von Port Arthur. Am Montagabend 11 Uhr wurde der erste Knall einer Torpedo-Exploston verspürt. Die Russen brachten sofort ihre Scheinwerfer in Thätigkeit und eröffnete» das Feuer. Der Angriff dauerte indessen in Zwischenräumen die ganze Nacht fort und am 9. bei Tagesanbruch sah man. daß zwei russische Schlachschiffe und ein russischer Panzerkreuzer erster Klasse manövrierungsunfähig gemacht und an der Einfahrt in den Hafen auf den Strand gesetzt waren. Der Kreuzer lag stark auf der Seite. Keines der Schiffe hatte Beschädigungen oberhalb der Wasser- linie. Die russischen Forts feuerten am Morgen auf die etwa drei Meilen entfernt liegende japanische Flotte, welche das Feuer er- widerte. Darauf lichteten andere russische Schiffe die Anker und kreuzten um die Reede herum. Die Japaner kamen bis auf drei Meilen heran und die Seeschlacht begann. Die Japaner feuerten auf die Schiffe med die FortS, welche das Feuer erwiderten. Die japanischen Geschosse trafen die russischen Schiffe nur unbedeutend', das Feuer der Russen er- reichte die gegnerischen Schiffe nicht. Während der Kampf im Gange war. fuhr die„Columbia" da- von, sie fahl aber später noch, wie die japanische Flotte an- scheinend unbeschädigt in der Richtung nach Dalny abfuhr, obzwar die Offiziere der„Columbia" sagen, die Zahl der angreifenden Schiffe habe siebzehn betragen und man habe später nur sechzehn Schiffe gesehen. Der Dampfer„Futschau" aus Dalny, welcher am 9. Februar durch die japanische Flotte hindurchgefahren ist, berichtet, daß sie aus sechs Schlachtschiffen, vier Kreuzern erster Klasse und sechs andern Schiffen bestanden habe und sich 18 Meilen von Port Arthur in südöstlicher Richtung bewegte. Drei japanische Kreuzer fuhren am Dienstag um 10 Uhr vormittags an Port Arthur in Sehweite der russischen Flotte vorbei. Die letztere lichtete die Anker und brach zur Verfolgung auf, kehrte aber eine halbe Stunde später zurück. Nach einem weiteren Telegramm aus Tschifu wären die außer Gefecht gesetzten russischen Schiffe die Schlachtschiffe„Poltawa" und „Zesarcwitsch" und der Kreuzer„Bojarin". Die auf dem Strande sitzenden Schiffe blockieren, wie ge- meldet wird, die Hafeneinfahrt, sie machen den Kanonenbooten die Ausfahrt unmöglich und hindern die Schlachtschiffe und Kreuzer, zur Kohleneinnahme in den Hafen einzufahren. Ueber daS Gefecht bei Tschcuiulpo liegen folgende Meldungen vor: Ncw-Iork, 10. Februar.(Meldung des„Reuterschen BurcauS".) Ein Telegramm aus Tschifu meldet: Japan nahm die beiden russischen Kreuzer„Warjag" und„Koriez" weg. Dieselben sind in Tschemulpo eingebracht worden. London» 10. Februar. Der gestrige Zusammenstoß bei Tsche- mulpo war nach neueren Meldungen eine förmliche Seeschlacht. Dem „Reuterschen Bureau" wird darüber aus Tokio unter dem heutigen Datum telegraphiert: Der Kampf dauerte von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Die Japaner besiegten zwei russische Kriegs- schiffe, wie man glaubt, das Hochsee-Kanonenboot„Korejctz" und den Kreuzer erster Klasse.Warjag". DaS Kanonenboot wurde zum Sinken gebracht, der„Warjag" in Brand geschossen und kampfunfähig gemacht. Ein Teil der Mannschaft, der landete, wurde gefangen ge- »ommcn. Die japanischen Schiffe sind leicht b e- schädigt. London, 10. Februar. Die hiesige japanische Gesandtschaft hat folgendes Telegramm aus Tokio erhalten: Ein japanisches Ge- schwader, das Transportschiffe begleitete, traf am 8. Februar auf dem Wege nach Tschemulpo das Hochsec-Kanonciiboot„Korejetz", das aus dem Hafen ausfuhr. Der„Korejetz" nahm gegen die japanischen Schiffe eine offensive Haltung ein und feuerte dann auf die japanischen Torpedoboote. Letztere schössen zwei Torpedos ab, die jedoch fehlgingen. Der„Korejetz" kehrte darauf zu seiner Ankerstelle zurück. Früh am Morgen des 9. Februar forderte Admiral Urin, der Kommandant des japanischen Geschwaders, formell die russischen Kriegsschiffe auf. den Hafen von Tschemulpo vor Mittag zu ver- lassen. Der Admiral fügte hinzu, wenn seiner Forderung nicht nachgekomnien würde, so sei er gezwungen, die russischen Schiffe im Hafen anzugreifen. Zwei russische Kriegsschiffe verließen 11 Vz Uhr vormittags den Hafen und es entspann sich außerhalb der archipclartigcn Inseln ein Kampf. Nach einem Geschützkampfe, der über eine Stunde währte, zog sich ei» russisches Schlachtschiff zwischen dir Inseln zurück. Gegend abcud sank ei» russischer Kreuzer und gegen vier Uhr morgens des 10. Fe- bruar wurde gemeldet, daß das Hochsee-Kanonenboot„Korejetz" gleichfalls gesunken ist, nachdem eine Explosion stattgestlndcn hatte. Die Offiziere und Mannschaften der beiden gesunkenen Schiffe flüchteten sich auf den französischen Kreuzer „Pascal". Auf japanischer Seite find keine Unfälle eingetreten. Die japanische Gesandtschast erhielt ferner ein Telegramm, welches meldet, daß vier japanische Bataillone in Tschemulpo ge- landet sind. Ueber den Erfolg des japanischen Torpcdo-Angriffs ist noch folgende Nachricht eingegangen: Paris, 19. Februar. Ueber die Angriffe, welche die Japaner in der Nacht vom 8. zum 9. Februar und am folgenden Tage auf das russische Geschwader bei Port Arthur unternahmen, meldet ein der„Agence HavaS" aus Petersburg zugegangenes Telegramm folgendes: DaS russische Schlachtschiff„Z äsare witsch" wurde von einem Torpedo am Heck getroffen. Die am Steuer liegenden Schotten wurden leck und die Steuervorrichtungen konnten nicht mehr be- nutzt werden. Indessen konnte der„Zäsarcwitsch" den Kurs zum Hasen nehmen und dort einlaufen. Das Schlachtschiff„Ret- w i s a n" erhielt einen Torpedoschuß in das Vorderschiff und begab sich ebenfalls in den Hafen. Ein Kessel des KreuzerS „Pallada" flog in die Luft, da ein Torpedo im Fcuerraume explodierte. Auch dicfts Schiff konnte trotz seiner Beschädigungen den Hafen auf- suchen. Man hofft, daß es in kurzer Zeit wieder wird in See gehen können.(?) Zweitausend Russen gefangen genommen? London, 10. Februar. Die Abendblätter bringen ein Telegramm aus Tokio, wonach zwei Transportschiffe der Russischen Freiwilligen- Flotte mit 2990 Mann Soldaten an Bord von den Japanern weg- genommen sein sollen. Japanische Truppenlandungen. „Daily Mail" meldet aus Tientsin: Am Sonntag erschien eine starke japanische Torpedodivision in Begleitung von Kreuzern, welche Truppentransportschiffe eskortierten, plötzlich vor dem Hafen von Tschemulpo. Aus Aufforderung des japanischen Kommandanten ergaben sich die ini Hafen liegenden russischen Kreuzer.Warjag" und„Korjetz", ohne einen Schuß abzugeben. Tic Landung der japanischen Truppen ging alsdann schleunigst vor sich. 8000 Mann wurde» schnell au Land gebracht, die übrigen folgen. Die japanischen Truppen begannen den Vormarsch auf Söul. um die Hauptstadt zu besetzen. Außer in Tschemulpo sind in allen Haupthäfcn im südlichen und westlichen Korea japanische Truppen gelandet worden. Eine Division japanischer Garden hält Fusan und Masampho, wo sie ausgeschifft waren, besetzt. Die russischen Kriegsschiffe in Wladiwostok scheinen durch Eis inr Hafen einge- schloffen zu sein. Der Aufmarsch der rnsfischcn Landstreitkräfte. Aus Port Arthur wird gemeldet: General Krastalinski geht morgen von Liauyang nach dem Aaluflusse an der Spitze der dritten Artilleriebrigade ab, welche 24 Geschütze und drei Regimenter Infanterie umfaßt. Die dritte, vierte und fünfte Brigade haben sich längs der Eisen- bahn in einer Entfernung von 49 Meilen von Haitscheng verschanzt; drei Batterien der fünften Brigade befinden sich in Kintschau. Ins- gesamt stehen 39 sibirische Regimenter in der Mandschurei. Vier Regimenter haben sich seit Donnerstag nach Wladiwostok in Bewegung gesetzt. Nach einem weiteren Telegramm haben russische Truppen bereits die koreanische Grenze überschritten! DaS Kriegsmanifcst Bötcrchcns wurde am Mittwoch publiziert. ES lautet: „Wir thun allen unfern treuen llnterthanen folgendes kund: In der Sorge, den unfern, Herzen teuren Frieden zu wahren, haben wir alle Bemühungen zur Festigung der Ruhe im fernen Osten angewandt. Zu dem friedliebenden Zwecke haben wir unsre Zustimmung gegeben zu der von der japanischen Regierung vorgeschlagenen Revision der zwischen den beiden Neichen bestehenden Abmachungen bezüglich der koreanischen Angelegenheiten. Die über diesen Gegenstand an- geregten Verhandlungen wurden jedoch nicht zu Ende geführt und Japan benachrichtigt uns, ohne auch nur den Eingang der in der letzten Antwort ge», achten Vorschläge unsrer Regierung abzuwarten, von dem Abbruch der Verhandlungen und der diplomatischen Beziehungen zu Rußland. Ohne uns vorher davon in Kenntnis zu setzen, daß der Abbruch solcher Beziehungen die Eröffnung einer kriegerischen Aktion bedeutet, gab die japanische Regierung ihren Torpedobooten Befehl, unser Geschwader auf der äußeren Reede der Festung Port Arthur plötzlich anzugreifen. Nach Empfang des Berichts nnsrcs Statthalters hierüber befahlen loir sofort, die Heraus- forderung Japans mit den Waffen zu beantworten. Indem wir diese unsre Entschließung kundthun, flehen wir in un- erschütterlichem Vertrauen auf die Hilfe des Allerhöchsten und in der festen Zuversicht auf die einmütige Bereitwilligkeit aller unsrer treuen Unterthanen, zusammen mit uns das Vaterland zu verteidigen, den Segen Gottes herab auf unsre ruh», reichen Truppen der Armee undderFlotte. Nikolaus." An der brutalen Raubpolitik Rußlands gemessen ist der Erguß reichlich weinerlich. Die„treuen Unterthanen" werdeu ganz andre Enipfindungen hegen! Die Haltung Amerikas. Das Kabinett in Washington hat am Dienstag be- schloffen, bei dem russisch-japanischen Kampfe absolute Neutralität zu bewahren. Die Vorschläge des Staatssekretär? H a y an die Mächte waren ursprünglich auf die Aufrechterhaltung der offenen Thür in der Mandschurei gerichtet; diese Absicht er- weitcrte sich späterhin zu dem Vorschlage der Aufrecht- erhalt» ng der Integrität Chinas, und jetzt ist die Beschränkung der Feindseligkeiten auf ein möglichst kleines Gebiet ins Auge gefaßt. Es heißt, daß die Vorschläge Hays betreffend die Beschränkung des räum- lichen Gebietes der Operationen die Form von Noten an die russische und japanische Regierung angenommen haben, während die neutralen Mächte zugleich ersucht wurden, sich an die Kriegführenden im gleichen Sinne zu wenden. Dieser Vor- schlag soll bereits günstige Aufnahme gefunden haben. Die Note Hays an die Mächte soll, wie versichert wird, in sich schließen, daß weder Rußland noch Japan gestattet werden soll, einen Einfall in das eigentliche China zu machen. De»,„Reuterschen Bureau" wird aus Washington weiter telegraphiert: Zu der an die Mächte gerichteten Note des Staats- sekrctärs Hay, die die Sicherung der Neutralität Chinas und die Beschränkung des Krieges auf Japan und Nußland bezweckt, liegen bereits genügend viele Aeußernngen der verschiedenen Regierungen, darunter auch der englischen vor, um den Erfolg der Bemühungen Hays gesichert erscheinen zu lassen. Japan hat die Aktion der Vereinigten Staaten willkommen geheißen; Rußland hat noch nicht geantwortet, das Staatsdepartement vertraut aber darauf, daß auch Rußland sie günstig aufnehmen werde. Französische Alliancc-Aengste. Paris, 9. Februar.(Eig. Bcr.) Der Bruch zwischen Japan und Rußland hat die französische Oeffcntlichkeit mit Angst nnd Sorge erfüllt. Wie weit gehen die Verpflichtungen Frankreichs gegenüber seine», Alliierten in Bezug auf Ostasien? Wird Frankreich eventuell nicht den Krieg gegen Japan mitmachen müssen, und wenn ja, in welcher bestimmten Eventualität?... Das bleibt ein sakrosanftes diplomatisch-„patrioftscheS" Geheimnis. Eine französische Gemeinde darf ohne Einwilligung des Parlaments nicht die geringste Anleihe zum Bau einer Straßenbahn aufnehmen. Das ganze Land kann aber durch geheime diplomatische Abmachungen in einen Krieg ver- flochten werden, ungeachtet der verfassungsmäßigen Rechte des Parlaments. Das neueste Beispiel dafür ist die Teilnahme Frank- reichs an, China-Krieg. Was man offiziell über die ostasiatischen Verpflichtungen Frankreichs weiß, beschränkt sich auf die ebenso orakelhafte wie kautschukartige„franko- russische Erklärung" von 1992, die dem anglo-japanischcn Bündnisvertrag vom 30. Januar 1992 auf den, Fuße folgte. Der entscheidende Passus jener Erklärung. die mit den üblichen heuchlerischen Phrasen über den„allgemeinen Frieden im äußersten Osten" und die„Anfrechterhaltung der Un- abhängigkcit von China und Korea" beginnt, lautet:„verpflichtet jedoch, auch ihrerseits den Fall zu erwägen, wo sei es die aggressive Aktion dritter Mächte, sei es neue Un- ruhen in China die Integrität und die freie Entwicklung dieser Macht in Frage stellen und so ihre eignen Interessen bedrohen würden, behalten sich die beiden verbündeten Mächte vor, eventuell für eii, Mittel zu sorgen, um den Schutz ihrer Interessen zu sichern."— Am 25. März 1902 wurde Delcassü in der Deputiertenkammrr über die Tragweite der„franko-russischen Erklärung" befragt. AuS seiner gewundenen Antwort ist zu ersehen, daß die Abmachung sich auch aus N o r d ch i n a bezieht, wo Frankreich nur geringe Interessen besitzt:„Ist er(der Fragesteller. Abgeordneter DenyS Cochin) denn so sicher, daß eine im Norden entstehende Bedrohung sich nicht auf den Süden ausdehnen könnte?" Nun ist Japan gewiß eine„dritte Dkacht" und Rußland hat es verstanden, äußerlich seinen Gegner in die„aggressive" Position zu drängen. Wird also im Kriegsfall die Abmachung von 1992 nicht in Anwendung kommen müssen? Derselbe klerikal» monarchistische Abgeordnete DenyS Cochin beabsichtigte, hierüber den Minister dcS Aeußern zu befragen. Es kam aber dazu nicht. Auf DelcassöS Wunsch begnügte sich der Abgeordnete niit einer privaten Aussprache unter vier Augen und dann wurde zu einem zweiten Konventikcl noch R i b o t, der Chef der Opposition, hinzugezogen. Ferner hat neben andern ministeriellen De» putierten der diplomatisch sachkundige jaurssistische Abgeordnete P r c s s e n s s mit dem Minister Rücksprache genommen. Die privaten Erklärungen Dclcassös gehen dahin, daß er nichts andres zu sagen hätte als was er im März 1902 in der Kammer gesagt habe... Schweigen ist dcS Patrioten erste Pflicht, sobald die russische Alliance im Spiele ist. Ucbrigens ist es ersichtlich, daß die Presse einen Wink im Sinne optimistischer Stimmungsmache bekommen hat. Abg. Pressensä aber ist mißtrauisch. Er sagte in einem Jnterviclv:„Ich bedanre diese ganze Gehcimthuerci. Eine große Debatte scheint mir unentbehrlich. Wer weiß, ob wir nicht später vor eine volle ndeteThatsachfe gestellt werden?..." Daß die Aussicht, in einen ostasiatischcn Krieg verwickelt zu werden, keinen halbwegs vernünftigen Franzosen lockt, ist selbst« verständlich. Das hyperrusfische Gcbahren der chauvinistischen Zeitungs« schrciber von der„Patrie", die einen„Verrat" Frankreichs an Ruß- land befürchten, ist selbst für die»aftonalistischen Kreise nicht maß- gebend. Hat doch sogar Deroulede in einer Depesche an dieselbe „Patrie" gegen die Beteiligung Frankreichs an einem russisch- japanischen Krieg Stellung genommen— natürlich unter den, obligaten Hinweis auf die Revanche. Die sicherste Bürgschaft aber für eine neutrale Haltung Frank- rcichS bleibt der englisch-japanische Vertrag, der im Falle der fran- zösifchen Einmischung England auf den Plan rufen würde, wie um- gekehrt die englische Einmischung Frankreich in den Krieg treiben müßte. Die unermeßlicheii Gefahren eines Zusammenstoßes zwischen den beiden großen Kulturvölkern sind allen zurcchnnngs- fähigen französischen Politikern gegenwärtig. Und sie werden der Vasallengesiunung der französischen Diplomatie gegenüber dem Zarenreich einen»och etwas kräftigeren Dämpfer aufsetzen, als das jüngste„herzliche Uebereinkommen" zwischen Frankreich und England politifcke deberlickt. Berlin, den 10. Februar. Der Reichstag führte am Mittwoch die weitschichtigen Debatten, die sich beim Rcichs-Gesundheitsamt entspannen, zu Ende. Eine große Rolle in der Debatte spielte noch das Fleischbeschau- Gesetz und die scharf? Kritik, die Genosse Scheidemann an dem agrarischen Charakter dieses ursprünglich rein hygienischen Gesetzes geübt hatte. Scheidemann erwies fich als vortrefflicher Debatter und rechnete mit seinen Gegnern, den Herren Dröschcr und Grafen Rcventlow, gründlich ab. Wie sehr er die beiden geärgert hatte, zeigten ihre persön- lichen Beinerkungen, bei denen Graf Reventlow sich einen Ordnungsruf des Präsidenten zuzog. So wertvoll diese Debatten vom agitatorischen Standpunkt auch sind— Scheidemann hatte unter andern mit Recht darauf hingewiesen, daß der ökonomische Interessengegensatz zwischen den kleinbäuer- lichen Viehzüchtern und den Großgrundbesitzern die Einheit der agrarischen Partei schließlich sprengen werde—, ein praktisches Resultat werden sie zunächst nicht haben, da Graf Posadowsky erklärte, daß für die Regierung noch zu wenig Erfahrungen vorliegen� um sie zu einer Aenderung des Fleischbeschau-Gesetzes zu veranlassen. Im übrigen berührten die Verhandlungen eine Reihe der verschiedensten Materien. Genosse Horn brachte die Kinder- ousbcuwng in der Glasindustrie zur Sprache, Genosse H u 6 fragte, wann endlich die langausgedehnte amtliche Unter- suchung der Ursache für die Typhus-Epedcmie in Gelsenkirchen zum Abschluß kommen würde. Das dortige im Privatbesitz befindliche Wasserwerk soll nämlich in unverantwortlichster Weise das Schmutzwasser der Ruhr direkt in die Wasser- leitung durch ein Rohr zugeführt haben, und die Entscheidung der Schuldfrage ist von größter Bedeutung für die durch die Epidemie schwer geschädigten Arbeiterfamilien. Der Prä- fident des Reichs-Gesuudheitsamtes, Dr. Köhler, er- widerte, daß die Untersuchung noch immer nicht abgeschlossen sei und daß sich die Akten darüber in den Händen der preußi- fchen Behörden befänden. Die Beschäftigung schulpflichtiger Kinder in der Glasindustrie suchte Graf Posadowsky in Abrede zu stellen. Er behauptete, daß höchstens nicht mehr schulpflichtige Kinder unter 14 Jahren beim Verpacken Ver- Wendung fänden. Herr v. Hehl unternahm wieder einmal den Versuch, einen Widerspruch innerhalb unsrer Partei in der Frage der Verunreinigung öffentlicher Flußläufe festzustellen. Genosse Dreesbach ist einmal gelegentlich dafür eingetreten, daß die Stadt Mannheim ihre Abwässer direkt in den Main leiten dürfe, und die Untersuchungen des Reichs-Gesundheitscantes haben auch ergeben, daß dies bei bestimmten Kautelen ohne Gefahr geschehen könne. Drecsbach hat zudem, wie Singer feststellte, ausdrücklich erklärt, daß er in diesem Falle nur seine persönliche Anschauung als geheimer Stadtrat und nicht die Anschauung der Partei vortrage. Als Zwischenrufe zu der Frage darauf aufmerksam machten, daß es nicht ganz redlich sei, diesen Umstand mit Schweigen zu übergehen, greinte er wie ein Schulknabe und flehte den Präsidenten um Hilfe gegen die Zwischenrufer an. Ein kleines Malheur erlebten noch die Freisinnigen. In Kaiserslautern ist der Vüudlerführer Rösicke von einem Kompromißkandidaten, dem Weinhändler Sartorius, aus dem Felde gedrängt worden. Herr Sartorius hat sich der Freisinnigen Volkspartei angeschlossen, es scheint aber, als wenn im Wahlkampfe sein Gegner etwas auf ihn abgefärbt hätte. Er entpuppte sich heute nämlich als Anhänger hoher Zölle für frische Trauben aus dem Auslande und äußerte auch sonst über das Weingesetz Ansichten, die sich mit dem frei- händlerischen Standpunkt seiner Partei nicht gut vertragen. Herr Dr. Hermes war infolgedessen gezwungen, seinen Parteifreund zu desavouieren. Sonst wurde noch debattiert über Kunsthonig, Corned beef, Apothekenwescn, Pestleichen, Feuerbestattung und konzentrierte Essigsäure. Am Donnerstag geht die Beratung der Vorlage über die Schuldentilgung der Fortsetzung der Matsberatung voran.—_ Bestrafung des Kontraktbruchs für ländliche Arbeiter. Das preußische Abgeordnetenhalls hat am Mittwoch den zum Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung gestellten An- trag auf Bestrafung des Kontraktbruchs gegen die Stimmen der freisinnigen Parteien angenommen. Seit Jahren ist die agrarische Mehrheit des Hauses bekanntlich bestrebt, die winzigen Rechte der Landarbeiter noch weiter einzuschränken, als es schon jetzt der Fall ist. In bekannter Heuchelei thun die Herren so, als ob eS ihnen nur darauf ankommt, den Kontraktbruch der Arbeit- geber und seine Begünstigung durch Stellenvermittler kriminell zu ahnden, in Wirklichkeit aber lassen die Debatten der letzten Jahre keinen Zweifel darüber, daß die Landtagsmehrheit von dem Streben beseelt ist, die mittelalterliche Hörigkeit wieder einzuführen. Der von sämtlichen Konservativen unterzeichnete Antrag fordert die Regierung auf, dem Landtage noch in dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach 1. auch derjenige Arbeitgeber bestraft wird, welcher Gesinde oder landwirtschaftliche Arbeiter, von denen er weiß oder annehmen muß, daß sie noch einem andern Arbeitgeber verpflichtet sind, in Dienst nimmt oder während der Dauer dieser Verpflichtung in Dienst behält, sofern nicht vier Wochen seit der unrechtmäßigen Lösung des Dienstverhältnisses verstrichen sind, 2. derjenige bestraft lvird, der die Arbeitsvermitteluilg für solche Arbeiter oder Gesinde übernimmt, 3. endlich derjenige bestraft wird, der Gesinde oder einen landwirtschaftlichen Arbeiter verleitet, widerrechtlich einen Dienst nicht aiizutreten, vorzeitig zu verlassen oöer die verrragsmäßige Arbeit niederzulegen. In dieser letzten Bestimmung liegt der Schwerpunkt des Antrags. Wird sie Gesetz, so ist derjenige Arbeiter strafbar, der einen Kollegen auffordert, vorzeitig den Dienst zu verlassen. Mag der„gnädige Herr" dem Landarbeiter gegenüber auch noch so unverschämt auf- treten, ja mag er sogar erwachsenen Männern gegenüber ein an- gemaßtes Züchtigungsrecht ausüben, so ist der Arbeiter doch nicht berechtigt, wenigstens nicht nach Ansicht der herrschenden Klassen, den Dienst zu verlassen. Thut er es dennoch, so macht er sich schon heute strafbar, und in Zukunft wird sich auch derjenige strafbar machen, der etwa die Landarbeiter über ihre Lage aufklärt, das Gefühl der Menschenwürde in ihnen erweckt und sie, wenn auch nur indirekt, verleitet, sich dort Arbeit zu suchen, wo einigermaßen erträgliche Verhältnisse herrschen. Socialdemokratischen Agitatoren will man— das ist die Absicht des Antrages— die Agitation auf dem Lande durch Straf- androhungen erschweren. Gelingen wird das nicht, unsre Genossen werden sich durch solche chikanösen Bestimmungen nicht abhalten lassen, ihr Aufklärnngswerk zu vollenden. Die Debatte brachte keinerlei Ueberraschungen. Die Redner der beiden konservativen Parteien und des Centrums befürworteten den Antrag mit den bekannten Phrasen, daß es sich um allgemeine Staatsintcressen handle, daß man nur„Radaubrüder" und„Zugvögel", nicht aber ordentliche Arbeiter treffen wolle, daß nicht Macht vor Recht gehen dürfe, daß geschlossene Verträge heilig sein müßten. und was dergleichen schöne Redensarten mehr sind. Der konser- bative Führer, Abg. Dr. v. Hehdebrand. besaß dabei die Dreistigkeit, zu erllären, daß seine Freunde das Koalitionsrecht der gewerblichen Arbeiter nicht einschränken wollen. Obwohl Herr v. Heydcbrand selbst Mitglied des Reichstags ist, scheint er den Ver- Handlungen dieses Parlaments kein Interesse entgegenzubringen, sonst würde er wissen, wie eifrig seine Parteigenossen für die Zucht- hausvorlage eingetreten sind und wie warm sie auch jetzt wieder gelegentlich der Etatsberatungen fortlvährend den Ruf nach einer Einschränkung des Koalitionsrcchts erschallen lassen. Auch der Redner des Centrums, der Abg. Herold steht, ebenso wie die Konservativen, auf dein Standpunkt, daß die ländlichen Arbeiter grundsätzlich kein KoalitionSrccht haben dürfen, zumal da sie gar nicht das Bedürfnis hätten, ihre Lage zu verbessern. Den Land- arbeitern geht es nach Ansicht des Herrn Herold, des eifrigen Ver- teidigers aller Rcchtsbrüche im Kampfe um den Wuchertarif, so gut, wie sie es sich nur wünschen können. Daß auch Landarbeiter sich als Menschen fühlen möchten, und daß es gerade im Interesse d»Z Kulturfortschritts liegt, sie zu höheren Bedürfnissen zu erziehen, daß will natürlich dein stommen CentrnmSagrarier, dem Feind jedes kulturellen Fortschritts, nicht in den Sinn. Eine eigenartige Haltung beobachteten die National- liberalen, in deren Naiiien Abg. H o f m a n n erklärte, das seine Freunde zwar mit der Tendenz des Antrages einverstanden seien, da sie anerkennen, daß für das landwirtschaft- liche Gewerbe besondere Bestimmungen getroffen werden nrüssen, daß sie aber nicht die Arbeiter unter Strafe stellen wollen, die andre auffordern, die Arbeit niederzulegen. Das ist es aber gerade, worauf es den Antragstellern in der Hauptsache ankommt. Gegen den Antrag erklärten sich nur die Abg. Goldschmidt (stf. Vp.) und B r ö m e l(stf. Vp.). Den Schluß der Beratung bildete eine Rede des Ministers v. Podbielski, durch die er den Beweis erbrachte, daß das zer- schnittene Tischtuch zwischen ihm und dem Bund der Landwirte wieder zusammengeflickt ist. Agrarischer wird auch im Cirkus Busch in der nächsten Woche kaum gesprochen werden können. Der Minister, nach dessen Ansicht der Arbeiter auf dem Lande mit dem Arbeitgeber noch immer„am Tische in ernstem, tiefem, socialem Frieden zusammen- sitzt", will diesen ernsten, socialen Frieden erhalten und ist deshalb bereit, noch in dieser Session einen Gesetzentwurf im Sinne des Antrages vorznlcgcn. Daß hervorragende Staatsrechtslehrcr und selbst frühere preußische Landwirtschaftsminister ein solches Gesetz für verfassungswidrig erklärt haben, da diese Materie reichsgesetzlicher Regelung unterliegt, kümmert Herrn v. Podbielski nicht. Ucber solche Kleinigkeiten setzt er sich spielend hinweg. Nach Annahme des Antrages beriet das HauS den Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung weiter. Die Debatte drehte sich fast ausschließlich um das schlesische Hochwassergesetz. Donnerstag: Fortsetzung der Etatsberatung. . Deutfcden Reich. Geheime Rcichsschuld. In der B u d g e t k o m nr i s s i o n des Reichstages wurde am Mittwoch über die Art der Beschaffung von Kasernemcnts für daS Heer diskutiert. Bei der Beschaffung von Kasernemcnts sind bisher zwei Wege beschritten worden: entweder wurden die Gebäude für Rechnung des Militärfiskus erbaut oder sie wurden von den Garnison gemein den hergestellt und dann vom Fiskus den Ge- meinden abgemietet. In den letzten zehn Jahren sind die Beträge für solche Kasernenmieten beständig gestiegen und auch in diesem Jahre wird ein erheblicher Mehrbetrag gefordert. Bei Berechnung des vom Reichs zu zahlenden MietSbctrages wurde in der Regel so verfahren, daß der Preis des Grund und Bodens mit 4 Proz., der der Gebäude mit 5 Proz. im Jahre verzinst wurde. Der Korreferent' Abg. Speck wies darauf hin, daß bei diesem System eine genaue Prüfung der Verhältnisse durch den Reichstag fast ausgeschlossen sei; auch seien sicherlich Kasernen von Gemeinden gebaut worden, deren Bau für den Fiskus� vom Reichstag abgelehnt worden wäre. Ans diese Weise wäre eine indirekte Reichsschuld geschaffen, die jetzt schon die Höhe von 34 Millionen Mark erreich! habe. Der Reichstag habe es lediglich mit der Verzinsung dieser Schuld zu thun, auf ihre Korr- trahierung aber eigentlich keinen Einfluß. Die Verzinsung der von den Kommunen gebauten Kasernen sei überdies viel zu hoch: das Reich kömieGeld zu 3�/,„Proz. auf Anleihe haben, zahle aber st,« Proz. mehr an die Städte. Ferner kärnen kolossale lleberschreitungen der Bauvoranschläge vor, da sich die Städte im Vertrauen auf sichere Verzinsung nicht an die Voranschläge hielten. Eine Anzahl von Kasernenbauten und besonders von Offizicrkasinos hätte die Konnnission sicher gestrichen. Die Einrichtung der Offizierkasinos reize geradezu zum Luxus an. Manche Kasinos hätten bis zu 200 000 Mark gekostet; bei einer Verzinsung von 6 Proz. mache das für jeden unverheirateten Offizier 1000 Mark Zinsen jahrlich. Durch das System der Mietsbauten werde das Etatsrecht des Reichstags nicht gewahrt; daher stellt Abg. Speck einen Antrag, durch den dieser Uebelstand beseitigt werden soll. Die ncugeforderten Summen für die künftige Verzinsung neuer Kascrncnbautcn durch Gemeinden beantragt der Korreferent ab- zusetzen, bis genaue Pläne und Kostenvorschläge vorgelegt worden sind. General G a l l w i tz sagt, daß, entgegen der landläufigen An- ficht, die Srädte teurer bauen als der Staat. In den letzten 14 Jahren seien entfallen auf den Kopf der Unterbringungsstärkc bei einem Bataillon Infanterie bei Staatsbauten 1254 M., bei städtischen Bauten 1395 M.; bei einer Abteilung fahrender Artillerie stellen sich die Beträge auf 2454 gegen 3091 M. Die Kommunen würden nur herangezogen, wenn die Verwaltung selbst etwas nicht habe leisten können; das sei besonders in der Zeit der großen Neu- formationen geschehen. Die Kommunen seien gehalten, die allgemeinen Bedingungen der Militär- Verwaltung einzuhalten; aber die Ucbcrwachung sei aus verschiedenen Gründen schwierig. Was die Verzinsung anlange, so sei die Verwaltung immer bemüht, die Zinsenlast zu verringern; das sei aber nur selten gelungen und wegen der kurzen Vertragsdaucr könne man den Gemeinden nicht zumuten, sich mit einer Aniortisationsquote von 1 Proz. zufrieden zu geben. Die Verwaltung brauche für die Zwecke der Instandhaltung und Verbesserung der Kasernements etwa 18 Millionen jährlich; da ihr zuletzt nur 8 Millionen zur Verfügung gestanden hätten, so sei sie zu dem Auslunstsmittel gezwungen gewesen. Abg. Müller- Fulda meinte, die Militärverwaltung habe auf diese Weise sich der Kontrolle des Reichstags zu entziehen gesucht. Die indirekte Schuldenlast, die man dem Reiche auf diese Weise ans- gehalst habe, betrage schon 125—130 Millionen Mark. Bei sehr vielen Bauten lägen immer noch keine definitiven Abrechnungen vor; die Städte bauten lustig daraus los, da in d e n G e m e i n d e- k ö r p e r s ch a f t c n die Interessenten fB a u m e i st e r. Lieferanten ic.) häufig die Mehrheit hätten. Es sei deshalb besser, alle Kasernenbauten wieder in den ordentlichen Etat einzustellen. General Gallwitz verspricht, daß bei den auten jetzt die Vor- anschlüge sorgfältiger innegehalten werden sollen; Osfizierskafinos würden in der Regel für jedes Regiment und für detachierte Bataillone gebaut. Hier seien sie nötig. Der K r i e g s m i n i st e r erklärt, er habe nichts dagegen einzuwenden, wenn der Reichstag keine Mietsbautcn mehr bewilligen wolle. Durch Kasinos würde das Leben der Offiziere billiger gestaltet. Abg. Graf O r i o l a regt an, die Amortisation bei Mietsbauten so zu gestalten, daß die Gebäude nach einer gewissen Zeit in das Eigentum des Reiches übergehen. Staatssekretär v. Stengel legte dar, auf welche Weise man zu der Methode der Mietsbauten gelangt sei. Wolle man Kasernen- bauten in größerem Umfange auf Auleihemittcl übernehmen, dann müsse auch die Frage der Anleihentilgung geregelt werden. Bei Ersatzbautcn dürfe man überhaupt nicht an Uebernahme auf Anleihe denken. Bei der jetzigen u n g ü n st i g e n F i n a n z l a g e sei an eine Aenderung des Systems nicht zu denken. Abg. Speck zog nach den Aufklärungen durch die Militärverwaltung seinen Antrag zurück und beantragte dafür nur, die neuen Forde- rungen für Lissa, Schweidnitz, Saarbrücken und Zabcrn abzusetzen und erst in deir nächsten Etat einzustellen. Gegen diesen Vorschlag wendeten sich die Vertreter der LiricgSvcrwaltung. Tie Abstimmung wurde vertagt.—_ Ostmarkcn-Zulagen für Lehrer. Die Ankündigungen, die jüngst Graf v. Bttlow im Abgeordneten- Hause über„die Bekämpfung der polnischen Agitation in Ober- s ch le fi en" machte, werden jetzt in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" offiziös ein wenig erläutert. Nach zwei Richtungen soll die Staatsmacht eingreifen, um„das Deutschtum" in Oberschlesien gegen die„Polengesahr" zu schützen. Einmal sollen die deutschen Genossenschaften zur Pflege des Personalkredits unterstützt werben, dninit den polnischen Volksbanken Abbruch geschehe, die von den Polen„zu einem sehr wirksamen socialpolitischen und national- polnischen Kampfmittel" gemacht seien. Ferner soll für Vermehrung der Schulen und der Lehranstalten gesorgt werden; zur Sicherung des Lehrerersatzcs sollep neue Seminarien errichtet werden. Welchen Sinn diese scheinbar kulturelle Maßnahme der Lehrervermehrung hat, zeigt die weitere Ankündigung, daß die staatlichen Fonds verstärkt werden sollen, aus denen besondere Lohn- zulngcn für Lehrer zu entnehmen sind. So soll die heranwachsende polnische Jugend„zu loyalen Staatsbürgern" erzogen und„vor landesverräterischen Ein- flüsse.r" bewahrt werden! In Wahrheit korrumpiert man die preußischen Lehrer und fördert die polnische Bewegung.—_ De» silbernen Maulkorb für die Herren Offiziere. Zu der Kabincttsorder gegen die littcrarische Bcthätigung der Offiziere schreibt die„Dresdener Zeitung", die Kabinettsorder konstatiere mit Miß- fallen, daß Offiziere des Aktivstandes sowohl wie Offiziere z. D. in Veröffentlichungen über die Armeeverhältnisse und die Heeres» organisation sich des öfteren so ausgesprochen haben, wie es Angehörigen des Offizierstandcs nicht znkoniine. Es wird darum an die geltenden Bestimmungen über die Veröffentlichung litterarischer Arbeiten erinnert, die als weiter maßgebend anzusehen seien. Bezüglich der Offiziere a. D. wird in der Kabinettsorder gesagt, daß nach lvie vor ihrem Taktgefühl die litterarische oder publizistische Behandlung militärischer Angelegenheiten überlassen bleibe. Die Herren Militärs, welche sich erlauben, in Heeresftagen Meinungen zu haben und zu äußern, mögen nun genau die Grenzen der ihnen„zukommenden" Kritik erforschen.— Zur Belästigung russischer Studenten durch Zarenspitzel wird von der„Breslauer Morgenzeitung" noch gemeldet: Ein Russe, in dessen hiesiger Wohnung sich ab und zu mehrere Kollegen ver- sammeln, um gemeinschaftlich zu lesen, wurde vor der Fortsetzung dieses staatsgefährlichen Unternehmens gewarnt. Falls noch einmal mehr als drei Personen in seiner Wohnung sich versammeln, habe er H a u s s u ch u n g zu gewärtigen.— Ob die Spitzel auch hier eine Haussuchung auf eigne Faust planen?— Königsberg, 9. Februar.(Eig. Ver.) Ein Verfahren gegen Unbekannt ist aus Anlaß der R e i ch s t a g s r e d e n eingeleitet, die Genosse H a a s e über die russische Polizerspitzrlci gehalten hat. Er wurde als Zeuge vor den Untersuchungsrichter geladen, um zu bekunden, welcher Briefbote das Briefgeheimnis verletzt und wer den Genossen Nowagrotzki zur Ausstellung falscher Papiere zu be- stimmen versucht habe. Genosse Haase lehnte eS ab, sich darüber auszulassen. Wollen die Behörden Abhilfe schaffen, so mögen sie uns von der russischen Spitzclwirtschaft, die deutlich genug bezeichnet ist, be» freien/ Wenn sie auch nur einen Teil der Energie, welche sie gegen deutsche Staatsangehörige, die dem Zarismus unangenehm sind, entwickeln, darauf verwenden wollten, das Spitzelunwcsen zu er- forschen, so brauchen sie gegen Unbekannt ein Verfahren nicht erst einzuleiten.— Zollräubcr-Moral. Als die Kämpfe um die Wucherzölle vor mehr denn Jahresfrist am heftigsten tobten, warf man bekanntlich den betrogenen Wählern die Aufhebung der städtischen Oktrois auf Lebensmittel als Köder hin. Die Centrumspartei hatte den Bauern- fängertrick ausgeheckt und die Zollmehrheit griff gierig danach. weil sie so eine glattere Sicherung ihres Raubes erhoffte. Nun ist in§ 13 des Zolltarif- Gesetzes diese Aufhebung für 1910 festgelegt, der Zolltarif ist unter Dach und Fach und nun beginnt auch"schon das sicher von Anfang an geplante Spiel. Bei der Debatte über das Ministerium des Innern im badischen Landtage regte der nationalliberale Oberbürgernicister von Heide!» berg, Willens, die Beseitigung des Oktroi-ParagrapHen aus dem Zolltarif-Gesetz an und der Minister erklärte: Baden sei im Bundesrat schon dagegen gewesen und werde seine Hand nicht biete», eine Aenderung in' der gewünschte» Richtung eintreten zu lassen. Selbst der Führer der Centrumsfraktion be- kannte sich als einen Gegner der Octroi-Beseitigung, er bezweifelte nur, daß sich ein Weg finden lasse, auf dem der nationalliberale Wunsch erfüllt werden könne.— Schamloser ist die Wählerschaft noch nicht betrogen worden; bei den Reichstagswahlen hat man noch die Beseitigung der städtischen Octrois als eine besondere Großthat gepriesen und jetzt sitzen die Zöllner noch nicht richtig fest im Reichstag, da wird auf Umwegen die Entziehung des Köders schon vorbereitet. In der That, echte Zollräuber-Moral.— Der Entwurf de-Z bayrischen LandtagS-WahlgcsetzcS soll, wie uns aus München gemeldet lvird, Rkitte der nächsten Woche im Plenum der Abgeordnetenkammer zur Beratung kommen.— Huoland. Frankreich. Die„Jacqueric" vor der Kammer. PariS, 7. Februar. iEig. Bcr.) Die„Jacqnerie"— so werden von der reaktionären Presse die Landarbeiterstreiks in Slldfrankreich benannt. DaS Erwachen der ländlichen Proletarier, ihr bisher nicht dagewesener organisierte Massenkampf um bessere Lohnbedingungen mag den Ordnrmgspolitikern zum Teil einen aufrichtigen Schrecken eingejagt haben, der ihnen eine ruhige Beurteilung der Vorgänge umnvglich macht. Unzweifelhaft aber suchten sie auch absichtlich die Winzerbewegung in schauerhaftcm Lichte darzustellen, um einen weiteren„Beweis" für die im Lande angeblich herrschende Anarchie beizubringen. An der Anarchie aber trägt natürlich das Kabinett Combes die Schuld. Der nationalistisch-bonapartistische Demagoge. Abg. Lasies, hat sich in der Kammer zum Sprachrohr der Ordnungshetzer ge- macht mit der ihm eignen Kunst, seine wahre Gesinnung unter einer arbciterfrcundlichen MaSke zu verbergen. Die Antwort dcS Minister- Präsidenten hat die reaktionäre Legende zerzaust. Aus C o in b e S' Rede ist folgendes zu entnehmen. Die Arbeiter kämpften überall um eine bescheidene Lohnerhöhung. In früheren Jahren, als die südfranzösischcn Weinbauern eine Vorzugsstellung einnahmen, da sie von der anderwärts alles zerstörenden Reblaus verschont waren, betrugen die Löhne 3, 3s'z und selbst 5 Fr. täglich. Seit der Ucbetwindung der Reblaus-Krankhcit sind die Löhne auf 2, l8/4 und selbst U/j Fr. gesunken. Unter Berücksichtigung der arbeitslosen Tage ist so das Jahrcsverdienst der Tagelöhner auf 500 bis höchstens 600 Fr. gefallen. Gleichzeitig aber erzielten die Eigentümer infolge der gestiegenen Weinpreise hohe Gewiime. Die Arbeiter verlangten nun nicht etwa die Wiederherstellung der früheren Löhne, sondern bloß eine kleine Erhöhung auf Fr. für sechs Stunden Arbeit.— Wegen ihres friedlichen Verlaufs stellte Combes die Bewegung geradezu als„Muster für kommende Streiks" hin. In den meisten Gemeinden dauerte übrigens der Streik nur 1 oder 2 Tage, um erfolgreich zu enden. Sonst haben die Arbeiter freilich auf den Landwegen Streikposten auf- gestellt, aber das erkannte der Ministerpräsident als ihr Recht an. Er„tadelte" nur die ausnahmsweise von den Streikposten befolgte Taktik, von den Passanten einen gewerkschaftlichen Passierschein zu verlangen. Indes hätten die Streikposten vorkommendenfalls entweder von selbst oder auf Einmischung der Behörden hin freien Durchgang gewährt. Die OrdnnngSpresse hatte ganz besonders mit einer Alarm- depeschc T n r r e l s, eines ehemaligen Ministers im Kabinett Meline, gekrebst. Dieser Herr traurigen Angedenkens, der nach den Wahlen 189S vor der WahlpriifungS- Koinmission einen als falsch nach- gewiesenen Schwur„nuf den Kopf seiner Mutter" geleistet hat, um sein angefochtenes Deputiertenmandat zu retten, hatte in einer Depesche an Combes von Alarmglocken und roten Fahnen, von Anarchie, Terrorismus und Mordversuchen geflunkert. Zur Widerlegung der Flunkerei verlas Combes u. a. unter großer Heiter- keit eine Depesche des betreffenden Ortsschulzen:«Vollkommene Ruhe. Unordnung herrscht nur im Gehirn des Herrn Turrel." Einen Mordversuch hat es allerdings gegeben: er wurde be- gangen von ejnem harten Verivalter, der provokatorisch auf friedliche Streikende zwei Revolverschüsse abgegeben hat. Zum Glück wurden die zwei angeschossenen Arbeiter nur leicht verwundet. Jetzt schwebt gegen ihn eine gerichtliche Untersuchung, ebenso freilich wie gegen den Arbeiter, der nach den Nevolverschiisscn sich auf den Wüterich gestürzt hat. An Ort und Stelle wurde nur der Arbeiter— au kurze Zeit— verhaftet. Alles in allem scheinen die Behörden im Landarbeiterstreik sich so verständtg und so demokratisch benommen zu haben, wie sie in größeren industriellen Streiks sich brutal und herausfordernd zu be nehmen Pflegen. Südfrankreich ist eben die wichtigste Domäne der demokratischen Parteien, die in stetem Kampfe gegen die dortigen klcrikal-monarchistischen Grundbesitzer liegen. Sie haben deshalb naturgemäß für die Landarbeiter Partei ergriffen. Um so mehr als die Gemcindewahlen heranrücken. Andrerseits dürfte Combes vielleicht das Bedürfnis empfunden haben, die neuesten Unthaten seiner Polizei gegenüber streikenden Arbeitern vergessen zu machen Die Bertraucnsformel wurde mit der ungewöhnlich starken Mehrheit von 344 gegen 184 Stimmen votiert. Auch die revolutionär-socialistische Kammerfraktion stimmte geschlossen für das Ministerium. Zuvor hatte sie eine eigne Resolution beantragt, worin«die ländlichen Streiks begrüßt werden als das Erwachen des proletarischen und socialistischen Gewissens auf dem Landes Italien. DaS Urteil im Prozeß Fcrri-Bcttolo ist, wie uns ein Privattelegramni aus Rom meldet, heute mittag um drei Uhr verkündet worden, nach einer öltägigen Verhandlung. Es lautete gegen Ferri wegen fortgesetzter Verleumdung auf 14 Monate Gefängnis und 1516 Lire Buße. Die Höhe der Gerichts kosten und des Schadenersatzes soll noch festgestellt werden. Gegen Salustri wurde wegen Beihilfe auf das gleiche Strafmaß er- kannt. Eine ungeheure Menschenmenge bereitete den Verurteilten Ovationen. Das Urteil entsprichtdem Antrag des Staatsanwalts, einem relativ milden Urteil, da der§ 393 des Strafgesetzbuchs, auf Grund dessen die Verurteilung gefordert wurde, ein Straf-Minimum von 12 Monaten und ein Maximum von 5 Jahren vorsieht. Dieser Paragraph handelt sogar nur von e i n f a ch e r Verleumdung, während dem.Avanti" fortgesetzte Verleumdung zur Last ge legt wurde. Wir werden auf das Urteil eingehend zurückkommen.— GewerkfehaftUebeo. Mystifikationen. Jeder große Kampf im wirtschaftlichen Leben findet heute seinen Wiederhall in den Parlamenten. Wer sich aus dem Wirrsal der Zeitungsstimmen eine eigne Meinung nicht zu bilden wagt, iveil er den Geschäftsleuten, die in den Blättern öffentliche Meinung machen, nicht weiter traut als sonst sprichwörtlich der Teufel dem Apotheker, der glaubte wenigstens bisher, in den Parlamenten sitzen ernsthafte Männer, die jedes gesprochene Wort auf die Goldwage legen und alle Thatsachen auf ihre Nichtigkeit prüfen, ehe sie dieselben der Oeffentlichkeit übergeben. Der Crimmitschauer Streik mag auch hier manchen Optimismus zerstört haben. Das Schicksal jenes sächsischen Landtags-Abgeordneten, der unvorsichtigerweise die Lohnsummen, welche die„Arbeitgeberl Zeitung" den Crimmitschauer Webern in die Tasche schwindelte, für bare Münze nahm und nachher keine Ausrede wußte, als ihm ein Weber um Angabe einer solchen Stelle bat, berührt ja mehr humoristisch. Kein Mensch in der ganzen Welt hat an die Wirklich- k-it solcher Löhne geglaubt und der Reingefallene ist in diesem Falle wirklich nur der Abgeordnete, der sich zur Verbreitung dieser ge- wollten aber nicht erreichten Mystifikation hergab. Schlimnier ist es schon, wenn auch amtliche Denkschriften, die für die Parlamente bestimmt sind, Stellen enthalten, die leicht zur Irreführung der öffentlichen Meinung dienen können. So sagt der sächsische Geheimrat Dr. Roscher in seiner Denkschrift über Crimmitschau an einer Stelle: „Von den Mitteln, die seitens der Socialdemokratie in Crim- mitschau angewendet würden, um Arbeiter, die sich der social- demokratischen Arbeiterorganisation und deren Unternehmungen nicht anschließen wollen, dazu zu nötigen, habe ich in Crimmitschau durch Einzelgespräche mit verschiedenen Arbeitswilligen mancherlei Bedauerliches erfahren. Solchen Nötigungsvcrsuchen, die stetig und von verschiedenen fortgesetzt werden, auf die Dauer zu wider- stehen, erfordert seitens der damit Bedrängten eine große Festigkeit des Charakters." Der Vorstand des socialdemokratischen Vereins für Crimmitschau richtet nun an Herrn Geheimrat Roscher einen offenen Brief, in dem er ganz berechtigter Weise fordert, daß der Herr Geheimrat sich über das„Mancherlei Bedauerliche" auslasse und Einzelfälle anführe, damit man der Sache zu Leibe gehen könne. Solche Einzelfälle vorzuführen, ist allerdings gefährlicher, als wenn man sich in allgemeinen Redensarten ergeht.— Der Abgeordnete Patzig äußerte in der Sitzung des Reichstag? vom 5. Febrilar, nach dem siegreichen Webcrstreik in Meerane sei ein Arbeitswilliger von den siegenden Webern so drangsaliert worden, daß er sich erhängt habe. Diese Behauptung hat in den Meeraner Arbeiterkreisen große Verwunderung erregt. Dort ist, wie uns der Bevollmächtigte des Textilarbeiter-Verbandes für Deutschland mit- teilt, von einem solchen Vorkommnis nicht das geringste bekannt. Herr Patzig wird nicht umhin können, in diesem Falle seine Quelle preiszugeben; damit man erfährt, woher alle diese Mystifikationen stammen. Berlin und tlmgegend. Der Streik in der Kartonfabrik von Standke u. PolenSki be- schSstigte am Dienstag eine öffentliche Kartonarbeiter- und Ar- beiterinnen-Versammluitg, die im Englischen Garten tagte. Es handelt sich bei diesem Streik, ivie der Referent M i e S k e ausführte, um die Abwehr von Lohnherabsetzungen. Die Prinzipale wollten die Wochenlöhne von 17 M. auf 15,50 M.. die von 15,50 auf 14 M. und die von 10 M. auf 8 M. herabsetzen, und außerdem alle Arbeiten in Accord ausführen lassen mit der sonderbaren Be- stimmung, daß, wenn eine Arbeiterin mehr als ihren festgesetzten Lohn verdient, sie doch nicht mehr als diesen Lohn erhalten sollte. Verhandlungen mit den Prinzipalm führten kein Resultat herbei, so daß kein andres Mittel zur Abwehr der Verschlechterungen übrig blieb als die Arbeitsniederlegung, die vor nunmehr 14 Tagen erfolgte. Bevor die Firma jene Lohnherabsetzungen einzuführen suchte, hatte sie den Zuschneider Karl Richter beauftragt, vierzehn Tage lang über die Leistungen der einzelne,, Arbeiterinnen Buch zu führen und zwar im geheimen. Dieser Zuschneider Richter, der gewerkschaftlich und politisch organisiert ist, legte die Arbeit auch mit nieder, verlangte jedoch vom Buchbinder-Verband, daß ihm sein ganzer Lohn von 30 M. als Streikunterstützung aus- gezahlt werde, was selbstverständlich abgelehnt wurde. Er kehrte dann in den Betrieb zurück und' sucht jetzt Streitbrecher anzuwerben, was ihm aber bei der musterhaften Solidarität, mit der die Streikenden zusammenhalten, nicht gelingen will. Kürzlich erhielten vier der streikenden Arbeiterinnen einen Brief von der Firma, worin ihnen mitgeteilt wurde, daß sie vorläufig zu den alten Bedingungen wieder anfangen könnten; später sollte dam, im Einverständnis mit den Arbeiterinnen ein Accordtarif eingeführt werden.— Die Firma erhielt darauf vom Buchbiuderverbaud die Antwort: Die Arbeit solle zu den alten Bedingungen wieder aufgenoinnien werden, wenn sämtliche Arbeiterinnen wieder eingestellt würden; es könne, wenn Mangel an Arbeit vorhanden sei, bei verkürzter Arbeitszeit gearbeitet'werden. Außerdem wurde die Anerkennung der Organisation verlangt. Auf dieses Angebot ist die Firma bis jetzt noch nicht eingegangen. Auch ein streikendes Lehrmädchen wurde kürzlich per Postkarte ersucht, die Arbeit wieder aufzunehmen oder ihre Papiere zu holen; aber auch dieses Lehrmädchen wollte sich nicht zu Streikbrccherdiensten hergeben.— Es wurde die Meinung geäußert, daß der Streik schon längst zu Gunsten der Arbeiterinnen beendet wäre, wenn nicht der Zuschneider Richter, der übrigens früher für den Streik gesprochen haben soll, indem er erklärte, er hätte als Lehrjunge in Sachsen schon bessere Preise erhalten, als sie hier jetzt geboten würden, den Streikenden in den Rücken gefallen wäre.— Die Versammlung beschloß einstimmig, den Streik, der günstig steht, da sich außer Richter nicht ein einziger Arbeits williger gefunden hat, aufrecht zu erhalten, bis der Arbeit geber gezwungen ist nachzugeben. Bnuaiischläger-Bewegiing. In einer Branchenversammlung im Gewerkschastshause erstattete an, Sonntag Cohen Bericht über die vom Verband eingeleiteten Schritte zur Tarifftage. Demnach sei die Innung der Schlosserineister bereit, zur Festlegung eines einheit lichen Tarifs mit der Kommission der Bauanschläger zu verhandeln. Die Agitationskonwnssion wurde daher auf- gefordert, sofort einen Tarif auszuarbeiten, der nächsten Versammlung vorzulegen und dam, sofort die VerHand- lungen einzuleiten. Um die Frage des Arbeitsnachweises zu regeln, ist es durchaus notwendig, daß jeder arbeitslose Bauanschläger sich auf dem Verbandsbureau des Metallarbeiter-Verbandes, Engel- Ufer 16, meldet, woselbst eine Arbeitslosenkarte ausgestellt wird. Es soll auf diese Weise zugleich eine Ärbeitslosen-Statistik auf- genommen werden. Hustand. Ein Meisterstreik ist in Wien ausgebrochen, und zwar sind es die Meister der H o l z e t u i- B r a n ch e, welche von den Firmen, für die sie liefern, höhere Preise fordern. Die streikenden Meister kontrollieren fleißig, suchen arbeitswillige Meister zu bewegen, die Arbeit ebenfalls ruhen zu lassen, kurz, sie thun alles, was sie sonst an streikenden Arbeitern zu tadeln pflegen. Ohne sich vorher mit der Gehilfenorganisation, auf die sie angewiesen sind, zu verständigen. erklärten sie den Streik und setzten ihre Arbeiter aufs Pflaster. Diese waren aber vernünftiger als ihre Meister und beschlossen in einer Versammlung, die Streikenden zu unterstützen, werden aber ihrerseits an ihren Er- rungenschaften festhalten._ Die Differenzen in der Diamantindustrie. Die Amsterdamer Juweliersvereinigung hat in ihrer außer- ordentlichen Versammlung am Montag folgenden Beschluß gefaßt, der dem Verbandsvorstand der Diamantarbeiter übersandt wurde mit der Bemerkung, daß in einem weiteren Schreiben die Gründe für den Beschluß auseinandergesetzt werden sollen: „Erwägend, daß die Vorschläge der Vcrbandsversammlung des A. N. D. B. und der andren Arbeiterorganisationen, zusammen- gekaßt in der Resolution vom 30. Januar d. I., nicht als Gegen- Vorschläge auf die der A. I. V. angesehen werden können, und daß eine Auflösung der Frage nur auf der Basis der Vorschläge der A. I. V. möglich ist, erklärt die Versammlung der A. I. B. diese Vorschläge zu handhaben; beschliegt jedoch, erwägend, daß der Einwand der Arbeiter, es könne Mißbrauch mit der Zulassung einer unbegrenzten Zahl von Arbcitgeber-Lehrlingen getrieben werden, nicht unbegründet erscheint, den Arbeiterorganisationen die nötigen Garantien zu bieten, um eventuellen Mißbrauch unmöglich zu machen.— Die Versammlung ermächtigt den Vorstand, diese Resolution zur Kenntnis der Arbeiterorganisationen zu bringen und bei Verwerfung der Vorschläge der A. I. V. alle die Maßregeln zu ergreifen, die der Vorstand für nötig erachtet." Wie verlautet, wurde in der Juweliers- Versammlung von mehreren Seiten darauf gedrungen, einen dirctten Angriff gegen die Arbeiterorganisation zu richten.' Erst nach langer Verhandlung soll eS gelungen fein, die Resolution des Vorstandes durchzubringen. In bürgerlichen Blättern wird berichtet, daß nach Schluß der Versa, ninlung den Vertretern der Presse vom Lorstand offiziell mitgeteilt wurde: weder aus Amsterdam noch aus Antwerpen sei an das Rohdiamant- Syndikat zu London das Ersuchen gestellt worden, den Verkauf einzustellen. Nichts ei in dieser Richtung unternommen worden.— In direktem Wider- pruch hierzu steht folgende Meldung der belgischen Zeitung„L'Etoile Belge" vom 6. Februar aus dem Bericht der Versammlung der Antwerpener Juwcliersvereinigung: „Darauf machte der Vorsitzende Van der Bosch bekannt, daß der Vorstand an das Diamantsyndikat zu London geschrieben habe, um das Syndikat zu ersuchen, im Fall ein Streit in der Diamant- industrie ausbrechen sollte, den Verkauf von Rohstoffen einzustellen. Der Redner fügte hinzu, daß die Am st er damer Arbeit- geber ein ebensolches Gesuch eingeschickt hätten. Diese Mitteilung wurde mit Freuden begrüßt." Der holländischen Zeitung„Telegraas" wird aus Antwerpen gemeldet, daß dort die Diamantarbeiter die Arbeit allgemein eingestellt haben. Gegen die Heimarbeit im Schneidrrgrwerbe Stockholms. Die Stockholmer Abteilung des Schwedischen_ Schneidereiarbeiter- Verbandes hat sich wiederholt an die Organisation der Schneidermeister zewandt, um eine Regelung der Werlftattfrage herbeizuführen. Da ,as jedoch erfolglos blieb und die Meister nicht einmal darüber ver- handeln wollten, haben die Gehilfen nun den bisher geltenden Tarifvertrag auf den 1. März gekündigt. Die Arbeiter verlangen„freie, zeitgemäße und obligatori- 'che W e r k st ä t t e n". Zur Zeit liegen die Verhältnisse so, daß die meisten Schneidergesellen die Arbeit entweder in ihrer eignen Wohnung oder in einem von andren abgemieteten Räume herstellen müfsen; diejenigen Meister, die den Gesellen«inen Platz in der Wcrkstätte zur Verfügung stellen, lassen sich dafür von jedem ihrer eignen Arbeiter 1 Kr., 1,50 Kronen oder gar LKronen Miete proWoche bezahlen, ein Zustand, der in keinem andern Gewerbe als in der Schneiderei besteht. Dabei fehlt es in diesen Werkstätten häufig an Tageslicht, und nicht selten herrschen auch in andrer Hinsicht Zu- 'tände, die allen sanitären Anforderungen Hohn sprechen. Wenn eS mit den Arbeitsplätzen in den Wohnungen der Arbeiter nicht besser bestellt ist, so ist das bei den außerordentlich hohen Wohnungsmieten in der schwedischen Hauptstadt leicht erklärlich. Da die Arbeiter sich diese Zustände nun nicht mehr gefallen lasten wollen, die Arbeitgeber ich aber fortdauernd weigern zu verhandeln, wird es vielleicht zu einem ernsten Konflikt kommen. Die Lohnbewegung der dänischen Buchbinder. Obgleich die bis- her geltenden Tarifverträge für das Buchbindergewcrbe in Kopcn« Hägen und in den Provinzialjtädten am 1. Februar abgelaufen find, ist es bis jetzt noch zu keinen neuen Verträgen gekommen. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern sind resultatlos verlaufen. Die Arbeiter haben nun beschlossen, so lange keine neuen Tarif- Verträge vorliegen, unter allen Umständen die alten Arbeits- bedingungen aufrecht zu erhalten; wer unter dem arbeitet, soll als Streikbrecher angesehen werden. der und euch und und Der russisch-japanische Krieg. Väterchen redet. Petersburg, 10. Februar. Heute nachmittag besuchte Kaiser, in Admiralsuniform, das Marine- Kadettencorps, wandte sich an die Kadetten mit folgender Rede: es ist bekannt, daß vorgestern uns der Krieg erklärt worden ist daß ein tückischer Feind in dunkler Nacht unsere Feste unsere Flotte ohne jegliche Herausforderung unsererseits überfallen hat. Jetzt braucht Nußland sowohl seine Flotte als seine Armee und ich bin heute gekommen, um euch zu sehen und euch zu sagen, daß ich euch zu Offizieren befördere. Indem ich euch 3Vz Monate vor dem Termin befördere, bin ich über- zeugt, daß ihr alles daran setzen werdet, um euer Wissen zu bereichern, und daß ihr dienen werdet, wie eure Urgroßväter und Großväter, die Admirale Tschitschagow, Lasarew, Nachimolo, Kornilow, Jstonrin gedient haben zilnr Nutzen und Ruhm des teuren Vaterlandes. Ich bin überzeugt, daß ihr alle Kräfte unsrcr Flotte widmen werdet, über der die Flagge mit dem Andreaskreuz weht. Hurra I Russische Stimmungsmacherei. Petersburg, 10. Februar. Die durch die gestern um- laufenden Gerüchte über die Vorgänge im fernen Osten erregte Stimmung erhielt durch die heute veröffentlichten Depeschen des Statthalters Alexejew und durch das Manifest des Kaisers eine andre Richtung. Seit früher Morgenstunde drängt sich die Bevölkerung vor den an allen Straßenecken an- gehefeten Sonderausgaben des Regicrungsboten mit den Depeschen des Statthalters Alexejew. Ueberall werden die Sonderausgaben des Manifestes von den Gruppen gelesen. Das große Publikum scheint allmählich den Ernst der Lage zu erkennen. Auch in den politischen Kreisen herrscht sehr ernste Stimmung vor. Die Blätter find bemüht, den Patriottsmus anzufachen, sowie das Verttanen auf Gott und die eigne Kraft zu stärken.— Die„Nowoje Wremja" Iveist darauf hin. daß die erlittenen Verluste nichts entscheiden und der Kampf zu Lande entschieden werden wird. Mit ihrem numerischen Uebergewicht in Korea würden die Japaner wohl in der ersten Zeit die Russen zwingen, sich auf den Verteidigungskrieg zu beschränken, sobald aber die russischen Streitkräfte in Korea und im Süden der Mandschurei zusammengezogen seien, be- ginne erst die Lösung. Schwer würden die Japaner für ihren ver- rätcrischen Ucberfall, der völlig dem asiatischen Charakter eutspreche, büßeil müssen.— Die Blätter zweifeln nicht, daß der russische Patriotin- mus nunmehr hell aufflammen werde. In der That gelaugt bereits in der Provinz der patriottsche �Aufschwung zu voller Geltung. In Moskau haben der Adel, die Landschaft, die städtische und die Kom- munalverlvaltmrg ihre Gefühle und Opferfreudigkeit zum Ausdruck gebracht; aus allen russischen Centrcn kommen Meldungen über eine patriotische Bewegung, welche geeignet scheint, den radikalen Elementen, wenn sie etlva Miene machen sollten, die Situation für ihre Zwecks auszunützen, Enttäuschungen zu bereiten. Der wechselnde Gang der bevorstehenden Kriegscreignifse wird zweifellos die Petersburger öffentliche Meinung hin und her schwanken lassen; in der Provinz, Moskau voran, steht dagegen ein anhaltender Aufschwung zu erwarten. Japanische Flottenbewegung. Rom, 10. Februar. Die„Agenzia Stefani" meldet aus London: Sechs japanische Kriegsschiffe und sechs japanische Torpedoboote sind, Transportschiffe mit Landungstruppen geleitend, in Tschemulpo ein- getroffen. Die„Agenzia Stefani" meldet weiter, daß von italienischen Schiffen sich. Vittor Pisani",„Elba" und„Piemoilte" im äußersten Osten befinden und daß diese Schiffe so verteilt sind, daß sie die Ereignisse wohl zu verfolgen mögen. Englands Verhalten gegenüber de» kriegführenden Parteien. London, 10. Februar. Im Unterhause stellt Gibson Bowles folgende Anfrage: Hat die Regierung den Behörden in den britischen Häfen Anlveisungen für ihr Ver- halten gegenüber den Schiffen der kriegführenden Parteien erteilt? Werden solche Schiffe nur mit so viel Kohle versehen, als.ausreicht, um sie nach dem nächstgelcgenen Hafen ihres eignen Landes zu bringen? Wird ihnen verwehrt werden, vor Ablauf von drei Monaten vom Tage der ersten Kohlenübcrnahme an nochmals in irgend einem andern britischen Hafen Kohlen zu nehmen? Wird ihr Auf- enthalt im Hafen auf 24 Stunden beschränkt sein, wenn nicht ein Zwang durch Unwetter oder die Notlage, notwendige Reparaturen vorzunehmen, vorliegt? Wird ihnen verwehrt werden� ge- kaperte Schiffe nach brittschen Häsen zu bringen? Auf diese Anfrage erwiderte der M i n i st e r des Innern Aker sZD o n g l a s: Die notwendige» Jnstrukttonen werden an die Behörden aller britischen Häfen sofort erlassen werden. Dieselben werden den bei früheren Anlässen gegebenen Vorschriften gleichen. In der Anftage Bowles sind letztere richtig wiedergegeben worden. Der Minister setzte hinzu: Morgen wird ein Kabincttörat ab- gehalten, in welchem dieVerkündigung der Neutralität Englands bei dem russisch- japanischen Kampfe beschlossen werden wird; auch wird morgen eine Sonderausgabe der amtlichen„London Gazette" erscheinen. Beschlagnahme russischer Schiffe. Japan hat die russischen Schiffe, welche sich zur Reparatur in Nagasaki befinden, mit Beschlag belegt. Rußlands Mobilisierung. Petersburg, 10. Februar. Der Statthalter Alexejew telegraphierte vorgestern dem Kriegsminister aus Port Arthur, daß in Ausführung des kaiserlichen Befehls die Festungen Port Arthur und Wladitvostok und das längs der oftchinesischen Bahn enteignete Land vom 10. d. M. ab als im Kriegszustand befindlich erklärt werden. Für vier Regimenter und zwei Batterien der Transbaikaltruppen ist eine Versuchsmobilisierung angeordnet worden.' Blagowieschtschcnsk, 2. Februar. Die gestern eingetroffene Mobilisieruirgsorder wurde sofort bekannt gegeben und glcichzeittg der Ausschank von Branntwein verboten. Die Lebensmittelpreise steigen reißend. Die Mehrzahl der hier anwesenden Japaner ist in der Stadt geblieben. Der Militärgouverneur forderte durch eine Bekanntmachung auf, jede Unordnung zu ver- meiden, falschen Gerüchten entgegenzutreten und gegen Japaner, Chinesen und Koreaner keine Gewaltthätigkeiten zuzulasten. In der Stadt herrscht ruhige Stimmung und Zuversicht auf den Erfolg der russischen Waffen. Shanghai, 10. Februar. sMeldung des„Reuterschen Bureaus".) Das im hiesigen Hafen liegende russische Kanonenboot„Manschur" hat heute die Kricgsflagge gehißt, Rumpf und Schornstein schwarz gemalt und liegt jetzt zum foforttgen Auslaufen bereit. Dänemarks Neutralitätö-Erklärnng. Kopenhagen, 10. Februar. Der König hat heute beschlossen, die strenge Neutralität Dänemarks bei dem rusfisch-japanifchen Konflikt auszusprechen. Den kriegführenden Mächten wird dieser Beschluß notifiziert werden. Später wird die Regierung eine Bekanntmachung erlassen, welche Verwaltungsmatzregeln für dänische Unterthanen ent- hält, um eine Uebertretung der Neutralitätsregeln zu verhüten. Letzte JVaebnebten und Depefeben, Entgleist. LSdinghansen, 10. Februar.(20. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Heute mittag 12'/z Uhr sind in Lüdinghausen i. W. von dem Personenzug von Dülmen bei der Einfahrt durch Unachtsamkeit des Weichenstellers vier Personenwagen und Packwagen entgleist. Hierbei lvurden acht Fahrgäste und zwei Fahrbcamte leicht verletzt. Der Personenverkehr wurde von 3 Uhr ab wieder durchgeführt. Materialschaden gering. Der ganze Verkehr wird um 6 Uhr wieder frei sein. Pretoria, 10. Februar.(Meldung deS„Reuterschen BureauS".) Die Verordnung über die Einführung nicht» europäischer Arbeiter ist endgültig Gesetz geworden. PerMtW. Redakteur; Julius«asiSfie Berlin. Jnserajxnteil vercmtw/: ZH. GlockeMrlm. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer öcCo., Berlin S W. Hierzu SBejlagenu. Nnterhaltungsblatt 8. 35. 21. M«. t. Keilllge des Lllmiilts" Kerliller WllislilM 11 1901 Der ostafiatifche Kriegsschauplatz. l�eickstag. 29. Sitzung. Mi ttw och. d en 10. Feb r uar. 1904, 1 Uhr. Am BundesratStischc: Graf Posado lvSky. Vor Eintritt in die Tagesordnung giebt Abg. Frohme(Soc.) folgende Erklärung ab: Abg. Grober hat gestern vorgetragen, ich hätte das Stenogramm meiner Rede vom 4. Februar'in einigen Punkten so verändert, dag dadurch seine Er- widerung auf»reine Rede unverständlich geworden sei. Meine Aenderung des Stenogramms beschränkt sich auf die Beseitigung eines e t iv a s ungenauen Äusdruck-S, sie entspricht durchaus dcnr klar erkennbarenSinn meiner Ausführungen, insbesondere auch der Bezugnahme auf von der socialdeniokratischen Fraktion gestellte und von mir selbst ver- trctene Anträge. Die Korrektur deckt sich vollständig mit d e m I n h a l t meiner z w e i t e n N e d e, in der es wörtlich heißt:„Abg. Gröber hat mich gewiß mißverstanden bezüglich der Haftpflicht der Beamten. Es ist mir gar nicht eingefallen, zu fordern, daß ein Beainter, Staatsanwalt, Richter, Polizeibeamter auch dann haftbar sein solle, wenn er in entschuldbarer Weise irrtümlich je- inaudem Schaden zufügt. Soweit sind wir nie gegangen, soweit sind wir auch beim Bürgerlichen Gesetzbuch nicht gegangen." Abg. Sartorius Urs. Vp.j: Im Vorjahre wurde das Wein- g e s e tz als lvertlos hingestellt. Aber wir. die wir mitten in der Profession stehen, müssen doch sagen, daß sich jetzt nach längerer Zeit erfreuliche Früchte gezeigt habe». Einstimmig wurde aber stets hervorgehoben, daß es einheitlich und gleichmäßig angewandt ivcrden müffe. Das Berechtigte dieser Forderung hat der Staats- sekrctär schon voriges Jahr anerkannt. Ein gclvisier Fort- schritt ist ja jetzt schon erreicht. Llbcr einige Uebclstände können bei dem Vorhandensein des geeigneten Aufsichtspcrsonals schon jetzt abgestellt werden. So dürften z. B. Brennweine nur von den Brennern selbst hergestellt werden. Die Steuerbehörden greifen ja jetzt erst bei der Brennerei selbst ein, aber der ganze vorherige Pro- duktionsprozeß bleibt unbeaufsichtigt. Wie die andern Maischen sollte man auch diese überwachen. Bei gleichzeitigem Betrieb von Wein- Handel und Branntweinbrennerei müßten die Betriebe getrennt sein, sonst ist Unterschleifen Thor und Thür geöffnet. Auch der Ver- kehr mit Weinznsatzstoffcn muß llberlvacht werden, da nach dem Vermischen ihre chemische Feststellung im Wein unend- lich erschwert ist. Es werden sich auch Ueberwachungs- mittel-finden lassen, die den legalen Verkehr nicht allzu sehr be- lästigen. Die Zölle für ausländische cxtraktreiche Weine stehen nur auf den» Papier: denn die Vergünstigungen für Vcrschnittweine werden in unkontrollierbarer Weise ausgenutzt. Auch der niedrige Zoll für frische ausländische Trauben muß wegfallen. Wir Produzenten, die wir sie ja brauchen, sind im Interesse der Durch- führung des Weingesetzes bereit, den höheren Zoll zn tragen. Bei den bevorstehenden Handelsverträgen inuß eine Klausel die Zulässig- keit der Verkehrsbeschränkungen ftir inländische Weine auch für die ausländischen feststellen.— Die Weinkontrolle greift aber andrerseits auch über ihreGrenzen. In einer norddeutschenJndustriestadt kontrolliert man sogar die Etiketlierung ganz legal hergestellter Schnittweinc. Das erschwert die Konkurrenz gegenüber dem Ausland. Den Ver- schnitt herzustellen ist Sache des Handels. Die Produzenten können es nicht, da sie den Wein möglichst juirg verkaufen dürfen. Leider wird von vielen Winzervereinen, die ich sonst in jeder Beziehung hochschätze, versucht, den Handel auszuschalten: und die Regierungen unterstützen dies Streben. D.as muß auf abschüssige Bahn führen. Auf weitere Einzelheiten will ich bei der Geschäftslage des Hauses nicht eingehen. Da Ivir hier über die Gesundheit von Tausenden unsrer Mitbürger reden, so hoffe ich. daß wir ihnen den Etat als ein bekömmliches Osterei mit nach Hause bringen.(Beifall bei den Freisinnigen.) Präsident des Reichs-Gesundhcitsamtes Dr. Köhler: Bei der Fülle der Anregungen, die der Vorredner gab, kann ich nicht auf alle Einzelheiten eingehen. Ich will ihm nur den Dank für seine Anerkennung aussprechen, daß das Weingesctz wohlthätig gewirkt hat. Den Winzervereinen dürfen wir ebensowenig Ivie etwa den MolKreigenossetischaften den Selbstvertrieb verbieten. Die Kunstwein-Fabrikation ist so zurückgetreten, daß sie nicht mehr als wesentlicher Faktor anerkannt werden kann. Zahlreiche Verurteilungen zu empfindlichen Strafen, zeigen unsren festen Willen, jeder Wein- pantscherei entgegenzutreten. Die Kontrolle der Branntweine müßte in der That bei der Herstellung vorgenonnnen werden. Von der Heimatregierung des Vorredners ist deshalb angeregt worden, diese Kontrolle mit der beim Branntweinstener-Gesetz zu vereinigen. Die deutschen Weine erfreuen sich einer solchen Ucberwachung. daß deutsche Weine nur in bester Qualität ins Austand kommen.(Bravo I) Abg. Dr. Bärwinkel(natl.): ES ist im vorigen Jahre dem Reichstage eine Denkschrift zugegangen über den Verkehr mit Honig. Es wird darin mit vollem Recht auf die große lvirtschaftliche Be- deutung der Bienenzucht hingclviesen. Die Imker verlangen, daß das Wort„Honig" nur für Naturhonig angewandt werden solle, nicht aber für Kunsthonig oder Mischungen von Natur» und Kunsthonig. Abg. v. Pfctten(C.): Die Wirkung des Fleischbeschau- Gesetzes ist lediglich eine sanitäre. Deshalb haben ineine Freunde dafür ge- stimmt. Für ein rein agrarisches Gesetz hätten besonders wir in Süddeutschland nie gestimmt. Als agrarischen Vorteil des Gesetzes kann man höchstens gelten lassen, daß früher das ausländische Fleisch bester behandelt wurde als das inländische, nnd daß dieser Zustand sich jetzt zu Gunsten der inländischen Produktion geändert hat. Aber dieser kleine Vorteil steht in keinem Verhältnis zu den Unannehmlichkeiten, die das Gesetz init sich bringt. Wir wünschen besonders eine Aenderung des Fleischbeschau-GesctzeS insofern, als die Kosten für die Ausbildung der Flcischbeschauer auf die Staatskasse übernommen werden. Abg. Schcidcmann sprach davon, daß die inländische Fleisch- Produktion den Bedarf nicht decke. Aber schon heute ist Vieh, und insbesondere Schweine, kaum verkäuflich.— Zum Schluß verlangt Redner das Verbot des freihändigen Verkaufs von Essigessenz. Abg. Scheidemann(Soc.): Ich war darauf gefaßt, daß meine Rede auf agrarischer Seite heftigem Widerspruch begegnen würde, daß Sic(nach rechts) Ihre besten Kämpfer gegen meine Ausführungen ins Feld schicken würden. Aber ich konnte nicht darauf gefaßt sein, daß alle Herren, die ge- sprachen haben, in der Hauptsache nur meine Behauptungen p e- st ä t i g e n würden.(Oho! rechts.) Alle Redner haben den Schutz der Landwirtschaft, spcciell der deutschen Viehzucht, in allrrengsten Zusammenhang mit dem Fleischbeschau-Gcsetz gebracht. Das aber ivar der Kernpunkt meiner Rede. Ich habe nachgewiesen, daß Sie aus dem ursprünglich rein hygienischen Gesetzein solches gemacht haben, das in erster Linie die Jutereffen de» Viehzüchter wahrnehmen soll, und erst in l e tz t c r L i n i e die V o l k S g e s u n d h e i t schützen. Von allen Rednern hat Abg. Graf Kunitz am sachlichsten gesprochen. Er hat mich, ohne außerhalb der Sache liegende Ausfälle, als Gentleman bekänipft. Dr. Wallau aber warf uns und speciell mir, angebliche Schwärmerei für das Ausland vor. Er sagte, kein Engel sei' für uns so rein, wie das ausländische Schwein.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Aber Sie(nach rechts und zu den Nationalliberalen) stellen das inländische Schloein als das einzig anständige hin und suchen uns das ausländische Schwein als eine Sau im tvahren Sinne des Wortes zu verekeln.(Heiter- keit.) Herr Wallau sprach auch von unsrer Synipathie für ausländische Minister, aber das Wort über Millerand: „Ja. wenn wir den hätten!" stammt vou ganz audrcr Seite als von unsrer.(Zuruf bei den Nationalliberalen:„Die Minister in der Schweiz.") Auf die haben wir alle Ursache stolz zu sein! Abg. Dr. Dröscher that so, als sei alles, was er selbst vor- bringe, wissenschaftlich, alles, was ich gesagt hätte, oberflächlich. Ich werde Ihnen aus seiner eignen Rede nachweisen, auf wessen Seite eine geradezu phänomenale Oberflächlichkeit herrscht. Dr. Dröscher erklärte zunächst die Ausdehnung der Fleischbeschau ans Haus- schlachwngen für unnötig und sagte wenige Minuten später, das Fleischbeschau-Gesetz sei notwendig zur wirksamen Kontrolle unsrer Lebensmittel! Dr. Dröscher behauptete auch, die Socialdemokratie würde schlechte Geschäfte machen, wenn sie den Bauern die finanzielle Belastung durch die Kontrolle der Hansschlachtung aufbürden wolle. Ich habe aber ausdrücklich erklärt, daß wir bereit feien, diese Kosten aus die Staatskasse zu übernehmen. Ferner gab Abgeordneter Dr. Dröscher zu, daß das Fleischbeschau-Gesetz keineswegs un» angenehme wirtschaftliche„N e b e n w i r ku ng e n" gezeitigt habe. Diese„Nebenwirkungen" sind für Sie die Hauptsache gewesen. Weiter hat Herr Dröscher hingewiesen auf den erfreulichen Auf- schwung der deutschen Viehzucht und daß die Versorgung Deutsch- lands mit deutschem Vieh mit allen Mitteln angestrebt werden müßte. Aber nicht mit dem Mittel, daß dem arbeitenden Volke die Lebensmittel in unerhörtester Weise verteuert werden! Es kommen wirklich nur 8 Proz. unsres Fleischkonsums aus dem Aus- lande. Als er das feststellte, rief ich ihm mit großen: Recht zu, daß tvir uns auf eine K o n s u m st e i g e r u n g einrichten müßten. Jeder, der es mit dem Volke gut meint, sollte wünschen, daß die große Masse des in der Industrie arbeitenden Volkes und der Land« bevölkerung mehr Fleisch konsumieren könnte. Der Fleischkonsum pro Tag und Kops beträgt in Königsberg 93 Gramm» in Berlin 134, in Lyon aber zum Beispiel 200 Gramm. In London ist der Durchschnittskonsum dreifach höher als in Königsberg. Die Steigerung unsrer Viehproduktion, die die Verminderung der Einfuhr in(902 herbeigeführt haben soll, ist in Wirklichkeit nur bei den Schweinen vorhanden. An drei Stellen hat Herr Dr. Dröscher die Gründe der Einfuhrver- Minderung erörtert. Einmal sagte er. sie sei zurückgegangen wetzen der wirtschaftlichen Krise und wegen der schlechten Lebensverhältnisse der Bevölkerung, wenige Zeilen weiter bezeichnete er meine Behaup- ttmg, daß die schlechte Lebenslage der Arbeiterklasse an dem Rück- gang der Einfuhr schuld sei, in ihrer Allgemeinheit und Oberfläch- lichkeit als falsch, und wiederum nach ein paar Minuten erklärte er die Kaufkraft des fleischessenden Publikums als maßgebend für die Zu- und Abnahme des Fleischkonsum? nnd seit 1900 habe infolge des Niederganges der Industrie die Kaufkraft der Bevölkerung abgenommen. Mit der Feststellung so tiefer Wissenschaftlichkeit und so großer Gewissenhaftigteit kann ich Herrn Dröscher verlassen.— Mit der gleichen Berechtigung, wie er auf meine Redaktton als Entenpfuhl anspielte, könnte ich die Schulstuben, in denen er früher unterrichtete, als Schweineställe oder sein statistisches Bureau als Entenstall bezeichnen. Was er mit seiner angemaßten Autorität hier erklärt hat, waren jedenfalls Enten.(Große Heiterkeit links, große Unruhe rechts.) Daß seine Heimat im Lande des OchsenkopfcS liegt, ist allein doch kein Beweis für die Autorität auf dem Gebiete der Viehzucht.(Große Heiterkeit links, lvachsende Unruhe rechts.) Ich habe den Äavallerie-Offizieren keinestoegs geistige Inferiorität vor- geworfen, ich habe nur die Linke dieses Hauses durch einen Vergleich mit diesen Herren gegen den Vorwurf mangelnder Sachkenntnis ver- teidigen wollen. Ich habe bei all den Dingen, die ich nicht aus eigner Wissenschaft habe, die genaue Quelle angegeben: als ich aber bei den Schauer- geschichten des Grafen R e v e n t l o Iv aus Amerika in einem Zwischenruf nach seinen Quellen fragte, da hat er geschwiegen. Graf Reventlow hat wieder die Fleischnot geleugnet, es sei nur eine Fleischteucrung gewesen. Das alte Märchen von den bösen Metzgern! Wenn Graf Reventlow sagte, man solle am besten die Schweine totschlagen und sie an die Seifenfabriken verkaufen, so erinnere ich mich an die frivole freventliche Ae u ß e r u n g von Landwirten, man solle bei guter Gettcide-Erntc die Hälfte davon verbrennen, um die Preise hochzuhatten. DaS.ist daS traurigste Zeichen unsrer ganze» kapitalistischen Wirtschaftsordnung, daß nia» sich über den Ueberfluß der Natur nicht freut, sondern ini Hinblick auf den eignen Geldbeutel als Produzent ärgert. Ich will Ihnen nicht lange statisttsche Zahlenreihen über den Viehbestand in Deutschland vorleien, aber mein Freund David hat sich in seinem trefflichen Werke die Mühe gemacht, den Viehbestand auf je hundert deutsche Einwohner zu berechnen. Er betrug im Jahre 1873: 38,4 Rinder. 17,4 Schweine. 60.S Schafe: 1883: 34,5 Rinder. 20,1 Schweine, 42,2 Schafe: 1893: 34,5 Rinder, 20,1 Schweine, 27,8 Schafe. 1897: 35,4 Rinder. 27,3 Schweine. 27,8 Schafe. 1900: 33,7 Rinder, 29,6 Schweine, 17,2 Schafe. Das ist abgesehen von dem enormen Fortschritt in der Schweinezucht. von dem ich schon in meiner ersten Rede sprach, ein ganz bedeutender Rückschritt. Noch übersichtlicher wird die Rechnung, wenn man daS ganze Vieh in Großvieh umrechet, ein Rind gleich vier Schweine gleich sechzehn Schafe setzt. Dann ergicbt sich wiederum nach den Berechnungen meines Freundes David für das Jahr 1873: 48,8: 1883: 43.?: 1893: 44,4: 1897: 44.3: 1900: 42,8. Für die Jahre 1900—1902 ist im preußischen Landcsökonouiir- Kollegium ausdrücklich von autoritativer Seite ein weiterer Rückgang festgestellt worden. In zwei Punkten deckten sich die Behauptungen der beiden Redner der Rechten vollkommen: bei den HauSschlachtungcn passen die Dienstboten auf, das amerikanische Pökelfleisch taugt nichts. Glauben Sie wirklich, daß die Dienstboten eher die Möglichkeit haben, die Trichine» festzustellen, als die Tierärzte die Güte eingeführten Pökelfleisches zu prüfen? Von Stadthagen ist mir auch mitgeteilt worden, daß ein Urteil vorliegt, nach dem die Dienstboten, die wegen verdorbener Flcischnahrung ihre Stelle verlassen hatten, in den Dienst wieder zurückkehren mußte«.(Große Unruhe rechts.) Unser» Viehbedars können wir jetzt nur hinsichtlich des Schweinefleisches decken: die Schweine habe» in den letzten Jahren um 77 000 Stück zugenommen. Im übrigen sind tvir auf die Einfuhr a u g e lvU f c n. Die Vorwürfe, die Sie gegen mich erhoben haben, treffen auch den Grafen Posadowsky. Ich bin Manns genug, mich auf mich selbst zu berufen, aber ich möchte Ihnen diesmal doch die A e u ß e r u n g e n des Grafen Posadowsky verlesen. Bei der Beratung des Fleischbeschau- Gesetzes sagte er am 29. März 1900: eS seien in dieses Gesetz, das auf hygienischen Gesichts- punkten beruhe, bei der Beratung im Reichstage fortwährend wirtschaftliche Momente hmeingrzogen. Für die Versorgung Deutsch- lands mit deutschem Fleisch sei doch dieses Gesetz mcht oedes materiao. Am 21. Mai 1900 sagte er wiederum: die eigentliche Absicht des Gesetzes sei gewesen, dem Volke ein Hauptnahrungs- mittel in gesunder, zweifelloser Form darzureichen. Wumurbärer- weise war davon nicht mehr die Rede, sonder» allerlei Ncbenintrressrn träten hervor. Auch gestern ist die VolkSgesimdheit gegenüber der Aus» schließung der ausländischen Konkurrenz wieder in den Hintergrund ge- treten. Daß Tausende von Stück Vieh jetzt ummtersncht geschlachtct werden. gefährdet doch unter allen Umständen die VolkSgesimdheit. wenn es sich auch„nur" um Dienstboten handelt, weit schlinuner als das Pökelfleisch. Welche Gefahr in der Beftciung der HauSschlachtnngen von der Konttolle liegt, beweist eine Mitteilung des Professors Rubner. wonach 1865 in H a d e r s l e b e n durch ein einziges Schwein 337 Erkrankungen und 101 Todesfälle herbeigeführt worden sind, in den 70er Jahren in Linden durch ein Schwein 497 Er» trankungcn und 65, Todesfälle. Herr Dr. Dröscher aber wird den Vorwurf der Oberflächlichkeit hoffentlich einschränken, nachdem ich ihm nachgewiesen habe, daß dieser Vorwurf nicht nur mich, sondern auch den Grafen Posadowsky treffen müßte.(Sehr gut! bei den Socialdcinokratcn.)— Herr Stauffer nieinte, wir wollten die klein- bäuerliche Bevölkcrnng des Südens gegen den Großgrundbesitz des Nordens erregen. DaS werden Sie(nach rechts) schon selbst besorgen. Die Kleinbauern werden einsehen, daß ihre Interessen keineswegs solidarisch sind mit denen des Großgrundbesitzes. Die klein- bäuerlichen Viehzüchter brauchen billige Futter- mittel, der Großgrundbesitz verlangt hohe Zölle auf Futtermittel. Eines Tages muß dieser Zwiespalt der agrarischen Natur zum Durchbruch kommen. Wir wollen die hygienischen Bestimmungen bcS Fleisch» beschau-Gesetzes aufrechterhalten, die Bestimmungen aber, die nichts taugen, so schnell ivie möglich beseitigt wissen. Möge der Bundesrat dazu alsbald die Initiative ergreife«. (Beifall bei den Socialdemokratcn.) Abg. Gothcin(fts. Vg.): Meine politischen Freunde sind stets mit der Sperrimg der Grenzen gegen ausländische Vieheiiistchr einvet» standen gewesen, wo wirNich Sciutym im Auslände bestanden. Aber wir haben uns stets dagegen erklärt, das; man unier dem Vor- wände, einen Schutz gegen ausländische Seuchen nötig zu haben, toeiter bezweckt als eine Knappheit des inländischen Viehbestandes und damit eine Steigern»« der Fleischprrise. Ganz unsinnig ist Kontingen tlerung der Schweine-Ein- Diese Kontingentierung hat »n Verbindung mit einem Schlächterring die Schweinefleisch- preise ganz außerordentlich verteuert. Ganz ähnlich ist man za verfahren bei� der Erschwerung der Einfuhr von dänischem Rindvieh Ivcgcn angeblicher Tnbcr- kulose._ In Deutschland darf auch tuberkulöses Vieh unter Ausscheidung der infizierten Teile ruhig zu Schlachtzwecken verwendet werden I Wir haben nichts gegen eiuei, Schutz des Konsumenten vor ungesundem Fleisch, aber viel mehr wird seine Gesundheit noch geschädigt, wenn man ihm möglichst wenig Fleischgenuß ermöglicht. (Sehr richtig I links.) Ueber das Büchsenfleisch habe ich gerade jetzt em interejsantes Material. Im Jahrbuch der Deutschen Landwirt- schafts-Gesellschaft für 1903 teilt Prof. Lchlnnnn-Görtinqeit mit. daß von W dentschen Büchsenflcisch-Probc», die auf der vorjährigen Ijindwirtschastlichen Ausstellung in Hannover ausgestellt waren sich 20 als vollständig verdorben erwieseir haben! Kein einziges deutsches Büchsenfleisch habe sich als gut genug erwiesen, d-'s amerikanische Corned bccf zu ersetzen. Infolge dessen hatten die Ehrenpreise des Reichs-Marineamts nicht verliehen werden tonnen.(Hört I hört I links.) Das Streben müsse auf die Erzeugung einen deutschen Büchsenfleisches„von den Eigenschaften des amcrika- Nischen" gerichtet sein.(Hört I hört I links.) Das ist ein sehr wert- volles Zugeständnis. Verbilligen Sie(nach rechts) die Fleischproduktion schaffen Sie d,e hohen Einfuhrzölle ab und sorgen Sie dafür, daß auch die ärmere Bevölkerung uuSgiebig am Flcischgenntz teilnehmen taun!(Beifall lmks.) � Abg. Dr. Hermes(frs. Vp.): Ich habe zunächst zu erklären, daß die Anschauungen, die Abg. S a r t o r i u s vorhin vorgetragen hat, nicht überall den Ansichten meiner Freunde entsprechen und daher mir als persönliche angesehen werden können.— Redner wünscht, daß die wissenschaftlichen Forderungen des Reichs-GesundheitSamtes sich erstrecken mögen auf Protozoen und einzellige Blutparasiten, die Wechselfieber. Texasfiebcr. Malaria und Dysenterie hervorrufen. Abg. Dr. Leonhardt(fts. Vp.): Dadurch, daß das amerikauische Büchsenfleisch nicht mehr eingeführt(werden darf, wird unsre Marine schwer geschädigt. Gerade durch die Ernährung mit amerikanischen Konserven gelang es ftüher, den Skorbut unter den Marinemannschaften zu bekämpfen. Das Fleischbeschan-Gesetz wird es verschulden, daß diese Krankheit jetzt wieder um sich greift.— Eine Regelung des Apothekenwesens wird sich nicht umgehen lasten. Eine Ver- staatlichung fteilich wünschen wir nicht. Wünschenswert wäre dagegen eine Ablösung der enorm gestiegenen Apothekenwerte durch amortisier- bare Renten seitens des Staates. Wir haben in den letzten Jahren wiederholt Fälle von Pest gehabt, noch kürzlich ist in Hamburg durch Ratten eingeschleppte Pest konstatiert worden. Am besten wird der Pest ja entgegengewirkt durch Verbrennung der Pestleichen. Dies führt mich zur Frage der F e u e r b e st a t t u n g. Wir wissen ja, daß hier große Widerstände, die nicht auf hygienischem Gebiet liegen, zu überwinden sind(Sehr wahr! links), aber wir sollten doch dem Beispiel andrer Länder, wie Frankreich und England, folgen, die längst die fakultative Feuerbestattung eingeführt haben. Abg. Horn-Sachsen(Soc.): Ich habe mich gestern sehr gefteut, auS dem Munde des Herrn Staatssekretärs zu erfahren, daß er bereit ist, Untersuchungen über die Ansteckungsgefahr in den Glas- Hütten anstellen zu lasten. Graf Könitz ivies darauf hin, daß bereits vielfach mechanische Glasbläsereien beständen und meinte, dadurch würde die Gefahr der Ansteckung beseitigt. Wenn ich so verfahren wollte, wie feine Freunde meinem Genossen Scheidemann gegenüber, so würde ich sagen, er versteht nichts von der Glasbläserei. Ich sage aber nur, daß er sich in dieser Annahme irrt. Graf Könitz meinte auch, er glaube nicht, daß noch jetzt Kinder unter 14 Jahren in Glashütten beschäftigt würden. Ich glaube nicht, daß Herr Graf Kamtz sich die Statistik der Gewerbe- Inspektoren angesehen hat. die neulich erschienen ist. Danach sind in tz22 deutschen Glashütten zusammen 79 Kinder unter 14 Jahren be- schäftigt,(Hört I hört I bei den Socialdemokraten.) darunter 49 Mädchen. Uebrigens ist von den Inspektoren nur ein kleiner Prozentsatz der Glashütten überhaupt kontrolliert worden, so daß die Zahl der beschäftigten Kinder unter 14 Jahren wahrscheinlich eine weit größere ist. Eine Industrie, die sich so auf die Kinderausbeutung stützt, hat nach unsrer Meinung keinen Anspruch auf Schutz durch Zölle. (Bravo I bei den Socialdemokraten.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Es sind gestern die Maß- regeln der preußischen Regierung gegen die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche angegriffen ivorden. Will man die Seuche sorgsam bekämpfen, so muß man mit nachdrücklichster Strenge vorgehen. Die preußische Regierung hat in der Bekämpfung der Seuche auch durchaus Erfolg gehabt. Wenn ein Tierarzt in der That so vorgegangen ist, wie Herr Paasche erzählte, daß er, ohne sefti Schuhwerk zu wechseln, von einem verseuchten Stall in einen andren gegangen ist, so wäre das allerdings eine starke Pflicht- Verletzung. Es ist die Frage des Honigs berührt worden. Auch mir ist bekannt, daß sehr viel Kunsthonig verkauft wird. Die Gastwirte selbst behaupten nicht, daß sie nur Naturhonig ver- kaufen. Ich entsinne mich, daß im Bundesrat einmal Proben von Natur- und Kunsthonig vorlagen. Es war aber nicht möglich, sie zu unterscheiden. Um den zu bestrafen, der Kunsthonig als Natur- Honig verkauft, brauchen wir kein besonderes Gesetz, das wäre schon heute möglich, aber es giebt noch keine sichere che niische Analyse für Honig. Um das Fleischbeschau- Gesetz abzuändern, liegen noch nicht genügende Er- fahrungen vor. Richtig ist, daß die Einfuhr von gewissen Fleisch- sorten zurückgegangen ist. Aber es wäre gewagt, daraus schon einen Schluß zu ziehen auf die Wirksamkeit des Fleischbeschau-Gesetzes. Es kann dies auch mit Mißeniten in Amerika zusammenhängen. Todesfälle an Pest haben wir leider Gottes noch zu verzeichnen. Die Leichen werden aber nicht verbrannt, sondern chemisch vernichtet. Aus den einzelnen Pestsällen aber eine Berechtigung für die fakultative Feuer- bestattung herzuleiten, halte ich nicht für richtig. Das würde einen zu großen Widerstand in den Gefühlen der Bevölkerung erregen. (Widerspruch links.) Abg. Dr. Lucas(natl.): Ich will keineswegs leugnen, daß manches für die Beaufsichtigung der Hausschlachtungen spricht? andrerseits aber belasten sie den kleinen Landwirt, den ländliche» Gewerbetreibenden und Jndustrie-Arbciter. Da ist eine principielle Entscheidung, ein Reichsgesetz notwendig. Wir in Hessen-Nassau ver- langen kein Privileg, nur Gleichberechtigung.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich möchte nur eine sitmerkung deS Vorredners richtigstellen. Durch das Fleischbeschau-Gesetz ist nichts Neues in Bezug auf die Hausschlachtungcn eingeführt worden. Es ist den Landesregierungen nicht das Recht gegeben, sondern nur ge- lassen worden, den Beschauzwang einzuführe», was einige Regierungen seitdem schon gethan haben— und da, wo er bestand, ist er auf- recht erhalten worden.(Abg. Dr. Lukas ruft: Aber die Gebühren!) Das kann die Landesregierung machen, wie sie will. Sie kann jederzeit auf sie verzichten. Aber der'preußische Finanzminister wird dazu schwerlich geneigt sein.(Heiterkeit.) Dem Abg. Horn möchte ich crividcni, daß meines Wissens durch Polizeiverordnungen Kinder unter 14 Jahren von der Arbeit in Glashütten, soweit sie gefährlich ist, ausgeschlossen sind. Ihre Be- fchäftigung beschränkt sich heute vorzugsweise auf Verpacken. Wenn aber überhaupt Kinder unter 14 Jahren beschäftigt werden, so jeden- falls nicht schulpflichtige. Die dürfen überhaupt nicht beschäftigt werden. Abg. Frhr. Hey! zu Herrnsheim(natl.) weist auf die Ver- unreinigung des Rheins durch Fäkalien hin. Dadurch wird ins- besondere die Gefahr der Verbreitung von Typhus- und Cholera- Bazillen vermehrt. Leider hat sich der sodaldemotratische Abgeordnete für Mamcheim, Dreesbach, seiner Zeit dafür ausgesprochen, daß Mannheim seine Fäkalien in den Rhein abführen dürfe. Auf seine Autorität hin scheint die Reichsregimmg die Genehmigung dazu erteilt zu haben. Staatssekretär Graf Posadowsky: Eine Genehmigung ist der Stadt Mannheim seitens des Reiches nicht erteilt worden, sondern das Reichs-Gesundheitsamt hat nach eingehenden Untersuchungen ein Gutachten dahin abgegeben, daß die Absuhr der Mann- heimer Abwässer in den Rhein unter Beobachtung einer großen Anzahl von Vorsichtsmaßregeln zu sanitären Bedenken keinen Anlaß biete. Das Rieselfeld- System, das an sich natürlich vorzuziehen ist, ist bei Mannheim unmöglich, weil die Mannheimer bei ihrem Trinkwasser auf Grundwasser augewiesen sind. Abg. Schweickhardt(südd. Vp.) schließt sich dem Verlangen nach einem Verbot des freihändigen Verkaufs von konzentrierter Essig- säure an. Abg. Dr. Wolff(Wirtsch. Vg.) polemisiert gegen die Abgg. Scheidemann und Gothein. Die deutsche Viehzucht muß aus- reichend vor der Einschleppung von Seuchen aus dem Auslande geschützt werden. Das Fleischbeschau-Gesetz muß in dieser Richtung verschärft werden. Gegenüber dem Abgeordneten Sartorius möchte ich bemerken, daß es das gute Recht der Winzergenossenschaften ist, Weinhandel zu betreiben. � Abg. Hue(Soc.): Vor 2 V., Jahren brach in Gelsenkirchen eine Typhu s-Epideniie aus. die über 3000 Erkrankungen und über 300 Todesfälle verursachte. Es sind damals von der Staalsrcgierung alle Maßnahmen getroffen worden, um die Seuche so schnell als möglich zu beseitigen. Als Grund der Seuche wurde nach langen Untersuchungen eine geradezu frivole Beruiircinitung des Trink- waffers festgestellt. Bei einer unerwarteten Kontrolle der Wasserwerke mußten die Leiter dieser Werke mgcben, daß von einem Brunnen auf der rechten Seite der Ruhr von altersher ein Rohr direkt in die Ruhr führte und daß dies Rohr erst ganz kürzlich beseitigt worden ist. Die Herren mußten eingestehen, daß sie in geradezu unverantwortlicher Weise das Schmutz- wasser aus der Ruhr direkt in die Wasserleitung geleitet hatten. Eine Untersuchung wegen dieser Ungeheuerlichkeit ist ein- geleitet worden. Von M o» a t z u Monat warten die durch die Seuche geschädigten Bürger und Arbeiter auf die Eni- scheidnng, wer de»» i» letzter Linie die Epidemie verschuldet habe. Es liegt die Gefahr vor, daß bei einem weiteren Hinaus- schleppen der Entscheidung die Entschädigungsansprüche verjähren und die Gerichte erklären, man habe seine Ansprüche früher vorbringen müssen, iveil man habe voraussehen können, daß die Wasserwerke für ersatzpflichtig erklärt werden würden. Ich bitte um Auskunft, ob die Untersuchungen zu Ende geführt sind und ob das Untersuchungsresultat der Staatsanwaltschaft übergeben ist. Der Oberbürger m ei st er von Gelsen kirchen versuchte im vorigen Jahre auf dem Provinziallandtag von Westfalen, das Wasserwerk reinzuwaschen. Er sitzt selb st im Aufsichts rat dieses Werkes. Ich will daraus keinen Schluß ziehen, möchte aber zur Erwägung geben, ob derartige Aufsichtsratsstellunaen von Kommunalbeamten angezeigt sind. Das Wasserwerk hat aber sehr hohe Dividenden verteilt, wäre also in der Lage, die Entschädigungen zu leisten.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Präsident des Reichs-Gesundheitsaintes Dr. Köhler: Die Epidemie in Gelscnkirchen ist vom Reichs-Gesundheitsamt mit Aufmerksamkeit verfolgt worden. Ueber die Einzelheiten der Untersuchung kann ich keine Mitteilungen machen, da sie noch nicht abgeschlossen ist. Im übrigen liegen die Akten bei den preußischen Behörden, an die sich die Interessenten zu wenden hätten. Abg. Gnmp(Rp.); Die Entschuldigung des Herrn Gothein, daß unsre Marineverwaltung den Mannschaften kein gleichwertiges Fleisch als Ersatz für das Corned bcef zu geben in der Lage sei, ist un- erhört. Ebenso falsch ist die Behauptung des Herrn Abg. Leonhardt, daß der Skorbut auf den Genuß deutschen Pökelfleisches zurück- zuführen sei. Abg. Singer(Soc.): Herr Hehl zu Hörnsheim hat bei seiner Bemerfimg über die Abstimmung unsres Genossen Dreesbach unter- lasse», darauf hinzuweisen, daß die Fraktion seiner Zeit entgegen diesen Ausführungen für den Antrag Heyl gestimmt hat. Seine Ausführungen konnten den Verdacht erwecken, als wenn die social- demokratische Fraktion sich eines Widerspruchs in dieser Beziehung schuldig gemacht hätte. Um dieser Möglichkeit vorzubeugen. stelle ich fest, daß Dreesbach damals mit den Worten seine Rede begonnen hat:„Ich muß zunächst erklären, daß ich weder im Namen noch im Aufttage meiner Fraktion, sondern für mich allein namens der Stadt Mannheim spreche." Er hat dann ausgeführt, daß er seine Stellung gegen den Antrag Heyl wesentlich aus der Begründung dieses Antrages gefolgert habe. Unsre Stellung ist von Anfang an die gewesen, daß wir es für wünschenswert halten, daß die Verunreinigung der Flüsse durch Fäkalien vorgebeugt werde.(Sehr richtig! bei den Socialdemo- traten.) Abg. Dr. Wnllau(natl.): Gerade das haben ich und meine Parteigenossen im Gegensatz zum Abg. Gothein immer bedauert, daß das Seuchenabkommen mit Oestreich-Ungarn uns nur dann zur Sperrung der Grenzen ermächtigt, wenn ein Fall der Einschleppung der Seuche festgestellt, d. h. also, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Im letzten Absatz dieses Seucheiiabkornmens ist beslinimt, daß es nur im Zusammenhang mit dein Abschluß neuer Handelsverträge geändert werden kann. Abg. Gothein(frs. Vg.) bestreitet, der Marineverwaltung den Vorwurf gemacht zu haben, daß sie minderwertiges Fleisch für die Marinesoldaten einkaufe. Ich habe im Gegenteil ausgeführt, daß sie gezwungen ist, im Ausland gutes amerikanisches Corned beef zu kaufen. Wir können ja den Staatssekretär des Reichs- Marincamts darüber befragen. Aber dem Abg. Wallau gegenüber bemerke ich, daß es mir nur darauf angekommen ist, zu zeigen, daß mit den russischen Handelsverträgen eine solche Seuchen-Konvention nicht abgeschlossen ist. Damit schließt die Beratung des Kapitels„Reichs-Gesundheits- amt". Persönlich bemerkt Abg. Dröschcr(k.): Herr Scheidemann hat mir Oberflächlichkeit und Mangel an Logik vorgeworfen, er hat zwei auf verschiedene Punkte bezügliche Sätze meiner Rede herausgegriffen und kombiniert. Ich habe in Wirklichkeit gesagt:„In dieser Allgemeinheit ist die Behaupttnig vom Rückgang des Fleischkonsums falsch" und habe nachher von der Abnahme des Fleischkonsums in den Industrie- gegeudcn gesprochen. Abg. Graf Rcventlow(Antis.): Herr Scheidemann hat meinen gestrigen Ausführungen einen Sinn unterlegt, der an sich nicht darin gefunden werden konnte, gette« dem von ihm aufgestellten Grundsatz, daß man in den Reden der Gegner zwischen den Zeilen lesen müßte. Er hat mir die Absicht unterstellt, das Vieh lieber zu töten als der Not damit abzuhelfen. Er hat auch die Wendung,„wenn es sich auch nur um Dienstboten handelt" den Anschein erwecken wollen, als ob ich eine hygienische Frage anders behandle, wenn es sich um arme Leute handelt. Er hat sich ferner die Aeußerung er- laubt,„wenn Sie es ehrlich meinen". Ich enthalte mich einer Charakterisierung aller dieser Acußerungen hier im Hause. Außerhalb dieser Häuser würde ich sagen,„es ist eine unehrliche Handlungsweise". Präsident Graf Ballestreui: Wegen dieses Ausdrucks rufe ich Sie zur Ordnuug, Herr Abgeordneter Graf Rcventlow.(Große Heiterkeit.) Abg. Gnnip(Rp.): Ich bezweifle, daß der Abg. Gothein nur vom Kauf anSlvärtigeii Pökelfleisches im Auslände gesprochen hat. Nun, beim Marineamt sehen wir uns wieder.(Große Heiterkeit.) Abg. Scheidemann(Soc.): Ich kann nicht wissen, was Herr Dröscher hat sagen wolle n. Ich habe w ö r t l ich nach dem, wie er mir gesagt hat. von ihm selbst herrührenden Bericht der„Kreuz-Ztg." citiert. Gegenüber dem Grafen Reventlow halte ich vollkommen aufrecht, was ich über ihn gesagt habe. Seine Aeußerung über das Verwenden der Schweine zur Seifenfabrikation war in der That höchst charakteristisch für die kapitalistische Wettordnung. In Bezug auf die unehrliche Handlungsweise Präsident Graf Ballestrem(unterbrechend): Das habe ich gerügt, darüber dürfen Sie jetzt nicht mehr sprechen. Abg. Scheidemann(Soc.) fortfahrend: Ich will Ihnen nicht in? Handwerk pfuschen, ich will nur sagen, außerhalb des Hauses würde ich es ablehnen, mit dem Grafen Reventlow zu diskutieren.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Abg. Graf Reventlow(Antis.): Herrn Scheidemann will ich nur mit der kurzen Bemerkung antworten, daß ich mir heute keinen zweiten Ordnungsruf zuziehen möchte.(Große Heiterkeit.) Danach vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr.-(Erste und zweite Lesung der Reichsjchulden-Ordiwng, Fortsetzung der Etatsberatung.) Schluß ö'/j Uhr. Hbcfeordnetenbaua* 15. Sitzung, Mittwoch, den 19. Februar 1904, 11 Uhr. Am Ministertische: v. P o d b i e l s k i. Die zweite Beratung des Etats der landwirtschaftlichen Ver- waltung wird fortgesetzt. Beim Kapitel Ällge meine Ausgaben werden zu „ I a n d lv i r t s ch a f t l i ch- p o l i z e i l i ch e n Zwecken" 350 000 M. verlangt. Abg. Kuntze(k.) empfiehlt folgenden Antrag:_ Die Staatsregierung möge noch in dieser Session einen Gesetzentwurf vor- legen dahin, 1. daß auch derjenige Arbeitgeber besttaft wirty welcher Gesinde oder landwirtschaftliche Arbeiter, von denen er weiß oder annehmen muß, daß sie noch einem andren Arbeitgeber verpflichtet sind, in Dienst nimmt und behält sofern nicht vier Wochen seit der unrecht- mäßigen Lösung des Dienstverhältnisses verstrichen sind, 2. daß' ferner derjenige bestraft wird, der die Arbcitsvennittelung für solche Arbeiter oder Gesinde übernimmt, 3. daß derjenige bestraft wird, der solche Arbeiter verleitet widerrechtlich einen Dienst nicht anzutteten, vorzeitig zu verlassen oder die vertragsmäßige Arbeit niederzulegen. Dem Kontraktbruch der ländlichen Arbeiter, der durch die ver- hetzende Thätigkcit der Socialdcmokratir immer häufiger wird, muß mit allen Mitteln begegnet werden. Der Antrag will die Arbeiter nicht schädigen, er will auch die Freizügigkeit nicht wegräumen. Er will nur die sogenannten Zugvögel, die Radaubrüder unter den ländlichen Arbeitern, welche ihre ruhigen Arbeitsgenost'cn zum Äontraktbruch verleiten und die gewissenlosen Agenten treffen. Ich bitte Sie. dem Antrag zuzustimmen und erwarte, daß die Regierung endlich die in Aussicht gestellte Vorlage einbringt.(Lebhaftes Bravo I rechts.) Abg. Hofmann(natl.) spricht sich für den Antrag aus. Seine Ausführungen bleiben bei der herrschenden Unruhe im einzelnen auf der Tribüne unverständlich. Abg. Dr. Goldschmidt(frs. Vp.): Die grundsätzlich ablehnende Stellung meiner Freunde zu diesem Antrage hat mein Freund Dr. Max Hirsch am letzten Donnerstag bereits dargelegt. Die Ver- letzung des Vcrtragsverhältnisses gehört zum bürgerlichen Recht, nicht zum Strafrccht, das ist allgemeiner Grundsatz unsres Rechtssystems, der insbesondere auch im Arbeitsverhältnis bisher auftechterhalten ivorden ist. Ich hoffe, daß meine Kollegen vom Centrum, die ja im Reichstage, Ivo es auf die Stimmen der Arbeiter für sie ankommt, immer so entschieden für das Koalitionsrecht der Arbeiter eintreten, sich auch hier gegen diesen Antrag erklären werden. Würden sie ihm zustimmen, so würden sie dadurch den Zustand, der durch das Gesetz von 1854 für die ländlichen Arbeiter geschaffen ist, verewigen. Herr Kuntze hat die landwirtschaftlichen Arbeiter hingestellt, als wären sie nichts andres als ganz gemeines Gesindel.(Widerspruch rechts.) Er hat gesagt:„Was machen sich die Leute daraus, wenn sie einmal eingesperrt werden, sie sitzen ganz gern, weil sie da zu essen be« kommen, ohne zu arbeiten."(Hört! hört! links.) Ich muß dagegen protestieren. daß mau die ländlichen Arbeiter so tief einschätzt. (Lebhafter Beifall links.) Abg. Rcinecke(fk.) spricht sich für den Antrag auS. Abg. v. Hcydebrandt und der Lasa(k.): Gegenüber Herrn Goldschmidt stelle ich fest, daß Herr Kuntze gesagt hat:„Die Mehrzahl unsrer ländlichen Arbeiter und des Ge- sindes steht Gott sei Dank noch durchaus aus dem Boden, daß be- stehende Verträge hoch zu halten sind. Aber wir haben auch wohl noch junge Leute hier und da, die wie die Zugvögel von einem zum andren Orte ziehen, und da kommen allerdings ausnahmsweise wohl bedauerliche Erscheinungen vor, die wir bekämpfen wollen." Das ist genau das Gegenteil von dem, was Herr Goldschmidt hier als Aeußerung des Herrn Kuntze anführte, und ich muß ihn schon er- suchen, etwas vorsichtiger in solchen Angriffen zu sein.(Sehr richttg! rechts.) Herr Hofmann will den Arbeiter nicht bestrast haben, der einen andren zum Kontraktbruch verleitet. Ich verstehe es nicht, warum Arbeiter besser gestellt sei» sollen als alle andren Bürger. Jeder, der Treu»lid Glniiben bricht, muß, ob er Arbeitgeber oder Arbeiter sei. bestraft werden.(Sehr richtig! rechts.) Der Grundfehler des Herrn Goldschmidt ist, daß er die Verhältnisse der ländlichen und indu« stticllcn Arbeiter gleich stellt. Es handelt sich bei den ländlichen Arbeitern um die Ernährung unsres Volkes, deren Produttion sicher- gestellt werden muß. Da liegt ein allgemeines, ein öffentliches Interesse vor.(Sehr richtig! rechts.) Wenn Sie(nach links) für die gewerblichen Arbeiter ebenfalls die Bestrafung des Kontraktbruches verlangen, so werden wir die erste» sein, die Ihnen znstimmen. Wir wollen, daß die Vergiftung des Verhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeiter, die besonders da entsteht, Ivo Verträge mißachtet werden, aufhört. Die Heiligkeit der Verträge muß anerkannt werden. Nicht Macht soll vor Recht gehen. Noch leben wir in einem Rechts- staat. Wer noch für Recht und Gesetz Sinn und Verständnis hat, den müßten wir bei unserm Vorgehen auf unsrer Seite haben. (Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. Herold(C.): Wir messen unsre Entscheidung nicht nach dem Wahlrecht, sondenr nach dem was wir für recht und billig halten, daher werden wir auch stets im Landtag dieselbe Stellung einnehmen wie im Reichs- tag. Die Verhältnisse in Industrie und Landwirtschaft sind wesentlich verschieden. Die Verträge der ländlichen Arbeiter werden auf lange Zeit abgeschlossen? daher ist ein Streik kaum möglich ohne Kontraktbruch und wenn dieser straflos gelassen wird, so liegt darin ein direkter Anreiz zum Streik. Daß dieses Haus für das Koalitionsrecht der ländlichen Arbeiter zu haben ist, ist ausgeschlossen. Die Tendenz geht vielmehr nach einer Verschärfung des Gesetzes von 1854. Einer solchen Ver- sckärfung werden wir uns aber stets entgegenstellen, wenn auch eine Abschwächung jenes Gesetzes in diesem Hause nicht zu erreichen ist. Dem Grnildgcdniiken des vorliegenden Antrages stimmen wir zu. Auf die Einzelheiten der Fassung, die zum Teil inangelhaft ist, ein- zugehen, hat keinen Zweck, da er ja nur eine Anregung an die Regierung bedeutet.(Bravo! im Centrum.) Abg. Klose« c V ä II Z--« Mfb bedeckt Schnee bedeckt 4wolkenl —2t —12 L Wetter-Prognose für Donnerstag, den 11. Februar 1904. Zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und leb- hasten ivestlichcn Winden; Temperatur wenig veränderlich. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Übeater. Donnerstag, 11. Februar. Ansang VI, Uhr: Neues Königl. Oper»- Theater. Tannhäuscr und der Sängerkrieg auf Wattburg. Schauspielhaus. König Heinrich der Fäuste. Deutsches. Novella d'Andrea. Berliner. Maria Theresia. Lessing. Zapsenstteich. Westen. Die schöne Helena. Neues. Minna von Barnhelm. Residenz. Der keusche Casimir. Vor- her: Die Empsehlung. Central. Das Schwalbennest Belle- Allianee. Guido Thielschcr als Hochtourist Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner. Theater.) König Lear. Schiller X.(Fttedttch-Wilhelmstädt.) Die Kinder der Excellcnz. Luisen. Der Vcilchenftcsser. Thalia. Gastspiel Jsadora Duncan. Kleines. Elektra. Trianon. Madame Z. Carl Weih. Der Alle kommt. NachmlltagS 4 Uhr: Wilhelm Tcll. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Deutsch-Amerikanisches. Uebcr'i, großen Teich. Easino. Wie einst im Mai. Bade- kuren. Reichshallen. Stcttiner Sänger. Gebr. Hcrrnfcld. Nur eine Nacht. Passage- Theater. To-To. Fred Elawi. Specialitäten. Ans. 5 Uhr. Apollo. Frühlmgslust. Blüten- Hochzeit. Specialitäten. Winter-Gartcn. Lleo äs ölöroäe. Specialitäten. Urania. Taubcustrahe 48/49. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Im Hörsaal: Dr. P. Schwahn: „Wirkungen des Wassers und des Windes." 8 Uhr. Jnvnlidenstrahe 67/62. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Ui'snis. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Der Erdball als Träger des Lebens. Hörsaal 8 Uhr; Dr. P. Schwahn; „Wirkungen des Wassers und des Windes." Sternwarte CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Ein Naturwunder: Die bildschönen Herkules- Brüder Der Indianer-Kiese Kiitnko Karoo. sr & I Direktion: Robert Dill. BranncnistvaHse 10. tirosse Extpa-Vorstcllang. 6raf Sssex. Ansang 8 Uhr. Entrcc 30 Ps. Ball. Freitag: K e a n oder: Genie und Leidenschaft! Luisen-Theater. SlbendS 8 Uhr: Dkl BcildstlifMtt. Freitag: Opern- Gastspiel: Der Trompeter von Säkkingen. Sonnabend: Die relegierten Stu- denten. Sonntagnachmittag: Die Waise aus Lowood. Abends zum erstenmal: Minna von Barnhelm. Montag: Der Veilchcnsresser. tzoIIo-Mes. 8 Uhr: Frühlingsluft ■Bauer Blütenhoclizeit. Q'/a— 1' Uhr: Das glänzende Februar-Programm. Robert Steidl gpS •lowcaryn, Akrobaten. örci Zagas, Luftakt. Morris Cronin, Jongleur-Akt. Martin Kettner, Humorist. Legays, französische Tänzer. Messlers Kosmograph. Neue Bilder. m Nordini??? Sonntagnachm. 3 Uhr ermässigte Preise: Lyslatrata. Rkslbkn; Thkllter Direktion S. Lautenburg. Abends VI, Uhr: Die Empfehlung. Abends 8 Uhr: Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Minna von Barnhelm. Anfang VI, Uhr. Morgen: Schwester Beatrix. Der Scblacbtenlenker. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Elektra. Ansang 8 Uhr. Morgen: Xaciitasz-I. Deutseh-Amerikanisehes Theater. Heute: Zum 119. Male: Köpnickerstrasse 67. Anfang 8 Uhr. Endo 10 Uhr 30 Min. GASTSPIEL Ad. Philipp. Uobern grossen TEICH. Trianon-Theater. Georgenstraße, zwischen Friedrich- und Uiiiversttätsstruße. Madame I. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachmittag:„Biscotte." Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 71/.,. Das bttll. neue Februar-Programm. Dazu nur noch einige Tage: Badekuren.— Wie einst im Mai. Sonntagnachmittag 4 Uhr: stelel Klinpebusch. Central-Theater. Täglich VI, Uhr: Das Schwalbennest. Operette tn 3 Akten v. M. Ordonneau. Musik von Henry. Herblay. Sonnabendnachm. 4 Uhr: Halbe Preise. Jeder Erwachsene ein Kind mit einem Extraplatz frei: Der gestiefelte Kater. Metropol-Theater DnrtliHI RaiscHen! Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonnabend, den 13. Februar er.: Zum lOO. Male: DurclilauehtRadieschen. Carl Weiss-Thealer. Grostc Frankfurter Straffe 138. Nur zwei Aufführungen. Ilse Römer. Schauspiel in 6 Bildern nach Roman von Elsbeth Borchart Ernst Ritterseldt. fUf Ansang 8 Uhr."WsZ Morgen: Ilse Körner. dem von fröbels Allerlei-Iveater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Gastspiel der Freien Vereinigung für Littcratur und Kunst. Gespenster. Familiendrama in 3 Akten. Nach der Vorstellung: lEi-vilantn. Ansang 8 Uhr. Eintritt SO Ps. i IX. Berliner Saison. Cirkus Büsch. Gala- Abend.-MA Nur noch einige Mal: Die offene Schleife des Monsieur Satan aus Paris. 8 Meter Sprung. Xnr noch knrzc Zeit! Wnnder- Hres�nr des Mr. Richard Sawade mit seinen wilden Königstigern. Die 16 Hengste des Dir. Busoh. Eine Hirschjagd, ger. von 20 Voll- und Halbblutpferden. Frl. Martha Mohnke, Schulreiterin. Mlle. de Holstein, Schulreiterin. Herr Burkhard!- Footti! aus Neapolitano Soja. Zum Schluß zum S1. Male: Aus den Alpen. B e m e r I e n s>v e r t: Oer)Zutomobilstur2. Stei(i!-/&Jlieater Linien- Strasse 132 Oranienburger Thor. __' Riesenerfolg k"__ Das temt DateriMs. Dramolet von Fritz Steidl. Bollftändtg neues Programm. Xonigstsüt-Xssino Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Täglich: Ifi-an» Mobanskl. Die neuen specialitäten mit Hedsvla Döring. um Schluß die Ngtatht» Gcsangspoffe U"! PvillMC. _?lach der Vorstellung: Mittwochs, Sonnabends u. Sonntags: Tanz, Thalia-Theater. Belle-illianee-Theater. Dresdenerstr. 72/73. Amt IV 4449. Direktion Jean Kren Heute Donnerstag: Gastspiel Isadora Duncan. Freitag und folgende Tage: CM Thielseiisr als Hoehtourist Bellc-Allianceftr. 7/8. Aint VI 283. und Alfred Schörfeld. Heute Donnerstag, abends Uhr: Güiilo Tliielseler als Hoeliteurist. Freitag und folgende Tage: Götterweiber. Der eirkus Sßliumatin. Scnte Donnerstag, den 11. Februar, abends?>/, Uhr: $9* Nur kurzes Gastspiel.-MS Sßt" Einzig und allein dastehendes gröfites V Naturwunder der Jet/tzrit. KKimpanse.- eonsul. _ Die grüfitc Sehenswürdigkeit. IM- SS."Löwen"MD wunderbar dressiert von Herrn Jiilins Seeth. F S«rosse Ansstattanse- 1*3 JH wt t» las Pantomime. kUne Wandern»e durch 8 Jahrtanncnde MMKSMMSMSMOMUM Freie Volksbühne. Sonntag, den 14, Februar, nachm. 2'/� Uhr: UletFopol- Theater 1 .3,/4. Abteilung: 228/B Kiesslne- Theater 8.(9. Abteilung: Jtöedea. Ier Stfeitieidbaucr. Der Vorstand. T. A.: O. Winkler. Sleue freie Volksbühne. Die Februar-Vorstellungen finden für alle fünf Abteilungen im Zieiiei» Theater statt. Zur Ausführung gelangt: S& Rosmcrsholm& Schauspiel von Henrik Ibsen. Einige Mitglieder zur V. Abteilung können noch aufgenommen werden. Das Einschreibegeld beträgt 1 M,, der monatliche Vorstcllungs- beitrag 80 Pf. Sonnabend, den 13. Februar, abends 8 Uhr, im Theatersaale der Königlichen Hochachule dir Musik, Fasancnstrabc), Portal V: fritz Reuter-Hbend* Vorlesung a»Z Fritz ReutcrS Werken von Herrn August Junkermann, kgl. Württemberg. Hosschauspieler a. D. WM- Sonntag, den 14. Februar, nachmittags'1,3 Uhr:-MA Ex.tra- Vorstellung im Schiller• Theater O.: Dei* Compagnoiio Lustspiel in 4 Akten von A. L�Arronge. Eintrittskarten für Mitglieder a 72 Pf,, für Gäste a 90 Pf. sind in den Zahlstellen zu haben. 150/3 Der Vorstand. I. 51.: Heinrich Neft, Beteraneiistr, 6. Stadt-Theater Moabit Alt-Meabit 47/49. Donnerstag, den 11. Februar: Bemliäi'il Üose-Thealer-Etiseiiilile. Mit Vergnügen. Schwank in 4 Slltcn v. Moser n. Girndt. Ansang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Sonntag, den 14. Februar i Der Walzerkönig. Hasenheide 13. Donnerstag, den 11. Februar: Kabale nnd Liebe. Bürgerliches Trauerspiel in 5 5lktcn vou Friedrich v. Schiller. Ansang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Palast- Theater Burgstraste 32, früher Feen-Palasi. Heute und folgende Tage 8'/, Uhr: Das Millionenmädel. Im Specialitäicnteil: Signora Erncsto mit ihrem mysteriösen Elefanten. Ulli Fristen, Kojtum-Soubrette. Dsamando und Anni, Lust-Kraftakt. Mr. C. Jörgensen, Mimiker. Les Raifaels, Duo-Landschastsmaler. Ansang 8 Uhr. Entrce 50 Bs. Freitagabend S Uhr: Elite-Bor- stellung: Wilhelm Teil. Schauspiel in 5 Auszüge» v. Fr. v. Schiller. 'öostspicl bedeutender Bühnenkünstler. Vollständig neue Ausstattung. Halbe Kassenpreise. Beiclfts hallen StettinerSänger Zum Schlutz neu: Die Berliner bei den Hereros. Gebrüder Herrnfeld- TiS? Theater. Die auerkaimt ersolgreichste Novität Mr eine Ztacdtl 2 5lkte aus einer Ehe. Komödie von A. und 0. Herrnfeld mit den Prachtfiguren Villi Waldheini... Honst Herrnfeld. Tuschek....... Anton Herrnfeld. Oambitsch...... Ferd. Griinecker. Ferner: Das neue Pcbmar- KUnstler-Programm. Lyrioo- QuarteU, Italienisches Opern- Ensemble. 5 Schwestern Longonells in ihren Orig.-Gesängen u. Tänzen. Marks Freys.— Hilda Stadthagen. Xeti! Xcn! " Sendix" „Idotma Vanna". aSoroevfauj 11—2 Uhr. „Pas de Oeux" getanzt von Sign. Fiorentini u. Sgr. Cerutti. Kaufmann-Truppe Weibl. Hadfahrer. Sisters Houlier Reckturnerinnen. Brothers Oamm Exentric Akrobaten. Paul Batty Dressierte Bären. v Neil und Terp Exoentrios. Sängerin vom k. k. ' prfv. Theater a. d. Wien. Costantino Sernardt In einer Komödie mit 9 Personen v. Bernardi allein dargestellt. Georg Hartmann Zauberkünstler. Aihleta& Brada Kraftproduktion. CICo de Adrode Biograph. Sanssouci. Kottbuser Thor—©tat. der Hochbahn. Donnerstag, Sonntag und Montag: HolTuianns Norddeutsche Sänger. Nach der Soiree: Tanz, Dienstag: Theaterabend. Wochentags: VorzugSkartcn gültig. EenoMnnen! SenolTen! Donnerstag, den 11. Februar, abends Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstrafte 39: Protest-V ersammlunx. Tages-Ordnung: 1/4 1. Vortrag der Genossin Xlsra Zetkin(Stuttgart): Z)er ZüV in Deutschtand voran. 2. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Vertrauensperson. Acht»»«: �Uefcttlencr. Achtung! Da die zum Donncr-Ztag. den 11. Februar, bei Wendt, Königsgraben 14a, von der Freien Bereinigung einberufene Versammlung den Zweck hat, gegen unsre letzte Versammlung zu protestieren, so ersuche ich alle Fliesenleger, die mit den Abmachungen, die mit diesem Verein und den drei Firnien getroffen, nicht einverstanden sind, sämtlich in dieser Versammlung zu erscheinen. Zahlreiches und Pünktliches Erscheinen erwartet I. A.: Der Vertrauensmann der Fliesenleger Deutschlands. 286/4__ Franz Wegner. Passage-Theater. Anlang Sonnt. 3, Wochentags S Uhr. Anfang d. Abendvorstellung 3 Uhr. Die neue Sensation Berlins; T« Ta* der mysteriöse HO H SSz Musiker. Fred Edlawi, d. bosteVenvandlungskünstler, schneller als der Blitz. Madge« Kelly Perry, die reizend. Amerikanerinnen. 14 erstklassige Nummern. Achtmm! Achtung! 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Februar, abends 6 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29, großer Saal: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 4. Quartal 1903. 2. Diskussion über den Rechenschastsbericht des Vorstandes. 3. Neuwahl des GesamtvorstandeS. 4. Gewerkschastliches. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. 105/17 Der Vorstand. eentral-Verband der Dachdecker,-e"''.;. Den Mitgliedern hierdurch zur Kenntnis, dah die Prolokolle vom siebenten VerbandStag in den Zahlstellen in Empfang genommen werden können. Preis desselben 15 Pfennig. 54/2 Ble OrtwvenvaltnHg. I. A.: H. Höppner, Vorsitzender. Aclituiig! EClobCPa Donnerstag, den 11. d. M.. abends 8 Alte Jakobstr. 73 Uhr, bei Feuerstein, Oeffentl. Versammlung. TageS-Ordnung: t..Die Situation in lmsrem Berns und wie verbessern wir dieselbe". 2. Disluffion. DM- Die Kollegen der Werkstätten Martin Otto. Steeger, Haubenreitzer, Helm, Bölligle, Haase, Cohn, Schulz Sobn, Löber, Witt, Minuth, Schley, Gronau. Schwarzer, Kalmbach. Siebert, Achilles, Seisert. Fürstenau, Randow u. Roskq, Winterseld und Knauer sind ganz besonders eingeladen. Erscheinen in der Versammlung ist Ehrensache eines jeden Klebers I 101/2 Der Klnbemfer. Das Grossartigste für jedermann!!! Nach SOtftgiger Probe Ratoumahme! Weim nicht gefällt, Geld sofort retour. �afeken- Kaiscr'Panorama. Grösste Neuheit! Gesetzlicb geschützt! Dieser kleine handliche Apparat, bequem in der Tasche mitzusühren, giebt Bilder wieder, wie solche in den Panoramen gesehen. Die Bilder führen in fremde Länder, in welche man nie kommt, man lernt Gegenden, Städte, berühmte Personen kennen, welche in voller Plastil vor einem stehen und erweitert so den GefichtSlrets und bildet den Geist. Crrext Uberall die grttsste Bewnndernng! Eine Fülle lehrreicher angenehmer Unterhaltung! mit 20 Stück hochinteressanten Bildern. Lieferung gegen Einsendung von 1.60 Mark (auch Briefmarken) frei ins Haus. Urteil eines Kunde»: Mit dem gesandten Zlpparat bin ich sehr zusrieden. 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COHN iHeneRoss-Str.l 19-20. Dem Genossen jtattt QtlSf zu seinem 40. Geburtstage ein dreimal donnerndes Hoch. t657b Die Genossen des Bezirks 189 d. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dah unsre einzige innigstgelicbtc Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Nichte, Enkelin und Frau Anna Mathes 9* Rott am 9. d. M., früh 8 Uhr, nach kurzem aber schwerem Kranken- lager im Alter von 18'/. Jahren sonst entschlafen ist. 1703b Die Beerdigung findet am Frei- ■ tag, den 12. d. Mts., nachmittags 2'/,Uhr vom Trauerhausc Schulze- straffe 37, Pankow, nach dem Kirch- hos am KommunitationSwcg statt. Dieses zeigen tiesbetrübt an U!e trauernden Hinterbliebenen. I. 91.: Karl Rott nebst Frau und Kindern, Straffmanustr. 29. CeDy-MeD-iiMkässel der Zimmerer Deutsehiasiis. (Eingeschr. Hilfskatse No. 2.) Todes-Anzeige. Am Montag, den 8. d. Mts., I den 8. Mitglied. der! verstarb unser Zunmerer ]2uiU Pollex im Alter von 38 Jahren. Die Beerdigung findet am j Freitag, den 12. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause,> Exerzierstraffe 2, aus nach dem l neuen Pauls-Kirchhos in der See- 1 straffe statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht j 259/3 Ber Vorstand. Verein der Zimmerer Berlins u. Umgegend. Todes- Anzeige. Am 8. Februar verstarb unser langjähriges Mitglied, der Kamerad emil Pollex. Ehre feinem Andenken 1 Die Beerdigung findet Freitag. den 12. Februar, nachmittags 2'/, Uhr, vom Trauerhause. Exerzierftraße 2, aus nach den: Pauls-Kirchhoj, Sccstraffe, statt. Um rege Beteiligung ersucht »er Vorstand. Danksagung. Für die vielen Bciveisc herzlicher Tc.lnahmc imd die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unircS lieben, unvergefflichcn Vaters Fevdor Benfe sagen wir allen Bcrwandtc». Freunden und Bekannten unsrcn herzlichen Dank. 1706b Karlshorst. Geschwister Benfe. Danksagung. Für die rege Beteiligung und Kranzspende bei der Beerdigung meines lieben ManncS sag« allen meinen tiesgcsühltcu Dank. 1700b Wilwe Maria Frohmanu. % Soweit Vorrat reiebt: Inventur- flasnahmepreis! KeichgesNcltte ortieren passte f: Die komplette Dekoration (bestehend aus 2 Flügeln nnd 1 Querbehang) in schwerer 035(Wert • 3 16.00) eis(Wert Ö 10.50) »25(Wert ______ 13.50) V* Eine Partie Woll- portieren, 3 Meter lang, mit allerliebster Blumenkante per Shaw!« Mk. 4235L* Teppich-Special-Haus Emil Lefevre, B«r"n oranienstr.158. NacluiuswartsygerNachnahme. Inveatiir-Eitraliste l2rat's i Wag ÄÄr 1.,»». Meme seit 1848 bestehend«, gut gehende �l�lO(ff((itst tocgcn Todes. jalles josort od. l.Slpril zu verpachten. Wwe Hevgebnuer. Kalkbcrgc sMari!. Nr. B5. 21. Jahrgang. 2. KnlM Ks Jimirts" Sttlintt Bolbliliitl. Donuerstag, 11. Februar 1904. Am Grabe Emil Rofenows. Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen pilgerten gestern nachmittag nach dem Schöneberger Gcmeindefriedhof, um dem verblichenen Proletariersohne, dem dahingeschiedenen Kämpfer für das Recht des Volkes die legte Ehre zu erweisen. Kopf an Kops gedrängt füllte die Menge der Leidtragenden die Wege des Friedhofes vom Eingang bis zur Gruft, in ernstem Schweigen des Augenblicks wartend, Ivo der leider zu früh aus ihrer Mitte gerissene Vorkämpfer zur letzten Ruhe bestattet werden sollte. Unter den Tausenden, die, wenn auch von einem gemeinsamen Gedanken bc- scelt, doch jeder für sich als Teilnehmer an der Leichenfeier ge- komuieil waren, weilten die Beauftragten zahlreicher Arbeiter- organisationen. die im Namen von Hunderttausenden, welche nicht persönlich der Feier beiwohnen konnten, Kranz- und Blumenspenden am Sarge des Verstorbenen niederzulegen hatten. Um ihrem Vertreter im Reichstage einen letzten Scheidegrug in die Gruft nachzurufen, waren mehrere Deputationen aus dem 20. sächsischen Reichstags. Wahlkreise erschienen. Außer einer Vertretung des ganzen Wahlkreises, die ein schönes Arrangement von Palmenivcdeln und einen prächtigen Kranz mit sich führte, hatten verschiedene Orte deS Wahlkreises noch besondre Abgesandte mit Kränzen, durch weiße Schleifen ge- schmückt und mit entsprechenden Widmungen versehen, zur Leichenfeier entsandt. Einen ähnlichen Palmenschmuck lvic der 20. sächsische Wahlkreis überbrachte eine Deputation der„BolkSstimtne" in Chemnitz ihrem langjährigen Redakteur und Mitarbeiter. Aber auch andre sächsische Wahlkreise. der IS., der 16., der 17., ferner Dresden. Leipzig-Stadt und Land, sowie das Agitationskomitee in Chemnitz hatten Vertreter und Kranzspenden gesandt. Die Parteigenossen von Köln, der Vaterstadt des Verstorbenen, waren gleichfalls vertreten. Weiter hatten der Parteivorstand, die ReichStags-Fraktion, die Redaktion des„Vorwärts' Vertreter und Kränze zur Lerchenfeier entsandt. Die große Mehr zahl der socialdemokratischen Reichstags-Abgeordneten war erschienen. Groß war die Zahl der Abgesandten, durch welche sich die organisierten Arbeiter von Berlin und der Umgegend am Grabe des dahingeschiedenen Parteigenossen vertreten ließen. Nicht nur die politischen Organisationen aus Berlin und den Vororten, sondern auch viele Gewerkschaften, voran die Berliner Gclvcrkschasts- kommission, sowie die Arbeiter einzelner Fabriken hatten cS sich nicht nehmen lasten, dem Verstorbenen, desicn beredtem Munde sie Belehrung und Anfenerung im Kampf für die proletarischen Jnteresten verdanken, eine letzte Ehrung zu teil werden zu lassen. Auch der Konsumverein von Berlin und der Umgegend widmete dem Vorkämpfer deS GenostenschastSwesenS einen Kranz, und den Dichter, dessen Leier nunmehr verstummt ist, ehrte das Berliner Theater durch eine Kranzspende. Der Regen, der im Laufe des Nachmittags zwar spärlich aber an- dauernd herniedergerieselt war, ließ nach. Die milden Strahlen der Wintersonne durchbrachen das graue Gewölk und übergössen mit goldigem Glanz den einfachen Sarg, der die Leiche des Dahingeschiedenen barg. Unter den Klängen des Liedes:„Ein Sohn des Volkes", von einem voranschreitenden Musikchor gespielt, wurde der Sarg zur Gruft getragen; ihm folgten die trauernde Witwe mit ihrem Töchterchcn und andren Angehörigen des Verstorbenen und dann die zahlreichen Leidtragenden, tvelche den aus ihrer Mitte ge- rissenen proletarischen Kämpfer betrauerten. Am Grabe ließ ein Gesangverein seine stimmungsvollen Weisen ertönen und als der Sarg hinabgesenkt war in die Gruft, nahm Genosse Pfannkuch das Wort. In lvarm empfundener, zu Herzen gehender Rede ge- dachte er des Verstorbenen. besten Hinscheiden nicht nur die Angehörigen, sondern das gesamte Proletariat Deutschlands betrauert; er gedachte des Kämpfers, der inmitten eines arbeits- und thatenreichen Lebens, in der Blüte der Jahre, und zu einer Zeit, wo er durch sein dichterisches Talent seiner Familie ein etwas besseres Dasein hätte bereiten können, durch den unerbittlichen Tod dahingerafft worden ist, dessen Andenken aber fortlebt in Tausenden von Proletarierhcrzen, denen er ein Führer war im Kampf für die Rechte der Unterdruckten. Die Worte des Redners fanden Wiederhall in den Herzen der Männer und Frauen, die in unübersehbarer Menge, ernst und schweigend, die letzte Ruhestatt des so früh verstorbenen Genossen umstanden. Jeder der Anwesenden fühlte es dem Redner nach, daß in Emil Rosenow ein erprobter Kämpfer gefallen, daß mit ihm ein hoffnmigSreiches Leben erloschen ist. Jeder fühlte sich aber auch ge- tröstet in dem Bewußtsein, daß die Saat, die der Verstorbene aus- gestteut hat, Früchte ttagen loird, und daß die große Sache, lvelcher der Dahingegangene sein Leben widmete, durch ihn gefördert worden ist. Wieder ertönte das ergreifende Proletarierlied:„Ein Sohn des Volkes wollt' er sein und bleiben". Dann türmte« sich an der offenen Gruft ganze Berge von Kränzen und Blumen auf. ein letztes sichtbares Zeichen der Verchnnig und Anerkennung, welche sich Emil Rosenow durch sein erfolgreiches Wirken für die Interessen des Proletariats erworben hat. Bald werden die aus dankbaren Proletarierherzen dargebrachten Blumenspcnden durch die Stürme des Winters verweht und ver- nichtet sein. Unverwüstlich und unauslöschlich aber lebt das An- denken des Verstorbenen fort bei denen, für die unser unvergeßlicher Emil Rosenow lebte und kämpfte I Soziales. spräche zwar gerechtfertigt sind, wir Sie aber betreffs deren Erledigung unbedingt um einige Tage Geduld bitten»nisten, nach- dem wir gegenwärtig im Hinblick auf die Jahreszeit ungeheuer mit Arbeit überbürdet sind. Hochachtungsvoll Deutsche Krankenversicherungskasse Dresden. I. A.: War m k r u g.* Der„Volkswille", dem wir die Mitteilung entnehmen, dürfte das Nichtige treffen, wenn er vermutet, daß die„Arbeitsüberbürdung" durch die Suche nach Kleingeld hervorgerufen sein wird. Zn« Kölner Aerztestreik wird der„Rational-Zeitung" gemeldet, daß augenscheinlich in Verfolg des KaisertelegrammS erneut höheren Ortes Ermittelungen angestellt sind und Berichte eingefordert wurden. Behördlicherseits wurden die Vorstände aller Krankenkassen auf gestern zum RathauS beschieden, zwecks Durchsicht und Aeußerung zu den seitens der Regierung mit den Kasten abgeschlossenen Verttägen. Sämtliche Vorstände haben indessen soeben beschlosten, der Auf- forderung keine Folge zu leisten. Die Kasten halten an ihre» kon- traktlichen Verpflichtungen fest und betrachten die Regierungsverfiigung als nicht geschehen._ Kellnerschutz. Das Oberlandesgericht in München hat jüngst in einem Urteile ausgesprochen, daß die Vorschriften der BundeSratS-Bekannt- machung vom 23. Januar 1902 betreffend die Ruhezeit der Gast- wirts-Angestcllten zwingendes Recht sind. Das gehe— abgesehen von den Erklärungen deS Grafen PosadowSky im Reichstage— schon auS dem Zweck des Gesetzes hervor; denn bei einer andern Auslegung würde dieser socialpolitische Zweck deS Gesetzes einfach illusorisch gemacht. Die fragliche Bestimmung trage also einen öffentlich-rechtlichen Charakter und könne auch durch ein Privatabkommen nicht umgangen werden.(Der Gastwirt, gegen den das Urteil erging, hatte seinen Kellnerinnen auf ihren Wunsch gestattet, an den vollen Ruhe- tagen mittags zwei Stunden zu bedienen.) Auf denselben Standpunkt hat sich übrigens auch das preußische Kammergrricht gestellt._ Warnung vor unsoliden Krankenkasse». Ein in Hannover wohnendes Mitglied der„Deutschen KrankenversicherungS- k a 1 s e", das vom 30. Dezember 1903 bis 9. Januar 1904 krank ivar, erhielt nach dreimaliger Einforderung des Krankengeldes jetzt endlich folgende Antwort: „Herrn Aug. T. H a n n o v e r. Bezugnehmend aus Ihr gefl. Schreiben betreffs Ihrer Kraulen- Unterstützung teilen wir Ihnen hierdurch Höst, mit, daß Ihre An- Huö Induftne und Handel. Der Krieg und die Börse. An der Börse ist ein Umschlag eingetreten: die Kurse steigen wieder. Ihren Ausgang hat die Beruhigung von Paris aus ge- nomine». Die bcträchrlichcn Jntcrventionskäufe der großen an den nissischen Anleihen beteiligten Finanzgruppen führten dort schon vorgestern(am Dienstag) gegen Schluß der Börse zu einer fast allgemeinen Wiedcrbcfesligung der gefallenen Werte, speciell der Rentenpapiere. Diese Erholung wirkte alsbald auf die Londoner Börse zurück, in der man ohnehin infolge des Flotten- crfvlges der Japaner zn einer optimisterischeren Auffassung der Sachlage neigte. Die Folge war, daß auch die DicnstagS-Abend- börse in Frankfurt a. M. schon eine zuversichtlichere Stimmung be- kündete und die wichtigsten Spekulationspapiere höher bewertete, als Berlin am Mittag. Infolge dessen eröffnete auch hier gestern die Börse in fester Tendenz, die durch Petersburger und Wiener Meldungen noch ver- stärkt wurde. Es setzten denn auch gleich zu Beginn die Kurse der Bank- und der leitenden Montanaktien um Iftz— 3 Proz. höher ein; selbst der Kurs der in diesen Tagen um circa 21 Proz. gefallenen Aktien der Russenbank wurden gleich zu Anfang um 3% Proz. höher notiert. Und diese zuversichtliche Sttmmung gewann noch mehr an Festigkeit, als später im weiteren Verlauf auch die Telegramme von der Londoner Börse einen neuen Aufstteg der Kurse erkennen ließen. Nur der Markt für russische Rentenwerte zeigte sich noch in schwächlicher Verfassung; russische StaatSrenten büßten erneut 1—2 Proz. ein, russische Eisenbahn- Prioritäten Vs-8/« Proz._ Preußische Hypotheken-Aktienbank Berlin. Die Bank hat, nachdem im Jahre 1902 die„Sanierung" zu Ende geführt worden ist, wieder ihren alten Geschäftsbetrieb aufgenommen. Der Reingewinn beträgt 3 260 665 M. Davon sollen 330 000 M. dem gesetzlichen Reserve- fonds zufließen. Der Generalversammlung soll vorgeschlagen werden: 4'/z Proz. Dividende zur Verteilung zu bringen, ferner 380 000 M. dem DiSagio- Conto zu überweisen, 80 090 M. zur Dotierung des PensionstondS und zu Gratifikationen an Beamte zu verwenden und den Rest von 193 721 M. auf neue Rechnung vor- zuttagen. Konkurs eines Bremer Bankhauses.„BoeSmannS tclegraphisches Bureau" meldet: Ueber das Vermögen der hiesigen Bankfirma Stephan Lürmann u. Sohn ist heute der Konkurs eröffnet. Den Aktive» von etwa einer Million stehen, wie eS' heißt, Passiven von etwa 6 Millionen gegenüber. Beteiligt sind neben dem hiesigen Platze hauptsächlich New Aork, London und Paris. 'Der Konkurs ist durch starke Verluste bei den von der Firma betriebenen Spekulationen in Kaffee, Goldminenwerten und Baum- wolle herbeigeführt. Der Berliner Platz wird durch die Zahlungs- einstellung nur in geringem Maße betroffen, umsomehr Bremen und Hamburg. Feinblech-Syndikat. Die heutige Hauptversammlung des Ver- bandes deutscher Feinblech-Walzwerke hat, ivie die„Kölnische Volks- Zeitung" meldet, mit 193 gegen 167 Stimmen die Auflösung des Verbandes abgelehnt. Der Verband bleibt also weiter bestehe». AuSuiandcruug über Hamburg im Jahr 1903. Mehr noch als im Jahre 1902 ist im Jahre 1903 die gedrückte Lage deS Frachten- marktes im Oceanvcrtehr für einen Teil der internationalen Reederei durch eine günstige Gestaltung des Allswanderer- und Reisenden Verkehrs ausgcgllche» lvorden. Was speciell die Auswanderung über Hamburg betrisit. so erreichte die überseeische Wanderung über diesen Hafen im verflossenen Jahre die Zahl von 144 560 Personen, 21 005 personell mehr als im Jahre 1902, 51 868 mehr als 1901. Erst im �ahrel391 findet man eine ähnlich große Wanderung: nämlich 144379 Personen, eine freilich um so erheblichere Zahl, als die damalige Statistik den Pasiagierverkehr nach europäischen Ländern nicht mit- zählte und die Wanderling des verflossenen Jahres, dementsprechend um den europäischen Pasiagierverkehr vermindert, nur 133 529 Personen zunl Vergleich stellen würde. Unter den dazwischen liegenden Jahren haben den' geringsten Wanderverkehr nach außereuropäischen Ländern die Jahre 1894 und 1807 gehabt: 38827 und 35 049 Personen. Es ist hinlänglich bekannt, daß die gelvaltige Steigerung deS WandercrvcrkchrS über deutsche Häfen nur zu allergeringsten» Teile einer Steigerung der einheimischen AuSloanderuttg zuzuschreiben ist, daß vielmehr russische und östreich-ungarischc Elemente in weit größeren Massen über deutsche Häfen nach überseeischen Ländern drängen und nicht zuletzt aucki der Rciieverkehr in vorübergehender gewcrb- sicher Thätigkeit oder beruflicher Ausbildung fortgesetzt zngeliommen hat. In der Auswanderung über Hamburg berechnen sich nach Abzug derjenigen Passagiere, die erwielenermaßcn zu der erwähnten Grlippe der NichtauSwanderer, der Reifenden oder Rückreisenden zählten, die ausländischen eigentlichen Auswanderer auf höchstens 129 734, die deutschen Auswanderer auf höchstens 10 975. Unter 100 Aus ivandcrern, die über Hamburg gingen, waren also nur 7— 3 deutscher Nationalität. Die größte Zahl AuStvanderer nach den Bereinigten Staaten von Amerika stellten im letzten Jahre Ocstrcich-llngarn(49 751 Per- sonen) und Rußland(37 970). dann Deutschland(14 490). Japans wirtschaftliche Entwicklung im letzten Jahrzehnt. Die zahlreichen Klagen der japanischen Presse über die gegenwärtige geschäftliche Depression in Japan haben nach dem Bericht deS deutschen Generalkonsulats in Dokohama eine in Tokio erscheinende nationalökonomische Zeitschrift zur Anstellung eingehender statistischer Erhebungen über die wirtschaftliche Entwicklung Japans während der letzten acht bis zehn Jahre veranlaßt. Sie gelangte zu folgendem Ergebnis: Eingezahltes Kapital wirtschaftlicher Gesell- schasten: 1896 298 Millionen Jen. 1901 829 Millionen Den. Zahl der mit Eiseilbahnen beförderten Personen: 1893 32,5 Millionen, 1901 III Millionen. Menge der mit Eisenbahnen beförderten Fracht- güter: 1893 3,4 Millionen Tonnen, 1901 14,4 Millionen Tonnen. Brutto-Tonnengehalt der Handelsflotte: 1893 169 000 Register- tonnen, 1901 605 000 Registertonnen. Auswärtiger Handel: 1893 178 Millionen Neu. 1902 530 Millionen gft«. Produktion von Seidenstoffen: 1893 6,8 Millionen Tan(1 Tan— 10,6 Meter), 1901 12,2 Millionen Tan. Produktion an europäischem Papier: 1393 31,8 Millionen Pfund(1 Pfund— 600 Gramm), 1901 113 Millionen Pfund. Produktion der Baumwollspinnereien: 1893 10,6 Millionen Iwaii(1 kwan---- 3,75 Kilogramm), 1901 33,1 Mill. kwan. Verbrauch von Steinkohlen fiir inonsttielle Zwecke: 1893 1,7 Millionen Tonnen, 1901 6,6 Millionen Tonnen. Die Ziffern beweise» allerdings, daß Japan sich während des letzten Jahrzehnts in ganz außerordentlicher Weise wirtschaftlich ent- wickelt hat. doch hat diese rapide Entwicklung während der Jahre 1895 bis 1897 zahlreiche ungesunde Spekulationen gezeitigt. Der in einem solchen Falle unvern, eidliche Rückschlag ist im Frühjahr 1900 eingettcten und machte sich in einer allgemeinen Depression bemerk- bar, die zum Teil noch jetzt anhält. An dieser Thatsache vermögen die oben angeführten statistischen Zahlen nichts zu ändem. kommunales. Der Stadthai, Shalts-Etnt für 1904/05 wie er vom Magistrat angenommen worden ist, zeigt folgendes Bild in 13 Abschnitten. I. K ä m», e r e i: Die Einnahmen sind festgesetzt auf 851 000 M., d. h. aus 21 512 M. mehr als im laufenden Etat. II. Städtische Werke: Die Einnahmen betragen 8881 945 M. oder 1 450 675 M. weniger als 1903/04. HI. Steuern: Diese müssen noch festgesetzt werden. Für 1903/04 waren 64 353 078 M. angenommen. IV. Kapital und Schulden: Die Eiilnahmen sind eingestellt mit 15 730 000 M. gegen 15 733 198 M. im Jahre 1903. V. Unterricht: Die Einnahmen sind mit 8 477 837 M. berechnet, oder 63 100 M. mehr als 1903. VI. A r m e l»>v e s e n: Die Einnahmen sind auf 1 612 262 M., das heißt um 59 962 M. höher als 1903 bemessen. VIT. Kranken- und Gesundheitspflege, H ei m- st ä 1 1 e ii für Genesende: Die Einnahmen sind mit 2 999 200 Mark oder 177 900 M. höher als 1903 eingestellt. VIII. Park- und Garten an lagen: Die Einnahmen. darunter 1 800 000 M. aus Anleihemittcln, betragen 1 820 100 M. gegen 19 500 M. im laufenden Etat, also 1 800 600 M. mehr. IX. Bauwesen: Die Einnahmen stellen sich auf 23 431 760 Mark. d. h. 13 022 600 M. mehr als 1903; davon entfallen auf Hochbau mehr 4 708 400 M. und auf Tiefbau mehr 8 314 200 M. tAus Anleihemitteln sollen allein 24 Millionen für Bauten bestritten werden.) X. Verwaltungskosten: Die Einnahmen sind mit 1 090 773 Wk. angenommen, d. h. 20 580 M. mehr als 1903/1904. XI. Polizei wesen: Als Einnahmen erscheinen 1 085 054 M., d. h. 52 704 M. mehr als im laufenden Etat. XII. Straßenbeleuchtung und-Reinigung. Die Einnahmen belaufen sich auf 99 200 M. gegen 93 650 M. im Jahre 1903/04. XIII. Verschiedene Einnahmen: Es werden 6684048 M. eingestellt, d. h. 597 093 M. mehr als im letzten Etat. Die Gesamteinnahmen ohne Steuern bettagen hiernach 63 617 078 M. Die Steigerung beläuft sich auf 17 881 487 M.. einschließlich der Einnahmen und Anleihen. Demgegenüber stehe» Ausgaben: I, K ä m m e r e i: Die Ausgaben sind mit 167 553 M. bemessen, oder 11 523 M. höher als 1903. II. Städtische Werke. Die Ausgaben bettagen 2 303 297 M., d. h. 432 909 M. Iv e n i g e r als 1903. HI. Steuern: Für 1904 sind die Ausgaben noch nicht ein- gestellt. Im letzten Etat waren 1 368 250 M. festgesetzt. IV. Kapital und Schulden: Die Ausgaben bettagen 19 0 3 19 499 767 M. und im neuen Etat 19 700 000 M. V. Unterricht: Die Ausgaben sind auf 23 871 575 M. bc- rechnet, d. h. 827 468 M. mehr als 1903/04. VI. Armenwesen: Die Ausgaben betragen 15 094 889 M. oder 1 452 229 M. mehr als im letzten Etat. VII. Kranken- und Gesundheitspflege: Die Aus- gaben stellen sich auf 9 721 626 M. oder auf 563 661 M. mehr als im laufenden Etat. VUI. Park- und Gartenanlagen: Die Ausgaben sind mit 2 692 400 M. bemessen, das heißt um 1 438 145 M. höher als für 1903/04, was mit der Errichtung eines Nordparkes zu- sammenhängt. IX. Bauwesen: Die Ausgaben für Hochbauten sind mit 12 551 910 M. eingesetzt, die für Tiefbauten mit 19 555 450 M., somit 10 105 006 M. mehr als 1903, wovon 3 800 106 M. auf Hochbauten und 7 304 900 M. auf Tiefbauten entfallen. (24 Millionen Mark sollen aus Anleihemitteln gedeckt werden.) X. VerwaltlingSkosten: Die Ausgaben sind von 457 267 M. auf 12 732 436 M. gestiegen. XI. P o l i z e i w e s e n: 4 602 798 M. Ausgaben Feuerlöschwesen: 2 262 912„„ oder 144 304„ mehr. XU Straßenbeleuchtung und Reinigung: Die Ausgaben sind um 60 055 M. auf 5 426 612 M. gestiegeii. Xin. Verschiedene Einnahmen: Die Ausgaben stellen sich auf 4 190 231 M. oder 2 529 376 M. mehr als 1903.— Weder die Einführung einer sogenannten LustbarkeilSsteuer, noch die Er- höhnng der Hundesteuer von 20 auf 40 M. sind in dem neuen Etat für 1904/05 berücksichtigt worden. Beiden Vorschlägen ist bis jetzt der Magistrat noch nicht näher getteten. Viel Aussicht auf An- nähme haben sie nicht. Die Ansichten über die Chancen sind noch sehr geteilt._ LokaUd. Zur Errichtuns eines Säuglings-Krankenhauses für Berlin soll— ein Verein gegründet werden. Wie würden diese Nachricht für unglaiiblich halten, wenn sie uns nicht schwarz auf weiß be- stätigt würde durch einen Aufruf, den die bürgerliche Presse ver- öffcntlicht. Ein„vorbereitendes Komitee" kündigt darin unter einem Schwall von Phrasen an, daß nun vermittelst der„ailgcmcmen Menschenliebe" dem Mangel an Kinder-Krankenhäusern abgeholfen werden soll. Wir hatten gedacht, man habe in Berlin endlich eingesehen, daß so grosse Aufgaben nicht mit Hilfe der meist selber recht hilf- losen„Privatwohlthätigkeit" gelöst werden können, sondern daß hier die Gemeinde eingreifen muß. Die Erfahrungen, d-ie mit dem von privater Seite gegründeten Kaiser Friedrich-Kinder-Krallkenhaus gemacht worden find, haben doch deutlich genug gezeigt, daß die Privativohlthätiglcit auch auf diesem Gebiet nicht ausreicht. Die Stadt hat dieses Krankenhaus vor zwei Jahren übernommen, weil es aus privaten Mitteln, nicht länger bestehen konnte. Allerdings, auch die Stadtgemeindc hat bisher ihre Pflicht nicht gethan. Sie hat den so notwendigen Ausbau des Kinder-Kranken- Hauses hinausgeschoben, und noch kürzlich ist in der Stadt- verordneteii-Versammlimg ein socialdemokrattscher Antrag, der schleunigste Vornahme dieses Ausbaues forderte, fast von dem gesamten Freisinn abgelehnt worden. Es geschieht wohl ,m Hinblick auf diese Lässigkeit der Gemeindebehörden, daß es jetzt doch wieder nochmal mit der„allgemeinen Menschenliebe" versucht werden soll. Merkwürdig ist dann aber die Verbeugung, die der Ausruf vor der städtischen Verwaltung macht,„Stolz sind," so begiimt er.«mit Recht die Bürger Berlius aus die vielen vortrefflichen und nirgends übertroffenen hhgicnisijhen Einrichtungen, auf eine ganze Reihe vorzüglicher Krankenhäuser und Kliniken. Auch wird für Waisen- und Findelkinder, für die Unterkunft gesunder Säuglinge arbeitender Eltern in Musteranstalten gesorgt." In„M u st e r a n st a l t e n" l Haben die Unterzeichner nicht gemerkt, daß es wie Ironie klingen muß, wenn in diesem Zu- scunmenhange von„Musteranstalten" gesprochen wird? Es wirkt trotz des Ernstes der Sache fast komisch, wenn der Aufruf fortfährt: „Aber noch immer fehlt es an einer Heilanstalt für die ungeheure Zahl schlvacher und kranker Säuglinge, für die selbst den Kranken- Häusern nur ganz wenige Betten zur Verfügung stehen." In einer Stadt, die sonst so viele„Mlisteral'stalten>" besitzt, sollte eine solche Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit doch kaum möglich seinl Daß man sich einbildet, diese Lücke mm durch Privat» wohlthätigkeit ergänzen zu können, kennzeichnet so recht die Halbheit der bürgerlichen Kreise. Der Aufruf giebt eine beredte Schilderung des erschreckenden Umfangcs der Kindersterblichkeit in Berlin und deutet an. daß diese ttaurige Erscheinung auf den hier herrschenden Mangel cm Kinder-Kamkenhäusern zurückzufichren sei, / Wenn bft8 zutrifft, tvird da bnZ Wenige und Winzige, was Privat- wohlthütigkdt zu leiste» vermag, einen nennenswerte» Einfluß die Berliner Kindersterblichkeit ausüben können? IInterzeichnetistderAufrufvoneinerbuntzusammengesetzten Gesell- schaft, von Pastoren und Lehrern, von Aerzten und Rechtsanwälten, von Vertretern des Unternehmertums. Auch ein paar' frei- sinnige Stadtverordnete stehen mit darunter. Wo waren die Herren, als in der Stadtverordncten-Vcrsainmlung über das Kinder-Krankenhans verhandelt wurde, und auf wessen Seite standen sie, als der eine Beschleunigung fordernde soeialdemokratischc Antrag niedergestimmt wurde? Bezüglich der Eiiigemciudung der Hasenhaide(Südseite) haben die Berliner Stadtverordneten bekanntlich beschlossen, nochmals mit den zuständigen Behörden in Verhandlung zu treten, wobei auch die sdrage der Eingemeindung des Tempelhofer Feldes aii S3 e i'I i n angeschnitten werden soll. Wie erinnerlich, hatte der Magistrat auf eine Anfrage des Ober-Präsidenten erklärt, die Stadt Berlin habe an der Eingemeindung des südlichen Teils der Hasen- Haide kein Interesse mehr. Daraufhin haben die Ortschaften Tempelhof und R i x d o r f einen Vertrag abgeschlossen. nach welchem der„Gutsbezirk Hasenhaide" an Ripdorf gegen Zah- Iinig von 100 000 M. und Abtretung eines Terrains(der sogenannten „Koyenmarken") fallen soll. Diesen Vertrag haben die zuständigen Behörden sanktioniert und es fehlt nur noch die formelle Genehmigung � Kwisausschusses bezw. Landtags. Die Ablösungssumme von 100 000 M. ist übrigens schon in den neuen Etat der Stadt Rixdor als Ausgabe aufgenommen. Die Bciiuhung der hiesigen Leichenhänser zur Beisetzung von Verstorbenen bis zn deren Beerdigung kann im Interesse des Ge- snndheitsznstandes der Einwohner, namentlich bei der hier vor- handelten großen Zahl beschränkter Wohnungen dringend empfohlen werden. Für die Benutzung der Leichenhäuser ist folgendes zu beachten: Wird die Einstellung einer Leiche in ein Leichenhaus von den Hinterbliebenen beabsichtigt, so muß dem Küster derjenigen Parochie, ans deren Begräbnisplatz die Beerdigung stattfinden soll, unter Vor- legung des vom Arzte ausgefüllten polizeilichen Totenscheins hiervon möglichst zeitig Anzeige gemacht werden. Besitzt diese Parochie kein �eichenhaus, so muß die Anzeige an den Küster derjenigen Parochie gemacht werdein auf deren Kirchhof ein Leichenhaus vorhanden ist, welches zur Einstellting der Leiche benutzt werden soll. Der Küster fertigt dann einen Schein an den Totengräber aus, nach welchem die Aufnahme in das Leichenhaus gestattet wird. Der Transport der Leiche nach dem Leichcnhause kann durch Leichenwagen, oder auf jede andre, den Hinterbliebenen passend erscheinende Weise bewirkt werden. Die Benutzung der Leichenhäuser ur Aufstellung der Leichen erfolgt teils(namentlich für Aermere ast überall) unentgeltlich, teils nach den für die verschiedenen Kirchen festgestellten und in den Amtszimmern der Küster und Totengräber zu jedermanns Einsicht ausgehängten Gebührentaxen. In arge Nnannchmlichkeiten sind durch einen von der Staats- miwaltschaft benutzten Vertrauensbruch eine große Anzahl Personen gerciten. Bei einer Lotteriefirma in Reubraiidenburg wurde vor «iiiem Vierteljahr ein Angestellter plötzlich entlassen; kurz vor seinem Abgange erhielt der Mann Kenntnis davon, daß die Firma an ihre hiesige Filiale das Verzeichnis derjenigen in Berlin wohnenden Per- sonen abgesandt hatte, an tvelche von ihr Lose verbotener Lotterien gesandt worden waren. Der Angestellte setzte die Staats- miwaltschaft von der Absendung dieses Verzeichnisses in Kenntnis und diese ließ die Postsendung bei der Ankunft beschlagnahmen. Jetzt läßt die Polizei an jede der im Verzeichnis aufgeführte Person eine Vorladung ergehen, und in einem Protokoll wird dann das Verbrechen ides Spielens in einer auswärtigen Lotterie festzustellen versucht. Die Sache hat allerdings auch für die Behörde ein Aber, das von den Jnkulpaten in der ersten Perwirrung vielfach nicht beachtet wird. Es ist eine bekannte Sache, daß solche Lotteriefirmen, die nach preußi- scher Fiktion ausländische sind, auf gut Glück an unbekannte Personen Lotterielose senden, ohne daß diese Personen überhaupt Neigung haben, in einer auswärtigen Lotterie zu spielen. Ter Umstand, daß man in der von der Staatsanwaltschaft konfiszierten Liste vcr- zeichnet steht, bringt mithin noch durchaus nicht die Gewißheit, daß man in der verbotenen Lotterie auch wirklich gespielt habe. Eine» verkchrspolitischc» Fastuachtsscherz auf Kosten der Stadt Berlin scheint sich die Große Berliner nach Ansicht des Stadt- verordneten P r c u ß mit ihrem Einspruch gegen die Fortführung der Untergrundbahn machen zn wollen. In öffentlicher Versammlung -warf vorgestern der gut unterrichtete Stadtverordnete Privatdozcnt Dr. Preuß die Frage auf: Zu wessen Gunsten der Berliner Magistrat die Feststellungsklage gegen die Große Berliner Straßenbahn-Gesell- schaft in Sachen des Baues der Untergrundbahn Potsdamer Platz— Spittelmarkt, aus Anlaß des Einspruchs dieser Geiellschaft gegen den 'Bahnbau erhoben habe. Es würde ihn nicht überraschen, wenn noch vor Beendigung der Feststellungsklage oder auch später eine Fusion der Großen Berliner Straßenbahn mit der Hoch- und Untergrundbahn (Siemens u. Halske) stattfände und. die Klage gegenstandslos werde. Der Centrulverein für Arbeitsnachweis hat im Anschluß an die Abteilung für jugendliche Arbeiter eine besondere Abteilung für Lehrlingsvermittelung eröffnet. Die Vermittelnng findet statt im Central-Arbcitsnachweisgebäude, Gormannstr. 13, eine Treppe. Von den Arbeitgebern iverden keine Gebühren erhoben. Die Lehrlinge haben 20 Pf. Einschreibegebühr zn entrichten. Die Eltern der ans der Schule zur Entlassung gelangenden Söhne, ebenso die Meister, welche Lehrlinge benötigen, werden hiermit auf diese Einrichtung hingewiesen. Vom- Berliner KrankenhauS-Elend. Zum zweitenmal über- füllt ist in dem laufenden Winter die Entbindungsanstalt der Eharite. Auftmhmen können daher nicht bloß gegenwärtig nicht, sondern wegen -der vielen Vormerkungen vorderhand überhaupt nicht stattfinden. Reichsglöckner Gehlsews Prozeß, der für gestern S'/z Uhr vor der II. Strafkammer am Landgericht II zur Verhandlung anstand, wurde, wie schon erwähnt, vom Gericht aufgehoben und zwar auf Grund § 101 des Strafgesetzbuches, der besagt, daß mit dem Verfahren wegen Beleidigung so lange einzuhalten sei, bis luegen der straf- baren Handlung, welche die Unterlage zur thatsächlichcn Beleidigung bildet, ein rechtskräftiger Bescheid über die Einstellung des Strai- Verfahrens oder eine rechtskräftige Verurteilung des angeblich Bc- leidigten vorliegt. Gegen den beleidigten Wcin.händler Felke schwebt nun seit 18 Monaten noch ein Meincidsvcrfahreu und bis dies abgeschlossen, müßte die Aussetzung des Verfahrens gegen Gehlsen erfolgen. Die Zeugen wurden tclcgraphisch abbestellt, einige der Zeugen hatte jedoch die betreffende Nachricht nicht mehr erreicht und es fanden sich denn zwei am Mittwoch früh aus Köln hier ein, die natürlich die weite Reise vergeblich haben machen müssen. Die Schultheiß Brauerei Aktien-Grsellschaft wird vom 1. März dS. IS. ab ihr Ceiitralbureau von dem Hause Voßstraße 20, das zunächst der elektrischen Hoch- und Untergrundbahn zum Opfer fällt und bereits in allernächster Zeit abgerissen wird, nach dem von ihr käuflich erworbenen Grundstück Roonstraße 0, Ecke Königsplatz verlegen. Eine in verschiedene Zeitungen übergegangene Notiz, daß die Centralverwaltung der genannten Brauerei nach der Alsenstraße übersiedle und ein diesbezüglicher Gcbäude-Anstausch mit der Firma A. Wertheim stattgefunden habe, ist unrichtig. Maß- und Gcwichtörevisionen. Der Polizeipräsident erläßt .folgende Bekanntmachung: Auf Grund der von den Herren Minister des Innern und für Handel und Gewerbe erlassenen Bestimmungen über die Ausführungen der periodisch zu wiederholenden polizeilichen Maß- und Gewichtsrevisionen bringe ich zur öffentlichen Kenntnis, daß die unter Zuziehung eines Eichmeisters stattfindenden technischen , Revisionen am hiesigen Orte im laufenden Jahre mit dem 11. April �beginnen. Zur Vermeidung von Bestrafungen aus Z 10 der Maß- und Gewichtsordnung und 8 300 Nr. 2 des Strafgesetzbuchs werden die Gewerbetreibenden hierdurch aufgefordert, ihre Maße w., soweit deren fortdauernde Richtigkeit zweifelhaft erscheint, zuvor eichamtlich �prüfL» zu lassen. Ein Schwiiidcllrifolinm. In dem Restaurant von Schimmel- Pfennig in der Rosenstraße erschienen gestern drei fremde Gäste und bestellten sich drei Glas Bier, die sie sofort austranken. Beim Be- zahlen legte der eine 30 Pfennig auf den Ladentisch, während der andre drei Cigarren forderte und sich zu diesem Zweck ein Zehnmarkstück wechseln ließ. Dabei verwickelte der Dritte die Wirtin, die im Geschäft allein war, in ein Gespräch. Diese Gelegenheit benutzte der zweite Gast, das gewechselte Geld und das Zehnmarkstück einzustecken, worauf alle drei sofort das Lokal ver- ließen. Als kurze Zeit darauf die Wirttn diesen Betrug merkte, eilte sie den Schwindlern nach und traf sie in dem in der Spandauer- straße belegenen Lokal von Blank. Hier hatten sie aber eben auch schon dasselbe Manöver ausgeführt. Wohl oder übel mußten die Schwindler das Geld zurückgeben, die sich nunmehr schleunigst entfernten und im Straßengewühl leider ungehindert entkamen. Die Berhaftting eines verliebte» Greises bildet im hohen Norden Berlins das Tagesgespräch. Der 02 Jahre alte frühere Eisenbahn- beamte Fritz H. hatte in einer Maschinenfabrik in der Oudcnarder- straße eine Pförtncrstelle inne. Seine Bude, zu der ein kleiner Garten gehört, liegt an einem unbebauten Gelände. Hier vcr- samnielte der Alte, der acht Kinder und vierzehn Enkelkinder besitzt, kleine Mädchen im Alter von elf bis dreizehn Jahren um sich und erfreute sie mit den Erzeugnissen seines Gärtchens: Blumen. Kürbissen usw. Die Mädchen, die zum Teil körperlich stark entlvickelt sind, faßten Zutrauen zu dem Alten und besuchten ihn in seiner Bude. Dabei kam es zu gesetzlich unerlaubten Handlungen, die sich derart häuften, daß die Mädchen darüber mit einander sprachen. Eine Frau hörte das und verständigte einen Schutzmann. Bei den Vernehmungen der Kinder wurden zahlreiche Fälle fest- gestellt, bei denen neun Mädchen aus der HenningSdorfcrstraße be- teiligt sind. Die letzteren haben die Vorgänge sehr frei auf der Wache dargelegt. Auf Grund der Aussagen wurde H. aus der Pförtncrbude heraus verhaftet. Wegen Bettelei sind in Berlin im Jahre 1003 21 570 Personen von der Polizei aufgegriffen worden. Nachdem die Zahl der auf- gegriffenen Bettler von 1800 bis 1902 von 10 550 auf 23 582 gestiegen war, ist jetzt zum erstenmal wieder ein Rückgang ein- getreten. Jni übrigen bietet aber die Bettelstatisti'k des Jahres 1903 ein ganz ähnliches Bild wie die der vorhergehenden Jahre. Wieder zeigt sich die Erscheinung, daß die monatliche Zahl der wegen Bettelei aufgegriffenen Personen bis in den Hochsommer bezw. Herbst hinein abnimmt und darauf gegen den Winter hin von neuem steigt, diesmal von 2743 im Januar bis 1293 im September und dann bis auf 1043 im Dezember. Wieder sind unter den Aufgegriffenen die Männer mit einem ganz außer- ordentlich hohen Anteil vertreten, diesmal mit 20 100, während nur 1180 Frauen und außerdem 200 Kinder aufgegriffen wurden. In Haft behalten werden gewöhnlich nur etwa die Hälfte der auf den Polizeiwachen eingelieferten Bettler. Im letzten Jahre wurden 10 904 Personen in Hast behalten, 0020 wurden angezeigt, aber auf freiem Fuß gelassen, 4052 wurden nur verwarnt und dann ent- lassen. Seinen Verletzungen erlegen ist der 54jährige Zimmermann Friedrich Zimmer aus der Heidenfeldstratze 7, der seit 10 Jahren aus dem Centralviehhof arbeitete und, wie berichtet wurde, zusammen mit dem 41jährigcn Zimmermann Albert Werner in der Rinderhalle von einem zusammengebrochenen Gerüst abstürzte. Das Gerüst hatten beide selbst für Fensterputzer angebracht. Zimmer wurde mit zahl- losen Verletzungen nach dem Krankenhaus am Friedrichshain ge- bracht, wo er starb. Werner, der auch schwer verletzt wurde, lebt noch. Die Leiche Zimmers wurde beschlagnahmt zur Erörterung der Schuldfrage. Eines Raubes gerühmt hat sich in Magdeburg ein Mann, der in einem dortigen Wirtshaus einem andern mitteilte, daß er in Berlin in Gemeinschaft nnt einem Komplicen einen frechen räuberischen Uebcrfall mit Erfolg durchgeführt habe. Der Hergang 'oll sich in folgender Weise abgespielt haben. Durch ein Fenster des Cafs Bauer bemerkten die beiden Räuber, daß ein im Innern sitzender Herr über einen größeren Geldbetrag verfügte. Als dieser später den Weg nach Hanse antrat, folgten sie ihm. machten ihn durch einen Schlag auf den Kopf wehrlos, während er die HauSthür aufschloß, raubten ihm 354 M. und die Uhr und entkamen damit. Die Magdeburger Polizei hat den Mann eingesperrt und 'ich mit einer Anfrage an die Berliner Kriminalpolizei gewandt. Hier sind aber keine Vorgänge bekannt. Nun soll festgestellt werden, ob es sich um einen wirklichen Vorgang oder um bloße Räuber- gcschichten handelt. Daher ist von Erheblichkeit, daß der etwa Ueberfallene sich meldet oder daß andre Personen den Thatbestand mitteilen. Theater. Im Thalia-Theater tritt heute Miß Dnncan nochmals in ihren Griechenchortänzcn auf; von morgen Freitag ab geht wieder„Der Hochtourist" mit Guido Thielscher in Seene.— „Götterweibcr" die neue erfolgreiche Ausstattuugsposse deS Belle- Alliance-Theaters, bleibt jeden Abend außer heute Donners- tag auf dem Repertoir. Heute Donnerstag wird„Der Hochtourist" mit Guido Thielscher in der Titelrolle gegeben.— C a s i n o- Theater: „Wie einst im Mai" wird nur noch bis Montag inklnfive gegeben, da am Dienstag die Premiere der Operette„Die EirkuSfee" stattfindet. — Carl Weiß-Theater. In der am Sonnabend, 13. Februar, in Seene gehenden Wohlthättgkeits-Vorstcllung für den schwer erkrankten Sänger und Schauspieler Theodor Betz:„Der Bettel- student von Berlin", sind die ersten Kräfte des Carl Wciß-Theaters beschäftigt. De» Älapphorn giebt Alex. Tyrkowski, die Meta: Elfriede Printz, die Titelrolle Willy Brackmaun, außerdem wirken in Haupt- Partien die Damen Pauli, Deymanns, Busch, Schlüter usw., ferner die Herren Gadicl, Heinrich, Stauber, Döblin, Schcibach, Rosen, Schneider mit. Jnseenicrt wird daS Stück von Ernst Ritterfeldt; Kapellmeister Wicher dirigiert.— In der am Sonntag, den 14. Februar, abends 7 Uhr, im B e c t h o V c n- S a a l stattfindenden 207. Veranstaltung des Vereins für VolkSunterhaltuugen werden mitwirken: Herr Professor Alexander Strakosch au§ Wien lRecitation) und das Gesangs-Ensemble von acht Damen der königlichen Oper. Einen Fritz Reuter-Abend Veranstalter die Neue freie Volksbühne am Sonnabend, den 13. d. M., abends 8 llhr, in» Theatersaale der königlichen Hochschule für Musik(Fasanenstr. 1). Das Programm Ivird ausschließlich von Herrn August Junkermann, dem bc- kannten vortrefflichen Reuter-Jnterpretcn bestritten. Eintrittskarten für Mitglieder(a 40 Pf.) sind bei H. Nest, Veteranenstr. 0; Gast- karten(a 75 Pf.) bei der Amelangschcn Buchhandlung, Potsdamer- ' raße 120, zu haben._ Hua den Nachbarorten. Britz. Die Mitgliederversammlung findet Freitag- abend S'/j Uhr bei G. Weniger, Werderstr. 27 statt. Vortrag des Genossen B ö s k e über unser Programm. Aufnahme neuer Mit- gliedcr. VcrcinSangelegenhcitcn. Aus dem Berichte der Schulärzte in Schöncberg heben wir im Anschluß an nnsre gestrigen Mitteilungen noch folgendes hervor: Der schädliche Einfluß der miserablen Wohnungsverhältnisse der Eltern, die Sorge um das tägliche Brot und die hohe Kopfzahl des Hausstandes zeigte sich besonders bei der Untersuchung der 25 Schülerinnen der H i l f s k l a s s e. Wenn auch die Gesundheit�- Verhältnisse der Kinder im allgemeinen sich gegen früher gebessert haben, so geben die Berichte immer noch zu Ausstellungen, die sich besonders ans die S ch n l r ä n m e beziehen. Anlaß. Klage geführt wird auch über die lästige Staubentwicklung und daS Fehlen von B r a u s c b a d a n l a g c n in den älteren Schulgebäudcn. z. B. der 2. und. 3. Gcmeindcschulc in der Kolonnonstraße. Eine Abhilfe in dieser Beziehung ist daher dringend nöttg. Ebenso wird bemängelt die unzureichende Reinigung' der Klosetts und der bc- sonders stark frcgucnttertcn Turnhallen. Ter Bericht über die 9. und 10. Gcmcindeschulc in der Fcurigstratze rügt auch die schlechte Lage der Klassenzimmer, die entgegen der fast einstimmigen Forde- rung der Vertreter der Schnlhhgiene eine rein nördliche Lage erhaikta» haben und dadurch der erwärmenden Sonne entbehren. Ebensowenig Gewicht würde auf die Herstellung der Bänke für größere und kleinere Kinder gelegt. Auch über das Ucbcl der fliegenden Klassen wird geklagt. Die Spandnucr Stadtforst in Gefahr. Die Spandauer Stadt- berordneten-Versammlung beschäftigt sich in ihrer heutigen Sitzung u. a. auch mit dem Kaufgesuch eines Finanzkonsorttums, welches 2000 Morgen der Stadtforst, und zwar den an die Oberhavel an- grenzenden romantischen Teil, für einen Preis von 4000 M. pro Morgen erwerben will, um darauf eine Villenkolonie anzulegen. Damit würde die Unigebung Berlins um ein weiteres Stück Waldesgrün ärmer. Auf den Verlauf der heutigen Debatte kann man gespannt sein, da unsre Genossen dem VerkaufSprojeit entschiedenen Widerstand entgegensetzen. Aber auch der Haupt- etat, der heute in erster Leimig zur Beratung gelangt, zieht daS Interesse der Bürgerschaft auf sich. Der Magistrat schlägt vor, es im nächsten Jahre bei den bisherigen Steuersätzen zu be- lassen, d. i. 200 Proz. Gemeinde-Einkommenstcuer und 3,0 pro Mille an Grundwertsteuern. Gerichts-Leitung. Bruder Liederlich. Ein Opfer des Spiels und der Wettsucht stand gestern in der Person des jetzt 21jährigen Buch- Halters Kurt Große vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I. Er war beschuldigt und geständig, der Bankfirma v. d. Heydt n. Co. einen Betrag von etwa 50 000 M. unterschlagen zu haben. Der Angeklagte ist der Sohn eines königlichen Kammerlakaien. Er hat das Dorotheenstädtische Siealgynmasium bis zur Unterprima be- sucht und ist dann als Lehrling bei der Firma v. d. Heydt u. Co. eingetteten. Er war so tüchtig, daß er schon nach 21/-.j Jahren Kommis wurde. Er wurde der sogenannten Montan- Abteilung überwiesen. Schon frühzeitig war er auf eine schiefe Bahn gekommen, indem er spielte und Wetten auf Rennplätzen abschloß. Er beschränkte sich dabei nicht nur auf Berlin, sondern beteiligte sich auch an Wetten in Nizza, Caux, Paris, wobei er wiederholt Geld zusetzte. Es kam schon im Jahre 1902 ein Augenblick, wo ihm an seiner Geschäftskasse Geld fehlte. Damals vermochte er den Fehl- betrag aber noch durch Aufnahme eines DarlchnS von einem Freunde und durch ein Geldopfer seines Vaters zu decken. Der Vater nahm ihn infolgedeffen in scharfe Obhut und es gelang ihm auch, den An» geklagten das ganze Frühjahr 1903 hindurch zu einem sehr soliden Lebenswandel anzuhalten. Da mußte der Vater im Gefolge der Kaiserin nach Cadinen übersiedeln und dies war für den Sohn ein großes Unglück, denn die Mutter war nicht stark genug, um den Vater in der strengen Zucht zu ersetzen. Nun verfiel der Angeklagte wieder dem Wetten und dem Spiel. Er besuchte die Nennen in Berlin, Leipzig, Dresden, Strausberg, Magdeburg, Hamburg und hatte ein so außergewöhnliches Glück, daß er in kurzsr Zeit eine Summe von 25 000 M. in seinem Vermögen hatte. Als er über so viel Geld vcrfiigte, stieg ihm dies in den Kopf und er ergab sich einem liederlichen Lebenswandel. Er bekam noble Passionen, schaffte sich vornehme Garderobe an, mietete eine eigne Wohnung in der Besselstratze, die der Hauptsache nach dem Hazardspiel diente, besuchte mit Freunden, die er freizuhalten Pflegte, feine Restaurants, Cafes und Pergnüguugslokale, schaffte sich eine Biiffettdame des Metropol- Theaters als„Braut" an, der er bei jedesmaligem Besuch des Theaters 20 M. Trinkgeld gab und Ringe und Schmucksachen schenkte, und brachte viele Nächte am Spieltische zu. Aber auch hier hieß es: wie gewonnen, so zerronnen. Er hatte im Hazardiercn Unglück, gute Freunde nahmen ihm kolossale Summen ab und er geriet bald in arge Ver- pflichtungen. Zu seinem Unglück mußte er eine Zeitlang den Vorsteher der Montan- Abteilung vertreten und damit kam das Depot der Wertpapiere unter seine Obhut. Aus diesem verkaufte er wiederholt einige Posten, deren Ertrag er zur Deckung seiner Verpflichtungen» verwandte. Er hoffte, daß er das Geld wieder ersetzen köuute, wenn ihm das Glück auch nur einigermaßen wieder hold werden würde. Er stürzte sich also wieder kopfüber in das Hazardieren und Rennwetten, verlor aber immer mehr Geld und griff dann immer weiter das Depot der Wertpapiere an. Seine geschäftliche Tüchtigkeit litt natürlich unter diesem Leben, er wurde unpünktlich im Dienst und als er am 20. Oktober v. I. aar nicht erschien und sich telcphonisch mit angeblicher Krankheit entschuldigte, wurde ihm gekündigt. An demselben Nachmittag traf ihn aber ein Lehrling der Bank im Kaiser- Cafs und teilte ihm die erfolgte Kündigung mit. Skunmehr sah der Angeklagte, daß es zur Katastrophe kommen mußte und er flüchtete noch an demselben Tage unter Mitnahme einer Barsnmme von 500 M. nach London. Dort hielt er sich aber nur zwei Tage auf, ging von da nach Paris und wurde dort am 29. Oktober fest- genommen und nach Deutschland ausgeliefert. Der der Finna ent- standene wirkliche Schaden beträgt 35 000 M.— Der Staatsanwalt beantragte gegen den im wesentlichen geständigen Angeklagten, der bis dahin unbescholten war und offenbar in schlechte Gesellschaft ge- raten ist, 1 I a h r 0 M o n a t e Gefängnis. Der Gerichtshof hielt jedoch diese Strafe fiir zu milde und verurteilte den Angeklagten zu 3 Jahren Gefängnis. Der ungalante Apotheker. Eine kleine Seene anS„Berlin bei Nacht" hatte gestern ein Nachspiel vor der V. Strafkammer des Land- gerichts I. Else I a e k i s ch und Gertrud B u k l o t t, ihres Zeichens Verkäuferinnen, hatten am 24. Juni daS Apollo-Theater besucht und sich nach beendeter Vorstellung in gehobener Stimmung auf den Heimweg gemacht. In der'Friedrichstraße ging vor ihnen ein Apothekergehilfe, dessen hellgrauer Ueberzieher ihnen Spaß machte. Der Apotheker hörte hinter sich wiederholt das Wort„Bäcker- geselle" fallen und fühlte plötzlich, daß er von dem einen Mädchen in den Arni gekniffen wurde. Es kam darüber zu lebhaften Ausemandersetzungen, die damit endeten, daß in dem sich entwickelnden Handgemenge der Apotheker von der ersten Angeklagten einen Schlag mit dem Schirm erhielt und aus einer kleinen Gesichtswunde blutete. Nun war seine Geduld zu Ende. Er bestand darauf, daß ihm die Mädchen zur Polizei- wache folgten und bugsierte sie schließlich zu diesem Zweck gcwalt- sam in eine Droschke hinein. Noch ehe diese aber abfahren konnte, waren die beiden Mädchen schon wieder draußen, sprangen in eine gerade vorbeifahrende Droschke und riefen dem Kutscher zu:„Fahren Sie los!" Und der Kutscher ftthr los, d. h. er hieb auf sein Pferd ein und stürmte die Friedrichstraße entlang. Der Apotheker jagte in seiner Droschke hinterher, ohne ihn einholen zu können. Die Verfolgung wurde alsdann durch einen Schutzmann, der eine Au t o m o b i l d r o s ch k e bestieg, aufgenommen; aber auch dieses Vehikel hätte vielleicht keinen Erfolg gehabt, wenn nicht der stürmische Rosielenker in der Taubenstraße durch einen Straßenbahnwagen gestört und zum langsameren Fahren gezwungen worden wäre. Er wurde als der Kutscher R e i ch e l t festgestellt und in Ge» meinschaft mit den beiden wegen Körperverletzung angeklagten Mädchen der B e g ü n st i g u n g beschuldigt. Das Schöffengericht verurteilte die Mädchen zu zwei Wochen bezw. einer Woche, den Kutscher zu fünf Tagen Gefängnis. Sie legten Be- rufung ein und erzielten in der erneuten Verhandlung ein wesentlich milderes Strafmaß. Frl. Gertrud konnte ein Schlagen mit dem Schirm nicht nachgewiesen werden, sie wurde deshalb ireigesprochen. Erl. Else, die bei dem Handgemenge auch unsanft berührt worden war, kam mit 30 M. Geldstrafe davon. Bei dem Kutscher wurde eine „Begünstigung" nicht angenommen, cr wurde aber wegen„zu schnellen Fahrens" zn 10 M. Geldstrafe verurteilt. Eigentümliche Wandlungen hat eine Anklage erfahren, welche sich gegen den zwanzigjährigen Kutscher Franz Lieste richtete, der gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I stand. Die Voruntersuchung war wegen wiederholten Raubes eröffnet und zwar auf Grund folgenden Thatbestandes: In der Nacht zum 28. November v. I- redete der Angeklagte in der Nennderstraße eine Prostituierte an und begleitete sie eine Strecke lang. Plötzlich zog tt sie in eine Thuriiische hinein� packte das Mädchen mit einer Hand an die Gurgel und fuhr gleichzeitig mit der andren in ihre Mantel- tasche, um, wie angenommen werden mußte, das darin befindliche Portemonnaie sich anzueignen. Die Angegriffene schlug resolut init dem Hausschlüssel, den sie gerade in der Hand hielt, auf den Angeklagten ein, der es nun vorzog, von ihr abzulassen und die Flucht zu er- greifen. Derselbe Austritt wiederholte sich bald darauf in der Schmidstraße mit einem andren Mädchen. Der Zufall fügte es, daß die vorher Angegriffene des Weges kam und Zeugin des neuen Borfalls wurde. Die beiden Mädchen schlugen Lärm und ver- anlaßtcn die Verhaftung des Angeklagten. Im Laufe der Vor- Untersuchung stellte sich heraus, daß der Angeklagte seine Opfer sofort wieder losgelassen hatte; es wurde deshalb nicht für er- wiesen erachtet, daß er die zum Thatbestand des Raubes erforderliche Gewalt angewendet hatte, und die Anklage be- schränkte sich von jetzt ab auf versuchten Diebstahl und thät- liche Beleidigung. Im gestrigen Termin vertrat der Staatsanwalt auf Grund der stattgehabten Beweisaustiahme wiederum den Stand- Punkt, daß doch versuchter Raub vorliege, er beantragte deshalb Uebcrweisung der Sache an das Schwurgericht. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Schwindt, widersprach diesem Antrage und suchte nachzuweisen, daß nicht einmal versuchter Diebstahl, sondern nur thätliche Beleidigung vorliege, es sei anzunehmen, daß der An- geklagte aus ganz anderen Gründen gegen die Mädchen handgreiflich geworden sei. Der Gerichtshof schloß sich dieser Auffassung an und verurteilte den Angeklagten nur wegen thätlicher Beleidigung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten, welche durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurden. Irrende Geschworene. In Stendal sRegicrungsbezirk Magde bürg) wurde am 1. Oktober vorigen Jahres der Handelsmann S t a m p e h l wegen Beihilfe zum Straßenraub vom Schwur- gcricht zu V/j Jahren Zuchthaus verurteilt, während der als H a u p t übelthätcr in Betracht kommende„Arbeiter" Franz Grubba für seine viel größeren Verbrechen mit l'/j Jahren Gefängnis davon kam. Die Geschworenen hatten nämlich irrtümlich bei der Beantwortung der Schuldfragcn die Frage nach mildernden Umständen bei Stampehl verneint, bei Grubba dagegen be- jaht. Dem Gesetze gemäß„mußten" nunmehr� die Richter den Stampehl zu Zuchthaus, den Grubba dagegen zu Gefängnis ver- urteilen. Da sich der Irrtum sofort herausstellte, wurde für St. ein Gnadengesuch eingereicht, das erst jetzt, wie uns aus Stendal geschrieben wird, nach über vier Monaten den Erfolg hatte, daß die l'/i Jahre Zuchthaus in eine ebenso lange Gefängnis strafe umgewandelt wurden. Versammlungen. Tie Mufikinstrumcntcnarbeiter(Branche des Deutschen Holz- vrbcitcr-Verbandes) nahmen in ihrer letzten Branchenversammlung den� Bericht des Branchcnvertreters S i ck f e l d entgegen. Im ver- flosscnen Jahre haben 18 geschäftliche Sitzungen. 12 Vertrauens- männcr-Versaminlungen und 5 Branchcnvcrsammlungen statt- gefunden. Außerdem waren von der Kommission zu 268 Werkstatt- sitzungcn 324 Werkstellen geladen. Erschienen waren 319 Werk- stellen, in denen 14 266 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt waren. Organisiert waren hiervon 4441 im Verband, 2556 in andern Organisationen. Von den Beschäftigten waren erschienen 6563, hiervon waren insgesamt 5339 organisiert.— Zu größeren Differenzen kam es in 34 Fällen, die sich zum größeren Teil auf das am 12. Oktober beschlossene Vorgehen beziehen. In einer Anzahl von Fällen, namentlich in der ersten Hälfte des verflossenen Jahres, handelte es sich um Abwehr versuchter Verschlechterungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, wobei es in zwei Fällen(Fabriken von Kuhla und Blasendorf) zu mchrwöchentlichen Streiks kam. Ter erste verlief für die Arbeiter erfolglos, in letzterem erzielten sie einen Teilerfolg. In einer Reihe andrer Differenzen, teils in der Abwehr, teils im Angriff, kam es zu Arbeitsniederlegungen, die von einem Tag bis zu einer Woche dauerten und größtenteils zu Gunsten der Arbeiter verliefen.— Wegen der Maifeier kam es neben einigen Aussperrungen von einem Tag zu einem längeren Streik in der „Eroika", welcher zu Ungunsten der Beteiligten verlief. Um die Ent- lassung eines die Arbeiter sortgesetzt schädigenden Werkführers durch- zusetzen, legten die Kollegen der Firma Nieder u. Co. die Arbeit nieder. Von 57 beteiligten Kollegen fand sich kein Arbeitswilliger; doch ging der Streik nach 6 Wochen verloren, da sich genügend Arbeitswillige gefunden hatten. In den an den Differenzen be- teiligten Betrieben waren 1691 Personen beschäftigt. Hiervon ge- hörten 614 dem Holzarbeiter-Verbmrd, 366 andern Organisationen an.— Nach den Ermittelungen der Kommission stellen sich die Organisationsverhältnisse wie folgt: Holzarbeiter-Verband 1238, Fachvercin der Musikinstrumenten- Arbeiter 667, Hirsch- Dunckcrsche Gelvcrkschaft 197, diverse 175. In drei von der Kommission arrangierten öffentlichen Versammlungen wurde über Beginn und Verlauf einer partiellen Lohnbewegung ver- handelt.— An den Bericht schloß sich eine rege Diskussion, in der besonders darauf hingewiesen wurde, den Wünsch der Kommission, im beginnenden Jahre Vertrauensmänner- und Branchenvcrsamm- lungen noch besser wie im verflossenen Jahre zu besuchen, nach allen Kräften zu fördern. In die Branchcnkommission wurden 24 Kollegen gewählt. Die ncugewählte Kommission konstituiert sich wie folgt: A. S i ck f c l d, Branchenvertreter, W. G r c i l i n gl, Obmann für den Süd-Osten, F. Leopold, Obmann für den Osten. Ter Verband der Wäsche-»nd Krawattenbranche hielt am LS. Januar 1964 in den Lunasälen feine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Keller gab den Bericht des Vorstandes. Im allgemeinen bezieht er sich ans den Bericht im„Wäscheboten". Weiter erörterte er die Anschlüsse in Bielefeld und Leipzig, Ivo schon 165 bczw. 46 Mitglieder zu verzeichnen sind sowie die Vorarbeiten in Bremen und i» verschiedenen Teilen Sachsens, von wo der Vorstand bald in die Lage versetzt sein wird, gute Resultate mitteilen zu können. Zum Schluß teilte der Vorsitzende mit, daß der Verband der Generalkommission angeschlossen sei und schloß seinen Bericht mit dem Ersuchen, daß de» Mitgliedern in diesem Jahre das gute Gedeihen des Verbandes etwas angelegener sein möchte. Nach dem Bericht des Kassierers hatte der Verband im letzte» Quartal eine Ein- nähme von 1786,73 M. und eine Ausgabe von 1155,18 M., mithin betrug der llebcrschuß 325,55 M. Die Gesamteinnahme des Jahres betrug 5289,65 M.. die Gesamtausgabe 4964,16 M., so daß ein llebcrschuß von 325,52 M. verbleibt. Das Vermögen des Verbandes beträgt 5296,54 M. Zum Punkt 2 der Tagesordnung, Stellung- nähme zum Hciinarbcitcrschutz-Kongrcß erhielt dann Frau Ihrer das Wort. Sie führte aus, daß es unumgänglich nötig ist, an dem im Gcwcrkschaftshause stattfindenden Hcimarbcitcrschutz-Kongrcß teilzunehmen und begründete dies ausführlich. Auch H er g t empfahl die Teilnahme. Als Delegierte wurden Frau Dr. H o f m a n» und die Kollegen.Keller und P a s e w a l d t gewählt. Sodann berichtete H e r g t über den Arbeitsnachweis der Zuschneider, welcher gut funktioniert. Anders steht es jedoch mit dem paritätischen Arbeitsnachweis der Neubranche, tvelchem Frau Hahnold vorsteht. Hier fehlt das Interesse noch auf beiden Seiten, bei den Arbeit- nehmcrn sowohl wie bei den Arbeitgebern. Hieran anschließend folgre der Bericht des Redakteurs. Es wurde zwar sowohl ain Inhalt des Blattes wie an seiner Größe getadelt, jedoch dem Redakteur P a s c w a l d t zugegeben, daß man nicht mehr verlangen kann, wenn der Redakteur tagsüber seiner Beschäftigung nachgehen muß. Die KrcisvcrsauimlUlig von Teltow-BceSkom-Storkow-Charlotten- bnrg fand am Montagabend im Charlottenburger Volkshaus bei mäßigem Besuch statt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung erstattete Genosse Paul H i r'l ch- Charlottcnbnrg den Bericht der Vertrauensleute: Das Jahr war für die Entwicklung der Partei im Kreise günstig. Die Mit- gliedcrzahl hat- sich stark gehoben. Der Kassenbestand war trotz der großen Aufwendungen für die� Wahlen ein günstiger. Es wurden etwa 4666 M. an andre Kreise abgeliefert. An den Parteivorstand gesandt wurden bis jetzt 166 M. nionatlich, zuletzt wurde beschlossen, 2666 M. abzuliefern. Die Crimmitschauer Ausgesperrten wurden ebenfalls unterstützt. Im Kreise bestehen 34 Wahlvcreine. In der R e i ch s t a g s w a h l wurde der Kreis zum erstenmal schon bei der Hauptwahl erobert. Die Landtags- wähl hat gezeigt, daß mit emsiger Arbeit in der Zukunft auch Erfolge erzielt werden können. Mit der weiter fortschreitenden Industrialisierung des Kreises wird auch die Zahl der im Kreise wohnhaften Socialdemokratcn wachsen. Gegen die Gültigkeit der Wahl werde ein Protest an den Landtag abgeschickt. Die Ein- berufung der Wahlmänner nach Rixdorf—'statt Köpenick— war ungesetzlich. Man würde ja sehen, wie die frei- sinnigen Abgeordneten sich zu dieser Frage stellen werden. Die Vertrauensperson der Genossinnen. Frau T h i e l- Tempelhof be- richtet für die Zeit von Oktober 1962 bis Dezember 1963. Die Frauenbewegung hat in 12 Orten des Kreises Fuß gefaßt, in denen Vertraucnspersonen wirken. Nach Ausschreibung der Neichstagswahl wurde ein Wahlverein für die socialdcmokratischen Frauen gegründet. Gleich die erste Versammlung des Vereins wurde von dem Amts- Vorsteher verboten. Der Amtsvorsteher behielt sich außerdem die Schließung des Vereins vor. Der Landrat gab auf die erhobene Beschwerde hin einen ähnlichen Bescheid. Am 29. Juli — also schon nach der Wahl und nach der Auflösung des Vereins erwidert der Regierungspräsident auf eine weitere Beschwerde, daß Frauen, Lehrlinge, Unmündige usw. kein Wahlrecht hätten und daß deshalb der Verein unzulässig sei. Die Genossin Thiel wandte sich nun an das Ober-Verwaltungsgericht und da steht für den 12. dieses Monats der Termin an. Trotz aller Schwierigkeiten haben aber die Frauen tüchtig an der Wahlbewegung mitgearbeitet. Sie sind u. a. bei fast allen Agitationstouren aufs Land hinaus- gegangen, um auch dort die Frauen aufzuklären. In den größeren Orten stellten sich an dem Wahltage mehr Frauen zur Verfügung, als gefordert wurden. Die Vertrau'eusperson hat 12 Agitationsversamm- lungen abgehalten, außerdem wurden mehrere Versammlungen von den Ortsvertrauenspersonen veranstaltet. Es wurden 26666 Flug- blätter gegen den Wuchertarif unter den Frauen verbreitet, außerdem mehrere Agitationsbroschüren. Der Frauen-Wahlverein hat 456 Mit- glieder gehabt. Die Frauen haben sich auch an den Sammlungen beteiligt und Gelder an den Vertrauensmann ab- geliefert.(Beifall.) Als Vertrauensleute werden die Genossen H i r s ch- Charlottcnbnrg und B ö s k e- Rixdorf einstimmig gewählt. ebenso die Genossin T h i e l- Tempelhof für die socialdcmokratischcn Frauen. Nach vollzogener Wahl referierte der Rcichstaqs-Abgeordnete Genosse S i n d e r m a n n- Dresden unter dem lebhaften Beifall der Versammlung über„Die Hauptfragen im politischen Kampfe". Zum. dritten Punkt der Tagesordnung sprach Genosse Dr. B o r ch a r d t über die Ersatzwahlen der Stadtverordneten im dritten und siebenten Charlottenburger Bezirke. In den beiden in Frage kommenden Bezirken müssen Hausbesitzer gewählt werden. Hausbesitzer-Kandidaten konnten für die beiden Bezirke bisher nicht aufgetrieben werden und so mußte man die Kandidaturen auch diesmal zwei socialdemokratischeu Hausbesitzern übertragen, die schon ein Mandat inne haben. Unter den etwa 3366 Hausbesitzern sind im besten Falle 1482 wählbar. So entfällt auf je 41 Grundbesitzer ein Stadtvcrordneteumandat. Der Redner schildert die ungünstigen Folgen der Privilcgicnwirtschaft auf die kommunale Entwicklung und schließt mit der Aufforderung, bei der Ersatzwahl für die Wahl der Parteikandidaten zu sorgen. Genosse B a a k e schloß sich diesen Ausführungen an. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg). Filiale RummelSburg. Sonnabend, 13. Februar, abends S'l2 Uhr, im Lokale von G. Tempel: Mitglieder-Versammlmig. Tages-Ordnung: t. Unsre General-Versammlung eventuell Beratung der Statuten. 2. Ausstellung der Kandidaten. Vmmlcktes. Ein Standalprozeß in Dresden. Vor dem Dresdener Ober- landesgericht wird sich demnächst ein Seitcnstück zum Kwilecki- PrPeß abspielen. Wie dort, so werden auch hier einem Kinde von Verwandten sein ererbter großer Name und der damit ver- bundene Majoratsbesitz streitig gemacht. Bei den Äwileckis sollte das Kind untergeschoben worden sein, in dem prinzlich Schönburg-Waldenburgschen Falle bestreiten die Kläger, in erster Linie der Vater des Prinzen, die Abstammung des Kindes von dem jungen Schönburg-Waldenbnrg. Anfangs hatte die Fama den Kutscher der Prinzessin in die Affaire gezogen, es handelt sich aber um einen„Kavalier". Wie die„Sachscnstimme" erfährt, be- fanden sich unter den beschlagnahmten Briefen der früheren Krön- Prinzessin von Sachsen auch solche mit allzu offenen Herzensergüssen der ihr befreundeten Prinzessin von Waldenburg, ominöse Funde, die rasch zur Katastrophe führten. Europäische und afrikanische Räuber. Ein Vorkommnis, das an amerikanische Räubereien erinnert, hat sich im Eisenbahnwagen Brüssel— Paris ereignet. Aus Brüssel wird telegraphiert: Sechs gutgekleidcte Individuen, die gestern abend mit dem nach Paris be- stimmten Zuge um 7 Uhr 23 Minuten von Brüssel abgefahren waren, drangen auf der Strecke zwischen Tubize und Braine-le» Eomte mit dem Revolver in der Faust in das Abteil, in dem sich die Wertpapiere befanden, fesselten den wachhabenden Be- amten und raubten alle Wertpapiere. Die Räuber sprangen dann während der Fahrt aus dem Zuge. Heute früh wurde ein Mann schwer verletzt auf dem Geleise liegend aufgcflinden, der sich weigerte, irgend welche Auskunft zu geben.— Von einem zweiten räuberischen Ueberfall wird aus Oran depeschiert: Eine 266 Mann starke Räuberbande harte in Beni-Umf Kamele gestohlen. Ungefähr 56 Franzosen machten sich zu ihrer Verfolgung auf; gleich beim ersten Zusammenstoß wurden 46 Mann der Räuberbande getötet, die Bande sammelte sich aber wieder, und es entspann sich ein heftiger Kampf, bei dem acht Franzosen sielen und neun verwundet wurden. Die Franzosen behielten trotzdem die Oberhand und nahmen den Räubern die Kamele wieder ab. Eisciibahnzusammcnstoß. Aus Toronto, 9. Februar, wird gemeldet: Zwei Passagierzüge der Canadian Pacific-Bahu stießen heute morgen in der Nähe von Renfrew zusammen. Es heißt, daß neun Personen getötet und viele verletzt sind. Ucber die Fcucrsbrunst in Baltimore liegt den„Verl. Neuesten Nachrichten" noch folgende zusammenfassende Darstellung Jwr: Baltimore, die Metropole von Maryland, die sechstgrößte Stadt der amerikanischen Republik und die vicrtgrößte Seestadt der Ver- einigten Staaten, ist einem furchtbaren Brande zum Opfer gefallen. Am Sonntagmorgcn brach die Fcuersbrnnst aus, die einen Schade» von 46 Millionen Pfund Sterling angerichtet haben soll. Ilm 11 Uhr morgens wurden Kirchgänger durch eine heftige Erplosion erschreckt. Dem ersten Knall folgten bald weitere Detonationen, und erstaunte Menschenmassen sahen zum Himmel, ob dort eine merkwürdige Natur- crschcinung eingetreten sei. Das Einstürzen von Mauern und das Aufschießen gewaltiger Flammen aus einem chemischen Warenlager ließen jedoch bald erkennen, um was es sich handelte. Tie Flammen griffen, von einem starken Winde gepeitscht, rapide um sich und nahmen ihre Richtung auf den Hafen. Die Feuerwehr war gegenüber dem Flammenmeer vollständig ohnmächtig. Es stellte sich heraus, daß die Zahl der Hydranten nicht genügte, und schließlich war auch vor Einbruch des Abends der Wasservorrat der City erschöpft. Die Feuer- wehr tonnte nur von der Seite her die glühende Schlange angreifen, die sich so schnell bewegte, daß ein Widerstand von vorn wahnsinnige Tolltühnhest gclvesen wäre. Aus New?)ork, Washington. Phila- dclphia und andern Städten kamen Extrazüge mit Löschapparaten und Mannschaften. Gleich bei Beginn des Brandes war der Mayor von Baltimore gebeten worden, zu erlauben, daß man solche Gebäude. die im Wege des Feuers lagen, mit Dynamit sprengen dürfe, um auf diese Weise dem Brande Einhalt zu thun. Am Sonnragmittag wurden denn auch über 56 Gebäude in der angegebenen Weise zerstört. 3666 Pfund Dynamit hatte man dazu verwendet. Aber auch dieses Opfer war vergeblich gebracht wordep. Tas Flammenmeer ivälzte sich ohne jedes Zögern über die Trümmerstäste und dke wekkeflea Straßen und fing jenseits der öden Stelle sein Verheerungswerk von neuem an. Die Bevölkerung war die ganze Nacht schreckerfullt in den Straßen und vollständig unkontrollierbar von der Polizei, dre das Volk kaum von dem gefährlichen Bereiche der Flammen fernhalten konnte. Die Flammen erhoben sich oft 266 Fuß hoch über die Stadt. und der Sturmwind trug einen Feuerregen in bisher unberührte Stadtteile. Brennende Holzstücke wurden meilenweit getragen und richteten dort, wo sie niederfielen, um so sicherer Unheil an, als natürlich alle Bekämpfcr des Feuers sich in dessen Nähe befanden. Balken von 6—8 Fuß Länge wurden durch die Luft geschleudert, und die Feuerwehr mußte sich oft vor den brennenden Geschossen flüchten. Die hohen„Wolkenkratzer" flammten auf wie Streich- holzdosen und klappten dann zusammen wie ein Teleskop. Die besten Feuerwehren Amerikas waren dem Andränge eines solchen Flammen- mcercs, das in dem kurzen Zeiträume von 36 Minuten ganze Häuser- blöcke verzehrte, nicht gewachsen. Dazu kam, daß elektrische Drähte auf die Straße fielen und die Gefahren für die Feuerwehrleute er- höhten. Verschiedene von diese» erhielten so heftige Schläge, daß sie ins Hospital gschafft werden mußten. Als auch der Chef der Feuer- Ivehr von einem elektrischen Draht getroffen und schwer verletzt worden tvar, übernahm der Mayor von Baltimore selbst das Kouunando über die Feuerwehr. Ein Feuerwehrmann aus Pennsylvanien blieb tot. Die Feuerlvehr von Philadelphia wagte es, dem Feuer sogar von vorne entgegenzutreten. Es waren viele unbewußte Hcldcnthatcn, wie sie der Augenblick cingielt, zu verzeichnen. Juristen und Ge- schäftsmänner drangen in die Gebäude ein, um wertvolle Akten und Papiere zu retten, und Hunderte von Bürger» rollten Oel- und Farbenfässer aus Lagern, damit die Flammen nicht neue stärkende Nahrung finden sollten. Am hervorragendsten benahm sich die Polizei. die unter vollständigem Feuer- und Funkcnregcn ein Pulver- und Dynamitlagcr leerte. Die Kranken in den Hospitälern gericteir be- grciflichcrwcise in große Aufregung und mußten zum Teil in keines- wegs transportfähigem Zustande aus den Hospitälern gerettet werden. Auf den Dächern der Krankenhäuser saßen die Aerzie und die Pfleger und Pflegerinnen, um niederfallende Funken sofort zu löschen.� Als das Feuer durch eine Windänderung am Montagmorgrn dem Osten zugeführt wurde, konnten die Feuerwehren mit Seewasser an seine Bekämpfung gehen, und gegen Mittag wurde bekannt gemacht, daß man jetzt Herr der Flammen geworden sei. In vielen Distrikten hatte es sich ausgebrannt und im Süden und Osten war einem weiteren Fortschreiten der Flammen erfolgreich Einhalt gcthan. Gegen 3 Uhr nachmittags galt der Brand als gelöscht. Fast zwei Quadrat- mcilen des geschäftsreichsten Teiles der Stadt liegen in Trümmern. Unter den zerstörten Häusern befinden sich das Courthaus, das allein 3 Millionen Tollars gekostet hat, und ferner eine Menge Banken und andre großartige Gebäude. Die Fcucrversicherungs-Gescllschaften sind so außerordentlich schwer durch diesen Brand getroffen, daß man daran zweifelt, daß sie im stände sein werden, ihren Verpflichtungen nachzukommen.— Im Rcpräs cntantenhaus e in Washington wurde am Montagnachmittag der Antrag eingebracht, den Opfern der Fcuersbrunst eine Million Dollar zu bewilligen. In den Hospitälern befinden sich 75 mehr oder weniger schwer verletzte Personen. ßncfhaftcn der Redaktion. E-. 1901. Es geht nicht an. daß die Redaktion den Einsendern im» erheblicher Lokalnotizcn über die Nichtaufnahme dieser Mitteilungen Rechen» schuft ablegt. Sie werden auch schwerlich ein Blakt in Berlin finden, das dazu bereit wäre. Juriktiseker Seil. Die juristisilic«hircchstuudc fiudct täglich»litZluSuahme de? SonnabendV von 7yz bis O1/] Uhr abends statt,(gcijffiict: 7 Uhr. Auto» Tares. Wenden Sic sich an irgend einen Notar. Das Ver» zeichnis der Notare finden Sie im»weiten Teil des AdrcßkalenderS. — A. S. Sie sind weder zur Zurechtweisung, noch gar zur Züchtigung Ihrer Schwestern befugt. Nach dem Tode Ihres Vaters hat Ihre Mutter die volle elterliche Gewalt über ihre Kinder. Sie kann beim Vormuildschasts» geeicht beantragen, sie in ihrer Erziehungspflicht zu unterstützen. Zweck» mäßiger ist es, Sic suchen auf Ihre Schwestern durch verständige Rücksprache zu wirken.— H. Sch. 10. Ihre Schwester gehört als Dienstmädchen einer Krankenkasse nicht an, ist nicht krankelivcrsicherungspflichtig, sondern kann nur aus eigne Kosten der blemeinde-Kränkenversichcrung beitreten. Die Herrschast ist verpflichtet, für die Dauer von sechs Wochen für die Krankenkasse auszukommen. Ein Recht, in eine Heilanstalt ausgenommen zu werden, steht Ihrer Schwester nicht zu.— I. E. V. 1. Ja. 2. Nein. — Bezirk 180 b. Das Geld ist nur für das Kind zu verwenden.— 31. Preist 5. Weun Sic den Fall beweise», so erfolgt schwerlich Straf» beseht, schlimmstensalls in Höhe von etwa 3 M.— W. P. Sie haben für 1963 und 1901 je 50 Ps. für die neue Wohnung nach Verhältnis Ihres Miettzinses abermals zu zahlen.— W.22001 101 619 724 976 123094 139 380[4001 522 789[3001 856 87 124032 104 472 591 97 721[3001 25 830 049 125034[4001 86 48p 83 88 6U 33 73 1 26077 419 72 506 77 743 47 8» 127K» 225 60 67 484 721 47«4001 128031 143 I300> 232[30001 407 25 99 543[3001 91 698 740[2001 971 129009 83 Hl 65 268 333 568 830 993 130045 242 85 547 71 643 131021 396 831 95» 77 132311 671 694[3001 133142 288 626 740[2001 850 67 134342 631 764 135000 165 89 411 27 608 KS 865 976 1 36028 172 348 71 626 600 1 37066 133 293 433 649 768 83 972 1 38188 88 369 431 85 600 1390,0 538 712[2001 818 � 140091 190 654 680 713[2001 46 73 98-1 14 1320 36 798[2001 909 142166 143009 168 94 551 003 W 144036 113 28 298 595 662 735 145172 214 39 86° 561«09 761 822 75 1 4 6000 193 209 11 310 35 429 69 648 147138 98 280 483 638 45 56 148201 325 13001 584 931 149036 280 356 590 670 805 89 150055 462 662 705 1 51187 301 498 624 90 715 8(0 152016 22 462 558 96 625 743 153126 69 342 154084 222 439 45 745 834 155057 3001 101 515 58 778 842 917[200] 156085 157 21» oSf 1B9V2 M M? 950 1*8006 i65 61i 665 h * rLOO.23» 342 47 654 906 20 1 6 1015 26 287 318 429 712 891 162195[3001 502 80 720 84 919 183102 450 019 85 971 164085 147 56 331 485 603 6° 6/5 829 raOOl 60 1651.35 225 563 816[2001 37 965 ZA««SN8 454« 538 81 12001 864 951 167021 207 539 89 799 813 937 1 68008 75 138 383 402 41 627 731' 866 973 1 69014 114 18 330 58 75 435 94 758 854 65 170190 249[5001 626 17X143[2001 200 437 690 827 172415 898[2001 173031 304 28[4001 51 460 644 49 05 174018 304 91 553 92 800 31 900 59 17518» 203 37 346 65 6®! 763 176509 888 177019 67 1300} 487 520 707 959 67 1 78430[2001 617 831 17906t 177 261 317 500 738[2001 ißg044 ,508 685[2001 819 20 40 971 81 18 1091' 100 98 226 514 640 182181 410 604 21 815 183287 339 64 73 630 808 1 84027 209 427 690 1 85159 223 306 569 705 876 987 92 186100 225 935 187248 37« 921 188095 128 205 394 496 754 70 189002 44 349 401[2001 626 715 81 814 908** 190104 24 220 518 86 711 44 832 191236 529 33 838 949 1 92123 45 85 211 15[200] 536 619 70» 193077 141 90 482 738 874»46 40 194002 6 370 401 612[3001 76 899 1 0 5054 169 204 73 404 12 979 98 196040>34 286 375 92 711 94 920 1 97416 24 6M 108133 84 516 67 628 750 990 199092 197/ [200] 216 37 460 825 77 200128 368 580 91 698 802 201341 456 674 90 774 202035 80 338 782 810 22 084 203301 61 472 525 651 95 900 56 2 0 4074 363 70 728 801 48 205193 264 511 23 621 747 803 942 206613 32 44 98 711[2001 994 2 07172 463 544 47 640 850 022, 208022 110 46 239 374[200] 500 09 209204 443 616 760.~- 210180 496 519 91[40ffl 211240 376 402 80 50# 68 2 1 2085 173 221 1500) 304 538 017 732 80 876 83 945 213069 429 771 821 214001 214[3001 495 7871 975 215071[4001 114 80 248 52 72 308 21 40 423 [200] 74 506 672 712 44 914 2 1 6038 58 349 88 433 618 49 71 86 217105 41 42«[400] 38 96 513 725 [4001 67 816[2001 98 218509 28 60 613[2001 73 708 082 219065 194 200 332 470 923 220372 454 63 79 561 678 826 221078 888 635 41 222114 408 40 52« 742 52 09[2001 878 81 92 905 223101 284 357 414 528 40 56 647 775 84 843 9». ®it Ältbnn» der dritten«losi,»er 210. ttönlg).»rnnsif. 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