Ur. 89. nbonnemcntS'Bedingungen: Abonnements, Preis pränumerando: Siertetjährl. 3£0 MI, monofl. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. S-mntagS- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' 10 Pfg. Poft- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Mart, für daS übrige Ausland s Mark pro Monat. AI. Jahrg. Crfdjcln» Hällfl auS» OoDtaai Devlinev Volllsltlcrkk. Dlt TnfertlotU'GebQlfr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche AercinS- und Bersammlungs. Anzeigen 23 Pig. Kleine Hnicigcn", das erste(sei!- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstabe.: zählen sür zwei Worte. Inserate st:.: die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis L Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-Adreffe: „SezIiliUinokm Berlin". Zentralorgan der fozialdemokrati feben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Kernsprechcr: Amt IV. Nr. 1988. Expedition: SM. 68, �.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die Herren vom Lande. AlS Herr v. Oldenburg aus Januschau am Montag in später Stunde in den schon fast leeren Raum des CirkuS Busch mit Wut- kreischender Stimme hineinschrie, man dürfe sich nicht scheuen, im Kampfe gegen die rote Rotte auch das Reichstags-Wahlrecht einer Revision zu unterziehen, blieb merkwürdigerweise selbst in dem kleinen Häuflein der Treugebliebenen der tobende Beifalls- stürm aus, den in dieser politisch reifen Versammlung sonst jedes in erhabenem Tone und mit großer Geberde gesprochene Wort mit mathematischer Gewißheit zu erregen Pflegt. ES war, als ob über diese beifallStobcnden Leute eine plötzliche Ernüchterung gekommen wäre, ein instinktives Erschrecken vor der letzten Konsequenz, die doch die letzte nicht bleiben könnte.... Schließlich mag auch diese Beobachtung auf einem unwillkürlichen Hineindenken eigner Gedanken in fremde Köpfe beruhen, und die Schwäche des Beifalls bloß auf die verunglückte akustische Wirkung einer rednerischen Kraststelle zuriickzuführen sein. Denn diese selbe Versammlung wand sich eben erst in Entzückungskrämpfen, da der Edle von Oldenburg neue Ausnahmegesetze gegen die Social- dcmokratie verlangte, sie glaubte ihm,!daß nach dem angeblichen Zeugnisse Bebels die Socialdemokratie unter dem Socialisten- gesetze„verzagt" hätte und durch seine Aufhebung gerettet worden wäre. Diese politisch reife Versammlung schüttelte sich vor Gelächter, da ihr erzählt ward, daß von den drei Millionen socialdemokratischer Wähler nur zehntausend wüßten, was der Reichstag sei und daß die andern glaubten, der Reichstag sei ein„Ding zum Essen". Und als ein andrer Redner, der Rittergutsbesitzer AuS dem Winckel, die socialdemokrattsch gesinnte Arbeiterjugend der Berliner Vororte liebkosend als Rowdies und Gesindel bezeichnete, da schien sich jedermann an den eigenen heimatlichen Stall und den dort gewohnten patriarchalischen Ton zu erinnern und des Beifalls war kein Ende. Doch wenden wir uns von solchen geistigen Höhen der Debatte, über die sich zu entrüsten wahrlich nicht notwendig ist, zu ihrem guten Durchschnitt hinab! Das Thema, daß der Mittelstand und die Land- Wirtschaft die berufenen Schützer des Thrones seien, daß aber auch diese Schweizer ihren Sold haben wollten, kehrt in unzähligen Variationen wieder. Das beste Mittel zur Erhaltung des Mittel- standes und der Landwirtschaft ist natürlich ein möglichst hoher Schutzzoll. lieber den Kardorfftarif ist, was man die„Meinungen" nennt, noch immer geteilt.„Als dieser Zolltarif über uns hereinbrach", sagt der sehr gesinnungstüchtige Graf Reventlow, während der Herr AuS dem Winckel denselben Zolltarif einen Teller nennt, der recht bald serviert werden sollte, da sein Geruch angenehm in die Nase steige. Diederich Hahn prophezeit einen großen Kladderadatsch: Ablehnung der Handelsverträge durch die Agrarier und ReichstagSauflösung. Herr v. Oldenburg meint, man würde die Minimalzölle kriegen, schreit aber trotzdem:„An die Wand I" mit diesem Tarif. So wählt der agrarische Ton für die klassische Wendung:„In den Orkus mit diesem Tarif" ein kräfttgeres aus der Kneipe geholtes Bild, um eigentlich dasselbe zu sagen. Allgemeine Neberzeugung ist, daß der Arbeiter am gedeckten Tische der Regierungsgunst sitze, indes der Rittergutsbesitzer darbe. Rittergutsbesitzer B u n d t- Wackern erklärt, daß Graf Bülow über die Arbeiterschaft eine Fülle socialistischer Gesetze ausgeschüttet habe, und warnt ernstlich vor der Arbeitslosen-Versicherung, der„Krone der socialistischen Gesetzgebung", die den Ruin des Vaterlandes bedeute. Denn die Furcht vor der Arbeitslosigkeit sei noch das einzige, was den landwirtschaftlichen Arbeiter vom Uebergang in die Industrie abhielte. Von diesem KanzlersocialiSmus sei der demokratische Schritt zur Abschaffung der Monarchie nicht mehr weit. Mseittge Zustimmung! Dagegen sind die Meinungen über die Rolle, die die Socialdemokratie bei dieser„socialistijchen Gesetz- gebung" spielt, doch einigermaßen geteilt. Während z. B. Herr v. Oldenburg über die Verführung der Arbeiter durch die social- demokratischen Hetzer seine ehrlichsten Thränen vergießt, besonders weil sich diese Verhetzung jetzt gar schon„in Gestalt der Schlange" an die ländlichen Arbeiter heranwage, findet Herr Aßmann- Holzengel, der Arbeiterstand habe der Socialdemokratie manches zu verdanken, und beweist aus diesen Erfolgen die Notwendigkeit der agrarischen Organisation. Natürlich finden beide den gleichen dröhnenden Beifall. Wangenheim.Nösicke.Oertel, Schrcmpf, Hahn sind die vielbetrauerten Größen des Tages. Diesen Gewesenen, die auS der Wahlschlacht nicht mehr zurückkehrten, wendet sich die allge- meine Teilnahme zu. Herr Hahn hat in der unstciwilligcn Ab- geschiedenheit seine Sitten verbessert und bedauert die heftigen Worte, die ihm vor Jahresfrist in Beziehung auf den Grafen Bülow„entwischt" waren. Er hatte damals nämlich den Grafen Bülow C a p r i v i genannt. und man muß beinahe an- nehmen, daß ihm der Reichskanzler, der doch ein Bis- marck sein möchte, deshalb seine Zeugen geschickt hätte. Herr Oertel predigt über die Gefahren der Großstadt, über den „fäulniserregenden Asphalt" und über das sechste Gebot— jedoch ohne ausdrückliche Beziehung auf die Amorsäle, was man ihm leicht übel genommen hätte. Sein Versprechen, den Thron nicht bloß mit seinem Herzen, sondern auch— wenn eS nötig sei— mit seinem Leibe schützen zu wollen, wird als feierlicher Mannesschwur von der Versammlung begeistert acclamiert. Sie alle vermeiden eS. sich über ihr Schicksal zu beklagen und bemühen sich, den Wahlausfall recht vergnügt anzusehen, wobei ihnen der„Vorwärts" als EideShelfcr dienen muß. Nur Herr Schrcmpf aus Württemberg klagt über sein LoS. das er darauf zurückführt, daß ihm ein Minister in den Rücken gefallen sei. Sonst ist aber der Ton, den man gegenüber den Ministern anschlägt, sehr höflich. Die Zeiten des Herrn v. Di est scheinen endgültig vorüber zu sein, obwohl man durchaus nicht zugeben will, daß man befriedigt sei und daß die Minister, die uns„sonst- was" können,„sonstwas" schon gethan hätten. Der Ton der einstigen Oertelschen Mistgabelrevolutton und das Knacken der„krachenden Throne" klingt nur ganz leise in den Worten eines späten unbe- kannten Redners an, der es nicht versteht, daß die Regierung auf den Langmut und die staatSerhaltende Gesinnung der Bauern so sicher baue. Auch kann man sich dessen nicht enthalten, auf die „Schiffahrtskreise" hinzuweisen, denen die höchste Gunst viel Heller scheine, als der Landwirtschast, versichert aber, daß man auch„im Schatten tteu" bleiben wolle. Auch empört man sich gelegentlich über die„orientalische Schweifwedelet" vor den Thronen und bringt die„aufrechte deutsche Treue" in empfehlende Erinnerung. Alles in allem: die Schwenkung wird in diesem Gewirr der Phrasen doch deutlich sichtbar. Man hat das Drohen vorläufig auf- gegeben und empfiehlt sich unterthänigst als Kammerjäger gegen das socialdemokratische Geziefer. Daß man dabei alle brutalen Aus- beuterinstinkte, die der städtische Arbeitgeber meist doch nur mehr in seinen vier Wänden zu äußern wagt, auf öffentlichem Markt in besinnungslosen Schreikrämpfen austoben läßt, ist gut, nicht nur weil das den Herren eine angenehme Erleichterung gewährt, sondern weil eS auch einiges Licht in die Köpfe der ländlichen Arbeiter zu bringen vermag. Und immer heißt es wieder:„Seht die Socialdemokratte I Seht diese gewaltig auffteigende Macht, diese straffe Organisation, diese unerschöpfliche Opferfreudigkeit und tadellose Disciplin." Ja. wer das auch könnte! Daß aber solche äußeren Erscheinungen, die diesen anttkollektt- Vistischen Rittergutsbesitzerschädeln rückhaltlose Bewunderung ab- zwingen, nicht möglich sind ohne einen gewaltigen geistigen und sittlichen Kern, ist ihnen durchaus nicht beizubringen. Und so werden sie denn auf umgekehrtem Wege erfahren müssen, daß ohne ihn auch keine starke, im Volke wurzelnde Organisatton möglich ist, nicht jene Entfaltung der Massenmacht, die sie anstreben. Sie sagen, daß zwischen ihnen und uns die letzte Entscheidung stehen würde, und wir, die„RowdieS" und das„Gesindel aus den Vororten der Großstadt", dürfen es ehrlich bedauern, keine würdigeren Gegner zu haben als diesen tobsüchttgen Schimpfchor. Die französischen Socialisten und der ostasiatische Krieg. Paris, 13. Februar.lX) Mann bei Talicnwan gelandet. Von diesen wurden 410 durch Kosaken niedergemacht, die übrigen kehrten aus die Schiffe zurück. Demselben Blatt wird aus Niutschwang vom 11. d. Mts. ge- meldet: Amtliche Depesche» aus Port Arthur besage», daß die Japaner am 10. d. Mts. große Truppcnabteilungen bei den Vcr- ichunzungcn nn der Duffbucht ausgeschifft hätte». Mai» hätte sie landen lassen, dann angegriffen und sie mit große» Verlusten zurück- geschlagen. Angriffe auf die ostchincsische Bahn. Admiral Alexejew meldet dem Kaiser in einem Telegramm au? Port Arthur voni gestrigen Tage, es seien ihm Nachrichten über Versuche zugegangen, Telegraphenposten an der ostchincsischen Bahn und einen Pfeiler an der Sungari-Briicke zu sprengen; die Versuche seien aber rechtzeitig bemerkt und vereitelt worden. Die Eiseilbahn werde stark bewacht. Die amerikanische NentralitätSnotc betreffs China. Die Note über die Neutralität Chinas, welche Staats- sekretär.Hay den diplomatischen Vertretern Amerikas bei den Mächten übermittelt hat, lautet: Sie wollen dem Muister des Auswärtigen den lebhaften Wunsch der Vereinigten Staaten zum Ausdruck bringen, daß während der nülitärischen Operationen zwischen Rußland und Japan dieNeutralität Chinas und alle Mittel, seine administrative Einheit durchzuführen, von den beiden kriegführenden Parteien respektiert werden und der Schauplatz der Feindseligkeiten nach Möglichkeit lokalisiert und beschränkt wird, damit jede Aufreizung zu einer chinesischen Er- Hebung vermieden und dem Welthandel und Weltverkehr möglichst wenig Schaden zugefügt werde. Der französische Botschafter Jusserand teilte dem Staatssekretär Hah mit, daß Frankreich gern seinem Vor- schlage betreffend Ncutralificrung Chinas z u- st i m ni e. Man glaubt auch Grund zu der Annahme zu haben, daß Rußland dem Vorschlage zustimme. England hat, tvie gemeldet, im P r i n c i p auch seine Zustimmung gegeben. Bon den andren Mächten wird die baldige Zustimmung erwartet. Dem Vernehmen nach sollen Feindseligkeiten auf chinesischem Gebiete auf die Mandschurei beschränkt werden. Beschwerden gegen Maßnahmen AlexejewS. Washington, 15. Februar.(Meldung des„Reutcrschen Bureaus".) Der japanische Gesandte Takahira gedenkt sich heute an den Staatssekretär Hah mit dem Ersuchen zu wenden, er möge von der russischen Regierung die Freilassung von etwa hundert in Port Arthur befindlichen japanischen Flüchtlingen er- tvirken und darum nachsuchen, daß dieselben an Bord eines nach Tschifu bestimmten britischen Dampfers !v eggebracht werden. Der amerikanische Gesandte in Petersburg McCormick soll, wie es heißt, angewiesen werden, eine Anfrage über die Angelegenheit an die russische Regierung zu richten. Hiesige Marinekreise sind der Ansicht. daß die Zurückhaltung der Japaner in Port Arthur eine militärische Notivendigkeit sei, damit den japanischen Befehlshabern nicht durch sie Nachrichten über die Befestigungen von Port Arthur zugehen können. Jingkau, 13. Februar.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) England hat vom Statthalter Alexejew eine Erklärung wegen der Zurückhaltung englischer Schiffe in Port Arthur verlangt und gleichzeitig deren Freigabe gefordert. Darauf hat Alexejew geantwortet, die Schiffe seien jetzt freigegeben: sie seien vorher zurückgehalten worden, weil sich japanische Unter- thanen an Bord befanden. Diese Erklärung wird hier nicht als be- friedigend angeschen. Die Dardanellenfrage im Unterhaus. London, 15. Februar. Unterhaus. Gibson Bowles richtet die Frage an die Regierung, ob die russische Regierung sich mit dem Ersuchen an die britische Regierung gewandt habe, sie möge ihre Zustimmimg erteilen, daß russischen Kriegsschiffen der Weg durch die Dardanellen gestattet werde. Staatssekretär des Innern Akers Douglas erwidert, an die britische Regierung sei ein Ersuchen in dieser Angelegenheit nicht gerichtet worden. Es sei auch keinerlei Grund zu der Annahme vorhanden, daß Rußland einen solchen Schritt beabsichtige, der eine zweifellose Verletzung der ihm gegen- über den europäischen Mächten vertragsmäßig obliegenden Ver- pflichtungen in sich schließen würde. politilcke Ocb erficht. Berlin, den 15. Februar. Der Reichstag füsirke Montag die Beratung über das Kapitel Reichs- Versicherungsamt zu Ende. Aber mit dem eigcnt- lichen Thema, der Unfall- und Jnvaliditätsversicherung, be- schäftigte sich nur Genosse Robert Schmidt- Berlin. Er wandte sich gegen einige Anregungen zur Aenderung des Unfallversicherungs-Gesetzes, die Dr. Mugdan im Laufe der Debatte gegeben hatte, und erlangte in allen Punkten eine zustimmende.Erklärung des Grafen Posadowsky. Es handelte sich um die Aufrechtcrhaltung der Autorität des Reichs- Versicherungsamtes gegenüber den.Lokalinstanzen, um die Zulassung der Arbeitersekretäre zur Vertretung der Verletzten auch vor den Schiedsgerichten, um die Versicherung der in aus- ländischen Filialen deutscher Fabriken beschäftigten Arbeiter und um die Revision auf Grund uneidlicher falscher Zeugen- aussagen. Die übrige Debatte drehte sich um zwei Zwischenfälle, die schon seit Beginn der Beratung über das Reichsamt des Innern das Haus beschäftigten, uin die Angriffe Dr. Mugdans gegen die Krankenkassen und die Märchen des national- liberalen Freiherrn v. Helft über allerhand Einzelheiten aus der.Geschichte und Tagesgeschichte unsrer Partei. Freiherr v. Hehl, mit dem am Sonnabend Genosse Stadthagen gründlich abgerechnet hatte, suchte sich heute vergeblich von dem Vorwurf der objektiven Unwahrheit zu reinigen. Er mußte fast alle seine Behatipiungen widerrufen und seine that- sächlichen Angaben selbst als falsch bezeichnen. Er mußte zu- geben, daß die Fraktion für das Wuchergesetz gestimmt hat, daß die vielbesprochene Einkommensteuer-Tabelle nicht vom Genossen Ulrich herrühre und daß sein angebliches Citat aus Millerand ans willkürlich herausgerissenen, künstlich zu- sammcngestellteil und nur„dem Inhalt nach" übersetzten Sätzen bestehe. Für die beschämende Niederlage, die er er- litten hatte, suchte er sich durch wilde Scharfniacherei zu re- vanchieren. Mit seinen letzten sophistischen Vorbehalten und Ausreden konnte Genosse Stadthagen leicht ausräumen. Bei der Rede unsres Genossen suchte der Vicepräsident Herr Dr. P a a s ch e eine neue Art parlamentarischer Ccnsur einzuführen. Wenn die Ausführungen eines Redners ge- schäftsordnungsinäßig nicht zu hindern sind, will er ihn wenigstens zur Kürze zwingen. Genosse Stadthagen wehrte diesen Vevormiindungsversuch energisch ab und hatte die Lacher auf seiner Seite, als er die Nervosität des Vicepräsidenten Dr. Pansche darauf zurückführte, daß es sich um die Wahrheits- liebe seines Fraktionsgenossen Helft handelte. Nicht besser als dem Wormser Großindustriellen erging es dem Berliner Arzt Dr. Mugdan. Genosse F r ä ß d o r f präcisierte nach drei Nichtungen hin den Standvimkt unsrer Fraktion zu dem Streit zwischen Aerzten und Krankenkassen. Er zeigte zunächst durch den Hinweis auf das Kölner Kaiser- telegramm und den Minister Budde, daß es sich um keine socialdemokvatisthe Angelegenheit handele. Andrerseits tritt die Fraktion allen unberechtigten Angriffen auf die Selbst- Verwaltung der Kassen entgegen. Als solche stellen sich die Forderungen der Aerzte nach Entlassung mißliebiger Kassen- bcamten dar. Sie kann es auch nur für richtig halten, wen» soeialdemvkratische Kmnkcnversicherte sich einen Vorstand und Beamte socialdemokratischer Ueberzengung wählen. Für seine Person legte dann Genosse Fräßdorf noch einmal seine Stellung zur freien Arztwahl dar. Die zahlenmäßigen Be� weise für die bedeutende Erhöhung der Kassenausgaben aller Art, die die freie Arztwahl mit sich bringt, wird man nicht gut anfechten können. Und auch das muß jeder nur halb- Wegs llnbefangene zugeben, daß die Kassenmitglieder— entgegen den Behauvtungen des Dr. Mugdan und seiner Kollegen — geschlossen hinter den Vorständen stehen. Genosse Molkenbuhr, der sich im wesentlichen den Ausführungen Fräßdorfs anschloß, konnte sich. das Vergnügen machen, Herrn Dr. Mugdan, der jedes Wort gegen einen Arzt sonst für eine unerhörte Beschimpfung des gesamten Standes erklärte, eine kräftige Beleidigung der Kassenärzte nach- zuweisen. Dr. Mugdan leugnete, aber Mollenbuhr konnte ihn mit Hilfe des Stenogramms überführen. Sonst rief der ordentliche Etat des Reichsamtes des Innern wesentliche Debatten nicht mehr hervor. Ruch ein großer Teil des Extra-Ordinariums wurde ohne Diskussion erledigt. Trotzdem wird Graf Posadowsky noch mindestens einen Tag warten müssen, bis die Finanzen seines Ressorts für das nächste Jahr geordnet sind; denn bei der Rate für die Weltmisstellung in St. Louis setzte die Kunftdebatte ein. zu der Genosse S ü d e k n m bei den Kosten für die Wieder- Herstellung der Hohkönigsburg ein Vorpostengefecht geliefert hatte.—_ Kunstfragrn im Reichstag. Der seltene Fall, daß sich der Reichstag mit Kunststagen be- schäftigt, ofme durch das Nachilvächter-Mördcrpaar Hcinze dazu ver- anlaßt zu sein, ereignete sich am Montag in später Stunde am Schluß der RcichStagSsitzung. Die Gelegenheit dazu boten die be- kannten Vorgänge, die dazu geführt haben, daß infolge höfischer Intervention die führenden deutschen Geister in der Kunst auf der W e l t a u s st c l l u n g in St. Louis u»vertrete n bleiben werden, während die Lieblinge des offiziellen Geschmacks sich umso breiter machen können. In der Kommission schon hatte Genosse Singer auf die Angekegenheit aufmerksam gemacht. Die Kii'fftdebatte im Plenum begann mit einer artigen Ueber- raschling. Als Verteidiger der„Rinnstelnkunst" und der unter dem irre- führenden Sammelnamen„Seccssion" vereinigten Künstler, die sich jetzt als Künstlcrbund neben der alten allmächtigen Kimstgenosseii- schaft organisiert haben, trat der Führer des Eeiltnuns, Herr Dr. Spahn auf. In drolliger Trockenheit begründete er eine Art wohllvollendcr ReichSgerichts-Elitscheidimg zu Gunsten der in der Hofinstanz verurteilten SecessionSkünstler und plaidierte für die Auf- Hebung des früheren Urteils. Herr Späh» las sogar ein kleines kunsthistorischeS Kolleg und erzählte nilter großer Ailfinerksainkeit des freilich geringen Publikums, tvie die secessiouistische Richtung von Manet herkomme, der zuerst die Kunst aus dem verdunkelten Atelier in die unmittelbare Freiheit von Sonne und Luft geführt habe: daS sei ein nnverlierbarcr Fortschritt gewesen, dem kein Künstler sich mehr entziehen könne. Herr Spahn nimmt also auch hoffentlich an Mauels historisch berühmtestem, revolutionären Bilde keinen Anstoß, an jenem F r ü h st ü ck i m G r ü n e n", wo eine gänzlich unbekleidete Frau am hellen lichten Tage mitten unter Männern sich ihrer Schönheit frent. Aber Herr Spahn ging noch weiter. Nicht nur den alten Manet bewundert er, sondern auch den heutigen Scccssionistcn ver- sagt er nicht seine Anerkenniliig. Er lobt ihren Fleiß, ihre Technik, ihre Naturwahrheit. ihren Farbensinn und für LiebermannS„Allee" findet er fast überschwengliches Lob, so weit solches die Trockenheit seines Juristenstils zuließ. Schließlich verlangte Herr Spahn Parität für beide Kiiiistlerorganisationcn. Woher dies klerikale Wunder der Bekehrung des CentrumS zur verpönten Rinnsteinkunst? Es ist die alte schlaue CcntriimSpolitik. Wie daS Ccntrum für die Soeialpolitik eine starke Geschäftigkeit zur Schau trägt, um den Socialisnms zu überwinden, so spiegelt es jetzt Verständnis und Liebe für die„gesunde" Seccssion, für die „echte" Freilichtkunst vor, um dann unter Berufung auf diese Sympathie» um so rücksichtsloser seiner Hcinze- Hetze fröhnen zu kvmicn. Wer wird nun noch wagen, den klerikalen Kampf gegen den„Simplicissinius", die Berfehmung der nackten Kunst auf finsteres, rückständiges Barbarcntnm zurückzuführen? Hat man nicht die moderne Kunst sogar dem Verdikt des Hofes gegenüber heldenmütig verteidigt? Nur die„Auswüchse" will man treffen, nur die„Aus- wüchse"! Aus dieser Taktik erklärt sich daS Wunder zwanglos. Hinter der Sympathie- Erklärung für die moderne Kunst im all- gemeinen steckt die Absicht, einen Freibrief für die Verfolgung der besonderen Kunst, die nicht centrumsreif ist. zu gewinnen. Nach Spahns Vortrag wurde die Debatte abgebrochen. Der Dienstag wird vermutlich weitere, unerwartete Bekenntnisse zur „Seccssion" bringen. Herr v. K a r d o r f f wird sich der Verfolgten annehmen, zu denen auch sein Sohn, ein begabter Seccssionist, ge- hört; dieser junge Kardorff hat seine» Alten hoffentlich inzwischen auch darauf aufmerksam geniacht, daß die socialdcinokratische Kritik an der Biirgeilrestaiiricrerei in der Montagssitzung des Reichstags durchaus zutreffend und der Vcrtcidigungsversuch von Papa Kardorff durchaus unzulänglich war— Bergarbcitcrfragcn im Abgeordnetenhanse. Typisch für die Art und Weise, wie das Dreiklassen- Parlament Arbeiterfragen behandelt, war die Sitzung vom Montag, in der der Etat der Berg-, Hütten- und Salinen- Verwaltung weiterberaten wurde. Das Haus war nur spärlich besetzt, da die meisten Mitglieder es vorzogen, der Vorstellung im Cirkus Busch beizuwohnen, aber auch unter den wenigen, die pflichtschuldigst der Sitzung beiwohnten, zeigte sich eine genügend große Summe socialpolitischer Rückständigkeit und Unverstandes, so daß der Geist des Junkerparlaments würdig vertreten war. Der freisinnige Abgeordnete Dr. Max Hirsch be- gründete einen Antrag, der die Regierung ersucht, noch in dieser Session dem Hause einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die veralteten Bestimmungen des preußischen Berggesetzes über die Knapp schaftsvereine mit der Reichsgesetzgebung auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung in Einklang bringt. Im Anschluß daran vertrat der freisinnige Redner einige weitere Forderungen der Bergarbeiter, vor allem die der Hinzu- ziehung von Arbeiterkontrolleuren, der Bildung von Arbeiter- ausschüssen, der Verkürzung der Arbeitszeit und der Ab- schaffting der llebcrstunden. Diese bescheidene Rede war für die Vertreter der Jnter- essen der Grubenbarone das Signal zu einem allgemeinen Angriff gegen die durchaus berechtigten Forderungen der Arbeiter. Im Anschluß an den nationalliberalen Bergwerks- direktor H i l b ck, der die Aufwendungen der Bergwerks- besitzer rühmte, die schon weit mehr geleistet hätten, als das Gesetz ihnen auferlegt, ergriff sein Parteifreund, Abgeordneter Dr. Schultz, seines Zeichens Geheimer Bergrat und Berg- schuldirektor, das Wort zu einer Scharfmacherrede, wie sie selbst in diesem Hause nicht oft gehört wird. Herr Schultz wandte sich gegen die Hinzuziehung von Arbeiterdelegierten. weil dadurch angeblich nur die großpolnische und die social- demokratische Agitation gefördert werde, und sprach sein Be- dauern darüber aus, daß„Zehntausende sonst königstrcuer Bergarbeiter bei den letzten Wahlen zur roten Fahne ab- geschwenkt seien". Den Schluß seiner Rede bildete eine Warnung davor, die Beaufsichtigung nicht zu weit zu treiben, damit nicht schließlich hinter jedem Arbeiter ein ihn schützender und bewachender Beamter steht, sowie ein völlig unangebrachter Appell zuni Zusammenschluß aller„staatserhaltenden" Parteien gegen die Socialdeinvkratie. Noch übertrumpft wurde Herr Schultz durch den gleichfalls der nationalliberalen Partei angcbörenden Generalsekretär des oberschlesischen Berg- und Hüttenmännischen Vereins, des neugewählten Abg. Dr. V o l tz, der es fertig bekam, eine weitere Aus- dehmiug der Frauenarbeit im Bergbau sowie eine Ausdehnung der Bestimmungen zu fordern, die es� gestatten, junge Leute unter 16 Jahren unter Tage zn beschäftigen. Und dieser Herr, nach dessen Ansicht es den Arbeitern wer weiß wie gut geht, während die Unternehmer Not leiden, ist Mitglied einer Partei, die im Reichstage so thut. als ob sie eine ernste Social- rcforin erstrebt. Auch Ministsr Möller griff in die Debatte ein, um sich-auch zu der nationalliberalen Nicht-Socialpolitik zu bekennen. Tie Reden des Ministers und der national- liberalen Wortführer, denen sich namens der Konservativen Abg. v. Bockelberg anschloß, beweisen den Bergarbeitern von neuem, daß sie von diesem Parlament und dieser Re- gierung nichts zu erwarte» haben. Für die Forderungen der Bergarbeiter traten— teils in noch zahmerer Weise als Dr. Hirsch— die Abgg. Graf S t r a ch w i tz(C.). Dr. Ehlapowski(Pole) und B roem el(Frf. Vg.) ein. Am Dienstag wird die Beratung fortgesetzt. Tann folgt die zweite Lesung des Etats der Handels- und Gelverbe- Verwaltung.— Deutfcbc« Refcb. Der kommende Mann im Reichsstattstischen Amt. ES wird nns geschrieben: Die neue Besetzung der durch den Tod WilhekmiS frei gewordenen Stelle des Direktors des R e i ch S st a t i st i s ch e n Amts giebt der bürgerlichen Preffe seit Wochen zu allerlei BeeinflussungS- versuchen Anlaß. Der Grund für diese merkivürdige Sorge um den kommenden Mann ist bei den reaktionären Parteien natiir- lich leicht erklärlich: Ist ihnen das Statistische Amt il'cgcn seiner objektiven Aufgaben überhaupt schon nicht sehr sympathisch, so muß diese Abneigung natürlich noch wachsen, ivenn an die Spitze dieses Amtes ein vorurteilsloser Mann gestellt wird, der sich nur von Rücksichten auf die Wissenschaft- lichen sächlichen Aufgaben des Jifftituts leiten läßt. Schon nach dem Tode v. ScheclS ging zunächst das Gerücht, daß als sein Nachfolger ein Mitglied des Statistischen Amtes selber an die Direktorstelle rücken sollte; e? wurde damals dcrRegieruugSratZahn genannt, der sich vor allem durch die Bearbeitung der Berufs- und Gewerbezählnng von 1895 um das Ansehen des Anites große Ver- dienste erworben bat. Dieser Mann hat leider einige Fehler, die ibn den Reaktionären wie den Bureaukraten gleich unsympathisch machen: erstens weiß er ihnen zu viel, zweitens ist er ein leidlich vorurteilsloser und socialpolitisch fortschrittlicher Geist und schließlich ganz und gar kein Burcankrat. Dies alles, wenn nicht schon einiges davon allein, genügte. daß er sehr bald aus der Reihe der damals ernsthafter in Frage kommenden Männer ausschied. Jetzt nml bringt vor allem die CentriimSpresse: die„Germania", „Köln. Volkszcitiing", wieder positive Kombinationen, die wiederum Herrn Zahn ganz außer Bewacht lassen. Die genannten Blätter glauben versichern zu können, daß„die Regierung auch in diesem Falle kaum von dem altbewährten Verwaltungspriiizip abweichen werde, in die höheren Stellen einen Juristen zu berufen"; wie ver- laute, werde der iicue Präsident des Kaiserlichen Statistischen Amtes aus der Reihe der vortragenden Räte hervorgehen und zwar aus dem Reichsamt des Innern, dem ja auch Wilhelmi zur Zeit seiner Be- rufimg aus den DirektionSpostcn angehörte. Als Kandidaten werden von diesen Blättern die Gcheiinen OberregierungS» räte S Y d o w und Werner genannt, welche«übrigens auf dem Gebiete der Statistik und Soeialpolitik bereits Hervorragendes ge- leistet" hätten. Was eS mit diesen Leistungen in Wirklichkeit auf sich hat. entzieht sich freilich der weiteren Oeffcntlichkeit, und die CentruniSblätter würden selbst, wenn man von einigen Gesetzes- kommentaren und Hilfsarbeiten für Regierungsvorlagen absieht, in Verlegenheit geraten, wenn sie diese«hervorragenden Leistungen" specialisiercn sollten. Es liegt durchaus im Interesse gerade auch der Arbeiterstatistik. der das Amt immer mehr seine Thätigkeit widmen soll, daß die leitende Stelle von einem Manne eingenommen wird, der in jeder Hinsicht nach Wissen, Charakter, Sclbständigkcitsgefühl und social- politischem Verständnis den modernen berechtigten Ansprüchen hierfür entspricht._ Der hungrige Hund. Ein fataler Vergleich entschlüpft den„Hamburger Nachrichten". DaS Bisinarck-Blatt ist wütig entsetzt über den socialistischen Sieg. Es beklagt, daß die Bürgerwerdung t'o sehr erleichtert worden sei (Bürger kann nur werden, wer durch fünf Jahre mindestens 1200 M. jährliches Einkommen versteuert hat l). Weiter wendet es sich zornig gegen die„Socialpolitiker", die den thörichten Versuch machen, die Arbeiter dadurch von der Socialdemokratie abzulösen, das; sie ihnen Zugeständnisse machen. In diesem Zusammenhange leistet das Scharfmacherblatt diesen famosen„falschen Zungenschlag": „Was haben diejenigen zu bieten, welche die Arbeiter mit ein paar, nach deren Auffassung gänzlich ungenügenden Reformen und durch Belehrung der Herrschaft der Socialdemolratie emreisteu wollen? Wer letzteres versucht, gleicht jemandem, der es für nroglich hält, riucn hungrigen Hund von der vollen Orleischschusscl dadurch wegzulocken, daß er ihm eine» mageren Knochen vorhält. Zu befreien siud die unteren Klaffen von der geistigen Herrschaft der Socialdemolratie nur dadurch, daß man— wir können es nicht oft genug wieder- holen— den socialistischen Führern, Agitatoren und der gesamten socialistischen Presse das Handwerk legt, die Organisation der Partei in allen Teilen zerstört und die Zugehörigkeit rcsp. die Unter- stützung derselben, durch Gesetz für staatsgefährlich erklärt und mit Strafe belegt." Wir lassen dem Bismarck-Reptil die lieblichen Wünsche, die es für die Socialdemolratie hat, und die Art. wie es die„unteren Klassen" zu„befreien" gedenkt. Dies groteske Spiel scharfmacherischer Unzurechnungsfähigkeit fesselt nicht im mindesten mehr, da es sich allzu alltäglich wiederholt. Erheiternd aber ist der unfreiwillige Bergleich des rasenden Blattes, der nichts weniger zugesteht, als daß die Arbeiterklasse in der heutigen Gesellschaft zur Rolle des hungrige» Hundes verurteilt ist, daß ferner die staatliche und bürgerlich- rcformerische Socialpolitik einem uiagcrr» Knochen gleicht, das; endlich nur die Socialdemolratie es ist, die der Arbeiterklasse die volle Flcischschnsscl giebt. Selten haben die'„Hamburger Nachrichten" sich so wahrhcitlich verplaudert.— Der roteTag vonHamburg. Zu dem schönen Wahlsiege in Hamburg, den wir bereits feierten, führt unser Hamburger Partei- Organ aus:„Was der 16. Juni v. I. für die deutsche Social- demokratie, das ist der 12. Februar d. I. für die Hamburger Social- demokratie geworden, ein roter Sieges- und Ehrentag. Das Ivar ein Leben in den zur Wahl flehenden Bezirken! Unsre Parteigenossen arbeiteten, wie immer, flcihig, opferwillig, gewissenhaft und itzrer un- crmüdlichen Kleinarbeit ist ein wesentlicher Teil des glänzenden Erfolges zuzuschreiben. Alle Posten Ivaren gut besetzt. Die Plakat- träger, die Stimmzettelverteiler, die Mannschaft für dw Haus- agitation, die Genosten in den Wahllokalen und in den Agitations- bureaus in den einzelnen Bezirken usw., sie alle haben im vollsten Maße ihre Pflicht und Schuldigkeit gcthan. Aber auch die Gegner setzten ihre ganze Kraft ein, um sich der Socialdcmokrnten z» erwehren. Die Antisemiten machten krampfhafte Anstrengungen, in Barmbeck und Eimsbüttel wenigstens einen Achtungserfolg für ihre bisherigen Bürgcrschastsmitgliedcr Jacobscn und viaab herauszuschlagen. In Eimsbüttel waren im 6s; Bezirk die Hauptmatadore bei der Hausagitation für Raab thätig, aber es nützte nichts, denn Raab wurde von dem Socialdemokraten, Genossen Stubbe, an die dritte Stelle gedrängt. Lio transit gloria mundi! Nicht besser erging es Herrn Jacobscn in Barmbeck. Als Kuriosum sei erwähnt, daß der antisemitische Kandidat Westphal im 49. Bezirk (Neustadt), für den den ganzen Tag über mit Plakaten und Stimm- zetteln agitiert wurde, auch nicht eine einzige Stimme erhalten hat. Als abends die Wahlresultate bekannt wurden, herrschte im Lager unsrer Gegner eine sehr katzenjämmerliche Stimmung, ins- besondere bei den Antisemiten. Dagegen wurden in unsren reich beflaggten Agitationslokalen die Schlag auf Schlag eintreffenden Siegesnachrichten mit großem Jubel aufgenommen. Mancher schüttelte ungläubig den Kopf, wenn er die Boischafl erhielt:„Zwölf gewählt, sechs in Stichwahl I" So hoch hatte niemand seine Er- Wartungen gespannt."— Eine erhebliche Straflektion muß die„Kölnische Volkszeitnng" den eignen katholischen Glaubensbrlldern erteilen. Da es dcn Katho- likcn möglich ist, sich zur Begründung aller möglichen Arbeiterfeind- lichkeiten auf die Papstäußerungcn zu beziehen, so glaubte eine katho- tische Firma sogar ihrer Gegnerschaft gegen den Buchdrucker- t a r i f durch Citiening eines Satzes aus dem Erlaß Pius X. über die christliche Demokratie die höhere Weihe geben zu können. Der Erlaß setze fest, daß jeglicher nach seinem Belieben über sein Privateigentum verfügen dürfe, der Tarif schränke das Recht ein,— daher sei er verwerflich und die Firma ivolle sich ihm nicht fügen. Die„Kölnische Bolkszeitung" wendet sich gegen diese Auffassung und erregt sich lebhaft über den„Unfug" solcher Ausnutzung kirchlicher Kundgebungen, der„in einzelnen katholischen Blättern immer größeren Umfang annahm e". Sie sagt weiter: „Die Socialdemolratie hat keine wirksameren Agitations- mittel, als die Beweisführungen dieser unberufenen Ausleger von Encykliken, Motuproprios usw. Der Unfug schadet unendlich der Sache des Kotholicismus, er lähmt und erschwert die socialpolitische Aktion des Centrums, säet Mißtranen in den Kreisen auch der treu katholischen Arbeiter. Darum wollten wir einmal in einem krassen Falle„ein Excmpcl statuieren". Wir haben alles Mitempfinden für die„Kölnische Volkszeittmg", daß sie so große Mühe aufwenden muß. um. die blödeste Rückständig- kcit katholischer Firmen und Zeitungen in socialpolitischen Fragen zurückzuweisen.— Eine Tragödie der Irrungen. Der in Kattowitz geborene Franz Wittel wurde im Jahre 1836 statt eines in Laurahntte geborenen Franz Wittel zum Militär eingezogen, wegen Entziehung von der Militärpflicht— die nicht er begangen hatte, da er russischer U n t e r t h a n ist. sondern sein Doppelgänger— z» 40 Tagen Ge- fängnis verurteilt und mußte dann als Soldat weiter' dienen. Wegen fortwährender Beschimpftmg floh er wieder in seine russische Heimat, wurde jetzt beim Schmuggeln in Myslowitz ergriffen und wegen Desertion angeklagt. Der 46 Jahre alte Mann, der nun ivieder im Gefängnis sitzt, nmßte als Russe freigesprocher werden, er hat aber für einen andren a l s p r e u ß i s ch e n Soldat gedient und 40 Tage Gefängnis ab- gesessen!— Afrika. Die Boeren gegen die Kulis. Das hervorragendste Organ von Transvaal, der„Bolksstem", veröffentlicht einen Protest, gezeichnet von Botha, Bürger, Delarcy und andren Boerenführeni, gegen die geplante Einführung asiatischer Arbeitskräfte. Nicht bloß die Unter- zeichner, so heißt es in dem Protest, sondern die überwältigende Mehrheit der Bocrenbevölkcrung, sei einig in der Verurteilung der von der englischen Regierung geplanten Maßnahnien.— parlamentariscbes. Zum Post-Etnt ist weiter folgende C e n t r u m S r e s o l u t i o n im Reichstag eingebracht worden:„Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß die Bestimmungen über die Sonntagsruhe der Po st- b e a m t e n im Rcichspostgebiet Anwendung finden sollen auch auf diejenigen kirchlichen Feiertage, welche am Ort des Post- amtcS von der Mehrheit der Bevölkerung gefeiert werden." Die Ostafrika-Bahn. Der Gesetzentwurf betreffend die Ueber- nähme einer Garantte des Reiches in Bezug auf eine Eisenbahn von D a r- e s- s a l a m nach M r o g o r o ist dem Rcichtage soeben zu- g z möen. Partei- I�aclmcKten. „A«S Vappc schmicd' ich kein Schwert."') Variationen und Thema. Gewisse politische Trottel halten noch immer an der komischen liberalen Einbildung fest, daß die Aufrcchterhaltuug des Drcillassen- #) Isegrim über Miliz. Wahlrechts lediglich der Herrschsucht und dem ungezügelten Eigennutz der herrschenden Cliquen zuzuschreiben sei. Wir. die wir in der Schule großer Meister gelernt haben, auf den Urgrund der Dinge zu schauen, wir wissen,'daß die riesigen Umwälzungen, die sich in der Struktur der Gesellschaft vollzogen haben, die leitenden Klassen um ihrer Sclbstcrhaltung willen naturnotwendig zum Festhalten an Einrichtungen zwingen, ohne tvelche sie rettungslos der Masieuherrschaft überantwortet würden. Sollen wir nun durch unwürdiges Eifern auch die letzten Hestern Freunde vor den Kops stoßen, aus daß sie aus Angst vor dem Kopfabschneiden ins Lager der Uebcrrealtion flüchten und deren Macht stärken? Wir würden die wahre Reaktion aus ewig befestigen... Die politischen Phrasenhelden, denen alles Recht nur als rohe Gewalt erscheint, sehen natürlich in jedem den Arbeitern unbequemen Urteil nichts als die Folge der wachsenden Einsichtslosigkeit der Juristen und der immer stärker hervortretenden, dem Eigennutz des Unternehmertums dienenden Klassenjustiz. Diejenigen Parteigenossen jedoch, die gelernt haben, daß auch die Rcchtsanschanungen irgendwo herkomnien, werden sich überzeugen müssen, daß dieser Rechts- liberaliSnuiS, der die tieferen Grundlagen des Rechts nicht zu erkennen vermag, durch sein blödes Geschrei: gegen die Klassen- justiz! auf dem besten Wege ist, das Recht selber umzustürzen und damit die Anarchie des ewigen Unrechts zu stabilieren. Es giebt Leute, die in jedem Unternehmer von vornherein einen Feind der Arbeiter erblicken. Demzufoige, wenn ein Unter- nehmer nicht jede Forderung der gewerkschaftlich organi- sierten Arbeiter und womöglich mit Dankesworten bewilligt, wenn er schließlich gar einmal gegen die Koalitionen der Arbeiter unwillig ist und ihnen Schwierigkeiten macht, schwatzen sie über Eigennutz, Unverstand und ungezügelte Herrschsucht und vcr- langen rücksichtslose Niederwerfung der„Herren". Tieferer Einsicht kann es jedoch uickit verborgen bleiben, daß die Gestaltung unsres Wirtschaftslebens viel zu mannigfaltig ist, um Erscheinungen, die doch nun einmal vorhanden sind und aus sich heraus gewürdigt werden müssen, in die Schablone eines verknöcherten Obskurantismus pressen zu können. Solcher kläglichen Kousequenzcnmacherei dürfen wir keine Waffen liefern. Selbst anf die Gefahr hin, einer bestimmten Meinungsäußerung geziehen zu werden, müssen wir diesen Ideologen zurufen: Alles verstehen heißt alles verzeihen! Auch die Koalitionsgegnerschaft der Unternehmer ist nicht in jedem Sinne' verwerflich; es konunt immer auf den Standpunkt an. (Map Schippel. Vorwort zu: Grundzüge der Handels- Politik): „... Die politischen Ideologen und Bußprcdigcr, für die sich alle einschneidenden handelspolitifchen Umgestaltungen seit einem Menschenalter einfach aus der wachsenden Einsichtslosigkeit der Be- teiligten und dem immer ungezügelter hervorbrechenden Eigennutz von gemeinschädlichen Sonderintcrcsscn erklären, werden in dem Buche keine Unterstützung, am Ende sogar einen Feind sehen. Sei es drum! Um so mehr rechne ich auf Verständnis bei Parteigenossen, die in der Schule unsrer Meister gelernt haben, große Revolutionen in den materiellen Grundlagen der Weltwirtschaft und deS Völkcr- verkchrs und die daraus natnrnotwendig entspringende» neuartigen Maßnahmen der internationalen Handelspolitik besser zu würdigen, wie der gewöhnliche ökonomische Liberalismus, der in seiner VcrständniSlosigkeit— vor allem für die wirkliche Entwicklung und Lage der europäischen Landwirtschaft, und gar noch unter dem Feldgeschrei: gegen die Junker!— aus dem besten Wege ist, auch den letzten bäuerlichen und ländlichen Wähler in die Arme deS intransigentcstcn Agrariertums zu treiben und so die Herrschaft deS Junkertums auf neuer, tragkrästigerer, demokratisch breitester Grund- läge wie einen ehernen Felsen zu stabilieren." b. w. Die Chcmnlticr„BoltSstimme" schreibt: „Schippels Rechtfertigung in Chemnitz genügt der Redaktion des „Vorwärts" nicht, weil sie zur Klärung der„eigentlichen Streitfrage" nichts beitrüge. Das mag die Redaktion halten wie sie will, jeden- falls kann man aber von ihr verlangen, daß sie die Rechtfertigung des durch ihre Schuld schwer verdächtigten Parteigenossen abdruckt. Das, was sie darüber bringt, ist nicht einnial ein Auszug, sondern eine ganz dürftige Skizze, die keineni Menschen darüber Aufschluß giebt. was Schippet zu seiner Rechtfertigung eigentlich gesagt hat. Anstatt diese journalistische und parteigeuössische Pflicht deS audiatur et altera pars— man höre auch den andren Teil— zu erfüllen, verschiebt die Redaktion des„Vorwärts" den klaren That- bestand, daß Schippe! in der Angelegenheit des Vortrags im dritten Berliner Wahlkreise gerechterweise kein Vorwurf treffen kann, durch die ewige Litanei, daß Schippels Rechtfertigung in Chemnitz die „eigentliche Streitfrage" nicht kläre. Wie Schippe! zu den Zöllen und zur Grundrente stehe, das will die Redaktion des„Vorwärts" wissen. Wenn ihr aber die Antwort auf diese Frage wirklich das wichtigste ist, warum hat denn dann die Redaktion des „Vorwärts" sich nicht gleich in der ersten Sitzung der Fraktion, die den Fall Schippe! erörterte, selber darüber durch eine Interpellation an Schippel, beziehentlich durch die kategorische Forderung an ihn, Antwort zu geben. Auskunft geholt? Dort wäre doch die Gelegen- heit dazu gewesen. Nachdem unsre Reichstagsfraktion bcschlosten hat. sich durch den Frakliousvorstand über die ganze Sache unterrichten zu lassen, wollen wir vorläufig von weiterer Erörterung Abstand nehmen, bis die Fraktion ihre Ansicht veröffentlicht hat. Aus Rücksicht auf jenen Bc- schluß der Fraktion hat übrigens Schippel in Chemnitz anf die detaillierte Darlegnug seiner abweichenden Ansichten verzichtet und dies auch in der Versammlung erklärt. Nur-ein Punkt sei von uns noch erwähnt. Der„Vorwärts" hält es für angebracht, von einer Mitteilung des Harburgcr ParteiblatteS Notiz zu uchmen. worin behauptet ist, Schippel habe vor der Protest- bewegung gegen die Zolltarifvorlage seiner Zeil auf der Redaktion unsres Blattes erklärt: der Fünfmarkzoll sei kein Wucherzoll, ein höherer agrarischer Zollschutz sei durchaus berechtigt zc. Wir wissen nicht, ob Schippel sich so ausgedrückt hat, denn wir führen über Gespräche nicht Buch. Jedenfalls nahm und nimmt Schippel zur Zollfrage eine andre Stellung ein als zum Teil auch wir. Aber um das zu erfahren, bedurfte es nicht der Harburger Mit- teilung. Das weiß die ganze Partei schon längst. Auf das, waS Schippel denkt oder privat sagt, kommt es aber bei der Bewertung seines Verhaltens als Parteigenosse ebenso- wenig an, als es in ähnlichen Fällen bei andren Partei- genossen darauf ankommt. Maßgebend ist, was er thut; ins- besondere ob er da, wo die Parteipflicht ruft, in Reih und Glied steht oder nicht. Andernfalls müßte jede Programmändcrung und jeder Parteitags- beschluß den Austritt oder Ausschluß all derer zur Folge haben, die nicht damit einverstanden sind. Wo blieb aber dann die Partei? Daun wäre kein Zusammenhalt mehr denkbar." Das Zugeständnis der Chemnitzer..Volksstimme", daß Schippel in Chemnitz auf eine Darlegung seiner Ansichten verzichtet hat. über- hebt uns eigentlich jeder weiteren Rechtfertigung gegenüber dem Vorwurfe, daß wir Schippels„Rechtfertigung" nicht abgedruckt haben. Was er über die Art deS Zustandekommens seines Berliner Vor- trageS und über die angebliche Unrichtigkeit unsres Berichts in Chemnitz gesagt hat, war, wie bereits erwähnt, nur eine Wiederholung dessen, was er schon im„Vorwärts" selber darüber behauptet hatte, Daß die Klagen über Kautskqs polemische Methoden, mit denen Schippel seinen Vortrag in Chemnitz fiillte. keine Rechtfertigung seiner Ansichten darstellen, darüber herrscht außerhalb Chemnitz in der ganzen Parteipresse nur eine Stimme. Der„Chemnitzer VolkSstimme" scheint eS nichts auszumachen, ob ein Parteigenosse daS für Unsinn hält, was er öffentlich thut. Natürlich können wir uns nicht mit den un- ausgesprochenen Gedanken eincS Mannes beschäftigen, aber es gilt als selbstverständlich für jeden ehrlichen Politiker, nicht bloß für einen Socialdemokraten, daß sein politisches Denken mit seinem politischen Handeln übereinstimmt und wenn man erfährt— privat oder nicht privat—, daß dem nicht so sei, dann ist man zu der Frage berechtigt! Wie steht es mit Dir? Und diese Frage sollte offen und ehrlich beantwortet werden Ein harmonisches Verhältnis scheint zwischen der Polizei und dn Socialdemolratie in Celle zu bestehen. Die dortige Polizei- direktion versorgt nämlich— ein in Deutschland wohl noch nicht dagewesener Fall— den socialdcmolratischen Verein mit Lektüre. Hier der Beweis: Polizci-Dircktion Celle. 9. Februar 04. Celle. Anbei übersende ich 10 Exemplare der Reden des Herrn Reichs» kanzlers zur gefälligen Benutzung. I. V.: Lange, Polizei-Kommissar. An den Vorsitzenden des Socialdem. Wahlvereins z. H. des Arbeiters Herrn E. Köppen Hierselbst. Tie Freude bei unfern dortigen Parteigenossen hätten wir sehen mögen I_ Hub Induftrlc und Handel Die Spekulation an der Berliner Börse. Gegen die Behauptung der liberalen Börsenpresse, daß an der Börscnpanik der ersten Tage voriger Woche das Börscngesetz die meiste Schuld trage, wendet sich in seiner letzten Nummer auch der „Deutsche Oekonomist", dem sicherlich niemand Börsen- feindschaft nachsagen kann. In Ucbercinstimmung mit den AuS- führuugen des„Wirtschaftlichen Wochenberichts" in der vorletzten Nummer des„Vorwärts" findet auch er die Ursachen der Deroute in der Ausdehnung des SpekulationSkrciscs auf kapitalschwache oder gar nahezu kapitallose Elemente, die auf geringe Einschüsse bei den Banken sich unbedachterweise an der Börse in umfangreichen Spekulationsgeschäften engagieren und dann, wenn infolge irgend welcher Vorgänge ein Kursfall eintritt, sofort sich zur Vornahme von Verkäufen gezwungen sehen, da sie in ihrer Mittellosigkeit die geforderten weiteren Einschüsse auf ihr Conto nicht leisten können. „Die Presse findet," so schreibt der„Oekonomist,"„für alles eine Erklärung und so konnte man denn nicht bloß an dieser Stelle lesen: das Börsengesctz ist schuld, es hat die Börse ihrer Widerstands- kraft beraubt, so daß sie durch jede Katastrophe in ihren Grundfesten erschüttert tvird. Man wird uns gewiß den Vorwurf nicht machen können, daß»vir gegenüber den mancherlei Mängeln des Börsen- gesetzes blind sind; wir haben dieselben oft genug anerkannt und objektiv kritisiert, um so weniger können wir uns aber auch mit der obigen Auffassung identifizieren. Wenn wir die Vorgänge der letzten Woche überhaupt mit dem Börsengesetz in Beziehung bringen wollen, so kann das nur in dem Sinne geschehen, daß das Börsen- g e s e tz nicht im st a n d e g e tv e s e n i st und auch kein noch so strenges Gesetz jemals im st an de sein wird, die Spekulationslust, die Spielleiden- schaft im Volke zu ersticken. Diese Leidenschaft, die Sucht nach möglichst mühelosem Gewinn erscheint uns überhaupt unaus- rottbar, wobei nur beiläufig erwähnt sein mag, daß die Regierung mit dem Börsengcsetze wohl dieses Ziel verfolgt hat, daß sie aber auf der andern Seite nahezu daran war, eine Sparlotterie zu sanktionieren, und daß sie glaubt, durch eine Ermäßigung der Totalisntorsteucr den Besuch der Rennplätze und den Nennsport, über dessen Wert wir uns im übrigen kein Urteil erlauben wollen, fördern zu müssen. Doch das nur nebenbei. Die Börse bat keine innere Widerstandskraft, weil die Zahl der leistungsunfähigcn, schwachen Elemente im Börsengeschäft zu groß ist. Immer wieder haben wir auf das Unsolide hingewiesen, das darin besteht, daß kapital« schwache Elemente auf Grund geringer Einschüsse bei den Banken, sich an der Börse in umfangreichen Spekulationsgeschäften engagieren. So lange die 5kurse steigen, mag der Bank oder dem Bankier die Deckung genügen, auch wenn sie dann und wann überschritten wird, sobald aber der kleinste Tendenznmschlag eintritt, müssen zur eignen Sicherheit Weitcrc Einschüsse gefordert werden. Der Spekulant liegt aber fest, Mittel zu den geforderten Einschüssen hat er nicht, was bleibt ihm da andres übrig, als die Papiere k tout prix zu verkaufen, um nur los zu kommen. Nur daraus ist es zu erklären, daß es wirklich zu einem so sinnlosen, unmotivierten Kursstur; kommen konnte, wie in der letzten Woche am Montag und Dienstag, daß Papiere davon betroffen wurden, deren innerer Wert über jeden Zweifel erhaben ist, und die mit dem russisch- japanischen Kriege absolut nichts zu thun haben. Für die Banken selbst sind solche RcinigungSprozesse in der Regel recht einträglich; denn sie erhalten damit Gelegenheit, die auf den Markt geworfenen Effekten zu niedrigen Kursen zu erwerben; ihr Eintreten als Käufer in solchen Perioden muß aber doch auch wieder als segensreich anerkannt werden, weil sonst leicht auch die Kapitalisten, die als seriöse Besitzer von Anlagepapicren au- zusehen sind, deren eigne Urteilskraft aber nicht so weit reicht, um die Situation zu erkennen, von Angst befallen, ebenfalls zur Veräußerung ihrer guten Effekten schreiten. Die Kosten des Verfahrens tragen allein die mittellosen Spekulanten, und das mit Recht, auf Teilnahme andrer Kreise dürfen sie keinen Anspruch erheben. Das Spekulieren mit ftemdcm Gclde ist und bleibt durch- aus verwerflich und ein in hohem Grade gewagtes Spiel, weil nicht selten die ganze Existenz des Spekulanten von der je weiligen Tendenzveränderung abhängig i st; er steht dem drohenden Verhängnis jederzeit mit völlig gc- bundcnen Händen gegenüber."_ Große Berliner Straßenbahn. In der gestrigen KufsichtSrai?- sitznng wurde die von der Direktion für das vergangene Geschäfts- jähr vorgelegte Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung genehmigt und nach Festsetzung angemessener Abschreibungen und Rücklagen beschlossen, der auf den 12. März d. I. einzuberufenden General- Versammlung die Verteilung einer Dividende von 8 Proz. vor- zuschlagen. Zugleich wird der Generalversammlung der Antrag auf Er- höhuug des Aktienkapitals um 14 297 400 M. zum Zwecke der Be- schaffung von Betriebsmitteln, Bauausführungen usw. zur Beschluß- fassung unterbreitet werden. Die neuen Aktien sollen den bisherigen Aktionären im Verhältnis einer neuen Aktie von 1200 M. zu 7200 M. alter Aktien zum Kurse von 103 Proz. zum Bezüge angeboten werden. Der Beschluß bedeutet nichts andres, als daß die Stadt Berlin auch künftig bei den Mehrerträgnissen der Gesellschaft leer ausgehen soll. Bekanntlich erhält die Stadt als Entgelt für die Verlängerung der Konzession die Hälfte desjenigen Reingcwinncrtrages', der 12 Proz. des alten Aktienkapitals<22,87 Millionen Mark), sowie der 6 Proz. des neuen Aktienkapitals übersteigt. Durch die jetzige Er- höhung wird aber selbstverständlich die prozentuale Dividende des Kapitals hcrabgemiuderl. Die Herren Stadtsyudici hätten etwas mehr Aufmerksamkeit aufwenden und die Stadt nicht am Dividenden- Ueberschuß, sondern am Brutto-lleberschuß participiercn lassen sollen. Bei dem jetzigen Aktienkapital berechnet sich der Prozentsatz der Dividende, bei dem die Gewinnbeteiligung der Stadt Berlin an- fängt, auf 7,6 Prozent. Berlin erhält also diesmal einen Anteil von 343 000 Marl. GewerkfchaftUchca. Wieder einmal: Kammergericht und Streikposten. Das Kammergericht hat durch seine Beurteilung des Streikposten- stehens allmählich eine Judikatur geschaffen, die geeignet ist, während eines Streiks das unbeteiligte Publikum den etwaigen Launen unter- geordneter Polizeibeamtcr auszusetzen, ohne daß andrerseits der von unsren Scharfmachern gewünschte Zweck erreicht wird, daß das Streik- postenstehen unmöglich gemacht würde. Zwei Fälle, über die das Kammergericht jüngst verhandelte, mögen das illustrieren: Der Vorsitzende Cohen von der Berliner Verwaltungsstelle des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes hielt sich neben einigen Streik- lösten vor einer Fabrik auf. wo gestreikt wurde. Er wollte nicht auch Streikpostenstehen, sondern sich lediglich über die Aus- sichten des Streiks in der Eisenmöbelfabrik von Schulz in- formieren. Ein Schutzmann wies ihn und die Streikposten weg. weil an andren Tagen Arbeitswillige»belästigt" worden waren. Da Cohen nicht folgte, wurde er in zweiter Instanz zu einer Geld- strafe auf Grund der Straßenpolizei-Verordnung verurteilt, weil er .einer zur Auftechtcrhaltung der Ruhe und Ordnung auf der Straße ergangenen polizeilichen Anordnung" nicht Folge geleistet habe.— Das Kammergericht als Revisionsinstanz erachtete dies Urteil für „vollkommen seinem Standpunkte entsprechend" und verwarf die Revision Cohens.— In einer Streikpostensache der Metallarbeiter Kullefitt und Reichert billigte das Kammergericht die vom Landgericht aus- gesprochene Freisprechung, weil in diesem Falle festgestellt sei, daß der sie wegweisende Schutzmann gar nicht die Absicht gehabt habe, die Ruhe und Ordnung zu schützen, sondern von der falschen Ansicht ausgegangen sei, das Streikpostenstehen an sich sei zu ver- hindern. Das Kammergericht betonte hierbei, daß der Richter die Notwendigkeit der polizeilichen Wegweisung allerdings nicht nachprüfen dürfe. Der Standpunkt des Kammergerichts, daß das Gericht nicht nachzuprüfen habe, ob die Anordnung eines Polizeibeamten that- sächlich zur Auftechterhaltung der Ruhe und Ordnung not- wendig sei, muß zu so schlimmen Konsequenzen führen. daß er sich als unhaltbar erweist; er gefährdet geradezu die öffentliche Ruhe und Ordnung insofern, als er dem Publikum jeden Maßstab dafür nimmt, wie es sein Benehmen einzurichten hat. Auf der andren Seite giebt er den einzelnen Polizeibeamten das Recht, eventuell ganze Straßcnzüge für den Verkehr zu sperren, wenn er eine solche„Anordnung"„im Interesse der Ruhe und Ordnung' für notwendig erachtet. Da das Gericht nach der kammer- gerichtlichen Entscheidung die Notwendigkeit einer solchen An- ordnung nicht nachzuprüfen hat, kommen wir auf diesem Wege zu einer Polizeidiklawr, die hoffentlich auch wohlthätig auf die Haltung des Kammergerichts einwirken und es zwingen wird, seinen jetzigen Standpunkt aufzugeben. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter aber werden sich in ihrem Verhalten jeder Entscheidung des höchsten Gerichts anzu- passen wissen. Sie werden nach wie vor bemüht sein, ihr Koalitionsrecht streng im Rahmen des Gesetzes auszuüben. Jede ungesehene Schlinge aber, m der sich trotzdem ein Streik- Posten fing, wird von seinen Nachfolgern sorgfälsig vermieden werden._ Berlin und Qmgcgend. Ein Einsetzer-Tarif wird zur Zeit zwischen den Vertretern der Arbeitgeber, dem Centralverband der Bautischlermeister und den Ver- tretern der in Berlin bestehenden Einsetzerorganisationen beraten. Derselbe soll dazu dienen, die zahllosen, das Gewerbe beunruhigenden Werkstattdifferenzen dadurch zu beseitigen, daß eine feste Basis für die Lohn- und Arbeitsbedingungen geschaffen wird. Die Fliesenleger-Hilfsarbeiter haben einen Tarif ausgearbeitet und ihn den Unternehmern eingereicht. Der Tarif soll bis zum 1. Februar 1S06 gelten und, wenn er nicht acht Wochen vor Ablauf gekündigt wird, ein weiteres Jahr in Kraft bleiben. Die Haupi- forderung des Tarifs ist ein vom lS. d. M. ab zu zahlender Mindest- lohn von 50 Pf. pro Stunde, der sich vom 1. Februar ISOö ab um 6 Pf. erhöht. Die Arbeitszeit soll zehn Stunden betragen, lieber- stunden sind möglichst zu vermeiden: loenn sie notwendig sind, sollen sie mit 25 Proz., Nacht- und Sountagsarbeit mit 100 Proz. Zuschlag vergütet werden. Sonnabends wird eine Stunde, am Vorabend der großen Feste drei Stunden ftüher Feierabend gemacht ohne Lohnabzug. Weiter enthält der Tarif Bestimmungen, welche für die Flieseuleger bereits durch Ver- trag festgelegt sind. Dieselben beziehen sich auf Ersatz von Fahr« geld, Vergütung für auswärtige Arbeiten, Schlichtung von Streitigkeiten usw.— Ein Teil der Hilfsarbeiter erhält bereits den ge- forderten Lohn von 50 Pf., viele werden jedoch geringer entlohnt und zwar mit 45 Pf. und noch darunter. Die Beseisigung der verschiedenartigen und Einführung einheitlicher Löhne ist der Haupt- sächlichste Zweck der Bewegung. Der Tarif ist bei 16 Firmen, welche für die Branche in Frage kommen, eingereicht. Einzelne Firmen haben die Forderungen bereits bewilligt, andre haben sie abgelehnt, die meisten haben noch keine entscheidende Antwort gegeben.— Eine Versammlung der Fliesenleger-Hilfsarbeiter. die am Montagabend tagte, beschloß, daß die Arbeiter jeder Firma durch einen Vertreter am Dienstag persönlich beim Geschäftsinhaber vorstellig werden. Wo die Forderungen nicht bewilligt werden, da soll am Mittwoch die Arbeit nicht wieder auf- genommen werden. Wer zu den jjeforderten Bedingungen arbeitet, erhält von der Verbandsleitung eine Arbeitsberechtigungs- karte. Die Bauarbeiter der andren Berufe werden ersucht, die beschäftigten Fliesenleger-Hilfsarbeiter nach dieser Karte zu ftagen. 200 Bautischler, Einsetzer und Maschinenarbeiter haben gestern Morgen in den Vororten Steglitz, Lankwitz, Friedenau, Schmargendorf und G r o ß-L i ch t e r f e l d e die Arbeit nieder- gelegt. Der Streik ist eingetreten bei allen Bautischlernleistern, die den ihnen am Mittwoch voriger Woche vorgelegten Netto-Tarif nicht anerkannt haben.— Zuzug von Angehörigen der obigen Branchen ist fernzuhalten. Oeutfche» Reich. DaS dankbare Crimmitscha»! Dem Bürgermeister Beck- mann in Crimmitschau wurde eine jährliche Geh alt S- zulage von 1000 Mark(schreibe tausend Mark) zu- gebilligt. Begründet wurde diese Zulage damit. daß in Anbetracht der schwierigen Verhältnisse, in denen der Herr Bürgermeister es weder den Arbeitgebern, noch den Arbeitern recht machen konnte, seine Thätigkeit Anerkennung verdiene.— Dieser Beschluß wurde in geheimer Sitzung gegen die fünf Stimmen der Socialdemokraten gefaßt. Schwer bestrafter„TerroriSmus". Der Maurer Rüdiger arbeitete mit dem Maurer Brückner auf einem Umbau in Erfurt. Brückner versuchte wiederholt den Rüdiger, der dem Verbände nicht angehörte, zum Beitritt zu bewegen, indem er diesem die Vorteile vor Augen führte. Da alle seine Bemühungen resultatlos verliefen, geriet er in Zorn und rief dem R. zu:„Du bist ein Lump, Streikbrecher, ein Hund, den man auf die Schienen schmeißen müßte, damit ihm der Schädel abgefahren wird I" Rüdiger machte bei der Polizei An- zeige und gestern erhielt Br. für seine unüberlegten Worte fünf Wochen Gefängnis. Weil die ruhigen Arbeiter vor In- sulten geschützt werden müssen, beantragte der Anits- anwalt sieben Wochen Gefängnis�__ P�rantw. Redakteur: Jnlws Kaliski, Berlin. Inseratenteil verantw. Die Dresdener Filiale deS Metallarbeiter- Verbandes hat an Mitgliederzahl derart zugenommen, daß sich die Anstellung eines weiteren besoldeten Beamten notwendig gemacht hat. Soziales. Aerzte und Krankenkassen. Eine von ca. 550 Personen(Arbeitgeber und Mitglieder der Allgemeinen Orts-Krankenkasse) besuchte Ver- sammlung in Magdeburg nahm am Sonntagmittag Stellung zum Aerzte st reik. Ter Versammlung wohnten im amtlichen Auftrage Vertreter der Regierung und des Magistrats bei. Vom Referenten, Vorstandsmitglied Brandes, wurde mitgeteilt, daß die Versuche des Magistrats, eine Verständigung mit den Acrzten herbei- zuführen, an der Hartnäckigkeit der Aerzte resp. ihrer„Vertrauens- kommission" gescheitert seien. Tie Aerzte hätten erst dann verhandeln wollen, wenn der Rendant Wcndtland bereits entlasten sei. Darauf sei nicht ein einziger Vertreter im Vorstande— weder Arbeitgeber noch Arbeiwehmer— eingegangen. Der Vorstand denke gar nicht daran, W. zu opfern, schon weil er die angeblichen„Beleidigungen" einmal bereits vor sieben Monaten und dann außerdienstlich begangen habe.(W's. Vertrag schreibt vor, daß bei groben dienstlichen Verstößen gegen das Interesse der Kasse zuerst eine zweimalige Verwarnung und dann erst, wenn die nichts helfen, die Entlassung resp. dreimonatliche Kündigung zu erfolgen hat.) — Sämtliche Redner billigten das Vorgehen des Vorstandes, und weiter verpflichteten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einstimmig. die im Interesse der Kasse gettoffenen provisorischen Maßnahmen strikte einzuhalten und durchzuführen.— Der Vorstand hat aus der Reihe der bisherigen 120 Aerzte sich 40 herausgesucht und empfiehlt den Mitgliedern, nur diese zu konsultieren. Darauf erklären in einer Zuschrift cm die— Arbeitgeber die Aerzte, daß von Dienstag ab die Kampftaxc in Kraft trete(d. h. die dreifache Gebühr!), wenn bis dahin diese„Repressivmahregel" nicht wiederrückgängiggemachtseill— In einer Erklärung gab Stdtrat Lüddekens als Magistratsvertreter indirekt seine Zustimmung dazu, daß der Vorstand weitere Konzessionen an die Aerzte nicht habe machen können und ini Falle Wendtland(die übrigen Forderungen der Aerzte standen nicht mit zur Debatte), korrekt verfahren sei. *«* In Köln sollen jetzt auch die Apotheken von der Aufsichtsbehörde gegen die Krankenkassen mobil gemacht werden. Wie die „Rheinische Zeitung" berichtet, verweigern die Apotheken die Aus- fcrtigung der Rezepte, die von den für die Lrtskassen thätigen neuen Aerzten gegeben werden— und zwar soll das geschehen auf An- Weisung des Beigeordneten Dr. Fuchs. Die Packerinnen einer Schuhwarenfabrik mit Ladengeschäft, deren Hauptbeschäftigung darin bestand, die Schnürsenkel in die Stiefel einzuziehen und die Stiefel in Kartons zu verpacken, erachtete das K a m m e r g e r i ch t für gewerbliche Arbeiterinnen und nicht für Angestellte im kaufmännischen Teil des Betriebes. Die Chefs wurden auf Grund der Gewerbe-Ordnung zu Geldstrafen verurteilt. weil sie die Packerinnen in ihrem Fabrikbetriebe des Sonnabends noch nach öVa Uhr beschäftigt hätten. Gewerbegerichtswahl. Nach langem Bemühen ist es der organi- sierten Arbeiterschaft in Pößneck gelungen, die Behörden zur Er- richttmg eines Ge Werbegerichts zu veranlassen. Nachdem die städtischen Behörden dies Verlangen der Arbeiter stets ablehnten, wmidte man fich an die Regierung, und diese wies die Stadt an, ein Gewerbegericht ins Leben zu rufen. Am Montag, Dienstag und Mittwoch voriger Woche fanden nun die Vertteterwahlen, 36 an der Zahl, statt. Die vom Gewerkschaftskartell aufgestellten IS Arbetter- kandidaten wurden glatt gewählt, während aus den Reihen der Ar- beitgeber nur 3 von unsrer Seite gewählt wurden, darunter Land- tagsabgeordncter Paul Seige. Versammlungen. Der Metallarbeiter-Berband hatte am Sonntag nach KeverS Saal eine Bersamnilung einberufen, die der Aussprache über das Verhalten des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins der Maschinenbau- und Metallarbeiter diente. Ter Referent Cohen sprach über daS Thema:„Koalitionsrecht und Kvalittonszwang". Unter Hinweis auf eine Anzahl bekannter Einzelfälle polizeilichen Vorgehens gegen streikende Arbeiter, sowie gerichtlicher Urteile aus Anlaß der Metall- arbeiterstreiks in Berlin zeigte der Redner, daß das Koalitionsrecht für die deutschen Arbetter nur auf dem Papier steht, da dessen prakttsche Ausübung durch Behörden und Unternehmer fast unmöglich gemacht wird. Das Bestreben der Unternehmer geht dahin, das geltende, schon aufs äußerste beschräntte Koalitionsrecht noch weiter eingeengt zu sehen. Der Centtalverband der Industriellen Deutsch- lands sammelt Material, um die Gesetzgebung nach dieser Richtung zu beeinflussen. Um für die Besttebungen Stimmung zu machen, wird von Seiten der Unternehmer behauptet, die freien Gewerkschaften machen daS Koalitionsrecht zu einem Kvalittonszwang, sie üben, so wird gesagt, einen unerhörten Terrorismus auf Züchtorganisierte und Angehörige andrer Organisationen aus, um diese zum Beittitt in die freien Gewerkschaften zu zwingen. Alle diese Behauptungen, die sich entweder auf unwahre Angaben oder höchstens auf unbedeutende, maßlos aufgebauschte Vorgänge stützen, haben keinen andern Zweck, als die Regierung zu gesetzlichen Maßnahmen gegen die Geiverk- schaften scharf zu machen. Alle Arbeiter ohne Unterschied haben die dringendste Veranlassung, sich gegen derartige Versuche, das Koalitionsrecht noch Wetter zu beschränken, entschieden zu wehren. Nicht nur die freien Gewerkschaften, sondern auch die christlichen und Hirsch-Dunckerschen Organisattonen müßten sich die Verteidigung des Koalttionsrechts migelegen sein lassen. Statt dessen haben wir ge- sehen, daß der Hirsch-Dimckersche Gewerkverein der Maschinenbau- und Metallarbeiter am Freitag vor acht Tagen eine Versammlung abhielt, die keinen andern Zweck hatte, als den Metallarbeitcr-Verband zu beschuldigen, daß er die Gewerkveremler terrorisiere. Was als angeblicher Bewis für die Behauptung vorgebracht wurde, waren nichts als kleine unbedeutende Reibereien, welche in Werkstellen,>vo Mit- glieder verschiedener Organisationen nebeneinander arbeiten, hier und da wohl vorkommen, die aber nie einen ernsten Charakter haben, und die nur in denunziatorischer Absicht zu terroristischen Hemdlungen aufgebauscht werden können. Ja selbst auf völlig unwahre Angaben, die ihnen von irgend einem unzuverlässigen Gewährsmann zuge- tragen sind, kam es den Leitern des Gewerkvereins nicht an. So wurde in ihrer Versammlung behauptet, daß der Metallarbeiter- Verband durch unlautere Mittel Mitglieder werbe. Gelegentlich eines Schlosserstreiks in der Freeseschen Fabrik sollen zwei Mitglieder des Gewerkvcreins zum Verbände hinübergezogen worden sein durch das Versprechen, ihre Mitgliedsdauer im Gcwerkverein werde ihnen im Verbände angerechnet, und dies Versprechen sei nicht gehalten worden. Die Feststellungen haben nun ergeben, daß gelegentlich jenes Stteiks nur ein Mitglied zum Verbände übergetreten ist, und der Be- ttesfende hat schriftlich erklärt, daß sein Uebertritt vollkommen frei- willig war, daß ihm keine Versprechungen gemacht worden sind und daß ihm gegenüber der Metallarbeiter-Verband seine Verpflichttmgcn erfüllt hat, sodaß die von Hirsch- Dunckerscher Seite aufgestellten entgegenstehenden Behauptungen aus den Fingern gesogen sind. Noch eine ganze Reihe ähnlicher haltloser Angaben des Gewerkvereins führte der Redner an und erwies, daß sie unwahr sind. Ferner er- innerte er an das unsolidarische Verhalten der GcwcrkvercinSleitung bei dem Mehlichfchen Stteik und andren Gelegenheiten, wo die Hirsch- Dunckerschen die Interessen der Arbetter geschädigt und die Geschäfte des Unternehmertums besorgt haben. Die Gewerkvcreinler hätten am wenigsten Ursache, sich über Terrorismus zu beklagen, da sie, wo sie in der Mphreit find, selber den schärfsten TerroriSmus gegen andre ausüben. So nehme der Meister in der Englischen Gasanstalt nur Arbeiter vom Nachweis des GewerlvercinS an, so daß dieser : Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Bettieb den außerhalb deS Gewerkvereins Stehenden verschloffen set. Die unbegründeten Denunziationen, welche die Gewerkvcreinler gegen den Metallarbeiter-Verband richteten, sollen wohl zeigen, daß die Ge- werkvereinler zu den staatserhaltenden Elementen gehören, denen die Interessen der Unternehmer mehr am Herzen liegen wie die Jnter- essen der Arbeiter, und die man deshalb von etwaigen gegen die Ge- werkschaften gerichteten Unterdrückungsmaßrcgcln ausnehmen kann. Durch dieses verwerfliche Treiben haben sich die Gewcrkvereinler selbst gerichtet.— Dem mit lebhaften Beifall aufgenommenen Referat folgte eine lange Diskussen, hervorgerufen durch das Aufttcten eines Gcwcrkvereinsmitgliedes, welches verschiedene herzlicb unbedeutende und nichtssagende Dinge nach der Art der besprochenen Gewcrkvereins- Versammlung gegen den Metallarbeiter-Verband ins Feld führte. Tie Folge der Ausführung des Gcwerkvereinlcrs war, daß mehrere Mit- glieder des Metallarbeiter-Verbandes seine Angaben im Einzelnen zerpflückten, als haltlos nachwiesen, und weiter ein Bild von dem arbeiterfeindlichen Verhalten des Geiverkvercins bei den letzten Stteiks der Metallarbeiter enttolltcn. Nack, mehrstündiger Debatte nahm die Versammlung einstimmig eine Resolution an, in der gesagt wird: Da feststeht, daß der Centtal-Verband der Industriellen Deutschlands und die mit ihm sympathierenden Kreise slsstematisch auf die Be- seitigung oder doch auf die weitere Einschränkung des Koalitions- rechts hinarbeiten, und daß sie zu diesem Zweck alles ihnen tauglich erscheinende Material sanimeln, so ist es geradezu ein Verbrechen an der Sache der Arbeiter, und heißt es, den Scharfmachern Wasser auf die Mühle liefern, wenn der Gewerkvcrein der Maschinenbau- und Metallarbeiter(H.-D.) gerade jetzt mit seinen noch dazu voll- ständig unbegründeten und unberechtigten Angriffen gegen den Metallarbeiter-Verband kommt. Eine Organisation, die so wie der Gewerkverein der Maschinenbau- und Metallarbeiter gegenwärtig handelt, kann nicht als Organisation bettachtet werden, die als Zweck hat, die Interessen der Arbeiter wahrzunehmen.— Die Versammlung warnt deshalb alle Metallarbeiter vor dem Beitritt zu dieser Organi- sation._ Der russisch-japanische Krieg. London, 15. Februar. Die„St. James Gazette" meldet aus Kobe vom Freitag, den 12. d.M.: Infolge des Angriffs der Russen auf un- bewaffnete Kauffahrteiscbiffe beschloß die japanische Regierung alle ihr in die Hände fallenden russischen Schiffe ohne Rücksicht auf das Dattim ihres Abganges wegzunehmen. Fünf in Saseho beschlagnahnite Kauffahrteifahrer, welche man in einigen Tagen freigeben wollte, wurden nun dem Prisengericht überwiesen. Russische Meldungen. Petersburg, 15. Februar. Ein Telegramm des Statthalters Alexejew vom heuttgen Tage meldet, daß nach tclegraphischcr Mit- teilung des Chefs der' Kreuzerabteilung Kapitäns Reitzenstcin die Abteilung unweit der Tsugarischen Straße einen Dampfer vernichtete und drei Tage lang einen starken Sturm bei 9 Grad Frost und Schneegestöber aushielt. Der Feind sei der Abteilung nicht begegnet. — General Pflug meldet aus Port Arthur von heute, im Laufe des gesttigen Tages war die Lage in Port Arthur unverändert. — AuS Jnkau verlautet gerüchtweise, die Japaner bereiteten die Landung in Tschingwanlao vor.— Von der Grenzwache ist eine Meldung eingetroffen, daß gestern unweit_ der Statt on Schahepu auf der Hsinmintuner Poststraße eine reitende Pattouille fichtbar wurde, die man we�en ihrer Tracht für eine japanische hielt. Eine gleiche Meldung liegt auch von der Station Jnjatun vor. Wie die Nachforschungen ergeben haben, haben keinerlei japanische Panzerschiffe auf der Reede von Tadungou gelegen. Der russische Kreuzer„Askold" gesunken. Tokio, 14. Februar. Der japanische Konsul in Tschifu meldet, daß der Kapitän des amerikanischen Dampfschiffes„PliadcS", welches von Port Arthur eingelaufen ist, berichtet, daß der durch japanische Granaten beschädigte russische Kreuzer Askold. der in, inneren Hafen lag. am Vormittag des 13. Februar gesunken ist. Die russttchen Verluste sollen sich, soweit bekannt, auf 29 Tote und 60 Verwundete auf den Schiffen und 2 Tote in den Befestigungen des Golden Hill belaufen. Tokio, 15. Februar. Rayon Nagasaki, Saseho, Bussime, Haka» date sind Belagerungszustand erklärt.; Verhaftung und Mißhandlung japanischer Flüchtlinge. Niutschwang, 12. Februar.(Meldung des„Reuterschcn Bureaus".) Etwa fünfzig Japaner, die sich auf den, Wege nan Tientsin befanden, sind in Taschitschao an der mandschurischen Bck; angehalten und nach Port Arthur gebracht worden. Ihre Frau.- sind unter militärischer Bewachung hier eingetroffen. Der hiesige anic:! kanische Konsul Miller hat die Freilassung der letzteren erwirkt, Admirol Alexejew aber ihre Wiederinhaftnahme angeordnet. Sie sind sodann mit allen übrigen in der Mandschurei befindlichen Japanern eben- falls nach Port Arthur geschafft worden. Konsul Miller hat fein Verhalten auf frühere Zusicherungen gegründet, welche die russischen Behörden dem japanischen Konsul erteilt hätten, daß nämlich alle Japaner geschützt und ihnen gestattet werben solle, das Land zu verlassen, wenn sie es wünschten. Der Konsul hat ferner gegen die grausame Behandlung Einspruch er- hoben, welcher die spanischen Flüchtlinge angeblich von russischen Soldaten ausgesetzt gewesen sind. Auch gegen einen ungarischen Reisenden hatten sich russische Soldaten grobe Ausschreitungen er- laubt, und den Konsul Miller, an den er sich gewandt hatte, bedroht. Der kommandierende Offizier hat den Beteiligten sein Bedauern über den Vorfall ausgedrückt. Was die Behandluiig der Flüchtlinge anlangt, so hat nunmehr der russische Civiladministrator persönlich die Sorge für deren zweckmäßige Behandlung über- nommen. Man freue fich nicht! Konstantinopel, 15. Februar. Infolge einer Audienz des mssi- scheu Botschafters Sinowjew beim Sultan am Freitag wurde ein Jrade veröffentlicht, das den Muselmanen verbietet, ihre Genugthuung über die russische Niederlage aus« zudrücken._ Letzte j�admehten und Depefcben Gebäude-Einsturz. Köln, 15. Februar. In Matarello stürzte gestern das neue Konfumvereins-Gebäude ein. wobei eine Frau getötet und drei Personen schwer verletzt wurden. Der Einsturz erfolgte durch die Erschütterungen des in dem Hause befindlichen, zum erstenmal in Betrieb gesetzten elektrischen Werkes.(„Köln. Ztg.") Die Aussprrrnng der Diamantarbeiter. Amsterdam, 15. Februar.v eggefegt, und auch die Ge werkschaften würden gegen uns Kassenvorstände Stellung nehmen. Herr Dr. Mugdan, Sie werden nicht allein mit den Kassenvorständen zu thun bekommen, sondern auch mit den Gewerkschaften.(Abg. Dr. lvi u g d a n ruft: Ich habe keine Angst!) Wir Kassenvorstände wollen keineswegs, ivie Herr Dr. Mugdan meinte,„Herren im Hause" sein. Ivir vertreten keine persönlichen Interessen, sondern es handelt sich uni die Existenz der Kassen, uni die Wahrnehmung der Interessen der Versicherten! Wir kämpfen aus Idealismus im Interesse andrer, die Aerzte aber kämpfen fiir sich selbst, vielfach aus nacktestem Egoismus.(Bravo! bei den Social demokraten.) Abg. Frhr. Hehl zu Herrnsheim(natl.): Bei der zweften Lesung des Wuchergesetzes haben von den Socialdemokraten bei der wichtigsten Abstimmung 29 Herren gefehlt: einzelne der Herren haben in der That dafür ge- stimmt. FürArtikelIV haben achtzehnderHerren gestimmt, während fünfzehn dagegen st i m m t e n. Herr Stadthagen behauptet, daß in der dritten Lesung anders abgestimmt worden sei. Da in dieser Lesung keine namentliche W- stimmung erfolgte, ist man auf einem Indizienbeweis an- gewiesen. ES ist ja möglich, daß einzelne der Herren sich für das Wuchergesetz ausgesprochen haben. Wir standen aber immer noch unter dem Eindruck einer Rede, worin der Social- demoftat Schweitzer gesagt hat, er würde aus B o s- heit für das Gesetz stimmen, um die Aufsaugung des kleinen Kapitals zu fördern.(Lachen bei den Social- demokraten.) Angesichts dieser Aeußerung und angesichts der erwiesenen Tciluahmlosigkcit der Socialdemokratie bei der Frage der Zinsbeschränkung ist meine Auffassung von der damaligen Haltung der Partei erklärlich. Abgeordneter Dr. David hat mir weiter vorgeworfen, daß ich Millerand unrichtig citiert hätte. Ich habe aus den Reden Millerands einzelne Ausiprüche zusammen- gestellt und sie dem Inhalt nach mitgeteilt.(Aha I bei den Socialdemokraten.) Ich habe nie daran gedacht, diese Stellen als ein wörtliches und zusammenhängendes Citat zu bezeichnen. (Aha! bei den Socialdemokraten.) Ich muß den Vorwurf der Unwahrheit, den Abg. Dr. David gegen mich erhoben hat, aufs allerenergischste zurückweisen. Millerand hat die Ver- sicherungsgesetze das höchste Recht des Arbeiters, das Recht auf Leben, genannt, während Abg. Bebel in Worms eine höchst geringe Meinung von den Versicherungsgesctzen ausgedrückt hat. Mille- rand hat in einer weiteren Rede gesagt, auf die Utopien in der Richtung auf den Zukunftsstaat müsse Ver- zicht geleistet werden, Iveil sie durch die Wirklichkeit jeden Tag widerlegt würden. Das steht ebenso im Widerspruch zu dem socialdemokratischen Manifest und dem Erfurter Programm, wie die Aeußerungen Mille- randS über das Eigentum, die Redner französisch citiert. Millerand erklärt darin das Eigentum für die Grund- läge der Freiheit, wahrend die Socialdemokraten die Konsiskation des Eigentums nicht bloß von Grund und Boden und der Produktionsmittel, sondern auch der Werkzeuge verlangen. (Lachen bei den Socialdemokraten.) Millerandj hat weiter in einer Aeußerung über die französische Armee große B e g e i st e r u ng für die historische Vergangenheit dieser Armee an den Tag gelegt. Ich bedaure. daß ich die kostbare Zeit des Reichstags durch die Erörterung dieser Frage fortnehmen muß, aber wenn ich nicht Widerspruch erhebe, geht es durch die ganze socialistische Presse. Weiter hat Abg. Siadthagen behauptet, Finanz« minister Gnauth habe mir eine sogenannte Abfuhr zu teil werden lassen. Ich habe behauptet, daß der Mg. Ulrich in der Darmstädter Kammer einen Antrag eingebracht hätte, wonach die Stempelsteuer in Hessen, die unter andrem auch eine sehr hohe Fideikommissteuer in sich schließt, aufgehoben werden und durch eine Progression der Einkommensteuer und eine erneute Progression der Vermögenssteuer ersetzt werden soll. Ich habe Bezug darauf genommen, daß bei der Ausrechnung dieses Antrages eine bestinunte Skala zu Grunde ge« legt werden mutz, weil die bestimmte Summe von drei Millionen Mark, die jetzt von 7000 Steuerzahlern aufgebracht wird, durch diesen Antrag ersetzt werden soll. Hieraus ergab sich für jeden verständigen Menschen von selbst, daß dem Antrage eine bestimmte Skala zu Grunde lag. Ein Mitglied des Finanzausschusses der hessischen Kammer hat mir den Ulrichschcn Antrag und die Ver- Handlungen darüber mitgeteilt. Außer diesem Antrage aber hat Ulrich auch noch aus dem Handgelenk eine Skala entworfen, als deren Wirkung man mir die Progression der Einkommensteuer bis auf 118 angab. Nun ist es richtig, daß die Skala, die Ulrich Vorgelegthal, nicht der Skala entspricht, die in dem Antrag Ulrich vorhanden war. In der später vorgelegten Skala wurde die Progression nach oben abgeschwächt, dafür aber eine B e< die höheren Klassen bedeutet.(Lachen bei den Soc.) An rechnerische Einzelheite>l hat Herr Ulrich bei seinem Antrage kaum gedacht. Es genügte ihm, die Abschaffung der Stempelsteuer und ihren Ersatz durch eine progressive Einkommensteuer zu be- antragen. Er dachte, abgelehnt wird mein Antrag ja doch, aber ich erstille das socialdemokratische Programm. Der hessische Finanz- minister Gnauth aber hat in seiner klugen Art sofort eine AuS- rechnung vornehmen lassen und hat dabei festgestellt, daß die Durchführung dcS Ulrichschen Antrages eine Progression von 118 Proz. bewirken würde. Die Ulrichsche Skala sah eine Progression von 60 Proz. vor. Herr Ulrich hat in einer sehr auf- geregten Rede in der hessischen Kammer mich der wissentlichen Unwahrheit geziehen. Herr Gnauth hat, um ihn zu beruhigen, gesagt, daß ich in einer Beziehung unrecht hätte, insofern die Skala»Üt den 118 Proz. nicht von Ulrich herrühre, daß aber auf der andren Seite die Konsequenz des Ulrichschen Antrags eine außer- ordentliche Bedrückung der besitzenden Klassen bis zu einer Einkommensteuer von 118 Proz. bedeute. Herr Ulrich ist nach dem Rezept vorgegangen, die Ausarbeitung der Gesetzentwürfe den ge- heiineil Räten zu überlassen. Bei der Expropriation wollen die Socialdemokraten keine Ent- schädigung gewähren, aber ich habe ftir mein Gut eine solche ge- währt. Sonst könnte man ja schließlich auch sagen, Bebel habe den ftüheren Besitzer seiner Villa expropriiert.(Heiterkeit rechts.) Darum ist der Vergleich zwischen der jetzigen und der zukünftigen Expro« priation falsch. Im Kommunistischen Manifest wird z. B. die Konsis- kation des Eigentums aller Einigranteu gefordert. Diesem Grundsatz folgend, müßten wir auf das schärffte gegen diese Partei vorgehen. Herr v. Elm schreibt in den„Socialistischen Monatsheften": Wer nicht gerade so denkt wie Bebel, nicht widerspruchslos anerkennt, was er sagt, muß abgesägt werden." Wenn die bürgerlichen Parteien gerade so dächten, müßten sie Herrn Bebel rasch und gründlich„absägen".(Lachen bei den Socialdemokraten.) Ich stehe ja nicht auf dem Standpunkt, daß dies auf dem Wege der Gesetz» gebung geschehen muß(Lachen bei den Socialdemokraten): aber nachdem wir gesehen haben, daß es den Volksverführern gelungen ist, 3 Millionen Stimmen zu gewinnen(Aha! bei den Social« demokraten), müßten alle bürgerlichen Parteien sich um so fester zusammenschließen und glauben, daß jeder socialdemokratische Angriff auf einen de utschenivi an nein Ehrenzeichen ist, das er auf seiner Brust trägt.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Abg. Robert Schmidt-Berlin(Soc.): Ich will weder über die hessische Einkommensteuer, noch über den Modus der Expropriation sprechen, sondern zum Reichs« Versicherungsamt zurückkehren. Graf Posadolvsky hat sich einigen Anregungen aus dem Hause gegenüber sehr entgegenkommend ver- halten. Er versprach, bei Wmessiing der Rente die lokalen Ver» Hältnisse mehr zu berücksichtigen. Dadurch kann ein verletzter Arbeiter, der in seiner ganzen Gegend keine Arbeit mehr findet, höher entschädigt werden. Wenn er aber in seiner Gegend noch lohnende Arbeit findet, gering entschädigt wird und nachher aus der Gegend fort mutz, so liegt die Sache umgekehrt. Da möchte ich doch aber lieber den bestehenden Zustand festhalten. Bor allem aber darf das Reichs-VcrsicherungSamt in seiner Recht- sprechung keineswegs zu Gunsten der Lokalin st anzen beschränkt oder eingeengt werden. Das wäre ein sehr großer Rückschritt in der Socialgesetzgebung. Ich unterschreibe zwar, was über die unsociale Judikatur, insbesondere über die enge Um« grcnzung des Betriebsunsalls gesagt worden ist. Aber andrerseits habe ich die Erfahrung gemacht, daß ein großer Teil der dortigen Beamten auf focialpolitisch vorgeschrittenem Standpunkt steht. Bei einigen Vorsitzenden ist das Interesse der Verletzten in jeder Weise gewahrt und deshalb haben wir ein großes Interesse daran, daß der Einfluß des Reichs-Versicherungsamts nicht zurückgeht. Die zweite Anregung bezog sich auf die Hinzuziehung eiucS ärztlichen Gutachters zu den Spruchsenaten des VcrsichcrungsamtS. Dagegen habe ich eine große Zahl von Bedenken. Es liegt eine große Gefahr darin, daß dieser Arzt den Verletzten nur nach dem Anblick beurteilt, daß gegenüber seiner Autorität die der andern Gutachten zurückträte, daß seine eventuell abweichenden theoretischen Anschauungen sich durchsetzten. Auch das Verfahren vor dem Reichs-Versicheruugsamt, daS sich bisher vorteilhaft von dem bei den Schiedsgerichten auszeichnet, darf durch eine bloß aus fiskalischen Interessen erfolgende Herabsetzung der Richterzahl von fünf auf drei nicht geschädigt werden. Es ist behauptet worden, wir machten alle Rentenempfänger unzufrieden. Die 10 oder 16 Proz. Rente erhalten, sindsgewöhnlich durchaus zufrieden. Aber daß die, denen 60 Proz. Rente zugesprochen worden ist, sich meist in sehr unglücklicher Lage befinden, dafür ist weder dies Gesetz, noch die Rechtsprechung in dem Maße verantwortlich, wie unsre ganze Gesellschaftsordnung. Der halb erwerbsfähige Mann findet eben keine Beschäftigung mehr. Wenn er z. B. nur sitzende Arbeit verrichten kann, ivie soll er diese Arbeit sich ver» schaffen? Wie soll er sich die Arbeit verschaffen, die eine Aus- Nutzung seiner geringen Erwerbsfähigkeit gestattet? Zu uns kommen eine große Anzahl von Leuten, die'wir beruhigen und nach Hause schicken, sonst gäbe es 100 oder vielleicht 1000 Renteu-Streitverfahren mehr. Viel Ungünstiges ist, wie ich glaube, mit Recht über die Vertrauensärzte gesagt worden. Sie liieren sich so eng mit den Berufsgenossenschaften, daß diesen das objektive Urteil ver» loren geht. Wichtiger als ihre Beseitigung ist das Recht des Ver- letzte», auch ein Gutachten beizubringen. Das ist heute noch nicht immer möglich. Die Arbeitcrsckretäre, die vom Reichs-Versicherungs- amt»nbeanstandet zugelassen werden, werden von den Schieds- gerichten zurückgewiesen. Ich bitte den Herrn Staatssekretär, eine Interpretation des Gesetzes dahin zu veranlassen, daß die Arbeiter« 'ekretäre, die ftir den einzelnen Fall keine Entschädigung nehmen, wenn sonst keine Bedenken vorliegen, zugelassen werden. Auch das Centrum sollte im Interesse der katholischen Arbeitersekretäre da- für eintreten. Redner regt im weiteren den Erlaß einer Bundesrats« Verordnung an, wodurch die Interessen von Versicherten, die einen Unfall etiva in emer ausländischen Filiale eines inländischen industriellen UilternehmerS erlitten haben, gewahrt werden. Eine zweite Anregung betrifft die Bestimtmmgen deS§ 84 des Gewerbe- Unfallgesetzes betreffend das Wiederaufnahme-Verfahren. Die Zeugen- aussagen in Rentensachen sind in erster Instanz uneidlich. Nach der Civilprozeß-Ordnung aber kann ein Wiedcraufnahme-Verfahren nur erfolgen, wenn eidliche Aussagen als falsch nachgewiesen werden. Das bedeutet eine Benachteiligung der Unfall- verletzten. Es müßte eine Bundesrats-Verordnung erlassen werden, wonach in diesem Rentenfeststellungs-Verfahren a»ch uncidliche Zeugenaussagen, wenn sie als falsch nachgewiesen werden, eine Wiederaufnahme rechtfertigen. Daß die socialdemokratischen Krantenkassenmitglieder sich social- demokratische Beamten und Vorstände wählen, halte ich für ganz selbstverständlich. Das machen die Centrumslcute doch ebenso. Tie freie Arztwahl ist theoretisch gewiß viel besser als das System der Zwangsärzte. Das Schlimme ist nur der böse Zwist, der von den Llerzten in die Sache hineingetragen ist. Die Aerzte haben den Kasten den Kampf gegen die freie Arztwahl oktroyiert. Tie Re- gierung sollte doch den Arbeitern der Bctriebskassen überall die Segnungen der freien Arztwahl einmal vor Augen sichren I Das thut eben die Regierung nicht. Ich bedaure auf das lebhafteste die Heftigkeit der Agitation in dem ganzen Kampfe. Aber die Kassen können Aufschlagsforderungen der Aerzte von ö0 oder 100 Proz. nicht bewilligen. Mögen die Aerzte sich mit den Kassen ver- ständigen und die finanzielle Lage der Kassen berücksichtigen, dann wird wieder Versöhmmg eintreten.(Bravo I bei den Socialdemo- kratcn.) Abg. Stadthagcn(Soc.) mit Unruhe empfangen: Mein Freund Fräßdorf hat in Bezug auf meine Aeußerung, ich würde den Kranken mir gute Beefsteaks verschreiben, bemerkt, ich stellte doch manchmal etwas übertriebene Forderungen. Vom Stand- Punkt eines Kassenvorstandes mag er recht haben. Im übrigen sind alle meine Freunde darin einig, daß die Arbeiter dasselbe Recht haben wie alle Kranken, sich ihre ärztliche und medizinische Hilfe zu holen, wo und wie sie wollen. Dazu gehört aber in erster Linie gute Nahrung und gute Luft. Die Kranken- lassen können das leider bei der heutigen Organisation nicht leisten. Herr b. Heyl ist auf viele Dinge eingegangen, die mit dem Vorwurf, daß er das Gegenteil der Wahrheit gesagt habe, nur i»» sehr losen Zusammenhängen standen. Auf heute hat er wieder— selbstverständlich objektiv im besten Sinne(Heiterkeit) — durck/ i das Gegenteil der Wahrheit gesagt. Ich fange an das Wort zt. begreifen, die Hessen seien blind.(Heiterkeit.) Auf die Orden, die Herr v. Heyl an die Brust jedes deutschen Mannes ge- heftet zu sehen wünscht, der von der Socialdcmokratie angegriffen ist, könnte man etwa schreiben:„Blon� seit qui mal y penso'-, oder es könnte ein Orden Philipps des Großmütigen sein.(Heiterkeit.) Herr v. Heyl hat auch wieder von Bebels Villa gesprochen. Bebel hat sein bescheidenes Häuschen schon längst zum Kauf ange- boten, so nehmen Sie es ihm doch ab.(Heiterkeit. Rufe: tu teuer!) Nun, ich glaube, Sie würden es zurückweisen, in der Wachstube zu wohnen, in der dort Bebel arbeitet.(Heiterkeit.) Sie kommen ja mit solchen Einwänden nur, weil Ihnen sachliche Gründe fehlen.— In der Angelegenheit Ulrich stellte es dann Herr v. Heyl so dar, als ob er in allen wesentlichen Punkten recht gehabt habe. David hat bereits dargelegt, daß das, was Herr v. Heyl gesagt hatte, in allen Punkten in der That nicht mit der Wahrheit harmoniert. Wenn Herr v. Hehl sagt, der hessische Finanzminister habe den Irrtum Davids in recht humoristischer Weise aufgeklärt, so weiß ich nicht, was Herr v. Heyl unter dem Begriff humoristisch versteht. Aus der Erklärung des hessischen Finanz- ininisters geht hervor, daß Ulrich die Skala nicht entworfen hat, wie Herr v. Heyl behauptet hatte. Diese immer wiederkehrende Be- Häuptling des Herrn v. Heyl ist also falsch. Auch im Falle Millcrand hatte David glänzend dargelegt, daß Herrn HeylS Darstellung in allen wesentlichen Punkten unrichtig war. Herr Heyl aber ist nicht im stände, wenn sich einmal ein Irrtum in seinem Innern fest- gesogen hat(Heiterkeit), die Wahrheit zu erkennen. Der Satz Millerands:»Eigentum ist die Grundlage der Freiheit", soll nach Herrn v. Heyl im Gegensatz stehen zum Erfurter Programm. Eine den Thatsachen widersprechendere Behauptung habe ich noch nie gehört. Wir sagen ja gerade, dir große Menge ist heute nicht freßgweil das Eigentum an Produktionsmitteln nur wenigen ge- hört. Genau wie Millerand: Um frei zu werden, muß das Eigentum in den Besitz der Allgemeinheit und damit jedes Einzelnen übergehe», nur dann ist die Grundlage der Freiheit gegeben. Herr v. Heyl ist sich jedenfalls des Gegenlatzes zwischen Wahrheit und Unwahrheit nicht bewußt...(Glocke des Präsidenten.) Bicepräsident Dr. Paasche: Wir sind jetzt beim Kapitel»Reichs- VersicherungSamt". Sie haben bereits über eine halbe Stunde darüber gesprochen, ob Herr v. Heyl im stände ist, Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden, und wiederholen das immer. Ich bitte Sie, nun zur Sache zu sprechen. Abg. Stadthagen: Ich bin verpflichtet, diejenigen Behauptungen, die Herr v. Heyl mir gegenüber aufgestellt hat, zurückzuweisen. (Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) So wenig vorher Herr v. Heyl unterbrochen ist, so wird auch mir der Herr Präsident gestatten müssen, zu antworten, ich habe lange noch nicht alles widerlegt. (Große Heiterkeit.) Bieepräsident Paasche: Ich habe nur die Bitte ausgesprochen, sich kürzer zu fassen und nicht immer die eine Behauptung zu wieder- holen, daß Herr v. Heyl die Unwahrheit gesagt hat. Abg. Stadthagen: Ich werde bei jedem einzelnen Punkte, wo die Unwahrheit gesagt ist, das feststellen. Kommt das häufig vor, so liegt das nicht an niir, sondern an Herrn v. Heyl.(Große Heiterkeit.) Es giebt keine Bestimmung der Ge- schäftsordnung über die Dauer einer Rede. Bieepräsident Paasche: Sie haben keine Kritik an meiner Ge- schäftsführung zu üben. Ich rufe Sie hiermit zur Sache. Abg. Stadthagcu: Herr v. Heyl, der Fraktionsgenoffe— der Nationalliberalen... Bieepräsident Paasche: Sie haben nicht mit dem Wort Fraktions- genösse zu insinuieren, als ob ich hier zu Gunsten meines FraktionS- genossen Freiherrn v. Heyl handelte. Abg. Stadthagen(Soc.): Herr v. Hehl hat die irrtümliche Be- hauptuug wiederholt, daß die Socialdemokratie gegen das Wucher- gesetz gestimmt habe, obgleich ihm wiederholt aktcnmäßig das Gegen- teil nachgewiesen ist. Obgleich sich auf Drucksache 202 ein von uns unterschriebener Antrag befindet, der als Artikel lV Gesetz geworden ist, behauptet Herr v. Heyl entgegen der Wahrheit, man könne aus den Akten nicht ersehen, ob die Socialdemokratie siir das Gesetz ge- stimmt habe. All diese Verschleierungen der Wabrheit bleiben be- stehen, das Urteil überlasse ich der Oesfeutlichkeit.(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Graf Posadowsky: Es sind im Laufe der Debatte heftige Angriffe gegen die Recht- sprechung des Reichs-Versicherungsamtes gerichtet worden. Ich habe mich gefreut, daß heute ein Mitglied der socialdemokratischen Partei umgekehrt sich im großen und ganzen doch anders über diese Rechtsprechung geäußert hat im Gegensätze zu seinen Fraktionsgcnosscn. Es ist mir nicht eingefallen, anzudeuten, daß für die Zukunft das Rcichs-Versicherungs- amt eingeengt werden soll. Ich habe nur ausgeführt, daß, nachdem nun einmal 14 000 Rekurse im Jahre vorgekommen sind, man ernstlich erwägen müsse, ob man nicht für die Renten von kleineren Beträgen den Rekurs beseitigt und statt dessen die Revision einführt. Es ist ja leicht gesagt, es werden zu viel Sachen au einem Tage erörtert. Jedenfalls aber ist es unmöglich, daß bei dieser Un- Masse von Rekursen bei dem großen Beamtenpcrsonal eine Gleichheit der Rechtsprechung zu erzielen ist. Es lvird eine zwingende Not- wcndigkeit sein, nach einigen Jahren eine Reform nach irgend einer Seite hin anzustreben. Was die Zulassung der Arbeilersettctäre als Vertreter bei den Schiedsgerichten betrifft, so habe ich ausdrücklich den Grundsatz des Reichs-Versicherungsamts vorgelesen, wonach aus Absatz 2 des§ 9 eine Berechtigung zur allgcnicinen Ausschließung n i cht abgeleitet werden kann; es muß ein positiver Grund vor- liegen. Was den Schutz der Jntereffen der Arbeiter, die in aus- ländischen Filialen inländischer Unternehmungen beschäftigt sind, anbetrifft, so stehen wir gegenwärtig in Unterhandlung darüber mit Oestreich, den Niederlanden und Luxemburg. Der Herr Vorredner hat auch einen Fall angefübrt, der mich aller- dingS bedenklich gemacht hat. DaS Wiederausiiahmcverfahren sei danach abgelehnt, weil es nur eintreten könnte, wenn festgestellt ist, daß ein vereideter Zeuge einen Meineid geleistet hat. Ich kann ohne weiteres meine Auffassung dabin klarlegen: ob der Zeuge vereidet war oder nicht, wenn eine solche Zeugnisaussage eine nach- weislich irrige war und der Zeuge später leine Aussage ändert und wenn auf die erste Aussage hin die Entscheidung gegründet worden lvar, dann ist allerdings meines Erachteus nach allgemein mensch- lichcr Auffassung eine' Grundlage für das Wiederaiifnahmcvcrfahrcn gegeben. Denn die Thatsache, daß nicht vereidigt worden ist, kann dem Verletzten nicht zur Last gelegt werden. Ich werde den Fall nachprüfen lassen. Noch ein Wort zur V i l l a d e S H e r r n N b g. B e b e I. Ich bin der Ansicht, daß die bürgerlichen Parteien sich freuen sollten, wenn Mitglieder der Socialdcmokratie Villen besitzen. Ich gehe noch weiter: ich wünschte, Herr Bebel und seine Freunde würden sogar Rittergutsbesitzer, dann würden sie, davon bin ich fest überzeugt, die landwirtschaftlichen Verhältnisse anders beurteilen, aus eigner Er- fahrnng, wie sie es jetzt oft thnn.(Heiterkeit und Sehr richtigl rechts, Abg. G a m p: DaS habe ich ja auch immer gesagt. Heiterkeit.) Abg. Molkenvuhr(Soc.): Der Fall, der den Herrn Grafen Posadolvsky bedenklich machte, st cht doch nicht vereinzelt da. Ich erinnere mich eines Falles, wo ein Bergmann verunglückte. Seine Kameraden stellten es so dar, als ob er Selbstmord begangen hätte, und der Witwe wurde, trotzdem die Leute später ihre Aussage änderte», die Rente entzöge» nur aus dem Grunde, weil damals die Zeugen nicht vereidet waren. Wenn das im Wege der Bundesrats-Verordnnng geändert werden kann, so wäre es dringend erwünscht, daß es ge- schicht. Herr Mugdan fagte, der Kampf spiele sich keineswegs ab zwischen den Aerzten und den Kasscnnntgliedern, sondern zwischen den Aerzten und den Kassenverwaltungcn, die sich nicht scheuen. Aerzte anzustellen, die mit Zuchthans oder mit Gefängnis vorbestraft sind usw. Dann würde ich doch vorschlagen, daß man sowohl in der Kranken-, Unfall-, wie Jnvalidcngcsetz eine Bestimmung einfügt, wo- nach Aerzte, die mit ZnchthanS vörbcstraft oder notorische Schwindler sind, zu irgend einer Praxis bei der Bcrsichcrung nicht zugelassen werden.(Sehr gntl bei den Socialdemo- kraten.) Herr Dr. Mugdan behauptet immer, daß die Aerzte so sehr viel Interesse für die Arbeiter haben. Er soll mir doch nur einen Fall nachweifen, wo falsche Rechtsprechung der Berufsgenossen- schaften nachgewiesen ist, und wo die Aerzte nicht die Hand im Splelc gehabt haben. Stets sind die Aerzte hercit gewesen. d i e R e n t e n z u k ü r z e n o d e r a b z n e r k e n n e n. So ist es dahin gekommen, daß bei gewerblichen Unfällen nur noch bei einem Prozent der Unfälle Bollrcnte gezahlt ivird. Die Aerzte tragen die Verantwortung für die Anhäusting der Prozesse beim Rcichs-Vcrsichernngsamt. Entspricht ein solches Ver- halten ihrem Ansehen und Standesintcresse? Manchmal beweisen Aerzte eine völlige Unkennttiis über die Anforderungen ciiics Berufes. Ein Arzt in hervorragender Stellung erklärte in seinein Gutachten, day ein Zimmerer mit einem infolge eines Schädelbruchs vollkommen zerrütteten Nervensystem noch sähig zum Tabakarbeitcr sei.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Und die famose Bau-Berufsgenossenschaft gewährt ihm 40 Proz. Rente! So zerstören die Aerzte selbst die Autorität, die sie in ihrem Beruf so nötig haben!(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Mugdan(frs. Vp.): Herr Molkenbubr hat fast wörtlich gesagt, daß die Aerzte regelmäßig bescheinigen, was die Beruf'genosscirschasten wünschen und daß es keine schäbige Handlung der Lcrufsgenossenschaften gebe, an der nicht Aerzte mitwirken. Das sind unerhörte Vorwürfe, gegen einen ganzen Stand von denselben Leuten, die eS sehr unrecht finden, wenn man nur ein Wort gegen das Proletariat sagt. Der Abgeordnete Molkenbuhr hat auch zurückgegriffen auf meine Aeußerung, daß es sich nur um den Streit zwischen den Kassen- Verwaltungen und Aerzten handelt, und daß die Kasienverwalttingen, wenn sie nur ihre Macht ausrecht erhalten und ihren Willen durchsetzen, sich nicht scheuen, Aerzte anzustellen, die mit Zuchthaus oder Gefängnis bestraft sind. Ich habe natürlich nicht gemeint, daß alle Kasten- Verwaltungen alle Tage Aerzte anstellen, die im Zuchthaus gesessen haben. So viele Aerzte von der Art giebt es erfreulicherweise nicht. Es war eine deutliche Anspielung auf die K ö l n e r K a s s e n- Verwaltung.(Widerspruch des Abg. Molkenbuhr, der sich zum Wort meldet.) Dort wollte die Kassenverwaltung nicht nur einen Arzt anstellen. der mit Zuchthaus bestraft war. sondern nicht einmal die bürgerlichen Ehrenrechte besaß, infolgedessen die Approbation verloren hatte und die Bewerbung zurückziehen mußte. Thatsächlich hat sie einen Arzt an gestellt, der im Zuchthaus gesessen, aber die bürgerlichen Ehrenrechte bereits wieder erlangt hatte, und vier mit Gefängnis Vorbe st raste. Sie bat einen Arzt angestellt, der thatsächlich am Vormittag in Köln Specialarzt in einem andern Fach ist, als am Nachmittag in Miihlheim. Das Eingreifen des Rcgicrungspräsidcntc» in Köln kann ich reilich nicht ganz billige». Er war auf Grund des 8 ööa, in der Lage, den Krankenkassen die Anstellung von mehr Aerzten vor- zuschreiben. In welcher Weise die Kassenverwaltungen dieser Ver- pflichtung nachkommen, müßte ihm gleichgültig sein. Bei der starken Organisation der Kölner Aerzte wäre es auf dasselbe hinaus- gekommen. Aber diese Form des Eingreifens war nicht be- rechtigt. Herr Fräßdorf hat den phänomenalen Witz von dem„ftei- willigen Regierungskommissar" gemacht und mir vorgeschlagen, mich zu Herrn v. Kardorff zu fetzen. Nun, Herr Fräßdorf ist heute mit dem Minister Budde Arm in Arm gegangen, und ich überlasse Ihnen (zu den Socialdemokraten) zu entscheiden, ob das für einen Social- demokraten nicht viel schlimmer ist.(Große Heiterkeit und Beifall bei den Freisinnigen.) Abg. Molkenbuhr(Soc.): Ich muß entschieden bestreiten, daß ich dem ganzen Aerztestand einen Vorwurf gemacht habe; ich habe imr von einzelnen Aerzten gesprochen. Ich kenne sehr be- deutende Chmirgcn, von denen die BcnifSgciiosscnschnftcu gleich sagen, der macht's ja viel schlimmer, als es in Wirklichkeit ist. Einer Verallgemeinerung hat sich nur Dr. Mugdan schuldig gemacht, indem er den einen Fall ans Köln so darstellte, als sei das bei allen von Kasten angestellten Aerzten der Fall. (Lebhafter Beifall bei den Soc., Widerspruch des Abg. Mugdan). Sie (zu Dr. Mugdan) haben kein Wort, keine Silbe von Köln gesagt. (Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Sie haben es so dargestellt, als ob sämtliche Kassenvorstände nichts danach ftagen, ob Ufte Aerzte mit Zuchthaus bestraft find.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Ich würde das für eine schwere Bcleidgung auch des Acrztestandes gehalten haben, aber da der Vertreter des Aerztestandes sie selbst ausgesprochen hat, so kann ich nur sagen: er weiß es wohl besser! (Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion und das Kapitel»Reichs- Versicherungsamt" wird bewilligt. Beim Kapitel„flaiinlomt" trägt Abg. Hoeck(frs. Vg.) lokale Beschwerden aus Albersdorf, das etwa an der Mitte des' Kanals liegt, vor. Abg. Dr. Leonhart(fts. Vp.) beschwert sich über die Bau- inspektorcn am Kaiser Wilhelm-Kanal, ihre Bevorzugung vor den Hafenkapitänen, ihre Willkürlichkeiten gegenüber dem Bauverein in Brunsbüttel und gegenüber der Betriebs-Krankenkasse. Die Arbeiter- Verhältnisse geben Anlaß zu Klagen. Redner beantragt, Kapitel 13a der Budgetkommission zu überweisen. Staatssekretär Graf Posadowsky sagt Untersuchung der vom Vorredner vorgebrachten Beschwerden zu. Gegen eine Erhöhung der Gebühren flir Schleppschiffahrt habe ich mich immer gesträubt. Allerdings würde das Deficit des Kaiser Wilhelm- Kanals sofort in einen Ueberschuß verwandelt, wenn die Schleppgebühr« vom Kanalamt auf den Betrag der Selbstkosten erhöht würden. Aber ich halte das socialpolitisch nicht für richttg. Damit schließt die Diskussion. Der Anttag Dr. Leonhart wird gegen die Stimmen der Freisinnigen abgelehnt. Das Kapitel wird b e w i l l i gt. Beim Kapitel 73 ä,„AufsichtSamt für Privatversichcruug". nimmt das Wort Abg. Werner(Antis.): Die Bezüge der Sekretäre beim Privat- Versicherungsamt müßten erhöht werden. Bei der Versicherung „Victoria" in Berlin scheint mir manches bedenklich zu liegen. Ich habe nichts gegen das System der Volksversammlung(Heiterkeit)— Pardon! Volksversicherung, aber bei der„Victoria" sind die Prämien unverhältnismäßig hoch gegenüber den Leistungen der Gesellschaft. Abg. Dr. Potthoff(Hosp. der frs. Vg.) wünscht, daß die Ver- sicherten im Beirat des Privatversicherungsamtes_ durch Sachverständige vertreten sein möchten und befürwortet eine darauf ge- richtete Eingabe des Feuerversicherungs-Schutzverbandes. Staats, ekretär Graf Posadowsky: Was die vom Abg. Werner erwähnte Versicherung„Prometheus" anlangt, so erachtet sich daS Aufsichtsamt für nicht befugt, seine Zuständigkeit auf die Angelegen- heiten des„Prometheus" auszudehnen. DaS ist vielmehr eine preußische Angelegenheit. Das. was der Vorredner über die „Victoria" sagte,'werde ich z,mr Gegenstand eines amtlichen Be« richtes des Aufsichtsamtes niachen. Das Kapitel wird bewilligt. Damit ist das Ordinarium bewilligt. Es folgt das Extta-Ordinarium. Beim Titel„Unterstützung an die Gesellschaft für deutsche Er- ziehnngs- und Schulgeschichte erkennt Abg. Schräder(frs. Vg.) die kulturhistorische Bedeutung der wissenschaftlichen Forschungen dieser Gesellschaft an und wünscht eine Aenderung der Organisation in der Art. daß die einzelnen Gruppen der Gesellschaft einen Höberen Einfluß im Centralvorstand haben. Staatslckretär Graf Posadowsky: Wir haben über diese Organi- sation die deutschen Akademien gutachtlich gehört und werden die Anregung des Vorredners berücksichtigen. Beim Titel:„Vierte Rate zur Wiederherstellung der Hohlönigs- bürg 150 000 Mark" ergreift das Wort Abg. Dr. Südckum(Soc.): Wenn auch diese Rate nur in Kon- sequenz früherer Reichstagsbeschlüsse gefordert wird, so möchte ich doch noch einmal Protest einlegen gegen die nutzlose Dcvastieruug eines interessantes Bauwerkes. Ich beruse mich dabei insbesondere auf die Untersuchungen des Dr. Pieper in München. Bis jetzt ist nur der Burgfried und die äußere Umwallung der Burg wieder her- gestellt, d a s S ch l i m m st e ist also noch verhütet. Es wäre somit an der Zeit, daß der Reichstag diese 150 000 Rk. einfach ver» weigerte, umsomehr, als die Voraussetzungen der ersten Bewilligung garnicht erfüllt worden sind. Die Burg wird nämlich gar nicht genau so wiederhergestellt, wie sie mar, sondern es lvird ein reiner Phentasiebau errichtet. Daran ändert auch das Gutachten der königlich preußischen Akademie für Baukunst nichts. Denn dieser hatten verschiedene Rekonstrullionspläue vorgelegen, und eine Gestalt kann die Burg doch nur gehabt haben. In Wirklichkeit handelt es sich um nichts andres, als um die Verbeugung vor einem höheren Willen, der hier eine Rolle spielt, nachdem die Stadt Schlettstadt dem Kaiser die Burg geschenkt hat.(Sehr richtig I bei den Socialdemo« kraten.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Von dem Aufbau einer Phantasieburg kann keine Siede sein. Es steht noch der ganze Grundriß, die Kasematten sind fast vollständig erhalten. Der Architekt Bodo Ebhardt ist ein genauer Kenner der italienischen, deutschen und schweizer Burgen jener Epochen. Dr. Pieper, dessen Broschüre ich eingehend gele>cn habe, ist allerdings andrer M e i n u n g. Daß Bauwerk ist mit der Geschichte des Elsaß innig verknüpft und bedeutet eine Lebensquclle für die ganze Uni- gebung. Avg. Henning(k.): Kein Land ist durch Kriege so verwüstet wie Deutschland. ES ist ein nationaler Gedanle, die Trümmer, die im Deutschen Reiche noch erhalten sind, wieder aufzurichten.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Das erfordert die deutsche Ehret(Bravo! bei den Konservativen.) Abg. Dr. Sndcknin(Soc.): Mit der deutschen Ehre hat das gar nichts zu thun. Es handelt sich darum, ob man der Devastierung einer interessanten Ruine noch vorbeugen will. Mit uns hallen sehr viele den Plan Bodo Ebhardts für ganz verfehlt und glauben, cr verwüste geradezu das Bauwerk. Aber diese Leute trauen sich nicht hervor, weil sie die Angelegenheit als eine persönliche Angelegenheit des Kaisers ansehen.(Sehr richttg! bei den Socialdemokraten, Un« ruhe rechts.) Abg. v. Kardorff(Rp.): Ich muß entschieden gegen diese letzten Acußerungen Protest einlegen. Wir haben der Wiederherstellung der Burg mit vollem Bewußtsein zugestimmt aus den Gründen, die Herr Henning angegeben bat. Damit schließt die Debatte. Die Summe wird gegen die Stimmen der Socialdemokraten und der Freisinnigen Volkspartei bewilligt. Es folgt der Titel: Beteiligung des Reiches an der Welt- ansstellung in St. Louis: 500 000 M. in Verbindung mit dem aus dem Ordinarium zurückgestellten Titel: 20 000 M. als Unter- stützung für die Beteiligung der deutschen Kunst an internationalen Ausstellungen. Der Berichterstatter Abg. v. Richthofcn-DahmSdorf weist in seinem Referat darauf hin, daß in der Kommission behauptet worden sei: der deutschen Kunst sei eine angemessene Vertretung in St. Louis nicht zu teil geworden, weil die Seccssion mit Absicht zurückgestellt sei. Es seien sehr verschiedene Urteile über den Wert der Secefsion zur Sprache gekonmien, zu denen er als Referent' keine Stellung nehmen wolle. Abg. Dr. Spahn(C.): Der vorliegenden Position für die Weltausstellung werden wir zustimmen. Außer dieser Position sollen weiter 20 000 Mark ausgegeben werden für die internationale Kunst» ansstellung. lieber die Verlvendung dieser Summe sind in der Kommission Meinungsverschiedenheiten zum Ausdruck gekommen. Ich meine, die Streitigkeiten zwischen den künstlerischen Richtungen haben für die Ausstellung in St. Louis für den jetzigen Zeitpunkt nur eine untergeordnete Bedeutung. Jetzt kann an der Berürffichtigmig der einzelnen Richtungen nichts mehr geändert werden. Der Herr Staatssekretär hat nun in der Kommission eine Erklärung abgegeben, worin er äußerte, daß die Secession wohl nicht den richtigen Weg zur Veredelung der Kunst führe. Ich meine, um die Frage der Secession handelt es sich nicht allein. Wir wissen, daß sich neben der Kunstgenossenschast jetzt der deutsche Künstlerbund in Weimar gebildet hat, der für sich in Anspruch nimmt, mindestens ebenso viele Künstler zu umfassen, nicht bloß secessionistische, wie die Kunstgenossenschaft. Auffallend ist mir nur, daß die Künstler in den süddeutichen Staaten, in Stuttgart, München, Karlsruhe, Weimar nicht die genügende Be- rücksichtigung gefunden haben. Hierbei scheint sich das einzel- staatliche Moment bemerkbar gemacht zu haben.— Was aber die Bemerkung des Herrn Staatssekretärs über die Secession betrifft, so meine ich doch, die Regierung sollte sich nicht in den Streit der künstlerischen Richtungen ein» mischen.(Sehr richtig I links.) Künstlerische Richtungen, die sich zu einer gewissen Bedeutung durchgerungen haben, sollten auch bei Ausstellungen gleichmäßig behandelt werden. Die Bestrebungen der Secession knüpfen an an Manet. sie sind ausländischen Ursprungs. Wir sind durch Manet gelehrt worden— und das ist jetzt in Fleisch und Blut auch von uns Laien übergegangen— auch so zu sehen, wie er gesehen hat, daß es darauf ankommt, das Objekt der Natur fo darzustellen, wie es von Licht und Luft umgeben auf uns einwirkt. DaS ist das Problem Manets, der Kern- punlt der Bestrebungen der Secession. Muthe hat recht, wenn er sagt, es sei eine That Manets, daß er uns eine neue Art des Anschauens der Natur gegeben hat. Dieser Art des Anschauens der Natur kann sich heute kein Künstler entziehen, auch die alten Maler, die jetzt noch leben, können es nicht, wenn sie überhaupt noch Beachtung finden wollen. Vielleicht kann ich zugeben, daß der Weg, den ein groster Teil der Secessionisten einschlägt, nicht der richtige ist, auch unter den Malern der alten Richtung giebt es eine ganze Anzahl, die nicht den richtigen Weg gegangen sind. Es ist nicht jeder ein Raffael, ich gebe auch zu, daß der richtige Raffael für die neue Kunstrichtung noch nicht geboren ist. Jedenfalls aber mutz diese Richtung anerkannt werden als eine, die den Weg aufwärts führt. Der Staatssekretär machte der neueren Kunst den Vorwurf, datz sie ihre Sujets direkt aus der Natur, nicht aus dem Idealen hole. Ich glaube, datz jede neue künstlerische Richtung sich zunächst an die Darstellung der Objekte halten mutz, wie sie in Licht und Luft schweben. Ich habe gerade in den letzten Tagen einige seccssionistische Sachen gesehen. Wir dürfen doch nicht verkennen, datz in vielen dieser Sachen ein Höchst maß von Fleitz, Kunst, Technikund Farbensinn steckt. Da ist z. B. ein Bild von Liebermann:„Die Allee", das mit einer ganz besonderen Aufmerk- samkeit der Natur abgelauscht ist. Es ist geradezu frappant, wie sich da Licht und Luft auf jedem einzelnen Blatte wiederspiegeln. Aus dieser Auffassung und aus dieser Wertschätzung der ver- fchiedenen Richtungen heraus glauben wir, datz wir, da wir jetzt zwei Künstlerorganisationen haben, nicht mehr fortfahren sollten, der Kunst- genossenschast allein die Verlvendung der vom Reich bewilligten Gelder für die einzelnen Künstler zu überlassen. Ich will jetzt keinen Vorschlag in dieser Richtung machen, aber ich möchte doch anregen, datz in Zukunft für das Geld, das wir neu bewilligen, ein neuer Plan aufgestellt wird, der der Gerechtigkeit entspricht. (Lebhafter Beifall.) Darauf vertagt das HauS die Weiterveratung auf DienS- tag 1 Uhr. Schluß 6 Uhr._ Hbgcorcto ctenbaue. 19. Sitzung, Montag, den 15. Februar 1904, 11 Uhr. Am Ministertische: Möller. Zunächst wird die Wahl des Präsidenten v. K r ö ch e r(k.) und der beiden Vicepräsidenten Dr. P o r s ch(C.) und Dr. Krause(natl.) für die Dauer der Session definitiv bestätigt. Hierauf wird die z w e i t e B e r a t u n g des Etats der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung fortgesetzt. Abg. Hilbck(natl.): Als sich 1901 zeigte, datz die Wurm- krankheit wieder weiter um sich griff, ist man energisch eingeschritten. Die Arbeitgeber haben sich nie gesträubt, die von ihnen verlangten Matznahmen zu erfüllen und grotze Geldopfer zu bringen. Datz die Arbeitgeber Schuld an der Ausbreitung der Wurmkrankheit tragen, ist lediglich ein socialdemokratisches Märchen, denn die Socialdemokratie schlachtet leider auch diese Krankheit zu politischen Zwecken aus. Vier Millionen haben die Berglverksbesitzer ausgebracht, was sollen dagegen die 33 000 M. besagen, welche den Knäppschastskassen nach den Angaben des Herrn Hue im Reichstag zur Last gefallen sind.— Das einzige Mittel zur wirksamen B kämpfung der Wurmkrankheit ist die größtmöglichste Reinlichkeit in den Gruben. Den Antrag Hirsch auf Abänderung des Tit. 7 des allgemeinen Berggesetzes von 1865 über die Knappschaftsvereine brauchen wir nach der Erklärung des Herrn Ministers nicht mehr anzunehmen. Ein solches Gesetz kommt bestimmt. Der Entwurf befindet sich bereits in meiner Hand, er ist den beteiligten Korporationen zu- gegangen. Mit den Forderungen des Entwurfs sind wir durchaus einverstanden, auch die geforderte Beitragserhöhung werden die Unternehmer gern zahlen. Dagegen gehen die Forderungen der Arbeiter viel zu weit. Eine Vereinheitlichung der Llassenverbände ist bei der Verschiedenheit der Verhältnisse in den verschiedenen Be- zirkcn nicht möglich. Eine Erhöhung der Leistungen der Knappschafts- lassen tvird natürlich verlangt, von einer Erhöhung der Beiträge ist aber keine Rede. Am ungeheuerlichsten ist die Forderung, datz jeder Bergarbeiter, ob invalide oder nicht, nach Löjähriger Beitragsleistung eine Rente erhalten soll, d. h. also in den allermeisten Fällen mit 39 bis 41 Jahren. Die Selbstverwaltung wird auch hier gefordert; wohin sie führt, hat man ja bei den Krankenkassen gesehen, sie sind eine Brutstätte für die Socialdemokratie, ein Versorgungshaus für ihre Agitatoren geworden.(Sehr richtig 1 bei den Nationallibcralen.) Herr Brust verlangte die achtstündige Arbeitsschicht. Diese be- steht heute noch und es ist nicht richtig, datz der lange Weg einzelner Bergleute in der Grube bis zu ihrer Arbeitsstelle ihre Arbeits- zeit zu einer neun- bis neuneinhalbstündigcn macht. Dieser Weg ivird ihnen vielmehr angerechnet. Ich hoffe, daß die Verhältnisse des Bergbaues sich auch in Zukunft immer besser gestalten werden. (Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. Hirsch(fts. Vp.): Nach der neulichen Erklärung des Herrn Ministers hoffe ich bestimmt, datz der bereits ausgearbeitete Entwurf uns noch in dieser Session zugehen und von dem Hause verabschiedet wird. Jeder Tag ist hier kostbar, wo es sich um die Interessen von 550 000 Arbeitern handelt. Da uns bisher noch nicht das Versprechen gemacht ist, daß der Entwurf uns noch in dieser Session zugeht, so bitte ich Sie, meinen Antrag, der dies ver- langt, möglichst einstimmig anzunehmen.(Bravo l links.) Was die Wurmkrankheit anlangt, so können wir dem Handels- minister nur unsren Dank aussprechen, datz besonders in der letzten Zeit mit rühmenswerter Energie gegen diese Plage vorgegangen ivorden ist. Die Regierung möge die Mahnung aus dem Verlauf dieser Krankheit ziehen, Wünsche und Beschwerden der Arbeiter nicht von vornherein abzulehnen. Hätte man auf die Klagen der Arbeiter über die Wurmkrankheit bereits vor acht Jahren gehört, so hätte die Seuche zweifellos nicht diese ungeheure Ausdehnung erlangt. Um so mehr sollte man die Forderung der Arbeiter nach ge- »ügendem Trinkwasser in den Gruben jetzt wenigstens erfüllen. Man sollte sie auch nicht mit den Kosten der wurmfreien Zeugnisse belasten. Diese Zeugnisse werden im Juteresse der öffentlichen Gesundheit erteilt, und daher hätte der Staat die Mittel zu tragen. Mutz der Arbeiter die Kosten tragen, so liegt darin eine thatsächliche Beschränkung der Freizügigkeit, wenn ich auch zugebe, datz dies nicht die Absicht der Matzregel ist. Eine weitere berechtigte Forderung ist, datz die Maßnahmen der Behörden zur Bekämpfung der Wurm- krankheit auch in polnischer Sprache veröffentlicht werden, damit sie auch den doch nun einmal vorhandenen polnischen Arbeitern verständ- lich wird. Es ist nötig, datz man auch Arbciterdelegierte in die Gruben zur Kontrolle sendet. Principiell ist ja die Regierung im vorigen Jahre im Saarrevier auf unsre Forderung der Arbeiter- Kontrolleure eingegangen und ich bitte den Herrn Minister um Auskunft, wie sich diese Einrichtung bewährt hat. Eine wesentliche Klage der Arbeiter geht auch dahin, datz das Ge- dinge vielfach nicht auf Vereinbarung beruht, sondern einfach von dem Steiger festgesetzt wird und datz dann die Arbeiter häufig direkt gezwungen find, hastig und unvorsichtig zu arbeiten, um nur einen halbwegs ausreichenden Lohn zu erarbeiten. Leider ist von der Einrichtung von Arbeiterausschüssen im Bergbau noch sehr wenig Gebrauch gemacht. Eine solche Einrichtung würde dazu beitragen. die Stimmung in den Kreisen der Bergleute, die heute zum Teil eine recht traurige ist, zu heben und eine Verständigung zwischen Arbeitern und Unternehmern zu ermöglichen. In der Frage der Arbeits- zeit bin ich andrer Meinung wie der Herr Vorredner. Es besteht thatsächlich zum Teil eine 10- bis llstündige Arbeitszeit, die größte Kalamität aber sind die überaus vielen Ueberschichtcn, die ständig gemacht werden und die Gesundheit der Arbeiter genau so ruinieren wie eine längere Arbeitszeit. Ich bitte den Herrn Minister, dafür zu sorgen, datz diese Unsitte möglichst bald verschwindet. Und die Herren Kollegen, welche Bergwcrksbesitzer sind, möchte ich davor warnen, der Stimme des Herrn B u e ck zu folgen, der sie zum Zusammenschlutz auffordert gegen ihre Arbeiter. Mögen Sie sich vielmehr die Erfahrungen, die z. B. im Buchdruckgelverbe mit dem Tarif gemacht worden sind, zum Muster nehmen.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Dr. Schultz-Bochum(natl.) tritt für eine Erhöhung der Gehälter der höheren Bergbeamten ein und polemisiert gegen den Abg. Hirsch. Die Arbeiter wissen manchmal selbst nicht, was sie wollen. Bei dem letzten großen Streik machten ganze Belegschaften nur aus Sympathie mit, obwohl sie gar keine Beschwerden hatten. Ein Bergarbeiter erwiderte auf die Frage, warum er sdenn streike: Ja, Herr Oversteiger, bat weet wir sölver»ich, oder nächsten Sunndag sollt wir bat in da Versammlung hören.(Heiterkeit.) Redner wendet sich gegen daS Institut der Arbeiterkontrollcure. Diese haben nicht die genügenden technischen Kenntnisse und scheuen sich außerdem Anzeigen, zu erstatten, die eine Bestrafung der Kameraden zur Folge haben würden— dazu kommt, datz man für diese Arbeiter- Vertreter allgemeine, gleiche und geheime"Wahl verlangt. Wohin sollte� es führen, wenn polnische Arbeiter so auf diese Weise polnische Delegierte in die Bergwerke senden sollten. Und dann bedenken Sie: wir haben es bei den letzten Wahlen erlebt, datz Tausende und Abertausende ehedem vatcrlandstreue Arbeiter der internationalen, vaterlaudsloseu Socialdemokratie gefolgt sind. Diese Arbeiter haben sich unter die Führung einer Macht begeben, die sich offen als republikanisch und revolutionär bekannt hat. Es ist unzweifelhaft, datz die Wahlen zu den Arbeiterdelegierten dir Macht der Socialdemokratie weiter in unsre Bergwerke hineintragen. (Sehr wahr! bei den Natioualliberalen.) Alle Parteien haben Schulter an Schulter zu stehen gegen die Socialdemokratie, und vor allem erwächst' der königlichen Staatsregicrung die Aufgabe, eine Institution abzuwehren, durch ivelche nur die Macht der Social- demokratie vermehrt wird.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Handclsminister Möller: Der letzten Mahnung des Herrn Vor- redncrs an mich bedurfte es nicht. Ich betrachte jede Maßregel auf dem Gebiete der Beaufsichtigung der Gruben immer van dem Gesichtspunkt aus, ob sie voranssichtlich eine Forderung der Social- demokratie sein wird oder nicht. Für mich sind die Arbeiter- kon trolle ure deshalb nicht acccptabcl, weil wir in der Arbeiter- schast eine politische Belvegung haben, die auch die allgemeine direkte Wahl zu den Arbeiterkontrolleuren nur zu politischen Zwecken ausnutzen würde. Dagegen hat sich das Einfahren gut bewährt und werden wir auf dem beschrittenen Weg weiter fortfahren. Etlvas Aehnliches wie die Arbeiterkomrolleure haben wir dadurch geschaffen, datz wir den Vorsitzenden der Arbeiterausschüsse, deren Ergebnis mich übrigens bisher enttäuscht hat. das Recht gaben, in die Grube zur Kontrolle zn führen. Die Arbeiter haben aber nur einen sehr ge- ringen Gebrauch davon gemacht. Ich werde dahin streben, sie zur Erfüllung dieser Pflicht anzuhalten und hoffe, in einem oder zwei Jahren ein abschließendes Urteil über diese Einrichtung fällen zu können. Mit der Bekämpfung der Wurmkrankheit haben wir die besten Erfolge gehabt. Weitergehende Erleichterungen wie die von Herrn Hirsch geforderte Bezahlung der wurmfreicn Zeugnisse durch den Staat halte ich im Juteresse der Ausrottung der Krankheit selbst f ü r n i ch t e r lv ü n s ch t. Abg. Graf v. Strachtitz(C.): Dem Antrag Hirsch stimmen wir zu, da durchaus noch nicht feststeht, ob die Novelle zum Berggesetz noch in dieser Session kommt. Bisher ist nur das Reichs-Unfallgesetz auf die Bergarbeiter ausgedehnt, das Kranken- und Jnvaliditäts- gesetz noch nicht in allen Punkten. Wir verlangen das allgemeine, direkte und geheime Wahlrecht bei der Wahl der Knappschaftsältesten ganz ohne Rücksicht auf die evenwelle Wirkung zu Gunsten der Socialdemokratie. Wir sind nach wie vor bereit, den berechtigten Wünschen der Arbeiter Geltung zu verschaffen, unbeirrt durch Angriffe eines Teiles der Arbeiter gegen uns, unbeirrt aber auch durch Angriffe von gewissen Kreisen der Arbeit- geber.(Bravo! im Centrum.) Ein Regierungskommissar erklärt, die Uebertragung der Krankenkasien-Bcstimmuugen allein auf die Knappschaftskassen sei sehr schwierig. Die Frage könne besser bei einer allgemeinen Revision des Berggesetzes erledigt werden. Abg. Dr. Voltz(natl.) wendet sich gegen die geheime Abstnmmmg bei den KnappschastSwahlen, da nur die Socialdemokratie Vorteile davon haben würde. Redner beklagt, datz die Bergarbeit für Arbeiter unter 16 Jahren verboten ist. Die 14— I6jährigen Arbcitersöhne hungern auf den Straßen herum und verbummeln. Es müßten mindestens für jugendliche Arbeiter Ausnahmebestimmungen erlassen werden. Man nröge die Industrie endlich unbehelligt lassen durch neue sociale Gesetze und polizeiliche Bestimmungen. Abg. Frhr. v. Bockelberg(k.): Die Regierung soll es sich reiflich überlegen, ob es nicht recht bedenklich sei, eine fundamentale Aendc- rung des Knappschaftswesens herbeizusühren. Zum geheimen und direkten Wahlrecht geben meine polittschen Freunde ihre Zustimmung unter keinen Umständen. Abg. v. Ehlapowski(Pole): Die Gründe der NationaUiberalen gegen die geheime Wahl sprechen Bände für die Notwendigkeit ihrer Einführung. Wir treten auch für die achtstündige Schicht ein. Ein- und Ausfahrt mit eingerechnet. Redner beschuldigt die Bergverwaltung, auf die Saalbesitzer während der Wahlzeit einen Druck ausgeübt zu haben, die Säle der polnischen Partei zu verweigern. Auf Gruben- arbeitet seien wegen angeblicher grotzpolnischer Agitation entlassen worden. Der Erlaß der bergpolizeilichen Verordnungen auch in polnischer Sprache sei notwendig. Handelsminister Möller: In Oberschlesien werden die Verord- nungen auch in polnischer Sprache veröffentlicht. Abgelehnt habe ich die doppclsprachige Veröffentlichung für die reindeutschen Bezirke in Westfalen. Abg. Brömel(fts. Vg.): Herr Schultz- Bochum hat dem Abg. Hirsch Förderung der Socialdemokratie vorgeworfen. Es sollte ihm doch bekannt sein, datz gerade Dr. Hirsch seit Jahrzehnten den ge- hässigsten Angriffen der Socialdemokratie ausgesetzt ist. Auch wir bekämpfen die Socialdemokratie, nur wollen ivir andre Mittel wie Sie anwenden. Das Austreten des Abg. Dr. Voltz in dieser Frage zeigte, wie rückschrittlich man bei socialistischen Dingen in gewissen Arbeitgeberkreisen noch denkt. Die geheime Abstimmung, die in der ganzen Versicherungsgesetzgebung von Kassenvorständcn durchgesührt ist, mutz auch für die Wahl der Knappschaftsältesten gelten. Schlimme Folgen befürchte ich nicht. Ich hoffe, datz die Mehrheit des Hauses den Antrag Hirsch annehmen wird. Die Weiterberatung wird auf Dienstag 11 Uhr vertagt. Schlutz 4-/« Uhr._ Gerichts Leitung. TaS verkannte Kleinod. Eine aus Golddraht gewirkte, mit Brillanten und Perlen besetzte Börse, welche einen Wert von über 1000 M. hatte, wurde am Abend des 10. Oktober 1902 von dem Schneidermeister Hermann Dzemski vor dem Eingange zu Dressels Restaurant. Unter den Linden, gefunden. Ter Finder nahm an. datz die Börse aus Messing und beinahe wertlos sei, zu Hause angelangt, warf er das Ding in einen Kasten, der zur Aufnahme von allerlei Gerumpel diente und auf dem Ofen stand. Die Verliererin war eure reiche Kaufmannsfrau aus Moskau, welche der Polizei Anzeige er- stattete. Es wurde eine Zeichnung beschafft von dem Fabrikanten in Pforzheim, welcher die Börse angefertigt hatte, und die Verviel- fältigung wurde jedem Juwelier zugesandt mit der Aufgabe, den Ver- käufer einer solchen Börse anzuhalten. Kurz vor Weihnachten v. I. sah Dzemski in dem Schaufenster eines Juweliers eine goldene Börse liegen. Dabei fiel ihm wieder die von ihm gefundene Börse ein, ihm kam der Gedanke, datz sie doch von Gold sein könnte. Nach Hause zurückgekehrt, suchte er alle Behälter durch, bis er endlich die Börse in dem Kasten auf den, Ofen fand. Er ging zu einem Julvelier, welcher den Wert der Börse aus 4— 500 M. angab. DzemSki gab dabei an, datz er das Kleinod als Pfand für eine Schuld angenommen habe. Einige Tage später wurde Dzemski auf der Stratze verhaftet, er führte die Börse bei sich. Ter Juwelier, welcher die Börse ab- geschätzt hatte, hatte der Polizei hiervon Mitteilung gemacht. Dzemski erhielt eine Anklage tvegen Fundunterschlagung. Er blieb im Termine dabei, datz er die Börse für wertlos gehalten habe, sonst würde er sich den Finderlohn nicht habe entgehen lassen. Der Staats- anwalt glaubte dem Angeklagten nicht, sondern nahm bielmehr a». datz er so lange Zeit habe verstreichen lassen, weil er glaubte, den wertvollen Fund dann ungefährlich versilbern zu können. Er be- antragte zwei Monate Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Schwindt, wies darauf hin, datz die Darstellung des Angeklagten doch viel Wahrscheinlichkeit für sich habe. Jedenfalls sei das bcan- tragte Strafmatz viel zu hoch. Der Gerichtshof beließ es bei einer Geldstrafe von 50 M. Aus dem Reich der Harmonien. Oscar Strauß und die Sängerin Bozena Bradsky traten gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts l als Belastungszeugen in einer Anklagesache wegen unbefugter Aufführung eines Musikwerkes auf. Die Anklage richtete sich gegen die Sängerin Anna Leischner, die beschuldigt war, zwei zum Repertoir des Frl. Bradzky gehörige, von Oscar Strauß komponierte Lieder, nämlich„Das nüchterne Mädchen" und„Didel-Dudel" in ihr eignes Repertoir widerrechtlich übernommen zu haben. Der StaatsaiNvalt beantragte 300 Geldstrafe, der Gerichtshof verurteilte die Angeklagte zu 50 M. Geldstrafe.— Zu derselben Zeit als diese Strafsache verhandelt wurde, wurde vor dem Schöffengericht eine Privatbeleidigungsklage des Herrn Erich Sachs, Mitinhaber der Konzertdirektion Jules Sachs, gegen den Hofopernsänger Paul K n ü p f e r erörtert. Hier war außer andren auch Frau Knüpfer- Egli als Zeugin geladen. Es handelte sich um einen mif Grund eines Mißverständnisses entstandenen Briefwechsel zwischen den Parteien. Ein Brief des Herrn Knüpfer, in welchem ein scharfer Ausdruck vorkam, hatte Herrn Sachs Veranlassung zur Anstrengung der Privatklage gegeben. Nach längeren Bemühungen des Vorsitzen- den und der beteiligten Rechtsanwälte kam ein Vergleich zu stände, durch welchen die Streitaxt begraben wurde. Vermischtes. In Würzvurg ist eine aufsehenerregende Verhaftimg erfolgt. Der dortige Konsul des Königreichs Griechenland, Grotzkaufmann Ott, wurde, wie uns ein Privattelegramm meldet, unter dem Ver- dacht, 190 000 M. unterschlagen und einen Meineid begangen zu haben, in Untersuchungshaft abgeführt. Auch werden ihm Deftau« dationen und Wechselfälschungen zur Last gelegt. Aus Elbing wird der Einsturz eines Leuchtturme? ge- meldet: Der Leuchtturm auf den Molen im Haff, gegenüber Reimannsfelde-Panklau, der sich etwa 4300 Meter entfernt von dem« jenigen auf dem Molenkopf befindet, ist umgeworfen worden. Durch den gewaltigen Andrang einer Eisfläche von 5800 Ouadratmeterr, geriet, wie die„Elbinger Zeitung" meldet, das massive Fnndamen» des Turmes ins Wanken; einige Eisschollen gingen über das Fun« dament hinweg und warfen den Turm um. Der Turm hatte Blink« feuer, welches dazu diente, den vom oberen Haff nach Elbing und Danzig fahrenden Schiffen den Weg zu weisen. Hochwasser und Unwetter. Der Rheinpegel zu Köln zeigte gestern Morgen nahezu sechs Meter über Null; dabei wird vom Ober» rhein noch weiteres Steigen gemeldet, sodatz nun auch im Mittelrhein» gebiet die Hochwassergefahr naherückt. Die Rheinfähren stellten der Dienst ein, auch die Schiffahrt ist sehr behindert. Oberhalb Offen. bach(Hunsrück) ritz der stark angeschwollene Glanflutz eine Holz. brücke fort, wobei ein Mann ertrank. Die hochgehende Sauer ver» ursachte einen Erdrutsch, wodurch das Geleise der Prinz Heinrich- Bahn verschüttet wurde. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrech» erhalten.— Durch das Hochwasser des Rheins ertranken bei Uerdingen ein Schiffer, bei Flehe ein Mädchen und bei Elten zwei junge Leute. Eine mit 50 Personen besetzte Fähre, deren Draht- seil zerriß, wurde stromabwärts getrieben; es entstand großes Ent- setzen, doch wurden die Insassen später von zwei Dampfern mit Mühe gerettet. Auch noch andre Ströme und Flüsse zeigen in den letzten Tagen Anfänge von Hochwasser. So ist das Wasser der Elbe stark gestiegen und steigt noch immer. Auf der Weichsel erfolgte heute früh, wie gedrahtet wird, von der russischen Grenze bis Bromberg der Eis- aufbruch unter auf 2,50 Meter steigendem Wasser. Der Eisgang ver- läuft regelrecht. Durch Lawinen verschüttet. Aus Paris wird gemeldet: Die Ortschaft Aragnouet in den Pyrenäen ist durch Lawienstürze ver- schüttet worden. Das Steingeröll und Eis bedeckt 10 Meter hoch die Gegend. Das Vieh ist ohne Futter und die Einwohner leiden an Lebensmitteln Not. Ein Eisenbahnunglück wird aus Brüssel gemeldet: Heute morgen um 8V> Uhr erfolgte dort in der Nähe des Nordbahnhofes ein Zusammenstoß zwischen einem Zuge, der von Ostende kam, und einen, andern, der nach Antwerpen fuhr. Eine Person wurde getötet, sieber, verletzt._ Wetter-Prognose für Dienstag, den 16. Februar 1904. Ein wenig kälter, vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Centralveriianfl dei' Handels-. Transport- u. Verkelirsarlieiter Deutschlands. Verwaltungsstelle Bertin I Am Sonntag, den 14. Februar, verstarb unser Mitglied, der Leiter- gerüstbauer Rudolf Relchwehr nach schwerem Leiden an der Proletarierkrankheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. d. Mts., nachm. I'/« Uhr, vom Trauerhausc Bergmannsw. 14 aus nach dem Kirchhos dcrHcilig Krcuz-Gemcinde in Mariendors statt. 67/6 Die Ortsverwaltung I. Dr. Simmel, Specialarzt für[70/13« Hant- und Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntags 10—12 2—4 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und die reichen Kranz- spenden be! der Beerdigung unsrer einzigen, gellebten Tochter, sagen ivir allen Freunden, Bekannten und Verwandten unsren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: 1833b C. Rott und Familie. Danksagung. Allen denjenigen, die bei der Be- crdigung des Sleinwägers Wilhelm Sorge uns ihre Teilnahme bewiesen haben, sagen wir unscrn innigsten Dank. Die Anverwandte». Kranz- uiiil von H. Rodewaldi Alsxandrinenstrasse la. Kränze mit Widmungsschletsen, Arrang. zu Festlichkeiten, BouquetS, Topsgewächse jeder Art ,c. preiswert. Dr. Scliufiematm Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, Sevdelntr.». '/tl»-'/.8,'/.«-'/K. Sonnt. 9-1» Kranz- und Klumenbiuderet von Rodert«efer,. nur Mamnnkn-Straße 3. VcreinS-Kränze, Palmen- u. Blumen- Arrangements, Bouguets, Gutrlanden usw. werden sein u. preiswert geliefert 5Q i Pfund Brot I. B a ck w ar e /»«StücklOPf.__ Älbreehts Bäckereien: Wrangelstraste 9, Krautstrastc 19. Falckensteinstr. 28, Lausivcrstr. S. Markthalle Pücklerstr., Stand 222/23. Markthalle Andreassw., Stand 16/18. Zijpl- Streng reell!! kieues Parzellierungslerrain t 31/, Meilen v. Centrum Berlins» 5nai«Il pro □Kate!! Stratzenland gratis, feinster Gartenboden, herrliche, gesunde Lage. verk. Zebulr. Rixdors, Lenausw. 12, Burkhardt, Ober- Schöncwcide, Siemenssw. 9.» dem 22. ftlitimt SJCl, Feigenpillen-. Bewährte Abfuhr- u. Blulreinigungs- pillen a Schachtel 1 Mark. Apotheke z. gold.Adler,8. Ale»andrinenstr.4t. (Extr. Oaric.Ext.Caso. Sarg. 9: Oft. Donnerstag, den 18. Februar, abends 8 Uhr finden für Berlin und Umgegend ?rÄWt-VerAiMliiiWi �1* f rt f 1t S rMt O rt � /V f /I 1t in folgenden Lokalen statt: R. Kreis: Armmlmllen, Kommandanteifitr. 20. Ä. 3. 4. n H n HofsäKer-Nalast, Hasenheide 52/53. Dresdener Kasino» Dresdenerstr. 96. Wdoj!): Urania, Wrangelstr. 11 tGstj: Krauerei Friedrichshain, Am Königsthor. 3.„ Schnhenhaus, Linienftr. 5. 6.„ Serliner Prater, Kastanien-Allee 8/9. Meimanns Uolksgarten, Badstr 56. Eiskeller, Chauffeestr. 88. Kranerei Patzenhofer, Turmstr. 25/26. Schöneberg: Oksi's Fesisäle, Meininger- u. Martin Lutherftraßen-Ecke. Wilmersdorf: Wittes Dolksgarten, Berlinerstr. 40 Rixdorf: Uietoria-Käie, Hermannstr. 49/50. Rnmmelsbnrg: Cafe Kellevue, Hauptstr. 1. Tages-Ordnung: Russische Polizei in Deutschland. Referenten: Genossen Alberty, Kern kein, K. Fischer, Förster, Oradnauer, Haase» Kaliski, Fedekour, Liebknecht» Pfenmkuch, Scheidemann, Singer, Wurm, Zubeil. Um zahlreichen Besuch bitten _ 209/13_ Die soeialdemokratischen Bertranensleute. SoeiatoiGkr.WiüMein f. d. 4. 8erl. Relelistags-Wkreis Vollständige Viensiag» den 16. Februar er., abends 8 Uhr, in den AnÄrsss-FestsAlöN» Andreasstrafte Rr.«1 Grosse Versammlung. T a q e s» Ordnung: 1. Vortrag des Gen. Ltrödsl über: Aussissll-jspamssker Krieg. 2. Diskussion. 3. An den Vorstand gelangte Anträge. 242/10* Um zahlreichen Besuch ersucht__ Der Vorstand. Sedaldemokratiseker Waklverein f. d. 4. Bert. Beiekstags-'Waklkreis(SO.) Dienstag, den 16. Februar, abends 8 Uhr: Versammlung im Saale des Herr» Otto(Drachcnburg), Vor dem Schlcsischen Thor. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Alberty über: »Die Kulturschmach in Preuften und der Socialismus in Ruftland. 2. Diskussiou. 3. Verschiedenes.(242/9* Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Jahrgänge ZDM diverser Zeitschriften~3iK! verleiht billigst 38922* Journal• Lesezirkel Qermann, SW., Tolmsftrafte 44. Abonnements von 20 Pfennig an pro Woche.— Prospekt gratis. Achtung! Achtung! Dienstag, den 16. Februar 1904, abends 8V2 Uhr, ..Hofjägcr-Palaft", Hasenheide 52/53: im Kolks Uersammlung. TageS-Ordnung:»Unsre Wasse» im Befreinngskampfe des Proletariats". Resercniin: Genossin Stclntoach- Hamburg. Diskussion. 105/20 Am Mittwoch, den 17. Februar, spricht Genossül Steinbach-Hambmg im»Berliner Prater", Kastanien-Allee 7/9. Um zahlreichen Besuch bittet Hör t!lnl>«rnf«r. m Hon Morgen Mittwochabend S'/j Uhr im Gewertschaftshausc, Engel-Ufer lö: Bertranensmänuer- Versammlung sämtlicher Bezirke und Branchen. TageS-Ordnung: Ans der Praxis der Versicherungs- aesefte. Rcsereiii: Genosse ltol». 8«liniidt. Streiks und Differenzen. BerbändSangelegenhciten. 79/9* Berträiicnsmännerkarte nebst Mitgliedsbuch legitimiert. Jede Werkstatt entseude Delegierte. Die Ortsverwaltniig. Aebwag! sortefenlUerl mMmwii Verband der fortefenltler, zausteiie e-rii». Mittwoch, de» 17. Februar 1V04, abends 8 Uhr, in Graumanns Festsälen, Naunynstr. 27: OeiFentlielie Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Die Notwendigkeit des Heimarbeiter- Schutzes. Referentln: Frau ll-llv llrann. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 109/2 Zur Deckung der Unkosten findci eine Telleisainmlung statt. Wegen der wichtigen TagcS- Ordnung ist jedes Mitglied verpflichtet, in dieser Versammlung bestimmt zu erscheinen. Ausserdem ist auch jeder mit uns sympathisierende Kollege und alle Kolleginnen, welche nicht Mit- glicder sind, freundlichst eingeladen._ Die Einbcrufcr. Aditung! Lacklerer! Ai!l'l°"g Mittwoch. 17. Februar, abends 8'/. Uhr, in Wendta Klnbhans, am Kiinigsgrabcn 14 a(unmittelbar am Illexandcrplatz): defteutUeke Versammlung aller in Lackierertieu beschäst. Persouen Kerlms u. Ilmg. Tagesordnung: 1. Arbeiter und Klassenkainps. Rcscrent Genosse L. Bartels. 2. Dis- kiission. 3. Rechnungslegung des Vertrauensmannes Kollegen H. Warnte. 4. Verschiedenes. 107/3 Kollegen, Kollegilmen und sonstige Mitarbeiter, erscheint alle! Niemand darf jehien! Der Ginberufer. Verband der MbelpoUerer. Mittwoch, den 17. Februar, abends 8>/z Uhr, Koppensir. LS: General-Uersammlung. TageS-Ordnung: l. Fortscdung der Diskussion über die Arbeitslosen-Unterstühung. 2. Bc- schlußfasjung über die Anstellung eines Kollegen. 3. Wahl. 4. Die Differenz bei der Firma Mcndelsohn, Köpnickerstr. 128, und das Verhalten des ZwischemncisterS König. 5. Anttage: a) Den Heimarbeiterschutz- Kongreß durch einen Delegierten zu beschicken, b) Einen Deleglerteniag cinzubcruscn. 6. Verschiedenes. Die Herren Mendelsohn und König find schriftlich eingeladen. Die Kollegen, welche nähere Angaben machen können, Ivo Heimarbeit angefertigt wird, werden ersucht, dieses schriftlich beim Vorstande anzugeben. aW* Das Mitgliedsbuch mutz an der Kontrolle vorgezeigt werden. Die Versammlung findet im grotzcn Saale statt. Daselbst Ausgabe der Jahresberichte. Da jedes Mitglied ein neues Mitgliedsbuch erhält, werden die Kollegen ersucht, recht früh zu erscheinen. 145/10 Sonnabend, S. März, in h. Keller» Feststtlen, Koppenstr. 29: Maskenball. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer IS, Zimmer 1— S. Fernsprecher: Amt IV. 3353. Mittwoch, den 17. Februar 1SV4, abends 8'/, Uhr, in der Krouen-Branerei, Alt-Moabit 47—48: Bezirks-Bersammlnng für Moabit. Tages-Ordnung: 1. Gewerkschaftliche Kämpse und Unternehmcr-Verbändc. Referent: Reichstags-Abgeordnetcr Genosse Legten. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der gesamten Bezirksleitung. 4. Verschiedenes. Sonntag, den Sl. Februar 1904, vormittags 10 Uhr« In der Venen Welt, Hasenheide 108—114: GenepaB-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht der Lrtsverwaltung, Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des 1. Bevollmächttgten, des 2. Kassierers, eines Revisors sowie zweier Beisitzer. 4. Neuwahl von vier Burcaubcmnlen. ö. An die Verwaltung gelangte'Anträge. Ohne Mitgliedsbuch keinen Zutritt."IME 111/1S waltn Zahlreichen Besuch erwartet Die OrtsvcrwalTnng. NnbWd dn Mneiiitt«. Slliiicideriiiiikn. (filiale Verttn). Mittwoch, den 17. Februar 100 4, abends 8'/, Uhr: Mitglieder- Uersammlnug in den Armlnhallen, K ommandantenstratze 20. Tagesordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers Herrn M. H. Baege über: Gntwilkliiitgsgeschichte des Weltalls und der Erde. 2. Neuwahl des Beitragsammlcrs und Bekannlmachungeii der Ortsverwaltung. Die Mitglieder aller Branchen werden ersucht, zahlreich und pünkilich zu erscheinen. Das Mitgliedsbuch legitimiert! Cime dasselbe oder mit über dreizehnwöcheutltchem Rückstand kein Zutritt. 162/4__ Die Ortsverwaltung. a*«!!! Sehuhmaeher. Mittwoch, den 17. Februar 1904, abends 8>/z Uhr: Grosse öffentliche Versammlung sämtlicher in der Schuhindustrie und dem Schuhmachergewerbe beschäftigten Personen in de» Besldens-SiUen, Landsbergerstrafte 31. Tagesordnung: 1. Ter bevorstehende veimarbriterschnti Kongreft und seine Bedeutung für uiisre Industrie. 2. Diskussion. 3. Die Lohnabzüge bei den Börscn-Filzschuhsabrikantcn und die Haltung deS FabrikantenverbaiideS. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Agitations-Kommission. Sonnabend, den 20. Februar, hält der Verein deutscher Schuh- macher im Schwcizer-Garten seinen diesjährige» Maskenball ab. Billets a 50 Pf. sind bei den Kassierern, den BertraucnSpersonen, in den Zahlstellen und im Bureau, Watzmannstratze 10, zu haben. 169/7 Die Ortsverwaltung. Billets a 50 Pf. sind bei den Zahlstellen-Kafsiereni zu haben. Der Vorstand. ■»«milpsrzcllcti(SaustfillGti)» I Vorortverkehr, Bahnhof bequem gelegen, landschaftlich| hervorragende Gegend, Angelgelegenheit, steigende Grundpreise in schnell aufblühender Kolonie, in jeder Preislage und Grösse zu verkaufen. Offerten an Rudolf Mosse, Berlin SW., Leipzigerslrn«»» 103 sub O. R. 315. 69/8* j Heu- iisfi SWetese fier üaMeiler Iris (E. H. 88, Berlin). Mittwoch, de» 24. Februar, aveuds 8'/j Uhr, bei Feind, Weiustr. 11: Cireneral- VerHaiiimlmig. TageS-Ordnung: 1. Rechnungslegung pro 1903. 2. Ncuwabl des gcsamlcn Vorstandes. 3. Neuwahl des Ausschusses. 4. Innere Kasscnangclegcnhciten. 187/2_ Der Vorstand: Karl Rutry, Vorsitzender. Iihf- H In »es Sonnabend, de» 20. Februar d. I., in den Gesamträumcn „Böhmische» Brauhauses", Landsberger Allee 11/13: {wR'ossei' Wiener Maskenball. Ausführung einer humortftischen Radfahrer- Pantomime, Reigenfahren, humoristische Vorträge, humoristisches Radreiinrn auf untersetzten Rädern«.!l/l9* DM- BillctS sind im Vcreinslokal AudrcaSstr. 26 zu haben.-ML Altfang 0 Uhr. Eintritt öv Pf. ES ladet freundlichst ein_ Das vergntlgtc Komitee. Berlin. Filialen. Stettin. Hnzügc nach Mass paletots nach Mass 21 nnd SO Mark. Liefere bei peinlichst gewissenhafter Anprobe mit guten Zuthaten von prima Mass Stoffen die elegantesten Anxiige nach Mass zu obigen Preisen. 42741.* Kein Zwang zur Abnahme, wenn der Anzug nicht sitzt. Sonnenscheins ra Hau«aren' und Herren-Moden nach Mass. Cbausoeeotp. 54, X. Lindcnsti'. 95, X. Jede Uhr zn reinigen kostet bei mir unter Garantie unr 1,50 MU., aufter Bruch. Kleine Repm a» wren billiger. 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Skiltzk im.AmSrls" Kerlim WllisM Generalversammlung des Bundes der Landwirte. Berlin, 15, Februar 1904. Gegen 12Vz Uhr mittags eröffnete der Bundesvorsitzende Dr, Rösicke- Görsdorf die Generalversammlung mit etwa folgender Rede: Als wir im vorigen Jahre unsre Generalversammlung ab- hielten, da zitterten die Kämpfe des Reichstages über den Zolltarif noch nach, WaS wir damals prophezeiten, ist leider eingetroffen, (Rufe: Sehr richtig Noch immer ist an eine Aeuderung der Wirtschaftspolitik der Regierung nicht zu denken. Der Ausfall der Reichstagswahlen ist für den Bund verschieden beurteilt worden. Von den auf der Linken stehenden Zeitungen waren es nur zwei, die nicht behaupteten, der Bund der Landivirte habe bei den Wahlen eine Niederlage erlitten, das waren die„Freisinnige Zeitung" und der.Vorwärts".(Lebhaftes Bravo!) Bedauerlich ist es ja, daß die Großgrundbesitzer sich noch immer nicht in der gewünschten Weise dem Bunde angeschlossen haben, umso größer ist die Zahl der mittleren und kleinen Landwirte, die dcni Bunde im letzten Jahre wieder beigetreten sind. Aber besser ist es leider noch nicht geworden. Auch die Vorgänge in der Socialdcmokratie haben dieser Partei noch keinen Abbruch gethan. So lange in der Wirtschaftspolitik keine Aenderung eintritt, ist daran auch nicht zu denken. Erfreulich ist ja das Vorgehen des Reichskanzlers Grafen Bülow gegen die Socialdemokratie. Allein es ist nur bedauerlich, daß hinter den Worten nicht die That steht. Das war zu Zeiten des Fürsten Bismarck anders. Man nennt uns den notleidenden Bund der Landwirte. Die Notlage der Land- Wirtschaft ist allerdings die Ursache gewesen, daß im Jahre 18V3 der Bund ins Leben gerufen wurde. Wir haben uns aber niemals Bund der notleidenden Landwirte genannt und müssen daher gegen diese NamenSunterstcllung mit voller Eni- schiedenheit protestieren. Graf Posadowsky sagte: Kein vernünftiger Mensch wird es den Arbeitern verdenken, wenn sie die Besserung ihrer socialen Lage anstreben. Allein was dem Arbeiter recht ist, das ist doch dem Bauer auch billig.(Rufe: Sehr richtig!) Freiherr v. Maltzahn erstattete danach den Geschäftsbericht. Der Vorsitzende schlägt vor. von einer Verlesung abzusehen, da der Bericht schon gedruckt vorliege und auch schon durch den—„Vorwärts" veröffentlicht worden sei. Rittergutsbesitzer. Reichstags-Abgcordnctcr Graf zu Revcntlow (Wulfshagen, Schleswig-Holstein) sprach danach über die Börsen- R e f o r m. Eine gelvisse Rasse verlangt eine Aenderung des Börsen- gesetzes, damit Treue und Glauben wieder an der Börse platzgreifen könne.(Heiterkeit.) Wir können nur bedauern, daß der Termin- Handel nicht mit scharfen Strafbestimmungen belegt ist, denn der Terminhandel, der zur Auspowerung des deutschen Volkes geschieht, wird nach wie vor von einer Anzahl Schwindlern betrieben. Dieses Verfahren kann nur durch scharfe strafrechtliche Bestimmungen verhindert werden. Der jüdische Socialdemokrat Parvus hat die Börse eine Bande von Schwindlern genannt. Aber trotzdem hat die Börse eine große Macht. Der Tanz uinS goldene Kalb droht unser Volksleben immer mehr zu vergisten. Und hinter der Börse steht fast die gesamte liberale Presse. Sollte den, schaffenden deutschen Volke durch eine Aenderung der Börsengesetzgebung Gefahr drohen, dann wird es notwendig werden, von den gegebenen parlamentari- schen Hilfsmitteln den erforderlichen Gebrauch zu machen.(Stür- Mischer Beifall.) Mit stürmischem Beifall begrüßt, nahm danach Abg. Dr. Dicdcrich Hahn das Wort über die w i r t s ch a f t ö p o l i t i s ch e Lage: Es ist bereits ausgeführt worden, daß unsre wirtschafispolitische Lage noch immer nicht besser geworden ist: die Getreide- und Viehzölle, die der Landlvirtschaft hätten aufhelfen können, wären im vorigen Jahre vom Reichstage angenommen worden, sie sind aber ge- scheitert an dem Widerstände des Reichskanzlers Grafen Bülow, „des Freundes der Agrarier".(Lebhaftes: Sehr richtig!) Graf Bülow hat leider das Erbe der Caprivischen Politik angetreten. Und Graf Bülow verfolgt leider diese Politik weiter. Ich will den Grafen Bülow diesmal nicht so scharf angreifen wie im vorigen Jahre. Damals sind mir in der Erregung, die noch aus den Zollkämpfen nachzitterte, einige heftige Worte entschlüpft. Wir wollen dem Reichskanzler zurufen: Bülow, werde hart und schaffe uns wieder gute Handelsverträge.(Stürmischer Beifall.) Der Kampf um die Handelsverträge loird im Reichstage erst bc- ginnen. Sollten dieselben, Ivas nicht unmöglich ist, abgelehnt werden, dann wird ein neuer Kampf beginnen und dann hoffen wir, daß wir mehr als Million Bundesmitglieder haben werden. Abg. Freiherr v. Wangcnhcim-Kl. Spiegel erklärt den Bund für die zuverlässigste Truppe vor dem Throne der Hohenzollern. (Stürmischer Beifall.) In der alsdann erfolgten Besprechung klagte Aßmann-Holz- enge!(Thüringen) über die schlechte Lage der Landwirte in seiner Heimat. Cheftedakteur Schremps(Stuttgart) führte aus: In Württem- berg seien felbft die Minister des Königs den Agrariern in den Rücken gefallen.(Hört! hört!) Rittergutsbesitzer Bundt-Waekern(Ostpreußen) wendet sich gegen die Arbeitslosen-Versicherung. Dadurch würde die Flucht der Land- arbeiter in die Städte noch größer werden. Rittergutsbesitzer Aus dem Winkel(Logau, Schlesien): Man nennt die Agrarier Reaktionäre. Wer die Auspowerung des deutschen Volkes und den Umsturz alles Bestehenden will, der trete ein für die moderne Entwicklung. Wer solche Verhältnisse nicht will, der sorge dafür, daß wieder die alten Verhältnisfe, lvie sie unter dein Fürsten Bismarck vorhanden waren, wiederkehren. Darauf nahm,>nit stürmischem Beifall begrüßt. Chefredakteur Dr. Lertel-Verlin das Wort: Man bezeichnet die Socialdcmokratie als den größten Feind aller Staats- und Gesellschaftsordnung, dessen Bekämpfung nicht energisch genug betrieben werden könne. Ich bin der letzte, der das leugnen wollte. Aber man kann die Socialdemokratie weder totredcn noch totschlagen. Die professionierten Scharfmacher befinden sich ebenso auf dem Holzwege wie die Versöhnmws- und Mauserungspropheten.(Stürmischer Beifall.) Es wird gejagt: in der Bekämpfung der Socialdemokratie sollten alle bürgerlichen Parteien in Einigkeit zusammenstehen. Ich bin gewiß für diesen gemeinsamen Kampf. Aber Ivir dürfen nicht vergessen, daß die Socialdemokratie in den Großstädten den besten Nährboden hat. Die Socialdcmokratie hat ihre Wurzel in den Großstädten. Ter neue, moderne Mittelstand, bestehend aus den Rayonchefs von Wertheim und Tietz und aus den Latifundien von Masse und Cohn liefern die besten Offiziere und Unteroffiziere für die Socialdemokratie. (Beifall und Heiterkeit.) Wir werden den Kämpf führen im Ver- trauen auf unsern Gott. Unter diesem Zeichen wollen, werden und müssen wir siegen.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Gutsbesitzer Abg. Stausscr(Obersülzen, Pfalz) wendet sich gegen den Reichskanzler Grafen Biilow. Rittergutsbesitzer Abg. v. Oldenburg-Januschau(Westpreußen): Er bezweifle, daß man mehr bekommen würde, als die Minimalzölle. Sollten wir Handelsverträge erhalten, die unsre Lage verschlechtern. dann muß unsre Parole sein: An die Wand mit diesem Zolltarif! (Stürmischer Beifall.) Man sagt: es ist unmöglich, eine Partei von drei Millionen Reichstagswählern unter ein Ausnahmegesetz zu stellen. Diese Leute vergessen nur, daß von den drei Millionen 2 990(XX) keine Socialdemokraten waren. Zum mindesten müßte das Wahlrecht eine Revision erfahren. Wir führen in Wahrheit einen Kampf für unsre Fürsten.(Stürmischer Beifall.) ES sprachen noch Schneidermeister Donner- Berlin, Hirt (Schlesien) u. a. Danach wurde mit einem dreifachen Hoch auf den Sieg der Landivirte die Generalversammlung geschloffen. SerUner pArtei-JingelegenKeiten. Spandau. Mittwochabend 8 Uhr findet im Kumkcschcn Lokale, Schönwalderstr. 80, eine Volksversammlung statt, in welcher Reichstags-Abgeordneter B a u d e r t- Apolda über das Thema referiert:„Die Konsumgenossenschaften und die Arbeiter." Zahlreicher Besuch wird erlvartet. Wilmersdorf. In der bei Witte, Berlmerstr. 40, am Donnerstagabend stattfindenden P r o t e st v e r s a m m I u n g gegen den Russen- kurs hält Genosse Eduard B e r n st e i n das Referat. Parteigenossen. agitiert für zahlreichen Besuch dieser Versammlung.— Dienstag- abend 7 Uhr ist Handzettel-Vertcilung. ES versammeln sich der 1. und 2. Bezirk bei Natusch, Uhlandstr. 7t, der 3., 4. und 5. Bezirk bei Witte, Berlmerstr. 40, der 6. Bezirk bei Rudloff, Bruchsalstr. 14, der 7. Bezirk bei Hilpert, Halensee, Kurfürsten- dämm 126. Schöneberg. Heute Dienstag, abends fiVoUhr: V er- s a m m l u n g des W a h l v e r e i n s bei O b st, Meiningerstr. 3. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Simon K a tz e n st e l n:„Alkohol und Arbeiterschaft". Außerdem Bericht von der Generalversammlung des Kreises.— Frauen haben Zutritt. RowaweS. Mittwoch, abends V�g Uhr, findet im Bernhardtschen Lokal, Priesterstraße, eine Volksversammlung statt. Tages- Ordnung: Der Socialismus in Rußland und die Verfolgung der russischen Freiheitskämpfer in Preußen. Referent: Dr. M a x Alberty. Um diese Protestversammlung gegen den Kosakenkurs in Preußen zu einer recht imposanten zu gestalten, ersuchen wir die Genossen, für zahlreichen Besuch Sorge tragen zu wollen. lokales. Der StadthauShalts-Etat für 1904 liegt jetzt im Entwurf vor. Der von den Vcrwaltungs- dcputationen bezw. dem Magistratskollcgium in den letzten Monaten und Wochen aufgestellte Plan, nach dem die Kommune Berlin im Etatsjahr 1904 wirtschaften soll, bedarf nun noch der Prüfung und Genehmigung durch die Stadtverordneten-Versamm- lung. Er ist den Stadtverordneten zugegangen und wird in ihrer nächsten Sitzung einer ersten Beratung unterzogen Iverden. Der Etat schließt diesmal ab in Einnahme mit 134>/z Millionen Mark, in Ausgabe mit über 13SV» Millionen Mark. Die Differenz von reichlich 1 Million Mark soll gedeckt werden aus Beträgen, die schon durch frühere Etats bewilligt sind(für Verlängerung der Mantcuffelstraße und Bau einer Spreebrücke nach der Fruchtstraße), aber in absehbarer Zeit nicht verwendet werden können. Zum Stadthaushalts- Etat kommen noch hinzu die eignen Etats der städtischen Werke(Gas, Wasser usw.), die in Einnahme und Ausgabe mit 103'/z Millionen Mark abschließen. Ohne die aus dem allgemeinen Stadtsäckel zu deckenden Zu- schüsse zu einigen Werken(Kanalisation, Hafen) und ohne die Auf- Wendungen für die Stcuerverwaltung beläuft sich die Ausgabe des Stadthaushalts-Etats für 1904 auf 132'/« Millionen. Ohne die dem allgemeinen Stadtsäckcl zuzuführenden Ueberschüsse aus einigen Werken(Gas, Wasser, Viehhof) und ohne die Einnahmen aus Steuern steht der Ausgabe von 132'/« Millionen nur eine Ein- nähme von 58�/« Millionen gegenüber. Es sind also noch 73'/z Millionen Mark Ausgabe zu decken. Aus den Werken werden 8� Millionen Ueberschuß erwartet, denen 2 Millionen Zuschuß gegenüberstehen, so daß der Reinllberschnß der Werke Ö3/« Millionen beträgt. Von den 7g'/z Millionen Mark Ausgabe bleiben dann noch 663/« Millionen, die anderweitig zu decken sind. In An- rechimug soll hier kommen die oben erwähnte 1 Million(Manteuffel- stratze usw.); die übrigen 65"/« Millionen Mark sind durch Steuern aufzubringen. Da die Steuerverwaltung 1'/« Millionen Mark Aus- gaben haben wird, so müssen 67 Millionen aus den Taschen der Steuerzahler herausgeholt werden. ES wird angenommen, daß das möglich fein lvird, ohne über die bisherigen Sätze von 100 Proz. fiir die Gemcinde-Einkommensteuer und 150 Proz. für die Grund- und Gewerbesteuer hinauszugehen. Daß es wiederum gelinge, diese Klippe zu umsegeln, das wird den Etatmachern des Magistats und der Stadtverordneten-Versamm- lung als das wichttgste Stück ihrer Arbeit erscheinen: die Sorge um die„ K u l t u r a u f g a b e n" der Stadt hat dem Berliner Freisinn allezeit erst an zweiter Stelle gestanden. Im vorigen Jahr schlug der Magisttat eine Ueberschrcitung der bisherigen Sätze vor, aber die Stadtvcrordneten-Versammlung lehnte das ab, und sie stellte das Gleichgewicht zwischen Einnahme und Ausgabe des Etats durch jenes bekannte Balancierungsknnststück her. Diesmal hat schon der Magisttat der Stadtverordneten-Versammlung die Mühe abgenommen. Es bleibt also wiederum bei den bisherigen Sätzen, und für die nächsten Jahre ist mit noch größerer Sicherheit ein gleiches zu er- warten. Die endlich genehmigte 223 Millionen-Anleihe macht das auf den Sand geratene Schifflein der Kommune Berlin wieder flott. Fragt sich nur, was werden wird, wenn die Zeit herankommt, wo mit der Abzahlung der Schulden begonnen iverden muß. Mißerfolge bei der Zwangserziehung. Magistratsoffiziös wird berichtet: Die sittlich verwahrlosten, meist der Schule entwachsenen Mädchen verursachten in den letzten Jahren der städtischen Ver- waltung weit mehr Mühe als die Knaben. Die Mehrzahl, die fast sämtlich der gewerbsmäßigen Unzucht anheimgefallen find, werden nicht erst dem Waisenhause Berlin, sondern sofort Privatanstalten überwiesen, lieber den erziehlichen Erfolg bei den jugendlichen Prostituierten ist wenig Günstiges zu berichten: in den höheren Alters- klaffen, besonders vom 17. Lebensjahre aufwärts, ist die sittliche Ver- Wahrlosung so erschreckend weit vorgeschritten, daß die angewendeten Er- zichnngSmaßregeln mit geringen Ausnahmen gänzlich versagen. Es stellt sich mehr und mehr heraus, daß der Wert der Anstalts- erziehung bei diesen Elementen weniger in dem Erziehungszweck zu suchen ist als darin, daß diese Mädchen für eine Reihe von Jahren ihrem unsittlichen Gewerbe entzogen werden, ja selbst diese Jnter- nierung ist nicht dauernd, denn die Mehrzahl der Mädchen entzieht sich wiederholt der Anstaltsklausur, um ihrem schimpflichen Gewerbe wie vordem nachzugehen. Nach den vorliegenden Erfahrungen ist allgemein zu sagen, daß durch das Heraufsetzen der für die Unter- bringung in Fürsorge- Erziehung zulässigen Altersgrenze bis zum achtzehnten Lebensjahre besonders für die jugendlichen Prostituierten erziehliche Erfolge kaum erwartet werden dürfen. Den im vorgeschrittenen Alter befindlichen Minderjährigen. Knaben nicht ausgenommen, ist mit den Mitteln der Fürsorge- Erziehung s ch w e r I i ch zu helfen. Will man daher dem socialpolitisch hoch bedeutsamen Gesetz volle Geltung verschaffen, so müssen alle die Schwierigkeiten beseitigt werden, die der Einbeziehung gerade der jüngsten Altersstufen immer noch entgegen stehen. Diese traurige Litanei drängt ebenfalls zur Erörterung der Frage, ob denn das ganze auf kirchenftömmigkeit beruhende System der heutigen Zwangserziehung nicht selbst an seinem Bankrott schuld ist. Wir befürchten sehr, daß die Art. wie jetzt dies ErziehungS- system geübt wird, nicht allein bei den herangewachsenen, sondern auch bei den jugendlichen Zöglingen Mißerfolge über Mißerfolge ausweisen wird. Ein Ketzergericht über achtzehn Professoren der Berliner Universität hat unser lieber Hofprediger S t ö ck e r abgehalten. Zur Zeit der Landtagswahlen haben, wie erinnerlich sein wird, achtzehn Professoren der königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität unter allem patrio» tischen Vorbehalt, im übrigen aber mit gelindem Grausen erwogen, daß es die Grundsäulen eines modernen Staatswesens denn doch aufs ärgste erschüttern heißt, wenn wie in Preußen, das arbeitende Volk zu Gunsten einer raffgierigen Schlot- und Krautjunkerlaste von der Vertretung im Parlament ausgeschlossen bleibt. Weiter sagten sich die Herren folgerichtig, daß dieser Staat jämmerlich zu- sammenkrachen muß, wenn abermals, wie zur Zeit der Gründung der Universität eine starke Erschütterung von außen über ihn kommen sollte. Um das himmelschreiende Unrecht, unter dem das preußische Volk schmachtet, mit einem Pflästerchen zuzudecken, haben die achtzehn Professoren dann weiter erwogen, ob es im Landtagswahlkreise Teltow nicht doch möglich sei, einen Vertteter der Unterdrückten in den Landtag zu schicken. Als es aber zur That kommen sollte, haben sie sich mit Schaudern von der Verwirklichung dieses revolutionären Gedankens abgewandt. Immerhin hat die Partei, deren historischer Beruf eS ist, Preußen einem neuen Jena entgcgenzuführen, das Beginnen der Professoren übel vermerll; und eine drollige Ironie liegt darin, daß der Mann, der vor zwanzig Jahren sich in dem Irrwahn wiegte, eine mit der Socialdemokratie konkurrierende Volksbewegung schaffen zu können, zu Gunsten der konservativen Partei die Abkanzelung der Professoren übernahm. Es stand der Demagogie des Herrn Stöcker prächtig an, daß er die Kühnheit hatte, sich auf einen Mann zu berufen, der mit seinem ganzen sittlichen Ernst das heuttge Landtagswahl-Unrecht bekämpft hätte, auf den Philo- sophcn Fichte. Stöcker machte sich die Bekämpfung der Professoren bequem und führte deren Verhalten auf den— Unglauben der Zeit zurück, von dem leider auch die Wissenschaft angesteckt sei. Ein größeres Unglück noch als die Socialdeniokratie sei die Irreligiosität der Gebildeten. Das Vorgehen der Professoren sei ein trauriger Beweis dafür, daß äußerlich sehr gebildete Leute von dem, was der Nation frommt, keine Ahnung hätten. Einige Parteigenossen nahmen Herrn Stöcker ernst und machten sich die Mühe, ihn zu�widerlegen. Sie hatten aber nicht mit dem christlichen Geist der Versammlung gerechnet, der ihnen in Aeußernngen wie„unverschänttcr Flegel" 2C. entgegentrat. Man ging um Mitternacht unter dem Eindruck nach Hause, daß das Dreiklassen-Wahlrecht und die heutige Ordnung der Dinge in Preußen nichts Besseres verdienen, als von einem Stöcker in Schutz genommen zu werden. Sie sind einander wert. Nach dem amtlichen Bericht der Direktion des städtischen Vieh« und Schlachthofes stellte sich der Preis für Schweine im Dezember v. I. im Durchschnitt auf 40 bis 49 M. fiir 100 Pfund Schlachtgewicht, oder bei Lebendgewicht mit 20 Proz. Tara Ver- gütung. Im Engros-Handel wurde für Schweinefleisch 46— 50'/z M. und für Rindfleisch 40—63 M. bezahlt. Diese Preise sind in» zwischen weiter gefallen. Ein heftiger Kampf zwischen Naturheilkundigen«nd Ber- tretern der Medizin wird im nächsten Monat wieder einmal vor der hiesigen Strafkammer ausgcfochtcn werden. Nach längerem Vorverfahren ist jetzt Anklage erhoben worden gegen eine Frau Kube und zwei praktische Aerzte.wegen fahrlässiger Tötung und Körper- Verletzung, begangen durch verunglückte Kuren an Patientinnen der von Frau Kube geleiteten privaten Heilanstalt. Einer der hier in Frage kommenden Fälle ist von Prof. Dr. Dürsscn in der 9!r. 6 des „Hygienischen Volksblattes" vom 15. März v. I. eingehend behandelt worden, dann hat sich die Aerztckcnnmer der Angelegenheit bemächtigt und die Strafverfolgung veranlaßt. In dem für den nächsten Monät zu erwartenden Termine zur Hauptverhandlung werden acht medi- zinifche Sachverständige auftreten und es dürfte zu interessanten Auseinandersetzungen zwischen den Parteien kommen, da die Angc- klagten behaupten, keinerlei Kunstfchlcr begangen zu haben. Die ?lngcscagtcn werden von den Justizräten 23 ro n k e r und Dr. S c l l o und RechtSanloalt Dr. Werthauer verteidigt werden. Eine neue Droschkenordnung wird voraussichtlich im April d. I. für Berlin in Kraft treten. Bei einer kürzlich im Polizeipräsidium abgehaltenen Besprechung zwischen Vertretern der Polizei und den Vorständen der Droschkensichrherren und Kuffchcrvcreinc wurde dem Vernehmen nach beschlossen, den bisher bestehenden VorortStarif fallen zu lassen. Für Droschkeufahrteu von Berlin nach den zu dem postalischen Berliner Bezirk gehörigen Vororten und umgekehrt soll hiernach die bisher gebräuchliche Zuschlagstaxe wegfallen. Ferner soll der Doppcltarif zwischen Droschken erster und zweiter Klasse be« seittgt werden. Auch die Uniformen der Droschkenkutscher sollen eine Aenderung erfahren: die rote Weste wird wegfallen und die schwarze Hose mit Seitenknöpfen durch ein blaues Beinkleid ohne Knöpfe er« setzt werden. Der Uniformrock wird im Sommer blauen Litewken mit rotem Kragen und weißer Litze weichen. Arbciterrisiko im Eisenbahnbetriebe. Einem BettiebSunfall auf dem Lehrter Güterbahnhof ist der 20 Jahre alte Rangierer Gustav Thimian aus der Birkenstraße 19 zum Opfer gefallen. Er war nachts mit dem Anhängen abgestoßener Wagen beschäftigt und blieb bei dieser Arbeit an der Spurstange hängen. Von dem nachfolgenden Wagen wurde Thimian dann umgerissen und an den Beinen schwer verletzt. Der Unglücksfall wäre nach fachmännischer Ansicht ver- mieden worden, wenn die Spurstange vorschriftsmäßig verdeckt ge« Wesen wäre. Die an sich schon lebensgefährliche Arbeit des Ran« giereuS wird in stockdunkler Nacht verrichtet; die Geleise find von Lagerplätzen und aufgestapelten Materialien so ein« geengt, daß es der größten Vorsicht bedarf, um nicht mit dem zu rangierenden Wagen in Berührung zu kommen. Dazu vergegenwärtige man sich, daß von den Arbeitern ein zwölffttindiger, äußerst aufreibender Dienst zu verrichten ist. Die Weichensteller, die ftiiher die Handweichen zu bedienen hatten, sind durch den Spar« erlaß des Ministers Thielen aus dem Dienst gezogen und deren Arbeit muß vom Rangierpersonal mit geleistet werden. Damit die Unfallgefahr verringert werde, ist es notwendig, daß die Anlagen ordentlich beleuchtet werden und daß die Arbeitszeit ganz erheb- lich verringert wird; ebenso muß neben befferer Be- Zahlung eine erhebliche Vermehrung der Rangiermannschaften erfolgen. Es würde die Eisenbahn« Angstellten außerordentlich fteuen, wenn Herr Budde sich die hier kurz erörterten Zustände mit der Laterne bettachten und für die dringend notwendige Abhilfe sorgen wollte. Seine Reden gegen die Socialdemokratie sind gewiß etwas sehr Schönes, namentlich da sie für diese oben anscheinend immer noch nicht gern gesehene Partei sehr viel unfreiwillige Propaganda machen. Aber notwendiger noch als diese Aufteibung im politischen Kampfe wäre eine wirkliche Arbeiterfürsorge im Eisen» bahn-Betriebc, mit der es heute noch ganz bedenklich hapert. Erklärung. Die in Nr. 224 vom 25. September 1993 des„Vor- wärtS" enthaltene Notiz über„Arbeit errifiko" betreffend den Schulneubau in der Puttbuferstraße entspricht nickt den Thatsachen; dagegen enthält die in Nr. 232 vom 4. Oktober 1903 veröffentlichte Berichtigung des Herrn Baumeisters Max Richter den wahren Sackverhalt. Wir haben Herrn Richter unser Bedauern über die Veröffentlichung der Notiz in Nr. 224 ausgedrückt, und darauf hat Herr Richter den gegen uns gestellten Strafanttag zurückgezogen. Beim Fcnstcrreinigen ist Sonuabendnachmittag in der Fabrik der Allgemeinen ElektricitätSgesellschaft in der Ackerstraßc ein im In» ftitut der Glaserimiung beschäftigter Fensterputzer abgestürzt. Der Mann wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Augenzeugen berichten, daß bei der Arbeit alte Sicherheitsmaßnahmen außer acht gelassen wurden. Vorfalles Aufklärung. Vielleicht bringt eine Untersuchung deZ Aus dem Jahresbericht dc-Z Asylvmins. Ueber fünf Millionen der Aermsten der Armen, die keine bleibende Stätte ihr eigen nennen, hat der„Berliner Asylverein für Obdachlose" während der 35 Jahre seiner segensreichen Thätigkeit nächtliche Unterkunft gewährt. Von 13 131 im Jahre 1834 wuchs die Zahl seiner Schutzbefohlenen auf 58 284 im letzten Jahre! Und dabei mußten oft noch große Scharen hungernder und frierender Menschen wegen Ueberfüllung abgewiesen werden! Zwar Habels sich die Beiträge und Legate in erfreulicher Weise vermehrt, indes steht der Verein vor einer neuen großen AuS- gäbe: die Vergrößerung des Männerasyls und der Neubau des Frauenasyls erweitern den Wirkungskreis des Vereins um mehr als die Hälfte des jetzigen Umfanges; eS können dann 1303 Männer und 533 Frauen Aufnahme finden! Diese Mehrleistung kann natür lich nur durchgeführt werden, wenn auch im neuen Verwaltung� fahr die Opferfreudigkeit der Berliner Bevölkerung dem Verein er- halten bleibt. Dir geraubte Brieftasche. Eine unerwartete Entdeckung hat die Berliner Kriminalpolizei gemacht. Es ist ihr gelungen, eine sensationelle Diebstahlsaffaire. die seiner Zeit viel besprochen wurde, aufzuklären. Vor etwa 13 Jahren hatte der Fabrikant S. die Be- kanntschaft der unverehelichten Fanny Harnisch gemacht, die ihm während eines Schäferstündchens in der Wohnung ihrer Freundin Tappert in der Stralauerstr. 57 seine Brieftasche raubte. Die Harnisch machte einen Ausflug nach Wittenberge und Kottbus jm Angehörigen und wurde von ihrem Bräutigam, einem Schlächter Richter, dem sie von Rixdorf aus ihren Reichtum nntgeteilt hatte, der Polizei verraten. Bei ihrer Verhaftung hatte sie nur 1433 Mark und wollte von nichts weiter wifsen. Es konnte auch nirgends Geld ermittelt werden, so daß man annahm, die Harnisch habe den Rest vergraben. Sie erhielt damals anderthalb Jahre Gefängnis und hat die Strafe in Breslau verbüßt. Jm vorigen Herbst heiratete das 24 Jahre alte Mädchen den Kauf- mann H. und wohnt auf demselben Flur des Hauses Breslauerstr. 33, wo ihr Stiefvater Gehl mit ihrer Mutter seit elf Monaten ein Schankgeschäft betreibt. Wegen des noch fehlenden Geldes wurden nun beide Familien fortdauernd beobachtet. Dabei ergab sich zunächst, daß die Harnisch eine wertvolle Wohnungseimichtung beschafft hatte und daß ihr Stiefvater bis zu seiner Ucbersiadclung nach Berlin ein mittel- loser Pfcrdeschcrer in Kottbus gewesen war. Dazu kam, daß zwischen den beiden Familien oft Streitigkeiten, wahrscheinlich um die Diebes- beute, entstanden. Bei einer solchen Gelegenheit hatte die Harnisch ihren Stiefvater daran erinnert, daß sie ihm(1333 Mark zum Ankauf der Wirtschaft überlassen hätte. Nun wurden beide Seiten zur Ver- nehmung gezogen und die Harnisch, die flir die verbüßte Strafe auch den Rest des Geldes behalten wollte, gestand nun ein, daß sie ihrem Stiefvater die 3333 Mark abgegeben hätte. Außerdem wurden aber der Schlächter Nichter und ein verwandter Grünkramhändler in KottbuS von dem Schankwirt Gehl belastet. Der Grünkram- Händler hatte in Kottbus eine Summe erhalten. Der saubere „Bräutigam" Richter, der die Harnisch der Polizei verriet und unter Thränen darlegte, daß er durch das Mädchen zum Nichtsthun verleitet und deSlvegen von seinem in Köthen lebenden Vater verstoßen wurde, hatte mit seinem Gewissen vereinbaren können, während seiner Soldatenzeit von der Harnisch 1333 M. Zulage einzustecken. Das Geld hatte die Harnisch früher in KottbuS bei den Eltern in einer Salzbüchse unter dem Salz versteckt. Die Eltern wurden jetzt ver- haftet, die Mutter aber später entlassen. Gegen den Grünkram- Händler und Richter ist ein Verfahren anhängig gemacht worden. Die Eicrfahrt mit Hindernissen. Eine gefahrvolle„Eicrfahrt" unternahmen anr Sonnabend Mitglieder des Berliner Ruderklubs „Germania" auf dem Boot„Martha". Dem Herkommen gemäß besteht für die Wirte, bei denen die Sportvereine anlegen, die Ver- pflichtung, daß der Klub, der als erster in jedem jungen Jahre bei ihnen ankommt, eine Mandel Eier als Preis entgegennimmt. Die „Martha" machte sich abends um 6 Uhr von Grünau nach Schmück- witz auf. Die Insassen(Böse, Artbur Neubert und Kuhn) wurden hinter Karolincnhof von Eisschollen derart bedrängt, daß sie sich selbst retten und das Fahrzeug an das Land ziehen mußten. Von da erreichten sie zu Fuß ihr Klublokal, das bekannte Wirtshaus am Seddinsee, von wo sie am Sonntagmorgen um 5>/z Uhr ihr Boot wieder aufsuchten, um nunmehr die Fahrt nach Schmöckwitz glücklich zurückzulegen. Dort wurde den Herren in einem zierlichen Körbchen der Preis' durch Fräulein Noack feierlich überreicht. Darauf setzten die kühnen Fahrer ihren Siegeslauf nach Zeuthen und Neumühle fort. Zwei Stunden nach ihnen traf ein andrer Ruderklub am Seddinsee ein. Ein Millionenbetrug, der jahrelang betrieben wurde, ist jetzt zur Kenntnis der Strafbehörden gekommen. Der 53 Jahre alte Bodenmeistcr Mattes hatte bei der Victoria- Spcicher-Aktien- Gesellschaft in der Küpnickcrstraße 24a 22 Jahre lang seinen Posten inne, bis vor VU Jahren der eine Direktor starb, der andre ins Ausland ging. Bei dem letzteren hatte er unbegrenztes Vertrauen, das er dazu mißbrauchte, doppelte Lohnlisten zu führen und Wäge- fcheine sowie die Namen der Wäger zu fälschen. Als Direstor Lip- schütz die Leitung übernahm, führte er eine andre Geschäftsführung ein und entließ Mattes wegen Unregelmäßigkeiten. Mattes sollte den Schaden durch Abschlagszahlungen decken und hatte bereits damit begonnen. Von dem defraudierten Gelde hatte Mattes einem Sohn in Ungarn eine Brauerei, seiner Ehefrau eine Bäckerei und Konditorei eingerichtet, in der er den Werkmeister spielte. Zum Schein war er als Reisender in einem„Gerichtsvollzieher-Ouartier" gemeldet. Seine Veruntreuungen sollen sich auf etwa eine halbe Million Mark belaufen. Während die Gesellschaft nichts gegen ihn unternahm, ging von unbeteiligter Seite eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ein. Diese führte'jetzt zn seiner Verhaftung. Bon der Plattform eines Straßenbahnwagens sind Sonntagmittag in Lichtenberg zwei Damen abgestürzt. An der Herzbergerstraße wurde der aus drei Wagen bestehende Zug mit einem heftigen Stuck zum Stehen gebracht, so daß die Fahrgäste durcheinander gerüttelt wurden und eine Frau Christiane Böhm vom Grünen Weg 65 so un- glücklich vom Perron auf die Straße stürzte, daß sie mit schweren Verletzungen in eine Heilanstalt gebracht werden mußte, während die mit ihr abgestürzte Frau Kratositt aus der Heinersdorferftraße 13 mit leichteren Verletzungen davonkam. Italien in Berlin. Ein Messcrkampf zweier Nebenbuhler wird aus dem italienischen Viertel in der Buchholzerstraße gemeldet. Der Italiener Partaglia und der Musiker Papa waren eng befreundet. Partaglia war zu einer glutäugigen Italienerin in Liebe entbrannt und hatte auch die Neigung des Mädchens für sich, das aber auch dem Freunde oft zärtliche Blicke zuwarf. Das weckte die Eifersucht PartagliaS, die bei einem Streit um eine Ziehharmonika eine greif- bare Form annahm. Beide waren Meister auf dem einen In- strument, das plötzlich beschädigt und fortgcnommen wurde. Partaglia wurde von seinem Freund der That beschuldigt, und der hieraus entstehende Streit artete in einen Kampf mit Messern aus. Partaglia, dem die eigentliche Schuld zufällt, erhielt einen Stich in den linken Oberarm und einen in den Rücken, so daß er zunächst in einem Krankcnhause Aufnahme finden mußte. Papa wurde durch einen Stich in den linken Arm verwundet� und wanderte, nachdem er einen Verband erhalten hatte, in Untersuchungshaft. Bei einem Diebstahl abgefaßt wurden zwei„Athleten", der 21jährige Fritz Wilmcrt und der ein Jahr ältere Karl Lachmann. Die„Kunst" wollte bei dem unscheinbaren Körperbau beider nicht recht gehen, und beide nährten sich eine Zeitlang kümmerlich ans Schaukästcndiebstählen. Dann entschlossen sie sich zu größeren Ein- brächen. In der Nacht zum Sonntag statteten sie dem Universum in der Kommandantenstraße, wo sie bekannt waren, einen Besuch ab. Dabei wurden sie ergriffen und eingesperrt. Eine Messerstecherei ereignete sich in der Nacht zum Sonntag im städtischen Obdach in der Fr'öbelstraße. Wegen Belegung des Raumes kamen einige Asylisten miteinander in Streit, in dessen Verlauf von dem Angreifer das Messer gezogen wurde. Zwei Personen erhielten schwere Stichwunden in die Brust; sie wurden, da eS im Kranken- Haus am Friedrichshaiu au Platz fehlte, ins Krankenhaus Moabit gebracht. Der Messerheld wurde verhaftet. Der Sauerstoff-Apparat. Am Sonntagnnttag wurde auf Au- ordnung eines Arztes ein Samariter der Feuerwehr mit einem Sauerstoff-Apparat nach dem Wöchnerinnenheim in der Urban- straße 22/23 entsandt. Leider ohne Erfolg. Die Wöchnerin war in- zwischen schon gestorben. Auch in der Marsiliusstraße 12 wurde ein Sauerstoff-Apparat erfolglos angewandt, dagegen in der Tnrmstr. 58 mit Erfolg._ Der Verein zur Förderung der Kunst hat sich in letzter Zeit mehr auf die Vororte zurückgezogen, um dort unter dem Schutz diverser Magistrate für Sonntagsunterhaltung zu sorgen. Rixdorf, Char- lottenburg und Schöneberg sind seine Hauptquartiere, und da seinen Unternehmungen die Schulsäle freundwillig zur Verfügung gestellt werden, kann er einem nicht allzu anspruchsvollen Publikum das Verständnis dieses und jenes Dichters gegen billiges Geld er« leichtern. Am letzten Sonntag war der Verein in Schöneberg in der dortigen Hohenzollenischule»nd da Fastnacht in der Luft lag, hatte man das Programm„fröhliche Kunst" getauft. Große und minder große Männer mußten die Kosten bestreiten; unter den Dichtern ging die Skala von Goethe bis Stinde, unter den Kom- pouisten von Schubert bis zu neueren Leuten, die ihre eigene„Ver- tonung" deutscher Gedichte selber zu Gehör brachten. Keines großen Apparates bedarf es. um so einen Abend auszufüllen. Herr Robert Koppel, wohlbekannt aus der prähistorischen Zeit dcS lieber« brettls, sang etliche Lieder, darunter Locwes prächtiges„Mädchen sind wie der Wind" und teilte sich die Arbeit des Vorlesens mit einem Fräulein Martha Altenberg. Herr Koppel erwarb sich den meisten Beifall mit einer prächtigen Erzählung von Max Dreyer„Pastor HelmS", und eine Frau Irma du Motta sang unter Begleitung ihres Gemahls vortrefflich Lieder, die teils von diesen:, teils von andern Tondichtern komponiert waren. Ueber Stindes„Buchholzens" und Buschens„Fromme Helene" hinweg ging eS dann zu HartlebenS „Geschichte vom abgerissenen Knopf" und zu Oskar Straußcns„Die Musik kommt". Das war aber das äußerste an Faschingskunst; doch wenn man erwägt, daß diese Kunst in einem Schulhause und unter dem ausdrücklichen Schutze des Magistrats von Schönebcrg zn stände kam, so darf man billigerwcise auch nicht mehr verlangen. Bemerkt sei noch, daß der Saal überfüllt war und das Publikum sich vor- trefflich amüsierte. EastanS Panoptikum. Das Wesen des Krieges zwischen Japanern und Russen im fernen Ostasien wird augenblicklich in Castans Panoptikum durch eine große Sammlung von japanischen Kriegs- bildern, GefechtSscenen zu Wasser und zu Lande darstellend, zur Vcranschaulichung gebracht. Eine zweite Novität befindet sich in einem Nebensalon des Hauptrestaurants und Konzertsaales. Dort hat eine Sammlung von modernen Gemälden Auffiellung gefimden, welche kürzlich auf der Kunstausstellung der„München'er Oktober- wiese" Aufsehen erregten. Gemälde secessionistischer Natur, die in durchweg humorvoller Weise bekannte und geschätzte Werke berühmter Maler karikieren. Die Herkulesknaben wie der indianische Niese Mianko Karoo bleiben nur noch bis zum Schluß dieses Monats. Jm Berliner Zoologischen Garte» wurde Anfang Januar eine Sumpf- Antilope geboren, die im Antilopenhaufe jetzt den Hauptanziehungspunkt bildet. Genau wie die Mutter in Figur und der bunten, weißftrcifigen Zeichnung, bewegt sich das ungemein zier- liche Geschöpf in derselben merkwürdigen Weife wie die Elten,: mit gespreizten Hufen und krummem Rücken durch sein Gehege. Der Uneingeweihte glaubt es kaum, daß der daiicbenstehcnde mächtige Bock der Vater des Tierchens ist; er ist nicht braunrot mit weißer Zeichnung wie die hornlose Mutter, sondern braunschwarz mit weißer Rückenlinie und in. Gewicht wohl gut dreimal so schwer. Das weibliche Tier kann dem alten Männchen fast unter dem Bauche hindurchgehen: ivohl einer der bedeutendsten geschlechtlichen Größen- unterschiede in der Säugetierreihe. Ein fchön geschivungcnes Gehör,, ziert den Bock, der in seinen verschiedenen geographifchen Formen ein beliebtes Jagdwild der Aftikancr darstellt. Erfindungen auf dem Gebiete der Telegraphie wurden in der Urania von Herrn Prof. Dr. Cerebotani auS München vorgeführt. Eine seiner Erfindungen ist der Teleautograph, der schon vor acht Jahren hier von ihm gezeigt wurde, jetzt aber bedeutend vervollkommnet und zu einem Faksimiletelegrapyen erweitert ist. Man kann damit nicht allein alle beliebigen Schriftzüge, fondern auch Zeichnungen telegraphieren. Die Bewegung geschieht durch Fixierung zweier rechtwinkliger Koordinaten. Eine Zeichnung, welche ein Porträt des Kaisers darstellt, ist von Berlin nach München tele- graphicrt worden; andre ebenso wohlgclungene Versuche wurden zwischen München und Augsburg, zwischen Turin und Mailand zc. unternommen. Auch die drahtlose Telegraphie läßt sich für die Er- findung verwerten; da die Apparate aber fehlten, konnte Herr Cerebotani diese Versuche nicht vorflihren. Sie werden heute, Dienstag, in der Urania veranschaulicht werden. Ein von demselben Erfinder gezeigter Typendruck-Apparat zeichnet sich durch seine über- raschende Einfachheit aus. Er kann auch von Laienhänden benutzt werden und ist aus diesem Grunde Ouiquolibet genannt worden. Der Apparat läßt sich mit dem Telephon verbinden und arbeitet selbst dann zuverlässig, wenn niemand auf der Einpfangsstelle an- wesend ist. Nicht nur einzelne Typen, sondern ganze Silben lasten sich mit dem Ouiquolibet übertragen. Der Vorttag fand lebhafte Anerkennung. Bon der Leitung der freien Fortbildungskurse in der Ober- rcalschule zu Charlottenburg wird uns mitgeteilt, daß der Nottrag an, Mittwoch ausfallen muß, da die Schule zu einer Schul- feierlichkeit benutzt wird. Lustspielhaus. Unter diesem Namen wird am 1. September d. I. das neue Theater in der Fricdrichstraße 233 eröffnet werden, für welches Dr. Martin Zickel als Direktor engagiett ist. Bereits Anfang April wird mit dem Bau des Theaters nach den Plänen des Vau- meisters Walter Hentschel begonnen. Huö den Nachbarorten. Steglitz. Durch den Bau und Betrieb des Teltolvlauals erwachsen den anliegenden Gemeinden nicht unbeträchtliche dauernde Ausgaben; es wurde deshalb vor längerer Zeit hiesigen Gemeinden von der Aufsichtsbehörde nahegelegt, zur Deckung der Ausgaben einen sogenannten Kanalbaufonds anzusammeln. Bei Beratung dieser Angelegenheit im Gemindeparlament wurde der Antrag gestellt und auch angenommen, für die im„Jntereffengebiet" des Kanals ge- legencn unbebauten Grundstücke eine erhöhte Umsatz- st e u e r zu erheben, um auf diese Weise der Gemeinde au der zu erwartenden Grundtvertsteigerung refp. an dem mühelosen Gewinn der Grundstücksspekulanten auch einen kleinen Anteil zu sichern, als Acquivalcnt für die zu tragenden Lasten. Dieser Beschluß fand jedoch ebensowenig die Bestätigung der Aufsichtsbehörde, wie der später ge- faßte, die Umsatzsteuer auf unbebaute Grundstücke im a l l g e- meinen von 1 auf 2 Prozent zu erhöhen. Aus diesem Grunde hatte sich die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung abermals mit der Sache zu beschäftigen. Die Etatskommission schlug vor. die Umsatzsteuer für unbebaute Grundstücke aus IV, Prozent festzusctzci,, und der Referent, Gcmeindcvcrtrcter Buhrow, befür- wertete diesen Vorschlag mit der Begründung, daß es bei dem Meinungswechsel der Regierung in dieser Frage zweifelhaft sei, ob später die Bestätigung zu einer Erhöhung überhaupt zu er- langen wäre, während man augenblicklich s i ch e r e Aussicht dazu hätte. Diese Aussicht schien der Grundbesitzer-Mchrheit derartig ver- lockend, daß von ihrer Seite schleunigst der Antrag gestellt wurde, die Beschlußfassung zu vertagen. Die Thatsache, daß sämtliche Redner der Mehrheit ihre Sympathie für eine Erhöhung der Umsatzsteuer Ausdruck gaben, kann unter diesen Umständen wohl nur wie die Kranzspende des lachenden Erben beim Begräbnis des Goldonkcls bewertet werden. Daß die Vertagung beschlossen wurde, ist bei der Zusammensetzung der Gemeindevertretung selbstverständlich.— Nachdem die Zustimmung zu dem Bebauungsplan der Heeseschen Plantage ausgesprochen war, wurde noch für das Gymnasium eine Ober- lehrerstelle mit 4263 M. Gehalt und eine Vorschullehrerstelle mit 2333 M. bewilligt. Der Punkt: Anderweitc Regelung der Beamten- besoldungen stand leider auf der Tagesordnung der geheimen Sitzung. Aus der Spandaurr Stadtverordnrten-Versammlung. Vor Ein- tritt in die Verhandlungen erstattete Oberbürgermeister K ö l tz e den Bericht über den Stand der Gemeinde-Angelegenheiien, aus dem nur das eine hervorging, daß die Finanzen der Stadt auch in den, zu Ende gehenden Jahre um nichts bessere geworden sind, weshalb an eine Herabsetzung der Gemeindesteuer gar nicht gedacht werden könne. Aber deshalb sei die Stadt immer noch nicht etwa arm zu nennen, denn ihr buch«, ätziges Vermögen, vorwiegend in dem aus- gedehnten Grundbesitz bestehend, beziffere sich nach Abzug der Anleihe- schulden auf 14 785 334,87 M. Dabei liegen dieser Zahl„och die Schätzungen der Bodenwcrte von vor zehn Jahren zu Grunde; der heutige Wert des gesamten städtischen Grundbesitzes werde sicherlich doppelt so hoch sein. Eine Besserung in der städtischen Finanz- läge werde erst dann eintreten, bis die Stadt nicht größere Terrains verkauft haben werde. Bei der Beratung des Haupt-Etats brachten unsre Genossen bei den einzelnen Etatstitcln eine Reihe von Beschwerden vor, so zum wiederholtenmale über die Mangelhaftigkeit der amtlichen Bautenkontrolle, über die Verwendung der städtischen Polizei zu politischen Diensten für die Direktionen der Staatsbetriebe, Ver- teilung der B ll l o w r e d e n durch Polizeibeamte usw. In der Debatte hierüber kündigte Sladtv. Hannemann(k.) einen Antrag auf V e r st a a t l i ch u i, g der Polizei an. Fast debattelos wurden hierauf die Steuerzuschläge für das kommende EtatSjahr, gemäß dem Vorschlage des Etatsausschusscs in gleicher Höhe wie im laufenden Jahre festgesetzt, d. i. 233 Proz. Gemeindeeinkommen-Steuerzuschlag mid 3,63 M. pro Mille Grund- wertsteuer. Gegen die Snminei, unsrer Genossen wurde hierauf der Haupt-Etat in Höhe von 2 436 143 M. in Einnahme und Ausgabe festgestellt. Die weitere Vorlage betreffend„ A e n d e« r u n g d e r U n, s a tz st e u e r- O r d n u n g" kann nur deshalb wieder auf die Tagesordnung, weil der Magistrat dem in voriger Sitzung mit äußerst zweifelhafter Majorität gefaßten Beschlutz, betreffend Verwendung von einem Drittel der Mehre, tträge zur Herab- , Hinderung der R e a l l a st e„ seine Zustimmung versagt. Die Versammlung erledigte diese Vorlage sehr schnell, indem der da- malige Antragsteller. Stadtverordneter Lüdecke, seinen Antrag zurückzog. Hierauf beschäftigte sich die Versammlung volle zwei Stunden mit dem Projekt des F o r st v e r k a u f s. In der Debatte über diese Vorlage platzten die tiefgehenden Gegensätze zwischen den bürgerlichen und proletarischen Weltanschauungen heftig aufeinander. Von unsrer Seite vertrat Genosse Rieger in längerer Rede den ab- lehnenden Standpunkt der Fraktion. Das Schlußresultat war, daß die Versammlung mit allen gegen die 11 socialdemokrattschen und eine bürgerliche Sttmme dem Verkauf von 2333 Morgen Forstgclände im Princip zustimmte. Ein Eventualantrag unsrer Genoffen, mindestens die Hälfte des zu erzielenden Kauferlöses einzig für die Hcrabfetzung der Steuerlasten festzulegen, wurde mit allen gegen 11 socialdcmokratische und 3 bürgerliche Stimmen abgelehnt. Die Fortführung der Unterhandlungen mit dem kauflusttgen Konsortium wurde einer gemischten Kommission übertragen. Eingegangene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgatt, Dich' Verlag) ist soeben da? 23. Jbest des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Der rusfisch-japanische Krieg.— Allerhand Revolutionäres. Von Karl Kautsch. II. RcvolutionShcrde.— Immanuel Kant. Von Franz Mehttng.(schlug.)— Statistische Nachllänge zu den Reichstags- Wablc». Von Akadcmikus.(Schiuk.)— Eine neue Erscheinung aus dem Gebiete der Tarisvereinbarungen. Von F. Schnettcr.— Der Heimarbeiter- Kongreß. Von Paul Reighaus.— Sind Aerztestreiks möglich? Von Dr. A. Bl.— Litterarische Rundschau; Dr. Ludwig Bernhard, Privatdozent an der Universität Berlin, Die Accordarbeit in Deutschland. Von»6. br. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen. In der Zeitungspreisliste der Postanstaltcn ist die „Neue Zeit" unter Nr. 5575 eingetragen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. Jm Verlag von I. H. W. Dich Nachs. ist soeben der Schkußband (4. Band) des nachstehenden Werkes erschiencn, so daß das Gesamtwert nunmehr vollständig vorliegt. Tie Geschichte der Deutschen Socialdemokratie von Franz Mehttng. Zweite, verbesserte Auslage. Erster Band: Bis zur März« Revolution.— Zweiter Band: Bis zum preußischen Verfassungsftreit.— Dritter Band: Bis zum dcutsch-stanzöstschen.Krieg.— Vierter Band: Bis zum Ersurtcr Programm. Die neue Ausgabe ist in handlichem Format und aus holzfreiem Papier gedruckt. Preis pro Band broschiert M. 4.—, elegant gebunden M. 5,—. Für die zweite Auslage ist das ganze Werk einer eingehenden Durch- sicht und Revision unterzogen worden. Neben stilistischen Besserungen, die sich über alle.Kapitel erstrecken, ist eine Anzahl von Versehen hcrichtigt, eine Reihe von Lücken ausgcsülll, und namentlich alles, was inzwischen an neuen Forschungen über die Geschichte der Socialdemokratie erschienen ist, in dein Text verarbeitet worden. Um den Gebrauch dcS Buches für praktische und wissciischasliiche Zwecke zu erleichtern, ist die innere Gliederung deS Stoffes übersichtlicher gestaltet und in sechs Bücher geteilt worden, die den modernen wisscnschastlichcn Kommunismus, die März-Revoiution und ihre Folgen, die Agitation Lalsallcs, den Streit der Fraktionen, die Einigung der Partei»nd ihre Geschichte unter der Herrschaft des Sociaiistengesctzcs behandeln. Ein Blick aus die neueste Entwicklung der deutschen Socialdemokratie schließt daS Werk, das auch noch um ein Personenregister vermehrt worden ist. LriefKaften der Redahtion. 999. Ceteris paribus oder caeteris paribus, lat., wenn alles übrige gleich ist, wenn sonst nichts verändett wird, unter sonst gleichen Be» diiigungcn und Umständen, bei verbällnismäßiger Gestaltung des übrigen. — Heidenfeldstraste. Beide Münzen ohne höheren Wert. Liebhaber zahlen ein paar Groschen darüber. Wo Quittung?— B. H. Guter Handatlas für 12.53 M. durch die Vorwärts-Buchhandlung zu beziehen.— D. L. 193. Sie sind schweisten Irrtümern verfallen. Ersuchen Sie einen Arzt um Rat. — H. H. 1. Nein. 2. Der vierte Teil einer deutschen Meile. 3. Un- bestimmt, hängt vom Wetter, der Tageszeit ,c. ab.— Generalstreik. Ver- schcntlich zurückgestellt worden. Eine zusammenhängende Darstellung fehlt: Material finden Sie da und dott. in den diversen Jahrgängen der„Neuen Linienschiff. Großes Panzerschiff, rund 25 Millionen Mark. Kategorie: Allgemein gefaßter Begriff: kategorisch: unbedingt, schlechthin. Kategorischer Imperativ: unbedingtes Vernunstgcbot der Kantschcn Philosophie.— Japan. Rcgicrungssorm: konstitutionelles Kaiserreich.— Z. 14. Wenden Sie sich an den Architckturverlag Ernst WaSmuth, Mark- grascnstr. 35. Gh. P. M. Kapstadt, t. und 2. Ob daS Gericht in Windhuk zu- ständig ist und ob Sie dort vcrutteiit werden können, läßt sich nur nach Einsicht prüfen. 3. Innerhalb einer vom Gericht zu bestimmenden Frist nach Zustellung(14 Tage bis etwa 2 Monate). Ihre stüheren Anstagen sind bereits durch Brief am 12. Januar er. beantwortet. Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen des »Welzen, gut D.-Ctr. mittel gering. «Roggen, gut mittel gcririg, sGerste, gut„----------- mittel„ 12.73 11,83 Eier gering„ 11,78 18,80 Karpfen sHaser, gut„ 15,43 14,43 Aale mittel, 14.33 13,38 Zander . gering. 13.23 12.33 Hechte Richtstroh„ 3,82 3,30 Barsche Heu, 7,20 4,80 Schiere Erbse»„ 40,00 28,00 Bleie Speisebohnen. 53,33 2«, 33 Krebse Lilijen * ab Bahn, f frei Wagen und ab Bahn. am 13. Februar 1904 tgl. Polizeipräsidiums. Kattoffeln, neue D.-Cw. Rindfleisch. Keule 1 K« do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter 63 Stück 1 kg per Schock 7,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 5,00 2,40 3,00 3,00 2,40 1,80 3,00 1,40 15,00 6,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1.40 0,80 3,00 Mr den Inhalt der Inserate überniinmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. UKeater. Dienstag, 16. Februar. Anfang 7'/, Uhr: Neues 5löuigl. Opern � Theater. Der Wildschütz, oder: Die Stimme der Natur. Schauspielhaus. Wann wir altem. Die Romantischen. Deutsches. Der einsame Weg. Berliner. Maria Theresia. Lesfing. Zapsenstreich. Westen. Die schöne Helena. Neues. Schwester Beatrix. Vorher: Der Schlachtcnlenker. Residenz. Der keusche Casimir. Vor- her: Die Empfehlimg. Central. Das Schwalbennest. Belle- Alliance. Götterweiber. Ansang 8 Uhr: Schiller v.(Wallner- Theater.) König Lear. Schiller jf.(Friedrich-Wilhelmftädt.) Die Kinder der Excellenz. Luise». Faust. I. Teil. Thalia. Der Hochtourist. Kleines. Nachtasyl. Trianon. Madaine X. Carl Weift. Der Mte kommt. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Casino. Wie einst im Mai. Bade- kuren. Reichshallen. Steitiner Sänger. Gebr. Hcrrnfeld. Nur eine Nacht. Passage- Theater. To-To. Fred Cdlawi. Specialitätcn. Ans. 5 Uhr. Nictropol. Durchlaucht Radieschen. Apollo. Frühlingslnst. Blüten- Hochzeit. Speciatitäten. Winter-Gartcn. Ltoc> che Aorollo. Specialitätcn. Urania. Taubenftrafte 48/4S. Um 3 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Hörsaal. Dr. B. Donath: Das Gesetz von der Erhaltung der Energie. Juvalidenstrafte S7/KL. Stern- warte. Täglich geöfttict von 7 bis 11 Uhr. 8 Uhr: Pros. Dr. Cerelotain: Neuerungen aus dem Gebiete der Facsimile und Typen- telcgraphie mit und ohne Draht. Neues Theater. Schisfbaucrdamm 4a— 5. Schwester Beatrix. Vorher: Der Schlachtcnlenker. Ansang 7>/z Uhr. Morgen:»inna von Barnhelm. Oentra!-Theater. Täglich 71/3 Uhr: TaS Schwalbennest. Operette in 3 Akten o. M. Ordonncau. Musik von Henry Hcrblay. Sonnabcndnachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung. Halbe Preise. Ter ge- stiefelte Kater. Märchenspiel mit Gesang und Tanz in 4 Bildern. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Gastspiel: Frau v. Hochenburger, Herr Max Grube und Herr Arthur Krausen vom königlichen Schauspielhause: F'ausi. Wim-WM Direktion S. Laulenburg. Abends 7>/z Uhr: Vie Empfehlung. Abends 8 Ubr: Der kciifilic Cnlimir. Metropol-Theater IUI Raiescta! Ausstattungsposse mit Gesang. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonnabend, den 20. Februar: Hl. c. letzter Hetroppl-Theaterhall. Apollo-Theater. Abends 8 Uhr: Frühlingsluft ■gtneT Blülenhochzeit. g'/z— n Uhr: Die grandiosen Specialitätcn. Robert Steidl Sp3? Josoarys, Rom. Akrobaten, Drei Zagas, Luftakt. Morris D ronin, Jonglenr-Scene. Marlin Kellner, Humorist. Quartett Legay, franz. Tänzer. Messters Kosmograph. Neue Bilder. ??? Nordini??? der Mann mit den Wundermuskeln. Sonntag, den 21. Febr.. nachm. 3 Uhr: I-ysNtrata. Kleines Theater. Unter den Linden 44. ftlachfasyl, Schiller-Theater. Schiller- Theater O. (Wallner-Theater). Dienstagabend 8 Uhr: König I-car. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Mittwochabend 8 Ubr: IMe Kinder der Excellcnz. Donnerstagabend 8 Uhr: Die Kinder der ExccIIcnz. Schiller-Theater X. (Fricdrich-Wilhclmstädtisches Theater) Dienstagabend 8 Uhr: Die Kinder der JRxcellcnz. Lustspiel in 4 Ausziigeu von E. v. Wolzogcn u. W. Schuman». M i t t iv o ch a b c n d 8 Uhr: Oriel Ace�ta. Donnerstagabend 3 Uhr: _ König Ijear. Thalia-Theater. Dresdenerstr. 72/73. Amt IV 4440. Ans. 71/jt Uhr. Direktion Jean Kren MW Zum lOO. Male:"MO Der Hochtourist. Guido Thielscher in der Titelrolle. 17. u. 19. Febr.: Isadora Ouncan. Sonntag 3'/- Uhr: Gharleys Tante. Belle-Älliance-Theater. Belle-Allianeestr. 7/8. Amt VI 283. und Alfred Schönfeld. Ans. 71/- Uhr. Dienstag, Donnerstag u. solg. Tage: Götterweiber. Mittwoch: Guido Thielsolier als Hochtourist. Sonntagnachm. 3 Uhr, kleine Preise: Von 8tute zu Stufe. Ansang 8 Uhr. Oirkus Schumann. Heute Dienstag, den 18. Februar, abends 7>/. Uhr: UV Nur noch kurze Zeit:"9�' Um 9 Uhr: Das einzig u. allein dasteh. Nalurwunder: Mik S_ der menschliche Consttl' Iocr mrn�lylllye , Chimpause. Dir. Alb. Schumanns neue und moderne Dressuren. ""Stasr®*«» mäml. I.öweii. Eine Wanderung durch acht Jahrtausende. BABEL. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Ubr im Theater; Der Erdball als Träger des Lebens. Hörsaal: Dr.B. Donath: Das Gesetz von der Erhaltung der Energie. Sternwarte 8 Ubr: Prof. Dr. Oerebotain: Neuerungen auf dem Gebiete der Facsimile und Typen-Telegraphie mit und ohne Draht. CASTANS PANOPTICUM Friedricbstr. 165. Ein Naturwunder: Die bildschönen ISerknles- Brüder gsgy Her Indlaner-Rie.c NMjr* JSianko Karoo. Deutsch-Äinerikanisehes Theater. Heute: Zum 174. Male: Köpnickerstrasse 67. Anfang 8 Uhr. Endo 10 Uhr 30 Min. GASTSPIEL Ad. Philipp. üebem grossen TEICH. Casino-Theater. Lothringers�. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/,. Die komische Operette liio Cirkustee. Vorh.: Das glänz. Februarprogramm. Sonntagnachm. 4 Uhr: Vertauschte Sohn. Uhr: Trianon-Theater. Georgenstrasie, zwischen Friedrich- und Universitätsstraije. Madame K. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachmittag:„Biscotte." fAf! Veisz-Thesler. Grefte F-raiikfurter Strafte iZÄ. Nur einmalige AutsüHrung: Der Alte kommt! Vaudeville-Operette in 3 Akten von Max Feldberg und Alex. Thrkowski. Anfang 8 Uhr. Mittwochnachmittag 4 Uhr: Schüler- Vorstellung: Die Jungfrau v. Orleans. I Direktion; Robert Dill. Brnnnenstrasae 10. Hean oder: Genie und Leidenschaft. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Mittwoch: Keine Borstellung. Donnerstag: Extra-Borstellung Gebrttder Herrnfeld- Ä? Theater. Die anerkannt erfolgreichste Novität Mr eine Ztsekt! 2 Akte aus einer Ehe. Komödie von A. und 0. Herrnfeld mit den Prachtfiguren Will! Waldheim... Denat Herrnfeld. Tuschck....... Anton Herrnfeld. Dambitsch...... Ford. Gröneckor. Ferner: Das neue l'ehi'aar- KUnHtler-Progranun. 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Nach der Vorstellung: Familien- tanzkränzche» obne jede Nachzahl. Auftr. neuer erstklassiger Specialitäten. Dauerkarten haben Gültigkeit. S'eidl-<£Jheater Linien- Oranien- strasso 132 burger Thor. DM-Riescuerfolgl�ME Das trurr Vattrhaus. Dramolet von Fritz Steidl. Bollftändig neues Programm. Kotlbuscr Thor— Skat, der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag; Hoffnianns Norddeutsche SDnger und Tanzkränzchen. Dienstag, den 16. Februar: Extra- Fastnachts-Vvrstcllnng. Ein Mann aus dem Volke. Nachdem: Faftnachts- Kränzchen und Vorträge von Hosftnanns Norddeutsche Sänger. Fastnachtsjubel und Trubel. Entree wie gewöhnlich."HWA Vorzugskarten gültig. Xönigstaät-jiasino Holzmarktstr. 72. Ecke Alcxanderstratze. Täglich: Peunz hiodirnslel. Xc«! The Byrons, Flirnrn u. Flumm, Eugen Nigthon. Die Fcbruar-Specialitäten. Neu! Der Onhel kommt. Neu! Nach der Vorstellung: Mittwochs, Sonnabends u. Äonntags: Tunz. Reichs hallen Stettiner Sänger Zum Schlutz neu: Die Berliner bei den Hercros. IX. Berliner Saison...... Oirkus Busch. Sport-Gala- Abend. Eine Hirschjagd, ger. mit 20 Voll- und Halbblutpferden. pdF- Zum letztenmal: vte ossene Scvleile. 8 Meter Sprung von Monsieur Satan aus Paris. Nur noch einige Male: Wnnder- Hrcssnr des Mr. Richard Sawade mit seinen wilden Königstigern. Zum Schlusi zum 55. Male: Aus den Alpen. „Pas de Deux" getanzt von Sign. Fiorentini u. Sgr. Cerutti. Kaufmann-Truppe Weibl.Kadfahrer. Sisters Moulier Eeckturnerinnon. Brothers Damm Exentric Akrobaten. Paul Balfy Dressierte Bären. 0' Neil und Torp Excontrics. Sörä KepÜepF Sängerin vom k. k. priv. Theater a. d. Wien. Costantino Bernardi In einer Komödie mit 9 Personen v. Bernardi allein dargestellt. Georg Hartmann Zauberkünstler. Athleta& Brada Kraftproduktion. Tanzbilder mit CIco de Merode Biograph. Fröbels Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhanscr Allee 148. Dienstagabend 8 Uhr: Gastspiel der Harburger Sänger. Nach der Porstelliing: »ci-Tnnz. Eintritt.ZQ P f. Vorzugskarten güllig. 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Meine Asfifen-Nede, gehalten bor den Geschworenen zu Tüssel- darf am 3. Mai]849 gegen die Anklage, die Bürger zur Bewaffnung gegen die könig- liche Gewalt aufgereizt zu haben.—,49 M. Arbeiterprogramm.—.15 M. Die indirekte Steuer und die Lage der arbeitenden Klassen. -.69 M. Der Lafiallesche Kriminalprozeft. U. und III.—,59 M. Offenes Antwortschreiben an das Zentralkomitee zur Berufung eine» Allgemeinen deutsd>en Arbeiterkongresses zu Leipzig. Neue Auflage.—,29 M. Die Feste, die Prefie und der Frankfurter Abgeordnetentag. Drei Symptome des öffentlichen Geistes-,23 M. A» die Arbeiter Berlins. Eine Ansprache.—,29 M. Der Hochverrats- Prozeft wider Ferd. Lassalle.— ,49 M. Kleine Aufsähe:—,15 M. Die Agitation des Allgemeinen Deutsche» Arbeitervereins und das Versprechen des Königs von Preuften.—,25 M. Herr Bastiat-Schnlze v. Delibsch oder Kapital und Arbeit. 1,— M. Herr Julian Schmidt, der Lit- terarhistoriker.—,75 M. Vorrede zum System der er- wordenen Rechte.—,29 M. 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