Kr. 40. nbonnetnentS'ßedlngunsen: Abonnements- Preis pränumerando! Bierteljährl. Z,zo Mb, monatl. 1,10 UTJ., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Smzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reu- Welt» 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 21. Jahrg. CrtdKlnt tigllch außer montag». Vevlinev VolkSblÄkk. Die TDfertlonS'GebUlir deträgt für die sechSgcspaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Bereins und Persammlungs-Anzeigen 2S Pfg �Alein« Snrelgen", daS erste ffett gedruckte) Wort 10 Pfg., jede- weitere Wort s Pfg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr dormsttags geöffnet. kelegramm- Adresse: „Sozlalttnokrat BkUd". Zentralorgan der Ibzialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68. Lindenstrasse 69. Ksrnsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Mittwoch, den 17. Februar 1904. Expedition: SM. 68, Llndenetraeac 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Die höhere Macht. f?eBen dem Mikroskop der Firma Zeiß, daS neue wunderbare Möglichkeiten der Forschung eröffnet, indem eS Körper von ein Hunderttausendstel Millimeter dem Auge sichtbar macht, sollte inan zur W e I t a u S st e l l u n g nach St. Louis, um den schmerzenden Kontrast des deutschen Geisteslebens dort zur An- schauung zu bringen, Gipsabgüsse der Marmorgeländer vor dem Brandenburger Thor zu Berlin und als erläuternden Text das Stenogramm der Reichstagsverhandlungen vom FastnachtsdicnStag 1904 entsenden. Während damit auf der einen Seite gezeigt würde, lvie deutsche Forschung in die verlvegensteu Abgründe der Naturrätsel kühne Brücken baut, erführe das Völkerpublikum der amerikanischen Weltmesse zugleich, wie man dicke Ballustraden iin Nilpferdstil errichtet, als ob es gelte, schwindelnde Wanderer gegen den Absturz in gefährliche Tiefen zu schützen, und die doch nur eine Art aufgeblasener Bordschwellen am Rande eines gewöhnlichen Strasienpflasters sind: Neben dem gewaltigen Ernst ringenden und fruchtbaren ForschenS die pomphafte sinnlose Marmortäuschung eines großen Zweckes, der in Wirklichkeit ein leeres Nichts verkleidet. Diese gegenübergestellten AusstellungS-Objekte würden zeigen, welche schrillen Widersprüche in einem Staate mög- lich sind, der selbst nur eine historische Antinomie, ein klaffender Gegensinn, ein Gemenge von feudalen und absolutisttschen Rückständen, kleinbürgerlichem Philistertum, großkapitalistischen AuS- fchweifungen und socialistischen ZukunftSkeimen ist... Mit einer seltenen, auf diesem Gebiete noch niemals erlebten Einmütigkeit hat der deutsche Reichstag in der Fortsetzung der Kunst- debatte am Dienstag gegen die Vergewaltigung der deutschen Secession protestiert. Wenn man von dem konservativen Kunst- Philosophen, dem.Privatmann" Henning aus Frankfurt a. O. absieht. der seinen patriotischen Standpunkt am Rolandbrunnen einnimmt und deffen Horizont an der Siegessäule abschließt, so haben die Vertreter aller Parteien, von der Socialdcmokratie(Singer und Südekum) bis zu den Reichsparteilern zum Teil in bisher unerhört scharfer Weise die Vorherrschaft des persönlichen Regiments auf dem Gebiete der Kunst angegriffen. Im Reichstage des allgemeinen Wahlrechts ist eben eine gewiffe Anpassung an die selbstverständlichsten Elementarbedürfnisse der Kultur unumgän�nch: man hat dort eine Art Anstandsinstinkt für die Notwendigkeiten, ohne die es in einem mündigen Volke und in einer mündigen Welt kein Existenzrecht mehr giebt, und ein durchschnittS-europäisches Minimum von moderner Auffassung ist auch bei den bürgerlichen Parteien Gemeingut geworden. Es ist zuzugeben, daß der Reichstag durch die letzten Verhandlungen an geistigem Kredit ge- wonnen und die schlüpfrige Affaire mit leidlichem Anstand be- standen hat. Indessen gerade in der Einmütigkeit aller Parteien, der gegen- über der Märtyrer dcS Reichsamts des Innern einen schlimmen und unwürdigen Stand hatte, sollte sich doch auch das Maß der Bedeutung dieser Aktton zeigen. Man hat eine allzu deutliche Grenzüberschreitung persönlicher Einflüsse zu korrigieren versucht, damit aber haben die bürgerlichen Parteien noch bei weitem keine entscheidende Aktionsfähigkeit gegen die höhere Macht bewiesen. die in den Gang der notwendigen Entwicklung so viel seltsame und peinliche Zufälligkeiten streut. Die Vergewaltigung der SecessionSkünstler durch die Werner- Truppe hat sich vor der Ocffentlichkeit der ganzen Welt abgespielt. Schon daS nöttgte zu Konzessionen. Sodann haben die künstlerischen Miß- erfolge in Paris und Chicago den Weltmarkt der sdeutschen Kunst schwer geschädigt, so daß gerade die materiellen Interessen die parla- mentarischen Wortführer der herrschenden Klassen zur Kritik zwangen. Schließlich aber— und das ist am meisten zu beachten— wenn fast alle bürgerlichen Redner unter gewissen Vorbehalten die Secession verteidigten, so beweist daS auch manches gegen die Secession. Thatsächlich handelt es sich nicht etwa um einen Gegensatz revolutionärer und reakttonärer, moderner und akademischer Kunst. Vielmehr ist eS in der Hauptsache nur der Kampf der stärkeren, eigenartigeren und zugleich materiell bedrückteren Künstler gegen eine allmächtige Clique von mittelmäßigen und unfähigen Hoflieferanten. Wer die Entwicklung der deuffchen Secession verfolgt hat, weiß, wie sie von Jahr zu Jahr— den Bedingungen ihrer Käufer gemäß— immer zahmer geworden ist und fast gänzlich auf den Ehrgeiz verzichtet, die schweren und harten Probleme der gärenden Zeit künstlerisch zu gestalten. Diese Secessioniften wären an sich in ihrer Mehrzahl durchaus hoffähig, wenn nicht ein mächtiger individueller Geschmack ausschließlich von der Konkurrenz eingenommen wäre. Daher ward eS möglich, daß die.Rinnsteinkünstler", die der- schrienen Revolutionäre ihre Gönner auch in den Reihen der schlinnnstcn Scharfmacher und Dunkelmänner fanden. Daher tonnte es sich ereignen, daß der leidenschaftlichste Protestler gegen die Äunstpolittk der Regierung, Graf Oriola, der wegen des reichlich vorgebrachten Materials nicht ohne Eindruck blieb, in seineil Lobgesang auf die freie eine Kriegserklärung gegen die freche Kunst einflocht, daß er zu fordern schien, alle Elendsmalerei, alle Kunst, die die.Autorität" erschüttert oder„niedrige Sinnlichkeit" verherrlicht, müßte von der Reichsregierung mit dem Büttel unterdrückt werden Da es aber nur eine ganze ungeteilte Freiheit der Kunst geben kann oder gar keine, so beweisen diese Deklamattonen, daß eS sich doch mehr um einen häuslichen Konkurrenzstreit in der bürgerlichen Kunst handelt, als um eine Demonstratton gegen alle Einschränkung und Unterdrückung. Muß man also den Wert der Debatte im Hinblick ans ihre freiheitlich-künstlerischen Tendenzen und Garantien erheblich ab- mindern, so ist die Angelegenheft dennoch von emer großen polittschen Bedeutung. In einem. grellen, alle Eigentümlich- leiten des gegenwärttgen Systems zusammenfassenden Kabinetts- stück wurden die entscheidenden Einflüsse des heutigen Re- giments bloßgelegt. Das Kapitel von der Kunstregierung wurde zu einer Spiegelung der ganzen Regierungskunst. Durch daS Thatsachenmaterial, das der nationalliberal getaufte Graf Oriola beibrachte und das der Freisinnige Müller-Meiningen ergänzte, wurde folgendes unumstößlich festgestellt: Die deutschen SecessionSkünstler werden mit allen Mitteln deS Boykotts seitens der leitenden Kreise verfolgt und unterdrückt. Im Jahre 1902 regt der deutsche Konsul in Chicago eine Ausstellung deutscher Künstler an, um den amerikanischen Markt der deutschen Kunst zu beleben. Auf der für die Ausstellung angcferttgten Vorschlagsliste be- finden sich auch die Namen zweier Secessioniften. Sofort erfolgt die Weisung vom Auswärtigen Amt oder dem preußischen Kultus- Ministerium: Das geht nicht, die Namen müssen gestrichen werden. Die gleiche Methode im größeren Stil wurde nun bei den Vor- bereittingen zur Ausstellung in St. Louis ausgeführt. Zunächst sind sich die verbündeten Regierungen klar darüber, daß das alte Ver- fahren bei der Auswahl der Bilder nicht mehr eingeschlagen werden könnte! der künstlerische Bankerott in Paris und Chicago, den die Orga- nisation der Kunstgenossenschaft zu verantworten hatte, schreckte. Ein Gedankenaustausch zwischen den verbündeten Regierungen ergab, daß eine freie Kommission aus bedeutenden Künstlern der verschiedenen Richtungen, Kunstgclehrtcu und Kunsthändlern zusammenbernfen wurde, der die Auswahl der Bilder übertragen werden sollte. Alles war in schönster Ordnung, zu allgemeiner Zufriedenheit. Da erhob sich die von Anton v. Werner, dem Vertreter der patriotisch gestiefelten Afterkunst, gegängelte Kunstgenoffenschaft, um ihr alteS Recht zurück- zuerobern, ihre Leute nach Saint Louis zu delegieren. Und nun trat das ein, was Graf PosadowSky in seiner mühseligen, im Innersten unwahrhafttgen Verteidigungsrede so bezeichnete, „nähere Erwägungen" hätten ergeben, daß die Kunstgenossenschaft doch nicht übergangen werden könnte. Herr v. K a r d 0 r f f, der indirett den frommen Wunsch äußerte, die ganze Siegesallee möge vom Erdboden verschlungen werden, sprudelte offen heraus, worin diese mystischen näheren Erwägungen be- standen:„Eine höhere Macht trat dazwischen. So war eS." Herr Anton v. Werner, der preußische Akademiedirektor, erteilte im Auftrag des Kaisers den Befehl, daß statt der gemischten Kommission, die von den verbündeten Regierungen einberufen war. die von Wilhelm II. begünstigte Kunstgenossenschaft die künstlerische Leitung der Ausstellung übernehme. Und so geschah eS. Den einzelstaatlichen Regierungen tvurde einfach die vollendete Thatsache mitgeteilt: niemand muckte. Und die verantwortliche Reichsregierung, einschließlich deS AuSstellungskommiffarS revidierte unverzüglich ihre bis dahin bethättgten Ueberzeugungen. Hierin aber liegt die große politische Bedeutung der Affaire. Wenn es möglich ist, daß der individuelle Geschmack deS Kaisers auf einem Gebiet, wo er nur als Privat mann und Käufer Einfluß hat, ohne irgend einen Wider- stand zu finden, die Beschlüffe der ReichSregicrung wie der Einzelstaaten nach seiner Anschauung von Grund aus ändert, wie grenzenlos muß da erst die Macht der Persönlichkeit auf den Ge- bieten sein, auf denen ihr ohnehin durch die Verfassung ungeheure Einflüsse eingeräumt sind l Man hat mit ironischen Worten den armen Graf PosadowSky er selbst diese unrettbare Sache verteidigen mußte. als ob solche Bemerkungen nicht dem Ernst gerecht Ivurden. Zunächst Iväre es Pflicht Blllow, deS Reichskanzlers, gewesen, sich zu Der Mann blieb vorsichtig im Hintergrund. Wo waren ferner die Vertreter der Bundesstaaten, deren Beschlüsse so umgekehrt worden waren? Sie waren alle da und schwiegen alle, bis auf einen, der— der preußischen Regierung beisprang. Niemand hat in dieser ganzen Angelegenheit seine pflichtgemäße Verantwortlichkeit benutzt, um sich dem Ratschluß Anton v. Werners zu widersetzen. Niemand hat erklärt, daß es so nicht ginge, lind niemand hat den Kaiser ersucht, sich andre Minister zu suchen, wenn er an seinem Willen festhielte. Darum sind die nachttäglichen Deklamationen der bürgerlichen Parteien von recht problematischer Bedeutung. Denn sie ändern nichts an der Thatsache, daß bei den heute herrschenden Zuständen überall und immer eine höhere Macht ihren subjektiven, wenn auch noch so individuellen Entschluß durchzusetzen vermag. ohne daß irgend eine Hemmung innerhalb der verfassungsmäßigen Organe gewagt wird. Es handelt sich nicht nur um die Aussperrung der modernen Kunst von einer Weltausstellung, sondern um die Selbstbestimmung der Regierung, des Parlaments, der Parteien. der Nation. Schwerlich wird der Kunstprotest der bürgerlichen Partelen da- gegen etwas Wesentliches wirken. DaS Heil kann auch hier nur von dem Proletariat kommen, das gelernt hat, Politik von der Wurzel aus zu treiben. bedauert, daß UnS scheint, der Sache des Grafen verantworten. Die russische Stimmungsmache. Seit jeher hat es die russische Diplomatie verstanden, die öffent- liche Meinung Europas über die Zustände im Zarat und über die Stimmung der Bevölkerung zu täuschen. Es ist daher kein Wunder, daß auch jetzt dem Zeitungsleser fast täglich die Sensationsnachrichten über patriotische Demonstrattonen in russischen Städten aufgetischt werden. Die russische Regierung hat alles Interesse daran, gerade jetzt die öffentliche Meinung darüber hinwegzutäuschen, daß eS im Zarat gärt und daß die weitesten Kreise absolut nicht daran, denken, sich für den Krieg zu begeistern. Die„PetersburgSkija Gazeta" wurde bereits b e- straft, weil sie Kriegsinfonnationen gebracht hat, welche den Intentionen der Behörde nicht entsprachen. Den Warschauer Blättern hat man die bisher zugelassenen ausländischen Zeitungen gesperrt. Und die Zeitung„Rus" schreibt: „Bisher haben wir nur ein Verlangen— zu wissen, was da vorgeht. Und wir bekommen— wie zum Trotz— so wenig Nachrichten, daß in der Seele Unruhe entsteht". Die russische Sensationsmache hatte ihren Höhepnnlt erreicht, als in diesen Tagen genieldet wurde, daß selbst in Warschau eine Demonstration für den Krieg stattgefunden habe. Wie sehen denn die Dinge in Russisch-Polen in Wirklichkeit aus? Nach dortigen Meldungen ist zunächst zweifellos, daß der Kriegsausbruch ein fieberhaftes Interesse hervorgerufen hat. Man spricht nur von dem Krieg. Die knappen Nachrichten über die japanischen Siege haben eine a'l l g e m e i n e Begeisterung hervorgerufen. Diese Begeisterung wurde selbst durch die Thatsache, daß in dem russischen Heere im Osten ein bedeutender Prozentsatz Polen steckt, die mit- leiden müssen, nicht herabgemindert. In den Massen der Arbeiter und der Bauern kommt die feindliche Sttmmung gegen die Regierung und die Freude über die japanischen Siege unverhohlen zum Ausdruck. Aus den Sparkaffen der Regierung werden die Spareinlagen massenhaft zurückgezogen. Der Andrang des. kleinen Publikums, das sein Geld von der Regierung zurückhaben will, ist ein so enormer, daß die Kassenbeamten gar nicht fertig werden können. Für die Stimmung unter der jungen polnischen Bauernbevölkerung, welche jetzt zum Kriegs- dienst ausgehoben wird ,- ist folgender Vorgang sehr bemerkenswert: Aus dem Kreise Nowominsk pflanzten die Rekruten bei der Fahrt zur Aushebung die rote Fahne auf und sangen bei der Einfahrt in die Kreisstadt das polnische Parteilied, die„Rote Standarte". Der dann von der Polizei und Soldaten verhaftete Fahnen- träger wurde den letzteren von der Menge entrissen. Inzwischen mehren sich die Desertionen aus den Truppenteilen undseitenöderzurAushebung bestimmten Rekruten in ganz Polen und in Litauen. Die russischen Behörden haben bereits Anordnungen an die Grenzämter und die Grenzbehörden erlassen, um die Auswanderung der militärpflichtigen Jugend zu verhindern. Die jungen Leute gehen aber trotzdem nachts durch Wälder und Bäche massenhaft über die Grenze. Bon einer Begeisterung für Rußland ist also keine Spur vorhanden— gerade das Gegenteil trifft zu. Selbst in Kreisen, die man gewöhn- lich für zarenfrcundlich hält, scheint diese Feindschaft gegen die russische Regierung angesichts des Krieges zum Vorschein zu kommen. So schreibt der Warschauer Korrespondent des„Dzicnnil Poznanski", eines sonst durchaus zarenfreundlichen Blattes: „Rußland braucht eine Niederlage, und zloar eine gute. empfindliche Niederlage, um das verderbliche System, das in Ruß- land regiert, abzuschütteln. Das ist nicht nur die Meinung der Polen, sonder» auch die Ansicht von sehr vielen Russen, welche Rußland auf den Weg konstitutioneller Reformen drängen und eS aus dem veralteten und schädlichen System befreien wollen und die eS offen und ohne Furcht sagen." Die Stimmung in Rußland selbst ist denn— entgegen allen „Begeistcrungs"-Depeschcn— eine sehr nüchterne. Dem genannten Blatt wird darüber geschrieben: „Jeder loyale Bürger kann lesen und soll daran glauben, daß überall, von Moskau und Petersburg beginnend— und bis zum kleinsten Gouvernementstädtchen, infolge des ZarennianifestcS eine unglaubliche Begeisterung herrsche, eine patriotische Begeisterung, die verbunden ist mit der Absicht der sofortigen„Bestrafimg der unverschämten und barbarischen Räuber". Inzwischen ist eS ganz anders. Diese Begeisterung— die so schwungvoll durch offizielle und halboffizielle Organe bekannt ge- niacht wird— ist nur das Werk der offiziellen Kreise. Innerhalb der Masse, aus der sich die Soldaten für den fernen Osten rekrutieren sollen, ist nicht nur keine Be- geisterung. sondern eine vollständige Unlust dahin zu gehen, wo man vor Hunger, Kälte und infolge der schlechten russischen Verwaltung elend verenden kann, ehe man das„gelbe Gesicht" zu sehen bekommt. Im übrigen genügten die amtlichen Nachrichten von den Niederlagen, um den Geist der Soldaten und der Offiziere zu schwächen. Dabei schwindet die Finsternis und der Glaube an die Regierungsmitteilunge» und— durch Erfahrung belehrt— errät selbst der wenig Gebildete, daß eS dort schlimmer aussehen muß, als der Herr Gouverneur oder der Herr Polizeiminister und die Censur glauben lassen." Um das Entgegengesetzte zu beweisen, läßt die russische Re- gierung Telegramme über. die freiwilligen Meldungen der Sol- baten zum Kriegsdienst und deren Begeisterung hinaussenden. Wie die Dinge liegen, hat ein Trupp Kosaken er- .ählt, der nach Galizien über die Grenze geflüchtet ist. höheren Behörden bestimmt, wieviel Leute jede jedes Regiment zum Kriegsdienst im Osten zu nöttge Zahl wird einfach von den Offizieren von irgend welcher freiwilligen Meldung ist gar keine Rede. Wenn die nötigen Mann- schaften ausgesucht sind, giebt der befehlshabende Offizier den Befehl:„Die Hymne anstimmen!" Die Unglücklichen singen auf Kommando:„Gott schütze den Zaren"— und der Offizier depeschiert nach Petersburg über die Kriegsbegeisternug und den treuunterthänigen Gefühlen der freiwilligen Mannschaften. Schon aus vorstehenden Ausführungen kann man ersehen, mit welchen Mitteln die russische Diplomatie arbeitet, um für die nötige „Stimmung" im Auslände zu sorgen. In den allernächsten Tagen werden wir das Bild reichlich durch die revolutionären » Stimmen aus Rußland vervollständigen. Es wird von den Compagnie bezw. stellen habe. Die herausgesucht— Die Haltung Koreas. London» 16. Februar. Dem„Reuterscheu Bureau" wird aus Söul gemeldet, der japanische Gesandte Hayashi und der japanische Militärattache Jjichi seien am 0. Februar abends vom Kaiser von Korea in Audienz empfangen worden und hätten ihm über den eingetretenen Umschwung der Sachlage berichtet. Der Kaiser habe das offene Vor- gehen der Japaner gebilligt und bestimmt er- klärt, er würde seinen Staat niemals irgend einer andren Macht anvertrauen und sich gänzlich auf Japan verlassen. Die beide» neuen japanischcu Kreuzer in Sicherheit. Vokohmim» 16. Februar. Die japanischen Kreuzer. N i s s i n" und„Kasuga" sind heute morgen in Jokosuka angekommen. Nussischc Truppcnzusammcnzichungen am Jalufluß. „Daily Mail" wird aus Tokio gemeldet, das; die Russen 37 000 Mann Truppen in Föiighniaugtschöng zusammenzögen; der Platz solle zur Hauptfestung auf der mandschurischen Seite des Jalu gemacht werden. Ucbcr den japanischen KricgSplan mutmastt man: Der japanische KriegSplan besteht fürs erste darin» die rnssische Hauptflotte durch eine Linie von Beobachtungsschiffen von Tschifu bis Tschcmulpo auf den Golf von Pctschili zu beschränken und inzwischen zwei Armeen nach Korea überzuführen. Eine dritte Armee steht bereit» gegebenenfalls östlich von Port Arthur zu landen» um den Vormarsch der beiden andern über den Jalufluß hinaus von der Flanke her zu unterstützen. Die Einzelheiten werden hier auf das strengste geheimgehalten. poUtiscke(leberlickt. Berlin, den 16. Februar. Parlamentarischer Kricgcrvcrein. Wir lesen in der„Krenz-Zeitung": „Im Abqeordnetenhause fand auf Anregung des Grafen Douglas ein Festmahl dcr Kricgsvctcrancn unter den Parlamentariern statt. Es vereinigten sich hierzu Mitglieder aller Parteien bis links zu den Freisinnigen. Als Ehrengäste waren zugegen Graf Ballestrem, Freiherr von Manteusfel, Staatsminister V. Böttichcr, Graf Arnim-Muskau. Die von edelstem patriotischem Geiste getragene Festlichkeit entbehrt nicht der politischen Bedeutung. Graf Douglas hielt die Begrüßungsrede, die in einer Huldigung vor Sr. Maj. dem Kaiser ihren Höhepunkt fand. In dieser Rede sagte er u. a.: Seitens unsrer jüngeren Herren Kollegen ist vielfach der lebhaste Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß alle dicjeuigcn, die die Ehre hatten, des Königs Rock zu tragen» sich zu einen, solchen Fest vereinigen möchten, und wir dürfen wohl alsdann wiederum auf Ihr Er- scheinen hoffen. Dem Lande, dessen erwählte Vertreter wir sind, werden wir also zeigen, mit wie berechtigrcm Stolze wir alle unS mit unsrer Armee durch ein geistiges Band s o l i- d a r i s ch verbunden fühlen und es tief mit- empfinden» wenn ihr von gewissen Seiten die ihr ge- bührende Achtung, als der ersten Armee der Welt in Krieg und Frieden» nicht gezollt wird. Diese Herren von der Feder sollten doch von ihren Vorgängern von vor 1866 gelernt haben, die in jenem Jahre nnt Beschämung erkennen mußten, wie die ganze civilisierte Welt jene Männer als Helden bewunderte, die sie bis dahin so geschmäht hatten. In einer so großen Körper« fchastwie unsre Armee werden immer einmal unwürdige Elemente vorkommen, aber ihre sofortige Abstrafung, die gerade in unsrer Armee stets prompt erfolgt, beweist die Gesundheit des Organismus. Wir begrüßen eS dankbar, daß die KriegSveterauen und gewiß später auch alle ehemaligen Soldaten unter den Parlamentariern aller nationalen Parteien in so würdiger und wirkungsvoller Weise den Schmähungen unsrer Armee entgegentreten. Der Eindruck dieses Vorganges auf weite Kreise kann nur der vorteilhafteste sein." Der Eindruck dieses Vorganges mag auf die„weiten Kreise" der „Kreuz-Zeitung" ein vorteilhafter sein, es mag dem Oifiziercorps und seinen Spitzen gefallen, daß zahlreiche Parlamentarier den Stolz ihrer Zugehörigkeit zu diesem Offiziercorps bekunden. Die wirklich weiten Kreisen des deutschen Volkes werden die Kund- gebung, die ganz auf die Art und den Ton von Kriegervereins- Veranstaltungen gestimmt wurde, mit staunendem Befremden auf- nehmen. Es bedurfte keiner besonderen Beteuerung, daß die Parlamcn- tarier der Militärparteien, so weit sie selbst Offiziere a. D. oder der Reserve oder der Landwehr sind, sich„solidarisch verbunden" mit dein Offiziercorps fühley. Wenn die Herren eine besondere Veran- staltung zu solcher gemeinsamen Bekundung treffen, so zeigen sie eindringlichst, daß der Militarist in ihnen den Parlamentarier, den Volksvertreter völlig beherrscht imd uitterdrückt. Wenn Graf Douglas meint, durch solche Veranstaltung die Achtung vor der Armee zu mehren, so erreicht er in Wahrheit nur den nicht gewollten Erfolg, die Achtung vor diesen Parka- m e n t a r i e r n zu vermindern. Es ist nicht die Aufgabe der Parlamentarier, durch festliches Hurra militaristische Stimmungen zu bekunden, sie sind vielmehr verpflichtet, die Uebelstände im Armee- Organismus zu prüfen und zu bessern. Es ist ein höchst bedenkliches und gefährliches Vorgehen, wenn auch die Mitglieder der Volksvertretung veranlaßt werden, die Armee„als die er st e Armee der Welt in Krieg und Frieden" zu bejubeln. Die„Kreuz-Zeitung" wähnt darin ein „würdiges und wirkungsvolles" Eintreten gegen angebliche „Schmähungen", die gegen die Armee gerichtet worden seien. In Wirklichkeit bedeutet diese Anregung, die Parlamente zu Krieger- vereins-Filialen herabzuwürdigen, nur einen gänzlich aussichtslosen und auf seine Urheber zurückfallenden Versuch, die nur allzu nötige und berechtigte Kritik an den Zuständen in der Armee durch schallendes Feien, zu übertönen.— Die ncucn Kanonen. In der B u d g e t k o m m i s s i o y des Reichstags gab an, Dienstag der Kriegsminister v. Einem zur Frage der Neubcwaff- nung der Artillerie folgende Erklärung ab: Die Heeresverwaltung hat fett 1899 Erfahrungen mit R o h r r ü ck l a u f g e s ch ü tz e n ge- sammelt. Das erste von ErHardt vorgestellte Geschütz war voll- kommen kriegsunbrauchbar. Derselbe Konstrukteur lieferte dann ein Geschütz, das erhebliche Verbesserungen aufwies. Daraufhin wurden zwei Geschütze zur Probe bestellt, deren Lieferung sich bis zum Früh- jähr 1900 verzögerte. In diesem Jahre(1900) bot auch Krupp ein Rohrrücklauf-Geschütz an und bat um Prüfung. Der damalige Kriegsministcr v. Goßler reiste nach Essen und bestellte auch bei Mrupp zwei Geschütze. Diese vier Kanonen wurden im Winter 1900/01 von der Artilleric-Prüfungskommission einer eingehenden Prüfung unterworfen und sie kam dabei zu den, Urteil, daß es sich lohne, die Versuche mit vollständigen Batterien zu wiederholen. Daher wurde bei beiden Fabriken je eine Batterie bestellt; sie wurden im Jahre 1901 nach dem Schießplätze in Jüterbog geliefert und dort sehr gewaltsamen Proben unterzogen. Im Jahre 1902 waren die Versuche soweit gediehen, daß die Artillerie-PrüfungSkommission und die Schießschule zu einem klaren Urteil gelangten. Die Kommission sprach sich dahin aus, daß es sich nicht lohne, mit den Erhardtschen Geschützen weitere Versuche zu machen, solche seien vielmehr nur an den kruppschen Geschützen weiterzuführen. Die Kruppschen Geschütze standen beim Feuern auf jedem Boden, während es nicht gelang, die Erhardtschen zum Still- stand zu bringen; bei diesen war vielmehr immer ein Nach- richten notwendig. Der Unterschied war also sehr groß und das Urteil der beiden Prüfungsbehörden erschien wohl begründet. Die Versuche wurden also mit Kruppschen Geschützen weiter geführt und zwar im Jahre 1903 bei den Truppen. Sieben Batterien wurden eingestellt, sämtlich mit Schutzschilden ausgerüstet. Die Batterien kamen im Mai und Juni 1903 an die Truppen und haben dort das Manöver mitgemacht. Die Truppen waren mit ihnen sehr zufrieden, sie haben sich bewährt. Natürlich wurde auch scharf mit ihnen geschossen. Dann wurden die sieben Batterien wieder der Prüfungskommission vorgeführt, die an ihnen mancherlei von den Truppen nicht bemerkte Mängel feststellte. Später sind die Geschütze wieder der Schicßschule zugewiesen worden und es ist aus ihnen den ganzen Winter hindurch eiftig geschossen worden. Diese sieben Batterien können wohl als kriegsbrauchbar bezeichnet werden. Nebenbei wurden nun unter Leitung des staatlichen Konstrnktions- bureaus neue Konstruktionen entworfen. Man ist zu einer Art von K o m p r o m i ß g e s ch ü tz gekommen, indem man alle Vorteile der beiden Systeme ohne Patentverletzung— wie man wenigstens glaubt— in einem System vereinigte und daneben„och neue Er- findungen anbrachte. Auch von diesem Geschütz ist eine Batterie hergestellt ivorden, die das Manöver mitgemacht hat. Dies G e- schütz dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach das Wlodell für die Neubewaffnung der Artillerie werden. Es ist mit Schutzschilden ausgerüstet und sein Gewicht übersteigt dennoch nicht daS des Modells 96. Es funktioniert ausgezeichnet und alle Mängel des Kruppschen Geschützes scheinen an ihm beseitigt zu sein. Wir werden zur Eiiiführung des Rohrrücklauf- Geschützes kommen, das uiit Schutzschilde» ausgerüstet sei» wird. Die jetzige Formation der Artillerie wird wohl beibehalten werden, die Ein- führung des neuen Geschützes kann allmählich geschehen. Soweit der Kriegsminister. Ueber den Kosteupunkt machte er nur vertrauliche ivkitteilungen. Aus dem übrigen Teile der Verhandlungen sei noch folgendes hervorgehoben: Die Budgetkommission stimmte einer Resolution deS Centrums zu, wonach den mittellosen Eltern schwer erkrankter Sol- baten ein Zuschuß zu der Reise in die Garnison ihres Sohnes gewährt werden soll. Nach einer andern Resolution des Centrums soll die Militärverwaltung dafür sorgen, daß die Militärwerkstätten keine schlechteren Löhne zahlen als die entsprechenden Branchen der Privatindustrie. Eine militärische O st m a r k e n z u l a g e für Offiziere und Unteroffiziere wurde abgelehnt.— Abgeordnetenhaus. Das Isbgeordnetenhans fiihrte am Dienstag die Debatte über den Etat der Berg-, Hütten- und Salinenvcrwaltung zu Ende. Die Debatte zwischen Centrum und Freisinnigen einer- seits und Nationalliberalen und Konservativen andrerseits über die Verbesserung der Bestimmungen, die das Berg- gcsetz über die Knappschafts-Vereine festsetzt, brachte nochmals einige lebhaste Auseinandersetzungen. Der neu- gewählte Polnische Abg. Korfanty griff in die Diskussion ein, um die Gcivaltherrschaft zu schildern, unter der die ober- schlesischen Bergarbeiter leiden. Der Handelsminister Möller versuchte die Angriffe dieses Redners durch besondere Schneidig- keit abzuwehren, hatte jedoch das Mißgeschick, sich dabei die Rüge des Präsidenten v. Kröcher zuzuziehen. Der Antrag Hirsch wurde schließlich durch die arbeiterfeindliche Mehrheit aus Konservativen und Natwnallibcralcn abgelehnt. Am Mittwoch wird die heute begonnene Beratung des Etats der Handels- und Gewcrbevcrwaltuiig fortgesetzt.— Deutrebe» Reich. Die Untcrnrhmcrkoalition gegen daS Koalitionsrrcht. Die„Berliner Politischen Nachrichten" berichten: „Am 17. Januar d. Js. hatte im Kaiserhof in Berlin eine Ver- sammlung von Vertretern industrieller Verbände und Vereine statt- gefunden. Sie hatte beschlossen, einen allgenieinen deutschen Arbeit- aebcr-Verband zur Abwehr unberechtigier Bestrebungen und An- spräche der Arbeiter und ihrer Organisationen ins Leben zu rufen. Mit der Ausführung dieses Beschlusses war ein aus elf Mitgliedern bestehender Ausschuß beaustragt worden. Dieser Ausschuß hat gestern unter dem Vorsitze des stell- vertretenden Vorsitzenden des Cen tralverban des deutscher Industrieller, Herrn V o p e l i u s lM. d. H.), seine erste Sitzung abgehalten. Die eingehenden Erörterungen führten zu einer einmütigen Aufsassnng in Bezug auf die Bildung einer gemeinsamen Stelle für die Zusammenfassung der deutschen Arbeitgeber- Verbände. Eine aus sechs Mitgliedern bestehende Kommission, die in den nächsten Tagen zusammentreten wird, wurde beauftragt, Satzungen, sotvohl für neuzubildcnde Arbeitgeber- Ver- bände wie für die gemeinsame Stelle auszuarbeiten."— Kaiscrbrgegnung. Der Frankfurter„Kleinen Presse" wird als Nachträgliches zur Wiesbadener Kaiserbcgegnung geschrieben:„Es ist ja bekannt, daß Zar Nikolaus von de», repräsentativen Teile der Herrschcrpflichten nicht viel wissen mag. und daß es ziemlich lange dauerte, che er sich gelegentlich seines Darmstädter FamilienaufenthalteS im vorigen Spärherbst zu einer Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm in Wies- baden entschloß. Von einer Seite, die man für gut informiert halten darf, wird uns dazu nachträglich des Näheren»ntgeteilt, daß damals zunächst aus Berlin immer wieder das drängende tele- graphische Anfragen nach Wolfsgarten kamen:„Wie es denn nun eigentlich mit der Begegnung sei?" So ungefähr beim sechstcnmal habe der Zar in nicht mißzuvcrstchcndcr Weise einem Herrn der näheren Umgebung begreiflich gemacht, daß er seine Ruhe zu haben wünsche. Aber schließlich kam die Begegnung„mit großer Herzlich- keit und unter dem Jubel des Volkes", wie die Offiziösen in solchen Fällen stcrcotyp zu versichern Pflegen, doch noch glücklich zu stände. So sehen die großen Aktionen der Weltgeschichte für den Zuschauer hinter den Cvulisseu aus l"— Die RcichstligS-Eesahwahl in Schmalkaldeu-Eschwege. Die Ersatzwahl für den zu Gefängnis und Aberkennung seines Mandats verurteilten freisinnigen Rcichstogs-Abgeordneien Scyboth hat am Montag stattgefunden. Nach den bisher vorliegenden Mel- düngen erhielten Hugo»ur niit sehr untauglichen Mitteln unternommen»vorden. Die heutige Debatte dürste die Reichs- regierui»g darüber belehren, daß sie besser thut, ihre Hände von den Streitigkeiten der Künstler zu lassen. Wenn sie auf allen andern Gebieten ihre Schuldigkeit thut, so werden»vir mit ihr ganz zu- frieden sein. lHeiterkeit.) Ich glaube, daß der Staatssekretär sich er- heblich vergriffen hat und nicht anstehen wird, das einzugestehen. Ich bin»nit Herrn Spahn, wie gesagt, darin einverstanden, daß die Regierung sich nicht in den Streit der Kunstrichtungeil einzuinischen hat. Aber es darf auch nicht verschwiegen»verde»»,»vas sich bei der Geschichte der Gründling des Deutschen K ü n st l e r b u n d e s e r e i g n e t h a t. Wir wissen, daß der Bund nicht unter Befürwortung der Reichsregierung entstanden ist. Wir erinnern uns doch der Seiidung deS preußischen Kultusuiinisters»ach Weimar, die den» Versuch galt, die dortige Regierung zu veranlasse», den» Deutsche» Knnstlerblind nicht die Wege zu ebnen. Diese Sendung scheint ja nicht geglückt zu sein, der Deutsche Kllnstlerbund ist in Weimar gegründet worden und erfreut sich der Zustimmung der dortigen Regierunzsorgane. Preußen jeden- falls kann nicht für sich in Anspruch nehmen, diesem Kulturwerk von vornherein fördernd zur Seite gestanden zu haben. Verband beschloß die Er- richtung einer regelmäßigen Passagierdampfer- Verbindung zwischen den skandinavischen Häfen einerseits und New Dork und Boston andrerseits. In den Dienst, der vonjter Holland-Amerika-Linie, dem Norddeutschen Lloyd und der Red- Star- Linie gemeinsam betrieben wird, sollen acht Danipfer eingestellt werden.' Der Norddeutsche Danipferlinien- Verband ist zu dem Beschlüsse durch den Umstand deranlccht worden, daß die Cunard- Linie sich von dem langjährigen Abkommen mit den kontinentalen Gesellschaften znrnckgezogen und durch ihre Maßnahmen die Konkurrenz wesentlich verschärft hat. llugimschc Allgemeine Kreditbank, B u d a p e st. In der gestern abgehaltenen Sitzung des Direktionsrates wurde beschlossen, in der nils den 19. März anberaumten Generalversammlung folgende Ver- tdluiig des 4 336 ötzö.M Kronen betragenden Reingewinnes vorzu- ichlagen: Verteilung einer Dividende von 36 Kronen, Dotierung des Reservefonds mit 800000 Kronen, Vortrag auf neue Rechnung 234 704.28 Kronen. � � Ter Rückgang der amerikanischen Noheisenproduklion. Nach dem neuesten Bulletin der amerikanischen«Jrun u. Steel Association" Erliefen sich die in den Händen der Produzenten befiildlichcn unver- lauften und nicht für eignen Konsum bestimmrcn Vorräte bei Schluß des letzte» Jahres auf 501 438 Tonnen, gegen 126 300 am 30. Juni des gleichen und nur 40 0S1 Tonnen am 81. Dezember des vorhergehenden Jahres. Tie Zahl der bei Schluß des letzten Jahres im Betrieb befindlichen Hochöfen stellte sich auf 182 gegen 320 am 30. Juni 1003 und 307 am 31. Dezember 1002, und war damit kleiner, als seit dem Schlüsse d. I. 1806, zu welcher Zeit 150 aktive Hochöfen zu melden waren. Diese Zahlen zeigen deutlicher als alle Situationsberichte die trübe Lage des amerikanischen Eisenmarktes. Soziales. Aerzte und Krankenkassen. Auf Veranlassung der Ccirtralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte verhandelte am Montagabend eine Ver- smnmlung der Kassenvorstände und Berwaltungsbeamten über An- griffe des Dr. Mngdan im Reichstage gegen die Kassenvorstände und Kassenbcamten. Dje Versammlung, die im Gewerkschaftshanse statt- . fand, war sehr stark besucht. Auch viele Unternehmervertreter waren anwesend. Der brieflich eingeladene Herr Dr. Mugdan hatte sein Erscheinen abgelehnt mit der Begründung, daß das Einladnngs- schreiben nicht höflich genug sei. Wenn ihm die Centralkommissiou ibalsächliche Unrichtigkeiten nachweise, könne er ja, so sagt er in dem Ablchnungsschreiben, in der dritten Etatsberatung diese berichtigen. Herr Bauer, der Vorsitzende der Ortskasse der Bureau- angestellten, der zunächst das Wort ergriff, gab der Diskussion da- durch eine zuverlässige Grundlage, daß er zunächst die Ausführungen Dr. Mugdans nach dem Stenogramm vortrug. Da es den That- bestand gleich klarstellt, sei vorweg die von der Versammlung einstimmig angenommene Resolution mirgeteilt: „Tic am 15. Februar 1004 im großen Saale des Gewcrkschafts- Hauses versammelten Vorstände und Verwaltungsbeamten derKranken- lassen Berlins und Vororte, in welcher letztere durch Orts-, Betriebs-, Jmiungs-, und freie Hilfskassen vertrete» sind, iveiscn die von Herrn Dr. Mugdan im Reichstag gegen die Kassenvcrlvaltnngen erhobenen Angriffe als unzutreffend und den Thatsachen nicht ciitspröchsiid zurück: 1. Die Knssenderwaltuugcn trieben, vollständig von Partei- politischen Bclveggründen beherrscht, einen groben Unfug bei der An- stellung von Beamten, sie beförderten namentlich unfähige Personen zu Beamten und verschwendeten dadurch Arbcitergroschcn. 2. Die Kassenvorstände hätten einen so niedrigen Bildungsgrad und ein so geringes Urteilsvermögen, daß sie gar nicht crmessen könnten, welche Personen als brauchbare Barnten in den Kassendienst gestellt Ivcrdcn könnten. 3. Tie Selbstverwaltung würde nicht einmal von arbcitnehmen- den Vorstandsmitgliedern, sondern lediglich von angestellten Beamten ausgeübt. 4. Die Kassenbcrwaltungcn hätten in der Theorie Wohl schöne Worte für die socialpolitischen Aufgaben der Krankenkassen, sperrten sich aber in der Praxis gegen die Anwendung des Heilverfahrens. gegen die vorbeugende Krankenfürsorge und gegen die Gewährung von Heilmstteln, wie Milch usw. Es kann Herrn Dr. Mugdan nicht unbekannt sein, daß der größte Teil der Kassenvorstände und Berwaltungsbeamten nicht Anhänger der Socialdcmokratie sind. Es kann ihm ferner nicht entgangen sein, daß gerade die Krankenkassen, deren Vorstände sich zur Socialdemo kratie bekennen, beträchtliche Fortschritte im Krankcnkassenwcscn gc macht haben und häufig wegen ihrer Leistungen und vorbildlichen .Kasseneinrichtungen öffentlich belobt worden sind. Auf die Eni- scheidungen der Kassenvorstände in Kasscnaiigelegenhciten haben niemals parteipolitische Principicn bestimmend eingewirkt. Bei der Anstellung von Beamten haben sich bisher die Kassen besleihigt, nur die Fähigkeiten der Bewerber sachlich zu werten, sie können jedoch bei der Auswahl von Beamten ebenso dem Irrtum verfalle», wie andre Korporationen. Bei der Anstellung von Beamten haben sich die Kassenverlvaltungen bestrebt, einen fest angestellten Stamm von Berufsbeamten zu schaffen, sie haben sich dabei den Grundsätzen ange- s'ülosscn, die der Handclsminister Brefeld in seinem Erlaß vom 0. Juli 1808 ausgesprochen hat. Vielfache Anregungen, die gerade von Vor- ständen zu Fortentwicklungen des Kassenwefens ausgegangen sind, beweisen, daß die Vorstände nicht stumme Diener der Beamten, sondern wirkliche energische Förderer des Kassculvcscns sind. Die Versammelten protestieren gegen die Unterstellung dcS Dr. Mugdmi, daß die Kassen für die socialhygicnischc Erweiterung der Kassenleistungen nur billige Worte und keine Thaten gehabt haben. Die Kassen haben bereit» Sanatorien, Rckonvalescentenhäuser geschaffen, sie haben ferner teilweise die Initiative bei der Begründung von Walderholungsstätten ergriffen und die Vervollkommnung der WalderholungSstättenpflegc idie Gewährung von Mittagbrot, Milch usw.) gegen den anfänglichen Widerspruch der Aufsichtsbehörden durchsetzen müssen. Sie haben in erster Linie den Kampf gegen die Volkskrankheiten(Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten, Alkoholismus) eröffnet. Alle die Angriffe des Dr. Mugdan beweisen, daß er nicht von einem ehrlichen ernsthaften Willen bei seinen Angriffen auf die Krankenkassen beseelt ivar, sondern lediglich von dem Wunsch, die Krankenkassen, in deren Leitung sich Socialdemokraten befinden, hcrabziüvürdige». Die Versammelten wehren jeden Versuch von sich ab, die Kranken- lassen zu Tummelplätzen der Politik zu mache» und werden es niemals dulden, daß der Friede, der bisher zwischen Arbeitgeber» und Arbeit- nchmcrn in den Kassen bestand, von andrer Seite gefährdet wird." In der Versammlung ergriffen eine große Anzahl Redner als Vertreter ihrer Kassen das Wort, unter ihnen auch der Buch- druckereibcsitzer Herr Schalem, außerdem der Arzt Dr. Röder. Alle Redner waren vollständig einig darin, daß die Behauptungen Dr. Mugdans univahr sind. Von verschiedenen Rednern wurde»o� besonders hervorgehoben, daß Herr Dr. Mugdan es eigentlich besser toissen müßte. Sein langjähriges Zusammenarbeiten mit den Kassen müsse ihn belehrt haben, daß für seine Behauptungen keine Spur von Beweisen vorhanden sei. Herr Bauer insbesondere teilte mit. daß Herr Dr. Mugdan ihm gegenüber seiner Zeit die Angriffe des Rcgierungsrats Dr. Hoffmann gegen die Krankenkassen als unbe- rcchtigt bezeichnet habe. Herr Scholen: hob hervor, Herr Dr. Mugdan hätte bedenken sollen, daß seine Angriffe doch auch die Unternehmcrvertreter in den Kassenvcrwaltungen träfen. Es müsse ausgesprochen werden, daß Unternehmer und Arbeiter in den Krankenkassen durchaus einig darin seien, daß die Kassen für die Versicherten da sind und nicht für die Aerzte. Er geißelte besonders das Verhalten des Herrn Mugdan, der unter dem Schutze der Unvcrantwortlichkcit Beschimpfungen aus- spreche und es dann ablehne, sachkundigen Männern Rede und Ant- uwrt zu stehen. Besonderen Eindruck machten die Ausführungen des Herrn G u t h c i t von der alte» Maschincnbaucrkassc, der in dreißigjähriger Praxis als Kassenborstand niemals polirische Differenzen In der Kassenverwaltung erfahren hat. Er habe das Wort genommen, um Herrn Dr. Mugdan zu sagen, daß er im Reichstage etwas behauptet habe, wovon er wissen müsse, daß es falsch, sei. Auch Herr Dr. Röder, der sich als unbedingter Anhänger der frcicnArztwahl vorstcllteund ausdrücklich erklärte, daher mit sehr vielen Maßnahmen der Kassen gegenüber den Acrztcn nicht einverstanden sei. trat den Behauptungen Mugdans entgegen. Die Parteistcllung der Kassenbcamten und Vorstandsmitglieder gehe den Arzt gar nichts an wenn man sich aber die Leistungen der Kassen ansehe, dann seien nach seiner Erfahrung gerade diejenigen Kassen die besten, die von Socialdemokraten verwaltet würden. Besonders hervorheben möchten wir die Bemerkung Dr. Röders, daß Dr. Mugdan mit seinem Auftreten gegen die Kassen den Aerztcn und den Principien der freien Arztwahl keinen Dienst erwiesen habe. Das klang auch aus den Worten andrer Redner hindurch,. So er- klärte Herr Albert K o h n, daß eigentlich Herr Dr. Mugdan den Kassen einen großen Dienst erwiesen habe, denn er habe sehr viele Anhänger der freie» Arzttvahl stutzig gemacht. Es ist in der That bemerkenswert, daß die Redner, die in der Versammlung auftraten, meistens Vertreter von Kassen mit freier Arztwahl und persönliche Anhänger dieses Systems ivaren und bei allen Reden, auch wo es nichit direkt a�sgesprochien wurde, hatte man die Empfindung, daß die Sympathien')ür das System der freien Arztwahl stark im Abnehmen begriffen sind. Wenn dazu auch Herrn Dr. Mugdans Rede beigetragen haben mag, so ist sie gewiß nicht die alleinige Ursache. Es sind vielmehr neben den vielfach bekannt ge- wordenen finanziellen Folgen des Systems namentlich die Er- fahrungen der jüngsten Zeit aus dem gesamten Auftreten der Aerzte, die einen Umschlag der Ansichten herbeiführen. Man gicbt sich Rechen- schaft über die Bedeutung des Systems und kommt immer mehr zu der llcbcrzcugung, das, die Vorteile der freie» Arztwahl für die Kranken zum grStzten Teil eingebildet sind, das, aber für die Kasten das System schwere Nachteile im Gefolge hat. Und wenn die Aerzte so fortfahren dann werden immer mehr Kassen vor die Entscheidung gestellt werden und diese Entscheidung ist nicht zweifelhaft. Binnen lvcnigen Jahre» werden die eifrigsten Anhänger der freien Arztivahl in Kasscnlrcisen zu der Ucberzcugung kommen, daß dieses System mit der Existenz der 51assen unverträglich ist. Die dem Leipziger Verbände angehörenden Aerzte der Orts lasse Leipzig erlassen eine längere Erklärung zur Begründung ihrer Forderungen. Darin kommt unter andern: die Bchanpiung vor, die 5lasse wolle die Familienbchandlung abschaffen, die Aerzte aber forderten die unverkürzte Aufrcchterhaltung der Familien- bchandlung. Das widerspricht eigentlich den sonstigen Grundlage» der ärztlichen Forderungen. Gehen sie doch davon aus, daß durch die Einbeziehung immer weiterer Bevölkenrngskreise in die Ver ächerung der Kreis der freien Klientel eingeschränkt und dadurch die Notlage des ärztlichen Standes vergrößert würde, weil den Aerztcn dadurch immer mehr Patienten verloren gingen, von denen sie Be zahlung nach der gesetzlichen Taxe fordern könnten. Die dem Leipziger Verbände angehörenden Berliner Aerzte sind deshalb auch Gegner der Familicnversichcrung. In der Aerzte- Versammlung im Langenbcckhause am 28. Januar wurde gerade dem Verein Berliner assenärzte ein Vorwurf aus der Ucbernahme der Familienbehandlung gemacht, und noch vor etwa 2 Jahren lehnte Verein Berliner Kassenärzte ein Vorwurf aus der Ucbernahme der Familienbehandlung bei der Ortskasse der Kaufleute mit der Be- gründung ab, daß er dadurch„die socialen und wirtschaftlichen Jnter essen des gesamten ärztlichen Standes ans das tiefste schädigen" würde. Sollte die jetzige Forderung der Leipziger Aerzte das Tinge- ständni» bedeuten, daß es dock, nicht die Vcrsichcrungsgesetzgcbung ist. die die Notlage des ärztlichen Standes hervorgerufen hat? Kaufmannsgcrichte. Der Hainburgische Verein„Judustria"(zur Förderung der im Handel und Gewerbe thätigen weiblichen Angestellten) hat folgende Petition an den Reichstag gerichtet: Einem hohen Reichstage unter- breiten wir die Bitte, den Gesetzentwurf betreffend Kaufmanns- gerichte in folgenden Punkten abzuändern: 1. Das Wahlrecht und die Wählbarkeit auch den Frauen zuzugestehen: 2. die Einnchtung von Kausmannsgerichlcn nicht von der Einwohnerzahl abhängig zu machen: 3. die Zuständigkeit der Kanfmannsgerichte auch auf Streitig- ketten aus der Konkurrenzklausel auszudehnen; 4. vertrauliche Ver- einbaruiigen, Ivonach Streitigkeiten au» dem kaufmännischen An- stellnugsverhältnis den KaufmcmnSgcrichten entzogen werden, unter allen Umständen für unzulässig zu erklären. Zur Begründung der WahlrechtSfordcrung wird unter anderm darauf hingewiesen, daß die männlichen Haudluiigögchilfei: ihre weiblichen Kollegen scharf bekämpfen, daß die Frauen daher wenig oder kein Vertrauen zu den Gerichten haben können, deren Zu- sammensetzung allein von der Wahl ihrer männlichen Kollegen ab- hängt und nur ans Beisitzern besteht, deren Gesinnung ihnen durch- schmttlich feindlich ist._ Arbeitcrschutz. Umgehende, freiliegende Teile von Maschinen in gewerblichen Anlagen sind nach einer RcgierungS-Polizeiverordnung von 1882 mit einer festen Verkleidung zu versehen, insoweit sie den in ihrer Nähe befindlichen Arbeitern gefährlich werden können. In einer Fabrik lvurde ein Arbeiter von der freiliegenden glatten Trans- Mission am Kittel erfaßt und mehrere Mal herumgeschleudert, so daß er mit dem Kopf aufschlug. Er verstarb au den Folgen. Die Betriebsleiter Mentha! und Linke wurden darauf wegen fahrlässiger Tötung und ivegen Nichtbeachtung jener Verordnung angeklagt, in zweiter Instanz aber freigesprochen. Das Landgericht er- achtete für festgestellt, daß die Verkleidung der Welle nur erforder- lich gewesen wäre zum Schutze unvorsichtiger und leichtfertig sorg- loser Arbeiter, und nahm an, daß sie solchen Schutz aber nicht be- zweckte. Da das Gericht ferner eine große Leichtfertigkeit deS Ge- töteten für erwiesen erachtete, so glaubte es. zur völligen Freisprechnng des Angeklagten kommen zu muffen.— Das K a m in e r g e r i cht. bei den: die Staatsanwaltschaft wegen Nichtanwendung der Re- gierungZVerordnung Revision einlegte, hob jedoch dies Urteil auf und verwies die Sache mit folgender Begründung an das Land- gericht zurück: Im Gegensatz zu»: Landgericht sei anzunehnic», daß die Vcrordmmg nicht nur zum Schutz der sorgsamen Arbeiter, sondern auch zum Schutz der Arbeiter erlassen ist, die leichtfertig seien. Der ständige Unigang mit Maschinen stumpfe ja auch au sich nicht sorglose Arbeiter gegen die Gefahren ab. Es müsse jetzt das persönliche Verschulden der Angeklagten nachgeprüft werden. Nur für das Dienstmädchc». Der Karlsruher„Volksfteund" erzählt folgenden Vorfall ans einem dotigen Fleischerladen: In den Laden trat eine Dame, herablassend einen guten Abend wünschend. Höflich grüßt der Rietzger und erkundigt sich nach den Wünschen der Dame, indem er fragt: „Womit kann ich dienen?" Dame: Ich möchte für fünf Pfennige Schlvartenmagen." Der Metzger traut seinen Ohren nicht recht, und starrt die Dame init großen Augen an. Die Dame sagt:„Ach, eS braucht kein frischer zu sein: es können ältere Stückchen sein, es ist für das Dienstmädchen!" Metzger:„Ich habe dort schöne» mageren Schinken, soll ich Ihnen nicht davon für drei Pfennige geben?" Die Dame eilt der Thürc zu, unter der sie zurückruft:„lln- verschämt!" Centralvercin der Burcau-Angestellten Deutschlands(Mtglied- ichoft Berlin). Mitiwoch. 17. Februar: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Fröhlich aus Wien:«Der Alkohol und die GewerkschastSbeweguttg." Verband der Friseurgehilfen Deutschlands(Zwcigverein Berlin). Mitiwoch. 17. Februar, abends 16 Uhr, bei Pfeffer, Rosen- thalerstraße 57: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Bauer. 2. Schluß an den zweiten Feiertagen. Gerichts-Leitung. Justiz und Poesie in Känigs-Wusterhausen.„Nieselpriem, Nacht- Wächter a. D. und Rentier"— unter diesem Pseudonym trieb ein Unbekannter im Sommer v. I. in der„Neuen Zeitung" in Känigs-Wusterhausen sein Wesen, indem er in einer Reihe von Artikeln und Gedichten mehrere angesehene Gemeindebcamtc und einen dort amtierenden Gerichtsassessor, die zwar nicht ge- nannt, aber deutlich erkennbar gemacht wurden, in hämischer und beleidigender Weise verunglimvft. Das Blättchen wurde von dem Berliner Magistratsburcau-Assistcnieu Paul Kr u s e geleitet, der von seiner vorgesetzten Behörde die Erlaubnis erhalten hatte, seinen Wohnsitz nach Senzig bei KönigS-Wusterhausen zu verlegen. Dort wurde er bald eine kommunale Größe und als„Direktor" eines „Büdner- und Mietcrvercin» für 5lönigswusterhausei: und Umgegend" geriet er mit den Verwaltungsbehörden bald in arge Konflikte. Er bestimmte u. a. zwei Einwohner, gegen den Amtsvorsteher Oberst- lieutenant a. D. Herbst eine Anzeige wegen angeblich begangener Vermitreuuiigen zu erstatten. Hieraus entwickelte sich ein Be- leidigungsprozeß gegen Kruse und dieser wurde von: Schöffengericht in Königs-Wustcrhausen zu 150 M. Geldstrafe verurteilt. In der Berufungsinstanz wurde die Strafe auf 1 Monat Gefängnis erhöht. Zwei Tage nach der schöffengerichtlichen Verhandlung erschien in dem von Kruse inspirierten Blättchcn ein Gedicht, in welchem der Vorsitzende des Schöffengerichts, Assessor Vogel, und der Referendar Dr. A b r a h a m in der gröblichsten Weise geschmäht und verhöhnt wurden. Die Zeitung verfiel der Beschlagnahme und gegen Kruse wurde Anklage Ivegen Beleidigung durch die Presse erhoben. Diese wurde gestern vor der vierten Strafkammer de» Landgerichts II ver- handelt. Der Angeklagte stellte zunächst einen AblehnungSantrag gegen da» gesamte Richterkollegium, der Antrag wurde aber als gänzlich unbegründet abgelehnt. Ter alsdann vorgebrachte Einwand, daß er Ivegen nervöser Störungen verhandlungsunfähig sei, wurde durch Zuziehung de» Kreisarztes Dr. Schulz beseitig:. Zur Sache selbst bestritt der Angeklagte, der Verfasser des Gedichts zu sein, l>e- hauptcte auch, daß es sich nicht auf die angeblich Beleidigten beziehe. Das Gedicht ließ aber durch die Schilderung einiger persönlicher Eigentümlichkeiten keinen Zweifel darüber, wer gemeint war. In „hohen: poetischen Schwung" sprach da» Sckmiäygedicht von dem Manne, der„mit dem größten Nürnberger Trichter da» jus ins Hirn sich reinbugsicrt— Und seiner Schwackiheit voll bewußt mit hoher Brust einherstolziert— Auch mit gerötetem Gesicht— In Königs Namen Unrecht spricht."— Kreisarzt Dr. Schulz gab sein Gutachten dabin ab, daß der?lngcklagte zwar kein Querulant sei. aber zu den Personen' gehöre, die infolge einer besondere» geistigen Veranlagung jeden als ihren Feind betrachten, der eine von der ihrigen abiveickende Meinung hat.— Der Staatsanwalt wollte die vorliegende gröbliche Verhöhnung einer richterlichen Person durch eine Gefängnis- strafe von s c ch s Monate» geahndet wissen. Ter Gerichtshof er- kannte auf eine Zusatzstrafe von einem Monat Gefängnis und sprach den Beleidigte» die Publikationsbefugnis im„Teltowcr Kreisblatt" zu._ Vernrifchtm Karncwalsfreuden. Bei einem MaSkenfest zu St. Ingbert kam es zu schweren Messerstechereien, deren Hergang noch nicht genau ermittelt ist. Ter 20jährigc Glasbläser Schicket verletzte eine größere Anzahl Personen durcki Messerstiche. Der Glasbläser Dlax Zang erhielt einen Stich durch Brust und Hals: hierbei wurde die Schlag- oder durchschnitten, so daß der Tod sofort eintrat. Der Bruder des Getöteten, Oskar Zang, wurde gleichfalls schwer verletzt, ebenso weitere sechs Personen. Ter Thäter ist verhaftet. Nebcr Weinpautschcrcien im großen wird aus Stuttgart berichtet: Tie in den letzten Wochen hier und in der Umgebung vor- genommenen Untersuchungen haben Weinfälschungen und Äer- fehlungen gegen das Weingesetz in großem Umfange zu Tage ge- fördert. Insgesamt sind über 100 000 Liter Wein beschlagnahnit worden. Zum Teil wurden die Keller polizeilich geschlossen. Anlesund nach dem Brand. Nachdem sich die erste Bestürzung über das große Brandunglück gelegt hat, interessiert man sich m Aalesund, wie mau dem„B, T." schreibt, lebhaft für die Frage, wie das Feuer eutstanden sein kann. Als Ausgaugspunlt des Feuers wurde eine Hermetikfabrik genannt: jetzt sind 22 Zeuge» darüber vernommen worden, ohne die Angelegenheit aufgeklärt zu haben. Es scheint, daß die Entstehung des Feuers mit dem Fabritbetriebe nicht zusammenhängt und andrerseits hat man für die Annahme böswilliger Brandstiftung ebenfalls keinen be- stimmten Anhalt. Doch ist der Verdacht aufgekommen, daß nach Schluß der Arbeitozeit einige Arbeiter in einem Lokal der Fabrik eine Zusammenkunft abhielte» und durch die eine oder die andre Unvorsichtigteit den Brand verursacht haben mögen. Die Untersuchungen in dieser Richtung werden von den Behörden tortgesetz:. Die Verzagtheit der Bevölkerung, die sich in den ersten Tagen noch dem Brande so stark zeigte, kann jetzt als gehoben angesehen werden. Alle» geht seinen ruhigen Gang fort, soweit die Um- tände es erlauben. Geschäftsleute führen interimistische Kaufläden aus und beginnen die Wareuabgabe, nachdem sie ihren Kredit zumeist unter großem Entgegenkommen ihrer alte» Geschäfts- verbinduiigeu wieder in Ordnung gebracht haben. Die Fischer sehen sich nach iyren Fahrzeugen um und beginnen langsam den Fang: die Ausrüstung für die bevorstehende große Dorschstscherei wiro mit großer Energie betrieben und überall werden zur Unterbringung ?er Fische Baracken und Schuppen aufgeführt. Auch andre Ar- beiter, die weiter kein Eigentum hatten und infolge der reichen Gabenverteilung während der Katastrophe nicht zu leiden hatien, wenden sich endlich wieder der gewohnten Arbeit zu. Jetzt bat man auch angefangen, für die Regulierung der Stadt uulcr dem Wiederaufbau eingehende Pläne auszuarbeiten. Ist so r: Aussicht vorhanden, daß die Verhältnisse in Aalesund b' wieder normalen Zustand erlangen werden, gestützt von der H aus den übrigen nordischen Ländern, aus Deutschland, Engla:..'. Frankreich:c., so herrscht in der norwegischen Presse eine starke Iii:- einigkeit darüber, wie die Hilfe bestens zu organisieren und i ie Gabeuvcrtciluiig von der Regierung zu leiten sei. Namentlich d..,. Beispiel Deutschlands wird von der Opposition gegen die Regierung benutzt, um darzuthuu, wie wenig zweckentsvrecheud sich das eigne Land verhalten habe. Besonders richten sich die Vorwürfe gegen die norwegische Marine, von der man schnellere und umflu:gre:chcre Hilfe erwarten zu dürfen gemeint hat. Hinrichtung. In Landsberg(Warthe) sind heute früh der Ober- schweizer Johann Schacrer und der Unterschweizer Robert Klix aus Lorcnzdorf durck, Scharfrichter Engelhardt aus Magdeburg enthauptet worden. Der achtzehnjährige Klix hatte am 23. August des Vorjahre» in Lorenzdorf die Wirtschafterin Burkcrt auf Anstiften des Schaerer ermordet. Sie waren deshalb an: 23. Oktober vom Landsberger Schwurgericht zum Tode verurteilt worden. Eingegangene Druckscfmtten. Waldemar Müller. Unlauterer Wechsclverkehr. Preis 50 Bf. Verla.:: A. W. Hanns Erben, Berlin SW. 12. Dr. Arthur Pfuugst.»Aus der indischen Knllurwelt. Preis 2,66 M. SMttgavt 1964. Fr. Frommnn» Verlag iE. Lvmffl. Geschichte der Philosophie in übersichtlicher Darstellung een Pros. Dr.'.'Idols Mannheimer. 11. Teil: Vvn der Enlstehimg des ShrisicntumS bis Kant. Franvurl a. M. Neuer Fraichnrier Verlag. Preis 1,56 M. M�raiitw. Redakteur: Julius Knliskst Berlin. Für de» Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u. Verlagsmistalt Paul Singer& Co., Berlin S\V, Nr. 40. 21. Jahrgang. 2. Ktilsge des Jotmirts" fnlinn lolUlstl Mittwoch, 17. Febrnar 1904. Der Kongreß von Saint- Etienne. S a i n t- E t i e n n e, 14. Februar. �Eig. Bcr.) Seit dcni GriinduugSkougreß von Tours gerechnet, ist es der dritte»iongreß der„Französischen Socialistischcn Partei lP. S. F.— Jaurssistens. Wie auf dein Kongreß von Bordeaux, 1003, stehen jetzt wiederum der linke und der rechte Flügel der Partei in Gefechts fonnationen gegen einander. Diesmal aber ist der Gefechtsbodcn ein weiterer. Der„Fall Mllerand" in seiner einseitig persönlichen Zuspitzung ist nunmehr dadurch erledigt, daß Millerand seine Aus schließung aus der Partei durch die Seinc-Föderation ruhig hin genommen hat, ohne an den Kongreß zu appellieren. Jetzt kämpft die Opposition in erster Linie uni die Aken der ung der Partei- st a t u i c n von Tours, die die Desorganisation der Partei fest gelegt haben. Tie Opposition? Wenn man so einen Parteisiügel nennen kann, der im Parteivorftand die Mehrheit hat. Aber der Name ist in diesem Falle doch zutreffend, da der Borstand der P. S. F., das „Jntcrföderale Komitee", kraft der Tours-Statuten, die Rolle eines fünften Rades am Wagen spielt. Alle seine Versuche, die that- sächliche Souveränetät der Kammerfraktion zu beschränken, scheiterten an dem statutenmäßig berechtigten Widerstand der Fraktion nicht nur gegen jegliche Kontrolle des Komitees, sondern auch gegen gemeinsame Beratungen mit demselben über die politische Haltung der Deputierten. Indessen machte die Fraktion von ihrer Selbst- Herrlichkeit je Iveiter einen desto skandalöseren Gebrauch. Ihre bczüg lichen Abstinimungcn sind noch in frischer Erinnerung. Das Jntcrföderale Komitee hat einen neuen Statutenentwurf ausgearbeitet, von dem es eine socialistischc Wiedergeburt der Partei erhofft. Ter rechte Flügel mit der Kammerfraktion an der Spitze will die alten Statuten beibehalten. Die Tagesordnung enthält folgende 14 Punkte: 1. Berichte des Sekretariats und der Agitationskommission des Jnterföderalen Komitees und der Kammcrfraktion. 2. Kommunal- Programm. 3. Entwurf betreffend die Statutenänderung. 4. Kontrolle über die Presse. 5. Beteiligung der socialistischen Deputierten an den Zeitungen der DeparlementS-Föderationen. 6. Internationaler Kongreß zu Amsterdam; Wahl eines Delegierten im Internationalen Socialistischen Bureau. 7. lieber die socialistischc Einigkeit. 8. Hal- tung der Partei in den SenatSwahlcn. v. Generalstreik. 10. Staat liches Alkoholmonopol. 11. Streiks und Schiedsgerichte. 12. Jnter- nationale Schiedsgerichte. 13. Partci-Organ. 14. Klage der Rhone Föderation über die Unterstützung eines ihr feindlichen Komitees durch ein Mitglied des Jnterföderalen Komitees. ** Eine stürmische Borversnmmlnng. Die übliche öffentliche Versammlung am Vorabend de? Kongresses nahm einen stürmischen Verlauf. In Saint-Eticnne ist es nämlich im Lause des JahreS innerhalb der jauresistischcn Organisation zu einer Spaltung gekommen. Der Abgeordnete P i g e r, der aus der janrösistischen Fraktion ausgetreten ist, liegt in heftiger Fehde mit dem jaurösistisch gebliebenen Maire von Saint- Eticnne, L e d i n und dessen Anhängern, die das Gros der hiesigen socialistischcn Organisation bilden. PigerS An Hänger gehen Hand in Hand mit den hiesigen revolutionären Socialisten(ehemaligen GueSdisten). Piger selbst war in der Ver- sammlung nicht zugegen. Aber seine Anhänger haben die Ver- sammlungs- Redner, insbesondere Jaurss mit Schmährufen empfangen. Es kam deswegen zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf mit Messern, Totschlägern und Blcistöcken gekämpft wurde— eine Specialität dieser Stadt, die eine Waffcnfabrik besitzt. Schließlich wurden PigerS Anhänger mit Gewalt auS dem Saal entfernt. Erst dann konnten die Reden beginnen. Auch nach Schluß der Ver- sammlung kam es zu einem Zusammenstoß, diesmal auf der Straße. Einige Teilnehmer lourdcn verwundet... Ja urös' Rede beschäftigte sich mit dem russisch-japanischen Krieg. Er protestierte energisch gegen eine etwaige Beteiligung Frankreiibs am Kriege und wendete sich auch gegen die franko- russische Alliance im allgemeinen. Letzteres steht allerdings im Wider spnich zu seinen vorjährigen alliancefreundlichcn Erklärungen in der Kammer. Ferner kündigte er eine Kammerdebatte über Frankreichs Stellung an. sowie eine rücksichtslose parlamentarische Obstruktion für den Fall, daß die Regieruug— wider Erwarten— vom Parka», ent die Zustimmung zu einer kriegerischen Aktion verlangen sollte. Ferner sprachen B e s s o n, Mitglied der revolutionär-socialistischen Organisation, der den ministeriellen SocialismuS scharf kritisierte, und B r i a n d, jaurösistischer Abgeordneter von Saint-Etienne, der mit einer Gegenkritik antwortete. Die Versammlung schloß mit dem Votum einer Resolution zu Gunsten der socialen Republik, der socialistischen Einigung und des internationalen Friedens. Erster Berhandlungstag. Eröffnungs-Sitzung. Am Vormittag wurde eine kurze Eröffnungs-Sitzung ab- gehalten unter dem Vorsitz L e d i n S, des MaircS von Saint Etiennc. Es kommt gleich zn einem kleinen Vorgefecht zwischen links und rechts über die Geschäftsordnung. Jean Longuet sLinke) macht namens der Organisations- kommission des Kongresses folgende Vorschläge: Beschränkung der Siede- zeit auf 20 Minuten, mit Ausnahme derReferentcn; sofortige Ernennung von drei Kommissionen: der Kommission des Kommunalprvgrmnms, der Kommission des Amsterdamer Kongresses und einer Kommission für verschiedene Fragen, dagegen Ernennung der Statutenänderungs- kommission erst nach stattgehabter Generaldebatte. Die Linke will eine gründliche Behandlung der Statutcnfrage, sowie die Erledigung wenigstens aller wichtigen Fragen der Tages- ordnung, ohne aber daß einzelne Redner die meiste Zeit durch lange Reden in Anspruch nehmen, wie das auf den früheren Kongressen der Fall war. Abg. Rouanet(Rechte) spricht gegen die Beschränkung der Redezeit. t, J a u r ö S macht einen BermittelungSvorschlag und tritt ferner für die Voranstellung des Kommunalprogramms ein. über welches inan einig sei, während die Statutcnfrage den Kongreß fpalte. Endlich möchte er die Statutenkommission sofort, ohne vorherige Debähe, gewählt wissen, da hierüber bereits im Jnterföderalen Komitee ausführlich debattiert worden sei. Renaudel. Führer der Linken, verteidigt den KommissionS- Vorschlag gegen Jaurss: Das Kommunalprogramm könne später behandelt werden, da eS sich augenblicklich nur um die Ratisizierung des von, jüngsten Gemeinderats-Kongresse ausgearbeiteten Pro- arammS handle. Es wäre aber schlimm, wenn keine Zeit übrig bleiben sollte für die griindliche Beratung der streitigen Fragen, wie die Statutenfrage. Hingegen will Redner auf eine nochmalige Statutendebatte über den betreffenden Kommissionsbericht verzichten. I a u r ö s zieht seinen Vorschlag auf sofortige Wahl der Statutcnkommission zurück, verlangt aber zugleich eine nochmalige Debatte über den Bericht dieser Kommission. Ter Kongreß beschließt im Sinne der Linken die Wahlen der Statutenkommission erst nach vorausgegangener Debatte im Plenum und in, Sinne von JaursS die Eröffnung einer neuen Debatte über den betreffenden Kommissionsbericht. Die Redezeit der Delegierten wird auf 20 Minuten, die der Referenten auf eine Stunde festgesetzt. Die Mandatsprüfungskommission hat INI Mandate für gültig erklärt. Der Kongreß beschließt demgemäß. Sticht zugelassen werden die Mandate von zwei Föderationen, die für das lausende Jahr noch keine Mitgliedskarten gelöst haben. Eine Begrüßungsdepcsche ist von der östreichischen Socialdemo- kratie eingegangen. Nachmittags-Sitzung. Abg. Rouanet verliest den gedruckten Bericht de K a in m e r f r a k t i o n. Es ist eine ausführliche, 35 Oktavseiten lange Verhimmelung des MinisterialiSmuS der Fraktion und des Kabinetts Eoinbes, gewürzt mit polemischen Ausfällen gegen die revolutionären Socialisten. Auch meine Wenigkeit wird wegen der „Vorwärts"-Korresvondenzen mit einen, solchen Ausfall bedacht. Aus Rücksichten auf den Raum verbietet sich eine Wiedergabe— und eine Kritik— der übrigens sattsan, bekannten ministerialistischen Argumentation. Vor Eintritt in die Debatte über den Frakttonsbericht werden die erwähnten drei Kon, Missionen gewählt. Die Sein e- Föderation beantragt eine Protestresolution gegen den russisch-japanischen Krieg, worin u. a. die „Heuchelei des Zarismüs gebrandmarkt" wird. Jaurss wendet sich gegen die Jmprovisierung eines Beschlusses in einer so wichtigen Frage. Die Ausdrücke der Resolution müßten genau erwogen werden. Eine kommissarische Beratung sei unentbehrlich. Longuet beantragt nun, da Jaurss der Frage eine so große Bedeutung bei messe, eine Kommission aus je einen, Vertreter der Föderationen zu ernennen. Schließlich wird die Amsterdamer Kongreßkommisston mit der Frage betraut und zu diesen, Zwecke durch die Wahl von JaursS. Rouanet und Renaudel verstärkt. O r r y, Sekretär des Jnterföderalen Komitees verliest den gedruckten Jahresbericht: Die Lage der Partei ist keineswegs ungünstig. Die Föderationen interessieren sich immer lebhafter für die Parteithätigkeit. Dank ihren, Autonomiesysten, ist die Partei mm», ehr eine Kraft.... DaS Komitee hat regelmäßig funktioniert. Anstatt der statutenmäßigen monatlichen Sitzungen hielt das Komitee mehr als die doppelte Zahl von Sitzungen ab. ES wurden folgende Aufrufe veröffentlicht: gelegentlich der Mai feier und der alljährlichen Kundgebung an der Mauer der Äom munards auf den, Pöre-Lachaise-Friedhof; ein Protest gegen die Judcnnietzclei in Kischineff; ein Protest gegen den polizeilichen Ueberfall auf die Pariser Arbeitsbörse nebst einer Einladung an die socialistischen Deputierten, ans die Absetzung des Polizeipräfekten zu dringen, schließlich eine Einladung an die focialistischen Deputierten, den Festlickikcilen zu Ehren des italienischen Königs fernzubleiben. und eine Begrütznngsadresse an die italienischen Socialisten wegen der Verhinderung des Zarcnbesuchs in Italien. Der Bericht moniert die Nichtbetciligung oder die laue Beteilr gung eines Teils der Deputierten an der Agitation. Das Komitee hat sich jedoch durch Delegierte und Redner an 182 Föderations konferenzen und Versammlungen beteiligt, davon in 65 Fällen durch Deputierte. Renaudel hat fiir sich allein 70 Vorträge gehalten. Eine Anzahl Förderationen hat bisher noch nicht geantwortet auf die Anfrage des Jiiternativnaleu Socialistischen Bureaus betreffs ihrer OrganisationSkräfte. Tie Föderation des Nord- und Pas-de-CalaiS hat seit den, Bordcaux-Kongreß dem Jnterföderalen Komitee überhaupt kein Lebenszeichen von sich gegeben. lieber das Verhältnis zwischen den, Komitee und der Kammer- fraktion heißt es:„Von der Agitation abgesehen, waren die Be- Ziehungen zloischen Komitee und Fraktion gleich null. Denn trotz dringender Schritte, trotz höflicher Einladungen hat sich die Fraktion stets gelveigert, mir den, Jnterföderalen Komitee über Fragen zu beraten, die sich auf die allgemeine Politik der Partei beziehen oder Gesetzentwürfe betreffend die Lage der Arbeiterklasse berühren." Die Partei hat drei Föderationen gewonnen und zwei verloren. Das monatliche Parteibulletill konnte nicht regelmäßig er- scheinen wegen der„Nachläffigkeit und des bösen Willens" der Gruppen. Zun, Schluß bespricht der Bericht kurz die Notwendigkeit der Statutenänderung, um der Partei eine„den Jntcressen des Prole- tariats entsprechende Leitung zu geben und die Einheitlichkeit der Abstimmungen der Fraktion zn erleichtern". Eine Debatte über den Bericht des Komitees und über den Fraktionsb.cricht findet nicht statt. Geucraldebatic über die Stittuteuäiideriiiig. O r r»: Bisher fehlt eS der Partei an einem leitenden Organ Thalsächlich aber iriit als solches die Kammerfraktion auf. Und doch sind von den 38 Föderationen der Partei 26 in, Parlament nicht vertreten. Wir wollen nichr die alten„Verirrimgen" des früheren GeneralkomitecS(wo die GueSdisten nnd Blanquisten in der Mehrheit waren) erneuern, wir wollen nicht einseitig über der Fraktion herrschen, einen„Rat der Zehn" bilden. Wir verlangen nur iamerad- 'chafilich mir der Fraktion zusammen zu beraten. Uebrigcns sind die Fraltionsversammlungen sehr schlecht besucht und viele Fragen werden da gänzlich übergangen. Die Vertreter der Föderationen könnten sehr gut manche Lücken der FraktionSthätigkeit ausfüllen helfen. Dann leidet die Agitation nnter der siatntcnwidrigcn Zusammen- etznng der Fraktion. Von den 31 Mitgliedern der Fraktion sind nur 15 zu dieser Mitgliedschaft statutemnäßig berechtigt. Die übrigen haben das Parteiprogramm während des Wahllampfes nicht alS Affiche verwendet. Tie Wahlkomitees mancher Deputierter gehören der Partei nicht an, darunter diejenigen RonanetS und Devilles. Wie können die Föderationen zu einer derartigen Fraktion Ver trauen haben? T u c o s d e l a H a i II e- Paris begründet den entscheidenden Artikel 22 des neuen Statuten- Entwurfes, der also lautet: „Das Jntcrföderale Komitee ist in der Zwischenzeit zwischen den Parteitagen mit der Leitung und der Verwaltung der Partei bc- auftragt". Jetzt herrscht die reine Anarchie. Die wichtigsten Fragen werden unter Ausschluß der Oeffentlichkcit entschieden, und das nicht einmal von der gesamten Fraktion, sondern von ein paar Führern und einer Zeitung(der„Petite Republique"). Die Rücksichten auf die Wiederwahl drängen bei den Deputierten zn leicht das Princip in den Hintergrund. Daher darf die Parteileitung nicht in den Händen der Fraktion kiegeii. Allerdings in seiner bisherigen Zn- amniensetzung taugt das Komitee zur Leitung der Partei nicht. Erstens fehlte jeder EcnfuS des Alters und der Parteizugehörigkeit. Sodann sind die Föderationen selbst in der Wahl ihrer Komitee- Vertreter bisher nachlässig gewesen. Sie wählten den ersten besten jungen Mann, der mit ihnen in keinem wirklichen Kontakt stand. Eine gewisse Zeitiingsredaktion(„Petite Röp.") bildete eine Fabrik von Födcrationsvertrctcrn in, Koinilcc. Der SlatutenentwMf ver- langt daher einen Alterscensus von 25 Jahren und einen engen Zusammenhang zwischen den Föderationen und ihren Komitee- Vertretern. Marmonnier- Paris(Rechte): Im Komitee herrscht eine größere Anarchie als in der Fraktion. Seine Zusammensetzung wechselt beständig. Die Leitung der Partei müßte gemeinschaftlich von der Fraktion und dem Konntee ausgeübt werden. Abg. B r i a n d: Die Kritiken gegen die Zusammensetzung der Fraktion und ihre Thätigkeit sind verfehlt. Mail vergißt, daß der gegenwärtige Stand der Dinge das Resultat früherer Erfahrungen tst und von den Föderationen selbst gefordert wurde. In dem alten Generalkomitee interessierte man sich nur für Bannflüche gegen Personen, gegen die Deputierten. Damals protestierten eben die Föderationen gegen die„Leitung der Partei durch einige Pariser Genossen". Man hat daher die Centrnlijation durch die Autonomie ersetzt. Wie wollen Sie also den alten un- erträglichen Zustand wieder herstellen?— Gewiß ist es unstatthaft, daß einzelne Personen der Partei die Diktatur ihres Talents aufzwingen. Aber man muß mit dem berechtigten und unvermeidlichen Einfluß der Fähigeren rechnen. lkcberhaupt beruht das Streben der Neuerer auf einem falschen Standpunkt: in an will die Einheit der Taktik ver« wirklichen. Das ist unmöglicki. Möglich ist nur die Einheit der Doktrin. Der Artikel 22 des Entwurfes ist ein Unikum, das in keiner andern socialistischcn Partei zu finden ist. Er legt das Mißtrauen der Partei zu den Deputierten fest und scheidet diese von den Wählern und den Lokalorganisationen. Wir Deputierten stehen in engen, Kontakt mit unser» Föderationen. Das ist die wirkliche Kontrolle(Longuet ruft:„Es gicbt da keine Kontrolle!") Dann ist die Föderation daran schuld, nicht der Deputierte. Und eine Föderation, die ihren Abgeordneten nicht kontrolliert, wäre auch unfähig, durch ihren Komitcevertreter die Kontrolle auszuüben. Die wahre Lösung ist in der richtigen Erziehung der Föderationen. Auch die Fraktion hat ihre Mängel. Die Deputierten gehen vielfach ganz in der Parlamcntsaktion auf und verlieren so die Fühlung mit den Parteigenossen. Diese Fühlung ist immer mehr anzustreben. Aber durch einen Statutenkniff lassen sich die bestehenden Mängel nicht beseitigen. Juden, besitzen wir statutenmäßig das Referendum über wichtige Fragen. Warum hat man davon keinen Gebrauch geiuacht? Daran sind die Föderationen schuld. Redner schildert die Ueberlastung der Deputierten mit Arbeiten. Der neue Statuten- Entwurf wälzt ihnen noch die Arbeit auf, in, Jnterföderalen Konntee über alles und jedes Erklärungen zu geben. Das dirigierende Komitee würde sich in jeder Sitzung nur mit der Kontrolle beschäftigen. Uebrigens befolgt die Fraktion diejenige Politik, die im Anfang der Legislatur gemeinsam mit dem Konntee, und das einstiminig, beschlossen wurde. Auch die neuesten Abstimmungen der Fraktion sind eine Folge der gemeinsam beschlossenen Politik des„BloeS". Die Einheit der Abstimmung ist unmöglich. Zu», Beweis beruft sich Redner auf die paar jüngsten Stimmenzersplittcrungcn innerhalb der revolutionär-socialistischen Fraktion. Zum Schluß appelliert Redner unter lebhaftem Beifall an die kameradschaftliche Gesinnung. Damit schließt die Sitzung. Die Diskussion über die Statutenänderung wird morgen fort« gesetzt werden._ Hbgeordnctcnbaua. 20. Sitzung, DienStag, 16. Februar 1904, 11 llhr. Die zweite Beratung des Etats der Berg-, Hütten- und Salinen- Verwaltung wird fortgesetzt bei den dauernden Ausgaben. Dazu liegt vor der Antrag Dr. Hirsch- Berlin(frs. Vp.) auf Vorlegung eines Gesetzentwurfes, durch den die veralteten Be- stimmunaen des allgemeinen Berggesetzes von 1865 über die Knappschaftsvereine mit der ReichSgcsetzgebung auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung in Einklang gebracht werden. Abg. StöNcl jC.): Wir wollen alles thnn, um das Verhältnis zwischen Arbeitern und Arbeitgebern zu bessern. Darin liegt ein gutes Teil wirklicher Socialpolitik. In, Betriebe der Bergwerke bc- stehen noch viele Mißstände für die Arbeiter, namentlich auf sanitären, Gebiet. Herr Hilbck stellte eS gestern so dar, als ob die Arbeiter- führer in, Ruhrrevicr lauter socialdemotratische Agitatoren seien. Es scheint ihm unbekannt zu sein, daß eS in, Ruhrrevicr einen starken christlichen Gewerkverein giebt. Zwischen christlichen Gewerlvereineu und den Gewerkschaften, die von der Socialdcmokratie parteipolitisch ausgenutzt werden, aber besteht ein großer Unterschied. Redner be- fürwortet den Antrag Dr. Hirsch nnd die allgemeine und direkte Wahl der Kiiappschastsältestei, durch die Arbeiter. Wir sind auch für Arbeitcrkontrolleure. obgleich dadurch vielleicht die Socialdemo- kratie gestärkt werden könnte. Die christlichen Gcwerkvercine haben viele Streiks verhindert und dadurch namenlosem Elend vorgebeugt. (Beifall im Centrum.) Abg. Kvrfanty(Pole) polemisiert gegen die gestrige Behauptung des Abg. Voltz, der Bergnrbeitcrschaft in Oberschlesien gehe eS sehr gut. Dagegen sprechen die Thatsachen. Ich erkenne an. daß von feiten_ des Centrun, S die Mißslande in der Arbeiterschaft dies- mal schärfer zun, Ausdruck gebracht worden sind als früher. Wenn das Volk seine wahre Meinung durch die Wahl ausdrücken könnte, so säße Herr Dr. Voltz nicht hier!(Oho! bei den Nationallibcralcn.) Ich habe selbst erlebt, wie Arbeiter, die bei den Wahlen der KnappschaftSältesten einem Arbeiter ihre Stimme gaben, einfach entlassen wurden. Allerdings kommt derartiges auf den fiskalischen Bergwerken nicht vor. Die Revision der Bergwerte wird so gehandhabt, daß, wenn der Besuch des Revisions- beamten in Aussicht steht, schnell alle Unordnung in den Berg» werken beseitigt, alles Ungehörige dem Anblick entzogen wird. Das habe ich mit eignen Augen gesehen. Zu den jetzigen Aufsichts- beantten haben die Arbeiter kein Vertrauen. Das würde sich ändern, wenn den AuffichtSbeamten Vertrauensleute der Arbeiter an die Seite gegeben würden. Die Bildung von Gewcrkvereincn unter den Bergarbeitern ist in Oberschlcsici, fast unmöglich, weil jeder Arbeiter, der einem Gewcrtverein beitritt, den Unternehmern sofort durch die Polizeibehörden verraten wird.(Unruhe.) 50—70 Proz. der Unfälle in den Bergwerken sind der Fahrlässigkeit der Betriebsleiter und der Gewinnsucht der Unternehmer zuzuschreiben. Die Arbeitszeit in Obcrschlesien ist die längste von allen Bergwerks- bezirken in Preußen. ES kommt vor. daß die Arbeiter 24 Stunden lang ununterbrochen unter Tage bleiben müssen.(Hört! hört! bei den Polen.) Herr Dr. Voltz hat sich durch seine gestige Rede den Dank der Wähler nicht erworben. Er hätte lieber gegen die Mißhand- lungci, der Arbeiter, gegen die Chikanierung besonders der polnischen Arbeiter, gegen die Korruption unter den oberschlesischen Gruben- beamten seine Stimme erheben sollen!(Unruhe bei den Naiional- liberalen.) Oft müssen die Arbeiter. um eine Anstellung bei einer äskalischei, Grube zu erlangei,. au die Beamten 20—30 M. bc- zahlen.(Große Unruhe.) Das ist haarsträubend. Die polnischen Arbeiter werden wie Vieh behandelt, indem man ihnen die Konsultation polnischer Aerzte verweigert. Man denkt eben: der Tierarzt braucht die Sprache deS TierS nicht zu verstehen und kuriert eS doch. Sie(nach rechts und zu den Nationallibcralen) operieren immer mit der sogenannten„großpolnischen Gefahr". Aber kein Mensch denkt daran. Oberschlesien von Preußen loszureißen! Präsident v. Kröchcr(unterbrechend): Herr Abgeordneter. Sie chweifen doch ein bißchen weit vom Berg-Etat ab.(Große Heiterkeit.) Abg. Kvrfanty(fortfahrend): Wie die Dinge in Oberschlesien ich gestalten werden, das hängt weder von Ihnen noch von uns ab, ondern allein von der Hand Gottes, der Fürsten nnd Throne zcr- chmettert hat. Für solche Möglichkeit wollen Sie uns strafen! Das ist eine Politik, die man verdammen muß.(Bravo! bei den Polen.) Handelsminister Möller: Der Vorredner hat mich enttäuscht. Ich habe von ihn, Großes erwartet und Kleines gefunden.(Heiter- reit und Zustimmung.) Wem, er aber behauptete, auf der Königin Luisen-Grube herrsche Korruption unter den Beamten, deren Nameir er nicht genannt hat, so ist das ein Gebahren, das ich parlamentarisch nicht kennzeichnen kann. In, gewöhnlichen Leben nennt mau das Verleumdung I sBravo! recht?.) Abg. Jymer: Der Minister hat behauptet, ich hätte hier die oberschlesischcu Beamten verleumden wollen, einen Nachweis aber nicht erbringen können. Ich hätte crivartet, daß ein preußischer Minister den Grund zu durchschauen vermag, weshalb ich die Namen der Beamten nicht nannte. Ich weile die Insinuation der Verleumdung entschieden zurück. Wenn der Minister mir diesen Vorwurf außerhalb dieses Hauses, wo mich parlamentarische Rück sichte» an der gebührenden Antwort hindern, gemacht hätte, würde ich wissen, mir Genugthruing zu verschaffen.(Lautes Lachen und Beifall bei den Polen.) Der Autrag Hirsch wird hierauf gegen die Stimmen der beiden freisinnigen Gruppen, des Centrums und der Polen abgelehnt. Der Rest des Ordinariums wie das Extraordinarium werden ohne wesentliche Debatte angenommen. Präsident v. Kröcher: Der Abgeordnete Korfanty hat sich vorhin über einen vom Handelsminister gebrauchten Ausdruck beschwert, Ich habe mir das Stenogramm geben lassen und gefunden, daß der Herr Mimster von Aeußerungen des Abgeordneten Korfanty gesagt hat:„im gewöhnlichen Leben würde man das Verleumdung nennen." Ich kann nur sagen, wenn ein Mitglied des Hauses diesen Ausdruck gegen ein Mitglied der Regierung oder ein andres Mitglied des Hauses gebraucht hätte, so würde ich ihn gerügt haben. Es folgt die Beratung des Etats der Handels- und Gewerbeverwaltung. Nach kurzen Bemerkungen über die Uebernahme der städtischen Aichämter aus den Staat wird die Weiterberatnng aus Mittwoch 11 Uhr vertagt. Schluß 4l/2 Uhr._ BerUncr partei-)Zngelegenkeiten. Parteigcuoffcn und Genossinnen! Am Donnerstag, 18. Februar, werden in Berlin und Umgegend vierzehn Boltsvrrsamililnngcn abgehalten, in denen das Berliner Proletariat Gelegenheit hat, gegen die Schergendienste, die dem russischen Knutenregiment in Preußen geleistet werden, deutlichen und energischen Protest zu erheben. Es ist Sache der organisierten Arbeiterschaft, dafür zu sorgen, daß dieser Protest sich so Nachdrucks voll wie nur möglich gestalte, und wir erwarten daher, daß überall für zahlreichen Besuch der Versammlungen agitiert werde! Die Versammlungen' finden statt in folgenden Lokalen: I. KreiS: Arminhallen, Komniandantenstr. M. L.„ Hofjägcr-Pnlnst, Hasenheide 52/53. Dresdener Kasino, Dresdenerstr. 86. (Südost): Urania, Wrangclstr. 11. (Ost): Brauerei Frirdrichshain, Am KönigSthor. Schützenhaus, Linienftr. 5. Berliner Pratcr, Kastanien-Allee 8/9. Weimanns Volkszartcn, Badstr. 56. Eiskeller, Chausicestr. 88. Brauerei Patzcnhofcr, Turmstt. 25/26. SchSneberg: Obsts Festsäle, Meininger- und Martin Luther- straßen-Ecke. Wilmersdorf: Wittes Bolksgartrn, Berlinerstr. 4l>. Rixdorf: Bictoria-Säle, Hermannstr. 48/56. Rnmmelöburg: Cafe Bcllcvne, Hauptstr. 1. Die Tagesordnung lautet: Russische Polizei in Deutschland. Referenten sind die Genossen Albcrty, Bernstein, R. Fischer, Förster, Graduauer, Haase, Kaliski, Ledebour, Liebknecht, Pfannkuch, Scheidemann, Singer, Wurm, Zubeil. Um zahlreichen Besuch bitten Die socialdemokratischen Vertrauensleute. 4. 5. 6. Charlottenburg. Am nächsten Sonntag, früh Uhr, findet von folgenden Lokalen aus die Verbreitung der Zählkarten fiir die am 23. Februar stattfindende Arbeitslosenzählung statt. Die Genossen werden ersucht, sich hieran zahlreich zu beteiligen: I. Bezirk bei Pasche, Potsdamerstr. 44. H.„„ Baader, Nehringstr. 25. Ula.„„ Müller, Rosinenstr. 3. HJb.-„„ Gimpel, Osnabrückerstt. 4. nie.„„ Fischer, Englischestr. 3. IV.„„ Dörre, Wallstraße. V.„„ Bartsch, Seseuheimerstr. 11. VI.„„ Fischer, Pestalozzistr. 84. Vn.„„ Röttgcr, Leibuizstr. 3. vm„„ Hoffman», Kleiststr. 15. Weißcnsec. Donnerstagabend 8'/° Uhr ist eine öffentliche Wählerversammlung im Schloß Weißensce. Es referiert Reichs- tags-Abgeordneter Dr. A. Südekum über:„Die Aufgaben der Gemeinde." Sodann erfolgt die Aufstellung der Kandidaten für die zweite und dritte Abteilung. Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Pankow- Niederschönhausen. Freitag, öffentliche Ver- f a m m l u n g bei Roczhcki, Kreuzslraße 3/4. Tagesordnung:„Die moderne Arbeiterbewegung und der Alkoholismus." Referent: Genosse Dr. Fröhlich aus Wien. Reinickendorf. Die Generalversammlung des WahlvercinS findet am Dienstag, den 23. d. Mts., im Lokal von Mcinhardt statt. Tagesordnung: 1. Borttag von Dr. Alberty. 2. Geschäfts- und Kassenbericht. 3. Wahl des ersten Vorsitzenden. 4. Verschiedenes. Potsdam. Donnerstagabend 8>/g Uhr findet im Victoria-Garten. Alte Luisenstt. 32, eine V o l k s v e r i a m m l u n g für Männer und Frauen statt. Vorttag des Genossen Dr. Alberty:„Der Kosaken- kurs in Preußen und die revoluttonären Strömungen in Rußland." Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist Pflicht. lokales. Wie die Stadt Berlin ihre Waisenkinder unterbringt. Von der städtischen Waisenverwaltung Berlins werden seit langem die allermeisten der ihr anheimfallenden Waisenkinder nicht in eignen Anstalten verpflegt, sondern in Familien, in der sogenannten Kost- pflege, untergebracht. Dabei ist immer mehr vor der Berliner Kostpflege die auswärtige bevorzugt worden— dergestalt, daß. jetzt schon ziemlich drei Viertel aller in Kostpflege gegebenen Berliner Waisenkinder sich in auswärtigen Pflegestellen befinden. Der Kost- pflege wird nachgerühmt, daß sie in erziehlicher Hinsicht meist ziveck- mäßiger als die Unterbringung in Anstalten sei, und von den aus- wärtigen Pflegeeltern behauptet man, daß sie aus gesundheitlichen Gründen den Vorzug verdienen. Wir haben vor Jahren wiederholt gezeigt, daß das eine wie das andre sehr fraglich ist. Besonders für die auswärtige Kostpflege konnten wir aus den alljährlichen Berichten der Waiienverwaltung nachweisen, daß dort die Waisenkinder keineswegs besser aufgehoben sind. Die Sterblichkeit war dort viel größer, als in der Berliner Kostpflege, und überdies wurde in den Berichten des Erziehungs inspektors, der mit der Revision der auswärtigen Pflegestellen betraut ist, mehrfach geklagt, daß auf dem Lande so ein Waisenkind von den Pflegc-Eltern manchmal als ein willkommenes Ansbeutungs objekt betrachtet werde. Nachher wurden diese Revisionsberichte Won karger, und eine Reihe von Jahren hindurch waren die Klagen fast ganz verstummt, so daß Optimisten geglaubt haben werden, es sei alles in bester Ordnung. Erst nachdem in der zweiten Hälfte des Etatsjahres 1961/62 der Posten des Erziehungsiuspektors neu besetzt worden war. wurde das mit einem Mal anders. Schon der erste, sich zunächst auf ein Halbjahr erstreckende Revisions- bcricht ließ sofort wieder durchmerken, daß in der aus wärtigen Kostpflcge manches faul ist. Der zweite, ein volles Jahr behandelnde RevisionSbericht, der jetzt mit dem Bericht der Waisenverwaltnng über daS Etatsjahr 1962/3 veröffentlicht wird. zieht nun mit kräftigerem Griff den Schleier von den bedenklichen Zustände» der auswärtigen Kostpflcge. Der Inspektor besuchte rund 2666 Kinder, bei einem Durch- schnittsbestand von etwa 4666 auswärtigen Kostpflegekindern. Er sagt, die Revision der Pflcgestellen habe„im ganzen ein befriedigendes Resultat" ergeben, die«weitaus größte Zahl" könne als„den nor- malen Anforderungen entsprechend" bezeichnet werden. Aber weiter unten erfährt man, daß 82 Pflegestellen so weit hinter den An- forderungen zurückblieben, daß ihre Aufhebung empfohlen werden mußte. Die Ernährung war meist zweckentsprechend: auf dem Lande gab es nicht alle Tage Fleisch, doch wurde dieses durch Milchnahrung ersetzt. In zwei Fällen mußte jedoch beantragt werden, die Pfleg finge fortzunehmen, weil ihr Aussehen aus eine unzureichende und ungesunde Ernährung schließen ließ, was den Pflege- Elten: auch nachgewiesen wurde." Die Wohnungen waren meist gut. aber in 17 Fällen wurde Aufhebung der Stelle empfohlen, weil die Wohnung„in keiner Weise" den Anforderungen entsprach, und in 6 Fällen, weil den Pfleglingen neben den vielen eignen Kindern bezw. Aftermietcrn keine genügende Unterkunft geboten wurde. Mit der Alleinbettung nahmen es die Pflege-Eltern selten genau, obwohl sie ihnen zur Pflicht gemacht ist. Am wenigsten genügten Wohnung und Bettung bei den kleinen Leuten auf dem Lande. Oft stand in der guten Stube ein sauberes Bett, das dem Revisor als Bett des Pfleglings gezeigt wurde, aber nur Paradebett war. Für 21 Stellen wurde Aufhebung beantragt, weil das Kind ohne eignes Bett war; manche Kinder waren von den Pflege-Elten: abgerichtet worden, den fragenden Revisor zu belügen. Ueber unregelmäßigen Schulbesuch wurde nicht geklagt, nur waren in 2 Fällen Mädchen aus der Schule zurückgehalten worden, um beim Dreschen zu helfen. Auch der neue Erziehungs- inspektor ist, wie man sieht, noch ziemlich rücksichtsvoll: sein Bericht ist fast durchgängig nach dem Schema«zwar— aber" gearbeitet. Auf vier Stellen gab die Behandlung der Kinder Anlaß zu Klagen, so daß auf Pflegewechsel gedrungen wurde. Bei fünf Familien ge- schah dasselbe wegen des sittlichen Verhaltens einzelner Mitglieder. 23 Stellen wurden wegen Ueberbürdung der Pfleglinge mit Land arbeit zur Aufhebung empfohlen, in 12 dieser Fälle handelte es sich um Viehhüten. Pflegekinder zum Viehhüten zu benutzen, ist ver- boten; trotzdem— so sagt der Bericht—„unterstützen leider hier und da noch Waisenväter diesen Mißbrauch der Pfleglinge", indem sie ihn stillschweigend duldeten. So geht es in der auswärttgen Pflege zu; so sieht es in den Pflege st ellen der Dörfer und Güter aus; so duldet man's im Kreise der dortigen Waisenväter. Der Bericht sagt nicht, ob die Berliner Waiscnverwaltung auf fernere Dienste jener weitherzigen Waisenväter verzichtet hat. Unsres Erachtens hätte sie ie nicht nur ihres Amtes entheben, sondern sie obenein durch Nennung ihrer Namen dem Urteil der Oeffentlichkeit überantworten müssen. Es wird nicht ohne Interesse sein, wenigstens zu erfahren, welchen Gesellschaftsschichten die Waisenväter der auswärtigen Kost pflege angehören. Im letzten Jahre waren darunter 16 Gutsbesitzer und Landwirte, 36 Handwerker und Gewerbetreibende, 46 Bürger meister und andre Genieindebeamte, 68 Lehrer und Küster. 445 Geistliche._ Ein Rechtsanwalt. Der Heimarbeiter A. R.. der für eine hiesige Schuhfabrik arbeiret, steht in einem Schuldverhältnis zu einem Herrn M. Der Heimarbeiter ist Vater von acht zum größten Teil uncrwachsencn Kindern und hat seit Jahren durch schlvere Schicksalsschläge, Krank- heit-c. gelitten. Er fristet in karger Weise sein Leben und konnte so jene Schuld an M. nicht begleichen. Als Vertreter von M. trat der Rechtsanwalt Dr. Danziger auf. Er versuchte vergeblich, den Lohn des R. beschlagnahmen zu lassen. Nun hatte er erkundet, daß R. in Riga, seine Frau in Warschau geboren sind. Er verrichtete darauf diese That, die an die weiteste Oeffentlichkeit gehört: Dr. Danziger I �Berlin 0� Berlin, den 11. Februar 1904. Am Molkcnmarkt 12/13. Herrn...... hier. In Sachen... sehe ich mich genötigt. Schritte gegen Sie zu unternehmen, die I h n e n sehr unangenehm sein dürften. Gleichzeitig bemerke ich, daß Deutschland Ausländer, die lästig falle», oftmals ausweist. Achtungsvoll Der Rechtsanwalt (gez.) Dr. Danziger. Um eine Schuld von einem armen Teufel einzutreiben, bedroht dieser Auwalt mit Denuuziation, Existeuzberaubung und Ausweisung! Der Herr Rechtsanwalt darf höchstens die Verführung durch Frhrn. v. Richthofen als mildernden Unfftand in Anspruch nehmen. Erfteulichcrweise arbeitet der Herr Anwalt mit untauglichen Mitteln am untauglichen Objekt. Der von ihm Verfolgte ist seit langen Jahren naturalisiert._ Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung an: Donnerstag, den 18. Februar, nachmittags 5 Uhr. Die Akten betreffend die Wahl des Kaufmanns Groneivald, Schön- hauser Allee 147, zum Stadtverordneten.— Vorschläge des Aus- chusies für die Wahlen von unbesoldeten Gemcindebeamten.— Vorlage betreffend den Etat des Gesindcbelohnungs- und Unter- 'rützungsfonds für das Etatsjahr 1964.— Berichterstattung über die Vorlage betreffend die Abänderung der für den Verkauf städti- 'cher Kämmercigrundstücke bestehenden Grundsätze.— Berichterstattung des Ausschusses für Rechnungssachen über 33 Rechnungen 'owie über die Jahresabschlüsse für das Etatsjahr 1962 betreffend die Hauptstiftungskasse und die städtischen Kanalisationswerke und Rieselfelder.— Berichterstattung über den Protest gegen die Wahl des Hotelbesitzers Leis zum Stadtverortmeten.— Vorlagen betreffend die Festsetzung des Stadthaushalts-Etats für das Etatsjahr 1964,— den Etat der städtischen Gasanstalten und der öffentlichen Petroleumbeleuchtung, der Wasserwerke, der Martt- hallen, der Kanalisationswerke und Rieselfelder, des Viehmarktcs, des Schlachthofes und der Fleischschau auf dem Schlachthofe, der Hauptkasse der städtischen Werke, des Hafens am Urban und der Fleischschau für das von außerhalb eingeführte Fleisch.— Vc- antivortung der Anfrage von Mitgliedern der Versammlung be« treffend den Einspruch der Großen Berliner Straßen- bahn-Gesellschaft gegen den Bau der Untergrund- b ah n Potsdamer Platz— Spittelmarkt,— die Bewilligung eines Betrages für die Notleidenden in Aalesund in Norwegen,— den Geschäftsbetrieb der städtischen Sparkasse im Ottober-Tezember- Vierteljahr 1963,— die Aufstellung von 17 öffentlichen Uhren,— die Errichtung einer Fleischvernichtungs-Anstalt auf dem städtischen Viehhofe,— die Errichtung von Baulichkeiten aus den städtischen Ricselgütern,— die für das Etatsjahr 1964 in den städtischen Gas- werken und am Röhrensystem notwendigen Erneuvrungs- und Er- Weiterungsarbeiten,— die Entschädigung für Mitbentitzung der Viehhof-Anschlutzgeleise zum Abfahren von abgeschachtetew Boden, — einige Aendcrungen des Diensteinkommens von Beamten,— die Vermehrung der Stellcnzahl einiger Beamtenkategorien,— und die widerrufliche Ucberlassung von zwei Baracken des städtischen Llrankenhauses Moabit an das Institut für Infektionskrankheiten.— Befchlutzsasiung über die Zuteilung des Stadtbezirks 249 an einen Stadtverordneten. Arbeiter- Urlaub bei der Straßcnrcinigung. In der gestrigen Sitzung der städtischen Deputation für die Sttaßenreiniguug wurde beschlossen, dem Beschluß der Gemeindebehörden gemäß, allen Arbeitern, die ununterbrochen fiinf Jahre im Dienste der Stadt thärig gewesen sind, einen Urlaub von acht Tagen zu gewähren. Bislang war es üblich, den größten Teil der städtischen Arbeiter der Sttaßenreinigung des Montags von der Arbeit zu dispensieren, wofür an den übrigen Tagen der Woche eine halbe Stunde länger gearbeitet wurde. Bei dieser Einteilung stellte es sich heraus, daß es an Montagen, besonders im Winter bei schlechtem Wetter an ge- schulten Kräften fehlte. Haltestellen der Straßenbahn, Droschken- Halteplätze u. a. nur ungenügend gereinigt werden konnten und Klagen unausbleiblich waren. Die Deputation hat daher beschlossen, in Zukunft auch Montags, wie an den übrigen Wochentagen, die Straßen reinigen zu lassen und dafür den Arbeitern eine halbe Stunde täglich freizugeben. Die Zahl der leerstehenden Wohnnngcn ohne zugehörige gewerb- liche Räume ist gegen die Vorjahre wiederum bedeutend ge- stiegen. Anfang dieses Jahres standen 5432 derartige Wohnungen leer, gegen 4514, 2584 und 1761 in den Jahren 1963 bis 1961. Auch im Jahre 1966 war die Zahl(3266> geringer und 1899 weit größer. Die kleinsten Wohnungen von einem Zimmer mit Küche stehen gegenüber den drei letzten Jahren zahlreicher leer. Die leer- stehenden Wohnungen von 2 bis 3 Zimmer und die größeren Wohnungen sind ebenfalls gestiegen, die Preise für die Wohnungen aber nur wenig zurückgegangen. Von den städtischen Realschulen und Gemeindeschulrn. Während der Besuch der höheren städtischen Sckmlen nur unbedeutend gestiegen oder wie bei den Gymnasien im letzten Jahre abgenommen hat, ist die Zahl der Schüler in den 13 städtischen Realschulen von 5236 auf 5977 in den letzten drei Jahren gestiegen. Noch bedenkender ist die Zahl der Schüler und Schülerinnen in den vorhandenen 265 Ge- n:eii:deschulen gestiegen. In den letzten vier Jahren sind nicht weniger als 34 neue Gcmeindeschulcn mit 524 Klassen errichtet worden. Es sind vorhanden 4636 Klassen, an denen thäfig sind 265 Rektoren, 2747 Lehrer, 1618 Lehrerinnen, zusammen 4636 Lehr» Personen. Gegen die Armen. Eine Massenpetition um Beseitigung der Märkte am Hallcschen Thor, insbesondere des Weihnachts- Marktes, welcher seinem ganzen Charakter nach nicht in eiuo so lebhafte Vertehrsgcgend patzt, beabsichtigen die seßhaften Ge- werbetreibenden und Kaufleute der Gegend an den Magistrat zu richten. Auch die Hausbesitzer des Stadtteils wollen dies Ansuchen unterstützen, da auch ihnen der Weihnachtsmarkt, der den ganzen Platz verunziert, den Verkhr hindert und die Ladeninhaber schloer schädigt, nichts weniger als angenehm ist. Tie Petenten wollen endlich auch das Polizeipräsidium, unte. Hinweis auf die erhöhte Feuersgefahr und die Verkehrsstörungen, für ihr Bestreben ge- Winnen. Wenn-die Hansbesitzer und Geschäftsinhaber ihre Gegnerschaft gegen die armen Teufel, die zur Weihnachtszeit auf dem Belle- Alliance-Platz frieren, doch nur nicht mit Hinweisen auf Feuers- gefahr, Gefährdung des Verkehrs und andren haltläsen Floskeln bemänteln wollten. Ter Toktortitel des Zahnarztes. Der als Zahnarzt approbierte Dr. pkiil. Abraham zu Berlin nannte sich auf seinem Geschäftsschilde kurzweg:„Dr. Abraham, praktischer Zahnarzt". Er wurde deshalb wegen Uebertretung der Gewerbe-Ordming,§ 147 Nr. 3. angellagt, weil er sich einen arztähnlichen Titel beigelegt habe, der den Glauben erwecken könnte, er sei eine staatlich geprüfte Medizinal- Person. Die Staatsanwalts chaft ging davon aus, daß A., wenn er einen Doktortitel gebrauchen wollte, das pkil. hätte hinzusetzen müssen, so daß deutlich geworden Iväre, daß er als Doktor nicht Ntedizincr, nicht praktischer Arzt sei.— Das Landgericht Berlin I chrach jedoch den Angeklagten frei und meinte, Abraham habe den Doktorntel ohne weiteres führen können, denn er habe ja als Doktor der Philosophie promoviert, und im übrigen sei er ja als Zahnarzt approbiert.— Der Strafsenat des Kammcrgerichts als Revisions- instanz hob das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht zurück. Begründend wurde aus- geführt: Tie Darlegung des Vorderrichters sei lückenhaft. Man könne nickst bloß sagen:«Der Mann ist Doktor, kann sich also so nennen; er ist Zahnarzt, hat also ein Recht auf den Titel". Es müffe viel- mehr geprüft irerden, ob nicht die Verbindung von„Doktor" und Praktischer Zahnarzt" zu der Auffassung verleite, man habe es mit einem Zahnarzt zu thun, der zugleich als praktischer Arzt approbiert sei. Dann wäre die Beilegung eines arztähnlichen Titels im Sinne des§ 147 Nr. 3 der Gewerbeordnung dargethan. Zu einem solchen Zahnarzt habe das Publikum, das durch§ 147 Nr. 3 geschützt werden soll, ein größeres Vertrauen, weil er mit der Narkose besser Bescheid wisse. Znr Eingcmcindnngsfragc.„Einem entschlafenen Riesen" soll ge'tern der Oberbürgernreister Wilde von Schöneberg die Stadt Berlin vsrglichen haben; so erklärt wenigstens das „Berliner Tageblatt" in einem Bericht, den es über eine Rede des genannten Herrn in der Stadtverordneten-Vcrsammlung erstattet. Danach führte Oberbürgermeister Wilde aus, daß die Einverleibung die Stadtvorwallung während der sechs Jahre ihres Bestehens unausgesetzt, aber aus sehr verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet, beschäftigt habe. Vor der Stadtwerdung und zwei Jahre nach ihr wünschte Schönerberg die Einverleibung in Berlin, das diesen Wunsch aber ziemlich schroff abwies. Dann wollte Berlin den besten Teil von Charlottenburg und den Berliner Ortsteil von Schöneberg ausnehmen. Das ging nicht aus fiimnziellen Gründen, und jetzt, wo sit.-.izielle Bedrängnis Berlin zur Einverleibung wenigstens der besser situierten westlichen Vororte drängt, jetzt wollen diese nicht. weil sie auf eignen Füßen stehen können und wollen. In Berlin eien jüngst zwei Broschüre:: erschienen, eine offizielle des Magistrats und eine private des Stadtverordneten Haberland. � Aus beiden gehe hervor, daß'die Vororte schuld sind an der finanziellen Deroute, in der sich Berlin gegenwärtig befindet, weil zu viel gut situierte»Leute nach den Vororten ziehen und arme immer mehr noch Berlin kommen. Die offizielle Broschüre lasse dm Gedanken erkennen, die zweite spreche ihn deutlich aus:„Die Thaffache, daß die wohlhabende Bevölkerung das Weichbild der Stadt Berlin verläßt, wird für das Gedeihen uusrer Stadt und namentlich für Erfüllung ihrer stettg wachsenden socialen Aufgaben zu der größten Gefahr werden." „Gegen diese Behauptungen Stellung zu nehmen." so fuhr Ober- bürgermeister Wilde fort,„werde ich mich hüten. Ich wünsche viel- mehr von Herzen, daß sie sich in vollem Umfange bewahrheiten mögen, und zwar von Jahr zu Jahr mehr. � Erst dann werden wir in der Lage sein, für den schönen Teil Groß-Berlins, den wir ver- walten, so zu sorgen, wie es unser aller Wunsch ist. Wir haben jetzt keine Veranlaffung mehr, die Eingemeindung zu erhoffen, sondern nur zu fürchten. Ich halte beide Broschüren für Nekrologe für einen entschlafenen Riesen. Schöneberg steht wie die andren west- lichen Vororte auf eignen Füßen und braucht keine fremd« Hilfe, aber es kann um seiner Selbsterhaltung Killen auch nicht daran denken, andren zu helfen." Die Deputation für die städtische Kanalisation und Rieselfelder hat in ihrer Sitzung am Montag beschlossen, für die fünf Inspektionen der Kanalisation je einen Arbeiteraus schuh ins Leben zu rufen, welcher aus drei bis fünf Arbeitern bestehen soll. Die einzelnen Arbeitergruppen iverden prozentual darin vertreten sein. Ein Antrag der Arbeiter, der verlangte, daß bei Beantragung durch drei Arbeiterausschüsse die fünf JnspektiousauSschüsse zu einer gemein- samen Sitzung einberufen werden müssen, wurde kotz lebhafter Befürwortung der Stadtvv. Borg mann und Koblenzer ab- gelehnt mit der Begründung, daß dadurch die Autorität der Beamten leiden könnte. Bor l'/j Jahren hatten die Stadtvv. Borgmann und Koblenzer in der Deputation den schriftlichen Antrag gestellt, die Verhältnisse der Schulen und Lehrer auf den Rieselglltern einer gründlichen Prüfung und Regelung zu unterziehen. Das ist nun geschehen und erstattete Gcheimrat v. Friedbcrg darüber Bericht. Es sind zwanzig Schulen vorhanden, drei sind reine Gemeindeschulen, auf die die Stadt keinerlei Einfluß besitzt, und �zwar in den Orten Sputendorf, Schönerlinde und Franz. B u ch h o l z. Weitere drei sind reine Gutsschulen: HcinerSdorf, Schenken- dorf, Hellersdorf, hierzu kommt im nächsten Jahre die neu zu erbauende Schule in Birkholz. Die weiteren 14 Schulen sind sogenannte Pakonatsschulen. Diese Schulen werden durch die Hausväter-Societät verwaltet. Durchgängig sind die Lehrer schlecht gestellt und wechseln daher sehr oft. Die Klassen sind zum Teil überfüllt, die Schulen mangel- Haft. Es soll daher der Stadtverordneten-Versammlung eine Vor- läge zugehen, wonach das Grundgehalt neben freier Wohnung in den Gutsschulen auf 1200 M. erhöht wird. Ferner wird eine AlterSskala vorgesehen, nach der von drei zu drei Jahren das Gehalt um je 120 M. steigt, endend mit 1800 M. Außerdem soll wie den Gutsbcamten auch den Lehrern für sich und ihre Familie freier Arzt gewährt werden. In den Pakonatsschulen soll dahin gewirkt werden, daß die gleichen Verhältnisse Platz greifen, eventuell unter Erhöhung des Patronatsbeitrages. Die Gemeinde Buch soll zur Erbauung eines neuen Schnlgebäudes 10 000 M. Zuschuß erhalten. Aus der Hcimann Brehler- Stiftung sollen zum 1. Mai d. I. Stipendien zum Betrage von je 300 M. auf ein Jahr an deutsche Studierende oer Medizin an hiesiger Universität, teils christlicher, teils jüdischer Religion, verliehen werden. Bewerber haben ihre Gesuche unter Beifügung des Zeugnisses der Reife sowie eines Zeugnisses über ihre sittliche Führung, ihre Befähigung für das medizinische Studium und ihre Bedürftigkeit, ferner eines Nachweises, daß sie der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität mindestens ein Semester an- gehören, beim Kuratorium der Heimann Breßler-Stiftung, auf dein dem Rathause, 2. Stockwerk, Zimmer Nr. 60, bis zum 10. März dieses Jahres abzugeben. Der Kapellmeister Rebicck vom Philharmonischen Orchester hat, der„Berliner Zeitung" zufolge, sein Amt niedergelegt. Rebicek war seit Monaten krank. Für die populären Konzerte und die Begleitung mußte ein Stellvertreter engagiert werden. Für die Sinfonie- Abende wurden Gastdirigenten(Strauß, Schumann, Frischer) gewonnen. Selbstmord eines Fabrikdirektors. Nach dem„Berliner Tage- blatt" hat sich der Direktor der Victoriasvcicher-Aktiengesellschaft Rudolf Fließ am Montag in der Nähe Wannsecs erschossen. Fließ hatte in Gemeinschaft mit dem Direktor Lipschütz d-ie Leitung der Geschäfte iime. Dem Vernehmen nach hängt der Selbstmord Rudolf Fließ' nicht mit den Defraudationen zusammen, über die wir be- richtet haben. Danach hatte man uinfangreiche Unterschlagungen entdeckt, die von dem früheren Bodenmeister Jakob Matthes, der gegenwärtig in Untersuchungshaft sich befindet, begangen sein sollen. Die Unterschleife will man entdeckt haben, als die beiden Direktoren Fließ und Lipschütz ihr Amt angetreten hatten; merk- würdigerweise aber soll bei einer zweiten genauen Nachprüfung der Bücher nicht nur ein Manko, sondern sogar Ueberschüsse, von denen man seltsamerweise gar nichts gewußt hatte, herausgefunden worden sein. Durch den Selbsttnord des einen Diirektoi», der seit einiger Zeit in einer Heilanstalt in Wannsee lebte, scheint nun die ganze Angelegenheit in ein neues Stadium gerückt zu sein. Der verhaftete Matthes bestreitet indessen jede Schuld; sein Vermögen belief sich, wie Herr Matthes behauptet, höchstens auf 100 000 M., das der Victoriaspeicher-Aktiengesellschaft bis zur Klärung der An- gelegenheit zur Verfügung gestellt ist.— Direktor Fließ war seit langer Zeit gemütsleidend; ehe er die Leitung des Victoriaspcichcrs übernahm, war er Prokurist in einer Spiritusfabrik.— Uebrigens hatte die Rckognoscierung des Selbstmörders noch ein kleines?lach- spiel. Die Polizei fand nämlich bei der Leiche eine Visitenkarte mit dem Namen: Direktor Rudolf Fließ. Die Polizei eruierte danach einen Direktor gleichen Namens, der in der Feurigstr. 43 lvohnt. Die Beamten begaben sich dorthin, um den Nachlaß zu ver- siegeln und die näheren Personalien festzustellen. Die Angehörigen in der Feurigstraße waren nicht wenig erstaunt, als sie von den Ereignissen unterrichtet tvurdcn, denn der in der Feurigstraße wohnende Direftor war frisch und gesund. Ein eigentümlicher Zufall hatte hier mitgespielt, denn der verstorbene Tirettor Fließ ivar gar nicht verheiratet, sondorn wohnte in einem möblierten Zimmer in der Potsdamerstraße. Unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet wurde der Cigarrenhändler. frühere Schuhmacher Sczymanski, der in der Palissadenstr. 67 einen offenen Laden betrieb. Am Sonntagabend um ö'/j Uhr brach im Laden und der daranstoßenden Wohnung Feuer aus, und eine Hausbewohnierin, die die beiden Eheleute mit dem Kinde am Nachmittag hatte ausgehen sehen, rief infolge des Brandgeruches Polizei und Feuerwehr. Der Zugang wurde ge- waltsam geöffnet, und die Feuerwehr entdeckte, daß die Betten der Schlafstube mit Petroleum durchtränkt waren und auf den brennenden Regalen mit Petrvlcum durchtränkte Lappen sich be- fanden. Ein aufregender Borfall spielte sich gestern abend auf dem Bahnhos Charlottenburg ab. Als dort der Zug 18S3 sich zur Ab- Fahrt in Bewegung setzte, kat der Verficherungbeamte Sch. aus Charlottenburg an den vorletzten Wagen heran und reichte einem in diesem befindlichen Fahrgaste die Hand. Hierbei wurde er um- gerissen und geriet mit beiden Beinen zwischen Trittbrett und Bordschwelle des Bahnsteiges. Die Schreckensrufe der Zeugen des Vorganges veranlaßte die Beamten, den Zug sofort zum Stehen zu bringen, und so war es möglich, Sch. noch rechtzeitig aus seiner gefährlichen Lage zu befreien und ihn vor schwerem Unfall zu be- wahren. Der Fall, der diesmal noch glimpflich verlaufen ist, mag zur Lehre dienen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf dem Straßen- bahnhof Xlll in Halensee. Der Schlosser Otto Halleuer � aus der Kaiserin Augusta-Allee 23 zu Charlottenburg sollte in einem Schuppen einen Wagen ausbessern. Zu dem Zweck mußte er durch einen Schacht in den Keller steigen, um von unten an die schadhafte Stelle zu gelangen. Als er mit dem Oberkörper aus dem Schacht herausgestiegen war, wurde ein zweiter Wagen in den Schuppen ge- bracht. Er sah den Wagen nicht und die Schieber bemerkten ihn nicht. Dadurch kam es, daß der Wagen ihm auf den Leib geschoben wurde. H. erlitt dabei mehrere Rippenbrüche und mußte in einem Koppschcn Rettungswagen nach dem Charlottenburger Krankenhause gebracht werden. In die Falle gegangen ist am Montag der Hausdiener Fritz Badehose, der in einem Tanzlokal an der König-Chaussce zu Weißensee beschäftigt wurde. Er stand in dem Verdacht fortgesetzter Kassen- diebstähle und Unterschlagungen. Der Wirt stellte ihm eine Falle, indem er gezeichnetes Geld unter das übrige mischte. Der Haus- diener ließ sich fangen und wurde angesichts des Beweises ein- gesperrt. Em den Nachbarorten. Charlottcnburg. Eine allgemeine Arbeitslosenzählung wird am Dienstag, den 23. Februar, stattfinden. Das Ziel einer sicheren Feststellung über den Umfang der Arbeitslosigkeit, diese beständige und notwendige Begleiterscheinung der kapitalistischen Wirtschaftsweise, muß natürlich die Einrichtung einer helfenden Fürsorge für die von dem entsetzlichen Schicksal längerer Arbeitslosigkeit Betroffenen sein. Die ersten Ansätze einer solchen Fürsorge, einer Arbeitslosenversicherung, finden sich bei den gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter, auf deren Er- fahrungen und sachgemäße Mitwirkung die umfassenderen kommunalen und staatlichen Verbände unbedingt augewiesen sein werden, wenn sie diesen wichtigen Zweig socialpolitischer Bethätigung in Angriff nehmen und lveiter ausbauen wollen. Das erste Erfordernis einer zielsicheren Thätigkeit ist natürlich die Feststellung der Arbeitslosigkeit selbst, die genaue statistische Erfassung ihres Umfangcs und der periodischen Schwankungen der- selben. Im November 1901 hat die Berliner Gewerkschaftskommission eine umfassende Arbcitslosenzählung für Groß-Berlin(Berlin und Umgegend) veranstaltet, die ein ergreifendes Bild des Arbciterelends zu Tage förderte. Trotzdem hat die Berliner Stadt- Verwaltung bisher nicht das mindeste unternommen, um der Frage der Arbeitlosenfürsorge, ja auch nur der Frage der Arbeits- losenzählung irgendwie näher zu treten, und die Vororte können sich ihrer Verpflichiung unter Berufung auf Berlin leicht entziehen. Es ist erfreulich, daß Charlottenburg nunmehr mit der Zählung vorangehen will. Eine einigermaßen vollständige Erfassung der Arbeitslosigkeit kann natürlich nur durch eine von Haus zu Haus vorgenommene Zählung nach der Art der Volks- Zählungen bcivirkt iverden. Dagegen spricht jedoch, daß die Arbeitslosenzählungen in viel kürzeren Zwischenräumen, mindestens dreimal jährlich, wiederholt werden müssen, wenn man aus ihnen ein Bild nicht nur des Umfangcs, sondern auch der Schwankungen der Arbeitslosigkeit und ihrer Ursachen zu den verschiedenen Zeiten des Jahres gewinnen will. Damit wachsen natürlich die Schwierig- keilen einer genauen, von Haus zu Haus vorzunehmenden Zählung ganz außerordentlich. Deshalb hat sich der Charlottenburger Magistrat entschlossen, die Zählung nach dem Muster der in Stuttgart üblichen vorzunehmen, das heißt keine eigentliche Hauszählung zu veranstalten, sondern lediglich eine Zählung der sich als arbeitslos Meldenden. Es werden in einer Reihe von öffentlichen, leicht zugänglichen Lokalen(Rat- haus, Statistisches Amt, Verkaufsläden des Konsumvereins zc.) Zählkarten ausgegeben und Urnen aufgestellt, in welche die Zäh karten am 23. Februar hineinzuthun sind. Es liegt auf der Hand, daß eine solche Zählung nur un- vollkommene Resultate liefern kann, und daß namentlich das Resultat der ersten Zählung, bei welcher die Einrichtung den Arbeitern noch neu und ungewohnt ist, nur sehr mangelhaft sein tvird. Aber das Wertvolle der Zählung liegt darin, daß sie sich periodisch wiederholt— sie soll künftig stets im Februar, Juli und November jeden Jahres stattfinden— und dadurch ein immer getreueres Bild namentlich auch von den Schwan- kungen der Arbeitslosigkeit ergeben wird. Diese Vorbedingung muß notlvcndigerweise erfüllt sein, wenn Maßnahmen von irgend erheb- sicher Bedeutung getroffen werden sollen. Es ist deshalb zu er- warten, daß die organisierten Arbeiter, die sich der Wichtigkeit der Arbcitslosenzählung bewußt sind, dem Charlotten- burger Unternehmen jede Förderung angedeihen lassen, die Arbeiter auf die Bedeutung der Sache hinweisen, die Arbeitslosen aufklären und zur Entnahme, genauen Ausfüllung und pünktlichen Abgabe der Zählkarten anhalten. Am D onnerstag, den 18. Februar, findet im Volks- Hause, Rosinenstraße 3, eine Volksversammlung statt(die regelmäßige Wahlvereins-Versammlung fällt deshalb aus), in der unser Genosse Reichstags- Abgeordneter Molkenbuhr über: „Die Bedeutung der Arbeitslosen-Zählung" sprechen wird. Ein zahlreicher Besuch dieser Versammlung wird bei der Wichtigkeit der zur Verhandlung stehenden Frage mit Bestimmt- heit erwartet. In der Schineberger Stadwerordneten-Bersammlnng kamen in später Stunde die Wahlproteste aus dem 4. und 7. Bezirk zur Erledigung. Im 4. Bezirk standen unsren Parteigenossen O b st »nd P a n s e r die Bürgerlichen Herren Dr. Engelmann und Rentier Polenz gegenüber. Besonders gegen Polenz richtete sich der von uns eingelegte Protest. Daß das Freibier bei dieser Wahl eine große Rolle gespielt hatte, ging aus der erfolgten Untersuchung mit aller Deutlichkeit hervor. Wie vom Genossen Bäum ler hervorgehoben wurde, ist eine so feuchte Wahl hier am Orte wohl noch nicht zu- stände gekommen; der Kandidat Polenz hatte es sich in der That etwas kosten lassen. Daß er sich dazu die Wähler unter den Straßenbahnern zu seinen Zwecken ausgesucht hatte, ist bei der Stellung jener Leute leicht begreiflich. Und nur durch deren Unterstützung hatte er sein Ziel erreicht, Stadtverordneter zu werden. Die bürgerliche Mehrheit hatte es sich infolge ihres Ueber- g e w i ch t s auch recht leicht gemacht. Es kam ja auch weniger darauf an, die Thatsachen sprechen zu lassen, als vielmehr einen der ihrigen nicht fallen zu lassen. Unsre Verketer hätten mit Engels- zungen reden können— das Resultat der Abstimmung stand schon von vornherein fest. Der glückliche Einfall, unserm Sprecher in dieser Sache, dem Stadtv. Obst, mitten in der Rede das Wort zu entziehen und ihn zum Verlassen des Saales aufzufordern, weil er als„Interessierter" jener Wahl nicht einwandftci sei, hat den als Socialistentötcr am Orte bekannten Stadtv. Schneider zum Vater, sogar der Vorsteher v. Gordon hatte an diesen Ausweg nicht gedacht. Man schritt spornstreichs über unsre Protestgründe hinweg und erklärte unter Zunickverweisung der eingelegten Proteste die Wahlen im 4. Bezirk für gülsig. Hatte es sich bei diesem Bezirk um einen socialdemo- k r a t i s ch e n Protest und einen bürgerliche» Kandidaten gehandelt, so stand die Sache im 7. Bezirk umgekehrt. Hier hatte unser Genosse W o l l e r m a n n 337, der Gegenkandidat Tischlermeister Knorr 322 Stimmen erhalten. Wollermann hatte also eine Majorität von 12 Stimmen. In dem einen Protest wird nun behauptet, daß ein Wähler. der nicht in der Liste stand, zu Unrecht gewählt habe, was durch die Untersuchung auch er- wiesen wurde. Nach Abzug dieser Stimme wäre also ein wesentlicher Einfluß auf das Resultat nicht eingetreten. Nun wurde aber noch weiterhin auf verschiedene Aussagen Gewicht gelegt, wonach„der Zugang zum Wahllokal" nicht genügend abgesperrt und somit die Möglichkeit eingetreten sei, daß nach Schluß des Wahllokals noch eine Anzahl Personen ihr Wahlrecht ausgeübt hätten. Dieser Be- hauptung stand unsrerseits die Gegenbehauptung entgegen. Ver- geblich wies M a s u ch(Soc.) darauf hin. daß diese Auslagen voll- ständig der Kontrolle ermangelten, da nicht ein einziger Wähler fest- gestellt wurde, der auf diese Weise sein Wahlrecht ausgeübt hätte. Gegen 6 Stimmen wurde die U n a ü l t i g k e i t der Wahl Woller- manns ausgesprochen. Die Socialoemokraten sehen mit froher Zu- verficht einer Neuwahl im 7. Bezirk entgegen. I» Ober-Schönewcide hatte sich die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung mit einem beachtenswerten Einspruch zu befassen, den die�Allgemcincn Elektricitätswerke gegen die Richtigkeit der W ä h l e r l i st e erhoben hatten. Der volksbedrückende Widersinn des Dreiklasscn-Wahlnnrechts hatte bis dahin die Ungeheuerlichkeit zu Wege gebracht, daß diese Gesellschaft die alleinige Wählerin in der ersten Klasse war. In dieseni Jahre ist die Gesellschaft nur mit dem Gemeinde-Steuersatze von 38 000 M. in die Wählerliste ans- genommen worden, weil die Einschätzung zu den Staatssteuern noch nicht vollzogen ist; und das hatte die Wirkung, daß die erste Wähler- klaffe statt des bisherigen einen Wählers deren sechs zählt. Auf den gegen die Beseitigung der Monopolstellung von der Gesellschaft er- hobenen Einspruch wurde beschlossen, den Fall einer Kommission zu überweisen und in der nächsten Plenarsitzung darüber Beschluß zu fassen. Dem Unternehmer Hempel wurde die Erlaubnis zur Anlegung einer P r a ch t st r a ß e aus dem Grundstück des Lokals Wilhelminen- Hof erteilt. Der Markt soll wegen der Unzulänglichkeit de? jetzigen Platzes hinfort am Ausgange der Siemens- und Edisonstraße ab- gehalten werden. Aus dem BerwaltungSbericht des Rixdorfer Magistrais. DaS Gebiet der Stadt umfaßt die Gemarkung Rixdorf, die Köllnischcn Wiesen, die Kvllnische Haide und die Kotzemarken mit insgesamt 1101,02 Hektar Flächeninhalt. Das gesamte Grundeigentum der Stadtgemeinde, ausschließlich des Rieselgutes, umfaßte dagegen nur einen Flächenraum von 21 Hektar 49 Ar, wovon ein Teil sich noch außerhalb Rixdorfs befindet.— Die Bevölkerung Ripdorfs betrug Ende Dezember 117 494 Seelen, während es am Schluß des vor- verflossenen Jahres 103 449 waren. Sie hat also in einem Jahre um rund 14 000 zugenommen. Ende 1900 zählte Rixdorf erst 90 342 Einwohner. Vierzehn Skaßen wurden 1903 auf Kosten der Anlieger neu angelegt. Infolge neuer Kanalisierungen erweiterte sich das Rohrnetz der Kanalisation um 7728 Meter auf eine Gesamtlänge von 96 862 Meter. Die optierte Fläche des Rieselguts Waßmanns- dorf ist um 24,29 Hektar auf 214,63 Hektar vergrößert worden. Im Berichtsjahr wurden 3 473 711 Kubikmeter Wässer nach dem Nieselfelde befördert. Regulierte Straßen hatte die Stadt am 1. April des Berichtsjahres 103 mit einem Flächeninhalt von 923 640 Quadratmetern. Infolge der Neuanlagen umfaßt das Straßennetz jetzt 1 045 000 Quadratmeter. Ter Stichkanal er- fordert nur noch einige Nacharbeiten zur vollständigen Fertigstellung. Das Rieselgut Waßmannsdorf hat eine Gesamtfläche von 423 Hektar, wovon 212 Hektar zu Nieselzwecken hergerichtet sind. Von den letzteren waren etwa 90 Hektar verpachtet, während der Rest von der Gutsverwaltung selber bestellt wurde. Das Berichtsjahr war das erkagreichste, seit Waßmannsdorf im Besitz der Gemeinde Rixdorf ist. Ter Ucberschuß über die Wirtschaftskosten wird 72 000 bis 80 000 M. betragen. Die Gasanstalt gab an Gas 5 384 150 Kubikmeter Gas ab, das sind 1 095 120 Kubikmeter mehr als im Jahre 1902, wo die Gasabgabe nur 4 289 030 Kubikmeter mismachte. Die Mehreinnahme aus der Gasabgabe gegen den Etat bekug rund 113 700 M. Aus dem Coaksverkauf wurden 13 700 M. mehr erzielt, als der Etat vorsah. Die Mehreinnahmen überschreiten die Mehr- ausgaben um 24 300 M. Trotzdem kann nur mit einem Mehrüber- schütz von 20 000 M. gerechnet werden, weil der Mehrbeschaffung von Gasmessern und Automaten, sowie die Mehraufwendung an Löhnen gegen den Etat rund 34 000 M. mehr an Ausgaben verursacht haben._ GcwcrkfcbaftUcbca- Die Differenzen in der Damantindustrie. Die Diamantarbeiter Amsterdam? haben bis zum letzten Augen- blick versucht, die Juweliere zu Kommissionsverhandlungen über die Skeitfragen zu veranlassen, und sich redlich bemüht, alle Beschwerden und Einwendungen, die von jener Seite gegen eine derarsige Regelung erhoben wurden, aus der Welt zu schaffen. Das zeigt auch wiederum der Beschlutz, den die Versammlung des Diamant- arbeiter-Verbandcs am Sonnabend mit 3483 gegen 143 Stimmen ge- saßt hat und der folgenden Wortlaut hat: „Die Verbandsversammlung beschließt, nachdem sie Kennsiiis genommen hat von dem Briefe der Amsterdamer Juweliervereinigung vom 9. Februar, dieser Vereinigung mitzuteilen, daß sie die Vor- ichläge, enthalten in ihrem Schreiben vom 31. Januar, in dem Sinne aufrecht erhält, daß sie, wenn es gewünscht wird, auf den bindenden Charakter der Beschlüsse der dar in vor- geschlagenen Kommission und damit auch auf die Anstellung eines außerhalb der Parteien stehenden Vorsitzenden verzichten will; und erklärt sich noch stets bereit zur Verhandlung mit der genannten Vereinigung auf Grundlage der gegenseitig gemachten Vorschläge, unter der ausdrücklichen Erklärung, daß sie damit eine schnelle und für beide Parteien befriedigende Auflösung der Differenzen be- zweckt." Der Begleitbrief an die Juweliersvereinigung, der dieser Resolution beigefügt wurde, schließt mit folgender Erklärung, die ebenfalls von der Versammlung durchaus gebilligt wurde: „1. Wir sind vollkommen bereit, mitzuwirken an dem Zustande- bringen einer Lehrlingsregelung.— 2. Wir sind vollkommen bereit, einzuwilligen in das Zulassen und Unterrichten jeder Anzahl von Lehrlingen, die notwendig erscheinen wird zur Auftechtcrhalwng resp. Erhöhung des Produkttonsvermögens unsrer Industrie.— 3. Wir �sind vollkommen bereit, dazu mitzuwirken, daß das eine wie das andre in angemeffener Zeit geregelt wird.— 4. Wir sind jedoch nicht bereit, eine Anzahl von Lehrlingen zu- zulassen, die nicht auf einer einzigen posittven Thatsache beruht und für die kein einziger triftiger Grund angeführt werden kann.— Deshalb halten wir unsre Vorschläge(mit Ausnahme dessen, was hier zuvor hinsichtlich einzelner Nebensächlichkeiten gesagt wurde) neben den Vorschlägen, die Ihrerseits gemacht wurden, auftecht und erklären uns fortdauernd bereit, auf Grund der von beiden Seiten gemachten Vorschläge mit Ihnen zu verhandeln. So kann den Wünschen beider Parteien Rechnung gekagen, und ein Konflikt vermieden werden." DiekatholischeDiamantarbeiter-Organisasion„St. E d u a r d u S", sowie die jüdische„Betsalel" haben den Juwelieren in demselben Sinne wie der allgemeine Verband geantwortet. Beim Diamantarbeiter-Verband werden zur Zeit 1600 Arbeiter verlangt, die auf den zur Verfügung stehenden Fabriken nicht unter- gebracht werden können. Das ist ein Beweis dafür, daß sich der Einfluß der Amstcrdamschen Juwelier-Vereinigung durchaus nicht auf alle Juweliere erstreckt. Aus Antwerpen wird gemeldet, daß die Zahl der, den zu den Bedingungen des Antwerpener Diamantarbeiter- Verbandes thätigen Arbeitern zur Verfügung stehenden Mühlen jetzt ca. 1000 beträgt, da zu den Fabriken, die weiter arbeiten lassen, noch einige hinzugekommen sind. « Die Thatsache, daß die Diamantarbeiter von Antwerpen, nach- dem man ihrer bisherigen Haltung entsprechend annehmen mußte, sie hätten nicht die Absicht zu streiken, dann, als die Lehrlinge an- genommen wurden, plötzlich wie ein Mann die Arbeit niederlegten, konnte Beftemden erregen und hat der Unternehmerpresse Anlaß gegeben, von einer schlechten Leitung der Antwerpener Diamant- arbeiter zu reden. Zur Erklärung dieser Takttk mag eS dienen, wenn man die eigentümliche belgische Klassengesetz- gebung und Klassenjustiz in Bekacht zieht, die durch den Fall Bartels treffend gekennzeichnet wird. Dieses Vorstands- Mitglied des Antwerpener Diamantarbeiter-Verbandes, das jetzt seine drei Monate Gefängnis verbüßen mutz, wurde seiner Zeit zu dieser Strafe verurteilt, weil der Verbandsvorstand anläßlich eines Werkstubenstreiks Flugblätter an die stehen gebliebenen Arbeiter verteilen ließ, worin diese an ihre Pflicht gemahnt und über die Ursachen des Streiks aufgeklärt wurden. Die Worte: „Arbeiter, erkennt Eure Pflicht I" wurden als„Anschlag auf die Freiheit der Arbeit" ausgelegt und waren für die Verurteilung matzgebend. Bei der Verhandlung des Prozesses vor dem höchsten Gerichtshof erklärte der Generalprokureur: Wennjemand, mit seinem Bruder spazieren gehend, diesen vor einem oder dem andern Arbeitgeber schlechter Arbeitsbedingungen wegen warne, so müsse dieser Mann vor dem Gesetz als st rafbar wegen Anschlag aus die Freiheit der Arbeit gelten.— Aus Antwerpen wird vom Freitag gemeldet, daß 620 Mühlen zu den Bedingungen des Diamantarbeiter-Verbandes in Thätigkeit sind. Die Juweliere bieten alles auf, um die noch thätigen Fabriken zum Stillstand zu bringen, jedoch ohne Erfolg. Die noch thätigen 2 Fabriken verfügen im ganzen über 1300 Mühlen. Gerüchten zufolge soll in den Reihen der Juweliere Uneinigkeit i« Entstehen begriffen sein. Inserate für die»mchste U«mmer uiussen bis Z Wjr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzmnelden und bis 4 ßlhr nachmittags einzusenden. Kür de« übernimmt Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Inhalt der Inserate Et die Redaktion drin Hdeater. Mittwoch, 17. Februar. Anfang 7'/, Uhr: Neues Königl. Opern- Theater. Geschloffen. Schansptelhans. Der eingebildete .ikranke. Die Komödie der Irrungen. Deutsches. Novclla d'Nndrvt. Berliner. ZSaterkant. Lefstng. Zapfenstreich. Weste». Die Colombine. Die Tante schläft. Neues. Minna von Barnhelm. Resident. Ter keusche Casimir. Vor her Die Cinpschlung. Central. Das Schivalbennest. Belle- Alliance. Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Kallner. Theater.) Die Kinder der Crccllcnz. Schiller Sl.(Fricdrich-Wilhclmstädt.) Uriel Acosta. Luisen. Minna von Barnhelm. Thalia. Jsadora Duncan. Kleines. Nachtasyl. Triano«. Madame X. Carl Weist. Der Bcltelstudent von Berlin. Nachmittags 4 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Casino. Wie einst im Mai. Bade- kurcn. Rcichshallcn. Stcttiner Sänger. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Passage- Theater. To-To. Fred Eblawi. Spccialitäten. Ans. 5 Uhr Metropol. Durchlaucht Radieschen. Apollo. Frnhlingslnst. Blüten Hochzeit. Specialitätcn. Winter-Gartcn. Lläo de Merode. Spccialitäten. Urania. Taubcnstraste 48/4». Um 8 Uhr: Ter Erdball als Träger des Lebens. Nachm. 4 Uhr: An den Seen OberitalienS. Hörsaal. Dr. B. Donath: Das Auge in phvsilnlischer Beziehung. Jnvalivciistrasio l»7/(iL. Stern« warle. Täglich geöffnet von 7 bis U Uhr. Ächiller-Tlaeater. Schiller-Theater O. (Wallner-Theatcr). Mittwochabend 8 Uhr: Die Kinder der Kxeellcnz. Lustspiel in 4 Auszügen von E. v. Wolzogen u.®. Schunlann. Donnerstagabend 8 U h r: Di« Kinder'der Exeellcnz. Freitagabend 8 U b r: Die Kinder der Kxcellcnz. Sehlller-Thoof er X. (Fricdrich-Wilhcliiistädiischcs Tbeatcr) Mittwochnbcno 8 Uhr: Triel.4ee<»«ta. Trauerspiel In ö Auszügen von Karl Gnizlow. Donnerstagabend 8 Uhr Ktfniff liCnr. Freitagabend 8 Uhr: König l.eor. TliaSia-Theaier. DreSdenerstr. 72/7:!. Amt IV 4440. Bcllc-Allianccftr. 7/8. Ans. 8 Uhr. Direktion kvan lleen und glkeeä Lekäntelä. Lentral-Tkeater. Täglich VI, Uhr: Das Schwalbennest. Operctie in'/ Allen v. M. Ordoimcan. � Musik uou Henry Hcrblan. Soniiabcndiiaäml. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung. Halbe Prelle. Der gr- stiefelte Kater. Märchcnspiel mit Gesang und Tanz in 4 Bildern. xuisen-Ihealer!" Abends 8 Uhr: Minna van Barnheim. Neues Theater. Schiffbaucrdamm 4a— 5. Minna von Barnlieln). Anfang VI, Uhr. Morgen: Schwester Beatrix. Sehlachtenlenker. Der Mittwoch u. Freitag: Letztes Gnsljp. von lsaclora Duncan. Donnerstag und solgcnde Tage: Mn Ttiietselier sis ttoehtourist Belle-Älüanee-Tlieater -Amt VI 283. -Ans. Vj., Uhr. Heute zum 170. Male: Der.Hochtourist. lZuiöo Tkisisoher in der Titelrolle. TonncrSiag und solgcnde Tage: tiiötterwclbcr. Cirkus Selittmaiin. Heute Mittwoch, den 17. Februar, abends 7'/, Uhr ZM" Nur»och kurze Zeit?' Um 9 Uhr: DaS einzig u. allein dastcy. Naturwunder « der menschliche LvNIUl, Chitnpanse. Dir. Alb. Schumanns neue und modorno Drsssuron Ä5 männl. Löwen. Eine Wanderung durelj acht Jahrtausende BABEL. IlM-hMWM neater. KöpTlickerstras.se 67. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr 30 Min. GASTSPIEL Ad. Philipp. Ucbern grossen TEICH. Heute: Zum 175. Male: ROkuMkliter Direkiio» S. Laulenbnrg. -Abends V/, Uhr; DkSmpfchUing. Abends 8 Uhr: Der llknschc Cnfimir. Apollo-Tlieater. Abends 8 Uhr: Frühlingsluft 'bÄ Blötenhoctizeit. 9'/.— lt Uhr: Die erstklassigen Specialitaten. Hoher» Steidl. X X Joscarys. Drei Zagas. X X Morris Cronin. Marlin Kettner. X stuartott Legay. M?- 10'/, Uhr:»M« ??> Sordini« f f der Mann mit den Wundermuskeln. Messlers Kosmograph. Neue Bilder. Sonnlag, den 21. Febr., nachm. 3 Uhr: |jy»l«trata. Metropol-Thealer DoiihlaiM WM! Ausstat tungsposso mit Gesang. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonnabend, den 20. Februar: DL u. Urania. Taubenstr. 49/49. Um 8 Uhr im Theater: Der Erdball als Träger des Lebens. Um 4 Uhr: An den Seen ObcrltaUenw. Hörsaal 8 Uhr; Dr. B. Donath: Das Auge in physikalischer Beziehung. Sternwarte JTÄ ' CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Ein Naturwunder: Die bildschönen Herkules- Brüder Der Indianer-Rlc.c Hlanko Karoo. Kleines Tlieater. Unier den Linden 44. Nachtasyl, Carl Weiss-Thealer. Graste F/raiikfurter Strohe 133 Nachmittag 4 Uhr, flcinc Preise: 10, 25, 40 Pf. 3(1)»(er- Vorstellung Die Jungfrau von Orleans. Trauerspiel in 5-Akten v. Fr. v. Schiller. -Abends 8 Uhr: Der Bettelstudent von Berlin. GesangSpoffe in 5 Bildern v. G.Braun und H. Busse. I Direktion: Robert Dill. BrnnnensifraHMe 16. Heute wegen Privalscstlichlcit nr geschlossen. DonneiSiag: Elite-Borstel! ung: Die Dame in Trance. Volksstuck. Anfang 8 Uhr. Morgen; KIcktra. Trianon-Theater. Georgenstraffc, zwischen Friedlich. und UniversitälSstraffe. Madanre I. Ansang 8 Uhr. Soiintagnachmittag:„Bisectie." Passage-Theater. Anfang Sonnt. 3, Wochentags 5 Uhr. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Die neue Sensation Berlins; To To der mysteriöse Zitherspieler. Fred Edlawi der beste Verwandlungskünstler. 14 erstklassige Nummern. Kebrlidcr Herrnfeld- Anfang Tf-iAafAt* SanntagS 8 Uhr.»IlCaiCr. 7 Uhr. Die anerkannt erfolgreichste Novität Wr eine Kacht! 2 Akte aus einer Ehe. Komödie von A. und D. Herrnfeld mit den Prochtsigurc» Willi Waldheim... Donat Horrnfeld. Tuschek....... Anton Herrnfeld. Damfaitsch...... Ferd. GrOnecker. Ferner: DaS neue Fcbrnap- Kfln«tler-Ppo|rranm. Lyrico• Quartett. Ftalicnitchcs Opern« Ensemble. S Schwestern Longonells in ihre» Oiig.-Gesängen u. Tänzen. Marka Freya.— Hilda Stadthagen. SsnÄix als„ZKsnns Vsnna". Vcrvcrkans 11— 2 Uhr. Trödels Mlerlei-Thealer fr. Puhlmann, Schönhauser Alle« 148. Gastspiel der Freien Vereinigung für Litteratur und Kunst. Meeres und der Liebe Wellen. Trauerspiel in 5 Akten. Nach der Vorstellung: Fpcltaa«. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Pj. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraffe 58. Mittwoch, den 17, Februar: Minna von Barnheim, Ein Lustspiel in 5 Aufzügen von G. E. Lessing, IM--Ansang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: {grosser Ball. Freitag, den 19. Februar: Rössners Zauber-Soiree. Palast-Thealer Burgstraste 33« früher Feon-Palast. Heute abend S'/, Uhr: Benefiz für den Regisseur Hans Vilain: Goldener Bode«. Posse mit Gesang in 4 Allen v. Elh und Weyel. Muiik von Fr, Brandl. Einmaliges Gasiipicl der beliebten Soubrette Elsa Kr a s s t vom-Adolf Ernst-Thtater. Hugo Stoppcnberg, Registrator a. D.: Hans Vilain. Friederike Scngcbusch, Fnhabcrin eines Budikcrkcllcrs: Elsa K r a s f 1. Nach der Vorstellung: Familien- Tanzkränzchen ohne jede Nachzahl. Vorher Konzert und Austreten neucr erstNastiger Speciaiitälen. Dauerkarlen haben Gülligkeit. Morgen abend: Goldener Boden. CasZuo-Theater, Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/, Die komische Operette t Die Girkusfee. Solch.: Das glänz. Februarprogramm. Sonntagnachm. 4 Uhr: Vertauschte Sohn. —•6666»6»»—— iiGermaniaPrachtsälei > Chaussecstr. 103. Arnold Scholz.< Jeden Mittwoch: Ä 1612! S* tr! s n i Ansang 6 Uhr. Entree 30 Pj. Vorzugskarten haben Gültigkeit. «»»»»«»« XLnigstsüt-Xaswo Holzmarktstr. 72, Ecke Atexanderstraffe. Täglich: Fcanx Sobanski. Ifen! The Byrons, Flimm u. Flumm, Eugen Nigthon. Die Fcbrnar-Specialitätcn. «...! Der Oiilitl koniint. R«.- Nach der Vorstellima: MiltwochS, Sonnabends u. Sonniags: Tanz. - IX. Berliner Saison.»» Cirkus Busch. Nur noch einige Male: Mrurider-Dre»»iir des Mr. Richard Sawade mit seinen wlldeu Xönijistipru. Herr Burkhardt-Foottit aus Ncapo- litano Soja. Lippizaner Hengst von Neavolitano Trompeter a. d. Soja v. Pluto. Gr. Schnlguadrillc, geritten mit 12 Sch.ilpjerden. Zun. 56. Mole: IuZ cksn Alps«. V c in e r k c n s w c r t: Der Hutomobilsturz. Linien- Oranien- Strasse 132 burger Thor, j US?- Riesenerfolg Ans teure Vnterljnus. Drainolct von Fritz Steidl. Bollständig neues Programm.| Mähr Malzkaffee bestes und Nahrungs����, Genussmiitel Ceylon U�'-ychKaffeeersafz Ccvlon- malzkaffee u. Kakfeii Suirosatfabrik Riihrsdorf'-C'hpiiinltz. 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'Allen Freunden und Bekannten D zur Nachricht, daff meine innig- geiiebie Frau und sorgsame Mutter, Frau 1852b Marie Gadke geb. Gantaw. am Moniaguachntittag 3'/, Uhr nach langem, schwerem Leiden im 48. Lebensjahre samt entichlafen ist. Um stilles Beileid bitten die trauernde.. Hinterbliebenen H. Gadke nebst Sc hu. Die Beerdigung sindet am ToiinerSIagnnch.nittag 4'/, Ukn ans dem Heilig Kreuz- Kirchhos, Mariendors, statt, Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichenKranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben WanneS, des Zisd)lcrs Eörstei' und für die A.isn.erliamkeit seitens seiner Freunde und Kollege» wäbrend ieincr Krankheit, jerncr dem Deutschen Hoizarbeiter-Bcrband sowie alle» Ver« wandte» und Bekannten sage ich hiermit meinen herzlichsten Tank. Die trauernde Witwe E. Förster 1857b nebst Kindern. Danksagung. Allen Verwandten. Freunden und Bekannten, insbesondere dein Herrn ZLaldeck Manasse für die trostwlrkenden Worte am Grabe, sowie dem Herrn Ehes, den Büglern und Arbeitermnen der-ArbcitSstube des Herrn Paul Friedländer, ebcnio den Genossen des 517. Bezirks des Soeialdemokratiichen Wabloereins im 6. Berliner Reichstags« ivahikrcis: auffcrdcm meinen Arbeits- kollegcn der Firma Karl Hauer, Neu- bau Museum, sür die zahlreichen, ichöncn Kranzspenden und bewicicnc Zeiinabme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter slS96b Kiumu Rclckardt, sage ich hiermit herzlichsten Dank. Fritz Reiohardt nebst Kindern. Tanksaaung. e vielen Bei Für die vielen Beweise herzlicher Tellnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unsres guten Vaters sagen wir allen Freunden und Verwandten iowie dem Wahlverein, dcni Eenttal-Lerband der Zimmerer, iowie der Central> Kranlen- und terbckasse derselbe» unscrn aus- richtigsten Danl. 42LIL Biiiwc �lai-I« Stv«.»«» nebst Kmdern. BoktaTbak! Sumatra, seinbraun, tadellos bren» uciid. Vollblatt, gröffie Dccklrast, per Pjund nur I.liS Mk.. empfiehlt Uai-l lkolaiid. 84«., Za Kottbuscrstraffe Nr. Za. LttKitw. Redakteur: Julius Kuliskir Berlin. Zur den Jnleratenteil verazitw.: TK. Gleckkt Berlin. Krück».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Lerlagsanjtalt Paul Singer& Co,, Berlin SW, r. 40. 21. 3. WM Ks.Amiiits" Aerlim VsIksblM Mitwoch, 17. Februar IM. Versammlungen. Eine öffentliche Bcrsammlnng der Kleber(Tapezierer) fand am Tonnerstag bei Feuerstein statt. Sic hatte den Zweck, über die «Situation im Äleberberuf und die Mittel zur Besserung der im Laufe des verflossenen Jahres wieder arg heruntergekommenen Lohiwerhältuisse zu beraten. Der Referent S t r a s s e r vom Kleber- verein gab eine Ucbersicht über die bisherigen Lohnbewegungen der Kleber. Die erste Bewegung im Jahre 1900 wurde mit Begeisterung durchgeführt und hatte grossen Erfolg. Es wurde ein günstiger Accordtarif sowie ein Minimalstundenlohn von 00 Pf. festgelegt. Leider gingen diese Vorteile, als die Konjunktur abflaute, nach und nach wieder verloren, so dass im Jahre 1902 für denselben Accord- tarif mit geringen Modifikationen wieder in den Kampf getreten werden musste. Auch diese Bewegung hatte guten Erfolg. Aber iviederum hat es sich herausgestellt, dass die errungenen Vorteile infolge der Lauheit und Gleichgültigkeit der Arbeiter zu einem grossen Teil wieder verloren gegangen sind, dass in vielen Geschäften die Preise des Accordtarifs von 1900 nicht mehr bezahlt werden. Eine Bautontrolle hat ergeben, dass für Arbeiten, die im Tarif auf 20 bis 30 Pf. berechnet sind, nur 18 bis 20 Pf. bezahlt werden, für die auf 33 Pf. bis zu 1 M. berechneten teilweise nur 23 Pf. Die Baukontrolle hctf aber auch ergeben, dass die Konjunktur für das Klebergewerbe keineswegs so ungünstig ist. dass die Kleber sich diese Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen gefallen lassen müssen. Es wurden viel mehr Neubauten gezählt, als vor der Lohnbewegung von 1900, und wenn es sich auch jetzt meist um geringere Bauten handelt, bei denen die Klcbcrarbeitcn weniger Zeit erfordern, so ist doch nach Meinung des Referenten mindestens soviel Arbeitsgelcgen- heit Vorhemde» wie damals. Eine allgemeine Lohnbewegung hielt jedoch der Referent, der seine Vorschläge in der unten abgedruckten Resolution zusammenfasste, aus taktischen Gründen nicht für empfehlenswert.— Hatte sich der Referent streng an die Tages- ordmmg gehalten und jedes Eingehen auf den Streit um die Organisationsform vermieden, so kam cS dennoch in der Diskussion leider zu langen und unfruchtbaren Auseinandersetzungen zivischen den im Tapeziercrverband und den im Verein organisierten Klebern. Mit den praktischen Vorschlägen des Referenten Ivaren jedoch die Vertreter beider Richtungen einverstanden. Folgende Resolution wurde angenommen: „Die öffentliche Versammlung der Kleber Berlins und Um- gegend erklärt: Da das Resultat der Baukontrolle beweist, dass die Preise für Kleberarbeitcn in den meisten Fällen nicht mehr den in den Tarifen von 1900 und 1902 aufgestellten Bedingungen entsprechen, sind die Preise unbedingt wieder herzustellen. Die Versammlung erklärt ferner, von einem allgemeinen Streik absehen zu lvollen; aber die Kollegen, welche die Tarifpreise nicht er- halten, sind verpflichtet, in den Betrieben, Ivo die Mehrzahl der beschäftigten Kollegen für die Stellung von Forderungen stimmt, in die Lohnde lvcgung einzutreten. Bevor jedoch Forde- rungen gestellt werden, nniss unbedingt die Organisations- leitung benachrichtigt lv erden, tim planlosen Arbeits- cinstelllmgcn vorzubeugen. Tie Anwesenden verpflichten sich, dafür Sorge zu tragen, lvss die Orgmiisation in der gegenwärtigen Saison derartig gestärkt und ausgebaut wird, dass in kürzester Zeit für Neuregelung unsrer Lohn- und Arbeitsbedingungen eingetreten Ivcrden kann. Die Versammelten verpflichten sich ferner, die in die Bewegung eintretenden Kollegen materiell und moralisch in jeder Beziehung zu unterstützen. Jede der beiden Organisationen unterstützt ihre Streikenden selbst." Der Verband der Friscurgehilfen beschäftigte sich in seiner letzten Generalversammlung mit dem Jahresbericht des Vorstandes und Neuwahl desselben. Den Vorstandsbericht gab Bolljahn. Es fanden statt: 40 Vorstands-, 10 Bezirkssitzungen und3Bezirlskonferenzcn. ferner 14 Mitgliederversammlungen, 4 ordentliche, 7 ausserordentliche Generalversammlungen sowie 4 öffentliche Versanimlungen. Vor- träge Ivurdcn 13 gehalten. Die Mtgliedcrzahl hat sich um 30 vermehrt. Durch fortgesetzte Veröffentlichung asser derjenigen Geschäfte, welche den Forderungen der Organisation entsprechen, im„Vorwärts" und durch Flugblätter wird und ist erreicht,' dass die Zahl der be- willigenden Geschäfte allmählich grösser wird. Auch die im „Borioärts" erlassene Aufforderung an die Arbeiter, auf die Kontrollkarte zu achten, hat einen Einfluss ausgeübt. Der Vorstand hat sich an die Vertrauensmänner Berlins und Umgegend gewandt mit der Frage, wie sie dazu stehen, dass in den Wahlvereinen Arbeitgeber organisiert sind, ohne organisierte Gehilfen zu beschäftigen, und ob sie bereit seien, dagegen geeignete Schritte zu thun. Die Vertrauensmänner antworteten ablehnend. Der Vorstand wird aber weiter init dieser Sache sich beschäftigen müssen. Auf die Erringunp der Freigabe der drei zweiten Feier- tage wird fortgesetzt hingearbeitet und eS ist Hoffnung vorhanden, daß in diesem Jahre ein Erfolg hierin zu verzeichnen ist. Der Einfluss des Verbandes hat sich bedeutend vermehrt dadurch, dass seine Mitglieder an den Arbeiten des Gewerbegerichts und in der Verwaltung der Kranken- lasse beteiligt sind. Die Missstände, welche bei Arbeitgebern vor- lagen, wurden zum größten Teil durch persönliche Rücksprache beseitigt, auch war der Vorstand gezwungen, über mehrere Geschäfte die Sperre zu verhängen, die jedoch bald nach Be- willigung der Forderungen wieder aufgehoben wurde.— Den Kassen- und Arbeitsnachweisbericht gab W e r m k e. Die Ein- nahmen betrugen 2273,02 M., die Ausgaben 2095,11 M. An die Hauptkasse wurden 1000,05 M. gesandt, so dass ein Bestand von 178,31 Mark verblieb. Dem Kassierer wurden 10 Marl Manko bewilligt und Decharge einstimmig erteilt. Der Arbeitsnachweis weist folgende Frequenz auf: Angemeldet 1093 Ge- hilfen-Gesuche, davon feste Stellen 230, Aushilfe 1443. Nicht besetzt konnten werden 72 Stellen wegen zu niedrigen Lohnes oder sonstiger Mängel im Arbeitsverhältnis. Leider mußten 43 Gehilfen wegen rückständigen Beitrages ausgeschlossen werden.— Die Neuwahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vor- sitzender Schobert, 2. Vorsitzender Schwanebcck, 1. Schrift- führer M o r a n z, 2. Schriftführer Breitfeld, Kassierer W e r m k e, Beisitzer L i e r e und Linke, Revisoren Wille und F r e y e r, Bibliothekar L a n g n e r und ArbeitsnachweiS-Vorsteher Wermke.— In das Agitanonskomitee wnrden fitere. Bollahn, Moranz und Dreißig gewählt. Die letzte Mtgliederverfammlung des Verbandes der Textil- arbeiter(Filiale Berlin I) nahm zunächst die Abrechnung vom 4. Quartal 1903 entgegen. Dieselbe ergab inklusive des alten Be- standeS eine Einnahme von 2072,44 M. und eine Ausgabe von 1001,42 M. Bestand am Schluß des Quartals 471,02 M. Die Jahreseinnahme inklusive Bestand vont letzten Quartal 1902 betrug 5514,38 M., die Ausgabe 5043,30 Ml, der Bestand am 31. Dezember 19(3 war 471,02 M. Die Entlassung des Kollegen Cummarnitzki von feiten der Firma F e i b i s ch wurde als Massregelung anerkannt und demselben die Gematzregeltenunterstützung zugesprochen. Als Vorsitzen der wurde E. Last wiedergewählt. Zum Punkt General- Versammlung teilte der Vorsitzende mit, dass laut Beschluß der Vor- stände Berlins die Delegiertenwahl am 6. März, vormittags 10 Uhr bis mittags 1 Uhr, bei Bkerkowski, Andreasstr. 20, und bei Wittschel, Alte Jakobstr. 00, mittels Sttmmzettcl stattfindet. Die Mitglieder können in dem ihnen am nächsten liegenden Lokal wählen, ganz gleich, zu welcher Filiale sie gehören. Als Legitimatton und zwecks Em- tragung des Vermerks, daß sie gewählt haben, ist das Mitgliedsbuch vorzuzeigen. Als Kandidaten sind von Filiale I E. L a st, Filiale II S i l b e r st e i n. Filiale III Letzte n aufgestellt. Die Ver- fammlung erklärte W hiermit einverstanden. Ferner wurden noch eine Reihe vom Borstand und den Berttauensmänncrn ausgearbeitete Anträge sowie eine Resolution beraten und angenommen, und be- schlössen, dieselbe der zu Ostern stattsindrndcu Generalversammlung zu unterbreite». Mit dem Heimarbeiterschub-Kougrcß beschäftigte sich ain Mitt- woch eine öffentliche Versammlung der Tabalarbeitcr und-Arbeite- rinnen. Den einleitenden Vortrag hielt Reichstags-Abgeordnetcr F ö r st e r- Hamburg. Er führte unter anderm aus, daß die zum Schutz der Tabakarbeiter erlassene Bundcsrats-Verordnung die Heim- arbeit gefördert haben, denn die Verordnung bezieht sich nur auf Fabriken, und um sie zu umgehen, sind die Fabrikanten mehr und mehr zur Ausnutzung der Heimarbeit übergegangen. So lvird in gewissen Gegenden Westfalens. Badens, Thüringens und des Harzes die Heimarbeit in der Tabakindnstric in ausgedehntem Müsse be- trieben, und die in der Heimarbeit Beschäftigten leben und arbeiten unter den elendesten Verhältnissen. Die Tabakindustrie gehört also zu denen, die des Heimarbeiterschutzcs dringend bedürfen.— Nach dem beifällig aufgenommenen Bortrage teilte Börner mit, daß die mit den Vorarbeiten zum Kongreß betraute Kommission der Tabak- arbeiter statistisches Material über die Zustände in der Tabakindustrie gesammelt hat. Dasselbe wird durch die Kommission bearbeitet und den Delegierten zur Besprechung ans dem Kongreß übergeben.— Als Delegierte wurden Börner, Butry und Kiesel gewählt. Tie Posamcntiere nahmen in ihrer letzten regelmässigen Mit- glicdcrversammlung die Berichte vom vergangenen Jahre entgegen. Im 4, Quartal betrug die Einnahme 908,02 M., die Ausgabe 652,01 M., bleibt Bestand 253,41 M. Die Einnahme für das ganze Jahr betrug 2504,83 M., die Ausgabe 2349,42 M., bleibt Bestand 255,41 M. Im Reservefonds betrug die Einnahme 1537,83 M., die Ausgabe 120,30 M., bleibt Bestand 1417,53 M. Dann erfolgte die Wahl der verschiedenen Kommissionen. Zwei Anträge sollen der Generalversammlung zu Hannover unterbreitet werden: 1. Auf je 500 Mitglieder einen Delegierten zu wählen. 2. Als Entschädigung für die Delegierten folgende Norm festzusetzen: Fahrgeld 3. Klaffe, Rctonrbillet. Als Rcisespescn 4 M. für einen vollen, 3 M. für einen halben Reisetag, dann pro Sitzungstag 8 M. Ein Antrag auf Gaueintcilung wurde abgelehnt. Am Sonntag, den 0. März, vormittags von 10— 1 llhr, findet bie Wahl eines Delegierten zur Generalversammlung statt. Aufgestellt sind Last(Filiale I), Silberstein(Filiale II), Letzten(Filiale III). Charlottenbnrg. In der Vereinigung der Maler, Lackierer, Anstreicher usw. wurde in der am 10. Februar abgehaltenen Generalversammlung nach dem Jahresbericht des Vorstandes, der günstig ausfiel, dte Neuwahlen der Ortsvcrwaltung vollzogen. Als Bevollmächtigter�»nu de F l e m m i n g, als Kassierer Franz D r ö m e r t, als«Schriftführer T a a p k e n und als Beisitzer Jäger und R e b c l gewählt. Zu Revisoren wurden Paul Hamann und Scheuerbrandt getvählt. Als Hauskassierec treten Schwerdtfeger, Grützbach, Hamann, Hilde- brau dt, N c n h a u s, T a a p k e n und R o s e b r o ck in Funktion. Zum Leiter der Wilmersdorfer Zahlstelle wurde Andreas Köhler wiedergewählt.— Ter Jahresbericht von der Thätigkcit der Gewerkschaftskominissio» wurde von I o st gegeben, der am Schluß auf die Bedeutung der am Dienstag, den 23. d. Mts., statt- findenden Arbcitslosen-Zählung besonders hinwies. Zu Delegierten in die GcwerkschaftSkommission wurden hierauf I o st und Flemming gewählt.— Tie Bedeutung des am 21. d. Mts. in Nauen stattfindenden Provinzialtages für die Provinz Brandenburg wurde von Flemming kurz hervorgehoben, worauf die Ver- sammlung einen Antrag annahm, der besagt, dass in Zukunft von fetten der Agitationskommission darauf zu sehen ist, die rede befähigten Kollegen in! den einzelnen Orten, zur Agttation in der Provinz zu verwenden. Die Wahl von zwei Delegierten zum Provinzialtag fiel auf die Kollegen Flemming und G r i e tz- m e h e r. Steglitz. Mit einer am Dienstagabend im„Birkenwäldchen abgehaltenen öffentlichen Wählerversantmluitg eröffnete unsre Partei die Agttation zu den bevorstehenden Geineiudcwahlcn. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Borsitzende unserm so früh ver storbenen Genossen R o s e n o w einen warm empfundenen Nachruf und die Versammlung ehrte dessen Andenken durch Erheben von den Plätzen. Genosse O b st- Schöneberg erläuterte hierauf an der Hand unsres Kommunalprogramms die Bedeutung der Gemeinde- Wahlen für die arbeitenden Klassen. Unser früherer Gemeinde- Vertreter Genosse R ap p- Berlin gab eine kurze Uebersicht über seine Thätigkeit im Rathaus und beleuchtete die Wirksamkeit der bürger lichen Mehrheit, welche sich zwar stets als Vertreter der Allgemeinheit aufspielt, jedoch in Wirklichkeit nur die Interessen der Besitzenden vertritt, wie Redner an der Hand von verschiedenen Beschlüssen der Gemeindevertretung beweisen konnte. Daß auch die Vertreter des Mietervereins in Fragen, wo es galt, Interessen der Minder- bemittelten zu vcrtteten, in holder Eintracht mit der Mehrheit sttmmten, müsse besonders festgestellt werden, um der Arbeiterfchaft zu zeigen, daß sie sich nur auf sich selbst verlassen könne.— In der Diskussion wurde u. a. die Geschmacklosigkeit unsres Gemeinde Vorstehers B u h r o w gekennzeichnet, welcher es sich in seiner Festrede zu Kaisers Geburtstag nicht verkneifen konnte, zum Kampf gegen den„inneren Feind" aufzufordern und uns mit dem irgendwo auf- gelesenen Worte„Vaterlcmdsfeinde" zu regalieren.— Mit einem kräftigen Appell an die Versammelten, die kurze Zeit zu regster Agitation auszunutzen und am Wahltage Mann für Mann den Arbeiterkandidaten die Sttmme zu geben, schloß der Vorsitzende die gutbesuchte Versammlung._ Eingegangene Druefcrdmftm Bon den„Dokumenten des Sockalismus", herausgegeben von Ed. Bernstein,(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 2. Hest deS IV. Bandes erschienen. AuS dem Inhalt des HesteS heben wir hervor: Kritische Bibliographie des Socialismus. In deutscher Sprache. Arbeite- rinnen. Was fordern die Arbeiterinnen Oestrcichs?— Bauarbeiterschutz.— Gewerkschaftliche Organisations- und Lohnpolitik der deutschen Metallarbeiter. Von Dr. Ludwig Cohn.— Eisenbahner. Wir klagen an!— Nieder mit dem Privilegienparlament. Von Dr. Wilhelm Ellenbogen.— Ausgewählte Märchen. Bon K. Ewald.— Lehr- und Lesebuch der Nationalökonomie. Von Franz Fiedler,.Handelslehrer in Aussig.— Gewerkoereine.— Panideal. Bon Rudolf Solzapsel.— Kant. Sein Leben und seine Lehre. Von Dr. M. Kronenberg.— Kommentar zur Gewcrbe-Ordnung sür das Deutsche Reich. Von Dr. Robert v. Landmann.— System der Ethik mit einem Umriß der Staats- und Gesellschastslehre. Von Friedrich Paulsen.— Unser System. Von Arnold Rüge.— Socialdemokratie. Protokoll über die Ver Handlungen in Oestreich. Die Arbeitersrage Finnlands. �„ der letzten Reichstagswahlen. Von Georg v. Vellmar.— In englischer Sprache: I-abour anck Protection.— Social-Democraoy and the ZoUverein. Bon H. W. Lee.— Tbc ZoUverein and British Industry. Von Ö. Macdonald.— In italienischer Sprache: Alle Madri Italiane. Von Leda Rasanelli.— La Decadenza delle nazioni Latine. Von Giuseppe Sergi. AuS der Geschichte de? SocialiSmus. Eine exklusiv proletarische Bewegung in Italien im Jahre 1883. Von Dr. Rob. Michels.— Aus einer Enquete über die politischen Disterenzen des heutigen Socialismus.— Ein Notenwechsel aus dem Jahre 1872 zwischen der spanischen und der englischen Regierung über das Asylrecht von Mitgliedern der Internationale. Urkunden des Socialismus. Die Initiativanträge der sociatdemo- kratischen Fraktion des deutschen Reichstags in der zweiten Lealslaturpenode. — EM Maniseft des englischen Socialdcmokralischcn Bundes über den Chamberlainschen Zollbundplan.— Die wichtigsten principiellen Beschlüsse des Gesamtparteitages der Socialdemokratischen Arbeiterpartei in Oestreich. — Ein Aufruf des Internationalen Socialistischen Bureaus gegen das Lynchsystem. Der Socialismus in den Zeitschristen. Die„Dokumente des Socialismus" erscheinen monatlich einmal und jind durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 2,25 M. pro Quartal zu beziehe». Das einzelne Hest kostet 75 Pf. In der Zeitungsproislistc der Postanstalten sind die„Dolmnente" unter Rr. 2200 cingclragen, jedoch ist bei der Post nur Ouartnl-Abonnement zulässig. „Der Arbeitsmarkt", Halbmonalsschrist der Eeniralslcllc sür Arbeits- marli-Berichte(Herausgeber Dr. I. Jastrolv, Berlin, Verlag von G. Reimer). Die als Organ des„Verbandes deutscher Arbeilsnachweise" erscheinende Zeitschrist enthält in Rr. 10 des 7. Jahrganges unter anderm: Rundschau über die Lage des Slrbcitsmarktcs.— Allgemeines: Arbeilsmarkt und Handelsbericht. Bericht der Aellesten der Äausmanuschast von Berlin.— Arbcitsmarrl-Politik: Bestrebungen gegen Sachsengängerei in Rußland und Galizien.— SituatioiiSberichte aus einzelnen Gewerben: Gärtnerei iTarisgcmcinschast in der.Handelsgärtnerei); Bergbau(Absatzstockung im Januar. Verlängerung der Schichtdaucr im Ruhrrevier): Metalle und Maschinen(Bcschästigungsgrad in einzelnen Branchen des Maschinengewcrbes. Arbeitsverhältnisse in der Berliner Metallindustrie); Textilgemerbe(Nach- srage nach Webern in der Wollbranchc. PrciSttciberei in Baumwolle. Modewechsel und weidciigeiverbc); Nahrungsmittel(Lchrlingsverhältnisse im FIcischergcwerbe).— Siluationsbcrichte aus Plätzen und Ländern: Rhein- land-Westfalen.— Konstanz.— statistisches Monatsmaterial: Wetter« bericht.— Arbeitsnachweise.— Strcikvcrzeichnis sür Deutschland, Oestreich- Ungarn, Schweiz.— Verwaliung der Arbeitsnachweise: Der paritätische Arbeitsnachweis in Oestreich. Von H. Fehlinger.— Etatsposition sür Förderung der Arbeitsvermittclung und Rechtsberatung in Preußen.— Stand des Arbeitsnachweises im Satllergewerbe.— Verbot der Arbeitsvermittclung für kontraltbrüchige Arbeiter.— Lchrlingsvermittclmig am Cciitral-Arbcitsiiachwcis in Berlin.— Arbeitsvcrmittclung des Volks- Heilftättcn-Vereins vom Roten Kreuz in Berlin.— Litterarische Neuerscheinungen.— Beilage: Mttgliedcrliste deS Verbandes deutscher Arbeits- nachweise nebst zahlenmäßige» Angaben über Januar 1904. ßnefftaften der Redaktion. K. ft. Baumschulenwcg. Der Artikel eignet sich nicht zur Ausnahme. — Müller. Ihr sächsisches Zwcithalerstück von 1854 ist nicht mcbr gültig; wir glauben nicht, daß ein Antiquar Ihnen viel mehr als den etwa 3 M. ausmachenden Silbcrwcrt dafür geben wird. �furirtifchcr Ceti. Tie juristische eprechsillilde findet täglich mit Ausnahme de? Sonnabends von?-/- bis»hr abends statt. Geöffnet:? Uhr. Genosse Geust. 1. Ausländische Lose zu spielen ist strasbar. 2. Sind Jnvalidttätskartcn in Verlust geraten, so �beantragen Sie bei der Polizei Ersatz durch Ausstellung neuer. 3. In RcgcnSburg nein. 4. Ccntralverband der HandlungsgeHilsen und-Gehilsinnen Deutschlands, Hauptvorstmid M. Josephsobn. Hamburg, ValentinSkamp 92.— O. K. 101. Wenden Sie sich an die Gcwcrbcdcputation Ihres Wohnorts.— T. 30. 1. Wenn die freie Hilsskasse den Ansorderungen des H 75 des K.-V.-G. genügt: nein. 2. und 3. Nein.—«. Sch. 2. 1. Doch. 2., 3., 4. Die Klage und Strasantrag erscheinen aussichtslos. 5. Zur.Klage wohl, nicht aber bei der Stellung des StrasantragcS. 0., 7., 8. Nein. Ihnen steht ein Anspruch aus Rente gegen die Berussgcnossenschast zu.— 0000. Nein. — A. B. 00. Sic konnten nur gegen den Kunden und den Aussteller den Wechsel civilrechtiich einklagen. Anlaß zu einem strasrechtlichen� Einschreiten liegt, soweit ersichtlich, nicht vor.— Produktiv-Fischer,«soweit ersichtlich liegt keinerlei Forderung vor, weil die Hingabe der Waren usw. nicht mit der Absicht Entgelt zu erhalten, crsolgte. Eventuell würde zu kompensiere» sein. Verjährung läge noch nicht vor.— Sämann. Es ist Beides zu zahlen.— 100. F. R. In der Regel verjährt ein Schadens« ersatzansprnch innerhalb drei Jahren.— E.<3. In W. R. L. Die Kirchen- synoden und dergleichen setzen die Kirchensteuer fest. Keineswegs können Kinder wegen Nichtzahlung der Kirchensteuer aus der Schule ausgeschlossen werden.— B. O. SP. 1. Sie sind nicht verpflichtet, über Dinge Auskunst zu geben, die Sie schädigen könnten. Sollten«sie vorgeladen werden, so lehnen Sie cinsach die AttSkunst ab. Strafe, Hast oder dergleichen ist aus- geschlossen. 2. Es ist selbstredend, daß ein Zeuge nur solveit Aussagen macht, als er sich entsinnt. Ein das ausdrückender Zusatz zur Eidcssormcl ist aber unzulässig.— W. W. I. und 2. Ja. 3. Nein. — A. B. 100. Es ist möglich, daß die Kosten von Ihnen gesordert werden: der Wirt hat sie zu ersetzen.— A. P. 35. 1. Wenden Sic sich mit einer Beschwerde an die Versicherungsanstalt. 2. Der Metallarbeiter- Verband.— H. Neumeistcr. Leider könnten Sie nur bei der Berufs- gcnossenschast Vorschußzahlung beanftancn.— 100. R. F. Leider wäre eine Klage ersolgsos.— Schaarschmidt. Sie müssen in beiden Fällen suchen, sich mit dem Gläubiger zu ciingen. Sonst kann er die Zwangs- Vollstreckung zu Ende führen.— Z. Köpenick. Die Großmutter sollte sich eine neue Ausfertigung deS Testaments aeben lassen. Liegt kein Testament vor, so ersotgt gesetzliche Erbsolge.— 115 B. I.Ja. 2. Nein.— A. W. 40. 1., 2. u. 3. Ja.— N. B. 175. Die Leute sind nicht verpflichtet, vor Ende ihrer MietSzeit die Schlüssel abzuliefern. Wegen Instandsetzung der Wohnung müssen Sie sich an den Wirt wenden, der im Vertrag daS Reparaturrecht sich vorbehalten haben wird.— W. M. 100. Nein. —<£. K. Urbaustroste. Nein.— E. K. 00. Ohne Kenntnis des Wort- lauts des Vertrages sind aus diesen bezügliche Fragen nicht zu beantworten. — Mnnchebergerstr. 38. Die Gewerbesteuer, Hausierstcucr u. dergl., ist sür jeden einzelnen Staat zu zahlen.— O. B. 10. Eine Klage, auch eine Widerklage ist formell zulässig, hat aber nach Ihrer Darlegung recht wenig'Aussicht aus Ersolg.— F. 9t. Um Wöchncrinnengeld beanspruchen zu können, muß, falls das Kassenstatut nicht weitergehende Rechte gewährt, die Wöchnerin ununterbrochen sechs Monate hindurch vor der Entbindung einer Kasse angehört haben.— F. M. 1. Der Antrag aus Zwangsverkaus erbtcilungshalber, kann an das Gericht gestellt werden. 2. Die Kosten können aus etwa tausend Mark zu stehen kommen.— H. W. 97. Leider giebt cS wenig Schutz gegen solche Uebergriffe. Wenden Sie sich an die Schuldevutation. — P. H. 10. Von der Waisenanstalt und vom Vormundschaftsgericht würde Ihnen, soweit dies aus den Alten möalich, Auskunst gegeben werden. 2. Sie können Einsicht in die VormundschastSaktcn beantragen. Ihren Großvater mütterlicherseits würben Sie beerben, wenn Ihre Mutter vor Ihnen stirbt. 3. Den Versuch können Sie machen. 4. Sind sie zur Zeit der Gestellungsorder krank, so teitenSie dies der Behörde mit, die Ihnen die Order zugesendet hat.— E. W. 83. Ihr Mann ist zur Zahlung verpflichtet. — Exmission. Die unentbehrlichen Gegenstände sind dem Schuldner und Mieter zn belassen. Welche Gegenstände unentbehrlich sind, ist von Fall zu Fall— im Streitsall durch das Gericht— zu entscheiden.— S. 30. Da Sie unterschrieben haben, sind Sie an den Vertrag gebunden, müssen die Waren bezahlen. Im Fall der Klage tonnte alles gepsändet werden, nicht nur die gekaufte Ware. Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen des �Weizen, gut D.-Ctr. „ mittel gering Moggen, gut unttel gering fGetste, gut mittel gering j-Haser, gut mittel gering Richtstroh Heu Erbsen Speisebohnen Linsen 16,70 16,62 16,64 13,10 13,06 13,02 13,80 12,80 11,80 15,40 14,30 13,30 3.82 7,20 40,00 50,00 60,00 16,66 16,53 16,50 13,03 13,04 13,00 12,90 11,90 10,90 14,40 13,30 12,40 3,30 4,80 28,00 26,00 20,00 am 14. Februar 1904 kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 ig do. Bauch„ Schweinefleisch, Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Ei-r Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 ig per Schock ab Bahn, f frei Wagen und ab Bah». 7.00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2.60 5,00 2,40 3,00 3,00 2,40 1,80 3,00 1.40 15,00 5,00 1,20 1.10 1,00 1,20 1,20 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 WitternugSüberficht vom 16. Februar 1904, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien Etz B S"l M- e a" s 747 NW 750 WSW 750WNW 754 S 755 W 754 WSW Detter v« !- � s» H& 4 bedeckt 2wolkcnl 4 halb bd. Awollig 6!Schnee t bedeckt a -i i L 1 2 Stationen B E 8)— taparanda etersburg Cork Aberdeen PattS m V 756 D 745OSO 747ISO 750 WSW Wetter B-» XV II 5? HS> 2bedeckt IjSchnee Ibedcckt swolkig -15 1 BSettrr-Prognose für Mittwoch, den 17. Februar 1004. Etwas wärmer, veränderlich, vorwiegend trübe mit leichten'Regcnsällea und ziemlich lebhaften südwestlichen Winden. Berliner Wette rbureau. Achtung! Achtung! Mittwoch, den 17. Februar 1904, abends 8Vs Uhr, im„Berliner Prater", Kastanien-Allee 7/9: UoUts-Uer|antmhmg. Tages-Ordnung:„Hnfre Waffen im Befrcinngskampfe des Proletariats". Ncserentin: Genossin Kitvtnt»»«!»- üsmburg. Diskussion. 106/1 81m Donnerstag, den Itt. Februar, spricht Genossin SIeindaeli-Hamburg im»Dwinemünder Gesellschaftshaus", Swinemündcrstr. 42. Um zahlreichen Besuch bittet Dwp Elnbernfer. Trauen! Bixdorf! Morgen, Donnerstagabend 8 Uhr: Oekkentlileke Versammlung in den Bictoria-Tälen, H ermann slrajze 49/50. Tages-Ordnung: Der Hcimarbeiterschutz-Kongrctz. Rcferentin: Frau Emma Ihrer. 232/7 OTi. Event, findet Wahl von Delegierten statt. Zahlreichen Besuch erwartet Die Bertrauensperson. Verband deutscher Karbiere, Friseure u. perückenmacher- Gehilseu. lZuleigverein Viidars.) 286.13 Donnerstag, den 18. Februar, abends 10 Uhr: iVlltg/IlcdSr» Versammlung bei Hoppe, Berlinerstr. 14. Heute Mittwochabend 8'/, Uhr im Gewerkschaftshanse» Engel-Ufer lö: Bertrauensmiinuer- Versammlung sämtlicher Bezirke und Branchen. Tages-Ordnung: Aus der Praxis der Versicherungs- gesche. Reserent: Genosse Hob. Schmidt. Streiks und Differenzen. Verbandsangelcgenhciten. 79/9» Bertranensmannerkarte nebst Mitgliedsbuch legitimiert. Jede Werkstatt entsende Delegierte. Die Ortsverwattung. Achtung! Länssi-vi«! Achtung! Die Bersanmilung findet am Donnerstag wegen der Protest-Bersamm- lungen nicht statt. Nächste Versammlung Dienstag, den 23. Februar, im Gcwerkschaftshause. Der Obmann. r Qoldblondclien Ncrci» fodnlkmokt. Kaft- tt.Sdjanliniitlc Berlins und Umgegend. Freitag, den lg. Februar, nachmittags 5'/. Uhr. im Lokal des Kollegen IVeudt in Pankow, Kaiser Friedrtchstr. IS: Versammlung."�Üf Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Vereins- angelegcnheitcn! u. a.: Kohlcnsäurcsrage. 69/3 Zu zahlreichem Besuch ladet ein _ Der Vorstand. I. 81.: Ferdinand Ewald Charlottenburg. Aewns! jlrbeitslosen-Zählungl wiia' Donnerstag, den 18. Februar, abends 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung im Bolkshause, Rosinenstr. S(gr. Saal). Thema: Die Bedeutung der Arbeitsloscn-Zählung. Referent: Reichstags-8lbgeordncter Holhenbnhr. 202/7 Um zahlreichen Besuch ersuchen Die Arbcitnehmer-Beisiber der Deputation für den städtischen Arbeitsnachweis. .Solidarität' jlrbeiter-fladfalirer- Bund Gan O. Bezirk I. Berlin. Freitag, den 19. d. M., abends 8'/, Uhr, bci Wilke, Brunnenstr. 188: Sezirhs-Versammtimg. Tages-Ordnung: 1. Thätigkeitsbericht. 2. Bericht über Abrechnung des Gau- und Bezirkssestes. 3. Wahl der Kommission sür die Delegiertenwahl zum Bundestag. 4. Neuwahl der Bezirksleitung. 5. 8ln- träge zum Gau- resp. Bundestag. 6. Verschiedenes. Die Bundesgenossen werden ersucht, der wichtigen TageS-Ordnung wegen vollzählig zu erscheinen. 11/11 � n oder Bundes-Mzeichen oder Karte legitimiert. Ble Bezirksleitung. ist die Perle aller alkoholfreien Getränke. Man acht© auf das Etikett in vier Farben. J Nur echt mit dieser Etikette.> Fat. einjetr. Schutzmarke. Alkoholfreies Erfrischungs-Getränk Goldlilonilchen Pat. gesoh. Warenzeichen No. 50734. Ausgezeichnet mit Ehrenpreis und drei goldenen Medaillen. Zu haben in Gastwirtschaften u. mit Plakaten belegten Handlungen. General-Vertrieb: Ernst Krüger, Höchstestr. 28. Dr. Schünemann Svecialarzi für Haut-, Harn- und Frauenleiden, Seydelstr. O. 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Schwartzc, Vorsitzender, Pankow, Breiteste. 3. Hntlee, Schriilsührer, Ederthsti'. 55. Sachons Festsäle Müllerstraffe 136, Ecke Seesttaffe. Sonnabend, den 12. März 1904 ist be- sonderer Umstände halber der Saal frei geworden k _ U fCleine /Inzeigen. _ uchstaben zählen doppelt. AB Anypitxpn f"r d" aä':hst* anzeigen Nummer„ertun in den Annahmestellen für Berlin bis! Uhr, für die Vororte bisl2Uhr, in der Hauptexpedition tlnde/i- slrasse69 bis S Uhr angenommen. Ringschiffchen, Bobbin, schnell näher, ohne 8lnzablung, Woche 1.00, gebrauchte 12,00. Köpnickersttaffe 60/61, Prenzinuersttaffe 59/60 und Große Frantsurterslraffe 43.___ s-98 Rechtsbnreau Pelsch, Brunnen straffe 97. Gerichtsklagen, Straffachen, Eingabengesuche, Raierteilung, j-106" BoIkSfän�?r- Gesellschaft Lewan dowsth, Beusselstraffe 28. Ostern Mattnee frei._+84" ~hste A terden jgk •rlin "M Verkäufe. 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ES wird jeder dringend gebeten, der den Ausenthalt oder die Arbeitsstätte deS Zimmer- rnanns Paul Kamann weiß, dies sa fort Engel-Ufer 15. Zimmer 32, oder der Polizei zn melden. Kamann hält sich unangemeldet in Berlin aus, vielleicht auf falsche Papiere, denn er hat bis 3. Februar in Schöncberg ge- arbeitet. Kameraden und Arbeitgeber werden ersucht, Meldung an das Polizciburcau Sttalaucrplatz 89 zu machen._ 73/7 Die Beleidigung, die ich gegen Herrn Jost, Fruchtstraffe 18, begangen habe, nehme ich hiermit zurück. Baronski.+49 Vermietungen. ScdlatsteHea» Mädchen mit oder ohne Bett ein- ivohuen. Gafcrt, ZionSkirchstraffc 52. �rbeitsmarkt. Stellengesuche« Humorist straffe 10. öchuicltzer, Rügener- +106" Parteigenosse, 25 Jahre alt, verheiratet, durch Operation verhindert seinem jBcrus nachzugehen, fv' Stellung, Kassierer, Burcaudicner u so weiter, eventuell Kaution. Sebald, Charlottenburg, Pcstalozzistraffc 13. Stellenangebote. Wer Nebenverdienst sucht, verlange Prospekt gratis. H. Wolf, Zwickau, Ncichsstraffe. 1515b Lehrling sür moderne Schilder- maierei, Meyer, Augsburgerstraffe 78. Kolonnenführer. tüchttge selb- ständige Schlosser aus Treppengeländer und Kaukonstruktion finden dauernde Beschäftigung bei R. Blume, Char- lotienburg, Schillcrstraffe 97. fl847b Arbeitskutscher verlangt Wchncrt, GreisSwalderstraffe 92. 115/5 Arbeitcrinneu aus Paletots ver- langt aufferin Hause Sigall, Wasser- thorstraffe 12—13. 1848b Zehn geübte Stepperinnen im Hause(Unterröcke), hohen Lohn, per- längt E. Pfitzner, Rixdorf, Hermann- sttavc 123. 1823b Almosenempfängeri« bei� Kind verlangt Muskaucrstraffe 1t, Seiten- flügcl II. Wolff.+18 Ärbriterinuen auf Kinderkleider verlangt Frau Manthe, Rixdorf, Friedclstraffc 12._+18 Rocknäherin außer dem Hause verlangt Boff, Wrangclstraffc 88.+18 Mamsell» aus Jacketts aufferm Hause, Büge, Schwcdtersttaffe 36.* Im Arbeitömarkt durch »«sonderen Druck hervorgehoben« «»jeigen kosten 40 Pf. pro Zeile. Balkofenbauer findet in Leipzig sofort Stellung. wenn er eine erfolgreiche Thätigkcit im Bau von UnterzuaSösen(sogen. Patenlöfcn) nachweiten kann. Off. mit Lohnansprüchen suh Z. 743 Haasen- stein a Vogler A. B., Leipzig. 184/14 LokalMMklir gesucht für das»Offenbacher Abendblatt*. Durch Uebersicdclung des Genossen Hauschild nach Mannheim ist bei uns die Stelle eines I-oIinl-Hednktenrs zn besetzen. Rur tüchttge und ge« wandte Bewerber wollen sich melden. Solche, die mit den süddeutschen Per- hältnissen vertraut sind, erhallen den Vorzug. 4273L* Offerten find bis spätestens den 24. Februar an den Vorsitzenden der Preffkommission, L,eonh. Kiss- nert, Offenbach a. M., Groffe Marttstr. 1«, zu richten. Acht-e-i.Zlocklirbcitcr! Der Zuzug für Stockarbeiter aller Branchen ist streng fern- zuhalten bei biebniiUing & Bart», Tbüringerstr. 18. 88/9 Pie Ortsverwaltnng. Ächtung, Holzarbeiter! Zuzug ist streng fern zu halten KvMchltta«nd Einsttztm nach bt.- Werkstatt 79/1 Keif, Tciitmincrstraffe und Stralsundcrstrasic._ Möbelpolierer. Die Differenz bei der Firma HendelMobn,«öpnickerftr. 128, ist noch nicht beigelegt. 145/11* Der Borstand des Verbandes. Achtung! Achtung! fiohbtarbkitlingsmaschiien- Arbriter. Bei Hü st er, GreifSlsalder- straffe, stehen sämtliche Maschinen- arbeiter im Streik.— Zazug ist streng fernzuhalten. 75/4* Her Vorztanti.