Nr. 49* Hbonntmcnfs-Bedingungen: Ctormementä- Preis pränumerando: «ierteliährl. 330 SRt, motiolL 1,10 STcf., «vöchentlich 28 Psg. frei WS Haus. «inzelne Nummer 8 Pfg, Sonntags, nummer mit illustrierter Sonntag?- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- «bonnement: 1.10 Marl pro Monat. Singetragen in die Post> ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. 21. Jahrg. Crtdxint tüalld) auBtr Dlontast, Devlinev VolkcSttlAkk. DU InUrtionS'Gcbüljr beträgt für die sechSgespallenc Kolonel- geile oder deren Raum 40 Pfg.. sür politische und gcwerlschaftliche PereinS- und Bersammlungs-Angeigen W Psg. „Ntelne Anreigen". da? erste tkett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben «Verden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittag? geöffnet. Telegramm- Adresse: „SozUliUmokrat Nerltn". Zentralorgan der roziatdemokratifchen Parte» Deutfchlanda. Redaktion: 801. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonnabend, den 27. Februar 4994. Expedition: 80!. 68» �.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Die Heimarbeit und ihre gesetzliche Regelung. n. Die Wirts chaftliche Lage der Heimarbeiter und ihre Folgen. Eine lehrreiche Specialuntersnchung der Berliner Gewerbc-Anf- sichtsbeamten über die Lage der unverheirateten Berliner Fabrik- arbeiterinnen, die in den Berichten für das Jahr 1902 veröffentlicht wurde, hat die vielfach verbreitete Ansicht Lügen gestraft, wonach eine grobstädtische Arbeiterin ohne Familie mit 7 bis 8 M. Wocheneinnahme notdürftig ihr Leben fristen könnte. Die meisten Recherchen führten vielmehr zu dem Ergebnis, daß zur Bestreitung der unentbehrlichsten Bedürfniffe ein regelmäßiger wöchentlicher Verdienst von 10,12 bis 11,62 M., also eine Jahreseinnahme von 526 bis 604 M. erforderlich ist. Erst an solchen Angaben gemessen, ist es möglich, zu einem richtigen Urteil über die traurigen Lohnverhältniffe in der Haus- induslrie zu gelangen. Mit einer Uebereinstimmung, die für die Richtigkeit der Angaben die stchcrste Gewähr bietet, haben die Er- Hebungen der Kommission für Arbeiterstatistik, die Untersuchungen des Vereins ftir Socialpolitik, die Feststellungen des Einigungs- amtS des Berliner GewerbegerichtS. die Enquete des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen ergeben, daß der Verdienst einer in der Hausindustrie thätigen Konfektions- arbeiteriu deutscher Großstädte in den weitaus meisten Fällen 400 M. im Jahre nicht erreicht, und Einnahmen von 200 bis 250 M. durchaus keine Seltenheit sind. Wie sich dabei die Lebens- Haltung gestaltet, mögen einige Beispiele lehren. Eine Berliner Heimarbeiterin mit einem Wochenverdienst von 7 M. gab für ihre Ernährung täglich 50 Pf., für ihre Schlafstelle 1,50 M. pro Woche aus und behielt danach für alle übrigen Bedürfnisse wöchentlich ganze 75 Pf. übrig. Eine Danziger Näherin verdiente 6 M. wöchentlich; ihre Ausgaben ftir Kost und Wohnung betrugen 26 M. im Monat; ihr Budget mußte also, selbst wenn für Wäsche, Kleidung zc. nichts angesetzt wurde, mit einem Deficit von zwei Stark abschließen. Und doch sind diese Bilder noch nicht die düstersten aus dem Leben der Heimarbeiterinnen, denn groß ist die Zahl derer, die nicht nur für sich selbst zu sorgen haben: wie viele müssen die ganze Familie erhalten, wenn Wochen und Monate der Arbeitslosigkeit den eigentlichen Ernährer heimsuchen, oder wenn er ein Arbeitsscheuer oder ein Trunkenbold ist; noch größer aber ist die Zahl der Witwen und eheverlaffenen Frauen mit unmündigen Kindern, die allein auf den Verdienst der Mütter angewiesen sind. Eine Berliner Arbeiterin mit nur einem Kind, die 7 M. in der Woche einnahm, die Miete durch Aftermiete deckte, und ftir die Ernährung nur 35 Pf. pro Tag und Kopf ausgab, behielt wöchentlich für alle übrigen Bedürfnisse von zwei Personen nur 1 M. übrig I Läßt sich angesichts dieser Beispiele das Schicksal derer ausmalen, die mehr Kinder zu erhalten und noch geringere Einnahmen aufzuweisen haben?! Neben der Konfektion ist eS die großstädtische Putzmacherei, Stickerei und Wirkerei, in denen dieselben Lohnverhältnisse herrschen, also nur in den seltensten Fällen das Mindestmaß dessen erreichen, was als notwendig zur Bestreitung des Lebensunterhalts an- genommen wird. Ein besonders trauriges Kapitel bildet noch die Lage der Zinmnalerinnen Nürnbergs: nach einer Untersuchung des Vereins ftir Socialpolitik kann eine geschickte Arbeiterin im besten Fall auf einen wöchentlichen Rcinverdiensl von 4,35 M. rechnen! Giebt eS einen Ausweg aus diesem Mißverhältnis zwischen den Einnahmen und deu täglichen Anforderungen deS Lebens? Den einen berührten wir schon: die Unterernährung. Die deutsche Heeres- Verwaltung hat für die Beköstigung pro Kopf und Tag 1 M. aus- gesetzt, wobei nicht zu vergessen ist. daß sie bei Einkauf im großen und eignem Betrieb viel mehr zu bieten vennag, als das in winzigem Haushalt oder gar durch ein Wirtshaus für dieselbe Summe möglich ist. Die deutsche Industrie gewährt der Heim- arbeiteriu nur eine tägliche Ausgabe von 35 bis 50 Pf., um sich ihre Arbeitskraft zu erhalten. Ein tveitcrer Ausweg ist es, die Wohnung— wenn überhaupt dabei von„Wohnung" gesprochen werden kann— möglichst billig zu wählen. Zwei Drittel der Berliner alleinstehenden Heimarbeiterinnen haben in ihrer Schlaf- stelle nicht einmal ein eigenes Bett; und es zeigt nur zu deutlich, wie das Familienleben, die Häuslichkeit für die Proletaricrin mehr und mehr zur froimnen Sage wurde, wenn der Berliner Gewerbe-Jnspektor kürzlich konstatieren mußte, daß die bei den Eltern wohnenden Arbeiterinnen in Bezug auf ihre Unterkunst ganz besonders schlecht gestellt find. Für die Gefangenen von Plötzen- see ist pro Person ein Luftraum von 23 Kubikmeter vorgeschrieben; über ein Drittel der von den Gcwerbc-Jnspektoren untersuchten Wohnungen der KonfektionSarbcitcr wiesen nicht einmal 10 Kubikmeter pro Kopf auf. Noch auf eine dritte Weise vcr- suchen die Heimarbeiterinnen zu höheren Löhnen zu gelangen: durch Ueberarbeit. Die Heimarbeit, die den Saison- charaktcr vieler Industrien gewissermaßen großgezogen hat, leidet ihrerseits wieder besonders schwer darunter. Betriebe mit einer Produktionsdauer von nur 3. 4 oder 5 Monaten für die Heimarbeit, sind nichts seltenes, eine Hochsaison von 5 Monaten kann als die längste, die vorkommt, bezeichnet werden. Da sind eS die Heimarbeiter, die kein Gesetz in der Freiheit, auS« gebeutet zu werden, beschränkt, die mit Anspannung aller Kräfte sich abrackern, um mit den« Verdienst dieser kurzen Zeit, die langen Wochen der Arbeitslosigkeit zu überstehen. Jene 125 Stunden wöchentliche Arbeitszeit, die die Kommission für Arbciterstatistik bei Erfurter Näherinnen konstatterte, sind auch heute noch keine Aus- nähme Arbeitszeiten von 14 und 16 Stunden bieten erst die Gewähr eines halbwegs ausreichenden Verdienstes, 12 und 13 Stunden sind am häufigsten festzustellen und SonntagSarbeit ist in der Saison an der Tagesordnung. Auch eine andre Art der Verlängerung der Arbeitszeit darf nicht übersehen werden: die durch die Bereitwillig- keit der Arbeiter unterstützte Gewohnheit vieler Fabrikanten, den Werlstatt- und Fabrikarbeitern noch Arbeit mit nach Hause zu geben. Die Gewerbe-AufsichtSbeamten klagen neuerdings über Zunahme dieser von keinem Gesetz verbotenen Verlängerung der Arbeitszeit. Aber daS alles ist nicht das schlimmste: der dunkelste Weg, auf den die Geißel der Not die armen Märtyrerinnen der Armut hinauStreibt, steht allen offen: wo der Verkauf ihrer Arbeitskraft ihr Leben nicht erhalten kann, muß der Verkauf ihres Körpers als Ergänzung hinzutteten. Es sind die Heimarbeiterinnen, besonders die der Konfektion in den Großstädten,— Paris bietet das drastischste Beispiel,— die mehr als andere der gelegentlichen Prostitution ver- fallen. Es könnte nach alledem den Anschein haben, als ob nur die alleinstehenden weiblichen Heimarbeiter der Großstädte sich in trauriger wirtschaftlicher Lage befinden. Leider ist dem nicht so und sie sind nicht die einzigen Opfer einer der mörderischsten Betriebs- formen kapitalistischer Wirtschaftsweise. Die Familien-Heimarbeit weist nur zu oft noch schlimmere Schäden auf als die Frauen-Heimarbeit. Sie vereinigt in sich die rückständigsten Elemente der männlichen Arbeiterschaft, aber auch tüchtige Arbeiter werden durch die unzureichenden Lohnverhältnisse vielfach in sie hineingettieben, da sie hier durch die Mitarbeit der Frau zu einem besseren Verdienst zu gelangen hoffen, ohne daß die Frau in die Fabrik zu gehen und ihr HauS und ihre Kinder zu ver- lassen braucht. In der Tabasindustrie, der Schuhmacherei, der Sattlerei usw. ist diese Art der gemeinsamen Heimarbeit von Mann und Frau an der Tagesordmmg und es wäre auch nichts gegen sie. einzuwenden. wenn sie dem idyllischen Bild entspräche. daS gutmütige Ideologen sich vorstellen und das dem Handwerkerlcben der„guten, alten Zeit" entnommen ist. Thatsächlich hat sie damit nicht das mindeste gemein. Von einem gemütlichen Familienleben in gut gehaltener Wohnung ist hier weit weniger die Rede, als wenn Mann und Frau in die Fabrik gehen. Die Wohnung des Heimarbeiters, meist nur aus Stube und Küche bestehend— ist ein dritter Raum vorhanden, so wird er an Schlaf- burschen vermietet— ist seine Werkstatt. In demselben Raum, wo gekocht, gewohnt, häufig auch geschlafen wird und die Kinder sich aufhalten, wird auch gearbeitet; hier liegt der Tabak zum Trocknen ausgebreitet neben dem Kochtopf oder der Kinderwäsche; hier trocknen die Kartons und Zündholzschachteln, hier stehen die Farbentöpfe zum Bemalen der Zinnsoldaten, hier glüht da« Biigel eisen unausgesetzt im Ofen, hier rasselt die Nähmaschine vom Morgen grauen bis in die sinkende Nacht. Und die Frau deS Heimarbeiters ist nicht nur gelegentliche Mithelferin, sondern eine angesttengt be- schäftigte Arbeiterin, der für Kinder und Haushalt keine Zeit übrig bleibt, wenn die kargen Einnahmen nicht enipfindlich verkürzt werden sollen. Ein Leipziger Cigarren-Heimarbeiter verdiente mit Hilfe von Frau und zwei Kindern 17—18 M. die Woche; der Arbeitsraum war die Küche, in der daS Bett eines kranken KindeS stand. Zwei andre verdienten mit der gleiche» Hilfe 18— 20 M., sie arbeiteten alle in kleiner überheizter Küche, die in einem Fall noch sieben Kindern zum Aufenthalt diente. Ein Bremer Cigarren-Heimarbeiter, der die allerbeste Handarbeit ftir den Norddeutschen Lloyd lieferte, erreichte mit seiner Frau nur einen Wochenverdienst von 15—18 M. Und ivaS ftir die Städte gilt, das gilt nicht weniger ftir die ländliche Heimarbeit. Mag auch die Lebenshaltnng hier billiger sein, dafür find auch die Löhne um so niedriger. In den letzen Berichten der deutschen Gewerbe-Auffichtsbeamten finden sich Bei- spiele dafür: Im sächsischen Erzgebirge verdient ein fleißiges Ehe- paar bei der Verfertigung von Stopfpilzen 7—9 Mark pro Woche; ein Spielwarenverfertiger mit seiner Frau kam bei 14— 15 stündiger Arbeitszeit auf einen wöchentlichen Reingewimi von 8, höchstens 13 M., ein andrer erreichte mit Frau und zwei Kindern gar nur 6 M. in der Woche, und ein Verfertiger von Küchenholzwaren ver- diente bei voll ausgenutzter Arbeitszeit mit Frau und zwei Söhnen 13,50 M. Das sind Angaben, die beweisen, daß die Schilderungen eines Sax über die Lage der ländlichen Heimarbeiter, die einst Ent- setzen erregten, um allzu schnell wieder vergessen zu werde», noch keineswegs veraltet sind. Wo die Rot herrscht, da öffnet sie auch der Krankheit die Thüren. Chronische Unterleibserkrankungen, Nervenschwäche, Magenleiden, Rückgratskrümmungen sind die von den Kassenärzten immer wieder konstatierten Berufskrankheiten der Näherinnen. Ein ftanzösischer Arzt erklärte, daß eine zweijährige Thätigkeit an der Nähmaschine schon genügt, den stärksten Organismus zu zerstören. Eine Stepperin, die genötigt ist, mit dem Kind unter dem Herzen die Maschine zu trampeln, und zwar in Erwartung der neuen Ausgaben mit doppelter Hast und Ausdauer, lvird nur allzu oft ihre Mutterhoffnungen früh zerstört sehen. Der größte Prozentsatz der Säuglingssterblichkeit, 65 Prozent nach Hirt, findet sich bei den Tabakarbeiterinnen, deren Muttermilch überdies von Nikotin durchsetzt ist. Ansteckende Krank- heiten aller Art, Diphtheritis. Scharlach, Masern, Krätze haben Acrzte und Fabrikinspcktoren in den Wohnungen der Heimarbeiter besonders häufig gefunden. Die elenden Wohnungsverhältnisse, das dauernde Einatmen schlechtester Luft niachen die Heimarbeiter-Werkstätten noch mehr als die Wohnungen andrer Arbeiter zu Herden der Tuberkulose. Ihre erschreckende Zunahme unter den Tabakarbcitern haben die Gewerbe-AufsichtSbeamten erst kürzlich festgestellt. Die Erzeugnisse der Heimarbeit trägt der Käufer in sein Haus und seine Familie. Seine Kinder tragen Kleidungsstücke, die neben dem Bett eine? Diphtherittskranken entstanden sind, sein Weib schmückt sich mit einer Bluse, einem Mantel— dem Erzeugnis deS Fleißes armer Schwindsüchtiger, er selbst raucht eine Cigarre, deren Deckblatt ein tuberkulöser Arbeiter mit den Lippen befeuchtete, vor dem Weihnachtsbaum baut er seinen Lieblingen Spielzeug auf, unter dem die Würgengel der Kindheit sich heinitückisch verbergen. Das ist die unbewußte Rache der Elenden an den Glücklichen dieser Erde._ Ein englischer Staatsmann über die Kriegsanssichten. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns vom 24. Februar: Ein mir bekannter englischer Politiker A., der Japan auS eigner Anschauung kennt, mit den leitenden Staatsmännern Japans sowohl in Tokio wie in London in ununterbrochener, enger Verbindung steht und im Januar 1902 beim Abschluß der englisch-japanischcn Alliance zwischen Marquis Jto und Lord Lansdowne vermittelt hat, lud mich gestern zu einer Unterredung über den Krieg ein. Es ent- wickelte sich folgendes Gespräch: A.: Nun ist der Krieg ausgebrochen, wie ich Ihnen noch im Januar gesagt habe, daß der Krieg kommen müsse. Ich: Auf der See haben die Japaner alle Erwartungen übertroffen. Aber auf dem Lande? Ich habe schon diese Woche auf bedeutende- japanische Landoperationen gerechnet. Warum lasten diese auf sich so lange warten? A.: Die Japaner haben das russische Geschwader schneller im- schädlich gemacht, als sie erwartet hatten. Nach dem ursprünglichen Plane sollten die See-Operaüonen mindestens zehn Tage dauern. Erst dann hofften sie, die Seeherrschast soweit erlangt zu haben, um mit Truppenlandungen beginnen zu können. Die Japaner hatten zwar eine geringe Meinung von der Seemacht Rußlands, aber daß diese sich so untüchtig wie die Chinas, erweisen sollte, darauf rechneten sie nicht. Dennoch sind bereits sehr wichtige Land- Operationen vollzogen worden. Ich: Die in Korea sind mehr oder weniger bekannt. Sind welche auch im Westen von Port Arthur unternommen worden? A.: Ohne Zweifel. Der Vorhang, der diese Operationen ver- schieiert, wird bald weggezogen werden. Ich: Man darf wohl annehmen, daß Japan in Korea dauernd bleiben und sich dort auf die Divensive beschränken wird. Ich rechne, daß die Linie Wonsan-Pingjang so befestigt werden kann, um einen russischen Einfall unmöglich zu machen. A.: Dies ist auch meine Meinung. Ein japanischer Staats- mann sagte mir einmal: Das Verhältnis Koreas zu Japan kann entweder das einer helfenden Hand oder eines Sturmbocks iverdcn. Im Besitze Rußlands wird Korea zum Sturmbock gegen Japan. Unter der Vorherrschast Japans wird es unsre Stütze. Nachdem Rußland alle Verträge und alle Versprechungen gebrochen, kann es Japan im Interesse seiner nationalen Sicherheit nicht gestatten, Korea zum Sturmbock werden zu lassen. Japan ist ferner bis auf den letzten Mann entschlossen, die Mandschurei wieder unter die Oberherrschaft Chinas zu stellen. Man hat in Europa keine Ahimng, wie intensiv dieser Gedanke ganz Japan beherrscht. ES ist nicht die geringste Uebertreibung. wenn ich sage, daß die ganze japanische Ration bereit sei, sich für diesen Gedanken zu opfern. Ich: Der Krieg wird demnach ein langwieriger werden? A.: Stein. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß schon die nächsten Monate den Krieg zu Gunsten Japans entscheiden werden. Sind die japanischen Truppenlandungen in genügender Zahl voll- zogen, dann wird die russische Landmacht ebenso rasche und vcr- nichtende Schläge erhalten, wie sie die russische Seemacht von Admiral Togo erhalten hat. Die Ansicht des japanischen General- stabes, daß die russische Macht in Asien nichts weiter als eine blendende Fiktion sei, ist auf jahrelangen Studien und genauen Informationen begründet. Ich: Aber Rußland hat eine Millionen- Armee in Europa... A.: Ja, in Europa. Die Russen befinden sich in Ostchina etwa in der Lage eines reichen Engländers, der mittellos auf einer Insel strandete und den Insulanern erzählt, er habe viel Geld in der Bank von England liegen. Japan wird in wenigen Wochen in Korea und Liaotung eine Armee von 300 000 Mann haben. Sic werden alle wichtigen Puntte besetzen, so daß die Russen die Offensive werden ergreifen müsten. Nach den Erfahrungen de? BoerenkriegeS wird Rußland mindestens eine Armee von 600 000 Mann brauchen, um mit Erfolg angreifen zu können. Bloß zum Schutz der ostchinesischen Eiserbahn— Chatbin- Port Arthur— 100 000 Mann nötig. Auch wenn wir den unwahrscheinlichen Fall annehmen, daß Rußland eine derartige Armee nach Ostasien werfen kann, so bleibt die Frage unlösbar: wie sind diese Massen zu verpflegen, nachdem Rußland die Sceherrschast verloren hat. Die leitenden Männer Japans haben nicht den geringsten Zweifel, daß Rußlands Schicksal in Ostasien besiegelt ist. Auf dem europäischen Festlande denkt man anders. Dort hat man sich lange genug von Rußland hypnotisieren lassen. Dort wurde man von dem Kriegsausbruch, von der Unfähig- teil der russischen Diplomatie und von der geradezu chinesischen lln- tüchtigkeit des russischen Geschwaders überrascht. Aber die Ueberaschungcn sind noch nickt zu Ende. Die Desorganisation und Korruption der russischen Armee werden weitere Ueberraschungen bringen. DaS Geheimnis der japanischen Erfolge ist zu finden in der Verbindung der orientalischen Geisteskonzcntration mit der europäischen Energie- entfaltung. Nun möchte ich Ihre Meinung hören über die Haltung der europäischen Mächte zu dem eventuellen japanischen Siege. Ich: Wie Sie wissen, habe ich keine sogenannten Informationen oder diplomatischen Verbindungen. Ich lege auf diese Dinge gar kein Gewicht. Aber auf Grund politisch-geographischer und weltwirtschaftlicher Untersuchungen kann ich Ihnen nur sagen, daß die deutsche Regierung auf feiten Ruhlands steht und sicherlich beim Friedensabschluh zu Gunsten Rußlands eingreifen wird. Japan muß mit Deutschland als mit einem Gegner rechnen. Ferner, ebenso wie der Schwerpunkt des Krieges in Korea liegt, so liegt der Schwerpunkt des Weltfriedens in Frankreich. Im japanisch-russischen Kriege stehen sich die maritimen und die fest- ländischen Mächte gegenüber. England, Japan und die Vereinigten Staaten gegen Rußland, Deutschland und Frankreich. Die Haupt- aufgäbe der maritimen Mächte müßte darauf gerichtet sein, Frank- reich zu gewinnen. Hier müßten alle Hebel angesetzt werden. Geht Frankreich mit dem Westen, so wird sich auch Deutschland seine russische Politik noch einmal überlegen. Wie Frankreich von den fest ländischen Mächten loszulösen ist, wissen Sie ebenso gut wie ich. A.: Wie stellt sich die Socialdemokratie zu diesen Fragen? Ich: Darüber kann ich nur als ein einfacher Gemeiner reden. Ich bin nichts weiter als ein gewöhnlicher Berichterstatter einiger socialistischer Zeitungen. Von irgend welcher Vertretung der Partei kann bei mir nicht die Rede sein. Ich stehe auf feiten Japans, da eine Nieder- läge der russischen Autokratie die freiheitliche und friedliche Ent- Wicklung Europas ermöglichen wird. Dies ist, glaube ich, auch die Ansicht der Socialdemokratie. Ebenso wichtig wie der Sieg Japans ist eine entschlossene antirussische Haltung des französischen Socialismus. Bleiben die Socialisten Frankreichs antirussisch und zeigen sie den unbeugsamen Entschluß, ein Eingreifen Frankreichs zu Gunsten Rußlands unter allen Umständen zu verhindern, so ist die Lage gerettet. Es handelt sich im japauisch-russischen Kriege um Entscheidungen, die die ganze Kulturmenschheit angehen.— Die Kriegs-Perspektive. Ein ehemaliger Militär und Ostasienkenner schreibt uns: Der von Japan gegen den Koloß Rußland mit seinen ö'/z Millionen Ouadratkilometern Flächenraum, 140 Millionen Girr wohncrn und 2>/z Millionen Soldaten unternominene Krieg er scheint auf den ersten Blick als ein verzweifelt waghalsiges, schier hoffimngsloses Unternehmen. Die Hoffnungslosigkeit tritt um so deutlicher vor Augen, je mehr man— ganz abgesehen von der militärischen Bedeutung der kriegsgeübten Nation— den mächtigen Hinterhalt in Erwägung zieht, den Rußland an seinem Staats- und Kriegsschatz und sonstigen materiellen Reserven hat, die, mag man über die russischen Fiiranzvcrhältnisse denken, wie man will, im Vergleich mit dem verhältnismäßig armen Japan unerschöpflich er- scheinen. Die russischen Truppen genießen den besten Ruf. Die auf dem Kriegsschauplatz in erster Linie in Aktion kommenden sibirischen Truppen sind an das Ertragen von Kälte. Strapazen und Entbehrungen mannigfacher Art ge- wöhnt, so daß dadurch ihre KriegSbrauchbarkcit in dem un- wirtlichen Gelände der Mandschurei und Koreas wesentlich erhöht wird. Die Japaner andrerseits haben eineit ebenbürtigen Feind noch nie bekämpft. Gäbe es also auf uiisrer Erdoberfläche kein Wasser und genösse Japan nicht mit Recht den Ruf eines„östlichen Großbritanniens-, so bestände gar kein Ziocifel darüber, daß der Krieg schließlich— trotz aller Tapferkeit und Zähigkeit der Japaner— mit einer klägliche» Niederlage derselben enden müßte. Betrachten wir jedoch die kriegführenden Nationen als See- mächte, so verschiebt sich unsre Vorstellung über die Aussichten der- selben lvesentlich zu Gunsten der Japaner. Es empfiehlt sich— um ein Volk als Seemacht richtig zu würdigen— nicht mit der Kriegs-, sondern mit der Handelsflotte zu beginnen, weil aus der Größe der letzteren ziemlich sichere Schlüsse auf die Seetüchtigkeit der Besatzung der Kriegsschiffe gezogen werden können. Im Jahre 1901 besaß die japanische Handelsflotte: 1321 Dampfer— 543 253 Tonnen 3850 Segelschiffe— 320 572„ zusammen 5171 Schiffe= 803 810 Tonnen l"") Anschluß ders Die russische dagegen: 745 Dampfer— 364 360 Tonnen 2293 Segelschiffe— 269 459 s Fischer-Fahrzeuge/ zusanunen 3058 Schiffe— 633 819 Tonneu J mit Ausschluß der! I Fischer-Fahrzeuge/ Die Seetüchtigkeit der Bemannung der Kriegsschiffe Japans und Rußlands ergiebt sich nun vergleichsweise aus folgenden Ver- hältniszahlen: ,_ 863 810 Tonnen 1 1. Japan: 46 500 000 Einwohner—""�fahr 5g .„. 633 819 Tonnen 1 2. Rußland: Einwohner~""llcfahr M Die Seetüchtigkeit der Bemannung japanischer Kriegsfahrzeuge ist demnach viermal so groß als die ihrer Gegner oder anders aus- gedrückt: in der japanischen Marine sind viermal so viel Seeleute von Beruf als in der russischen, und der einfache japanische Matrose ist das Ideal eines KriegSschiff-Matrosen: er ist willig, ausgezeichnet discipliniert, gelenkig, ausdauernd, sauber, bescheiden und ein ge- borener Seemann. Nun zu den Kriegsflotten: 1. Japan. 2. Rußland. 8 Panzerschiffe HO stasiatische Flotte.) 8 Panzerkreuzer 8 Panzerschlackitschiffe 7 mittlere Kreuzer ieinschließlick der dnrcki 9 kleine Kreuzer Torpedos beschädigten) 9 Küstenverteidiger 5 Panzerkreuzer 20 Kanonenboote 8 geschützte Kreuzer 4 Avisos 4 kleine Kreuzer 15 Torpedoboot- 7 Kanonenboote Zerstörer 30 Torpedobootzerstörer 65 Torpedoboote 25 Torpedoboote 11 Hilfsschiffe_ Verschied, kleine Fahrz. Zusammen 156 Schiffe. Zus. ca. 90 Schiffe. Der englische Marineschriftsteller Jane hat zum Ztveck der Be- rechnung des Gefechtswertes der Schlachtschiffe, Panzerkreuzer und geschützten Kreuzer Einheiten zu Grunde gelegt und konunt zu dem Ergebnis, daß sich der Gefechtswert der japanischen Flotte zu dem der russischen sostasiatischcn) wie 14,6 zu 10,8 verhält. Dabei sind aber schon die russischen Schiffe eingerechnet, welche sich auf dein Wege von Kronstadt nach Ostasien befinden. Die japanischen Schlachtschiffe lausen durchschnittlich 18. die nissischen nur 16,5 Knoten. Die Schnelligkeit der Kreuzer ist ungefähr gleich �durchschnittlich 20 Knoten). Aus vorstehenden Betrachtungen und Zahlen erhellt, daß Japan als ostasiatische Seemacht Rußland, das seine Schwarze Meer-Flotte und einen Teil der Ostsee-Flotte nicht herbeiholen kann, nicht nur an Zahl, sondern besonders auch an Güte gerade der für das See- gefecht in Betracht kommenden Schiffe erheblich überlegen ist. Dazu tritt seine scegeübtere Schiffsbesatzung, so daß die inzwischen bereits fast besiegelte Niederlage Rußlands im Seekrieg mit Bestimmtheit zu erwarten ist. Das ganze bisherige Verhalten der russischen Flotte be- weist ja auch eine große Zurückhaltung, die sich nur aus Mangel an Vertrauen zum eignen Können erklären läßt. Der Mangel an Wachsamkeit gegenüber dein japanischen Torpedo-Anfall wirft ein sehr schlechtes Licht auf die Intelligenz und das Pflichtgefühl der Schiffsbesatzung: Nun hört man allgemein die Redewendung:„Wenn die Russen zur See auch geschlagen werden, im Land- krieg bleiben sie doch Sieger, sie werden immer nrehr Verstärkungen heranziehen und auf diese Weise die Japaner schließlich erdrücken!- Vorläufig verfügt Rußland auf dem Kriegsschauplatz über 180 000 Mcnm mit ca. 300 Geschützen u»d 15 000 Pferden, während die Kriegsstärke des sapanischen Heeres 13 500 Offiziere und 520 000 Mann mit 80 000 Pferden und 1000 Geschützen beträgt. Hiervon sind 200 000 Mann und 60 000 Pferde Feldtruppen; der Rest entfällt auf die Territorial-Armee, Ersatzformationen, Milizen und Landsturm. Also auch zu Lande sind die Japaner den Russen— wenigstens an Zahl— vorläufig überlegen, denn jene 200 000 Mann können ohne Bedenken sofort ins Feuer geschickt werden. Die japanische Infanterie ist mit einem modernen Repetiergewehr bewaffiret und nach europäischem Muster ausgebildet, wird sich also den Russen als ebenbürtiger Gegner erweisen. Minderwertig ist nur die Kavallerie. die sich mit der russischen nicht messen kann. In dem wilden Gcbirgs- land Koreas und der Mandschurei aber wird die Reiterei natur- gemäß nur eine untergeordnete Rolle spielen. Wie gestaltet sich nun aber die Lage der russischen Landtrnppcn, wenn Rußland, was wahrscheinlich ist, im Seekrieg unterliegt? Sehr bedenklich I Bleiben die Japaner Herren zur See, so ist Rußland. was seine Zufuhr an Verstärkungen, Kriegsmaterial. Munition und Proviant anbetrifft, auf die e i n g e l e i s i g e transsibirische Eisen- bahn angewiesen. So lange dieselbe im Betriebe ist, wird die Zufuhr aus Europa zwar ununterbrochen, aber sehr langsam vor sich gehen, denn es können täglich nur durchschnittlich zehn Züge abgelassen werden— wenn nämlich alles klappt, was bei diesem Schienenweg, der eine Belastungsprobe großen Stils noch nicht bestanden hat, zu bezweifeln ist. Man braucht kein Pessimist zu sein, um zu prophezeien, daß die asiatische Eisenbahn schließlich streckemveis versagen ivird. Ist sie doch mit einer Schnelligkeit gebaut worden, die amerikanische Fixig- keit vollständig in Schatten stellt. Taraus ergiebt sich ohne weiteres gesährliche Oberflächlichkeit bei Anlage des Bahnkölpers, die im Kriegsfalle bei andauernder großer Belastung und Erschütterung der Schienen leicht zu Katastrophen führen kann. Obendrein liegen ca. 2000 Kilometer dieses riesigen Schienen- wegs auf chinesischem Gebiet, wenn man die Mandschurei noch als eine Provinz Chinas betrachtet. Werden nun— so fragen wir— die Russen im stände sein, die Eisenbahn dauenid gegen Zerstörungen durch die Chinesen zu schützen? Kaum! Haben aber erst die Japaner die Herrschaft über das gelbe und japanische Meer an sich gerissen, so daß sie Port Arthur und Wladiivostok blockieren können und wird die Eisenbahn zerstört, so ist damit das Schicksal der russischen Landtrnppen besiegelt: sie sind dann von Europa abgeschnitten und können nicht verproviantiert werden. Die Mandschurei liefert nicht einmal das nötige Pferdefutter. Wer also behauptet, daß die Russen, trotz maritimer Niederlagen. im Landkriege doch Sieger bleiben m ü s s e n. der ist sich nicht darüber klar, wie gewaltig der unglückliche Ausgang eines Seekrieges die strategischen Operationen auf dem Lande beeinflußt, wenn die Verhältnffje so liegen wie in der Mairdschurei und Korea. Ein neuer japanischer Angriff auf Port Arthur? Amtlich wird aus Petersburg vom 25. Februar gemeldet: General Pflug berichtet aus Port Arthur von heute: von 1 bis Vz4 Uhr griff der Feind von neuem Port Arthur an und wurde auf der ganzen Linie abgeschlagen. Der Branderangriff in japanischer Befeuchtung. London, 26. Februar. Die hiesige japairischeGesandt- ! ch a f t giebt folgendes anitliche Telegramm aus Tokio vom 25. d. M. bekannt:„Vier von einigen Torpedobooten begleitete alte Schiffe liefen in der Frühe des 24. Februar in die Einfahrt des Hafens von Port Arthur ein zu dem Zwecke, die Haienmündung zu versperren. Das Ziel, diese Schiffe zum Sinken zu bringe», ist erreicht worden. Offiziere und Mannschaften sind wohlbehalten z u r ü ck g e k 0 m m c n. Obgleich diese Meldung über unsre Flotte nicht vom Admiral Togo direkt eingegangen ist, kann kein Zweifel über die Sicherheit der Flotte gehegt werden.- politische(leberlicdt. Berlin, den 26. Februar. Der Reichstag setzte heute die Beratung der Resolutionen zum Justiz-Etat fort und beschäftigte sich zunächst mit einer Gruppe von drei An- trägen über den Automobilverkehr. Sachlich nahezu überein- stimmend forderten die Nationalliberalcn und das Centrum eine Verschärfung der Haftpflicht der Automobilisten: und um den Verunglückten auch gegenüber den mittellosen Automobilisten zu ihrem Recht zu verhelfen, schlugen die Konservativen vor, einen Verband der Kraftfahrer nach dem servativen vor, einen Verband der Kraftfahrer nach dem Muster derUnfallberufsgenossenschaftcn ins Leben zu rufen. Ter Staats- der Frage in Aussicht. Stadthagen Erklärte unsre Zu- der Frage in Aussicht. Sadthageu erklärte unsre Zu- stimmnng zu den Resolutionen; nach einer sonst ziemlich be- deutungslosen Debatte, die sich wenig von den vorhergehenden Beratungen dieser unwichtigen Frage im preußischen Herren und Abgeordnetenhause unterschied, nahm denn auch der Reichstag sämtliche Resolutionen mit großer Mehrheit an. Auch in der folgenden Beratung wurden zwei Anträge des Centrums zusammengefaßt; ihre Gemeinsamkeit besteht darin, daß sie beide dem Handwerk helfen wollen. Es handelt sich um die Verhinderung der Konkurrenz der Gefängnisarbeit gegenüber dein freien Handwerk und um die Sicherung der Bauhandwerker-Forderungen. Das sind zwei an sich sympathische Forderungen, denen namens unsrer Fraktion auch Genosse L i p i n s k i zustimmte. Aber sie ge wannen nicht gerade durch die mittelstandsretterischcn Phrasen der bürgerlichen Redner, die für sie eintraten, auch nicht durch die Beschimpfungen unsrer Partei, die sich der Antisemit F r 0 e l i ch bei dieser Gelegenheit erlaubte. Morgen wird die Beratung des Justiz-Etats bei der Freisinns-Jnterpellation iiber die Behandlung politischer Ge- fangcner fortgesetzt.—_ Preußisches Abgeordnetenhaus. Tas Abgeordnetenhaus hat ani Freitag die Beratung des Etats der Justizverwaltung fortgesetzt. In der Generaldebatte richtete nochmals ein konservativer Redner, Abg. S t r 0 s s e r, heftige Angriffe gegen Herrn Dr. Barth, der sich, wie er meinte, durch das gegen ihn verbreitete Flug- blatt nicht beleidigt fühlen könnte, da er ja für ein Zusammen- gehen mit der Socialdemokratie eingetreten sei. Ten llnter- schied zwischen einem Zusammengehen mit einer andern Partei und einem Stimmenkauf hat Herr Strosser anscheinend nicht begriffen. Nach diesem abgeschmackten Borstoß ihres Fraktions- redners machten die Konservativen der Debatte gewaltsam ein Ende und schnitten so. wie sie das in letzter Zeit öfter zu Ihun pflegen, den Gegnern das Wort ab. Nach Bewilligung des Ministcrgehalts wurden eine Reihe von Etatstileln in rascher Reihenfolge erledigt. Von allen Seiten wurde lebhast Klage geführt über den Richtermangel und iiber die ungünstigen Anstellungsverhältnisse einer Reibe von Unterbcamten. insbesondere der Gcrichtsaktuare und Kanzlisten. Daß die Regierung die Lage der Beamten als eine rosige schilderte und nur dem„bösen Geist", der in sie ge- fahren sei, die Schuld an ihrer Unzufriedenheit beimaß, bedarf kaum besonderer Erwähnung. Derartige Reden gehören nun ein mal zum eisernen Sprachschatz unsrer Regiernngsvertreter. Von princlpiellen Fragen wurde nur die der Vorbildung der Juristen und Verwaltungsbeamten angeschnitten. Abg. Frhr. v. Z e d l i tz(frk.) forderte mit Recht größere Kenntnisse auf dem Gebiete der Volkswirtschaftslehre und des öffentlichen Rechts, er fand aber wenig Gegenliebe. Die Regierung will den im vorigen Jahre an dem Widerstande der Konservativen gescheiterten Entwurf über die Vorbildung der Juristen nicht wieder einbringen, da seine Annahme aussichtslos erscheint. Und da wage noch jemand zu behaupten, daß in Preußen nicht parlamentarisch regiert wird! Wenn es darauf ankommt. Fortschritte zu hemmen, fügt sich die Regierung jedesmal dem Willen des Junkerparlaments. Tie Beratung des Justiz-Etats wird am Sonnabend fortgesetzt.— � Deutreben Reich. Ein Rirscnspinnnetz der Korruption. In unsren Erörterringen über die Scherlsche Sparlotte hatten ivir das Interesse der Regierung an dem skandalösen Projekt auf zwei Motive zurückgeführt. Erstens sollte aus den Mitteln der Sparer und Spieler ein neuer Welfenfouds gegründet werden, ans dem ein rcgierungsoffiziöses Wochenblatt gespeist und über ganz Preußen verbreitet werden würde. Zweitens lockte die Aussicht, Summen in den kleinen agrarisch zugänglichen Sparkassen ans- zuhäufen. Aus den Veröffentlichungen Scherls geht nun hervor, daß wir mit diesen Motiven iusSckwarze getroffen haben. Der agrarische Charakter des sanberen Plans ist, wie wir gestern erwähnten, voll- ständig zugegeben worden. Aber auch die Welfenfonds-Tendenz geht— worauf die„Köingsbcrger Hart. Ztg." aufmerksam macht — aus den veröffentlichten Urkunden mit aller Deutlichkeit hervor. Auf Vorschlag des Ministers Hammerstein wurde durch den Vorstand des deutschen Sporkassen-Verbandes ein Verein„Komitee des Scherlsche» Präinien-SparsystemS' gebildet' Das Komitee war ans elf Herren zusammengesetzt: einem Geheimen Rcgierungsrat v. Boddien-Schleswig, einem Landrat und eurer Anzahl Bürgermeister jvon Magdeburg, Hanau, Posen, Landsberg a. W., Arnsberg, Stolp). Dieses„Komitee", das die Konzession zur Vornahme der Ver- losungen erhalten sollte, hat nun im Dezember 1903 einen Vertrag mit Scherl geschlossen, dessen Z 9 lautet: Das von Herrn Scherl herausgegebene Wochenblatt darf nicht in den Dienst einer bestimmten politischen Partei gestellt, mich nicht in der Weise zu einem Fachblatte für Sparkassensachen her- ausgebildet werden, daß es dem Organ des deutschen Sparkassen- Verbandes auf fachtechnischem Gebiete Konkurrenz macht. Herr Scherl verpflichtet sich, den Inhalt des Wochenblattes der Kontrolle eincS Ausschusses zu unterstellen, dessen Zusammensetzung und Befugnisse nach einem Regulativ geregelt werden, das von dem preußischen Minister drs Innern und dem preußischen Finanzministcr erlassen wird. Herr Scherl verpflichtet sich, den Anweisungen dieses Ausschusses Folge zu geben. Dieser Vertrag war bereits rechtsgültig abgeschlossen. Dagegen fehlt in dem entsprechenden„Regulativ" noch die Ausfüllung des Datums und die Zahl der Mitglieder jenes Ueberwachungs- lomiteeS für das Wochenblatt. Dieses Regulativ bestimmt im§ 1: Die Mitglieder werden aus Vorschlag deS August Scherl von dem Finanzminifier und Minister des Innern ernannt. Werden für eine Stelle drei von Scherl vorgeschlagene Personen von den genannte» Minislcrn abgelehnt, oder kommt Scherl in angemessener Zeit der Vorschlagspflicht nicht nach oder verzichtet Scherl auf das Vorschlagsrecht, so erfolgt die Ernennung durch die Minister ohne Zuziehung Scherls... Den Ministern steht jederzeit das Recht zu. Mitglieder des Ausschusses auszuschließen. Dazu hat also Herr Scherl, der Hochherzige, em„Vermögengeopfert, um der Regierung ein ungeheures Reptil zu verschaffen! Dazu sollte ganz Deutschland zu Spielern erzogen werden, damit sie selbst das Reptil mästeten, das die öffentliche Meinung ekelhaft verschleimen sollte. Ein Ricsenspiimnctz der Korruption in der That, das Herr Scherl mit seinen Ministern gesponnen hat. Eine größere Bauernfängerei ist niemals ausgeheckt worden als von diesem ZeitmigSfabrikanten, der die preußischen Minister von heute fürwahr mit einem verblüffenden Cynismus eingeschätzt hat. Herr Scherl hat mit seiner Veröffentlichung die Akten der Herren v. Hammersicin und Rheinbaben bös vermehrt. Und diese ministeriellen Akten haben den Vorzug grausamer Wahrheit I— Flottentreiber. Im Märzheft der„Flotte", einer Zeitschrist für Marine» überschtvang und Weltmache, wird, worauf die„Kölnische Volks- zeitung" hinweist, behauptet, daß der russisch-japanische Krieg die UnznreichendHeit des Flottengesetzes von 1901 erweise: England. Rußland und Amerika hätten Deutschland während der letzten Jahre längst überholt; Deutschland stehe„unnr ittelbar vor der zwingenden Notwendigkeit, für den weitere» be- schlennigtcn Bau der Flotte ganz erhebliche Mittel bereit zu stellen". So reden die Flottentreiber, von denen sich die beamteten Marinistcn allzu gern treiben lassen. Sie reden so bei jedem Anlaß, bei jedem Vorkommnis in überseeischen Angelegenheiten. Es ist nichts leichter, als Mehrrüstmrgen zu fordern, weil die andern Staaten auch gerüstet haben. Die Vernunft fordert vielmehr, daß endlich die Mehrrüstungen eingestellt werden, damit die andern Staaten nicht dasselbe zu thun sich genötigt fühlen; gerade im Marinewesen wäre eine internationale Einigung hierüber ichr leicht durchzuführen. Auch die„Kölnische Volkszeittmg" wendet sich recht eindringlich gegen den Leichtsinn der Flottentteiber, welche„erhebliche Mittel" vcreitgestellt sehen wollen, während doch das Reich im Deficit steckt. Das CentrumSblatt ruft aus:„Ein Glück, daß der deutsche Reichstag keine Mehrheit von Phantasten hat!" Die„Kölnische Volkszeitung" sollte jedoch etwas vorsichtig sein in der Ablehnung marinistischer Phantastereien. Das Ccntrm» hat vor wenigen Jahren noch auch diejenige Flottenvcrmehrung als phantastisch abgewiesen, die es bald darauf selbst bewilligte. Auch über die gewaltigen Geldanfordernngen kam es hinweg und stürzte das Reich in dre heilloseste Schuldenwirtschaft. Was heute als Phantasterei verpönt wird, ist vielleicht morgen schon auch für das Centrlrm„zwirrgeudc Notwendigkeit", der man sich„schweren Herzens" fügt.—_ Polnische Bolksbanken find politische Vereine! So entschied in diesen Tagen das Landgericht Beuthen in Ober« schlesien und verurteilte den Rechtsanwalt Dr. Scyda aus Kattowitz, in dessen Wohnung eine Volksbairk ohne polizeiliche Anmeldung gegründet wurde, wegen Ucbcrtretung des VereinSgesctzeS zu 100 M. Geldstrafe, Der ausführliche Bericht deS„Gornoflazak" über die Gerichts- Verhandlung bringt Einzelheiten, welche das allgemeine Interesse beanspruchen. Als erster Zeuge sagte der Polizcirat M ä d l e r auS. eZ waren in den letzten Jahren etwa zehn Banken gegründet worden, trotzdem ein wirtschaftliches Bedürfnis hierfür nicht vorhanden gewesen sei. An der Spitze dieser Banken stehen Leute, die eine hervorragende Stellung in der großpolni scheu Agitation einnehmen. Die polnischen Zeitungen fordern fortwährend zur Unterstützung der Volksbanken auf. Auf die Frage des Angeklagten, ob dem Zeugen irgend welche Thatsache aus der T h ä t i g k e i t der Banken bekannt sei, die ans ihren politischen Charakter deute, erwiderte der Zeuge:„Alle Ver- waltungsbehörden erachten diese Banken für politische Institutionen, vor allem der Herr Regierungspräsident in Oppeln." Der Zeuge Dr. Skowtonski, Verwaltungsmitglied der Beuthener Volksbank, sagte aus, er kenne nur Volksbanken, keine polnischen Banken. In seiner Bank seien auch zahlreiche deutsche Mitglieder. Eines Tages sandte der Polizeirat Mädler einen Zettel zu mir in das Lokal der Volksbank und bat um Uebersendung einer polnischen Fibel. Ich zweifle nicht daran, dast der Polizeirat Mädler dies gethan hat, um nachher einen Beweis zu haben, daß in den Volksbanken polnische Agitation betrieben wird. Aus der Anklagerede des Staatsanwalts heben wir hervor: Das gesamte Deutschtum, vor allem die Verwaltungsbehörden sind der Ansicht, dast die Banken politische Zwecke haben. Es wird gut sein, wenn auch Sie sich dieser Ansicht anschließen. Was bedeuten denn alle Ostmarkcnzulagcn angesichts der Macht der Banken? Der Angeklagte Dr. S e y d a erwiderte: Der Herr Staats- anwalt fordert das Gericht offen auf, mit Rücksicht auf die Staats- raison, auf die gegenwärtige RcgirrungSpolitik ein für mich ungünstiges Urteil zu sprechen. Es ist einfach unerhört: einerseits zwingt man die Deutschen zum Austritt aus den Banken— andrerseits macht man den Banken einen Vorwurf, daß sie nur Polen als Mitglieder aufnehmen. Ich beantrage die Ladung der Bankbeamten Sznkalski aus Königshütte. Er wird aussagen, daß preußische Richter und selbst Mitglieder des Beuthener Gerichts Kredit in den Volksbanken erlangt haben und daß die Banken Ihre Kollegen sehr rücksichtsvoll behandelt haben. Nachdem nun eine Bank zum politischen Verein erklärt worden ist— natürlich nicht die deutsche Laudbank der hakatistischen Finanzspekulanten!— wird man wohl auf diesem Wege weiter fort- fahren. Eher werden die Polen nicht germanisiert werden, ehe nicht jede polnische Käsehändlerin als politischer Verein erklärt und dem- zufolge auf Grund des VereinSgcsetzes— das Frauen die Teilnahme an politischen Vereinen verbietet— a u f g e l ö st wird. Das ist ein schneidendes Mittel, die polnische Bevölkerung zu verminderir.— Eugen Richter am Endziel. Der hessische Landtags-Abgeordnete Hirschel, ein ar- und halmloser Agrarier der schlimmsten Sorte und ein Antisemit von der rassereiusteu Tonart, beschäftigte sich in seinem in Offenbach erscheinenden Blatt mit dem Auftreten des Abg. v. Gerlach im Reichstag. Herr Hirschel schreibt da u. a.: „Als sich der svon Liebcrmaiin v. Sonnenberg) Angegriffene sv. Gerlach) verteidigte, fing er sogleich mit den Händen zu reden an, eine Gewohnheit, die uns ja von den Wahlen her bekannt ist, als er so dastand, beide Hände unter den Schultern mit der Handfläche gegen die Zuhörer gespreizt, da bemächtigte sich Heiterkeit der Galerie und ein Zubörer rief:„Gott der Gerechte!" Dabei formte er seine unteren Sprechwerkzcuge frojchmaulartig. dazu die ganze Gestalt, die an eine Kröte erinnert; damals ist uns der früher geahnte Gedanke zur Gewißheit geworden: dieser Mann gehört dem auscrwählten Volke an und gegen eine seiner Vor- fahren weiblicher Linie keimte der schwere Verdacht auf, ei»em Juden gegenüber allzu liebenswürdig gewesen zu sein..." Diese Bekundung germanisch-christlichen Ehrgesühls läßt nichts zu wünschen übrig, ist aber doch nur die schäniige Einleitung zu dem Führungsattest, das der Judenfresser Hirschel— der„Judenschutz- truppe" des Herrn Richter ausstellt. Herr Hirschel spricht nämlich von der„Abschlachtung" Gcrlachs durch Licbermann v. Sonnenberg und Kopsch und stellt den letzteren noch über den Sonnenbcrger! Denn die gründlichste Abschlachtung— „... diese besorgte der Abg. Kopsch namens der ehrlichen Richtung der frcisinuigcn Parteien, der freisinnigen Boltspartei." O. wie mag sich der unentwegte Engen Richter wonniglich baden in den wärmenden Soinienstrahlen antiseniitischer Gewogen- heit. Das also ist das Endziel, das Herr Richter nach Jahrzehnten erreicht hat: er findet— nachdem ihm die Konservativen längst alle „Sünden" verziehen haben— auch Gnade in den Augen der rück- ständigsten aller„Politiker", er findet Gnade in den Augen der Antisemiten.— Wie ei» Pfarrer citiert und wie er Socialpolitik tteibt. Aus Erfurt wird uns geschrieben: Auf dem Verbandstage Thürin- gi scher Raiffeisen-Vereine am letzten Mittwoch, leistete der Landtags-Abgeordnete und Pfarrer Mc yenschein aus Haßlau in Hessen in einem Vortrage über:„Die sittigenden Wirkungen des Raiffeisen- Werkes", eine sicherlich„sittigende" Bekämpstmg der Socialdemokratie. Er wies darauf hin, daß der Raiffeifen-Verein bestrebt fei, andre wirtschaftliche Verhältnisse für die Landwirlschasl mit Gottes Hilfe zu schaffen. Es gebe aber auch eine Partei, die dies angeblich auch wolle, aber ohne Gott. Wie aber die Hauptführer dieser Partei über den Bauernstand denken, beweise der Ausspruch Bebels: „Es giebt keinen egoistischeren, keinen rücksichtsloseren, keinen brutaleren und auch keinen bornierteren Menschenschlag als die bäuer- liche Klasse, gleichviel welcher Gegend. Der menschliche Fortschritt bedingt, daß die Klasse der Bauern verschwinde. Wir wollen und können den Untergang des Bauernstandes nicht aufhalten. Haben wir eines Tages die Macht, unsre Forderungen rücksichtslos durch- zusetzen, so machen wir natürlich mit diesen Eigentümern kurzen Prozeß." Es ist erstaunlich, daß ein Pfarrer, der von den, Grundsatz ausgeht, daß man die Wahrheil nur unter Brüdern aus- sprechen darf, der Erkenntnis der Unwahrheit so fem steht. Ter Herr Meyenschein sprach doch zu Raiffeisen.brüdern" und trotzdem operierte er mit dieser als erlogen und gefälscht nach- gewiesenen Rottz. Der Herr könnte wohl in der Lage sein, die Berichtigungen unsres Genossen Bebel zu kennen, da er als hessischer Landtagsabgeordneter die öffentlichen Angelegenheiten einigermaßen verfolgen muß. Dieser Herr Pfarrer ist aber auch sonst ein recht seltsamer Mann. Seine Ansicht über die„Lösung der socialen Frage" spiegelt sich in dem einen Satze wieder:„Die Raiffeisen-Vereine sind das Allheilmittel!" und wer nicht daran glaubt, ist ein„politischer Schwätzer", ein„großmäuliger Städter".„Krakehlcr" oder„Umstürzler". Wieder Herr Pfarrer die Genußsucht, den Leichtsinn und die Roheit der heutigen Jugend beseittgt, dafür mag sein eignes und wie er selbst sagt, einfaches Rezept hier mitgeteilt sein:„M a n n e h m e den Lausbuben— gemeint sind damit die j u n g c n F a b r, k- arbeiter— ei n f ach das Geld ab." Und wie kann das ge- schchen? Man gründe Pfennig-Sparkassen. Allsonntäglich schicke man den Kassierer von Haus zu Haus und lasse sich von den jungen Leuten gegen Einhändigung eines Bons 10, 20, 20 Pf. ja auch eine Mark geben und spare sie ihnen. Mit diesem einfachen Rezept, das selbst die andächtig lauschenden Landarbeiter mit Heiterkeit auf- nahmen, will dieser Raiffeisenmann spielend leicht unsre Jugend zu besseren Menschen und tüchtigen Raiffeisemnännern erziehen. Der Herr Pfarrer und LandtagS-Abgeordnete sollte vor den Besserungs- versuchen an der Jugend durch Sparsamkeit sich selbst bessern durch Sparsamkeit in falschen Citatcn.— Ein raffinierter Soldatenpcinigcr kam bor dem VreSlaner Kriegsgericht sehr milde weg. Es ist der Unteroffizicr Gustav Naewe vom Lcib-Kürassierregiment in Breslau. In 30 Fällen hat er den Kürassier Gerlach gemißhandelt und dabei besonders häß- liche Peinigungsmcthoden angewandt. Ein Kürassier mußte auf Befehl des Naewe dem Gcrlach so lange mit einer Wurzelbürste die Hände reiben, bis daS Blut kam. Wegen Schlafens in der Putzstunde wurde der Rekrut mit dem Kopf in einen Eimer mit kaltem Wasser gesteckt. Um die„Thaten- lust" des Gerlach zu erhöhen, ließ ihn der Unteroffizier im Stalle mit gefülltem Wasfereimer Laufschritt machen. 24 mal ist Gerlach nach eigner Aussage vom Unteroffizier mit dem Rohrstock geprügelt worden, so daß sein Körper mit blauen Flecken bedeckt war. Einmal gab der Unteroffizier dem Rekruten hintereinander 12 Ohr- feigen. Alle Strasthaten, mit Ausnahme der ersten, muß der Unteroffizier zugeben, aber auch das Reiben mit der Wurzelbürste wird durch eidliche Zeugenaussagen bestätigt. Dem Soldateuschinder wird„vorzügliche Führung" bestätigt, er hat i» sieben Jahren der Schwadron„die besten Dienste" geleistet. Infolgedessen zieht das Gericht seine Heftigkeit mildernd in Betracht und verurteilt ihn nicht zu zwei Monaten Gefängnis, wie der Antrag lautete, sondern nur zu vier Wochen Mittclarrest.— Ob er kuriert ist? Wir glauben kaum.— Zum öffentlichen MilitärgcrichtS-Verfnhren. Halle, 25. Februar. Etwa eine Minute im ganzen durften die Preüvertreter der heute vor dem Kriegsgericht der 8. Division stattgehabten Verhandlung gegen den Oberlieutenant v. B i l a und den Vicefeldwebel Krause von der 11. Compagnie des Jnfanleric-Regimeins Nr. 36 beiwohnen. Morgens 9 Uhr. vor Bekanntgabe des Eröffnungs- beschlusses, wurde die Oeffcntlichkeit wegen Gefährdung militärdien st lich er Interessen ausgeschlossen und als nachmittags s/�5 Uhr die Oeffentlichkeit wieder hergestellt worden war, vernahmen die Preßverlrctcr nur die Worte:„Oberlicntenant v. Bila wird wegen Erstattung vorsätzlich falscher Meldung mit zwei Wochen Stubenarrest bestraft, und der Vice- fcldwebel Krause wird freigesprochen." Das war alles. Die Preß- Vertreter mußten darauf wieder den Saal räumen, da das Gericht antragsgemäß beschloß, auch die Urteilsbegründung wegen Gesähr- düng militärischer Interessen in geheimer Sitzung zu geben. Es handelte sich um falsche Eintragungen bei den Schießübungen.— Im 20. sächsischen Wahlkreise wird von der„Deutschsocialen Reformpartei", d. h. den Antisemiten, der frühere Reichstags- Abgeordnete und jetzige Landtags-Abgeordnete Z i m», ermann in Dresden als Kandidat aufgestellt. Die„Staatsbürger- Zeitung" bildet sich ein, der Kreis sei für ihre Partei zu gewinnen, wenn diese ihr volle Kraft dort entfalte; sie fordert zu fleißigen Geld- sammlungen auf. Herr Zimmermann ist bei den ftüheren Wahlen bereits in einer hübschen Anzahl sächsischer Reichstags- Wahlkreise durchgefallen, er scheint sie sämtlich durchproben zu wolle». Die K on s e r v a t i v en stellen den Bürgermeister Dr. Schanz- Olbernhau als Kandidaten auf.— Drntsch-Südwcstafrika. Gouverneur Leutwein meldet unter dem heutigen Tage aus Windhuk, daß in dem Gefecht der Abteilung des Kapitän- lieutenants GygaS bei Grotz-Barmen am 19. d. Mts. außer den bereits gemeldeten Verlusten(siehe Telegramm vom 21. d. Mts.) noch der Reiter Rtax Müller vom Eisenbahn- Detachement vermißt iverde. In der neuesten Nummer der„Deutschen Kolonial- Zeitung" wird nach einer Schilderung der Vorgänge der letzten Zeit geschlossen: Die Gesamtlage, wie sie sich nach diesen einzelnen Vorgängen und Meldungen darstellt, zeigt das gleiche Bild wie in der Vorwoche. Die Herero haben vom ersten Augenblick ihrer Erhebung an begonnen, ihr eignes und das geraubte Vieh nordostlvärts zu treiben, um über die Grenze in das britische Betsckuanenland auszuweichen. Sie halten, abgesehen von versprengten Banden, den deutschen Truppen nur da vorüber- gehend stand, wo die Herden noch keinen genügenden Vorsprang haben. Da im Norden das wasserlose Omabekesandfeld, im Süden die ebenfalls wasserlose Kalahariwüste für größere Herden auch in der Regenzeit nicht passierbar sind, kommt als Straße nach Osten in das britische Gebiet nur der amNgamisee, wo eine größere Anzahl vonBocrcn angesiedelt ist, vorbeiführende sogenannte Ngamipfad in Betracht. Der Vormarsch des Haupttciles der verfügbaren deutschen Tnippen von Windhuk ostwärts auf Gobabis, obivohl der Feind inzwischen von diesem Platze abgezogen ist, läßt erkennen, daß die Absicht der Operationen dahin geht, die Herero von diesen, Pfade abzuschneiden, um sie vor lleber- schreiten der Grenze mit den mitgeführten Vieh- Herden abzufangen. £tasU!icl. Korruption der russischen Militärverwaltung. Russisch-Polcn.(Eig. Bcr.) Warschau, 23. Februar. Der erste Schub von Aerzten nach dem Kriegsschauplatz, der von hier aus vorgenommen wurde, hat gleich eine nette Geschichte ans Licht gebracht, die für die Finanzen und die Militärverwaltung der russischen Regierung überaus charakteristisch ist. Sonnabend, den 20. d. Mts., sind plötzlich über 60 junge Acrzte von Warschau teils nach C h a b a r o w s k, teils nach W l a d i w o st o k abkommandiert worden. Man hatte ihnen nur vier bis fünf Tage Zeit gelassen, um Privatangelegenheiten zu ordnen und Reise- Vorbereitungen zu machen. Dabei bekam jeder Arzt von der Militär- Verwaltung für Beschaffung von Uniform, R e i s e b e k l e i d u n g und Reisekosten zusammen 700 Rubel. Nun kostet die doppelte Uniformierung, Ausrüstung und die angesichts der in Sibirien jetzt herrschenden Temperatur notwendige warme Bekleidung, wie Pelz- fachen, allein 700 bis 800 Rubel pro Mann. Das Eisenbahn- billct von Warschau»ach Ehabarowsk aber kostet 120 Rubel und nach Wladiwostok ungefähr ebenso viel. Es ivar klar, daß die Aerzte somit die ganze Reise zu Väterchens Kricgslager auS eigner Tasche hätten bezahlen müssen, wozu sie nicbt die geringste Lust verspürten. Einer dieser Herren bekam Wind von einer Unregelmäßigkeit, begab sich zur Militär- Verwaltung und machte einen gehörigen„Krach" Das Ergebnis war ein glänzendes: es stellte sich heraus, daß für jeden Arzr nicht 700 Rubel, sondern 1312 Rubel und 50 Kopeke» bestimmt waren, die auch sämtlichen Herren schleunig ausgezahlt wurden! Die Militärverwaltung wollte also bei dieser Gelegenheit aus„Verseheu" eine harmlose„Ersparnis" von ca. 612 Rubel pro Mann machen, was bei über 60 Aerzten ein nettes Sümmchen von ca. 40 000 Rubel ausmacht! Dieser Zwischenfall gewährt einen kleinen Einblick hinter die Coulissen der gegenwärtigen Militärwirtschast im Zarenreich. Wenn dergleichen„versehentliche" Unterschlagungen in Warschau, so- zusagen vor den Augen Westeuropas in vollster Oeffcntlichkeit ge- schehen, da kann man sich einen Begriff davon machen, was alles drüben in Ostasien, im Dunkeln vorgeht! Man kann sich eine Bor- stellung von dem Stand der Verpflegung der Soldaten, überhaupt von dem sie erwartenden Los bei längerer Dauer des Krieges machen! Kein Wunder, daß die Stimmung hier im Lande eine äußerst gedrückte ist. Die bürgerlichen Kreise befürchten natürlich vor allem den fatalen Rückschlag des Krieges auf die wirtschaftliche Lage, was auch bei der engsten Verknüpfung der polnischen Industrie und des Handels mit dem russischen Wirtschaftsleben sehr naheliegend ist. So herrscht z. B. in Lodz, dem polnischen Manchester, dessen Existenz zu vier Fünfteln auf russischen Absatz gegründet ist, und das zum Teil sogar direkt mit Ostasien in Handelsbeziehungen steht, jetzt schon die Krisis. Der Diskont bei dortigen Privat- banken ist soeben um 2Vz Proz. erhöht worden. Sogar die Metall- industrie, die sich in Rußland noch am besten hält und sogar aus „gute Geschäfte" bei den, Kriege hofft, liegt hier seit längerer Zeit darnieder und im allgemeinen ist die Depression in der Bourgeoisie groß. Wie sehr übrigens auch unser Kleinbürgertum politisch gänz- lich auf den Hund gekommen ist. beweist die Thatsache, daß die Nationalisten verschiedener Schattierungen, die in den letzten Jahren das Maul so voll nahmen, jetzt, wo der Krieg. aus den sie so viel spekulierten, da ist, sich ins Mauseloch verkriechen. Daß sie nichts thatsächlich unternehmen würden, und das ganze„nationale" Radanmachcn ein Humbug ist, wußte hier jeder Mensch im voraus. Aber daß gerade jetzt, wo es in Rußland selbst wirklich gärt und bereits Nachrichten über Demonstrationen von dort hierher dringen, daß unser Polen allein die Stille eines Sumpfes beivahrt. das ist ein traungeS siKmim temporfs. Bei dieser hündischen Bourgeoisie und diesem verkommenen Äleinbürgertunr kommen die städtischen Arbeiter allein in Betracht, wenn man an eine eventuelle Aktion gegen den Absolutismus auf ein Zeichen aus Rußland denkt. Leider können wir die Neugier unsrer Arbeiter schlecht befriedigen, die Nachrichte» aus Nußland kommen spärlich und etwas verspätet.— Oestreich-Nngaru. Wien, 2S. Febr. Eine Versammlung von socialistischen Studenten aller Nationen beschloß eine Resolution, worin der heiße Wunsch ausgedrückt wird, daß die durch die L ä n d e r g i c r Rußlands verschuldete Schlächterei in Ostasien beitragen möge, die blutdürstige Schreckens- Herrschaft in Rußland durch das Proletariat zu stürzen.— Nach der Versammlung zogen die Demonstranten vor die russische Botschakt und brachten Pfiffe und Schmährufe aus. Die einschreitende� Polizei verhaftete fünf Teilnehmer, die von den anderen iu corpore zur Polizei begleitet wurden, worauf sie sich zerstreuten.— Frankreich. Pelletan über die Flottenvermchrung. Im Laufe seiner gestrigen Erklärungen in der M a r i Ii e I o m w i s s i o n der Deputierten- kammer hob der Minister Pelletan hervor, er denke zwar nicht an die Möglichkeit eines Konfliktes, aber die Marine müsse für alle Eventuali- täten bereit sein; sie verfüge jetzt über fünf Panzer- schiffe der modernsten Bauart und werde in einigen Wochen noch fünf weitere besitzen. Alle auf den Werften in Bau befind« lichcn Torpedoboots-Zerstörcr gingen ihrer Vollendung entgegen, er, der Minister, habe den Bau von sechs neuen Unseriee« booten angeordnet, deren jedes einen Tonnengehalt haben solle, der dem von vier oder fünf der bisherigen Unterseeboote gleichkomme. Es sei unmöglich, daß Frankreich in Ost« asien ein ebenso starkes Geschwader besitze wie dasjenige Japans, der Vereinigten Staaten oder Englands, doch seien vier TorpedobootS-Zerstörer abgegangen, um die effettiven Streit- kräfte Frankreichs zu vermehren. Die von französischer Seite ge- troffenen Maßnahmen in Jndochina machten den Versuch einer Lau» dnng unmöglich. Er glaube alles gethan zu haben, was die Um« stände erheischten und damit seine volle Pflicht gethan zu haben.— Ruhland. Wnrschan, 24. Februar.(Eig. Ber.) Am Sonntag, den 21., wurde hier eine Straßendemonstration von jüdischen Arbeitern ver- anstaltet. Die Polizei war so fassungslos, daß sie die Arbeiter erst ruhig von der Jerosolimer Allee(äußerstes Ende der Stadt) bis zum Gefängnis Pawiak gehen ließ, ohne Verhaftungen vorzunehmen. In Warschau wurden zivei Frauen: Zawadzka und Goldberg, sowie ein gewisser Brun verhaftet. In Wilna und Grodno fanden Massen- Verhaftungen statt. Befohlene KricgSbcgcistemng in Finnlands Hauptstadt. Nach einer Mitteilung von„Nitzaus Bureau" hat die Polizei in Helsingfors am Dienstag eine Demonstration veranstaltet, die Äricgsbegeisterung darstellen sollte. Sic bestand in einem Umzug der Zöglinge der russischen Schule, russischer Soldaten und einiger russischer Arbeiter, im ganzen hundert Personen.— parlamcntarirchca. Die Budgctkoinmission des Reichstags setzte ihre Verhand« lnngen über den Etat der ostasiatischcn Besatzungsbrigade am Freitag schon um 9 Uhr früh fort. Bei dem Ausrüstungs lvesen be- antragte Abg. Müller- Fulda einige Streichungen; das Beklcidnngs« amt sei auf einem unerhört großen Fuße eingerichtet worden; in vier Jahren seien für 17 Millionen Mark Kleider nach Ostasien gesandt worden, man könne gar nicht begreifen, wohin die gekommen seien. Es sei überhaupt fraglich, ob dort ein Bekleidungsamt nötig sei; man könne die Uniformen gleich direkt an die Truppen lrefern. General Gollwitz schilderte die Thätigkeit des BekleidnngSdepots in China und des Bekleidungsamts in Berlin. Es sei sehr viel und komplizierte Arbeit zu leisten; z. B- lägen jetzt noch 1200 Kisten aus Ostasien unausgepackt in Berlin, eine Verkürzung des Personals sei nicht möglich, höchstens könnte an der Behörde in Ostasien etwas gespart werden. Abg. Müller- Fulda wies nochmals darauf hin, daß die Monturcn mit ungeheueren Kosten hinüber- und herüber- geschafft werden; es frage sich, ob man sie nicht in China auftragen könnte. Man könne sich dem Eindruck nicht verschließen, a l s ob lediglich einigen Unternehmern ungeheure V e r d i e n st e zugeschanzt würden. Die Art und Weise der Wirtschaft in China sollte eigentlich dazu führen, das ganze Bekleidungsdepot der Brigade auszulösen, da es sich offenbar nicht bewährt habe.?Nan solle lieber die Sachen den einzelnen Truppenteilen direkt überweisen. General G a l l w i tz wandte ein, daß man mit der größten Peinlich- keit bestrebt sei, sparsam zu wirtschaften. Der Kriegs mini st er gab zu, daß früher sehr aus dem vollen gewirtschaftet worden sei; nach der Auflösung der China-Expcdition sei es unmöglich gewesen, alles gleich wieder zurückzuschaffen. Es sei ganz falsch anzunehmen, daß man Unternehmer habe bereichern wollen. Fehler freilich seien gemacht worden, aber es sei doch zu weit gegangen, vom„Spazierenfahren" der Sachen zu sprechen. Mit 13 gegen 11 Stinttnen wurde nach weiterer Diskussion das besondere Bekleidungsamt der Besatzimgsbrigade gestrichen. Bei den sächlichen Kosten des Bekleidungswesens wurden von der Kommission 150 000 M. gestrichen; die gleiche Summe bei der Position für die Garnisoneinrichtungen. Gegen das sehr reich ausgestattete Garnison- Bauwesen ging Abg. Müller-Fulda vor. Es wurden dabei vier Stellen gestrichen. Eine ähnliche Kürzung beantragte derselbe Abgeordnete beim Titel: Lazarett wesen, weil das Lazarettpersonal immerhin so zahlreich sei wie der durchschnittliche Krankenstand; er vermutete, daß sich eine Anzahl von Leuten in den Lazaretten als Kranken- Wärter einnisteten, um dort wenig zu thun zu haben; eS sollten deshalb 23 Stellen eingezogen werden. Abg. Singer erklärte, daß er im Namen der socialdcmokratischcn Vertreter diesem Antrage nicht beitreten werde, da man nicht die Verantwortung da« für übernehmen könne, daß der Gesundheitszustand der Truppen durch ungeeignete Sparsamkeit gefährdet werde. Gegen die vorgetragenen Bedenken machte Abg. M ü ll e r- Fulda geltend, daß in den Lazarett-- orten noch außerdem reichliches Aerztepersonal vorhanden sei. Die Position wurde belvilligt. Auf die außerordentlich großen Ausgaben für Transporte war schon in der Generaldisknssion hingewiesen worden. Abgeordneter Müller- Fulda beantragte, von der verlangten Summe 500 000 Mark zu streichen. Abg. Dr. S ü d e k u m wies bei dieser Gelegenheit auf die Ungeheuerlichkeit hin, für den Transport von OffizirrSdame» das Reich mit 40 000 M. zu belasten. Man behaupte, die Brigade befände sich auf dem Kriegsfüße, dann sei aber sicherlich nicht angebracht, die Frauen und eine große Bagage nachkommen zu lassen.. Die Besatzungsbrigade solle doch aucki so bald wie möglich zurückgezogen werden, wie die Regierung selbst erklärt habe. Dagegen wandte sich der StaatSsekreiär von Richthofcn. Abg. Ledebour warf die Frage auf: Kann die deutsche Regierung ohne Zustimmung der andren Mächte, die in Tschili Truppen stehen haben, die Besatzungs- brigade zurückziehen oder nicht? Der Staatssekretär' dcS Auswärtigen lvußte auf diese Frage keine Antwort z u geben, sondern schwieg, obschon ihm der Borsitzende daS Wort anbot.— Gemäß dem Antrage wurden bei dieser Position 500 000 Mark gestrichen.— Beim Waffcnlvcsen beliesen sich die Ab« striche auf 100 000 M., bei einem Dispositionsfonds auf 75000 M.— Bei den Pensionen macht sich eine immer weitergehende Steigerung bemerkbar; der Titel wurde bewilligt. Nach einem ftüheren Antrage des Abgeordneten Richter sind alle Titel des Etats unter einander deckungsfähig. Um nicht die ganze Arbeit der Kömmission illusorisch zu mache», beantragte Abg. P a a s ch e, diese Anmerkung zu streichen. General G a l l w i tz wehrte sich gegen diesen Vorschlag, da man die Verhältnisse doch' Bank hat sich lediglich in der Erwägung, daß der hiesige Platz dnrch '"■*■''"""'' die unvorbereitete, gewaltsame Lösung der großen Engagements der insolventen Firma in neue Verwirrung geraten könne, veranlaßt gesehen, bei der Regelung der Sache mitzuwirken." Ueber den Takt läßt sich ebenso wenig streiten wie über den Geschmack, und wir haben weder den Ehrgeiz, im Sinne des .Börsen- Courier" für taktvoll zu gelten, noch uns dessen Lob zu erringen. Und noch weniger verdenken wir ihm seinen Groll; wir haben ihm so oft seine Pfötchen geklopft, daß wir dieses Gefühl bei ihm begreiflich finden; schließlich krümmt sich doch selbst der elendeste Wurm, wenn er getreten wird. nicht übersehen könne; die Brigade müßte die Möglichkeit haben. sich selbst zu helfen. Aus Rücksicht auf das Budgetrecht des Reichs- tages schloß sich Abg. Singer dem Antrage Paaschs an; es sei even der Wille des Parlaments, daß die Verwaltung mit den ein- zelnen Posten auskomme. Der Referent Graf v. O r i o l a wollte auch die gekürzten Summen als Panschquantum bewilligen, schloß sich aber dem Vorschlag Paasch? an. Die Deckungsfähigkeit wird danach gestrichen. Nach Genehmigung des Restes des Etats wurde die Resolution der Abgg. Payer-Müller-Saga» behandelt, durch die die Negierung zur möglichst schleunigen Auflösung der Brigade aufgefordert wird. Abg. Gröber machte einige Bedenken dagegen geltend; infolge- dessen wurde die Resolution in der Kommission zurückgezogen. Die Petitioiiskommissio» des Reichstags verhandelte am Freitag über eine Petition, betreffend Erteilung der Genehmigung z u m Verkauf von Süßstoff(Saccharin). Nach den Bestimmungen des Gesetzes hat im Jnlande nur eine Fabrik das Recht, Süßstoff zu produzieren. Jedoch hat der Bundesrat das Stecht, die Erlaubnis zu ertelten, daß Saccharin vom Auslände eingeführt werden kann. In der Diskussion wurde bedauert, daß durch das Gesetz eine künstliche Verteuerung des Saccharins herbeigeführt worden sei. Es sei dies unisoweniger gerechtfertigt, als das Saccharin zum großen Teile als Medikament benutzt werde, das Gesetz also eine Verteuerung einer wichtigen Arznei geschaffen habe. Die Kommission beschloß, die Petition dem Reichslanzler als Material zu über» weisen. Eine Petitton ans Dessau fordert Neuregelung deS ApothekenwesenS durchs Reichsgesetz. Der anwesende Regierungs- kommissar gab die Erklärung ab, daß sich das preußische Kultus- ministeriunl allerdings mit der Angelegenheit beschäftige; die Ber» Handlungen wären jedoch noch nicht so weit gediehen, um schon gesetzgeberische Vorschläge unterbreiten zu können. Allein in Preußen sei zur Ablösung der privilegierten Apotheken ein Ablösungskapital von etiva 200 bls 300 Millionen Mark erforderlich.— Dre Kom- Mission beschloß, die Petition dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen. Mehrere oberschlesische Fleischerinnungen petitionieren um weitere Ausdehnung der Einfuhr russischer Schweine in die Schlacht- hänser des oberichlesischen Jndustriebezirks. Jetzt dürfen wöchentlich 1350 lebende Schweine eingeführt werden, die Aahl müsse aber auf mindestens 2000 Stück erhöht werden.— Der Regierungskommissar sowie die agrarischen Mitglieder der Kommission bemühen sich, nach- zuweisen, daß die Petition weniger im Interesse der Konsumenten als in dem der Schlächtermeister liege. Diese verdienten an jedem aus Ruß- land eingeführten Schweine 30— 80 M. Von andrer Seite wurde bemerkt. daß das russische Schwein für Obcrschlesien seines großen Fett- reichtums wegen sich am besten eigne. Der Oberschlesier bedürfe vor allem Speck und Fett, welches das deutsche Schwein nicht in ge» nügender Menge liefere. Die Kommission beschloß mit 12 Stimmen Uebergang zur Tagesordnung; sieben Mitglieder(Social- beniokraten und Freisinnige) stimmten dafür, daß die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen werde. Der Westfälische Handwerkerbnnd in Dortmund petitioniert um Aenderuna des Gesetzes betreffend die Beschlagnahme von Arbeits- und Dienstlohn. Schon bei einem Einkommen von 750 M. soll die Pfändung von 5 Proz. des Einkommens für zulässig erklärt werden Eerner sollen die Gewerbegerichte zuständig sein, über lagen, deren Objekt 100 M. nicht übersteigt, zu entscheiden, auch wenn es sich nicht um Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältiiis handelt.— Die Kommission ging zur Tagesordnung über. )Zus Industrie und Handel. Nochmals der Fall Fritz Meyer. In der Mittwochnummer haben wir bereit« darauf hingewiesen, daß Meyer die besondere Gunst einiger hiesigen Großbankenzenoß, und von diesen mehrfach benutzt wurde, um für deren Emissionswerte Stimmung zu machen und sie zu hohen Kursen an den Mann zu bringen. In einem„Börsen- l r a ch" betitelten Artikel, der in der Form eines Gesprächs zweier Börsenspekulanten das Verhältnis der Banken zu ihren„Einbeizern" behandelt, geht die letzte Nummer der Finanz-Wochenschrift„P l u t u s" näher aus diese Stellung Meyers ein und läßt den einen der beiden erklären: „Wie glauben Sie denn eigentlich, sichern sich die Banken die Möglichkeit, als Wettermacher zu fungieren? Wie gelingt es ihnen. ihre großen Emissionen unterzubringen? Früher, da noch ein Stamm fw-'et selbständiger Bankiers an der Börse hin und her handelte, war das sehr einfach. Was die Banken herausbrachten, nahmen diese ihnen ab und brachten es unter daS Publikum. Damit waren die Institute das Risiko loS. DaS geht so schon lange nicyt mehr. Heute ist die Kundschaft bei den Banken, dank der kapitalistischen Entwicklung und dem Börsenaesetz. Diese Kunden kaufen allerdings blindlings, was ihnen die Direktoren oder die Borsteher der Depositenkassen empfehlen. Aber ganz be- haglich ist den Herren Direktoren bei diesen Käufen doch nicht immer. ~m Grunde genommen, bleibt alles im Hause und ist nur Arbeit ür Effektenkassierer und Buchhalter. Die Stücke werden aus einem Schrank in den andern gethan. Und vom„Conto „Eigne Effekten" auf Conto- Corrent- Conto verbucht. DaS heißt dann„gedeckter Debitor". Bar bezahlt wird natürlich das wenigste. Bei kleinen Emissionen, wo nur wenige Milliönchen Aktien- kapital in Frage kommen, geht die Sache noch an. Aber schließlich will man doch auch mal blankes Geld sehen und nicht immer in jedem Jahr, wenn die Debitoren allzusehr angeschwollen find, gleich das Aktienkapital erhöhen. Man möchte also gern etwas außer dem HauS los werden. DaS muß man so- gar, wenn es sich um große Rententransaküonen handelt, die nian im Hause allein nicht unterbringen kann. Aber an wen? Die Kapitalisten sind versorgt. Bleibt also nur die Spekulation. DaS heißt die vom Tage. Die heute kauft, wenn ordentlich Feuer da- hinter gemacht wird, und morgen mit Verluft abgiebt, wenn irgend ein Wölkchen am Horizont heraufzieht. Man muß also zunächst Feuer machen. Die EinHeizer werden bestellt. Das sind vor allem ein paar große SpekulationSmakler. Ihnen wird eine Option zugesichert. DaS heißt: sie bekoimnen, womöglich ein paar Prozent unter dem bereits getriebenen Tageskurs, einen größeren Posten der Werte und haben das Recht, dieselbe Summe oder ein mehrfaches nachzufordern. Sie machen nun iin Markt Stimmung und versuchen, die Kauftust bei steigenden Kursen zu wecken. Kommis und Eintagsspekulanten beginnen sich zu beteiligen. Einer hetzt den andern herein und sucht möglichst hoch an ihn seine Ware fu verkaufen, bis schließlich einer der letzte ist. den die Hunde beißen. iäufer sind nicht mehr vorhanden. Die Besiver wollen losschlagen: der Kurs fällt. Oft würde er ins Bodenlose fallen, wenn nickt schließlich die Bank als bannherziger Samariter erschiene. Dieselbe Bant, von der der Rummel ausging. Sie kann es sich ohne große Schmerzen leisten, zu niedrigeren Kursen zurückzukaufen. Wenn das Geschäft eine Weile im großen betrieben wird, kann man davon sogar Dividenden verteilen." DaS ist thatsächlich in den Hauptzügen die Mache. Den großen Banken ist natürlich dieser Hinweis auf ihre Rolle als Drahtzieher nichts weniger als angenehm. Die große Annoncen- Plantage der Bankinstitute brachte denn auch bereits am Donnerstag- abend unter der Stichmarke„Deutsche Bank" eine Auslassung, in der sie mit der ihr so gut anstehenden Kokotten-Naivetät erklärte: „Die Thatsache, daß die Deutsche Bank sich im Interesse der Börse in uneigennütziger Weise für die Ordnung der Angelegenheiten der insolventen Firma Fritz Meyer bemühte, hat einzelne Organe der Presse nicht abgehalten, daraus in hämischer Weise künstlich einen zwischen dem Jnstitut und der insolventen Finna bestehenden Zusammenhang herzuleiten, indem sie die Angelegenheit so dar- zustellen suchen, als ob die Deutsche Bank sich der Firma bedient habe, für die sie interessierenden Werke Stimmung zu machen. Diese Bemerkungen sind ebenso taktlos wie unzutreffend. Die Deutsche f" Zum Fall Meyer selbst erfahren wir noch in später Abendstunde. daß sich Fritz Meyer heute nachmittag der Polizei gestellt hat. Er ist nicht geflüchtet, sondern hat sich während der letzten Tage hier in Berlin versteckt gehalten. Zugleich hören wir. über die heute nachmittag abgehaltene Gläubigerversammlung. daß auf Befürwortung des Herrn Direktms Mankiewicz von der Deutschen Bank voraussichtlich von eiuer Konkurserklärung abgesehen und die Sache außergerichtlich geordnet werden wird.— Die französische Baumwollindustrie befindet sich infolge der Ver- teuerung der Rohbaumwolle durch die amerikanischen Hausse- spekulatiouen beinahe in einer ähnlichen bedrängten Lage, wie die Englands. Zlvar versucht man den Bedarf möglichst durch Ankauf von ägyptischer, indischer und westafrikanischer Baumwolle zu decken; aber die von dort bezogene» Mengen reichen bei weitem nicht aus. Sie liefern nur etwa ein gutes Viertel des Gesamtverbrauchs. Die Zahl der in den französischen Baumwollfabriken zur Zeit im Betrieb befindlichen Spindeln beläuft sich auf rund 6 150 000, von denen auf die drei Hauptfabrikationsbezirke, und zwar auf die Nor- mandie 1 750 000, auf Nord 2 200 000 und VoSges 2 100 000 entfallen. Mit der raschen EntWickelung des Spinnereibetricbes hat die des. Webereibetriebes ungesühr gleichen Schritt ge- halten. Obwohl erst in den fahren 1872 bis 1875 die ersten mechanischen Webstühle zur Hcrslellung gefärbter Baumwollzcuge in Frankreich in Gebrauch kamen, so dürste sich augenblicklich die Zahl der zur Fabrikation von gebleichten und ge'ärbten Zeugen in Thätigkeit befindlichen Webstühle auf etiva 103 000 belaufen, von denen in der Normandie 27 000, in Vosges 53 000 und in der Rhöncgegend 15 000 vorhanden sind. Vor Inkrafttreten de« Tarifs von 1892 existierten in Frankreich knapp 75 000 Webstühle. Fabriken. die sowohl für Spinnerei- wie Webereizwecke eingerichtet sind, giebt es in Frankreich nur wenige, in den meisten Fällen bilden die beiden Fabrikation««.!?» vollständig von einander getrennte Betriebe. Mit dem Absatz seiner Banmwollfabrikate hängt Frankreich in erster Linie von seinen Kolonien ab. Von den im Jahre 1902 nach Madagaskar eingeführten Baumwollzeugen waren ungefähr 94 Proz. französischen Ursprungs. Ebenso verhält eS sich mit Jndochina, wohin die Einfuhr französischer Baumwollwaren während der letzten elf Jahre dem Werte nach von 500 000 auf 3 200 000 Dollar gestiegen ist. Hauptabnehmer von allen Kolonien ist jedoch Algerien, welches im Jahre 1902 allein für 3 Millionen Dollar bezogen hat. Der größte Teil der dorthin gelieferten Baumwollwaren kam aus Ronen. Tie wirtschaftliche Lage der beiden früheren Boerenrepublikcn ist eine recht traurige. Von der Hoffnung, daß nach der Beendigung des Krieges die Länder alsbald einen rapiden Aufschwung nehmen würden, bat sich nichts erfüllt. In einem Bericht des deutschen Handelssackvcrständigen in Pretoria werden die geschäftlichen Vor- bältnisse im Blocmfvnteiner Bezirk und überhanvt in der ganzen Orangefluß-Kolonie als recht„wenig günstig" geschildert. Da« Land hing seither größtenteils von Viehzuckt und Landwirtsckast ab. und beides hat durch den Krieg sehr gelitten. Die früher blühende Schafzucht ist fast vollständig vernichtet und der Bestand an Horn- Vieh äußerst gering. Tie meist-n Bauern haben sich daher mehr als früher auf den La..dbau geworfen, und zwar auf den Anbau von Getreide; die Saaten standen im vergangenen Herbste ickr gut, doch scheint bisher noch immer nicht ausreichend Regen gefallen zu sein, so daß sich die Aussichten auf eine gute Ernte verschlechtert haben. Seit Ende des Krieges werden einige in der Kolonie befindliche Diamantminen wieder bearbeitet, und die Ausbeute von Diamanten ist im Sieigen begriffen. Im Jahre 1898 betnig die Ausbeute 307 148 Karat im Werte von 1 508 331 Pfund Sterlil'-z: man hofft, diese Zahlen in nicht zu ferner Zeit wieder zu erreichen. Einige Kohlenminen werden aufgeschlossen. Neuerdings sollen auch anSsichts reiche Funde von goldhaltigem Gestein gemacht worden sein, wa« dazu geftihrt hat, daß innfangteiche Schürfarbeiten von mehreren Finanzgruppen in Aussicht genommen sind. Am Einfuhrhandel der Kolonie ist Deuffchland mit Näfy maichinen, Stemgut. Emailgeschirr. Messerwaren, Bier, Cemeut, landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten, Eisenwaren, Stnimpf waren, Woll- und Baumwollwaren, Lederlvaren und fertigen Kleidern beteiligt. In landwirtschaftlichen Maschinen macht sich die ameri- kanische Konkurrenz sehr fühlbar, besonders in Pflügen. )Zus der frauenbewegung. Zum Franenstudium. Wie man uns aus Frei bürg i. B. be- richtet, vollendete an der dortigen Universität Fräulein Dt a r i e Opificiu«, die Tochter unsere« Franksiiner Parteigenossen Louis Opisic'iis. das Studium der Medizin durch Ablegung des für Aerzte vorgeschriebenen Staatsexamens. Versammlungen. Zum Bontischler- Streik von Steglitz und Umgegend ist zu be- richten, daß in ihrer am Mittwoch abgehaltenen Versammlung die Tischler beschlossen, ihre Forderungen in ganzem Umfange aufrecht zu erhalten. Dieser Beschluß wurde am Donnerstag dem Vorsitzenden des Lrbeitgebr- SchutzoerbandeS, Herrn Sebastian, mitgeteilt, der sofort den Bescheid gab, daß die Arbeitgeber sich erst am DienStag. den 1. März, erklären werden können. Herr Sebastian bemerkte noch, daß er nicht früher verhandeln könne, da ihm die nötigen Vollmachten fehlen. Einzelne Berliner Arbeitgeber sind bemüht, Arbeiten aus dem Streikgebiet in Berlin anfertigen zu lassen, damit die Steglitzer Arbeitgeber ihren Verpflichtungen den Bauherrn gegenüber nach- kommen können. Sogar einige Arbeitgeber aus Potsdam bemühen sich, die Lasten von den Schultern ihrer bedrückten Kollegen zu nehmen. Ueber die Sociolpolltlk im Drntschen Reiche sprach Genosse Bebel am Donnerstag in einer sehr stark besuchten Versammlung de« Centralverbandes der Zimmerer, die in Kellers Saal tagte. Der Redner führte unter anderm aus, daß die sociale Gesetzgebung de» Arbeitern nur sehr wenig bietet, und daß die hauptsächlichsten Forde- rungen, die die Arbeiterklasse an die Socialreform stellt, noch un- erfüllt sind. Wir haben noch nicht den allgemeinen Maximal- arbeitstag flir erwachsene männliche Arbeiter, vor allem aber fehlt der Arbeiterklasse die volle Vereins- und Versammlungsfreiheit. sowie da« ungehinderte Koalitionsrecht, was gerade jetzt, wo die Unternehmer sich zum Kampf gegen die Arbeiterklasse in einer großen Organisation zusammenschließen, eine unerläßliche Not- wendigkeit ist. Im Laufe seines Vortrages streifte Genosse Bebel auch das Gebiet der gewerkschaftlichen Thätigkeit. Die Gewerkschaften können Verschlechterungen der Lohn-»nd Arbeits- Verhältnisse hindern und auf diese Weise die Arbeiterinteressen in der Gegenwart wirksam vertreten. Die Hauptsache ist jedoch, daß die llasienbewußte Arbeiterschaft ihrem Ziele zustrebt: An die Stelle der bürgerlichen Gcseuschaft die socialistische zu setzen. Die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse zeigt den Arbeitern, daß ihr Heil nur im Socialismus liegt. Für die Herbeiführung dieses Zieles zu wirken, muß die Aufgabe jedes klassenbewußten Arbeiters sein. Je mehr wir in diesem Sinne arbeiten, desto näher ist unser Sieg.— Der zweistündige Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall auf- genommen. Eine große öffentliche Versammlung der Gummi-Arbriter und Arbeiterinnen tagte am Montagabend in Heinrichs Festsälen, Blücherstr. 31. An Stelle des nicht erschienenen Referenten, Reichstags-Abgeordneten Wurm, hatte der Einberufer Conrad Bruns da« Referat übernommen. Der Redner schilderte, wie eS gelungen ist, seit ungefähr Jahresfrist auch die Gummi- Arbeiter, die zu den sch'lechtstbezahlten Arbeitern Berlins gehören. zu organisieren und damit aus ihrer Lethargie aufzurütteln. Nicht nur. daß Stundenlöhne von 25 Pf. die normale Bezahlung auch der verheirateten Arbeiter bilden, daß die Behandlung seitens der Meister und Vorgesetzten vielfach eine recht schlechte ist, sind auch die hygienischen direkt polizeiwidrige. ustände in näher bezeichneten Betrieben azu kommt, daß durch ein neues Verfahren in der Fabrikation ein äußerst widerlicher Geruch erzeugt wird, der sich in den Kleidern festsetzt und zur Folge hat, daß sie Arbeiter aus Straßenbahn und Omnibus ausgewiesen werden. Mangelnde Ventilation, ungenügende Waschvorrichtungen, das gänz» liche Fehlen von Baderäumen und der gesonderten Garde» roben zwingen die Arbeiter, diesen Geruch in ihren Kleidern nach Hause zu tragen, und noch ihre Wohnungen damit zu verpesten. Nicht einmal ordentliches Trinkwasser ist vorhanden, da durch das neue Verfahren anscheinend auch das vorhandene Wasser verpestet und verlehmt wird. Redner geht dann zur Kennzeichnung der Zustände in den einzelnen Fabriken über und werden seine Ausführungen von den nachfolgenden Rednern bestättgt und ergänzt. Trotzdem in einer größeren Fabrik länger gearbeitet wurde, um die Arbeiter an dem Besuch der Versammlung, die um?>/., Uhr angesetzt war, zu hindern, waren die vorhandenen Räume überfüllt. Die anwesenden Berufsgenossen folgten mit lebhaftestem Interesse den Ausführungen der einzelnen Redner und verpflichteten sich in einer einstimmig angenommenen Resolution, dem Verbände der Fabrik- zc. Arbeiter beizutreten und auch die nicht anwesenden Kollegen zum Beitritt zu veranlassen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 28. Febniar, vorm. 8'/, Uhr, in der Schul-Aula, Kleine Franksurtersw. 3: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Um IG/, Uhr vormittag« ebendaselbst: Vorwag des Herrn E. Vogtherr- Stettin:„Der Bauernphilosoph Konrad Deubler". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Vrbeiter-Bitdnngsschule Berlin. Der Rcdeübungs-Unterricht für Fortgeschrittene sätlt am Sonntag, den 28. Februar, aus. Am Sonntag, den 21. Februar, iit in der Sonntagsversammlung ein Damenschirm ver- loren gegangen. Der Finder wird gebeten, denselben an einem Unterrichts- abend in der Schule ober bei Rod. Kruumow, Breslauerstrahe 14, vorn II fiel Pohl, abzugeben Der Vorstand, Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter CE. H. 29, Filmte Berlin 6). Sonnabend, den 27. Februar, abends 9 Uhr, bei Diecke, Ackerslrahe 123: Außerordentliche Mitglieder. Versammlung.— Sonntag, den 28, Februar, vormittags t() Uhr, im Klubhaufe zu Schöne- berg, Hauptswaße 5,3: Außerordentliche Mitglieder-Bersammluna der Filialen Schöneberg und Berlin 11.— Filiale Rixdoft: Außerordentliche Versamm« lung am Sonnabend, den 27. Februar, abends 8'/, Uhr, Bergstraße 151 bei Thiel._ Letzte ffadmebten und Dcpcfcbcn. Schwarze Pocken. Sief, 26. Februar.(B. H.) Wie der„Nordostsee-Zeitung" aus Flensburg berichlet wird, ist der Hafenarbeiter Kallsen, wohnhaft in der Nordeiftraße, an den schwarzen Pocken erkrankt. Der Arbeiter soll den Keim zur Krankheit beim Löschen einer Kornladung für eine hiesige Getreidesinna sich zugezogen haben. Außer ihm ist ein Kind soivie sein am Friesischen Berg wohnender Bruder an Ansteckung erkrankt. Seitens der Behörden sind die umfaffendsten Schutz- maßnahmen getroffen worden._ Folkcthing. Kopenhagen, 26. Februar.(2B. T. 93.) socialdem akratischen Gruppe, P eine Interpellation über die G außerordentlichen militärischen e i n. Konseilspräsident D e u n tz e r verlas der Anfrage folgende Erklärung: Rußland und Japan auSgebrochenen iralität Dänemarks der Regierung für die genaueste Feststellung Stellung als neutralen Staates gehört miter anderm, daß Der Führer der Knudsen, brachte runde für die Maßnahmen in Beantwortung Während des zwischen Krieges legt die Neu- die Verpflichtung ans. und Wahnmg unsrcr Vorkehrung zu treffen. Hierzu für die sichere llebcrwachung der Seebefestigung Kopenhagens gesorgt wird. Die Kosten belaufen sich im ganzen für das Krieg?» Ministerium auf 113 500 Kronen, für das Marineministcrium aus etwa 60 000 Kronen, abgesehen von den Ausgaben für die einberufenen Mannschaften. Anders Nielsen schlug darauf im Namen der linken Reformpartei folgende Tagesordnung vor: In- dem das Folkcthing seine Zustimmung zu den vom Konseilspräsidentcn dargelegten Maßregeln, sowie fem Vertrauen ausspricht, daß die Regierung in llebereinstimmung mit den Wünschen des Reichs- tags sich stets von der Rückficht auf die Neutralität Dänemarks leiten lassen wird, geht das Thing zur Tagesordnung über. Nachdem der Kriegsminister erklärt hatte, daß er in voller Ueber- einstimmung mit den übrigen Ministern gehandelt habe, und auch in Zukunft nicht ander» handeln werde,»ahm das Folkething die Tagesordnung Anders Nielsen mit 85 gegen 13 socialdemvkratischc Stimmen an._ Fünf Bergleute verschüttet. Pari«, 26. Februar. lB. H.) In der Kohlengrube in Lodoux fand ein Bergsturz statt, bei dem fünf Bergleute verschüttet wurden. Einer konnte gerettet werden, während die übrigen fünf nur als Leichen hervorgezogen werden konnten. Russische Berichterstattung. Köln, 26. Februar. lW. T. B.) Die„Köln. Ztg." meldet aus Petersburg: Km 24. Februar eröffnete die beim Ministerium des Innern errichtete AuSkunstSstelle al« Bericht» erstatter auswärtiger Blätter ihre Thätigkeit. Die Berichterstatter erhalten alle möglichen Meldungen über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplätze ans erster Hand. An der Spitze steht der ehemalige russijche Fmaiizagent in London Tatischtschew. Bor Port Arthur. Petersburg, 23. Febniar. Bus Port Arthur wird der„Russischen Telegraphen- Agentur" unter dem heutigen Datum telegraphiert: Die llntersnchmig der von den Japanern in den Hafen geschickten Brandcr hat ergeben, daß dir Ladung aus Kohlen und Kerosin besteht, im Jnnenraum befinden sich anscheinend Minen; denn man hat eine elektrische Batterie mit Leitung vorgefunden. Der in der Nähe des„Retwisan" liegende japanische Dampfer ist infolge Eindringens von Wasser gesunken. Die Arbeiten an den japanischen Branderschiffen leitet der Kapitän des „Sibiriak" mit viel Energie und Mut. Heute ftüh er- schienen mehrere japanische Torpedoboote auf der Reede und wurden von,„Retwisan" und der Küstenartillerie bis zum Morgen beschossen, worauf sie sich zurückzogen. Am Horizont war seit dem Morgen ein japanisches Geschwader. daL anscheinend Transportschiffe deckte sichtbar. Um lll/4 Uhr vormittags kam es näher. Die russische Artillerie eröffnete das Feuer, die japanische erwiderte. Das Fenergefecht, das etwa 40 Minuten dauerte, blieb ohne sichtbare Resultate; einzelne Geschosse fielen, ohne Schaden anzurichten, in der Stadt nieder. Man rechnet darauf, daß die Japaner einen Landungsversuch machen werden. Verantw. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin Hierzu 2 Beilagen. Nr. 49, 21, 1. KtilM des, Amiirls" Arlim AMIntt. Sonnkbeud, 27. Februar IM. l�eickstag. 43. Sitzung. Freitag, 26. Februar 1904. 1 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. Nieberdina. Die zweite Beratung des Etats der Justizverwaltung wird fortgesetzt. Zur Verhandlung kommt zunächst die Resolution Gröber(C.) und Genossen betreffend Vorlegung eines Gesetzentwurfs, nach welchem für den bei dem Betrieb von Automobilen auf öffentlichen Straffen und Plätzen entstandenen Personen- und Sachschaden der Betriebsunternehmer zu hasten hat, sofern er nicht beweist, daff der - Unfall durch höhere Gewalt oder durch eignes Verschulden des Be- schädigten oder Sachinhabers verursacht ist. Zu demselben Gegenstand liegt eine Resolution v. Maltzan u. Gen.(t) vor, die für den Fall der Annahnie dieses Antrages um eine gleichzeitige Vorlage zwecks Bildung einer Genossenschaft der Äroftfahrec nach den, Vorbild der Unsall- Berufsgenosseuschaften ersucht, um Verunglückte gegenüber mittellosen Kraftfahrern zu sichern. Ferner beantragen die Slbgg. Prinz zu Schönaich- Carolath u. Gen. snatl.): die Schadensersatzpflicht für die durch Automobile herbeigeführten Tötungen und Verletzungen analog dem Eisenbahn Haftpflichtsgesetz zu regeln. Abg. Prinz zu Schönaich-Carolath snarl.): Ich bin durchaus kein Gegner des Automobils, glaube viel- mehr, daff eS eine grohe Zukunft im Personen-, Lasten- und Fracht- verkehr hat! ich freue mich auch über die Entwicklung der Automobil industrie, in der eine grohe Zahl von Millionen jährlich umgesetzt werden und die circa 180000 Arbeiter beschäftigt. Aber es besteht ein allgemein g r o ff e r und öffentlicher Unwille über die groffe Rücksichts- losigkeit vieler Automobilbesitzer.(Sehr richtig!j Ausnahmen giebt es gewih, im groffen und ganzen aber wird mit einer RücksichtSlofigkeit gefahren, der mit aller Energie ein Ziel gesetzt werden muff. Das Automobil beansprucht eine Art Herren- recht auf der Straffe und miffbraucht dieses Herreurccht.(Sehr richtig!)— In Breslau soll ein Automobilfahrcr, der einen Menschen totfuhr, mit acht Tagen Gefängnis bestraft worden sein. Diese Behauptung ist im Reichstage vom Herrn Kollegen Schädler in« Dezember widerspruchslos hier erhoben worden. Solche Fälle sind nicht selten.(Sehr richtig!) Was soll nun geschehen? Ein Reichsgesetz wird schwer durchführbar sein, weil die verfassungSmätzige Grundlage dazu fehlt; aber es sollten wenigstens in den einzelneu Staaten gleich- lautende Verordirungen erlassen werden. Durch solche Verordnungen muff das Examen fiir die Fahrer verlangt und bestimmte Normen dafür festgesetzt werden. Die Automobilklubs haben ja bereits eine Schule für Fahrer eröffnet. Schwierig sind Vorschriften in Bezug aus die Fahrgeschwindigkeit. Auf groffen Chausseen wäre eine weit höhere Geschwindigkeit angängig als auf belebten Straffen. ES fragt sich daher. ob ein Geschwindigkeitsmesser— falls er unabhängig vom Fahrer zu konstruieren ist— überhaupt angebracht ist. Wir halten es für den besten Ausweg, daff im allgemeinen der Automobilbesitzer hastpflichtig gemacht wird und daff dem Führer des Automobils die Beweislast auferlegt Ivird, darüber, ob den Ueberfahrencn die Schuld an dem Unfall trifft. Schweizerische Verordnungen wenden sich energisch gegen die Ver- Nlummung der Fahrer; aber diese ist zum Schutze der Gesundheit notwendig. Lieber sollte man nach englischem Vorbild die Höchst- geschwiudigkeit auf 16 Kilometer in den Städten, auf 32 Kilometer auf den Chausseen festsetzen. Auf die Wettfahrten in unserm schönen Taunus will ich jetzt nicht eingehen: man scheint ja alle nötigen Vorfichts- maffregeln getroffen zu haben. Geht die deutsche Bescheidenheit aber so weit, daff man vor jedem Automobil sofort auf die Seite geht, ja stürzt?(Heiterkeit.) Ich bitte die Regierungen, es nicht bei den Erhebungen, Erwägungen und Berichten bewenden zu lassen, sondern rasch und gründlich einzugreifen und zu bessern.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Staatssekretär Dr. Nieberdiug: Der Herr Vorredner hat Vor- würfe gegen die Regierung erhoben, die ich nicht unwidersprochen lassen kann. Der Mangel einheitlicher Vorschriften für das Reich ist nicht durch bösen Willen der Regierung hervorgerufen, sondern durch die Schwierigkeit, eine Regelung zu finden, die einerseits allen Bedürfnissen des öffentlichen Verkehrs genügt, andrerseits die weitere Ausbreitung des noch in der Entwicklung begriffenen Vehikels nicht hindert. Die Mitteilungen der Presse über Verletzungen durch Automobile sind oft übertrieben, lieber den BreSlauer Fall, in dem „ein Mann tot gefahren" sein soll, trägt Redner noch einmal mit genau denselben Worten die Aktenstücke vor, die Justizminister Schön- stedt vorgestern im Abgeordnetenhause verlesen hat. Den Vorwurf, daff die Gerichte die Automobilisten zu milde bestrafen, kann ich nicht als berechtigt anerkennen. Welche Motive in aller Welt können die Gerichte veranlassen in solchen Fällen z» Gunsten der Automobflisten gegen dm Verletzten Partei zu nehmen! Die Richter fahren doch nicht alle leidenschaftlich Automobil(Heiterkeit); das menschliche Interesse wird doch auf seite der Verletzten sein. In Erwägung der Stimmung und Auffassung des Reichstages haben wir uns mit der preuffischen Regierung in Ver- bindung gesetzt. Mr hoffen, diese Borarbeite>r in nicht allzu langer Zeit z u m A b s ch l u ff zubringen und eS wird nicht an uns liegen, wem: nicht baldigst eine gesetz- liche Regelung erreicht wird. Aber ohne die sachlichen Unterlagen können wrr nicht urteilen. Auch ich halte eine Verschärfung der Haft- Pflicht stir die einfachste und beste Riahlumg zu vorsichtigem Fahren, aber man kann doch die Frage verschieden beurteilen� je nachdem es sich um Personal- oder Sachschaden handelt. Ich muff»nr also mein Urteil vorbehalten, aber es wird von uns nichts verabsäumt werden, um die Sache recht bald zu einer reichsgesetzlichen Regelung zu bringen. Abg. Gröber(Ctr.): Wir begrüffen es durchaus, daff das Automobil besonders zu gewerblichen Zwecken immer mehr An- Wendung findet, und erkennen an. daff dem Automobil eine groffe Zukunft bevorsteht. Aber man darf über den Borzügen nicht die Nachteile vergessen. Die gewissenlose Rücksichtslosig- keit der Automobilisten erregt mit Recht den öffentlichen Unwillen.(Sehr richtig! rechts.) Es sind fast ausnahmslos Sportsautomobilisten. welche die Unfälle verursachen. Der Pfarrer Hans Jacob schreibt: Wenn die Bauern so daherführen und die Pferde der Herrschast scheuen würden, dann hätte man ihnen die Fahrerei schon längst verboten.(Sehr richtig!) Wenn aber die oberen Zehn- tausend die Pferde der Bauern totfahren— dann ist es etwas andres.' Wenn diese Kritik auch etwas scharf ist, so hat sie doch eine gewisse Berechtigung. Was werden nun für Mittel vor- geschlagen? Interessant war eS mir, daff Herr Schönaich- Carolath eine Art Befähig ungsn ach lo eis für Automobil- fahrer verlangte, sonst halten die Herren den Be- fähigungSnachweiS ja stir etwas besonders Rückständiges. Angebracht wäre aufferdcm vielleicht eine Erhöhung der Strafen nach englischen! Muster. Eine Strafe von 60 M., wie st» bei uns höchstens erkannt werden kann, bedeutet fiir einen Automo«.'lbesitzer gar nichts.(Sehr richtig!) Das wichtigste ist die A e n d e r u n g der H a f t p f l i ch t- B e st i m m« n g e», darin stimmen wir dem Antrag Schönaich-Carolath zu. Die BeweiSlast über die Schuld an dem Unfall muff dem Automobilführer zufallen. Die Ausdehnung der Haftpflicht muff reichsgesetzlich erfolgen. Der Gedanke des Antrags v. Maltzan ist erwägungswert; es ist mir nur noch zweifelhaft, ob die Ausführung möglich ist. Jedenfalls ist die Frage noch nicht spruchreif. Der Herr Staatssekretär hat uns zugesagt, er werde einschreiten, sobald die preuffische Regierung das Bedürfnis anerkennt. Ich hätte es lieber gesehen, wenn er hier als Vertreter des Reiches gegenüber den Bundes- staaten, und sei es auch ein so, nächtiger tvie Preuffen, aufgetreten wäre.(Sehr richtig!) Ich bitte die Regierung, sich der Sache energisch anzunehmen. Abg. v. Maltzan(k.) begründet seinen Antrag. Wir begrüffen mit Freuden, daff zwei groffe Parteien unfern Antrag, den wir vor zwei Jahren stellten, heute aufgenommen haben. Für die Not- wendigkcit einer reichsgesctzlichen Regelung sprechen besonders die 8Z 833, 834 des Bürgerlichen Gesetzbuches, die dem Tierhalter eine sehr weitgehende Hastung auferlegen. Warum soll der Fuhrherr eines Pferdezuges eine gröbere Haftung tragen a l s der A u t o m o b i l i st? Für den Antrag Prinz Carolath können wir aus den redaktionellen Gründen, die Abg. Gröber bereits dargelegt hat, nicht stimmen, wohl aber für den Antrag Gröber.— Eine Kontrolle über die Fahrgeschwindigkeit ist unmöglich, namentlich auf dem platten Lande. Will man sie aber so bauen, daff sie nur 17 bis 18 Kilometer fahren können, so verbiete man lieber die Automobile gleich. Auch Wettfahrten müssen im Interesse der Industrie zugelassen sein, soweit die Besitzer die Kosten dafür tragen und das Publikum geschützt ist. Abg. Dr. Müller- Meiningen(frs. Vp.): Im Jahre 1903 hat der Reichstag eine Petition über diesen Gegenstand der Regierung nicht, ivie die Kommission beantragte, als Material, sondern zur Berücksichtigung überwiesen. Aber der Staatssekretär weiff offenbar gar nichts davon. So werden Petitionen begraben im groffen Papier- korb des Reichskanzlers. Sachlich stimmen wir beiden Anträgen, dem des Centrums undderNationalliberalen zu. Nur darin kann ichHcrrn Gröber nicht zustimmen: Die Richter beurteilen Vergehen der Automobil- fahrer keineswegs zu leicht. Nur die Zeugen entziehen sich ihrer Pflicht, und man kann ihnen das nicht übelnehmen, denn niemand wartet gern drei bis vier Stunden in Moabit. Dagegen sind wir gegen den konservativen Antrag. Wir halten diese Entschädigung überhaupt nicht fiir geeignet für eine Zwangsversicherung. Dadurch würde nur eine Assekuranzversichernng für den Leichtsinn der Chauffeure geschaffen werden. Ich bedauere die Begeisterung des Herrn v. Maltzan fiir die Automobil- Industrie. Sein Kollege Gamp hat im Abgeordnetenhause meinen Fraktions- genossen Fischbeck deswegen sehr scharf angegriffen. Die Automobil- Frage stellt auch in Hinsicht auf Strafrech't und Strafprozeff neue Anforderungen. Holland, Belgien und England haben ein einheitliches Auto mobilrecht geschaffen, und in England, dem Nassischen Lande des AntomobilverkehrS. kommen jetzt fast gar keine Unfälle in ehr vor. Auch wir gebrauchen ei» Gesetz, das die ganze Materie nach allen Richtimgen hin einheitlich regelt.— Handeln Sie endlich einmal.(Lebhafter Beifall links.) Staatssekretär Dr. Nieberding: Wenn wir ivarten sollen, bis ein einheitliches Gesetz die Frage regelt, so würden wir wieder dem Vorwurf begegnen, däff wir alles thun, um die Sache zu verzögern. Wollen ivir rasch zu einen» Resultat kmninen, so müssen wir auf dem von mir vorgezeichneten Wege vorgehen. Die Schaffung eines Codex fiir das Automobilwesen würde lange dauern. Herr Dr. Müller- Meiningen hat inir vorgeworfen, daff ich' die Akten des Reichstages nicht kenne. Auch von»hm, der so leicht geneigt ist, der Regierung Vorivürfe zu»nachen, lasse ich inir einen derartigen Vorwurf nicht gefallen. Ich habe den betreffenden Beschluff nur deshalb nicht er- wähnt, weil er unsre Thätigkeit in der Sache gar nicht berührt. Abg. Stadthage»(Soc.): Der Grundgedanke der Resolutionen Gröber und Dlaltzan i st lv i e d c r h o l t von uns b e t o n t lv o r d c n. Wir haben beim Bürgerlichen Gesetzbuch hervorgehoben, daff es ans dein ökonomischen AuSgleichnngsprineip heraus unbedingt notwendig ist, daff der Schaden, der in Betrieben der Industrie oder sonst angerichtet»vird durch den social Mächtigeren, durch denjenigen, dem ein gewisses ökonomisches oder sonstiges Ilebergewicht ein- geräumt ist, durch ihn voll ersetzt»v e r d e n muff. Wäre dieser Antrag beim Bürgerlichen Gesetzbuch angenommen worden, so wäre eine Vorlage, wie sie hier gefordert ist, nicht so dringend, ivie sie jetzt ist.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) I ch b e d a n r e lebhaft, daff nicht mit derselben Rück- s i ch t s l o s i g k e i t, mit welcher die Automobil- besitzcr gegen Leben und Gesundheit ihrer Mitmenschen vorgeben, auch gegen sie seitens der Staatsbehörde« tiorgegnuge» wird. Den Grundgedanken der lonservativen Interpellation hat Bebel bereits 1871 dargelegt. Ich freue mich, daff die Herren ihn aufgenommen haben. Sie verlangen mit Recht, daff wenn nun eiinnal die SchadcnSersatzpflicht besteht, dann auch unter allen Umständen eine kapitalkräftige Orgmiisation Vorhände»» sein muff, die Garantie dafür leistet, daff der Schaden ersetzt»vird. Herr Müller- Meiningen hatte diesen Antrag im Sinne des»nanchesterlichen Juristentages für eine llngeheiierlichkeit erklärt. Es sei eine Assekuranz gegen den Leichtsinn. Dann müßte er die ganze Unfall- Versicherung ebenfalls fiir eine Versicherung gegen den Leichtsinn halten.(Sehr richtig I bei den Social- dcmokraten.) Eine Assekuranz gegen den Leichtsinn wäre es nur, ivcnn die Herren von der konservativen Partei verlangten, daff nicht der volle Schaden ersetzt ivird, sondern nur ein Teil, wie es bei der Arbeiter- Unfallversicherung geschieht. Das haben sie verständiger- weise nicht gethan, und ich gebe daher die Hoffnung nicht auf, daff sie denselben verständigen Gedanken min auch nachträglich auf die UnfallversichcrungS- Gesctzgebiuig übertragen werden. Wir»verde»» also für die Anträge Gröber und Maltzan stimmen.(Bravo! bei den Socialdeinokratcn.) Abg. Prinz zu Schönaich-Carolath(natl.): Der Herr Staats- sekrctär hat die Detailfragen sehr eingehend behandelt, um die Hauptfrage ist e r h e r u m g e g a n g e n.(Sehr richtig!) Er hat wiederholt gesagt:„Ivenn die preuffische Regierung..." Kann denn der Herr Staatssekretär des Reichsjustizamts nicht a>» s eigner Initiative vorgehen? Ich wünschte, daff er angesichts der eininütigen Haltung des Reichstags energisch die Initiative auch gegen Preuffen ergreist. Staatssekretär Nieberding: Ich muff entschieden dagegen pro- testieren, als ob ich uin die Sache herumgegangen»värc. Ich konnte mich aber nicht näher auf die Sache ciulasse»»,»vcil ich seitens der verbündeten Regierungen nicht legitimiert»var, eine sachliche Er- klärung von irgend einer Tragweite abzugeben. In» übrigen habe ich mich so wohlwollend wie inöglich geäußert. Wem» die Herren verlangen, ich solle aus eigiicrjFiiitiative vorgehen, so überschätzen Sie doch die Macht»neiner Stellung. Ich stehe hier vor Ihnen als Vertreter der verbündeten Regierungen und sotveit meine An- sichte»» von diesen»licht geteilt»verde»», haben sie keinen Wert für das hohe Haus. Wenn»ch die Initiative ergreisen»vill, so kaim ich eS daher nur thun im Einverständnis mit der preußischen Regierung. Damit schließt die Diskussion. Alle vorliegenden Resolutionen werden mit großer Mehrheit angenommen. Es folgt die Beratung der Resolution Spahn» d»nuff dafür durch ein einheitliches R e i ch s g e s e tz ge- sorgt werden. Unsre Gefangeiienanstalten sollen nicht ivie die Warenhäuser das Handwerk veniichteu helfen.— Mit dem Schutz der Bailhandiverker beschäftigen sich seit Jahren Hand- werker- und Juristenkreise. Schon 1895 hat der Handwerkertag ver« langt, daff die Periode der Erwägungen endlich ein Ende nehme. Die Regierimg hat ja erklärt, die Sache nicht rnhen lassen zu»vollen. Der bekannte Socialpolitiker Freese zählte schon 1894 20 Gesetzentwürfe darüber. 1897 erschien endlich ein Regier»», gscntiviwf und »902 erfolgte die parlamentarische Zwillingsgeburt. Diese Be- stiminungen sind von de»» Handwerkern als gänzlich nngenügeild, von den Grundbesitzern als unannehmbar bezeichnet»vor den. Aber mit Siecht hat der 26. Juristentag diese Gesetze als geeignete Grundlage für den Bcmhandwcrkcrschntz bezeichnet. Seitdem scheint die Regierung zu schlummern»lud unsre Resolution »vill diesen Schlummer stören.(Sehr gut I iin Centrmn und bei den Nationalliberalen.) Die juristische S ch>v i e r i g k e i t liegt darin, daff die g e« lieferte Arbeit B e st a» d t e i l d e s G r»» n d st ü ck e S wird. Die Arbeit kam» aber erst nach der Einfügung bezahlt werden. In der Zwischenzeit verliert der Arbeiter jedes dingliche Recht. Der lvunde Punkt liegt nun in der überinäffigen Belastung der Grundstücke mit Hypotheken. Die schlechtesten Hypotheken»Verden gut, rund»md fett durch die Arbeit der Handlverker, die nachher bei der Versteigerung ausfallen. 1394/95 sind in Schöneberg 75 Proz. der Bauten auf diese schamlos betrügerische Weise errichtet»vorden. 75 Millionen haben die Handwerker Deutschlands in drei Jahren ans diese Weise verloren!(Hört! hört! im Centrnm.) Sind nun die Handwerker etlva leichtsinnig? Keinesivegs; sie müssen, um ihren Arbeiterstamm nicht zu entlassen, bei der großen Konkurrenz jede Arbeit annehmen. Haben sie doch sogar eigne Auskunftsbureans errichtet.— Warum giebt man ihnen also da»»ernd Steine statt Brot!? Man sagt, der öffentliche Glanben des Grundbuches dürfe nicht zerstört»verde»». Das andre juristische Princip vom Bestandteil des Grundstückes dürfe auch nicht angetastet»verde». Aber_ wenn die Principien zu Ungerechtigkeiten führen, muff man sie allfgeben. Wenn die alte Gesetzgebung in diesen Fällen gerechter war, als das nelie Bürgerliche Recht, so»vor das alte Recht eben besser.(Sehr richtig! im Centrum.) Redner geht ailf das amerikanische Recht über die Forderungen der Bauhandwerker ein. In Amerika bestand in älterer Zeit die Bestiniinung: Ivcnn die Handwerker ihr Geld nicht bekonnnci» können, so haben sie das Recht, das Gebäude wieder ab- zubrechen.(Heiterkeit.) Nun liegen ja auch bei uns schon zlvei Gesetzentwürfe vor. Darin ist richtig bestiinmt, daff daS Gesetz durch Verordnung bezirksweise in Kraft gesetzt»verden muff. Für gelvisse Bezirke ist e-Z eben ganz unnötig. Richtig ist auch die Auffassung, daff die Lieferanten ebenso wie die Bau- Handwerker berücksichtigt»verde»» müssen. Die einzelnen Forderungen müssen einander gleichberechtigt sein. Und»venu in Amerika eine Sichern»', g der Forderungen möglich ist. warum soll es nicht bei»»» S möglich sein? Wir fördern dadurch die solide Bauthätigkeit und treffen die Schwindler. die nichts haben und nur eine Zeitlaug Sekt trinken wollen. Heute rechnen die Handlverker schon mit sogenannten„Verliistprämien", das heißt sie schlagen auf alle Liescrimgeu und Arbeiten einen bestiminten Prozentsatz ans,»veil sie ans einen eilt- sprechenden Verlust gefaßt sind. Beseitigen Ivir diese Verluste. so verbilligen»vir die Bauthätigkeit. Welche Bestimmungen das vorzulegende Gesetz im einzelnen haben soll,»nögen klügere Leute als ich entscheiden. Ein Ivenig ängstlich ist ja die groffe Zahl der Bessernngsvorschläge. Viele Aerzte sind iininer gefährlich. Möge der Staatssekretär als Generalarzt den Handiverkern die ersehnte Heilung bringen!(Beifall im Centrnm.) Es ist ein Amendement Gamp(Rp.) eingegangen, worin die Regierung aufgefordert»vird, über die Verhandlungen iiiit den Einzelstaaten wegen der Znchthausarbeit dem Reichstage Mitteilung zu machen. Staatssekretär Dr. Nieberding: Als in der Mitte des vorigen Jahrzehnts die Frage der Sicherung der Banhandiverker-Fordemngen Yier angeregt wurde und ein Centr»iinsredner die Regierung, wie heute Herr Burlage, aus ihrem Schluniiner»vecken»vollte(Heiterkeit). schlug ich dem Hause vor. zur Erledigung dieser Frage eine Koni- Mission einzilsetzei», an deren Arbeiten die Regierung gern mit- wirken»vürde. Diesen Vorschlag wies damals der Abg. Dr. Lieber entschieden zurück, vom Standpunkte des Reichstages auS mit Recht, denn sonst»vürde heute der Reichstag die Hälfte der Vortvllrfe darüber, daß noch nichts zu stände gebracht sei, aus sich nehmen »Nüssen. Wir haben»ins nach den damaligen Reichstags- verban dlmigen mit der preußischen Regierung in Verbindung gesetzt und eS wurde eine Kommission aus den sachverständigen Herren der verschiedenen preuffische»» und Reichsrcssorts gebildet. Diese Herren arbeiteten eine» Entlvurf ans, der von der öffentlichen Kritik als unbrauchbar bezeichnet lonrde. Bei den weiteren Beratungen bildeten sich in der Kommission zlvei Richtungen, deren jede für sich einen neuen Entwurf ausarbeitete. Auch diese Entivürfe fanden keine Zustimmung. Man bezeichnete beide als nicht genügend,»in» die Bailhandwerkcr zu bestiedigen. Da hat sich die Koinmissioll zu einer dritten That austaffen»nüssen. Was der Juristentag an Material beigebracht, hat»ms meistens eitttäuscht. Die Kommlssion hat sich schließlich auf einen Entlvurf geeinigt. Dieser E n t lv u r f ist jetzt fertiggestellt, er liegt den einzelnen Ressorts der preuffischen V e r w a l t u n g vor und wird nächstens im preußischen Staatsmini st erium beraten. Dieses»vird zu erlvägen haben, ob die Bestimmungen des Entwurfs unbedenklich sind und ob die preuffische Regierung die Initiative zu einem gesetzgeberischen Vorschlage ergreifen will. Der Entlvurf ent- hält allerdings auch die vom Vorredner vcrlvorfene Differenzkaution. Wollten»vir den Einivand des Vorredners beraten, so müfften wir »vieder einen neuen Entwurf ausarbeiten.(Heiterkeit.) Die Regierung ist also nach besten Kräften bcinüht gelvesen, die Materie z» regeln. DaS hohe Haus aber bitte ich, die Vorschläge des Borredners sorgfältig zu prüfen. Vielleicht finden sich hier»md da Bedenken. Es»vird vermutlich in nicht zu langer Zeit zu einer Beschlußsasiuug der verbündeten Regierungen kommen und dann »vird das hohe Haus seinerseits über die Frage zu entscheiden haben. Hoffentlich»vird es ihm nicht so schlver, wie der Regierung. (Heiterkeit.) WaS die zweite Resolution anlangt, so ist das Reichs-Justizamt mit der Tendenz derselben durchaus einverstanden. Wir haben uns fortgesetzt bemüht, dieser Tendenz auch praktische Geltung zu ver« schaffen. Wenn aber in der Resolution enipfohlen wird, durch ein- heitliche Bestünmiuigen die Zuchthaus- und Gefängnis» arbeit zu regeln, so ist das unmöglich. Wir könnten ja natürlich solche Bestiinmunaen erlassen, aber sie würden sich»n solchen Allgemeinheiten bcivcgen»missen,.daß die einzelnen Anstalten doch thun könnten, was sie»sollten. Für groffe und kleine Anstalten, für Anstalten auf den, Lande uiid in größere» Städte» ist es ganz uil- möglich, einheitliche Vorschriften zu erlassen. Im übrigen lann ich konstatieren, daß die Zahl der in Gefängnissen gewerblich beschäftigten Insassen seit 1869 von 63 auf 37 Proz. zurückgegangen ist. Aber es giebt hier eine gewisse Grenze: Die Leute m den Gefängnissen sollen und müssen beschäftigt werden und wonnt soll man sie schließlich anders beschäftigen, als mit handwerksmäßigen Arbeiten? Ich bitte Sie also, in dieser Richtung sich auf die fort- gesetzten Bemühungen der einzelnen Landesregierungen im Sinne des Antrages zu verlassen. Abg. Wallbrecht inatl.) polemisiert gegen einzelne Ausführungen des Abg. Burlage, ist aber mit dem Grundgedanken der Antrage einverstanden. Abg. Gainp sRp.): Das Reichs-Justizamt hat seine Schuldigkeit voll gethan. Der Staatssekretär hat die Freundlichkeit gehabt, mir den neuen Entwurf zuzusenden. Ich bin aber auf diesem Gebiete nicht genügend sachverständig, um da mitarbeiten zu können. Die zweite Resolution ist vom Staatssekretär mißverstanden worden. Sie will zunächst nur einheitliche Grundsätze für die Beschäftigung von Zuchthaus- und andren Gefangenen aufgestellt wissen. Alle Bedürfnisse des Staates und des Reiches, die'sich in Zuchthäusern herstellen lassen, sollen unter allen Umständen dort hergestellt werden. Das gilt für viele Arbeiten der Eisenbahn- und Militärverwaltung, für Miliorations- und Kanalarbciten. Vielleicht lvird da die Revision der Strafgesetzgebung Wandel schaffen. Gefangene, die ich mir einmal für landliche Arbeiten kommen ließ, durften nur von 6 bis 6 Uhr arbeiten, während auf dem Lande in Ponimern bis 8 Uhr abends gearbeitet wird. Ich mußte dann die Gefangenen wieder entlassen, weil meine übrigen Arbeiter sich darüber beklagten, daß jene vor ihnen bevorzugt würden.(Lachen bei den Socialdemokraten. Bravo! rechts.) Abg. Pohl�(frs. Vp.): Die Materie der Bauhandwerkcr- Forderungen ist so schwierig, daß man das Vorgehen der Regierung nur billigen kann. Ich unterstütze das meiste vom Abgeordneten Wallbrecht Gesagte. Vielleicht könnte man vom jeder allgemeinen Regelung absehen und nur in jedem Einzelsall die Vertrauenswürdigkeit der Bauhandwerker prüfen. Wir müssen hier Schritt für Schritt vorwärts gehen. Von socialdcmotratischer Seite sind ja schon 1897 und 1963 zwei Resolutionen über diesen Gegen- stand eingegangen, die nur noch viel weiter gingen als die heutige. Es würde gegen alle Menschlichkeit verstoßen, wenn man den Gefängnisinsassen jede Arbeit überhaupt verbieten wollte. Eine gewisse Konkurrenz für das Handwerk liegt ja darin. Aber man hätte die Wege angeben sollen, wie hier ein Ausweg zu finden ist. Eine einheitliche Regelung, soweit sie überhaupt durchführbar ist, besteht schon.— Die Verordnungen, die bis jetzt erlassen sind, treffen durch- aus das richtige und nehmen auf die Interessen des Mittelstandes die weitestgehende Rücksicht. Eine reichsgesetzliche Regelung der ganze» Materie läßt sich nicht durchführen. Wenn die öffentlichen Arbeiten überall den Gesängnissen und Zuchthäusern überwiesen würden, so würde dadurch gerade dem Handwerk vielfach ein sehr guter Verdienst entgehen. Solche Dinge müssen in jedem einzelnen Falle besonders geregelt werden.(Bravo! links.) Abg. Lipinsti(Soc.): Die Frage des Schutzes der Bau- forderungen muß im Zusammenhang betrachtet werden mit der allgemeinen Frage der Verwertung des Grund und Bodens. Wir haben bereits früher bei dem Bürgerlichen Gesetzbuche unsrc Stellung dahin klar- gelegt, daß wir verlangen, daß derjenige, der von dem Grund und Boden, von dem Bau den Nutzen hat, auch die Arbeiten bezahlt, gleichgültig, mit wem der Bauausführende den Vertrag abgeschlossen hat. Wir haben Anträge gestellt ans Sicherung nicht nur der Forderungen der Bauhandwerker, sondern auch der Beamten, und vor allem auf Sicherung der Löhne der Arbeiter, die eben von der Mehrheit abgelehnt worden sind. Herr Wallbrecht behauptet, eine gewisse Spekulation müffe vorhanden sein, weil sonst die Wohnungen zu teuer würden. Zum mindesten mühte dann ein Befähigungs- Nachweis für Spekulanten eingeführt werden, weil sonst keine Grenze für die Spekulation zu finden wäre.(Heiterkeit.) In den großen Städten aber giebt es Stadtteile, wo seit Jahren nicht ein Stein geändert ist. Die Mieten sind aber dort genau so gestiegen, also kann die Bauspekulation nicht die alleinige Trägerin der Steigerung der Mieten sein. Jedenfalls muß man, wenn die Frage geregelt wird, alle Beteiligten schützen und nicht bloß eine Gruppe herausnchnicn. In Bezug auf die Resolutton über Gefängnisarbeit verweise ich Sie auf unsre früheren Anträge, die von Ihnen stets abgelehnt worden sind. Wenn das Bedürfnis der Regierung, die Gefängnisarbeit ein- zuschränken, wirklich so groß wäre, warum schlagen Sie dann Redakteuren, die wegen Preßvergehens verurteilt sind, dir Selbst- beschäftigung ab, wie z. B. unsrem Genossen Markwald in Gommern? (Bravo! bei den Soeialdemokraten.) Abg. Fröhlich(Antts.): Wir müssen hier etwas schneller, etwas flotter vorgehen. Die Linke sagt natürlich: Immer langsam voran! Aber schon sind Tausende kleiner Handwerker ruiniert. Das sind wüste Bauspekulationen I Herr Wallbrecht sprach auch von „soliden Baufpekulationen". Damit komme man uns nicht! Wir rufen: Regierung, flotter! In einer socialdemokratischen Wahlver- sammlung in Teltow brachte ein kleiner Handwerker seine Klagen vor. Da sagte der socialdemokratische Vorsitzende, er könne nicht für die Handwerker eintreten, weil dann eine gewisse Zufriedenheit enfftehen könne.(Große Unruhe bei den Socialdemokraten.— Laute Rufe: pkamen nennen!) Erkundigen Sie sich doch!(Rufe bei den Socialdemokraten: Wer war es denn?) Das weiß ich ganz genau!(Abg. Wurm: So nennen Sie doch den Namen!) Das habe ich gar nicht nötig!(Zuruf bei den Socialdemokraten: Sie haben also die Unwahrheit gefagt!— Präsident Graf Balle- strem bittet um Ruhe.) I, mit einem Mal wätt ick mir all' die Namen auswendig lernen!(Lachen bei den Socialdemokraten.— Rufe: Nameu nennen!) Redner führt weiter lebhafte Beschwerde darüber, daß durch die Gefängnisarbeit große Schichten des Mittelstandes ruiniert würden. In letzter Linie komme diese Gefängnisarbcit den großen jüdischen Warenhäusern zu gute. Jeder Mensch laufe heute zu Wertheim. Präs. Graf Balle st rem: Herr Abgeordneter, wir sprechen von Zucht-, aber nicht von Waren häusenr.(Große Heiterkeit.) Abg. Lipinski(Soc.): Herr Fröhlich hat recht fröhlich(Heiterkeit) eine Behauptung auf- gestellt, für die er nicht den Schimmer eines Beweises erbracht hat. Er verweigert jede Namensnennung. Wir aber verlangen den Beweis für seine Behauptung.(Sehr richttg! bei den Socialdemokraten.) Solche Aeutzerung des Vorsitzendend stände ja in schreiendstem Widerspruch zu unsrer ganzen bisherigen Thötigteit. Wie haben wir uns beim Bürgerlichen Gesetzbuch bemüht, die Forderungen der Bau- Handwerker und Bauarbeiter zu sichern! In unsrer kommunalen Wirksamkeit treten wir auch der Bauspekulatton bei jeder Gelegenheit entgegen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Beide Refoluttonen sowie das Amendement Gamp werden ein- stimmig angenommen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterbeeatung des I u st i z- E t a t s auf Sonnabend 1 Uhr. Schluß 6'/4 Uhr._ Zechsttr Zlertmdstag der Sttinsthkr, Pflafterer und Ktkufsgeuojstu Dentschlauds. B r a u n s ch w e i g, 24. Februar 1964. Die Statutcnberatuug wird fortgesetzt. Beschlossen wird, den Verbandstag alle drei Jahre stattfinden zu lassen. Eine Resolution der Filiale Hamburg wünscht die Heranziehung der Asphaltterer zum Verbände der Steinsetzer. Der Verbandsvorsitzende K n o l l berichtet, daß schon Verhandlungen zwischen dein Verbands- Vorstande und den Vorständen der beiden in Betracht kommenden Lokalorganisationen der Asphaltierer(Berlin und Leipzig) stattgefunden haben. Danach isv bei den Berliner Asphaltarbeitern keine rechte Lust für den Anschluß an den Steinsetzer-Verband vor- Händen. Diese haben vielmehr die Absicht, eine selbständige Orgaui- satton zu gründen. Es müsse auch in Betracht gezogen werden, daß der bestehenden Organisation ein großer Teil Pappdachdecker an- gehören, die für Anschluß an den Steinsetzer-Verband gar nicht zu haben sind. Eine Zersplitterung in die Reihen der in Betracht kommenden Arbeiter zu ttagen, könne nicht die Absicht des Steinsctzer-Verbandes sein. Von der Leipziger Asphaltarbciter-Organisation ist der Genosse John anwesend, der sich für die Verschmelzung der beiden Organisationen ausspricht Es gelangt einstimmig eine Resolution zur Annahme, in der der Eentralvorstand mit der Fortsetzung der Verhandlungen beauftragt lvird. Es soll, ivenn die Verhandlungen Erfolg haben, dann der Verband seinen Namen Unländern in: Verband der in dem Straßen- bau beschäftigten Arbeiter Deutschlands. Weiter berichtet K n o l l, daß die internationalen Beziehungen jetzt so weit gediehen seien, daß an de» Abschluß eines Kartellvertrages zwischen den deutschen, dänischen, schwedischen und östreichischen Stcinsetzer-Organisationen gedacht werden könne. Ein diesbezüglicher Entwurf findet die Zustimmung des Verbandstages. Als inter nationaler Sekretär wird einstimmig K n o l l- Berlin gewählt. Die Festsetzung der Beamtengehälter geschieht in folgender Weise: Gehalt des Vorsitzenden 2466 M.; Gehalt des Gaukassierers 2666 M.; Gehalt des Gauleiters 1866 M.: letzterer erhält 156 M. Wohnungs- zuschuß, wofür er ein Zimmer für Vcrbandszwecke zur Verfügung zu stellen hat. Sämtliche Gehälter steigen jährlich um 56 M. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig gewählt K n o l l- Berlin. zum Kassierer S ch v l z- Berlin, als Gaubcamter für Rhcinland-Westfalen i e s e- Hamburg. Der nächste Verbandstag findet in Leipzig statt. Zum Punkt Arbeiterschutz'im Straßenbau begründet K n oll- Berlin eine Resolution, die festhält an den auf de» beiden Bauarbeiterschutz- Kongressen aufgestellten Forderungen, betreffend den sanitären Schutz der Straßenbau-Arbeiter und sich für den von der socialdemokratischen Fraktion eingereichten Initiativ- Antrag zur Regelung des Bau- arbeiterschutzes erklärt. In der Diskussion weist Hache- Helmstedt auf die besonders mißlichen Verhälinisse im Herzogtum Braunschweig hin. Hier sei zahlreiche Ueberlandarbeit, wo die Arbeiter bei schlechtem Wetter im Chausseegrabcn und unter Bäumen Schutz suchen müssen. Die Reso- lutton wurde einstimmig angenommen. In begeisterten Reden nehmen die ausländischen Delegierten Abschied, sodann erfolgt mit einem begeisternden Hoch auf die inter- nationale Arbeiterbewegung der Schluß des Verbandstages. Die Delegierten singen stehend den ersten Vers der Marseillaise. Soziales. Strafhandwerk. Es ist eine Erkenntnis der neueren Zeit, daß die Strafjustiz vollständig den Zweck verfehlt, den sie haben soll: Das Verbrechen zu bekämpfen. Von den verschiedensten Ausgangspunkten und gestützt auf zählreiche exakte Untersuchungen sowohl wie logische Erwägungen bricht sich die Ucberzeugung Bahn, daß der bisherige Weg der Verbrechensbekämpfung nicht zum Ziele führt, daß im Gegenteil die heutige Kriminalpolitik geradezu Verbrecher züchtet, wofür die Untersuchungen über die Rückfälligkeit unanfccht- bares Material liefern. Die Straffustiz ist ein Handwerk: die Paragraphen der Strafgesetze sind ihre Schablonen und der Ver- brecher ist das Material; die Frage ist einzig, ob die Mordschablone, die TotschlagSschablone, die Raub- oder die Bettelschablone oder sonst eine anzuwenden ist. Es dürfte nicht viel Menschen mehr geben, die für Betteln und Landstreichen keine andre Erklärung wissen wie Arbeitsscheu. Trotz- dem: wer bettelt, wird nach der Bcttelschablone auf so und so viel Tage oder Wochen eingesteckt. Warum jemand gebettelt hat, ob er nach der Entlassung aus dem Gefängnis sofort wieder betteln wird — was kümmert's den Richter. Es ist nicht seines Amtes, die „Bettclsucht" zu kurieren; sein Amt ist, zu strafen nach Paragraph so und so. Aber wozu in aller Welt? Welchen Zweck hat das? Ist viel- leicht einer unter den deutschen Juristen und Gesetzgebern, der aus innerster Ueberzeugung das Betteln als eine Sünde vor Gott und die Strafe als Sühne dafür ansieht? Wir sagen nichts Neues mit diesen Betrachtungen, wir werden nur aufs neue dazu angeregt durch ein Urteil eines deutschen Amts- gerichts, dessen Originalausfertigung uns dieser Tage in die Hände kam. Es werden wohl in Deutschland täglich hunderte oder tausende Bettler und Landstreicher verurteilt und im Grunde ließen sich an jedes dieser Urteile dieselben Betrachtungen anknüpfen. Aber nicht jedes wird das Elend der Strafrechtspflcge so dürr und nackt erscheinen lassen wie gerade dieses. Es verhängt wegen Bettelns zwei Wochen Haft und wegen wiederholter Vorstrafen Ueberweisung an die Landespolizeibehörde. Nach Darstellung der Bettelei heißt eS in den Gründen: „Der Angeklagte bringt gegen... die Anklage vor, er habe um Arbeit angefragt. Das läßt sich ihm nicht widerlegen. Es konnte jedoch ein Zweifel darüber nicht bestehen, daß der Angeklagte angesichts seines Alters und seines zerlumpten Aus- sehcns unmöglich erwarten konnte, Arbeit zu finden, daß er sich über diese Unmöglichkeit klar war und wußte, daß auch eine Anfrage um Arbeit abgelehnt und mit der Verabreichung eines Geschenkes beantwortet werden würde. Die Anfrage um Arbeit bedeutet nichts andres als eine mittel- bare Anfrage um ein Geschenk." Folglich schuldig des BettelnS, folglich Strafe. Weil der Mann so alt und so zerlumpt ist, daß er nach Ansicht des Gerichts nirgends mehr Arbeit findet, weil er arbeitsunfähig ist, weil er nichts andres mehr thun kann wie betteln oder viel- leicht stehlen— deswegen findet das Gesetz ihn schuldig. Der Richter ist nicht schuldig; er übt sein Handwerk nach Ur- väterweise, getreu den übernommenen Pflichten. Aber eine ver- dämmte Gesellschaftsordnung, unfinnige Gesetze siich schuldig. Hilflos steht die bürgerliche Gesellschaft vor ihrem eignen Produkt. Sie kann den Elenden nicht schützen vor dem Hunger, sie kann ihn nicht verhindern am Bettel und nicht am Diebstahl, aber sie sperrt ihn ein und mißhandelt ihn, wenn er gebettelt oder gestohlen hat, unfähig. Sinn und Zweck mit ihrem Thun zu verbinden. lind noch ein tragikomisches Nachspiel: Der verurteilte Bettler schickt uns selber dieses Urteil mit einem langen Begleitschreiben. Er klagt über die Gesetzesunkenntnis der„Handwerksburschen und Wanderer", hofft, daß wir sie über ihre gesetzlichen Rechte aufklären werden und bittet die„Socialpartei", für Schaffung eines Gesetzes- Paragraphen einzutreten, wonach sich die Gerichte nur an erwiesene That- fachen zu halten haben. Unter Berufung auf seine Erfahrungen klagt er, daß sich manche Schöffen gar nicht bewußt seien, daß sie zum Schutze des Angeklagten da feien. „Ich schreibe dieses so bestimmt, weil ich dieses selber durch- gemacht habe, und sende Ihnen amtliche Dokumente zum Beweise der Wahrheit. Ich mache diese Anstrengungen im Interesse meiner arbeits- und mittellosen Brüder, und hoffe, die Buchhandlung Vor- wärtö wird mir diese Bitte nicht abschlagen, da auch schon vielfach es mir angelegen sei» ließ, den„Arbeiter-Nottzkalender" wie auch die „Freien Stunden" zu enipfehleu. Es läßt sich in dieser Hinsicht durch die Socialpartei vieles ausrichten, da die Rabulistizität gar zu sehr blüht." Auch der alte zerlumpte Bettler schwört auf die Paragraphen; er empfindet die Strafe als ein bitteres Unrecht und sagt es mit vielen drasttschen Worten— es sei„eine Rechtsmörderei in Flor getreten seit Aufhebung der Novelle zum Strafgesetzbuch für da» Deutsche Reich"; er habe die Paragraphen nicht verletzt, nur um Arbeit gcftagt. Wie komisch wirst das bei dem alten Bettler? Und doch denkt er genau so, wie seine Richter, genau so, wie das Gesetz zu denken vorschreibt. Der Richter hat recht: Der alte Mann hat ohne Zweifel nur angesprochen in der Hoffnung auf hat sich materiell des Bettelns schuldig gemacht. hat auch recht: Er hat die Form gewahrt;„es widerlegen", daß er nur um Arbeit gefragt hat. Richter und Bettler mögen sich darüber auseinandersetzen, ein neuer Paragraph nötig ist.... Wir wollen nicht ruhen, bis das ganze Elend des Bettlers ebenso wie das Elend des Juristen beseitigt und das künstliche Paragraphengebäude überflüssig geworden ist. ein Geschenk; er Aber der Bettler ist ihm nicht zu ob Mit der freien Arztwahl beschäftigte sich eine Versammlung der Frankfurter Krankenkassen. Nach einem Referat des Vorsitzenden der Orts-Krankenkasse, Gräf, und des Herrn Dr. med. Wagner-Hanau wurde folgende Resolution angenommen: „Die heutige Versammlung der Frankfurter Krankenkassen- Mitglieder erblickt in der freien Arztwahl eine größere Belastung der Krankenkassen. Die freie Arztwahl kann weder durch rigoroses Vorgehen der Aerzte, noch durch Diktatur der Regierung ein- gefüyrt werden und ersprießlich wirken. Die Krankenkassen haben neben der ärztlichen Hilfe noch weitere große Aufgaben in Bezug auf Krankenfürsorge und Gesundheitspflege zu erfüllen. Die freie Arztwahl hat für die Aerzte nicht nur materielle, sondern auck moralische Vorteile. Die Versammlung erkennt in den Be- strebnngen, die von einzelnen ärztlichen Organisationen gezeigt wurden, und in dem Borgehen, das die ärztlichen Vertteter im Reichstage beliebten, nicht nur die Absicht, die Krankenkassen in einer ganz unverantwortlichen Weise zu schädigen, sondern dieselben auch zu beleidigen. Durch derartige Betteibungen ist das Ansehen der Aerzte im allgemeinen empfindlich ge- schädigt worden, wie auch die Bestrebungen auf Einführung der freien Arztwahl. Die Frankfurter Aerzte sowie auch die Kassenverwaltungen haben es frühzeitig verstanden, den Kassen- Mitgliedern die freie Arztwahl zuzuführen. Trotzdem kanu� die heutige Versammlung nicht umhin, auf das bestimmteste zu erklären: Sollte es sich ergeben, daß bei etwaigen Neuverträgen erhöhte und unerfüllbare Forderungen seitens der Aerzte geltend gemacht werden, so erhalten die Kassenverwaltungen schon heute den Auftrag, diesem energischen Widerstand entgegenzusetzen." Lriefkaften der Redahtion. F. B.. Köpnickerstraße. Gcwünschic Karte(Farbendruck) 2,56 M. auf Leinivand gezogen 3,56 M.— A. W, Nein. Juriktikcber Ceil. Tie juristische Sprechstunde findet»äalich mit SliiSiiahnit de? SounabendS do»?>/, dl»»■/, Mir abends statt. Weöfine«! 7 Nbr. — R. M 40. Sind Sic beim Zlbichluß des Vertrages großjährig gc- Wesen, so sind Sie zur Zahlung verpflichtet.— F. C. I, 1. Der möini. lichc Deutsche wird mit erreichter Volljährigkeit heiratsfähig. 2. Das ist möglich. 3. Das geschieht durch Beschluß des Lormundschastsgerichts. Der Beschluß erfolgt, wenn die Volljährigkeitserllärung im Jntcrcisc des Mündels liegt, nach Anhörung der Verwandten.— Paul. l. Als neu ausgenommen. 2. Ja. 3. Falls nicht entgegenstehende Vereinbarungen vorliegen: ja.— G. 08. Gegen den Beschluß wäre jetzt eine Beschwerde aussichtslos, weil die Bcschwcrdcfrist abgelausen ist.— MS» 779 Süll 778 Still 761 NNW 766N — wolkenl-17 öhalb bd 1 bedeckt 2 Schnee—5 2bcdcckt-3 »bedeckt—4 2l>alb bd.— 3 2 bedeckt[—1 2 bedeckt j— 4 Wetrer-Prognoic für Sonnabend, den 27. Februar 1004. Zeitweise heiler, nachts etwas strengerer, am Tage leichter Frost schwachen nordöstlichen Winde», keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetlerbureau. Slalionen L L ZS 8- Haparanda Petersburg Cork Slbcrdeen Paris a s Setter -wolkenl-11 Ö« = 5, ä il £ö H S> -8 ke Partei- Speditionen: Bei-Iln zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalder- straße 36, v. part.— Dritter Wahlkreis: S t. Fr i tz, Prwzcnstr. 31, Hoj rechts pari.— Alerter Wahlkreis O.: Robert W c n g e l s, Gr. Franlsurterstr. 133, Hos part.—!SO.: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 (Laden).— Sechster Wahlkreis(Iloablt): Karl Anders, Salzwedclerstr. 8, im Laden.— Weddlnc und Oranlcnbarger Vorstadt; Emil Stoltzenburg, Wicscnstr. 4l/42.— Hosen- tholer Vorstadt, Gesandbrnnnen. Reinickendorf(Ost und West). Wllhelmsrnh und Schtinholz: Hermann Raschle. Rügenerstr. 24. aorn pari, lints.— Schttnhaaser Vorstadt: starl Mars. Kastanien- Allee 95/96.- Vit-«llrnleke: W. Pries, Rudowcrstr. 68.— fharlottenhnrg:: Gustav Scharnberg, Scscnheimcrstr. l. Ecke Goctheslraße, vorn I.— Deutsch- Wilmersdorf: S. Nickel. Uhlandstr. 168. part.— Frledrlchsbcru- Frledriehsfelde- Wllhelmsbcrg- Hohenschönhausen: Otto ö eitel, O. 112, Kronprinzenstraße 50, L— OrOnan: E. Pfeil, Königstraße l.— Rlxdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerystraße 7, im Laden.— Schöneberc: Wilhelm Sau m l c r, Martin Luthcrstr. 51, im Laden.— Ober• SchOne- weide: Otto M ü n, e r, Ohmstraße l». 2 Treppen.— Vleder- KchOnetvelde: BonalowSly, Berlinerstr. 8.— Johannisthal: Paul Mann, Bismarckstr. 7.—.Vdlershof: Paul Schmidt, Bismarckstraße 7 II.— Köpenick: Friedlich W oick, Grünstr. 29.— Frledenan-Steslitz: H. Öcrnsec, Schloßstr. 115, Gartenhaus I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr. Duppefftr. 8, und Fr. S ch e l l h a s e, Ahornstr. 15».— Ranmschnlen- weg: Stock, Ernststr. 2,11.— Treptow: SR. Voigt, Elsenstr. 37, vorn Uli— Ven- Welssensee: W. ReSke, König-Chaussee 33a, I. — Rnnimelsbnrg: F o r g b er t, Prinz Albcrtstr. 5a.— Tegel, Borsigwalde. Dalldorf und Waidmannsiust: Paul Äicnast, Borsigwalde, Schubartstr. 43.— Tankow: K. Kümmert. Floraslr. 43. Außerdem ist sämtliche Parteilitteratnr sowie alle wissenschastlichen Werke dort zu haben. Zluch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. Ritte anssehnelden."MI Schloss 3urg-QeWlotterle Ziehung schon O. u. 10. Rttrz w»-gxg 6634 Gew.= 200000 M. bar Original-Lose a 3 M.(Porto n. Liste 30 Pf. extra). J. Rosenberg, Kornianöanteiistrassfi§1.-M» Inserate für die nächste Dummer nmssen bis 5 Uhr nnchmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Verantwortung. UKeater Sonnabend, 27. Februar. Ansang Tl, Uhr: Neues KSnigl. Opern- Theater. Geschlossen. Schauspiclhans. Götz von Ber- lichingen mit der eisernen Hand. Deutsches. Der einsame Weg. Berliner. Watcrkant. Lessing. Zapscnstrcich. Westen. Die schöne Helena. Neues. Schwester Beatrix. Vorher: Logik des Herzens. Residenz. Der keusche Casimir. Vor- her: Die Emviehlung. ikeuiral. Das Schwalbennest. Nachm. 1 Uhr: Der gcstieselte Äater. Belle- Zllliance. Göttcrweiber. Thalia. Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr: Schiller O.«Wallner- Theater.) Die Wildente. Schiller Zi.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Honig Lear. Kleines. Mutter Landstraße. Luisen. Kcan. Trianon. Madame X. Carl Weift. Zwei Frauen. Nachm. 4 Uhr: Frau Holle oder: Goldmarie und Pechmaric. Deutsch- Amerikanisches. Ucbcr'n großen Teich. Gebr..Hcrrnfcld. Nur eine Nacht. Casiuo. Cirkusjee. Wintcr-Garten. Cleo äs Merode. Spccialitälen. Apollo. Frühlingslust. Blüten- Hochzeit. Spccialitäten. Mctropol. Durchlaucht Radieschen. Reichöhallen. Stettiner Sänger. Passage> Theater. To To. Fred Cdlalvi. Specialitäten. Ilns. Uhr. Urania. Taubenstrafte 4K/4S. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Radium. Nachm. 4 Uhr: An den Seen Lberitaliens. Juiialidc,«strafte 37, GL. Stern- warte. Täglich geössnct von 7 bis ll Uhr. Neuss Theater. Schifsbauerdamm 4a— 5. Schwester Beatrix. Hieraus: I.ogik des Herzens. Ansang 71/, Uhr. Morgen: Medea. Logik des Herzens. Central-Theater. Heute nachmittag 4 Uhr halbe Preise: Kindervorstellung. Feder Erwachsene ein Kind mit Extraplatz srei. Der gestiefelte Kater. Abends 7'/, Uhr: Zum SO. Male: Tas Ächivalbcnnest. Operelte in 3 Akte» v. M. Ordoneau. Musik von Henry Hcrblah. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Kea n. Sonnlagnachmittag: Die goldene Eva.— Abends: Uriel Zlcosta. Montag: Eine leichte Person. Dienstag: Romeo und Julia. Mittwoch: Uriel Llcosta. Donnerstag z. erstenmal: Philippinc Weiser._ Apollo-Theater. Abends 8 Uhr: Frühlingsluft mS Bllitenhocteit. S'/.-ll Uhr: Die erstklassigen Specialitäten. Robert Steidl ÄSS Cronin. X Joscarys. X Legays. Drei Zagas. X Messters Kosrnograph. m Nord ini??? der Mann mit den Wundermuskeln. Original• Trick: Befreiung aus der Zwangsjacke. Sonntag, den 28. Febr., nachm. 3 Uhr: Ermässigte Preise: I-yslntrata und Specialitäten mit Sordini. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute: Keine Vorstellung. Morgen Sonntag, den 28. Februar, nachmittags 3 Uhr: �.enore. SMT Abends 7 Uhr.-Msy Drei Paar Schuhe. Nach der Vorstellung: Grosser Ball. Frobels Allerlei-Theater st. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Sonntagnachmittag ö'/i Uhr: Harburger Sänger. Nach der Vorstellung um 10 Uhr: diii-nssei' Hall. Entree 30 Pf. Sperrsitz 50 Pf. Montag: Goethe-Ensemble. Theater- Verstellung.— Freitanz. ScWller-Tlieater. Scbillei'- Theater O. (Wallucr-Tbcater). Sonnabendabend 8 Uhr: Die Wildente. Schauspiel in 5 Ausz. v. Henrik Ibsen. Deutsch von Ernst Brauscwcttcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. Sonntagabend 8 Uhr: _ Per Compagnon. Sclilllcr-Tlicater M. (Friedrich-WilhelmitädtischeS Tbeatcr). Sonnabendabend 8 Uhr: liGnls U-ear. Trauerspiel in 5 Auszügen von William Shakespeare. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dan('arlas. Sonntagabend 8 Uhr: Die Kinder der BxccIIcnz. Thalia-Theater. Belle-Alliance-Theater. Dresdcnerstr. 72/73. Amt IV 4440. Bellc-Alliaiiceslr. 7/8. Amt VI 283. Ans. 71/. Uhr. Direktion Jean Kren und Alfred Schönfeld. Ans. VI, Uhr. Zum 179. Male: Der Hochtourist. Guido Thielscher in der Titelrolle. Morgen u. folg. Tage: 0er Hochtourist. Sonnlagnachmitlag: Oharleys Tante. Täglich: Götterweiber. AuSstatt.-Posse mit Gesang und Tanz. Sonntagnachm. 3 Uhr, kleine Preise: HofKiniMt. Cirkus Schumann* Heute Sonnabend, den 27. Februar, abends 7'/- Uhr: iwrosso Oala-Fest- Vor Stellung. Zum 85. Male:"9® 9/,. Die komische Operette l. Die Cirkusfee. Borh.: Das glänz. Februarprogramm. Sonntagnachm. 4 Uhr: Wie einst im Mai. Letzte Vorstellungen von Gleo de Merode und das ausgezeichnete Februar-Programm. Dienstag, den 1. März: Yvette Guilbert. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Zum erstenmal: Miillöl Landstrasse. Ansang 8 Uhr. Carl Weiss-Thealer. Gräfte Frankfurter Strafte 132. Nachmittag 4 Uhr: Kindervorstellung 10, 25, 40 Ps. Frau Holle oder: Goldmarie und Pechmarie. Kindcrmärchen mit Ges. in 8 Bilden, von A. Thrkowsli. Abends 8 Uhr: H® Zwei frauen. Schauspiel in 5 Akten von Elsbclh Borchart. V. Mit Tttr. Direktion: Robert Dill. B r ii n n o n b t r a h h e 10. Heute wegen Privalsestlichkcit geschlossen. Sonntag: Lenore oder: Die 6r?besbraüt. Zlnsang 7 Uhr. Entrce 30 Ps. Ball. ?ala5t-sliealer Burgstrafte ÄL, srnher Feen-Palast. Heute abend 8>/,Uhr: Goldener Boden. Vorher Konzert und Austreten der unübcrtrosicnen Specialitäten. Morgen nachmittag 3 Uhr: Elite-Vor- Stellung. Halbe Kassenpreisc. Kabale und Liebe. Abends 8 Ubr: Goldener Boden. Vorher Konzert und Specialitäten. Montagabend 8'/, Uhr zum letzten- mal: Goldener Boden. Ab t März: Vollständig neues Spccialitätcn-Programm. Passage-Theater. Wegen Vorbereitung und Ausschmückung der Lokalitäten zum Künstler- Ball- Fest bleibt das Passage-Theater geschlossen. Heute abend 10 Ubr: „Nach dem Zapfenstrelch" Grosses internationales Künstler- Ball-Fest in sämtlichen Räumen dos Pa(*«age-Theaters. Billets a 5 M., Terrasse 10 M. an den Kassen des Passage- Theator, bei Ä. Wertheim, im Invalidendank u. Künstlerdank zu haben. Steidl-�Theater Linien- Strasse 132 Oranienburger Thor. Gänzlich nettes Programm. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Gntree 30 Pf.(Vorverk. 40 Ps.) Sa ussonet. Kottbnser Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag HoRiimim» Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Dienstags: TheaterabeDd. Vorzugskarten gültig. _ IX. Berliner Saison. Cirkus Busch. Anfang 6V2 Uhr anstatt 71/« Uhr: Grosse. mit ausgewähltem Spopt-Fest-Programm. Morgen Sonntag,- den 28. Febr.: S grofte Gala-'Dorstellnngen. Nachm. 4 Uhr u. abends 7'/» Uhr. In beide» Vorstellungen: Herr Bichard Sawade mit seinen wilden Königstigern. Die anerkannt besten Clowns der Gegenwart: Gebert Beiiing, Alfred Uaniels, 4 Gebr. Fratellini, Albane und Dale und Bimbo. Auftreten der besten Künstler und Künstlerinnen. Nachmittags 4 Uhr: Abends Vj, Uhr: Zum 67. Male: Aus den Alpen. Bemerkenswert: Der HutomobUsturz. Gekrüiicr Herrnfeltl- 'flg« Theater. TSS'' Die anerkannt erfolgreichste Novität Mr eine Kaeht! 2 Akte anS einer Ehe. Komödie von A. und 0. Herrnfeld mit den Prachtiiguren Willi Waidheim... Oonal Horrnfcld. Tuschek....... Anton Herrnfeld. Dambitsch...... Ferd. Grünecker. Ferner: Das neue Februisr- lifi nstlor-l'rogi-nniin. Lyrico-Ouartett, Italienisches Opern- Ensemble 5 Schwestern Longonells in ihren Orig.-Gesängen u. Tänzen. Idarka Freya.— Hilda Stadlhagon. Ienäix ms„ZKonns Vatma". Vorverkauf 11—2 Uhr. Königstadt-Kasino Holzmarktftr. 72, Ecke Alexanderstraste. Täglich: Fi»»»» h»oi»»n>!»ili. Xon k The Byrons, Fiimm u. Flamm, Eugen Higlhon. Die Febrnar-Specialitäten. Neu! Der Ehrtttpohnt. Neu! Nach der Vorstellung: Mittwochs, Sonnabends u. Sonntags: Tanz, Beiclisliallen Stettiner Sänger Zum Schlug wen: Die Berliner bei den Hereros. Geld Grosse -Lotterie Ziehung 9.u. 10. März Zar Frhaltung tlcn SchloHMPs Bure a. d. Wupper. 0034 Geldgewinne bar ahne jeden Abzug zahlbar von Mk. 200000 Hauptgewinne: Mark 60000 30000 20000 etc. etc. etc.» Originalloae a 3 Mark. Für Porto u. Liste 30 Pf. extra. Ksss J(opger-?alast«€€€ Felsenkeller.....' „...„hold, felsenkeller""JUSS""5 BV Heute sowie täglich:-MG Grosser Bockbier- Küm mel bei freiem Entree. 4293L» —»»»»»> Sonntage: GR. BAIX. JRoabiter Sehutzenhans. Inhaber: A. Freyer. ===== Plötzensee.-- G. ra. b. H., Bank-Geschäft Berlin W., Fricdrlchatr. 181, Filialen: JSW. H'ilmnackerwtr. 63. O. A ndreiiHMtr. 40a. SO. Oranicnetr. 177. Di*. Schünemann Spccialarzt für Haut-, Harn-«nb 1 Frauenleiden, HeydeUtr. O. l/iQ—'/«8, Somit. 0-11 1 Hierdurch zur gest. flcnntnisnahme. dasi mein Lokal ab heute der organi- si crtcn Arbeiterschaft zu Versammlungen, Vercinssestlichleiten-c. zur-Vor- sügung steht.— Ich werde bemüht sein, stets für gute Speisen und Getränke Sorge zu tragen.— Mein Saal, ca. UXX) Personen sassend, sowie meine 3 Zimmer, je ca. 60— 75 Personen lassend, bringe ich den geehrten Geworl- schasten, Vereinen:c. in Erinnerung. 412982* Um gütigen Zuspruch bittet � PfCy 61* Brauerei Germania Akt. Berlin 0. Frankfurter Ällse 53. viiz*«. Ausschank in 80 eignen Geschäften. Bock-Bier grösste Auswahl— enorm billig prima Verarbeitung, tadelloser Sitz, vorzüglicher Schnitt in allen Längen und Weiten, auch für ganz starke Damen vorrätig, schwarz und farbig, in den modernst, glatt, u. Fantasiestoff. 3.75, 5, 7, 10, 15 Mk. in Seidendamast........... 20 u. 25 Mk. Amer:k. fussfreie Strassenröcke jetzt 5.75, 9, 10 Mk. Jackenu.Blusen-Costüme in neuest Stdffen 12,15 Mk. Fussfr. amerik. Jackenkleid, letzte Neuheit 20,25 Mk. Einsegnungskleider........ 15, 18, 20 ML Trauerkleider in elegant. Ausführung 18, 20, 25 Mk. Elegant garnierte Kleider in Voile, Satintuch und in den neuest. Fantasiestoff. zO, 25, 30 ML Weisse Co.tüm- Röcke, weisse Blusen.. 5, 9 Mk. 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Bortrag des ReichStags-Abgeordnctcn Genossen E. Bernstein über:„Die Arbeiterbewegung Englands unter besonderer Be- riitlsichtigung der Metallarbeiter-Organisationcn Deutschlands." 2. Diskussion. 3. BerbandSangelegenheiten. Kollegen! Die Bezirksleitung erwartet von Euch, daß Ihr stets die Interessen Eures Verbandes wahren werdet, indem Öfit demselben immer neue Mitglieder zusührt, sowie für guten Besuch der Versammlungen agitiert. Nach der Versammlung: GtMUMtS LtisMllltNscM Ullt Zur Beachtung! Die Zahlstelle für Pankow befindet sich jetzt im Lokal von Wanderllch. Mühlenstr. 76. Für Mariendorf werden in dem Lokal von BeieUert, Ehaussee. ltraße 16, Sonnabendabends von 8—10 Uhr Beiträge entgegengenommen und Ausnahmen vollzogen. 112/5 Bie Ortsvcrwnltunc. Achtung! Mitglieder der Achtung! Alldem. Orts• Krankenkasse gewerblicher Arbeiter and Arbeiterinnen zu Berlin. Morgen Sonntag, den 28. Februar 1904, vormittags 10 Uhr, 27c(Englischer Garten), oberer Saal: ZM" Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht vom Kranlenkassentha in Leipzig und die Stellung der Acrzte den Kassen gegenüber. Rcsercnt: öustav Wolter. 2. Diskussion. 3. Bericht der Dreizehncr-Kommission und Ncuivahl derselben. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 272/10 Die Dreizehner-Koinmiiiion. ?. A.:(lllreit liosenlirsnr. Rnmmclsburg bei Berlin, Lessingstr. 23g Allgemtme Krankt»- und Zterbekaffe der Mkiallarbtiter Echtblaue Monteur- Hole Prima Kvper-Gcwcbe.. 2 M. 10 Manchester-Hose 8.75,5�0,4,50, 3 M. 50 GciiUtert. Manchest-Jackelt 14,50 8.75 Weiße Friseur. Jacketts 3,50, 2 M. 75 Konditor-Jacken, 2reihlg... 4 M. 50 Malcr-Kittel... 3.-, 2,50, 2 M.- Mechauiker-lRttcI sbraun)3,—, 2 M. 40 Weiße Lcder-JackettS, 2rclh!g 7.50, 3 M. 75 Weiße Lederhosen... 4,50, 2 M. 90 Zwirnhoscn, fest u. schön, 3,—, i M. 75 Die Preise gelten sür noimalc Größen Vavi* Sohn En gros. Export. En detail. Chnusseestr.24a 25. Bruckeuftr.ll. Er. Frnnksurterstr. 20. Die 22. Preisliste 1!>01 wird kosten- loS und portosrei zugesandt. Bei Bestellung von Hosen ist die Bundweitc und die Schrittlänge, bei Jacketts und Kitteln die Brultweitc anzugeben. 391 IL» — Versand von 20 M. an franco.— Dleeer weiche Herrenhat kustet Bit Setiofatter 1,75 Herk. mit Atlufatter 2,— kleinere Form 1,50, Dieser schwarze eteike Ha» mit Fatter kostet 2 Mark. Orötete Aaswebl In Herren-, Knaben« and Mädchen Hötcen Oscai*-A-Pnoldi CS-rösstes Special- Oesoliäft Engros für Filzhüte, Strohhüte u. Mützen Export nur©resdenerstr. 116 Lans Okristianlen, varmftadt ausgeführt mit der Singer Nähmaschine. Dauer der Ausstellung vom 27. Februar bis 7. März Geöffnet Sonntags 12—4 Uhr, Wochentags 10— Z Uhr. 1904. 43372* J Gesundheit ist Reichtum! a;t��Ä.«"r.V,:reE.7Äi, Bade Berlin-Ost im: gemeinsohafllich Bade Berlin-Süd Im: BBade Berlin-Ost im: Bade Berlin dud im: ad Frankfurt Mitter- Bad Gr. Frankfurtorstrasse 136.| Ritterstr. 18, Ecke Prinzenttrasse. 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Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. d. M., nach- mittags 4'/. Uhr, von der Leichen- halle dcS' EmmauS- KirchhojcS in Britz auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 32/18 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bclannien zur Nachricht, daß mir am 25. Fe- bruar, morgens 4'/« Uhr, meine Frau L104b Marie Fromm, geb. Hildebrand, verschieden ist. Der trauernde Gatte Georg Fromm nebst Tochter, Ripdorf. Am 20. d. Mts. verunglückte tödlich in seinem Berus unser viel- geliebier Sohn und Bruder Fritz Lisch im Alter von 23 Jahren. Dies zeigen tiesbcirüit an Die trauernden Hinterbliebenen Wilhelm Lisch nebst Familie. Beerdigung: Sonntag, den 23. d. MtS., nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhauje. Ackcrstr. 113, nach dem Elisabeth- Kirchhof, Pankow, Wollankstr. 6«. 2123b SoeiaMemokratiselierWalillerejn für Rummelsburg. Den Genossen zur Kenntnis, daß unser langjähriges Mitglied. der Zimmerer 8/2 Sennsmi Schmidt im Alier von 52 Fadren freiwillig anS dem Leben geschieden ist. Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 2 Uhr von der Leichen- Halle au» statt. Ehre seinem Andenken I Der Vorstand. Am 26. Februar verstarb im Alter von 72 Jahren unser alter Partcigeuoisc und guter Freund. der Zeitungsspediteur 4344L Friedridi Lenk TUsiterstr. 7. Ehre seinem Andenke»! Fritz Gedumann nebst Gästen Tilsiterstr. 6. Die Beerdigung noch unbekannt vom Leichenschauhaus. CeMerband der Handels-. Transport- a. yertelirsariieiter Deutscblamls. Verwaltungsstelle Berlin I. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser langjähriges und treues Mitglied, der Möbel- packcr 67/3 Richard Reinhardt am Montag plötzlich«nd uner- wartet am Schlagansall per- starben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am .onntagnachmittag>/�3 Uhr von der Leichenhalle dcS Schöncbcrger Friedhofes. Mapitraße. aus statt. Um zahlrciibe Beteiligung eriucht Di» Ortsvorwaitung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und Kranzipendcn bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden. Bekannten und Verwandten, sowie Kollegen und Kolleginnen der Firma May. Kom- mandmttenstraße, und den Verbands- Mitgliedern der Portesemllc-Arbeitcr, Filiale Berlin, meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe 2129b Helene Rothe. Verantv. Redakteur: Julius KaliSki, Berlin. Für den Jnseratcntti.)era»� s.'Xh.vlockt, Berlin. Druck». Verlag: BorvürtS Buchdruck«« u. VerlagSanjtalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 8t. 19, 21 Achrgaug. 2,|(ilii|f in.Fmiirls" Kttlim DcksM Laurahütter Wahlkrawall-Prozeß. B e u t h e n O�-S., den 23. Februar. Zweiter Verhandlungstag. _ Die Zeugenvernehmung wird fortgesetzt. Die Zahl der Zeugen ist infolge der auf Antrag der Verteidigung noch nachträglich ge- ladenen Zeugen auf über sechzig angewachsen. Zeuge Pfarrer S ch w i e o e r- Laurahütte giebt zu, daß er die Ccntrumswähler- Versammlung am Sonntagvormittag von der Kanzel herab verkündete. Ob er die"Versammlung aus eignen, Antrieb oder auf Anweisung von andrer Seite einberufen hat, darüber verweigert er die Auskunft. Auch will er nicht wissen, ob er bei seinen Gemeindemitgliedern beliebt sei. Auf die Frage des Verteidigers v. Dziembowski, ob er nicht durch seine Thätigkeit für die Centrumspartei Unzufriedenheit in Laurahütte erzeugte, ver- weigert der Pfarrer die Antwort, doch erklärt er, auf der Kanzel nie für das Centrum Stimmung gemacht zu haben. Die Frage der Verteidigung, warum er dem erschossenen Trafalczhk das kirchliche Begräbnis verweigerte, läßt das Gericht nicht zu. Der von der Verteidigung geladene Zeuge Lehrer Rischke giebt dem angeklagten Schulwaben Chudek das Zeugnis, daß er ein guter Schüler war, auch seine sittliche Aufführung war tadellos. Der Pädagoge folgert weiter, daß Chudek die Erkenntnis von der Straf- barkeit seiner Handlung haben mußte, denn er wußte doch, daß man auf Beamte nicht mit Steinen werfen darf. Feuerwehrmann Kratofil hat auf Anordnung des Brandmeisters Drobig in der Versammlung einen Stuhl bestiegen und mit dem Signalhorn Feuerallarm geblasen— jedenfalls eine eigenartige Methode, beruhigend auf eine furchtbar erregte Versammlung zu wirken. Warum dieser Befehl zum Alarmieren im Versammlungssaale gegeben wurde, weiß der Zeuge nicht, er glaubte, es geschehe, weil die Polizei sich in Not befinde. Zeuge Wicik, ehemaliger Redakteur des„Gornoslazak", der wegen seiner Beteiligung am Krawall zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, die er gegenwärtig verbüßt, behauptet, daß der junge Korfanty, der sich in seiner Gesellschaft befand, an dem Krawall in keiner Weise teilgenommen habe. Der Zeuge wird nicht vereidigt. Der ISjährige Zeuge WoSnica, der wegen seiner Beteiligung am Krawall mit neun Monaten Gefängnis bestraft wurde, die er jetzt absitzt, hatte seiner Zeit bei seiner polizeilichen und richter- lichen Vernehmung behauptet, gehört zu haben, daß der alte Korfanty in die Menge hineinrief:„Juugens, laßt Euch nicht I" Später widerrief er diese Aussage und behauptete, Polizeirat Mädler habe ihn bot der Vernehmung bedroht, er werde ihn einsperren lassen, wenn er nicht sage, er habe gehört, daß der alte Korfanty diesen Ruf ausstieß. Aus Furcht vor dem Eingesperrtwerden habe er deshalb sowohl dem Herrn Mädler, wie auch vor dem Unter- suchungsrichter jene falsche Aussage gemacht. Auch bei der jetzigen Vernehmung bleibt er dabei, daß er dmnals aus Furcht die Unwahrheit sagte, jetzt aber, da er doch eingesperrt sei, die Wahrheit sage. Polizeirat Mädler bestreitet, daß er den Jungen bei der Ver- nehmung bedroht habe. Derselbe habe sogar ganz freiwillig seine Aussage gemacht, ohne daß er Mädler den Namen Korfanty nannte. Der inzwischen verstorbene Gendarm Scholz hat nach seiner protokollierten Aussage, die verlesen wird, erklärt, er habe nicht ver- ftmrden, was zwischen Mädler und dem Knaben verhandelt wurde, da er nicht polnisch verstand. Die Eltern des Wosnica behaupteten beide auf das bestimmteste gehört zu haben, daß der Polizeirat Mädler ihren Sohn bei der Vernehmung, die in ihrer Wohnung stattfand, in der That mit Einsperren bedroht habe, wenn er nicht sagen werde, daß der alte Korfanty den oben erwähnten auf- rührerischcn Ausruf wirklich gemacht habe. Entgegen dem lebbasten Widerspruch der Verteidigung beschließt das Gericht, diese beiden Zeugen nicht zu vereidigen. Hotelbesitzer Molka bekundet eidlich, daß der alte Korfanty un- mittelbar nach dem Krawall abends zu ihm gesagt habe, es sei doch gar zuviel Lärm gemacht worden und die Sache könne fiir die Leute noch schlimm ausgehen. Auch einige andre Zeugen bekunden eidlich, daß Kerfanty sich in ihrer Gesellschaft befand, ohne an dem Tumult teilzunehmen. Die weiteren Beweisanträge werden abgelehnt, insbesondere der, Dr. StaSlicki in Laurahütte über das politische Treiben des Pfarrers Schwieder zu vernehmen. Damit ist die Beweis- aufnähme geschlossen. Die Plaidoyers sollen morgen gehalten werden. Vor Vertagung der Sitzung nimmt noch der Staats- anwalt das Wort, um wörtlich zu erklären: Der im Zuschauerraum anwesende Abg. Korfanty habe die Gnade, im Sitzungssaale an- wesend sein zu dürfen, dazu mißbraucht, im Saale Zeugen für die Angeklagten zu werben. Er beantrage, ihn dafür aus dem Saale zu entfernen. Korfantti beruft sich auf das Zeugnis der anwesenden Vertreter der Presse dafür, daß die Beschuldigung des Staatsanwalts unwahr sei. Der Zeuge Wosnica habe bei der Vernehmung deS Polizeirats Mädler im Zuhörerraum in erregter Weise sich an einige Berichterstatter gewendet mit der Erklärung, die Aussage des Herrn Mädler sei unrichttg. Von einem Vertreter der Presse sei Wosnica dann an ihn, Korfanty, gewiesen ivorden, ivorauf er dem Verteidiger seines Vaters eine kurze Mitteilung zugehen ließ, die zur Vernehmung Wosnicas führte. Das Gericht lehnte nach kurzer Beratung den Anttag des Staatsanwalts auf Entfernung Korfantys aus dem Zuhörerraum ab mit der Mottvierung, daß, wenn auch die Behauptung des Staats- anwalts richtig wäre, doch in Bettacht gezogen werden mußte, daß Korfanty sich lediglich um die Verteidigimg seines angeklagten Vaters bemuhte und für dessen Freiheit eintrat. Das Urtell. (Privatdepesche deS.Vorwärts'.) Im Laurahütter Prozeß ivurden sämtliche Angeklagte wieder zu den schon früher erkannten Strafen verurteilt. Nur Schulknabe Gudek erhielt statt zwei jetzt nur einen Monat. Sollik und den beiden Korfanty wurden vier Monate der Untersuchungshast angerechnet. Achte General-Vtrsllmmlnng des Delbaudes der Hafenarbtiter etc. Deutschlands in Hamburg. Hamburg, 23. Februar 1S04. DonnerStagvormittagS- Sitzung. Nach kurzer Diskussion resümiert der Vorsitzende.� daß die Debatte lediglich seine Ausführungen ergänzt und beftättgt hat und nichts dagegen vorgebracht wurde. Wir dürfen uns nicht auf den Driick des UnternehmerttimS allein als treibende Kraft zur Agitation verlassen, sondern müssen ttachten, den Dingen zuvorzukommen. Nach Berührung und Erläuttrimg einzelner örtlicher Frittionspunkte ohne öffentliches Interesse wird der gestern eingebrachte und seinem Inhalte nach mitgeteilte Antrag des Vorstandes betteffS Aus- arbeitung eines Agitations- Regulativs einstimmig angenommen. Ferner wurde bezüglich der Abgrenzung des Wirkungsbereiches der Agitatiouskommissionen der Beschluß gefaßt, Wismar zu Schleswig- Holstein und Rostock zu Pommern zu schlagen. Punkt 7 der Tagesordnung: Beratung der vorliegen den Anträge, wird in der Weise behandelt, daß vor allen andern zunächst jene von Lübeck und Bremen I verhandelt werden, die eine Anbahnung der Verschmelzung des Hafcnarbeiter-Verbaudes mit dem Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter-Verbande be- zwecken. Bon den Befürwortern der Fusion wird auf die gemein- samen Interessen und das vielfach gemeinsame Arbeitsgebiet der beiden Verbände verwiesen und speciell Schumann- Berlin, Mit- glied des Centtalvorstandes der Transportarbeiter, weist eingehend auf die schon jetzt vorhandene Notwendigkeit der Fusion hin,'wobei er die Vorkommnisse bei der Bremerhavener Aussperrung der Hafen- arbeiter als Schulbeispiel vorführt, desgleichen andre aus Stetttn, Berlin, Hamburg usw. Zusammen haben beide Verbände gegen- wärtig etwa 30 000 Mitglieder, welche Ziffer durch Vereinfachung und Verbilligung der Agitatton bei Fufion sich leichter als ohne dieselbe verdoppeln könne. Von den beiderseits im letzten Jahre ausgegebenen 46 000 Mark für Agitationen hätte bei einer Fusion die Hälfte gespart werden können und die Erfolge wären ttotzdem größere. Diese Vergeudung von Kräften und Geldern kann vermieden werden. Zudem werden auch die Statistiken viel fruchtbringender und durchgreifender, während sich die Kosten sehr verringern. Amb H i m p e l- Hamburg als Vertreter desselben Verbandes spricht eingehend für den Zusammenschluß. Aus den Reihen der Delegierten wird principiell gegen eine Verschmelzung beider Organisationen nichts vorgebracht, jedoch ist man keineswegs einstimmig der Ansicht, daß diese Fusion gegenwärtig bereits spruchreif sei. Nach gründlicher Aussprache wird bei Schluß der Vor- mittagssitzung der Anttag angenommen, wonach der Vorstand des Hafenarbeiter-VerbandeS beauftragt wird, mit jenem des Transport- arbeiter-Berbandes in Verbindung zu treten, um die notwendigen Schritte zur Jnformatton der Mitglieder und Prüfung der Verhält- niste zwecks eventueller Entscheidung über die Fusion auf der nächsten Generalversammlung des Hafenarbeiter-Verbandes einzuleiten. Nachmittags-Sitzung. Es kommen eine Reihe von Anträgen zur Verhandlung, welche sich auf die Einrichtung einer Kranken- Zuschußkas's e inner- halb des Verbandes beziehen. Die Einführung einer Kranken- Zuschußkasse wurde mit 27 gegen lll Stimmen angenommen. Bei 10 Pf. Wochenbeitrag soll nach halbjähriger Beitragszahlung ein Krankengeld von 3 M. wöchentlich gewährt werden, das sich nach einen, Jahre auf 4 M., mit 2 Jahren auf 3 M. und nach 3 Jahren auf 6 M. erhöht. Die Zahlung des Zuschusses erfolgt nach der ersten Krankenwoche und dauert ein Vierteljahr. pami- Nachrichten. Internationaler Socialistenkongreß. Me das Jnternattonale Bureau in Brüste! mitteilt, wird der Kongreß in Amsterdam vom 14.-20. August d. I. statt- finden. Die Verlegung in den September, die von mehreren Seiten gewünscht wurde, läßt sich nicht ermöglichen, da das Kongretzlokal dann nicht zur Verfügung stehen kann. Zur Kandidatur Göhrc stellt die bürgerliche Presse aus Anlaß von Protesterklärungen, die in den sächsischen Parteiblättern ver- öffentlicht lverden, allerlei ttessinnige Betrachtungen an. Wir können demgegenüber nur wiederholen, daß die Angelegenheit in den nächsten Tagen in einer alle Teile bestiedigenden Weise erledigt werden wird. Die Socialdemokratie in der Gemeinde. In Offenburg (Baden) wurde am Donnerstag unser Parteigenosse Adolf Geck mit 60 Sttmmen zum Obmann-Stellvertreter des Stadtverordneten- Vorstandes gewählt. Der Kandidat der Centtumspartei erhielt drei Stimmen. Die Nachricht von der Wahl der Partcigenosten in das Stadt- verordneten-Kollegium in Kassel beftättgt sich nicht. Unsre Kan- didaten sind nur in Stichwahl gekommen. Es scheinen bei der ersten Auszählung, deren Resultat der Wahlvorsteher verkündete, starke Irrtümer vorgekommen zu sein. Zwischen dieser und der amtlichen Auszählung ergaben sich Differenzen bis zu 300 Stimmen. polfceiHcbeo, GmehtUches uf». — Das öffentliche Ankleben von Plakaten zu Wahlzwecken fällt nach mehrfachen Entscheidungen des Kammergerichts nicht unter § 43 Absatz 5 der Gewerbe-Ordnung, wonach Druckschriften und Stimmzettel zu Wahlzwecken ohne polizeiliche Erlaubnis öffentlich verteilt werden dürfen, nachdem der Wahltermin amtlich publiziert worden ist. Das Kammergericht verwarf die Revision eines Genossen aus Bottrop, der auf Grund der§§ 10 und 41 des preußischen PretzgesetzeS zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, weil er ohne polizeiliche Erlaubnis an öffentlickien Orten(straßen- wärts gelegene Häuserseiten) Plakate, die der Wahl dienen sollten, angeklebt hatte. ES handelte sich um die Zeit vor der Reichstags Wahl, wo der Wahltermin bereits amtlich bekannt gegeben war. Gewerkschaftliches. Die Crimmitschaner Justiz nach dem Kampfe. 8 1öS. Wegen Bergehen gegen den Z 163 der Gewerbe-Ordnung wurde am 23. Februar vom Schöffengericht in Crimmitschau verurteilt: Genosse Wellraff zu 3 Tagen Gefängnis, Genoste Seidel zu 2 Tagen Gefängnis, Alfted Voigt zu 3 und Bernhard Menzel zu 1 Tag Ge- fängnis. Genosse Stößel erhielt 20 M. Geldsttafe, Genoste Meißel wegen Beleidigung der Fabrikanten durch Verbreitung eines Flug blaltes 73 M. Geldsttafe. Ein Sünder, der Genoste Gleitsmann. mußte frei gesprochen werden. Er war angeklagt lvegen Beleidigung des Brigadiers Salva, weil er 4V Schritte vor dem Brigadier gelacht hatte!— Er hatte während der Allssperrung gelacht! Und, wie der Brigadier bekundete, höhnisch gelacht! Und ttotzdem mußte er freigesprochen werden. Beleidigungen und Mißhandlungen Streikender. Das Verfahren gegen den Fabrikanten K e y l i ch wurde ein gestellt. K e y l i ch hatte geäußert:.Der Hecht und der Schiller mit seinem Gewerffchaflskartell, das sind auch solche wortbrüchigen Sauen.'— Hecht und Schiller hatten anläßlich eines Prozesses, welchen die Fabrikanten gegen die beiden angestrengt hatten, Wider- klage erhoben. K e y l i ch wurde damals zu 30 M. Geldstrafe ver- urteilt. Bei Gelegenheit dieses Prozesses gelangte die obige Aeußerung zur KennttiiS der Beleidigten. Auch eine Anzahl.Arbeitswilliger' hatten sich wegen einer recht saftigen.Belästigung" eines Ausgesperrten zu verantworten. Sie hatten mehr Glück als in umgekehrten Füllen die Ausgesperrten. An- geklagt waren die Arbeitswilligen Hillmann, Hermann und Albert Schön und Stuhlmeister Neumerkel. Sie hatten den ausgesperrten Arbeiter Kretscknnar fürchterlich geschlagen, der dafür glücklich neben ihnen auf der Anklagebank Platz nehmen mußte. Die Arbeitswilligen behaupten nämlich, von ihm angegriffen zu sein. Werkmeister Richter bekundet als Zeuge: Die Arbeitswilligen hatten sich im Weitzschen Restaurant zum Freibier eingefiinden, wo auch ich zugegen war. Wir haben uns von 8 bis 12 Uhr in diesem Restaurant aufgehalten. Ich ging um 12 Uhr nach Hause. Kurz hinter mir hörte ich lautes Schreien und als ich mich umwandte, sah ich einige am Boden liegen. Daß geschlagen wurde, habe ich nicht gesehen. Ganz anders lautete dagegen die Aussage des in der Nähe deS Thatortes wohnenden Zeugen Böttger. Er giebt an, er habe in der Nacht lautes Schreien gehört und daß öfters gesagt wurde:»Schlagt den Hund totl Schafft ihn hinausl Hat niemand ein Messer bei fich?' Als ich da§ Fenster öffnete, sah ich, daß circa zwanzig Mann auf der Sttaße standen, wovon sechs Man» mif eine am Boden liegende Person einschlugen. Ich sah auch, wie ein Mann mit heller Hose und Ueberzieher die am Boden liegende Person am Rockkragen festhielt, und wenn dieser in die Höhe wollte, wieder niederstieß. Es wurde festgestellt, daß dieser Mann der Sttihlmeister Neumerkel war, welcher nichts gesehen und auch nicht geschlagen haben wollte. Der Gerichtshof sprach sämtliche Angeklagte frei; die Kosten wurden der Staatskasse auferlegt. Der Gerichtshof sah nicht als erwiesen an, daß die Angeklagten sich der Körperverletzung schuldig gemacht. Geschlagen worden se: allerdings. es sei aber nicht erwiesen, daß die Angeklagten eö ge- wesen seien. Ein Crimmitschauer Arbeitswilliger hat einmal lange, lange vor diesem Urteil gesagt:„Wir Arbeitswiligen können einen totschlagen I"_ Bcrlfn und Umgegend. Der Zweigverein Berlin des Mnurerverbandes hat kürzlich seinen Geschäftsbericht für das Jahr 1003 herausgegeben. Wir entnehmen demselben folgendes: Durch die Verhandlungen mit der Achtzehner-Komnnssion des Baugewerbes war die Verlängerung deS TarifverttageS perfett geworden, laut dessen der Sttmdenlohn von, 1. April 1903 ab auf 67'/„ Pf. und vom 1. April 1004 bis 31. März 1903 auf 70 Pf. festgesetzt wurde. Gleich nach Abschluß deS Vertrages wurde der für die Provinz Brandenburg bestehende Ring der Ziegeleibesitzer gesprengt und damit dessen Ziel, den Preis der Mauersteine unverhältnismäßig in die Höhe zu treiben, ver- eitelt. Sowohl dieser Umstand, als auch der günsttge Stand des Geldmarktes sowie der stetig wachsende Bedarf an kleinen Wohnungen steigerten die Baukonjunktur ganz erheblich. Noch nie haben in Berlin so viel Maurer gearbeitet wie im ver- gaugenen Jahre; eS waren im Durchschnitt ca. 3000 Maurer mehr beschäftigt als in früheren Jahren. Meistens kamen die zugereisten Maurer aus Orten, wo Differenzen mit den Unter- nehmern bestanden resp. wo gestteikt wurde. Der vermehrte Bedarf an Arbeitskräften hatte nun allerdings für die Scharfmacher a la Felisch eine recht unliebsame Folge; es war dadurch nämlich der Unternehnrerbeschlnß, aus Streikorten keine Gesellen zu beschästigen, völlig illusorisch geworden. Ebenso wirkungslos war der Beschluß deS Verbandes der Baugeschäste, die Maifeiernden auszusperren. Insgesamt wurden ausgesperrt 2030 Personen, davon 2832 nur einen Tag.— Der innere Ausbau der Organisation hat gute Fort- schritte gemacht, besonders durch Ausgestaltung des Baudeputterten« Systems. Welche enorme Agitationsarbeit geleistet wurde, geht daraus hervor, daß im ZweigvereinS-Gebiete 448 Versammlungen und 343 Sitzungen der Vorstände, Obleute usw. abgehalten wurden. Die Wahlen zum Jnnungs-Schiedsgericht und des Gesellen- ausschusses endeten mit dem fast einsttmmigen Durchgehen der Kandidatenliste der Organisation.— Mit dem„Bund der Maurerpoliere' ist es mehrfach zu unliebsamen Zwischenfällen gekommen, weil die Poliere als Bevollmächtigte der Unternehmer die Agitation während der Arbeitspausen zu hinter- treiben suchen und aus diesen Anlässen häufig die Baudeputterten oder andre»mißliebige" Maurer entlassen. Diesen fortwährenden Schuhriegeleien der thättgen Verbandskollegen durch die Poliere ge- denkt die Organisatton nunmehr energisch entgcgenzutteten. Sollten sich die Zustände in dieser Beziehung nicht ändern, so dürfte es im Jahre 1003 wohl schwerlich zu einem neuen Verttage kommen.— Auch im vergangenen Jahre Ivar die Thätigkeit der Verbands- leitung auf den Bauten recht umfangreich; sie mußte 632 mal inter- venierend eingreifen, außerdem machten die Baukontrollen im Früh- jähr und Herbst noch eine Anzahl Nachkontrollen notwendig. Bei dem Einschreiten der Verbandsleitung handelte es sich in 134 Fällen um Maßregelungen. in 90 Fällen um Nichtinnehaltung der Arbeftszeit respektive Ueberstunden, in 23 Fällen um Lohn- forderungen und Lohifftreittgkeiten, in 73 Fällen um Organi- sattons-Streitigkeiten, in 74 Fällen um Mißstände auf Bauten (schleckte Baubuden und Aborte sowie ungenügende Abdeckungen). Insgesamt sind 104 der vorgenannten Drfferenzen durch Unter- Handlungen mit dem Unternehmer resp. Polier geregelt worden, 13 Fälle hat die Schlichtungskommission und 23 Fälle der Verband der Bangesckäfte erledigt. Auf 36 Bauten wurden die Verbands- maurer durch Accordmaurer verdrängt.— Die Mitgliederzahl des Zweigvereins betrug am Jahresschluß 10214 gegen 8003 im Jahre 1002, es ist alio eine Zunahme von 1300 Mitgliedern zu verzeichnen. In Lohnbewegungen wurden die Settionen der Putzer solvie der Gips- und Cementarbeiter und die dem Verbände angehörigen Fliesenleger verwickelt; die Lohnbewegungen konnten für die Beteiligten zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht werden. — Die Jahresbilanz des Zweigvereins gestaltet sich folgendermaßen: Einnahme 420 744,23 M., Ausgabe 281 869,68 M., verbleibt somit ein Kassenbcstand von 147 874,63 M. Die Tarifbewcgung der Steinhauer. In einer Mitgliederber- sammlung der Steinarbeiter, die am Donnerstag im Gewerkschasts- Hause stattfand und zahlreich besucht war, berichteten die Mitglieder der Lohnkommission über die Verhmrdlungen mit der Innung. Be- kanntlich hatten die Steinhauer in ihrer vorigen Versammlung die Forderung gestellt, daß ihr alier Tarif von 1000 mit der Abänderung wieder eingeführt werde, daß der Stundenlohn von 70 auf 73 Pst erhöht unb außerdem den Accordarbeitern ein Wochenlohn von mindestens 30 M. garantiert werden sollte. Die Innung ist nun bereit, auf die Erhöhung des Stundenlohns einzugehen, verlangt jedoch dagegen, daß ihr im vorigen Jahre von den Arbeitern abgelehnter Accordtarif eingeführt werde. Im übrigen wollten sich die Vertreter der Meister auf keinerlei Verbesserungen der Arbeitsbedingungen einlassen und lehnten anfänglich auch die Garantierung irgend eines Minimal- lohnes für Accordarbeiter ab. In diesem Punkt gaben sie jedoch nach längerer Aussprache zu, daß den Accordarbeitern doch wohl ein gewisser Lohn garantiert werden müßte; sie wollten jedoch hierüber erst mit der Meisterschaft beraten. In der Diskussion, die dem Bericht der Lohnkonnnisflon folgte, kam die Unzufriedenheit über die Forderung der Meister auf Ein- führung ihres. Preisherabsetzungen von 10 bis 20 Proz. enthaltenden Accordtarifs lebhast zum Ausdruck. Die Versammlung beauftragte die Lohnkommission, auf Grundlage der von den Arbeitern auf- gestellten Forderungen mit den Vertretern der Meister weiter zu ver- handeln. Oeutkcbes Ketek». Schneidervewegung. Die Schneider in H a kl e haben dem Arbeitgeber-Verband Forderungen eingereicht. Sie haben die Antwort er- halten, daß die Unternehmer zu Verhandlungen bereit sind. Die Filiale des Schneiderverbandes zu Halle hat erfteuliche Fortschritte gemacht. Ende 1902 zählte dieselbe wenig über 100 Mitglieder, im Laufe des vergangenen Jahres erreichte dieselbe ca. 230 und dürfte jetzt 300 bald überschritten haben.— Vor Zuzug von Schneidern nach Bremerhaven wird gewarnt. Eine dortige Firma hat in sehr durchsichtiger Weise in Dresden Rockschneider gesucht. Da die Dresdener Schneider dem Versuch entgegentraten, dürste derselbe demnächst in Berlin fortgesetzt werden.— Der Kampf im Mannheimer Schneidergewerbe dauert immer noch fort. In geradezu selbstmörderischer Halsstarrigkeit erweisen sich die sechs tarifbrüchigen, dem Allg. Arbeitgeber-Verbände angehörenden Firmen jeglicher fiir die Gehilfenschaft annehmbaren Ver- ständigung unzugänglich. Alle Versuche, die Differenzen durch einen billigen Vergleich aus der Welt zu schaffen, sind bis jetzt an dem scharfinacherischen Widerstand der Arbeitgeber-Vereinigung gescheitert. Dagegen versuchen die Herren allerorts. Arbeitswillige für Mann- heim anzuwerben, wie sie selbst kein Mittel scheuen, um die Stteikenden zum Verrat an ihrer gerechten Sache zu bewegen. Wir ersuchen deshalb wiederholt um sttengste Femhaltung jeglichen Zuzugs von Schneidern nach Mannheim. Die Küfer in Dortmund fordern von ihren Meistern etne zehnprozenttge Aufbesserung der Accordsätzo. Der Lohn betrug bis- her 4 M. bis 4,40 M. pro Tag; die meisten Küfer, welche in Accord «rBeitefen, verdienten jedoch nicht inehr als 4 M. Fahaufladen soivie Kesselschmieren soll extra vergütet werden. Es haben bereits zwei Verhandlungen mit den Küfermeistern stattgefunden, zu einer Einigung kam es noch nicht. Die Küfermeister bewilligen unter der Bedingung, daß kein Geselle mehr auf einer Brauerei als Küfer Arbeit nimmt. DieS ist aber nicht leicht zu erreichen. Zwei Meister haben bereits bewilligt. Sollten die übrigen Meister nicht bewilligen, so wird es zur ganzlichen Arbeitseinstellung kommen. Die Tischler in Bremen haben ihren Arbeitgeber« Forderungen unterbreitet. Es wird gebeten, den Zuzug von Bremen fernzuhalten.— Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. KtastanA. Die Aussperrung in der Diamantindustrie. Vorgestern hat eine neue Versammlung des Niederländischen Diamautarbeiter-Verbandes stattgefunden, an der nur stimm- berechtigte Mitglieder teilnahmen. Hier wurde endgültig über die IlnterstüNungen oeschlossen sowie über die von den in Arbeit befind- lichen Mitgliedern zu zahlenden Extrabeiträge, die progressiv, den Löhnen entsprechend, festgesetzt wurden und von 3 Proz. bei Löhnen von unter 8 Gulden auf bis zu 20 Proz. bei Löhnen von 3ü Gulden und darüber steigen. Ferner wurde die Einführung des Neunstundentag'eS für die jetzt Arbeitenden beschlossen.— An der Versammlung nahmen die Vorstandsmitglieder des Antwerpencr Verbandes Jef Groesscr und Louis Romno teil. Es wurde mitgeteilt, daß in Antwerpen noch zwei der größten Fabriken wieder geöffnet werden, so daß dann über 700 von den 3000 Antwerpenern Diamantarbeitern wieder thätig sind. Von den 60 Mitgliedern der Diamantarbeiter-Abteilung der religiösen Arbeiterorganisation„Patrimonium" in Amsterdam sind 42 ausgesperrt. Diese Vereinigung arbeitet, ebenso wie„St. Edimrdus", im Eiuvcrstäiiduis nüt dem Verband.— Im Amster- damer„Handelsblad" hat der Vorsitzende der Vereinigung der Be- sitzer von Diamantschleifereicn, Lehmans, einen offenen Brief an Henri Polak gerichtet, worin er zu beweisen sucht, daß an Stelle des Lchrlingsverbots eine Lehrtingsregclung treten müsse, was ja be- ianntlich von den Arbeitern gar nicht abgelehnt worden ist. Der Vorsitzende der Fabrikanten erklärt dann weiter, die Juweliere hätten einen taktischen Fehler gemacht, in den, sie eine bestimmte Zahl von Lehrlingen nannten. Warum die Fabrikanten trotz dieses taktischen Fehlers den Wünschen der Juweliere so gehorsam Folge leisteten durch Schließung ihrer Fabriken, darüber wird leine Aufklärung gegeben. Lohnbewegung schwedischer Steinhauer. Ungefähr 800 organisierte Pflastersteinhauer in Bohuslän und den umliegenden Orten verlangen eine Revision des bestehenden Tarifvertrages. Wird ihren Wünschen nicht entsprochen, so gilt der Tarif als gekündigt auf den 25. April. 600 oiganisierte Feinsteinhaucr haben ihren jetzt geltenden Tarif auf den 25. Juli gekündigt. Sie verlangen, nüt den Unternehmern vor Ende März zu verhandeln. berliner Partei-Etogelegenkeiten. Mühlcnbeck sBczirk Pankow). Sonntagnachmittag 2'/., Uhr: Vereinsversammlung im Gasthof zur Sonne. Genosse Stadtv. Kotzke spricht über die Gemeinderatswahl. Französisch- Buchholz. Am Sonntagnachmittag 3 Uhr findet im Lambeckschen Lokale eine öffentliche Wählerversamnilung statt, in der Gemeindevertreter Freywaldt- Pankow einen Vortrag über die bevorstehenden GemeinderatS-Wahlen hallen wird und in der die Kandidaten dazu aufgestellt werden sollen. Zchlendorf. Zu den bevorstehenden Gcmeindevertieter- Wahlen findet am Sonntag. den 28. Februar. früh 7 Uhr. eine Flug- blatt-Verbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich bei Giese, Tcltowerstr. 23, einzufinden. Wcißrnsee. Die Parteigenossen werden gebeten, recht zahlreich an dem Einsammeln der Abonnementskarten fiir den„Vor- wärts" teilzunehmen. Treffpunkt Sountagmorgen 8 Uhr in den bekannten AbteilungSlokalcn. Der Vertrauensmann. Nicder-Schönewcide. Der Wahlverein hält heute abend 3'/zUhr im Franzschen Lokale seine ordnungsmäßige Vereinsversamm- l u n g ab. Es sind die Billets vom Vergnügen dorlselbst abzn- rechnen._ Lohalca. Unfinniges Gerede über den Tod�unsreS Genoffen Rosenow ver- breitet der„Lokal-Anzeiger". Es sollen Gerüchte im Umlauf sein, wonach Rosenow nicht eineS natürlichen Todes gestorben sei und Frau Rosenow verdächtigt werde, den Tod ihres Gatten verschuldet zu haben. Die Gemeinheit der Sensationsnachricht des„Lokal-AnzeigerS" ist für jeden, der die VerHSlttnsse kennt, offenbar. Es liegt lediglich die Thaffache vor, daß in Frau Rosenow selbst der Verdacht aufstieg, daß die Krankheit, die zum Tode ibres Mannes führte, irrig diagnostiziert worden sei. Sie wandte sich daher, um Sicherheit und Beruhigung zu finden, an die Polizei, die ihr dazu riet, die Obduktion des Verstorbenen vornehmen zu lassen. Dies hat daher Frau Rosenow beantragt und die Polizei gab die Angelegenheit an die Staatsanwalt- schast. Die Staatsanwaltschaft hat darauf den Arzt deS Verstorbenen vernommen. Der Arzt hat, wie wir zuverlässig wissen, nochmals die Feststellung deS Totenscheins bestätigt, daß Rosenow an Gelenk- rheumatismuS und Herzklappenentzündung gestorben ist; irgendwelche Anzeichen für die Annahme einer andren Todesursache hat er nicht gehabt. Der Arzt hat den Verstorbenen während des ganzen Krankheitsverlaufes behandelt ihn täglich besucht und, als die Krankheit sich verschlimmerte, häufig auch bei Nacht Besuche gemacht. Er hat festgestellt, daß das Krankheitsbild dasselbe war wie in andren solchen Fällen, die tödlich ausgehen. Wir mußten, so sehr es uns widerstrebt, von dieser Angelegenheit Mitteilung machen, da der„Lokal-Anzeiger" sich nicht gescheut hat, häßliche Verdächtigungen gegen die bedauernswerte Witwe unsrcs Genossen zu verbreiten. Es ist sehr erforderlich, daß der Urheber der Nottz deS„Lokal-AnzeigerS" von der Schönebcrger Polizei- behörde festgestellt und. sofern es ein Polizeibeamter ist, nach- drücklichst gegen ihn eingeschritten �wird. AuS einer Darstellung derselben Angelegenheit, die sich im heutigen Abendblatt der„Berliner Zeitung" findet, könnte heraus- gelesen werden, als ob Frau Rosenow sich in materieller Notlage befinde und weder Unterstützung, noch Rat erhalte. DaS ist natürlich, wie wir in Uebereinstimmung mit Frau Rosenow selbst feststellen, gänzlich unwahr. Im Etatsausschuß wurde gestern über die Schul-Etats verhandelt. Die Frage der Reinigung der Schulen und die hierfür den Schul- dienern gewährte Entschädigung führte zu längeren Erörterungen. Es wurde von socialdemokratischer Seite dargelegt, daß nach einer Aufstellung die Entschädigung der Schuldiener an den höheren Schulen m einem großen Mißverhältnis zu der den Schuldienern der Gemeindeschulen gewährten stünde. Auf Grund dieser An- regung soll eine diesbezügliche Zusammenstellung vorgelegt werden. Auf eine Frage, wie hoch der Prozentsatz der als Gemeindeschülcrinnen in die höheren Mädchcnschalen übergetretenen Schülerinnen sei, wurde geantwortet, daß diesbezügliche statistische Angaben gesammelt und drin nächsten Etat einverleibt werden sollen. Beim Gemeindeschul-Etat wurde auf die hohe Frequenz der unteren Klaffen hingewiesen. Eine ganze Anzahl sechster Klaffen überschreite die Maximalzahl 60 ganz erheblich; die Vermehrung der Klassenzahl sei nur den oberen Klassen zu gute gekommen. Magistratlichcrseits wurde betont, daß vor allem die Zahl der fliegenden Klassen sehr zurückgegangen sei, gegenwärtig seien es noch 15. Die Verminderung der Frequenz werde angestrebt. Eine von unsren Genossen gestellte Resolution, einen Betrag für die künstlerische Wandausschmückung einzusetzen, wurde ab- gelehnt. Angesichts des UmstandeS, daß selbst Lehrervereinigungen diese Forderung erheben, wirkte der Einwand, daß die Kinder durch einen solchen Wandschmuck zerstreut, der Unterricht durch solche „Allotria" gehemmt würde, kurios. Eine Petition der Lehrer um Erhöhung des Grundgehalts und der Mietsentschädigung wurde in Rücksicht darauf, daß erst vor wenigen Jahren eine diesbezügliche Erhöhung stattgefunden habe, durch Ucbergcmg zur Tagesordnung erledigt. Die Positton„Vcrtretungskosten" führt zu einer Anfrage, in welcher Weise die Vertretungen und Ilrlaubsgewähnmgen gehandhabt würden, wenn Leute, die sich durch ihr Können und ihre Fähigkeiten zu polittschen Agitatoren berufen fühlen, längere Zeit abwesend sind. Veranlassung hierzu gab die Thatsache, daß der Rektor Kopsch als Reichstags- und Landtags-Abgcordneter eine außerordentlich reiche politische Thättgkeit zu entfallen genötigt ist. Auch außer der Session war Herr Kopsch sehr in Anspruch genommen. wie es beispielsweise vor der Reichstagswahl der Fall war. Von unsrer Seite wurde ausdrücklich betont, daß wir in keiner Weise Herrn Kopsch an der Ausübung seiner politischen pro- vagandislischen Thätigkeit hindern wollen. Inwieweit eine öftere längere Ablvescnheit vom Rektoratsamte aus■ die DiSciplin einwirke, fei ja Sache der verantwortlichen Leiter der SÄulverwaltung. Vom Magistrat wurde dargelegt, daß für Herrn Kopsch eine ständige Vertretung von vornherein bestellt sei, Urlaub habe der Schnlinspektor bewilligt und für die 14 Tage, die Herr Kopsch vor der Reichstagswahl von Berlin abwesend war, habe Herr Kopsch selbst die VenretungSkosten getragen. Hoffentlich gewährt der Magistrat auch den städtischen Arbeitern die gleiche Freiheit in der Ausübung ihrer polittschen Ueberzeugung wie Herrn Kopsch, auch wenn die polittiche Anschauung eine andre als die des Herrn Kopsch ist./j Prozent betragen. Der Bezirksausschuß will aber die Ge- nehmigung zur Aufnahme der Anleihe nur unter der Bedingung er- teilen, daß der Tilgungssatz von 2� auf 3 Proz. erhöht wird. Die Stadtverordneten-Versamnilnng stimmte der Erhöhung des Satzes zu. JohrnmiSthal. Mit der Androhung, die Kosten für Errichtung und Unterhaltung einer H i l f s g e i st l i ch e n st e l l e für den Ort auf dem Zwangswege in den Etat der Gemeinde einstellen zu lassen, glaubte ein Vertreter des Konsistoriums den Genieinde- Kiröbenrat bestimmen zu können, eine Hilfsgcistlichenstelle zu sckiaffen. Nach langer, heftiger Debatte wurde jedoch beschlossen, das Ansinnen abzulehnen und es bei dem bisherigen Zustande zu belassen, nach dem der in Rudow amtierende Geistliche auch die geistlichen Hand- hingen in Johannisthal vorzunehmen hat, da beide Ottsöbaften eine Parochie bilden. Der Kirchenrat stellte sich auf den Standpunkt der Gemeindevertretung, daß eine Hilfsgeistlichen- oder Pfarrstelle für den Ort nur dann geschaffen werden kann, wenn die Parochie Rudow dieselbe so ausstattet, daß der Gemeinde Johannisthal keine Unkosten entstehen. Die Parochie Rudow ist dazu sehr wohl in der Lage, bezieht doch der Geistliche aus den Erträgnissen der Psarr- ländereien ein jährliches Gehalt von 15 000 M. Da nun die Er- trägnisse der Pfarrländcreicn durch die Anlage des Teltowkanals sich noch bedeutend steigern werden, so würden durch eine Teilung der Parochie Rudow zwei ganz rentable Pfarrstellen geschaffen, denn niit einem Einkommen von 7500 M. kann doch auch ein Geist- licher auskommen. Aus Friedenau schreibt man uns: Wie der hiesige Gemeindevorsteher bekannt macht, finden die Ergänzungswahlen der vier aus- scheidenden und der drei neu zu wählenden Gemeinde- verordneten für die dritte Wählerklasse am Montag, den 14. März, nachmittags Uhr, und für die zweite und erste Klasse am Dienstag, den 15. März, von 5— G'/a resp. 7— 7,/2 Uhr statt. Vom 1. April ab zählt die Gemeindevertretung 24 Mitglieder (1 Gemeindevorsteher, 5 Schöffen und 18 Gemeindeverordnete), von welchen zwei Drittel(also IG) Angesessene sein müssen. Der Ge- meindevorstand hat nun folgende von ihm motivierte Einteilung getroffen: Von den gegenwärtigen Mitgliedern der Gemeinde- Vertretung sind 5 Nichtangcsessene sMieter), so daß aus dem Kreise der Nichtangescssenen noch drei Verordnete gewählt werden können. Da sich gegenwärtig unter den Vertretern jeder Wählerklasse je ein Mieter befindet und die beiden dem Vorstande angedörigen Mieter bei der Verteilung nicht zu berücksichtigen sind, so entfällt von den noch wählbaren Nichtangescssenen auf jede Wähler« klaffe einer. Danach sind zu wählen von.der dritten Wählerllasse zwei Gemcindcverordncte, von denen einer ein Mieter sein kann, von der zweiten Klasse vier Gemeindeverordnete und von der ersten Klasse zwei Gemeindeverordnele, von denen je einer ein Mieter sein kann.— Die Einteilung sollte ursprünglich eine andre sein, und zwar hieß es. daß die dritte Wählerklasse drei Gemeinde- verordnete zu wählen habe, von denen zwei Mieter sein könnten. Nachdem aber der socialdemokratische Wahlvercin beschlossen, mit aller Kraft sich an der Gemeindewahl zu beteiligen, und die Möglichkeit gegeben ist. daß in der dritten Klasse die von ihr'aufgestellten Kandidaten durchkommen, der Verein der Gastwirte und der Grundbesitzerverein vor dem roten Gespenst eine große Furcht in ihren Versammlungen bekundet haben, hat man die An- zahl der zu Wählenden in der dritten Klasse reduicert und die in der zweiten Klasse erhöht. Können wir äuch an der jetzigen Ein- teilung nichts ändern, so liegt es nun an den wahlberechtigten Partei- genossen der dritten Klasse, vollzählig am 14. März zu erscheinen, um dem Kandidaten der Socialdemokratie, der in einer demnächst stattfindenden Versammlung anfgestclll wird, zum Siege zu ver- helfen, damit auch in der hiesigen Gemeindevertretung ein Hecht sich im Karpfenteich befindet. AdlcrShof. Am Sonntagnachmittag 2'/z Uhr findet im Lokal von Meißner, am Bahnhof, eine Protest Versammlung gegen den Russenkurs statt. Das Referat hat Genosse Dr. Alberty über- nominell. Das Erscheinen sämtlicher Genossen ist erforderlich. GmcKts-Leitung. Der Kurpfuscher-Prozeß zu Tilsit, über den wir gestern berichtet haben, förderte auch in der Verhandlung vom Donnerstag allerhand Wunderlichkeiten zu Tage. Zu Beginn der Sitzung überreicht der Verteidiger Rechtsanwalt Bolck ein von dem Angeklagten erfnndcues und bei seiner„Augendiagnose" in Anwendung gebrachtes„Augen- glas", das Schröter nach seinen Angaben in der Voruntersuchung vor seiner Verhaftung vernichtet haben wollte. Auf Beftagen giebt Schröter zu, damals die Unwahrheit gesagt zu haben, da er ur- sprünglich das Gcheinmis dieses Glases nicht preisgeben wollte. Durch dieses Glas will der Angeklagte erkannt haben, an welchen Krank- heilen seine Patienten litten und für welche Leiden sie außerdem ver- anlagt waren. Auch Unglücksfälle seiner Kranken will er durch dieses Glas vorausgesehen und ebenso die medizinischen Gifte erkannt haben, mit denen die Patienten vordem vergeblich kuriert worden waren. In der weiteren Vernehmung richtet der Vorsitzende an den An- geklagten die Frage: Was halten Sie vom G e s u n d b e t e n?— A ng e kl.: Ich erkenne ihm insofern eine heilsame Wirkung zu, als es eine Autosuggestion darstellt und der Heilglaube erfahrungsgemäß viele Erfolge aufzuweisen hat.— Vors.: Und würden Sie es auch zur Anwendung bringen?— A n g e k l.: Ich habe es nicht im Sinne der Gesundbeter verordnet, sondern im Sinne der ostpreußischen Prediger. nämlich, indem ich es hoffnungslosen Patienten zu ihrer geistigen Kräftigung verordne. Einen andren Zweck kann ich dem Gesundbeten kaum zuerkennen.— Vors.: Herr Sachverständiger Scheiblcr, Sie halten nichts von dem Gesundbctcn?— Sachverständiger: Nein.— Vors.: Sie haben sogar in Ihrer Zeitschrift dagegen Stellung genommen, indem Sie auf dem Standpunkte stehen, daß Ihre Oscillatioustherapie vollkommen genügt?— S a ch v.: Jawohl. — Vors.: Sie haben auch einmal einen Ihrer Mitarbeiter. vr. meck. Steinicke, zu einer solchen Gesundbeterin geschickt, die mit einem„zwölfjährigen" Mädchen Braun„arbeitete". Der Herr hat sich augenscheinlich über den Betrieb lustig gemacht, denn er schreibt da, daß das Mädchen für die glückliche Entbindung einer Frau und ferner dafür gebetet habe. daß ein Kutscher, der ein Thalerstück verschluckt hatte, dies zu seiner Erleichterung in gewechseltem Zustande in Form Von 30 Silbergroschen wieder von sich gebe. sStürmische Heilerkeit.)— Hierauf stellte Dr. Lengnick einen der drei Patienten der Tilsiter Heilanstalt vor, an denen der Angeklagte seine Fähigkeit in Bezug auf Perkussion und Auskultation darthun soll. Der von verschiedenen Seiten angeregte Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde vom Gericht abgelehnt. Der Kranke muß sich bis auf die Hüften vollständig entkleiden und auf einen Stuhl setzen, worauf dem Angeklagten'Perkussionshammer und Horchrohr gereicht werden. Er benutzt die Sachen mit der Miene eines sachverständigen Arztes und klopft die linke Brustseite längere Zeit ab. Auch sieht er dem Krauken mehrfach scharf in die Augen. Als ihm darauf Kreisarzt Dr. Behrendt lächelnd das auf dem Gerichtsttsch liegende, in einen runden silbernen Rahmen eingefaßte„Augenglas" reichen will, wehrt d»r Angeklagte ihn mit den Worten ab:„Das brauche ich garnicht!" Die Geschichte endet aber mit einer Blamage deS Angeklagten, da er die Lunge des lungenkranken Patienten für gesund erklärt und auch nicht erkennen kann, daß der Mann an einem Unterschenkel- geschwür leidet. Als Vertreter der Angendiagnostik nennt der An- geklagte einen Dr. Schlegel in Tübingen.— Sachverständiger Professor H ö f t m a n n bezweifelt weiterhin, daß Geheimer Rat b. Nußbaum-München sich in dem vom Angeklagten behaupteten Sinne über den Magnetismus geäußert habe. Jedenfalls könne der Ausspruch nur in den letzten Lebensjahren Nußbaums gefallen sein, und da sei der Gelehrte schwer krank gewesen, so daß er, Sach- verständiger, sogar nicht einmal sagen könne, ob Nußbaum in den letzten Jahren nicht geistig defekt gewesen sei.— Der Vorsitzende stellt fest, daß das betreffende Sachverständigen-Gutachten des Geheimen Rats v. Nußbaum, vom 12. Mai 1890 datiert sei. In diesem kämen folgende Sätze vor: Niemand könne sicki selbst zu Tode kitzeln(Heiterkeit), und kein Mensch sei dem andren gleichgeartet. Es gebe Menschen. die sympathisch, und solche, die sich antipathisch gegenüberständen. Das zeige sich bei allen möglichen Gelegenheiten. So habe es schon junge blonde Damm gegeben, die sich von keiner brünetten Zofe bürsten lasten konnten(Heiterkeit), während eine blonde Zofe ohne weiteres dazu im stände gewesen sei. Das liege an dem tierischen Magnetismus, der jedem Menschen mehr oder weniger innewohne. Eine Gewissenlosigkeit ohnegleichen. Eine nicht sehr appetitliche Gcscknchte lag einer Anklage wegen Nahrungsmittclverfälschnng zu Grunde, die das Gärtner Friedrich G e m b r i e s sche Ehepaar gestern vor die zweite Strafkamnier des Landgerichts II führte. Beide An- geklagten wurden beschuldigt, den bei ihnen beschäftigten Lehrlingen Fleischabfälle, die sonst im allgemeinen als Hundefntter benutzt werden, als Mittagskvst vorgesetzt zu haben. Einer der Lehrlinge mußte jeden Vormittag aus der Speisewagen-Gesellschast Kromrey in Charlotten- bürg in einem Eimer Küchenabfälle und Speiscnreste holen, die als Futter für Hunde und andres Vieh angeblich benutzt werden sollten. Den Lehrlingen fiel es nun wiederholt auf, daß ihr Mittags- fleisch einen eklen, fauligen Geschmack hatte, zu weich war und unappetitlich aussah. Sie kamen auf den Verdacht, daß ihnen Mittagskost ans dem Viehfuttcr-Eimer aufgetischt würde und machten eine eigenartige Probe aufs Excmpel. Als einer von ihnen eines Donnerstags wieder einen Eimer voll Abfall holte, praktizierte er sehr vorsichtig in einige Stücke Fleisch einige Schrotkörner hinein. Am Sonntagabend erhielten die Lehrlinge„Kalbsbraten" auf ihr Brot und da sie beim Hineinbeißen auf Schrotkörner stießen, war es erwiesen, woher das Fleisch stammle. Am nächsten Tage wurde der Fleischeimer nicht den Angeklagten, sondern dem kgl. Kreistierarzt Dr. Jcß übergeben. Dieser konstatierte, daß das zwischen Brotbrocken. Rüben und allerlei sonstigem Abfall liegende Fleisch völlig in Fäulnis übergegangen war und förmliche Baktcricnhei.de sich gebildet hatten. Eine aus dem Fleisch gebildete Flüssigkeit wurde Natten und Mäusen eingeimpft, die bald schwere Vergiftungserscheinungen zeigten.— Im Termin gab die Angeklagte zu,' daß sie aus dem Eimer wieder- bolt Fleisch entnommen und für die Lehrlinge verwendet habe. Die Küchenabfälle des Deutschen E scnbahn-Speisewagen-BetriebeS ent- hielten oft tadellose, frische Stücke Fleisch, von dem auch sie mit ibrer Familie mehrfach gegessen habe, ohne auch nur das geringste Ungemach zu spüren. Nur und einzig um solche Fleischstücke habe es sich gehandelt, keineswegs könne die Gesundheit der Lehrlinge gefährdet gewesen sein.— Der Staatsanwalt hielt die ekel- erregende Handlungsweise der Angeklagten für so abscheulich, daß er je e i n e n M o n a t Gefängnis beantragte.— Rechtsanwalt Chodziesner plädierte dagegen für Freisprechung. Er hielt nicht für erwiesen, daß das Fleisch, welches vor der Untersuchung durch den Kreislierarzt geholt und teilweise genossen worden war, dieselbe» schlechten Eigenschaften besessen habe, wie das untersuchte. Zudem hätten die Lehrlinge eingeräumt, daß sie sich einige Male, wenn sie Hunger gehabt, selbst Fleisch aus dem Eimer herausgesucht und verzehrt hatten. Wenn ihnen dabei verdorbenes Fleisch in die Finger gefallen sein sollte, so würden die Angeklagten hierfür nicht verantwortlich sein. Auch eine Fahrlässigkeit laste sich nicht nach- wetten. So unappctttlich das Verfahren auch sei. so seien die An- geklagten doch strafrechtlich nicht zu fassen.— Der Gerichtshof kam zu demselben Ergebnis und erkannte auf Freisprechung, ließ aber die Angeklagten auch seinerseits nicht im Zweifel darüber, daß ihre Handlungsweise verwerflich und ekelerregend sei. Hoffentlich bekommt das gewissenlose Ehepaar so leicht keine Lehrlinge wieder. Ein„Rechtsverdreher" der schlimnislen Sorte stand in der Person deS Barbiers Hugo Schneider aus Lichtenberg vor der Straf- kammer des Landgerichts II. Der früher schon mit Zuchthaus vor- bestrafte Angeklagte stand in Lichtenberg in dem Rufe, eine gute Portion Rechtskenntnisse zu besitzen und alle Schleichwege zu kennen. die durch das Labyrinth der Rechtsgeschäfte führen. Ihm ging ein Handelsmann ins Netz, der von einer Gesellschaft ans Zahlung von 7,80 M. verklagt worden war, diese Forderung aber für imberechtigt hielt und nun auf dem besten Wege war, ein Prozeß-Hansl zu werden. Auch der Angeklagte, dessen Rat er einholte, war der Ansicht, daß die Gesellschaft offenbar iin Unrecht sei und man ihr mit Hilfe des Gerichts die Flötentöne beibringen müsse. Das war Wasser auf die Mühle des Handelsmanns; er pries sich glücklich, als sich der Angeklagte bereit erklärte, ihn gegen die Gesellschaft vor Gericht zu vertreten. Er ahnte nicht, daß er einem Gauner zum Opfer gefallen war. Die Angelegenheit nahm einen so sonderbaren Verlauf, daß man eigentlich nicht weiß, ob man mehr über die Dreistigkeit des Angeklagten oder die Naivetät seines Auftraggebers staunen soll, der sich wie ein geduldiges Schaf scheren ließ und dem braven Rechtsvertreter für den Streit um die Bagatelle von 7,80 M. nach und nach eine Summe von fast 700 M. geopfert hat. Die Forderungen des Angeklagten liefen unter den verschiedensten Titeln; bald brauchte er Geld zur Deckung von Ge- richtskosten, bald zur Bezahlung von Kopialien und Schreibgebühren, mehrere hundert Mark sollten aber angeblich zur„Bestechung" der Rechtsanwälte dienen, denn der Angeklagte redete seinem Mandanten vor, daß für die Gesellschaft drei Rechtsanwälte thätig seien und der Prozeß nur gewonnen werden könne, wenn man sich nicht scheue, die Rechtsanwalts zu„spicken". Der leichtgläubige Auftraggeber gab daraufhin Gelder über Gelder, bis er die oben angegebene Summe los geworden war. Schließlich stellte sich heraus, daß der Barbier sich um die Prozeßangelegenheit überhaupt nicht bekümmert hatte, so daß es kein Wunder war, daß der Prozeß für seinen Mandanten verloren ging. Ganz ähnlich hatte er in einer andern Prozeßsache gehandelt. Der Gerichtshof ver» urteilte ihn zu 2'/z Jahren Zuchthaus und 300 Mark Geldstrafe._ Vcrmlfcbtea. Abermals ist in einer Stadt der Union eine große Feuers- brunst ausgebrochen. Wie aus Rochester gemeldet wird, wütet daselbst seit Freitag ein verheerender Brand im Herzen des Geschäfts- Viertels. Unter andern Gebäuden wurde das der Finna Siblcy, Lindsay, Curr u. Comp, gehörende massive Granitgebäude zerstört. Die Feuerwehr fängt an, mittels Dynamit die einzelnen Gebäude niederzulegen, um ein Umsichgreifen der Flammen zu verhindern. ES wurde von Buffalo und Syracuse Hilfe erbeten. Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen deS »Welzen, gut D.-Cw. 18,20 is.tk' mittel, 18,12 18,08 gering„ 18,04 18,00 »Roggen, gut„ 13,70 13,68 mittel, 13,66 13,64 gering 13,62 13,60 fKerste, gut„ 14.10 13.20 mittel„ 13,10 12.20 gering„ 12,10 11,20 fHafer, gut„ 15,70 14.80 „ Nuttel„ 14,70 13,80 . gering, 13,70 12,80 Richtstroh. 4,00 3,32 Heu. 7,00 4,80 Erbsen. 40.00 28,00 Sveisebohnen. 50,00 26,00 Linsen„ 60,00 1 25,00 * ab Bahn. f jici Wagen und ab Bah». am 25. Februar 1904 tgl. Polizeipräsidiums. 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