Ur. 56. flbonntmcnts-Bedingungen: ItBonnnnentä- Preis piänumerando i LierteljShrl. Z.Z0 Mk., monatl. 1,10 wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau-. Einzelne Stummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntag-- Beilage.Die Neue Welt» l0 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn a Mari, für das übrige Ausland S Marl pro Monat, klschillit lZgüch aaStr montags. 21. Jahrg. Sevlinev VolkSblAkk. vi« InkerNonz-Stdilh? ketrSgt für die fechSgespaltenc Kolon«!- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewcrlschafUiche Vereins- und Versammlungs-Anzcigen 2S Psg. „Aleine Hnztigen", das erste(fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedeS weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geöffnet Telegramm-Adresse: „Sozialdtinolirat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokrattfchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SUJ. 68, Ltndcnatraasc 69. Asernsprecker: Amt IV, Nr. 1983. Der Fall Arenberg. Der Fall Urenberg ist eine so krasse Verurteilung unsreS Militär und KolonialshstemS, daß e- auch die reaktionäre Presse nicht wagt, die ungeheuerliche Thatsachc zu beschönigen, daß ein schwach sinnigerSäufer, Idiot und Rowdy lange Jahre als Offizier und gar als Kolonialoffizier geduldet werden konnte. Leugnen und Vertuschen ist da nicht möglich. Man spielt deshalb selbst den Sittlich-Entrüsteten und heischt mit mehr oder minder gut gemimtem Pathos Aufklärung seitens der verantwortlichen Stellen. Zugleich verlangt man, daß der prinzliche Mörder lebenslänglich im Irrenhaus interniert werde, lieber die Wirkung dieses Theater- donners giebt man sich sicherlich keiner Täuschung hin. In der„Deutschen Tageszeitung" lesen wir: „Daß diese Sachverständigen ihr Gutachten nach bestem Wissen und Gewissen abgegeben und das; die Rickitcr ihr Urteil pflichtgemäß und im Bewusitsein ihrer schweren Verantwortuiig gefällt haben, daran ist kein Zweifel gestattet. Und doch hinter- läfct die Freisprechung einen ungemein peinlichen Eindruck. Die Frage, wie es möglich war, daß ein Mensch, wie Prosper Urenberg, an die verantwortliche Stelle, an der er stand, gestellt werden konnte, heischt Antwort und bleibt leider nnbeantwortct. Wußte man denn gar nichts von seinem seltsamen Geisteszustände, gar nichts von seinem häglichen Vorleben, gar nichts von seinen scheußlichen Gepflogenheiten? Der Fall wird eine ernste, tief- ernste Warnung an die maßgebenden Behörden sein müssen. Aber noch»eine aiidre Frage heischt Antwort. Wie kann die Gesamtheit dauernd und wirksam vor solchen „Kranken" geschü tzt werden? Die Notwendigkeit dieses Schutzes liegt auf der Hand. Irgend welche Rücksicht' kann und darf es nicht geben.„Kranke" dieser Art sind dauernd gemein- gefährlich. Die That, die Prosper Arenberg bcgangcu hat, beweist schlagend, daß die Gemeingefährlichkeit andauernd und vorhanden ist, auch wenn sie scheinbar latent ist. Hieraus müssen d i e K 0 n s e q u e n z e n mit unbedingter Entschiedenheit gerade in diesem Falle gezogen werden, damit das Volk in seinem Rechtsgesiihle nicht irre werde. Zu überhumancm Mit- leide liegt bei der verschuldeten Entstehung oder Förderung der „Krankheit" nicht die geringste Veranlassung vor." Die„Tägliche Rundschau" glaubt nicht daran, daß Prinz Mörder lebenslänglich ins Irrenhaus gesperrt werden wird. Sie schreibt: „Es bleibt zu viel Uubehagliches hinter dieser Affaire Urenberg zurück; zu viel— sprechen wir es nur ruhig aus— geradezu Un- heimliches. Nicht nur, daß das Gutachten des wissenschaftlichen Senats der Kaiser Wilhelm-Akademie zu Berlin mit seiner B e r- n ei n ung der Frage, ob der Prinz unheilbar geisteskrank sei, uns die«»erfreuliche Aussicht eröffnet, dem Herrn, dessen gesellschaftliche Forme» heute mehrfach von den Sachverständige» anerkannt worden sind, nach einiger Zeit als elegantelu Flaneur Unter de» Linden zu begegnen; nervenstärkende Bäder und Luftkurorte wirken ja manchmal Wunder, und nock nützlicher er- weist sich gelegentlich eine konsequente Alkobolentziehnngskur. Aber man kann dem„Vorwärts" doch nicht ganz unrecht geben, wenn er die Frage auswirft, wieviele Verbrecher wohl vor dein Gang zum Schafott bewahrt blieben, wenn auch ihrer sich Sach- verständige und wissenschaftliche Senate annähme» und den geistigen Zustand sorgfältig bis in die scheinbar unbeträchtlichsten Einzel- heitcn erforschten. Wer den Papst zum Vetter hat — das steht mit Flammenschrift über diesem Verfahren gegen Prosper Urenberg. das den Mörder von Begnadigung zu Begnadigung bis au die Schwellen der Nerven- ilanstalt a' 11'—-■-- Heilanstalt geleitet hat. Der nämliche, für unser Staatswesen nicht gerade rühmliche Spruch steht aber auch schon vor diesem Verfahren. Schon vor Jahren haben wir darauf hingewiesen, daß Prosper Aren- bcrg in seiner früheren Garnison Münster allgemein für geistig anormal gehalten wurde. Und diesen Mann sandte man in den verantwortungS- vollen Troprndienst hinaus; diesen jungenhaften Schwachsinnigen— «vir citieren imr die Worte der Sachverständigen—„dem jedes Verständnis für das, was sittlich ist. fehlt", erkor man zum Rcpräsen- kanten der„höheren Rasse" und setzte ihn in die Wildnis, wo der Mensch mehr als sonst noch die Begriffe von gut und böse in der eignen Brust tragen muß, zum Hern« über Leben und Tod: Wir tonnen nur nochmals betonen: uns wird es unheimlich bei der Verfolgung dieser Gedaukenreihc und es ist uns ein schlechter Trost, daß die Regierung offenbar nur deshalb den>v e g c n Miß- Handlung von Untergebenen Borbe st rasten, durch Weiber und Champagner frühzeitig Entnervten in den Kolonialdicnst übernommen hat, weil er gewichtige Fürsprecher hatte und in»pecie der Prinz Franz Maria Assisi von Arcnberg, der Kolonialexperte des machtgebietcndcn EenttnmS, sein Setter war." Was die Anspielung auf den Vetter des Mörders, den Ecntrums-Abgeordneten Prinzen v. Arenberg anlangt, so ist cS allerdings auffällig, daß sich die„Germania" noch in ihrer hentigen Abendnummer über die Art, die ScnsationS-Affaire zu be- handeln, nicht schlüssig geworden ist und sie deshalb mit einer nichtssagenden kleinen Notiz in der Morgenausgabe abzuthnn für angemessen hielt! Freilich mag die Behandlung diese- Kapitels ultramontaner 5kolonialpolitik und klerikaler P r i n z e n e r z i c h u n g für das ftihrende Centrumsblatt eine sehr unangenehme Arbeit sein. Aber das Blatt wird ivahrscheinlich demnächst die Sprache und damit die gewohnte Biedermann-?- gcsinmmg zuriickgewormen haben und mit der übrigen bürgerliche,« Presse um die Wette über das„Unbegreifliche" und„Unheimliche" des Falles Arcnberg wehllagen. Höchlichst entrüstet wird sie sich mich gegen die Verdächtigung verwahren, daß das Ceutrum als Partei für die That des tollen Prinzen oder auch nur die mangelnde Gewissenhaftigkeit seines parlamentarischen Vetters verantwortlich sei. Und darin inöchten wir allerdings schon im voraus der „Germania" recht geben, daß eine konservative Durchlaucht wahr- scheinlich kein geringeres Familiengcfühl bewiesen haben würde I Die„Post" läßt sich also vernehmen: „Wichtiger und weit schwerer zu begreifen und wohl u n m ö g l i ch z u beantworten ist eine andre Frage: wie konnte ein so entarteter Mensch, wie dieser prinzliche Menschen- und Tierquälcr Offizier«verde»? Es widerstrebt uns, alle die Scheußlichkeiten zu«viederholen, die nach Ausweis übereinstimmender Zeugenaussagen der Angeklagte selbst an Ivehrlosen Kreaturen beging. Es genügt die Hervorhebung, daß nicht etwa erst in den Jahren, da der Entwicklung kein wachsames Auge mehr folgen konnte, sondern schon in den frühen Knabenjahren sich ein Hang zur sinnlosen Quälerei andrer Wesen ausprägte, der nur eine Einzelerscheinung der gesamten sittlichen Verwahrlosung war— es genügt diese Hervorhebung, um immer von neuem die Frage laut werden zu lassen: wie konnte ein solcher Verkörpercr aller sittlichen und moralischen Defekte Offizier werden? Und als er Offizier geworden, dasselbe Treiben mit Ans- schweifungcu aller Art, das den Vorgesetzte» unmöglich verborgen bleiben konnte. Vielleicht deshalb gerade hielt mau ihn noch für geeignet zum Dienst in den Tropen. Es sind ernste Warnungen, die dieser Fall für nnsre Heeres- Ivie Kolonialverwaltung enthält; inögen aus ihnen die rechten, praktischen Schlüsse gezogen werden... Ganz in der gleichen Tonart, in dem gleichen Gedankengang ist eine Auslassung dc-ScharfmachergeschwisicrS: dcr„Post" und der„Verl. Neueste Nachrichten" gehalten. Danach könnte ein Naiver glauben, daß doch diesen einmütigen Entriistungsschrcien irgend etwa- folgen, daß irgend eine Aenderung in unserm mili- taristischcn und kolonialen System eintreten würde. Daß aber gar nichts erfolgen wird, bewies ja geradezu drastisch schon das heutige Verhalten der Vertreter der bürgerlichen Parteien im Parlament. Da erklärte der Redner der National- liberalen unentwegt:„Wir glauben nicht an den Baudissinschen Roman", wofür er das lebhafte Bravo der ganzen Rechten erntete, und selbst der freisinnig volksparteiliche Herr Eickhoff betonte, sich nicht einmal zu dem Pessünismu- des doch so loyalen Herrn B e y e r l e i n bekennen zu können.„Einzelfälle I"„Es giebt kein zweites Forbach", das ist nach«vie vor das hochgemute Credo der bürgerlichen Parteien des deutschen Reichstage-, Und das trotz Pirna, trotz des Falles Arenbcrg! Des Falles Arcnberg, über den selbst da- Blatt einer Partei, der heute vom K r i e g S m i u i st e r das Zeugnis der D e n t f ch f r e n n d l i ch k c i t also des„Patriotismus" ausgestellt wurde, da-„Berliner Tageblatt"«irteilt, daß gegenüber dem Fall Arenbcrg der Fall Forbach samt allen ähnlichen Fällen verschwände. Daß«vir eS mit einein Fäulnis s y in p t 0 m, mit der allgemeinen Gefahr zu thnn haben, gestanden ja auch die oben citierte» Blätter ein! Und in der That, daß ein Arenberg seine traurige Rolle spielen konnte, das kann nur zwei Ursachen haben: entweder eine ungeheuerliche Rücksicht auf den Rang des hochadcligen Verbrechers oder eine allgemeine Laxheit in der Auffassung von der Ehre des Offizierstandes, die man bisher— trotz Forbach!— für unmöglich gehalten hätte. Und trotz dieser furchtbaren Lloßstellung, trotz des dröhnenden Theaterdonners der eignen Presse die begeisterte Huldigung für die „Führer des Volkes"!Z Wer bei einer so hoffnungslosen moralischen Agonie selbst der Volksvertretung noch eine Besserung der Zustände zu erwarten vermag, verdient als Rarität ausgestopft zu werden! Wie lvenig ernst eS Junkertum irnb Bourgeoisie mit ihrer Behandlung des Falles Arenbcrg meinen, beweist auch schon die Art der Kritik. Um das Auftverfen der Frage:„Wie konnte solch ein Individuum Offizier sein?" kommt man ja nicht herum, aber all die interessanten Nebennmstände ignoriert man. So die ungeheuerliche Konsequenz, die sich anS der unbedingten Disciplin gerade im Fall Arenbcrg ergab, so die nicht»linder un- geheucrliche Enthüllung der absoluten Rechtlosigkeit und Bogclfreiheit der Eingeborenen, die—»ach der Bekundung des Lieutenants SB et toiu— auf die vage Mutmaßung eines Offiziers hin über den Haufen geschossen«Verden können. Auch von der Illustration der Ehrbegriffs des Offiziers, die der Prozeß Arenberg lieferte, nahm man keine Notiz. Gegen das feine Ehrgefühl des H ü s s e n e r und B r ü s e tv i tz sticht Ivundersam die Gelassenheit ab, mit der«nan sich von einem Prinzen an die Wand werfen läßt! Ein Blatt aber vermag sogar dem Fall Arenbcrg noch eine Lichtseite abzugewinnen. Es feiert c- als ein erhabenes Zeichen unsrer kolonisatorischen Kulturhöhe, daß ein obskurer afrikanischer Bastard infolge deS Glücksumstandes, von der Hand einer deutschen Durchlaucht gemeuchelt ivordcn zu sein, noch der Ehre teilhaftig «vird, ein deutsches Kriegsgericht zu beschäftigen. Die„National-Zeitnng" schreibt nämlich:___ „Da sieht man den arme» kleinen Schwarzen, den Caiu, der «vohl den Namen des Brudermörders trug, selbst aber ein Harm- loser Bursche gewesen.� man sieht ihn mit dein gutmütigeil fletschenden Grinsen, wie er� diesen Neger-Bohs eigen ist, in kriecherischer Diensteifrigkeit, sogar bereit, sein eignes Weib zu verkuppeln, ohne Selbstgefühl und ohne männliche Tapferkeit. Und daneben den dekadenten Aristokraten, auf dem eine hundertjährige Ahnenreihe lastet, dessen Gehirn durch Inzucht entartet ist und dessen Befriedigung grausamer Instinkte dort im s ch a r z e n Afrika scheinbar nichts e li t- gegen steht. Aber siehe da? Deutsche Kultur kommt auch dem kleinen Nigger- Boy im Tode noch zu Hilfe. Der schwarze Kerl hatt« es sich wohl nie träumen lassen, daß sich hohe, ordcngcschmncktc Herren im«vcit entfernten Berlin einmal zusaiiimcnsetzcn«oürdcn, um wegen seines armseligen bißchen Lebens über den Prinzen, der ihm als deutscher Konnnan- denr da drüben zuerst als eine Art höheren Wesens vorgekommen sein mag, Gericht zu hatte», lieber denselben Prinzen, den er später zeitweise geduzt hatte, der Schnaps mit ihm ans einer Flasche trank, der oft so seltsam verrückte Ideen und Anfälle von ExpedMon: SM. 68, Lindcnstrasac 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Angst bekommen hatte, der so grausam und tvieder so harmlos gut« mülig sein konnte. Er mag sogar dem Neger manchmal recht sonderbar vorgekommeil sein. Aber der kleine Cain hatte nicht den Scharfsinn von Berliner Psychologen; er sah so lange nichts von einer Entarttnig in dem durchlauchtigen Gehirn, bi- er den Ladstock im eigenen Gehirn hatte. In Berlin aber sitzen die gc- lehrten Herren und tv eisen nach,«vie sich aus der durch Inzucht entstandenen erblichen Belastung der Hang zur Grausamkeit, zum Cäsarismus, zur fixen Idee und zum Ver» folguilg-lvahil entwickelt hatte." Beneidenswerter Nigger-Boy! Verbohrte aufrührerische Süd- Ivestaftlkancr, die Ihr die Ehre nicht zu würdigen»vißt, durch Ein« büße Eures„armseligen bißchen LebenS" das VerhandlungSobjekt „ordensgeschmückter Herren" zu werden! Vom Kriegsschauplatz. Rückzug der Russen aus Korea? Wie der„Times" vom 4. März aus Tokio telegraphiert wurde, sollen die russischen Truppen, die bisher südlich v 0«n I a l«l f l u s s e st a n d e n, s i ch s ä m t l i ch in der Richtung auf den Jalu zurückgezogen haben. Gesunkene Schiffe? Denl Korrespondenten des„ D a i l y C h r 0 n i c l e" in Shanghai zufolge berichtete ein Missionär in T e n g s ch a u in der Provinz Schailtniig, daß 28 japanische Matrosen am 2ö. Februar dort gelandet seien. Sie erzählten, ihr Schiff sei zlvischen Port Arthur«i n d den M i a 0 t a u- I n s e l n gesunken infolge eines Z u s a m m e n st 0 ß e S mit einem russischen Kriegsschiffe, welches gleichfalls sank. 200 Japaner wurden von chinesischen Dschunken gerettet. Der übrige Teil der Mannschaft habe aus den Inseln und ans dem Festland Obdach ge« fllnden. Von den Rllssen lvnrde keiner gerettet. Die chinesischen Behörden gaben den Geretteten Geld, womit sie Tschist« erreichen konnten. Die Blockade von Wladiwostok durchbrochen? Aus Tokio wird nach New Jork gemeldet, wie sich herausgestellt habe, hätten mit Kohle, Nahrungsmitteln oder andrer Konterbande beladene Schiffe neuerdings die Tsiigaruslraße passiert und seien in Wladiwostok eingetroffen. Daraus gehe hervor, daß die Japaner ihre Bemühungen eingeschränkt haben, die Schiffe aufzuhalten. Unter den Schiffen hätten sich deutsche, britische und norwegische Fahrzeuge befunden. Ein Telegram,» des Kaisers von Japan. Dem„Standard"«vird ans Tokio von gestern gemeldet: Am 2. März richtete der Kaiser von Japan an den Kaiser von Korea ein Telegrmmn, worin er ihn persönlich davon in Kenntnis setzt, daß der Krieg lediglich erklärt sei, um dauernd den Frieden i n O st a s i e n zu s i ch e r n, und ihm seine große G e- nugthnung n b e r d e n Abschluß des letzten Ab« k 0 m m e>« S ausspricht, das sicherlich zu erhöhter Vertraulichkeit z«v i s ch e i, beiden Ländern führen lv c r d e. Kaiser Mnisuhito spricht ferner die Hoffnung aus, daß die Beziehungen zwischen Japan und Korea noch engere iverden würden, und dankt dem Kaiser von Korea und dessen zivei Söhnen für ihre freigebigen Spenden zum Besten der japanischen Truppen. Demselben Blatt zufolge sind die allgemeinen Wahlen zum japanischen Abgeordnete n'h a u s e nahezu beendet. Bisher wurden 130 Konstitutionelle. 00 Mitglieder der Fortschritts- Partei, 70 Unabhängige und 83 Mitglieder der fünf kleineren Fraktionen gewählt.________ politifcbc öcberficbt. Berlin, den 5. März. Die Demokratisierung der Armee. Das hätte«licht kommen sollen— dieser fürchterliche Fall Arenberg! Hatte der Kriegsministcr v. Einen« noch an« Freitag ver- sucht, das heutige Militärsystem gegen Bebels Anklagen zu retten, indem er sich den Anschein gab, als sei alles nicht so schlinnn. so verging ihn« die Luft zu antworten, als an« Sonnabend unser Ge« nosse G r a d u a«« e r ihm den Namen des prinzlichen Untiers vorhielt. Wie? Der Kriegsminister hatte gefragt, ob denn die Socialdemo» kratie die entsetzlichen Schilderungen des Baudissi>«schen Romans glaube? Gradnancr replizierte: Würde jemand einen Roman für glaubhaft halten, der die Thaten des Prinzen Arenbcrg zum Gegenstand hätte? Im Fall Arcnberg bricht die Legende des Volks in Waffen elend für««««»«er zusammen. Hier entblößt sich das Kasten- Heer in seiner ganzen Absche«llichkeit. Ein seit Geburt entarteter Mensch, schlimmer als das niedrigste Vieh, wird als Führer des Volkes, als Erzieher der Soldaten losgelassen, er treibt seine Bestialitäte«« vor aller Aiigeu.«ind dieselben Offiziere, deren Ehre es gebietet, sich von jeden« schmutzigen uiiifoni«ierten Einbrecher in ihre Familie über den Haufen schießen zu lassen, betrachteten es offenbar als eine AuSzeichirung, wenn eine prinzliche Bestie sie lebensgefährlich gegen die Wand schleudert. Und nachdem der Eilt- artete in Deutschland sich standesgeinäß„ausgelebt",«vird er gegen die Hereros gehetzt,«vird er Kulturpionier in Afrika. Zwei Mög- lichkeiten giebt es nur, so erklärte Gradnaucr schneidend: entweder genügt es. ein Prinz zu sein,»m Offizier zu werden; oder aber es fehlt in der Armee das Vermögen, zwischen genleiiigefährlichen Jdiotn«. ivie dein Prinzen Arenberg, und den übrigen Offizieren zu unterscheiden. Vom Fall Urenberg auSgehei«d entwickelte nun Gradnauer den innersten Widerspruch des heutigen Militarismus, zivischcn einer Annee, die vorschützt, daS Volk in Waffen zu sein,«md einem Instrument für die herrschenden Klassen, das sie in Wirklichkeit ist. Ans diesem Widerspruch folgen alle Nebel, insonderheit auch die Soldaten« inißhandlnirgen. Hatte der Kriegsminister behauptet, in der Armee fcnrleit alle Klassen harmonisch zusammen, so lmes unser Parteigenosse unNnderleglich nach, daß in Wahrheit nirgends ein so unüberöriickbarer Klassengegensatz klafft wie in der Armee. Das Offiziercorps geht im wesentlichen auS der Junkerkaste hervor. Bürgerliche Offiziere lassen sich sogar von Trägern altadeliger Namen adoptieren, wenn sie Karriere machen wolle», wie es mit einem früheren kommandierenden General der Fall war, der ebenso schnell empor kam, wie er dann jäh stürzte. Im Kadcticnhause werden sie von aller Welt abgesperrt. Unreif, ohne Kenntnis des Volkslebens, haben sie eine fast unumschränkte Macht über Menschen auf Grund eines furchtbaren und falschen Begriffes der DiSciplin. Aller- dings wird in den Kriegsartikeln verheißen, daß jeder Soldat die höchsten Stellen erreichen könne, aber das sei eine konventionelle Lüge. Kein Unteroffizier könne jemals einen höheren Rang erreichen, der erfahrenste mid tüchtigste Unteroffizier müsse sich von jedem jüngsten Lieutenant konnnan- dieren lassen. Im Einjährigen-Privilcg offenbart sich gleichfalls der Charakter unsrer Armee als einer Institution zum Schutz und zur Versorgung der feudal- kapitalistischen Klaffen. Der Wider- spruch klafft in der ganzen Behandlung der Socialdemokraten im Heere. Was für eine Gesinnung meinte der Kriegsminister, als er die königstrencn Soldaten, die schlechter schießen, guten social- demokratischen Schützen vorzuziehen erklärte. Gradnauer deckte die geheimen Hintergedanken des Kriegsministers auf. ES wird d i e Gesinnung verlangt, die gegen den„inneren Feind" angewendet werden kann. So wird die Armee ihrem Beruf, das Volk in Waffen zu sein, entfremdet und zu einer Waffe gegen das Volk. Scharf hob Gradnauer das unbestreitbare Recht der Soldaten her- vor. gegen Mißhandlungen Notwehr zu üben, und den gesetzwidrigen Anforderungen etwaiger Staatsstreiche den Gehorsam zu verweigern. Alle Schäden des Heerwesens Wurzel« in seinem volksfeindlichen Charakter, nur die Demokratisierung der Armee, die alle Privilegien beseitigt und nicht zuletzt auch zur Verkürzung der Dienstzeit führt. nur das Volksheer kann den Gedanken dcS Volkes in Waffen ver- wirklichen. Das HauS und Herr v. Einem hatte unsrem Redner aufmerksam angehört. Aber der Kriegsminister fühlte sich offenbar in Fragen, die über die Kummerfalten und braunen Handschuhe und patriotische Phrasen hinausgingen, nicht sicher, und so schwieg er und brachte so seine Presse um die Möglichkeit, von neuen papiernen Siegen zu melden, wie sie TagS zuvor bei seiner Auseinandersetzung mit Bebel zu künden lvußte. Sonst brachten die Debatten nichts von Belang. Es charakterisiert unsren Liberalismus aller Schattierungen, daß er vollständig die Kraft verloren hat, den allen liberalen Idealen hohnsprechenden feudalen Militarismus irgendwie grundsätzlich zu kritisieren. Höchstens plätschert man nörgelnd au der Oberfläche. Am Montag wird die Debatte fortgesetzt.— Preußisches Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus will jetzt mit Gewalt den Etat noch vor Ostern in zweiter und dritter Lesung durchberaten. Ilm dies Ziel zu erreichen, solleit von den zahlreichen zu den einzelnen Etats vorliegenden Anträgen nur noch diejenigen erledigt werden, die bereits auf der Tagesordnung standen: alle übrigen Anträge und Resolutionen dagegen werden bis nach der Osterpanse vertagt. Zum Etat� der Eisenbahnverwaltung, dessen Beratung am Sonnabend fortgesetzt wurde, lagen eine Reihe von Anträgen vor, die sich auf die Gütertarife bezichen. Die Abgg. Dr. Fried berg(natl.) und Frhr. v. Zedlitz(fk.) beantragten, die Regierung zu ersuchen, zur Verhütung einer iin volkswirtschaftlichen und finanziellen Interesse gleich nach- teiligen Ueberlastung des Eisenbahnverkehrs mit Zuschüssen für die allgemeinen Staatsausgaben 1. den Ausbau des Staats- Eisenbahnnetzes kräffiger als bisher zu fördern und dabei die Verkehrsintercssen der an dasselbe anschließenden Landesteile in erster Linie zu berücksichtigen: 2. auf die planmäßige Ermäßigung der Tarife für solche Güter Bedacht zu nehmen, welche als Produktionsmittel oder Produkte der heimischen Gütererzeugung für deren Ertragsfähigkeit, ins- besondere für die Ertragsfähigkeit von Landwirtschaft und Industrie von großer Bedeutung sind. Für den Fall der Ablehnung dieses Antrages beantragte Abg. Graf M o l t k e(fk.), die Regierung zu Erwägungen darüber aufzufordern, wie unter Berücksichtigung der gegebenen Falles aus Eiscnbahnüberschüssen vorhandenen Mittel und nach Maßgabe der Dringlichkeit im einzelnen Fall 1. in den zur Zeit der Aufschließung besonders bedürftigen Landesteilen der Ausbau des Eisenbahnnetzes noch rascher gc- fördert werden kann als bisher und 2. eine schrittweise Er- Mäßigung der Tarife für die der heimischen Gütcrerzcugung in Landwirtschaft und Industrie dienenden Produktionsmittel sowie für die von beiden hergestellten Prodtikte behufs Stär- kung des Inlandsmarktes und wirksamer Bekämpfung der ausländischen Äonknrrenz herbeigeftihrt werden kann. Abg. v. Strombeck(C.) endlich beantragte, bei der Anlage neuer Eisenbahnen die in wirtschaftlicher Beziehung danüedcrliegendcn Gegenden mehr als bisher zu berücksichtigen. In der gemeinsanien Debatte über die drei Anträge, die mit ihrer Ueberweisung an die Bndgetkommission endete, wurde die preußische Eisenbahn-Politik vou allen Seiten scharf kritisiert. Zufrieden ist eigentlich niemand mit ihr, ein Herr vom Centrum, der Abg. T u r n e a u, bezeichnete sie als Ur- fache des Anwachsens der Socialdemokratie. Bekanntlich erfindet in jeder Woche irgend ein preußischer Volksvertreter einen neuen Grund fiir die Zunahme der socialdemokratischen Stimmen. Andre Redner tadelten die hessisch-preußische Eisen- bahn-Gemeinschaft, �wieder andre klagten über zu geringe Berücksichtigung des Handels. Nnsrcr Meinung nach werden die Klagen erst dann verstummen, wenn die Eisenbahnverwaltung völlig von der allgemeinen Staatsverwaltung losgelöst sein wird. Denn erst dann wird die Eisenbahn sich zu eineni Verkehrsinstitut im wahren Sinne des Wortes cntlvickcln können. Ten Schluß der Sitzung bildete die Bcrafimg von An- trägen auf Herabsetzung der Eiscnbahntarife für Zucker. Die Debatte hierüber wurde bald abgebrochen und auf Montag vertagt.— ».' Veutfcken Reich. Die Scherlmacht. Herr August Scherl, der die Entfärbung des öffentlichen Geistes mit so profitablem Geschick betreibt, hat nach seinen Mit- teilungen ein Vermögen für seine Sparlotte geopfert. Für welche besonderen Zwecke er dies Vermögen im einzelnen verluendet hat. ist bisher nicht bekannt. Sicher aber ist, daß er es nicht umsonst geopfert hat. Seine Propaganda hat ihre Wirkung gcthan. Am Sonnabend tagte der Verband der Sparkassen in Verlin. Die bürgerliche Konkurrenz Scherls hat in den letzten Tagen alles aufgeboten, um diese Gencralversanunlniig zu einer Zunickweisuiig Scherls zu veranlassen. Der Vorstand des Verbandes ist, wie erinnerlich, durchaus einverstanden mit den in letzter Stunde ver- tagten Schcrlschen Plänen, daS deutsche Volk dein Riesenreptll eines offiziösen Blattes, einer agrarisch strebenden Sparkassenseuche und einer chronischen Spielsucht auszuliefern. Die bürgerliche Presse hat gegen Scherl und die verbündeten Sparkassen mit einem Zorn angekämpft. der in diesen Gefilden inimer auszubrechen pflegt, lvenn den heiligsten Gütern des eignen Profits Gefahr droht. Man ver- schob dabei nur das Kampfziel. Herr Scherl hat unbestreitbar das Menschenrccht, Geschäfte zu machen wie er will. Der Schuldige ist nicht er, sondern das preußische Ministerium, das diesen Geschäften seine Mitwirkung lieh. Nicht Herr Scherl hätte also den Haupt- angriff verdient, sondern die Herren Hanunerstein und Rheinbabcn. Dazu hatte aber der tapfere Liberalismus nur geringe Lust. Herr Scherl aber blieb guten Muts. Er muß genau wissen, was er sich leisten kann. Der„Lokal-Anzeiger" bot das gänzlich ungewohnte Schauspiel einer energischen Prcßpolcmik, in der auf recht auffällige Weise eine Note dunkler Drohung und gar nicht dunkler Verachtung für die Preßkonkurrenz mitklang. Noch gestern prophezeite der„Lokal-Anzeiger" sehr selbstbewußt, daß die Sparkassen sich anders verhalten würden, wie die Presse glaube. Die Macht August Scherls beruht also offenbar auf höchst soliden und zivingenden Verbindungen. Herr Scherl hat denn auch recht behalten, und die Konkurrenz hat ohnmächtig und umsonst gewütet. Auf der Generalversammlung des SparkasfcnverbandeS am Sonnabend sprachen sich nur ein paar Mitglieder für einen Antrag aus, welcher die Vertvcrfung des Scherl'schen Systems verlangte, und dieser Antrag gelangte nicht einmal zur Abstimmung. Dagegen brachte der Vorsitzende des Verbandes folgenden Antrag der Herren v. Etzdorff, v. Kleist- Retzow, Elbing, v. Schroeter und v. Lützoiv zur Verlesung:„Der Sparkassentag hält es nicht für angezeigt, in das nach Anhörung seines Vorstandes von dem von diesem gewählte Komitee geschlossene Vertragsverhältnis mit Herrn Scherl einzugreifen, erachtet es indes für wünschenswert, daß die noch fehlenden Schritte zur Verwirklichung des Präiniensparsystems— sei es mit oder ohne Mitwirkung des Herrn Scherl— baldmöglichst getroffen werden." Schließlich einigte man sich auf einen Kompromißantrag, der alles in der Schwebe läßt: Der Vorstand wird beauftragt, die Angelegenheit zunächst den Niücrverbänden zur Beratung zu überweisen und dieselbe nach Ab- lauf einer für diese Beratungen als angemessen zu erachtenden Zeit erneuert auf die Tagesordnung einer zu diesem Zwecke an- zuberanmenden Hauptversammlung zu setzen. Aus den Aeußerungen des Vorsitzenden ging klar hervor, daß der Plan keineswegs aufgegeben ist und daß auch Herr Scherl gar nicht ernsthaft zurückgetreten sei. Man lvartet offenbar nur einen günstigeren Augenblick ab. In der Debatte feierte insbesondere der Sekretär der Scharfmacher, Herr B e u m e r, den«genialen Ge- danken" Scherls. Der preußische Minister, Herr v. Hammerstein, aber zog es vor, sich brieflich zu verantworten. Er schickte folgende Epistel: „Eurer Hochwohlgeboren teile ich in Erwiderung des gc- fälligen Schreibens vom 20. v. MtS. ergebenst mit, daß ich von einer Beteiligung bei den Verhandlungen des deutschen Sparkassen- Verbandes über daS Scherlsche Prämien-Sparsystem absehe. Wie bekannt, wird die Angelegenheit demnächst im Hause der Ab- geordneten zur Erörterung gelangen, und es erscheint nicht an- gängig, diesen Verhandlungen vorzugreifen. Die Angelegenheit entbehrt übrigens in ihrer jetzigen Lage insofern auch eines fach- lichen Interesses für die Staalsrcgicrung, als die Verwirklichung des Scherlsche« oder eines ähnlichen Sparsystems gegenwärtig nicht zu erwarten ist." Alis alledem erhellt, daß sich daS Reptil nur zum Winterschlaf verkrochen hat. Wenn erst die Lüste wärmer wehen, wird es munter werden!—_ Der Biilow-Officiosus wirft seinen diesmaligen Wochen-„Rück- blick" in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" nur noch auf socialdem akratische Niederlagen. In der Russcndebatte — die Socialdemokratie vollkommen unterlegen; in der Militär- debatte— völlige Niederlage der Socialdemokratie. So schreitet die Socialdemokratie von Niederloge zu Niederlage, so fliegt Bülow von Sieg zu Sieg— in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", dem Bülow-Blatt'l Glückauf zu weiteren solchen Siegen I— Plchwcs Dank. In Rußland weiß man jetzt mehr als sonst das deutsche Eni- gegenkommen zu schätzen. Die Verlegenheiten des japanischen Krieges lassen eS den StaatsmännernMußlands geraten erscheinen, sich in Europa sicheren Rückbalt gegen alle Möglichkeiten zu schaffen, die aus der gärenden Unzufriedenheit des russischen Volkes entstehen können. So berichtet die„Neue Polit. Corresp." von einer Unter- redung ihres Berichterstatters mit dem russischen Minister des Innern v. P l e h w e. Es ist interessant und kennzeichnet den deutschen Russenkurs, daß Herr v. Plehwe voll ist des Deutschenlobcs, das heißt des Lobes der deutschen Regienmg. die für Rußland zegliche Dienste erweist, sei es selbst zum Verderben eigner Staatsbürger. Herr v. Plehwe, dessen tonstige Ausfiibrungen über die angebliche KriegSbcgeisterung des russischen Volkes wenig interessieren können, sagte u. a.: „In hohem Maße sind wir namentlich befriedigt von der Haltung der dcnffchcn Negicning gegenüber Nußland! Wir sind hocherfreut, zu sehen, daß Deutschland mit uns entschieden sym- pathifiert!... Namentlich nachdem Se. Majestät Kaiser Wil- Helm II., den wir hochschätzen und bewundern, in unzwei- deutiger Weise zu erkennen gegeben hat. daß er gewillt ist, mit Rußland auf freundschaftlichem Fuße zu leben, haben sich die gegenseitigen Beziehungen beider Regierungen wesentlich gebessert! Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß beide Monarchen durch eine innige und aufrichtige Freundichaft mit ein- ander verbunden sind I Ich hoffe zuversichtlich, daß die aufrichtigen Sympathie», welche Deutschland Rußland gegenwärtig entgegen- bringt, dahin führen werden, daß die alte Freundschaft zwischen beiden Reichen erneuert werden wird. Sicher ist ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und Rußland die stärkste Garantie für den Weltfrieden und ein unübcrwiudlichcs Bollwerk gegen alle Mächte des Umsturzes!" Herr v. Plchtve ist voll Dank für die Ruffeitgesinnungen de? Grafen Bülow und der preußischen Minister. die diesen Dank voll verdient haben. Herr v. Plehwe bestätigt, um was es bei dieser Freundschaft geht:„Ein unüberwindliches Bollwerk gegen alle Mächte des Umsturzes". Die„Uuüberwindlichkeit" ist in der Absicht der Plehwe und Bülow. Aber gegen die Solidarität der osteuropäischen Reaktion erhebt sich entschlossen und zukunftssicher die Solidarität des europäischen KulturgedaiikcuS, den kein Bülow und kein Plehwe überwindet.— Zum Militär-Etat. Aus Breslau wird uns berichtet: „So wahr ein Gott im Himmel lebt, ich habe nie einen wehrlosen Mann angerührt!" versicherte der Unteroffizier MikuS vom Jufantcric-Regimcnt Nr. 22 in Gleiwitz vor dem Ober- Kriegsgericht in N e i s s e. Durch die Zeugenaussage wurde aber folgendes erwiesen: Auf Befehl dcS MikuS mußten die Musketiere Klonek und Pabschick im Keller bei der BesenauSgabe eine mannshohe armdicke Stange eine Viertelstunde lang auf und nieder strecken. Als sie in Schweiß gebadet dastaiide», mußten beide in Kniebeuge ein Holzscheit strecken. Ten Musketier Hanisch. einen früheren Kellner, der sein Gewehr nicht ordentlich geputzt hatte, schrie MikuS an:„Sic haben wohl Sch.... serviert?" Als er keine Antwort erhielt, ivicder- holte er schreiend die Frage. Hanisch anliv ortete:»Ja, daS stimmt!" Hierfür wurde Hanisch in eine Unteroffiziersürbe genommen und vom Unteroffizier Karbe mit zwei Ohrfeigen bedacht. Dann ging's in eine andre Stube. hier mußte Hanisch drei Bietelstunden„ans und nieder" üben, Schemel strecken und zuletzt in Änicbcugc einen Schemel schencr». Als Zugabe erhielt er einen Fanstschlag auf den Mund, daß ihm die Lippen anschwollen. Er schlug sich weiter das Knie durch und binkte infolgedessen. Auf die Frage, warum er lahin gehe, gab er seinem Unteroffizier wahr- heitSgemäße Auskunft, dieser drohte ihm gleich:„Ich werde es Ihnen anstreichen". Weil er seine Halsbinde nicht in Ordnung hatte, mußte er zu einem Kollegen des Unteroffiziers gehen und sagen: „Ich habe mich frech benommen!" Da der Feldwebel dazwischen kam. nahm Mikus den Hanisch wieder in den Keller und ließ ihn mit seinem wunden Knie wieder„auf und nieder" üben. Zerzaust, zerrissen«nd schinntzig kam Hanisch aus dem Keller wieder zum Bor« schein, dann»ahm der Unteroffizier dieselben militärischen Uebungen mit einem andren„Kameraden" vor. Der GerichlShof verurteilte ihn zu fünf Monaten Gefängnis, von der Degradation wurde abge- sehen, weil Mikus sich sehr gut geführt hat. auch� den Chinakricg mitgemacht habe. Karbe crhieit 1-1 Tage Mittelarrest! Der Unteroffizier Preißer vom 51. Infanterie-Regiment in Breslau ärgerte sich am tz. Februar darüber, daß der Musketier Schulz seine Hosen vor den: Schlafengehen nicht ordentlich zusammengelegt hatte. Er hieß diesen aufstehen, sich wieder ankleide», ausziehen, wieder ankleiden, aus- und abmarschieren und gab ihm dann ein paar Ohrfeigen._ Am 7. Februar mußte der Rekrut einen unsauberen Anzug waschen, diesen naß anziehen, mit Helm und Gewehr antreren. Griffe kloppen, sich hinlegen, er erhielt dann Schläge mit der Hand und dem Koppel und mußte den Anzug wieder waschen. Am 8. Februar erhielt der Rekrut drei Faustschläge aufs rechte Ohr, so daß eine Blutlache entstand und er ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen mußte. Erst nach Drohungen ivagte der Rekrut dem Arzt und dem Oberlicittcuant den Grund seiner Wunde anzugeben. Acht Fälle von Mißhandlung nahm das Gericht sür ertviesen an. Es hofft, daß zehn Tage Mittelarrest genügen werden, dem Unteroffizier andre Erziehungsmethoden beizubringen. E i n andres Bild. Vor demselben Kriegsgericht stand an demselben Tage der Musketter Buhl vom selben Regiment. Er hatte auf dem Tanzboden den Befehl eines Unteroffiziers, sich zn entfernen, nicht beachtet, sondern loar, weil betrunken, mit gespreizten Beinen, die Hände in den Hosentaschen vor den Unteroffizier hin« getreten. Der Patrouille, die ihn verhaftete, widersetzte er sich und entfloh ihr. Das Urteil lautet aus 1 Jahr ti Monate Gefängnis! Die Gelder der Konsnmvereinstöter. Wir teilten vor kurzem mit, daß ein bürgerliches Blatt in Magd e bilrg den: dortigen Konsumverein nachsagte, er sei ein„socialdemokratisches Institut" und verwende leine Ueberschüsse zu socialdemo- k r a t i s ch e n Zwecken". Der Konsumverein hat. um einnial ein Excmpel zu statuieren, das Blatt verklagt, weil er auf den„Wahr- hettSbeweiS" desselben neugierig ist. Wir sind in der Lage, fest- zustellen, daß nicht die„socialdemokratischen" Konsumvereine, sondern gerade die fanatischen Krämer die Ueberschüsse ihrer Schutzvcrbände, eingetragenen Genossenschaften, die dem Gesetz unterstehen, zu ungesetzlichen Zwecken verwenden. Der w irt- s cki a f t l i ch e S ch n tz v e r b a n d i n Magdeburg teilt nänflich in seinem Jahresbericht soeben mit. daß er während der R e i ch S t a g S- wähl der„Wahlverrinigung de« Mittelstandes" 200 Mark zur Agitation überwiese« habe!! Mi: diesen 200 M. wurden Flugblätter gegen die Socialdemokratie und Reden gegen die„socialdemokratischen Konsumvereine" bezahlt! Diese Krämerorganisation ist dieselbe, die kürzlich dem Magistrat vergeblich zumutete, den Beamten die Zugehörigkeit zum„socialdemokratischen Konsumverein" zu ver- bieten.— Staatserhnltcnder Boykott. Der Apotheker Schanker in Trnkchncn veröffentlicht in der„Pharmazeutischen Ztg." vom 2. März folgendes Inserat: „Ich verkaufe die Apotheke in Trakehnen zum l'/zfächen des letztjährigen Umsatzes. Umsatz: 1901 1902 1903 18 801 M. 16 862 M. 12110 M. Den großen Rückgang meines Umsatzes führe ich auf meinen Zusammenhang mit dem bekannten Trakchncr Prozeß 1902 zurück. Mein Nachfolger wird sehr wahrscheinlich daS Geschäft bald aus die frühere Höhe bringen, während ich einen weiteren Rückgang des Umsatzes befürchie, wenn ich am 8. April wieder gegen die hiesige Bcrwnltung wahrhcitsgcgcmäß aussagen muß. Abschluß bis 1. April 1901 sehr erwünscht."— Begnadigung. Wie aus Leipzig gemeldet wird, ist der frühere Direktor der Leipziger Bank, der im Juni 1902 wegen betrügerischen Bankrotts und Bilanzverschleierungen zu drei Jahren Gefängnisstrafe verurteilt wurde, nunmehr vom König von Sachsen begnadigt worden.—_ Der Tod WaldcrsccS. Aus Hannover kommt die Meldung, daß der seit einigen Tagen schwer erkrankte Generalfeldmarschall Graf Waldersee am Sonnabend- abend 8 Uhr verstorben ist.— Graf Waldersee war 1832 zu Potsdam geboren; nachdem er die unteren Stellen in der Armee durchlaufen. war er in den 80 er Jahren der Gencraladjutant Wilhelms l. und wurde 1888 General der Kavallerie, dann als Nachfolger Moltkes Chef dcS Generalstabes der Armee. 1000 Gcneralfeldmarschall. Er wurde auch in das preußische Herrenhaus und in den Staatsrat berufen. Die Geschichte wird den Verstorbenen verewigen als den General- feldniarfchall der Vorschußlorbeeren. Da ihm im September 1900 das Oberkommando über die Truppen der vereinigten China-Ein- dringlinge übertragen ward, zog er unter großen Reden und Ankündigungen durch das Land, um nach China zu gelangen, als die Entscheidungen längst gefallen waren.— „Mandclstamm und Silbcrfarb". In nnsrcr gestrigen Mit- tcilung über eine Antiscmitenversammlung ist der Druckfehlerteufel den Thatsachen vorausgeeilt. Der Referent heißt nicht Bülow sondern Böckler.— Hueland. Der Revision dcS DrcyfnS-ProzesscS stattgegeben! Am Sonnabend begann der Verteidiger Mornard mit dem Plaidoyer. Darin weist er nach, daß dem Rcvisiousautrage statt- zugeben sei. Auch er geht noch einmal die Geschichte des Prozesses durch und erinnert an die Rolle, die Estcrhazy dabei gespielt habe. während er DreyfuS' ehrenhafte Gesinnung hervorhebt. Dann er- wähnt er auch die van diplomatischer Seite abgegebenen Erklärungen, die sich Bestimmt und in aller Form für DreyfuS' Unschuld auS- sprechen. Die Sitzung wird darauf unterbrochen. Inzwischen werden laute Erörterungen darüber gepflogen, daß Labori, welcher der Sitzung beigewohnt hatte, plötzlich den Sitzungssaal verließ, als sich Mornard eben in sehr herzlichen, lobenden Ausdrücken übcr Drehfus erging. Nach Wiederaufnahme der Sitzung spricht Mornard über die gegen Drcyfus gerichteten Treibereien des Gencralstabes und den von Estcrhazy auf das Lffizicrcorps ausgeübten Druck. Der Ver- leidiger schließt damit, daß eine Untersuchung sich unter jedem Gesichtspunkte als notwendig erweise, zmiächst mit Rücksicht auf DreyfuS. sodann auch um das Heer vou gewissen untauglichen Persönlichkeiten zu säubern, die nicht wert seien, die Uniform zu tragen. Danach zieht sich der Gerichtshof zur Beraiuug zurüch die gegen l1/« Stunde dauerte. Hierauf fällte der Gerichtshof folgendes Urteil: Der Revision des Urteils gegen Drryfus wird stattgegeben und cZ wird die Eröffnung einer ergänzenden II n t e r- such un g angeordnet, die von dem Kassation s- Hofe selbst vorzunehmen ist.— Oestrcich-Ungarn. Vor der Entscheidung. Aus Wien wird unS vom 3. März geschrieben: Nachdem die Delegationen absolviert sind, treten die Parlamente zusammen und bricht der alte Jammer aus. Der vstreichische Reichsrat wird erst am 8. März zusammenkommen; er wird, wenn die Jnngczechcn dabei bleiben, die Vorlage über das Reknitenkontingent zu obstruieren. bald ausgcseufzt haben: hier läßt der nie versagende ß 14 parla- mentarische Kämpfe nicht mehr aufkommen. Anders steht es mit dem ungarischen Reichstag, der seit Dienstag Sitzung hält und der saniert werden muß— koste es was es kostet. Graf Tisza will sich's auch thatsächlich was tosten lassen. Die Regierung hat gestern dem Hcuise einen Haufen von Gesetzentwürfen vorgelegt, der wohl geeignet wäre, einem weniger unpopulären Ministerium den Weg freizumachen. Da ist vor allem die Vorlage, wodurch die Regierung ermächtigt werden soll, mit dem Deutschen Reich und ,nit Italien ans Grund des ZolltarifentwurfeZ in V e r h a n d l u n g e n über einen neuen Handelsvertrag einzutreten— was nach dem bc- rühmten Gesetze vom Jahre 1899, der Tzellfchen Klausel, eigentlich verboten ist, weil darin bestimmt wird, daß vor den Verhandlungen über Handelsverträge der alte Jolltarif durch einen neuen ersetzt werden muß. Eine Vorlage von spezifischem nationalen Gepräge ist der Gesetzentwurf, der zu den jetzt bestehenden 290 militärischen Stipendien ans Staatskosten 1073 neue zufügt; damit soll die Aufzucht ungarischer Offiziere fabrikmäßig betrieben und das bis jetzt nur theoretische„ungarische Heer" praktisch verwirklicht werden. Eine Verbeugung vor der staarlichen Souveränität ist dann die Er- richtung eines eignen O b c r st m a r s ch a l l g e r i ch t e s in Budapest — der Specialgerichtsbarkeit für die Mitglieder der Dynastie und für einige Auserlesene der Edelsten und Besten, siiSbcsondcre für die iistreichischen Coburger, die bisher nur beiin Obersthosincisteramte in Wien bestand, nun aber für Prozesse aus ungarischem Besitz nach Budapest verlegt wird. Ncbstdcm kündigte Tisza eine Jnvestitionsvorlage an, die für srnchibringende Arbeiten einen Kredit von 2S0 Millionen Kronen beanspruchen wird, eine Er- yöhung der Bezüge der staatlichen Eisenbahner, der Gehälter der Municipalbcaintcn, der Standesbeamten und Krcisnotarc, eine Ver- schärfung der magyarisierenden Tendenz des VolkSschulunterrichtS, versprach auch, die Wahlreform mit aller Energie zu betreiben, kurz schüttete über das annoch obstruierte Haus ein Füllhorn nützlicher und erstrebenswerter Gesetze aus, dessen Gewicht sich vielleicht die störrigen Abgeordneten, aber nicht die Wähler entziehen werden. Bc- vor die Peitsche gebraucht werden wird, wird den verstockten Ob- sttuklionislen reichlich Zuckerbrot gereicht. Denn es scheint nach allem, was inan aus Budapest hört, sehr unwahrscheinlich zu sein, daß die Opposition in sich gehe» und von der böswilligen Lahmlegung des Parlaments ablassen wird. In, Gegenteil, die Situatton der Regierung, die so viel Beute ins Land gebracht hat, wird zusehends ungemütlicher, und der Tag kann rasch kommen, wo die parlamentarischen Gewässer Schiffer und Kahn verschlingen. Bekanntlich ist es Tisza gelungen, im De- zember mit Äossuth Frieden zu schließen und die UnabhängigkeitS- Partei, die eigentliche Trägerin der Obstruktion wider Szell und Khuen, zur Abrüstung zu veranlassen. Damit schien der Kampfauch beendet, denn Graf Apponyi, der ewige Ministerprätendent, verblieb mit seinem Anhange in der Regierungspartei und die klerikale Volks- Partei war aus Respekt vor der Entscheidung der Krone zur Un- »hätigkeit verdammt. Thatsächlich halte Tisza im Dezember nur ein kleines Häuflein von verantwortungslosen Abeuteuerpolitikcrn Segen sich, die sich um den söeiläufig bemerkt: wegen bettügcrischen Bankrottes verfolgten! Gabriel U g r o n scharen, und nicht bloß er var der Meinung, daß die Obstruktion von wohlgezähltc» dreizehn beuten, gegen die beinahe einmütig daS ganze Haus stand, bald zu paaren getrieben sein werde. Aber es scheint umgekehrt zu ommen. Tisza beging den großen Fehler, den in »er Regierungspartei mattgcsctztcn Apponyi aus dem ktegierungslager hinauszudrängen und sich den ehrgeizigen Mann, der das Gefühl hat, daß er von Tisza um die Ministerschaft »cbracht worden ist, durch überflüssige Ausfälle zum persönlichen j-emd zu machen. Nun lauert Apponyi mit seine» Mannen außer- zalb der Regierungspartei und fördert durch kleine Dinge still, aber .verlthätig die Obstruktion. Sie hat nun auch an den zweideutigen Elementen der Volksparteiler Unterstützung und selbst die große EppositionsparteiKossuthS liebäugelt bereits mit einer Wiederaufnahme oer obstruktionislischen Taklik. Graf Stefan Tisza ist zweifellos ein zanz begabter und geschickter Mensch— natürlich im magyarischen Sinne, was noch lange nicht im europäischen heißt—, aber an .einen Namen und an seine Person knüpft sich eben ein so tief gc- wurzelteS Mißtranen, daß weder seine guten Gesetze noch seine Drohungen Effekt machen. Es ist nämlich sicher, daß daS Zuckerbrot die Situation nicht wenden, daß also Tisza zu den so oft angedrohten.energischen Maßnahmen" schreiten müssen wird. Diese Energie ist wunderlich genug; sie soll im Wesen darin bestehen. daß jene Anordnung der Geschäftsordnung, wonach die Sitzungen des Abgeordnetenhauses nur bis z w e i U h r nach- mittags ssie beginnen um 10 Uhr vormittags) dauern dürfen und nur durch ausdrücklichen Beschluß für bestimmte Debatten um e i n e S t u n d e verlängert werden können, außer Kraft gesetzt wird, so daß dann die Obstruktion in dauernden, ununterbrockcnen Sitzungen erstickt werden könnte. Daß jene Bc- stimmnng ein technischer Unsinn ist und dem Hause zu Gunsten einer toten Formel jede Freiheit nimmt, liegt ans der Hand; sie ist nur aus dem Wesen dieses Parlaments zu erklären, in dem sich's die Privilegienpolitiker so bequem wie in einem Klub eingerichtet haben. Trotzdem ist es im Augenblicke höchst zweifelhaft, ob TiSza die Acnderung durchsetzen wird, da sich zweifellos die ganze Oppofilion — und sie ist, alle Gruppen znsammengenominen, heute mindestens 150 Köpfe stark— auf das„Attentat" auf die„parlamentarische Freiheil" stürzen und es totzurcdcn versuchen wird. Ruhig werden also die nächsten Zeiten im ungarischen Abgcordnetcnhause nicht ver- laufen.— Dänemark. Die Abrüstmig. Auch der Marineminister hat jetzt dem durch die Socialdcmokratie ausgeübten Druck nachgegeben und erklärt, daß die von ihm einberufenen außerordentlichen Mannschaften eben- falls am Sonnabend entlassen werden sollen. Gleichzeitig hat aber der Marineminister eine andre init den Rüstungen zu- sammenhängende Maßregel verfügt. Er läßt nänilich die in seinem Lager befindlichen Brisengran'aten, die wegen ihrer surchlbarcn Zer- slörungsttaft nicht angewandt werden dürfe», leeren, um sie dann mit Pulver wieder zu füllen. Bei dieser Arbeit, die in solcher Eile ausgeführt wird, daß auch der Sonntag zu Hilfe genommen wurde, ist ein Arbeiter durch die mit Pikrinsäure geschwängerten Dämpfe so angegriffen worden, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Rußland. Bon den„Schnorrern und Verschwörern". In Charkow, Südrnßland, hat wieder im Gefängnis ein Hunger- streik stattgefunden. Nicht alle Deutschen werden wissen, was dieser originelle„Streik" bedeutet. Es ist dies das letzte, äußerste Mittel für die russischen Revolutionäre, wenn sie sich bereits in den Tatzen der Gendarmen befinden, um ihre Rechte zu verfechten. Der im Gesäugnis sitzende einzelne Revolutionär ist den russischen Alliierten der Herren v.Bülow, Schönstedt undHammerstein gänzlich preisgegeben, er besitzt gegen die bestialische Willkür keine Kampfmittel inchr: auch der Selbstmord ist nur in seltensten Fällen ermöglicht. Nun aber bleibt ihm immer noch das„heilige unveräußerliche Recht"— zu Hunger n. lim seinen Protest gegen die Brutalitäten des GcfängnisregimeS auszudrücken, um sich eine geringe Konzcssion zu erzwingen, verweigert der Gefangene die Annahme der Ge- sängniskost. Die Kunde davon verbreitet sich gewöhnlich rasch im Gefängnis, und die„Bewohner" andrer Zellen treten sofort aus Solidarität in allgemeinen Hungerstreik. Da die Sache nach einiger Zeit zu Erkrankungsfällcn, ärztlichen Rettungsversuchen, mit einem Wort zum„Skandal" im Gefängnis, also zur Gefährdung der„Ordnung" und„Disciplin" führt, so giebt die Verwaltung in der Regel nach und die halbtoten„Rebellen" fangen wieder zu essen an. Das ist so im heiligen Zaren-Rußland die Manier, wie Menschen um ihre elementarsten Menschenrechte...„schnorren" müssen. In Charkow also am 1. Februar erklärte der Gefangene D r a ch a n o w den Hungerstreik. Man hatte nämlich dem seit 7 Monaten sitzenden, nervenkranken Mann hartnäckig verweigert, den Besuch seiner Braut, des einzigen ihm nahestchenden Menschen, zu empfangen. Drei Tage später erfuhren eS die andern Gefangenen und traten sofort mit in den Streik. Im ganzen hungerten 10 M a n n. Das völlige Hungern dauerte zehn Tage! Dem Wunsch Dracha- nows wurde alsdann von dem GefängniSdircktor nachgegeben. In- zwischen aber rangen bereits mehrere mit dem Tode, ihr Puls hatte beinahe aufgehört: es war nämlich seil dem vorigen Sommer das dritte mal, daß dieselben GcsängniSinsassen sich kleine Erleichte- rungen erhungern mußten!— partei-f�ackrickten. I» den, Beleidigungsprozesse Emmcl gegen Wcßbccher in Mül- hausen i. E. Ivurde ain Sonnabend daS Urteil gesprochen. Ein Privat- tclegramm meldet uns darüber: Wegen deS gegen Emme! erhobenen Vorwurfs des Hypothekenschwindcls und des Meineids wurde Weß- bergcr zu 80 M. Geldstrafe verurteilt. Wegen der Behauptung, Emmcl habe den Strauch scn. unter Mithilfe von Strauch jun. be- trogen, lourde Wcßberger freigesprochen, weil der Betrug erwiesen sei. Wcßberger trägt drei Viertel und Emmel ein Viertel der Kosten. Enrmel hat wegen der Freisprechung sofort Berufung angemeldet. Der Betrug soll darin bestehen, daß Emmel in einem von ihm aufgesetzten Vertrage über ein Kausgeschäft mit Strauch jun. dem Strauch sen. Bürgschaft aufgebürdet, den Bürgschaftspassus aber beim Vorlesen des Vertrages nicht mit verlesen habe. Strauch scn., der schlecht sieht, hat dann den Vertrag unterschrieben in dem Glauben, daß er nur als Zeuge diene. Strauch jun., der den Vertrag ins Reine geschrieben hat, habe an dem Betrüge mit- gewirkt. Beide Strauchs haben in diesem Punkte unter Eid über- einstimmend ausgesagt, so daß Strauch jun. sich selbst der Beihilfe zum Betrüge an seinem Vater bezichtigt hat. Er behauptet, Enimcl habe ihn dazu verleitet, er war in großer� Notlage und habe ans Verzweiflung mitgewirkt an dem Betrüge. Strauch der Vater klagt jetzt im Armenrecht gegen Emmel wegen der Bürgschaft. Wirkung des socialdcmokratischcn Tcrrorismus. Unter der ebenso schauerlichen wie beliebten Spitzmarle wurde dieser Tage folgendes angekündigt: In Olbernhau, im 20. sächsischen Reichstags-Wahlkreise Marien- bcrg-Zschopau, hat sich eine freie Arbeitervereinigmig gebildet, welche die Socialdcmokratie und die Einmischung der Socialistcnfiihrer bei Wahlen bekämpfen will. Die Vereinigung plant, bei Wahlen zum Stadtverordnctenkollcgium, zum Gewcrvcgericht, zur Orlö-Kranken- kasse usw. unabhängig vom Einflüsse der socialdcmokratischen Führer vorzugchen. Es ist unschwer zu erkennen, daß diese Bewegung durch das Verhalten der socialdemoiratische» Parteileitung gegenüber der Kanditainr Göhre hervorgerufen wurde. Sache der"Ordnungspartcicn deS Wahlkreises wird es sein, diese Bewegung kräftig zu unterstützen, um die Emanzipation der tcrronsterten Massen zu ermöglichen. Das frühere Gebirgsdorf Olbernhau ist eine der jüngsten Städte des Reiches, ein aufbtühen- der Jndustrieort in außcrdeutlich günstiger Entwickelungslage. In Wahrheit handelt es sich um nichts weiter als eine ordnungSbrüderliche Gründung, die sich in den Mantel iocialdcinokratisch terrorisierter Arbeiter hüllt. So weit Arbeiter zu diesem harmlosen Scherz hinzugezogen worden sind, sind es nur solche, die bisher sorgfältig vor dem Einflüsse des sogenannten socialdcmokratischen Terrorismus behütet worden sind von terro- ristischen Unternehinern und andren Ordnungshelden. Ei» zerstreuter Landratsschrribcr gclvährte jüngst dem Vorsitzenden des socialdemokratischen Vereins in Badenstedt(Hannover) Ein- blick in die Art. wie die Mitglieder des Vereins liiiter Polizei- Aufsicht gestellt werden. Der Vorsitzende hatte eine Anzahl neuer Mitglieder vorschriftsmäßig schriftlick, beim Landratsamt angemeldet. Nach zwei Tagen ging ihm seine Eingabe in Urschrist wieder zu, versehen mit folgendem Vermerk: Ter komm. LandratSamts-Vcrivalter. Linden, den 2. März 1004. An die Herren Gendarmen 1. Lülh in Badenstedt 2. Saiidvoß in Ricklingen zur Kenntnis. Der Herr Schreiber hat offenbar die ConvcrtS verwechselt und so erfuhr der Vorsitzende des Vereins, welchen Zwecken die Anmeldung der Mitglieder dient. Die Herren Gendarmen müssen wissen, wo Rcvolulionshcrde sind. Partcipresse. In die Redaktion des„Offenbacher Abend- b l a t t e S" tritt am 15. d. MtS. Genosse Arthur Molke nbuhr ein, der bisher an unsrem AngSbnrger Parteiblatt thätig war. Der Vorgänger Molkenbuhrs in Offcnbach. Genosse Hauschildt, tritt am 1. April in den RcdaklionSvcrband unsreS Mannheimer BrndcrblattcS ein. Totcnliste der Partei. In P l a g w i tz bei Leipzig verstarb der Parteigenosse Bernhard Schiemann infolge eines Unfalles. Er glitt beim Heben eines schweren Eiienteiles aus und verstarb sofort. Ter Verstorbene, der im 42. Lebensjahre stand und der Partei seit 1885 angehörte, hat der Arbeitersache allzeit treu gedient; in gewerkschaftlicher Beziehung war Genosse Schiemann schon in dem ehemaligen Schlosicr-Fachvcrcin lhätig. Wo es galt, für die Arbeiter- sache einzustehen, konnte auf Schiemann gerechnet werden. Am 4. März in später Abendstunde starb in A p o l d a der in den sechziger und siebziger Jahren durch seine agitatorische Thätig- keit für die Ideen der Socialdemokralie in Thüringen und Sachsen wohlbekannte C. A. R e i ch e l t. poU-eiliebes. Seriedtlicbea uktc. Z» 300 Mk. Geldstrafe wurde der verantwortliche Redakteur des„Lübecker Volksboten", Genosse Stelling, vom Schöffengericht in Lübeck verurteilt. Er soll durch einen Artikel seines Blattes den Gutsbesitzer Weitzel in L a u e n beleidigt haben. In diesem Artikel ivurde behauptet: 1. daß W. unermüdlich mit einer geladenen Schußwaffe herumstreife und einen ihm nicht gehörigen Hund niederknallte; 2. daß W. auf 2 Angler geschossen, diese aber nicht getroffen hätte und allen ihm mißliebigen Menschen das Niederschießen androhe; 3. daß W. anläßlich eines Streites die von dem Arbeiter Schaefer bewohnte Kate hätte aufbrechen lassen und Sch. mit seiner Schußwaffe bedrohte und 4. daß W. die Ehefrau des Sch., als diese Wasser von der Pumpe holen wollte, niedergeworfen, dreimal mit dem Fuß in den Unterleib getreten hätte und schließlich aus einer Misttchlcife vorn Hofe auf die Koppel hätte schleifen lassen. Ferner habe W. durch Bedrohung mit Erschießen verhindert, daß der Ehemann, sowie andere Leute der laut jammernden Frau zu Hilse eilen konnten. Zum Schlüsse Ivurde die Schönberger Staatsanwaltschaft im Namen des Rechts und der Menschlichkeit zum soforttgen Einschreiten gegen W. aufgefordert. Die Erhebung der öffentlichen Klage, die Weitzel beantragt hatte, war von allen Instanzen abgelehnt worden, weshalb er Privatklage erhob. Von den 31 vernommenen Zeugen, deren Aus- sagen sämtlich berichtet werden, sagte nur die Frau des Privatklägers zu dessen Gunsten auS. Alle übrigen Zeugen sagten so gut wie über- einstimmend aus. daß Weitzel ans zwei Angler geschossen habe, daß er die Frau Schaefer ohne Anlaß niedergeschlagen und sie dann, als sie am Boden lag und sick» nicht erheben konnte, auf eine un- saubere Mistschleise geworfen hat, daß die Frau auf diese Weise blutend vom Hofe geschleift worden ist, daß Weitzel die Frau „Saumensch" geschimpft und auch seine Dienstboten„Lausepack", „meineidige Räuberbande",„Spitzbnbenbande" nannte, daß er jeden mit Niederschießen bedrohte habe, der seinen Hof betrete, daß er den Arbeiter Schaefer in dessen Wohnung mit Erschießen bedroht habe, daß er bei dem vorliegenden Streite eine andre Frau mit einem Stocke geschlagen habe und daß er einen ihm nicht gehörenden Hund erschossen habe. Dafür ist er auch zu zwanzig Mark Geldstrafe verurteilt worden. Charakteristisch ist die Aussage des OrtSschulzen Träger. Dieser sagt, er habe den Weitzel verschiedene Mal mit geladenen Waffen gehen sehen und auch ein Gesuch nach Schönberg unterzeichnet, dem W. das Tragen von Waffen z n v e r b i e t e n. Die Leute hätten sich n i ch t b e r g e n können. Uebcr die Gründe des bei dieser Sachlage erstaunlichen Urteils teilt der vorliegende Bericht noch nichts mit. Eue Indufmc und ftandd. Eine neue Millionen-Unterschlagung. Skoch immer zieht der Kurssturz, der an der hiesigen Börse dem Ausbruch des japanisch- russischen Krieges folgte, wirtschaftliche Zuscnnmenb'rüche nach sich. Auch der Prokurist I. Reinhard des hiesigen Bankgeschäfts Brendel u. Co., der sich in umfangreiche Fondsspckulationcn eingelassen hatte. ist dadurch ins Verderben gestürzt. Reinhard war von Jugend auf bei der Firma angestellt. Im Laufe der Zeit arbeitete er sich aus kleinen. Anfängen zum Prokuristen empor und genoß das weiteste Vertrauen der Kundschaft und seines Chefs. Während der fünfundzwanzig Jahre seiner Thätigkeit war er stets fleißig und anscheinend zu- vcrlässig. Am Donnerstag kam er nicht in seine Wohnung, und da er auch gestern weder zu seiner Familie noch zum Geschäft zurück- kehrte, schöpfte die Firma Verdacht und ließ die Bücher und die Kasse revidieren. Man entdeckte große Fehlbeträge— angeblich von über einer Million. Man vermutet, daß der Dcfcaudant nach der Schweiz geflüchtet ist. Wie an der heutigen Börse bekannt wurde, hat das Bankhaus Brendel u. Co. die Bankfirmen, mit welchen es geschäftliche Be- Ziehungen unterhielt, aufgefordert, ihre Engagements glattzustellen. lieber die Höhe de; Verpflichtungen liegen genaue Angaben noch nicht vor. Tie Aufwendungen der Berliner Brauindustrie für die Er- Haltung ihres Bicrabsatzcs sind in den letzten Jahren mehr und mehr angeschwollen. Bekanntlich liefern die Brauereien nicht nur vielfach den Gastwirten, die sich ihnen gegenüber zum Ausschank ihrer Biersorten verpflichten, das Wirtschaftsinventar, sondern gewähren ihnen auch Darlehen oder, falls die betreffenden Wirte eigne Grund- stücke besitzen, Hypotheken. Außerdem wird oft den Gastwirten ein langfristiger Kredit eingeräumt. Die Summen, die hierfür von den meisten Brauereien aufgewandt werden, sind sehr bedeutend. So- wohl den Interessenten des Braugewerbes, als den Aktionären wird deshalb die nachstehende, vom„Börsen-Couricr" veröffentlichte Auf- stellung iiltcrcssicrcn, die über diese Aufwendungen nach den Angaben der letzten Bilanzen Auskunft gicbi: Bei der Außenstände, Kundschaft Darlehen, -ll' atz zgjrpchasls. Beteiligungen. Suinma Inventar Altiv-Otipothck. M. M. 8 068 100 575009 741335 70000 49281 hl VeremSbranerei.. 205 777 Pfefferbcrg... 104 327 Schultheiß.... 937 044 Patzcnhofer... 410 801 Königstadt.... 134195 Viktoria.... 103 582 Bergschloß.... 113 106 FricdrichShain.. 96 170 MünchcnerBrauhauS 82 906 Bockbranerei... 206 131 NnionS-Brauerei.. 117 998 Böhmisches Brauh.. 202 712 Spandauer Berg. 114 529 Hilscbein.... 74817 Schloßbr. Schöncbg. 191 536 95691 15000 149004 251565 23000 75687 63030 197 685 127 636 1 273 678 908 661 459 If5 361 723 480 158 382 068 404 330 978 392 428 424 1 181 203 740584 414 956 2 872 502 M. 205 753 127 736 1 848 687 1 049 09(5 520 115 411004 480 158 477 759 419 330 1 127 306 679 089 1204 203 740 584 490 643 pro Hektoliter M. 1,00 1 22 1,93 3,93 3,94 3,95 4.24 4,70 6.06 5,47 6,76 5,94 6.46 6,56 2 035 532 15,32 Am höchsten stellen sich danach diese Absatzspescn bei der Schöne- berger Schlotzbrauerei; mit am niedrigsten bei der Schultheiß- Brauerei, die bekanntlich vielfach den Rus genießt, daß sie besonders große Mittel für solche Zwecke auswendct. Hibernia-Bergwerks-Aesellschaft, Herne. Nach und nach kommen auch die großen Kohlengruben-Gescllschaftcn mit ihren Jahresabrechnungen heraus, die trotz der Klagen der Zcchenpreffc durchweg recht anschnlickv Gewinnsreigerungen irachlveisen. So wurde in der gestern hier abgehaltenen Aussichtsrats- Sitzung der Hibernia mitgeteilt, daß der Bruttogewinn sich abzüglich aller laufenden und außergewöhnlichen Betriebsausgaben sowie der An- Icihezinsen von 524 930 M. auf 9 095 447 M. stellt(einschließlich des Vortrages aus 1902 im Betrage von 217 772 M.). Bc- schloffen wurde, davon 3 750 038 M. auf Jnvcntarconto abzu- schreiben imd von dem Rest folgende Dividenden zu verteilen: 1. Eine Dividende von 4 Proz. für die Zeit vom 1. April bis Ende des Jahres 1903(— V. Jahr) auf die laut Generalversammlungs- Beschluß vom 13. Juni 1903 ausgegebenen»om. 10 000 000 M.. welche zum Erwerbe der Kuxe von General Blmnenthal gedient haben,— 300 000 M.; 2. eine Dividende von 11 Proz. auf das übrige 41 000 000 M. betragende Aktienkapital~ 4 510 000 M., unter Vortrag von 230 397,91 M. auf neue Rechnung. Im vorigen Jahre stellte sich die Dividende auf 10 Proz. Tie Bergbau-Geicllichaft Phönix, die nicht dem Stahlwerks- Verband beigetreten ist. hat jetzt an diesen die Forderung gerichtet. ihr außer den gegen die ursprüngliche Beteiligung bereits mehr zu- gesagten 24 000 Tonnen noch 25 000 Tonnen selostcrzengten Stahls und außerdem 25 000 Tonnen Zukaufsstahl znzubilligen. Die Forderung wird nach der„Kölnischen Zeitung" mit den besonderen Verhältnissen des Phönix begründet, der der größte Käufer von Halb- zeug sei, keine Träger herstelle und für seine Ausfuhr keine Vergütung beanspruche mit Ausnahme der vom Kohlensynditat gewährten. In vorstehendem Sinne ist an den Stahlverband geschrieben worden. Ter Beschluß der Mehrfordcrung wurde einstimmig gefaßt, nachdcor. zunächst ein Teil des Aufsichrsrats sich für sofortige Verständigung mit dem Stahlvcrband ausgesprochen hatte. Falls der Stahlvcrband die Forderung nicht bewilligt, soll, wie schon angedeutet, eine Haupt- Versammlung des Phönix einberufen werden und die Entscheidung fällen. Tie italienische Scidenindustrie befindet sich in einer schlveren Krise. Am schlechtesten steht der Mailänder Markt, auf den ver- schieden« ungünstige Umstände einwirken. Amerika, das sonst groß« Posten lombardischer Seide abnimmt',, hat im vorigen Jahr ivcnig gekaust, und auch die deutsche, französische und schweizerische Seiden- industrie hat ihren Bedarf einschränken müssen. Es haben sich des- halb in Mailand grosse Vorräte aufgehäuft. Schon vor mehreren Tagen mussten deshalb zwei der migcsehenstcn Industriellen Mai- lands A. Bavari und Sirio Colombo ihre Zahlungen einstellen, Bavari mit 800 000 Lire Passiven, Colombo mit 5V, Millionen Passiven, denen nur 2 Millionen Aktiven gegenüberstehen. Colombo war der Grösste in seiner Branche. Er war früher 18 Jahre in .Krefeld. Seine enormen Unternehmungen datieren erst einige Jahre zurück. Er hatte nach und nach 40 Erablissements an sich oebracht, Spinnereien und Zwiruereion. Diesen Zusammenbrüchen sind in den letzten beiden Tagen weitere gefolgt. Wie der Telegraph meldet. stellte auch der Seidenfabrikant Arturo Vismara in Mailand seine Zahlungen ein. Die Passiven betragen 830 000 Lire, die Aktiven 500 000 Lire. Ferner geriet die Seidcnfabrik Antonio Albini u. Co in Mailand in Zahlungsschwierigkeiten. Die Passiven betragen 700 000 Lire, die Aktiven 800 000 Lire. Die Passiva einer andern in Zahlungsschwierigkeiten befindlichen Firma betragen 1 000 000 Lire, die Höhe der Aktiva ist noch unbekannt. C5e>verKscKaft1id)es. Berlin und Qmgxgend. Achtung, Bauschlosser! In Budapest sind die gesamten Bau- schlosser ausgesperrt. Es ist selbstverständlich, daß kein Kollege nach dorthin Arbeit annimmt. Achtung. Klempner und S ch n i t t a r b c i t e r? Die Londoner Firma Salsburg u. Son Limited Salsburg Lamp Works, sucht in Deutschland, besonders in Berlin, Arbeitskräfte. Bis vor einigen Tagen wusstcn wir nicht, daß die nach London engagierten Kollegen Streikarbeit machen sollen. Unterrichtet sind wir über die Situation erst durch einen Vertrag, den ein engagierter Kollege unterschreiben sollte. Dieser Vertrag hat folgenden Inhalt: „Ich verpflichte mich hiermit, gegen Erhalt des ReifebilletS nach London direkt dorthin abzureisen und sofort bei Ihnen in Arbeit zu treten. Ich verpflichte mich für wenigstens drei bis seckis Monate und Sie versprechen mir für diese Zeil Arbeit und wenigstens 39 M. Wochenlohn. Ich verstehe gut, daß Sie mich in Arbeit nehmen, um Leute zu ersetze», welche einem socialdemokratischen Verein angehören und Ihre Fabrik wegen Streiks verlassen haben. Ich verpflichte mich, Ihnen 60 M. in Deutschland oder in England zu zahlen, wenn ich diesen Vertrag breche, das heißt nicht die ausgemachte Zeit bei Ihnen in Arbeit bleibe, oder einem Socialverein angehöre oder beitrete. Ich verstehe die Arbeit, welche Sie verlangen, sehr gut und gebe Ihnen das Recht, diesen Vertrag zu brechen, wenn ich nichr im stände bin, Ihre Arbeiten zu machen." Soweit der Vertrag. Ein Angebot wird darin den Kollegen gemacht, das wohl an Unverschämtheit und Frechheit alles bisher Dagewesene übersteigt. Es ist ja selbstverständlich, daß unter diesen Umständen alle Kollegen dieses Angebot unbeachtet lassen. Vielleicht auch trägt der ganze Vorgang dazu bei, daß die englischen Kollegen sich mehr als bisher mit uns verständigen. Einige Kollegen sind bereits abgereist, doch wissen wir von diesen, daß sie sofort wieder zurückkommen, wenn sie den Sach- verhalt erfahren. Deutscher Metallarveiter-Verband Ortsvcrwaltlmg Berlin. Schlosser! Nach eingehenden Verhandlungen hat am Sonnabend die Firma Blume, Charlottenburg, Schillerstrasse, erklärt: Die beiden Entlassenen werden wieder eingestellt. Ueberstundeu werden nur in dringenden Fällen gemacht und werden dann mit 25 Proz. Aufschlag bezahlt. Damit waren die Differenzen er- I e d i g t. Sämtliche Kollegen nehmen am Montag, den 7. März er., die Arbeit wieder auf. Deutscher Mctallarbciter-Verband. O r t s v e r lv a l t ri n g Berlin. Der Krahnführcrstrcik bei Borsig dauert unverändert fort. Ver- Handlungen zur eventuellen Beilegung des AuSstandeS sind bis jetzt noch nicht geführt worden, wohl aber hat die Firma Borsig mehrere dort beschäftigte Arbeiter entlassen, die sich weigerten, an Stelle der Streikenden die Krähne zu bedienen. Zum Steglitzer Tischlerstrrik wird uns berichtet, daß am Freitag zwischen Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber Verhandlungen stattgefunden haben; dieselben sind jedoch nach siebcnstiindiger Dauer resultatlos verlaufen. Veuttebes Reick». Die Bkaler und Anstreicher der N e p t u n- W e r f t in Rostock befinden sich im Streik. Zuzug ist fernzuhalten. Der Maurcrstrrik in Eiscnach ist beendet, ohne daß es zu der befürchteten allgemeinen Aussperrung kam. Herr Maurermeister Freitag hat sich bereit erklärt, pro Quadratmeter Putz 33 Pf. zu zahlen und auch, wenn durch besondere Schwierigkeiten der Lohn nicht verdient würde, noch mehr zu geben. Ferner hat er sämtliche Gesellen eingestellt und nicht, wie er erst wollte, nur sechs Mann. Dadurch waren die Ursachen des AusstandeL gehoben. Zur Schncideriewegung. Auch in Jena ist die Aussperrung zu Ungunsten der Gehilfen ausgefallen. Die Gehilfen brachen den seit nahezu 10 Wochen dauernden Kampf ab. nachdem sich die Zahl der Arbeitswilligen täglich vermehrt hatte. In Jena müssen die Gehilfen den bitteren Kelch bis auf die Neige kosten, keiner der Aus- gesperrten wird wieder eingestellt. Das haben die �.Herren im Hause" sowohl dem Gemcindcvorstand, zweiten Bürgermeister Dr. Wagner, als auch Professor Rosenthal gegenüber erklärt, die in diesen Tagen einen letzten Einigungsversuch unternommen hatten. Pardon wird nicht gegeben. Von 45 Ausgesperrten sind noch 20(darunter fünf Gewcrkvereinsmitgliederj am Orte, die übrigen sind bereits abgereist. Der Vorsitzende des Gewerkvereins ist vor einigen Tagen zum Streikbrecher geworden. Die Mitglieder blieben standhaft.— Die Arbeitgeber in Stuttgart beschlossen, den von der gemeinsamen Kommission ausgearbeiteten Lohntarif an zunehme n. Derselbe wird nunmehr in Kraft treten. Die Schuhinachcrgehilfen Stuttgarts haben in geheimer Ab- stimmung beschlossen, in eine Lohnbewegung einzutreten. Es soll nach bürgerlichen Pretzmitteilungen eine Lohnerhöhung, besonders aber die Abschaffung des sehr verbreiteten Kost- und LogiSlvcseitS gefordert werden._ Schuhmacher. München,'4. März.(Eig. 58er.) Um eine Aussperrung der Gehilfen, wie ursprünglich augedroht war, hintanzuhallen und eine Einigung zu erzielen, hat Gewcrbcrichter Dr. P r e n n e r unter Anwendung des ß 05 des Gcwerbegerichts-Gesctzcs die beiden Parteien vor das Gcwerbcgcricht als Einigungsamt geladen. Der Verein deutscher Schuhmacher war durch zwei, die christliche Organi- sation durch einen Gehilfen, die Innung durch drei Meister vertreten. Nach längerer Verhandlung wurde beschlossen, den in den nächsten Tagen stattfindenden Versammlungen der Gehilfen und der Innung folgende Punkte zur Annahme zu unterbreiten und zu empfehlen: 1. An Stelle des Jnnungstarifes hat der Tarif des Vereins deutscher Schuhmacher zu treten, und ztvar haben die- jcnigcn Geschäfte, welche bereits jetzt schon diesen Tarif halten, auf diesen einen zehnprozentigen Zuschlag zu gewähren. 2. Sämtliche Geschäfte, welche den Tarif bisher nicht anerkannten. find in denselben einzubezichcn. 3. Ter Stunden- lohn wird von 25 auf 30 Pf. erhöht, wodurch ein Minimallohn von 18 M. garantiert ist. 4. Ergänzung des Tarifs für Extra-Arbciten. S. Zur Schlichtung von Streitigkeiten aus dem Tarif wird eine Tarif- kommission geschaffen, bestehend aus vier Meistern und vier Ge- Hilfen. Die Fortsetzung der Beratung findet, um den Parteien Gelegenheit zu geben, zu diesen Vorschlägen Stellung zu nehmen, am Dienstag statt Aiisisnck. Tie Aussperrung in der Diamant! ndvstrie. Den Antwcrpener Juwelieren wird, wie es scheint, das Trutz- bündnis, das sie mit ihren Kollegen in Amsterdam gegen die Arbeiter geschlossen haben, reckt lästig. Ter Korrespondent des„Telegraf", eines bürgerlichen Blattes, berichtet von der Antwcrpener Juwclicrvereinigung: „Verschiedene Mitglieder haben in der letzten Versammlung heftig gegen den Kontrakt protestiert, den der Vorstand für sie mit der Amsterdamer Jutveliervcrcinignng geschlossen hat.— In diesem Kontrakt müssen sich nnsre Arbeitgeber denen von Amsterdam gegen- über � verpflichtet haben, nicht eher wieder arbeiten zu lassen, als 200 Arbeiter sich ihren Bedingungen unterworfen haben— und dann sollen auch noch erst die Amsterdamer Arbeitgeber 500 Arbeiter dafür gewonnen haben, 10 Stunden zu arbeiten und Lehrlinge anzunehmen. Einige unsrer Arbeitgeber meinen, dass sie in dieser Kombination die Düpierten der ganzen Geschichte sind, und müssen deswegen bereits heftig gegen den Vorstand ihrer Vereinigung aufgetreten sein."— Die Antwerpener Juweliere, die offenbar merken, wie ihre Stellung immer unhaltbarer wird, haben jetzt zu einem recht verwerflichen Kampfmittel ihre Zuflucht ge- nommen. Sie lassen ein Manifest verbreiten, worin sie die einheimischen Arbeiter gegen die zugezogenen Amsterdamer, die„Fremd- linge", aufzuhetzen suchen. Dies Verfahren ist um so thörichtcr, als die Juweliere von Antwerpen selbst z u einem grossen Teil Holländer und Polen sind. Die Fabrikbesitzer in A m sr e r d a m haben ihren Beschluß vom 11. Februar, durch den sie sich mit den Juwelieren solidarisch er- klärten, jetzt erneuert, und zwar mit Hinzufügung eines Amcndc- ments, dessen Inhalt noch nicht öffentlich bekannt ist. Tie Er- Neuerung des Beschlusses wurde deswegen herbeigeführt, weil die Versammlung vom 11. Februar nicht starutengemäss 24 Stunden vorher einberufen war, und aus diesem Grunde die unbedingte Gültigkeit des Beschlusses. augezweifelt werden konnte.— Ein Amsterdamer Juwelier hat jetzt, um weiterarbeiten zu können, eigne Diamantschleiscrei mit 40 Mühlen errichtet. eine Der Streik in Groduo ist beendet. Die Arbeiter haben eine Niederlage erlitten, denn Hunger und Polizciwillkiir»lackten die Fortsetzung des Kampfes unmöglich. Ucber 200 Arbeiter ivurden ausgesperrt. Wir sprechen hiermit denjenigen Genossen und Arbeiter- organisationen, die uns zu Gunsten der Streikenden Geldspenden zugesandt hatten, uniren warmen Dank ans. Hoch lebe die internationale Solidarität der Arbeiter! Mit socialdeinokratijchem Gruss DaL Ausländische Komitee des Allgemeinen Jüdischen ArbcikerbundcS in Litauen, Polen und Rußland. Ter Streik der Tabakarbcitcrinnen in Venrdig beendet? lieber 1000 Arbeiterinnen der staatlichen Tabakfabriken von Venedig standen seit Wochen im Ausstand. Sie legten Anfang Januar die Arbeit nieder, um gegen Uebergriffe der Aufsichisbeainte» zu protestieren und höhere Accordlöhne zu fordern. Auf das Ver- sprechen der Regierung, ihre Lage zu prüfen und die mißliebigen Beamten zu versetzen, nahmen sie anfangs Februar die Arbeit wieder auf. Ei» Regierungsinspektor inspizierte, stellte llcbcl- stände fest, man las in den Zeitungen, der mißliebige Direktor R a V e g g i würde versetzt werden, man sprach von Erhöhung der Accordlohne, aber es geschah nichts. Am 17. Februar machte sich daS subalterne AufsichtSpersonal einen besonderen Spaß daraus, den Arbeiterinnen klar zu machen, daß man sie nur zum besten gehabt hätte und gar nicht daran denke, ihre Forderungen zu erfüllen. Die Arbeiterinnen wurden dadurch derartig gereizt, daß sie sofort die Arbeit ruhen ließen und in der Fabrik die Eullassuug des Direktors und bindende Erklärungen der Regierung forderten. Erst am späten Abend verließen sie die Fabrik, nachdem sie erklärt hatten, sie kämen morgen wieder, würden aber die Arbeit erst wieder aufnehmen, nachdem der Direktor entfernt wäre. Am nächsten Morgen fanden sie die Fabrik geschlossen. Die Direktion erklärt, sie erst dann wieder zu öffnen, nachdem die Arbeiterinnen ruhiges Verhalten versprächen. Ganz unerwartet kommt jetzt die Nachricht, daß der Konflikt beigelegt wurde und alle Arbeiterinnen die Arbeit ivicder aufnehmen. Die Regierung hält die allgemeinen Versprechungen einer gesetzlichen Regelung der Arbeitsverhältnisse in den staatlichen Tabaksfabrikeir aufrecht und bewilligt den Ausständigen die ge- forderte Erhöhung der Accordlöhne und die Entfernung von 26 iniß- liebigcn, durch die RegieruugSerhebung kompromittierten Auf- sehennnen. Ferner wir der Inspektor Borgogno, der sehr beliebt ist, bis zur Beilegung der Streitfragen in Venedig bleiben. Lnilttiilig. Bisher haben wir folgende Geldsummen zu Gunsten der Streikenden in G r o d n o aus Deutschland erhalten: Vom Stuttgarter GcwcrklchaftSkartcll 40,—. Unter Kollegen in Berlin von Franz Schmidt gesammelt 50,(51. f.x Mühlman», Greiz. Rcutz ä. L. 12,30. Von G. E. Zorn in Saalscld gesammelt 4,92. Lübeck: Hoch die internationale Solidarität! 19,69. Gcwcrlschasiskarlcll Zwickau I. ts. 30,—. Von den Arbeitern und Arbeiterinnen der Cigarcitcusabrik Problem in Berlin 10,70. Franlsurt a. M. von einem Ilnbekauntcn durch Frau F. 123,14. Frank- urt a. M. 24.62. Franssurt a. M. 11,77. Frankfurt a. M. 34,45. Von R. Da? RliSläiidische Komitee des Bundes. in Dresden 36,93 Gmebto-Zeitung. Vom Kampf gegen den Humor. Tie Anklage gegen das „Humoristische E r t r a b l a t t" vor der achten Strafkammer des Landgerichts I wegen der Buschiade von Max Brinkmann endete mit Verurteilung der beiden Angeklagten, Dr. Leo Wulff und Max Brinkmann, zu je 50 M. Geldstrafe und Tragung der Gerichtskosten. Tic Verteidigung lag in den Händen von Rechts- anwalt Victor Fracnll und RechtsaMvalt Paul Wulff._ Die Oeffcnrlichkcit wurde ausgeschlossen. Revision gegen das llrteil ist von beiden Angeklagten eingelegt worden. Eine Leichenrede, welche der Kaufmann Haupt w'S Reu- Weisscusec am Grabe seines BrudcrS hielt, hat ihm eine Antlagc wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung zugezogen, welche gestern vor dem Schöffengericht verhandelt tmirdc. Am 22. November, dem Totensonntage, fand die betreffende Beerdigung auf dem 5Vcißcn- scer Kirchhofe statt. Wie der Angeklagte behauptete, sind seine 58e- mühungen, einen Geistlichen zu erhalten, vergeblich gctvesen. Er habe deshalb am Sarge selbst eine Rede gehalten, worin er den Lcbensgang deL Verstorbenen in kurzen Zügen geschildert habe. Als der hinzukommende Kirchhofsinspektor Roß ihn auf das Verbotene feiner Handlungsweise aufmerksam machte, habe er. ungehalten über die Störung, diesen etivas barsch und in beleidigender Weise an- gefahren. Er habe nicht gewußt, daß er durch seine Rede gegen das Gesetz verstieß. Da der Gerichtshof dies ihm glaubte, kam der An- geklagte mit der geringen Geldstrafe von 3 M. davon. Versammlungen. Da? Gemerkschaftskartell hielt am Freitag eine Delegierten- Versammlnng ab, in der die bekannte Angelegenheit der Stulkatcure aufs neue erörtert wurde. Anwesend waren außer den Delegierten noch Vertreter des Ecntralverbandes der Stukkateure und der Freien Vcrcimgung desselben Berufes sowie ein Mitglied der Geschäfts- kommission der lokalorganisicrten Gewerkschaften. 1 In der umfangreichen Auseinandersetzung beriefen sich P i e p e n. Hägen, Hinrichsen, Reuter, Pech, Fischer und audte auf die Annonce des Stukkateur-Verbands im„Vorwärts" zu der am 22. Februar stattgefuudcuen Versammlung und bezeichneten den Inhalt derselben als ohne weiteres beleidigend, weil darin der Verdacht ausgedrückt sei, als nehme das GewerkschaftSkartell Streik- brecherorganisationen auf. Dieser Verdacht und die auS demselben resul» tierenden Angriffe gegen dasKartcll seien völlig unberechtigt, denn weder beim Kartell noch beim Ausschüsse desselben hätte die Freie Vereinigung der Stukkateure bis jetzt formell den Autrag auf Aufnahme in das Kartell gestellt. Wenn die fragliche Stukkateurgruppe be- reits der Geschäftskommission der lokalistischen Gewerkschaften an- geschlossen sei, so sei dies ohne Wissen des Kartells geschehen. Als Eutschuldiguugsgnrnd für die Angriffe der Verbands- St.lkkatcure gegen das Kartell könne vielleicht deren Unkenntnis der lokalistischen Gcwerkschaftsinstanzen rcsp. Verwalumgskörperschaften gelten. Kartell und Geschäftskomimssion seien grundverschiedene, von einander völlig unabhängige Körperschaften. Das Kartell habe keinerlei Einfluß auf die Geschäftskommission wie auch aus die Redaktion der „Einigkeit" beide unterstehen lediglich dem Kongreß. Mithin könne das Kartell auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, daß Kater als Mitglied der Geschäftskommission und Redakteur der „Einigkeit" einen Vortrag bei der Stukkateur-Verciiiigung gehalten, deren Statuten umgemodelt und ihr die Spalten der„Einigkeit" zur Verfügung gestellt habe. Krebs, Vorsitzender der Berliner Verbands-Stukkateure, stellt es in Abrede, daß die Vcrbandskollegen bei den Angriffen gegen das Kartell sich von irgendwelchen boshafte» Motiven haben teilen lassen. Freilich habe er nicht wissen können, daß die Geschäftskommission so iveitgehende autonome Rechte besitze, daß ein leitendes Mitglied der- selben die Statuten einer notorischen Streikbrccherorganisanon auf- »ahmesähig umändern und dieser die Gewerkschastspresse zur Verfügung stellen dürfe, wodurch doch zweifellos gleichzeitig das Kartell blamiert sei. Er habe bisher immer angenommen, das Berliner Kartell als Ver- tretung der Hauptzahl der gesamten Lokalorganisationen habe auch einen entsprechenden Einfluß auf die Geschäftskommission sowie auf das gemeinsame Preßorgan, die„Einigkeit". Da dies den Ausführungen der Vorredner zufolge jedoch nicht der Fall sei, so stehe er nicht an, zu erklären— wa? ja auch schon in der Resolution der Versammlung vom 22. Februar ausgedrückt sei—, daß die Schuld an der ganzen Austrahmegeschichte des jetzigen Lokalvereins der Stukkateure lediglich die Geschäfts- kommission und sticht das Kartell trifft. Redner kritisiert dann nochmals das Verhallen Katers wegen der Versenlung des von ibm an daS Kartell gerichteten Briefes und weist dann dokuincutarisch nach, daß die Freie Vereinigung der Stukkateure — jetziger der Geschäftskommission angeschlossener Lokalvcrein— sich als eine von Ilnlcriiehinergcld gegründete Streikbrecher- Or- ganisation sans phraso bewiesen hat, die unbedingt erst eine Warte» zeit durchmache» müsse, che sie in einer auf modernem Boden stehenden Arbeiterorganisation Aufnahme finden dürtc. R e g g e, Kürschner, führte sodann aus, auch er sehe in der bewußte» Annonce des Stukkateur- Verbandes eine Beleidigung des Kartells, doch wolle er unumwunden zugestehen, daß Kater absolut unkorrekt gehandelt habe, und auch das Kartell sei nicht ohne Schuld. Es handle sich hier nicht, wie sonst meistens, um die Verunglimpfung einer wirklichen Lokal organiiation durch Angehörige eines Central- Verbandes, sondern um den Einspruch gegen die Aufnahme einer Bcrufsgrnppe, die sich in der Oeffentlichkcit noch niemals als von modernem Geiste beseelt bemerkbar gemacht habe. Kater mußte also wissen, was dies für Leute waren; er konnte«n- möglich annehmen, daß er sie durch eine bloße Besprcngnng mit dem Weihwasser der Geschäftskonimission nun urplötzlich_ um» modernisieren könne. Ucbrigens sei eS auch durchaus unrichtig, wenn behauptet werde, das Kartell habe keinerlei Einfluß auf die Geschäftskommission oder die„Einigkeit". Man solle doch nicht unnötigerweise Begriffsverwirrungen anrichten und mit leeren Worten spielen, denn wenn auch die Geschäftskommission und Redaktion der„Einigkeit" formell vom Kartell unabhängig wären, so übe letzteres in Wirklichkeit doch einen gerade- zu ausschlaggebenden Einfluß auf jene aus. Dies leugne»« zu wollen, heiße einfach mit Advokatenkniffcn zu operieren, und das sei hier dem Stukkateur-Verband gegenüber, der sich in dem Kampfe zwischen den Lokal- und Centralorganisationen bisher stets neutral verhalten habe, denn doch nicht am Platze. Fischer, Zimmerer, hält es hierauf für notwendig, daß alle Organisationen, deren Organ die„Einigkeit" ist. Einspruch gegen das Verhalten der Geschäftskommission in dieser Sache erheben und letztere veranlassen, wegen der event. Aufnahme der bla«>-u Slukkateurvercinigung Rede und Antwort zu stehen.— Die Versamm- lung pflichtete diesen Ausführungen bei und nahm dann folgende Resolution an:„Die heulige aiii 4. März tagende öffentliche Ver- sammlling des Gewerkschaftskartells weist den schweren Vorwurf d&j CcntralvcrbandcS der Stukkateure(Filiale Berlin), das Kartell«cchine Streikbrechcroraanisationen auf. als eine grundlose Anschuldigung ent- schieden zurück. Die Delegiertenversammluug erwartet, daß derWahrhett die Ehre gegeben und der dem Kartell geinackte Vorwurf a.» derselben Stelle zurückgenommen wird, an der er erhoben wurde."(Gemeint ist damit der Annoncenteil des„Vorwärts".) Von den anwesenden Vertretern der Freien Vereinigung der Stukkateure hatte niemand das Wort ergriffen. Es veeeamete, sie seien zur Sitzung gekommen, um dort ihre Aufnahme iu duS Kartell zu beantrcn en; ihnen wurde jedoch im Lauf der Debatte von mehreren Retmern der Rat erteilt, mit der Einbringung ihres An- träges noch bis ans weiteres zu warten.— Unter Kartcllangclcgenheilcn erklärte sich die Versammlung mit dem Vorschlag der Partei-VertrauenSlcute betreffend Regelung der Partei- imb Gewerkschaftsversammlungen einverstanden. Ferner wurde ein Antrag der Maurer angenommen, zwecks Vereinfachung der Gedenkfeier des 13. März am Grabe der Biärzgefallencn nicht mehr wie bisher von jeder Eiuzelorganisation Kränze niederzulegen. sondern es mit einem vom Kartell im Namen der an- geschlossenen Organisationen gewidmeten gemeinsamen Kranze be« wenden zu lassen.___ Letzte I�acbncbten und Depefcben, Judeuhetzcn tu Kischinew. Czornowih, 5. März. Hier eingetroffene Reisende de- richten, das; in der vorigen Woche in Kischinew Judenhetzen statt- gefunden hätten. Jüdische GcschästSlokale seien geplündert und Juden mißhandelt worden._ Russische Spione. Jass», 5. März.(B. H.) In der Nähe von Unghoni wurden als Eiviliftcn verkleidete russische Offiziere wegen Spionage ver« hastet.__ Magdeburg, 5. März. Vom Kriegsgericht der 7. Division wurde der Unteroffizier Heinrich Pessel von der 6. Compagnie des 0«. In- santerie-Regiments, der mit einem fteiwillig eingetretenen 18jährigen Musketier widernatürliche Unzucht getrieben hatte, in zwet Fällen zu sechs Monaten Gefängnis und den üblichen Nebcnstrafcn verurteilt. Lemberg, 5. März.(B. H.) In Przcmysl wurde der russische Deserteur Paul Punec verhaftet, der einem nach dem KriegSschan- platz bestimmten Regiinente angehört. Punec erzählt, daß unter den nach Ostafien zu entsendenden Truppen eine große Panil herrsche. Nagasaki, 5. März.(Meldung deS„Reuterschen BurcauZ".)j Ter Dampfer der russischen Frciwilligcnflotte»Jelaterinoslaw", der Dampfer der Chinesischen Ostbahn„Manschuria". dcr� ochonci: „Liesnik" und die Dampfbarkasse„Juliade" sind vom Pdsengerich» in Sascbo für gute Prisen erklärt worden. Ein Appell gegen die Ent- scheidnng ist innerhalb 30 Tagen einzulegen. Zur«aziiaullng von«ircirigrenen aus oem-ians wirv eme �.ariz- luimmniwi»»uimmguiuntitt»_ i"1....... �- �- Berassttv. Redakteur: Julius KaliSki, Berlin. Inseratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u Vcrl«§anftalt Paul Singer 8:Eo., Berlin Hierzu b Pcilagen n.Niitcrhaltun.-'Sblatt Nr. 56. 21. Jahrgang. 1. Kilage des Jmiirts" Sttliuer WMtt. Sonntag, 6. Mär; IM. Reichstag vo. T ltzung. Sonnabend, b. März 1904, 1 Uhr. Am Tische des Bundesrats: ix Einem. Die zweite Beratung des Militärrtats wird fortgesetzt. (Titel K r i e g s m i n i st c r.) Abg. Werner lAnt.): Der Roman„Erstklassige Menschen" des Grafen Wolf Baudissin muß verletzend wirken, und der nicht sehr schmeichelhafte Zwischenruf, der gestern von der Rechten gegen den Grafen fiel, war voll berechtigt. Soldatenmißhandlungen werden wohl � von allen Mitgliedern dieses Hanfes bedauert. Redner tritt für eine Vermehrung der Unteroffiziere ein. Der Unteroffizier ist das Rückgrat der Compagnie. Den Ausspruch des Abg. Bebel, das Bürgerumt krieche vor der Armee, muß ich mit aller Entschiedenheit zurückweisen.(Bravo! bei den Antisemiten.) Abg. Graf v. Brudzrwo-Mielzynski(Pole): Die Polendcbatten der letzren Tage haben bewiesen, daß es ziemlich zwecklos ist, sich mit preußischen Ministern überhaupt in eine Diskussion einzulassen. Trotzdem muß ich darauf hinweisen, daß seit einiger Zeit auch in der Armee gegenüber den Polen sich Tendenzen politischer Art beinerkbar machen, die von den eigentlichen Zwecken der Armee sehr weit abliegen. Die Militärbehörden stehen der polnischen Bevölkerung anders gegen- über als der deutschen. So wird den Mannschaften ver- boten, polnische Lokale zu besuchen. Es ist den polnischen Soldaten sogar verboten worden, in polnischer Sprache Briefe zu schreiben und zu beichten.(Hört! hört! bei den Polen.) Ich glaube nicht, daß der Kriegsminister diesen Ein- griff in das private und religiöse Leben der Soldaten billigen kann. Wenn General v. Einem die Armee eine große Familie nennt, so müssen auch die alten polnischen Veteranen einen gleichberechtigten Platz am Familientisch beanspruchen.(Sehr richtig! bei den Polen.) Ein polmschcr Geistlicher wurde von einem Offizier vor vielen seiner Pfarrkinder in rohestcr Weise beschimpft. Ein ähnlicher Fall ist in keiner andren Provinz als in Posen denkbar. Jede Moral scheint bei den Offizieren zu schwinden, wenn es sich um uns handelt.(Sehr wahr! bei den Socialdemokratcn.) ÄriegSmimster v. Einem; Der Herr Vorredner wollte zwar eine Polendebatte nicht herbeiführen, hat aber schließlich doch eine Reihe von Einzelheiten vorgeführt, die nur zur Ver- schärfung der Gegensätze beitragen können. Wenn man die Deutschen in jenen Provinzen befragte, so wurde man von ihnen sicher ebenso viel Klagen gegen die Polen hören. Ter Herr Vorredner hat an mich als Offizier appelliert, daß ich im Gegensatz zu andren Ministem auf seine gerechten Beschwerden ein- gehen würde. Ich muß das im Namen meiner Kollegen zurückweisen. daß irgend ein preußischer Minister auf eine gerechte Beschwerde nicht volle Gerechtigkeit üben und Remedur eintreten lassen würde. (Lachen bei den Socialdeniolratcn.— Rufe: Hammerstein.) Ich kann mir. ob ich Offizier bin oder nicht, das nicht anders vorstellen. Daß eS unangebracht ist, die Annce mit Politik zu verquicken, gebe ich dem Herm Vorredner zu, aber wie soll man es machen in einem Lande wie der Provinz Posen, wo deutsche und polnische Gegensätze in der schlimmsten Weise auf- einandergeplatzt sind.(Sehr richtig!> Fest steht doch, daß eine gewaltige Agitation von polnischer Seite iin Gange ist, um das Deutschtum zurückzudrängen und leider auch, daß sie Erfolg gehabt hat. Dagegen müssen wir uns aus Gründen der Staats- raison wehren.(Sehr richtig! rechts.) Posen ist eine preußische Provinz. Wir wollen keinem Polen seine Sprache oder Religion rauben, wir verlangen nichts, als daß er ein treuer preußischer llnterthan ist.(Sehr richtig! rechts.) Der Herr Vorredner hat sich darüber beschwert, daß Soldaten der Verkehr in polnischen Wirt- schaften, bei polnischen Händlern und in polnischen Familien ver- boten ist. So allgemein ist das zweifellos unrichtig. In einem Schreiben deö Generalkommandos deS 5. Armeccorps wird dies ebenfalls betont, eS heißt in diesem Schreiben iveitcr: ,.Jn T— den Namen brauche ich wohl nicht zu nennen— hat der Kommandeur eines Regiments den Soldaten den Besuch einer größeren Anzahl von Lokalen verboten, welche vorzugsweise von der polnischen Bevölkerung besucht werden. Ich habe den Kommandeur darauf hingewiesen, daß hierin allein ein Grund zu einem Verbot der Lokale nicht gesehen werden kann, sondern daß nur solche Lokale zu verbieten sein würden, in denen eine ausgesprochen politisch- polnische Agitation getrieben oder deutfch-feindliche Bestrebungen zur Geltung gebracht werden, welche zu Iluzuträglichkciten zu führen geeignet sind." Das ist ein durchaus richtiger Standpunkt. Auch in Danzig sind einige Lokale verboten, Iveil mehrfach Schlägereien zwischen Soldaten und Civilisten dort vorgekonnncn sind. Daß außerhalb ihrer Heimatsprovinz lebenden polnischen Soldaten verboten tvordcn sein soll, ihren Eltern Briese in pol- a i s ch e r S p r a ch e z u schreiben, halte ich für ganz u»- möglich. Es wäre eine Brutalität.(Sehr richtig! beiden Polen.) Dasselbe gilt von der Beichte. Nach der Dienst- ordnung ist jede Aufficht oder nachträgliche Feststellung darüber verboten, in welcher Sprache die Maimschafteu beichten. Sollten aber diese Beschwerden doch zutreffen, so möge mir der Vorredner Truppen- teil und Namen nennen, dann wird Nenicdur eintreten. Schließlich soll bei einer Kontrollversamnilung ein Ossizier in cineil Konflikt nnt einem katholischen Geistlichen geraten sein. ES ist merkwürdig, daß dieser Offizier einen polnischen Namen trägt. Er behauptet,' durch daS höhnische Gesicht des betreffenden Herrn gereizt Ivorden znsein. Es ist eine Untersuchung erfolgt und der Offizier ist rektifiziert und b e st r a f t worden. Man hätte also vielleicht den Fall hier nicht noch öffentlich zu erörtern brauchen. lSebr richtig! rechts.) Ich werde jedem, er mag einer Partei augehören. welcher er will, dankbar sein, wenn er init dazu beitrüge, die Armee aus allen diese» politischen Streitigkeiten auszuscheiden.(Beifall rechts.) Slbg. Schräder(fteis. Agg.): Seitdem der Kampf gegen daö Polendun begonnen hat. ist die Macht des P o l e n t u m S v o n I a h r zu Jahr gestiegen. Unter allen Umständen sind die tleinlichen Maß- nahmen von Behörden und Vereinen, die in daö tägliche Leben eingreifen, zu verwerfen, da sie nur den Widerstand reize».— Der K r i e g S m i u i st e r sagte, es seien Lokale verboten worden, in denen p o l n i) ch e und freisinnige Versaimnhmgen abgehalten worden seien. Warum nun gerade solche und nicht auch sozialdemokratische, konservative und antisemittsche? lUnruhe.) Im Etat selbst ist grüßte Sparsamkeit notwendig. Im großen und ganzen wird es das richtige sein, die Abstriche der Kommission ,»i Plenum zu bestätigen, lieber die Erhöhung der OberstlieutenantS- gehälter werden wir unsren Beschluß erst fassen, wenn wir den Bericht der Budgetkommisfion gehört haben. Wir waren ja in der Kommission bei dieser Verhandlung nicht vertreten. Ebenso werden wir es halten mit der Vennehrung der Unteroffiziere. Meine Freunde sind der Meinung, daß sie im großen ganzen den Anforderungen entspricht. Aber gewisse Verbesserungen sind notwendig. Die inaktiven Offiziere haben zweifellos das Recht einer Kritik, in der sie die Grenzen des Anstands nicht überschreiten. Die aktiven Offiziere müssen sich natürlich größere Zurückhaltung auferlegen. Aus die neueren militärkritischen Romane hat man zuviel Gewicht gelegt. Man maß ihnen eine Bedeutung bei, die nicht in der Sache selbst begründet war. Im allgemeinen aber ist die schärfere öffentliche Kntik auch für die Annee selbst von Nutzen. Ittemand hat daran gezweifelt, daß die preußischen Soldaten sich bei Jena wacker geschlagen haben. Aber die Ansicht deS Herrn KricgSininisters. daß der K o s m o p o l i t i s in u s des Bürgertunis am Zusammenbruch des Staates Schuld war. ist nicht baltbar. Bielmehr war die Armee und die ganze Staats- Verwaltung desorganisiert, es bedurfte erst der um- fassenden Reformthätigkeit eines Stein, Hardenberg, Scharnhorst, bevor die glänzenden Siege errungen wurden und die Monarchie auf einer neuen Grundlage ausgebaut werden konnte. Damals wirkten Annce und Bürgertum einmütig zusammen. Leider ist das Verhältnis zwischen Armee und Bürgertum später wieder ein andres geworden als damals. Dabei verlangt der Soldat heute eine viel größere Achtung als Mensch, als früher; das Bürgertum ist sich viel mehr seiner Gleichberechtigung bewußt. Ter Offizierstaud aber schließt sich heute immer mehr gegen das Bürgertum ab, in den Kasinos ber- kehren die Herren fast unter sich. Wir haben ja zu dieser Entwicklung s e l b st beigetragen.(Sehr richtig! bei den Socialdcmokratcn.) Ich erinnere mich noch sehr gut der Zeit, Ivo um jedes neue Kasino ein großer Kampf entbrannte. (Sehr wahr! bei den Socialdcmokraten.) Das gestiegene Selbst- bewußtsein der Mannschaften empfindet auch die Mißhandlungen schwerer als früher. Ich verstehe es Nicht, warum nicht die Offiziere unter sich schärfer gegeq Kameraden vorgehen, von denen bekannt ist, daß sie ihre Untergebenen mißhandeln. Das sollte doch gerade für sie Ehrensache sein. Ebenso sollten die Offiziere selbst für Einschränkung des überflüssigen LuxuS eintreten. Der Herr Kriegsminister scheint ja den ernsten Willen zu haben, für eine Beseitigung der Mißstände im Heere einzutreten. Unsre Unterstützung wird er dabei stets finden.(Brabo! links.) Kriegsminister v. Einem: Ter Herr Vorredner hat mich miß- verstanden, ich habe nicht von einem Verbot von Lokalen mit deutsch- freisinnigen Bestrebungen gesprochen, sondern von deutsch- feindlichen Bestrebungen. Hätte ich an deutsch-freisinuige Bestrebungen gedacht, so hätte ich gesagt:„deutsch- f r e u n d li ch". (Große Heiterkeit.) Abg. Gröber»chimpswort beim Ererziercn kann als Beleidigung, als Grund zur Beschwerde gelten.(Hört! hört! bei den Soc.) Dem Vorgesetzten gehl manchmal die Geduld ans, wenn die Leute sich ungeschickt anstellen. Aber trotzdem meint der Offizier eS gut mit seinen Untergebenen."(Lachen bei den Socialdemokraten.) Herr v. Estorff meint also, diese sogenannten leichten Miß- Handlungen dürften noch nicht einmal Grund znr Beschwerde geben! Meiner Ansicht nach müssen sie gerade am allcrcrnstcsten genommen werden, denn Unteroffiziere, die sich erst an kleine Mißhandlungen gewöhnt haben, gehen gar leicht zu schweren über. Wie würden die Herren Offiziere empört sein, ivcnn man ihnen zumuten wollte, sich einmal auch nur eine Ohrfeige gefallen zu lassen!(Unruhe rechts.) Das beweist deutlich die Klassengegensätze, die verschiedenen Auf- sassnngrn von Ehre, in der heutigen Armee. Ter tiefste Grund der Soldatcnmißhandlungen liegt in dem ge- samten heutigen Herressqstem. Das Losungswort de« KriegSministerS ist die Tisciplin. Gewiß: DiSeipliu muß wie in jedem Wirtschafts« und Geschäftsbetriebe noch weit mehr in der Armee herrschen. Aber die psychologischen Triebfedern, die der Disciplin zu Grunde liegen, können sehr verschieden sein. Die Konservativen möchten am liebsten die rückständige DiSeipliu des Knechtes gegenüber dem Herrn für alle Elvigkeit festhalten. Dies aber ist bei den modernen wirtschasrlichen Verhältnissen nicht mehr möglich. In der Armee herrscht eine andre DiSciplin. die durch Furcht und Schrecken von oben her eingeimpft wird. Wir Ivünschcn im Gegensatze dazu eine Tisciplin der Freudigkeit und der Freiwilligkeit. Der Kriegsminister sagt, die Socialdcmokratie unter- grabe diese Freudigkeit.(Sehr richtig! rechts.) Nein, die schlechten Einrichtungen der Armee sind es, die die Freudigkeit am Dienste vernichten! Der Kriegsminister hält das geltende Militär-Strafgesctzvuch für human. Es stammt ans dem Jahre 1845 und wurde schon 1872 im Reichstage sehr scharf kritisiert, leider ohne Erfolg. Selbst der heutige Reichstag würde ein milderes Militär- Strafgesetzbuch schaffe». So ist die Bestimmung, daß Trunkenheit für Soldaten nicht alS Schuld ausschließend oder mildernd gilt, ganz unhaltbar, ebenso wie die drakonische» Strasc» für jede Auf- lchnung«ach oben, und die milden Strafe» für Mißhandlungen gegen Untergebene. Neben der Reform des bürgerlichen StrafrechtcS wird die deS Militär-StrafgcsetzbuchcS eine sehr wichtige Aufgabe des Reichstages sein. Wie die Disciplin deS Herrn v. Einein aussieht, zeigt seine Verteidigung des Heidelberger KriegSgerichtsnrteils. Wir billigen und beschönigen keineswegs den frechen Streich der Soldaten, die übrigens keine Socialdemokratcn waren, sondern aus ganz rückständigen, oäucrlichen Gegenden Badens stammten, in denen Frömmigkeit und Königstreue zn Hause ist.(Unruhe rechts.) Aber muß man denn wegen eines solchen Vorkommnisses, bei dem kein Menschanseinem Leibe verlctztwordcn ist, Strafen von 0,8 und lOJahren Gefängnis verhängen und ganze Existenzen vernichten?! Vor allem > bedqd auch das Beschwerdewesen einer gründlichen Remedur. Grade die schlimmsten Mißhandlungen kommen gar nicht zur Anzeige und viele Fälle werden den Behörden erst durch Desertation, Selbstmordversuche und Selbstmorde bekannt. Im Zusammenhange mit dieser Nnterwürfigkeits-Disciplin steht daZ System dcZ Pnrndedrills. Bebel hat gestern übrigens nicht be- hauptet, das; die Ausbildung sich nur auf den Paradedrill richte. Aber es wird eine unmähig lange Zeit ohne jede Not und ohne jeden Sinn auf derartige Ucbungen verwandt. Nach dem Urteil von Fach- lenten sollen in manchen Regimentern bis SV Tage im Jahre allein mit Besichtigungen und Vorbereitungen für solche hingehen. Wie denkt denn der Herr Kriegsminister über den berühmte» Fricdericianifcheil Griff, der nach löOjatjriger Vergessenheit int Jahre 1902 beim ersten Gardcregiment in Potsdam und dann, wie ich h ö r e, b e i d e nt g e s a m t e n G a r d e c o r p s wieder ein- geführt ist? Freiherr v. Galen schreibt von diesem Paradcgriff. daß er sich auch nicht unter einem militärischen Gesichtspunkt recht- fertigen läßt. Die Wochen, die zu seiner Einübung gebraucht wurden, seien für die k r i e g s nt ä st i g e Ausbildung der Truppen geradezu verloren. Der Herr Kriegsntmister meinte, der Drill und die dadurch eingewurzelte Disciplin seien dtc Ursache unsrer Siege iit� den letzten Kriegen gewesen. Darin irrt er. In diesen Kriegen spielten vor allem gewisse moralische Faktoren ihre große Wirkung. Der b e r ü h in t e russische General D r a g o m i r o w hat sich attch dahin geäußert, daß unsre Truppen in jenen Kriegen nicht wegen. sondern trotz des Drills so Bedeutendes geleistet haben. Der Herr Kriegsminister wandte sich gegen die„verhetzende Kritik". Was versteht er denn unter einer solchen, wenn er s e l b st die Kritik des Obersten Gaedke zurückweist, der in so tu i l d e r Weise in einem so p a t r i o t i s ch e n Blatte schreibt, dessen Parteirichtung ja der Kriegsminister selbst vorhin Komplimente ge- macht hat. Wir werden uns durch den beleidigenden Ausdruck, daß ver- hetzende Kritik geübt werde, nicht abhalten lassen, auch weiterhin zu kritisieren, wie wir eS im Interesse der Volkswohl- fahrt und Kultur für nötig halten.(Bravo! bei den Social- dcmokraten.) Wie man die Kritik an den leitenden Stellen der Armee auffaßt, dafür ist ja ein interessantes Beispiel das Verbot an die Offiziere, das Beherleutsche Drama„Der Zapfenstreich" zu besttchen. Dieses Stück ist durchaus von guter königs- treuer Gesinnung, wie sie der Kriegsminister fordert, der Ver- fasser ist nicht etwa ein Socialdemokrat. In Berlin und Frani- furt a. iW. ist den Offizieren aber trotzdem der Besuch verboten und sogar auch in Darnistadt, obwohl der Großhcrzog von Hessen das Stück selbst auf das Repertoire deS großhcrzoglichcn Theaters hat setzen lassen.(Hört l hört! bei den Socialdcmokraten.) Vielleicht weiß der Kriegsminister mich hiervon wieder nichts. Er kannte ja auch nicht die Angelegenheit des Erbprinzen von Meiningeit und scheint überhaupt sehr wenig zu erfahren von dem, was in den höchsten Kreisen der Armee vor sich geht.(Lachen rechts.) Der Kriegs- minister hat sich weiter sehr, lebhaft gegen die Socialdemokraten in der Armee ausgesprochen. Er behauptete— und diese Aeußerung wird ihren historischen Ruhin auf lange erhalten— es komnie ihm mehr auf die Gesinnung als darauf an, ob ein Soldat gut schießen könne(Unruhe und Widerspruch rechts). Das ist nicht wört- lich seine Aeußerung(Lachen rechts), aber jedenfalls der Sinn derselben. Und wenn der Soldat am Ziel vorbeischießt, dann hat doch schließlich das gaizze Schießen keinen Wert.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Seine Aeußerung erinnerte an das bekannte agrarische Wort:„Die dümmsten Arbeiter sind un-Z dir liebste»!"(Lebhafte Zustimmung bei den Social- demokraten.) Welche Gesinnung will er denn aber nun haben? Er stellt immer die Begriffe: Charaktertüchtigkeit nnd Königstreue zusammen. Ich stimme darin mit ihm übereitt, daß ein guter Soldat nicht derjenige ist. der nur rein handwerksmäßige Fertig- leiten besitzt. Gewiß gehört auch eine gute anständige Gesinnung, ein loyaler Charakter zu einem guten Soldaten, wie überhaupt zu jedem Menschen. Ich wundere mich, daß man immer einen Unterschied macht zwischen Soldaten und andren Menschen. Was gut ist an militärischen Tugenden, das soll jedermann haben. (Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Im übrigen möchte ich den Kriegsminister bitten, doch nicht immer den Begriff der Königs- treue so in de» Mittelpunkt solcher Betrachtungen zu stellen. Damit thut er seinem Monarchen keinen guten Dienst. Wenn es allein auf die Anschauungen des Menschen über Staatsverfassung ankomme, so müßte er doch glauben, daß es in andern Staaten, wo es keine Könige giebt, überhaupt keine tüchtigen, anständige» Soldaten gebe» kann.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.— Große Unruhe rechts.) Also verstecken Sie sich nickt immer hinter dem schönen Wort von der Königstreue, hinter dem Throne. Damit züchten Sie nur Streberci und Byzantinismus.(Sehr richtig! bei den Social- demokraten.) Der Kriegsminister sagte dann, er wolle nicht Soldaten, die, wenn es einmal Ernst würde, nicht mitmachten. Er hätte sich etwas deutlicher darüber atlssprechen müssen. Meint er mit dem Ernstfalle den Krieg? Wir haben nie darüber einen Zweifel gelassen— da wir eine Möglichkeit der Verbesserung unsrer heutigen Zustände für nicht ausgeschlossen halten,— daß selbstverständlich in Fällen, wo man von außen her gegen uns vor- gehen sollte— was ich überhaupt verhütet sehen möchte— jeder socialdemokratische Soldat seine Pflicht und Schuldigkeit thun würde. Ich wünsche ihm dann nur, daß er recht viele socialdemokratische Soldaten hat, die gut schießen können. Wenn er dann nur die andern hat, die nicht gut schießen können, dann würde es ihm doch sehr unangenehm sein.(Große Heiterkeit, Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Oder hat er, vielleicht an jenen andren Fall gedacht, von dem einmal in der Weise die Rede war, daß die Soldaten nnter Umständen auf Vater und Mutter schießen sollten? Dann möchte ich ihn doch dringend bitten, seine Gedanken nicht immer auf solche Situationen zu richten, an die von unsrer Seite niemand denkt.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Sollte er aber daran gedacht haben, dann sageich ihm ganz offen: Wenn man die Verfassung bricht, dann ist allerdings der Soldat durch das Militärstrafgcsetzbnch ver- pflichtet, den Gehorsam zu verweigern.(Sehr richtig! bei den Social- demokraten.) Wenn man sich unterfangen sollte, gegen das Gesetz zum Zwecke eines Verfassungsbruches die Armee auszuspielen, dann allerdings gilt der Eid dc-Z Soldaten nicht mehr.(Sehr wahr! bei den Socialdemokraten.) Wir denken aber an solche Perspektiven gar nicht, nur der Herr Kriegsminister scheint sich mit der Revolution in schlaflosen Nächten zu beschäftigen. Darüber andrerseits, daß in der That mit dem Anwachsen unsrer Partei auch dieSocialdemokraten im Heere immer zahlreicher werden, können Sie sich doch nicht täuschen. Ich halte es für eine sehr bedenkliche Taktik des Herrn Kriegsministers, daß er eine so ungeheuer große Zahl unsrer Soldaten, die in gleichem Maße wie die andern ihre Schuldigkeit thun, in dieser Weise angreift, ob- wohl diese darauf angewiesen sind, wie alle andern eine Reihe ihrer Lebensjahre dem Vaterlande zn widmen. Wenn er die Social- demokraten wirklich so ungern hat, dann sollte er sie doch gar nicht aufnehmen in die Armee.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Was will er denn überhaupt mit solchen, nach seiner Meinung charakterlosen, schlechten Soldaten?(Zunif rechts: Sie bessern! Heiterkeit.) Gegenüber dem Polen und dem Centrums- Abgeordneten leugnete der Kriegs mini st er, daß in der Armee Politik getrieben würde, aber gegenüber der Socialdemokratic wird die weitgehendste politische Bcthätiguug in der Armee geübt.(Sehr wahr l bei den Socialdemokraten.) Man hat fast nichts Wichtigeres in der Armee heute zu thun, als der Gesinnung der einzelnen Soldaten nachziispüren, und man boykottiert die Besitzer socialdcmokratischcr Lokale.' Der Civilvorsitzende der Ersatzkommission für Pforzheim z. B. hat, wie soeben in'den Verhandlungen der badischen Kammer bekannt wird, in einem vertraulichen Handschreiben Erhebungen darüber veranlaßt, ob die Militärpflichtigen eine ge- wisse Führcrrolle in der socialdemokratischen Partei Ipielten oder unter socialdemokratischem Einfluß stünden oder ob sie führende Mitglieder respettive passive Anhänger des Anarchismus seien. Das beweist doch, wie sehr man sich mit Politik im Heere beschäftigt. Mit einem solchen Nriasbrief wird dann der Soldat durch seine ganze Dienstzeit verfolgt und ihm jedes Avancement trotz bester Leistmigen unmöglich gemacht. Dadurch schaffen Sie nur Bcrbittcrmig in der Armee. Die Harmonie, von der der Herr Kriegsminister sprach, existiert in der Armee am allerwenigsten. Gerade hier hat das Wort Disraelis von den zwei Nationen seine volle Berechtigung, da zeigt sich der Klassciigegensatz in der schärfsten Weise.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Herr Schräder klagte, daß fast nur Angehörige des Adels in Offiziersstellen kanten und verlangte gleiche» Recht auch für da» Bürgertum. Er hätte viel weitergehen müssen. Große Massen de» Volkes sind von vorn- herein von jedem Avancement in der Armee ansgeschlossen, ich er- innere nur an das Einjährig- Freiwilligen- Privilegium. Unser Offiziercorp» soll ja nach dem Herrn Kriegsminister die Blüte der Nation sein. Seine Aeußerungen über die Offiziere werden die Urbcrhebung in den Kreisen der Offiziere nur noch verniehre».(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) 18 jährige junge Lieutenants svllcn die Erzieher der Nation sein!(Heiterk. b. d. Socialdem.) Sie selbst bedürfen häufig noch der Erziehung. nach fast zweistündiger Beratung zu folgender Entscheidung: Es handle sich hier um eine frivole Gründung eines Vereins zur 5lrankcnuntcrstützung, frivol. iveil er eigentlich ganz ohne Mittel ins Leben gerufen sei. Das ganze Betriebskapital habe 2000 M. betragen. Dadurch charakterisiere sich das Unternehmen als recht gemeingefährlich, da es sich vor- wiegend mit tleinen Leuten befasse, die sich für den Fall der Krankheit und ihre Hinterbliebenen für den Fall des Todes sichern zu können vermeinen. Das Gesetz sei gerade erlassen, um derartigen schwinde!- haften Unternehmungen entgegenzutreten und einfache Leute vor solchen unzuverlässigen Gciellschaftcn zu schützen. Die Bestimmung des Statuts, daff die Leistungen des Vereins freiwillige seien, sei nur eingefügt, um das Gesetz zu umgehen. Der Gerichtshof habe sich überzeugt, daff die Angeklagten den Betrieb einer Vcrsicherungs- gcsellschaft begonnen und fortgesetzt und sich gegen die Bestimmungen des Gesetzes vergangen haben. Das Urleil lautete gegen den Be- gründer und Leiter des Vereins auf 200 M., gegen die übrigen An- geklagten— mit Ausnahme eines, der freigesprochen wurde— auf je 30 M. Geldstrafe. Im Kurpfuschcr-Prozes- zu Tilsit fand auch am Tonnerstag die Verhandlung anfänglich unter Ausschluß der Oefsentlichkeit statt. Tie vom Angeklagten angeblich unglücklich gemachte Zeugin beschwerte sich über daS taktlose und rohe Benehmen des P u b l i- k u m s, das die Zeugin nach dein Verlassen deS Gerichtssaales umringte und mit Schmähungen verfolgte. Wie die Zeugin angiebt, habe man sie beschimpft, mit Schnee geworfen und durch die ganze Stadt verfolgt. Rechtsanwalt B o l ck bemerkt, daß die Zeugin nicht ganz schuldlos an diesem Vorgange sei, da sie dem Publikum zugerufen habe:„Ihr solltet froh sein, daff ich Euch von einem so gewissenlosen Schurken befreit habe!" Auf erneuten Vor- Kalt bleibt der Angeklagte auch heute dabei, daff er mit der Zeugin keinen Umgang gepflogen habe. Um V-Il Uhr vormittags wurde die Oefsentlichkeit lviederhcr- gestellt. Tarauf erklärt Staatsanwalt T 0 l l i. daff gestern das Publikum sich brutal und roh gegen die Hauptzeugin auf dem Korridor des Gerichtsgeüaudes sowohl, als auf der Straffe verhalten habe. Gegenüber derartigen Roheiten werde schliesslich nichts andres übrig bleiben, als die Polizei zu requirieren, mn zu ver- hindern, dah ein derartiges unanständiges Gebaren sich wiederhole. Beachtenswert sind die vom Sachverständigen Dr. B i I s i n g e r- Kassel über die Heilwirkung des Magnetismus gemachten Aeufferungen. Er führte aus: Ich möchte einiges Persönliche vor- ausschicken, namentlich für meine hier anwesenden Herren Kollegen. weil ich vielleicht in manchem abweichender Anschauung bin. Seit mehr als 30 Jahren huldige ich der naturgemähen Lebensweise und ich bemerke, daff ich im Laufe dieser Zeit fast immer vegetarisch gelebt habe, und zwar zu einer Zeit, als diese Lebensweise in Deutsch- land noch ganz unbekannt war. Durch diese Lebensweise bin ich nach und nach zu einer ganz andern Anschauung gekonrmen iindjo habe ich auch den Magnetismus kennen gelernt, ohne jemals als«pedalist darin ausgebildet zu sein. Dennoch muff ich sagen, daff der Magne- tismus unbedingt heilkräftig ist in den Fällen, für die er pafft. Der seelische Einfluff, den eüie Person auf die andre auszuüben im stände ist, ist zuweilen ein sehr grosser. Ich führe das Beispiel der Lieben- den an. Es ist sicherlich eine bekannte Thatsache, daff ein Liebender auf die geliebte Person ausserordentlich seelisch einwirken kann. Schon wenn er die Stimme hört, wird der andre Teil elektrisiert und erst ein Händedruck übt einen so groffcn Psychischen Einfluff aus, dah da- durch, die gmize Lebenskraft günstig beeinflufft wird, also auch bei vorhandenen Krankheiten. Ferner, wenn jemand sich unglücklich fühlt und er bekommt den Händedruck einer ihm sympathischen Person, so ist dies oft von hohem psychologischen Einfluff. Ter Magnetismus ist also nichts andres als der seelische Eindruck des einen auf den andern. Daff nun einer mehr dieses Magnetismus hat als der andre besitzen kann, ist klar. Jeder Arzt wirkt ja schliesslich auch vermittels dieses Magnetismus auf den Patienten. sei es durch seine Pcrsönlicksteit oder durch andre Umstände. Je höher in sittlicher Beziehung ein Mensch steht, um einen so grösseren Einfluff wird er auf den andern ausüben. Die Frage ist nun, ob der Magne- tismus auch auf Epilepsie günstig einwirkt. Tie Epilepsie ist noch heute das wahre Crux der Aerzte. Auch durch allgemeine Beobach- tungcn ist diese Krankheit für mich eine Vergiftung durch Gasstoffe aus dein Darin, die von dorther das Gehirn und das ganze Nerven- system vergiften. Weil es aber so ist, so ist es auch erklärlich, daff bei der Behandlung der Epilepsie die Milch und Früchte eine ganz hervorragende Rolle spielen und daff deshalb der Angeklagte durch dahingehende Verordnungen allein schon einen günstigen Einfluff ausgeübt hat.— Staatsanwalt T 0 l k i: Aber gerade in diesem Falle hat der Angetlagte leine Milch-� oder Fruchtdiät vorgeschrieben. Weiter äusserte sich der Sachverständige: Ein Arzt, der diät lebt und ans einem hohen sittlichen Standpunkt steht, hat einen gröfferen Einfluff ans den Patienten als ein andrer, der diese An- schauungen nicht teilt.— Vors.: Das wäre also eine Art Suggestion?— S a ch v.: Doch nicht, sondern eben das Fluidum. das von der Persönlichkeit ausgeht. Professor Jäger in Stuttgart nennt es die Duftstoffe. Ter eine duftet nach Alkohol, der andre nach Tabak, der dritte nach Fleisch und der vierte duftet süss.(Heiter- keit bei den übrigen Sachverständigen.) Dr. Bilfinger(fort- fahrend): Ja. lachen Sie nur darüber, meine Herren Kollegen, es ist doch so.— Vor s.: Ich möchte konstatieren, daff die Herren nur gelächelt haben, damit die Herren Berichterstatter nicht etwa wieder „stürmische Heiterkeit" in ihren Berichten verzeichnen.— Sachverständiger Dr. Moll: Herr Kollege Bilsingcr. was Sie soeben dar- gelegt haben, ist zweifellos etwas ganz andres, als was der An- geklagte unter tierischem Magnetismus versteht. Ter Angeklagte thut so. als ob das eine mysteriöse, bisher nicht ergründete un- heimliche Kraft sei. während das, was Tie als Magnetismus be- zeichnen, ja etwas ganz Bekanntes und Alltägliches ist.— Dr. Bilsingcr: Alles das sind heute eben noch flüssige Probleme, Herr Kollege, die noch nicht entschieden sind.— Prof. Dr. Puppe: Glaubt der Herr Kollege Bilsinger, daff ein persönlicher Einfluff auf den epilcvtischen Zustand des hier in Frage kommenden Patienten möglich ist?— Sachv. Dr. Bilsinger: Es fragt sich, ob der Angeklagte das Trauma des Patienten erkannt hat.— Vors.: lind wie denken Sie über das„Heil sehen"? Ter Angeklagte will, ohne daß der Patienr vorher irgend etwas über seinen Zustand sagt, vermöge des ihm innewohnenden Magnetismus, die Leiden des Kranken mirsühlen?— Sachv.: Daff der eine Mensch sensitiver ist als der andre, ist bekannt. Jener ist dann natürlich eher im'stände. etwas zu fühlen, bezw. mitzuempfinden als der andre. Aus Mit- teilungen, die mir Aerzte und Richtärzte, die den Magnetismus an- wenden, gemacht haben, ist mir bekannt, daß sie, wenn sie in die nächste Nähe kranker Stellen des Körpers kommen, selber kranlhafte Empfindungen an den korrespondierenden Stellen ihres Körpers haben wollen. Da ich aber selbst nicht sensitiv bin, so kann ich? dieser Sache aus eigner Erfahrung nichts sagen. Wo. 346 201. PABATT-KARTE Waarenhaus Berlin Belle- Alliancestr. 1-2 Spittelmarkt 16-17 Gr.Frankfurterstr.il 3 AN WEISÜN G. Wf r Terabfol?en auf Wnnsch bei Baareinkftufen fttr je 25 ¥t des bezahlten Betrages eine Babatt- Marke. Diese Marke klebe man in die auf der Innenseite der Rabatt-Karte vorgedruckten Felder. Sobald die Felder besetzt sind, tv irddieRabatt-Karte von uns mit -= 1 Mark=- In baar eingelöst. Dan d.Rabait-Ucrgünliigungcn lind wtnigeRrlikel ausgenonunen Wer bei Jäüdorf kauft spart Geld! Rennen Sie unser T{abatt~System? . J&NDORF& Co. 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Montagabend 8 Uhr findet im Lokale von Martin Müller ein Lese- und D i S k u t i e r- A b e n d statt. Die Abende wiederholen sich jeden Montag nach dem Ersten im Monat. Um recht zahlreiche Beteiligung an den Abenden wird gebeten. Der Vorstand. Iii Trcptow-Baumschulciiwcg findet die Gcmeindcvertrctcrwahl am Dienstag, den 8. d. M., nachmittags von 4— 8 Uhr, im Lokale ,, P a r a d i e S a a r t e n" statt. Ter Kandidat der Socialdemolratie ist der Maler Robert Gramcuz. Jetzt heijzt es, sich mit ganzer Kraft der Agitation hinzugeben und dahin zu ivirken, daß die arbeitende Bevölkerung Manu für Mann dem Kandidaten der Socialdemolratie ihre Stimme giebt. Die Berliner Genossen werden ersucht, ihre Arbeitskollegen auf die Wahl hinzuweisen und ihnen die Beteiligung daran zur Pflicht zu machen. Eine W ä h l e r v e r s a in m l u n g, in welcher Reichstags- Abgeordneter Dr. Hcrzfeld über die Bedeutung der Wahlen spricht, findet morgen. Montag, abends 8>/z Uhr. in GrahmannS Saal, Kopnickcr Landstraße, Ecke Elsenstraße, statt. Es wird zahl- reicher Besuch erwartet. Schmargendorf. Am Montagabend 8>/z Uhr findet im Wirtshaus Schmargendorf, Warncmündcrstr. 6, eine öffentliche Versammlung statt. Stadtverordneter Genosse Autrick spricht über:„Arbeiter- intcrcsseu und die bürgerlichen Parteien." Zahlreiches und pünkt- liches Erscheinen der Genosse» wird crlvartet. Marieudorf und Umgegend. Dienstag, abends 8 Uhr, hält der Wahlvercin seine regelmäßige M i t g l i e d e r- V e r s a m m l u n g im Lokale von Hermann Reichardt, Ehnusseestr. 1(5, ab, in welcher Genosse Rcichötags-Abgcordnctcr H. G o l d st e i n über„Zweck und Ziele der Socialdemolratie" spricht. Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. Die eingezogenen Mitgliedsbücher sind in Enipfaug zu nehmen. Lankwitz. Die Parteigenossen werden nochmals ersucht, für die heute, nachmittags 3 Uhr, bei Wolff, Calaudrellistr. 27/29, statt- findende Kommunalwähler-Bcrsmnmlung recht lebhaft zu agitieren. Die Wahlen für die dritte Klasse finden Montag, den 7. März, nachmittags von 4—7 Uhr statt; alleiniger Kandidat ist Genosse Franz G e i s e n- K c r st i u g, Schriftsetzer, SiemenSstr. 32. Jeder gehe rechtzeitig zur Wahl. Genossen, welche über genügend freie Zeit verfügen, werden ersucht, schon um Uhr im Wahllokal, Marienfclderstr. 9, zu sein. Eichwalde. Sonntag, nachmittags 4'/z Uhr, in WcndtS„Waldschlößchen", Eichwalde: Mitglieder-Vcrsammlung des Wahlvereins. Hohcn-Nei'.cndorf. Dienstag, abends L'/z Uhr, im Lokal von Klesien(„Schwarzer Adler">: Oeffentliche Gemeindewählcr-Versamm- lung. TageS-Ordnung: 1.„Was fordern wir von der Gemeinde?" Referent: Ludw. Bartels-Berlin. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten.— Es ist Pflicht der Genossen, für guten Besuch dieser Versaininlung zu agitieren. Der Vertrauensmann. lokales. « Zu den Landgemeindewahlen. In einer Reihe Berliner Vorortgemeinden finden in diesen Tagen die Ergänzungswahlen zu den Gemeindevertretungen statt. Dadurch ist der Arbeiterklasse von neuem Gelegenheit geboten, durch ihre Stimmabgabe für die socialdcmokratischen Kandidaten Protest zu erheben gegen die einseitige, einzig und allein auf die Interessen der Besitzende» gerichtete Kommunalpolik der meisten Gemeinden, gleichzeilig aber auch den Beweis dafür zu erbringen, wie tief der socialistische Gedanke Wurzel geschlagen hat und wie trotz der künst- lich errichteten Gcsetzcsschrankcn der endliche Sieg der Socialdcmo- kratie doch nur noch eine Frage der Zeit ist. Wohl handelt es sich bei den Gemeindewahlen nicht um so tief in daS Wirtschaftsleben des gesamten Volkes einschneidende Fragen wie bei der Rcichstagswahl, wohl sind die Gemeindevertretungen im Gegensatz zum Reichstage und zu den Landtagen keine gesetzgebenden, sondern in erster Linie Verwaltiingskörperschaften, aber trotzdem wäre es ein verhängnisvoller Fehler, wollte man ihre Bedeutung unterschätzen. Genau wie in andren Parlamenten, so ist auch in den Genreindevertretungen die Kritik an den bestehenden Verhältnissen mit eine der Hauptaufgaben der socialdcmokratichen Vertreter, genau wie in andren Parlamenten bietet sich auch hier oft genug Gc- legcnheit, Angriffe auf Rechte und Freiheiten der Bevölkerung ab- zuWehren, genau wie in andren Parlamenten gilt es auch hier, ein- zutreten für die Interessen der Besitzlosen. Unsre Gegner sind ängstlich darauf bedacht, das Eindringen der Socialdcmokratie in die Gemeindevertretungen zu verhindern Wissen sie doch, daß die Wahl auch nur eines Arbeitervertrcter- das Ende ihrer Vetternwirtschaft bedeutet und daß es dann mit dem beschaulichen und behaglichen Dasein, das sie meist führen, vorbei ist. Die Herren wollen hübsch unter sich bleiben, niemand soll sie kontrollieren, niemand ihnen in die Karten gucken. Daher ihre Bemühungen, durch kleinliche Ehikanen der Arbeiterklasse das Wählen zu verekeln, und oblvohl das Dreiklaffen-Wahlsystem die Arbeiter schon ohnehin auss schwerste benachteiligt, die Wahlzeit so zu legen, daß es den Arbeitern nur schwer und nur mit ungeheuren Opfern an Zeit und Geld möglich ist, ihr Recht auszuüben. Aber die Herren kennen die Arbeiter schlecht, wenn sie glauben, sie ließen sich durch solche Machinationen von der Abgabe ihrer Stimme zurück- halten. Im Gegenteil, je mehr die Arbeiterklasse das Spiel ihrer Gegner durchschaut, um so kampfeslustiger wird sie und um so größere Opfer ist der einzelne zu bringen bereit, der Gesamtheit zum Nutzen, den Feinden der modernen Arbeiterbewegung zum Schaden. Die Berliner Vorortgemcinden sind ja zum großen Teil nur noch ihrer Verfassung nach Landgemeinden; ihrem Wesen und ihrer Bevölkerungszahl nach sind es Städte, auf die die gleichen Ver- hältnissc zutreffen wie auf Berlin und die Städte um Berlin. Große Arbeitcrscharen haben sich in ihnen niedergelassen, Arbeiter, die zwar in der Gemeinde wohnen, in ihr Heimatberechtigung be- sitzen, die aber infolge der modernen wirtschaftlichen Entwicklung in ganz andren Gemeinden ihr Brot verdienen. In ihrem eignen Interesse, in dem ihrer Familie und ihrer Klassengcnossen kann es den Arbeitern nicht gleichgültig sein, von welchem Geiste die Ge- mcindevertretungcn durchdrungen sind, ob Rückschritt auf allen Ge bieten die Parole ist oder ob sociale Anschauungen sich Bahn brechen. Nun ist es ja eine bekannte Thatsache, daß sociale N c f o r m a r b e i t im wahren Sinne des Wortes von einer auf Grund des plutokratischen Wahlshstems gebildeten Körperschaft nicht oder doch nur in sehr geringem Maße gelefftet werden kann. Au eignem Antrieb? sind die besitzenden Klassen auf diesem Gebiete noch niemals bahnbrechend vorangegangen, jede Reform, und mag sie noch so winzig sein, muß ihnen in jahrelangem, hartem Kampfe ab- gerungen werden. Sogar die selbstverständlichen Einrichtungen auf socialpolitischem Gebiete bleiben unbeachtet, solange die Vertreter der Bourgeoisie unumschränkt schalten und walten. Ist schon von diesem allgemeinen Gesichtspunkte aus das Ein- dringen von Socialdcmokraten in die Gemeindevertretungen dringend erwünscht, so in noch höherem Grade in Anbetracht der für das Proletariat überaus wichtigen, die Interessen der Arbeiterklasse eng berührenden Fragen, die zur Kompetenz der Kommunalvertretungen gehören. Es kann und darf den Arbeitern nicht gleichgültig sein, wie das Schulwesen ihrer Wohngcmeinde beschaffen ist. So lange nicht das Ziel der Einführung der allgemeinen Volksschule erreicht ist, haben die socialdcmokratischen Vertreter dafür zu sorgen, daß wenigstens der heutigen Volksschule der Charakter der Armen- schule genommen wird. Hebung der Volksschulen ist ein Punkt des socialdemokratischen Kommunalprogramms, der bei der Agitation obenangestellt werden und auf dessen Durchführung immer und immer wieder gedrungen werden sollte. Nicht nur für die geistige, auch für die körperliche Ausbildung der Jugend mutz weit mehr ge- schchen als die Gemeinden im heutigen Klassenstaate dafür thun. Die Hhgiene der Volksschule wird selbst in reichen Ge- meindcn in einer Weise vernachlässigt, die jeder Beschreibung spottet. Hier den Hebel anzusetzen, hier Wandel zu schaffen, ist eine der vielen Knlturaufgabcn, zu deren Lösung das Proletariat berufen ist. Die dafür gemachten Aufwendungen werden reiche Früchte tragen. Auch die öffentliche Gesundheitspflege im all- gemeinen wird nicht den Fortschritten der Wissenschaft entsprechend gepflegt. Erst wenige Gemeinden haben die Kanalisation durch- geführt, noch weniger wissen den Nutzen einer sachgemäßen Des- infektion zu würdigen. Und doch können die Folgen der Unter- lassungssündcn auf diesem Gebiete beim Ausbruch einer Seuche, bei Epidemien und dergleichen unabsehbare sein. Selbst die Kranken- Häuser der Gemeinden, soweit solche überhaupt vorhanden sind, erinnern oft noch an mittelalterliche Zustände. Die wohlhabenden Klassen benutzen die Krankenhäuser selten, ihre Angehörigen können sich im Krankheitsfälle zu Hause behandeln lasse», aber die minder begüterten Volksschichten in ihren engen Wohnungen, in den Miets- kafcrnen, die ja dank der eigenartigen, nur auf das Interesse der Bodenspekulanten bedachten Bodenpolitik auch schon in die Vororte ihren Einzug gehalten haben—, sie sind einfach gezwungen, gc- gebcuensalls das Krankenhaus aufzusuchen, und mit vollem Recht können sie Anspruch auf eine menschenwürdige Behandlung erheben, zumal da sie die Verpflegung im Krankenhause teuer bezahlen müssen. Wie es mit der Armen- und Waisen pflege in den weitaus meisten Gemeinden bestellt ist. weiß jeder, der in der Ver- waltung thätig ist oder der selbst einmal in der Lage war, die öffentliche Unterstützung in Anspruch nehmen zu müssen. Keine Spur von socialem Geiste ist hier zu entdecken, es wird keine Rücksicht auf den individuellen Fall genommen, sondern schabloncnmäßig vor- gegangen. Ter Arme wird behandelt wie der Verbrecher, und die Leistungen werden auf das gesetzliche Mindestmaß beschränkt. Gewiß erheischt die Erfüllung der socialdemokratischen Forde- rungcn Geld, und arme Gemeinden werden kaum daran denken können, irgendwelche socialpolitischen Maßnahmen von Bedeutung durchzuführen. Hier soll der Staat helfend eingreifen, sei es auf dem Wege von GcsctzeSänderungen, sei es durch Matznahmen auf dem Verwaltungswege. Bessersituicrte Gemeinden dagegen könnten sehr wohl die Mittel für die Durchführung einer zielbcivußteu kom- munalcn Socialpolitik aufbringen. Denn obwohl die Gemeinden in Preußen keine Stcucr-Autonomie hoben, so lassen ihnen doch die bestehenden Gesetze ein gewisses Maß von Bewegungsfreiheit, die nur richtig angewendet zu werden braucht. Auch ohne eine Be- lastung der ärmeren Volksschichten ist es möglich, durch ein von socialpolitischen Gesichtspunkten ausgehendes Gcmeindesteucrsystcm die Einnahmen wesentlich zu erhöhen. Werden auf der andren Seite überflüssige Ausgaben vermieden, wird Sparsamkeit am rechten Orte geübt, dann wird es an Mitteln nicht fehlen. Wir begnügen uns mit diesem kurzen Hinweis; die Arbeiter werden hoffentlich von der Bedeutung der bevorstehenden Gemeinde- wählen durchdrungen ein. Vor einigen Jahren hat einmal ein konservativer Wortführer im preußischen Landtage seinem Schmerz darüber Ausdruck gegeben, daß die Berliner Vororte socialdcmo- kratischc Kolonien sind: Mögen sich die Arbeiter dieses Wortes er- innernl Mögen sie dafür sorgen, daß es zur Wahrheit wird! Gelegenheit dazu bieten ihnen die bevorstehenden Landgemeinde- Wahlen. Kraukeuhinis und Wahlrecht. lieber die Thätigkeit der Fürsorge- stelle in der Cbaritö bringt Professor Dr. Jacob in der„Klinischen Wochenschrift" einen längeren Bericht. Zweck dieser Einrichtung ist, unbemittelte» Kranken ärztliche Hilfe, Medikamente und sonstige Unterstützung zu teil werden zu lassen. Auch werden die Kranken darüber beraten, an lvclchcu Verein sie sich wegen Unterstützung zu wenden haben. Am schwierigsten ist es, so schreibt Professor Jacob, die Kranken zn überreden, sich an die Armendirektion zu wenden, da sie fürchten, das Wahlrecht einzubüßen und gleichsam als Bürger zweiter Klasse gestempelt zu werden. In dieser Hinsicht müsse dahin gewirkt werden, eine A ender ung der socialen Gesetzgebung eintreten zu lassen. Ein Mensch, der ohne eigne Schuld durch Krankheit ins Elend gekommmen und der Hilfe seiner Mitbürger bedürftig ist, dürfe deshalb nicht mit einer Strafe belegt werden; denn als eine solche fassen die Volkskreise den Verlust des Wahlrechts auf. Sehr viele unter den Besitzenden, u. a. auch der Berliner Magistrat, stehen bekanntlich auf dem Standpunkt, daß die Benutzung der städtischen Krankenhäuser durch Unbemittelte mit der Strafe der Rechtlosmachung verbunden sein müsse. Die obligatorische Fortbildungsschule. Der Magistrat beschäftigte sich am Sonnabend in seiner außerordentlichen Sitzung nach läiigu.r Pause, die durch die dringenden Etatsberatuugen bedingt war,...tt deni neuen Ortsstatut für die obligatorische Fortbildungsschule in Berlin. Mit einigen unwesentlichen Aenderungen wurde die Mehr- zahl der Paragraphen dieses neuen Ortsstatuts in erster Lesung nach einem längeren Vortrage des Stadtschulrats Dr. Gerstenberger au genommen. Die zweite Lesung des Statuts soll in einer der nächsten Sitzungen stattfinden. Zur Einführung des Ortsstatuts bedarf ej indes noch nach Annahme desselben die Zustimmung der Stadt- verordneten-Verwmmluna und der Aufsichtsbehörde. Auch muß die Handwerkskammer von Berlin gehört werden. Die neue Umsatzstcucr-Orduuug. Die Regierung hat die Aende- rung der Umsatzsteucr-Ordnung. wie sie von den Gemeindebehörden von Berlin beschlossen worden ist, auf Autrag des Berliner Magistrats genehmigt. Die Aenderung tritt sofort mit der Veröffentlichung in Kraft. Nach der neuen Ordnung sind bei dem Umsatz von Berliner Grundstücken nunmehr 1 Proz. von bebauten und 2 Proz. Steuern von unbebauten Grundstücken zn zahlen. Der Acrger der Uebergangene». Ein gerichtliches Nachspiel wird, tvie jetzt feststeht, die deutsche K o ch k u n st a u s st e l I u n g haben. Gestern fand eine neuerliche P r o t e st v e r s a m m l un g gegen die Mißstände bei der Prämiierung statt, in der bei Eröffnung der Verhandlungen mitgeteilt wurde, daß der Arbeitsausschuß der Kochkunstausstcllung die Führer der Protestbewegung lvegen ver» leumderischer Beleidigung verklagt habe und sich entschieden weigere, dem Protcstkomitee Einsicht in die Protokolle der Jury zu gestatten. Im Referate und der ihm folgenden lebhaften Debatte wurden be» sonders drei Beschwerdepnnkte hervorgehoben: 1. Daß in der Jury, welche über die Preisverteilung bestimmte, auch Aussteller saßen, die selbstlmit erste» Preisen bedacht lvurden, 2. daß de» AnS» stellern keine Gelegenheit gegeben war, rechtzeitig gegen die Prämiierung Einspruch zu erheben, und 3. daß diese selbst in wenig würdiger Form vor sich ging, anders als es bei derartigen Gelegen- hciten' üblich ist. Betont wurde ferner, daß man gern eine ftiedliche Lösung der Streitfrage herbeigeführt hätte, doch mache das Verhalten des Arbeitsausschusses dies unmöglich. Man lverde nun gleichfalls energisch vorgeben und die Beschwerden über die AnsstellungSlcitnng und ihr Verhalten bei der Prämienverteilnng der kgl. Staatsanwalt» schaft unterbreiten. Antisemitische Propaganda der That. Zu einer IvUsteu Schlägerei kam es Freitagabend in der antisemitischen Versammlung bei Bötzow. in der Abg. B ö ck l e r über das liebliche Thema„Mandelstam und Silberfarb" sprach. Nachdem Redner über die Eigenart jüdischer oder jüdisch klingender Namen gesprochen und die geistvolle Ansicht zum besten gegeben hatte, daß, weil die Namen nicht schön klingen, die Träger' dieser Namen auch nichts wert sein könnten, ging er dazu über, die russischen Studenten, ohne Ausnahme als Lumpen, Vagabunden und Anarchisten zu bezeichnen. Es wäre eine Schande, daß ein deutscher Student mit diesem Gesindel auf einer Bank sitzen müsse, um deutsche Gelehrsamkeit zu hören. Eigentlich gehört dieses Pack nicht auf deutsche Hochschulen und jetzt, wo Bülow beginne, den Anli- seniitiSmus zu begreifen, tverde er auch dafür Sorge tragen, daß unsre Hochschulen von diesen Elementen gesäubert werden. Und nun meine Herren, begann Böckler Iveiter zu sprechen, ist auch die Sittlichkeit unsrer Studenten in Gefahr. denn bedenken Sie, deutsche Studenten müssen mit Weibern in einem Saal sitzen, die der freien Liebe huldige», ja deren Sittculosigkeit soweit geht, daß anständige Mädchen gar kein möb- licrtcs Zimmer erhalten, weil jede Wirtin glaubt, sie treibt die Sittenlosigkcit genau so arg wie die russische Studentin. Zu all diesen Beschimpfungen waren die anwesenden russischen Studenten und Studentinnen ruhig, als aber der den Vorsitz leitende junge Mann und ein teutscher„Arbeiter" die Hoffnung ausgesprochen hatten, daß auch wir in Deutschland bald ein Kischinelv haben würden, begann man schon vom„Bildlichen" zum Thätlichen überzugehen. Und als der bekannte S e n n a H o y das Wort verlangte und es ihm von Böckler verweigert wurde, weil er Gegner des§ 17S fei(11), ging der Tanz los. Ein russischer Student nach dem andren wurde am Kragen genommen, verhauen und hinausgeworfen, ganz be» sonders zeigte sich als guter Schüler Pücklers Herr B r u h n, der dem einen Studenten das Auge so stark verletzte, daß er die Unfallstation aufsuchen mußte. Selbst Frauen, die vor den tobenden Antisemiten flüchteten, wurden zu Boden geworfen und unter wüsten Beschimpfungen mit Füßen getreten. Nachdem die Antisemiten sämtliche im Saale anwesenden Gegner hiuausgeworfcn hatten, ging die Schlägerei im Garten weiter fort, ohne daß die Polizei eingeschritten wäre. Nachdem die „teutschen" Helden ihr Mütchen an den Russen gekühlt hatten, gingen sie wieder in den Saal und setzten die Versammlung fort. Daß das Verhalten der Antisemiten bei allen Menschen von Gesittung Abscheu errege» muß, bedarf weiter keiner Erwägung. Aber andrerseits hätten die russischen Studenten wissen können, wessen sie sich unter diesen Leuten zu versehen hatten. ES wäre ein Gc» win» für sie, wenn sie in künftige» Fällen die Herren Böckler und Konsorten hübsch unter sich ließen. Das Charlottendiirger Schiller- Theater. Der Direktor des Schiller-Theaters Berlin Dr. Löwenfeld beabsichtigt, das der Stadt- gemeinde Berlin gehörige, an der Mominse»-, Schlüter- und Niebuhr- jtraße, unmittelbar am Bahnhof Saviguy-Play in Charloltenburg belegene Grundstück zn erwerbe». Das Grundstück hat einen Flächeninhalt von ettva 8157 Ouadrattneter. Direktor Löwenfeld hat 13(1 M. pro Ouadrntineter, d. h. rund 1069 419 M. geboten. Der Magistrat hat vorbehaltlich der Zustimmung der Stadt- verordneten-Versammlniig das Angebot angenommen. Mit dem Bau des Theaters soll dann sofort begonnen werden. Die Front des Schiller-TheaterS soll sich an der Schlüterstraße erheben. Die Stadt- verordneten- Versammlung Ivird sich am nächste» Donnerstag mit diesem Verkauf beschäftigen. Zur Schwebcbahiisrage. Der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen zu Nürnberg, welche, wie bekannt, in Berlin eine Schwebebahn vom Gesundbrunnen nach Nixdorf bauen und betreiben will, ist jetzt, wie wir hören, der Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten mitgeteilt worden, nach welchem der AnS- fühning des Projektes am Stadtbahnhof„Alcxandcrplatz" und der Weiterführnng neben der Stadtbahn bis zur Dirckscn- und Schickler- straße nebst der Ueberführung der fiskalischen Geleisanlagen östlich der Jannowitzbrücke p r i n c i p i e l l e Hindernisse nicht im Wege stehe». Zugleich ist die Gesellschaft aufgefordert worden, die zur Ausarbeitung dieser Specialprojekte erforderlichen Unterlagen bei der königl. Eisenbahn-Direklion Berlin nachzusuchen. Zur Ausführung der von der städtischen Vcrkehrs-Deputation geforderten Probe- strecke hat sich die Gesellschaft bereit erklärt, auch lägt sie bereits unter Benutzung der ihr von der städtischen Bauverwaltung an die Hand gegebenen Pläne der Kanal- und Rohrleitungen in den Straßen die Spccial-Projekte für die übrigen Schwebebahnstrecken ausarbeiten. Urlaub an die städtischen Arbeiter. In der gestrigen außer- ordentlichen Magistratssitzung wurde beschlossen, die Erteilung des Urlaubs von acht Tagen an diejenigen städtischen Arbeiter der Gas- und Wasserwerke usw., welche fünf Jahre lang ununterbrochen im Dienste der Stadt beschäftigt gewesen sind, soll schon dann zulässig sein, wenn der Ablauf des fünften Dienstjahrcs in die bei der betr. städtischen Betriebsverwaltung übliche Urlaubsperiode fällt. In derselben Weise soll auch bei der Beurlaubung der städtischen Beamten verfahren werden, sotveit dieselbe von einer bestimmten Zahl zurück- gelegter Dicnstjahre abhängig ist. Die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn schreibt uns: Unter Bezugnahme auf die Besprechung der neuen Bedingungen für die Ausfertigung von Schülerkarten in Ihrer geehrten Zeitung vom 27. Februar d. I. teilen wir crgebenst mit. daß eine irrtümliche Auffassung in der Besprechung insofern zuni Ausdruck gekommen ist, als die abonnierten Schüler nicht nur die Wagen der belegten Linien, sondern im Zuge derselben nach wie vor die Wagen aller dort ver- lehrenden Linien benutzen können. Aus. den anfänglichen Mitteilungen der Straßenbahn- Direktion ging nicht hervor, daß die Benutzung aller Linien im Zuge der abonnierten statthast sei. Der angebliche Mörder der Luise Günther, der Vergolder DrewS, dessen Ankunft in Hamburg bereits mitgeteilt wurde, ist gestern vor- mittag in das Moabiter Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. In Hamburg wurde der der schweren Blutthat verdächtigte Mann an Bord dcS Kosmos- Dampfers„Hathor" von drei dortigen Krinunalbeamtc» in Empfang genommen und zunächst nach dem JustizgcfängniS gebracht. DrewS, der während der Fahrt von Valparaiso nach Hamburg in einer im Zwischendeck gelegenen festen Zelle interniert war, durfte sich mit Erlaubnis des Schiffskapitäns und unter entsprechender Aufsicht am Vormittag eine Stunde und am Nachmittag zwei Stunden lang frei auf Deck bewegen. Der Schiffsbesatzung gegenüber beteuerte er sortgesetzt seine Unschuld an dein ihm zur Last gelegten Verbrechen. DrewS hatte bis zum Juni vorigen Jahres in Jquique in Chile unter dem Namen„von der Heyde" ein Schuhwarengeschäft betrieben. Von Hamburg wurde er unter Bewachung von zwei Polizeibeamten nach Berlin gebracht. AlS Mittelpunkt des Berliner Weichbildes ist das Denkmal des Großen Kurfürsten auf der Kurfürsten-Brücke von der städtischen Baukommission ermittelt worden. Die Veranlassung zu dieser Er- mittelung war der Umstand, daß für die Beamten neue Grundsätze für die Entschädigung der Fahrkarten aufgefüllt werden sollten. Gegen früher hat sich dieser Mittelpunkt nur wenig verschoben, da bisher das Hauptportal des Rathauses in der Königstraße als „Centrum" galt. Zu dem Drama in der Elisabcthstraße wird eine überraschende Mitteilung gemacht. Die in Frage tominenden weiblichen Personen, die unter dem Namcit Alma und Amalie Eschrich angegeben wurden, haben einen falschen Namen erhalten. Die angebliche Eschrich-Mutter war unter diesem Namen jahrelang polizeilich gemeldet, heißt aber richtig Alma Kuackfuß. Ihre Mutter, die den Namen Eschrich an- fangs bestätigte, that dies, weil sie sich schämte, als Mutter und Großmutter der beiden vergifteten Personen genannt zu werden. Das vergiftete Kind war überhaupt nicht gemeldet und heißt natürlich auch Knackfuß. Wie die unverehelichte Älnra Knackfuß dazu kam, sich Eschrich zu nennen, will auch ihr Bruder, der gleichfalls in einem Hause der Friedrichstraße wohnt, nicht angeben können. Unter dem Verdacht, bei der Brandstiftung in der Friedenstraße Beihilfe geleistet zu haben, wurde der Nadler Max Trieb verhaftet. der bei dem Hauptthäter Hilbig beschäftigt wurde. Nach Lage der Sache mußte die umfangreiche Arbeit von mehreren Personen aus- geführt sein, und Trieb, der in der Thaerstraße wohnte, wurde zur Nachtzeit bei dem Brande gesehen. Er bestreitet dieses sowohl als auch seine Hilfeleistung. Zwar bdfand er sich abends zu Hause, seine Schlafwirtin hält es aber für möglich, daß er sich später ent- fernt haben könne, nachdem sie zur Ruhe gegangen war. Eine Revolvcraffaire verursachte gestern abend in der Schützen- straße große Aufregung. In dem Zehrfcldschen Restaurant in der Schützenstraße 33 ist vor einigen Tagen der Klavierspieler K. an- fiesiellt worden. Seit dieser Zeit verkehrte auch in dem Lokal der rüher mit K. befreundet gewesene Handlungsgehilfe V.. der aber jetzt mit ihm in Feindschaft lebte. B. verfolgte K. ständig und be- drohte ihn wiederholt. Am gestrigen Abend zeigte der Klavier- spieler dem Gastwirt Z. einen geladenen Revolver und äußerte sich dahin, er habe die Absicht, sich da-s Leben zu nehmen, weil er die fortgesetzte Verfolgung durch seinen ehemaligen Freund nicht mehr ertragcir könne. Herr Z. nahm K. die Waffe ab und entlud sie. Später gab er dein.Klavierspieler den Revolver zurück und dieser fand Gelegenheit, im Lause des Abends die Waffe wieder zu laden. Um 11 Uhr verließ B. das Lokal und wartete vor der Thür auf K. Kaum hatte dieser die Straße betreten, als sich sein Gegner auf ihn stürzte und mit seinein Schirm blindlings auf ihn einschlug. Nun zog der Klavierspieler den Revolver hervor und drückte die Waffe zweimal auf den ehemaligen Freund ab. Das erste Geschoß ging fehl, die zweite Kugel streifte B. am Kopf. Der Verwundete lief fort, während der Klavierspieler festgenominen und nach der Polizeiwache gebracht wurde. Prinz Prosper v. Arenbcrg, der Freitag, nacktem das frei- sprechende Urteil gefällt war, zunächst nach dem Polizeipräsidium gebracht wurde, ist von dort alsbald nach der Irrenanstalt Herzberge übergeführt worden. Ermordet und beraubt wurde allem Anschein nach ein unbc- kanntcr Mann, wahrscheinlich ein Handelsmann, dessen Leiche am 27. v. M. bei Rothenburg, Kreis Gelnhausen, gelandet wurde. Auf dem Schädel war eine Wunde vorhanden, die wahrscheinlich von einem Hammer herrührt. Bei der Leiche befand sich ein lederner, leerer Geldbeutel. Ausweispapiere fehlen. Der Staatsanwalt in Hanau hat die Berliner Kriminalpolizei ersucht, Ermittelungen in der Sache anzustellen. Personen, die irgend welche Angaben zur Sache machen können, werden gebeten, sich im Polizei-Präsidial- gebaude oder in einem Revierburean zu melden. Der Ermordete ,st 4V bis 50 Jahre alt, hat einen rotbraunen. Vollbartssund trug ein blaugestreiftes Hcmd. Ein Opfer proletarischen Familienlebens. Bei lebendigem Leibe ist am Freitag ein zweijähriges Mädchen infZehlendorf verbrannt. Ein bei dem Molkercibcsitzer Liedtke in der Heidestraße in Dienst stehender Schweizer war mit seiner Frau außerhalb der Wohnung beschäftigt. Die Eltem hatten ihre beiden zwei- und dreijährigen Töchterchen allein in der Stube zurückgelassen, wo das jüngste Kind dem bren- „enden Ofen zu nahe kam, so daß die Kleider sofort in Flanunen aufgingen. Als die Mutter ahnungslos in die Stube zurückkehrte, fand sie ihr Jüngstes am ganzen Körper verbrannt und nur noch schwache Lebenszeichen von sich gebend. Aerztlicke Hilfe war sofort zur Stelle, kam aber zu spät, dem, der Tod erlöste das arme Wesen von furchtbarsten Schmerzen. Das ältere Schwesterchen hatte sich während der Katastrophe ängstlich in eine Ecke gestellt und sich nicht von der Stelle geivagt. Bekanntlich wird die Familie von der Socialdemokratie zerstört und nicht durch die heutige Ordnung der Dinge, die das Weib an die Arbeitsstätte treibt und die Kinder allen Gefahren des Zufalls preisgiebt. Verhafteter Wcchsclfälscher. Der in der Kronprinzenstr. 1 zu Banlow-Schönhauseit wohnhafte„Generaldirektor" Buschbeck ist in seiner Wohnung verhaftet worden. B. hat sich schwere Wechsel- fälschungen zu Schulden kommen lassen. Die Erhebungen über die Höhe der von ihm widerrechtlich an sich gebrachten Gelder sind noch nicht abgeschlossen. Eine verwegene Bande junger Einbrecher wurde in drei Knaben im Alter von zwölf, dreizehn und vierzehn Jahren ergriffen. Vor einigen Tagen wurde ein tollkühner Einbruch in ein Herren- Konfektionsgeschäft, Landsbergerstr.-39, auf folgende Weise durch- geführt. Die„schweren Jungen" kletterten im Fahrstuhlschacht am Gestell in die Höhe, zertrüninierten eine Fensterscheibe und stiegen ein. Sie»lachten sich an den Geldschrank und hatten bereits soviel „Schule", daß ihnen das Werk mit Beitel und Stichsäge gelang. Der Inhalt des Schrankes sollte au diesem Tage um'1000 Mark vennehrt worden sein, das war aber durch Zufall unterblieben. Die Räuber mutzten sich daher mit einer weniger großen Summe be- gnttgen. Zwei Tage darauf wurde wiederum in das Geschäft ein- gebrochen, wobei Stoffe im Werte von 4900 M. abbanden kamen. Der Verdacht der Thäterschaft lenkte sich auf den 14jährigen Lauf- burschen Hermann Schulz, der die Angelegenheit mit den 1000 M. kannte, aber nicht wußte, daß das Geld nicht im Schrailk war. Er gestand im Verhör, daß er mit dem 13jährigen Wilhelm Brecht und dem 12jährigcn Gust-'v Wenncke den ersten Einbruch vollführt habe, bestreitet aber den zivciten. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Freitagabend 8 Uhr in der Maschinenfabrik der Allgemeinen Elektncitätsgesellschaft in der Brunnenstratze. Der am 14. Oktober 1890 zu Züllichau geborene Krahnsührer August Eschenborn aus der Kolouiestr. 36, der im genannten Betriebe beschäftigt ist. mußte, um einen Gang zu ver- richten, den Krahn verlassen. Er hatte eine steile Sprossenleiter, welche zu dein Krahn führt, zu benutzen, wobei er durch einen Fehl- tritt den Halt verlor und von einer Höhe von 9'/z Metern in die Tiefe stürzte, Eschenborn erlitt dadurch einen doppelten Beinbruch und schwere innere Verletzungen und mußte im besinnungslosen Zu- stände nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht werden. Die Hauptschuld an diesem tief bedauerlichen Unglücksfalle ist, wie uns der Verband der Handels- und Transportarbeiter mitteilt, darauf zurückzuführen, daß die zu den Krähnen führenden Leitern ungenügend sind, so daß es eigentlich ein Wunder ist, daß nicht schon mehr derartige Fälle vorgekommen sind. Fcuerbericht. Gestern abend gegen 6 Uhr wurde die Wehr nach der Friedrichstr. 212 gerufen. weil hier auf einem Hängeboden Betten und Kleidungsstücke in Flammen standen. Kartons und allerlei Gerüinpel waren vorher in der Leipzigerstr. 60/61 in einem Keller in Brand geraten. In der Hollmanustr. 7 hatte der 17. Lösch- zug ein Feuer zu beseitigen, das den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Ein Schornsteinbrand mußte nachmittags in der Reichenbergerstr. 132 beobachtet werden. Gegen 11 Uhr war in der Müllerstr. 7 in einem Bäckerkeller Feuer entstanden, daS indes von der vierten Compagnie bald unterdrückt werden konnte. Die übrigen Alarmierungen, die in den letzten 24 Stunden die Wehr nach der Stendalerstr. 13, Andreasstr. 63, Fischcrstr. 7 und noch nach verschiedenen andern Orten führte, waren auf ganz unbedeutende Anlässe zurückzuführen. Ein großes Löschaufgebot wurde gestern abend kurz nach 9 Uhr nach der Kurstr. 38, Ecke der Alten Leipzigerstratze, gerufen. Hier war auf nicht ermittelte Weise in der im zweiten Stock belegenen Damen- mäntel-Fabrik von Julius Hirsch Feuer ausgekommen, das erst be- merkt wurde, als dichter Rauch durch die Fenster drang. Brandl inspektor Nohnstock ließ sofort eine große mechanische Leiter errichten und durch Einschlagen der Fenster dem erstickenden Rauch Abzug schaffen. Zugleich drangen Sappenre unter Benutzung von Rauch- apparaten über die Treppen gegen den Brandherd vor. Es brannten Stellagen. Tuche, fertige Mäntel k. Innerhalb einer halben Stunde war die Gefahr durch eine Gasspritze beseitigt, doch nahm die Auf- räumung noch lange in Anspruch. Die Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft zur Be- kämpfnug der Geschlechtskrankhcitc», welche am heutigen Sonntag um 11 Uhr im Bürgersaale des Berliner Rathauses stattfinden lvird, verspricht sehr bewegt zu werden. Von feiten der abolitionistischen Föderation ebenso wie von feiten der deutschen Sittlichkeitsvercine ist ein Protest gegen den Wortlaut des von der Gesellschaft heraus- gegebenen und jetzt schon in vielen Hunderttausenden von Exemplaren verbreiteten Merkblattes eingelaufen, usw. wegen eines auf die Schutzmittel gegen die venerischen Krankheiten bezüglichen Passus, welcher angeblich demoralisierend auf die Jugend wirken und Reklame für den Verkehr mit Prostituierten machen soll. Die Diskussion, von deren Verlaus eS abhängen wird, ob die Gesellschaft sich in Zukunft ungestört ihren hygienischen Aufgaben widmen oder den Be- strcbungen einer falschen Sittlichkeit und Prüderie Platz machen wird, beansprucht das Interesse der weitesten Kreise. Die Ausstellung dekorativer Kunststickereien im Lettehause am Victoria Luife-Platz wird am nächsten Sonntag geschlossen. Sie ist mit Ausnahme des Mittwochs wochentäglich von 10 bis 8 Uhr, am heutigen Sonntag hingegen von 12 bis 8 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet._____ Hu5 äen NacbbarorUn. Steglitz. Einen Gimpelfang im großen unter der Regie des Grundbesitzer- Vereins plant das gesamte Bürgertum bei der diesmaligen Gemeindewahl, um der Arbeiterschaft den Weg nach dem Rathause zu versperren. Wie in der Versammlung des Konimunalverems ausgeplaudert wurde, ist der Kuhhandel langerhand vorbereitet ivorden. Schon längst waren der sogenannten Opposition im Rathanse durch geheime Abmachungen die Hände gebunden, und so manche für den Uneingeweihten unbegreifliche'>2tellung dieser Herren wird jetzt erklärlich aus der Ab- ficht heraus,„keine unnütze Schärfe in den Wahlkampf zu tragen", wie man sich diplomatisch ausdrückt, ins Deutsche über- setzt: um den Lauernfang bei der Wahl nicht zu stören und sich selbst die Wiederwahl zu sichern. So erleben wir denn jetzt das Schauspiel, daß die Kandidaten deS HauSbesitzer- vereins nicht von ihm selbst aufgestellt werden, sondern von dem zu diesem löblichen Zweck gegründeten„Kommnnalvcrein" in Gemein- schaft mit dem„OrtSvercin" und dem„Verein für den Südender Ortstcil", während der eigentliche Macher, der HauSbesitzerverein, nur die Un erstützung jener Kandidaten empfiehlt. Daß der Mieter- verein selbständig in die Wahl eintritt, ist lediglich der„zu großen Bescheidenheit" bei Verteilung der Kandidaten zu verdanken, nicht etwa principiellen Erwägungen. Um jedoch auch sein Teil zur Irre- führung der Wähler beizutragen, empfiehlt der M i c t e r v e r e i n, der ja in jeder Nummer seines Organs einige Hausbesitzer mit Haut und Haaren verspeist, seinen Wählern ebenfalls ein Mitglied des H a u s b e s i tz e r- B e r e i n s als geeigneten Mann, die Interessen der Mieter im Gemeindeparlament zu vertreten. Die Teilnahme des MictervercinS an den Beratungen zur Jnscenierung des Bauern- fangcs zeigt deutlich, welche Ziele dieser Verein verfolgt, dürste aber auch vielen Wählern klar machen, wohin die Reise geht. Lediglich deshalb, weil der Beuteanteil zu gering war, ging der Kompromiß mit dem Grundbefitzer-Vcrein in die Brüche. Die Kommunalpolitik des Mietervereins ist nicht einmal mehr nationalliberal, sie ist— jesuitisch. Parteigenossen! Ihr seht, mit welchen Gegnern wir zu kämpfen haben: es gilt die eine reaktionäre Masse zu beseitigen I Darum fehle keiner bei der am Montag, den 7. März, stattfindenden Wahl, um unsren Genossen, Schneidermeister Fritz H a m b u r g und Lagerhalter Wilhelm Kutscher, zum Siege zu verhelfen. Benutzt den heutigen Sonntag noch zur Agitation und erscheint zahlreich in der nachmittags 2 Uhr im„Birken- w ä l d ch e n" stattfindenden ö f k e n t l i ch e n V e r s a mm l u n g, in welcher Stadtverordneter A n t r i ck- Berlin referiert. Lichtenberg. Zur Erbauung eines ElektricitätSwerkes hat die Gemeindevertretung die Mittel in der Höhe von 500000 Mark bc- willigt. Der Ankauf von Grundstücken zur Erweiterung dcS Gas- Werkes und zur Erbauung des ElektricitätsivcrkeS rief lvieder den üblichen Familienstreit hervor, denn die Besitzenden wetteifern bei solchen Gelegenheiten immer mit einander in der Bethätigmig ihres GemeinsinneS. Während der eine für ein sonst wert« loses Sandloch 100 Mark verlangt, kommt der Nachbar der „Gemeinde entgegen", da es noch teurer werden könnte, und ver« langt 275 Mark für die Ouadratrute. Der Gemeindevorstand soll mit den„selbstlosen Förderen: des Gemeindewohls" verhandeln. Die Uebernahme der Landsberger Chaussee innerhalb der Weichbild« grenze des OrteS in Gemeinde-Unterhaltungspflicht schlägt der Ge» nieindevorstand mit Zustimmung des Kreisausschusses vor. Bei der Abstimmung stimmten unsre Genossen für den Antrag. Wenn hier die Ablehnung des Antrages durch den Gemeindevorsteher verkündet wurde, so scheint dem ein Irrtum zu Grunde zu liegen. Zwölf Gcmeindeverordnete und drei Vorstandsmitglieder für den An- trag bei 29 Anlvesenden ergiebt die Annahme des Antrages. Hierauf wurde die Aufnahme einer Anleihe von 2 400 000 M., bestimmt zur Ablösung älterer Schulden, zu Schulzwecken und andren öffent- lichen Bauten, beschlossen. In uuserm Bericht über die Gemcindewahl in Neuendorf hat sich insoweit ein Fehler eingeschlichen, als die Wahlhandlung in der Zeit von 10 bis 2 Uhr und nicht wie wir falsch informiert mitteilten, von 2—5 Uhr vor sich ging. Um so verurteilenswerter ist daher die Nachlässigkeit der Arbeiterschaft am Orte. Johannisthal. In der Bekämpfung der Konsumenten- Organi- sationen hat ohne Zweifel der hiesige Verein der selbständigen Handel- und Gewerbctteibenden den Vogel abgeschossen. Der etwa ein Dutzend Mitglieder zählende Verein hat nämlich gegen den Lagerhalter der hier befindlichen Verkaufsstelle X der Spar- und Produktivgenossenschaft Berlin-Rixdorf Strasantrag wegen unlauteren Wettbewerbs gestellt. Begründet wird der Strafantrag mit der Be« Häuptling, daß der Lagerhalter Mann an die Mitglieder eines andern Vereins, des Rabatt-Sparvereins Süd-Ost, Waren verkauft habe, dies aber nicht zulässig sei. Hierdurch sei der Umsatz in der Verkaufsstelle ganz bedeutend gestiegen und die andern Handelsleute im Dorfe seien schwer geschädigt worden. AuS diesem Grunde beantragen die Unterzeichner der Denunziation, der Schuhmachermeister Mark« g r a' und der Grünkramhändler B a u s e m e r, die Besttafung des Lagerhalters. Die guten Leutchen haben dabei übersehen, daß der genar.te Verein bereits seit dem 1. Juli eine vom Amtsgericht genehmigte andre Rechtsform besitzt. Der Einwohnerschaft von Johannisthal und überhaupt den Konsumenten erwächst aus dem Vorgehen der beiden genannten Geschäftsleute die Pflicht, noch mehr wie bisher durch Zuführung neuer Mitglieder die bestehenden Konsumenten-Organisationen zu unterstützen. Obcr-Schöncwcide. Montagabend 8 Uhr findet bei Töpfer, Siemensstr. 5, eine öffentliche Versammlung statt. Referentin: Genossin Steinbach. Thema:„Unsre Waffen im polittschcn Bi.» freiungskampfe."_ Vermilcktes. Ueber die Explosion eines Gasometers wird aus Neumünster sSchleswig-Holstein) berichtet: Sonnabendvormittag explodierte auf dem Güterbahnhof ein zur Bereitung von Fettgasen dienender Gaso« meter unter lautem Getöse. Der schwere Deckel des Gasometers lvurde etwa 300 Meter weit fortgeschleudert und zerstörte dabei ein Bahnwärtcrhaus und zahlreiche Telegraphenleitungen. Drei Personen erlitten erhebliche Verletzungen. Ein preußischer Polizist. Ueber einen Uebcrfall, dessen nähere Umstände besonders auffälliger Art sind, erhält die„Königsb. Hart. Ztg." von einem Leser folgende Zuschrift:„In der Nacht von Mon« tag zu Dienstag dieser Woche zwischen 1 und 2 Uhr ging ein Pro- feffor unsrer Universitär mit seiner Frau von einer Gesellschaft auf der Königstraße in der Richtung zum Roßgärter Markt nach Hause. In der Gegend der Lobeckstraße blieb der Herr einige Schritte zurück, um an seiner Kleidung etwas in Ordnung zu bringen. Da trat ein in derselben Richtung gehendes männliches Individuum an die einige Schritte allein vorangehende Dame heran und belästigte sie. Der Herr war in der nächsten Sekunde neben seiner Dame und wehrte das Individuum ruhig mit den Worten ab: „Lassen Sie die Dame in Ruhe." Darüber war der letztere sehr aufgebracht, und nachdem er zunächst einige Schritte sich entfernt, kommt er den vorausgehenden Herrschaften von hinten nach und versetzt mit einem dicken und schweren Stock dem Herrn, dem dabei der Hut vom Kopfe fiel, mehrere tvuchttge Schläge über den Kopf, so daß das Blut strömte. Auch die Dame erhielt, da sie dazwischen- treten wollte, um ihren Gatten zu schützen, einen Schlag über den Arm. Der Spazicrstock deS Professors zersplitterte bei der Abwehr alsbald. Infolge des Geschreies kamen auch schließlich zwei Schutzleute herbei, in deren Begleitung sich die drei Be- teiligten nach der Polizeiwache am Königsthor begaben. Dort gab der Thäter einen Namen an, der sogleich als unrichtig fest- gestellt wurde. Was weiter seitens der Polizei geschah, entzog sich der Wahrnehmung der beiden aufs höchste bestürzten Herrschaften, da dieselben entlassen wurden. Die Kopfschläge waren so erheblich, daß der Herr ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte und den Kopf längere Zeit in einer Binde tragen mußte. Am nächsten Morgen erscheint in der Wohnung deS Professors ein Schutzmann in Uniform und stellt sich, Abbitte leistend— als der Thäter von der Nacht her vor, der damals in Zivilkleidung gewesen sei. Auf Veranlassung des Verletzten ist der Schutzmann seines Amtes, das er angeblich zunächst nur versuchsweise bekleidet haben soll, ent» hoben worden. Hoffentlich wird seitens deS hiesigen Polizeipräsidiums ohne Zögem auch strafrechtlich gegen die betreffende Person vorgegangen und nicht etwa die Verfolgung dem Verletzten persönlich überlassen werden, wie eS den Anschein hat." Unschuldig verhaftet. Der OberschreiberSmaat Käding von der Lstseestation in Kiel wurde, wie wir seiner Zeit mitteilten, unter dem Verdachte, seine Hauswirttn, die Ehefrau Schünemann, ermordet zu haben, verhaftet. Nunmehr, nach fünf Wochen, ist Käding frei» gelassen worden, da die Verdachtsmomente unbegründet find. Erdbede» in Lima. Am Freitagmorgen wurde Lima, die Haupt- stadt von Peru, von einem hefttgen Erdbeben heimgesucht. An den Gebäuden wurde großer Schaden angerichtet. Viele Mauern und Balkons sind eingestürzt. Die Standbilder der Stadt wurden gänzlich zertrümmert. Der rechte Turm der Kathedrale erhielt einen Riß. Nicht ein einziges Fenster in der Stadt ist ganz geblieben. Menschen- Verluste sind jedoch nicht zu beklagen. Die Erschütterung dauerte 50 Sekunden und war die ärgste seit 30 Jahren. ßmfhaften der Redaktion. Otto Witte. Derartig« Fälle von Uebervorteilung oder Schwindel ereignen sich so häufig, daß wir von einzelnen Fällen nur dann Kenntnis nehmen können, wenn Sie von allgemeinem Interesse sind. Jurittifchtr Ceti. Die siiristischc Tprechstiiiide findet täalich mit ZliiSnahmc de? Sonnabends von 7'la dis 0'/, Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. E. S. 390, 20 jähriger Abonnent Linienstraste. Ja.— M. B. 24. Ein deutscher ReichSangehöriger kann nicht aus Deutschland ausgewiesen werden. In dem von Ihnen gemeinten Fall lag lein Ausweisungsbefehl vor. Der Bctrcfiendc war ins Ausland geflohen, um sich einer strasrechtlichen Untersuchung zu entziehen. Daraufhin wurde er aus Antrag der deutschen Behörde aus Grund des AuslieserungsvertrageS ausgeliescrt. Hier wurde dann gegen ihn prozessiert. Es durste aber nur wegen der Sttasthat— nach dem AuSIicscrungsvcrttag— prozessiert werden, derentwegen er ausgeliefert war, und ihm eine Frist gestellt werden, bis zu deren Abläus die Nichtverfolgung gültig war, salls er sich in Deutsch. land aushielte. Um wegen der andren Sttasthat nicht angeklagt zu werden, verließ der Betreffende dann vor Ablauf dieser Frist Deutschland. — W. B. 400. Ist Ihre Frau volljährig, so ist sie an den Inhalt des von ihr unterschriebenen Schriftstücks gebunden. Unendlich oft haben wir vor der Unterschrift von Schriftstücken gewarnt, über deren Trag» weite man sich nicht genau vergewissert hat.— M S. 1100. Nein. — Robert. Die vom Vormund erfolgte Regelung ist eine sachgemäße. Sie sind berechtigt, eine andre Regelung beim VormunbschaitSgericht zu beantragen.— Lcmpe. Der Mictsvcrtrag ist vor Abiaus der Mietssrist nur mit Einwilligung dcS Wirtes auszuheben.— W. M. 27. Sie müsse« zahlen. Die MietSstempelgehuhr wird nach dem Kalenderjahr berechnet. Wechseln Sie innerhalb eines Jahres die Wohnung, so ist wiederholt zu zahlen.— Union 210. Ohne Einsicht in den Mictsvertrag ist eine Frage, die sich aus diesen bezieht, nicht zu beantworten.— L. 2. Nach allerdings sür die Mark bestrittener'Ansicht ist in jedem Falle die Taube anzumelden beziehentlich zurückzugeben.— K. F. 18. 1. Ein solches Buch existiert zur Zeit noch nicht; es soll in Vorbereitung sein. 2. Der Wirt hat im Februar den Stempel zu zahlen. Ob der Mieter pränumerando oder postnumerando zahlt, hängt von der Vereinbarung iin Vertrüge ab. Eingegangene Druckrcbriftcn. Albrecht Rau. Bibel und Offenbarung. auf Friedrich Delitzschs Vorträge: Babel und Bibel. Preis 1 M. umgearbeitete des Fremd cn- Mit besonderer Bezugnahme W Verlag C. A7 Walter in Delitzsch. Dr. Max Apel. Kritische Anmerkungen zu Haeckels.Welträtsel". Ein Kommentar sür nachdenkende Leser. Dritte Auslage. Preis 0,20. Verlag Konrad Skopnik, Berlin, XXV. 7. Jena als� Universität n»d Stadt. Zweite teilweise Auslage. 64 Seiten. Verlag des Vereins zur Förderung Verkehrs. Jena. Friedrich Delitzsch. Babel und Bibel, ein Rückblick und Ausblick. Geh. 1,— M.. geb. 1,5» M. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. Verein für Volksbildung zu Dresden. Bericht über die Tätigkeit des Vereins im XXIV. Vereinsjahr 1203. 11 Seiten. Druck von Kaden u. Co., Dresden. General Brialmont. Zur Bevölkerungszunahme und deren Folgen sür die Zukunst. Rede, gehalten am 16. Dezember 1896. 24 Seiten. Ver- lag der Buchhandlung des Schweizerischen Grütlivercins, Zürich, 1904. KriegSkarte von Teutsch-Tüdwest-Asrika. Blatt Rehobot und Otavi nebst Uebersichtsblatt des gesamten Schutzgebiets. Verlag Dietrich Reimer(Ernst Vossen), Berlin, Wilhelmstr. 29, I. Jeder sein eigner Kräuterarzt: Anleitung, für jede Krankheit einen passenden hcilkrästigen Thee zusammenzustellen. Nach Dr. med. Paczkowsli (0,25). Das Büchlein enthält in alphabetischer Folge die gebräuchlichsten Heilkräuter. Max Heinrich Krause. Das rote Königreich. Mit einem offenen Briese an Herrn v. Metzsch. 113 Seiten. Verlag Rudols Gerstäcker(In- haber: Rich. Vogel), Leipzig. Dr. Max Präger. Die Mittcl'tandsfrage. 56 Seiten. Verlag Leonhard Simeon Nächst., Berlin, Wilhelmstr. 121. Zur Drassiernng der Dogo-Kisenbah» Lomo-Palime. Vom Kolonial-Wirtschastlichcn Komitee, Berlin XXV., Unter den Linden 40. 8»Smi AblicdSnanda. Existiert die Seele nach dem Tode?— Göttliche Genieinlchast. Preis a 60 Ps. Leipzig und Fresilsurt a. M., Jägersche Verlagsbuchhandlung. Protokoll des XI. Verbandstagcs der Zlrbciter-Kranken- und Unter» slütznngskasscn Lestrcichs, abgeh. am 5. und 6. Sevteinber in Graz. 125 Seiten. Wien 1903. Veriagsnnstalt„Vorwärts", Frisch u. Co. Bericht des Verbandes der Kranken- und Unterstützungskassen Oest- rcichs sür 1902. 40 Seiten. Wien 1903.„Vorwärts", Swoboda u. Co. Friedrich Naumann. 1. Die wirtschaftlichen und politischen Folgen der BevöUerungs-Vcrmchrung. 2. Die Politik Kaiser Wilhelm II. 3. Die Frau im Maschincnzcitalter. 4. LiberaliSnins, Centrum und Socialdcmokratie. Preis brosch. je 25 Pf. München 1904, Frcistatt-Verlag, Olimstr. 7. Ans einer grasten Garnison von General von*,* 256 Seiten. London 1904. Komniisiions-Verlag Cäsar Schmidt. Zürich. GeschäftSbcrich, der Arbeitervcrtretuug der Fabrik von Heinrich Freefe in Berlin sür das Jahr 1903. 15 Seiten. Berlin SO. Iß. VcritaS.„Wie schützt sich der Kapitalist vor Verlusten an der Börse?" Zweite Auslage. 108 Seiten. Deutsche Verlagsanstalt.Patria", Lothringer- straste 59. Artnro Labriola. Kiforrae e Rivoluzione sociale. Prezzo: L. 2.50. Milano 1904. Societä Editoriale Milanese, Via S. Andrea, 8. Otto Bütow. Sie Weltordnung III. Band: Die Antwort auf die sociale Frage. Preis 4,— M. Braunschweig 1903. Verlag E. u. O. Bütow._ Marktpreise von Berlin am 4. März 1904 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. �Weizen, gut D.-Ctr. mittel gering »Roggen, gut mittel gering j-Gcrste, gut mittel gering fHafer, gut mittel . gering Richtstroh Heu Erbsen Spcisebohncn Linsen » ab Bahn. f frei Wagen und ab Bah». Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 KZ do. Bauch. Schweinefleisch, Kalbfleisch, Hammelfleisch Butter Eier 60 Stück Karpfen 1 Kg Aale Zander, Hechte» Barsche. Schleie Bleie Krebse per Schock 7,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,80 5,00 2,40 3,00 2,80 2,20 1,80 3,00 1,40 15,00 6.00 1,20 1.10 1,00 1,20 1,20 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 ä für die nächste Nummer muffen bis 3 Mxr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Größere Inserate bitten wir vorher anzumelden und bis 4 Uhr nachmittags einzusenden. � Erpedition. Heute vormittag verstarb nach| längerem Leiden unsre brave Mit- arbeiterin Beriha Schultze im Alter von 23 Jahren. Wir werden derselben ein treues Andenken bewahren. DaS Personal der Buchdruckerei Paul Singer& Co. Allen Verwandten. Freunden und Bekannten die traurige I Mitteilung, dag mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder und Schwager, der Zigarren- sabrikant Carl Schindler am 2. d. Mts. nach langem Leiden sanst entschlasen ist. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen, Familie Schindler. Die Beerdigung findet am Sonn-. tag, den 6. März, nachmittags| 4 Uhr, von der Halle des Emmaus- Kirchhoses aus statt. Beutsever Boliardeiter-Verbavi!. Dedes-.A.n�eige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dast der. Kollege» Fräser buömg Betiica am 4. März plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 7. März, nachmittags 3 Uhr von der Leichenhalle des Pius-Kirchhoses in Wilhelmsberg- tzohen-Schönhausen ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 80/3 Die Ortsvorwaltung. Am Donnerstag früh 61/.. Uhr I verstarb nach kurzen, schilleren I Leiden unser Kollege I�eo Krüger im Alter von 40 Jahren an der Lungenschwindsucht. 2398b Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. März, nachm. 2fl, Uhr, vom Traucrhause, Weidenweg 50, aus nach dem katholischen Kirchhose in Weist«!- jce statt. Die Kotlegen der Werkstatt von R. ii. A. Roller. Centralvertanil der Handels-, Transport- u. Verkehrsarbeiter Deutseiilands. Verwaltungsstelle Charlottenburg. Am 2. März verstarb unser langjähriges Mitglied Vilbelm Broker. Ehre seinem Andenken!_ Die Berdigung findet am Sonn- tag. den 6. März, nachmitags 4 Uhr, vom Sterbchause, Hirten- straste 34, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 67/11 Die Ortsverwaltung. totieD beschäftigt lim Berlins und Umgegend. Am Donnerstag, den 3. März, verstarb an der Proletarierkrank. heit unser Kollege l-eo Schmidt. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet heute, Sonntagnachmiltag 2'/, Uhr, vom Trauerhause Wcidcnwcg 50 aus nach dem Katholischen Kirchhos in Weistensce statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 75/6 ver Verstand. �r.Schimemann Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleideu, Seydclstr. O. �»«-'/,S.'/.«-'/Ä«Somit. 9-11 Allgemeine Sterbekaffe für Männer u. Frauen zu Berlin und Vororte. Sonntag, den 13. März 1904, vormittags 10 Uhr, im Restaurant N o a ck s Festsale, Brunnenstraste 16: Qsdenii. Generai-Vorsaninilung Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes über das abgelaufene Geschäftsjahr. 2. Bericht der Revisoren. 3. Wahl von drei Vorstandsmitgliedern und drei Revisoren. 4. Antrag«Voigt und Genossen" bc- treffend: a) das Kassenlokal auszuheben; b) dem ständigen Rendantcn zu kündigen: o) die Kassierer sind ebenfalls zu kündigen und haben die Mtgliedcr selbst die Beiträge an geeigneten Zahlstellen an die Vorstandsmitglieder zu zahlen und sind dieselben in den neu anzuschaffenden Ouit- tungsbüchern durch Stempel zu quittieren. 2284b 5. Verschiedenes. Der Vorstand. KaHWUizer, Alexaoderstr. 21b I. Scbooeiiilsie Bebaödlig. TeüzabluD'j gestattet. Empfehle den G. noffcn meine Krani- nnd Klumekbindkrei Ipecicll Vere inshrünse 2162b' E. Ek el, Ackerstr. 35. Achtung, Urmne! F. Seholz's Festsäle mit Garton u. gr. Thaaterbühne 74 Gr. Frankfurterstr. 74 empfiehlt sich d. Vereinen zu Sommer- festen, Thcater-Vorslcll. u. andr. Ver- gnügungen. Vcrsch. Sonnabende frei. Sonntag: Gr. Ball. Ansang 4 Uhr. vmigsfe rBmgsquelle aller Art" �Musiklnstnun. n. Saiten. gl T gb] üdP; Lederen& Kreinbergj lUrkneoklrchen IS. 58. ,4bie Instr. s. nirkl. preiiw. n. Jederm. za empfehlen." Chr Parussel Mua-Direct. ►UNVERGLEICHLICH t füllkraflig und haltbar sind leilSTÄVjsJJSTIG3 echt chinesische M AH 0 A RHI-_ . lil'ltlilchMlli'lil qcsctzl. geschil«»aSPld. vt.L.vö. Daunen, wie alle inländilche» qarantirt neu, Z-4 Pfd.zu grobem Oberbett ausreichend. Viele An- erkennungen. Verpackg. umsonst. Versand nur allein von der erste» vettfedernsabritm.eleltr.vetrieb. ieiimvuis7ik.akiil.iii s.pnne��dis'rn.�s. Zum Aussuchen! lOQSci* 1003er jlübner jetzt slcistig legend, empfehle in kern- gesunder, prachtvollster Ware: Brut- puten, Bruteier hochcdler Rassen reell und billig. F. tziVetruer, Berlin, Mariannenstr. 34, 77/20 Elegante Neuheiten— grösste Auswahl Jacken und Biusen-Costüme in neueren Sloffen 12, 15 Mk. busstreies ameiiK. Jackenkleid, leizie Neuheit 15, 20 Mk. Trauerkleider in eleganter Ausführung_. 18, 20, 25 Mk. 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Hebet„Geschichtsauffassungen" referierte Herr Dr. Conrad Schmidt Montag, den 29. Februar, im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse.— Im Altertum, so etwa führte der Vortragende aus. kannte die Geschichtsschreibung— obwohl auch damals schon scharfe Klassengegensätze und Klassenkämpfe vorhandelt waren— nur rein politische Gesichtspunkte. Von einer ei'.cheitlichen Geschichtsauffassung sinder sich noch keine Spur. Eine solche bereitet sich eigentlich erst vor im 17. und 18. Jahrhundert, als auch die Philosophie gegenüber der streng religiösen Wcltbctrachtung des Mittelalters einen selbständigen Charakter gewinnt. Das Zeitalter der Aufklärung zeitigt eine völlig neue Staatsidce. Die Volks- Wirtschaft jener Zeit betrachtet— im Gegensatz zu der rein feudalen Auffassung— die Staatsordnung als hervorgegangen aus einer Art freien Vertragsrcchtes zwischen den einzelnen Gesellschaftsklassen, eine Auffassung, die die Idee des Vernunftstaates erzeugt, einer Gesellschaftsordnung, die nach reinen Vernunfrgründen aufgebaut sein müsse. Der Gedanke der Menschenrechte tritt in den Vorder- grund. Man fängt an, die Kulturgeschichte der Menschheit nach ollen Richtungen hin zu studieren. Sitten und Rcgierungsformen zu untersuchen. Zum erstenmal wird die Darstellung der Geschichte von dem Problem beherrscht, ob es eine fortschreitende Aufwärts- entwicklung der Menschheit gebe. Rousseau beantwortet diese Frage dahin, day zwar die menschliche Kultur fortdauernd an Kam- vlizierthcit gewinne, ohne das; dadurch indessen die Summe des mensch- lichen Glückes eine grössere geworden sei. Condorcet, einer der tiefsten Denker der Revolutionszeit, hat in seiner„Skizze eines historischen Gemäldes des menschlichen Fortschrittes", die er nieder- schrieb, während er sich ein Jahr lang vor seinen Feinden verborgen hielt, in grossartigen Zügen den Gang der Menschheitsentwicklung in der Geschichte skizziert. Er unterscheidet darin neun Stadien des Fortschrittes. Auch er glaubt nicht an eine allgemeine Erhöhung des menschlichen Glückes im Laufe der Kulturentwicklung t aber mit dem intellektuellen Aufstieg zugleich schreitet nach ihm die Menschheit zur Freiheit vor. Condorcet betont zum erstenmal, dass Wert und Unwert aller Kulturentwicklung gemessen werden müsse an ihrer Wirkuirg auf die Masse der Menschheit. Dennoch bleibt diese sociale Betrachtungsweise auch bei ihm völlig unfruchtbar, weil er nicht ausgeht von der Anschauung des wirklichen, realen Daseins dieser Massen, von dem Studium ihrer Lebensbedingungen. So vermag auch er keinen andern Weg zu seinem Zukiiiiftsidcal grösserer Gleichheit aller Klassen der Gesellschaft zu weisen, als allgemein idealistische Ideen, wie Verbesserung der allgemeinen Bildung und ähnliches. Sehr verwandte Anschauungen wie in Frankreich Condorcet, der- tritt in Deutschlaitd Herder in seinen berühmten:„Ideen zur Ge- schichte der Menschheit". Aeusserst fruchtbare Gedanken in Bezug auf den Tang der Kulturbelvegung entwickelt Kernt in einem längeren Aufsatz, in dem er daS Problem durch die Frage vertieft: Was nennen wir überhaupt geschichtliche Entwicklung der Menschheit? Welchem Ziel strebt dieselbe zu? Und er beantwortet diese Frage dahin: dass die Natur, die den Menschen mit den verschiedensten und reichsten Anlagen ausgestattet habe, eben dadurch auf die allmähliche Ver- wirklichung eines Kulturzustandes hinweisen müsse, in dem die Ge- samheit aller dieser Anlagen zu freiester und reichster Bethätigung gelangen könne. Die Entwicklung zu einem solchen Zustand hin sei eine unbewusstc. Sie setze sich durch in der Form immer erneuter Jntercssenkämpfe der Menschen, in denen schliesslich stets da§ Lebens- fähigere siege, so dass die Menschheit dadurch zu immer höherem Aufstieg fortschreite. Aber auch Kant erschien eine freie, bürgerliche Verfassung noch als der höchste Ausdruck seines Zukunftgedankcns. Die Zeil nach der französiscken Revolution, die herbe Enttäuschung, die alle die empfinden mutzten, die von der Verwirklichung des lm'ge sehnsüchtig erträumten Versassungs-, des rein politischen Ideals, das Glück der Menschheit erhofft hatten, legte endlich der Geschichtsphilosophie den Gedanken nahe, dass die poilitischön Verhältnisse an sich das Gleich- gültigere für den wirklichen Äulturzustand der Menschheit darstellten, dieser vielmehr auf dem socialen Aufbau, den ökonomischen Lebensbedingungen der Massen ruhe. Die Historiker der Revolution erfasstcn zuerst diesen Gedanken, die grossen Utopisten St. Simon, Fourier und Owen machten ihn zur Grundlage ihrer Zukunftsutopicn und sie bauten damit jener gewaltigen, modernen Geschichiöthcorie vor, die mit den Namen Marx und Engels verbunden ist und sich eng mit der socialtstischcn Lehre verknüpft hat: der materialistischen oder ökonomischen Geschichts- auffassung. Diese Auffassung sieht in den wechselnden Produktions- bcdingungen der Menschen, in der ökonomischen Lage der einzelnen Gesellschaftsklassen die eigentliche und tiefste Grundlage des gesamten gesellschaftlichen Daseins der Menschheit, eine Grundlage, auf der sich alles andre, politische wie geistig-sittliche Ideen erst eigentlich erheben. Der Fortschritt der Produktionsbcdingungen, der ökono- mischen Kräfte gebt nach bestimmten Gesetzen vor sich, die z. B. in unsrer modernen Produktion notwendig zur immer stärkeren Ein- engung der Privatwirtschaft und zum. Aufbau einet socialistischen Wirtschaftsweise führen müssen. Mit dieser Auffassung war die Be- trachtung des ökonomischen Lebens der Menschheit, der Daseins- bedingungcn der M a s s e n zum Ausgangspunkt aller geschichtlichen Erkenntnis geworden. Der Gedanke Condorcets, bei ihm noch völlig haltlos, wird für die Geschichtsforschung zur bestimmenden Idee. Endlich decken sich auch die Folgerungen der materialistischen Ge- schichtstheorie mit Kants kühner Zukunfishypothesc; beide weisen auf einen Gcsellschaftszustand, der den Anlagen und Kräften jedes ein- zelnen die reichsten Entfaltungsmöglichkelteir sichert. Den hochinteressanten Ausführungen des Redners folgten die Anwesenden mit gespannter Aufmerksamkeit. Auf die Anfrage des Herrn Oppeln-Bronikowski, wie die materialistische Gescllschafts- auffassung einzelne Thatsachen, wie den Sieg Deutschlands im Krieg von 1879, die Weltcroberung Napoleons usw. erklären wolle, ant- wortete Herr Dr. Schmidt nochmals eingehend. Er betonte, dass auch diese Geschichstheorie durchaus nicht ctlva sämtliche historischen Thatsachen zu deuten vermag, sondern nur die Grundlage zu einem weiteren Ausbau biete und dass es sehr wahrscheinlich der Zukunft vorbehalten sei, eine andre Formulierung der Theorie zu finden, die klarer als die jetzt vorhandenen ihre Gültigkcitsgrcnzen zum Aus- druck bringe. Der nächste Vortrag findet am Montag, den 14. März, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 29, statt. Herr Dr. Osborn spricht über:„Constantin Meunier, ein Maler und Bildhauer der Arbeiter- weit." Friedenau. In der Vereinsvcrsammlung des Frauen-Bildungs- Vereins für Stegich und Umgegend referierte am Donnerstag m Friedenau Frau Dr. Zcppler über„Sociale Dichtungen". Zum Vortrag gelangten Gedichte von Ada Negri, Seidel, Turgenjeff. und Heine.— Es wurde beschlossen, die Versammlungen für Friedenau vom April ah nicht mehr Donnerstag, sondern Dienstag nach dem Ersten jeden Monats stattfinden zu lassen. Ferner wurde bekannt gemacht, dass die Mitglieder des Vereins Bücher zum Lesen von Ende nächster Woche an erhalten können. Die Zulassung der Frauen zur Advokatur. Am Freitag hat das italienische Parlament mit grosser Mehr-- hcit den Gesetzentwurf S o c c i über die Zulassung der Frauen zur Rechtsanwalts-Laufbahn angenommen. Das Gesetz besteht aus einem Paragraphen mit folgendem Wortlaut:„Zur Ausübung des Berufes des Rechtsanwaltes, der durch die Gesetzesbestimmungen vom 8. Juni 1874 geregelt ist, sind auch die Frauen zugelassen." Die Diskussion vor der Abstimmung war lebhaft und inter- essant. Ter Justizminister Ronchetti erklärte, die Rcgierilng stände dem Entwurf sympathisch gegenüber; Ronchetti persönlich sei der Ansicht, dass auch die heutigen Gesetze den Frauen bereits die Ausübung der Advokatur freistellten. Auf lebhaften Widerspruch stietz dagegen der Zusatzantrag des Abgenordnetcn Genossen Maina, den Frauen auch die Ausübung des Anwaltberufs sprocuratore) zu gewähren. Ronchetti bat. dann lieber das ganze Gesetz ab- zulehncn; damit die Frau als Anwalt fungieren könne, müssten die Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuches über die cheherrliche Autorisation bei gewissen Rechtshandlungen für die weiblichen Prokuratorcn ausgehoben werden. Die Regierung hielte das bürger- liche Gesetzbuch durchaus nicht für unantastbar, man solle aber nicht so nebenbei an seinen Bestimmungen rütteln. Mit dem Zusatz Maina müsse das Ministerium die Kammer bitten, das Gesetz abzulehnen. Hierauf zog Maina seinen Antrag zurück. Coccu-Crtu, der Justizminister des vorigen Kabinetts, meinte, dass die Zulassung zur Advokatur die zur Ausübung des ProkuratorcuberufeS mit einschlösse. Ronchetti beantragte darauf, in einem besonderen Zusatz festzustellen, dass dies nicht der Fall sei. Der Präsident erklärte dies für unzulässig. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Gesetz Socci noch im Senat auf Hindernisse stösst. Große praktische Bedeutung hat es vor der Hand für Italien nicht, da zur Zeit in Italien nur sechs Frauen die juristische Doktorwürde.erlangt haben. Witterungsübersicht vom 5. März 1904, morgen» 8 Uhr. Wetter-Prognose für Sonntag, den v. März 1904. Trocken und vorwiegend heiter, Nachts etwas strenger, am Tage leichter Frost bei frischen östlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u. frfihjahr> palelols. n I 1 1 Vielseitigst© Auswahl in Stoffen u. rSlPtm? Fassons 46.-., 39.-. 36-, 30.-. H ralClUlO 27. 24.-. 21.-. 18... 16-, 12.- Om FriHijalir- Frühjahr- Raglans PalfitntC SomSor-ilngebot. Gestreift 10 I UlOlUlO u. kleingomusterte Kammgarnstoff© 10 M. Moderne Verarbeitung und neue Ol Stoffe....... 30-, 24-&l M. 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Montag: Rose Bernd. Berliner. Waterlant. Nachm. 2I/s Uhr: Alt-Heidelberg. Montag: Maria Theresia. Lesstng. Zapsenstreich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Der Bettelstudent. Nachm. 3 Uhr: Martha. Montag: Die Fledermaus. NeueS« Candida. Montag: Schtvcster Beatrix. Vorher: Der Schlachtenlenker. Residenz. Der keusche Casimir. Vor- her: Die Empseblung. Nachm. 3 Uhr: Ein Seitensprung. Montag: Der keusche Casimir. Vorher: Die Empseblung. Central. Das Schtvalbennest. Nachm. 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Das Schwalbennest. Belle- Alliance. Götterweiber. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Montag: Götterweiber. Thalia. Der Hochtourist. Nachm. 3'/, Uhr: Charleys Tante. Montag: Der Hochtourist. Carl Weift. Zwei Frauen. Nachm. 3 Uhr: Der Bettelstudcnt von Berlin. Montag: Zwei Frauen. Casino. CirkuSsee. Nachm. 4 Uhr: Wie einst im Mai. Montag: Eirkussec. Apollo. Frühlingslnst. Blüten- Hochzeit. Spccialitätcn. Nachm. 3 Uhr: Lysistrata. Nordini. Montag: Frühlingslust. Blüten« Hochzeit. Specialitäten. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Montag: Dieselbe Borstellung. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.) Uricl Acosta. Nachm. 3 Uhr: Der Compagnon. Montag: Die Wildente. Schiller*l.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Die Stützen der Gesellschast. Nachm. 3 Uhr: Pauline. Montag: LumpaeivagabunduZ. Kleines. Mutter Landstraße.� Nachm. 3 Uhr: Schöne Seelen. Don Carlos. Serenissimus u. a. Montag: Elekra. Luisen. Philippine Welser. Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Monlag: Die goldene Eva. Trianon. Madame X. Nachm. 3 Uhr: Biscottc. Montag: Madame X. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gebr. Herruseld. Nur eine Nacht. Ansang 7 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Winter-Garten. Dvette Guilbert. Costantine Bcrnardi. Special!- täten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Reichshallen. Stettiner Sänger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage-Theater. Caiccdo. Specia- litäten. Ansang 5 Uhr. Itrania. Tanbcustrnfte 48/49. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Um 4 Uhr: An den Seen Ober- italiens. Jnvalidenstrasie 37/62. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr._ Neues Tlieater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Candida. Anfang 7-,z Uhr. Morgen: Loh«ostoi' Beatrix. Sohlachtenienker. Der Centra!-7hsater. Heute nachmittag 3 Uhr, halbe Preise. IM« GleiMha. Abends V\, Uhr: Das Schwalbennest. Operette in 3 Alten v. M. Ordonneau. Musik von Henry Herblay. Morgen u. solgende Tage 7'/, Uhr: Dae Schwalberinost._ RkfidenMheattt Direktion S. Lautenburg. Wends l1/, Uhr: VieSmpfedlung. Abends 8 Uhr: Der keiijihe Clifimir. Mseh-Ämerikäiiiseiies Tlieater. Heute: Zum 193. Male: Köpnickerstrasse 67. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr 30 Min GASTSPIEL Ad. Philipp. Ueborn grossen TEICH. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater; Der Erdball als Träger des Lebens. Montag 8 Uhr: Dies. Vorstellung. Um 4 Uhr(kleine Preise): An den Seen Oberitaliens. Sternwarte SIS; CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. A frika«> «fv Berlin! — grosse Truppenschau— UW Die schönen Haremsdamen ans Tunis.-WM Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Abends 8 Uhr: Philippine Welser. Montag: Die goldene Eva. Dienstag: Uriel Acosta. Mittwoch: Benefiz sür IIb. Hilner. Zum erstenmal: Die Kohlenschulz'n von Berlin.— Das Volkslied. Donnerstag: Eine leichte Person. Metropol-fheater Letzte Sonntags- Anfführuag: Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz. Anfang Uhr. Hauchen überall gestattet. Apollo-Tlieater. Nachm. 3 Uhr: Ermässigio Preise. Ii.Tslstrata u. Speciulitiiten mit? Aordini? r Der Mann mit den Wunder-Muskeln! 7-/, Uhr:?rüWnFL!ust �aifetT BKitenhochzeit. 9—11 Uhr: Das grosse mit ? Nordini?? x Robert Steidl. Kasseneröffn e'/.. Uhr. Anlang 7'/. Uhr. Kleines Tlieater. Unter den Linden 44. Nachmittags 3 Uhr, bei bedeutend ermäßigten Preisen: Liebesträume. X Schöne Seelen. Don Carlos-Parodie. Serenissimas-Zwiscbenspiele. Abends 8 Uhr. Muttir Landstae. Morgen: Flekira. Trianon-Thealer. Gcorgenstraße, zwischen Friedrich- und Universitätsstraße. Madame K. Ansang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr:„Biscolte". Bernharsi ßese-TUr Gesundbrunnen. Badstraße 58. Heute Sonniag, de» S. März 1901, nachmirtagS 3 Uhr: Mmn von Baruhelm. IK- Abends 7 Uhr:"VE Lenors oder: Die Grabesbraut. Vaterländisches Schauspiel in 4 Aufz. von E. von Hollei. Nach der Vorstellung: Ccrosser Ball. Morgen Montag, den 7. März er.: Gr. EZra-Borstellung: Othello, der ftlohr von Venedig. Slädt-TMer Moabit Alt-Moabit 47,49 _ Sonntag, den 6. März 1904: Bsrnlianl Rose-TIrcater-EBseiiilile. Boktor Wespe. Lustspiel in 5 Akten von R. Benedix. Ansang 6 Uhr. Nach der Vorstellung: Gr. Dali. Dienstag, den 8. Marz: Benefiz sür den Ncgisscur Hanl Uding: Der Glockctiguss zu Breslau. Alis. 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. £> a ii s s o n c i. Kottbuscr Thor— Stat. dei�Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag Hvlkmanns dlorddeutsche Länger und Tanzkränzchen. Dienstag, den 8. März: Die Toebter des Strälgs. Schiller-Theater. Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Sonntagnachmittag 3 Uhr: Her Oornpaxnen. Lustspiel in 4 Akten v. Ad. L'Arronge. Sonntagabend 8 Uhr: ürlel Acosta. Trauerspiel in 5 Auszügen von Karl Gutzkow. Sehlller-Theater S. (Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater). Sonntag n ach mittag 3Uhr: �Paullne. Berliner Komödie in 4 Akten von Georg Hirschseld. Veranstaltet von der„Neuen freien Volksbühne", Sonntagabend 8 Uhr: Die Stützen der liesellschatt. chauspiel in 4 Aufz. v. Henrik Ibsen. stmüs-TIiealel'. Belle-Alliance-Thealer. Dresdenerstr. 72/73. Amt IV 4440. Ans. 7i/, Uhr. Direktion lean Xren Heute nachm. 3'/, Uhr b. halb. Preisen: Charleys Tante. Zum 187. Male: Der Hochtourist. Buido Thielscher in der Titelrolle. Belle-Allianee-lr. 7/8. Amt VI 283. und Alkred BchSnfeld. Ans. 71/- Uhr. Heute nachm. 3 Uhr b. vollst. Preisen: Her Utittcnbesitiner. Täglich: Götterweiber. Ausslatt.-Posse mit Gesang und Tanz. Cirkus Schnmann. Heute, Sonntag, den 6. März, nachmittags S'/a Uhr und abends V/, Uhr: Ä Vorstellnngen Ä Durch polizeiliche Verfügung muft nachmittags die Bor- stellung um K Uhr beendet sein.'VH Um dem geehrten Publikum wie bisher genügend darzubieten und die Vorstellung nicht zu beeinträchtigen, beginnt dieselbe von heute an um 3'/. Uhr. nachmittags hat jeder Erwachsene das Recht, ein ihm angehörendes llind frei einzusühren, weitere Kinder zahlen halbe preise, nachmittags neu! Kimst und ILlehe. Mimisches Ballett. Zum Schluß: Cake-Walk. Die Riesenbonbonniere und der beliebte Bonbonregen. In beiden Vorstellungen: Das neue Programm. lErdres Skremka in ihrer Wunderaröeit.— Neu! Cake Walk zu Pferde von Geschwister Meers.— 23 dressierte Löwen des Herrn Seeth. _ Abends: Babel. Eine Wanderung durch acht Jahrtausende. Cebrtider Herrnffeld- fg« Theater. Heute und folgende Tage: Das Herrnfeldsche Sensationsstück Mr eine Kaeht! Zwei Akte aus einer Ehe. Vorher: Voilstzodig nooor Klinotlortoit! Schröder u. Denier, Tanz-Karikaturen. Erna Ernani, Vortragssoubrette. Martin Valläe, Humorist. Die süssen Mädeln, Damen-Ges.-Quart. Bendix als llonna Tanna. Ed! Stadler, Alpen-Jodler-Phänomen. Billet-Vorverkauj 11—2 Uhr. Passage-Tlieater. Anlang Sonnt. 3, Wochentags 5 Uhr. Anlang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Sensationelles Engagement: Caäcedo der berühmte Drahtseilkönig. Das Publikum schreit vor Lachen bei dem Redestreit der beiden feindlichen Improvisatoren Holländer u.Sleinitz. 14 neue erstklassige Nummern. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 71/,. Das glänzende neue Märzprogramm. biastspiel Hstr. Hopkin: Die größte Dressurnummer der Welt. l: Die Girkusfee. Sonntagnachm. 4 Uhr: Wie einst im Hai. Carl Weiss-Theater. Grefte Frankfurter Strafte 132. Nachmittags' Uhr(Parkett 60 Pf.): Der Bettelstudcnt von Berlin. Abends 7l/i Uhr: Zvod flauen. Schauspiel in 5 Aktin v. Cr. Borchart. Morgen: Zwei Frauen._ f. ». Direktion: Robert Dill. Brunnenettrasso 16. Von Stufe zu Shtfe. Ansang 7 Uhr. Entree 30 Ps. Nach der Borstellung: Tanzkränzchen. Montag:\nn Stufe au Stufe. Steidl-�TIieater 2 Linien- Oranien Strasse 132 � burger Thor. Täglich 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Letzter Monat vor ihrer Gastspielreise nach Ruß- land— die vorzüglichen_ Fritz Steidl-Sänger. j Faiast- Theater Burgstrane 22, früher Feen-falast. Heute nachmittag 3 Uhr: Grossic Ellie-Vor Stellung. Wilhelm Teil. PSP Halbe Kassenpreise.~�HI Hervorragende Gäste. Abends 8 Uhr: Extra. Vorstellung. Tante Mvlly. 10 Uhr: Mampes Flitterwochen sowie daS großartige März-Programm. Morgen und solgende Tage: DaS großarlige März-Programm. Am 12. März er. bleibt das Theater- wegen Privatfestlichkeit geschlossen. Ansang 8 Uhr. Entree SO Ps» Yveite Guilbert Paulton u. Doley KomischcEadfahrcr Karnevals-GelsterTanz-Divertissem. Imro Fox Zauberkünstler. Leo Billward Komischer Jongleur. Madeleine Noce Sängerin. Prosper-Truppe Akrobaten. Ooslantino Bernardi Venvandlungssohauspieler. Lony Elastisch-equilibr. Akt. The Soldoms Plast. Darstellungen. Biograph._ lOermania Prachtsäle 1 Chausseestr. 103. Arnold Scholz.. Jeden Sonntag: f(0 21! a. �!' - S CT« S v I 2« i o«» 1! n<» «<> Nach der Soiree: Ansang 6 Uhr. Entree 50 Ps.' Im weißen Saale von 5 Uhr ab:| Grosser Ball bei stark besetztem Orchester.| Fröbels Ällerlei-Thealer fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Sonmagnachmittag 3'/, Uhr: Harburger Sänger. Nach der Vorstellung um 10 Uhr: Cir-osscc Ball. Entree 30 Pf. Sperrsitz 50 Pf. Montag: Goethe-Ensemble. Theater- Verstellung.— Freitanz. Keiclis hallen SÄer Sänger Die Berliner bei den Hereros. Burleske von Meysel. MnLgZtsüt-XaLino Holzmarktstr. 72, Elke Alexanderstraße. Täglich: TVau� Sobanskf. Die Mävzi-SpeclaHtaten. Zum Schluß oas Lebensbild Nach Südwest-Afrika. Nach der Vorstellung: Mittwochs, Sonnabends u. Sonntags: Tau«. Donnerstag, den 10. März: Benefiz für F. Sobanukl. Urania. Wrangelstrasse 10/11. Jeden Tonntag: Grosser Ball. Auf. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. 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Die Hochflut philosophischer und vollswirtschaftlicher Marx- Vernichtungen, die vor einigen Jahren, als die ersten Strampel- versuche des theoretischen Revisionismus lang zuriickgesiaute Hoff- nungen auf eine baldige Zersetzung der Socialdcmolratie weckten, den deutschen Büchermarkt überschlvemmte, ist seit Ausbruch der Krise aus ein schwächliches Gerinnsel zusammengeschrumpft. Der Nachschub, den mau mit jener Anti-Marx-Litteratur damals von bürgerlicher Seite dem Revisionismus zu geben versuchte, hat diesen wenig zu fördern vermocht. Zu systematischer Kritik ist er auch heute noch nicht gelangt, da es ihm noch immer an der festen ideoccntrischen Basis fehlt, von der aus allein oicsc Kriiil unternommen werden könnte. Und wie auf die socialistische Strömung, sind die jener Zeit erschienenen dicken und endgültigen Widerlegungen auch auf die bürgerlickw Auffassung der Marrschen Theorien ohne fast jeden Einflust geblieben. Zuerst in der Tagcspresse mit Hälloh be- grüßt und als völlige Abthuung der Marxschen Lehre gefeiert, haben sie bald in der offiziellen zünftigen Wissenschaft allen Kredit ver- lorcn und sind heute längst vergessen. Wer weiß heute noch von den dicken Bänden Massaryls oder Weisenqrüns? Und wenn sie hin und wieder in neueren volkswirtschaftlichen Schriften erwähnt werden, geschieht eS nur. um sie als untaugliche, verschlte Versuche hinzustellen. Solche Ersahrungen sind bitter und reizen nicht zur Fortsetzung. Kein Wunder, daß die Schriften dieses Genres spärlicher werden, und daß mit der Quantität auch die Qualität abnimmt: denn die alten Professoren haben eS satt, Kämpfe zu fiihren, bei denen wenig Ruhm zu holen ist, und der junge corpsstudentische Nachwuchs, der in überquellendem Selbstbewußtsein das zu leisten unternimmt, was die Alten nicht vermochten, besitzt zwar meist eine recht ansehnliche Dosis Schneidigkeit, aber nur selten eigentliche volkswirtschaftlich- theoretische Kenntnisse. Selbstverständlich hindert diese Oualitäts- Verschlechterung nicht, daß heute noch genau, wie vor Jahren und Jahrzehnten, jede neu erscheinende gegen die Marxschen Theorien gerichtete Schrift, wenn sie mit einigem Geschick sich als„wijsenichaftlich" zu geben versteht, von der bürgcr- lichen Prosse als„endgültige" Marx-Widerlegung begrüßt wird, ganz gleich, ob sie zu den früheren Widerlegungen in schärfstem Gegensatz steht oder nicht. So hat denn auch die jüngste Schrift von Dr. Franz Oppenheim er:. DaS Grundgesetz der Marxschen Gesellschaftslehre. Darstellung und Kritik"(Berlin, Georg Reimer. 148 S. 8°) nicht nur in dem ReccnsionSteil der Tagespresse, sondern selbst in langen Seit- artikeln freudige Zustimmung und Anerkennung gefunden, obgleich dann, ivenn die Ausführungen des Oppenheimerschen BuckeS richtig sind, die meisten der früheren»Widerlegungen" als gänzlich un- taugliche Versuche am untauglichen Objekt gelten müssen. Oppenheimer erklärt eS nämlich für völlig verfehlt, daß fast afle bisherigen Marx-Kritiker mit ihrer Kritik bei der Werttheorie einsetzten und— bis auf Weuckstcrn und Julius Wolf— den „entscheidenden" Punkt, d.h. das.,G e s e tz d e r k a p i t a l i st i s ch e n Accumulation", kaum streiften. Dieses Gesetz ist, wie er be- hauptet, die eigentliche Basis des Marxschen Systems, und gegen sie muß sich deshalb auch der Vorstoß richten. Zum Beweise für diese Behauptung beruft er sich auf eine Aeußerung von Engels und von Kautsky. Letzterer erklärte nämlich in einem Artikel der„Neuen Zeit"(III, S. 282):„In Wirklichkeit hat jedoch die Marxsche Wert- .hcorie mit dem Socialismus»ichls zu thun. Die Lehre vom Wert ist nicht die Grundlage des Socialismus, sondern die Grundlage der heutigen kapitalistischen Oekonomie. Mit der Widerlegung der Marxschen Werttheorie wäre der Socialismus noch lauge'nicht widerlegt...." Aus diesen und ähnlichen Auslassungen folgert Herr Oppen- hcimer, daß die Werttheorie auch für das Marxiche System ohne ivesentliche Bedeutung ist. Eine komische Folgerung, die nur dann halbwegs zuträfe, wenn das Marxsche„Kapital" nicht die Grundprincipien der kapitalistischen, sondern der socialistischcn Wirtschaft behandelte. Jedenfalls kann sie mit derselben Be- rcchtigung auch auf das Accumulationsgesetz aiigewendct werden, denn wie das Wertgesetz ist mich dieses ein Gesetz der kapita- listischen Oekonomie. nicht des Socialismus. Allerdings liefert nach der Auffassung von Marx die kapitalistische Accumulation eine der Vorbedingungen für die Durchführung des socialdemokratischeu Wirtschaftssystems: aber eine Vorbedingung dieser Accumulation ist lvieder die heutige MehrwertSproduktion und da? dem heutigen Warenaustausch zu Grunde liegende Wertgesetz. Die Kritiker des Marxsche» Systems haben deshalb denn auch keiueswcgs unrecht. wenn sie mit ihren Ausführungen bei der Werttheorie einsetzen: ein Fehler ist nur, wenn sie dann weiter— ebenso tvie in der obigen Folgerung dies seitens Oppenheimer ge- schieht— die Marxsche Volkswirtschaftslehre einfach mit dem Socia- lismuS identifizieren und vermeinen mit ihrer angeblichen Wider- legung der Marxschen Wert» und MehrwertStheorie, auch den Socialismus widerlegt zu haben, oder wenn sie gar aus solcher Widerlegung folgern, cS gäbe gar leine Mehrarbeit oder keinen Mehrwert. Das ist natürlich kein geringerer Unsinn, als lvenn ein Geologe auS seiner Widerlegung einer bestinimten Erdbeben- EutstehungStheorie schließen wollte. cS gäbe gar keine Erdbeben. Doch Herr Oppenheimer begnügt sich, wie anerkannt werden soll, nicht mit dieser Berufung auf Engels und KautSky. Er sticht zugleich zu beweisen, daß die AccumulationSrheorie nicht auf der Mehrwertstheorie fußt, sondern umgelehrt bei Marx eine Pränüsse der letzteren ist. Das Verfahren, das Oppenheimer zu diesem Zweck einschlägt, ist höchst originell. Zunächst unterstellt er. daß„der Fall mindestens denkbar ist eines Lande?, in dem die Gewohnheiten lind LebcnSansprüche der fteicn Arbeiter eine so große Menge von Subsistenzmitteln konsumiere, daß der gesamte physisch mögliche Arbeitstag durch notivendige Arbeit absorbiert wird, so daß keine Mehrarbeit geleistet und kein Mehrwert geschaffen wird." Eine solche Gesellschait wäre, meint Oppenheimer weiter, fteilich keine kapitalistische, aber eS sei ja nicht der Nachweis zu führen, daß der Mehrwert möglich, sondern daß er notwendig sei. Gewiß, denken läßt sich vieles, besonders bei reger Phantasie: aber thatsächlich hat Oppenheimer nicht so ganz unrecht: der Mehr- wert ist lein Naturgesetz, wie kürzlich noch Herr L. Woltmann be- hauptcte: er ist eine historische Kategorie, und es hat vorkapitalistische Wirtschaftsweisen gegeben, in denen er nicht existierte. Aber inwiefern folgt aus der Nicht- Ursprünglichkeit des Mehrwerts daß auch im Marxschen System die Mehrwcrt-Theorie nichts Grund- legendes ist. sondern erst später aus der Accumulations- Theorie ab- geleitet wurde, zumal doch immerhin die Mehrarbeit älter ist als die kapitalistische Accumulation? Indes mag Herr Oppenheimer über die Bedeutung des AccuinulationSgesetzeS im Marxschen System und seinem Verhältnis zur materialistischen Geschichtsauffassung denken, was er will: uns mteressierr hier nur dieses Gesetz selbst. Herr Oppenheimer leitet seine Untersuchung mit folgendem Citat aus Marx ein:, u> v »Je größer der gesellschaftliche Reichtum, das funktionierende Kapital. Umfang und Energie seines Wachstums, also auch die absolute Größe des Proletariats und die Produktivkraft seiner Arbeit, desto größer die industrielle Reserve-Armee. Die disponible Arbeitskraft wird durch dieselben Ursachen entwickelt, wie die Expansivkrast des Kapitals. Die verhältnismäßige Größe der industriellen Reserve-Armee wächst also mit den Potenzen des Reichtums. Je größer aber diese Reserve- Armee im Verhältnis zur aktive» Arbeiter- Armee. desto massenhafter die konsolidierte Uebervölkerung, deren Elend in umgekehrtem Verhältnis zu ihrer ArbeitSqual steht. Je größer endlich die Lazarusschichte der Arbeiterilasse und die industrielle Reserve- armee, desto größer der offizielle Pauperismus. Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Accum nlatio n." Von diesem Citat aus unternimmt Oppenheimer seinen kritischen Strcifzug. Das ist ein recht eigenartiges Verfahren. Die obige Stelle wird von Marx nicht hypothetisch als Gesetz hingestellt und dann nach der Bcweissührnngsmethode der heutigen offiziellen Professorenökonomie durch Bezugnahme auf einige statistische Zahlen zu„beweisen" gesucht: ste>st die Folgerung ans einer vorauf- gehenden 34 Seiten umfassenden streng logischen Deduktion. Es ist also zum Verständnis durchaus nötig, wenigstens die Hauptzüge dieser Deduktion aufzurollen, das heißt die Vordersätze darzulegen, aus denen Marx die obige Folgerung zieht. Herr Oppenheimer hält aber nicht nur dies fiir unnötig, er läßt auch obendrein noch den sich an das obige Citat anschließenden Satz weg:„Es(d. h. das absolute Gesetz der'kapitalistischen Accumulation) wird gleich allen anderen Gesetzen in seiner Ver- wirklichung durch allerlei Nnr st ande modifiziert, deren Analyse nicht hierher gehört." Anscheinend hat Herr Oppenheimer'mit diesem Satz nichts anzu- fangen gewußt. Zuerst wird da? Accumulationsgesetz ein„allge- meines absolutes Gesetz" genannt und dann hinterher angegeben, daß es in seiner Verwirklichung mannigfach modifiziert wird. Ist das nicht ein schreiender Widerspruch? Die Frage nötigt dazu, kurz auf die Marxsche Methodik einzugehen, die, wie die Er- fahrung lehrt, ja nicht nur von Oppenheimer nicht verstanden wird. Marx tritt an die volkswirtschaftliche Theorctik seiner Zeit als Erbe der klassischen deutschen Philosophie, als Mathematiker und Historiker heran, wie denn auch sein Kapital iil geivisscm Sinne nicht nur ein erkeimtiüSkritisches (in Bezug auf die volkswirtschaftlichen Phänomene), sondern zugleich ein hislonscheS Wer! ist. Dieser Charakter ist heute, nachdem die rohcste Empirik in der Nationalökonomie die Oberhand erlangt hat, sehr vielen unverständlich geworden: man braucht aber nur die bald nach dem Erscheinen des ersten Bandes des„Kapitals" in deutschen, engtifchen, französischen und russischen Zeitschriften veröffentlichten Kritiken nachzulesen, um zu sehen, daß man damals Meie methodische Eigenart des Werks recht wohl erkannte: denn in diesen Besprechnngen finden wirlange Erörterungen der Marxschen Methode, die baldals„dedilk- tisch-kritisch",„hcgclianisch-dcutsch-dialcktisch". bald als„metaphysisch". „analytisch" oder„philosophisch-kritisch" bezeichnet wird. AuS einigen beliebigen Vorgängen ein ökonomisches Gesetz zu konstruieren. wäre Marx als Unsinn erschienen: nach seiner Auffassung können solche Gesetze nur aus dem Wege logischer Deduktion aus gegebenen, durch die Erfahrung erwiesenen allgemeinen Gruudthatsachen gc- wonnen werden. Derartige Gesetze nennt er„absolut". Ein Wort, daS in diesem gusanmieiihäng nicht die Bedeutung von ,. n u b e s ch r ä n k t gültig" hat; es wird vielmehr im philo- sophischcn Sinne(Hegel) gebraucht, d. h. eS ist unter einem„absoluten" Gesetz daS den Mannigfaltig wechselnden wirtschaftlichen Erscheinungen einer bestinimten Art zu Grunde liegende letzte BewegungSpriucip (bezw. Tendenz) zu verstehen. Das Wort„absolut" hat also gewisser- maßen die Bedeutimg von„rein". Wie z. B. der Physiker reine grundlegende Gesetze zu gewinnen sticht, uiid zu diesem Zweck von den störenden Einflüssen abstrabicrt, die sich in der Wirk- lichkeit oft einstellen, so sucht auch Marx die ökonomi- scheu Gesetze„rein" aus ihren Grundbedingungen analytisch herauszuschälen, ohne sich im niiiidcsten darüber unklar zu sein, daß solche Gesetze keineswegs im Wirtschaftsleben in dieser Neuiheit zur Geltung kommcu: denn das wirtschaftliche Leben ist die Resultaute vieler sich gegenseitig beschränkender, mehr oder ivcniger einander in ihrer Wirkung beeinträchtigender Gesetze, die aber sämtlich in ihrer Reinheit analytisch bestimmt werden müssen, wenn ihre Resultante richtig begriffen werden soll. Diese Methodik ist den meisten Kritikern des Marxschen Systems unverständlich geblieben. Was, erst erklärt Marx etivas für ein ab- solutes Gesetz und dann hinterher sucht er zu beweisen, daß eS in seiner Wirksamkeit meist„modifiziert" erscheint? DaS ist doch frivoler Unsinn. Thatsächlich hat denn auch bekamitlich Professor Loria entdeckt daß Marx bei Niederschrift seines„Kapitals" von der boshaften Absicht geleitet worden sei, seine Leser zum besten zu haben. Nun zum Gesetz der kapitalistischen Accumulation selbst. Wer mir die von Oppenheimer citierte Stelle kemit, kann leicht zu dem Schluß kommen, Marx behaupte, daß mit jedem Schritt iveiterer Ausdehnung der kapitalistischen Produktion zugleich so und so viele Arbeiter aus ihrer bisherigen Thätigkeit herausgeworfen würden. und so von Stufe zu Stufe die Zahl der beschäftigten im Verhältnis zur Zahl der unbeschäftigten Arbeiter abnehme, bis schließlich auf ocn höheren Entlvickluugsstufen immer nur ein kleiner Teil der Ar- bciter beschäftigt sei. In diesem Sinne hat wenigstens Oppenheimer, wie seine spätcrcir Darlegungen zeigen, die obige Marxsche Stelle aufgefaßt, und mit ihm viele andre. Marx' wirkliche Auffassung ist eine ganz andre. Er geht in seinem Kapitel über„das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Accu- mulation" von der vorher nachgewiesenen Thatsache aus, daß mit der Ausweitung der kapitalistischen Produktion der in ProduktionS- Mitteln(Fabriigebäudcn, Maschinen, Rohstoffen:c.) steckende Kapitalteil. das heißt daS sogenannte„konstante Kapital", schneller zunimmt als der variable Kapitalteil, das heißt daS zur Entlohnung der Arbeiter dienende Lohnkapital. Wäre diese Ver- schicbtmg deS GrößenverhälluiffcS beider Kapitalteile nicht der Fall, bliebe also die Zusammensetzuiia unverändert, so trete notwendig alsbald ein Punkt ein, wo die Nachfrage nach Arbeitskraft über die normale Zufuhr hinauswüchse, wo also der Lohn steige. Indes beständen, so führt Marx weiter aus. derartige den Arbeitern güustige Accunlulationebediugungen nur allenfalls zeitweilig auf einzelnen industriellen Gebieten, ohne daß sie den Charakter der kapitalistischen Produltion zu ändern vermögen: allgemein nimmt der konstante auf Kosten deS variablen Kapitalteils zu. Diese Verminderung der relativen Größe deS variablen Bestandteils schließt damit die Steigerung ihrer a b s o- luten Größe keincsivegS aus.„Gesetzt," sagt Marx(Kapital I, IV. Aufl. S. 533),„ein Kapitalwcrt spalte sich anfangs in 50 Proz. konstantes und 50 Proz. variables Kapital, später in 80 Proz. konstantes und 20 Proz. variables. Ist inzwischen daS ursprüngliche Kapital, sage 6000 Pfd. Sterl. auf 18 000 Pfd. Sterl. geivachscn, so ist sein variabler Bestandteil auch nur ei» Fünftel gewachsen. Er war 3000 Pfd. Sterl., er beträgt jetzt 3600 Pfd. Sterl." Die Folge dieser Verschiebung der Kapitalzusammeusetzimg ist. daß die Nachfrage nach Arbeit, da sie nur vom variablen Kapitalteil abhängt, im Verhältnis zur Größe des G e s a m l- K a P i t a l ö fällt das heißt relativ fällt, kcincSivegs absolut. Die kapitalistische Accumulation schafft demnach, je nach ihrer Energie und ihrem Um- saug eine relative, das heißt für die mittleren VerwcrtungS- bcdürfuiffe des Kapital? überschüssige Arbciterbcvölkcruug. Trese relative Uebervölkerung ist nun keineswegs eine bestinnnt«, immer gleichmäßig wahrnehmbare, feste Größe. Sie schwankt vielmehr beständig, da auch die KapitalSaccumulation mannigfachem Wechsel in den verschiedenen ProduklionSsphären unterliegt.»In einigen Sphären findet Wechsel in der Zusammensetzung des Kapitals statt ohne Wachstum seiner absoluten Größe, infolge bloßer Konzentration; in andern ist das absolute Wachstum des Kapitals mit absoluter Abnahme seines variablen Bestandteils oder � der von ihm absorbierten Arbeitskraft verbunden: in andern wächst das Kapital bald auf seiner gegebenen technischen Grundlage fort attrahicrt zuschüssige Arbeitskraft im Verhältnis seines Wachstums, bald tritt organischer Wechsel ein und kontrahiert sich sein variabler Bestandteil: in allen Sphären ist das Wachstum des variablen Kapitalteils und daher der beschäftigten Arbeiterzahl stets verbunden mit heftigen Fluktuationen und vorüber- gehender Produition von Uebervölkerung, ob diese nun die auf- fallendere Form von Repulsion bereits beschäftigter Arbeiter an- nimmt oder die mehr unscheinbare, aber nicht minder wirksame, er- schwcrter Absorption der zuschüssigen Arbeiterbevölkeruiig in ihre gewohnten Abzugskanäle(S. 595)." Und weiter führt dann Marx aus, daß mit der Ausdehnung der kapitalistischen Produktion auch die Stufenleiter sich erweitert,„worin größere Attraktion der Arbeiter durch daS Kapital mit größerer Repulsion derselben verbunden ist." Von einer stets gleichmäßigen Arbeiter-Uebervölkerung kann also nicht die Rede sein. Nicht mir weicht gleichzeing die Gestaltung der Nachftage nach Arbeitskräften auf den verschiedenen ProduktionSgebieien vielfach von einander ab, sondern es findet auch zeitweilig eine derartige Attraktion von Arbeitskräften, d. h. eine Einbeziehung des Ueberschusses von Arbeitern in die aktive Arbeiter- armee statt, daß, wie Marx sich oben ausdrückt, die Uebervölkerung als„vorübergehend" erscheint. Mehr oder weniger latent ist aber dieser Ueberschutz stets vorhanden. Wäre er es nicht, so könnten überhaupt keine beträchtlichen plötzlichen Expansionen der Produktion stattfinden, da für diese dann das zum Betrieb nöiige Menschen- Material fehlen würde. Erst diese disponible, brackiliegende Arbeits- kraft schafft für die wechselnden Verwertungsbcdürsinjse des Kapitals das stets bereite cxploilablc Material. Ebensowenig folgt daraus, daß der Zu- oder Abnahme des variablen Kapitals genau die Zu- oder Abnahme der beschästigten Arbeiterzahl entspricht. Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und der Produktivkraft der Arbeit, so führt Marx in längerer Be- gründung auS. bilden ficki in manchen Industriezweigen geschicktere Arbeitsschichtcn an?, die nicht leicht vermehrt werden können, und die häufig Ueberarbeit leisten müssen: in andren wieder werden mit der Verbesserung der teckmisckcn Betriebsmittel durch denselben Kapitalivert mehr Arbeitskräfte gekauft, indem geschicktere Arbeiter durch ungeschicktere, männliche durch weibliche, erwachsene durch jugendliche oder kindliche verdrängt werden usw. Ferner aber kommt die durch die Kapitalsaccnmalation bewirkte relative Uebervölkerung nicht nur in der Erscheinung einer„industriellen Reservearme" zum Ausdruck, einer als Ersatz- und Ergünzuiigstruppe der aktiven Arbeitcrarmee fungierenden Arbciterschicht mit durchaus unregelmäßigen Beschäftigung; sie existiert vielmehr in den ver- schiedenartigsten Formen. Zu den Ueberzähligen zählt auch ein Teil der aus der großen Industrie herausgedrängten, in überlebten Hausindustrien kümmerlichen Unterschlupf findenden Elemente, gehören die vorzeitig abgenutzren Arbeiter, die als nicht mehr genügend aus- nutzbar keine Beschäftigung finden und ihrer Familie oder der Armenpflege zur Last fallen, ferner die aus Mangel an Arbeits- gelegeuheit in die eigentliche Sphäre des Pauperismus Hinab- gesunkenen und die sich größtenteils aus dieser Kategorie rekrutierenden Vagabunden, Verbrecher, Prostituierten usw. Erst nachdem Marx alle diese Folgen näher erörtert hat, gelaugt er zu der oben von Oppenheimer citierten Schlußfolgerung. Oppenheimer hat diese Deduktionen nicht verstanden, und außerdem erstarrt in seinem nndialektischen Kopf alles, was bei Marx ein BewegnngSverlauf ist, zu einer festen Formel. So zzieht er denn auS dem Marxschen Accumulationsgesetz folgende Schlüsse: „Wo daö variable Kapital im Verhältnis zum Gesauitkapital fällt, da fällt im gleichen Verhältnis(Lohn und Länge des Arbeitstages als gleich gesetzt) die Zahl der beschäf» t i g t e n Arbeiter, der„Stellen". Wo die Zahl der„Stellen" im Verhältnis zum Gefamtkapiial fällt, da fällt sie auch im VerhältniS zur Zahl der arbeitsfähigen und arbeitS willigen Mit« glieder des Proletariats. Wo die Zahl der„Stellen" im Verhältnis zum Proletariat fällt, da wächst die Surplusbevölkerung." Erstens steht, wie wir schon vorhin an Marx' Ausführungen über daS Verhältnis der BcschästtgnngSziffer zum variablen Kapitals- bestandteil sahen, die Arbciterzahl m keiner gleichbleibenden Pro- porlion zum variablen Kapital, da eben weder die Lohnhöhe in allen verschiedenen Betriebszweigen noch die Länge deS Arbeitstages im kapitalistischen EnttoicklungSverlauf dieselbe bleibt. Zweitens aber saßt Herr Oppenheimer das variable Kapital als einen bestimmten, festen Fonds, einen begrenzten Arbeitsfonds im Sinne der Bcniyam- scheu Schule auf. während Marx darunter eine dura) aus elastische Potenz versteht, die sich im Verhältnis zum konstanten Kapital beständig verschiebt, wie er denn auch IJin den obigen Ausführungen von einer beständigen Fluktuation (Attrakiion, Repulsion und Absorption) der Arbeilermassen spricht. Das unter dieser Belveguug nicht von einer festen Proportionalität zwischen Arbeiterzahl(Stcllenzahl) und variablem Kapital, noch viel weniger aber zwischen Stellcnzahl und Gcsamtkapital gesprochen werden kann, ist selbstverständlich. Damit fällt auch die zweite Forderung. Doch enthält sie noch eine Extra- Absurdität. Aus dem Verhältnis der„Stellen" zum Gcsamtkapital schließt nämlich Oppenheimer auf das Verhältnis der Stellen zur Zahl der Gesanttarbeiterschaft. Das wäre logisch nur zulässig, wenn zwischen der Größe deS Gesamtkapitals und der Größe der Arbeiterschaft eine bestimmte, feste Proportionalität bestände. Bei Marx findet sich jedoch diese Auffassung nirgends: sie ist ein bloßes Produkt Oppenheimerscher Erfindungsgabe. Im Gegenteil, nach Marx wächst das Gcsamtkapital viel schneller als die Arbeiterbevölkeruiig, da ja nur ein immer kleiner werdender Prozentteil des GcsaintlapitalS als variables Kapital(Lohnkapital) Verwendung findet. Auf die Kritik, die Oppenheimer sich gegen diese Folgerungen leistet, näher einzugehen, ist demnach völlig zlvccklos: denn er kämpft nicht gegen Marx, sondern als moderner Do» Lnixote lediglich gegen Erzeugnisse eigener Phantasie. Doch was kein Verstand der Verständigen sieht, das findet in Einfalt ein kindlich Geiniit. Marx hat, so entdeckt Herr Oppcnheiincr, völlig vergessen,„die Möglichkeit ins Auge" zu fassen, daß„der Preis der Arbeit, ohne den Fortschritt der Accuinu- lation zu stören, so hoch steigt, daß auch die Arbeiter in größerem Maße accuniuliercn können". Zwar habe er erklärt, daß, wenn der Profit unter einem geivissen Punkt sinke, der„Stachel des Gewinns" abstumpft; aber er habe nicht anzugeben vermocht, bei welchem Minimalsatz diese Abstumpfung erfolgt und wenn man sich vorstelle, „diese Grenze läge bei 0.01 Proz. Profit, so wäre die Mehrarbeit vielleicht auf wenige Minuten täglich und die Rate auf'/?? gesunken". Augenscheinlich könne dann von einer Accninulaüon von Elend, Sklaverei, Un- wisscnhcit. Bnitalisiernng und moralischer Degradation nicht mehr gesprochen werden. Die bloße Annahme, daß die von Marx dargelegten Accumu- latiouSverhältnisse auch anders geartet sei» könnten, ist jedenfalls kein Beweis dafür, daß nicht doch im wirtschaftlichen Entwicklungs- Verlauf daZ von Marx aufgestellte Gesetz zur Geltung kommt. Als Argument gegen Marx ist deshalb Oppenhcimers Möglichkeits- Hypothese ivertloS; zur Charakterisierung seiner Qualität als Volks wirtschaftlicher Theoretiker, ist sie jedoch höchst interessant. Oppen heimer spricht im selben Satz von„Mehrarbeit" und » K a p i l a l p r o f i t"! bekanntlich liefert die Mehrarbeit nicht nur den Kapitalprofit, sondern auch die Grundrente, und andrer seits besteht der Kapitalprofit nicht nur aus dem Profit des industriellen Unternehmers, sondern schlieft Zins und Handelsprofit ein. Lassen wir indes diese Unterscheidungen und nehmen wir zu Gunsten OppenheimerS an, er habe sagen wollen, der Unteritehiner- gewinn stelle sich auf 1 Proz. Danach würde also der Unternehmer, der IVO lXX) Mark Kapital in seinem Betriebe stecken hat, einen Jahresertrag von 1000 Mark erzielen, während seine Arbeiter in- folge des fast gänzlichen Fortfalles des Mehrwertes vielleicht 2000 bis 3000 Mark verdienten. Möglich, daß es einige seltsame Käuze gießt, die aus kapitalistischer Nächstenliebe nicht nur für die Hälfte oder ein Drittel des Lohnes eines beliebigen ihrer Arbeiter das ganze geschäftliche Risiko eines solchen Betriebes übernehmen würden, aber dafi die Gesamtmasse der Kapitalisten— und darum handelt eS sich doch— derartige antikapitalistische perverse Neigungen haben sollte, glaubt wohl nur Oppenheimer allein. Aber die Sache ist noch nicht erledigt. Der Unternehmer darf sein Kapital nicht ganz aufzehren: soll nicht alle Accnmulation stocken, muß er sich auf einen Teil beschränken, sagen wir drei Viertel, und das übrige als Zusatzkapital anlegen. Nehmen lvir an. dajz alle andern Unternehmer — infolge des Gesetzes der gleichen Profitrate würden alle sich mit ähnlichen geschäftlichen Erfolgen begnügen müssen— ebenfalls nur drei Viertel ihres Gewinns als Revenue verbrauchen, dann würde sich jährlich das im gesamten Wirtschaftsbetrieb angelegte Kapital um 'A Proz. vermehren. Vielleicht ist Herr Oppenheimer der Meinung, dafi in den von ihm erdachten paradiesisch-kapitalistischen Zustand die Ve- völkcrung die Äinderzeugung gröfitenteilS einstellt, andernfalls wird nämlich die Sache brenzlich. Nimmt nach wie vor die Bevölkerung der Kulturstaaten in heutigem Mafie zu, so wird sich alsbald ein starkes Ueberangebot von Arbeitskräften auf dem ArbeilSmarkt er- geben, das durch die leider auch in dieser ZukunftS-Wirtschaftsform andauernde Vennehrung des konstanten aus Kosten des variablen Kapitalteils noch gesteigert wird, und da der Arbeitslohn von An- iiebot und Nachfrage ahhängt, so wird er sinken und der Mehrwert teigen, bis schlietzlich das kapitalistische Schlaraffia des Herrn Oppen- heimer wieder so ziemlich bei den heutigen Zuständen anlangt. Unr diesen Schlufiefsekt abzuwehren, mühten auch die Arbeiter, um mit Herrn Oppenheimer zu sprechen,„accumuliercn" d. h. ihren Lebens- unterhalt um ein Drittel oder Viertel herabsetzen, um dafür des hohen Glückes teilhaftig zn werden, alljährlich einige Mark an Zinsen einzustreichen und an dem Risiko der Unternehmer zu participieren. Diese Zuknnfls- Mehrwertsraten- Hypothese, versichert Herr Oppenheimer, bräche den„Marx Aschen Kettensch lufi in der Mitte auseinande r". Als gründlicher Mann jedoch genügt ihn, dieses Auseinanderbrechen nicht: er widerlegt Marx noch obendrein durch die„Thatsachen der Erfahrung". „Marx", erklärt er S. 47,„braucht für den eigentlichen Beweis grundsätzlich nur die Deduktion: und wo er seinen Beweis an den Thatsachen prüft, da sind es immer nur die grofien, auch ohne statistische Subtilitäten zugänglichen, die jedermann be- kannten Thatsachenmassen. Wo er Zahlen bringt, bringt er sie rein illu st ratio, nie aber als Bewei s". Diese Einseitigkeit des Marx hat Herrn Oppenheimer nicht kapiert, leider — er hätte sonst sich seine Anstrengung und uns seine schönen statistischen Nachweise erspart. Für den der die Marxsche Methode kennt, ist dieser Verachtung unsres Altmeister für Zahlen etwas sebstverständliches. Blofie zusammen- gereihte Einzclbeobachtungen oder ebensolche zusammengereihten statistischen Zahlen beweisen nach Marx' Anficht weder etwas für noch gegen ein„absolutes" ökonomisches Gesetz. Der sogenannte Thatsachenüeweis gilt Marx zwar nicht für ausgeschlossen: aber zu zu seiner Giiltigkeir ist erforderlich, dafi genau festgestellt wird, ob die Grundthalsachen, von denen das Gesetz ausgeht, gegeben waren und ob aus diesen wirklich entsprechend der dem Gesetz zu Grunde liegenden Deduktion sich die betreffenden Thatsachen entwickelt haben, d. h. also die vom Gesetz behauptete Kausalität vorhanden ist. Die sogenannten statistischen Beweise, die heutzutage so häufig gegen Marx ausgespielt werden und durch die z. B. darzuthun versucht wird, dafi gewisse von ihm ausgestellte kapitalistische Gesetze zwar für Baden, Hessen und Lothringen, nicht aber für Mecklenburg oder Sachsen gelten, hätten nur seinen Sarkasmus herausgefordert. Aapitalistftche Gesetze, hätte er solchen Beweisführern erklärt, gelten für den ganzen Bereich kapitalistischer Wirtschaft, wohl aber können in Baden. Hessen oder Mecklenburg deren Wirkungen durch„besondere Umstünde" inehr oder weniger modifiziert werden. Noch lächerlicher wäre es ihm erschienen, durch beliebig heraus- gegriffene statistische Zahlen, z. B. Beschäftigungs-, Kapitals- oder Lohnziffern aus einzelnen Gewerben oder gar aus oen Gewerbe« zweigen eines einzelnen Landes oder Landsteils das AccumulattonS- qesetz widerlegen zu wollen: hat er doch nachgewiesen, dafi die Accumulation und damit die„relative � Uebervölkerung" in ihrer Gesamtheit nicht nur ständig schwankt, sondern dafi auch in den verschiedenen„Produktionssphären" svergl. das obige Citat:„In einigen Sphären findet Wechsel" usw.) gleichzeitig die Kapital- und Beschäftigungsverhältnisse sich ganz verschiedenartig gestalten können. Und nun gar die besonderen Gewerbezweige eines einzelnen Landtcils, auf die hundert lokale politische und wirtschaftliche Un, stände Einflufi haben können. Thatsächlich macht Marx sich denn auch Seite 603 dcS ersten Bandes seines„Kapitals" in der ihm eignen sarkastischen Weise über die Versuche lustig, aus den Ver- Hältnissen der englischen Landwirtschaft allgemeine Uebervölkerungs- gesetze abzuleiten. Die politischen Oekonomen, erklärt er, sähen „nur die lokale Oscillation des Arbeitsmarktes einer bei anderen ProduktionSsphäre",„nur Phänomene der Verteilung der Arbeiterbevölkerung in die verschiedenen Anlags- sphären des Kapitals." Herrn OppenheimerS Thatsachenbeweise aber stehen noch auf weit niederer Stufe, als die damaligen englischen. Er� führt z. B. an, dafi die Zahl der in der englischen Baumwollspinnerei und -Weberei beschäftigten Arbeiter absolut zugenommen hat. Der Beweis würde selbst dann hinfällig sein, wenn gleichzeitig die Aus- dehnung der betreffenden Produktionszweige, die Zunahme des in ihnen angelegten Kapitals und seines variablen Teils nach- gewiesen worden wäre: in der Oppenheimerschen Form aber ist er einfach sinnlos, denn es handelt sich im AccumulationSgesetz lediglich um eine relative Abnahme des Lohnkapitals und der mit ihm gekauften Arbeitskräfte, keineswegs, wie schon vorher erklärt ivurde, um absolute Rückgänge. Lassen wir es genug sein. Auf die bekannten SiedelungS- und andre agrarwirtschaftliche Theorien des Herrn Oppenheimer einzu- gehen, lohnr sich nicht der Mühe. Jedes Tierchen hat sein Pläsierchen. Warum sollte Herr Oppenheimer also nicht land« wirtschaftliche Utopien aushecken? Das schadet niemand und ver- schafft manchem ein billiges Vergnügen. Nur so viel Selbst- erkenntnis sollte er sich immerhin aneignen, nicht Marx vernichten zu wollen— in seinem eignem Interesse; denn als Triumphator wird er sicherlich aus solchem Kampf nicht an den häuslichen Herd heimkehren. H. 0. Acht«»!,! Metallarbeiter.***'"'*' Am Sonnabend ist in den Betrieben, die zur Vereinigung der Metallivarensabrikanten gehören, ein Auszug aus den Sonderbestimmungen dieser Vereinigung verteilt worden.(Dieser Auszug enthält einen Teil der Bestimmungen für den Fall eines Streiks.) Die Kollegen sind von den -Fabrikanten aufgefordert worden, sich in die Listen einzeichnen zu lassen und so erkennen zu geben, daß sie nicht organisiert sind. Die so zusammen- gesuchten INetallaröeiter sollen gegebenenfalls als Sturmkolonne gegen unsre Organisation benutzt werden und dafür dann einen Judaslohn von 2,50 Mark pro Tag Entschädigung erhalten. WSST Damit steht also fest: Wer sieh in die Sisten eintragen lässt* erklärt damit» dass er gewillt ist» falls die Ktihnemärnter dies verlangen» Verrat an seinen Kollegen zu üben! 112/12 Die Kuhnemmmev glauben, für£,50 Mark find die Berliner Metallarbeiter zu kaufen. Kollezcn! GM den Herren die eiiisig richtige AnWort: Niemand darf NUterfchveiden. gSM"' Nähere Anweisung über unser Verhalten werden die Kollegen in den nächsten Tagen bekommen. _ Dentscher Mctellarlicitcr'VerbatidL vrtsvsrwsn»«» 3sr«n. Arbeiter-Sängerbund I Berliner Consumverein. Berlins rnul ümgcgend. Sonntag» den 13. IMärz, vorm. 11 Uhr, in der Brauerei friedricbohaui: IJebimg s- stunde. Lieder:„Mahnrus",.Frühliligsstürmc" und„Gelübde". Ii» I« Uhr; fPF* Ausschuss- Sitzung. Tages-Ordnuilg: 1. Ausnahme von Vereinen. 2. Wahl des Bundesdirigcntcn, der Revisoren 3. Sängerfest 190-1. 4. Bundesangelegcnheitcn. NB. Ausgabe eines neuen Liedes. Der Vorstand. soren und K- 16/3 ontrolleure. ton 45.00 an. Xiiitageii-Bazar„Babf S. Kaliski. Zentrale: invalideastr. 160. Filialen: IBeueselstr. 18. Frank(urterStr.II3iPot$damerSlr. e3b, Reinlckendorter Taucnzienstr. 7a. Slraea« Ze. Oranienslr. 3'. Belleallianca»! 107:8 runnenstr. 92. Teilzahlung geftatlct,__... bei größereu Raten Kagapreise. 10/00-100.00 Spezlal-Ablellung aller Sytteme. Lieierung auch onna Atizhlg. 1,00 w. Unterricht im Nähen und Sticken gratis. Alte Maschinen nehme in Zahlung. 10.00-00.00. Sportwagen in grotzer Auswahl. Aus Wunsch kommt Verweter mit Katalog. SO. S7.5O-15O.OO. Jn Baea« BaisMpriÄee Herren- und Knaben- Maden. Berufskleidung. S esses Lager in- und ausländischer Stoffe zur Anfertigung nach Mass. Allerbilligste, streng feste Preise. Teilzahlung Huf aller- bcauemffc TSeisc alle Arten Uhren, auch Goldwaren usw. Ovochcmlid) nur 1 M.) führe& König, Wmcschauerstr. 72 1. Central sVerwaitung: Krautstr« 7. Verkanfsstellen: Slbfeilung I Luisenftadt. Michaclkirchplatz 4. Abteilung II, Osten. Krautstrafie 7. Zorndorscrswatze 62. Licbigswafie 7. ElntrUtstreld SO Pf. Abteilung III, Moabit. Roswckerswatze 20. Havclbergerstratze 6. Emdenerstraste 4S. Abteilung IV. Rummelsburg. Türrjchmidtswafie 6. Abteilung V, Lichtenberg. Frankfurter Chaussee 48/49. Mainzerstrahe 4. Wttbclmstrasze 9. Abteilung VI. Stralau. Siralaucr Allee 20». CfcschUftisantcil 10 Hark. 106/14 Abteilung II» Osten. Montag, den 7. März, abeudö 8'/s Uhr, findet im„Fpcischüta", Fritchtstraste 36a, eine :'W AbteiSungs-Versammlung"WU mit folgender Tagesordnung statt: 1. Voriran.-„Tic moderue Arbeiter- und Geuoficnschaftsbewegiing". Reserenlin: Frau 0r. David aus Mainz. 2. Abicüungs-Nngelegenheiten. Gäste sind sehr willkommen."ML DI« �dteUrtossleltiinL:. Abteilung HI, Moabit. Sonntag» den 13. März, nachmittags 1 Uhr, findet in den Räumen des Hoabltcr Schützenhanaea Familien- Abend unter Mitwirkung dcS Herrn 0r. Alberli, verbunden mit Verlosung für Kinder und sonstigen Ueber« raschungen statt. Gintrittskarten a 35 Pf. sind vorher in den Verkaufsstellen zu haben. Garderobe 10 Pf. Steppdecken SL„. wertesten nur direkt in der gabrit. 7S SvnU- straste?!!, Ivoauchatte Eleppteiken aulgearbcllei werden. v. Strabmandel, Verltn Ick. Illustrierter Prclstatalog graliZ. ganze WohnungS- Einrichtungen, Zimmer- und Küchen-Einrichtungen, sowie jedes stück| einzeln, zu den billigsten Preisen, in guter, gediegener Arbeit empfiehlt s4Z8ZL' MM. LAmdrsekt» »erliu SimeonKtraNse 19, Verlangen Sie, bitte, lllustr. Preisliste. an der Alten Jakobstrafie. Leakelle Msllardeiier-(ieweiteekft. Die letzten Vorkommnisse in der Metallarbeiter-Bewegung haben die Kühnemänner in solchen Siegestaumel versetzt, daß sie glauben, den letzten entscheidenden Streich gegen die Arbeiter und ihre Organisation ausführen zu können, indem sie„ihren" Arbeitern die Ehre rauben und sie zwingen wollen, dieselbe für 2,50 M. zu verkaufen, um an siel» und ibren Kollegen zum Verräter zu werden. Kollegen! Dieses Verlangen wird seit Sonnabend, den 27. Februar d. I., von denjenigen Betrieben, die zur„Vereinigung der Berliner Metallwaren-Fabrikanten" gehören, laut Anschlag gestellt. Unsre Kollegen sollen durch Unterschrift bekunden, das; sie nicht organisiert, das heißt dsss Sie jederzeit bereit sind, als Arbeitswillige(Streikbrecher) ihren Arbeitsbrüdern in den Rücken zu fallen. nur dem frivolsten Uebermut einer brutalen Unternehmer'Organisation war es vorbehalten» diese» aller Kultur höhn* sprechende Forderung ihren Gegnern anfoctrogieren zu wollen. deshalb bewahre jeder seine Shrel Klcht ein einziger nntersehreibe! Unsre Parole ist: Wieder mit der brutalen Unternehmer'Organisation! Koch die Arbeiterbewegung l sso/s Die Ortsverwaltung. Sodaldemokatiseher Verein im 5. Berliner Beiehslags-Wahlkreise. Dienstag, 8. März, 8� Uhr abends: Oeffentl. Versammlung bei Leydeeker, SopHienstr. 34. Tages-Ordnung: t Aus der Praxis der Zlrbeiter-Versicherung. Referent: Reichstags-Abgeordneter Genosse F'rUsGelvrk- Dresden. 2. Diskussion. 3. Partei- und Vereins-Angelegenhoiten. Gäste erwünscht. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet 243/3»_ Der Borstand. Sechster Wahlkreis! Schönhauser Vorstadt« Sonntag, den 6. März, abends 6 Uhr, im Jägerhaus, Schönhauser Allee 103; 219/6 V olks• ¥ er samml ong/ für Männer und Frauen. T a g e S- O r d n u u g: 1. Bortrag des Genossen Waldeck Manasse über: Der Kampf ums Dasein. 2. Diskusston. Nach der Versammlung:<*ciuiitllcl»c» Beisammensein. Zu zahlreichem Besuch ladet ein_ Der Bertrauensmanu. "Volkswrfammlung Montag, de» 7. März, abends 8'/, Uhr. bei Ballselunleaer, Berlin X., Badstr. 16: 1. Der Aerstestreik u. seine Gefahr für die Kranken- Kassen. 2. Die ärchichen FaHndriicker u. die politischen Darteien. Referent: Schriststellcr Georg Wagner. Alle, nicht nur die Krankenlassenmitglieder, haben die Pflicht zu er- scheinen und zu protestieren gegen diesen neuesten Wucher, der sich dem Arzneiwucher würdig anschliesit. Eintritt srci! 287/3 vor Vorstand des Naturheilvereins Charlottenburg-Berlin. r Bureau: SO., Engel-User 15.— Fernsprecher: IV, 3578. Montag, den 7, März 1904, abends 8Va Uhr: Bezirks-Versammlungen. Osten U. Nordosten I Bci Mann, Straussbergerstr. 3. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgcordneten Gen. Dchöpstin über:„Moderne Gewcrtschastskämpse". 2. Diskussion. 3. Vcr- bandS-Angelegcnheiten: Errichtung einer Zahlstelle und Wahl von drei BeitragSsammlern. 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tages-Ordnung halber ist eS Pflicht der Kollegen, zahl- reich zu erscheinen. Uedding nnd Gesundbrunnen:«ÄeSÄ Tages-Ordnung: 1. Vortrag dcS Genossen Bartels über: „Heinrich Seine und seine Dichtungen"(mit Rccitationen). 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Auch Frauen haben Zutritt. Westen und Süd-Westen: Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen A. Zyülle über: „Preußen in Deutschland voran, Deutschland in der Welt voran." 2. Dis- kussion. 3. Wahl eines Mitgliedes der Werkstatt-Kontrollkommission. 4. Ver- bands-Angclegenheiten und Verschiedenes._ DM"" Auch Nichlmitgliedcr und Frauen Häven Zutritt."WZ Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Achtung 1 �atkettlCCJCt! Achtung! Dirnstag, den 8. Mörz 1904, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-User 15(Saal II): Kemmisjioilsjihimg m» t>crtr>iiicnslcii!cii. ES ist Pflicht der Kollegen, aus jeder FirmojHren Vertrauensmann zu senden) die Vertrauensleute werden ersucht, die Statistik abzuliefern. Bezirk Friedrichsberg. DienStag, den 8. März, abends 8>/z Uhr, bei Lutteriüse, Friedrich Karlstraße l 1:_ Versammlung."WW Tages-Ordnung: 1. Vorwag des Genossen Buke über:„Die Lichlenberger Eewerbcgerichtswahl." 2. Ansftellima der Kandidaten zum Eewcrbczericht. 3. Vcrbands-Angclegenheitcn und Verschiedenes. Bezirk Rummelsburg. Mittwoch, den 9. März 1904, abends 8 Uhr, bei Schulz, Kant» und Goethestraßen-Ecke: Mgr Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Liepe über: „Sibirien". 2. Verbands-Angclegcnhciten. 3. Verschiedenes._ 80/2 !v- Montag, den 7. März, abends 8'/. Uhr, bei Granmann, Naunynstr. 27: ISUgUeder-VersammlutiB. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgcordneten Genossen rrltn Xnhell über:„Bringt die Eroberung der politischen Macht die Befreiung des Pro- letariats auS der Lohnlnechtfchast?" 2. Dislusston. 3. Pereinsangelegen- hcitm.__ Gäste willkommen."WS üitr üoftisilttMrtt Der„Sängerkreis der Musikinstrumenten- AlU pcauslung ♦ Arbeiter« veranstaltet am 2. Oster-Fciertag in demselben Lokal ein Familien- Kränzchen Billets a 30 Pf. Rege Beteiligung erwartet________ Der Vorstand. Dienstag, den 8. März 1994» abends 8'/., Uhr, Wcimanns Volksgarten, Badstraße 56: prstteii-Vortrag. Rcserentw: Frl. A!kMlA t. Frauenleiden, von den ersten Anfängen bis zu den schwersten «rtrankuiigen. o Tie kunstliche Beschränkung der Kinderzahl. öS ladet ein 287/5 Oer Verein für Gesundheitspflege Berlin-Norden. Bundes-Nummer ISIS. IS (Ostesi). Dienstag, den 8. März 1904, abends 8'/z Uhr, in der„Königsbank", Große Frankfurterstrafte 117: ZW- IHifglieder-Versammluiig,-WU Tagesordnung: 1. Vortrag des RcichStags-Abgeordneten Z'anl Binger. 2. Diskussion. 3. An den Vorstand gelangte Anträge. Gäste haben Zutritt. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet! Um regen Besuch ersucht 246/12 Iber Vorstand. Arbeiter! Genossen! WtT �ei Uolks Kersannnlungen Montag, den 7. März, in L. Kellers groftem Saal, Koppcnstrafte 29, Dienstag, den 8. März» in P tisch eis„Landhaus", Britz, Chausseestr. 97. Ansre Waffen im proletarischen Klaffenkampf. Referenten: Genosse Simon Katzenstein und Reichstags-Abgeordncter Stolle. Zahlreiches Erscheinen erwarten 106/11 IMe Elnbcrnfer. Gr. Geverksehafis-YersaininluDg am ZKontap. den 7. Mar?» abends 8% Mr. im grossen Saale des ClemevUscbaJtshauses» Sngel-Ufev 15. Tages-Ordnung: Industrielle Reserve-Armeen. Referent: Arbeitersekretär Eti'S?»!!«!» ans Zürich. Diskussion. Um regen Besuch der Versammlung ersucht 300/1 ver Anssduiss der Berliner Gewerkscliafts-Kommission. lovaien-Mersiziiiipltösse ilerStEiiiMEriiRilLitliopplien. Am Dienstag, dm 15. März er., abends 8>/z Uhr, findet im GeWerk- schastshause, Engel-User 15, im großen Saale die ordentliche General-Versammlung pro 1904 statt, zu welcher die samt. lichen Herren Vertreter dieser Kasse hiermit ergebenst eingeladen werden. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht 1903 und Wnahme der Jahresrechnung. 2. Neuwahlen für den Vorstand(§ 10 des Statuts). 3, Wahl des Ausschusses zur Prüsung der Rechnung des lausenden Jahres (S 20 des Slatuts). 4. Antrag auj Zsbänderung des Statuts, S 5, Er- höhung der Beiträge von 10 Ps. auj 30 Ps. pro Woche. 5. Abänderung der Paragraphen des Statuts, die durch Jnkrasttreten des Privat-Ver- sicherungSgesetzes notwendig geworden sind. 6. Verschiedenes. B e r l i n, 2. März 1904. 2360B Der Vorstand. I. A.: A. Schütz, Vorsitzender. Orts-Krnnkenkllsse Dankow. Die aus Grund der Novelle zum Krankenversichcrungs-Gesetz neu bearbeiteten und in der General-Ver- sammlung vom 5. Oktober 1903 be« jchlossenm Kasscnsatzungen haben die Genehmigung erhalten und treten nunmehr am 271/14 7. März 1901 in Kraft. Die Druck- Exemplare stehen im Kasscnlotale— Berlmerstraße S— zur Verfügung. Pankow, den 5. März 1904. Der Vorstand 271/14 der Orts-Kraukenkasse Pankow. Hossrichter. Vorsitzender. in jeder Aus- sührung, gute Arbeit, Teil- zahlung gest. Hermann Brandt, Alte Jakobstr. 65. M-brI Rummrtstinrg. Dienstag, den 8. März 1994, abends 8�Z Uhr, bei Gorgas, Neue Prinz Albertstr. 74: I Kommimahuahler-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Unsre Forderungen an die Gemeindevertretung. Referent: Stadtv. ranz Kotzke. 2. Diskusston. 3. Ausstellung weiterer Kandidaten zur cmcindevertretung. 4. Verschiedenes._ 8/4 Um zahlreichen Besuch ersucht_ Das Wahlkomitee. Sichtetfelder Kranken- und Sterbekasse für lämtlichc Bcrufszweige. e. H. 54. Tonntag, den 30. März 1904, vormittags präcise 10 Uhr, in Berlin, Gewerkschaftshaus. Engel-User 15(Saal VII): General- Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Bericht deS Ausschusses. 3. a) Bericht der Delegierten zur Eenwal-Kommission— Neuwahl, b) Bericht von dem dritten Krankenkassen-Kongreß zu Leipzig. 4. Anträge der örtlichen Ver- waltungen und des Vorstandes. 5. Ergänzungswablen von Vorstands- und Ausschußmitgliedern. 6. Beschwerden von Mitgliedern. 7. Verschiedenes. Der Borst and. 286/20* F. Gelsen- Kersting. Vorsitzender._ tow Kistenmacher! Montag, den 7. März, abends 81/. Uhr, in den Andrcas-Festsäle», Andreassträste 31: WW- VvFSSMMiung Tages. Ordnuung: 4. Vortrag deS Stadtverordneten Genossen Kotzke über: Unsre Social- rcsonn. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 103/5 Kollegen! Unsre letzte Versammlung bat Thatiachen zu Tage gefördert, daß dieser Vortrag wohl angebracht ist; deshalb erscheint alle in dieser Vcr- sammlung. Der Vorstand. I.A.: Karl Jäckel, Rummclsburg. Kantstr. 39. Achtung! Dirnstag, Tapezierer! den 8. März, abends 8'/. Uhr, bei s Alte Jakobitr. 7S: Achtung! Feuerstein, Alte Jakobitr. 75: 101,3 Oeffenftieke Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Fritz Kater: Warum muß die Gelverk- schastS-Bewcgung socialistisch sein'f 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht jedes Kollegen ist es, zu erscheinen.__ Der Elnbernfer: Max Strassar. OclTentlleho XetaHarbeiter-Versaimnlnng Montag, den 7. März, abends K'/z Uhr, im Lokale von IlOftiel,. Frankfurter Chaussee 130. 112/15 TageS-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Gewerbegerichts-Wahlm in Lichtenberg. 2. Diskussion. 3. Ausstellung von Gcwerbegerichts-Beisitzcrn. Zahlreichen Besuch erwartet Der Einbcrufcr. Stettin. Filialen Derlln. Mass-Anzüge Mlass-Paletots S4 und 30 Mark. Unter Garantie des tadellosen Sitzes bei peinlichst prewissenhafter Anprobe liefere ich von prima Partio-Stoflkresten mit guten Zuthaten Anzüge nach Mass zu obigen Preisen. Indem gewesene Angestellte sich speciell auf mein gutes Renommee stützen, mache ich darauf aufmerksam im Interesse des werten Publikums, sich direkt zu wenden an 4195L* Sonnenschein5 Chansscestr. 54 I— ländcnsfr. 95 I. Vereinigyngder, Lackierer Maler, Anstreicher, Dienstag, den 8. März, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-User 15: Vansammlung"WU sämtlicher Klitglieder Berlins nnd der Vororte mit Ausschluss Charlottenhurgs. TageS-Ordnung: 194/5 i. Bericht über die Berschmelzungs-Berhandlungcn. 2. Bericht der Delegierten vom Provinzialtag tu Nauen. 3. Aufstellung der Kandidaten zum Bcztrksbeamtctt. BlltgIl«dsbnQli legitimiert. Regen Besuch erwarten_ Die Filial-Berwaltungen. Kabatt-Sparverein„Süd-Ost". Telephon: Amt IV, No. 283t. Berlin SO. 26, Kottbuser Ufer 44t. Dienstag, den 8. März 1904, abends 8'/- Uhr: Velegierten-Verlammlung im„Hlilrklaelien Hof", Admiralstr. 18c. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Kassenbericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Ersah» Wahl deS Vorstandes. 5. Verschiedenes. AWi- Ein tritt nur gegen Vorzeigung der Delegiertenkarte und Sparbuch."MW 106/12»__ Der Torstand. Orts-Krankenkasse der Mechaniker, Optiker und verwandten Gewerbe zu Berlin. -- 1 11___' ea Sinladung zur ölablverranimlung. Am Sonntag, den 13. März 1904 vormittags von 9'/, bis 13 Uhr, findet im CrcworIlscI»attsUaa8v, Engcl-llfer 15, 8 aal 3 eine 271/13 Wahl-Versammlung _ sämtlicher grostjährige» Kassenmitgliedcr statt. Tages-Ordnung: Wahl von 300 Bcrtrctern zur General- Bersammlung für 1904 und 190S.(Z 49 und 49a des Statuts.) (Nach§ 38 des Statuts ist die Wahl geheim und durch Stimmzettel vorzu- nehmen.) Die Herren Arbeitgeber werden ersucht, den Mitgliedern zum Zwecke der Legitimation bei der Wahlhandlung die Mitgliedsbücher resp. die Mitglieds- karten zu vcrabsolgen. Ohne Legitimation kein Zutritt. Arn Mittwodi, den 16. März 1904 abends von 7 bis 9 Uhr. findet im Kassenlokal, Klostcrstr.<>3/67, Hof 1 Treppe, eine Wahl-Versammlung sämtlicher Arbeitgeber, welche Beiträge aus eignen Mitteln zahlen, statt. TageS-Ordnung: Wahl von 139 Bertrctern zur General- Versammlung für 1904 und 1905.(K 49 und 49a deS Statuts.) (Nach K 38 des Statuts ist die Wahl geheim und durch Stimmzettel vorzu- nehmen.) Die Herren Arbeitgeber können zu Vertretern auch Geschäfts» sübrcr oder Betriebsbcamte der zu Beiträgen verpflichteten Arbeitgeber wählen."Tpß Die letzte Bcitragsquittung ist als Legitimation Ohne Legitimation kein Zutritt. Zum Zweck der Randtdaten-HuffteUung zur vorstehenden Wahlversammlung findet eine Versammlung sämtl Kassen-Kitglieder statt am Montag, den 7. März, abends 8 Uhr 1« den.4rinli)l»allen, Konimandantenstranse SO. TageS-Ordnnng: 1. Ausstellung der Kandidaten. 2. Vortrag über die Zlrztbewcgung und wie stellen sich die Mitglieder zu den Aus- sührungen des Herrn Dr. Mugdan im Reichstag. 3. Verschiedenes. __" Die Käffenmitglieder werden gebeten, die auszustellenden Kandidaten genau'mit Rainen, Vornamen, Wohnung und Kassennummer zu bezeichnen. Zum Zweck der fouäiclatett-JZllffteUlUlg zur Wahl-Ber. sammlung der Arbeitgeber findet eine Versammlung der Arbeitgeber am Mittwoch, den 9. März, abendS 8'/, Uhr, im Sel»nltliel»,-4la»->ellank, Behrenstr. 49, Ecke Fricdrichftr., statt. Tages-Ordnung: 1. Ausstellung der Kandidaten. 2. Verschiedenes. ver Vorstand. I. A.: Erst, Schlenker, Vorsitzender. Die Tuehfabrik-Niederlage � V 43T7L* verkauft spottbillig direkt an Private Herren-Stoffe � für Anzüge, Paletots, � ICindepanzlige etc., Damen« Kostümstoffe. Damen-Tuche, feinste Glanzware. Billard- u. Pulttuche.= Nur solange Borräte reichen! m Unbedingt sollen, wie beschlossen wurde KV ÜAÄiM KV erste ttage „Avant!" Niemals| wiederkehrende Gelegen- 1 heit! Möbel- u. Volstermaren-FabriK l�eickenbergerftrasse 5. 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März, ab vollständig neue Serien von schwarzen und sarbigen Wollenstofsen, schwarzen und farbigen Seidenstoffen, Leinen und Wäsche für Braut- Ausstattungen, aparten Blusen, Kostümen, Röcken und Unterröcken zum Verlaus gestellL Diejenigen Damen, welche von dieser nur alljährlich wiederkehrenden Gelegenheit bereits Gebrauch gemacht haben, wissen, daß fich die Angebote des KaushauseS Singer ACo.. Chausseestraste 36, nicht allein durch die enorm billigen Preise, sondern auch durch vorzügliche Qualitäten auszeichnen. Zur gest. Orientierung sind die Waren in den IS Tchaujenstern d«S Kaufhauses zur Slnsicht ausgestellt, und wollen wir hieraus nur 68 ganz besondere Gelegen- heitSkäuse herausgreifen. Selden-Leiaen, 100 Elm. breit, GelegenheitSkaus, jetzt Mir. 66 Ps.— Reinseidene Foulards aus Hellem und dunklem Fond, jetzt durchweg zurückgesetzt. Mir. 36 biS 30 Psi— Ball-Atlasie in allen hellen und dunklen Farben, jetzt Mtr. 31 Ps.— Halbseidene tarierte Futterstoff«, jetzt Mtr. SS Ps.- Echte Waschseide sür Blusen und Kleider, jetzt Mir. 33 Pf.— Reinseidene Pongäs, groß« Farbenauswahl, jetzt 48 Pf.— Halb- seidene Damasses, Serge und Gloria, jetzt Mir. 43 Ps. — Reinseidene Merveilleux und Tastete, jetzt Mtr. 73 Ps.— ReWseidene DamafleS, jetzt Mir. 98 Pf.— Reinseidene Tastete, aber nur schwärz, gute Qualität, jetzt Mtr. 88 Ps.— Reinseidene Merveilleux, aber mer schwarz, jetzt Mir. 9S Ps.— Reinseidene gemusterte Liberty, jetzt Mtr. 65 Ps.— Reinseidene Saststoste, jetzt Mtr.75Ps.— Rcinseidene schwere Damastes, Brocats und Merveilleux, schwarz und farbig, in neuen, reizenden Mustern. Wert 2,25 bis 5 M.. jetzt bedeutend herab- gesetzt. Mtr. 1,35. 1,85, 2.43 M.— Elsenbein- sarbige Kleider-Atlasse, breite Oualiiät, Mir. 96 Ps.— Elsenbcinsmbige Stleider-Daniastes, jetzt Mtr. I.IO M.— Elsenbcinsarbige Sciden-Brocats. 60 Elm. breit, jetzt Mtr. l.Sv M.— Waschscidcnc Reste, echt und imitiert, bis 3 Mtr., Wert bis 95 Ps.. jetzt Mtr. 16 Pf.- Elegante Seidcnrcste, vorzügliche Oualitätcn. Seiden- Leinen, imitierte und echte Wajchjeide, bis 3 Mir., Wert bis 1.45 M.. jetzt Mtr. 3S Pj.— Aparte Seidenrcsle, darunter 1 Posten Reinseidene Karos und Streiten, bis 4 Mtr., Wert bis 1,63 M.. jetzt 48 Ps.— Leinene Blusen-Reste, imitiert in reizenden neuen Streifen, moderne Farbenstellungen, verschiedene Muster, ein- geteilt in 4 Meler-EouponS. jede Bluse 4 Mtr. 63 Ps. — Leinen, imitiert in schönen Mustern, jetzt Mtr. 16 Pf. — Grenadine-Sloffe jür Blusen und Kleider, jetzt Mtr. S9 Ps.— Elegante Boile-GrenadineS. jetzt Mtr. 38 Ps. — Em Posten Waschstoste, bell und dunkel, durch- schniitlich Mtr. S« Pj.— Reinwollene, elsenbeinfarbige Cheviots, doppeltbreit, Mtr. 72 Pf,_— Elsenbeinfarbige AipnceaS. seidenglänzende Qualität, 115 Elm. breit, Mlr. 78 Ps.— Reinwollene Mousseline. jetzt Mtr. 68 Ps.— Reinwollen« schwarz» und farbige Poile-GrenadineS, 110 Elm. breit, vorzügliche Qualität. jetzt Mtr. 83 Ps.— Reiiiwollen« Ti-ch.FoulsS. neu« Farben, auch schwarz. 120 Elm. breit. Bert S M.. jetzt Dftr. 83 Pj.— Hellere Tommerstoste von letzter Saison, doppelibreit, Mtr. 33 Vi— Voile-stoffe mit Noppen, doppeltbreit, jetzt Mtr. 58 Pj.— Glatte rein- wollene Beige- Stoste, doppeltbreit. Mir. 63 Ps.— Aparte Koslüm-Stoste in englischem Geschmack, 110 Elm. breit, jetzt 68 Ps.— Lawn-Tcnnis-stoste, schwere Qualität, doppelibreit. Mir. 6S Pf.— Schwere Cheviots, 115 Elm. breit, Wert t.65 M.. jetzt Mtr. 68 Pi.— Homespuns, schwere Qualität, auch Marengo, 110 Ctm. breit, jetzt Mtr 63 Pf.— Schwarze reinwollene Krepp» Stoste, doppcltbreit, jetzt Mtr. 68 Pf.— Schwarze reinwollene Tuch-FouleS, 120 Elm. breit, jetzt Mtr. 83 Ps. — schwarze glatte Alpacca-stoste. scidcnglänzende Qualität, doppellbrcit, jetzt Mlr. 68 Pf.— Schwarze Mohair-Krepp-Sioste uni, 110 Ctm. breit, jetzt Mlr. 68 Ps.— Schivarze uirnvollens Kostüm-Cheviots, 110 Ctm. breit, jetzt Mtr. 78 Ps.— Schwarze Mohair- Krepp-Stoste. gemustert, doppeltbreit, jetzt Attr. 68 Pt. — Groste Sortimente einzelner Roben in karierten Stosten. in einsarbigen Stosten. in gestreiften Stoffen, in gemusterten Stosten, gutc� Qualitäten, zurückgesetzt, eingeteilt in 7 Meter Stost(feine Warpstostc), zum Sclbst-Zlussuchen, jetzt durchschnittlich jede Robe 1,93 M.— Graste Sortimente einzelner Roben in extra breiten Kostüm-Stosten, in englischem Geschmack, in Homespun«, schwere aule Qualitäten, neue Stellungen, einzcteill in einzelnen Roben. 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Januar 5» Gunsten der Crimmilschauer Weber ergab eine Ein- nähme von 736,20 M.; die Ausgabe betrug 9�,00 M. Ferner gab der Vorsitzende die Schlußabrechnung der Listen vom Crimmitjchauer Streik, welche"ine Einnahme von 3817,75 M. auf 328 Listen cr- gab. Auf die am 6. März er. stattfindende Delcgicrtenwahl wurde nochmals aufmerksam gemacht. Neu Wcistcnsec. Am 3. März 1004 fand im Lokal„Zum Prälaten" eine öffentliche Versammlung der Gast- und Schankwirte statt, welche sich mit der Frage der Gcmeindcvcrtreter-Wahlen und der Stellung der Gast- und Schankwirte zu denselben beschäftigte. Genosse L i t f i n, welcher das Referat übernommen hatte, geißelte mit scharfen Worten das Vorgehen der Behörden solchen Gast- und Schankwirten gegenüber, die aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen, und schloß mit der Aufforderung an die Anwesenden, bel der bevorstehenden Gcmeindevcrtrctcr-Wahl für die focialdemo- kratischen Kandidaten einzutreten und zu agitieren. Lebhafter Beifall lohnte den Redner. An der lebhaften Diskussion, die sich im Rahmen des Vortrages, diesen ergänzend, bewegte, beteiligen sich die Gastwirte Frenz. Schumann. Q u a st. N z k u r e i t, Schmutz und die Genossen Taubmann und Schillert, worauf folgende Resolution einstimmige Annahme fand:„Tie heute im Lokal„Zum Prälaten" tagende öffentliche Versammlung der Gast- und Schankwirte Wcißensecs verpflichtet sich, bei den demnächst statt- findenden Gemeindcvcrtreter-Wahlen für die Kandidaten der Social- dcmokratie in der 2. und 3. Abteilung einzutreten und für diese ihre Stimme abzugeben." Pankow. Am 1. März fand im Roczyckschcn Lokale eine öffcnt- liche Wählerversammlung statt. Der Referent des Abend», Genosse Freiwaldt, gab einen längeren Bericht über die Thätizkeir der socialdemokratischen Gemeinde Vertreter im Orte. Aus dem allen lvar zu ersehen, wie schwierig eS unsren Genossen gemacht wird, die Forderungen des socialdemokratischen Kommunalprogramms durch- zusetzen, wie jedoch trotzdem vieles durch die Mitarbeit unsrer Ver- treter in der Verwaltung der Gemeinde besser geworden sei. Die Versammlung gab ihre Zustimmung zu dem Bericht durch reichen Beifall zu erkennen. In der regen Diskussion, welche dem Vortrage folgte, brachten die Genosten Witte. Kronfcld, Fengler und Sonntag eine Reihe lokaler Beschwerden vor. Als Kandi- daten zu der am 16. März stattfindenden Gcmeinderatswahl wurden die Genossen Fengler und K u b i g aufgestellt. Der Vorsitzende machte dann noch bekannt, daß mn Sonntag, den 13. d. Mts.. noch eine Flugblattverbreitung stattfindet, und daß am Montag, den 14. d. Mts., zwei Versammlungen, eine bei Roczpcki, Kreuzstraßc, und eine bei Wendt, Kaiser Friedrichstraßc, abgehalten werden. Ter Wahlvcrein für Reinickendorf hielt am 23. Februar seine halbjährige Generalversammlung ab, in der Genosse Dr. A I b c r t i über das Thema„Socialismus und Rußlands Misere" referierte. Tic Diskussion wurde nicht gewünscht.— Die Abrechnung des Kassierers Ml Leonhardt ergab folgendes: Einnahme 664,62 Mark, Ausgabe 543,20 M., Lestand 121,42 M.— Die AuSschluß- liste der scchSmonailichen Beitragsrestanten wurde angenommen.— An Stelle des bisherigen ersten Vorsitzenden Heinrich Schumacher wurde der Genosse Hermann Lorenz gewählt.— In das Komitee für die Gemeindewahl wurden die Genossen Brandes, R. Lorenz und Schumacher gewählt.— Am«chliisse der Ver- sammlung wurde eine eingebrachte Beschwerde dem Gemcindcvertrctcr Ohl übergeben; nach derselben soll eine Lehrerin das Züchtigungs- recht überschritten haben. Treptow-Baiimschulenweg. Am Montag fand in Ackermanns Festsälcn eine öffentliche Gemcindcwähler-Vcrsamnrluug statt, in welcher der Reichstags-Abgeordnete Ad. Hoffmann über die be- vorstehende Gemeindevertretcrwahl referierte. In der Diskussion wurden im allgemeinen die Uebclstände beleuchtet, welche auf allen Gebieten am Orte und speciell in der jetzt amtierenden Gemeinde- Vertretung vorhanden sind. Im besonderen wies Genosse Grame nz auf die Rückständigkcit in Bezug auf die Schul- Verhältnisse am Orte hin. Diese Ausführungen wurden sodann noch in treffenden Worten durch Genossen H o f m a n n- Treptow er- gänzt, während Genosse Karow besonders das Gebiet der Armen- pflege einer herben Kritik unterzog. Tie Genossen König und Krebs wiesen auf die Notwendigkeit der Besetzung des Wahl- Vorstandes am Tage der Wahl durch nnsre Parteigenossen hin und forderten die Anwesenden auf. vor Anfmig der Wahl, pünktlich um 4 Uhr zu erscheinen. Als Kandidat wurde auf den Vorschlag des Wahlkomitecs der Genosse Robert G r a m c n z aufgestellt. Ad lere Hof. Am Sonntag fand hier eine öffentliche Volks- Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1.„Die Kultur- schwach in Preußen und die revolutionären Strömungen in Ruß- land", Referenr Genosse Dr. Alberti; 2. Diskussion; 3. Tie bevorstehende Gcmeinderatswahl in Adlershof.— Da wir hier mit allen Möglichkeiten zu rechnen haben, so wurde der 3. Punkt als erster behandelt.— Genosse Hilde- brandt als Gcmcindevertreter gab einen längeren Bericht über die Thätigkcit der Gemeindevertretung und teilte unter andcrm mit, daß von der Gemeinde zwei BccmNe zur Straßenrcinigung angestellt sind, daß dieselben aber nur 310 Arbeitstage unter dem ortsüblichen Tagelohn von 2,70 M. bezahlt erhalten sollen. Dann wurde als Kandidat der Socialdemokratic für die Gemeindevertrcter-Wahl Ge- nosse Fr. Wölbling proklamiert. Darauf wurde eine Resolution cm- genommen, ür der die Versammlung den Beschluß der letzten Ge- mcindcvcrtrcter-Sitzung, betreffend Anstellung von Straßcnreini- gungs-Arbeitcrn unter dem festgesetzten ortsüblichen Tagelohn von 2,70 M. bedauert und eine Acnderung durch Aufhebung des Be- schlusses erwartet. Zugleich ersucht die Versammlung, den Beschluß, nur 310 Arbeitstage zu bezahlen, gegenüber den andern beschäftigten Beamten gleichfalls zu ändern, um die Leute bei einem Tagelohn von 2,70 M. während der Feiertage nicht verhungern zu lassen.— Tann erhielt der Referent Genosse Dr. Alberti das Wort zu seinem Vortrag. Tie Versammlung schloß sich seinem Protest gegen die Behandlung der russischen Studenten in Preußen durch eine Resolution an. Johannisthal. In der am 2. März abgehaltenen Versamm- lung des hiesigen socialdemokratischen Wahlvercins hielt Genosse O b st einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag. Der Referent behandelte in eingehender Weise unsre auf kommunalem Gebiet liegenden Forderungen.— Als Kandidat für die demnächst statt- findende Gemeindewahl wurde hierauf der Genosse R a d u m k e einstimmig aufgestellt. Ter Gemeindevorsteher soll ersucht werden, die Wahl wieder wie im Jahre 1902 in der Zeit von 4—7 Uhr statt- finden zu lassen._ Rrbelter-Samarkterkolonne. Morgen Montag, abends S Uhr, in der Filiale. Brunnenstr. 154: Vortrag über Zahn- und Mundkrankhcitcn. Aachher praktische Ucbungcn. Gäste willkommen. Neue Teilnehmer können in den Ucbungsltundcn der Kolonne eintreten. Eintrittsgeld sowie Monats- bcitrag 25 Pf. Die Bibliothek steht den Teilnehmern unentgeltlich zur Ver- sügung. Verein der Buchdrucker und Schriftgiesser für Rixdorf-Vritz. Sonntag, den 6. März, nachmittags 2 Uhr: Versammlung in der Ver- einSbraucrei. Cdochen-öpiclplan der ßcrlirnr Cbeater. Königliches QpcrnhauS. Sonnlag: Der Freischütz. Montag: Der fliegende Holländer. Dienstag: Manon. Mittwoch: 7. Sinsonic-Abcnd der kgl. Kapelle. Donnerstag: Samson und Dalila. Freitag: Figaros Hochzeit. Sonnabend: Lohengrin. fllnfang 7 Uhr.) Sonntag: Äignon. Montag: Carmen. Königliches Schauspielhaus. Sonntag: Götz von Berlichingen. CAnfang 7 Uhr.) Montag: Jugend von heute. Dienstag: Götz von Berlichingen.(Anfang 7 Uhr.) Mitlwoch: Geschlossen. Donnerstag: Jugend von heute. Freitag: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Goldsische. Sonntag: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Götz von Berlichingen.(Anfang 7 Uhr.) Neues köntgl. Opern-Theatcr. SonMag bis Sonnabend: Geschlossen. Sonntag(lJU: Die Fledermaus. Montag: Geichlossen. Tchiller- Theater v.(Wallncr-Theater.) Sonntagnachmittag: Der Eompognon.(Ansailg 3 Uhr.) Sonntagabend: Uriel Acosta. Montag: Die Wildente. Dienstag: Die Kinder der Exccllen». Mittwoch: König Lear. Donnerstag: Uriel Acosta. Freitag: Die Kinder der Excellenz. Sonnabend: König Lear. Sonntagnachmittag: Wallenstein« Lager. Die Piccolomini.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Wildente. Montag: Tie Wildente. Tchtllcr-Dheater X.(Friedrich Wilhelmstädtisches Tbeatcr.) Sonntag: Die Stützen der(öesellschast. Montag: Lumpaewagabundu«. Dienstag: Lumpacivagabundns. Mittwoch: Die Kinder der Exccllcnz. Donnerstag: Vasantasena. Freitag: Lumpacivagabundus. Sonnabend: Vastratasena. Sonntag und Montag: Lumpacivagabundus. Deutsches Theater. Sonntagnachmiitag? Monna Vanna.(Ansang 2stz Uhr.) Sonntagabend: Chrono von Bcrgerac. Montag: Rose Bernd. Dienstag: Der einsame Weg. Mittwoch: Novclla d'Zlndrea. Donnerstag: Der einsame Weg. Freitag: Rose Bernd. Sonnabend: Ora et labora. Das Wunder des hl. Antonius. Sonntagnachmittag: Roscnmontag. (Ansang 2'/. Uhr.) Sonnlagabend: Ora et labora. Das Wunder beä hl. Antonius. Montag: Novella d'Andrea. Berliner Theater. Sonnlagnachmittag: Alt-Heidewerg.(Ansang 2'/, Uhr.) Sonniagabcnd: Walcrkant. Montag: Maria Theresia. Dlcns- tag: Waterlant. Mittwoch: Maria Theresia. Donnerstag: Waterkant. Freitag: Maria Theresia. Sonnabend: Alt-Hcidelbcrg. Sonntagnachmittag: Götz von Berlichingen.(Ansang 2,/j Uhr.) Sonntagabend: Waterlant. Montag: Maria Theresia. Lessing-Theater. Vom Sonntag, den 6. März bis Montag, den 14. März: Zapfenstreich. NeueS Theater. Sonntag: Candida. Montag: Der Schlachtenlcnker. Schwester Beatrix. Dienstag: Logik dcS Herzens. Salome. Mittwoch: Logik des Herzens. Medea. Donnerstag: Candida. Freitag: Minna von Barnheim. Sonnabend: Candida. Sonntag: Minna von Banihelm.. Montag: Der Sttom. Theater des Westens. Sonntagnachmittag: Martha.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Der Bcttclstudcnt. Montag: Die Fledermaus. Dienstag: Die Tante schläft. Barbier von Sevilla. Mittwoch: Die lustigen Weiber von Windsor. Donnerstag: Der Posttllon von Lonjmneau. Freitag: Der Templer und die Jüdin. Sonnabend: Der zerbrochene Krug. Sonntag- nachmittag: Zar und Zimmermann.(Ansang 3 Uhr). Sonntagabend: Der Trompeter von Säkkingen. Montag: Die Postillon von Lonjumcau. Luisen- Theater. Sonntagnachmittag: Maria Stuart.(Anfang 3 Uhr.) Sonnlagabend: Philivpine Welser. Montag: Die goldene Eva. Dienstag: Uriel Acosta. Mtttwoch: Di- Kohlenschulz'n von Berlin. Donnerstag: Eine leichte Person. Freitag: Die Kohlcnschulzw von Berlin. Sonnabend: Eine leichte Person. Sonntagnachmittag: Phiiippine Weiser. (Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Kohlenschulz'n von Berlin. Montag: Philippine Wester. Residenz. Theater. Sonntagnachmittag: Cm Seitensprung.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Empsehluna. Der keusche Casimir. Von Moruaz bis Sonnabend: Die Empsehluna. Der keusche Casimir. Sonntagnachmittag: DaS grosie Geheimnis.(Ansang 3 Uhr.) Sonnlag- abend: Die Cmpschlung. Der keusche Casimir. Viontag: Die Empschlung. Der keusche Casimir. Kleine» Theater. Sonntagnachmittag: Schöne Seelen. Don Carlo«. Serenissimus u. a.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend; Mutter Landstratze. Montag: Elckwa. Dienstag: Mutter Landftrajze. Mittwoch: Rachtaiyl. Donnerstag: Mutter Landstraße. Freitag: Elektra._ Sonnabend: Des Pastors Rieke. Eonntagnachmittag: Kollegen. LicbeSträume. Don Carlos. Serenissimus.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Nachtasyl. Montag: DeS Pastors Rieke. Trianon-Thcater. Sonntagnachmittag: BiScotte.(Ansang Z Uhr.) Sonntagabend: Madame X. Vom Montag bis Sonnabend: Madame X. Sonntagnachmittag: Biscotte.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Madame X. Montag: Madame X. Thalia- Theater. Sonntagnachmittag: CharlehS Tante.(Anfang 3>/z Uhr.) Sonntagabend bis Sonnabend: Der Hochtourist. Sonntag- nachmittag:«barley» Tante.(Ansang 3'/, Uhr.) Sonntagabend und Montag: Der Hochtourist. Belle- Nlliance- Theater. Sonntagnachmittag: Der Hüttenbesitzer. (Ansang 3 Ubr.) Sonntagabend bis Sonnabend: Götterweiber. Sonntagnachmittag: Der Pfarrer von Kirchseld.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend und Montag: Götterweiber. <5arl Weifs-Theater. Sonntagnachmittag: Der Bettelstudent von Berlin.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Zwei Frauen. Montag: Zwei Frauen. Dienstag: Zwei Frauen. Mtttwoch bis Freitag: Zwei Frauen. Sonnabendnachmittag: Aschenbrödel.(Antang 4 Uhr.) Sonnabendabend: Zwei Frauen. Soimtagnachtniiiag: Ilse Römer. Sonntagabend und Montag: Zwei Frauen. Gentrai-Theater. Sonntagnachmittag: Die Geisha.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Das Schwalbennest. Montag und DienStag: Da? Schwalben» nest. Mittwochnachmittag: Liederspiele und Idyllen.(Ansang 4 Uhr.) Mittwochabend bis Freitag: Das Schwalbeimest. Sonnabendnachmittag: Der gestteselt« Kater.(Ansang 4 Uhr.) Sonnabendabend: DaS Schwalben- nest. Sonntagnachmiitag: Die Puppe.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend und Montag: Das Schwalbennest. Tcutsch-anicrikaiiischco Theater. Allabendlich: Uebcr'n großen Teich. «pollo-Tdeater. Sonntagnachmittag: Lysistrata. Spectalitäten. All- abendlich r Frühltngslnft. Gebrüder Herrufcld-Theater. Allabendlich: Nur eine Nacht. Metropol- Theater. Allabendlich: Durchlaucht Radieschen. Gastuo-Theater. Sonntagnachmittag: Wie einst im Mai.(Anstlna 4 Uhr.) Allabendlich: EiÄuSsce. 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Redakteur: Julius Kaliski, Berlin. Lür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Berlag:Borwärts Buchdruckerei u. Beriagsaiiitalt Paul /Znnakme- Stellen für„kleine?Zn2eigen". Osten: WengelS. Gr. Frankfurterstt. 133, tz. Gustav Bogel, Koppcnstr. 85. H. Ramm. Holzmarktitr. 48 a. Vordosten: I. Rcul, Barnimftt. 42. Xorde»: S. Raschke. Rügencrstt. 24. Karl Mar». Kastanicn-Allee 95/96. E. Siolheuburg, Wiefenftt. 41/42. L. Techand, Ruheplatzstt. 24. H. Vogel. Tcmmincrstt. 32. A. Tich. Jnvalidenslr. 124. Nordwesten: Karl Anders, Salzwedelcrstr. 8. Südwesten: H. Werner. Mitlenmalderstt. 30. H. Schröder, Krcuzbcrgstt. 15. . 8üden: St. Friß, Prinzcnstr. 3l. F. Gutschmidt. Kottbuscr Damm S ßitidosten: Paul Böhm, Laufitzcr Platz 14,15. Martin Mcscha, Adalberistr. 24. P. Horsch, Engcl-Uscr 15. Charlottendnrx: . Scharnbcrg. Scscnheimerstr. 1. hitexlltu: H. Bernsce. schlaßstr. 115. Vrledrlchsderx: C. Seikel. Kronprinzenstr. oft PanUow; Kümmert. Floraftt. 48. Rixdorf: M. Heinrich. 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