Nr. 60. nbonnementS'ßedingun�n: SffionnementS- Preis tränumetanSa'j Lierteljährl. 3,30 Mk. monaü. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei inS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags, nuimner mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monas, Eingetragen in die Post-ZeitungZ» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. S1. Jahrg. Die Inieetions'Gebabr beträgt für die sechSgcspaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg,, für politische und gewcrlschastlichc Vereins- und VersammlungS-Anzcigcn Sö Pfg. „kleine Hnzcigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg,, jedes»eitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaden zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Stummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Elpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Cridjcint täglich außer GlontagS. Vevlinev Volksblakk. Telegramm-Adresse: ..Sozlslllemsllrat Ilerlin". Z�entralorgan der fostaldcmokrattfchen Partei Deutfd�landd. Redaktion: 8Wl. 68, Lindcnstrasac 69. Kernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 11. März 1904. Expedition: 8M. 68» landenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Organisierter Terrorismus. „Streng vertraulich" versendet der Geheime Kommerzieurat Dr. E. Websly zu WüstelvalterZdorf als Vorsitzender des Verbandes Schlcsischer Textil- Industrieller Einladungen zum Anschluß an den genannte» Verband. Warum„streng vertraulich"? Das lehrt ein Blick in den Inhalt der streng vertraulichen, uns von mehreren Seiten zur Verfügung gestellten Schriftstücke. Der Verband hat seine alten Statuten am 2. Februar aus Statuten znr Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen der Textilindustrie in solche zur gcsetz- widrigen Änechtung und Verfolgung der Arbeiter lmd zur Unterjochung der kleineren Textil-Jndustricllen unter den Willen ihrer großen Konkurrenten umgewandelt. Die Gemeingefährlichkeit des neuen Statuts und das böse Gewissen der Väter dieser„neuen Statuten" scheut die Ocffentlich- kcit. Desto mehr Grund liegt für uns vor, gegen ihren Willen den Inhalt dieser Statuten zu veröffentlichen. Das neue Statut des Verbandes schlesischer Textil- Industrieller bezeichnet in§ 1 als Zweck des Verbandes neben der Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen der Textilindustrie in Schlesien„einen Zusammenschluß der der schlefischcn Textilindustrie angehörigen Arbeitgeber mit dem Zweck, ein gedeihliches Zusammenwirken von Arbeitgebern und Arbeitern in den Betrieben der Mitglieder zu fördern, entstehende Streitig- leiten nach Möglichkeit zu schlichten, unberechtigten Forde- rungen der Arbeiter aber, namentlich u n- berechtigten Arbeitseinstellun g.e-n, durch gemein- sameS Vorgehen wirksam entgegen zu treten. Deutlicher als dieser, wohl vom Verbandssyndikus Rechtsanwalt Dr. Neisser stilisierte 8 1 zeigt der weitere Inhalt der Statuten, wohin die Reise geht. § 13 des Statuts stellt über das Verfahren bei Streitigkeiten in den Betrieben der Mitglieder folgende Borschristen auf. Im Falle von Arbeitseinstellungen oder sonstigen Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wählt der Ausschuß des Verbandes aus seiner Mitte eine Kommission von sechs Mitgliedern. Diese Kommission ist befugt, weitere Personen zu kooptieren. Die Kooptierten sollen mindesten zur Hälfte Arbeitgeber desjenigen GewerbSzwcigeS fein, in dem die Streitigkeiten zu Tage getreten find,„die andre Hälfte braucht nicht aus Arbeitgebern zu bestehen". Diese Kommission soll nach Ausbruch eines Streiks die Verhältnisse an Ort und Stelle prüfen und mit den Arbeitern in Verhandlung treten.„Sind die Verhandlungen erfolglos, so hat sie sich darüber schlüssig zu machen, ob sie die Nicderlcgung der Arbeit durch die Arbeiter, bczw. die Aussperrung derselben durch den Arbeitgeber für berechtigt oder für unbegründet erachtet." Auf Grund des Berichts der Komniission entscheidet dann der V e r b a n d s a u s s ch u ß. „Werden durch diese Entscheidung die Forderungen der Arbeiter als berechtigte anerkannt"— wie frevelhaft muß das Verhalten eines Arbeitgebers fein, wenn der Ausschuß dieser Kampforganisation von Arbeitgebern ihm Unrecht glebtl—„so wird dies dcni betreffenden Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt, welcher sich der Entscheidung zur Vermeidung dauernden Ausschlusses aus dem Verband unbedingt zit unterwerfen hat. Geht dagegen die Entscheidung deS Ausschusses dahin, daß die Niederlegung der Arbeit unberechtigt, bezw. die Aussperrung berechtigt ist, so erhält das davon betroffene Mitglied eine Entschädigung für jede Woche vom Beginn der Arbeitsniederlegung jener Lohn- oder Gehaltssumme, welche der Beitragsberechnnng, verteilt auf eine Lohnwoche, zu Grunde gelegt ist. Dem Ermessen des Ausschusses bleibt es vorbehalten, auch höhere Entschädigung zn gewähren. Ein Rechtsanspruch auf Streikentschädigung besteht nicht. Der Ans- s ch u ß kann die Verbandsbeiträge bis zum doppelten Betrage erhöhen, wenn die Anforderungen an die Verbandskasse die vorhandenen Mittel übersteigen.„Es sind ferner, sobald ein Streik vom Ausschuß als unbegründet bezw. eine Sperre als begründet erklärt iv orden ist. die Wer- bandsmitglieder hiervon zn benachrichtigen, welche dann ihrerseits verpflichtet find, diejenigen Arbeiter, die die Arbeit eingestellt haben oder gesperrt sind, in ihre Betriebe nicht a u f/z u- u e h m e n." llnverhüllter ist wohl statutarisch der gesetzwidrige TcrroriSmuS einer Arbeitgebergruppe noch nicht festgelegt worden. Der mit so mächtigen Befugnissen ausgestattete Ausschuß besteht aus dem Vorsitzenden, seinen drei Stellvertretern und 12 bis 20 loeitcren Personen, die sämtlich in der Hauptversammlung zu wählen sind. In der Hauptversammlung besteht nicht Gleichheit des Stimmrechts. Das Stimmrecht ist vielmehr nach der Höhe deS Jahresbeitrags abgestuft: der Reichste hat die meisten Rechte. Ein Jahresbeitrag bis 25 M. verleiht eine, von 26 bis 50 M. Zwei, von 51 bis 100 drei, von 101 bis 200 vier Stimmen und für jede ivcitere 100 M. Jahresbeitrag eine Stimme mehr. Damit die Kleineren ganz sicher von den Großen aufgefressen werden, ist ihnen gestattet, sich vertreten zu lassen. Ter Beitrag der Verbands« Mitglieder besteht in einem einmaligen Betrag von 25 Pf. pro Kopf der von ihm beschäftigten Fabrikarbeiter und in ciueni Jahresbeitrag von 50 Pf. für jedes angefangene tausend Mark der von der Schlesischcn Textil-Berufsgenossenschaft bezw. Seiden- BerilfSgenossenschaft als anrechnungsfähig aufgegebenen Lohnsumme. Nach 8 lö2 der Gcwerbe-Ordnung sind diese Beiträge nicht klagbar. JndeS hofft der Verbandssyndikus wohl, daß die Wirt- schaftliche Macht der großen Finnen ausreicht, um die rechtswidrigen VermögcnSvorteile dein Verband und feinem wohlbczahlten Bureau zuwenden zu lasten. 8 152 der Gclverbe-Ordnung stellt ausdrücklich jedem Teilnehmer einer Vereinigung zur Erlangung günstiger Lohn- oder Arbcitsbedingungcn.'insbcfondere mittels Entlassung der Arbeiter, den Rücktritt von solcher Vereinigung frei und untersagt jegliche Klage aus solcher Vereinigung. Die gesamte Neuorganisarion des Verbandes stellt sich als eine Verbindung dar, die die Voll- ziehung dieses zweiten Absatzes des'8 152 der Gewerbe- Orgnung und das Recht des Arbeiters, Arbeit sich unter den ihm günstigsten Bedingungen zu suchen, durch ungesetzliche Mittel zu entkräften sucht. Die Teilnahme an einer solchen Verbindung ist nach§ 129 Str.-G.-B. mit Gefängnis bis zn zwei Jahren zu bc- strafen. Indes— wenn zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe, Der Verband zur Terrorisierung der kleineren oder zur Nachgiebigkeit gegen Forder lin gen der Arbeiter geneigter Unternehmer und der in der Textilindustrie beschäftigten Arbeiter, wird sogar suchen, sich in das Vereinsrcgister des Amtsgerichts zn Breslau ein- tragen zu lassen. Immer dringlicher offenbart sich die Gemeingefährlichkeit de' schrankenlos kartellierten Unternehmertums, immer lebhafter die Notwendigkeit eineS Schutzes der Arbeitskraft gegen schwarze Listen und ähnliche terroristische Bceinträch- tigungen der persönlichen Freiheit des Arbeiters. Durch ausdrück- liche Festlegung der civilrechtlichen und strafrechtlichen Haftung solcher Versuche, den Mitmenschen deS eignen höheren Profits halber an der Verwendung feiner Arbeitskraft zu hindern. Der Krieg in Osiasieu. Tokio, 10. März. Vom Admiral Kamimura, Ehef des zweiten Aeschtvaders, ist folgender Bericht über den Angriff au Wladiwostok eingegangen. Wie vorher angeordnet, kam das Ge- schwader an der östlichen Einfahrt von Wladiwostok am Morgen deS 6. März an und mutzte noch die mit Eis bedeckte See passieren. Feindliche Schiffe wurden im äußeren Hafen nicht gesehen. Die japanischen Schiffe näherten sich den Batterien an der Nordostkiiste von einem Punkt anßerhalb des Schuß bereichs der Batterien auf dein Balzan- Vorgebirge und der Bosporusstraße. Nachdem wir den inneren Hafen von 1 Uhr 50 Minuten an ungefähr 40 Minuten lang beschossen hatten, zog sich das japanische Geschwader zurück. Ich bin der Ansicht, daß die Beschießung bedeutenden Schaden eingerichtet hat. Man sah Soldaten an Land, aber die russischen Batterien er- widerten das Feuer nicht. Um sechs Uhr nachmittags wurde schwarzer Rauch in der östlichen Einfahrt bemerkt, und ich glaubte, es rühre von den feindlichen Schiffen her, aber der Rauch ver- schwand allmählich wieder. Am Morgen des 7. März unternahm das japanische Geschwader eine NekognoSziernngSfahrt in der Amerikai-Bai und Strclok-Bai, aber es wurde nichts Ungewöhnliches bemerkt. Die Schiffe näherten sich um Mittag wieder der östlichen Einfahrt von Wladiwostok, aber es wurden weder feindliche Schiffe gesehen, noch schössen die Batterien. Das Geschwader ging dann nach der Possict-Bai, aber da auch dort nichts vom Feind zit sehen war.�zog es sich wieder zurück. Dem„Rcutcrschen Bureau" sind folgende Telegramme zu- gegangen: Sich!, 0. März. Die Russen besetzten heute die koreanische Tel e g r a p h en st a ti 0 n I ö n g w ö n. Zwischen Koreanern und Russen hat, wie hierher berichtet w i r d, a n f der koreanischen Seite des Tumen- Flusses ein Gefecht stattgefunden. Tolio, 9. März. Hier wird versichert, bei dem am 24. Fe- bruar unternommenen Versuch der Japaner, Port Arthur zu blockieren, seien russische Torpedoboots- z e r st ö r e r, als sie in den inneren Hafen zn entkommen versuchten, auf eine Mine gestoßen und g e f u n k e n. A ch t von d r e i z e h n r u s s i s ch c n K r i e g s s ch i f f e n, die im Hafen lagen, seien kampfunfähig gemacht worden. Das Hwang tschintschan-Fort von Port Arthur fei durch die japanischen Granaten zur Hälfte zerstört worden- nur drei Batterien seien jetzt brauchbar. An der Reparatur der russischen Schiffe arbeiteten 409 Chinesen und 490 Russen. Die russischen Streitkräsle in Port Arthur sollen etwa 2999 Mann betragen. Iiiiknu, 9. März. Die Russen haben heute in Niutschwaiig zwei Belagerungsgeschütze und zwei Haubitzen ausgeladen. Der englische Konsul forderte die englischen Frauen und Kinder ans, Niutschwang zu verlassen, ehe der Fluß eisfrei ist. Japanische Vorschriften für Kriegsberichterstatter. Tie von der japanischen HecrcSkeitnng erlassenen Vorschriften für ZeitiingSkorrcspondcntcn lauten nach einer Mitteilung deS amerika- nischcn Gesandten in Tokio folgendermaßen: Kein Korrespondent darf irgend welche Nachrichten, selbst privater Natur, abschicken, bis ic von dem damit beauftragten Offizier geprüft worden sind. Der Korrespondent muß europäische Kleidung tragen und um den linken Arm ein Band anlegen, ivorauf in japanischen Schriftzcichcn in roter Farbe der Name des von ihni vertretenen Blattes angegeben ist. Jeder.Korrespondent darf einen Dolmetscher und einen Diener bei ich haben. Bereits.Hinrichtungen? Von nnsrem russischen Korrespondenten wird uns mitgeteilt: Am 28. Februar hat in Bakum auf dem Kaukasus eine regierungsfeindliche Demonstration stattgefunden, die sehr stürmisch perlaufen ist. Die Polizei wurde von der Menge überwältigt und der Gouverneur, der eine Ansprache halten wollte, mußte sich chlcunigst zurückziehen. Wie wir soeben erfahren, sollen mehrere verhaftet� Teilnehmer dieser Demonstration dem Kriegsgericht vorgeführt, sechs von ihnen bereits zum Tode verurteilt und gehängt worden sein. Es bleibt die Bestätigung dieser ungeheuerlichen Nachricht ab- zuwarten. Freilich sind im Zarenreiche die ungeheuerlichsten Dinge gerade die wahrscheinlichsten.— politLscbe deberficdt. Berlin, den 10. März. Regierungssorge. Schon seit längerer Zeit kann der aufmerksame Beobachter eine eigentümliche Gestaltung der Verhandlungen im Reichstage bemerken und zwar sowohl derjenigen im Plenum wie in gewissen Kommissionen. Insbesondere wird öfter in unmotivierter und probokatorischcr Weise sowohl vom Regicrungstischo wie seitens der verschiedenen bürgerlichen Parteien gegen die Socialdcmokratie zu Felde gezogen in Tönen, wie wir sie nur in der Zeit vor und während des Socialistcngcsctzcs zu hören Gelegenheit hatten. Andrer- seits wird in auffälliger Weise das Centrum mit Liebens- Würdigkeiten und Entgegenkommen überschüttet, obgleich gerade die Haltung des EentrumS in der gegenwärtigen Session— wir erinnern nur an sein Vorgehen in der Budgetkontniission— weniger als früher dazu Veranlassung zu geben scheint. Auch die unerwartete Aushebung des§ 2 des Jesuitengcsetzes spricht dafür, daß man in den regierenden Kreisen in eine andre, günstigere Situation zu gelangen trachtet. Das Bild wird vervollständigt, vergegenwärtigt man sich, daß der Ausfall der letzten Reichstagswahlen bei den Regierungen wie bei den herrschenden Klassen einen höchst unbehaglichen Eindruck erzeugte, Ivorüber fast keine Reichstags- Sitzung einen Zweifel läßt, wenn man dabei auch lieber voin Dresdener Parteitag als vom 16. und 2ö. Juni spricht. Alles dieses zusammen betrachtet, läßt uns eine aus guter Quelle uns zugehende Nachricht als h ö ch st wahrscheinlich erscheinen, tvonach man in den Kreisen der Reichsregiernng sich mit dem Gedanken einer Auflösung des Reichtagd trägt, den man, wenn irgend angängig, schon in diesem Frühjahr verwirklichen möchte. Man hofft als- dann, wenn dabei die Parole ausgegeben würde: Gegen die Socialdcmokratie! auch einen festeren Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien zu erzielen, wofür die Verhandlungen der laufenden RcichstagSsession allerlei Symptome ergeben haben. Unser» Parteigenossen geben wir den Rat, auf dem Posten zu sein und ihr Pulver trocken zu halte»!— Der Reichstag nahm heute das S p c c i a l g c s e tz für die Augusten- b u r g e r, das diese von der Pflicht gewöhnlicher Sterblicher befreit, in Civilprozcsscn vor dem Richter zu erscheinen und zu schwören, in dritter Lesung an. Wir blieben mit unsrcm Protest gegen diese Verleihung von Sonderrechten allein— nur der Däne Jessen schloß sich ihm an. Aber Stadt- Hagen hatte Gelegenheit, die Hintergründe dieses Einbruchs in das Bürgerliche Gesetzbuch aufzudecken. Es handelt sich um einen wahren Schulfall des Byzantinismus, der seine Be- leuchtuug nicht nur in den thatsächlichcn Angaben imsreS Fraktionsredners fand, sondern auch in dm servilen Ergeben- heitsversicherungen der Stock mann und R c v e n t l 0 w. In der Beratung des Militäretats sind die Resollt- tioncu über dicMißhandlungen im Heere an die Reihe gekommen. Die Budgetkommission will eine Einschränkung, zumal der systematischen Quälereien dadurch erreichen, daß die Vor- gesetzten von Soldatcnschindern, wenn ihnen Pflichtversäumnis nachgewiesen werden kann, schärfer als bisher gefaßt werden. Die Freisinnigen beschränkten sich auf den allgemeinen Wunsch nach durchgreifenderen Maßnahmen der Verwaltung, llnsre Fraktion endlich entwickelte in ihrer Resolution ein festes, positives Programm, dessen Durchführung sicherlich die Britta- litäten des Kasernenlebens ganz erheblich einschränken würde. Das wies Genosse Meist in seiner Jungfernrede überzeugend nach. In unsren Forderungen ist nichts enthalten, was nicht sofort durchführbar wäre. Sie zeigen einen festen Weg, der auf dem Gebiet der Militärmißhaudliingen endlich einmal aus der Zone der Redensarten herausführt. Und doch fand dieser Antrag, der in ähnlicher Form in der bayrischen zweiten Kammer Annahme gesunden hat, keine Gegenliebe bei den Mehrheitsparteien. Herr Gröber begnügte sich mit der Resolution der Vudgettömmission, erklärte die Veröffentlichung der Strafen ür zu zeitraubend und nannte den ständigen Hinweis auf das Beschwerderecht überflüssig, da die Soldaten dies Beschwerderecht bekanntlich jetzt schon hätten. Aehnlich äußerten sich Nationalliberale und 51onservative. so daß sich Herr v. Einem der Mühe überhoben fühlte, sachlich auf unsre Vorschläge einzugehen. In Sumina: die Herren wollen den Pelz weiter waschen. ohne ihn naß zn machen. Nach außen hin suchte man diese Thatsache wie gewöhnlich durch Aufwirbelung einer Wolke von Staub und Unrat gegen unsre Partei zu verbergen. In die Hetzreden gegen die Socialdcmokratie scheint jetzt Methode zu komme». Heute war es ein Nationalliberaler, der Nach- olger Bassermanns im Jenaischen Wahlkreis, der sich in den blödesten Scharsmachcreicn erging. Herr Lehmann ist ein herzlich unbedeutender Mensch. Aber die unbeschreibliche Komik seiner im sächsischen Dialekt gehaltenen Rede kann über die Paß die der Absicht nicht täuschen. Dieser liberale Mann kann die Zeit nicht erwarten, wo die Kröcher und Oldenburg Galgen bauen. Der konservative Herr v. S t a u d y folgte seinen Spuren so eifrig nach, daß die beiden Reden sich zum Verwechseln ähnlich ausnahmen. Einleitung und Schluß zu den heutigen Debatten gab ein Zwischenfall, der mit dem eigentlichen Thema in gar keinem Zusammenhang steht. Der bayrische Militärbevollmächtigte, Generalmajor v. E n d r e s, griff auf eine Aeußcrung des freisinnigen Abgeordneten Dr. Müller-Meiningen aus der Generaldebatte zurück, die dem bayrischen Offizier- corps den Vorzug der höheren Bildung vor dem preußischen zugeschrieben hatte. Herr v. Endrcs sprach sehr pointiert und witzig, manchmal aber ins Ungezogene fallend, gegen den freisinnigen Abgeordneten, dessen Geist der Reichskanzler be- wundert. Aber er machte gar zu viel Aufhebens nicht nur von Herrn Müller, dem er Schürung des Partikularismus in der Armee vorwarf, sondern auch von seiner eignen Person. Ob sein Hochgefühl für die preußischen Kameraden von den maßgebenden Stellen Bayerns mit gleicher Intensität nach- empfunden wird, kann dahin gestellt bleiben. Der bayrische Gesandte Graf v. Lerchcnfeld saß jedenfalls während der Rede mit einer Miene da, als hätte er Angst, es könnte ein Unglück passieren. Run, wenn Herr v. Endres nicht bayrischer General- lieutenant wird, preußischer wird er sicherlich! Des Angegriffenen, der erst später im Hause erschien, nahm sich Herr P a y e r von der Süddeutschen Volkspartei mit großer Wärme an. Eine Antwort des Generals beschloß die Sitzung.—_ Der Etat der Entgleisungen. Minister Budde ist über die Zurechtweisung, die wir ihm wegen seiner, für einen früheren Angestellten der Firma Löwe höchst un- gehörigen Ausfälle gegen die Socialdemokratie haben zu teil werden lassen, aufgebracht. Mit einem etwas geflickten Pathos wetterte er am Donnerstag im Abgeordnetenhause bei der Fortsetzung der Be- ratung des Etats der Eisenbahnverwaltung gegen den„Vorwärts". Der Münster weiß, daß wir streng auf dem Boden des Gesetzes stehen, wenn wir auch den Eisenbahnern das Koalitionsrecht zugestanden wissen wollen, während er in seinem Streben, die Staatsarbcitcr zu Staatssklaven zu machen, Gesetz und Verfassung gegen sich hat. Daß die preußische„Volksvertretung" auf seiner Seite steht und jedem seiner Worte jubelnden Beifall spendet, spricht nicht für, sondern gegen ihn. Wann hätte jemals das preußische Abgeordneten- haus die Rechte der Arbeiter gegen ihre Bedrücker vertreten? Aus der Debatte ist, abgesehen von einigen Scharfmacher-Reden der Herren F e I i s ch sk.) und Frhrn. v. Zedlitz(fk.) die Rede deS Nenommier-Arbeiters des Centrums, deS Abg. Brust, zu ertvähnen. Dieser Vorsitzende einer christlichen Arbeiterorganisation gewann eS über sich, den Eisenbahnarbeitern und den Landarbeitern das Koalitionsrecht zwar nicht abzusprechen, es aber doch mit solchen Fallstricken zu umgeben, daß seine Forderung in Wirklichkeit einer Verhinderung des KonlitionörcchtcS gleichkommt. Das Koalitionsrecht der Eisenbahnarbeitcr und Landarbeiter bedarf nach Anschauung des Herrn Brust einer andern Regelung als das der gewerblichen Arbeiter; wohl sei auch diesen Arbeitern das Recht zum Streik zu gewähren, aber nur im äußersten Falle. Die Landarbeiter dürften zur Erntezeit nicht streiken. Man sieht hieraus, daß sich die Forderungen des Herrn Brust in nichts von denen der übrigen Reaktionäre unterscheiden. Wenn wir weiter hinzufügen, daß Herr Brust sogar die Entlassung von Eisenbahnarbeitern wegen ihrer socialdemokratischen Gc- sinnung für berechtigt erklärte, so genügt das zur Kennzeichnung der Gesinnung dieses Mannes, der sich noch immer als Arbeiter- führer aufzuspielen wagt. Er dürfte seine Rolle mmmehr ausgespielt haben, denn unsre Genossen werden den günstigen Agitationsstoff gegen die christlichen Gewerkschaften, den Herr Brust ihnen geliefert hat, im Interesse des Proletariats auszunutzen wissen. Herr Brust selbst hatte ja ein Gefühl für diese Wirkungen seiner Rede. Im Laufe der weiteren Diskussion machte die Regierung in Bezug auf die Frage der Bahnärzte das angesichts der Aerzte- bewegung wertvolle Zugeständnis, daß sie aus Gründen der Betriebs- sicherheit die freie Arztwahl nicht dewilligen könne. Wir sind ge- spannt darauf, ob im Falle eines Streiks der Bahnärzte die Be- Hörden in ähnlicher Weise zu Gunsten der Aerzte gegen die Eisen- bahn-Verwaltung eingreifen werden, wie sie vielfach zu Gunsten der Aerzte gegen die Kassen eingegriffen haben. Am Freitag soll der Eisenbahn- Etat zu Ende beraten und mit der Beratung des Etats des Ministeriums des Innern begonnen werden.— Der noch immer ahnungslose Kriegsminister. Schon gestern bemerkten wir, daß der Kriegsminister zu allerletzt Ursache habe, vom hohen Pferd herab moralische Censuren zu er- teilen, da sein Verhalten im Fall Arenberg alles eher verrate, als jene mutige Ehrlichkeit, die nach der älteren Romanlitteratur jeden Träger der Epauletten auszeichnen soll. In der That war das Verhalten des Herrn v. Einem ein sehr merkwürdiges. Als Genosse Ledebour am Sonnabend den Fall Arenberg zur Sprache brachte, schwieg Herr v. Einem, obwohl er schon hinreichende Veranlassung gehabt hätte, sich ganz genau und an der richtigen Stelle über den Fall zu orientieren. Am Montag rückte er mit dem privaten Gutachten des einen Sachverständigen heraus, obwohl es doch viel einfacher gewesen wäre, sich den schriftlich fixierten Wortlaut des amtlichen Gutachtens des ganzen Sachverständigen-KollegiumS zu verschaffen. Dies Gut- achten hätte freilich dem Herrn Kriegsminister die Möglichkeit des Entschliipfens genommen. Am Dienstag ging Herr v. Einem aber- mals wie die Katze um den heißen Brei herum, bis ihn am Mitt- w o ch Genosse Bebel derartig stellte, daß kein Entrinnen möglich war. Nach vier Tagen bequemte sich dann der Herr Kriegsminister zum Geständnis. Da erzählte er denn, daß er selbst derjenige Regimentskommandeur gewesen sei, der den tollen Prinzen ein- gestellt habe. Hätte es nicht in der Presse gestanden und hätte ihn Bebel nicht direkt danach gestagt, so würde er vermutlich auch jetzt noch den ganz Unbeteiligten gespielt haben I Aber stand nun wenigstens am Mittwoch der Kriegsminister so mutig seinen Mann, wie er es gleich am e r st e n Tage hätte thun sollen? Keineswegs! Auch gestern noch suchte er einer volle», rückhaltlosen Klarstellung auszuweichen! Auch gestern noch spielte er den Ahnungslosen. Daß er s e l b st von den„Jugendsünden" deS jugendlichen Verwahrlosten nichts gewußt hat, ist ja möglich, wenn eS auch höchst sonderbar war, daß der leibliche Bruder so wenig von der Verbrcchernatur des Entarteten wußte. Es mag das ja aber daran liegen, daß nian sich in„edelsten" Familien um nächste Blutsverwandte nicht kümmert, sondern die mora- lisch e Erziehung subalternen Bedienten über- läßt, die mit den Sechzehnjährigen Sekt saufen und ihnen Dirnen zuführen. Vom hohen Sockel eines so intimen und moralischen„Familienlebens" herab läßt sich dann ja am besten auf die S o c i a l d e m o k r a t e n schimpfen, die ein so ideales Familienleben zerstören wollen! Nehmen wir also einmal an: Herr b. Einem hat nichts gewußt und auch der Bruder des tobsüchtigen Prinzen hat nichts gewußt— haben denn nun aber auch die Regimentskameraden und Vorgesetzten nichts gewußt? Nach dem Gutachten des medizinischen Sachverständigen- Kollegiums haben sie darum gewußt! Und der Herr Kriegsminister hätte das ja zur Evidenz dadurch feststellen können, daß er einfach die in Betracht kommenden Offiziere um Auskunft ersucht hätte. Aber dann hätte Herr v. Einem die Rolle des Ahnungslosen ja am Mittwoch nicht mehr durchführen können. Er wollte also keine Klarheit. Bequemer schien es ihm. immer konditionell zu reden:„Wenn es den Kameraden. dem Regimentskommandeur sc. bekannt Ivar, dann hätten sie es melden müssen." Und dann schloß er pathetisch nach dem Steno- g r a m m: „Diese Fehler, meine Herren, sind nicht abzuleugnen, und sollen auch hier von meiner Stelle in keiner Weise in Schutz gcnou'.uicn oder abgeleugnet werden." Galt dies vernichtende Pathos nun eigentlich den k o n- ditionellen Fehlern oder den vom Kriegsminister für f e st- g e st e l l t erachteten? I Herrn v. Einem wird zweifellos noch Gelegenheit gegeben werden, sich endlich einmal klipp und klar darüber auszusprechen, und auch darüber zu berichten, welche Sühne die begangenen Fehler ge- fuuden haben!— ** * Deutrebe» Reich. Laute EentrnmShatz hat die Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesetzes in einem Teile der konservativen und nationalliberalen Zeitungen entfesselt. Diese Blätter schätzen die geistige Kraft ihres Protestantismus so jämmer- lich ein, daß sie aus dem Fortfall einer Ausnahmebestimmung den Sieg des Katholizismus und Ultramontanismus entstehen sehen. Einige Citate zeigen den Centrnmshaß dieser tapferen Pro- testantcn. Allen voran jammert der fromme konservative„Reichs- bore": „Hätte der Bundesrat das vor einem Jahre gcthan, so hätte man es sachlich ebenso bedanern müssen wie heute, aber daß eres jetzt thut, nachdem der Oberkirchcnrat, die preußische General- synode und der aus amtlichen Vertretern aller deutschen Landes- kirchen bestehende evangelische Kirchenausschuß sich im Interesse des kirchlichen Friedens in Deutschland gegen diese Aufhebung ausgesprochen haben, hat dieser Beschluß des Bundesrats eine geradezu verhängnisvolle Bedeutung: denn er beweist, daß dem deutschen Bundesrat das Votum der Vertreter der deutschen evangelischen Kirche nichts gilt— sondern daß ihm das Verlangen der katholischen Kirche und des C e n t r n ni s höher steht. Diese Entscheidung wirkt für die Mitglieder der evangelischen Kirche wie ein Stoß ins Herz, der tief verwundet und wie ein Schlag inS Gesicht der evangelischen Kirchenbehördcn. Er beweist im Zusammenhang mit andern Thatsachen der letzten Zeit und insbesondere der Wieder- Zulassung der mit dem Jesuitenorden eng verbundenen inarianischcn Kongregation in unsren höheren Schulen, daß der Staat vor den Ansprüchen der römischen Hierarchie und des Ultramontanismus stetig zurückweicht, während derselbe die Flutwelle seiner Herr- schaft.über Deutschland hinwegtreibt." Der„Reichsbote" ist vor Schreck so verivirrt, daß er der Regierung den Ratschlag giebt, den Reichstag gegen das Cen- trum aufzulösen: „Wenn das Centrum die Mittel für die Flotte, deren Notwendigkeit gerade jetzt der ostasiatische Krieg vor Augen stellt, verweigert, so sollte die Regierung den Reichs- tag auflösen, der Nation die Notwendigkeit der Flotte und die Befreiung aus dieser ultramontanen Zwangslage klar machen und diese beiden Punkte als Wahlparole proklamieren. Wir sind überzeugt, daß die Regierung mit einem solchen nationalen Programm, lvie eS schon lange ersehnt wird, die große Mehrheit der Nation um sich scharen und eine nationale Mehrheit gegenüber Ecntrum nnd Socialdemokratie bekommen würde. Der Bann dieser Zwangslage, welcher das Centrum und die Social- demokratie zu herrschenden Parteien im Reiche macht, muß ge- brachen werden." Die gründeutsche„Deutsche Zeitung" erklärt den Beschluß deS Bundesrats als die denkbar schwerste Beleidigung des evangelischen Empfindens; er wirke„beinahe wie ein �A k t u n- rühmlichen Verrats", eine Schlacht gegen den Ultra- montanismus sei verloren,„da die amtlichen Führer Deutschlands die Fahne verließe n". Die„Rhein isch-Westfälische Zeitung" sagt u. a.: „Vielleicht wird dieser Bundesratsbcschluß das Gute haben, auch die Blinden endlich sehend zu machen, ihnen endlich klar zu zeigen, wohin der Kurs des deutschen Reichsschiffes führt. In der weiten Welt zieht sich der deutsche Ar ängstlich vor jedem Eulengeschrei in sein enges Nest zurück. Im deutsche» Reiche neigt sich die Krone, die einst Bismarck dem Hohen- zollernhanse brachte. vor dem dreieckigen H«i tlein der Jesuiten. Mit brutalem Unverstand wird das gebildete, nationale Bürgertum beider Konfessionen an die Wand gedrückt. Die am meisten für die Aufrichtung des Reiches gethan haben, werden verächtlich in die Ecke geworfen und die Gnadensonne der Regierung strahlt denen, die man einst„Reichsfeinde" nannte." Der nationalliberale„Hannoversche Courier" und die„Magde- burgische Zeitung" ergehen sich in gleicher Klage. Aber selbst einzelne Regierungen sagen sich laut von dem Beschluß los. Es zeigt sich das erstaunliche Wahrzeichen bundesratlicher Solidarität und Kollegialität, daß die„Leipziger Zeitung", das offizielle Organ der sächsischen Regierung, mitteilt, die sächsischen Stimmen im Bundesrat feien gegen die Aufhebung abgegeben worden. So wächst in den Kreisen des protestantischen Furors nicht geringe Neigung, aus der Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesetzes einen„Kulturkampf" zu entfachen. Das C e n t r u m kann freilich diesem„Kulturkampf" lächelnd entgegenschauen, denn Gegner, die nur mit Ausnahmegesetzen zu streiten wissen, hat es freilich nicht zu fiirchten, und in der Abwehr solcher Gegnerschaft hat es auf seiner Seite eine Macht, die es parlamentarisch und anßerparla- mentarisch stützen wird— die Socialdemokratie. Es ist nicht unwichtig, was, wenn auch in theologischer Verkleidung, jüngst das Centrumsmitglied der bayrischen Abgeordnetenkammer Dr. Kohl in München sagte: „ES ist eine Fügung der göttlichen Vorsehung, daß die Socialdemokraten in unsrer Zeit einen so großen Einfluß haben auf die Massen nnd die Politik, denn sonst hätten wir schon längst einen Kulturkampf, gegen welchen jener der 7(1er Jahre ein Kinderspiel wäre!" Konservative Blätter entrüsten sich gegen diesen Ausspruch, ohne seine Richtigkeit bestreiten zu können. Die„Deutsche Tageszeitung" fordert den Widerspruch der Centrumspartei gegen ihr Partei- Mitglied. Aber das Centrum muß in allem seinem Socialistenhaß sich gestehen, daß der Abgeordnete Kohl recht hat. Wollte man sich die Socialdemokratie aus der heutigen Politik hinwegdenken, so würde zweifellos der wildeste Kampf zwischen Centrum und Protestantismus auflodern. Nur weil die Socialdemokratie die Verwerflichkeit auch dieser Ausnahmegesetze im Volke rücksichtslos verkündet und im Parlament durch ihre Ab- stimmungen bekundet hat, ist der„Kulturkampf" vermittelst Ausnahmegesetzen in Deutschland eine Unmöglichkeit geworden. Eine parlamentarische Korrespondenz teilt mit.„daß Graf von Bülow schon vor längerer Zeit dem Centrum Mitteilung gemacht hat, er habe eine Mehrheit im Bundesrat für Aufhebung des ß 2; das Centrum möchte also auf erneute Einbringung des Jesuiten- antrages verzichten. Die Mehrheit, heißt es, war damals aber noch keine sehr große, und es wurde deshalb vom Centrum dem Grafen v. Bülow der Rat gegeben, er möchte ruhig weiterarbeiten, bis er eine recht große Mehr- heit hätte.'Es soll nun in den letzten Wochen dem Reichskanzler gelungen sein, noch Baden nnd einige norddeutsche Kleinstaaten für die Aufhebung von§ 2 des Jesuitengesetzes zu gewinnen, so daß sich im Bundesrat über 40 Stimmen fiir die Aufhebung gefunden hatten. Sachsen und Hessen sollen sich der Abstimmung enthalten haben. Die ganze Angelegenheit ist mit großer Heimlichkeit betrieben worden; nur Scherl erfuhr von der Sache, der zukünftige Spar- minister und Minister für Volksaufklärung in Preußen." Diätcn-Gcrcdc. Es wurde wieder einmal behauptet, Graf Bülow habe erreicht, daß den Reichstags-Kerls doch Diäten zugebilligt werden sollen. Dock das Dementi andrer Blätter erfolgte sofort. Graf Bülow ist höchstens mächtig genug, um die Aufhebung eines unbedeutenden Paragraphen des Jesuiten- gesetzes zu erlangen. Weiter reichts nicht.— Eugen Richters Abschied. Wir meldeten bor einiger Zeit, daß Gelder gesammelr würden, um die„Freisinnige Zeitung" wieder flott zu machen. Wir erwähnten auch, daß man die Geldgeber durch die Aussicht weich zu machen suchte, Eugen Richters Einfluß auf das Blatt würde vermindert werden. Jetzt wird nun unsre Ankündigung bestätigt. Die„Freisinnige Zeitung" siedelt auS der„Aktiengesellschaft Fortschritt" in eine nengegrüridete„Verlagsanstalt Deutsche Presse. G. m. b. H." über und ivird sich hinfort„Freie Deutsche Presse. Freisinnige Zeitung" nennen. Gleichzeitig erfahren wir, daß die Chefredaktion aus den Händen Eugen Richters in die des Herrn Müller-Sagan übergehen wird. Damit ist gesichert, daß die„Freie Deutsche Presse" bleiben wird. was die„Freisinnige Zeitung" war, vielleicht noch um einige Grade gröber: Das Musterblatt für tendenziös entstellte Ausschnitte.— Die„Post" fordert, daß der Baudissinsche Roman „Erstklassige Menschen", wie der„Simplicissimus", die „Zukunft" und natürlich alle socialdemokratischen Schriften, vom Verkauf auf den Bahnhöfen ausgeschlossen werden soll. Es wäre nicht das erste Mal, daß sich Behörden durch die„Post"-Hetze zu der Thorheit verleiten lassen, durch Bahnhofsverbote den sonstigen Absatz unangenehmer Litteraturcrzeugnisse doppelt zu fördern.— Goethe über militärischen Kadavergehorsam. Bei der Militär» debatte der letzten Tage wurde auch�wiederholt über Goethe ge- sprachen, allerdings in einer nicht zur Sache gehörigen Weise. Man hätte ihn aber auch sehr zur Sache citieren können, nämlich seine Anschammgen über militärische Tiscipliu. Sein Egmont nämlich spricht am Schlüsse der Tragödie, als die spanischen Soldaten, treu dem Befehl ihres Königs, den Aufrührer zum Schaffott führen. verächtlich auf diese Wache zeigend, die Worte:„Und diese treibt ein hohles Wort des Herrschers, nicht ihr Gemüt!" Diese Ketzerei, die ganz socialdemokratisch die Kraft echter Dis- ciplin im freien Willen, im Gemüt der sich frei Unterwerfenden er- kennt, ivird, wenn wir nicht irren, im Berliner Schauspielhause neuerdings gestrichen.—_ Das Centrum nnd der Fall Arenberg. Die C c n trum sp re sse— voran die„Germania"— hat sich nicht nur über den Fall Arenberg völlig auSgcschwiegcn, die C c n t r u m S fr a k t i o n hat es nicht nur vorsichtig der« mieden, auf diesen ungeheuerlich st en Fall unsrer Kolonialpolitik auch nur mit einem Wort einzugehen, sondern das Centrum macht der Socialdemokratie sogar noch Vorwürfe, daß sie die skandalöse Pflichtvcrsömnnis der CrntrnmSfrattion ihrerseits durch energisches und wiederholtes An- schneiden des Falles auszugleichen versuchte. So mäkelt heute wieder die„Germania" über Bebels gestrige Rede: „Nachdem er einige Fälle behandelt hatte, ging er wieder auf die Affaire des Prinzen Arenberg ein, ohne dessen Erwähnung wohl kein Socialde molrat sich munter fühl t." Im übrigen unterschlägt die Centrnmspresse, speciell die sonst so zank- und kciflustige„Germania", konsequent alle An- zapfungen in Sachen Arenberg. die ihr reichlich auch von bürg er- lichen Blättern zu teil wurden. Schrieb doch z. B. die«Deutsche Zeitung" bereits vor mehreren Tagen: „Durch alle Blätter von rechts nach links hallt es: Wie konnte der Mann Offizier werden? Wie konnte er Offizier bleiben? Wie konnte er in eine deutsche Kolonie geschickt werden? Und wie konnte man eine solche Forscher- Arbeit sachverständiger Kritiken veranlassen. um den verurteilten Prinzen aus dem Gefängnis. d a s e r höchstens auf direktem Wege mit der Irren- an st alt hätte vertauschen dürfen, zu befreien? Die Antwort kann einstweilen nur nach einer Seite erteilt werden. Prinz Arenberg ist ein Vetter des auch kolonialpolitisch bekannten Centrums- Abgeordneten. Und dann: Der Centrums- Abgeordnete Justizrat am Zehnhoff ist sein Vormund und Sachwalter. Für das Centrum ist die Betreibung dieser Angelegenheit durch seine Vertreter eigentlich eine böse Sache; denn der Abg. Lieber hat einst in Verbindung mit dem Abg. Bebel den Sturz deS Dr. Peters auch aus Gründen eines behaupteten Todesurteils „aus Eifersucht" herbeigeführt, das mit den scheußlichen Begleiterscheinungen dieses„Mordes" in keine Parallele zu setzen ist. Wie fanatisch über alle Maßen trat damals daS Ceutrum auf. Und jetzt?..." Dabei war der thörichte Versuch des Centrums, den Fall tot- zuschweigen, ausgesucht die dümmste Taktik- Bekundete dies Schweigen doch am eindringlichsten das böse Gewissen des CentrumS l Atavismus. Unter den starken Männern des Reichstags glänzt neuerdings neben den Herren v. Oldenburg und Kröcher der edle Herr v. Riepenhausen, Oberlieutenant a. D., Rittergutsbesitzer. Ehrenrittcr des Johanniter-Ordens und Verfasser des berühmten Werkes„IIIsx europaeus und seine Bedeutung als Futterpflanze für den Sandboden." Jetzt wehrt sich nun ein Bruder des Herrn von Riepenhausen in einer Zuschrift an daS„Berliner Tageblatt" mit einigem Hohn dagegen, daß er von Adel sei. Dieser Riepenhansen läuft allerdings ohne das winzigste„v." durch das Dasein. Die ritterliche Art seines Bruders aber erklärt er wie folgt: „Unsre Ur-Ur-Urvorfahrcn haben allerdings, wie man sagt, den Adel besessen, aber seit dem dreißigjährigen Kriege gab es keinen adligen v. Riepenhauscn, bis es oben Genanntem und meinem Bruder Major v. Ricpcichausen gelang, dns AdclSdiplom vom alte» Kaiser Wilhelm durch Vermittelnng hoher Personen wieder zu erlangen. Unser Vater war Apotheker in Marburg. ebenso der Großvater, Vorgänger waren Kauslcute sc. Dies zur Orientierung. Ich hgbe keinen Sohn, somit war das„von" für mich gleichgültig. Unsre Mutter lebt noch in Eisenach." Das Junkerium des Herrn V. Riepenhausen ist danach recht jungen Datums und recht eigentlich aus der Apotheke bezogen. Offenbar aber haben� die„hohen Personen", welche Wilhelm I. rieten, den Riepenhausen aus dem Bürgertum zu stoßen, auf den ersten Blick das Junkerblut durch die bürgerliche Verfälschung hin» durch gefühlt nnd seinen unleugbaren Atavismus angemessen ge- würdigt. Der heutige Riepenhausen paßt in der That ganz in die Zeit vor dem dreißigjährigen Kriege, und er h e i ß t mir so, wie er i st._ Das Geschlecht hat die ertragreiche, aber unedle Pillendreher« Episode überwunden; die Rasse ist wieder durchgeschlagen.— Der alte Fritz ohne Obdach. Wilhelm II. hat bekanntlich ein Standbild Friedrichs El. den Vereinigten Staaten geschenkt. Dort aber hat man für Siegesalleen keinen Sinn und so wird der Alte Fritz recht ungastlich aufgenommen. Neuerdings hat man sich, wie dem»Berliner Tageblatt" aus Washington gekabelt wird, im Senat mit der„Frage"' beschäftigt. Es wurde festgestellt, datz keinerlei Kosten für die Aufstellung de-Z Denkmals eingestellt seien. Das Mitglied Bacon erklärte, er würde sich freuen, wenn in Washington Standbilder vieler Deutschen errichtet würden, von Männern, die sich in Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet haben, wie z. B. Goethe und Wagner, er glaube aber nicht, daß die Errichtung der Stawe Friedrichs des Großen in Washington mit den Wünschen des Volkes der Vereinigten Staaten in Einklang stehe. Er sei sich jedenfalls dessen sicher, daß viele so dächten, und er gehöre zu diesen. Aus der Geschichte Friedrichs des Großen sei keine Thatsache bekannt, die ihn zu einem Ideal für das amerikanische Volk machen würde. Offenbar denkt man in Amerika, daß man sich den Anfängen widersetzen müsse.— Russisch-Oldenburg. Der Zar erläßt einen Ukas, dem zufolge er auf seine erbrechtlichen Ansprüche an das im Deutschen Reiche gelegene Großherzogtum Oldenburg zu Gunsten der Herzöge von Schleswig- Holstein-Sonderburg-Glücksburg verzichtet. Oldenburg wird also um die Ehre kommen, seine monarchischen Gefühle dem angestammten Zarenhanse lvidmen zu dürfen. Offenbar hat Väterchen deshalb auf„sein" Land verzichtet, weil er inzwischen die Ueberzeugung gewonnen hat, daß man ohnehin das Deutsche Reich in seinem Geiste regiert. Da durfte er Großmut walten lassen.— Fort mit der Rcptilienprcsse k Die socialdemokratische Fraktion des hessischen Landtags hat in der Zweiten Kammer folgenden An- trag eingebracht: »Die Kammer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, zwecks besserer Verbreitung aller behördlichen Bekanntmachungen sämtlichen Central- und Lokal- behörden aufzugeben: ihre zur Veröffentlichung bestimmten BekimuMmchungen allen im Kreise erscheinenden Zeitungen gleichzeitig zur Benutzung zu übersenden oder: für jeden Kreis ein besonderes Amtsblatt herauszugeben. welches alle amtlichen Bekanntmachungen enthält, natürlich auch gegen Zahlung Privatannonccn bringen könnte, jedoch keinerlei politischen oder unterhaltenden Inhalt haben dürfte und auf Verlangen jedem im Erscheinungskreis herausgegebenen Blatte gegen Zahlung des Selbstkostenpreises als Beilage überlassen werden sollte." Dieser Antrag ist außerordentlich zeitgemäß und seine Annahme liegt im Interesse der gesamten Bevölkerung. Die jetzige Fütterung her Reptilien ist nur im Interesse politisierender Beamten und Be- Hörden und der Amtsblütterverleger gelegen. In Hessen sind die Reptilien ausnahmslos uationalliberal.— Eingestelltes Verfahren wegen Majcstätsbclcidiguiig. Gegen den Redakteur Paul Hennig von der Erfurter„Tribüne" ivar vor einiger Zeit die Voruntersuchung wegen Majestätsbeleidigung eingeleitet worden. Er soll diese dadurch begangen haben, daß er den„Vorwärts"- Artikel über das Kaiserinsel-Projekt nachdruckte. Jetzt hat die Staats- anwaltschast ihm mitgeteilt, daß sie das Verfahren eingestellt hat.-_ „Ordnungs"-Wirtschaft im Saarrcvier. Aus Saarbrücken wird uns geschrieben: Die auch vom„Vorwärts" schon gemeldete Beschlagnahme der Flugblätter des Bergarbeiter-Verbandcs erfolgte am Sonnabend, den 5. d. M., auf Antrag der königlichen Berg- Werksdirektion. Der Herausgeber des Flugblattes, der Berg- mann Krämer in Sulzbach, ist lange Jahre fiskalischer Berg- manu gewesen, wurde aber ge maßregelt im Oktober vorigen Jahres, weil er eine— Bergarbeiter- Versammlung in St. Ingbert besucht hatte! Einige Tage vor dieser Versammlung teilte man nämlich den Belegschaften offiziell mit, der Bersammlungsbesuch sei verboten, wer da- wider handele, wisse was ihm geschehe! Trotz dieser saarabischcn Mahnung gingen doch zwei Bergleute hin, wurden von den zahl- reich anwesenden Beamten(also diese durften zur Vcr- sammlung) ermittelt und bekamen tags darauf ihre K ü n d i g u n g. So verfährt man im fiskalischen Saarabicn mit den vcrfassungs- gemäßen Rechten der Bergleute als Staatsbürger. Der entlassene Krämer hat nun in seinem Flugblatte seine praktischen Erfahrungen als Staatsbürger und Bergmann den Kameraden mitgeteilt; er stellte die kolossalen Ueberschiisse der Saar- gruben dem„Wohlstande der Saarbergleute" gegenüber und forderte auf:„Saarbergmann, wache auf! Organisiere Dich!" Dies Flugblatt hat die Staatsanwaltschaft auf Antrag der Fiskalverwaltung, deren oberster Beamter der Geh. Bergrat H i l g e r ist, konfiszieren lassen. Da es ein Aufwaschen war, begnügten sich die ausführenden Organe aber nicht mit den ftaatsgefahrlichen Flugblättern, sondern nahmen auch die kleine Bibliothek des Verbrechers zum Teil mit, u. a. einige Jahrgänge der„Bergarbeitcr-Ztg.", dcS„Correspondenz- blattes" derGcneralkommission der deutschen Gewerkschaften! Später ist dem Krämer ein Teil der Bücher 2C. zurückgegeben worden, aber z. B. das „Korrespondenzblatt" nicht! Natürlich sind Schritte gethan worden gegen die Beschlagnahme. Der zweite Vorsitzende des Bergarbeiter-Verbandcs, Ludwig Schröder, kam sofort in das ihm gut bekannte Saarabien und wird hier hoffentlich länger weilen. Sehr nötig ist, daß die deutschen Staatsbürger nun besser aufmerksam auf Saarabicn gemacht werden. Der Prozeß des Herrn Gehcimrats H i l g e r gegen den Redakteur Lehnen(Centrumspartci) hat schon gezeigt, was hier alles möglich ist. Es ist hier aber noch mehr wie„alles" möglich. Vor einiger Zeit war der Genosse Hub- Essen im hiesigen Bezirk, um sich genau zu insor- mieren über die derzeitigen Zustände auf den Saargrubcn. Dem Genossen ist ein Geheimpolizist n i ch t von den Fersen gewichen! In dem Gasthof, wo Hus logierte, stellte sich auch der Geheimpolizist ein und zog Erkundigungen über den Gefährlichen ein. Plump vertraulich redete der l ä n g st e r k a n n t e S ch l a u- b e r g e r einige Bergleute an:„Du, sag' mal, was macht der Huö hier In bitterer Kälte faßte der„Geheime" Posto vor dein Ver- kehrslokal der Arbeiter in St. Johann-Saarbrücken. um alle Aus- tretenden zu mustenr. Wie mir gesagt, sollen sogar zivei uniformierte Polizeibeamte die Nacht über Wache g e st a n d e n haben vor dem Gasthaus wo unser Genosse logierte. Welche Ehre! Leben wir denn in einem Lande, wo ehrliche Bürger unter Polizei-Aussicht gestellt werden können? In Saarabien scheint es so. Es ist doch unerhört, daß ein Mitglied des Reichstages, wenn es sich pflichtgemäß über die Verhältnisse einer bedeutenden Masse Bergleute informieren will, auf Schritt und Tritt den Geheim- p o I i z i st e n hinter sich hat._ Die Socialpolitik der polnischen Fraktion. Bei Beginn der Reichstagssession erweckten zwei oder drei social- politisch angehauchte Reden einiger polnischer Abgeordneten in den Kreisen, denen die Zusammensetzung der polnischen Fraktion nicht näher bekannt ist, den Anschein, als ob diese Fraktion sich in social- politischen Dingen enttvickeln wolle. Die kurze Thätigkeit der polnischen Frakttonen im Reichstag und im Landtag hat die Illusionen gründlich zerstört. Das K l a s s e n i n t e r e s s e der polnischen Junker, welche die Fraktion beherrschen, hat ihrer Politik seinen Stempel aufgedrückt. Das agrarische Interesse herrscht in der Fraktion unumschränkt. Bei der Beratung der kon- servattvcn Interpellation über die H a n d e l s v e r t r ä g e hat der Redner der polnischen Fraktion einige Redewendungen gegen die Hakatisten usw. vorgebracht— von den Handelsverträgen kein Wort. n>as ist eine Temagogentakuk, die ihresgleichen sucht. Man hat mit Rücksicht auf die polnischen Arbeitcrwählcr nickit den Mut, offen agrarisch z« sprechen und windet sich mit den üblichen allgemeinen Redeivendnngen über den HalatiSmus heraus, ohne zur Sache selbst ein Wort zu sagen. Genau dasselbe Kunststück machte die politische Fraktion bei Beratung des Etats des Innern. Als die dreitägige, von der Socialdemokratie eingeleitete Debatte über die Fleisch- teuerung stattfand— wand sich der polnische Abgeordnete mit der Redensart heraus, man könne von ihm nicht verlangen, daß er sich über das„deutsch-nationale Schwein" auftcge. Kein Wort gegen die Fleischteuerung, kein Wort gegen die agrarische Politik der Regie- rung, unter walcher die polnische Arbeiterbevölkerung— speciell bei der fortwährenden, künstlich erzeugten Fleischteuerung in Obcrschlesicn — ebenso schwer leidet, wie die deutsche Arbeiterschaft. Die Rede des Abg. K o r f a n t y über die oberschlesischen Arbeiterverhältnisse wurde anscheinend ohne Widerspruch hin- genommen— eS handelt sich ja in Oberschlesien um deutschen Besitz, um deutsches Kapital. Die polnischen Junker wurden aber sehr schnell aufgeregt, als der Abg. Brejski einige Tage später die ländlichen Arbeitcrverhältnisse, die kläglichen Wohnungen, die schlechte Behandlung in Posen und Westpreußen erörterte. Die polnischen Junker fühlten sich getroffen, schrien in Posen auf— und die polnische Fraktion faßte sofort eine Resolution, in der sie sich mit den ausgesprochenen Ansichten des Abg. Brejski nicht solidarisiert. Anfang Februar wurde im Landtag der Antrag der Konservativen angenommen, welcher auf die Bestrafung derjenigen hinausläuft, die ländliche Arbeiter oder Gesinde zum Verlassen des Dienstes auf- fordern. Die polnische Fraktion schwieg und hat gegen den Antrag kein Wort des Protestes gefunden. Vorgestern fand die Generalversammlung des Central-Landwirt- schafts-Bereins für Posen statt. II. a. sprach der polnische Landtags- abgeordnete Dr. Dziembowski vom rechtlichen Arbeitcrverhältnis nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch und sagte: „Die Gesetzgebung hat den ländlichen Arbeite, in genügenden Schutz genommen; die weitere Aufhebung einiger Schärfen müßte in den landwirtschaftlichen Verhältnissen zur Anarchie führen und würde auf den Arbeiter demoralisierend wirken." So spricht ein Mitglied der polnischen Fraktion über das Koalilionsvcrbot für ländliche Arbeiter, über das Züchtigungsrecht gegen das Gesinde. Versteht man nun, lvarum die polnische Junkcrfraktion, deren agrarisch- reaktionären Wünschen die unsociale Gesamtpolitik der preußischen Regierung entspricht, zu derselben trotz aller nationalen Verfolgung in keine entschiedene Opposition' treten kann und will?— Zum Selbstmordversuch getrieben— vier T-rze Arrest! Der Unteroffizier K i n d l e r vom Dragoner-Regiment in Lüben(Schles.) stand wegen Beleidigung und Mißhandlung des einjährig-freiwilligen Veterinärarztes vor dem Kriegsgericht. Der Mißhandelte behauptet, vom Unteroffizier mit einem rohen Schimpfwort belegt worden zu sein und außerdem beim Reiten einen Fanstschlng ins Gesicht erhalten zu haben. Den F a u st s ch l a g bestreitet der Unter- offizier. Da kein Zeuge zugegen ivar, wird die Mißhandlung als nicht erwiesen angesehen, wegen der Beleidigung wird auf 4 Tage Mittclarrcst erkannt. Der Einjährige hatte ans Gram über die ihm widerfahrene Behandlung einen Selbstmordversuch mittels Gift gemacht.— Der Strafantrag des Gendarmen. Vor der Strafkammer in Bromberg erschien Genosse Stößel, angeklagt der Beleidigung eines Gendarmen, den er in einer Versammlung barsch angefahren haben sollte. Als der Kläger als Zeuge vor den Richter trat, ver- sicherte Stößel, daß er mit diesem Gendarm in seinem Leben nie e t>v a s zu t h u n g e h a b t h a b e. Das mußte der„be- leidigte" Gendarm allerdings zugeben. Vom Vorsitzenden geftagt, wie er überhaupt einen Strafantrag stellen konnte, antwortete er:„Ich bin vom L a n d r a t s a m t Wirsitz deslvcgen zur Verantlvortung gezogen." Die Verhandlung ging natürlich aus wie das Hornberger Schießen. Die Kosten trägt der Staat!— Die Lage in Dcntsch-Sndwcstafrika. Gouverneur Leutwcin meldet unter dem 1l). März, daß durch Hauptmann Puder die Kriegslage im Bezirk O t j i m b i u g w e f c st g e st e l l t ist. Der Gegner steht mit einem Teile in st a r k c r S t e l l u n g bei O r u w a r e, weitere schwächere Abteilungen am Lie w enberg und südlich O r u w a r e. Ober- Häuptling Samuel Mahahero steht östlich O k a h a u d j a. Häuptling Tctjo ist vor der Kolonne des Majors von Glasenapp im Rückzüge den Nosob aufwärts nach Onjati. Im Westen hat der Gegner die Etjo-Berge geräumt und zieht sich vor der Kolonne des Majors von Estorsf ebenfalls nach Onjati zurück. Von den Hereros im Nordosten keine Nachricht._ Ein Kricgerbrief ans Dcutsch-Siidwcstafrika. Die„Hallesche Zeitung", ein konservatives Ordnnngs- blatt, bringt den Brief eines deutschen HererokämpferS zum Abdruck. Es nennt auch den Namen des Schreibers wie deS Adressaten, eines Restaurateurs L u tz m a n n in Diemitz. Der Brief ist datiert aus Karwid vom 22. Februar und enthält folgende Stelle: „... Hier werden alle Tage Aufständische ge- fangen und ausgehängt oder erschossen. Der neueste Beseht ist aber, keine Gefangenen zu bringen, also alles totschießen. Die Hereros morden alles. Frauen und Kinder. Wir haben jetzt die meisten Frauen mit Kindern nach Slvakopmund gebracht auf ein Kriegsschiff und wir erwarten das weitere." Die Regierung wird gut thun, in öffentlicher Verhandlung den Nachweis zu führen, daß dieser Kriegcrbrief unwahre Thatsachcn behauptet, da sonst die Leser des konservativen Blattes rot anlaufen könnten.—_ Druckfehler-Berichtigung. In der gestrigen Notiz über die Citicr- künste des Herrn v. Einem mutz es in der S. Zeile von unten heißen: „Es handelt sich nicht um eine Erwägung(statt Erwähnung) der socialdemokratischen Partei."— Hueland. Oestreich-Ungarn. Die Kapitulation der ungarischen Obstruktion. Im Abgeordnetenhause spielte sich heute ein dcnklviirdiger Vor- gang ab. Abg. Koloman Thalh von der Kosfuth- Partei richtet den dringenden Appell an die o b st r u k t i o- n i st i s ch e Opposition, der R e k r u t i e r n n g s v o r l a g e nicht länger Wider stand entgegenzusetzen teils aus Rücksicht auf die schwerbetroffcnen Ersatzreservisten. die einberufen worden seien, teils um dadurch den Minister-Präsidenten zu bewegen, daß er von der außerordentlichen Verschärfung der Hausordnung a b st e h e. Begeisterte Zustimmung des ganzen Hauses, ausgenommen die kleine Schar der Obstruktionisten.'Ministerpräsident Graf TiSza erklärt, d aß er den Atrag betreffend Verschärfung der Hausordnung zurückziehe, falls die Rekruten- Vorlage mit größter Beschleunigung angenommen werde. Stürmischer Beifall auf allen Seiten des Hauses. Thaly begiebt sich von den Bänken der Opposition zun, Ministerplatz und drückt Tisza die Hand. Es ertönen Rufe: Elsen Thaly. Nachdem erklärt llgron im Namen der Ob- struktionisten, daß sie der schleunigen Erledigung der R e k r u t e n v o r l a g e z u st i in m e n. Die öffentliche Meinung werde anerkennen, daß die Obstruktionisten den Kampf für Geltendmachung der ungarischen Sprache in der Armee bis zum äußersten geführt haben, jedoch, da ihre Kräfte nunmehr versagen, vom weiteren Kampfe a b st e h e n müssen. Graf Tisza erklärt, er würde den feierlichen Augenblick beeinträchtigen, lven» er ihn mit Glossen begleiten würde; er be- schränke sich auf die Bitte, die Zurückziehung der Rekruten vor läge und die Einreichung des An- träges betreffend Verschärfung der Hausordnung als nicht geschehen zu betrachten.(Minutenlanger Beifall; Händeklatschen.) Rußland. Eine besondere KriegSccnsur soll nun in Finnland ganz nach russischem Muster eingeführt werden. Frei davon sind nur die russischen Telegraph-Agenturen und die offiziellen Zeitungen. In Helsingfors ist diese neue KriegScensur einem besonderen Komitee von drei Personen anvertraut, in den kleineren Städten wird sie von einem dazu angestellten Militärcensor ausgeübt. Die Censur- Vorschriften gehen so weit, daß es den Zeitungen verboten wird, für Kriegsberichte und Artikel über den Krieg, sowie für einzelne Worte und Sätze darin größere Typen anzuwenden. Ein Geheimcrlaß des Polizeidepartements vom Ende des vorigen Jahres beweist, daß die Grenzkontrolle aufs äußerste verschärft wird. Der Erlaß lautet: Polizeidepartement. Vertraulich! An die Führer 20. Dezember 1903(a. St.) der Grenzgendarmerie. Das Polizeidepartement fügt die Liste der im Ausland Weilenden bei und beehrt sich Euer Wohlgeboren zu ersuchen, die in die Staatsgrenzen Zurückkehrenden streng zu bewachen und die Grenzbeamten zu einer sehr sorgfältigen Durchsuchung des Gepäcks und im Falle, daß irgend etwas Verdächtiges ge- funden wird, zur Verhaftung und telegraphischen Mitteilung an das Polizeideparlemenr aufzufordern. Sollte die Verhaftung nicht erfolgen, so ist das Polizeidepartement und die zuständige Gendarmerie von dem genauen Reiseziel zu benachrichtigen. Der Führer der Gendarmerie ist verpflichtet, innerhalb zweier Monate einen Bericht an das Polizeidepartemeut zu erstatten. Der Direktor. Für den Abteilungsvorsteher. Lopuchin. Pieszkolv. Es folgt die Liste mit Namen.— parlamentarifekes. Budgctkommission. Es wurde früher schon einmal darauf hin- gewiesen, namentlich durch den Abg. Bebel, daß es bei den Liese- r u n g e n von Pulver für die Marine zu eigentümlichen Zuständen gekommen sei. Abg. Müller- Fulda bemerkte, daß in- zwischen die Preise vom Pulverringe herabgesetzt worden seien, das lei dem Austreten einer Konkurrenz(Westfälisch- Anhaltische Pulver- sabrik) zu verdanken. Die Fabrik liefere zwar nicht für die Marine. sondern für das Heer; aber das habe doch schon erheblich auf die Preise gewirkt. Gegen den Pulverring— der ja auch mit den Geschoß- und Geschützlieferanten auf das engste liiert sei— hätten sogar die deutschen Regierungen im Interesse ihres Bergbancs mobil gemacht. Von dem Preisrückgange nehme man freilich im Etat nichts wahr; eS würden vielmehr noch genau die« selben Summen gefordert wie früher. Zu wünschen sei, daß die Marineverwaltung die bessere Sitnalion auf dem Pulvermarkte aus- nutze und auch die Konkurrenz des PnlverringeS mit Lieferungen bedenke; er mache die Angaben nicht im Interesse der Fabrik, sondern lediglich iin Interesse einer sparsamen Wirtschaft des Reiches. Der Staatssekretär erklärte, daß die Verwaltung das Austreten einer Konkurrenz des Pnlverringes begrüße; für die von der west- fälisch-anhaltischen Fabrik angebotene Sorte von Pulver sei übrigens keine Verwendung gewesen. Wenn brauchbares Pulver von ihr an- geboten würde, dann könne ein Auftrag erteilt werden. Abg. Graf v. O r i o l a legte dar, daß die Marineverwaltung der Konkurrenz des Pulverringes sehr viel entgegengekommen sei: sie habe ihr ein Geschütz zu Versuchen gegeben, habe ihr alle Bedingungen genau gestellt und sich schließlich nur zurückhaltend gezeigt, als man sie um Proben des bisherigen Pulvers bat. Ein solches Verlangen sei auch nicht kair. Eine Herab« Minderung der Ausgaben für Pulver sei nicht zu erwarten gewesen, weil sich der Schiffsbestand erheblich vermehrt habe. Der Staats- s e k r e t ä r wies darauf hin, daß die Preise des Pulvers von 3,10 M. pro Kilo(1900) ganz allmählich auf 0,23 M.(1904) gefallen seien; man spare infolge dieses Preisrückganges nur 130 000 Mark pro Jahr, eine Summe, die kaum ins Gewicht falle bei der Gesamtforderung. Abg. Müller- Fulda sprach seine Be- friedigimg darüber aus, daß Versuche mit neuem Pulver angestellt werden sollten. Der Etatstitel für Pulverbeschaffung sei in sechs Jahren um 170 Proz. erhöht worden, 20 Proz. pro Jahr, während sich die Flotte nur um etwa 0 Proz. vermehrt habe. Man könne daher ohne Schädigung der Marine von der geforderten Er- höhnng des Fonds 100 000 M. absetzen. Die Kommission strich nach dem Vorschlage des Referenten 30 000 M. Beim TIci rpedo Wesen wurde eine kleine Personalvermehrung bewilligt. Abg. Speck fragte die Regierung um ihre Ansichten über die Bedeutung des Torpedowescns nach den Erfahrungen des japanisch-russischcn Krieges. Abg. v. K a r d o r f f wandte sich da- gegen und bezeichnete die Frage als zu Gunsten der großen Schlachtschiffe entschieden. Abg. Richter bemertte, daß die Anregung des Abg. Speck durchaus berechtigt sei. Der Staats- s e k r e t ä r sagte, daß seine Berichte als Chaf des Torpedowesens unter Caprivi immer dargelegt hatten, daß der Schwerpunkt der ganzen Entwicklung der Flotte in den Linienschiffen liege. Aber er habe die Torpedowaffe immer gefördert, soweit sie Bedeutung habe. Die Ersahrungen in den letzten Jahren hätten bestätigt, was im Flottengesetz ausgedrückt sei. und die tleberlegenheit der Japaner zur Zeit beruhe auf ihrer Sechcrrschaft, vor allem auf ihrem homogenen und starken Linienschiffsgeschlvader. Die Russen könnten jetzt, weil sie in offener Seeschlacht sich nicht mit den Japanern messen könnten, die Truppentransporte nicht hindern; mit Torpedo- booten könne man das überhaupt nicht. Der Wert deS Torpedowesens sei früher, unter Caprivi, größer gewesen. als jetzt; denn damals waren die Schiffe gegen die neue Waffe noch nicht geschützt. Jetzt liege die Sache doch wesentlich anders; der Rückgang der Bedeutung der Torpedowaffe sei ganz natürlich. Eine erhebliche Stellenmehrung für Zahlmeister beim Kassen- und Rechnungswesen zerfällt in zwei verschiedene Teile: die Ver- mehrung im Rahmen des Flottengesetzes und die Erhöhung der Zahl der Stabszahlmeister. Gegen diese letzte Forderung wandte sich der Referent, während der Staatssekretär mit dem größten Nachdruck für die Erhöhung der Chargen eintrat. Die Forderung der Regierung wurde mft 13 gegen 11 Stimmen angenommen; dagegen stimmten das Centruin und die Socialdemokratie. Bei den einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats wurden die nach dem Flottcngesetz fälligen Raten für S ch i f f s» bauten genehmigt. Bei den Schiffsbauten der Titel 11 und 12 (zweite Raten) beantragte der Referent Abstriche von je 700 000 M. Der Korreferent Graf v.Oriola meinte, eS seijetztnichtdieZeit, den Schiffsbau zu verlangsamen. Die Erhöhung der zweiten Raten für Linienschiffe erklärte der Staatssekretär ans einer Verkleinerung der ersten Raten gegen früher: die Gesamtsumme der beiden Raten sei heute iwch so wie früher; er warnte vor einer Verlangsamung des Schiffs« Baues. Abg. Müller-Fulda bestritt, daß durch die vorgeschlagenen Abstriche der Schiffsbau verlangsamt werde; je rascher man aber baue, um so eher käme man mit neuen Forderungen. Der Referent beabsichtige auch lediglich, auf Jnnehaltung des Flottengesetzes zu dringen. Die politische Lage zwinge keineswegs zu einer Be- schleunigung des Schiffsbaues. Der Staatssekretär bestritt die Absicht einer Beschleunigung des Schiffsbaues. Die Verhandlungen wurden abgebrochen und auf Freitag vertagt. Wahlprüfnngs-Kommission. Die Kommission prüfte am 10. März die Wahl im dritten Wahlkreise des Regierungsbezirks Erfurt. M ü h l h a u s e n- L a n g e n s a l z a. Bei der Hauptivahl wurden 21 727 gültige Stimmen abgegeben. Es erhielten der Reichsparteiler 8392, der Freisinnige 0700, der Socialdemokrat 0429 Stimme»; bei der Stichwahl Eickhoff(frs.) 10 487, Wagner(kons.) 10 276 Stimmen. Gegen die Wahl liegt ein Protest des konservattven und frcikonscrvativcn Vereins vor. lieber zwei Behauptungen des Protestes soll Beweiserhebung stattfinden. In Mühlhausen sollen alle Wahlzellen ungenügend gewesen sein und je zwei so dicht bei einander sich be funden haben, daß die Wähler sich gegenseitig kontrollieren konnte. Ebenso soll in einem andren Wahlbezirk der Jsolierraum ganz un- zulänglich gewesen sein. Da in beiden Fällen Beweiserhebungen angestellt werden sollen und die Majorität Eickhoffs keine be- deutende ist, wird die Wahl beanstandet. Darauf beginnt die Kommission mit der Prüfung der Wahl dcS Fürsten Bismarck im dritten Wahlkreise des Regierungsbezirks Magdeburg, Jerichow I. und II. Bei der Hauptwahl erhielt Bis- in a r ck 10 430, Stadtverordneter Voigt-Gommern(Soc.) 8140, Mertens sfrs.) 6480 Stimmen; in der Stichwahl Bismarck 14 665, Voigt 9742. Gegen die Wahl liegt ein umfangreicher Protest von socialdemokratischcr Seite vor. In 25 Orten sind die Vertrauensleute der socialdemokratischen Partei trotz ihrer Ein- spräche, daß die Wahl öffentlich sei, und trotzdem in mehreren Füllen tclegraphische Entscheidungen des Landrats eingeholt und den betreffenden Wahlvorständcn vorgelegt wurden, aus den Wahllokalen entfernt worden, zum Teil unter Androhung von Geivalt. In einem Orte sagte der Wahlvorstand, der Kreissekretär habe an- geordnet, dasz sich die Wahlvorstände Ausweispapiere von den Betreffenden über ihre Wahlberechtigung vorlegen lassen sollten. Trotzdem nun Stcuerzettel. Militarpatz und sonstige Legitimationen vorgelegt wurden, entfernte man doch die, die sich so genügend legitimiert hatten. UcbriqenS besagt § 9 des Wahlgesetzes: Die Wahlhandlung ist öffentlich. In einem andren Orte sprach der Wahlvorstand von einem auf diese Vorkommnisse bezüglichen Erlaß. Von socialdemokratischcr Seite wurde auf das S y st e m a t i s ch e in diesem Vorgehen hingewiesen. Wegen vorgerückter Zeit mußte die weitere Verhandlung auf die nächste Sitzung— 15. März— vertagt werden. Hirn Ittduftnc und Dandcl Königliche Kanflcute. Während der verflossenen Krise beteuerte die gesamte bürgerliche Presse unablässig, daß die erfolgten Zusammenbrüche nur die Folge schwindelhaftcr Manipulationen waren und mit Beseitigung der verbrecherischen Thätcr ans der auf den solidesten Grundlagen ruhenden Wirtschaftswelt ähnliche Fälle für die Zukunft ausgeschlossen sind. Die schwere Zeit der Krise war bei der nur zu leicht vcr- gessenden Börse durch die kurze Zeit steigernder industrieller Kon- junktur schon aus der Erinnerung geschwunden, als der Ausbruch des russisch- japanischen Krieges der beginnenden Hausse-Herrlichkeit ein schnelles Ende bereitete, und mit ihr dem Märchen von der cnd- gültigen Vernichtung der großen Industrie- und Finanzschwindler. Kaum bestehen die neuen mißlichen Verhältnisse, schreibt die Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen„ P l u t u 5", da erleben wir nicht etwa nur alle möglichen Fallissements auS verfehlten Spekulationen, sondern eZ regnet Depotuntcrschlagungen und schwindelhaste Bilanzaufstellungen bei Industrie- Gesellschaften. Der neueste Fall dieser Art ist bei der Bedburgcr Woll- i n d u st r i e passiert. Der verstorbene Generaldirektor Kommerziell- rat A. Silverberg soll die Inventuren gefälscht haben, und wie sich jetzt herausstellt, weist der Abschluß der Gesellschaft einen Verlust von ca. 700000 und eine Unterbilanz von ca. 300 000 M. auf. Am Schluß dcS ersten Semesters hatte man noch von einem Gewinn von 160 000 M. gesprochen, und als schließlich entdeckt worden war, daß im Staate Dänemark etwas faul sei, fühlte sich weder der Vorstand noch der Aufsichtsrat bewogen, sofort den Aktionären davon Kenntnis zu geben. Man ließ es vielmehr erst darauf ankommen, daß ein etwas neugieriger Aktionär eine Anfrage hinsichtlich des Geivinnergebnisses stellte. Auch dann gab man noch keine klare Antwort, sondern schrieb: vielleicht lasse sich noch eine Unterbilanz vermeiden. Man verwies auf eine Stevision, die die Treuhand- Gesellschaft gerade im Begriff sei vorzunehmen. Während nun die Treuhand-Gesellschaft revidierte, verkauften an der Börse zwei Bank- firmen fortgesetzt die Aktien der Gesellschaft. Es hatten also einzelne eingeweihte Persönlichkeiten Zeit gefunden, sich gemächlich ihres Besitzes an solche Käufer zu entledigen, die nicht in der glücklichen Lage waren, im Aufsichtsrat des Unternehmens zu sitzen. Die Herren Aufsichtsräte, zu denen unter andern auch ein Kölner Justizrat gehört, haben also zunächst nichts von den Veruntreuungen. des Generaldirektors gemerkt, und dann wollen sie sich auch nicht einmal dem finanziellen Risiko unterziehen, den selbst mitverschuldeten Schaden zu tragen. Die Aktionäre sollten recht energisch darauf dringen, daß ihnen im Wege der Regreßkloge das schleunigst wieder abgenommen wird, was sie durch die früh- zeitigen Aktienvcrkäufe sich erhalten zu haben glaubten.— Wie jetzt gemeldet wird, soll sich die Staatsanwaltschaft der Affaire angenommen haben, und sie wird gezwungen sein, nicht nur eine Aufklärung über die Geschäftsführung des verstorbenen kommer, zienrätlichen Generaldirektors herbeizuführen, sondern sie ivird festzustellen haben, woher die Verkäufe an der Berliner Börse stammen, die vor der Bekanntmachung der Verluste ausgeführt worden sind._ Das große Sterben. Während in der Industrie bei sinkender Konjunktur die Ziffer der Fabrikbrnnde zunimmt, bricht auf der Börfe mit eintretender Baiffe bei obligatem Zusammenbruch wag- halsigen Spekulantcntums eine Selbstmordepidemie aus. Seit ge- raumer Zeit weiß die Presse fast täglich zu berichten, daß ein Haussier ans der Unruhe des BörsenlcbenS in das stille Jenseits gc- wandert ist. Und wiederum weist die Börsen-Sclbstmordchronik einen neuen Fall auf. Am Mittwoch hat sich der Bankier Albert JaffA, Mitinhaber der Firma A. Jaffe und C. Trier in Frankfurt a. M., erschossen. Den Grund bildet der durch starke Privatspckulationcn eingetretene Vermögensverfall. Vor einigen Jahren wurde das Vcr- mögen JaffeS auf mehrere Millionen geschätzt. Der Feinblcchvcrband. Der Beirat des FcinblechverbandcS beschloß in seiner letzten Sitzung folgende V erkaufspreisc: 115 M. Grundpreis mit Frachtgrundlage Siegen bczw. Nieder- Scheiden für 3 Millimeter starke und stärkere Bleche, ferner 121 M. Grundpreis mit Frachtgrundlage Thale für Bleche unter 3 Milli- meter Stärke. Den Großhändlern wird der ihnen auf diese Preise zustehende Rabatt gewährt. Die Festsetzung der Preise für stärkere Bleche auf 115 M. bedeutet gegenüber dem bisherigen Satze eine Ermäßigung, der Preis von 121 Mk. dagegen eine nicht unwesentliche Erhöhung. Erhöhung der Trägcrprrise. Mit seinem Uebcrgange in den StahlwerkS-Verband hat der Trägcr-Verband statt der bisherigen Frachtbasis Burbach die Frachtbasis Diedenhofen angenommen. Das bedeutet für ganz Nord- und Ostdeutschland eine Preiserhöhung um l'/z M. U n d�f ü r S ü d d e u t s ch l a n d u in L'/z M. pro Tonn e. Das Bnchhändler-Kartell wird in der nächsten Sitzung der Kartell-Enquete-Kommission. die erst Anfang April stattfindet, zur Verhandlung gelangen. Ursprünglich war die Besprechung des Grobblech-, Schienen- und Feinblech-Verbandes geplant. Ausnahmctarif für Ncihenpflnstcrstcine. Der kürzlich für die schlesischen Steinbrüche nach dein Berliner Bezirk eingeführte Aus- nahmetarif für Pflastersteine, die zur Herstellung von Reihenpflaster dienen, ist von heute ab auch auf die sächsischen Stein-Versand- stationen ausgedehnt worden. Außenhandel Italiens im Jahre 1903. Der Gesamtwert des Außenhandels Italiens gestaltete sich im Jahre 1003, verglichen mit 1003, wie folgt: Einfuhr Ausfuhr 1903 1902. 1903 � 1902 Wert in tausend Lire Rohstoffe..... 691751 663 235 242 706 242 209 Halbfabrikate... 366 403 393 631 497 391 558 071 Fabrikate..... 378 778 334 537 317 691 309 568 Nahrungsmittel... 401490 362 340 404 075 362 573 Zusammen 1838 422 1775 743 1461863 1472 421 SevyerksckaMickes. Achtung Gewerkschaften! Gemäß dem Beschlüsse der Delegierten zur Berliner Gcwerk- schaftSkommission vom 26. März 1003 und einem späteren Ausschuß- beschluß soll in diesem Jahre am 18. März eine einheitliche llranzniederlcgung für die Märzgefallenen stattfinden. Dieselbe hat seitens dcS Ausschusses zu erfolgen. D e r Au S sch uß d er B er li ncr Gc w c r k sch aftSkommission. Das EinignngSamt des Berliner Gewerbegerichts hatte sich gestern mit einer Differenz zwischen den B a u k l e m p n e r n und deren Arbeitgebern wegen einer Tarifänderung zu befassen. ES handelte sich um eine Aenderung des 8 6 des Tarifvertrages be- treffend Neuregelung der Vergütung von Fahrgeld und Fahrzeit. Die auS Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber bestehende Schlichtlingskommission für das Gewerbe hatte'sich über den frag- lichcn Passus in einer Sitzung am 18. Februar bereits völlig geeinigt; dagegen erkannte die Arbeitgeber- Versammlung die bezüglichen Abmachungen ihrer Vertreter in der Schlichnmgs- kommission nicht an, eS kam deswegen zu erheblichen Zer- lollrstiissen unter den Arbeitgebern. Die Folge davon war, daß die Gesellen die vertraglich vorgeschriebene Entscheidung des Einigungsamtes anriefen. Zur Verhandlung waren Vertreter der Arbeitgeber jedoch nicht erschiene n. Nach Prüfung der ganzen Sachlage und unter Würdigung dessen, daß die SchlichtungskommissionS-Mitglieder der Arbeitgeber die in Frage kommenden Vorschläge der Gesellenvertreter'früher durch- aus gebilligt haben, fällte das EinigungSamt unter dem Vorsitz des Direktors v. Schulz folgenden Schiedsspruch: „Der Wortlaut des§ 6 des Tarifvertrages vom 6. Mai 1903 kann leicht zu Differenzen führen. AuS diesem Grunde empfiehlt das EinigungSamt den Parteien die Annahme dcS von der Schlichtungskommission am 18. Februar d. I. hierüber von Arbeit- nehmcrn und Arbeitgebern gefaßten Beschlusses." Achtung Konditoren! Die Differenzen bei der Finna Kurz u. Eo., Engcl-Ufcr 4, wurden in einer BetricbSversanimlung im Beisein des Fabrikanten und der OrganisationSlcitung beigelegt. Die Arbeit ist wieder aufgenommen. Centralverband der Konditoren. Mitgliedschaft Berlin. Zu dem Tischlcrstrcik von Steglitz mid Groß-Lichtcrfclde wird uns berichtet: Nachdem mir Freitag, den 4. März, eine Kominissions- sitzung zu dem Streik Stellung genommen hatte, in welcher auch von den Meistern gewisse Zugeständnisse gemacht wurden, fand am Dienstag, den 8. März, zu demselben Zweck eine Versammlung der Arbeitgeber statt. Am Mittwoch ward dann den Arbeitern seitens des Vorsitzenden vom Arbcitgeber-Schutzverbande folgender Beschluß mitgeteilt: „Die heute abend gegen 8 Uhr im„Albrechtshof" Hierselbst tagende Generalversammlung der Mitglieder des Arbeitgeber- Schutzverbandes hat einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: Die Forderung der Gesellen betreffend Zahlung des Maschinengeldes seitens der Meister wird abgelehnt; desgleichen wird jede Mchrfordcrung der Tischlergesellen abgelehnt. Dieser Beschluß ist zur Kenntnis der Gesellenschaft zu bringen." Unterschrift. Wie dieser Beschluß zu stände gekommen ist. entzieht sich der öffentlichen Kenntnis; er ist aber um so verwunderlicher, als die Arbeitgeber in der Kommission unter Leitung des Vorsitzenden vom Arbengeber-Schutzverband die Forderung betreffend Zahlung des Maschinengeldes anerkannt hatten, auch bei den Preisen eine Verständigung erzielt worden war. Enttveder haben die Herren eS nicht sehr genau mit der Vertretung deS Kommissionsbeschlusses genommen oder sie besitzen nicht den geringsten Einfluß auf ihre Kollegen. Die Gesellen sind entschlossen, so lange auszuharren, bis die Herren Meister sich zu einer Aenderung ihrer selbstherrlichen Haltung entschließen können. Der Streik der Krahnfiihrer, Anschlcifer und Hilfsarbeiter der Firma Borsig in Tegel ist am Mittwoch durch Verhandlungen beigelegt. Die Bmitischlcr und Maschineiiarbcitcr in Luckenwalde befinden sich nun zwei Wochen im Ausstand, nachdem sich die Meister ihren Forderungen gegenüber ablehnend verhalten hatten. Verlangt wurde Verkürzung der Arbeitszeit von 60 auf 54 Stunden pro Woche und Aufbesserung des Accord- und Stundenlohnes. Die Arbeiter sahen sich dazu veranlaßt, weil sich die Wohnungsverhältnisse und der Lebensunterhalt am Orte denen der Vororte von Berlin und in Berlin in letzter Zeit immer mehr und mehr angepaßt haben, dagegen die Lohnvcrhältnisse denen der obigen Orte nicht im ge- ringsten gleichkommen. Außerdem kommt noch in Betracht, daß die in Frage kommenden Meister ihr ganzes Absatzgebiet in Berlin und Umgegend haben. Durch die billigen Arbeitskräfte ist es ihnen mög- lich, die Unternehmer in Berlin bei Abschlüssen immer zu unterbieten, worauf von Berliner Unternehmern bei Lohndiffcrcnzen stets hin- gewiesen wird. Eine Unterhandlung, von den Unternehmern an- geregt, fand bereits statt, scheiterte aber. Die Situation ist günstig' da fast sämtliche Streitende organisiert sind und man aus der Au- kündigung einer bald wieder stattfindenden Verhandlung schließen kann, daß die Unternehmer auf die gestellten Forderungen eventuell eingehen würden. Zuzug ist fernzuhalten. Deutkclies Reich. Die Gewerkschaften Nürnbergs haben im vergangenen Jahre einen erfreulichen Aufschwung genommen. Die Zahl der geWerk- schaftlich organisierten Arbeiter betrug im Jahre 1902 1 1 042 und ist im vorigen Jahre auf 13 229 gestiegen. Von den Arbeiterinnen loaren 1902 1049. 1903 1182 organisiert. Die Steigerung von Ouartal zu Quartal war eine gleichmäßige, der Mitglicdcrwechscl war nicht so groß ivic in vorausgegangenen Jahren. Der Mit- gliederstand blieb ziemlich stabil. Von den 45 in Nürnberg be- stehenden Gewerkschaften haben nur sechs einen Verlust von zusammen 33 Mitgliedern gehabt, die übrigen battcn nur eine Vermehrung zu ver- zeichnen, u. a, die Flaschner 226, die Former 117, die Handels- und Transportarbeiter 62, die Holzarbeiter 358, die Maurer 243, die allgemeine Zablstelle der Metallarbeiter 415, städtische Arbeiter 116, Stcindrucker 105 usw. Bemerkenswert ist, daß fast überall eine Zu- nähme des Milgliederstandes zu verzeichnen ist. obwohl die ineisten Gewcrlschaftcn ihre Beiträge beträchtlich erhöht haben. Es dürste die Vermutung zutreffend sein, daß höhere Beiträge einen stabileren Mitglicderstand zur Folge haben und daß die Reuerrichtimg verschiedener UnterstützungSzlveige die Stabilität günstig beeinflußt. �ustanck. Tie Aussperrung in der Tianiantindustrie. Wichtige Veränderungen sind in Bezug auf den Stand der Be- ivcgung in der letzten Zeit nicht eingetreten. In Antwerpen steht den Arbeitern fortdauernd eine größere Zahl von Mühlen zur Verfügung, als sie aus ihren eignen Reihen besetzen können. Sie haben dem Vorstand des Niederländischen Verbandes mitgeteilt, daß jetzt 80 Mühlen wiederum Amsterdamer Kollegen überwiesen werden können. Eine dcmentsprcchende Zahl von Schleifern und„Vcrstellern" ssolchcr Arbeiter, die den Schleifern die Steine in die zum Schleifen erforderliche Vorrichtung stellen oder „verstellen") hat sich bereits im Amsterdamer Aerbaudsburcau gc- meldet, um in den nächsten Tagen nach Antwerpen auszuwandern. Soziales. Eine Enquete über die Bekämpfung der Bleierkrauknngen. Wie amtlich mitgeteilt wird, wird das öftrrichffche Handelsministerium durch das Arbeitsstatistische Amt Erhebungen über die Entstehung und Verbreitung der BleierkrankuNgen und ihre Bekämpfung durch- führen lassen. Es sollen zunächst die technischen Einrichtungen und BetricbÄveiscn jener Unternehmungen untersucht werden, bei denen Blcicrkranlungen in größerer Zahl vorkommen. Ferner sollen auch die Wirksamkeit und der Erfolg der bisher angewendeten Methoden für die Verhütung der Alcicrkrankungcn überprüft werden. Mit der Durchführung dieser Erhebungen dürste cme Svecialkommission be- traut werden, die die Erhebungen in erster Linie in den Blei und Blcipräparatc erzeugenden Betrieben und nur nebenbei auch in den Blei und Blcipräparatc vcrlvendcnden Betrieben vornehmen wird. Daran soll sich dann eine Enquete anschließen, in der das von dieser Kommission beschaffte Material ergänzt werden soll. Diese Enquete soll nach Bedarf in mehrere Teil-Enquetcn für einzelne Gruppen vcrtvandter Betriebe zerlegt werden. Durch diese Art der Arbeits- tcilung soll die Heranziehung der Vertreter der Gewerbe sowie wissen- schaftlicher Fachmänner und Repräsentanten der beteiligten Verbände, zum Beispiel der Krankenkassen, erleichtert werden. Tie Errichtung eines Ledigenheims in Fürth ist von den den bürgerlichen Parteien angehörigen Stadtvätern zum zweiten Male zu Fall gebracht Wörde». Ter Magistrat hatte neuerdings einen Be- schluß gefaßt, wonach die Stadt einen Bauplatz unentgeltlich zur Verfügung stellt, ferner 15 000 M. von dein Leihhausüberschuß als flüssiges Kapital horgiebt, während die mittelfränkische Bersicherungs- anstatt zu den Baukosten 150 000 W. gegen niedrige Zinsen bei- steuert. Es sollte ein Haus mit 100 einzelnen Znnmcrn errichtet werden. Das Gemeiiidckollcgiuin pcrweigerte aber wiederum die Projektiernngskoften mit 500 M.. dafür stimmten nur die Socialdemo- kratcn und zwei Demokraten. Gegen den Plan ivurde ins Feld ge- führt, daß erst die Ergebnisse der Wohnungserhebung abgewartet werden müßten, von der etwa der siebente Teil aufgenommen ist. Dabei wurden 225 Ledige in LogiZ gefunden, die bei Anwendung des in Aussicht stehenden Wohnungsgcfctzcs gezwungen sein dürften, sich eine andre Wohnung zu suchen— schon Beweis genug dafür, wie schlecht die Wohnungsverhältnisse in Fürth beschaffen sein müssen und wie notwendig eine derartige Einrichtung wäre. Fleischteneruiig in Oberschlesien. Für den obcrschlesischen In- dustricbezirk ist eine Fleischtcuerung im Anzüge. Die Zufuhr von Rindern und Schweinen aus dem inneren Rußland nach den Grenz- städten hat sich ganz erheblich verringert. Das ist sowohl der Miß- ernte in Rußland auch an Futtermitteln zuzuschreiben, durch welche die russischen Bauern zu einer bedeutenden Reduzierung des Vieh- bestandes gezwungen wurden, wie auch dem Umstände, daß die Militärverwaltung infolge des russisch-japanischen Krieges große Vichankäufe macht. Das Rindfleisch ist in Rußland schon jetzt so hoch im Preise, daß es von der arbeitenden Bevölkerung nicht mehr gekauft werden kann. Und wenn die preußische Regierung die Vieh- einfuhr aus Oestreich nicht in größerem Umfange wie bisher zuläßt, können auch die Arbeiter des oberschlesischen Jndnstricbezirks bald kein Fleisch mehr laufen. letzte Nachrichten und Depelchen. AuS dem östrcichischcn Abgrordneteuhaiisk. Wien, 10. März.ersvnlich an dem Ausgang deS Prozesses nicht mehr be- t e i l i g t. Der zweite Prozeß richtet fich persönlich gegen den Herzog zu Schleswig- Holstein. Es handelt sich hier um einen Ersatzanspruch. In diesen Prozeß wird durch den Entwurf nicht eingegriffen werden: er wird auch den Gang weiter gehen, oen er genommen hat. Ebenfalls unrichtig ist, daß auf Grund dieses Gesetzes der Klägerin die zur Zeit ihr zustehenden Rechtsmittel entzogen werden würden. Abg. Dr. Stockmann(Rp.): Wenn das Gesetz wirklich in be- stehende Rechtsverhältnisse eingriffe, so würde auch ich eine Kam- .nissionsberatung für notwendig halten. Ist es aber mehr als eine rein formale, äußerliche Bestimmung, daß Herzog Ernst Günther fortan durch Unterschreiben der Eidesformel einen Eid soll leisten können? Die Qualität des Eides wird dadurch in keiner Weise geändert. Es kommt hier nicht darauf an, ob die preußischen Kronjuristen seiner Zeit dem holsteinischen Hause die Souveränetät haben absprechen wollen, sondern darauf, daß das Volk in seiner großen Mehrheit einst das herzoglich holsteinische Haus als sein angestammtes Fürstenhaus anerkannt hat. Dafür sollte doch gerade Herr Stadthagen Sinn haben. Wir Schleswig-Holsteiner würden das Zustandekommen der Borlage mit Freuden begrüßen. Den Antrag Singer bitte ich abzulehnen.(Bravo! rechts.) Abg. Kirsch(C.): Ich kann mich dem Staatssekretär und Dr. Stockmann anschließen. Den Antrag Singer verstehe ich nicht: ich hätte wohl einen Antrag verstanden, Ivonach die Borlage aus schwebende.Rechts st rertigkeiten" keine Anwendung finden soll. Aber unter dem Ausdruck„Rechtsverhältnisse' kann doch alles Mögliche verstanden werden. Abg. Graf Rcvcutlow(wirtsch. Vereinigung): Herr Stadthagen hat die Interessen der Kammerfrau, des„deutschen Mädchens", wie er sie nannte, verteidigt. Nun, dies„deutsche Mädchen" hat die Schwäche der alten Prinzessin sehr gut aus- zubeuten ver st an den. Wir Schleswig-Holsteiner würden in der Annahme des Gesetzes eine Milderung für manche Härten der geschichtlichen Entwicklung erkennen. Ich weiß mich von höfischer Streberei frei, aber ich muß doch meine Freude darüber aussprechen, daß dem Hause, aus dem die Kaiserin entstammt, die sich überall der höchsten Verehrung erfreut-- Präsident Graf Ballestrcm: Ich bitte den Hern, Abgeordneten, doch die allerhöchsten Personen nicht in die Debatte zu ziehen. Er hat das zwar in sehr taktvoller und liebenswürdiger Weise gcthan. Wenn ich das aber zuließe, könnte ich nicht verhiudern, daß von andrer Seite dasselbe etwa in weniger taktvoller Weise geschähe. (Heiterkeit.) Abg. Graf Rcventlow(fortfahrend): Ich bitte um Eni- schuldigung. Ich habe mich da versehen. Wir Schleswig-Holsteiner würden die Annahme der Vorlage freudig begrüßen. Abg. Jessen(Däne): Wie gestern durch die Zeitungen bekannt geworden ist, scheidet die Linie Schleswig- Holstein- Sonderburg- Glücksbnrg aus dieser Vorlage aus, da der Herzog von Glücks- bürg präsumtiver Thronfolger von Oldenburg werden wird. Die Vorlage beschränkt sich nunmehr ans die Augustenburgcr. Wenn ich mich gegen die Vorlage aussprechen wollte, könnte es so aussehen, als lvenn wir dänischen Schleswiger an den Augustenbnrgern kleinlich Rache dafür nehmen wollten, daß sie"sich einst gegen unser Baterland gewandt haben. Ich will mir protestieren dagegen, daß Serr Dr. Stockmann sagte:„Wir Sckileswig-Holsteiner." Herr tocknrann, dieser Vorkänipfer der angestammten Fürstentreue, ist in Lübeck geboren, also ein geborener Republikaner. Herr Stockmann hat weder nach seiner Abstammung noch nach seinem Wahlkreis ein Recht, von„wir Schleswiger" zu sprechen. Er sprach von der deutschen Geschichte Schlcswig-Holstems. Aber ein solches Land hat es nie gegeben. Das kommt mir so vor, ivie wenn man den bekannten großen dänischen Hund „deutsche Dogge" nennt.(Heiterkeit.) Jetzt verbreitet man schon die Legende, Schleswig-Holstein sei 1364 von der Fremdherrschaft befteit werden.(Sehr richtig! rechts.) Aber die Mehrzahl der Einwohner Schleswigs hat sich gegen diese„Be- freiung" gesträubt.(Widerspruch rechts.) Nein?! Na, dann lesen Sie einmal die Zahlen von der Reichs- tags wähl 1867 in Schleswig durch! Preußen war einfach von seinem alten Grundsatz ausgegangen: Dat möt wi hedben(Große Heiterkeit.), befreien wollte Preußen niemanden. Ich habe mich bemüht, hier der Stimme der nüchternen und ein- fachen Wahrheit Gehör zu verschaffen. Abg. Himburg(k.): In Uebereinsttmmung mit dem Abg. Stock- mann treten wir gegen den Antrag Singer und für die Vorlage ein. (Bravo! rechts.) Abg. Stadthagc»(Soc.): Gegenüber Herrn Stocknwnn bemerke ich, daß unser Anttag das Gesetz keineswegs wieder aufhebt; er will nur die wohlerworbenen Rechte sichern. Lehnen Sie ihn ab, so ist's uns auch recht; dann können Sie uns später nicht die„w o h l e r w o r b e n e n R e ch t e" entgegenhalten. Freilich besteht der Unterschied zwischen uns, daß wir die der Minderbemittelten, Sir die der Reiche» wahren.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Für ein „angestammtes Fürstenhaus" in Schleswig-Holstein ist das deutsche V o l k nie eingetreten. Es wollte freie Männer auf ftreiem dcutfchc» Grund!(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Dagegen waren die Konservativen und die Regierung. Es kamen die Schmach von Olmiitz, der Londoner Vertrag. Stehen S i e(nach rechts) aber auf dem Boden des an- §estainmten F ür st en Hauses, so nehmen Sie die lusweisungsbefugnis gegenüber den Schleswiger» zurück! Der Staatssekretär hat meine Angaben, die ich ans Zeitungen hatte, durchaus bestätigt. Auch an'demNachlaßprozefse hat der Herzog Ernst Günther ein großes Interesse, denn lvenn der Nachlaß insuffizient ist, so haftet er für 3000 Mark U n t er h a l t s k o st en, die für die Prinzessin Amalie von der Hofdame ausgegeben worden sind. Weder ich, noch der Staatssekretär entscheiden, wer mit seinen Angaben recht hat, sondern das Gericht. Die Schmach bleibt be- stehen, daß die Dame auf Bcranlaffung des Herzogs Ernst Günster von Herrn v. Blumenthal ausgewiesen worden ist. Einer der Herren bezeichnete es als eine rein formale und gleichgültige Acnderung, ob der Eid mm mündlich oder durch Unterschrift geleistet werde. Ja, wenn die Eidesform so gleichgültig ist, warum geben Sie nicht jedem das Recht den Eid durch Unter- fchreiben zu leisten?(Sehr gut I bei den Socialdemo- traten.) Wenn ein Redakteur im öffentlichen Interesse sein Zeugnis verweigert, dann wird er verhastet. Hier aber wird der Herr, der sein Zeugnis verweigert, nicht verhaftet, sondern ihm zu Liebe wird das Gesetz geändert, um seinem Widerstand Nahrung zn geben. Wir werden gegen das Gesetz stimmen, weil ivir gegen Sonderrechte sind. Hier handelt es sich um ein besonders schlecht fundiertes Sonderrecht.(Sehr richtig! bei den Socialdcmokratc».) Uns sind die Angehörigen des Augustenburger Hauses Bürger wie alle Bürger. Aber sie sollen nicht Vorrechte erhalten, die die Rechte andrer beeinträchtigen.(Bravo I bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Stockmann(Rp.): Herr Jessen hat von Dänemark als seinem Vaterlande gesprochen. Mein Vaterland ist Deutschland und ich muß mich eigentlich wunder», daß Herr Jessen als Däne über- Haupt im deutschen Reichstage sitzt!(Bravo! rechts.) Daß mein Geburtshaus durch einen schmalen Grenzgrabcn von Schleswig- Holstein getrennt war, wird mir wohl nicht das Recht nehmen, hier als Vertreter Schleswig-Holsteins zu sprechen!(Beifall rechts.) Abg. Mattfcn(natl.) bestätigt, daß Herr Stockmann in Schleswig- Holstein sehr beliebt sei. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Singer wird ab- gelehnt und die Vorlage unverändert gegen die Stimmen der Social- demokratcn augenomme n. Darauf wird die zweite Lesung des Militäretats fortgesetzt. Das Wort erhält Bayrischer Generalmajor v. Endres: Es war mir sehr unangenehm, den letzten Verhandlungen in, Reichstag fern bleiben zu müssen. Ich war auf Befehl Sr. könig- lichen Hoheit des Prinzregenten von Bayern nach Hannover kom- niandiert, um an der Beerdigung des Generalfcldmarschalls von Waldcrsce teilzunehmen, unter dessen Koinmando vor wenigen Jahren preußische und bayrische Offiziere zusammen gefochten haben. Da nun in Hannover wieder bayrische und preußische Generale zusammenkamen und wir uns von der Zeit unter- hielten, in der wir gemeinsam ftir unsrcs Vaterlandes Einigung gekämpft haben, erfuhren wir von der Aeußerung Dr. Müller- Meiningen, das bayrische Offiziercorps sei gebildeter als das preußische. Dieser Ausspruch patzte in das. ganze Milieu, in dem wir uns befanden, sehr schlecht. Wir alle. Reichskanzler, Reichstag und Bundesrat, haben die Anfgabc, für deS Vaterlandes Wohl zu sorgen; alle unsre Reden dienen nur diesem einen Zweck. Ich weiß nicht, ob Dr. Müller- Meiningen glaubt, daß er durch jene Aeußerung seinem Vaterlande genützt hat. Ich weiß es nicht, e r wird's wohl wissen: er ist ja ein geistreicher Mann.(Große Heiterkeit rechts.) Ich weiß nicht, wie ein deutscher Staats», ann(Heiterkeit) es mit seiner Ueber- zeugung vereinbaren kann, im Parlament eines föderativen Staatswesens die verschiedenen Kontingente dieses Staats- Wesens gegeneinander auszuspielen. Ich weiß es nicht, er wird's wohl wissen: er ist ja ein geistreicher Mann.(Er- neute schallende Heiterkeit.) Das weiß ich von, Reichskanzler, der erlaubt es mir.(Große Heiterkeit.) Kennt denn Dr. Müller- Meiningen nicht die Geschichte seiner eignen Partei? Nach dem Frieden von Villafranca, wo das deutsche Nattonalgeflihl so tief stand, wie fast noch nie, vereinigte sich eine Schar groß denkender Leute unter der Führung des h e r r l i ch e n M a n n e s Bennigsen zu dem Ratio nalvere,,,. Aus den, National- verein ist auch die Partei deS Dr. Müller- Meiningen entsprossen. Wie kann Dr. Müllcr-Meiningen als Abgeordneter der freisinnigen Partei das alte Gcspeiijt des ParttkulariSmus, das gerade jener Nationalverein so heftig bekämpft hat, wieder auferstehen lassen?— Ich weiß es nicht, er wird's wohl wissen: er ist ja ein geistreicher Mann!(Stürmische Heiterkeit.) Dr. Müller-Mcininaen hätte sich sagen müssen: Wir haben, weiß Gott, der inneren Kämpfe genug, es ist nicht notwendig, auch noch dies alte Gespenst wieder aufzurufen zu unsrem Schaden, zu unsrer Schande!(Beifall rechts.) Inwieweit ist Dr. Müller-Meiningen legittmiert, als Richter über bayrische und preußische Offiziere aufzutreten? Es handelt sich um Bildung. Ja, Bildung ist ein sehr unbestimmter Begriff, ab- hängig von der Zeit, der Nationalität, von der philosophischen An- schauung, der geschichtlichen Entwicklung. Man kam, die Bildung vielleicht definieren als die Harmonie zwischen Wissen, Herz und Charakter. Wir halten einen Mann für gebildet, der seine Persönlichkeit nicht weiter in den Vordergrund schiebt, als eö die Bedeutung der eignen Person- lichkeit verlangt.(Stürmische Heiterkeit.) Wir halten einen Mann für gebildet, bei dem das Herz so auf dem rechten Fleck sitzt, daß er in den großen Fragen des Vaterlandes nicht nach seiner persönlichen Eitelkeit fragt; wir heißen einen Mann ge- bildet, der so viel von jener vornehmen, sympathischen Bescheidenheit hat, daß er auch die Meinung und die Ideale des andren achtet. Wenn ich Bildung so fasse, so habe ich in meinem Leben eine Menge einfacher Leute im Arbeiterkittel ge- funden, die ich für hochdenkend und vornehm halte; aber ich habe auch Leute gefunden, die Gymnasium und Uni- versität absolviert hatten, die von sich sagen können:„Heiße Doktor, heiße Magister gar I"(Große Heiterkeit) und die ich doch nicht für gebildet halte.(Sehr gut I rechts.) Bildung ist nicht ein Produkt der Schule, sondern des Lebens. Wenn nun Bildung ein so komplizierter, schwierig zu fassender Begriff ist. wie schwierig ist es dann erst, große Kategorien gegen einander abzuschätzen nach dem Grade der Bildung I Es handelt sich um 25 000 Offiziere, zwischen die Dr. Müller-Meiningen fich hinein- stellt und als Richter sagt:„Die sind gebildet und die nicht."(Wider- spruch links.) Oder:„Die einen sind mehr gebildet, die andern weniger." Um ein solches Urteil fällen zu können, muß man in zchntausendeHerzen, Lebensanschauungen, Familienverhältnisse und Sorgen hineingeblickt haben; um das Bildungsniveau großer Kreise gegen einander ab- zuwägen, ist Zurückhaltung und Bescheidenheit, Vorficht im Urteil und das Zurückdrängen der eignen Leidenschaftlichkett geboten, es gehört dazu eine ttefgründige Herzensbildung, ich möchte sagen: der Zauber der harnionischen Ausgestaltung. Es fällt mir nicht im Traume ein, die Frage aufzuwerfen, ob Dr. Müller-Meiningen diesen Zauber in sich trage.(Heiterkeit rechts.) Ich bin zu bescheiden, um auch nur über eine einzige Persönlichkeit ein derarttges Urteil zu fällen.(Abg. Dr. Mugdan(frs. Vp.) ruft: Der ist nicht immer bescheiden, der eS von sich sagt!) Es ist auch nicht immer der gescheit, der von sich selbst sagt, er sei gescheit. (Große Heiterkeit rechts.) Was da-Z bayrische Offiziercorps heute ist und bedeutet, hat es neben der Fürsorge seiner höchsten Herren den preußischen Kameraden zu danken. Das muß einmal vor dem Reichstage ausgesprochen werden. Ich habe auch nichts dagegen, wem, es bis über die Grenzen dringt. Was ich hier sage, erfährt man in München so genau, wie Sie es hier höreck.(Ruf links: Man wird sich dort nicht darüber freuen!) Wenn ich die Ver- antwortuilg dafür auf mich nehme, so zeige ich nur, daß ich ein furchtloser Mann bin.(Bravo I rechts.) Ich weiß, daß ich hier etwas aus dem gewöhnlichen Rahmen heraustrete, aber wenn uns etwas im Innersten bewegt, so sprengt es die äußere Form. Ich empfinde cö heute als Pflicht, als treuer bayrischer Soldat mit heißer Dankbarkeit aller jener Förderung zu gedenken, die ich selbst in meinem Streben von preußischen Kameraden, von der preußischen Annceverwalttiug und dem allergnädigsten Herrn empfangen habe. Als es sich 1376 ftir die bayrische Regierung darum handelte, ein Offiziercorps zu schaffen, das sich in die Organisatton der allgemeinen Wehrpflicht einfügte, da hat uns die preußische Regierung und der allcrgnädigste Kaiser alle reichen Quellen geistigen Lebens, die in der preußischen Armee sprudelten, mit äußerster Vorurteilslosigkeit zu- gänalich gemacht; wir dursten jene Quellen kennen lernen bis tief hinein in zene geheimsten Archive, wo die weltbewegenden Pläne eiueS Moltke lagern. Es wäre eine brutale Undankbarkeit von seiten der bayrischen Armee, wenn sie jetzt ein Lob in Empfang nehmen Ivollte, das auf Kosten ihrer preußischen Kameraden gespendet wird. (Bravo I rechts.) Wie kann Dr. Müller-Meiningen die bayrischen Offiziere, die er für gebildeter hält als die preußischen, für so ungebildet halten, daß sie ein solches Lob annähmen? Was weiß überhaupt Dr.Müller-Meiningen von den innerenVerhälttnssen derArmee, von den tausend geistigen Fäden, die hinüber und herüberschießen? Er klebt an der Oberfläche, an den Uniformen.(Heiterkeit.) Wenn Dr. Müller-Meiningen ein so kluger Mann wäre, wie--- (Heiterkeit) man glaubt, so hätte er zweifellos m der Diskussion die Wege der kleinen Kritik nicht verlassen, denen er gewachsen ist (Sehr gut! rechts), er hätte sich nicht auf ein Gebiet begeben, wo er an unser Allerheiligstes, an unsre Zusammengehörigkeit rührte. Einen Nrmee-PartikularismuS gießt es nicht.(Lebhafter Beifall.) Dr. Müller-Meiningen sagte, ich hätte ihn nicht verstanden. Im allgcineiucu ist er doch für einen leidlich vernünftigen Mann ganz verständlich.(Heiterkeit.) Aber nicht ich habe ihn in der Angelegen- hcit des Vcrsailler Vertrages nicht verstanden, sondern Dr. Müller- Mciningen selbst hat immer noch nicht die Grundlage, auf der ich fußte, erforschen können: das Schlußprotokoll der Versailler Ver- träge. Möge er sich das nächste Mal bester präparieren.(Lebhaftes Bravo! rechts und bei den Nationalliberalen.) Beim Kapitel Militär-Justizverwaltung hat die Kommission sieben Militärgerichtsschreiberstellen gestrichen und beantragt folgende Resolution: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zur Verhütung von Soldaten Mißhandlungen, insbesondere der systematischen Mißhandlungen, darauf hinzulveisen, daß in den Fällen des Militär- Strafgesetzbuches§ 147, welche die schuldhafte Verabsäumung der Beaufsichtigung von Untergebenen mit Freiheitsstrafe und Dienst- entlastung bedroht, gegen die für die Diciplin verantwortlichen Vorgesetzten die Strafverfolgung unnachsichtlich eingeleitet wird. Zu demselben Titel beantragen die Abgg. Auer und Ge- nossen(Soc.) folgende Resolution: Um den Militärmitzhandlungen nach Möglichkeit entgegen- zutreten, möge der Reichskanzler dahin wirken, daß a) die locgen Mißhandlung von Soldaten durch Urteile der Militär- und Marinegerichte erfolgten Bestrafungen allmonatlich den Mannschaften der Armee und Marine zur Kenntnis gebracht werden, b> bei dieser Gelegenheit die Angehörigen deS Heeres und der Marine jedesmal auf ihr Beschwerderecht hin» gewiesen werden, c) die wegen Mißhandlung Untergebener rechtskräftig ver- urteilten Angehörigen des Heeres und der Marine aus dem Dienst entlassen werden. Die Abgg. Ablaß und Genossen(frs. Vp.) fordern, daß in An« betracht der durch die große Zahl der festgestellten Soldaten- Mißhandlungen hervorgerufenen Beunruhigung weiter Volkskreise Gesetzgebung und Verwaltung durchgreifendere Maßregeln gegen die Mißhandlungen und den Mißbrauch der Amtsgewalt ergreisen. Abg. Gröber(C.): Die Oeffentlichkeit des Militär-GerichtSverfahrens ist erst so kurze Zeit durchgeführt, daß aus den Gerichts» Verhandlungen noch kein Schluß nach der Richtung gezogen werden kann, daß die Mißhandlungen sich gegen früher vermehrt hätten. Immerhin haben die Verhandlungen eine Reihe von äußerst schweren Fällen von Miß» Handlungen zu Tage gebracht, die uns veranlassen müssen, mit aller Entschiedenheit gegen die Mißhandlungen vorzugehen. In dem schwersten Falle sind einem Unteroffizier 1500 Mißhandlungen nachgewiesen worden(Hört! hört! im Centrum.) Es handelt sich hier um s y st e m a t i s ch e Quälereien. Der Betreffende ist zu fünf Jahren und Degradation verurteilt worden. Daß die Militärverwaltung sich aufs ernstlichste bemüht, die Mißhandlungen zu verhüten, er- kennen wir an. Empfehlen würde es sich, die vielen Besichtigungen, welche die Offiziere nur nervös niachen, nach Möglichkeit einzuschränken. Was den Antrag Auer an- langt, so ist dessen erster Teil wohl schwer ausführbar. Eine Belehrung der Soldaten über ihr Beschwerderecht geschieht bereits jetzt mehrmals im Jahre. Die letzte Forderung endlich ist eine Sache der militärgerichtlichen Urteile, auf die der Herr Reichs- kanzler keinen Einfluß hat. Die Resolution der Kommission nimmt auf§ 147 des Militär-Strafgesetzbuchs Bezug. Dieser Paragraph kommt in der Praxis fast gar nicht zur Anwendung. Bei 647 Ver- urteilungen wegen Mißhandlung in Preußen ist der Paragraph im Jahre 1302 nur in 26 Fällen zur Anwendung gekommen. Es ist aber zweifellos, daß in sehr vielen Mitzhandlungsfällen die Vor- gesetzten Kenntnis von den Mißhandlungen gehabt haben müssen. Wir sollten deshalb dem Vorschlag der Kommission zustimmen, der das wirksamste Mittel gegen die Mißhandlungen bedeutet.(Bravo! im Centrum.) Abg. Meist(Soc.): Man hat behauptet, unsre gegensätzliche Stellung zum Milita rismus sollte uns verhindern, irgend welche Verbesserungsanträge zu stellen. Dagegen muß ich entschieden protestieren. Wir haben die Pflicht als Vertreter der großen Masse des Volkes (Oho I rechts.) zu betonen, daß wir die Söhne des deutschen Volkes in der Armee geschützt wissen wollen gegen alle Mißhandlungen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Wer wie ich selbst Soldat gewesen ist, hat ein Urteil darüber, wie es in den Kasernen zugeht, während die Herren der Rechten, die als Offiziere oder Einjährige ge- dient haben, dem Kascrncnlcbcn meist vollkommen fernstehe». A u ch auf dem Exerzierplatze kommen ja Miß Hand- Inn gen vor, wenn der die Aufsicht führende Offizier nicht genügend acht giebt. Als ich in Koblenz diente, hatten wir einen Ofsizier, der sich der größten Beliebtheit bei den Mannschaften erfreute, weil er auf dein Exerzierplatz nicht duldete, daß ein Soldat auch nur angerührt wurde. Die m e i st e n Mißhandlungen kommen aber in den Kasernen vor und besonders da, wo sich infolge der Lage der Kasernen die Unteroffiziere recht unter sich fühlen. Der Herr K r i e g s m i n i st e r hat sich ja neulich sehr entschieden gegen die Mißhandlungen aus- gesprochen, aber er hat die Wirkung seiner Worte abgeschwächt da- durch, daß er erklärte, kleine Stöße und Ohrfeigen sollten nicht als Mißhandlungen angesehen werden. Auch Herr v. E s t o r f f sagt ja in seinem Buche, daß erst, wenn die Soldaten mit der Klopfpeitsche aus den Betten gejagt würden, sie sich beleidigt fühlen könnten. In der That beweisen die ergangenen Urteile, daß Ohrfeigen sehr gering beurteilt werden. So wurde ein Feldwebel, der bereits wegen Miß Handlung vorbestraft war. mit 16 Tagen Arrest bestraft, weil er seine Untergebenen geohrfeigt hatte, ebenso ein Unteroffizier, der einen Soldaten derartig geohrfrigt hatte, daß das Trommel fell platzte, und er zwei Monate im Lazarett zubringe» mußte. Wir bezweifeln, daß die Militärverwaltung alles gethnn hat. lim diesen Mißhandlungen entgegenzutreten. Noch immer giebt es durchaus ungeeignete Menschen unter den Unteroffizieren. Und dabei wird von Anfang an in dem Rekruten das Gefühl der Abhängigkeit nnd Furcht erweckt, wenn man ihm nach der Einkleidung die Kriegs- artikel vorliest. In fast jedem Artikel werden Todesstrafe. Zuchthans und Gefängnis bis zu unabsehbarer Dauer angedroht. Das genügt, um einen mutigen Mann zu ducken, ihm die Lust der Beschwerde zu nehmen. Und gerade Ihre„bravenJungen vomLande", Herr K r i e g s ni i n i st e r, werden am meisten mißhandelt, weil ihre Arbeit sie schwerfällig gemacht hat. Mir sagte mein Unteroffizier, der neu» Jahre in der preußischen Arnice gedient hatte, ich sei der erste Soldat, den er noch nicht durchgeprügelt habe. Wenn Sie also Ihr Renommee wahren wollen, dann beseitigen Sie die Mißhandlungen, Herr Minister! Von all den Krirgsartikeln sprechen nur zwei von Beschwerden: Art. 22 verbietet dem Soldaten, mit Kameraden gemeinsam sich zu beschweren oder während des Dien st es eine Beschwerde vorzubringen. Und Artikel 22 stellt wissentlich oder fahrlässig falsche Beschwerde unter Strafe. Deshalb fordern wir, daß die Soldaten immer wieder auf ihr Beschwerderecht hingewiesc» werden. Und die Bestrafungen sollen bekannt gemacht werden, um ihnen den Erfolg der Beschwerde klarzumachen und die Miß- handelnden abzuschrecken. Zu dem gleichen Zwecke wird z. B. sämt- lichen Berliner Mannschaften mitgeteilt, wenn ein Soldat wegen Verweigerung des Honneurs gegenüber dem Stadtkomman- bauten bestraft Ivorden ist. Die verlangte Verlesung brauckite nicht, wie Herr Gröber meinte, tagelang in Anspruch zu nehmen. Zwei Stunden beim Appell allmonatlich würden genügen, um aus allen Urteilen das Wesentliche zu verlesen. Dann würde bis in. die e n tl e g e n st e n Garnisonen die Scheu vor neue» Mißhandlungen verbreitet werden.— Herr Gröber meinte, daß schon jetzt die Rekruten auf ihr Beschwerderecht aufmerksam gemacht werden. Aber eben viel zu selten! Das Bewußt- sein von diesem Recht muß ihnen in Fleisch und Blut übergehen. Selbst eine Beschwerde Pflicht bei Mißhandlungen wäre nichts Uebriges. Wenn Sie unsre letzte Forderung annehmen, so sind wir überzeugt, daß die Mißhandlungen mit der Zeit verschwinden werden. Wir können diejenige» nicht als Erzieher in der Arnice weiter dulden, die durch Mißbrauch ihrer Macht bewiesen habe», daß sie sich für diese Aufgabe nicht eignen. Die bayrische Kammer hat sich mit einen: ganz ähnlichen Antrag befaßt. Der b a y r i s ch e Kr i e g s m i n i st c r hat sich zu der Tendenz des Antrages durchaus z u st i nr ni e n d geäußert, und die bayrische Kammer hat diesen von socialdcmokra- tischer Seite stammenden Antrag dann auch a n g e n o m m e n. Aber die Erste bayrische K am m e r. in der die Herren sitzen. die schon durch die Geburt ihre Qualifikation als Gesetzgeber erbringen, hat den Antrag abgelehnt. Doch der Referent, der ehemalige General v. Fries erkannte auch dort an, daß die Strafen für Militärmihhandlungen verschärft werden müßten.(Hört! hört l) Ich hoffe, Sie werden unfern An- trag annehmen und damit die Soldaten darauf hinweisen, daß sie nicht zu sklavischem Gehorsam verpflichtet sind. Disciplin muß in jeder Organisation sein, aber die Disciplin darf den Soldaten nicht verpflichten, sich als Prllgeljunge gebrauchen zu lassen. Man hat uns vorgeworfen, unsre Kritik wirke verhetzend. Auf dem Gebiete der Soldaienmißhandlungen werden wir in der That unausgesetzt weiter hetzen, bis auch der lebte Soldatenfchindcr aus der Armee heraus ist. Das Volk, das die Lasten des Militarismus zu tragen hat, fordert als sein Recht, daß seine Söhne nnd Brüder nicht weiter mißhandelt werden. Beweisen Sie durch Annahme unsreS Antrags, daß es Ihr ernster Wille ist, die Mißhandlungen zu beseitigen. Vermögen Sie das nicht, so beweisen Sie damit nur, daß Ihr ganzes System, das den Soldaten zu sklavischem Gchorsani zwingt, ein unzeitgemäßes ist.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Abg. Lehmann(natl.): Wir sind alle einig in der Verurteilung der Soldatenmißhaudlungen, aber auch darin einig, daß die völlige Beseitigung derselben stets ein frommer Wunsch bleiben wird, so- lange die Armee aus Menschen besteht und nicht aus einer Hammelherde, wie.es im Zukunftsstaat sein mag.(Heiter- leit.) Auch wir verlangen strenge Strafen für Schindereien der Mannschaften. Die Offiziere haben große Rechte, aber auch große Pflichten. Natürlich kann der Ton auf dem Kascrneiihof nicht derselbe sein wie in einem Mädchenpensionat.(Heiterkeit.) Und gestern wurde Herrn v. Oldenburg nach dem Parlamentsbericht der„National- Zeitung" von den Socialdemokraten zugerufen„Groß- schnauze"(Heiterkeit.) Wenn das hier im Reichstage ge- schieht, dann möchte ich Sie mal draußen sehen.(Heiterkeit.) Hier habe ich die Schimpfliste von Dresden(Redner zeigt ein läng- liches Blatt Papier vor), darin steht unter anderm Lügner, Schuft, Denunciant, Verräter. Davon können noch die Unteroffiziere lernen. (Große Heiterkeit rechts.) Die Soldatenmißhandlungen sind zum großen Teil zurückzuführen auf Verrohung und Bcrwildcrung unsrer Jugend durch die socialdemokratische Presse. Junge Leute zwischen vierzehn und zwanzig Jahren, die nur socialdemokratische Zeitungen lesen, müssen ja irre werden an Gott und Menschheit. ES ist viel zu hart, Unteroffiziere, die sich nach langer tadelloser Dienstzeit infolge passiven Widerstandes einmal zu einer Mißhairdlung haben hinreißen lassen, gleich zu entlassen. Die Socialdemokratie treibt zur Revolution. Auch der Reichskanzler ist dem gegenüber zu sorglos.(Einzelne Rufe: Sehr richtig I rechts.) Kurz nach der Rede des Reichskanzlers im Dezember vorigen Jahres wurde in der„Neuen Zeit" Graf Bülow mit Calonne verglichen, der das ftan- zösische Volk vor der Revolution über die Gefahr hinweg- zutäuschen suchte. Der Artikel enthält den Satz:„Es ist ein Irrtum, sich einzubilden, daß Revolutionen immer nur unter den historischen Voraussetzungen entstehen können, die damals in Frank- reich bestqnden haben." Es wird also in der socialdemokratischen Presse ganz offen mit der Möglichkeit einer Revolution gerechnet. Wir müssen unser Unteroffiziercorps vor socialdemokratischer Ver- seuchung schützen und den Kampf gegen die internationale revo- lutionäre Socialdemokratie siegreich bestehen.(Beifall rechts und bei den Nationallibcralcn.) Kriegsminister v. Einem: Auf dir Resolution Auer will ich nicht eingehe», nachdem Herr Gröber und der Herr Vorredner be- kündet haben, daß sie dieselbe ablehnen.— Der Soldat hat jetzt nicht mehr beim Unteroffizier oder Feldwebel die Beschwerde an- zubringen, sondern beim Hauptmann, und dieser hat die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, jeder derartigen Beschwerde nachzugehen bis in die letzten Konsequenzen.— Wir haben ja heute Herrn Meist als einen Mann von außerordentlich tiefem Pflicht- und Rcchtsgcfühl kennen gelernt. Während seiner Militärdienstzeit aber hat er offenbar von diesen Gefühlen nur einen recht platonischen Gebrauch gemacht. Er hat den Kameraden, von dem er uns erzählte, ruhig mißhandeln lassen, trotzdem er sogar die Sympathie seines Lieutenants hatte. Warum ist er denn nicht zu ihin gegangen und hat ihn: gesagt: Was sind Sie für ein U n m e n f ch, w a r u m mißhandeln Sie den Mann so.(Unruhe bei den Social- demokraten.) Hier aber hat der Brunnquell aller Liebe, der von jedem socialdemokratischen Herzen zu seinem Nächsten fließt, versagt. (Heiterkeit.) Wenn Herr Meist wirklich die große Energie und tiefe Liebe hätte, dann war es seine Pflicht, diese Dinge zur Anzeige zu bringen. Sein Kamerad wird von Herrn Meist nicht singen können: Ich Ijatt' einen Kameraden, einen bessern findst Dn nicht.(Heiterkeit, sehr gut! rechts.) Er hat sich selbst nnd seiner Sache durch seine heutige Rede keinen guten Dienst geleistet.(Bravo! rechts.) Abg. v. Staudy(k.): Bei der Beschaffenheit der mensch- lichen Natur ist es vollkomiueu ausgeschlossen, daß in ciucr so großen Armee die Mißhandlungen ganz aufhören. Vorgebracht sollten hier nur die Fälle werden, wie sie Herr Gröber anführte, in denen zweifellos der Z 147 znr Anwendung hätte kommen muffen. Tie Resolution der Kommission trifft durchaus das Richtige, ihr stimmen wir zu. Dagegen bedeutet die Resolution Ablaß ein Mißtrauens- Votum gegen die Heeresverwaltung, zu dem wir keinen Anlaß haben, ebenso werden wir gegen did socialdemokratische Resolution aus den von Herrn Gröber angeführten Gründen stimmen.(Bravo! rechts.) Die Socialdemokratie bringt die Soldatenmißhandlungen nur aus agitatorischen Gründen vor. Sie will dos Bollwerk der Armee einwerfen durch Lockerung der Disciplin. Wenn die Socialdemokratie von Idealen spricht, so ist das einfach— komisch. Bei ihr selbst giebt es die schlimmste Tyrannei, Beschimpfungen n n d G e m ü t§ r o h e i t e n! Wie beschimpft sich selbst die social- demokratische Elite gegenseitig! Im allgemeinen nehmen wir ja viel zu sehr von den Socialdemokraten Notiz; die Herren erzählen uns ja immer dasselbe. Möge die Armeeverwaltung unbekümmert um socialdemokratische Denunziationen ihren Weg gehen!(Bravo rechts.) Abg. Paycr(südd. Volksp.): Ich habe meinen Ohren nicht getraut, als ich die Ausführungen des bayrischen Generalmajors von Endr es hörte: so befremdend waren sie nach Inhalt und Ton.(Lebhafte Zustimmung links.) Ich kann mir die Rede des Herrn v. Endres nur dadurch erklären, daß er bei der Rede des Dr. Müllcr-Meiningen nicht anwesend war. Herr v. EndreS ist das Opfer einer beklagenswerten Verwechselung geworden: Dr. Müllcr-Mcinungen hat von der längeren Vorbildung der bayrischen Offiziere auf den Gymnasien usw. gesprochen. Herr v. Endres aber meinte die Herzens- und moralische Bildung. Es handelte sich hier um rein technische Meinungsverschiedenheiten über die Ausbildung der Offiziere. Herr v. Endres sprach in einer Weise, wie ich sie noch nie im deutschen Reichstag gehört habe.(Lebhafte Zustimmung links.) Mit keiner Silbe hat Dr. Müller-Meiningen den PartikularismuS geschürt oder die bayrische gegen' die preußische Armee aufgehetzt. (Sehr richtig! links.) Aber fast jeder Satz des Herrn v. EndreS 'chloß mit einer höhnischen persönlichen Anzapfung des Dr. Müller- Meiningen. Mir ist es ja persönlich leid um Herrn v. Endres. Die Presse hat ihm gerade in den letzten Tagen häufig die Eigenschaft zugelegt, die er dreimal dem Dr. Müller-Meiningen abgesprochen hat. Nun ist er, fürchte ich, dieser für ihn günstigen Entwicklung clbst in den Weg getreten. Unsre Aufgabe ist, dafür zu sorgen, )aß die Debatte in dem Ton geführt werde, der bisher üblich war. Sehr richtig! links.) Noch ein Wort über die Militärmißhandlungen. Ich habe n i e begreifen können, wie ein und derselbe Vorgesetzte oft lange Zeit hindurch Mißhandlungen begehen kann; man ist in der Kaserne doch so eng beieinander. Vorgesetzte, die dergleichen nicht sehen, sollten behandelt werden wie solche, die nicht che» wollen. Die Urteile der Militärgerichte sind viel- ach viel zn milde.(Sehr richtig! links.) Wichtig wäre es, wenn das Beschwerderecht erleichtert würde. Heute ist das Risiko des Soldaten, der sich beschwert, zu groß, versieht er das geringste in der Form, so hat er sich sein ganzes spätere militärische Leben verdorben. Ter jetzige Begriff der Disciplin und Manneszucht ist nicht mehr haltbar.(Sehr richtig! links.) Eine Folge dieses Systems ist es, daß oft ganze Züge von Mannschaften an der Grenze des Meineides schwanken nnd sie direkt überschreiten, nur weil sie sich ürchteu die Wahrheit zu sagen. Zum mindesten müßte man dafür orgcn, daß die B e s ch w e r d c f ü h r e r vor späteren Verfolgungen geschützt werden, indem man sie in eine a n d r e A b t e i l u n g versetzt. Minderwertige Subjekte müßten rechtzeitig aus dem Heere entfernt werden. Man sollte aber auch nicht an die Unter- offiziere zu hohe Anforderungen stellen und ihre Autorität nicht durch Abrüffelung vor der Front untergraben. Man hat hier von feiten der Rechten mit ziemlichem Be- Hägen mit dem gefährlichen Gedanken des Bürgerkrieges gespielt und offen davon gesprochen, daß die socialdemokratischen Führer in nicht allzu ferner Zeit mit Flinte und Galgen bcdicnr werden müßten. Das macht uns wahrlich keinen großen Ruhm nach außen hin.(Sehr wahr! links.) Man sollte nicht mit solchen Ge- danken und Worten, die von so außerordentlicher Tragweite sind, 'piclcn.(Lebhaftes Bravo I links.) Bayrischer Generalmajor v. Endres: Herr Paher hat die Diffe- rcnz zwischen Dr. Müller-Meiningen und mir auf das technische Gebiet beschränken wollen. Nach dem mir vorliegenden Bericht einer 'reisinnigen Zeitung hat er aber gesagt, das bayrische Offizicrcorps tände auf einer viel höheren Bildungsstufe als das preußische. Ich konnte nicht verniuten, daß damit gemgt sein solle, der Besuch der Prima sei entscheidend für die Zahl der Mißhandlungen.(Heiterkeit rechts.) Gerade etwas derartig Unmögliches wollte ich Dr. Müller- Meiningen nicht zumuten. Wir leben in einem föderativen Staate. Das Wesen der Föderation ist das Vertrauen der Regiorungen untereinander.(Sehr richtig! rechts.) Jeden Versuch, hier, ich lvill nicht sagen: Zwietracht zn acn, aber die eine Regierung zu loben, die andre zu tadeln, muß ein pflichtgetreuer Vertreter der verbündeten Regierungen mit aller Energie zurückweisen, deren er fähig ist. Denn es handelt sich um eine Existenzfrage.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Schließlich hat Herr Payer»och erwähnt:„Ich fürchte, der Herr Generalmajor hat sich in seiner Entwicklung iclbst geschadet." Ich bin ein fertiger Mann; bei mir kann von Entwicklung und Ehrgeiz für die Zukunft gar keine Rede sein. Ich bin nicht abhängig von der Gesinnung, die die Presse mir gegen- über einnimmt, ich bin ein Mann, der seine Pflicht thut, sonst nichts! (Lebhafter Beifall rechts.) Darauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr. Schluß&U Uhr._ Hbgeordnetenbaud. 33. Sitzung, Donnerstag, 10. März 1904, 11 Uhr. Am Ministertische: Budde. Die zweite Lesung des Eisenbahn- Etat? wird bei den Fort- dauernden Ausgaben(Titel Besoldungen) fortgesetzt. Abg. Brust(C.): Herr Goldschmidt hat dem Herrn Minister einen Vorwurf daraus gemacht, weil er 27 Eisenbahnarbeiter wegen ihrer Zugehörigkeit zur socialdemokratischen Organisation entlasten hat. Im allgemeinen kann ich es aus Gründen der allgemeinen Gerechtigkeit nicht billigen, daß Arbeiter ihrer politischen Uebcrzeugung willen gemaßregelt werden. Was das bedeutet, haben speciell die industriellen Arbeiter des Ruhrreviers in den Zeiten des Kulturkampfs erfahren. In dem von Herrn Goldschmidt angeführten Falle scheint die Sache allerdings etwas anders zu liegen. Wenn dir Leute in der That bei Eingehung ihres Vertrags- Verhältnisses mit aller Deutlichkeit darauf aufmerksam gemacht worden sind, daß ihre Zugehörigkeit zu einer socialdemokratischen Organisation nicht geduldet werden könne, so kann dem Borgehen des Herrn Ministers eine gewisse Konsequenz und Berechtigung nicht abgesprochen werden. Trotzdem möchte ich den Herrn Minister bitten. nicht ohne Not zu scharf vorzugehen, weil besser als durch aggressive Mittel durch Aufklärung und Abstellung der berechtigten Klagen der Socialdemokratie entgegengetreten wird.— lieber das Koalitionsrecht der Eisenbahnarbeiter im all- gemeinen kann ich mich nur den Ausführungen der„Westdeutschen Arbeiterzeitung" und den meines Fraktionsgenossen v. Savigny an- schließen. Ebenso unterschreibe ich, was Herr Herold über das Koalitionsrecht der Landarbeiter gesagt hat. Gewiß ist das Gesetz von 18S4 veraltet, aber bei einer Neuregelung dieser Materie kann doch de» Landarbeitern das Recht, während der Ernte zu streiken, nicht gewährt werden. Das Koalitions recht der Landarbeiter und der Eisenbahnarbeiter, das glaube ich auch im Namen meiner traktion sagen zu können, muß anders geregelt werden wie das oalitionsrecht der gewerblichen Arbeiter. Hier mutz das Einzel- interesse hinter dem Gesamtinteresse zurücktreten. Auch diesen Arbeitern soll das Recht des Streiks als letztes Mttel gewährt werden. Aber nur für den äußersten Fall, den Eisenbahnern nicht im Falle eines Krieges, den Landarbeitern nicht zur Zeit der Ernte, das heißt nicht da, wo das allgemeine Interesse in Frage kommt. Ich weiß ja, daß die Socialdemokratie mir aus dieser Stellungnahme einen Strick zu drehen versuchen wird. Aber das kann mich in meiner Stellungnahme nicht behindern. Redner wünscht des weiteren, daß der Minister in Bezuq auf das ungehinderte Weiterbestehen des Trierer Eiscnbahnerverbandcs eine beruhigende Erklärung abgeben möge. Dieser Verband habe stets in loyaler nnd genügsamer Weise die Verbesserung der Lage seiner Mitglieder erstrebt und habe auch segensreiche' Kasseneinrichtungen geschaffen.(Bravo! im Centrum.) Abg. Fetisch(kons.) wendet sich gegen die Konsumvereine der Eisenbahnbeamten. Wenn diese nicht ohne die Prämien der Konsumvereine auskommen können, so sollte man ihre Gehälter erhöhen. Redner wendet sich hierauf in längeren Ausführungen gegen das KoalitionSrrcht der Eisenbahn- arbeiter. Abg. Dr. Schultz-Bochum(natl.) wünscht, daß die Eisenbahn- Verwaltung mit aller Energie dem Eindringen der Mächte des Um- sturzcs in die Kreise der Eisenbahner entgegentreten möge. Abg. Frhr. v. Zedlitz und Neukirch(sreik.): Wir schulden dem Herrn Minister großen Dank, daß er aus dem Gebiete der Abwehr socialdemokratischer Bestrebungen es nicht bei schönen Worten hat bewenden lassen, sondern zu wirklichen Thaten übergegangen ist. Ich freue mich, daß sogar HcrrKollcgcBrust dicBcrcchti- gung dcr Entlassung socialdemokratischer Eiscnbahnarbcitcr anerkannt hak. Nichts könnte die Macht der Socialdemokratie mehr stärken, als wemnos ihr gelänge, in den Kreisen der Eisenbahner Einfluß zu erlangen. (Sehr richtig! rechts.) Die Eisenbahner sind gewissermaßeir die Vvrgarde unsrer großen Festung des Heeres, und es ist Pflicht dar Eisenbahnverwaltung, im Interesse der Sicherheit des Staates Vcn dieser Vorgarde alle zersetzenden Einflüsse fernzuhalten. Abg. Dr. v. Dirksen(frk.): Ans dem Hciniarbeitcrschlitz-Kongreß hat Frau Klara Zetkiir behauptet, es gebe Hunderte von Eisenbahnschaffnern, die nicht existieren könnten, wenn ihre Frauen nicht 90 Pf. bis 1 M. täglich durch Heimarbeit verdienten. Ich nehme an, daß das eine der gewöhnlichen socialdemokratischen Uebcrtreibungen ist, immerhin wäre eine Gehaltsaufbesserung für diese Beamten durchaus angebracht ist.(Bravo I rechts.) Minister Budde: Herr Brust hat gesagt, er könne»nr dann die Entlassung der socialdemokratischen Eisenbahnarbcitcr billigen, wenn ich nicht nur von dieser Stelle, sondern auch sonst über meine Stellung zu dem social- demokratischen Verbände keinen Zweifel gelassen hätte. Ich konstatiere, daß durch Anschlag in allen Werkstätten die Arbeiter davon unter- richtet sind, daß das Halte» des„Weckrufs" und eine Beteiligung an den Bestrebungen des socialdemokratischen Verbandes nicht geduldet werden würde. Schwäche ist in solchen Fällen der größte Fehler, den man zeigen kann, es muß mit aller Energie vorgegangen werden. (Lebhaftes Bravo! rechts.) Was den Trierer Verband an- langt, so verfolgt derselbe durchaus annehmbare sociale Ziele, ich stehe ihm freundlich gegenüber. Er darf aber nicht ein Monopol für sich in Anspruch nehmen. Der Kasseler Verband vex- folgt genau dieselben wirtschaftlichen Ziele. Die Beteiligung der Eisenbahnangestellten an Konsumvereinen kann ich ihnen, wie bereits betont, nicht verbieten. Wer übrigens sehen will, welche Unkenntnis ich in socialen Fragen besitze, der lese den heutigen Artikel des „Vorwärts" über die gestrige» Verhandlungen. Ich möchte diesem Artikel nicht die Ehre zu teil werden lassen, ihn hier zu verlesen, aber cs ist doch nötig, daß Sie sich unterrichten, wie unfähig ihr Minister ist und wie auch die sämtlichen übrigen Herren, leider auch der Abgeordnete Goldschmidt(Heiterkeit) beurteilt worden. Ich habe mich gegen nichts andres gewendet als gegen eine einseitige Aufhebung des ÄündigungSrechts.(Sehr wahr I rechts.) Die Socialdemokraten verlangen, daß ein Eisenbahner, der in ihren Gewerkschaften aufgenommen ist, eigentlich unkündbar ist, während die Eisenbahner selbst jeden Augenblick daS Recht der Kündigung i» Massen für sich in Anspruch nehmen. Das ist offen ausgesprochen in den: Wort: Koalitionsrecht ohne Streikrecht ist Unsinn. Es ist eigentümlich, wie sich die Begriffe ändern. Früher galt der Kontraktbruch als Ausfluß der Untreue, heute bezeichnet man die Streikbrecher als verächtliche Menschen. Daran haben aber die bürgerlichen Parteien mit schuld, wenn sie der Sache nicht klar auf den Grund gehen und mal unter das Koalitions- mäntclchc», daS in Dresden einige Riffe bekomnicn hat, herunter- gucke» wolle». Verbänden, die wirklich das Wohl der_ Arbeiter verfolgen, habe ich nie etwas in den Weg gelegt, aber die Socialdemo- traten befördern nicht das Wohl der Arbeiter, sie verhöhnen jede Maßnahme der Stantsregierung zum Wohl der Arbeiter. Alles was hier für die Arbeiter gethan ist, ist ohne die Mitwirkung eines einzigen Socialdemokraten geschehen. ES kann den Eiscnbahnarbeitcrn nicht oft genug gesagt werden, daß ihre schlechtesten Vertreter die Social- demokraten sind.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Hierauf wird ein Schlnßantrag gegen die Stimmen der Frei» sinnigen a n g e n o m m e n. Auf der Rednerliste stehe» noch etwa 30 Abgeordnete. Zur Geschäftsordnung bemerkt Abg. Oescr(frs. Vpt.): Ich konstatiere im Namen meiner politischen Freunde, daß uns durch den Schluß der Diskussion die Möglichkeit verwehrt worden rt, daß die Honorare der Bahn- in. Nur in Düsseldorf und Elber- Bahnärzten nicht möglich gewesen. wie sie dort gefordert wurde, sei nicht müßten die Garantie bieten, daß sie die ist, den Ausführungen deS Ministers über daS Koalitionsrecht, sowie den Scharfmachereien aus dem Hause unfern principiellen Standpunkt entgegenzusetzen und ihnen gegenüber Gesetz und Verfassung mit aller Entschiedenheit zu vertreten. Abg. Brömel sfrs. Vg.): Durch den Schluß der Debatte ist es mir unmöglich gemacht, den Standpunkt meiner Freunde zu den hier behandelten Fragen insbesondere zur Frage des Koalitionsrechts der Eisenbahner darzu- legen. Abg. Goldschmidt(frs. Vp.): Ich war als zweitnächster Redner gemeldet und glaubte, daß man mir Gelegenheit geben würde, auf die vielfachen Angriffe zu antworten. Das ist mir nun unmöglich gemacht. Abg. Eynern snatl.): Auch einige meiner Freunde sind durch den Schluß der Debatte betroffen, wir stimmen aber dem Schlußantrag zu, weil es un- möglich ist, die parlamentarischen Geschäfte zu fördern, wenn derartige Debatten ins Unendliche fortgesetzt werden.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Goldschmidt(persönlich): Der Herr Minister hat mich gestern mißverstanden, wenn er sich heute darüber wunderte, daß der„Vorwärts" meine Stellungnahme verurteilt. Meine Stellungnahme möchte ich mir erlauben... Vicepräsident Krause: Ihre Stellungnahme gehört nicht in den Rahmen einer persön- lichen Bemerkung. Abg. Goldschmidt(fortfahrend): Ich habe nur richtig zu stellen, daß meine Rede allein darauf beruhte, daß wir die Wahrung von Gesetz und Recht verlangen. Mcepräfident Krause: Auch das war nicht persönlich. Der Titel wird bewilligt. Beim Titel„Wohlfahrtszwecke" tritt Abg. v. Savigny(C.) für�faae Arztwahl bei den Krankenkassen der Eisenbahner ein und. vröiWt sich gegen die behördliche Unter- stützung des Kasseler Verbevu«» d»ft»nüber dem alten auf Selbsthilfe beruhenden Trierer"'' Ein Regierungs! ärzte vielfach erhö, feld sei eine Enr Unbedingte freie durchführbar; die B Einrichtungen, den Betrieb der Eisenbahnen genau kannten. Die Beratung wendet sich dem Extra-Ordinarium zu. Abg. Rosenow(fts. Vp.) kommt auf die Aeußerungen des Ministers Budde zurück, daß die Stadt Berlin zur Bewältigung des Borortverkehrs helfend eingreifen müsse. Er schildert die Schwierigkeiten, welche das Berliner Polizei- Präsidium der städtischen Bauverwaltung gemacht habe, wenn diese Pläne für den Bau von städtischen Bahnlinien eingereicht habe. Redner wünscht im Interesse des Berliner Stadtteils Moabit die Anlage eines Fernbahnhofes auf der Stadtbahn zwischen Bahnhof Friedrichstraße und Bellevue. Der Stadtbahnhof Lehrter Bahnhof liege sehr ungünstig, und Moabit wünsche eine Verlegung dieses Stadtbahnhofes und die gleichzeitige Einrichtung eines Fernbahnhofes nach der Lüneburgerstraße hin. Weiter-Beratung: Freitag 11 Uhr. Außerdem steht der Etat deS Ministeriums des Innern zur Verhandlung. Schluß b>/« Uhr. Gmcbts-Deining. I Knrpfuscher-Prozeß Schröter zu Tilsit kam mn Mittwoch � Frage der Augendiagnose zur Verhandlung. Ter in �Jahren stehende Sachverständige Dr. Goburek sagt: eit L Tagen ein bestimmtes Mpdikament, habe es vorher hen hintereinander benutzt, und auch früher sehr oft gegen ein bchtimmtes Leiden angewendet. Es ist ein ganz einfaches, nicht zosvMM, gesetztes Mittel, und ich gebe ihm mein Ehrenwort, daß ich MMMHerrn Präsidenten vorher auf einem Zettel richtig bezeichnen tofflPF*— Angekl.: Herr Sachverständiger, ich könnte Ihnen das Mittel schon jetzt sagen. Allein ich bin auch bereit, es ans Ihren Augen zu diagnostizieren.— Der Sachverständige schreibt darauf das verwendete Mittel auf einen Zettel und überreicht diesen dem Vorsitzenden. Tann setzt er sich auf einen Stuhl vor dem Richtertisch und läßt sich von dem Angeklagten in die Augen sehen. Nach wenigen Sekunden erklärt Schröter: Es ist Jodkali I— Vors.: Auf dem Zettel steht Jodnatrium. Das ist ja wohl so ziemlich dasselbe.— Dr. Goburek: Ja, ein Unterschied ist kaum vorhanden.(Be- wegung.)— Vors.: Angeklagter, Sic sagten vorhin, Sie hätten uns das Müttel auch ohne die Augendiagnose sagen können. Wie meinten Sie das?— Angekl.: Diese Feststellung war auch schon auf Grund der Lehre von der Psychophysiognomik möglich. Ich erkannte den Jodgcnuß aus verschiedenen Anzeichen im Gesicht. Ich möchte nun behaupten, daß es mir auf Grund der Augendiagnose sogar möglich sein wird, den Sitz der mit dem Jodnatrium behandelten Krankheit festzustellen. Ich sehe in der Iris des Herrn Saniläts- rats eine bestimmte Region seines Körpers belastet.— Sachverst. Dr. Goburek läßt sich nunmehr zum zweitenmale mittels des be- rühmten„Augenglases" in die Iris sehen, nachdem er dem Vor- sitzenden vorher abermals einen Zettel überreicht hatte, auf welchem das erkrankte Organ näher bezeichnet war. Nach längerer Be- � Miachtung des Auges bemerkt Schröter, daß das Leiden im Mittel- "Lauch zu suchen sei.— Der Vorsitzende stellt jedoch fest, daß ein Organ Brusthöhle in Frage kommt.— Der Angeklagte erklärt dies Organ jedoch für gesund.— Dr. Goburek: Ich danke Herrn hröter, daß er mir so gute Hoffnungen macht.— Beisitzer Land- richtsrat M i r t s ch richtet dann an den Sachverständigen die rage, ob Jod zu jenen Stoffen gehöre, von denen mit einiger Wahr- Reinlichkeit anzunehmen sei, daß alte Leute, wie er, sich seiner be- äenten.— S a ch v.: Es kommen eigentlich nur drei Gifte in Betracht: Arsenik, Quecksilber und Jod. Für Arsenik komme ich wohl nicht in Frage, für Quecksilber auch nicht.(Heiterkeit.) Also bleiht nur Jod übrig. Weiterhin bekundet der Sachverständige ' �odgenuß sich bei längerem Gebrauch in gewisser Weise steige. üreren Verlauf der Verhandlung erfolgt abermals ein tJWWMM*r iOeffcntlichkeit. Während der Dauer derselben fand die Mnieymung eines Dienstmädchens statt, das den Angeklagten wegen eines Unterleibsleidens konsultierte und mit dem er sich ein- gelassen hat. Die Folge des Umganges war ein Kind, das jetzt 2V. Jahre alt ist. Da die Zeugin heute an einer Geschlechtskrankheit leidet, so schließt der Staatsanwalt, daß der Angeklagte auch diese Zeugin unglücklich gemacht hat. Ein„Terrorisierter". Die Tischler W i e g n e r und W i r s i n g waren des Vergehens gegen Z 153 der Gewerbe-Ordnung und der Erpressung beschuldigt. Diese Strafthaten sollten sie auf folgende Art begangen haben: Im Oktober v. I. kam der Maschinen- arbciter E s ch m e n t zur Firma Zeitz in der Wilhelmstratze in Arbeit, woselbst auch die Angeklagten beschäftigt waren. Beide sollen ihn nun gefragt haben, ob er organisiert sei, und als er dies ver- neintc, seinen Eintritt in den Maschinenarbeiter-Vcrband gefordert haben mit der Drohung, daß, wenn er der Organisation nicht bei- '".mehr mit ihm zusammen arbeiten würden. Als er sich Organisation beizutreten, hatten ihn die Angeklagten Worten wie: er sei ein Lump und verpfusche die « hinausfliegen. Sie seien dann auch bei dem Meister rden, ihn zu entlassen, widrigenfalls sie selber gehen arauf ist seine Entlassung auch erfolgt. Die Anklage- behörde nahm nun an, die beiden Tischler hätten den Eschment durch Drohung, Ehrverletzung usw. zur Teilnahme an der Organisation. deren Zweck die Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen sei, zwingen wollen; außerdem aber sei es ihre Absicht gewesen, dieser Organisation mit dem beabsichtigten Zwang auf Eschment einen rechtswidrigen Vermögenvorteil zu verschaffen, worin eine Erpressung liege.>— Bei der Zeugenvernehmung bekundete der Meister, von Schimpfworten der Angeklagten nichts gehört zu haben. Der Zeuge Eschment aber mußte selbst zugeben, daß er während der fraglichen Unterhaltung mit den Angeklagten z u e r st die Organisations- angclegenheit zur Sprache gebracht hatte, worauf ihm von beiden erwidert worden ist, er sei für einen Verband gar nicht z u g e b r a u ch e n. Auf Grund dieser Aussage erkannte das Gericht in Uebereinstimmung mit dem Antrage des Verteidigers auf Frei- sprechung. Begründend führte der Vorsitzende aus, daß, wenn die Angeklagten dem Zeugen erklärt hätten, er sei für einen Verband nicht zu gebrauchen, so sei es auch ausgeschlossen, daß sie ihn für den Verband gewinnen wollten. Mithin lägen auch die Anschuldigungen der Drohung, Ehrverletzung sowie der Erpressung, einfach in der Luft. Auch ei» Don Ina». Mit unerhörter Dreistigkeit haben der Kellner Einil Mühlleiter und der Kaufmann Otto U n g e r im Dezember vorigen Jahres anständige Frauen auf der Straße durch Ueberreichung von Schriftstücken obscönen Inhalts belästigt. Der Polizei lvurde mitgeteilt, daß in belebten Straßen, wie in der Leipzigerstraße, Potsdanierstraße, Poisdamerplatz und Spittelmarkt ein Junge aufgetaucht sei, der gutgeklcidcten Damen ein zierliches Briefchcn in die Hand drückte. Auf zartem Briefpapier enthielt das Brieschen eine Offerte folgenden Inhalts:„Höchst pikantes Amüsement bietet sich für vereinsamte uno sich vernachlässigt fühlende Frauen durch einen Herrn"(dessen Künste dann sehr ungeschminkt angedeutet wurden). Die Billots d'amour trugen in der Ecke ein Vergißmeinnicht und schlössen mit der Aufforderung: Adressen unter „Max" im Postamt 94 abzugeben. Die Staatsanwaltschaft ordnete infolge der ergangenen Anzeigen die Briefsperre an, und als eines Tages ein Junge einen unter der Adresse„Max" eingegangenen Brief abholte, folgte man ihm unauffällig und so gelang es, den An- geklagten Mühlleiter in dem Augenblick festzunehmen, als er dem Jungen den Brief abnehmen wollte. Er gab zu, daß er den Knaben zum Verteilen der von ihm selbst geschriebenen Briefchen an die Damen angenommen habe, wollte dabei aber nur als Beauftragter des Angeklagten Unger gehandelt haben. Dieser, der ein„Auskunfts- und Jnkassobureau" in der Gubcncrstraße betreibt, behauptete, daß es ihm nur darauf augekommen sei, Damenbekanntschast zu machen und daß Mühlleiter diesen Modus der Briefverteilung auf der Straße ersonnen habe. Beide standen gestern wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften vor der 9. Strafkammer. Rechts- anwalt Dr. D a v i d s o h n machte für Unger geltend, daß dieser wohl nur von Mühlleiter verführt und sich der Tragweite des unglaublich leichtsinnigen Streiches nicht bewußt gewesen sei.— Der Gerichtshof hielt das unerhört dreiste Vorgehen der Angeklagten, die die Damen auf der Straße anscheinend als Freigut betrachten, für besonders strafwürdig und verurteilte jeden der Angeklagten zu fünf Monaten Gefängnis. Die Geschichte eines Deserteurs kam in einer Verhandlung wegen Begünstigung der Fahnenflucht bezw. Hehlerei zur Sprache, die gestern die zweite Strafkaminer des Landgerichts I beschäftigte. Unter militärischer Bedeckung wurde ans dem Militärgefängnis zu Spandau der Strafgefangene Georg Kloß zu dem Termin vor- geführt, um Zeugnis gegen den Angeklagten Arbeiter Paul Müller abzulegen. Der beim 35. Jnfanterie-Regiment in Brandenburg dienende Füsilier Kloß, der schon früher einmal fahnenflüchtig gegeworden war, ist am 3. Januar 1903 von einem Neujahrsurlaub nicht. wieder heimgekehrt. Es wurde ein Steckbrief hinter ihm erlassen, der aber zunächst wirkungslos blieb. Die Flucht des Kloß war schon lange vorbereitet und wurde unter Beihilfe des Schreibers Max Buhse durchgeführt. Dieser besorgte dem Deserteur Civilkleider und half ihm, sich in Berlin verborgen zu halten. Der Krimmalschutz- mann Naumann hatte erfahren, daß sich der Gesuchte unter dem Namen Otto Müller in einem Fremdenlogis im Norden Berlins aufhalten solle. Er begab sich dorthin und traf den angeblichen P. Müller zusammen mit Buhse in der Schankstube. Er trat auf ihn zu und sagte ihm auf den Kopf zu, daß er Georg Kloß heiße. Beide bestritten es und nun forderte der Beamte den angeblichen Müller auf, ihm auf die Wache zu folgen. Dieser that es auch ganz ruhig, kurz vor der Wache gab er aber dem Beamten einen kräfttgen Stoß, so daß dieser zur Erde fiel, und es gelang ihm, zu entkommen. Er ist dann mit dem Straf- gesctzbuch in Konflikt gekommen und als„Otto Müller" f. Z. zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Im Gefängnis zu Tegel hat er sich dann vorführen lassen und angegeben, daß er nicht Otto Müller, sondern der Füsilier Kloß sei. Durch kriegsgerichtliches Urteil ist er wegen Fahnenflucht und Preisgabe von Dienstgegen- ständen zu 1 Jahre 4 Monaten Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des SoldatenstandeS verurteilt worden und büßt die Strafe zur Zeit in Spandau ab. Sein Helfershelfer Buhse, der ihm die Civil- kleider besorgt und die Ilniformstücke eine Zeitlang bei einem Schankwirt in Aufbewahrung gegeben hatte, hat wegen Begünstigung der Fahnen- flucht eine ihm zudiktierte sechsmonatige Gefängnisstrafe verbüßt. Jetzt war nun die Reihe an den Angeklagten gekommen. Er war eines Nachts in der Dalldorferstraße, ein großes Paket tragend, von einem Kriminalbeamten gesehen worden. Der Beamte schöpfte Ver- dacht, hielt ihn an und als er das Paket öffnete, ergab sich, daß sich darin die gesamte Montierung des Kloß befand. Anfangs wollte er nicht mit der Sprache heraus, später trug er ein sinniges Märchen vor, wonach ihm in angetrunkenem Zustande das Paket im Humboldt- Hain von einem Unbekannten zugesteckt sein müsse. Im gestrigen Termin sagte der als Zeuge vernommene Buhse zweifellos die Wahr- heit, indem er bekundete, daß der Angeklagte, dessen Bruder mit dem Deserteur Kloß bekannt gewesen, ganz genau gcwnßt hatte, daß eine Fahnenflucht vorlag und daß ihm Kloß die Sachen selbst übergeben habe. Der Staatsanwalt beantragte wegen Begünstigung und Hehlerei ein Jahr Gefängnis. Der Gerichtohof nahm nur Hehlerei an und verurteilte den Angeklagten zu vier Monaten Gefängnis. Eine kleine Scene aus dem städtischen Obdach fand gestern ihr gerichtliches Nachspiel vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I. Der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte Arbeiter Dietrich Siem'ers'fand eines Abends Aufnahme im städtischen Obdach. Er ärgerte sich darüber, daß die ihm zugewiesene Schlasstätte zwischen zwei andren Obdachlosen zu eng bemessen war, und fing mit seinen beiden Nachbarn Streit an, der schließlich in Thätlichkeiten ausartete. Als dann ein schon bejahrter Asylist, der Arbeiter Hartmanowsky hinzutrat und ihm Vorhaltungen über sein Betragen machte und ihn zur Ruhe vermahnte, zog der Angeklagte statt aller Antwort plötzlich ein Messer und brachte dem H. nicht unbedeutende Stichwunden in der Brustseite und am Unterarm bei. Vor Gericht machte er zu seiner Entschuldigung geltend, daß er durch Schläge ins Gesicht gereizt worden sei. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 9 Monaten Gefängnis. Mit einer Revolvcrschicßerei endete eine Eifersuchtsscene, deren Urheber, der Kaufmann Max W i e n ck e, sich gestern wegen Be- drohung und versuchter Nötigung vor der 3. Strafkammer des Land- gerichts II zu verantworten hatte. Wicncke ist seit drei Jahren mit der Verkäuferin Elise W. verlobt. Im Herbst v. I. glaubte der Angeklagte zu bemerken, daß seine Braut ihn auffallend kühl be- handle. Es stieg in ihm der Verdacht auf, daß das Mädchen seiner überdrüssig geworden sei und daß dabei ein andres männliches Wesen eine Rolle spiele. Es kam zwischen ihnen zu argen Eifersuchts- auftritten, die schließlich zu einem Bruch führten. Dann richtete der Angeklagte an seine bisherige Braut ein Schreiben drohenden In- Halts„es sei ihm alles egal und wenn er ins Zuchthaus komme". Schließlich bat er sie um eine Aussprache, die auf den Abend des 9. Dezember festgesetzt wurde. Als der Angeklagte zu dieser Zeit die Eltern seiner Braut besuchte, traf er diese nicht an, es wurde ihm mitgeteilt, daß sie den Cirkus besuchen wolle. Der Verdacht des Angeklagten, seine Braut betrüge ihn, gewann dadurch noch mehr Nahrung, und er beschloß deshalb, sie auf dem Heimwege zu überraschen. Fräulein W. hatte nun thatsächlich den Cirkus besucht, sie kehrte nach 11 Uhr heim. Auf dem Wege vom Bahnhos Westend bis Sophie- Charlottenstraße in Charlottenburg, wo sie wohnte, traf sie den Sohn ihres Hausverwalters. Beide gingen gemeinschaftlich die Straße entlang. Plötzlich erschien der Angeklagte auf der Bildfläche und vertrat dem Paare den Weg. In der Meinung, er habe den verhaßten Nebenbuhler vor sich, machte er dem Begleiter des jungen Mädchen heftige Vorwürfe. Plötzlich zog der Angeklagte einen Revolver hervor und legte diesen auf seinen Gegner, den Kaufmann Hellmer, an, wobei er die Worte ausstieß: Wenn Sie nicht gestehen, daß Sie mit meiner Braut im Cirkus tvaren, schieße ich erst Sie, dann meine Braut und zuletzt mich selbst nieder!" Hellmer versuchte den Angeklagten durch einen Faustschlag zu entwaffnen. Hierbei entlud sich der Revolver und die Kugel ging Hellmer durch den linken Unterarm. Die erlittene Verletzung war zum Glück nur eine unerhebliche, sie hatte nur eine Fleischwunde zur Folge. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, er habe sich nur durch seine Eifersucht hinreißen lassen, mit dem Revolver zu drohen, er würde jedoch aus keinen Fall geschossen haben. Der Schuß sei ohne sein Zuthun losgegangen. Da diese Behauptung nicht zu widerlegen war, beantragte der Staatsanwalt gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von vier Monaten und drei Wochen. Der Gerichts- Hof erkannte auf drei Monate und zwei Wochen Ge- f ä n g n i s. Wegen Beleidigung des Bürgermeisters von G r a n s e e in der Mark, Rückert, ist gestern der dortige Arzt Dr. Wilhelm Danker vom Neuruppiner Gericht zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hatte dem Bürgermeister Bestechlichkeit und andre unehrenhafte Handlungen vorgeworfen. Ein Mordprozeß, so berichtet man uns unterm 9. März aus Halle, beschäftigte das dortige Schwurgericht. Schneidermeister L i e b a u erschoß am 22. Januar seinen Schwager, den Schankwirt Otto Ohlert, der mit L.'s Frau im ehebrecherischen Verkehr gestanden hatte. Eines Morgens 5 Uhr hatte Liebau seine Frau auch mit einem Wachtmeister vom 75. Artillerie-Regiment in seiner Wohnung angetroffen. Liebau behauptete, Offiziere könnten bekunden, daß Ohlert, der Halbbruder seiner Frau, mit letzterer Blutschande ge- trieben habe. In geheimer Sitzung äußerte sich auch ein Herr über den zweifelhasten Lebenswandel der Frau Liebau, die schon einmal Besitzerin eines Bordells war. Liebau hatte auch veriucht, seine Ehegattin zu töten. Der Staatsanwalt beantragte Schuldigsprechung wegen Mordes. Da L. aber zu den Thaten gereizt worden war, kam er mit fünf Jahren Gefängnis davon. Versammlungen. Fünfter Wahlkreis. Am Dienstag hielt der socialdcmokratische Verein in Lehdeckers Saal eine Versammlung ab, die der Vorsitzende Zucht mit einer Ehrung des verstorbenen Genossen Rosenow ein- leitete. Hierauf wurden 84 neu gemeldete Mitglieder ohne Wider- fpruch als aufgenommen erklärt. Dann trat man in die Erledigung der Tagesordnung ein. Auf derselben stand ein Vortrag des Reichs- tags-Abgeordneten Fräßdorf. Der Vortragende erläuterte in ebenso interessanter wie lehrreicher Darstellung die wesentlichsten Be- stimmungen des Unfall- sowie des Alters- und Jnvaliditätsgesetzes. wobei er insbesondere die Versicherten aufklärte über die Rechte, welche ihnen aus den genannten Gesetzen zustehen, und ihnen den Weg zeigte, auf dem sie ihre Rechte erlangen können. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Zum Schluß machte der Vorsitzende darauf auf- merksam, daß am 18. März eine Volksversammlung im Schweizer- Garten abgehalten wird. Wilmersdorf. Am Montag tagte in Wittes Volksgarten eine außerordentliche Generalversammlung des socialdemokratischen Wahl- Vereins. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken der verstorbenen Genossen Rosenow und Staberow- Gr.-Besten in üblicher Weise. Zu der bevorstehenden Gemeindewahl, die voraussichtlich in den Tagen vom 24. bis 26. März stattfindet, wurden die Genossen N a t u s ch, Dr. Adler, Kiefer und G i e b l e r als Hausbesitzer und die Genossen Schröder und Hilpert für die Nichtangesessenen als Kandidaten vorgeschlagen. Als Schriftführer wurde der Genosse P r e u ß wieder- gewählt. Lichtenberg. Genosse Dr. Fröhlich- Wien sprach am Dienstag im Schwarzen Adler zu Lichtenberg über„Die Alkoholfrage und die moderne Arbeiterbewegung". Der Vortrag klang aus in der These: Da erkannt sei, daß Alkohol, auch mätzig genossen, schädlich sei, empfehle sich strenge Abstinenz!— Nach lebhaftem Beifall entspann sich eine rege Diskussion, in der einem Zusammenstoß mit einem Vertreter' der Naturheilmethode Beachtung geschenkt werden muß. Ein Herr K o n r a d sprach den Medizinern den Willen und die Fähigkeit ab, gegen den Alkoholgenuß aufzu- treten, weil die Aerzte dann ihre besten Kunden verlieren würden. Auch andre Gifte wie Quecksilber, Chinin usw. würden zum Schaden der Menschen, aber aus„Geschäftsrücksichten" von den Medizinern angewandt. Auch seien die Mediziner Gegner der Volksaufklärung. Als Beweis führte der Redner an, daß noch kein Arzt gegen den Genuß von Kartoffeln aufgetreten sei, die nachgewiesenermaßen ebenso wie das Getreide(der Mann wird wohl an den„Gilka" gedacht haben)— alkoholhaltig seien l Unter stürmischer Heiterkeit der Versammlung fertigte der Referent diesen„nichtswissenden" Vertreter der„wissen-/ schastlichen" Naturheilmethode ab, ihm nachweisend, wie„Alkohol"' entsteht, und daß Kartoffeln und Getreide keinen Alkohol enthalten, um dann zu erklären, daß die Abstinenz-Leute es ablehnen müßten, ihre große Kulturarbeit mit einer Hilfstruppe zu führen, deren Ver- treter so wenig wahrhaftig und so unwissend seien, wie der Herr, der hier in deren Namen geredet habe unter der Maske eines wissenden VolksfreundeS. Mit dem Hinweis auf die Gewerbegerichts- wählen am 18. März wurde die Versammlung geschlossen. Eentralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands, Bezirk Bcrlin-2üdcii. Mittwochabend 9 Uhr, Prinzen- strahe 59, nahe Moritzplatz(Restaurant zur„Turnhalle"): Diskusfion über das Thema:„Arbeitsordnungen". Vermilebtes. Ministranten-Ausstand. Ein seltener Streik ist gestern unter den als M i n i st r a n t e n einer katholischen Pfarrei in München beschäftigten Schülern ausgebrochen. Außer den gottesdienstlichen Verrichtungen wurden die Jungen auch bei Beerdigungen als Kreuz- und Laternenträger verwendet. Da die ihnen hierfür geleistete Be- Zahlung zu gering war, legten sie solidarisch die„Arbeit" nieder, d. h. sie weigerten sich entschieden, Kreuz und Laternen zu tragen, wenn ihnen nicht sofort eine bessere Bezahlung zugesichert wird. Die für diesen Nachmittag angesetzten Beerdigungen erlitten dadurch einige unliebsame Verzögerungen. Die Streikenden erlitten eine„Nieder- läge", da sich alsbald eine entsprechende Anzahl„Streikbrecher" fand, die die„Arbeit" unter den alten Bedingungen weiter ver- richteten. lieber den Untergang eines den blcssageries fluviales gehörenden Schiffes wird aus Paris gemeldet: Die„Cambodge", ein einfaches Küstenfahrzeug, ist in der Nacht vom 9. zum 10. Februar dieses Jahres bei schwerer See zwischen Kap St. Jagues und dem Leuchtturm Can Tien gesunken. An Bord befanden sich 100 Passa- giere, meistens Anamiten, und die Mannschaft, darunter einige Franzosen. Ungefähr SO Menschen, auch ein Franzose, sind ums Leben gekommen. Gestrandeter deutscher Dampfer. Aus Kopenhagen, 10. März. wird gemeldet: Heute morgen ist nördlich von Thorsminde an der Westküste von Jütland der Stettiner Dampfer„Uhlenhorst", der mit einer Ladung Kohlen von Cardiff nach Stettin unterwegs war, gestrandet. Die See ist ruhig. Hilfe ist requiriert worden. Erdbeben in Oberitalien. Aus Padua. Treviso, Urbirw und Udine werden leichte Erderschütternngen gemeldet. In Tarent und Pontebba- Udine sind durch die Erderschütterungen einige Schäden verursacht worden� ßrkfbaften der Redabtion. �unftifcber Ccü. Zehnjähriger Abonnent. Ihrer Mutter steht leider ein Rechtsanspruch nicht zu. Vielleicht erreicht sie durch eine Eingabe an das Kriegsnunistcrimn. in der sie die Verhältnisse unter Beifügung der Militärpapicrc schildert, etwas.— G. SDi. 45. 1. Wenn Sic vor dem Llpril ziehen, so müssen Sie für die Möglichkeit einer Besichtigung der Wohnung sorgen, falls Sie die Schlüssel nicht abliesern. 2. Seit dem 1. Januar 1891. — P. Ä. Keller. Klcbcpslichtigkcit liegt vor. Sind Sie im Zweifel, so können Sie bei der Jnvalidenversicherungs-Anstalt ansragcn.— R. M. 41. Die Handlungsweise dürfte als Betrug zu charakterisieren sein. Wird vor dem Termin die Schädigung beseitigt, so wirkt dies strafmildernd.— A. K. Gesetzliche Borschristen hierüber bestehen nicht. Ob baupolizeiliche Vorschriften sür diesen Fall bestehen und wie diese lauten, entzieht sich unsrcr Kenntnis: die baupolizeilichen Vorschnsten sind örtlich sehr oer- schiedenartig.— M. K. 4. Wird kein Testament gemacht, so erbt der kinderlose Ehegatte die eine Hülste des Nachlasses, soivie als Voraus die Hochzcitsgeschenke und die zum Haushalt gehörigen Gegenstände. — 100. Die dem ö streichischen Staat schuldigen Steuern können hier bei- getrieben werden. Darüber, ob und inwieweit die Forderung dem Gesetz entspricht, haben die östreichischen, nicht die hiesigen Behörden zu entscheiden. — M. G. 144. 1. 6 bis 20 M. werden als angemessen erachtet. 2. Das Doppelle. 3. Leider ja.— Rob. I. Schuld ersäumnisstraje kann Ihnen auserlegt werden.— R. D. 45. ZIm Zweiten.— I. 86. Sie befinden sich im Irrtum. Der Name eines vorehelich geborenen von dem Ehemann der Mutter erzeugte» Kindes ist sofort umzuwandeln, auch erhält das Kind die vollen Rechte eines chciichen Kindes, wenn die Vaterschaft beim Standesbeamten anerkannt wird. Lediglich den Namen ändern kann(mit Zustimmung von Mutter und Vormund) der Ehemann der Mutter des Kindes, wenn dies nicht von ihm erzeugt ist. In allen andren Fällen kann eine Namensänderung nur durch Bewilligung der Behörde(Polizei- Präsidium oder Regierung: Kosten 50 M.) oder dadurch erfolgen, dah das Kind adopttcrt wird. Wird das Kind adopttert, so erhält es nicht nur den andren Namen, sondern auch sämtliche Rechte eines ehelichen Kindes. Der Adopttonsvertrag unterliegt oormundschastsgerichtlicher Genehmigung. Witternngsübcrsicht vom 10. März 1004. morgeuS 8 Uhr. Stationen Swincmde. Hamburg Berlin Frankf.a.M. München Wien J>- 3 ü KI 762 ß 761 NNO 762 Still 761 S 762 SW 763'Still Wetter 1 bedeckt I-Regen —bedeckt 1 Nebel 2 bedeckt -Nebel t-i« s» zf WSj Stationen äS 2 S 2- S 5 S.? 768 SW etersbmg 771�>SO Cork I Werdecn Paris 76VSttll Wetter 2 halb bd. 1 wolkig bedeckt >-»« s 1 =? w s. -13 —12 Wetter-Prognok« für Freitag, orherrsHmd Ein wenig kühler, v schwachen nordwestlichen Winden. den 11. März 1904. wolkig mit leichten Regenfällen wtd Berliner Setterbnrea» ♦Weizen, gut D.-Ctr. mittel gering ♦Roggen, gut , mittel gering fGerfte, gut , mittel gering ftzaser, gut , mittel . gering Richtftroh Heu Erbsen Speisebohnen Linsen ♦ ab Bahn. Marktpreise von Berlin am 9. Mörz 1994 nach Ermittelungen des lgl. Polizeipräsidiums. 17,35 17,29 17,23 13,10 14,40 13.30 12,20 15,60 14,60 13,60 4,00 7,00 40,00 50,00 60,00 + frei 17,32 17,26 17,20 13,40 12,30 11,20 14,70 13,70 12,60 3,50 4,60 28,00 26,00 25,00 Wagen Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 Ka do. Bauch, Schweiucfieisch Kalbfleisch, Oainmelsleisch. utter Eier Karpsen Aale Zander Baricye Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock und ad Bahn. 7,00 1,80 1.40 1,60 1,80 1,80 2)80 4.50 2,40 3,00 2,80 2,20 1,80 3,00 1,40 15,00 6,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 8,00 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0.80 3,00 Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Zheatcr. Freitag, 11. März. Allsang 7-/, Uhr: Opernhans. Figaros Hochzeit. Schauspielhaus. Jugend von heute. Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Maria" Lesstng. Zapsensttev� Westen. Der Templer und die Jüdin. Neues. Minna von Barnhelm. Residenz. Der keusche Casimir. Vor- her: Die Empsehlung. Central. Das Schwalbermeft. Belle- Allianee. Göttcrweiber. Thalia. Der Hochtourist. Ansang 3 Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.) Die Kinder der Exzellenz. Schiller\.(Friedrich-Wilhelmstadt.) Lumpacio agabunduS. Kleines. EIcktta. Luisen. Kohlenschulz'n von Berlin. Tridnon. Madame X. Carl Weist. Zwei Frauen. Deutsch-Amerikanisches. Ueder'n grosien Teich. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Casino. Cirkussee. Wtnter-Garten. Dvette Guiwcrt. Coftanttne Bernardi. Special!- täten. Apollo. Frühlingslust. Blüten- hochzett. Specialitäten. Mctropol. Durchlaucht Radieschen. RetchSyallen. SteMncr Sänger. Passage-Theater. Caicedo. Specia- litäten. Llnsang 5 Uhr. Urania. Tanbenstraste 48/49. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Jnbalidenstraste 57/68. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Schiffbaucrdamm 4a— 5. Minna von Barnhelm. Anfang T/g Uhr. Morgen: Candida. Central-Theatev. Täglich VI, Uhr: Das Schwalbennest. Operette in 3 Akten v. M. Ordonneau. Musik von Henry Herbiah. Sonnabendnachmittag 4 Uhr, Halbe Preise: Kindervorstellung: Jeder Erwachsene ein Kind mit Extraplatz frei. Ter gestiefelte Kater. i-uisell-sdellter. Abends 3 Uhr: Die Kohlenschulz'n von Berlin. Hieraus: Das Dolkslied. Sonnabend: Uriel Slcosta. Sonntagnachm.: Philippme Welser. Abends: Die Kohlcnschulz'n von Berlin. Hieraus: DaS Volkslied. g: Philips Montag: ppine Welser. Reßdenz-Threttt Direktton S. Lautenburg. Abends 7'/, Uhr: VieCmpfebwng. Abends 8 Uhr: Der keusche Caßniir. Kleines Theater. Unter den Linden 44. EIsMna. Anfang 8 Uhr. sunt erstenmal: Oes Pastors Morgen zum Flieke. Sanssouci. Kottbuser Thor— Etat, der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag lAoATmann» Norddeutsche Sdnger und Tanzkränzchen. Dienstags: Theaterabend. Scliiller-Theater. Scblllcr- Theater O. (Wallner-Theater). Freitagabend 8 Uhr: l>le Kinder der Exccllenz. Lustspiel in 4 Auszügen von E. v. Wolzogen u. W. Schumann. Sonnabendabend 8 Uhr: König l-ear. Sonntag nachmittag 3 ll h r: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. bichiller-Thcater X. (Friedrich-Wilhelmitädtisches Theater). Freitagabend 8 Uhr: l-nmpaeiragnlmndn». Zauberposse mit Gesang in 3 Auszügen von Johann Nesttoq. Sonnabendabend 8 Uhr: Vasantasena. Sonntagnachmittag 3 U h r: Panline. Thalia-Theater. Belle-Mliance-Theater. DreSdcnerstr. 72/73. Amt IV 4440. Ans. 7'/» Uhr. Direktion Jean Kren Letzte Woche I Zum TSS. Male: Der Hochtourist. Ouido Thielscher in der Titelrolle. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: _ Charleys Tante._ Bclle-Alliancestr. 7/8. Amt VI 283. und Altred SchSnfeld. Ans. VI, Uhr. Heute und solgcnde Tage: Götterweiber. AuSstatt.-Posse mit Gesang und Tanz. Sonntagnachm. 3 Uhr, Neine Preise: „Der Piarrer von Kirchfeld". Cirkns Lelmmann. Heute Freitag, den 11. März 1964, abends?>/, Ilhr: Dresse Data- Test-Vorstellung. X Zum 100« Male; 'Dn'EhAl Die große AuSstattungs-Pantomime. Eine Wanderung durch 8 Jahrtausende. Herrn•Titiiiis Seeths£5 Löwen. Freres Hkremka, Wunderiansuer. Neu! Cake Walk Neu! zu Pferde von Geschwister U vor«. Unsnis. Taubenstr. 48/49. Ilm 8 Uhr im Theater: Oer Erdball als Träger des Lebens. Sternwarte[Tsitl CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Afrika in Berlin!!! T unesen=T ruppe. Orossc Y ttlkerschan. Die schttnen Harems- Damen in Tunis. Metropol-Theater Heute Freitag geschlossen. Morp SoimaheDtl, den 12. März: Zum erstenmal: Ein tolles Jahr. Gr. dramatisch-satirische Revue in 6 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. In Scene gesetzt von Direktor Richard Schultz. 1. Bild: Am Kindersee. 2. Bild: Was giebt's denn Neues. 3. Bild: Das Ördenskest. 4. Bild: Der neue Zapfenstreich (Parodie). 5. Bild: Der Kongress der Denkmäler. 0. Bild; Briefe, die ihn erreichten (Ballett). Beginn der Vorstellung präc. 71/, Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. s uhr: TtühUngsluft 'fJZ Blütenhochzeit. 91/,— 11 Uhr; Das grandiose März-Spialitäten- Propra Hab Dersy mit den neuen Tänzen: a) Hiawatha. b)Kickapoo. ? Nordini?? x Robert Steidl. Tom Hearn. Les Brunin. Boston- Ball-Tanz-Ensemble, 32 Damen. Kasseneröttn. 7 Uhr. Anfang SUhr. Deutsch• Amerikanisches Theater. KSpniokerst. 67. Slat. Jannowitzfariicke. Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Ad. Philipp. Uebern grossen TEICH. Sonntagnachm. SUhr Montag: Sauvenier- Vorstellung zum 200. Male: Trianon-Theater. Georgenstraße, zwischen Friedrich- und Universitätsstraße. Maimme K. Ansang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr:„Biscotte". Casino-Theater. Lothringerftr. 37. Ans. 8, Sonnt. VI,. Das glänzende noue Märzprogramm. Gastspiel Mstr. Hopkln: Die größte Dressurnummer der Welt. Uhr: Sonntagnachm. 4 Uhr:„Die Diehes- falle."—„Badekuren."_ Die Girkustee. Passage-Theater. Anfang Sonnt. 3, Wochentags 5 Uhr. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Sensationelles Engagement; Caicedo der berühmte DrahtseilkSnig. Das Publikum schreit vor Lachen bei dem Redestreit der beiden feindlichen Improvisatoren Holländer u.$teinitz. 14 neue erstklassige Nummern. Carl Weiss-Theater. Groste Frankfurter Strafte 138. Zwti frauen. Schauspiel, in 5 Akten v. E. Borchart. Anfang 8 Uhr. Morgen: Zwei Frauen. Sonnabcndnachm. 4 Uhr: Aschen- brddel. Sonntagnachmittag 3 Uhr Parkett 60 Ps.: lise Römer. GebPüder Herrnfeld- Ansang TfmnfAr Sonntags 8 Uhr. inCdlCr.? Uhr. Heute und folgende Tage: Das Herrnfeldsche Sensationsstück Ztur eine ZtsMI Zwei Akte aus einer Ehe. Vorher: Vollständig neuer Künstlerteii: Schröder u. Denier, Tanz-Karikaturen. Erna Ernani, Vorlragssoubrctte. Martin Vallee, Humorist. Die süssen Mädeln, Damen-Gcs.-Quart. Bendlx als Iflonna Tanna. Edi(Stadler, Alpen-Jodlcr-Phänomcn. Billet-Vorverkaus 11—2 Uhr. I Direktion; Robert Dill. Brnnnenstrasee 10. Zum letztenmal: Die Dame in Crauer. Ansang 8 Uhr. Enttee 30 Ps. Sonnabend: Keine Vorstellung. Steidl-xfejheater Linien-'\|K�r Dranien Strasse(32 burgor Thor. Täglich 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Letzter Monat vor ihrer Gastspielreise nach Ruß- land— die vorzüglichen ssriliSleMÄ� IX. Berliner Saison.•— Cirkus Busch. Komischer Gala- Abend. Ken!! Xen!! Das letzte Wort! IHiss Jackson in einem Dempo. vorgeführt von llllr. Kaitz'. �iesen-�lsbaren des Vir. Roberto. Zum 79. Male; Aus den Alpen. Bemerkenswert: Per Hutomobilsturz. Berliner Prater Kastanien-Allee 7—9. Freitag, den 11. März 1904: Aus allgemeinen Wunsch die mit so vielem Beifall ausgenommene Novttät: Mutterliebe. Volksstück mit Gesang in 3 Akten von Willhardt. StF~ Anfang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Ball. Palast-Theater Burgstraste SS, früher Feen-Palast. Grosse Elitevorstcllunj». IM- Halbe Kassenprcisc.-M» Hervorragende Gäste. Die Anna-Liese. Hiswr. Schauspiel in 5 Akten v. Hersch. Auftraten aller SpecialitSfew r Sonnabend geschlossen.-WW Sonntagnachm. 3 Uhr: Die p/aise aus t.o«ood. Abends 8 Uhr: Das phänomenale Märzprogramm. Mampes Flitterwochen. Montag und Dienstag: Das gross- artige Märzprogramm. Mampes Flitter- woenen. Mittwoch, den 16. März: Benefiz für den Kapellmeister Otto Antonius: Zankteufetchen. Vorzugskarten haben Gükttgkeit. Keine erhöhten Preise! Yvette Guilbert Paulton u. Doley KomischoRadfahrer Karnevals-GeiSterlonz-Divertissem. Imro Fox Zauberkünstler. Leo Billward Komischer Jongleur. Madeleine Noce Sängerin. Prosper-Truppe Akrobaten. Gostantino Bernardi Verwandlungsschauspieler. Lony Elastisch-equilibr. Akt. The Seidoms Plast Darstellungen. Biograph. Königstadt-Kasino Holzmarktstt. 72, Ecke Alexanderftratze. Täglich: Sobanskl. Die Harz-Spccialltaten. Zum Schlusi das Lebensbild Nach Südwest-Afrika. Nach der Vorstellung: Mittwochs, Sonnabends u. Sonntags: Tan». Donnerstag, den 10. März: Benefiz sür F. SobanskJL_ Reichs hallen StettinerSänger Die Berliner bei den Hereros. Burleske von Meysel. Große Ketten 12 M. (Ob«b«tl, Unterbett, zwei tttfsen> mit gereinigten neuen Federn»ei Onftab Luftig. Berlin S�prinj««- fiiate 46. vrel, liste tolienfiti. Biel» V«»»rkeunungefchreiben. FrölieisÄllerlei-Tlieater früher Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Sonntag S'/j Uhr: Karburoer Sänger Nach d. Vorst um 10 Uhr: Gr. Extra-rauz. Eintritt 30 Ps.. Sperrsitz 50 Pf. Mont.: Burmeisters Goethe-Ensemble. Arbeiter- Radlalirervereln „Berlin". _ Sonntagmittag 1 tUsts Prenzlauer Thor nach Ben (Elysium). lt/) Den 16. d. Mts.: Bcrsammlui im Böhmischen Brauhaus. Sngliselier Garten, Alexanderstr. 27c. Zum ersten Öfter- Feiertag ist der graste Saal frei geworden. 1 Heute Freitag giebt es wieder riseste Wurst in bekannter tadeb loser Qualität. Rieh. Äugustin�Ä™: »Vorwärts-- HauZ. Frühstücks- und Mittagstisch. Sitzungszimmer. RMge Gelegenheit! Kranen, taelietten. Serviteurs. EinPostenHerrenkraaen.best.Fabrik., rein Lein., 4 fach, p. Dtzd. nur S M. Manschetten, prima, garant. 4 fach, -/, Dstd. 1,8« M. 3994L« Serviteurs, ganz prima, einzelne Sachen, Stck. Äv, 4« u. 5« Pf» O Oberhemden, Nachthemde«, O außergewöhnlich preisivert. Dcnst Zlasrcns«, Münzstr. 2Z iZessng- vliclies von 1.28 Mit. Album- und Lederwaren- Fabrik Dsbar Gnndan, Oranienstr. 30, Ecke Adalbertsrasse. Gr. Lnger aller Arten Lederwaren u. Schmucksachen zu bill. Preisen. Wollen Sie Jhren Hushen,Jhr6 Erkältung odei- das Kitzeln im Halse los sein?�Wollen Sie eine klare.Stimme haben und von JhredjYepschleimung beFreit s'eint-aebVauchen'Sie bitte S Pascoe's Brust-Pastillen -ä RACKETES PFENNIG. Sie werden den Versuch nicht' — bereuen Zchshtn In Apotheken und ProBifltn. Parteilokal zu verkaufen. Kleiner Saal. 5 Vereine. 164 Tonnen Bayrisch und 80 Halbe Weitzbier. 2000 M. Miete. Brauerei Hilst. Im Südosten. Zu erst'agen Parteispeditton Lausitzer Platz 14. Allen Bekannten und Freunden die traurige Nachricht, daß am 7. März meine inniggeliebte Frau, unsre gute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Elisabeth Schiller geh. Melang nach kurzem, schwerm Leiden ver- 1 starben ist. 2491b Um stilles Beileid bitten Die trauernden ttinterbliebenen. Carl Schiller nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonn- den 13. März, nachm. 2'/, Uhr Krankenbaus FriedrichSham ' dem St. Mareus-Kirchhos Sberg statt. »ülteiMuif- «setöftift Meiler Berlins und Umgegend. Am Sonnabend, den 5. d. Mts., verstarb plötzlich unser Kollege Adolf Schmidt. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute, Freitagnachmittag 2'/, Uhr, vom Leichenschauhause, Hannoversche- sttage, aus nach dem Central- Friedhof in Fttedttchsselde statt. Um zahlreiche Betettigung bittet 75/7 Dci» Vorstand. hevaliiieii-Onterstiitzüagskasse Die Beerdigung des am 9. ; verstorbenen Lithographen Wilhelm findet statt am 13. März, nach von der Leichen! Georgen-ZtzirchhoseS/ Allee. 2505b DaS Nach langen schweres I verschied am Mittwoch mein lieber iMann unser guter Vater, der I Tischler Heimim Schröder. Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 4 Uhr von der Leichen- Halle der Kaiser Friedlich-Gedächt. nis-Kirchhoss in Plötzensee aus statt, l Berlin, den 10. März 1904. Die trauernden ttinterbliebenen. ttelma SehrOder. Dauksaguilg. 24896 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unsrer unvergeßlichen Schwester U.Schwägerin I-salue Maat»» sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere dem Personal der Kislensabttk Theodor Adolph, dem Gesangverein.Arion II' und her Freien Turnerschast zu Rummclsklttg unsren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hi»M- bliebenen: Will). Voigt.? 8 Ittmeti- und Kranzbindei Richard Engelks, er-Strasse 164. Ecke Specialitfit; Vei Empfehle den Genoss Kran;- und Klui speciell Verelaakrltas!« L162b« B. Ebel, Ackerstt. 35. Verautw. Redakteur: Ä"liu�MWki. Berlin.' Zur den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag'. Vorwärts Buchdruckern u. VerlagSanstalt Paul Einger& Co ftnr neueste Jffodeu. LMM Hod Chapean moderne Form. NSfltl Iz»« M. � jn grsster Zluswahl. Zpeclsl-ttut-klixroslaxer nur neuester Mdea. Llnavlvsehauf xu Fabrik) im Comptoir Neue Königstr. 48, l WWW- dritten Hans vom Alexander- 1 Gröstte Auswahl, auftergewühultch billige____ FilzbOte silr Herren, Qualität M. 8,50, extra feine M. beste Lmalität M. 4.5«. Berlin SM it. 60. 21. mm* 2. Keilsge hes.Wmörts"$n\m SolteWatt. � m- Nochmals die Landwehr. Herr Karl Bleibtreu ersucht uns um Aufnahme deS nach- stehenden Abwehr-Artikels. Wir entsprechen hiermit dem Ersuchen, ohne uns aller Ausführungen des Verfassers zu eigen zu machen. Herr Bleibtreu schreibt: Gegen meine Darlegung im.Vorwärts" über die vom Krieg«- minister herabgesetzte Landwehr der Befreiungskriege richten sich zwei lange Ar-ftlel des„Tag", toorin ein pseudonymer Herr unch„ver- leumderischer Beschuldigung" der Junkeroffiziere bezichtigt und der staunenden Welt ein Licht über die trostlose Landwehr aufstecken möchte, welche zu rühmen nur„die ganze Sophistik eines Bleibtreu" vermag. Obschon ich der Redaktion des„Tag" auf der Stelle einen Widerlegungsaufsatz sandle, wird dieser jetzt erst nach sechs Wochen abgedruckt und zwar auf die Hälfte gestrichen. Mr den Angriff hatte man sofort in zwei Nummern Raum gehabt, für die Abwehr nicht. Dies wird um so bedeutsamer, als man statt dessen in besagle» sechs Wochen Raum bekam, zwei Auslassungen des Archivars v. Pflugl- Härtung abzudrucken, die augenscheinlich dem Pseudonymen Angreiser zu Hilfe kommen sollten. Eine davon bezog sich auf die Opfer des Adels im Siebenjährigen Krieg, um die„Voreingenommenheit gewisser Kreise" gegen diese edlen Junker zu zerstreuen. Nichts liegt mir ferner, als die Verdienste des Militäradels um die preußische Monarchie verkennen zu wollen, wobei man jedoch seine Hingebung unter Friedrich dem Großen fälschlich als eine an und für sich bestehende, vom Milieu losgelöste Erscheinung auffaßt. Nur das Genie des Königs nötigte dem Adel solche Leistung ab, und all jene Zehntausende braver„Gemeiner" und„Kerls", die namenlos und unbekannt ihr allerdings nicht blaues Blut fürs Vaterland vergossen, bethätigten ganz die gleiche Pflichttreue. Ebenso nmtz zwar gerechte Forschung heut über die Legende von 1806 inso- fern hinaus fein, als nian die persönliche Bravour der„Junker" bei diesem Zusammenbruch ihres Kastenstaats trotz der schmachvollen Festungskapitulationen nicht immer gering anschlagen darf. aber daS nämliche gilt auch hier wieder stir die schlecht geführten Mannschaften, die oft sogar ihre feigen Führer verspotteten. Und was wirklich Rühmliches geschah, ward vom bürgerlichen Gneisenau und der Bürgerschaft von Kolberg, vom schlesischen Landsturm GötzauS vollbracht. Um die nationale Er- Hebung der Befreiungskriege machten sich nur zwei Adelige besonders verdient: die Brüder Grafen Dohna. Nun wohl, der eine von ihnen starb als Landwehrführer an gebrochenem Herzen, weil er bei Be- lagerung von Danzig, daS er nur mit verzehrender Sorge und Auf- opferung den Klauen der russischen„Befreier" entriß, klar erkannte, daß man nur vom Regen in die Traufe kam. Thatsächlich bringt ein treffliches neueres Werk von Holzhausen „Napoleon und Heine" eine Reihe Dokumente dafür bei, daß schon vor 1815 tiefste Enttäuschung eintrat, und die Völker merkte», wofür sie so ungeheure Opfer brachten, von wem man sie befreit hatte. Im preußischen Volksheer von Ligny und Waterloo, dem demokratischesten, das je in einer Monarchie entstand, �war nur noch die eine Hoffnung lebendig, daß man durch neue Siege und Opfer endlich doch noch Erfüllung gerechter Ansprüche Preußens erobern werde. Als mau aber der den Engländern die gleiche Er- fahrung machte wie bei den Russen, da trat bitterste Erkenntnis ein. daß die sogenannten Befreiungskriege nur der Wiederaufrichtung der Reaktion, der Obmacht des Mettcmichscheu Systems, der russischen und englischen Weltherrschaft gegolten hatten. Die Junker aber fochten für ihre Befreiung. Und bezüglich ihrer Opferfteude im Siebenjährigen Krieg muß man auch noch er- hebliche Abstriche machen. Wenn v. Pflugk-Hartung jammert, daß der König Unterstützungsgesuche des Adels hart ablehnte, so wird ein wirklicher Kenner jener Verhältnisse dies psychologisch begreiflich finden. Der große Herrscher hatte nicht nur sein Geld nötiger, um seinen für ihn völlig ruinierten Bürgern. Arbeitern und Bauern auf- zuhelfen, sondern er hatte auch Erfahrungen gemacht, die vielleicht seine schroffe Parteilichkeit in Rechtslagen, wo bei ihm grundsätzlich der Edelmann gegen den Mann aus dem Volke Unrecht bekam, mit beeinflußten. Gerade in Kreisen deS hohen Adels, die im Prinzen Heinrich ihr Haupt der Mißvergnügten fanden, meldeten sich Wankel- mut und unpatriotische Gesinnung, während das arme treue Volk mit heldenmütiger Hingebung für seinen geliebten Alten Fritzen focht und Namenloses duldete. Obschon v. Pflugk-Hartung jene Redereien eines Pseudonymen Gegners„vortrefflich" fand, hat er diesen jedenfalls so„vortrefflich" ad absurdum geführt, daß man versucht sein muß, an verkappte Ironie zu glauben. Da sieht man aber, was man heute dem urteilslosen Publikum bieten darf! Oder sollten die Leser des„Tag" wirklich selber bemerkt haben, daß die andre Auslassung des oben- genannten Archivars. nämlich Ausgrabung einer unbekannten Kabinettsorder von 1815, einfach alles niederschmettert, was die Gegenpartei vorbringt, und geradezu triuniphierend meine Be- hauptung zum Siege führt? Die gefliffentliche Unterdrückung und Mißachtung der Landwehr lag nämlich derart in den Verhältnissen begründet, Käß sogar noch im letzten Kriegsjahre, wo nach sauer- süßem Eingeständnis die Landwehr schon längst so gut war wie die Linie, der König sich gezwungen mh, eine donnernde Philippika an die Junkeroffiziere zu richten, daß er mit Mißfallen die vorsätzliche Herabsetzung der Landwehr rügen müssei Brauchen wir weiter Zeugnis? Statürlich dreht mein Gegner die Sache wieder in einer Form zurecht, die den herben Wortlaut meiner wahrheitsgemäßen Fest- stellung ins„unglaubliche" zuspitzt: man hätte„absickstlich" die Landwehr ruiniert,„weil" die Junkeroffiziere es so haben wollten. DaS wäre Unsinn. Vielmehr meinte ich einfach, daß man die Linie überall bevorzugte und das Aschenbrödel Landwehr mehr als stief- mütterlich behandelte, weil sie eben als bloßer Ballast galt, mit dem Hinzufügen, daß den Junkern dieser Ruin der Landwehr höchstens angenehm war. um ihrer Voreingenommenheit neue Nahrung zu geben. Nun, sogar der Verfasser gesteht an einer Stelle zu. daß die Soldaten mit Spott und Hohn aus die Landwehr herabsahen, und sei er für Einzelheiten auf Friccius verwiesen. Gleich anfangs machte er sich'« bequem, indem er mir den nie geteilten Wahn unterschiebt, als ob die Landwehr an und für sich „eine führende Rolle" gespielt hätte. Angesichts der Massen alliierter Linientruppen schloß sich dieZ selbst dann aus. wenn die gesamte Landwehr in der Feldarmee verwendet worden wäre. Sie hat aber zur Hälfte bei Einschließung der Festungen oder zu den hochnötigen Etappenzwecken herhalten müssen und diesen wichtigen Dienstzw-lg zufriedenstellend erledigt, wie die Belagerung von Danzig, Magdc- bürg, Wittenberg usw. darthut, was Verfasser natürlich ignoriert. Auch sind seine Ziffern nur ein Spiel mit Worten, denn ich habe die Sollstärke unter Waffen berechnet, nun kommt er irreführend mit der Jststärke dazwischen. Auch hier aber stimmt seine Vorrechnung nicht, denn da Linie und Reserve nur 06 700 Mann Sollstärke betrugen, so kämen bei„192 434' Mobilen(nach seiner Angabe) ohnehin noch rund 96 OOY auf die Landwehr, wovon 16 650 Freiwillige Jäger und Nationalkavallerie abzuziehen. Wenn also nach seiner Angabe die Feldarmee nur 101 764 Mann betrug und davon die Landwehr doch noch 65 000. so müßten nur noch rund 37 000 Linie. Reserve. Jäger der Feldarmee angehört haben, was deren Mobilisierungsfähigkeit ein trauriges Zeugnis ausstellen würde! Nun lenkt er ferner geflissentlich von der Hauptsache ab, wenn Freiwillige Jäger. Frei- corpS, Nattonalkavallerie säuberlich von der Landwehr unterschieden werden sollen, obschon ausdrücklich zugestanden wird, daß sie„die schlechte militärische Ausbildung mit ihr gemeinsam hatten". Ja, noch mehr: eS bestanden auch die Reserveregimenter<41 600 Mann) nach üblichen Mlitärbegriffen aus Miliz, da sie nur einen bis drei Monate Drill hinter sich hatten. Somit steht Bebels Behauptung im Reichstage, gegen die sich der KriegSminister wandte, glänzend gerechtfertigt ha: Ja, in der That bestand daS Heer der Befreiungskriege zu vier Fünfteln aus Milizen. Zwischen diesen„Krümpern", d. h. Milizsoldaten und den alten Kasernentruppen bestand min im Gefecht von Anfang an kein Unter- schied, und leistete zum Beispiel die 6. Reserve offenbar bei Wachau mehr als die 1. Westpreußische Linie. Und was erzählt man uns da von der idiwächlidien Körperbeschaffenheit der Landwehr, die sie als Ausschuß der Wehrfähigen unfähig machte, mit der Linie— auch mit den"„Krümpern"?— zu rivalisieren? Kennt mau nicht Napoleons Ausspruch, im Kriege verhalte sich moralische Kraft zur physischen wie 3:1? Von den mangelnden Körperkräften der Landwehr haben freilich die französischen Leichenhaufen bei Hagelberg, Dennewitz, aus Grimmaer Steinweg, Ligny, Plancenoit in stetem Handgemenge nichts bemerkt I Wenn dem aber so wäre, was folgte daraus? Erstens, daß seelische Energie die Körperkrafl aufwiegt, zweitens, daß also eine Miliz, die nicht bloß aus Ausschuß bestände, noch viel Größeres leisten würde! Bezüglich der GefcdstSleistungen überhob mich der Verfasser erfreulicherweise der Mühe, noch einmal das glänzende Bild der Waffenthaten unsrer Landwehr zu enttollen. Denn er gicbt zu, daß sie bei Wartenburg, Wachau, Möckern und Leipzig ruhmvoll focht. ja daß sie später„keinen Unterschied zwischen Linie und Landwehr" erkennen ließ: so unwiderleglich war eben die von mir neulich und sonst sd)oil oft aneinandergereihte Thalsachenreihe. Unsre Erinnerung müßte sich aber sehr täuschen, wenn wir nicht noch vor zehn Jahren im„Militär-Wochenblatt" einmal gelesen hätten, daß auch 1815 der Anteil der Landwehr verschwindend gering gewesen sei. Jedenfalls liest man stets nur von der Bravour des Leibregiments bei Wartcnburg, statt der Landwehr- bataillone Sommerfeld und Lottulinski zu gedenken. Wie angesichts seines eignen Zugeständnisses Verfasser spotten darf, es werde mir nun klar werden,„warum der Kriegsminister ein Eingehen auf ihre Schlachtenthätigkeit unterließ", begreife wer mag, da es sich doch dabei nicht bloß um den August 1813 handelt. Daß bei Kulm schlesische Landwehr ausriß, bedeutet gar nichts. Denn Prinz August würde wohl nicht die Fahne der 2. schlesischen Linie ergriffen haben, wenn diese Linientruppe nicht gleid>fallS geschwankt hätte! Die Preußen wurden eben überall durdibrodie» und die ganze erste Wucht der verzweiselt Ausgang suchenden französischen Masse fiel auf die Landwehr. Auch daß bei Goldberg ein Bataillon vom 6. Landwehr wich, will nichts sagen, wenn eine so junge schlecht gerüstete Truppe gleich zum erstenmal in ein so überaus ungünstiges Gefecht verwickelt wird. Daß die beiden andren Bataillone vom 6. Landwehr geflohen seien, wird nicht gemeldet, und ist das Weichen jenes einen Bataillons überhaupt der einzige Vorgang im ganzen Kriege, der einigermaßen schlechte Haltung dieses Landsturmes sdenn„Landwehr" im heutigen Sinne war es doch nicht) belegt. Ueber's Gefecht von Hagelberg wollen lvir uns nicht streiten, da ich aus ganz andren Gründen es nicht für so wunderbar halte, wie bisherige Darstellung meint, nämlich infolge genauerer Untersuchung der französischen Stärke— nur sechs Bataillons— und miserablen Verhaltens der Sachsen und Westfalen. Hiervon meldet meines Wissens Major Friedrich nichts, auf dessen bisher erschienenen ersten Band über den Feldzug von 1813, in welchem wir hochwichttge Dinge, z. B. genaue Vcrlustausweise vermissen, sich der Pseudonyme Verfasser beruft. Dagegen sei fest- gehalten, daß die Führung der preußischen Berufsoffiziere gegenüber dem erprobten Girard mehr als mangelhaft und Girards Arttllerie überlegen war, die jungen Landwehren aber nicht mal den Trost hatten, zu schießen, weil wegen des Regens ihre schlechten Gewehre nicht losgingen. Bedenkt man nun, daß sie gegen 1000 Tote und Verwundete verloren, so wird man ihrem unerschrockenen Einbruch mit Kolben und Bajonett volle Achtung zollen, auch dann, wenn man alle bisherigen Angaben über Girards Stärke als falsch und die Ucbermacht der Landwehr als thatsächlich erkennt. Dagegen bleibt die Leistung des Corps Tauentzien bei Dennewitz ungeschmälert bestehen. Vielleicht belehrt Major Friedrich uns denmächst eines Besseren? Aus welchen Quellen? Denn auch die französischen z. B. die Historiques der Division Morand melden übereinstimmend, daß Corps Bertrand und Division Durutte das um die Hälfte schwächere Corps Tauentzien nicht zu überwältigen vermochten, während Bülows zunächst anlangende Brigarde Thüman die Landwehr mcht entlastete. Daß nicht Friccius' Landwehr das Grimmaschc Thor bei Leipzig erstürmte, soll nun der kommende zweite Band des Major Friedrich beweisen. Diesem löblichen Vorsatz entzieht meine Klar- legung im„Tag" von vornherein den Boden, worauf hier kurz per- wiesen sei. O ja, es giebt viel UnWahrscheinlichkeiten, die sogar wie Fälschungen aussehen. Aber nicht nur bei der Landwehr. Man vergleiche z. B. die Vcrlustangabcn der Regimentsgeschichten für 16., 18. Oktober 1813, wonach die Linienregimenter des Corps Kleist(mit Ausnahme des i. Westpreußischen, wo die Verhältnisse stimmen) fast durchweg weniger verloren als die Landwehr, die also viel aufopfernder ge- fochten haben müßte, sobald man nämlich die Linienregimcnls- Angaben von der Gesamtsumme der Brigadcverluste abzieht und mit der(gleid, falls handgreiflich unrichtigen) Gesamtvcrluslangabe deS Corps Kleist vergleicht. Oder man vergleiche die oft lächerlichen Angaben der Regiments- geschichten für Ligny mit den offiziell festgestellten Brigadeverlusten und diese sodann mit der heute noch überall nachgeschriebenen amt- liehen Verlustziffer 12 000, über die schon Hauptmann Berndt(„Die Zahl im Kriege") sich lustig macht und sie aus 18 000 erhöhen will. während die wahre Ziffer 23 000(excl. 8000 Fahnenflüchtiger) Tote. Verwundete, Vermißte beträgt! Wollte man hier z. B. die lächer- liche Vcrlustaugabe der 19. Linie für bare Münze nehmen, so müßte man folgern, daß es ausriß und dem heldenhaften 4. Westfälischen Landwehrregimcnt die Verteidigung von Ligny überließ I Da wir aber nicht so rasch und beweisloS mit dem Absprechen bei der Hand sind, wie Militärs über Landwehr, so folgen, wir einfach, daß daS 19. Regiment seinen Verlust falsch angab, voila tont. Was dies besagen soll? Daß man so hochwichtige Fragen nicht mit all- gemeinen Phrasen erledigen kann, sondern stets bis ins kleinste erörtern muß. Bon den Behauptungen meines Henm Gegners bleibt nicht eine bestehen, sobald man auf den Grund geht. Zu solchen Redensarten zähle ich auch seine apodiktische Bemerkung über den amerikanischen SecessionSkrieg und Gambettas Ausgebote, wo er ganz einseitige Militärlegende als etwas historisch Feststehendes aufspielt. Und was bleibt als Gesamtergebnis? Wenn die Landwehr noch im August 1813 miserabel, im September aber schon ausgezeichnet und im Februar 1814 der Linie ebenbürtig war, was alles der Pseudonyme zugicbt, so treibt er damit nur Wasser auf die Mühle der Milizfreunde. Daß die Konslribierten Napoleons nur drei Monate, zuletzt 1814 nur drei Wochen Dienstzeit hinter sich hatten, hat sie das gehindert an ihren riesigen Thaten? parteL-I�acKricKten. Wieder eine Konfiskation des„Avanti". Die letzte Montags- nummer des„Avanti" wurde zur Abwechselung wieder einmal konfisziert, man weiß nicht genau, ob wegen einer Bemerkung über die Königin Margherita oder wegen einer Notiz über die Ausgaben des königlichen Hauses.— poliretticdes. Sericdtllcbes ukw. — Wegen Beleidigung deS Magistrats von G-ldberg(Schlesien) wurde der Verantwortliche Redakteur der„Brandenburger Zeitung", Genosse Alb. Meyer, zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Er hatte die geringe Bezahlung des Znrniwächters der Stadt gerügt und bei der Gelegenheit dem Magistrat Mangel, an Fürsorge in sociale»» Ein- richiungen vorgeworfen. Es wurde festgestellt, daß des Turmwächters Einkommen etwas über 600 M. jährlich in Geld und Naturalien be- steht, davon stammen jedoch etwa 180 M. aus einer Invalidenrente und Trinkgeldern und gegen 100 M. von einer Kirchengemcinde für Glockenläuten. In der Wächterthätigleit muß die Frau den Mann unterstützen. Es wurde deshalb kein Mangel an socialer Fürsorge an- genommen und Meyer wurde bestrast. kommunales. Stadtverordneten-Bersammlung. 9. Sitzung vom Donnerstag, den 10. März 1904. nachmittags 5 Uhr. Der Vorsieher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung nach VoÖ Uhr. Die Versammlung tritt sofort in die Specialberatung des Stadthaus Halts- E tat sZ für 1904 ein. Dieselbe beginnt mit dem Specialetat der Krankenhäuser. Dazu liegt ein Antrag An tr i cl vor: Die Versammlung ersucht den Magistrat, in Bezug auf die Löhne, die Arbeitszeit und Wohn- Verhältnisse der in den städtischen Kranken- und Irrenanstalten be- schästigten Wärter, Wärterinnen und Arbeiter Vorkehrungen zutreffen. die den betreffenden Arbeiterkategorien verbesserte Arbeitsbedingungen zu bringen geeignet sind. Vom Eta'tsausschuß wird folgende Resolution zur Annahme vorgeschlagen: Die Versammlung ersucht den Magistrat: 1. Auswärts ortsangehörige, hier zur Steuer nicht veranlagte Kranke nur in dringend notwendigen Fällen in die städttschen Krankenhäuser und in andre zur Gesundheitspflege bestimmten Ein- richiungen aufzunehmen, soweit die Stadtgemeinde nicht durch gesetzliche Bestimmungen zu deren Annahme verpflickstet ist. 2. Im Falle der notwendigen Aufnahme den wirklichen Selbst- kostcnpreis, wie er sich aus den jährlichen Durchschnittsberechimngcn ergeben hat, vergüten zu lassen und den Tarif dementsprechend zu ändern. 3. Diese Aenderung im laufenden Jahre vorzubereiten, so daß sie schon für den Etat 1905 in Kraft tritt. Stadtv. Heimann(Soc.): Ich bin beauftragt, namens meiner Freunde aufs schärfste gegen die Resolution deS Etatsausschusses Front zu machen. Das einzig Erfreuliche daran für uns ist das Eingeständnis, daß die Mißstände auf dem Gebiete nnsrcs Kranken- Hauswesens so akut geworden, daß wir, um da herauszukommen, zu verzweifelten Schritten greifen müssen.(Widerspruch und Zustimmung) DaS war nicht immer so. Erst vor 3— 3l/z Jahren hat der Wortführer der Mehrheit unter lebhaftestem Beifall ausgeführt, daß die socialdemokratische Behauptung von der Krankenhausnot eine Verdächtigung sei. um die Be- völkernng aufzuhetzen. Die Haupt- und Residenzstadt Berlin. die größte und reichste Kommune Deutschlands(Kopfschüttelii des Oberbürger m ei st er s) würde auf dem Gebiete der öffent- lichen Gesundheitspflege mit dem Anttage ein Verfahren einleiten, welches notwendigerweise zu den schärfsten Gegenmaßregcln führen muß. Die Entscheidung darüber darf auch nicht in der Hitze des Augenblicks getroffen werden! dazu hätte es der ruhigen Erörterung in dem Ausschuß bedurft, welcher sich mit der Frage der Bildung von Zweckverbänden ans dem Gebiete von Groß-Berlin beschäftigen soll. Eine KrankenhanSnot besteht mehr oder minder in allen größcrn Städten. Durch den Antrag zwingen Sie die andern Städte, das gleiche Verfahren gegen Berlin einzuschlagen, und es wird dadurch vielleicht unabsehbarer Schaden für die öffent- liche Gesundheitspflege verursacht. Nur in dringend notwendigen Fällen soll die Aufnahme erfolgen, nach der Jnterpretatton im Ausschüsse in Fällen der Lebensgefahr. Der Annahme odpr Ab- lehnung durch den Assistenzarzt du jour muß doch auch ein umstand- liches Verfahren über den Untcrstützungswohnsitz:c. vorangehen; darüber hat man im Ausschuß kein Wort verloren. In„Friedrichshain" und am„Urban" wurden 1900 geleistet: Verpflegungstage an Berliner 426 000 gegen 33 000 an AuSwätige gleich 7.7 Proz.; 1901: 443 000 gegen 25 000= 5,7 Proz. Von diesen 5—7 Proz. müssen doch diejenigen abgezogen werden, tvclÄe zwar auswärts wohnen, aber in Berlin arbeiten und hier den Kranken- kästen angehören. So bleiben von den 5—7 Proz. höchstens 2—4 Proz. übrig. Mehrere unsrer westlichen Vororte sind doch auch im Begriffe, große Krankenhäuser zu errichten. Das Ergebnis des Antrages würde also ein ganz mini- maleS sein. Das Virchow- Krankenhaus soll im Herbst 1905 vollendet sein, dann werden wir zu erheblich besseren Zuständen gelangen. Bis dahin wird man eventuell neue Baracken aufstellen müssen. Im Wege JhreS Antrages aber ist kein Erfolg zu erzielen; ebensowenig wie durch Ihren Antrag. daS Honorar für die ans- wärtigen Taubstummen auf mehr als das Doppelte zu erhöhen. Mit der Politik dieser Anträge gegenüber andren Gemeinden können wir uns nicht befreunden.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Stadtrat Weigert: Die Unhaltbarkeit unsres KrankcnhauSwesenS ist von keiner Seite zugegeben. Die Stadt Berlin baut ihre Krankenhäuser für ihre Kranken. Der Antrag ist auch kein Rovum, man hat seit 1895 ähnlich Verfahren, nur die Verpflegungssätze sind auf 2,50 M. bisher belassen worden. 1902 sind 2820 auswärtige Kranke--- 8,4 Proz. bei uns verpflegt worden, mit 79 000 Kranken- tagen. Stadw. Prof. Landau(A. L.): Ich darf nach dieser Erklärung hoffen, daß der Magistrat dieser Resolution nicht zustimmen wird. Es würde in weiten Kreisen sehr bedauert werden, wenn Berlin so rigoros vorginge und zu bösen Rekriminationen führen. Auch die andern Gründe des Kollegen Heimann fallen daneben sehr ins Gewicht. Soll denn das einige Deutschland wieder differenziert werden? Stadtv. Wallach Stadtv. Gaffel(A. L.) weist auf die größeren Opfer Berlins im Vergleich zu den Vororten hin und fllräitet sich ebenso wenig wie Wallach vor Repressalien. Obwohl entschiedener Gegner der Socialdemokratie, hält er doch die Gesinnung des Einzelnen nicht für einen Grund gegen einen städtischen Angestellten einzuschreiten, wenn der Betrcffcnde'mit seinem Amte nicht in Konflikt kommt; der Oberbürgermeister habe sich da sehr verschwonimen und unklar aus- gedrückt. Oberbürgermeister Kirschner: Ich habe ausdrücklich jedem seine Gesinnung fteigcgebcn, gestatte ihm auch, für seine Gcsinuuug einzutreten, auch daß er sich im Wege der Koalition oder des Gewerkvereins mit andern vereinigt. Damit erkenne ich auch jede gesetzliche Bethätigung der Gesinnung als berechtigt an. Ich habe mich gerichtet gegen die gegenseitige Verhetzung der Stände (Ruf: Wer thut denn das?), gegen den gewaltsamen Umsturz. Dergleichen kann kein Verwaltungsbcamtcr dulden. Ich spreche da aus der Praxis heraus. Diese Bestrebungen lverden in den Kreisen der bei uns beschäftigten Arbeiter von gewisser Seite geschürt. Im Krankenhaus Friedrichshaiu haben wir einen Pfleger und eine Pflegerin entlassen müssen, da bekommen ivir von dem Vorstand des Verbandes der in Gemeindcbetriebcn beschäftigten Arbeiter und Unterangestellten ein Schreiben(Redner verliest dasselbe), in dem es heißt, daß der Verband sich seiner Mitglieder annehmen müsse, daß um nochmalige Prüfung der Sache und um Zurücknahme der Kündigung gebeten wird, daß man eventuell gezlvungen sei, nach dem Grund- satze:„So Du mir, so ich Dir" zu Verfahren, daß man öffentlich gewisse Verfehlungen unterer Aussichtsorgane mitteilen werde.(Bewegung.) Wenn solche Drohungen mit Denunziationen an uns konnnen, muß einem solchen Eingreifen in unsre Verwaltung mit aller Energie entgegengetreten werden.(Leb- haste Zustimmung.) Solches Verhetze!» und Angreifen der bestehenden Ordnung kann sich eine Verwaltung nicht gefallen lassen, solchen Bestrebungen gegenüber müssen ivir alle einig sein und da schließe ich selbst die Herren von der socialdcmolratischcn Partei ein. DaS können Sie nicht wünschen, daß so die Verwaltung unmöglich gc- macht wird.(Wiederholter Beifall.) Stadtv. Singer(Soc.): Der Oberbürgermeister hätte besser gethan, seine erste Rede mit diesem Schreiben einzuleiten, denn ich kann begreifen, daß dieses Schreiben Mißfallen bei ihm erregt hat. Wenn einer von uns gefragt wäre, ob er mit den» Ersuchen um die Intervention deS Bürgermeisters gleichzeitig diesen Schluß anbringen sollte, würden wir ihm den allerentschiedenstcn Rat gegeben haben, das zu unter- lassen. Denn es geht nicht an, eine solche Drohung daran zu knüpfen, daß man eventuell die Verwaltung attackieren und sich rächen werde. Namens aller Kollegen auf diesen Bänken und namens der übergroßen Mehrheit der Partei erkläre ich, daß dieses Verfahren von uns nicht gebilligt wird. Wie weit die Beschwerde gerechtfertigt ist, kann ich nicht beurteilen. Es handelt sich um zwei Leute, die angeblici, ivegcn Versehen entlassen sind. die ihre Kollegen als plche nicht betrachten können. Ich bin selbst init dein Fall betraut worden, und auf meinen Rat ist der Oberbürgermeister an- gegangen worden. Soweit ich mich erinnere, sind die Leute ent- lassen worden, weil sie dein Verbände angehörten und sich mit einer Beschwerde an die Verwaltung gewendet haben.— DaS plötzliche Auftreten des Oberbürgermeisters war eine Art Husaren- ritt, er ging mit einer Attacke vor, als hätten ihn die Lorbeeren des Ministers Budde nicht ruhen lassen.(Große Heiterkeit), als müsse er hier im Rathause das Echo aus dem Reichstag ertönen lassen, Ivo Regierung und Scharfmacher in trautem Verein seit Wochen nichts weiter thun, als auf die Socialdemo- kratie, die llassenverhetzcnde und Ordnung umstürzende, zu raisonnieren. (Zuruf des Stadtv. K ö r t e.) Herr Körte'scheint auch auf keinem höheren Niveau zu stehen, denn auch er ruft den Dresdener Parteitag heran. Wie dankbar müssen Sie uns sein, daß Ivir den Dresdener Parteitag gehabt haben, wie schwächlich Ihre sonstigen Argumente, daß Sie gar nichts andres vorzubringen wissen!(Zuruf des Stadt- verordneten Goldschmidt.) Sie, Herr Goldschmidt, dursten in diesem Konzert nicht fehlen.(Große Heiterkeit.) Sic sind ja jetzt dabei, sich in die Reihen der ärgsten Scharfmacher zu stellen.— Vielleicht teilt uns der Oberbürgermeister mit, wie einer im Krankcnhause Klassen verhetzen und Ordnung stürzen kann. Ein Beispiel von Umsturz ist mir allerdings gegenwärrig, das betraf aber ein altes Reservatrecht der Krankenhäuser. Bis Illlio waren die Wärter der Gesinde-Ordnung unterworfen, und die Entlassung konnte ohne Angabe von Gründen er- -olgcn. Diese Rechtsordnung umzustürzen, hat sich das Personal bemüht und mit Recht bemüht, und durch die Abänderung der betr. Verordnung ist die Berechtigung dieses Kampfes anerkannt worden. Aus derzweitcnNcdcdesOberbürgcrmeistcrSmuß ich folgern, daß erauch auf das außerdienstliche Verhalten der Angestellten Einfluß üben will, denn im Dienste ist doch keine Agitation, außer vielleicht Unterhaltung, denkbar, und wenn er auch die verbieten will, müßte er schon stunime Leute anstellen. Konform den großen Vorbildern in Reich und Staat icheint der Oberbürgermeister das Scharfmachertum auch in die Stadtverwaltung übertragen zu wollen. Sollte er vielleicht im Herrenhause angesteckt sein?(Große Heiterkeit.) Hoffentlich ist er gegen den Ansteckungsstoff der schlimmsten Reaktion immun. Ist ein heutiges Auftreten mehr als der Ausfluß eines momen- tauen AcrgcrS, so müssen wir dem entgegentreten, denn es macht das theoretisch anerkannte Koalilionsrccht thatsächlich illusorisch. Wie diese Rede auf die Untcrbcamtcn wirken wird, wird sich bald zeigen; da wird man sich bemühen, einsprechend dem neuen Winde, der von oben pfeift, zu handeln.(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokratcn.) Stadtv. Rosenow bedauert ebenfalls, daß der Oberbürgermeister au? dem Briefe Anlaß zu einer so sehr mißzuvcrstehcndcn Rede habe nehmen können. Die städtische Ordnung umzustürzen, sei doch nicht so leicht, oder wolle man den städtischen Arbeitern auch die Strcikmöglichkeit beschneiden? Stadtv- Cassel: Die zweite Rede des Oberbürgermeisters schafft ja einige Bernhigimg. In der Abwehr der Auflehnung gegen die Disciplin werden wir alle mit ihm sein._ Aber als Angehöriger der entschieden Liberalen muß ich den Grundsatz, daß die Gesinnung für Anstellung usw. eines Mannes gleichgültig ist, auch der städtischen Verwaltung gegenüber auftccht erhalten. Stadtv. Goldschmidt(N. L.) schließt sich Rosenow und Cassel an und betont gegen Singer, daß er mit seinem Zwischenruf auf die in Dresden angenommene Resolution gezielt habe, die eine Provokation der gesamten bürgerlichen Gesellschaft gewesen sei. Damit schließt die Debatte. Der Antrag Antrick wird gegen die Stimmen der Social- demokraten abgelehnt, desgleichen in namentlicher Abstimmung die Nr. 1 der Äusschußresolntion mit 62 gegen 4g Stimmen; Nr. 2, die nach den Vorschlägen von Haberland umredigiert werden soll, wird angenommen, ebenso Nr. 3. Stadtv. Leid(Soc.): Für die Scelsorge werden in den Krankenhäusern ganz verschiedene Aufwendungen gemacht. Friedrichshain giebt 3300, Moabit 1800, Urban 1500, Gitschiner- Straße 300 M. aus. Im Friedrichshain ist ein Geistlicher fest angestellt. Woher diese überraschende Ungleichheit, da doch z. B. in Moabit und Friedrichshain die Belegung nahezu dieselbe ist? Mir persönlich wäre es ja lieber, wenn der ganze Betrag zu Gunsten der Volksbibliotheken verwendet würde. Das gleiche Mißverhält- nis liegt bei den Ausgaben für den Unterricht kranker Kinder vor. In Moabit wird doppelt so viel gezahlt wie in Friedrichshain, während die Kindcrzahl in Moabit am niedrigsten ist. Es wäre doch wünschenswert, wenn der Magistrat sich aus diesen Gebieten die Aufstellung einheitlicher Grundsätze angelegen sein ließe. Der Etat für das Krankenhaus Friedrichshain wird darauf genehmigt. Vorweggenommen wird dann die Vorlage betreffend den Verkauf eines an der Schlüter-, Mommsen- und Niebuhrstraße in Cbarlottenburg belegenen(für das neue dortige städtische Theater bestimmten) Grundstücks. Die Vorlage gelangt unverändert zur Annahme. Die Etats für die Krankenhäuser Moabit, Urban. Gitschinerstraße, Kaiser und Kaiserin Friedrich- Kinderkrankenhaus passieren ohne Debatte. Auch bei dem Specialctat„Polizeikostcn im allgemeinen(Orts- Polizei) und Feuerlöschwesen" ergiebt sich keine Diskussion. Um',�10 Uhr wird die Beratung abgebrochen. ßcrlincr partei-Hncfclcgcnbeitcn. Erster Wahlkreis. Montag, den 14. März, abends 8 Uhr. findet bei Dräscl, Neue Fricdrichstr. 35, eine öffentliche V e r s a m m- l u n g des WahlvcrcinS statt. Rcichstags-Abgeordneter B u ch w a l d spricht über:„Innere und äußere Kolonisation". Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Teltow-Charlottenburq. Die Kassierer der Wahlvereine, wie überhaupt die Parteigenossen des Kreises, welche noch Listen für die C r i m in i t s ch a u e r W e b e r in Händen haben, werden ersucht, diese Liste» auf schnellstem Wege an den Unterzeichneten abzuliefern, an den ebenfalls Anfragen. Briefe und Gelder zu adressieren sind. W. Eberhard, Charlottenburg. Rosineustr. 3. Telephon: Charlottenburg 4606. Mohlsdorf. Allen Genossen zur Nachricht, baß am Sonn- abend, mittags von II— 1 Uhr, die Wahl zur Gemeinde- Vertretung(dritte Klasse) vollzogen wird. Trotz der nicht gerade günstigen Zeit wird es Ehrenpflicht eines jeden Arbeiters sein, zur Wahl zu gehen, damit die socialdemokratischen Kandidaten, der Gärtner Albert Trappe und der Bauunternehmer A n g u st W e h l i g siegen.— Genossen, macht auf der Arbeitsstelle die MahlSdorfer Kollegen hierauf aufmerksam. Das Wahlkomitee. Nicdcr-Schönhauscn. Die Gemein deVertreter wähl in der dritten Abteilung findet am Mittwoch, den 16. März. von 12— 3 Uhr im Liedemitschcn Lokal statt. Es ist Pflicht jeden Wählers, besonders aber eines jeden Parteigenossen, sich recht- zeitig einzufinden. Wenn jeder seine Schuldigkeit thut, ist der Sieg der socialdemokratischen Kandidaten sicher. Nieder-Schönhausen. Sonntag früh 8 Uhr Flugblattverbreitung zur Gcmeinderatswahl. Treffpunkt bei Schäfer, Waldowstraße Ecke Rkarthastraße. Pankow. Sonntagfrüh 8 Uhr Flugblattverbreitung zur Gcmeinderatswahl von folgenden Lokalen aus: Meiselbach. Kaiser Fricdrichstr. 71; Abcndroth, Mühlcnstr. 23; Dreßler, Flora- straße 33; Wolf, Wollaukstr. 23. Lichtenberg. Am Sonnabend veranstaltet der Wahlverein sein diesjähriges S t i f t u n g s s e st im Lokal von Höflich, Frankftrrter Chaussee 120. ES wirken nur erste Kräfte mit, u. a. die Konzert- sängerin Anni Bremer und das Pahlsche Doppel-Ouartctt sowie dos Berliner Sinfonie-Orchestcr. Es dürfte so den Mitgliedern und deren Freunden ein genußreicher Abend geboten werden. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Nicdcr-Schöneweide. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß der Wahlvcrcin am Sonnabendabend fl'/z Uhr im Kanterschen Lokale, Bcrlincrstr. 10, eine Versammlung abhält, in welcher ein Vortrag gehalten wird. Gäste haben Zutrrtt. Königs-Wusterhauscn. Am Sonntagnachmittag 2>/zUhr, tagt im Alte» SchützcnhauS bei Wedhorn eine Volksversammlung mit der Tagesordnung:„Socialdemokratie und Kommunalpolitil." Referent': Genosse Max Kiesel- Berlin. Alle Genossen und Genossinnen werden ersucht, für einen regen Besuch der Versammlung Sorge zu tragen._ Der Einbcrufcr. Lokaled. Aus der Stadtverordneten-Bcrsammlung. Wenn die zweite Lesung des StadthauShaltS- Etats in dem Tempo weitergeht, in dem sie gestern begonnen hat, dann kann das die längste Etatbcratung werden, die man je im Rathause erlebt hat. Als gegen'/«IC Uhr die Sitzung geschlossen wurde, war nicht niehr erledigt als die Etats der Kranken- Häuser, und alles übrige mußte auf die nächste Sitzung vcr- schoben werden. Die fast vierstündige Debatte hatte sich hauptsächlich um zwei Punkte gedreht: um eine im Etatsausschuß gegen die socialdemo- kratischcn Stimmen angenommene Resolution über die Er- s ch w e r u n g der Aufnahme auswärtiger Kranker und um eine im Etatsausschuß von den Socialdemokratcn beantragte, aber von den Freisinnigen abgelehnte Resolution über die Verbesserung der Lohn- und Arbeits» Verhältnisse des Pflegepersonals. Für die erste Resolution ersuchte der Ausschuß, über dessen Beratung der Stadt- verordnete Louis Sachs berichtete, da? Plenum um Zustimmung. Die zweite Resolution war von der socialdemokratischen Fraktion im Plenum erneut beantragt worden. Die Debatte wurde eröffnet durch unser» Genossen H e i m a n n, der scharf protestierte gegen die Absicht, die Aufnahme auS« wärtiger Kranker zu erschweren. Heimann bezeichnete das, was die vom Ausschuß angenommene Resolution fordert, als einen Schlag gegen das Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege, als eine Gcwattmaßrcgcl, die unwürdig der Stadt Berlin fei. Das einzig Erfreuliche dabei sei das. daß man mit diesem Plan endlich zugebe, wie arg der Platzmangel in den städtischen Krankenhäusern sei. den nian so lange zu vertuschen gesucht habe. Auf die wirkungsvollen AuSsührungcn des socialdemokratischen Redners antwortete als Vertreter des Magistrats Stadttat Weigert mit dem Versuch, den peinlichen Eindruck dieser rück- sichtsl»sen Gewaltspolitik abzuschwächen. Aus den Reihen der Mehrheit erhob dann ein Fachmann, der Stadtv. Dr. Landau („Alte Linke"), seine Stimme gegen die geplante Maßregel, aber sein Fraktionskollege, Stadtv. Wallach, der sich als Vater der Resolution bekannte, vertrat den Pfahlbürger- Standpunkt. daß Berlin gegenüber den Nachbarorten keine Rücksichten zu üben brauchte. Zu der im Ausschuß abgelehnten Resolution über das Pflege- personal sprach Genosse A n t r i ck. Auf den Bänken der Frei- sinnigen begann man mit lärmenden Unterbrechungen, als Antrick erklärte. Berlin habe wenig gethan, sich ein gutes Pflege- personal zu schaffen und zu erhalten. Was an der Lage des Personals gebessert sei, sei gebessert worden nur auf Betreiben der Socialdemokratie. Die kürzlich vom Oberbürgermeister ausgeplauderte Absicht, die Wärter allmählich durch Schwestern zu ersetzen, entspringe nur dem Wunsch, ein gefügigeres Personal zu haben. Gegen Antrick traten nicht weniger als drei Mitglieder des Magistrats nach einander auf den Plan. Oberbürgermeister K i r s ch n e r suchte seiner Bemerkung über die Schwesternfrage eine harmlosere Deutung zu geben und pries im übrigen die größere Befähigung der Schwestern. Stadtrat Weigert griff Antricks Aeußerung, daß die Lage des Personals etwas gebessert sei, eifrig auf und ergänzte sie durch eine übertreibende Schilderung. Stadtrat Straßmann wiederholte nur die Ausführungen seiner Kollegen. Stadtv. Nathan(„Social-Fortschrittler") sprang in der Schwesternfrage Herrn Kirschner bei, erklärte sich gegen die Resolution über die auswärtigen Kranken und sagte zur Resolutton über das Pflegepersonal nichts. Mit den Ausführungen der Stadtverordneten Rosenow („Neue Linke") und Haberland(„Alte Linke"), die wenigstens die Erstattung der vollen Selbstkosten den auswärtigen Kranken anferlegt wissen wollten, schien die Debatte ruhig zu Ende gehen zu sollen, als Herr K i r s ch n e r noch einmal das Wort ergriff und durch einen heftigen Ausfall gegen die socialdemokratischen Ge- meinde-Arbeiter einen neuen Streit entfachte. Herr Kirschner sprach von Verhetzung der Klassen, von gewaltsamem Umsturz der bestehenden Rechtsordnung. Derartige Bestrebungen, so erklärte der Oberbürger- meister unter stürmischem Beifall der freisinnigen Mehrheit, werde die städttsche Verwaltung unter den Gemeinde-Arbeitern mit allen Mitteln bekämpfen. Kein Mensch im ganzen Saale begriff, was dieser urplötzliche Ausbruch oberbürgermeisterlichen Grimmes zu bedeuten hatte und selbst Herr Cassel äußerte Verwunderung. Erst als Herr Kirschner einen Brief vorlas, durch den von Gemeinde-Arbeitern unter Drohungen ein Druck auf die Krankenhausverwaltung auszuüben versucht worden war, löste sich das Rätsel. Die Antwort unsres Genossen Singer ließ freilich den Oberbürgermeister bald erkennen, daß er, offen herausgesagt, eine großartige Dummheit begangen und sich selber eine klägliche Niederlage bereitet hatte. Singer tadelte mit aller Entschiedenheit das Borgchen der betreffenden Gemeindearbeiter und geißelte dann den Versuch Kirschners, diesen Einzelfall zu einer scharfmacherischen Socialistenhctze zu benutzen. Herrn Kirschners Ge- ficht wurde lang und länger, als auch seine freisinnigen Freunde ihn preisgaben. Die Resolution über das Pflegepersonal wurde abgelehnt— dafür stimmten nur die Socialdcmokraten—, die Resolution über die auswärtigen Kranken wurde in ihrem zweiten Teil angenommen. Um B!i0 konnte der Vorsteher Langerhans konstatieren, daß man nun mit dieser„Vorbemerknng zum Etat" ferttg sei. Das Wort nahm darauf noch unser Genosse Leid, um auf die merkwürdigen Ungleichheiten der Bezahlung der in den Krankenhäusern thätigen Pastoren und Lehrerinnen hinzuweisen, namentlich auf den Umstand, daß das Friedrichshain-Krankcichaus einen Geistlichen mit SS00 M. besoldet. Die Etats der vier Krankenhäuser wurden dann angenommen. Die Kunst unter Wilhelm II. Im letzten Heft des„Kunstwarts" befindet sich noch ein Beitrag von Avcnarius zur Kunstdebatte dcS Reichstags voll Bedauern darüber, daß sich der Kunstgeschmack des Kaisers vor neueren Talenten so verschließen konnte: „Ich will," soll Büloiv gesagt haben,„mit dem Kaiser über alles reden, imr nicht von der Secession." Hohe Offiziere sollen gelegentlich ihr Bedauern ausgesprochen haben, sich nicht in neuer Art ein- richten zu dürfen: der Kaiser könne sie einmal besuchen, und er be- trachte das als eine Opposition gegen sich. Da Wilhelm II. die Säle der Secession nicht betritt, oder wenn sich's nicht vermeiden läßt, schnell ohne Aufenthalt durchschreitet, so kennt er von ihr aus eigner Anschauung nicht viel. Wie ist seine unbedingte Abneigung gegen sie zu erklären? Vergegenwärtigen wir uns die Reden und Handlungen des Fürsten, die ihn mit bildender Kunst in Berührung zeigen, von Anfang an, so finden wir außerordentlich stark bei ihm die alte Auffassung von der Wichtigkeit des Stoffes, von der K u n st als Dienerin, sei es der kirchlichen, sei cS der vaterländischen und, besonders, des d h n a st i s ch c n Interesses. Wenn er das Genie Menzel feierte, so feierte er doch auch das Talcntchcn Werner, und schwerlich wagt sich die Annahme zu weit, daß er Werner, den Hohenzollernmalcr, mehr als Menzel ehren würde, wenn Menzel nicht Hohen zollern. sondern dem Kaiser unsympathische Persönlichkeiten verherrlicht hätte. Zu diesem Elemente des kaiserlichen Kunstgeschmacks kommt als Zweites, so viel wir sehen, die Freude mn Festlichen, Prunkvollen, Rhetorischen, in irgend einem Sinne Dekorativen, wobei Wilhelm II. die Grenzen nach dem bloß Theatralischen hin anderswo sieht, als wir. So bildete sich ein Kreis von Männern, um teils durch ihre Arbeit, teils durch ihre Informationen den Kaiser zu unterstützen, von denen, da Menzel schon wegen seines Alters kauni in Frage kommt, kein einziger unter den Kunstverständigen der Nation das gleiche Auschen wie beim Kaiser genießt: Werner, Begas, Ebcrlein, Raschdorff, Knackfuß usw. Was sie malten, modellierten und bauten, führte bei gewaltigen Auf- weudmrgcn künstlerisch von Mißerfolgen zu Mißerfolgen: ich spreche nur die Worte aus: Nationaldcnkinal. Gedächtniskirche, Sicges-Ällce, Dom, Wagner-Denkmal, Gruppen am Brandenburger . Thor, um an eine Reihenfolge von künstlerischen Leerheiten zu er- innern. Nicht unwichtige„Kleinigkeiten", wie unsre schlechten Münzen und unbegreiflich schlechten Briefmarken sorgten dafür, die Berliner Hofkunst im ganzen Reich und über seine Grenzen hinaus der Verwunderung preiszugeben. Aber nicht nur die Leistungen„seine r" Künstler begegneten inuner allgemeiner ab- lehnender Kritik, auch der Widerspruch gegen die Urteile des Kaisers in Sachen der Knifft wuchs im Volk, je mehr er in der Nähe des Thrones zu v e r st u m m e n schien. Wir haben wiederholt von dem Einfluß gesprochen, den das Umschmeicheln, als handle sich's um ein Universalgenie, auch auf den bevorzugtesten Geist ja aus- üben muß. dieser Mangel an mündlicher Gegenrede, dieser Uebcrfluß an servilem Zustimmen, welche auch den edelsten Gcdankenstahl am Schärfen Klinge gegen Klinge verhindern. Kommt hoch heraus- gehobene Stellung und ungewöhnliche Begabung hinzu, so ist das erhöhte Sicherheitsgcfühl erklärlich, mit dem man auch zu folgen- schweren Urteilen in Sachen der Kunst die Berechtigung im� eignen Gcschmacke findet. Fühlte keiner im Verkchrskreise des Kaisers die Pflicht, hierüber aus Ergebenheit für seinen Herrn zu sprechen? Das Märkische Museum hat eine anmutende Bereicherung er- halten in Gestalt von Skizzen aus dem alten Berlin vom Maler Max RabeS. Der Künstler hat die aus seiner Frühperiodc stammenden Blätter, Aquarelle und Bleistiftskizzen dem Museum zum Geschenk gemacht. Es sind Motive aus den kleinen Gassen und Gäßchen. an deren Stelle die schöne breite Kaiser Wilhelmsttaße ge- treten ist. Für den Personenverkehr auf der Havel und ihren angrenzenden Zeen wird in diesem Jahre die Gesellschaft„Stern" in Potsdam zwei große, elektrisch betriebene und mit Scheinwerfern versehene, den modernsten Anforderungen genügende Fahrzeuge in Betrieb stellen, die bis Spandau den Verkehr in abgekürzter Fahrzeit der- Mitteln werden. Außerdem werden auf der Havel bei Potsdam, dem Griebnitzsce und dem fertigen Teil des Teltowkanals einige neue Personendampfer resp. Motore des Kreises Teltow verkehren. An der Glicnicker Brücke wird eine große Landungsbrücke zum Umsteigen errichtet. Unter dem Verdacht des Kindesmordcs wurde die 24 Jahre alte Martha Arafat, die in der Brücken-Allee diente, verhaftet. Das Mädchen fiel durch ein verändertes Wesen auf. Es wurde festgestellt, daß eS geboren und das Kind in einem Eimer weggetragen hatte. Die Verhastete Ivurde zunächst als Polizeigefangene in einem Kranken- hause untergebracht. Zu dem Familiendrama in der Wilhelmstraste sei anders lautenden Nachrichten gegenüber untgeteilt, daß Zeit und Ort der Beerdigung der Familie Beseke noch nicht festgesetzt find. Vor dem Hause in der Wilhelmstraße sammelten sich noch fortwährend Ren- gierige. Auch vor dem Schauhause in der Hmrnoverschen Straße fanden auf die falsche Nachricht, daß die Leichen dorthin gebracht worden seien, große Ansammlungen statt, zu deren Zerstreuung die Hilfe der Rcvierpolizei in Anspruch genommen iverdcn mußte. In der Wohnung Bcsckes wurde eine große Flasche mit Resten des Giftes beschlagnahmt. Sie scheint früher Fruchffaft enthalten zu haben. Weseke hatte darin eine solche Menge Cycmkali in Wasser aufgelöst, daß er damit noch viel mehr Personen hätte vergiften können. Ein schwerer Unglücksfall ist durch grenzenlosen Leichtsinn herbeigeführt worden. Ein Stallmann H. Karsten wollte mir einem Kollegen, dem Srallmann Meinhold, den Fahrdamm der Straße Alt-Müabit überschreiten. Da kam ein Straßenbahnwagen der Linie 14 in mäßiger Geschwindigkeit. Während M. stehen blieb, nni den Motorwagen vorbeizulassen, äußerte Karsten:„Ich werde doch versuchen, ob ich nicht noch vorbeikomme", und lief kaum ein Meter vor dem Wagen ans die Schienen. Obwohl der Fahrer sofort Gegen- ström gab, konnte er das Unglück nicht mehr verhindern. Der Stall- mann wurde niedergerissen und geriet unter die Vorderplattform, vor den Schutzrahmen, an dem sich seine Kleidung festklemmte. Um den Unglücklichen zu befreien, mußte der Straßenbahnwagen mit Hilfe von Passanten angehoben werden.— Karsten hatte einen Schädelbruch, Verletzungen an dem rechten Knie und der linken Schulter erlitten und wurde nach dem Krankenhause Moabit gebracht. Bei der Rettung seines Offiziers ist ein Berliner Seemann ums Leben gekommen. Der Schuhmachermeister Ouestcr, Wilhelmstr. 4, hatte vor 25 Jahren einen Waisenknaben als Pflegesohn ange- nonnnen, den damals ein Jahr alten Arbeitersohn Georg Stadie, der bald nach seiner Geburt beide Eltern durch den Tod verloren hatte. Hcrangelvachsen, wurde der Knabe Seemann und stand seit acht Jahren im Dienste einer amerikanischen Gesellschaft. Zuletzt war er Maschinist auf dem Frachtschiff„Northtow". Als sich dieses am I. Februar auf der Fahrt nach Neu- Orleans befand, tvurde im Ofsizicrsraum unter Deck ein Gasbehälter schadhaft. Der erste Offizier, der sich in dem Raum befand, hatte nur noch die Kraft, das elektrische Läutewerk in Thätigkeit zu setzen. Fünf Mann von der Besatzung eilten zu Hilfe, kehrten aber unverrichteter Sache von dem mit Gas dicht angefüllten Raum zurück. Stadie drang aber durch, holte den Offizier heraus und brachte ihn auf Deck. Hier brach er bewußtlos zusammen und starb zwei Stunden nach Vollendung des Rcttimgswerkcs, während der Gerettete sich nach und nach wieder erholte. Gestern erhielten die Pflegeeltern die Mitteilung von dem Heldcntode ihres braven Sohnes. Glasschciben-Diebe. In der Weserstraße zu Rixdorf nahm ein Schutzmann drei Männer fest, lvelche schwer mit Fensterglas beladen waren, über dessen Herkunft sie widersprechende Angaben machten. Das Kleeblatt wurde der Kriminalpolizei zugeführt, welche in dem- selben drei Berliner Spitzbuben feststellte, deren Specialität seit Jahren das Stehlen von Glasscheiben ist; es sind die Glaser Köhler, Lcndeckel und Boie. Das ihnen abgenommene Glas hatten die drei aus einen: Rixdorfer Neubau entwendet. Die Diebe wurden dem Amtsgerichtsgefängnis überwiesen. Ei» Bühncnproilem. Die deutsche Grammophon-Gesellschaft führte gestern im S ch i l l e r- T h e a t e r in der Wallner-Theater- straße ein originelles Experiment vor. Daß die Edisonsche Er- findung des Phonographen in den letzten Jahren bedeutend vcr- Vollkommnet worden ist, haben mannigfache Vorführungen gezeigt; doch niemals trat hierbei ein praktischer Zweck ans Licht. Immer handelte es sich um mehr oder iveniger amüsante Spielereien, die nur der Unterhaltung zu dienen hatten. Die deutsche Grammophon- Gesellschaft hat nun die Idee gefaßt, ihre Instrumente als arbeit- sparende Maschinen der Bühne dienstbar zu machen. Es trifft sich im Schauspiel etwa, daß hinter der Bühne ein Sänger sein Lied ertönen lassen ,nuß. Dieser Sänger mußte bisher gegen»nehr oder minder schweres Geld eigens für den gedachten Zweck engagiert werden. Jetzt Übernimmt das Grammophon die Arbeit. Die Arie„Lodernd zum Himmel" aus dem„Troubadour" wurde vom Grammophon unter den erwähnten Umständen vorgettagen, und die geladenen Zuhörer hatten um so mehr Ursache, in Entzücken zu verfallen, als der be- rühmte Italiener Tamagni zu der Aufnahme„gestanden" hatte. Ztoch mehr Arbeit kann gespart werden, wenn das Volk hinter der Scene zu murren hat. Fortan brauchen in diesem Falle keine zehn Mann mehr„Rhabarber" zu rufen; das Grammophon besorgt den Spektakel viel weniger umständlich und mit aller nur gewünschten Arttkulatton der Stimmen. Eine Revolntton, wie sie im Buche steht, wurde von dem unscheinbaren Apparat vorgeführt; Ansprachen, Beifallsrufe, Zwischenreden, Widerstreit der Meinungen, Spaltung der Parteien, der Ruf nach Waffen, das Läuten der Sturmglocken, kurz die ganze Stufenleiter des Befreiungskampfes kam hinter der Scene deutlich zum Ausdruck. So ging es in mannig- fachen Variationen weiter. Daß die zu der Borführung erschienenen Künstler weidlich auf die Konkurrenz schalten, versteht sich. Aber auch ihre Arbeitgeber, die Thcaterdirekloren, äußerten Bedenken. Sie meinten mit gutem Grund, die Sache sei nicht immer so zu schieben, daß aller Lärm hinter der Scene bliebe; die leidige Unsähigkcit des blasierten Publikums, in Illusionen zu ge- raten, werde sich protestierend äußern, wenn im Drama statt des erregt murrenden Volkes das Grammophon auf der Bühne erscheine. So ist in diesem Falle die Masse dem Fortschritt hinderlich. Aber ganz ohne Nutzen ist das Grammophon doch nicht für die Theater- leitung. Man kann dem Sänger mit dem Apparat drohen, ivenn er seine Laune bekommt und einmal nicht singen will, und bei Plötz- lichen Ausständen üppig entlohnter Statisten und Choristen, die bekanntlich schon dagewesen sind, kann das Gram- mophon Strcikbrccherdienste verrichten. Eine nach kapita- listischen Grundsätzen dirigierte Bühne sollte sich für alle Fälle vorsehen und dein Grammophon als vrdnungsstützendcS Element nicht hochmüttg die Thüre weifen. Um irgendwelchen Miß- deutungen vorzubeugen, erklären wir allerdings ausdrücklich, daß wir einen solchen Ausstand im„Betriebe" des Herrn Direktor Loewenfeld am tvenigsten erlvarten. Ein Vortragsabend der„Bereinigung: Die Kunst im Leben dcS Kindes" findet Dienstag, den 13. März, abends 8 Uhr, im Bürger- saale des Rathauses statt. Herr Dr. Theodor Flatau wird über „Die Kultur der Stimme" sprechen. Eintritt nur für Mitglieder frei; für Nichtmitgliedcr Eintrittskarten zu 30 Pf. erhältlich bei Keller u. Reiner. Potsdamerstr. 122, in den Buchhandlungen von Amelang, Potsdamerstr. 126 und Kantstr. 164, Winckelmann, Friedrichstr. 6, Späth, Königstraße, gegenüber dem Rathause, sowie in der Geschäftsstelle der Vereinigung, Achenbachstr. 2. Arbeiter-Bildnngsschule Berlin. Ten Teilnehmern am Kursus für Nationalökonomie zur Kenntnis, daß der Unterricht am Montag, den 14. d. M. ausfällt. Der nächste Untcrrichtsabcnd ist am Montag, den 21. d. M. /Zus äen I�ackbarorten. Die Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlnng bdgcmn am Mittwoch die zweite Lesung des Stadthaushalts-Etats. Beim Etat der Armcnverwaltung wurde u. a. beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, die Gehaltsbczüge der Armenärzte im Interesse einer Er- höhung einer Revision zu unterziehen. Weiter Ivurde ein Antrag angenommen, der den Magistrat ersucht, über die Frage betreffend die Auslegung von politischen Zeitungen in den Lesezimmern der Volksbibliothek Erhebungen anzustellen. Ein Antrag Kaufmann (lib.) fordert den Magistrat auf, die Errichtung eines Ledigenheims in Erwägung zu ziehen. Wie Oberbürgermeister S ch u st e h r u s erklärte, ist es vielleicht möglich, daß die Stadt ein Ledigenheim baut, ivenn die Alters- und Jnvaliditäts-Versicherungsanstalt das nötige Kapital leihweise hergicbt. Bmm Etat der Stiftungen und Ver- mächtnisse endlich gelaugte ein Antrag Dr. Zepler(Soc.) zur Annahme, daß über die Verwendung der Mittel der Christschen Stiftung(zu Freibctten im Krankenhause) und über die in Betracht kommenden Grundsätze genauere Rechenschaft abgelegt und zugleich von Zeit zu Zeit auf die Existenz dieser Stiftung aufmerksam gemacht wird. In seiner Begründung wies der Antragsteller darauf hin. daß es hauptsächlich deshalb notwendig sei, auf diese Stiftung aufmerksam zu inachen, damit die Bevölkerung von diesen Freibetten Gebrauch macht und nicht der öffentlichen Armenpflege anheimfällt. Zur Schmargcndorfcr Gcmciiidcwahl wird uns berichtet: Bei dieser Wahl hat die„Amtspartei" mit den größten Anstrengungen gearbeitet, ohne aber den Sieg zu erringen, sie kommt zum ersten- mal mit der Socialdemokratie in Stichwahl. Der Kandidat der bürgerlichen Opposition ist unterlegen. Von der Thatkraft und Rührigkeit der Arbeiter in den nächsten Tagen wird es abhängen, ob endlich das kontrollierende und belebende socialdemokratische Element für die Zukunft in der Gemeindevertretung mitwirken wird. Wohl wissend, daß die Mehrheit der E i n w o h n e r von der „Amtspartei" nichts wissen will, ließ man den Kandidaten Herrn Klempnermcister Schitting zunächst unter der falschen Flagge des Vertreters„unabhängiger Wähler" segeln. Die„Amtspartei" wurde vom Gemeindevorsteher in jeder Weise begünstigt und unterstützt. Zu ihren Gunsten wirkte die für die Arbeiter�ungünstige Wahlzeit. Nach Forcnsalstimmen, die fast die Hälfte der amtsparteilichcn Stimmen betrugen, wurde eine Jagd eingeleitet, deren Wirksamkeit man dadurch steigerte, daß nicht Private, sondern die Gemeinde- sekretäre sie vornahmen. Sogar in Händen der Gegner befindliche Forensalv ollmachten jagten die Herren unter Benutzung hekto- graphierter Formulare diesen wieder ab. Das_ Interesse für die kommunalen Angelegenheiten ist bei den hiesigen Arbeitern gestiegen. Trotz der schlechten Wahlzeit vermehrten sich unsre Stimmen. Durch Besetzung des Wahlvorstandes mit Parteigenossen wurde die Absicbt der Amtspartei und ihrer Förderer, auch die Stich- Wahl ungünstig für uns anzusetzen, vereitelt. Mit stolzen Hoffnungen setzen wir den Kampf, in dem wir auf energische Unterstützung der hiesigen Arbeiter rechnen, fort. Die Stichwahl erfolgt am Freitag. den 18. Marz, nachmittags von 5—8 Uhr im Rathans. Die Rixdorfer Stadtverordneten- Versammlung beendete am Mittwoch die Etatsberatung. Ein großer Teil der Sitzung wurde ausgefüllt durch die Feststellung des Steuerplans, wobei die Erhöhung der Umsatzsteuer für unbebaute Grundstücke im Vorder- gründe stand. Die Magistratsvorlage sieht 1 Proz. des Umsatz- wertes für bebaute(wie bisher) und 2 Proz. für unbebaute Grund- stücke(bisher 1 Proz.) vor. Bekanntlich halte der Magistratsanirag ans entsprechende Aenderung der Umsatzsteuer-Ordnung bereits im Januar einen heftigen Streft entsacht, in dem fast nur die Social- demokraten ans Seiten des Magistrats standen. Damals überwies man die Angelegenheit dem Etatsausschuß. Dieser schlägt l'/z Proz. für nnbcbailte Grundstücke vor. Einer der heftigsten bürgerlichen Streiter. Stadtv. Abraham, erklärte sich nun jetzt bereit, die Streitaxt zu begraben und l'/j Proz. zu bewilligen, wenn der drohende und angekündigte Konflikt so durch Vergleich vermieden werden könnte, obwohl er im Princip immer noch meinte, besser wäre das Festhalten an 1 Proz.— Stadtv. K o Y tritt auch für IVz Proz. ein.— Oberbürgermeister B o d d i n gießt zu, daß die Etatsverhältnisse diesmal allerdings günstiger ständen, weist aber zugleich nach, daß unter anderm zwei ganz erhebliche, sich nicht wiederholende Ein- nahmen(eine Uebernahme aus dem Vorjahre und Zinseinnahmen aus nicht verbrauchten Anleihebeträgen usw.) dabei mitwirkten. Andrer- seits sei zu berücksichttgen, daß für 1363, besonders aber für 1906 zur Erftillnng wichtiger kommunaler Aufgaben viel größere Ein- stellnngen in den Stadthaushalts-Etat erforderlich sein würden.— Stadtv. Wutzky(Soc.) findet in Uebereinstimmung mit seinen Fraktions« genossen, daßdiesmal derMagistrat der beffereHanSvatersei. indem er sich zum Motto mache:„Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not". Es sei ganz richtig, nicht zu sagen, man habe, nur mit dem Jahre 1904 zu thun. Seine Fraktion stehe auf dem Boden der Magistrats- Vorlage. ES sei in Rixdorf noch ungeheuer viel zu thun. Eine den städtischen Körperschaften überreichte Nachweisung der Lehrerschaft beweise, daß Nixdorf noch sieben Volksschulen fehlten, um allen Verpflichtungen nachkommen zu können. Man habe also Geld sehr nötig. Bei zwei Prozent Umsatzsteuer ließe sich vielleicht die Lust- barleitSsteuer streichen. Außer Wutzky trat noch Conrad(Soc.) für zwei Prozent ein. Er legte noch einmal die schon im Januar dargelegte Stellung der Rixdorfer socialdemokrattschen Frak- tirni zur Umsatzsteue�dar und nahm damit Herrn Abraham, der sich mit dem„Vorivärts-Bericht über die Singcrsche Rede in Berlin bewaffnet hatte, den Wind aus den Segeln.— Der Antrag des Magistrats wurde gegen die Stimmen der Socialdemokraten ab- gelehnt und darauf einsiimmig die Festsetzung der Umsatzsteuer für unbebaute Grundstücke auf l'/z Proz. und für bebaute Grund- stücke auf 1 Proz. beschlossen. Der Zuschlag zur Einkommensteuer wird aus 130 Proz.(bisher 150 Proz.) und der zur Grund- und Gebäudesteucr auf 223 Proz.. der zur Gewerbesteuer auf 200 Proz. festgesetzt. Die von den Socialdemokraten und Herrn Gröpler beantragte Beseitigung der L n st b a r k e i t S st e u e r wird abgelehnt. An Bierstcuer sollen 30 Proz. Zuschlag zur Brausteuer von dem im Stadtbezirk gebrauten Bier und 0,65 M. pro Hektoliter vom eingeführten Bier erhoben werden.— Während der sehr lebhaften Verhandlung kam es zu einigen Reibereien zlvischen den Mitgliedern der großen bürgerlichen Fraktton, die den Socialdcmokraten vielen Spaß bereiteten, zum großen Mißvergnügen ihres mehrmals als Ankläger und dann wieder als Friedenscngcl sich produzierenden Anführers Abraham. Mit der Erledigung der Gehaltsfestsetzungen in geheimer Sitzung wurde dann der ganze Etat erledigt. Im Ordinarium balanziercn Einnahme und Ausgabe mit annähernd vier Millionen Mark, im Haupt-Extra-Ordinarium mit lO'/z Millionen Marl. Lichtenberg. In der Kreutzigerstraße fand am Dienstagabend ein Wohnungsbrand statt, der zum Glück für die übrigen Haus- bewohner rechtzeitig bemerkt wurde. Die freiwillige Wehr des ÖrteZ, die dem Feuer mit Bravour auf den Leib rückte, entdeckte, daß zwei Brandherde und zwar in der Vorderstube und in der Hinterstube dcS Konfcktionsschneiders Klein sich vorfanden. Die Wohnung wurde versiegelt und auf den abwesenden Inhaber wird gefahndet.— Eine Kindesleiche mit vom Rumpfe getrennten Kopfe wurde in der Nacht zum Mittivoch in einem leeren Abteil der Stadtbahn auf dem Bahn- Hofe Lichtenberg-Fricdrichsfelde aufgefunden. Dem Funde scheint.ein in Berlin verübter Kindesmord zu Grunde zu liegen. Franz.-Buchholz. Bei der Gemeindewahl am Donnerstag wurde in der dritten Abteilung Postvorsteher Bauermeistcr(Bürgcrpartei) mit 103 Stimmen geivählt. Eigentümer Pohl(Socialdemokrat) er- hielt 52 und Landwirt Grotke(Bürgerverein) 13 Stimmen. Zchlendorf. Bei der gestrigen Gemeindcwahl wurden in den beiden zur Wahl stchenden Bezirken die bürgerlichen Kandidaten gewählt. Im ersten Bezirk erhielt der socialdemokrattsche Kandidat Jäckel 83 gegenüber 171 gegnerischen Stimmen. Im zweiten Bezirk entfielen aus Genossen Göhre 107 Stimmen und mit der nur geringen Majorität von 19 Stimmen siegte der Gegner. Die social- demokratischen Stimmen sind gegenüber der vorigen Wahl stark gestiegen. pn 5chöneberg. Soanaden«!. Sei» IS. Aiir-, »boniZs 8 I7Zir: SocialÄemokpatßsekep Maklve�ein. lK.ecitations»)ZbenÄ Im Obst'schcn Fest-Saale, Meiningerstr. 8. Zum Vortrag gelangt:„mfaclitasyl" von Maxim Qorki. Recitator: Knill Walkotte. Entree: SO Ffg.— Nachdem: Tanzkriinzchen. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 30 Pfg. nach. KmhWdmrkcr-KriiillitiiliO für Kttlin und Umgegend. (Eingeschriebene Hilsslnfse Nr. 118.) Tonntag, den 37. März 1901, vormittags 10 Uhr, im Saale des Herrn Frih Milte, Lrunnenstrage Nr. 188: Ordentliche General-Bersammlnng. Tages-Orduung: 1. Bericht des Vorstandes und Ausschusses, Abrechnung des Kassierers sowie RevisionSbcricht. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes, 1 Borsitzenden. 2. Kassierers, 1 Beisitzer und 4 Ersatzmänner; Wahl des Ausschusses und 4 Ersatzmänner. 3. Beschluszsassung über die Aendcrungen der KZ 20 und 27 der zweiten geprüsten Natzungen. 4. Wahl eines Hilsstassiercrs sür Moabit. 5. Innere Kassenangelegcnkeitcn. � 38/14* PW Mitgliedsbuch legitimiert.~WB Ter Borstand. Der Ausschuß. I. A.: H e i n r t ch M c tz l e. I. A.: O t t o P a n z e r. NB. Die General-Versammlung, welche am 14. Februar stattgesunden hat, ist von der Aujsichtsbehörde beanstandet. S�V. Lindenstraste 69, Laden. in tmmmm Berlins und Clnigegcnd. Tonntag, den 13. März 1904, vormittags 10 Uhr: Mitglieder Uerfammlung bei vrttsel, Neue Friedrichstrahe 33. TageS-Ordnung: I. Vortrag des Genossen He. IVollhefm über:„Lebenshaltung nnd Menschenrechte. 2. Diskussion. 3. Beratung und Bcschlutzsassung über die zurückgestellten Anträge. 4. Berschiedencs. lb/7 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Borstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Freitag, abends S'/; Uhr, im GcwerkschaftShause, Engel-Nfer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. MÜEl1 TrWciigrlliiidkr-FlibriKcii. i�üi! Sonntag, den 13. März, vormittags 10 Uhr. im„Königstadt-Kafino«, Alexander- und Holzmarktstrasien> Ecke: Kranchen- Uersammlnug der in Treppengeliinder-Fabnken beschlift.Albriter aller Srauchen Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Kom- Mission. 4. Berschiedencs. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die KommtHsion. Achtung! Einsetzer. Achtung! Sonntag, den 13. März, vormittags 10 Uhr, finden in den bekannten Lokalen die Bezirkssltznneen statt. Montagabend 8 Uhr: Konunissionssltzang: im GewerkschaftS- hauS. 80/3 Der Obmann. Dr. Simmel, lZniT,: Spcrtalarzt für(76/16* Hant- nnd Harnleiden. 10—2, 5— 7. Sonntags 10—12 2— 4. Dr. Schünemann Jpecialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, Seydclstr. O. VjlÄ-'/sU,'/«O—'/j». Sonnt. 9-11 Mein reizendes Yillengrandsttlck, Baustelle, Berliner— Vorortverkehr— waldige, ozonreiche Gegend, Angelgelcgcnheit, fischreiches Wasser, verkaufe um- »tiindehalber billig; mit 1000 Mark Anzahlung. Offerten unter G. V. 297 an Rudolf Messe, Berlin, Leipzigerstr. 103. 77/10* Schriften von Karl Man: DaS Kapital. Kritil der politischen Lckonomie. 233/1* 1. Bd.: Der Produktionsprozeß des Kapitals. 4. Ausl. M. 9,—; in Halbsrz. gebd. M. lt.— 2. Bd.: Der Cirkulationsprozesi des Kapitals. 2. Ausl. M. 8.-; in Halbsrz. gebd. M. 10,— 3. Bd.: Der Gesamtprozesi der kapitalistischen Produktion. Zwei Teile. M. 10,—; in Halvsrz. gebd. M. 14.— Die Klaiscnkämpfe in F/rankreich 1848—50. Mit einer Einleitung von Friedrich Engels. M. I,— Der Bürgerkrieg in Frankreich. Adresse des Generalrats der Jnicr- nationalen Arbeiter- Association. W.-,30 Enthüllungen über den Komnni- nisten- Prozest zu Köln. Mit Einleitung von Fr. Engels und Dokumenten. Dt.— ,25 Lohnarbeit und Kapital. Separat- abdruck aus der.Neuen Rheinischen Zeitung" vom Jahre 1849. M.—,20 Das Elend der Philosophie. Antwort aus ProudhonS„Philo- iophie des ElendS". Deutsch von Ed. Bernstein und K. KautSky. Mit Vorwort und Noten von Fr. Engels. Brosch. M. 1,50: gebd. M. 2,— Marx vor den Kölner Ge- schworeuen. Prozesi gegen den Ausschusi der rheinischen Demo- traten wegen AusrusS zum bc- wasineten Widerstand(9. Febr. 1849). Mit Vorwort von Fr. Engels. Neue Auflage. M.—,20 Revolution und Konter-Revo- lution in Teutschland. Deutsch von Karl Kautsky. Brosch, M, 1,50; gebd. M. 2,— Ter 18. Brumair« des LouiS Bonaparte. M. 1,— Empfehlen unser helles u. dunkles Tafelbier: Gambrinusbräu(Münchener) Nepomukbräu(Pilsener) Sllbmisehes Srauhans no. Fass• Abteilung: I-aiidsberixor Allee 11/18. T. VII. 5088. Flaschen-„ Frleden-Strasse 93. T. VII. 1670. Unsre Original-ibzug-Flaschenbiere in fast allen Kolomalwaren-Randlungen. Kantine 2im übernimmt sofort kinderloses Ehepaar Friederici, winibaid Aiexisstr. 42. 4398L* nbyepnntite Fenster, «ein» nnd creme '■•2", 3, 4°» Kies. Scecssions- 185 Tüll-Stores �■ Gestickte echte w E6S Spachtel-Stores'® Goldfarb. reich- wcstickte Krbs- w>B35 tmi-StoreN � � Gardinen-Specialhaus 0ranleBslr.l68,,"s."" «ardhai-Äiffll�s* gratis nnd franco. ♦ Berlin. Kricdrlchstr. L18, neben Apollo-Theater links) Dentarium Kunsttecbniscbcs Institut für Zahnersatz, Plomb. etc. Beste Miisii. Zähne a.weit I» aE: das heisst Zähne mit echt Platinastiiten. lOjähr. Garantie! gänzlich ausgeschlossen, denn wir MISS trauen verpflichten uns, bei Nichtpassen volles Geld zurückzuzahlen! 4474L* SMT' Unverlangte Anerkennungsschreiben seit. Kgl. preuss. appr. Zahnärzte u. Mediziner beweisen unsere Leistungsfähigkeit! Grosse Freiburger Qombaa-Lotterie. Ziehung: 23— 26. JÄärz. Haupttr.: 100 000, 40 000. SO 000, lO 000 M. usw. los-- 3.30 i,»Zell»,,«Är, Mainz. i>S* Möbelfabrik. Sx 5>ie besten nnd billigsten Wolmungs- Einrieh tungen kaufen Sie bei ■■■ WM■■ BERLIN SO., JllllllS Apeit, Tischlernieister, Skalitzerstrassc 6, jß'am Kottbnser Thor. [deine /Inzeigen. M r als is Buchstaben zählen i'nnn.-ii �MMMD Jm___* Strasse 6 Anzeigen �umm�rd'n i den Annahmestellen ßlr Berlin bist Uhr, fiir die Vororte bis 1 2 Uhr, in der Hauplexpeditlon Linden Strasse 69 bis J Uhr aneeno ■ angenommen. ehste jk eerden trlln M Verkäufe. Restauration, gut gehend, krankheitshalber sofort preiswert verkäuflich Brunneiistrasie 149. 22610 �GardiuenhauS Große Frankfurter. strasie 9, parterre._+37* Vorjährige Herrenanzüge, Sinter- palelots, Beinkleider, aus seinsten Masistosscn spottbillig täglich, Sonn- tagsoerlaus, Deutsches Versandhaus, Jägerstraße 63, 1, 208311* Anzugreste 8,00, Hosenrefte 3,00, Restcrhandlung, Lichtcnbcrgersttaße 9. Teppiche! lseblcrhaste) in allen Größen iür die Halste deS Wertes im Tcppichlager Brünn, Hackeicher Markt 4. Bahnhol Bärsc. Jackettanzüge. herabgesetzt, spottbilligst. Haus Weidcnwcg 19. Wwicrpaletots Psandleih- t47* Betten. Bettslücke, Aussteuer- Wäsche, spoitbilllg. PsandlethhauS Weideuweg Iii_+47* Steppdecken, Tisch Gardinen, decken, Spottpreise. Wcidenwcg l9. PsandleihhnuZ +47* Teppiche, Spottpreise. weg lg._ Damcnsachen, Inlette, Psandlcihhaus Weiden- Remontoiruhren, Regulateme, Freischwmger. Psandleihhaus Weiden- weg 19._+47* Väulentrnmeau, geschlissen, vierzig Marl, elegantes Paneclbrett sechs Mark. Skaußbergerstraße 6a I. Auswahl, Sofas, größte Auswahl, von 21 Mark an, direkt in der Fabrik Blumcnstraße 35 h. 2174K* Ältaunend billig verkaufe meine aus 4 Zimmern bestehenden Möbel, Plüschtaichensasa 38.—, Paneelsoja, MuscheibeUeu mit Federmalratzen 3?,—, Teppiche, Gardinen. Tisch- decke», Verschiedenes. Schönhauser Allee 55, parterre. 2430b* 91 be fflni erbni nnen von 8,— an, Erdbohrer leihweite. Woljs, Pumpen- jabrik, Ackerstraßc 113. 2299b Asche lgestebte) sür Coaks-Aschen- Wände, Ri+dors, Bnliuerftraße 10/l1> Telephon 2lmt 4, Nr, 177 und 9806. Möbelverkauf, meiner Möbel- Eabrik, Gneisenaustraße 15, am allcschen Thor, stehen viele Woh- nungs-EiM'Ichtnngen, verliehen gc- wescne und neue'Ausstattungen zum sehr billigenAiertaus. Teilzahlung bei ganz gerinMr Anzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. Ich liejerc gediegene Einrichtungen sür 150. 200, 300, 400 Mark, hochelegante von 500 bis 10000 Mark. Ganz besonders empfehlenswert ist der große Vorrat verlicheu gewesener und zurückgesetzter Möbel, die noch säst neu und im Preise bedeutend herabgesetzt sind. Kleiderspind 24, Kommode 13, Sosa mit Auszug 30, Bettstelle mit Matratze 20, Muschclipinde, Vertikos 36, Salongarnitur. Plüschgarnitiircn 105, Muschclbcttstellcn mit Matratzen 40. geschnitzte BüssettS. Bücherspinde. Pancelsotas mit Satteltaschen 85, Schuidiisch 40, Englische �Schlafzimmer, Speisezimmer, Salons, auch Jugendstil,_ 21773* �Linoleum. Tapeten, Wad>sluchc, Liiioleum-lläuser, Linoleum-Teppiche, Neste. Holzmarttstraße 19. 2306I>* Teppiche mit Farbensehlern Fabrik» Niederlage Große Franksurterstraße 9, parterre.+37* Fahrräder, Teilzahlungen, 125 Mark, Jnvalidcnstraße 148 sEtngang Bergstraße), Skalitzersttaße 40, Große Franlsurterstraße 56. 21553* Rähmaschiacn ohne Anzahlung, bis 10,00 Vergütung. Postkarte. Brcitholz, Rodenbergstraße 39.+78* Nähmaschinen sämtlicher Systeme ohne Anzahlung. Woche 1,00. Postkarte genügt. Frankfurter Allee 10, am Ringbahnhos,+142* Nähmaschiuen, gebrauchte, Wheeler-Wiison von 8 Mark und Langschifs von 10 Mark an. Bell- mann, Gollnowslraße 26. 2055K* Deutsche Dogge, 11 Monat, ver- kauft Etzel, Lppclnerstraße 16.+22* Vorjährige hochelegante Herren- anzüge und Paletots aus feinsten Maßstostcn, 25 bis 40 Mark. Zurück- gefetzte Anzüge, Paletots, Beinkleider, Havelocks. Gummimäntel, Joppen werden für die Hälfte der bisherigen Preis« verkauft." Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. 2l66Ä* >Mingschisschen, Bobbin, Schnell näher, ohne'Anzahlung. Woche 1,00, gebrauchte 12.00. Köpiiickerstraße 60/61, PmizlmierstraHe 59/60 und Große Frankfurterstraße 43._+98* Herren ketten, Damenkettcn, Trau- ringe, Spiegel, Küchenrahmcn, fpott- billig. Pfandleihhaus Wetdenweg 19, geöffnet bis 9 Uhr abends.+47* Steppdecken billigst Fabrik Groß« Frankfurlerstraße 9, parterre.+37* Zwei Mark vicrlclduvcnd Damen- Hemden, Herrenhemden 3.30, Barchenb- Hemden. Ronnalwäsche, Ausstattungen sowie eleganteste Reisemuster spott» billig, Wöschcsabrik Adolph Salo- monSkh, Tirckscnstraße 21(Alexander- Platz).__ Restaurant krankheitshalber ver- käuflich, Gollnowslraße 45.+51 Sdjankgcschafl, gut gehend, wöchenllich zehn Hawc Bayrisch, zwei Halbe Weißbier, umständcdalbcr zu verknusen. Bartz, Togostraß« 79.+10O* O'ctdcinilatiou, gangbar, 4 Zahl- stellen, Vereine, Baugegend(Osten), wegen Krankheit billig zu verlausen, P. D, Postamt 34._ Grünkramgeschäft, gangbares, mit Slallung. ganz besonderer Um- stände halber sofort verkäuflich Reichen- bergcrslraße 29,___ 2494b tuben, Küche, ge- vorn II rechts. Mädel, zwei braucht, Weidenweg 4_ Uederzieher. Herrenanzüge, wenig gettagene Monatsgarderobe von 6 Mark an. Große Auswahl, auch neue, zurückgesetzte, kaust man am billigsten direkt nur beim Schneider- meisler Fürstenzelt, Rosenthaler- ttraße 15 M._ 21763* Staunend billig verkaufen Gc- fchwistcr 6 Stuben Möbel, auch einzeln, noch neu, Plüschtaschensosa 45,00, echt fournierte Muschelschränke 38,00, complette Muschelbetlstellen 33,00, Trumeau 30,00, Stores, Gardtnc», Steppdecken, Perserleppich 4,75, Plüsch- tischdecke 4,75. Kopnickerstraßc 126 a, I. �Verkaufe billig gutes, neues Bett, Gardinen, Stores, Plüschdecke, Teppich. Diwandccke, zwei elegant- Steppdecken, tzoflmann, Naunynstraße 52. Sin 20,00. , ermaschine, Künerweg 48. gut erhalten. IV vorn rechts. Beetiko. Küchenspind, Bettstelle und Tisch verkauft Kupferschmidt. Oppclnerstraße 42.+22 Herrenrad, einnial benutzt, für jeden Preis. Weißcnburgcrftruße 3, Kausch. 106/16 �Gelegenheitskauf. Rciscmuster, Herrenanzüge, Sommerpaletots, Schönhauser Allee 72h, vorn NI links. Möbel aller Art, billig, nur reelle Arbeit, Retchenbergcrstraße 37, Höscr. Holzdrehbank verkauft, Höftich, Ritterftraße 110. vermietet 2496b Achtzig Ouadralrutcn, 1900 Mark, bald eingezäunt, verlauft Gastwirt Girke, Fredersdorf. 2499b- Verscbieäenes. Ilnfallsacheu.NcchtSburcauPutzger, Steglitzcrstraße fünsundfechzig.f206tK» Patentanwalt Dammaun, Moritz- platz 57. 2468b Stenerbcrusiina. Gerichtsklagen, Strafsachen. Unsallsachcn,«chanl- gesuchc. Rechtsbureau Wulkow, Skg- litzerstraße 141. 2452b RechtSbureau(Alexander-Platz I) Kurzestraße achtzehn! Gcrichlsbci- stand, Straflachen! Erfolgreiche Rechts- Hilfe l Eingabengesuche 1 117/20* Rechtsbureau!(Andreasplatz). Grünerweg oierundneunzig. Lang- jähriger Eerichtsbeistand I Erlolg- reichste Ratertcilung! Eingaben- gesucht I 2422b* RechtSbureau Brimnenstraße vierzig, Prozeßbetftand, Ehektage- sachcn, Strassachcn, Aiimentensachen, MUitärsacheii, Eingabensachen, Rat- erteilung._ 2460b RechtSbureau. Petsch, Bruuncn- straße 97. Stcuerberuiung, Gerichts- klagen, Uniallsachcn, Schanksachen. Wer Stoff Hai? Fertige Herrenanzüge mit Fiittersachen 15,00. Wagner. Schneidermeister, Lichtenbergerstraßc 9 (Palliiadeitstraße)._ 79/16* Kunststopferei von Frau KokoStv, Steinmctzslraße 48, Oucrgebäudc hoch- parterre. lAaspotfterung! Sosa 5,00, Diatratze 4,00, auch außerm Hause. Bachmann, Blumcnstraße 35 d.__ 21733* Nufpolstcrung jeder Art, auch neu. macht reell Förster, Pallisadcn- straße 46.+51» Fahrradgesuch, auch defekt, Ratz- laff, Schönhauser Allee 163a. 93/19* Wernaus Konzert- und Speciali- täten- Garten Schwcdtcrstraße 23, 1500 Personen fassend, an Vereine znSommerfestcn zu vergeben. 21793* Gerichtsfekretär, RechtSbureau früherer, AndreaSfttaße 38. tagsdienst._________ Ostcrfeiertag, 24986* Sonn 2487b* Saal! frei zweiten Anncnfwaße 16.____ '�lplatina. altes Gold, Bruchgold, Silber. Gebisse, alte Uhren. Blattgold. Kehrgold, sämtliche Metalle kauft Broh, Wrangclstraße 4.___ 80/1 Plissee-Bremicrci, Auszacken von Stoffen aller'Art in verschiedenen Mustern, Kräuseln für Wäsche und Konfektion. Tilsiterftraße 39.+51 Rohrleger< Handwerkszeug für /eizung wird zu kaufen gcfucht Goltz- raße 40» im Keffelhaus. 25029 2502b Vermietungen. HVvdoonzel». Kleine Wohnungen Müllerftraße 129. �rbeitsmarkt. SteUeosesueds. Junger Mann, verheiratet, höhere Schulbildung, von Beruf Chemiker. bereits litierarisch beschäftigt gewesen, sucht irgend welche Bc'chästtgung. Offerten unter V 4. Expedttion d«S .Vorwärts*. Stellenangebote. Spanner und Rabitzputzer verlangt A. Broich Nachfolger. Schöneberg, am neuen Zwöstapoftei-Kirchhos. Tüchtige Farbigmachcr verlangt Krautslraßo 39.__+145 Tüchtige'Aussteller für Gipsdielenwände verlangen sosortH. Fischer». Co., Groß-Lichterselde, am Äannscebahn- Hof. 2492b Im«rbettSmarkt durch »«sonderen Druck hervorgehobene «uzeigen kosten 40 Pf. pro Zeile. aus gewcndcle Fleckschube verlangt tniii Pinner Nacht, Dirckscnstr. 41. Achtung, Holzarbeiter! Zuzug ist streng fern zu halten von Kautischlkra«ud Einsetzern nach der Werkstatt 79/1 Keif, Dcmminerstraste und Stralsunderstraste. «eharrvlei,, Olneisenaustr. 41. ««toter, GreifSwalderftr. 80. 0ie Ovisveroattung. ! Hol: Zuzug ist streng fernzuhalten von Ilautlochlera»ach den Werkstätten von 2079b E. Kcichiunt, Straßburg- ftraste% und König-Cbauffee 74, iüchippke, Friedrtchstr. 40, H. Porz, Röltestr. 18, Neu-Weißensce. 79/15 Die OrtSverwaltung. Ächtung k Achtung! hohbearbeitungsvlnschinen- Arbeiter. Bei Ktt&ter, GreifSwalder- steafte, stehen fämlliche Maschinen- arbeiter im Streik. Der Betrieb von»Valter Frankel. Walde- marstraste 14 ist für Arbeiter aller Branchen gesperrt.— Zuzug«st streng fernzuhalten. 75/4« Oer Vorstand. tj, i i« unu»ouo. muum, uiuct ucü■.zuvajv.-v7,w.-----, r-,'_____—— Verantw. Redakteur: Julius KaliSki, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Smger& Co.. Bcrlm S\V.