Nr.«1. Rbonnemenfs-BedingungeB: HSonnemcnlä- Preis präriumerando! Wertcljährl. Z.Z0 Mk.. monaO. J,I0 M.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfz. Sonntags. nummet mit illustrierter Sonntags« Bellage„Di- Neue Welt» 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für da? übrige Ausland g Mark pro Monat. 31. Jahrg. VIe TnlertlonS'Gebüftr betrügt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche BereinS- und Bersainmlungs- Anzeigen 25 Pfg. „Kleine anieigen", das erste(fett« gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist au Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Crtchtlnt täglich außer Blentaa», Verlinev VolksblÄkk. Telegramm. Adresse: „Soiialdcmohrat Berlin". Zentralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Dcutfchlands. Expedition: SM. 68, Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. IS8I. R-edaktion: SM. 68» K.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 13. März 1904. Socialpolitik in der Republik und Monarchie. Zürich, Anfang März. Der deutsche Reichskanzler Graf Bülow hat vor einiger Zeit im Reichstage abermals die deutsche Socialpolitik als an der Spitze marschierend verherrlicht und zu diesem Zwecke die Social- Politik des Auslandes stark verkleinert. Insofern er dabei auch die Schweiz im Auge hatte, hat er sich sehr geirrt. Gewiß hat die Schweiz noch keine Arbeiterversicherung, aber danmi fehlt es ihr keineswegs an Arbeiterfürsorge. Für die Krankenversicherung bietet jedem Arbeiter ein dichtes Netz von Krankenkassen im ganzen Lande reiche Gelegen- heit und es dürste thatsächlich eine nur kleine Mnderheit von Arbeitern sein, die heute noch nicht für den Erkrankungsfall ver- sichert sind. Dabei ersteuen sich die Arbeiter der u n g e- schmälerten Selbstverwaltung, die sie auch vollauf zu schützen und zu würdigen wissen. Für die Eni- schädigung der Unfälle bietet das Haftpflichtgesetz eine kräftige Handhabe, die gewiß verbesserungsfähig ist: allein die Arbeiter zogen im Jahre 1900 bei der Volksabstimmung über die Versicherungsvorlagen den bestehenden Zustand vor, weil sie sich das Unternehmertum und die Bureaukratie nicht als Vormünder gefallen lassen wollten. Für das Alter, die Invalidität usw. ist z. B. im Kanton Zürich durch zahlreiche kommunale und staatliche Anstalten und Asyle gesorgt. Auf allen diesen Gebieten giebt es aber noch viel Unzulänglichkeit, viele unbesticdigende Verhältnisse und ist hier daher noch viel zu thun; allein die Meinung, in der Schweiz sei für die Notlagen im Leben des Arbeiters keineswegs gesorgt, weil nicht, wie in Deutsch- land, obligatorische Versicheningen bestehen, ist unbegründet. Wie sehr die Verhältnisse in der Schweiz jenen in Deutsch- land voraus sind, lehrt ein Blick auf das Programm der deutschen Socialdemokratie. Das allgemeine, gleiche, direkte und geh.eime Wahlrecht für alle Bürger von 20 Jahren desteht mi�ganzen Lande und zwar für die Gemeinde, den Bezirk, den Kanton und die Eid- genossen schaft. Und zwar wählen die Stimmberechtigten nicht nur die parlamentarischen Vertreter, sondern auch die Beamten und andrenBehörden: Stadträte sMagistrate), Richter, Lehrer, Schulbehörden. Statthalter(Landräte). Regierungsräte(Minister), Bezirksräte(Kreisvcrtretung. Bezirksausschuß) usw. Dabei wird das Wahlrecht wedervomkantonalen noch kommunalen Bürgerrecht abhängig gemacht, sondern der Schweizer ist in jedem Kanton und in jeder Genieinde bei allen Wahlen und Abstimmungen stimmberechtigt. Der Wahltag ist durchwegs im ganze» Lande der Sonntag. Die direkte Gesetzgebung durch das Volk in Gestalt des Referendums und der Initiative besteht seit Jahrzehnten. ist aber nament- lich im Bunde noch weiter auszubauen. Die Erziehung zur allgemeinen Wehrhaftigkeit schreibt die Bundes- Verfassung durch den obligatorischen«Turnunter- r i ch t vor. Das V o l k s h e e r statt des stehenden Heeres besteht. Die Schweizer haben uneingeschränkte Vereins» und Versa mmlungs-. Preß- und Redefreiheit. Die Volksschule ist obligatorisch und zwar je nach den Kantonen bis zum 14. und IS. Altersjahre der Schüler, die Volksschule ist ferner weltlich, der Religionsunterricht ist fakultativ. die Kinder können ihn besuchen oder auch nicht. Der Volks- schulunterricht ist unentgeltlich, desgleichen werden fast im ganzen Lande die Lehrmittel und Schreibmaterialien unentgeltlich für reich und arm geliefert. Die Entschädigung unschuldig Verhafteter und unschuldig Ver- u r t e i I t e r, worüber heute im Deutschen Reiche noch heiß gestritten wird, besteht in der Schweiz längst. Die Todesstrafe ist in den meisten Kantonen abgeschafft, in den andern Kantonen wird sie so gut wie nicht mehr angewendet. Die Unentgeltlichkeit der Tote nbe stattung besteht in einer Reihe von Kantonen. Die Steuerprogressin besteht in allen Kantonen. Die indirekten Steuern bestehen nur noch in einigen belanglosen Resten. Dagegen besteht eine wirksame Erbschaftssteuer mit scharfer Bestrafung des Steuerbetrugs. Was den Arbeiterschutz betrifft, so ist hierin die Schweiz dem großen Deutschen Reiche weit vorausgeeilt. Die ersten Maß- nahmen wurden schon im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts getroffen; daS eidgenössische Fabrikgesetz mit dem Elfftundentag für alle Arbeiter— nicht nur für die Arbeiterinnen, »vie in Deutschland— datiert aus dem Jahre 1877, der deutsche Arbeiterschutz aus dem Jahre 1891. Die schweizerischen Fabrikinspektoren revidieren jeden Betrieb mindestens einmal im Jahre und sie führen regelmäßig Jahr für Jahr mehr Revisionen aus als die Zahl der revisionspflichtigen Betriebe beträgt; in Deutschland wird kaum die Hälfte der revisionspflichtigen Betriebe all- jährlich revidiert. In den kantonalen Arbeitcrinnenschutz-Gesetzen. wovon daS Züricher den Zehn- bezw. Reunftundentag enthält, die die l'/sstiindige Mittagspause festsetzen und das Mitnachhauscgeben von Arbeit verbieten, hat das Fabrikgesetz eine Weiterführung erfahren und wurde die Bahn geebnet für dessen fortschrittliche Revision. Wie eS auf kommunalem Gebiete steht, erfährt man, wenn daran gegangen wird, ein focialdemotratisches Gemeinde- Programm aufzustellen. Das ist kürzlich in Winterthur geschehen und dabei wurde festgestellt, was in jahrzehntelangem Ringen und Kämpfen bereits erreicht wurde, nämlich: Unentgcltlichkeit der Volks- und der Sekundärschule bis zum 15. Lebensjahr, Unentgeltlichkeit der Lehrmittel und Schreib-, sowie Ärbeitsmaterialicn, letztere für die weiblichen Handarbeiten(alle diese Einrichtungen wurden durch Verfassung und Gesetz geschaffen); Unentgeltlichkeit der Totenbestattung(gesetzlich); Versorgung von Waisenkindern auf Kosten der Stadt in einem eignen Waisenhause, die aber die allgemeinen Schulen besuchen; Arbeitsamt; Arbeitslosen-Fürsorge; Geriist- kontrolle; Minimallohn und Zehnstundentag für die Gemeinde- arbeiter, Versicherung derselben gegen Krankheit und Unfall; Unfallversicherung der Feuerwehr auf Kosten der Stadt; Wohnungsenquete; städtischer Betrieb der Gasfabrik, des Elektricitäts- und Wasserwerkes, der Straßenbahn, der Kanalisation; Lebensmittel- Polizei, Schlachthaus; ferner: Berufsschule für Metallarbeiter, gewerbliche Fortbildungsschule, Handfertigkeits-Unterricht für Knaben, Haushaltungs- und Kochschule(leitet ein Frauenverein, aber mit Unterstützung der Stadt, des KantonS und des Bundes), Ferien- kolonien, Jngendbibliothek und Lesesaal. Verschiedene dieser Einrichtungen können und sollen noch weiter ausgebaut und verbessert bezw. nutzbar gemacht werden. Dazuhaben nun unsre Genossen noch folgende Forderungen in ihr Gemeinde- Programm aufgenommen: 1. Unentgeltliche Geburtshilfe und Wöchnerinnenpflege. 2. Beschaffung von hygienisch einwandfreier Säuglingsmilch. 3. Anstellung eines Schul- und Stadtarztes. 4. Errichtung öffentlicher Volksbäder. 5. Schaffung eines Lebensmittel-Jnspektorats. 6. Bau von unverkäuflichen Wohnhäusern durch die Stadt und periodische Wohnungsinspektion. 7. Ausbau des beruflichen Schul- und Bildtingswesens. 8. Regelung des Submissionswesens im Sinne der Forderungen der Arbeiterschaft. 9. Verbesserung der Arbeits und Lohnverhältnisse der städtischen Arbeiter und Angestellten und Schaffung einer städtischen Altersversicherung. 19. Ausbau der Arbeits losenfürsorge. 11. Einführung gewerblicher Schiedsgerichte. 12. Bessere Durchführung der Arbeiterschutzgesetze. 13. Proportionale Wahl derstädti- schen Behörden. 14. Vereinigung der Ansgemeinden mit der Stadt. 15. Veröffentlichung der Steuerregister. 18. Erleichtenmg der Einbürgerung. Man ersieht daraus, wie viel trotz der bereits geschaffenen socialen Einrichtungen verschiedener Art noch zu thun bleibt und dabei haben sich unsre Genossen aus Zweckmätzigkeitsgründen noch Beschränkung auferlegt. Das Progranim hätte leicht un: eine weitere Anzahl durchaus berechtigter und durchführbarer Postulate vermehrt werden können. Der deutsche Reichskanzler Bülow mag daraus ersehen, daß auch im Auslande die Socialpolitik nicht still steht, daß man sich nicht selbstgefällig in dem Bewußtsein sonnt,.wie herrlich weit wir es gebracht haben", daß es hier keinen Stillstand giebt, sondern nur Fortschritt geben kann. Dafür, daß dies geschieht, sorgt die organisierte, socialdenwkratische Arbeiterschaft. Japanische Truppen in der Mandschurei? Nach mehreren— freilich nicht amtlichen— Telegrammen soll es den Japanern gelungen sein, in der Mandschurei Ivestlich von: Jalu zu landen. Träfe diese Meldung zu und besäße das japanische Landungscorps eine entsprechende Stärke, so sähen sich die an dem die Grenze Koreas bildenden Jalufluß konzentrierten Russen nun- mehr von zwei Seiten, von der Front und im Rücken, bedroht. Die Meldungen besagen: Die Londoner Blätter melden: Das Departement des Aeußern erhielt ein Telegramm aus Tschifu, wonach in Föng-Hwang- tschöng und Taku schon japanische Truppen an- gekommen seien, die sich auf diese Weise imRücken der russischen Stellung in der Mandschurei be fänden und die Bahnlinie bedrohten.— Der Kom- Mandant des amerikanischen Kanonenbootes„Helena", welches gegen wärtig in Jinggkau liegt, meldet, daß bei Föng-Hwang� tschöng ein Gefecht stattgefunden habe. „Daily Telegraph" meldet aus Tienffien: Eine Abteilung der Japaner beginnt den Vormarsch vom Jaluflusse aus. Die Japaner haben Fong-hwang-tschöng eingenommen«nd die Russen in der Nähe des Taku ngling-Passes zurückgeschlagen. Die Japaner befinden sich gegenwärtig etwa 70 englische Meilen von Niutschwang entfernt. 35 000 Russen sindinLiaujang und Haitschöng stark verschanzt, wo eine Schlacht bevor st eh t. Mehrere kleine Gefechte haben schon stattgefunden, infolge deren die Russen sich mit Verlusten zurückziehen mußte». Tokio, 11. März.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Die Russen haben sich sämtlich von Tschong-dsu nach W i- d s ch u zurückgezogen, wo sie einen Erdwall auswerfen. der einen Teil des allgemeinen VerteidigungssystemS bilden soll in Verbindung mit den Befestigungen, die von den Russen schon am linken Ufer des Jalu angelegt sind. Ein neues Bombardement Port Arthurs. Eine gestrige Depesche des Statthalters Alexejew an den Kaiser meldet: Die früh 8>/z Uhr in den Hafen von Port Arthur zurück- gekehrten Torpedoboote'brachten die Kunde, daß sich ein feind- l i ch e s G e s ch w aber nähere. Um 8 Uhr früh eröffneten die Japaner das F-euer gegen unsre Kreuzer und die Festung. Die Japaner, welche 14 Schiffe hatten, hielten sich, so lange sie schössen, hinter dem Leuchtturm Liaotechane. Friedcnsvermittlungsgeriichte. London, 9. März.(Eig. Ber.) Der„Standard" hat in den letzten Tagen mehrere Nachrichten aus Wien gebracht, die von Aus- gleichsversnchcn zwischen Rußland und Japan erzählen. Es heißt, die russische Regierung wäre geneigt, die ostasiatische Streitftage dem Haager Kriegsgericht zu unterbreiten. Die„Standard"- Nachricht giebt noch folgende, ziemlich interessante Einzel- Heitel:„Der Krieg wird kurz sein. Nach dem ersten größern Treffen zu Lande werden die Fricdensunterhaltungen beginnen. Die Argumente und Gründe, die die neutralen Mächte veranlassen dürsten, ihr Bestes zur schleunigen Beendigung des Krieges zu thun, sind zahlreich: das Gefühl der christlichen Gemeinschaft; die Furcht vor einem Weltkriege als Folge der Miancen; die Besorgnis, daß weitere russischeNiederlagen das monarchische Princip schwächen und eine socialistische oder konstitutionelle Revolution in Rußland hervor« bringen könnten. Und hinterdrein ist noch zu befürchten, daß ein erfolgreiches Japan nicht nur Korea, sondern die ganze gelbe Rasse reorganisieren und die„gelbe Gefahr" heraufbeschwören würde. Ebenso sind die festländischen Mächte in Europa nicht gewillt, den Vereinigten Staaten von Amerika die Stellung einer Großmacht in Asien zu gewähren. Schließlich kommt noch die Wirkung in Betracht, die eine russische Niederlage auf Deutschland haben würde. Seine Stellung als Großmacht würde infolge einer russischen Niederlage stärker werden, anderseits würde Frankreich sich enger an England anschließen, was für Deutschland sehr unangenehm wäre. Seitdem es den europäischen Staatsmännern klar wurde, daß der Verlust der Seeherrschast fiir Rußland fatal werden muß haben sie sich mit den stüher genannten Gründen und Befürchtungen beschäftigt. Ein Eingreifen Europas zu Gunsten einer schnellen Beendigung des ostasiattschen Konflikts ist deshalb höchst wahr- scheinlich."— Der Krieg und die akademische Jugend. Petersburg.(Eig. Ber.) In Petersburg hat sich bekanntlich die Studentenschaft zuerst und in auffälligster Weise an den patriotischen Demonstrationen beteiligt. Es ist auch kein Wunder, denn dabei gaben die edlen Sprossen des in der Hauptstadt koncentrierten höheren Beamtenadels und des Landadels, also der berufsmäßigen Stipendiaten des Absolutisnius, den Ton an. Bei der Studenten- Versammlung, die Mitte Februar auf der Universität stattgefunden, und an der ca. 1000 Studenten teilgenommen, erwiesen sich die Zarentreuen in der Mehrheit, und es war bald zu einem hestigen Zusammenstoß zwischen den feindlichen Parteien gekommen. Anders benahm sich die studierende Jugend der Berg- a k a d e m i e. Sofort nach der Lohalitätskundgebung der Universitäts- schüler vor dem kaiserlichen Winterpalais fand hier am 13. Februar eine Versammlung statt, in der die folgende Resolutton angenommen wurde: „Da angesichts des Krieges, der als ein natürliches Ergebnis der tradittonellen Politik des russischen Imperialismus betrachtet werden mutz, die Regierung sich alle erdenk- liche Mühe giebt, um die Volksmassen für sich zu gc- Winnen und zu diesem BeHufe den historischen Interessen- gegensatz zwischen dem Volke und der regierenden Bureaukratie zu verschleiern—, so verurteilt die Versammlung die Gedankenlosigkeit und politische Kurzsichttgkeit eines Teiles der Studentenschaft, der durch seine pattiottschen Kundgebungen dabei mitwirkt, die Bolls- masse in Bezug auf den wahren Charakter der Regierungspolitik irre;*» führen." Diese Ohrfeige verfehlte nicht ihre Wirkung. Die„patriotische" Gruppe der Bergakademie— denn auch hier giebt es etwelche hundert zarentreue Jünglinge— berief erst neulich eine allgemeine Versammlung aller Studierenden der Sllademie zusammen, um, wie es in der Einladung hieß, zu der Resolutton vom 13. Februar Stellung zu nehmen,„die einen Schandfleck auf der Ehre und der Vaterlandsliebe der Studentenschaft bedeute". Den Wünschen der„Vaterlandsliebenden" ward Genüge gethan. Sehr zahlreich kam die Studentenschaft zu dieser Versammlung, die von 12 Uhr mittags bis 9 Uhr abends dauerte, und in der zum Schluß mit 216 gegen 21 Sttmmen und bei 107 Stimmenthaltungen die solgende Resolution angenommen wurde: «In Erwägung, daß der gegenwärtige Krieg mit Japan im allgemeinen ein Ergebnis des herrschenden, auf der Privilegienmg einer kleinen Minorität auf Kosten der großen Volksmasse basierten polittsckien Systems ist, daß dieser Krieg im besonderen eine Folge der für die russische Regierung in ihrer ostasiattschen Poltttk charakteristischen Abenteurerlust ist, in Erwägung ferner, daß der wahre PattiotismuS darin besteht, den Interessen der Volksmasse und nicht denjenigen einer kleinen Minderheit von Ausbeutern zu dienen, drücken die Sttidenten der Bergakademie ihre tteffte Enttüsümg der Zarenregierung aus, die allein an dem Elend des russischen Volles Schuld ist, und verurteilen aufs schärffte das Gebühren des- jenigen Teils der russischen studierenden Jugend, der durch seine „allerunterthänigsten" Manifestationen der Regierung Handlanger- dienste leistet, indem er an seinem Teil ftir den unmenschlichen, gegen Volksinteressen gerichteten Krieg Stimmuilg zu machen sucht." Für die ausgezeichnete Stimmung in der Versammlung ist es charakteristisch, daß die„Patrioten" nicht einmal den Mut hatten, gegen die obige Resolution zu stimmen. Tapfer, wie diese Helden sind, enthielten sie sich der Abstimmung.— Merkwiirdig ist das Verhalten unsrer„liberalen" Gesellschaft angesichts de? Krieges,— doch darüber das nächste Mal. politische(lebersiebt. Berlin, den 11. März. Reichstag. Der Konflikt zwischen Herrn v. Endres und Herrn Dr. Müller- Meiningen fand heute sein friedliches Ende. Der bayrische Bundes- bevollmächtigte war so liebenswürdig, seinen gestrigen Ausführungen den persönlichen Stachel zu nehmen, und Herr Dr. Müller-Meiningcn, der vorher lange mit seinem Gegner konferiert hatte, war heilfroh, daß die Affaire einen leidlichen Abschluß für ihn hatte. Bei der Fortsetzung der Debatte über die Soldaten» Mißhandlungen hielt heute Herr v. Kardorff die fällige Scharfmacherrede; obwohl er alter Specialist auf diesem Gebiete ist, machten seine Ausführungen wenig Eindruck, weil er den„liberalen" Abg. Lehmann, der gestern in deinselben Sinne gesprochen hatte. doch nicht übertrumpfeu konnte. Im Gegensatz zu diesen Scharf- macherrcdcw fanden die Abgeordneten Schräder(stf. Vg.) und Dasbach(C.) sehr schöne Worte. Sie sind enttüstet über die Soldatenmißhandlungen, verlangen Entfernung aller Offiziere, die sich in dieser Beziehung ettvas zu Schulden kommen loLttl, der Centrumskaplan tadelte sogar den Kriegsminister, toeil er Ohrfeigen und harmlose Schimpfworte nicht für strafbar hält, und beanspruchte für die Soldaten das Not- wehrrecht gegen ihre Pciniger. Aber auch nicht ein einziger bürgcr- licher Abgeordneter ans dem Hause konnte sich entschießen, unsrer Resolution mit ihren doch so selbstiicrständlichcn Forderungen zuzu- stimmen. Mit Recht leitete Genosse Meist seine heutige Rede mit dem Hinwels auf diesen sonderbaren Zwiespalt zwischen Thatcn und Worten der bürgerlichen Parteien ein. Auch den Kriegsminister, der ihm Mangel an Mut vorgeworfen hatte, weil er Miß- Handlungen seiner Kameraden während seiner Dienstzeit nicht zur Anzeige gebracht hätte, legte er geschickt ans diese Aeußerung fest. Wenn es nach Auffassung des Kriegsministers AnstandSpflicht jedes Soldaten ist, alle Mißhandlungen zur Anzeige zu bringen, von denen er Kunde erhält, warum führt er dann nicht die Beschwerde Pflicht an Stelle des Beschwerde rechts ein? Der Minister blieb auf diese Frage die Antwort schuldig; auch als Genosse Stadthagen ihm persönlich den Vorlvurf machte, in zwei Fällen Ausführungen unsrer Redner völlig entstellt wieder- gegeben zu haben, fand der ritterliche Herr kein Wort der Ent- schuldigling. Außerdem wies Genosse Stadthagen durch Citate aus bürgerlichen Blättern und Gerichtsurteilen nach, daß nur wir von jeher die Soldatenmißhandlnngen energisch bekämpft haben, während die bürgerlichen Parteien imnier zu vertuschen und zu beschönigen suchten. Auch heute ist eS den bürgerlichen Parteien so wenig ernst mit der Beseitigung der unwürdigen Zustände, daß sie nicht nur unsre, sondern auch die gänzlich harmlose Freisinns-Resolution, die «lr unverbindliche Redensarten enthielt, ablehnten. Das Centrum bekämpft eben die Soldatenmißhandlungen auf eine eigne Art: Es stimmt, nachdem es sich, wie immer, zum Schein eine Zeitlang gesträubt hat. der Vermehrung der Unteroffizier stellen zu. Nach bekannter Centrumspolitik, die„klug" sein soll, aber von jedem Menschen sofort durchschaut wird, bewilligt es übrigens nicht alle, sondern nur etwa 6/7 der geforderten Stellen. Genau so beschloß heute der Reichstag auf Vor- schlag der regierenden Partei in der Frage der Gehaltserhöhung für Oberstlieutenants, genau ebenso wird es morgen bei der Beschluß- fassung über die Unteroffizierstellen geschehen. Um einen faden- scheinigen Grund, der seine Stellungnahme als die einzig richtige„mittlere Linie" erscheinen lassen soll, ist ja das Centruin nie verlegen. Eine große Zahl von Titeln des Militär-Etats wurde ohne be- merkenswerte Diskussion bewilligt. Nur bei den„Verpflegungs- kosten" brachte Genosse Schlegel das unglaubliche Verhalten eines Bezirkskommandeurs zur Sprache, der die Socialdemokraten als„Zuhälter" zu bezeichnen gelvagt hat. Die Vertretung der württembergischen Regierung blieb auch auf diese Beschwerde die Antwort schuldig. Morgen wird die Specialberatuug des Militäretats bei den Unteroffizicrstellen fortgesetzt.— Los vom Reich! Das preußische Junkertum ist seit jeher prenßisch-partikularistisch. 1843 sang einer der Edlen: Wir wollen Preußen bleiben I Der Teufel hol' das Treiben, Das Deutschland fabriziert Und Preußen ruiniert. Wir wollen Preußen bleiben, Auf die Rebellen reiben I Willkommen die Gefahr I So ruft der preuß'sche Aar! Mit Gewalt ist das preußische Junkertum in die deutsche Ein- heit gezogen worden, auch Wilhelm I. ließ sich bekanntlich fast bei den Haaren ins Deutsche Reich schleifen. Im Grunde haben sich die Ostelbier niemals mit Reich und Reichstag abgefunden, und je mehr im Reichsparlament das demokratische Wahlrecht seine Volks- erziehende Kraft bewährte, um so leidenschaftlicher wuchs der Haß der preußischen Junkerpartikularisten gegen das Reich. In den letzten Monaten aber ist die Feindseligkeit bis zu offener Kriegserklärung gediehen. Im Herrenhaus gab neulich Graf Herbert Bismarck unter kaum verhüllter Zustimmung dreier preußischer Minister die reichsfeindliche Losung aus, als es galt, den durch die polnische Ansicdelungsnovelle verübten Einbruch ins Reichs- recht zu verteidigen. Am Freitag setzte nun der konservative Heißsporn, der kleine Hehdebrand von der Lasa, der übrigens nach seiner äußeren Erscheinung ganz gut ein konvertierter und nobilitierter Mandelstainm sein könnte— gleich seinem Freunde Limburg-Stirum-Ebers— die Campagne gegen das Reich mit großer Energie fort. Beim Etat des Ministeriums des Innern, dessen Beratung am Freitag im Abgeordnetenhause begann, tadelte er die Minister Schönstedt und Hammcrstein, daß sie im Reichstage bei der Russendebatte erschienen waren, daS sei eine rein preußische Angelegenheit, in die der Reichstag sich nicht zu mischen habe. Und tvährend der konservative Redner für die preußische Dreiklassen-Kammer den— nicht zu bestreitenden— Anspruch erhob, daß sie den preußischen Bundesrats-Mitgliedern in allen Reichsfragen gute Lehren auf den Weg geben dürfte, bestritt er dem Reichstag entschieden das Recht, preußische Dinge in den Bereich seiner Betrachtungen zu ziehen. Das würde ja noch schöner sein, rief er aus, wenn der Reichstag etwa schließlich sich gar anmaßte, das Koalitionsrecht der Eisenbahn-Arbeiter zu regeln I Herr v. Hehdebrand begnügte sich aber nicht mehr mit der Proklamation der allgemeinen preußischen Revolte gegen das Par- lament der deutschen Einheit und des demokratischen Wahlrechts, sondern er bestimmte auch gleich die Grenzen zwischen Reich und Preußen, indem er behauptete, daß der Reichstag nur diejenigen Angelegenheiten diskutieren dürfe, die in die eigne Verwaltung und Gesetzgebung des Reiches einbezogen seien. Diese Grenzbestimmung bedeutet nichts weniger als die Entwendung eines großen Teils der verfassungsmäßig festgelegten Reichsrechte, als eine Verstümmelung des Artikels 4 der Reichsverfassung. Dieser Artikel zählt in 1ö Nummern die„Angelegenheiten" auf, welche der„Beaufsichtigung seitens des Reichs und der Gesetzgebung desselben unterliegen." Dahin gehören u. a.: die Bestimmungen über Freizügigkeit, Heimats- und Nieder- lassungsverhältnisse. Staatsbürgerrecht, Paßwesen und Fremden- Polizei, Eisenbahnwesen, Herstellung von Land- und Wasserstraßen. Maßregeln der Medizinal- und Veterinärpolizei, Bestimmungen über die Presse und das Vereinswesen. Wie bekannt, hat die Reichs- gesetzgebung bisher den größeren Teil dieser ihr von der Ver- fassung zugewiesenen Materien noch nicht geregelt; sie sind der Landesgesetzgebung überantwortet geblieben. Dem Reich und dem Reichstag ist in diesen Fragen nur ein wie immer platonisches, so doch unbestrittenes Aufsichtsrecht gesichert. Dieses legitime Aufsichtsrecht, auf Grund dessen auch die preußische Ausweisungs- Politik vor die Instanz des Reichstags gehörte, soll nun nach der Anregung des konservativen Führers dem Reich genommen werden. Nicht nur soll der Reichstag kein Recht haben, diese Materien jemals von Reichswegen zu regeln, wie es die Verfassung vorschreibt, es soll nicht einmal das Kontrollrecht haben, sondern nur sich mit den Fragen beschäftigen dürfen, die bereits in die Verwaltung und Gesetzgebung des Reichs übergegangen sind. Das ist zwar ein offenbarer, in der Tendenz hochverräterischer Um- stürz der Rcichsverfassung zu Gunsten des preußischen Partikularismus, aber das preußische Junkertum kümmert sich wie Herr v. Podbielski, nicht um„jedes Titelchen". Für den Reichstag freilich sollten diese dreisten Angriffe endlich zum Anlaß werden, die von der Verfassung ihm vorbehaltcnen Materien gesetz- geberisch zu erledigen und sie der partikularen Willkür für immer zu entziehen. Wie aber verhielt sich der preußische Minister des Innern, der Freiherr v. H a in m e r st e in, zu dieser Verhöhnung der Rcichsverfassung? Er fühlte wohl doch die Verpflichtung, als Mitglied des Bundesrats die klaren Reichsrechte zu verteidigen? Nur ein Utopist konnte so etwas annehmen I Auch der Minister ist preußischer Junker und denkt wie Herr v. Hehdebrand. Nur fürchtete er einen falschen Zungenschlag und hatte das zu- verlässige Gefühl, daß er auf diesem Gebiete unvermeidlich offen- herzige Dummheiten sagen würde, die ihm dann vielleicht übel bckonimcn würden. In dieser Not zog er sich in außerordentlich komischer Weise aus der Affaire. Er lehnte die Antwort ab, weil er von der Anfrage„überrascht" worden sei.„Aber ich habe Ihnen doch heute morgen gesagt, daß ich darüber sprechen würde," rief Herr d. Hehdebrand boshaft dazwischen. Das sei nicht genug Bedenkzeit, stammelte der Minister, der in dem Dilemma zwischen der klaren Rcichsverfassung, die zu verteidigen er verpflichtet gewesen wäre, und der eignen preußischen Junker- gesinnung sich ins Schweigen flüchtete. Dafür erzählte er, warum er in den Reichstag gegangen sei: Einmal aus einer gewissen „Noblesse", weil doch die Socialdemokraten im Abgeordneten- hause„glücklicherweise" nicht vertreten wären; zweitens aber um den herrlichen im Landtag errungenen Russcnsieg zu ver- tiefen, weil ja der Reichstag— und nun kam doch der falsche Zungenschlag— größere Beachtung finde. Diese leichtsinnige Be- merkung wurde dem Minister angestrichen; die Junker fühlten sich in ihren preußischen Gefühlen verletzt und überschütteten Herrn v. Hammerstein mit lebhaften Oho!- Rufen. Der preußische Junkerhaß ist so groß, daß er bereits nicht mehr die Thatsache der größeren Geltung des Reichstags des allgemeinen Wahlrechts dulden kann. Man wird gut thun, diese reichsfcindlichen Bestrebungen des preußischen Junkertums und der preußischen Re- gierung sehr sorgsam zu beachten, muß man sich doch darüber klar sein, daß der Junker das höchste und einzige Gesetz ist, der sich den Teufel um die„Titelchcn" der Reichsgesetze schert.— Das Abgeordnetenhaus brachte außerdem am Freitag den Eisen- bahnetat zu Ende. Beim Etat des Innern wurde von klerikaler und konservativer Seite der Wunsch ausgesprochen, daß Reichstags- und Landtagswahlen zu gleicher Zeit stattfinden sollten, damit sich die gegen die Socialdemokratie verbündeten bürgerlichen Parteien nicht zweimal zu bemühen brauchten. Herr v. Hammerstein erklärte, sich diesen Wünschen fügen zu wollen. Das Ministcrinm habe die letzten LandtagSwahlen absichtlich so spät angesetzt, wefl sie die Erregung der Reichstagswahl-Agitation erst wieder verschwinden lassen wollte, damit sie nicht unheilvoll auf die Landtagswahl wirke. Es wurde also zur Abwechslung wieder die„kosmopolitische" Weltanschauung gepredigt, die nach Herrn v. Einem nach Jena geführt hat:„Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.". Sonst erflchr man noch, daß das verheißene Wohnungs- gesetz sich in weiter Ferne befindet. Die sinnlose und vcrfassnugs- widrige Polenpolitik bekämpfte der Pole v. Czarlinski. Einige kräftige Worte verhalfen ihm zu zwei Ordnungsrufen und zur Androhung der Wortentziehung seitens des starken Mannes, der im Ab- geordnetenhause präsidiert. Sonnabend geht die Debatte weiter. Eine endlose Zahl von Rednern hat sich zu dem Etat des Herrn v. Hammerstein zum Worte gemeldet!_ Weitere Berftärknilge» für Südwcstafrika sollen nach Gerüchten, die in parlamentarischen Kreisen cirkuliercn, von der Regierung demnächst verlangt werden, da der Gouverneur L e u t w c i n an das Kolonialamt gemeldet habe, daß er mit den vorhandenen Streitkräften den Aufstand nicht bewältigen könne, dazu vielmehr 800 Mann und zwei bespannte Batterien benötige. Da das Gerücht widerspruchslos in Blättern kolportiert wird, die sich intimer offiziöser B e- Ziehungen erfreuen, hat man es wahrscheinlich mit einer von der Regierung selbst lancierten Nachricht zu thun, die die Oeffent- lichkeit auf neue Herero-Kredite vorbereiten soll. Das sind nette Aussichten! Wäre es da nicht vernünftiger, mit den Hercros in Unter- Handlungen, aber ehrliche, einzutreten, sie zwar zu entwaffnen, aber im übrigen an Leib und Eigentum zu schonen? Das wäre um so billiger, als jetzt auch der„Kölnischen Zeitung" vom Kriegsschauplatz gemeldet wird: „Die ganze Gegend war(vor dem Aufstand) anscheinend ruhig. Nur bildete das Borgchen der Händler beim Eintreiben der Schulden allgemeinen Gesprächsstoff.... Die im Lande sehr zahl- reichen fahrenden Händler, deren Vorleben in Europa oft die Ursache ihres Hierseins ist, wie denn überhaupt das Schutzgebiet namentlich bei unsrrn Mitbürgern des preußischen Ostens als ein geeignetes Berschickungsland für ungeratene oder unbequeme Söhne gilt, sind nicht sehr rücksichtsvoll in der Wahl ihrer Mittel... Die Ausbeutungspraktikrn der Weißen haben also auch nach diesem Zeugnis den Aufftand verschuldet. Es entspräche also nur der Gerechtigkeit, den Hereros mildernde Umstände zuzu- billigen. Aber was kümmert sich freilich die kapitalistische Kolonial- Politik um moralische Bedenken, wenn sich ihr wie im vorliegenden Falle die heitzcrsehnte Gelegenheit bietet, sich Land und Vieh der Rebellen anzueignen und diese gleichzeitig zu Leib- eignen hcrabzudrücken!— VeutTcKen Reich. Der Regierungsplan, den wir gestern charakterisierten, begegnet in zahlreichen Blättern ungläubigem Zweifel. Das Ivar nicht anders zu er- warten, da es unverständlich ist, welchen Erfolg sich die Re- gierung von der baldigen Auflosung des Reichstages gegen die Socialdemokratie versprechen kann, wenn sie die politische Situation nüchtern überlegt. Nüchterne Ueberlegung ist aber nicht die Sache der Regierung, die, wie die Reden des Grafen Bülow und der Minister zeigen, überall Revolutionsgespenster sich erheben sieht. Von besonderer Wichtigkeit ist die Thatsache, daß die Zeitungen der Regierung, insbesondere die„Nord d. Allg. Ztg." zu unsrer Mitteilung nicht ein Wort sagt. Die Redaktion des Blattes hat noch nicht Order empfangen, wie sie über die Aufdeckung des Regierungsplanes schreiben soll. Vielleicht wird sie nach weiteren vierundzwanzig Stunden dazu befähigt werden. Die„Berliner Neue st en Nachrichten" würden einen „energischen Entschluß" der Regierung freudig begrüßen, doch sie glauben nicht daran: „Wir glauben an so weitgehende energische Pläne der Reichs- rcgierung nicht, auch nach allen schlechten Erfahrungen nicht an den nötigen festen Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien, es sei denn, daß einmal wieder augenscheinlich eine schwere allgemeine Gefahr drohe und durch ganz besondere Ereignisse ein 4 packender nationaler Zug durch das deutsche Volk gehe. So zer- fahren wie die Dinge jetzt liegen, sind die bürgerlichen Parteien nicht unter einen Hut zu bringen, nicht einnial unter den so hoch auf der Stange aufgesteckten Centrumshut, den im Gegenteil trotz vermehrter Regicrnngsprotektion sehr viele Deutsche nicht demütig grüßen wollen." Die„Tägliche Rundschau" sieht„vorläufig keinen Grund, um den man den Reichstag nach Hanse schicken kann". Die„Deutsche Tageszeitung" sagt: „Konfliktsstoff liegt jetzt absolut nicht in der Luft. Es würde auch sehr komisch sein, wenn schon im ersten Jahre ein Reichstag ausgelöst werden sollte, von dem die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" unmittelbar nach seiner Wahl sagte, er sei gar nicht so schlimm, wie er aussehe. Dagegen wird die Wahr schein- lichkeit ein er Neichstags-Auflösnng im nächsten Jahre nach menschlicher Voraussicht vorliegen. Die Heeres- Vorlage wird zwar bescheiden sein und kaum Anlaß zu ernsten Konflikten geben, wir werden aber, wenn nicht alle Zeichen trügen, mit einer Marinevorlage rechnen müssen, die den Keim zu Konflikten recht wohl in sich bergen kann. Deshalb möchten auch ivir die Mahnung an unsre Freunde im Lande richten, ihrerseits auf dem Posten zu sein und das Pulver trocken zu halten." Das„Berliner Tageblatt" bemerkt: „Nun mag man gegen den Grafen Bülow allerlei einwenden; aber ihn für so ungeschickt oder so unklug zu halten, dazu liegt wirklich kein Grund vor. Deshalb glauben wir dem Propheten „Vorwärts" weder im allgemeinen noch in diesem besonderen Falle— es müßte denn sein, daß die Socialdemokratie in über- reiztem Machtbewnßtsein den Bogen zu überspannen und damit eine Katastrophe zu provozieren suchte." Das„Berliner Tageblatt" bedenkt nicht einmal, daß überreiztes Machtgcfühl und Neigung, Katastrophen zu provozieren, gerade a n gewissen ganz andren Stellen besteht als bei der Social- demokratie, welche nur die eine Neigung hat, in friedlicher Arbeit ihre Ideale zu verkünden und zu verwirklichen. Wenn das„Berliner Tageblatt" trotz„Mandelstainm und Silberfarb" noch eifrig an das Geschick und die Klugheit des Grafen Bülow glaubt, so kennzeichnet dieser Glaube nur daS politische Geschick und die Klug- heit des„Berliner Tageblatt". Die„Bolks-Zeitung" sagt: „Handelt es sich hier um etwas mehr als um ein bloßes Gerücht, so ivird man nach Lage der Sache schon jetzt sagen können, daß die Regierung bei dem Auflösungsaktus wenig Seide spinnen wird. Es wird der Socialdemokratie von reaktionärer und leider auch vielfach von freisinniger Seite täglich so viel Agitationsmaterial geliefert, daß die drei Millionen socialdcmokratischer Stimmen bei einer neuen Rcichstagswahl schwerlich eine Verminderung erfahren werden." Die„Berliner Zeitung" endlich bemerkt: „Regierung und Mehrheitsparteien wünschen sicherlich nichts sehnlicher, als die 81 Socialdemokraten im Reichstag um etliche Dutzend gemindert zu sehen. Es ist als sicher anzunehmen, daß sie ungefähr jedes Mittel gut heißen würden, das zu diesem Ziele führt. Aber ob sie verblendet genug sind, in einer Reichstags-Auflösnng ein geeignetes Mittel zu erkennen, das ist die Frage, die man nach der Alarmnachricht des„Vorwärts" nicht ohne weiteres mit Ja beantworten wird." Die uns zugegangenen Nachrichten zeigen, daß die Regierung allerdings„verblendet genug" ist!— Diäten und Kompensationen. Die„Nationalliberale Korrc- spondenz" tritt nun auch selbst von ihrer ersten Mitteilung über baldig zu erwartende Diätenbelvilligung den Rückzug an; sie führt jetzt aus: „Als wir im vorigen Frühjahr von der Wahrscheinlichkeit einer Finanzministerkonferenz sprachen, hieß es in der offiziösen Presse: erfunden. Ein halbes Jahr später versammelten sich die Finanzminister in Berlin.— Wir können abwarten, was an unsrer Nachricht für falsch gehalten wird und wie lange es geschieh t." Die„Post" hat in der Besprechung der Diätennachricht natürlich wieder„Kompensationen auf dem Gebiete des Wahl- rechts" gefordert. Die„Germania" bemerkt heute hierzu: „Die„Post" wird doch wissen, daß mit diesen„Kuhhandel- Vorschlagen" im Reichstage nichts zu machen i st." Dies CcntrumSlvort ist zu vermerken.— Die Nufhcbiiiig des 8 2 des Jesuiteitgesetzes wird bereits im „Reichsanzeiger" bekannt gegeben. Der"veränderte Zustand tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft. In verschiedenen Landtagen werden Anfragen an die Regierungen vorbereitet, wie sie sich in der Abstimmung über die Aushebung des§ 2 verhalten habe, so in Sachsen. In Schwarzburg- Sondcrsh'ansen ist eine entsprechende Interpellation bereits im Land- tage eingegangen. Im Landtage von Sachsen-Weimar erklärte am Freitag Minister Rothe, die wcimarische Regierung habe gegen die Aufhebung gestimmt. Dieselbe Stellung hatte nach einer Mitteilung des„Schwäb. Merkur" Württemberg im Bundesrat eingenommen.— Rußland in Oldenburg. Wie die„Berliner Neuesten Nachrichten" feststellen, ist es ein Irrtum anzunehmen, daß die russische Thronfolge in Oldenburg nach dem neuesten Ukas des Zaren ausgeschlossen sei. Der Verzicht gelte lediglich für das russische Kaiserhaus im engeren Sinne, nicht aber für die russischen Oldenburgcr. Es ist immer noch möglich, daß der russische, griechisch-orthodoxe Herzog Peter, der kein Wort deutsch kann. Landcsvater von Oldenburg wird, dem dann die Herzen seiner Oldenburger in tiefftcr monarchischer Treue jubelnd bis in den Tod zu schlagen haben. Das Scharfmacherblatt entrüstet sich ganz revoluttonär über „diese Auswüchse des Legitimitätsprincips". Es giebt keine Aus- wüchse dieses Princips, das vielmehr selbst in jeder Hinsicht ein toller Auswuchs der menschlichen Gesellschaft ist, eine historische Kropf- bildung. eine staatsrechtliche Perversität. Tastet man aber das Lcgitiniitätsprincip an, so ist damit das monarchische Princip selbst vernichtet, das ohne jenes nicht leben kann. Der Erb- Monarchismus bleibt ohne die Anerkennung der mystischen Legiti- mität, die bestimmten Fürstenfamilien das Regicrungsrecht auf ganze Länder giebt, als seien Völker Viehherden oder Kassenscheine, die nach Grundsätzen des bürgerlichen Rechts verhandelt und vererbt werden können— der Erbmonarchismus ist, sagen wir. ein absoluter Widersinn, wenn man die mystische Wurzel jener Legitimität durch- 'chneidet. Es ist schlechterdings nicht einzusehen, warum es ein schlimmerer Auswuchs sein soll, daß ein Russe einen deutschen Bundesstaat— kraft der Legitimität— regiert, als daß etwa ein Fürst,, der von Geburt an geisteskrank ist— kraft der gleichen Legitimität— dennoch zum König von Gottes Gnaden gekrönt wird.— Zur Wahl in Eschwcgc-Schmnlknlden behaupteten freisinnige Blätter, daß die Wahl wiederum für ungültig erklärt werden müsse, weil der in die Stichwahl gelangte socialdemokratische Kandidat Hugo überhaupt nicht wählbar sei, da seine Frau und sein Kind sich für Rechnung des Landannen-Verbandes im Kasseler Land-Kranken- hause befinden. Hierzu wird der„Leipziger Volkszeitung" gemeldet: „Wir können konstatieren, daß der Fonds des sogenannten Land- arnien-Vcrbandes eine noch aus kurhessischen Zeiten stammende Stiftung privater Natnr ist. Die Znwendnngen aus dieser Stiftung find bisher immer als Stipendien angesehen worden, die ja be- kanntlich die Wahlfähigkeit nicht beeinttächtigen, sonst wäre ja mancher hohe Beamte, dessen studierende Söhne Stipendien beziehen, deS Wahlrechts beraubt. Ja, man könnte dann sogar die Bezüge der Domherren als Armenunterstützung ansehen."— Weimar, 11. März.(Telegramm.) Im Landtag haben die Agrarier das Verlangen auf kriminelle Bestrafung des Kontraktbruchs der ländlichen Arbeiter gestellt.— Mit polizeilicher Auflösung endete eine Breslauer Protest- Versammlung gegen den Russenlnrs in Deutschland, über den am DonnerZtag Genossin Zetkin referierte. Als sie das bekannte Citat oitij Schiller..Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden.. nnd ein ähnliches von Fichte vorbrachte, ließ sie der überwachende Kommissar zur Mäßigung crmahnen, da er in diesen Citaten im Zusammenhang mit der sonstigen Rede Aufreizung zum Klassenhatz erblickte. Die Referentin bemerkte, sie habe aller- dings nicht gewußt, daß Schillers Citat eine Aufreizung zu Gewalt- thätigkeiten sei. Diese Kritik und der folgende Beifallssturm der- anlaßten den Beamten zur Auflösung der Versammlung. Sonntag findet eine neue statt. )Zuslanck. Die„Petite Re'publique" und die„Nowoje Wremja". Paris, 8. März.(Eig. Ber.) Die Haltung der„Petite Rä- siublique" im russisch-japanischen Kriege unterscheidet sich u n vorteil- hast selbst von derjenigen einiger bürgerlich- demokratischen Blätter. C l e m e n c e a u hat sich durch seine zwar nicht russenfeindlichen, aber iapanfreundlichen und namentlich gegen das Zarentum gerichteten Artikel in der„Aurore" den Zorn des russisch-offizösen„Tcmps" zu- gezogen. Die„Petite Nspublique" hingegen, die seit Faurss' Demission (Ende Januar) van Gorault-Richard allein geleitet wird, hat eine Stellung eingenommen, die nicht einmal zweideutig genannt werden kann, da sie dem Zarentum direkt zu gute kommen muß. In seiner Polemik gegen Clemenccau durfte der„Temps" mit recht den„Regierungssocialisten" Gorault-Richard als Schwurzeugen dafür citieren, daß das Karnickel angefangen hätte, daß Japan die Schuld am Kriege trage. Seither ist dem Direktor der„socialistischen"„Petite Ropublique" auch die wohlverdiente Anerkennung der berüchtigten„Nowoje Wremja", des chauvinistisch-antisemitischen offiziösen Organs der russischen Regierung zu teil geworden. In einem Leitartikel unter der Spitzmarke:„Gorault-Richard" feiert der zarische Offiziosus einige dem Zarenreich günstigen Wendungen, die der ostasiatische Krieg veranlaßt hätte, die angebliche Abkühlung der franko-englischen Freundschaft und den Frontwechsel der italienischen Presse zu Gunsten Rußlands:„Am beweiskräftigsten aber(für die große Wendung) ist ein drittes Beispiel. Von jeher und überall in ganz Europa waren die socialistischen Organe die heftigsten Gegner Rußlands und der russischen Regierung. Die Vorkämpfer der wirtschaftlichen Revolution konnten natürlich für Rußland, eine der konservativsten europäischen Mächte, keine Sympathien hegen...." Folgen Schimpfereien gegen die socialistischen„Verleumder" des Knuteu- reiches.„Was sehen wir aber jetzt? Die ersten Schüsse fielen bei Port Arthur am Dienstagmorgcn und schon am Donnerstag erschien in Paris ein Rußland sympathischer Artikel in einein so extremen Organ wie die„Petite Ropublique" und unter einer so roten Unterschrift wie die von Görault-Richard:„Japan hat die russische Flotte angegriffen ohne vorherige Kriegserklärung". so schreibt der Verfasser.„... Durch ein solches Verfahren kehrt es gegen sich die öffentliche Meinung in allen Ländern. Diese Ver- lctzung des Völkerrechts lvird ihm schließlich teurer zu stehen kommen als Rußland der Verlust von drei Panzerschiffen... Und wir sind den Japanern böse, daß sie durch Ueberstürzung der Ereignisse die Aussichten auf eine Versöhnung beseitigt haben..(„Pet. Rop.", 11. Februar 1901.) Die„Nowoje Wremja" fügt hinzu:„Im Laufe der ganzen L9jährigen Existenz der„Petit Ropublique"(in socialistische Hände ist dieses Blatt im Jahre 1893 übergegangen. Der Berichterstatter.) bilden die angeftihrten Zeilen wohl die erste Rußland sympathische Aeußerung." Das erscheint dem Petersburger Offiziosus ganz natürlich, sintemalen die„antimilitaristischen" und„triegsfcindlichen Socialisten„gar nicht anders könnten, als der lvahrhaft fried- liebenden Haltung Rußlands im Konflikte ihre Sympathien zu bezeugen. So hat denn der russisch-japanische Krieg zum Ergebnis gehabt eine sympathische Kundgebung von Socialisten zu Gunsten Ruß lands. Ist das nicht eine Umwertung aller Werte? Nach solchen Ueberraschungen darf man sich auf alles gefaßt machen..." (Uebersetzt aus der„Nowoje Wremja", Nr. 1V 035 vom 11./24. Febr.) Mit einigen weiteren Artikeln Gerault-Richards kann das offizielle Rußland nicht minder zufrieden sein— so mit seiner greulichen Ausmalung der„gelben Gefahr": die japanischen Nationalisten erstrebten nicht nur die Vorherrschaft in Ostasien, sondern vielleicht auch„die Knechtung der europäischen Rassen durch die ihrige"(„Pet. Rop.", 17. Febr.). In einem andren Leitartikel, geschrieben am Vorabend des Krieges, sagte er der zarischen Er- oberungspolitik nach, sie bringe freilich wider Willen überall mit „den von Rationalismus und Freiheit durchtränkten Geist des Westens" I...(„Pet. Rop.", 2. Februar). Dabei steht Görault-Richard an der Spitze des zur Zeit in Paris einzigen„socialistischen" Tageblattes, und die Kosakenpresse von Paris und Petersburg darf seine Auslassungen verwerten als kompetente und maßgebende Urteile eines socialisttschen Wortführers, vom Lesepublikum schon gar nicht zu sprechen.... Frankreich. Kosakenfreundlich und neutral. Pari?, 3. März.(Eig. Ber.) Der Pariser Gemeinde- rat hat anläßlich des russisch-japanischen Krieges eine zwieschlächtige Kundgebung fertig gebracht. Zuerst setzte die nationalistische Mebrheit eine„glühende" Resolution durch„für das Wohlergehen Rußlands, seiner Armee und seiner Marine" nebst einem„Protest gegen die internationalen Feinde der russischen Alliance". Die Resolution wurde votiert mir 51 gegen bloß eine Stimme, die Stimme des revolutionären Socialisten Landrin. Die übrigen Socialisten enthielten sich der Abstimmung. Die braven Radikalen votierten natürlich mit den Nationalisten. Sodann aber wurde auf Antrag der socialistischen Gruppe mit allen gegen 69 Stimmen— unter einer hunianitär-neutralen und schieds- gerichtsfreundlichen Begründung— beschlossen, einen Betrag von 20 009 Fr.„für die Verwundeten beider kriegführenden Nationen" auszuwerfen. Im nationalistischen Gemeinderat und am Vorabend der kom- munalen Neuwahlen bedeutet dieses einstimmige Votum, daß die Pariser Wählermasse nicht im mindesten von der Kosakenbegeisterung der Press- angesteckt ist. DaS Votum steht in Widerspruch zu der Geldsammlung, die von den Pariser Zeitungsdirettoren— mit der einzigen Ausnahme des Direktors der„Aktion"— einseitig zu Gunsten der russischen Verwundeten allein veranstaltet wurde. Uebrigens bleibt die Teilnehnierschaft dieser Geldsammlung auf die aristokratischen und großbürgerlichen Kreise beschränkt.— Italien. Ganz wie in Deutschland fängt auch der derzeitige italienische Kriegsminister General Pedotti an, die Soldaten auf den Socialis- nms und seine Kulturideen aufmerksam zu machen, indem er durch Corpsbefehle die Offiziere scharf macht, auf„ r e v o- lutionäre" Litteratur in den Kasernen zu fahnden.— England. Die Grafschaftswahlen und Bernard Shaw. London, 7. März. Letzten Sonnabend wurden die Wahlen zum Londoner Graffchaftsrat vorgenommen. Von über 760 000 Wahl- berechtigten haben nur 313 000 ihre Stimmen abgegeben. Die Zusammensetzung des Graffchaftsrats bleibt fast dieselbe wie im Zeitabschluß von 1901—1901. Es wurden gewählt 83 Progressive. 31 Gemäßigte und ein Unabhängiger, so daß die Progressiven über eine Mehrheit von 48 verfügen. Die Sensation dieser Wahlen ist der Durchfall Bernard Shaws im Wahldistrikt St. Pancras (Nordwesten Londons), wo die Gemäßigten zwei Mandate gewonnen haben. Shaw ist feit sechs Jahren Mitglied der lokalen Behörde jenes Wahldistrikts, dennoch wurde er geschlagen. Die Agitation, die fiir ihn entfaltet wurde, war sehr intensiv. Die Fabier arbeiteten ununterbrochen, ebenso eine ganze Reihe seiner litterarischen Verehrer, aber alle Mühe war vergeblich. Schuld an diesem Mißerfolge ist zum großen Teile Shaw selbst. Er wird vor lauter Witzen und Paradoxen den Leuten unverständlich. Trotz aller Kandidatenreden hatten seine Wähler keinen richtigen Begriff, was Shaw denn eigentlich ist und will. Und doch hat er es nach zwanzig Jahren socialistischer, socialreformerischer, socialimperialistischer, demokratischer, aristokratischer, künstlerischer und mnnicipalsocialer Agitation wohl verdient, 1900 Stimmen zu erhalten— dies war alles, was nötig war, ihn zum Mitglied des Londoner Grafschafts- rats zu machen. Sein Mißerfolg hat etwas Tragisches an sich. Sein Wahldistrikt verwarf ihn als„Volksfeind". Die„Daily News", die sich über den Verlust des Wahldistrikts ärgert, meint in ihrem nüchtern-libcralen Zorne, Shaws„toinkoalsriss''(Narrenstreiche) hätten die ganze Geschichte verdorben. Dies ist indes nicht die ganze Wahrheit. Shaw ist ein Dr. Stockmann mit einer kindischen Vorliebe für die Schellenkappe.— Hua Induftric und Handel. Wie man erfolgreich spekuliert. Seit einer Reihe von Jahren gehört ein Herr C h r i st o p h T e u b e r t aus Hohcn-Neuendorf zu den regelmäßigen Besuchern der Berliner Börse. Er hat denn auch Börsengeschäfte mit vielem Erfolg betrieben und daraus ein nicht unbeträchtliches Vermögen gewonnen. Besonders in den letzten Monaten hatte er bei einer Firma 30 000 Mark aus Differenzgeschäften verdient und den Gewinn in größeren Teilbeträgen erhoben. Als sein Spekulationsglück umschlug und ihm Verluste ent- standen, besann er sich darauf, daß das bestehende Börsengesetz für ihn die Erhebung des Differenzeinwandes zuläßt— und verweigerte die Zahlung. Entsprechend den zwischen beiden Parteien vereinbarten Bedingungen, wurde diese Angelegenheit gestern vor der schieds- richterlichen Kommission der Aeltesten der Kaufmannschaft verhandelt. Herr Tcubert, vertreten durch den antisemitischen Rechtsanwalt Simons, der sonst für Treu und Glauben im Handel schwärmt, aber wohl hofft, durch systematische Erhebung des Differenzeinwandes das jüdische Kapital zu untergraben, verweigerte nicht nur die Zahlung, sondern verlangte außerdem die Auszahlung noch restierender Ge- winngelder. Der Vorsitzende soll in sehr unzweideutigen Worten diese Spekulationsart gekennzeichnet haben. Wie die Deutsche Bank berichtet und— spart. Aus München wird uns geschrieben: Einiges Kopfschütteln hat hier der dieser Tage erschienene Geschäftsbericht der Deutschen Bank hervorgerufen. Während in hiesigen, eingeweihten Kreisen bekannt ist, daß das Münchener Zweiggeschäft dieses Instituts in Bayern nichts weniger als glänzend abschneidet, wird in dem veröffentlichten Berichte der Deutschen Bank euphemistisch mitgeteilt:„Die bayrische Filiale konnte sich trotz der ungünstigen Lage des Münchener Immobilien Marktes weiter kräftigen." In Finanzkrcisen fragt man sich nun, worin denn diese weitere Kräftigung eigentlich bestehen soll. Man findet aller dings, daß der Herr Komnierzienrat, der der bayrischen Filiale als Direktor vorsteht, von Tag zu Tag an Leibesumfang zunimmt, aber die„Münchner Post"'mußte erst kürzlich feststellen, daß in der Münchener Filiale der Deutschen Bank infolge schlechten Geschäfts- ganges zu sparen begonnen wird und zunächst natürlich bei den kleinen Beamten der Anfang gemacht worden ist. Norddeutscher Lloyd. Die Verwaltung schlägt eine Dividende von 6 Proz. vor bei 11 Millionen Mark Abschreibungen. Der Bctriebsüberschuß beträgt 26 511000 M. gegen 19110 000 M. im Jahre 1902. Für das Jahr 1902 hatte sich nach Abschreibungen von 12,6 Millionen Mark ein Reingewinn von 229 751 M. ergeben. Eine Dividende gelangte nicht zur Verteilung. Der Vertrag mit dem Morgan-Truft hat in diesem Jahre zum erstenmal Geltung erlangt. Der Trust wird mit der übernommenen Dividendengarantie nicht in Anspruch genommen. Aus eignen Gewinnen wird die Dividende von 6 Proz. gezahlt.— Eine schlechte Geschäftslage wird der Lloyd also bei seinen terroristischen Versuchen gegenüber der organisierten Arbeiterschaft nicht mehr vorschützen können. KonkurSstatistik. Jni letzten Quartal des Jahres 1903 sind die Anträge auf Konkurseröffnung auf 203 gegeu 39 im dritten Quartal und 151 im letzten Quartal 1902 gestiegen. Wenn aus dieser starken Zunahme der Konkurse Schlüsse auf die allgemeinen Verhältnisse ge- zogen werden können, so wird auch hierdurch bewiesen, daß die Nachwirkungen der Krise noch recht fühlbar verspürt werden. NahrungSmittelvcrfälschuugen spielen beim Wareneinkauf für den Haushalt der Arbeiter eine viel größere Rolle, als man gemeinhin anzunehmen pflegt. Um die Kunden durch billige Ware anzulocken und zu halten, greift eine gewisse Sorte von Geschäftsleuten zu einer Verschlechterung der Qualität der Waren. In welcher Weise fast jedes wichtige Nahrungsmittel verfälscht wird, darauf giebt uns ein vor kurzem erschienener Bericht der sächsischen Regierung über die Wirkungen des Nahrungsmittelgesetzes Auskunft. Danach sind die Verfälschungen ziemlich häufig anzu- treffen. Fleisch in Stücken kann zwar nicht verfälscht werden, wohl aber ist dies schon bei Hackfleisch möglich. Verdorbenes Fleisch kann durch Zusätze wieder verkanfsfähig gemacht werden. In Wurstwaren fand man außer künstlichen Farbstoffen häufig Stärke- mehl und aucb Brot. Milch enthielt außer Wasser vielfach noch einen hohen Schmutzgehalt. Butter wird nnt Margarine Verschnitten. Namentlich sind gemahlene Gewürze mit allerhand Zu- thaten, als da sind Schalen, Kalk, Sand, Mehl, vermahlenes Brot usw., gemischt. Honig, Fruchtsäfte, Manneladen. Biere— alles ist der Verfälschung ausgesetzt. Wenn man erwägt, daß die Nahrungsmittelkontrolle ziemlich lax gehandhabt wird, da sowohl das Personal als anch die Mittel zur ständigen Beobachtung der feilgehaltenen Waren fehlen, so kann man die Befürchtung nicht unterdrücken, daß ein nicht gerade allzu kleiner Kreis von Kaufleuten und Ladeninhabern sich kein Gewissen daraus macht, auf Kosten des ärmeren Publikums sich an dem Verkauf von verfälschten Rahrungs- Mitteln zu bereichern. Beförderung von Expreßgut. Bisher war es jeder einzelnen Eisenbahnverwaltung überlassen. Expreßgut zur Beförderung an- zunehmen oder nicht. Mit dem 1. April d. I. tritt hierin eine wesentliche Aenderung insofern ein. als nunmehr für alle deutschen Bahnen einheitliche Bestimmungen hierüber eingeführt werden. Expreßgut kann künstig nach allen Stationen aufgegeben werden, die für den direkten Gepäckverkehr eingerichtet sind. Als Begleitpapier ist den Sendungen vom Absender eine Eisenbahn-Paketadresse(ähn- lich der Post-Paketadresse) auf blauem Kartonpapier beizugeben. Auf eine Eisenbahn-Paketadresse können bis zu fünf Stücke aufgeliefert werden. Die Beförderung erfolgt mit den Personen- und den hier- für freigegebenen Schnellzügen; die Lieferfrist endet in der Regel nach Ankunft des Zuges, mit dem die Beförderung zu geschehen hat. Der Expreßgutverkehr wird daher für den Transport eiliger Sendungen, insbesondere leicht verderblicher Artikel, erhöhte Be- deutung erlangen. Ueber die Annahmezeiten. Beförderungsgebühren-c. erteilt das Berkehrsbureau der Handelskammer. Prinz Louis Ferdinand- straße 1. weitere Auskunft._ GewerkfchaftUcbca. Unternehmer und Behörden. Wenn man die Vertreter der verschiedenen Unternehmer-Verbände sich öffentlich über ihre Absichten änßern hört, dann gipfelt all ihr Streben in dem bescheidenen Wunsche,„Herren im Hause" zu bleiben. Ihre Thaten freilich gehen der Arbeiterschaft gegenüber weit darüber hinaus; sie halten es für selbstverständlich, daß sie nicht nur die Arbeitskrast ihrer Angestellten kaufen, sondern auch deren Gesinnung, und daß sie nicht nur die Thätigkeit des Arbeiters in der Werkstatt zu leiten und zu kontrollieren haben, sondern auch seine Zugehörig« keit zu einer politischen Partei und zu einer gewerkschaftlichen Organisation. Ganz selbstverständlich sehen auch die„Herren im Hause" sich als Herren der Behörden an, von denen sie jederzeit sofortiges Ein- greifen in ihrem Interesse oder nach Umständen auch einmal wohl- überlegte Zurückhaltung fordern. Und merkwürdig, mag das Unter- nehmertum den Behörden gegenüber den Herrenstandpunkt noch so kraß hervorkehren, hier stößt es nie auf Widerborstigkeit, wie bei der organisierten Arbeiterschaft. Wir haben schon öfter darauf hingewiesen, daß'das Unternehmertum der Unterweserorte planmäßig die dort schon große Arbeitslosigkeit durch Heranziehung ftemder Arbeitskräfte zu vermehren trachtet, offenbar um eine große Aussperrung vorzubereiten. Das Gewerkschaftskartell in Bremerhaven hat sich zur Abwehr dieser Bestrebungen veranlaßt gesehen, beim Stadtrat um Errichtung eines kommunalen paritätischen Arbeitsnachweises zu petisionieren. Anfangs hatte es den Anschein, als könne ans der Sache etwas werden, da die angegangene Behörde zu Verhandlungen bereit war. Das störte jedoch die Kreise des Unternehmertums und so entschloß sich denn der Stadtrat entsagungsvoll zu folgendem Schreiben an das Gewcrkschastskartell: Auf Ihren Antrag vom 11. September v. I., betreffend Ein« richtung eines kommunalen paritätischen Arbeitsnachweises für Ar- beitgeber und Arbeitnehmer, verfehlen wir nicht zu erwidern, daß wir die Sache eingehend geprüft und insbesondere auch mit Rücksicht auf die in andren Städten laut eingegangener Mitteilungen hier- durch erzielten Erfolge unsrerseits bereit sein würden, der Frage nach einer solchen Einrichtung näher zu treten, daß wir aber dennoch von einer Weiterverfolgung der Angelegenheit glauben Abstand nehmen zu müssen, weil die sämtlichen in Be- tracht kommenden, von uns zur Aeußerunp auf» geforderten hiesigen Arbeitgeber- Verbände sich gegen diese Einrichtung ausgesprochen haben, weil ihrerseits bereits ein ausreichender Arbeitsnachweis ins Leben gerufen sei. Bremerhaven, den 20. Februar 1901. Der Stadtrat. Hagemann. Inzwischen sind nun auch die Arbeitgeber weiter an den Aus- bau des(für sie!)„ausreichenden" Arbeitsnachweises gegangen. Die koalierten Unternehmer für das Baugewerbe haben einen solchen geschaffen, der ausgesprochen den Charakter eines Maß- regeln ngsbureaus trägt. Der Stadtrat von Bremerhaven aber muß mit gebundenen Händen ansehen, wie die Unternehmer ihre geplante Riesenaussperrung weiter vorbereiten. Er ist zwar„seinerseits bereit", der Frage eines paritätischen Nachweises näher zutreten, aber es haben die„Arbeitgeber-Verbände sich gegen diese Einrichtung aus- gesprochen" und da ist natürlich die wohlwollendste Behörde ohn- mächtig._ Berlin und Clmgegend. Metallarbeiter! Die Kühnemänner haben in den letzten Tagen folgenden neuen Anschlag in ihren Fabriken gemacht: Achtung! „Unter Bezug auf die Bekanntmachungen, betreffend Ein- schreibens in die Listen der Vereinigung der Berliner Metallwaren- Fabrikanten lvird darauf aufmerksam gemacht, daß mit Sonnabend, den 12. März 1901, der Termin abläuft, bis zu welchem Auf- nähme ohne Wartezeit erfolgt; nach diesem Termin tritt statuten- mäßig eine scchsmouatlichc Wartezeit ein, Meldungen zum Ein- schreibe» schriftlich oder mündlich an der Kasse oder bei den Meistern." Wir erwarten, daß sich kein Berliner Metallarbeiter schriftlich znm Verräter seiner Kollegen erklärt. Nur wer sich selbst mißachtet, unterschreibt. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Die Drahtarbeiter(Sektion des Metallarbeiter- Verbandes)) haben mit ihren Arbeitgebern nach längeren Verhandlungen der beiderseitigen Kommissionsmitglieder nunmehr einen neuen Tarif- vertrag abgeschlossen. Derselbe bezieht sich auf die Nadler. Drahtweber, Hilfsarbeiter und Arbeitsburschen der Berliner Draht- industrie einerseits, und den Verein Berliner Drahtindustrieller sowie die Nadler- und Siebmachcr-Jnnung andrerseits und hat Gültigkeit bis zum 1. April 1907. Aus den Hauptbestimmungen des Tarifs sei folgendes hervorgehoben: Di« Arbeitszeit beträgt neun Stunden pro Tag; sie beginnt frühestens um 7 Uhr morgens und endet spätestens um 6 Uhr abends. Sonnabends ist eine und Tags vor den großen Festen zwei Stunden früher Feierabend; an diesen Tagen soll den Lohnarbeitern eine bezw. zwei Stunden außer dem verdienten Lohn bezahlt werden. Bei eintretendem Arbeits- Mangel kann, bevor Entlassungen vorgenommen werden, die Arbeitszeit bis auf 6 Stunden täglich verkürzt werden. Ueber- st u n d e n dürfen nur im äußersten Notfalle gemacht und sollen dann mit 15 Pf., für Hilfsarbeiter und Arbeitsburschen mit 10 Pf. Auf- schlag bezahlt werden. Der Minde st verdien st der Nadler beträgt im ersten Vierteljahr nach der Lehre 10 Pf., im folgenden Vierteljahr 12V- Pf., im zweiten Halbjahr nach der Lehre 45 Pf. und im zweiten Jahre nach der Lehre 50 Pf. Für alle übrigen Nadler beträgt der Mindestverdicnst vom 1. April 1901 ab 52'/- Pf. und vom 1. April 1905 ab 55 Pf. pro Stunde. Arbeiter, die als Spinner oder D r a h t w e b e r für Rabitzgcwcbe angelernt werden, erhalten in den ersten 4 Wochen einen Mindestverdienst von 35 Pf., in den nächsten 1 Wochen 40 Pf., in den folgenden 11 Tagen 45 Pf., alle übrigen erhalten 47V, Pf. pro Stunde. Der Mindest- lohn für Hilfsarbeiter über 20 Jahre, die nicht an Spinn- Maschinen oder Webstühlen arbeiten, beträgt 40 Pf., für solche von 17 bis 20 Jahren, sowie über 50 Jahre 35 Pf. und für A r b e i t s- b u r s ch e n 30 Pf. pro Stunde. Für alle laufenden Arbeiten sind auf der Basis obiger Mindestlöhne Accordsätze festzusetzen, die in der Arbeitsstätte zum Aushang zu bringen sind. Die Accordsätze. bei denen die Mehrheit der Arbeiter bisher den vereinbarten Mindestlohn oder darüber verdient haben, bleiben bestehen. Den Accord- arbeitern ist als Vorschuß für die volle Arbeitswoche der tarif- mätzige Mindestlohn für 54 Stunden zu zahlen. Fahrgeld. Fahrzeit- Entschädigung und Montagezulage sind wöchentlich mit dem Lohn bezw. Accordvorschuß auszuzahlen, doch dürfen diese nicht im Accord mit enthalten sein. Außerdem sind noch eine Reihe von Bc- stimmungen über Materiallieferung, gute Instandhaltung der Werk- zeuge und Maschinen seitens der Arbeitgeber. Entschädigung bei Betriebsstörungen und sanitäre Vorschriften getroffen worden Matzregelungen wegen Durchführung des Tarifs dürfen nicht stattfinden; Tarifstreitigkeiten entscheidet wie bisher die ge- mischte Schlichtungskommission.— Eine am Donnerstag abgehaltene stark besuchte Drahtarbeiter-Versammlung nahm Kenntnis von den Verhmidlungen der Schlichtungskommission und erklärte sich mit dem vereinbarten Tarifentwurf e i n v e r st a n d e n. Damit ist der Ab- schluß des Tarifvertrags so gut wie perfekt geworden, da die Arbeit- gcber in ihrer Gesamtheit die von ihren Kommissionsmitgliedern qe- troffenen Vereinbarungen acceptieren; zum definitiven Abschluß bedarf es nur noch einiger unwesentlicher Formalitäten. Ihre fernere Hauptaufgabe sehen die Drahtarbeiter nun darin, auch die Kollegen in andren Städten Deutschlands aufzurütteln, um zu ähnlichen Ver- trägen, mindestens aber um zu entsprechenden Lohnregulierunaen zu gelangen. Der Streik der Luckenwalder Bautischler droht nach Berlin über. zugreifen. Wenn nämlich die erneuten Verhandlungen mit den Meistern in Luckenwalde zu keinem Resultat führen, beabsichtigen auch die E i n s e tz e r. welche für dortige Firmen in Berlin und den Vorörien einsetzen, die Arbeit niederzulegen, um nicht als Streik- brecher zu gelten. �~■ In der Fahrradfabrik von Bartel und Hauht zu Neu- R u p p i n ist wegen Lohndiffcrenzm ein Streik ausgebrochen.— Zuzug von Metallarbeitern ist fernzuhalten. OeurldKg Reich. Tapezierer-Bewegung. In Bremen ist es zu einer Einigung gekommen. Bei neunstündiger Arbeitszeit wird gezahlt an Aus- gelernte das erste Jahr 42 Pf. Stundenlohn, fürs zweite Jahr 44 Pf. Stundenlohn, fürs dritte Jahr 46 Pf. Stundenlohn. Die- jenigen, welche den obigen Lohnsatz schon erhalten und seit den letzten drei Monaten keine Lohnaufbesserung erhalten haben, bekommen 5 Proz. Aufschlag. Der seit 14 Jahren bestehende Aufschlag für Ileberftunden, 33V- Proz. und Nachtstunden 160 Proz., bleibt be- stehen.— In Zwickau haben drei Geschäfte anstandslos bewilligt, ein Geschäft lehnte die Bewilligung der neunstündigen Arbeitszeit ab, mit den übrigen schweben Verhandlungen. 13 Mann in 8 Geschäften haben ihre Äündigung eingereicht; S Mann arbeiten zu den neuen Bedingungen.— In München find die Tapezierer ebenfalls in die Bcivegung zur Erringung des Ncunstundentages getreten. Mit einem gründlichen Fiasko endete der letzte Arbeits willigen-Prozeh in Breslau. Vier organisierte Stukkateure und ein unorganisierter Bildhauer sollten den mit vielen Orden geschmückten arbeitswilligen Stukkateur Goltsch von freiwilliger Arbeit zurückgehalten haben, weil dieser dem Verband nicht beitreten wollte. In Wirklichkeit war der„Krieger" ausgeschlossen und wäre gar nicht wieder aufgenommen worden; die Streitigkeiten auf dem Arbeitsplatze resultierten aus dem privaten häßlichen und unkollegialen Benehmen des Goltsch, der zum Beispiel all seine Kollegen bei der Steuerbehörde denunziert hatte. Der Mann rechnete aber auf den besonderen Schutz des Gerichts, er erklärte, die Socialdemokraten wollen überhaupt keine Steuern zahlen und als das noch nicht zog, entnahm er seine Brusttasche eine Bülow-Rcdc gegen Bebel und fchickte sich an, dieselbe vorzulesen, wovon ihn der Vorsitzende jedoch abhielt. Der Unternehmer, als Zeuge vernommen, gab selbst zu, daß ihm die angeklagten organisierten Arbeiter, die alle seit Jahren bei ihm beschäftigt sind, lieber seien, als der patriotische Kläger, der ihm viel zu schaffen machte. Angesichts dieses Thatbestandes zog selbst der Staatsanwalt die Klage wegen Vergehens gegen den Z 153 der Gewerbe-Ordnung zurück und wollte nur drei der Angeklagten wegen Beleidigung verurteilt wissen. Auch dieses lehnte das Gericht ab und sprach sämtliche Angeklagte frei. Das Strafverfahren war von der Staatsanwaltschaft ohne besonderen Antrag auf die bloße Anzeige hin eingeleitet worden, was nach der Ansicht des Vertreters der Anklage zu- 'ässig ist._ Fährnisse des Koalitionsrechts. Weil in den Versammlungen 'es Centralverbandes der Handlungs-Gehilfen und Gehilfinnen über laufmannsgerichte— also über„politische Dinge"— der- sandelt und eine Petition an den Bundesrat gerichtet worden ist, ind die Leiter des Breslauer Bezirks, dem auch Handlungs- Äehilfinnen angehören, zu je drei Mark Swafe verurteilt worden. Von einer Auflösung nahm das Gericht Abstand, es fühlte wohl selbst, daß die Beratung des Gesetzentwurfs über Kaufmannsgerichte einem Handlungsgehilfen-Vcrband recht nahe liegt. Beim Revidieren von Backstuben wegen Nichteinhaltens der gesetzlichen Arbeitszeit machten sich die Funktionäre des Breslauer Ortsvereins der Bäcker nach dem Urteil des dortigen Schöffengerichts des Hausfriedensbruches schuldig. Das Betreten des Hofes und das Oeffncn der Backstuben, wobei sie annehmen tonnten, daß es gegen den Willen des Eigentümers geschieht, fei fchon ein HauS- ftiedeiisbruch. Wegen Betretens der Backstube erhielten dann zwei Angeklagte je eine Woche Gefängnis zudiktiert. kluslaiid. Tarifgemcinschaft des schweizerischen Bnchdrucker-Verbandes. Der Schweizer Typographenbund genehmigte in seiner, in Baden bei Zürich abgehaltenen Delegiertenversammlung einstiinmig den Reglementsentwurf für ein Schweizer EinignngSamt des Druckgewerbes, das die Schaffung von lokalen Schiedsgerichten. Siegelung der Arbeits- und Lohnverhältnisse sowie des Lehrlings- Wesens vorsieht. Die Aussperrung der Kupferschmiede in Kopenhagen. Es ist der Firnia B u r m e i st e r u. Main leider gelungen, in Deutsch- land acht S t r ei k b r e ch er anzuwerben. Sie werden sorgsam von der Außenwelt abgeschlossen und müssen nachts auf einem alten Schiff der Gesellschaft logieren.— Auf der am Mittwoch ab- gehaltenen Generalversammlung der Aktiengesellschaft Burmeister u. Wain sprach Direktor Hagemann die Hoffnung aus, daß der Konflikt mit den Kupferschmieden bald geregelt werde, und teilte im übrigen mit, daß der Tarifvertrag mit den Schmieden und Maschinenarbeitern im verflossenen Jahre auf zwei Jahr erneuert wurde. In den vier Jahren, die dieses Uebereinkommen mit der größten Gruppe der Arbeiter der Gesellschaft schon bestanden hat, habe es zu beiderseitiger Zuftiedenheit der Gesellschaft ein gutes Zusammenarbeiten mit dieser Gruppe gesichert. Weiter teilte der Direktor mit, daß mit den Schiffs- Zimmerern und Schiffstischlern Tarifverträge ab- geschlossen wurden; ebenso init der Organisation der A r b e i t s m ä n n e r. doch ist der Vertrag bereits wieder gekündigt worden auf den 1. Febpuar d. I.. ohne daß bis jetzt über die gestellten Forderungen verhandelt worden wäre. Die Gesamtzahl der Arbeiter und Angestellten der Gesellschaft hat sich von 2326 auf 2589 erhöht. Das verflossene Jahr war für die Gesellschaft das beste seit ihrer vor 32 Jahren erfolgten Gründung. Es wurden für 11312 566 Kronen Arbeiten ausgeführt(1962 für 9 736 666 Kronen); an Arbeitslohn wurden 2 966 966 Kronen ausbezahlt. Zwei Solidaritätsstreiks der Hafenarbeiter werden aus Marseille gemeldet. Der eine wird geführt wegen zu geringer Bezahlung der fugendlichen Arbeiter, der andre wegen der schlechten Arbeits- verhälwisse der in Marseille und Cette beschäftigten spanischen Dockarbeiter. Ein Streik der Maurer wird aus Roanne gemeldet. 466 Mann sind im Ausstande; sie verlangen einen zehnstündigen Arbeitstag und eine Erhöhung des Stundenlohnes um 16 Cts., von 56 auf 66 Cts._ Huö der frauenbcweguiig« Neu-Weistensee. Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hält am Mvntag. den 14. März, abends 3V- Uhr. im Lokal des Herrn Schmutz, König- Chaussee 38, eine Mitglieder- Versammlung ab. in welcher Herr Dr. Maurenbrecher einen Vortrag über:„Die Liebe" halten wird. Herren und Damen als Gäste willkommen._ Versammlungen. Der Arbeitervertrrter-Berein nahm in seiner letzten Sitzung den Bericht der Vorstands- und Ausschußmitglieder der Landes- versicherungs-Anftalt Berlin entgegen. Die Berichterstatter gaben einen Ueberblick über die geschäftliche Thätigkeit, Ivelche die genannten Körperschaften im vergangenen Jahre ausgeübt haben. Im Bericht der Vorstandsmitglieder trat die bekannte, oft kritisierte Thatsache hervor, daß die Arbeitcrvertreter im Vorstande ihre Ansichten in der Regel nicht durchsetzen können, weil sie fast immer, wenn ihre Meinungen denen der Arbeitnchmerbertreter gegen überstehen, von den letzteren in Verbindung mit den beamteten Vorstandsmitgliedern überstimmt werden. Ferner wurde bemerkt, daß der Vorsitzende des Vorstandes, Dr. Freund, der früher als arbeiterfreuudlich galt, auf diese Bezeichimug keinen An- sprach machen könne, er sei vielmehr als ein arbeiterfeindlicher Bureaukrat anzusehen.— Im Bericht des Ausschusses nahm der schon vor längerer Zeit im„Vorwärts" mitgeteilte Kompetenzstreit zwischen dem Vorstand der LandeSversicherüngs-Anstalt und dem Vorsitzenden des Schiedsgerichts für Arbeiterversicherung das §rößte Interesse in Anspruch. Der Streit zwischen diesen beiden nstauzen dreht sich darum, welche von ihnen zuständig ist für die beim Schiedsgericht beschäftigten Beamten der Landesvcrsicherungs- Anstalt. Der Vorstand der letzteren hat an die betreffenden Beamten Weisungen ergehen lassen, welche der Vorsitzende des Schiedsgerichts als einen Eingriff in seine Befugnisse ansieht. Darüber hat sich der Schiedsgerichts-Vorsitzende bei seiner Aufsichtsbehörde, dem Polizei Präsidenten beschwert, dieser hat die Beschwerde dem Reichs-Versicheruugs- amt, als der Aussichtsbehörde des Vorstandes des Landcsversicherungs- Anstalt übergeben, und gleichzeitig auch dem Ausschuß der Landes Versicherungs-Anstalt von der Beschwerde Kenntnis gegeben. Das Reichs-Ver'sicherungsamt hat die Beschwerde erledigt, indem es sich im wesentlichen gegen das Verhalten des Vorstandes der Landes- Versicherungs-Anstalt aussprach. Es muß noch bemerkt werden, daß die n i ch t b e a m t e t e n Vorstandsmitglieder erst im Laufe des Beschwerdevcrfahrens von der Angelegenheit eingehende Kenntnis erhielten, so daß also der Konflikt eigentlich nur zwischen den b e- am teten Vorstandsmitgliedern, von denen der Vorsitzende Dr. Freund in erster Linie in Betracht kommt, und dem Schiedsgerichts-Vorsitzenden schwebte.— Nachdem also der Ausschuß Kenntnis von dem Streit- fälle erhalten hatte, setzte er eine Kommission zur Untersuchung der Angelegenheit ein. Auf Empfehlung dieser Kommission faßte der Ausschuß einen Beschluß, worin er ausspricht, daß er das Verhalten des Vorstandes den Schiedsgerichts-Vorsitzenden gegenüber nicht billigt; die Beamten des Schiedsgerichts unterständeu zwar in disciplinarer Hinsicht dem Vorstande der Landes-Versicherungsanstalt, die unmittelbare Aufsicht über diese Beamten stände jedoch dem Schiedsgerichts-Vorsitzenden zu.— Gegen diesen Beschluß des Ausschusses hat der Vorstand Beschwerde beim Reichs-Vcrsicherungsamt erhoben Der Vorstand bestritt dem Ausschuß das Recht, sich init dieser Angelegenheit zu befassen, er beantragte deshalb die Aufhebung des Beschlusses. Das Reichs-Versicherungsamt hat jedoch dem Ausschuß recht gegeben. Es entschied: Die Anfechtung des Beschlusses des Ausschusses durch den Vorstand sei unzulässig, aber selbst wenn nian sie für zulässig erklären wollte, müsse sie doch zurückgewiesen werden, weil der angefochtene Beschluß weder gegen die gesetzlichen noch gegen die statutarischen Vorschriften verstoße. Der Ausschuß habe die Geschästsftihrung des Vorstandes zu übernehmen. Diese Ueberwachungsbefugnis erstrecke sich nicht nur auf einzelne Zweige der Geschäftsführung, etwa die finanziellen Unter- nehmungen und dergleichen, sondern auf die gesamten Obliegen- heiten des Vorstandes. Gleich dem Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft habe der Ausschuß das Recht, die Geschäftsführung des Vorstandes in allen Zweigen zu überwachen, den Vorstand zu diesem Zwecke zur Be- richterstattüng aufzufordern und jederzeit Einsicht in die Geschäftsbücher zu nehmen. In der Versammlung wurde der Wunsch ausgesprochen, daß der Ausschuß von seinen durch das Reichs- Versichcrungsamt be- stätigten Befugnissen nun auch in andren Fällen, soweit es das Interesse der Versicherten gebietet. Gebrauch machen möge.— Eine andre in der Berichterstattung berührte und in der Diskussion be- sprochene Angelegenheit betrifft das Arbeitsverhältnis der Haus- diener in der Heilstätte Beelitz. In dieser Hinsicht hatten die Haus- diener schon vor einigen Monaten ihre Wünsche der Anstalts- leitung sowie dem Vorstande unterbreitet. Auch der Ausschutz hat sich mit der Angelegenheit befaßt, er hat den Vorstand ersucht, eine feste vom Ausschuß aufgestellte Gehaltsskala für das gesamte Anstaltspersonal anzuerkennen, Urlaub zu gewähren und die Ein- setzung einer Beschwerdekommission des Anstaltspersonals zu be- wirken.— Hierzu wurde seitens eines Vertreters der ftir die HauS- diener zuständigen Organisation bemerkt, daß die Beschwerde- kommission noch nicht bestehe, daß neuerdings zwei Hausdiener mit eincnr Monatslohn von 56 M. eingestellt seien, während der Aus- schuß 66 M. als Anfangslohn empfohlen habe, und daß diejenigen, welche die Wünsche und Beschwerden ihrer Kollegen an zuständiger Stelle vorbringen, bald darauf entlassen zu werden pflegen.— Nach der Erledigung der Diskussion über die Berichterstattung brachte ein Vereinsmitglied folgende Angelegenheit zur Sprache: werde allgemein behauptet, daß die Rückzahlung der Beiträge nach dem Tode eines Versicherten an dessen Witwe dann verweigert werde, wenn dem Versicherten durch die Anstalt ein künst- liches Gebiß geliefert worden ist. Die Vorstandsmitglieder bemerkten dazu, solche Fälle seien ihnen noch nicht be- kannt geworden, es werde auch seitens des beamteten Vorstandes bestritten, daß so wie behauptet verfahren werde. Das Ausschuß- Mitglied Dähne bemerkte, als diese Angelegenheit im Ausschuß zur Sprache kam. habe der Vorsitzende Dr. Freund erklärt: Die Lieferung eines Gebisses sei ebenso' wie die Uebernahme eines Heilverfahrens eine freiwillige Leistung der Landcsversichcrungs-Anstalt. und das Recht auf Rückerstattung der Beiträge werde durch solche Leistungen nicht beeinträchtigt.— Hiernach müsse man doch annehmen, daß auch nach diesen Grundsätzen gehandelt werde. Sollte das dennoch nicht geschehen, so möge man dem Vorstande das Material über derartige Fälle unterbreiten, die Betreffenden würden dann zu ihrem Rechte kommen. Centralverband der Maurer. Der Zweigverein Berlin hielt am Freitag eine Generalversammlung ab, in welcher ausschließlich über die von der Vertretersitzung aufgestellten Kandidaten für die örtliche Ver- waltung diskutiert wurde. Unter den vorgeschlagenen Kandidaten befand sich kein Mitglied der bisherigen Verwaltung. Aus einer Darlegung, welche der bisherige erste Bevollmächtigte des Zweig- Vereins, F r i t s ch. veranlaßt durch die Aeußerung eines Dis- kussionsredners machte, ging hervor, daß die seitherigen Mitglieder der Verwaltung abgelehnt hatten, aufs neue zu kandidieren, und zwar aus folgenden Gründen: Tie Vertretersitzung hatte sich damit einverstanden erklärt, daß den besoldeten Verwaltungsmitgliedern, ihrem Wunsche gemäß, ein Wochenlohn von 46 M. und alljährlich ein Urlaub von acht Tagen gewährt werde. Die Zahlstellen- und Bezirksversammlungen haben diese Bewilligung abgelehnt und be- schlössen, daß es bei dem bisherigen Modus der Gehaltszahlung bleibt, wonach die besoldeten Verbandsbeamten den vertragsmäßigen Lohn der Maurer erhalten. Das macht für das neue Geschäftsjahr wöchentlich 37,86 M. Wie Fritzsch ausführte, ist es nicht die Ab- lehnung der geforderten Gehaltserhöhung allein, welche die Ver- waltungsmitglieder veranlaßte, eine Wiederwahl abzulehnen, sondern vielmehr der Umstand, daß man in den Versammlungen den be- soldeten Mitgliedern in verletzender Weise zu verstehen gab, sie wären ja froh, daß sie ihre Posten hätten und würden dieselben auch dann nicht verlassen, wenn ihre Forderungen abgelehnt werden; und weiter sei gesagt worden, die Beamten, welche Gehaltserhöhungen verlangten, hätten das Vertrauen der Mehrheit nicht mehr. Unter diesen Umständen konnten die alten Mitglieder der Verwaltung, ob- wohl sie für die Neuwahl wieder vorgeschlagen wurden, die An- nähme der Kandidatur mit ihrem Ehrgefühl nicht vereinbaren.— F r i t s ch und Busse lehnten zuerst auch die Kandidatur für die Achtzehner-Kommission ab, erklärten sich später aber zur Annahme bereit, nachdem Silbe rschmidt ausgeführt hatte: Er könne diese Ablehnung nicht billigen. Die gegenwärtige Situation mache es iiotlvcndig, daß die alten, mit den Geschäften der Achtzehner- Kommission vertrauten Mitglieder dieser Körperschaft auch ferner angehören.— Die Wahl wird demnächst durch Stimmzettel vor- genommen, die Leitung derselben besorgt eine aus sieben Mitgliedern bestehende Kommission. Die Steinsetzer hielten am Sonntag in WilkeS Lokal eine kombinierte V e s a m m l n n g ab, an der die Filialen Berlin l und P, Charlottcuburg, Schönebcrg und Ripdorf teilnahmen. Verbandsvorsitzender K n o l l erstattete den Bericht über die Ver- Handlungen des Verbandstagcs; Einwendungen gegen die dort ge- saßten Beschlüsse wurden nicht erhoben. Alsdann erfolgte eine längere Aussprache über die vorjährigen Differenzen mit der Filiale II sRamnier) wegen deren Nichtbeteiligung an der lokalen Arbeitslosen-Unterstützung. Schenke erklärte namens der Steinsetzer, daß von irgend einem Berufsdünkel gegenüber den Rammern nicht mehr die Rede sein könne, weil beide Gruppen nichts weiter als Aus- gebeutete ein und derselben Unternehmersippe seien. Haufschild gab namens der Rammer nunmehr der Ueberzeugung Ausdruck, daß das fernere gemeinsame Zusammengehen beider Gruppen keine Trübung mehr erfahren werde. Hieraus wurden die ferneren Maßnahmen zur zweckmäßigen Ausgestaltung der lokalen Arbeitslosen-Unterstützung der zuständigen Fünferkommission zur weiteren Veranlassung überwiesen.— Die alsdann vorgenommenen Wahlen hatten folgendes Ergebnis. Es wurden gewählt: In den C e n t r a l v o r st a n d aus der Filiale l Kiaulehn, M. Hauschild und Grabitz: aus der Filiale II Haufschild. Glix und Friese; aus Charlotten- bürg E h r k e; aus Schöneberg P e t r i; aus Ripdorf Schenke und aus der Mitte der Versammlung S ch w e b s, Berlin 1. (Der Vorsitzende und Kassierer sind auf dem Verbandstage gewählt worden; die Verteilung der übrigen Posten an die in der Versammlung gewählten Personen wird im Centralvorstand selbst vorgenommen.) Ferner wurden gewählt in die P r e ß k o m m i s s i o n: N i l l e r t als Vorsitzender, Lutter, v. Strom. Kuhlmeier und Neumann; in die Agitationskommission für die Provinz Brandenburg: Nillert als Vorsitzender. Wolff, Petri, Gensicke und Lutter; als Revisoren des internationalen Sekretariats: Haufschild, Schenke und G r ä w a r tz. sZum internationalen Sekretär der Steinsetzer- Organisationen ist bekanntlich der Verbandsvorsitzende Knoll'auf dem Verbandstage gewählt worden.) Ober-Schönewcide. Am Donnerstag, den 3. März fand die Fort- setzung der am 22. Februar polizeilich aufgelösten Gemcindewähler- Versammlung in Töpfers Salon statt. Gemeindevertteter Genosse Grunow übte scharfe Kritik an unfern Gegnern, welche 55 666 M. für Kirchenbauten bewilligt haben, aber ftir ein Krankenhaus, das Gewerbcgericht, Fortbildungsschule usw. kein Geld haben. An der lebhaften Diskussion beteiligten sich die Genossen Francke, Her- litz, Walter, Kaufhold. Grunow. Geidner. Lahsar und Minkwitz, die den beiden christlichen Herren Schulze und Bälde, welche sich an der Diskussion beteiligten, scharf entgegen traten. Zum Schluß wurde gegen 1 Sttmme eine Protestresolution angenommen._ Letzte IVacbnchten und Depelcben. Preußische Kunst. Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses setzte am Freitag- abend die Beratung des Kultusetats fort. Beim Kapitel„Kunst und Wissenschaft" entspann sich eine längere Debatte, in der der bekannte Fall des Bildes von Walter Leistikow erwähnt wurde. Der Direftor der Nationalgalerie hatte es zum Ankauf vorgeschlagen. Der Kultusminister hatte es zurückgewiesen. Von verschiedenen Seiten wurde be- tont, daß die Anschaffungen für die Nattonalgalerie nicht einseitig gemacht werden dürften. Von andrer Seite wurde gewünscht, daß die deutsche Kunst besonders berücksichtigt werde. Auf die Frage, ob Bilder der sccessionistischcn Richtung nicht gekauft werden dürften, wurde seitens der Regierung erklärt, daß dem Ministerium nichts davon bekannt sei". Im übrigen wurde eine Reihe von Fragen an die Regierung vom Regicrungslisch aus nicht beantwortet.__ Um den Lohn geprellt. Wiesbaden, 11. März.(B. H.) Der aus Berlin stammende Unternehmer, der in der Gemeinde Limbach mit der Herstellung der Drainage beauftragt war, ist unter Mitnahme des Lohnes der Ar- beiter seit einigen Tagen verschwunden. Gestern nachmittag zogen die Arbeiter etwa 46 Mann vor die Bürgermeisterei und forderten ihr Geld. Dabei kam es zu heftigen Tumulten, so daß die hiesige Gendarmerie telephonisch herbeigerufen werden mußte, Mädchenhändler. Frankfurt a. M., den 11. März.(B. H.) In der Mädchen- händler-Affaire wurde jetzt auch noch der 28 Jahre alte Kaufmann Richard Klaas in Haft genommen, der die Korrespondenz besorgt hat. Klaas war längere Zeit in Hamburg und ist dort vorbesttast. Die bis jetzt vernommenen Mädchen sind alle geständig, sie blieben nur kurze Zeit in den verrufenen Häusern. Es steht fest, daß sich die Vermittlung nicht nur auf gewerbsmäßige Mädchen beschränkte, sondern daß durch verlockende Inserate auch bisher unbescholtene Mädchen angeworben wurden. Sonntagsruhe-Gesetz in Italien. Rom, 11. März.(W. T. B.) Die Deputiertenkammer hat heute nach mehrtägiger Debatte einen Gesetzentwurf betreffend die Sonntagsruhe in der Specialberatung angenommen. Die Entgleisungen auf der sibirischen Bahn. Jrkutsk, 16. März./, Uhr: Schauspielhaus. Goldsischc. Deutsches. Ora st labora.— Das Wunder des heiligen An- toniuS. Berliner. Alt-Heidelberg. Lessing. Zapfenstreich. Westen. Der Zigeuncrbaron. Neues. Candida. Residenz. Der keusche Casimir. Bor- her: Die Empfehlung. Central. Das Schwalbennest. Nachmittags 4 Uhr: Der gestieselte Kater. Belle- Alliancc. Göttcrweiber. Thalia. Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.) König Lear. Schiller>.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Vasantasena. Kleines. Des Pastors Ricke. Luisen. Eine leichte Person. Drianon. Madame Z. Carl Weist. Zwei Frauen. Nachmittags 4 Uhr: Aschenbrödel. Deutsch- Amerikanisches. Ueberau großen Teich. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Casino. Cirkussee. Winter-Garten. Ivette Guilbert. Costantine Bcruardi. Speciali- täten. Apollo. Frühlingslust. Blüten- Hochzeit. Spccialitäten. Metropol. Durchlaucht Radieschen. Reichshallen. Stctttncr Sänger. Pasiage-Theater. Caicedo. Specia- litäten. Ansang ö Uhr. Urania. Daubciistraste 4S/49. Um 8 Uhr: Der Erdball als Träger des Lebens. Nachmittags 4 Uhr: An den Seen Lber-Flaliens. Jnvalidenstraste 57/62. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Um 8 Uhr: Dr. B. Donath: .Radium". Wim Theater. Schifsbauerdamm 4a— 5. Candida. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Minna von Barnhelm. Central-Theater. Heute nachmittag 4 Uhr. halbe Preise: Kindervorstellung: Feder Er- wachscne ein Kind mit Eptraplatz srei. Der gestiefelte Kater. Abends 7-/, Uhr: Das Schwalbennest. Morgen Sonntagnachmittag.8 Uhr: Halbe Preise: vis puppe. Abends 7'/, Uhr: Das Zehwalbenneel. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Uriel Acosta. Sonntagnachm.: Philippinc Weiser. Abends: Die Kohlcnschulz'n von Berlin. Hierauf: Das Volkslied. Montag': Philippinc Weiser. Dienstag: Philippinc Weiser. Mittwoch: Uriel Acosta. Donnerstag z. erstenmal: Egmont. Freitag: Die Kohlcnschulz'n von verlin. Sonnabend: Philippinc Weiser. Hetropol-Theater Heute Sonnabend: Zum erstenmal: Ein tolles Jahr. Gr. dramatisch-satirische Revue in 6 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. In Leone gesetzt von Direktor Bichard Schultz. 1. Bild; Am Kindersee. 2. Bild: Was giebt's denn Neues. 3. Bild: Das Ördensfest. 4. Bild: Der neue Zapfenstreich ( Parodie). 5. Bild: Der Kongress der Denkmäler. 6. Bild: Briefe, die ihn erreichten (Ballett). Beginn der Vorstellung präc. T'/j Uhr. Rauchen überall gestattet. Kleines Theater. Unter den Linden 44. DM" Zum erstenmal;"VS Oes Pastors jii Ansang 8 Uhr. Morgen: �sa«:lita»A-I. Deutsch• Amerikanisches Thealer. Köpnickerst. 67. Stat. Jannowitzbrücke. Hontag: Souvenier- Vorstellung zum 200. Male: Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Ad. Philipp. Uebem grossen TEICH. Sonntagnachm. 3 Uhr; OehernpssenTeieii Scliiller-Tlieafer. tüchiller- Theater O. (Wallner-Theatcr). Sonnabendabend 8 Uhr: König Eear. Trauerspiel in 5 Auszügen von William Shakespeare. Sonntag nachmittag 3Uhr; Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Sonntagabend 8 Uhr: Hie Wildente. Schiller-Theater M. (Friedrich-Wilhclmstädtischcs Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: 'Vasiantasiena. Drama in 5 Akten nach einer Dichtung des Königs Sudraka. Frei bearbeitet von Emil Pohl. S o n n t a g n a ch m i t t a g 3 U h r: Eaniine. Sonntagabend 8 Uhr: Ennipacivagabnndns. Thalia-Theater. Belle-Alliance-Tbeater. Dresdencrstr. 72/73. Amt IV 4440. Ans. U/z Uhr. Direktion lean Kren Letzte Woche I Zum 194. Male: Der Hochtourist. Luide Thielsoher in der Titelrolle. Sonntagnachmittag 3'/z Uhr: Charles« Tante. Bclle-Allianccstr. 7/8. Amt VT 283. und Alfred Schönfeld. Ans. Tj, Uhr. Heule und jolgende Tage': Götterweiber. Ausstatt.-Posse mit Gesang und Tanz. Sonntagnachm. 3 Uhr, kleine Preise: „Der Pfarrer von Kirchfeid". Cirkus Schumann. Heute Sonnabend, den IIS. März 1994, abends 7ll, Uhr: Freres Skremka, hL%wnÄ1'� Möns. Gontard mit dressierten Tieren. Herr Julius Seeths SS Löwen. Babel. Eine Wanderung durch acht Jahrtausende. Sonntagnachmittag! Robert nnd Bertram oder die beiden lustigen Vagabunden. Komische Pantomime in 4 Abteilungen, ausgeführt vom gesamten Personal. Einstudiert von Herrn Hodginl. Musik von A. Beranek. Nachmittags ein Kind srei.__ Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater; Der Erdball als Träger des Lebens. Um 4 Uhr: An den Seen Oberitaiiens. Sternwarte ,nvaliden 8 Uhr: Dr. B. Donath: str. 57/62. „Radium" CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Afrika in Berlin!!! Tunesen-Truppe. GronHe VölkerHchau. Die schönen Harems- Damen in Tunis. Apollo-Theater. 8 U h r: TrÜhljNgSlUft MieT BlülsnluchzBit, O'/j— 11 Uhr; Das grandiose März-SpeeialitäteD- Programm Hab Dersy mit den neuen Tänzen: a) Hiawatha. b)Kickapoo. ? Nordini?? x Robert Steidl. Tom Hearn. Les Brunin. Boston- Ball-Tanz-Ensemble, 32 Damen. Kasseneröffn. 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Rkstdeitz-TlMtkr Direktion S. Lautcnburg. Abends 7'/, Uhr: DicBmpfehlung. Abends 8 Uhr: Oft ktiifdit(Tniiniit. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7>/,. Nur noch bis Dienstag: 3' 2! Die Cirkusfee. Ab_ Mittwoch: Gastspiel des Hof« >schauspielers Max Waiden. Sonntagnachm. 4 Uhr:„Die Diebes- falle."—„Badekuren." Cebrüder Herrnfeld- ??,? Theater. Heute und folgende Tage: Das Herrufeldsche Sensanonsstück Ztur eine Ztsekt! Zwei Alte aus einer Ehe. Vorher: Vollständig neuer Künstlerleii; Schröder u.Denter, Tanz-Karikaturen. Erna Ernani, Vortragssoubrette. Martin Vallöe. Humorist. Die süssen Mädeln, Damen-Gcs.-Duart. Bcndix als Monna Vanna. Edi Stadler, AIpen-Jodler-Phänomcn. Billet-Vorvcrkaus 11—2 Uhr. f. Direktion: Robert Dill. Brunnenstrasse 16. Heute wegen Privatsestlichkcit geschlossen. onntag: Lorbeerbaum u. Bettelstab. Ansang 7 Uhr. Entree 30 Ps. Ball. frinnon-IIlenter. Georgenstrasic, zwischen Friedrich- und Univcrsitätsstrasie. Madame K. Ansang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr:„Biscotte". Passage-Theater. Anfang Sonnt. 3, Wochentags 5 Uhr. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Sensationelles Engagement: Caicedo der berühmte Orahtseilkönig. 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Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 3 Uhr von der Leichen- Halle des neuen Rixdorscr Kirch- hoseS, Maricndorser Weg, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen Robort Adler, Töpfer, und Kinder. Iiilmzzeii-VminlI.IlizieWzeliei' ßErlins unil Umgegend. Todes-Anxei|;c. Am Donnerstag, den 10. d. M., starb unser langjähriges Mitglied FriedrieK Fischer (Fabrik Schering). Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 13. d. Mls., nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Lazarus- Kirchhofes in Reinickendorj, Bcrlinerslrage, aus statt. 103/6 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Hei» Vorstand. Deutscher I Holzarbeiter-Verband. Todes- AnEcige. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi der Kollege Hermann Schröder am Mittwochnachmittag ocr- starben ist. Die Beerdigung findet statt Sonntag, den 13. d. M., nach- mittags 4 Uhr, aus dem Kaiser- Friedrich Gedächtnis-Fricdhos in Plötzense«. 80/12 Um rege Beteiligung ersucht Dio Ortsverwaltung. At!g.Kranktu-n.Sterbeliasst der Metallarbeiter (E. H. 29 Hamburg) TlUale Berlin II. Sonntag, den 13. März er., vor- millags lO'/a Uhr. im Märkischen Hof, Admiralstr. 18o: 2504b Mitglikder-Versllmmtung. Tages-Ordnung: 1. Fortsetzung der Statutcnberatung. 2. Kassenbericht. 3. Berschiedenes. Die Ortsverwaltung. I. A.: E. Fahrenwald. Für die überaus zahlreiche Be- teiligung und vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, unsres Vaters Johann Rasch sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank. 2519b 0!o trauernde Witwe nebst Kindern. Kränze F. Jacobitz, Klippenstr.44. K ranz- n. Bhunenbinderei von H. Eckert, 98. Koktbuser Tamm 98. G rosse Freiburger Dornbau-Lotterie. Ziehung: 23.-26. Ifiärz. Haupttr.: 100 000, 40 000, 20 000, 1« 000 M. usw. (oft I. 3QA Porto und Liste 30 Pf. Rachor, KonÄr, Mainz. Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Dneiaf Mocquetts. Plüsch- nCMBl Satteltaschen. Muster b. näher. Angabe franoo. 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Jeden Sonnabend abends 3—10 Uhr werden in folgenden Zahlstellen Beiträge entgegengenommen: Blumcnstraßc 38, Zorndorserstr. 8, Oranien- strafic 197,«kalitzcrstr. 58, Brunnenstr. 96, Dalldorsersw. 16: in Rixdors Stcinmetzslr. 103; in Lichtenberg Fricdrichkarlstr. 11; in Wcijzenjce König- Chaussee 55. 145/16 Montag, den 14. März, abends 8'/- Uhr, Hussitenstr. 40: UV Versammlung. Hl Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Vitschke über:„Ruhlands Freiheitskämpfer in Sibirien". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgcnhcit. 4. Ver- schiedenes. Blenatag, 15. Bttrz, abends 8'/. Ehr, Bloinenstr. 88: Mp" Vorftands-Sitzung."HW Die Disserenz bei der Firma Mcndelsohn, Köpnickerstrahc 128 ist bei- gelegt.__ Der Vorstand. dernauucio-,iiauo)JUii-u. Deutschlands.— Verwaltungsstelle Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis:„Gewerkschaftshaus'1, Engel- Ufer 15, II., Zimmer 13.— Telephon: Amt 4 Nr. 3348. Achtung: Kutscher uud Arbeiter uns den gemerblicheu Innungs-Fuhrbetneben Kerlins. Sonntag, 13. März, vorm. lOVa Uhr, bei Gleve, Waldemarstr. 75: UM" Versammlung."HW Tages-Ordnung: I. Die Neuwahlen zur Generalversammlung der Fnhrherren-Jnnungs- lasse und welche Massnahmen haben die Kutscher zu ergrcisen, um deren Einrichtungen im Interesse unsrer kranken Kollegen vortellhastcr zu gestalten? Reserent O. S ch u m a n n. 2. Diskussion und Ausstellung der Kandidaten- liste. 3. Geschäftliches. Achtung: KollkgkN und Kolleginnen aus den Ktzirben der Kchönhanser Vorstadt. Sonntag, 13. März, abds. 6 Uhr, im Jägerhaus, Schönhauser Allee lOO; Versammlung mit Frauen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Borgmann. 2. Dis- kussion. 3. Geschäftliches.— Nach der Versammlung: Geselliges Bei- sammensein und Danz. Achtung: Kohlenarbeiter und Kutscher oov den Plätzen Moabits und vom Wedding. Sonntag, den 13. März, abends 0 Uhr, bei Schirme, Stromstr. 42: Versammlung mit Frauen. Tages-Ordnung: 4. Vortrag deS Kollegen Pause. 2. Diskussion. 3. Geschäftliches. — Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein und Tanz. Achtung: Kutscher aller Kranchen von den Kezirken Pankow, Reinickendorf und Weißeusee. Sonntag, 13. März, abds. k Uhr, bei Schumann, Wcißensee, Lehderstr. 5: WM" Versammlung. Tag eS-Ordnung: 1. Der Kongreh für alle im Transportgewerbe beschäftigten Kutscher und Arbeiter und seine Bedeutung für unsre Kollegen. Referent: Kollege IL u t h c s. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Delegierten. 4. Geschästliches. Achtung: Kollegen und Kolleginnen in Kirdorf. Sonntag, 13. März, abends k Uhr, bei Gcllert, Steinmrvstraße 113: Versammlung. Tag eS-Ordnung: 1. Der Kongreß für alle im Transportgcwcrbe beschäftigten Kutscher und Arbeiter und seine Bedeutung für«nsre Kollegen. Reserent: Kollege A Gebert. 2. Diskussion und Wahl eines Delegierten zu demselben. 3. Geschästliches. 67/12 Einen recht zahlreichen Besuch aller hier in Frage kommenden Gruppen und Kollegen erwartet_ Die Ortsverwaltung I. Charlottenbnrg,„Volkshans44. Sonntag, den 13. März, abends 7 Uhr, in kleinen Saal: Vortrag von Dr. fiiax fllbcrfy: Sociale Dichtung(Lyrik) mit Recitationen. Gedichte von Freiligrath, Heine, Herwegh, Dehme!, Liliencron, Henckell, Otto Krille— Politische Satire: SimplicissimuS- Gedichte. 287/9 - Eintritt frei.====== Berlin, Erledrlchstr. 818, neben Apollo-Theater links! M Dentarium Kunsttechnischcs Institut für Zahner sali, Plomb. Teste Hnsti. Zähne mtlw. das heisst Zähne mit echt Piatinastiften. lOjähr. Garantie I gänzlich ausgeschlossen, denn wir vorpflichten uns, bei Nichtpaasen iTKiaau au�aa volfes Geld zurückzuzahlen! 4474L* ■BT- Unverlangte Anerkennungsschreiben seit. Kgl. preuss. appr. Zahnärzte u.Modizinerbeweisen unsere Leistungsfähigkeit! 4p8 bewährfeste Nahrung für 3 u. magen- darmkranke der. Schmöckwitz, OÜ? H. Ssders$ Dyckhoff l J BERLIN Oranienstr. 48, Ecke Luckauersfrasse und Leipzigerstr. 50a, am Dönhoff=Platz. Herren- u. Mnabcn--Bchkidung fertig und nach Mass. 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Arnim wegen Mißhandlung eines Soldaten zu 14 Tagen Stubenarrest verurteilt worden. Er hatte einen Soldaten mit der Faust ins Gesicht geschlagen, so daß diesem die Nase blutete und der Helm vom Kopfe flog. Dieses Urteil hatte der Genosse Oskar Geck, Redakteur der Mannheimer„Volksstimme", in seinem Blatte besprochen und darin den Lieutenant v. Arnim eine feige Memme genannt. Genosse Kolb in Karlsruhe hatte den Artikel im„Vollsfreund" abgedruckt. Der Lieutenant sirengte Privatklage wegen Beleidigung gegen die beiden Redakteure an und das Gericht verurteilte Geck zu löO M. und Kolb zu 100 M. Geldstrafe. In der Urteilsbegründung wurde u. a. gesagt, der Fall v. Arnim sei zwar derart gewesen, daß sich eine Besprechung rechtfertige, es sei aber nicht notwendig gewesen, ihn zu besprechen, wie es geschehen sei. Astrologie im Gcrichtssaale. Ueber eine seltsame Gerichtsverhandlung vor einer Strafkammer in Dortmund berichtet unser dortiges Parteiblatt, die„Arbeiter- Zeitung". Danach war im vorigen Jahre der Parteigenosse Sch. durch richtlichen Strafbefehl zu 10 M. Geldstrafe verurteilt worden, weil er durch öffentliches Verbreiten von Flugblättern am Sonntag „Arbeit verübt" haben sollte. Zwei Polizisten sagten in dem darauf anhängig gemachten Gerichtsverfahren aus, Sch. habe die Blätter öffentlich getragen und um 10 Uhr vormittags dem Bergmann H. auf einem öffentlichen Wege ein Flugblatt gegeben. Sch. beswitt das ganz entschieden. Das Schöffengericht bestättgte den Strafbefehl, die Ferien-Strafkannner sprach ihn jedoch frei. Der Staatsanwalt legte Revision ein, das Kammergericht hob das freisprechende Urteil auf, verwies die Sache zurück und infolgedessen wurde der Fall jetzt abermals vor der Sttaftanimer verhandelt. In diesem Termiir riet nun der Vorsitzende dem Genossen Sch., wie die„Arbeiterzeitung" berichtet, zur Zurücknahme der Berufung mit folgender auffälligen Begründung: „Es steht in den Sterucn geschrieben, daß Sie verurteilt werden Muffen." Genosse Sch. bestand aber darauf, daß verhandelt werde. Er wollte jetzt durch den Bergmann H. nachweisen, daß die Bc- kundigungen der Polizisten in der vorigen Verhandlung nicht den Thatsachen entsprechen. Zeuge H. bekundete, daß er von dem Ge- Nossen Sch. kein Flugblatt empfangen, sondern vom Genossen P. Der letztere bezeugte auch, daß Genosse Sch. um 10 Uhr noch zu Hause gewesen ist. Trotz dieser Zeugenaussagen waren für das Gericht die Aussagen der Polizisten maßgebend, es erfolgte Ver- werfung der Berufung unter Auferlegung der Kosten. Soziales. Aerzte und Krankenkassen. Auch unsre nculichen Darlegungen, daß es im Interesse der all- gemeinen Hebung des Gesundheitszustandes der Versicherten liege, wenn die Kassen die Aerzte fest anstellen, weil nur der festangestellte Arzt ein Interesse an solcher Thätigkeit habe, während der frei- gewählte Arzt, der selbständige Gewerbetreibende gegenteilig interessiert sei, antwortet die„Vossische" mit dem Hinweise auf die Thatsache, daß sich in Berlin auch eine Anzahl„freigewählter" Aerzte um die socialhygienischcn Aufgabe» der Kassen verdient gemacht hätten. Das muß uns natürlich erst die„Vossische" sagen. Die Thatsache, daß einzelne Aerzte selbstlos geimg sind, sich ohne Entgelt in den Dienst der Krankenkassen zu stellen, beweist nicht das geringste gegen unsre allgemeinen Darlegungen. Wir erwarten ja von der„Vossischen" nicht, daß sie für grundsätzliche Auf- fassungcn Verständnis hat, aber das sollte sie doch aus unsrer bis- herigen Behandlung der Fragen entnommen haben, daß wir sie nicht unter dem Gesichtspuntte persönlicher Schlechtigkeit der einzelnen Aerzte betrachten. Wir haben dargelegt, daß der freie Arzt, der selbständige Gewerbetreibende, an einer möglichst großen Zahl honorierter ärztlicher Leistungen interessiert ist. Das bedarf keines Einzelbeweises, denn es ist die Grundlage der Existenz dieses Arztes. Durch die notorische— wenigstens örtliche— Ueberfüllung des ärztlichen Standes wird dieses Interesse noch gestärkt. Daraus erklärt sich ja der Widerspruch der Aerzte gegen die Ausdehnung des Kreises der Versicherten, der sich vielfach auch iir einem Widerspruch gegen die Ausdehnung der Kassenleistungen auf die Angehörigen der Versicherten äußert. Die Aerzte fürchten, daß ihnen das Rezept- schreiben für die in die Versicherung aufgenommenen Volks- kreise nicht mehr so viel einbringen werde wie früher. Es steht fest: Der ärztliche Stand als Ganzes ist, solange die Aerzte freie Gewerbetreibende sind, an möglichst umfangreicher Rezept- schreiberei interessiert. Umgekehrt ist die Lage des festangestellten Arztes, was wiederum keines Einzelbeweises bedarf. Seine Existenz ist nicht abhängig vom Rezeptschreiben. Dieser Sachverhalt wird nicht dadurch geändert, daß einzelne freie Aerzte für Hebung der allgemeinen Volksgesundheit selbstlos thätig sind und daß es auch unter den festangestellten Aerzten solche giebt oder geben würde, die sich mit der Heilung des einzelnen Kranken begnügen und nach Ab- lcistung ihrer Bureaustunden im edlen Skatsport Bestiedigung finden. Bei der Gelegenheit entschlüpft der„Vossischen" auch das unbeabsichtigte Zugeständnis, daß die Berliner Krankenkassen ein „namhaftes Verdienst" um die Erfüllung hygienischer Aufgaben haben. Bekanntlich ivaren die Berliner Kassenverwaltungen erst kürzlich gezwungen, gegen die Behaupwng des Dr. Mugdan im Reichstage zu protestieren, daß sie für die socialhygienischei, Er- Weiterungen der Kassenleistungen nur billige Worte und keine Thaten gehabt hätten. Wie kann die„Vossische" ihren Freund und Inspirator Mugdan so bloßstellen!_ Aerztliche Selbstlosigkeit. Im Großherzogtum Hessen haben die h o m ö o p a t h i s ch e n Aerzte, wie in den meisten andren deutschen Bundesstaaten, das Recht, ihre Medikamente selbst zu dispensieren und kosten- loS an ihre Patienten abzugeben. Obgleich sich im ganzen Groß- Herzogtum nur 6 homöopathische Aerzte gegenüber 700 nicht- homöopathischen befinden, hatten letztere durch„wiederholt und dringend" an die Regierung gestelltes Ersuchen es ferrig gebracht, daß diese eine Verordnung erließ, welche den homöopathischen Aerzten das Selbstdispcnsieren verbietet. Gegen diese Verordnung wendeten sich nicht nur die homöopathischen Aerzte, sondern auch eine große Airzahl .Krankenkassen beschwerdeführend an den Landtag. Am vorigen Mittwoch stand die Angelegenheit im Landtag zur Debatte. Der Rcgierungsvertrcter Geh. Obermedizinalrat Dr. N e i d h a r t führte aus. daß die Regierung zu dem Erlaß des Verbotes durch die nicht- homöopathischen Aerzte gezwungen worden sei? diese hätten gedroht, rntS dem Gesundheits-Ausschuß usw. auszutreten, wenn die Rc- gicrung ihren homöopathischen Kollegen das Selbstdispensieren nicht verbiete. Die Kammer ersuchte mit allen gegen 7 Stimmen die Regierung, ihr Verbot zurückzuziehen. Gegen den Centtums-Abgcordnetcn Fuchs nahm am Mittwoch der Kölner Mieterverein wegen dessen Ausführungen über die Kölner Wohnungsverhältnisse und die Baugenossenschaften Stellung. Herr Fuchs hat im preußischen Landtag unter anderm ausgeführt: Der Mittelstand sei„sehr eingeengt worden durch die Arbeiter- Konsumvereine, durch die großen Warenhäuser der Beamten- vereine und durch die vom Großkapital errichteten Warenhäuser, sowie auch durch dieSocialreform". Der Redner wandte sich dann gegen eine inKöln bestehende Baugenossenschaft undschloß:„Daher sollte man nur dort, wo ein dringendes Bedürfnis zur Herstellung von Arbeiter- und Beamten Wohnungen besteht, mit einem solchen Bau vorgehen. Vielfach, wie beispielsweise in Köln, stehen so viele Wohnungen leer, daß die Schaffung weiterer Wohnungen den Ruin zahlreicher Existenzen des Mittelstandes bedeutet."— Die letzten Behauptungen schlagen, obwohl der„arbeiterfreundliche" Centrumsabgeorduete in Köln wohnt, der Wahrheit ins Gesicht. Im Monat Januar standen beim städtischen Wohnungsnachweis 350 Nachftagen nur 281 Wohunngsaugebote gegenüber! Wohnungen von 2 Räumen wurden verlangt 137, angeboten nur 92, von 3 Räumen wurden verlaugt 101, angeboten nur 02 Wohnungen usw.— Sämtliche Redner des Kölner Mietervereins sprachen sich entschieden gegen Herrn Fuchs aus. In einer einstimmig beschlossenen Resolution sprach die Ver- sammlung„dem Landtagsabgeordneten für Köln, Herrn Eduard Fuchs, entschiedenste Mißbilligung hinsichtlich der Ausführungen aus, die Herr Fuchs kürzlich'im preußischen Landtag gegen die Baugenossenschaften vertreien hat. Der Kölner Mieterverein be- trachtet die Ausführungen des Abg. Fuchs als allgemein unzutreffend, und soweit sie im besondern ans Kölner BaugenossenschaftS- und Mietsverhältniffe sich bezogen, als geradezu unwahr und irreführend". Bei den Gcwervegerichts-Wahlcn in Oh lau(Schlesien) wurden sämtliche von den freien Gewerkschaften vorgeschlagenen Kandidaten einstimmig gewählt, da die christlichen und Hirsch-Dunckerschen Ge- werkschaften gar nicht versuchten, in Wettbewerb zu treten. Zur Abschreckung fiir eifrige Staatsanwälte. Aus Halle be- richtet man uns unterm 7. März: Die mittellose Bergmaunsftau Anna H a a k e aus KlostermanSfeld stand heute vor dem Schwur- gericht wegen Urkundenfälschung unter Anklage. Sie war, weil sie vom Felde einige Rüben weggenommen hatte, zu 24 M. Geldstrafe eventuell sechs Togen Haft verurteilt worden, und hatte den Staats- anwalt Schlütter in Halle um Teilzahlungen ersucht, da sie die Haftstrafe nicht antreten wollte. Der Staatsanwalt bewilligte die Teilzahlungen unter der Bedingung, daß die Frau bis zum 7. De- zember v. I. aber eine erste Rate von 12 M. zahle. Da die arme Proletarierin aber nur 10 M. zusammenbrachte, änderte sie das Staatsanwaltsschreiben insofern um, daß sie aus der 12 eine 10 M. machte. Sraatsanwalt Schlütter beantragte nun heute die Schuldigsprechung und tröstete die Angeklagte mit der eventuellen Begnadigung. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Suchsland, srüherer Bürgermeister von Luckenwalde sagte: Ich bitte nicht um Gnade, sondern um Recht, und ersuche, die Schuldfrage mit einem recht kräftigen Nein zu beantworten. Wie war nur diese Anklage möglich? Die Geschworeneu sind dazu berufen, Kapital- verbrechen abzuurteilen: aber wie mager sieht die vorliegende Sache aus. Wegen 200 ReichSpsennige mutzte der große Schwurgerichts- apparat in Bewegung gesetzt werden. Die unglückliche Angeklagte hat eine Schule besucht, in der 150 Rinder von einem Lehrer unter- richtet wurden. Die Geschworenen sprachen die Frau ftei, und der Staatsauwalt Machte ein unbefriedigtes Gesicht. Städtische Wcge-Ardciter und Krankenversicherungspflicht. Zwei Rechtsfragen wurden in dem Verwaltungsstreit eines Armenverbandes gegen eine Orts-Krankenkasse aufgeworfen. Die Frage, ob kommunale Wege-Arbeiter ohne weiteres der Kranken» Versicherungspflicht unterliegen, und ferner die, ob die Unterbringung in einem Armenhaus und die Verpflegung dortselbst eine Leistung ist, wegen der auf Grund des§ 57 des Krankenversicherungs-GesetzeS unter den dort bestimmten Voraussetzungen das für die gleiche Zeit fällige Krankengeld des Verpflegten als Ersatz vom Armenverband beansprucht werden kann. Der vorher mit städtischen Wegearbeiten beschäftigte Arbeiter L. war nebst seiner Familie auf städtische Kosten während einer Krankheit im Armenhaus verpflegt worden. Obwohl ihm die Orts-Krankeukasse freien Arzt und freie Medizin, gewährte und ihm auch 13 Wochen lang Krankengeld zahlte, erhob der Armen- verband durch eine Klage gegen die Kasse Anspruch auf den Betrag des Krankengeldes in Höhe von III M. Er machte geltend, nach § 57 des Gesetzes hätte ihm das Krankengeld für die 13 Wochen Ivegen der gleichzeitigen Verpflegung der hilfsbedürftigen ganzen Familie im Armenhause überwiesen werden müssen.— Die Kasse machte geltend, es handle sich hier bei der Verpflegung im Armen- hause um eine Leistung der reinen Armenpflege und nicht um eine Leistung im Sinne des§ 57, da alles, ivaS der Krankenkasse gesetzlich zukomme, von dieser dem Kranken gewährt sei. Der Bezirksausschuß wies die Klage des Armenverbandes mit der Begründung ab, L. sei als städtischer Wege-Arbeiter mangels eines Ortsstadlts gemäß K 2 des Gesetzes überhaupt nicht ver- sicherungspflichtig gewesen, so daß die Kasse überhaupt keine gesetz- liche Verpflichtung gehabt habe, Das Ober-Verwaltungsgcricht als RedisionSinftanz hob indessen die Vorentscheidung auf und verwies die Sache mit folgender Be- gründung an den Bezirksausschuß zurück: Falsch sei die Auffassung, daß die Verpflegung im Armenhaus keine Leistung gemäß§ 57 des Gesetzes sein könne. Sie könne es sein und sei eö hier auch. An sich sei wegen ihrer ein Ersatzanspruch an die Krankenkasse zulässig. Es frage sich nun, ob eine andre Voraussetzung der Anwendbarkeit des Z 57 gegeben sei, nämlich ob L. versicherungspflichtig und des- halb Mitglied der beklagten Kasse für Fabrikarbeiter. Arbeiter an Bauten:c. war. In der Beziehung sei das Urteil des Bezirks- ausschusses rechtsirrtümlich. Ein Ortsstatnt im Sinne des § 2 des Gesetzes sei nicht erforderlich, die Versicherungspflicht kommunaler Wege-Arbeiter zu begründen. Denn alle mit Wege- Arbeiten beschäftigten Personen gehörten zu den„Arbeitern bei Bauten" im Sinne des§ 1 des Gesetzes und seien somit, auch wenn sie im kommunalen Dienste stehen, ohne weiteres ver- sicherungspflichtig, vorausgesetzt, daß sie Lohn oder Gehalt beziehen. Der Bezirksausschuß müsse noch feststellen, ob. L., der auch damals schon im Armenhaus wohnte, für die Wege-Arbeiten Lohn erhielt. Wird dies festgestellt, dann ist die Kasse zur Ersatzleistung an den Armenverbaud im Rahmen des 8 57 verpflichtet. Serliner partei-)Znge!egendeiten. Steglitz. Sonntag früh 7 Uhr: Flugblattverbreitung. Treffpunkt: Nur bei S ch e l l h a s e, Ahornstr. 15u.— Vollzähliges Erscheinen ist dringend nötig. Schöncbcrg. Heute, Sonnabendabend 8 Uhr, veranstaltet der Wahlverein einen Recitations-Abend im Obstschen Saale, Meiningerstr. 8. Zum Bortrag gelangt:„Nachtasyl". Recitator: Emil W a l k o t t e. Enttee: 20 Pf.— Nachdem: Tanzkränzchen.— Der heute fällige Zahlabend bei Obst fällt der Veranstaltung wegen aus. gblatt- 2 Bezirk: e, Berli --»o......■■—£,•"• Hilpert, Kurfürstendamm 126. Mittwochabend 8Vz Uhr wird Genosse Zub eil in einer bei �prTirrpvffr 40 ff.iftftnhpiThm 9�nT?Äliprf< Wilmersdorf. Montagabend 7 Uhr findet eine Flug Verteilung von folgenden Lokalen aus statt: 1. und 2 Bezirk: Natusch, Uhlandstr. 71 1 3., 4. und 5. Bezirk: Witte, Berlinerstr. 40; 6, Bezirk: Rudloff, Bruchsalstr. 14; 7. Bezirk: Hilpert, Haleusee, fliitvf vf+ortS/"**«»*» 1 Oß Mittwochabend 8V3 Uhr wird Genosse Z u b e r I in einer vci Witte, Berlinerstr. 40, stattfindenden Volksversammlung über die socialpolitischen Aufgaben der Gemeinden sprechen, auch erfolgt in dieser Versammlung die Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindewahl. Klein-Schöneicck und Fichtenau. Sonntagnachmittag Uhr findet in Fichtenau(Restaurant Burkhardt) eine Volksver- sammlung statt mit der Tagesordnung: 1. Vortrag:„Die Aufgaben der socialdemokratischen Gemeindevertreter". Referent Gemeindevertreter Sonnenburg- FriedrichShagen. 2. Diskussion. 3. Kandidaten-Aufstellung. Weißensec. Die Parteigenossen werden gebeten, an der am Sonntag ftüh 8 Uhr stattfindenden Flugblatt-Verbreitung zahlreich teilzunehmen. Die Verbreitung findet von den bekannten fünf Abteilungslokalen aus statt. Zum Sonntagnachmittag V/3 Uhr ist für Alt-Weitzensee eine Versammlung im Möllerfchen Lokale, Berlinerstr. 11, anberaumt und am Montag, abends 8 Uhr, für Neu-Weitzensee eine Versammlung im Vereinshause, Char- lotteuburgerstraße 150. In der ersten Versammlung spricht Gemeinde- Vertreter Genosse Taub mann, in der zweiten Stadtverordneter Genosse K 0 tz k e. Beide referieren über das Thema:„Was fordern wir von der Gemeinde?" Für beide Versammlungen ist ein recht reger Besuch erwünscht. Reinickendorf. Am Sonntag findet eine Flugblattver» breitung statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Stralau. Infolge des Ausscheidens unsreS bisherigen Gemeinde- Vertreters, Gen. Wilhelm Buck, findet am Dienstag, den 15. März, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Restaurateurs Friedrich Munzel, Alt-Stralau 10(Storchnest) für die dritte Wählerklasse die Neu- wähl statt; die Wahl darf nach der Bekanntmachung des Gemeinde- Vorstandes nicht vor It'/z Uhr vom Wahlvorstand aufgehoben werden. Parteigenossen, beteiligen wir uns wieder an der Wahl, trotzdem die Wahl für die Arbeiter auf die ungünstigste Zeit fest- gesetzt ist. Aufgestellt ist wieder für die dritte Wählerklasse unser bisheriger Vertreter, Gen. Wilhelm Buck, Alt-Stralau 46. Agitiert noch die kurze Zeit, damit wir unser Mandat behaupten I Es darf keiner der Wahl fernbleiben.— Sonntag, den 13. März, vormittags 8 Uhr, findet für die Gememderatswahl eine Flugblatt- Verbreitung statt. Treffpuutt im Restaurant von Paul Schöps. RummclSburg. Die Parteigenossen werden ersucht, sich zur Flugblattverbreitung Sonntag früh 8 Uhr in folgenden Lokalen einzufinden: Tempel, Alt-Boxhagen 56; Werner, Schiller- straße 24: Tege, Prinz Albertstr. 13/14: Burgenger, Kantstr. 44; Toens, Kantstraße, Ecke der Goethestraße; Wenger, Neue Prinz Albertstr. 17. Der Vorstand. Grünau. Sonntagnachmittag 3 Uhr findet bei Duchauffour, .Köpnickerstr. 79, eine öffentliche Gemein de wähler-Ver- sammlung statt. Stadtv. Voigt spricht über das Thema: Auf zur Gemeindevertreter-Wahl! Tempelhof. Sonntag ftüh 7'/3 Uhr: Flngblattverbrcitung. Treffpunkt im Lokale von Martin Müller, Berlinerstr. 41/42. Tcmpclhof. Dienstagabend b'/z Uhr hält der Wahlverein im Lokale von Martin Astiller, Berlinerstr. 41/42, seine regelmäßige Monatsversammlung ab, in der Genosse Dr. Alberty einen Vorttag über„Kunst und Proletariat" halten wird. Gäste soivie auch Frauen haben Zutritt. Ncucuhagcn(Ostbahn). Der socialdemokratische Verein hält seine ordentliche Mitgliederversammlung am Sonntagnachmittag 4 Uhr im Dicdcrichschrn Lokale in Brnchmiihle ab. Tagesordnung: 1. Regelung der Lokalfrage. 2. Fortsetzung der Debatte über die eventuelle Selbständigkeit unsreS Vereins. 3. Verschiedenes. lokales. Ostelbische Schulzustände auf Berliner Rieselgütern. Ueber die SchulverhälMisse der Berliner Rieselgüter wird in der „Pädagogischen Zeitting" eine Zusammenstellung veröffentlicht, deren Ergebnis recht beschämend für Berlin ist. Daß es auf den Rieselgütern unsrer Zweimillionenstadt im Punkte der Schule leider noch sehr„ländlich" zugeht, ist im„Vorwärts" oft genug nachgewiesen worden. Es wird unsre Leser interessieren, auch einmal zu hören, was die Lehrer selber darüber sagen. Vorhanden sind auf den Rieselgütern 19 Schulen, die aus zu- sammen 44 Klassen bestehen. Sechs dieser Schulen sind einklassig, fünf haben je drei Klassen, zwei haben mehr Klassen; die übrigen sechs Schulen sind Halbtagsschulen. Für die 44 Klassen stehen nur 31 Lehrer zur Verftigung. Nach den Angaben des genannteil Lehrerblattes Beträgt die Schülerzahl für einen Lehrer in vier Orten mehr als 90; das Minimum ist 30, das Maximum— 112. Nicht wahr, das sind echt ostelbische Zahlen? Der Erfolg der unter- richtlichen uild erziehlichen Thättgkeit des Lehrers kann unter solchen Umständen nicht groß sein, er wird aber noch weiter dadurch ver- ringert, daß die Kinder der Arbeiter im Sommer täglich bis zu sechs Stunden auf den Gütern beschäftigt werden. Auch dieser Brauch, der unter den Augen des Berliner Magistrats geübt wird. ist unverfälscht ostelbisch. Um die Gehälter, die den stark überbürdeten Lehrern der Rieselgut-Schlilcn gezahlt werden, steht es ähnlich schlimm. Grundgehalt und Alterszulagcn sind manchmal so niedrig bemessen, wie wenn es sich nicht um Ortschaften in nächster Nähe Berlins, sondern um entlegene Dörfer der Provinz handelte. Die beiden schlechtest- bezahlten Lehrer beziehen neben freier Dienstwohnung ein Gehalt von 800 M. Daß sie noch nicht vier Jahre im Dienst stehen, mag als„Erklärung" der beschämend geringen Höhe der Gehälter dienen, aber die betreffenden Lehrer werden davon nicht satter werden. Es ist oft versucht worden, die Verantwortung fiir diese Zustände von der Berliner Gemeindeverwaltung abzuwälzen. Man hat darauf hingewiesen, daß die Schulen der Rieselgüter vielfach noch sogenannte Socictätsschulen sind, daß der Magistrat hier nur geringen Einfluß habe, daß die Hausväter-Versammluugen entscheiden, und so Wetter. Doch das ist nichts als leere Ausrede. Berlin kann hier manches ändern und bessern, wenn eS will. Die„Pädagogische Zeitung" beklagt, daß in den beschließenden HauSväter-Versammlungen ge- legentlich auch Gutsbeamte und Arbeiter mit gegen Anträge der Lehrer stimmen. Das ist Wohl glaublich»«wie der üerre, so � Ge- scherre". Was die GehaltSwnnsche der Rieselgut-Lchrer angeht, so ist von feiten des Magistrats jetzt Berücksichtigung zu erwarten. In den reinen Gutsschulen will die Kanalisationsverwaltung das Grund- gehalt erhöhen. Für die Schulen der übrigen Genreinden will sie Gehaltsaufbesserung beantragen und eventuell Beihilfen gewähren. Na also, nun geht's ja mit einem Male! Von socialdcmokratischer Seite ist die Leistung von Zuschüssen schon vor einigen Jahren im Etatsausschuß angeregt worden, aber der Freisinn winkte ab, Ms Radikalmittel hat der„Vorwärts" nrehrfach empfohlen, daß Berlin die Schulgemeinschaft mtt den Dorfgemeinden rndlich aufhebt und die Schulen der Riesclgüter in eigne Verwaltung nimnit. Ver- einzelt ist das auch schon geschehen. Warum geschieht das nicht überall? Auch wenn die Kommune Berlin diesen notwendigen Schritt unterläßt, darf sie sich nicht wundern noch beklagen, daß man für die ostclbischcn Schulverhältuisse ihrer Rieselgiiter zu allererst und am meisten sie selber verantwortlich macht. Ein Sauglings-Krankenhaus für Berlin? Die Reichshauptstadt soll also das SäuglingS-Krankenhaus bc- kommen, das noch immer fehlt. So ist es wenigstens versprochen worden in einem kleinen Cirkcl von Herren und Damen, der am Montag hierüber beraten hat. Der Aufruf zur Errichtung eines Säuglings-Krankenhauses aus Wo hlthätigkeits Mitteln, über den wir kürzlich berichteten, hat seine Wirkung gethan. Die erforderlichen zwei bis drei Dutzend Personen haben sich zusammen- geftmden, das vorbereitende Komitee hat eine öffentliche Versammlung einberufen, und die Erschienenen haben dem Vorschlag, den üblichen Berein zu gründen, ihre Zustimmung gegeben. Ein schön aus- gearbeitetes Statut ist angenommen, ein Vorstand aus neun, ein Arbeitsausschuß aus fünfzehn Mitgliedern gewählt worden. Nun darf man der Dinge harren, die da kommen werden. Das SäuglingS-Krankenhaus, das unS in Aussicht gestellt Ivird, soll, wie gesagt, ein Werk der Privatwohlthätigkeit sein. Die Ver- Handlungen, aus denen der Verein zur Errichtung dieser Anstalt hervorging, boten denn auch daS ganze Drum und Dran aller Wohlthätigkeitsbestrebungen: die herzbewegenden Klagen über die Not der Armen, die schwungvollen Reden über die allheilende Nächstenliebe— und daneben das kleinlaute Geständnis, das; die Helfer selber hilflos sind, weil's ihnen am Nötigsten, dem Gclde, fehlt. Zwei Aerzte und ein Geistlicher warben für das gute Werk. Dr. Buttermilch schilderte, in welchem Elend Tausende von Säug- lingen hinsiechen, welche Opfer der Tod unter ihnen fordert. Dr. Ritter suchte zu zeigen, daß das Säugliugs-KrankenhauS Abhilfe schaffen werde und daß der Plan technisch und finanziell durchführbar sei. Den Schluß machte Prediger Köhler mit der Mahnung, daß „etwas geschehen müsse". Von Interesse waren namentlich die Darlegungen RittcrS. Der Plan, den er entwickelte, lehnt an ein Unternehmen an, daS in Dresden zur Ausführung gelangt ist. Das neue Krankenhaus soll nicht Kinder jeden Alters, sondern nur Säuglinge aufnehmen, damit für die Säuglinge die Gefahr der Uebertragung andrer Krankheiten möglichst eingeschränkt wird. Da die zur Verftigung stehenden Mittel nach Dr. Ritter„noch eine unbekannte Größe" sind, so kann nian noch kein eignes Krankenhaus bauen, sondern muß bis auf weiteres ein geeignetes Gebäude mieten. Vorläufig will man sich auch mit ganzen 40 Betten begnügen; in der Diskussion wurde sogar vor- geschlagen,„noch kleiner anzufangen". Zur Beschaffung besonders tüchtiger Pflegerinnen soll eine eigne Pflegerinnenschule errichtet lverden, die dem Krankenhause anzugliedern ist. Man rechnet dabei auf die„Töchter gebildeter Stände". Wo der„Idealismus" nicht ausreicht, sie zur Beteiligung zu veranlassen, sollen materielle Vorteile als Lockmittel wirken. In Dresden werden die aus der Pflegerinnenschule hervorgegangenen jungen Damen gern von bemittelten Familien für private Pflege an- genommen und hoch bezahlt. Um den kranken Säuglingen Brust- milch bieten zu können, soll das Säuglings-Krankenhaus auch hilfs- bedürftige Wöchnerinnen aufnehmen, die neben dein eignen Kinde noch fremde Ltinder stillen. Diese Frauen sollen auch an zahlungs- fähige Familien gegen Entgelt ausgeliehen werden. Der Plan erscheint fein ausgesonnen: gelingt er, so kriegt das Kraukenhaus billiges Personal, und zugleich wird den Wohlhabenden die Be- fchaffling guter Pflegerinnen und Ammen gesichert. Das Säuglings- Krankenhaus soll übrigens nicht ganz eine WohlthätigkeitSanstalt sein. Den Eltern will man je nach ihrer Leistungsfähigkeit eine Vergütung abfordern. Der Segeil der Anstalt und ihrer natürlich inusterhaften Einrichtungen soll unter Umständen auch den Kindern der Bemittelten zu gute kommen, für die dann mehr zu zahlen ist. In der Diskussion, die sich an die Vorträge der beiden Aerzte anschloß, wurden Bedenken vorgebracht. Die sehr beträchtlichen Kosten vorwiegend aus milden Spenden aufzubringen, wurde als kaum möglich bezeichnet, und als warnendes Beispiel wurde das gleichfalls aus privaten Mitteln errichtete Kaiser Friedrich-Kifider- krankenhauS hingestellt, daS bekanntlich nur zu bald bankrott wurde. Man wies darauf hin, daß die Gemeinde die Pflicht habe, ein solches Krankenhaus zu schaffen. Der für den Posten des ersten Vorsitzenden in Aussicht genommene Stadtverordnete Bamberg war nicht an- wesend; er hätte vermutlich erwidert, daß die von Cassel. Jacobi und Konsorten geführte freisinnige Stadtverordnetenmehrheit, der er selber angehört, für solche Kostspieligkeiten nicht zu haben ist und nicht einmal für das von der Stadt übernommene Kaiser Friedrich- Kinderkrankenhaus die Notwendigkeit eines schleunigen und völligen Ausbaues anerkennen mag. Der Berein kam natürlich, trotz aller Bedenken, Programm- gemäß zu stände. Damit ist wenigstens dem Bedürfnis seiner Gründer Genüge gethan. Wann einmal das Bedürfnis der Be- völkerung nach den: versprochenen Säuglings-Krankenhaus befriedigt werden wird, das ist eine andre Frage. Wir fürchten, noch auf Jahre hinaus wird aus den 10 000 Säuglingen, die in Berlin all- jährlich hinsterben, kein einziger durch diese Vereinsgründung gerettet werden.„Gewonnen" ist einstweilen nur das Eine, daß die„maß- gebenden" Persönlichkeiten der Kommunalverwaltung nun darrnff hinweisen können, wie eifrig die werkthätige Liebe privater Kreise sich der Säuglingsfürsorge widme, so daß die Kommune noch nicht einzugreifen brauche.___ Der Fall Besckc und das Bürgertum. In der—„Antisocial- dcmokratischen Korrespondenz" lesen wir:„Der entsetzliche und trotz aller vorliegenden Schuld tiefcrschütternde Fall der Familie Beseke hat Anzeichen bürgerlicher Entartung zur Folgeerscheinung gehabt, die an den Pranger gestellt zu werden verdienen. Das„Berliner Tageblatt" berichtet, daß das Dienstmädchen der toten Familie Dutzende von Anträgen für neue Dienststellen erhalten hätte. Mitleid mit dem Mädchen ist natürlich die Triebfeder solcher Angebote nicht, da heutzutage in Berlin jedes Mädchen jeden Tag eine neue Dienststelle findet. ES handelt sich vielmehr um einen Ausdruck der rohesten S e n s a t i o ir s l u st. Da wird sich nun also die neue„gnädige Frau" zu dem Mädchen in die Küche setzen und sich haarklein die Intimitäten des Besekeschen Lebens erzählen lassen. Vielleicht aber zieht es die Gnädige auch vor, die Damen ihrer Bekanntschaft zur Gesellschaft zu bitten, um dann das weiland Besekesche Mädchen in einer Art privater U e b e r- brettl-Vorstellung auftreten zu lassen. Jedes natürliche Gefühl empfindet doch ein gewisses Grauen davor, mit der Unglück- seligen Familie auch nur in eine mittelbare Berührung zu kommen. Aber in gewissen Schichten der Berliner Gesellschaft empfindet man offenbar ganz anders. ES ist widerliche Verkommenheit, ekelhafte G r o ß st a d t f ä u l n i s, die hier aus gewissen Berliner„Salons ans Licht der Oeffentlichkeit tritt. Daß solche Schichten des Bürger- tums nicht in der Lage sind, denKamPfgegen die Social- demokratie zu führen, ist mehr als natürlich. Denn woher sollen sie die moralische Energie und das gute Gewissen dazu her- nehmen I" Die„Antisocialdemokratische Korrespondenz" wird von dem socialdemokratischen Renegaten Lorenz herausgegeben und sie verfolgt, wie schon ihr Titel sagt, die Aufgabe, gegen unsre Partei scharf zu machen. Das geschieht aber manchmal in so eigentümlicher Weise, daß eS der Scharfmacherprcssc nicht verdacht werden kann, wenn selbst sie in dieser Art Socialistentötnng ein Haar findet und daher ziemlich regelmäßig die Geistesprodukte unsres Ergenosieil in den Papierkorb wirft. Durchaus nicht selten finden sich Artikel in dieser Korrespondenz, die sehr wohl im Kampfe gegen die kapitalistische Ordnung der Dinge, aber nicht im geringsten gegen den Umsturzdrachen zu verwerten sind. Damit soll'durchaus nicht an der Auftichtigkeit der Lorcnzischen Socicilisten- feindschaft gezweifelt werden. Aber eine Art Gegruseitigkeits- Verhältnis spielt da eine Rolle: Die moralische Energie und daS gute Gewissen, das»ach dem hier abgedruckten Artikel einem be- trächtlichen Teil des Bürgertums fehlt, scheint dies Bürgertum, soweit es in der Scharfmacherpresse hervortritt, auch an ihrem socialisten- tötenden Mitarbeiter Lorenz zu vermissen. Die Gläubiger des Herrn Beseke. Eine Versammlung der Gläubiger des aus dem Leben geschiedenen Clichsfabrikanten Karl Beseke hat am Donnerstagabend unter Borsitz deS Rechtsanwalts Neumann III stattgefunden. Es waren etiva 1ö Herren erschienen, fast durchgängig höhere Offiziere, Oberste, Majors ec., die durch die unlauteren Manipulationen des Kameraden Beseke uni ihre gesamten Ersparnisse gebracht Ivorden sind. Im ganzen sind 200 000 M. von Beseke als„Geschäftsanteile" im Laufe von zwei Jahren— so lange besteht daS kartographische Bureau als Gesellschaft mit beschränkter Hastung— vereinnahmt und von ihm auch für private Zwecke verausgabt worden. ES wurde mitgeteilt, daß Beseke oder dessen Schwester acht Patente im Werte von 130 000 M. seiner Zeit in die Gesellschaft als Einlage hineingegeben habe, und daß nach der Einlegung dieser imaginären Zahlung diese angeblich so wertvollen Patente niemals von B. für daS kartographische Bureau verwendet ivorden sind. B. hat seinen Teilnehmern, die dem Kameraden blindlings vertrauten, den garan- tierten Gewinn mit zehn Prozent vierteljäbrlich prompt ausgezahlt; er ermöglichte dies dadurch, daß er die Summe von stets neu zu- fließenden Anteilen entnahm. Der Privatgebrauch des Selbstmörders wurde auf 30 000 M. pro Jahr geschätzt; den Rest der Kapitalien hat B. zur Zahlung alter Schulden verwandt. Die meisten der militärischen Gläubiger verlieren ihre gesamten Kapitalien; da sie zumeist ältere Herren sind, ist der Verlust doppelt schwer für sie. Von der Anmeldung des Konkurses wird Abstand genommen werden, da im ganzen nur ca. 2000 M. Aktiva vorhanden sind, während die Durchführung des Konkurses 7000 M. kosten würde. Geschäfts- schulden sind im ganzen bis jetzt in der Höhe von 7000 M. an- gemeldet. B. hat übrigens schon ieit einiger Zeit sich mit Selbstmord- gedanken getragen: einem Gläubiger, der in den letzten Wochen ungestüm drängte, schrieb B. am vorigen Sonntag:„Gedulden Sie sich bis Dienstag früh, dann werden Sie wissen, woran Sie sind." Wie das„Berliner Tageblatt" weiter erfährt, liegen auch Urkunden- sälschungeu vor. Die Gläubiger haben in ihrer ersten Beratung beschlossen, vorläufig das Geschäft, das an sich ganz lukrativ ist, weiter fortzusetzen. Eine zweite Gläubigerversammlung findet am Dienstag, den 1ö. d. M., statt.— Das Begräbnis der Familie Beseke fand gestern nachmittag 3 Uhr auf dem Dreifaltigkeitskirchhof ftait. Der Beerdigung wohnten wohl au tausend Personen bei. Die Familie wurde in ein gemeinsames Grab gebettet. Für die beiden Kadetten erschien eine aus 25 Kadetten bestehende Abordnung aus Groß-Lichterfelde unter Führung des Oberstlieutcnants Kitzct und eines Militärpfarrers. Vom Segen des Berliner Ackerbaues. Bei den im vorigen Jahre auf den Berliner R i e s e l g ü t e r n ausgeführten Anbauversuchen haben sich sehr interessante Ergebnisse über die Qualität und Zu- sammcnsetzung der gcerntetcn Früchte gezeigt. Alle Körnerartcn wiesen, wie das ja auch durch die starke Düngung erklärlich ist, einen sehr hohen Gehalt a» den wichtigsten �Nährstoffen, besonders an Eiweiß auf. Während Gerste gewöhnlich nur einen Proteingehalt von 10 Prozent besitzt, flieg hier der Prozent- satz auf 13 und betrug mindestens 15 Proz. Für Futter- und Brcnnereizwecke hat daher derartige Gerste einen bedeutend höheren Wert als gewöhnliche. Hafer zeigte meist über 32 Proz. Eiiveiß- geholt, d. h. 20 Proz. mehr als sonstiger Hafer, und der Futter- und Gebrauchswert ist deshalb von Rieselfeldhafer ebenfalls 20 Proz. höher anzuschlagen. Weizen hatte 14,5 Proz. Protein, während sonstiger Weizen nur 12,5 Proz. besitzt. Auch Roggen zeigt einen höheren Gehalt. Es sind daher diese Brotfrüchte nicht nur nahrhafter, besitzen jedenfalls auch durch den höheren Klebergehalt eine bessere Backfähigkcit. Eine außerordentliche Sitzung der Stadtvcrorductcii-Bcrsammliing findet am nächsten Dienstag zur Beschleunigung der Beratungen des Stadthaushalts-Etats statt.— Sollten sich die Beratungen im Plenum in die Länge ziehen, dann wird voraussichtlich noch eine außerordentliche Sitzung vor Ostern anberaumt werden müssen. Ein Unglücksfall, der den Tod eines Kindes zur Folge hatte, hat sich gestern nachniittag in der Richardstraße in Rixdorf zu- getragen. Der sechsjährige Sohn Richard des bei der städtischen Straßenreinigung angestellten Arbeiter» Tausche!, der infolge eine» OhrenleidenS- seit einem Jahre auf beiden Ohren taub ist, wollte gegen 4 Uhr nachmittag» die Kreuzung der Richard- und Canner- stratze überschreiten. Der Kleine lief um einen Geschäftswagen herum und bemerkte dabei nicht, daß der Straßenbahnwagen Nr. 17 der südlichen Vorortsbahn hcrangesaust kam. Da» Warnungssignal, das der Führer des Dlotorwaggon» bei der Annäherung an der Kreuzung ordnungsgemäß gegeben, war von dem tauben Kinde natürlich nicht gehört worden und so lief der Knabe blindlings gegen die Vorder- Plattform des Straßenbahnwaggons. Er geriet unter den Wagen, wurde eine kurze Strecke mitgefchleist und unter dem Schutzrahmen festgeklemmt. Nur mit großer Miihe konnte der kleine Tausche! au» seiner entsetzlichen Lage befreit werden. Dem Kinde Ivar der Schädel buchstäblich gespalten, so daß da» Gehirn freigelegt war, außerdem hatte es noch mehrere Knochenbrüche und innere Ver- letznngen erlitten. Der Knabe verstarb schon auf dem Transport nach dem Krankenhause. Zu der Tragödie in Pankow teilt die Lederfabrik-Aktiengesellschaft vorm. James Eyck n. Stratzer E. G. mit, daß die Revision ihrer Bücher und Kasse keine Unregelmäßigkeit ihres Prokuristen Brambach ergeben habe.— Der„Berliner Lokal-Anzeiger" erklärt, daß die An- nähme, Brambach hätte die schreckliche That auS Verzweiflung über zerrüttete Vermögensverhältnisse verübt, nicht aufrecht erhalten werden könne. Es sei nachgewiesen, daß B., der aus sehr vermögender Familie stammt, noch unmittelbar vor seinem Tode im Besitze seine» vor Jahren ihm zugefallenen Erbteils war und ein bedeutendes Bankguthaben besaß. Wenn B. auch beträchtliche Ausgaben fiir seinen Haushalt machte, so standen sie doch im Verhältnis zu seinen Einnahmen aus seinem Privatvermögcn, zu denen noch sein Jahre»- gehalt von 6000 M. kam. Man vermute, daß ein angeblich unheil- bares Kehlkopfleidcn des Brambach sowie Sorge um die Zukunft seiner kränkelnden Frau und seines schwächlichen Sohnes den Eltern den Entschluß zum gemeinsamen Tode mit dem Kinde eingegeben hätten. Schriftliche Angaben über die eigentlichen Gründe der That habe B. nicht hinterlassen. Bor den Auge» seiner Tochter vergiftet hat sich der 52 Jahre alte Arbeiter Gottlieb Jbsch aus der Elsasserstr. 14a. Der Mann war im Medizinischen Warenhaus in der Friedrichstraße angestellt. In den letzten Tagen klagte er über Magenschmerzen. Gestern machte er frühzeitig Feierabend, ging nach Hause und legte sich wieder hin. Während seine 18 Jahre alte Tochter hei ihm vor dem Bette saß, zog er eine Schachtel unter der Decke hervor und verschluckte mehrere Sublimatpillen. In bedenklichem Zustande wurde der Lebensmüde nach dem jüdischen Krankenhause gebracht. Eine seltene Frechheit bewies ein alter Zuchthäusler Wilhelm Apnick, der sich dem Schlasstcllendiebstahl zugewandt hatte, als eS mit den Einbrüchen nicht mehr gehen wollte. Nachdem er schon eine Reihe von Wirtinnen bestohlcn hatte, kam er in der Bergstraße in ein Quartier, aus dem nicht viel zu holen war, was sich für ihn geeignet hätte. Um jedoch uichl umsonst gemietet zu haben, ver- schwand er nach der ersten Nacht früh morgens mit dem Bett, auf dem er geschlafen hatte, und versetzte es gleich in der Nachbarschaft. Die Wirtin ermittelte noch am selben Tage ihr Eigentum, löste e» au» und legte es ivieder in das Gestell. Das hatte Apnick bcob- achtet. Als er nun abends sah, daß die Frau ihre Wohnung ver- ließ, schlich er sich rasch hinein, da er den Schlüssel noch besaß, stahl da» Bett zum zweitenmal und schleppte es nun lveiter weg zu einem andren Pfandleiher. Die zweimal Bcstohlene Ivußte aber nicht ein- mal, wer ihr Mieter war. und al» die Kriminalpolizei das Bett wieder ermittelte und aus der doppelten Beschreibung de» VerPfänder» Apnick als den Dieb erkannte, hatte dieser längst wieder ein andres Stadtviertel aufgesucht. Endlich kam setzt der Zufall zu Hilfe. Eine Bcstohlene sah ihren durchgebrannten Mieter auf der Straße und ließ ihn festnehmen. Auf deur Bau, der in der Alten Jakobstraße 21 errichtet wird, ist gestern der Arbeiter Otto Hartwig aus der Melchiorstraße 31 verunglückt. Beim Emporziehen eines eisernen Trägers kippte der Bock um, so daß Hartlvig am Bein schlvere Verletzungen erhielt. Der unverheiratete Arbeiter wurde in einem Krankenwagen nach der Charits gebracht._ Die Ecntralkoinimssio» der Krankenkassen Berlins und der Vor- orte gicbt hiermit bekannt, daß die am Sonntag, den 13. d. Mr».. vormittags 11 Uhr, im Gewerlschaftshausc, Engel-User 15. statt- findende Versammlung, in welcher Herr Professor Dr. Neisser an» Breslau über„Der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten" spricht, keine öffentliche Versammlung i st. Der Zutritt ist nur den Krankenkassen- Vorstandsmitgliedern und Verwaltungsbeamten mit Einlaßkarren gestattet. Letztere müssen mit dem Kastenstempel versehen sein. OhneEinlaßkartehatniemandZutrrtt. Die Freie Photographische Bereinigung veranstaltet in ihren Vereinsräumen, Unter den Linden 11, vom Sonnabend, den 12., bis Montag, den 14. März, eine Ausstellung von photographischen Stativen. Kartons und Kartonpapieren. Die Ausstellung ist an den beiden Wochentagen von 10—5 und Sonntags von 10—2 Uhr- geöffnet und steht deren unentgeltliche Besichtigung allen Jnter- essenten ftei. Orgelkonzert. Frau Klara Bindhoff, deren Schülerinnen Frl. Margarete Schmidt. Frl. Gertrud Dittrich und Frl. Käthe Hoffmann. der Violinvirtuose Herr Julius Ruthström, Herr Paul Schnhder und der Klara Bindhoffsche Frauenchor werden den Dienelschm Orgel- Vortrag in der Marienkirche am Montag, den 14. März, abend» 7V4 Uhr, durch Chöre, Terzette. Duette, Arien. Lieder, Violin- und Orgelstücke unterstützen. Der Eintritt ist ftei. Theater. Die Sonnabend im Schiller-Thcater bT (Friedrich Wilhclinstädtifches Theater) stattfindende Aufführung des Schauspiels„ V a s a n t a s e n a" ist die lctzle Vorstellung dieses Stückes im Abonnement.— Im Metropol-Theater beginnt die heutige Erstaufführung der neuen großen dramatischen Revue „Ein tolles Jahr" von Julius Freund, Musik von Victor Hollaender, nicht wie bisher um K Uhr, sondern bereits um 7 Vz Uhr; ebenso die folgende erste Sonntagsaufführung.— Carl Weiß-Theater. Das Schauspiel„Zwei Frauen" geht seiner 25. Aufführung entgegen; am Dienslag, 15. März, geht zum Benefiz für Er»st Rilterfeldt die parodisttsche Gesangspoffe„Zapfen- streich" von Eva Bairlein in Scene. Huq den Nachbarorten. Steglitz. Zu der G e in e i n d e w a h l ist noch zu berichten, daß in der zweiten Klasse die Kandidaten des KomnuinalvereinS, die Herren Eckardt und Richter, mit 284 Stimmen wieder- resp. neu- gewählt wurden. Die Kandidaten des Mictcrvereins brachten es nur aus 61 Stimmen.— In der ersten Klasse wurden die bis- herigen Vertreter Barsikow und Klein mit 62 Stimmen„ernannt", da Gegenkandidaten nicht aufgestellt waren. Mit den Stichwahlen der dritlcn Klasse, welche am 16. März im 2. Bezirk und am Donnerstag, den 17. März, im 1. Bezirk statt- finden, beschäftigte sich gestern eine kombinierte Sitzung des Wähl- koinitee» und des Wahlvereins-Vorstondes. Es wurde einstimmig beschlossen, den Parteigenossen zu empfehlen, bei der Stichwahl im 2.Bc- zirk Stimmenthaltung zu üben. Zur Stichwahl im 1. Bezirk zwischen nnsern Kandidaten Fritz Hamburg und Wilhelm Kutscher und denjenigen des Mietervereins wurde beschlossen, am Sonntag. den 13. März, ein Flugblatt zu verbreiten und am Mittwoch, den 16. März, eine ö f s e n t l l i ch e Versammlung bei Schell- Hase, Ahornstr. 15, abzuhalten. Parteigenossen! Obwohl sich der Kommunal- und Mieter-Verein im zweiten Bezirk aufs heftigste be- kämpfen, ist doch mit Bestimmtheit anzunehmen, daß sich die feiud- licheu Brüder im ersten Bezirk zur Bekämpfung der Socialdcmo- kratie unterstützen. Daraus ergiebt sich, daß wir rastlos agitieren müssen, wenn wir die vereinigten Gegner schlagen wollen. Darum erscheint vor allem am Sonntag früh voll- zählig zur Flugblattvcrbrcitiing und benutzt außerdem die ivenigcn Tage zur persönlichen Agitation unter den Lässigen und Unwissenden. Es wäre eine Schmach, wenn die Partei, die bei den Wahlen zum Reichstag und Landtag die größte Stimmenzahl aus- gebracht hat, bei den Geineindewablen unterliegen sollte. Das kann aber nur verhütet werden, wenn das WaHlkemitee die nötige Unterstützung findet, wenn jeder einzelne seine Pflicht erfüllt. Parteigenossen! Zeigt, daß die von unsren Gegnern so oft beneidete Disciplin und Opferwilligkcit der Socialdemokraten auch in Steglitz vorhanden ist, stellt Euch Mann für Mann dem Wahlkomitce zur Verfügung, dann müssen und werden wir siegen! Treffpunkt zur Flugblattverbreiinng ausnahmsweise nur bei Schellhase, Ahornstr. 16a, am Sonntag, den 13. März, früh ?'/- Uhr. Johannisthal. Wegen der Ermäßigung des Kommnnalsteuer- Znschlage» von 180 an) 160 Proz. kam es in den letzten beiden Sitzungen der Gemeindevertrerung zu erregte» Auseinandersetzungen. Nach dem vom Gemeindevorsteher aufgeslellten Voranschlag ivürde sich eine Ermäßigung um 20 Proz. durchführen lassen, welche für die schnellere Entwicklung des Ortes nur von Vorteil sein kann, da bei dem hohen Zuschlag von 180 Proz. ein Zuzug größerer Steuer- zahler nicht zu erwarten ist. Der Schöffe Knape und die Vertreter Mette, Scherfling, Rehbein und v. Trittschler forderten jedoch die Beibehaltung der 180 Proz., sie wollen von den 20 Proz. einen Fonds bilden, Ivelcher dem Gemeindevorsteher für außer- gewöhnliche Ausgaben zur Verfügung stehen soll. Gegen diese An- sammlung von Geldern ans den Ttcuerzuschlägen wandte sich der Gemeindevorsteher, die Vertreter Ostwald, Kuhrt und unsre Genossen Mertin» und Mann, in bedingter Form auch der Schöffe Mitschmg. Der Vertreter v. T r ü t s ch l e r dokumentierte seine adlige Gesinnung dadurch, daß er dem Genossen Mann vorwarf, er müsse ja für die Er- Mäßigung eintreten, da er dafür bezahlt werde, außerdem hielt er es noch für nötig, von gewervs mäßigen Hetzern und Stänkern zu erzählen. Auch die am Orte vorhandene Konsumenten-Organisation mußte herhalten, damit v. Trütschler und der Schöffe Knape ihrem bedrängten Herzen Luft machen konnten. Gegen da» Ende der Beratung verließ der Schöffe Mitschmg Familien- Verhältnisse halber die Sitzung, so daß die Anhänger der 180 Proz. in gleicher Stärke mit den Anhängern der 160 Proz. anwesend waren. Den Schöffen Mitschmg, dessen Mandat jetzt abläuft, suchte der Vertreter v. Trütschler mit den Worten zurückzuhatten: Wenn Sie nicht hierbleiben, werden Sic nicht wiedergewählt. Da diese Drohung nicht die gewünschte Wirkung hatte, stellte v. Trütschler einen Bertagungsantrag, der aber mit Stimmengleichheit, wobei die Stimme de» Gemeindevorstehers den Ausschlag gab, abgelehnt wurde, worauf der Schöffe Knape, die Vertreter Mette, Scherfling, Rehbein unter Führung des Herrn v. Trütschler die Sitzung ver- ließen, so daß sie wegen Beschlnßunfähigkeit geschloffen werden mußte. Aus Schöucberg wird uns mitgeteilt: In der letzten Sitzung der Stadtverordnetcn-Versammlung wurde das Ortsstatut betretend die Ausdehnung der Krankenversicherungspflicht auf selbständige Gc- Iverbetreibenbe(Hausindustrie) mit einen« Einkommen bis 2000 M. angenommen. Die Ausdehnung erstreckt sich auch ans die iin Kom- innnaldicnst beschäftigten Arbeiter, soweit diese nicht durch 8 1 des Krantenversichcrnngs-Gesctzes bereit» versicheningspflichtig sind. Die Reinemache-Franen, die so lairge«ficht versicheruirgspslichtig waren, fallen nuninehr auch unter da» Gesetz-— Gegen die Wahlen der ver- schiedenen Deputationen hatten unsre Genoffen Protest eingelegt, weil«nan sie bei keiner berücksichtigt hatte. Nachdem eine Stunde lang gelvählt ivorden ivar, lvurde auf Vorschlag des Vorstehers uns ein Sitz iir der VolkSbüchcrei-Deputation zuerkannt, in die unser Genosse Bäumler delegiert wurde.— Bei der Ausschreibung betreffend die Abfuhr de» Straffenkehrichts war der Fuhrunternehincr Knauer der billigste. Unsre Genossen stellten den Antrag auf Uebernahmc der Abfuhr in eigne Regie und falls der Antrag abgelehnt werde, einen Antrag auf nochmalige Ausschreibung; beides wurde abgelehnt. Die nächste Stadtverordnetcn-Sitzung findet Mittwoch statt. Pankow. Der GcmeindehaushaltS-Etat für das Rechnungsjahr balanciert in Einnahme und Ausgabe mit L 991315,45 M., das ist gegen das Borjahr ein Mehr von 510 875,78 M. Die Einnahmen setzen sich zusammen aus' dauernden Einnahmen niit 705 383,79 M., aus einmaligen und austcrordent- lichen Einnahmen mit 800 018,06 M. Der Voranschlag für die Realschule beträgt 100 700 M., gegen das Vorjahr ein Mehr von 11200 M. Für die Volksschulen sind 178 000 M. angesetzt, gegen das Vorjahr ein Mehr von 24 530 M. Für die Armenverwaltung find 00 200 M., für die Kanalisation 800 733 M. ausgeworfen. Für das Wasserwerk sind 140 930 M. ausgeworfen, gegen das Vor- jähr ein Weniger von 15 140 M. Dieser Ausfall ist herbeigeführt durch den Beschlust der Gemeindevertretung, den Wasserzins von 20 auf 15 Pf. herabzusetzen. Die Herren Grundbesitzer haben durch diesen Beschlust 15 140 M. aus dem Gemeindcsäckel in die eigne Tasche praktiziert. Um diesen Ausfall wieder auszugleichen, erhöhte man die Hundesteuer von 15 M. aus 20 M. und erzielt daraus ein Mehr von 2500 M., vorausgesetzt, dast kein Hundebesitzer sein Tier abschafft. Das nennt man in Pankow Steuerreform. Der Vor- anschlag für das Riesclgut Mühlenbeck beträgt 127 350 M. Das Vermögen der Gemeinde an mobilem und immobilem Kapital beziffert sich auf 5 018 413,25 M. Die Schulden belaufen sich auf 3 299 539,40 Mark. Die Einnahmen aus indirekten Steuern betragen 100 100 M., aus direkten Steuern 479 970. An Kreissteuern sind am Kreise abzuführen 90 000 M. Für Zinsen und Amortisation der Gemeindcschulden sind aufzubringen 145 063,05 M. Besonders hervorzuheben ist, dast die an den Kreis zu viel ge- zahlte Steuer in der Höhe von 14 304,20 M. als Einnahme in den Etat eingesetzt ist, obwohl noch nicht feststeht, dast der Kreis die Summe zurückzahlt. Ober- Schönewcide. Die Gemeindevertretung erneuerte in der letzen Sitzung den Beleuchtungsvertrag mit den Berliner Elektricitäts- werken auf weitere fünf Jahre. Neu ist in diesem Vertrage, dast die Gemeinde— falls sie vor zehn Jahren einen anderweitigen Vertrag schliestt— verpflichtet ist, die Kandelaber und Ausleger zu erwerben.— Der schon des öfteren zur Verhandlung gestellte Antrag: die Zahl der Gemein devcrtretcr auf 15 oder 18 zu erhöhen, wurde abgelehnt, nachdem Genosse G r u n o w noch einmal den Standpunkt der Mehrheit einer Kritik unterzogen hatte.— Der Voranschlag des Etats pro 1904 schlicht im Hauptetat ein- schliestlich 12 000 M. laufender Einnahme und 139 500 M. laufender Ausgabe für Schul- und Kirchenwese» mit 379 200 M. in Einnahme und Ausgabe ab. Der Nebenetat I, Schul- und Kirchen Wesen(einmalige Einnahme und Ausgabe), verzeichnet 400 100 M. Einnahme und Ans- habe und erklärt sich aus denr in Aussicht genommene» Bau der dritten Volksschule.— Der Nebenetat II de-Z Kanalisations- werkes zeigt 53 200 Mark laufende und III lOO Mark einmalige Einnahmen und Ausgaben. Itetztere find nötig für Erweiterungsbau und Schuldentilgung.— Im Nebcnetat III, Fried hofsverw al- t u n g. sind 4830 M. Einnahme und Ausgabe zu verzeichnen. Der Nebenetat IV, Brückenbau, weist 150 000 M. Einnahme und Ausgabe auf.(Fertigstellung.) Insgesamt balanziert der Etat 1904 mit 1 098 430 M. Einnahme und Ausgabe.— Die einzelnen Positionen sollen in der in nächster Woche stattfindenden Sitzung beraten werden._ Gerichts-Zeitung. Eine der üblichen Erprcssungsanklagen gegen organisierte Arbeiter wurde am 9. März vor der Strafkammer des Landgerichts II zu Berlin verhandelt. An einer Eisenbahnuntcrführung zu Kalk- b e r g e. die der Maurermeister Conrad aus Alt-Landsberg aus- führte, arbeitete im Oktober 1903 eine Anzahl organisierter Maurer und Bauarbeiter. Eines Sonnabends beschlossen sie, am folgenden Montag die Organisationspapiere vorzulegen. Der Maurer Hanne, der früher dem Ccntralverband der Maurer angehört hatte, dann aber ausgetreten war und sich beleidigend über ihn ausgesprochen hatte, »oar ohne Organisationspapiere, versprach aber, sie beizubringen; nur zum Widerruf der ausgesprochenen Beleidigung wollte er sich nicht verstehen. Bei den Erörterungen darüber sollen der Bauarbeiter F l e i s ch m a n n und der Maurer M a t t h e s versucht haben, ihn durch Beleidigungen zur Teilnahme an der Organisation zu be- wegen. Zugleich wird darin eine Erpressung gesehen. Fleisch- mann bestreitet nicht, Ausdrücke der Geringschätzung gebraucht zu haben, behauptet aber, dast diese sich auf die Persön- lichkeit des Hanne bezogen und nicht bezweckt hätten, Hanne in die Organisation hineinzubringen. Es� wäre ihm ganz gleich- gültig, ob die Organisation in Hanne ein Mitglied mehr hätte und ob sie dessen Beiträge erhielte, aber er wollte nicht mit einem Menschen zusammenarbeiten, der kein Solidaritätsgefiihl und kein Interesse für die allgemeinen Angelegenheiten hätte. Er hätte mit solchen Leuten zu unangenehme Erfahrungen gemacht. Es wird aus dem Strafregister des Hanne festgestellt, dast er sckwil wegen Diebstahls und wissentlich f a l, ch e r An- s ch u'l d i g u n g zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe und Polizei- Aufsicht verurteilt worden ist. Hanne verliest schliestlich am Montagnachmittag den Bau. an- aeblich um sich Papiere zu besorgen, obgleich ihm zugeredet wurde, das ein andres Mal zu thun. in Wahrheit, mn feine Kollegen beim Arbeitgeber zn denunzieren. Am nächsten Morgen erschien er wieder, worauf die Maurer sich weigerten, mit ihm zu arbeite». Der Polier Gädicke. dessen Pflicht es war, den Bau zu beschleunigen, ordnete darauf an, dast Hanne warten sollte, bis der Meister käme, worauf die andren die Arbeit fortsetzten. Dabei soll Gädicke gesagt haben:„wegen eines solchen SchlumpseS können , licht neun Familien feiern." Als Conrad zum Bau kam. wollte er zwar zunächst Fleischmann entlassen, besann sich aber doch, als die andren sich mit ihm solidariich erklärten. eines besseren, und nah», Hanne, von dem er selbst sagte, dast er nicht viel taugte, nach einer andren Arbeitsstelle, worauf die Arbeit ungestört und friedlich fortging. Der Staatsanwalt liest auf Grund dieses Verhandlungs- eraebnisseS die Anklage wegen Erpressung überhaupt und gegen Gädicke auch die wegen Gewerbevergehens fallen, beantragte ledvch aeqen Flcischmann und MattheS wegen Gewerbevcrgehens und Beleidigung sechs bezw. vier Wochen Gefängnis und gegen Gädicke wegen Beleidigung 30 M. Geldstrafe. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Wolfgang Heine, widersprach der Verurteilung wegen GewerbevergehenS. Wenn die Angeklagten sich geweigert hätten, niit Hanne zusanimeiizuarbeiteii, und wenn sie ihm ihre Mistachtung zu erkennen gegeben hätten, so wäre das, abgesehen von der Persönlichkeit Hannes eben nicht geschehen, um ihn dadurch zu bewegen, der Organisation beizutreten, sondern weil ihr Ehrgefühl sich dagegen sträubte, niit einem Menschen, der keinerlei Interesse für die Standespflichten hätte, zusammen zu sein, und iveil sie von solchen Leuten mit Grund Denunziationen und Störungen der Arbeit befürchteten. Das Gericht ging wesentlich unter die Strafanträgc deS Staatsanwalts herab, verurteilte aber doch Fleischmann zu zwei Woche n, Maihes zu einer Woche und Gädicke zu 15 M. Geldstrafe. Vom Kurpfnschcr-Prozcs! Schröter in Tilsit. Bevor Professor Tr. Puppe sein Gencralgutachtcn erstattete, ereigneten sich zwei be- merkenswerte Zwischenfälle. Der eine war, dast sich Schröter, in die Enge getrieben, plötzlich als Anhänger des G e s u n d b e t e n s deklarierte, der andre, dast eine Patientin, eine alte Frau, die wider Schröter ausgesagt hatte, sich nicht zur Ableistung des Zeugen- e i d e s verstehen wollte. Obwohl der Vorsitzende bat und drohte, erklärte sie hartnäckig: Ich habe dem lieben Gott meine Seele ver- schrieben, wie kann man da noch verlangen, dast ich schwöre. Ich bin eine alte Frau, machen Sie mit mir, was Sie wollen. Und wenn Sie mich ins Gefängnis thun, ich schwöre nicht I Der Vorsitzende hält ihr vor, dast infolge ihrer Weigerung der ganze Prozest auf zwei Monate vertagt und sie während dieser Zeit in Haft behalten werden könnte. Sie bleibt jedoch dabei, dast sie bei ihrem Alter nicht mehr schwören dürfe. Ter Angeklagte bittet darauf, ihm eine Unterredung mit der alten Frau gestatten zu wollen.— V o r f.: Wir werden sie einfach morgen wiederkommen lassen. Aber in Strafe imist sie genommen werden. Am nächsten Tage gelang es endlich, die Bedenken der Greisin zu zerstören. Der Vorsitzende nahm vor ihr Platz und redete ihr in liebenswürdiger, sanfter Weise zu, doch den Zeugeneid zu leisten. Sie müsse den Eid doch schliestlich ableisten und könnte vielleicht durch ihre Weigerung einen Menschen unglücklich machen. Die alte Frau brach darauf in Thräncn aus und erklärte: Sie verstehe nach wie vor nicht, weshalb sie schwören solle. Wenn alle Menschen so wären, wie sie, brauchte man überhaupt kein Gericht. Auf nochmaliges Zu- reden leistete sie dann aber den Eid. Damit ist die Zeugen- Vernehmung beendet und es folgt das Generalgutachten der Sach- verständigen Tr. Puppe, Dr. Behrendt und Dr. Lenguick, die selbst- verständlich gegen den Angeklagten ausfallen. Auf Befragen be- ftätigt der Sachverständige Tr. Lengnick dann noch als Zeuge, dast der Angeklagte am 5. Mai v. I. einen Fluchtversuch ans der hiesigen Heilanstalt unternoimnen hat, indem er im Korridor des ersten Stockes ein Fenster öffnete, etwa zivei Meter hoch hinabsprang und in Anstaltskleidern die Kmügsbergerstraste entlang lief, wo ihn ein Nachtschutzmann festnahm. Der Sachverständige hält den Sprung nicht für einen lebensgefährlichen. Zu einem Jahre Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet wurde der Kürschner Johannes Dombck aus Ripdorf, weil er Militär- sroffe im Werte von 100 M. unterschlagen hat. In den Monaten Juni bis September v. I. war D. beim Bekteidungsamt der 2. Compagnie des Gardccorps mit der Anfertigung von Mützen be- schäftigt. Bei dieser Gelegenheit hat er es fertig gebracht, trotz auf- merksamster Kontrolle Militärstoffe aus der Zuschneidcrwerkstatt zu entwenden und beiseite zu schaffen, um sie gelegentlich zu verkaufen. So überliest er dein Kunstschlosser Emil Schulze schwarzen Stoff zu einem Anzug, dessen Frau blauen Mantelstoff für zusammen 15 M. Dem Schlosser Wilhelm Krenke überliest er Stoff z» einem Anzüge für 12 M., und seiner Braut, der Arbeiterin Erna Schulze, schenkte er Stoff zu einem Paletot. Infolge dessen hatten sich sämtliche ge- nannten Personen neben Dombck wegen Hehlerei zu verantworten. D. war geständig, die übrigen Angeklagten bestritten entschieden, gewustt zu haben, dast D. die Stoffe entwendet habe. Das Ripdorfer Schöffengericht erachtete sämtliche Angeklagte für schuldig und er- kannte gegen Dombek, tvie angegeben, auf 1 Jahr Gefängnis, gegen den Ehemann Schulze auf 4 Monate Gefängnis und gegen die andren drei Angeklagten auf je 1 Monat Gefängnis. Vom Polizeikampf gegen das Streikpostenrecht. Wegen Streikvergehens stand gestern' der Gürtler R. vor der Strafkammer. Er sollte sich während des grosten Gürtler- und Drückerstreiks als Streikposten lästig gemacht und die berühmte Stratzenordnung verletzt haben. Sistierung und Strafmandat waren auch für ihn die üblick>e Zugabe. Wie gewöhnlich, trat auch diesmal das Gericht in eine Beweisaufnahme darüber ein, ob sich während des Streiks irgendwelche Vorfälle ereignet hatten, die der Polizei eine berechtigte Handhabe bieten konnten, das Streikpostenstchen zu in- hibiercu. Bei dieser Gelegenheit bekundete der als Zeuge geladene Polizeilicutenant: Es sei vom Polizeipräsidium eine Anweisung an ihn ergangen, mit Rücksicht auf gewisse Vorkommnisse bei dem Streik, sämtliche Streikposten ohne weiteres ans den Straften und vor den Fabriken fortzuweiscn. Aus persönlicher Wahrnehmung könne er über die angezogenen gewissen Vorkommnisse allerdings nichts Positives aussagen. Das Gericht konstatierte auch hier wiederum, wie dies schon zu Dutzend Malen geschehen ist, dast sich die Streikenden während der ganzen Tauer des Ausstandes nichts haben zu Schulden kommen lassen, was einen polizeilichen Eingriff in das Recht des Streikpostenstehens irgendwie hätte rechtfertigen können und erkannte in Uebereinstimmung mit den Anträgen des Ver- teidigers auf Freisprechun g. Dieselbe Kammer entschied auch über eine Belästigung Arbeitswilliger, deren sich der Tabakarbeitcr B. während des Streiks in der Cigarettenfabrik von Kratvatki schuldig gemacht haben sollte. Der hier als Zeuge vernommene Polizeilicutenant be- kündete, bei ihm hätten sich eine Menge Arbeitswilliger über Be- lästigungen seitens der Streikenden beklagt, u. a. habe ihm ein jüdischer Arbeitswilliger, Moses F.. mit Hinweis ans den Angeklagten unter allen Zeichen der Angst versichert, er habe sich vor diesem sehr „geforchten", und sei mehrfach von ihm belästigt worden. Auf die Frage des Vorsitzenden und Verteidigers, worin denn diese Belästigungen bestanden hätten, zieht der Lieutenant sein Notiz- buch und erklärt nach einem längeren Blick in dasselbe, der Angeklagte habe zu den Arbeitswillige» ctiva gesagt: Kollegen, arbeitet hier nicht, hier ist Streik. Da dies die ganze„Be- lästigung" war. so liest sich das Gericht nicht einmal von der Schauer- geschichtc des„forchtsamen Moses" rühren, sondern sprach den Angeklagten mit der Begründung frei, dast dieser nichts weiter geihan habe, als was chm das Koalitionsrecht gestatte. Mckndelftamm und Silberfarb brauchen nur als Streikbrecher nach Berlin zu kommen und alle offizielle Antipathie gegen sie ver- wandelt sich dann in eitel Liebe und Hochschätzung. Sie sind dann nicht mehr Schnorrer und Verschwörer, sondern im Geiste des Zucht- hauskurses die für den Staat besonders nützlichen Elemente. Nm Hochstapeleien schwerster Art handelt es sich in einem Prozesse, welcher gestern bor dem Schwurgericht deS Landgerichts II begann. Aus der Untersuchungshaft wurden der frühere Landwirt Gustav Macht? und dessen Ehefrau Marie Marby vorgeführt, ein Ehepaar, ivelefies es verstanden hat, jahrelang auf Kosten seiner Neben- menschen ein gutes Leben zn führen. Der angeklagte Ehe- mann ist der Sohn eines Postschaffners. Er besuchte nur die Kommunalschule, mnst aber doch über vielseitige Kenntnisse verfügen, denn es ist erstaunlich, welch verschiedenartige Stellungen er in seinem wechselvollen Leben bekleidet hat. Bald war er Guts- inspeklor, bald Schreiber bei einem Rechtsanwalt, bald Kaufmann, auch Bnreaubeaimer beim Berliner Magistrat ist er gewesen, nach neun Monaten aber wieder entlassen worden. Im Jahre 1899 wurde er wegen Urkundenfälschung und Betruges zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er trat diese Strafe nicht an, sondern wanderte mit seiner Familie nach Chile aus. Woher er die Mittel zu der Reise nahm und wovon er sich drüben ernährt, darüber hüllt er sich in Schweigen. Im Jahre 1901 kehrte er nach Europa zurück und von da ab soll er ein lediglich auf Schwindel beruhendes Leben geführt haben. Die An- geklagten legten sich Plötzlich den Adelstitel bei Und traten als „b. Marby" auf. Als ihnen ein Kind geboren wurde, zeigten sie auf den: Standesamt Geburtsurkunden vor, die auf dem Namen v. Marbl? ausgestellt waren. Gcrichtschcmiker Dr. Jescrich hat mit Hilfe seines photographischen Apparats nachgewiesen, dast das Wörtchen„von" nachträglich eingefügt war. Herr v. Marby gab sich stets als ehemaliger preußischer Oberlieutenant aus, mit Vorliebe zeigte er das ihm vom Kaiser verliehene Patent, ja er war sogar im Besitze eines kaiserlichen Handschreibens. Aber auch auf wissenschaftlichem Gebiete wußte Herr v. Marby sich mit einem besonderen Nimbus zu umgeben, er war im Besitze eines von Professoren und Rektoren ausgestellten Attestes, dast er mit Erfolg die Universität besucht habe. Alle diese Papiere waren ge- fälscht. Die Angeklagten pflogen Verkehr mit den ersten Familien ihres jeweiligen Aufenthaltsortes, den sie häufig wechselten, bald wohnten sie in Lankwitz, bald in Mariendorf, in Deutsch-Wilmersdorf wurden sie iin Dezember v. I. verhaftet. Die Angeklagten gaben die ihnen zur Last gelegten Strafthaten zu, bestreiten dagegen einige Fälle der Urkundenfälschungen. Für die Verhandlung sind zwei Tage in Aussicht genommen. Auch„Opfer des Alkohols". Einen schlechten Streich hat der Alkoholteufel den Arbeitern Karl Ostermann, Oskar Mi er ke und Friedrich Hast gespielt, die gestern unter der Anklage des Diebstahls vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I standen. Die noch jugendlichen Angeklagten, denen der Anklageraum keine un« bekannte Größe ist, hatten sich eines Nachts zn einer DiebeSfahrt zusammen gethan. Sie wollten dem Kolonialwarenhändlcr Paul Becker in der Feldsiraste einen Besuch abstatten und zogen mit einem Kinderwagen, den sie zu diesem Zweck gestohlen hatten, vor das Beckersche Gcschäftslokal. Mit Hilfe vielbewährter Dietriche drangen sie dort ein und beluden den Kinderwagen mit allerlei schönen Kolonialwaren, insbesondere auch mit verschiedenen SchnavSarten. Uni sich bei dieser anstrengenden Beschäftigung zu kräftigen, ließen sie wiederholt eine Flasche kreisen und tranken nach Herzenslust, so dast sie nicht mehr ganz taktfest auf den Fügen waren, als sie schließlich mit ihrer Dicbesbeute davon fuhren. Der Wagen geriet bei der unsicheren Leitung iviedcrholt ins Schwanken und kippte plötzlich ganz um, so dast Zucker, Kaffee und Fleischwaren in einem grosten xSIs-möls auf den Damm stürzten. Bei dem Einladen zeigten sich die An- geklagten so ungeschickt, dast ihr Gcbahren endlich einigen Passanten auffiel. Ein von diesen benachrichtigter Schutzmann nahm sie fest und konnte dem Bestohlenen von der Ergreifung der Einbrecher früher Mitteilung machen, als dieser den Diebstahl überhaupt bemerkt hatte.— Der Gerichtshof verurteilte den am meisten belasteten und wiederholt vorbestraften Haß zu 1 Jahr 0 Monaten, Ostermann zu 0 Monaten, Mierke zu 4 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von je einen Monat Untersuchungshaft. Freigesprochen wurde der Klempner M. Schubert und der Gürtler R. Schmidt von der Anklage, sich gegen den§ 153 der Gewerbe« Ordnung vergangen zu haben. Während des Gürtlerstreiks sollen sie den in der Alfenidewarcn-Fabrik von Münchmeher u. Co. als Streikbrecher beschäftigten Gürtler Wald bedroht haben. Die Anklage erwies sich aber nach der Vernehmung des angeblich bedrohten Zeugen Wald als haltlos, so dast auf Antrag des Verteidigers Dr. Heinemaiui wie schon bemerkt, beide Angeklagte freigesprochen wurden. �Welzen, gut D.-Ctr. mittel gering »Roggen, gut mittel gering ßGerste, gut „ mittel gering ßHascr, gut mittel . gering Richtstroh Heu Erbsen Speisebohnen Luisen * ab Bahn. Marktpreise vo» Berlin nm 10. März 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. 17.35 17.29 17.23 13, 10 14,40 13,30 12,20 15, 50 14,40 13,40 4,00 7,00 40,00 50,00 60,00 1 srci 17,32 17,26 17,20 13,40 12,30 11,20 14,50 13,50 12,50 3,50 4,60 28.00 26,00 25,00, Wagen Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 leg do, Bauch, Schweinefleisch, Kalbfleisch, Hammeljleisch„ Butter Eier Karpfen Aale Zander «echte Barsche Schleie Bleie Krebse « Stück 1 leg per Schock 7,00 1.80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,80 4,40 2,40 3.00 2,80 2,20 1,80 3.00 1,40 15,00 und ab Bahn. 6.00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 3,00 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 Witter, iiigsübersichtvoinll. März ISV4. morgen» 8 Uhr. Stationen Stvinemde, Hamburg Berlin Franks.a.M München Wie» 8 S 2E - I 0« ,L 760 9? 28 764 NNW 761 ANW 763,23 763 SW 762 W Wetter 2bedeckt 4bedcckt 2bcdcckt 2Rcgcn 3Regen �wollig ÖK ~ W-) C-~ bi S: Stationen MS II Haparanda Petersburg Cork Stberdeen Paris ■2§ 769 Still 773 OSO 76931 Wetter -Nebel I Schnee 3bedcckt es ö wft -21 -11 2 Wetter-Prognose für Sonnabend, den 12. März 1904. Zunächst nebelig, später aufklarend, am Tage etwas wärmer bei schwachen westlichen Winden; keine erheblichen Süederschläge. Berliner 28 c t t e r b u r e a u. für das zu Berlin. Sonntag, den 20. März 1904, im Gewerksctiaftstiause, Engel-Ufer Ufo. 15: Ordentliclie Generalversammlung. 1. Kcclinunplegung für das Jahr 1903 durch Bericht des Kechnungsausschusses bezw. Tages-Ordnung: den Kendanton. WWWWD Jlecharge-Erteilung. 3. Antrag des Vorstandes auf Aendenmg des Kassenstatuts. 4. Ersatzwahl dos Vorstandes(zwei Arbeitnehmer). 5. Verschiedenes. Der Vorstund. I. Blenz, Vorsitzender. 0. Wonitzki, Schriftführer. Singer Nähmaschinen. Einfache Handhabung! Grosse Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Weltausstellung ftfanfl Priv höchster Preis Paris 1900: VJIdllU rilA. oor Ausstellung. Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nähmaschinenbetrteb. Singer Co. Mähmaschinen Hct.Ges. Berlin W., Leipzigerstrasse 92. Sehentehs Testsäle Rndersdorferstrasse 45. Palmsonntag und Sonnabend im April Frei geworden I Empfehle meinen grossen Saal, Vereinszimmer und Garten zu Sommcrscstcn bei coulante,, Vedingiingen. jUBeVt ScherttOH* Besitzer. 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