Pr. 67. Bbonnemen tS'Bcdingu ngcn: AkonnementS• Preis pränumerando; »terteljährl. 330 2W„ monotl. 1,10 Mk, wSchenlNch 28 Pfg. frei WS Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags« Bellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post« Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. AI. Jahrg. Crfdxint iSgiich außer ciontaat. Verlinev VolKsblLtlk. Die TnlfrtlonS'Gebüljr betrügt für die fechsgelpallene stolonei- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 25 Pfg. „Alelne Snreigen", das erste lsett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jede« weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditton ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittags geöfftut Telegramm-Adresse: „SsalaUtoslirat»«11»". Zentralorgan der fozialdemokrati fchen Parte» Deutfcblands. Redaktion: 8Al. 68. Lindenetrasse 69. shernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 19. März 1904. Expedition: 881. 68. Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Ein starker Mann. Wenige Tage nach dem Grafen Waldersee ist sein einstiger Freund und Bundesgenosse Freiherr Wilhelm v. Hammer st ein gestorben, einst der allmächtige Chefredalteur der„Kreuz-Zeitung", jetzt ein verschollener und versteckter Mann. Niemand hatte gewustt, daß er unmittelbar bei Berlin, in Charlottenburg wohnte. �Absichtlich hatte man ausgesprengt, er sei, nachdem er das Zuchthaus verlassen, nach Australien oder in sonst weite Fernen ausgewandert. Seine Freunde und Mitschuldigen hielten ihn in nächster Nähe, sie be- dursten seines Schweigens und haben sich sein Schweigen auch lvohl angemessen erkauft. Denn er war ein gefährlicher Wisser. das Haupt jener hochkonservativen Kamorra, die entschlossen war, jede Abwendung der Politik von der äußersten Junkerreaktion zu verhindern. Wilhelm v. Hammerstein hätte einen Gutteil jeuer schmutzigen Geheimgeschichte unsrer Zeit schreiben können, die hinter den bunt gepinselten Coulissen'ehrbarer und patriotischer Staatsaktionen sich ab' spielt. Er war der Adressat jenes im„Vorwärts" zuerst veröffent' lichten Scheiterhaufenbriefes Stöckers, in dem der Hofprediger kluge Ratschläge gab, wie der Kaiser zu betrügen sei, damit er Bismarck stürze Wilhelm v. Hammerstein ist der Typus der reaktionären Ver- logenheit der herrschenden Sippe. Er war in Wahrheit ein starker Mann, der vor nichts zurückschreckte. Nachdeni er fromme Blisztags- artikel in kondensiertem Bibclstil geschrieben, der unsittlichen Social- demokratie, welche die heiligsten Güter zerstörte, Tod und Verderben gekündet, und das Judentum gefressen, gmg er hin zu seinem jüdischen Schätzchcn, lachte in ihren Armen über die Dummheit der Welt und ließ sich von ihr Kissen sticken, die ihm dann von Hammcrstein- begeisterten„germanischen Jungfrauen" gewidmet wurden. Und nebenbei zerstörte er noch das Eigentum so gründlich, daß er wegen seiner Betrügereien schließlich ins Zucht- haus mußte. Die konservative Partei kannte das Wesen dieses gewissenlosen Abenteurers, aber man brauchte ihn, gerade iveil er gewissenlos ivar. Und wenn man ihn dann doch preisgegeben hat, so nur deshalb, weil seine finanziellen Ansprüche ins Ungcmessene stiegen, weil er wie ein ewiger Erpresser auf den Taschen der Junkcrpartei lag. Als man sich gar nicht mehr vor ihm zu retten wußte, überfiel man ihn, offen und ehrlich, wie es germanischen Junkern eigen ist. Man sagt, daß es Herr v. K r ö ch e r gewesen sei, der 1895 durch den Berliner Vertreter eines demokratischen Blattes die tödlichen Enthüllungen lancieren ließ, die zum Prozeß und zu dreijähriger Zuchthausstrafe führten. Die Angelegenheit mußte auf Umwegen erledigt werden, denn Herr v. Hammerstein hielt auf Ehre und war ein vortrefflicher Pistolcuschütze. Aber auch nach dem Enthüllungsartikel kämpfte der Pistolenritter wie ein Verzweifelter, und die konservative Partei ent- rüstete sich über die Verleumdungen, die man gegen ihren Führer ausspritzte. Noch im Mai 1895, als Singer die Affaire im Reichstage andeutete, verbürgte man sich empört für die Reinheit des Verbrechers. Dann freilich, als der Zusammenbruch kam, rückte alles ab und niemand wollte von seinen Verfehlungen etwas wissen. In der Gerichtsverhandlung verhielt er sich sehr diskret. Er kompromittierte niemand, er dachte an die Zeit nach seiner Befteiung, da sein Wissen zu Gold gemacht werden könnte. Weniger zurückhaltend war seine Geliebte, die zur Charakteristik ihres Galans ganz erbauliche Einzelheiten veröffentlicht hat. So er- zählte sie, wie einst nach einer ReichStagSdebatte, während deren Hammcrstein gegen die Unmoralität gedonnert hatte, die mit dem Kellnerinneuwesen verbunden sei, sie ihm halb im Scherz, halb im Ernst gesagt habe:„Ihr s ei d h alt e b e n alle zu s amm en die rein st en Komödiantenl" Herr von Hammerstein lachte und entgegnete:„Ja, was soll ich thun?" Das ist doch nun mal mein Beruf." Es ist nur ein Zufall, daß Herr v. Hammer st ein unter die Räder gekommen war. Nur weil er seinen Leuten zu teuer wurde. verriet man ihn. Wäre der Mann bescheidener in seinen Ansprüchen, so könnte er noch heute zerknirschte Bußartikel in der„Kreuz-Zeitung" schreiben, und er würde vielleicht der eigentliche starke Mann sein, nach den, die herrschenden Klassen schreien, um die alle heiligen Güter schändende Socialdemokratie in den Staub zu treten. Der Geist des schon bei lebendigem Leibe von seinen Freunden begrabenen Hammerstein blieb unversehrt in der konservativen Partei. nur wurde er mit geringerem Talent vorgetragen. Gewiß fälschen sie nicht Wechsel, namentlich wenn sie es nicht notwendig haben. aber ihre Königstreue, ihr Christentum, ihre keusche Moral ist eben so echt wie die des einstigen Kreuzzeitungsmannes. In dem Kampfe gegen die fortschreitende Kultur und das aufsteigende Proletariat plündern sie daS ganze Arsenal einer im ticfften Grunde unehrlichen Demagogie. Indem sie die nacktesten und niedrigsten Interessen brutal mit allen Mitteln verfechten, putzen sie sich mit dem lächer- lichen Schaumgold edler Gesinnungen und verleumden sie zugleich die echten und gewaltigen Ideale der jung emporwachsenden Macht. von der sie fühlen, daß sie der Lüg» und der Barbarei ihrer Herr- schaft ein Ende bereiten wird. In jedem unsrer Scharfmacher, dis zum Sanme'n gegen den Umsturz rufen, lebt Wilhelm v. Hammerstein, und sio lverden darum um nichts besser, daß sie eS vermeiden, mit dem geltenden Straf- gefetzbuch in Konflikt zu geraten. Nicht in den kriminellen Be- trügercien liegt Hammersteins wahre Schuld. Die heutigen Umsturz- schreier sollten deshalb ihren begabtesten starken Mann nicht in einer kurzen, ängstlichen Lokalnotiz ivie einen gefallenen Droschkengaul abthun. Sie sollten wenigstens den Mut haben, ihm einen Kranz auf sein Grab zu legen und getrost bekeimen:»Denn er war unser!". poUtifchc Gebcrftcht. Berlin, den 18. März. Jesmtenanttvort. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt heute: Der„Vorwärts" richtet an uns die Frage, ob uns be- kannt sei, daß eine große Papierfabrik Mitteldeutschlands vor kurzem den Austrag erhalten hat, das zur Anfertigung von Wahl couverts erforderliche Papier fertigzustellen. Die Ausführung dieses Austrages soll nach dem„Vorwärts" als sehr eilig an geordnet und von der Papierfabrik schon mit Anspannung aller Kräfte bewirkt worden sein. Uns ist davon nicht das geringste bekannt, und wir dürfen hinzufügen, daß auch dem Herrn Reichs kanzler nichts davon bekannt ist. Diese Antivort ist ein jesuitisches Spiel mit Worten. Es mag sein, daß dem Reichskanzler eine einzelne Bezugs quelle des Papiers nicht bekannt ist. Dagegen steht unumstößlich fest, daß die technischen Vorbereitungen für a l l gemeine Wahlen für dieses Frühjahr getroffen sind und daß alle dazu gehörigen Bestellungen in Auftrag gegeben sind. Weift auch davon der Reichs- kanzler nichts?—_ Reichstag. Auch heut nahm in der Generaldebatte über den Marine Etat die Besprechung des Falles Hüssener einen weiten Raum ein. Nur die Rechte und— Herr M 0 m mse n von der Freisinnigen Vereinigung verzichteten auf jede Kritik des„rechts- kräftigen Urteils". Sie haben damit die Verlegenheitsphrascn der Regierungsfrommen um ein wertvolles Stück bereichert. So lange der Prozeß schwebte, durfte man natürlich nie etwas über„ein schwebendes Verfahren" sagen, und jetzt soll, wo das Urteil gefällt ist, die„Autorität des Richterspruchcs von jeder abfälligen Aeußerung zurück halten. Natürlich denken die andern Parteien und besonders wir gar nicht daran, uns durch solche Anschauungen irgendwie zurückhalten zu lassen. Als erster Kritiker des bekanntlich überaus milden Urteils über Hüssener trat Herr Gröber vom Centrum auf; er hatte sich offenbar die Milde des Richterspruchs zum Muster genommen, denn er vermied bei seinen langen juristischen Betrachtungen über schwere und minder schwere Fälle in auffälligem Gegensatz zur Centrumspresse, insbesondere Westfalens, jedes harte Wort. Auf diese bemerkenswerte Erscheinung machte in der Ein- leitung zu seiner kräftigeren Kritik Genosse H u e aufmerksam. Treffend bemerkte er, daß, wenn das Urteil gegen Hüssener und diese Haltung der Centrumspartei schon bei der Wahl bekannt gewesen wäre, Essen schon diesmal uns zugefallen wäre. Nach zwei Richtungen hin knüpften sich an die Besprechung dieses Falles praktische Anregungen. Genosse Ledebour forderte unter Hinweis auf verschiedene bisher vertretene sonderbare Anschauungen über den§ 13 der Kriegsartikcl den Staatssekretär zu einer Erklärung darüber auf, ivie weit er die Vorgesetzten berechtige, gegenüber den Untergebenen die Waffen zur Erzwingung des Gehorsams zu gebrauchen. Der Wortlaut:„in Fällen dringender Not und äußerster Gefahr" sei sehr mißverständlich.— Zunächst lehnte der Staatssekretär jede Antwort ab, indem er erklärte, Auslegung der Gesetze sei Sache der Gerichte. Als ihm dann Genosse Ledebour erneut vorhielt, daß er damit alle Vorgesetzten über ihre Rechte im unklaren lasse, redete er sich damit heraus, daß solche Fälle praktisch nicht vorkämen, und wenn es doch einmal hier und da geschähe, die Offiziere durch ihre militärische Erziehung be- fähigt seien, die richtige Entscheidung zu treffen. Was für ein edles, vertrauensvolles Gemüt ein Staatssekretär haben kann! Die andre Anregung ging vom Ccntrum aus. Zur Besänftigung der Empörung im Volke über die unerhört harten Strafen von Untergebenen, die sich gegen ihre Vorgesetzten vergangen haben, und über die milde Bestrafung der Vor- gesetzten, die das Rleichc gegen ihre Untergebenen gethan haben. schlägt er vor, die Mindeststrafen für die Soldaten herabzusetzen. Der Vorschlag ist an und für sich ganz gut und wir könnten ihm zustimmen, aber viel helfen wird er schwerlich, denn schon jetzt machte mit Recht Herr Dr. Paasche(natl.) darauf aufmerksam, daß es ja in der Hand der militärischen Richter läge, über das Mindestmaß beliebig hoch hinaufzugehen, und er hatte recht: Auf die kann man sich schon verlassen. Der Antrag Gröber ging schließlich zur Feststellung des Wortlautes an eine Kom- Mission von sieben Mitgliedern. Genosse Hue gab aber auch sonst während der heufigen Sitzung dem Ccntrum und den Nationalliberalen allerlei Un- angenehmes zu hören. Er brachte die Arbeitsvcrhältinssc in der berühmten„Wohlfahrtsfabrik" Krupp zur Sprache und wies nach, daß die Arbeiterlöhne dort ständig gesunken, die Arbeitszeit und damit die Unfälle und Krankheitsziffern ständig gestiegen seien. Geschickt brachte er diese Kritik der Arbeiter- Verhältnisse in den Kruppschen Unternehmungen mit dem Marinc-Etat in Verbindung, indem er die Marinevcrtvaltung darauf hinwies, daß einerseits die Qualität der gelieferten Waren unter solchen Mißständen leiden müsse, andrerseits die gezahlten Preise im Verhältnis zu den nach jeder Richtung hin gesunkenen Produktionskosten viel zu hoch seien. Die Antwort der bürgerlichen Parteien ivar zweifacher Art. Herr Stötzel, der Centrumsmann für Essen, kann mit Rücksicht auf seine Arbeiterwähler die Mißstände nicht leugnen. So schimpfte er denn darüber, daß Genosse Hue ihm die Sache vorweggenommen hätte, die er sonst später bei passender Ge- legenheit sicherlich vorgebracht hätte. Herr Dr. B e u m e r vom Centralverband Deutscher In- dustriellcr braucht so zarte Rücksichten nicht zu nehmen. Er kann unbesorgt dem Reichstage vorerzählen, daß die Arbeiter bei Krupp wie im siebenten Himmel leben. Unfreiwillig be- stätigte er dabei alles, was Genosse Hue über den un- zureichenden Lohn gesagt hatte, indem er erzählte, wie die Arbeiter sich dort zu der— nicht höher wie die sonstige Ar- beit bezahlten— Sonntagsarbeit drängten. Er pries natürlich die Güte und Billigkeit der Kruppschen Panzerplatten in be- geisterten Worten; das könnte er wirklich den richtigen Kommis der Finna überlassen.— Nach der Bewilligung des Gehalts für den Staatssekretär gab es nur noch bei den Offiziersstellen eine kurze Debatte. Entgegen dem Willen der Rechten und der Nationalliberalen setzte hier das Centrum den Kommissionsbcschluß durch, der — von 3'/s Millionen— 150(XXI M. streicht. Mit Recht hatte bei einer andren Gelegenheit heute Herr Mommsen darauf aufmerksam gemacht, daß solche Abstriche herzlich wenig Sinn hätten, wenn man wie das Centrum doch entschlossen ist, später die geforderten Summen zu bewilligen. Morgen will der Reichstag in die Ferien gehen. Zu dem Zweck wurde heute ein Etat-Notgesetz angenommen, das der Regierung für die Monate April und Mai zwei Zwölftel des Etats bewilligt. Morgen steht die dritte Lesung dieses Etats- gesetzes auf der Tagesordnung. Es soll ferner der Marine- Etat in zweiter und die Nachtrags- Etats für Südwestafrika in zweiter und dritter Lesung erledigt werden.— Die Jesuitenpofse wurde am Freitag ini preußischen Abgeordnctenhause würdig zu Ende gespielt. Graf Bülow war selbst erschienen. um die Knlturkämpfer niederzuringen, die ihm— wie auf Bestellung— die Gelegenheit gaben, sich den Anschein zu geben, als hätte er eine geschichtliche That verrichtet. Hatte Herr v. E y n e r n am Donnerstag in Jesuitenblut gewatet, so entpuppte sich der nationallibcrale Professor Friedberg geradezu als ein neuer Hutten, er berserkerte für die Geistes- frciheit und citierte den Grafen Bülow vor den Richterstuhl der Geschichte als den Frevler, der die Jesuiten WS Land ließ. Die bürgerliche Presse widmet dieser Komödie eine große Aufmerksamkeit. Sie ist immer begeistert, wenn man Geistes- frciheit fordert, die nichts kostet und den Profit nicht stört. Wir lassen Herrn Friedberg rasen und erinnern nur, daß er cs war, der im Namen der Gcistesfrcihcit einst die lex Arons verteidigte. Diese Liberalen fürchten in den Jesuiten eben nur— die überlegene Konkurrenz. Durchaus ernst zu nehmen ist dagegen der erneute Rütlischwur, in dem Graf Bülow Junker, Pfaffen und Pfaffenfresser gegen die gemeinsanie Ge- fahr, gegen die Socialdemokratie sammelte. Man hielt bereits Wahlagitationsreden und das Schcingezänk ist immer ein Vor- wand, um die bereits gesicherte Koalition aller bürgerlichen Parteieien gegen den Umsturz zu verbergen. Nach Erledigung der Jesuitenposse wurde die Debatte über die 0 b e r s ch l e s i s ch e n Verhältnisse begonnen, die am Sonnabend fortgesetzt wird.— Die Lügen über die HereroS werden von der bürgerlichen Presse niuntcr Iveiterverbreitet. Die Blätter denken gar nicht daran, die Briefe der Missionare nachzu- drucken, aus denen hervorgeht, daß die Behauptungen, die Hereros hätten Frauen und Kinder abgeschlachtet und an den Leichen der Erschlagenen grauenhafte Berstümmelungen vorgenommen, un- wahr sind und lediglich der erhitzten Phantasie solcher Kriegsteil- nehmer entstammen, die allerlei gehört und das Gehörte dann phantastisch entstellt weiterverbreitet hatten. Denn alle Schauergeschichten der bürgerlichen Presse entstammten bis jetzt aus zweiter oder dritter Hand. Die Briefe der Missionare, der einzigen bis jetzt zum Wort gekommenen Augenzeugen, bezeugen aber gerade, daß die HereroS die Frauen und Kinder principiell ge» schont haben. Diese wichtigsten und einzig authentischen Mitteilungen über die Art der Kriegsführung der Hereros unterschlägt aber unsre bürgerliche Presse ebenso, wie sie die Erzählung des Tierarztes Dr. Bau in gart unterschlägt, aus der hervor- geht, daß die Europäer Wehrlose und Verwundete ermordet haben! Der„Reichsbote" veröffentlicht heute einen weiteren Missionars- bricf, der erneut beweist, daß die Hereros zwar unerbittlich ihre Feinde zu vernichten suchten, daß sie aber die Unschuldigen, also außer den Missionaren vor allen Dingen die Frauen und Kinder zu schonen ernstlich gewillt waren. Missionar M e h e r berichtet aus Okahandja: „Am 14.. Donnerstag,... kam in der Frühe deS Freitags (15. Januar) ein Bote von Ouhandja, dem Häuptling von Otjikurume, und übergab Missionar Diehl einen Brief zur Uebermittelung an den Distriktschef Zürn, etwa des Inhalts, e r. Ouhandja würde noch sehr kämpfen, der Obcrlicutenaiit möge aber die Frauen und Kinder aus der Feste schicken, damit sie»ach Deutschland gingen; den» gegen diese z» kämpfen hielten die Hcrcro nicht für schön." Daß es sich hierbei nicht um eine Kriegslist der HereroS handelte. um die Frauen und Kinder in ihre Gewalt zu bekommen und da» durch die Besatzung zur Uebergabe zu zwingen, beweist ja die Schonung der in der Gewalt der HereroS gewesenen Frauen, über die die gestrigen Missionarsbriefe berichten. Das beweist auch folgende Episode, über die Missionar Meyer dann weiter berichtet, nachdem er erzählt, daß der Kommandeur von Okahandja erklärt hatte, die Frauen und Kinder in der Station behalten zu wollen. Meyer schreibt: „Die Leute waren wie verblendet. Man konnte, nachdem der Brief vorgelesen war, trotzdem es Diehl an den ernstesten Er- Mahnungen und Vorstellungen nicht fehlen lietz, auch nicht die geringste Spur bei ihnen lv ahrnehmen, das; ihnen ihr böses Thun und Treiben etwa leid g e t h a n hätte. Im Gegenteil, feste Entschlossenheit lag ans allen Gesichter», das Schreckliche, das sie sich vorgenommen, auch hinauszuführen. Nur eins war zu verwundern. D i e Weihen ans der Militär st ation hatten uns um M i l ch, E i e r und a n d r e E r f r i s ch u n g e n für die Kinder und Franc» gebeten. Die Eingeborenen liehe» es ruhig zu, daß wir sie ihnen brachten." Die Hereros meinten es also zweifellos ehrlich mit ihrem Angebot, den Frauen und Kindern freien Abzug zu gewähren. Sie beobachteten also, um das trotz des infamen Gekeifes unsrer vom Tropenkoller befallenen Bourgeoispresse nochmals zu betonen, civilisirrtcre Forme» der Kriegsführung, als sie von den europäischen Kolonialtruppe» beobachtet zu werden pflegen! Die Europäer bombardieren seelenruhig Eingeborenendörfcr, ohne erst vorher wegen des Abzugs der Frauen zu unterhandeln!— Wie das letzte Citat des Missionars beweist, handelte es sich bei dem Aufstand auch durchaus nicht um eine spontane Erhebung, sondern um den langsam gereiften, vorübcrlegtcn, unerbittlichen Plan, das Joch der Todfeinde und Unterdrücker abzuschütteln. Das beweist auch die Erklärung eines Sprechers an den Missionar Meyer: „Muhonge, Ihr habt nichts zu befürchten. Wer sterben soll, darüber haben wir uns schon früher berate». Das sind die Händler und die Soldaten, aber alle. Auch über den jungen Omuhonge(Diehl jun. ist gemeint) ist verhandelt worden. Aber da haben wir gesagt: Nein, der hat uns die Kirche(als Architekt) so schön gemacht; zudem gehört er zu den Ovahonges(Plural von Omuhonge); die bilden miteinander einen Leib. Gehe nur. Muhonge, Ihr habt nichts zu befürchten. Euch geschieht nichts usw." Was muß vorhergegangen sein, um die Eingeborenen einen solchen wohlüberlegten Verzweiflungskampf beschließen zu lassen! Sollte aber irgend ein„patriotischer" Pharisäer noch von der „Hinterlist" der Hereros zu sprechen wagen, so verweisen wir ihn nur an Hermann den Cherusker, unfern National- Helden, der drei römische Legionen als angeblich Verbündeter erst in die Teutoburger Urwälder hincinlockte, um sie dann von seinen Truppen bis auf den letzten Mann niedermetzeln zu lassen!— Deutfcben Reich. Das zerschlagene Trommelfell. Der Unteroffizier Stolper vom 11. Regiment in Breslau verletzte dem Grenadier Treuke wegen Nachlässigkeit im Dienst eine so heftige Ohrfeige, daß das Trommelfell durchlöchert wurde. Weil er in der Erregung gehandelt hat, erkannte das Kriegsgericht auf nur zwölf Tage Mittel- artest. Die badische Wahlrcchts-Vorlage sei gescheitert, so wird der „Straßburger Post" aus Karlsruhe gemeldet. Die Regierung halte an dem, von der Kommission der zweiten Kannner Verlangten fest, das Budgetrccht der ersten Kammer dem der zweiten gleich zu stellen. Diese Meldung des sonst gut unterrichteten Blattes ist unvollständig und in ihren Schlußfolgerungen verfrüht. Minister Schenkel mag neuerdings erklärt haben, daß die Regierung nicht nachgebe, daß eher die Vorlage scheitern könne: das ist von Schenkel nichts Neues, schon in der Kommission hat er sich ähnlich ausgesprochen. Aber Schenkel ist eben nicht die Regierung. Der Ministerpräsident mit seinem nicht geringen Einfluß kann sich zu der Vorlage, wie sie die Kommission verlajjen, noch gar nicht geäußert haben, da er in Egypten weilt. Und die andren Minister haben, soweit wir wissen, auch noch nicht Stellung zu der Vorlage genommen. Es bleibt zunächst alles noch in der Schwebe.— Lüneburg, 17. März.(Eig. Bcr.) Der Wahlkampf im 16. hannoverschen Wahlkreise,' der an Gehässigkeit und Schärfe zwischen den Welsen und Nationalliberalen nichts zn wünschen übrig ließ, soll nun auch noch mit Kugeln und Pistolen ausgefochten werden. Der Kandidat der nationalliberalen Partei, Herr Dr. I ä n e k e, ist von einem welfischen Agitator, dem Rechtsanwalt v. Dannenberg ans Hannover, aus Pistolen gefordert wegen Beleidigung. Die Beleidigung soll dadurch begangen sein, daß die Nationalliberalen in einem Flugblatt ein Urteil des kgl. Landgerichts zn Hannover abdruckten vom 7. Juni 1886, nach welchem der Rechtsanwalt v. Dannenberg wegen Beleidigung des damaligen Oberpräsidentcn der Provinz Hannover Exccllenz Dr. Rudolf v. Bennigsen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Herr Dr. Mar: Jäneke, welcher Offizier der Reserve ist, hat die Forderung dem militärischen Ehrengericht überwiesen. Letzteres hat schon in den letzten Tagen darüber beraten. Falls das militärische Ehrengericht die Forderung nicht ablehnt, so wird die Schießerei in den nächsten Tagen los- gehen. Das„Liineburger Volksblatt" bemerkt hierzu ironisch, daß die Schießerei nicht auf dem Schießplatz in Münster auSgefochten werden soll, sondern ans dem in einigen Tagen in Lüneburg statt- findenden Ostermarkt in der Bude eines Affentheaters.— Druckfehler-Berichtigung. Die bei der Ausweisung Herweghs von Heine dem deutschen Revolutionsrencgnten gewidmeten Verse sind gestern verstümmelt wiedergegeben Ivorden. Wir lassen sie noch- mals folgen: Doch als der holde Rausch entwich Mein teurer Freund, du warst betroffen— Das Volk, wie katzenjämmerlich, Das eben noch so schön besoffen. Ein schimpfender Vedientenschwarm, Und faule Aepfcl statt der Kränze— An jeder Seite ein Gendarm, Erreichtest endlich Du die Grenze, HualandL Eine Boinbcncxplosion in Lüttich. Vor dem Hanse des P o l i z e i k o m m i s s a r s Laurent in Lüttich wurde heute eine Bombe gefunden. Sie explo- d i e r t e in dem Augenblick, als der Artilleriekommandeur Patyr sie in einen Garten bringen lassen wollte, um sie einer Prüfung zu unterziehen. Etwa 30 Personen hatten sich angesammelt, von denen sieben verletzt wurden, vier schlvcr. Das Wohngebäude Laurents wurde verwüstet, in der Nachbarschaft sprangen zahlreiche Fensterscheiben. Der Kommmideur Patyr mußte sich einer Ampu- tation beider Beine unterziehen. Unter den jvcrwundeten Personen befinden sich drei Polizeibeamtc, ein Feldmesser, ein Buchdrucker und ein Abt. lieber den oder die Anstifter deS Attentats sind bis jetzt noch nicht die minde st en Anhaltspunkte gefunden worden. Trotzdem spricht natürlich die gesamte Abendprcsse bereits von einem „anarchistifchen" Attentat. In der belgischen Kannner hatte sogar ein liberaler Redner den jänimerliAen Mut, die Bombencxplosion in einen Zusammenhang mit dem Pariser Kommnne-Aufstand zu bringen! lieber die Kammerverhandlung wird gemeldet: Brüssel, 18.'März. Abgeordnetenhaus. Der liberale V'e rtreter von Lüttich Neujean spricht seinen Abscheu über das a n a r ch i st i s ch e(!) Bombenattentat in Lüttich ans. Er gedenkt in teilnehmenden Worten der Opfer des An- schlagS, für die er eine Entschädigung von feiten des Staates verlangt, und erinnert daran, daß das Verbrechen am Jahres- tage der Kommune verübt wurde(!). Die S o c i a l i st e»�erheben lebcha ften Widerspruch gegen die Worte des Redners. Hector Denis(Socialist) erklärt, es sei schändlich, einen Zu- s a m m e n h a n g zwischen d e n B e r b r e ch e r n und den S o c i a l i st e n' a n z n n e h m e n. Im Hause herrscht große Er- regung. Woeste(Rechte) schließt sich den Ausführungen Neujeans an. Die Debatte dreht sich u m d i e E r e i g n i s s e während der Pariser Kommune. V a n d e r v e l d e(Socialist) erklärt es für schmachvoll, wenn man den Anschlag ausnützen wollte, um die Bolksstimmung gegen die Socialistcn zu erregen. Carton de Wiart(Rechtet erinnert an die zahlreichen Dynamstanschläge, bei denen er und seine Freunde zu Schaden gekommen seien. Nachdem noch Vertreter der Regierung ihre Ueber- einstimniung mit den Ausführungen Neuseans ausgesprochen hatten, verweist der Präsident der Kammer darauf, daß die Behörden die Schuldigen zn ermitteln beniiiht sind und spricht die Hoffnung aus, daß den Opfern des Anschlages die Teilnahme der ganzen Nation zugewendet sei.(Allseitige Zu- stimmung.) Darauf wird der Gegenstand verlassen. Den belgischen Scharfmachern scheint danach das„anarchistische" Attentat ebenso willkommen gewesen zu sein, wie es den Scharf- machern andrer Länder erwünscht gekommen sein dürfte!— Ocstreich-Ungarn. Parlaincntnrischc Maulkörbe. Einem Berliner Blatt wird folgender Scherz aus Wien ge- meldet: Eine komische Scene ereignete sich heute(Freitag) vor der Sitzung des Abgeordnetenhauses im Bureau des Präsidenten Grafen Vetter. Bei diesem erschien nämlich ein Fabrikant von Maulkörben mit einer größeren Anzahl solcher Erzeugnisse. Graf Vetter ftagte ver- wundert, was er damit solle. Der Fabrikant erklärte, man habe die Maulkörbe bei ihm für den Herrn Präsidenten be- st e l l t, der diesen Artikel dringend bedürfe: er habe dem Besteller versprechen müssen, sie heute abzuliefern. Natürlich handelt es sich um den Ulk eines Spaßvogels. Die Sache erregt in ganz Wien große Heiterkeit.— Frankreich. lieber das Rencontre zwischen Millerand und Innres wird dem „Berliner Tageblatt" geschrieben: „Es heißt, daß Jaurss, der wie die meisten andren Mit- glicder der Kommissionssitzung nicht hatte beiwohnen können, nach der Sitzung einen scharfen Brief an Millerand gerichtet habe. Die Anhänger Combes erklären es mit Recht für sonderbar, daß Millerand, der als Handelsminister die Arbciter-Altersversorgung nicht hat verwirklichen können, mit solcher Heftigkeit die Verwirklichung von Combes verlangt und gerade in einem Augenblicke auftritt, wo Combes erst den letzten Kampf gegen die Ordensschulen aus- kämpfen muß.... Es ist offenkundig, daß es sich bei dem Auftreten Millerands um ein zwischen ihm und Doumer abgekartetes Manöver handelte. Seit längerer Zeit spricht man in den Couloirs von Jntrigucn, die ein Ministerium Doumer-Millerand ans Ruder bringen sollten. Millerands gestriger Ucberraschungscoup fcheiterte indessen, weil I a u r ö s seine Autorität gegen Millerand in die Wagschale warf, und weil Etienne und Sarrien mit ihren Gruppen für die Regierung stimmten. Kein einziger Socialist ist Millerand gefolgt, der sich heute gefallen lassen muß, vom„Figaro", „Echo de Paris" und selbst von Rochefort gelobt zu werden. Die linksstehende Presse spricht von dem Zusammenbruch und politischen Selbstmord Millerands." In der That, so große Gefahren die nichts-als-ministerialistische Politik in sich birgt: Millerand als Vertreter einer r ü ck s i ch t S- losen socialen Politik ist eine mehr als sonderbare Erscheinung. Wer so lange Ministerialist ä tont prix gewesen ist wie Millerand, darf sich nicht wundern, wenn kein Mensch mehr seiner angeblich principiellen Politik Glauben schenkt, sondern nur politisches Streber- tum dahinter wittert.—_'_ Die Kriegslage in Korea. London, 13. März.„Daily Chronicle" meldet aus Schanghai von gestern, daß am 10. März zehn japanische Kriegsschiffe vor Tschinampho gelegen und zwölf Transportschiffe dort Truppen ans- geschifft hätten. Man erwarte noch dreißig Transportschiffe mit 20 000 Mann.—„Daily Mail" erfährt aus Tschifu. daß Ende voriger Woche in Tschcmulpho 3000 Japaner gelandet seien und noch 2000 erwartet würden. Die Russen zögen sich vor dem Vor- marsch der japanischen Vorposten nach dem Jaln zurück. Kleine japanische Dctachemcnts setzte» sich in jeder Stadt fest. Aus Söul erfährt das Blatt, daß 800 Kosaken und eine Batterie Feldartillerie in Suntschun angekommen seien, man glaube, daß noch 2000 eintreffen würden. Sie behandelten die Koreaner gut und bezahlten für alles gute Preise.— Der„Standard" berichtet aus Tschifu, daß fortwährend Züge mit Lebensmitteln in Port Arthur einträfen. Die Eisenbahn sei noch intakt. Die Reparaturen an den bcfchädigten russischen Kriegsschiffen würden mit großem Eifer gefürdert. Man versichert, daß die Zahl der in Äintjchon und auf Liautung stationierten russischen Truppen sich auf 30 000 Mann belaufe. Dem„Tag" wird aus Söul gemeldet: Fünftausend japanische Pioniere sind beschäftigt, eine Feld- Eisenbahn von Söul nach Norden zu bauen: auch Civilarbeiter wurden dazu herangezogen. Die Eisenbahn von Söul nach Fusan wird nicht vor dem Oktober fertig werden. Die russische reitende Artillerie ist wieder auf das Nordufcr deS Jalu gegangen; auch ein Teil der Kavallerie wurde zurückgezogen. Nur schwache Kräfte stehen noch bei Söngtschön. Das neue japanische Parlament. Tokio, 18. März. Das Parlament, das heute zusammengetreten ist, wird am Sonntag oder Montag vom Kaiser feierlich eröffnet werden. Mit Rücksicht darauf, daß die Zeitumstände Einigkeit auf feiten der Japaner dringend erforderlich machen, beschlossen sowohl die Verfassungspartei als die Fort- sch rittSpartei, die Regierung zu u n t e r st ü tz e n. Dadurch ist die glatte Annahme des von der R e- g i e r u n g wegen d e s K r i e g e s a u f g e st e l I t e n F i n a n z- Programms gesichert.— Das Unterhaus wählte heute Matsnda zum Präsidenten und es wird erwartet, daß der Kaiser die Wahl sofort bestätigen wird. Matsnda war Finanzminister im Kabinet Oknma und Unterrichtsminister im letzten Kabinet Jto. Tie Anküudtgung russischen Hunncntums. Fürst Uchtomski, der Herausgeber der„Petersburger W j e d o in o st i". der sich auch des persönlichen Wohl- w o l l e n s deS Zaren erfreut, den er, als er noch Thron- folger war. auf der Reise nach Japan begleitete und auf dessen Ent- fchlüsse er. namentlich zu Beginn der Regierung, einen bemerkcns- werten Einfluß gehabt hat. erklärte einem Berichterstatter deS„Tag" gegenüber: „Und dann darf man nicht außer acht lassen, daß es— so wenig man von einer nationalen Erbitterung Rußlands gegen Japan sprechen kann— doch ein Rassenknmpf sein wird. Unsrc Soldaten werden!n diesen höjjlichcn, kleinen, gelben Kerlen keine gleichberechtigten Gegner sehen, sondern ihnen nicht gerade sanft z» Leibe gehen." Das ist wieder einmal der Standpunkt der„höheren Kultur"! Wenn die Japaner so wenig in der Lage wären, Ver- gcltung zu üben, wie seiner Zeit die Chinesen, so würde die Voraus- sage des Freundes des Zaren ja höchst wahrscheinlich in Erfüllung gehen. Da aber die Japaner die Möglichkeit besitzen werden, für jeden Hunnenakt der russischen Kulturträger blutige Revanche zu nehmen, werden die russischen Heeresfiihrer etwaigen hunnischen Ge- lüften schwerlich die Zügel schießen lassen können! Die Mobilisierung wider die„Schnorrer und Verschwöret. Gleichzeitig nnt der Mobilisierung der Armee nach dem Osten, macht der Absolutismus schon wieder gegen das Judentum mobil. Und da er darin, wie Kischinew beweist, viel mehr Energie und Geschicklichkeit entfaltet, wie bei der Verteidigung Port Arthurs, so darf man sich in Rußland vielleicht bald auf ein neues Juden- massakrc bereit machen. Man teilt uns aus Wilno mit, daß die Militärverwaltung die Familien derselben Juden, die sie als Wehrpflichtige nach dem Osten zu den Kricgsbataillonen schickt, aus den Städten a u s- w e i st mit der Begründung, daß sie zum Wohnsitz daselbst nicht berechtigt seien, nachdem der Familienernährer, der dieses Recht besaß, in den Krieg gezogen! Aus W i t e b s k teilt man mit, daß die Schulbehörden förmlich gegen die Juden Hetzen. Einer der dortigen„Pädagogen" hat sich den Gymnasial- schülern gegenüber wörtlich geäußert:„Wäret Ihr wirkliche Christen, dann müßtet Ihr die Juden einfach in Stücke reißen und nieder- metzeln." Von russischen Subalternbeamten wird im Gouvernement Wittebsk geflissentlich die Lügenmär verbreitet, daß die Juden heimlich „für die Japaner Geld sammeln". Das gleiche Gerücht wird in Krementschug. einer großen, zur Hälfte von Juden bewohnten Handelsstadt des Gouvernements Poltawa, verbreitet. Gleichzeitig beginnt in der südrussischen Presse der Inspirator des Kischinewer Massenmordes, K r u s ch e w a n, schon wieder sein infames Handwerk zu treiben. Alle diese Anzeichen zusammen lassen darauf schließen, daß wahrscheinlich eine neue„ruhmreiche Schlacht" mir wehrlosen Juden von v. Plehwe geplant wird— vielleicht unter dem frischen Eindruck der Rede seines Freundes v. Bülow Wider die„Schnorrer"... Die jüdische Bourgeoisie zittert natürlich vor Angst, was am Ende nicht wunder nehmen darf, da z. B. der Gouverneur von Soltawa jetzt schon im voraus erklärt, daß er jede Ver- antwortung für etwaige künftige Judenmassakres ablehnt, angesichts dessen, daß die Juden„so wenig Patriotismus zeigen"... So beeilen sich denn die jüdisch-bürgerlichen Kreise, ihren„Patriotismus" bar auf den Tisch zu zahlen. Der Stadtrabbiner von WitebSk hat dem Gouverneur im Namen aller Juden der Stadt 4000 Rubel für das Rote Kreuz dargebracht. Eine unfreiwillige Selbstkritik der russischen Finanzen. Der Redaktion der„Jskra" teilt man aus Hömel mit, daß die dortige Staatsanwaltschaft, bei der Freilassung politischer In- haftierter ans dem Untersuchungsgefängnis gegen Kaution, sich weigert, als Kautionsgeld die vierprozentige Staatsrente zum Nominalwert zu nehmen und rechnet sie nur zu 50 Prozent! Das ist doppelt interessant angesichts dessen, daß die russische Rente jetzt noch im Auslande 93,50 stehl; es scheint demnach, daß die zarische Regierung ihre„Russen" viel pessimistischer einschätzt, als die westeuropäischen Börsen. Dies mögen sich die Herren Bankiers merken, die es eilig haben, mit deutschem und französischem Geld russische Anleihen zu decken und so dem Zarismus aus der Patsche zu helfen. Agrarisches Ostmärker-Leben. Po s e n, 17. März. Der weit über die Grenze der Provinz Posen interessierende Beleidigungsprozetz des Vorsitzenden des Bundes der Landwirte für die Provinz Posen, Major a. D. Endcll, gegen den verantwortlichen Redakteur der„Pos. Ztg.", Hans Schack, kam heute vor dem Schöffen- gericht des hiesigen Amtsgerichts zur Verhandlung. Mit Schack er- scheint der Gcneraljlellretär der Postrtzer Landwirtschastskammcr, Gustav Eberl, als Privatbcklagtcr; er soll dem Redakteur Schack zu dem beleidigenden Artikel„Das Spiel mit Bdenschenschicksalen" das Material geliefert haben. In diesem Artikel wird gesagt, EndellS Weg gehe über zertrümmerte Menschenleben, es müsse gelingen, „Posen von diesem Menschen zu befreien und dadurch den Frieden zu schaffen, dessen wir so dringend bedürfen." Drei andre von Scliack verfaßte Artikel werfen dem Privatkläger vor, daß er seine Autorität als Vorsitzender der Landwirtschaftskammer dazu benutzt habe, die Kassenbcamten der Kammer zur Hergäbe von Borschüssen zu bc- stimmen, da er sich in mißlichen Vermögensverhältnissen befand. Endcll habe die deutsche Osimarkenpolitik bekämpft, die Posener Land- wirtschaftskammcr zur Filiale des Bundes der Landlvirte gemacht, den Landrat des Kreises Birnbaum, v. Willich(der sich bekanntlich erschossen hat), gesellschaftlich vernichtet und er habe sein Wort ge- brachen, indem er nach dem Ankauf seiner Güter seitens der An- siedelungskommission das schriftlich gegebene Versprechen, den Vorsitz in der Landwirtschaftskammer nie wieder zu übernehmen, nicht ge- halten habe. Es sind über 30 Zeugen geladen, darunter der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Freiherr v. Wangenheim, Graf v. Goltz, Kammerherr v. H e y d e- b r a n d und der L a s a, der Direktor der Nationalbank für Deutschland, Geh. Rcgierungsrat W i t t i n g, der Vorsitzende der Posener Landwirtschafrskamnier, Kammerherr v. Born-Fallois und kgl. Oekonomierat Kenncmann. Der Beklagte Schuck erklärt aus die Frage des Vorsitzenden, daß er den Artikel„Das Spiel mit Menschenleben" selbst geschrieben habe und daß ihm hierzu von keiner Seite Material zugegangen sei. Der Beklagte Eberl behauptet, er habe Redakteur Schack nicht das geringste Material geliefert, er wußte garnicht, daß Schack gegen Endcll Artikel loslassen ivolle. Es wird zunächst über die Behauptung verhandelt, daß Major Endcll sich im Vermögensverfall befunden habe. Landesökonomierat Kenncmann bekundet: Er wisse, daß Endell sein Gut an die Ansiedlungskommission für 643 000 M. verkauft habe. Auf dem Gute ruhten 450 000 M. Hypotheken. Man könne nicht sagen, daß Endell im Vermögensvcrfall war.— Verteidiger Justizrat Ullmann: Herr Landesökonomierat, ist Ihnen bekannt, daß die Anstedelungskommission den geforderten Preis für das Gut Kickrz für zu hoch gehalten und daß, da die Ansiedclungs- kommission den Preis nicht zahlen wollte, Oberpräsident v. Bitter gesagt habe: Meine Herren! Wenn Sie diesen Preis nicht zahlen, dann nehmen Sic mir die Möglichkeit, den Endcll aus der Provinz Posen los zu werden?— Zeuge: Davon ist mir nichts bekannt.— Bor- sitzender: Ist das Ansehen des Endcll aus Anlaß seiner Kassen- Manipulationen in der Landwirtschaftskammer bei seinen früheren Berufsgenossen erschüttert? Zeuge: Keineswegs. Der Bund der Landwirte in hiesiger Provinz ist allerdings in zwei Lager geteilt, die Anhänger des Herrn Endcll halten aber nach wie vor an diesem fest.— Verteidiger: Ist es richtig, daß in der hiesigen Landwirtschafts- kammer, die doch eine Behörde ist, der Bund der Landwirte dominiert hat? Zeuge: Allerdings, ich bin deshalb aus dem Bund der Landwirte ausgeschieden. Administrator Mackensen: Er sei Gutsnachbar des Majors Endell gewesen. Dieser sei durchaus nicht im Vermögensverfall gewesen. Justizrat Fahle: Es wird Ihnen bekannt sein, daß Endell sich einen Vorschuß von 300 M. aus der Kasse der Landwirtschaftskammer hat geben lassen. War Herr Major Endcll in der Lage, diesen Betrag zurückzuzahlen?— Zeuge: Zu jeder Zeit.— Justizrat Fahle: Sind Sie der Meinung, daß Major Endell, als er sich die Tarlehen aus der Kasse der Landwirtschaftskammer geben ließ, in gutem Glauben gehandelt hat?— Zeuge: Jawohl.— Kaufmann Lchncrt: Er habe oftmals Wechsel des Majors Endcll diskontiert. Tieselben seien sketS prompt«tngelöft worden, c§ sei niemals ein Wechsel protestiert worden.— Auf Befragen des Verteidigers bemerkt der Zeuge: Er habe einmal einen Wechsel des Endell in Bromberg diskontieren wollen, dabei habe er allerdings Schwierigkeiten gehabt. Jedenfalls sei er der Meinung, daß Endell nicht im Vermögensverfall war. Mühlenbesitzer Braun: Er hatte die Ueberzeugung, datz Endell sich in Geldschwierigkeiten befunden habe. Er habe an Endell mehr- fach Kartoffeln verkauft und stets sehr lange auf Zahlung warten müssen. Direktor der Ostbcmk für Handel und Gewerbe. Hamburger: Die Auskunft über die wirtschaftliche Lage des Majors war derartig, daß dessen Wechsel nur von der Bank diskontiert wurden, wenn zwei gute Unterschriften auf denselben standen. Kaufmann Calvary, Pferdehändler Wreszhnski, Kaufmann Borowski, Kaufmann Zrelinsky, Kaufmann TauM, Vichhändlch Zakrzewicz und Kaufmann Davidsohn bekunden: Sie hätten wohl ge- hört, dah sich Major Endell in Zahlungsschwierigkeiten befinde, sie haben das aber nicht bestätigt gefunden. Oekonomierat Hünerasky: Endell sei rki derselben Lage ge- Wesen, wie viele Landwirte in der Provinz, er habe aber niemals vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch gestanden. Er habe in Er- fahrung gebracht, daß Major Endell sich einen Vorschuß von Svvv M. aus der Kasse der Landwirtschaftskammcr hatte zahlen lassen und dafür einen Gutschein gegeben hatte. Als nun eines Tages eine staatliche Revision der Kaste der Landwirtschaftskammer vorgenommen wurde, habe er(Zeuge) sich schleunigst 5000 M. von der Darlehns- taste geholt, dies Geld in die Kaste gelegt und den Gutschein heraus- genommen. Er habe dies gcthan, weil er der Ueberzeugung war, daß, wenn die Nevisionskommissare dies entdeckten. Major Endell und die Beamten der Kammer Unannehmlichkeiten haben würden. Er sei überzeugt. Major Endell hätte sich die 5000 M. mit Leichtig- keit auch von andrer Seite beschaffen können. Er würde dem Major die 6000 M. ohne Zögern gegeben haben. Endell sei eines Tages sehr niedergeschlagen gewesen. Er erzählte, er habe alle seine Ehren- ämter, seine Mitgliedschaft im Deutschen Landwirtschastsrat, Prcußi- schen Landesökonomie-Kollcgium, dem Bund der Landwirte usw. niederlegen müssen. Auf seine(des Zeugen) Frage, weshalb er seine Ehrenämter habe niederlegen müssen, habe Endell gesagt: Er habe doch schließlich Schulden und da könne er nicht mehr öffcnt- liche Ehrenämter bekleiden.— Verteidiger: Sprach Herr Endell auch von der Entnahme von 5000 M.?— Zeuge: Nein.— Verteidiger Justizrat Ullmann: Ist Ihnen Herr Endell Geld schuldig gewesen?— Zeuge: Jawohl, etwa 6000— 8000 M.— Verteidiger: Ist es richtig, daß Sie zu Oberbürgermeister Witting gesagt haben: Die Schulden des Majors Endell ist nicht das schlimmste, viel schlimmer ist die Entnahme der 6000 M. aus der Kasse der Land- Wirtschaftskammer?— Zeuge: Darauf erinnere ich mich nicht. Der Vorsitzende verliest die gerichtliche Aussage des Zeugen Hünerasky. Danach hat letzterer bekundet: Er habe zu Gehcimrat Witting gesagt: Die Schulden Endells sind nicht das Schlimmste, viel schlimmer ist, daß Endell sich 6000 M. aus der Kaste der Land- Wirtschaftskammer hat geben lasten.— Verteidiger: Sie sagten, Sie hätten Herrn Endell ohne Zögern die 6000 M. geliehen. Warum haben Sie das nun nicht gethan, um die Sache, die Sie doch für vollständig ungehörig hielten, aus der Welt zu schaffen?— Zeuge: Weil ich dazu keine Veranlassung hatte.— Verteidiger: Sie fühlte» sich aber veranlaßt, die 6000 M. in die Kasse zu legen und den Gut- schein herauszunehmen?— Zeuge: Ich habe bereits bemerkt, daß ich den Beamten Unannehmlichkeiten ersparen wollte.— Verteidiger: Also eigentlich, um die Revisionskommission zu täuschen.— Zeuge: Dies beabsichtigte ich nicht.— Verteidiger: Aber Sie werden doch zugeben, daß durch Ihr Verfahren die Rcvisions- kommission thatsächlich getäuscht worden ist?— Zeuge schweigt. >— Verteidiger: Herr Zeuge, sind Sie Mitglied des Bundes der Landwirte?— Zeuge: Jawohl.— Angeklagter Eberl: Ich kann mit Bestimmtheit bekunden, daß, als Oberbürgermeister Witting Herrn Endell sagte: Er habe sich hier unmöglich gemacht, er müsse sofort seine Ehrenämter, zum mindesten den Vorsitz in der Land- Wirtschaftskammer niederlegen, Endell geweint und gesagt hat: „Wenn ich bloß noch meinen guten Namen retten kann."— Major Endell: Ich mutz zunächst bemerken, daß Herr Oekonomierat Hünerasky sich irrt. Ich habe ihm nicht gesagt: ich müsse Schulden halber meine Ehrenämter niederlegen. Thatsächlich habe ich dieselben auch viel später niedergelegt. Daß, als Geheimrat Witting mir die Eröffnung machte, daß er meine Verhältnisse sanieren wolle, ich in große seelische Erregung geriet und geweint habe, gebe ich zu. Ich hielt die ganze Sache für eine Jntriguc gegen mich und hatte die Ueberzeugung, ich solle auf Wunsch meiner politischen Gegner meine Ehrenämter niederlegen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erscheint als Zeuge der Direktor der Nationalbank, Oberbürgermeister a. D. Geh. RegierungSrat Witting(Berlin). Dieser bekundet: Eines Tages fuhr ich von Berlin nach Posen. Unterwegs kam Oekonomierat Hünerasky zu mir ins Kupce. Nach Besprechung verschiedener gleichgültiger Dinge brachte Hüneraskh das Gesprach auf Major Endell. Er bemerkte, die Stellung des Majors Endell in der Landwirtschaftskammer sei eine fast unhaltbare, und fragte mich, ob ich im Interesse Elldells intervenieren könnte. Herr Major Endell war mir immerhin eine sympathische Persönlichkeit, ich erklärte daher meine Bereitwilligkeit. Hünerasky kam bald darauf zu mir und sagte mir: Herr Endell will gern meine Hilfe an- nehmen und zu mir kommen. Ich versetzte: Ich werde lieber zu Herrn Endell gehen, um ihm eiilcn unangenehmen Gang zu er- sparen. Hünerasky sagte mir außerdem: Herr Oberbürgermeister, wenn Sie helfen wollen, dann fühle ich mich verpflichtet, Ihnen die volle Wahrheit zu sagen: Herr Endell hat nicht bloß viele Schulden, was aber viel schlimmer ist, es fehlen in der Kasse der Landwirtschaftskammer seit etwa dreiviertel Jahren 5000 Mark. Ich habe Endell schon wiederholt aufgefordert, durch Zahlung der 6000 Mark die Sache aus der Welt zu schaffen, Herr Endell hat dies aber bisher nicht gethan. Ich war darüber geradezu bestürzt und sagte:„Um Gotteswillen, dann ist ja Herr Endell verloren.'' Oekonomierat Hünerasky erzählte mir ferner: Es habe vor einiger Zeit eine Revision der Kasse der Landwirtschaftskammer stattgesilnden. Um den Beamten Unannehmlichkeiten zu ersparen, seien die 6000 M. in die Kaste gelegt und nach geschehener Revision wieder herausgenommen worden. Hünerasky erzählte mir ferner, daß in der Kasse der EmkaufSstelle unerfreuliche Dinge vorkämen. Ich bemerke, die schlechten VcrniögenSverhältniffe des Herrn Endell waren mir längst bekannt! es schwirrten Gerüchte in der Stadt umher, daß eine Reihe von Wechseln von Endell umliefen. Ich begab mich darauf zu Herrn Major Endell. Ich schlug Herrn Endell vor, sein Gut zu verkaufen und sofort alle Ehrenämter nieder- zulegen. Ich sagte Herrn Endell: ich werde mich bemühen, das) die Ansiedelungskommission sein Gut kaufe. Herr Endell erklärte sich auch zu allem bereit. Ich bemerke, ich bin in der ganzen Sache, außer bezüglich meines verstorbenen Freundes v. Willich, niemals aktiv vorgegangen. Ich war aber zunächst bemüht, die Angelegenheit be- treffs der 6000 M. aus der Welt zu schaffen. Ich nahm zunächst Veranlassung mit Herrn Kammerherrn v. Born-Fallois darüber zu sprechen, dieser bemerkte aber, ich solle ihn damit verschonen. Ich fragte alsdann Herrn v. Ticdcmann, ob er für einen Mann, der in der Ocffcntlichkeit eine große lRolle spiele, 6000 Mark decken wolle. Herr v. Tiedemann� sagte sofort: ach, es ist siir Herrn Endell, das ist mir schon seit langer Zeit bekannt. Für jeden andern würde ich die 6000 Mark sofort geben, aber zwischen Herrn Endell und mir steht der Sarg des Herrn v. Hanscmann. Einige Tage darauf traf ich im Hotel Mylius den General-Land- schaftS-Dircktor v. Staudy. Dieser hatte auch von der 6000 Mark- Angelegenheit Kenntnis und fragte mich, ob diese Sache nicht ein strafrechtliches oder Disciplinarverfahren nach sich ziehen werde. Ich erwiderte, wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter, ich bin der Meinung, die Angelegenheit werde sich auch in andrer Weise aus der Welt schaffen lassen. Herr v. Staudy sprach dabei vom Uniformrock ausziehen. Ich begab mich auch zu gleicher Zeit zu dem Herrn Obcrpräsidenten v. Bitter und sagte dlesem: Sie müssen Kiekrz ankaufen, sonst giebt es in der Provinz einen großartigen Skandal. An dem Abend, an dem wegen des Ankaufs von Kiekrz eine Staatsministcrial- sitzung stattfand, war ich Gast des verstorbenen Finanzministers v. Miguel. Herr Major Endell habe ihm bei seinem zweiten Besuche gesagt: Ich habe mich bisher dnrchgclogcn, ich werde mich auch weiter durch- lügen. Ich habe diese Ausdrücke nicht wörtlich aufgefaßt. Auf lveiteres Befragen bekundet Geh. Rat Witting: Landrat v. Will ich hat sich in seiner Eigenschaft als Johanniter, als Corpsstudent und als Reserveoffizier aufs tiefste verletzt gefühlt, daß ihm Major Endell den Vorwurf der persönlichen Feigheit gemacht hat. Letzterer hatte behauptet: Herr v. Willich habe gekniffen. Kurz vor Kaisers Geburtstag hat der Obcrpräsident v. Bitter an Landrat v. Willich telegraphiert, er solle der Festlichkeit, die zur Feier von Kaisers Geburtstag in Birnbaum veranstaltet wurde, fern bleiben. Ich sagte zu Herrn v. Willich:„Ein preußischer Landrat, der der Kaiscr-Gcburtstagsfcicr fern bleibt, ist keine» Schuß Pulver wert. Beantragen Sie sofort das Disciplinarverfahren gegen sich." Dieser Vorgang hat Herrn v. Willich, dessen Nerven ohnedies schon zerrüttet waren, schließlich die Pistole in die Hand gedrückt. Professor Dr. Gerlach, Vorsitzender der landwirtschaftlichen Ver- suchsstation bemerkt: Er habe die Entnahme von 6000 M. aus der Kasse der Landwirtschaftskammer nicht für berechtigt gehalten. Zuchtdirektor Dr. Marks: Major Endell hatte ihm und Professor Gerlach einen Verweis erteilt. Sie haben sich deshalb bei dem stellvertretenden Vorsitzenden der Landwirtschafts- kammer, Kammerherrn v. Born Fallois beschwert und diesen ersucht, zwischen ihm und Major Endell einen Ausgleich zu schaffen. Als er schon die Klinke in der Hand hatte, habe er zu dem Kammerherrn gesagt: Ein Ausgleich kann aber nur stattfinden, wenn die Kassenangclegenheit von Major Endell geregelt sei. Der Kammerherr habe darauf bemerkt: Ich will das, was Sie soeben gesagt, nicht gehört haben. Verteidiger: Hat Ihnen Oekonomierat Hünerasky einmal ge- klagt, daß er von Endell das diesem geliehene Geld nicht zurück- erstatten könne?— Zeuge: Herr Oekonomierat Hüncralsky hat wiederholt gesagt: Wenn ich bloß mein Geld von Endell wieder hätte, ich kann es aber nicht bekommen. Kammerherr v. Born-Fallois: Er sei ftüher stell- vertretender Vorsitzender der Posener Landwirtschaftskammer ge- Wesen, jetzt sei er Vorsitzender. Dr. Marks habe ihm die Vorschuß- aiigelegcnheit in einer Weise mitgeteilt, daß er sich ablehnend da- gegen verhalten mußte. Major Endell habe sich die 6000 M. äugen- scheinlich nur aus Bcqueuilichkcitsgründrn geben lassen. Wenn er sich an uns gewandt hätte, dann würden ihm ohne weiteres 6000 M. gegeben worden sein. Es wird alsdann des längeren das Disciplinar-Ver- fahren gegen Eberl erörtert. Verteidiger Justizrat Ullmann bemerkt: Das Vorgehen des Vorstandes der Landwirt- schaftSkammer sei ein solches gewesen, daß der Staatsanwalt in der Disciplinarverhandlung äußerte: Das Vorgehen der Landwirtschafts- kammer gegen Eberl sei ein so rigoroses, wie es bei einer preußischen Behörde noch niemals vorgekommen sei. Zlveiter Tag der Verhandlung. AuS der gestrigen Vernehmung des Geheimrats Witting ist noch nachzutragen: Aus Anlaß der Endell-Angelegenheit sei der ver- storbene Landrat v. Willich zu dem Obcrpräsidcntcn v. Bitter ge- rufen worden. Im Einverständnis mit dem Oberpräsidenten habe er den Landrat v. Willich auf Bitten des Letzteren, zu dem Ober- Präsidenten begleitet. Bei dieser Gelegenheit sei es zwischen dem Obcrpräsidenten und dem Landrat zu solch heftigen Auseinander- setzungen gekommen, daß, wenn er(Zeuge) nicht beschwichtigend da- zwischen getreten wäre, Thätlichkcitcn stattgefunden hätten. In der heutigen Sitzung bekundet Dr. Marks: Ein Beamter der Landwirtschaftskammer habe sich einmal einer Unterschlagung von 60 Mark schuldig gemacht. Endell meinte: Man darf so etwas nicht so tragisch nehmen. Endell: Ich bestreite das mit voller Entschiedenheit. Es ist möglich, daß ich gesagt habe: man muß nicht gleich so streng vor- gehen.— Dr. Marks: Ich wiederhole, unter Berufung auf meinen Eid, daß Herr Endell gesagt hat: man darf den Fall nicht so tragisch nehmen.— Endell: Ich kann ebenfalls beeiden, daß ich eine solche Aeußerung n i ck? t gcthan habe. v. Unruh:'Das DiSciplinarverfahrcn mußte gegen Eberl bcan- tragt werden, da dieser nicht länger Generalsekretär der Landwirt- schaftskanimer bleiben konnte.— Verteidiger Justizrat Ullmann: Ist es richtig, daß Sie und Kammerherr v. Born- Fallois an die Rc- gierung geschrieben haben:„Sie seien nicht in der Lage, mit Eberl länger zusammenzuarbeiten. Wenn Eberl nicht diScipliniert werde, dann müßten Sie und Kammerherr v. Born-Fallois Ihre Aemter niederlegen." Zeuge: Das ist mir nicht erinnerlich.— Verteidiger: War das Verhältnis zwischen Endell und dem Landrat v. Willich schon vor dem Erscheinen des Artikels in der„Täglichen Rundschau" ein gespanntes?— Zeuge: Ich will bemerken, daß ich Gutsnachbar von dem verstorbenen Landrat v. Willich war und gegen diesen keinerlei Feindseligkeit hegte. Ich sage das, um die gegenteiligen Behauptungen der Revolverpresse zu widerlegen. Im übrigen bin ich in dieser Beziehung zur Amts- verschwiegciihcit verpflichtet. Verteidiger: Ist Ihnen bekannt, daß daS Strafverfahren gegen Eberl auf Grund einer Denunziation eines August Schmidt erfolgt ist?— Zenge: Das weiß ich nicht.— Verteidiger; Kennen Sie diesen August Schinidt?— Zeuge: Nein.— Verteidiger: Ich be- merke, daß dieser August Schmidt trotz aller Nachforschungen nicht gefunden werden konnte.— Der Zeuge v. Unruh bekundet, ein Verdacht bestand, v. Willich habe schon dem ersten Artikel in der „Kölnischen Zeitung" nahe gestanden. Es sei richtig, daß v. Willich in einer Bundesversammlung in Samter auf Endell ein Hoch aus- gebracht habe. In der Stadt und im Kreise Birnbaum sei das Gerücht verbreitet gewesen, Endell sei bankrott. Verteidiger Justizrat Ullmann: Der Herr Zeuge sagte vorhin: Wenn Sie das nicht wissen, dann thut's mir leid. Ich bin nämlich im Zweifel, ob der Herr Zeuge berechtigt ist, auf Grund der Ver- pflichtung zur Amtsverschwiegenheit seine Aussage zu verweigern. Diesem Zweifel habe ich Ausdruck gegeben, darauf hat Herr v. Unruh die Bemerkung gemacht: Wenn Sie daS nicht wissen, dann thut es mir leid. Ich muß doch bemerken, daß mir die gesetzlichen Bestimmungen ebenso gut bekannt sind, wie dem Herrn Zeugen.— v. Unruh: Ich habe die Aeußerung allerdings gethan, weil ich von dem Herrn Verteidiger durch ein„Aha" dazu provoziert wurde. Rittergutsbesitzer v. d. Hcydebrand und der Lasa und Ritterguts- besitzer Rcinike bekunden: Sie seien der Ueberzeugung, Major Endell habe sich zur Entnahme der 6000 M. aus der Kasse der Landwirtschaftskammer für berechtigt gehalten. Er habe dies zweifellos gethan, weil es ihm bequemer war, er hätte mit Leichtigkeit anderweitig 6000 M. geliehen erhalten. Der Vertreter des Privatklägers beantragt, die Personalakten des Angeklagten Schock vorzulegen, aus denen hervorgehe, daß derselbe wegen seines Lebenswandels von seiner vor- gesetzten Behörde als evangelischer Vikar entlassen worden sei. Angekl. Schack: Auch ich bitte dringend, dem Antrag stattzu- geben. Durch Vernehmung des Herrn Püchlcr wird die blödsinnige Behauptung widerlegt und durch Vorlegung der Akten wird der Nachweis geführt werden, daß ich nicht wegen meines Lebenswandels aus meinem kirchlichen Amt entlasten worden bin. Nach längerer Auseinandersetzung beschließt der Gerichtshof nach kurzer Beratung alle Anträge als unerheblich abzulehnen. Soziales. Aerzte und Krankenkasse». Die große Erbitterung der Krankenkassen- Mitglieder gegen die Entrechtung der Kölner Kassen durch die Verfügungen der Auffichts- behörde tritt fortgesetzt in den Versammlungen zu Tage. In einer Versammlung in Köln-Ebrenfeld wandten sich die Redner scharf gegen die Manipulationen, mit denen die Aerzte auf Kosten der Kranken die Summen herauszuholen versuchen, die infolge der den Vereinsärzten in den Schoß gefallenen Honorarerhöhungen auf- gebracht werden müssen. Bleichsüchtigen Arbeiterinnen und schwind- süchtigen Arbeitern werden die Stärkungsmittel entzogen, und von zwei Äcrzten wurde Mitgliedern der Orts-Krankenkasse II zugemutet, als ihnen teure Heilmittel verordnet wurden: diese Medi- kamente müßten sie selb st bezahlen. Der Kasten- vorstand, der von den Kranken sofort angerufen wurde, ordnete an, daß auch diese Heilmittel von der Kasse zu zahlen seien. Eine am Mittwoch in Köln abgehaltene Versammlung der Orts-Krankenkassen Nr. 3 und 8 erhob in einer einstimmig angc- nommenen Resolution auf das entschiedenste Protest gegen jeden Versuch, die Ablehnung der für die Kasten unerschwinglichen Forde- rungcn der Aerzte- Organisation mit parteipolitischen Bestrebungen in Verbindung zu bringen; die Resolution betont, daß die Vorstände in der Ablehnung mit den Mitgliedern durchaus einig seien. Weiter beschloß die Versammlung einstimmig folgende Resolution: „Die in der„Glückaufhalle" versammelten Mitglieder der Orts- Krankenkasse für Handwerker Nr. 3 und 8, Arbeitgeber und Arbeit- nehmer, protestieren gegen die Verträge und Verfügungen der Aufsichtsbehörde, welche beiden Kassen unfehlbar dem Ruin e n t g e g e n f ü h r e n müssen. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer protestieren im voraus gegen jede Beitragserhöhung oder Reduzierung der Leistungen der Kassen sowie gegen die An- greifung des Reservefonds, da die Arbeiter die Gelder der Kranken- lassen in schwerer Weise, durchs einen Teil ihres Lohnes, der in vielen Fällen nicht zur notwendigen Lebensunterhaltung ausreicht, zusammenbringen mußten, andrerseits aber auch die Arbeitgeber, Ivelche größtenteils dem handwerktreibenden Mittelstand angehören, schwer belasten. Die Versammlung macht für das entstehende Deficit die Aufsichtsbehörde verantwortlich, um so mehr, da den Kassen 3 und 8 acht Aerzte mehr zur Verfügung standen, als sie vor dem 1. Januar hatten. Danach hat die untere Auffichts- behörde ihre Befugnisse überschritten, indem sie die Verfügungen des Regierungspräsidenten in Anwendung brachte. Die Versammlung giebt dem Vorstand anHeim, die Verträge und Verfügungen der Aufsichtsbehörde mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu be- kämpfen. Als Selbsthilfe beschließt die Versammlung, die Vorschläge der Kartellkommission der Kölner Gewerkschaften zu den ihren zu machen: das von derselben herausgegebene Aerztcverzeichnis als für alle Versicherten als allein maßgebend zu betrachten. Die Ver- sanmflung hält es für eine Pflicht aller Kassenmitglieder, die Kölner Aerzte, welche ihre Kontrakte gebrochen haben, bei Erkrankungen nicht zu konsultieren, die von den Kasten engagierten Aerzte aber mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen." Herr im Hause! Eines der beliebtesten Argumente gegen die Arbeiterbewegung ist die Betonung des Herrenstandpunktcs der Unternehmer. Will der Arbeiter mehr Lohn haben, verlangt er kürzere Arbeitszeit, an- ständige Behandlung. Schutz gegen gesundheitsschädliche Einrichtungen, so wird sein Anspruch in der kapitalistischen Presse in der Regel als eine Anmaßung bezeichnet, und die Scharfmacher jammern, sie seien in ihren Betrieben nicht mehr Herr im Hause. Zu dieser Herrenmoral möchten wir ein interessantes Beispiel liefern, es ist nicht dem Lohnkampf entnommen, aber es kennzeichnet doch so recht den Zustand der absoluten Unternehmerwillkür, die über Leben und Gesundheit des Arbeiters gebieten will und gebietet. Vor dem Reichs- Vcrsichcrungsamt erschien der Hochofen- Arbeiter K., der am 28. April 1902 im Betriebe der Königshütte in Oberschlcsien eine schwere Verbrennung erlitten hatte. Ucber de» Unfall lasten wir am besten die protokollierte Zeugenaussage des Gießers A. sprechen: „Der Apparatwärter N. war am 23. April 1902 morgens gegen 4'/� Uhr im Hochofenbetriebe am Hochoscn 7 beschäftigt. Wir bemerkten, daß die Eisenerze im Ofen hängen geblieben. Von diesem Vorgang machten die Arbeiter dem Abschmelzer G. Mit- teilung. Hierauf ließ G. den Wind viermal abstellen, die Erze senkten sich jedoch nicht. Bald darauf kam der Obcrschmelzer auf den Ofen, sah in denselben hinein und bemerkte, daß die Gase aus dem Ofen ringsum herauskamen. Daraufhin holte ich den Apparat- Wärter N.. der einen Abstich machte und hieraus Wind und Gase ab« sperrte. Die Erze senkten sich jedoch nicht. Die Glocke des Verschlusses war hochgczogen. Der Apparatwärter ordnete nunmehr durch Heraufsetzen der Glocke den Verschluß des Ofens an. Nachdem dies'geschehen, befahl der Obcrschmelzer dem Apparatwärter, in den Ofen hineinzugehen: dieser sträubte sich und wies auf die große Gefahr hin, die mit dem Hineingehen verbunden sei; als der Oberschnielzer jedoch darauf bestand, gab der Arbeiter seinen Widerstand auf und indem er halblaut vor sich hersagte:„Im Namen Gottes, ich gehe hinein", übernahm er das gefahrvolle Werk. Hierauf befahl der Oberschmelzer dem Gießer K. und mir, daß auch wir hineingehen und dem Kollegen helfen sollten. K., der sich an« fänglich sträubte, in den Ofen hineinzugehen, ging, weil der Ober- schni elzer daraus bestand. Ich(der Zeuge) sah, daß die Gefahr zu groß war und ging nicht hinein. Kaum, daß die beiden Kollegen in den Ofen eingestiegen waren und zu arbeiten anfingen, senkten sich die Erze, die brennenden Gase schlugen in die Glocke, worauf die in der Glocke stehenden Arbeiter verbrannt wurden. K. kam noch von selbst heraus, während der Apparatwärter in hellen Flammen stand, der Oberschmelzer und ich haben ihn herausgezogen. Hieraus wurden die beiden schlvcr Verletzten auf der Abzugs- schaale herunterbcfördcrt und in das Knappschaftslazarett gebracht." Soweit das Protokoll.— Der Apparatwärtcr ist bald nach der Einlieferung in das Lazarett gestorben, K. wurde nach ungefähr einem Jahr als geheilt entlassen. Er hatte ein Auge eingebüßt, die Hände und andre Körperteile waren von Brandnarben bedeckt, wie überhaupt eine starke Entkräftung des Verunglückten eingetreten war. Der Knappschaftsarzt Dr. Hartmann maß dem Verunglückten noch 36 Proz. Erwcrbsfähigkcit zu, demgemäß setzte die Schlesische Eisen- und Stahlberufsgenosseuschaft die Rente fest und das Schiedsgericht in Oppeln bestätigte gelvohnheitSgcmäß die Rente, indem es sich wie immer dem„bedenkenftcien" Gutachten des Dr. Hartmann anschloß. Der Verletzte suchte auch sofort die 35 Proz. Arbeitsfähigkeit zn verwerten, er erhielt auf der Hütte die Beschäftigung, Platten zu reinigen. Die Arbeit mußte er aber schon nach ganz kurzer Zeit aufgeben, da die Staubentwicklung das noch entzündete Auge stark reizte: andre Arbeit bot sich aus der Hütte für ihn nicht. In der Rekursinstanz wurde vom Central-Arbeitersekretariat der ganze Sachverhalt eingehend dargestellt und beantragt, dem Ver- letzten nach der Entlastung aus dem Krankenhause die Rente für einige Monate auf 100 Proz. zu erhöhen, da man wohl annehmen dürfe, daß nach einem so langen Krankenlager der Verletzte nicht gleich das geringe Maß der Arbeitsfähigkeit verwerten kann, außer- dem sei die Rente zu niedrig. Das Reichs-Versicheruugsamt gewährte denn auch für drei Monate nach der Entlassung aus dem Krankenhause die Vollrcnte und für die fernere Zeit 76 Proz. der Vollrente. An den beiden Arbeitern ist geradezu ein Verbrechen verübt worden. Im schlimnisten Falle, wenn das Erz sitzen blieb, konnte der Ofen verloren sein: aber darum darf man doch kein Menschen- leben aufs Spiel setzen. Man sage nicht, die Arbeiter hätten dem Befehle nicht zn folgen brauchen. Freilich wäre ein aufgeklärter, organisierter Arbeiter auch trotz der Drohung mit Entlassung, die den versklavte» Oberschlcsicr in den breunenden Ofen getrieben hat, nicht freiwillig in den Tod gegangen, uni ein Stück Erz und ein paar Mauersteine zu retten, aber damit muß man gerade rechneu. ©8r Kaiiabergehorsam, der dem Arbeiter durch ein brutales Herren- tmn eingebläut worden ist, ist die Kette, woran man den Arbeiter hält, er zwingt ihn, sein Leben einzusetzen, wenn der Kapitalist oder dessen Antreiber eines armseligen Goldstückes wegen ses fordert. Den Kvlturbesttebungen. die den Arbeiter aus einem Sklaven des Herrn zu einem selbstbewußten Menschen machen wollen, setzt man den zähesten Widerstand entgegen. Der oberschlesische Arbeiter, der in den glühenden Hochofen steigt, weil der Herr es befiehlt, er ist auch ein Kennzeichen unsrer Kulturl Nur gebessert oder geheilt. Ter Geschirrputzcr eines großen Berliner �Restaurants, der versehentlich aus einer Flasche mit Schwefelsäure getrunken hatte, mußte wegen der dadurch herbei- geführten Speiseröhrenverengerung im Krankenhause Moabit be- handelt werden. Er blieb dort vom 23. Dezember 1S01 bis zun, 8. Februar 1902 und wurde dann am 3. März wieder in das Krankenhaus aufgenommen, um es erst am 30. Mai wieder zu ver- lassen. Als Ersatz für die Verpflegung gemäß§ 67 des Kranken- Versicherungsgesetzl� zahlte die Jnnungs-Krankenkasse der Gastwirte dem Ortsarmenverband Berlin das dem Putzer B. zustehend« Krankengeld für 13 Wochen. Diese 13 Wochen umfaßten die Ver- pflegungstage des ersten Aufenthalts im Krankenhause ganz und des zweiten Aufenthalts bis zum 15. April 1902. Die Kasse, bei der damals die Krankenunterstützungsdauer 13 Wochen betrug, ging davon aus, daß es sich bei beiden Aufenthalten im Krankenhause um di e s e l b e Erkrankung handele, die in der Zwischenzeit nicht ge- hoben gewesen sei. Sie sei deshalb damals nur zur Zahlung von Krankengeld für 13 Wochen verpflichtet gewesen.— Der Ortsarmenverband Berlin war dagegen der Meinung, daß es sich um zwei besondere Erkrankungsfälle handele, da ja B. in der Zwischenzeit wieder im Restaurant gearbeitet habe. Der Armenverband bean- spruchte deshalb auch für die Zeit bis zum 30. Mai, dem Tage des zweiten Verlassens des Krankenhauses, Ersatz der Krankenhauskosten durch Ueberweisung von Krankengeld. Die 13wöchige Unterstützungs- baucr habe bei der Neuaufnahme in das Krankenhaus infolge neuer Erkrankung von neuem zu laufen begonnen. Der Bezirksausschuß wies die Klage des Armenverbandcs ab, nachdem er Beweis erhoben hatte. Begründend wurde ausgeführt: B. sei das erstemal nicht als geheilt, sondern nur als gebessert ans dem Krankenhause entlassen worden, unter Auf- gäbe besonderer Verhaltungsmaßregeln. Er habe eine Kanüle ge- habt und habe sich durch sie mittels einer besonderen Sonde, die man ihm mitgab, das Essen einflößen müssen. Wenn B. nach dieser ersten Entlassung glaubte, keiner Behandlung zu bedürfen, und wenn er wieder in Arbeit ging, so sei das unerheblich gegenüber jenen Tat- fachen und dem Umstände, daß dieselbe Sache ihn bald wieder ins Krankenhaus führte. Es müsse eine einheitliche Krankheit ange- nommen werden, so daß die Kasse nur zur Zahlung von Krankengeld für 13 Wochen verpflichtet gewesen wäre. Der Armcnverband legte Revision ein, das Ober-Verwaltungs- gcricht verwarf jedoch das Rechtsmittel mit der Begründung, daß der Vorderrichter ohne Rechtsirrtum habe feststellen können, daß B. aus der Heilbehmrdlung beim ersten Verlassen des Kaankenhauses noch gar nicht aus der Heilbehandlung entlassen gewesen sei und somit ein einheitlicher Krankheitsprozeß vorgelegen habe. SetverkSckaMickes. Berlin und Qmgcgcnd. Schutz den Streikbrechern! Die Münchcner Bäcker haben vor dem EinigungSamt Frieden geschlossen. Das ist nicht Schuld der Berliner Scharfmacher dieser Branche, die namentlich durch das neu errichtete Streikbrecher- Versand-Bureau mit dem keuschen Namen„Centtal-ArbeitSnachweis" schon Streikbrecher für die Münchener Meisterschaft suchten. Der JnnungS-Sprechmeister Vogel, Hirtenstr. 17, läßt es sich stets be- sonders angelegen sein, recht viele solcher nützlichen Elemente ein- zufangen. Die hiesige Mitgliedschaft des Verbandes hatte in Flug- blättern die Kollegen auf das Schimpfliche dieser Zumutung, zu Streikbrechern und Verrätern benutzt zu werden, hingewiesen. Der Jnnungs-Sprechmeister bestellte nun für Donnerstag, den 17. März, diejenigen, die als Streikbrecher nach München gehen wollten, nach seiner Wohnung. Begreiflicherweise liefen einige Bäcker, meist Unorganisierte, aus Neugierde vor dem Hause Hirten- straße 17 auf und ab. Sofort war nun auch zum Schutze der an- geblich bedrohten lieben Arbeitswilligen ein großes Polizei- Aufgebot mit einem Hauptmann an der Spitze zur Stelle. Naturgemäß war nunmehr die Schar der Neugierigen, darunter auch zweifelhafte Elemente und die unvermeidlichen hurraschreienden Straßenjungen so groß, daß zeitweilig die Hirten- straße einem wogenden Menschenmeere glich. Dies ist aber nur auf die Anwesenhett des großen Polizei- Aufgebotes zurückzuführen und vor allem auf das ungeschickte Vorgehen einzelner Polizeilieutenants. So wurde, was durch viele Zeugen erhärtet wurde, ein junger un- organisierter Kollege durch einen Polizcibeamten lebhaft berührt, weil er z u langsam weiter ging. Als er trotzdem nicht schneller lief, wurde er verhaftet. Durch Zurufe des Janhagels ermuntert, vielleicht auch aus Furcht vor Bcstrnftmg, riß sich der Unbesonnene los und floh. Sofort zogen zwei Schutzleute blank und schlugen blindlings mit der blanken Waffe nach rechts und links und nach dem Fliehenden. Nach langer Jagd, an der sich wieder die Jugend stark beteiligte, wurde der junge Mensch eingefangen und hat nun eine Anklage wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu erwarten. Die Nervosität der Polizei ging aber noch weiter. Das ganze Hau? des Sprechmeisters Vogel war vom Hausflur bis vier Treppen mit Schutzleuten besetzt. Zu welchem Zweck, ist uns ein Rätsel. Gegen Abend erschien plötzlich der Polizeihauptmann in der Bäckerherberge, Hirtenstr. 21, wo sich eine große Zahl Arbeitsloser befand und forderte den Wirt auf. diejenigen, die hier nichts zu suchen hätten, hinauszuweisen, sonst würde er das Lokal schließen lassen. Als ihm bedeutet wurde, daß dies eine Herberge sei, in der jeder das Recht habe, sich aufzuhalten, solange es ihm beliebt, wurde der Herr ziemlich ungemütlich. Als im Laufe des Streits ein älterer, gesetzter Bäcker meinte, die Polizei habe doch gar kein Recht, aus der Herberge Leute, die nichts ver- zehren, hinauszuweisen, wurde er verhaftet. Am Abend wurde einer der Sttcikpostcu, obgleich er ganz ruhig an einem Hausflur stand, verhastet. Der Verhaftete wurde auf der Polizeiwache am Königsgraben mit beleidigenden Redensarten be- lästigt und ohne jeden Grund in einer Arrestzelle mit einem Spitzbuben zusammen geworfen. Obgleich er eigne Woh- nung hat, wurde er erst nach zwei Stunden steigelassen. So werden ehrliche Leute behandelt, weil fie das Ver- brechen begehen. Solidarität gegen ihre kämpfenden Brüder zu üben._ Die Bademeister und Bademeisterinnen beabsichtigen eine Lohn- bewegung. In einer Versammlung des Verbandes des Massage-, Bade- und Krankenpflege-Pcrsonals werden folgende Forderungen mil» UUv Xu: cuitu j uim uux Nebenarbeiten, die mit dem Badeberufe nicht in Einklang zu bringen sind.— Die Forderungen sollen noch einer öffentlichen Versammlung vorgelegt und dann den Badeanstaltsbesitzern unterbreitet werden. Zur Aussperrung der Kupferschmiede in Kopenhagen. Am Dienstag kamen die Arbeitswilligen der Firmen Hekmann, Wirt, Kaiser. Kurtzweg. C. Müller und Heise, mit ihnen zwei Agenten der Firma Burmeister u. Wain und zivei Vorstandsmitglieder des dänischen Kupferschmicde-Verbandes in Berlin an: letztere, um mit der Filialverwaltung des deutschen Verbandes in gemeinsamer Sitzung über die weiteren Maßnahmen, welche im Interesse der Aussperrung notwendig erschienen, zu beraten. Von der Thättgkeit der beiden zugereisten Agenten ist bis jetzt nichts bemerkt worden; auch die Firma Hekmann scheint es aufgegeben zu haben, weitere Arbeitswillige nach Kopenhagen zu senden. Wahrscheinlich ist, daß die Agenten in andren Städten, Magdeburg, Vres- lau ic. ihr Glück versuchen werden, und sind hierdurch die Kollegen jener Städte auf diese Agenten aufmerksam gemacht.— Zum Streik der Kupferschmiede auf der Schichau-Werst in Danzig ist zu berichten, daß 21 Kollegen, 14 verheiratete und 7 uiwerheiratete, streiken. Die Direktion will sich auf keinerlei Verhandlungen einlassen. Es wird gebeten, nach beiden Orten den Zuzug streng fernzuhalten. Die Berliner Filialverwaltung des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands. Deurfches Reich. Auf den Odcrwerken in Stettin muß eine unglaubliche Zu- stände herrschen. Die Zimmerleute haben die Arbeit jetzt wieder aufgenomnien, nachdem Herr Direktor M i s d o r f sich selbst um die Angelegenheit gekümmert hat. Die Differenz zwischen dem, ivas die Zimmerlcute bisher erhielten und dem, was der Herr Direktor jetzt als gerechtfertigt anerkannte, ist einfach unglaublich. Die Zimmer- leute erhielten bisher für den laufenden Meter Decklegen und zwei- mal verdichten 29 Pf. Herr Direktor Misdorf bewilligte nach Rück- spräche mit den Zimmerleuten ihnen für diese Arbeit Ä? Pf. Für Leib- holzlegen wurde bisher 89 Pf. für den laufenden Meter gezahlt. Auch hier sah Herr Direktor Misdorf ein, daß diese Arbeit entschieden zu niedrig bezahlt wurde: er bewilligte dafür per Meter 89 Pfennig.(!) Damit waren die Ursachen der Streitigkeit beseittgt, und die Zimmer- leute nahmen ihre Arbeit wieder auf. Herrn Jngenier Kelch, der selbst früher Arbeiter war und deshalb aus eigner Erfahrung wissen mußte, daß die von ihm veranschlagten und früher gezahlten Accord preise durchaus nicht ausreichten, auch nur einigermaßen die Arbeits- leistung derArbeiter zu bezahlen, waren diese vonHerm Direktor Misdorf den Arbeitern gewährten Lohne zu hoch. Als der Herr den Arbeitern dann den Accordzettel herausgab, hatte er es fertig gebracht, den Accordpreis um einen Pfennig niedriger anzusetzen. Erst einer erneuten Intervention derArbeiter bedurfte es, um Herrn Ingenieur Kelch zu veranlassen, die von seinem Vorgesetzten gegebenen Anordnungen anzuerkennen. Inzwischen haben nun auch die T i s ch l e r und Maschinen- a r b e i t e r der Oderwerke die Arbeit niedergelegt.— Zuzug von solchen ist streng fernzuhalten! Die Tischler verlangten bei zukünftigen Accordarbeiten die Garantierung eines Stundenlohnes von durchschnittlich 35 Pf. Der bisherige Lohn betrug für zwei Tischler per Stunde 31 Pf., für 50 Tischler 32 Pf., für 8 Tischler 33 Pf. und 1 Tischler 35 Ps. Mit wenig Ausnahmen sind sämtliche Tischler Familienväter. Herr Direktor Misdorf wollte nur pro Mann und Stunde 1 Pf. Zulage bewilligen, aber keine Garantte für den Stundenlohn übernehmen. wenn bei unrichtiger Kalkulation der Stundenlohn nicht erreicht wird. Von der Direktion der„Stern*- Gesellschaft erhalten wir eine Zuschrift, in der es heißt: Als Abonnent Ihres geschätzten Blattes haben wir die Notiz, betteffend„Streik der Zimmerleute auf den Stettiner Oderwerken", mit Interesse gelesen. Wir bedauern den Vorfall, dessen Verschulden durchaus nicht auf unsrer Seite liegt, sehrund möchten Ihnen nur folgendes erwidern: Es wird Ihnen vielleicht bekannt sein, daß die Geschäftslage der letzten Jahre von sehr ungünstigem Einfluß für die Stettiner Oderwerke war, so daß dieselben den größten Teil ihrer Arbeiter entlassen mußten. Mir Rücksicht auf diese mißliche Lage ließen wir uns bestimmen, der genannten Werft einen großen Auftrag zum Bau von 5 flucht 3) neuen Passagier-Doppelschrauben-Dampfern zu überschreiben, trotzdem uns von andrer Seite billigere Offerten vorlagen. Die„Oderwerke", mit denen wir seit Jahren in Ge- schäftsverbindung stehen, konnten nunmehr eine große Arbeiterzahl beschäfttgen und wir glaubten uns dies gewissermaßen als Entgelt für die Einnahmen, welche uns die Berliner Arbeiterschaft, die zu unsrer besten Kündschaft zählt, zuftihrt, anrechnen zu können. Welche Löhne die Oderwerke zahlen, wissen wir allerdings nicht und wir haben auch keine Macht, hierauf einen Druck auszu üben. Jedenfalls werden wir den Stettiner Oderwerken den Zeitungsausschnitt einsenden. Es lag uns natürlich fern, anzunehmen, daß die Direktion der „Stern"-Gesellschaft schuld an der schlechten Bezahlung der Stettiner Werftarbeiter trüge. Wir glaubten aber, datz fie als Be- stellerin immerhin einen moralischen Einfluß auf die Wcrfrleitung ausüben könnte. Das ist ja voll geschehen, indem die„Stern"- Gesellschaft den Oderwerken ihr Interesse an der Sache bekundete. Hoffentlich trägt das zur Besserung der Verhältnisse bei. Die Lohnbewegung der Dresdener Tapezierer hat erfreulicherweise schon nach kurzer Dauer mit Erfolg geendet. Die Lohnbewegung ist durch Annahme der durch das EinigungSamt erzielten Bedingungen von beiden Parteien zum Abschluß gelangt. Die Arbeit soll nach gcgenseittgen Vereinbarungen am Montag, den 21. März in allen Betrieben wieder aufgenommen werden. Maßregelungen wegen deS Streiks sollen laut Vereinbarung nicht erfolgen. München, 17. März. Neuerliche Differenzen bei den Schoßschuhmachern. Obwohl vorige Woche die Differenzen zwischen den Schuhmachergehilfcn und der Innung vor dem EinigungSamt durch Tarifvcreinbarungen anscheinend beigelegt worden'waren, scheinen die Scharfmacher in der Innung die Ober- Hand bekommen zu haben. Kaum, daß der Tarif abgeschlossen war, wurden die größeren Meister, vorwiegend wieder die Hoflieferanten, dadurch konttaktbrüchig. daß sie sich weigern, die in dem Tarif vorgesehenen Extra- Arbeiten zu den festgesetzten Normen zu bezahlen, ja sogar die vor dem Einignngs- amte zugestandene 5 prozentige Lohnerhöhung wollen sie den Ge- Hilfen streitig machen. Deshalb haben die Gehilfen bei allen konttakt- brüchigen Meistern die Arbeit niedergelegt und sind heute morgen ca. 50 Gehilfen in den Ausstand getreten. DaS Vorgehen der konttakt- brüchigen Meister wird auch von dem vernünftigeren Teil der JnnungSmeister mißbilligt.— Zuzug von Schuhmachern nach München ist fernzuhalten! Hlusland. Die Aussperrung in der Diamantindustrie. In Antwerpen sollte auf den beiden Fabriken„De Een- bracht" und Van Micrlo am Donnerstag wieder gearbeitet werden; die Fabrik von Van Mierlo wurde jedoch nicht eröffnet, während „De Eendracht" wohl ihre Maschinen in Gang setzte, bald jedoch wieder anhielt. Es herrschte eben Mangel an Leuten, die 10 Stunden und mit Lehrlingen arbeiten wollten. Am Mittwoch hat eine Ver- sammlung der Antwerpencr Juweliere und Fabrikbesitzer beschlossen, die Fabriken am Montag wieder zu eröffnen und zwar zu den Bedingungen der Arbeitgeber, und soweit Arbeitskräfte zu haben sind. Bei der musterhaften Solidarität der Arbeiter darf man wohl annehmen, daß die Unternehmer dabei ebenso Fiasko machen, wie die oben genannten Fabriken, die den Beschluß nicht abwarten wollten. In einer am Mittwoch abgehaltenen über- füllten Versammlung der Antwerpener Diamantarbeiter sagte Romeo in seinem Bericht über den Stand des Streiks, daß die bevorstehende Wiedereröffnung der Fabriken der letzte Trumpf sein werde, den die Unternehmer ausspielen.— Auf Antrag des Vorstandes wurde eine Erhöhung der Untersttitzung beschlossen. In A m st e r d a m hat sich die allgemeine Lage nicht wesentlich geändert. Die Ausgesperrten beweisen, wie das bei den wohl- organisierten und im Kampf erprobten Diamantarbeitern nicht anders zu erwarten ist, eine musterhafte Einmütigkeit. Für die Unter- Haltung und für das Bildungsbedürfnis der Ausgesperrten wird durch Konzerte und Vorträge in reichem Maße gesorgt. „Verchristlichung" des schweizerischen GcwerkschaftSbundes. Das Kartell der christlichen Gewerkschaften in St. Gallen hat dem Ge- werkschaftsbunö daS Anerbieten gemacht, ihm mit einem JfahrüS« beitrag von 1500 Frank beizutreten. Nach seinen Angaben zählt eS 2700 Mitglieder. Das Vermögen der einzelnen Vereine soll 105 000 Frank, ihr jährlicher Kassenumsatz über 600 000 Frank be- tragen. Die Angaben sind für„Nichtchristliche" unkontrollierbar. In dem dem Bundeskomitee vorgelegten„Uebercinkommen" ver- pflichtet sich der Kartellvorstand, die Mitglieder des Kartells dazu an- zuhalten, bei Lohn- und Streikbewegungen mit den andern Gcwerk- schaften gemeinsam vorzugehen. Zum Beitritt zu den Arbeiter- Unionen dürfen die christlichen Gewerkschaften nicht verpflichtet werden, dagegen soll das Bundeskomitee seinen Verbänden und Sektionen ein freundliches Verhältnis zu den christtichen GeWerk- schaften und gemeinsames Vorgehen in allen die Arbeitsverhältnisse betteffenden Fragen empfehlen. Eine Begründung des Uebcrein- kommens bczw. der Offerte des christlichen Kartells ist bisher nicht veröffentlicht worden.— Die Arbeiterpresse hat sich bis jetzt fast aus- nahmslos gegen das vorgeschlagene Ucbereinkommen ausgesprochen, insbesondere unter Hinweis auf die seit 1899 auf den Arbeitertagen und Gewerkschaftskongressen gefaßten Beschlüsse betteffend die Partei- politische und religiöse Neutralität der Gewerkschaften. So wurde vor zwei Jahren auf dem Arbeitertag in Bern unter Mitwirkung und Zustimmung der anwesenden katholischen Delegierten die Gründung von katholischen Arbeitervereinen als ein Bruch des Luzerner bleu- tralitätsbeschlusses erklärt und weiter beschlossen, daß die katholischen Fachvereine sofort auszulösen sind und mit allen Kräften auf eine einheitliche und umfassende gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter aller Berufe hinzuwirken ist. Die Gewerkschaften wollen selbstverständlich von der Kartell- Offerte nichts wissen, sie bieten Raum genug auch für die katholischen Arbeiter, die ihre Sondcrbündelei nur aufgeben und sich zur Herbei- führung der so notwendigen Einheitlichkeit der Bewegung mit ihren Arbeitsgenossen in einer Organisation vereinigen mögen. )Uiis der frauenbev?egung. Ober- Schönewcide. Montag, den 21. März, abends 8'/z llhr, findet eine Generalversammlung des Bildungsvereins für Frauen und Mädchen bei Kaushold, Wilhelminenhofftr. 18. statt, wozu die Mitglieder fteundlichst eingeladen werden. Tagesordnung: Neu- Ivahlen, Vereinsangelegenheiten. Nur Mitglieder haben Zutritt. Das Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Der Vorstand. Die Organisation der Scharfmacher. Der Ausschuß des Centralverbandes deutscher ?zndustrieller trat heute in Berlin zu einer Sitzung zu- ammcn. Das Direttorium hat beschlossen, sich petttionierend an den Reichstag zu wenden, derselbe solle dem Gesetzentwürfe betteffend die kaufmännischen Schiedsgerichte seine Zustimmung versagen. Hauptursache dieser ablehnenden Haltung des Centralverbandes ist daS Wahlvcrfahren, welches nur zu Gunsten der Socialdemokratte aus« gebeutet werden würde. Die Handclsvcrtragsverhaiidlnngcn«tt der Schweiz sind ins Stocken geraten, nachdem die Schweiz behufs Er- langung von großen Vorteilen ihren Tarif besonders hoch angelegt habe, so daß derselbe keine geeignete Basis der VerHand- lmigen mit Deutschland bieten könnte. Herr Bucck lenkte die Auf- mcrksamkcit ans die Bedeutung großer Warenhäuser für die deutsche Eisenindustrie, die riesige Quantitäten von Eisen verbrauchen. Herr B u e ck berichtete hierauf über die Entstehung und den Ausbruch des Streiks in Crinnnitschau und die daran sich knüpfenden Bestrebungen zur Gründung einer Central- stelle der Arbeitgeberverbändr. Zur Zeit seien 546 der Stteikenden noch nicht wieder eingestellt, davon an 400, die wegen„unqualifizier- baren Verhaltens" wahrend des Streiks überhaupt nicht wieder ein- gestellt werden sollen. Seit die liberalen Parteien Schulter an Schulter mit der Socialdemokratte sich an der„Verscharrung" des Gesetz- entwurfs betr. den Schutz der Arbeitswilligen beteiligt haben. sehe man die Regierung im Reiche Schritt vor Schritt vor der Socialdemokratie zurückweichen. Da sei es erhebend zu sehen, wie der größte Arbeitgeber der Welt, der preußische Eisen- bahnmiuister Budde, der 375 000 Angestellte und Arbeiter beschäftige, seine Stellung zu der zerstörenden Macht der Socialdemokratie nehme und rücksichtslos gegen die Agitatoren derselben vorgehe. Das sei der Standpunkt, den der Centtal- verband von jeher eingenommen habe. Redner verlas einige markante Stellen der Reden des Eisenbahnministers Budde und knüpfte daran unter dem lebhaftesten Beifall der Ver- sammlung die Mahnung, diesem Beispiel deS preußischen Ministers zu folgen, dann werde es gelingen, die Arbeitswilligen zu schützen und Hunderttausende von Arbeitern, die heute unter dem Zlvange der Socialdemokratie leiden, zu befreien. L.etxte Nacbricbtcn und Dcpcfcbcn. Reichstags Ersatzwahl im Kreise Zschopau-Marienberg. Die durch den Tod unsres Genossen Emil Rosenow notwendig gewordene Ersatzwahl hat heute im 20. sächsischen Wahlreise statt- gefunden. Bekanntlich ist der Kandidat der Socialdemottatte Genosse P i n k a u. Für die Antisemiten kandidiert Oswald Zimmermann. für die Konservativen Bürgermeister Schanz. Bei den Hauptwahlen im vorigen Jahre erhielt Rosenow 13616, der konservattve Dr. Jencke 9376 Stimmen.— Ueber das Ergebnis der Wahl wird gemeldet: Zschopau, 18. März.(Privatdepesche deS„Vorwärts'.) Stich. wohl zwischen Pinkau fSoc.) und Zimmermann jAnttsem.) Demonstration der Journalisten in der italienischen Kammer. lliom, 18. März.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Bei Beginn der heuttgen Kammersitzung beanttagte der Konservattve Santini, dem gestern bei einem Unfall verletzten Herzog von Aosta die Sympathiewünsche der Kammer zu übermitteln. Die Preßtribüne protestierte lärmend gegen diesen Antrag, worauf Giolitti den Kammerpräsidenten zur Räumung der Preßtribüne aufforderte. Auf die Weigerung des Präsidenten erwiderte Giolitti, daß das gesamte Kabinett demissioniere, wenn die Tribüne nicht geräumt würde. Darauf befahl Biancheri die Räumung, die wegen Widerstandes der Journalisten durch Berfaglieri erfolgte. Bor dem Parlamentsgebäude fand eine heftige, langandauernde Demonstration gegen Giolitti und das Kabinett statt._ Herzog Günther protestiert. Oldenburg, 18. März. jW. T. B.) Im Landtage machte Ministerpräsident Willich die Mitteilung, daß vom Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein-Sonder- burg-Augustenburg ein Protest gegen die Vorlage betreffend die Neuregelung der Thronfolgefrage eingereicht worden sei. Oldenburg, 18. März. fW. T. B.) Im Protest des Herzogs Ernst Günther von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg als Ches der älteren Sonderburger Linie gegen dw beabfichttgte Neuregelung der Rachfolge in der Regierung wird ausgesprochen. daß die Vorlage sein Hausrecht verletze. Ministerpräsident Willich erklärte, die großherzogliche Staatsregierung erkenne keinerlei agnatische Ansprüche der Linie Sonderburg-Augustenburg an die oldenburgische Erbfolge an._ Bergarbeiterstreik. Pilsen, 18. März.(B. H.) In mehreren Gruben des Mieser Bezirkes sind die Arbeiter wegen Lohndifterenzen in Stteik getreten. Es handelt sich um ca. 2000 Bergleute. London, 18. März.(W. T. B.) Das Unterhaus nahm die zweite Lesung der Bill, wonach Silbcrwarc» mit einem deutlichen Kennzeichen verschen sein müssen, mit 96 gegen 56 Stimmen an. Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Ve rlagsanstalt Paul Singer LcCo.,BerlinLVV. Hierzu 3 Beilagen. Nr. 67. 21. Iahrgaug. t Wagt des Jptiüitte" fierliiift loMInlt Somabend, 19. Miirj lM. R.eicl)3tag. 61. Sitzung. Freitag, 18. März 1304, 1 llhr. Am Tische des Bundesrats: v. T i r p i tz, Frhr. v. Stengel. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. die vorläufige Regelung des Reichshaushalts für die Monate April und Mai 1904. Staatssekretär Frhr. v. Stengel: Für diese Vorlage besteht ein Präzedenzfall aus dem Jahre 1878. Die heutige Vorlage ist im allgemeinen der von 1878 nach- gebildet. Die verbündeten Regierungen glauben sich mit dem Hause darin einig zu sein, daß die Interessen der Ver- waltung durch die verzögerte Feststellung des Etats nicht leiden dürfen. Ich bitte, nach Ostern doch sobald wie möglich den Etat fertigzustellen, spätestens etwa bis Ende April oder Anfang Rtai. Es hängen doch auch zahlreiche persönliche Interessen am Abschluß des Etats; so warten u. a. die Landbriesträger schmerzlich auf ihre Gehaltserhöhung. Auch vorgesehene Bauten müssen verzögert iverden bis zur Fertigstellung des Etats. Verträge können dadurch rückgängig gemacht werden usw. Es heißt Kier: viäeaut cousukL ne quid detrimenti capiat res publica.(Bravo!) Ein Diskussion findet nicht statt. Das Haus tritt sofort in die zweite Lesung ein. Die Vorlage wird debattelos a n g e n o m m e>t. Darauf wird die zweite Lesung des Marine-Etats fort- gesetzt beim Titel„Staatssekretär." Abg. Gröber(C.) kommt auf den Fall Hüffe II er zurück. Obgleich es sich hier zweifellos um ein schweres Verbrechen handelt, habe» beide gericht- liche Instanzen einen„minderschweren Fall" angenommen. Die zweite Instanz soll sogar dem Angeklagten die Berechtigung zu- gesprochen haben, in diesem Falle von seinem Dolch Gebrauch zu inachen! Es wäre niemand lieber als mir. wenn sich diese Mitteilung als u n w a h r herausstellen sollte. Sind die Vorschriften über den Waffengebrauch so unklar und zweideutig, daß man über die Be- rechtigung zum Waffenaebrauch im Zweifel sein kann? Ist es wahr. daß seitdem neue Borschristcn über den Wnffengebrauch ergangen sind? Das Dolchtragen soll erst seit ganz kurzer Zeit den jungen Fähnrichen gestattet worden sein, nachdem es bereits Anfang der sechziger Jahre wegen eines ganz ähnlichen Falles wie der Fall Hüssener verboten worden war. Der Dolch ist viel gefähr- licher als jeder Säbel. Es besteht im Militär-Strafgcsetzbuch ein Mißverhältnis, wie es schlimmer nicht gedacht werden kann, .zwischen den Strafen für Borgesctitc und denen für Untergebene. Redner weist dies aus dem Militär-Strafgesetzbuch nach. Ich möchte, wenn ich Unterstützung finde, einen Antrag überreichen, worin die verbündeten Regierungen um Vorlegung eines Gesetzentwurfs ersucht werden, der das Mißverhältnis zwischen den Strafen für Untergebene und für Vorgesetzte dadurch beseitigt, daß die Mindest st rasen für Verfehlungen der Untergebenen herab- gesetzt werden. Redner erörtert im weiteren Mängel der Statistik über die seitens der Marineverwaltung beschäftigten Arbeiter. Die Arbeits- Verhältnisse seien keineswegs befriedigend; so sei z. B. die Zahl der Unfälle in Wilhelmshaven wesentlich höher, als im Durchschnitt in Deutschland. Möge die Marinevertvaltung in der Sorge für ihre Arbeiter nicht nachlassen I(Bravo l im Centrum.) Staatssekretär v. Tirpitz: Die von Herrn Gröber angekündigte Resolution würde eine schwerwiegende Aenderung des Militär-StrafgcsetzbucheS anbahnen, für die ick reffortmäßig nicht zuständig bin. Ich beschränke mich also auf die andren Punkte, die anläßlich des Falles Hüssener zur Sprache gekommen sind. Alle Gerichtöinstanzen waren sich darüber einig, daß in diesem Falle ein rechtswidriger Gebrauch der Waffe vorlag; die gesetzlichen Vorschriften hierüber sind auch vollkommen klar. Der Unterschied der Kriegs- gerichts-Urteile erklärt sich aus der verschiedenen Beantwortung der Frage, ob im vorletzten Akt dieses traurigen Vorfalles ein thätlicher Angriff oder eine thätliche Bedrohung HüffenerS stattgefunden hat. Bejaht ein Kriegsgericht diese Frage, so kann ich, der ich der Verhandlung doch nicht beigewohnt habe, dieses Urteil nicht kritisieren. Mag nun dieser Einzelfall auch noch so bedauerlich sein, so darf man doch im Deutschland der allgemeinen Wehrpflicht, wo jeder Deutsche berechtigt ist, Waffen zu tragen, daraus nicht die Folgerung ziehen, einer ganzen Kategorie junger Leute die Ehre des Waffen- tragenS abzusprechen. Geloiß war der betreffende Fähnrich unreif. es war ein Mißgriff, daß er nicht vorher entlassen lo u r d e, er wäre auch nie Offizier geworden; aber deshalb darf man doch nicht den Einzelfall verallgemeinern tuid einer ganzen Kategorie von erwachsenen jungen Leuten— sie sind etwa 21 Jahre — das Recht zum Tragen der Waffe absprechen.(Bravo! rechts.) Abg. Mommsrn(fts. Vg): In Bezug auf die Kritik des kriegsgerichtlichen Urteils bin ich der Meinung des Staatssekretärs; aber man muß doch Folge- rungen aus einem dem Volksgefühl so schroff widersprechenden Urteil ziehen; deshalb würden wir der Resolution Gröber zu- stimmen. Für das Waffentragen an sich treten auch wir ein, und ich verstand auch Herrn Gröber so. Wir wünschen nur den besonders gefährlichen Dolch nicht ferner von den Marinefähnrichen getragen zu sehen, die zwar alter als die Heeres- fähnriche, aber doch schließlich junge Leute in ihrer ersten staatlichen Stellung sind. Die Budgetkomniission hat bei fast allen Titeln unter der entscheidenden Mitwirkung des Centrums größere oder kleinere Ab- striche gemacht. Ich glaube aber nicht, daß die Kommission in der Lage ist zu beurteilen, ob in einer einzelnen Verwaltung ein Beamter mehr oder weniger nötig ist.(Unruhe im Centrum.) Sie lehren dadurch die Marineverwaltung nur mehr fordern, als sie in Wirklichkeit braucht.(Wiederholte Unruhe und Zwischenrufe in, Centrum.) Ach. am BundesratStische sitze, t doch auch keine Kinder, da kann man doch ruhig aussprechen. waS ist. Wir werden deshalb in vielen Punften dem Antrag v. Kardorff auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage zu- stimmen. Nur einem Abstrich werden wir gern zustimmen, dem an den Reisekosten, damit die Offiziere der Nordseestatton ge- zwungen sind, auch wirklich in Wilhelmshaven— und nicht in Ktel zu wohnen.... Ganz besonders unverständlich sind mir die Grunde für die Abstriche beim Ausbau der Wersten. WaS für einen Sinn hat es z. B.. Herr Gröber, von den im Princip bewilligten 25 Millionen für Bauten in Wilhelmshaven, wenn in diesem Etat S1/- Millionen gefordert werden, Vs abzustreichen?— Zum Schluß tritt Redner fiir eine bessere Besoldung der Techniker an den Werften aus den Mitteln eines Dispofittonsfonds ein und fordert Lohnaufbesserung für die Werftarbeiter, von denen besonders in Danzig über 30 Proz. unter 1000 M. Jahres- einkommen hätten. Staatssekretär v. Tirpitz: Die Marineberwaltung hat. wie in früheren Jahren, nur das thatsächlich Notwendige in den Etat em- gesetzt. Ucber Wilhelmshaven habe ich mich schon gestern geäußert. Wir konzentrieren unsre ganze Kraft darauf, diesen Hafen zun. Stütz- punkt unsres NordseegeschwaderS zu mache«. Aber die Stadt muß sich noch etwas gedulden, bis die notwendigen Arbeiten fertig sind. Ich gestehe zu, daß die Honorierung der technischen Beamten noch sehr gering ist. Ich werde bemüht sein, die Stellung dieser Beamten zu verbessern. Eine gleichmäßige Verteilung an die Beamten aus den Mitteln des vom Pbg. Mommsen erwähnten Fonds würde ich nicht für ratsam halten; dieser Fonds muß fiir Studienreisen usw. reserviert bleiben. Tie Löhne der Arbeiter in Danzig sind im allgemeinen gestiegen, es sind imnier mehr Arbeiter in die höheren Lohnklassen aufgestiegen. Daß die Danziger Löhne im ganzen geringer sind als im Westen, liegt an den billigeren Verhältnissen des Osten. Inzwischen ist die angekündigte Resolutton Gröber ein- gegangen. Abg. Hue(Soc.): Die Preise für Eisen- und Stahlprodukte sind in den letzten Jahren wesentlich niedriger geworden. Ich frage den Staatssekretär des NeichS-Marineamtes, ob die Herabsetzung der Preise auch den Marineliefernngen zu gute gekommen i st?— Wir haben vor einigen Tagen beim Militär Etat eine Resolutton über die Soniitagsarbeit auf den Kruppschen Werken angenommen. Ich bin selbst früher Kruppscher Arbeiter gewesen und stehe noch in ständiger Fühlung mit den Leuten. Es handelt sich bei dieser Sountagsarbeit weniger um Arbeiten der Heeresverwaltung, als der Marineverwaltung. Vielleicht könnten wir dieselbe Resolution auch den Herren von der Marineverwaltung niit auf den Weg geben. Sie bewilligen seit einigen Jahren fortwährend neue Schiffe und werden noch lveitere bewilligen müssen. Die Presse der Stahlwerks-Jndustricllcn weist ja auch fortlvährend auf die Rod wcndigkeit hin, den großen Eisen- und Stahlwerken Bestellungen zu mache». Sind etlva der Firma Krupp bei den letzten Liefe- rungen u n g ü n st i g e r e Bedingungen gestellt worden wie früher? Es findet bei dieser Finna seit einigen Jahren eine fort gesetzte Reduzierung der Ardeitcrlöhne statt. Wenn dem keine billigeren Preise der Produkte entsprechen, so würde ich es für uuvcrantwortlich halten, daß das Reich nach wie vor eine kleine Anzahl von Unternehmern bereichert. während Zchntausende von Arbeitern von Jahr zu Jahr weniger Verdienst haben. Die Firma Krupp zahlt nicht die Durch- schnittslöhne der Marineverwaltung. Nack authentischer Quelle be trug der Durchschnittslohn Kruppscher Arbeiter 1898: 4,57 M., 1839: 4,72 M.. 1300: 4,78 3».. 1301: 4,63 M.. 1302: 4,52 M. und 1903 4,53 M. Ju: vorigen Jahre war also der Durchschnittslohn niedriger als 1898.(Hört! hört! bei den Social- demokraten.) Krupp zahlt also durckaus nicht die besten Löhne im Rheinlande; die Gute Hoffnungshütte, der Hörder Verein, die Union usw. zahlen für dieselben Kategorien dieselben Löhne, teils sogar noch höhere. Die rheinisch-wcstfälischen Stahl- und Eisenwerke zahlten 1302 an ihre Arbeiter im Durchschnitt 50 M. jährlich niehr als 1838. Bei Krupp ist das umgekehrte Ver- hältnis der Fall.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Dir WohlfahrlSfirma Krupp beschäftigt aber auch Tauscnde von er- wnchscncn Arbeitern, die nicht einmal 3 Mark täglich verdienen. Tauscnde von Arbeitern, besonders Hilfsarbeiter, müssen U e b e r- st n n d e n machen und dreimal in der Woche 15 Stunden lang täglich arbeiten, um einen auskömmlichen Lohn zu haben.(Hört! hört! b. d. Soc.) Die Marineberwaltung hat an den Zuständen in der Firma Krupp ein doppeltes Interesse. Zunächst wird die Oualität der Lieferungen durch das seit einigen Fahren bei Krupp eingerissene neue System verschlechtert. Als ich bei Krupp arbeitete, war der Arbeiter in der Lage sorgfälttg und ge- wissenhaft die Arbeit zu leisten. Aber seit 5, 6 Jahren werden die Accordsätze shstcmatisch herabgesetzt. So muß der Arbeiter rascher arbeiten nnd manches muß verfehlt werden, was mit peinlichster Sorgfalt auSgeftihrt werden sollte. Das Drangsalieren. Chikanieren, Kujonieren, der Arbeiter ist jetzt bei der Wohlfahrtsfirma aufgekommen und der über schneidige Ton der jungen Beamten, die frisch aus der Schule kommen, ist auch gcgenüver den älteren Arbeiten, und Werkmeistern, die zum großen Teile mitgeholfen haben, Reichtum und Ruhm der Firma zu gründen, gaug und gäbe geworden. Ein ganz andrer Geist als ftüher, aber wahrhaftig kein fürnchmer herrscht heute bei der „Wohlfahrtsfirma". Die königstreue Arbeiterschaft, auf die man einst mit so großem Stolz hingetmesen hat. ist heute mit der Firma nur noch durch das Gefühl der Barzahlung als einziges Bindemittel ver- blinden. Aber auf der andern Seite sollte die Marineberwaltung nicht übersehen, daß nach dem heutigen Stand der Technik der Stahl- und Walzwcrksbetricbe die Preise für Lieferungen an die Marine bedeutend niedriger gestellt werden könncn als früher. Die Arbeiter erhalten für die gleiche Leistung jetzt 30—40 Proz. weniger Lohn. Das ist ein Moment, das Sie bei der schlechten Finanzlage des Reiches auch in Betracht ziehen sollten. Die Qualität der Arbeit hängt ja ab von der Oualität des Menschenmaterials. Da hat nun Kollege Gröber vorhin seine Unzufriedenheit mit den hohen Unfallziffern in den Marinewerkstätten ausgedrückt. Aber wenn er die Verhälttttsse in der rheinisch-west fälischen Stahlindustrie kennte, würde er mit diesen hohen Unfall Ziffern schon außerordentlich zuftieden sein. Ich will Ihnen hier die Zahlen für Unfälle und Krankheiten angeben, damit Sie sehen, was für Potemkinsche Dörfer von Wohlfahrtspflege man vor Ihnen aufgebaut hat. Im R u h r k o h l e» g e b i e t hatte man im Jahre 1902 139 Unsälle auf 10000 Arbeiter; in der r h e i n i s ch- w e st f ä l i s ch e n Walzwerks-Berufsgenossen- schaft 183, in der Sektion Essen, in der Krupp den Ausschlag giebt, 184.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) In Ihrer (zum Centrum) Parteizeitung in Essen können Sie fast jede Woche eine ganze Reihe schwerer Unfälle bei Krupp lesen. Sie betrug im Jahre 1838 147, im Jahre 1300 156, 1302 184.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Wenn die Arbelter ivenigerLohnbekoinmen, so können sie sich damit trösten, daß sie weniger heile Knochen haben. (Sehr gut! bei Yen Socialdemokraten.) Die Krankcnziffcr ist geradezu unglaublich hoch. Sie betrug im letzten Jahrfünft bei den preußischen Knappschaftskassen 56, bei der Bochtimer Kasse 63, bei Krupp 06. (Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Auch die lange Arbeitszeit drückt die Oualität der Arbeit herab, es giebt in Deutschland eine ganze Reihe von Metall- warenfabriken, die den achtstündigen Arbeitstag eingeflihrt haben, ich nenne nur Zeiß in Jena. Man sollte mm glauben, daß die Firma Krupp, der man geradezu das Recht zuspricht auf be- stimmte, gut bezahlte Lieferungen. mit vortrefflichem Beispiel vorangehen müßte. Aber die Mechaniker der Werkstätten, in denen Marinegeschütze hergestellt werden. haben eine zehnstündige Arbeitszeit.(Hört! hört I bei den Soc.) so daß sie von morgens sechs bis abends sechs Uhr in der Werkstatt sind. Die Arbeiter, die i» der Gluthitze Eisen und Stahl schmelzen, müssen zwölf Stunden ununtcrbrochr» arbeiten.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Wenn Sie die Wirkungen einer solchen Arbeitszeit sehen wollen, dann beobachten Sie die hageren Gestalten der Hüttenleute, wenn sie zitternd vor Uebennüdung ans den Thoren des Gebäudes kommen. Bei Krupp standen vor zwei Jahren des Sonntags die Fabrik- thore weit offen, wie am Werktag. Als Grund für die Sonntags- arbeit wurden besonders eilige Marinelieferungen angeführt. Ich kann mir das gar nicht denken. Es folgen dann wieder Monate, wo die Leute so gut wie gar keine Arbeit haben. Hier sollte doch eine bessere Verteilung Platz greisen. Abg. Dr. Beniner"hat am 23. Januar hier behauptet, die Arbeiter der rheinisch-wcstfälischen Metallindustrie bekänien Reparattirarbeiten am Sonntag doppelt bezahlt. Wenn da« wahr wäre, kämen ja auch die Arbeiten der Marincverwaltung dabei in Betracht. Thatsache ist, daß auf einer Anzahl von Werken in Rheinland und Westfalen die SonntagSarbcit mit einem bestimmten Aufschlag— von 1 M. oder 20—25 Proz. des Lohnes— bezahlt werden. Auf vielen Werken lvird aber die Sountagöarbeit nur nach regulärem Lohne bezahlt, und in einer großen Anzahl von Walzwerken erhakten die Arbeiter für gelvisse Arbeiten am Sonntag gar nichts.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Wir haben in unsrer Zeittmg auf jene Aeußerung Dr. Beumers hingewiesen, und zwei Leute aus dem Wahlkreise Dr. Beumers haben sich denn auch thatsächlich zu ihrem Meister begeben mit der Bitte um Nachzahlung der vorenthaltenen doppelten Sonntagslöhne. Der Meister antwortete:„Kerls, macht Euch doch nicht lächerlich! Wenn Ihr die Sonntagsschichten doppelt be- zahlt haben wollt, so wendet Euch doch an Dr. Beumer!" (Heiterkeit.) lieber die Essener Arbeiterverhältnisse zu sprechen, wollte ich zu- nächst dem Abg. Stötzel als meinem älteren Kollegen überlassen. (Heiterkeit.) Ader Herr Stötzel schweigt darüber. In Essen herrschen schlimmere Tenerungsverhältttisse als in Berlin. Viele Arbeiter- lvohnungen müßten als überfiillt eigentlich polizeilich geschlossen iverden. Die Kommunalabgaben werden infolge der Belastung des Armenetats imnier höher. Wenn neue Lieferungen an Krupp vergeben werden, so muß die Marinevertvaltung in der Budgetloinmiision Auskunft geben über die Preise der Firma Krupp. Da muß sich zeigen, ob die Preise, die au Krupp gezahlt werden, so niedrig find, daß sie die fort- währende Reduktion der Arbeiterlöhne rechtfertigen.— Ueber die berühmten Wohl fahrtseinrich tun gen will ich nicht sprechen. Nennen Sie es eine Wohlthat, wenn Sie auf der Friedrichstraße einem armen Streichholzverkänfer einen Groschen schenken? Die Bibel sagt: Laß' die Rechte nicht wissen, was die Linke thut! Bei der Firma Krupp aber liegt geradezu System darin, alles zu großen socialpolitischen Wohl- thaten aufzubauschen nnd damit andre minder- wertige Leistungen zu entschuldigen. Der Kritik dieser Zustände hat sich außer dem Deutschen Metallarbeiter-Berband jetzt auch der christliche Arbeiterverband angeschlossen. In zukünftigen Lieferungsverträgen mit der Firma Krupp müssen gewisse Be- dingungen entbalten sein, die den Arbeitern einen anständigeu Lohn garantieren. Der Buchdruckertarif setzt ja bestimmte Mindestlöhne für bestimmte Leistungen fest; warum sollte das die Marine- Verwaltung nickt von der Monopolfinna Krupp verlangen können? Daß unsre Kritik gerechtfertigt ist, haben die ReichStagswahlen be- wiesen.(Zuruf rechts: Marine-Etat I) Es hing nur an einem Faden, so wäre Herr Stötzel in Essen nicht gewäblt worden. lieber den Fall Hüssener hat Abg. Stötzel im vorigen Jahre ja eine Interpellation eingebracht. Von der Be- grüudung dieser Interpellation durch Herrn Stütze! war man in Essen allgemein enttäuscht. Der Entrüstnngssturm in der Bevölkerung und die gleichgültige Rede des Abg. Stötzel— das war ein Kontrast wie ein Wildbach und ölig dahinfließendes Zuckerwaffer.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Die That Hüsscners war feige, hinterlistig und niederträchtig, sie verrät eine rohe Gesinming sonder- gleiche». Dtf Erregung in Essen wäre nicht so groß gewesen, wenn sich die Marine im allgemeinen dort nicht großer Beliebtheit er- freute; die Marine-Angchörtgen benehmen sich durchaus anständig. Wenn aber im Falle Hüssener das zweite Urteil schon vor der Stichwahl gefallen wäre, so wäre die Kanonenstadt Essen schon dies- mal im Reichstage socialdemotratisch vertreten l(Bravo I bei de» Socialdemokraten.) Abg. Dr. Stockmann(Rp.): Das Mißfallen, da? Herr Gröber über das Urteil im Falle Hüssener empfindet, teile auch ich. Aber seine Resolution tritt so überraschend an uns heran, daß cS für jeden, der das Militär-Strafgesetzbuch nicht auswendig kann. unniöglich ist, sofort Stellung dazu zu nehmen. Nur einige Bedenken will ich geltend machen. Wenn heut Strafen in diesem Gesetz vorgesehen sind, so dienen sie doch offenbar nur dem Zweck, die Disciplin aufrecht zu erhalten. Es geht nicht an, gerade in der jetzigen Zeitan der Disciplin zu rütteln. Abg. Dr. Beniner(natl.): Auch bei Krupp richten sich die Arbeits- löhne nach der Konjunktur. In der Kruppschen Fabrik wird ja nicht nur für die Marine gearbeitet, eS werden auch andre Waren hergestellt, deren Preise um 50 bis 60 Proz. gefallen sind. Daraus erklärt� es sich, daß auch die Löhne herabgchen mußten. Die Angaben der Essener Handelskammer über den Lohn sind, wie ich vermute, den Katastern der Berilfsgenossenschaften entnommen, in die die Löhne der jugendlichen Arbeiter niit hineingezogen sind. Unter diesen Umständen kann ich einen Durchschnittslohn von 4,27 M. nicht fiir gering erachten.(Sehr richtig! bei den Nattonalliberalen.) Die deutsche Marine zahlt augenblicklich von allen Marinen die n i e d r i g st e n P a n z e r p l a t t e n- P r e i s e. Der Preis für die Panzerplatten unsrer neuesten Linienschiffe ist erheblick niedriger als der Preis der amerikanischen Platten.(Hört! hört I) Wenn man die deutschen mit den amerikanischen Platten vergleiche» will, muß man die Quantität des Austrages, die Konstruktton und die Oualität der Waren in Betracht ziehen. Die amerikanischen Werke sind zur Herabsetzung ihrer Plattenpreise übergegangen, nachdem ihnen 37 000 Tonnen auf einmal in Auftrag gegeben worden sind.(Hört I hört! bei den Nationalliberalen.) Dagegen bestellt die deutsche Marine nur sehr kleine Mengen. Nach der Annahme des Flotten- gesetzeS betrug der größte Aufttag im Jahre 1833/1300 3286 Tonnen. Die amerikanischen Platten sind einfacher und infolgedessen schwerer von Gewicht, die deutschen Platten sind komplizierter und durch schwierig herzustellende Verlaschungen zu einem Pauzerteile verbuudeit. Auch qualitativ sind die Anforderungen der deutschen Marine viel höher als die der amerikanischen. Eine Kruppsche Platte von 300 Millimeter Dicke entspricht einer amerikanischen von 355 Milli- meter Dicke. Die amerikanischen sind in» Durchschnitt um 22 Proz. geringer als die deuffchen Platten, so daß sich ein Preisunterschied von 416,8 M. pro 1000 Kilogramm zu Gunsten der deutschen Panzer- platten herausstellt.(Lebhaftes Hört I hört! bei den Natt, und rechts.) Ich kann feststellen, daß von den Kruppschen Platten aus den Essener Werken noch nicht eine verworfen worden ist.(Hört! hört!) Auf die Kruppschen WohlfahrtSeinrichtungen gehe ich nicht ein, weil sie doch nur in sehr losem Zusammenhang mit dem Marine-Etat stehen.(Sehr richtig l bei den Nationallib.) Daß der Geist in der Kruppschen Verwaltung ein andrer geworden ist, muß ich bestreiten. WaS in Essen zugenommen hat. besonders seit dem Jahre, Ivo der Besitzer starb, ist die außerordentliche Hetze unter den Arbeitern.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen und rechts.) Die christlichen und die socialdemokratischen Arbeiterorganisationcn scheinen sich ja wegen der SonntagSarbeit in die Haare geraten zu sein. Was die Zunahme der Unfälle anlangt, so ver- gißt Herr Huö ganz aus den Jahresberichten der Be- rufsgenoffeuschaften die Bemerkungen zu citteren. in denen auf die Verschuldung der Unfälle durch die Arbeiter hingewiesen wird.(Sehr gut! bei den Nattonalliberalen.) Der Andrang tüchtiger Arbeiter zu der Kruppschen Fabrik ist so groß. daß dadurch am besten die schauerlichen Schilderungen des Abg. Hm) widerlegt werden. Die Düsseldorfer Gewerbe-Jnipektion handhabt die Bestimmungen über die Sonntagsruhe außerordentlich scharf. In der Budgetkommission ist bereits festgestellt lvorden, daß Krupp in jeden, einzelnen Falle die Erlaubnis zur SonntagSarbeit gehabt hat, um dringende Reparaturen vornehmen zu lassen. Herr Huö hat hier von den hagern Gestalten und bleichen Gesichtern der Kruppschen Arbeiter gesprochen. Ich kenne diese Arbeiter auch und unter ihnen eine außerordentlich aroße Anzahl nerviger, sehniger Gestalten. Was die Hobe K/rankenziffer bettiffl, so wird sie hervorgerufen durch die außerordentliche Sorgfalt der Krankenkassen-Vorstände, die die Arbeiter bei der kleinsten Veranlassung vernünftigerweise in die vorzüglichen Kruppschen Krankenhäuser schicken Die Rede des Herrn Hue wird nicht dazu dienen, die Zufriedenheit unter den Kruppschen Arbeitern zu erhöhen. Aber dazu war sie wohl auch nicht bestimmt.(Sehr richtig! bei den Natioiiall, beraten.) Ich konstattere. dah die Arbeiter gern bei Krupp arbeiten, an den Wohlfahrtseinrichtungcn ihre berechtigte Freude haben und dem alten Krupp, dem Sohne der Besitzerin durchaus dankbar sind. lBravo! den Nationalliberalen.) Die Resolution Gröber(C.) liegt inzwischen im Druck vor; sie hat folgenden Wortlaut:„Der Reichstag wolle beschliehen: die vcrbiindeten Regierungen um Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu er- suchen, der das heutige Mißverhültnis der Bestimmungen des Mrlitär-Strafgesetzbuches über Verfehlungen der Unter- gcbenen gegen Vorgesetzte im Vergleich zu dessen Bestimmungen über Verfehlungen der Vorgesetzten gegen Untergebene beseitigt," Abg, v. Normann sk,): Die Resolution Gröber will die Strafen für Vergehen der Vorgesetzten gegen die Untergebenen heraufsetzen, für die Vergehen der Untergebenen gegen die Vorgesetzten mildern. Wir sind deshalb für alle Zeit außer stände, dieser Resolution zuzu- stimmen. Sie würde eine Gefährdung der Disciplin be- deuten.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Dr. Paasche inatl.): Wir stehen der Auffassung des Abg. Gröber sehr nahe. Wir glauben auch nicht, daß durch Herabsetzung der M i n d e st st r a f e n die Disciplin litte. Aber lvir hatten keine Zeit, genauer diese Fragen zu erwägen. Auch der W o r t l a u t der Resolution, die von einem Ausgleich der Strafen spricht, erscheint uns bedenklich: wir können deshalb nicht für sie stimmen.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) ÄLg. Ledebonr(Soc.)t Wir können um so eher der Resolution Gröber zustimmen, weil wir schon seit Jahren diese Forderung erhoben habe». Die Stellung des Herrn Dr. Paasche ist mir nicht verständlich. Erst erklärt er sein principielles Einverständnis und dann lehnt er d i e R e s o l u t i o n ab, weil die Fassung zu generell sei. Umgekehrt könnte jemand an einer zn speciellcn Formulierung Anstoß nehmen, aber die allgemeine Fassung drückt doch nur das Princip aus, dem man zugestimmt hat, da macht es doch ganz den Eindruck, als ob Herr Paasche den Pelz waswen, aber ihn nicht naß machen wollte. Daß die Rechte gegen die Resolution stimmt, entspricht ganz ihrem sonstigen Verhalten gegenüber den militärischen'Einrichtungen. Nach ihrer Meinung ist die bisherige Fassung des Paragraphen dazu ausersehen, die Disciplin aufrecht zu erhalten. Herr v. Normann glaubt, sie statuierten das richtige Verhältnis der Straf- inaße, aber die Mindeststrafe ist für Vorgcseüte eine Woche, für Unter- «ebene ein Jahr. Dieses kolossale Verhältnis von 1 zu 52 hält Herr v. Normann also für zulässig. Eine solche Art der Bestrafung bei ungefähr gleichartigen Vergehen muß bei den Untergebenen das Gefühl der Rechtlosigkeit gegen ihre Vorgesetzten erwecken. Die psychologische Wirkung solcher Strafen ist.' daß das Selbst- vertrauen der Soldaten gegenüber den Vorgesetzten verloren geht. Und wenn Sie(nach rechts) vielleicht auch mit dieser Wirkung einverstanden sind, so wird sich ein derartig knechtisches Fnrchtgcsühl, wenn es einem Manne systematisch anerzogen wird, auch in allen andren Lebenslagen, auch im Kampfe gegen die Feinde, äußern. Sie erziehe» die Soldaten geradezu zur Feigheit.(Unruhe rechts.) Der Z 13 der Kriegsartikel ist auch heute wieder zur Erörterung gekommen. Herr Gröber hat an den Staatssekretär die ganz be- stimmte Frage gerichtet, ob neuerdings Vorschriften zur näheren Er- läuterung dieses Paragraphen erlassen ivorden sind. Er sprach sogar von einer Kabinettsorder. Der Staatssekretär hat leider unter- lassen, eine Antwort zu erteilen. Indem ich diese Frage von neuem an ihn richte, möchte ich sie noch genauer präcisicren. Im Artikel 13 sind zwei Bedingungen enthalten, unter denen Vor- gesetzte gegenüber ihren Untergebenen zur Waffe greifen können. Die e r st e Vorbedingung ist. daß er den thätlichen Angriff eines Untergebenen abzuwehren hat. Der Staatssekretär hat darauf hingewiesen, daß in verschiedenen Erkenntnissen einmütig ausgesprochen ist, H ü s s e n e r habe einen derartigen Angriff abzu- wehren gehabt, oder habe das wenigstens geglaubt. Ob diese Annahme und dieses Urteil richtig ist. will' ich nicht untersucken. Blich beschäftigt die zweite Alternative, daß der Vorgefetzte in Fällen „äußerster Not und dringender Gefahr" zur Waffe greifen kann. Dem Staatssekretär wird es um so leichter sein, zn erklären, was darunter zu verstehen ist, als er wiederholt und auch heute sagte, das dieser Passus ganz präcise und nicht miß- zuverstehe n sei. Eine Aufklärung durch ihn ist aber um so not- ivendiger, weil bei allen andern Leuten eine vollkommene Un- k l a r h e i t über die Tragweite dieser Bestimmung besteht. Ein militärischer Kommentator hat gesagt, es sei darunter bereits jede Gefährdung der Disciplin zu verstehen. Sollte diese Auffassung von den Militärbehörden geteilt werden, so ist jederzeit das Leben eines Soldaten oder Marinc-Matrosen in die Hände jedes Vorgesetzten, jedes Offiziers. Unteroffiziers, Fähnrichs gegeben. Denn ob eine Gefährdung der Disciplin im Moment vorliegt, darüber ent- scheidet der betreffende Vorgesetzte. Und nach der ganzen Auffassung in militärischen Kreisen ist es klar, daß junge Vorgesetzte da lieber zur Waffe greifen, als sich für schlappe Kerls halten lassen. Deshalb muß von autoritativer Seite eine Erklärung darüber abgegeben werden, ob wirklich auch die M i n i st e r den Vorgesetzten für berechtigt halten, bei Gefährdung der Disciplin die Waffe zu ge- brauchen. Wie gesagt, ist diese Frage schon früher vom Centrum gestellt worden, wie diese Bestimmung im Militär- Strafgesetzbuch zu verstehe» sei. Ich stelle sie jetzt deshalb aus- drücklich für die Krirgsartikel, damit sie der Marineministcr nicht mit dem Hinweis auf die Gerichte abthun kann, deren Aufgabe die Auslegung des Strafgesetzbuches sei.— Sollte diese Frage heute mit Ja beantwortet werden, so müßte der Reichstag allerdings bei passender Gelegenheit seiner Ueberzeugung Ausdruck geben, daß nur die Notwehr zum Gebrauch der Waffen berechttge. Aber jedenfalls möge der Marineminister heute ganz klar und un- zweideutig mit der soldatischen Offenheit, die wir ja alle gern haben (Heiterkeit), sagen, wie er den§ 13 der Kriegsartikel auslegt und wie der wünscht, daß ihn seine Untergebenen auslegen.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Staatssekretär v. Tirpitz:§ 13 der Kriegsartikel ist lediglich eine Abschrift aus dem Militär- Strafgesetzbuch. Ich bin also ebenso wenig in der Lage, eine Auslegung des Paragraphen der Kriegsartikel wie des Militär- Strafgesetzbuchs zu geben. Das ist S a ch e des Reichs- Militärgerichts, das sich schon mehrfach eingehend mit dieser Frage beschäftigt hat. Abg. Stotzel(C.): In der Agitationsrede, die Abg. Hue vorher gehalten hat. sprach er von den kommenden Wahlen. Da habe ich mich erschreckt umgesehen, ob wirklich der Reichskanzler mit der roten Mappe käme, um, wie der„Vorwärts" angekündigt hat, den Reichstag aufzulösen. Denn fünfJahre vorher ist doch etwas srüh mit der Wahl an- zusangen.(Sehr gut I im Centrum und rechts.) Herr Hue meinte. meine Wahl in Essen habe an einem dünnen Faden gehangen; ich habe aber eine Majorität von 7000 Stimmen, er eine von 700. Sein Faden war also zehnmal so dünn wie meiner.(Heiterkeit.) Herrn Hues Ausführungen hatten mit dem Marine-Etat nichts zu thun.(Sehr richtig I im Centrum und rechts.) Wir hätten diese Fragen erst bei den späteren Resolutionen zur Sprache gebracht. Auch Herr Bebel hat sich namens der socialdemokralischen Fraktion mit diesen Abmachungen einverstanden erklärt, aber Herr Hue hat sie heute durchbrochen.(Sehr richtig I im Centrum und rechts.) Wir haben die Beseitigung der Sonntagsruhe in den Kruppschen Werken durchgesetzt. Warten Sie also ruhig, was wir bei der Beratung unsrer Resolution über die Submissionen sagen werden. Die Arbeitsverhältnisse sind in Essen nicht anders als anderswo. Vorhandene Mißstände kenne ich ganz genau, aber geben Sie(zum Herrn Hue) erst einen Weg an, lvie sie geändert werden können, ohne daß die Produktion oder der Arbeiterlohn einen erheblichen Ausfall erleidet. Die achtstündige Schicht in den Puddelwerken hat sich nicht bewährt, weil nach acht Stunden der Ofen verschlackt ge- lassen wurde. Die LSHne sind seit Mitte der neunziger Jahre aller- dingS zurückgegangen, bewegen sich aber jetzt wieder auf auffteigender Linie. Ein Streik kann da nichts helfen. Freilich hat der i'lbg. Bömelburg gesagt, ein Streik von vierzehn Wochen, der verloren ginge, fei ihm lieber als einer von vier Wochen, der gewonnen würde.(Hört! hört! rechts und im Centrum.) Die christlichen Arbeiter sind vernünftig und wollen ihre Kollegen und sich selbst nicht ins Unglück stürzen.— Der FallHüssener ist, falls die Strafbestimmungen geändert werden, für uns abgethan. Die Rede des Herrn Hue war ja darauf berechnet, einen gewissen Rumor in meinem Wahlkreise zu machen. Herr Hue ist aber nicht so leicht im stände, mich im Wahlkreise Essen aus- zustecken, falls ich überhaupt die nächste Wahl noch erlebe.(Beifall im Centrum.) Abg. Richter(frs. Vp.) beantragt, die Resolution Gröber an eine besondere Kommission von sieben Mit- gliedern zu überweisen, die über die Fassung b e- rate. Mit dem Grundgedanken der Resolution ist Redner ein- verstanden. Abg. Dr. Stockmann(Rp.): Gegenüber Herrn Ledebour konstatiere ich, daß das frühere Militär-Strafgesetzbüch, daß 1860 und 1870 galt, noch viel strengere Strafbestimmungen eirt- hielt als das heutige. Nur durch strenge Disciplin konnten die herrliche» Siege von 1866 und 1870 errungen werden.(Bravo! rechts.) Abg. Gröber(C.): Nach einer Mitteilung der„Kölniscken Zeitung" ist ein neuer kaiserlicher Erlaß über die Bebau dl ung Betrunkener ergangen. Der Reichstag hat ein Recht, näheres darüber zu erfahren. Der Vertreter für Danzig hat sicb über das„Streichkonzert" de? Centrums in der Kommission beklagt. Wir waren zu diesen Streichungen durch die ungünstige Finanzlage gezwungen. In vielen Fällen sind die Abstriche mit Zustimmung der Marincvcrwaltung er- (olgt. Das hat Herr Mommsen wohl nicht gewußt. Wegen der geschäftlichen Behandlung meiner Resolution bin ich mit dem verehrten Kollegen Richter durchaus einverstanden. Der Grundgedanke der Resolution ist, daß die Autorität der Gerichte nicht Not leiden soll durch schlechte Gesetze.(Bravo! im Centruin.) Staatssekretär v. Tirpitz: Der Artikel der„Kölnischen Zeitung" inuß auf einem Irrtum beruhen. Mir ist von einer solchen Kabinettsordre nichts bekannt. Es läge auch gar kein Bedürfnis dazu vor. Für die Behandlung Betrunkener- gelten nach wie vor die klassischen Kabinettsordres von 1821 und 1368. Abg. Ledebour(Soc.): Keimt Herr Stockmann nicht die Militärgcrichts-Vcrhandlungen der letzten Jahre? Hat er nicht die knechtische Furcht bemerkt, die viele Zeugen vom Aussagen der Wahrheit abhielt?— Dann ist er blind mit sehenden Augen und taub mit hörenden Ohren! (Zuruf rechts: Das haben Sie sehr hübsch gesagt!— Heiterkeit.) Der Staatssekretär hat meine Frage, wie einer der Kriegsartikel auszulegen sei, n i ch t b e a n t w o r t e t. Er hat wieder die Ausflucht gebraucht, dieser Artikel sei aus dem Militär- Strafgesetzbuch entnommen, und dessen Auslegung sei nicht seine Sache. Damit thut der Staatssekretär allen Vorgesetzten, die sich über ihre Rechte und Pflichten klar werden wollen, das schwerste Unr-cht. Ich bitte den Staatssekretär nochmals u m Auskunft, ob§ 13 der Krirgsartikel unter irgend welchen Umständen so ausgelegt werden kann, daß der Vorgesetzte bereits zur Waffe greifen darf, wenn er die Disciplin gefährdet glaubt. Staatssekretär v. Tirpitz: Mir und allen Admiralen, die ich gefragt habe, i st in ihrer g a n z e n D i e n st z e i t kein Fall vorgekoniinen, in dem es zu solchen Konflikte» zwischen Vorgesetzten und Untergebenen gekommen wäre und in dem Überhaupt ein Vorgesetzter von der Waffe Gebrauch gemacht hätte. Diese Thatsache charakterisiert am besten die Bedeutung der Sache. (Unruhe bei den Socialdemokraten.) Es ist unmöglich und unrichtig, den Vorgesetzte» eine generelle juristische Deduktion zu geben. In Fällen der Gefahr wird die ganze militärische Erziehung den B o r g e s e tz t e n die richtige Entschlußkraft ver- leihen. Weiter habe ich Herrn Ledebour nichts zu sagen.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Mommsen(frs. Vg.): Ich habe von der Streichung einzelner Beamtenstellen bei der Verwaltung gesprochen. Auch nach den Ausführungen des Herrn Kollegen Gröber halle ich das ur eine ganz falsche Sparsamkeit. Meine Freunde sind gern geneigt, dem Grundgedanken der Resolution Gröber zuzustimmen, sie hallen es aber auch für zweckmäßiger, ihren Wortlaut erst in einer Kom- Mission festzustellen, damit sie eine möglichst große Mehrheit findet, Bravo I bei der�Freisinnigen Vereinigung.» Abg. Hue(Soc.) hält seine Angaben über die Unfallziffer den» Abg. Beumer gegenüber aufreckit.— Es ist mir nicht eingefallen, Herrn Stötzel belehren zu wollen, ich habe nur die milde Be- Handlung des Falles Hüssener hier im Reichstag der scharfen Be- Handlung draußen, nicht nur in Essen, sondern auch in der Centrums- presse andrer Orte gegenübergestellt. Gerade die Zeitung, die Herrn Stötzel sehr nahe steht, hat in den allerschärfften Ausdrücken die brutale That des Hüssener verurteilt. Ich muß mich dagegen verwahren, daß ich verhetzende Agitationsreden gehalten hätte. Wenn alle Reden, in denen Mißstände kritisiert werden. aufhetzend sein sollen, dann können sie den Reichstag gleich chließen, denn dann hetzen lvir alle mehr oder weniger. Was ich gesagt habe, hätte jeder bürgerliche Abgeordnete ebenso gut sagen können. Herr Stötzel erweift sich uns gegen- über als recht undankbar, ist er doch lediglich infolge unsres passiven Verhaltens 1898 gegen Herrn � Krupp gewählt worden. Daß die Arbeiter seine Haltung nickt verstehen, beweist die Thatsache, daß unsre Stimmenzahl in Essen von 23 000 auf 45 000 gestiegen ist. Bei der nächsten Wahl werden die katholischen Arbeiter in noch größerer Zahl für den socialdemokratischcn Kandi- daten�siimmen, weil sie wissen, daß wir ihre Interessen vertteten. wo I bei den Socialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion; der Titel wird bewilligt. Die Resolution Gröber wird einer Kommission von sieben Mitgliedern überwiesen. Eine Reihe von Titeln wird debattelo? bewilligt. Zum Titel Deutsche Seewarte bemerkt Staatssekretär v. Tirpitz, daß die am Nachmittag von der See- warte herausgegebenen durch die Post versandten Wetterberichte in Zukunft nur unter Berechnung der Portokosten abgegeben werden würden. Für die vonnittags herausgegebenen Wetterberichte müßten aber die Telegraphengebühren auch in Zukunft bezahlt werden. Seine in der Kommission abgegebene Erklärung sei in dieser Be- ziehung mißverstanden ivorden. Eine Reihe von Kapiteln werden ohne Diskussion nach den Kommissionsanttägen beivilligt. Zu Kapitel 51(Besoldungen) beantragen die Abgeordneten v. K a r d o r f f(Rp.), v. N o r m a n n Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. März, nach- mittags 2'/, Uhr, vom Trauer- Hause Prosiauerstr. 35 aus nach dem Markus-Ktrchhose in Wil- helmSberg statt. 80/20 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Am Montag, den 14. März' verschied t'löhlich mein guter. heißgeliebter Mann, unser treu besorgter Bater und Schwieger- vatcr. Herr Gottlriea Schupan im 51. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Kosalle Sedupan geborene lte». Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. März, nachm. 3>/, Uhr, von der Leichenhalle des Heilige» Kreuz-Kirchhoses, Marien- dorf, aus statt. 2715b 'An, Donnerstag, den 17. März, verschied nach kurzem, schwerem Krankenlager unser lieber Kollege, der Ichristsetzer Jobannes IQtgehaus im 37. Lebensjahre. Durch seinen ehrenhaften Charakter hat er sich die Achtung aller er- worden. Ehre seinem Andenken! Oas Personal d.Buehdruokerei Emil Billig Naoht. Die Beerdigung findet am Sonntag. den 20. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. HedwigS-Fri-dhoseS in W sec, Wörthstraß«, auS statt. 2723b Duckes-An-ekee. Zur Nachricht, daß unser Mit. aroeiter, der Expedient Hermann Zitzler freiwillig aus dem Leben ge. schieden ist.„„. � Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 4 Uhr aus demHimmcl- fahrts-Rirchhos in Nnder-Schön- Hausen statt. Personal der Oalvanoplastilt 270Sb 6. m. b. H. Deutsche Metallarheiter-Gewerkschaft! Todes- Anzeig/e. Hiermit zur Nachricht, daß| unser Mitglied Kollege Paul Steinhaus nach vierwöchentlichem Krankenlager an der Prolctaricrkrank- heit gestorben ist. 280/6 Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle der Himmelsahrtsgemeinde, Nordend(Niederschönhauscn) statt. Oie Ortsverwaltung. Allen Freunden und Genossen: zur Nachricht, daß unser Bruder,| Schwager und Onkel Hsnli Breiding am 11. März an Lungenödem ver- storben ist. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 6 Ubr von der Leichenhalle des neuen Pauls- Kirchhofes, Secswaße, aus statt. 4573L Karl Breiding;. Danksagung;. Hierdurch sagen wir den Kollegen und dem Chef der Firma Lissauer für die Beteiligung sowie die schönen Kranzspenden bei der Beerdigung untres SohneS und Bruders Max Böhm unfern herzlichsten Dank.[27265 Ferdinand Böhm und Sohn. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz» spende» bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Kollegen und Kolleginnen meinen liefgesübtteu Dank. 45652 Wwe. Marie Böhm. K ranz- u. ölumendimlerei von H. Kckert,• 98. Kottbnscr Tamm 98. Dr. Simmel, PHnien- Str. 41, Specialarzt für(76/16* Kant- and Harnleiden. 10—2,6—7. Sonntags 10— 122— 4. Dr. Schünemann Specialarzt für Hant-, Harn- und Frauenleiden,«evdeistr. 9. '/tia-'/;8,'/.«-'/.S, Sonnt. 9-11 Gardinen- älterer Muster in weiß und creme zu 1—4 Fenstern passend.spoltbilligin dem Gardinenfabrik-Lager v°n 3runo Qüther aus Plauen in Sachsen, Berlin Grüner Weg 8«. nart, Eingang vom Flur(kein baden). Proben nach außerhalb portofrei. Sofastoffe kette! sÄS., Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Plüsch- Muster b. näher. Angabe franco. Emil lefevre, �"�,158. Knaben- und Jünglings- Qarderobe f. b. 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Eine dicl'ie Mette von Schutzleuten unter dem Befehl von nicht weniger als vier PolizeilieuteiunNs hält die kurze Strecke des Weges besetzt, der von der Landsberger Allee in den Friedrichshain, nach der Ruhestätte der Märzkämpfer, führt. An den Schutzleuten vorbei flutet ein un- unterbrochener Strom von Männern und Frauen, Proletarier, die nach den Gräbern der FrciheitSheldcn pilgern, um am Gedenktage der Revolution das Andenken derer zu ehren, die ihr Leben im Dienst der Freiheit gelassen haben. Vorbei an den Schutzleuten bewegen sich auch tue Träger von Kränzen, die auf leuchtend roten Bändern Widmungen in Goldschrift zeigen. Diesen Widmungen gilt die be- sondere Aufmerksamkeit der Polizei. Wie leicht kann nicht durch so eine Inschrift auf rotem Grunde das Gespenst der leibhaftigen Rc- volution heraufbeschworen und die Grundlage des Staates erschüttert »Verden. Um solchem Unheil vorzubeugen, prüft ein Polizcilieutenant am Eingänge des Friedhofes mit strengem Blick iede Kranzwidmung, und jedes Wort, welches dem Beamten bedenkt\s) erscheint, verfällt ohne Umstände der Konfiskation. Ein Griff mir kräftigen Fingern, ein energischer Ruck, und das Band ist an der Stelle, wo die als staatsgefährlich erachtete Inschrift beginnt, durchrissen. Sorgsam säubert der Polizeilieutenant seine Uniform von den roten Stäubchcn, die ihm bei der Amputation der Schleife angeflogen sind. Dann lvaltet er weiter mit ernster Miene seine» Censoramtes im Dienste preußischer Ordnung. Innerhalb des Friedhofes, über den Gräbern der Freiheits- Helden, reihen sich die Zeichen der Ehrung aneinander. An Bäumen und Sträuchem aufgehängt, am epheuübersponncnen Boden aus- gebreitet, fügt sich Kranz an Kranz. Leicht vom Märzwinde bewegt, flattern die roten Schleifen in der Luft und die Sonne glänzt auf den goldenen Inschriften, welche der strenge Censor passieren lieh. Groß ist die Zahl der Kränze von den Arbeitern einzelner Betriebe. Gewerkschaftliche Organisationen sind diesmal nur ganz vereinzelt vertreten, da die Berliner Gewerkschaftskommission einen besonders prächtigen Kranz im Namen aller ihr angeschlossenen Gewerkschaften niederlegte. Die Widmung dieses Kranzes ist allerdings— aus welchem Grunde, das mögen die Götter wissen— der polizeilichen Censur verfallen. Hier sind die konfiszierten Reime: „Drum mögt Ihr uns verfolgen, Durchbrechen unsre Rcih'n; Wo hundert von uns fallen, Da treten tausend ein! Wie immer, so haben natürlich auch die Partei-Qrjzani- sationen und Parteikörperschaften sowie die dem tmssenschaftlichen und künstlerischen Bedürfnis d-S Proletariats dienenden Vereine große und schöne 5tränze dargebracht. Hier und da macht sich unter dem alles beherrschenden Rot eine schtvarz-rot- goldene Kranzschleife fortschrittlicher und freisinniger Vereine oder das schwarze Band anarchistelnder Verbindungen bemerkbar. Auch die Berliner Eisenbahner haben, trotz des FeldzugeS, der unter Führung des Eisenbahmninisters gegen ihr Moalitionsrecht geführt wird, den Märzkämpfcrn einen Kranz ge- sandt. Im vorigen Jahre wurde der Träger des Eisenbahnerkranzes behufs Feststellung seines Namens sistiert. Diesem Geschick entging der diesjährige Ueberbringer allerdings— er steht als Gewerkschafts- bcmnter außerhalb des Buddeschen Machtbereichs— dafür verfiel aber die Widmung, die mir die Worte enthielt:„Vorwärts trotz alledem!", der polizeilichen Konfiskation. Die Fürsorge des Censors kann natürlich nicht hindern, daß es trotz Budde und sonstiger Re- aklionäre mit dem Klassenbewußtsein der Eisenbahner vorivärts geht. Warum sind die Worte:„Vorivärts trotz alledem I" bei den Eisen- bahnern gefährlich? Wiv finden keine andre Erklärung als die: Budde will nicht, daß es vorwärts geht. Nach welchen Grundsätzen die polizeiliche Auslese zu Werke geht, das bleibt dem schlichten Menschenverstand ein Rätsel. Un- ergründlich ist der Geist des Censors.— Ein Kranz der Leiter- gerüstbaucr trägt die Inschrift: „Dumpf umrauscht vom Lärm der Gassen Liegt versteckt im grünen Hain Eine Stätte. Oed' verlassen Recht sich schweigend Stein an Stein. In der Brust von drei Millionen Hebt sich heut ihr Angedenken. Lern, o Mein che ickiird. aus diesem Grabeshügel." Hier erfolgte der Censurschnitt, unter dem noch die Worte standen: „Unbesiegbar bleibt der Socialist. Spiel nicht mit der Weltgeschichte Selbst wenn Tu ein Staatsmann bist." Den Arbeitern der Deutschen Waffen- und Munitionöjabrik wurden diese Worte konfisziert: „Ihr wmideltet voll Heldenmut, Für Recht und Frecheit freien Tod zu sterben. Ihr dachtet nicht, mit Eurem Blut Nur Königsmäntel rot zu färben." Ein Kranz vom Wahlverein für de» vierten Kreis(Osten) trägt die Inschrift: „Proletarier haben sich Hand in Hand Zu mächtiger Einheit verbündet I Uns kettet die Not, nicht tändelndes Spiel: Die Welt zu erlösen ist unser Ziel! Mag kommen, was da kommen mag,.,.* Die folgenden Worte: „Wir spotten jedem Vcrnichtungsschlag— Gerechtigkeit inuß werden!" verfielen gleichfalls der Ccnforschere. Die Worte:„Wir spotren jedem Vernichtungsschlag" können es der Polizei wohl nicht angethan Haben, denn sie konnten unbeanstandet passieren auf einem Kranz der Arbeiter der Dcutzer Gasmotoren- sabrik. der einen Teil derselben Strophe trägt, welche der vierte Wahlkreis gewählt hatte. Tie GaSmotorcnarbeiter haben jedoch ihre Widmung mit dem„Vcrnichtungsschlag" geschlossen und die Worte: „Gerechtigkeit muß iverden" weggelassen. Man muß angesichts der Konfiskation an der Widmung des vierten Wahlkreises»oohl an- nehmen, daß es polizeiwidrig ist. die �zuversichtliche Hoffnung zu verkünden:„Gerechtigkeit muß werden". Nach so vielen unerklärlichen Ccnsurschnittcn entdeckten wir auch einen, der aus dem Polizeigeist heraus wohl erklärlich erscheinen mag. Den Arbeitern der Allgemeinen Elektricitäts- Gesellschaft wurden von dem Verse: „Heut treten»vir an Eure Ruhestatt Und leisten unfern Schlvur aufs neue" die Worte geschnitten:',, „Zersprengt wird doch dereinst die Sklavenkette. Dann atmet auf das Volk, das freie." Sklavenketten zersprengen und frei ausatmen— dabei muß einen preußischen Beamten allerdings gruseln. Doch, so sehr sich auch die Polizei bemühen mag, fedes Wort, IvaS als Regung freien Geiste« gedeutet»verde» kann, sorgfältig aus- zumerzen, den Sieg der Freiheit kann sie nicht hindern. �Tas»st die frohe Zuversicht, mi» der auch gestern die Besucher des Märzsriedhofes fcic Ruhestätte der Freiheitskämpfer verließen, fest entschlossen, jeder an seinem Teil mitzuarbeiten an dem großen Kulturwerk: Be- frciung des Proletariats aus den Fesseln des Kapitalismus. * Die Censurschere hat auch gestern, wie wir schon an einigen Beispielen zeigten, unter Aufbiewng aller ihr eignen Geistesschärfe gegen die vom arbeitenden Volk den Märzkämpfern dargebrachten Huldigl»ngen gewütet. Wir erlvähucn besonders, daß auch die Bibel endlich von der Polizei als das erkannt wurde, was sie wirklich ist, nämlich als ein nur init Vorsicht zu genießendes Buch, das gegen die wankende Staatsordnung so manchen bedenklichen Angriffspunkt bietet. Unser„Vorwärts"- Kranz hatte in den letzten Jahren das Schicksal, seiner Schleife polizeilich beraubt zu Iverden. Diese Prozedur empfanden»vir als eine Störung unsrer pietätvollen Gc- fühle. Da wir nun wissen, daß eS in der ganzen lv e l t l i ch e n Welllitterawr keinen Autor giebt, der entlveder selbst preußischer Polizeilieutenant gewesen oder den heutigen Ansprüchen eine« preußischen Polizeilientenants genügt, so flüchteten ivir uns diesmal. um ganz sicher zu gehen, zu dem heiligsten Heiligtum der Christen- heit, der Bibel. Vor einigen Versen, die uns zuerst gefielen, er- schraken»vir, so blutig revolutionär muteten sie an. Schließlich aber wählten»vir den mildesten aller Sprüche, Jesaias, Kapitel 60, Vers 14, und setzten— ohne Quellenangabe— die Zeilen auf die Kranzschleife: Es iverden gebückt zu Dir kommen, Die Dich unterdrückt haben... Der wachthabende Litteraturzcrschncider las und stutzte, fühlte sich seiner Sache nicht recht sicher, holte sich einen Kollegen zur gut- achtlichen Hilfe und mm— ein rascher Schnitt, der arme Prophet Jesaias wurde geköpft, von Polizei wegen I Aber nicht nur das alte Testament wurde als umstürzlerisch bc- fundcn I Von einem andern Kranze schnitt die Polizei den folgenden Bibelspruch ab: Btatthäus 3, 10.„ES ist schon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen." Wahrscheinlich»oird diese Konfiskation eines von Johannes dem Täufer gesprochenen Wortes für unsre Patteigenossen ein Ansporn sein, zu der Märzfeier im kommenden Jahre die Bibel weiter auf ihren Gehalt an konfiskablen Worten hin zu betrachten. Aber auch sonst»var die Polizeischere ängstlich wie kaum in einem Jahre vorher. Von dem Kranze, den die Meßinstrumenten- Mechaniker der Firma Siemens u. Halske den Märzkämpfern spendeten, Ivnrde folgender doch wahrlich harmlose Spruch konfisciert: Was Ihr erkämpft Durch Euren Tod Ist heute wieder Ailfs neue bedroht. Den Arbeitern der Anhaltischen Maschinenfabrik wurde der folgende Denkspruch von der Kranzschleife abgeschnitten: Euch ttteb das Elend, Euch trieb die Not, Euch Brüder hin in den gransigen Tod. Wir find nun Erben, wir eifern Euch nach, Wir rächen die Blutschuld,»vir rächen die Schmach. Den Arbeitern der Firma Mip u. Genest wurden folgende Worte aus Schillers„Wilhelm Tell" konfisciert: Laßt die Rechnung der Thrannen anwachsen, bis ein Tag die allgemeine und die besondere Schuld bezahlt. Die Maschinenfabrik von Werner ans der Lützolvstraße hatte einen Kranz mit folgender für konfiskabel befundenen Widmung auf die Gräber der Märzgefallenen niedergelegt: Wer noch so denkt, wie Ihr gedacht, Wer noch von Freiheitsdrang entfacht, Der schaffe was er schaffen kann In Eurem Geist als ganzer Mann! Auch die hier wiedcrgegebene Widmung an dein vom Wahlverein Ripdorf gespendeten Kranz wurde von der Polizeischere abge- schnitten: Der Knechtschaft ist ein Ziel gegeben, Der Zeiger an der Weltuhr rückt, Dann naht die Stunde, und mit Beben Der Blitzstrahl aus der Wolke zückt. Dann bricht mit allgewalt'gem Leben Der Völker Märzentag herein, Dann leuchtet rings von allen Höh'n Der ganzen Freiheit gold'ner Schein. Auch die Jnfchttft, die die Handels-Hilfsarbciter der A. E.-G. Abteilung Schlegelstraße gewidmet hatten, fiel der Schere zum Opfer. Dieselbe enthielt das folgende Citat aus Freiligrath: Wenn die letzte Krone wie Glas zerbricht, In des Kampfes Wettern und Flammen, Wenn das Volk sein letztes„Schuldig I" spricht, Dann stehen wir wieder zusammen! Die Polizei konfisciert eben nach altem Herkommen, sie kon- fisciert heute Gedenlsprüche, Iveil sie in früheren Jahren auch welche konfisciert hat. Irgend ein sichtbarer Zlveck liegt nicht in diesem Thun. Daß etwa ein Besucher der Weihestätte des deutschen Volkes durch einen der von den Widmungen vertilgten Sprüche bewogen »verde,, könnte, zu Mute und Säbel zu greifen und gegen daö Polizeipräsidium z» marschieren, das glaubt wohl selbst der jüngste Lieutenant am Alexanderplah nicht. Daß die konfiScicrten Widnmngen aber sich ins Gemüt des Volkes einprägen, können auch noch so viele scherenbeivaffnete Schutzleute nicht verhindern, da die beachtenswertesten dieser Sprüche doch am nächsten Tage in der Presse veröffentlicht werden. Wozu also die Ansttengnng? Dem nun eiimral nicht aus der Welt zu schaffenden Widerwillen des Volkes gegen die heutige Ordnung der Dinge geschieht durch daö Polizei-Aufgcbot kein Abbruch; in, Gegenteil würde dieser Wider- iville entschieden ivcniger Nahrung erhalten, wenn die Polizei am 18. März den Friedhof im Friedttchshain ebenso links liegen ließe, wie an den andern Tagen des JahrcS. Serlmer partci-Hngdegcnbcitcn. Eine Kommuualwähler- Versammlung für den 32. Kommunal- Wahlbezirk ist zu Montagabend 8 Ilhr nach dem„Swincnmnder GesellschaftShaus", Swinemünderstraße 42. einberufen. Die Ver- sammlung soll Stellung nehmen zn der bevorstehenden Neuwahl, die sich infolge Aberkennung deö Stadtverordneten- Mandats gegen den bisherige» Vertreter Karl Leid nottvendig macht. Das Referat hat Genosse Paul Singer übernommen; außerdem soll die Auf- stellung des Kandidaten vollzogen Iverden. Am Sonutag findet für die in Betracht kommenden Bezirke eine Flugblatt-Bcrbreitung statt, zu welcher sich die Genossen in ihren Bezirlslokalen früh 8 Uhr recht zahlreich einfinden niögen. Sechster Wahlkreis.(Schönhauser Vorstadt.) Sonntagabend 6 Uhr findet im„Jägerhaus". Schönhauser Allee 103. eine V o l k s- V e r- sainmlung statt. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Albrecht Fülle über:„Preußen in Deutschland voran, Deutschland in der Welt voran!" 2. Diskussion. Nach der Versammlung genmt- liches Beisainmensein. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vertrauensmann. Wilmersdorf. Zur Gemeindcwahl findet am Montagabend 7 Uhr von den bekannten Lokalen aus eine Flugblatt- Verbreitung statt. Zahlreiche Beteiligung ist geboten. Maricndorf und Umgegend. Sonntag: Agitation ffir den „Vorwärts". Die Genossen Iverden ersucht, sich zahlreich zu beteiligen. Treffpunkt: Morgens 7 Uhr in Maricndorf bei Reichardt, Chausseestt. 16; in Maricnfelde bei Fritz Greulich, Verlincrstr. 81; in Lichtenrade bei Scabell, Derfftraßc. Spandau. Parteigenossen? Morgen(Sonntag) früh Vzss Uhr Flugblattverbreituiig. Kein Genosse darf sich dieser Partci-Arbeit entziehen. Treffpunkt: Die bekannten Verkehrslokale. An» Montagabend 8 Uhr, findet im Saale des Genossen Köpnick, Pichelsdorferstr. 39, eine Protestverfammlung gegen den Umsturz im Stadthause statt! Niemand fehle! Agitiert fiir guten Besuch! Lichtenberg. Den Mitgliedern de« Wahlbercins zur Nachricht, daß die Mitglieder-Versammlung nicht am Dienstag, sondern an, Montag, den 21. März, abends 8V3 Uhr, bei Höflich, Frankfurter Chaussee 120, stattfindet. Genosse Dr. Alberti spricht über»März- gedanken und Märzerinncrungen".(Siehe Annonce.) Grüna». An, Sonntag findet eine Flugblatt-Ver» b r e i t u n g zur Gemcindevertreterwahl statt. Treffpunkt 7'/z Uhr. „Grüne Ecke". Borsigivaldc und Waidmannslust. Sonntag früh 8 Uhr findet die letzte Flugblattverbrcitung vor den Gemeindcwahlen statt. Treff- punit für Waidmannslust bei Schmidt an der Chaussee, Borsigivaldc bei Waagh. Es ist Pflicht der Parteigenossen, sich zahlreich zu be- teiligen. Der Vertrauensmann. In Kl.-Schöncbcck-Fichtcna» finden heute die Gemeinde- wählen statt und zlvar in der Zeit von vormittags 10 Uhr bis 11 Uhr im Lokal von Waltinger. Die Parteigenossen in Berlin werden ersucht, ihre Arbeitskollegen ans den, genannten Ott auf die Wahlhandlung hinzulveisen. Der in Betracht kommende Zug fährt 1 Uhr 42 vom Schlesischen Bahnhof ab und fährt 1 Uhr 19 von Fichtenau zurück. Wenn jeder seine Pflicht thut,»nuß trotz der un- günstigen Wahlzeit der Sieg unser werden. lokales. Beim Armenpflegcr. Die Männer, die in den Armeickommissionen unsrer Stadt thätig sind, empfangen die Bedürftigen, die zu ihnen kommen und un, Hilfe bitten, gewöhnlich nicht mit einem Uebermaß von LiebenS- Würdigkeit. Das ist so bekannt, daß über neue Einzelfälle, die diese alte Erfahrung bestätigen, kaum noch jeinand sich»vundett. Am Ende kann man das den Armenkommissionen nicht einmal übel- nehmen, daß sie die Hilfesuchenden nicht mit besonderer Freimdlich- keit oder gar Höflichkeit behandeln. Das entspttcht nur den An» schaumigen der Bevollerungskreise, denen die Mitglieder unsrer Armenkommissionen zumeist entnommen»verde»». Nicht oft gelingt eS, in eine Armenkommission einen Arbeiter, einen Social- demokraten hineinzubringen. Giltfreisinnige Hausbesitzer, Rentiers, Krämer uslv. gxltcn noch immer als die geeignetsten Personen für solche Posten. Diese Gesellschaftssthichr ästimiert aber gewöhnlich nur den, der etwas in die Suppe zn brocken hat. und betrachtet arme Schlucker, die es zu nichts gebracht haben und frenide Hilfe in Anspruch nehmen müssen, als eine geringere Sorte Menschen. Das eine jedoch sollte»nan vom Armenpfleger erwarten dürfen, daß er sich an die Vorschriften hält, die ihm von der Armen- verlvaltung für seinen amtlichen Verkehr mit den Bedürftigen gc- geben stnd. Freundlichkeit gehört unsres Wissens nicht zu diesen Vorschriften,»venigstenS nicht zu denen, die ernst gemeint sind. Wohl aber sind die Armenkommissionen wiederholt und dringend erinahnt worden, darauf zu achten, daß jedem Bittenden Gelegenheit geboten »vird, sich dem Armenpfleger unter vier Augen anzuvertrauen. Diese Sflahnung ist auch durchaus berechtigt, und es muß»nit aller Entschiedenheit gefordert iverden, daß jeder Armenpfleger sie beherzigt. Sei du ein Grobian, wcnißs zu andren, bei dir nicht langt, aber zerre nicht den Hilfesuchenden mit seiner Hilfsbedürftigkeit vor ftemde Augen und Ohren, ersticke nicht in dem Armen das Ehrgefühl, das bei aller Arinut auch er besitzt. Wir haben es früher oft rügen müssen, daß Armenpflegcr sogar die Auszahlung der Unterstützungen in vollster Oeffcntlichkcit vornahmen, in ihrem für jedermann zugänglichen Geschästslokal, in einer von Gästen besetzten Kneipe. Ob das auch heute noch vor- kommt, entzieht sich unsrer Kenntnis; Beschwerden darüber sind in letzter Zeit nicht an»ms gelangt. Es ist möglich, daß zum mindesten bei der UnrerstützungsauSzahliing solche Taktlosigkeiten nicht mehr begangen werden. Im übrigen aber gilt eS noch immer nicht bei allen Armenpflegern als etlvas Selbstverständliches, daß Armen» fachen diskret zu behandeln sind. Ein starkes Stück wird uns aus der Gegend des Schönhauser ThorcS mitgeteilt. In der 132. Armenkommission, die den 203. Stadt- bezirk(Teile der Lothringerstraße und der Linienstraße von der Alten Schönhauserstraße bis zur Bartelstraße) zu versorgen hat. waltet seines Amtes der Seifenfabnkant Nichterlein. Der Herr hat feine Wohnung natürlich in» Bezirk dieser Armenkommisfion, in, Hause Limenstraße 39, aber von Annen(und übrigens auch von Steuerpflichtigen, denn er ist auch Mitglied einer Einkommensteuer- Voreinschätzlingskommisston) will er sich nur in seinem Geschästslokal sprechen lassen, in der Prenzlauerstraße, die gar nicht zu seiner Armenkommissioil gehört. An der Thür seiner Wohnung in der Linienstraße hängt ein Plakat, das also lautet:„In Armen- und Stencrangelegenheiten Sprechstunde 8—»/„g Prenzlauerstraße 47, Hof, Comptoir. Nichterlein." Vielleicht»nacht der Leiter des städtischen Armenwesens Stadttat Münsterberg sich einmal die Mühe. sich das Plakat selber anzusehen und durch eignen Augenschein sich davon zu überzeugen, daß Herr Nichterlein die Armen nach seinem Comptoir bestellt. Wie es einem Hilfesuchenden dott ergehen kann, da» mußte dieser Tage eine Frau erfahren, die nicht eine Unterstützung erbitten wollte, sondern nur ein Armutszeugnis wünschte, um einen Prozeß führen zu können. Die Frau sah sich in dem Comptoir einer größeren Zahl von Angestellten gegenüber, deren einer sie nach ihrem Begehr fragte. Sie versuchte eine ausweichende Antwort, doch gab man sich damit nicht zuftieden. Sie mußte genauer angeben, wgs sie von Herrn N. wünschte, und dann hieß»nan sie im Co»nptoir warten. Als nach längerer Zeit Herr N. erschien, nah,n er sofott in Gegenwart seines Personals ein scharfes Verhör mit der Frau vor. Er fragte in einem Ton, der verletzend»virkte, nach ihren Familienverhältnissen, nach dem Mann, nach der Tochter, nach deren Bräutigam, und räsonniette dann, das sei ja eine nette Gesellschaft. Um dem Austritt eine Ende z»» machen, verzichtete die Frau auf das Zeugnis und ging. Wir legen die Gefühlsausbrüche des Herrn N. ohne Ver- wunderung zu dem Uebrigen, tvas uns in, Laufe der Zeit über den Berkehr zwischen Armen und Armenkommisfionen bekannt geworden ist. Wir hoffen aber, daß dieser Armenpfleger von zuständiger Stelle wenigstens darüber belchtt werden wird, daß er die Hilfe- suchenden nicht in Gegenwart fremder Personen, sondern unter vier Augen abzufertigen hat._ Die socialdcmokratische Stadtverordneten-Fraktion hat zum Etat folgende Anttäge der Stadtverordneten-Vcrsammlimg unterbreitet: 1. Zun, Personal-Etat 38:„Die Stadtberordneten-Bersammlung ersucht den Magisttat, über die Anstellung deö Verwaltungsdirektors beim Rudolf Virchow-Krankenhause eine besondere Vorlage der Ver- sammlung zugehen zu lassen." 2. Zum Etat der Waisenberlvaltuug: „Um die Beseitigung der Kostpflegestellen herbeizuftihren, ersucht die Stadtverordneteu-Versammlung den Magistrat um eine Vorlage zur Erweiterung der jetzt bestehenden Rummelsburger Anstalt, resp. zur Errichtung neuer Waisenhäuser." 3. Zur Fürsorge-Erziehung:„Die Stadtverordneten-Versammlung ersucht den Magistrat um eine Vor- läge, die es ermöglicht, daß die Fürsorgelinder nur in städtischen Anstalten erzogen werden." Die Marinevraut ist tot und mit ihr eine? d e r Originale Berlins g e st o r b e n. Die Marincbraut war in den weitesten Kreisen der Reichshauptstadt bekannt und hielt sich fast ständig Unter den Linden zwischen Friedrichstraste und der Neuen Wache auf. Stundenlang stand sie auf einer Stelle und wartete auf die Ankunft ihres Bräutigam.— Die Unglückliche, eine hohe stattliche Erscheinung, entstammte einer wyhlhabenden Berliner Familie und war in ihrer Jugend mit einem Arzte verlobt, der als Schiffsarzt engagiert war und von einer Seereise nicht wieder zurückkehrte. Auf die Nachricht von dem Tode ihres Bräutigams wurde das junge Mädchen von einer heftigen Nervenkrankheit be- fallen, von welcher eS sich nie wieder völlig erholte. Die Aermste lebte weiter in dem Glauben, dast der Arzt demnächst von seiner Reise zurückkehren werde und wartete auf die Ankunft des Geliebten. Seit dreißig Jahren ging sie fast jeden Tag nach den Linden in dem festen Glauben, dast er durch das Brandenburger Thor in Berlin einziehen und sie ihn dann sofort bei seiner Ankunft bc- grüßen miffse. Zum Zwecke einer besseren Vcrkchrs-Reguliening werden in der Friedrichstraße zwei JnselperronS angelegt und zwar an beiden Ein- Mündungen in der Leipzigerstraste. Eine gleiche Einrichtung wird auch an oer Wilhelmstraste geschaffen werden. Zusammenstöße im Straßenverkehr. Bei einen, heftigen Zu- sammenstoste zwischen einem Straßenbahnwagen und einer Kutsche sind Donnerstagabend in Pankow zwei Personen schwer verunglückt. Der Administrator des Ritterguts Mühlenbeck hatte mit dem ihm befreundeten Gemeindesekretär Ernst Franke aus der König- straste 11 zu Pankow Berlin besucht. Um 9 Uhr abends fuhren die Herren nach Mühlenbeck zurück. Der 62 Jahre alte Feldhüter Wilhelm Hollmach von Mühlenbeck saß auf dem Bock und lenkte den Einspänner. An der Ecke der Breiten- und Schloststraste stieß die Kutsche mit einem Wagen der städtischen Straßenbahn so heftig zusammen, daß alle drei Insassen herausflogen. Der Administrator kam unversehrt davon. Hollmach flog auf das Pflaster und gegen einen Baum und zog sich einen Arnibruch und eine Schädelverletzung zu, Franke geriet unter den Straßenbahnwagen und wurde am schlimmsten mitgenommen. Er erlitt mehrere Rippenbrüche, einen schweren Bruch des rechten Unterschenkels und innere Ver- letzungen. Nachdem er auf der Unfallstation in der Badstraße die erste Hilfe erhalten hatte, niustte er mit einem Rettungswagen nach der Charits gebracht werden, wohin Hollmach unmittelbar von der Unfallstelle mit einer Droschke übergeführt worden war. Die Kutsche wurde vollständig zertrümmert. Wen die Schuld an dem schweren Unglück trifft, steht noch nicht fest.— Gestern niorgen um 8 Uhr fuhr der Inspektor einer Abfuhrgescllschaft Gustav Blech- schmidt aus der Usedomstr. 32 mit dem Zweirad durch die Reichen- bergerstratze, um mehrere Abladeplätze zu besuchen. Ei» Straßenbahn- wagen, dem er ausweichen wollte, stieß ihn um. so dast er sich einen Bruch des linken Schlüsselbeins zuzog. Der Verunglückte wurde nach dem Krankenhause am Urban gebracht. Ter Selbstmord des koreanischen Attaches. Die in der bürger- licheu Presse über die Todesursache des Attaches verbreiteten Ge- rüchte fiiib, insoweit dabei der Name einer jungen, am Schiller- Theater beschäftigten Schauspielerin genannt ist. völlig unwahr. Der Attache war in üble Gesellschaft gekommen, spielte und fiel Wucherern in die Hände, die. in üblicher Weise sich nicht nur hohe Zinsen bezahlen ließen, sondern ihm auch den wertvollen Schmuck aufdrängten, von dem die in der Presse verbreiteten Gerüchte un- lvahrerwcise behaupteten, daß er ihn der jungen Schauspielerin gc- schenkt habe. Der Name derselben ist bedauerlicherweise ganz zu Unrecht in die Affairc hereingezogen worden. Zwischen ihrer Pcrsön- lichkeit und dem Selbstmord des Koreaners besteht kein Zusammen- hang. Die Ursache des Selbstmordes ist lediglich auf sein lieber- liches Leben, welches Wucherhände ausnutzten, zurückzuführen. Weiter teilt zu dieser Angelegenheit die koreanische Gc- sandtschaft mit: Der in dem Artikel des„Tageblattes" genannte Lieutenant N. wird seit längerer Zeit bonoriz causa bei der Gesandtschaft beschäftigt. Er hat stets in der ehrenhaftesten Weise der Gesandtschaft gegenüber gehandelt und ist von dem Gesandten offiziell mit der Aufklärung der Ursache des Todes Hongs betraut worden. Herr Lieutenant R. hat sich stets in aufopferndster Weise des Herrn Hong angenommen. Er verkehrt nach wie vor in freund- schaftlichster Weise mit sämtlichen Herren der Gesandtschaft. Alle Angaben, die Herrn Lieutenant R. in ungünstigem Lichte erscheinen lassen könnten, sind unzutreffend. Herr Hong war nicht verheiratet und war auch nicht Vater zweier Kinder. Thatsache ist ferner, daß weder Herr Lieutenant R. noch irgend ein andrer Herr der Gesandt- schast an der Affaire in irgend einer Weise beteiligt ist. Ein großer Kellcrbrand in der Ritterstraße 33, Ecke Jakobikirch- straße, beschäftigte die Feuerwehr am Donnerstagabend etwa drei lAunden. Die umfangreichen Fabrikkeller sind größtenteils mit stiften, Holzwolle und an denn Verpackungsmaterial angefüllt. Das auf nicht ermittelte Weise entstandene Feuer griff rapide um sich und führte eine enorme Verqualmung herbei, die den Löschangriff sehr erschwerte. Selbst die mit Feuerschutzapparatcn ausgerüsteten Sappeure vermochten nur langsam zum eigentlichen Brandherde vorzudringen und hatten dabei von dem erstickenden Ranch viel zu leiden. Erst nachdem an verschiedenen Stellen durch Einschlagen von Fenstern und Thüren Luft gemacht war. konnte mit drei Schlauch- leitungen wirksam gegen das Feuer vorgegangen werden. Immerhin war erst nach cinstündigcm Wassergcben die Gefahr beseitigt, worauf die langwierigen Aufräumungsarbeiten begannen. Feuervericht. Nur wenig Alarmierungen hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden zu verzeichnen. Gestern abend gegen 8 Uhr wurde sie nach der Kommandantenstraße 89 gerufen, weil hier im zweiten Stock des rechten Seitenflügels Betten, Möbel und Kleidungs- stücke in einer Kabuse brannten. Der 17. Löschzug erstickte die Flammen in kurzer Zeit. Vorher hatte in der Elsholzstraste 10 in einem Laden Petroleum Feuer gefangen. In der Großen Frank- furterstraste S9 mußte zur selben Zeit ein Brand beseitigt werden, der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Die übrigen ganz vereinzelt eingelaufenen Alarmierungen waren auf„blinden Lärm" zurückzufiihren._ gescheit ist, giebt sich damit zufrieden, daß wenigstens im Cirkus der Mensch noch einmal aus sich herausgeht. Neu sind die Ringkämpfe ja nicht. Wir haben in Berlin Zeit- läufte erlebt, wo die Begeisterung für einzelne der starken Männer noch viel elementarer aufflammte als gestern abend. Die letzte wesentlich in Betracht kommende Ringkampfperiode war unsres Wissens 1894, wenn auch damals schon ein gewisser Sceptizismus sich im Publikum geltend machte. Denn vorher, im Jahre 1891, hatten etliche Athleten sich dabei ertappen lassen, daß sie nicht allein im Ringen sondern in der geistig entschieden höher stehenden Kunst der S ch an- s p i e l e r e i ihren Mann standen. Es wurde ein gar merkwürdiger Kontrakt bekannt, den ein Amerikaner, ein Deutscher und ein Franzose miteinander geschlossen hatten. In diesem Vertrag war in aller Form Rechtens festgelegt, wieviel Ringkämpfe ausgesochten, wieviel unentschieden bleiben, in wieviele» Revanche gegeben und wer schließ- lich den Sieg davontragen sollte. Wer von den drei Kontrahenten sich nicht an dem derart festgelegten Programm hielt, und etwa wider die Verabredung siegte, der sollte eine sehr empfindliche Geldstrafe zu zahlen haben. Ein solcher Vertrag zeugte auch insolveit von dem schön entwickelten Gemütsleben aller drei siontrahenten, als einer von ihnen, Herr Christoll, in amerikanischen Schnapskneipcn derart zerstochen worden>var, daß er seines leidenden Zusrandes wegen gar nicht ernsthaft als Ringkämpfer auftreten konnte und daher so mit durchgeschleppt werden mußte. Noch ein andrer Ilmsrand brachte zu der Zeit das Renommee der Ringkämpfer, wenigstens in der Männerwelt, herunter. Ten berühmtesten der damaligen Athleten, den Hamburger Karl A b hatte der Hafer gestochen, und der Manu ließ gleich einem gc- krönten Haupt seine Lebensgeschichte schreibe». Darin setzte er u. a. mit Genugthuung auseinander, wie Damen aus den besten Gesell- schaftskreisen sich um seine Gunst gerissen hätten und wie er auch aus diesen Kämpfen, wenn auch am Ende mit schwerer Mühe, als tugend- gekrönter Sieger hervorgegangen sei. Sehr viele seiner Kollegen waren aber weniger standhaft. Diese kleinen Skandälchen brachten die edle Ringerci so in Ver- ruf. daß sie lange, lange Jahre brauchte, um wieder reputierlich auftreten zu können. Tie gestrigen Ringen im Cirkus Busch sahen nicht nach abgekartetem Spiel aus. Es ging, soweit der Lai be- obachten konnte, alles koscher zu. Aber eine kurze Erinnerung an frühere Auswüchse mag immerhin als Warnung am Platz sein. Be- merkt sei noch, daß auch die Polizei aus Anlaß früherer Bedenklich- leiten zur Einleitung der neuen Ringkampfperiodc das nötige that. In ihrer Weise allerdings. Sic erhob Einspruch dagegen, daß um den Geldpreis von 6999 M.. der öffentlich ausgeschrieben nar, gc- kämpft werde, und Direktor Busch konnte die Kämpfe daher lediglich um Gotteslohn stattfinden lassen. Dann gebot dw Polizei, daß während des Ringens die Musikkapelle spielen müsse. Was dainit verhindert werden sollte, mögen die Götter wissen. Die illustrierte Romandibliothck„In Freien Swnden" ist jetzt bis zum 12. Heft erschienen, das heute zur Ausgabe gelangt. Es bringt die Fortsetzung des Gerstäckerschen Romans„Die Fluß- Piraten des Missifippi" und der spannenden Erzählung„Gabriel Lambert, der Galeerensklave" von A. Dumas, sowie eine kultnr- historische Skizze„Eine Reise durch das Gebiet dcS Aberglaubens". Daneben„Dies und Jenes",„Witz und Scherz". Wöchentlich er- scheint em 24 Seiten starkes Heft zum Preise von 19 Pfennig, das in allen Parteispeditionen sowie bei allen Kolporteuren und in der Buchhandlung Vorwärts, Berlin LW. 68, Lindenstr. 69 zu haben ist. Mit dem 1. Januar begann der neue Roman, der noch jetzt von Heft 1 an nachbczogcn werden kann. Wir empfehlen unser» Lesern das Abonnement. Der Verein Fraucncrwerb, Leipzigerstr. 128, eröffnet Sonnabend, den 19. März eine O st e r- A u s st e l l u n g. Abgesehen von einer Fülle origineller Ostergeschenke und schön arangierter Ostertafeln ist von besonderem Interesse eine Kollektiv-Ausstellung des Jsabellen- Vereins für ungarische Hausindustrie. Die Ausstellung ist täglich von 12—7 Uhr geöffnet. Ei» klassisches VolkSkonzert veranstaltet die Neue Freie Volks- bühne am Palmsonntag, den 27. d. Mts., abends 8 Uhr, in der Singakademie. Mitwirkende: Tie königliche Hofopernsängerin Fräulein Josephine R c i n l, die Herren Gottfried G a l st o n lKlavier), Anton Hekking(Cello), Arthur Schnabel (Klavier), Alfred Wittenberg(Violine). Eine kleine Anzahl von Gastkarten(1 M. inkl. Garderobe) ist von Montag, den 21. März, ab in der Amelangschen Buchhandlung,.Potsdamer- straße 126, zu haben. Abendlasse findet nicht statt. Nixdorf. Der letzte und 6. volkstümliche 5tunstabcnd im Real- giMnasium am Sonntag, den 29. März, abends 7V- Uhr, ist Goethe gewidmet. In den musikalische» Darbietungen werden besonders Beethoven, Schubert, Hugo Wolf vertreten sein; unter den Dichtungen werden Bruchstücke aus„Faust" und„Egmont" oder „Götz" und die schönsten lprischcn Dichtungen dargeboten werden. Eintrittskarten zu 39 Pf. sind in den aus den Plakaten der Anschlag- äulen zu ersehenen Verkaufsstellen zu haben. Tie starken Männer. Wir haben die offene Schleife und etliche andre Todcsfahrten gehabt und ferner die Tierdressur des ganzen Zoologischen Gartens. Jetzt kommt etwas Neues, Ringkämpfe nämlich. Eine ganze Compagnie starker Männer betrat gestern abend die Manege des Cirkus Busch. Die Herren prunkten mit ihren Riesengestalten, mit ihren entblößten Armen und Beinen, und das Publikum freute sich ob so vieler Kraftmeier. Nachdem ei» Stallmeister die aus aller Herren Länder gekommenen Ringkämpfer einzeln vorgestellt und ver- kündet hatte, daß drei Gänge jeden Abend ausgekämpft werden sollen, traten die Athleten wieder zurück und es begannen die Einzelkämpfe. Im ersten Gang besiegte der Franzose Aimable de Calmette den Deutschen Eigcmann in 2V, Minuten, im zweiten Gang nach einem hartnäckigen, an die 19 Minuten währenden �Kampf der Belgier Omer de Bouillon den Münchener Ringer Franz Sauerer und im dritten Gang uitterlag nach fünf Minuten der Deutsche Jacob Koch dem Holländer Jean V a n d y k. Die deutsche Stärke hat also am ersten Abend schlecht abgeschnitten. Aber darob braucht noch nicht alle Hoffnung verloren zu sein. Das Publikum zeigte sich von den Logen bis zur Galerie sehr animiert und nahm mit einer Leidenschaft an den Kämpfen teil. die cm die alte Römcrzeit erinnern mochte. Es sind ja etwas lvunder- liche Gelegenheiten, bei denen die„Volksseele" aufflammt, aber wer flua den Nachbarorten. Die Rixdorfer Stadtverordneten- Versammlung hatte in ihrer Sitzung vom Donnerstag über einen Magistratsantrag zu beraten, der die Bildung einer gemischten Deputation verlangte, welche das Gesuch des Gemeinde- Äirchenrats von Deutsch-Rixdorf nm lieber- lassung eines Teils des Reuterplatzes zur Errichtung einer Kirche vorberaten soll. Der Magistrat hält die Einsetzung einer gemischten Vorberattmgs-Deputation'wegen der Wichtigkeit des Gesuchs für die Stadt und wegen der Vielseitigkeit der dabei zu erörternden Fragen für erforderlich. Der Magistrar hat vier seiner Mitglieder in die Deputation delegiert und schlägt die Wahl von acht Stadt- verordneten vor.— Stadtv. L ö g e I k e betont die finanzielle Not- läge der Kirchengemeinde und erklärt, dem Gesuch sympathisch gegen- über zu stehen. Der Reutcrplatz als Schmuckplatz könnte durch den Bau der Kirche nur gewinnen. Redner schlägt für die bürgerliche Fraktion sechs Herren zum Eintritt in die Deputation vor, so daß für die socialdcmokrati)che Fraktion nur zwei Sitze übrigblieben.— Stadtv. H e n n i g(Soc.) hat nichts gegen die Bildung der Depulatton, er erhofft aber von ihr, daß sie das Gesuch der Kirchengemeinde begraben werde. Rixdorf ver- füge über so wenig öffentliche Schmuckplätze, die zu- gleich als Spielplätze dienen könnten, daß man eifersüchttg jeder Verkümmerung entgegentreten müsse. Speciell in der frag- lichen Stadtgegend sei die vollständige Erhaltung des Platzes als Schmuck- und Spielplatz geboten, denn dort gestatteten 9S Proz. der Hausbesitzer es den Kindern nicht, auf den Höfen zu spielen. Andrerseits gebe eS da noch genug unbebaute Privatgrundstücke, wovon die Kirchengemeinde eins erwerben könnte, wenn sie durch- aus eine neue Kirche bauen wolle. Eigentlich gehörte das Gesuch vor die Gesundheits- Deputatton, die sicher aus hygienischen Gründen dagegen sein würde, den Platz zu verkünimern. Dagegen, daß eine Kirchengemeinde sich Kirchen baue, hätten seine Freunde nichts, nur solle jene nicht immer Geschenke von der politischen Gemeinde verlangen.— Stadtv. Hesse protestiert dagegen. daß die Erwählten der dritten Kommunalwähler-Abteilung nur zwei Mitglieder in die Deputation entsenden sollten. Man sollte es doch so einrichten, daß die dritte Abteilung bei Kommissionen und Deputationen zu einem Drittel beteiligt werden könne.— Der Magistrat ist damit einverstanden, daß nocki ein Stadtverordneter mehr gewählt werde. Das geschah denn auch. Die socialdemokrattsche Fraktion entsandte die Stadtvv. Wutzky, Hoppe und Hesse in die Deputation. Ohne Debatte wird der Antrag angenommen, der Verwaltung der Treptow-Sternwarte zur Erweiterung ihrer Anstaltsräume einen einmaligen Beitrag von 399 M. aus dem Dispositionsfonds der Stadtverordnetenversammlung zu bewilligen.— Der Verein Lenz- heim hat in seiner Sommerpflcgestätte in Schreiberhau(Riesen- gebirge), in die auch Rixdorf jährlich eine Anzahl anner Kinder entsendet. Umbauten vorzunehmen. Die Gemeinden, welche die Pflegestätte in Anspruch nehmen, sind un, Beihilfen angegangen worden. Der Magistrat beantragt, als Beihilfe zum gedachten Bau- zweck 190 M. zu geben. Auf Antrag des Stadtv. Colberg, dem sich andre Stadtverordnete anschließen, so auch Dr. Silberstein(Soc.), werden 390 M. bewilligt.— Ein Nachtrag zur Umsatzsteuer-Ordimng lvird angenonnnen. Nen-Weißensee. Unter vollständigem Ausschluß der Oesfent- lichkeit fanden am Dienstag in der Gemeindevercrer-r-Sitzung die Schöffenwahlen statt, während doch nach der Landgemeinde- Ordnung beim Wahlakt selbst nur die Unbeteiligten das Wahllokal zu verlassen haben. Da nun aber notgedrungen über den zur Wahl stehenden besoldeten Schöffen eine Aussprache stattfinden mußte, so verlangten unsre Genossen, die Ocffentlichkeit herzustellen, denn es Ivarcn schon vorher Vorkehrungen getroffen worden, daß die Zu- schauer-Tribüne nicht besetzt werden konnte. Ter Gemeindevorsteher konnte sich hierzu nicht verstehen und bemerkte, daß die spätere Eni- fernung der Zuhöhrer mit Schwierigkeiten verknüpft sei Auf die Erwiderung nnsrer Genossen, sie hielten die Weiß-nseer Bürgerschaft für so vernünftig, daß sie bei einer notwendig werdenden Räumung der Tribüne auch Folge gebe, erhielten sie vom Gemeindevorsteher die Antwort:„So vernünftig sind sie eben nicht alle." Ter Antrag, die Oeffcntlichkeit herzustellen, wurde gegen die Stimmen der Social- dcmokraten abgelehnt. Wir wollen es aber nicht vcrabsämnen. da die Wahl der Person eines besoldeten Schöffen für eine Gemeinde von großer Bedeutung ist, über den Gang der Verhandlungen der Oeffentlichkcit Kenntnis zu geben. Nachdem eine Kommission, der auch zwei nnsrer Genossen angehörte, sich von den 16 eingelaufenen Bewerbungen auf zwei Herren, die zum Vorschlag zu bringen waren, einigte, wurde ein Referent ernannt, der in obiektiver Weise der Gemeindevertretung Kenntnis von den Verhandlungen geben sollte: jedoch konnte der Herr Referent die Objektivität nicht bewahren und machte in ganz auffälliger Weise für einen Herrn Assessor Dr. Pape aus Charlottenburg Stimmung. Unsre Genossen nagelten die Prote- gierung des betreffenden Herrn gebührend fest, und bei der Ab- sttmmung ergab es sich, daß die bürgerlichen Herren Vertreter ein- stimmig für den Vorgeschlagenen waren: auch die in der Kommission von zwei Herren vertretene Ansicht, daß der betreffende Herr Dr. Pape doch wohl nicht die geeignete Person zum besoldeten Schöffen sei, war in der Zwischenzeit zu Gunsten seiner Person geändert worden. Nur unsre Genossen bliebe» bei der einmal gefaßten An- ficht stehen und stimmten dagegen. Zum Dank für das„ausgc- zeichnete" Referat des Herrn Henninger wählte mar, lhn zum unbe- soldeten Schöffen. Nun endlich gegen 19 Uhr abends wurde die Oeffcntlichkeit hergestellt. Dafür, daß unsre Genossen so energisck, gegen den nunmehr gewählten Schöffen auftraten, mußten sie bei der folgenden Wahl eines Kuratoriums für das Reform-Realgymnasium büßen. Die bürgerlichen Herren haben es sich vorgc- iiommen, auch in dieser Kommission unter sich z» bleiben und setzten es auch durch, daß die Vertreter der dritten Abteilung derselben fern- bleiben. Von unsrer Seite wurde das Verhalten genügend gekenn- zeichnet und die Herren Ivcrdcn sich die gehörten Worte wohl nicht hinter den Spiegel stecken. Bei der stattgehabten Wahl der zweiten Abteilung zur Gemeinde- Vertretung sind unsre Genossen unterlegen. Sie erhielten 45— 47 Stimmen, während die Kandidaten der„Vereinigten Bürgcr-Partci" 169— 173 Stimmen auf sich vereinigten. Freireligiöse«cmcinde. Sonntag, dcn729 März, vorm. B'l, Uhr, in der Schul-Slula Kleine Frankjurtcrstr. 6: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Um tO»/, Uhr vormitlags ebendaselbst: Vortrag des Fräul. Ida Altmann:„Der Tod in Religion und Kunst." Gäste, Damen und Herren, sebr willkommen.- Montag, den LI. März, abends 8'), Uhr. pünktlich, im großen Saal-des Ccntral-KIubhauses. Königsgrabcn IIa: Beschließende Versammlung. Weiße Ouitlung legitimiert. I» der humanistischen Gemeinde, Nicdcrwallsw. iL, in der Aula der Friedrich- Wcrdcrschcn Ober- Realschule, hält am Sonntagvonnittag 19'/, Uhr Herr Dr. Rudols Pcnzig einen Vortrag über:„Unsre geistigen Bonahrcn: III. Eduard Baltzer".— Damen und Herren haben jreien Zutritt. Allgemeine Kranken- und Sterbekass« der Metallarbeiter iE. H. 29, Mamburg). Fll-alc Berlin 3. Sonnabend, den IS. März, abends S Übe, bei O. Bergcncr, Reichenbergcrstr. l57: Mitglicderversammsung.— Filiale Berlin 4. Sonnabend, den lS. März, abends 9 Uhr, bci�NcrkowSki, Andreasstr. L6: Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 5. Sonnabend. den tv. März, abends 8 Uhr, bei Pseffcr, Ruseiithalerstr. 57: Mitglieder« vettammlung. Wattl der Abgeordneten zur'Generalversammlung.— Filiale Rixdorf. Sonnabend, den 19, März, abends 81/, Uhr, bei Thiel, Berg- slraßc löl: Versammlung. Sonntag, bei Preßlcr, Zicthcnstr. 69: Delegierten- wähl.— Filiale Berlin 9. eponntäq, den 20. März, vormittags tv Uhr, bei Fischer, Baldstr. 9: Mitgliederversammlung. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. Verband deutscher Miililcnarbcitcr. Zahlstelle Berlin. Am ■ionntag. den 20. d. M. nachmittags 3'l, Uhr, bei Schößler, Strvmstr, 23: Sitzung für alle Kollegen, welche in Moabit wohnen. Verein ehemaliger Gütergoper. Sonntag, den 20. März, nachmittags 3 Nbr, im„Prälaten" am Alexanderplatz: Generawersammluiig. Vortrag des Herrn Dr. Elkan über:„Entstehung und Verhütung der Tuberkulose".__ Marktpreise von Berlin am 17. März 1904 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. "Welzen, gut D.-Ctr, mittel gering "Roggen, gut „ mittel genug tGerste, gut mittel gering tHaser, gut mittel gering Richtstroh Heu Erbsen Speisebohnen' Linsen " ab Bahn. f frei Wagen und ab Bahn. Kartoffdn. neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule l kx do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch, tammelsleisch utter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 69 Stück 1 ig per Schock 7.59 1.89 1.49 1,69 1,89 1.89 2.89 4.00 2.40 3,09 2,89 2,29 1.89 3.99 1,49 15,99 6.99 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,80 1,20 1,40 1,20 ILO 0,80 1,40 0,80 3,00 Wetter-Prognose für Sonnabend, den 19. März 1994. Vorherrschend wolkig oder nebelig bei schwachen südwestlichen Winden, etwas wärmerer Nacht und wenig veränderter Tagesteinperahrr: keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbure ai», ßriefharten der Redahtion. Fasten. In den Fasten schmeckt der Speck am besten, sagte der Pater, alZ er zu seiner Frau aus Besuch ging.— Der Abt meinte: Jetzt kann die Fasten kommen, die Fässer sind alle voll.— Da wird schars gefastet, wo die Mönche für die Bäuche müssen den Tisch ausschneiden lassen.(Sprichwört- liche Wendungen aus dem„Klosterspiegel".)— 222. Nein! G. P. Fragen Sie in dem bettcstcnden Fahrrad-Geschäst an.— R. R. Rein.— Azteken. 1. Im juristischen Teil. 2. Das sranzösische Kamps- lied von R.. daS deutsche von A.- I». Gen. Wenden Sie sich an eine größere Buchhandlnng.— Döbeln. 1. Ja. Er war ein Vorläufer der französischen Revolution von 1739. 2. Unmöglich, da wegen der Menge der Namen der„Vorwärts" dazu nicht in der Lage ist. Lesen Sie darüber im KonversationS.Lcxikon nach.— P. R. 13. 1. und 2. Durch ein Delcktiv-Bureau. Empfehlungen für ein bestimmtes Unternehmen lönnen wir nicht geben. Näheres im„Adreßbuch". 3. Im juristischen Teil.— L- M. 92. t Mitte August. DaS Datum durch die Adresse: Gustav Schönlhal, Annenstr. lO, Seitenfl. II. 2. Im juristischen Teil.— Bruno. Vielleicht finde» Sie etwas Geeignetes unter„Schul- wcsen" im„Adreßbuch", 2. Bd.. 2. Teil. S. 134— l3S. Einzelheiten könnten Sie aus briefliche Anfragen unter nachstehender Adresse erfahren: Herr Bauermeistcr. Görlitzer User 4.— ft. X. Entzieht sich unsrer Kennmis. — E. M. 36. Bei der Berliner Feuerwehr werden jährlich gegen 20 bis 25 Feuerwehrmänner neu eingestellt. Wer aus solche Anstellung reflektiert, muß seiner Mililärpslichi genügt und sich während derselben tadellos geführt, auch daS 26. Jahr noch nicht überschriltcn haben. Bevorzugt werden Bau- Handwerker: Schlosser, Schmiede, Maurer. Zimmerleute usw. Anfangs- geholt bei fester Anstellung 1200 M.. steigt von vier zu vier Jahren um 75 W bis zum Höchstgehalt von 1650 M Meldung an Branddirektor Giersberg, Hauptwachc, Lindenstraße.- B. B. 1. Ja. 2. Rein.- A. W. S. Nein. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiuerlei Verantwortung. UKeater. Sonnabend, den 19. März. Ansang Uhr: Opernhaus. Manon. Schauspielhaus. Götz von Ber- lichingen mit der eisernen Hand. Neues Königl. Opern- Theater. Geschlossen. Deutsches. Rofe Bernd. Berliner. Waterkant. Lesstug. Zapfenstreich. Westen. Der Bcttclstudent. Neues. Königsrecht. Residenz. Der keusche Casimir. Vor- her: Die Empsehluna. Central. Das Schwalbennest. Nachm. 4 Uhr: Der gestieselte Kater. Belle- Alliance. Götterwcibcr. Thalia. Resemanns Rhcinjahrt. Ansang 8 Uhr: Schiller O. sWallner- Theater.) König Lear. Schiller Si.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Die Wildente. Kleines. Des Pastors Ricke. Luisen. Philippine Weiser. Triauon. Das eiste Gebot.— Der Dieb. Carl Weist. Zwei Frauen. Hieraus: Zapsenstreich. Deutsch. Amerikanisches. Uebcr'n großen Teich. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Casino. Der Raub der Sabine» rinnen. Specialitäten. Wiuter-Garten. Ivette Guiwert. Costantine Bernardi. Speciaii- täten. Apollo. Frühlingslust. Blüten« Hochzeit. Specialitäten. Metropol. Ein tolles Jahr. Reichshollen. Stettiner Sänger. Passagc-Theater. Caicedo. Specia- litäten. Ansang 5 Uhr. Urania. Taubenftraste 48/tS. Um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Nachm. 4 Uhr: Dr. P. Schwahn: Werden und Vergehen im Welten- räum.(Kl. Preise.) Jnvalidenstraste 57/62. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Um 8 Uhr: Dr. B. Donath: „Radium". Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Zum erstenmal: Königsrecht. _ Ansang 7-/, Uhr._ Central-Theatcr. Heute nachmittag 4 Uhr, halbe Preise, Kindervorstellung: Der gestiefelte Kater. Märchenspiel in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. Abends Uhr: Nur noch einige Aufführungen. Täglich: Das Schwalbennest. Operette in s Akten vonM. Ordouncau. Sonntagnachm. 3 Uhr: vis riedormsus, I-uisen-TIiellter. Abends 8 Uhr: Philippine Welser. Sonntagnachmittag: Romeo und Julia.— Abends: Egmont. Montag: Philippine Welser. Dienstag: Benefiz Cva Bottsteln, zum erstenmal: DaS Schloff am Meere. Mittwoch: Egmont. Donnerstag: Kcan. Rejidkilj-Thrater Direktton S. Lautenburg. ZwendS VI, Uhr: VieCmpfeklung. Abends 3 Uhr: Der keiisiht Äßpiir. netropolldester Zum 8. Male: Ein tolles Jahr. Gr. dramatisch-satirische Bevue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. In Leone gesetzt vom Direktor Eichard Schultz. 1. Bild: Am Kindersee. 2. Bild: Was giebt's denn Neues. 3. Bild: Das Ordensfest. 4. Bild: Der neue Zapfenstreich (Parodie). & Bild: Briefe, die ihn erreichten (Ballett). Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Beleb s hallen Stettiner Sänger Die Berliner bei den Hereros. BurlcSIe von Meyscl. Scliillei'-Theater. Schiller-Theater O. (Wallncr-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: König: I.ear. Trauerspiel in 5 Auszügen von William Shakespeare. S o N n t a g n a ch m i t t a g 3 U h r: Wallenstein« Tod. Sonntagabend 8 Uhr: Die Riinbcr. Schiller-Theater N. (Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Die Wildente. Schauspiel in 5 Ausz. v. Henrik Ibsen. Sonntag nachmittag 3Uhr: Danline. Sonntagabend 8 Uhr: Die Wildente. IIiaHs-Ideale!'. DrcSdenerstr. 72/73. Amt IV 4440. Ans. 71/a Uhr. Direktion Jean Kren Zum erstenmal: Ztezetnsnna Jlheinfahrt. Schwank in 3 Akten v. Wilh. Jacoby. Sonutagnachmittag 3'/. Uhr: _ Charleya Tante. Belle-Ällianee-TIieater. Belle-Alliancestr. 7/8. Amt VI 283. und Alfred Schönfeld. Ans. VU Uhr. Täglich: Götterweiber. Ausftalt.-Posse mit Gesang und Tanz. Sonntagnachm. 3 Uhr bei kl. Preisen: Die W'ai«e ans Dowood. Cirkus Schumann. Heute Sonnabend, den 19. März 1964, abends 7'/- Uhr: Bestimmtes Auftreten der Miss Wilmington in the flying Ton! Kein Hoo'pinl! UNli(lOCll lllS glMtK ZMUtM der Gegenwart. Herr•luliiis Seeths 35 Löwen Ä5. Freres Skremka, bic%cSmelcnbcn Babel. Größte AusstattniigS-Paiitomime der Gegenwart. Morgen nachmittag: N e u! Tie komische Pantomime Kohert und Bertram. In beiden Vorstellungen Miss Wilmington in fhe flying Ton, 25 Löwen und Freres Skrcmka. Ein Kind frei. U�ama. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Frühlingstage an der Riviera. Um 4 Uhr(kleine Preise): Dr. P. Schwahn:„Werden und Vergehen im Weltenraume." Sternwarte SIS: 8 Uhr: Dr. B, Donath:„Radium". CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 163. Afrika in Berlin!!! Tunesen-Truppe. <«rosHe VölhcrNchau. Die schönen Harems- Damen in Tonis. HEUTE: 205. auffOhrung. Anfang 8 Uhr. Ende fOUhr 30. Deutsch- Amerikanisches THEATER Köpnickerstrasse 67. jeden Abend; Gastsp. Ad. Philipp Üebem CiKOSMBlV TEICH. Kleines Theater. Unter den Linden 44. 8« Pastors Hioke. Ansang 8 Uhr. Fassage-Theater. Anfang Sonnt. 3, WochenlagsSUhr. Anfang d. Abendvorsteilung 8 Uhr. Sensationelles Engagement: Caicedo der berühmte Orahtsoilkünig. Das Publikum schreit vor Lachen bei dem Redestreit der beiden feindlichen Improvisatoren Holländer u.Stejnitz. 14 neue erstklassige Nummern. Kcbrlldcr Herrnfeld- Ith"8 Theater.%on� Heute und folgende Tage: DaS Herrnfeldsche iscnjatwnSstück Nur eine Kaeht! Zwei Akte aus einer Ehe. Vorher: Vollständig nooel Künstlöitoll! Schröder u. Denter, Tanz-Karikaturen. Erna Ernani, Vortragssoubrette. Martin Vallbe, Humorist. Hilda Stadthagen, Liedersängerin. Ucndix als Kon na Vauna. Edl Stadler, Alpen-Jodker-Phänomen. Billet-Vorverkaus 11—3 Uhr. Palast-Theater Burgstraste SÜ. früher Feen-Palasl. Der Muckebold. Schwank von G u st a v v. Moser. Muck. Rentter: Dir. Rieh. Winkler. Im phänomenalen Specialitälenfeil: Adlla und Fatima, das groffte Wunder der Welt. Martha Sarnotti, Vortrags-Loubrette. Mr. Francesko, der Unzerbrechliche. Mr. Bama, komisch-musilal. Dressurakt. Zankteufelchen. Operette v. Linderer. Musik v. Keller, Sonntagnachm. 3 Uhr: Uie Anna- Liese.— Slbends 8 Uhr: Das gross- artige Märr-Programm. Esr! Veiss-IIieslei'. Groste Frankfurter Straste 192. Nachmittag 4 Uhr, Kindervorstellung 10. 23, 40 Pf.: Frau Holle oder: Goldmarie und Pechmarie. Kindermärchen m. Ges. v. A.Tyrlowsli. ülbends 8 Uhr: Zwei Frauen und Zapfenstreich. Morgen: Zwei Frauen und Zapfenstreich. Nachmittags 3 Uhr: Eine Paria. f. Direktion; Robert Dill. Brnnncnstrasse 10. Grosse Extra-EIitc-Vorstellung. Aschenbrödel. Schauspiel in 4 Akten v. R. Benedir. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Ps. Ball. Yvette Gnilhert Paulton u. DoleyKomischeKadfahrer Karnevals-GeisterXanz-Diverlissem. Imro Fox Zauberkünstler. Leo Billward Komischer Jongleur. Madeleine Noc6 Sängerin Prosper-Truppe Akrobaten. Gostantino Bernardi Verwandlungsschauspieler. Lony Elastisch-equilibr. Akt. The Seidoms Plast. Darstellungen. Biograph._ Herren-Moden :. Ausführung, geringe 2 zahlung. J.WerpJeiieKöiiigstp.411 Hb direkt am Aler.andeivlab. G&C Apollo-Theater. s uhr: Frnklingswft bÄ Blütenhochzeit. ll'/a— 11 Uhr: Das grandiose Sonntag, den SO. Kürz, nachm. 3 Uhr: Ermässigfe Preise. I-ysistvata u. Specinlitätcn. Kasseneröffnung nachmittags 2 Uhr. Anfang nachmittags 3 Uhr. Trianon-Theater. Georgenstraffe. zwischen Friedrich» und Universitätsstraffe. Das elfte Gebot. Hieraus: Der Dieb. Anfang 3 Uhr. Sonntagnachmittag:„Biscotte." Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. V/,. Der Raub der Sabinerinnen, Strise: Max Waiden a. G. Kaiserl. russ. Hosschausp., sr. Mitglied des Schiller-TheaterS. Vorher: vas brill. Miirz-Programm. Die beste Drest.-Nummer; Der Weltfriede.— Sonntagnachm. 4 Uhr:„Die Cirkusfee." Steidl-z�kTheater Linien- Nafcr Uranien- Strasse 132 burger Thor. Täglich 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Letzter Monat vor ihrer Gastspielreise nach Ruff- land— die vorzüglichen Erili Eteidl-Eanger. Cirkus Busch. Groste internationale Ringkampf-Konkurrenz. DM- Die 34 besten Ringer der Welt. Es treten in Konkurrenz: 1. Jean van Dyck, Brüssel, gegen Panl BelUng, Berlin. 2. Franz Sanercr, München, gegen Ewertsen, Schweden. 3. Bech Olsen, Kopenhagen, gegen Herrn. F.igemaun, Wests altN Der Ringkamps beginnt S Uhr. Frl. Martha Mohnke, Schulreiterin, Herr Burkhardt-Foottit, Schuireiter. Der Bär als Kunstreiter, vorgeführt von Herrn Batty. Ans den Alpen. Bemerkenswert: Der Automobllstnrz. Morgen Sonntag: 3 Vorstellungen, nachm. 4 Uhr und abends 7'/, Uhr. Nachm. 4 Uhr: Berliner Winterfrenden. Der Bär als Kunstreiter. Abends TU Uhr: Aus den Alpen. Groste internationale Ringkampf-Konkurreuz. (Die 24 besten Ringer der Welt.) Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag HofiTnann« Norddeutsche Sänger Nach der Soiree: Tanz. Dienstag, den 22. März: Theater- Akend. 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Morgen Sonntag, den 20. März er., nachmittags 3 Uhr: !D Bitte aus Hausnummer zu achten. Achtung! Achtung! Montag, den 581. März 1904, abends 8'/z Uhr, in der Ressource, Kommandantenstr. 57: Grosse Versammlung sämtlicher Mitglieder der Orts-Krankenkasse der Alechauiker und verwandter Gewerbe. TagcS-Ordnung: 1 DaZ Resultat der Delegiertcnwahl und die Vorloinmnisse, welche sich anläßlich der Ausstellung der Delegierte» abgespielt haben. 2. Diskussion. Zu dieser Versammlung sind die Herren Soven und K. Wiesenthal schriftlich eingeladen, um diesen Gelegenheit zu geben, das, was sie bisher hinter UerschlvsseUeU Thüren gegen die bestehende Ver- waltung(Borstand und Generalversammlung) einzuwenden hatten, in voller Oeffentliehheit zu wiederholen. Um ähnliche Vorkommnisse sür die Zukunft zu verhüten, ist cS Pflicht sämtlicher Mitglieder, zu erscheinen. 28016 >er Eknbernfcr: Erhard Schlenker. Gentralverband deutsclier Brauerei-Arlieiter Zwelgrverein Berlin Sektion I«Brauer). Tonntag,*40. März, nachmittags S'/,Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer IS. Saat I- Vereins-VersammlunK. Tages-Ordnung: I. Kassenbericht. 2. Anträge zum Verbandstag. 3. Abrechnung vom kehlen Maskenball. 4. Innere VercinSangclegcnhcitcn und Verschiedenes. Zahlreichen und pünktlichen Besuch wünscht 41/3»er Torstand. _ I. A.: L. H o d a p p, Weißensee, Wörthstr. S1. Verband der Jfiöbelpolierer. Montag, 21. März, abends 8'/° Uhr, Koppenstrahe 589: Versammlung."WW TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen W. Titschke über: Rußlands Freiheitskämpfer in Sibirien. 2. Diskussion. 3. Wahl zum Delcgiertentag. 4. Ber- schiedenes und Aufnahme neuer Mitglieder. 145/18 Die Kollegen, welche einem Gesangverein angehören und am 1. Mai bei der Gesangaufsührung mitwirken wollen, werden ersucht, in obiger Versammlung zu erscheinen. Ber Torstand. Wm* Ulbumarbeiter! Montag, den 81. März 1901, abends 81/, Uhr, in den»Gcntral- Sälen", Oranieustrafie 180: MW- Versammlung*�ZK der in den Albumftbriken beschiist. Arbeiter n. Arbeiterinnen TageS-Ordnung: 1. Tie Antwort der Albumfabrikauten aus das versandte Cirkular. 2. Branchenangelegenheitcn und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch aller Kollegen und Kolleginnen erwartet 23/14_ Bie tiohnkommlssion. Achtung, Fliesenleger-Hilfsarbeiter Verband der Kau-, Erd- n. gewerbl. Hilfsarbeiter Deutfchl. Sonntag, den SO. März, vormittags 10 Uhr: VersAmmIimg der Fliesenleger-Hilfsarbeiter in den„Industrie- Festsälen", Beuth-Straste 19/40. Tages-Ordnung: 33/3 1. Was lehrt uns misre Lohnbewegung? 2. Diskussion. 3. VcrbandS- Nngclegenheiten. ?!n dieser Versammlung kommen die Lohntarife zur Verteilung. 'Alle Fliesenleger-Hilfsarbeiter, insbesondre die von Ende, Villeroy u. Vach und Rosenseld sind hierzu besonders eingeladen._ Die Ortsverwaltung. Verein deutscher Schuhmacher. Sonntag, den 20. März, abends priicise 6 Uhr: Kombinierte Uersammlung in den Jndustrie-Festsälen, Beuthstr. 19/20, großer Saal. Vortrag des Genossen Waldech-Manasse über:„Oer Krieg und die Arbeiter!' Nach dem Vortrag: Ciointltllchos Beisammensein. 169/11 Die Lttsverwaltnug. NB. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. deutscher Holzarbeiter-Verband. ZablsteUe Cbarlottcnburg. Sonntag, den 40. März, vormittags 10 Uhr, im Tolbsbanac, Rosinenstr. 3: flusscrord. Gcncralvmammlung. Tages-Ordnung: 1. Weitere Beschlußsaffung zur Durchführung de? Nettotariss. 2. Verbandsangelegenheiteii und Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen ist notwendig. 80/19_ Mitgliedsbuch legitimiert. Ble OrtsverwaltnBK. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Tcrwaltanigsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Sonntag, de» 40. d. M., vorm. 0'/, Uhr. im GewerkschaftShaufe, Engel-Ufer IS(Saal Hl): Versammlung der Elektromonteure Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl des BranchenvertreterS und deS Agitationskomitees. DM- Das Erscheinen sämtlicher Kollegen zu dieser Versammlung ist Pflicht Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Sonntag, den 40. d. M.. vorm. 9'/, Uhr, im Lokale von Tempel, Alt-Boxhagen SS: Sezirksversammlung für Kummeisburg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Schesfler. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes. mW Kollegen! Es ist notwendig, daß die Versammlungen besser besucht werden, als es bisher der Fall war. Sonntag, 40. d. M., vorm. 10 Uhr, bei Wehel, Wraugelstr. 130: Morgensprache der Schraubendreher. Ceniral-Veriiand der Maschinisten und Heizer sowie Bernfsgen, Deutschlands. Sonntag, 40. V.M., nachmittags 5 lthr, bei Voigt, Ritterftr. 73: IPfr Versa in in 11111$»-."MW Tages-Ordnung: BereinSangelegenheiten. Fragekasten. 138/8 Ble Ortsvcrwaltiuig. Ailg. Kranken- u.Sterbeknsse der Metallarbeiter (E. H. 29 Hamburg) /Filiale Berlin 1/ X. r- Achtung S Achtung! für Steglitz, Gr.-Üiditerfeide u. Umgegend Sonntag, teil 20. März, nachmittags 2 Uhr, im Virkeuwäldche», Stcglih-Lichterfclte. Tages-Ordnung: 1. Bautischlerstreik von Steglitz und Umgegend. Referent: Franz Stusche. 2. Geschäftsbericht der Geweriffchastskommission, der Bauarbeiterschutz- und Mißstandsloininission. 3. Neuwahl des ObinannS derselben. 4. Bericht vom Gewerbegericht Steglitz. 5. Verschiedenes. 292/12 Tie Gewerkschaftskommission Steglih. Arbeiter-Sekretär gesucht! Für das am 1. Juli 1904 zu errichtende Arbeiter-! ekretariat sür Selbiger muß vollständig seinem Amt vorstehen können. Ansangsgehalt nicht unler 1899 Mark. Bewerber, die mit den Verhältnissen in Hasenstädten vertraut sind, werden bevorzugt. Zieslellanten wollen sich unter Angabe ihrer bis- herigen Thäligkeit sowie unter Einsendung eines selbstgeschriebenen Aus- satzeS. die'Ausgabe eines Arbeiter-Sekretärs behandelnd, bis spätestens den 1. Mai dieses Jahres an Unterzeichneten melden. Gesl. Offerten sind mit der ätusichrist„Arbeiter-Sekretär betr." zu versehen. Das Gewerkscbaftskartell für Bremerbaven und Umgegend. I. A.: Gustav Schröder, Bremerhaven. Am Hasen Nr 83. l Wichtig für Jferren- u. Tnsspartien! � Karfrcitng, 1. 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März er., vorm. 19 Uhr. bei Fischer, Waldstraße 8. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom Januar und Februar. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 3. Ver- schiedenes. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Die Wahl sindet von 19— 2 Uhr statt. 113/6 Tie Ortsverwaltuug. Orts-Metee der Seluieitlep, SehneiderinoeD und verwandten Gewerbe zu Berlin. Dienstag, den 32. März er., abends H Uhr: MiWtdtr-Ktrsmitlultmg im Klubhaus, Kommandantenstr. 72. Tages-Ordnung: 1. Der gegenwärtige Stand der Aerzte-Bewegung und wie stellen sich die Mitglieder in Zukunft zur freien Arztwahl? 2. Freie Diskussion. Zu dieser Versammlung haben alle Mitglieder Zutritt. Die .Herren Arbeitgeber find hierzu besonders eingeladen. Bei der Wichtigkeit dieser Angelegenheit ladet zum zahlreichen Be- such ein 272/3 Der Vorstand. � 2720b I Leihhaus vorkauft täglich zu enorm billigen, festen Preisen 8,50-BU M. — feine Qualität— 7,50-25 M. prima Hosen 2-9 prima Keilner-Anzüge 11 m. I Leihhaus FriedPiehstr.lSliI I. 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Erjatzleiswng. s.gewährte Unsallrcnten pp.... 166,— 7. Sonstige Einnahmen. 188,69 Summe der Einnahmen 59 819,26 Auögaben. M. 1. Für ärztt. Behandlung 4 729,63 2. Für Arznei und sonstige ioeilmiilel..... 6 167,51 3. Krankengelder: a) an Mitglieder.. 19783,75 b) an Angehörige der Mitglieder... 192,95 4. Unterstützungcn an Wöchnerinnen... 194,49 5. Sterbegelder.... 547,59 6. Kur- u. VerpflegungS« kosten an Kranken- anstalte»..... 5 218,05 7. Ersatzleistungen sür ge- währte Krankcn-Unter» stützung...... 995,24 8. Zurückgezahlte Beittäge und lnntrittsgelder. 196,29 9. Zuführung z. Reserve- sondS...... 16109,15 10. Durchlaufende Posten. 568,35 11. Verwaltungsausgaben: a) persönliche.... 2 339,49 b) sächliche..... 764.32 12. Sonstige Ausgaben 118,92 Summa der Ausgaben 47»35,47 Abschluft. M. Einnahmen...... 50 810,26 Ausgaben.....■ 47 935,47 Kajscnbestand für d. Ansang des Rechnungsjahres 1994 2 874,79 Bar im Rescrvcjonds find 29391,94 9er Verstand der gemeinsamen Orts- Krankenkasse tür Tempelhof und Hasenheide. Kunze, Versitzender. Vertreter: Albert Horn burffei1 Berlin, Spandauer Brücke 2. Nr. 67. 21. Iahrglmg. 3. Kiilige des.AmSüs" Snlim MM Somllibend, 19. Mörz 1964. Ukeater. Theater des Westens. Wenn wir mit verehrungsvoller Er- innerung zu den Opern eines Lortzing zurückgreifen, so möchten wir doch beileibe nicht, daß die Form dieser Werke und selbst die von Webers„Freischütz" für die weitere Entwicklung unsrer Kunst be- stimmend sei. Und doch gehen fortgesetzt Versuche zu einer Volks- tümlichcn Oper mit Vorliebe auf diese Form zurück, in der viel lhrische und weniger dramatische Musik den gesprochenen Dialog unterbricht. Ein solches Altertümeln lwie man bereits sagen kann) leitete auch den Komponisten des neuesten derartigen Versuches:„Der zer- brochene Krug", volkstümliche komische Oper in drei Akten, Text nach dem gleichnamigen Kleistschen Lustspiel von Heinrich Lee, Musik von Georg Jarno," der vorgestern(Donnerstag), nach der Hamburger Uraufführung und einer weiteren Magdeburger Aufführung, im Theater des Westens vorgeführt wurde. Es war dafür„Stimmung" gemacht worden, insbesondere durch Hinweis auf einen volkstümlichen Charakter des Werkes und vor allem auf seine populären Melodien. Der Eindruck nun. den wir von der Oper hatten, liest gerade diese Seite als ihre geringste erkennen. Eine solche gedrängte Jahrhundertsübersicht über das, was seit den Romantikern an musikalischem Shrup gekocht worden ist. und eine solche unechte Volkstümlichkeit, wie hier, schadet dem Ideal einer neuen Volkskunst mehr, als sich mit Worten oder mir der Trompete sagen lästt. Dagegen hat Georg Jarno durch andre Seiten seines Werkes ein tüchtiges Können gezeigt, das noch einmal zu einer wirklichen Popularität führen kann, wenn er nicht mehr direkt danach strebt. Die gesungenen Teile des Dialogs besitzen, zumal durch die geschickte Instrumentalbegleitung, eine frische Charakteristik; und wenn wir uns auch nicht zu der Musikform des Melodramas bekehrt haben, so ver- dient doch ihre Verwendung bei Jarno— die Begleitung des Ge- sprochenen nicht durch direkt illustrierende, sondern durch eine an Zu- gehöriges erinnernde Musik— Beachtung. Der Text ist brauchbar, aber durch seine Zerdehnung des bei Kleist so scharf dramatisch Ent- wickelten eine Verderbnis des Gefühls für Bühnenkunst.— Die Aufführung war im Ganzen, namentlich mimisch, so gut. dast wir sie besser ohne, als mit einer Hervorhebung einzelner Namen anerkennen. Am Erfolge fehlt's nicht. Erfolglosigkeit wird mehr und mehr siehe Hans Pfitzner Kennzeichen des Besten. � st. Bernhard Vaer parterre und I. 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