Nr. 7S. flbonnemcntS'Redingungen: Bbonnements> Preis pränumerando i BicrteljShrl. 3,30 Mt,, monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Stummer K Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags« Beilage»Die Reue Welt- lv Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mari pro Monat, Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Au-iand S Marl pro Monat. vlch«I»t lig»» auficr montaa». Devlinev VolkSblAkk. 31. Jahrg. vle Inlettlons-Ledahk vekägt für die fcchSgespaUene Kolonel» geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschasMche Vereins« und Bersammlungs-Anzeigen 2S Pfg. „Alelne Knreigen", das erste ssctt- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für dle nächste Nummer müssen biS 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis ö Uhr vormittags geöffnet Telegramm- Adresse: „SwUliUiMlirat BtrllD". Reichstags-Jrrungen. Welche außerordentliche Vorsicht bei der parlamentarischen Behandlung von Gesetzesvorlagen erforderlich ist, um Irrtümer des Gesetzgebers zu vermeiden, beweist die Gestaltung des 8 1715 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Dieser§ 1715, der die Verpflichtung des außerehelichen Erzeugers gegenüber der Mutter des Kindes festlegt, ist vom Reichstag in der dritten Beratung ohne Auttag aus Versehen in einer völlig andren, der Mutter ungünstigeren Fassung angenommen und in das Gesetzblatt übergegangen, a l s in der zweiten Lesung beschlossen war. Die Sachlage, auf die wir aus Anlaß eines bestimmten Prozesses aufmerksam gemacht sind, ist folgende, für die Gesetz- gebungstechnik außerordentlich interessante. Der Ab- satz 1 des jetzigen Z 1715 des Bürgerlichen Gesetzbuches(in der Vorlage§ 1691) lautete in der Regierungsvorlage: .Der Vater ist verpflichtet, der Mutter die Kosten der Eni- bindung und die Kosten des Unterhalts für die ersten sechs Wochen nach der Entbindung innerhalb der Grenzen der fNot- dürft zu ersetzen, den gewöhnlichen Betrag dieser Kosten kann die Mutter ohne Rücksicht auf den wirflichen Aufwand verlangen." In der Kommission war von socialdemottattscher Seite zunächst beanttagt: die durch den Druck oben hervorgehobenen Worte„innerhalb der Grenzen der Notdurft" zu streichen. Diesem Antrage wurde bereits in der Kommission zugestimmt: die so gestrichenen Worte fehlen auch in dem im Gesetzblatt veröffentlichten Text des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Leider urteilen freilich viele Richter noch heute so, als ob diese Worte im Gesetz enthalten wären; daher wird der Bettag der Sechswochenkosten häufig entgegen dem Gesetz außerordentlich niedrig normiert. Ein fernerer Anttag der socialdemottatischen Mitglieder der Fraktion ging dahin, nach„sechs Wochen nach der Entbindung" hinzuzufügen:„sowie die durch die Schwangerschaft oder das Wochenbett herbeigeführten sonstigen Nachteile". Der Anttag wurde damit begründet, daß eine Besserstellung der Mutter auch im Interesse einer Verminderung der Kindersterblichkeit liege. Die Mehrheit der Kommission stellte sich aber auf den Standpunkt, daß die Annahme des Antrages, ins- besondere der Begriff„sonsttge Nachteile" zu weit gehe. Der Antrag wurde in der Kommission abgelehnt. Im Plenum wurde er von der socialdemottatischen Fraktton wiederholt und in der zweiten Lesung ani 26. Juni 1896(Sten. Ber. S. 2990) nach Begründung durch den Abg. Bebel. Bekämpfung durch den Regierungskontmissar und Befürwortung durch den Abg. v. Strombeck a n- genommen. In der dritten Lesung ging man nicht mehr auf die Frage ein. Nun zeigt sich aber eine ganz sonderbare Differenz zwischen dem angenommenen An- trag und der Fassung, wie sie sich in dem auf Grund der Beschlüsse des Reichstages redigietten Texte des Bürgerlichen Gesetzbuchs vorfindet. In der Zusammenstellung der Be- schlüsse zweiter Lesung(S. 2271) lautet der§ 1715(damals § 1691) Absatz 1 nicht so, wie er nach dem angenommenen Antrage lauten müßte, nämlich: »Der Vater ist verpflichtet, der Mutter die Kosten der Ent- bindung und die Kosten des Unterhalts für die ersten sechs Wochen nach der Entbindung sowie die durch die Schwangerschaft oder daS Wochenbett herbeigeführten sonstigen Nachteile", sondern: „Der Vater ist verpflichtet, der Mutter die Kosten der Ent- bindung und die Kosten des Unterhalts für die ersten sechs Wochen nach der Entbindung und, falls infolge der Schwanger- schaft oder der Entbindung weitere Aufwendungen not- wendig werden, auch die dadurch entstehenden Koste» zu ersetzen." Im Reichstag hat man diese inhaltlich und formell von dem angenommenen Antrag abweichende Fassung in dritter Lesung übersehen. Dieselbe Fassung ist dann auch in den Gesetzestext übergegangen. Zu erwähnen ist, dafl eine Er- mächtigung, den in zweiter Lesung angenommenen Text etwa redakttonell umzuformen, nicht erteilt ist. Der Abg. Dr. Spahn hatte am 25. Juni die Ennächtignng erbeten und erhalten, zwei andre Paragraphen(§§ 257 und 542) für die Zu- sammenstellung der Beschlüsse anders zu gestalten. Die Differenz zwischen dem vom Reichstag in zweiter Lesung angenommenen Gesetz und dem publizierten Text des § 1715 Abs. 1 ist für außerehelich Gebärende von großer Erheblichkeit. Nach dem in zweiter Lesung angenommenen Text mußten Aufwendungen fiir Krankheiten ersetzt werden, die als Folgen der Schwangerschaft oder Entbindung cinttctcn, ebenso die Beerdigungskosten für den infolge der Mutterschaft eingetretenen Todesfall, desgleichen mußte ein Ersatz für das Aufgeben einer bisherigen Stelle(als Dienstmädchen. Verkäuferin, Gesellschafterin usw.) geleistet werden. Denn alles dies waren„sonsttge Nachteile" der Schwangerschaft oder Entbindung. Die neuere Fassung stellt insbesondere in Zweifel, ob alle durch Aufgabe einer Stelle erwachsenen Nachteile zu ersetzen sind. Diese Frage wird in der Praxis überwiegend verneint, ja selbst die Frage wird von Kommentatoren bestritten, ob die thatsächlichen Aufwendungen, welche für Aushilfe oder Stellverttetung in dem Arbeitsverhältnis gemacht sind, in dem die Mutter sjch befand, zu ersetzen sind. Die Acndcntng des Gesetzestextes ist also eine recht erhebliche, dem Kinde und seiner Mutter nachteilige. Wer ist schuld an dieser ohne Genehmigung des Reichstages erfolgten Textänderung des Beschlusses zweiter Lesung? Welcher Text gilt? Der in zweiter Lesung ausdrücklich beschlossene oder der durch irgend ein Versehen in die angebliche Zilsammcnstellung der Beschlüsse zweiter Lesung und dann in das Gesetzblatt ge- langte Text? Es ist nicht das erste Mal, daß der Reichstag sich mit der Frage zu beschäftigen hat, ob der in einer Zusammen- stellung sich vorfindende oder der wirklich gemeinte und angenommene Text als angenommen zu gelten hat. Wir erinnern hier an die letzte Krankenkassen-- Novelle. Dort ist widerspruchslos angenommen: Der Text, dessen Annahme der Reichstag wollte, sei der ent- scheidende. Das Reichstagsbureau hatte demgemäß in der irrtümlichen Zusammenstellung eine Korrektur vorgenommen, die auch im Neichs-Gesctzblatt publiziert ist. Ist eine Korrektur vorliegend oder noch möglich oder ist hierzu ein ausdrückliches Gesetz erforderlich? Mag man diese staatsrechtliche Frage in welcher Weise immer beantworten: das dürfte unzweifelhaft feststehen, daß bei der Interpretation des K 1715 des Bürgerlichen Gesetzbuches auf die vom Reichstag in zweiter Lesung angenommene, dem un- ehelichen Kinde und seiner Mutter günstigere Fassung zurück- zugehen ist. Die wiederholt vorgekommenen Texttrrungen legen die Frage nahe, welche Schritte der Reichstag zu thun hat, um der Wiederkehr einer wesentlich durch die Hast der Beratungen ermöglichten Differenz zwischen seinem Willen und dem Gesetzes- tcxt vorzubeugen._ politische GcbciTicbt. Berlin, den 24. März. Neue Flottenvorlagc! Noch immer erscheinen die sich mehrenden Nachrichten über neue Marinefordernngcn„für ein Regierungsdementi zu dumm". Die Regierung schweigt zu den Behauptungen, die aus sehr verschiedenen Quellen kommen und über Umfang und Zeitpunkt einer neuen Vor- läge von einander abweichen, die aber sämtlich darin übereinstimmen, datz der Umsturz des Flottendau-Programms von 1900 ernstlich ge- plant wird. So geschieht es, datz die Nachricht, so toll sie klingt, täglich weitere Glaubwürdigkeit erfährt. Das„Berliner Tageblatt" gicbt Kenntnis von den von uns gestern behandelten Aeutzerungen der„Allgemeinen Marine- und Handelskorrespondenz" und bemerkt dazu: „Es will unS unwahrscheinlich dünken, datz die Re- gicrung mit dieser Vorlage, die aber wohl etwaS bescheidener ausfallen dürfte, bis zur nächsten Se ssion warten wird; dagegen ist es sehr w o h l m ö g l i ch, datz sie dem aus de» Ferien zurückkehrenden Reichstage als kleines Osterei aus den Tisch gelegt wird." Und die„Norddeutsche Neichs-Korrespondenz" bringt diese Mit- teilung I „Durch die Presse gehen allerlei Nachrichten über eine neue Marincvorlage, die eine wesentliche Verstärkung der Schlacht- flotte fordern werde. Von dem besonderen Ausbau der Aus- landS-Kreuzer flotte sei man durch maritime Erfahrungen der letzten Zeit abgekommen. Die Rüstungen der andren See- mächte, die wachsende Handelsmacht des Reiches machten neue Forderungen auf diesem Gebiete aber zur dringenden Notwendigkeit. So sei man entschlossen, ein drittes Doppelgeschwader mit den dazu gehörigen.Kreuzern zu fordern und den beschleunigten Bau desselben»eben den in den Flottengcsetzen vorgesehenen Schiffsbauten zu verlangen.— Wir können diese Nachricht vollinhaltlich bestätigen, wenngleich bedauert werden muh, datz solche Details vorzeitig in die Oeffentlichkeit drangen. Datz eine neue grotze Flotten- vorläge kommen würde, war schon seit geraumer Zeit ein öffentliches Geheimnis; nur machte es die Agitation der Kolonialkreise zu Gunsten einer Verstärkung nnsrer Kreuzer- flotte zunächst wahrscheinlich, datz diese Vorlage den Wünschen nach dieser Richtung mehr entgegenkommen würde wie bisher. Die Entwicklung der Dinge in Ostasien hat aber unsre maritimen Kreise eines andren belehrt und den Entschluß gezeitigt, den Ausbau eines vollen dritte» Geschwaders umgehend in die Wege zn leiten. Die diesbezügliche Ergänzungsuovelle befindet sich noch im R e i ch s m a r i n e a m t, dürfte aber sehr bald aus den Instanzenweg kommen. Immerhin ist es natürlich müssig, schon heilte Erörterungen darüber an- zustellen, an welchem Zeitpunkt die neue Vorlage dem Reichstag vorgelegt werden solle. Fest steht nur das eine: daß eine Ver- quickung der Flottenvorlage mit der ebenfalls bevorstehenden, wenig umfangreichen HcereSvorlage unter keinen Umständen statt- finden wird." Wenn die Regierung zu allen diesen Mitteilungen schweigt, so weitz das deutsche Volk, woran es istl Oder wird dcrOffiziosus der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" die Wahrheit wieder zn ver- schleiern suchen, indem er erklärt, der Reichskanzler wisse von nichts? Im ReichS-Marine-Amt sind die Wissenden zu finden wie die Auftraggeber dcrWahlcouvertS schließlich im preußischen Ministerium des Innern gefunden worden sind. Es ist doch gut, datz die Wahlcouverts— in aller Harmlosigkeit natürlich!— fertig gestellt werden. Wenn die obigen Osterei- hRitteilungen sich bestätigen, so können sie sehr schnell in Gebrauch kommen.—_ Der Jeumiuister Herr Ruhstrat, der höchste Jeurist des Landes Oldenburg, hat aber- malS seine Ehre gerettet. Der neue Redakteur des dortigen .Residenzboten" stand wegen eines den Minister beleidigenden Gedichts vor Gericht. Die Verhandlung förderte ein höchst be« merkenswettes Material über die Sitten des Justizministers von Oldenburg zu Tage. In Aussagen, die ein Kellner bei dem Ver- teidiger des Angeklagten zu Protokoll gegeben hat, wird behauetet, daß der frühere Oberstaatsanwalt nicht in grauer Borzeit ein paar Mal gespielt hat, sondern datz er bis in die neueste Zeit dem verbotenen Hazardspiel in der unglaublichsten Weise gefröhnt und seiner Spiel- leidenschast alles geopfert hat. Ueber die Wirtschaft dieses erst- klassigen Menschen lese man den Gerichtsbericht nach. Man wird da auch die Namen von Offizieren finden, die direkt vom Spieltisch in den Dienst ritten und offenbar dann ganz prächtig disponiert waren, die Rekruten zu Zucht und Ehre zu erziehen. Staatsanlvaltschaft und Gericht hielten die Vorladung dieses und andrer Zeugen für— unerheblich und verurteilten den Redakteur wegen formaler Beleidigung zu drei Monaten Gefängnis. Woraus zu schlietzen, datz man im Staate Oldenburg zwar dem verbotenen Glücksspiel ungestört fröhnen darf, datz es aber strafbar ist, wenn man die Meinung ausspricht, datz es sich fiir einen Justiz« minister nicht schickt, mit dem Strafgesetzblich in Konflikt zu geraten. Was aber wird nun der jetzige Oldenburger Staatsanwalt gegen den Justizminister unternehmen?— veutlcden Reich. Der Abschied der Verbannten. Die Polizeimacht sollte die russischen„Schnorrer und Ver« schwörer" auf die Knien zwingen. Der Vossische Liberalismus riet den 14„Ausgewiesenen", deh- und tpehmütig Gnade zu erbetteln. Aber sie haben nicht gebettelt und die Polizeimacht wird zu Schanden vor dem moralischen Sieg der Verfolgten. Nicht die russische FretheitS» bewegung, nicht die Socialdemokratie ist gettoffen, da die Vierzehn der Polizeigctvalt weichen, nur die preutzisch-deutsche Russenschmach ist vor der Kulturöffentlichleit und vor dem Urteil der Nachwelt ge« richtet. In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag Vel Uhr sind, nachdem drei von ihnen der gastlichen Berolina schon Tags zuvor den Rücken gekehrt hatten, zehn der Verbannten vom Anhalter Bahnhofe in das Ausland abgereist. Die Abfahrt gestaltete sich zum ergreifenden Vorgang. 120 bis 150 Landslente geleiteten— unter der unvermeidlichen polizeilichen Eskorte— die zehn zum Zuge. In einem„Salonwagen" vierter Klasse, unter deutschen Proletariern, nahmen die Scheidenden Platz. Die Freunde und Leidensgefährten strömten herbei und in enister, ergreifender Begeisterung ertönte im hnndertstimmigen Chor das Kampflied und Gelübde der Märtyrer: „srnelo, drusja ne terjaite bodrost w nerawnoi borbe!"(„Vor» wärts I Freunde, nicht verzagt im ungleichen Kampf.") Nach der dritten Strophe setzte sich der Zug in Bewegung. Nicht enden will das„Hoch den Vertriebenen", das Tücher- und Hüteschwenken. an dem sich auch die deutschen Reisegefährten der „Zehn" beteiligen, bis der Zug aus der Halle verschwunden ist. Die russische Jugend, die um die Freiheit ringt, zieht Hinaus. Nur russische Reaktion hat in Preußen ihre Stätte.— Liberale Verlogenheit. Wir haben gestern den groben Schwindel der Liberalen lind Freisinnigen aufgedeckt, die ihre preußischen Wahl- rechtsverschlechterungSanträge damit zu entschuldigen suchen, datz man praktische Polittk treiben müsse und mehr nicht erreichen könnte. Wir haben unwiderleglich nachgewiesen, datz sie umgekehrt auf der einen Seite eine unerreichbare Reform(gleiche Wahlkreise) beanttagen, andrerseits ans eine erreichbare Verbesserung(geheime Wahl) verzichten. Wir haben endlich noch gezeigt, datz schließlich zur An» nähme der Teil des Antrags gelangen wird, der eine plutokratische Verschärfung des Dreiklasscnsystems bewirkt und dem Proletariat jede Möglichkeit nimmt, auch nur ein Mandat zu erringen. Wie' aber rechtfertigt sich nun die„National-Zeitung"? Sie unterschlägt ihren Lesern vollständig unsre Argumentatton, versucht den Anschein zu erwecken, als 00 wir dem Anttag das zum Lorlvlirf machen, datz er nicht unerreichbare Principien- forderungen aufftellt, und wiederholt nach solcher Fälschung ruhig den von uns gerade widerlegten Schwindel: „Es ist' kaum nötig, die Frage aufzustellen, wer hier in Wahr« heit mehr für die VolkSintercssen arbeitet, diejenigen Parteien, die unter vorläufiger Zurückhaltung ihrer principiellen Forderungen den Weg einschlagen, auf dem positive Reformen schon jetzt erreichbar scheinen, oder die Partei, die mit dem Kopf durch die Wand rennen will und, ohne sich auf irgend welche Teilzahlung einzulassen, auf einem Programm besteht, dessen Verfechtung gcgemvärtig keinen andren Erfolg haben kann, als das voll« ständige Scheitern jedes Versuchs einer Reform." Haben denn die Liberalen nicht einmal den Mut, sich zu dem reaktionären Attentat zn bekennen, das sie gegen das Proletariat schmieden? Müssen sie sich hinter ein verlogenes„staatsmännisches' Argument verschanzen, das gar nicht in Frage steht, und mutz der bedauernswerte Tintenbedientc dieser liberal-freisinnigen Attion für sein Gehalt auch die Pflicht übernehmen, einer klar festgestellten Wahrheit tückisch aus dem Wege zu gehen? Was aber denkt Herr Barth von diesem liberalen Handel?— Parlamentarische Abende. In Darmstadt und in Karls» ruhe hat sich wiederum das Furchtbare zugettagen, datz Social« dcmottaten mit Ministem und gar mit einem Grotzherzog auf parlamentarischen Abenden unterhalten haben. In Karlsruhe sind neben fast allen andren Mitgliedern der Zweiten Kainmer auch die sechs socialdemottatischen Abgeordneten zu der vom Staats« Ministerium ausgehenden Veranstaltung erschienen; in Darmstadt war Minister Rothe der Wirt, auch der Grotzherzog erschien und unterhielt sich, wie nun schon wiederholt, mit unsrem Parteigenossen Ulrich in längerem Gespräch. Die agrarische„Deutsche Tageszeitung" bekundet wiederum ihren Aergcr über den Vorgang durch gereizte Bemerkungen gegen die badischen Minister und gegen den Grotzherzog von Hessen. Das Blatt beweist dadurch mir die Enge seines politische» Denkens.— Die Geheimhaltung der WahlcouvcrtS. Em süddeutsches Arne». Blatt hat, wie wir mitteilten, die uns zuverlässigst zugegangene Meldung bestätigt, daß der von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" spät zugestandene Auftrag zur Herstellung von Wahl- couvertS unter den Vorsichtsmaßregeln strenger Geheimhaltung aus- gegeben worden ist. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" be- streitet, daß„besondere Diskretion" zur Pflicht gemacht worden sei. Offenbar ist also die Sache so diskret behandelt worden, daß auch die„Norddeutsche Allgemeine" nichts davon wissen soll. Denn wir müssen mit aller Bestimmtheit iinfre Meldung aufrecht erhalten, daß den Fabrikanten strrugstc Geheimhaltung anbefohlen worden ist.— Miiiistcrfeste. Eine Berliner Wochenschrift macht unter„Berliner Leben" auf die Festlichkeiten ausinerksam, die am vorigen Sonnabend bei sehr hohen Reichs- und Staatsbeamten statt- fanden, Minister v, Podbielski hielt Prunktafel und Gra B ü l o w hatte Einpfangsabend, zu dem zahlreiche hochgestellte Per- sönlichkeiten erschienen und auf den, es sehr festlich herging: Vörös Miskas Orchester bezauberte mit lustigen Walzerklängen die Feiernden, Man ainusierte sich ausgezeichnet. Es war das derselbe Tag, an dem aus Südwestafrika die Nachricht kam, daß sechsundzwanzig deutsche Soldaten, darunter sieben Offiziere, gefallen sind!— Soldateuschiuder. Vor dem Kriegsgericht der 4. Division in Bromberg hatte sich am Montag der Licutcuant Wilhelm b Ger m e r wegen Soldatcnmißhandlung zu verantworten. Vor Eintritt in die Verhandlung wurde auf Beschlutz des Gerichtshofes die Ocffcutlichkcit ausgeschlossen. Das in öffentlicher Sitzung ver- kündete Urteil gegen den Angeklagten lautete auf zwei Monate F e st u n g s h a f t. Aus den Urteilsgründen ging hervor, daß der Angeklagte die ihm unterstellten Leute beim Exerzieren überaus scharf mitnahm, ES soll dies namentlich bei den Hebungen auf daS Kommando„Niederwerfen!" und„Aufstehen!" geschehen sein, das ununterbrochen, o h n e R u h e p a u s e n l a n g e re Zeit hindurch erfolgte, so daß die Gesundheit der Leute darunter gelitten hat. Als Zeugen waren die betreffenden Soldaten und ein Militärarzt als Sachverständiger anwesend,— Aus Düsseldorf wird vom 23. März der„Volks-Ztg," berichtet: Der in der heutigen Sitzung des Kriegsgerichts aus der Unter- suchungshast vorgeführte Unteroffizier Wilhelm M e i s vom hiesigen Jnsanterie-Regiment Nr, 30 hatte am 20. Februar seine Mannschaft durch Gewehrllbungen über Gebühr angestrengt, und den Füsilier Braun, als diesem übel wurde, durch Schläge derartig miß- handelt, daß der Soldat in Krämpfe verfiel. Er wurde nur zu vier- zehn Tagen Mittelarrest verurteilt. Zwei Jahre Gefängnis wegen einer geringfügigen Zänkerei. Der Kanonier Kohrs von der zweiten Batterie deS Feldartillerie- Regiments Nr, 26 in Verden stand am 22, v, M,, abends von 10 bis 12 Uhr, Posten: er war der Meinung, daß sein Kamerad, der die n ä ch st e P o st e n n u m m e r h a t t e, nicht pünktlich abgelöst habe, und machte diesem, als die Ablösung erfolgt war, darüber Vorhaltungen und schlug ihm an sein Seitengewehr, dabei seinem Nachfolger eine gering- sügige Verletzung zufügend. Dieser Vorfall führte den Kohrs vor das Kriegsgericht unter der Anklage des t h ä t l i ch e u Angriffs auf einen Vorgesetzten, was der P o st e n in dem Augenblicke war: der Angeklagte wurde schuldig bc- funden und zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt.— Das Blut könnte einem in den Adern erstarren, bemerkt dazu das „Harb. Volksbl.", wenn man liest, wie hier eine unbedeutende Zänkerei zu einem der schwersten militärischen Vergehen gestaltet und mit einer im Verhältnis zur Sache fürchterlichen Strafe belegt worden ist. Durch solche Urteile untergräbt der Militarismus selbst sein Fundament,—_ AnS der Eskadron eines Prinzen. München, 22, März.(Eig. Ber.) Die S. Eskadron des 1. schweren Reiter-Regiments war am lg. September v. I. in Wilshofen einquartiert. Der Reiter Theodor Freymüller, der an diesen: Tage ein kriegsgerichtliches Urteil wegen unerlaubter Entfernung zugestellt erhalten hatte, besprach sich mit dem Reiter E n i g h a m m e r, wie sie am besten dem in der ESkadron allgemein unbeliebten Sergeanten Kraglauer einen Schabernack spielen könnten. Bei dem nachmittags stattfindenden Löhnungsappell erkundigte sich Frcymüller außerdem nach dem Zimmer des Eskadronschefs, des Prinzen Franz von Bayern, und ließ sich von der Ordonnanz die betreffenden Fenster zeigen, Abends gingen die zwei in Begleitung des Reiters K l i n g e r nach dem nahe- gelegenen Willenbach, und als sie gegen 11 Uhr von ihrem uner- laubten Ausfluge zurückkehrten, trennte sich Klinger von ihnen, Frey- müller und Enighammer aber schlichen sich zum Onartier deS Sergeanten Kraglauer, nahmen besten gepackten Sattel und warfen ihn in eine nahe Jauchgrube, Dann warf Freymüllcr zwei Fenster- scheiben des Zimmers des Prinzen ein, während Enighammer Wache stand. Mit ausgesuchter juristischer Spitzfindigkeit hatte der Vertreter der Anklage alle Belastungsmomente zusammen- Setragen, um die That der Angeklagten in möglichst hlechtem Lichte darstellen zu können. In der Verabredung erblickte er militärischen Aufruhr und Meuterei, in der Preis- gäbe des Sattels Diebstahl, im Einwerfen der Fenster eine Thätlichkeit gegen ein Mitglied des landesherrlichen Hauses und zugleich gegen einen Vorgesetzten, und beantragte daher gegen Freymüller acht Jahre Zuchthaus, gegen Enighammer viereinhalb Jahre Zuchthaus, gegen Klinger dreieinhalb Jahre Gefängnis. So schwer siel nun allerdings das Urteil nicht aus, eS fällt aber trotzdem durch seme enorme Strenge auf. Alle drei Angeklagten wurden wegen unerlaubter Entfernung zu acht- undzwanzig Tagen strengen Arrest verurteilt, Klinger im übrigen freigesprochen. Wegen Preisgabe von Dienstgegenständcn und Beleidigung eines Mitgliedes des landesherrlichen Hauses und eines Vorge?etzten erhielten Freymüller drei Jahre Gefängnis, Enig- Hammer ein Jahr neun Monate Gefängnis; beide werden in die zweite Klaffe des Soldatenslandes versetzt.— An Popularität wird der bayrische Prinz hierdurch nicht gewonnen haben: populär sind die bayrischen Prinzen bei der Armee überhaupt nicht. Wurden doch auch dem Onkel des Prinzen Franz. dem CorpSkommandcur Prinz Arnulf, vor mehreren Jahren während des Manövers die Fenster eingeworfen.— Wie Majestätsbeleidigiingeu entstehen. Aus München wird uns berichtet: Der 30 Jahre alte ledige Glasergehilfe Sebastian Bühl von Rettenbach, ein vielfach vorbestrafter Vagant, begehrte am 26. Januar im Asyl für Obdachlose in München ein Nacht- quartier. Wegen Ueberfüllung zurückgewiesen begab er sich auf die Polizeidircktiou und wiederholte hier sein Verlangen, Von dem jourhabenden Beamten aus dein Bureau gewiesen, antwortete er dem Beamten,„das Betteln und Streunen ist mir nun zu dumm und damit ich ein Nachtquartier bekomme, sage ich Ihnen: der Prinz- rcgent von Bayern ist.,. Folgt eine gemeine Beleidigung). Damit hatte der Mann seinen Zweck erfüllt, denn er wurde verhaftet. B, wurde jetzt vom Landgericht wegen Majestätsbeleidignng zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Ein amtlicher Bericht über den Hercro-Anfstand, der vom kaiserlichen Gouvernement in W i n d h u k ausgeht, dessen erster Teil vom 20. Januar und dessen zweiter Teil vom 8. Februar datiert ist, wird in einer Extra-Ausgabe des „Deutschen Kolonial-BlatteS" veröffentlicht. Der Bericht enthält sehr wenig Neues. Die mitgeteilten Verlustlisten sind bereits früher veröffentlicht worden. Sie bestätigen nur, daß die Mitteilungen der Missionare richtig und die Schauergeschichten über die Abschlachtung von Frauen und Kindern falsch waren. Unter den 49 von den Hereros Ermordeten befinden sich nur zwei Frauen und zwei Kinder, darunter ein vierzehnjähriger Knabe, der nach der Mutmaßung eines Zeugen bei lebendigem Leibe kastriert worden sein soll. Bestätigt wird, daß eine ganze Anzahk von Frauen und Kindern geschont wurden. Die Mitteilung von der grauenhaften Ermordung und Verstümmelung der Frau Pilet und ihrer Schwester, die geschont wurden, stammt nach dem Bericht von zwei Ein- geborenen, derenMärchenerzählungen schleunigst zurAnschwärzung weiterverbreitet und auch im Reichstag von den Rednern der bürger- lichen Parteien wacker ausgeschlachtet wurden. Trotzdem gefällt sich auch der amtliche Bericht in der Be- hauptung, die Ermordungen seien„zum Teil mit viehischer Grau- samkeit unter Verstümmelung der Leichnamen" begangen worden, Dabei wird aber— abgesehen von der Ermordung des erwähnten 14 jährigen Knaben— nur in einem einzigen Falle berichtet, daß einem Getöteten der Kopf abgeschnitten worden sei. Sehr eigen- tümlich nimmt sich auch die durch nichts b c lv i e s e n e Be- hauptung aus, anscheinend s!) sei der Befehl ergangen, alle Weißen ohne Ausnahmevar der Abgott der Schülerinnen. Zugleich aber nahm sie Teil an den politischen Entwicklungen des Landes, Als das Kaiserreich stürzte. wendete sie sich auch gegen die bürgerlich-reakttonäre Regierung und wurde Mitwirkende der Kommune von Paris. Sie gehörte mit zu den Begründern des Wachsamkeitskomitees des 17. Arrondissements und des Fraucnklnbs an: Montmartte. Als die Sttaßenkämpfe kamen, errichtete sie ein weibliches Ambulanzcorps, dessen Mitglieder die Verwundeten unter den Kartätschen selbst verpflegten. Sie ging in die Spitäler, die Verwundeten zu pflegen und, wie der Historiker der Kommune erzählt, das Auge der Sterbenden belebte sich bei dem Ton dieser sauften Stimme, die ihnen von fteier Republik und Hoffnung sprach. Die Kommune sank unter den Greueln der Ver- sailler Reaktion dahin und Luise Michel wurde mit so vielen andern vor das Kriegsgericht gestellt. Da trat sie am 16. Dezember 1871 heldenmütig vor die Offiziere, deren Urteilsspruch sicher war. Da trug sich diese Scene zu: „Ich will," erklärte Luise Michel,„mich nicht verteidigen, ich will nicht verteidigt werden. Ich gehöre von ganzer Seele der socialen Revolution an, und ich erkläre, die Verantwortlichkeit für alle meine Handlungen auf mich nehmen zu wollen. Ich acceptiere sie vollkommen. ohne Vorbehalt. Sie werfen mir vor, an der Hinrichtung der Generale teilgenommen zu haben? Darauf würde ich mit Ja ant- Worten, wenn ich mich auf dem Montmartte befunden hätte, als sie auf das Volk schießen lassen wollten; ich würde nicht gezaudert haben, selber auf Männer zu schießen, die solche Befehle gaben. Was den Brand von Paris betrifft, so habe ich allerdings daran teilgehabt. Ich wollte den Versailler Eindringlingen eine Feuer- schranke entgegenstellen: ich habe keine Mitschuldigen, ich habe aus eignem Antrieb gehandelt," Der referierende Kapitän Dailly ttug imf Todesstrafe an. Die Angeklagte erwiderte:„Was ich von Ihnen »erlange, die sich das Kriegsgericht nennen, die sich als meine Richter geberden und sich nicht verstecken wie die Gnadenkommission, das fft das Feld von Satovy, wo unsre Brüder bereits gefallen find. Man muß mich aus der Gesellschaft wegstreichen, Sie sind beauftragt, es zu thun! Wohlan, der Kommissär der Republik hat recht. Da ts scheint, daß jedes Herz, das für die Freiheit schlägt, nur Anrecht hat auf ein Stückchen Blei, so verlange auch ich meinen Teil. Wenn Die mich leben lassen, so werde ich nicht aufhören, nach Rache zu Jchrcin, und werde die Mörder von der Gnadenkommission der Rache 'meiner Brüder denunzieren," Der Präsident des Gerichts:„Ich kann Ihnen das Wort nicht lassen," Luise Michel:„Ich bin zu Ende.... Wenn Sie keine Feiglinge sind, so töten Sie mich." Sie hatten nicht den Mut. sie auf eimnal zu töten, Sie wurde zur Deportation nach einem befestigten Ort verurteilt und nach Reu- Kaledonien geschleppt. Erst durch die Amnestte von 1880 wurde sie begnadigt. Sie kehrte nach Paris zurück und hat seitdem mit ungeschwächter Energie für die Volksbefteiung gewirkt. Sie wurde noch wiederholt zu Gefängnisstrafei: verurteilt. Sie verlebte die späteren Jahre teils in Paris, teils in London und schrieb außer ihren Memoiren mehrere socialistische Romane. Das Proletariat aller Länder wahrt das Andenken dieser Tapferen!— �estrcich-Ungarn. Ter Todcsnmrsch von Bilck hat nunmehr die militärgerichtliche Sühne erhalten. Im Sommer vorigen Jahres waren in Bosnien bei einen: in f u r ch t b a r st e r Hitze abgehaltenen Uebungsmarsch des 12, Regiments bei Vilek(Bosnien) nicht weniger als 14«oldaten an Hitzschlag gestorben. Wie„Wolffs Bureau" aus Wien meldet. wurde au: Mittwoch Oberst v, Grünzweig zu fünf, Oberst v. Török zu zwei Monaten strengen Arrests(!) verurteilt wegen Außeracht- lassung der Dienstvorschriften, begangen durch Hintansetzung der den Vorgesetzten obliegenden Sorge für die Erhaltung und Schonung der untergebenen Mannschaft. Gegen Major I a s ch i wurde das Verfahren e in g e st e l l t. Er soll im D i s ci p li n ar w e g e bestraft werden. Die übrigen Angeklagten wurden frei« gesprochen.— Frankreich. Die Hetze gegen Pcllctan. Paris, 22, März.(Eig. Ver.) Das Kabinett CombeS wird von allen Seiten angegriffen. Neben den Frontattacken in der Kammer hat es eine nicht minder kräftige Seitenattacke in der Budget- komusission abzuschlagen. Und hier wie dort stehen an der Spitze der Angreifer bisherige Mitglieder des Blocs I Der Kommissionsai:griff gilt dem Marineminister Pelleta n, und er wird ausgeführt natürlich unter der Fahne des Patriotismus. Die ungeduldigen Miuistcrkandidaten mit Do um er, dem Vorsitzenden der Budgctkommission, an der Spitze haben den russisch-japanischen Krieg als vortrefflichen Anlaß gewählt, um die seit langem gegen Pelletan betriebene Preßhetze zu einer parlamentarischen Hetze zu steigern. Pelletan wird beschuldigt, die Flotte„desorganisiert", die Kolonien jeglichen Schutzes entblößt, die Schiffsbauten verzögert und vernachlässigt— kurz, das Vaterland auf dem Wasser ver- raten zu haben. Den Doumer, Lockroy(einem mehr- fachen ehemaligen Marineminister) und Konsorten stehen zur Seite unzufriedene reaktionäre Ldmirale, die Ver- treter der„Marine-Feudalität"(ein Ausdruck PelletanS). gegen deren Kliingelwirtschaft der demokratische Marineminister nach Maß- gäbe seines ach I wie schwachen Einflusses zu kämpfen sucht. Die Admirale unterstützen die Hätz gegen ihren Minister sogar durch Veröffentlichung vertraulicher Dokumente oder durch anonyme Zeitungsarttkel, von inttmen Mitteilungen an die parlamentarischen Feinde Pcllctans schon gar nicht zu sprechen. Weitere Bundesgenossen der letzteren sind die mit Pelletan aus gutem Grunde unzufriedenen Marinc-Liefcrauten, die namentlich bei den Deputtcrtcn der Hafenstädte Gehör finden.... Bei der allgemeinen Erschütterung der Stellung des Kabinetts ist es den portefeuillelüsternen Wasserpatrioten gelungen, die Budget- kommission gegen Pelletan mobil zu machen. Die Regierung mußte in ein„gründliches Studium" der Lage der Marine durch jene Kommission einwilligen. Die Kommission aber hat besagtes Studium usurpatorisch in eine hochnotpeinliche Untersuchung verwandelt. Nachdem der Marineminister alle Anklagen widerlegt hat, wollen die Ankläger den Briefwechsel zwischen dem Minister und seinen Untergebenen zu Hilfe rufen, d. h. offiziell die unzufriedenen Admirale gegen den Minister ausspielen! Pelletan kann das selbstredend nicht zugeben. Seine Weigerung, sich von den Untergebenen anklagen zu lassen, soll nun, wie bestimmt gemeldet wird, zum Gegenstand einer ministerstürzenden Interpellation ge« macht werden. Unter den Haupthetzern befindet sich. wie erwähnt, auch L o ck r o y. Derselbe Mann aber hat als Marineminister zur Zeit des Faschoda- Konfliktes mit England vor der Budgetkommission die Verwahrlosung der Marine eingestehen müssen. Und das Resultat davon war lediglich die ihm von der Kommission erteilte Vollmacht, ohne Parlamentsvottcm so und so viel Millionen schleunigst auszu- geben, um die Folgen seiner Mißwirtschaft wettzumachen. Niemand sprach damals von einer Untersuchung usw. Das stellt die jetzige patriotische Untersuchungswut der Herren ins rechte Licht. Paris, 23. März. Der Marineminister Pelletan hat einem Vertteter des„Gil Blas" erklärt, wenn er auch den gegen ihn ge« richteten Angriffen unterliegen sollte, so würde das keines« falls den St urz des Kabinetts zur Folge haben. Er würde einfach seine Entlassung geben und in den Reihen seiner Partei weiter kämpfen. Der„Gaulois" behauptet, der Abgeordnete Thomson, der zwar der demokrattschen Vereinigung angehört, aber bei den Radikalen und Socialisten Synyiathien genießt, sei für den Fall des Rücktritts PelletanS zu dessen Nachfolger in Aussicht ge» nommen. Paris, 24. März. In der Nachtsitzung der Deputiertenkammer wurde nach langer Beratung Artikels des Gesetzes über die Aufhebung des Kongregations- Unterrichts angenommen. Der Artikel betrifft den Aufschub der Schließung der Niederlassungen. Zahlreiche Amendements zu andren Artikeln wurden sodann eingebracht. Nachdem ein Amendement Spronck, welche? besagt, daß die Ausgaben für die Anwendung des Gesetzes, soweit sie den Betrag von 26 Millionen übersteigen, dem Staate obliegen sollen, mit WS gegen 46 Stimmen abgelehnt war, wurde die Sitzung um 3 Uhr 40 Minuten aus nachmittag 2 Uhr vertagt.— Italien. Zur Affaire Nasi. Die Kammer beschloß, daß eine aus fünf Deputierten be st ehende Kommission eine Unter- suchung über die Geschäftsführung des früheren Untcrrichtsministers Nasi anstellen und der Kammer bis spätestens 31. Mai d. I. Bericht erstatten soll.- Nasi erklärte sich mit der Einsetzung eines solchen Ausschusses einverstanden. Dänemark. Der Prllgelgesetzentwurf. Nach einer langen Debatte, die sich über eine Reihe von Sitzungen erstreckt hatte, wurde die erste Lesung des von dem Liberalen Sveistrup gestellten Gesetzentwurfs be- endet, der neben einigen wünschenslverten Verbesserungen der Straf- rechtspflege, wie z. B. die Einführung der bedingten Strafurteile, die von dem Justizminister Alberti verlangten Prügel st rafbe st immungen in etwas eingeschränkter und gemilderter Form enthält. Der Justizminister und die ihm ergebene Presse hat sich, seitdem die Frage zur Debatte, steht eifrig bemüht, allerlei Berichte über brutale Ueberfälle zu bringen, die beweisen sollten, wie notwendig die Einführung der Prügelstrafe sei. Merkwürdiger- weise konnte„Socialdemokraten" in allen diesen Fällen nachweisen, daß es sich um aufgebauschte und erdichtete„Räubergeschichten" handelte.— In der Folkethingsdebatte wandten sich außer unsren Genossen auch eine Anzahl liberaler Abgeordneten und selbst Kon- servative gegen die Einführung dieser barbarischen Strafmethode. Der Justizminister Alberti bekannte sich im Laufe der Debatte als Gegner der bedingten Strafurteile; er ist aber geneigt, diesen kleinen Fortschritt mit in Kauf zu nehmen, wenn die Prügel st rafe eingeführt wird. Uebrigens ist der Ministerpräsident D e u n tz e r, wie unser Genosse Borgbjerg erwähnt, als Gegner der Prügelstrafe bekannt. Es verlautet, daß die Regierung die Reichstag?- Session über Ostern hinaus verlängern will, lediglich der Prügelstrafe wegen.— Ruhland. " Neue Massenverhaftungen von Studenten in Rußland. Nach Odessa folgt D o r p a t. Wie von dort gemeldet wird, wurden wegen„Verbreitung von revolutionären Proklamationen" bei sämt- lichen Universitätshorern Haussuchungen vorgenommen. Mehrere hundert Studenten wurden verhaftet.— Bon den russischen Universitäten erhält der„Naprzod" eine Reihe von Nachrichten, die auf eine wachsende Gärung unter der studierenden Jugend deuten. In Kiew hat die Korporation der polnischen Studenten eine Resolution beschlossen, in der sie sich gegen den Krieg erklärt und dann fortfährt:„Angesichts der Thatsache aber, daß das Werk der Zerstörung begonnen hat, sind wir gezwungen, Japan den Sieg zu wünschen, da ein Sieg Rußlands die Macht des Zarats stärken würde. Im Gegenteil kann die durch Niederlagen geschwächte russische Regierung um so leichter durch die revolutionären Kräfte des Landes — denen alle unsre Sympathien gehören— gestürzt werden. �fn Petersburg ist nach den Frauenkursen und nach dem verginstitut auch die Universität am Vorabend einer akademischen Versammlung geschlossen worden; es folgten Massenverhastungen <18. Februar alten Stils)— unter ihnen Korolenko. In Moskau wurden etwa 100 Leute wegen einer akademischen Versammlung verhaftet. In D o r p a t fand eine von 600 Akademikern besuchte Versammlung statt, die mit einer Demonstration endete. Die Universität ist geschlossen. In Odessa dauert der Streik, der durch die Einführung der Polizei in die Universität hervorgerufen wurde, fort. Ein Teil der Professoren hat um ihre Entlassung gebeten, der andre Teil enthält sich der Vorlesungen.—_ Die revolutionäre Bewegung in Russisch-Polen.f AuS Warschau wird uns geschrieben: Seit dem Kriegs- auSbruch wächst die revolutionäre Gärung der Arbeiterschaft und der Bauernschaft ständig. In Litauen und in Polen steigt fortwährend die Zahl der Deserteure, die in der letzten Zeit vorwiegend Bauern sind. Die polnische Partei-Organisation hat schon direkt nach dem Kriegsausbruch im ganzen Lande einen regierungsfeindlichen Aufruf verbreitet, dem eine Straßendemonstration in Warschau folgte. Vor kurzem wurde ein gemeinsames Flugblatt, unterzeichnet von der Polnischen socialistischen Partei, der Litauischen jSocialdemokratie. der Lettischen Socialdemokratie und der weiß-russischen revolutionären Verbindung in vier Sprachen in der Geheimdruckerci des Warschauer „Robowik" gedruckt und in ganz Polen, Littauen, Lettland und Weiß- Rußland verbreitet. Am 14. März hat in Warschau wieder eine von der polnischen socialistischen Partei veranstaltete Demonstration der Arbeiterschaft stattgefunden, an der T a u s e n d e teilgenommen haben. Die Arbeiter formierten sich in«inen geordneten Zug und zogen durch die Arbeiterviertel, in denen sich immer neue Scharen anschlössen, unter dem Gesang der polnischen„Roten Standarte". Die Demonstranten riefen:„Nieder mit dem Zaren!"„Nieder mit der Fremdenherrschast I"»Hoch die Arbeitersache I"„Hoch das socialistische Polen!" Die jüdischen Genossen sangen die jüdische„Marseillaise". Die Bevölkerung nahm die Demonstration mit Begeisterung auf und beteiligte sich lebhaft an den Rufen. Eine kleine Abteilung Militär wurde mit dem Rufe:„Nieder mit dem Militarismus I"„Nieder mit dem Krieg!" begrüßt. Dann gingen die Arbeiter auseinander. Die große Abteilung Polizei, die herbeigerufen wurde, kam zu spät, als die Demonstratton ihren Schluß erreicht hatte. Bei der feindlichen Stimmung der polnischen Bevölkerung wissen die höheren Behörden nicht, welche Tattik sie einschlagen sollen. Bisher sind die Nachgiebigen obenan, doch werden schon entgegen- gesetzte Stimmen vernehmbar, die eine scharfe Reprcssionspolittk gegenüber der polnischen Bevölkerung fordern. So hat der Komman- dant der Warschauer CitadeUe Kazbek gesagt, man müsse die Polen provozieren, dadurch eine» Aufstand hervorrufen und ihn in einem Meer von Blut ersticken. Die polnische Partei- Organisation ist fest entschlossen, die Bevölkerung vor zwecklosen Putschen zurück- zuhalten. Man ist sich aber deS ganzen Ernstes der Sachlage be- wüßt und baut die Organisation und Agitatton in fieberhafter Weise aus. Und es ist heute nicht abzusehen, vor Welche Evcntuali- täten das polnische Proletariat in Russisch-Polen im Laufe des Krieges gestellt wird.—__ kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. 14. Sitzung vom Donnerstag, den 24. März 1904, nachmittags 6 Uhr. Vorsteher Dr. LangerhanS eröffnet die Sitzung gegen Vß Uhr Vor der Tagesordnung giebt Stadtv. Dr. Wehl(Soc.) folgende Erkänmg ex b0m ig � � habe ich behauptet, daß der Magistrat zu dem Heimarbeiterschutz-Kongreß einen Vertreter zu entsenden ersucht worden sei. daß aber das betreffende Schreiben unbeantwortet geblieben sei. Die Behauptung, daß das Schreiben nicht beantwortet worden ist. entspricht den Thatsachen. Der Ober- bürgermeister hat mir aber mitgeteilt, daß der MagistratSrat Weyer dem Kongreß beigewohnt habe. Meine Information hatte ich von dem Einbernfer und Leiter des Kongresses, dem Abgeordneten Legten, der auch heute noch behauptet, daß Herr Meyer sich jedenfalls nicht in die offiziell ausliegende Liste der behördlichen Persönlichkeiten habe eintragen lassen, sich auch nicht auf den den Vertretern der Behörden reservierten Plätzen niedergelassen habe. Jedenfalls läßt sich dieses Mißverständnis nicht mehr ausklären, aber nach den Mit- teilungen des Oberbürgermeisters besteht kein Zweifel, daß Herr Meyer dem Kongreß beigewohnt hat. Danach entfallen selbst- verständlich alle Folgerungen, die ich aus jener Behanpttmg gezogen habe. Ich hielt mich zu dieser Feststellung für verpflichtet. Dem dieser Tage verstorbenen Stadtverordneten- Vorsteher Müller von Schömberg widmet der Vorsteher einen ehrenden Nachruf. Darauf wird die Etatsberatung fortgesetzt. Referent für die nachfolgenden Special-Etats ist Stadtv. F r i e d e r i c i(A. L.). Bei dem Etat„Geschäftsbedürfnisse und Prozeß- k o st e n" wird vom Ausschuß vorgeschlagen: den Magistrat zu ersuchen, bei den periodisch erscheinenden B e- richten über die Gemeindeverwaltung der Stadt Berlin eine schnellere Herstellung zu veranlassen. Sonst ist der Etat selbst sowie derjenige fiir die Gemeinde- Krankenversicherung, wie auch der Etat:„ D i e n st- Pensionen, Witwen Pensionen und Waisengelder sowie außerordentlich bewilligte Pensionen, Unter- stützungen und Erziehungsgelder" unverändert gc- blieben. Stadtv. Ewald fSoc.) befürwortet einen im Ausschuß abgelehnten Antrag, den Stadtverordneten für ihre Recherchen freie Fahrt auf der Straßenbahn zu gewähren. Die Recherchen nähmen auch inner- halb der Stadt sehr viel Zeit weg nud denen, die über keinen Geld- beute! verfügten, könne das Opfer der Zeit und der Fahrkosten nicht zugemutet werden. Daß man dann gezwungen sei, auch den Bezirksvorstehern:c. freie Fahrt zu geben, sei doch bloß eine leere Ausrede. Der Antrag wird abgelehnt, die Ausschußresolution angenommen. Zum Etat für den S t r a tz e n- u n d B r ü ck e n b a u hat der Ausschuß Erhöhung der Ausgabe für die Anbringung von Straßen- schildern an den GaSkandelabern von 6000 auf 16 000 M. dem Rfagistrat zu empfehlen vorgeschlagen; gleichzeitig soll der Magistrat ersucht werden, zur schnelleren Durchführung dieser Einrichtung künftig größere Mittel in den Etat einzusetzen. Die Versammlung beschließt demgemäß ohne Debatte und nimmt den Etat an. Die Etats für das Märkische P r o v i n z i a l m u s e u m, das Statistische Amt, das Gewerbegericht, die Stadtbibliothek, Volksbibliothek und Lesehallen sind im Ausschusse nicht beanstandet worden. Zum Etat des Vieh Marktes und Schlachthofes ist nach dem Magistratsantrage die Erhöhung der Schlacht- und Schau- gebühr für Ziegen auf die Sätze für Schafe, 20 bezw. IS Pf., vom Ausschüsse empfohlen worden. Zuni Etat der S t a d t b i b l i o t h e k zc. bedauert Stadtv. Hcimlinn» dann noch Be- fehle erteilen. Bente hatte Leinrpeters„den größten L u n» p e n von der Welt" genai»nt. Das Gericht fällte dieses Urteil: Der Angeklagte LeimpeterS ist der öffentlichen, schweren Beleidigung schuldig»ind ist deshalb zu der hohen Geldstrafe von 500 M. verurteilt worden. Das Gericht hat dem Angeklagten zwar den Schutz des§ 193 zugebilligt, der aber auf die Forin des Arttkels keine Anwendung finden koirnte. Als strafmilde»i»d komme in Betracht, daß der Angeklagte in gutem Glauben gehandelt hat, er konnte vorher nicht wissen, ob die Privatkläger die Veranlasser der Demmziattonen waren oder ob sie dieselben nur mitunterschrieben hatten, und weiter habe er im Interesse seiner Gewerkschaft gehandelt, wozu er ja eigentlich auch verpflichtet war. Dahingegen kommen aber als strafverschärfend in Bettacht die vielen Vorstrafen des An- geklagten und dann habe das Gericht auch Anstoß an dem rohen Ton des Artikels genommei». Durch einen solchen Ton wird unser Volk entsittlicht und dagegen müssen die Gerichte»nit aller Strenge einschreiten; darum n»ußte a»ff eine so hohe Sttafe erkannt werden. Ebenso hat daS Gericht in den Vorwürfen der Nebenangeklagten eine schwere Beleidigung erblickt. Hier nrüsse jedoch strafmildernd in Betracht gezogen werden, daß es sich um»mgcbildete Arbeiter handle, die ihre Gedanken nicht so in Worte kleiden könnten, wie ein gebildeter Mann und Redner, wie z. B. der Angeklagte LeimpeterS. Dann sind die Aeußerungen in höchster Erregung gefallen, wo einem Arbeiter leicht ein»in- bedachtes Wort entschlüpfe, was allerdings auch nicht sein darf, aber immerhin zu entschuldigen ist. Darum hielt das Gericht eine Geld- strafe von je 30 M. für ausreichend. Die Kosten trägt der An- geklagte LeimpeterS zu acht Zehntel und die beiden Nebenangeklagten zu je ein Zehntel._ Kardinal Kopp-Prozetz. Beuthen, den 23. März.(Eig. Ber. des„Vorwärts".) Vor den» Landgericht in Beuthen(Oberschl.) bcga»»»» heute Vor- mittag unter dem Vorsitz des Lnndgerichts-Direktors Pilling die Ver- Handlung gegen den Rebakteur deZ radikal-polnischen„Gornoslazak" (»Oberschlesier") von WolSli wegen Beleidigung des Kardinals Kopp und der ihm unterstellten oberschlesischen Geistlichkeit. Die Beleidigung soll begangen sein durch den Abdruck eiueS Artikels des Warschauer Blattes„Przeglad Äatolicki", der eine scharfe Kritik der Stellung des Kardinals und seiner oberschlesifchenGeistlichen zum Polen- tum enthält. Es sei, heißt es u. a. in dem Artikel, eine Lüge, wenn der Kardinal das Centrum als die einzige sittlich erlaubte politische Partei für die Katholiken bezeichne und die Solidarität mit dieser Partei als Gewissenspflicht des Katholiken fordere. Die deutsche Sprache werde dem Volke nicht nur in der Schule, sondern auch in der Kirche aufgedrängt; die Kanzeln verwandelten sich in in politische Tribünen und widerhallten von unwürdigen und un- christlichen Ausfällen gegen die Gefühle und Ueberzeugungen der Ortsangehörigen. welche auf Schritt und Tritt mit der thpischen deutschen Grobheit behandelt und von den eignen Seelenhirten mit Füßen getreten werden. Die Folgen seien verderblich für den Glauben und die Kirche und führten dazu, daß immer größere Scharen des polnischen Volkes zur Fahne des SocialismuS und der Konfessionslosigkeit schwören. Das Auftreten des Klerus gegenüber dem polnischen Volke sei eine moralische Nichtswürdigkeit, eine Vergewaltigung der Naturrechte und der Rechte der Kirche und in ihren Folgen ein Verrat an der katholischen Sache— aus Gefälligkeit gegen den Staat! Der Artikel beschuldigt dann oberschlesische Geistliche, niedrige Jntriguen gegen den Abgeordneten Korfanty geübt zu haben, um ihn als einen Feind der Kirche erscheinen zu lassen. Der Artikel behauptet dann noch, daß Kardinal Kopp— der in Berlin hochgeachtet sei— in Breslau vor den letzten Landtagswahlcn eine Priesterkonferenz veranstaltete, in der man sich mit den Angelegen- betten der Kirche und den Nöten des der geistlichen Obhut völlig beraubten Volkes sehr wenig beschäftigte, desto mehr aber mit der Politik. Die Anklage sieht in diesen Behauptungen sowohl schwere Beleidigungen formaler wie thatsächlicher Art, insbesondere gegen den Kardinal, der bestreitet, ans politischen Zwecken gehandelt zu haben und nur das Seelenheil seiner Schafe im Auge gehabt haben will. Zum Beweise für die Nichtigkeit der Be- hauptungen des Artikels hat der Angeklagte v. Wolski die Ladung von etwa achtzig Zeugen aus den Kreisen der oberschlesischen Kirchenbesucher beantragt, das Gericht hatte die Ladung von feiten des Gerichts abgelehnt, so daß der Angeklagte diese Ladung nunmehr selbst bewirken mußte. Da auch von feiten der Staatsanwaltschaft viele Zeugen, insbesondere Geistliche geladen sind, wird der Prozeß, dessen Dauer auf zwei Tage be- messen ist, im großen Schwurgerichtssaal verhandelt. Eine große Anzahl Vertreter der Presse, nicht nur der deutschen, sondern auch der russisch- und östreichisch- polnischen Presse, sind zu den Verhandlungen erschienen. Die Verteidigung liegt in den Händen des Rechtsanwalts Dr. Sepda- Kattowitz. Der ebenfalls als Verteidiger bestellte Neichstags-Abgeordnete, Justizrat Lenzmann, hat andrer Geschäfte �vegen sein Mandat zurückgegeben. Der Angeklagte übernimmt dann nach Verlesung der Anklage- schrift und des inkriminierten Artikels die volle Verantwortung für denselben und erklärt, er wolle für die darin enthaltenen Behaup- tungen den Beweis der Wahrheit antreten. Die Wend....g im Artikel, die verstanden werden könnte, als ob dem Kardinal Kopp der Vor- Wurf der Lüge gemacht werde, solle nicht in diesem Sinne verstanden werden. Der Angeklagte v. Wolski. der 26 Jahre alt ist und Hoch- schulbildung hat, ist seit anderthalb Jahren in der Redaktion des„Gornoslazak" thätig und bisher nicht bestraft. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Seyda, stellt nach Vernehmung des Angeklagten eine Reihe von Beweisanträgen. Zunächst beantragt er die Vorlesung einer Anzahl Nummern des„Gornoslazak". um das thatsächliche Ver- hältms des Blattes zum Kardinal Kopp darzustellen. Dann die Vernehmung des Ecntrums- Abgeordneten Dr. Porsch darüber, daß es sich bei der Priesterzusammcnkunst in Breslau nicht um die offizielle Erzpriester-Konferenz, sondern um eine sich unmittelbar an diese schließende Besprechung oberschlesischer Geistlicher handelte, die im Vincenzhause in Breslau tagte und sich mit den Wahlen beschäftigte. Drittens beantragt die Verteidigung die Vernehmung einer großen Anzahl Zeugen darüber, daß eine erhebliche Zahl oberschlesischer Geistlicher ihr Amt in der Kirche und außerhalb derselben zu politischen Zwecken mißbraucht haben, insbesondere dazu, katholische Wähler zu veranlassen, nicht die polnischen Kandidaten, sondern die des Centrums zu wähle». Die Verteidigung nennt eine große Reihe von Fällen, in welchen näher bezeichnete oberschlesische Geistliche Mißbrancv der Satramente getrieben haben sollen, indem sie Lesern radikal-polnischcr Blätter die Abnahme der Beichte oder Erteilung der Absolution nach abgelegter Beichte verweigerten. In einzelnen Fällen sollen nationalpoluisch gesinnte Leute mit groben Worten der Kirche verwiesen worden sein. In manchen Fällen wurde die Absolution so lange verweigert, bis der Betreffende versprach, das polnische Blatt nicht mehr zu lesen. Auch Frauen wurden die kirchlichen Gnadenmittel verweigert, weil sie entweder selbst Leser solcher verpönten Blätter waren oder ihre Männer nicht genügend beeinflußt hatten, diese Blätter nicht mehr zu abonnieren. Wieder andre sollen auf Korfanty und andre polnische Führer verwiesen worden sein zwecks Erteilung der Absolution. Auch die kirchliche Trauung ivurde mehreren Nationalpolen verweigert, ebenso den Kindern der Eltern, welche vermutlich polnisch gewählt hatten, die Erteilung des Beicht- Unterrichts. Manche Pfarrer oder Kapläne machten nach den Beweisanträgen des Verteidigers nicht nur das Aufgeben des Abonnements auf polnische Blätter zur Bedingung, sondern forderten ausdrücklich das Abonnement auf das centrumsfreundliche polnische Blatt„Gazeta Katolicka" des Pfarrers Stephan. Die Frauen wurden aufgefordert, mit ihren Männern so lange zu kämpfen, bis diese sich der Kirche wieder fügten. Ein 65jährigcr tot- kranker Mann sollte mit den Sterbesakramenten versehen werden. Der Kaplan sah am Spiegel jedoch ein Bild des Kandidaten Korfanty stecken, riß eS heraus und ließ den Kranken schwören, daß er sich von der polnischen Sache abwenden wolle. Auch auf den Kanzeln soll nach den Beweis- anträgen der Verteidigung die politische Agitation von vielen Geistlichen in der heftigsten Weise betrieben sein. Ein Pfarrer verglich Korfanty mit' dem jüdischen Schächer Barabas; ein andrer führte den Vergleich noch weiter, indem er den Centrumskandidaten Letocha- Jesus dein Korfaiity- Barabas gegenüber stellte. Ein Geistlicher erklärte die national- polnische Bewegung auf der Kanzel als ein Verbrechen, die polnischen Führer als Lumpen und Socialdemokraten, wieder ein andrer Pfarrer verfluchte von der Kanzel herab in aller Form den Gornoslazak, ein dritter ließ in der Kirche zunächst sür die Wähler des Centtumskandidaten beten, dann aber auch für die Gegner des Centrums, damit der heilige Geist sie erleuchte. Nach kurzer Beratung lehnt der Gerichtshof die von der Ver- teidigung gestellten Beweisanttäge ab, beschließt aber entsprechend den Bestimmungen der Strafprozeßordnung doch, die von der Verteidigung zur Stelle gebrachten Zeugen zu vernehmen, wobei der Staatsanwalt beantragt, den Zeugen mitzuteilen, daß sie, als nicht von feiten des Gerichts geladen, nicht verpflichtet seien, an Gerichts- stelle zu verweilen. Der Verteidiger widerspricht diesem Anttage als einen ungesetzlichen, das Gericht instruiert jedoch in der vom Staatsanwalt geforderten Weise, worauf der Verteidiger den Zeugen, die bleiben wollen, erklärt, daß er für die Kosten auf- komme. Der erste Zeuge, Pfarrer Kronschmidt aus Deutsch- Zernitz, giebt zu, dem Häusler Macharek daselbst einen Brief geschrieben zu haben, in welchem es heißt, daß der Pfarrer ihn nicht mehr als zur katholischen Kirche gehörig bettachte und die heiligen Sakramente verweigere, weil er, Macharek, mit Nationalpolc» verkehre. Ein letzter Satz des Briefes„Was Ihren Sohn betrifft—" war unvollendet geblieben. Der Pfarrer erklärt vor dem Gericht, er habe gehört, daß Macharek einen polnischen Sttmmzettelverteiler in sein Haus aufnahm und schrieb deshalb den Brief. Verteidiger: Worauf gründen Sie das Recht, einem Angehörigen der Kirche die Zugehörigkeit zu derselben und die heiligen Sakra- mente zu verweigern, loeil dieser dem Stimmzettelverteiler einer politischen Partei sein Haus öffnete? Zeuge': Darauf, daß die Nationalpolen durch ihre Angriffe auf die Kirche Aergernis erregten. Ich mache hier keinen Unterschied zwischen Polen und Socialdemokraten. Verteidiger: Woraus schöpften Sie solche Anschauungen? Zeuge: Ans privaten Studien. Zeuge kann sich nicht be- sinnen, aus welchen Quellen er schöpfte. Verteidiger: Weshalb ließen Sie den letzten Satz des Briefes unvollendet? War nicht der Sohn Machareks Briefträger? Zeuge: Ja. Ich hatte z u n ä ch st die Absicht, an die Postbehörde zu schreibe» und sie aufzufordern, auf den Sohn des Macharek ein wachsames Auge zu haben, weil der Vater Nationalpole sei. Das ist meines Erachtens mit dem Dienst eines königlichen Beamten nicht zu vereinen. Ich habe die Absicht aber aufgegeben, um nicht als Denunziant zu erscheinen. Ich wollte mir die Sache für später aus- spare». Pfarrer Chorus bekundet, daß zu der Besprechung der Erz- Priester in Breslau über politische Angelegenheiten erst im Verlaufe der Erzpriester-Konferenz eingeladen worden sei, und zwar ohne jede Einwirkung des Kardinals durch ErzPriester Glowatzki. Der Zeuge giebt nicht zu, polnischen Arbeitern angedroht zu haben, ihnen die Gnadenmittel der Kirche zu entziehen, wenn sie weiter den „Gornoslazak" lesen. Gencraloicariats- Sekretär B u ch m a n n- Breslau wird als Sachverständiger darüber vernommen, ob ein Geistlicher entsprechend dem kirchlichen Recht handle, wenn er einem Angehörigen der Kirche die Sakramente deshalb verweigere, weil derselbe dem Stimmzettel- träger einer vermeintlich kirchenfeindlichen Partei in seinem Hause aufnehme. Der Sachverständige meint, hier sei das subjektive Empfinden des Geistlichen wohl maßgebend. Auf weiteres Befragen des Verteidigers erklärt der Sachverständige, er selbst würde die Eni- scheidung davon abhängig machen, wieweit der Sünder bewußt als Feind der Kirche gehandelt habe. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt der Sachverständige, daß über die Vorgänge bei der Beichte nicht nur der Beichtiger, sondern auch das Beichtkind zu schweigen habe und daß eine Verletzung dieser Pflicht im kirchlichen Sinne eine Sünde sei. Gestützt auf diese Erklärung des Geistlichen stellt nun der Vor- sitzende dem Angeklagten auf Grund persönlicher Erwägungen die Frage, ob er noch auf die Vernehmung der Zeugen über Dinge aus dem Beichtstuhl bestehe. Der§ 54 der Straf- prozeß-Ordnung berechtige die Beichtkinder allerdings nicht zur Zeugnisverweigerung, hier sei aber doch zu erwägen, daß solche Aussagen das religiöse Empfinden der Zeugen tief berühren werde. Nach einer Beratung mit seinem Klienten giebt der Verteidiger die Erklärung ftir diesen und für sich selbst ab, daß sie auf Vernehmung der Zeugen bestehen müssen. Nach dem Gutachten des hochangeschenen Prälaten Stannovius in Krakau sei eine Verpflichtung des Beicht- lindes zur Geheimhaltung dessen, was im Beichtstühle vor- geht, nicht gegeben und deshalb das Erzählen desselben keine Sünde. Dann seien auch die Zeugen freiwillig gekommen und bereit, auszusagen. Schließlich ist auch das Verhalten der Geistlichen ethisch so verwerflich, daß wir auch aus diesem Grunde ans die Ver- nehmung der Zeugen bestehen müssen, auch damit die Welt erfährt, was in Oberschlcsic» vorfällt. Vorsitzender: Auch dann, wenn das Gericht annimmt, daß der Angeklagte in gutem Glauben an die Wahrheit der ihm bekannt ge- wordenen Mitteilungen handelte? Verteidiger und Angeklagter: Ja, auch dann! Auf die Verlesung der kommissarischen Aussage de? Kardinals Kopp will der Staatsanwalt verzichten, der Verteidiger widerspricht dem jedoch, zugleich aber auch der Verlesung, da er das persönliche Erscheinen des Kardinals an Gerichtsstelle fordert. Das Gericht be- schließt jedoch die Verlesung der Aussage des Kardinals, da der Grund für die kommissarische Vernehmnng. nämlich die weite Entfernung, noch fortbestehe. Aus der verlesenen Aussage ist hervorzuheben, daß der Kardinal entschieden in Abrede stellt, die politische Besprechung der oberschlesischen Geistlichen in Breslau veranlaßt oder an der dort be- schlossenen Resolution gegen die Nationalpole», dem sog.„Steckbrief". irgendwie mitgewirkt zu haben. Diese Aussage hat der Kardinal mit seinem Eide bekräftigt. Die Verhandlung wird darauf abends 7 Uhr auf den nächsten Vormittag 0>/z Uhr vertagt. SewerksckaMiclKs. Berlin und(Imqegenci. Eine Lohnbewegung des BadcanstoltS-Personals wurde durch den Beschluß einer am Mittwoch abgehaltene» Versammlung eingeleitet, die der Verband des Massage-, Bade- und Äraukenpflege-Personals einberufen hatte. Das Personal in den Badeanstalten hat nach dem Referat des Stadtverordneten A n t r i ck eine übermäßig lange Arbeitszeit. Ter Arbeitstag währt meist 14—16 Stunden. Die Beschäftigung ist eine höchst ungesunde,� weil sie ausgeübt wird in heißen, mit allerlei schädlichen Ausdünstungen angefüllten Räumen. In den meisten Fällen giebt es weder Pausen zum Einnehmen der Mahlzeiten, noch einen Raum, wo der Badewärter sein Essen ein- nehmen könnte. Das unwürdigste in dem Arbeitsverhältnis der Badewärter ist es, daß sie für ihre anstrengende und aufteibende Beschäftigung nicht einmal Lohn erhalten. Sie sind an- gewiesen auf die Trinkgelder, welche die Badegäste ihnen spenden. Ja, in verschiedenen Badeanstalten müssen die Wärter von dem ihnen zufließenden Trinkgclde— ihrer einzigen Einnahme— noch das Hilfspersonal, wie Hausdiener. Scheuerftauen, bezahlen, sie müssen Putzzeug halten und sogar Renovicrungsarbeiten, wie An- strich von Decken und Wänden, ausführen oder die dazu erforder- lichen Arbeiter bezahlen. So verstehen es die Unternehmer, einen wesentlichen Teil der Betriebskosten aus den Trinkgeldern zu decken, die das Publikum dem Badewärter zahlt. Aendernng dieses un- würdigen Zustandes ist die dringendste Forderung, welche die Bade- Wärter und Wärterinnen an ihre Unternehmer stellen. Daneben käme noch in Betracht die Einführung einer geregelten Ar- beitSzeit und die möglichste Einschränkung der Sonntagsarbeit. Die Verbandsleitung wurde dann beaufttagt, den Unternehmern die nachstehenden Forderungen zu unterbreiten und mit ihnen darüber zu verhandeln: 1. Abschaffung des TrinkgeldsystcmS. 2. Gewährung eines Wochenlohnes von 36 M. für männliche, 34 M. für weibliche Kollegen. 3. Arbeitszeit: Von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 12 Uhr vormittags. 4. Regelung der Bäderannahme: Dampf-, Lohtannin- und sonfiige Bäder� mit Packung oder Massage bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Feier- tagen bis 19 Uhr vormittags. 5. Freigabe eines jeden zweiten Sonntags nach Z 105 der Gewerbe-Ordnung, sofern diese Materie nicht geregelt ist durch Freigabe von zwei halben Tagen in der Woche und Einführung sogenannter Damentage in den Dampf- abtcilungen. 6. Arbeiten, die mit dem Beruf eines Badcdieners oder Masseurs nicht zu vereinbaren sind, wie: Reinigen oder Instand- halten der Anstaltsräume, Streichen der Wände,_ Kesselreinigcn, Wäschelegen, Rollen, kommen in Fortfall. 7. Die für diesen Zweck nötigen Hilfskräfte hat der Arbeitgeber selbst zu bezahlen und darf dafür vom Lohn der Angestellten nichts abgezogen werden. 8. Hilfs- Personen, die dem Badediener zur Seite gestellt sind, wie Scheuer- frauen in den Wannenabteilungen oder Hansdiener in den Dampf- abteilungen, sind durch den Arbeitgeber zu bezahlen. 9. Die Arbeit- geber haben dafür zu sorgen, daß bei der Aus- Übung der Massage tüchtiges, ausgebildetes Personal ver- wendet lvird, aber nicht unter Hinzuziehung von Leuten, die die Massagetechnik unvollkommen oder gar nicht beherrschen. 19. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, dafür zu sorgen, daß ein mehr als einmaliges Benutzen der Badewäsche unter keinen Umständen stattfinden darf. 11. Anerkennung der Organisation der Angestellten. 12. Diese Forderunaeir sind in Form eines Vertrages mit der Organisation der Arbeitgeber abzuschließen und zwar so. daß der Vertrag von uiibestimmter Dauer ist und eine vierteljährliche Kündigungsfrist für denselben festgesetzt wird.— In Streitfällen entscheidet der Allsschuß der Berliner Gewerkschastskommisfion.— Weiter wurde beschlossen, daß die Forderungen auch der Central» kommission der Krankenkassen unterbreitet werden, damit dieselben beini Abschluß von Verträgen ztvischen Krankenkassen und Badeanstalts- besitzern berücksichtigt werden können. Zur Lohnbewegung der Berliner Bäckergesellen. In der Ver- sammlung der Tagesbäcker Mittwochabend, Jndustriesäle, Beuthstraße, die sich mit der in Aussicht genommenen Lohnbewegung beschäftigte, teilte der Referent Hetzschold mit: Die jetzige Be- wegung solle sich nicht auf Berlin beschränken, sondern auch eine ganze Reihe Vororte, die Redner namhaft machte, werden mit in die Bewegung hineinbezogen werden, um auch für diese und mit diesen günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Die Lohnbewegung der Steinmetzen Berlins ist nun im all- gemeinen als beendet anzusehen. Wie in der Steinarbeiter- Versammlung am 23. März festgestellt wurde, ist der 75 Pf.» Minimal-Stundenlohn jetzt auch von den meisten und matzgebeuden außerhalb der Innung stehenden Arbeitgebern bewilligt worden, so- weit dieser Lohn oder ein höherer nicht schon vörher gezahlt wurde. Uebrigens hat, wie der Altgeselle Buchmann mitteilte, der Ober- meister der Stcinmetzinnung den Gesellen zur Durchführung der neuen Arbeitsbedingungen bei den nicht der Innung angehörenden Arbeitgebern die Unterstützung der Innung zugesagt. In der Ver- sammlung wurde außerdem kurz über Anträge zum Verbandstag diskutiert. Beschlüsse wurden hierzu nicht gefaßt. Mit der Erhöbung des Beitrags zur Gewerkschastskommission auf 12 Pf. pro Mitglied und Jahr erklärte sich die Versammlung einverstanden. Achtung, Treppengeländer-Arbeiter! In der letzten Zeit ist«S wiederholt vorgekommen, daß in einzelnen Bettieben Ueberstunden gemacht werden. �Insbesondere geschieht dies in der Werkstatt von Schmidt u. Co., Schönhauser Allee 167s. Ohne die Kommission zu benachrichtigen, beschlossen die dort Beschäftigten, pro Tag zwei Ueberstunden zu machen, obwohl genügend Arbeitskräfte auf der Straße liegen. Sie blieben selbst bei diesem Beschlüsse bestehen, nachdem sie in einer Werkstellen-Sitzung auf das Verwerfliche dieser Handlungsweise aufmerksam gemacht wurden. Wir bringen den be- stehenden Beschluß nochmals in Erinnerung:„Ueberstunden sind unter allen Umständen zu verweigern." Die Kommission. Zum Tischlerstreik von Steglitz und Grotz-Lichterfelde wird be- richtet: Tie Tischlermeister arbeiten jetzt mit Hochdruck, um Arbeits- willige heranzuziehen. Jede Arbeitskraft findet jetzt Verwendung. Leute von 65 Kahren, welche kaum noch den Hobel regieren können. behaupten, 33 M. Lohn zu erhalten. Ob wohl die Meister an diesen Leuten mehr verdienen, als an ihren früheren Gesellen? Wir glauben es nicht. Die wohllöblicke Polizei läßt sich den Schutz der Arbeits- willigen nach wie vor sehr angelegen sein. Des Morgens werden dieselben von der Elektrischen und von den Bahnhöfen abgeholt, des Abends wieder hingebracht. Natürlich finden sich auch andre Leute, Ivelche den Arbeitswilligen das Geleit geben, und ein Kinderhaufen bildet den Schluß. Den Strcikvosten geht es natürlich nicht so gut. Ein Meister aus der Kielerstraße in Steglitz kann die Streikposten durchaus nicht stehen sehen. Eines Morgens verstieg er sich in Gegenwart eines Schutzmannes zu dem Ausdruck:„Tie Hunde (nämlich die Streikposten) müßte man mit dem Gummischlauch weg- bringenl" Was wäre wohl dem Streikposten geschehen, wenn dieser eine solche Aeußerung gemacht hätte! Es sei darauf hingewiesen, daß auf einer Liste für die streikenden Tischler gesammelt wurde. Tie Stteikleitung ersucht, solche Listen zurückzuweisen. Sollten die Tischler in die Lage kommen, die Arbeiterschaft des- wegen in Anspruch zu nehmen, so werden sie sich ordnungsgemäß an das Gewerkschaslskartell wenden; vorläufig sind sie jedoch materiell so gestellt, daß sie den Kampf noch lange aus eignen Mitteln führen können. Zum Streik der Schuhmacher in Luckenwalde. Zu der Arbeits- niederlegung in der mechanischen Sckuhfabrik von Maleck ist noch folgendes zu berichten: Die Ursachen deS Konflikts sind Lohn- rednktionen. Herr Maleck. welcher erst vor kurzem seinen Betrieb von Berlin nach Luckenwalde verlegt bat. hat den Arbeitern Lohn- sätze unterbreitet, die gegen die früheren in Berlin gezahlten um 15—24 Proz. niedriger sind. Entsprechend den Luckenwalder Ver- bältnissen waren die Arbeiter auch mit einem Heruntersetzen der Lohn- sätze zu ungefähr der Hülste der angegebenen Differenz einverstanden. Herr Maleck schien aber nickt geneigt, sich auf dieser Basis zu einigen; er machte nur geringe Zugeständnisse. Am Sonnabend erfolgte dann plötzlich die Entlassung des Vertrauensmannes, welche unter den ge- gebenen Verhältnissen als eine Maßregelung bettachtet werden mußte. Da die Entlassung am Montag nicht zurückgenommen ivurde und auch die Lohnfrage nicht im befriedigenden Sinne gelöst war, legten dann die Arbeiter die Arbeit nieder. Der Vertreter der Organisation, welcher des andren Tages vermitteln wollte, wurde in schroffer Weise abgewiesen. Im Ausstande befinden sich 33 Per- sonen, darunter sieben weibliche. Achtung, Metallarbeiter! Sämtliche Reparatur- Arbeiter (Schlosser, Schmiede, Dreher, Klempner) der Cementfabrik in Tasdorf bei Rüdersdorf haben die Kündigung wegen Lohndisfercnzcn eingereicht. Zuzug obengenannter Branchen ist streng fernzuhalten. Ortsverwaltung Berlin des Deuffchen Metallarbeitcr-Verbandes. Deutlcbes Reich. Die Tischler haben nun auf den.Oderwerken" in Stettin die Arbeit wieder aufgenommen, nachdem eine Verständigung er- reicht worden ist. Die Forderung von 35 Pf. Stundenlohn für samt- lichc Tischler wurde seitens der Direktion abgelehnt. Zugebilligt wurden dagegen 34 Pf. Stundenlohn und die Garantierung desselben bei Accordarbeiten, falls der Accord den Stundenlohn nicht erreicht. — Nachdem noch vor kurzem 12, 14 und 16 Stunden gearbeitet worden ist, werden jetzt Arbeiter aller Kategorien wegen Mangel an Arbeit entlassen. Dieser Tage traf 17 Schiffszimmerer dieses Schicksal. Die Lohubcweguug der Tapezierer hat in Elberfeld ebenfalls mit einem vollen Erfolg der Gehilfen geendet. Die Einführung der eineinhalbstündigen Mittagspause in den Textilbetrieben zu R e i ch e n b a ch i. V. ist von den Unternehmern, wie wir vorausahnten, abgelehnt. Von etwa 70 Untemehmern haben überhaupt nur zwei geantwortet. Beide haben bereits die 1>/.stündige Pause eingeführt und der eine von ihnen antwortet noch dazu in einem Tone, der erwarten läßt, auch er werde dem- nächst zur einstündigen Pause zurückkehren.— Die Arbeiter sind entschlossen, die Sache nicht ruhen zu lassen. llusland. Gewerkschaftliche Berufskongresse in der Schweiz. Außer dem Allgemeinen schweizerischen Gewerkschaftskongreß werden während der Ostertage in Luzern auch die Verbandstage der Holzarbeiter und Metallarbeiter sowie die Delegiertenversammlung der Maurer und Handlanger abgehalten. Am 17. April finden die Delegierten- Versammlungen der Lithographen in Aarau und der Schuhmacher in Bafel statt. Abgegolten wurden bereits die Verban-dstage der Brauer. Buchdruckerst�extilarbeiter und Glaser. Der Brauerverband erhöhte im Jahre 1993 seine Mitglicderzahl von 739 auf 823, sein Vermögensbestand beträgt 6939,65 Fr. Die Zahl der Brauereien ohne Freibier konnte der Verband im vorigen Jahre von 25 auf 31 erhöhen und dadurch der Förderung der Kultur, der socialen und gesundheitlichen Hebung der Brauerci-Arbeiter aufs neue die schätz- barsten Dienste leisten. Die verfchiedenen Organisationen der Tertil- arbeiter haben sich zu einem Jnduftrieverband zusammengeschlossen. der bereits 5161 Mitglieder, wovon 3362 männliche und 1799 weck- liche, zählt und in der„Ostschweizer Jndustrie-Zeitung" ein eignes Organ besitzt. Die Telegiertenversammlung beschloß, mit den Fabrikantcnverbänden behufs Einführung des Zehnstundentages in der Textilindustrie in Verbindung zu treten, ferner dem inter- nationalen Tcrtilarbeiter-Sekretariat beizutreten. Die Aussperrung in der Diamant-Judustrie. Der Minister Kuyper hat nun den in Betracht kommenden Organisationen telegraphisch Mitteilung über die Form und die Be- dingungen der bevorstehenden Intervention gemacht. Er stellt sich den Parteien als Vermittler während der Zeit vom 28. März bis zum 1. April vollständig zur Verfügung. Die Juweliersvereinigung einerseits und die Diamantarbeiter-Orgauisationen andrerseits haben je einen Delegierten zu bestimmen, die sich nach Haag zu begeben haben, um jederzeit, so oft es verlangt wird, im Ministerium des Innern anwesend zu sein. Kommt bis zum 1. April keine Einigung zwischen den Parteien zu stände, so nimmt die Intervention des Ministers einen schiedsrichterlichen Charakter an. Der Schiedsspruch soll spätestens bis zum 4. April gefällt sein. Die Entscheidung, ob durch Vergleich oder Schiedsspruch herbeigeführt, soll zunächst bis zum 1. April 1905 gelten. Vor diesem Datum soll eine gemeinsame Kommission unter einem unparteiischen Vor- sitzenden über weitere Anerkennung oder Revision des Vertrages entscheiden. Der Minister macht seine Intervention von der Annahme dieser Bedingungen abhängig. Die Antwerpener Arbeitgeber fahren fort, Nachrichten über den Erfolg der Wiedereröffnung der Fabriken in die Welt zu setzen, die von der Arbeiterorganisation unter Anführung genauer Zahlen als grobe Lügen gekennzeichnet werden. Der in Amsterdam er scheinende„Telegraaf" berichtet im Gegensatz zu seiner früheren Mil teilung aus Antwerpen nun, daß am Montagabend schon sieben- hundert Arbeiter in den Fabriken thätig waren und das;, wie die Arbeitgeber �versicherten, andern Tags noch gegen hundert hinzu- kommen würden. Dieser Abfall in großem Maßstäbe hätte begreiflicherweise auch unter den ausharrenden Streikern große Entmutigung hervorgerufen.— Demgegenüber hat Louis Romeo der Redaktion von„Het Volk" am Mittwochmorgeu auf telephonische Anfrage erklärt, daß bis zur selben Zeit zu den B e- dingungen der Arbeitgeber an die Arbeit gegangen waren: 94 Eigenwerkmacher, 59 Gehilfen, 30 Versteller und 92 Lehrlinge. Die Zahl der zu den Bedingungen des Diamant arbeiter- Verbandes thätigen Arbeiter aber betrug zur selben Zeit 1669, während sich 1405 Streikende am Mittwochmorgen zur täglichen Kontrolle meldeten. Die Gesamt- zahl der Diamantarbeiter Antwerpens beträgt etlvas über 3000. Es ist also ganz unerklärlich, wie die Unternehmer zu ihren 700 Arbeits- willigen gekommen sind. Wie Romeo versicherte, kann von einer Entmutigung unter den Streikenden keine Rede sein, was ja auch bei dieser Sachlage selbstverständlich erscheint.— Eingegangen bei der Hauptkasie des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes zur Unterstützung der ausgesperrten Textil- arbeiter in Crimmitschau von der Gesellschaft„Unter uns" durch H. Bintscld Sa. 137,00._ Georg Treue, Kassierer. SozxaUo v(/* Landesversicherungs-Anstalt und Schiedsgericht. Am 27. November v. I. berichteten wir über Streitigkeiten zwischen dem Vorsitzenden der Landesversicherungs-Anstalt Berlin, Herrn Dr. Freund, und dem Vorsitzenden des Schiedsgerichts Berlin, Herrn v. Goßkowski, wegen ihrer Aufsichtsbefugnisse gegenüber den Beamten des Schiedsgerichts. In diesem Streite waren die Eni- scheidungen der Auffichtsinstanzen angerufen worden und diese hatten ohne Einschränkung gegen Dr. Freund ent- schieden. Auch der Ausschutz der Versicherungsanstalt hatte sich mit der Angelegenheit beschäftigt und nach grllnd- licher Prüfung des Sachverhalts einen ausführlich begründeten Beschluß gefaßt, daß er das Verhalten des Dr. Freund nicht billigen könne. Diesen Beschlutz hatte Dr. Freund durch Beschwerde an das Reichs-Versicherungsamt als unzulässig angefochten. Die„Amtlichen Nachrichten" des Reichs-Bersichcrungsaintes veröffentlichen' nun die Entscheidung dieser Behörde auf Dr. Freunds Beschwerde. Die Bc- schwerde ist znrückgewiescu und die Anfechtung für unznlüssig erklärt worden. Zugleich wird in derselben Sache eine andre Entscheidung des Reichs-Bersicherungsamtes veröffentlicht, wonach der Ausschuß die Befugnis hat, zu verlangen, daß der Vorstand der Versicherungs- anstatt in den Sitzungen des Ausschusses zur Auskunftserteilung ver- treten sei._ Regierung hilf! Die„Deutsche Zeitung" veröffentlicht die Zu- schrist eines Leipziger Arztes, in der es heißt: „Ein zweites Köln wird Leipzig nicht I" so riefen die Kassen- Herren in den Volksversammlungen und ernteten den stürmischen Beifall der urteilslosen Masse. Es wird aber die Zeit kommen, wo dieselben Herren und mit ihnen die KreiShauptmannschaft bedauern werden, nicht von Köln gelernt zu haben." Man möchte die„urteilslose Masse" gar so gern durch kölnische Zwangsmittel beglücken und ist schmerzlich berührt, daß die Leipziger Behörde im Rahmen ihrer gesetzlichen Befugnisse bleibt. Eine feindliche Stellung nimmt der Stadtmagistrat Fürth gegenüber dem dortigen Verbände der gemeindlichen Arbeiter ein. Gelegentlich der Beratung über einige Eingaben der Arbeiter- ausschüsse verschiedener städtischer Betriebe teilte der Bürgermeister mft, daß schon seit längerer Zeit eine Eingabe des Gemeinde- Arbeiter-Verbandes vorliege, die sich mit den Eingaben der Arbeiter- ausschüsse decke. Es erübrige sich, auf die Eingabe einzugehen, der Magistrat solle überhaupt aussprechen, daß er sich in Zukunft nicht mehr mit Gesuchen des Verbandes beschäftigen werde, sondern nur mit solchen, die von den Arbeiterausschüssen ausgehen. Ter in seiner Mehrheit liberal-demokratisch gesinnte Magistrat eignete sich diese Auffassung trotz des Widerspruches der socialdemokratischcu Kollegiumsmitgliedcr an. Es ist also den städtischen Arbeitern un- möglich gemacht, Forderungen durch ihre Organisation vertreten zu lassen, sie werden einfach an die Arbeiterausschüsfe verwiesen. Und das Bestätigungsrecht für diese Arbeiterausschüsse hat sich der Magistrat weislich vorbehalten. Er wird dafür Sorge tragen, daß kein Mann darin Platz findet, der sich energisch der Interessen seiner Kollegen annimmt. Warum sollten die bayrischen Liberalen und Demokraten auch freisinniger sein wie die Berliner Freisinnigen. Zum. Arbeiterschutz. Der Staatssekretär des Innern hat die Bundesregierungen ersucht, durch die Gewecbe-Aufsichts-Beamteu eingehende Erhebungen über die Gesundheitsgefahren, insbesondere über die Bleivergiftungs- und die Staubgefahr, anstellen zu lassen, denen die Arbeiter der keramischen Industrie und der Emaillierwerkc ausgesetzt sind._ Hub Induftm und Handel. Obcrschlesische Eisenindustrie. In der heutigen Aufsichtsrats- Sitzung der Obcrschlesischen Eisenindustrie, Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetricb, in Gleiwitz O.-S. legte der Vorstand den Abschluß für das Jahr 1903 vor. Der Betriebsgcwinn beträgt nach Abzug aller Kosten sowie nach Abzug der Zinsen für die Hypothekar-Anleihe 1 417 693,19 M.(im Borjahre 1 351 797 ,62 Mark inkl. Vortrag von 82 536,72 M. aus dem Jahre 1901). Es wurde beschlossen, 1 250 000 M. auf Anlageconto abzuschreiben und der Generalversammlung vorzuschlagen, V- Proz. Dividende zu verteilen. Bezüglich des Geschäftsganges wurde berichtet, daß die Gesellschaft in allen Fabrikationszweigen befriedigend beschäftigt. Tie Aussichten seien durch das Zustandekommen des Stahlwerks- Verbandes als gebessert zu bezeichnen. Emaillicrwcrk und Metallwarenfabrik Silesia, Paruschowitz bei Rybnik. In der gestern in Berlin abgehaltenen Sitzung des Aufsichtsrats wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1903 vor- gelegt und beschlossen, der auf den 30. April einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 5 Proz.(im Vorjahre 4 Proz.) vorzuschlagen. Ter Beschäftigungsgrad aller Be- triebsstätten der Gesellschaft ist zufriedenstellend. Dortmunder Union. In der gestrigen Generalversaminlung wurde die Veräußerung der„Henrichshütte" und das Verkaufs- angebot für die Zeche„Carl Friedrich" einstimmig genehmigt und Geheimer Seehandlungsrat a. D. Schöller zu Berlin in den Auf- sichtsrat gewählt. Konkordia", Bergbau- Gesellschaft in Ober- hausen. Der Aufstchtsrat beschloß, wie die„Kölnische Zeitung" erfährt, in seiner gestrigen Sitzung der am 22. April stattfindenden Generalversammlung die Erhöhung des Aktienkapitals um 1 Million Mark und IV« Million Schuldverschreibungen vorzuschlagen. Ter Erlös hieraus foll zum Ausbau der Anlagen dienen. Annahme von Expreßgut. Nach einer Mitteilung der königl. Eisenbahn-Tirekton Berlin bleibt neben den vom Berkehrsbureau der Berliner Handelskammer vor einiger Zeit angekündigten neuen Bestimmungen die bisher zugelassene Abfertigung von Gütern aller Art auf Gepäckschein ohne Lösung von Fahrkarten auch nach dem 1. April vorläufig bestehen. Es bleibt demnach den Versendern bis auf weiteres überlassen, ob sie die Expreßgut-Sendungen nach dem neuen Verfahren mit einer Eisenbahn-Pakctadrcsse oder, wie bisher, ohne eine folchc aufgeben wollen. Northern SccuriticS Company. Auch die„Frankfurter Zeitung" zieht aus den gestrigen Meldungen über die Auflösung der für un- gesetzlich erklärten Northern Sccuritics Company die Folgerung, daß dieser eigenartige Aktientrust keineswegs ganz zu verschwinden ge- denkt, sondern nach einer vom Gesetz nicht getroffenen Form sucht, die ihm gestattet, dennoch die Kontrolle über die bisher finanziell in ihm vereinigten Eisenbahngesellschaften zu behalten.„Offene Frage bleibt," schreibt das Frankfurter Blatt,„auf welche Wesse die durch die Northern Securities Co. bezweckt gewesene Interessengemeinschaft unter den betteffenden Linien aufrecht gehalten werden kann. Die Shares der N. S. Co. sind nichts weniger als klassiert. Der weit- aus größte Teil befindet sich im Besitz der früheren Großaktionäre, die bei diefem riesigen„deal" von Anfang an interessiert waren, oder der von ihnen pattonisierten Eisenbahngesellschaften, die als Reser- voirs für die Shares herhalten mußten, während zweifelhaft bleibt, ob und wie weit sie mich an den ursprünglichen und bereits realisietten Gewinnen des„deal" beteiligt wurden. Die Union Pacific-Bahn beziehungsweise die Oregon Short Line allein weisen davon 82V- Mllionen Dollar auf, für die sie jetzt der vor- geschlagenen Abfindung gemäß, die seiner Zeit da- gegen umgetauschten 78 Millionen Dollar Northern Pacific-Shares wieder zurückerhalten. Es ist daher anzunehmen, daß die Konttolle der verschiedenen Linien nicht zersplittert wird und leicht eine andre gesetzmäßige Kombinatton ausfindig gemacht Iverden kann. Dafür scheint man ja der Northern Securities Co. vorerst ein kleines Rest- kapital zu belassen." Rumänische Petrolenm-Jnbustrie. Aus der Statisttk des Tomänenministcrs über die rumänische Petroleumproduktion ver- öfftntlicht die„Frankfurter Zeitung" einige Zahlen, die in Anbettacht der bekannten Beziehungen der rumänischen Pettoleumgesellschaften zu � den großen deutschen Bankinstituten Beachtung verdienen. Im ganzen stieg die Bruttogewinnung an Pettoleum im Rumänien im Jahre 1903 auf 384 303 Tonnen, gegen 310 000 Tonnen in 1902. Die Zunahme und fast die ganze Produktion entfallen auf den Distrikt Prahova allein, der diesmal 345 913 Tonnen geliefert hat. während die unbedeutenden Distrikte Dambovitza und Bacau einen Rückgang aufweisen und der kleinste Disttikt Buzau fast gar nicht ins Gewicht fällt. Für die einzelnen Gesellschaften ist hervorzuheben. daß die Steana Romana in Bushtenari allein 81 644 Tonnen er- zeugte, und dies in fast allmonatlich steigenden Mengen, so daß sie im Januar nur 5302 Tonnen, aber im Dezember 9359 Tonnen pro- duzicrt hat, wobei die Zahl ihrer produktivem Bohrungen dort von 29 auf 39 gestiegen ist. In andren Distrikten hat sie 7970 Tonnen pro- duzictt. Die Telcga Oil Co. produziette in Bushetenari 43 034 Tonnen; auch sie hat ihre produktiven Bohrungen ebenso stark ver- mehrt, von 15 auf 25. Die Jnternationala hat 19 271 Tonnen produziert; ihren Höhepunkt erreichte sie im Mai mit 2169 Tonnen. während der Dezember ihr nur 1691 Tonnen eingebracht hat. Die Bushtenaric-Gcsellschaft erzeugte 18 207 Tonnen; bei ihr ging die Produktion bis zum April auf 1250 Tonnen zurück, sie schnellte im Dezember plötzlich auf 2007 Tonnen hinauf, war aber im Dezember nur noch 1381 Tonnen. Daß die Unternehmungslust der letzten Jahre, gesteigert zuerst durch die Standard Oil Co., dann noch mehr durch das Eingreifen der deutschen Finanzgruppe, hier und da offenbar schon in Ucbereifer geraten ist, dafür spricht ein Uebcrblick der bis jetzt er- richteten rumänischen Gesellschaften, den der„Mon. du Pett. Rom." zusammengestellt hat. Unter diesen 44 Gesellschaften haben erst 2 eine Dividende für 1903 zu verzeichnen, die Jnternationala mit 8. die Bushtenari mit 3V- Proz., während 29 Gesellschaften ver- schwunden sind, teilweise im Fusionswege, viele infolge von Miß- ergebnissen._ Hub der frauenbewegung» Köpenick. Der Frauen- und Mädchen- Bildungsverein hielt am 16. März, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Helling, Schöner- lindestr. 5, seine Mitgliederversammlung ab, in welcher Genossin Frau Hedwig Kiesel über„Die Frau in der Industrie" referierte. Der V orttag wurde mit großem Beifall aufgenommen. In der Diskussion sprachen sich verschiedene Genossen im Sinne des Referats aus. Zwei Mitglieder meldeten sich zur Aufnahme. Die nächste Versammlung findet am 20. April im selben Lokale statt. Frauenstudinm. Die Universität Jena ist von der weimarischen Regierung in Kenntnis gesetzt worden,„daß der Zulassung von Frauen, die alle Bedingungen hierfür erfüllen, zu der Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen und zu sonsttgen das Studium abschließenden Prüfungen grundsätzliche Bedenken nicht entgegen- stehen"._ »Weizen, gut D.-Ctr. mittel gering »Roggen, gut mittel gering fGerste, gut mittel *. gering -fHaser, gut , mittel gering Richtstroh Heu Erbsen •aperebohnen Linsen * ab Bahn. Marktpreise von Berlin am 23. März 1904 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch. Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch. Butter Eier SO Stück Karpsen 1 kg Aale Zander Hechte. Barsche Schleie Bleie Krebse per Schock 4 srei Wagen und ab Bahn. 8,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2.60 4,00 2.40 3,00 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 6.00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2.00 2,80 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 ßriefharten der Redaktion. lurirtifcher CeU. Tie juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausuahme des Sonnabends von?-/- bis»-/- Uhr abends statt.«ei>ff,.et:? Uhr. G. B. Nur mit Zusttmmung deS Regierungspräsidenten ist eine Aenderung des Namens(Kostenpunkt 50 M.) zulässig.— t»S. Sie können einen Schenkungsverttag abschließen oder zweckmäßiger ein wechselseittgeS Testament errichten.— F.®. 83. Der Bürgermeister ist zu einer Ant- wort nicht verpflichtet, Sie können aber Beschwerde einlegen.— P. Th. 1000. Eine Abrede kann nicht einseitig rückgängig gemacht werden. Im übrigen hat derjenige zu beweisen, der aus einer Behauptung Rechte ableitet. Der Gegner hat eventuell zunächst das Recht aus Beeidigung. — E. N. 100. Das geht nicht an: Sie dürsen nur ohne Bezeichnung des Gewerbes sich Meister nennen.— H. 14. 1. In Berlin sind Heim» industtte-Arbeiter krankenversicherungspflichttg. 2. Wohl zur Otts-Kranken» lasse der gewerblichen Arbeiter. 3. Textil- und Tabak-Heimarbeiter sind versicherungspflichtig.— H. K. 24. Sttasbar machen sie sich nicht. Sie hasten aber sür den Wechselbettag, wenn Ihr Bruder nicht zahlt.— Korb. 1. Nach dem Kommunalsteuer-Gesetz ist die Gemeinde zum Erlaß dabin gerichteter Statuten berechtigt. Sie müssen also zahlen. 2. Gegen den ab- lehnenden Bescheid ist Beschwerde bei der Oberstaatsanwalsschast deS Ober« landesgettchts zulässig. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe unvergeßliche Frau 4627L Anna König am Dienstagabend nach langem, schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung sindet am Sonnabend, den 26. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Wilmersdorser Fried- hoses aus statt. llor trauernde Gatte K. König. Verband deutscher Gastwirtsgehilfen (Ortsverwaltung Berlin). Hierdurch zur Nachricht, daß unser Mitglied X»r! Stemel am 22. März an der Proletarier- Krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenkent Die Beerdigung findet heute nachmittag 5 Uhr auf dem St. Georgen- Kirchhos zu Weißensee statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 288/12 Oer Vorstand. Danksagang;. Für die rege Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Be- (ir-ibnisjeier meiner lieben Frau sage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Musiker- Verein „Nordische Klänge" sowie dem Prediger Jahnke meinen innigsten Dank. August Thlem 89065 nebst Kindern. CeDtral-Verhaiid der Maurer Deutseiilauds. Zweigverein Berlin. Am 22. d. Mts. starb unser treues Mitglied 137/00 Seinrieli Eitner im Alter von 59 Fahren an Herzschlag- Ehre seinem Andenken l Die Beerdigunasmdet am Sonn- abend, den 26. d.MtS., nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause Wasser- thorstraße 76 aus nach dem neuen Thomas-Kirchhos in Rixdors statt. Um rege Beteiligung ersucht Die BcrbandsleituM. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. kVachrnf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metalldreher Dnmo Landmann am 22. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! l13/g Oie Ortsverwaltung Dr. Schünemann Speeialarzt für Haut-. Harn- und Frauenleiden, SvyckeUtr. O. '/,!«-'/„O-1/ j». Sonnt. 9- 1 1 I Prima Schnitzel i Pfund 1 Mark. Rückenfott ä Pfund SO Pfg Carl Schubert, Prinzenstr. 26 I Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau NUnns Liebelt geb. Gundlach nach kurzem schweren Leiden sonst entschlasen ist. Dies zeigt ttefbetrübt an Pnni Liebelt. Beerdigung Freitag 3 Uhr aus dem Friedhos der Thomas-Ge- meinde in Rixdors, Hermann- straßc. 289gb Rohtabak fein hellfarbig mit Sumatra-Decke l'/aJPfd. deckend, a 20O Pf. S. Ham nierstein Filiale. Vertr.: Gustav Boy,* Berlin N., Brnnnenwtr. 183. Gelegenheitskäufe in Damen• Konfektion! KostUme von 12 H. 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Sonntag, den 27. März 1904, vormittags 10 Uhr, im Saale des Herrn Frist Wille, Brunnenstraße Nr. 188: Ordentliche General-Bersammlung. Tages-Ordnung: 1. Bexicht des Vorstandes und Ausschusses, Abrechnung des Kassierers sowie Revisionsbericht. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes, 1 Vorsitzenden, 2. Kassierers, t Beisitzer und 1 Ersatzmänner; Wahl des Ausschusses und 4 Ersatzmänner. 3. Beschlußfassung über die Aenderungen der§§ 20 und 27 der zweiten geprüften Satzungen. 4. Wahl eines Hiljslassierers sür Moabit. 5. Innere Kassenangelegenheiten. 38/14» nir- Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. Der Ausschuß. I. A.: H e i n r i ch M e tz k e. I. A.: O t t o P a n z« r. NR Die General-Versammlung, welche am 14. Februar stattgesunden hat, ist von der Aujsichtsbehörde beanstandet. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Freitag, abends 8'/2 Uhr, im Gewerkschnftshause, Engel-Ufer 15: Sitanng der Ortsverwaltung. Achtung! Einsetzer� Achtung! Sonntag. 87. März, vormittags 10 Uhr, im Gewrrkschaftshause, Engel-Ufer IS. Saal I- Uersammlullg sämtl. Einsetzer Kerlins und Utngegend. Tagesordnung: 1. Was lehtt uns die letzte Bewegung? 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. 82/S Um rege Beteiligung ersucht_._ Die Kommission. Unter dem Ehren-PrSsidium des OberbUgermeisters von Charlottenburg, Herrn Schustehrus. Ausstellung rtir Rindes-Wohlfahrt vom 26. März bis 5. April d. J. im Ausstellungshause der„Berliner Seeession" und in den Gartensaiea des Theaters des Westens. Eintrittspreis 50 Pf. An Elltetagcn 1 91. f ür de» Inhalt der Inserate hernimmt die Redaktion dem Publituu» gegenüber keinerlei Berantwortnng. HKeater. Freitag, den 25. März. Ansang 71/, Uhr; Opernhans. Der Wildschütz, oder Die Siiminc der Natur. Schauspielhans. Götz von Ber lichingen mit der eisernen Hand. (Ansang 7 Uhr.) Neues Königl. Oper»- Theater. Mignon. Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Maria Theresia. Lessing. Zapsenstreich. Westen. Die Stumme von Portici. Neues. Minna von Barnhelm. Residenz. Der keusche Casimir. Vor- her: Die Enipsehlung. «en»ral. Die Geisha. Belle- Alliance. Götterweiber. Thalia. Resemanns Rheinsahrt. Ansang ö Uhr: Schiller v.(Wallner- Theater.) Uriel Acosta. Schiller K.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Die Wildemc. Kleines. Nachtasyl. Luisen. Das Sa,lotz am Meer. Trianon. Das eiste Gebot.— Der Dieb. Earl»Weiss. Ein Mädchen aus dem Volke. Deutsch-Amerikanisches. Ueber'n grotzen Teich. Easino. Walden- Gastspiel. Raub der Sadinerinnen. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Winter-Garten. Ivette Guiwert. Costantine Bernardi. Speciali- täten. Apollo. Frühlingslust. Blüten» Hochzeit. Spccialitäten. Metropol. Ein tolles Jahr. Reichshallen. Stettiner sänger. Passage-Theater. Eaiccdo. Specia- litäten. Ansang 5 Uhr. Urania. Tandenstrassc 48/4g. Um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Jndalideustrasse 57/62. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: „Radium". Mm Theater. Schifsvauerdamm 4a— 5. Minna von Barnhelm. Ansang �1|� Uhr. Morgen: Schwester Beatrix, Kammersänger. Oer Central-Theater. Heute 16. Abonnements-Vorstellung: Abends 7'/, Uhr: Die öelslta. Operette in 3 Akten v. Sidney Jones. Sonnabendnachm. 4 Uhr, hawe Preise. Kindervorstellung: Der gestiefelte Kater. Märchenspiel in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. Abends?>/, Uhr: Oas Schwalbennest. Schlller-TIieater. Schiller-Theater O. (Wallncr-Theater). Freitagabend 8 Uhr: llrlel Acosta. Trauerspiel in 5 Auszügen von Karl Gutzkoiv. Sonnabendabend 8 Uhr: Hle Kinder der£xcellenz. Sonntagnachmittag 3 U h r: Der Fleck anf der Fhr. Sonntagabend 8 U b r: vle Kinder der Fxeellenz. Schlller-TIieater'S. (Fricdrich-WilHclmftädtisches Theater). Freitagabend 8 Uhr: IMe Ehre. Schauspiel in 5 Zlusz. v. H. Sudermann. Sonnabendabend 8 Uhr: liaiupacivagabnndns. Sonntagnachmittag 3 U h r: Fanllne. Sonntagabend 8 Uhr: I-nmpacivazxnbnndns. Thalia-Tlieater. Belle-AIlianee-Tliealer. Dresdenerftr. 72/73. Amt IV 4440. Bellc-Alliancestr. 7/8.'Amt VI 283. Aus. 7l/j Uhr. Direktion Jean Kren und Alfred Schönfeld. Ans. 71/, Uhr. Heute und solgcndc Tage: Götterweiber. Ausstatt.-Posse mit Gesang und Tanz. Sonntagnachm. 3 Uhr bei kl. Preisen: Ueborali. Heule und folgende Tage: Zle8kmsnn8 Kkinfsdrt. Schwank in 3 Akten. Sonntagnachmittag 3 Uhr: _ Charlcys Tuntel Der Cirkus bleibt nur noch kurze Zeit! Cirkus iolmmamt. Freitag, de» 25. März 1901, abends 7'/, Uhr: > inniinc Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Das Schloss am Meer. Sonnabend: Uriel Acosta. Sonntagnachm.: Egmont. Lwcnds: Das Schloß am Meer. Montag: Egmont._ ROenMlMtkl Direktion S. Lautenburg. WendS Vlt Uhr: l)Le6mpfeKwng. Swends 8 Uhr: Der Kenslhe ssoßmir. IISIIIO Ziz. AlirrolilllUilZ. Anfang S Uhr. Ende lOUhrSO. Deutsch- Amerikanisches THEATER Kflpnickerstrasse 67. Jeden Abend: Gastsp. Ad. Philipp Üobern «ROMSEX TEICH. Metropol Theater Zum 14. Male: Ein tolles Jahr. Gr. dramatisch-satiriscbe Eevue in 5 Bildom von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. In Scene gesetzt vom Direktor Kionard Schultz. 1. Bild: Am Kleinkindersee. 2. Bild: Was giebt's Neues. 3. Bild: Das Ordensfest. 4. Bild; Der neue Zapfenstreich (Parodie), 5. Bild; Briefe, die ihn erreichten (Ballett). Anfang 8 Uhr. Hauchen überall gestattet. Carl Weiss-Theater. Greste Frankfurter Strafte 132. ■or Ansang 8 Uhr.-WS Ein Mädchen aus dem Bolke. BolkSstück mit Gesang in 3 Akten (S.Bildern) von Sepp! I. Simonsohn u. E. Nitterseldt. Musik v. A. Wicher. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabendnachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung: Dornröschen._ Heute L'dcnjferc laniincnse Scrpcrtln, geritten von der jugendlichen Schulreiterin Fräulein Doru 8cbuinann. jSIsu Duisy, Saltomortalreiterin. X Hstr. Woodsen. Hurdle-Mt. Freren Skremka,&ic ein�«lÄet,t,en Herr JTuI. Seeth mit seiner Löwenherde. IW" Cakc Walk der Geschwister Meers."MBQ Habel. Große Ausstattungs-Pantomime. Sonntagnachniiltag: Robert und Bertram. Höchst komische Pantomime. Ein Kind frei. Urasila. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: an der Riviera. Sternwarte ITÄ Um 8 Uhr im Hörsaal: Dr. B. Donath:„Radliiw." CASTANS PANOPTICUM Priedrichstr. 165. Afrika in Berlin!!! T unesen=T ruppe. Grosse V ölkerschan. Die schUiten Harems- Damen in Tunis. Passage-Theater. Anfang Sonnt. 3, Wochentags 5 Uhr. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Oas Publikum schreit vor Lachen bei dem Redestreit der beiden feindlichen Improvisatoren Holländer u. Stainitz. Xnr noch drei Tage: Caicedo der berühmte Drahtseilkönig. 14 erstklassige Nummern. Trianon-Theater. Georgenstraße. zwischen Friedrich» und Universitärsswaße. Das elfte Gebot. Hieraus: Dtv Dieb. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachmittag:„»adame X." Kleines Theater. Unter beu Linden 44. Nachtasyl. Ansang 8 Uhr. Morgen: Des Pastors Rieke._ Apollo-Theater. & uhr: frfihUngsluft "bÄ Blütenhochzeit, O'/j— U Uhr: Das grosse Speeialitäten-frooratnm. Mab Oersy. Les Brunin. Tom Hearn. Robert Steidl. X Heinrich Blank. Boston Ball Tam-Ensemble. tfonntaer, den Ä7 H&ris, nachm. 8 Lbr: Erühllngsluft und 8 p c c i a 1 1 1 tt t e n. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Anf. 8, Sonnt. VI,. Der Raub der Sabinerinnen. Strise: Iflnx Waiden a. G. Kaiserl. ruff. Hofichausp., fr. Mitglied des Schiller-Theaters. Vorher: Das brill. März-Programm. Die beste Dresj.-Nummer; Der Weltfriede. Sonntagnachm. 4 Uhr: Höfel Klingehusch._ Sanssonci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag HofTniannu Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonntag: Extra• Vorstellung. dSebrilder Herrnfeld- A? Theater. Heute und folgende Tage das Herrnfeldschc Seniationsstück Wr eine Ztahfl Zwei Akte ans einer Ehe. Vorher: Ktinutlec-Tell und Rendlx und Edi Stadler. hm Nachspiel Komödie In Vorbereitung: Riuleni zu von „9li«e eine Nacht". A. und D. Herrnseld. Steidl-�Theater Linien- sirasse 132 Oranienburger Thor. Letzte Woche! vor der Abreise nach Ruhland. Mittwoch, den 30. März: Dsekietis- Vorstellung. Schauspiel in 4 Akten. EterUner Prater Kastanien-Allee 7—9. Freitag, den 23. März er.: Bernhard Rose-Theater-Ensenible. Die Bettlerin und ihr Kind. Schausp. in 3 Akten n. d. Französischen von Meisiner. Ansang 8 Uhr. Nächste Vorstellung: Montag, den 11. April: SchüUrnlis'l._ i. Direktion; Robert Dill. Brnnnenutrasue 16. Zum letztenmal: 6va. Schauspiel von R. Vosi. Sonnabend: Benefiz für Heinz, Hurst und Reich: Her Stabs- troiwpeter._ Palast- Theater Burgstraste 22, früher Feen-Palast. Gr. Elite-Vorstellung. Hervorragende Gäste. Halbe Kassenpreise."W ]>oii Cäsar. Schausp. mit Ges. in 5 Alten o. Saar. Morgen Sonnabend 8 Uhr: Das grostartige März-Programm. Sonntagnachm. 3 Uhr: Elite-Vor« stellung, zum zweiten und letztenmal: llltimo. Lustspiel in 3 Akten von G. v. Moser. Abends 8 Uhr: Das phänomenale März-Programm._ Fröbels Ällerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 146. Am Palmen-Sonntag: Grosse Extra-Vorstellung. Karburaer Sänger. Ansang C1/, Uhr. Eintritt 30 Pf. Montag: Goethe- Ensemble. Grosser Theaterabend. Königstadt-Kasino Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderftratze. Täglich: Erans Sobanskl. Die HitrK-SpeclalltAten. Zum«chlutz: Kul'nke auf Sommerwohnung. Posse mit Gesang. Stach der Vorstellung: Mittwochs, Sonnabends u. Sonntags: Tan«. Allen Freunden und Bekannten teile ich mit, datz ich das Lokal von Herrn Erl!« Dreuss, Bellc- alliaure-Ztraste 74», in Vertrewng übernommen habe und ersuche, das mir in meinem früheren Geschäft Naunyn-Strahe 6 entgegengebrachte Vertrauen auch hier übertragen zu wollen. 4SlöL* Krüger Bellcallianer-Straste 74a. IX. Berliner Saison. Cirkus Busch. Große internationale Ningkampf-Konkurrenz um die Weltmeisterschaft.— Die 24 beste» Ringer der Welt. ES treten in Konkurrenz: 1. Rani le Rennler(Frankreich) gegen Roebnack(Berlin). I 2. Jean vnn Dyck(Belgien) gegen Feyroase, den Löwen I von Valencia. 3. Picrrard le Colosse(Frankreich) gegen lleiur. Ebcrle| (Deutschland). Der Ringkampf beginnt nni'1,9 Uhr. Bas letzte Wort!!! 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Deutsch von Karl KautSky. Brosch. M. 1,50; gebd. M. 2,— Ter 18. Brumaire des Louis Bonaparte. M. 1,— Album- und Lederwaren-Fabrik Dakar Gnndan, Oraniensfr. 30, Ecke Adalbenstrasso. Gr. Lager aller Arten Lederwaren n. Schmucksachen zu bill. Preisen. Heute Freitag giebt es wieder Blut- u. Leber- «WMMW» V* v �3 giebt es r 'frische m bekamiter tadelloser Qualität. Wurst kiel!. ÄugDStiii, .Vorwärts"-Haus. Frühstücks MittagStisch. Lindenstr. 69. os parterre. Sitzungszimmer.* Teilzahlung Auf alter- bequemste Weise alle Arten Uhren, auch Goldnaren usw. (wöchentlich nur 1 M.) Juhre A König, Warschanerstr. 72 I. 4577L* Releoenheits-Partie ardinen pro Fenster Eleg. Secesslons-| abgepasste Fenster, weiss nnd creme "■2", 3, 4°° ?af. Secessl« Tüll Stores Gestickte echte Spachtel-Stores Goldfarb. reichgestickte Erbs- w A 35 tüll Stores Garöineu-Specialliaus M. 5 65 0ranienslr.l58,D'!s."n ßaritiriDii.Katalo8[ mit ciroa Udminen- 600 Abhildunßten gratis nnd franco.'O Aktiva. Bilanz pro 30. September 1903. PasslTa. An Mehl-Conto..... „ Brol-Conto..... „ Kohlcn-Conto.... „ Pserdesutter-Eonto.. „ Butter-, Zucker- usw. Conto...... „ Sack-Conto.,... „ Fustmehl-Conto... „ Bäckerei- Utensil.- Conto „ Comptoir-Utensil.- Conto „ Stall-Utensilien-Conto. „ Wagen-Conto.... „ Pserdc-Conto.... „ Kassa-Conto..... „ Kas-KautionS-Conto. , GerichtSkosten-Vorschust- Conto...... # Berliner Bau- u. Spar» vcrein-Anteil-Conto. , Debitoren-Conlo... M. Ps 554 30 809 55 240'— 80— 200]- 20 80 Mt 1800 160 450 1050 1400 103 40 30 40— 640 — 20 44 Per Geschäfts anteile der Ge- nossc»...... . Darlehen-Conto... „ Crcditoren-Conto... „ Reservcsonds-Coiito.. ! M. P 2505— 5150— 20— 4 29 Geschästsjahres sind 9 Mitglieder eingetreten. schieden sind infolge Ablebens 3 Genossen, Insol! Im Lause deS 7679129 AuSgc- ge Kündigung zum Schlüsse des Geschästsjahres 10 Genossen. Am Jahresschlüsse gehörten der Genossen- schast 224 Mitglieder an, deren Haftsumme 2505,— M. betrug. Das Ge- schästsguthaben, bezw. die Hastsuinmc hat sich ün Geschäftsjahre um 470,— M. vermindert. 2910b Berlin, 24. März 1901. Bäkterrigenosscnschaft BolkSbrot, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. August Bart«». Der Borstand Hermann Barz. Dunckcr. Paul Hallensleben. Kohllahn. �osiülö�isc�s; iraubaus. Empfehlen unser helles u. dunkles Tafelhier: Gambrinusbräu(Münchener) Nepomukbräu(Pilsener) Sötimiselies Brauhaus no. paas- Abteilung; Eandsberser Allee 11/18. T. VII. 5088. Flaschen-„ Frieden Strasse«S. T. VII. 1670. Untre OrigiDal-Äbzug-FIascIienbiere in fast allen Kolomalwaren-baticUungen. m fylinderhilte ond Chapean elvioes in groster Auswahl. Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Le Co. Kur «euaste Moäen. Dieser steife, schwarze Hut mitFufter, moderne Form,|!ll|ttt 1»� Special-Hut-Engroslager nur neuester Moden. 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Regiemngsrat Oegg, die hanseatische Gesandtschaft durch Erp. lügmann, daS preußische statistische Bureau durch Präsident B l e n k, die Stadt Lübeck durch Senator Ewers ze. vertreten. .Auf der Tagesordnung des Handelstages stehen folgende fünf. Punkte: Börsengesetz und R e i ch s st c m p e l g e s e tz «Berichterstatter Kämpf- Berlin und Dr. R i c ß e r- Berlin), Gesetz über den Versicherungsvertrag, Vercdcliingsverkehr, Der neue Zolltarif und die neuen Handels- Verträge, Verkehr mit Nahrungs- und Genutzmitteln, Kauf- mannsgerichte. Nach dem Vollzug der Vorsitzendenwahlen erfolgt Eintritt in die Tagesordnung. Zum ersten Punkte: Das Börsengesetz und ReichSstcmPclgesetz. referiert Stadtrat Kämpf- Berlin unter Zugrundelegung einer längeren Erklärung, in der es heißt, daß nach den Erfahrungen der letzten Jahre„der Deutsche Handelstag den in seiner Erklärung vom 8. Januar 1901 ausgedrückten Wunsch entschieden wiederholen muß, daß das Börsenrcgister beseitigt und die Untersagung dcS Börsentenninhandels in Getreide- und Mühlenfabrikaten sowie in Anteilen von Bergwerks- und Fabrik-Unternehrnungen wieder aufgehoben Iverde, weil nur dadurch eine Gesundung der Verhältnisse herbeigeführt werden kann." Als direkt notwendig wird dann im Anschluß hieran eine genauere Definition des Waren-LiefernngS- geschäfts, die Gleichstellung der Eintragung in das Handelsregister mit der Eintragung in das Börsenregister, Beschränkung der Frist für Einwaudserhebungen auf drei Monate k. gefordert. Herr Kämpf führt aus: Die Novelle zum Börsengesetz verlange eine wiederholte und entschiedene Stellungnahme des deutschen Handelstages gegenüber den schweren Mißständen, die das Börsengesetz heraufbeschworen habe..Zum Mindesten müsse man die Beseitigung derjenigen moralischen Schädigungen verlangen, deren Aufrechterhaltung nicht nur eine Gefahr für das Geschäft, sondern auch für den deutscheu Namen bedeuten würde. Das Börsengesetz sei nur möglich geworden durch völlige Ignorierung der Warnung der sachverständigen Kreise. lim so entschiedener müste deshalb der Handclstag seine Erklärung vom 3.. Januar 1901 wiederholen. Wohl habe die Reichsregierung den besten Willen zur Beseitigung der Mißstände— er scheitere aber an gewissen politischen und parlamentarischen Macht- faktoren, die einer Aenderung aus gcwistcn Gründen sich widersetzten. Die Umsätze sind geringer geworden, sie müssen aber vermehrt werden. Fordern müsse man vor allem eine g r ü n d- liche Herabsetzung der Börsen sten er. die eine erhöhte Einnahme bringen wird. Das beweist daS Beispiel der Post, die durch die Herabsetzung der Gebühren für Post- anweisungen und die Erhöhung der Gewichtsgrenze für einfache Briefe in letzterem Falle z. B. 24 Millionen Mark Mehreinnahmen hatte. Redner begründet sodann eingehend die vorstehende Er- k l ä r u n g und empfiehlt deren Annahme.(Beifall.) Unleugbar stelle die gegenwärtige Novelle einen Fortschritt gegenüber den unerträglichen Zuständen der letzten sieben Jahre dar: der deutsche Handelstag habe aber die Aufgabe, weitergehende, gesunde Zustände zu verlangen. Die Börse sei keine Gesellschaft überflüssiger Spekulanten; sie sei der Mitkelpunk des mo- bilen Kapitals. Hundert Milliarden Mark an Wert- papieren seien im Umlauf und jährlich werden zwei Milliarden Mark neuer Werte auf den deutschen Markt geworfen. Dieses ungeheuere nationale Kapital habe seinen Brennpunkt in der Börse. Die Industrie wäre nie so erstarkt, wenn sie nicht eine leistungs- fähige Börse mit ausgedehntem Termingeschäft zur Seite gehabt hätte. Komme einmal eine politische Krise oder gar ein Krieg über Deutschland, so könne die wirtschaftliche Stärke des Reiches nicht aufrechterhalten werden, ohne einen kräftigen Terminhandel. Er glaube nicht fehl zu gehen in der Annähme, daß die Heeres- Verwaltung an der Aenderung der betreffenden Bestimmungen des Börscngesetzes erheblichen Anteil genommen hat. Nach Kämpf sprach als Korreferent Dr. R l e tz e r- Berlin in gleichem Sinne, ebenso Thorwardt-Frankfurt a. M. Darauf erfolgte die einstimmige Amiahme der von den Referenten vor- geschlagenen oben erwähnten Resolution. Nach einer Pause gelangt das Gesetz über den Vcr- sicherungSvertrag zur Besprechung. Eine Kominission des Deutschen HandclStages hat den Entwurf des ReichS-Justizamtes über den Versicherungsvertrag geprüft und das Er- gebnis dieser Prüftmg dem ReichS-Justizamte zur Verfügung gestellt. Der Ausschuß des Handelstages hat daraufhin eine Resolution verfaßt, die einstimmig angenommen wird. Gefordert Ivird darin, daß die„Befreiung der öffentlichen Anstalten mit Zwangsversicherung von den Vorschriften des Gesetzes und die völlig ungerechtfertigte Ausnahmestellung der öffentlichen Anstalten ohne Zwangsversichcrung aus dem Entwurf beseitigt werden". Es folgt der dritte Punkt der Tagesordnung:„Zuständig- keit im Veredelungsverkehr", worüber Herr Seyffardt- Krefeld referiert und namens des Ausschusses des HandelStageS folgende Resolution beantragt:„Von der großen Bedeutung des zollfreien autonomen Veredelungsverkehrs überzeugt, be- klagt der Deutsche Handelstag die Schädigungen, welche die ungleich- mäßige Handhabung der Bewilligung dieses Verkehrs durck die einzelnen Bundesstaaten für Industrie und Handel deS Deutschen Reiches herbeiführt. Er erklärt es daher für dringend erforderlich, datz das Recht der Gewährung dieses Verkehrs gesetzlich einer Reichs- behörde überwiesen wird und setzt hierbei voraus, datz deren Eni- scheidungen auf Grund einer angemessenen Würdigung der in den verschiedenen Teilen des Reiches vorhandenen Interessen und mit der notwendigen Schnelligkeit erfolgen." Die Resolutton wird debattelos einstimmig angenommen. Vom Kominerzienrat Zucksch werbt- Magdeburg liegt ferner folgende Resolution betreffs des Inkrafttretens des neuen Zolltarifs und neuer Handelsverträge vor: „Die bevorstehende Einführung des Zolltarifs vom 25. Dezember 1902 und Ersetzung der bestehenden HandelStarif-Verträge durch neue wird die Grundlagen des deutschen Außenhandels in erheblichein Matze verändern. Wie der Reichskanzler bereits in einer Rede vom 11. Februar dieses JahreS anerkannt hat. ist eS notwendig, datz der Ucbergang zu dem künftigen Zustand sich glatt und ohne Erschütterung vollziehe. DicS ist aber nur dann erreichbar, wenn zwischen der Entscheidung über den künftigen Zustand und seineni Eintritt ein größerer Zeitraum liegt, der eS er- möglicht, die schwebenden geschäftlichen Beziehungen zum Ausland ungestört abzuwickeln und sich auf die veränderten Verhältnisse hinreichend vorzubereiten. Diese Uebergangsftist sollte auf ein Jahr bemessen werden. Kann diese Forderung nickt erfüllt werden, so ist die Uebergangsfnst auf mindestens sechs Monate festzusetzen und die Erledtgung der bereits geschlossenen Geschäfte innerhalb Jahresfrist zu den alten Zollsätzen zu gestatten." Für Absetzung der Resolution von der Tagesordnung sprechen Gehcimrat Wacntig- Zittau und H i l l e r-Lahr, während Generalsekretär Dr. S o eteb ee r-Berlin energisch für die Resolutton eintritt und gegen den Antrag Plauen der RückVerweisung an die Kommission plaidirt. Schloßmacher- Offenbach tritt für den Antrag Hamburg auf Vertagung der Entscheidung ein. Kommerzienrat Philipp- Chemnitz spricht gegen die Resolution. Es erfolgt namentliche Abstimmung. Der Antrag Hamburg auf RückVerweisung in die Kommission wird mit 147 gegen 84 Stimmen abgelehnt, worauf die Ausschußresolution angenommen und die Sitzung auf Donnerstag vertagt wird. Heute abend findet ein Festmahl statt._ Ruhstrat. Oldenburg, den 23. März. Vor der ersten Strafkammer begann heute früh unter großem Andränge des Publikums der neue Prozeß gegen den Oldenburger „R e s i d e n z b o t e n" wegen Beleidigung des oldcnburgischen Justiz- und Kultusministers R u h st r a t. Als Angeklagter erscheint der für den„Residcnzooten" neuerdings ver,..., wortlich zeichnende Paul Kruse. Angekl.: Das Gedicht war mir schon vor dem Prozeß Biermcrnn zugeschickt ivordcn. Ich habe das Gedicht aber erst ver- öffentlicht, als ich gehört hatte, oaß Minister Ruhstrat bis in die neueste Zeit auch anderweitig gespielt hat und nicht, wie er immer betont hat, nur im Kasino und im Klubzimmcr.— Präs.: Aber Sic müssen doch zugeben, daß auch dann die Behauptung: daß der Mnister die Ehre des Landes geschändet hat, zu weitgehend ist.— Angekl.: Ich glaube nicht, denn das be- hauptet jeder hier im Lande. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Sprenger(Bremen) beantragt die Vernehmung des Ministers Ruhstrat, des Gastwirts E i l e r s, des Kasinotvirts Werner, jetzt in Berlin. Diese sollen bekunden, daß der Mfnistcr Ruhstrat auch als Oberstaatsanwalt bis in die neueste Zeit leidenschaftlich gespielt habe und die Wirte zur Duldung einer strafbaren Handlung, nämlich des Glücksspiels in ihren Lokalen, ver- anlaßt habe. Staatsanivalt Riesebieter: Die Beleidigung liegt darin, daß behauptet worden ist, der Minister habe die Ehre des Landes ge- schändet. Es ist mir absolut unerfindlich, in lvelcher Beziehung die Bcweisanträgc z u dieser Beleidigung stehen sollen. Ich bestreite außerdem auf das entschiedenste, daß der Minister noch als Staats- anwalt bis in die neueste Zeit gcjeut hat und daß er den Wirt zur Duldung des Spiels verleitet hat. Im übrigen ist die Anklage nach § 185 erhoben worden und da ist ein Wahrheitsbeweis ausgeschlossen. Verteidiger: Man müsse doch unterscheiden, ob man jemand, der gestohlen hat, einen Dieb nenne, oder jemand, der«in ehrlicher Mensch sei. Er konzediere auch einem Staatsanwalt gerne, datz er auch einmal, namentlich in geschlossener Gesellschaft, mitspiele. Es wird jetzt aber behauptet, daß der Staatsanwalt Ruhstrat leiden- schaftlich bis in die letzte Zeit gespielt habe. Wenn das, was hier be- Häupter werde, sich als wahr erweise, so könne man nicht darum herumkoimnen, daß der Verletzte. Minister Ruhstrat, als Staats- anwalt sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht habe. Ich behaupte aber noch mehr Thatsachen: Als in dem Prozeß Biermann- Dr. Ries hier am letzten Tage verhandelt wurde, war in meinem Bureau in Bremen ein Kellner L a t u r n u s erschienen und hatte dort folgendes angegeben: Da er mehrere Jahre in Oldenburg im Eilersschen Restaurant in Stellung gewesen sei, könne er folgende neue Angaben machen: In dem Restaurant seien drei Lokale, und zwar r eins für Offiziere, eins für Juristen und eins für Privatleute. Hier wurde auch sehr hoch gespielt, und zwar die„Lustige Sieben", und der tollste Spieler war auf alle Fälle der damalige Oberstaatsanwalt Ruhstrat, dem ich verschiedentlich Geld geliehen hübe. Wenn gar nicht gespielt wurde, so begairn jedenfalls sofort das Spiel, sobald Minister Ruhstrat das Offizierszimmer betrat. Er hatte sehr viele und hohe Verluste, und der Rcstaurateur Joh. EilerS hat viel Geld verleihen müssen. Ich bin Zeuge gewesen, wie der Minister kein Geld mehr hatte und ich auch nicht, und Herr Eilers ebenfalls sagte, er habe auch keins mehr. Als Herr Eilers sagte, er könne nicht, langte Herr Ruhstrat in dessen Tasche, zog den Schlüssel heraus, ging mit Herrn Eilers in dessen Comptoir und schloß selbst den Sekretär auf, worin die Geldkassc stand. Es wurde nicht nur sehr hoch, sondern auch sehr lange gespielt; oft bis zum andern Mittag. lvcnn schon die andern Gäste zum Frühschoppen kamen. Ich muß entschieden bestreiten, wenn der Minister sagte, er hcche nie geäußert, daß er kein Silber auf dem Tische dulde. Diejenigen, welche am meisten spielten, waren Lieutenant v. Quast, v. Drcppcu, v. Wurmb. v. Bastewitz, Hauptmann v. Pawel und Lieutenant Kögel sowie Ober- Bauinspeklor Werner. Von den Juristen möchte ich erwähnen Minister Ruhstrat, Amtsrichter Stuckenberg, ferner den jetzigen Gymnasialdirektor Frühstück. Minister Ruhstrat schuldet mir sogar noch einen kleinen Betrag.(Lebhafte Bewegung im überfüllten Zuhörerraum.) Verteidiger Dr. Sprenger fährt dann fort: Alle die benannten Zeugen wären zu vernehmen. Der Zeuge Laturnus war noch ein- mal bei mir und machte noch folgende weitere Mitteilungen:„Ich war bei Eilers Kellner von 1838 bis August 1390. Es wurde um Taufende gespielt. Lieutenant v. Dreppcr verlor zum Beispiel fünf Schläge z» tausend Mark. also 5000 M. Es war dies nichts Außergewöhnliches und ließ den Verlierer völlig kalt. Ich bin später in Monte Carlo, Ostende, New Eork gewesen und habe manches hohe Spiel gesehen. Aber nur selten che ich so leidenschaftlich spielen gesehen, wie in Oldenburg, und ins- besondere seitens des damaligen Oberstaatsanwalts Ruhstrat._ Wenn der Herr Oberstaatsanwalt kam, ging ich schon von selbst hin und holte die Speisekarte, auf bereit Rückseite von mir oder einem der Herren die„Lustige Sieben" aufgemalt wurde. Ich verdiente oft in einer Nacht weit über 100. M., obwohl ich damals noch Lehrling und erst 15 Jahre alt war. Eilers war hierüber ungehalten. Er hatte mir verboten, den Herren Geld zu leihen. Einmal kam er hinzu, wie Lieutenant Kögel mir Geld zurückgab. Er schlug mich deswegen nachher heftig und sagte:„Du Lausejunge verdienst ja mehr Geld wie ichl" Mich nannten sie „Stift" oder„Honolulu" und genierten sich vor mir gar nicht. Der Minister hatte meistens Pech." Weiter beantragte Dr. Sprenger, den Kellner Johann Meyer aus Bremen zu vernehmen, der Kellner im Civilkasino in Olden- bürg war, und zwar von 1399— 1901. Er werde bekunden, daß dort in zugezogenen Nischen um Tausende gespielt wurde. Heruntergeworfenes Silbergeld blieb liegen und gehörte dem Kellner. Ans Silbcrgeld wurde oft geschimpft und es flog häufig verächtlich auf die Erde. Der Wirt Werner wollte von dem Treiben nichts tvisscn und drückte sich um 9 oder 10 Nhr. Die Offiziere gingen oft Spieltisch in den Dienst. Ich sah sie oft eine halbe Stunde später vorbeireiten. Die Mägde und ich Snten uns dann an dem trübseligen Anblick. Ich war Munt, als ich in den Zeitungen las. die ganzen Spielvorgänge sollten 13 Jahre zurückliegen, da es doch erst zwei bis drei Jahre her war. Staatsanwalt Riesebietcr hält alle diese Anträge für irrelevant für den vorliegenden Fall: daß der Münster die Ehre des Landes geschändet habe. Das Gericht lehnte die Beweisanträgc ab als für diese Sache unerheblich. Die Vorgänge, auf die sich die Behauptung vom hasardiercnden Staatsanwalt beziehen, liegen in der Zeit von 1833 bis 1890. Ter Minister sei aber erst Ende 1890 Staatsanwalt ge- worden. Daß in dieser Zeit gespielt sei, habe das frühere Urteil festgestellt, lieber den Grad des Glücksspiels sei eine Erhebung un- nölig, da ja das Glücksspiel überhaupt als verwerflich gelte. Der Staatsanwalt beantragt sechs Monate Gefängnis. DaS Urteil lautete aus drei Monate Gefängnis. Der Ausdruck:„er habe die Ehre des Landes geschändet", enthalte ciire schwere Beleidigung des Ministers. Der Einsturz der Flora. Mit geradezu frevelhaftcr Leichtfertigkeit ist gestern vormittag lO'/a Uhr bei dem Abbruch der Flora in Charlottenburg ein Unglück heraufbeschworen worden, durch welches elf Arbeiter in Lebensgefahr gebracht worden sind. Uni die genannte Tageszeit waren etwa zwanzig Arbeiter in dem kleinen Saal, der an die Straßenfront grenzt, beschäftigt, als mit einem furchtbaren Krachen die Decke des Saales einstürzte, unter deren Trümmer die Leute begraben wurden. Ein Teil des großen BogcnS, der die Krönung der Decke bildete, hatte sich anscheinend aus seiner Verankerung gelöst und stürzte mit voller Gewalt herab. Eine undurchdringliche Staubwolke hüllte im ersten Augenblick die Uuglücksstätte ein. Sofort wurde die Feuerwehr alarmiert, die mit dem gesamten Samariterzug in wenigen Minuten angerückt kam; gleichzeitig wurde die nächstgelegene Rettungswache in der Wilmersdorferstr.!> benachrichtigt. In kaum einer Viertelstunde waren außer dem dienst- thuendeit Arzt der Rettungswache noch zehn andre Aerzte auf dem Schauplatz erschienen, die den Verletzten die erste Hilfe angedeihen ließen. Die Feuerwehr hatte große Mühe, um die Verunglückten aus ihrer Lage zu befreien. Balken und Ziegel mußten weggeräumt werden, ehe man zu den im Schutt Eingekeilten gelangen konnte. Glücklicherweise stellte es sich bald heraus, daß keiner der Arbeiter getötet worden war: nur vier hatten schwere Verletzungen erlitten. während die andren mit mehr oder minder starken Ouetschungen und leichteren Knochenbriichcn davongekommen waren. Viele Frauen der auf dem Bau beschäftigten Arbeiter kamen auf die erste Nachricht von der Schreckensbotschaft' an die Unfallstelle geeilt; es konnte ihnen die köstliche Versicherung gegeben werden, daß ihre Männer noch einmal heil davon gekommen seien. Ein Zufall, daß der Deckeneinsturz nicht schwerere Folgen hatte, denn schon auf den erstell Blick konnte man sehen, wie leichtfertig die Abbruchsarbeiten vorgenommen worden sind, die eine Unter- nehmcrin. Fräulein Weißlcr aus der Elbingcrstraße, übernommen hatte. Polizeipräsident Steifcnsand hat denn auch bereits die Fort- setzuilg der Arbeiten untersagt, bis Vorrichtungen getroffen seien, inn ein Unglück zu vermeiden. Die Bogen stehen ohne jede Stütze da. nur in sich gehalten von den eisernen Gerüsten. Es wäre vielleicht nur eine kleine Erschütterung notwendig gewesen, um den ganzen Barr zu Fall zu bringen. Es wird behauptet, daß man die Arbeiten, die der Polier Weidner leitete, in unverantwortlicher Weise ohne die gebotenen Vorsichtsmaßregeln, Abstützungen usw. beschleunigt habe. Auch Gerüste wurden nicht gebaut. Durch Postkarten ohne Unter- schrift wurde hier und da in Charlottenburg schon wiederholt angefragt, ob denn erst ein Unglück geschehen müsse, bevor man Schutz- inaßregelu treffe. Die Namen der verunglückten Arbeiter, die zum Teil nach dem Charlottenburger Krankenhaus, zum Teil in ihre Wohnungen gebracht wurden, sind: Schule, Weimann, Heinlein, Feld, Münzel, Pickort, Kandusche, Glaser. Gregor, Putscher; einer der Verletzten ist noch nicht bekannt. Daß bei dem Abbruch der Gebäude mit großem Leichtsinn vor- gegangen wurde, lvird uns auch weiterhin bestätigt. ES wurden zwar hier und da Absteifungen vorgenommen, aber in einer Weise, daß schon öfter Sachverständige den Polier warnten und ihm bedeuteten, daß das so unmöglich gut gehen können. Bei einem so großen Bauwerk hätte man nach dem Urteil von Sachverständigen beini Abriß nach dem Bauplan vorgehen und nicht blindlings mit der Spitzhacke hier und dort daraus loshacken dürfen. Mit der Leitung hätte auckHmindestenö ein erfahrener JRaurer- und ein ebenso tüchtiger Zimmerpolier beaustragt sein miiffen. Die Art und Weise des Vorgehens zeigt sich in ihrer ganzen Gefährlichkeit auch am Haupteingang zum Theatersaal. Die zwei mächtig auf- strebenden Pfeiler, die ftüher mit den Mauern des HauseS ein Kuppeldach trugen, hat man mit einen, Stück Gemäuer stehen lassen, das oben daran hängt wie ein Schirmdach am Sttel. Daß die schwere Last nicht herunterbricht, ist ein Wunder. Die planlosen Arbeiten fllhrtendahin.daß dasMauerwerl auch dort abbröckelte, wo es noch halten sollte. Das herabfallende Gestein und der Mörtel beschwerten denn auch die ungenügend gestützte Decke des kleinen Saales so stark, daß ein Balken sich lösen und der Zusammensturz erfolgen mußte. Die Unglücksftelle war gestern den ganzen Tag über von einer großen Menschenmenge belagert. Baurat Lüdtke, der die Unfallstelle als Sachverständiger besichtigte, ordnete eine genauere Untersuchung an. Bis dahin ruhen die Abbruchsarbeiten. Der Platz bleibt gesperrt; nur Leute, die als Fachmänner ein sachliches Interesse haben, werden zugelassen. Ueber die Verletzten«vird noch im einzelnen berichtet: Der Arbeiter Wilhelm Lessin, 38 Jahre alt. Stettincrstt. 29, erlitt Ver- letznngen der Weichteile und der Augen und wie alle seine Leidens- genossen starke Abschürftingen am ganzen Körper, der Arbeiter Richard Münzel, 85 Jahre alt, Sttalsunderstr. 19, Rippenbrüche und Kopf- Verletzungen, der Arbeiter Wilhelm Piskow, 42 Jahre alt. Falckensteinstr. 42, Ouetschungen des Rückens und Rippenbrüche. der Arbeiter Marttn KandulSki, 35 Jahre alt, Wilmersdorferstr. 132 (Charlottenburg), einen Beckenbruch und Kopfverletzungen, der Arbeiter Robert Glaser. 38 Jahre alt, Magazinstr. 15, Ouetschungen der Wirbelsäule und Kopfverletzungen, der Arbeiter Gustav Putschcr, 42 Jahre alt, Dunckerstr. 17, einen Bruch dcS linken Annes und Kopf- Verletzungen, der Arbeiter Hermann Feld, 34 Jahre alt, Kottbuser Damm 4, Verletzungen an Kopf, Rücken und Füßen, der Arbeiter Emanuel Weimann, 30 Jahre alt, Stralsunderstr. 57, Kopf und Fußver» letzungen, der Arbeiter Ferdinand Schmuder. 43 Jahre, Charlotten- bürg, Berlinerstraße 126. Rippenbrüche und Ouetschungen der Füße und des Kopfes, der Arbeiter Otto Heinlein, 39 Jahre alt, Wilmers- dorferstratze 57, Fußvcrletzungcn.■ Die Verunglückten sind bis auf Heinlein alle verheiratet und Familienväter. Lessin, Munzel, Piskow. KandulSki, Glaser und Putscher blieben im Krankenhause, die andren wurden, nachdem sie auf der Rettungswache und im Krankenhause Verbände erhalten hatten, auf ihren Wunsch nach der Wohnung ge- bracht._ BerUncr partci-Hngelcgcnbeitcn. Dritter Wahlkreis. Sonntag früh 8 Uhr findet eine'Flug- blattverbreitung statt. Die Parteigenossen werden ersucht. sich pünktlich und zahlreich in den nachstehend verzeichneten Lokalen einzufinden: Schmeber, Admiralstr. 21, Krüger, Naunynstr. 54. Flick. Simeonstr. 23, Zacharowsky, Brandenburgstr. 49. Stramm, Ritter- straße 123, Wendt, Alexandrinenstr. 39, Ladewig, Kommandanten- straße 05. Schneider. Sebastianstr. 7 im Keller, Lepke. Prinzcnstr. 59. Marquardt. Köpnickerstr. 113a, Bowitz, Engel-User IS, Lenz, Alte Jakobstr. 09, Otto Götze, Wallstr. 30. Nieder- Schöneweidc. Sonnabendabend 8'/., Uhr findet im Wirtshaus Barbarossa. Berlinerst� 15, eine Bersauiiiilinig des Wahlvereins statt. Da in dieser Versammlung ein Vortrag zchalten wird, so werden die Parteigenossen ersucht, rege für die Versammlung zu agitieren. lokales. Aus der Stadwcrordneteil-Vcrsammlmlg. Gestern hat die Stadtverordneten- Versammlung die Be- ratung des Stadthaushalt- Etats für 1004 zu Ende geführt. Von den stürmischen Auftritten des vorhergehenden TageS stachen die ruhigen Verhandlungen der gestrigen Sitzung stark ab. Zu bemerkenswerten Erörterungen kam eS nur bei einigen der Einzel-Etats. Zum Etat der Geschäftsbedürfnisse wurde von der socialdemokratischcn Fraktion der im Ausschuß gestellte und dort abgelehnte Antrag wiederholt, den Stadtverordneten zur Erledigung ihrer Recherchen ein Straßenbahn-Abonncment zu gewähren. Genosse Ewald wies darauf hin, daß weniger bemittelte Stadtverordnete die erheblichen Fahrgelder schwer aus eigner Tasche zahlen können. aber der Antrag wurde auch im Plenum abgelehnt. Der Etat der S t a d t b i b l i o t h e k ist diesmal sehr zu kurz gekommen. Genosse H e i m a n n empfahl deshalb die Annahme eines von unsrcr Seite gestellte» Antrages, aus Gcmeindemittcln einen höheren Betrag einzustellen. Auch dieser Antrag war bereits im Ausschuß abgelehnt worden. Heimann zeigte, daß die Stadt obenein auf Kosten der Lco-Stiftung hier Ersparnisse machen will. Der Kämmerer M a a ß erwiderte in seinem trockenen Ton, daß für die Bibliotheken gerade genug ausgegeben werde. Herr Wallach lAlte Linke) stimmte ihm bei, Herr Nathan(Soc.-Fortschrittl.) widersprach. Der Antrag wurde erneut abgelehnt. Beim Vieh- und Schlachthof-Etat brachte Genosse Hoffmann die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiter zur Sprache und verlangte Besserungen. Stadtrat Heller� vertröstete die oft vertrösteten Arbeiter noch einmal; sie sind es nun schon gewöhnt. Herr Kuhlmann(Fraktion Mominscn) erlaubte sich im. Anschluß hieran einen jener jetzt üblich gewordenen Ausfälle gegen die Socialdemokratic, aber er erhielt seine Abfertigung durch Hoffma n n. Herr P r e u ß(Soc.-Fortschr.) führte noch eine De- batte über die Probeuehmer herbei. Beim Etat der Wasserwerke entfachte Herr M o d I e r s„Alte Linke") einen Streit um den Herkulesbrunnen des Lützow- Platzes, dessen Betrieb manchem zu kostspielig erscheint. Herr Wallach äußerte die erheiternde Befürchtung, daß der Brunnen, weil das Material zu porös sei, mit der Zeit vollständig zerwaschen werden wird. Singer spottete über die Krähwinkelei, die in diesen Verhandlungen hervortrete. Mit Entschiedenheit wandte er sich gegen die Absicht, die Kosten der für den Betrieb erforderlichen Baulichkeiten und Maschinen auch noch dem Fonds der Kunst- deputation aufzupacken. Rascher wurde der Etat der K a n a l i s a t i o n S w e r k e und Rieselfelder erledigt. Ein schon im Ausschuß abgelehnter An- trag der Socialdemokraten, der Lohnaufbesserungen für die Arbeiter forderte, wurde durch Genossen B o r g m a n n begründet, durch Stadtrat K a I i s ch bekämpft. Die Mehrheit lehnte den Antrag ab. Die Ablehnungen gingen übrigens in dieser Sitzung nicht so glatt von statten, wie sonst. Die Mehrheitsfraktioncn hatten sich nicht einmal die Mühe gegeben, in leidlicher Stärke anzutreten. Die Er- gebnisse der Abstimmungen erschienen daher wiederHoll sehr Zweifel- Haft, aber der Vorstand konnte schließlich doch immer wieder fest- stellen, daß die Abstimmungsmaschine noch funktioniert hatte. Unter den«Verschiedenen Einnahmen" steht die Ab- gäbe, die die Straßenbahnen zu zahlen haben. Borg mann ging hier auf die Verkchrspolitik der Stadtgcmeinde ein und tadelte. daß der Magistrat noch inimer nichts thut, um Straßenbahnen zu bauen und zu betreiben. Jpberbiirgcriiieistcr Kirschner erwiderte abwehrend, Cassel(„Alte Linke") stellte sich teilweise ans Borg- manns Seite, D ins e(„Neue Linke") rempelte wieder einmal die Socialdemokraten an. Die Debatte schloß, und der 134 Millioneu-Eta t lvar glücklich unter Dach gebracht. Wie eine Erleichterung kenn e§ über die Mehrheit, und lautes Bravo ertönte auf ihren Bänken. Galt eS der Arbeit, die sie geleistet hatten? Viel Mühe haben sie sich mit dem Etat nicht gemacht: Anregungen zu geben und Anträge zu stellen, haben sie der Socialdemokratie überlassen— sie selber brauchten nur abzulehnen. Wäre es nach ihnen gegangen, sie hätten den Etat im Sturmschritt erledigt und ihn mit Hurra angenommen.._ Freifinnige Furcht vor socialdemokratischer Kritik. Die Mittwoch- Sitzung der Stadtverordneten-Ver- s a m m l u n g hat für den Berliner Kommunalliberalismus mit der schwersten Niederlage geendet, die er je sich selber bereitet hat. Man tveitz, daß der Freisinn niemals und nirgends ein Freund rückhalt- loser Kritik gewesen ist, wenn sie gegen i h n und zumal gegen seine Leistungen in den Kommunalverwaltungen sich richtete. Aber so offen, wie in diesem Obdachstrcit, ist es hier in Berlin bisher doch noch nicht zugegeben worden, daß der Freisinn eine Kritik feiner kommunale» Bethätigung zu scheuen hat. Das von den Freisinnigen der Stadtverordneten- Versammlung gebilligte Unterfangen eines Magistratsmitgliedes, den socialdemokra- tischen Stadtverordneten Augnstin und Hoffmann den vollen Einblick in die Verwaltung zu wehren, deren Mitglieder sie sind, ist am Mittwoch von unsren Vertretern nach Gebühr gebrandmarlt Ivorden. Ebenso ist die von dem Magistratsvertretcr unter dem Beifall der Freisinnigen vor- getragene Behauptung, daß socialdemokratische Stadtverordnete nicht dem Wohle der Stadt dienen wollen, sondern nur nach außen hin agitatorisch zu wirken und zu hetzen suchen, als das gekennzeichnet worden, was sie ist. Herr Stadtrat Fischbeck wird es uns erlassen, ihm die Kritik zu wiederholen, die aus dem Munde unfrer Partei- genossen ihm persönlich zu teil geworden ist. Wir bitten, hierzu den ausführlichen Sitzungsbericht unsrer Donnerstag-Nummer nachzulesen. Auch das ist von den Rednern der socialdemokratische» Fraktion fest- gestellt worden, daß aus derselben Verwaltungsdeputation, über deren Angelegenheiten und Verhandlungen ihr Vorsitzender Fischbcck nichts im„Vorwärts" veröffentlicht zu sehen wünscht, ein dem Vor- sitzenden sehr nahe stehendes freisinniges Blatt eine Mitteilung gebracht hat. die zum Zweck der Stimmungmachcrei die Maßregelung unsrcr Genossen Hoffmann und Augustin durch Fischbeck der Oeffentlichkeit übergab, noch che die Stadt- verordneten- Versammlung sich damit hatte beschäftigen können. Der Berliner Kommunalfreisinn hat hiermit vor aller Welt bekundet, daß er eine Kritik seiner Geschäftsführung fürchtet, wenn sie von Socialdemokraten kommt, und daß er das öffentliche Verfahren nicht liebt, wenn es ihm selber unbequem ist. Das ist das Ergebnis der Affaire Fischbeck, und wir brauchen den Ausführungen, die unsre Vertreter in der Stadtverordneten- Versammlung hierzu gemacht haben, kein Wort hinzuzufügen. Es bleibt uns nur noch übrig, uns zu den Angriffen zu äußern, die der Magistratsvertretcr gegen den„Vorwärts" gerichtet hat. Dem„Vorwärts" kann man nicht so bequem die Möglichkeit der Kritik nehmen, wie den focialdemokratischen Mitgliedern der- von Herrn Fischbeck geleiteten Verwaltung des Obdachs und des Arbeitshauses. Hier schlägt Herr Fischbcck einen andren Weg ein. Er erklärt pathetisch, die Vorwürfe deS „Vorwärts" gegen die Berliner Gemeindeverwaltung seien vollständig unberechtigt. Sodann greift er sich aus der ganzen Reihe von Fällen, die wir veröffentlicht haben, einen heraus— wie mag er daran gelauert haben, daß dieser eine sich endlich ihm biete!— und unter Verzicht auf sachliche Erwiderung knüpft er daran die Versicherung, daß der Mann, der sich an den„Vorwärts" gewandt hatte, ein Zu- hältcr sei(was uns allerdings unbekannt gewesen war). Und nach dieser„Beweisführung" schließt Herr Fischbcck mit dem triumphie- rendcn Ausruf, so seien nun die Schützlinge des„Vorwärts". Kein Mensch ist so einfältig, in solchem Schwatz auch nur die Spur einer Widerlegung zu erblicken. Aber die Furcht eines schlechten Gewissens wird sich vielleicht mit der Hoffnung trösten, daß angesichts dieses summarischen Verfahrens eines Berliner Stadtrats fortan dock mancher sich scheuen werde, seine Beschwerden über die Berliner Gemeinde- vcrwalttmg dem„Vorwärts" zu übergeben, weil er dabei in Gefahr komme, zu den Fischbcckschen„Schützlingen" des„Vorwärts" gezählt zu werden. Eine kindliche Hoffnung! Wir werden uns selbstverständlich durch keinen Fischbcck darin beirren lassen, nach wie vor unsre Pflicht zu thun und alle bcrcch- tigtcn Beschwerden der Oeffentlichkeit zu übergeben, vor der die Schuldigen sich zu verberge» trachten. Bei manchem unsrer Gegner überkommt uns zwar ein Gefühl des Unbehagens darüber, daß wir unS mit ihm herumschlagen müssen, aber wir haben zu fragen weder nach der Person desjenigen, für den wir eintreten, noch desjenigen, gegen den wir käinpfen, sondern allein nach der Sache. Herr Fischbcck und die bürgerliche Presse. Der vom Stadtrat Fisch beck verübte Geivaltakt gegen die Stadtverordneten H o s s m a n n und A u g u st i n hat zwar das Regiment im Roten Hause um ein beträchtliches Stück seines Kredits gebracht? aber die alte Erfahrung, daß keine Handlung im öffentlichen Leben so schlecht sein kann, daß sie nicht ihre Verherrlichung in der Presse findet, erhält hier von neuem ihre Beftättgung. Selbstverständlich ist eS die«Vossische Zeitung", die für dies saure Amt herhalten muß. Die Verteidigung des Herrn Fischbcck ist denn auch danach; eine Probe, die wir aus dem„Wilde Männer" überschricbenen Schimpfartikel wiedergeben, wird unsre Leser in der Ansicht bc- stärken, daß die Tonart der„Post" von dem trotz alledem und alle- dem sich noch freisinnig nennenden Blatt trefflich kopiert ist. Die Verfügung des Herrn Fischbcck wird wie folgt mit erschütternder Waghalsigkcit in schütz genommen: Natürlich sehen die„Genossen" in dieser Verfügung eine Ver- letzung ihrer heiligsten Rechte und bezweifeln, wenn der Ober- bürgcrmeistcr die Verfügung rechtlich begründet, daß er überhaupt Jurist sei. Und wenn gar die Frage auftaucht, ob ihnen mehr an der Besserung der Zustände als an der wüsten Agitation liegt, so scklägt Herr Sladthagcn, just Herr Stadthagcn auf die zottige Maunesbrust und schilt den Stadtrat ein«altes Weib" und erregt sich, wie man vergessen dürfe, daß die Stadtverordneten einen Eid geleistet haben, das Juteresse der Stadt nach bestem Gewissen wahrzunehmen. Vortrefflich! Aber Herr Stadthagen steht ans Herrn Kautskys Standpunkt, und was sagte doch Herr Kantsky über die socialdemokratische Takttk? Immer auf- reizen, immer die G e g e n s ä tz e schärfen, immer die Gegner erbittern, bis endlich die„große Entscheidung" eintritt. Soll diese Taktik bei der Behandlung der Lbdachlosenfrage verleugnet werden? Und der Eid? Wir sind gewiß, daß ihn alle Social- demokraten im Roten Hanse ernst nehmen; aber sich auf ihn zu berufen, sollten sie unterlassen, nachdem Herr Bebel in Dresden erzählt bat. mit tvelchem Lächeln er einst in Leipzig seinen Treueid leistete. Diese weit hergeholten und mit der Sache in keinerlei Zu- sammenhang stehenden Floskeln sprechen für die Verlegenheit der„Bossischcn Zeitmig" und ihrer Hintermänner im Rathause. Eine Kritik erübrigt sich. Wohl aber ist es angebracht, gegen die von der„Vossischen. Zeitung" so unglücklich geführte Verteidigung des Herrn Fischbcck und seiner Gewaltmaßrcgel einige b ü r g e r- l i ch e Preßstimmen anzuführen. Eine Zuschrift an die„Volks- Zeitung" besagt: Haben sich die betreffenden Stadtverordneten„pflichtwidrig" benommen— was ich nicht weiß—, dann soll man den im Z 75 der Städce-Ordnmig gewiesenen Weg beschreiten. Aber daß eine freisinnige Stadtverordneten- Verwaltung ihre eignen Mitglieder der Dittatur eines Stadtrats preisgiebt, die bald in gutem Glauben, bald aber auch einmal ohne guten Glauben geübt werden kann, das ist in allerhöchstem Grade bedauerlich und schafft einen Präcedenzfall von nicht geringer Bedcnklichkeit. Die„Berliner Zeitung" geißelt ebenfalls die von Herrn Fischbeck begangene Ungehörigkcit: Des Stadtrats Fischbeck Darlegungen über die Notwendigkeit der Maßregel konnten uns ebenso wenig zufrieden stellen, wie uns seine und des Oberbürgermeisters Kirschner Deduktionen über die rechtliche Zulässigkeit des Verfahrens zwingend erschienen. Was nach der letzteren Richtung hin Dr. Nathan in klugen Worten und Dr. Liebknecht in scharffinnig-logischcn Ausführungen boten, schien uns darzuthnn, als wenn das juristische Fundament der Herren Magistratsvertretcr doch recht schwach bestellt sei. Mußten sie doch zur Stützung ihrer Ausweisungsordre auf eine „vormärzliche" Verordnung, nämlich aus dem Jahre 1835, zurück- greifen! Und das„Berliner Tageblatt" spricht von der wenig beneidenswerten Rolle, die Herr Fischbcck vertreten mußte, um seine verfahrenen Dispositionen zu vertreten, und schreibt weiter. daß die bürgerlichen Parteien fühlten, daß im Princip die Maß- regeluug der beiden Mitglieder der Verwaltung verfehlt war. So ist der moralische Bankrott dieses Stückes freisinnigen Stadtregiments auch von der bürgerlichen Presse konstatiert worden. Das ostelbische Agrariertum hat an rückständiger Gesinnung vor dem freisinnigen Hausagrariertum Berlins wirklich nichts mehr voraus. Uns wundert, daß die Gewaltthat von der konservativen Presse noch gar nicht verherrlicht wird. Eine mildere Art des Wahnsinns. Graf Pückler hat nach längerer Pause wieder Vorstellung gegeben. Er ist gealtert, wie es scheint, und daher etwas milder geworden. Früher wollte er nicht allein den roten M a n a s s e, sondern die ganze Socialdemokratie roh verspeisen: jetzt macht er uns den nicht ganz von der Hand zu weisenden Vorschlag, ihm die Juden ans Messer zu liefern, worauf er nach dem Beispiel des Paters in den..Räubern" uns übrigen einen reellen Generalpardon in Aussicht stellt. Selbst einem so ver- ruchten Kerl wie Bebel soll dann die Gerechttgkeit eine liebende Mutter sein. Nach dem wohl authentischen Bericht der„Staats- bürger-Zeittmg" sagte Herr Pückler in der am Mittwoch bei Keller in der Koppenstraße abgehaltenen Versammlung: Bebel gehört zu den wenigen Männern, die Schneid haben und der Regierung die Wahrheit sagen, und das ist notwendig. Wie die Herren heute regieren, das ist keine Regierung. daS ist Wurstelei(Sehr richtig!), vor der kein Mensch Respekt haben kann. (Großer Beifall.) Wenn Bebel national wäre und auf christlichem, monarchischemBodcn stände, dann könnte er ein famoser Mann werden, mit dem man in manchen Punkten zusammengehen könnte.(Großer Beifall bei den Socialdemokraten.) Wenn ich in den Reichstag käme, würde ich unter diesen Umständen auch mit Bebel Fühlung nehmen, und wir würden den Herren von der Regierung die Wahrheit geigen, daß sie die Kränke kriegen und daß sie alle aus- reißen.(Stürmischer Beifall.) Die mauschelnden Juden würden dann schleunigst aus dem Reichstage verduften.(Großer Beifall.) Wir brauchen starke Charaktere, Männer und Helden. Ich unter- scheide zwischen Socialisten und Socialdemokraten. Socialisten sind Männer, die für die Not der Zeit ein Verständnis haben, die aber auf nationalem, christlichem, lönigstreucm Boden stehen und eine Besserung der Verhältnisse an- streben. Socialdemokraten sind dumme Kerle, die sich nicht belehren lassen, die den Juden Singer, Stadthagen und wie die Kerle alle heißen, nachlaufen wie toll und verrückt, das sind dumme Luder.(Stürmischer Beifall.) Wir Anttsemiten werden die Socialisten, die zurückkehren zu ihrem König, gern aufnehmen. Voraussetzung ist, daß sie anständige patciottsche Leute sind, die den Juden ganz gehörig auf das Leder rücken. �(Stürmischer Beifall, großer Lärm bei den Socialdemokraten. Der Vorsitzende vertagt die Versammlung auf einige Minuten und läßt die Ruhe- störer zum Saale hinausbefördern.) Den Vorschlag wegen der Juden sollte Bebel sich überlegen. Allerdings ist es Vorbedingung für das im Parlamentshause zu .Dalldorf noch näher mit dem Grafen zu vereinbarende Massacre, daß wir nicht wieder hinausgeworfen werden. Vielmehr ist das von den Juden erbeutete Geld so ehrlich wie möglich mit uns zu teilen. Auf keinen Fall darf nach den in Kischinew maßgebend gewesenen Principien gehandelt werden, wo die Parteigenossen des Herrn Pückler den Raub ganz für sich behielten. Bemerkt sei noch, daß im Laufe des Abends der Zustand des Redners sich leider wieder etwas verschlimmerte. Er sprach u. a. davon, daß nach zehn Jahren Berlin in Trümmern liegen werde. Ter Berliner Verein für Volksliädcr, der die beiden Volks- Badeanstalten in dem städtischen Park an der Wallstraße und auf dem ehemaligen Sophicn-Kirchhofe zwischen Berg- und Gartenstraße errichtet hat. die unter den Namen:„VolkS-Badeanstall Alt- und Neu-Kölln" sowie„Oranienburger Vorstadt" bekannt sind, hat sich mit der Bitte an den Magistrat gerichtet, diese beiden Anstalten in städtische Regie zu übernehmen. Der Verein will dem Magistrat als Entschädigung für früher gewährte Beihilfen von je 54 000 M. für jede Anstalt aus seinem Vermögen 100 000 M. zurück- zahlen. Die Gründe, tvclche dem Verein zu dem Gesuch bestimmen. sind folgende: Seitdem die Stadt Berlin mit Aufwendung be- deutender Mittel großartig und mustergültig eingerichtete Bade- Anstalten in den verschiedensten Gegenden der Stadt errichtet hat, ist der ursprüngliche Plan des Vereins überflüssig geworden. Die Thätigkeit des Vereins ist beschränkt und geht zurück. Der Verein sieht sich daher in absehbarer Frist vor die Notwendigkeit gestellt, an eine Auflösung und Liquidation zu denken. Der Borstand besteht ans den Herren Prof. Dr. Lasiar,»Geh. Sanitätsrat Dr. Abraham. Baurat Kyllmann. Dr. Ernst Magnus, James Sinion und Georg Meyer. Ein arger Sünder ist der Musketier Hugo Otto Emil Hutschen- reiter von der 10. Compagnic des Jnfanterie-Regiments Nr. 43 in Küstrin, der vom Gericht der 5. Division steckbrieflich verfolgt und auch in Berlin gesucht wird. Hutschenreiter, der aus Sora» stamm. und 24 Jahre alt ist, wurde am 29. Juli 1901 fahnenflüchttg, nach. dem er einen Diebstahl verübt hatte. Größere Mittel verschaffte er sich bald darauf durch einen Einbruch in Platkow bei Gusow. Im Sommer vorigen Jahres war er unter dem Namen Karl Behrens in Klinek bei Waren und in Barnckow bei Wismar als Schweizer thättg. Von dort entfloh er Anfangs Septeniber vorigen Jahres nach Ver- Übung eines Diebstahls und eines Sittlichkeitsvcrbrechcns. Der Ver- folgte ist 1,58—1,59 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, blaue Augen und einen hellblonden Schnurrbart. Seine Arme, Hände und Brüst sind tätowiert. Vergiftet. Der 24 Jahre alte Hutmacher Albert KoSdowski aus der Müllerstr. 12c arbeitete bis Sonnabend in der Filzhutfabrik von Bambus u. Co. in der Petersburgerstr. 77. Am Montag blieb er aus und schrieb eine Rohrpostkarte, daß er nicht rechtzeittg kommen könne, weil er seinen erkrankten Bruder nach der Charitö bringen müsse. Der junge Mann ließ sich aber nicht wieder sehen und seine Angabc erwies sich als unwahr. Während seine Mutter zum Besuch bei einer verheirateten Tochter in Dresden ist, ging er jeden Morgen mit seinen Geschwistern von Hause weg. als ob er seine alte Arbeits- stelle aufsuchte. Als seine Geschwister am Mittwochabend um 9 Uhr von der Arbeit heimkehrten, fanden sie ihn bewußtlos im Bette liegen. Ein Arzt stellte eine Vergiftung fest und ließ den Besinnungs- losen mit einem Äoppschen Rettungswagen nach der Charit« bringen. Was mit dem Manne vorgegangen ist, weiß man noch nicht, weil er noch nicht vernehmungsfähig ist. Bei der Arbeit schwer verunglückt ist der Former Max Schwabe aus der Juliusftr. 30 zu Rixdorf, der in der Eisengießerei-Aktten- gesellsckast Deckert beschäftigt war. Nachdem er vor acht Togen schon ein ähnliches Unglück in kleinerem Umfange gehabt hatte, ver- brannte er sich gestern mit einer glühenden Gußmasse das rechte Bein so schwer, daß er nach der Cbaritö gebracht werden mußte. Eine seltsame Ueberraschung wurde gestern bei Tagesanbruch dem Gemüsegärtner Wnrgler aus Wilhelmsberg zu teil, als er sich mit seiner Frau auf dem Wege zur Central- Markthalle befand. Er machte im Morgengrauen mit seinem, mit Gemüse beladenen Wagen die gewohnte Tour und lvar auf dem Kutschbock ein wenig eingenickt. Nachdem er das Steuerhaus passiert hatte, weckte ihn plötzlich ein Schrei aus seinem Schlunimer— seine Gattin war auf dem Wagen eines gc- sunden Knäbleins genesen. W. wollte mit dem unverhofft er- schienenen Familienzuwachs und der glücklichen Mutter nach eine Sanitätswache fahren, machte jedoch auf Bitten der letzteren Kehr und brachte Frau und Kind zu ihren in Wilhelmsberg wohnender Eltern. Bon einem Ringbahnzuge ist Donnerstagabend kurz vor S Uhr auf der Sttecke zwischen Treptow und Rixdorf ein Vicebahn meister totgefahren werden. Der Name des Verunglückter war nicht festzustellen, ebenso konnte die Ursache des Unglücks nicht ermittelt werden. Straßensperrungen. Die Waldstraße von der Turm- bis zur Wicleffsttaße wird behufs Asphaltierung vom 23. d. M. ab bis au) weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt, desgleichen der über den ASkanischen Platz führende Teil der Schönebcrgcrstraße von der Königgrätzerstraße vom 30. d. M. ab. Feurrbericht. Gestern früh gegen 5 Uhr wurde die Wehr nach der Gerichtstraße 00 gerufen, weil hier auf nicht er- mitteltc Weise auf dem Boden neben der Waschküche Feuer ausgekommen war, das auch bereits an einigen Stellen die Dach- konstruktion ergriffen hatte. Es gelang jedoch dem 10. Lvschzuge aus der nahegelegenen Pankstraße, die Flammen in kurzer Zeit zu ersticken, so daß größerer Schaden nicht entstanden ist. Vorher lief ein Alarm nach der Maßenstr. 5 zu Charlottenburg ein, wo in einer Wohnung ein Brand entstanden war. Die Berliner Wehr konnte aber sofort wieder Kehrt machen, da die dorttge Wehr die Gefahr schon größtenteils beseitigt hatte. In der Oppclnerstt. 31 mußte gegen Abend ein Schornsteinbrand beobachtet werden. Möbel, Decken und Kleidungsstücke hatten zur selben Zeit in der Wasserthorstr. 8 im dritten Stock in einer Wohnung Feuer gefangen, während in der Naunynstr. 2 Verpackungsmaterial eingeäschert wurde. In der Neuen Königstr. 4 sollte es in dem Kochraum der chemischen Fabrik von Lewin brennen. Die Wehr konnte aber sofort wieder abrücken, da keinerlei Feuersgefahr vorlag. Beim Siegellackkochcn war ledig- lich eine Stichflamme emporgestiegen, die von den Angestellten einer gegenüberliegenden Fabrik bemerkt war, weshalb sie sofort die Feuerwehr requierierten. Die übrigen Alarmierungcn, die noch in den letzten 24 Stunden einliefen, waren auf ganz geringfügige An- läsfe zurückzusiihren._ Marie Holgcrs veranstaltet ihren IV. Volkstümlichen Vortrags- Abend Sonntag, den 27. März, abends 7 Uhr. im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel-Ufer 15. Eintrirtskarten und Programme zu 30 Pf. in der Cigarrenhandlung Horsch im Gewerkschastshause und abends an der Kasse. Theater. Die für Sonnabend angekündigte Erstaufführung deS Schauspiels„Ferr e ol" von Sardon im Schillcr-Theaier X.(Friedr. Wilhelmst. Theater) mußte wegen Krankmeldung der Frau Gertrud Arnold auf Montag, den 28. d. M., verlegt werden: eS findet an diesem Tage im Schiller-Theater 0,(Wallner-Theater) statt. Sonn- a�end» und Sonntagabend gelangt t>n Schiller-Theatcr die Gcsangspoi'se„LilnipacioagaIiunduS" zur Aufführung.— Im Aval lo- Theater sind die Vorbereitungen zu der neuen burlesken Operette soweit gediehen, das; die erste Aufführung am Ostersonntag(3. April) stattfinden wird. Die Verfasser der Novität sind E. Schlack und Louis Hermann. Die uinfangreiche Partitur hat Karl Kappellcr geschrieben. Kapellmeister Professor.Rcbiczek, der langjährige Dirigent der Philharmonischen Kapelle, ist gestern, Donnerstagabend, seinem schweren Leiden erlegen. Klus c!en l�ackba,'orten. Die Geniemdewahlc» in Wilmersdorf nehmen heute, Freitag, und nrorgen, Sonnabend, in der dritten Abteilung ihren Fort- gang. Die Wahlhandlung findet an beiden Tagen von 10 Uhr vor- mittags bis 2 Ilhr nachmittags und von 4 bis 8 Uhr nachmittags im Victoriagartcn. Wilhclmsane 114, statt. Zu lvählen sind in der dritten Abteilung sechs Gcmeiudeverorduete. Es sind von social- demokratischer Seite aufgestellt 1. zur Wahl auf sechs Jahre als Ergänzung a) für die turnusmäßig ausscheidenden Gemeinde- verordneten: Apotheker Oskar A v'l e r und Gastwirt August R a t u sch, b) für die ausgelosten Geincindcverordncten: Stukkateur Max G i e b l e r und Gastwirt Paul Hilpert, 2. auf vier Jahre als Ersatz: Drechsler Emil Kiefer, 3. auf vier Jahre zur Vcr- mehruug: Redakteur Wilhelm Schröder. Es ist erforderlich, daß die Kandidaten am Wahltisch genau in der Reihenfolge gelesen werden, in der sie hier und auf den im Wahllokal verteilten Stimm- zetteln verzeichnet stehen. Die Parteigenossen in B e r l i n werden ersucht, ihre dort arbeitenden Kollegen aus Wilmersdorf an ihre Wahlpflicht zu erinnern. Die Charlottenburger Ttadtverordneten-Versaiiimluiig beschäftigte sich in ihrer Sitzung vom letzten Mittwoch, die sich wegen der um- fangreichen und wichtigen Tagesordnung ungewöhnlich lange hinzog, zunächst mit der Prüfung der Wahl des'Architekten Fink. Herr Fink kandidierte bei der letzten Wahl im VIIL Bezirk, Ivo ein Haus- besitzer zu wählen war; er erhielt 401, der liberale Kandidat Richter 387 und der Soeialdcmokrat Hirsch 202 Stimmen. Der Wahlvorsteher beraumte Stichtvahl zwischen Fink und Richter an. aus der crstercr mit geringer Stimmenmehrheit als Sieger hervor- ging. Von freisinniger Seite wurde seine Wahl unter dem Hinweis auf starke Wahlbeeinflussungen, bei denen Freibier und Freicigarrcn die Hauptrolle spielten, angefochten. Seitens des Magistrats wurde nun festgestellt, daß Herr Richter nicht Hausbesitzer im Sinne der Städte-Ordnung ist, da er mit seinem Sohn gemeinsam ein Haus besitzt. Nach der bekannten Entscheidung des Ober- Vcrlvaltuugsgerichts waren also die in der Hauptwahl auf Richter entfallenen Stimmen ungültig, und Fink war bereits in der Haupt- wähl getvählt, so daß die Stichwahl überhaupt nicht hätte an- beraumt werden dürfen. Es standen sich drei Ansichten gegenüber: die Liberalen waren fiir Ungültigkeit der ganzen Wahl infolge der stattgefundenen Wahlbeeinflussungeu; die Freie Vereinigung erklärte die Wahl des Herrn Fink für gültig, da sie die Wahlbecinfluffuugcn nicht als erheblich betrachtete; die Socialdemokrate», in deren Namen Genosse Hi rs ch sprach, waren gleichfalls für Gültigkeit der Wahl; aller- diugs führte unser Redner aus, seien Wahlbeeinflussungen der bedenklichsten Art vorgekommen, aber doch erst in der Stichwahl, obwohl Herr Fink bereits in der Hauptwahl gewählt war. Seine Freunde könnten die Entscheidung des Ober-Verwaltungsgerichts nicht billigen, sie könnten aber auch andrerseits keinen Grund dafür ein- sehen, warum man diese Entscheidung nur immer dann anziehe, wenn es sich um einen Socialdemokratcn handele. In namentlicher Abstimmung erfolgte dann die Gültigkeitserklärung mit 36 gegen 20 Stimmen. Hierauf wurde die Etatsberatnng fortgesetzt. Beim Etat der Gemeindcschulen lehnte die Mehrheit nach kurzer Debatte einen Antrag Borchardt fSoc.) ab, die Position Mittel für Neu- Errichtung von Schulbauten um 400 000 M. zu erhöhen. Beim Etat der Fortbildungsschulen entspann sich eine lebhafte Debatte über den Staatszuschuß zu den Kosten der Einführung des obliga- torischen FortbilduugSschuluntcrrichts. Der Minister knüpft an die Gewährung dieses Zuschusses Bedingungen, die von den Stadtvv. Dr. Pen zig flib.) und Dr. Borchardt fSoc.) als unannehmbar bezeichnet wurden, da sie eine Schmäle- rung des Selbstverwaltungsrechtes der Gemeinde bedeuten. Beide Redner traten dafür ein, daß die Stadt auf den StaatSzuschuß verzichten möge. Demgegenüber bemerkte Bürgermeister M a t t i n g, daß man, wenn man auf den Staats- zuschuß verzichte, doch nur fiir den Augenblick den Schein der Selbst- Verwaltung aufrecht erhalten könne. Die Regierung werde sich evenluell auf dem Wege der Gesetzgebung Einfluß zu verschaffen wissen. In ähnlichem Sinne äußerte sich Oberbürgermeister Schustehru s. Die Abstinimung war eine namentliche. Es stimmten 24 Stadtverordnete, darunter der Vorsteher, für und 24 gegen Annahme des Staatszuschusscs. Entscheidend ist bei Stimmen- gleichheit die Stimme des Vorstehers, der StaatSzuschuß mit den daran geknüpften Bedingungen ist also angenommen. Die weitere Etatsberatung war belanglos. Nach Erledigung einer Reihe von Vorlagen befaßte sich die Versammlung noch mit der Frage der Hinzuziehung von Frauen zur Armen- d i r e k t i o n. Vor einigen Wochen hatte die Versammlung auf Antrag der Socialdcmokraten beschlossen, in die Armcndirektion drei Frauen als stimmberechtigte Mitglieder zu wählen. Diesem Beschluß ist der Magistrat nicht beigetreten, er will den Frauen nur beratende Stimme geben. Entgegen dem Antrage des Referenten Stadtv, Hirsch, auf dem früheren Beschluß zu beharren, trat die Mehrheit nunmehr der Entschließung des Magistrats bei, die Frauen sind also in der Armendirektion nur Mitglieder zweiter Klasse. Pankow. Endlich wird auch Pankow als einer der letzten Vor- orte, welche noch kein Denkmal der Hohcnzollerndyuastie besitzen, ein solches bekommen. In der letzten Gemcindevcrtrcter-Sitzung teilte der AmtSvorstcher mit, daß Aussicht vorhanden sei, durch private Sammlungen die Mittel aufzubringen, um ein Reiter- Standbild Kaiser Friedrichs herstellen zu lassen. Die Gemeinde müsse aber erklären, daß sie einen Platz für das Denkinal uneutgelt- lich hergebe. Da die bürgerlichen Vertreter vor freudigem Erstaunen gar keine Worte fanden, mutzte der Vorsteher fiage», ob den» niemand zu dieser Sache sich äußern wolle. Schmunzelnd meinten nnsre Dorfväter:„Wenn uns die Sache nichts kostet, köuueu wir es ja machen." Da der Sitzungssaal in unsrem Rathaus noch keinen Bilderschmuck besitzt, so hat einer der Pankower Terraiuspekulanten sich bereit erklärt, ein Originalbildnis Wilhelms II. zu stiften. Leider ist der Sitzungssaal derartig gebaut, daß keine passende Wand vorhanden ist. um das Kolossalgemälde aufzunehmen. Die Bau- kommission wird sich daher mit einem Umbau des Sitzungssaales zu beschäftigen haben. Fricdrichsfclde. Einen glänzenden Wahlcrfolg erzielten nnsre Genossen bei der gestrigen Gemeindevertretcrwahl. In zwei zur Neuwahl stehenden Bezirken sind zum erstenmal Vertreter der Social- demokratie getvählt worden. Während Genosse P i n s e l e r 426 uud Genosse B o r s d o r f 420 Stimmen erhielt, entfielen auf die Gegner nur 263 rcsp. 264 Stimmen. Köiligs-Wiistcrhausc». Am Dienstag fand hier die Ergänzungs- wähl zur dritten Abteilung der Gemeindevertretung statt. Zum erstenmal beteiligte sich die Socialdemokratie an derselben. Das Resultat war: Schiecke(liberal) 146, Brnnuer(liberal) 131, Trappe (liberal) 51, Di etze(S oc.) 88, Schmidt(S o c.> 84 Stimmen. Somit hat diesmal noch die vereinigte bürgerliche Gesellschaft ihre Mandate behauptet. Gerichts-Leitung. Wie ist da nur ciue Berurtcilmig möglich? Ein neues Beispiel jom Walten der gelehrten Justiz ist aus Potsdam zu berichten. Die 16 Jahre alte Frieda Plathe hatte sich vor der dortigen Straf- kamnier tvcgcn Brandstiftung zu verantworten. Die Äugeklagte, welche sich in Hast befindet, wurde von frühester Jugend ab im R e t t n n g s h a n s e EinmanS bei Jüterbog erzogen, da sie den Vater gar nicht gekannt hatte, die Mutter aber im I r r e u h a u s e ist. Sie ist entschieden g e i st i g minderwertig und macht einen st u p i d e n Eindruck, antwortete auch kaum ans die Fragen des Vorsitzenden. Als die Angeklagte 14 Jahre alt war. wurde sie in. den Dienst gebracht lind lvar mehrere Jahre an verschiedenen Stellen, bis sie schließlich trank wurde und nachdem sie im Jüterboger Kraukenhause behandelt war, nach EmniauS als Dienstmädchen zurückkehrte. Von den Zög- lingen wurde sie dort oftmals gehänselt und aus Wut darüber zündete sie am 27. Dezember v. I. den Ziegenstall an. Als eS hell brannte, wollte sie dann die Flammen mit einem Eimer Wasser tvieder löschen, doch war dies zu spät, das Dach brannte ab und ein Schaden von 240 M. entstand. Der Medizinakrat Dr. Strantz hielt die Angeklagte zwar fiir moralisch minderwertig, aber nicht für geisteskrank. Der Staatsauwalt beantragte iufolgedcsseii gegen dieselbe ein Jahr Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte auf sechs Monate Gefängnis, doch soll die Augeklagte in die Liste der zur Be- gnadiguug bei guter Führung vorzuschlagenden jugendlichen Personen mit aufgenommen werde». Hat es denn kein Mittel gegeben, um die Gerichtsverhandlung gegen die imglückliche Person aufzuschieben, um neue Gutachten über ihren Geisteszustand ciuzuforderu? Wie war es überhaupt möglich, ein solches armes Geschöpf e r st den O u a l e n der Untersuchungshaft a n S z u fetze n? Mit Schaudern muß man au das Elend denken, das im Gefängnis einem Mädchen noch bevorsteht, welches gleich dem Prinzen Arcnberg mit allem Mitleid, mit aller Schonung in einer H e i l a n st a l t behandelt werden sollte, auf keinen Fall aber auch nur eine» Tag hinter Kcrkermaucrn gehört I Ei» Mustcrpolizist. Der rohe Exccß, den der frühere AmtSdicner Karl T ö p e l in Rmnmelsburg begangen, beschäftigte gestern zum zweitenmal die dritte Strafkammer des Landgerichts I. Am 4. Mai vorigen Jahres gegen 0 Uhr abends erschien der Amtsdiener Töpel, der probeweise im Dienste des Amts« und Gemeindcbezirks Box- hagen-Rnnimelsburg angestellt war, auf dem Laubengelände an der Wühlischstraße. Unter dem Vorgeben, er wolle feststellen, ob von dem Produktcnhändler Passehl und dem Schuhmacher Strohschcin in ihren Lauben ctiva das Schankgewerbe unerlaubt aus- geübt würde, forderte und erhielt er Zutritt zu deren Lauben. Frau Slrohscheiu hatte Bier abgezogen und die Flaschen auf dm Fußboden gestellt. Töpel ergriff sofort eine Flasche, erhob sie drohend wie zum Schlage und schrie Frau Strohschein an:„Du Frauenzimmer, Du lügst!" Herr Pasichl wollte sich diese Behandlung nicht gefallen lassen und ver- anlaßte den Angeklagten, mit ihm nach der Polizeilvache zu gehen. Strohschein und der Museumsdiener Siebenbaar schloffen sich ihnen an. Auf der Straße erklärte der Amtsdiener alle drei plötzlich für verhaftet und transportierte sie unter Schlägen und Stößen nach der Polizeiwache. Hier notierte er zunächst Sicbenhaars Name und ging mit Strohschein in ein besonderes Zimmer. Dort schlug er ihn mit der Faust ins Gesicht, so daß diesem das Blpt ans Mund und Nase lief. Als er zur Thür lief und um Hilfe rufen wollte, ritz ihn Töpel zurück und schrie ihn an:„Du Hund, w i r st das Maul halten". Dann ließ er ihn los und hieß ihn weggehen, ohne daß er seine Personalien festgestellt hatte. Nun holte er Passehl in das Zimmer, zwang ihn, sich in eine Ecke mit dem Gesicht nach der Wand zugekehrt aufzustellen und schlug ihn sodann mit dem Säbel gegen die Schenkel, so daß er an diesen stark blut- unterlaufene Schwellungen davon trug. Dann befahl er dem Pasiehl, sich umzuwenden und schlug ihn sodann mit den Fäusten ins Gesicht. Er setzte ihm die Säbel spitze auf dieBrust und rief ihm wicderlwlt zu:„Hund, ich steche dich tot!" Als gegen 10 Uhr etwa acht bis zehn Nachtwächter im Wachtzimmer erschienen, entließ er Passehl mit den Worten:„So, jetzt wirst Du Dich von jedem meiner Kollegen verabschieden und vor jedem eine Verbeugung machen!" Au« Furcht vor weiteren Mißhand- lungen that dies Passehl auch und aus die Aufforderung des An- geklagten, ihm eine besondere Verbeugung zu machen, kniete er vor diesem sogar nieder.— Die Strafkomnier hatte den Angellagten auf Grund dieses Thatbestandes seiner Zeit der Mißhandlung. Be- drohung, Beleidigung und Freihcitsberanbung für schuldig erachtet. Den Thatbestand des ß 341 des Sttaf- Gesetzbuchs erfüllte das Verhalten des Angellagten um deshalb nicht, iveil ihn« mangels staatlicher Bestätigung seiner Ernennung zum Amtsdiener die Eigenschaft als Polizeilicainter fehlte. Töpel wurde zu einer Gesamtstrafe von neun Monaten Gefängnis verurteilt. Dabei war für die Mißhandlung und Körperverletzung des Pasichl eine Einzelstrafe von vier Monaten eingesetzt worden. Nur wegen dieser Einzelstrafe hatte das Reichsgericht das erste Urteil auf- gehoben, weil das Gericht den Antrag deS Angeklagten auf Zu- billigung mildernder Umstände unerörtcrt gelassen hatte.— Im gestrigen Termin bckundeteu mehrere Wächter, daß der An- geklagte am kritischen Abend stark angettunken gewesen und überhaupt ein leicht aufgeregter Mensch sei. Rechtsanwalt v. Palmowski plaidierte auf Zubilligung mildernder Umstände und machte geltend, daß der Angeklagte, der während seiner Militärzeit einen schweren Sturz vom Pferde gethan, sehr leicht erregbar und überdies betrunken gewesen sei.— Der Gerichtshof war mit dem Staatsanwalt der Ansicht, daß es nicht als Milderungs- grund gelten könne, wenn sich der Angeklagte im Dienst betrank. Der Exceß sei ein besonders roher gewesen, und das Gebahren des Angeklagten hätte das Auschen der Polizeibeamten in den Auge» der Bevölkerung empfindlich schädigen können. Aus diesen Gründen versagte der Gerichtshof die mildernden Umstände und beließ eS bei der Gesamtstrafe von neun Monaten Gefängnis. Soziale Rechtspflege. Keine Ei tlnssung, auch kcii« Grund zum Bcrlaffcn der Arbeit. Ein Kellner N. betrachtete sich als entlassen, weil ihm in der Äündigungszeit der Gastwirt K. Wechselgeld verweigerte und noch einen zwelten Kellner beschäftigte, obwohl nach Meinung des Ik. nur für einen zu thun war. N. kam nicht wieder und beanspruchte durch Klage beim Berliner Gewerbcgericht eine Lohnentschädignng. Die Kaniiiter VI erkannte den Anspruch nicht an. Es läge keine Ent- lassung vor und das Verhalten des Arbeitgebers habe dem Kläger auch keinen zwingenden Grund zun, Verlassen der Arbeit geboten. Der Maurerpolier F. von der Baufirma St. war eines Tages verhaftet ivorden, nachdem sich herausgestellt hatte, daß 500 M..aus seiner verschloffencn Bude auf dem Bau verschwunden waren. Wegen mangelnder Beweismittel dafür, daß er selbst das Geld ge- noinmen habe, wurde er jedoch alsbald wieder entlassen. Als er am nächsten Tage wieder nach dem Ball kam und ins Comtoir ging. wurden ihm hier seine Papiere ausgehändigt. Ihm an sich zu- komnleiide 47 M. erhielt er nicht. Er klagte mm beim Berliner Gcwerbegericht auf Zahlung der 47 M.. sowie auf Gewährung einer Lohnentschädigung wegen unberechtigter Eiltlasilmg. Es wurde nun vor der Kammer 3 festgestellt, daß er 160 M. Lohnvorschlch erhalten hatte, wovon aber von ihm 120 M. als Vorschuß an Maurer gezahlt sind. Das Gericht nahm an, daß diese 120 M. nicht aufrechuuilgs- fähig seien, wohl aber die übrigen 40 M., die als persönlicher Vorschuß gelten müßten. So blieben von der Lohnforderung deS Klägers noch 7 M.. die ihm zugesprochen wurden. Außerdem verurteilte die Kammer die beklagte Firma, dem Kläger eine vierzchntägige Lohnentschädigung zu zahlen. Auf ihn als Polier sirde der Küiidigiingsauöschluß keine Anwendung, und da in der unberechtigten Verhastimg. die alsbald durch die Freilassung wieder ausgehoben wurde, kein Grund zur sofortigen Entlassung zu sehen sei, so stehe ihm der Eutschädigungsanspruch zu. Die verhältnismäßig erhebliche Zeit. Der Arbeiter B. war nach Ivtägigem Kranlenlager entlassen worden, was der! Arbeitgeber W. damit rechtfertigte, daß sich die Dauer der Krankheit nicht absehen ließe. W. wurde bald wieder arbeitsfähig und verlangte nun für die Zeit bis zur Entlassung seinen Lohn, in» dein er geltend machte, die 10 Tage seien eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches. Das Berliner Gewcrbegericht erklärte die Forderung fiir n i ch t begründet, weil die zehn Tage wegen der Dauer des Arbeitsverhältnisses, die zwei Nlonatc betrug, eine„verhälwismäßig erhebliche" Zeit und nicht eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit sei.— Aus Billigkcitsgründeu lvurde jedoch ein Vergleich geschlossen. Kläger erhielt den Lohn für fünf Tage. Versammlungen. Zweiter Wahlkreis. Am Dienstag sprach in einer bei Zühkk« abgehaltenen Wahlvercins-Versammlung der Rcichstags-Abgeordnete S t ü ck l e n über„Tie Socialdemokratie im Kamps gegen die herrschenden Gewalten". In seinen cincinhalbstündigcn Aus- führungen ging Redner auf die verschiedenen Seiten deS proletarischen Klassenkampfes ein, wie sie aus den, socialdemokratischcn Programm und den principicllcn Anschauungen unsrcr Partei resultieren. Jetzt nach dem großen socialdemokratischen Wahlerfolge des vergangenen Jahres scheine sich das Bürgertum unter Hintansetzung seiner sonstigen Jntcrcsscngcgcnsätze immer fester gegen die mächtig auf- strebende Arbeiterklasse zusammenzuschließen. Die Scheidung der Klassen tritt immer deutlicher hervor und damit auch das steigende Bestreben der herrschenden Klassen, die Masse des Volkes politisch und wirtschaftlich dauernd zu cntecchten so lange es noch Zeit ist. Den besten Beweis dafür bieten die sinstercn Pläne und das fortwährende Drängen der„starken aber dummen" Männer, den Arbeitern das ReichstagSwahlrccht zu rauben. Und dessen könne man sicher sein: Sobald die Regierung eine Majorität für diese Pläne zu haben glaubt, werde sie nicht zögern, Hand an das Wahlrecht zu legen. Wir gehen ernsten Zeiten entgegen. Angesichts dessen aber sollten die Genossen den größten Wert darauf legen, daß mit der Ausdehnung unsrer Partei in die Breite auch eine entsprechende Ausdehnung in die Tiefe Plat; greife, denn nur aus eigner Kraft werde die Arbeiter- klasse die künftigen Kämpfe gegen die herrschenden Gewalten siegreich bestehen können.(Beifall.! Da eine Diskussion nicht beliebt wurde. so schloß der Vorsitzende die Versammlung mit der Mahnung, die Ausführungen des Referenten entsprechend zu beherzigen. Zweiter Wahlkreis. In der Versammlung des Socialdemokratischen Wahlvcreins, die am Dienstag im Hofjäger-Palast statt- fand, sprach an Stelle des Reichstags-Abgeordneten Förster, der in- folge des Umstandes, daß der Reichstag bereits geschlossen ist, Berlin bereits verlassen hat, der Reichstags-Abgeordnete R i ch. Fischer.' Obgleich unvorbereitet, gab der Vortragende eine interessante und fesselnde Ucbcrsicht über die wichtigsten inneren politischen Zeit- und Streitfrage;: und kennzeichnete namentlich das in letzter Zeit so außergewöhnlich scharfmacherische Verhalten unsrer Gegner und die verschiedenen Vorgänge, die darauf hindeuten, daß wir allmählich Zuständen entgegengehen, wie sie 1378 herrschten. Neben den Vor- gängen im Plenum des Reichstags und dem Sehnen der Scharf- machcr nach einem dummen starken Mann, der der Socialdemokratie den Garc">s machen soll, wies der Redner darauf hin, wie die bürgerlichen Abgeordneten in der Wahlprüfungskommission die bis- her stets maßgebend gewesenen Grundsätze über den Hausen werfen und ihre Entscbeidungcn einfach davon abhängig machen, ob sie der Socialdemokratie zum Schaden oder Borteil gereichen. Bezug- nehmend auf den Umstand, daß die Regierung Maßnahmen für eine Reichstagsanflösung getroffen hat— womit nicht gesagt ist. daß sie ihre Absiebt nicht in kurier Zeit wieder geändert hat— bemerkte der Redner, daß die Gefährlicbkcit der Socialdemokratie für die bürgerliche Gesellflhaft nicht wesentlich in der Zahl der Reichstagsmandate, sondern vielmehr in der socialdemokratischen Ucberzeugung der Wähler liegt, und daß wohl kaum ein verantwortlicher Minister so unverantwortlich dumm ist, daß er glaubt, man könne unsrer Partei durch irgend welche Gewoltmaßregeln wirklichen Schaden zufügen und sie vernichten. Ter Redner schloß mit den Worten, daß eine planmäßige politische und gewerkschaftliche Organisation und eifrige Agitation von Mann zu Pivnn in der gegenwärtigen Zeit mehr noch als sonst unsre Ausgabe sein muß.— Ter Vortrag fand starken Beifall. Zur Diskussion meldete sich niemand. Vierter Wahlkreis(Südost). In der Versammlung deS Wahk» Vereins, die am Dienstag in Graumanns Saal stattfand, gedachte der Vorsitzende der im vergangenen Monat verstorbenen Mitglieder Bär und Schindler sowie der Märzgefallenen. Tann hielt Max Schütte einen beifällig aufgenommenen Vortrag über den All- gemeinen deutschen Arbeiterverein. Ter Redner schilderte die erste Zeit der sociafistischen Bewegung vom Auftreten Lassalles bis zum Einigungskongreß in Gotha. In der Diskussion fügte Genosse Peter noch einiges aus persönlicher Erfahrung über die vom Vor- tragenden besprochenen Verhältnisse hinzu. Nachdem der Referent einige Anfragen über den Gegenstand seines Vortrages beantwortet hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Vermischtes. Selbstmord auf der Bühne. Im Saale des Gasthofes„Zum schwarzen Bär" inRirnptsch, wo die Theatergesellschast Rudolf Mohr Vorstellungen giebt, spielte sich ein aufregender Vorfall ab. Während der Aufführung von Ludwig Fuldas Lustspiel„Die Zwillings- schwester" tötete sich der Schauspieler Ennl HaSda, der den Jägermeister Lelio spielte, nach Beendigung des ersten Aktes ans der Bühne durch einen Schuß in den Kopf. Die Ursache der That soll unglückliche Liebe gewesen sein. Die Vorstellung mußte sofort ab- gebrochen werden. Tie Pest in Südafrika ist auf dem besten Wege, dort zu einer Seuche auszuwachsen. Zwar lauten die Meldungen noch etwas widersprechend, aber so viel ist doch sicher, daß auch schon außerhalb Johannesburgs Pestfälle vorgekommen sind. So meldet der Draht unter dem 23. März ans Pretoria, daß dort Mittwoch ein Kaffer an Pest gestorben sei. Es handelt sich in allen Fällen um die gefährlichste Form, die Lungeupest, und das erklärt auch ihre schnelle Verbreitung. Der erste Fall wurde am Donnerstag voriger Woche entdeckt, und Montag waren der Seuche schon 34 Menschen erlegen. Es beruhigt einigermaßen, zu wissen, daß sie bei ihrem früheren Auftreten in Südafrika die weiße Bevölkerimg ziemlich ver- schonte, doch wissen jetzt Berichterstatter englischer Zeitungen auch schon den Tod zweier Weißer, darunter einer Europäerin, der Witwe eines englischen Arztes, zu melden, deren drei Kinder gleichfalls von Pest ergriffen sein solle». Zu bestirchten bleibt immer noch, daß der Pestkeiin. bevor er nach dem Binncnlande auf irgendwelche Weise gelangt ist. an der Küste und auf Zwischenstellen vorher auch noch abgelagert wurde, so daß sich demnächst niehrere Pestherde zeigen werden. Dann würde die Absperrung, die jetzt sehr scharf gehaud- habt wird, gegen die Verbreitung der Seuche keine rechte Sicherheit mehr bieten. Man vermutet, daß die Pest in Johannesburg durch britische Jndier eingeschleppt worden sei. WitterungSübersicht vom 84. März»904. morgens 8 Uhr Stationen Swinemde Hamburg cdi» Ii .= S SS 771 NO 77! ONO 770 ONO Aranks.a.M. 7SSM München i 761.NO Wien>764.NNW Seiler Zbedeckt 4'bedcckl 4bedeckt 8 heiter 6bcdeckt Swolltg Hfa Stationen c e N- « i i e Haparanda>778N Petersburg 774. NO Cork Aberdeen Pari» 764�0 Setter Lbeiter Icheiter 4'bcdcckt (4s = V a il | a» H!d Wetter-Proguose für Freitag, den 25. März li>04. Etwas kälter, zeitweise heiter bei ziemlich icharjeii nordwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Arbeiter-W- Konsum'Vereine STorden; Swinemünderstr. 41. Chorinerstr. 46. Buttinaiinstr. 19. Willdenowstr. 30. Garten str. 3. Moabit: Wiclefstr. 31. Cmdenerstr. 45. Saticlbergerstr. 6. Rostockerstr. 81. Nordosten: Winsstr. 64. Osten: Ebelingstr. 14, Krautftr. 7. Licbigstr. 7. Zorn dorfer str. 68. Munchebergerstr. 38. nur die auf dem Boden des Centralverbandes stehen. Kauft nur in den nachstehenden Verkaufsstellen: Osten. Stralauer Allee 80/1. Südosten: Soraucrstr. 10. Piicklerstr. 31. �atckensteinstr. 6. �orstcrstr. 4. Michaelskirchplak 4. 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Obcp-Schüneweide: Edisonftr. 4. Johannisthal: KöPnicker-.Gcke Friedrichstrafte. Runmielsburg: Türrschmidtstr. 6. Fricilpichsberg. Lichtenberg: Mainzerstr. 4. Wilhelmstr. 9. Aumeldttngen von Mitgliedern werden in jeder Verkaufsstelle entgegengenommen. Xen-Llchtenbeps:; Frankfurter Ghaussee 48,49. Weissensee: Friedrichstr. 18. Langhansstr. 60. Adlershof: Hackelbergstr. 89. Alt-Glienicke: Köpnickerstr. 38. Friedrichshagen: Friedrichstr. 98. Erkner: Königstraste. Spandan: Jüdenstr. 9. Tegel: Schlieperstr. 8. Zehlendorf: Teltowerstr. 1. 106/18 100 Stück 3.00 Mk. 100 Stück 4.50 Mk. Jeder Gigarren- Interessent— ob Privatraucher, Händler oder Gastwirt— sollte nicht versäumen, einen Versuch mit meinen nebenstehend� im Original abgebildeten Specialmarken zu machen; dieselben vereinigen in sich alle Vorzüge, die man bisher nur bei teureren Cigarren-Sorten zu finden gewohnt war, und erfreuen sich daher in weitesten Raucherkreisen allgemeiner Beliebtheit. 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