Ur. 74. flbonn. n Strafantrag zurück. Damit mußte die Verhandlung ab- gebrochen werden. So wurde es verhindert, daß die Geistlichen ihrerseits bestätigten, was die Laien als Zeugen beschworen hatten. In höchst seltsamen Wechselgesprächen wurde noch zum Schluß an Gerichtsstelle versucht, die Enthüllmtgen in ihrer Wirkung abzu- schwächen. Vergebens! Der Beuthener Kopp-Prozeß hat zwar nicht alles, aber doch genug aus den Geheimnissen der politischen Klerisei ver- raten. Die.Germania", die sonst so redselige, ist derart bestürzt, daß sie den Prozeßbericht ihren Lesern bis jetzt vorenthielt. Auch Christus Letocha wird nicht im stände sein, die aufgedeckte Riesen- schuld dem Centmm abzunehmen, das von KorfantyS Gnaden vor noch Aergerem bewahrt worden ist. Das interessante Ende, daS der Kopp-Prozeß am Sonn- abend fand, wird uns durch Privattelcgramme wie folgt geschildert: Beuthen, den 26. März. 4.26 Nm. (P r�i v a t d e p c s ch e des„Vorwärts".) Nach Eröffnung der Sitzung erklärt der Vorsitzende: Es ist beim Gericht ein Telegramm eingegangen, welches lautet: In der Strafsache v. Wolski, auf Grund deren dort gestern und vorgestern verhandelt worden ist und morgen noch ver- handelt wird, nehme ich Strafantrag in allen Teile» znriick und beantrage Einstellung des Verfahrens. Kardinal Kopp. Ein lveitcr eingegangenes Schreiben deS Kardinals bestätigt das Telegramm. Vorsitzender: Kann der Angeklagte oder sein Verteidiger über die Vorgänge Auskunst geben, ivelche zur Zurücknahme des Straf- antraacs führten? Verteidiger: Ja, ich bitte, sie bekanntgeben zu dürfen. Wir alle haben den überwältigenden Eindruck erfahren, welche die Ver- Handlungen machten. Auch auf den geistlichen Sachverständigen haben sie den größten Eindruck gemacht. Wir haben gesehen— Vorsitzender: Wir wollen doch nur die T h a t s a ch e n kennen lernen, die zur Zurücknahme des Strafantrages führten. Verteidiger: Dieser starke Eindruck war für uns Veranlassung. uns an de» Sachverständigen geistlichen Rat Buchinann zu wenden. Ich hatte gesehen, wie bei einem besonders lraffen Fall der Sachverständige fännlich zusammenzuckte. Vorsitzender und Staatsanwalt protestieren gleichzeitig gegen diese Ausführungen. Vorsitzender: Unter diesen Umständen verzichte ich auf«eitere Auskunft. Verteidiger Rechtsanwalt Sehda: Wir wandten uns an den geist- lichen Rat Buchmann mit der Bitte, die empfangenen Eindrücke dem Herrn Kardinal lociterzugeben, in der Hoffnung, den Herm Kardinal zur Zurücknahme des Strafantrages zu veranlassen. Der Abgeordnete Korfanty unternahm rS, Herrn Vuchmann zu bitten, beim Kardinal in diesem Sinne vorzugehen. Herr Buch- mann übernahm die Mission. Nach einer Beratung der am Prozeß beteiligten Personen ivurde Herrn Rat Buchinann ein Brief geschickt, in welchen: er gebeten wird, im Interesse der Kirche wie der Herstellung des Friedens dem Kardinal die Eindrücke des Prozesses mitzuteilen, die obcrschlestschen Zustände zu schildern und ihn zur Zurücknahme deS Strafantrages zu bewegen. Dagegen erklärt sich der„Gornoslazak" bereit, die Kosten des Prozesses dem Kardinal zurückzuerstatten und im„Gornoslazak" eine Erklärung zu veröffentlichen, in welcher gesagt wird, daß der inkriminierte Artikel, soweit er sich auf den Kardinal bezieht, eine den Thatsachen nicht entsprechende Behauptung enthält, die den Kardinal beleidigt.„Wir haben", heißt eS in der Erklärung,«zwar durch einen Zwischen- satz zum Ausdruck bringen wollen, daß wir diese Behauptung des„Przeglad Katolicki" nicht zu der unsrigen machen wollten, durch die Unklarheit des Zwischensatzes sind jedoch Miß- Verständnisse entstanden, die den Herrn Kardiiial in seiner Ehre als Kirchcnfürst schwer zu kränken geeignet sind." Die Erklärung des„Gornoslazak" bezieht sich im weiteren auf die angebliche Beleidigung der katholischen Geistlichkeit OberschlesienS. Diese vorzu- tragen, hält sich Verteidiger nicht für befugt, weil er nicht weiß, ob dies den Intentionen des Kardinals entspricht. Aber er will sagen, daß sie sich decken mit dem. was anGerichts stelle Abg. Korfanty unter Eid bekundet hat. Der Verteidiger erklärt, heute noch einen Brief des Kardinals erhalten zu haben, in dem es heißt: «Unter dem Eindruck d e S Vertrauens, den Sie bei meiner Vernehmung in Breslau gemacht haben, nehme ich Ihre friedlichen Vorschläge an." Weiter erklärt der Kardinal sich bereit zur Zurücknahme des Strafantrages gegen Redakteur Kowalczyk vom„Gornoslazak", der wegen des Vorwurfes der Simonie dem- nächst vor Gericht erscheinen sollte. Voraussetzung der Zurück nähme ist, daß Kowalczyk seine Behauptung zurücknimmt, wobei der Kardinal Kopp versichert, daß keine Vereinbarungen zwischen der Kirche und der preußischen Rrgiening bestehen, kraft deren die katholischen Pfarramts-Äandidaten sich vor ihrer Bemfung einen: besonderen Examen zu unterziehen hätten. Am Schlüsse seiner Darlegungen bringt der Verteidiger im Namen des Angeklagten, des gesamte»„Gornoslazak" und im eignen Namen dem Kardinal tiefgefühltesten Dank zum Ausdruck dafür, daß er sich als FrirdenSfürst im wahrsten Sinne des Wortes bethätiat habe.«Ich danke besonders auch deshalb, weil der Kardinal mffern Worten glaubt, daß«ir gute Katholiken sind und bleiben wollen, und daß wir uns dem Herrn Kardinal in kirchlichen Dingen stets gehorsam erweisen wollen." Staatsanwalt: Die Verhandlungen klingen in einen versöhnlichen Schluß aus. Man kann nun fragen, warum denn solche Verhandlungen erst notwendig werden? Wenn diese Verhandlungen zu einem dauernden Frieden wirklich führen sollten, dann haben wir auch hier nicht um- sonst gearbeitet. Wenn die Staatsanwaltschaft den Verlauf dieser Verhandlmigen hätte voraussehen können, so hätte sie auch die an. gegriffenen Geistlichen laden lassen. Jetzt hat man mir die eine Seite gehört, es sind unbewiesene Aiiklagen schwererer Art erhoben worden. Aber ein Sprichwort sagt: Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede. Auch die Staatsanwaltschaft hat einen Brief des Herrn Kardinals erhalten, den sie jedoch nicht verlesen lassen will. In: übrigen glaube ich, daß der Starke das Recht der Ber- zxihung hat. Der Borsitzende verkündet die Einstellung des Berfahrens und schließt die Sitzung. Im Gerichtsgebäude und bor demselben auf der Straße stehen viele hunderte Menschen und erörtern lebhast, meist freudig erregt, den unerwarteten Ausgang des Prozesses, den jeder als einen großen Sieg der Polen betrachtet. politische(leberlicht. Berlin, den 26. März. Eine Niederlage. Jir Zschopau- Marienberg hat die Socialdemokratie eine er« hebliche Niederlage erlitten, über deren Ursachen sich die Partei in aller Ruhe und Offenheit auseinandersetzen muß. Es ist seit Mül- Hausen— wo es sich aber nur um eine plötzliche Absplitterung rein protestlerischer Stiinmen handelte— keine Niederlage von solcher Schärfe in der Parteigeschichte zu verzeichnen. Und so wenig wir »leinen, daß dieser vereinzelte Rückschlag etwas andres bleiben wird wie eine vereinzelte Episode, so ist doch auch dieser einzelne Miß- erfolg schon zu viel. Die Socialdemokratie ist eS gewöhnt, in gerader Linie anfwärts zu steigen und sie übte mit Recht sofort ernste Selbstkritik, wenn sie irgend einmal auf diesem SiegeSzuge aufgehalten zu werden scheint. Es kommt dazu, daß auch die audren Nachwahlen der letzten Zeit nicht sonderlich glücklich gewesen sind, wenigstens keine Fortschritte zeigten. Wir hätten aber nicht»ur unsren Besitz behaupten, sondern auch weiteres Terrain erobern müssen. Denn gerade seit dem sechzehnten Juni deS vorigen Jahres haben unsre besten Agitatoren, die Gegner, es sich angelegen sein lassen, Tag für Tag ein Anklagematerial gegen die herrschenden Zustände zu häufen, wie eö kaum jemals in solcher Fülle geboten worden ist. Dazu kam der völlige moralische Zusammenbruch der herrschenden Klassen und Parteien, die auch in den Elementarfragen moderner Kultur elend versagten, während die radikale Kritik und positive zielklare Arbeit der Socialdemokratie immer mehr als das einzige zuverlässige Element jeden Fortschritts auch dem blödesten Auge sichtbar werden mußten. Niemals haben die herrschenden Gewalten ihr politisches Vermögen so wüst ver« geudct, wie in den letzten Monaten, uiid dennoch hat die Social- dcmokratte einen sicheren Sitz verloren, noch dazu an einen Ver« treter eines bankrotten Parteichens armseligster und gewissenlosester Reaktion I In Zschopau-Marienberg war die Socialdemokratie schon 1878 die stärkste Partei und siegte in der Stichwahl. Von 1881 bis 1887 entwickelte sich die Socialdemokratie rückläufig. 1881 drang die liberale Vereinigung, 1884 und 1887 die Reichspartei durch. Auch 1890 siegte noch der Reichsparteiler, 18S3 der Konservative im ersten Wahlgang, aber die Socialdemokratie stieg wieder gewaltig empor. 1898 erreichte sie die erste Stelle und unser so früh verstorbener Ge« nosse Roseiiow eroberte den Kreis bei der Stichwahl mit kleiner Mehrheit. Dagegen gewann Rosenow 1908 den Kreis gleich im ersten Wahlgang mit einer Mehrheit von fast 4900 Stimmen gegen den Scharfmacher Jcncke, den ehemaligen Generaldirektor Krupps. Diese Geschichte deS Kreises beweist allerdings, daß er zu denjenigen noch nicht genügend konsolidierten Bezirken gehört, in denen Ueber« raschungen niemals ganz ausgeschlossen sind. Immerhin war eS ein empfindlicher Verlust, daß wir bei der Nachwahl um rund 3509 Stimmen zurückgeworfen wurden, so daß wir nur wenige Stimmen fehlten uns an der absoluten Majorität—- uns in der Stichwahl mit dem Anttfemiten Zimniermann messen mußten. Zwar gewannen wir in der Stichwahl noch etwa 999 Stimmen, der Antisemit aber brachte noch fast 1699 Stimmen auf, so daß Zimmer« mann mit einem erheblichen Vorsprung unsren Kandidaten Pinkau aus dem Felde schlug. Ueber die Gründe dieses bedauerlichen Wahlausgangs wird uns aus dem Kreise geschrieben: Wie schon der„Vorwärts" meldete, sind bei der Hauptwahl am 18. März eine größere Anzahl Wähler um deswillen von der Wahl« urne weggeschickt worden, weil sie seit Aufstellung der Wählerlisten im April vorigen Jahres in einen andern Wahlbezirk verzogen sind. DaS soeialdemokratische Wahllomitee im 29. sächsischen Wahlkreis hat festgestellt, daß bei der Hauptwahl am 18. März nicht weniger als 1931 Wähler, darunter alleuil49 in der kaum 9999 Einwohner zählenden Stadt Olbernhau, ihres Wahlrechtes beraubt wurden. Da diese Wähler zum weitaus größten Teil den sorialdemokratischen Kandidaten gewählt haben würden, so wäre dieser schon am 18. März mit erheblichem Mehr gewählt gewesen. Ein andrer Umstand, der dazu beittug, daß die Hauptwahl so un- günstig ausfiel, war, daß viele außerhalb des Wahlkreises be» schästigte Arbeiter, z. B. viele in Chemnitz beschäftigte Bauarbeiter. von der Ansicht beherrscht, daß es zu einer Stichwahl kommen werde, der Hauptwahl fernblieben und so herbeiführten, was mit Leichtigkeit hätte vermieden werden können. Selbstverständlich hat der Ausfall an Wählern infolge von Wohnungswechsel auch bei der engeren Wahl am 25. März eine ivesentliche Rolle gespielt. Hinzu kam, daß die Antisemiten mit stärkstem Hochdruck arbeiteten und hierin von dem gesamten Beamtenapparat, einschließlich der Geistlichkeit, unterstützt wurden. Ein großer Teil der Wähler in jenem Wahlkreise befindet sich in den traurigsten wirtschaftlichen Verhältnissen— gehören doch diesem Wahl- kreis die Orte an, in denen die Spielwaren-HauSindustrie ihren Sitz hat— eine Bevölkerung, die sich in der größten Abhängigkeit von den sogenannten Verlegern befindet, an die sie als Zwischen- Personen ihre Ware abliefem. Kam eS doch nach dem 16. Juni v. I. vor, daß die Heimarbeiter der Dörfer, die überwiegend social- demokratisch gewählt hatten, auf Wochen keine Arbeit bekamen, was diese stetig am Hungertuche nagende Bevölkerimg doppelt schmerzhaft empfinden mußte. Es wird sich zeigen, daß auch dieses mal mit ähnlichen Mitteln gearbeitet worden ist. Verschwiegen soll aber auch nicht werden, daß die Organisation im Wahlkreis noch sehr viel zu wünschen übrig läßt. Hier muß gründlich gearbeitet werden. Solveit die Zuschrift, die manche Aufklärung bringt aber doch nicht alle« begründet. ES ist bekannt, daß dieser Wahlkreis zu de» am schwächsten organisierten Sachsens gehört. Die Wahlvereine zählen nur 438 Mitglieder, die Parteipresse nur 1410 Slvonneiitcn. Aber dieser Umstand hinderte nicht de» glänzenden Sieg vom IS. Juni. Auch das ist ivahr. dasz die Antisemiten den Wahlkampf mit äußerster Brutalität geführt haben. Die.Staatsbürger-Zeitung", die über den Triumph ganz närrisch geworden ist, die den Tag mit ..helleuchtenden Lettern in ihre Parteigeschichte" einträgt und in dem Ausfall„einen Markstein in der innerpolitischen Entwicklung Deutschlands" entdeckt,— die„Staatsbürger- Zeitung" giebt zu, daß im Pückler- Krvsell- Ahlwardt- Stil gearbeitet worden ist. Man hätte den ganzen Schwerpunkt darauf gelegt,„den socialdcmokratischen Führern die Maske vom Gesicht zu reißen und sie den Arbeitern im wahren Lichte vorzustellen, als Ausbeuter der deutschen Arbeiterschaft, als gewissenlose VerHetzer und Verführer des Volkes, als Vaterlandsfeinde."„Die Redner für die Zimmermannsche Kandidatur sind in die Versammlungen der Social- demokraten gegangen, sie sind einem Bebel, einem Singer und wie die Größen sonst alle heißen, entgegengetreten, haben den Stier bei den Hörnern gepackt und haben an der Hand der Thatsachen bei jeder Gelegenheit nachgewiesen, wie die socialdcmokratischen Führer die Arbeiterschaft belügen und betrügen." Aber dies Rezept ist nicht neu. Darin bestand schon die ganze Wahlagitation der bürgerlichen Parteien am 16. Juni und gerade dieser dummen und schmutzigen Taktik, welche die„Staatsbürger- Zeitung" als einzig wirksames Rezept empfiehlt, verdanken wir nnt den Dreimillionensieg. Es müssen also noch andre Momente mitgespielt haben, die dazu führten, die socialistische Wcrbckraft vorübergehend ein wenig' zu vermindern. Es läßt sich nicht leugnen, daß in der letzten Zeit nnsre Partei allzu sehr mit P e r s o n e n f r a g e Ii überlastet worden ist, die gewisse Verstimmungen bervorgerufcn haben und der B e- g e i st e r u n g für die Sache nicht gerade förderlich gewesen sind. Begeisterung aber ist die Vorbedingung alles Handelns, und so sehr der Kampf für eine Sache geeignet ist, Begeisterung zu lvccken, so leicht führt der Kampf uin P e rs o n e n zu unerquicklichen, dcpri- mierenden Stimmungen. Und der Kampf um Personen wird da- durch nicht fruchtbarer, daß man versucht, ihn zu einem Streit um die Sache zu vertiefen. DaS steckt manchmal hinter derlei Auseinandersetzungen, aber nicht i m in e r. Es wird zu untersuchen sein. Ivic weit bei dem Kaudidatcnftreit im 20. Wahlkreise— von einer Schuld frage zu reden, ist ziemlich müßig— der Aufwand von Eifer und Erregung im angemessenen Verhältnis zu seiner Parteinotwendigkcit gestanden hat. Ganz allgemein gesprochen aber sind personale Diskussionen niemals zum Vorteil einer Partei- bewegung. Ihr Uebermaß wirkt lähmend. Zu bedeutsamen Auseinandersetzungen wird— und zwar zuerst Wohl auf der bevorstehenden sächsischen Landeskonferenz— die Frage der Organisation führen. Die Organisation der Socialdemo- kratie baut sich demokratisch von unten aus und wurzelt in der Selbst- Verwaltung der Kreise. Diese gesunde Selbstverwaltung zu erhalten und sie zugleich einzugliedern in eine einheitliche vernünftige Centralisation— das ist ein ernstes Problem, das völlig befriedigend zu lösen, viel Takt und politischen Sinn erfordern wird. Wir begnügen uns für heute mit diesen Andeutungen. Die Social- demokratie ist niemals Freundin von Leichenreden gewesen. So werden wir auch rasch über diesen Mißerfolg zu neuer Arbeit, zu neuen Siegen schreiten.—_ Das Programm der neuen Hansa. Bei dem am Sonnabend erfolgten Stapellauf des kleinen Kreuzers„Lübeck" hielt der Lübecker Bürgermeister Dr. Klug folgende Ansprache: „Sc. Majestät der Kaiser hat mir als Vertreter der Freien und Hansastadt Lübeck den ehrenvollen Auftrag erteilt, beim Stappellauf des neuerbauten Kreuzers unsrcr Marine Ersatz Merkur den feierlichen Tausakt zu vollziehen. Auf der be- währten Werft erbaut, steht das Schiff hier vor uns, bereit. in sein Element zu gleiten, ein � willkommenes Ersatzschiff unsrer Flotte. Nun haben, seitdem S e. M a j e st ä t der Kaiser vor wenigen Jahren in Hamburg mit zündenden Worten das Gewissen untres Volkes aufweckte, die Vertreter des Volkes einer kräftigen Entwicklung unsrer Marine opferbereit ihre Z u st i m in u n g erteilt. Aber ein Abschluß für den Ausbau ist es nicht, um so weniger, als die älteren Schiffe gegenüber der nie rastenden Vervollkommnung des Schiffsbanes in ihrem Gefechtswert schnell überholt werden. Ucber das jetzige Programm hinaus erheischte daher die Sicherheit des Vaterlandes Zuwachs und Ersatz. Denn nicht auf dem Lande allein, sondern auch auf dem Wasser liegt die Entscheidung beim Ringen der Völker. Die n e u e st e n W e l t e r e i g n i s s e haben eS wiederum unwiderleglich gezeigt. Deutschland muß eine Machtstellung zur See, ebenbürtig andern Mächten, gewinnen, in gleicher Weise, wie einst die in dem Hausabund vereinigten deutschen Städte, zu denen auck Stettin gehörte, einer andern Seemacht völlig gewachsen waren. Nach dem Befehl Sr. Majestät des Kaisers soll der neue Kreuzer den Namen „Lübeck" führen. Mögest du, Lübeck, eingereiht in unsre deutschen Kriegsschiffe, allezeit nnsrcm Volke eine Mahnung sein, wie einst die Hanseaten, alles einzusetzen für eine starke Wehr zur See. Wir alle aber, die hier versammelt sind, gedenken mit Liebe und Verehrung unsres erhabenen Kaisers, des obersten Kriegsherrn unsrer Rüstung zur See, der warmen Herzens mit uns die Freude teilt, daß ein neues Schiff unsrer Marine! seinem Element übergeben wird. Seine Majestät der Kaiser und König Wilhelm II. hurra! hurra! hurra I" Hierauf sandte Bürgermeister Dr. Klug an den Kaiser folgendes Telegramm: „Ew. Majestät melde ich ehrerbietigst, daß der neuerbaute, auf den Namen„Lübeck" getaufte Kreuzer soeben glücklich vom Stapel gelaufen ist. Der Senat und die Bürger Lübecks sind stolz darauf, daß das Andenken des alten Hauptes der Hansa durch das neue Schiff über das Meer getragen lvird. Es knüpft a n den Stapellauf den Wunsch, daß uusrc Marine der Größe deS Reiches und seinen Interessen entsprechend schneller noch alö bisher durch Ersatz und Zuwachs erstarken möge. Genehmigen Ew. Majestät meinen und Lübecks Dank für die hohe Auszeichnung, welche unsrer Stadt zu teil geworden ist." Das an den Kaiser abgesandte Telegramm, das die Durchbrechung unsres Flottengesetzes fordert, bietet den schönsten Anlaß zur offiziellen Ankündigung der'neuen Flottenvorlage, die dann nur als Gewährung allerunterthänigster Herzenswünsche erscheint. Es handelt sich also um eine Flotte, die andern Mächten eben- bürtig ist. Selbstverständlich nicht der Portugals oder Dänemarks, sondern der Englands. Man kann sich also auf niedliche Forde- rungen gefaßt machen. Und da England so niederträchtig ist, auch seinerseits aus Leibeskräften weiterzurüsten, werden wir drei Jahre nach Annahme der bevorstehenden Flottenvorlage eine allerncueste Flottenvorlage präsentiert erhalten! Immer neue Milliarden- belastnngeu blühen de» Glücklichen, deren Zukunft auf dem Wasser liegt.—_ Neuprcußischc Taktik. Man schreibt uns: Der 13. März 1004 ist ein schwerer Tag für die deutsche Armee gewesen. Der zur Besiegung der HcreroS besonders auscrsehene Major von Glasenapp wurde bekanntlich an diesem Tage von den frechen Aufständischen in die Flucht geschlagen. Ivobei sieben Offiziere und 10 Mann den Tod fanden, drei Offiziere und zlvei Mann verwundet wurden. Bis heute weiß man nicht, ob die Toten mitgenommen werden konnten oder samt ihren Waffen und ihrer Munition dem Feinde in die Hände fielen. Dies zu er- fahren wäre nicht unwichtig, weil man daraus auf die Art der Niederlage schließen könnte. Doch wenden wir uns dem Verhalten des Majors v. Glasenapp zu. Der Herr Major war selbständiger Führer einer Kolonne, die dem zurückgehenden Gegner folgte. Hätte er die einfachsten Grund- regeln der Taktik beachtet, so würde er eine Vorhut gebildet haben, deren Aufgabe es gewesen wäre, das Terrain, durch das der Hauptteil(Gros) der Kolonne marschieren mußte, nach dem Feinde abzusuchen und überraschende Angriffe auf diesen Hauptteil unmöglich zu machen. Er hätte dazu auch einige Offiziers- Patrouillen feinen Offizier, drei bis sechs oder mehr Reiter) vortreiben und seitwärts schicken können. Herr v. Glasenapp s e l b st aber mußte bei seiner Kolonne bleiben. Am besten wäre er an der Spitze des Gros geritten. Weiter als bis zu den geschlossenen Ab- teilungcn der Vorhut hätte er auf jeden Fall nicht reiten dürfen, denn der Führer einer Abteilung soll bei dieser sich aufhalteu, damit er jederzeit zu finden ist und er selbst rasch seine Befehle erteilen kann. Haben die vor- und seitwärts geschickten Patrouillen den Feind gefunden, so wird die Vorhut zunächst das Gefecht aufnehmen, der Kommandeur der ganzen Kolonne benutzt diese Gelegenheit, um die Position des Gegners mit dem Fernrohr und durch weitere Patrouillen festzustellen, und hat er so ziemlich Gewißheit, so erläßt er seine Befehle an das Gros zum Angriff. Hätte Herr v. Glasenapp so gehandelt, so wäre die Niederlage vom 13. März unmöglich, ge- wesen. Die Rekognoszierung der gegnerischen Stellung hätte höchstens ein paar Reitern gefährlich werden können. Statt alledem tbat Herr v. Glasenapp etwas, was gar nicht seine Sache war. Er eilte seiner Kolonne weit voraus, um den Feind zu erkunden. Dabei setzte er seine Begleitung in einer Weise zusammen, daß einem der Verstand stillstehen könnte. Er nahm eine große Anzahl Offiziere mit und dazu nur 36 Mann und ein Maschinengelvehr, d. h. er entblößte seine Kolonne in unvcraut- wortlicher Weise von Offizieren. Beiläufig: In Kreisen, die es wissen können, erzählt man bc- reits von den» Verlust eines, sogar zweier Maschinengewehre! Könnte man den» darüber nicht offiziell etwas erfahren? Was wollte der Herr Major eigentlich? Den Feind ledig- l i ch ausspähen? Dazu hätte eine stärkere Patrouille mit ein bis zwei Offizieren genügt. Oder eine gewaltsame Rekognoszierung, d. h. eine Rekognoszierung, die nicht nur mit List, sondern auch mit G e w a l t in die Geheimnisse des Gegners einzudringen sucht? Dann hätte der Herr Major eine balbe oder eine ganze Compagnie vorschicken, aber nicht höchstselbst mit einem Schwärm von Offizieren vor- reiten sollen. Wie haben unsre Offiziere über die taktischen Fehler der englischen Offiziere im Boercnlneg gewitzelt! Und da wird ein altgedienter Offizier nach Afrika gesandt und hier macht er einen solchen taktischen Fehler, daß er vor Kaffern Reißaus nehmen mutz. Woher kommt cS? E r st e n s von dem SedanSbewutzt- sein, von dem Glauben an die eigne Unbcsiegbarleit, die die ganze deutsche Armee ergriffen hat. Zweitens: Von der Nervosität, die die deutschen Offiziere dank der ewigen Absägereicn ergriffen hat. Jeder will alles selbst thun, keiner vertraut fest den Untergebenen, Stabsoffiziere reiten in den Schützenketten herum, wo sie zwar nicht hingehören, aber sie fürchten, daß, wenn sie nicht selbst da sind, Fehler gemacht werden. Und so gerät zuletzt ein Kommandeur sogar auf den Einfall, s e l b st auf Patrouille zu reiten, statt dies seine Untergebenen thun zu lassen. Und wie ist die starke Beteiligung der Offiziere an diesem Ritt zu erklären? Mit der Schneidigkeit! Wir können uns den Verlauf der Sache sehr genau vorstellen. Als bekannt wurde, daß der Herr Major selbst eine Rekognoszierung vornehme, bat ihn sofort ein Offizier,„mitreiten zu dürfen", dann war eS für die andren Offiziere lich Pflicht, das nämliche zu thun. Wer die Bitte nicht ge- hätte, wäre anr Ende gar in den Verdacht geringer Schneidig- keit gekommen. So mußte denn die Sache so kommen, wie sie kam. Jetzt sind die englischen Offiziere an der Reihe, Witze zu reißen!— Deutsche» Reich. Nachklange auS der Schnomrschlacht. Die Ausweisung der 14 Russen wurde bekanntlich polizciosfiziöS begründet durch die angeblich qualifizierte Teilnahme der Betroffenen au der russischen Protestversammlung vom 5. d. M., in der die bekannte Resolution befckilosscn ist. Wir wiesen sofort daraus hin, daß z. B. bei Silberfarb der Grund nicht zutraf, da Silbcrfarb weder Ein- berufer, noch Leiter, noch Redner in jener Lcrsanmilung war. Jetzt können wir weiter mitteilen, daß noch für weitere fünf von den Aus- gewiesenen ein Gleiches gilt, und daß einige von ihnen auch au der früheren Protcstversammlimg. in der die erste„impertinente" Erklärung votiert wurde, nicht teilgenonimen haben. Die Methode, nach der die Schnorrer dccimiert loorden sind, ist lehrreich. Silberfarb war der erste, der vor den Universitätsrichter citiert wurde. Seine Vernehmung erstreckte sich auf seine Beteiligung an den Protcstversammlungen: man versuchte, ihn aber auch zu Mit- teilungen über seine Laudslcute zu veranlassen und erkundigte sich besonders eingehend nach Mandelstamm. Charakteristisch war die Frage, ob ihm denn nicht bekannt sei, daß die Russinnen in der That vielfach der„freien Liebe" huldigten! Vom 11. bis zum 16. März etwa waren täglich fünfzehn bis zwanzig Russen, auch solche, die sich an keiner der Versammlungen beteiligt hatten, auf dem Polizeipräsidium vernommen. Sie waren geladen als Zeugen. In der That wurden sie in erster Linie über sich tclbft, ihre politische Bethätigung und Gesinnung, ihre Beteiligung an den Versammlungen und soweit sie daran nicht beteiligt waren, über ihr eventuelles Einverständnis mit den Resolutionen und die Gründe ihrer Nichtbeteiligung verhört. Das heißt aber nichts andres als: man hat Beschuldigte gegen sich selbst und gegen Mitbeschuldigte als Zeugen vernommen— um von den Zwangsmitteln, die gegen Zeugen gegeben sind, erforderlichenfalls Gebrauch machen zu können und um jedenfalls auch gegen dritte Personen etwas herauszubekommen. Das dies Verfahren unzulässig ist, bedarf leiner Ausführung. Aber es handelt sich um Ausländer— und Ausländer sind in den Augen der Polizei in Deutschland rechtlos. Bei diesen Vernehmungen zeigte sich übrigens von neuem, welch vortreffliche Fühlung die preußische Polizei mit der russischen unter- hält. Der Personalakte des Genossen Mandelstamm z. B. war eine Photographie beigefiigt, die von der russischen Polizei vor ca. sieben Jahren bei seiner Verschickung nach Sibirien aufgenommen ist. Registriert sei auch, daß ein Student nach Zustellung deö AuS- Weisungsbefehls von der Universität seine Papiere einfach zugeschickt erhielt: in der Exmatrikel war vermerkt, daß er die Universität in- folge der Ausweisung verlassen müsse, eine Klausel, die eine be- trächtliche Erschwerung für die Fortsetzung des Studiums an andern Universitäten zur Folge haben kann. und die um so schärfer zu mißbilligen ist. als der Ausweisungsbefehl noch keineswegs rechts- kräftig ist. Also Vollstreckung der polizeiliche» Berjüguug durch die Universität vor Rechtskraft I Wie erwähnt haben die Ausgewiesenen— gestern ist auch der letzte. Scherzoff. und zwar per Schub über die Grenze gebracht— Preußen'und zumeist auch Deutschland verlassen. Daß sie auZ princkpiellen Gründen Beschwerde gegen die Ausweisungsbefehle er- hoben haben, soll nicht unerwähnt bleiben. lieber das Schicksal Scherzoffs und die Polizei-Großthat. den. er zivn Opfer gefallen ist, werden wir am Dienstag näheres be- richten.—_____ Barth ü6crx den Wahlrechtsantrag des GcsamtlibcralismuS. Wir richteten neulich an Herrn Barth die Frage,_ wie er denn über den bereits berüchtigt gewordenen liberalen preußischen Wahlrechtsantrag denke, diese erste Aktion der vereinigten Linken. Herr Barth beantwortet die Frage in der„Nation" mit an« erkelmtnswerter Deutlichkeit und Rückhaltlosigkeit. indem er sich voll- ständig unsrer Kritik anschließt. Er erinnert zunächst daran, daß aus dem letzten Parteitag der Freisinnigen Bereinigung am 10. Oktober 1903 folgende Resolution gefaßt worden sei: „Dies MachtZder reaktionären Parteien kann nur gebrochen werden durch eine gründliche Reform des Landtagswahlrechts. Als eine b c f r i e d i g e n d c R e f o r m i st allein der Ersatz deS Dreiklassen-Wahlsystems durch das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht, wie wir es im Reiche haben, anzusehen. Daneben ist eine den veränderten BevöllerungSverhältiiissett an- gcpaßte Neueintcilung der Wahlkreise eine unerläßliche Forderung der Gerechtigkeit." Herr Barth stellt fest, daß cS sich bei der jetzigen„Aktion des Gcsaintliberalisnms nicht darum handelt, auch nur entfernt die Forderungen der Gerechtigkeit gegenüber dem verrotteten Dreiklassen- Wahlsystem anzumelden". Gewiß sei es erfreulich, „wenn zur Erreichung irgend welcher liberalen Forderungen eine Kooperation der Freisinnigen und Nationalliberalen sich vollzieht. Aber wenn ein solches Zusammengehen nur dadurch ermöglicht wird, daß die gemeinsam anfzustellenden Forderungen auf ein Nichts zurückgeführt werden, wenn die Willensübereinstimmung nur ausreicht, um ge- mcinsam ein Windei auszudrüte», so kann eine solche Kooperation deS GesamtliberaliSinuS wohl Ironie, aber keine Begeisterung hervorrufen. Auch daS andre EinschläferungSmittel, die Lehre von der Notwendigkeit, sich im parlamentarischen Leben bei seinen Anträgen ans daS Erreichbare zn beschränken, ist im vorliegenden Falle' völlig deplaciert. Der liberale AbändmingSantrag selbst verquickt däs nach Lage der Verhältnisse im preußischen Ab-- geordnete nhanse völlig Unerreichbare mit andern, aller« diugS vielleicht erreichbaren, aber keineswegs einwandSfreieli Reformen." lieber die„Reform" der Zwölftelung bemerkt Barth: „Gewiß ist die Drittelnng in den llrwahlbezirken eine Absurdität, aber das ganze Dreiklasien-Wahlrccht besteht auS lauter Absurditäten, und diese Absurdität, deren Beseitigung von den liberalen Antragstellern ganz allein gefordert wird, ist die einzige, welche den Entrechteten dieses Drciklasscn-WahlsystemS wenigstens noch einigermaßen zugute kommt. Die. socialdemokra- tische Presse macht mit vollem Recht bereits darauf aufmerksam» daß bei Beseitigung dieser Bestimmunge» und Wiedereinführung der geoicindeweisen Drittelnng für die in der Socialdcmokratic or- ganisierte Arbeiterschaft auch der letzte Rest der Möglichkeit entfällt» aus eigene» Kräften eine» Abgeordneten in das preußische Klassen- parlanient zu entsenden. Wenn sich dieKonservativcn, diedemCentrmn zuliebe seiner Zeit in diejDnttelimg der UrWahlbezirke gewilligt haben. veranlaßt sehen sollten, diesem Antrag der Liberalen zuzustimmen. so wird cS sicherlich nur unter der Erwägung und voraussichtlich auch unter der ausdrücklichen Motivierung geschehen, daß damit das Abgeordnetenhaus vor dem Eintritt socialdemokratischer Mit« glieder völlig gesichert werde. Weshalb sich die liberalen Gruppen diesem Odium ausgesetzt haben, ist umsowcniger verständlich, als dieselbe Forderung ja bereits in dem Antrag der Reichspartei ent- halten war, und deshalb gar keine Notwendigkeit bestand, ihn unter die liberalen Forderungen noch einmal ausdrücklich auf- zunehnlen." Der Führer der Freisinnigen Vereinigung kommt zu dem Schluß, der gemeinsame Antrag sei „nicht dazu geeignet, um auch nur als Abschlagszahlung auf wirk- lich liberale Forderungen bezeichnet zu werden. Das, was in dem Antrag wertvoll ist, ist aussichtslos, und was nicht aussichtslos ist, ist teils von minimaler Bedeutung, teils sogar noch eine weitere Verschlechterung des bestehenden Wahlsystems. Die„National- Zeitung" versichert uns. daß in dieser gemeinschaftlichen liberalen Aktion daS gemeinsame liberale Sehnen nach einer Reform des preußi- scheu LandtngSwahlrechts noch nicht völligen Frieden gefunden habe. sondern daß man zur geeigneten Zeit weitere Neformen ernsthaft ins Auge faisen will. Man sieht aus den ersten Blick, daß es sich hier nur um eine VerlegeuhcitSauSrede handelt. Diese soft- und kraftlose liberale Aktion, die obendrein mit dem ueuumal weisen Rat ver- sehen wir, man solle nur daS Erreichbare erstreben, läßt nicht darauf schließen, daß in absehbarer Zeit eine neue liberale Aktion mit ernsthaften Rcformvorschlägen sich hcrvorwagen wird. Als der liberale AbänderungSantrag zuerst bekannt wurde, nahm man an, daß er eine Separataktion der nationalliberalen Partei darstelle; cö ist sehr zu bedauern, daß diese erste Meldung sich nicht be- stätigt hat. Wenn wirklich die nationalliberale Partei irgend welchen Wert darauf gelegt hat. mit den andern Gruppen der Linken zusammenzugehen, so hätte eS für die Freisinnigen nahe gelegen. nun auch ihrerseits die Berücksichti- gung einer ernsthaften Resormsorderung zur Voraussetzung ihres Mitwirkens.zu machen, und hier bot sich in der Forderung der Einführung der geheimen Abstimmung die Unterlage für ein reales Kompromiß. Das Ccntrum ist bereits durch frühere Abstimmungen gebunden, für die geheime Stimmabgabe einzutreten. Sobald die Nationalliberalen beivogen werde» konnten, in den Antrag der gesamten Linken die Forderung der geheimen Stimmabgabe auf- zunehmen, so war die Möglichkeit eines wertvollen Erfolges ge- geben. Damit hätte die Aktion der Liberalen eine genügende politische Rechtfertigung gefunden, während es jetzt den Anichem hat, als sei ein Konsortium gebildet, um für einen Berhungernde» ein paar schimmelige Brotkrumen zn beschaffen." Herr Barth hat längst den Beruß als Einsamer liberale Grundsätze zu verfechten, damit alle Welt erkenne, wie rettungslos verkommen der„ G e s a m t l i b e r a l i s m u S" ist,— Das Militär-Strafgesctzbuch und der Hcrcrokrieg. Der mehrcrloähnte Dr. B a n m g a r t erzählte bekanntlich, daß er wehrlose verwundete Hereros� niedergemetzelt habe. Wir möchten deshalb ein paar Fragen an den Herrn Reichskanzler richten, Ist das Reichs-Militär-Straf- gesetzbnch ein Reichsgesetz? Herr v. Bülow wird nicht mit Nein antworten, denn das Gesetz hebt mit den Worten an: „Wir Wilhelm von GotteS Gnaden deutscher Kaiser, König von Preußen, verordnen im Namen des Deutschen Reiches, nach erfolgter Zustimmung dc-s Bundesrats und Reichstags, was folgt." Kann ferner ein Reich sgesetz oder ein Teil davon durch eine einzelne Person ohne vorherige Zu st im» mung des Bundesrats und des Reichstags aufgehoben werden? Kann eine einfache In- stru'ktion ein Reich Sgesetz außer Kraft treten lassen? Diese Frage wird der Herr Kanzler nicht bejahen. Der achte Abschnitt des Militär-Sttafgesetzbuches stellt nun Leben und Eigentum der Belvohner deS feindlichen Landes unter den Schutz des Gesetzes. Werden in Teutsch-Südwestafrika Verwundete. Ge- fangene, ja sogar Frauen und Kinder nnt obrigkeitlicher Bewilligung niedergeknallt, so ist dieS� einfach eine flagrante Verletzung des Reich s-Militär-StrafgesetzbucheS, das so lange gilt, als der Bundesrat und der Reichstag cS nicht aufgehoben haben. Bis jetzt aber ist eine Aufhebung nicht erfolgt, Herr Dr. Banmgart und alle diejenigen, die gleich ihm gehandelt haben sollen— er selbst �'chuldigt dessci.hrcre Kameraden�— müssen deshalb nach dem Militär-Strafgesc�vuch abgeurteilt w e r d e n I— ccfjiil? vor Schuhleutca. l �- Müirchen, 25. Mär�.(Eig. Ber.) Ein Urteil, da-, letbft m nnlUärfrommen Kreisen Kopfschütteln verursacht, wurde vom Kriegsgericht bei; e r st e u® i v i f t o n tit München gefallt, und vom Ober-Kriegsgericht der gleichen Division ilnmnehr bestcrtigt. Dem Urteil lag folgender Sachverhalt zu Grunde: Einem aZten Herkommen entsprechend, sammelten sich auch am zweiten Weihmachtstage des Jahres 1902 in Wolfrats- Hansen die militärpflichtigen Burschen dcS ganzen Bezirks, um daS sogenannte., B a n d o l f e st" zu feiern, bei welcher Gelegenheit die sogenannten Rekrutenibander und-Federn gekauft werden. In ihrem Uebermut randalierten und rauften sich die Burschen gegenseitig ab so daß die Gendarmen Sebastian Feuchtner uiid Joseph Witwer in Wolftatshansen(beide bekannt durch ihr Vorgehen gegen Streikende während des Wolf- ratshauser GlaSnrbeiterstreiks) einschritten. Feuchtner faßte kurzerhand einen der HaiipLrakehler am Kragen und fchleifte ihn tu den Hof emcs GasthmiseS, wo er ihm, da er sich weigerte seine Personalien anzugeben, mehrere F a u st schlage'ins Gesicht versetzte. Hierauf übergab er seinen Arrestanten dem Gendarm Witwer, um selbst wieder auf die Straße zu eilen und Ruhe zu stiften. Nun fetzte auch Gendarm Witwer seine Bemühungen fort, mn die Namen dcS Arrestanten festziistelle». Da ihm dies nicht gelang, hob er den Bctrilnkeiien in die Höhe und warf i h n dann mit aller Wucht z» Bode». Als sich einige unbeteiligte Zeugen über das Benehmen der Gendarmen empörte», hielten diese c-j für angezeigt, den Schauplatz zu räumen. Der Betrunkene, der infolge der gvotzen Schmerzen nicht mehr gehen konnte, wurde nach dem Krankcnhause transportiert, wo er nach mehreren Monaten als u n g e h e i l t entlassen wurde. Der Verletzte, Namens Gall wandte sich dann an einen Kurpfuscher in Rosenheim, sein Zustand verschlimmerte sich aber derart, daß ihm das linlc Bein an der Hüfte amputiert werden unchte, und er nun zeitlebens eilt Krüppel ist. Das Kriegsgericht der 1. Division verurteilte den Gendarm Feuchtner ivegen Körperverletzung z n 1','3 Monate» Gefängnis, sprach jedoch den Gendarm Witwer, der die schwere Verletzung des Gall verursacht, frei. Gegen letzteres Urteil legte der Gerichtsherr Berufung zum Oberkriegsgcricht ein. Bemerkt sei, das; die Gendarmeir auffallenderweise gegen die Burschen erst am <>. Februar Anzeige erstatteten Ivegen groben Unfugs und Wider- stands gegen die Staatsgewalt, nachdem sie vergeblich den Versuch machten, die ganze Sache zu vertuschen, und daß sämtliche Angeklagte vor den, bürgerlichen Gericht ihre Freisprechung erzielten. Erst dieses Urteil hatte zur Folge, das; gegen die beiden Gendarmen die Anklage erhoben wurde wegen Körperverletzung und MißbrauchS der Dienstgewalt. In der obcrkricgSgcricht- lichen Verhandlung bestätigte eine Reihe einwandfreier Zeugen die Mißhandlungen durch die Gendarmen. Der ärztliche Sach- verständige gab die Möglichlcit, aber nicht die Wahrscheinlichkeit zu, daß die bei der Aufnahme des Gall im Krankenhause vorhandene Geschwulst am Beine von dem Wurfe auf den Boden herrühre. Der Vertreter der Anklage beantragte e i n I a h r Gefängnis. DaS Ober-Kriegsgericht nahm dieses Gutachten zur Grundlage feines Urteils und fällte gegen den angeklagten Gendarm Witwer aber- nials ein freisprechendes Urteil.'In'der Begründung des Urteils wurde ausgesprochen, daß das Ober-KricgSgericht nicht zur lieber zeugung gelangte, daß ein Mißbrauch der Dienstgewalt vorliege. wenn auch der Gendarm Witwer zu schärferen Mitteln, als gerechtfertigt. gegriffen habe!—_____ Von deutscher Einheit. Durck? Thüringer Blätter geht die Nach- richt, daß in Stütz erb ach ani 3. d. M. eine schwerkranke Person, welche ihr Testament machen wollte, in ihren« Hause von dem preußischen Zimmer in das anstoßende weimarische gc- tragen werden mußte, um ans das Gebiet dcS zuständigen Gerichtes zu kommen!— Hudtand. Frankreich. Im Revischusprozeß DrcyfuS lvurdc am Freitag vor der Straf- kammer des KassationshoseS der ehemalige spanische Milirärattachü ValcarloS vernommen. Dieser soll zugegeben haben, daß er vom Nachrichtcnburcan dcS GencralstabeS i'nonatlichc Bezüge erhalten habe. Diese hätten jedoch dazu gedient, den von ihm beschäftigten Geheimagenten zu bezahlen und die Kosten dcS Nachrichtendienstes zu decken. ValcarloS gab Aufklärung über die Natur dieses Nachrichten- diensteS. Am Sonnabend wird General Mercier vor der Straf- kammer vernommen toerdcn. Im Auftrage des KafiationshofcS unterzog der Untersuchungsrichter in Nizza mehrere Personen, 11. a. den ehemaligen östrcichischcn Beamten PrzyborowSki, einem Verhör, durch das festgestellt werden soll, ob die Aussage CzcrnnschiS vor dem Kriegsgericht in Rcnncs durch den französischen GcncralstabZ- Hauptmann Marechal veranlaßt worden sei.— Schweden. Liebesdienst der schwedischen Regiening für die russische Despotie. Auf Veranlassung des schwedischen Justizminifters wurde gegen den verantwortlichen Herausgeber der in Stockholm erscheinenden jchwedisch-finnischcn Zeitung„Beckens nyhcter" Anklage erhoben auf Grund von Beleidigungen gegen den Zaren sowie gegen hohe russische Staatsbeamte, die in einer bereits vor acht Tagen er- schienenen Iftimmcr des Blattes enthalten sein sollen.— Ruhland. Russisch-Polcn." 0 b den 22. März. Tic jüngsten Massen- Verhaftungen waren viel umfangreicher, als man anfänglich geglaubt. >. ftca 250 Personen sind binnen zivet Tagen festgciiomnicn! Die G'sängnisse sind so überfüllt, daß man 100 Personen nach Kalisch schicken mußte. Es galt, wie tmr erfahren, gegen die beiden in Lodz thättgen Organisationen: die«ocialdcmokratic Nussisch-Polcns und den jüdischen„Bund" einen vernichtenden Streich zu führen. Tic Rechnung hat aber versagt... Gleich nach der„Säuberung" der Stadt durch die Polizei ist eiu Flugblatt der polnischen Social- demokratie massenhaft verbreitet worden— zur größten Wut der Gendarmen! Sie hatten nämlich, wie immer, blindlings verhaftet, rechts und links— meistens ganz unbeteiligte Personen, unsrcr Organisation haben sie nicht beikommcn können.— Ei» bedeutsames Geheimdokument der russischen Regierung wird von dem Central-Arbciterkomitee der Polnischen Socialistischcn Partei(P. P. S.) im Krakauer„Naprzod" der Leffcutlichkeit über- geben. DaS Aktenstück lautet.- „Bertraulich. An die Landräte und die Polizeimeister. Mit dem Augenblick der Bekanntmachung der Mobilisation inner. halb de-Z Warschauer Liriegsrayous sollen EvakuationZkommissionen gebildet werden, mn die»Iranken und Verwundeten vom Kriegs- schauplatze anfzunchmcn, von denen ein Teil an den Sammelpunkten dieser Kommissionen Zwecks Heilung bleiben Ivird. der andre da- gegen in die inn?--.! Teile des Reiches gesandt wird. Zur Erfüllung dieser Aufgabe ist es notwendig, zu diesen Äom- Missionen eine große Anzahl Stabsoffiziere. Äerzte— Apotheker und Feldscher zu ernennen, während im Warschauer Rahon ein solcher Mangel an solchen Personen, die entweder im aktiven Dienst oder in der Reserve sich befinden, zu verspüren ist. Angesichts dessen und in Uebcreinstimmung mit dem Befehl des Stabs des Warschauer Kricgsbezirks vom 12. Februar Nr. 338 schlage ich Ihnen vor. den in Ihrem Bezirk(Stadts wohnhaften Generalen a. D., den Stabsoffizieren, die nicht zur Reserve gehören. den frei praktizierenden oder demissionierten Mililärärzten, Apothekern und Feldschcrern bekannt zu geben, ob sie für den Fall der Kriegs- erkläruug nicht für d e n D i e n st in den EvakuationS- kommiffionen und in den inil i t är- f anit äre n Ei f en- bahnzügen des Warschauer Militärbezirks ernannt werden wollen. Von dein Ergebnis bitte ich mich im Falle des Einverständnisses der erlvähnten Personen zu benachrichtigen und mir ein Namens- Verzeichnis mit Angabe des Wohnorts zuzusenden. Der Gouverneur......... Stabsoffizier in besonderen Angelegenheiten." Der Erlaß ist erst in den letzten Tagen verfügt worden— also lange nach Ausbruch des Kriegs in Ost-Asien, was auch schon aus dem erlvähnten Datuni der Vorvcrfügung des Warschauer General- stabs 12.(25.) Februar hervorgeht. Der erste Absatz des Erlasses spricht von dem eventuellen Transport der Verwundeten a u s R u s s i s ch- P 0 l e n n a ch O st e n. i n s I n n e r e d e s R e i ch e s. Da es nun selbst- verständlich ist, daß die Verwundeten aus dem fernen Osten nicht erst nach dem äußersten Westen des russischen Reiches— Russisch- Polen— transportiert werden, um dann wieder nach Osten zurückzuwandern— so geht schon daraus"hervor, daß man mit Verwundeten rechnet, die in Russisch-Polen fallen werden— also einen andren Krieg, dessen Schauplatz Rnssisch-Polcn wäre, ins Auge faßt. DaS geht noch viel deutlicher aus dem Absatz bervar, in dem die Worte„für den Fall der Kriegserkläruiig" vorkommen, da die japanische Kriegserklärung nicht gemeint sein kann. Allerdings fällt auch auf, daß die Gouverneure den Landräteu so offen die Lage klarlegen.— Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Petersburg, 20. März. Der„Russischen Telegraphen- Agentur" wird aus Liaujang von gestern telegraphiert: Der Abteilung deS Generals Wftsckitschcnko gingen Meldungen zu, daß die Japaner den Vormarsch längs der ftftme Phjöngjang-Andschu einstellten.— Auf seilen d e r I a p a u e r ist Unentschieden- h e i t bemerkbar, sie wollen anscheinend einen Zusammen- stoß mit den russischen Patrouillen vermeiden. Die japa- nische Reiterei geht den Kosakenpatronillen aus dem Wege; sie sprengte bei einer Begegnung mit den letzteren sofort davon unter Deckung durch Infanterie. In Andschu stehen 3000 Japaner, in Paktschön 1000. In T s ch i n a m p h 0 ankern gegen 40 japanische Schlacht- und Trans- p 0 r t s ch i s s e. Offenbar planen die Japaner, die russische Abteilung ans nördlichem Wege zu um- gehen, und warten nur die Zusammenzrehung ihrer Armee ab.— Am 24. d. M. stieß eine russische Patrouille bei Paktschön auf japanische Posten, ans die die Kosaken feuerten. Als sie sich zurückzogen, begegneten sie einer japanischen Patrouille, aus die sie ebenfalls feuerten. Auf feiten der Japaner wurden ein Offizier, ein Soldat und ein Picrd getötet. Die Russen hatte keine Verluste. Marquis Jto über die koreanische Frage. Den„Times" wird aus Söul, den 24. d. M., telegraphiert: M arquis I t 0 hielt am Dienstag im Auswärtigen A m t bei einem Diner eine Rede, die ans die Koreaner einen großen Eindruck machte. Er schilderte, tvie sich Japan schrittweise vom orientalischen Wesen losgemacht habe. und bot den Koreanern Japans mühsam gewonnene Erfahrung als Unterstützung an. Er forderte sie ans, nicht mehr bloß ihren e i g n e n W e g zu gehen, und für den Vorteil des Landes zu wirken. Handelten sie nach diesemRat, sowürdcn sie ihre nationale Unabhängigkeitbe- halten, die fönst unvermeidlich in eines der Reiche aufgehen würde, die jetzt aus koreanischem Gc- biete im Kampfe liegen.— Am 23. d. MtS. wurde dem Marquis Jto zu Ehren ans der englischen Gesandtschaft ein Diner veranstaltet; am 25. reift er nach Japan zurück. Der Weg zwischen Tschinampho und P h j ö n g- sang wird so hergerichtet, daß er sich gut für Transporte eignet. Eine' HeereSabteilung von drei Divisionen steht jetzt fast vollzählig bereit Phjöngjang wird stark verschanzt; die Japaner beabsichtigen augenscheinlich, diesen Punkt zur Operationsbasis im Norden zu machen. Tie neuen Männer in Ostasien. Petersburg, 26. März. k,.Laffan"-Melduug.) Gleichzeitig mit dem Eintreffen des Generals Kuropatkin in der Mandschurei wurde ein bei Beginn des rnssisch-japanischcn Krieges erlassener Befehl des Zaren an den Statthalter Admiral Alcpejew veröffentlicht. Der Statthalter wird in dem Befehl benachrichtigt, daß General Kuropatkin zum unabhängigen Befehlshaber der Landstreitkräfte und Admiral Makarow zum unabhängigen Befehlshaber der Scestreit- kräste ernannt worden ist. und daß der Statthalter deshalb seine Residenz an einen geeigneten neutralen Punkt verlegen solle. Weiter wird in dem Befehl erklärt, der Kamps mst Japan müsse Rußlands Stellung an der Pacific-Küste endgültig sichern. Eine russische Anleihe. London, 20. März.(„Bureau Laffan.") Russische Finanzagcnten, denen es in Deutschland und Frankreich nicht gelungen ist, eine Anleihe unterzubringen, sind, dem„Dailh Chronicle" zufolge. jetzt in London eiiigctroffc». Die französischen Banticrs stellten dem Vernehmen nach für eine Anleihe Bedingungen, die einer Verzinsung von 7'/.> Proz. gleichgekommen wäre», was die russischen Agenten ablehnten. Di: Londoner Banken sind nicht ge- neigt, einer der beiden kriegführenden Mächte Geld zu leihen. Die russischen Agenten haben hier vorläufig keine Erfolge erzielt. Ein russisches Torpedoboot gesunken. Algier, 20. März. Der Kommandant des gestern hier ein- getroffenen russischen Kreuzers„O s l i a b i a" berichtet, daß das russische Torpedoboot Nr. 221 am 21. d. MtS. während der Durchfahrt von Port Said nach der Sudabay gesunken ist. Die Besatzung wurde gerettet. Die Offiziere erklären, daß während zivcicr Tage das Geschwader heftigen Stürmen ausgesetzt war. Das Torpedoboot wurde schwer beschädigt und mußte ins Schlepptau genommen werden. Das letztere riß jedoch und das Torpedoboot ging unter. Theorie und Taktik.� In einem in der Nummer 298 des„Vorwärts" vom vorigen Jahre publizierten Artikel polemisiert Genosse II. 8. gegen einen von mir verfaßten und im Dezemberhcft der„Soc. Monatshefte" er- schienenen Aufsatz über:„Theorie und Taktik". Die Ausführungen des Genossen II. 8. nötigen inicki zu einer Erwiderung. Bei dieser Gelegenheit sei eS mir auch gestattet, ans eine an den teilwcisen Abdruck meines Aufsatzes im„Vorwärts" geknüpfte Bemerkung, die wohl auch den Genossen II. 8. zum Verfasser haben dürfte, zurück- zukommen. Es wird mir da eine„irrige Glcichsctzung von Eroberung der politischen Mackit und Ergreifung der Staatsgewalt" zum Vorwurf gemacht. Avgcseben davon, daß aus meinen Dar- lcgnngen mit genügender Deutlichkeit hervorgeht, daß ich mit den beiden Bezeichnungen stets ein und dieselbe Sache gemeint habe. also von einer„irrigen Glcichsetznng" schon deshalb keine Rede sein kann. bin ich bis heute nicht in die Lage gekommen, einen Unterschied zwischen„Eroberung der politischen Macht" und„Besitzergreifung der Staatsgewalt" zu finden. Ich wäre dem Genossen II. 8. dankbar, lvcnn er mir dieses Geheimnis enthüllte. Genosse II. 8. geht im übrigen in seiner Polemik um den Kern der Streitfrage herum, wie die Katze um den heißen Brei. Er macht den Revisionisten alle möglichen Vorwürfe, als„Flamnachcrei",„Unterminicruiig der socialdcmokratischcn Prineipien",„Zweifelsucht" sc.:c., ohne auch nur einen einzigen dieser Vorwürfe zu begründen. Freilich handelt er da nur nach der bekannten Methode. Ich bin aber nicht gewillt, mich mit einigen allgemeinen, nichtssagenden und nichtsbcwciscndcn Redensarten als *) Wegen des Stoffandranges während der Tagung der Parla- mcnte konnte der Artikel des Genossen Kolb leider nicht früher gebracht werden. Die Red. „Flaumacher",„Zweifler" und„Untermiuierer der socialdemokratischen Principieu" zc. brandmarken zu lassen, und dies um so weniger, als ich, ohne unbescheiden zu sein, von mir sagen darf, daß ich meinen Parteipflichten immer genügt habe, nie am Sieg unsrer Sache ge- zweifelt und auch nie den Versuch gemacht habe, die socialdemo- kratischen Priucipieil zu unterminieren. Wogegen ich mich wende, da? ist das fortwährende Prophezeien über Dinge, die man schlechterdings nicht prophezeihen kann, weil jede Handhabe zur Berechnung fehlt. Aus derartige Prophezeiungen wird aber die Partei taktisch festgelegt, was meines Erachtens nicht nur politisch sehr unklug ist, sondern unfte Entwicklung aufhält und nnsre Aktionsfähigkeit sehr ungünstig beeinflußt. Man macht den Revisionisten einen Vor- Wurf daraus, daß sie nicht an diese Prophezeiungen glauben, und konstruiert dann daraus den weiteren Vorwurf, daß sie mit ihrer etwas skeptischen Auffassung am Tempo der Entwicklung das Interesse der Massen unsrer Anhänger„abflauen" und so die Bewegung ver- langsamen. In Wirklichkeit aber liegen die Dinge gerade um« gekehrt. Wenn etwas im staube wäre, unsre Bewegung„ab- flauen" zu lasse», die Begeisterung der Massen zu dämpfen, dann wären es sicher die vielen Prophezeiungen gewesen, von welchen sich bis jetzt keine einzige erfüllt hat. Unsre ganze Geschichte der Kämpfe um die Taktik ist eine Geschichte von Nieder- lagen des dottriuäreu Radikalismus, der Schritt für Schritt in der nüchternen Erwägung, in der„bewährten Taktik" hat zurückweichen müssen. Wenn er auf dem taktischen Standpunkt stehen geblieben, der die Beteiligung am Seniorenkonvent, an den Kam- Missionen, an den Landtags- und Gcmeindewahlen als eine Gefahr für die Reinheit unsrer Principien, als den„Sumpf" bezeichnete, in dem wir verkommen, dann wäre unsre Partei heute nicht das, was sie ist. Dieses„Sumpf"-Gespeiist ist es auch, das hinsichtlich der Beteiligung an der Staatsgewalt gegen die Revisionisten ausgespielt wird. Ich brauche hier gewiß nicht zu versichern, daß ich unter den derzeitigen Umständen eine Beteiligung an der Staatsgewalt und wohl auch für absehbare Zeit nicht für möglich halte. Aber darum handelt cS sich auch zunächst gar nicht, sondern um die Frage: Wie, auf welchem Wege kommen wir überhaupt in den Besitz der politischen Macht? Können wir aus principiellcn Gründen nur von der Staatsgewalt in ihrer Totalität Besitz ergreifen, oder können wir unter bestimmten Voraussetzungen uns auch auf diesem so wichtigen Gebiete ans Koinpromisse einlassen. Diese Frage kann meines Erachtens nicht schabloncnmäßig erledigt werden; es spielen da die politischen Zustände und Verhältnisse der verschiedenen Staaten eine große Rolle. Die Eroberung der politischen Macht ist keine so einfache Sache, und vor allem geht das nicht so schnell, wie das immer und immer wieder prophezeit wird. In demokratisch re« gierten Republiken werden unsre Genossen eine andre Taktik bc- folgen, als in einer halbfeudalen Monarchie. So viel aber steht für mich fest: durch die bloße Negation des Bestehenden wird dasselbe nicht beseitigt. Genosse II. 8. allerdings findet eine sehr einfache Lösung des Konflikts; er läßl die Bourgeoisie eines schönen Tages vor der Macht des Proletariats kapitulieren. Hat das Proletariat erst die politische Macht im Besitz, dann wird mit der Socialisiernng begonnen. Wie aber wird die Kapitulation vor sich gehen? Dankt die Bourgeoisie freiwillig ab, oder kommt's zuvor zu einem Kampf? Darüber läßt uns U. 8. völlig im Unklaren und doch ist das der springende Punkt. Es ist klar, daß die Bourgeoisie bei den Machtmitteln, über welche sie noch auf lange hinaus ver- fügen wird, an eine freiwillige Abdankung nicht denkt. Es ivürde also um den Besitz der politischen Macht eine„große Entscheidung" stattfinden müssen. Welcher Waffen bedient sich das Proletariat bei dieser Auseinandersetzung? Die Beantwortung dieser Frage ist un- gemein wichtig, wenn unser Sieg bereits in„greifbare Nähe" gc- rückt ist. Es geht nicht an, hier init allgemeinen Redensarten wie „Kapitulieren":c. zu operieren. Da hilft kein Mundspitzcn mehr. es muß gepfiffen werden. Friedrich Engels hat in seiner bekannten Vorrede zu den Klassenkämpfen in Frankreich die Situatian, in welcher sich das Proletariat befindet, sehr genau geschildert. Die Zeit der bisherigen Revolutionen ist vorbei. Auch Kautsky giebt das zu. Das Proletariat hat seine besonderen Waffen. Aber welche? Ist's der Generalstreik oder was denn sonst? Wenn man mit dem Zusammenbruch, mit der Katastrophe so bestimmt rechnet, so muß man auch wissen, welcher Waffen man sich bei der letzten ent- scheidenden Auseinandersetzung bedient; und das um so mehr, wenn man über diejenigen spottet, die nicht an den in„greifbare Nähe" gerückten Sieg der Socialdemokratie glauben. Genosse II. 8. spottet auch über meine„famose" Gleichung: totale Besitzergreifung der politischen Macht— Plötzlichkeit= Katastrophe und er macht mir im Anschluß dann den Vorwurf, ich hätte Bebel und Kautsky eine Putsch- und RevolutionStaktik empfehlen lassen. Das ist ein grober Irrtum des Genossen H. 8. Ich habe lediglich aus- geführt, daß, wer so bestimmt mit der Katastrophe rechnet, wie KautSky, und ivcr die Partei auf diese Katastrophenmethode festlegt. auch die Taktik müsse befolgen wollen, die dieser Theorie entspricht, lvcnn er sich nicht eines Widerspruches schuldig machen will. Mein ganzer Aufsatz dreht sich ja um die Behauptung, daß ein solcher Widerspruch zwischen Theorie und Taktik besteht und daß daraus nur sich die Konflikte innerhalb unsrer Partei erklären lassen. Ich) behaupte, daß das Festhalten am Princip der ungeteilten Eroberung der politischen Macht die.Katastrophe zur unbedingten Folge hat und ich kann mich dabei auf KautSky stützen, der bestimmt mit der„großen Entscheidung" rechnet, die zwischen Proletariat und Bourgeoisie um den Besitz der politischen Macht ausgcfochten werden muß, bei der das Proletariat gezwungen ist, seine Gegner nieder- zuwerfen. Ich gehe aber weiter und behaupte, daß die Znsammcnbruchstheorie sich nur auf daS Princip der ungeteilten Eroberung der politischen Macht stützt und daß wenn der Mantel fällt, auch der Herzog fallen mutz, d. h. daß wenn dieses Princip ausgegeben ivird. damit auch der Zusainmcnbruchstheorie der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Er steht und fällt Kaimt die Idee der Diktatur des Proletariats. Eine Katastrophentheorio ohne Katastrophe ist der blanke Ilnsiun. Hier handelt es sich also einfach darum: Wollen die Radikalen nuS ihrer Katastrophentheorie Konsequenzen für die Taktik ziehen? Ja oder nein? Ist die Katastrophcntbcorie richtig, dann muß die E V 0 l n t i 0 n S- t h e 0 r i e preisgegeben werden und umgekehrt. Nun ober kommt das dicke Ende. KautSky hat in Dresden erklärt, daß wir die politische Macht den Gegnern nicht ablisten können, daß eine „letzte Entscheidung" um den Besitz derselben stattfindet. Im lom« munistischen Manifest ist uns, was KautSky über den Zweck unsrer Taktik sagte, kürzer und präciser zusammengefaßt in den Worten: „Die Kommunisten v c r s ch m ä h e n es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen: sie erklären offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bestehenden Gesellschaftsordnung." Die Konsequenz dieser Auffassung war die Idee der Diktatur des Proletariats. Das aber ist auch die Konsequenz der Auffassung Kautzkys. Die Eroberung der politi» scheu Macht durch das Proletariat nach einer„großen Entscheidung" hätte die Diktatur dcS Proletariats zyr notwendigen Folge, denn— das Proletariat nimmt nur von der politischen Macht in ihrer Tota- lität Besitz. Haben wir. d. h. hat die Partei wirklich diese Aus- fassung bisher geteilt und sie in der Praxis acceptiert? Nein! In Wort und Schrift wurde der„gewaltsame Umsturz" ab- gelehnt und zwar mit größter Entschiedenheit. Von der Rcichstagstribüne herunter lvurde bei allen Socialistcn- dcbattcn von nnsren Wortführern nur die Evolutionstheorie vertreten und das mit allem Nachdruck. Das aber hindert unsre Radikalen heute nicht, die Anhänger der Evolutionstheorie zu verspotten und sie der Preisgabe der wichtigsten Principien unsrer Partei anzuklagen. H. 3. spottet über die Revisionisten, die erklären, daß der SocialismuS nicht verwirklicht werden kann, bevor der Kapitalismus sich ausgelebt hat. Er hatte offenbar keine blasse Ahnung davon, daß Bebel im Reichstag wörtlich dasselbe erklärte; er hat wohl auch nicht daran gedacht, daß ein gewisser Karl Marx in der berühmten Vorrede„Zur Kritik der polittschen Ockonomie" ausführte, daß keine Gesellschaftsordnung untergeht und keine neue an ihre Stelle tritt, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für welche die alte Gesellschaft weit genug ist, und neue höhere ProduktionZverhälfinsse nie an die Stelle treten, ftbot die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schöße der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet loorden sind. Geirossc Grillend erger hat vor 13 Jahren bereits im Reichs- tag erklärt, daß die deutsche Socialdemokratie n i e dieJdee derD i k t a- t u r des Proletariats acceptiert habe. N i e wurde dem wicdersprochen. Liedknecht hat das Hineinwachsen in die socialistische Gesellschaft im Reichstag proklamiert. Nie wurde er deshalb desavouiert. Bis zur Stunde haben wir erklärt. wemVs auf uns ankommt, geht die Entwicklung auf organische Weise vor sich, geht alles g e s e tz- lich. Mit diesen bestimmten Erklärungen steht das. was Kautsky in Dresden sagte, im schreiendsten Widerspruch. Er erklärte. unsre Taktik sei auf die Zuspitzung der Konflikte. auf die Erbitterung unsrer Gegner gerichtet, so daß wir Zuständen entgegen trieben, wo es eine große Entscheidung gilt, bei der wir gezwungen sind, unsre Gegner niederzuwerfen. Daß zwischen dieser Interpretation unsrer Taktik und allen Er- klärungen, die wir daraus hinsichtlich der Vorwürfe unsrer Gegner über den„gewaltsamen Umsturz" bisher abgegeben hatten, ein flagranter Widerspruch besteht, wird nicht bestritten werden können. Derartige Behauptungen, lvie sie Kautsky in Dresden aufstellte, stützen sich aber nur auf die ZusammenbruchStheoric. und diese ist weiter nichts als eine Prophezeiung ohne jede reale Unterlage. Auf solche Prophezeuingen hin uns taktisch f e st z ii I e g e n, dagegen tvendcn sich die Revisionisten, llia rhodus, hio salta! Mit den»„Sumpf". Gespenst und andren ähnlichen Argumenten ist da nichts zu machen, da heißt es einfach Farbe bekennen. Entweder rechnen wir mit dem„gewaltsamen Umsturz" und acceptieren seine Konsequenzen für die Taktik, oder wir acceptieren die Theorie der Evolution, der o r g a n i s ch e n E n t w i ck l u n g mit den für die Praxis sich ergebenden Konsequenzen, sonst kommen wir aus den Widersprüchen und Konflikten nicht heraus. Wir können, wenn wir historische Kategorien nicht mit G e w a l t beseitigen wollen, sie nicht einfach ignorieren. Das geht in der Theorie, wo man sie kurzweg„kapitulieren" läßt oder„niederwirft", in der Praxis aber gestalten sich die Dinge bekanntlich sehr oft ganz anders, als in der Theorie. Das Princip hochhalten, verehrter Genosse H. S., ist nicht schwer, und bringt zur Not auch der fertig, der von der Theorie des Socia- lismuS vielleicht kaum eine Ahnung hat. Das Princip aber ver- wirklichen, ist die Kunst des Politikers. Auch die Politik muß gelernt fem. Mit Prophezeiungen macht nian keine Politik. Der Politiker muß nolons volsus mit dem rechnen, was i st. Das Proletariat ist in seinen Massen weder intellektuell noch ökonomisch so weit entwickelt, daß unser Sieg als„in greifbare Nähe" gerückt bezeichnet werden kann. Mit der Konstatierung dieser Thatsache be- leidigt man das Proletariat nicht, sondern sagt einfach die Wahr- heit. Und ans dieser Wahrheit die Schlußfolgerungen zu ziehen, ist auch keine Schande. Auch die Revisionisten sind für intensive politische Agitation, für Schulung und Disciplinierung der Massen, aber sie sind nicht so optimistisch, zu glauben, daß wir in diesen Dingen schon so weit fortgeschritten sind, um in„einem Menschenaltcr" den Sieg des SocialismuS erwarten zu können. Eine solche Auffassung kann vor der nüchternen Erwägung absolut nicht stand halten. Die Revisionisten sind keine Zweifler in dem Sinne, wie uns unsre Nltraradilalen darstellen. Ihr Zweifel beschränkt sich auf das. woran zu zweifeln in der socialdemokratischen Partei gestattet sein muß. Unsre Partei wurzelt auf dem Boden der Wissenschaft und sie kann sich daher weder in Bezug auf ihre Taktik, noch aus ihre sämtlichen Principien dogmatisch fe st legen lassen. Die Cut- Wicklung schlägt keine Purzelbäume, und ehe der SocialismuS ver- wirklicht loerden kann, muß der Kapitalismus sich ausgelebt haben. Die Entwicklung zu beschleunigen, ihr die Hindernisse aus dem Wege zu räumen, ist unsre Aufgabe. So»venig»vie in ökonomischer, so wenig kaim in politischer Beziehung die Theorie von dem„alles oder nichts" gelten. Oekonomie und Politik stehen in engster Wechselwirkung. Diese Entdeckung verdanken wir Karl Marx, auf den sich mit Verlaub auch noch die Revisionisten bc- rufen dürfen, wenn sie im übrigen auch nicht der Meinung sind, daß das Marxsche„Kapital" eine Bibel init lauter unantastbaren Offen- barungen ist. Karl Marx war gewiß ein großes Genie, aber schließ- lich auch mir ein Mensch, der gegen den Irrtum nicht gefeil»var. Karlsruhe._ Wilhelm Äolß. Hue Induftrie und Ftandel. Novelle zum Reichs-Stcmpelgesel,. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht die dem Reichstage zugegangene Novelle zum Reichs-Stempclgesetz, deren Bestimmungen der jüngst bereits durch die Presse gegangenen Inhalts- Ankündigung entspricht. Zur Belebung des Arbilragevertchrö in ausländischen Wertpapieren»Verden letztere von der bisherigen Stempclabgabe befreit, weim die Aussteller sich zur Zahlung einer Steucrabfindung an das Reich verstehen. Ferner»oird die An- schaffungs-Stempelgebühr für Renten- und Schuldverschreibungen des Reichs und der Bundesstaaten ermäßigt und eine Reihe kleiner Erleichterungen und Stempelermäßigungen für den Arbitrageverkehr mit dem Auslande eingeführt. Die wichtigsten Paragraphen sind: § 5a. Ausländische Wertpapiere der in» Tarif unter Nr. 1 und 2 bezeichneten Art können von der Entrichtung der daselbst vorgesehenen Stempelabgabc befreit werden,»venu der ausländische Aussteller (Aktiengesellschaft. Schuldner, Emittent) oder ein inländischer Ver- treter nach Maßgabe der nachfolgenden Vorschriften sich zur Zahlung einer Abfindung an das Reich verpflichtet und für die Erfüllung dieser Verpflichtung Sicherheit leistet. § 5b. Die Abfindung l§ 5a) ist zehn Jahre lang jährlich zu entrichten. Der Reichskanzler ucstimmi die Höhe der Abfindung, die Zahlungs- tage, die Kaffe, an welche die Zahlung zu leisten ist. und die Art und Mhe der zu bestellende» Sicherheit. Ermäßigung. Hat jemand nachweislich im Arbitrierverlehr unter Ziffer 1b, 2. 4 oder 5 der Tarifmunmer 4a fallende Gegenstände derselben Gattung im Jnlande gekauft und im Auslande verkauft, oder um- gelehrt, oder an dem einen Börsenplätze des Auslandes gekauft und an dem andern verkauft, so ermäßigt sich für ihn die Stcmpelabgabc von jedem dieser Geschäfte, soweit deren Wertbeträge sich decken, und zwar für die Gegenstände unter Ziffer 1b um>/« voin Tausend. »„,,, 2 und 5 um'/v vom Tausend, und„„„ ,. 4 um 5/«) vom Tausend, wenn die beiden einander gegenüberstehenden Geschäfte zu festen Kursen an demselben Tage oder an zlvei unmittelbar aufeinander folgenden Börsentagcn abgeschlossen sind. Es macht keinen Unter- schied, ob der Beteiligte die Geschäfte im Auslande selbst oder durch eine Metaverbindung abgeschlossen hat. Unter den gleichen Voraussetzungen tritt die Steuerermäßigung ff um V» vom Tausend) ein,»venu An- und Verkäufen von aus- ländischen Banknoten oder ausländischem Papiergelde Geschäfte über Geldsorten oder Wechsel gegenüberstehen. Die Jnventurfälschungen bei der Bcdburger Wollindustrie. Bereits in einer früheren Notiz(in Nr. 60 vom 11. März) ist auf die Jnventurfälschungen hingewiesen worden, die der verstorbene Generaldirektor der Bedburger Wollindustrie Herr Kommerzienrat A. Silbcrbcrg begangen hat. Jetzt veröffentlicht der Anfsichtsrat der Gesellschaft, dem damals in der Presse darüber Vorhaltunqcn gemacht worden sind, daß er nicht sofort nach Feststellung der Fälschungen der Oeffentlichkeft davon Kenntnis gegeben habe, einen Entschuldigungs- bcricht, loorin er die Gründe darlegt, die ihn zur Geheimhaltung bestimmten. Bei dem hohen Ansehc-Nl und allgemeinen Vertrauen, heißt es darin, das Kommerzienrat Silberbcrg genoß, und in Anbetracht des Ilmstandes, daß die eignen Prüfungen des Aufsichtsrats und der von der Haupwersmmnlung bestellten Bilanzprüfer sowie der vom Auf- sichtsra! lii verschiedene» Johrew bestellten vereideten Bücherrevisoren niemals eine Unregelmäßigkeit ergeben hätten, sei die Behauptung. der Verstorbene habe die Bilanzen der Wollindustrie gefälscht, zu- nächst als eine Ungeheuerlichkeit erschienen und den stärksten Zweifeln begegnet. Der Aufsichtsrat beschloß daher, bor jeder weiteren Maß- nähme eine eingehende Revision der Bücher und Schriften der Gesell- schaft durch die Deutsche Treuhandgesellschaft vornehmen zu lassen, die das angetragene Mandat am 5. Februar ernnahm. Die Prüfungsarbeiten konnten jedoch erst am 15. Februar beginnen. Inzwischen hatte der Anfsichtsrat am 5. Februar eine vorläufige eigne Prüfung des vom Vorstande bereits gesammelten Vtaterials vorgenommen. Danach schien in der That der verstorbene Generaldirektor der Schuldige zu sein und eine Mitwisserschaft der übrigen Vorstands- Mitglieder nicht vorzuliegen. Gleichwohl beharrtc der Anfsichtsrat bei seinem Beschluß, nichts weiter zu unternehmen, insbejondere nicht mit seinen Vermutungen an die Oeffentlichkeit zu treten, bis durch den Abschluß der Untersuchung der Treuhandgesellschaft ganz sichere Bc- »veisc und Aufklärung aller Einzelheiten beigebracht»vorden wären. Maßgebend hierfür sei gewesen, daß es unzulässig und für das Ge- scllschaftsinteresse in hohem Grade gefahrvoll sei, mit halben Wahr- hciten oder gar mit unbewiesenen Behauptungen an die Oeffentlichkeit zu treten. Die übereilte Veröffentlichung der vorläufigen Eni- deckungcn habe sich auch deshalb verbotw, weil für den Fall der Bc- »veisbarkcit der Schuld Silbcrbcrgs Sorge getragen werden mutzte, von der Erbin ans dem Nachlaßvermögen desselben Deckung zu er- halten. Das Nachlaßvcrmögcn sei aber sehr schwer vcrivcrtbar. Es mutzte daher das Bestreben des Aufsichtsrats sein, die Familie des Verstorbenen zu bestimmen, für die Erbin einzutreten und der Hauptvcrsainmlung statt des Zugriffes auf die illiquide Erbinassc eine Abfindung durch eine größere Barsumme anzubieten. Infolgedessen hielt der Anfsichtsrat sich erst ani 23. Februar für berechtigt, eine vorläufige Notiz an die Zeitungen zu geben. Interessanter als diese Auseinandersetzung ist, daß von der Treuhandgesellschaft auch verschiedene Bnchfälschungen fest- gestellt»vorden sind. So ergiebt sich bcispiclsivcise, daß in den bei dem Vorstandsmitglicdc Dctering gefichrtcn Büchern»oohl die Ein- gänge gebucht»vurdcn, daß aber eine Ausbuchung der Lumpen- bestände nicht stattfand, so daß eine Feststellung des jedcrzcitigc» Bestandes nicht niöglich war. Tie Prüfung der Jahresabschlüsse durch den AufsichtSrat kann danach eine besonders sorgfältige kaum gelvescn sein. Zur Lage der Werkzeugmaschinen- Industrie. Der Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabriken hielt dieser Tage in Frankfurt am Main eine Ausschuhsitzung ab. in der über die Geschäftslage der Branche Bcricht erstaltet und zugleich die Frage des Zusammen- schlusses der Miitglicdcr zu einem Kartell erörtert tvurde. In Bezug auf die geschäftliche Lage der Werkzeugmaschinen- Industrie Ivurde festgestellt, daß die Aufträge namentlich aus dem Jnlande in neuerer Zeit sich vermehrt haben, daß aber die Preise nach»vie vor gedrückt seien und keine Aussicht auf baldige Acnderung der Lage bestände. Es seien noch große Vorräte an Maschinen. naincntlich in Chemnitz, vorhanden, die zu unlohnenden Preisen an- geboten würden. Die Ausfnhrthätigkcit sei zur Zeit ctlvas geringer als in den Vormonaten. Zur Erleichterung der Ausfuhr schtvebcn Verhandlungen mit den Rohstoffocrbändcn über eine Rückvergütung, die voraussichtlich zu einem annehmbaren Ergebnis führen lvürdcn. Die Errichtung des StahlivcrkS-Vcrbandcs, obgleich für das all- gemeine Wirtschaftsleben vorteilhaft, tvürde für den Werkzeug- maschinrnzweig eher als unersprießlich angesehen, da unier dem Syndikat, das voraussichtlich die Preise höher halten werde, iin allgemeinen keine Erweiterungcn, sondern höchstens Verbesserungen der Betriebe stattfinden loürden, so daß die für Stahllverle arbeitenden Werkzeugmaschinenfabriken wahrscheinlich»oenigere Aufträge er- halten»vcrden. In der Frage der Bcrbandsbildung gelangte man zu keinem positiven Ergebnis; doch beschloß man die Sache als Gegenstand mif die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen und zu dieser ein Borprogramin ausarbeiten zu lassen. Ausfuhrprämien. Tie Svndikats-Abrcchuungs- st c l l e für die Ausfuhr in Düsseldorf teilt laut„K. Z." mit, daß das Rheinisch-Westfälischc Kohlensyndikat in Essen a. d. Ruhr, das Rohcisen-Syndikat in Düsseldorf, der Verein für den Verkauf von Ticgerländcr Roheisen in Siegen, und der Stahllvcrks-Vcrband in Düsseldorf sie ermächtigt haben, für die im zweiten Viertel d. I. zur Ausfuhr gelangenden Waren Ausfuhrvcrgütungen bis zu nach- stehenden Maximalsätzen zu bewilligen: 1.50 M. für 1000 Kilogramm Kohlen, 2,50 M. für 1000 Kilogramm Roheisen, ausschließlich Vergütung auf Kohle. 15 M. für 1000 Kilogramm lveichcs Halb- zeug, einschließlich Vergütung auf Kohle und Roheisen, 20 M. für 1000 Kilogramm Formeisen, einschließlich Vergütung auf Kohle und Roheisen. Die Ausfuhrvergütung auf Kohle, Coaks uslv. kann nur in grundsätzlicher U e b e r e i n st i m m u n g mit d e in S t a h l»v e r k S- B c r b a n d und den beiden Roh- e i s c n- S y ii d i k a t e ii bcwilligt werden. Es bleibt daher in allen Fällen die Entscheidung darüber, ob eine Vergütung gewährt »vird oder nicht, vorbehalten. Der Konzen trationSprozcß des BankgowcrbeS schreitet immer mehr vorlvärts. Wie der„Köln. Ztg." aus Trier geschrieben wird, schtvebcn Verhandlungen, die darauf hinzielen, eine Angliederung der Trierer Bank an die Bcrgisch-Märlische Bank durch Aktienaustausch herbeizuführen. Eine Kapitalerhöhung der Bergisch- Märkischen Bank scheint nicht in Aussicht genommen zu sein. Es dürften daher die zum Austausch erforderlichen Akten aus dem Besitz genommen»vcrden, den die Deutsche Bank an solche»! hat. Das Austauschverhältnis dürfte etwa 3: 4 betragen, so daß gegen drei Bergisch-Märkisdhc Aktien vier Trierer gegeben werben. Tic Trierer Bank, die seit ihrer Gründung im Jahre 1885 bis 1000 den Namen Landwirtschaftliche Bank führte, ist ihrem Charakter nacki eine kleinere Provinz-Dcpositenbank. Sie war bis zum Jahre 1898 mit einem Grundkapital von k Million Mark ausgestattet, das iin Februar 1890 u>n 1 Million Mark erhöht worden ist. Vom amerikanische« Vaumwollenmarkt. Nack dein vorgestern veröffentlichten Bericht deS CenfuSburcauS wird die Anzahl der bis zum 25. d. M. entkörnten Baumwollballen der letzten Ernte auf 10 014 454 geschätzt. Rechnet man die Rimdballen als halbe Ballen, so stellt sich das Resultat auf 10045 014 Standard-Ballen von je 500 Pfund; das Faserergebnis ist hierbei eingerechnet. Der Bcricht hatte an der Nciv Rorker Baumivollbörse ein »veitcrcö Anziehen der Preise zur Folge, da die Schätzung des Ceiisusburcans hinter den letzten Schätzungen der Sachverständigen um ungefähr 90 000 bis 100 000 Ballen zurückbleibt. Vcv' nm'-'mgen. Tic Centralko:'-isfion tcr tkraükciikasscn halte am Freitag eine Versammlung der Käncuvmix de und Verwciltiingsbcamtcn ein- berufen. Zunächst erstattete S i in a n v lv s k i Bericht über den Hcimarbeiterschutz-Kongrcß. dann hielt Dr. med. Engel einen Vor- trag über die Eigenschaften und Kontrollierung guter Milch für Kassenmitglicder. Ter Vortragende erörterte die verschiedenen Methoden, nach denen die Milch in Bezug auf Verunreinigung. Ver- fälschung und Minderwertigkeit untersucht»vird, wobei er gleichzeitig die diesem Ziveck diciiciidcn Apparate vorführte. Unter andrem machte der Redner Mitteilung von der Erfindung eines neuen Apparates, der in äußerst sinnreicher Weise die Milch sowohl von Bakterien»vie von Schmutz befreit, und zwar derart, daß dabei jede Herabsedung des natürlichen Fettgehaltes der Milch— eine Manipulation, die bei dem bisherigen Kühlocrfahrcn oft absichtlich zum Vorteil der ländlichen Milchproduzentcn vorgenommen wurde— aus- "" sscn ist. Ein Unternehmer tvill derartige Apparate an allen . öfen, Ivo Milch von außerhalb in Berlin ankommt, zur Bc- Nutzung durch die Berliner Milchhändlcr aufstellen, so daß eS hiernach möglich ist, eine reine, Volllvertige, von allen schädlichen Substanzen befreite Milch in den Handel zu bringen.— In der Versammlung waren auch mehrere Milchhändler anwesend, von denen einige in der Diskussion daZ Wort nahmen, tun zu versichern, daß cZ ihr Be- sireben sei, den Kassenmitgliedern nur beste Milch zu liefern, dasj aber die Milch infolge falscher Behandlung durch die Hausfrauen oft verdorben»verde. Einer der Milchhändlcr regte an. ob es nicht zu empfehlen sei, beste Milch für Kassenmitgliedcr in einem besonderen Gefäß mit entsprechender Ausschrift bereit zu halten. Jetzt rönne es nämlick vorkommen, daß Kassenmitglicder, die erst nach Empfang der Milch ihren Bon abliefern, eine nicht mehr ganz frische Ware, die für andre Knuden bestimmt sei, erhielten. Gegen diesen Vorschlag »vandte sich unter andrem Dr. Engel. Er sagte, die Dtilchhändler sollen unter allen Umständen mir ganz einivandsfreic Milch für alle Kunden feilhalten. Mit der Ausstellung besonderer Gefäße für Kaisen- Mitglieder würde ja bekundet, daß auch mindcrlvertige Milch in den Handel gebracht»verde. DaS dürfte aber im Interesse der Kon- sumonten nicht geschehen. Zum Schluß teilte Simanowski mit, daß die Ccntralkommissiou die Kontrolle der für die Kassenmitgliedcr gc- lieferten Milch streng durchführen werde. Der Milchhändler werde. wenn bei ihm minderwertige Milch konstatiert»vird, im ersten� Falle verwarnt, im Wiederholungsfälle werde ihm die Kassenliefcrnng entzogen. Diese Maßnahme solle ohne Nachsicht durchgeführt werden. Die regelinäßige Mitgliederversammlung des Verbandes der städtischen Arbeiter fand am Dienstag, den 22. d. Mts.. in den Arminhallen statt. An Stelle des verhinderten Genossen Zubeil hatte Genosse Stadtverordneter Kotzte das Referat übernommen. Redner wies in seinem mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrage den Vorwurf der bürgerlichen Parteien, die Socialdemokratie sei nicht im stände. Positives zu leisten, zurück. Seit Bestehen des deutschen Rcicl>stagcs fei es immer wieder die Socialdemokratie gelvescn. die für den Ausbau der Arbcitcrschutz-Gcsetzgcbung eingetreten sei. Für die vielen Mängel in der Arbciterschutz-Gcsctzgcbung seien die bürgerlichen Parteien bis in die Reihen des Freisinns verantwortlich zu machen, die sich mit Händen und Füßen gegen jede Verbesserung sträuben. In der Diskussion wurde von feiten Hoff- manns das Verhalten der socialdemokratischcn Fraktion in» Stadtparlamcnt ans Anlaß der Debatte über � die Maßregelungen im 5nankenhause am Friedrichshain einer scharfen Kritik unterworfen. Redner erkennt das Vorgehen des Ver- baiidsvorsnmdes als berechtigt an. Schabe! und Müller wenden sich gegen das Vorgeben t>cs Vorstandes und nehmen die Fraktion gegen die Angriffe Hoffmanns in Schutz. Von feiten des Vcrbandsvorstandes erklärt Bürger, daß die Angelegenheit noch nickst zum Abschluß gebracht sei. Das Vorgehen des Verbands- Vorstandes sei ein Akt der Notwehr gelvescn gegenüber der Direktion des Krankenhauses, die das jloalitionsreckst der Angestellten mit Füßen trete. DaS Verhalten der städtischen Behörden gegenüber den organisierten Arbeitern»verde eine schärfere Stellungnahme seitens der Organisation zur Folge haben. Bon Kollegen aus kstin Krankenhause wird mitgeteilt, daß der 51ampf gegen die Organisation seitens der Direktion fortgesetzt werde. Brink verlangt, daß seitens der Stadtverordneten mehr für die Arbeiter eingetreten»verde; würden doch trotz der Versicherung de-s Oberbürgermeisters, daß der Mindestlohn der städtischen Arbeiter 3,50 M. betrage, in der Park- verloaltung noch Löhne von 2.80 M bezahlt. Unter Verschiedenem wurde mitgeteilt, daß die nciic Sektion der Straßenremigcr ,n er- ftculichem Aufschivunz begriffen sei. Mit einem Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung schloß die Vcrsammlimg. Schönrberg. In der Versammlung des Socialdemokratischen WahlvercinS, welche am Dienstag in Oost'S Festsälen tagte, wurde vor Eintritt in die Tagesordnung das Andenken des verstorbenen Genossen Richard Reinhardt in der üblichen Weise geehrt. Alsdann referierte Genosse Dr. Maurenbrecher über„Die Militärdebattcn im Reichstage" und gab einleitend den Anwesenden ein anschauliches Bild von den Kämpfen unsrer Genossen gegen die Regierung und den Mehrheitsparteicu im Reichsragc. Wir haben gelesen, mit»velcher Leichtigkeit Graf Büloio, Graf Einem. v. Endres und andre das»süchtige Anklagematerial unsrer Genossen versuchten abzuthun. Elvig denkwürdig werden sein die Aussprüche v. Einems. daß ihm ein WnigStreuer. frommer Soldat als schlechter Schütze lieber sei als ein sociäldemokratischer, der gut schießt. Tie Diöciplin sei die Grundlage der Armee und festgefügt durch das Offiziercorps. Diese Disciplin, die den Soldaten zum Menschen ziveitcr Klasse, zum �lochenautomatcn zu machen versucht, ist der Regierung ihr Vermeintliches Allheilmittel. um den jungen Mann von der Socialdemokratie fernzuhalten. Genosse Petersohn übte in der Diskussion eine bittere Kritik an dem jetzigen Militärsystem und feinen Auswüchsen und gab dem Genossen Dr. Maurenbrecher dadurch Gelegenheit, zu erklären, daß der Standpunkt von Marx, das Proletariat habe selbst im Falle eines unglücklichen Krieges nichts zn verlieren, gcschichtlick nicht mehr stichhaltig sei und fühle er sich darin»nit Bebel, Grad- n a u e r und' andern Parteigenossen eins.— Am 10. April findet eine Flugblattverbreitnng statt und ist erwünscht, daß die Genossen sich diesen Sonntag dazu reservieren. Zur Aufnahme gelangten 05 Genossen und 10 zur Abmeldung. Weißens«. Am Mittwoch den 23. hielt der Socialdemokratisch« Wahlvercin im„Albreckstshos" eine Versammlung ab, zu welcher Genosse Eduard Bernstein das Referat übernommen hatte. Bor Eröffnung der Versammlung ereignete sich noch ein kleiner Zwischenfall. Den anwesenden Frauen hatte man. um dem famosen Vcreinsgesctz zu genügen, eine getrennte Nische am Ende des SaalcS angelviescn, Welche man durch eine Tischbarriere als Segment ein- gerichtet hatte. Dieses genügte aber dem überwachenden Beamten nicht und es mußten die Glasthürcn geschlossen werden. Nun tvac Wcitzcnsce in Sicherheit und die Versammlung konnte beginnen.— Tic Anwesenden folgten dem vorzüglichen Vortrag des Referenten über„Die Eiittvicklung von der freie» Konkurrenz zur socialiftischcn Wirtschaft" mit großer Aufmerksamkeit und spendeten demselben reichen Beifall. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Huhn und Kopmann. Beide Redner forderten die Anwcsenden auf. nach den Ausführungen des Referenten zu handeln und sich auch den Konsumvereinen anzuschließen. Letzte IVachncbten und Dcpcfchcn, Protest der französischen Regierung gegen die Papstrede. Paris, 26. März.(W. T. B.) Der von der ftanzösischen Re- gierung gegen die jüngste Ansprache des Papstes erhobene Einspruch hat folgenden Wortlaut: Die vom heiligen Vater anläßlich des St. JosefS-FesteS gcthanen Aeußerungen stellen eine öffentliche Be- urtcilung und Kritik der ftanzösischen Politik dar. Diese Kritik kann umsoweniger hingenommen loerden, als keine einzige jener Maß- nahmen, auf welche die päpstliche Ansprache hinivieS, den Be- kimmungen des Konkordais zuwiderläuft. Ivelches die Beziehungen zivifchen dem heiligen Stuhl und Frankeich regelt. Die ftanzösifche Regierung hat deshalb die Pflicht, in formeller Weife bei Seiner Eminenz dem Kardinal- Staatssekretär gegen diese Ansprache zu protestieren, welche sie weder der Form noch dem Inhalte nach hin- nehmen kann._ Kampf um den Zehnstundentag. Roubaix, 26. März.(W.T.B.) Dem infolge der bevorstehenden Einführung des zehnstündigen Arbeitstage» hier ausgcbrockenen Ausstände haben sich bisher 1650 Arbeiter angeschlossen. 2100 Ar- beiter mußten die Arbeit notgedrungen einstellen. Von dem Ausstände sind 20 Fabriken, darunter 11 Spinnereien. 4 Webereien und 5 Wollkämmereien gänzlich oder teilweise betroffen. Mehrere Bataillone Infanterie, sowie mehrere Schwadronen Reiterei find zur Aufrechterhaltung der Ordnung hier eingetroffen. New Aork, 26. März.(W. T- B.) Heute früh brach hier in de« Räumlichkeiten der Morris Expreß Company am Broadway Feuer aus, das sich auf die Gebäude der Wells Fargo Expreß Company. der Adams Expreß und der American Expreß Company ausdehnte. Das HauS der Adams Company stürzte zusammen. Nachmittags war man deS FcuerS Herr geworden. Der Schaden wird auf 400000 Dollar geschätzt._ Vercmtw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil vercmtw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: VocwärtSBuchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer LcCo.,Bcrlin L VV. Hierzu 5 Beilagen u. llnt«halt«ngsbltttt Nr. 74. 21. Illhrgaug. 1. fifilnjf des JotMtlf Krlim UMMM Somtag, 27. März 1W4. partei-l�ackrickten. „Priu; Arenberg»nd die Arenberge". Hilter diesem Titel wird in den nächsten Tagen im Verlage der Buchhandlnng Vorwärts. Berlin, eine Schrift erscheinen, in der nicht nur der Fall Arenberg ausführlich dargestellt ist, sondern die auch das Milieu schildert, in dein dieser ungeheuerliche Fall möglich geworden ist. Der Verfasser verfolgt die Laufbahn des Prinzen von der Kaseme, durch den Kolonialdienst, auf die Anklagebank und von hier zur Freiheit. Dementsprechend gliedert sich die Schrift in drei Teile, deren erster sich unter Zugrundelegung zahlreicher zum Teil wenig beachteter Thatsachen mit aristokratisch-militärischen Verhältnissen beschäftigt, deren zweiter Teil den Wert unsrer Kolonialpolitik und das Treiben in den Kolonien beleuchtet, deren dritter endlich unsre Nechtszustände socialkritisch zu erklären versucht. .Prinz Arenberg und die Arenberge* ist eine Anklageschrift gegen Militarismus, Kolonialpolitik und Klassenjustiz. Der Einzel- preis beträgt 20 Pfennig; für die Agitation ist eine billige Ausgabe hergestellt. Die Broschüre erscheint als erstes Heft einer Socialdcmokrati- schcn Agitations-Bibliothek, die de» Zweck verfolgen soll, wichtige Zeit- ereignisse zusammenfassend darzustellen. Dinge, die nicht vergessen werden dürfen, sollen sicherer festgehalten werden, als dies durch das Zeitunasblatt möglich ist. Die Hefte erscheinen in zwangloser Reihenfolge zu möglichst billigen Preisen, nm jedem Arbeiter dieAn- schaffung zu ermöglichen. pottreUlebes, GenchtUches uto. Unberechtigter Polizei-Eingriff wegen Duldung socialdcmokrntischer Versammlungen. Der Gastwirt Fippcl zu Rackwitz im Regierungsbezirk Merse- bürg, in dessen Saal während der ReichStagSwahlbcwegung social- demokratische Agitationsversammlungen stattgefunden hatten, erhielt am 30. Mai 1003 auf dem Amtsbureau eine polizeiliche Verfügung des AmtSvorfteherS Burkhardt in Röcken vom 20. Mai zugestellt, wodurch erstens die Polizeistunde fbisher gab eS keine) für fei» Lokal auf 0 Uhr abends festgesetzt wurde und zweitens ihm er- öffnet wurde, daß in seinem Lokal öffentliche Tanzlustbarkeiten bis auf weiteres nicht abgehalten werden dürften. Beschwerden beim Landrat Grafen de Hausionville und beim Regierungspräsidenten in Merseburg hatten keinen Erfolg. Der eine sagte, die Per- sügung rechtfertige sich au§.Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit", und der andre erklärte„diese Gründe für zutrestend". Das ivar formell alles. Vor dem Ober-Vcrwaltungsgericht, wo Fippel gegen den Regierungspräsidenten klagte, zernst jedoch Rechtsanwalt' W o l f- gang Heine den Vorhang und zeigte ein liebliches Idyll preußischen Polizeilebens. Zunächst verwies er darauf, daß eine inzwischen dem Ober-Verwaltungsgericht eingereichte Lrts-Polizei- Verordnung vom 25. Mai 1903, die für Rackwitz zum erstenmal eine Polizeistunde und zwar auf 0 Uhr festsetzt, ebenfalls, gleich jener Verfügung, lediglich gegen den Kläger gerichtet fei, denn es ivar in, Ort überhaupt nur das eine Lokal vorhanden. Es Iväre mm Sache des Landrats oder Regierungspräsidenten gelvesen, die eigentliche» Gründe zu dem Verfahren gegen den Kläger anzugeben. Keiner habe rS gethan. Er, der Anwalt, werde es aber thun. Der Landrat, Gräfe de Haussonville, habe an andrer Stelle die wahren Gründe mit großer Offenherzigkeit ausgesprochen, und sein untergebener Beamter habe cS auch gethan.'Kläger habe in letzter Zeit vor dem Erlaß der Polizeiverordnung und der angefochtenen Polizeiverfügung fein Lokal zu sonaldemokratischen Wahlversammlungen hergegeben. Am 27. Mai sei er dann znin 80. Mai vor dem Amtsvorsteher geladen worden. Dieser, Herr Burlhardt, habe ihm beim Erschemeii die Verfügung zunä ch st nur vorgelegt und gesagt:«Wenn Sie die socialdcmo- kratischcn Versammlungen nicht mehr dulden, heben wir die Ver- sügung sofort wieder auf." Hierfür bezieht sich der Anwalt auf das Zeugnis des Amtsvorstchers und eines Lehrers. Erst als sich Kläger weigerte, zu versprechen, den Saal nicht mehr den Roten herzugeben, sei ihm die Verfügung ausgehändigt worden. Kläger habe sich dann zum Landrat Graten de Haussonville nach Mcric- bürg begeben, worauf dieser ihn so getröstet habe:„Werfe» Sie dir Socialdemokrate» hinaus und halten Sie keine Bersammlungen wehr in Ihrem Lokal ab; ich werde dann auch dafür sorgen, daß der Kriegerverein abwechselnd zu Ihnen kommt." Auch die eidliche Vernehmung des Landrats durch ein Gericht beantragt der Anwalt.— Aus den vorgetragenen Thatsachen erhelle, daß der Grund der Maßregel überhaupt nicht zu suchen sei in einer Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, sondern das; in Wahrheit der Zweck gewesen sei, auf den Kläger einen Druck auSzu- üben und ihn zu nötigen, das Lokal nicht mehr zu socialdemo- kratischen Versammlungen herzugeben. Danach sei die Verfügung des Amtsvorstehers unhaltbar, sowohl bezüglich der Festsetzung der Polizeistunde auf 0 Uhr, als auch hinsichtlich der Kund- gäbe, dem Kläger werde bis aus weiteres keine Tanzlustbar- keit gestattet werden. Die Abhaltung von Versammlungen könne die Verfügung natürlich nicht rechtfertigen. Es handle sich um einen Akt der Willkür oder Ehikane, der auf jeden Fall zur Aushebung der Verfügung führen müsse. Die Vernehmung der Beamten werde dies ergeben. Der di'lte Senat des Ober-VerwaltungS- gerichtö hob ain 24. März den Bescheid des Regierungspräsidenten aus mid setzte die Verfügung deö AmtSvorfteherS vom 20. Mai außer Kraft. Begründend wurde ausgeführt: Wenn die Polizei- Verordnung vom 25. Mai 1003 zur Zeit des Erlasses der Polizei- Verfugung von: 20. Mai 1903 richtig publiziert und rechtsgültig gewesen wäre, dann würde allerdings die Ver- fügung, soweit sie für des Klägers Lokal die Polizeistunde auf 0 Ilhr festsetzt, begründet sein, denn dann käme es auf die Motive, mögen sie nun berechtigt oder nicht berechtigt sein. nicht an. Die Polizei-Verordnung vom 25. Mai, die für Rackivitz eine Polizeistunde einführte, sei nun aber ungültig. weil sie, abgesehen von der damals nicht erfolgten Publikation im AintSblatt, auch den§ 62 der Kreisordnung in ihrem Text nicht crlvähne, was nach den vom Regierungspräsidenten aufgestellten Formeln für den Erlaß der Ortspolizei-Verordnungen hätte geschehen müssen. Da somit die Verfügung des AmtSvorfteherS nicht auf die Polizeiverordnung gestützt werden könne, komme es darauf an, ob die Festsetzung der Polizeistunde für F.'S Lokal auf S Uhr sonstwie gesetzlich gerechtfersigt sei. DaS sei aber nicht der Fall, denn es fehle hier an jeder thatsächlichen Unterlage dafür. Darum müsse die Verfügung hinsichtlich der Polizeistunde außer Kraft gesetzt werden. Dasselbe müsse bezüglich bcS Teils über die Tanzlustbarkeiten erfolgen. Diesen Teil der Verfügung fasse der Senat auf als ein Verbot, auf unbestimmte Zeit Tanzlustbarkeiten abzuhalten. Hierfür liege absolut kein Anlaß vor; es fei keinerlei Thatsache angesührt, die eS rechtfertigen könnte, ein so allgemeines Verbot zu erlassen. So se» die Verfügung in jeder Weiseunbegründet. SeweHtlcbaftUcKes. Die Mitgliederbewegung in den deutschen Gewerkschaften stellt sich, wie lvir dem„Korrespondcnzblatt" der Generalkomnnision entnehmen, nach den letztveröffentlichten Abrechnungen am Schlüsse des 4. Quartals 1903 gegenüber dem gleichen Quartal des vorher- gehenden Jahres wie folgt: Mitglieder im 4. Quartal 1 Idi}»ahme 1902: 4 897 500 3 788 Bäcker.......... Barbiere......... Bildbauer........ Brauer.......... 14 257 Buchbinder......... 10 698 Buchdrucker......... 34 522 Buchdruck-Hilfsarbeiter..... 2 113 Eigarrensortierer....... 1 077 Fleischer.......... 1 395 Forinstechcr......... 279 Graveure.......... 1 734 Gastwirtsgehilfcu....... 2 149 Gemeinde-Arbeiter...... 6 974 Glasarbeiter........ 5 800 Glaser........... 2 912 Hafenarbeiter........ 16053 Handels-, Transport- und Verkehrs- arbeiter......... 20 9t 1 Handlungsgehilfen...... 1 770 Handschuhmacher....... 2 061 Hutinacher......... 3 354 Konditoren Kupferschmiede Lederarbeiter Lithographen Maler... Maschinisten. Metallarbeiter Müller. 982 3103 4 887 8104 13 898 6 070 128 842 158 548 1903: 5 399 657 3 928 16 055 13 789 34 807 3 478 1391 2 529 400 2 175 2 670 10393 5 025 3 734 10 777 29 411 3101 3040 4 200 1 706 8 205 5 049 9 616 19 037 7 290 -r + 1 4- + 502 157 140 1798 8 091 285 1 365 314 1 134 121 4SI 521 3 419 625 822 3 110 8500 1331 70 846 724 102 662 1512 5 139 1209 29 706 1035 532 75 204 2087 2 877 520 564 1040 074 307 100 314 7187 ......... 2 098 8 183 Porzellanarbeiter....... 8 081 8 613 Sattler.......... 3611 3 687 Schiffszimmerer....... 2057 2 261 Schmiede.......... 7 484 0 571 Schuhmacher........ 23 419 26 296 Seeleute.......... 8 261 7 741 Steinarbeiter........ 8 000 8 564 Steinsetzer......... 3 995 5 035 Stukkateure......... 2 679 3 653 Tapezierer......... 4 509 4 810 Wäsche-Arbeiter....... 600 700 Werftarbeiter........ 3 753 3 430 Zimmerer......... 21 811 29 998 ES liegen somit die Jahresjchlnßziffcrn von 41 Gewerkschaften vor, von denen nur z'.vci einen nnbcdeulcnden Rückgang austoeiscn. Die Mitgliedcrzahl flieg in diesen Gewerkschaften seit rilümo 1002 von" 404 993 auf 488 954, also um 83 961 oder um 20,7 Proz. Außer de» geuannten 41 Gewerkschaften habe» noch 5 ihre Ao- rechnungen vom 3. Quartal 1903 veröffentlicht, auS denen sich eine Zunahme der Mitglieder um 12 717 svon 128 497 auf 141214) craiebt. Diese Zunahme würde größer sein, wenn nicht bei der Abrechnung deö FabrikarbeitcrverbandeS eine Reihe von Zahlstellen im Rückstände verblieben wären, deren Mitgliederzohlen in da" Quartalsveröffentlichuiig fehlen. Der Verband schien daher von einem Mitglicdervcrlust von 825 betroffen zu sein, während er in Wirklichkeit zugenonmlen hat, wie die nächste Abrechnung sicher erweisen wird. In diesen 46 Gewerkschaften ist also eine Zunahme der Mitglicdcrznhl um nahezu 100000 zu verzeichne». In den übrigen Gewerkschaften, deren Abrechnungen noch ausstehen, dürfte dasselbe günstige Verhältnis zu erwarten sei». So verzeichnet gutem Vernehmen nach der Verband der Maurer eine Zunahme um 20 000 Mitglieder; auch der Bergarbeiter-Verbaud hat sich vorzüglich entivickclt und die Mitgkiedcrzahl deS Textilarbeiter- Verbandes läßt für das Vorjahr gleichfalls bedeutende Steigerungen erwarten. Nach alledem tonnen die Gewerkschaften mit einer Zu- »ahme von 140 000 Mitgliedern im verflossenen Jahre rechnen, ein Ergebnis, mit dem sie vollauf zusricden sein tonnen. Serlin und llmgcgend. Die Arbeiter in den Fcllgcschäfteu betreiben gegenwärtig eine rührige Agitation zur Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse. In einer ihrer letzten Besprechungen wurden die Zustände in den Fell- und Darmhandlimgen als sehr verbesserungsbedürftig geschildert. So wird die Arbeitszeit, die eigentlich nur 10 Stunden betragen soll, auf 11. 12 und sogar 13 bis 14 Stunden ausgedehnt. Ucbcrstunden werden meistens nicht vergütet; Nachtarbeir, die bei gutein Ge- schäftögailge in der Regel zweimal wöchentlich zu leisten ist, wird gewöhnlich mit 30 Pf. pro Stunde entlohnt. Der Wochen- verdienst für ständige Arbeiter beträgt 18 bis 21 M.; nur in Ausnahmefällen werden 24 bis 25 M. erreicht. Gelegenheitsoder AuShilfSarbeiter bekommen 2,50 bis 3 M. pro Tag. Solche Arbeiter werden deshalb mit Vorliebe eiiigeftellr, weil sie nicht verstcherungspflichtig sind, der Arbeitgeber daher die Markenbeiträge spart. In Anbetracht der im höchsten Grade schweren, unreinlichen und gesundheitsschädlichen Arbeit ist der Lohn unverhältnismäßig niedrig. Bei der Bearbeitung trockener Häute, die in Ballen von l>/z bis 2 Eentner verpackt sind, entivickelt sich ein scharfer, übel- riechender Staub, der die Atmung sehr erschwert. Da aber auch häufig Felle von kranken Tieren, die für den Handel nicht zugelassen sind, mit untergeschoben werden, so ist es gerade nicht verwunderlich. daß auch schon Milzbranderkrankungen vorgekommen sind. Aeußerst im- reinlich ist die Bearbeitung nasser oder gesalzener Häute. Die durch das Salzen erzeugte Feuchtigkeit ftißt vielfach die Hände der Arbeiter wund und verursacht nicht selten gefährliche Eiterungen, wenn nicht gar Blut- vergifliiiigen. Trotz alledem sind»n den n, eisten dieser Betriebe sanitäre Einrichtungen so gut wie gar nicht vorhanden. Vor allein fehlt eS an Wascheiilrichtuiigen»nd Umkleideräumen, die bei dieser Arbeit doch geradezu unentbehrlich sind, denn ganz abgesehen von dem Schmutz an den Hände» sind auch die Kleider und Strümpfe der Leute meistens von der Salzlauge durchtränkt. Iii den Darmhandlungen iverden auch vielfach Aroelteriimeii be- schäftigt, die bei 11° bis 12stüi«diger Arbeitszeit 9 bis 12 M. pro Woche verdienen. Ganz besonders Ichlecht sind meistens die Arbeits- ränine, weil sie häufig in lichtlosen Kellern belegen sind, so daß den ganzen Tag Gas gebrannt werden muß. Es wurden von den Ar- veitern eine Reihe von Firmen genaimt, wo die Zustände einfach alles zu wünsche» übrig lassen; deshalb soll nunmehr energisch auf eine Beseitiguug der Mißstände hingestrebt werden. Deirtkckus Rckd). Die Maler treten mich in Frankfurt a. O. tu eine Lohnbewegung. Die Notwendigkeit einer solche» geht wohl am klarsten aus der Thatsache hervor, daß dort der Stundenlohn gegenwärtig — 27 Pf. beträgt.— In Magdeburg beträgt die Zahl der Streikenden gegenwärtig 153. Zu den neue» Bediilgungeu arbeiten 134 bei 43 Meistern. Von den Hirsch-Dunckerschen haben sich 14 an der Bewegung beteiligt, 6 von ihnen streiken und 8 arbeiten zu den neuen Bedinaungcn. Die Innung will jetzt alles bewilligen, nur nicht den Minimallohn von 45 Pf.— Von N e u d a m m ist ebenfalls Zuzug fernzuhalten, da sich die Maler der dortigen Klichenmvbelfabrik in einer Lohnbewegung befinden. Die Gießer der Firma Heimendahl u. Keller, Löffelfabrik in Hild.-n bei Düsseldorf, treten Montag in den Ausstand, weil die Firma eine geringe Ailfbesserung der Accordpreise strikte ablehnt. Die zehnftüiidigt Arbeitszeit ist dort längst auf zwölf Stunden ausgedehnt worden, um einen einigermaßen anständigen Lohn zu erzielen. ES kommen 23 Mann in Betracht, davon gehören elf dem deutschen Metallarbeiter-Verband, neun dem christlichen Verband und drei dem Hirsch-Dunckerschen Gewerlverein an. Der Zuzug von Gießern, Schleifern, Bleidrehern usw. ist zu vermeiden.. Huelaftd. Streit auf der Schiffswerft in HelsingSr(Dänemark). Wie der Dänische Tischlervcrband an den Vorstand des Deutschen Holz- arbeitcr-Verbandes berichtet, haben die Schiffs- und Modelltlschlcr der Helsingör-Schiffswerft die Arbeit niedergelegt, weil die Werft Verhandlungen über die Lohnhöhe abgelehnt hatte. Zuzug ist fern- zuhalten. Die Biichbiiider-Anösperruttg in Dänemark. Die dänischen Buch- biudermeister komme» jetzt, wie es schemt, doch zu der Einsicht, daß es besser ist. in Frieden mit ihren Arbeitern zu leben. In Kopen- Hägen haben dieser Tage auf Veranlassung der Innung Verhandlungen zwischen den Vertretern beider Parteien stattgefunden. ;ur Einigung ist es zwar noch nicht gekommen, doch werden die Verhandlungen fortgesetzt. ES handelt sich hier offenbar nur um Kopenhagen, ans den Provinzstädten liegt noch keine Nachricht über irgend eine Annäherung der Parteien vor. Die Aussperrung bleibt vorläufig überall aufrechterhalten. Die Aussperrung in der Diamantinbustrie. Wie von Aitfang an die Arbeiter in diesem Kampfe den ernsten Willen gezeigt haben, die Differenzen auf friedlichem Wege zu regeln. so bildet auch jetzt ihr V-rhalren zur Intervention deS Ministers jiubper einen neuen Beweis dafür, daß sie noch immer zu einem Ver- gleich mit den Arbeitgebern bereit sind. In der Versammlung des Allgemeinen Niederländischen Diamantarbciter-Verbandes wurde der Jnterventionsvorschlag Küppers mit 2724 gegen 174 Stimmen an- genommen: von„Bctsalel". den jüdischen Diamantarbcitern. mit 73 gegen 3 Stimmen; von„St. Ednardus", den katholischen Tiamantarbcitcrn, mit 118 gegen 1 Stimme, und im„Patrimonium" cinstiunnig. Gewiß ist es den Arbeitern, und namentlich den Mitgliedern des Verbandes, nicht leicht geworden, ihr Schicksal in die Hände eines Ministers zu lege», der noch vor einem Jahre bei der Einbringung und Durchführung der Jwangsgcseve gegen die Gewerkschaften ge- zeigt hat. wessen er gegen die moderne Arbeiterbewegung fähig ist, und diesem Manne zugutcrletzt das Schicdsamt über die Lebensfragen ihres Berufes anzuvertrauen. Viel eher hätten wohl die Arbeit- gebcr Ursache gehabt, dem Minister volles Vertrauen entgegen- zubringen, und daß sie das nicht gethan haben, kann nur als ein Beweis dafür angesehen werden, daß sie selbst fühlen, wie schwach es mit den Gründen für ihre als Ultimatum ausgestellten Forderungen eigentlich bestellt ist. Wie mitgeteilt wurde, hat die Julvcliers- Vereinigung c i n st i m m i g die vom Minister vorgeschlagene Form der Intervention verlvorfen und nmnentlich den Vorschlag für un- annehmbar erklärt, daß der Minister, falls bis zum 1. April keine Einigung zu stände kommt, einen auf ein Jahr geltenden Schicds- spruch fällen sollte. Da nun der Minister nur unter den von ihm aufgestellten Bedingungen bereit ist. zu vermitteln, so ist mit dem Beschluß der Arbeitgeber die Intervention überhaupt abgelehnt. Der Kampf wird also jetzt mit aller Schärfe fortgeführt werden. In der erwähnten Versammlung des Tiamantarbeiter-VerbandeZ ivar auch R o m c o als Vertreter der Antwerpener Diamantarbciter anwesend. Er berichtete über die Lage in Antwerpen und kenn- zeichnete hierbei wiederum die Angaben der dortigen Arbeitgeber als Lügen...! Berliner partei-fZngelegenkeiten. Zur Lokal-Liste. Parteigenossen von Berlin, Tcltow-Bccskow, Niedcr-Barnlm und Potsdam-Osthavelland. Am Sonntag, den 17. April 1904, erscheint die nächste Lokal- Liste. Wir ersuchen daher die Mitglieder der Lokalkommisfion von obigen Kreisen, die Reu-Ausnahme» und die genauen «rndenmgen bis spätestens Donnerstag, den 7. April 1904, einsenden zu wollet: und zwar für: Tcltow-Bccskow an den Genossen Hermann Schliebitz in«riß, Jahnstraße 2; Nicder Barnim an den Genoffen Rodert Ricck in Rummelsburg, Kantstraße 22, parterre. Potsdani-Osthavelland an den Genoffen Albert Neue in Spandau, Jagowstraße 9; Diverse Orte an den Genoffen Gustav Feklwock in EberSwalde» Eiseilbahnstraße 67; Berlin an den Genossen Wilhelm Hinz, 8. 14, Prinzenstraße 66. Die LokalkommissionS- Mitglieder wollen die A e n d e r u n g e n und Ren-Aufnahmen für o b i g e L i ft e uingehcnd mitteilen, da spätere Einsendungen keine Berücksichtigung mehr finden können. Bielfach kommt eS vor, daß Zuschriften in„Loknlnngelegcnheitcn" an die Redaktion oder Expedition des„Vorwärts" gesandt werden; zur schnellen Erledigung derselben ersuchen wir die Genosse», alle Anfragen und Zusendungen mir au den Genossen Wilhelm Hinz, B e r l i n 8. 14, P r i n z e n st r. 66, zu richten und nicht an den „V o r w ä r t s*. Die Parteiblä tter der oben genannten Kreise iv e r d e n u in Abdruck ersucht. Die Lokalkommission. *1 Dritter Wahlkreis! Ain Charfreitag ist eine F u ß p a r t i e deS Wahlvereins. Näheres Donnerstag im„Vorwärts". Der Vorstand. Tempelhof. Der zum Dienstag angesetzte RecitationSabend kann wegen Verhinderung deS Genossen Dr. Alberty nicht stattfinden. Die bereits gelöste» Eintrittskarten behalte» ihre Gültigleit. Nirder-Schön Hausen, Bezirk Pankow. Dienstagabend'/s® Uhr findet in der Lindenftr. 43 die WahlvereinS-Sitzung statt. 1. Bor- trag. 2. Maifeier. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen ist Pflicht der Genossen._ Lobaled. Französische Reisebilder aus Berlin. Herr Oökar Mötvmer. der bekannte Pariser Schriftsteller hat zwei Winterwochen um Weihnachten in Berlin zugebracht. Die Ein- drücke, die er da empfangen, hat er in einem umfänglichen Plauder- buche wiedergegeben:„Deutsche Fehler und Tugenden. Die Berliner zu Hailse." Herr Oskar Mötenier hat freilich in Berlin nicht viel mehr ge- sehen, als ivaS ein litterarisch interessierter Fremdling hier zu sehen bekommt: Die Gegend zwischen den Linden und der Leipzigerstraße, ein paar elegaitte LergnügungSIokale, ein paar Theater(ineist zweiten RangcS), ein paar Salons von Berlin W. und ein paar Kaschemmen. Alles was darüber hinaus und dazwischen liegt, das arbeitende Berlin, das politisierende Berlin, ist ihm entgangen. Er hatj sich auf der Straße aufgestellt, um den deutschen Kaiser zu sehen. Er ist von dem Eindruck sehr befriedigt(abgesehen davon, daß er an der Gestalt des Monarchen eine gewisse Nngung zur Beleibtheit erkennen will) und wundert sich, daß Wilhelm IL nicht populärer ist. Er erkundigt sich darüber näher, und erhält eine nicht sehr tiefgreifende Auskunft, aber immerhin— eine Auskunft. In einem Salon von Berlin W. sieht er ein Bild August Bebels, des„großen Deutschen", wie ihm erklärt wird. Er begnügt sich, das zu notieren, ohne den Gründen solcher Verehrung — in einem großbürgerlichen Salon I— näher nachzugehen. Die Politik ist nicht seine Sache. Von der Polizei— Herr Metsnier war selbst Polizist— holt er sich Auskünfte über den Stand der deutschen Socialpolitik und erfährt da natürlich, daß Deutschland in der Welt voran sei. Ueberhaupt: kritisch wird er nur ans den Gebieten des Hungers und der Liebe. Aber da wird er auch amüsant. Von dem Appetit der Deutschen weiß er große Dinge zu er- zählen. Die Deutschen sind ihm das Volk, das immer ißt. Bei einer Weihnachtsfeier wird das Erscheinen eines umfänglichen Bratens mit Hochrufen begrüßt. Er hält den Scherz für einen Ausbruch reiner Begeisterung. Noch weniger will ihn, das Liebesleben der Berliner behagen. Die Ehe erscheint ihm hier— nicht mit Unrecht— spießbürgerlich. Der Deutsche, nieint er, sehe in seiner Frau mir die Kinder- gebärerin und die Köchin, nicht die Geliebte. Und darüber kann er sich nicht wundern. Denn er findet die Berlinerin wenig graziös und geschmackvoll, die Halbwelt zumal bar aller Reize und rein ge- schäftsmäßig. Im Palasthotel, wo er logiert, meldet eine Danie bei ihm ihren Besuch an. Der Keller gestattet ihin nicht, sie in seinein Zimmer zu empfangen I Eine Lächerlichkeit, die dem an freiere Auffassungen gc- wohnten Franzosen doppelt komisch vorkommt Mit vielem Reckt. lvendet er sich gegen die polizeiliche Behandlung des Konkublimls, die Notwendigkeit, eine mitwohnende Geliebte als Wirtschafterin oder dergleichen anzumelden. Wenn er erst gewußt hätte, daß hier zu Lande der, der einem unverheirateten Pärchen Unterstand giebt, wegen Kuppelei bestraft werden kann und mitunter auch be- straft wird! Mit Hilfe der Polizei erklimmt er dann den Höhepunkt des Interessanten, einen„Herrcnball" im Dresdener Kasino. Mit er- fteulicher Verständnislosigkeit steht er dem ungewohnten Treiben gegenüber, bis sich seiner Brust der Schrei enttingt:„Fort! An die Luft l Wohin Sie wollen! Aber, wenn's beliebt, irgend wohin, wo man Frauen sehen kann, wirkliche Frauen I" In der„Arkadia". wohin man flüchtet, saminelt er seine Gedanken und konmtt zu dem sehr richttgen Ergebnis, daß eine solche Perversität das Verhängnis eines Volkes(besser gesagt: bestimmter VoUsschichten) sei, deren religiöse Auffassungen die natürlichen Freuden der Liebe als er- niedrigende Akte verdammt.... An einem andren Tage finden wir den Deutschland-Reisenden und dramatischen Dichter in der Gesellschaft deS CensorS Herrn v. Glasenapp. Seinen» eignen Stück, einer Dramattsierung der berühmten Novelle„Die Fettwgel" von Maupassant hat nian übel genug mitgespielt. Man hat die Handlung aus dem Jahre 1871 in das Jahr 1813 versetzt und aus dem liebeslüsterncn deutschen Offizier einen— Oestreicher gemacht. Es geht nicht an. daß der deutsche Offiziersstand auf der Bühne verunglimpft wird! An der Tafel des„KaiserhofS" findet Herr Mötsnier die Censur in ihrer Verkörperung durch Herrn v. Glasenapp viel liebenswürdiger. Herr v. Glasenapp entwickelt seine Principien.„Der Soldat", erklärt der Censor,„muß auch im Felde korrekt bleiben." Also darum muß eS— ein Oestreicher sein! Sein Amt faßt er so auf: Er dürfe über den litterarischen Wert eines Stückes keine Meinung haben und habe nur als Beamter seine Pflicht zu erfüllen. Ob Shakespeare oder Philipps— das ist nun mal preußische Gleich- heit vor dem Gesetz. Mnder streng urteilt Herr v. Glasenapp über die Toiletten- frage im Theater.„Bei uns", meint er,„sind die Sängerinnen immer anständig bekleidet, sogar zu sehr bekleidet!"„Nur in Paris", setzt der Wächter der Sittlichkeit lächelnd hinzu,„versteht nian es, die Damen künstlerisch zu enthülle n." Ob Herr v. Glasenapp dem indiskreten Franzosen nicht allzu viel von den Geheimnissen der keuschen preußischen Eensur ent- hüllt hat? Was wird der„Reichsbote" dazu sagen? In einem Theaterstück des Herrn Metsnier aber hat nian eine Prostituierte taxfrei zum Rang einer Dame mit einigen Verhältnissen erhoben und ihren zufälligen Besucher wenigstens, da man doch keinen Ehemann aus ihm, nachen konnte, zu ihrein Liebhaber. Aller- dingS besitzt dieses schauerliche Kriminaldrama noch eher etwas von litterarischem Wert, als eine Ausstattungsoperette mit mangelhafter Entkleidungskuiist. ES ist ein eigen Ding um die staatlich approbierte Sittlichkeit! Die Ausstellung für Kindes-Wohlfahrt» die unter Führung des Charlottenburger Kinderpflegcvereins„Krippe" veranstaltet ist, wurde ain Sonnabend eröffnet. Sie umfaßt Pflege, Bekleidung, Ernährung, Erziehung. Unterricht. Spiel und Sport, Wohnungswesen, Hygiene, Litteratur und öffentliche Wohl- fahrtseinrichtungen für alle Altersklassen des Kindes in gesunden und kranken Tagen. Die Ausstellung für Kindes-Wohlfahrt ist unter- gebracht in Charlottenburg(Kantstraße 12) im Hause der„Berliner Secession" und in den, Gartensälen des„Theaters des Westens" und wird bis zum 5. April dauern. Wie in dem Vorwort des offiziellen Katalogs der Ausstellungs- vorstand ausführt, soll durch das Unternehmen den breitesten Schichten der Bevölkerung zugängig gemacht werden, was auf dem Gebiete der Kindes-Wohlfahrt Nutzbringendes vorhanden ist und Neues geschaffen worden ist. Belehrend und aufklärend soll die Ausstellung auf alle die wirken, denen die Wartung und Pflege von Kindern obliegt. Zugleich soll sie Zweck und Wesen der Krippen einem größeren Publikum veranschaulichen und dem genannten Verein (zu dessen Bestem die Veranstaltung ins Werk gesetzt lvorden ist) reichlichere Mittel zuführen. Der Eröffnung der Ausstellung ging ein festlicher Akt vorauf, in dessen Mittelpunkt die vom Generalsuperintendenten Köhler ge- haltene Festrede stand. Gott hat, so führte der Geistliche aus, den Müttern die Liebe ins Herz gegossen, und wir alle— er meinte die Festoersammlung— wären nicht da. wenn nicht für uns eine liebende Mutter dagewesen wäre. Daß nicht nur für die Kinder der Reichen, sondern auch für die der Armen gesorgt werden muß, dieser Gedanke sei erst durch das Christentum aufgekommen und zur Ausführung gelangt. Auf diesen Ton ungefähr war der ganze Aktus gestinunt. Nur Herr Schustehnis. der Oberbürgermeister von Charlottenburg und Ehrenpräsident der Ausstellung, ließ durchmerken(wenn er es auch in diesem Kreise nicht aussprach), daß ihm die Sorge für die heranwachsende Jugend als ein Stück socialer Pflicht erscheint. Der gemeinsame Rundgang durch die Ausstellung, der sich an die Eröffnungsfeier anschloß, lieferte dann die Illustration zu den schönen Worten der Redner. Es ist so ziemlich alles da. was zur rechten leiblichen und geistigen, Pflege eines Kindes erforderlich ist — alles, was Mutterliebe begehren darf, wenn sie mit dem nötigen Kleingeld gcpart ist. Da waren Nahrungsmittel, von der Säug- lingsmilch, die dem Kind der Wohlhabenden nach allen Regeln der Hygiene zubereitet wird, bis zu Schinken und Wein, womit eine be- güterte Mutter den heranwachsenden Jungen, das in der Entwicklung stehende Mädchen zu„kräftigen" sucht. Da war Kleidung aller Art. von den zweckmäßigen und gesunden Babyausstattungen, die das Entzücken jeder Mutter bilden müssen, bis zur Garderobe für die Konfirmation und die Lehrzeit. Da sahen wir alle zur Körperpflege gehörenden Artikel, von der Badewanne des Babys bis zu den Apparaten für Zimmergymnastik. Da bot sich uns eine Fülle von Spielzeugen und Beschäftigungsmitteln von Bilderbüchern. Jugend- schriftxn und Wandschmuck für Kinderzimmer. Beim Anblick all dieser Ausstellungsobjekte fiel uns ein, mit wie wenigem doch eine Arbeiterfrau sich begnügen mnsi, wenn sie ihre Kinder großzieht. Wie manche von ihnen muß froh sein, daß sie ihr Kind gerade noch satt machen und notdürftig kleiden kann. Für sie fällt wenig oder nichts ab von dem, was auf dem Gebiete der Kindes-Wohlfahrt Nutzbringendes vorhanden ist und Neues geschaffen wird. Und doch hat der Gott, der nach der Versicherung des Festredners den Müttern die Liebe ins Herz gegossen hat, auch die Mütter der Arbeiterklasse hierbei nicht vergessen! Wie mau Leute ausfragt. In verschiedenen Zeitungen, so be- richtet Georg Bernhard in seiner Wochenschrift„P l u t n s", suchte ein angeblich erstes Unternehmen eine besonders tüchtige Kraft als Reklamechef. Tie Adressen waren unter einer Chiffre bei einer hiesigen Jnscratcnagcntur abzugeben. Als vorläufige Antwort erhielten die Bewerber folgendes in Schreibmaschinenschrift vcr- viclfältigtes Rundschreiben:„Geehrter Herr! Sie hatten die Freundlichkeit, unsrc Annonce zu beantworten.— Ilm uns ein klares Bild dessen zu machen, was Sic bei eventuellem Engagement uns leisten, wollen Sie in möglichster Ausführlichkeit Stellung nehmen zu den folgenden Fragen, und zwar auch Ihre Antworten je mit der entsprechenden Nummer versehen: 1. Welche Art Reklame halten Sie bei einem nur für bessere Kreise bestimmten Konftmtartikcl und bei einem Jahrcsbudgct von 100 000 M. für die rentabelste? Ziehen Sie politische oder illustrierte Zeitungen und wclckc vor? Halten Sie niehr von häufigen kleinen oder selteneren großen Annoncen? Sind Sie für die Wiederholung gleichartiger Inserate oder sür möglichst häufigen Wechsel? 2. Welches sind Ihre Kenntnisse von dem Zcirungsrabattwesen? Wie glauben Sie der Sie engagierenden Firma, die seither schon als Großinscrentin, sehr billige Preise genoß, noch weitere Vorteile zuführen zu können? Alles, was in diese Frage sich mit einschließen könnte, wäre nützlicherweise hier mit zu er- wähnen I 3. Für den Fall Sie illustrierte Inserate empfählen, wie würden Sie sich die Beschaffenheit der Zeichnungen denken? Haben Sie Beziehungen zu Künstlern und zu Ivelchcn? Eventuell welche Künstler, die Sie nur durch Ihre Arbeiten kennen, scheinen Ihnen geeignet zum Heranziehen für Roklamszeichnungen? 4. Welche Ideen haben Sie überhaupt zur Unterhaltung einer systematischen Reklame? Welche Wege scheinen Ihnen die Möglichkeit zu zeigen, ein ein- geschlagenes Propagandasystcm weiter zu verfolgen? Natürlich läßt sich diese Frage nur in großen Zügen beantworten! 5. Am besten könnten wir uns ein Bildjirm Ihrer Auffassung Ihrer zukünftigen Thätigkeit machen, wenn Sie die Reklame von ca. 10 der größten deutschen Inserenten kritisch beleuchte» und bei jedem dieser von Ihnen zu wählenden Häuser möglichst eingehend das anführen wollten, was Ihnen gefallen hat, und auch das, ivas Sie.rnders gemacht hätten. 0. Wie überhaupt denken Sie sich die Thätigkeit eines Reklamcchefs und wie die Organisation eines solchen Bureaus? 7. Unter dieser Nummer belieben Sic alles das noch anzuführen, was sich in den vorstehende» 0 Fragen nicht einbringen läßt! Hochachtend B. D. 0202.(Folgt der Name der Jnseratenagentur." — Man sollte nach diesem Schreiben annehmen, daß die fragliche Firma nicht einen Reklamechef, sondern geeignete Insassen für eine neu zu errichtende Jdiotenanstalt sucht.— Wir erinnern uns, daß das K o l o n i a l h a u s A n t c l m a n n bei Engagements von An- gestellten eine ähnliche, wenn auch nicht so weitgehende Neugierde an den Tag gelegt hat. DaS Kuratorium deS städtischen Obdachs und Arbeitshauses hielt am Sonnabend eine Sitzung ab, in der eine ganze Reihe Ver- waltungsangelegcnheiten zur Erledigung kamen. Es wurde die probeweise Anstellung eines Lehrers für das Familien-Ob dach beschlossen. Ein Gesuch der Sittenpolizei, welches von den Aerzten der Geschlechtskranken-Station Atteste über Natur und Lokalisierung der Krankheit entlassener Prostituierter wünschte, wurde, da es ohne Anstellung von Hilfskräften nicht aus- führbar ist, abgelehnt, da die Stadt eine Lerpflichtung hierzu nicht hat. Die Verabfolgung von Weihnachtsstollen im nächtlichen Asyl sollte nach einem Antrage aufhören: es wurde aber nach längerer Debatte beschlossen, der Leitung es künftig zu überlassen, an welchem Tage sie die Verteilung vornehmen will, um zu verhindern, daß an dem betreffenden Tage sich alle möglichen Elemente nach dem Obdach drängen. Die Berteiluug selbst soll aber beibehalten werden. Wegen baulicher und andrer Angelegenheiten deS Filialhospitals in Reinickendorf wurde eine gemeinsame Besichtigung beschlossen. Als Punkt 4a. der Tagesordnung waren nachträglich noch„Be- schwerden" eingestellt worden. Bei diesem Punkte wurde auf Anregung unsrer Genossen beschlossen, daß diejenigen Hospitaliten der Filiale Reinickendorf, die ihre Kleidung bei Ausgängen in brauchbarem Zustande wiederbrächten, auch ferner die Anzüge erhalten sollten, ebenso soll denen, welche Urlaub haben und von ihrem Ausgange bis spätestens 10 Uhr inner- halb der Grenze ihres Urlaubs zurückkehren, die ihnen zukommende Abendmahlzeit gewährt werden. Dagegen soll gegen diejenigen, die über den Urlaub sogar nachts sinnlos betrunken vom Ausgange zurückkehren, energisch vorgegangen werden. Zu den Revisions- berichten wurde ebenfalls durch Vorkehrungen Stellung genommen, die die Wiederholung von Dingen, welche in den Berichten gerügt wurden, in Zukunft verhindern, wie zum Beispiel die von unsrem Genossen Hoffmann im Plenum gerügte Fleischgeschichte im Rummels- burger Arbeitshause. Schönheits-Jdcale. Die„Deutsche Tageszeitung" ist seit einiger Zeit in ästhetischen Dingen außerordentlich feinfühlig. Gc- legentlich der Reickstags-Verhandlungen über die preußische Russen- schände schwelgte sie mit orientalischer Phantasie in den Ausbrüchen deS Entsetzens über die sarmattsche Häßlichkeit der Tribünenbesucher. Jetzt hält sich die„Deutsche Tageszeitung" darüber auf, daß wir die corpsstudentische Bierköpfigkeit unsrer Blüte der Nation mit der idealen Begeisterung der russischen Schnorrer und Verschwörer ver- glichen haben: „Allerdings sehen deutsche Studenten anders cui-Z als die Mandelstamm und Silberfarb mit ihren„ausgeprägten Charakterköpfen". die den ebenfalls mit charakteristisch gebildetem Gesichtserker aus- gestatteten„Genossen" des Herrn Singer ja wohl als SchönheitS- Ideale gelten mögen." Die Redakteure des Organs für Wncherzölle sind in Sachen der Schönheit halt sehr verwöhnt, weil sie dem dauernden Anblick ihres germanischen Schönheitschefs, des feisten O e r t e l, aus- gesetzt sind. Kein Wunder, daß sie da ästhettsch anspruchsvoll ge- worden sind. Ein Nkkilheur im OrdmiiigSkampfe. Im Kampfe gegen die Soeialdemokrattc und ihre Führer hat sich bekanntlich eine gewisse Schablone herausgebildet. Nach diesem Schema z. B. sind alle Bebelschen Behaupttmgen ohne weiteres u n iv a h r: der Mann ist absolut nicht im stände, auch nur eine den Thatsachcn entsprechende Behauptung aufzustellen. Anfangs log Bebel gewohnheitsmäßig nur im Reichstage, aber da es im Ordnungskampfe gar zu bequem ist, einen verhaßten Gegner durch Gemeinheit abzuthun, unterstellt man ihm jetzt bereits, daß er auch in deni, was er schreibt, sozusagen un- bewußt die Unwahrheit zu Tage fördere. Man thut am besten, einer solchen Kampftakttk, die sich in den Augen anständiger Leute von selbst richtet, mit Verachtung zu begegnen; wird die Ge- schichte aber einmal gar zu bunt, so lohnt sich doch eine Festnageluug. Gegenwärtig niacht eine Notiz durch die Ordnungspresse die Runde, die von Bebels Verhälttns zum Ratio nalvereiu handelt. In der lieben„StaatSbürger-Zeitung" lautet sie wie folgt: „Bebel hat mi: seinen Berichtigungen Pech. Seine neulichc Berichtigung war. wie erinnerlich, nur eine Bestätigung dafür, daß er seiner Zeit vom.Nationalverein" subventioniert worden ist. In seiner Berichtigung stand unter anderm:„Ich selbst war nie Mitglied des.Nationalvereins". Nachdem ihm jetzt die Unrichtig- keit dieser Behauptung nachgewiesen ist, erklärt der„Vorwärts", daß hier ein Druckfehler vorgelegen habe. Im Manuskript stehe: „Ich selbst war ein Mitglied des„NattonalvercinS".— Diese Berichtigung kommt etwas sehr spät, besser wäre es wohl gewesen, wenn Herr Bebel die Berichtigung gebracht hätte, noch bevor ihm nachgewiesen war, daß er den«„Nationalverein" als Mitglied an» gehört habe." Also hat Bebel abermals in den Augen aller derer die Un» Ivahrheit behauptet, die— ja, die im Kampfe gegen die Social» demokratie nicht anders fertig werden können, als indem sie die Thatsachcn auf den Kopf stellen. Denn thatsächlich stand im Gegensatz zu der reizenden Entdeckung des Pückler- Blattes in der ersten, ani Mittwoch von uns veröffentlichten Notiz infolge des Druckfehlers zu lesen, daß Bebel ein Mitglied des Nattonalvereins war, wogegen die Bericktigung vom Freitag den Thatsachen ent-- sprechend sägt, daß Bebel n i e Mitglied dieses Vereins war. Es hieße unsre konservativen und antisemitischen Gegner überschätzen. wollten wir die Hoffnung hegen, daß sie ihren Reinfall berichttgend eingestehen. Der Sommcrfahrplau der Eiseiihahndirektion Berlin ist jetzt in seinem ersten Entwurf fertiggestellt. Er bringt die begonnene Um- gcstoltung des Vorortverkehrs zum Abschluß, so daß er in einer völlig veränderten Gestalt erscheint und wohl wie keiner seiner Vor- gänger von der letzten Ausgabe abweicht. Seit dem 1. Ottober wird der Vorortverkehr nach Kaulsdorf über die Stadtbahn geleitet und so eine Linie Westend— Kaulsdorf gebildet. Am 1. Mai wird der Potsdamer Verkehr und der Verkehr nach Erkner ebenfalls über die Stadtbahn geführt Iverden. Der östliche und der westliche Betrieb wird dabei zu einer durchgehenden Linie Potsdam— Grünau und Grunewald— Erkner vereinigt. Den Ferngeleisen der Stadt- bahn verbleibt dann nur noch der Vorortverkehr einerseits nach Spandau, andrerseits nach Fredersdorf— Sttaußberg. Auch diese beiden Bettiebe werden zu einer durchgehenden Linie Spandau- Fredersdorf— Sttaußberg zusammengezogen. Durch das Ineinander- greifen der über die Stadtbahngelcise verkehrenden Linien entsteht während der Hauptverkehrsstundcn zum erstenmal ein fahrplan- mäßiger Betrieb in Abständen von nur 2l/3 Minuten, so daß stünd- lich 24 Züge in jeder Richtung auf der Stadtbahn verkehren. Dieser Betrieb tritt von morgens 0 bis 0 und nachmittags von 4 bis gegen 10 Uhr ein. Bon den 24 in der Stunde verkehrenden Zügen gehen je sechs über den Nordring, vier über den Südring, zwei nach Kaulsdorf, zwei nach Lichtenberg, vier nach Nieder-Schöneweide. zwei nack Grünau, zwei nach Erkner und endlich zwei nach Friedrichshagen. Die durchgreifende Uuiwaiidcluiig des Laiidesausstclluiigs-ParkeS. die vom Direktor Ludwig Zweig geschaffen wird, wird bald beendet sein. Ein Heer von mehr als 200 Arbeitern ist dort bei den Bauten und im Park beschäftigt. Der neue, auf Terrassen sich erhebende Saalbau erhält jetzt außen und innen eine reiche dekorative Ver- zierung. Arkaden und Hallen umsäumen auf beiden Seiten den Park, der einen einheitlichen, großzügigen Charakter gewonnen hat. Stach den Entwürfen und unter Leitung des Tiergartendirektors Geitncr wird der Park mit einem reichen Blumenparterre ausgestattet, in dessen Mitte die„ICoutaiiiö lunuueuse" ihre glänzenden Strahlen in die Lüfte senden wird. Zehnuhr-Ladcnschlust. Das Polizeipräsidium teilt mit: lieber den Zchniihr-Ladenschlust vor Ostern ist durch eine Zeitung eine nicht zutreffende Mitteilung verbreitet worden. Es wird deshalb nochmals darauf hingewiesen, daß von den in Bettacht kommenden Tagen nur am 31. März und am 2. April die Läden bis 10 Uhr abends für den geschäftlichen Berkehr offen gehalten werden dürfen. Tödliche Unfälle. Der 40 Jahre alte Kutscher Konstantin S o b a n s k i aus der Möckeruftt. 120, der in der Nährmittelfabrik von Keidel in der Trebbincrstraße beschäftigt war. sollte vor einigen Tagen aus der Lindenstr. 10 einen Sack Kartoffeln holen. Auf der Kellertreppe stürzte er und der Sack fiel auf ihn. Sobanstt kam mit heftigen Schmerzen nach Hause und nmßte ani nächsten Tage ins Krankenhaus gehen. Hier ist er jetzt gestorben, Er hatte sich eine Nierenzerreißnng zugezogen.— Die 53 Jahre alte Arbeiterfrau Pauline Meißner aus der Müllerstr. 104 fiel mit der Leiter und zog sich außer einem Oberschenkelbruch innere Verletzungen zu. Auch sie starb in» Krankenhause an den Folgen des Unfalls. Mit dem 1. April soll in Berlin und Umgegend auch das Flaschenpfand für Weißbier eingeführt werden. Nach lang- wierigen Verhandlungen ist mit den Berliner Weißbierbrauereien eine Einigung erzielt,' daß diese auch das Flaschenpfand durchführen. Es soll also für jede Flasche Weißbier, wie beim Bayrischbier, 10 Pf. Pfand erhoben werden. Auf der Brandciidurgischcn Städtcbahn hat sich gleich am vor- gestrigen Eröffnungstage ein schwerer Unfall ereignet. Ein lOjähriger «treckcnarbeiter wurde hinter dem Bahnhos Brandenburg von der Lokomotive erfaßt und zermalmt. Die neue, 128 Kilometer lange Eisenbahn wird viel dazu beitragen, die Touristen anzulocken. Bei dem Bau der Bahn, der drei Jahre in Anspruch genommen und 13 Millionen Mark gekostet hat. waren keine besonderen technischen Probleme zu lösen. Nur die Ueberbrückung eines Sumpfes hinter Brandenburg bereitete einige Schwierigkeiten. Bauausführerin war die Eisenbahiibcttiebs-Gesellschaft; der preußische Staat hat»mr vier Millionen zugeschossen. Selbstmordversuch eines Soldaten. Ein Grenadier der zweiten Compagnie des 3. Garde-Grenadier-Regiments„Königin Elisabeth". der in den Tegeler Schießständen aus Posten stand.' hat sich durch einen Schuß in den Kopf zu töten versucht. Schwer verletzt wurde er aufgefunden und in das Lazarett geschafft. Das Motw zum Selbstmord ist noch unbekannt. Der früher vielgenannte Bankier Hugo Löwy, der wegen seiner großen Schwiiideleicn eine langjährige Zuchthaussttafe zu Rawitsch abbüßte, hat sich wieder, wenn auch nicht persönlich, in Erinnerung gebracht. Ein Teil seiner zurückgebliebenen Einrichtung aus seiner letzten Wohnung, Hafenplatz 4. wo er die«Finanz- und Handels- zeitung" leitete, kam mit der seiner früheren Teilhaberin. die er ebenfalls un» alles gebracht hat, unter den Hammer.' Es befanden sich recht lururiöse Sachen darunter, und die Preise für die einzelnen Sachen stiegen schier ins Ilngemesscne. Auf den mit Leder bezogenen Stühlen prangt noch das große Monogramm„H. L.". Löwy soll jetzt das Feld seiner gefährlichen Thätigkeit nach London verlegt haben. Verschwunden ist der 32 Jahre alte Rahmenarbeiter Johannes Klenke aus der Langestr. 70. Klenke ist feit zwei Jahren Witwer und Vater von zwei Kindern im Alter von sieben und einem Jahre, die er bei Bekannten untergebracht hat. Anfangs April wollte er sich mit einer Schneiderin zum zweitenmal verheiraten. Im Januar mußte er nun wegen eines Magenleidens drei Wochen im Kranken- Hause liegen. Tann wurde er als gebessert entlassen und arbeitete wieder. Zu Bclannten äußerte er wiederholt seine Besorgnis, daß das Leiden wiederkehren werde. Ilm seine Braut nicht unglücklich zu machen, werde er sich lieber das Leben nehmen. Seit acht Tagen ist der Mann verschwunden. Ei» Adrcsibuchmardcr ist von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht worden. Ter 42 Jahre alte� Handlungsgehilfe Hcrin. Lutz. der in der Kastanien-Allec in Schlafstelle wohnte, hatte keine rechts Lust zur Arbeit. Un» auch so leben zu können, verfiel er auf den Gedanken, einen Handel mit Ädrcßbnchcrn zu tteiben. Mit einer großen schwarzen Ledertasche besuchte er eine Schankwirtschaft nach der andren. Wo sich die Gelegenheit bot, ließ er das Adreßbuch, das die Wirte für ihre Gäste hielten, in die Ledertasche verschwinden. ging damit nach der Pfaiidlammer und verkaufte es. Die Wirte konnten sich gar nicht erklären, wo ihre Bücher blieben, dreizehn zeigten kurz hintereinander derartige Diebstähle an. Kriminal- bcamtcn fiel der Handel in der Pfandkammer ailf und als nach einem Diebstahl in der Prenzlauerstratze Lutz wieder einmal»nit einem Adreßbuch erschien, nahmen sie ihn fest. Er hat bereits fünfzehn Diebstähle eingeräumt, wahrscheinlich aber noch viel mehr verübt. KiiidesauSsetzung. Die Pförtncrftan deS Hauses Charitüstt. 2 fand gestern auf dem Hausflur ein acht bis vierzehn Tage altcS Mädchen liegen, das bitterlich weinte. Sie übergab es einem Schutz- mann, der es nach dem Waisenhause brachte. Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittelungen ist es wahrscheinlich das Tvchterchen einer Frau M. aus der Biesenthalerstratze, deren von ihr getrennt lebender Mann in der Frankfurter Allee Ivohnte und jetzt in der Charits liegt. Frau M. war ebenfalls in der Charit« und entband dort. Gestern wurde sie entlassen, jetzt ist sie verschwunden. Herr Professor Boekh, der frühere Direktor des statistischen Amts in Berlin, feiert am Montag seinen 80. Geburtstag, Professor Boekh hat in der Kolonie Grunewald sein Heim aufgeschlagen. Die Papiergcwcrbe�AuSstcllung, die unter dem Namen„Jubiläums- Ausstellung des Papiervereins Berlin und Provinz Brandenburg" in Berlin veranstaltet wird, findet vom 2. bis IS. Juni 1904 im Luisenhof. Dresdenerstr, 34/35, statt. Diese Ausstellung soll das gesamte Papier- und Schreibwarenfach des In- und Auslandes um- fassen. Sowohl die Fachleute als auch das grosse Publikum werden hier umsomehr Gelegenheit haben, die grossen Fortschritte auf diesem Gebiete kennen zu lernen, als neben den Erzeugnissen auch deren Herstellung durch in Gang befindliche Maschinen vorgeführt wird, Zahlreiche Anmeldungen angesehener Firmen liegen bereits vor. Die Geschäftsstelle befindet sich Mohrenstr. 22. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der dekorativ Und scenisch ausgestaltete Vortrag.„Das Land Tirol", noch einmal wiederholt werden. An allen übrigen Tagen der Woche, mit Aus- nähme von Freitag, wird der Vortrag„Frühlingstage an der Rwiera" zur Darstellung gelangen. Am Mittwoch. Donnerstag und Sonnabend wird der Projektionsvortrag von Mr. Kearton,„Aus dem Haushalt der freien Natur", welcher im vorigen Jahr so grosses Interesse erregte, wiederholt werden und zwar wird an/ Mittwoch und Sonnabend Herr Dr. Claude Tubois Reymond den Text sprechen. Am Montag- und Ticnstagnachmittag wird der Vortrag„Von der Zugspitze bis zum Watzmann" zu ermässigten Preisen gehalten.— Im Hörsaal spricht am Moirtag Herr Dr. Donath über„Tie Grund-, lagen des photographischen Prozesses", am Mittwoch Dr. G. Nass über„Physik des Wassers" und am Donnerstag Professor Dr. C. Müller über„Tie Farben im Kampf ums Dasein". Im Grossen Hörsaal der Urania-Sternwarte in der Jnvalidcnstrassc spricht am Dienstag Herr Astronom Hoelling über„Die Spektral- Bnalyse der Gestirne". Radsport. Der Sportpark Friedenau hat zu den Eröffnungö- rennen an den beiden Osterfeiertagen eine grosse Anzahl Nennungen erhalte An den Flicger-Rennen nimmt Willy Arend bestimmt teil,„cm von bekannteren Fahrern n. a. Schilling, Hubcr, Peter, Bader, Scheuermann. Dörflinger, Stol, Conrad:c. gegenübertrctcir Auch in den Amateur-Konkurrenzen wird es einen sehr starken Wett- bewerb geben, da den Berlinern Hansen, Tadewald, Tetzlaff, Btartens, Küpferliug zc. der bekannte Hamburger Rode entgegeustcht. An beiden Tagen, d. h. in dem 50 Kilometer- und in dem Stunden- rennen, erscheint der alte Welttneister Thaddäus Robl an, Start, der der ganzen Veranstaltung natürlich die richtige Anzichungs- kraft verleiht. Ausser andern Stehern, wie Ryser, Salzmann. Dcmke will auch der ehemalige Flieger Raoul Buisson zum erstenmal als Dauerfahrer debütteren, und nach den Fortschritten, welche der Franzose im Training macht, kann man sich aus recht interessante Rennen gefaht machen. Marie Holgers veranstaltet ihren IV. Volkstümlichen Vortrags- Abend heute 7 Uhr im grossen Saale des Gelvcrkschastshauses. Engel-Ufer 15. Eintrittskarten und Programme zu 30 Pf. m der Cigarrenhandlung Horsch im Gewerkschaftshause und abends an der Kasse. IZiis den Naebbarorten. Wilmersdorf. Bei der Genieindevertreterlvahl erhielten die focialdemokratischen Kandidaten 028 Stimmen, lvährend auf die Frei- sinnigen und Konservativen insgesaint 034 Stimmen entfiele». Es fehlen unsren Genossen nach de» bisherige» Zählungen 6 Stimmen an der Majorität, so dass eine Stichwahl notwendig wird. In Klein- Schönebeck— Fichtcnai« findet die Stichwahl zur Geineindeverttetung am Donners tagnachmittag von 4 bis 6 Uhr im Restaurant Waltinger statt. Rege Agitation ist notwendig. Nowawcs. In der letzten Gemeindcvcrtretcr-Sitzung bildete den einzigen Punkt der Tagesordnung die Festsetzung des Etats. Der Etat balanciert in Vinnahme und Ausgabe mit 100 050 Mark. Davon sind Ausgaben für allgemeine Verwaltung 32 227,81 Mark, für Reparaturen. Wegeverbesserungen, Sttassenbeleuchtung. Feuer- lösch- Geräte- und Brunnenunterhaltung. Bauten zc. 12 020 Mark, Schuldenverwaltung 22 758,98 M., Friedhofsverwaltung 1534,50 M., Schulverwaltung 62 200 M., Arnienverwaltung 23 037,50 M., Kirchen- Verwaltung 1432,16 M. Tie Einnahmen sollen sich wie folgt zu- sammensetzen: allgemeine Verwaltung 5439,11 M.. Friedhofsvcr- waltung 1534,50 M., Gemeinde-Einkommensteuer 54043,20 M., Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer 30 300 M.. Betriebssteuer 490 M., Hundesteuer 1500 M.. Lustbarkeitsstelier 1250 M.. Umsatzsteuer 4000 Mark, Biersteuer 5000 M., von der Gasanstalt 2275 M., Schulverwaltung 30 674 M., Armenverwaltung 5887,50 M. An Gemeinde- Einkommensteuer werden auch künftig 180 Proz. erhoben, an Gnmd-, Gebäude- und Gewerbesteuer je 200 Proz., an Bettiebssleuer 50 Proz. In der Diskussion nahm Genosse G r u h l Gelegenheit, die traurigen finanziellen Verhältnisse unsres Ortes zu beleuchten. Er erklärte, dass. wenn die Gemeinde allen berechtigten An- fordcrungen nachkommen solle, die Ausgaben viel grössere sein mühten; dabei sei aber jetzt schon die Steuerschraube in einer Weise angezogen, dass es nicht möglich sei, noch grössere Erträgnisse aus der Einwohnerschaft herauszuholen: cS liege vielmehr die Gefahr vor, dass bei einer noch höhereu Besteuerung die Bessersituiertcn von hier fortziehen würden und in RowaweS schliesslich nur noch die Allerärinsten wohnen blieben. Aon bürger- licker Seite wurde ausgeführt, dass allerdings die Steuerlast als drückend enipfunden werde; aber gerade die Socialdemokratcn seien es, welche fortgesetzt Anträge stellen, die noch höhere Ausgaben bedingen. Hierauf erklärte Gen. Gruhl, dass wir trotz der erbärmlichen finanziellen Verhältnisse nicht an den Löhnen der schlecht besoldeten Arbeiter und Beamten sparen dürften, sondern deren Lage verbessern mühten, um ihre Tüchtigkeit und Berufsfrendigkeit zu erhalten.— Nachdem noch verschiedene Redner sich gegen die scharfe Hcranziehnng zur Gewerbesteuer geäussert hatten, wurde die Debatte geschlossen und der Etat genchmigt. Reinickendorf. J» der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde der Buchdruckereibesitzer Schern in e l zum Schössen wieder- gewählt. Wie die Direktion der Grossen Berliner Strassenbahn mit- teilt, soll am 1. Mai der neue Fahrplan in Kraft treten, wonach die Linie 41 bis zum Rathaus und Linie 37 bis Schönholz weiter- geführt werden. Der Voranschlag des H a n P t e t a t s für 1904 ist folgender: An Einnahmen: Allgemeine Verwaltung 77 900 M., Schulverwaltung 50 450 M.. Anuenverlvaliung 13 180 M., Wegebauverwaltung 26 520 M, Stcuerverwaltnng 512 000 M., Ertra-Ordiuarium >v_ r'-_ Frauenhut Ogs mit reicher Seidenstoff- Garnitur UM. KINDERHÜTE In grösster Auswahl. ■■ Mohn-Piquets lSn#0l,8Ä«t' 48, 95pf 13M5 Rosen-Piquets 28, 48, 58pt Röschen-Piquets 38, 75, 95�. Camillen-Piquets 25, 38, 55?-. Vergissmeinnicht-Piquet 85?-. Laub-Piquet 15, 25, 38, 48?* Reiher 55, 75. 95?* IT ChiffOn in er0raC,?05FlcÄrtinleBt Meter 95?* IT Breton mit reicher Sammetbandgamitur Knöpfen und Einfassung 1« Unsere Warenhäuser u. photographischen Ateliers sind heute Sonntag von 12 bis Breton mit Sammetband-Gamitur und Metall-Ecken 750 __ wKm_ HW Grosse Ausstellung in Oster-Artikeln �.erantw. Redakteur; Paul Püttner- Berlin. Zur den Inseratenteil vermitw.f TH.Wlocke, Berlin.? ick u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsansialt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 74. 21. Jahrgang. 2. KcilU des Lmilrls" Kerlim WlksdlR Sonntag, 27. Marz 1904. Der Prozeß Ganswindt. " � Dritter Tag. Vorsitzender Landgerichts-Direktor Lau ff er eröffnet die Sitzung um 9 Uhr. Als erster Zeuge wird Landrichter Reuter vernommen, der die Voruntersuchung geführt hat. Auf ihn beruft sich der Angeklagte Ganswindt zum Beweise dafür, daß Kommissar Rucks Unwahr- heiten gesagt habe. Ter Zeuge erklärt, daß er aus allem, was Rucks gesagt hat, die Ueberzeugung gewonnen habe, daß dieser aus voller Seele an die Richtigkeit aller seiner Angaben glaubte. Von der That- fache, daß beschlagnahmte Briefe schleunigst im„Berliner Tageblatt" abgedruckt worden seien, habe der Zeuge keine Kenntnis; er steht diesen Publikationen vollständig fern. Woher die Reporter ihre Nachrichten erhalten, wisse er nicht, das aber Wiste er, daß manchmal Sachen in der Zeitung stehen, von denen er selbst noch keine Kenntnis hatte.— Auf Befragen eines Beisitzers giebt der Zeuge die Möglich- keit zu, daß er zu dem Kommissar Rucks gesagt haben könne:„Wenn wir zugreifen, dann müssen wir auch gleich ordentlich zugreifen." Er habe jahrelang die Ganswindtschen Annoncen gelesen und sich selbst manchmal die Frage vorgelegt, ob daraufhin wirklich jemand fein Geld hingeben dürfte. Der nächste Zeuge. Schlächtermeister Georg H a a s e, hat vor Jahren einmal einen Anteilschein über 199 M. erworben und ist von seinen Freunden deswegen gehänselt worden. Er ist Stadtverordneter von Schöneberg und beklagt sich darüber. daß fälschlich behauptet worden sei. er sei bei Ganswindt gewesen und habe ihn ersucht, ihm bei der Stadtverordneten-Wahl seine Stimme zu geben. In dem Rucksschen Bericht steht, daß Haase die L5 M., die er für den Erwerb des Anteilscheines über 199 M. hin- gegeben, nur in dem Glauben gegeben habe, daß das Geld ausschließ- lich für Arbeiten und Experimente, nicht aber für den persönlichen Gebrauch des Angeklagten bestimmt sei. Der Zeuge kann dies nicht sagen: er habe nur verdienen wollen. Werkmeister S e i l e r ist seit 7 Jahren bei Ganswindt beschäftigt, besitzt einen Anteilschein über 299 M. und hat nach der Ganswindt- schen Verhaftung noch einen solchen über 299 M. erworben. Er hat auch an der Flugmaschine mitgearbeitet. Wenn sie in Bewegung gesetzt werde, hebe sie sich und hebe auch Lasten. Er lasse seinen Kopf zum Pfände.,. (Vors.(unterbrechend): Den Kopf lassen Sic nur unversehrt; das nutzt uns nichts, wir können Ihnen den Kopf doch nicht abschneiden!) Der Zeuge ist fest davon überzeugt und hat nicht den geringsten Zweifel daran, daß die große Flugmaschine, wenn sie fertig gestellt ist, fliegen und sich lenken lassen wird. Ganswindt habe sich manche Zeit mit der Flugschraube praktisch nicht beschäftigt, weil er andre Projekte ausführte, aus denen er hoffte, das Geld zu erwerben, um das große Projekt der Flugmaschine ausführen zu können. Jeden- falls sei Herr Ganswindt stets fleißig in der Fabrik gewesen. Die Behauptung, daß bei dem Hochsteigen der Luftschraube Manipulationen durch ein Seil gemacht würden, sei absolut niuvahr. Der früher schon einmal vernommene Zeuge Behrendt er- gänzt seine Aussage noch dahin, daß er als Mitglied des Schutz- komitees auch über den Bericht des Kommissars Rucks empört ge- Wesen sei. Ehe man zur Verhaftung schritt, hätte man doch wohl die Komiteemitglieder über die wirklichen Thatsachen befragen können. Zwei im Betriebe des Angeklagten Ganswindt beschäftigte Personen schließen sich den Bekundungen des Werkmeisters Seiler cm. Ebenso der seit 19 Jahren dort angestellte Buchhalter. Sie bekunden, daß Ganswindt das Gegenteil von eine in luxuriösen Leben geführt habe. Der Buchhalter versichert, daß die Bücher ordentlich geführt und regelmäßig revidiert werden und einen genauen Uebcrblick gewähre, was jeder Teilhaber zu erhalten habe. Die Anteilscheine repräsentieren ein eingezahltes Kapital von ca. 219 999 M. Der jhaushaltsvcrbrauch des Angeklagten betrug ca. 8999 M. Kommissar Rucks tritt noch einmal vor, um zu erörtern, wieso er zu der Bemerkung gekommen sei, daß Ganswindt darauf hin- vrbeite, im Notfalle für verrückt erklärt zu werden. In einem Flug- blatt habe er unter anderm erzählt: er habe einmal geträumt, daß »räch vielen Jahren ein Mann am Bodensee Experimente mit einem Luftballon machen und große Ehren ernten werde. Dieser Traum sei in Erfüllung gegangen. An einer andern Stelle hieß es: er habe geträumt, daß die Welt untergehen und er mit seiner Flugmaschine allein übrig bleiben werde. Da muß man doch auf den Gedanken kommen, daß das nur gesagt wird, um später eventuell für verrückt erklärt werden zu können. Herr Dost und andre Personen haben ferner verschiedentlich einen Vergleich zwischen Ganswindt und Ehristus angestellt. Außerdem müssen die letzten Postkarten, die Herrn Ganswindt mit seinen Familienmitgliedern darstellen, doch auch auf den Gedanken bringen, daß der spätere Einwand der Ver- rücktheit vorbereitet werden solle.— Angeklagter Ganswindt bestreitet, sich jemals persönlich mit göttlichen Personen verglichen zu haben. Er habe nur behauptet, er sei einer der größten Erfinder, die je gelebt haben, und das sei auch der Fall.— Die Rechtsanwälte Dr. S ch w i n d t und Ulrich und der Angeklagte Ganswindt selbst treten auch den andren Bemerkungen des Zeugen cmgcgcn.— Ganswindt verliest noch die Erklärung einiger Teilhaber, an der Spitze Kammerherr b. Gersdorff, in welcher gesagt wird, daß die Teilhaber mit seinen technischen Leistungen und Arbeiten zu- frieden seien und auch gegen dessen Prioatausgaben durchaus nichts einzuwenden gehabt hätten. Tie Teilhaber beklagen nur. daß Herr Ganswindt von den Behörden gegen die Verunglimpfungen nicht ge- schützt werde. Die Zeugenvernehmung ist hiermit beendet und es folgen die Gutachten der Sachverständigen. Dipl. Maschinen-Jngenieur de S t o u tz(Offcnbachi: Er sei kein Flug-Jngenieur, aber ein akademisch gebildeter Ingenieur. Das ganze Vorgehen Ganswindts trage nicht den Charakter des gesunden, auf tvissenschaftlicher Grundlage beruhenden Schaffens, er operiere nur mit ganz geringen mathematischen Kenntnissen und sehr einseitigen Erfahrungen in seinem Betriebe. Er lebt in Illusionen, wie sie jungen Leuten, die vom Gymnasium abgehen, anhaften mögen, Stil und Inhalt seiner Reklame müssen aus jcden gebildeten Ingenieur einen abstoßenden Eindruck machen. Seine technischen Behauptungen seien das kläglichste, was man sich auf technischem Gebiete denken kann. Die Flugmaschine wird sich ans Grund der Angaben des Ganswindtschen Berichtes unter keinen Umständen mit einem 49pferdigen Motor erheben, daS ergebe sich aus den Grund- principien der Mechanik. Nach seiner Schätzung müßten mindestens 199 Pferdekräfte in Anwendung gebracht werden. Ter Sach- verständige hat schon im Jahre 1992 im Verein mit dem Baurat Grone und dem Direktor H a u s b a n d t ein Gutachten ab- gegeben, und wiederholt den Schlußsatz desselben dahin, daß der Stand seiner Erfindungen ihn nicht zu der Hoffnung berechtige, die Versprechungen, die er seinen Teilhabern gegeben, in absehbarer Zeit zu erfüllen. Seine technischen Voraussetzungen bezüglich der Flug- Maschine seien vollständig hinfällig, «ruhen auf keiner wissenschaftlichen Grundlage und Ganswindt werde nicht zu einem Erfolge kommen. Auf Befragen des Rechtsanwalts Dr. S ch w' n d t erklärt der Sachverständige, daß der Angeklagte Ganswindt weder nach seinem Verstände, noch nach seinen Kenntnissen im stände sei, die wissen- schaftlich-tcchnisch richtige Berechnung anzustellen. Er könne nicht behaupten, daß Herr Ganswindt nicht in gutem Glauben sich bc- funden habe, auf keinen Fall durfte er aber nach seinen bisherigen Erfolgen als vernünftiger Mensch seinen Teilhabern solche Ver- spreckungen machen, wie er es gethan. An das Gutachten schließt Rechtsanwalt Ulrich noch eine Mze Reihe von Fragen und Angeklagter Ganswindt erhebt verschiedene Einwendungen gegen ihn. Er behauptet auch, der Sach- verständige habe bei Gelegenheit eines Besuches im Etablissement vor andren Zeugen ganz unaufgefordert seine Ansicht dahin aus- gesprochen, daß der Apparat, wenn er so sorgsam weiter gearbeitet werde, in der That fliegen würde. Der Sachverständige giebt die Möglichkeit einer solchen Aeutzerung zu, behauptet aber, daß ein Fliegen mit dem 49pferdekräftigenMotor nicht möglich sei. Angeklagter Ganswindt sucht die von dem Sachverständigen angestellte Be- rcchnung als falsch hinzustellen.— Auf weiteren Vorhalt des Ver- teidigers bleibt der Sachverständige dabei,"daß er trotz der Be- kundungen einiger Herren der Drahtachse keinerlei Vorzüge gegen- über dem Kugellager beimessen könne. Prof. Dr. H a r t m a n n von der Technischen Hochschule schließt sich in einem langen wissenschaftlich-technischen, interessanten Vor- trage dem Vorgutachter an. Er betont und wünscht, daß davon in möglichst weiten Kreisen Notiz genommen werden möchte, daß bei diesen Problemen das Grundprincip der Mechanik die maßgebende Rolle spielt. Auf dem Wege der bloßen Vermutungen, Hoffnungen und Wahrscheinlichkeiten löse man das Problem niemals, sondern nur mit exakten wissenschaftlichen Versuchen. Mit der Maschine von 49 Pferden komme der Mann nicht in die Höhe. Sachverständiger Prof. Dr. Hartmann erläutert im Laufe seiner Erörterungen noch den Tretmotor, der den Namen Motor gar nicht verdiene, weil hier der Mensch fortgesetzt treten müsse. Es sei lediglich ein Hcbelwerk, in welches ein Mensch als Sklave eingespannt werden müsse. Die Bilder, die Ganswindt über seinen Flugapparat hat erscheinen lassen und in denen die Menschen mit dem Tretmotor in der Luft herumfliegen, erinnern stark an Münchhausen, es sei wirklich so, als ob man Stufen in die Luft schlagen wollte. Daran kann er nicht geglaubt haben. Der Tretmotor erinnert an die Tret- mühle. Der Angeklagte Ganswindt tritt auch diesen Ausführungen in erregter Weise entgegen, stellt Gegenbehauptungen auf, die der Sachverständige als gänzlich unzutreffend bezeichnet, und nimmt wiederholt das Modell einer kleineren und einer größeren Schraube zur Hand, um in lebhaften Gesten und Darlegungen an diesen Schrauben die Richtigkeit seiner Behauptungen zu erhärten. Sachverständiger Lederfabrikant Direktor I a c o b s e n ist der Ueberzeugung, daß das Problem des lenkbaren Luftschiffes durch Ganswindts Luftschraube der Lösung entgcgengeführt werden könne. Ganswindt habe durch die Konstruktion der Flügel schon allein bewiesen, daß er technische Kenntnisse besitzt, wie sie nicht jedem Sterblichen gegeben sind. Staatsanwalt: Sie sollen gestern im Bureau des „Berliner Tageblattes" gewesen sein?— Zeuge: Nein, gestern nicht, vielmehr war ich dort, nachdem seiner Zeit in der Untersuchung gegen Herrn Ganswindt der Lokaltermin abgehalten worden war.— Staatsanwalt: Was veranlasste Sie, dorthin zu gehen? Interesse für Herrn Ganswindt?— Zeuge: Nein, nur das Interesse an der Sache selbst und das Interesse daran, daß die Wahrheit an den Tag komme. Es seien damals ganz falsche Darstellungen über den Lokaltermin erschienen gewesen. Weiter wird als Sachverständiger Ingenieur Maximilian E st e r e r vernommen. Er sei zuerst mit Mißtrauen an die Ganswindtschen Erfindungen herangegangen, aber die Erkenntnis, daß die Schraube das geeignetste Mittel zur Lösung des Luftflug Problems sei, habe ihn für die Sache eingenommen. Er glaube, daß Herr Ganswindt sich auf dem richtigen Wege zur Konstruktion der geeigneten Luftschraube befinde. Lieutenant Zimmermann, Jnfanterie-Ofsizier, der sich viel mit technischen Dingen beschäftigt hat, ist seit IV- Jahren zur weiteren Ausbildung zur Technischen Hochschule kommandiert. Er ist seit einer Reihe von Jahren mit den Problemen der Luftschiffahrt beschäftigt und ist durch Inaugenscheinnahme und nach monatelanger reiflicher Ueberlegung zu dem Schluß gekommen, daß Ganswindts Princip das richtige ist. Er hat das Ganswindtsche Etablissement häufig besucht und immer die Ueberzeugung mit sich genommen, daß Ganswindt das Problem lösen wird. Das Drahtachfcnrad lobt der Sachverständige aus eigner Erfahrung. Sowohl der Sachverständige E st e r e r als auch Lieutenant Zimmermann geben zu, daß sie bei der Berechnung der für das Fliegen des Apparates aufzuwendenden Kraft geirrt haben und die bc- zügliche Berechnung des Prof. Hartmann, die dem physikalischen Naturgesetz entspricht, richtig sei. Die Beweisaufnahme ist hiermit geschlossen. Staatsanwaltschaftsrat Mittag führt aus. daß sich Ganswindt zum Helden einer wüsten Reklame ge macht habe. Es sei widerwärtig, abgeschmackt und eines ManneS, der behauptet, daß höchste Problem der Technik gelöst zu haben, un- würdig, wenn er sich der berühmten Rcklamcpostkarten bedient, ans denen er mit Frau und sämtlichen, teilweise ganz jungen Kindern abgebildet ist. Was haben die unmündigen Geschöpfe mit der Lust- schraube und der. Drahtachse zu thun. Diese Selbstverherrlichnng hätte man ihm überlassen können, wenn er nicht durch seine bmn- bastischen Reklamen kleine Leute dazu bewogen hätte, ihr Geld hin- zugeben. Diese Leute sind betrogen, und wenn der Kommissar Rucks auf Grund einer Anzeige dieser Angelegenheit näher trat, so habe er mir seine Pflicht gethan. Der Staatsanwalt beantragt gegen den Angeklagten Ganswindt 6 Monate Gefängnis, gegen den Angeklagten Dost 2 Monate Gefängnis, gegen Schröder ebenfalls 2 Monate Gefängnis. Hieran schließen sich längere Plaidoyers der Rechtsanwälte Dr. S ch>v i n d t und U l r i ch zu Gunsten der drei Angeklagten. Sie führen im allgemeinen aus, daß Ganswindt nichts weniger als ein Betrüger, sondern ein Mann von ernstem Streben und kräftiger Individualität sei. der seine ganze Kraft und sein Vermögen seinem Ziele geopfert und von der Ausführbarkeit seines Lustapparates ebenso überzeugt sei, wie seine Teilhaber und viele andre ihm an- hängende Leute. Er mußte die Verhaftung, die auf Grund des Be- richlcs des Kommissars Rucks erfolgte, als ein schweres Unrecht empfinden und es sei begreiflich, daß er. seiner ganzen Natur entsprechend. die Ellbogen gebrauchte, um sich gegen Herrn Rucks, der in seinem Bericht doch eine ganz ungewöhnlich scharfe und höhnische Sprache führte und stark beleidigende Ausdrücke zu Ungunsten Gans- windts in Anwendung brachte, zu wehren. Er sei nicht ein gewöhn- lichcr Ehrabschneider, sondern ein Mann, der in Herrn Rucks seinen größten Widersacher sah, dem er sein unverdientes Geschick verdankte und im Kampfe gegen diesen vielleicht hier und da über das zulässige Maß hinausgegangen und in formeller Beziehung gefehlt haben mag. Etwas Achnliches, wie diesen Bericht des Kommissars Rucks, dürfte man aber auch kaum je in einem amtlichen Aktenstück gefunden haben. Dem Angeklagten Ganswindt und mit ihm den beiden andren An- geklagten stehe zweifellos der Schub des§ 193 zur Seite, und wenn überhaupt eine Strafe ausgesprochen werden sollte, so würde eine kleine Geldstrafe völlig ausreichend sein. -- Urteil. Der Gerichtshof erkannte die Angeklagten der Beleidigung schuldig und verurteilte den Angekl. Ganswindt zu 399 M. Geldstrafe event. 39 Tagen Gefängnis. den Angekl. Dost zu 89 M. Geldstrafe event. 5 Tagen, den Angekl. Schröder zu 29 M. Geldstrafe event. 2 Tagen Gefängnis._ Der Prozes; Kube und Genossen. Nach Eröffnung der Sitzung wird die Frage erörtert, ob die Angeklagte Kube noch selbst Patienten untersucht und Diagnosen vor- genommen hat, nacbdcm die Aerzte bereits für das Institut an- genommen lvarcn. Tie Beweisaufnahme fiel auch in dieser Beziehung für die Angeklagte günstig aus. Ter Zeuge Völker. Geschäftsführer der Anstalt, bekundete, daß die aus 9 Köpfen bestehende Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in deren Besitz sich die Anstalt befindet. eine Vereiiwarung dahin getroffen habe, daß jeder Patient, ob männ. lich oder weiblich, erst dann dem Fräulein Kube zugeführt werden sollte, nachdem der betreffende leitende Arzt den Kranken untersucht. den Sitz und die Art des Leidens festgestellt und die BeHandlungsweise zu Papier gebracht hatte. Fräulein Kube hatte dann die Auf» Zeichnungen des Arztes in das Journal einzutragen und für die Aus- führung der Verhandlungsmaßregeln zu sorgen. Sämtliche An- gestellte der Anstalt erklärten, daß von dieser Vereinbarung nie ab- gewichen sei. Die Verteidiger beantragen noch die Ladung eines Zeugen; es soll der Versuch gemacht werden, ihn zur Stelle zu schaffen. Es wird dann zur Vernehmung der Aerzte und Sachverständigen geschritten. Es handelt sich um Frauenleiden, welche zu vielen Er- örterungen auf medizinischem und gynäkologischem Gebiete Ver- anlassung geben. Dr. med. W e y l ist von der infolge der Operation verstorbenen Frau Sch. konsultiert worden, bevor sie sich dem Institut des Fräulein Kube anvertraute. Sie habe sofort in aufgeregter Weise erklärt, daß sie ein Gewächs im Leibe habe, sie wolle sich aber unter keinen Umständen operieren lassen. Dr. Wehl habe nach der Untersuchung eingesehen, daß die Kranke nur durch einen operativen Eingriff von der Geschwulst befreit werden könnte, er mochte dieS der erregten Dame aber nicht sagen, habe ihr deshalb leichte Mittel und Diät verordnet und ihr eindringlich aufgegeben, nach 14 Tagen wiederzukommen. Tie Patientin sei nickt wiedergekommen, er habe später von ihrem Ehemann gehört, daß sie in der Kubeschen Natur- Heilanstalt einer Massagekur unterworfen werde. Von besonderem Interesse ist die Vernehmung des Professir Dr. Dührssen, welcher nur als Zeuge vernommen wird. Er habe die Frau Th., eine jener beiden Frauen, welche durch unzweckmäßige Massage Schaden genommen haben, operiert. Es sei eine sehr schwere Operation ge- Ivesen, so daß er kaum gehofft habe, ihr das Leben erhalten zu können. Es sei ihm von seiner Wärterin mitgeteilt worden, daß Frau Th. vorher in der Kribeschen Anstalt massiert worden sei. Dies habe er nicht begreifen können, denn zweifellos müßte dies für die Patientin gefährlich sein. Er habe bald darauf einer Versammlung im Rat- Hause beigewohnt, wo gegen die überhandnehmende schädliche Thätig» keit der Kurpfuscher gesprochen wurde und auch des Fräuseins Kube Erwähnung geschah. Auf Befragen des Verteidigers Rechtsanwalt Chodcziesner räumt Prof. Dührssen ein, daß er die Frau Th. dazu angeregt habe, gegen Fräulein Kube Strafantrag zu stellen und einen Schadenersatz von 6999 M. von ihr zu ver» langen.— Auch der Assistenzarzt des Professors Dührssen. Dr. med. W e d e k i n d, ist der Ansicht, daß die Massage der Patientin schädlich war. lieber die Frage, ob ein Arzt eine Operation vornehmen wird, wenn er wenig Aussickt auf Gelingen hat, kommt es zwischen den Sachverständigen zu lebhaften Erörterungen, zumal Professor Dührssen die Aeutzerung fallen ließ, daß sich ihm bei Aus- führung der Operation so viele Schwierigkeiten entgegengestellt hätten, daß er vielleicht von einer solchen Abstand genommen hätte. wenn er sie hätte voraussehen können. Der Specialarzt für Frauenkrankheiten Dr. S ch a e f f e r hat eine Patientin operiert, nachdem diese in der Kubeschen Anstalt einer Massagckur unterworfen worden war. Der Zeuge bezeichnet diese Bchandlungswcise als eine durchaus verfehlte, wodurch der Patientin gesundheitliche Nachteile entstehen mußten. Der Angeklagte Dr. Schlesinger vertritt eine andre Ansicht, und beruft sich dabei auf einige medizinische Autoritäten. Die Sachverständigen. Von den als Sachverständigen vernommenen Aerzten stellt ei» früherer Chef des Fräulein Laibe ihr das Zeugnis aus, daß sie ge- nügcnd Vorbildung besitze, man könne ihr ruhig die Ausführung der Massage, selbst in schwierigen Fällen anvertrauen. Der praktische Arzt Dr. med. W i n s ch zu Halensee hält die abwartende Stellung, welche der Angeklagte Dr. Colemann im Falle der verstorbenen Frau Sch. eingenommen habe, für durchaus gerechtfertigt. Die Ansicht, daß nur im höchsten Notfalle zur Operation geschritten werden solle, gewinne unter den Aerzten immer weitere Verbreitung. Bisweilen erziele man durch eine zweckentsprechende Behandlung eine Veränderung des Nährbodens der wucherischen Pilze und nehme ihnen dadurch ihre Bösartigkeit, so daß eine Operation nicht notwendig werde. Er könne nicht behaupten, daß Dr. Colemann pflichtwidrig oder fahr» lässig gehandelt habe.— Ein andrer Arzt, Dr. med. Sch aper. äußerte sich in ähnlichem Sinne. Jedenfalls könne er nicht behaupten. daß in den fraglichen drei Fällen die Behandlung des Angeklagten eine gesundheitsschädliche Wirkung ausgeübt habe.— Professor Dr. Kobranck hielt dagegen die Bchcmdlung der Patienten nicht für zweckmäßig, es hätte in erster Linie unbedingte Ruhe angeordnet werden müssen.— Bei Aufruf des Sachverständigen Dr. M a n a s s e stellte die Verteidigung den Antrag, diesen Herrn wegen Besorgnis der Parteilichkeit abzulehnen, da er Mitglied der Kommission zur Bekämpfung der Kurpfuscherei sei. Der Gerichtshof hielt den Ablehnungsgrund nicht für gerechtfertigt, sondern beschloß die Ver- uchmung des Dr. M a n a s s e. Das Gutachten dieses Sachver- ständigen ging dahin, daß die Angeklagten in allen drei Fällen Ver- fchlungen begangen hätten. Er meine sogar, das Leben der Frau Sch. hätte gerettet werden können, wenn der Angeklagte nicht die abwartende Stellung eingenommen hätte. Mcdizinalrat Dr. Klein erklärt, daß er die Behandlung, die seit Jahren in der Anstalt des Fräulein.Kube den Kranken zu teil wurde, als eine fahrlässige bezeichnen müsse. Er sei auch der An- ficht, daß durch diese Behandlungsweisc der Gesundheitszustand der Kranken sich verschlechtert habe. Er müsse annehmen, daß«s auf Geldschneiderei abgesehen sei. Schließlich erkläre er noch, daß er es nicht für möglich gehalten hätte, daß ein Arzt hier solchen„Mumpitz" vorbringen könne, wie es gestern der Angeklagte Dr. Schlesinger über seine magnetischen Kuren gethan. Bei dem Vorwurf der Geldschneiderei treten sofort 4 Zeugen vor, welche die Loyalität des Dr. Schlesinger in dieser Beziehung loben, ein Zeuge erklärt, daß Dr. Schlesinger sein Kind nicht nur umsonst behandelt, sondern ihm noch 299 M. dazu geschenkt habe.— Die Verteidiger verwahren sich mit Entschiedenheit gegen den vom Sach« verständigen gebrauchten Ausdruck„Mumpitz". Die Beweisaufnahme wird geschlossen. Urteil. Der Gerichtshof kam zum Schuldigspnich nur in einem der zur Anklage stehenden Fälle, bei denen die Angeklagte Kube und Dr. Schlesinger interessiert find. In dem Falle der fahrlässigen Tötung war die Diagnose wieder falsch, sie kann aber in diesem Falle nicht als erheblicher Kunstfehler angesehen werden und Dr. Colemann mutzte freigesprochen werden. Im übrigen wurde Fräulein Kube und Dr. Schlesinger wegen fahrlässiger Ltörperverletznng in je einem Falle zu je 800 88. event. 30 Tage Gefängnis verurteilt. Versammlungen. Lichtenverg. Die Gemeindearbeiter Lichtenbergs Protestierken in ihrer letzten ordentlichen Monatsversammlung gegen die Behandlung ihrer minimalen Forderungen von feiten der Etatskommission. Namentlich wandte man sich ganz entschieden gegen die Behauptung. daß die petitionierten Forderungen von außen hereingetragen seien. Tie Anwesenden erklärten, daß die Forderungen von den Gemeinde arbeitern selbst aufgestellt seien und daß sie auch femer daran festhalten werden. Eingegangene Druchfchnften. F. Staudinger. Sur Abwehr! Preis 20 PH— Die Umsatzsteuer im Herzogtum Braunschweig. Von Dr. Reinhold Richn. Preis 20 Pf. Hamburg 1904. Verlag: Heinrich Kaufmann u. Co.. Gröningerstr. 24—25. — Siegfried Hagen. Die Berliner Rieselselder. 83 Seiten. Verlag von Franz Wunder. Berlin 1904. Bericht der Genosscnschafts-Jnstruktoren de? f. I. Handelsministeriums über ihre Amtsthätigkeit in der Zeit vom 1. Oktober 1899 bis 31. Dezember 1902. 383 Seiten. Druck und Verlag der l. k. Hos» und Itaatsdruckerei, Wien. Geschäfts- und Rechenschaftsbericht der Geschästsleitung und der Einzel- organisationen der Vereinigung der Zimmerer Deutschlands für das Jahr 1903. Nebst dem Protokoll der sünsteu Konferenz, abgehalten am 21. und 22. Februar 1904. 96 Seiten. Verlag Theodor Fischer, Berlin, Dragoner- straße 15. Dr. R. Kraut. Geschichte der Anti-AIkoholbestrebungen. Preis 2,40 M. Druck und Verlag Gebrüder Lüdeking, Hamburg 30. M. Güldeuberg. Das prcustischc Vereins- und Versammlungsrecht unter Berücksichtigung der in den letzten Jahren ergangenen Entscheidungen des Kammer- und Obcrvcrwaltungsgerichts. Preis 20 Ps. Verlag der Volksbuchhandlung Halle a. S., Geiststr. 21. Fünfter Jahresbericht des Waldenburger Arbeiter-Selretariats in M- Wasser sür das Jahr 1903, erstattet vom Arbeitcr-Sekretär Ernst Kirchberg. 32 isciten. Druck von Pelz, Ober-Langenbielau 1904. Geschäfts-Bericht der Orts-Krankenkasse der Maler zu Berlin für das Jahr 1903. 36 Seiten. Berlin 1904, Maurer u. D immick, Luisen- User 11. Dritter Jahres-Bericht des Arbeiter-Selretariats in LübecknebstJahreZ- berichtcn der Slussichtskommission und des Gewerkschaftskartclls. 92 Seiten. Selbstverlag des Arbeiter-Selretariats in Lübeck. Ter Automobtlschrecken und seine Bekämpfung. Von G. Reisen- bichler. Taucha-Leipzig. Verlag von G. Gohlke. Preis 30 Pf._ Soeialilemokrat. WaMverein fliMReiehstagswalreis. (Süd-Ost.) Den Parteigenossen zur Nach- richt, datz unser Mitglied frust Hohmaiin, Mariannenplatz 19, Stadtbez. 99, am 25. März verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 28. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Thomas-Kirchhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 242/18 Der Vorstand. MM der Schneider und Schneiderinnen und verwandten Berufspossen Deutschlands. (Filiale Berlin.) Todes-Anzelge. Am 25. d. Mts. verstarb nach langem, schwerem Leiden unser Mitglied Albert Kotzke (Lüneburgerstr. 3) im 44. Lebensjahre. Beschäftigt gewesen bei Nomann, Krausenstraße. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung erfolgt am Montag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St.Johannis- Friedhofes in Plötzensee aus statt. 162/12 vis Orlsverwaltung. Allen Freunden und Bekanntemi die traurige Nachricht, daß mein f lieber Mann, der Mechaniker Kustsv RUhl am Mittwoch, den 23. März, nach langen schweren Leiden im Alter von 35 Jahren verstorben ist. _Sic Beerdigung erfolgt am Sonntag, den 27. März, nachm. 1'/, Uhr von der Leichenhalle der kgl. Charits nach dem Begräbnis- platz der Freireligiösen Gemeinde. Pappel-AIlee. 67b Die trauernde Witwe llmillo Hühl nebst Tochter. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechaniker (Zustav Rubi am 23. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. d. M., nach- mittags>/z2 Uhr, von der Charits aus nach dem Friedhofe der Frei- religiösen Gemeinde in der Pappel- Allee statt. Rege Beteiligung erwartet 113/12 vis Ortsverwaltung. SoeialiieiiiokratisehJablvereiii Bezirk Pankow. Am Dienstagabend 9 Uhr verstarb unser Genosse Vsksn Hain, Nieder- Schönhausen, Bismarck- straße 31. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 33/4 Uhr aus dem Kirchhose zu Nieder-Schön- Hausen statt. Ehre seinem Andenken: Zahlreiche Beteiligung erwartet 42b Der Vorstand. ierburch die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Gastwirt IIb Vrepr Feisch (Langestraße 102) am Freitag, den 25. März, plötzlich verstorben ist.— Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29. März, nach- mittags 4 Uhr von der Leichen- Halle des Centtal-Friedhoss in Friedrichsfelde aus statt. vis trauernde Witwe Marie Felseh nebst Kindern. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine Frau Lauva Just am Freitag, den 25. d. Mts., gestorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 27. ds. Mts., nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Gericht- straße 35, aus statt. 2967b Der trauernde Gatte und Kinder. «ermann tuet, Einsetzer. Danksagung. Für die rege Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannes sage ich allen Freunden, Bekannten u. Kollegen meinen besten Dank. 21b Frau Senguta und Sohn. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten sage ich sür die rege Teil nähme am Begräbnis meiner lieben Frau meinen herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen AuMst Lenz 46582 nebst Kindern. ünstMite Karl Winzer, Älexanderstr. 21h I. Teilzahlung geslatlel. "Berlin SW., Alte iakobstr. 124." Maschinenbau- und Bau-Schule. Werkstätten. Gagrün/z Uhr. im Englischen Hof. Neue Rohstraße 3: Branchen-Versammlung. Tages. Ordnung: 156/13 Unser weiteres Verhalten den Maßnahmen der Innung gegenüber. Jeder Kollege der Geschirr-, Wagen-, Reitzeug- und Sattelbranche muß Die r'~" anwesend sein. Branchen-Leitung. Galanterie-Sattler u. Gürtel-Arbeiter! Mittwoch, den 30. März, abends 8>/z Uhr. im Gewerkschattshause, Engel-Ufer 15, Saal 7: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung:„Wie nehmen wir unsre Interessen wahr?" Das Erscheinen eines jeden Kollegen der Galanterie- und Gürtel-Branche ist unbedingt notwendig. Die Branchen-Leitungen der Täschner und Koffermacher und der Geschirr-Sattler. So««tag» den 3. April sl. Oster-Feiertag). im GewerkschastShaus. Engel-User 15: Konzert und Tortragsabend. Mitwirkende: Solisten des Berliner Sinsonie-Orchesters: Herr Kapellmeister ÜV. Lau, 1. Violine. Emil Keck, 2. Violine. W. Schneider. Viola. B. Fröhlich, Solo. Cellist. Arthur Arndt, KlaviermrtuoS. Frl. Marie Holgers, Reeitation. Herr O. Kowalski, Konzertsänger. BAM- Entree inkl. Programm 40 PI."Wg Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 5V Ps. nach.— Eröffnung 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. DaS Bergnügungs-Komitee. 156/12_ I. 31.: W. Tuschke, Michaelkirchstr. 28, H. r. IV. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 8353. Dienstag, den 29. März, abends S1/» Uhr; Kmchcn-NttjimiiilW der Mechrniilltt im GewrrkschaftShause, Engel-User Nr. 15, Saal 5. Tages-Ordnung: 1. Bericht deS Branchenvertreters und der AgitationSkomnnsfion. 2. Neuwahl deS Branchenvertreters und der AgitattonSkommission. 3. Ber- bandSangelegenheiten. 4. Verschiedenes. NS. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 113/18__ Die Ortsverwaltung. Steinbildhauer! Montag, den 88. März, abends 8'/, Uhr. im Gewerkfchaftshause, Engel-Ufer 15, Saal 3: Branchen-Hbcnd. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Welche Gefahren drohen nnsrer Branche? 3. Verschiedenes. Das Erscheinen sämtl. Steinbildhauer erwartet Der Borstand. Die Versammlung beginnt pünktlich um'/,9 Uhr. 20/0 Centraiverband der Maurer. Zweigverein Berlin. Sektion Putzer. Mittwoch, den 30. März, abends präcise 7 Uhr. im großen Saale des Gewerkschaftshanses, Engel-Ufer 15 s Husscrord. Generalversammlung Tages-Ordnung: 1.„Das Reich der Gewerkschaften und feine Grenzen". Reserent: Reichstags-Abgcordnetcr Ed. Bernstein. 2. Wahl des Zweigvcrcins-Vorstandes. 3. Verschiedenes. Es ist Ehrenpflicht aller Mitglieder, pünktlich tn dieser Bersammlung zu erscheinen."VS Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt. Ble örtliche Verwaltnng. 137/14 I. A.: tt. Ncumann. e. G. m. b. H. Dienstag, den 5. April 1994, abends 8 Uhr: Außerordciitlilhe Griicrlil- ricrsiliiflülililg in Bteiflners Saal, Adlershof, am Bahnhos. Tages-Ordnung: 1. Antrag Neyen und Genossen aus Errichtung einer Verkaufsstelle in Grünau. 2. Statutenänderungen betreffend Erweiterung unsrcs Geschäjtsbctriebes tzs 1, 19 und 35. 3. Wahl von drei Aussichtsratsnntglicdcni. 4. Anderweitige Festsetzung der Entschädigungen sür den Aussichisrat. � � Mitgliedsbuch oder Legitimationskarte legitimiert. Der Vorstand. 106/20 Hermann Hildobrandt. Wilhelm Kohl. August Siiske. Verein deutscher Schuhmacher. Montag, den 28. März 1904, abends S'/a Uhr: Scborsarbcitcr'Vcrlarorolung in den Industrie Sälcn(großer Saal) Beuthstraße 19/20. Tages-Ordnung: 1. Bericht und endgültige Bcschluflfaffung über den der- einbarteu Tarifvertrag. 2. Bericht vom Heimarbeiterschuh- Kongreß. 3. Verschiedenes. 169/14 Die Ortsverwaltnng. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Charlottenbnrg.) Montag, den 88. März, abends 81/. Uhr: Mitglieder Persammlung im Bolkshaus, Rosinenstraste 3. Tages-Ordnung: 1. Situationsbericht. 2. Gewerkschaftliches und Verschiedene?. •— Zahlreiches Erscheinen ist notwendig. 81/6 Die Ortsverwaltnng. Neu eröffnet. ice Möbel auf bequeme Zabtweise Möbel-Special-Haus IM" auf Teilzahlung."WU Robert Herrmann& Co. I. Etage. 67 PotSdaDierStr. 67,1. Etage. zweites Haus von der Winterfeldt-Strasse. Gegen bequeme Zahlweise verkaufen wir an jedermann Einrlchtnnsen ohne Unterschied des Ranges sowie einzelne stttcke. Es befinden sich am Lager: Abt. I. 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Kasse der Schuhmacher n. Bcrnfsgenossen Berlins (E. H.-K. Nr. 87). Montag, den 11. April 1994, abends 8 Uhr: lZelleral-VerskimmImtN bei Fenersteln, Alte Jakobstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Viertel« jährlicher Kassenbericht. 2. Abände- rung des ß 10 Abs. d des Statuts. 3. Antrag Ege aus Abänderung der KZ 3. 5, 8, 10, 10 Ziff. e. 19, 20, 26 Abs. 5 des Statuts. 4. Innere Kassenangelegcnheiten. 2960b Quittungsbuch legitimiert. Der Vorstand. Orts- Krankenkasse der Schuhmacher. Montag, den 28. März, abends 8>/, Uhr, im Lokale Landsberger- straße 31(kl. Saal): s2984b KeitepalvePüaWiutigdepVoptpev. Tagesordnung: i. Abnahme der Jahresrechnung pro 1903. 2. Nachträgliche Genehmigung einer von der Aussichtsbchörde an- geordneten Statutenänderung. 3. Per- schiedene Kassenangelegenheiten. Vertreter-Karte legitimiert. Der Vorstand. I. A.: Fr. Weber, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse der Glirtler. ßehanntmaebung. Von Dienstag, den 29. März er., befindet sich das Kassenlokal Wasserthorstr. lO/ll v. I. Am Montag, den 28. März er., wird das Kassenlokäl um 11 Uhr geschlossen. Berlin, den 27. März 1901. 2b Der Vorstand. Eandparzellen(Baustellen), Vorortverkehr, Bahnhof bequem gelegen, landschaftlich hervorragende Gegend, Angelgelegen- heit, steigende Grundpreise in schnell autblühender Kolonie, in jeder Preislage und Grösse zu verk. Solv. Käufern gewähre zwecks Bau auskömml. Hypoth. Offerten unter M. Z. 1435 post- lagernd Postamt W. 15, Uhlandstrasse. Preise• beliebige Teil« -mklkuna. Olga Jacobson, Ä'Ä Zig-KGi. Partei- Speditionen: Berlin zweiter Wahlkreis; Hermann Werner, Mittenwalder» straße 30, v. Part.— Dritter Wahlkreis: S t. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts pari.— Vierter Wahlkreis Q.: Robert W e n g e I s, Gr. Franlsurterstr. 133, Hos Part.— l8D.: Paul Böhm, Laufitzerplatz 14/15 (Laden).— Siechster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. im Laden.— Wedding und Oranienburger Vorstadt; Emil Stoltzenburg, Wicsenstr. 41/42.— Bosen- thaler Vorstadt, Gesnndbrnnnen, Reinickendorf(Ost und West), Wllhelmsrnh und Schönholz: Hermann Raschle, Rügcnerstr. 21, vorn Part, links.— Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Alt- Glienicke: W. P r i e s, Rudowerstr. 68.— Charlottenbnrg: Gustav Schernberg, Sesenheimerstr. 1, Ecke Goethestraße, vorn I.— Bentseh-Wllmers» dorf: W. Nickel, Uhlandstr. 108, Part.— Erledrlchsherg» Friedrichsfelde• Wilhelmsherg- Hohenschönhausen: Otto©eitel, O. 112, Kronprinzenstraße 50, 1.— Grünau; E. Pseil, Königstraße 1.— Bixdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerv straße 7, im Laden.— Sehöneherg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. öl, im Laden.— Ober- Schöneweide: Otto M ü n z e r, Ohmstraße la, 2 Treppen.— Wieder- Schöneweide; Bonalowsky, Berlinerstr. 8.— Johannisthal: Paul Mann, Bismarckstt. 7.— Adlershof: Paul Schmidt, Bismarckstraße 7 fll.— Königs-Wasterhansen: H. Dietze, Schuhmacher.— Köpenick: Friedrich W o i ck, Grünstr. 29.— Frledennn-Steglltz: H. Bernsee, Schloßstr. 115, Gartenhaus 1, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. M o h r, Düppelstr. 8, und Fr. S ch e 1 l h a s e, Ahornstr. 15 a.— Baumschnlcn- weg: Stock, Ernststr. 2,11.— Treptow: R. Voigt, Elsenstr. 37, vorn III l.— Wen-Welssensee: W. Reste, Gäblerstr. 46, Part. — Bnmmelsbnrg: Forgbert, Prinz Albertstr. 5 a.— Tegel, Borsigwalde, Balldorf und Waldniannslnst: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubartstr. 43.— Pankow: K. Kümmert, Florastr. 43. Außerdem ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wiffenschastlichen Werke dort zu haben. 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Die Versammlung— von 77 Arbeitgebervertretern und 267 Arbeit- nehmervertretern besucht— nahm eine Vertrauensresolution für den Vorstand— gegen vier Arbeitgeberstimmen— an. In der Reso- lution wurde der Vorstand aufgefordert, die maßlosen Forderungen der Aerzte mit derselben Energie wie bisher zu bekämpfen. Weiter wendet sich die Resolution gegen die tendenziösen Angriffe der bürgerlichen Blätter(„Leipziger Neuesten Nachrichten" zc.) und gegen die Unter- stellung, daß parteipolitische Einflüsse im Vorstande der Orts- Krankenkasse vorhanden sind. Es wurden schließlich alle ausscheiden- den Vorstandsmitglieder— auch Herr Apotheker Dr. Steinmetz von den Arbeitgeber-Bcisitzern— e i n st i m m i g wiedergewählt. Der Vorsitzende Dr. Willmar Schwabe teilte noch mit, daß für ausreichende ärztliche Behandlung der Mitglieder gesorgt sei. Der Lorstand habe sich genötigt gesehen, in 36 Fällen den Schutz des Gerichts gegen die Beleidigungen durch die Aerzte in Anspruch zu nehmen. Um in allen Fällen gesichert zu sein, sind für den 13. und 22. April außerordentliche Generalversammlungen anberaumt worden, damit, wenn die Familienunterstiitzung doch einstweilen aufgehoben werden müßte, alles glatt von statten gehe. Die Vertreter der Presse waren von der Teilnahme an der Versammlung aus- geschlossen. In den„Leipziger Neuesten Nachrichten" veröffentlicht Dr. Deppe aus Dresden einen Brief, den er an den Leipziger Kreishauptmann v. Ehrenstein gerichtet hat. Darin heißt es: Euer Hochwohlgeboren I beehre ich mich, einen Artikel crgebenst zu überreichen. der nachzuweisen sucht, daß der Kamps gegen die Aerzte beginnt, sich zu einer socialistischen Partcisache auszuwachsen. Auch in Leipzig scheut sich ja neuerdings die OrtSIasse nicht, die bewährte socialdemokratische Organisation ihrem momentanen Zwecke dienstbar zu machen. Der königlich sächsische Kommerzicn- rat Dr. Schwabe und der socialistische Abgeordnete Fräßdorf Ann in Arm im Kampfe gegen die Leipziger Aerzte— welch prächtiges Bild. Als ein weiterer Beweis dieser Thatsache mögen Ew. Hoch- wohlgeboren Auffätze aus der„Deutschen Krankenkassen-Zeitung" dienen, die ich mir erlaube beizufügen mit der ergebenen Bitte um gütige Rücksendung im beiliegenden Couvert. Diese beiden, in der antiärztlichcn Kassenbewegung voranstehenden Herren geben also die Losung aus: Knebelung des Aerztcstandes durch die socialdcmokratischen Vorstände der.Krankenkasse mittels langfristiger Verträge und langer Mndigungsfristeu! Und noch immer merken die staatstteu gesinnten Arbeitgeber im Kassenvorstande nicht, daß sie am Karren der Socialdemokratie mitziehen zum Schaden des Staates I Die Harmlosen! Und noch immer merken auch unsre Kommilitonen von der juristischen Fakultät es nicht, daß der Aerztestand der erste Stand ist und sein soll, der dem Anstürme der Socialdemokratie zum Opfer fallen soll, und daß der Juristenstand u. a. bald nachfolgen werden und müssen! Und noch immer merkt die Regierung es nicht, daß wir jetzt einen Verzweiflungskampf kämpfen gegen die Social- demokratie nicht für uns allein, sondern auch für die Gesellschaft und den Staat! und daß es einfachstes Gebot der Selbsterhaltung für den Staat ist, den Aerztestand nicht preiszugeben I In Solingen wird nach Kölnischem Muster gearbeitet. Von den sechs beamteten Aerzten haben drei unter Vertragsbruch ihre Thätigkeit für die Ortskasse eingestellt. Darauf ist folgende Bc- kanntmachung ergangen: Die Kassenärzte Grabowski, Dr. v. Krencki und Dr. Stawitz haben heute der Auffichtsbehörde angezeigt, daß sie ihre Thätig- keit bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse von heute ab eingestellt haben. Den drei Aerzten ist mitgeteilt, daß sie ohne Recht ihre Stellung niedergelegt und für jeden Schaden, der der Kasse ent- standen ist oder noch entstehen wird, aufzukommen haben. Damit den Mitgliedern der Kasse und den Familienangehörigen derselben die notwendige ärztliche Behandlung gesichert ist, habe ich den Aerzteverein gebeten, bis zur Regelung der schwebenden Streitfrage die ärztliche Behandlung gegen Zahlung der Einzel- leistung zu übernehmen. Nachdem die sofort berufenen Vertreter der Solinger Aerzteschaft erklärt haben, daß sie nur unter der Bedingung bereit seien, die ärztliche Behandlung der Äassenmitglieder und der Familienangehörigen der- selben sofort zu übernehmen, wenn die noch vorhandenen drei be- amteten Aerzte bis zu der sofort einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung von ihren Obliegenheiten suspendiert würden, so hat die Aufsichtsliehördc die drei noch vorhandenen beamteten Aerzte vo» ihren Verpflichtungen der Kasse gegenüber bis zu der auf Sonnabend, de» 26. d. M. einberufenen Gcncralversamm- lung suspendiert." Solingen, den 24. März 1904. Die Auffichtsbehörde: Dicke, Oberbürgermeister. Das heißt also, die Aufsichtsbehörde handelt genau so wie die drei vertragsbrüchig gewordenen Aerzte; sie schließt ohne Recht Aerzte von der Kassenpraxis aus, die zur Ausübung der Kassenpraxis vertragsmäßig berechttgt sind. Und ebenso wie in Köln ist die Ein- leitung zur Einführung der angeblich im Interesse der Versicherten geforderten sogenannten freien Arztlvahl der Ausschluß von Aerzten aus der Kassenpraxis, die sich nichts haben zu Schulden kommen lassen. Das Verfahren wird noch besonders be- leuchtet durch die Mitteilung der„Bergischen Arbeiter- stimme", daß fünf Angebote von praktischen Aerzten auf dem Bureau der Kasse lagen, unter den bisherigen Bedingungen für die Kasse zu praktizieren. Man hätte also nur diese Augebote anzu- nehmen brauchen, um den Versicherten die nötige ärztliche Hilfe zu verschaffen. Die drei Zurückgetretenen begründen ihre Handlungsweise da- mit, daß die vorhandenen sechs Aerzte die Praxis nicht hätten be- wältigen können, daß sie vielmehr stark überlastet waren. Demgegen- über wird in der„Bcrgischen Arbeiterstimme" ausgeführt, daß die Herren dem Kassenvorstande bisher stets das Gegenteil versichert haben; im andern Falle wäre dieser sofort bereit gewesen, mehr Aerzte anzustellen. Der Oberbürgermeister hat die Kassenvertreter für Sonnabend, den 26. März, zu einer außerordentlichen Generalversammlung be- rufen, in der sie über die Regelung der Aerzte- Angelegenheit beraten und beschließen sollen. Hoffentlich überläßt es die Generalversammlung der Aufsichtsbehörde, die Suppe, die sie eingebrockt hat, selber auszuesscn._ Wohnort und Arbeitsort. In Heft 1 des Jahrganges 1904 der„Zeitschrist des Königlich Preußischen Statistischen Bureaus" veröffentlicht Dr. Max B r o e s i k e eine interessante, auf amtlichen Zählungen beruhende Untersuchung über die Verschiedenheit von Wohnort und Arbeitsort in den deutschen Großstädten und einigen Jndusttiebezirken. Die Untersuchungen sind besonders ausführlich für Berlin dargestellt. Danach wohnten von den in Berlin Arbeitenden 70 192 männliche und 14 600 weibliche außerhalb Berlins und zwar in 95 Gemeinden der Kreise Nieder- barnim, Teltow, Oberbarnim. Osthavclland einschließlich der Städte Charlottenburg, Schöneberg, Rixdorf, Potsdam und Spandau. Dagegen arbeiteten 13 492 und 1386 Berliner Einwohner in 21 Gemeinden der Umgebung Berlins. In Charlotten bürg arbeiteten 7394 männliche und 967 weibliche Personen, die in 40 Orten der Umgebung lwohnten. Von Charlottenburger Einwohnern arbeiteten 14 473 männliche und 3014 weibliche in 20 andren Gemeinden der Umgebung. Am stärksten ist dieser Austausch natürlich zwischen Berlin und Charlottcnburg. Es arbeiteten nämlich in Berlin 13 472 männliche und 2880 weibliche Einwohner Charlottenburgs und in Charlottenburg 5616 inäiiiiliche und 678 weibliche Einwohner Berlins. Danack gaben die größte Anzahl Einwohirer an Berliner Arbeitsstätten ai Rixdorf mit 12 270 männlichen und 2769 weiblichen und Schöneberg mit 11 634 männlichen und 2501 lveiblichen. Zwischen Charlottcnburg einerseits und Schöiieberg und Rixdorf andrerseits ist der Austausch nur gering. Charlottenburger Ein- wohner arbeiteten in Schöneberg nur 348 und in Rixdorf gar nur 40. während 687 Schöncberger und 161 Rixdorfer in Charlottenburg arbeiteten. Die Zahlen beziehen sich auf den 1. Dezember 1900. Arbeiter-Samariterkolonne. Morgen Montag, Uebungssiundc in der Centrale, Dresdenerstr. 45. Vortrag über Kranken« pflege. Gäste willkommen. Neue Teilnehmer können in den Uebungsstunden der Kolonne eintreten. Eintrittsgeld sowie Monatsbeittag 25 Ps. Die Bibliothek steht den Teilnehmern zur Verfügung. Allgemeine Familien-Sterbckassc. Heute Zahltag: Ackersttaßt 123 bei Dicke und Manannenstr. 48 bei Liehehenjchel von 3—6 Uhr. WittcruiigSübersicht vom 26. Marz lSv4. morgens 8 Ilhr. Stationen Swinemde. erlin Franks.a.M München Wien W-U-r e-iss s- f« öt 5 heiter 3Dunst 3heitcr l wolkenl 4 halb bd 2, bedeckt Stationen 69— L 3 i s taporonda 775 SB «tersburg 782,0 Cork—— Aberdeen—1— Paris 763NN0 Wetter 2 wolkenl IWunst wolkenl »ts f* -8 —8 Wetter-Prognose für Sonntag, den 27. März 1904. Trocken und am Tage warm bei ziemlich lebhasten südöstlichen Winden und langsam zunehmender Bewölkung. ßmffcartcn der Redaktion. C. F. Nach der Lmtdgemcinde. Ordnung dürfen Vater und So„n mcht gleichzeitig der Gemeindevertretung angehören; aus Schwäger usw. gilt diese Bestimmung nicht. 83000 Preisverzeichnisse liegen heute der Gesamt- Auflage des„Vorwärts" hei. 3 ♦ C Heute Sonntag, den 27. März sind unsre 3 Kaufhäuser 6 Uhr SaerSohn Fabrikation und Mass-Anfertigung guter Herren- und Knaben-Kleidung. Chausseestr. 24a/25. II. Brückenstr. II. Frankfurtersfr. 20. Max Kaplan Triedrich' Strasse t am 3eUe-jUliawee-yiate. Gegründet 1876. 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Raub der Sabinerinnen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Frühlingslust. Blüten- Hochzeit. Spccialitäten. Nachm. 3 Uhr: FrühlingSluft. Specialitäten. Montag: Frühlingslust. Blüten- Hochzeit, specialitäten. Anfang 8 Uhr: Schiller O. In beiden Vorstellungen: Die Löwenherde des Herrn Jal. Seeth. FrCres Shremka. X Frl. Nora Selmmann, Schulreiterin. Cake Walk zu Pferde von Geschwister Meers. Abends: Babel. Große Ausstattuiigspantouiiine in 11 Abteilungen. IJrsmN. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Das Land Tirol. Montag 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Um 4 Uhr(kleine Preise): Von der Zugspitze zum Watzmann. Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Die Grundlagen des photographischen Prozesses. Sternwarte"w. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Afrika in Berlin!!! T unesen=T ruppe. Crosse V ülherschan. Die schönen Harems- Damen In Tonis. Serliner Hpariura Unter den Linden 68a Eingang Schadow- Strasse No. 14. 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Morgen Montag: Benefiz für Lina und Karl Möller: Pecbschulze. Stadt-Theater Moabit All-Moabit 47/49. Sonntag, den 27. März: Beriaril Rose-Theater-Ensemiile. Maria Magdalena. Ein bürgerliches Trauerspiel in drei Auszügen von Friedrich Hebbel. Ansang 6 U h r. NB. Während der Karwoche fallen die Vorstellungen aus. Sonntag, den 3. April er.: Die Haubenlerche. I. Direktion: Robert Dill. Brunne iiKtrasse 16. Letzte Vorstellung vor Ostern: Der Ztadstrompeter. Anfang llU Uhr. Entree 30 Pf. Wiedereröffnung: Am ersten Osterfeiertag. Palast- Theater Burgstrafte 22, früher Feen-Palast. Nachmittags 3 Sy Halbe Kassenpreise. HU Ultimo. Lustspiel in 5 Akten von G. 0. Moser. AbendS 8 Uhr: Zsnkteufeleken. Operette v. Linderer. Musik v. Kolle. Abends 9 Uhr: Phänomenale Specialitäten. Abends 10 Uhr: Der �uckeboW. Vom 28. März bis 2. April geschloffen. Sonntag, den 3. April er.: Zwei grofte Vorstellungen. IjSteidl-yÄJtieater ® Linien- Onanien- Strasse 132 burger Thor. Setzte? Sonntag! Mittwoch, den 30. März: Abschied ]&ei-„Frltz Steldl-Sänger" von Berlin. Letzte Vorstellungen. Yvette Guilbert Paulton u. Doley KomischeRadfahrer Kamovnls-GeisterTanz-Divortissem. Imro Fox Zauberkünstler. Leo Billward Komischer Jongleur. Madeleine Noce Sängerin. Prosper-Truppe Akrobaten. Costantino Bernardi Verwandlungsschauspieler. Lony Elastisch-equilibr. Akt The Seldoms Plast. Darstellungen. Biograph._ Sanssouci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Heute, Sonntag, 27. März: Extra- Vorstellung. Das bemooste Haupt Schauspiel in 4 Akten von Rodrich Benedir. Montag, den 28. März: lloflinnnnM Norddeutsche Sänger Dienstag, den 29. März, (letzte Vorstell, vor Ostern): Da» bemooste Haupt. FröbelsÄllerlei-lheatef früher Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Dienstag: frrburger Sänger Nach der Vorstellung: Frei Tanz. Ans. 8'/« Uhr. Eintritt 30Pf. VorzugSkarten sind gültig. Ilrania. Wrangclstrassc 10/11. Jeden Tountag: Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. 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Der Kamps der BalsfierS.— Die PrcISkonstellation.— Die weitere Marli- geftaliung.— Die Möglichkeit eines neuen Corners.— Morallchren der kapitalistischen Presse.— Glossen der.Deutschen Tageszeitung'.— Die Spekulation als Grundlage des kapitalistischen WirtschastssysteinS. Das Ereignis der letzten Woche ist der Zusammenbruch deS Sulllsschen Baumwoll-CorncrS. lieber sechs Monate hat der.große Dan" den amerikanischen Baumwollmarkt beherrscht; nun hat er doch das Spiel aufgeben müssen, weil ihm die Mittel allzu schnell aus- gingen und seine Verlegenheit von den koalierten Gegnern geschickt zu einem Flankenangriff ausgenutzt wurde. Mit großen Angeboten in effektiver Ware rückten am Freitag voriger Woche seine Gegner vom New Orleanser Markt vor, unterstützt von den großen Spinnern, die in Ausnützung der hohen Preislage wieder mal einen Teil ihrer Vorräte auf den Markt warfen: eine Lage, die von der Baisse sofort begriffen und zur Formierung eines neueu Ansturmes benutzt ivurde. Aber die Haussckadres hielten stand; um 11 Uhr waren die Preise um noch nicht 40 Points sungefähr 2 Pfennig pro Pfund Baumivollc) gewichen, und prahlend er- klärte schon Sully den Angriff für abgeschlagen. Dann aber mar die Widerstandsfähigkeit der sogenannten Mitläufer(das heißt jener Spekulanten, die ohne zum Haussesyndikat zu gehören, doch für gewöhnlich dessen Operationen sich anschließen und dadurch diese unterstützen) erschöpft. Aengstlich geworden, suchte esn Teil seine Positionen zu lösen, und, nachdem einmal die Reiheil zu Ivanken begonnen hatten, rissen die Fliehenden auch die mit. die bis- her noch halb widerstanden hatten. Sully erklärte seine Zahlungs- cinstellung; und nun fiel in schnellen Sprüngen der Preis für Mai- licferung un, 190 Points(8'/« Pfennig pro Pfund), für Julilieferung hin 180 Points. Nach den die Stimmung der Baiffe wiedergebenden Telegrammen: ein glänzender Sieg. Thaffächlich nur eine halbe Zufalls- e n t f ch e i d u n g. Stellten sich auch am Sonnabend, bei, 19. d. M., die Preise für Loco-Ware nur auf 14,50, pro März auf 13,52 und pro Oktober auf 11,75 Cents, so sind doch diese Preise, wie die nach- stehende Zusammenstellung zeigt, immerhin die höchsten, die seit langen Jahren im März für Rohbaumwolle an der New Dorker Börse notiert worden sind. 19. März Loco März Oktober (Cents) 1904.. 14,50 13,52 11,75 1903.. lO'/z 9.99 8,34 1902.. O'/g 8,96 8.11 1901..— 8,04 7,37 1900..— 9,39 7,98 1899..— 5.85 5,91 1898..— 5,90 5,99 Allerdings stand vor Jahrzehnten der Preis der Bauinwolle in der Union oft noch viel höher, besonders zur Zeit des amerika» nischen Bürgerkrieges, in dessen Verlauf er sogar einmal 190 Cents erreichte, d. h. in Papiergeld- Notierung: ein Kurs, der, in Gold- Währung umgerechnet, ungefähr einem heutigen Preise von 90 CentS entsprechen würde. Damals erfüllte sich die Drohung mit der Baumwollnot, die M r. W. L. D a n c e y von Alabama zu Beginn des Krieges gegen die industriellen Nordstaaten ausgespielt hatte: „Wa will show vou, that Cotton is King", mit andern Worten: „Ihr werdet nachgeben müssen, denn Eure Industrie kann unsre Baumwolle nicht entbehren". Doch jene Zeit liegt weit zurück, und seitdem hatte man sich gewöhnt, an den Börsen von New Orleans und New York Preise für normal zu halten, die nur die halbe Höhe der jetzigen Notierungen erreichten. Und seit vorigem Sonnabend sind die Preise bereits wieder ge- stiegen. Am Montag notterte zum Beispiel Märzlieferung 13,87, Mailieferung schon wieder 14,16 Cents, gestern 14,58 bezw. 14,78 Cents. Teils erklärt sich diese schnelle Reprise daraus, daß die Engagements SullyS sich als niedriger herausgestellt haben, als man am Freitag annahm. Damals schätzte man sie auf nahezu 400 000 Ballen, heute spricht man nur noch von 200 000 bis 300 000 Ballen, und seine Vorräte an effekttver Ware, d. h. die wirklich in seinem Besitz befindlichen Mengen, werden gar nur auf 20000 Ballen eingeschätzt. Außerdem aber suchen die Großhändler und Exporteure, die kürzlich größere Vorräte an sich gebracht haben, den Preis zu halten, um nicht bei ihren Weiterverkäufen Verluste zu erleiden; und als drittes preishaltendes Moment kommt in Betracht, daß in den letzten Tagen vielfach die Blanko-Verkäufer(d. h. die Verkäufer von Baumwolle, die sie gar nicht besitzen) bedeutende Deckungökäufe vorgenommen haben, da sie befürchten, daß wenn die erwähnten Großhändler in einiger Zeit sich vom Markte zurückziehen sollten, weitere Kursrückgänge eintreten könnten. �Vorerst��eS�al�aun�u�rößer�ZreiSvcrschiebu� rechnen. Wie sich dann aber weiter die Verhältnisse deS amerika- nischen ValimwollmarkteS gestalten werden, läßt sich bei der_ Unzulänglichkeit der telegraphischen Meldungen schwer vor- aussagen. Von Bedeutung wird sein, wie weit eS gelingt, die in den Händen des HaussekonsortiumS befindliche, sogenannte greifbare Ware dem Markte zuzuführen und dort zu verwerten. Vor allem kommt jedoch in Betracht, welche Warenmengen noch im Jiilande stecken, und wieweit die amerikanische und europäische Spinnerei ihren Bedarf bisher gedeckt hat. Es erscheint nicht un- möglich, daß ein Teil der Pflanzer in Erwartung weiterer Preis- steigcrungcn noch einzelne beträchtliche Ouantitäten vom Markte zurückgehalten hat, zumal sie bei den bislang von ihnen ab- geschlossenen Verkäufen durchweg gute Gewinne erzielt haben und deshalb sich betreffs deS Restes ihrer Ernte auf das Abwarten der- legen konnten. Allerdings so groß, daß durch diese neuen Zufuhren ein starker PreiSdruck erfolgen könnte, dürften diese versteckten Vor- räte kaum sein. Jedenfalls übertreffen sie die sicherlich bald wieder stärker hervortretende Nachfrage der Spinnerei nicht, so daß, falls thatsächlich in nächster Zeit der Preis für amerikanische Baumwolle fällt, er voraussichtlich alsbald wieder an der einsetzenden Nachfrage einen Halt findet. Haben diese sogenannten versteckten Vorräte aber nicht die Bedeuttliig, die ihnen von einem Teile des amerikanischen BaumwollhaudelS beigemessen wird, dann ist sehr leicht möglich, daß schon bald ein neues Hausse- treiben beginnt, wenn nicht unter Sullys Führung, dann unter der seiner früheren Konsorten Broivn und Hahne oder irgend eines andren New Dorker Großspekulanteu. den die Aussicht auf Milliouengcwinne lockt. Die Geschichte der amerikanischen Baum- wollspckulation während der letzten Jahre liefert dafür mehrfache Belege, wie ein Corner den andren ablöst. Als im Januar vorigen Jahres Th. H. Price mit seinem Corner scheiterte, da er die erforderlichen Mittel zum Aufkauf der sich häufenden Ankunftsmassen nicht aufzutreiben vermochte, hieß es in der Presse, Price hätte Verluste erlitten, die ans lange Zeit das amerikanische Spekulantentum von ähnlichen Versuchen ab- schrecken würde. Doch wenige Wochen darauf nahm schon Daniel Sully, der bis vor Kurzem noch als Einkäufer einer Firma in New England stingiert, dann aber durch einige ge- glückte Spekulationen an der New Dorker Fondsbörse sich ein Ver- mögen erworben hatte, das Spiel wieder auf, und als er sich dann im Mai mit seinen Konsorten vom Kampfplatz zurückzog, geschah es mit einem Profit, der nach den niedrigsten Schätzungen' sich auf 5 Millionen, nach andren auf 6 bis 7 Millionen Dollar belief. Und kaum hatte er die Spiel-Arena verlassen, da stellte sich schon als neuer Haussefaiseur Mr. W. P. Brown vor, der im August mit einem noch weit ansehnlicheren„Verdienst" seine segensreiche Thätig- keit schloß. Dieser Triumph ließ Sully nicht schlafen; bereits einen Monat später finden wir ihn von neuem an der Arbeit zur Vorbereitung eines Corners. Und er hatte Erfolg. Milte Oktober 1903 notierte in New Dork Middling loko nur erst circa 9'/« Cents pro Pfund; am 1. Februar 1904 17V< Cents. Doch am 2. Februar trat ein Rückschlag ein, die Hausseclique vermochte die neuen Augebote nicht glatt aufzunehmen. Sully lieh verkünden, er müsse aus einige Wochen verreisen; und bald darauf hieß es, seine Mittel reichten nicht und er habe deshalb unter der Hand bereits mit mehreren der großen BaissierS für seine Positionen Arrange« mentö getroffen. Die Baumwollpreise wichen, tiefer und tiefer, und jubelnd verkündete die kapitalistische Presse:„Sullys Schicksal hat sicherfüllt: wieder mal hat sich gezeigt, daßkeine Spekulation sich dauernd über die Marktlage hin- wegsetzen kann. Schon damals schrieben wir im„Wochenbericht"(vom 7. Februar): „So sehr ein solcher Reinfall den Brown und Konsorten zu wünschen wäre, so gering sind dafür die Aussichten. Selbst wenn Sully vorläufig für besser befinden sollte, seine allzu umfangreichen Engagements einzuschränken, bleibet, noch immer die Brown und Hayne mit ihrer Gefolgschaft als starke Fechter in der Arena; und die Um- stände unter denen ersterer im Vorjahre seine PreiStreibungscampagne durchführte, waren mehrmals, besonders als im Jnli Mac Fadden gegen ihn mit großen Reserven vorrückte, weit ungünsttger als jetzt." Allerdings zunächst fielen noch die Preise, bis zum 16. Februar, aber dann ging eS wieder aufwärts und gut drei Wochen später hatte Loko-Ware schon eine Repriseum3 Cents, März- lieferungen um 4 Cents zu verzeichnen. Sully trumphierte von neuem. Run ist die Hausse abermals in sich zusammengebrochen, dieö- mal noch etwas gründlicher— und wieder erschallt in der kapita- listischen Presse der Ruf:„Sully ist von der rächenden Nemesis ereilt; sein Sturz bedeutet eine Reinigung des amerika- nischen Marktes von der Ueberspekulation. Wieder bewahrheitet sich die alte wirtschaftliche Lehre, daß alle Spekulattoiien, die nicht in den Marktverhältnisicn begründet sind, am schwersten ihreeigcneiiUchebcrtttffei������������������� Verlegenes Geschwätz I Wie wir oben sahen, hat die früheren Corner der Sully, Brown, Hayne usw. keineswegs die rächende Nemesis ereilt; sie haben im Gegenteil mit recht schönen' „Verdienstcn" und„Eiitbehrungslöhncn" für die Entrepreneure ge- schlössen. Der Ruf entspringt lediglich der moralischen Verlegenheit dieser Presse und ist nichts als ein Pendant zu der Behauptung der kapitalistischen Volkswirtschaftslehre, daß aus der Planlosigkeit der heutigen Wirtschaftsweise, aus der verrücktesten Unordnnng sich im Zusammen- und Gegeneinanderwirken die schönste wirtschaftliche Harmonie crgiebt. Die Haussespekulationen der Sully und Brown haben zweifellos die gesamte internationale Baumwollindustrie während der letzten Jahre schwer geschädigt, und doch bietet das heuttge Wirtschaftssystem, das selbst in allen seinen Teilen ans spekulativen Grnndlaaen beruht, kein Mittel, diesen schädlichen Machi- Nationen zu wehren, so muß denn die weise Lehre aushelfen, daß sie sich an sich selbst rächen und schließlich die am schwersten Ge- schädigten ihre eignen Urheber sind— selbst wenn diesen nach ihren sogenannten Arrangements immer noch neben prachtigen Villen drei, vier oder fünf Millionen Dollar übrig bleiben. ES hat eine gewisse Berechtigung, wenn dieser Tage daS In-. telligenzblatt der Landbündler, die„ D e u t s ch e T a g e S z e i t u n g". die Artikel der deutschen Handelspresse über den Zusammenbruch des Sullhschcu Corners mit folgenden satirischen Glossen abfertigte: „Und was folgert die deutsche Börsenpresse aus diesen Vor« gängen? Sie frohlockt:„W i e d e r um hat sich bestätigt, was wir stets gesagt haben, daß auch die stärkste Spekulation a u f die Dauer den natürlichen Thatsachen der Marktlage nicht zu widerstehen vermag, sondem dem selbstverschuldeten Zusammenbruch anheimfallen muß." DaS ist der ganze Trost I ES genügt ihr vollkommen, daß Herr Sully endlich den Hals gebrochen hat und daß nun Stuhlbeine und zerristenc Kleider den Boden der Terminbörse zieren. DaS wirtschaftliche Elend, das zwei Jahre lang über Hunderttausende von Arbeitern gebracht wurde, ist nicht der Rede wert. Denn spräche man davon, dann wäre ja die Folgernng nicht mehr nachzuweisen, daß diese ganze Geschäftssorm, die eine solche Terrorisierung des Marktes überhaupt erst ermöglicht. endlich wirksam unterdrückt werde» müsse. Diese im Baumwollmarkt jetzt gewesene zweijährige Schreckensherrschaft der Sully und Konsorten ist nur durch den Börsen-Ternunhandel möglich gewesen; nur dieser Handel er- möglicht eS, aus jedem Ballen Vorrat zehn oder hundert Ballen „Angebot zu machen und aus jedem Ballen Verbrauch zehn oder hundert Ballen„Nachfrage" zu drechseln. Hätte, wie wir eS. von einer verständigen Börsenreform verlangen, in diesen letzten zwei Jahren jeder Verkäufer von Baumwolle am Verfalltage na chiv eisen müssen, daß er das Verkaufte wirklich- besaß oder angeschafft und geliefert hat, und jeder Käufer, daß er das Gekaufte abgenommen hat:- dann wäre der Baumwollpreis in diesen zwei Jahren zweifellos fortgesetzt auf dem soliden mittleren Stande von 10—11 Cents beseitigt geblieben, denn, wie sich jetzt ergiebt, ist in diesen zwei Jahren sowohl die amerikanische Ernte, wie die gesamte Baumwoll- ernte der Welt eine völlig normale und dem regulären Verbrauch durchaus entsprechende gewesen." Inkonsequent ist allerdings, wie fast immer, auch diesmal das Organ der Oertelschcn Intelligenz. Es will das Spiel aus einem Wirtschaftssystem entfernen, das, wie schon oben gesagt, die Spekulation zur Voraussetzung hat. das in allen seinen Teilen auf. der Rechnung mit unbekannten Größen beruht. Ihm ist weder.der Charatter der heutigen Wirtschaftsweise, noch das von den ameri« kanischen Baumwollspekulanten angewandte Verfahren klar ge» worden; es würde sonst nicht die Beschränkung auf den Zeit- Handel mit effektiver Ware als Gegenmittel gegen die Cornerbildiing empfehlen; ein Mittel, das den Spekulanten die sogenannte Ein- spernmg enorm erleichtern würde, das ihnen die Uebersicht über die Markthallen außerordentlich bequem machte, und sie vor allen jenen Zufälligkeiten schützte, denen, wie jetzt wieder, so auch ftüher die Corner fast allein zum Opfer gefallen sind. Wollte die„Deutsche Tageszeitung" konsequent sein, müßte sie die Forderung stellen, daß die heutige Wirtschaftsweise in ein? socialistische umgewandelt würde. Soweit aber reicht die Konsequenz' des landbündlerischen Organs nicht, ja selbst nicht alle Preis- treibereien sind seinem Gemüt zuwider. Gegen das Hochtreiben der Getreidepreise hat es z. B. durchaus nichts einzuwenden; wenigstens sucht man in seinen Spalten vergebens nach solchen Be» schwerden, bisher schlug eS nur Lärm, wenn durch Fixen die Getreidepreise herabgedrückt wurden. Hätte Mr. Daniel Sully, der ja nicht nur an der New Dorker Baumwoll- börse, sondern auch an der Kaffeebörse und an der Chicagoer Ge« treidebürse im großen spekulierte, auf dem amerikanischen Getreide« markt eine ähnliche künstliche Aufwärtsbewegung der Preise herbei« geführt wie auf dem Baumwollmarkt,. das Oertclsche Blatt würde bewundernd seine Genialität preisen. Tat. Vorzugs-Preise zum Umzug. Teppiche Saalgrösse........ a 90, 65 u. 50 Ii Salongrösse....... a 65, 40 u. 30 M. Vohnzimmergrösse... a 35, 25 u. 20 M. Sofagrösse........ a 14, 10 u. 6 Ii Steppdecken Eicelsior-CIoth....... a 8, 6,50 n. 4 M. Seidenart. Lastlog, doppelseit. a 12, 10 u. 8 Ii Wollatlas-...... a 10, 7, 50 u. 5 Ii Seiden-Atlas u. Serge... a 18, 15 u. 12 M. Länferstofflfe Brüssel u. Tapestry...... 2,60 u. I,80 M. 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Arbciter-Radfahrerbund„Solidarität". Gau 9(Prov. Branden- bürg). Alle Zuschriften und Anfragen, den Bund betreffend, sind zu richten an den Gauvorsitzendcn Karl Fischer, Berlin NW., Waldstr. 8, Sonntag: .Vorwärts" in Eberswalde jeden ersten Sonntag, nachmittags 3 Uhr, Restaurant„Zur Kornblume".—.Blitz" in Zehdcnick jeden ersten Sonn- tag, vormittags 9 Uhr bei Schlegel.—„Frisch aus" in Groß-Bcsten jeden Sonntag vor dem 1. bei Witwe Rodominski.—„Hoffnung" in Beelitz, jeden Sonntag nach dem 1. und 15. bei Krüger.—.Vorwärts" in Biesenthal, jeden Sonntag nach dem 15. bei Jrraang.—„Tempo" in Jeschkendors, nach dem 15. bei Krause.—„Frei Radler" in Kirchhain, jeden zweiten Sonntag im Monat bei Wieldes.—.Schwalbe" in Kl. Schönebeck jeden letzten Sonntag bei Elasen.—.Frisch aus" in Lehnin, vor dem 15. bei Hcrm. Täge.—.Stern" in Markgraspieske jeden ersten Sonntag bei Wwe. Schneider.— Arbcitcr-Radsahrervcrein Teltow, jeden letzten Sonntag bei G. Kupsch.—„Freie Radler" in Vetschau, nach dem 15. in Seidels Hotel. —„Edelweiß" in Wannsee, nach dem 15.— Montag: Radfahrer- Abteilung der Berliner EinkaufS-Genosscnschast jeden Montag nach dein 1. Berlin, Landsberger Allee 89.—„Frisch aus" in Spandau, jeden Montag nach dem 15. Frobcnstr. 12.—„Kette" in Tegel jeden ersten und dritten Montag bei P. Krause.—„Frisch aus" in Kottbus, nach dem 1. und 15. Rathaus- gäßchen 2.—„Vorwärts" in Drossen nach dem 1. und 15. bei K. Leidicke. —„Solidarität" Frankfurt a. O., jeden 1. und 15. im Vorwärts, Breitestraße. Gesang- und gesellige Bereine. Sountag: Vergnügungsklub „Arion", abends 6 Uhr, Arminhallen, Kommandantenstr. 20.— Geselliger Klub„Neptun", abends 6 Uhr, Arminhallcn, Kommandantenstr. 20.— Montag:„Sängcrloge", Große Frankiurterstr. 146.—„Verein der Aquarienfreunde", Pücklcr- und Muskauerstraßen- Ecke.— Gesang- und ges. Verein zur Unterhaltung und Belehrung„Empor",'U 10 Uhr, Pückler- straße 43.— Theater- und Vergnügungs-Vcrcin„Schiller", Paul Lerche, Gleimstr. 63.— Skatllub der.Elenden", Wernau, Schwedterstr. 23/24.— Arbeiter-Zitheroerein„Schöncberg", Obst, Martin Luthcrstr. 51. Bcrein für Gesundheitspflege des Volkes. Moabit. Jeden zweiten Montag bei Karl Fischer, Waldstr. 8. Konsumgenosscuschaftcn Berlins und der Umgegend. Verkauss- stellen: Norden: Swinemündcrstr. 44; Chorinerstr. 46; Buttmannstr. 19; Willdenowstr. 30; Gartenstr. 3.— Moabit: Wiclesstr. 31; Emdencrstr. 45; Havclbergerstr. 6; Rostockcrstr. 21. Schlächterei: Wittstockcrstr. 8.— Nord- osten: Winsjtr. 64.— Osten: Ebclingstr. 14; Krautstr. 7; Liebigstr. 7; Zorndorserstr. 62; Münchcbergerstr. 32.— Osten: Stralauer Allee 20s.— Südosten: Sorauerstr. 10; Pücklcrstr. 31; Falckensteinftr. 6; Forsterstr. 4; Michaelkirchplatz 4. Grünkramgeschästc: Forsterstr. 20; Glogauerstr. 3. Milchgeschäft: Glogauerstr. 27. Bäckereien, Konditoreien, Niederlagen: Liegnitzcrstr. 22; Forsterstr. 20; Admiralstr. 37; Neichenbergcrstr. 158; Görlitzerstr. 68; Glogauerstr. 28; Ratiborstr. 2; Falckensteinftr. 31. Schlächtereien: Glogauerstr. 28; Falckenstcinstr. 18; Liegnitzcrstr. 24! Mantcufselstr. 55; Skalitzerstr. 81; Oppelnerstr. 28.— Süden: Gräsestr. 40; Kottbuser Damm 9. Bäckereien: Gräsestr. 12; Gräsestr. 35. Schlächterei: Gräsestr. 13.— Südwesten: Arndtstr. 5; Hagelsbergerstr. 20.— Schöncberg: Llpostel Paiftusstr. 27; Gothenstr. 1.— Charlottenbm'g: WilmerS» dorserftraße 27; Tauroggenerstr. 10; Potsdamcrstr. 12.— Steglitz: Am Markt 2.— Groß-Lichteifeldc: Dürcrstr. 37.— Tempelhos: Berlinerstr. 76. Britz: Werderstr. 33.— Rixdors: Ziethenstr. 31; Hobrcchtstr. 82; Rosen- str. 4. Bäckereien: Steinmetzstr. 129; Falkstr. 3; Kirchhofstr. 2. Schlächtereis: Kottbuser Damm 96.— Treptow-Baumschnlenweg: Baumschulenstr. 36.— Ober-Schöncwcide: Edisonstr. 4.— Johannisthal: Köpnicker-, Ecke Friedrich- straße.— Rummelsburg: Türrschmidtstr. 6.— Lichtenberg-Friedrichsberg: Mainzerstr. 4; Frantsurtcr Chaussee 48/49.— Neu-Lichtenbera: Wllhelmstr. 9. — Weißensee: Friedrichstr. 12; Langhansstr. 60.— Adlershos: Hackelbergstraße 29.— Alt-Glienicke: Köpnickerstr. 32.— Friedrichshagen: Friedrich- straße 98.— Erkner: Königstraße.— Spandau: Jüdenstr. 9.— Tegel: Schlieperstr. 2.— Zehlendors: Teltowerstr. 1.— Anmeldungen von Mitgliedern werden in jeder VerlnusSslelle entgegengenommen. Arbcitcr-Skatbund Berlins und Umgegend. Zuschriften sind zu Achten an C. Ouenlert, Marsiliusstr. 15 II.„Ich passe", Vogel, Wmngelstr. 78. -Ctr. Marktpreise von Berlin am 25. März 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. " Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindsieisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch. 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Der Betrieb von Walter Fränkel, Waldemarstraße 14 ist für Arbeiter aller Branchen gesperrt.— Zuzug ist streng fernzuhalten. 75/4' Der Vorstand. MHenleer! Holzarbeiter! Gesperrt ist: Hahn«. Meßkow. König-Chaussee 71, und Kraus, Langhanssttatze 22. 80/14' Die Ortsverwaltung. Achtnug! Achtuug! Gesperrt sind die Geschäfte und Bauten folgender Firmen: H. Beermann, Lehrterstt. 48 o. Julius Beermann, Südcnde. W. Stahl, Wollanckstt. 67. C. Jugold, Prmz Eugenstt. 24. A. Krause, Siemcnsstt. 25. A. Schrödter, Gr. Hamburgerftt. 30a. C. Weise ju»., WUmersdors, Prinz. Rcgentenstratze. 285/2' Die Lohnkommission. Uleiler! Die Firma Salomonis,'Alexandrinen- stratze 97, ist für Glasschleifer gesperrt. Zuzug ist streng sernzuhalten. 288/5 vis vrlsverwallung. Achtnug! LiLeMer.