Ur. 76. nbonneitientS'ßedtogunden: WonnementS- Preis pränumerand»: Bierteijähri. 3,30 Ml,, monatl. 1,10 SKt, wSchentlich 28 Pfg, frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post. Wonnement: 1,10 Marl xro Monat. Eingetragen in die Post-Zeilungs- Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Mark, für das übrige Ausland g Mail pro Monat. 31. Jahrg. CrfitKlRt tsglich außer(ilontaat. Derliner VolklsdlAkk. Die TnlerHons'Gcbülir betrügt für die sechsgespaltene Kolonel» zcile oder deren Raum«0 Pfg,, für polltische und gewcrlschaftllche Vereins- und BerfammlungS-Anzeigen 2S Pfg, „Kleine HnieSgen", das erste(fettgedruckte) Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditton ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse! „Sozialdemokrat Reriln". Zcntralorgan der roziatdemohratifeben Partei Deutfchlande. Redahtiom 6 öd. 68. Ldndenstrasse 6g. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. HbODiKtncntS'CinladuDg. TTIit dem 1. flpril 1901 eröffnen wir ein neues Abonnement auf den„Vorwärts" mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden ilnterhaltungsblatt und der Sonntagsbeilage„Die lleue Gleit". Für Berlin nehmen säm'idie Zeltungsspediteure sowie unsre Cxpedition, Cindenstrasse 69, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennig frei ins Raus. Für das übrige Deutschland nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen zum Preise von 1 Mark 10 Pfennig pro Monat (ausschliesslich 19 Pfennig pro Monat Bestellgeld) entgegen.(In der Post'Zeitungsliste lind jetzt die Zeitungen nicht mehr nach Nummern, sondern nach dem Alphabet geordnet.) > Die Einziehung des Zeitungsgeldes von den bisherigen Postabonnenten erfolgt gegen Quittung durch die Briefträger, die zur vollgültigen Quittungsleistung berechtigt sind. Neu hinzutretende Postabonnenten können die Zustellung der Zeitung und die Einzahlung des Zeitungsgeldes auch schriftlich bei der zuständigen Postanstalt beantragen. Für derartige Bestell- Ichreiben etc. wird eine Gebühr nicht erhoben. Im Buslande kann der„Vorwärts" gleichfalls bei der Post bestellt werden; der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich in Belgien 5 Fr. I Cts.; Dänemark 3 Kr. 86 Oere; Rolland 3 Fl.; Italien 5 Circ 61 Cts.; Luxemburg 9 Ulk. 12 Pf.; Portugal 1955 Reis; Rumänien 6 Lei; Schweden 3 Kr. 87 Oere; in der Schweiz 5 Fr.; in England, Frankreich, Spanien, den Vereinigten Staaten von Nordamerika und andren zum Weltpostverein gehörenden Ländern 9 Mark. Unter Kreuzband direkt von der Expedition bezogen kostet der „Vorwärts" pro Monat 2 Mark innerhalb Deutschlands und seiner Kolonien, in Oestreich-Üngam und Luxemburg, im Ausland 3 Mark pränumerando. Redaktion und Expedition des„Vorwärts". Dunkelarrest und Peitschenhiebe. Neue Urkunden zum Strafvollzug. „Nach den neuerdings getroffenen Anordnungen wird jeder Gefangene durch die in der Zelle aus- gehängten Verhaltungsvorschriften in den Stand ge- setzt, sich über die ihm obliegenden Pflichten genau zu informieren. Wird die Beobachtung dieser Borschriften streng überwacht und jede Uebertretung unnachsichtlich ge- ahndet, so wird die Freiheitsstrafe für zahlreiche Ge- fangene selbst dann, wen» fie zeitweise nicht beschäftigt werden können, einen Charakter annehmen, welcher ihnen die Rückkehr in das Gefängnis nicht wenigstens als wünschenswert erscheinen läßt." Erlaß vom 14. März 1882. Der durch kein Gesetz, sondern lediglich auf dem Wege der Ver- waltungSwillkür geregelte Strafvollzug in Deutschland beruht auf zweierlei Grundsätzen, deren erste Gatwng man unter dem Begriff der irdischen, deren zweite man als himmlische Prineipien zusammenfassen kann; sind diese höchst metaphysischer Natur, so sind jene von derbstem„Materialismus" diktiert. Der irdische Strafvollzug ist durch das bureaukratisch- fiskalische Interesse bestimmt: Der Gefangene soll möglichst wenig kosten und möglichst wenig Scherereien bereiten. Die fiskalische Sparsam- keit ist bis zum äußersten durchgebildet und bedient sich dabei der bedenklich� nr Methoden. Nicht nur. daß alle Konsumartikel des Ge- fängniss- so billig wie möglich sind— Zelle, Essen, Licht. Kleidung; selbst aS Wasser wird in manchen Gefängnissen durch keinerlei wirksame Filtrationsanlagen von seinen natürlichen Ver- unreinigungen befreit und so verteuert— man verpachtet sogar, z, B. in Plötzensee. die Lieferung der Zusatznahrungsmittel, die der Ge- fangene sich von einen, Teil seines Arbeitsverdienstes kaufen kann; der Pächter seinerseits liefert dann für teures Geld häufig so schlechte Ware, wie es die GefängniSverwaltung selbst nicht ivagen dürfte, wenn sie den Vertrieb hätte. Der fiskalische Grundsatz bringt es ferner mit sich, daß der Gefangene so vorteilhast wie möglich auS- gebeutet wird. Seine Arbeitskraft wird an einen Unternehmer ver- kaust und aufs äußerste ausgenutzt. Um die Ausnutzung so rentabel wie möglich zu gestalten, wird eine völligen Stumpfsinn bewirkende Arbeits teilung bis zur letzten Konseouenz durchgeführt, so daß etwa ein Gefangener fünf Jahre lang von Morgen bis Abend Tag für Tag nichts weiter zu thun hat. als die„Puppen" von Bettstellen zu polieren. Es bedarf keines Beweises, wie wenig diese Arbeits- teilung geeignet ist, den Gefangenen für den Kampf ums Dasein in der Freiheit wehrhafter zu machen. Auf der andern Seite zielen alle Gefängnis-Jnstruktionen darauf hin, daß der Gefangene andern Leuten keine Mühe macht. Man sperrt ihn ein, giebt ihm keine Möglichkeit, sich in freierer Bewegung unzulässig zu bethätigen und erstickt durch' ein kunstvoll kompliziertes bureaukratischeS Foltersystem jede Neigung, gegen die Gefängnis- Ordnung anzurennen; der Kampf ums Recht!ist im Kerker nicht beliebt. Was die fiSkalisch-bureaukratische Maschinerie etwa an kräftigem Menschentum noch übrig lassen sollte, nimmt dann das himmlische Prineip. Der metaphysische Zweck des Strafvollzuges ist nicht etwa die Erziehung zur staatsbürgerlichen Brauchbarkeit, sondem die Brechung des bösen Willens durch Abschreckung. Man will die sündigen Seelen beugen, erreicht allerdings damit nur. den Körper zu ruinieren und jede Widerstandsfähigkeit zu vernichten. Das Verbrechen geht seiner Natur nach aus nichts andern, hervor wie aus mangelnder Widerstandsfähigkeit entweder gegen den eignen pathologischen Trieb oder die Anreize wirtschaftlicher Schwierig- leiten. Anstatt daß nun der Strafvollzug den Willen zu erziehen und zu stählen sucht, damit sich der Verbrecher in der Freiheit üblen Einflüssen zu entziehen vermag, wird der Mensch vollständig ver- krüppelt, seine Energie gelähmt, bei längeren Strafen für immer. Daher muß der Sträfling nach seinem Aus- tritt aus der Strafanstalt sofort der ersten besten Ver- führung zum Opfer fallen und er ist noch weniger als zuvor fähig, sich in dem furchtbaren Getriebe des Wirtschaftslebens auf- recht zu behaupten. Der Strafvollzug wird so zur Schule des Ver- brechenS, und die Erscheinung der Rückfälligkeit ist lediglich die Folge dieses wahnsinnigen Systems. In der Vereinigung des himmlischen und irdischen PrincipS ent- falten sich dann erst völlig die Schrecken des Strafvollzugs. Zumal auf den, Gebiet der Krankenheilung und der DiSeiplinarstrafen feiert die Vereinigung ihre höchsten Triumphe. Die Krankenpflege soll einmal so billig wie denkbar sein— daher große Sparsamkeit in der Auswahl und Anwendung der Medikamente—, dann aber darf die Krankheit ja nicht zum Vergnügen werden; deshalb wird sie entweder nicht geglaubt oder dort, möglichst„abschreckend" behandelt. Jeder der Gelegenheit hatte, längere Zeit im Gefängnis mit Sträf- lingen zu verkehren, wird dort die entsetzliche Vorstellung unter ihnen verbreitet gefunden haben, daß der Strafvollzug eigentlich den Zweck habe, die unnützen Mitglieder des Staates so rasch wie mög- lich unter die Erde zu bringen. Von dem zweifellosen Erfolg des Strafvollzugs das Totenglöcklein läutet in, Gefängnisse um ein Vielfaches öfter als in der Freiheit— schließen sie auf eine natürlich nicht bestehende. Absicht. Die DiSeiplinarstrafen vollenden dann würdig dieses ungeheuerliche System: hier wird auf die billigste Weise der„Willen gebrochen". Und diese verschärfte Willensbrechung wird so zur Ge- wohnheit, daß sie sofort verhängt wird, sobald sich der Gefangene irgendwie nicht in die Gefängnisordnungl fügt, bisweilen nur wegen eines unabwendbaren physischen Mangels. Die Liste der DiSeiplinarstrafen ist schon in Gefängnissen von einer fürchterlichen Reichhaltigkeit. Allgemein zulässig sind: 1. Ver- weis, 2. Entziehung von Vergünstigungen, 3. Entziehung der Lektüre. 4. Entziehung der Arbeit bis zur Dauer einer Woche(auch für den Faulsten eine wahre Marter I). 5. Entziehung der Bewegung im Freien bis zur Dauer einer Woche, ü. Entziehung des Bettlagers bis zur Dauer einer Woche, 7. Kostschmälerung, 8. einsame Einsperrung bis zur Dauer von sechs Wochen. Die Nummern 1 bis 7 können nach Beliebei�mit einander zur Anwendung gelangen. Die Arreststrafe cwer(Nr. 8) darf verschärft werden durch die vorher- gehenden Strafen und außerdem durch die Verdunkelung der Zelle. Schließlich giebt es noch Entziehung des Kaufs von Zusatz- Nahrungsmitteln und— Geldstrafen im Gefängnis!— Entziehung des Arbeitsverdienstes bis zu zwei Monaten! Prügelstrafe ist in Gefängnissen nur für Minderjährige bis zu 14 Jahren zulässig. Aber es ist bezeichnend für die humane Richtung unsres Strafvollzugs, daß die Fachleute längst wünschen, daß die Gefangenen zwischen 14 und 18 Jahren geprügelt werden dürfen, „bei denen die sonstigen DiSeiplinarstrafen erfahrungsgemäß nicht zu wirken pflegen". Im Zuchthause aber steigert sich die Höllenstrafe des Dunkel- arrestes durch— Peitschenhiebe! lind man denke nicht etwa, daß diese unsäglich grauenhaften Strafen nur eine Seltenheit sind, nur in wenigen Ausnahmefällen angewendet werden. Man wendet die schärfste Strafe wie etwas Gewöhnliches in einer grauenhaften Häufung an, und man wird aus den folgenden Zuchthausalten, die wir als weiteren Beitrag zu dem neuer- dings veröffentlichten Anklagematerial gegen den Strafvollzug ver- öffentlichen, ersehen, daß sich da sogar das Unsägliche begeben kann, daß im Sinne der Diseiplinargewalt Unschuldige Jahre hindurch der qualvollsten Marter unterworfen werden können. Es ist die S ch re ckens trag ö die einer„Ziffer", die wir nach den Urkunden erzählen— im Zuchthaus giebt es keine Namen, nur Nummern—sund man hat'mit dieser Ziffer„abschreckend" gerechnet, als ob man in der That vergessen hätte, daß ein Mensch hinter der Ziffer lebte und litt. Nr.«41«. Diese Nummer erhielt ein gewisser Friedrich Kreiser, der an- fangs 18L4 in die Strafanstalt Lichtenburg eingeliefert lvurde. Wegen Sittlichkeitsverbrechens— er hatte ein 30 jähriges Mädchen unzüchtig berührt— war er zu zwei Jahren Zuchthaus und den üblichen Nebenstrafen verurteilt. Der Mann war 46 Jahre alt und Steinbrucharbeiter. Weil er vor mehr als 20 Jahren beim Militär Schneiderarbeit gen, acht hatte, wurde er den Sträflingen zugeteilt, die für Militärbehörden mit Schneiderarbeiten beschäftigt werden. Daß einem Manne, der seit jener langen Zeit Steine gebrochen, die Führung der Nähnadel nicht gerade leicht wurde, erwies sich denn auch bald. Anfangs Februar 04 beginnt seine Leidens- geschichte. Anzeige: 10. II. 94. Kreiser— 6410— soll pro Januar 25 Pensa . hat„. 12„ weniger 13 Pensa gez. Gebhardt, Arbeitsinspektor. B.(Verhandelt.) Verweis; Rapport 16. d. M. 10. II. 94. gez. Decker, Direktor. 17. II. 94. pro 1.— lö./II. soll 13 Pensa hat 4„ weniger 9 Pensa gez. Gebhardt, Arbeitsinspektor. Trotzdem er schon beim Militär Schneiderarbeit gemacht hat. wird er jetzt doch fauler; 7 Tage Dunkelarrest. Rapport I.M. 17. II. 94. gez. Decker, Direktor. Verbüßt vom 17.-24. II. 94. 2. III. 94. pro Februar soll 13 Pensa hat 6„ weniger 13 Pensa gez. Gebhardt, Arbeitsinspektor. V. Schon teilweise dafür bestraft; Rapport 16. er. 2./II. 94. gez. Decker, Direktor. 19. HI. 94. pro 1.— 15./III. soll 13 Pensa hat 6„ V. weniger 7 Pensa gez. Gebhardt, Arbeitsinspektor. Nochmals 7 Tage Dunkelarrest. Rapport 1./4. 19.M. 04. gez. Decker. Direktor. Verbüßt vom 19.— 26. 3. 94. 3. IV. 94. pro März soll 21 Pensa hat 10„ weniger 11 Pensa gez. Gebhardt, Arbeitsinspektor. V. Nochmals 7 Tage Dunkelarrest. Rapport IJq. 94. 3./4. 94. gez. Decker, Direktor. Verbüßt vom 3.— 10./4. 94. 4. 5. 94. pro April soll 19 Pensa hat 13. weniger 6 Pensa gez. Gebhardt, Arbeitsinspektor. V. 11 Tage Dnukelarrest. Rapport l./VL 94. 4. 5. 94, gez. Decker, Direktor. Verbüßt von, 4.— 15. 5. 94. 4. 6. 94. pro Mai soll 17 Pensa hat 10„ weniger 7 Pensa gez. Gebhardt, Arbeitsinspektor. B. 11 Nächte Arrest. Rapport 1./7.-. 4.6.94. gez. Decker, Direktor. Verbüßt vom 4.— 15. 6. 94. 8. 7. 94. pro Juni soll 26 Pensa hat 17„ weniger 9 Pensa gez. Gebhardt, Arbeitsinspektor. V. Nochmals 11 Tage Dunkelarrest. Rapport 1./8. 94. 3. 7. 94. gez. Decker, Direktor. Verbüßt vom 3.-14./7. 94. In dieser Weise geht das noch durch ein ganzes Jahr weiter, nur daß statt der 11 Tage zur Abwechselung 14 Tage Dunkelarrest verfügt werden. 16. 7. 96. pro Juni soll 12 Pensa hat 8„ [ weniger 4 Pensa gez. Gebhardt, Arbeitsinspektor. V. Wird immer fauler. Wenn er pro Juli nicht Pensum liefert, hat er Peitschenhiebe zu erwarten. Rapport 1. 3. 96. 16./7. 96. gez. Decker. Direktor. 6. 8. 95. pro Juli soll 27 Pensa hat 13„ weniger 9 Pensa gez. Gebhardt, Arbeitsinspektor. B. Sofort zu Protokoll vernehmen. 6. 3. 96. gez. Decker. Direktor. Verhandelt Strafanstalt Lichtenburg. den 6. 8. 1895. Vorgeführt erscheint der Sträfling Friedr. Kreiser, um zu der Anzeige vom 6. d. Ms. vernommen zu werden. Der» selbe erklärt: Infolge der vielen Arreststrafen, die ich wegen Unterpensum verbüßt habe, haben meine Augen gelitten und kann ich deshalb auf schwarzem Tuche die Naht nicht mehr sehen. Wegen schlechter Arbeit erhalte ich einen großen Teil zurück und nehmen dann die Nachbesserungen so viel Zeit in Anspruch, daß ich danrbeu meia Pensum nicht leisten kann. V. g. U. gez. Kreiser. Der Aufseher Krüger erklärt: ES ist richtig, daß der Straf- gefangene Kreiser nahezu täglich einen Teil der von ihm gefertigten Schneiderarbeiten, tveil sie fehlerhaft genäht sind, zurückerhält. Die Ausbesserungen nehmen bedeutende Zeit in Anspruch, so daß Kreiscr im Pcilsiimschaffen erheblich beeinträchtigt wird. Da er öfter über das Augenlicht klagte, habe ich ihm einen Platz am Fenster ange- wiesen. Bei Hemdenarbcit liefert K. Pensum. V. g. u. gez. Krüger. V. Jetzt, wo er vor körperlicher Züchtigung steht, schützt er Augen- schwäche vor. Herrn Anstaltsarzt zur gefl. Aeußerung, ob seine Klagen irgend welchen begründeten Anhalt bieten. Eine Brille hat er. 6. 8. SS." Der Direktor. gez. Decker. Die Untersuchung mit dem Augenspiegel ergiebt kein weiteres Augruleideu. 8. 3. 95. I. V.: gez. Dr. Matthias. Bei der heutigen Konferenz(Prügel kann der Direktor nicht allein verfügen) wurde vereinzelt(!) darauf hingewiesen, daß durch das ärztliche Gutachten nicht genügend aufgeklärt sei, ob das Augen- licht'für die Schneiderei ausreiche. Dem Herrn A n st a l t s- arzt Dr. Heinrich vorlegen. 19. 8. LS. gez. Decker, Direktor. Der p. Kreiser ist weitsichtig, doch ist diese Sehstörung durch seine Brille korrigiert. 13. 8. 95. gez. Dr. Heinrich. V. Seine EntschuldignngSgriinde sollen geprüft werden; erhält nur Hemden- oder Drillicharbcit. 13. 8. 95. gez. Decker, Direktor. Resultat: Kreiscr macht anstandslos Pensum! An dem lluglücklichcu, der sich sonst tadclSfrci geführt, waren inzwischen über 200 Tage Dunkelarrest vollstreckt. Weder der Auf- seher noch der Werkmeister oder Arbeitsinspektor und Direktor haben einen Finger gerührt oder nur darüber nachgedacht, ob böser Wille oder physisches Unvermögen die Ursache seiner mangelhaften Leistungen war. Für diese Gleichgültigkeit— Kreiser selbst ward bis zu seiner Vernehmung die Möglichkeit nicht gegeben, sich ent- sprechend zu äußern— giebt es gar keinen Ausdruck. Solch Ver- sehe» ist in Sibirienkaum möglich. Dunkelarrest im Gefängnis ist eine furchtbare Strafe. Junge kräftige Männer werden binnen einer Woche so heruntergebracht durch Hunger und Kälte, daß sie geradezu taumeln, wenn sie herauskommen. Dabei haben die noch eine Holz- Pritsche zum liegen; im Zuchthaus wird selbst das nicht bewilligt; dem Sträfling ist der Steinboden des Kellers Sitz und Schlasitätte. �""Es ist keine Aussicht, daß die herrschenden Klassen jemals die Kraft finden werden, das heutige Strafvollzugs- System, das nicht erzieht, sondern tötet, jemals zu ändern. Zweierlei aber muß unter allen Umständen sofort verlangt werden: Erstens die gesetzliche Regelung des Strafvollzugs; und zweitens muß ver- hindert lverden, daß unter der Rubrik„ D i s c i p l i n a r st r a f e n" — ohne rechtmäßiges öffentliches Verfahren und ohne irgend welche Garantien— innerhalb des Gefängnisses Strafen verhängt werden können, die ihrer Wirkung nach nichts andres bedeuten als eine viel- fältige Verschärstmg der vom Gericht zuerkannten Buße. Ein Mann, der zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wird und nur acht Tage Dunkelarrest auf discipli- narischenr Wege erhält, leidet in Wirklichkeit mindestens ein Jahr Zuchthaus! Und diese Strasinacht liegt in den Händen eines Gefängnis- Vorstehers, nur als Beschwerdeinstanz fungiert der— Oberstaatsanwalt. Es muß gefordert werden, daß alle schwereren DiSci- p l i n a r strafen nur auf Grund einer öffentlichen Verhandlung verhängt lverden dürfen, schon deshalb, damit nicht hinter den un- durchsichtigen Gefäugnismauern Justizirrtümer begangen werden können, die schlimmer sind als die schlimmsten Mißgriffe der ordent- lichcu Justiz. Dunkelarrest und Peitschenhiebe können wie die Todesstrafe wirken. Es muß wenigstens die Garantie gegeben sein, daß diese Todesstrafe nicht Unschuldige trifft I poUtifcde Qcbcrficbt. Berlin, den 29. März. Die Folgen der Syndikatspolitik im Ruhrrcvier. AuS dem 3i uhrrevier wird uns geschrieben: „Schutz der nationalen Arbeit", das ist das Schlagwort, welches zu allen Matznahmen des Kapitals den Segen spenden muß. Soweit durch kapitalistische Aktionen nur, oder wenigstens scheinbar nur, Arbeiterintcressen gefährdet werden, regt sich das Bürgertum nicht weiter auf. und die Regierung hat noch nie Lust verspürt, sich bei den Dividcndenjägcrn als Spielverderber aufzudrängen. Wenn durch„Schützer der nationalen Arbeit" aber auch andre Interessen ins Gedränge geraten, dann erheben die Portemonnaieftcunde großes Lamento, dann soll der Staat helfen. Speciell ist es das rheinisch- ivestfälische Kohlensyndikat, welches durch seine Maßnahmen schon mehrmals in weiteren Kreisen Untvillen erregte. Auch jetzt wieder haben Dividendenrücksichten Maßnahmen ver- anlaßt, welche nicht nur bei Arbeitern, sondern auch in andern Jnteressentengruppen große Beunruhigung hervorgerufen haben. Man geht nämlich in verstärktem Maße dazu über, Zechen außer Betrieb zu setzen. Die Ursachen dazu sind folgende: Nach dem neuen Syndikatsvertrage können die angeschlossenen Ge- sellschaften Erhöhungen der Bcteiligungsziffer nicht mehr forden:, weil man einen oder gar mehrere neue Schächte angelegt hat. DaS war früher ein Mittel, eine höhere Bcteiligungsziffer zu er- zielen. Nun haben die großen Gesellschaften einen andren Weg ge- funden, der zum Ziele fiihrt, sie kaufen Bcteiliguugsziffcrn kleiner, ungünstig produzierende Zechen werden ertvorben und still gelegt, die Beteiligungsziffer dieser Zechen wird auf die Anlagen der kaufenden Gesellschaft übernommen. Es werden bereits eine ganze Reihe Zechen genannt, denen das Schicksal blüht, außer Betrieb gesetzt zu werden. In einer in voriger Woche in Steele stattgefundencn Versammlung machte ein Bankier auf die Kurssteigerungen verschiedener Bergwerkspapiere aufmerksam. Diese Erhöhungen der Kurse bei Werken, die sonst gar nicht als lukrativ gelten, lassen darauf schließen, daß bei allen diesen Gruben der Erwerb zwecks Stilllegung in Aussicht steht. Es sind das in der Hauptsache Name der 9eund Pferden erlitten. Auf unsrer Seite sind leider drei Offiziere schwer verwundet und einer leicht verwundet. Von den Kosaken sind drei gefallen und zwölf verwundet, darunter fünf schwer. Mädchenhäudler. Frankfurt a. M., 29. März.i S an Konfirmandinnen wurde der P a st o r P r i m a r i u S P l o ck in Hage(Ostsriesland) verhaftet. Die Pest. Pretoria, 29. März.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Heute wurde im Innern der Stadt ein zweiter Fall von Pest- crkranlung bei einem Weißen entdeckt. Die Quelle der Ansteckung ist gänzlich unbekannt. PerMtw, Sifißttairi Pmff Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.-Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag:VorwärtSBuchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer LeCo., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen«. UnterhaltungSblatt Nr. 76. 21. Jahrgang. 1. Keilm Ks Jumlrts" Snlim IsMIstt Mlvoch, 30. Mar; 1904. „Demokratische Randbemerkungen zum Fall Göhre" überschreibt Genosse Wolfgang Heine einen Artikel im Aprilheft der „Socialistischen Monatshefte", worin er sich mit der Kandidatur des Genossen Göhre in Zschopau-Marienberg beschäftigt. Er zählt zu- nächst die Vorgänge aus. Die Niederlegung des Mandats im IS. sächsischen Kreise durch Göhre, dann die Aufstellung Göhres in Zschopau-Marienberg, die das Eingreifen der sächsischen Komitees veranlagte, die Veröffentlichung der von den Komitees am 23. Februar in Leipzig gefaßten Resolution und den Beschlug der Fraktion, der die Aufstellung Göhres migbilligte, aber nochmalige Verhandlungen mit ihm wünschte, und den schlieglichcn Rücktritt Göhres. Dann fährt er fort: „Zunächst kann nun keine Rede davon sein, dag etwa die Genossen des 20. Wahlkreises ihre Befugnisse überschritten hätten, als sie die Kandidatur Göhres gegen den Wunsch des Parteivorstandes und der sächsischen Komitees proklamierten. Es heißt im§ 3 des sächsischen Organisationsstatuts ausdrücklich: „Innerhalb eines Reichstags- Wahlkreises regeln die Partei- Organisationen ihre Angelegenheiten vollständig selbständig." Zwar war es bei allgemeinen Reichstagswahlen üblich, dag die dem Wahlkampfe vorausgehende Landesversammlung alleKandidaturen gemeinsanr proklamierte, aber dies war eine reine Formsache, denn die Kandidaturen waren längst, zumeist schon Jahre vorher, von den Wahlkreisen selbst aufgestellt und öffentlich proklamiert worden, die Kandidaten hatten schon in den Kreisen agitiert und waren bereits in offiziellen Parteischriften, zum Beispiel den Agitations- kalendern, ausdrücklich benannt. Als auf der sächsischen Landes- Versammlung, die 19(11 in Leipzig stattfand, Angriffe gegen den 15. Wahlkreis wegen der Aufstellung Göhres vorgebracht wurden, fiel es denn auch keinem Redner ein, zu behaupten, dag die Ge- nehmigung der Landesversammlung nötig gewesen wäre, sondern man nahm die Kandidatur selbst als eine feststehende Thatsache hin. Also war auch jetzt der 20. Wahlkreis vollkommen im Recht, und die von andrer Seite erhobenen Proteste verletzten die Autonomie des Wahlkreises. Aber entscheidender noch für diese Frage, als das Statut, ist das demokratische Princip. Wir wollen, dag das Volk sich selbst regiere, unser Parteiprogramm fordert, dag es über die wichtigsten und schwierigsten Probleme durch unmittelbare Abstimmung und direkte Gesetzgebung entscheide, aber in der nächstliegenden, einfachsten Frage, wer der Mann seines Vertrauens sei, soll es von einer Erlaubnis vorgesetzter Behörden abhängig sein?— Weshalb? Fürchtet man, es könnte einen Nichtgcnossen in den Reichstag schicken? Das ist doch wohl ausgeschlossen, denn wer Parteigenoffe ist, das entscheiden nach dem Organisationsstatut der Gesamtpartei bestimmte, leicht fest- zustellende äußere Momente. Oder denkt man, es könnte ein Unge- eigncter aufgestellt werden, und glaubt man deshalb die Genossen bei Ausübung ihres Wahlrechts ans Gängelband nehmen zu muffen? — Genau dasselbe sagen die Feinde des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts auch. Die Möglichkeit eines Mügbrauchs oder ungeschickten Gebrauchs ist das Argument, das die Reaktionäre gegen jede Freiheit, jedes Volksrecht vorzubringen pflegen. Sieht man denn nicht, wie man allen Treibereien gegen das allgemeine Wahlrecht wirksam Vorschub leistet, wenn hier Parteivorstand, Fraktion und Komitees sich vereinigen, um das Volk, die Wähler einfach zu zwingen, daß sie auf ihren Willen verzichten und den Mann ihres Vertrauens begraben? Der Grundgedanke der Demokratie ist, daß die Freiheit ihr Korrettio in sich feicht trägt. Nicht, weil das Boll leine Fehler machen könnte— solche Behauptung wäre lächerliche Demagogie—, sondern weil eittc wahrhaft demokratische Verfassung jedermann zur Thätigkeit und zur Kritik anspornt und ganz andre Möglichkeiten einer Be seitigung des Verfehlten gewährt, als eine aristokratische oder bureau kratische Organisation, in der stets die Rücksicht auf die Autorität der Regierenden das Falsche zusammen mit dem Guten stützt und erhält. Auch ist vom Standpunkt der Demokratie aus ein Irrtum, der in freier That begangen worden, wertvoller, als eine aufgeztvungene Klugheit. Darum hätte der Wille des Wahlkreises respektiert werden müssen, auch wenn Göhre der ungeeignetste Kandidat gewesen tväre. Das heißt natürlich nicht, daß es unzulässig wäre, die Genossen bei der Auswahl von Kandidaten mit Rat und That zu unterstützen oder Bedenken gegen ungeeignete Kandidaturen zum Ausdruck zu bringen. Das ist stets geschehen. Noch vor einigen Monaten, als der 22. sächsische Wahlkreis an Stelle des verstorbenen Abgeordneten Franz Hofmann den Genossen Adolf Hoffmann auf- stellen wollte, erklärten sich dieselben sächsischen Komitees einstimmig gegen diese Kandidatur, aber es war ihnen von vornherein unzweifel- hast, daß wenn der Wahlkreis bei seinem Willen bliebe, sie ihn respektieren würden. So geschah es und mußte es auch gcsckchen. Erkennen wir das nicht an, so hören wir auf. eine demokratische Partei 3,1 �Wie' konnte es geschehen, daß bei dem Vorgehen gegen Göhre unsre Principien so vergessen wurden?— Der Grund liegt meines Erachtens in einer Tendenz zur Bureaukratisierung und Central!- sierung der Partei, die schon öfter bemerkt werden konnte, deren ge- fährliche Folgen für den demokratischen und freiheitlichen Charakter der Partei aber hier gmiz besonders hervorgetreten! sind und von der, wenn sie sich fortsetzte, das Schlimmste zu befürchten sein würde. Gewiß bedarf jede große Organisation, auch die socialdemo- kratische Partei, eines Stabes von tüchtigen Beamten, die auch keines- wegS bloße Werkzeuge der Menge sein dürfen, wenn sie der Partei nützen sollen! Es ist nötig und durchaus kein Verstoß gegen das demokratische Princip, wenn den Parteiinstanzen innerhalb der ihnen angewiesenen Thätigkeitskreise Selbständigkeit des Handelns und ein gewisses Maß von UnVerantwortlichkeit garantiert wird. Aber etwas ganz andres ist das, was hier geschehen ist. wo in eme Entscheidung. die eigenstes Vorrecht der Mnge sein mutz, die Beauftragten der Partei rücksichtslos eingegriffen haben, um den Willen der Wähler zu durchkreuzen. Hier zeigt sich der Anfang einer Gefahr, die in volkstümlichen Verwaltungen leider nahe liegt, daß nanilich sich an Stelle wahrer Volkshcrrschaft die Allmacht der Ausschusse entwickelt. Am allergefährlichsten ist eine solche Tendenz, wenn es sich um die Feststellung der Kandidaturen hmidelt, denn gerade das freie, unbe- schränkte Recht der Masse zur Wahl ihrer Vertrauenspersonen soll das demokratische Gegengewicht gegen den Einfluß der Beauftragten bilden. Beginnen aber die Parteifunktionäre selbst zu bestimmen. wer in ihren Kreis aufgenommen werden dürfe, so liegt die Gefahr vor. daß frisches Blut und neue Gedanken mehr und mehr fern ge- halten werden könnten und die Partei der Verknöcherung verfiele. die das Kennzeichen aller Oligarchien und Bureaukratien ist. Man wende nicht ein. daß die Unbestechlichkeit und Tüchtigkeit unsrer Partei- funktionäre und ihre Liebe für unsre große Sache eine Schutzwehr gegen solche Folgen bilden würden. Im Gegenteil: Eine Beamten- schaft, die ihre Sache versteht und uneigennützig dem allgemeinen Besten zu dienen bemüht ist, wie wir sie in der Partei glücklicherweise haben, wird am ehesten geneigt sein, im Bewußtsein ihres eignen Verdienstes das, was sie für richtig und geeignet hält, als unüberschreitbare Norm zu betrachten, abweichende Bestrebungen im vermeintlichen Interesse der Sache auszuschließen und dadurch der gesunden Fortentwicklung der Partei einen Riegel vorzuschieben. Als weitere Folgen einer solchen Tendenz können das Nachlassen der Initiative und des Interesses am geistigen Leben der Partei und die Neigung zum eigensinnigen oder gedankenlosen Festhalten an hergebrachten Formeln, kurz, wie man kagt, zum Fortwursteln sich einstellen. In diesem Sinne ist eine gute -�ureaukratie gefährlicher, als eine schlechte. ' Und ebenso gefährlich ist die im Göhreschen Fall hervorgetretene Neigung zur Centralisierung, die mit der bureaukratischen Tendenz £n2 vuknHst iß» So sicher für gewisse Gebiete des politischen Lebens einheitliche Geschlossenheit der ganzen Partei unentbehrlich ist, so sollte man doch nicht vergessen, daß wir, treu der Marxischen Geschichts- auffassung, nicht eine künstlich fabrizierte, sondern nur eine bodcn- ständig gewachsene Politik anerkennen dürfen. Wohl machen sich die großen Grundtendenzen der wirtschaftlichen und politischen Entwick- lung überall geltend, aber doch in verschiedenem Maße und in Per- bindung mit den verschiedensten örtlichen Kräfte», die auch wieder ihre Wurzel in wirtschaftlichen, nationalen, religiösen und andren geistigen Besonderheiten haben können. Darum soll man sich nicht gewöhnen, alle wichtigen politischen Entscheidungen von einer Centrale aus zu treffen, sondern man soll grundsätzlich die lokalen Korporationen als die Träger des Lebens der Partei anerkennen, nicht bloß, weil das demokratische Princip es so erfordert, sondern auch, weil das die einzige Möglichkeit ist, die Partei vor der Versuchung einer doktrinären Politik, die den Zusammenhang mit dem Leben verlöre, zu schützen. Aus demselben Grunde ist übrigens auch die sachliche Decentralisation, die Uebcrlassung gewisser Thätigkeitsgebiete der Arbeiterbewegung cm besondere Organisationen notwendig, die sich unter dem Drange der Bedürfnisse ganz von selbst, aber nicht ohne Widerspruch gewisser Doktrinäre, in der Abzweigung und selbständigen Ausgestaltung des Gewerkschaftswesens, der Genossenschaften, der Bildungsbestrebungcn usw. vollzogen hat.... Angeführt wurde gegen Göhres Kandidatur die Niederlegung seines Reichstagsmandatcs. In der That verübelt man ihm das in der Partei sehr. Man weist auf die enormen Mühen und Kosten hin, die mit einer Neuwahl stets verknüpft sind und die Göhre dem 15. Wahlkreis zugemutet hatte, obgleich dieser an den Angriffen gegen ihn völlig unschuldig war. Man würde es deshalb schon als eine Rücksichtslosigkeit angesehen haben, wenn Göhre im berechtigten Unmut über die Verunglimpfungen dem Reichstag überhaupt hätte den Rücken kehren wollen, und man ist noch mehr zur Mißbilligung geneigt, da dem Rücktritt durch das, was darauf folgte, der Charakter der Forderung nach einem Vertauensvotum aufgeprägt wurde, für welchen Zweck der Schritt ungewöhnlich war und unverhältnismäßig kostspielig erschien. Man sah in dieser Preisgabe des Mandats Eigen- Mächtigkeit und Mangel an Disziplin, schob auch die Gefahr in den Vordergrund, daß ein solches Handeln Nachahmung finden könnte. Es kann nicht Aufgabe dieser den allgemeinen Fragen gewidmeten Untersuchung sein, Göhre persönlich zu verteidigen. Nur so viel sei gesagt, daß man meines Erachtens zu wenig entschuldigend berück- sichtigte, unter welchen eigenartigen Umständen sich Göhre zu dem Schritt entschlossen hatte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die allermeisten, die gegen Göhre Stellung genommen haben, mit Bewußtsein sich in erster Reihe durch diese mit viel Entschiedenheit und von autoritativer Stelle vor- getragenen Erwägungen haben leiten lassen. Aber so wenig man an dem guten Glauben dieser Mehrzahl zweifeln darf, so kann dieser Fehler, den Göhre begemgen hatte, dock) unmöglich ausreichen, um die ungeheuere Erregung, diese ungewöhnlichen Drohungen und Publi- kationen gegen ihn zu erklären, geschweige denn zu rechtfertigen. Dies um so weniger, als Göhres Charaktertüchtigkeit. Leistungsfähig- keit und Begeisterung für die Sache außer Zweifel stehen. Auch nach- dem Göhre in der selbstlosesten Weise auf die Kandidatur verzichtet und bei der Agitation für den Genossen Pinkau mitgeholfen hatte, hielt es das Centralkomitee für Sachsen in seinem am 11. März veröffentlichten Beuicht an die Landeskonferenz für angemessen, in der breitesten und unfreundlichsten Weise auf diesem sogenannten Disziplinbruch Göhres herumzureiten, ohne mit einem Worte zu be- tonen, welches schöne Zeichen von Unterordnung seiner persönlichen Interessen unter die der Partei Göhre inzwischen durch seinen Rück- tritt gegeben hatte. Man hat doch in der Partei oft genug bewiesen, daß man auch zu verzeihen versteht, weshalb also hier eine rücksichts- kose WWMhnlichkeit. die die Interessen der Partei schwer gefährdete?" Zur weiteren Erklärung der aufgctvorfenen Frage geht Heine dann auf die Fragen des Revisionismus ein. Er findet einen wesentlichen Grund zu dem Vorgehen gegen Göhre in dessen revisionistischen Anschauungen und erörtert im Anschluß daran aus führlich seine Ansichten über das, was man Revisionismus und Radikalismus nennt. Er nimmt dabei auch von der Erklärung Kautschs im„Badischcn Volksfreund" Notiz, in der sich dieser gegen die Unterstellung verwahrt, als ob er die Herbeiführung eines Konfliktes forderte. In der Parteipresse scheint diese Erklärung Kautschs voll- ständig übersehen worden zu sein. Heine führt aus, daß in praktischen Fragen Revisionisten und Radikale durchaus einig arbeiten, be- dauert die Angriffe auf die Revisionisten als unberechtigt und schließt: „Die Bestrebungen auf Disciplinierung und Centralisierung in der Organisation gehen Hand in Hand mit den gleichartigen Be- strebungen auf dem Gebiete des geistigen Lebens, und die Aktion, die die Wähler des 20. Wahlkreises zwang, auf ihren Kandidaten zu verzichten, gehört innig zusammen mit der Verfolgung der Rcvi- sionisten. Daß das den meisten nicht zum Bewußlsein gekommen sein mag, macht die Sache nur gefährlicher, denn so lange man sich einer Tendenz nicht bewußt geworden ist. kann man auch ihre Ge fahren nicht erkennen. Wie oft habe ich schon sagen hören, daß die Bedürfnisse der Agitation entschiedenste Unterordnung der Wahlkreise unter die Centralinstanzen und weitestgehende Einheitlichkeit der Aktion er- forderten, daß Ideen und Ziele der Partei auf einfache Formeln und Schlagworte gebracht werden müßten, daß die Erhebung von Zweifeln, die Anregung von Problemen, die Kritik überhaupt sich aufs äußerste zu beschränken hätten, um nicht Verwirrung zu stiften. Man will eine alles umfassende große Organisation, möglichst centralisiert, eine Taktik, eine Theorie, was für die große Menge der Parteigenossen, die keine Theoretiker sind, nichts andres heißt, als einen Glauben. und man fordert unbedingteste persönliche Unterordnung im Handeln und Denken, alles natürlich zum Besten der Sache. Unzweifelhaft kann eine solche Centralisierung und Vereinfachung die Energie der Aktion für den Augenblick steigern, aber sie würde den Grundsätzen der Demokratie und geistigen Freiheit widersprechen und auf die Dauer auch die Partei selbst schädigen. Müßte, wer mit uns kämpfen wollte, sich erst feiner Persönlichkeit entäußern, so würde er damit auch das beste Stück seiner Kraft aufgeben; aus den Kräften der Einzelnen setzt sich die Kraft der Partei zusammen. Die Schablone ist der Tod des geistigen Lebens. Man braucht nur an Preußen zu denken, das, seit es von einer in ihrer Art mustergültigen Bureaukratie und nach einheitlichen Gesichtspunkten regiert wird, trotz aller äußeren Erfolge innerlich zurückgekommen ist das Individualitäten kaum hervorbringen, jedenfalls nicht ertragen kann und das mehr und mehr einer geistlosen Routine und einer Abneigung gegen jeden inneren Fortschritt verfällt. Auf einen solchen Hinweis wurde mir jüngst einmal erwidert, daß unsre Partei, rings von Feinden umgeben und in schweren Kämpfen stehend, sich noch nicht den Luxus größerer Freiheit und geistiger Mannifgaltigkeit ge- statten könnte. Hätten wir erst einmal unser Ziel erreicht, dann lväre es Zeit, den strengen Zwang der kriegerischen Rüstung abzu- legen und die Individualität in ihre Rechte einzusetzen.— Ja,, wenn man den Menschen nur die geistigen Eigenschaften, die man ihnen einmal genommen hat, ebenso leicht wiedergeben könnte I Hat man erst ein Volk an blinde Unterordnung gewöhnt, und wäre es unter die besten und tüchtigsten Führer, hat man ihm ein Dogma eingetrichtert, und wäre es das des edelsten und schönsten Ideals, dann kann man keine freien Männer mehr daraus machen. Aber selbst die rein praktischen Erfolge einer solchen disciplinierten und centralisierten Politik dürften sehr anzuzweifeln sein. Wir lachen über die Berufsmilitärs, die glauben, Routine und Gehorsam genügten, um Schlachten zu gewinnen, und wir deducieren,_ daß nur ein freies, denkendes, selbstthätiges Volk Siege erfechten könne. Gilt das nicht von geistigen Kämpfen noch viel mehr als von denen mit der Waffe? Und erinnert nicht diese ganze Theorie, daß lvir uns vorläufig der geistigen Selbständigkeit zu ent- wöhnen hätten, bis das Ziel erreicht wäre, und diese ewige Angst, die Genossen könnten verwirrt werden, bedenklich an die Behauptungen der Reaktionäre, daß das Volk zur Freiheit noch nicht reif wäre? Nein, so wenig lvir die sociale Besserungsarbeit aufschieben bis zu dem Tage, wo lvir stark genug sein würden, alles zu thun, so wenig können lvir schon für die Gegenwart auf geistige Freiheit und Mannigfaltigkeit verzichten. Ich will selbstverständlich nicht den sogenannten radikalen Genossen den Vorwurf machen, daß sie bewußt auf Unterdrückung der Individualität und der geistigen Freiheit hinarbeiten, aber ich sehe doch in der Partei Tendenzen wirksam, die, so gut sie gemeint sein mögen und so sehr sie vermeintlich den Interessen unsrer Sache dienen, eine Gefahr bilden, weil sie im weiteren Ver- lauf das töten könnten, was die Seele einer demokratischen Be- wegung ist. Freilich hoffe ich, daß die Freiheit auch hier ihre Eigen- schaften bewähren wird, die Korrektur in sich selbst zu tragen. Freie Kritik nach innen und die Notwendigkeit, nach außen gemeinsam gegen jede Unterdrückung zu kämpfen, werden uns auch über diese Klippe hinweghelfen, und so werden auch die Wunden heilen, die uns das Vorgehen gegen Göhre. und was dazu gehört, geschlagen haben."_ partei-I�aekrickten. Zur Erfurter SclbstbeschäftlgungSfrage. In Nr. 72 des„Vorwärts" vom 25. März d. I. veröffentlicht der frühere Redakteur der„Tribüne" in Erfurt, B r. S o m m e r, unter der Stichmarke„Zur Erfurter Selbstbeschäftigungsftage" einen Artikel, zu dem die Unterzeichneten folgendes zu erklären haben: Die in Nr. 273 der Erfurter„Tribüne" vom 22. November 1903 veröffentlichte Erklärung halten wir in allen Teilen auf- recht, weil diese durchaus der Wahrheit entspricht. Redakteur Sommer schreibt in seiner Erklärung: „Während meiner viermonatlichen Gefängnishaft hat sich Zu thun und selbst ohne mein Wissen ohne mein eine Diskussion entsponnen." Die Worte: Unwahrheit. über die mir aufgenötigte Arbeit im Gefängnis ohne mein Zuthun" usw. sind eine bewußte Es ist festgestellt, daß Sommer, ehe er seine Gefängnishast antrat, den springenden Teil der Notiz in der „Tribüne", welcher die Diskussion in der Parteipresse hervorrief, s e l b st geschrieben hat. Dies that er, trotzdem er dem Geschäfts- sührer gegenüber sagte:„Er sei aber auch zu viel Genosse, um den Parteigenossen zuzumuten, die viel zu hohe Forderung der Staats» anwaltschaft zu zahlen." Ferner schreibt S. bezüglich der Vertragsverhandlungen:„daß der Widerstand, den diese gleich dem Geschäftsführer der Bezahlung von Selbstbcschästigung entgegen setzte, weder überwunden, noch zur Zeit zu überwinden lvar." Es ist freie Erfindung, daß sich der Geschäftsführer gegen die Zahlung der Kosten für Selbstbeschästigung bei den Vertragsvcrhandlungen erklärt hat. Für S. lag bei diesen Ver- Handlungen durchaus kein zwingender Grund vor, freiwillig auf die Erlangung der Selbstbeschäftigung bei GefängniShast zu verzichten. Die Kommission benutzte als Unterlage zu den Verhandlungen die mit früheren Redakteuren vereinbarten Bedingungen. Zugleich wurde Punkt für Punkt des Nornialvertrages des Vereins„Arbeiter- presse" vorgelesen und wäre es Pflicht Sommers gewesen, wenn er nicht einverstanden war, seinen Anspruch seiner Zeit geltend zu macheu. Dies geschah ja auch bei jetzt ganz neben- sachlichen Bestimmungen. Ferner hatte er einige besondre Wünsche, welche auch von der Kommission erfüllt wurden. Die jetzt thätige Preßkommission setzt sich aus ganz andren Personen zusammen als zur Zeit, wo mit dem Genossen Schulz die Be- dinguugen vereinbart wurden; sie muß also auch für frühere Vorgänge jede Verantwortung ablehnen. Der Wahrheit gemäß erklärt sie aber, daß es früher auch nicht Gefühls- roheit oder principielle Gegnerschaft der Gewährung von Selbst- beschäftigungskosten war, welche die Kommission und Geschästsleitung hinderte, diese in der Höhe von 3 M. täglich zu gewähren, sondern die finanziellen Verhältnisse, erzeugt durch die ungeheuren Gefängnis- und Prozeßkosten, zwangen uns, die exorbitante Forderung der Staatsanwaltschaft abzulehnen. S. schreibt ferner: „Wenn also die Verwaltung der„Tribüne", nachdem ich bereits im Gefängnis saß. erklärt, sie hätte eventuell Mittel und Wege gefunden usw., und dann am Schluß des Satzes— aber nicht die geringsten Anstalten gemacht, das Geld einzuzahlen." Dieser Behauptung stellen wir folgende Thatsachen gegenüber: Am 2. November vorigen Jahres trat S. seine Strafhaft an. Am 9. November schrieb ihm der Geschäftsführer nachstehenden Brief: Ersiirt, 9. November 1903. Lieber Sommer l Wenn Du die Antwort betr. Bezahlung der Selbstbeschästigung von der Oberstaatsanwaltschaft zurück hast, so bitte teile mir dies unverzüglich mit. Es werden sich wohl Mittel und Wege finden lassen, die nöttgen Kosten hierfür aufzubringen. Mit herzlichem Gruß Fr. Stegmaim. S. ließ diesen Brief circa drei Wochen»nveantwortct, dann erst ließ er durch seine Frau sagen, daß er auf die Selbst- beschäftigung verzichte. Die Gründe, warum der Gcschäftsft'ihrer in dem Briefe schrieb:„eventuell Mittel und Wege finden", sind für jeden Menschen mit normalem Gehirn ohne weitere Begründung erklärlich. Das Urteil über die Art und Weise, wie S. die Thatsachen geradezu auf den Kopf stellt, können lvir getrost der Oeffentlichkeit über- lassen und enthalten uns darum jeder Kennzeichnung. Zu dem Nachsatz haben wir zu erklären: daß wir die beste Absicht hatten, als wir die Aufnahme in der„Tribüne" ablehnten. Nicht um den Redakteur S. m u n d t o t zu machen, denn wir wußten, daß dies bei der großen Zahl der Parteiblätter unmöglich ist, sondern um ihm eine Blamage zu ersparen. Die Veröffentlichung bedingte unsre Gegenerklärung und damit die Feststellung der U n w a h r- haftigkeit des früheren ersten Redakteurs. Es war uns überaus peinlich, öffentlich den Nachweis zu liefern, daß dem S. das Organ abgeht, Wahrheit von Dichtung, gelinde gesagt, zu unterscheiden. Br. S. hat diese Rücksicht nicht verstehen wollen, nun trägt er auch allein die Ver- antwortung. Verlag und Preßkommission. Fr. Stegmann, Franz Schnell, Geschäftsführer._ Vorsitzender der Preßkommission. I» Sachen der„Dokumente des Socialismus" schreibt uns Ge« nosse Bernstein: Werte Redaktion I Sie waren so freundlich, von meinem jüngst veröffentlichten Rundschreiben über den finanziellen Stand der von mir heraus- egebenen Zeitschrift„Dokumente des Socialismus" Notiz zu nehmen. jdft erhalte nun von den verschiedensten Seiten darauf bezügliche Anfragen und möchte Sie daher um die Erlaubnis bitten, an dieser Stelle bekannt zu geben, daß seit Erscheinen des Rundschreibens von freunden der„Dokumente des Socialismus" Summen für den iarantiefonds gezeichnet worden sind. die zusammen bereits die größere Hälfte des erforderten Betrages ausmachen. Dies läßt die Annahme gerechtfertigt erscheinen, daß auch der noch fehlende Betrag durch Zeichnungen gedeckt werden wird, und so sehe ich mich in der Lage, mitteilen zu können, daß jedenfalls zur Zeit eine Unterbrechung in der Veröffcntlichung der„Dokumente" nicht eintreten lvird. Das fällige Heft für den ersten Monat des neuen Quartals wird Mitte April erscheinen. Berlin W., den 28. März 190i. E d. B e r n st e i n. Der Landesvorständ der wiirttcmbergischen Socialdcmokratie veröffentlicht in der„Schwäbischen Tagwacht" seinen Jahresbericht. Wir geben daraus einige thatsächliche Angaben. Das Wachstum der Partei ergiebt sich aus der Zunahme der regelmäßigen Mitglieds- beitrüge. Diese betrugen 1901 erst 7708 M., 1903 aber bereits 10 193 M. Die„Schwäbische Tagwacht" hat im abgelaufene» Jahre 2000 Abonnenten gewonnen und hat einen Ueberschutz von 7ö94 M. erzielt. Davon wurden 1000 M. an den Hauptvocstand gezahlt. Das Wochenblatt„Schwäbischer Volksfrcund" hat zwar auch eine Anzahl Abonnenteit gewonnen, steht aber noch nicht befriedigend. Es machte ein Deficit von 973 M. An der Gemeindeverwaltung ist die Partei mit 112 Gemeinde- raten in 01 Orten und 127 Bürgerausschuß-Mitgliedern in S2 Orten beteiligt. Die Neichstagswahlen kosteten 37 410 M.. wovon 4000 M. aus der Hauptkasse getragen wurden. Interessant ist die Feststellung, daß die Kosten einer Per- sammlung für Referenten durchschnittlich nur 5,70 M. betragen; ein Beweis für das Schlemmcrlebcn der Agitatoren. Partcipresse. In die Redaktion der„Bcrgischen Ar- b e i t e r st i m m e" in S o l t n g e» ist Genosse Kilian in Per- tretung des Genossen May eingetreten, welcher eine Gefängnisstrafe zu verbüßen hat._ Eingegangene Druchlchnftcn. .."Neuen Zeit"(Stuttgart. Dich' Verlag) ist soeben das 26. lieft des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Bon starken Männern.— Bon Jmola bis Bologna. Von Oda Olberg(Rom).— Der Aerztekonslilt in Leipzig. Bon Gustav Jacckh.- Marx s historischer MaterialisinuS. Von Paul Lasargue.(Schlug— Zur Frage der Tansgemcinschast. Von A. Hehr.— Die Arbeitcr-Gesetzgebuna in den Verein, glcn Staaten. Von Julian Borchardt.— Notizen: Die Steigerung der Unfälle. Von 6. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Ouarlal abonniert werden. Das einzelne Hcst kostet 25 Pj. Probcnummcrn stehen jederzeit zur Versügung. Die„Socialistischen Monatoheftc«(Administration: Berlin 81V. 19 Bcuthstrage 2) haben soeben daS Sl p r i l- S c s t ihres lO. Jahrganges cr- lchcmen lassen. Aus dem Inhalt desselben heben wir hervor: Adolph v. Olm: Ein Markstein in der Geschichte der deutschen Genosscnschaftsbewegung.— Max Schippet: Die englischen?lrbcitcr und die Chambcrlainschc Schutzzoll-Agitation.— Eduard Bernstein: Die Be. deutung der Lohnsormen.— Wolsgang Heine: Demokratische Rand- bcmerlungen zum„Fall Göhre".— Edmund Fischer: Die neueste Revision unsrer Theorie und Taktik.— Felicicn Challape: Die gegenwärtige Lage des sranzösischen Socialismus.— Dr. Friedrich Hertz: Die Nasscnthcoric des H. St. Chamberlain.— Wirtschast von Max Schippcl.— Politik von Richard Ealwcr.— Socialpolitik von Paul Kampffmeher.— Sociale Kommunalpolitik von Dr. Hugo Lindemann.— Socialistische Bewegung von Hugo Poetzsch.— Gewerkschaftsbewegung von Paul Umbrcit.— Genostenschastsbewegung von Gertrud David.— Frauenbewegung von Henriette Fürth.— Bildende Kunst von Anna Plchn.—'Buch. oesprechungcn von Dr. Ladislaus Gumplowicz und Robert Schmidt. Der Preis des Heftes beträgt 50 Pj.; vierteljährlich 1,50 M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Kolporteure und durch jede Post- anstalt. Ferner direkt durch den Verlag der„Socialistischcn Monatshefte", Beuthstr. 2, Berlin SW.(Zusendung unter Kreuzband oder in geschlossenem Eouvert). Probehefte stehen ans Verlangen jederzeit kostenfrei zur Vcr- ügung. Führer durch das Jnvalidenversicherungs-Gcsei,. Ucbcrsichtlich zusammengestellt nach der am 1. Januar 1900 in Ära st getretenen neuen Fassung des Gesetzes. Zweite vermehrte Auflage. Preis 25 Ps. Verlag: Expedition der Buchhandlung Vorwärts, Lindcnstr. 69. Muhhoss, H. Da» Terrarium und seine Bewohner. Ein kurzer Illustrierter Ratgeber sär Terrarirnsreunde. Mit zahlreichen Abbildungen. Preis 1 M. Verlag von Fritz Pscnningstorss, Berlin IV. Sitzung haben Mittwoch: Arbeiter-Tängerbund Berlins und der Umgegend. Erster Vor- sitzender Justus Mever, Urbanstr. 131 IV. Erster Kassierer: Seikrit, gidicin- stratze 16. Alle Acndcrungen im Vcrcinskalender sind zu richten an Gustav Schönlhal, Anncnstr. 10. llebungSstunde abends 9 Uhr, tzlus- nähme von Mitgliedern.—„Licdcssrcihcit 1", Andreas str. 26.—„Norddeutsche Schleife", Schuhmacher, Stalitzerstr. 126.—„Licdcrlust I"(1865), Soll« schläger, Adalbertstr. 21.—„Deutsche Eiche I", Zimmermann, Grüner Weg 29.—„Allcgro", Wedel, Wrangelstr. 136.—„Gleichheit", Strauh, Pappel-Allce 25.—„Schneeglöckchen I", Rixdors, Köpfe, Hermann- und Karls- gartenstrahe-Eckc.—„Britz" in Britz, Klose,' Britzer Chaussee 69/70.—„Heimat- klänge", Köpenick, Meyer, Rosenstr. 10l.—„Wacht aus I", Jungmann, Danzigcrstr. 24.—„Enterbten", Schilling, Swincmünderstr. 50.— „Linde I", Restaurant Wendt, Kopenhagencrslr. 71.—„Frischaus IV", Bornim i. M., Krüger, Parkstr. 5.—„Trchcrschcr Gesangverein, Schneller, Rigaerstr. 124.—„Geselligkeit", Eharlottenburg. Wcrnickc, BiSmarckstr. 34. —„Hossnung II", Spandau. Bühle, Ncumeistcrstr. 5.— ,„Klub Sanges- treue", Brandenburg a. H., Ccnlralherbcrge. Wollenweberslr. 3.—„Role Nelke I", Schöncberg,' Krüger, Grunewaldstr. 110.—„Vorwärts IV", Rummelsburg, Beinling, Kant- und Gocthestragen-Eckc.—„Vorwärts III", Frtcdrichsselde, Fritz Habcrland, Wilhclinstr. 38.—„Sängcrkranz", Teich, Zorndorserstr. 40.—„LiedeSlust III", Gusow-Platkow, Bulsche, Krautstr. 36. —„Melodia I", Rixdors, Steinmetzstr. 113.—„Maiblume", Luckenwalde, Helau, Fricdrichsirage.—„Senescider I", Gicsle, schillingstrahe 36.— „Freundschaft II", Hofsmann,«wincmündcrstratze 47.—„Zündholz", Wcgener, Ramlerstr. 11.—„Freiheit Gruh", Bock, Chorinerstr. 27.— „Zukunst III", Nicdcr-Schönhauicn, Scitckoru, Lindensir. t.—„Maien- grüß", Fricdrichshagcn, Conrad, Fricdrichstr. 158.—„Liedcrlust II", Moabit, Vollmaun, Bcussclsw. 34.—„Vorwärts I", Südost, Witwe Mehner, Skalitzer- straße 59.—„Nordwacht", Fahrow, Ravenöstr. 6.—„Männerckor Lied", Rixdors, Hennannstr. 232.—„Vincta", Schmidt, Swinemünoerstr. 65. —„Vorwärts II", Hiller, Brunnenstr. 150.—„Geselligkeit II", Hennigs- dors, Brose, Ehaussecstraße.—„Fclsenburg", Kienitz, Große Frankfurter- straße 133.—„Freie Säuger V", Charloltcnburg, VolkshauS, Rosinenstr. 3. —„Senescider",' Gicsle, Landsbcrgerstr. 89 b.—„Alte Linde", Märkischer Hos, Admiralstraße 18 o.—„Süd-Ost I", Stephan, Wicncrstraße 31.— „Zukunst III", Nieder-schönhausen, Seitekorn, Lindcnstr. 1.—„Hoffnung", Dahme i. d. Mark, Kaisergarten, Grünstr. 15. Arbeiter-Rancherdiind Berlins und Umgegend. Zlcndcrungcn iin Vereinslalender sind zu richten an Albert Liebctrau, Putbuscrstr. 44 IV. „Arkona", Armer Konrad, Rcichenbcrgerstr. 16.—„Waldesgrün", Kunze, Foistcrstr. 36.—„Frei Weg I", Schöncbcrg, Hosimann.Max- u. Ebcrsstr.-Ecke.— „Fidcle Raucher", Rixdors, Krüger, Reutcrstr. 15.—„Glühlicht II", Drescher, Maxstr. 133.—„Regaiita", Lconhardt, Koloniestr. 147.—„Feigenblatt", Ponte, Ramnerstr. 22.—„Einigkeit VII", Poschmann, Dunckerstr. 22.— „Intelligenz", Bosokd, Mantcuffelswaßc 66.—„Fidcle Brüder", Frlcdrichssclde, Lohsc' Luiscustraßc 20.—„Frohsinns Heimat", Schößlcr, Stromstr. 23.— „Deutscher Michel", Pankow, Kaiser Fricdrichstr. 15, Grisscl.—„Die Dampjcnden", schick, Manteuffelstraße 74.—„Flicderdust I", Böhm, Zorndorserstraßc 9.—„Kein Ton", Richter, Oderbcrgerstraße 49.— „Kornblume", Dillcnbcrg, Zimmcrstraße 59.—„Ohne Furcht", Nitsche, Wicnerstr. 44.—„Kolumbus S.-O.", Guido, Oppclncrstr. 19.—„Veilchen- dust", Bchrcud, Schwartzkopflstr. 8.—„Verzaget nie", Schöncbcrg, Kirchhof, Scdauslr. 43.—„Psciscndeckel", Fruchtstr. 69.—„Lange Pfeife", Fricdrichsbcrg, Schilling, Mainzerstr. 5.—„FidelibuS", Gnewikow, Perersburgerftr. 24.— „Rosenblüte", Wcidenweg 78.—„Oualmbrüdcr", Rummclsburg. Kantstr. 14. —„Gemütlichkeit SO. II", Kurth, Wrangelstr. 104.—„Gemütlichkeit II", Gratzig, Wrangelstraßc 22.—„Konsequenl", Becker, köpnickcrstr. 19l.— „Sieben roocht", AdlcrShos, Becker, Oppcnstr. 56�—„Frohe stunde"�Kcrsten, Elbingcrstr. 15.—„Phönix", Schöncbcrg, Sedauslr. 60.—„Sicdlasi", Fourniond, Neu-Wcißcnsce, Sedanstraße 18.—„Blauer Ring", Charlotten- bürg, Gankc, Schillersir. 33/39.—„Bruderbund", Kolms, Grünaucrstr. 9.— „Sumatra SO.", Mangold, Licgnitzcrstr. 18.—„Gerade aus", Bkaaßcn, Waldcnbcrgcrstr. 14.—„Vorwärts", Wählisch. Adalbertstr. 4.—„Frei weg I", Hoppe, Schöncbcrg, Mcrscburgcrstr. 7.—„Collcgia", Rcichenbergerstr. 157.— „Alt-Schönebcrg", Schieber, Schöncbcrg, Scdanstr. 52.—„Barinas", Gubcncrstr. 7.—„Kleeblatt", Borgängcr, Rummclsburg, Kantstr. 44.— „Flicderdusl II", Stein, Samariter- Ecke schmnersiraßc.—„Wcichsclbkatt", Zcidler, Frankfurter Allee 176.—„Nen-Lichtcnberg", Schütz, Neu-Lichtenberg, Margnrethcnstr. 12.—„Ringelwolke", Vetter, Brcdowstr. Ii.—„Alpenrose", Rcinickcndors, JustuSsir. 55.—„Kräftige Lunge", Tennius, Zomdorscr- straße 32. Gesang-, Turn- und gesellige Bereine. Thcatervcrcin„Tell" Zorndorserstr. 57.— Dramatische Vereinigung„Zukunft", Königssäle, Eing. WadzecksNaßc.—„Verein der Aquariensreundc", Ccntral-Klubhaus Mendt, KönigSgrabcn IIa.— Rower-Klub„Orkan", Wiencrstr. 7.— Zilhcr-Vcrein „Tirol", Oranicnstr. 183.— Mandolinciillub„Bella Sorent", Ouitzowstr.l3l.— Orchrstervcrcin„Forte", Falckcnstcinstr. 38.— Psropsenverein„Nord-Ost", Pctcrsburgcrstr. 55.—„Heureka", Verein zur Förderung der Sprcchscrftg- kcit Stotternder, Zimmerstr. 25. Ziestaurant Diesenbach.—„Xymphaea alba", Verein für" Aquarien- und Terrarienlunde, Mittwoch nach den: 1. und 15., Köpnickcrstr. 80/81.— Slatkiub„Revolution", Fehland, Grünaucrstr. 3.— Gesangverein„Apollonia", Gobcl, Vinctaplatz 7.— Tambourverein„Frei weg l890", Lorch, Glcimstr. 63.— Musikvcrcin„Centrum", Schönberg, GiPSsir. 9; Diictiantcn aller Instrumente willkommen.— Thcatcrvcrein „Proletariat", Krügers Vereinshaus, Naunynstr. 6.— Mundharmonika- und Mandolincnverein„Symphonie", Restaurant Storchnest, Müllerstr. 161. Arbcitcr-Diirncrbnnd. Mittwoch und Sonnabend: Turnverein „Fichte", Berlin, abends von 8—10 Uhr: 1. Männer-Abt. Friedenftr. 37. 3. Männer-Abt. Bocckhslraßc 17/20. 7. Männer- Abt. Rcichcnbcrgcr- straße 131/132. 8. Männer-Wt. Höchstcstraße 36/37. 2. Lehrlings-Abt. Skalitzcrslr. 55/56. 4. Lehrlings-Abt. Siemensstr. 20(Moabit). 5. Lehrlings- Zlbtcimng Ackerstr. 67. 9. Lehrlings-Abt. Müllerstr. 158. 10. Lehrlings-Abt. Petersburgersw. 4. 2. Schülcr-Abt. Vtarignncn-User 4a.— Zlrbciter-Turn- vcrcin zu AdlcrShos. Männer- und LcHriings-Abtcilimg turnt Mittwochabend und Sonnabendabend 8'/,— 10'/, Uhr, Damen-Abteilung turnt Freitagabend 8>/,— 10'/, Uhr, Wöllsteins Lustgarten. Gäste willkommen. Slrbeiter-Schwimmerbuiid. Ansrogcn sind zu richten an R. Danziger, Burgsdorsstr. 14. Abends 7»/, Uhr:„Welle", BolkS-Badeanftali an der Schillingsbrückc. Lese- und DiSkiiticrklnbs.„Südost", Tolksdors, Görlitzerstt. 58.— „Demosthenes", Dornbusch, Prinz Eugenstr. 8.— Socialistcnklub„Vorwärts", Kristiania, Möibergadcn 17. Jeden Mittwoch: Diskussion. Arbeiter-Nndfahrerbund„Solidarität". Gau 9(Prov. Branden- bürg). Alle Zuschriften und Anfrage» den Bund betrcsiciid sind zu richten an den Gau-Vorsitzcndcn Karl Fischer, Berlin NW., Wnldslraße 8.„Vorwärts", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15., Waldstr. 8—„Courier 1900", jeden Mittwoch vor dem 1. und 15., Schönhauser Allee 28.—„Voran II", jeden Mittwoch vor dem l.. Landsberger Allee 40/41.—„Frohes Ziel", jeden zweiten Mittwoch, Wilhelmsruh bei Schneider, Hauptstratzc.—„Glück aus", Fricdrichsbcrg, Frankfurter Chaussee 86.—„Vorwärts", jeden Mittwoch nach dem 8. und 22., Köpenick, Schönerlinderstr. 5.—„Vorwärts", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15., Alt-Glicnicke bei Lobckc.—„Blitz", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15., Rudow, Bendajtr. 52, Reime.—„Vorwärts", nach dem 1. und 15., bei Fischer, Waldstr. 8.—„Männcr-Radsahrvcrcin", Brandenburg. Bcrgstr. 20.—„Wanderer", Friedrichshagen, Fricdrichstr. 137. �„Solidarität", Fürstenwalde, Schloßkellerci.—„Frisch auf", Guben, Restaurant Bcllcvuc.—„Hoffnung", Potsdam, Alte Luiscnstr. 32.— „Frisch aus", Sora». Restaurant Flora.—„Arbcitcr-Radsahrvcrcin Velten", Luiscnstr. 17.—„Frisch aus", Weißenfee, Parkstr. 13.—„tzlrbciter-Rad- sahrcrverein Berlin", jeden t. Mittwoch, Andreasstr. 26.—„Condor", Berg- holz, jeden 3. Mittwoch, Landsbergcrstr. 11/13.—„Gloria", Berlin, nach dem 1. und 15. schwcdterjtr. 226.—„Lux", Prenzlauer Allee 239.— „Tempo", Finstcrwalde, nach dem 1. und 15., Svohn, Ringstraße.— „Frisch aus", LandSbcrg a. W., Kahser.—„Arbciter-Radsahrvcr. Nowawcs", Pricsterstr. 31-„Greis". Prcnzlait. nach dem 1. und 15, Schnelle 67 bei Poillion.—.Vorwärts", Schöneberg, nach dem 1. und lc>., Memmgerstr. 8 bei Obst.—„Frei Weg", Schöncbcrg, Akazienstr. 21.—„Wanderlust", Seisersdorf, nach dem 1. bei B. Schoter., Arbeitcr-Skatbund Berlins und Umgegend. Zuschristen sind zu richten an C. Qucnlcrt, Markusstr. 43. III. Mittwoch:„GemüIlichkclt", Vogel, Wrangelstr. 73.—„Grand-Schwarz", Dimke, Wmsstr. 56.—„Grand- Schneidcr-Schwarz", Beetz, Knescbeckstr. 135.—„Lustige Sieben". Kuklinzki. Cuorystr. 36.—„Süd-Ost", Pilsch, Lübbcnerstr. 1.—.Grand-Schwarz I". Bachmann, Schönleinstt. 10._ ßriefkaftcn der Redahtton. Japan. Bevölkerung rund: 50 Mill. Einw.— Flechte. Arzt I— Laiidsbergerstraftc. Auskunft über den Autor eines Arstkcls müssen wir grundsätzlich verweigern.— K. T. 17. und R. G. 27. Wenden sie sich in der Sache an Herrn Eugen simanowski, hier, Hochstr. 46.— B. B. Rem. Machen Sie keinen Versuch.— A. Z. Nur weiter vorwärts I— St. Sch. 1. Nein. 2. Nein. 3. Ja.— London. DaS Grundgesetz des englffiben Parlamentarismus: Hill of rights(Bill os reils).— Einige Genossen. Mefc. Ist uns leider nicht bekannt. Vielleicht weig es die Redaktion der„Vvlkswacht", Breslau.— X. N- Nein. A. G. In Krosten a. O. liegt das 1. Bataillon des 52. Jnjanterie. Regiments v. Alvensleben in Garnison. Jirnftildier Cell. Die juristische eprcchstuiidc findet täglich mit AnSiiahme deS TounadendS von?'/, biS ti'lt»lir abcudS statt. Geiistnet:? Nbr. E. F. IS. Sic können bei der Gerichlskaffe Antrag auf Gestaltung von Ratenzahlung stellen, indem Sie glaubhast machen, daß Sie zur Gesamtleistung außer stände sind.— Rixdorf, 43 L. L. I. Wenn sich die Wohnung am Zichtage nicht in brauchbarem Zustande befindet, brauchen Sic nicht einzuziehen. 2.?lm Ort des Baues. 3. Das Vermögen Ihrer Frau kann nicht gepfändet werden; vielmehr kann dieselbe i n t e r- v e n i e r e n.— Sandhoff. JStc Frage läßt sich schristtich nicht beant- Worten. Kommen Sie in die Sprechstunde.— X. ff. Z. Leider zu spät. — A. K. 27. Die Ansehung ist richtig.— R. K. 7. Der Antrag ist an den Magistrat zu richten und ist inncrhaw eines Jahres nach der Vcr« hciratung zu stellen. 2. Auch ohne besondere Abrede jindet Gütergcmein- schast nicht statt; daher sind nach dieser Richtung keine Schritte nötig.— R. 10. Die Pension kann nicht entzogen werden.— Sch. 100. Falls Sie reklamieren wollen, müssen Sic wahrheitsgemäße Angaben machen.— 6. Krause. 1. Wenn Sie anderswo zur Steuer veranlagt sind, so brauchen Sie hier nichts zu zahlen. 2. Ein solches Gesetz existiert nicht. — W. 50. 1. Die Rechtsprechung des Reichs- BersichcrungsamtcS ist schwankend. Immerhin sollte in diesem Falle die Sache durchgeführt werden. 2. Ist mit 1 beantwortet. 3. Ein Rechtsanspruch besteht nicht. Es läßt sich nur ein Unterftützungsgesuch begründen.— 6. SP. 104. 1. Nein. 2. Sie müssen weiter zahle». Da das Geld in Wahrheit Ihnen gehört, kann cS gepsändet werden.— Stammtisch 5. Sämtliche Kragen sind durchaus wahrheitsgemäß zu beantworten, sonst liegt allerdings ein Meineid vor. ES wird aber gewöhnlich nur nach Vorstrafen wegen Meineids gefragt. Wird die Frage aber so gestellt, wie Sie schreiben, so wären allerdings auch Polizeistrasen anzugeben.— A. St. Die Pension wird Ihnen nicht genommen. Zu 2: Eine Klage würde keinen Erfolg haben. — Wette. Jahnstraftr. Wiederholen Sie die Frage mit Angabe, welchen Zweck die Beschädigung haben soll.— Nixdorf 5. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Gertrud 25. l. Nein. 2. Nach vier Jahren tritt Ver- jährung ein, selbstverständlich können die weiterhin fälligen Alimente ein- geklagt werden.— B. 8. Sämtliche Kosten werden nach Höhe des ein- zclnen Erbteils verteilt.— M. H. 54. 1. Die Klage kann von Ihnen selbst angestrengt werden, soweit es sich um die von Ihnen aufgewendeten Kosten handelt. 2. Die Herausgabe der Sachen kann Ihre Schwägerin verlangen.— Grünau 1010. Der Wirt ist zu dem Verlangen berechtigt. — K. B. 500. Die Frage kann nur beantwortet werden, wenn Sie gleichzeitig die Beschlüsse der Gemeindebehörde und Aussichtsbehörde mitteilen. — R. B. 100. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Pavel. Die Berufung würde kaum Erfolg haben und große Kosten machen.— Vosi. 1. Nein. 2. Nein. 3. Nur wenn die Eltern bei der Bcaussichtigung des Kindes ein Verschulden trifft.— M.B., Grimmstr. Antrag beim Polizei- Präsidium stellen.— M. H. 80. Sofern nicht gerichtlicher Verlaus vor- liegt, bleibt es bei dem Mictsvcrtragc. Eine Klage gegen die Gemeinde hätte kaum Erfolg.— Prozcff. Die Sache er- fordert mündliche Rücksprache. Kommen Sie in die Sprechstunde. — F. F. Ja.— Hamann. Sie werden mit einer Klage laum Erfolg haben, da Ihnen angeboten war, weiter zu arbeiten.— Zabrze. Sie löuncn leinen Schadensersatz sordern. Wegen der zweiten Frage schreiben Sic an die Buchhandlung Vorwärts.— D. N. Dringen sie auf Be- schleunigung und reichen sie eventuell Beschwerde beim Landgerichts- Präsidenten ein, damit die Frist nicht verstreicht.— Grabow. Schristtich können lvir Fragen nicht beantworten, die Marke steht Ihnen zur Vcr- süguug.— L. C. 41. Sie können sich so verhalten, wie Sic in Ihrem Briese schreiben.— H. R. II. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Schwarz. Nein, es darf an dem betreffenden Tage nicht gezogen werden. — 31. B. C. 150. Wiederholen Sie die Frage unter Angabe, wo die Betrcffcuden den ersten ehelichen Wohnsitz gehabt haben und ob ein be- sondcrer Ehcvcrlrag geschlossen ist.— 21. Z. Dies finden Sie nirgends. — B. 31. 35. Kommen Sic mit den Statuten in die Sprechstunde.— 31. B. Grimmstr. Polizeipräsidium. Die militärischen Hebungen werden nicht erlassen. Die Kosten werden, im Falle es sich um zwei Personen Handelt, doppelte.— F. W. 11. Der Vertrag ist nicht bcdenkcnsrci. Kommen Sie in die Sprechstunde.— E. G. Zu 1: Sie können die Er- sparnisse selbst anlegen. Zu 2: Die Kosten sind zu zahlen. Zu 3: Von Beleidigungsklage raten wir im vorliegenden Fall ab, da Ihnen sonst leicht größere Kosten erwachsen können.— F. F. 99. Zu 1: Nein. Zu 2: Ja.— Soci 81. Zu 1: Versuchen Sic es mit Reklamation. Zu 2: Ja. Zu 3: Nein. Zu 4: Nein. Zu 5: Der Lehrer ist dazu berechtigt.— Müller. Zu 1: Lassen Sie sich von Ihrer Gewerkschaft Rechtsschutz ge- währen. Der Anwalt wird sodann die Sache weiter verfolgen. Zu 2: Wenn Sie dazu in der Lage sind, hasten Sie für die Kosten.— E. S. Lassen Sie durch einen KrciSphysikuS seslstellen, daß die Wohnung un- bewohnbar ist. Dann können sie ziehen.— W. R. 14. Sie haben sich strafbar gemacht, erhalten aber nur Geldstrafe.— Q. Z. V. Nein. SoeialdemoMcliJalilvereiii filr den Wachrnf! Am Mittwoch, den 23. d. M., verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Molk Karnal. Ehre seinem Andenken I 246/18 Der Liorktand. SoeiaMemokratiscIier Walüverein Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Mitglied, der Cigarrcn- Händler Franz. Wilsoet (12. Bezirk) verstorben ist. Die Beerdigung findet am Karsrettagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des neuen Rix- dorser Kirchhofes(Mariendorser Weg) aus statt. Rege Beteiligung erwartet 18/3 Der Vorstand. Für die herzliche Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Bc- crdigung meines lieben Mannes, unsres guten Vaters 106b Ernst Hohmann sagen allen Bekannten, seinen Arbeits- kollcgen, dein Gesangverein, sowie dem Wahlverein und Wahlbezirl unfern herzlichsten Dank. vis trauernde Witwe nebst Kindern. Unfern Freunden, dem Dreher- Karl It. A.D. und dem Klavier- Wilhelm D. J, D-, senden wir zum heutigen Wicgensestc ein dreimal donnerndes Hoch! 123b Kinder, wie wir leben! A. F. A. Sch. M.« A. T. DankHugung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters Lnstsv Rühl sage ich allen Freunden, Bekannten sowie dem Comptoir- und Fabrik- personal der Firma f.& M. Lautenschläger, dem Deutschen Metallarbeiter- Verband und Herrn W. Hanasse für die liebevollen Worte am sarge des Entschlafenen meinen herzlichsten Dank. Wwe. Emilie Kühl 122b und Tochter. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters 99b Engen dlthrlg sage allen Verwandte» und Bekannten, seinen Kollegen meinen herzlichsten Dank. Wwe. Berthe Jährig geb. Engelschall. Allgemeine Orts- Krankenkasse für Rixdorf. Wir machen hiermit bclannt, daß sich vom l. April d. I. ab unser Kassenlokal 272/4 isA 12, Seitenflügel 1 Tr. befindet. Am 31. d. M. bleibt die Kasse dcS Umzuges wegen geschlossen. Rixdors, den 23. März 1904. Der Vorstaud. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Donnerstag, den 31. März, abends 8'/] Uhr: Kkliichkä-NcrlliiNlilliW dkl StfUindjct Im Lokale des Herr« Prelfer, Rosenthalerstr. 57. Tagcs-Ordnung: l. Bericht der Kommission. 2. Ergänzungswahl der Kominission. 3. Branchcn-Angelcgenheiten. 4. Verschiedenes. 81/10 _ Die Kommission. 5'WdttmstcIliWt» in der Ktonin. Daubenstraste 48/49. Am 4. April, vormittags um 10 Uhr: D n s I-and Tirol. Am 17. April, nachmittags um 4 Uhr: Die Insel klingen. BillctS find auf unscrm Bureau, Engcl-Ufcr 15, zu haben. Vom 1. April befindet sich im Osten, Strastmannstraste 29, bei Kurl Rott eine neue Zahlstelle. _ Die Ortsverwaltnng. Orts-Krankenkaffe der Uhrmacher Berlins. Drdentl. General-Versammlung am Montag, 11. April, abends 9 Uhr, im Schultheiss, Neue Jakobstraße 24. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Stellungnahme zur Aerztcsragc. 3. Verschiedenes. Hierin ivcrden die D e l e g i e r t c n eingeladen. lOLb Der Vorstnnd. G. L ät s ch, Vorsitzender. Höheres technisches Institut Berlin XW. 6, Marienstr. 24. Ausbildung von Ingenieuren, Technikern u. Werkmeistern. Tages- n. Abcndkarsc. Semesteranfang: 12. April.• Garditien- älterer Muster in weiß und creme zu 1—4 Fenstern passend.s poltbillig in dein Gardinenfabrik-Lager von Sruno GüMer aus Plauen in Sachsen, Berlin D., Grüner Weg 80, part., Eingang vom Flur(kein Laden). Proben nach außerhalb portofrei. Wer- Stoff- hat. Fertige Anzug 20 M., feinste Zuthaten, 2Anprob.,sür gutenSitz gold.Medaille. EndwigEngeiPreuzlaucrstr.2311 Sllcxauderplatz. Gegr. 1892. 138/12 Bauhandwerker- Krankenkasse für Berlin und Umgegend.(Eingeschr. Hilssk. Nr. 113.) Bekannwiachung. 38/5 Nach der Neulvahl des Ausschusses hat sich derselbe gebildet und zum Vorsitzenden Herrn Otto Panzer, Berlin NW., Waldcnserstr. 16, rechter Seitenflügel IV, gewählt. An denselben sind alle Beschwerden gegen Eni- scheidungen des Vorstandes zu richten. Der Vorstand. Ferner befindet sich die Zahlstelle Norden von jetzt an Graunstr. 41 bei Bergcr. D» O. 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Thalia. Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr: Schiller O. sWallner- Theater.) Der Fleck aus der Ehr'. Schiller X.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Der Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Kleines. Elektro. Luisen. Der Verschwender. Triano». Das eiste Gebot.— Der Dieb. Carl Weist. Die Jungfrau von Orleans. Deutsch- Amerikanisches. Ucber'n großen Teich. Gebr. Herrnfcld. Nur eine Nacht. Wintcr-Gartcu. Avcttc Guilbcrt. Eostantinc Bernardi. Spcciali- täten. Mctropol. Ein tolles Jahr. Casiuo. Waldcn> Gastspiel. Raub der Sabinerinnen. Apollo. Frühlinaslust. Blüten- Hochzeit. Spccialitätcn. Mcichslinllc». Stettincr Sänger. Passagc-Thcater. Caicedo. Spccia- litäten. Ansang ä Uhr. Urania. Taubeiistraste 48/�v. Um 8 Uhr: Frühlingstage an der Rivicra. Hörsaal um 8 Uhr: Dr. G. Naß: Chemie des Wassers. Um i Uhr: Dr. du BoiS-Rcymoud: Aus dem Haushalt der freien Natur. Jntmlidenstraste 57/63. Stern- warte. Täglich gcössnct von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Schifsbauerdamm 4a— 5. Candida. Ansang VI, Uhr. Morgen: Schwester Beatrix. Kamviersänoer. Der Central-Theater. Heute VI, Uhr: jSß&~ Letzte Aussührung: Das Schwalbennest. Donnerstag u. Sonnabend abends 7'/, Uhr: vis Sloollen von Vornevillo. Romantische Operette in 8 Akten. Freitagabend 71/j Uhr: Graftes geistliches Konzert._ KOkly Thtkttt Direl- j. Lautenburg. 7'/, Uhr: DicSrnpfcblung. Abends 8 Uhr: Der Itkilschc Caßmir. Doimerstag V/, Uhr: Das groste Geheimnis. Dienstag, den 5. April: Erstes G a st s p i c l von Aileli Sonnenthal: TVathan der Waise. Luisen-Theater. Ilbcnds 8 Uhr: Der Versehwender. Donnerstag: Der Beilchensresser. Freitag: Geschlossen Sonnabend: Das Kathchen von � Sonntagnachmittag: DaS Schloß am Meer... Abends: Der Kaufmann v. Venedig. Moutagnachmittag: Kean. Zlbcnds: Der Akttenbudiker enfO' m. AUFFÜHRUNG. Anlang 8 Uhr. Ende 10Uhr30. Deutsch- Amerikanisches THEATER Köpniokerstrasse 67. Jeden Abend: Gastsp. Ad. Philipp Uebern GROSSEX TEICH. Kleines Theater. Unter den Linden 44. LIskEns, MM- Ansang 8 Uhr.-Mg Morgen: Oes Pastors Riehe. Koltbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Heute geschlossen. An allen drei OsMMgeiK Grosse Extra-Vorstellungen. {Sehiller-Theater. Schiller-Theatex* O. (Wallner-Thcatcr). Mittwochabend 8 Uhr: Der Fleck auf der Ehi*'. Volksstück mit Gesang in 3 Akten von Ludwig Anzengniber. Donnerstagabend 8 Uhr: Ferx'SoI. Fr c i t a g: Geschlossen. Schiller-Theater X. (Fricdrich-WilHclmslädtischcs. Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Oer Gei�ixe. Lustspiel in ö Akten von Moliere. Hieraus zum erstenmal: Ner eingebildete Kranke. Lustspiel in 3 Akten von Moliere. Donnerstagabend 8 Uhr: Oer Geizige. Hierauf: Per eingebiidete Kranke. Thalia-Theater. Belje-Älliauce-Theater. Dresdencrstr. 72/73. Slmt TV 4440. Ans. 7'/, Uhr. Direktion Ivan Kren Heute Mittwoch: Der Hochtourist mit vollsländ. neuen Gesangseinlagcn. An allen drei Osterscicrtagcn, nach- mittags 3ll, Uhr: Charloys Tante. Bellc-Alliancestr. 7/8. Amt VT 283. und Alfred Schöntelil. Ans. 71/, Uhr. Heute Mitttvoch: Götterweiber. AuSstatt.-Possc mit Gesang und Tanz. Sonntagnachm. 3 Uhr bei kl. Preisen: Pie Räuber. JSTup noch 7 Cage.'MW Cirkns Schumann. Heute Mittwoch, den SO. März 1OY4, abends 7'/. Uhr: Zum Besten des Freiwillige» Erzichuugsbcirats für schulentlassene Waisen. Ehrenpräsident Geh. Admiralitatsrat Dr. Eelisch, Berlin. Grosse Gala-Fest-Sport-Vorstellung unter Mitwirkung der hervorragendsten Künstlerinnen und Künstler. Fräulein Pora Schniiiann. Schulreiterin. Frferes Skremka. X Herr Jnl. Seeth mit seiner Löwcnherde. M?- Rabel. Große Pantomime. An beiden Ostcrfeicrtagen je zwei Vorstellungen. Nachmittags: Robert und Oertram. Ein Kind frei. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Frühlingstage an der Riviera. Hörsaal 8 Uhr: Dr. G. N a s s: „Chemie des Wassers." 4 Uhr: Dr. du Bois-Keymond: Aus dem Haushalt der freien Natur. Sternwarte SS; CASTANS IPANOPTICUM Friodricbstr. 163. 1 Afrika in Berlin!!! T unesen=T ruppe. I Grosse V ölkerschan. I Pie schönen Ifarems- Panien in Tunis. Metropol-Theater Zum 19. Male: Ein tolles Jahr. Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. In Scono gesetzt vom Direktor Richard Schultz. 1. Bild: Am Kleinkindersee. 2. Bild: Was giobt's Neues. 3. Bild: Das urdensfest. 4. Bild: Der neue Zapfenstreich (Parodie). 5. Bild: Briefe, die ihn erreichten (Ballett). Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Donnerstag, den 31. März und Sonnabend, den 2. April: Mein Iieopold. Ostersonntag und Ostermontag und die folgenden Tage: Ein tolles Jahr Apollo-Theater, Täglich 8 Uhr; ?HihUngsluft. 9'/,— 11 Uhr; Die grandiosen März= Specialitäten und„Magdalena", die SchBaftanzerin. 1. Osterfeiertag, nachm. 3 Uhr, zum vorlotztemnal: Frühlingslufl. Abends: Premiere: Liebesgötter. 2. Osterfeiertag, nachm. 3 Uhr, zum leztonmal: Frühlingsluft. Abends: I-lebesgötter. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen. Badstr. 58. Während der Eharwoche: Geseillossen! oonntag, 3. April(1. Osterfeiertag): Der Raub der Sabinerinnen. A n f a n g 8 Uhr. Montag, 4. April(2. Osterfeiertag): ?ecbselmteB. Ansang 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Hrrossor Ball. Belchs hallen StettinerSänger Zum Schluß: N e u Cirkns Lenz und Eirkus Pnsch. Tpianon-Theater. Georgenftrasze, zwischen Friedrich. und Universilätsstraße. Das elfte Gebot. Hieraus: Der Dieb. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachmittag:„Madame X." teege-Theeler. Anfang Sonnt. 3, Wochentags 5 Uhr. Anfang d. Abendvorstellung Q Uhr. Ganz Berlin schreit vor Lachen bei dem Redestreit der beiden teindiiehen Improvisatoren Holländer u.Steinitz. 14 erstklassige Nummern. Carl Weiss-Theater. Greste Frankfurter Strafte IZL. Letzte Vorstellung unler Direktion Carl W e i ß. Benefiz für Frl. Miiii Wichmann: Die Jungfrnu von Orleans. Trauerspiel in 3 Akten v. Fr. v.»Schiller. Ansang 8 Uhr. Donnerstag u. Freilag geschlossen. Sonnabendnachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung: Aschenbrödel. Abends geschlossen. Gebrüder Herrnfeld- A? Theater. Kur eine Kaetrt! 2 Akte ans einer Komödie von Anton und Donat Herrnseid mit den Autoren in den Hauptrollen. Im Künsllerteil u. a.: Bendix als Monna Venna. Morgen Donnerstag: „Hausierer Jodele." Vorher: „Nachtdienst." Dienstag, den 3. April, Premiere von Im andern Morgen! Nachspiel zu„SRut eine Nacht". Komödie von A. und D. Herrnseid. i. in Mr. Direktion: Robert Dill. Brunnenstrasse 10. Heute geschlossen! Wiedererössnung: Am ersten Osterfeiertag. An allen drei Feiertagen: drosse jestporstellnngen! Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. VI,. Bis Mittwoch: Der Raub der Sabinerinnen. Donnerstag und Sonnabend: ,LVie elnst:im Mai." An allen Feiertagen: Der Raub der Sabinerinnen. Sleidl-�fejheater Linien- Oranien- strasse 132 burger Thor. Heute Mittwoch, den 30. März: ber„Frltz Steldl-Sttnger" iröhels Allerlei-Theater früher Puhlmann, Schönhauser Allee 146. # Am 1., 2. und 3. Oster- \lmß Feiertag: Grosse Festvorstellung. K l I Am 2. u. 3. Osterlag: Würger Sänger Nach der Vorstellung: Extra-Freilanz. Palasl-Theafer Bnrgstraste 23, früher Feen-Palast. Von heute bis einschließlich 2. April wegen großartiger Porbereitungen zu den Osterseiertagen geschlossen. Sonntag, den 3. April 1904, nach- mittags 3 Uhr: Cäsar. Schauspiel mit Gesang in 5 Akten von Saar. Abends 8 Uhr: Dlisphäiiointiinlegroßlirtigt Feitrtngs-progrlimm. Letzte Vorstellungen. Yvette Guilhert Paulton Ii. Doley KomisoheRadfahrer Karnevals-GeisterTanz-Divertissom. Imro Fox Zauborkünstlor. Leo Billward Komischer Jonglem Madeleine Noce Sängerin, Prosper-Truppe Akrobaten. Gostantino Bernardi Verwandlungsschauspieloi Lony Elastisch-equilibr. Akt. The Seidoms Plast. Darstellungen. Biograph. Könissfadt-Kasino Holzmarktsir. 72, Ecke Alepanderstraße. Grosse Extra-Vorstellungen: Vom DienSlag, den 29. März bis Sonnabend, den 2. AprtI: Traum der Rose. L i e d e r s p i e 1 in 1 Akt. Der Kapitän. SeemannSkomödie in 1 Akt. Austreten sämtlicher Specialitäten mit Ifi-unz Sobanski. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. NU?- Karfreitag geschlossen.-TSäsZ Wer billigst 1 Rolle v. 10 Pf. an in jedem Genre, wie hochelegant, neuesten stilvoll. kaufen will, verlange den Gratiskatalog von Chr. Hartinann, Tapeten- Versandhaus Gandersheim. einfach in den Mustern Preise frei Küche für Berlin u. Vororte Vollmilch i.plomb. Flasch. 1 Llr. 20 Pf. 3.. 34.. 1 Liter 35 Pf. „ beste 1 50„ Prof. Gaertners Dänglingsmikch, trinkscrtig, je nach Alter des KindeS feinste Butter, 1 Pfd. 1,20-1,40. 83/14« SeMagsahneuJCM für Konditoreien, Hotels, Bäckereien, Casäs u. Restauranis zu Vorzugspreis. Ligarren (Zigarette» enorm billig! nurbessereQualitätenfür 1 Händler, Restaurateure und Konsumenten, spottbilliger Verkaul! Mexicos, Havanas, Sumatras, Felix Brasil. Probon von je 10 Stück I werden zu Millepreisen abgegeben. Cigarren-Leihhaus Friedrlchstr. 55.' Geöffnet 8—1 und 2—8 Uhr. 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Voigt, Elsenstr. 37, vorn III l.— Men-Welssensee: W. Reste, Gävlerstr. 46, Part. — Runinielsbnrg: Forgbert, Prinz Albertstr. 5a.— Tegel, Borsigwalde, Dalldorf und Waldmannslnst: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubartstr. 43.— Pankow: K. Kümmert, Florastr. 43. Außerdem ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu Haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. UWU- Bitte ausschneiden."MBB Marienburyer ßeld-£otterie. Staatlich genehmigt. Klehnng 14, bis 16. April er. 8840 Geld«GewllinC im Betrage vonj 355000 Mark bar. Die Hauptgewinne sind; «IM. SO III, 40000,«0 000, 2000011.°» liose a 8 M.(Porto und Liste 30 Pf. extra) empfehlen und| versenden auch gegen Machnahmc n. Briefmarken Bank. Berlin W. DanK Friedrlchstr. 198/199,| Ecke Krausenstr. veiüCliUDii auvu XW Werner& Co., Gescbäft, Adr.: Millionenecke. Monatlich ,- 10 Mark- licserc Anzüge Paletots nach Maß. Per Kasse auch billigste Preise. J. TüfflponiwsM. 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Erwogen hat der Verband der Fliesenleger, der in Berlin über 130 Mitglieder zählt gegenüber etwa 80 von der andren Seite als im Maurerverband organisiert angegebenen Fliesenleger, ob er sich nicht der Generalkommission anschließen solle, jedoch nur unter der Bedingung, daß ihm das freie Verftignngsrecht über seine Angelegenheiten und das Selbstbestimmungsrecht über seine Gelder bleibe. Vom Centralverband der Maurer trennt den Fliesen- leger-Verband grundsätzlich die Ansicht, daß der Abschluß von Tarifverträgen, wie der letzte der Maurer einer ist, im Baugewerbe von größerem Schaden als von Nutzen ist. Trotzdem Iveist der Ein- sender den Gedanken einer Einigung nicht zurück. Er glaubt aber nicht, daß eine solche dadurch zu stände kommen kann, wenn etwa der Centralverband der Maurer die Sache als eine Machtfrage behandelt.„Will man im Ernste eine Verständigung," so heißt es in der Zuschrift,„so muß man einen Boden suchen, auf dem sich die Interessen begegnen." Der Einsender läßt sich über dieses Thema nicht weiter aus. Wir meinen, dieser Boden ist zuerst zu finden auf dem gemeinsamen Kampfplatz gegen das Kapital. Beide Organisationen sollten es sich zur Regel machen, nie Streiks oder Sperren zu verhängen ohne Einverständnis der andern Organisation. Auch bei Abschluß von Verträgen sollte man stets gemeinsam vorgehen. Bei einem solchen Zusammenwirken werden die Differenzpunkte bald auf ein Minimum zusammenschrumpfen und es steht dann auch einem fornrellen Zusammenschluß bald nichts mehr im Wege. Vor allem aber mögen die großen Centralverbände den bisherigen Lokal- organisationen nicht hindernd in den Weg treten, wenn diese die Absicht bekunden, fich den von den Centralverbänden geschaffenen Institutionen anzuschließen. Generalkommission und Berliner Ge- lverkschastskommission mögen den bisherigen Lokalisten in liberalster Weise offen stehen. Auch hier wird das engere Zusammenleben die endgültige Einigung beschleunigen helfen. Zur Lohnbewegung der Bäckergesellen. Nachdem bereits vor einer Woche eine stark besuchte öffentliche Bäckerversammlung zu der einzuleitenden Lohnbewegung Stellung genommen hatte, befaßte sich gestern nachmittag eine außerordentliche Mitgliederversammlung abermals mit der Angelegenheit. Nach lebhafter Debatte, in der unter anderm W e i d l e r erklärte, daß auch die Konditoren am heutigen Mittwoch endgültig Stellung zu der Lohnbewegung nehmen würden, beschloß die Versammlung, nunmehr umgehend die Forde- rungen den Innungen durch die Gesellenausschüsse zu unterbreiten; gleichzeitig aber darauf zu dringen, daß an den Verhandlungen drei Vertreter des Bäckerverbandes teilnehmen. Uebcr das Resultat der Verhandlungen soll alsdann über 14 Tage in einer weiteren Ver- sammlung Bericht erstattet werden.— Bemerkt sei, daß die Polizei durch Stellung eines starken Aufgebotes von Schutzleuten ungewöhn- liche Sicherheitsmatzregeln ergriffen hatte, die sich natürlich als überflüssig erwiesen._ Achtung, Metallarbeiter! Die Vereinigung der Metallwaren-Fabrikanten hat unterm gestrigen Datum an die Berliner Zeitungen(natürlich mit Ausnahme des„Vorwärts") eine Zuschrift folgenden Inhalts versandt: „Der Deutsche Metallarbeiter-Verband versucht von neuem den kaum wieder hergestellten Frieden zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern in der Metallwaren-Branchc zu stören. Auf seine Anweisung haben die Arbeiter der Metallgießerei von L. Knoll Hierselbst, Linienstr. 1öS, ihrem Arbeitgeber den Entwurf einer von der hiesigen Ortsverwaltung des Verbandes ausgearbeiteten Vereinbarung zur Unterschrift vorgelegt; dieser Entwurf enthält in der Hauptsache wieder dieselben Forderungen, deren Ablehnung den Ausstand im Herbst vorigen JähreS herbeigeführt hat. Da die Annahme dieser Forderungen auch jetzt verweigert werden niußte, haben die Arbeiter der Firma am 21. d. M. die Arbeit niedergelegt. Sie sind bisher im Ausstände verblieben, obwohl in späteren Verhandlungen, welche die Firma mit dem Lohnausschuß ihrer eignen Arbeiter unter Ausschaltung des Verbandsbevollmächtigten führte, eine Lohnerhöhung und einzelne andre Forderungen bewilligt wurden. Auch der Vorstand der Vereinigung Berliner Metallwaren-Fabrikanten, an toclchen die Firma Knoll als Mitglied fich gewendet, hat getreu seinem Grundprincip eine Verhandlung mit dem Metallarbeiter-Verbande abgelehnt und den Beschlutz gefaßt, sich ihres Mitgliedes mit vollster Energie anzunehmen. Nach den infolge des letzten Streiks ergänzten Satzungen sind, sofern der Aus- stand nicht binnen drei Wochen beendet ist, sämtliche der Ver- einiauna angehörigen Fabrikanten verpflichtet, zunächst zehn Prozent und in der Folge weitere Teile ihres Arbeiterbestandes ZU entlassen. Diese Maßnahmen sind durch die Notwehr ge- boten, um der jetzigen Taktik des Metallarbeiter-Verbandes, den einzelnen Arbeitgeber zur Unterwerfung zu zwingen, wirksam entgegentreten zu können." Hier soll also wieder einmal die vollständige Schuldlosigkeit der 5kühnemänner nachgewiesen werden. Wir bezweifeln daß es den Herren gelingt, jemanden zu finden. der ihnen das glaubt. Doch sehen wir uns die Einzelheiten der Zuschrift einmal näher an: Was zunächst die Behcuchwng anlangt, daß die Arbeiter dem Inhaber der Firma die Forderungen auf Anweisung deS Metallarbeiter- Verbandes unterbreitet haben, so ist zu bemerken, daß diese Be- haupwng darauf zurückzuführen ist, daß es bei den Kühnemännern geradezu zur fixen Idee geworden ist, daß alle Forderungen, die gestellt werden, nicht von den Arbeitern gewollt sind, sondern daß diese durch die Organisation zum Vorgehen gezwungen werden. Die Kühnemänner vom Gegenteil zu überzeugen. halten tvir für ausgeschlossen und machen wir deshalb hierzu erst gar keinen Versuch. Wenn es aber in der Zuschrift heißt, daß diese Forderungen ab- felehnt werden mußten, so ist dem entocaenzuhalten. was Herr Nasse, er Generalsekretär selbst zugab, daß nämlich die Forde- rungen der Arbeiter durchaus berechtigt und erfüllbar sind. Herr Nasse giebt zu daß alles, was von den Kollegen bei Knoll gefordert wird, bei den Konkurrenz- firmen, die zum Teil sogar Mitglieder der Vertraucnskommission find, seit Jahren bereits besteht. Trotzdem wagen die Herren zu schreiben: Die Forderungen mußten ab- gelehnt werden. Eine solche Handlung heißt: Die Oeffentlichkeit gröblich düpieren. Was die Zuschrift weiter sagt vom Grundprinzip und der AuS- fllhrung der neuen Streik- und Alissperrungsbestimmungen, ist lediglich eine Bestätigung dessen, was wir im gestrigen„Vorwärts" über die Grundsätze der Kühnemmmer gesagt haben. Durch die heutige Veröffentlichung wird bestätigt, daß es den Herren darum zu thun ist, jeden Versuch der Arbeiter, durch Forderungen ihre Lage zu verbessern, brutal niederzuknütteln; nicht, weil die Forde- rungen zu hoch sind, sondern weil überhaupt gefordert wird. Der Arbeiter soll mit dem zufrieden sein, was die Herren Kühnemünner„ihren" Arbeitern gnädigst bewilligen. Der Schluß der Zuschrift, wonach die Kühnemänner durch unsre Taktik zu ihrem Vorgehen gezwungen sind, beruht auf falscher Voraussetzung, und soll wohl auch lediglich dazu dienen, das Vor- gehen der Herren vor der Oeffentlichleit mit einem Schein von Berechtigung zu umgeben. Zur Aufklärung sei hier mitgeteilt, daß es sich lediglich um eine» einzelneil in sich abgeschlossenen Fall handelt, in einem Be- trieb, wo die Lohn- und Arbeitsbedingungen geradezu unerträglich geworden sind. Wollen die Herren trotzdem die Sache zum Ausgangspunkt einer Aussperrung machen, so fällt die Verantwortung dafür den Kühne- männem zu. Darum erwarten wir auch in aller Ruhe den Angriff der Kühnemänner. Nicht Unterwerfung der Arbeitgeber wollen wir, sondern An- erkennung der Gleichberechtigung der Arbeiter bei der Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Dir Maßschuhmacher beschäftigten sich in einer Versammlung am Montag mit dein Ergebnis ihrer Tarifverhandlunaen. Der im Mai vorigen Jahres geführte Streik brachte den Maßschuhmachern eine Erhöhung der am geringsten entlohnten Arbeiten. Der Streik tvurde damals beigelegt unter der Bedingung, daß über eine Aufbesserung der in den besseren Maßgeschäften gezahlten Stücklöhne zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern verhandelt werde. Die Ver- Handlungen sind seitdem durch eine paritätische Kommission geführt worden. Die Arbeiter forderten während der Verhandlungen zu den bisherigen Lohnsätzen einen Zuschlag von 1 M. für Herrenarbeit und 1,26—1,50 M. für Damenarbeit. Das wollten die Arbeitgeber nicht bewilligen, und obwohl die Verhandlungen sich sehr in die Länge zogen, konnte ein Einverständnis zwischen den beiderseitigen Verwetern nicht erzielt tverden. Schließlich machten die Vertreter der Arbeitgeber folgendes endgültige Angebot: Zu dem Tarif, der bis zum 1. Mai 1903 gezahlt wurde, werden Aufschläge bewilligt von 25 Pf. für Herrenböden, 50 Pf. für Damenböden, 50 Pf. für hohe Stiefel einschließlich Böden, 25 Pf. für Morgenschnhe und Pantoffeln. Fünf Firmen, welche als die besten Maßgeschäfte gelten und sauberste Arbeit verlangen, zahlen für Damenböden 50 Pf., für Herrenböden sowie hohe Stiefeln 75 Pf. Ausschlag. Dieser Tarif, der zwischen der Vereinigung der Maßschuhmachermeister und dem Verein deutscher Schuhmacher sOrtsverwaltung Berlin) abgeschlossen ist, gilt vom 1. April 1904 bis 1. April 1908.— Die Versanunlung sprach sich dahin aus, daß das Angebot der Arbeitgeber zwar erheblich hinter den Ursprung- lichen Forderungen der Arbeiter zurückstehe, daß aber zur Zeit nicht mehr erreicht werden könne. Da etwa 150 Arbeiter, das ist die Mehrzahl der auf bessere Maßarbeit beschäftigten, die höheren Zu- schlüge von 50 resp. 75 Pf. erhalten, so stelle der Tarif immerhin einen annehmbaren Erfolg dar, tvenn er auch hinter den berechtigten Wünschen der Arbeiter zurückbleibe. Die Versammlung erklärte sich nach eingehender Diskussion mit 101 gegen 36 Stimmen für den Tarifvertrag. Derselbe ist somit angenommen und tritt am 1. April in Kraft. Achtung, Bergolder Berlins! Da die Hauptforderungen durch die Fabrikantenvereinigung abgelehnt worden sind, ersuchen wir alle bei Ringfabrikanten und alle bei den Zwischenmeistern, welche für die Ringsabrikanten arbeiten, beschäftigten Kollegen und Kolleginnen, vorläufig keine neue Arbeit vorzunehmen, bis die am Mittwochabend stattfindende Versammlung über unsre fernere Maß- nahmen entschieden hat. Alle, welche dadurch arbeitslos werden, haben fich sofort auf unserm Streikbureau. Andreasstt. 26 bei Merkowski, vormittags von 9—11 Uhr, zu melden. Der Vorstand _ des Verbandes der Vergolder. Achtung, Schuhmacher! Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Mlzschiuhfabrik von Schweiger, Rungestr. 20, haben sämtlich die Arbeil niedergelegt. Die Ursache der Arbeitsniederlegung sind Lohndifferenzen, welche cnt- standen sind durch Einführung eines neuen Artikels, für welchen Herr Schweiger nicht de« Lohn zahlen will, wie er sonst üblich ist. Die Ortsverwaltung des Vereins deutscher Schuhmacher. Achtung, Maler und Anstreicher! Zuzug nach Spandau ist fernzuhalten. Die dortigen Kollegen stehen seit gestern im Streik. Einige Spandauer Meister haben Bauten in der Umgegend Berlins: 1. Denkler einen Bau in Schöncberg in der Gotenstraße. 2. Bürger einen Bau in Steglitz, Stubenrauchplatz, und einen Bau in der Oudenarderstr. 1. 3. R u p k e einen Bau in Wilmersdorf. Holsteiner- und Gasteiner- strahcn-Ecke, und einen in Tegel, Bahnhofstr. 3. DieseBauten sind gesperrt. Die Vereinigung der Maler, Anstreicher usw. Ortsverwaltuug Berlin. DeutTchee Reich. Die Lohnbewegung der Bäcker in Kiel nimmt einen günstigen Fortgang. Im ganzen arbeiten von etwa 240 Gesellen 141 zu den neuen Bedingungen. ES wurde beschlossen, daß die zu den neuen Bedingungen Arbeitenden 10 Proz. ihres Verdienstes an den Streik- fonds abzuliefern haben. Die Lohnbewegung der Tapezierer in Kiel ist durch Ver- einbarung mit den Prinzipalen erledigt worden. Anstatt des ge- forderten Minimal-Stundenlohnes von 50 Pf. hat man sich auf 47 Pf. geeinigt. Die übrigen Forderungen der Gehilfen sind samt- lich bewilligt. Auf dieser Grundlage haben sodann die beteiligten Parteien einen zweijährigen Vertrag abgeschlossen. Der neue Tarif tritt bereits am 1. April in Kraft. Die Tischler von Solingen sind mit dem 7. März in eine Lohnbewegung getreten. Die Hauptforderungen sind: Einführung der lll/zstündigen Arbeitszeit und eine Erhöhung der Stundenlöhne um 10 Proz. Die Arbeitgeber stellten sich von Anfang an auf einen den Gehilfen Aussicht versprechenden Standpunkt. Aus daS Drängen einiger Scharfmacher haben sie sich aber vereinigt und die Unter- Handlungen zwischen ihnen und der Lohnkommisston führten zu keinem gewünschten Ziel. Infolge dessen haben die Unternehmer die Unterhandlungen abgebrochen und verlangen, daß jeder Gehilfe durch Unterschrift sich verpflichtet, zu den von ihnen gestellten Bedingungen weiter zu arbeiten, andernfalls die Gehilfen ausgesperrt werden sollen. Ein Konflikt scheint daher unvermeidlich bevorstehend. ES wir daher dringend ersucht, den Zuzug von Bau- und Möbel- tistblern fernzuhalte». Die Zahlstelle Solingen des Deutschen Holzarbeiter-VcrbandeS. lieber den drohenden Ausstand auf der Zeche„Deutscher Kaiser" telegraphiert uns unser Dortmunder Korrespondent: Dortmund, 29. März. Wegen Maßregelung von Verbands- Mitgliedern drohte, wie schon gemeldet, auf der Gewerkschaft „Deutscher Kaiser" in Bruckhausen ein Streik. Die Kommission der Arbeiter wurde heute früh auf dem Oberbergamt vorstellig, wurde jedoch abgewiesen. Jede Bermittclung wurde abgelehnt. Die Lage ist sehr kritisch, da es nicht möglich ist, beruhigend auf die Leute einzuwirken. Alle Lokale werden abgetrieben. Lohnbewegung der Fliesenleger. Die Fliesenleger Bochums sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Zuzug von Fliesenlegern nach Bochum ist deshalb fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Busland. Die Fleischwaren- Arbeiter in Helsingborg haben durch Verhandlungen mit ihren Arbeitgebern eine Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse: die Abschaffung des Kost- und Logis- s y st e m s, den zehnstündigen Arbeitstag und einen Minimallohn von 20 Kronen und für die ersten Gehilfen von 23 Kronen erzielt. Die Aussperrung in der Diamantindustrie. In Antwerpen scheint jetzt eine Einigung nahe bevor- zustehen. Am Sonnabend haben dort Verhandlungen zwischen den Vertretern des Antlverpener Diamantarbeiter- Verbandes und der dortigen Juweliers-Vereinigung stattgefunden. Das Ergebnis wird vorläufig von beiden Seiten geheim gehalten. Die Verhandlungen werden fortgesetzt und es ist wohl zu erwarten, daß sie zu einem guten Resultat führen werden._ Der Textilarbeiter-Streik in Roubaix. Die Zahl der Ausständigen ist gestern stark angewachsen. Während am Montag nur in 40 Fabriken die Arbeit eingestellt war. sind cS jetzt deren 65. Gegen 4000 Ausständige, die am Montag gezählt wurden, feiern nunmehr 15 000. Inzwischen beeilen sich die Behörden, gegen die Streikenden die Argumente der modernen Gesellschaft austnarschieren zu lassen. „Laffans Bureau" meldet aus Paris: Aus Lille sind zwei Schwadronen Kavallerie nach Roubaix abgegangen. Auch in Lille selbst gärt es. Die Textilarbeiter beabsichtigen, sich mit denen von Roubaix solidarisch zu erklären. Ein Meeting ist für heute(Montag) mittag zu diesem Zwecke einberufen. In Charlesville wird ebenfalls der Ausstand proklamiert werden._ Ausstände in Amerika. New Dork, 26. März.(Lassan- Meldung.) Am 1. Mai werden allem Anschein nach 27 090 ungelernte Arbeiter in New Dork in den Ausstand treten, um die Anerkennung des Gewerkschaftsprincips und Lohnerhöhungen durchzusetzen. Seit 14 Tagen sind bereits 15 009 Mcmrer ausständig, um höhere Löhne zu erlangen. Durch den Aus- stand der Maurer ist die Bauthätigkett zu vier Fünfteln lahmgelegt. lokales. Zwanzig Jahre ist heute unser Blatt alt. Am 30. März 1884 erschien die Probe- Nummer des„Berliner Volksblatts", nachdem Berlin über 5 Jahre ohne socialdemokratische Presse gewesen war. Die Versuche der Parteigenossen, für die im Oktober 1878 auf Grund des Socialisten- gesetzes verbotene„Freie Presse" durch Herausgabe ganz harmloser Blätter einen teilweisen Ersatz zu schaffen, scheiterte an der Bismarckschen Polizeibrutalität, die selbst dem rigorosen Socialisten- gesetz entgegen auch solche Blätter gleich am Tage ihres Erscheinens unterdrückte, in denen von socialdemokrattschen Bestrebungen, ge- schweige denn von Handlungen gegen das Ausnahmegesetz, auch nicht entfernt die Rede war. Einzig die Vermutung, daß die harmlosen Blätter von Socialdemokraten herausgegeben seien, genügten für die Polizei, das Eigentum der Herausgeber zu zer- stören. AlS Ersatz diente dann der Züricher„Social- demokrat",f der wie in ganz Deutschland so auch in der Reichshauptstadt eine beträchtliche Verbreitung hatte, jedoch selbst- verständlich den an eine Tageszeitung gerichteten Ansprüchen der Arbeiterschaft nicht genügen konitte. Im Jahre 1833 wurde die Stadtverordneten-Versammlung auf- gelöst und dem Polizeiminister Puttkamer paßte eS damals in den Kram, der Arbeiterschaft einen etwas freieren Spielraum zu lassen. Sie schien ihm gut genug, neben dem Radau-Antisemitismus als Sturm- bock gegen das Fortschrittlertum im Roten Hanse zu dienen; freilich mochte man nicht erwartet haben, daß die Socialdemokratie bei diesen Wahle» sofort stinf Mandate erobern würde. Ende 1883 machten die Parteigenossen sich auch daran, öffentlich eine Organi- sation zu schaffen; es wurden Arbeiter-Bezirksvereine gegründet, die einige Jahre unbehelligt blieben und erst 1886 der wieder stärker erwachenden Polizeiwut zum Opfer fielen. Zu Beginn des JahrcS 1884 fanden wir in unsrem Partei- genossen Babing einen Drucker, der bereit war, seine Existenz aufs Spiel zu setzen. Denn es darf nicht vergessen werden, daß die Gründung eines socialdemokrattschen Blattes damals für den Heraus- geber nicht allein die Vernichtung seiner Subsistenzmittel im Gefolge haben, sondern auch seine Ausweisung aus Berlin bedeuten konnte. Der am 25. März 1884 verbreitete Prospekt des neuen Blattes ließ über dessen socialdemokratische Haltung keinen Zweifel. Wenn auch der Name der Partei mit keinem Wort darin erivähnt war, so waren doch eine ganze Reihe von Forderungen in dem Flugblatt erhoben, die keine andre Partei als die unsrige sich zu eigen machte. Der Prospekt blieb unbeanstandet und am 30. März, einen, Sonntage, erschien die erste Nummer des„Volksblattes" in einer Auflage von 50 000 Exemplaren. Sie war verhältnismäßig farblos gehalten, gewiß, aber dennoch konnte auch über ihren socialdcniö- kratischen Charakter kein Zweifel bestehen. Es stand damals die Verlängerung des Socialistengesetzes im Reichstage auf der TageS- ordnung und der Leitartikel der Probenummer befaßte sich mit der brennenden Frage. Im übrigen beschränkte sich der politische Teil des Blattes wesentlich auf das einfache Registtieren von Thatsachen und der lokale Teil auf die Mtteilung der ortsüblichen Neuigkeiten. Ueberhaupt Ivar das Verhältnis dieser beiden Teile eine Art Grad- messer der Situation. Ließ der Polizeidruck ein wenig nach, dann wurde die Politik ausgedehnt; war Brutalität Trumpf, wurden Massenausweisungen verübt, dann wuchs der lokale Teil beinahe über seine nornialen Grenzen hinaus und ebenso gab es dann Plaudereien und wissenschaftliche Feuilletons in schwerer Fülle. So war eS denn möglich, unser Blatt durch die Klippen des Schandgesetzes hindurchzulotsen. Nur eine Nummer der Zeitung wurde verboten, nämlich die vom 23. Oktober 1837 wegen eines „Es lebe eine wahrhaft deutsche Arbeiterpartei" überschriebeuen Artikels. Von dem Verbot des ferneren Erscheinens nahm die Polizei jedoch Abstand. Freilich hat die jüngere Generation keine Ahnung davon, welche Fülle von Nerventtast Tag für Tag vergeudet werden mußte, u», nach menschlichen, Ermessen das Blatt unter dem Soctalistengesetz schwer angreifbar zu machen und doch ihm seinen arbeiterfreund- lichen Charakter zu bewahren. Heute hat der Verantwortliche einer socialdemokrattschen Zeitung gewiß auch schwere Mühe, sein Blatt dem Staatsanwalt aus den Fingern zu winden, aber immerhin setzt der Redakteur nicht mehr als die Freiheit seiner Person aufs Spiel. Dan, als kostete das Verbot eines Blattes zwar nicht einer einzelnen Person die Freiheit, wohl aber sprengte eine solche Gewaltthat zehn- tausende Mark an Arbeitergroschen in die Luft, verurteilte zahlreiche Familien zum Hungern, machte eine Anzahl Redakteure und Mit- arbeiter durch die gleichzeitig verhängte Matzregel der Ausweisung heimatlos. Ilm alles zu verhüten, was nach menschlicher Berechmmg der Polizei Anlatz zum Einschreiten geben könnte, war nicht allein der Redakteur, sondern auch der Verleger Nacht für sNacht auf dem Posten. Unter dem Socialistengesetz ging die Staatsretterei eben gleich aufs ganze und behelligte wenigstens mit weitläufigen Prozessen nicht erst lange Staatsanwalt und Gerichte. Solchen Prozessen, deren erster anr 25. September 1884 übrigens mit Freisprechung nnfres Redakteurs endete, lagen daher auch zumeist nur Privatbeleidigungsklagen zu Grunde. Aber wenn wir auch von der stets über uns schwebenden Matzregel der gewaltsamen Vernichtung zahlreicher Existenzen absehen, hatte das„Berliner Volksblatt" anfänglich auch ohnedies materiell einen schweren Stand. Nach mehrmonatlichem Bestehen erschien das Blatt in einer Auflage von rund 2400 Exemplaren. Die Agitation bei den Reichstagswahlen im Herbst 1884, deren Ertrag in der Eroberung des vierten und sechsten Berliner ReichstagS-Wahlkreises bestand, brachte auch der Zeitung einen Zuwachs an Abonnenten; jedoch betrug die Auflage Anfang 1890 immerhin erst 10000 Exemplare. Ein Jahr darauf, nach Aufhebung des Socialistengesetzes, zählten wir einige zwanzigtausend, nach zehnjährigem Bestand 1894 un- gefähr 43 000 und heute, nach 20 Jahren 83 000 zahlende Abon- ncntrn. Kein einziges politisches Blatt Berlins kommt an Ver- breitung heute dem Centralorgan der Socialdemokratie gleich I Mit schweren Opfern hat dieser Erfolg in den zwanzig Jahren erkauft werden müssen. Es zählen mit die Ausweisungen, eS zählen mit die zahllosen Gefängnisstrafen, die das Socialistengesetz in den Jahren von Deutschlands tiefster Schmach über eine Anzahl tüch- tiger, mehr oder minder mit unserm Blatt in Verbindung stehender Parteigenossen verhängte. Und dann, als das Schandgesetz fiel, be- gann die Verfolgung des freien Wortes auf Grund des g e- meinen Rechtes, begann die heute noch blühende Aera un- glaublicher Pretzprozesse. Nach einer Aufzählung, die auf absolute Genauigkeit keinen Anspruch macht, sind seit dem Fall des Gesetzes im Jahre 1890 bis zum heutigen Tage über die ver- antwortlichen Redakteure unsres Blattes verhängt worden 100 Monate Gefängnis, 3 Monate Festungshaft und 6 Wochen Haft, ungerechnet die zahlreichen, sich in die zehntausende Mark be- laufenden Geldstrafen. Die heute in unsrem Bau thätigen Redakteure tragen im ganzen 108 Monate Gefängnis auf ihren Schultern; unbestraft ist keiner von ihnen. Wir zählen die Wunden in dem ehrenvollsten Kampfe nicht auf aus Renommiersucht und ebenso ziemt es uns nicht, in Wehleidigkeit mit den gebrachten Opfern zu prunken. Aber diese Wunden stählen im Befreiungskampf der Menschheit, and sie sollen die, die uns nach- folgen werden, ermutigen, ebenfalls tapfer dem Feinde die Stirn zu bieten. Und wie die Rührseligkeit wahrlich nicht unser Fall ist, so soll uns auch der Rückblick auf die Toten, die wir in den ver- flossenen 20 Jahren verloren haben, nicht zur Wehmut stimmen. Männer wie Hasenclever, KokoSky, Engels. Echoen- I a n k und Liebknecht werden uns Lebenden zum Vorbild dienen, sie erfüllen uns mit Stolz und spornen uns an, das Werk, das sie begonnen haben, nach Kräften weiter zu fördern. Keine Macht der Welt kann heute die Socialdemokratie vernichten. Die Streiche, welche die Feinde gegen uns führen, stärken und er- mutigen uns; wirklich geschädigt werden kann die Socialdemokratie nur durch sich selber, durch Zwietracht in ihren eignen Reihen. Und datz deren böser Geist gebannt werde, dafür haben wir allesamt zu sorgen, vom Ersten bis zum Letzten, ja die„Letzten", die grotze Masse der Parteigenossen, zumeist. Sie haben unausgesetzt die an erster Stelle stehenden Parteigenossen daran zu erinnern, datz die Meinung des Einzelnen, und sei er auch noch so hervorragend, zurücktreten mutz vor dem Ziele; dies Ziel aber ist dasselbe, das es vor zwanzig Jahren war: Die Befreiung des Pro- letariats vom kapitalistischen Joch, die Sociali- sierung der Kulturmenschheit. Dies Ziel im Auge sollen wir weiter unsre Pflicht erfüllen, wie sie die verflossenen zwanzig Jahre hindurch getreulich von unsrem Blatt erfüllt worden ist._ Achtung, zweiter Wahlkreis, Süden. Am Karfreitag: Herrenpartie nach Grünau. Treffpunkt 8 Uhr früh am Görlitzer Bahnhof; Frühstück in Karolinenhof, Mittag im„Gasthof zur Palme", Schmöckwitz, später zu Mörschel, Ziegenhals-Niederlehme bei Zeuthen. Rege Beteiligung rst erwünscht. Neber die Gültigkeit der Wahl unsres Genossen Kerfin zum Berliner Stadtverordneten wurde gestern vor dem hiesigen Bezirks- ausschutz verhandelt. Bekanntlich ist die Wahl von der Stadt- verordneten-Versanrmlung für ungültig erklärt und gegen diese Un- gültigkeitserklärung von Kerfin Klage erhoben. Nach circa ein- ständiger Verhandlung, in der Kerfin durch den Genossen Dr. Karl Liebknecht und die Stadtvcrordneten-Versammlung durch Justizrat Cassel vertreten wurde, beschloh der Bezirksausschutz in längerer Be- ratung, umfangreichen Beweis zu erheben. DaS Kuratorium des Bich- und Schlachthofes hielt am Dienstag eine Sitzung ab. Sieben der Erledigung einer Reihe Verwaltrings- und Personalfragen wurde beschlossen, wegen der Zählung des dem Viehhof zugeführten Viehes mit der Eisenvahndirektion ein Ab- kommen zu treffen in der Gestalt, datz mit Hilfe eines städtischen Beamten eine genaue Statistik ermöglicht wird.— Herrn Ring(Milch- Ring) auf seine neuesten Anzapfungen betreffs der Verzinsung des städtischen Vieh- und Schlachthofes zu antworten, wurde mit Rücksicht darauf abgelehnt, datz auch frühere Antworten den Herrn nicht zu Revisionen seiner Rechen- kunststücke veranlaht haben, so datz man mit Recht annehmen müsse, er beabsichtige nur eine Pretzpolemik herarrfzubeschwören, um für sein Unternehmen, den Mager-Viehhof, Reklame zu machen. ES beschäftigte dann ein Antrag des Polizeipräsidiums, welcher die Frage des Personenverkehrs auf der Ringbabnstation„Central-Viehhof" betraf, das Kuratorium. Am 5. Dezember vorigen Jahres wurden durch eine scherlgewordene Kuh acht Passanten verletzt. Die Passage über den städtischen Viehhof hat bei einem Verkehr von circa zwei Millionen Menschen pro Jahr nach der Ringbahnstation sich auf die Dauer fiir undurchführbar erlvieserr, so datz sich daS Kuratorium in dieser Hinsicht den Bedenken des Polizei- Präsidenten anschlotz und die kgl. Eisenbahndirektion auffordern wird, Abhilfe zu schaffen. Die Verwaltung wird zu ihrer eignen und des Publikums Sicherheit gezwungen sein, den städtischen Vieh- und Schlachthof zu sperren. WaS kostet eine Reise nach St. Louis zur Weltausstellung? Die Kosten einer Reise nach St. Louis und zurück lassen sich über- schlagen, nachdem die ainerikanischen Eisenbahngesellschaften die Fahr- preise unter sich verabredet haben. Eine Rückfahrkarte von Berlin nach Bremen, deren Gültigkeit von 45 Tagen tvohl in den meisten Fällen ausreichen wird, kostet in der dritten Klasse 20. in der zweiten ungefähr 30 M. Nach Hamburg ist der Preis eine Kleinigkeit aeringer. Der Mindestpreis fiir die Ueberfahrt von Bremen nach New Jork beträgt vom 1. Mai bis zum 31. Oktober in der ersten Kajüte 320 M., in der zweiten 220 M., im Zwischendeck etwa die Hälfte dieser Summe. Es fragt sich aber, ob man einen Kajütenplatz zu diesem Preise noch vorfinden tvird. Bei der Entnahme von Rückfahrkarten tverden in der ersten Klasse 10 Proz., in der zlvcitcn 5 Proz. vom Preise für die Rückfahrkarte abgezogen. Von New Jork nach St. Louis geben die zahlreichen beteiligten Eisenbahn- Gesellschaften Rückfahrkarten aus. deren Preis mit der Dauer der Gültigkeit steigt. Zählt man 23'/i Dollar, so gilt die Karte 15 Tage, zahlt man 29 Dollar 35 Cents, so hat sie eine Gültigkeit von 00 Tagen. Rückfahrkarten zu 34 Dollar gelten für die ganze Saison. Die Fahrkarten berechtigen zum Aufenthalt in Philadelphia, Baltimore und Washington. Ein Schlafwagenplatz von Nelo Jork nach St. Louis kostet 6 Dollar. Wenn man über Chicago und Niagara- fälle reisen will, so erhält man sechzigtägige Rückfahrkarten für S2'/2 Dollar, Saisonkarten für 39 Dollar. In Amerika giebt es nur eine Wagenklasie. Der Dollar ist mit 4,20 M. zu berechnen. Hiernach lassen sich die Kosten für die Beförderung leicht überschlagen. Es kommen noch die Ausgaben fiir die Getränke auf See und die übrigen Reisekosten auf Land in Betracht, die nach den Ansprüchen der Reisenden schwanken. Was die Zeit fiir die Ueberfahrt betrifft, so mutz man fiir die Reise nach Bremen einen Tag, für die Ueberfahrt sechs bis sieben und fiir die Landreise in Amerika zwei Tage rechnen. Sumnia Summarum werden sich nicht allzuviele Arbeiter das Vergnügen einer Reise nach St. Louis leisten können. Aus der„Stiftung eines Ungenannten" sollen einmalige Unter- stützungen im Betrage von wenigstens 30 M. an solche Weber und Stuhlarbeiter(Weber, Wirker, Naschmacher, Zeugmacher, Tuchmacher, Strumpf- und Seidenwirker), Meisler und Gesellen vergeben werden, welche zwar der öffentlichen Armenpflege nicht anheimgefallen sind, aber sich in Geldverlegenheit, namentlich was die Zahlung der Wohnungsmiete betrifft, befinden. Betverber müssen sich seit mindestens zwei Jahren in Berlin niedergelassen haben. Hauptsächlich sollen diejenigen berücksichtigt werden, welche mehr als vier Kinder unter 14 Jahren haben. Gesuche mit Angaben über die Dauer des Aufenthalts in Berlin und über die Zahl der anr Leben befindlicken Kinder unter 14 Jahren sind bis 10. April d. I. an die städtische Stiftungs-Deputation, Poststr. 10, 2 Treppen, zu richten. Der auf das peinlichste berührte Polizcilieutcuant. In einer von socialdemokratischer Seite einberufenen öffentlichen Reichstagswähler- Versammlung führte der Genosse Mars aus dem sechsten Berliner Wahlkreis den Vorsitz. Als sich nach dem einleitenden Referat kein Gegner, trotz mehrfacher Aufforderung, zum Wort meldete, schloß Mars die Versammlung nach dem polizeilichen Bericht mit den Worten: Ich fordere auf, ein Hoch auszubringen auf die inter- nationale revolutionäre Socialdemokratie: die völkerbefreiende Socialdemokratie lebe hoch!— Genosse Mars wurde wegen groben Unfugs angeklagt und in zweiter Instanz vom Landgericht Berlin I zu einer Woche Haft verurteilt. Das Landgericht ging davon aus, datz revolutionär soviel wie gewaltsam bedeute und datz darum durch ein Hoch auf die revolutionäre Socialdemokratie, das in einer öffentlichen, auch von Gegnern der Socialdemokratie besuchten Wähler- Versammlung ausgebracht werde, den äußeren Bestand der öffent- lichen Ordnung gefährde. Die Gegner würden dadurch belästigt. Auch der anwesende Beamte, Polizeilieutenant Horn, sei in seinem Frieden gestört, in seinem Empfinden belästigt und auf das pein- lichste berührt worden.— Angeklagter legte Revision ein und machte geltend, datz man heute mit dem Wort revolutionär durchaus nicht den Gedanken an etwas Gewaltsames verbinde. Hier habe nur die reformatorische Kraft der Partei betont werden sollen. Das K a m m e r g e r i ch t verwarf jedoch die Revision als unbegründet. Auf Grund des Thatbestandes sei mit Recht grober Unfug an- genommen worden. Allerdings komme es auf das Empfinden des überwachenden Polizeilieutenants nicht an. Mit der Erhaltung deS Opernhauses soll sich eine Jmmediat- eingäbe an den Kaiser beschäftigen, die die Berliner Architekten planen. Der Kaiser soll gebeten werden, das in künstlerischer Be- ziehung wertvolle alte Gebäude seiner früheren Bestimmung als Stätte fiir Konzerte und Redouten wiederzugeben. In der gestrigen Versammlung des Architektenvereins im Architektenhause kam es in dieser Angelegenheit zu einer lebhaften Aussprache. Geh. Baurat Launer vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten, der der Opernhaus- Kommission angehört, referierte iiber die Feuersicherheit in den Theatern. Gegenüber dem Baurat Gräfe, der im Verein mit andren Mitgliedern die Erhaltung des Opernhauses wünschte, betonte der Referent, datz bisher noch keine Entscheidung über den Platz eines Neubaues und über die Beseitigung des alten Opern- Hauses getroffen sei. Er konnte sich auch nicht dafür erwärmen, das alte Opernhaus wegen seines geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Wertes der Nachwelt zu erhalten. Insbesondere kämen dabei auch finanzielle Gründe in Frage. Es sei durchaus falsch, anzunehmen, daß die eisernen Treppen angebracht seien, um gewissermaßen Stimmung für einen Neubau zu machen; lediglich das Interesse für die Sicherheit der Theaterbesucher sei matzgebend gewesen. In der nächsten Sitzung des Architektenvereins ivird der Antrag eingebracht werden, eine Immediateingabe an den Kaiser wegen der Erhaltung des alten Opernhauses einzureichen. Ein erstklassiger Mensch als Zuhälter, �lm 3j. d. M. wird vor der Strafkammer des Landgerichts I eine �Skandalaffaire aufgerollt werden, in der der gewesene Garde-Offizier, spätere Student an der technischen Hochschule Max Lukas v. C r a n a ch sich wegen eines an einer Demimondedame verübten Erpressungsversuches zu verant- Worten haben wird. L. v. E. unterhielt hier in Berlin ein für ihn sehr einträgliches Liebesverhältnis mit einem Mädchen, das in der Berliner Lebewclt unter dem Namen„Christel" bekannt ist. Dieses Christel hat manchen Sturm erlebt und so auch einen Roman hinter sich, dessen Mittelpunkt der ältere Bruder des Max Lukas v. Cranach gebildet hat. Dieser, der ebenfalls Garde- Offizier war, hat nämlich Cristels wegen Selbstmord ver- übt. Im Vorjahre lernte nun der Bruder des Verstorbenen Max L. v. C. die„Christel" kennen, zu deren Beschützer er sich auswarf Bis dahin hatte v. E. in Beziehungen gestanden zu einer in der Steglitzerstratze wohnenden Frauensperson, die ihm mehr oder weniger gutwillig die Mittel zu einer flotten Lebensweise bor. Der gelvefene' Garde-Offizier ist Vater eines Kindes, das diesem für die Mutter recht kostspieligen Verhältnisse entsprossen ist. Nicht weniger als 20 000 M. hat v. C. seiner in den Ballfälen ihr Einkommen suchenden Geliebte» nach und nach abgenommen. Als v. E. die Christel kennen lernte, unternahm er mit ihr vorerst— natürlich auf ihre Kosten— eine gemeinschaftliche Reise nach Holland. Er merkte aber bald, datz Christel nicht über besonders reiche Mttel verfügte, und kehrte deshalb wieder zu dem früheren Verhältnis zurück. DaS Mädchen war aber durch die Handlungsweise des v. C. mitz- trauisch geworden und wollte, so dringlich auch v. C. wurde, den: Ausreißer kein Geld mehr geben. Schließlich drohte v. C. dem Mädchen mit dem Revolver in der Hand, er werde sie erschießen. Das wirkte, und v. C. konnte sich fiir daS der Kokotte und Mutter seines Kindes abgepreßte Geld angenehme Tage bereiten. Die qcängstigte Person erstattete eine Anzeige und der tief gesunkene Menfch sollte verhaftet werden. Die Kriminalbeamten stöberten ihn in der Wohnung der„Christel" in der Maricnstratze auf. v. C. flüchtete, verfolgt von dcn Polizeibeamten, aus dem Hause. Als sich ihm auf seiner Flucht in der Philippstraße mehrere Schutzleute entgegenstellten, versuchte er es, sich durch einen Revolverschuß zu töten. Die Aufteilung der Schönholzer Heide ist jetzt im wesentlichen vollendet. Die Straßen sind� durchgeschlagen und auf Pankower Gebiet ist bereits mit der Straßenpflasterung begonnen worden. Von dem Walde ist recht wenig übrig geblieben. Die Wege sind entweder vollständig verschwunden oder durch gefällte Bäume ver- sperrt, so datz die Heide als Ausflugsort für die Berliner Be- völkerung nicht mehr in Betracht konmit. Die Hauptstraße geht von der Lindenstratze zu Pankow im Zuge der Paule- Brücke mitten durch den Wald und endet am Gelände der Schützengilde. Datz diese Straße mal iiber das Gelände der Gilde hinausgeführt wird, ist wahrscheinlich. Wegen des Verkaufs deS Schütze»Platzes sollen Verhandlungen bereits eingeleitet fein. Eine andre Straße, die für den Verkehr' von großer Bedeutung fein ivird, geht von der Bismarckstraße zu Nieder-Schönhausen nach dem alten Schönholzer Weg. ivelcher jetzt„Germanenstraße" benannt wird. Bon hier aus führen dann zwei Verbindnngsstraßen nach Wilhelmsruh-Rosenthal. Nach der Panlower Grenze hin flnd bereits Abschlüsse über Terrainverkäufe gemacht worden. Auch der Be« a m t e n w o h n u n g s- V e r e i n hat sich hier ein Gelände gesichert. Die Verhandlungen wegen Weiterführung einer der städtischen Straßenbahnlinien von Pankow am Wald entlang zum Kaiserplatz in Nieder-Schönhausen sind wieder aufgenomnien worden. Am nächsten Dienstag wird die Pankolver Gemeindevertretung dazu Stellung nehmen. Eine Brandkatastrophe. Zehn Personen sind in der Nacht zu gestern von der Feuerwehr bei einem Brande auf dem Wedding mit großer Bravour gerettet worden. Nach ein Uhr nachts, als in denr Hause Neue Hochstr. 15, gegenüber der Dalldorferstraße, die Mehrzahl der Hausbewohner im tiefften Schlafe lagen und nur in der Bäckerei von H. Springer noch gearbeitet wurde, brach im Keller, wo sich der Backraum befindet, aus Unvorsichtigkeit Feuer aus, das mit unheimlicher Geschwindigkeit um sich griff. Das Personal verlor die Geistesgegenwart, flüchtete, um einige Sachen zu retten, ließ dabei die Thüren zur Wohnung im Erdgeschoß und zur Treppe hinter sich auf und ini Nu brannte nicht nur die Wohnung, sondern auch die Treppe. Die Situation Ivurde dadurch für die Hausbewohner sehr kritisch und durch den Umstand, datz der erstickende Qualm keinen Abzug fand, geradezu verhängnisvoll. Niemand von dcn Hausbewohnern konnte schließlich mehr die Treppe passieren. In ihrer Angst stürzten die j Geängstigten an die Fenster und riefen von da angstvoll um Hilfe. st Einige versuchten sogar aus den Fenstern zu springen; andre warfen Betten zc. hinab. Die Lage der armen Menschen läßt sich kaum schildern. In diesem Augenblick hörte man die Feuerwehr heran« kommen. Brandinspektor Julius ließ sofort vom nächsten Feuer- melder aus an alle Wachen:„Menschenleben in Gefahr!" melden, worauf Branddirektor Giersberg mit mehreren Löschzügen zur Brandstelle eilte. Bevor jedoch diese in Aktion traten, hatte die 4. Kompagnie mit den Löschzügcn aus der Pank-, Linien- und Tieckstraße schon das Rettungswerk vollbracht. Ueber zwei.Hakenleitergängen waren die Feuerwehrmänner, da vor Hitze, Qualm und den Flammen die Treppe nicht ohne Lebensgefahr zu begehen war, am Hause iu die Woh- nungen eingestiegen. Andre hatten sofort ein Sprungtuch bereit gehalten. In dieses sprangen sieben Personen, Männer, Frauen und Kinder. Eine Reihe andrer Personen, die ebenfalls in das Sprungtuch springen wollten, wurden von den Feuerniännern zurückgehalten, Hand in Hand mit diesem Rettungsmanöver ging die Ablöschung. Mit drei Schlauchleitungen wurde gegen den Brandherd vorgegangen und als der Qualm nach Ein»> fchlagen der Fenster etwas abzog, die übrigen Frauen und Kinder von der Mannschaft iiber die Treppe in Sicherheit gebracht. Nach zweistündiger Thätigkeit war jede Gefahr beseitigt. Das Vorgehen der Feuerwehr verdient viel Lob. Trotz der enormen Verqualmung des ganzen Hauses, wodurch die Thätigkeit der Mannschaften sehr erschwert wurde, und trotz der Panik, die alle Hausbewohner ergriffen hatte, ist niemand emstlich verletzt oder zu Schaden gekommen. Die Bäckerei mit der darüberliegenden Wohnung und die Treppe sind! fast vollständig ausgebrannt. Mit Leuchtgas und dem Revolver hat in der vergangenen Nacht der 44 Jahre alte Schausteller Karl Schimonski aus der Lhchener- stratze 12 seinem Leben ein Ende gemacht. Der Mann hatte in einem Lokal auf dem Gesundbrunnen eine Schietzbude, mußte aber deren Bedienung seiner Frau überlassen, da er kopfleidend war. In der letzten Zeit zeigte er Spuren von Verfolgungswahnfinn; er glaubte, daß jedermann ihn anfassen und ihm Schaden zufügen wollte. Als Frau Schimonski in der vergangenen Nacht zwischen 12 und 1 Uhr aus dem Geschäft nach Hause kam, war die kleine Stube, in der ihr Mann schlief, mit Leuchtgas dicht gefüllt. In ihrer Angst lief die Frau zurück und holte zwei Schutzmänner. Erst nachdem diese für Abzug des Gases gesorgt hatten, fand man Schimonski tot auf dem Fußboden liegen. Er hatte sich nach Oeffnung des Gashahnes auch noch eine Revolverkugel in die Schläfe geschossen. Vom Siegrszug der Warenhäuser. Der vom Akexanderpkah. Alexanderstraße und dem Königsgraben begrenzte Baukomplex ist/ von der Firma Hermann Tietz zum Zwecke der Errichtung eines Warenhauses erworben worden. Es ist geplant, einen monumentalen Bau herzustellen. Verschärfte Sitzgelegenheit. Die Aufstellung der Ruhebänke Unter den Linden wird jetzt zu Ende geführt und zwar in einer Weise, die überraschend ist. Bekanntlich stehen von den 66 für diese Straße geplanten Bänken 36 ohne Lehne schon seit längerer Zeit au' der Mittelpromenade, während am östlichen Eingang zu derselben ii der Nähe des Denkmals Friedrichs des Großen im vorigen Herbs eine Doppelbank mit Lehne aufgestellt worden ist. Seit gestern sind nun Arbeiter damit beschäftigt, die Ausstellung zu vollenden, jedoch werden die neuen Bänke bis auf sechs ohne Lehne sein. Bon diese» sechs mit Lehne Ivird je eine Doppelbank am westlichen Eingange und eine ani östlichen Eingange zur Mittelpromenade Platz finden. Es widerspricht dies einem früheren Beschlüsse des Magistrats, nach welchem die noch fehlenden 24 Bänke sämtlich mit Lehne ausgeführt werden sollten. Samariter in der Unfallstation. Ein entsetzliches Unglück hat einen unbekannten Mann gestern abend gegen 7 Uhr in der Stall- schreiberstraße betroffen. Die Pferde eines Lastwagens mühten sich dort in einem Thorweg vergeblich, das Gefährt vorwärts zu bringen, als der Unbekannte zusprang, unr dem Kutscher zu helfen. Hierbei geriet der Fremde so unglücklich zwischen einen Pfeiler, daß ihm am Unterleib entsetzliche Verletzungen beigebracht wurden. Ein paar Hilfteiche Leute brachten den Verunglückten in einer Droschke nach der Unfallstation in der Alexandrinenstraße, doch fanden sie dort zu ihrer Verwunderung keinen Arzt anwesend. Beinahe eine Viertelstunde mußte der Verunglückte jammernd liegen bleiben, bis ein Arzt heran kam. Als die Samariter dann ihrer Verwunderung darüber Ausdruck gaben, daß es mit der Hilfeleistung so bedenklich in einer Unfallstation bestellt sei, wurden sie von dem Arzt zum Verlassen des Lokales aufgefordert. Der Verunglückte wurde schließ- lich in das Krankenhaus am Urban gebracht. Im wissenschaftlichen Theater der Urania in der Taubenstraße ivird der Vortrag von Bkr. Kearton„Aus dem Haushalt der fteien Natur" am Mittwoch, Donnerstag und Sonnabendnachmittag zur Darstellung gelangen. Die photographischen Aufnahmen, welche diesen Vortrag begleiten, sind wahre Meisterwerke der Photographie sowohl wie auch der biologischen Charakteristik und sind von den Gebrüder. Kearton mit bewundernswürdigem Wagemut hergestellt worden. Der Text ist von Herrn Professor Claude du Bois Reh- mond ins Deutsche übersetzt und wird auch von genanntem Herrn gesprochen werden. Die 4. städtische FortSildungsschult�für Jünglinge und Männer. Heincrsdorfcrstr. 18, ani Friedrichshain, veranstaltet in den Oster« tagen eine Ausstellung von Zeichnungen, Modellierarbeiteu, Zier« und Rundschriften wie auch von stenographischen und Schreibmaschine- Arbeiten. Wenn es auch nicht möglich ist, im Rahmen einer Ausstellung ein unifasiendes Bild der gesammten Unterrichts- arbeit vorzuführen, so lassen doch die ausgestellten Arbeiten erkennen, daß in der Anstalt eine äußerst rege Thätig- teil herrscht. Die allgemeinen Zeichenkurse zeigen die Entwicklung der zeichnerischen Fertigkeit in Körper- und ProjektionS- zeichnen, in darstellender Geometrie und Schattenlehre. Die Mal- klaffen bringen Skizzen und Entwürfe nach der Natur, wie zahl- reiche Arbeiten nach dem lebenden Modell zur Darstellung. Die Arbeiten der Lithographen geben auch dem Laien ei» anschauliches Bild der Entstehung der Steinzeichnungen. Die Zeichnungen der Maschinenbauer, Mechaniker, Kunst- und Bauschlosser lassen erkennen, wie jeden» einzelnen Gebiete in besonderer Weise Rechnung getragen wird. Die mit der Anstalt verbundene Tischlerschule zeigt neben verschiedenen Modellen die Arbeit der Schüler in der sachgemäßen Darstellung einfacher Holzverbände bis zur detaillierten Ausführung der Entwürfe größerer künstlerischer Arbeiten. Aus praktischen Gründen wird der Rundschrift große Sorfalt gewidmet, die ausgestellten Zierschriften geben Zeugnis von der technischen Fertigkeit der Schüler. Die stenographischen und Schreikmaschine- Arbeiten zeigen deutlich, wie auch auf diesem Gebiete die Not- wendigkeit die Schüler zwingt, die höchsten Leistungen zu erzielen. Die Ausstellung ist an allen drei Festtagen vou 9—1 Uhr geöffnet. Während dieser Zeit werden Anmeldungen für das Sommer- Halbjahr 1904 entgegengenommen durch den Leiter, Herrn Siektor Lutzenberger, Hcinersdorferstr. 18. Aus dem Berliner Aquarium ist über mancherlei Neues und Beachtenswertes zu berichten. Die von Professor Lassar angestellten Versuche mit Uebertraguug von Krankheitsstoffen auf nienschen- ähnliche Affen wurden mit Erfolg fortgesetzt und die Ergebnisse des einen völlig geglückten Versuches der Uebertraguug von einem Schimpansen auf einen StamincSgenossen desselben, bei dem sich die erwarteten Erscheinungen ebenfalls entlvickelten, wurden in der letzten Mttwochsitzung der Berliner medizinischen Gesellschaft demonstriert. Eine interessante Geburt ist in der Abteilung der Meeresfische zu verzeichnen; indem aus einem der in einem Becken aufgehängten handgroßen Eier des GlattrochenS ein Junges ausschlüpfte, das ivie die Alten durch seine fast viereckige Gestalt an die bekannten Papier- Drachen erinnert und in seiner geringen Größe(etwa lö Centimeter) nicht ahnen läßt, daß dieser Fisch eine Länge von 2 oder 21/., Meter und ein Gelvicht von 2 Centner erreichen kann. Unter den aus dein Adriatischen Meere angekommenen Tieren ist die werwollste Selten- heit ein auffallend gebauter und schöner Blumenpolyp voir 20Centi- meter Höhe, der, nachdem er mit dem unteren Teil des Stockes im Bodengrund festen Fuß gefaßt hat und sich aufrichtet, mit seiner aus- gebreiteten Fahne das Aussehen einer rötlichen und weißen Feder gewinnt und deshalb auch„Seefeder" genannt wird. Die 7. städtische Fortbildungsschule für Mädchen, die älteste gewerbliche und kaufmännische Bildungsanstalt in der Luisenstadt, beginnt ihre Kurse für das Sommersemester am Donnerstag, den 7. April 1904. Der Unterricht findet teils nachmittags, teils abends statt. Die Unterrichtsgegenstände sind: Deutsch Deutscher Berein für BolkShygicne. Donnerstag, den 31. März. abends 8'/» llhr, werden aus dem Gebiete der Gesundheitspflege folgende Vorträge in den Aulen der genannten Gemeindeschulen gehalten werden: Berlin 14., Schwedterstr. 232/234, spricht Herr Dr. med. R. Lennhoff über„Die Entstehung und Verhütung von Erkältungsttankheiten". Berlin dkl)., Friedenstr. 23, spricht Herr Dr. med. K. Beerwald über„Der Einfluß des Sonnenlichts auf die Gesundheit". Berlin 14., Auguststr. 67/63. spricht Herr Dr. med. H. Weber, Direktor des Auguste Vjktoria-KrankenhauseS, über„Die häusliche Gesundheitspflege und ihre wirtschaftliche Bedeutung". Berlin 0., Rüdersdorferstr. 4/5, spricht Herr Privatdozent Dr. med. Bendix über„Die Krankheiten im Kindesalter und ihre Verhütung". Berlin S., Dieffenbachstr. 60/61, spricht Herr Dr. med. E. Singer über„Die Bedeutung der Kochkunst und Gewürze für die Verdaulich- keit der Speisen und die Verdauung". Der Zuttitt zu sämtlichen Vorträgen steht jedermann unentgeltlich frei. Bei den internationalen Ringkämpfen im Cirkus Bnsch beginnen die Reihen der gewalttgen Recken, welche hier aus aller Herren Ländern zusammengeströmt, um sich die Weltmeisterschaft zu erkämpfen, bereits recht bemerkenswerte Lücken aufzuweise». Nach den Kampsesregeln scheiden nämlich alle diejenigen Ringer aus der Kon- ■'"..... M°-------- sind. Die auf sieben, Witt(Berliner), der Italiener PalissottC der Franzose Paul le Meuuier, der Schwede Ewertsen und der Holländer Jean van Dyk. Die beiden Deutschen Fawcrits Heinrich Eberle und Jakob Koch befestigen sich inzwischen immer mehr und mehr in der Gunst des Publikum-?. Der Sternenhimmel im April. Mit dcni Höhersteigen der Sonne und ihrem Weiterschreiten am Himmel nach Osten nähern sich die Wtntergestirne, Sirius und Orion, ihrem Untergang, während die Sommergestirne im Osten auftauchen. Die Orienttexung geschieht Anfangs April abends um 10 Uhr am einfachsten vom großen Wagen aus(auch großer Bär), dessen Hinterräder fast im Zenith stehen; die Verbindungslinie dieser beiden Sterne führt uninittelbar nach Norden zum P o l a r st e r n. Die drei Deichselsterne des Wagens weisen fast dirett nach Osten, wo man hoch am Himmel, ein wenig südlich, den hellen, rötlich strahlenden Arcturus im Sternbild Bootes erblickt. Im Nordosten hat sich die Bega, der hellste Stern der Leier, im Südosten S p i c a, der hellste Stern der Jungfrau, schon mehr als 20 Grad über den Horizont erhoben. ?lm Südhimmcl strahlt der helle R e g u l u s(von dem Stern- bild des großen L ö lv e n) bereits westlich voni Meridian; im Westen steht, nicht ganz so hoch wie Regulus, Capella vom Sternbild des Fuhrmanns. Die Verbindungslinie der beiden unteren, gegenwärtig nördlichen Räder des großen Wagens führt nach Osten verlängert unmittelbar auf den Arktur, nach Westen dagegen auf einen hellen Stern des Fuhrmanns, von dem aus Capella ein wenig nordwestlich steht, also leicht zu finden ist. Die Milchstraße zieht sich am tieferen Südwest- und Westhimmel zuerst nach Norden hin und macht dann einen Bogen nach Nord- osten. In ihr steht tief im Nordwesten die IV-förmige C a s s i o- peja; noch tiefer als die Milchstraße stehen im Westen die P l e j a d e n und Aldebaran(vom Sternbild des Stier s), im Südwesten der Gürtel des Orion und der funkelnde Sirius, die bald von unserm Nachthimmel verschwunden sein werden. Es sei noch bemerkt, daß die Fixsterne dieselben Stellungen am 15. April schon um 9 Uhr abends, am 30. April bereits um 8 Uhr abends aufweisen. An Planeten ist der Abendhimmel im April nicht reich; M a r s ist nur noch während der ersten Tage am Westhimmel zu sehen; am 8. April steht Merkur ganz nahe bei ihm, 2>/z Vollmonds- breite nördlich, und ist von da ab nach Sonnenuntergang einige Zeit sichtbar. Der Mond, der in der Nacht vom 31. März zum 1. April Vollmond ist, hat sein letztes Viertel am 3. April, ist am 15. Neu- mond, also unsichtbar, erreicht sein erstes Viertel am 23. und ist am 29. April wieder Vollmond. Die Sonne, die am 1. April nicht ganz 13 Stunden über dem Horizont steht, von 5 Uhr 43 Min. morgens bis 6 Uhr 40 Min. abends, geht am 30. schon um 4 Uhr 47 Min. auf und erst um Ve8 Uhr unter; die Länge des Tages wächst also bis zu i48/« Stunden._ Hua den Nachbarorten. Lichtcubcrg. Die EtatSveratung führte in ihrem weiteren Ver- laufe zu einem Jntereffenkampf zwischen der Grundbesitzermehrheit. Es handelte sich darum, in gleicher Weise wie Berlin die Frankftuter Allee mit einem Schmuckstreifen verschen hat, auch deren Ver- längerung, die Frankfurter Chaussee, auszuschmücken. Doch die Hausbesitzer der Nebenstraßen gönnten denen an der Chaussee nicht die Verschönerung und die Ausschmückung wurde daher abgelehnt. — Der Antrag auf Aufbesserung der Nachtwächtergehälter fand keinen Anklang. Ein weiser Mann in der Kommission sagte, daß diese Beamten ja noch Tags arbeiten und des Nachts sich ausschlafen. Die Errichtung einer Polizcilvache wurde abgelehnt, nachdem unsre Parteigenossen empfohlen hatten, die Gendarmen ans den Arbeiter- Versammlungen herauszuziehen und sie zum �nützlichen Sicherheits- dienst zu verwenden. Man möge in diesem Sinne- an den Landrat petitionieren. Bei der Beratung des Kanalisations-Etats iviesen unsre Parteigenossen darauf hin, daß die Grundbesitzer sich ein halbe? Prozent der Kanalisationsabgabe geschenkt haben; auch die Grundwertsteuer wurde um iZm Proz. ermäßigt. Der ordentliche Etat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1 372 625 M. ab, der außerordentliche mit 2 393 000 M. ES werden erhoben 140 Proz. Zuschlag zur Einkommensteuer, 150 Proz. zur Gewerbesteuer, 100 Proz. Bettiebssteuer, 1 Proz. Umsatzsteuer. Johannisthal. Der Etat für das Jahr 1904/5 beträgt in Ein- »ahme und Ausgabe rund 62 000 M. Davon entfallen unter den Einnahmen etwa 40 000 M. auf direkte Steuern. Die Höhe des Steuerzuschlages wurde von der Vertretung entgegen dem Vorschlage des Gemeindevorstehers, nach dessen Berechnungen 160 Proz. zur Deckung der Ausgaben genügen würden, auf 180 Proz. festgesetzt. Die Mehrheit war der Ansicht, daß die Steuerzahler jetzt an die 130 Proz. gewöhnt seien und eine eventuell notlvendig werdende spätere Erhöhung uin so fühlbarer sein würde. Das alte Schulhaus bringt an Miete für Lehrerwohnungen 1540 M. Die Lustbarkeits- steuer bringt 2700 M., die Hundesteuer 550 M. und die Biersteuer 2000 M. Unter den Ausgaben erfordert die Gemeindeverwaltung an Gehalt und Wohnungsgeld 8940 M., gegen das Vorjahr 410 M. mehr, für Miete und andre Ausgaben 3000 M. Zu den Amts- Unkosten hat die Gemeinde 1438 M. beizutragen. Die Standesamts- Verlvaltung erfordert 210 M. Die Unterhaltung der Volksschule erfordert an Gehältern 18 830 M., an sonstigen Ausgaben 10 460 M. Hierzu erhält die Gemeinde eine Beihilfe von der Regierung in Höhe von 6025 M. und auS der AlterSzulagcnkaffe 2500 M., zu- fammen mit einigen andren kleinen Beihilfen 8595 M., gegen das Vorjahr mehr 925 M. Die Armenverwaltung erfordert 2476 M. und zur Verzinsung und Tilgung der Geineindeschulden werden 2380 M. gebraucht. Friedrichsfelde. Die letzte Sitzung der Gemeindevertretung be- schäfligt: sich hauptsächlich mit der Beratung des Haushaltsetats fiir 1904. Der Gcsamtetat ist festgesetzt in Einnahme und Ausgabe mit 333 500 M. gegen 270 600 M. im Vorjahre. Die Einzelpositionen verteilen sich folgendermaßen: Kapital- und Schuldenverwaltung: Einnahme 300 M., Ausgabe 42 823,79 M., Gemeinde-, Amts- und StandeSamts-Verwaltuug: Einnahme 18237,10 M.(Vorjahr 8110 M.), Ausgabe 69 865 M.(51 070,40 SD?.), Schulverwaltung. Einnahme 39 720 M.(35 425,50 lv?.). Ausgabe 107 391 M.(89 486 M.), Armenverwaltung: Einnahme 4090 M.(1890 M.), Ausgabe 15 93S5SO St. (13 475 M.), Straßenverwaltung: Einnahme 1194,90 St. (1264,90 M). Ausgabe 55 700 M.(89 050 M.), Steuerverwaltung: a) Indirekte Steuern 48 600 M.(48 417,60 Mark), hiervon entfallen auf Umsatzsteuer 34 000 M.(30 000 M.), Bier- und Brausteuer 10 000 M.(9000), Hundesteuer 4500 M.(4000). b> Direkte Gemeindesteuern. Es werden erhoben: 2.1 pro Tausend des gemeinen Wertes aller Grundstücke und Gebäude, was einem Zuschlag von 240 Proz. gleichkomntt. Als Werte sind veranlagt: für bebaute Grundstücke 22 785 000 M., für unbebaute Grundstücke 26 215 000 M.. zusammen rund 49 Millionen Mark. Zur Staats- Einkommensteuer werden wie im Vorjahre 120 Proz., als Gewerbe- steuer 180 Proz. erhoben. Ausgaben bei der Steuerverwaltung sind 39 604 M.(30 761). Beim Feuerlöschwesen entsteht eine Ausgabe von 1407,90 M. Wurden alle bisherigen Titel debattelos genehmigt, so entspann sich bei der letzten Position wegen der Beihilfe an die beiden freiwilligen Feuerwehren eine hitzige Debatte zwischen Karlshorster und Friedrichsfeldcr Verttetern. Ueber die während der Wahlcampagne ans Licht gezerrten Mißstände ging man schweigend hinweg; nur eine Anfrage geschah wegen eines Krankenwagens. Die Antivort des Gemeindevorstehers war einfach verblüffend. Er meinte, ein eigner Krankenlvagen sei nicht not- wendig, da der Gemeindevorstand mit einer Krankentransportfirma Sichling, Berlin, ein Abkommen zu niedrigen, günstigen Bedingungen getroffen hat und zwar schon seit längerer Zeit.(Bisher hat von den Einwohnern noch niemand von einem solchen Abkommen gewußt.) Die Gemeinde hat ein Vermögen von 615 660,05 M., demgegenüber stehen 450 856 M. Schulden, also einen VermögenSüberschuß von 164 304,05 M.— Ein Antrag der Lehrer von der F o r t b i l d u n g S- schule um Gehaltserhöhung wurde debattelos und einstimmig ab- gelehnt.__ Vermifcbtes. Ueber ein Grubenunglück wird aus Essen a. d. R. berichtet: Auf der Zeche„Carolus Magnus" bei Berge-Borbeck wurden drei Bergleute durch Gesteinmassen verschüttet. Einer war sofort tot, von den beiden andern ist einer leicht verletzt. Räuber-Romantik. Professor Srusch aus Wien wurde nebst zwei Damen in der Umgegegend der Stadt Palermo von Räubern an- gefallen und ausgeraubt. AuS der Armenkasse. Nach einer Meldung aus Wien soll der ehemalige Bezirkshauptmann von Stemberg. Baron Klein Wiesen- berg, große Veruntteuungen von Armengeldern und von Amtsfonds begangen haben. Trotzdem dessen Schwiegervater, der ehemalige Minister Baron Gautsch, den Schaden ersetzt habe, soll die Olmützer Staatsanwaltschaft gegen Klein eine Strafuntersuchung eingeleitet haben. Die Pest in Indien. Nach den letzten Berichten greift die Pest in ganz Indien sehr um sich. Die Zahl der an der Krankhett ver- storbenen Personen beträgt in der Woche bis zum 19. d. Mts. 40 527. Punjab und die Centralprovinzen weisen mit je 10 000 Todesfällen die höchste Ziffer auf; in der Präsidentschaft Bombay sind 8500, in Bengalen 5000 Todesfälle vorgekommen. Landsmannschaft der SchleSwig-Holsteiner zu Berlin. Mittwoch. den 30. März, abends 8'/» Uhr: Versammlung mit Frauen im Vereins- lokal, Feuersteins Festsäle, Mte Jakobstt. 75. Geschäftliches. Aufnahme neuer Mitglieder. Abrechnung. Ausgabe der Karten zum 12. Stistungssest am ersten Osterfciertag in obigem Lokal. Landslcute, Damen und Herren, sind ivilllommcn und werden als Mitglieder ausgenommen. Ccntralverband des Massage-, Bade- und Krankenpflege- Personals Deutschlands. Filiale Berlin. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr, in Leydeckers Festsälen, Sophicnstr. 34: Oeffentliche Versammlung. Referent: Stadtverordneter Otto Antrick über: Die Lage des Krankenpflege- Personals und die Berlmer Stadtverordneten-Versammlung. Achtung, Konditoren! Mittwoch, den 30. März, abends 8 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstt. 11)12: Oeffentliche Versammlung. Thema: Ldhnbewegung der Bäcker? Wie stellen sich die Konditoren zu der Er- scheinen aller in Backgeschästen arbeitenden Kollege» ist Pflicht. Verein der Aquarienfreunde zu Berlin. Generalversammlung im Vereinslokal, Mendts Klubhaus, Königsgraben 14 a. Freie Bolksbühne. Donnerstag, den 31. März, abends 8'/, Uhr: Generalvers ammlung im Gewerkfchastshause. Tagesordnung: Vorttag dcS Herrn Dr. Max Osborn über„Meunier"(mit Lichtbildern). Kassenbericht deS Vorstandes und der Revisoren. Diskussion. Gcsck Ver und ledenes. Bade, den Anfänger Aquariums. Zweite, vollständig umgearbeitete und vermehrte Äufläge. Mit 1 Tafel und 72 Text-Swbildungen. Gehestet 1 M. Verlag von Fritz Pfenningstorff, Berlin W. Ravensteins Eisenbahnkarte von Deutschland. Maßstab: 1:1 250000. Nebst Stationsverzeichnis. Bearbeitet von Chr. Pap. Verlag Ludwig Ravenstein, Frankfurt a. M., Wielandstt. 31. Wttterungsnbersicht vom 89. März 1904, morgens 8 llhr. Setter 4 heiter Soeiter 3wolkenl 2 bedeckt -Nebel —.wollig Uä ti%r f II ge» M& Stationen h c a SB— Haparanda Petersburg Cork Mcrdeen Paris 773 783 751 s« >s SO SM Setter 4 wolkig 2 wölken! Regen S c 3* Ii wa> —5 — 9 Wetter-Prognose für Mittwoch, den 30. März IS04. EtwaS wärmer bei lebhaften südwestlichen Winden und zunehmender Bewölkung; nachher Regen. Berliner Wetterbureau. grosse Fänge sind soeben in lebendfrischer Ware eingetroffen: Cabliau Ohne Kopf 22 Pf., Im Anschnitt 25 Pf. pro Pfd. Schellfische in asten Grössen, Pfd. 25—40 PH, Grosse Schellfische im Anschnitt Pfd. 30-35 Pt Seelachs P�- 25 P1» ,ra Anschnitt. 30-35 Pt Bratflundern Py 25—30 Pf. 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Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Le Co., Berlin LW. Kr. 76. 21. Jahrgang. 3. ßtilugc des Jatiuärts" Kerlim MMnlt Mmch, 30. Wiirj 1904 Hua InduTtric und Handel. Kohlen-Monopol. Von vornherein stand fest, daß das Nheinisch-Westfälische Kohlen- syndikat mit dem von ihm gegründeten Kohlencomptoir, das sich bekanntlich den langen Titel„Rheinische Kohlenhandel- und Reederei- Gesellschaft m. b. H." zugelegt hat. nur den Zweck verfolgt, den westdeutschen Kohlenmarkt völlig seinem Diktum zu unterwerfen und jeden Widerstand der Kohlengroßhändler gegen seine Ver- fiigungen zu brechen sowie ferner den nicht zum Syndikat ge- hörenden konkurrierenden Zechen ihre bisherigen Absatz- bcziehungen abzuschneiden. Die syndikatsoffiziöse Presse hat allerdings mehrfach bestritten, daß das Ziel die Sicherung der Monopolstellung des Syndikats sei. Mit der ihr eignen Un- verftorenheit wußte sie zu erzählen, daß die Kohlencomptoir- Gründung nur dazu dienen solle, dem Kohlengrotzhandel eine gewisse Stabilität zu verleihen und den Preisunterbietungen deutscher Kohlenexporteure auf den Auslandsmärkten zu wehren, den kleinen Rheinschiffern, die sich mit dem KohlcntranSport befassen, wieder angemessene Frachtraten zu sichern usw. Wie es um diese schönen Versicherungen bestellt ist. zeigen deutlich die Angebote, die zur Zeit das inzwischen konstituierte Kohlencomptoir an seine Ab- nehmer versendet. Zunächst werden einzelne Kohlensorten ohne weiteres nicht unerheblich im Preise heraufgesetzt. Prima Maschmenkohlen z. B., die bisher 14 M. pro Tonne kosteten, werden für 1S.60 M. frei auf die Fuhre im Frankfurter Hafen offeriert. Bei gestörter Mainschiffahrt stellt sich der Preis auf IS, 10 M. frei Eisenbahnwagen Gustavsburg oder Kastel, nach Wahl deS Kohlencomptoirs, wozu dann noch 1,70 M. für Fracht und Ausladen kommen— 16,80 M. Noch willkürlicher als diese Preisfestsetzungen aber sind die Abnahmebedingungcn, die den Käufern gestellt werden. Wie die „Frankfurter Zeitung" mitteilt, wird diesen zuni Beispiel vor- geschrieben: Die von uns zu liefernden Kohlen dürfen nur in Ihren, eignen Betriebe Verwendung finden: auch verpflichten Sie sich. Kohlen, Cooks oder Briketts von Zechen, Kokereien oder Brikett- fabriken welche dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat oder unsrer Vereinigung nicht angehören, ohne unsre Genehmigung weder zu kaufen, zu verbrauchen, noch zu vertreiben, widrigenfalls die Preise für sämtliche zwischen Ihnen und uns bestehenden Liefe- rungsverttäge sich für die ganze Vertrags zeit um 0 SS M. für die Tonne erhöhen. ' Bleiben Sie während der Monate April bis Juli mit der Abnahme im Rückstände, so sind wir berechtigt, die Lieferungen wähend der Monate August bis Februar in demselben Verhältnis zu vermindern: auch sind wir nur insoweit zur Lieferung einzelner Sorten verpflichtet, als Sie in den übrigen Sorten Ihrer sämt- lichcn mit uns geschlossenen Lieferungsverträge Ihren Abnahme- Verpflichtungen nachgekommen sind, ohne uns nur durch diese Be- stimmungen der uuS im Falle säumiger Abnahme gesetzlich zu- stehenden Rechte zu begeben. Soweit infolge von Betriebsstörungen und Betriebseinschränkungen, Arbeiterausständen, gleichviel, ob solche durch Vertragsbruch oder auch vorausgegangener Kündigung eintreten oder von höherer Gewalt jeder Art wozu auch Mobilmachung und Kriegsfall rechnen— unsre Lieferanten die Liefe- rung ineinzelnenSorten einschränken, insbesondere wenn das Nheinisch-Westfälische Kohlensyndikat ans einen, dieser Gründe eine Minderlieferung an unS eintrete,, läßt, sind wir für die Dauer dieser Einschränkung befugt, auch unsre Lieferungen an Sie im gleichen Verhältnis einzuschränken, und findet eine Nachlieferung derdadurch ausfallenden Mengen nicht statt. Bei Lieferungen, welche ganz oder teilweise auf dem Wasser- wege erfolgen, ruht die Lieferungsverpflichwng während der Zeit gestörter Schiffahrt. Danach haben die Abnehmer fast nur noch Verpflichtungen. aber keine Rechte. Sie dürfen nur noch vom Kohlencomptoir ihren Bedarf beziehen und müssen die bestellten Mengen und Sorten genau an den festgesetzten Terminen abnehmen, wenn sie nicht ihr Anrecht auf weiteren Bezug der von ihnen in Auftrag gegebenen Ouantitäten und Qualitäten verlieren wollen. Dagegen ist es fast gänzlich in das Belieben deS Kohlencomptoirs gestellt, ob es die übernommenen Aufträge rechtzeitig ausführen will oder nicht. Wenn die Käufer mit ihren Abnahmen im Rückstände bleiben, wenn Betriebs- störungen eintreten, auf einigen zum Syndikat gehörenden Gruben Arbeitseinstellungen oder Aussperrungen erfolgen. wenn Unglücksfälle im Betriebe vorkommen, wenn Krieg ausbricht, wenn einzelne Zechen ihre Lieferungen an das Kohlencomptoir ein- schränken oder auch wenn die Schiffahrt auf den Flüssen und Kanälen eine Störung erleidet, kann jederzeit das Kohlencomptoir seine Lieferungen nach seinem Gutdünken eigenmächtig herabsetzen. ohne daß die Abnehmer ein Recht auf Nachlieferung der ausfallenden Mengen behalten. Die Kohlenhändler und direkt vom Kohlen- comptoir beziehenden großen industriellen Werke müssen also nehmen, was daS Kohlencomptoir ihnen liefert— aber unter allen Umständen Präcise bezahlen._ Der Zwist im Stahlwerksverdand. In einer augenscheinlich aus dem Krejfl der Mitglieder des Stahlwcrksverbandes stammenden Notiz giebt die„Rhein.-Wests. Ztg." zu. daß die im Vorstand aus- gebrochenen Zänkereien mit„Personalfragen", d. h. in andern Morton mit Rivalitätsstreitigkeitei, der leitenden Personen zusammen- hangen.„Die inneren Berivaltungsangelegenheiten und die damit zusammenhängenden Pcrsonalfragen," schreibt das Blatt,„scheinen dem Verbände noch recht viele S chwierigkeitcn zu be- reiten. Gewiß die Lösung dieser Frage keine leichte. Aber man scheint den Fehler begangen zu haben, in voreiliger Weise Personen zu ernennen, noch � m(jn sich über das System klar wctr.� Denn nur so läßt es sich erklären, daß verschiedene dieser Persönlichkeiten den Rückzug antraten, noch bevor sie in Aktion getreten tvarcn. Man publizierte durch ein rhefatfefas Blatt einen Generaldirektor, um ihm nachher diesen Titel wieder zu entziehen und die Gleichberechtigung aller Vorstandsmitglieder Hervorzuheben. TaS war für den Be- trosfenen natürlich nicht angenehm. Offenbar will man sich auch in den Verwaltungsorganen das Kohlensyndikat zum MMer nehmen und den Schwerpunkt der Organisation i» den Beirat WYcn. sodaß also der Vorsitzende des Beirates als ausschlaggebend zu bewachten wäre. Den Borstand der Aktiengesellschaft soll ein gleichberechtigtes mehrgliederiges Kollegium bilden das— so nehmen wir an— seine Initiativen mehr oder Iveniger durch den Beirat rcsp. durch dessen Vorsitzenden erhält. Die Bewegungsfreiheit des Vorstandes wäre also als eine mehr oder minder beschränkt« auszufassen, und verständlicher- weise sagt einem an sclbstständigeres Auftreten gewöhnten Werks- direkt or eine solche Stellung nicht zu." Zum Schluß meint das Zechen- blatt, daß nicht alles lvas auf das Kohlensyndikat zugeschnitten ist, auch gleich auf den Stahlwerksverband paßt und um die bestehenden Schwierigkeiten auf die Dauer zu beseitigen, dürfte die Frage zu erwägen fem. ob und inwieweit sich die Befugnisse des Vorstandes als geschäftsführendes Organ cv. erweitern ließen, um eine größere Bewegungsfreiheit desselben herbeizuführen. Deutschlands Außenhandel. Nach dem vom Statistischen Amt soeben herausgegebenen Februarheft 1904 der monatlichen Nachweise über den auswärtigen Hemdel betrug in den beiden ersten Monaten dieses Jahres: 1. Die Wareneinfuhr in Tonnen zu 1000 Kilogramm: 6 415 464 gegen 6 238 869 und 5 490 077 in den beiden Vorjahren, daher mehr 176 595 und 925 387. 27 von 43 Zolltarifnnmmern zeigen eine Einfuhrstcigcrung, 16 eine Abnahme. Unter jenen ragen Erden, Erze usw.(-ff 238 215) hervor, namentlich infolge starker Zunahme der spanischen und schwedischen Effenerze, ferner Holz(4- 136 545), Baumwolle und Bau», wollwaren(+ 17 957, wovon das meiste aus Rohbaumwolle trifft), Material- usw. Waren(+ 11 544), unter diesen Getreide und andre Lemdbauerzeugnisse mit einem Aus fall von 135 043 Tonnen. 2. Die Ausfuhr in Tonnen: 5 764 505 gegen 5 960 184 und 4 862 572 in den beiden Vorjahren, daher gegen 1903 weniger 195 679 und gegen 1902 mehr 901 933. 26 von 43 Zolltarif- nummern weisen eine Ausfuhrzunahnw, 17 eine Abnahme auf. Zugenommen hat die Aussuhr von Getreide und andren Landbau erzeugnissen(4- 38 808), besonders Kartoffeln, Hafer, Roggen, Heu und Stroh. Eine große Ausfuhrzunahme findet sich ferner noch bei Instrumenten, Maschinen und Fahrzeugen(-fl 14 418) und bei Droguerie-, Apotheker- und Farbewaren(4- 12 030). Hingegen hat die Ausfuhr von Eisen und Eisenwaren, namentlich von Roheisen, Schienen, Eck- und Winkeleisen, Stabciscn, Brucheisei,, Schmiede- eiscnplattei, und Blechen un, 141 252 Tonnen nachgelassen. Starke Ausfälle zeigen auch die Materialwaren(— 86 337, hauptsächlich wegen verminderten Absatzes von Verbrauchszucker nach Groß- britannien). Die Konzentration im Kohlenbergbau. Der Aufkauf der kleinen Zechen durch die großen, leistungsfähigen Syndikatszechcn nimmt, begünstigt durch die Bankfinanz, immer größere Dimensionen an. Selten ist eine Behauptung gründlicher durch die Praxis widerlegt worden, als die, daß durch die Kartellierung und die damit verbundene Zuweisung bestimmter Förden», gs-Anteile an die kleinen, weniger leisttingsfähigen Zechen dem Konzentrationsprozeß in der Kohlen industrie ein Damm entgegengestellt werde. Wie die„Duisburger Zeitung" meldet, soll die BergiverkSgesellschaft Hibernia, nachdem sich die Verkaussverhandlungcn der Bcrgban-Akticngcsellschaft Alstaden mit der Concordia zerschlagen haben, den Erwerb vo» Alstaden beab- sichtigen. Tic nächst« Aussichtsratssitzung der Hibernia soll sich mit dem Ankauf von Alstaden beschäftigen. Auch der Ankauf der Zeche Eibcrg durch die Gewerkschaft Ewald kann, nachdem vorgestern die Gclverkcn in einer Versammlung zu Essen den Ankauf genehmigt haben, als abgeschlossen gelten. Ter Vorsitzende. Herr Hagedorn-Essen, rechnete dort vor, daß die Auf- nähme einer neuen hypothekarischen Anleihe von 4 Mill. M. zur Er Werbung der Zeche Eibcrg sich glänzend rentieren Iverde. Im Jahre 1393 bei Gründung des Syndikates habe die Zeche Ewald(Alt Ewald) 340 000 Tonnen Beteiligungsziffer gehabt. 1898 habe sie sich auf 749 009 Tonnen und nach Fertigstellung her Anlage in Resse auf 1 003 000 Tonnen erhöht. Bei der Erneuerung des Syndikats sei die Beteiligungsziffer für Ewald Fortsetzung auf 600 000 Tonnen festgesetzt worden. Mehr zu erlangen sei nicht möglich"gewesen, da seireiis des Syndikates nicht einmal 10 000 Tonnen mehr bewilligt worden wären, selbst wenn darüber das Syndikat gescheitert wäre. Bei den guten Aufschlüssen, die man auf Ewald Fortsetzung gemacht habe, könne man unmöglich mit 600 000 Tonnen auskommen. Mit einer zu kleinen Beteiligungsziffer würde die neue Gewerkschaft ein Krüppel bleiben. Im ganzen verfüge man über ca. 1 600 000 Tonnen Beteiligung. Hiervon sei noch die vom Syndikat verfügte 20prozcntige Sinschränluug in Abzug zu bringen, so daß in Wirklichkeit nur ca. 1,3 Mill. Tonnen gefördert werden könnten. Diese Ziffer genüge nicht. Die Uebernahme der Beteiligungsziffer von Eibcrg in Höhe von 390 000 Tonnen würde die Gewerkschaft über die Schwierigkeiten einer zu geringen Beteiligung hinwegbringen. Die Kuxe von Eibcrg würden der Gewerkschaft 3 500 000 Nk. kosten. Dazu kommen noch die Verbindlichkeiten von Eiberg in Höhe von etwa 1,8 Mill. M., so daß der Kaufpreis sich auf ca. 5,3 Mill. Ml stellt. Hiervon sollen 4 Mill. M. durch eine 4'/-prozentige Anleihe, die den Gewerkcn zu pari angeboten mird, gedeckt lverden. In der Oeffentlichkcit wird bekanntlich von den Bergwerksgesell- schaften noch immer über die niedrigen Kohlcnpreise geklagt. In den Versammlungen der Aktionäre und Ge werken aber rechnen die Herren Direktoren den Beteiligten vor, daß die Preise einen derartigen Nutzen lassen, daß von. diesem auch noch die Zinsen für Anleihen bestritten werden können, die lediglich zum Ankauf neuer Zechen und deren Stillsetzung dienen sollen. Gerichts-Leitung. Zw« Jahre Zuchthaus unschuldig verbüßt hat der Gastwirt Emil Meudrzitzki, früher in Osterode i. Ostpr., jetzt in Berlin, der am Montag vor der dritten Strafkammer des Landgerichts in Allenstein stand. Es handelte sich„», ein erfolgreiches Wicderanfaahme-Ver- fahren. Der Angeklagte, der früher Kellner in Berlin war, heiratete m, Jahre 1896 seine jetzt wieder von ihm geschiedene Ehcftau, die ,h>i, zwei Kinder mit in die Ehe gebracht hatte. Er selbst besaß «niges Vermögen, seine Frau hatte eine Besitzung„Kaisersaal" in Osterode gekauft, welche ziemlich stark belastet war. Der Angeklagte fit durch Urteil der dritten Strafkammer des Landgerichts zu Allen- stein am 28. Oktober 1898 wegen eines an seiner 13jährigen Stief- tochter Anna LlschclvSki begangenen Sittlichkeitsverbrcchens zu zwe, Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust ver- urteilt. Die Strafanzeige war nach voraufgegangenem Streit von der Ehcftau des Angeklagten erfolgt, seine Verurteilung ans Grund der Aussagen der Eheftau, seiner Schwiegern, ntter, ferner der an- geblich gemißbrauchten Stieftochter und eines Dienstmädchens. Schon ,n, Termin im Jahre 1898 hatte der Angeklagte immer wieder geltend gemacht, daß das Dienstmädchen und die Stieftochter von der Ehefrau des Verurteilten und deren Mutter beeinflußt worden seien, weil der Eheftau daran lag, von ihrem Ehemann wieder ge- schieden zu lverden und ein obsiegendes Urteil zu erstreiten. Der Genchtshof war damals zur Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten gekommen, er hatte auf Grund der Beweisaufnahme nicht angenonnnen. daß die Ehefrau i» so überaus raffinierter Weise ihren Ehemann so schwerer Strafthaten wider besseres Wissen be- schuldigt habe, und so wurde der Angeklagte zu zwei Jahren Zucht- Haus verurteilt, Iv elche er auch verbüßt hat. Der Angeklagte hatte seiner Zeit gegen das Urteil Revision eingelegt, die Recht- fertigung konnte jedoch nicht rechtzeitig erfolgen. Der Angetlagte hat dann durch den Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t das Wiederaufnahme- verfahren betrieben und mit emsigem Fleiß eine ganze Reihe von Beweisen zusammengebracht, die nach seiner Meinung geeignet sein sollten, seine Unschuld zu erweisen. Der Wiederaufnahme-Antrag wurde von der Strafkammer abgelehnt. Hiergegen legte Rechts- anwalt Dr. S ch w i n d t sofort Beschwerde bei dem Ober-LandeS- gericht in Königsberg i. Pr. ein, dieses befand den Wieder- aufnahme-Anttag für zulässig und ordnete die Vernehmung der darin benannten Zeugen an. Diese Zeugenvernehmung zog sich vom Juni bis November 1903 hin und führte dazu. daß die erste Strafkammer zu Allenstein die Wiederaufnahme des Verfahrens und die Erneuerung der Hauptverhandlung verfügte. Letztere fand nun am 26. d. M. statt und endete mit der Frei- s p r e ch u n g deS Angeklagten. Die vernommenen neuen Zeugen gaben von der sittlichen Qualität der Stieftochter des Angeklagten und des in Fraqe kommenden Dienstmädchens ein so wenig schmeichel- Haftes Bild und eS stellte» sich auch so viele Widersprüche in ihren Aussagen heraus. daß der Gerichtshof diesmal den Bekundungen der Olschewsli nicht die unbedingte Glaublvürdigkeit bei«, essen konnte, um zu einer Verurteilung deS Angeklagten zu flihren. Das öffentlich verkündete Urteil sprach den Angeklagten fte,, weil er nicht„überführt" sei. ES lvird abzuwarten sein,_ ob bei dieser Be- gründung der weitergehende Antrag des Verteidigers, denn Frei- gesprochenen nach Maßgabe des Gesetzes eine angemessene Entschädigung zuzusprechen, von Erfolg gekrönt sein wird. Eine ursprünglich auf KindeSmord lautende, dann aber auf fahr- lässige Tötung eingeschränkte Anklage gelangte gestern vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I gegen das 22 jährige Dienstmädchen Anna Nothnagel zur Verhandlung. Am 1. Ol- tober vorigen Jahres begab der Fabrikant Lewin sich nach dem Gesindeburean. un, ein neues Mädchen zu»nieten. Er brachte die Angeklagte mit nach Hause. Der Ehefrau kam das Aussehen der Angeklagten sofort verdächtig vor, nach einigen Tagen sagte sie ihr auf den Kopf zu, daß sie sich in andren Umstünden befinde. Das Mädchen stellte dies mit Entschiedenheit in Abrede. Andrer Vorkommnisse wegen wurde der Angeklagten zum 1. Januar gekündigt. In'der Nacht zum 31. Dezember gebar die Angeklagte. Wie sie angiebt, sei ihr das Kind in das Klosett gefallen. Sie ließ es dort liegen, ohne es anzusehen und begab sich wieder zu Bett. Gegen Morgen will sie wieder er- ivacht sein. Sie nahm ein Kartoffelschälmesser aus der Küche und begab sich wieder nach de», Klosett. Hier hat sie dann— ihrer Be- hauptung„ach— mit abgewandtem Gesicht den längst erstarrten Körper des kleinen Wesens mit dem Messer zerstückelt und die einzelnen Teile durch die Klosettöffnimg gezwängt. Am Abend desselben Tages verließ sie dann den Dienst, ohne daß jemand von dem Vorgefallenen eine Ahnung hatte. Nach einigen Tage» machte sich im Hause ein starker Verwesungsgeruch bemerkbar. Die Klosettleitung wurde aufgerissen und darin wurden die Stücke der kleinen Leiche gefunden. Die unnatürliche Mutter hatte bereits wieder einen neuen Dienst angetreten. In, Termin behauptete die Angeklagte, daß sie gar nicht gewußt habe, wo ihr der Kopf stand, als sie in der ftaglichen Nacht von dem Ereignis über- rascht wurde. Den Vater des Kindes kenne sie gar nicht, es sei ein Straßenbahn-Nngestelltcr, mit dem sie einmal eine Partie nach den, Grunewald gemacht habe. Die medizinischen Sachverständigen, Gcrichtsärzte Dr. Stürmer und Dr. Hoffmann, begutachteten, daß das Kind längst erstickt oder erstarrt gewesen sein müsse, alö es von der Angeklagten zerstückelt wurde. Der Staatsanwalt„ahn, zu Gunsten der Angeklagten an, daß nur eine Tötung aus Fahrlässigkeit vorliege, er beantragte gegen die Angeklagte anderthalb Jahre Gefängnis. Der Gerichtsof ließ Milde walten, eS wurde nur auf eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten erkannt und hiervon wurden 2 Monate durch die er- littene llntcrsuchungshaft für verbüßt erachtet. Die falsche Versichermig an Eidrsstatt. Ein„vielgcwandter" Mann, der„Kaufmann und Rittergutsbesitzer" Hermann Kale- w e n d t, wurde gestern auS Plötzcnsee der vierten Sttafkammcr des Landgerichts I vorgeführt, um sich wegen Verleitung zur Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung und wegen Versuchs zu diesem Vergehen zu verantworten. Der Angeklagte ist seiner Zeit in einem viel erörterten Prozeß angeschuldigt gewesen und zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er durch eine ganze Reihe von Winkclziigen eine völlig in seinem Banne stehende Frau von Tucholka un, einen großen Teil ihres Vermögens gebracht hat. Er verbüßt zur Zeit seine Strafe und würde am 19. April dieses Jahres die Freiheit wiedersehen, wenn er nicht kurz vor ThoreSschlnh noch ein altes Eonto ans dem Jahre 1990 i» Gestalt der jetzigen Anklage zu begleichen hätte. In jenem Jahre schwere ein Civilprozeß, bei dem eS sich um Zahlung von Provision handelte, bei», Kammergericht. Letzteres hatte zu einer am 19. April anberaumten Beweisaufnahme auch den Angeklagten Kalewendt als Zeugen ge- laden, dieser war im Termin nicht erschienen und erhielt vom Kammergericht ein Strafmandat über 100 M. Um diese Strafe wieder loS zu lverden, stellte der Angeklagte mit großer Verschlagenheit alle möglichen Versuche an. Er richtete zunächst an daS Kammer» gericht einen EntschuldigungSbrief, in welchem er behauptete, er fei durch eine unaufschiebbare geschäftliche Reise und durch plötzliche Erkrankung seiner in Hildesheim wohnenden alten Eltern am Erscheinen verhindert gewesen. Das Kammergericht wollte dies nicht als genügend be- glaubigt anerkennen und verlangte Beweise für diese Angaben. Der Angeklagte beschwerte sich zunächst hierüber, dam, aber baute er sich in erstaunlich raffinierter Weise durch schleunigst inscenierte Korrespondenzen mit Familienangehörigen und sonstige Tricks einen Alibibeweis zu stände, durch den er das Kamniergericht zu besiegen hoffte. Er sandte auch eine eidesstattliche Versicherung seiner Ehefrau ein, worin diese bestätigte, daß er am 19. April 1900 in Geschäften verreist gewesen sei. Der Liebe Müh' war aber um- sonst, denn das Kammergericht erkannte diese Versicherung nicht als beweiskräftig an und hob die Strafe nicht auf. So mußte sich denn auf Beschwerde auch das Reichsgericht mit dieser Angelegenheit be« schästigen. Es entschied zu Ungunsten des Herrn Kalewendt. Die eingehende Erörterung der thatsächlichen Verhältnisse hat dann zur Erhebung der Anklage geführt. Es konnte nämlich festgestellt werden, daß K. an dem qualifizierten Tage gar nicht verreist, sondern in seiner Wohnung in Charlottenburg anwesend gewesen war. Ein Zeuge, der damals von, Kannncrgericht aus den Angeklagten telephonisch angerufen, hatte deutlich die Sttmme Kalcwendts erkannt, der allerdings schleunigst wieder abklingelte, ohne auf weiteres An- klingeln zu reagieren. Auch sein ehemaliger Privatsekretär bekundete, daß K. an jenem Tage nicht verreist ivar, sondern versucht habe, ihn zur Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung zu bewegen. Der Angeklagte, in die Enge getrieben, wollte nun glauben machen, daß er mit der„Reise" mir eine Exkursion„ach Sadowa, Köpenick ic. gemeint habe, die er mit einer Dame zur Besichtigung von Terrains unternommen habe. Aber auch dies konnte durch die Beweisaufnahme nicht einmal bestätigt werden. Daß die eidesstattliche Versicherung der Eheftau falsch war, ,st außer Zweifel. Gegen die Frau ist aber ein Ver- fahren nicht eröffnet worden, weil, wie der Staatsanwalt ausführte, eine Frau, die einen Kalewendt zu», Ehemann habe, so vollständig in der Gewalt desselben sei, daß sie sich alles mögliche Unwahre von ihm als wahr suggerieren lasse.— Der Angeklagte versuchte es in, gestrigen Ter», in noch mit tausend Winkelzügen, die ihm aber keinen Erfolg brachten. Staatsanwalt H e l l w i g beantragte eine Zusatz- strafe von acht Monaten GesängnlS, während Rechtsanwalt Dr. Meyer st ein für eine mildere Strafe plaidierte.— Der Ge- richtshof erkannte auf eine Zusatzstrafe von fängnis und zwei Jahren Ehrverlust. einem Jahr Ge- Marktpreise von Berlin am 28. März 1904 nach Ermittelungen des kgl. Pollzelpräsidtmns. Weizen, gut D.-Etr. 17,40 mittel 17,36 gering 17,32 Roggen, gut. 12,05 mittel 12, 03 gering. 12,91 fGerste, gut 13,80 mittel 12,80 gering 11,80 tHaser, gut 15,00 mittel 13,90 gering 12,90 Richtstroh 3,82 Heu 7,20 Erbsen 40,00 Speyebohnen. 50,00 Linfei, 60,00 f frei Wagen und ab Bahn. 17,38 17,30 17,30 12,94 12,92 12,90 12,90 11,90 11,00 14,00 13,00 12,00 3,50 4,80 28,00 28,00 25,00 Kartoffeln, neue D.-Etr. Rindfleisch, Keule 1 Im- do. Bauch, Schweinefleisch„ Kalbfleisch Sammelfleisch utter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 ig per Schock 8,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 4,00 2,40 3,00 3,00 2,20 2,00 8,00 1,40 15,00 6.00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,60 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 Es gibt viele Sprech-Apparate, aber es gibt nur ein Grammophon Es gibt viele Sprech-Apparate, aber es gibt nur ein Nur unsere Schutzmarke„Schreibender Engel" bietet Garantie für die Echtheit unserer Grammophone, Grammophonplatten und-Nadeln. 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Verlagsaustalt Paul Singer& Lo.« Berlin 39 Jahre alt, alter Parteigenosse, jahrelang als Redakteur thStig gewesen. im Annoncenwescn vollständig bewandert, vertraut nnt Zcitunzswei �.> Kalkulation:c., z. Z. noch in migckündigter Stellung, sucht per cvcnt. früher Stellung in Partcidruckcrci. Offerten I" Volhsstlininc", Ohcmaltz zu senden.___ gWi 1. Juli unter O-f., 46932