Nr. 77. flbonnemcntS'Bedlngungen: WonncmentS- Prris prSnum«r«U>o: Sierteljührl. 3£0 aw., monafl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei WS Haus. Einzewe Nummer S Pfg. EonntagS. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage..Die Neue 53cU" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Singetragen w die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. 21. Jahrg. CriaitiDt tigstch außlr montags. Devlinev VolksblAtt. Die Tnlertlons'Gcbübr betrögt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaslliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 28 Psg. „Kleine Hmeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet Telegramm- Adresse: „SozialiKniolsrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratt fchen Partei Deutfchlanda. Rcdahtion: 8W. 68, Lindenstrasec 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Donnerstag, den 31. März 1904. 6xpeditiom 8M. 68, Lindetietrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Trinkgeld- Pädagogik. Die Volksschule ist und bleibt in der bürgerlichen Ge- sellschast das Mädchen für alles'. Wo immer nur eine neue Sonderbestrebung bürgerlicher Politikasterei oder Bcttclsuppen Socialreform auftaucht, da heiht es auch sehr bald: Volks- schule hilf! Heute soll die Volksschule bei Tierschutzvereinen, morgen bei der Bekämpfung der Socialdemokratie, übermorgen im Kampfe gegen den Alkohol, und so fort mit Grazie ins Unendliche niedere Magddienste leisten. Ob die Kraft der Schule für solche Sonderzwecke ausreicht, ob es überhaupt mit dem Zwecke der Schule vereinbar ist, daß sie ihre schwache Kraft über Dutzende von utilitaristischen Specialaufgaben ver zettelt, danach wird nicht gefragt, so wenig wie die ver- schiedenen Mitglieder einer„Herrschaft" sich darum kümmern, ob ihre Dienstmagd allen unbilligen Anforderungen, die an sie. oft genug noch gleichzeitig, gestellt werden, Rechnung tragen kann. Im allgemeinen wehrt sich die deutsche Lehrerschaft dagegen, daß der Schule alle möglichen Sonderaufgaben zu- gewiesen werden. Sie ist sogar so mißtrauisch, daß sie selbst wichtige pädagogische Neuerungen ablehnt, aus Furcht, daß durch die eigentlichen rein Pädagogischen Zwecke der Volks schule vergewaltigt werden könnten. Wir meinen die von den deutschen Lehrerversammlungen verneinte Frage, ob sich die Einführung von Handarbeits- und Haushaltungsunterricht in den Lehrplan der Volksschule empfehle. Leider hat es die deutsche Lehrerschaft gegenüber einer in den letzten Jahren an Schule und Lehrer gestellten dreisten Zuniutung an dem nötigen Mißtrauen fehlen lassen. Die preußische Regierung im Bunde mit dem ostelbischen Junker tum bedarf zur nötigen Verhüllung der unter der polnischen Ansiedclungs- und Germanisationspolitik versteckten agrari schen Jntercssenwirtschaft eines„Äulwr"mäntelchens. Die Volksschule ist auch dieses heuchlerischen Lakaicndicnstcs natürlich wieder gewürdigt worden. Neben den 300 Millionen Mark, die aus allgemeinen Staatsmitteln zum Ankauf bankrotter polnischer und— deutscher Güter der„Germani satton" der Ostmark zur Verfügung gestellt worden sind, ist im preußischen Etat auch wieder wie im Vorjahre eine Million ausgeworfen, aus der die Regierung widerrufliche Persönliche Zulagen an Volksschullehrcr und-Lehrerinnen in Posen und in den gemischtsprachigen Kreisen Westprcußens bestreiten darf. Daneben sind noch 200000 M. gefordert zu Remunerationen an Volksschullehrer und-Lehrerinnen«behufs besonderer Förderung des deutschen Volksschulwesens in den Landesteilen mit gemischt deutscher und polnischer Sprache". Ein konscr- vativer Antrag auf Ausdehnung der persönlichen Zulagen auf Ostpreußen und Schlesien und ein freikonservativer Antrag auf Erhöhung der Summe für Remunerattoncn auf 700 000 M. sind der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses überwiesen worden und finden dort wahrscheinlich Annahme. Mit diesen 1200000 bis 1700000 M. soll der Anschein erweckt werden, als verfolge die Polenpolitik der preußischen Regierung kulturelle Zwecke, als wolle sie die Polen von ihrer Preußenantipathie heilen, indem sie ihnen zeige, wie sehr Preußen um die Hebung des Kulturnivcaus seiner Bevölkerung bemüht ist. Man bedenke doch nur: behufs„besonderer Förderung des deutschen Volksschulwesens" ganze 200000 Mark! Wem fällt, wenn er so etwas liest, denn immer gleich ein, daß diese 200000 M. nicht einmal so viel wie der bc- rühmte Tropfen auf einem heißen Stein bedeuten? Wer macht sich im Augenblick immer sofort klar, daß das Zehn- tausendfache dieser Summe kaum hinreichen würde, um auch nur die notdürftigsten Blößen des verlotterten und vcrnach- lässigtcn deutfchen Volksschul Wesens zu erfüllen? In Wirklichkeit kann und soll durch die 200000 M. und durch die Zulagenmillion nicht das deutsche Volksschulwescn aefördert werden, sondern die Summe stellt ein schäbiges Trinkgeld an die in Preustisch-Polen amtierenden Volks- schullehrer dar, durch das die Regierung die Gesinnuim jener Lehrer für ihre Hakatistischen Zwecke erkaufen will. Das Exenipel ist mit der in den Kreisen der preußischen Junkerregicrung üblichen, durch Unverfrorenheft gemilderten Bauernschlauheit aufgemacht. Die Anttpolenpolitik Preußens kann nur einen bis in die ttessten Tiefen seiner Seele gut junkerlich oder königstreu gesinnten Staatsbürger begeistern. Jeder andre Mensch, jeder, der'nur noch über ein Fünkchcn freiheitlicher Gesinnung verfügt, muß die brutale Germani- sierungspolftik ablehnen. Nun pflegen gerade die Volks- schullehrer nicht zu den zufriedensten unter den Staats- bürgern zu gehören. Einmal bringt es ihr Beruf als Volks schullehrer schon mit sich, daß sie die Fühlung mit dem Volke und mit dem, was das Volk bewegt, nicht völlig verlieren. Andrerseits bezahlt der preußische Staat seine Volksschullehrcr so jammervoll, daß er dafür bei den Lehrprolctaricrn auf keine große Gegenliebe rechnen darf. Da liegt die Gefahr nahe, daß in den ruhigen Gegenden des Ostens, Ivo durch die provokatorische, hochmütige Hakatistcn- polftik der Regienmg eine große leidenschaftliche Erregung in den breftsten Volksschichten wachgerufen worden ist, der mit der preußischen Regierung aus andren Gründen gleichfalls unzufriedene Nolksschullehrer mit den Polen gemeinsame Sache macht. Um diese Gefahr zu bannen, hat die Regierung den Köder von 1 20000 M. ausgeworfen: wer von den in den polnischen Gegenden amtierenden VollZschullehrem am besten das„deutsche Volksschulwesen fördert", wer am strammsten dieHakatistenpolitik mitmacht, der bekommt, nach fünfjähriger tadelloser Dienstleistung pro Jahr 120 M. und nach zehnjähriger Thätigkeit im Schulamte 200 M. Pro Jahr als besondere Zulage, die aber sofort Wider- rufen werden kann, falls sich der Lehrer nur das geringste zu schulden kommen läßt. Leider haben die preußischen Lehrer auf den Köder der Regierung angebissen, sie machen ohne Bedenken die „Ostmarkenpolitik" der Regierung mit, sie spiegeln sich selbst vor, sie erfüllten in Polen wichttge deutsch-nattonale Jnter- essen, sie berufen sich darauf, daß die Schularbeit in den utraquisttschen Schulen mit besonderen Schwierigkeiten er- känipft sei, sie verweisen auf die übrigen Staatsbeamten in den polnischen Landesteilen, die sogar 10 Proz. ihres Gehalts, also fast sämtlich mehr wie die Volksschullehrer, als besondere Ostmarkenzulage erhalten. Aber alle diese Gründe sind nicht stichhaltig. Es ist keineswegs eine deutsch-nattonale Pflicht, den Angehörigen eines andern von Preußen nur durch schändliche Ränke okku- pierten Staats die Muttersprache mit Gewalt zu entreißen. Zuzugeben ist, daß die Lehrerthättgkeit in gemischtsprachigen Gegenden schwierig ist. Aber dann müßte ganz generell die Lehrerbesoldung für alle utraquistischen Schulen eine höhere sein, und zwar dürste diese Zulage so wenig widerruflich sein wie das Gehalt selbst. Wenn sich Juristen und sonstige Staatsbeamte von der Regierung durch Gehaltserhöhungen zu politischen Zwecken mißbrauchen lassen, so ist das für Lehrer noch kein Grund, sich gleichfalls zu diesem Mißbrauch an- zubieten. Es giebt nur eine Entschuldigung für die Volksschullehrer. Das ist die schon erwähnte schmähliche Besoldung: sie macht es begreiflich. daß die Lehrer mit allen zehn Fingern nach jeder sich nur irgendwie bietenden Gelegenheit greifen, um ihre dürftige Lage ein wenig zu verbessern. Aber natür- lich fällt auch diese Entschuldigung vor ernsterer Prüfung sofort in sich zusammen. Denn im Endeffekt läuft dieses Verfahren auf die Züchtung eiues schäbigen Denunziantentums und feile Streberei hinaus. Da nicht jeder Lehrer die Gesinnungs- präntte erhält, so wird einer dem andern an Gesinnungstüchttgkcit zu überbieten suchen, einer wird des andern Aufpasser sein, einer wird noch mehr vor dem Herrn Kreisschulinspektor katzbuckeln und scharwänzeln wie der andre— die widerlichste Korruption ist fertig. Statt gemeinsam die Interessen der Schule und der Kultur gegen die kultur- und schulfeindliche Regierung wahrzunehmen, be- fehden sich die Lehrer gegenseitig, brüskieren die Polen, kriechen vor der Regierung und vernachlässigen ihre Pflichten als Anwalte freiheitlicher Schulentwicklung. Ob es schon soweit ist, läßt sich noch nicht beurteilen, da die Ostmarkenzulage erst einmal verteilt worden ist. Dabei ist aber in den Bezirken Bromberg und Marienberg je etwa 80 Lehrern und im Posener Regierungsbezirk mehr als 160 Lehrern die Zulage vorenthalten worden. Die Gründe sollen nicht nationaler, sondern persönlicher bezw. disciplinarer Art sein.„Die Zahl der Enterbten will uns etwas hoch er- scheinen." Das ist alles, was die„Pädagogische Zeitung", das Hauptorgan des deutschen Lehrervereins, zu dieser ent- würdigenden Thatsache zu bemerken wußte. Welcher Art übrigens die„persönlichen" Gründe gewesen sein mögen, geht aus einer im Herbst vorigen Jahres an die„Pos. N. Nachr." gerichteten Zuschrift hervor. Danach sind im Kreffe Schroda alle diejenigen Lehrer von der Ostmarkenzulage ausgeschlossen worden, welche int vorigen Jahre der direkten amtlichen Auf- forderung des Landrats beziehungsweise Kreis- Schul- inspektors, einem Kriegerverein beiz lt treten, keine Folge leisteten. Hierauf wußte sich die„Pädagogische Zeitung" wiederum keinen andern Vers zu machen, als daß— der Minister sicherlich Abhilfe schaffen werde! Wie naiv! Als ob es jemals etwas genutzt hätte, wenn man den Teufel beim Beelzebub verklagt. Soviel ist sicher, daß mit der Ostmarkenzulage ein Ferment der Korruption in die preußische Volksschullehrerschaft hinein- �tragen worden ist. Die freiheitlichen Elemente unter den chrern sollten dafür Sorge tragen, daß der Störenfticd sobald als möglich wieder beseittgt wird. Die Pädagogik eines Pestalozzi ist denn doch zu wertvoll, als daß ein, wenn auch noch so kleines Stück von ihr für ein erbärnilichcs Trinkgeld an das bildungsfeindliche nimniersatte Ostclbiertum verkaust werden dürfte.—_ politifche Qebcrficht. Berlin, den 30, März. Jndustrickönig Thyssen. Aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet wird uns ge- schrieben: Gewissermaßen als deutschen Morgan hat nach Mitteilungen der bürgerlichen Presse kürzlich der Handelsminister Möller den Groß- indusftiellen Thyssen Wilhelm II. vorgestellt. Herr Möller soll seinen Freund zwar als noch nicht den reichsten, aber als den genialsten Industriellen gepriesen haben. Das ist wahr. Thyssen vereinigt alle „Tugenden" eines Jndustriegcwaltigen, daran hindert ihn seine crz- katholische Gesinnung nicht. Bisher ist auch noch nicht ernsthaft bc- stritten worden, daß das Werk mit päpstlichem Kapital arbeitet. Mit oder ohne römisches Kapital— jedenfalls hat das Werk des Herrn Thyssen: Eewerlschaft„Deutscher Kaiser"— in den letzten Jahren einen rapiden Aufschwung genommen, und hat es weiter verstanden, besonders in letzter Zeit, die Empörung der Arbeiter hervorzurufen. Die Bedeutung des Werkes möge zunächst durch einige Zahlen illustriert werden: Die Zeche„Deutscher Kaiser" ist mit i 050 000 Tonnen dem Köhlensyndikat angeschlossen, das Hüttenwerk hat die größte Produktton aller rheinisch-westfälischen Werke; die Jahres- erzeugung beträgt rund 790000 Tonnen, hinterher kommen der Horder Berein und Krupp mit je>/s Million Tonnen. Die Be- teiligungsziffer Thyssens beim Stahlwerksverband macht 8,91 Proz. der Gesamtbeteiligung aus, es folgt dann Krupp mit 5,35 Proz. Herr Thyssen scheint auch ein großer Freund patriarchalischer Ver- Hältnisse und Schützer„nationaler Arbeit" zu sein. In seinen Werkskolonien beherbergt er ca. 5000 seiner Lohnsklaveu, darunter ca. 3000 fremdsprachige! Herr Thyssen ist aber nicht nur Hauspascha, sondern auch Waren- lieferant. Wer aus der Fremde nach Bruckhausen in das Thyssensche Reich kommt, kann sich von der gesamten übrigen Welt absondern, er arbeitet, schläft und ißt bei Vater Thyssen. Diese idyllischen Verhältnisse erklären wohl schon zur Genüge die Freundschaft Möllers für den deutschen Morgan. Doch noch gründlicher hat er gezeigt, daß er den deutschen„Herren im Hause" im Standesbewußtsein und in kapitalistischer Interessenvertretung nichts abläßt. Trotz der väterlichen Politik war es den Organisationen gelungen, sowohl bei den Thyssenschen Hüttenarbeitern, als auch auf der Hüttenzeche Eingang zu finden. Von der Belegschaft der Zeche„Deutscher Kaiser", ca. 6000 Mann, ist etwa die Hälfte im Bergarbeiter- Verband organisiert. König Thyssen warf zunächst die gewerkschaftlichen Vertrauensleute aufs Pflaster. Unter den Bergarbeitern bestand schon wegen andrer Mißstände große Unzufriedenheit, das neueste Vorgehen schlug dem Fasse den Boden aus. In mehreren Belegschaftsversammlungen nahm man zu der Angelegenheit Stellung und es gelang den Führern nur unter Hinweis auf die in Aussicht gestellte Verhandlung mit der Verwaltung, von welcher man glaubte, sie werde eine befriedigende Lösung der Streitfragen bringen, eine Arbeitseinstellung zu verhindern. Eine Kommission wurde beauftragt, bei der Verwaltung die Zurücknahme der Kündigung einer Anzahl organisierter Arbeiter durchzusetzen. Daß es sick bei diesen Kündigungen um Maßregelung handelte, konnte� kein n Zweifel unterliegen, hatte sich doch ein Beamter geäußert, sämtliche organisierten Leute sollen abgeschoben werden. Die Kommission der Arbeiter machte trotzdem der Verwaltung weitgehende Konzessionen. Auf Weiterbeschäftigung derjenigen Leute, gegen welche man Klagen über Unpünkttichkeit erhob, wurde ohne weiteres verzichtet, aber die- jenigen, gegen welche nichts vorgebracht werden konnte, sollten unter allen Umständen nicht entlassen iverden. Speciell kam dabei ein Mann in Frage, der seit 21 Jahren auf der Zeche beschäftigt ist. Trotz des weitgehenden Entgegeiikomniens der Arbeitervertteter verhielt sich die Finna vollständig ablehnend, man wollte von einer Zurück- nähme der Kündigung nichts wissen. An, 1. April ist die Kündigungsfrist abgelaufen. Die Arbeiter- Vertreter wollten keinen Weg, der zum Frieden führen konnte, ver- sälimen. Man wandte sich am Montagabend telegraphisch an das Oberbergamt in Dortmund mit dem Ansuchen un, Gewährung einer Audienz, um die Vermittlung der Bergbchöde anzurufen. Die Berg- behörde gab die Antwort, drei Mann von der Belegschaft könnten am nächsten Morgen vorsprechen. Die Kommission stellte sich in Begleitung eines VerbandSverfteters ein. Letzterem wurde bemerkt, mit dem Verbände habe die Behörde nichts zu thun! Seit der Affaire von Oberhausen scheint bei der Bergbehörde wohl infolge von Einflüssen aus der Ilmgebung Möllers der Wind vollständig umgeschlagen zu sein. Das zeigte sich noch besser I Das Ober- Bergamt, welches in der Oberhausener Streitsache in lobenswerter Weife bereitwilligst eine Vcrmittelung übernahm und damit zur Bei« legung des Konfliktes hervorragend mitwirkte, lehnte den Bclrgschafts» Mitgliedern gegenüber jede Vcrmittelung ab!... Wenn es nun doch zu einem Konflikt kommt, dann können nur die Arbeiter das Recht reklamieren, alle Mittel die zur friedlichen Beilegung des Streitfalles dienen konnten, versucht zu haben, während die andren Faktoren nicht leugnen können, den Kampf gelvollt oder zu dessen Verhinderung nichts gethan zu haben. Wie alles darauf hinarbeitet, die Arbeiterschaft zu desorganisieren, wodurch die Gefahr des spontane« Ausbruchs eines Streiks bedeutend erhöht wird, geht aus der Thatsache herpor, daß den Arbeitern in den letzten Tagen von allen Wirten die Hergäbe des Lokals zwecks Ab» Haltung von Versammlungen verweigert wird. Einer der Wirte erklärte offen: Die Behörde hat es verboten!-- Eine Interpellation an den Bürgermeister, in welcher darauf aufmerksam gemacht wird, daß dte Vereitelung von Versammlungen die Gefahr steigere, den Führern die Leitung aus den Händen zu winden, damit unüberlegtes Vor- gehen der Arbeiter geradezu provoziert werde, war bis DienStag- mittag, zwei Tage vor Ablauf der Kündigungsfrist, noch nicht be- antwortet!-- Auslassungen in der bürgerlichen Presse lassen den Schluß zu. daß den Unteruehmern die Versuche der Führer, den Ausbruch eines Streiks zu verhindern unbequem sind, oder sie daraus den Mut gewinne», ohne Rücksicht auf die Arbeiter ihre Pläne durchzusetzen. So schreibt z.B. die„National- Ztg." am Montag:.... es ist ja nicht ausgeschlossen, daß eS vielleicht auf einzelnen Zechen zu kleinen Ausständen kommt; aber an einen großen Streik ist. da die maßgebenden Führer denselben energisch bekämpfen, vorerst nicht zu denke n." Es ist thatsächlich schwer, angesichts solcher Provokation kalte» Blut zu bewahren.— * ,** Deutrebe« Reich. Roch immer die Wahlumschläge! Vor drei Tagen hatten wir die Ausflüchte zurückgewiesen, welche die„Norddeutsche Allgenicine Zeitung" noch immer wegen der vom Ministerimn des Innern„eilig und diskret" bestellten Wahlumschläge macht. Um nicht aus der Uebnng zu kommen, dementiert das Regierungsorgan neuerdings etwas, ivas wir gar nicht behauptet haben, näm- lich, daß der Finalabschluß der Generalstaatslasse mit dem Ende deS Etatsjahres znsammrnsällt. Die Ausrede, daß die Wahlumschläge noch im Etatsjahr 1903/04 zur Verrechnung kommen und deshalb vor dem Finalabschluh geliefert werden mußten, ist lächerlich— denn wir wiederholen: die auS dem Ausgabetitel des Jahres 1903/04 für die Wahlumschläge zu verausgabenden Beträge konnten, da die nicht verausgabte Summe in Rest gestellt wird, ohne jede Schwierigkeit im Etatsjahr 1904/05 zur Zahlung gelangen. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sucht durch die Bezug- nähme auf die Etatsvorschriften nur die klare Sachlage zu ver- schleiern. Wir wollen dem Wilhelmstraßen-Blatt auf die Beine helfen, und empfehlen ihm, sich bei seinem Inspirator darüber Auskunft zu holen, warum denn die Wahlumschläge, bei denen es sich angeblich doch nur um Ersatz für die am 16. bezw. 23. Juni v. I. ver- brauchten handelte, nicht so zeitig bestellt worden find, daß Lieferung und Verrechnung noch vor Ablauf des Etatsjahrcs 1903/04 erfolgen konnte? Zeit genug war doch dazu. Warum— so soll die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" weiter fragen— sind die Wahlumschläge— wenn die Etatsvorschriften so streng innegehalten werden mußten— erst ganz kurz vor dem Ablauf des Etatsjahres bestellt worden, so daß Lieferung und Ver- rechnung innerhalb des laufenden Etatsjahres von vornherein aus- geschlossen war? Wenn das Reichskanzler-Organ einer Antwort gewürdigt wird, so erfährt es dabei vielleicht auch die eigentliche Ursache des eiligen und diskret zu behandelnden Auftrages auf Wahlumschläge. Wir kennen die Ursache und haben die Oeffentlichkeit darauf aus- merksam gemacht. Aber uns zu glauben, ist ja der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" von der hohen Obrigkeit ein für alle Mal verboten.— Wahltcrror. Die Eisenbahndirektion in Brom- borg hat folgende Verfügung erlassen: „Obwohl die Beamten und Arbeiter durch ihre Dienst- vorgesetzten auf die Beteiligung an den Landtagswahlen hin- gewiesen und ihnen zu diesem Zwecke Dicnsterleichterungen ge- währt worden sind, sind viele derselben dennoch am 12. November vorigen Jahres der Wahl' ferngeblieben. Zur Entschuldigung lvird vielfach angeführt, daß ihnen nicht bekannt gewesen sei, an welchem Ort und zu welcher Stunde die Wahl stattfinde. Diese Angabe ist gegenstandslos, da es Pflicht jedes einzelnen ist, sich rechtzeitig über Ort und Zeit der Wahl zu vergewissern. Auch die sonstigen zur Entschuldigung des Fernbleibens gemachten Angaben waren in einer großen Zahl von Fällen nicht stichhaltig. Die Herren Jnspektionsvorstände und die Vorstände der Bureau-Abteilungen werden angewiesen, diejenigen Bedien st eten, deren Fernbleiben von der Wahl nicht genügend entschuldigt ist, zur Verantwortung zu ziehen." Die Staatsbehörden haben die Beamten und Arbeiter auf die LandtagSwahlen„hingewiesen", sie haben mehr oder minder deutlich gefordert, daß die Beamten und Arbeiter in den polnischen Bezirken „deutsch-national" zu wählen haben. Beamte und Arbeiter, die, wie es ihr staatsbürgerliches Rccbt ist, da sie bei der Oeffentlichkeit der Wahl frei nicht wählen dürfen, der Wahl fernblieben, sollen nun„zur Verantwortung" gezogen werden. Das ist Wahltcrrorismus in unverhiilltester Forin. Es mag zu erwarten sein, daß die Verfügung der Eisenbahn- direktion in Bromberg den Beifall der höheren Behörde nicht finden wird. Die Direktion hat die Sache allzu ungeschickt in der Form betrieben. In der Sache selbst entspricht die' Verfügung dein Budde- Kurs.— Und Vcuthen? Wenn die„Germania" gar nichts mehr weiß, so wird sie— das ist eine langjährige Erfahrung— allemal anti- semitisch. Weil sie über den Kopp-Prozcß nichts zu sagen wagt, auch nachdem sie die Verhandlungen einfach unterschlagen hat, widmet sie sott drei Spalten eines schivungvollen Leitartikels dem sehr aktuellen Thema„Juden und Jesuiten", insbesondere einem Ulk- Gedicht, in dem die entsetzlichen antijesuitischen Verse vorkommen: „Und erfreust dich an der schwarzen Bande, Die um uns und Rom so eng sich schlingt." Abgesehen davon, daß die„Germania" die„schwarze Bande" in ihrem schlechten Gewissen mißverstanden hat, warum soll man nicht die Jesuiten eine„schwarze Bande" nennen dürfen? Das wäre doch sehr matzvoll ausgedrückt gegenüber den Titulaturen, die k a t h o- l i s ch e Geistliche auf gläubige Katholiken nur deshalb anwenden, weil sie keine Centrumspolitik treiben? Wäre der„Germania" die Bezeichnung der Jesuiten etwa als„R o tz lö ffel" angenehmer? Die„Post"-Rcdaktion erwidert auf unsre gestrige Kennzeichnung ihrer journalistischen Ehrenhaftigkeit, indcni sie deren Richtigkeit nochmals unübertrefflich nachweist. Sie beweist, daß sie keine Intelligenz haben darf, denn sie leistet nichts als dummes Ge- schimpf. Sie beweist, daß sie feige sein muß, denn sie wagt nicht, von unsrer Erwiderung irgend etwas wiederzugeben. Wir hatten den„Post"-Artikel, der unser„Sitzrcdakteur"wesen verunglimpfen sollte, vollinhaltlich dem Urteil der Leser vorgelegt. Wir verstehen vollkommen, daß die„Post" nicht gleiches mit gleichem lohnt und es vorzieht, unsren Nachweis ihrer journalistischen Ehrenhaftigkeit zu unterschlagen. Dem Weisen genügt's!— Ruhstrat als Beleidiger. Wegen Beleidigung des Redakteurs Bicrmann war der oldenburgische Jeuminister zu 20 M. Geldstrafe verurteilt worden. Die Strafe ist in zweiter Instanz auf 100 M erhöht worden, eint Summe, die immer noch so niedrig ist, daß der Minister sie bei der„lustigen Sieben" verächtlich dem Kellner hin- geworfen hätte. Uebrigens ist bis zur Stunde den Angaben des Prozesses gegen den„Residenzboten" nicht widersprochen worden, wonach Herr Ruhstrat noch vor wenigen Jahren heftig gejeut hätte, während der Minister in dem früheren Prozeß u n t e r's e i n e m Eide nur zugestanden hatte, daß er in alten Zeiten gelegentlich gespielt habe. Der Minister hat die Pflicht gegen sich selbst, den Widerspruch aufzuklären.—_ Geheimnisvolles aus einer großen Garnison. Die„Frankfurter Zeitung" meldet: Vor einigen Wochen erregte es peinliches Aufsehen, daß Lieutenant Walther Pfeffer plötzlich flüchtete. Auf Anordnung der Kommandantur wurde seine' Wohnung geschlossen und sein Mobiliar mit Beschlag belegt. Pfeffer hatte ungeheuer viel Schulden gemacht, mit der Frau e i n e s K a in e- raden ein sehr intimes Verhältnis gehabt?c.— galt aber im Dienste als ein tüchtiger Offizier. Sein Verschwinden, das an- fänglich streng geheim gehalten wurde, wird nun eine ganze Anzahl von Prozessen zur Folge haben, die teiiwcise recht delikater Natur sind. Wie Eingeweihte erzählen, war auch die Verhand- lung des Kriegsgerichts der Kommandantur gegen den Ober- I i e u t e n a n t im 4. Pionier-Bataillon, Hans W i t t in e i e r, wegen Beleidig iing eines Vorgesetzten eine unmittelbare Folge der Pfefferschen Experimente und seiner Flucht. Zu dieser Ver- Handlung waren nahezu das gesamte Offizier- Corps des Regiments, das in Magdeburg liegt, soivie eine An- zahl vornehmer Damen als Zeugen geladen. Die sämtlichen Räume des Kriegsgerichts reichten nicht aus, die Offiziere und andern Zeugen zu fassen, und so promenierten denn eine Anzahl von ihnen während der Verhandlung in den umliegenden Straßen. Sofort nach Ver- lesung des Eröffnungsbeschlusses wurde wegen Gefährdung der militärischen Diciplin die Oeffentlichkeit für die ganze Dauer der Verhandlung ausgeschlossen. Die Verhandlung selbst dauerte von früh 8 bis nachts 11 Uhr und am andern Tage nochmals bis in den Abend hinein! Ueber den eigentlichen_ Thatbestand wurde geradezu auf- fallendes Stillschweigen beobachtet. Die Soldaten, die von den Vertretern der Presse nach diesem und jenem gefragt wurden, lächelten verschmitzt und pfiffig, aber schwiegen. Von den Dienern de-s Gerichts war nicht einmal der Name eines Zeugen zu erfahren, und der son st übliche. Aus hang" fehlte gänzlich. Alles also ungeheuer ge h e i m n i s v o l l. Erst in später Abendstunde wurde die Oeffentlichkeit auf— eine Minute wiederhergestellt, die Vertreter der Presse eilten in das Verhandlungszimmer, hörten das Urteil, das zur Verwunderung aller auf Freisprechung lautete, an und— zwecks Begründung des Urteils wurde sofort die Oeffentlichkeit wieder ausgeschlossen. Damit war diese sensationelle Berhandlung beendet. Aehnlich gehet in nisvoll ging es am audem Tage vor dem Ober-Kriegsgericht zu. Angeklagt war der Ober lieutenant v. Bila vom Jnfanterie-Regimen Nr. 36 in Halle. Weshalb? war ebenso wenig zu erfahren wie der Name des Angeklagten, der nur durch Zufall unsrer Kenntnis gelangte. Man erriet jedoch bald, um was es sich handelte. Auf dem Gerichtstische aufgestapelt lagen eine große Anzahl von Schicßbüchern. die von Halle aus herüber transportiert worden waren. Hier war es den Vertreter der Presse nicht einmal möglich, den Inhalt de Anklage zu erfahren, denn auch hier wurde sofort nach Er Öffnung d-r Verhandlung für die ganze Dauer derselben die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Gegen Abend wurde— wiederum für wenige Sekunden— die Oeffentlichkeit wiederhergestellt und da> Urteil verkündet. Es lautete: Oberlieutenant von Bila wird wegen vorsätzlicher Abgabe einer unrichtigen Meldung unter Mißbrauch der Dienstgewalt zu 14 Tagen Stubenarrest verurteilt. Sofort wurde dann die Oeffentlichkeit wieder ausgeschlossen und die Begründung des Urteils in geheimer Sitzung„verkündet". Im Laufe dieser Woche sind w i d e r u m einige Termine an gesetzt, in welchen höhere Offiziere auf der Anklagebank Platz nehmen müssen. Der Stadtkommandant hat, wie wir erfahren, bereits Bericht über diese Vorgänge an den Kriegsminister erstattet, die nach Eröffnung des Reichstages wohl auch dort zur Sprache kommen werden.— Ohrcnbeichtc in Kriegcrvcrcinen. Die Kriegervereine beschäftigen sich gegenwärtig zumeist damit, die wahre Gesinnung ihrer Mitglieder zu ermitteln. Namentlich liegt ihnen am Herzen, festzustellen, welche Mitglieder so viel proletarisches Bewußtsein und politisches Ver ständnis gehabt haben könnten, um bei den Reichstagswahlen social demokratisch zu wählen. Auf einer Delegicrtenversammlung des Kreis Kriegerverbandes in Marburg erklärte der Vorsitzende, Landrat v. Negelein: „Ein aufgetauchtes Gerücht, daß in O ck e r s h a u s e n Krieger Vereinsmitglieder socialdemokratisch gestimmt, habe sich nach ein gehender Untersuchung und nach Feststellung der Zahl der Wähler als unbegründet herausgestellt. Die Vorstände der Kriegervereine in Ockershausen hätten alles gcthau, um ihre Mitglieder daran aufmerksam zu machen, wie sie sich bei der Rcichstagswahl zu ver halten hätten." Abgesehen davon, daß der Herr Landrat die„unpolitischen" Kriegervereine ganz offen als antisocialdernokratische Wahlvereine reklannert— welche Mittel hat der Herr Landral angewandt, um festzustellen, ob ein Mitglied socialdemokratisch gewählt hat? Hat man in der„Hochburg des Protestantismus", als die Marburg sich seit Jahrhunderten rühmt, etwa die katholische Beichte als ZwangSinftitution eingeführt?— Weimar» 26. März. sEig. Bericht.) Der Landtag hat seine erste Sitzungsperiode beendet. In 33 öffentlichen und zwei ver- traulichen Sitzungen sind außer 36 verschiedenen Vorlagen der Re gicrung, dem Etat für die Finanzperiode 1905—1907, eine Anzahl Petitionen und ein Initiativantrag betreffend die Herabsetzung der Gebühren für Trichinenschau zur Beratung gekommen. Der Etat schließt mit über 12 400 000 M. ab, einbegriffen sind die Matrikular beitrüge mit 3 800 000 Nk., welche trotz der seit 1899 gezahlten Zw schlisse in derselben Höhe auch in Einnahme gestellt sind. Die Regierung gab wiederholt zu erkennen, daß sie mit Be stimmtheit auf erhöhte Einnahmen durch die baldige Jutrnfttretung des neue» Zolltarifs rechne. Au einmaligen Ausgaben für Neu- und Reparaturbauten sind über 1 200 000 M. aus dem außerordentlichen Etat bewilligt worden. Die Regierung hat alle Veranlassung, mit ihrem„getreuen Landtage" swie derselbe amtlich bezeichnet wird) sehr zufrieden zu sein. Bis auf eine Vorlage, die Erbauung eines Gasthauses in Webicht bei Weimar, welche rundweg abgelehnt wurde, hat der Landtag alle Vorlagen der Regierung, zum Teil mit ganz geringfügigen Abänderungen angenommen. Die Beschlußfaffung über die Steuerbefreiung bis 600 M. Einkommen ist auf später aus- gesetzt worden. Das E r b s ch a f t s st e u e r-@ e s e tz ist mit einer geringen Erhöhung der bisherigen Steuersätze und der Einführung einer Schcnkungsstcuer angenommen. Von dieser Steuer sind befteit Erb- schaften, welche an die Kinder, Eltern, Gemeinden, Kirchen, den Staat oder den Landcsherrn fallen, sowie alle Beträge unter 300 M. Bei der Schlußabstimmung über den Etat gaben unsre G e nassen die Erklärung ab. daß sie sür die allgemeine Finanz- kalamität die Regierung wegen ihrer Stellung im Bundesrat ver- antwortlich machen, trotzdem größere Aufwendnngcn für kulturelle Forderungen bewilligt seien, dennoch gegen den Gesamt Etat stimmen würden, weil sie der Regierung kein Vertrauens Votum geben könnten.— Brutal, aber nicht ehrlos! Gegen den vor kurzem an dieser Stelle geschilderten Gendarm Wagner aus dem 5lreisc Pietz, der sich an der 20jährigen Nrbciterrochter Zecka vergriff und die Arbeiter- frau Schroth mit zehn Säbelhieben brutal mißhandelte, wurde am Montag in Breslau das Urteil gesprochen. Er bekam vier Monate und zehn Tage Gefängnis. Von einer Degradation sah das Gerichr ab, da das Verhalten des Gendarmen zwar brutal, aber nicht ehrlos sei.—_ Aug den Geheimnissen der Konscmnfabnkation. Man schreibt uns aus Stuttgart: Vor der Strafkammer des Amtsgerichts Heilbronn spielte sich vergangene Woche ein Prozeß ab, der in niehr als einer Hinsicht interessant war. Nicht nur verschaffte er Einblick in die bodenlose Leichtfertigkeit, mit welcher die Nahrungs- mittelfabrikanten mitunter vorgehen, auch die Schäden des für Armeelieferungen üblichen S u b m i s s i o n s w e s e n S traten wieder einmal grell hervor, und die Schönheiten kapitalistischer Geschäftsmoral wurden hell beleuchtet. Angeklagt waren die Inhaber der Heilbronncr RahrungSmittelfabriken Otto n. Kaiser, der ehemalige Apotheker Hermann Otto und dessen Schlviegcrsohn. der Lieutenant der Reserve Karl Kaiser, des Diebstahls, des Betruges und der Nahrungsmittel- Verfälschung. Als Nebenkläger fungierten die Intendantur des Corpskommandos Stuttgart und der K o m m e r z i e n r a t C. H. K n o r r. Inhaber der gleichnamigen Konservenfabrik in Heilbronn. Die Angeklagten waren beschuldigt, ihnen übertragene Armeelieferungen in nicht vorschriftsmäßiger, minderwertiger Oualität ausgeführt zu haben, wodurch der MilitärfiSkus betrogen wurde: die Anklage wegen Diebstahls gründete sich darauf, daß Kaiser, der vor seiner Selbständigkeit Privatsekrctär von Knorr gewesen ist, diesem die Konscrvcnrezeptc gestohlen habe. Die Verhandlung ergab, daß die Angeklagten in der That im Jahre 1903 für Militärkonscrven nicht die vorgeschric- bcne Oualität von Fleischextrakt verwendeten, und als der Verdacht entstand, die Militärintendantur durch Vorlage gefälschter Fakturen irre zu führen suchten. Der Geschmack der Kaiser u. Ottoschen Konserven war fad und unangenehm und die Soldaten genossen sie mit Widerwillen. Ein Sachverständiger konstatierte, daß eine gnalitäts- mäßige Lieferung nur mit Verlust möglich gewesen wäre. Die Angeklagten mußten, um die Lieferung zu erhalten, das Offert der Firma Knorr unterbieten, so daß sie bei Einbehaltung des Vertrages mit Schaden— der Sachverständige schätzt ihn auf 5000 M.— gearbeitet hätten. Der Anreiz zum Betrug liegt ini Siibmisfionswesen. Die„Aneignung" der Knorrschen Rezepte mußte der Lieutenant der Reserve. Kaiser, wohl zugeben, doch führte er zu seincr Rechtfertigung an, daß im GeschäslSlebcn mancherlei„nicht ganz glatt" gehe. So habe der Kläger, K o m m e rzi e n r a t Knorr, zweimal Versuche gemacht, sich in die Konserven« fabriken von Maggi einzuschleichen, sei ertappt und vorge« führt worden und habe einen schimpflichen Revers unterschreiben müssen. Der Kominerzicnrat habe auch Versuche gemacht. Arbeite- rinnen durch Bestechung zum Verrat von Fabriksgehcimnissen zu bc- wegen. Auch die Finna Knorr könne die Konserven an die Armee- Verwaltung nicht qunlitätsuinsiig liefern und verwende minder- wertigen Fleischextrakt, nicht den vorgeschriebenen Liebigschen. Einen Beweis für diese Behauptung vermochte Kaiser wohl nicht zu führen. Doch ist es auffallend, daß eine Knorrsche Arbeiterin in der Voruntersuchung aussagte, daß der von Knorr verwendete Fleischextrakt flüssig sei, während Liebia nur in festem Zustande geliefert wird. Bei der Haupwerhandlung freilich hatte diese Zeugin das Gedächtnis völlig verloren und antwortete, trotzdem sie seit 13 Jahren in der Knorrschen Fabrik mit der Mischung der Waren beschäftigt ist, auf die Fragen des Vorsitzenden nach der Sorte des verwendeten Fleischextraktes stereotyp: Das istmirnicht er- innerlich! Dagegen machte der acht Jahre auch bei der Firma Knorr beschäftigte Obermüller Stephan recht fatale Aussagen über Ver- Wendung verdorbener Hafergrütze in der Knorrschen Fabrik. Der Zeuge erzählte, daß von auswärtigen Lägern a n- gelaufene verdorbene Grütze, die einen modrigen Geruch gehabt habe, in die Fabrik zur Verarbeitung gekommen sei. Es handelte sich um etwa 1000 Centner, die allmählich gutem Hafermehl beigemischt wurden. Ein Posten Reis enthielt z a h l l o s e W ü r rn e r. Als der Zeuge dies dem Direktor meldete, antwortete dieser kühl:„Schön, die Würmer sind F l e i s ch e x t r a k t."— So nahm der Prozeß eine für die Firma Knorr recht un- angenehme Wendung. Er wird ihr nur einen schwachen Trost ge- währen, daß die unbequemen Konkurrenten gestern zu je acht Monaten Gefängnis und zwei Jahren Ehrverlust ver- urteilt wurden. Denn das geschäftliche Ansehen des Kommerziell- rats Knorr und seiner Fabrik, hat durch die Enthüllungen des Prozesses einen argen Stoß erlitten. Aus den Ergebnissen erwächst aber eine erneute Mahnung an den Staat: Leben und Gesundheit seiner Bürger in wirksamerer Weise als bisher vor der kapitalistischen NahruugSmittelverfälschung zu schützen.— Schergoff, nicht Scherzoff, wie in unsren Notizen vom Sonntag und von gestern verdnickt ist, heißt der am vorigen Freitag von der hiesigen Polizei verhastete und über die Grenze gebrachte Russe. Wir bitten auch noch einige andre Kapriolen, die der Druckfehler- teuscl in der gestrigen Notiz„Vom Frcmdenrccht" geschossen hat. nicht übel zu vermerken. Daß im Absatz 4 Zeile 3 von dem„preußischen Geietz über die allgemeine Landesverwal» tung"(nicht:„wie der allgemeinen Landesverwaltung") die Rede ist, und die nach Absatz 4 Zeile 8 recherchierenden Beamten keine Verwaltungs-", sondern„Kriminalbeamte" waren, leuchtet wohl ohne weiteres ein. Absatz 8 Zeile 2 muß ferner statt: diesem" stehen:„die Polizei", und Zeile 5 statt„werden": waren".— Hustand. Der dänische Prügelgcsctzciitwurf hat im dänischen Reichstag eine Auftegnng hervorgerufen, wie sie seit einem Jahrzehnt nicht vorhanden war. Angesehene Politiker reden bereits offen davon, daß auch eine M i n i st e r k r i s e die Folge dieser Kämpfe sein kann. Im Ministerrat am Montagvormittag verlangte der Ministerprästdent Dcuntzer, unterstützt von Hage und Jöhnke, daß die Reichstagssession wie gewöhnlich zu Ostern geschlossen werde, während Alberti unterstützt von Madsen, Christensen-Stadil, Ole Hansen und Enevold Sörensen verlangte, daß die Session über Ostern hinaus verlängert werde, um zu versuchen, das Prügelgesctz durch das Landsthiug zu bringen. Die Debatte soll außerordentlich charf gewesen sein. Der Ministerpräsident hat eine gewisse Macht hinfichtlicki de? SessionSschlnsirS, frlbst wenn er eine klein« Mehrheit im Ministerrat gegen sich hat. Uebrigens steht in dieser Sache die ganze Intelligenz der Linken- und der Rechtenpartei, alle bedeutenden Juristen und die Universität hinter ihm. Die Linke hielt um die Mittagszeit Faktionssitzung. Hier verlangte Alberti. die Fraktion solle den Schluß der Prügeldebatte im Folkething herbeiführen. Das wurde jedoch abgelehnt. Im Folkething, wo die Sitzung um 1 Uhr eröffnet wurde, setzte zunächst Genosse Sabroe seine Rede von Sonnabendnacht fort und dann sprachen die Genossen P. Knudsen, N. C. Christensen und Sigvold Olsen. Großes Auffehen erregte es, als im Laufe der weiteren Verhandlungen der Konservative Birch erklärte, die Obstruktion derSocialdemokratie hätte bereit? gesiegt und damit bewiesen, wie berechtigt sie ei. Das vorliegende Prügelgesetz s e i juristisch betrachtet in Machwerk. Alle Sachkundigen seien gegen die P r ü g e l st r a f e. Der Redner fordert die Regierung dringend auf, hre konstitutionelle Pflicht zu thun und die Session zu schließen.— Das Landsthing befaßte sich inzwischen mit dem Häuslcrgesetz, und da sich dort die Verhand- lnngen in die Länge zogen, kam es darauf an, im Folkething die Beendigung der Priigelgesetz-Debatte hinauszuschieben, und Sabroe nahm wiederum das Wort. Als es 4 Uhr vorbei war, ragte der Präsident, ob der Redner am Ende seiner Ausführungen ei?„Nein", antwortete Sabroe,„ich bin gerade mit der Einleitung fertig." Darauf wurde die Sitzung geschlossen und die nächste auf abends 8 Uhr anberaumt. In der Zwischenzeit hielten die Fraktionen Sitzungen ab. Hierbei richtete der Mimslerpräsideut an die Fraktionen die Frage, ob sie das Prügelgesctz so eilig durchbcraten wollten, daß man des- wegen eine Verlängerung der Session verlangen solle. Die Kon- ervativen des Landsthings beschlossen, nicht arauf zu antworten, mit andern Worten, sie wünschen, daß über das Gesetz in normaler Weise beraten und eS demgemäß zunächst einem Ausschuß überwiesen werde. Die dem Prügclgesetz zugethane Mehrheit der Liberalen hatte« ich nun eine Kriegslist gegen die Obstruktion der Socialdemokraten auSgcsonnen. Sie wollte sich selbst an der Folkethings-Debatte be- tciligen und die Verhandlungen so weit ausdehnen, daß Alberti die Verlängerung der Session verlangen könnte, damit wenigstens das -olkcthing mit dem Entwurf fertig werde. Dieser Plan wurde aber durchkreuzt. In der Abendsitzung war dos Folkething sehr schwach besetzt: selbst einige Socialdemokraten fehlten, weil gleichzeitig anläßlich der Kommunalwahl eine Massenversammlung stattfand, in der einige Mitglieder der Fraktion anwesend sein mußten. Sabroe und Marott, die auf der Rednerliste standen, ließen ihre Namen streichen. Als nun der Präsident fragte, wer das Wort wünsche, meldete sich niemand. So mußte die Ab- 'timmiwg vorgenommen werden, die wiederum durch Narnensauftuf erfolgte. In der liberalen Fraktion war inzwischen ein starker Druck auf diejenigen ausgeübt worden, die bei der zweiten Lesung mit Nein gestimmt hatten. Das hatte den Erfolg, daß sich ein Teil von ihnen jetzt der Stimme enthielt. Für das Gesetz stimmten 54 Ab- geordnete, dagegen 23(die Socialdemokraten, einige Konservasive und Radikale), 14 antworteten:„Ich stimme nicht" und 22 waren abwesend.— Es ist also dem Justizminister Alberti trotz aller An- trengnng nicht gelungen, eine absolute Majorität 57 Stimmen) für das Prügelgesetz zu gewinnen, was von großer Bedeutung für die Agitation gegen das Gesetz ist. Das Folkething kann nun seine übrigen Arbeiten alle noch vor Ostern erledigen, so daß der Regierung kein andrer Vorwand zur Verlängerung der Session übrig bleibt als eben— die Prügel.— Schweiz. Liestal, 29. März. Am Montag wurde hier die sterbliche Hülle Zier Frau Emma Herwegh neben ihren ihr im Tode um 29 Jahre vorausgegangenen Gemahl Georg Herwegh zur ewigen Ruhe gebettet. Ohne Glockengeläut und ohne geistliche Begleitung— wie es die Verstorbene gewünscht hatte— bewegte sich der kleine Zug durch die Stadt nach dem Friedhofe. Hinter dem Sarge folgten der Sohn der Verstorbenen Marcel Herwegh sowie dessen Frau, der Stadtrat von Liestal und einige Verehrer des Dichters.— Frankreich. Das Kongregationsgesetz ist nunmehr in der Kammer unter Dach und Fach gebracht. In der letzten Sitzung wurden die Artikel IX und X nach den Vorschlägen der Kommission angenommen. Dieselben enthalten Bestimmungen über die Auflösung der Kongregationen und die Art, wie die Liquidation tfer Liegenschaft und des Vermögens der aufgelösten Ordensgesellschaften vor sich zu gehen hat. Es gelangte sodann das Gesetz mit 316 gegen 269 Stimmen zur Annahme.— Die Streikbewegung in der Textilindustrie Nord-Frankreichs nimmt immer größere Ausdehnung an. In Roubaix streiken die Arbeiter von 49 Betrieben in der Zahl von 4739; hierzu kommen noch circa 3099 Personen, die infolge des Streiks ebenfalls zum Feiern gezwungen sind. Die Arbeiter verlangen, trotz der Ver- kürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde, die vom 1. April infolge des Gesetzes Millerand-Colliard einzutreten hat, die Auf- rechterhaltung des früheren Tagelohnes, bei Accordarbeit eine sechsprozcntige Erhöhung desselben. Die Arbeiter von Houplines, die bekanntlich vor wenigen Monaten einen erbitterten Kampf mit den Unternehmern ausgefochten haben, erhielten jetzt als Entschädigung für die Verkürzung der Arbeitszeit eine Lohnerhöhung von 8 Proz. zugestanden. Einen großen Umfang hat die Bewegung auch in Lille genommen. Dort streiken die Arbeiter von 41 Be- trieben der Textilindustrie in der Zahl von etwa 6999; ferner hat aber auch der Metallarbeiter-Vcrband, ebenfalls infolge des oben bezeichneten Gesetzes, bei den Unternehmern Forderungen auf Er- höhung der Löhne, Regulierung der Arbeitszeit. Gewährung von Ferien usw. gestellt.— Hier sowohl als in Roubaix sind große Mengen Militär und Gendarmerie konzentriert.— Schweden. Das schändliche kommunale Wahlunrecht, das dem Wohlhabenden bis zu 199 Stimmen verleiht, hat auch bei den im Laufe der letzten vierzehn Tage vollzogenen Stadtverordneten Wahlen in Stockholm dahin gewirkt, daß trotz Zuwachs an Stimmen und Wählerzahl keiner unsrer Parteigenossen gewählt wurde. Besonders kraß trat das Wahlunrecht auch im ersten Kreise hervor, wo für den Arbeitcrkandidaten Sven Persson 775 Wähler stimmten, die im ganzen 8666 S t i m m e n abgeben konnten, während für den mit der niedrigsten Stimmenzahl gewählten Kandidaten nur 466 Wähler gestimmt hatten, die aber 29692 Stimmen repräsentierten. Achnlich lagen die Verhältnisse in den andern Kreisen. Nur im vierten Wahlkreis hatten die Arbeiter einen kleinen Erfolg. Hier hatten sie aus taktischen Gründen statt eines erklärten Parteigenossen den entschieden social gesinnten Redakteur der„Social Tidslrift", G. H. v. Koch auf ihre Lifte gesetzt, und dieser wurde trotz heftiger Gegenagitation der Geldsacksvertreter ebenso wie ein andrer ihm nahestehender Kandidat gewählt.— Rußland. Eine revolutionäre Demonstration. In Kiew haben die Studenten am 12. März nach der Feier zu Ehren des jüngst verstorbenen sehr populären Professors Tschitscherin eine Straßendemonstration veranstaltet, wobei sie die Marseillaise sangen. Tie Polizei versuchte mehrere Teilnehmer festzunehmen, doch wurden diese von den Bianifestanten wieder aus den Polizei- Händen befreit.—_ Russisch-Polen. Berichtigung. Die auswärtige Vertretung der Baltischen Lettischen socialdemokratischeu Organisation macht uns darauf aufmerksam, daß die Notiz über die„Revolutionäre Bewegung in Russisch-Polen" in Nr. 72 des„Vorwärts", die wir der„Auslands- Korrespondenz" entnommen hatten, mehrere unrichtige Behauptungen enthalte. Das lettische Flugblatt aus Anlaß des Krieges war weder von der„P. P. S." in Warschau verfaßt, noch in der Druckerei des„Robotnik" hergestellt, sondern in Riga, desgleichen war das littavische Flugblatt im Auslände hergestellt. Ferner verwahrt sich die Lettische socialdemokralische Arbeiterorganisation dagegen, mit dem Programm und den Bestrebungen der„P. P. S." irgend etwas gemein zu haben, sie hatte sich nur dazu bereit gefunden,' in einem Falle ein Flugblatt gemeinsam zu zeichnen, dessen Text jedoch im Detail von jeder Organisation autonom verfaßt werden sollte.— Die offizielle japanische Darstellung des letzten Brander-Angriffes. Am 27. März um V-4 Uhr vormittags erreichten die vier Sperr- schiffe, begleitet durch die Torpedojäger- und Torpcdoboot-FlottUe, den Eingang zum Hafen von Port Arthur. Trotz der Beleuchtung durch die feindlichen Scheinivcrfer sicuerien die Schiffe direkt auf die Hafeneinfahrt zu, wurden aber auf zwei Seemeilen Entfernung vom Feinde entdeckt und von den wachhabenden Schiffen und Strand- batterien von beiden Seiten heftig beschossen. Trotzdem gelang es, die Schiffe bis auf die innere Reede zu bringen. Die Chipo-Maru ging vor Anker, ungefähr eine halbe Kabellänge von der Küste an der Westseite des Goldenen Berges, wo sie gesprengt und versenkt wurde. Als die Fukui-Maru links vom obengenannten Schiffe, aber mehr nach vorn, ihre Anker auswerfen wollte, wurde sie von einem feind- lichen Torpedojäger mittels eines Fischtorpedos angeschossen und sank. Die Joshiko-Maru ging links von der Fukui-Maru vor Anker und wurde zersprengt. Die Joncyama-Maru fuhr zwischen der Fukui- Maru und der Chiyo-Maru hindurch, nachdem sie einen feindlichen Torpedojäger von rückwärts angerannt hatte, und ankerte in der der inneren Reede. Das Schiff wurde dort von feindlichen Fisch- torpedos getroffen, legte sich auf die Seite und sank in der Nähe des linken Ufers mit der Breitseite nach unten. Der Sperrungsversuch verlief, wie oben geschildert, es bleibt jedoch zwischen der Joshiko-Maru und der Jonehama-Mnru noch ein freier Zwischenraum, so daß leider die vollständige Sperrung des HafenS nicht erreicht wurde. Gefallen sind: Fregattenkapitän Takewo Hirose, ferner ein OffizierSaspirmit, gtoci Unteroffiziere und Matrosen; verwundet schwer: Obcrlieutenant Schimada. leicht Kapitän Masaki, Schiffs- ingenieur Kurita und g Unteroffiziere und Matrosen. Tic übrigen Mitglieder der Expedition wurden unversehrt von den Torpedojägern und Torpedobooten aufgenommen. Unsre Torpedoboote Awotaka und Tsubame trafen bei dem Vorgehen mit den Sperrschiffen bei einer Entfernung von einer Seemeile vom Hafcncingang auf feindliche Torpedojäger und nahmen das Gefecht auf. Es gelang ihnen, die feindliche» Boote stark zu beschädigen, und es schien, als ob bei einem der Kessel zerstört worden ist, denn beim Rückzug desselben sah man eine starke Ausströmung des Dampfes. Nach Beendigung des Angriffs und Aufnahme der Bemannung der Dampfer bemerkte man ein feindliches Schiff am Fuße des Goldenen Berges, welches anscheinend vollständig manövrierunfähig war. Obgleich unsre Torpedojäger„nd Torpedoboote bis nach An- bruch der Morgendämmerung noch chi Bereich der feindlichen Batterien blieben, von denen sie heftig beschossen wurden, erlitten dieselben nicht die geringste Beschädigung. Im japanischen Landtag verlas Admiral Jamämoto heute den Beschluß des Admirals Togo über den s e ch st e n A n g r i f f auf Port Arthur unter großem Beifall des Hauses. Nach einer Erwähnung des Keldeptydcs, den Kapitän Hirose hierbei erlitten habe, betonte Jamamoto, daß es sehr schwierig sei, Port Arthur zu sperren und daß der Plan noch weit von der Durchführung entfernt sei. Seit der Ankunft des Viceadmirals Makaroff sei offenbar der kriegerische Geist in Port Arthur wieder aufgelebt. Er hoffe, daß die Russen den Hafen verlassen und die japanische Flotte an- greifen werden. Die Kammer nahm alsdann einstimmig einen Beschlußcmtrag an, welcher die Regierung zum Fortgang auf dem betretenen Wege ermutigt, der Flotte Anerkennung ausspricht und den Entschluß kund giebt, keine Kosten zu sparen, um den Krieg fortzuführen. Ministerpräsident Graf Katsura dankte den Abge- ordneten. Im Laufe der Sitzung versuchten mehrere Abgeordnete, die Aus- stohung des Mitgliedes des Hauses Ogawa durchzusetzen, welch letzterer selbst kürzlich die Ausstoßung des Deputierten Akipama ver- langt hatte. Die Freunde Akiyamas erklärten, es bestehe mehr Grund zu dem Verdachte, daß Ogawa Zahlung von den Russen angenommen habe, als Akiyama. Nach kurzer stürmischer Debatte wurde der gegen Ogawa gerichtete Antrag mit großer Mehrheit verworfen. Ueber das Landgefecht in Korea lautet der amtliche japanische Bericht über den Zusammenstoß zwischen den japanischen und russischen Truppen in Korea: Am 28. März, vor- mittags 11 Uhr, kam eine Abteilung japanischer Kavallerie und In- fantcrie in Berührung mit etwa 699 Mann russischer Kavallerie, welche Tschöngdschu besetzt hatten. Es gelang, die russischen Truppen aus ihren Stellungen zu werfen und die Stadt zu besetzen. Japanischer- seits sind gefallen ein Offizier und vier Gemeine. Verwundet sind zwei Offiziere und zehn Gemeine. Man schätzt die russischen Ver- luste aus dieselbe Höhe. Huö Induftrlc und Händel. Ter Aufkauf der kleinen Zechen durch die großen Kohlenbergwerks- Gesellschaften schreitet rasch vorwärts. In der vorgestern abgehaltenen Generalversammlung des Bochumer Gußstahlvereins ist der Vor- schlag des Verwaltungsrates, die Zechen Marianne Steinbank und Haasenwinkel zu verkaufen, einstimmig genehmigt worden, und zwar geht die erstgenannte Zeche an die Gewerkschaft Matthias Stinnes zum Preise von 2 889 999 M. über, zahlbar in monatlichen Raten und verzinslich, Haasenwinkel an die Zeche Friedlicher Nachbar zu 3 999 999 M., zahlbar in sieben Jahresraten und unverzinslich. Generaldirektor Baare empfahl den Verkauf mit der Erklärung, daß der Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation, nachdem xr Karolinenglück erworben habe, den Bedarf an Kohlen selbst bei Stilllegen der einen oder andern Zeche vollkommen aus eignen Gruben decken können. Ebenso ungünstig als auf Marianne Steinbank seien die Verhältnisse auf Haasenwinkel. Hier hätte man in nächster Zeit auf Verlangen der Behörde herangehen müssen, einen vollständig neuen Schacht abzuteufen, was Ausgaben in großem Umfange mit sich gebracht haben würde. Bei den Verkaufs- Verhandlungen sei hauptsächlich die Erwägung matzgebend gewesen. daß durch eine Vereinigung mit Friedlicher Rachbar' der Abbau aus Haasenwinkel noch rentabel betrieben werden könne. Dadurch, daß man die Hochofengase besser verwerte, erziele man eine größere Kohlenersparnis. Zugleich wird gemeldet, daß die kürzlich durch die Presse ge- laufene Nachricht, die Bergwerksgesellschaft Hibenna beabsichtige die Zeche Alstaden zu erwerben, keineswegs als bloßes Gerücht gelten kann. Wie die„Bossische Zeitung" wissen will, soll bereits in der gestrigen Aufsichtsratssitznng der Hibernia die Angelegenheit zur Er- orterung gestanden haben, und zwar sei mit einem der Erwerbung günstigein Entschluß zu rechnen, da gerade die Hibernia-Gesellschaft in Rücksicht auf ihre neuen Schachtanlagen auf der Zeche Schlägel und Eisen auf eine Erhöhung ihrer Bcteiligungsziffer bei dem Kohlensyndikat von den großen Kohlenbergwerken am meisten angewiesen ist, zumal mit einer weitereu Erhöhung der Fördereinschränkung seitens des Syndikats baldigst gerechnet werden muß. Wie weiter versichert wird, befindet sich der größte Teil des Aktienkapitals von Alstaden bereits in den Händen einer Berliner Großbank, die auch an der Durchführung der letzten Transaktion mit der Gewerkschaft General Blumenthal vornehmlich beteiligt war. Hoher Knpitalprofit. Der Aufsichtsrat der Jlsedcr Hütte schlägt, wie telegraphisch aus Hannover gemeldet wird, eine Dividende von 52 Prozent gegen 49 Prozent im Vorjahre vor. Das Sicgerländcr Eiscnstrin-Syudikat hat, wie die„Kölnische Volkszeitung" meldet, in seiner gestrigen Hauptversammlung be- schlössen, die bisher in Höhe von 15 Proz. bestehende Einschränkung der Förderung vom 1. April er. ab ans 39 Proz. zu erhöhen. Der Beschluß zeigt, daß sich die Lage der Siegerländer Roh eisenindustrie noch mehr verschlechtert hat. Alscnschc Portlandccmcnt-Fabrikc». DaS Geschäftsjahr 1993 ergab nach Abschreibungen von 491 589 M.(im Vorjahre 222 379 M.) sowie einer Extra-Abschreibung von 166 855 M. auf den Besitz an Aktien der Alfens American Portland Cement Works(der bei der Gesellschaft mit 4 452 999 M. zu Buche steht) einen Brutto- Ueberschuß von 819 872 M. exkl. des vorjährigen Uebertrages von 235 937 M. Die Dividende beträgt 11 Proz. Die Generalversammlung der Fabrik photographischer Apparate, vormals R. Hüttig u. Sohn, die gestern in Dresden stattfand, nahm einen ziemlich stürmischen Verlaus. Bekanntlich hat der Direktor dieser Gesellschaft sich mit deren Geld an zum Teil recht Zweifel- haften Unternehmungen beteiligt. Da die Feststellung der Ver- mögenslage noch nicht abgeschlossen ist, setzte die von 41 Aktionären besuchte Versammlung die Genehmigung der Jabrcsrechnung für 1993 bis zur nächsten außerordentlichen Generalversammlung aus, um den Bericht der Revisionskommission abzuwarten. Der bisherige Aufsichtsrat legte sein Amt nieder. In den hierauf neu gebildeten Aufsichtsrat würden die Herren Bankdircktor Oswald sDresdener Filiale der Deutschen Bank), Bankdirektor v. Roh/z Proz. der männlichen und über 82 Proz. der weiblichen Eingelieferten waren vorbestraft. In der Zeit vom 1. Oktober 1894 bis zum 31. März 1993 waren 37 697 Insassen der preußischen Zuchthäuser schon mit drei und mehr Vorstrafen belastet, darunter 19167 bis zu fünf, 15 293 mit sechs bis zu zehn, 11318 mit elf bis zu 39 und 919 mit mehr als 39 Vor- strafen. Von ihnen waren 13 324 vor Vollendung des 18. Lebens- jahres zum erstenmal bestraft worden. Im einzelnen wird, wie bisher schon, festgestellt, daß das Elend häuslicher Verhältnisse, schlechte Erziehung, schlechte Schulbildung, Not, Trunkenheit, Prostitution usw. typisch ist für die Verhältnisse der Zuchthäusler. Interessant ist die Feststellung, daß von den 5536 im Berichts- jähre eingelieferten Zuchthäuslern 2495 allein aus den Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Posen und Schlesien stammten. Die Ursache der Berurteilung waren bei 4979, also fast Vermögensdelikte. Bei den 37 697 seit 1. Oktober 1894 bis 31. März überhaupt gezählten Zuchthäuslern wird für 35 745 der Rückfall als wahr- scheinlich bezeichnet. Man fragt sich immer wieder vergeblich, wozu denn eigentlich ein Strafsystem, das gar nichts bessert, nur immer verschlimmert? Neue Gcwcrbc-Juspcktionen sind errichtet worden in den Städten Brannsberg i. Ostpreußen, Forst i. L.. Lingen, Lüdenscheid, Mül- heim a. d. Ruhr und Lennep. Schulrcformntorischcs aus Baden. Der Karlsruher Ober-Schulrat überraschte selbst die fach- männischen Kreise mit dem Ostergeschenk eines neuen Regulativs für die M i t t e l f ch u l e n. Es giebt allgemeine Grundsätze über Bau und Ausstattung der Schuthäuser, über Schülerhygiene, Be- schaffung der Lehrmittel und Entlastung der Unterrichtserteilnng. So ist z. B. das Maximum der Schülerzahl für die drei unteren Klassen auf 45, für je drei weitere Jahrgänge auf 49 bezw 39 angegeben und die Errichtung von Parallelklassen vor- geschrieben; zum Schlittschuhlaufen und Baden dürfen ganze Nach- mittage fteigegeben werden, überhaupt bei hoher Temperatur soll ein Ausfallen des Unterrichts stattfinden. Bei den unter dem Vorsitze des Direktors vorzunehmenden Zeugnisfeststellungen darf die Notengebnng nicht vorwiegend und einseitig auf Grund schriftlicher Arbeiten erfolgen, es sollen auch die mündlichen Leistungen gebührend berücksichtigt werden. Zwischeunotcn fallen weg, es bestehen nur die Zahlen 1 bis 6 ssehr gut bis ganz ungenügend); die Graderteilung für Fleiß und Aufmerksamkeit ist unabhängig von den Leistungen des Schülers. Die Nachprüfungen zur Ermöglichung einer Ver- setzung fallen weg; der Schüler darf die ungenügende Bildung in einem bestimmten Fache in der nächsthöheren Klasse beseitigen und wird nur dann nicht weiter versetzt, wenn er am Ende des folgenden Schul- jahres wiederum in derselben Materie nicht genügt. Bei be«" elf Arten Schulstrafen ist der Schularrest auf zwei Stunden. die Karzerstrafe auf zwölf Stunden im Maximum festgesetzt, dagegen jede Art körperliche Züchtigung, Hausarrest, Ausweisung aus dem Klassenzimmer und so Weiler strengstens untersagt. Der Karzer kommt nur bei Schülern der Unterterzia bis Oberprima in Anwendung, eine Gebühr für den Bollzug der Arreststrafe darf nicht mehr erhoben werden. Es wäre erwünscht, wenn die fortschrittlichen Neuerungen, namentlich in der Art der Bestrafung und Versetzung der Schüler, insbesondere aber in der Feststellung des Schülcrzahl-Maximums für eine Klasse auch unsrer V o l k s s ch u l e zu gute kämen. Diese ist in Baden noch ein Stiefkind._ GewerbcgerichtSwahl in Offenbach. Bei der am 2S. d. M. vorgenommenen Gcwerbcgerichtswahl beteiligten sich zum erstenmal die „christlichen" Arbeiter, nachdem unter Zustimmung der social- demokratischen Stadtverordneten das Proportional- Wahlsystem ein- geführt worden war. Von„christlicher" Seite wurde unter Mit- Wirkung des ganzen ordnungsparteilichen Klüngels seit Wochen init unerhörtem Hochdruck gearbeitet und das Offenbacher Reptil that das seinige, um eine„politische Machtprobe", bei der die Socialdemo- kratie„wieder geschlagen" werden sollte, zu arrangieren. Die Wahlen fanden unter ungeahnter Teilnahme der Arbeiter statt. Früher wählten höchstens 1800 Mann, diesmal ivurden blll Stimmen abgegeben, davon fielen auf die Liste der freien Gewerkschaften 4316, auf die„christliche Liste" 617 Stimmen. Das ist ein glänzendes Resultat für die freien Gewerkschaften, und fiir die„Christlichen" ist es um so bitterer, als sie uns auch noch einen Arbeitgeber abtreten müssen, und zwar gerade den christlichsten, der im Stadtverordneten- Kollegium die Einführung der Proportionalwahl beantragte, um die Socis zu— lackieren. Ist eine Verbrauchssteuer für Fische und Fischkonserven zulässig? Diese Frage war in einem Strafverfahren gegen zwei Homburger Fischhändler zu entscheiden. Das Kammcrgcricht hob ein frei- sprechendes Urteil des Landgerichts auf und entschied, das; die Homburger �Stcuerordnung auch insoweit rechtsgültig sei, als sie Fische und Fischkonserven der kommunalen Verbrauchssteuer unter- werfe. Nach dem Zollvereinigungsvcrtrag von 1867 könnten auch Marktviktualien der Verbrauchssteuer durch Kommunen unterworfen werden. Im Gegensatz zum Landgericht lege das Kammergericht die entsprechenden Vorschriften des Zollvercinigungsvertrags so aus, dah unter Marktviktualien in ihrem Sinne alle Lebensmittel zu verstehen seien, deren Vertrieb auf Märkten allgemein üblich sei, ohne Rücksicht darauf, ob sie gerade im fragliche„Ort regelmäßig auf dem Markt vertrieben würden. Dazu gehörten unzweifelhaft Fische. Wie verhalte es sich nun mit Fischkonserven? Der Auslegung komme§ 66 Nr. 2 der Gewerbe-Ordnung zu Hilfe, der bald nach dem Zollvereinigungsvertrag beraten sei. Als Gegen- stände des Wochcnmarktverkehrs würden dort u. a. Fabrikate genannt, deren Erzeugung mit der Fischerei in unmittelbarer Verbindung stehe. Hiernach müßten auch Fischkonserven zu den Marktviktualien, den Artikeln des Wochenmarktcs gezählt werden. Taraus ergebe sich die Rcchtsgültigkeit der von den Angeklagten übertretcnen Vorschriften der Steuerordnung über die Belegung von Fischen und Fischkonserven mit der Verbrauchssteuer. Sericbts-Teitung. Ter feuchtfröhliche Bürgermeister. Geschichten aus einer kleinen Stadt beschäftigten gestern die zlveite Strafkammer des Landgerichts I. Tie kleine Stadt ist Mittenwal de. deren Bürgermeister Dauer sich durch einen Artikel der„Morgenpost" beleidigt fühlt und einen Strafantrag gegen den verantwortlichen Redakteur Erdmann Graeser gestellt hat. Der Artikel trug die Ueberschrift:„D ie Zwickmühle in Mitten- ,o a l d e". Tie rückständige Entwicklung des Städtchens wurde darin direkt dem Stadtoberhaupre zur Last gelegt und gesagt, daß ein großer Teil der Bürgerschaft dem jetzt bevorstehenden Ende der zwölfjährigen Amtsdauer des Bürgermeisters mit Sehnsucht entgegen sehe. Während eine Anzcchl von Nachbarstädten weiter gekommen sei, habe Mittenwalde als einzige Errungenschaft die g r o ß e M ü l l- ablade st elle für Berlin zu verzeichnen. Das liege alles am Bürgermeister, der seine Seßhaftigkeit nicht sowohl im Amts- zimmer, als an den Stätten beweise, die bestimmt sind, nach des Tages Last und Mühe, aber nicht während der Amtsstundcn. Er- holung zu gewähren. Es wird dann erzählt, daß. um die Wahl eines andern Bürgermeisters unmöglich zu machen, ein in der Geschichte der Selbstverwaltung wohl noch nicht dagewesener Trick insceniert worden sei. Die Stadtverordnetcn-Versammlung bestehe aus 16 Mitgliedern, von denen 7 für, 9 gegen den Bürgermeister seien. Tie 7 Stadtverordneten vom Klüngel des Bürgermeisters hätten nun plötzlich sämtlich ihre Mpndate niedergelegt und durch diese Obstruktion von oben sei der unglaubliche Zustand geschaffen, daß weder die übrig gebliebenen 9 Sladwerordneten eine Sitzung ab- halten, noch daß Neuwahlen stattfinden könnten. Der Artikel schloß mit einem Appell an den Regierungspräsidenten, den mit schlauer Absicht verwirrten Knoten zu entwirren und dafür zu sorgen, daß das mißliebige und ungeeignete Stadtoberhaupt„fliege".— Der Angeklagte behauptete die Nichtigkeit der in dem Artikel behaupteten Tatsachen, und Rechtsanwalt Dr. Thiele beantragte, einen um- fastenden Wahrheitsbeweis zu erheben. Er berief sich auf eine Anzahl von Zeugen darüber, daß der Bürgermeister mißliebig sei und seine Llmtsführung zu vielen Klagen Anlaß gegeben habe. Einige Zeugen. darunter Kreisticrarzt K i ck h ä f e r sollen bekunden, daß der Bürgermeister während seiner Amtsstunden sehr selten im Rathause zu finden sei. dagegen häusig in einem Restaurant. Rechtsanwalt Dr. Thiele behauptet insbesondere, daß in einem Falle der Bürger- meister eine Magistratssitzung anberaumt hatte, aber selbst nicht er- schienen sei und daß man ihn dan aus einem Restaurant habe holen müssen, wo er, auf einem Bierfaß reitend, einer feucht- fröhlichen Tafelrunde präsidierte. Der Verteidiger beantragte ferner, die 9 Stadtverordneten, die jetzt das Rumpfparlament von Mitten- walde darstellen, als Zeugen laden zu lassen. Sie sollen bekunden, daß die Niederlegung der 7 Mandate auf Machinationen des Bürger- mcisters beruhe und daß, als die Stadtverordneten-Neuwahlen be- vorstanden, als Bedingung von den Kandidaten die Bejahung der Frage verlangt loorden sei, daß sie im Falle ihrer Wahl für den Bürgermeister stimmen würden.— Der als Zeuge vernommene Bürgermeister Dauer bestritt im letztgcdachten Punkte irgend etwas veranlaßt zu haben. Auch mit der Niedcrlcgung der 7 Stadtverordneten-Mandate habe er gar nichts zu tun. Tie Müllabladungsfrage sei schon vom Landrat und dem Regierungspräsidenten erledigt ge- Wesen, ehe der Magistrat Kenntnis davon hatte. Eine dagegen er- hobene Einsprache habe schon eine vollendete Thatsache vorgefunden. Die Müllabladestelle liege übrigens zwei Kilometer von der Stadt, das Terrain sei bis dahin sumpfig gewesen. Nebenbei ziehe ja die Stadt auch Vorteile aus der Abladcstelle. Was seine„Seß- haftigkeit" betrifft, so seien seine amtlichen Sprechstunden von 9 bis 12 Uhr, erst dann pflege er zum Frühschoppen zu gehen. Nachmittags seien seine Sprechstunden von 3— 6 Uhr und erst nach ihrer Bc- endigung pflege er sich zu restaurieren. Bei dem vom Verteidiger erwähnten Specialfall, der einige Jahre zurückliege, handelte es sich darum, daß von Zossen aus Großfeuer gemeldet worden sei. Es sei darauf die Mittenwalder Feuerwehr zu Hilfe ausgerückt und er, der Bürgermeister, sei mitgefahren, um zu sehen, wie die Leute arbeiteten. Da die Leute alle naß geworden, habe er bei der Rückkehr, wie dies üblich sei, wenn der Bürgermeister mitfahre, den Leuten Grog geben lassen. Dabei habe dam, ein Beteiligter den Vorschlag gemacht, die ganze Gesellschaft zu photograph ieren. Ob er sich zu diesem Zweck auf ein Bierfaß oder eine Bank gesetzt, Wiste er nicht mehr. Es sei allerdings an jenem Tage Maisistratssitzung gewesen, er habe aber rechtzeitig den Beigeordneten mit seiner Vertretung beauftragt gehabt. Der Regierungspräsident habe ihm über das VelMtstv AMstSkl PM Büttvkr� Berlin. Inseratenteil. verantw, Mitkneipen seine Mißbilligung ausgesprochen. — Rechtsanwalt Dr. Thiele wollte wissen, warum denn die sieben Stadtverordneten, unter denen einer erst drei Monate im Amte war, ihr Mandat niedergelegt haben.— Bürgermeister Dauer erwiderte: Wegen der Art der Geschäftsleitung durch den Stadtverordneten- Vorsteher. Dieser schlage bei den Verhandlungen oft derartig auf den Tisch, daß Lampe und Tintenfässer in die Höhe springen. Er, der Bürgermeister und der Beigeordnete gingen auch nicht mehr in eine Stadtverordnetensitzung.— Verteidiger: Die sieben Herren, die ihr Mandat niedergelegt haben, sind doch wohl Freunde des Bürgermeisters?— Zeuge: Ja!— Der Gerichtshof beschloß hierauf, die Sache zu vertagen, zum nächsten Termin 12 vom Verteidiger benannte Zeugen zu laden und außerdem die Personal- alten des Bürgermeisters von der Regierung zu Potsdam cinzu- fordern._ Tie Armut in der Charit«. Unter der Anklage der Kindes- aussctzung hatte sich gestern die unverehelichte Nähterin Luise Feyerabend vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Es war die alte Leidensgeschichte, welche von der Angeklagten vorgetragen wurde. Am 17. April v. I. war sie in der Charite von einem Knaben entbunden worden. Bereits am 23. April wurde sie wieder entlassen. Nun stand sie völlig mittellos und obdachlos mit dem Kind auf der Straße. Allerdings hatte sie in Berlin eine verheiratete Schwester wohnen, doch der durfte sie ihr Unglück und ihre„Schande" nicht offenbaren. Ten Vater ihres Kindes konnte sie nicht in Anspruch nehmen, weil sie besten Aufent- Haltsort nicht kannte. In der Charfte hatte man daS Kind in Watte gewickelt, da die Angeklagte nicht einmal für die notwendigsten Wäschestücke Sorge getragen, sie hatte ihren wollenen Unterrock und ihr Umschlagetuch geopfert und das Kind darin warm eingehüllt. Sie begab sich zunächst nach dem Waisenhause, wurde dort aber abgewiesen. Tieselbe Erfahrung machte sie bei einer Wohltätigkeilsanstalt in der Kürassierstraße. Nun irrte sie noch eine Zeit lang in den Straßen umher und kam dann zu dem verzweifelten Entschluß, sich durch Aussetzung des Kindes zu entledigen. Vorher nährte sie es auf einem Hausflur. Tann begab sie sich nach der Wallstraße, wo sie das Haus Nr. 87 zur Ausführung ihres Planes für geeignet hielt. Sie legte das Kind dort auf den Treppenpodest des ersten Stockwercks und entfernte sich schleunigst. Eine Zeitungsträgerin fand bald das Kind, sie holte einen- Schutzmann, der es an sich nahm und es nach dem Waisenhause brachte, wo es jetzt aufgenommen werden mußte. Als die Ermittlungen nach der Mutter vergebens waren, wurde der Knabe nach der Straße benannt, in der er gefunden wurde, er erhielt den Namen Lothar Wall. Erst am Ende des Jahres wurde die Ange- klagte entdeckt. Sie räumte im Termine ein, daß sie sich nie um das Schicksal ihres Kindes bekümmert habe. Auf Grund dieses Umstandes beantragte der Staatsanwalt gegen die Angeklagte eine Gefängnis- strafe von 6 Monaten. Der Gersthtshof kam aber zu einem frei- sprechenden Erkenntnis, weil die Angeklagte den Umständen nach annehmen konnte, daß das Kind nach kurzer Zeit gefunden werden mußte und es sich somit nicht in einer hilflosen Lage befand. Versammlungen. Anschluß der Konditoren an die Lohnbewegung der Bäcker. Eine Versammlung der Konditoren ermächtigte Mittwochabend ihre Vertreter, bei Gelegenheit der Bäckerbewegung für die Konditoren. die in Bäckereien arbeiten, folgende Forderungen zu stellen: Die thatsächliche Arbeitszeit beträgt höchstens 10 Stunden pro Tag. Eine einstündige Mittagspause ist mindestens zu ge- währen. Sonntagsarbeit ist spätestens 10 Uhr morgens zu beenden. Für diese Sonntagsarbcit ist in der Woche ein halber freier T a g zu gewähren. Für Sonntags-äu jour, wenn sie unumgänglich nötig ist, ist ein g a n z e r f r e i e r T a g in der Woche zu gewähren oder die cku jour-Stunden sind als Ueberstunden zu bezahlen. Ge- sebliche Ueberstunden sind mit 60 Pf. zu bezahlen. Löhn«: Selbständig arbeitende Gehilfen 27 M. pro Woche. Bei Be- schäfrigung von 2 Gehilsen der erste 30 M.. der zweite 27 M. Bei 3 Gehilsen oder mehr der erste 30 M., der zweite 27 M., die andren 23 M. Minimallohn. Bestehende höhere Löhne dürfen nicht gekürzt werden. Kost und Logis ist abzuschaffen. Wo bisher Kost und Logis gewährt wurde, sind mindcsteits pro Woche als Entschädigung dafür 12 M. zu zahlen.— Tages st elle n werden vom Montag bis Freitag einschließlich mit 3 M. und am Sonnabend oder vom Sonn- abend zum Sonntag mit 6 M. bezahlt. Der halbe Tag(3 Stunden) ist am Sonnabend oder Sonnabend/Sonntag ebenfalls mit 6 M., an andren Tagen mit 3,30 M. zu bezahlen. Accordarbeit ist aus- geschlosien. Fahrgeld ist in jedem Falle von der Wohnung nach der Arbeitsstätte und zurück zu ersetzen. Die Arbeitszeit für Tages- stellen ist dieselbe wie für feste Stellen. Der Arbeitsnachweis des Verbandes ist anzucrkeimen. Ter Tarif ist in Werkstellen aus- zuhängen. Eine Schlichtungskommission ist ebenfalls vorgesehen.— Da die Bäcker ihre Forderungen noch vor Ostern einreichen, sollen auch vorstehende Forderungen alsbald eingereicht werden. In acht Tagen wird eine neue Versammlung definitiv beschließen. Streik der Bergolder Berlins. Eine stark besuchte außerordent- liche Mitgliederversammlung der hiesigen Filiale des Vergolder- Verbandes nahm gestern' Abend eine Resolution an, durch die sich alle bei Ringfabrikanten und deren Zwischenmeistern beschäfngten Arbeiter und Arbeiterinnen im Einverständnis mit dem Vorstande verpflichten, solange keine neue Arbeit vorzunehmen und die Arbeit ruhen lassen, bis die Fabrikanten zu Zugeständniffen gewillt sind und mit dem Vorstande m Unterhandlungen treten. Die in den Vergolderbetrieben thätigen Packer haben ebenfalls Forderungen gestellt und erklären sich mit den Vcrgoldern solidarisch. Ein Konferenz der Rohrleger Teutschlands soll voraussichtlich zu Pfingsten abgehalten werden. Tie Anregung dazu geht von der Agitationskommission der Rohrleger Berlins aus. Am Sonntag bc- schäftigte sich eine Versammlung der Berliner Rohrleger und Helfer mit dieser Angelegenheit und Wiesenthal teilte daselbst mit, welche Schritte zur Vorbereitung der Konferenz unternommen sind. Aus Danzig, Stettin, Breslau, Hamburg, München, Köln, Frankfurt a. M.. Hannover und andren Städten liegen Erklärungen vor, welch« sich mit der Abhaltung der Konferenz einverstanden erklären. Tie Rot- wendigkeit einer gemeinsamen Beratung der Rohrleger Deutschlands ergiebt sich daraus, daß Firmen, besonders der Heizunqöbranche, die auswärts ihren Sitz und in Berlin eine Filialniedcrlaffung haben, hier Arbeiten ausführen lassen durch Rohrleger, die vom Sitz der Firma hergeschickt werden. Da nun auswärts die Löhne in der Regel niedriger sind wie in Berlin, meistens sogar ganz erheblich, die auswärtigen Arbeiter aber, wenn sie für ihre Firma in Berlin rätig sind, keinen höheren Lohn erhalten wie gewöhnlich, so treten in solchen Fällen die auswärtigen Rohrleger als Lohndrücker ihrer Berliner Kollegen auf. Um diesem Mißstaude abzuhelfen-, soll die Festsetzung eines für ganz Deutschland geltenden Tarifs angestrebt werden, der in der Hauptsache die neunstündige Arbeitszeit, örtliche Mindcstlöhne und entsprechende Zulagen für auswärtige Arbeiten(Montage) fest- legt. Ferner sollen die auswärts arbeilenden Kollegen gehalten sein, sich wenigstens bei länger dauernden Arbeiten bei der Verwaltungs- stelle des Metallarbeitcr-Verbandcs in dem betreffenden Arbeitsort zu melden, damit dem Verbände eine bessere Kontrolle seiner Mit- gliedcr ermöglicht wird. Eine Verständigung über diesen Punkt würde die nächste Aufgabe der Konferenz sein. Ferner ist die Einsetzung einer aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehenden Kommission in Aussicht genommen, die den Tarif für Teutschland zu beraten, und wenn ein solcher in Kraft getreten ist, die Durchführung desselben zu überwachen hätte.— Weiter erstattete Wiesenthal Bericht über die Thätigkeit der Berliner Schlichwngskommission. Seitens der Arbeitgeber ist ein Nachtrag zu dem Tarif beantragt. Derselbe regelt die Erledigung von Streitigleiten, die wegen der Durchbrechung des Tarifs entstehen. Den beiden ersten Punkten des Nachlrages, die : Th. Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr.u, Verlagsavstalt keine Wesentliche Neuerung bringen, stimmte die Versammlung zu. Der dritte Punkt dagegen blick unerledigt. Er soll nämlich die Ent» scheidung darüber, ob eine Arbeitsniederlegung Wegen Richrbeachtung des Tarifs bei Unternehmern, die den vertragschließenden Ver- einigungen nicht angehören, berechtigt ist, in die Hände der Schlichtungskommission legen, während die Entscheidung bisher bei dem Obmann der Arbeitgeber lag. Diese Neuerung erregt bei den Arbeitern deshalb Bedenken, weil sie die etwaige Sperrung des Ar- beitsnachwcises für den tarifbrüchigen Unternehmer wesentlich ver- zögert, und den Erfolg der Arbeitsniederlegung dadurch in Frage stellt. Die Versammlung beschloß, daß diese Angelegenheit in der nächsten Versammlung beraten werden soll. Die Sektion der Gips- und Cementbranche hatte am 22. März im Gewertschaftshause trotz der wichtigen Tagesordnung eine nur schwach besuchte Versammlung. Dennoch verlief dieselbe fast tumultuarisch, da der wunde Punkt:„Die Centralisation des Arbeits- Nachweises" behandelt wurde. Nachdem die Tagesordnung umge- staltet war. protestierten die Eementierer gegen die Verlegung auch ihres Arbeitsnachweises nach dem Gewerkschaftshause. Heese sprach für die Centralisation. Nachdem noch viele Kollegen für und gegen die Centralisation gesprochen hatten, gab Wilh. Fritsche der Versammlung den Rat, folgenden Antrag anzunehmen:„Die Cen» tralisation des Arbeitsnachweises ist noch nicht reif. Der Arbeits- Nachweis ist durch den Sektionsvorftand zu regeln und sind einer Generalversammlung der Sektion Vorschläge zu machen.— Außerdem sollen die Kollegen von der Zwölferkommission mit der Kommission der Unternehmer verhandeln wegen Benutzung unsres Arbeits- Nachweises, damit der Zwang, nur ihren Kühnemänner-Nachweis zu benutzen, aufhört." Der erste Teil des Antrages wurde einstimmig angenommen. Die zur Zwölferkommission in Vorschlag gebrachten Kollegen wurden einstimmig gewählt. Zu Hilfskassierern wurden gewählt: Ferd. Otto, W. Grothe, Gust. Löhrich, Emil Derfel.H. Körte. Tie Berichterstattung über die Gaukonferenz wurde zurückgestellt. Hierauf wurde die Wahl zum Zweigvereins- vorstand erledigt und gerügt, daß bei der Beschwerdekommission die Sektion nicht vertreten ist. Letzte IMacbncbten und Depelcbcn. Ter Fall Pichler. München, 30. März.(W. T. B.) Die Korrespondenz Hoff- mann schreibt: Nach einem Berichte der„Münchener Allgemeinen Zeitung" über die Berufungsverhandlung gegen den ehemaligen Ein« jährig-Freiwilligcn Eras nahm der Abgeordnete Dr. Pichler auf einen ähnlichen Fall Bezug, in welchem ihm ein Brief zurückgegeben worden sei mit dem Bemerken, daß eventuell für den Betreffenden Strafverfolgung eintreten würde. Hierzu ist festzustellen, daß der Fall insofern völlig verschieden war, als es sich um den Brief eines preußischen Soldar-n mit Klagen über seine preußischen Borgesetzten handelte, also nicht um Untergebene des bayrischen Kriegsministers im Sinne des 8 14? des Militär- Strafgesetzbuches. Dem Ab- geordneten Dr. Pichler wurde damals mündlich mitgeteilt, das bayrische Kriegsministerium könne in der Sache nichts andres thun, als den Brief an das preußische Kriegsministerium weiterzugeben. Ms die darauf von Dr, Pichler gestellte Frage, ob der Betreffende eventuell Strafe zu gewärtigen habe, bejaht wurde mit dem Zusätze: „Sicher, wenn die Angaben unwahr sind," bat der Abgeordnete sofort um Rückgabe des Briefes, zu deren Verweigerung lein rechtlicher Grund vorlag._ Lohnbewegung ungarischer Landarbeiter. Baja(Ungarn), 30. März.(B. H.) Die hiesigen landWirt- schaftlichen Arbefter beschlossen in einer Versammlung, den zehn- stündigen Arbeitstag und Lohnerhöhung zu verlangen, und falls diese Forderungen abgelehnt werden sollten, sofort in Streik zu treten. H Prag, 80. f9V iO.) Weftgr Gtcml»u,»vuttfchrfft hat die letzte Nummer des., Simplicissimus" konfisziert wegen des Bildes»Die Wilden Tschechen" von Heine. Paris, 80. März.(28. T.©.) Deputiertenkammer. Minister Pelletan erhebt schließlich Einspruch gegen die gegen ihn an- gezettelten Jntriguen, gegen den Mißbrauch, der mit vertraulichen Schriftstücken getrieben werde, und gegen die Aufteizungen zur Insubordination unter seinen Untergebenen. Er habe nichts gegen eine Untersuchung einzuwenden, fei sich aber bewußt, seine Pflicht erfüllt zu haben.(Beifall links.) D o u m e r führt ans. er glaube nicht, daß die französische Marine minderwertig sei, es seien aber bei dem Bau von Panzerschiffen und Unterseebooten Verzögernngen vorgekommen, die Pelletan zur Last fielen. Die Budgetkommission habe niemals eine Ausstellung der Neubauten erlangen könucn und die Kommission habe sich gegenüber dem Minister Pelletan sehr wohlwollend ge- zeigt. I a u r s s unterbricht den Redner, spricht von einem Komplott, das gegen Pelletan ins Werk gesetzt worden sei und wirft Doumer vor, er habe von einer Partei, die nicht die seine sei, den Posten des Gouverneurs von Jndochina angenommm.(Lebhafter Beifall auf der äußersten Linken.)_ Das Gefecht bei Tschöngdfchu. T-ki-, 30. März.(W. T. B.) Ueber das Gefecht bei Tschöngdfchu werden von maßgebender Seile noch folgende Einzelheiten berichtet: Ter Angriff der japanischen Kavallerie- und Jnfantcrie-Abteilung erfolgte in der Nähe des südlichen ThoreS von Tschöngdfchu. Den Javanern gelang es, wie bereits gemeldet, die Russen zurückzuwerfen. Diese zogen sich in der Richtung auf Widschu zurück. Die japanischen Truppen besetzten hierauf die Stadt. Ihre Infanterie hatte keine Verluste, während die Kavallerie den Ober- lieutcnant Kano und vier Reiter verlor. Nach dem Gefecht wurden zwei Russen tot auf dem Felde gefunden. Außerdem sollten sich noch sieben oder acht gefallene Ruffen in der Stadt befinden. Während des Gefechtes wurde beobachtet, wie die Ruffen mit großer Geschistlich- lest ihre Verwundeten und Toten auf Pferden oder Ambulanzen wegführten. Zwei Russen, anscheinend Offiziere, wurden vom Schlachtfeld« getragen._ Tokio, 30. März.(Meldung des„Reuterschen Bureau?".) Die Ruffen haben bei dsr japanischen Regierung durch den französischen Gesandten Einspruch gegen die während des vierten Angriffs auf Port Arthur erfolgte Zerstörung der Ouarantänestation auf der Insel San- schantau erheben lassen. Der Einspruch stützt sich auf Artikel 25 der Haager Konvention. Der Minister des Auswärtigen, Baron Komura. sagte in Beantwortung der Protestnote zum ftanzösischen Minister, die Japaner hätten keine Nachricht vom ildmiral Togo über die Zer- störung der ftaglichen Station. Ob mm aber die Darstellung auf Wahrheit beruhe oder nicht, jedenfalls komme der angezogene Arttkel der Konventton einzig für die Landschlachten in Betracht, denn die Konvention habe die Frage der Beschießung von der Seeseite ans offen gelassen. Torul, 29. März.(Meldung des Reuterschen Bureaus.)! Tie japanische Avantgarde hat am 27. März Haidschu. einen Seehafen südwestlich von Andschu, besetzt. Tschifu, 30. März.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Admiral Makarow, der Kommandant des russischen Geschwaders in Port Arthur, hat bekannt gegeben, daß alle Fcriegs- oder Handels- schiffe, die in die Operationszone bei Nacht ohne Licht oder am Tage ohne Flagge einlaufen, als feindlich angesehen werden würden, wenn sie nicht auf einen blinden Schuß Halt machen. Schwarze Blattern. Laiba», 30. März.(B. H.) Unter den beim Bau des Wochekne« Tunnels beschäftigten Arbeitern sind abermals die schwarzen Blattern ausgebrochen__ Paul Singer L:Co..Beilin S W, Hierzu L Beilagen». BntwSgllnMttWit Nr. 77. 21. Jahrgang. 1. KkilM te Jütmiitls" Sttliii« llolbtilolL Donnerstag, 31. März 1904. Die Nachwahl in Zfchopan-Marienberg. Den Verhandlungen, die auf der sächsischen Landesversainmlung über die mit der Wahl in diesem Kreise zusammenhängenden Fragen entstehen werden, wird ein Antrag Richtung geben, der vom 7. sächsischen Reichstags- Wahlkreise. Meigen- Großenhain, gestellt wird: Der 8 3 des Organisationsstawts erhält folgende Fassung: Innerhalb eines ReichStags-Wahlkreises werden die Organisations- und Agitations-Angelegenheiten selbst geregelt. Die Ausstellung der Reichs- und Landtags-Kandidaten unterliegt der Vereinbarung der Wahlkreis- Organisation mit dem Agitationskomitee, dem der Kreis angehört, und dem Centralkomitee. Nachstehend registrieren wir noch einige charakteristische Aenße- rungen der Parteipresse zu dem Wahlansfall. So schreibt die Chemnitzer„ V o l k s st i m m e": »Ferner lehrt die Wahl, daß es nicht zweckmäßig ist, persönliche Differenzen öffentlich auszutragen. Sie sind wenigstens bei Wahlen unter allen Umständen in der geschlossenen Organisation zu erledigen. Ueber den Pcrsonenfragen hat die allgemeine Sache zu stehen. Wir betonen dabei ausdrücklich, daß das absolut kein Vorwurf gegen irgendwen fem soll. Wir sind im Gegenteil der Meinung, daß nichts verkehrter wäre, als jetzt, nach der Niederlage, uns gegenseitig in die Haare zu fahren. Dadurch würde an der Thatiache der Niederlage gar nichts geändert, sondern nur den Gegnern neue Gelegenheit zum Trimnph bereitet werden. Partei- genossen sollen gegeneinander objektiv, sachlich sein. Sind sie das, so kann auch die schwierigste Differenz ohne Verbitterung erörtert werden, und die Lösung ist dann viel leichter als sonst. Es ist zweifellos das Recht jedes Wahlkreises, einen Kandidaten aufzustellen, welchen er will, vorausgesetzt natürlich, daß der Kandidat Parteigenosse ist. Dieses Souveränetätsrecht der Kreise ist unsres Erachtens absolut. Aber ebenso selbstverständlich ist es, daß jeder Kreis vor der Aufftellung eines Kandidaten den zuständigen Partei- instanzen Mitteilung machen soll, damit etwaige Einwendnngen gegen die Person des Kandidaten rechtzeitig, noch vor der Aufstellung berücksichtigt werden können. Es steht im Belieben des Kreises, die Einwendungen zu beachten oder zu verwerfen, jedenfalls aber muß dies alles vor der Ausstellung der Kandidatur erledigt sein, damit nicht Störungen der Wahlbewegung eintreten." Die„Erfurter Tribüne" sagt: »Die Wahl in Zschopau kann uns lehren, daß die Ueberschätzung der Persönlichkeit für die Partei von llcbel ist. daß allein eine grundsätzliche Agitation dauernde Siege verbürgt." Und denselben Gedanken führt die„Reußische Tribüne" in Gera auS. Die Breslauer.Volkswacht" schließt ihre Betrachtung: »Eine Mahnung für jene aber, die da glauben, daß die Partei fortwährende innere Auseinandersetzungen ohne Schaden ertragen lann, bleibt die Niederlage von Zschopau für alle Fälle." „Bremer Bürgerzeitung": »Wir sind der Meimmg, daß eS ein ganz unbereckitigteS Lamentieren bedeuten würde, wenn man jetzt nachträglich wehklagen würde: mit Göhre hätten wir den Kreis erobert. Wenn nur durch die Person Göhre der KreiS zu holen gewesen wäre, dann ist es fürwahr besser, daß wir den Kreis verloren haben. Denn die socialdemokratische Bewegung ist nicht der Personen wegen da, und wenn sich irgendwo die Personenfragen allzu sehr in den Vorder- grnnd drängen, so ist es ganz gut, wenn selbst durch eine Niederlage den Parteigenossen wieder einmal zum Bewußtsein gebracht wird, daß es sich bei unS um Principien, um feste politische Ueber- zcugungen und nicht um persönliche Antipathien ober Sympathien handelt. Wer Pinkau nicht gewählt hat, weil ihm Göhre lieber gewesen wäre, der möge nur erst im stillen Kämmerlein sich etwas genauer mit dem Wesen des SocialismuS vertraut machen." „Märkische Volks st imme" in Forst: „Wir haben jedenfalls die Ueberzeugung, daß bei festen Organi- sationen und entsprechender principiellcr Durchbildung der Genossen nicht das Schauspiel der Göhreschen Kandidatur und damit un- vermeidlich der Streit mit den AgitativnskomiteeS gekommen wäre. Hier muß Wandel geschaffen werden, dann wird ein solches Fiasko — denn lveiter ist es nichts— sich nicht wiederholen. Wenn die Wählerschaft eines Wahlkreises nicht'mal solche geringe Bclastungs- probe wie den Streit mit Göhre anshält, dann steht es schlimm; was soll werden, wenn die Lage wirklich ernst wird?" Die„Augsburger Volkszeitung" fragt: „Haben die wirklichen Parteigenossen alle der Disciplin gehorcht? Uns scheint die Vermutung nicht deplaciert, daß persönliche Eitelkeit und Göhre-Liebhabereien diesen Ausgang herbeigeführt oder doch mindestens eine Lauheit in der Agitation zeitigten, die zur Nieder- läge führen mußten. Es gilt eben auch in diesem Wahlkreise, noch viel dahin zu wirken, daß man nicht Rosenow, Göhre oder sonst eine Person wählt, fondern die socialdemokratischen Principien I" „Mecklenburgische Volkszeitung": „Wir führen den Verlust mit zurück auf den unnötigen Kandi- datenstreit und wiederholen, man hätte Göhre, der doch nun einmal Südwestafrikanische Eindrücke. Ein ehemaliger südwcstafrikanischerEisenbahn-Angestellter schildert uns feine Eindrücke und Erlebniffe aus unsrer südwestafrikanischen Kolonie folgendermaßen: Am... 1600 schiffte ich mich laut Order in Hamburg auf der „Marie Woermann" nach Südwestafrika ein. Meine Hoffnungen, die doch keineswegs allzu hoch geschwellt waren, erfuhren eine schwere Enttäuschung schon angesichts des Hafenortes Swakopmnnd. Die Landungsverhältnisse dieser„Hafenstadt" sind außerordentlich traurige. Zum Löschen der Ladung und zum Landen der Passagiere hatten wir in Mourovia 60 Neger an Bord genommen, die für zehn Tage ver- pflichtet worden waren. Zwar ist man seit fahren bemüht, durch den Bau einer Mole eine sichere Landmigsmöglichkeit zu schaffen, allein die Arbeiten sind bisher nicht sonderlich fortgeschritten. Die mehrere Kubikmeter großen Cementblöcke werden von der Brandung lvie Kiesel fortgespült und was am Tage gebaut worden ist. wird bei Nacht wieder fortgeschwennnt. Die Landimg wird deshalb durch 0 Meter lange und 1 Meter breite Boote bewerkstelligt, die mit sieben Regem— sechs Ruderern und einem Steuemiann— besetzt und von einer Pinasse bis auf öoo Meter ans Ufer herangeschleppt werden. Hier stoppt dann die Pinasse und der Geschicklichkeit der Reger ist alsdann das Schicksal von Passagieren und Ladung anvertraut. Bis ans Land gelangen auch diese Boote nicht, vielmehr dienen die Schultern kräftiger Schwarzer als Beförderungsmittel durch den Ufergischt. Die ganze Landung ist keineswegs ungefährlich. Verläßt den schwarzen Steuemiann einen Augenblick die Besonnenheit, so kentert das Boot und das lebendige und tote Inventar liegt im Waffer. Bei unsrer Landung traf daS zweite Boot dies Schicksal, und fünf Menschen— drei Weiße und zwei Neger— fanden den Tod in den Wellen. Swakopmnnd selbst machte auf uns den denkbar tristesten Ein- druck. Zwischen hohen Sandbergen zerstreut lagen einige Dutzend Wellblechbuden. Die trostlos öde Scenerie wird nur durch die Brandung belebt, die sich an den messerscharfen Klippen bricht. Nach zwei Tagen begann unsre Arbeit. Die Arbeitszeit währte von 7—11 Uhr vormittags und von 2—6 Uhr abends. Ueberstunden und'Nachtarbeit waren an der Tagesordnung. Der angestrengte Eisenbahndienst erklärt sich auS der Ungu ist der Bodenverhältnisse und der Art der Fahrtcneinrichttmg. Die Reparaturen an den Maschinen nehmen gar kein Ende. Das Wasser »st oamlich nicht nur überaus rar, sondern auch von überaus als Kandidat ausersehen war, nicht veranlassen sollen, die Kandidatur niederzulegen." „ V o l k s b l a t t für Anhalt". „Wir haben von Anfang an auf dem Standpunkt gestanden, daß über die Auswahl des Kandidaten ganz allein und ausschließlich der Kreis selber zu entscheiden hat. Jede Einmischung seitens irgend einer andern Instanz sLandesvorstand, Partcivorstand oder gar Fraktion) ist ein Frevel an der Demokratie." „Volksfreund" Karlsruhe: „Wir teilen mit verschiedenen Partei-Organen die Ansicht, daß die Art, wie man von außerhalb des Wahlkreises in die Kandidaten- frage mit eingegriffen hat, mit in erster Linie dazu beigetragen hat, daß uns dieser Wahlkreis verloren ging. Es ist unsre feste Ueber- zeugung, daß Genosse Göhre im ersten Wahlgang glatt gewählt worden wäre. Das Vorgehen gegen Göhre hat nicht nur viele so- genannte Mitläufer, sondern auch die Parteigenossenschaft des Kreises verstimmt. Diese Verstimmung blieb nicht ohne Folgen für die Agitation. Jeder, der Erfahrungen in solchen Dingen hat, weiß, wie derlei Vorkommnisse lähmend wirken. Hoffentlich hat diese Niederlage wenigstens den Erfolg, daß in Zukunft Fehler, wie sie durch die Beseitigung der Kandidatur Göhre gemacht wurden, nicht mehr vorkomnlen." Der„Lübecker Volksbote" weist darauf hin, daß wir auch bei den vorherigen Nachwahlen seit der letzten Hanptwahl Stimmen verloren haben, während die gegnerischen Stimmen sich behaupteten oder vermehrten, und fährt dann fort: „DaS ist doch eine höchst auffällige Erscheinung, die nicht von ungefähr kommt und an der besonders die Konsuln der Partei nicht gar so achtlos vorübergehen sollten. Geben wir uns doch keiner Selbsttäuschung hin, verblenden wir uns die Augen doch nicht selbst: die Partei macht zur Zeit eine schwere Krise durch, die überwunden werden muß und auch überwunden werden wird. Schon in unserm Epilog zum Dresdener Parteitag wiesen wir auf die Ge- bresten hm, an denen die Partei krankt, und die Zukunft hat uns leider gezeigt, daß wir nur zu sehr recht hatten. Wir schrieben da- mals:„Die Krankheit der Partei besteht... einzig und allein darin, daß die Partei einerseits zu schnell gewachsen ist, während auf der andren Seite die Durchdringung der Massen mit socialistt- schem Geiste damit nicht Schritt gehalten hat. Da immer und immer wieder neue Projekte auftauchten, gerieten die Massen, weil in den Grundanschauungen noch nicht genug gefestigt, in ein Labyrinth der Irrungen nnd Wirrungen, und es ergaben sich schließlich die be- kannten Unstimmigkeiten in der Partei." partei-l�ackrickten. Zur Erfurter Selbstbeschäftigungsfragc. Auf die Erklärung der Erfurter Preßkommission und Geschäfts- fiihrung erkläre ich nur, daß ich von meinen Ausführungen nichts zurücknehme. Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, weiß, trotz aller hochfahrenden Worte jener, daß meine Darstellung leider auf Wahr- heit beruht. Was den Brief des Geschäftsführers betrifft, den ich acht Tage nach Antritt ins Gefängnis erhielt, so konnte ich ihn nicht beant- Worten, weil ich nur alle vier Wochen fchreiben durfte, hätte eS aber wahrscheinlich auch fteiwillig unterlassen, denn er war nur eine unter dem Druck der parteigenössischen Entrüstung entstandene Ver- legenheitSausflucht. Daß ich drei Mark pro Tag zahlen sollte, wußte ich stmd mit mir der Geschäftsführer) schon Wochen vor meinem Antritt, und ich habe niemals die Absicht gehabt oder gar aus- gesprochen, wegen der Höhe zu appellieren. Grund: Zwecklosigkeit. DaS schönste an der Erklärung aber ist. daß man in über- strömender Wahrhaftigkeit vergißt mitzuteilen, daß der Geschäfts- führer Steginann durch meine Frau später mir nur d i e H ä l f t e der Kosten anbieten ließ, während ich die andre Hälfte selbst tragen sollte; unter diesen Umständen mußte ich freilich auf die Selbstbeschäftigung verzichten. Die Rücksichtnahnie der Erfurter Preßkommission auf mich, um mir eine Blamage zu ersparen, bewog sie, nicht nur meine Er- klärung zurückzuweisen,— fondern ging sogar so weit, die Auf- nähme nachstehender, nur ca. IS Zeilen großer Berichtigung, die ich auf Grnnd des§ 11 des Preßgesetzes verlangen konnte, abzu- lehnen: Berichtigung. ES ist nicht wahr, wenn Verlag und Preßkommission der „Tribüne" in Nr. 273 dieser Zeitung vom 22. November 1903 be- haupten, ich hätte freiwillig f?) auf Bezahlung von Selbst- beschäftigung im Gefängnis verzichtet; ich konnte dies gar nicht, da laut Arbeitsvertrag der Redakteure die Bezahlung von Selbst- beschäftigung ausgeschlossen ist und mir diese Bezahlung auch später niemals angeboten wurde. Es i st nicht wahr, daß ich jemals die Absicht kundgegeben habe, durch ein Gesuch an die Oberstaatsanwaltschast den Betrag von drei Mark pro Tag für die Selbstbeschäfttgung auf ein ge- ringereS Matz herabzumindern. Ich habe vielmehr ollen, mit denen ich hierüber gesprochen, ausdrücklich versichert, daß ich dies auf schlechter Beschaffenheit. ES ist so brackig und salpeterhaltig, daß es das Material der Maschinen förmlich zerfrißt. Im Gebrauche sind unsre Militär- Lokomotiven, eine A- und B- Maschine. Jede Maschine hat 42 Rohre und jedes Rohr kostet 22 bis 23 Mark. Mit einer solchen Maschine fährt man drei bis vier Wochen, dann müssen schon verschiedene neue Rohre eingezogen werden; fährt man weitere vier Wochen, so ist bereits der' ganze Satz unbrauchbar, was bei einer Doppelmaschine 84 Rohre a 22 M. ausmacht. Bei der Fahtteinteilung kommt es ferner vor, daß man auf mancher Station bis zu zwei Stunden unter Druck warten mutz, was die Maschinen furchtbar strapezierü Im Laufe meines Dienstes hatte ich Gelegenheit, den größten Teil des Landes kennen zu lernen. Dies Klima, das in Swakop- mund sehr veränderlich nnd ungesund ist, ist im Innern ganz erträglich. Aber hinsichtlich der Vegetation bietet das ganze Land ein trauriges Bild. Bis zu Kilometer 121 der Linie Swakopmund— Windhuk ist das Land kahl und öde, ohne Halm und Strauch, man sieht nichts als Himmel und Sand. Von hier ab beginnt sich hier und da ein Strauch oder Baum zu zeigen. Erst von Kilometer 209 ab wird der Pflanzenwuchs etwas üppiger, wenn dieser Ausdruck überhaupt angewendet werden darf. Denn wüst und öde bleibt die Landschaft auch in den„gesegneten" Disttikten; Büsche und Bäume treten immer nur sporadisch oder in kümmerlichen Gruppen und nicht minder kümmerlichen Exemplaren auf. Auch der Graswuchs reicht gerade aus, um bescheidene afrikanische Wiederkäuermagen zu füllen. An Wild sieht man Spring- böcke, KceduleS, WildebeestS. HardebeestS, Strauße und Leoparden. Das Wasser an der ganzen Bahnstrecke war überall brackig, nur in Swakopmund, Karibib, Modderfontein und AbbabiS gab es Brunnen mit Süßwasser, von denen aus die ganze Bahn bis Windhuk ver- sehen werden mußte. Das Lebe: der Weißen bietet unter solchen Verhältnissen wenig Reize. Nur in den größeren Stationen wolmen deren so viele zu- sammelt, daß von einer gewissen Geselligkeit die Rede sein kann, auf den kleinen Stationen, wo nur ein paar Weiße vorhanden sind, verläuft die Zeit äußerst eintönig. Manch einer würde dem unwirtlichen Lande schleunig st den Rücken kehren, wenn er nicht, als ehemaliger Schutztruppensoldat der europäischen Arbeit entwöhnt, als Farmer und Händler in ein paar Jahren soviel verdienen zu können hoffte, um sich später in der Hei«tat eine Existenz gründen zu können. Mit dem„Sparen" ist es freilich so eine eigene Sache. In Ermangelung einer besseren Unterhaltung ver- bringt man vielfach die Zeit mit Kartenspielen und Trinkgelagen, Grund der Erfahrungen früherer und noch amtierender Redakteure der„Tribüne" nicht thun würde und habe auch dementsprechend gehandelt. Leute, die Genoffen geradezu zwingen, zum Kadi zu laufen(ich werde es natürlich nicht thun), richten sich wohl selbst, jedenfalls aber erscheint ihr Sinn für Anstand und Wahrhaftigkeit m einem eigentümlichen Lichte. Selbstverständlich habe ich das Vorliegende, da es doch zwecklos gewesen wäre, nicht erst an die Redaktion der„Tribüne" gesandt. Für mich ist die Sache übrigens mm gänzlich erledigt. _ Bruno Sommer. Ans den Organisationen. Zur Behandlung von Ausschluß- anträgen aus dem Verein hat der socialdemokratische Verein in Essen folgendes beschlossen: „Der Ausschluß eines Mitgliedes kann nur von der Mehrheit der Vezirksgenossen unter Hinzuziehung eines Vorstands- oder AgitationSausschuß-Mitgliedes beraten und beantragt werden. Sind diese Bedingungen erfüllt, so ist der Vorstand verpflichtet, nach den Regeln des§ 2 des Organisationsstatuts der Gesamtpartei die weiteren Schritte einzuleiten zur Bildung eines Schiedsgerichtes. Das Schiedsgericht fällt sein Urteil vollkommen selbständig. Die Schiedsrichter dürfen nicht aus dem Antrag stellenden Bezirk ent- nommcn werden. Der unparteiische Vorsitzende, den das nieder- rheinische Agitationskomitee ernennt, darf nicht dem Wahlkreise Essen angehören." Der schwedische Parteivorstand über die Wahlrechtsfrage nnd den Generalstreik. Der Vorstand der schwedischen Arbeiterpartei hat auf seiner, dieser Tage abgehaltenen Jahresversammlung nach einer gründlichen Debatte über die Wahlrechtsftage folgende Resolution gefaßt:'.. „Der Parteivorstand erklärt mit Rücksicht auf die Malmoer Resolution und mehrere andre einen eventuellen neuen General- st r e i k betreffende Vorschläge, daß seiner Meinung nach eine solche Kraft Maßregel in diesem Jahre nicht in Frage kommen kann, wogegen die bereits begonnene Agitation mit dem Zweck, den Mitgliedern des Reichstags zu zeigen, was das Volk in der Wahlrechtsftage fordert, mit aller 5krast fort- gesetzt und ausgedehnt werden soll. Der ordentliche Parteitag 1903 wird auf Anfang Fe« bruar mit Rücksicht darauf verlegt, daß auf diesem Parteitag eine gründliche Erörterung gepflogen und Beschluß dariiber gefaßt werden kann, welche Taktik die Arbeiterpartei in der Wahlrechtsftage bei der dann vorhandenen Situation befolgen soll." Gleichzeitig veröffentlicht der Vollzieh nngsauSschnß der Arbeiterpartei einen Aufruf an Schwedens Arbeiter und übrigen Wahlrechsfreunde, worin die gegenwärttge Lage der Wahlrechtsftagen geschildert wird und der ganz unzureichende Rcgicrungsvorschlag zur Wahlrechtsreform dem mit allen sogenannten„Garantien" auftäumenden Vorschlag der socialdemokratischen Reichstags- Gruppe, und dem kürzlich erschienenen Vorschlag der Liberalen Samm- l u n g s p a r t e i. der dem der Socialdemokraten ziemlich nahe kommt, jedoch die Altersgrenze statt auf das 21., auf daS 24. Lebens- jähr setzt und Entrichtung der Staatssteucr zur Bedingung der Wahl- bcrechtignng macht, gegenübergestellt wird. Die Arbeiter und Wahlrechtsftennde werden schließlich aufgefordert, in den Ostertagen, wo die Reichstags-Abgcordneten ihre Heimatorte besuchen, dafür zu sorgen, daß ihnen deutlich gesagt wird, was das Volk in dieser Frage verlangt. Der Aufruf schließt mit den Worten: „Nieder mit allen Verpfuschungsplänen! Vorwärts mit dem ehrlichen allgemetnen Wahlrecht!" GewerkfebaftUebeö» Ans dem Rnhrkohlcngebiet wird uns geschrieben: Während der Streikbewegung in Ober- Hausen haben, wie der„Vorwärts" seiner Zeit berichtete, die Wortführer beider Bergarbeiter-Organisationen jBergarbeiter-Verband und Gewerkverein) der Anschauung Ausdruck gegeben, die Zechen- Verwaltungen versuchten systematisch die„Seilfahrtszeit" allmählich zu verlängern, um die Arbeitszeit„vor Ort" berechnen zu können. Diesem entgegenzutreten mache sich eine gemeinsame Abwehr- a k t i o n aller organisierten Bergleute nöttg. Der Redner de? christ- lichen Gewerkvcreins, Herr Efferts, stimmte den, vollkommen bei, daß„demnächst" die Verbände in einer Konferenz der Vorstände Stellung zur Frage der Schichtverlängerung. Lohnzahlung«. nehmen müßten. Der Vertreter des Verbandes, Redakteur H u e, war mit Efferts einverstanden; die beiden Genannten haben auch während des Streiks stets gemeinsam gehandelt. Herr Efferts hatte aber die Rechnung ohne den Gewerkvereins-Vorsitzenden, Centrums- Abgeordneten Brust, gemacht. Seitens des Verbands- Vorsitzenden, Genossen Sachse, erging vor etwa Wochenftist eine Einladung an die Vorstände der in Betracht kommenden Bergarbeiter- Organisationen zu einer Konferenz, in welcher an der Hand wobei daS zusammengeraffte Geld dann wieder flöten geht. Sind doch die Getränke außerordentlich teuer. Ist jemand übrigens erst in unsrer schönen Kolonie, so kommt er so leicht nicht wieder fort. Die Händler sind ungemein fteigebig im Kreditgewähren, daß nur sehr energische Charaktere der Ver- suchung leichtsinnigen Schuldenmachens zu widerstehen vermögen. Steckt aber einer erst in der Kreide oder hat er sich irgend etwas zu Schulden kommen lassen— sei es bei der Bahn, dem Hafenamt oder der Kolonialgesellschaft— so wird ihm die Heimreise verteufelt schwer gemacht. Vermag er nicht ein tadelloses Führungsattest der Polizei, bei der jeder Schuldner angemeldet wird, vorzuweisen, so bekommt er kein Schiffsbillet ausgehändigt, lind wandert er zehn Stunden weit nach der im englischen Besitz befind« lichen Walfiichbay, so erreicht ihn auch dort meist noch das Auge des Gesetzes. Von den Eingeborenenstämmen stehen ja die H e r e r o S äugen- blicklich im Vordergrund des Interesses. Dieser Kaffernstamm besteht durchaus nicht aus so diebischen mid gewaltthätigen Elementen, wie unsre Kolonialfexe es zu behaupten wagen. Die Hereros sind viel- mehr im allgemeinen ein friedliches und arbeitsames Volk, das erst durck fortgesetzte Mißhandlung und Brutalität aus dieser Ruhe ans- geschreckt und zum Verzwciflnngskampf um seine Existenz getrieben worden ist. Der südwestafrikanische Kaffer ist bei richtiger Bchand- lung willfährig und anstellig. Viele Kaffern verraten sogar Intelligenz. Mit großem Geschick verrichten sie alle Oblieoeoheiten, zu denen man sie angewiesen hat. Allerdings hat der Kaffer, wie jeder Naturmensch, eine'S-bwäche für den Alkohol, für den er unbedenklich Alles hingiebt, aber diese Leidenschast ist in ihm durch die Weißen erst mit Raffinement erweckt worden. Außerdem lieben viele Weiße den Alkohol ka«m weniger als die Koffern selbst. Ebenso steht es mit der notorischen„Zuchtlosigkeit" der Kasfwi. Der Kaffer hat etwas andre Sittlichkeitsbegriffe, als der Weiße, das heißt der wirklich civilisierte Weiße, denn der Weiße im allgemeinen giebt den Kaffern das denkbar schlechteste sittliche Vorbild und trägt wenig Bedenken, in animierter Stimmung in die Hütten der Kaffern einzufallen. Jedenfalls habeich Kaffern kennen gelernt, die ieber auf ihr verdientes Monatsgehalt verzichten, als ihre Weiber di t Gelüsten Weißer preisgeben wollten. Mit dem Monatsgehalt dir Kaffern ist eS fteilich eine eigne Sache. Für ihre Arbeit bei dem Brunnenbohren längs der Bahn— je einem Brunncnbohrer waren 13—20 Mann zugeteilt— sollten sie vertragsmäßig 13—20 M. erhalten. Von dem Gelde bekamen sie aber meist nichts in die Finger, da ihr Vorgesetzter es verstand, der Erfahrungen in Overhausen den Werksbesitzern kund gethau werden sollte, daß unbeschadet aller sonstigen Meinungsverschieden- hciten den Zechcnbesitzcrn gegenüber gemeinsam Stellung gegen die Schichtverlängerungen usw. genommen würde. Auf diese kamerad schaftlich gehaltene Einladung antwortet nun der Abg. B r u st in seinem Organ� mit Beleidigungen der Berbandsführerl Brust will erst den„Beweis" für die Absichten der Unternehmer er- bracht haben, ist aber auch dann nicht bereit, sich„mit Leuten wie Sachse, H u e und L e i in p e t e r Z zu verständigen! Den Unternehmern wird das große Freude machen, die Arbeiter aber, aus deren Mitte die Anregung zur Verständigung kam, können nun sehen, wer sie hindert. Brust hat ivicder bewiesen, was ihm an der Vertretung der Arbeiterinteressen liegt. Es berührt stets komisch, Brust über die„Sünden der andren" sich entrüsten zu sehen, ist doch gerade er auch in christlichen Arbeiter- kreisen bekannt als ein Mann, der seine Gegner mit den massivsten Beleidigungen überschüttet. Den Führer der Bergleute im S i e g e r l a n d e, B r e i d e b a ch. den C e n t r ü m s k a n d i- baten für den Reichstag im Westerwald, traktiert Brust seit Monaten mit Titeln wie:„Ehrloser Verleumder",„Heuchlerisches Gesindel",„Betrüger",„Lügner",„Hallunken" usw. Deswegen ist Brust auch von der„Kölnischen Voltszeitnug" scharf gerüffelt lvordeu, die dem Centrninsabgcordnetcn Brust vorwarf, nach seinem Auftreten dürfe er nicht den Soeialdemokraten ihren Dresdener Parteitag vorwerfen(was Brust stets thut). Der Gerüffelte erklärte darauf. er st e l l e eventuell der Centrumsfraktion sein Land tags man bat zur Verfügung! Sachlicher Be- lehrung ist der Mann selbst von Freunden unzugänglich, denn die Beschimpfung seines Parteigenossen Breidebach setzt er fort. Man kann sage», daß Brust der„geborne" A rbeiter- z e r s p l i t t c r e r ist, wie Figura lehrt. Von einem solchen Manne ist keine Verständigung über die aktuellsten Arbeiterfragen zu erwarten, Genosse Sachse hätte sich darum seinen Versucki sparen können. Immerhin muß das Bestreben dcS Verbandsvorsitzendcn anerkannt werden, trotz der üblen Erfahrungen mit Brust zu einer Einigung im Arbeiterinteresse zu kommen. Wenigstens kann nun dem Genossen Sachse nicht mehr der Vorwurf gemacht werden, nicht alles gethan zu haben, um unter Hintansetzung persönlicher Gefühle im Arbeiterinteresse die Bergleute aller Richtungen auf ein Mtions- Programm zu einigen. Angesichts der vollzogenen Nengründung des mächtigen Kohlensyndikates zwang das Arbeiterinteresse zum Vcr- such der Schaffung eines modus vivendi. Die Scheiterung dieses Versuches ist allein Schuld des Centrums m annes Brust, denn es ist bekannt, daß andre Führer des Gewerkvereins mit Sachse sympathisieren. Nun kommt auch heraus, welche wenig beneidenswerte Rolle der berühmte Gewerkvereinsführer B r u st bei dem Oberhaus ener Streik spielte. Am 6. Februar sollte in der Massenversammlung der Ausständigen über die Fortdauer oder Beendigung des Streiks Beschluß gefaßt werden. Brust war extra vom Landtage hergereist und sprach als Erster von den Organisationsvertretern. Darüber schreibt die„Bergarbeiter-Zeitung": „Die Wahrheit ist, daß Herr Brust in der Strcikversammlung am 6. Februar sich so unglaublich ungeschickt benahm, wie wir in solcher Situation noch keinen Arbeiterführer gesehen haben. Statt beruhigend und sachlich auf die erregte Menge einzureden, hielt Herr Brust eine große Moralpredigt an die Streikenden, reizte sie durch lange Aufzählung ihrer gemachten Fehler, kurzum brachte die Masse in solche Wut, daß tausendstimmig der Ruf erscholl:,„Pfui! Pfui! Herunter mit dem Kerl!!!" Herr Brust mußte— abtreten, und setzte sich grollend. Was er an Thatsachen vorbrachte, war nicht unrichtig, aber wie er es sagte: selbstherr lich, herausfordernd, beleidigend gegen die Arbeiter, das wirkte erbitternd. Im ganzen Saale— eingeschlossen die Gcwerkvcreins Mitglieder, die Vertreter der Behörde und die Berichterstatter für die Presse— herrschte nach der Rede Brusts nur die eine Stim- mung:„Brust hat die Situation verschlimmert, er bekommt die Leute nicht wieder zur Arbeit!" Der Herr, der sich brüstet,„Hüter der Ordnung" zu sein, hatte die Aufgabe der zur Wiederaufnahme der Arbeit mahnenden Arbeiterdeputation und der andern Redner erheblich erschwert. Wider Willen allerdings, aber doch thatsächlich hatte Herr Brust zum Weiterstreiken„gehetzt". Wie peinlich das seinen besten Freunden war, weiß er selbst, jetzt macht er seinem Aerqer Lust an Leuten, die überlegender und darum erfolgreicher austraten." Hieraus gehe hervor, daß Brust gar nicht den Einfluß auf die Massen hat, den er sich und seine Freunde ihm zuschreiben. Im Ernstfalle käme also Brust als„Hüter der Ordnung" nicht in Betracht. Seine Unfähigkeit hat die Bewegung'in Oberhanscn nur verschlimmert. Ihm mangelt das Vertrauen der Masse, toorauf eS doch ankommt im entscheidenden Moment. Er verlangt jetzt noch„Beweise für die Absichten der Unter- aehmer", nachdem sein Organ„Der Bergknappe" selbst solche Be- weise fast wöchentlich lieferte. Die Belegschaften der Zechen S ch arnh orst".„ R a r o I i n en g l ü ck",„ B a aker Mulde", .Friedlicher Nachbar" usw. haben schon dieselben Er- sahrungen gemacht, wie ihre Kameraden auf„ O b e r h a u s e n". Unsre„Arbeiterzeitung" in Dortmund bringt fast täglich .Beweise für die Absichten der Unternehmer" in Hülle und Fülle. Auf Zeche„ K o n k o r d i a" hat vor einigen Tagen auch eine Partie Arbeiter die Anfahrt verweigert, bis der Betriebsführer oie unrechtmäßig erfolgten Lohnabzüge zurückerstattete. Die Er- bitterung der Belegschaften ist groß, hat doch selbst der Abgeordnete Brust im Landtage mitgeteilt:„Stoff zu einem AuS- stände sei genug vorhanden, schon wegen der Lohnfrage". Nun der Abgeordnete Brust erst noch „Beweise für die Absichten der Unternehmer" vom Genossen Sachse verlangt, bleiben nur zwei Möglichkeiten übrig: entweder der Abg. Brust hat im Landtage„geflunkert", oder derGewerk- vereins-Vorsitzende Brust fürchtet sich die Konsequenzen seiner Worte zu ziehen. Die Arbeiterschaft Ivird schon loissen lvaS zu thun ist, ohne erst den Centrumsmann Brust zu befragen. Der Bericht der Knappschafts- Berufsgenossenschaft im Rnhrgebict konstatiert ein kolossales Ansteigen der Unfälle im letzten Jahre. Der verlangte„Beweis" liegt in folgenden Zahlen: Angemeldete Unfälle Tödliche Unfälle überbaupt pro 1000 überhaupt pro 1000 1902: 33 633 139,91 466 1,93 1903: 37 026 141,50 562 2,23 Bedarf es noch eines andren Beweises für die UnHaltbarkeit der bergbaulichen Zustände? Von 1886—1903 sind von den Ruhr- bcrgleuten 7882 getötet worden! Die Leistung pro Arbeiter betrug 1902: 237 Tonnen, 1903: 252 Tonnen. Zum Beispiel verteilt die A r c n b e r g i s ch e B e r g lv e r k s- G e s e l l s ch a f t diesmal 40 Proz., vormals 35 Proz. Dividende. Der Arbeitcrlohn ist auf diesen Zechen nicht gestiegen. Bedarf es noch einer„Hetze der Soeialdemokraten", um die. Bergleute aufzuregen? .hnen allerlei Waren— ein Paar Schuhe jämmerlichster Qualität, eine Decke im Werte von 3—4 M., ein paar Meter Zeug u. dcrgl.— aufzuhängen, die ihnen zu einem Preise berechnet wurden, oaß sie von ihrem Lohne nichts mehr übrig behielten. Auch bei der Beköstigung suchte man möglichste Ersparnisse zu»lachen. Dazu kam noch eine Behandlung der schwarzen Arbeiter, gegen welche die der ostelbischen Landproletarier, denen gegenüber man sich ooch auch gelegentlich schlagender Argumente bedient, noch als der Gipfel der Humanität anzusehen ist. Und lvie es diesen Arbeitern ergeht, so ergeht es ihnen überall. Der Weiße fühlt sich als H e r r e n m e n s ch, der den Eingeborenen als eine minder- wertige Kreatur betrachtet, die er dann auch demgemäß be- handelt. Rechnet man noch alle die Umstände hinzu, die ja bereits zur Genüge in der Presse behandelt worden sind: die systematische Auswucherung der Eingeborenen, die brutale Eintreibung der Schulden, zu denen man die Schwarzen erst mit allen Mitteln ver- lockt hat, ihre Verdrängung von ihrem ehemaligen Grundbesitz, so kann sich kein vernünftiger Mensch wundern, daßesinderKolonie endlich zurKatastrophegc- kommen i st. *»' Aus dem Tagebuche eines.Serero-Bekämpfers. Der„Anhaltische General- Anzeiger" veröffentlicht Auszüge aus dem Tagebuchs des F eldwebelS der Schutztruppc Karl Bach, der am 13. März bei Owikokorero gefallen ist. Das Tage- buch enthält Aufzeichnungen aus der Zeit vom 27. Mai 1896 bis zum 5. Januar 1901. Die sehr knapp gehaltenen Notizen zeugen für die absolute Friedfertigkeit der Hcreros. Bach, der jahrelang selbständig die Station Epukiro leitete, vermochte mit ganzen sechs Mann in seinem Bezirk, der die Größe des Königreichs Sachsens besaß, die Ruhe und Ordnung mühelos aufrecht zu erhalten. Offenbar war er ein ruhiger, besounener Mann, der sich nicht künstlich Schwierigkeiten schuf. Von andrer Art scheint sein nächster Borgesetzter, Lieutenant Reiß, gewesen zusein, wenigstens sagt ihm das Tagebuch Bachs nach, daß er„st e t s m i t i r g e n d jemand unterwegs sbei seinen Dienstreisen) Krach hatte. was er. wenn er hier ankam, stets unter großer Heiterkeit erzählte". Interessant für das Vorgehen des Lieutenants Reiß und die Rechtsverhältnisse der Eingeborenen ist folgende Anfzeichnung: „Am 9. September früh brachte ein Bote die Meldung, daß ein Hererokapitän Kahacke mit seiner ganzen Werft über die englische Grenze wolle, was unfern Führer kolossal auf- Lerlin unck clmgegenA. Die Gcschirrsattler haben die eingeleitete Lohnbewegung einst- weilen vertagt. Bekanntlich hatte die Bewegung das Ziel, eine feste Grundlage für die Lohn- und Arbeitsverhaltnisse in der Geschirr- brauche in Form eines Tarifvertrages herbeizuführen. Die Ver- Handlungen, welche die Vertreter der Arbeiter mit den Arbeitgebern zu führen versuchten, blieben völlig ergebnislos, da die letzteren auch nicht das geringste Entgegenkommen zeigten. Auch vor dem Einigungs- amt des Geiverbegerichts, welches die Arbeiter um seine Vermitte- lnng ersucht hatten, wollten die Arbeitgeber nicht verhandeln. In der Branchenversammlung der Geschirrsattler, welche am Dienstag statt- fand, wurden die weiteren Verhandlungen als aussichtslos betrachtet. In einzelnen Werkstätten ist jedoch Aussicht auf Lohnverbesserungen vorhanden. Hinsichtlich der allgemeinen Bewegung beschloß die Ver- sammlung: Da es uns infolge der Verständnislo'sigkeit der Unter- nehmer nicht möglich gewesen ist, ein Vorgehen auf Allgemeiner Grundlage und auf der ganzen Linie zu erzielen, so lehnt die Ver- sammlung jede Iveitere Verhandlung mit der Innung ab und ver- Pflichten sich die Anwesenden, ihre Organisation so auszubauen, daß sie zu geeigneter Zeit in der Lage sind, das zu erzwingen, was sie in diesem Jahre auf gütlichem Wege nicht erreichen konnten. Achtung, Glasschleifer! Am 11. März legten bei der Firma Salomonis, Alexandrinen straße 97, sämtliche Glasschleifer die Arbeit nieder, weil die Firma unter Umgehung des Arbeitsnachlveiscs Leute von der Straße an- lemen wollte. Obgleich die Kollegen dagegen vorstellig wurden, ging die Firma von ihrem Lorhaben nicht ab. Am Dienstag, den 22. März, nahm die Organisation Veranlassung, mit der Firma in Unterhandlung zu treten, ivas aber ebenfalls ergebnislos war. Die Firma erklärte zwar, den ArbeitSnachloeis voll und ganz anzuerkennen, aber von den im Streik befindlichen Kollegen keine mehr einzustellen, bis auf drei Mann, da bereits sieben Leute, die sich ans Zeitungs inserate hin meldeten, bei ihr zum Anlernen in Arbeit ständen und es eine Ungerechtigkeit sein würde, wenn nun diese Leute wieder entlassen würden. Da die Leitung des Verbandes auf dieses Angebot nicht eingehen konnte und wollte, so war dieselbe der Meinung, daß über die lFirma die Sperre zu verhängen und die im Streik noch befindlichen Leute anderweitig unterzubringen seien: was nunmehr geschehen ist. Alle Kollegen bis auf zwei Mann stehen in Arbeit. Kollegen, es liegt nunmehr an uns, dafür zu sorgen, daß die Sperre streng durchgeführt wird und dafür zu sorgen, daß die dort zum Anlernen angenommenen Leute über die Verwerflichkeit ihrer Handlungsweise aufgeklärt werden, damit sie ebenfalls die Arbeit verlassen. Der Herr Glasermcister(Werkführer) R e i m a n n giebt sich, obgleich im Verband der Glaser organisiert, zum Anlerner her. Dem jetzigen Werkführer der Glasschleifer wurde ein Lohn von 70 M. angeboten, wenn er sich zum Anlernen der Leute hergiebt, was derselbe aber nicht thut. Herr Reimann sollte sich au ihm ein Beispiel nehmen. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Glasarbeiter und Arbeiterinnen. Der Bautischlerstreik in Steglitz und Groß-Lichtcrfelde, welcher sich mm bereits auf die siebente Woche erstreckt, steht noch immer auf dem alten Standpunkt. Die Unternehmer arbeiten mit Hoch- druck, Streikbrecher heranzuziehen. Den Arbeitswilligen versprechen die Herren natürlich mehr, als die Forderung der Streikenden aus- trägt. Die Bautischler von Steglitz und Groß-Lichterfelde, noch 70 an der Zahl, da die andren abgereist und anderweitig unter- gebracht sind, werden alles aufbieten, um siegreich auS dem Kampfe hervorzugehen. Die Stimmung unter den Streikenden ist eine sehr gute zu nennen. Die Tischler allerorts werden ersucht die hiesigen Orte zil meiden. Grünau. Der Streik der Arbeiter der Firma LandShoff u. Meyer dauert unverändert fort. Die Firma sucht durch folgende Inserate Arbeiter heranzuziehen: regte. Er ließ sogleich die Pferde holen und bestimmte vier Reiter, die mit ihm reiten sollten, dann ritt er nach Okotjuru, einer Wasserstelle fünf Stunden südlich von hier ab, um die HereroS aufzuhalten und zur Umkehr zu bewegen. Dort angekommen, bot sich aber ein andres Bild dar, statt friedlich zu sein, lagen 30 Mann mit geladenen Hcnry-Martini- Gewehren im Anschlage, nur auf Kommando lvartend, um ab- zudrücken. Der Lieutenant rief ihnen zu, daß er freundlich ver- handeln wolle. Ivorauf der Kapitän mit Gewehr im Anschlage heran- kam. Es wurde verhandelt, und schließlich ließ sich der Häuptling anscheinend überreden, friedlich seinem Dorfe zurückzugehen: er ver- sprach es wenigstens und außerdem erklärte er sich bereit, noch einen großen Ochsen für sein Vergehen(??) geben zu wollen. Der Lieutenant glaubte alles, was dieser schuftige(!!) Kaffer sagte, und ritt mit seinen Leuten nach Hause. Am 10. 9. hier in Epukiro wieder angekommen, schickte der Führer zwei von unfern Leuten als Spione nach O., um zu sehen, ob der Kapitän auch alles so ausführte, wie er es versprochen hatte, aber Kuchen, der Lump(!!) hatte nur gewartet, bis der Lieutenant außer Sicht war: dann ging er mit Kind und Kegel los, aber nicht zurück, sondern in das englische Gebiet. Den Ochsen soll der Lieutenant heute noch bekommen. Für die südwcstafrikanischen Eingeborenen scheint danach das Recht der Freizügigkeit und der Auswanderung nicht zu existieren! Selbst der biedere Tagebuchschreiber schimpfte ja wie ein Rohrspatz über die Hereros, die so unverschämt waren— auszuwandern! Bach hatte 1899 auch die beneidenswerte Ehre, die Bekanntschaft des Prinzen Prosper Arenberg zu machen. „Am 1. 5. 99. hörte ich, daß Lieutenant Reiß und Prinz v. Arenberg mit einer größeren Patrouille im Anzüge seien: morgens kam nämlich der Händler Böhni hier an und teilte es ,nir mit. Letzterer war mit einem großen Transport Kleinvieh hierher gekommen, um dasselbe an den Chef zu verkaufen.(Jeder Distrikts-Chcf kann selbst Schlachtvieh ankaufen.) Da ich wußte, wann die Patrouille eintreffen würde, sattelte ich mein Pferd und ritt ihnen entgegen, unr die Station zu melden. Kaum hatte ich aber meine Meldung gemacht, als der Lieutenant mit mir ab- fuhr:„warum ich nicht Patrouille geritten wäre nach Kehorro, dem Wohnplatz des Häuptlings Tjetjo. „Nämlich," brüllte er weiter,„haben daselbst 1000 be- w a f f n e t e HereroS gestanden und hätten mich m i t s a m t der Patrouille übern Haufen ge- schössen, wenn ich nicht zu vorsichtig gewesen Arbeiter verlangt Chemische Fabrik Grünau Landshoff tt, Meyer Aktiengesellschaft, Grünau bei Berlin. Anfangslohn pro Stunde 30 Pf. und 31 Pf. nach 14 Tagen in den Be» trieben. Außerdem Accordarbeiten. Durchschnittlicher Wochen- verdienst eines Accordarbeiters 25 bis 30 M. So lange Fabrik wegen Arbeitermangcl nicht voll in Betrieb, wöchentlich auf obige Löhne 10 Proz. Zuschlag. Die angeführten Löhne werden in der Fabrik in den seltensten Fällen verdient, und warnen wir die Schlosser, Dreher, Heizer, Maschinisten, Böttcher und Arbeiter dringend davor, auf dieses Inserat hineinzufallen. Im Ausstande befinden sich ca. 180 Arbeiter aller Branchen. Centralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands.(Ortsvcrwaltung Cöpenick.) VcutlcKcs Reich. Ein wilder Streik ist im Rohnauer Bergwerk(Kreis Landeshut in Schlesien) ausgebrochen. Die Belegschaft ist angeblich wegen dcS geringen Stundenlohnes von 17 Pf. in den Ausstand getreten. Zum Streit der Kupferschmiede ans der Werft von S ch i ch a u in Danzig geht uns die Mitteilung zu, daß der Streik zu Gunsten der Arbeiter beendet ist und am 28. März die Arbeit wieder auf- genommen wurde. Die Kupferschmiede haben das Gewerbegericht als Einigungsamt angerufen. Die Firma lehnte jedoch ein Ber- handeln vor dem Einigungsamt ab und erklärte, lieber mit der Kommission ihrer Arbeiter verhandeln zu wollen. Am 23. März fanden die Verhandlungen statt. Zugebilligt wurde eine allgemeine Lohnerhöhung, ferner Erhöhung der Accordpreise. Versprochen wurde die Abschaffung der sanitären Mißstände in den Werkstätten. Eine allgemeine Aussperrung der Bauarbeiter ist vom Arbeit- gcbcr-Vcrbandc für das Baugewerbe in Königsberg beschlossen worden. Dort sind die Bauhilfsarbeiter in einem Streik. In Aus- sührung der allgemeinen Scharfmacher- Parole beschlossen nun die Unternehmer, am heutigen Donnerstag alle Maurer und Arbeiter auszusperren, sofern nicht bis dahin die Bauhilfs- arbeiter auf sämtlichen Baustellen die Arbeit wieder aufgenommen habe», und zwar unter folgenden Bedingungen: 30 Pfennige M i n i m a l l o h n für normale Arbeiter; für invalide, überhaupt für minderwertige Arbeiter nach Vereinbarung. Der Lohnkommission der Arbeiter wurde dieser Beschluß mitgeteilt und sie ersucht, sich bis spätestens Mittwoch mittag zu entscheiden. Wenn die Arbeiter sich diesem Beschlüsse fiigen würden, würden sie schlechtere Löhne erhalten als bisher. Kuslnnck. Tie Aussperrung in der Tiamantindustrie. Wie aus Antwerpen berichtet wird, schreiten die Ver- Handlungen mit den Arbeitgebern gut vorwärts; alles spricht dafür. daß sie zu einem günstigen Ende führen werden.— Am Montag sind viel weniger Arbeiter in die Fabriken gegangen, als in der vorigen Woche: die Sache steht also auch in dieser Hinsicht günstig für die Arbeiter. Eine Fabrik ist bereits wieder geschlossen worden. In Amsterdam wurde dieser Tage eine Diamantschleiferei, die kürzlich in andre Hände übergegangen ist, zu den Bedingungen des Verbandes wieder eröffnet, wodurch ungefähr 100 Ausgesperrte Arbeit erhielten._ Frankreich. Die Streikbewegung unter den Land» arbeitern des Südens dauert noch immer fort. In Hsranlt haben Verhandlungen stattgefunden: die kleineren Besitzer zeigten sich geneigt, den Arbeitern entgegenzukommen, während die Groß- grnndbesitzer unnachgiebig blieben.— In Perpignan ist es zwischen streikenden Landarbeitern und Gendarmen zu einem blutigen Zusammenstoß gekommen._ Hiid der fraucnbewegiing. Baumschulenweg. Der Verein für Frauen und Mädchen Schöne« bergs und Umgegend hält Donnerstag, den 31. d. M., keme Wander- Versammlung ab. Die nächste Versammlung findet Donnerstag, den 28. April im Lokal von Christ, Marienthalerstraße, statt. _ Der Vorstand. Marktpreise von Berlin am 29. März 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. " Kartoffelii.neue D.-Ctr. Rindsleisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch, Hammelfleisch Butter Eier 60 Stück Karpfen 1 kg Aale Zander, »echte Barsche, Schleie Bleie Krebse per Schock * ab Bahn. f frei Wagen und ab Bahn. 8.00 1.80 1,40 1,60 1,80 1,80 2.60 4,00 2,40 3,00 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 6,00 1,20 1,10 1.00 1,20 1.20 2,00 2,80 1,20 1.40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3.00 wäre." Endlich kam auch ich zu Worte, ich sagte:„Herr Lieutenant Reiß, mich trifft keine Schuld, wenn das, was Herr Lieutenant sagen, wahr ist. Ich bin Mitte April auf der Werft gewesen, und der Polizist Cain vor einigen Tagen, und keiner von uns hat etwas Unrechtes oder Feindseliges entdeckt. Soll ich in der Zukunft aber öfter hinreiten. braucht der Herr Lieutenant nur zu befehlen!" Hierauf erwiderte er:„Nein, ich schicke den Prinzen v. Arenberg als Stationschef nach Epukiro, der wird alles in Ordnung bringen." Laut sagte ich es nicht, aber im stillen dachte ich, wenn der nur nicht die ganze Sache ver- pfuscht, denn er sah mir zu jugendlich und nn- erfahren auS." Da von den 1000 bewaffneten Hereros nirgends wieder die Rede ist, dürften sie ganz sicher nur in den Vorstellungen des Lieutenants Reiß erisliert haben. Das Tagebuch schildert dann schließlich, wie eineS schönen TagcS Prinz Arenberg, nachdem er sich'mit dem wenig beliebten Reiter Baumami geheimnisvoll unterhalten. mit einer Patrouille aufbrach, ohne Bach, der doch sein Stellvertreter auf der Station war,«eine Weisung zu geben oder nur ein Wort zu sagen": „Am 1./10. 99 ritt ich mit einem Eingeborenen ab. Abends, nach einem zehnstündigen Ritt, kam ich bei dem Farmer Goldbeck an, der ftllher bei der Truppe gestanden hat. Wir waren deshalb gute Freunde und ich wollte bei ihm übernachten. Als ich es mir bequem gemacht hatte, fing er an zu erzählen, was der Prinz v. Arenberg in der Zeit, seit er von der Station weg ist, ver- brachen hatte. Er hatte in der Zeit den Herero- Bastard W. Cain. meinen früheren Polizisten, umgebracht."... Am 6. 10. abends um 9 Uhr traf ich wieder in GobabiS ein, und fand die drei Mann und den Jäger des Prinzen beim Schaf- kopfspiel. Nachdem ich mein Pferd verpflegt und entlassen hatte. begann ich nun meine Geschichte, aber alle drei fielen baldaufdenRücken, als sie solches hörten, an so etwas hatte keiner von uns allen gedacht, ich auch nicht." Aus dieser Bemerkung, meint der Anhaltische„General-Anzeiger" nicht mit Unrecht, ist klar zu ersehen, daß keiner derjenigen, die in den letzten Tagen mit dem Prinzen verkehrt haben, diesen für Wahn- sinnig gehalten hat. Man tarierte ihn einfach als einen über mütigen, launenhafteii, dem Trünke ergebenen dummen Jungen. Socialdemokratischcr Lese- und Eiskutierklub.�emofthenes«. Heute abend v Uhr im Lokale von Hermann Dornbusch, Prinz Eugenstr. 8: Sistusfionoabend.„Zschopau-Maricnberg>" Gäste willkommen. Anlästlich des diesjährigen Bundestages des Deutschen Vegetarier- Bundes, welcher an den Ostcrseicrtagen in Berlin tagt, finden am 4. Zlpril vormittags 11 Uhr in den Jnduslric-Festsälcn, Beuthstr. 20, öffentliche Vorträge über die..Bedeutung des Vegetarismus" statt. Es werden sprechen: 1 Dr. med. Fchlauer:„Die Ernährung des Menschen im Lichte der Wissenschast". 2. Dr. med. Järschky:„Vernünftige Körperpflege" 3. Dr. med. Winsch:„Vegetarismus und Religion". 4.„Die Grundlagen deS glücklichen Lebens". Slm Schluß Fragebeantwortung. eingegangene OrucKleKriften« Theodor Leipart, Die Lage der Arbeiter in der Holzindustrie. W Seiten. Verlag I. H. W. Dich Nachs.(G. m. b. H.), Stuttgart. Rapport de la Commission d'Enquete sur les incidents a Polemiquos de( la Grove d' Armentieres— Houplines. Lille. Imprimerie ouvriere M. Dhoossche. 147 me d'Arras. Wer hat Ernst Winter ermordet? Eine psychologische Studie über den Konitzcr Mord vom 11. März 1900. Von Stabsarzt Dr. Zelle. Kreis- arzt in Lüben i. Schl. Braunschweig. Verlag von Nich. Sattler. 1901. Preis 50 Pf. Jahresverlckit Arbeiter- RelonbaleZeentenhiim> Verein Selbstverlag. Druck H. Jarschcl, Aussig. in Aussig. Vermiscbtes. 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Glocke, Berlin. Vruck u. Verlag: BorlvärtS Buchdriickerci u. Verlagsanstalt Paul Singer Üc Co., Berlin LW. Nr. 77. 21. Jahrgang. 2. Kkiligk des Jorairts" Sttliitt 8 dbtilatt. Berliner partei-Hngelegenbeiten. Dritter Wahlkreis. Am Karfteitag Ausflug Abfahrt Görlitzcr Bahn 7 Nhr 30 Min. Fnihsttick im„Wendcnschloh". Grünau. Von dort nach Marienluft, über die Müggclberge nack Teufelssee und Müggelsee, am Müggelsee entlang nach Rahnsdorf und Friedrichs- Hagen. Von Friedrichshagen wieder nach Berlin. Zahlreiche Be- teiligung erwünscht. Der Vorstand. Schöneberg. Am Karfreitag veranstaltet der Wahlverein eine gemeinsame Besichtigung der Arbeiter- Wohlfahrts- Ausstellung in Charlottenburg. Treffpunkt nachmittags Vzl Uhr am Knie in Char- lottenburg. Königs-Wusterhausen. Der Wahlverein unternimmt am Freitag eine Fustpartte nach Ziegenhals sMörsel». Treffpunkt Vereinslokal Sicgeskranz früh 7 Uhr, Abmarsch 7»/s Uhr. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet._ Lokales. Bürgerpflichten. Ueber Recht und Pflicht zur Teilnahme an der Arbeit in den kommunalen Ehrenämtern sind die Meinungen in der Bürgerschaft geteilt. Mancher legt Wert darauf, solche Posten zu er- halten, und es gelingt ihm ohne Schwierigkeit. Andre mögen von kommunalen Ehrenämtern und den damit verbundenen Pflichten nichts hören und nichts sehen, aber sie werden wider ihren Willen in diese Aemter hineingewählt. Noch andre wären gern bereit, sich dem städttschen Gemeinwesen in ehrenamtlicher Thättgkeit zu widmen, doch ihre Mitarbeit wird verschmäht. Die Stadtverordneten haben sich in ihrer letzten geheimen Sitzung mit je einem Vertteter der an erster und an zweiter Stelle genannten Sorte von Bürgern zu be- schästigen gehabt. Gut fteisinnige Männer sind es, die die kommunalen Ehrenämter an sich zu bringen suchen und sie. wie gesagt, in der Regel auch sehr bald bekommen. In den Armenkommissionen, den Waisenratskollegien, den Schulkommissionen usw. geben sie den Ton an. Sie treten schneidig auf und sorgen dafiir. daß die.Begehrlichkeit' und die .Unbotmäßigkeit' der unbemittelten Bevölkerung scharf zurück- gewiesen wird. Auch einer von ihnen war der Vorsteher der 37. Armenkommission(Planufer, Dieffenbachsttaße und Umgebung). Aber im vorigen Jahr vergriff dieser Musterbürger sich an den Geldern, die die Armendirektton ihm anvertraut hatte, und da war es mit seiner Herrlichkeit vorbei. Der Mann war Gemeinde- Schullehrer und bezog als solcher zuletzt ein Gehalt von 3548 M., doch das hatte wohl nicht zur Bestreittmg seiner Bedürfnisse gelangt. Er ist heute nicht mehr in der Armentommission und thut keinen Dienst mehr in der Gemeindeschule. UnS ist nicht erinnerlich, ob mich gerichtlich gegen ihn eingeschritten worden ist. Der von ihm ver- untteute Betrag ist jetzt dem Borschuhconto der Stadthariptkaffe aus dem Dispositionsquantum für unvorhergesehene Ausgaben wieder- erstattet worden. Die Stadtverordneten-Versanimlung hat sich hiermit einverstanden erklären müffen. In derselben Sitzung haben die Stadtverordneten Beschluff ge- faßt über einen Bürger, dem man gegen seinen Wunsch und Willen ein kommunales Ehrenamt aufgehalst hatte. Mancher, dem das passiert, sucht sich damit zu helfen, daß er die Eriülluug jeiuer Bürgerpflicht rundweg verweigert. Wenn für die Weigerung kein stichhaltiger Grund angegeben werden kann, dann können die städttschen Behörden dem Pflichtvergessenen für eine bestimmte Zeit sein Recht auf Teilnahme an der Vertretting und der Verwaltung der Ge- meinde entziehen und ihn obenein höher besteuern. In ihrer letzten geheimen Sitzung hat die Stadtverordneten-Versammlung diese Strafe über einen Mann verhängt, der in eine Steuereinschätznngs- Kommission gewählt worden war. der nicht mitthun wollte. Nicht immer hat die Anwendung dieses Disciplinarmittels den gewünschten Erfolg. ES giebt Leute, die das kalt läßt und die auch den höheren Steuerbettag lächelnd hinlegen, weil fie'S dazu haben. Der Verächter kommunal- ehrenamtlicher Thätigkeit, um den eö sich in dem vorliegenden Fall handelt, ist Haus- besitz, r— vermutlich kann auch er sich das Vergnügen leisten, die höhere Steuer zu zahlen. Von der dritten Sorte von Mitbürgern haben wir an dieser Stelle schon mehrfach gesprochen. Es sind Socialdemokraten— Männer, die zwar formell gleichfalls das ehrenvolle Recht zur Mit- arbeit in den Armenkommissionen zc. haben und die Pflicht zu solcher Mttarbeit anerkennen, die aber der Freisinn fernzuhalten sucht. Vorläufig sind noch nicht viele Socialdemokraten dazu gelangt, sich in diesen Körperschaften bethättgen zu können. Aber selbst wenn ihnen ein derartiges Ehrenamt übertragen wird, dann kann es ihnen unter Umständen noch passieren, daß man ihnen die Ausübung ihres Rechtes und die Erfüllung ihrer Pflicht erschwert, wenn nicht un- möglich macht. Wir haben erst kürzlich mitgeteilt, welche Uebcrgriffe in dieser Richtung ein freisinniger Armenkon, missions-Vorsteher sich gegenüber socialdemokrattschen Mitgliedern seiner Kommission erlaubt hat. Wenn die Verweigerung der Ausübung eines kommunalen Ehrenamtes von den städttschen Behörden mit der dafür vorgesehenen Strafe belegt wird, dann sollte man erwarten, daß gegen denjenigen. der einem Koinmunalbeamten die Ausübung seines Amtes erschwert, gleichfalls mit Sttenge vorgegangen werde. Bis jetzt haben wir aber nichts davon gehört, daß das in dem vorliegenden Falle ge- schehen wäre. Wir hatten kein Urteil darüber fällen wollen, ob die Handlungsweise des bctteffenden Armenkommissions-Vorstehers ein Verstoß nur gegen die Amtspflicht oder auch gegen das Strafgesetz- buch sei. Die Juristen des Magistrats scheinen nicht einmal das erstere angenommen zu haben; denn der Mann wird noch immer als für fem Amt geeignet angesehen. Die fteisinnige Presse hat die ganze Angelegenheit totzu- schweigen gesucht. Dem Freisinn wäre es das liebste, wenn Social- demoftaten überhaupt nicht in die Verwaltung der Stadt hinein- blicken dürsten; man weiß, warum. Ein Freisinniger, der seine Bürgerpflicht zu erfüllen sich weigert, gilt der zu Herrn Eugen Richter haltenden Clique immer noch höher� als ein Socialdemokrat, der in Erfüllung seiner Pflicht zu eiftig ist' Und selbst damals, als jener Annenkommissions-Vorsteher sich an den für die Armen be- stimmten Geldern vergriffen hatte, entrüstete sich die freisinnige Preffe nicht halb so sehr, wie in diesen Tagen, Ivo ein paar social- demokratische Stadwerordnete in eine viel, aber nicht rühmend ge- nannte städtische Anstalt zu kräftig hineingeleuchtet haben. Die neue SchucllzugS-Lokomotive. In aller Stille ist die riesige SchnellzugS-Lokomotive. welche demnächst nach der Weltausstellung St. Louis abgehen soll, von Hannover nach dem Militär-Bahnhof Marienfelde gebracht worden, um auf der mustergülttg be- sestigtcn Schienenbahn nach Zossen Proben ihrer Leistungsfähigkeit abzulegen. Borgestern machte das Ungetüm zunächst eine Spazierfahrt auf den Vorortgeleisen, um zu zeigen, daß es auch ruhig laufen kann. Am gefttigen Nittlvoch folgte dann die General- probe und zwar gleich mit sechs Wagen, da eine so große Maschine sich nicht gern mit Kleinigkeiten abgiebt. Auf der Strecke Göttingen— Kreiensen hat die Maschine bereits 128 Kilometer in der Stunde zurückgelegt; sie ftihr gestern mit einer Geschwindigkeit von über 100 Kilometern, und zwar über Zossen hinaus bis nach Clausdorf. Interessant war es anzusehen, wie die Maschine den 85 Kilometer in der Stunde zurücklegenden Schnellzug Dresden— Berlin um 10 Uhr 42 Mimtten überholte. Das patriotische Berlin. Ein Lokalberichterstatter meldet: Zu groben Ausschreitungen kam es gestern abend gelegentlich des Aus- morsches des Freiwilligentransports für Deutsch-Südwest-Afrika. Die � Truppen, welche im Ordonnanzhause einquartiert waren, marschierten dort kurz nach 7 Uhr ab. Schon in der Neuen König- straße hatte sich eine ungeheure Menschenmenge angesammelt, die dem Abmarsch der Soldaten beiwohnen wollte. Da der Transport, welcher in voriger Woche abging, bei dem Zug durch die Straßen Berlins durch das Publikum belästigt worden war, so waren dies- mal umfassende polizeiliche Maßnahmen getroffen worden, durch welche die Wiederholung von Excessen verhindert werden sollte. Die sämtlichen in Betracht kommenden Stratzenzüge waren polizeilich stark besetzt und die Schutztruppe von einem be- deutenden Kommando von Schutzleuten zu Fuß und zu Pferde eingeschlossen. Um das Mitlauten halbwüchsiger Burschen zu ver- hindern, waren außerdem noch an verschiedenen Stellen, so am Alexanderplatz, an der Kaiser Wilhelmbrücke usw. die Uebcrgänge durch Schutzniannskctten gesperrt. Eine derartige Sperrung war auch an der Ecke der Straße Unter den Linden und an der Wilhelm- resp. Neuen Wilhelmstraße vorgenommen. Das Gesindel, welches das Militär begleitete und auf Umwegen immer wieder zu der Truppe gestoßen war, hatte sich zu einer mehrere hundert Köpfe zählenden Masse zusammengeschloffen, die gewaltsam auf die absperrenden Schutz lcute eindrang und die Beamten thätlich angriff. Unter den Menschen inassen befanden sich jedoch eine große Anzahl von Kriminalschutzleuten, durch deren energisches Einschreiten es gelang, die Hauvtexcedenten sofort zu verhaften, bevor die Ausschreitungen größere Dimensionen annehmen konnten. Das Gros der Anstürmenden wurde in die Neue Wilhelmstraße hineingedrängt. Im Sturmlauf, johlend und heulend jagten die Excedenten nach dem Lehrter Bahnhof, welcher ebenfalls abgesperrt war. Da es ihnen jedoch hier nicht gelang, den Zutritt zum Bahnhof zu erzwingen, so lief ein Teil der Bande nach der Jnvalidcnstraße, überstieg dort den Zaun zwischen dem Stadt- bahn-Zugang und der nach der Lehrter Bahnsttecke führenden Böschung. Hier kletterte das Gesindel zum Teil auf das Dach des dort befindlichen Wärterhäuschens, schlug die Fenster ein und begann auch, das Dach zu demolieren. Der Überfallene Bahnwärter holte polizeiliche Hilfe, doch gelang es den Burschen, bei der Annäherung der Schutzleute zu enlkonmien. Dunkel ist der Rede Sinn. DaS„Berliner Tageblatt" veröffentlicht die gestern von uns gebrachte Gerichtsverhandlung gegen unsren Parteigenossen Mars, der bekanntlich unter Benutzung des Groben Unfugs-Paragraphen zu einer Woche Haft verurteilt worden ist, weil er ein Hoch auf die revolutionäre Socialdemokratie ausgebracht hat. An den Gerichtsbericht nun knüpft dos Masse» Blatt die seltsame Bemerkung, daß nach diesem Urteil in die Kreise, die es angeht, ein heilsamer Schrecken sahren werde. Was das bedeuten soll, mögen die Götter wissen. Die Socialdemokratie ist es seit langen Jahren gelvohnt, daß Polizei und Sttafrichter mit dem Grabest Unstigs- Paragraphen gegen sie operieren. Gleich nach Beendigung des Socialistengesetzes ging dieser Kanipf los, und er dauert, wie man sieht, bis auf den heutigen Tag, � ohne daß die Socialdemokratie sich hätte irgendwie ver- b l ü s f e n lassen. In ihren Reihen kann dieser eine Fall unter vielen also alle möglichen Gefühle auslösen, nur nicht das des heil- samen Schreckens. Nun ist es aber auch möglich, daß das„Tage- blatt" ganz gegen seinen Charakter mit den„Kreisen, die es angeht", die andre Partei, nämlich die P o l i z e i, in etwas respektloser Weise gemeint haben kann. Allerdings lautet ein Wort unsreS Reichsfeuilletoniften, daß ein Appell an die Furcht im Herzen der Deutschen, einschließlich der Polizei, keinen Widerhall findet. Aber um die Sensibilität dieses und jenes überwachenden Polizeilieutenants muß es merkwürdig aussehen, wenn, was gerichts- notorisch, also über allen Zweifel erhaben ist, ein solcher Beamter trotz guter Wehr und Waffen, die er trägt, bereits durch das Hoch auf die ohne Zweifel revolutionäre Socialdemoftatte in seinem Frieden gestört, in seinen Empfindungen belästigt und auf das peinlichste berührt werden kann. Man stellt sich einen Polizei- licutenant im allgemeinen nicht mimosenhaft vor; und wenn zum Glück für das Ansehen der Behörde im Volke heute noch die An- schauung maßgebend ist, daß ein königlich preußischer Sicherheits- beamter so leicht nicht einmal durch Thaten, geschweige denn durch Worte beunruhigt wird, so ttägt die' Behörde, die die erwähnten Gefühle eines ihrer Beamten durch Gerichtsurteil aller Welt offenbaren läßt, keine Schuld an dem Fortbestand der gang und gäben Anschauung. So sollte denn der Polizeipräsident es sich überlegen, ob er nicht eine Erklärung an die Zeitungen los- zulassen hätte deS Inhalts, daß die Unterstellung des Tageblattes, als ob infolge besagten Gerichtsurteils unter seinen Beamten heil- loser Schrecken gefahren sei, in den Thatsachen keinerlei Bestätigung findet. Um aber ein für allemal in einem gutgesinnten Blatt derarttgc Mißdeutungen nicht wieder aufkommen zu lassen, ist es angebracht, daß dic Polizei nur Beamte von gefunder Konstitution in socialdemokratische Versammlungen sendet, Beamte, bei denen es ausgeschlossen ist, daß bereits ein Hoch auf die revolutionäre Socialdemokratie sie in ihrem Frieden stört, in ihren Empfindungen verletzt und auf das peinlichste berührt. Dann käme auch das Kammergericht nicht in die Lage, mit einem wirklich Pein- lich wirkenden Mangel an Mitleid verkünden zu müssen, daß es auf das Empfinden eines Polizeilicutenants nicht ankomme, daß dieser im Gefühlsleben guter Menschen doch nicht von der Hand zu lveisende Fattor ganz außer Bettacht bleiben könne. Roch ge- scheidter wäre es allerdings, wenn das Polizeipräsidium über- Haupt mit dem zwar alten, aber dennoch ziemlich unnützen Brauch bräche, in socialdemottatische Versammlungen Ueberwachende zu senden. Der Bau der Brücke im Zuge der Bellermann- und Swine- münderstraße über den Ringbahnhof Gesundbrunnen hinweg ist derart gefördert worden, daß mit der Aufschüttung zu den Rampen hat begonnen werden können. Das Bauwerk ist eins der inter- essantesten Berlins, es ist fertiggestellt worden, ohne den großen Verkehr der Ringbahn und Stettiner Eisenbahn irgendwie zu be- einträchtigen. An daS Reichs-Postamt hat der Verein der Fachpresse eine Petttion gerichtet, die dahin geht, daß für die vom Verleger an die Post überwiesenen Zcitungsexemplare. die als unbestellbar vor Beginn oder in den ersten Tagen des Quartals zurückgezogen werden, nicht, wie bisher, ZeitungS- und Bestellgebühr ftir das ganze Quartal, sondern in Zukunft nur für einen Monat berechnet werde. Die Forderung wird damit begründet, daß die Mühewaltung der Post in solchen Fällen nur gering ist und der Verleger durch Ueberweisung der Zuckung nur für einen Monat, wodurch allerdings beiden Teilen unnöttge Mehrarbeit entstände, selbst sich in die Lage versetzen kann, ZeitungS- und Bestellgebühr nur für einen Monat zu bezahlen. Die Petttion ist von 250 Fachzeitungen und den 13 größten Berliner Tageszeitungen unterstützt. Zur Bewältigung des Verkehrs an den Osterfeiertagen haben Stadtbahn, Straßenbahn und Hochbahn umfassende Vorkehrungen getroffen. Bei der Stadtbahn tteten Verstärkungen em durch außer- ordentliche Feiertagszüge nach jmulsdorf, dem Grunewald und nach Grünau über die Stadtbahn. Besondere Feiertagszüge laufen ferner auf dem Nord- wie auf dem Südring. Auch vom Potsdamer Bahn- Hof werden Sonntagszüge nach dem Grunewald abgelassen. Auf der Strecke nach Niederschöneweide— Johannisthal und Grünau wird vom Karfreitag an eine Art von Halbsommer-Fahrplan eingeführt. An den Feiertagen gehen etwa 15 Züge in jeder Richtung mehr auf dieser Strecke als bisher an den Sonntagen im Winter, Auch vom Potsdamer Bahnhof werden toieder drei Züge auf der Stammbahn nach Wildpark und einer nach Werder an den Feiertagen abgelassen. Bei der Straßenbahn treten auf allen Linien, bei denen ein stärkerer Ausflugsverkehr zu erwarten ist, umfassende Verstärkungen ein. Die Hochbahn kann zu Ostern zum erstenmal neun vollständige Vierwagenzüge in Dienst stellen. Die dichte Zugfolge wird bis zum späten Abend, der ganze Betrieb bis nach 1 Uhr aufrecht erhalten, Samariter und Nnfallftatio». Der Arzt Herr Dr. Klein schreibt uns: In Nr. 70 Ihres Blattes bringen Sie eine Notiz mit dem Titel„Samariter in der Unsallstation", in welcher behauptet wird. daß, als ein Verletzter in die Station gebracht wurde, ein Arzt nicht anwesend war, und daß dieser nach seinem Erscheinen die Saniariter hinausgewiesen habe. Nach dem Grundsatz: �.uckiatur et altera pars erlaube ich mir, Sie um gefällige Austiahme folgender Berichtigung zu ersuchen: Um die Zeit, als der Verletzte eingeliefert wurde, war ich soeben zu dem schwer erkrankten Kinde des Journalisten Herrn Martin Sochaszewski. Lindenstr. 16, neben dem Kammergericht, ge- rufen worden. Ich hatte auf der Statten die genaue Telephon- Nummer dieses Herrn hinterlassen. Noch vor meinem Ein- treffen bei Herrn S. war dort die telcphonische Meldung eingelaufen. daß sich ein Schwerverletzter in der Statton befinde. Ich eilte sofort nach der Unfallstation zurück, welche ich in circa 0—7 Minuten erreichte; der in der Hilfeleistung ausgebildete, in der Station zurückgebliebene Wärter hatte den an einer Hodenverletzung leidenden Patienten bereits fach- gemäß gelagert und desinficiert. Es hat also eine Verzögerung in der Hilfeleistung überhaupt nicht stattgefunden. Ich war genöttgt, den Begleiter aus dem Verbandsraum hinauszuweisen, weil dieser Samariter, ohne Rücksicht auf den danebenliegenden Schwerverletzten, in roher Weise schimpfte und lärmte. Der Samariter versichert uns, daß er nicht in roher Weise ge- schimpft und gelärmt habe. Aber wie dem auch sei; auch hier gilt das Wort, daß der Ton die Musik macht. Der von seinem Stand- Punkt aus mit gutem Grund aufgeregte Menschenfreund wäre gewiß leicht zu beruhigen gewesen, wenn ihm sachlich in verständigen Worten die Situation klar gemacht worden wäre. Er wäre dann nicht mit dem Empfinden fortgegangen, daß ihm seine gute That mit Undank gelohnt werde. Wirksame Strafe für Milchpantscher. Eine ungewöhnliche Art der Publikatton eines gerichtlichen Urteils ist dieser Tage von einer Abteilung des hiesigen Schöffengerichts ausgewählt worden. Es handelte sich um einen Milchhändler, der wegen Verkaufs von Milch mit zu großem Wassergehalt zu 76 Mark Geldstrafe verurteilt worden war. Das Gericht erkannte gleichzeitig auf Publikatton des Urteilstenors und ordnete an, daß das Urteil auf einem zwei Ouadratfuß großen Plakat an den der Verkanföstätte zunächst be- legcnen Anschl agsäulen bekannt gegeben werden solle. Rechts- anwalt Dr. Davidsohn hat nicht nur wegen der Verurteilung ini allgemeinen, sondern auch wegen der Andordnung zu dieser Art Veröffentlichung Berustmg ftir den Angeklagten eingelegt. Gegen das Verhängen der Schaufenster an Sonntagen. Der Ccntralausschuß hiesiger kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine hat den Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg ersucht, den- jenigen Teil des§ 0 der Verordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage aufzuheben, wonach das Aushängen und Ausstellen in den Schaukästen und Schaufenster» außerhalb der fikr den Verkauf an den Sonn- und Feiertagen zulässigen Zeit unter- sagt wird. In der Eingabe wird u. a. ausgeführt: Für den mittleren und kleineren Gewerbetreibenden bildeten die Schaufenster oft seine einzige, jedenfalls aber immer seine wirksamste Retlamc. Die Ge- legenheit hierzu werde ihm aber zur Zeit gerade au demjenigen Tage entzogen, an dem bei erträglicher Witterung die große Masse der Be- völkerung fast ausschließlich Zeit habe, sich in den Straßen zu er- gehen und die Schaufensterauslagen eingehend zu bettachten. Die Berliner Schaufenster bildeten in ihrer Gesamtheit eine ständige Industrieausstellung, an der die Vorübergehenden Gelegenheit haben, ihr Urteil über Gebrauchs- und Luxusgegenstände zu vervollkommnen und zu bilden. Dieser erziehliche Wert, der den Berliner Schau- fenstern unzweifelhaft in hohem Maße beitomme, werde sich aber erst in vollem Maße bei Offenhaltung der Schaufenster an Sonn- und Feiertagen geltend machen können. Gegen daS Verhängen der Schau- fenster sprächen auch Rücksichten auf die öffentliche Sicherhett. Schließlich wird in der Eingabe noch besonders darauf hingewixftn, daß die etwa gehegten Befürchtungen, wonach die Heilighaltung der Sonntage becinttächttgt oder die Sonntagsruhe der Angestellten ge- kürzt werden könnten, ohne jede Begründung seien. Der Brand in der Reuen Hochsttaße, über-dfn wir gestern berichteten. ist leider ftir mehrere Personen verhängnisvoll geworden. Sie sind ernstlich erkrankt, darunter auch die Oberfeuermämier Haller und Suchland, die sich Rauchvergiftungen zugezogen haben. Einer der ältesten Berufsclaquenre Berlins ist jüngst gestorben, man kann sagen„in den Sielen". Er aß mn letzten Donnerstag nach der Vorstellung in der Nähe seines Stammtheatcrs in einem Restaurant sein Abendbrot. Plötzlich ein Aufschrei— er lehnte sich zurück— ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Es war Schwerin, der in den letzten Jahrzehnten sich mit„seiner Hände ?lrbeit" durch die Welt geschlagen. Nnr die Eingeweihten kannten ihn und wußten, was es zu bedeuten hatte, daß er im Theater immer so laut und so viel lachte und nicht müde wurde, zu applaudieren. Schwerin bezog von dem Theater, dem er seine Dienste weihte, pro Tag 3 M. und eine kleine Anzahl Freibillets. tvclche er. wenn eS ging, an den Manu oder an die Frau brachte. Milzbrand? Unter dem Verdacht der Erkrankung an Milz- brand wurden gestern drei Personen in hiesige Krankenhäuser ge- bracht. Die Wcißgerberei von Günther Schneider, Prinzen-Allce 69, verarbeitet seit 26 Jahren viele asiatische, australische und andre ausländische Schaffelle zu Glanzleder. In allen ihren Räumen sind die verschriebenen Warnungen angeschlagen, die auf die Gefährlichkeit der Hantierung mit Rohhäuten anstncrksam machen, das Kratzen, der ungeschützten Hautteile untersagen, die sofortige Anzeige von Verletzungen, Insektenstichen, Geschwürbildnngen vorschreiben, auch das Einnehmen von Mahlzeiten und die Aufbewahrung von Speisen und Gettänke» in Räumen, in denen Rohhäute verarbeitet werden. verbieten. Auf die Beachtung dieser Vorschriften und auf Sauberkeit wird streng gehalten. Es kam bisher auch nicht eine einzige Er- krankung vor. Jetzt aber zeigten sich auf einmal bei zwei Lehr- lingcn und einem Gesellen Milzbrand-Erscheinungen. Vor vier Tagen zeigte der 10 Jahre alte Lehrling Fritz Felchner eine kleine Schwellung an einem Auge an. Der Arzt, zu dem ihn der Meister sandte, stellte vorläufig nur eine Hautentzündung fest, und erblickte darin keine Gefahr. Am nächsten Tage kamen aber auch der 16jährige Lehrling Mar Barlewsky und der 18 Jahre alte Geselle Friedrich Zingler zum Meister. Beide, besonders Zingler„ hatten Pickeln im Gesicht und wurden zum Arzt geschickt. Dem Zingler und in etwas geringcrem Maße auch dem Äarlewsky sind seitdem das linke Auge, das Gesicht und die Mandeln stark angeschwollen. Die beiden wurden deshalb auf Veranlassung ihres Arztes nach der Charit? gebracht, wo sie in der zweiten medizinischen Klinik des Geheimrats Kraus von dem Oberarzt v. Bergmann behandelt werden. Felchner liegt in der königlichen Klinik. Ein dritter Lehrling bekam gestern morgen Pickel im Gesicht und ist ebenfalls in ärztlicher Be- Handlung, aber noch nicht im Kcantenhause. Der Meister hat die Arbeit in allen Räumen einstellen lassen, um eine Untersuchung ab- zuwarten. Einen Kampf mit Einbrechern hatte gestern der Arbeiter Heinrich Truschke aus der Beusselstr. 18 zu bestehen. Truschke war niü seiner Familie ausgegangen und hatte die Wohnung verschlossen. Als er um g'/z Uhr zurückkehrte und die Flurthür geöffnet hatte, Ivnnderte er sich, daß nun auch die Stubenthllr vom Flur verschlossen war. Er klopfte und rüttelte nach Kräften, erhielt aber keine Antwort. Plötzlich flog die Thür auf, vier kräftige Fäuste sausten ihn, ans den Kopf, und im selben Augenblick eilten zwei Kerle an ihm und seiner Familie vorbei auf die Straße hinaus. In Gemeinschaft mit einigen Hausgenossen setzte Truschke den Flüchtigen nach und nahm nach längerer Jagd einen fest, während der andre entkam. Der Er- wischte wurde festgestellt als ein mehrfach bestrafter Schlosser Johannes Potarowa. Sein entkonimener Helfershelfer ließ einen dunklen Winterüberzieher und einen schwarzen steifen Hut in der Wohnung zurück. Die beiden Einbrecher hatten bereits alle Spinden ausgepackt und eine Menge Sachen zu», Mitnehmen bereit gelegt, als sie überrascht wurden.' Daß Potarowa auch schon„bessere Sachen gemacht" hat, geht daraus hervor, daß man bei ihm eine wertvolle alte Uhr fand, eine doppelkapsclige silberne Taschenuhr mit neuem Werk und eine alte feine Goldschmiedearbcit auf der einen Kapsel stellt den heiligen Georg dar, der einen Drachen tötet; au der andern Kapsel steht ein Schiff, wahrscheinlich ein Kreuzfahrer schiff, unter vollen Segeln. Der Einbruch, aus dem dieses seltene Beutestück herrührt, ist der Krimiualpolizei noch nicht angezeigt." Theater.„M ein Leopold", das treffliche Volksstück von Adolph L'Arronge, kommt am Donnerstag und Sonnabend in, Metropol-Theatcr mit Emil Thomas als Rentier Wcigelt zur Aufführung.— In den beiden rschiller-Theatcrn stnden an den drei Osterseicrtagcn Nachmittags- Vorstellungen statt; im Schill er-Theater O sWallnertheaterstraße) wird Sonntag- nachmittag„Der Geizige" und-„Der eingebildete Kranke", abend „Kollege Crainpton", Montagnachmittag„Ferrsol", abends„Uriel Acosta", Dienstagnachmittag„Don EarloS", abends„Lumpacivaga- bundns" gegeben. Im Schiller-Theaterls iFricdrich Wilhelm» städtisches Theater) gelangt Sonntagnachmittag„Ferrsol", abends „Lumpacivagabundus", Montagnachmittag„Der Geizige" und„Der eingebildete Kranke", abends„Der Bibliothekar", Dienstag- nachmittag„Iphigenie auf Tauris", abends„Der Geizige" und„Der eingebildete Kranke" zur Aufführung.— Zwilchen Herrn Direktor Jose Fe r e n c z y vom Central- Theater und der Direktion des L u i s e n- T h e a t c r s ist ein Operetten- Gastspiel an letztgenannter Bühne vereinbart worden. Mittwoch, den K. April, geht„Der B e t t e l st u d e n t", Donnerstag, den 7. April, „D er Z i g e une rb ar o n" in Sccne.— Apollo-Thearer. Am Ostersonntag ist die Premiere der burlesken Operette„Liebes- g ö t t e r" von E. Schlag lind Louis Herrmann, Musik von Karl Capelle,'. An beiden Feiertagen findet nachmittags 3 Uhr zu er- mäßigten Preisen eine Aufführung von„FrühlingSlnft" statt und zwar ist am Ostermontag die definitiv letzte Aufführung dieser Operette._ Hud den Nachbarorten. Die Charlottenburger Stadtverordneten hielten am Mittwoch eine kurze Sitzung ab, in der, abgesehen von der Erledigung einiger un- bedeutender Vorlagen, ein Antrag Kaufmann ilib.) Annahme fand, der den Magistrat ersucht, in gemischter Deputation mit der Stadt- verordneten-Versammlung darüber zu beraten, ob die Errichtung und Beschickung von Ferienkolonien als Gcmcinde-Angelegenhcit anzu- streben sei. Eine Interpellation Hirsch(Soc.) und Genossen, die den lvkagistrat aus Anlaß des Bau Unfalls in der„Flora" erneut u», Auskunft darüber ersucht, wieweit die Vorarbeiten bc treffend die Anstellung von städtischen Baukoillrolleuren gediehe» sind, wird erst in der nächsten Sitzung(20. April) beantwortet werden. Ebenso gelangt dann der Antrag B o r ch a r d t(Soc.) und Genossen zur Beratung, mit andren Gemeinden behufs Ersatz des Dreillassen-Wahlsystems durch das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht unter Aufhebung des Privilegs der Hausbesitzer in Verbindung zu treten. Die Affaire der Schutzleute Knuth und Bernleit in Rixdorf wird nun noch einmal in voller Breite zur gcrichtlicben Verhandlung kommen. Beide Schutzleute waren am 31. Dezember 1902 von der 4. Strafkammer des Landgerichts l zu je 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil sie überführt schienen, am Spätabend des 1. August den Dachdecker Karl Friedrich aus nicht recht erkennbarer Veranlassung arg mißhandelt zu haben. Ihre hiergegen eingelegte Revision ist vom Reichsgericht vertvorfen worden; eine a» den Vorfall sich knüpfende Anklage wegen fahrlässigen Meineids gegen Friedrich hatte mit dessen Freisprechung geendet. Für die beiden Schutzleute hatte alsdann Rechtsanwalt Dr. L ö w e n st e i n das Wieder- aufnähme- Verfahren betrieben, und dieses ist auch angeordnet worden, nachdem eine Reihe neuer Zeugen Thatsachen bekundet haben sollen, daß sich der Zeuge Friedrich bezüglich der Persönlichkeiten der beiden Schutzleute, die ihn mißhandelt haben, im Irrtum bc- finden müsse.— Der neue Verhandlungstermin wird am lö. April stattfinden; es sind zu demselben ca. 30 Zeugen vorgeladen worden. Wilmersdorf. Bei den Gcmeindewahlen der ersten und zweiten Abteilung sind die von den vereinigten bürgerlichen Parteien auf- gestellten Kandidaten wieder- oder neugewählt worden. In der ersten Abteilung brachten diese Parteien es auf 90, in der zweiten auf durchweg 320 Stimmen; ihre Gegner, die Liberalen, erhielten je 150 und 34 Stimmen. Auch diesmal beschämen die Wähler der besitzenden Klassen das Proletariat durch eine verhält,, isnräßig rege Beteiligung an den Gemeindewahlen. In der zweiten Abteilung übten etwa 40 Proz. der eingeschriebenen Wähler ihr Wahlrecht aus, in der ersten Abteilung gar 60 Proz., wogegen ungeachtet unsrer lebhaften Agitation in der dritten Abteilung keine 25 Proz. der Wähler an bcn Wahltisch gingen. Hoffentlich holen unsre Partei- genossen das Versäumte in der Stichwahl nach. In Johaimisthal hat bei der gestrigen Gemeindelvahl unser Parteigenosse Radon, ski 151 Stimmen, der Gegner zwei Stimmen erhalten. Somit hat die Socialdemokratie unbestritten sich eine neue Position gesichert. Reu-Weißciisec. Unser Ort ist wohl der einzige in der Um- gebung der Metropole oder gar ganz Preußens, der seinen Haus- haltsplan vor der festgesetzten gesetzlichen Zeit nicht fertig bringen kann. Nach der Landgemeinde-Ordnung treten die nengewählten Gcmeindeverordnetcn ihr Amt mit dem 1. April au. Jedoch wird dieser Zeitpunkt etwas verschoben werden müssen, denn bis jetzt sind die Etatsberatungen aus der Borberatungskommission noch nicht heraus, und ein Termin zur Beratung vor dem Plenum ist noch nicht angesetzt. Hoffentlich werden die nengewählten Gemeinde- Vertreter dazu beitragen, daß der jetzt übliche Schneckengang beseitigt wird und die Bestimmungen der Landgemeinde-Ordnung etwas präciser eingehalten werden. Schmargendorf. In der Sitzung der Gemeindevertretung vom 23. März wurde die Wahl der neugewählten Gemeindeverordncten der ersten und zweiten Klasse Thiele und Neumcier, da keinerlei Einsprüche vorliegen, für gültig erklärt. Es wurde mitgeteilt, daß die SchulvorstandS-Mitgliedcr Prof. Böhm und Bureauvorstcher Thiele bestätigt seien. Der seiner Zeit gegebenen Anregung, einen Bürgerdeputtertcn in den Schulvorstand zu wählen, ist leider nicht stattgegeben worden. Durchaus wünschenswert wäre es gewesen, zu einem derartigen kommunalen Ehrenamte auch Arbeiter heranzu- ziehen, die am Gedeihen der Schule niehr interessiert sind als die Herren, welche ihre Kinder selbst in bessere Schulen schicken können. Leider ist jetzt keiner unsrer Parteigenossen in irgend einer der bestehenden Kommissionen, deren ander- wcitige Einrichtung in einigen Wochen bevorsteht, vertreten.— Der Eisenhahnfiskus will 7500 Onadratmctcr Land nncntgclttich ab- treten, wenn Schmargendorf die Gesamtpflasterkosten der anliegenden Straße übernimmt. Der Gemeindevorsteher beantragt deshalb, von Berlin 3600 Ouadratmctcr alte Pflastersteine anzukaufen. Die Forderung auf Anschaffung der Pflastersteine in, Betrage von 1260 M. wurde angenommen.— Zur Anschaffung eines Blitz- ableiters fiir die Turnhalle sind 369 M. und zur Regulierung und Einzäunnng des Schulhofes vorläufig 4700' Mark(von einer Entwässerungsanlage, die 2200' M. kosten würde, ist noch Abstand genommen) bewilligt. Hierbei zeigte cS sich, in welcher Weise mit den, Gelde der Stcucrzahlcr gewirtschafter wird. Kaum ist nämlich die viele tansende Mark kostende Turnhalle fertig, da stellt sich heraus, daß sie nach dem Straßenniveau um 0,50 Meter zu tief gebaut ist. Nicht nur, daß der Bau an sich verpfuscht ist es sind hierdurch auch noch für die obenerwähnte Regulierung des Schulhofes ganz bedeutend höhere Aufwendungen erforderlich ge- worden.— Die Instandhaltung und das Anzünden der Straßen laterncn wird jetzt von der englischen Gasgescllschast selbst besorgt werden; hierdurch gehen der Gemeinde 1700 M., die zur Besoldung der Nachtwächter igleichzettig Laternenanzünder) mitvcrwcndet wurden, verloren. Ein Angebot der„Nachtwacht-Gesellschaft", gegen eine Gesamtentschädigung von 600 M. den Wacht- und Schlicßdicnst in Schmargendorf zu übernehmen und hierzu 2 Nachtwächter für den alten Ortsteil und einen für Ncn-Schn,argendorf zu stellen, wurde acccptiert und der Gemeindevorsteher beaustragt, einen Vertrag mit der Gesellschaft abzuschließen.— Nixdorf. Die Allgemeine Orts- Krankenkasse verlegt mit den, heutigen Tage ihr Kassenlokal nach Jsarstr. 12, Seitenflügel 1 Treppe. — Der Generaldirekror der hiesigen Linoleumfabrik, Dr. Poppe, hat wegen llebcrbürdung mit Bcrussgeschäften sein Amt als unbesoldeter Stadtrat niedergelegt.— Die Bewohner des Stadtteils an der Ringbahn leiden häufig unter üblen Gerüchen, welche von der nahen Linoleumfabrik herrühren. Infolge der fortgesetzten Klagen»nd Beschwerden des Publikums besichtigte kürzlich die städtische Gcsundheitskommission die genannte Fabrik, um die Ursache der üblen Gerüche zu ermitteln und eventuell geeignete Abwehrmaßregeln in Vorschlag bringen zu können. In der letzten Sitzung der Kommission fand nun eine Besprechung der Angelegen- heit statt, die zu den, Beschlüsse fiihrte, daß die Akten der königlichen Polizeidirektion zur Prüfung und weiteren Veranlassung übermittelt werden sollen.— Zahlreiche hiesige Ladengeschäfte wurden in letzter Zeit von einem raffinierten Spitzbuben heimgesucht. Derselbe paßte die Gelegenheit ab, wenn gerade niemand in, Laden war, schlich sich dann in das Gcschäftslokal und bemächtigte sich der Ladenkasse, mit welcher er schleunigst davonlief. Wenn die Ladeninhaber herbeieilten, war der Dieb längst verschwunden. Jetzt ist es endlich gelungen, den Dieb aus frischer That zu ertappe», als er die Ladenkasse eines Milchgeschäftes plünderte. Der Thäter floh zwar, wurde aber nach einer wilden Jagd festgenommen und der Kriminalpolizei zugeführt. Es ist ein bettelnd umherziehender Mensch Namens Wilhelm Ulmer._ Versammlungen. Der Verband deutscher Gastwirtsgehilfen hielt am Freitag, den 23. März, bei Mendt eine Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrt die Versammlung das Andenken des verstorbenen Mirgliedes K a r l S t e n z e l in der üblichen Weise. Genosse W. M a„ a s s e hielt einen interessanten Vortrag über„Die Ent- Wicklung der Gottesidce". Derselbe fand allgemeinen Beifalls eine Diskussion wurde nicht beliebt. Die Maifeier soll am Dienstag, den 3. Mai, bei B e y l e r, Treptow, abgehalten werden. B o r m a n n teilte der Versammlung mit, daß sich der Gesamtvorstand eingehend mit dem Antrag R e g g e, der Aufhebung des Beschluffcs wünscht, nach welche», sich Mitglieder in Lokalen, die auf der Lokalliste stehen, nicht zur Arbeit anbieten dürfen, beschäftigt hat und sich darüber Schlüssig geworden ist, den Beschluß der Generalversammlung eher zu verschärfen als fallen zu lassen. Nach einer längeren Debatte wird beschlossen, die Abstimmung der nächsten Generalversammlung zu überlassen. Siffuug haben Tonnerstag: Oeffeutlichc Bibliothek und Lesehalle zur unentgeltlichen Ne» niitiung für jedermann, Alcxandrincnstr. 26, Gartenhaus. Geöffnet wert- täglich aon 5'/, bis 10 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen von 9 bis 1 und 3 bis 6 Uhr. Reichhaltige Bibliothek und 4M Zeitungen und Zeit- schrislen jeder Art und Richlung. Lese-»nd Diskutierklnbs.„Nordwest", Grunwald, Mt-Moabit 46. Arbeiter-Tängerbund Berlins und der Umgegend. Erster Vor» siizender.' Julius Meyer, Urbanstr. 131 IV. Erster Kassierer: Seikrit.Fidicinstr. 16. Alle Aendcrungen im Vcreinslalendcr sind zu richten an Gustav Schöntbal, Annenstr. 10. Uebungssiundc abends 9 bis 11 Uhr.— Männcrchor „St. Urban", Lindcmann, Zlnnenstraße 9.—„Gesangverein Berliner Kürschner", Feind, Wcinstraße II.—„Einigkeit I", Größ-Lichtcr» selbe, Richter, Chausseestr. 104.—„Morgenrot IV", Köpenick, Stippckohl, L:chönerlindcrstr. 3.—„Wach aus II"(Zllt-Blcssin bei Flemming) übt bei Oilgcnscld, Bergstr. 60.—„Deutsche Eiche II", Brandenburg a. H., Winkels Salon,»öauptslraßc.—„Freiheit IV", Bernau, Elysium, Hüssitenstraffc. —„Kornblume", Kirnitz, Große Frankjurterstr. 133.—„Morgengrauen" (Bäcker), Hcmpcl, Roicutbalerstraße 1l/12(nachmittags 4 bis 6 Uhr).— .Möbelpolierer", Freischütz, Fruchtstr. Mg.—„Stcinnclke", Schumann, Pank- straße 47.—„.Hoffnung III", Friedrichsbcrg, Böker, Friedrich Karlstr. 34.— „Freiheit West". Goßmann, Kreuzbergstr. 48.—„Verein Wilhelms- bcrg-Hohen-Schönhauscn", Hohen-Schönhauscn, Krause, Berlinerstr. 12.— „Manncr-Chor Süd-Ost I", Stephan, Wienerstr. 31.—„Lyra", Charlottenburg, Bartsch, SeeienheimersNaßc 11.—„Liedcrlranz", Brandenburg a. H.. Mengerts Volksgarten, Bergstraße.—„Zukunst II" in Velten, Grunow, Ost II". Link, Wrangelstraßc 86.—„Einigkeit III", Bannsce, Krüger, Fürstcnhof.—„Arion II", RummelSbnrg, Rode, Prinz Albertstr.(6—8 Uhr).— „BummclSdors", Luckenwalde, Gerhard Haag.—„Männerchor der Schneider Berlins", Marlgrasenstraße 83.—„Melodia II", Kranz, Dunckcrstr. 8.—„Unverzagt", Bachstein, Salzwcdlcrstr. 16.—„Waldkapelle", Ladewig, Kommandantenstr. 65.—„Maiglöckchen II", Köpenick, Müggcl- hcimcrstr. 22.—„Sängerslust", Werder, Schwarzer Adler, Fischerstraßc.— „Freie Sänger", Trebbin, Wols, Babnhofstraßc.—„Zaget nicht", Steglitz, Kramer. Markstcinstr. t.—„LiedeSsreiheitll", Straußberg, Schulz. Wriczcncr. straße 10.—„Freie Sänger", Rixdon, Hollbach, Hermannstr. 120.— „Sängerschaft Fichte", Wetzet, Wrangelstt. 136.—„Froh Hoffnung", Schilling. Kyffhäuscrstr. 16.—„Hand in Hand", Friedrichsberg, Schilling, Mainzerstr. 5.—„Glasarbeiter", Köpenick, Müggclhcimcrstr. 20.—„Eintracht", Pankow, Hirschmeier, Hcinstr. 4.—„Waldesrauschen", Karlshorst, SabrowSki. Tresckow-Allee 66.—„Rote Rose", Stcnzel, Exerzierstr. 20.— „Dornrose", Kauffeldi, MarkuSstr. 47.—„Licdeslust", Fürstcnwalde, Küstrincrslr. 9.—„Schuhmacher", Rübsam. Andrrasftr. 32.—„Wach aus". Frz.-Buchholz, Kähn, Berlinerstr. 39.—„Vorwärts X". Nauen, Schützen- Haus, Chausseestr. 36.—„Bruderbund", Friedrichsberg. Pritzel, Krvnprmzea- straße 40.—„Sangeslust III", Tempclhos, Lehmann, Berlinerstr. 70.— „Echo", Zehlciidors, Giese, Teltowerstr. 28. Arbeitcr-Raucherbund Berlins und der Umgegend. Aendcrungen im Vereinskalcnder sind zu richten an Albert Licbettau, Putbuserstr. 44, IV. „Mehr Licht", Weißensee. sorrcr. Straßburgstr. 56.—„Kamerun", Lange, Langcnbccksir. 4.—„Glühlicht I". Neu-Weißensee. Streustr. 3.—„Feste Brüder", Rixdorf, Ziethenstr. 29.—„Alter Hussit", Matthca, Bcrnauerstr. 120. —„Fidelis", Bartel, Manteuffelstr. 127.—„Mailust", Neu-Weißensee, Lang» hansstr. 3.—„Colorado", Klinge, Rcinickendorjcrstr. 56.—„Einigkeit II", Wähner, Gubcnerstr. 57.—„Korea", Kellas, Franlsurter Allee 107.— „Rote Nelke", Neu-Weißensee, Asmus, Sedanstr. 356.—„Grüne Quaste", Donner, Ripdorf, Jägerstr. 46.—„Alter Berliner". Fcllcr, Laufitzerplatz 7. —„Bcrslopplc Piepe", Christburgerstr. 36.—„Näsenwänner". Eyser, Dunckcr- slraßc 88.—„Morgenrot", Ullrich, Lichtcnbcrgerstr. 10.—„Zufriedenheit", Ripdorf, Methner, Ziethenstr. 33.—„Wiedersehen", Neu-Weißensee, Weber, Friedrichstr. 35.—„Wasserturm", Wartenbcrg, Sttaßbürgcrstr. 40.— „Weichielblatt", Zcidler, Franlsurter Allee 176.—..Fidelio", Ripdorf, Bergstraße 18.—„Edelweiß", Ripdorf. Prinz tzandjerystr. 66/67.—„Pseischen glüh". Förster, Hochstr. 3l.—„Birgima", Schnieder, Admiralstr. 21.— „Palmeria", Krawczack, Triststr. 1. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine. Sparverein„Einigkeit", Luisen-User 32.— Weißens ecr Fußballklub, Donnerstag nach dem 1. und 13., Parkflr. 10.— Slattlnb„Namenlos", strack, Adalbertsir. 95.—„Berliner Dilcitanlcn-Bübiic siihcingold II", Ackersir. 144.—„Musil-Dilettantcn- Berein Berlin-Moabit", Restaurant Sadc>vatcr. ArminiuSplatz.— Skalklub „Herzblatt", Pastete, Linienstr. 3s.— Zithcrklub„Mcnzcnhauer", Andreas- straße 3.— Jitherklub„Alpengrüßc", Bartschis, Raveneftr. t.— Arbeiter» Rauchllub„Freiheit", Liebigstr. 14.— Musitverein„Harmonie", Manzey, Britzcrstr, 10.— Skalklub„Maiglöckchen, Stenzel, Schwedtcrstr. 32.— Geselliger Klub„Blau Veilchen 89". Köpnickerstr. 62; Donnerstag nach dem 1. und 15.— Schwimmverein„Norden", Städtische Bade-Anslalt, Oder- bergerstraßc.— Ccntncrtlnb„Goncorbio", Weberin.&. Berliner Rudervercin„Vorwärts". Sitzung 9 Uhr abends im Bootshause, Stralau, Tunnelsir. 17. Arbeiter- Bildungsvercin„Gintracht", Zürich. Neumarkt Nr. 5, Bcrcinssitzung alle 14 Tage je Donnerstagabend 8>/, Uhr. Arbeiter-Radsahrerbund„Solidarität". Gau 9(Provinz Branden- bürg). Alle Zuschristen und Anfragen, den Bund betreffend. sind zu rtchlen an den Gau- Vorsitzenden Karl Fischer. Berlin XIV., Waldstraße 8. Arbeiter- Radfahrer- Verein„Berlin", nach dem 1. und 15. AndreaSitr. 26, und Raabc, Kolbergcrsir. 23.—„Stern II", nach dem 1. und 15. Swine- münderstr. 79.—„Fahr wohl l", Hochstr. 41.—„Ziel", jeden 2. und 4. Donnerstag, Adlershos, Bismarckslr. 10.—„Vorwärts", jeden 1. und 3, Donnerstag. Adlershos, Lppenstr. 56.—„Frohsinn", Gassen i. L., nach dem 1. im Gasthof zum Kronprinzen.—„Pseil", Kalkbcrge-Rüdersdors. Gasthof zur Linde bei Grewe.—„Brüderschaft", Königswusierhausen, nach dem 1. und 15. im Alten Schützenhans.—„Arbeitcr-Radsahrcroerein RummelSburg", nach dem 1. und 15. Neue Prinz Albertstr. 70/71 bei Gorgas.—„Vorwärts". Zossen, nach dem 15. Barutherstr. 51 bei Rüffer. Zlrbeiter-Tkatbund Berlins und Umgegend. Zuschristen sind zu richten an C. Quenkert, MarkuSstr. 43, III.„Glück auj". Ripdorf, Rogge Lesjingstr. 17.—„Null", Lier, Alte Jalobstr. 119. Stationen 3>~ winemde. 740. äSD Hamburg 742 iSW Berlin j 745 SSO Franks.a.M. 746 SW München!748jSW Wien j 752 SO Weiler H 5- 7 Regen 4 Regen 3 bedeckt 2 Regen 4 Regen llbedcckt Stationen ££ 2 C 5-S c S S5— Haparanda 771 SO Petersburg 1 776/20 Gort-1— Aberdeen—|— Paris 743.W Wetter »rt es- S° Sf H& 2moIIcnI|!— 10 2wolkeriU— 11 öwolkig Wetter-Prognose für Donnerstag, den 31. März 1SV4. Etwas kühler, zeitweise ausklarend, aber sehr veränderlich mit Regen- oder Hagelschauern und ziemlich frischen westlichen Winde», Orosse sind soeben in lebendfrischer Ware eingetroffen; Od kl 13.11 ohne Kopf 22 Pf, im Anschnitt 25 Pf. pro Pfd. Schellfische in allen Grössen, Pfd. 25—40 Pt Grosse Schellfische im Anschnitt Pfd. 30-35 Pk. Seelachs Pid. 25 Pf., im Anschnitt. 30-35 Pf. Bratflundern Pfd. 25—30 Pf. Grosse Schollen„ 50—55„ Rotzungen„ 55—60„ Austernfisch„ 35—40 ,, Heilbutt.. 75-80„ Tafelzander„ 75—80 Steinbutt Pfd. 130-150 Pf. Seezunge„ 140—180„ Fr. Rheinlachs„ 350„ „ Elblachs„ 300„ Silberlachs„ 95-110.. Leb. Hummer„ 350 ,, Stockfisch Pfd. 80 Pf.; Lachtz-Schellfisch(Haddock) Pf. 50—55 Pf. Kochbuch erhält jeder Käufer — gratis.— „Nordsee" Verkaufsstellen Fisch-Cotelettes, gebraten und marinirf, in Blechdosen 17 Pfd. ä 3,25 M., 8 Pfd. 1,90 M, 4 Pfd. ISO M. und ca. l'/s Pfd. 50 Pf. Bratschellfische, gebraten und marinirf, in Blechdosen zu 17 Pfd. 3,50 M., 8 Pfd. 2 M., 4 Pfd. 1,20 M, und ca. 1>/, Pfd. 50 Pf. Fischsülze, Delicatesse, Pfd. 60 Pf.(ausser- ordentlich billig). Geräuch. Seelachs Pfd. 35 Pf. „ Roche„ 40„ Schellfisch 30-35„ Feinster Rauchlachs im Aufschnitt und in Stücken Pfd. 90-120 Pf. Sardinen in Gel, Sardellen, Schwedische Qabelbissen, Matjesheringe, frische und Dosen- Krabben, Helgoländer Kronen- Hummer, Bratheringe, Bismarckheringe, Rollmops und Delikatessheringe in allen Packungen, Täglich frisch geräc.-h. Spickaale, Kieler Bücklinge o. Sprotten. Geräuch. Seeaal Pfd. 60—70 Pf. „ Flunder,, 50—60„ „ Knarrhahn Pfd. 50„ Hauptfiliale: Bahnhof Börse, S-SkJ IL Prinzenstr. 30,»» uoriupuu.| III. Madaistr. 22, tm seues. Bht Kostproben auf Wunsch — gratis.— Kür den Jiikmlt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Beraunoortung. Xlbcater. Donnerstag, d e n 3l. M ä r z> Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Oeffentliche Haichl- probe zum 9. Sinsoniekonzert. Schauspielhaus. Geschlossen. Deutsches. Faust. Berliner. M-Seidelbcrg. Lessing. Aapsenflrcich. Westen. Die Stumme von Portici. Sieues. Schwester Beatrix. Vorher: Der Kanunersänger. Residenz. Das große Geheimnis. ttentral. Die Glocken von Corncville, Belle-Alliance. Der reichste Berliner. Thalia. Der Verschwender. Ansang 8 Uhr: Schiller tt.(Wallner- Theater.) Ferröol. Schiller X.(Fricdrich-Wilhelmstädt.) Der Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Kleines. Des Pastors Rieke. Luisen. Der Veilchensrcsser. Triano». Das eiste Gebot. Carl Weist. Geschlossen. Deutsch-Amerikanisches. Uebcr'n großen Teich. Gebr. Herrnfeld. Hausierer Jockeln. Winter-Gartc». Ivette Guilbert. Coftantine Bernardi. Specialis täten. Metropol. Mein Leopold. Easiuo. Wie einst im Mai. Apollo. FrühlingSIust. Blüten- Hochzeit. Spccialitäten. Reichshallcn. Stetliner Sänger. Passage-Theater. Caiccdo. Spccia- liläten. Ansang 5 Uhr. Urania. Taubciistrastc 48/49. Um 8 Uhr: Frühlingstage an der Rivicra. Hörsaal um 8 Uhr: Prof. Müller: Die Farben im Kampfe umS Dasein. Um 4 Ubr: AuS dem Haushalt der sreicn Natur. Jnvalidcnstraste 57162. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis ll Uhr. Wim Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Schwester Seatrix. Vorher: Der Kaninicrsttngcr. Anfang 7,/a Uhr. Morgen: Geschlossen. Sonnabend; Pelleas u. Melisande. Centrai-Theater. Heute 7'/, Uhr: Dir Glocken von Corneville. Romantische Operette in 3 Akten von Planquette. Freitagabend 7>/, Ubr: Ermäßigte Meise: Grostcs geistliches Konzert. Mitwirkende: Kgl. Hos-Opernsängcrin Mario Götze. Hoscellist Pros. Heinrich Griinleld. Josefine Vettori. 0. Braun. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Der Veilchenfresser. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Das Käthchen von Heiwronn. Sonntagnachmittag: Das Schloß am Meer. Abends: DerKausmannv. Venedig. Montagnachmittag: Kea». Abends: Der Akticnbudiker. Dienstagnachmittag: Das Käthchen von Hellbronn. Abends: Der Verschwender. Mittwoch: 1. Gastspiel des Central» JcheaterS: Der Bcttclsludcnt. Donnerstag: 2. Gastspiel des Central-Theaterß! DerZigcunerbaron. Refident-Wklittr Direktion S. Lautenburg. Donnerstag und Sonnabend: Das große Geheimnis Sonntag und Montag: Der keusche Castmir. Dienstag, den 5. April: E r st e S Gastspiel von Ado« Sonnenthal; Xathan der Weiue. Metropol-Theater Heute Donnerstag; Mein Leopold. Volksstück in 3 Akten von Adolf L'Arronge. Gottl. Weigelt; Emil Thomas a. G. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet Karfreitag geschlossen. Sonnabend, den 2. April; Hein lieopold. Ostersonntag, Ostermontag und die folgenden Tage: Ein tolles Jahr. Trianon-Theater. Georgenstraße, zwischen Friedrich- und UniverjitütSstraße. Oas elfte Gebot. Ansang 8 Uhr. An beiden Ostcrsciertagcn nach- Mittags:„Madame X." Abends: Da> elfte Gebot Oer Dieb. Schiller Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Ferreol. Schauipiel in 4 Aufzügen von Victoricn Sardou. Freitag: Ge«ehlo««ei». Sonnabendabend 8 Uhr: Der Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Theater. Scliiiler-Theater (Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Der Geizige. Lustspiel in 5 Akten von Molievc. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Lustspiel in 3 Akten von Moliere. Freitag: Ge«cIiIos»>en. Sonnabendabend 8 Uhr: FerrCol. Thalia-Thealer. Dresdcncrstr. 72/73. Slmt IV 4440. Ans. T'/j llhr. Direktion Jean Kren Heute Donnerstag und Sonnabend: Der Verschwender. Karfreitag: Gro*ses Konzert. An allen drei Oslerseiertagen. nach- mittags Z'/z Uhr: Lbarle/s Tante. Velle-Allianee-Thealer. Belle-Allianccstr. 7/8. Amt VI 283. und Allred Schönfeld. Ans. 71;8 Uhr. Heute Donnerstag und Sonnabend: Der reichke Lerliiikr. Karsreitag: Grosse« Konzert. Sonntagnachm. 3 Uhr bei kl. Preisen: Die Ritnber. WM" noch 6 Cagc. CirUus Schumann. Heute Donnerstag, den Zi. März 1904, abends?'/, Uhr: rM- Zum ILO. Male:-»« Die große H» 1 Wanderung durch Ausstattungs-Pantomime mB<1 A« g Jahrtausende. Direktor Zllb. Schumanns hervorragende neue Dressuren. Die grbsste LbMendrcsMnr der Gegenwart. Herr Jul Seeth mit seiner Löwcnherde.— Und das neue Programm. Morgen Freilag geschlossen.— An beiden Osierfeiertagen je 2 Borstellunzen. Nachmittag: Nobert und Bertram, l Kind frei. Sonnabend, den 2. April: Benefiz- Abend und S40. Austreten des _ wcllbcrühmtcn Löwenbändigers Herrn Julius Seeth. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Frühlingstage an der Riviera. Um 4 Uhr: Aus dem Haushalt der freien Natur. Hörsaal 8 Uhr: Prof. M ü 1 1 o r Die Farben im Kampf ums Dasein. Sternwarte[Tvw. CASTANS IPANOPTICUM Friedrichstr. 163. 1 Afrika in Berlin!!! | T unesen=T ruppe. I Grosso V ölkcrschau. Die schönen Harems- Damen in Tnnis. Apollo-Theater. Donnerstag und Sonnabend: 16 erstklassige neue Specialitäten. Kzetastecf Anftrcten der Schlaftänzerin Magdalena. 1. Osterfeiertag, nachmittags 3 Uhr, Frühlingsluft und neue Specialitäten. Abends: Premiere: L/lebesgötter. 2. Osterfeiertag, nachm. 3 Uhr, FrUhlingslult und Specialitäten. Abends: L-icbesgötter. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Des fastors Me. HF~ Ansang 8 Uhr."90 Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Xuchtasyl._ HEUTE: 219. AUFFÜHRUNG. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr 30. Deutsch- Amerikanisches THEATER Köpnickerstrasse 67. Jeden Abend: Gastsp. Ad. Philipp Uobem GKO88EN TEICH. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7>/,. „Wie eiust im Mai." An allen Feiertagen abends 7'/, Uhr: Der Raub der Sabinerinnen und das Festprogramm. Sonntagnachinittag 4 Uhr:„Wie einst im Hai." Montagnachm. 4 Uhr: Der vertauschte Sohn. Carl Weiss-Theater. Bürgerliches Schauspielhaus. Direktion M. E. Fischer. Graste Frankfurter Strafte 198. Donnerstag u. Freitag: Geschloffen. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Aschenbrödel oder: Der filberne Pantoffel. Kindermärchen mit Ges. in 3 Bildern von Albert o. Hahn. Abends: Geschloffen. erage-TMöl. Anfang Sonnt. 3, Wochentags 5 Uhr. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Ganz Berlin schreit vor lachen bei dem Redestreit der beiden feindlichen Improvisatoren Holländer u.Steinitz. 14 erstklassige Nummern. Gebrüder Herrnfeld- ?,!? Theater.??- Kassierer Sockole Eine ungarische Dorsgcschichie von A. und D. Herrnseld. Anton Herrnfeid als Kroßschweiue- züchicr basrio Janas. Donat Herrnleid als Hausierer Jockele. Vorher Kaehtdienst Bild aus dem Berliner Leben von A. und D. Herrnseld mit Martin Bendix als„Nachlkolporicur Knolle", Donat Herrnfeid als„SUssel Holzer1'. Dienstag, den 5. April. Premiere von �in andern Morgen! Nachspiel zu»Nur eine Nacht-. Komödie von A. und D. Herrnseld. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen. Badstr. 58. Während der Charwoche: Gescbiosscn! Sonntag, 3. April(1. Osterseiertag): Der Raub der Sabinerinnen. Ansang 8 U h r. Montag, 4. April{2. Osterseiertag): ?eoh£chulze. Ansang 7 Uhr. Nach der Vorstellung: C*»'Q88Ci' Ball. e. Kr. Direlction: Robert Dill. Brnnnenstrassc 16. Heute geschloffen J Wiedereröffnung: Am ersten Osterfeiertag. An allen drei Feiertagen: KrosseTeslvorstellungen! Palast-Theater Burgstrafte 22. früher Feen-Palast. Von heute bis einschließlich 2. April wegen großartiger Vorbereitungen zu den Ofterseicrtagcn geschlossen. Sonntag, den 3. As.'ril 1904, nachmittags 3 Uhr: Bon Cäsar. Schauspiel mit Gesang in 5 Alten von Saar. Abends 8 Uhr Itt InlMii von Yvette Guilbert Orfordt Wunder-Elefanten. Paulton Radfahrer. Imro Fox Zauberkünstler. Madeleine de Nocä Sängerin. Prosper-Truppe Akrobaten. Gostantino Bernardi Verwandlungsschauspieler Miss Lonny Elastisch-equilibr.Akt. The Seidoms Plast. Darstellungen. Kellino-Truppe Italienische Akrob. Liebeswerben Pantomime. Cincinati Jongleur. Biograph. Fröbels Allerlei-Theater früher Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Am 1-, 2. und 3. Oster- Feiertag: Grosse Festvorstellung. Am 2. u. 3. Ost-rtag: tfarbnrger Sänger Nach der BorMung! Extra-Freitanz. An alle Zimmerer Berlins und der Vororte! Gemäß den Bestimmungen unsreZ Vertrages tritt vom 1. April d. I. eine Lohnerhöhung von 21l3 Pf. pro Stunde ein. Der Einhcitslohn beträgt alsdann 79 Pf. für die Stunde. Wir machen daraus aujmcrkjam und ersuchen alle Zimmerer, welchen diese vereinbarte Lohnerhöhung vorenthalten wird, dem Dm-esii des Centraiverbandes, Gewerkschaftshans, Engel-Ufer 15, Zimmer 32, Amt IV Nr. 2789, unverzüglich Mitteilung zu machen. 234/9__ Die\ erbandsleitnng. Sanssouci. Kottbuser Thor— Slat. der Hochbahn. Am t und 2. Feiertag: Humoristische Sojree HofTmanns Norddeutsche Sänger. Am 1. Feiertag zum 1. Mal: Beim kahlen Willem. Possen-Ensemble m Gesang Am 3. Feierlag: Das bemooste Raupt. Schauspiel in 4 Aken von Benedix. Am l. u. 2. Feiertage Anjaiig: Konzert 5 Uhr, Vorstellung 7 Uhr. Am 3. Feier- tage: 6 Uhr, Vorstell. Vl2 Uhr. Arn 2. und 3. Feiertage nach der Bor- stellung: T anzkränzchen. Beicht liallen er Säipr Ansang 8 Uhr. Königstadt-Kasino Holzmarktstr. 72, Ecke Zllcxandcrstraße. Grosse Extra-Vorstellungen: Vom Dienstag, den 29. März bis Sonnabend, den 2. Aprtl: Traum der Rose. Liederspicl in 1 Akt. Der Kapitän. Scemannskomödic in t Akt. Austreten sämtlicher Specialitäten mit Eranz Sobanski. Ansang der Vorstellung 8 Ubr. Dgf Karsreitag geschlossen.-MU Heute Donnerstag, abends 8'/-, Uhr, im Gewerkschaftshause, Eugrf-Ufer 15: Ziizeung der' Ortsverwaltung. jv- Vom 1. April befindet sich im Osten, Strastmannstr. 29. bei Karl Rott eine neue Zahlstelle. 81/12 Die Ortsverwaltmig. Vcrwaltnngsstclle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt lV, 3353. Acßrtung! Achtung! Der Feiertage wegen bleibt das Bureau am Freitag, den i. und Montag, den 4. April ganz, am Sonnabend, den 8. und Dienstag, den 5. April nachmittags geschlossen. Der Arbeitsnachweis ist an den vorbenannten Tagen ganz geschloffen. Achtitug! VsrtrsuenLleute. Wir ersuchen die Bertrauenspersoneu, bei etwaigem Wohnungs- Wechsel unter Bekanntgabe ihres Namens, Berufs und des Be- triebes wo sie arbeiten, ihre neue Wohnung unverzüglich mitzuteilen. 113/15* Die Ortsvcrwaitung. IX. Berliner Saison. CIrkus Busch. Große internationale Ringkampf-Konkurrenz um die Wettmeisterschaft.— Die besten Ringer der Welt. Es treten in Konkurrenz: Dez'ronse, der Löwe von Valencia gegen BiErard le Colosse(Frankreich) und der Entsekeiäungs-�ampf zwischen Cläment!e Terrassier(SSn) Sauerer(München). St®- Ausgeschieden sind»ach viermaliger Niederlage: Hermann Eigemann, Jean van Dyk, Palisotti. Theodor Lernrnerz, Paul le Meunier, Ewertsen und Witt.— Der Ningtamps beginnt'1,9 Uhr. Das letzte Wort!!! Schleife und Todessprung Vnjr Trete Volksbühne Sonntag, den 3. April, nachmittags 2'/. Uhr(Oster-Sonntag): Metropol-Theater| Dessing-Theater 1/2. Abteilung:| 4.15. Abteilung: Frau Warrans Geschäft.! Zapfenstreich. Montag, den 4 3/4. Abteilung: Frau Warrans Geschäft. April(Oster-Montag): 6./7. Abteilung: Zapfenstreich. Donnerstag, den 31. d. Mts., abends S'l, Uhr, im Gewerkschaftshause: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag: Dr. Max Osborn über Meunier(mit Lichtbildern). 2. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes, der Revisoren. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Der Eintritt ist nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der Karte gestattet. 228/13 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. .jpak Sportsljaus Müggelheim Fernsprecher: Amt Köpenick 18k. IM- Den geehrten Vereinen sowie Fabriken zur Kenntnis, daß ich mein Lokal durch Bau eines großen Saales so erweitert habe, daß ich den größten Gesellschaften zu Dampfer- sowie Landparlien Platz bieten kann.— Verpflegung wie Bedienung in bekannter Güte. 46112* W. Troppens. Kuchhandlung vorwärts Berlin SW.68, Cinbcnftr. 69. nieder mit den Sozialdemokraten von Wilhelm Bracke istsoebm inneuerUeberarbeitmig herausgegeben. Preis 10 Ptg. Porl» z Ptg. „Nieder mit den Sozialdemo« traten" ist eine der ältesten, aber noch immer wirkungsvollen Agi- tationSbroschüren für die ländliche Bevölkerung. Bracke hat die land- läusigslen Vorwürfe, die gegen unsre Partei erhoben werden, in volkstümlicher, allgemein ver- ständlicher Weise widerlegt. Die Märchen vom.Teilen", von der „Zerstörung der Familie und Religion", die auch heule noch in entlegenen Gegenden von unfern Gegnern kolportiert werden, sind in überzeugenden Worten zurückgewiesen. Achtungsvoll fcste Te«. giebt > � MERKUR Vorzügliche Daiierbrand- Billigstes Kessel- ood Feuerung. Heizmaterial MERKUR giebt die hhchste Temperatur! MERKUR 4339L* Alleinverkauf lür Berlin und Provinz Brandenburg durch: Dahlmann& Co., Berlin VW., Holsteiner Ufer 8. Damen-Konfektion direkt aus der Fabrik. s Kein Laden. Jetzt nach be- endeter Engros» Saison Finul- Verkauf enorm billig. Paletots, Jacketts, Capes, Kostüme, Kostümke, Mädehenmäntei. __ Gegen Vorzeigung dieses Inserats an der Kasse werden 5"/o extra vergütet. Robert Baumgarten Haasvogtelplatz 11, II. Et. (Ecke der Jerusalemerstraße.) Auch Sonntags geöffnet! 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Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater Hermann Hagen nach langen Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des neuen Kirchhoses Gaillardstraße in Pankow aus statt. Die Irauermte Vlitwe nebst Kindern. „Weddinger Harmonie." Am 29. d. MtS. starb nach langer, schwerer Krankheit unser allverehrtcr Sangcsbruder, der Schlosser Hermann Hagen an Rückenmarkleiden. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag- nachmittag 2°/, Uhr vom Pankower Begräbnisplatz(Gaillardstraße)laus statt. 137b Treffpunkt für Sangesbrüder: Pankow, Restaurant Hönisch, Flora- und Wollankstraßen-Ecke. Allen freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe Gattin ft'tecla Bünger geb. Witzke am 29. März nach kurzem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den I. April, nachmittags 4 Uhr von der Halle des Rhrdorfer Kirchhofes, Mariendorser" Weg. aus statt. 128b I»»,,!»linge»-, Tischler, Nixdorf, Lestingstr. 16. vr. LZminel, Specialarzt für s76/1g» Ifant- und Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12 2—4. Allen Verwandten und Freunden die traurige Nachricht, daß unser Oskar am Montagabend gestorben ist. Einll Schmidt und Frau. Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag SJ, Uhr aus dem Friedhos der Chäritec statt. Danhiiasuns. Für die liebevolle und zahlreiche Beteiligung anläßlich der Beerdigung meines Mannes Oshar Hain sage ich allen Teilnehmern und auch den Kollegen aus der Allg. E.- G. (Brunnenstraße) hiermit meinen besten Dank. Frau Anna Hain, Nieder-Schönhauscn. Am 29. März verstarb nach langem Leiden unser Mitarbeiter, der Buchbinder frii? Stappenbeck im Alter von 28 Jahren. Ehre seinem Andenken! Ort und Zeit der Beerdigung wird in nächster Nummer bekannt gegeben. 4740L Das Personal der Biicinlriielterei Paul Singer& Co. Kunstl/Zätme radelleie Ausführun��* von Sr�.PlombenY�Mk.an. Gii«S.rATLausil-zep UhftCl, Plahz 2. Vofzeiget-aßs&erhäll- HMk.Errassigung bei�iwag v.OT- Mk., unter 20- 2Mk Teilzahlung gestattet. 'n a"en �VUl6 Preislagen. R. Weidner, Dresdenerstr. 100. an der Prinzonstrasse. 4725L* Partei- Speditionen: Bet-lin zweiter Wahlbreis: Hermann Werner, Mittcnwalder« straße 30, v. part.— Hritter Wahlkreis: S t. Fritz, Prmzenstr. 31, Hos rechts part.— Vierter Wahibrei« O.: Robert Vcngels, Gr. Franffurterstr. 133, Hos part.— 80.: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 (Laden).— 8eeh-iter Wahlkreis(Hoahit): Karl Anders. Salzwcdclerstr. 8, im Laden.— Weddinft und Oranienb urjjei* Vorstadt: Emil Stoltzenbnrg, Wicscnstr. 41/42.— Hoaen- thaler Vorstadt. Gcsnndbrnnnen. Reinickendorf(Ost und West), Wiihelmsrnh und 8chUnholz: Hermann Raschle, Rügencrstr. 24, vorn part. links.— Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Alt-«iienicke: W. 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