Ur. 78. RbonntmentS'Bedinaungen: SSonnemenH. PreiZ piänumeranda j DieitcljShrl. 3,30 HJif, monotl. 140 Mk, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 21. Jahrg. Crfdftlnt täglich außer tilontag», Devltnev VolksMÄtk. Dl« InfcrtlonS'Gcbüljr iekSgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» und VersammlungS Slnzeigen 25 Pfg. „Kleine Hnzeigcn", das erste(fett» gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in dcrExpcdition abgegeben werden. Die Expedition ist an Bochen- tagen bis 7 Uhr obendS, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-Wrcfse: „SozIalßtiMkrat Rerlin". Zentralorgan der fozialdetnokrattfcben Partei Deutfcblands. Redaktion: SRI. 68. Lindcnstrasac 69. Kernsprecher: Sfcnt IV, Nr. 1983. Expedition: SRI. 68» Lindenstraeae 69. Fernsprecher: Amt lV. Nr. 1984. Des heutigen Feiertags wegen erscheint die nächste Nummer unsres Blattes Sonntagmorgen. „In k. und k. Diensten". AuS Wien wird uns voin 29. März geschrieben: Die Bilse-Litteratur hat nunmehr auch auf Oestreich übergegriffen. Vor einigen Tagen ist unter dem Titel:„In k. und k. Diensten" ein Buch erschienen, dessen Inhalt geeignet wäre, Aufsehen zu machen, wenn man nicht gegen die militärischen Korruptions-Sensationcn bereits einigermaßen abgestumpft wäre und wenn es nicht überdies den Ausländern gar so schnuppe wäre, wie es in der schwarzgelben Armee aussieht. In Oestreich selbst aber bleiben solche Skandal- euthüllungen schon deshalb wirkungslos, weil die bürgerliche Presse zu feig uud zu indolent ist. davon Notiz zu nehmen.„In k. u. k. Diensten" ist wie alle Bilsebücher ein litterarisch wertloses Mach- tverk und der Verfasser hat im Gegensatz zu seinen reichsdeutschcn Kollegen sogar darauf verzichtet, eine litterarische Pose einzunehmen. Er erzählt keinen Schlüsselroman, sondern einfach nackte Thatsachen, ohne die geringste poetische Ausschmückung. 5tai>ni daß er sich Muße nimmt, die Namen der geschilderten Personen zu verhüllen: man braucht nur den Militär-SchcmatiSmus(die„Rang- und Ouartierliste") aufzuschlagen und man wird sofort sehen, daß der weiland Oberst und gegenwärtige General Sprech nitzer nach der genauen Personbcstimmung, die uns das Büchlein giebt, niemand andrer sein kann, als der Generalmajor Otto Bresnitzcr, dem die oberste Leitung des östreichischenMilitär-Gestütswesens anvertraut ist. Ebenso leicht ist es natürlich, den Oberstlieutcnant H 0 l l e r als den Oberstlieutcnant Hall er, oder den Rittmeister Hawelol als den Nittmeistcr Havelka zu agnoscicrcn. Kurzum— das ganze Buch ist darauf angelegt, die getroffenen Personen zur Klage zu provozieren, und wie man heute erfährt, ist diese Klage auch bereits eingereicht worden. Was so Schlimme? ereignete sich nun im Offiziercorps des 3. k. u. k. Train-RegimentS. daß es einem Eingeweihten Anlaß geben konnte, nach den Lorbeern BilseS zu langen? DaS läßt sich schwer in wenigen Worten sagen. Man kann nur schlicht erklären, daß die Forbacher Zustände ein reines Schäfcridyll sind gegen diese Schweinereien, die sich nicht in kleinen vergessenen Grenzstationen, sondern im Lichtkreise der größten östreichischen Garnisonen, direkt unter den Augen der Corpskonmiandanten von Prag, Krakau und PrzemhSl abgespielt haben. Nach den Thatsachen, die der Verfasser anführt und die er alle vor Gericht belegen will, zeichnet sich das Offizierscorps des 3. östreichischen Train-Regiments auf folgenden Gebieten aus: Suff, Hurerei, Diebstahl. Vernntrenung, Erpressung. eheliches Zuhältertum, Denwiziation, Ausspähung der Kameraden, niedrigste Gesinnung. Mißbrauch der Dienstgewalt zu privater Ranküne, Nachlässigkeit im Dienste, brutale Strenge gegen die Mannschaft. Mißhandlungen, Unwissenheit, Unfähigkeit in allen Dingen des militärischen Dienstbetriebes. Sogar ein Kinder- s ch ä n d e r ist vorhanden, der sich seiner Heldenthaten unter dem Beifall der Kameraden rühmt. Sehr interessant ist, was der Verfasser über die Behandlung der Mannschaft erzählt. Als er selbst noch Einjährig-Freiwilliger war— er blieb später als Offizier beim Regiment— war er cimnal Zeuge, wie ein roher Wachtmeister an einem Soldaten die Strafe des Au- biudcns vollzog. Der Menschenschinder niachte daS so, daß daS arnte Opfer in wemgen Minuten besinnungslos war. Da nahm der Wüterich einen Kübel Wasser und goß den Inhalt über den Delinquenten.„Soll er hin iverden", meinte er dann gleichmütig. An einem sehr drastischen Beispiele zeigt der Verfasser, was für eine tolle Farce daS sogenannte Beschwerderecht ist. Ein Soldat will sich über seinen Rittmeister, nebenbei bemerkt den größten Schurken der ganzen Verbrechergalerie, beschweren. Der schurtische Rittmeister ist ein guter Reiter mid daher bei seinem Vorgesetzten, dem Oberstlieutenant Holler(Haller), der selbst als hippologischer Fachnumn in der Armee einen gewissen Ruf besitzt, sehr gut angeschrieben. Oberstlicutenant Holler hört den Soldaten gar nicht an. sondern läßt ihn sogleich wegen eines Formfehlers bei der Meldung in den Arrest führen. Der Soldat will nach Verbllßung der Strafe doch seine Beschwerde vorbringen und wird nun. ehe er zu Worte kain, wegen eines angeblichen AdjusticrungSfehlers in den Arrest gesetzt. AlS er das dritte Mal beim Eskadronsrapport erscheint, wird über ihn die barbarische Strafe des AnbindenS verhängt, und nun giebt er eS endlich auf, sein Recht zu suchen. Der Oberst dieses Regiments, der gegenwärtig General und Leiter der Gestütsbranche ist, soll ein so hervorragender Fach- mann sein, daß er ein vierjähriges Pferd von einent zwanzigjährigen nicht unterscheiden kann. Wegen seiner geistigen Eigenschaften, zu- mal wegen seiner Unfähigkeit, in den einfachsten Dingen der Militär- Wissenschaften Bescheid zu geben, aber auch wegen seiner jüdischen Herkunft neimt man ihn allgemein den„dummen Davidl". Den Ehrenrat einer Division schildert der Verfasser folgendermaßen: Präses: Rittmeister Balthasar, rangältester Ritt- meister der Division, lebt seit Jahren im Konkubinat, ist bis über die Ohren verschuldet und auf ein Drittel Gage gesetzt; er war früher Weinmeister der OffizierSmcnage und hatte in dieser Eigenschaft große Verluste auszuiveisett. infolge welchen Um- standes heute noch in der Messe schlechter und obendrein ge- wässerter Wein getruuleit wttdklt muß, um den Verlust nach und nach hereinzubringen. I 1. Mitglied: Rittmeister Beutel, Semit, aber trotzdem derjenige, der auf seine Ehrenstelle noch am ehesten Anspruch zu erheben berechtigt ist. 2. Mitglied: Oberlieutenant K ü st c r, Adjutant uud als solcher selbstverständlich Sprachrohr und Echo des Komman- danten, obwohl er in Abwesenheit seines Herrn und Meisters diesen gemeinschaftlich mit dem Adjutantur- Wachtmeister mit Kosenamen wie dummer Kerl, Tepp ttsw. belegt. 3, Mitglied: Lieutenant Wodupiel, ein bartloses, kaum den Windclit entschlüpftes Büblein: besondere Eigenschaft: großer Säufer, verspricht es in dieser Beztehtntg noch weit zu bringen. Der Verfasser des Buches„In k. und k. Diensten" war durch neun Jahre Offizier beim 3. Traiii-öiegimcnt uud zum Schluß Eskadronschef. Er scheint ein unabhängiger Mamt zu sein und genießt unter den Sportlcutcn einen Ruf als erfolgreicher Herren- reitcr. Er ist also nicht zufällig in das„ritterliche" Milieu hinein- geraten, sondern ist ebenso wie der Graf Baudissin in den Sphären, aus denen tnan die„Führer der Nation" holt, aufgewachsen. Um so beachtenSlverter ist die heftige Anklage, die er erhebt, und der k. und k. Moloch wird diesen Ankläger nicht so ohne weiteres abschiitteltt können._ poUtilchc deberfiebt. Berlin, den 31. März. O, welche Lust, Soldat zu sein. Im ersten Vierteljahr 1991 wurde die gerichtliche Aburteilung von 63 militärischen Borgesetzten wegen Mißhandlung, vorschrifts- widriger Behandltnig und Beleidigung von Untergebeiten bekannt. An Strafen wurden dabei ausgesprochen 8 Jahre 10 Monate 18 Tage Gefängnis, 1 Jahr 6 Monate 11 Tage mittlerer Arrest, 1 Monat 24 Tage gelinder Arrest, 3 Monate 12 Tage Festungshaft, 1 Monat 21 Tage Stubenarrest, 5 Degradationen, 2 Tienfteut- laffungen. Der Freiheitsentzug beträgt im ganzen 11 Jahre 4 Monate 26 Tage. Ans Preußen treffen 6 Jahre 4 Monate 3 Tage Gefängnt-S, 1 Jahr 1 Monat 4 Tage mittlerer Arrest, 29 Tage gelinder Arrest, 8 Monate 12 Tage Festungshaft, 14 Tage Stubenarrest, 4 Degra- dationen. 2 Dienstentlasitingen(41 Vorgesetzte); auf Bayern 8>/�Monate Gefängnis, 3 Monate 6 Tage mittlerer Arrest, 3Tagegeltnder Arrest, 37 Tage Stubenarrest, 1 Degradation(10 Vorgesetzte); auf Sachsen 1 Jahr 10 Monate Gefängnis, 2 Monate 1 Tag mittlerer Arrest. 22 Tage gelinder Arrest(12 Vorgesetzte). Von den Bestraften seien die Osfiztere und jene Unteroffiziere genannt, die sich am schwersten verfehlt haben. »> Offiziere: Oberlieutenant v. Kun o w s ki vom preußischen Jnsanterie-Regiment Nr. 94 sechs Wochen Festungshaft: Oberlieutenant Karl Schulze 14 Tage Stubenarrest: L je ii t f n a u t v�.S ch w c i»ich eil Jjom Metzer Königs-Jnfantcrie- Uegiment_ 1 Jrchr- 4. Monat Feiiniigshaft." DtenstfiiiräsfiiVig• LieriTenaut Müller vom prcnßiichcn Jnfantcric-Regiment Kronprinz 4 Monate Festungshaft, Dienstentlassung: Lieutc« nant Wilhelm v. Germer 2 Monate Festungshaft; Lieutenant Wilhelnt Walter vom 17. bayrischen Jnfanteric-Regiment 35 Tage Stubenarrest; bayrischer Reserve- lieutenant E y ß e n 2 Tage Stubenarrest, d) U n t e r o f f i e r e: Sergeant Becker vom preußischen 21. Pionicr-Bataillon ein Jahr Gefängnis und Degradation, Gefreiter Kahl über 100 Fälle ein Jahr Gefängnis, V i c e w a ch t m e i st e r Klein michel vom Feldartillerie-Regiment Nr. S7 ein Jahr Gefängnis, keine Degra- dation; Unteroffizier Brand mann acht Monate Gefängnis und Degradation, Unteroffizier Zelle vom preußischen Infanterie- Regiment Nr. 94 fünf Monate Gefängnis, Degradation, 42 Fälle. Bei der Verhandlung gegen den Unteroffizier Brandt vom preußischen Jnfanterie-Regimeut Nr. 35 wurde die Oeffcntlich keit ausgeschlossen. Warum toohl? In Bayern ist der höchstbestrafte Unteroffizier der Unteroffizier Bechtold vom 6. Chevauxleger-Regiment mit 6V3 Monaten Gefängnis, Degradation; in Sachsen ist eS der Feldwebel Krüger mit 1 Jahr Gefängnis und Degrada- tion. Bemerkenswert ist in diesem Vierteljahr folgendes: Der er- wähnte Lieutenant von S ch w e i n i ch e n beleidigte in der Trunkenheit einen bayerischen Feldwebel, mißhandelte einen w a ch t- habenden bayrischen Gefteiten, warf einen bayrischen Artillc- risten aus dem Bett und legte sich selbst hinein, um seilten Rausch auszuschlafen. Auch eine Blüte der Nation, ein erstklassiger Mensch! Lieutenant Krause vom preußischen Jnsanterie-Regiment Kronprinz war wegen Mißhandlung angeklagt, aber das Urteil war nicht eruicrbar, da die Berichterstatter zu Beginn der Verhandlung nicht nur den Gerichtssaal, sondern auch das Gericht sgebäu de Verlaffen mußten und sich daher zur Urteilsverkündung nicht rechtzeitig ein- finden konnten. Es sieht gerade so aus, als ob hier schreckliche Vorkommnisse Gegenstand der Verhandlung gewesen wären. AuS Bayern und Sachsen sind leider zwei besonders milde Urteile zu melden. Der Unteroffizier Hans H a b i n g e r des bayrischen 1. Jnsanterie-RegimentS stieß einen Mann mit dem Gewehr- schaft(!) an den Kopf und erhielt dafür nur zwei Monate Gefängnis. Der Unteroffizier Heidrich vom sächsischen Infanterie- Regiment Nr. 177 mißhandelte fast seine ganze Korporalschaft und drangsalierte einen Rekruten derart, daß er sich vom ersten Stock in den gepflasterten Kasernen- hos hinabstürzte, wo er schwerverletzt liege» blieb. Der Unteroffizier kam mit nur 4 Monaten Gefängnis davon. Degradation wurde nicht ausgesprochen. Angesichts solcher Urteile nimmt sich die Versicherung des Kriegs- ntinisters, in der Armee werde die Bckämpftmg der Soldaten- Mißhandlungen mit allenKräften betrieben, wunderlich aus.— Gegen die Hcrero-Bcrleumdungen wendet sich im..Reichsboten" P. Hauslei tner, der Inspektor der Rheinischen Mtssionsgesellschast. Derselbe schreibt u. a.: „Wenn jetzt allerlei heidnische Grausamkeiten verübt worden sind, so ist das sehr zu beklagen. ES darf aber nicht allen Hereros zur Last gelegt werden. Die.Hinschlgchtnnz wehrloser Frauen ist bis jetzt noch in keinem einzigen Fall nachgewiesen; ivohl aber verdankte eine ganze Reihe der armen Farmers Witwen ihre Rettung einzelnen Hereros und den Missioiiareit." liebet den schon erwähnten BesfialitätSakt eines„Kultur- Pioniers", der einem eingeborenen Knaben den Schädel ein- schlug, wird berichtet: „Der Deutsche, der kurz vor dem Aufstaude in Okahandja einem eingeborenen Knaben die Schädeldecke im Zorn einschlug, war nicht ein akttver Soldat, sondern ein ortsansässiger deutscher C i v i l i st, dessen N a nt e n wir wissen, und über desien am 17. Dezember 1903 erfolgte Verurteilung das dortige kaiserliche Gericht Auskunft geben k a n it." Leider teilt der Verfasser das Strafmaß nicht mit. Wie geringfügig durch Weiße begangene Körperverletzungen in Südwestafrika bestraft werden, beweist die Kriminalstatistik für 1902/1903. Von drei Bestraften wurde nur einer zu einem Monat Gefängnis verurteilt,' die beiden andern kamen mit Geldstrafen davon!— Weitere Trnppeuiiachschülie nach Südwestafrika. DaS„Berliner Tageblatt" schreibt: „In der Presse sind verschiedentlich Mitteilungen aufgetaucht. eine tvcitere Verstärkung der Schutztruppe für Deutsch-Südwcstafrila nach dem Abgang der letzten Abteilung am 7. April werde be« abfichtigt. Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, ist diese Meldung unzutreffend. Eine solche Absicht ist bei den leitenden Kolonialkreisen nicht vorhanden. Die Frage, ob noch weitere Truppen nach der Kolonie entsandt Iverden sollen, überhaupt in Erwägung zu ziehen, liegt zur Zeit keine Veranlaffiing vor. Selbstverständlich ist es nicht u n- möglich, daß der Gouverneur weitere Forderungen erhebt. Vielleicht erweist sich eine Verstärkung der Schutztruppe nötig nicht sowohl infolge einer Schwächung der vorhandenen Streitmacht durch Gefechte mit den Hereros, als vielmehr infolge einer Verringerung der Zahl der kampffähigen Truppen durch klimatische Einflüsse und die Malaria, die namentlich bei der notwendigen Zusommendrängung größerer Truppenniaffeu kitfit einen nicht unerheblichen Teil der Truppen außer Gefecht setzen töimte. Indessen wird abgewartet werden müssen, ob diese Möglichkeit eintritt und in welchem Umfange sie eintritt." Sehr vertrauenerweckend klingt dies freilvillig offiziöse Dementi gerade nicht!— Toleranz? Ein dokumentarisches Seitenstiick zum Kopp-Prozeß veröffentlicht der BaSler„Vorwärts". Es ist das Schreiben eines katholischen Geistlichen an die katholische Braut eines protestantischen Arbeiters. Es lautet: Dr. Jos. Ant. Keller. Gottenheim, I. Febr. 1904. Gelobt sei Jesus und lvkaria! Gratuliere Dir Agatha zum hl. Namenstag! Möge Deine große Namenspatronin Dir Licht lind Stärke er- flehen an Gottes Thron. Deine Verlobungskarte hat hier keine Freude gebracht,— erhielt sie von Kathriner H.— sondern Bestürzung. Was, eine» Protestanten willst Du heirate»?!! St., der alte Sünder, ließ sich lutherisch trauen, er ist schrecklich ge- storben!! Aber die Frau St. gab es nicht zu, daß Franz eine Protestantin heiratete, weil sie wußte, daß es noch keine glückliche gemischte Ehe gegeben hat und keine gebe» wird, weil sie im wichtigsten, in der Religion, nicht einig sind. Sehe, tvas ich Dir beigelegt habe, erhältst bald noch ein Büchlein von mir darüber. Weißt, wie ich Nachsicht mit Dir hatte zur Zeit des Erstkomnmnions-Unterrichts? Weißt Du noch, was Du bei Deiner ersten heiligen Kommunion versprochen hast? Und jetzt willst Du lutherisch werden! Dem abscheulichen Martin Luther anhangen! Hast Du noch Verstand? Der Wahn ist kurz, die Rene aber lang. Die erste Verantwortung trifft Deine Eltern, weil sie duldeten, daß Du bei Protestanten in Dienst tratest. Aber scheint's. Du hast nicht gefolgt: Dein Vater wollte Dich zu Hause haben. Aber Dn hast 4 Jahre schon mit einem Protestanten Umgang. Entsetzlich!! Schreibe dem Alfred Vi., wenn er Dich wirklich lieb hat, solle er katholisch werden, sonst habe er nur eine fleischliche Liebe, die nur kurze Zeit dauert. Georg B. machte es auch so, der die Anna M. hier heiratete, wie du weißt. Im nahen Einsiedcln sind ihrer viele iatholisch geworden, dort soll er auch katholisch werden, dann hat's kein Hiildernis mehr und dann könnt ihr euch in Gottenheim mit Ehren sehen lassen. Verstanden? Will er das nicht, dann fort ans dem lutherischen Grenzach, wo viele schuftige Katholiken wohnen, die vom Glauben abgefallen sind, was die größte Sünde ist; fort aus dem Wirtshaus. Es ist Dem lintergang. Wie kannst Du 6—7 Jahre in einem protestautischc» Wirtshaus bleiben?? Du bist verweltlicht und leichtsining geworden, Agatha! Wir beten für Dich mit ausgespannten Armen. Die Luise Sch., die leichtsinnige, ist auch hinciiigetappt I Wie wird'S die noch reuen. Wir haben traurige Beispiele in Grenzach, daß zwar die katholische Erziehung derKinder versprochen, aber nicht gehalten wurde. Welches Unglück dann für den katholischen Eheteil I O, der un- glückliche äiaver H. dort! So»lachet ihr Gottenheimer eurem Geburtsort Ehre!! Komme auf Fastnacht hierher, deine Eltern. Geschwister, erwarte» dich. Fori aus dem Grenzach I Der liebe Gott wird dich nicht stecken lassen, wenn du jetzt folgst. Wir meinen es gut mit dir, du bist auch noch jung. So pressiert'S nicht mit dem Heiraten. Oder doch?! DaS Heiraten ist ein gar ernster Schritt I Dir, o liebe, keusche Maria, empfehlen wir diese Agatha W. Wende ihr einen gütigen Blick zu. daß sie keinen Protestanten heiratet! Wann warst zum letztenmal, zu Wyhlen in einer heiligen Messe? O Maria, immer hilf? O Jesus, laß dein heiliges Blut an dieser Seele nicht verloren gehen.— Wenn die Leideiischaft vorbei ist, dankst du Gott, daß wir dich gerettet haben. Bete beständig, Agatha, bete, bete! Gruß! In Eile. Dein betrübter Seelsorger Dr. Jos. Keller. NB. Bekommst hier Gelegenheit zum Heiratet«! Die Agatha hat hoffentlich Verstand genug gehabt, um den schäumenden Prediger der Toleranz recht herzhaft auszulachen! � Tie Enthüllung?!! des Kvpp-Prozesse-Z erpressen der„Kölnischen VolkSgeitimg" folgendes interessante Gc- ständnis: „Wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß der Herr Kardinal- Fürstbischof von Breslau richtig gchandelr hat.'indem er den !--trasantrag gegen den„Gornoslazak" zurückzog, nachdem ihm das radikalpolnische Blatt volle Genugthuung gewährt hatte, so toücdch die Haltung der kulturlnmpferischcn und hakatistischen Presse diesen Beweis liefern. Auf der ganzen Linie dieser Presse jammert man über den unerwarteten Ausgang des Prozesses. W a rum? Weil man noch mehr unliebsame Zeugen- aussagen c r!v a r t e t, welche sich zu kulturkämpfe- r i s ch e r Hetze v er werten ließen, weil man sich von dein Austrag des Prozesses eine noch größere Verbitterung unter deutschredenden und p o l ni sch r e d e n d e n Katholiken in O b e r s ch l e s i e n versprochen, weil man gehofft hatte, eine Verständigung zwischen den besonnenen Elementen unter den polnifchredenden Oberschlcsiern rmd dem Eentrum würde noch mehr erschwert worden sei«.* Die„Kölnische VolkSzeitung" giebt also zu, daß weitere Zeugenvernehmungen die Zustände aus dem schlesischcn Himmelreich noch ungeheuerlicher hätten erscheinen lassen. Kopp hatte also recht, rechtzeitig den Borhang über diese Enthüllungen fallen zu lassen I DaS ist wenigstens ein ehrliches Bekenntnis zur D un k e lm ä nn c r m o r a l I— Eine„amtliche" Statistik über die Ergebnisse der LaudtagSwahleu i» Berlin wird von einer Anzahl von Blättern verbreitet. Nach dieser Statistik soll die Socialdcmokratie bei der Landtagswahl in Berlin circa IVlXK) Stimmen mehr erhalten haben, als bei der NeichstagSwahl I Im dritten Landtags-WahlkreiS— der den sechsten und einen Teil de-Z fünften Reichstags-WahlkreiseS umfaßt— sollen 102 000 soeialdemokratische Stimmen abgegeben worden sein, während nach von socialdemokratischer Seite aufgestellten Berechnungen nur ca. 53 Mi) soeialdemokratische Stimmen abgegeben worden sind. Die „amtliche" Statistik ist in allen Punkten falsch, sie giebt nicht einmal die Zahl der Wahlberechtigten annähernd richtig an. Sonderbar ist nur, daß die betreffenden Blätter diese Unrichtigkeiten nicht selbst sofort entdeckt haben!— Mnjestätsbelcidiguilg einer Greisin. Aus München. 20. März, wird uns geschrieben: Die 01 Jahre alte Schauspielerin HMarie Elise O b e r m a i c r spielte nicht selten eine Rolle im Ge- richtsfaalc. Sie ist circa zwanzigmal vorbestraft und hatte sich gestern wiederum wegen Kuppelei, Betruges und Majestätsbcleidigung vor dem Landgericht zu verantloorten. Sie giebt an, ehemals die Maitresse des verstorbenen Herzogs Max zu sein, dessen allzu große Borliebe für das Ewigweibliche allerdings bekannt ist und auf dessen nunmehr in Besitz einer Gesellschaft übergegangenen Grundkomplex die Münchcncr Socialdcmokratie heuer zum erstenmal ihr Maifcst feiern wird. lieber den Prinzrcgcnten machte sie gutcii Freundinnen gegen- über mehrere despektierliche Aeußerungcn, die der Staatsanwaltschaft denunziert wurden. Einem liebesdurstigen Studenten knöpfte sie 1» M. ab. indem sie ihni eine Offizierswitive zuzuführen versprach. Wegen dieser und einiger BctrugSrcate erhielt die Ober maier ein Jahr Gefängnis. Ter Student, der sich um die Zeugcnschaft drückte, erhielt eine Ordnungsstrafe von 20 M.— Die„schwarze Kommission" in der Kaserne. Vor dem Kriegs- gericht der 38. Division in Erfurt hatten sich Mittwoch zwei Ge- freite mrd vier Gemeine von der 2. Batterie des Artilleriercgiments Nr. 10 in Erfurt wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit gefährlichem Wertzeug zu verantlvorten. Am LS. Februar war auf einer Maimschaftsstubc eine Schlägerei ausgebrochen, bei der der Kanonier T r i m p e r einen Kameraden mit einem Schemel imd einem Waschbecken auf den Kopf schlug. Trotzdem die Sache sofort gemeldet wurde, konnten die..Kameraden" das Urteil nicht ab- warten, sondern bildeten das Feingericht, so sich„schwarze Korn- Mission" nennt und ließen dein Trimper mitteilen, daß ihn am Abend diese Komnnssion besuchen«verde. Abends um 10 Uhr, als der Kanonier schließ erschienen die sechs Mann, zogen ihn anS dem Bett und legten ihn auf eine zurechtgestellte Kiste und be- arbeiteten ihn mit Klopfpeitschen. Alle sind geständig und wolleil diese That begangen haben, weil sie unter dem Verhalten des Tr. zu leiden hatten. Der Vertreter der Anklage verlangt, daß auf Gefängnisstrafe erkannt werde, damit diese„unerlaubte»selbftiustiz" in den Kasernen beseitigt werde. Er beantragte gegen fünf je zwei Wochen und gegen den letzten, vorbestraften, drei Wochen Gefängnis. Das Gericht erkennt auf fünf und sieben Tage Gefängnis.— II n d mit solchen Strafen will mau die„unerlaubte Selbstjustiz" ausrotten?!— Ei» Soldatcnquäler erstell Ranges ist der 1881 zu Rhäsa bei Meißen gebornce Unter- ofstzier Heidrich von der 1. Coinpagnie des Dresdener 12. Infanterie- Regiments Nr. 177, der seiner Zeit vom Kriegsgericht wegen Miß- handlmig und vorschriftswidriger Behandlung von Untergebenen in vielen Fällen sowie wegen Anstiftung Untergebener zur Begehung einer g e m e i n? ch a s t l i ch e il Körperverletzung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Der „Stellvertreter Gottes" hatte während der letzten Rekruten- allsbildniig mit Ausnahme eines einzigen Mannes seine ganze Korporal schaft in der gerueiilsteu Weise behandelt, indem er die Leute mit d c n F i n g e r n in die Backen kniff, ihnen mit einem Buche i n s G e s i ch t schlug, Nippeustöße versetzte, absichtlich mit dem Stiefel beim Exerzieren auf die Fußspitzen trat and die Leute an den Ohren zog. Ganz besonders weiß der Rekrut Kopp ein Lied von den Brutalitäten zu singen. Am Abeild des 18. Januar verübte Kopp in seiner Verzweiflung einen Selbstmordversuch. Er sprang zmn Fenster des ersten Stockwerkes der Kaserne hinaus auf den gepflastcrlen Hof hinab, wo er schwer verletzt und blutüberströmt liegen blieb; er hatte sich einen mehrfachen Bruch des Unterkiefers und einen Bruch des linken Oberarms sowie eine Ouetschuug der Halswirbelsänle zu- gezogen und schwebte längere Zeit in Lebensgefahr. Gegenwärtig iiefindet er sich noch im Garnisonlazarett und es ist fraglich, ob er wieder dienstfähig werden wird.— Gegen das kriegsgerichtliche Urteil hatte der Gerichts Herr Beruf uilg eingelegt, weil H. in einigen Punkten freigesprochen worden'war. im übrigen aber, weil dem Gerichtsherrn die Strafe zu gering e r s ch i e n und Iveil nicht auf die Ehren st rafc der Degradation erkannt lvordcil war. Der Vertreter der Anklage, KriegSgerichtsrat Justizrat Reiche- Eisenstuck führte zur Begründung aus, daß der Angeklagte nach dem Bewcisergebnis zweifellos daS Zeug dazu habe, ei» Soldaten- schulder ersten Rmilies zu werde«. Aus der Häufigkeit der Fälle innerhalb kurzer Zeit gehe hervor, daß er einen Hang zu Miß- Handlungen habe, daß er diese schon gewohnheitsmäßig betrieb. Gegenüber diesen Feststellungen verstehe er es nicht, wie der Vorder- richter sagen konnte, es handle sich immer nur um gering- f ü g i g e Mißhandlungen. Die Behauptung deS Kopp, der Unter- ofstzier habe eine persönliche Pike� gegen ihn gehabt, sei durch das Benehmen des Angeklagten erwiesen. Die meisten Mißhandlungen seien während des Dienstes passiert, mm stehe aber fest, daß'gerade Kopp der beste Exerzierer war, so daß nicht der geringste Anlaß vorlag, ihn niederträchtig zu behandeln. Durch die niederträchtige Behandlung sei K. schließlich zum Selbstmordversuch getrieben worden, der dem Angeklagten unter allen Umstanden mit zur Last gelegt werden müsse, ihn?, der trotz aller Warnungen vor Mißhandlungen in der Presse und durch seinen Hauptmann sein schändliches Treiben fortsetzte. Habe ihn doch erst am Mittag des verhängnisvollen Tages sein(iompagmechef verwarnt, Soldaten seien dock, keine Schulbuben, die man! an den Ohren ziehe. Nach alledem müsse er eine bedeutende Erhöhung der Freiheitsstrafe und die Degradation deantragen.— Dementgegen versuchte der Verteidiger darzulegen, daß mir Unlust zum Soldatenstande das Motiv zum Selbstmord- versuch des Kopp gewesen sei. Die Richter sollten sich nicht be- einflusseu lassen, wenn auch von einem gewissen Teile d c r Presse gegen den Angeklagten Stimmung zu machen versucht worden sei. Das Oüer-Kriegsgericht ging nur ivcuig über das erstinstanzliche Urteil hinaus, indem es auf vier Monate Gefängnis erkannte und dem Angeklagten noch zwei Wochen auf die Untersuchungshaft anrechnete. Bon der Degradation wurde abgesehen, da nach Ansicht deS BernfnngsgerichtS die dem Kopp vom Angeklagten widerfahrene Behandlung nicht der- art gewesen sei, daß die Ehrenstrase unbedingt geboten erscheine.— Der Herr Wachtiueister als Jagdabcntcurcr. AnS Halle berichtet man uns unterm' 28. März: Ein recht anmutiges Bild von der unumschränkten Herrschaft militärischer Vor- gesetzter entrollte vor dem Kriegsgericht der 8. Division eine zwölf- stündige Verhandlung gegen den Wachtmeister Reiuhold N ü n k e, den Sergeanten Ernst Voigt und den Gefreiten Otto O st e r- mann vom hiesigen Artillerie-Regiment Nr. 75. N. Ivurde des gewcrbS- und gewohnheitsmäßigen Jagens, des Mißbrauchs der Dieustgeivalt in vielen Fällen, des Ungehorsams, Voigr des einfachen Jagdvergehens, der unerlaubten Entfernung ec.. Ostermann der Begünstigimg deS Wachtmeisters, um diesen der Bestrafung zu entzichen, beschuldigt. Wachtmeister Rünle fand ein großes Vergnügen daran, in der Zeit von Mitte September bis Ende November vorigen Jahres mit den Krümperfuhrwerken des Regiments auf dem Artillerie-Exerzierplatz, den Fluren von Wörmlitz und Beesen umherzujagen und dort Hasen und Hühner zu schießen. Seine Untergebenen stellte er a l S Treiber und zum Aufsuche n des Wildes an, und wenn es ihm bclieble, lud er sich auch noch Freunde, unter andren den hiesigen Polizcibeanncn Fuchs, den Mitangeklagten Voigt zc. zmn Jagen ein. Wenn die Kanoniere zum Treiben bestellt winden, machten sie ein sehr vergnügtes Gesicht und raunten einander zu:„Ei, heute wollen wir wieder einmal ein bißchen Hasen umherjagen". Der Wachtnicistcr bestieg gewöhnlich in der Kaserne unter dem Vorwande;„die Pferde müssen eingefahren werden", das Krümkoupe mit Mantel und Mütze bekleidet, während der Fahrt kleidete er sich um und verließ dann das Geschirr a,n Jagdziel, mit Hut, Joppe und Jagdtasche angethan. Am 20. November wurde aber die muntere Jagdgesellschaft von dem Landgendarm Bock überrascht, und der Spaß hatte ein Ende. Der Wachlnieister bat den Gendarm, die Sache nicht anzuzeigen und vcranlaßte schließlich Untergebene, bei der Voruntersuchung die Un- Wahrheit zu sagen. So hatte er einen bei dem Treiben erwischten Kanonier veranlaßt, auszusagen, er habe nicht Treibcrdieuste ge- leistet, sondern auf dem Exerzierplatz seine verloren gegangene Uhr mit Kette gesucht. Der Angeklagte Voigt hatte bei der Vor- Untersuchung seine Teilnahme zunächst rundweg bestritten, und der Angeklagte Ostermann hatte ausgesagt, er habe einmal einen„der- artigen Schnupfen" gehabt, daß er den Wachtmeister in der Jagd- kleidung nichl hätte erkennen können. Der Anklagevertreter bedauert, daß es in solchen Fällen so schwer ist, die Wahrheit zu ermitteln. Wachtmeister Niinke hielt sich berechtigt, zu solchen Jagdpajsionen oder zu einem Spazierritt nach dem Rosengarten Dienstpferde ans dem Stalle entnehmen zu können. Der Berhandlmigsführer bezeichnete diese dem Gericht gemachte Zumutung als eine Unverschämtheit. Die Jagdbeute hatte der Wachtmeister ganz ungeniert guten Freunden, Bekannten, seinen Schwiegereltern ee. zutragen lassen. Der frühere Compagniechef des Wachtmeisters, Hauptmann Rauda, schildert Niinke als einen sehr zuverlässigen und tüchtigen Mann. Hauptmann R. tritt am 28. März seine Reise nach Afrika an, um gegen die Hereros zu kämpfen; er bedauert. Niinke nicht mitnehmen zu können. Dieser wäre dort der richtige Mann am richtigen Platz gewesen. Der Ankläger beantragte gegen Niinke sieben Monate Gefängnis und Degradation, gegen Voigt drei Wochen gelinden Arrest und gegen Ostermann fünf Tage Mutelarrest. Das Urteil lautete gegen Nünke auf drei Monate Gefängnis, gegen Voigt ans fünf Tage Mittelarrest und gegen Ostermann auf Frei- Waö ist konservativ? Eine authentische Erklärung des Begriffes „konservativ" giebt die„Kreuz-Zeitung". Konservativ sein heißt nach ihr„Sinn für Ordnung und Autorität entwickeln und die Dinge nehme», wie fie wirklich sind, nicht wie sie sei» sollen." Bisher war man der Meinung, die Konservativen hielten das was i st, auch für das, was sein soll. Die„Kreuz-Zeitimg" indes unterscheidet klug: Was ist, soll nicht sein, d. h. entspricht nicht den Wünschen der Menschen nach Verbesserung. ES soll aber trotzdem in, weil es— ist! Die„Kreuz-Zeitung" denkt zwar nicht logisch, aber sie denkt konservativ. Konservativ sein heißt die Erhaltung von Dingen anstreben, d i e n i ch t s e i n s o l I e n. Sonst sagt sie freilich, mau müsse das ganze öffentliche Leben mit chrisi- lichem Geiste durchtränke». Christlich sein heißt aber: die Dinge nehmen, wie sie sein sollen, nicht wie sie sind. Das ist schließlich der Sinn jeder Sittenlehre. Gesindesllaverei, Soldatenmißhandlungen, Lrotwucher, alle tausendfachen Formen der Unterdrückung und Aus- beutung sind Dinge, die sind, aber nicht sein sollen.— Die Kostenanschläge für die wasserwirtschaftlichen Vorlagen, die nach dem Osterfeste dem Landtage zugehen sollen, werden sich, Ivie verlautet, insgesamt auf 600 bis 700 Millionen belaufen. Die erste Beratung der Vorlage soll in die Etatsberatung eingeschoben werden.— Die Arbeitslosenversicherung ist eine Prämie für die Faulheit, so sagte, wie die„Deutsche Tages-Ztg." selbst zugesteht, Herr Major v. Loen iu einer Versammlung. Der adlige Agrarier führte aui den unerhörten Zustand, daß am Sonntag ein Fabrikarbeiter„mit Kind und Kegel" spazieren gehen könne, die Landflucht des Proletariats zurück. Statt diese Leute durch die Hnngerpeitsche in die bäuerliche Hörigkeit zurückzuzwingen, wolle man gar durch �eine Arbeitslosenversicherung auf die Faulheit noch eine Prämie setzen.— Ein Erfolg der Polcnpolitik. Die Herrschaft Chludowo im Kreise Posen-O'st, 070 Hektar groß, bisher der der- witweten Frau Alma v. Trcskow und deren Tochter gehörig, ist, wie die„Schlesische Zeitung" schreibt, von der königlichen An- s i e d e l n n g S k o m m i s s i o n käuflich erworben worden. Mit Rücksicht auf den ungewöhnlich hohen Preis, welchen ein in der Nähe begüterter polnischer Magnat der bisherigen Eigentümerin für die Herrschaft geboten hatte, war vor einiger Zeit in der Posener deutschen Presse der Sorge Ausdruck gegeben worden, die schöne große Besitzung könnte in polnische Hände über- gehen. Offenbar hat aber die Ansiedelungskommission n o ch mehr geboten. Schade, daß man den Preis nicht mitgeteilt hat!— Togobahn-Anlcihe. Ein Gesetzentwurf über die Aufnahme einer Anleihe für das Togogebict loird nach der„Rordd. Allg. Ztg." in den nächsten Tagen dem Reichstag vorgelegt werden. Der Gesetz- entwurf will den Reichskanzler ermächtigen, zum Zwecke des BaneS einer Eisenbahn von Lome nach Palime eine mit■i'/., Proz. zu verzinsende und binnen 30 Jahren zu pari zu tilgende Anleihe in Höhe von 8 Millionen Mark aufzunehmen. Die für Verzinsung und Tilgung erforderlichen Beträge sind von dem Schutzgebiet Togo aufzubringen, doch übernimmt das Reich die Garantie dafür, daß die fälligen Zahlungen pünktlich geleistet werden. Die Begründung rechnet damit, daß das Schutzgebiet den Alifordcrmigen werde genügen können, welche die Verzinsung und Tilgung einer Anleihe von 8 Millionen Mark an seine Mittel stellen und daß das Ergebnis einer Reihe von Z o l l e r h ö h u n g e n zur Deckung der not- wendigen Zins- und Amortisationssumme von jährlich 135 000 M. ausreichen wird. Die„Fr. D. Pr." weist darauf hin, daß eine solche Vorlage einen vollständigen Wechsel in der bisherigen Finanzpolitik des Reiches bekundet und daß formell eine solche Anleihe schon deshalb keinen Sinn hat, weil das Togo- gebiet keine s e l b st ä n d i g e Verwaltung und Vertretung, sondern nur eine fiskalische Station der Reichs» v e r w a l t u n g d a r st c l l t. Hinzukommt, daß die Annahme Über die Möglichkeit der Deckung der Zins- und Amortisationssumme mehr als o p t i ni i st i s ch ist. Strafexpeditionen in der Siidsce. Berlin, 31. März. Nach hier über Sidney eingegangenen Telegrammen des Gouverneurs von Neu-Guiiiea. Hahi, ist der a u str a li f ch e S ch o n e r„Will" auf den Admiralitäts-Jnselii von den Eingeborenen ge- iiommen worden. Die Besatzung wurde zum Teil getötet. Europäer sind nicht darunter. Di- B e st r a f u u g erfolgt durch S. M. S. „ C o n vor". Ferner ist auf der D u r o u r- I u s e l lim Norden von Kaiser Wilhelmslandi die Station der Firma Hernsheim u. Co. überfallen worden, wobei der Händler Reimers und zwei Chinesen getötet wurden. Eine S t r'a s e x p e d i t i o n wird nach Rückkehr des Gonveriiementsdampfers„Seestern", der sich augenblicklich des Dockens wegen in Hongkong befindet, erfolgen. Ob man bei der bevorstehenden Beschießung der Eingeborenen- dörser gleich den Hereros den Frauen und Kindern erst freienAbzug anbieten wird?!— HuelancL Frankreich. Der Ansturm gegen Pcllctan. In der Freitagssitzung der Tcvnticrtenkammer erhob M i n i st e r Pelle tan schließlich Einspruch gegen die wider ihn angezettelten Jntrignen, gegen den Mißbrauch, der mit vertraulichen Schriftstücken getrieben werde, und gegen die Aufreizungen zur Insubordination unter seinen Untergebenen. Er habe nichts gegen eine Untersuchung einzuwenden; er sei sich aber bewußt, seine Pflicht erfüllt zu haben.(Beifall links.) D o u m e r führt aus, er glaube nicht, daß die französische Marine minderwertig sei; es seien aber bei dem Bau von Panzerschiffen und Unterseebooten Vcr- zögerungen borgekommen, die Pelletan zur Last fielen. Die Bndgetkommissiou habe niemals eine Aufftcllung der Neubauten erlangen können und die Kommission habe sich gegenüber dem Minister Pelletan sehr wohlwollend gezeigt. Jaurös unterbricht den Redner, spricht von einem Komplott, das gegen Pelletan ins Werk gesetzt sei, und wirft Tonn, er vor. er habe von einer Partei. die nichl die seine sei, den Posten des Gouverneurs von Jndochina angenommen.(Lebhafter Beifall auf der äußersten Linken.) Nach der Unterbrechung JaureS schließt Do um er. eine Fort- dauer des gegenwärtigen Standes der Dinge würde zu einer nationalen Gefahr werden. Chaumet erklärt, Minister Pelletan habe auf keinen der ihm gemachten Vorwürfe geantwortet. Ministerpräsident C o m b e s führt aus, die Effeknv- bestände könnten in 21, Stunden vollzählig gemacht und das Reservegeschwader könne in acht Tagen mobil gemacht werden. DaS Land müsse beruhigt werden. Die Interpellation habe nicht die nationale Verteidigung, sondern ein andres, leicht aufzudeckendes Ziel im Auge, man brauche nur die Seite in Betracht zu ziehen, von der sie unterstützt werde. In Erwiderung andrer Fragen spricht sich Combcs gegen eine parlamentarische Untersuchung aus, die nur unter der Herrschaft der Leidenschaft vor sich gehen würde. Wenn die Kammer es beschließe, werde die Regierung einer außer- parlamentarischen Untersuchung ziistimmen, für die alle Schrift- stücke, welche nicht die nationale Verteidigung betreffen, zur Ver- fügung gestellt werden würden. Der Ministerpräsident erklärt sich schließlich für solidarisch ,nit dem Marineminister und stellt die Vertrauensfrage. Präsident B r i s s o n teilt mit. es sei ein Antrag ans einfache Tagesordnung eingegangen. Der Ministerpräsident erklärt sich gegen die einfache Tagesordnung und diese wird mit 330 gegen 250 Stimmen ab- gelehnt. Das HauS nimmt dann mit 313 gegen 233 Stimmen die Priorität für eine Tagesordnung Maujean an. welche besagt, die Kammer habe das Vertrauen zu der Regierung, daß sie eine außerparlamentarische Untersuchung über die Lage der Marine und den Verteidigungszustand der Kolonien veranstalte, und gehe unter Ablehnimg jedes Zusatzes zur Tagesordnung über. Es entsteht nun Lärm im Hause; Gauthier nennt das parlamcn- tarische Regime korrupt und verbrecherisch; Bertanx will Hand- greiflich gegen ihn werden; beide werden auseinandergebracht und Ganthier wird zur Ordnung gerufen. Die Tagesordnung Maujean wird daraus mit 318 g e g en 250 S timm c» a n g e n o m m e n. Nachdem daS HauS dann noch die Marine- kredite mit 308 gegen 18 Stimmen bewilligt hat, wird die Sitzung aufgehoben. Italien. Zinn Fall Nasi. Das Anklagematerial gegen den ehemaligen Unterrichtsminister Naii häuft sich immer mehr. DaS„Giornale d'Jtatia" veröffentlicht jetzt nähere Angaben über die Bnrcau-Ausgabe» des Ministers. Danach sind noch ca. 20 000 Frank für Beleuchtung der ministeriellen Bureaus für das Jahr 1002— 03 zu bezahlen. Ter Tapezierer erhielt 11 020 Frank, für Transportkosten wurden 3330 Frank gebucht; die als Trinkgelder vcrvuchte Summe erreichte die enorme Höhe von 10 120; für Zeitungsaboimcments sind 3211 Frank ausgegeben, sogar für weiße Krawatten sind angeblich ziemlich hohe Summen ausgegeben. Tie Untcrsuchungskommission wird dieser Tage ihre Arbeiten beginnen.— Spanien. Volksschullehrcr-Elcnd in Spanien. Es ist noch nicht lange her, daß daS UntcrrichtSministerum eine Statistik über die Gehälter der Volksschullehrer veröffentlichte und zwar ans dem Grunde, um endlich den Vertretern des Volkes zu zeigen, wie groß das Elend ist. Nach der Statistik giebt eS in Spanien 431 Lehrer und Lehrerinnen, welche ein Jahreseinkommen von nicht mehr als 100 Pesetas haben!(100 Pesetas— 60 Mark.) In der Provinz Valencia ist ein Volksschullehrer, der 3,12 Pesetas jährlich, also täglich etwa'/in Pf. Entlohnung hat! In der Provinz Leon giebt es elf Lehrer, die 45 Pesetas Gehalt bekonimen. Ferner III Lehrer, welche je 02,50 Pesetas jähr- lich erhalten. 00 Pesetas ist das Jahreseinkommen von 251 Lehrern und endlich für 20 Lehrer je 100 Pesetas. Ein Ein- kommen von 365 Pesetas oder 60 Pf. täglich haben 5529 Lehrer, und die machen fast den vierten Teil der gesamten Lehrerschaft aus. 7701 Lehrer, also 34 Proz. der ganzen Lehrer, haben ein Gehalt bis zu 500 Pesetas. Dann 43 Proz. von 500 bis 1000 Pesetas und rund nur 13 Proz. mehr als 1000 Pesetas. Da bis vor einigen Jahren die Gemeinde den Lehrern die Gehälter auszahlte, geschah dieses so unregelmäßig, daß endlich der Staat sich genötigt sah. die Sache in die Hand zu nehmen. Es ergab sich bei der amtlichen Feststellung an uichtbezahlten Lehrergehältern die Summe von 8,3 Millionen Pesetas I Spanien teilt sich in 40 Provinzen, und nur 12 Provinzen waren ihren Verpflichtungen nachgekommen. Zu diesen gehörten drei baSkische Provinzen und Navarra. die wie bekannt sich einer voll- stäiidigeiüSelbstvcrwaltimg erfreuen. Auch in derHauptstadt des Landes, in�Madrid, war man den Lehrern bedeutende Summen schuldig ge« blieben. Run hat man den Gemeinden die Verpflichtung auf- erlegt, allmählich ihre Schuld zu zahlen. Doch dieses geht sehr langsam, denn die Eesamtschnld beträgt noch heute acht Millionen Pesetas. WaZ das Volksschulwesen anbelangl, so herrschen hier schreckliche Zustände. T h a t s a ch e ist, daß ztvei Lehrerinnen in Malaga verhungerten. Auch sollen vor einiger Zeit die Lehrer ver- schiedener Provinzen eine Eingabe gemacht haben, betteln zu dürfen!— Man kann sich deshalb nicht darüber wundern, wenn augenblicklich mehr als 2500 Lehrer stellen unbesetzt find. Organisation der Landarbeiter. In den ländlichen Distrikten Spaniens macht sich jetzt eine erfreuliche Bewegung unter den Land- arbdtcrn bemerkbar, die auf eine Organisation dieser unterdrückten blasse hinzielt. Die Schlvicrigkeiten, die sich diesen Bestrebungen entgegenstellen, sind enorme, was bei ihrer isolierten Lage auf dein Lande leicht begreiflich ist. Trotzdem ist cS der unermüdlichen und zielbewußten Propaganda der socialistischen Führer schließlich ge- lungen, auch diese in der Sklaverei nahezu vertierten und elenden «Äeschopfe aus ihrer Lethargie aufzurütteln und zur Organisation, zu veranlassen. ES war dies aber aua, hohe Zeit, denn die Zustände uincr der spanischen Landbevölkerung spotten in der Dhat jeder Bc- schreibung. Bei der kärglichen Löhnung, die sie erhalten, sind Hunger, Not und Elend ihre ständigen Begleiter, und jeder Versuch zur Ver- ibesscrung ihrer Lage führte nur zu härteren Maßregeln seitens ihrer Ausbeuter. Die bisherigen Organisationen, die in manchen Orten kauni einen Monat existieren, haben schon recht erfreuliche Resultate zu verzeichnen, so z. 93. hat die Landarbeiter-Organisation von Bradilla de Rioseco(Palencia) die Inangriffnahme öffentlicher Ar- bcitcn durchgesetzt. Tic Morgenröte einer besiercu Zeit scheint somit auch hier allmählich hereinzubrechen. England. Die Verteidigung Ostindiens. Bei der Bud g e tb e r atung betonte der Vicekönig Lord Eurzon im General-Gouvcr- nementSratc die hohen Veramtvortlichleitcu. welche dem Indischen Reiche in Asien obliegen. Er sagte: I n d i e n i st wie ei n e Festung in i t dem Meere als FestnngSgraben auf zwei Seiten und den Bergen auf der dritten. Jenseits der Wälle ist ein Gl a c i s v o n w e ch s c l n d e r B r c i t e u n d A u s d e h n u n g i tvir wünschen es nicht zu besetzen, aber wir können auch nicht zugeben, daß es von einem Feinde besetzt sei. Wir sind ganz zufrieden, es in den Händen unsrer Verbündeten und Freunde verbleiben zu sehen, wenn aber unfreund- liche Einflüsse sich erheben, um sich unter unsren Mauern eiu- zunistcn, so sind wir genötigt, dagegen einzuschreiten, denn cS würde dadurch eine Gefahr anwachsen und unsrc Sicherheit bedrohen. Das ist das Geheimnis der gesamten Lage in Arabien, P e r s i e n, Afghanistan, Tibet und S i'a m.— Rufsland. Krieg dem Kriege. In allen Hauptcentrcn Rußlands werden immerfort von den Komitees der socialdemokratischen Arbeiterpartei revolutionäre Flug- blätter massenhaft verbreitet, in denen der Krieg und die Ncgierungs- Politik behandelt werde». So hat das Petersburger Komitee allein folgende neun Flugschriften nacheinander hergestellt und ver- breitet:„Der Krieg hat begonnen",„Unsre Mißerfolge im fernen Osten".„Die Frage des Krieges muß vom Volke entschieden werden", „In Ketten".„Eine Spekulation auf die Unwissenheit"(Antlvort auf die Belobigung der„Petite Rcpublique" und Görault- Richards in der„Nowoje Wrcinja" für die Beschinchfung des„tückischen" Japans).„Die Stimme des Landes",„Das Geheimnis der patriotischen Manifestationen".„Tie Räuberei der Regierung und die Bettelei Sr. Majestät",„Sebastopol und Port Arthur". Desgleichen haben die Komitees in R i k o l a j c!v, in I e k a t e r i n o s l a w. in O d e s s a, R i g a, M o 6 k a u, D o r p a t, T lo e r jedes für sich Tausende von Exemplaren mehrerer Flugblätter auS Anlaß des Krieges verbreitet. Die Redaktion der„FSkra" hat als Unterlage für diese Flug- blätterhcrstellung in Rußland wieder zwei Ausrufe veröffentlicht: „Die patriotische Plünderung" und„Russen, steuert bei!"— DaS E e n t r a l k o m i t e c der Socialdemokratischen Arbeiterpartei hat nun auch ein Flugblatt„An das russische Proletariat" herausgegeben, das mit den Worten schließt:„Die zarische Regierung hat sich in ihrem weltpolitischen Hazardspiel so weit engagiert, daß sie sehr, sehr viel auf die Karte gesetzt hat. isogar im Falle des Sieges droht der Krieg mit Japan mit völligem Ruin des Landes— bei gänzlich gichtigen Ergebnissen des Sieges, denn andre Mächte werden es Außland nicht gestatten, die Früchte des Sieges einzuheimsen, wie sie es Javan 18Lä nicht gestattet haben. Im Falle der Niederlage aber wird der Krieg vor allem zur Niederwerfung des ganzen Regieruilgssystems führen, das auf Unwissenheit und Rechtlosigkeit des Volkes, auf lluterdrückung errichtet ist. Wer Wind sät, wird Sturni ernten. Es lebe die brüderliche Einigkeit der Proletarier- aller Länder, die um die Befreiung von der internationalen Kapital- Herrschast ringen I Es lebe die japanische Social- demokratie, die gegen den Krieg protestierte! Nieder mit dem schändlichen, räuberischen Absolutismus!— Asien. Tic Pest in Indien. Englischen Blättern zufolge lvurden in der Woche, endend mit dem 10. März, in Indien 1V 527 Todesfälle an der Pest konstatiert; es ist das ein Mehr von 7000 Todesfällen in sieben Tagen.— Auch in Pretoria und Johannesburg sind neue Pcstfälle konstatiert worden. Afrika. Unruhe» auf der arabische» Halbinsel. Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Konftantinopel gemeldet: Drei türkische Bataillone sind im Hafen von Janbo am Roten Meer eingetroffen und haben sich sofort nach dem Hedschas begeben, da die vier hauptsächlichen Pilger- straßen Dschedda— Melka, Mekka— Medina, Jamba— Mcdina und Medina— Hall von den Beduinen versperrt werden. Eine bedeutende Anzahl Pilger— man spricht von viertausend— sind niedergemacht worden. ES waren in erster Reihe Perser und Inder, nur wenige Türken und Araber. Als Grund dieser Beduinenangriffe wird die Mittellosigkeit der von den heiligen Stätten bereits zurückkehrenden Pilger angegeben, welche infolge der Aussaugungen des Malis von HedschaL, Achmed Ratib Pascha, so entblößt waren, daß sie den Durchzugstribut an die Bcduinenhäuptlinge nicht zu entrichten vermochten.—_ partel-JVachricbten. Mailitteratur. Unser Parteiverlag Buchhandlung Vorwärts in Berlin ver- sendet soeben die Aufforderung zur Bestellung der zum diesjährigen 1. Mai erscheinenden Litteratur. Wie alljährlich, so erscheint auch in diesem Jahre eine reich illustrierte Maifest-Zeitung. Auf dem Titelbilde begrüßt der Arbeiter den neu heranbrechenden Tag des Socialismus. Das Mittelbild ist von Walter Crane gezeichnet. Auf die Bitte um einen Beitrag bat Walter Crane geantwortet, daß er mit Freuden bereit sei, ein Bild zu zeichnen,„das die Idee des Sieges dcS Socialismus verkörpern wird". Und dieses Bild bieten wir den deutschen Arbeitern dar. Tie letzte Seite des Kunstblattes ziert eine Umrahmung von Käthe Kollwitz. Die Künstlerin hat die Sehnsucht des Alters nach den Früchten des Socialismus dargestellt. die zu pflücken der Jugend vorbehalteir ist. Die textlichen Beiträge weisen auf die Bedeutung der Maifeier für die politische und ac- werkschaftliche Organisation der Arbeiterklasse hin. Preis: 10 Pf.. bei Partiebezug Rabatt. Es erscheint ferner und kommt glcichzeirig mit der Maifest- Zeitung zur»Versendung: Der Achtstundentag, eine gesundheitliche Forderung. Von Dr. I. Zadel- Berlin. Die Broschüre erscheint als Heft 4 der in Arbeiterkreisen bekannten Arbeitcr-Gestindheitö- Bibliothek, von der aber jedes Heft für sich vollständig abgeschlossen ist. Der Verfasser der Broschüre hat sich die Aufgabe gestellt, die Forderung der Arbeiterklasse auf Einführung des Achtstundentages vsm gesundheitlichen Standpunkt aus zu begründen. Die Arbeit enthält reichhaltiges imd zweckentsprechendes Agitationsmaterial für diese Fordcrnng des internationalen Proletariats. Ter Preis für die Broschüre ist: 20 Pf., bei Partiebezüg Rabatt. Ferner erscheint eine Mai-Posttarte, die den Beifall der Gc- Nossen finden wird. Außerdem macht der Verlag darauf aufmerksam, daß das seit einiger Zeit vergriffen gewesene socialistischc Theaterstück„Mai-Feier" wieder»cn gedruckt ist. Einzelpreis 1,— M., 11 Rollcnexcmplare 5,50 M. Preisverzeichnis für Theaterstücke sendet der Verlag auf Verlangen gratis und franco. Da in diesem Jahre der 1. Mai auf einen Sonntag fällt, wird voraussichtlich nach der Litteratur für diesen Tag erhöhte Nachfrage sein und bittet der Verlag seine Auftraggeber, dies bei der Bc- stellung zu berücksichtigen. Bestellungen jind bis zum 10. April bei der Buchhandlung Vorwärts, Berlin S\V. öS�Lindenstraße 69, aufzugeben. Für später eingebende Bestellungen übernimmt der Verlag tciue Verpflichtung frühzeitiger Lieferung. Partcipressc. D'e Hallesche„Volksblatt"-Druckerei führt für das gesamte Personal vom 1. Mai ab die effektive achtstündige Arbeitszeit ein. Die Arbeitsschicht ist durchgehend, beginnt früh 7 beziv. 7 V- Uhr und dauert bis VA bczw. 4 Uhr nachmittags, einschließlich zweier viertelstündiger Pausen. Die Maschinensetzer haben eine effektiv 7V-sritndigc Arbeitszeit. Tie Beiträge zur Alters- und Invalidenversicherung zahlt das Geschäft ganz; im übrigen gclrcn die Bestimmungen des Buchdruckertarifs. Nach einjähriger Arbeits- zeit erhatten Verheiratete bei militärischen Ucvungen auf die Dauer von zwei Wochen ztvei Drittel ihres Lohnes. Bei Koiitrollversamnr- lungen usw. sowie bei Ausübung staatsbürgerlicher Pflichten wird der Lohn ungekürzt gezahlt. Ferien werden in Dauer von acht Tagen bei Fortzahlung des vollen Lohnes allen denen gewährt, die bei Beginn der Ferienzeit i Pfingsten) mindestens ein Iialbes Jahr im Geschäft thärig gewesen sind. Lehrlinge werde» in der„Volks- blatl"-Druckerel nicht gehalten. Eue Induftnc und Handel Dicnfiwcchsel. Für die letzten beiden„kontradiktorischen Perhandlungeir" über das Rohciscn-Shndikat und den Halbzcug-Verband lieferte Herr Re- gierungsrat Dr. Voelcker zwei längere Einführungen in die Ge- schichte beider Syndikate und griff auch als Referent mehrfach in die Diskussion ein. Wie sich unter den heutigen Umständen von selbst versteht, stellte sich dabei Herr Voefckcr dem Shndikatswescn noch um einige Grade zuvorkommender gegenüber als Herr v. Rheinbabcn und die lange Excellenz aus Brackwede. Wenn der Herr Finanz- minister im Abgeordnetenhaus für die Segnungen der Stahlwerks- Politik schwärmt, wcshalb�soll dann Herr Voelcker nicht den Halb- zcugverbaud bewundern? Diese sinnige Vertiefung in die Politik der Syndikate scheint Herrn RcgierungSrat Dr. Voelcker die Sympathie der Herren Kirdorf, Thyssen, Lob und Genossen eingetragen zu haben; denn wie verlautet, haben sie ihm, um seine Kenntnisse dem Profit des Stahl- wcrksvcrbandes dienstbar zu machen, dessen Direktion angetragen, und zlvar nobel, wie sie sind, mit einem Gehalt, das nach einigen Nachrichten 80000, nach andren 100000 M. pro Jahr beträgt. Ein recht anständiges Honorar, das den Uebertritt ans dem Staats- in den höheren Jndustriedienst als eine recht vorteilhafte Wandlung erscheinen läßt, umsomchr, als Herr Voelcker mit der eigentlichen kaufmännischen Leitzing des Stahltvcrk-VerbandeS nichts zu thun haben wird, sondern lediglich das VcrwaltungSwcscn leiten und zugleich als juristischer Ratgeber fungieren soll. Auch die sogen. „theoretischen Angelegenheiten", unter welchen wohl die publizistische Vertretzmg der Verbandsinteresseir zu verstehen sein dürfte, sollen seiner Leitung unterstellt werden. Schon bisher fanden hohe Verwaltungsbeamte mehrfach Unter- kunft bei großen Bankinstituten; vielleicht erblicken wir demnächst manchen von ihnen auf dem Posten eines Geschäftsführers, Direktors, Disponenten oder Obcrjournalisten der großen Syndikate. Möchten doch die Stahlmognatcn der Rheinprovinz Herrn v. Rheinbaben einen derartigen Platz offerieren. Vielleicht nimmt er an zum Wohle des SyndikatswescnS und zum noch größeren Wohle der Reichsfinanzen._ Die Beschäftigung der großen deutschen Werften ist in den letzten Monaten eine wesentlich bessere geworden. Obwohl der Frachten- markt, ungeachtet des russisch-japanischen Krieges, mir geringe Spuren einer Besserung zeigt und auf manchen wichtigen Verkehrsgebicten noch immer unter starker Depression leidet, haben doch die großen Reedereien— an ihrer Spitze die Hamburg-Amerika-Linie, wie aus ihrem Geschäftsbericht ersichtlich ist— in der letzten Zeit in Er- Wartung einer Besserung der Konjunktur recht umfangreiche Be- stellungen auf Neubauten gemacht. Das Schiffbauprogramm des Norddeutschen Lloyd, ebenso dasjenige der deutschen Ostaftika-Linie und der Wörmann- Linie ist, allerdings nach Mitteilung der „Nheinisch-Westfälischen Zeitung", größtenteils durchgeführt; größere Bestellungen laufen zur Zeit nur von der Hamburg-Amerika-Linie, der Hamburg- Südamerikanischen Dampfschiffahrts- Gesellschaft, der deutschen Dainpfschiffahrts-Gcsellschaft Kosnios, der deutschen Anstral- Linie. Dazu kommen Bestellungen auf kleinere Schiffe, die eine ganze Anzahl von Ostsee- Reedereien fttr die Ostsee- und Nordsee- fahrt, speciell für Skandinavien und Rußland vorgenommen hat. Die Preise der Schiffe sind im allgemeinen recht niedrig: es kommen nur noch eiserne Schiffe, und zlvar Dampfer, für Bestellungen in Betracht, hingegen keine Segler oder Holzschiffe. Deutschlands Eisen- Ein- und Ausfuhr. Die Abnahme der deutschen Ausfuhr von Eisen und Eiscnioaren. die in der Mitte vorigen Jahres einsetzte, hat nach den statistischen Ausweisen auch im zweiten Monat des laufenden JahrcS angehalten. Für die beiden ersten Monate 1904 ergießt sich, verglichen mit den entsprechenden Monaten dcS Vorjahres, folgendes Bild: Einfuhr Ausfuhr Ausstihrüberschuß 1906 1904 1903 1904 1903 1904 Tonnen Tonnen Tonnen Tonnen Tonnen Tonnen Januar.. 20 723 20 727 303 077 234 065 282 354 213 338 Februar.. 16 523 24 089-277 071 204 831 260 543 180 742 Zusammen 37 246 44 816 580 148 438 896 542 902 394 030 Die Ausfuhr ist demnach gegenüber der des Januar im Februar um weitere 30 000 Tonnen zurückgegangen, und der Unterschied zwischen dem Februar des vorigen und dieses Jahres beträgt sogar mehr als 73 000 Tonnen. Entsprechend diesem Rückgange der Aus- fuhr hat auch der Ausfuhrüberschuß seine rückläufige Bewegung fort- gesetzt. Mit 180 742 Tonnen bleibt er hinter dem des Borjahres um ca. 80 000 Tonnen zurück. Wäre nicht der Bedarf des Inlands- marktes wesentlick gestiegen, die Eisenproduktion stände vor neuen schweren Zeiten. Die australische Weizencrnte ergiebt nach telegraphischen Meldungen auS Sydney einen relativ hohen Ertrag. Die bisher eingebrachte Weizenmenge beträgt 26 227 268 Bnshels. Die amtliche Statistik schätzt den Ertrag der diesmaligen Ernte auf 27 327 260 Bushcls»nd die davon für den Erport verfügbare Menge auf 17 000 000 Bushcls. Merkwürdig ist, daß diese hohe Ernte ebensowenig wie die glänzende Ernte Argentiniens bisher auf die Preise dcS Getreide- Weltmarktes so wenig Einfluß ausgeübt hat. Der Grund dürfte teils in den Preistreibereien der Haussecliquen an den amerikanischen Börsen, speciell der Chicagocr Getreidebörse, teils in der Zusammenschrumpfung der Vorräte zu suchen sein, die noch in den Händen der amcrikaiiischeu Farmer sind. Nach der neuesten Schätzung des Washingtoner Acker- vau-Amtes umfaßten diese Vorräte zu Beginn dcS Monats März 1904 nur 132 600000 Bushel Weizen, entsprechend 20,8 Proz. der letztj-ihrigen Ernte, im Vergleich mit 24,5 Proz. der Ernte des Jahres 1902, die noch am 1. März 1903 verfügbar waren, und 25,2 Proz. der Ernte des Jahres 1901 am 1. März 1902. Der amerikanische Eisernnarkt hat. nach den Meldungen auS den nördlichen Eisenreviercn in den letzten Wochen ein entschieden freundlicheres Aussehen gewonnen.„Mit einer jener jähen Wendungen, wie sie für die hiesigen Verhältnisse so charakteristisch find", schreibt der New Dorker Korrespondent des„Börsen- Courier", hat sich in der Situation des Eisenmarktes während der drei letzten Wochen. eine unvermittelte Schwenkung zum Besseren vollzogen, und die fünf amerikanischen Eisen- ccutren, Pittsburg, Chicago. Cleveland, Cincinnati und Birmingham, senden übereinstimmend günstige, ja vielfach rosige Situationsberichte. Noch vor drei Wochen kam in dein Stimmungsberichte des vornehmsten der amerikanischen Fachjournale der Eisenbranche, dem„Jron Age", ein unverhüllt pessimistischer Ton zum Durchbruch.„Der Roheiscnmarkt", so ließ sich das genannte Fachblalt vernehmen,„ist wahrnehmbar im Rückgange begriffen. In vielen Fällen wird da? Metall auf den Markt geworfen, weil die Erzliefermrg schon vor Jahresfrist kontrahiert lvar und Zahlung geleistet iverden muß. Im Norden ist der Kampf entbrannt zwischen den alten Hochofen-Gescllschasten und den neuen, und die letzteren sind offenbar entschlossen, sich dcS Geschäftes zu bemächtigen. während die älteren Gesellschaften sich be- mühen, ihre Abnehmer zu behalten. Das Resultat ist ein Roheisenpreis von 12 Dollar in Clcvcland und Detroit und 13 Dollar in Chicago. Im Süden nähern sich die Hochöfen rasch dem Preise von Ar. 2 Birmingham:c." Der letzte Wochenbericht dieses und aller andren Fachblätter konstatieren einstimmig ein rasches Auf- blühen des Geschäfts. Ter Jnlandbedarf habe sich derart erhöht und erscheine so aussichtsvoll, daß die großen Stahlgesellschasten das unprofitable Exportgeschäft fast ganz aufzugeben entschlossen seien. Die große Besserung zeige sich in dein Verbrauch größerer Quantitäten Roheisen, in festeren Preisen für Fabrikate und Halbzeug und in einer die Darstellung übersteigenden Nachftage nach Draht, Drahtstiften, Nägeln und Röhren. Dies alles in dem kurzen Zeiträume dreier Wochen. Die Wahrheit dürfte offenbar in der Mitte liegen. Eine sitz anbahnende Besserung ist Zweifels- ohne ersichtlich, aber von einer durchgreifenden Veränderung oder gar von einem Bovin kann vor der Hand wohl keine Rede fem." Der zuletzt geäußerten Ansicht sind wir auch. Nach der großen Zurückhaltung der Käufer im Januar und Februar brachte natur- gemäß da? im März beginnende Frühjahrsgeschäft eine Verstärkung der Nachfrage aus dem Markte. Ein neuer Aufschwung steht aber schon deshalb kaum in Aussicht, als die Eisenbahn-Banthätiglcit fast völlig stockt._ Soziales. Slerzte und Krankenkassen. In Leipzig erlassen 42 Universitätslehrer und praktische Slerzte in der Presse folgende Erklärung: „Wir haben immer mit Freuden niit daran gearbeitet, daß der Bevölkerung die Wohlthatcn der socialpolitischen Gesetzgebung voll und ganz zu teil werden. Wir haben bei der Ausübung unsrer Thätigkeir mit den Mitgliedern der Orts- Krankenkasse Leipzigs immer in Frieden gelebt und haben den dringendsten Wunsch, daß dieser Frieden nicht gestört werde. Aber die Mitarbeit des ärztlichen Standes an den socialen Aufgaben kann nur dann eine frutztüringende sein, wenn der ärztliche Stand frei ist. Diese Freiheit ist gefährdet, nicht für Leipzig allein, sondern indirekt für ganz Deutschland. Denn nach dem Siege des Systems der Distriktsärzte bei der Orts-Ärankenkasse würde das Beispiel der größten Kasse Deutschlands zur Nachahmung auffordern. Und was bedeutet dieses System für den ärztlichen Stand? Es bc- deutet, daß ein junger Arzt sein Brot nur dadurch finden kann. daß es ihm gelingt, sich eine Llnsiellung bei der Kasse zu ver-, schaffen, und daß er unbedingt abhängiger Beamter der Kasse ist, wenn er sie glücklich erlangt hat. ES bedeutet, daß der junge Nachwuchs eines Standes, der durch seine ans das rein Menschliche gerichtete Thätigkeit wie laum ein andrer berufen und geeignet ist, ver« mittelnd, ausgleichend und versöhnend zu wirken, mächttgcn Organisationen in die Hände geliefert wird, welche sich mit ein- scitigcn politischen Bestrebungen erfolgreich verbinden können und zum Teil schon vcrdundr» haben. Wir stehen daher als Aerzte und als Lehrer der akademischen Jugend in dein Streit um die Frage, ob freie Slrztlvahl oder Distriktsärzte, unbedingt auf der Seite unsrer ärztlichen Standesgenosscn und der fteien Slrztlvahl und müssen es ablehnen, unsre Arbeit irgendwie in den Dienst des geplanten Systems der Diftriktsärzte und Beratungsanstaltcu zu stellen." Wir möchten nur wissen, weshalb die honorigen Herren in dem Anschlage in den Polikliniken der llniversität„Uebcrfüllung" als Grund für die Zurückweisung der Kassenmitglieder angegeben haben. Die politische Scharfmacherei, die de» Aufruf kennzeichnet, richtet ihn auch. Was darin über die Bedentung der freien Arztwahl für die humanitäre Seite des ärztlichen Berufs gesagt wird, ist am besten zu kennzeichnen durch die Feststellung, daß es in Berlin gerade die Universitätslehrer sind, die als Gegner der allgemeinen freie» Arztwahl austreten. Der Äreishanptmann v. Ehrenstein, der persönlich ein Freund der freien Arztivahl ist, wird von„wohlunterrichteten Kreisen" bereits zu Gesundheitsrücksichten verurteilt, weil er sich in dem Streit der Aerzte gegen die Leipziger Ortskasse streng an seine ge- schlichen Bestignisse gehalten hat. Nkan verbreitet in der Presse die Nachricht, daß seine Stellung wegen seiner Haltung erschüttert sei. Demgegenüber erklärt die„Dresdener Zeitung", daß nach ihren Informationen der Kreishauptmann nur nach eingehenden Beratungen mit dein Ministerium des Innern seine Maßnahmen ge- troffen hat. In Solingen hat die Aufsichtsbehörde jetzt mit dem Aerzte, verein Vertrag abgeschlossen. Stach diesem Vertrage hat die Kranken- lasse auf Anstellung und Entlassung der Aerzte so gut wie gar keinen Einfluß. Es bestimmt 8 3 des Vertrages: Neu zuziehende Aerzte, d. h Aerzte, die zm Zeit nicht im Bereich der Krankenkasse ansässig sind, sollen grundsätzlich erst nach Ablauf eines Jahres, vom Zeitpunkt ihrer Niederlassung ab ge- rechnet, jedoch nur»ach vorher erteilter Genehmigung deS AcrzteveremS in die Liste aufgenommen werden. Wird die Genehmigung verweigert, so entscheidet auf Anruf die im 8 10 vorgesehene Einigungskommission. Und in 8 1s heißt es erst, daß der Vertrag auf zwei Jahre unkündbar ist, dann mit vierteljähriger Frist gekündigt werden kann und dann: Bei der Kündigung ist stets der Grund anzugeben, weshalb sie erfolgt. Kündigungen ohne Angabe eines Grundes sind wirkungslos. Bevor eine Kündigung ausgesprochen wird, ist durch die• Einigungskommission der Versuch einer Einigung zu machen. lieber die EinigungSkommission bestimmt 8 10: Alle Differenzen zwischen Aerztcn einerseits und dem Kassen- vorstand oder Kasseninitgliedern andrerseits sind einer Kommission fEinigungs-Konmnssiön) zu unterbreiten, welche aus je drei an dem Streitfalle nicht persönlich beteiligten Vertretern beider Parteien besteht. Kann diese Kommission nicht zu einer Ent- schcidnng kommen. Weil bei verschiedener Auffassung Stimmen- glcichhcit sich ergiebt, so tritt ein Obmann(mit Stimmrecht) hinzu. Dieser Obmann sowie sein Stellvertreter ist im voraus für jedes Jahr durch die Slufsichtsbehörde zu ernennen. Dem Vertrage ist die Liste der zugelassenen Aerzte eingefügt mit folgendem Anhange: Andre Aerzte als solche, die auf der Liste stehen, können nur «ach vorheriger Genehmigung beider vertragschließenden Parteien auf Kosten der Kasse um ärztliche Hilfe angegangen werden. Die„Wohlthat" der freien Arztwahl besteht also darin, daß die Kasse jeden Arzt, der jetzt in Solingen wohnt, zur Kassenpraxis zu- lassen muß, daß sie aber neu zuziehende nicht ohne Genehmigung der jetzigen Aerzte zulassen darf, daß sie keinen ohne Ge- nehmigung der Aerzte entlassen darf, daß nur die Aerzte das Recht haben, einen Arzt, der pflichtwidrig handelt, auszuschließen, und daß die Mitglieder nicht nur die Genehmigung des Kassenvorstandes, sondern auch der Aerzte-Organisation einholen müssen, falls sie den»Arzt ihres Vertrauens"' konsultieren wollen, wenn dieser zufällig nicht auf der Liste der von den Aerzten zu- gelassenen steht. Man sollte doch endlich aufhören mit den lächerlichen Deklamationen, daß die freie Arztlvahl im Interesse(der Mitglieder gefordert wird. Das ist ja alles Humbug. ES handelt sich lediglich um die Interessen der Aerzte. Bei einer Kasse, die von den Mit- gliedern selbst verwaltet wird, ist die wahre, freie Arztwahl einzig darin garantiert, daß sich die Kasse die Aerzte aussucht, die ihr genehm sind. Bei dem System, das die Aerzte freie Arztwahl nennen, müssen sich die Versicherten von den Aerzten vorschreiben lassen, welchen Arzt sie wählen dürfen. Enthält doch der Solinger Vertrag noch folgende Be- stimmung: Mit homöopathischen, Kneipp, oder Naturürztrn zu konsultieren, darf von Kassenärzten nicht verlangt werden. Das zusammen mit der Bestimmung, daß ein nicht auf der Liste stehender Arzt nur mit Genehmigung des Aerztevereins kon- sultiert werden darf und daß solche„Kurpfuscher" natürlich nicht auf der Liste stehen, liefert den Beweis, daß es sich nur darum handelt, die Versicherten in ihrer freien Selbstbestimmung zu be- schränken, nicht durch ihre Organisation, sondern durch Leute, die das gar nichts angeht, die lediglich aus materiellen Gründen ein Monopol auf die Behandlung der Kassenmitglieder beanspruchen. Die Honorierung erfolgt wesentlich nach dem Pauschale von 3,50 M., die Verrechnung nach dem Bonsystem; Behandlung der Familienangehörigen muß nach Einzelleistuugen nach der Mindest- taxe mit 20 Proz. Rabatt honoriert werden. Aber Z 8 bestimmt: Personen, welche der Versicherungspflicht nicht unterliegen, weil sie ein Einkommen von über 2000 M. haben, solle» nur dann auf Rechnung der Krankenkasse behandelt werden, wenn die Bezahlung der Einzelleistung ohne Rabatt von der Kranken- lasse gewährleistet wird. Das heißt doch die„Wohlthaten" der Krankenversicherung für solche Personen einfach ausschließen. Menschenfreunde, die Solinger Herren I Arbeitsnachweis oder Stellenvermittlung. Die Fleische rinmmg des Kreises Niederbaruim hatte einem Gastwirt Ost, der früher Schlächtermeister war, die Stellenvermittlung übertragen. Jeder Geselle, dem eine Stelle nachgewiesen wird, hatte eine Mark zu zahlen. Diese Gebühreneinnahme bis zu 500 M. ge- hört dem„Sprechmeister"(Stellenvermittler); was im Laufe des Jahres mehr einkommt, fällt der Innung zu. Als Sprechbureau hat sich O. ein Zimmer neben seiner Gastwirtschaft eingerichtet. Er ist verpflichtet, zunächst an Jnnungsmeister Arbeitskräfte zu vermitteln; wcim diese keinen Bedarf haben, ist ihm auch die Vermittlung an andre gestattet.— Ost wurde auf Grund der Gewerbe-Ordnung angeklagt, weil er nicht die Vorschriften für„Stellenvermittler" er- füllt hatte, und das Landgericht I Berlin verurteilte ihn auch zu einer Geldstrafe von 10 M.— Angeklagter legte Revision ein und machte geltend, es handle sich hier um den Arbeitsnachweis einer Innung und nicht um eine Stellenvermittlung im Sinne der ange- zogeneu Vorschriften. Das Kammergericht hob die Vorentscheidung auf und verwies die Sache an das Landgericht mit folgender Begründung zurück: Allerdings sei nicht bloß die Verwaltung eines Arbeitsnachweises, sondern eine„Stellenvermittlung" im Thun des Angeklagten zu finden. Er veranlaßte die Gesellen, zu bestimmten Meistern zu gehen, und habe auch erheblich auf ihren Willen eingewirkt, indem er eine Mark von jedem genommen und es ihm überlassen habe, das Geld wieder abzuholen, falls er keine Arbeit bekomme. Indessen sei hier nicht genügend festgestellt, ob Angeklagter selbständiger Stellen- Vermittler war oder nur Angestellter der Innung. In letzterem Falle hätte die Innung beziehungsweise ihr Vertreter-den Vorschriften des Gesetzes bezüglich der Stellenvermittlcr nachkommen müssen. In- der Richtung seien vom Landgericht noch nähere Feststellungen zu wessen. — Ferner hätten die Vorinstanzen übersehen, daß die ministeriellen Vorschriften vom 10. August 1901 es Gesmdevermietern und Stelle nvernrittlern verbiete. Gast- und Schankwirtschaft zu treiben. Somit müsse Angeklagter aus diesem andern Grunde be- straft werden, ganz gleich, ob er nun selbständiger Stcllcnvermittlcr oder StellenvermMler der Innung gewesen sei. n Fiirsorge-Erziehnng. Das preußische Ministerium des Innern veröffentlicht soeben einen Bericht über die Ergebnisse der Fürsorge-Erziehung Minder- jähriger im Rechnungsjahr 1902 auf Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1900. Der Bericht sagt selbst, daß bei der kurzen Zeit des Bestehens des neuen Gesetzes ein abschließendes Urteil über dessen Wirksamkeit noch nicht gefällt werden kann, will aber trotzdem mehr- fache Anzeichen für einen segensreichen Einfluß des Gesetzes bcnicrkt haben. Wir geben aus dem Bericht einige der darauf hinzielenden Stellen wieder, möchte» aber die Einschränkung, daß die vermuteten guten Wirkungen noch sehr wenig begründet sind, noch stärker be- lonen, wie der offizielle Bericht. ES heißt in dem offiziös veröffent- lichten Auszuge aus dem Bericht: „Die Zahl der der Fürsorge-Erziehung überwiesenen Minder- jährigen ist von 7787 im Jahre 1901 auf 0190 im Jahre 1902 ge- fallen. Als Grund dieser erheblichen Verminderung wird angegeben, daß im ersten Jahre unter den verwahrlosten und gefährdeten Jugendlichen gewissermaßen aufgeräumt worden ist, so daß der weitere Zugang naturgemäß geringer sein muß; ferner aber, daß die drohende Fursorge-Erziehung viele Eltern veranlaßte, der Erziehung ihrer Kinder mehr Sorgfalt zuzruvenden. sowie daß die gefürchtcte Maßregel die Jugendlichen selber antrieb, sich mehr im Zaume zu halten. Dazu kommt noch ein dritter Grund, der in der Recht- sprechung des Kammergerichts zu suchen ist. die hemmend auf die Stellung von Anträgen und auf Anordnung der Fürsorge-Erziehung durch die Vormuudschaftsgerichte gewirkt hat. Von größter Be- deutung sind die beiden zuerst angegebenen Gründe; erweisen sie sich auch in Zukunft als zutreffend, so hat man darin«inen sehr großen Erfolg des Gesetzes zu sehen. Das Gesetz würde sich damit als ein bedeutsames prophylaktisches Mittel erweisen, das in segensreichster Weise der Verwahrlosung unsrer heranwachsenden Jugend vor- zubeugen berufen ist. Von großer Tragweite ist die Frage, ob das Gesetz im stände gelvcsen ist, auf die Verminderung der Kriminalität der Jugendlichen Einfluß auszuüben. Mit Sicherheit läßt sich das für den kurzen Zeitraum noch nicht erweisen, indessen ist ein Rückgang zu bemerken. er betrug in den Gefängnissen der Justizverwaltung 372, in denen der Verwaltung des Innern 299 seit 1900. Nun ist ja möglich, daß eine ausgedehntere Anwendung des bedingten Strafaufschubes hierbei etwas mitspricht, das Hauptverdienst dürfte aber auch hier der Für- sorge-Erziehung zuzusprechen sein, was um so mehr Wahrscheinlichkeit für sich hat, als die Abnahme der jugendlichen Gefängnisbevölkerung vor dem Inkrafttreten des Fürsorge-Erziehungs-Gesetzes von 1S99 bis 1900 nur sehr geringfügig gewesen ist...._ Vergntw. BMkwirz Paul Büttner,. Berlin. Inseratenteil verantv. Sehr zahlreich waren die Entweichungön, insbesondere aus den Anstalten, während sie bei den Familien weit geringer waren. Gleich- Wohl erscheint eine allzugrotze Beschränkung der Freiheit nicht an- gebracht, da namentlich unter den älteren Zöglingen ein solcher Zwang Verbitterung erzeugt, die den Entlassenen leicht auf die Bahn des Verbrechens treiben kann. Auffallend erscheint ferner die hohe Zahl der in Anstalten gegenüber der in Familien Untergebrachten. Die Begründung zum Gesetze ließ das Umgekehrte erwünscht erscheinen, und die vorliegende Statistik sieht darin eine nicht ungefährliche Ueberschätzung der Anstaltserziehung. Das gleiche ist auch bei den Zwangszöglingen der Fall." Ein weiterer Abschnitt beschäftigt sich mit den Kosten der Für- sorge-Erziehung. Hervorgehoben sei daraus, daß die Gesamtkosten von 1 077 977,21 M. im Jahre 1900 auf 4 032 740,52 M. im Jahre 1902 gestiegen sind. Davon trug den größten Teil der Staat, den kleineren die Kommunalverbände, im Jahre 1902 nach vorläufiger Feststellung der erstere 2 501 915,90 M.. die letzteren 1 470 824,02 M. Geistige und geistliche Arbeit. An der Hamburgischen Gewerbeschule erhalten die Lehrer für vier Stunden 10 M., der Geistliche, welcher die Andachten in der Schule abhält, erhält für eine halbe Stunde 10 M., also achtmal soviel wie die Lehrer. Womit bewiesen ist, daß geistliche Arbeit achtmal soviel wert ist wie geistige. Der Deutsche Berein für Gasthausreform, der in W-imar seinen Sitz hat, eröffnet am 1. April sein erstes Gasthaus. Er hat in Apolda eine fei vier Jahrhunderten bekannte Ausspann-Wirtschaft erworben, die, abgesehen von den Nachbarn, besonders von Land- leuten und wenig bemittelten Reisenden besucht wird; Aufgabe des Vereins ist nun, das Haus so weit zu verbessern, als das bei einer vierprozcntigen Verzinsung des angelegten Kapitals möglich ist. Geistige Getränke werden nach wie vor geführt, aber der angestellte Verwalter, der für seine Person abstinent ist, hat keinerlei Vorteil vom Absatz dieser Getränke, während er an allen übrigen Einnahmen beteiligt ist. Natürlich werden die Speisen und alkoholfreien Ge- tränke besonders gepflegt werden. Tie Einrichtung eines Lesezimmers, das in Apolda noch fehlt, wird geplant, und die Benutzung aller Räume wird auch Gästen, die nichts verzehren, gestattet sein, wenn sie sich für 10 Pf. eine Stundenkarte lösen oder monatewcise abonnieren. Die Sonntagsruhe in Italien. Bekanntlich hat die Kammer vor kurzem den Gesetzentwurf betreffend das Verbot der Sonntagsarbeit abgelehnt. Der gänzliche Mangel einer gesetzlichen Sonntagsruhe macht sich in Italien nicht bloß für die. Arbeiter im engeren Sinne, sondern auch für die Staats- und Privatbeamten, Angestellte aller Art, Journalisten, kurz für alle physischen und geistigen Arbeiter fühlbar. Die Bewegung für Herbeiführung der Sonntagsruhe hat denn auch sofort wieder eingesetzt und es haben dieser Tage Ver- sammlniigcn in Genna und Palermo stattgefunden. Daran waren außer den Arbeitskammcrn auch die Beamtenberciiugungeu ,c. ver- treten. Als Redner traten Capriani und andre soeialistische Abgeordnete auf._ literarisches. Nudolf Dieses, SolidarismuS. Natürliche wirtschaftliche Erlösung des Menschen. München und Berlin. R. Oldenbourg. 1903. Wenn Herr Rudolf Diesel, der jetzt mit tausend Masten in den Ocean seiner Hoffnungen schifft, wie alle socialen Erfinder vor ihm als ein müder Mann in den Hafen zurückkehrt, dann lvird er mit gleichem Recht und gleichem Unrecht Ivie seine Vorgänger die Schuld an dein Scheitern seiner Pläne auf den Unverstand der Massen zurückfiihren. Wären wir heute schon so weit, daß die menschliche Wirtschaft vom Bewußtsein der Gesellschaft geregelt werden könnte— und wir werden so weit sein, wenn dieses Bewußt- sein einmal vorhanden sein wird—, dann würden Herrn Diesels Vorschläge zwar immer noch nur— das sehr vervollkomnmngs- fähige Projekt eines Einzelnen bleiben, aber die erste notwendige Voraussetzung wäre gegeben, die seine Pläne diskussionsfähig machen würde. Herr Diesel strebt die allmähliche Umwandlung der kapitalistischen Gesellschaft in eine„solidaristische" an. Der„Solidarismus" ist eine Komplikation von Sparkassen- und Genossenschaftswesen. Aus den Sparpfennigen der Einzelnen soll eine„Volkskasie" gegründet werden. Diese Voltskasse arbeitet selbständig und legt außerhalb der ihr angeschlossenen Betriebe, für deren Schulden sie nur garantiert, die angesammelten Gelder möglichst günstig an. Die Mitglieder dieser..Volkskasie' sollen nun Gesellschaften bilden, vom Verfasser„Bienenstöcke" geheißen, die ihr Kapital unter Garantie der Volkskasse bei Kapitalisten ausleihen und es unter Zahlung hoher Zinsen binnen fünfzig Jahren amortisieren. Die„Bienenstöcke" aber sind große Produktivgcnosscnschaften. die die Mitglieder der Volkskasse mit Waren versorgen. Der Reingewinn der„Bienenstöcke" kommt seinen Mitgliedern, den „Bienen", teils in bar, teils in Form von WohlfahrtScinrichtnngen zu gute. Bemüht man sich, eine solche Entioickluna zu Ende zu denken, so wird man finden, daß es der„Volkskasie" immer schwieriger werden muß. für ihre Kapitalien außerhalb der„Bienenstöcke" eine Anlage zu finden. Denn so lange diese Anlage möglich ist, muß auch der Kapitalismus noch vorhanden, muß es möglich sein, aus Geld durch Auspowerung von ungeheuren Massen mebr Geld zu gewinnen. Umgekehrt wird aber auch wieder durch die Verzinsnug und Amortisierung der den„Bienenstöcken" geliehenen Kapitalien der Reichtum von Kapitalien erhalten und vermehrt. Das Resultat wäre eine sinkende Verzinsung des Wucherkapitals, während der eigentliche Unternehmergewinn den Produzenten zuflösse. Die „Volkskasse" würde aber nur dann betriebsfähig werden und bctriebs- fähig bleiben, wenn ihr einerseits immer neue Mitglieder zuflössen, wenn andrerseits die Haftpflicht, die sie für die„Bienenstöcke" übernimmt, nicht zu großen Kapitalsverlustcir führen würde. Nach beiden Richtungen giebt sich der Verfasser sehr optimistischen An- schauungen hin. Reden wir deutsch: ES handelt sich um die Gründung von Produktivgenosienschaften. fiir die aber nicht wie nach Vorschlägen Früherer der Staat, sondern die LollSkasse die Garante übernimmt. Zur Füllung dieser Volkskasse sollen die Leute augelockt werden erstens durch die Geringfügigkeit der Beiträge, zweitens durch das Recht, die Waren der Produktivgcnosienschaft beziehen zu dürfen. drittens durch die Aussicht, selber„Bienen", d. h. Mitglieder von Produktivgenossenschaftcn werden zu können. Dagegen unterscheiden sich die„Bienenstöcke" von gewöhnlichen Produktivgenosienschaften dadurch, daß sie nur an Mitglieder der„Voltskasse" Waren verkaufen dürfen, die so eine Konsumgenossenschaft darstellen. Die„Bienenstöcke" hätten— so lange die„Volkskasse" selbst kreditfähig bleibt— vor den gewöhnlichen Produktivgenosienschaften den Vorzug der leichteren Kreditbeschaffung, sie hätten ihiieir gegenüber den Nachteil, daß ihr Abnehmerkreis aus die Mitglieder der Konsumgenossenschaft„Volkskasse" beschränkt bliebe. Wie die ge- wohnliche Produklivgenossenschaft stünde sie hinwiederum im offenen Konkurrenzkampf mit den Privatbetrieben, und nichts rechtfertigt die Annahme, daß sie diesen Konknrrenzkanipf besser bestehen würde als andre Produktivgenossenschasten. Die Begeisterung vermag vieles. Menschen haben oft bewiesen, daß sie aus Begeisterung ihr Leben opfern, aber kein Mensch kauft aus Begeisterung schlechte Stiefel. Ja. nicht nur das— er vermag nicht einmal gut und schlecht als Warcncinläufer deutlich zu unter- scheiden, das größere Firmenschild, die blankere Spiegelscheibe, die gefälligere Bedienung, der scheinbar billigere Preis, die eventuellen Rabatie, Rückvergütungen, Prämien usw. sind für seine Entscheidung von ausschlaggebender Bedeutung. Vergleicht man mit Diesels Plänen die Entwicklung, die die GenossenschaftSbeloegung aus reichen und zum Teil recht schmerzlichen Erfahrungen nimmt, so wird mau leicht bemerken, daß die auf : TH.Glvckc, Berlin. Druck U.Verlag: VerwärtSBuchdr.u.VrrlagSanjtalt Erfahrung gegründete Wirklichkeit Herrn Diesels ersonncne lProjekte weitaus in Schatten stellt. Die Bewegung gegen die Dividendenjägerei geht auf nichts andres hinaus als daraus, eine„Volkskasse" zu gründen, die die Mittel zur Erweiterung des Betriebes sicherstellt, um das Genosscnschastswesen nicht bloß nach außen für die Konsu« meuten, sondern auch nach innen für die Produzenten wahrhast genossenschaftlich zu gestalten. Diesels Buch enthält neben manchem Phantastischen und Ver« sticgenen nichts Wahres und Richtiges, was von der Genossenschaft»« bcwegung nicht längst erkannt und erstrebt wird. k. s. Sericbts-�eitung. Die Eisbahnkatastrophen auf der Havel, bei der am Sonntag, 10. Januar d. I., bei Sakrow die Tochter des VerlagsbufojhändlerS Kirmse aus Halensee, sowie der 51aufmann Schwital aus Berlin und auf dem Wannsee der Hausdiener Max Gclliug aus Berlin erttanken. beschäftigten am Mittwoch die Potsdamer Strafkammer in einer sechs- stündigen Verhandlung, zu der 21 Zeugen und zwei Sachverständige geladen waren. Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen war der Pächter der Eisbahnen auf der Havel und dem Wannsee, Kauf- manu Adolf Steinberg aus Berlin, der sich auf die Frage des Bor- sitzenden für nichtschuldig erklärte. Er will den gesetzlichen Be- sttmmungen, die etwas kompliciert waren, nachgekommen sein. Tie im Auftrage des Angeklagten vom Fischermeister Gcricke abgesteckte Haveleisbahn ging von Wannsee aus glatt bis zur Psaueninsel. Hier mutzten die Schlittschuhläufer wegen der offen gehaltenen Rinne für die Fähre über die Landzunge hinweggehen, wo auf der andern Seite bei dem dort stehenden Pavillon die Absteckung der Bahn bis Sakrow aufs neue begann, und zwar bildete hier das Glienicker Ufer die linke Grenze, während nach der Mitte der Havel zu nur eine Reihe Rohr- büschel standen. Dadurch kam es, daß Schlittschuhläufer trotz mehrerer Plakate, die der Restaurateur Braumann aus Moorlake hatte an- bringen lassen und die die Inschrift trugen:„Nur aus der Bahn hallen", irre wurden und außerhalb der Nohrbüsckel liefen. Bei der Sakrower Fähre wurde diese Lerwirruug noch größer, weil dort von Sakrowcr Einwohnern wenige Tage vorher, um eine größere Sicher- heit zu schaffen, eine Anschlußbahn an die Eisbahn des Angeklagten hergestellt tvar, die der Fischer Gcricke durch Abhauen der Zweige wieder beseitigt hatte, weil er die Sakrowcr zur Errichtung der Bahn nicht für berechtigt hielt. Dies wurde nun dem Fräulein Luise Kirmse und dem Kaufmann Schwital zum Verhängnis. Mit einer größeren Gesellschaft waren sie von Wannsee aus nach Sakrow gelaufen und zwar von der Psaueninsel ab außerhalb der Rohrbüschel. Frl. Kirmse und Schwital liefen voriveg, wollten bei Moorlake nach Sakrow hinüber und gerieten dadurch auf dünnes EiS, sodaß sie einbrachen und er- tranken. Von den Zeugen boitundete Redakteur Kirmse, der Bruder der Ertrunkenen, daß er durch die Abgrenzung nicht darüber klar wurde, daß die Bahn links sei. Restauraleur Bramnann war dagegen der Ansicht, daß die Bahn schon von weitem kenntlich war, zumal bis Moorlake sechs Plakate angebracht waren. Seiner Ansicht nach habe der Pächter nur die sicheren Stellen der Eisbahn zu markieren. Eine Anzahl Zeugen, darunter mehrere Gendarmen, der Restaurateur Ehrecke von der Pfaueninsel, die dortigen Ueberfahrer usw. vertraten gleichfalls die Anficht, daß die Bahn richtig abgesteckt war, während eine Anzahl Schlittschuhläußer über den Lauf der Bahn im Irrtum gewesen sind. Etwa ein Drittel der Läufer ist thatsächlich außerhalb der Bahn gelaufen, meisten? wohl, weil das Eis dort besser war. Am Abend desselben Tages erttarck ferner auf dem Wansce in der Dunkel- heit der Hausdiener Gelting. Er war aus eine Stelle geraten, auf welcher der Restaurateur Dietrich vorher hatte eisen lassen. Dietrich war, wie festgestellt wurde,»einer Verpflichtung, die Stelle mft Draht abzusperren, nachgekommen, und auch dem Angeklagten Steinberg konnte aus dem' llnfall kein strafbares Verschulden nachgewiesen werden, weshalb der Staatsanwalt wegen dieses Falles die Frei- sprechung beantragte. Wecpn des Unfalles bei Sakrow beantragte er dagegen sechs Monate GetängniS gegen Steinberg. Schon aus dem Grunde, daß das Publikum er jährt, wie die Verhältnisse an der Havel liegen, sei eilte Aufklärung der Sache notwendig gewesen. Der An- geklagte habe durch seine bbeklame das Publikmu angelockt und es in den Glauben versetzt, daß die von ihm abgesteckte Eisbahn auf der Havel sicher zu betteten sei. Eine einreihige Absteckung der Bahn ge- nüge aber nicht, um Irrtümer auszuschließen. Der Gerichtshof er- kannte wegen des Wau»s«-Uufallcs auf Freisprechung, wegen des Sakrowcr Falle» dagegen auf drei Monate Gefängnis. Steinberg hätte den Eintritt in die Bahn bei der Pfaueninsek so kennt- lich machen müssen, daß jeder Irrtum ausgeschlossen erschien. Der Verurteilte hat durch seinen Verteidiger sofort Revision anmelden lassen._ Letzte JVachrkhten und Depcfcbcn, HandelSvrrtrags-Berhandlungen. Wien. 31. März. Die„Neue Freie Presse" meldet: Die erste Lesung des Handelsvertrages zwischen Deutschland und Oestreich« Ungarn dürfte in mündlichen Konferenzen Mitte April beginnen. Brüssel, 31. März.(B. H.) Die HandelSverttags- Verhand» lungen zwischen Belgien und Deutschland haben nunmehr begonnen. Wie lauge die Verhandlungen dauern, ist nicht vorauszusehen, doch hofft man in nahebeteiligtcn Kreisen, daß sich leine allzu große» Schwierigkeiten ergeben._ Amnestie. Paris, 81. März.(W. T. B.) Die Kammer nahm einen Eutlvurf betreffend Amnestie fiir Vergehen der Presse. bei Versammlungen und Ausständen an. Millevoye beantragte die Ausdehnung der Amnestie auf Personen, die vom Staatsgerichtshofe verurteilt ivurdcn. Der Antrag wurde mit 331 gegen 214 Stimmen abgelehnt. Die Kammer vertagte sich sodann bis zum 17. Mai._ Verhaftung des Kabinettschefs Nasis. Rom, 31. März.(W. T. B.) Wie„Giornale d'JtaUa" meldet, wurde gegen den Kabiucttschef des früheren Ministers Nasi, Lombardo, ein Haftbefehl erlassen._ ,Bom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Söul, 31. März.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Wie eS heißt, haben 500 entlassene koreanische Soldaten in der Nähe von Phiönjaug einen Aufstand erregt. Zusammenbrüche amerikanischer Gesellschaften. Clevcland(Ohio). 31. März.(W. T. V.) Die„Fcderal Trust Company" erklärte sich zahlungsunfähig. Die Verpflichtungen der Gesellschaft belaufen sich insgesamt auf ungefähr 3 250 000 Dollar, das nominelle Vermögen ist etwas— geringer. Boston. 30. März.(B. H.) Die Union Trust Company hat ihre Geschäftsräume geschlossen. Die Passiva betragen 1000 000 Dollar. die Aktiva stellen sich nominell etwa eben so hoch. Es soll die Bestellung eines Verwalters beim Gericht beantragt werden. Feuersbrunst. Lyck, 31. März.(W.T.B,) In dem Grenzort Grajewo Ivurden durch Feuersbrunst 18 Gebäude eingeäschert. Drei Kinder werden vermißt._ Köln, 31. März. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Cleve, das Kriegsgericht verurteilte den Unteroffizier BrauvcrS von der 9. Eompagiiie des Jnfanterie-RegimentS Nr. 56 wegen Mißhandlung Untergebener zu einem Jahre Gefängnis und Degradation. Dem- selben sind 8S7 Fälle strafbarer Uebergriffe nachgewiesen. Grlsenkirchen, 31. März.(B. H.) Der Direktor der deutschen Kraukenversichcrungskasse ist verhaftet worden. Die Ursache ist noch nicht ermittelt. Das Fortbestehen der Kasse ist gesichert. Sofia, 31. März.(W. T. B,) Der Mörder StambulowZ Halju wurde heute zu 15 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Paul Singer Berlin L W. Hierzu 4Briloge»«-Untrchaltvnssblatt Nr. 78. 21. Jahrgang. 1. SeilM des Jonöärts" berliner Bolbüslt Freitag, 1. April 1904. 'MW Mein Schlußwort über„Tempo und Taktik". So geneigt ich auch jederzeit bin, eine Diskussion so lange fortzusetzen, als es dem Gegner irgend belieben mag, so halte ich eS den Genossen Bernstein und Kolb gegenüber doch für angebracht, mich für diesmal durch ein so kurz als irgend möglich gehaltenes Schlußwort von ihnen zu verabschieden Nicht nur aus Rücksicht auf die Leser, sondern vor allen Dingen auch in der Ueberzeugung, daß Bernstein und Kolb auch in späteren Entgegnungen erfolgreich bemüht sein würden, einer konseqnenten und rückhaltslosen Ver- tretung der revisionistischen Anschauungen durch allerhand polemische Seitensprünge auszuweichen. Bei einer solchen Diskussion kann begreiflicherweise nichts herauskommen, Bernstein b e st r e i t e t, i» der Frage der Kolonialpolitik eine Stellung eingenommen zu haben, die zu der bisherigen principiell ab« lehnenden Haltung der deutschen Socialdemokratie in Widerspruch steht. Er habe den englischen Arbeitern keine Kolonialerwerbs- Politik empfohlen, sondern im Gegenteil auf die Gefahren des schon jetzt erreichten Kolonialbesitzes Englands hingewiesen: Es seien für England Anzeichen dafür vorhanden, daß„man nicht ungestraft über eine gewisse Grenze hinaus Kolonien besetzen kann". Der Kolonialbesitz beginne eine drückende La st zu werden und auf die E n t w i ck e l u n g des Heimatlandes hemmend ein- z u w i r k e n. Selbst auf das Tempo der demokratischen Reformbewegung Englands übe das Uebermaß des Kolonial- besitzeS eine verlangsamende Wirkung aus. All' diese Dinge sollen im Maiheft der„Socialistischen Monats- hefte" von 1SlX> stehen. In diesemHeftesteht nun allerdings einArtikelvon Bernstein über„Socialdemokratie und Imperialismus", allein die von ihn: citierten Stellen sind in diesem Artikel nicht aufzufinden. Der Aufsatz enthält vielmehr ungefähr das Gegenteil von dem, was Bernstein durch seine Citate erweisen will. Bernstein be st reitet nämlich in seinem Mai-Artikel, daß der britische Imperialismus Reaktion oder auch nur Retardation — sociale Krastausgabe am unrechten Orte— sei. Dieser Imperialismus sei keineswegs mit der Politik zu identifizieren, die zum Krieg in Südaftika geführt habe.(Cecil RhodeS und Chamberlain waren freilich so dumm, sich das einzubilden!) Der englische Imperialismus sei nur ein Akt der Notwehr „zu Gunsten des Freihandels." Diesem«rationellen, systematisch organisierten Reichsföderalismus" liege ein„ st a r k d e m o- kratischer, freiheitsfreundlicher �ug" zu Grunde. Er habe denn auch„bis in die äußerste Linke hinein, unter radikalen Socialreformern und Socialisten, seine entschiedenen Anhänger". Aber nicht mir den engeren Zusammenschluß der vorhandenen Kolonien an das Mutterland beurteilt Bernstein so überaus sympathisch, auch gegen die„eigentliche Expansiv ns- Politik", die koloniale Eroberungspolitik, läßt sich nach Bernstein „im Princip"„nicht viel sagen", weil England doch nur „ein möglichst weites Gebiet der unbesetzten Welt dein Freihandel zu reservieren sucht". ES wird wenig Menschen geben, die nicht gleich mir darin eine Empfehlung der englischen Kolonial» Politik erblicken werden I Nun hat Bernstein andre Citate aufmarschieren lassen, die aller- dings diesen Ausführungen Bernsteins diametral entgegenstehen. In dem Maiheste 1900, dem sie entnommen sein sollen, stehen sie freilich nicht. Womit ich aber nicht bezweifeln will, daß sie Bernstein wirklich einmal an einer andren Stelle geschrieben haben mag. Bernstein ist ja dafür bekannt, daß er jederzeit in der Lage ist, ein einmal geäußertes Einerseits durch ein irgend sonstwo deponiertes Andrerseits wieder totschlagen zu lassen. Aber wie soll ein Dritter nun wissen, welche der beiden zur gefälligen Auswahl stehenden Auffassungen nun eigentlich Bernsteins wirkliche Ueberzeugung ist? Wäre eS da nicht besser, gar keine Auffassung zu vertreten? In den: Artikel des Maihestes 1900 beurteilt Bernstein aber nicht mir außer der englischen auch die französische Kolonial- Politik sympathisch, sondern er vermag sogar der deutschen Kolonialpolitik gute Seiten abzugewinnen, obwohl Frankreichs und Deutschlands Imperialismus wahrhaftig nicht nachgesagt werden kann, daß er dem Freihandel ein möglichst großes Gebiet reservieren wolle. Gegen eine Unterstützung des deutschen Imperialismus hat Bernstein lediglich einzuwenden, daß ein Pakt der Socialdemokratie mit einer auf das Junkertum sich stützenden Monarchie unmöglich sei.„Dem Imperialismus in Deutschland fehlt das Stück Demokratie, das dem heuttgen englischen Imperialismus innewohnt, und wenn er in seinen Bemühungen um die Förderung von Deutschlands Weltha n i> e l eine dem socialen Fortschritt fö rd erlich e S a ch e vertrittnmen der Feder des damaligen russischen Gesandten in Bukare st, Hitrowo, der bekanntlich infolge dieser Enthüllungen in den Balkanländern, wo er zuerst diplomatischer Agent der russischen Regierung in Sofia war, unmöglich wurde und dann als Gesandter nach Lissabon versetzt wurde. Die portugiesische Regierung ließ sich den Organisator des Meuchelmordes auch ruhig gefallen, und die übrigen Vertreter der Großmächte verkehrten mit ihm, trotz seiner Vergangenheit, als Gleiche mit Gleichem. Andre Aktenstücke ent- stammen aus dem Ministerium deS Auswärtigen in Petersburg, ent- weder dirett der Feder des Ministers Giers oder des Direktors der asiattschen Abteilung. Melnikow. Die bulgarische Regierung hat diese kompromittierenden Doku- mente von dem Dragoman sUebersctzcr) der russischen Gesandtschaft in Bukarest erhalten,' einem gewissen I a c o b s o h n, der erst Dra- goman auf dem russischen Konsulat in Rustschuk war, dann, nachdem im November 1886 sämtliche russische Konsuln Bulgarien verlassen hatten, die Geheimarchive dieser Konsulate bis 1889 m Verwahrung hatte. Und im Jahre 1891 wurde denn auch Jacobsohn von der russischen Regierung wegen Entwendung von Dokumenten verfolgt; die bulgarische Regierung lehnte seine Ausweisung ab, aber Jacobsohn hielt es für geraten, unter Ver- wischung seiner Spuren nach Oestreich zu entfliehen. An der Echtheit der Dokumente ist nach den Erklärungen Petkows und Stambulows nicht zu zweifeln: einzelne sind bereits 1892 in der„Slvoboda", in der„Kölnischen Zeitung" und in der „Neuen Freien Presse" vor dem Erscheinen in Bücherform ver- öffentlicht worden. Soviel über das Buch. Dasselbe besitzt einen dauernden Wert; eS giebt über die verschiedensten Dinge Auskunft. auffassung nicht recht ausstehen können, so ganz übersehen, daß in dem wirtschaftlichen Entwicklungsprozeß doch auch sozusagen die Menschen eine gewisse Rolle spielen! Nichtsdestoweniger: Marx und Engels waren noch etwas zurück» gebliebene Denker, sie hatten noch nicht begriffen, daß die Entwicklung auf„organische Weise" vor sich geht, daß die kapitalistische Gesell- schaft in die socialistische„hineinwachsen" muß.„Bis zur Stunde," sagt Kolb unter Berufung auf Liebknecht und Grillenberger.„haben wir erklärt, w e n n' s auf uns ankommt, geht die Entwicklung auf organische Weise vor sich, geht alles g e s e tz l i ch." Für Kolb sind also die Begriffe„organisch" und„gesetzlich" gleichbedeutend l die Entwicklung der Organismen selbst Sprünge oder, wenn man will,„Katastrophen" aufweist. Und die ganze Weltgeschichte strotzt förmlich von Beispielen dafür, daß sich die historische Entwicklung zwar„ organisch", e n t w i ck l u n g s gesetzlich, aber gerade des» halb oft sprunghaft vollzieht. Die Säkularisation der Kirchen» güter, eine der ivirtschaftlichen Hauptbedingungen der Begründung des fürstlichen Absolutismus in Deutschland, war ein politischer, ein gewaltsamer Akt. Die Konfiskation der Kirchengüter durch die französische Revolution, ein Akt, durch den die Revolution die Bauern für sich gewann, war ein zwar„organischer", historisch bedingter und vorbereiteter, aber darum nicht minder politischer und gewalt- samer Akt. Diese Beispiele zeigen aber auch bereits, daß, so wenig der Begriff der organischen und historischen_ Entwicklung im spießbürgerlichen und polizeitechnischen Sinne verkrüppelt werden darf, ebenso wenig auch politische Akte, durch die große wirtschaftliche Umgestalttmgen herbeigeführt werden, nun auch unbedingt mit großem Blutvergießen verbunden sein müssen. Die Konfiskation der Kirchengllter 1790 wurde vollzogen durch einen Beschluß der Nattonal- Versammlung. Ueberhaupt war die Zertrümmerung des alten Feudal- staates bis dahin sehr glatt und sehr unblutig von statten gegangen. Die späteren Wirren der Revolution und die endlosen Kriege, die dann schließlich den Imperator Napoleon emporhoben, wurden zur Hauptsache hervorgerufen durch die vaterlandsverräterischen Zettelungen der aristokratischen Emigranten und die Koalitton des reaktionären Europa, also durch äußere Einwirkungen! Durch historische Analogien ist Genosse Kolb aber noch nicht beftiedigt, er verlangt ganz im Geiste des Schöpfers der Spar» Agnes einen vollständig ausgearbeiteten Kriegsplan, wie die Radikalen die politische Macht zu erobern gedenken. Kolb schreibt: Genosse H. 8. allerdings findet eine höchst„einfache Lösttng" des Konfliktes; er läßt die Bourgeoisie eines schönen Tages vor der Macht des Proletariates kapitulieren... Wie aber wird die Kapitulation vor sich gehen? Dankt die Bourgeoisie freiwillig ab oder kommt's vorher zu einem Kampf?" Kolb beantwortet sich die Frage dann selbst dahin, daß die Bourgeoisie bei ihren großen Machtmitteln nicht freiwillig abdanken werde. Es werde also zu einer„großen Entscheidung" kommen müssen.„Welcher Waffen bedient sich das Proletariat bei dieser Auseinandersetzung?" Naiver könnte Eugen Richter auch nicht fragen. Wenn ich Kolb antworten würde, die französischen Revolutionäre hätten selbst 1788 noch nicht die Frage zu beantworten gewußt, welche Formen der vorbereitete Entscheidungskampf gegen das anoien reZimo annehmen würde, so würde er das vermutlich nur für eine Ausflucht erklären. Ich will deshalb so deutlich werden, daß selbst sein historisch ungeschultes Auffassungsvermögen mich zu verstehen vermag. Daß die Bourgeoisie freiwillig, auS Großmut abdanken wird, glaube ich selbstverständlich ebenso wenig wie Genosse Kolb. Sie wird nur dem Zwange, der Gewalt weichen. Dieser Zwang braucht aber durchaus nicht, wie Genosse Kolb an- nimmt, in Straßenputschen, Barrikadenkämpfen, in einer letzten „großen Entscheidung" der Waffen zu bestehen. Der Zwang, dem die Bourgeoisie weicht, kann auch in der Furcht vor der Macht des Proletariats bestehen. Steht die Majorität der Bevölkerung hinter der Socialdemokratie, ist infolgedessen die Armee unzuverlässig geworden, neigt ein erheblicher Teil der unteren Be- amten der Socialdemokratie zu, dann wäre es für die Bourgeoisie ein verteufelt gewagtes Spiel, es mit der ultims. ratio eines großen Aderlasses zu versuchen. Namentlich, wenn sie wüßte, daß die An- Hänger der socialdemokrattschen Partei keim Waschlappen, sondern Männer sind, die sich nicht gleich einer Hammelherde niederschießen lassen würden. Die„große Entscheidung" wäre also gar nicht nötig, sogar recht unlvahrscheinlich. Der ganze Kampf durste sich vielmehr in einer Unzahl kleinerer Gefechte vollziehen. Die Bourgeoisie wird Schritt vor Schritt vor der wachsenden Socialdemokratie zurückweichen'müssen. Trotz zeitweiliger politischer Reaktion wird die herrschende Klasse dem ruhigen, systematischen Vordringen der Social« demokratte schließlich Position nach Positton preisgeben müssen. Vielleicht wird es dazu manchmal gewaltiger Demonsttationen, moralischer und wirtschaftlicher Pressionsmittel bedürfen— das läßt Wie man Loyalitätskundgebnngen macht«nd wer sie bezahlt. Ein chiffriertes Telegramm des russischen diplo» matischen Agenten in Bulgarien, des Herrn Hitrowo, an die russischen Konsuln in Bulgarien sagt, daß er, Hitrowo. mit dem Fürsten eine Rundreise durch Bulgarien mache, um der Be« völkerung den Willen des Zaren kundzuthun. Dann heißt es: „Wollen Sie güttgst veranlassen, daß unser Empfang und unsre Aufnahme möglichst feierlich geschieht. Bieten Sie alle Mühe und die nötigen Mittel auf: die hierfür verausgabten Beträge werden Ihnen ans den Summen des Geheimfonds der diplomatischen Agentie zurückerstattet 'werden." Am 28. August 1883 schickt der außerordentliche russische Agent für Bulgarien, Herr Jonin, an den russischen Konsul in Rustschuk einen Geheimbries, worin es heißt: „Der Namenstag des Kaisers ist aufs feierlichste zu begehen und Glückwunsch- Telegramme find durch den Minister des Aeußern an Seine Majestät zu übermitteln." Dann wird Anweisung gegeben, diese Feiern „möglich st demonstrativ zu begehen, damit wir uns, wenn es nötig wird, auf den allgemeinen und öffentlich ausgedrückten Volks willen berufen können." Wie regieningsfreundliche Wahlen gemacht werden. Ein Cirkular des Herrn Hitrowo an die russischen Konsuln in Bulgarien aus dem Jahre 1831 besagt:� „Der Kriegsminister in Bulgarien fder russische General Ehrenroth) teilt mir persönlich mit, daß im Ministerrat beschlossen worden ist, einige hervorragendere Persönlichkeiten unter den An- hängern der früheren Minister und unter den aus dem Dienste entlassenen Beamten zu verhaften. Nach Meinung des Generals Ehrenroth sind diese Maßregeln unumgänglich not- wendig, da der für die Wahlen zur großen Sobranze lVolks- Vertretung) festgesetzte Zeitpunkt herannaht. Indem so rechtzeittg die einflußreich st en Personen der Oppositi'ons- Partei von der Teilnahme an den Wahlen fern- gehalten werden, glaubt der General Ehrenroth, daß die große Sobranje sich ausschließlich aus unfern An« h ä n g e r n zusammensetzen wird." In einem Privatbriefe zu diesem Cirkulare schreibt Herr Hitrowo weiter, daß diese Verhaftungen und Haussuchungen bei den Führern der liberalen Partei dem freien Ermessen der eigens ernannten außerordentlichen Kommissare zustehen. In einem andern Rundschreiben werden direkte Anweisungen ge- geben, wie das Geheimnis der Wahl gebrochen werden könne, und dann heißt es rynisch' '' natürlich so genau nicht borauSsagen, wenn auch gerade die Na- taten zuletzt etlvaS gegen eine gründliche Erörterung der elicntncll anzuwendenden proletarischen Kampfesmittel einzuwenden haben werden. Mir ist lvcnigstenS nicht bekannt geworden, dah �in Radikaler gegen KautskyS Erörterung des Generalstreiks pro- testiert hatte. . Wie Äolb herborhevt, hat aber auch Kautsly selbst bou der grostcn Entscheidung gesprochen. Mit dieser grostcn Entscheidnng hat aber Kautsky iir Dresden nur den letzten Akt des Kampfes, die Er- greifung der Rcgicrungsgcwalt durch das Proletariat, verstanden. Aber auch dieser Akt kann unblutig verlaufen, indem die allmählich schachmatt gesetzte, r e g i e r u n g s u n f ä h i g gewordene Bourgeoisie einfach zu Gunsten des Proletariats abdanken mich. Diese KautSkysche Auffassung von den bevorstehenden Kämpfen des Proletariats,� die von der von mir vertretenen durchaus nicht ab- weicht, beweist folgende Stelle auS KautSkys kürzlich erschienener Broschüre„Die sociale Revolution": „Fast möchte ich sagen, sie(die„kommende Revolution") wird weniger einer plötzlichen Empörung gegen die Obrigkeit und inehr einem l a n g d a u c r n d e n B ü r g c r k r i c g e gleichen, wenn man mit dem letzten Worte nicht die Begriffe von w i r kl i ch c n K r i e g e n und Gemetzeln verbände... Der Militarismus kann nur dadurch gebrochen werden, dast das Militär s e l b st unzuverlässig erscheint, nicht dadurch, daß er von einem empörten Volke besiegt wird." Man sieht, zu diesem Kampfe bedarf es wirklich nicht erst eines minutiös ausgearbeiteten Schlachtcuplanes, den Kolb so stürmisch von mir fordert, sondern lediglich der Aufklärung und Disciplinicrnng der Massen einerseits und der Abwehr aller ver- flachenden und entnervenden Tendenzen andrerseits. Bereit sei» ist hier alleS! Nun könnte Genosse Kolb sagen:„Bah, durch solche Mittel wird sich die Bourgeoisie nichts abnötigen lassen. So dumm ist sie nicht. sich nach und nach das Heft aus den Händen ringen zu lassen." Ja, wenn es auf den Willen der Bourgeoisie ankäme! Aber welche Mittel könnte sie denn anwenden, um die Verbreitung der Social- deniokratie einzudämmen? Sie könnte das Wahlrecht verschlechtern, die parlamentarische Vertretung der Partei d-cimicren, die Presse chikanicrcn, das Versammlungsrecht schmälern— allein eine Bc- wegung wie die socialdemokratische würde dadurch in ihrem Fort- schritt auf die Dauer nicht aufgehalten ivcrdcn können. Im Gegen- teil, je kosakischer unser öffentliches Leben geknebelt würde, desto gewaltiger würde die llnzusricdcnhcit um sich fressen. Und schließ- lich hat die besitzende Klasse doch nicht nur ihren Gcldsack zu verteidigen, sondern auch den Schein einer gewissen Kultur zu wahren. Die Bourgeoisie kann eS in ihrem eigensten Interesse nicht wagen, die Kreise der Intellektuellen, deren sie doch gerade zur ideologischen Verklärung des Kapitalismus bedarf, durch asiatische Brutalität abzustoßen und in die Reihen der proletarischen Revolutionäre zu treiben. In meinen früheren Artikeln habe ich ausgeführt, daß cS nach dem bisherigen Tempo des Wachstums der Socialdemokratie keines- Wegs ausgeschlossen sei, daß in einem Menschcnaltcr die Social- dcmokratie zur Mehrheit des Volkes geworden sei und demgemäß die politische Macht erobern werde. Das Rekrutierungsgebict der Socialdemokratie märe dazu zweifellos groß genug. Und wenn wir nicht annehmen wollen, daß künftig Z s ch o p a u vorbildlich für unser Marschtempo werden loird, so ist meine Vermutung keineswegs überfchlvänglich. Von„Prophezeien" ist dabei gar keine Rede, sondern lediglich von nüchternen Schlüssen aus dem bisherigen Gang der Entwicklung. Ein Prophezeien ist es im Gegenteil, wenn Revisionisten wie Kolb erklären: Nein, so rasch wird es nichtgehen. Warum denn nicht? Warum soll sich denn mit einem Male die Progression der socialdemokratische» Partei so sehr verlangsamen? Sind unsre Ideale etwa fadenscheiniger geworden, hat unsre Social- kritik an Berechtigung verloren, ist die Werbckraft des Socialismns geringer geworden? Die Reichstagswahl von 1903 hat das jedenfalls nicht bewiesen! Freilich, Ivenn man fortfährt, nach Kolbscher Methode Flau- m a ch e r e i zu treiben, die Aussichten des Socialismus so schwarz als möglich zu malen, so könnte es schon möglich sem, daß die Bewegung ihren großen Zug. ihre Begeisterungsfähigkeit mehr und mehr verliert und das Tempo ünsrcs Vormarsches sich merklich ver- langsamt. Denn bei dem rat- und inhaltslosen Gerede des Genossen Kolb über die allmähliche, teilweise Besitzergreifung der politischen Macht, über die„organische", gesetzliche Entwicklung, über die Notwendigkeit einer„Evolution" vermag man sich nicht einmal etwas zu denken, geschlveige ctwaS zu fühlen. Genosse Kolb verlangte von mir Auskunft über Wege und Mittel zur Eroberung der politischen Macht: viel notlvendigcr wäre es gewesen, daß e r unS die r e v i- s i o n i st i s ch e Taktik ein wenig klarer auseinandergesetzt hätte. Worin soll die„organische",„evolutionäre" gesetzliche Entwicklung bestehen? Wie denkt man sich das Hineinwachsen, die teilweise Anteilnahme an der Regiernngsgewalt? Offenbar nach dem Vorbild des französischen M i n i ft e r i a l i S m u S, der an die Stelle des klaren KlnssenkampfstandpunkteS das Paktieren und Schachern mit der Bourgeoisie gesetzt hat. In Frankreich hat man Militär- und Mari neforderrin gen betvilligt, dort „Nach Meinung des Generals Ehrenroth ist diese Art der Vornahme von Wahlen nicht sehr gesetzmäßig, aber auS- gezeichnet zur Erreichung des gewünschten Zweckes." Amtlicher mid nichtamtlicher Verkehr. Wir werden im Nachstehenden noch dokumentarische Beweise für die Thatsache erhalten, daß nicht bloß die Staats ft reiche und Verschwörungen in Bulgarien mit Wissen und Wollen.und mit den, Gelde der russischen Regierung vorbereitet und in Scene gesetzt wurden, sondern auch Dynamit- Attentate und Versuche zur Ermordung sowohl des Battenbcrgers als des jetzigen Fürsten Ferdinand von Coburg. Da liegt es natürlich auf der Hand, daß die russische Negicrung es nach Möglichkeit zu vermeiden sucht. Beweise für den offiziellen Verkehr ihrer Beamten»nt den Verschwörern, Attentätern und Fürsten- mördern in Erscheinung treten zu lassen. Gelingt der Zweck, gut; dann werden, wie in Serbien, die Verschwörer und Mörder be- lohnt; verunglücken solche Unternehmungen, dann iverden die Arran- geure einfach' verleugnet. Dieses Rezept ist ebenso einfach wie alt; für seine Richtigkeit erbringt unser Buch eine Reihe von Beweise». In Nr. 13 der Aktenstücke meldet Herr H i t r o w o dem Konsul in Nnstschuk, daß im asiatischen Departement des auswärtigen Amtes in Petersburg der bisherige Chef Melnikow versetzt und an seine Stelle Iwan Alexeiwitsch Sinolvjelv kominen werde. „Ich persönlich habe, wie Ihnen bekannt, nichts gegen Iwan Alepeiwitsch, doch ist er der schreckliche Reformator und voll von Eigenliebe, dabei der f ii r ch t e r l i ch st e F o r m a l i st und Bureaukrat, ich aber bin immer der entgegengesetzten Meinung. Herr Melnikow sagt, daß er die Absicht hat, sich aus dem Departement versetzen zu lassen. Ich bedauere das lebhaft, denn mit ihn, konnte man über alles reden, mit Iwan Alexeiwitsch giebt es nur amtlichen Verkehr." Wie hübsch diplomatisch ist das ausgedrückt! Mit Melnikow konnte man„über alles reden", sein Nachfolger ist aber ein fiirchter- licher Formalist und Bureaukrat, d. h. er ist für solche Infamien, wie sie Herr Hitrolvo als Lockspitzelchef inscenieren muß, nicht zu haben. Und amtlich darf man ja nur„beobachten", nicht aber— corriger la kortune! Es kommt aber noch deutlicher. Am 3. März 1887 depeschiert Hitrowo, damals russischer G e- s a n d t e r in Bukarest, daß der Rustschukcr Präfekt Mantow bereit sei, mit dem bulgarischen Agenten Stambulow— im August 1889 war bekanntlich Fürst Alexander durch eine von Ruß- land angezettelte Verschwörung entthront worden— zu unterhandeln wegen Wahl des Grafen Jgnatiew zum Fürsten von Bulgarien. ist man für Kolonialfordcrungen eingetreten. Das ist ja, wenn man die teilweise Eroberung der politischen Macht anstrebt, durchaus logisch. Die deutschen Revisionisten haben für das Vorgehen der französischen Socialisten ja auch keinen Tadel ac- habt. Logischerweise m ü s s e n sie auch für Deutschland die gleiche Taktik anstreben. Bernstein hat ja auch, wie ich nnchgelvicsen, die Unterstützung des deutschen Imperialismus nur deshalb abgelehnt, weil er von einer politisch reaktionären Regierung ge- trieben werde! Die bisherige Taktik der Socialdemokratie bestand in der schroffen, p r i n c i p i e I l e n Ablehnung der Stärkung der Macht- und K o n s e r v i e r u n g s ini t t e l des kapitalistischen Staates. Sie bestand in der konsequenten Stärkung der prole- tarischen Macht, durch die man der Bourgeoisie die Herrschaft ab- trotzen zu können glaubte. Diese proletarische Macht besteht aber vor allen Dingen in der R e i n b e i t des s o c i a l i st i s ch e n Princips, in dem entschlossenen Willen des organi sierten, klassenbewußte» Proletariats, der kapitalistischen Herrschaft sobald a l s in ö g l i ch ein Ende zu bereiten. Tie r e v i si o ni st i sch e Taktik will den Kapitalismus nicht durch politische M a ch t e n t f a l t u n g überwinden, sondern durch ökonomische Entwicklung der Gewerkschaften, der Konsumvereine und p a r l a m e n t a r i s ch- m i n i st e r i e l l e S ch a ch e r p o l i t i k. Die materielle Macht des Kapitalismus soll ausgehöhlt, seine politische Macht pfennigweise ausgekauft werden. Diese Taktik vermag nie und nimmer zum' Ziele zu führen, lim von der Regierung Konzessionen zu erhalten, muß sie Stück für Stück die socialistischcn Prin cip i e n pr e i s g eb c n, nmß sie die socia- listische Kritik des Kapitalismus a b st u m p f e n I Der Socialismus degeneriert damit zur demokratischen Reformpartei, die nicht mehr die Kraft, ja schließlich nicht einmal mehr den Willen hat, den Kapitalismus mit der Wurzel auszuheben. Die Socialdemokratie wird mit ihrer alten, auf dem DreS- dencr Parteitag von neuem anerkannten Taktik siegen oder sie wird überhaupt nicht siegen! H. S. Genosse Kolb erklärt, daß er keinen Unterschied zwischen Er- oberung der politischen Macht und Ergreifung der Staatsgewalt zu entdecken vermöge, und das ist glaubhaft. Aus dieser mangelnden Unterscheidung erklärt sich wohl ein erheblicher Teil seines Kampfes gegen einer» angeblichen Widerspruch zwischen Theorie und Praxis. Politische Macht ist eine Potenz von verschiedenem Umfange; der .Besitz der Staatsgewalt ist die höchste Erscheinungsform politischer Macht. Politische Macht besitzt die socialdemokratische Partei heut schon. Die hat sie schrittweise erobert und sie will und wird sie schrittweise vergrößern, bis sie zur Ergreifung der Staatsgewalt aus- reicht. Genosse Kolb wird nur durch sein mangelhaftes Unter- schcidungsvcrmögcn zu der im Tczcmbcrheft der Socialistischen Monatshefte ausgesprochenen Behauptung verleitet, die Dresdener Resolution 139 verbiete die schrittweise Vergrößerung unsrer politischen Macht, weil sie sich des Ausdrucks bedient:„Eroberung der politischen Macht durch Ucbcrwindnng unsrer Gegner". Gcnoffc Kolb wird nicht unterstellen wollen, daß die Mehrheit des Dresdener Parteitages blödsinnig lvar, als sie diesen Satz aeccpticrte. Das müßte sie aber gewesen sein, wenn er den Sinn hätte, die schrittweise Eroberung politischer Macht zu verbieten. Um politische Macht auszuüben, muß man über Machtmittel verfügen. Es wurzeln aber alle materiellen Machtmittel am letzten Ende im Volke und solvcit uns heut ein Teil des Volkes Vertrauen entgegen bringt und uns anhängt, soweit haben wir politische Macht, und da kein vernünftiger A keusch auf den Gedanken kommen wird, daß wir unsre Anhängerschaft im Volke anders als auf dem bisherigen Wege, durch die bisherigen Akrionsmittcl so weit vermehren können, daß sie uns seinerzeit zur Ergreifung der Staatsgewalt befähigt, so ist sckbstverständlich, daß auch die Dresdener Resolution nicht den Unsinn enthält, das verbieten zu wollen. Was die Wendung„durch Ucbcrwindnng unsrer Gegner" sagen will, bc- zieht sich nur auf die Art, wie nur unsre politischen— parlamentarischen und außerparlamentarischen— Kämpfe führen sollen. Denn es entspringt natürlich Iviederuin nur dem mangelnden Unter- schcidungsvcrmögcn d-cs Genossen Kolb, wenn er Kautsky entgegen- hält, bei der Auffassung, daß es zu einem letzten entscheidenden Kampfe zwischen Proletariat und Bourgeoisie kommen werde, müßten wir unsre ganze parlamentarische Thätigkeit als nutzlos ansehen, könnte der ganze zweite Teil unsreS Programms innerhalb des kapi- talistischcn Staates auch nicht teilweise verwirklicht werden. Unsre parlamentarische Position ist bereits ein tcilwciscr Ausdruck der politischen Macht, die wir besitzen. Durch unsre parlamentarische Thätigkeit üben wir einen Teil unsrer politischen Macht aus, und unsre parlamentarische Thätigkeit trägt wiederum dazu bei, unsre politische Macht zu mehren. Bis zn welchem Grade iiiiierhalb der gegenwärtigen Staatsform der zweite Teil unsres Programms ver- wirklicht werden wird, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Daß wir auf dem Wege zu seiner Verwirklichung sind, ist eine That- fache, sei das vor uns liegende Stück Weges auch noch so groß, llnsre inner- und außerparlamentarischen Thätigkeit„ü b e r w in d e t" Schritt um Schritt die Widerstände der herrschenden Klasse. sAIS Gesandter in Konstantinopel hatte sich Jgnatiew bekanntlich den Beinamen„Vater der Lüge" erworben). Dafür verlange Mantow„die bescheidene Summe von 15 999 Napoleons" und Hitrowo bittet um Verhaltungsmaßregeln. Am 19. März erhielt er in chiffriertem Telegramm vom Direktor des asiatischen Departements die Antwort: „daß das kaiserliche Ministerium des Auswärtigen gestattet, Verhandlungen mit Herrn Mantow als P r i v a t p e r's o n zu führen. Die Geldfrage wollen Sie, gnädiger Herr, nach Ihrem Ermessen lösen". Am 14. März meldet Hitrowo nach Rustschnl an den Konsulats- Dragomau: „Teilen Sie Herrn Mantow mit. daß er zu privaten Besprechungen mit mir Über die bewußte Angelegenheit nach Bukarest kommen kann. Ich kann ihn nicht als amtliche Person empfangen." Die Affaire Mantow werden wir weiterhin behandeln, sie hat noch eine andre interessante Seite. Am 4. November 1887 aber sendet der Direktor des asiatischen Departements des Auswärtigen Amtes in Petersburg an den russischen Gesandten in Bukarest, Hitrowo, folgende Depciche: „In Beantwortimg des geheimen Telegramms vom 2. November habe ich die Ehre, Ew. Excellenz zu benachrichtigen, daß es wünschenswert ist. daß die Unterhandlungen des ersten Sekretärs der kaiserlichen Gesandtschaft mit dem Major Panitza einen privaten Charakter haben und daß die Zusammenkunft des Herrn Willamow leben dieses Sekretärs) mit genanntem Offizier in einer der Donaustädte Rumäniens stattfindet. Uebcr die Bedingungen des MajorS Panitza und das Ergebnis der Unter- Handlungen mit ihm wollen Sie die Güte haben, gnädiger Herr, mich mit telegraphischer Benachrichtigung zu beehren." Bereits am 18. Oktober hatte derselbe Direktor an Hitrowo depeschiert: „Dem Herrn Jacobsohn einzuschärfen, im gegebenen Falle äußerst vorsichtig zu sein, damit unsre Teilnahme an der Entfernung des Prinzen Coburg aus Bulgarien durch Verschwörung(eben dieses MajorS Panitza!) nicht bekannt werde. Arn 29. Juni 1890 wurde der Major Panitza wegen Ver- schwörnng gegen das Leben des Fürsten Ferdinand k r i e g S- gerichtlich erschossen! Nun erhält die Aufforderung an die Beamte» der Gesandt- sch oft, mit ihm nur privatim zu verkehren, nachträglich ihre richtige Bedeutung. Ueberlvinden der Gegner, sagt die Dresdener Resokutiolt. Da? heißt keineswegs nur grob körperlich überwinden, sondern durch rück» sichtsloses Fordern und Propagieren unsrer Forderungen alle Kräfte des Volkes aufzurütteln, alle geistigen Kräfte wachzurufen und auf einen bestimmten Punkt konzentrieren, um dem Gegner Zugeständnisse abzuringen, die er aus völlig freiem Antriebe nicht gemacht hätte. DaS schließt nicht ans, daß der Gegner eines Tages(aber bitte nicht gleich wieder an den Kalendertag von 24 Stunden denken) doch nicht mehr nachgiebl und sich der Tränger durch Gewaltakte zu erwehren versucht. Die Dresdener Resolution will nicht eine Politik des Entgegen- kommens an die bestehende Ordnung. Das heißt sie will nicht, daß, wenn sich die herrschende Klasse keine Zugeständnisse mehr abringen lassen will, wir das als ausreichenden Grund ansehen und nun unsre Politik des Vorwärtsdrängcns aufgeben, weil die herrschende Klasse sonst ungemütlich Iverden könnte, daß wir nunmehr auf dem Wege zur Eroberung der polit'schen A lacht einhalten sollen, sie will viel- mehr, daß wir auch dann, also überhaupt unter allen Umständen die uns zur Verfügung stehenden Kräfte und zweckentsprechenden Mittel anwenden, um den Gegner zu überwinden, seinen Widerstand zu be- siegen. Jetzt sind unsre Mittel die parlamentarische und außer- parlamentarische politische Aktion, die Agitation, die gewerkschaftliche und überhaupt alle Formen der Arbeiterbewegung, die wir bcthättgen uwd die wir noch finden können. Es können Zustände eintreten, wa uns diese Kampfmittel genommen oder ihre Anwendung doch so er- schlvert wird, daß sie uns nicht mehr genügend fördern; dann müßten andre Kampfmittel gefunden werden, die uns gestatten, unsre politische Macht zum Ausdruck zu bringen und zu mehren. Tie politische Macht ist für uns das Mittel, in den Besitz der Staatsgewalt zu kommen. Besitz der Staatsgewalt das ist Ver- fügung über den Regierungs- oder besser Verwaltiingsmechanismus. Sie wäre wertlos für das Proletariat, wenn sie erlangt würde durch Zugeständnisse an die herrschende Klasse, anstatt als Sieg der politischen Macht des Proletariats über seine Gegner. Politische Macht entsteht auf ökonomischem Grunde, durch be- wußte, auf Zusammenfassung der vorhandenen Kräfte gerichtete Thätigkeit; sie kann in friedlicher Fortentwicklung bis zur Ergreifung der Staatsgewalt gelangen, es kann aber die Ergreifung der Staats- gewalt durch eine politische Macht auch in einer Reihe gewaltsamer Kämpfe erfolgen._ d. w. Dkl Zlerbandstag des Mühlknarbeiter-Verbandes wird heute, Freitagabend 9 Uhr, im Gewerkschaftshaufe zu Berlin eröffnet. Auf der Tagesordnung steht vorläufig: 1 Konstituierung. 2. Geschäftsbericht der Hauptverwaltung und des Ausschusses. 3. Die UiitcrstützimgS-Einrilbwngen unsres Verbandes. 4. Unsre Lohnbewegungeii. S. Presse. 9. Gau-Einteilung und Agi- tation. 7. Anträge. 8. Wahlen w. Der Verband hat seit dem vorigen Verbandstage rund tausend Mtgliedcr gewonnen und ist der Bestand mit Abschluß des vierten Onartals 3133. Aufnahmen wurden in der Geschäftsperiode rund 4990 gemacht. wovon 3999 wieder verloren gingen, ein Beweis dafür, daß die Fluktilanoil noch eine erschreckend große ist. Der Kasseiibestaild war am 1. Jaiiliar 1991 5942,39 M. Am 1. Januar 1994 beträgt er 25121,45. Die Beiträg», wurden auf Vesckckuß des vorigen VerbaudStages am 1. Juli 1991 von 29 auf 39 Pf. erhöht und gleichzeitig die Kranken- und Arbeitslosen- Uiitcrstützllilg eingeführt. Eoenfalls wurde eine Sterbckasse be- schlössen, wofür je 19 Pf. im Unilageverfahren zu zahlen sind. Trotz der verhältnismäßig günstigen Kassenvcrhältnisse soll eine lvcitcrc Erhöhung der Beiträge auf 49 Ps. pro Woche stattfinden, cinnral. um die Unterstützniigs- Einrichtungen auszubauen, zum andern, um sim auf energisches Vorgehen zur Verbesserung der Lohn--c. Verhältnisse im Berufe zu rüsten. Werden doch in Berlin noch Anfangslöhne von 21 M. pro Woche und darunter bezahlt, und in der Provinz ze. sieht es entsprechend noch schlechter aus. Von Solilitagsruhe und einer geregelten Arbeitszeit kann durchweg keine Rede sei». Zwar hat ja der BnndeZrat eine Verordnung erkassen, betitelt: „Soiiiitagsruhe im Miillergewerbe", auch eine weitere:„Arbeitszeit im Miillergcivcrbe"— aber beide sind einem Siebe vergleichbar, in das man trockenen Sand schüttet. Die Soimtagsarbeit ist ohne weiteres gestattet für Mühlen mit linregelmäßiger BctricbSkraft an 29 Sonntagen im Jahre. Und regelmäßige Wasserkraft haben sie fast alle nicht und so wird nicht mir 29 Sonntage gearbeitet, sondern, und das namentlich auf dem flachen Laude, auch an allen übrigen Sonntagen, zum Teil auch während der Feiertage und der Kirchzcit! Bezüglich der Arbeitszeit gestattet das Gesetz eine solche für Groß- lind Kleinbettiebe von 14 bezw. 19 Stunden täglich. Es versteht sich, daß diese Zeit gewissciihaft ailsgenutzt wird. Und da sage man noch, daß im Mühlengewerbe nicht weitgehender gesetzlicher Schutz bestiiiide. Aus all dem erhellt, daß auch der diesmalige Verbandstag folgenschwere Beschlüsse wird zu fassen haben, um dazu beizuttagcn, daß cS möglichst schneller wie bisher gelingt, Licht in dies dunkle Eldorado u'iiternchmerlichcr Allsbeiltiingskimst zu schaffen. Nicht die Gesetzgebung wird helfen, sondern nur durch ange- strengteste AgitationS- und Organisationsarbeit auch in den dunkelsten Teile» des Reiches kann Abhilfe geschaffen werden. In diesem Sinne sehen wir den Beschlüssen des Vcrbandstages vertrauensvoll entgegen und sind die Vertreter unsrer Kollegen in dem schönen Heim der Berliner Arbeiterschaft herzlich willkommen geheißen. Vorstand des I. Gaues. "Weizen, gut D.-Cw. mittel gering "Roggen, gut . mittel gering fGerste, gut , nlittel gering fHafer, gut mittel genug Richtstroh Heu Erbsen Spcisebohnen Linsen » ab Bahn. Marktpreise von Berlin am 30. Marz 1904 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. ' Kartoffeln, neue D.-Cw. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Lauch. Schweinefleisch. Kalbfleisch» Hammelfleisch ulter Eier öS Slück Karpfen 1 kg Aale Zander. Hechte Barsche» Schleie. Bleie Krebse per Schock f frei Wagen und ab Bahn. 8.00 1.80 1.40 I.SS 1,80 1.80 2,60 4.00 2,40 3.00 3,00 2.20 2,00 3.00 1,40 15.00 «,00 1.20 1.10 1,00 1,20 1.20 2,00 2,80 1,20 1,40 1.20 1,20 0,80 1.40 0,80 3.00 «itterungöübersicht vom 3t. März 1904. morgens« Uhr. -wincmde. -e.mburg lerlin ftrankj.a.M München Wien 75t WSW i5,!2W 752'© 754!® 753 W 751©NW 2Regcn 4 bedeckt 2 bedeckt 2bcdeckt 4bedcckt 5, Regen Haparanda Petersburg Eork Zlberdeen Paris 775 Still 775O - wölken! t wollen! 754 ©SD 2 heiter Wettcr-Prognose für Freitag, den l.«pril t»vt. Zunächst ausllarend, nachts sehr kühl, am Tage wärmer bei lebhaste» südliche» Winden: später neue Trübung und etwas Regen. Berliner W-tterbur,,». ßriefhaften der Redaktion. A. K. 44. Polizeidircktor v. Meerscheidt> Hüllessem hat stch a» 21. Dezember 1SV0 getötet. Me WM-Siieimsiilliq SW. Lindenstrafie 60, Laden. Schriften von Karl Man: Das Kapital. Kritik der Politischen Ockonoinie. 233/1» 1. Bd.: Der Produktionsprozcb des Kapitals. 4. Aufl. M. 9,—; in Halb frz. gcbd. M. 11— 2. Bd.: Der CirlulationSprozcfl des Kapitals. 2. Aufl. M. 8.—; in Halbsrz. gcbd. M. 10,— S. Bd.: Der Gcsamtprozefl der kapitalistischen Produktion. Zwei Teile. M. 10,—; in Halbsrz. gebd. M. 14,— Die Klassenkampfe in jyrankrcich 1848—50. Mit einer Einleitung von Friedrich Engels. M. 1,— Der Bürgerkrieg in Frankreich. Adresse des Generalrats der Jntcr- nationalen Arbeiter« Association. M.—,30 Eutflüllungen über den Kommu- nisten- Prozeß z« Köln. Mit Einleitung von Fr. Engels und Dokumenten. M.—,25 Lohnarbeit und Kapital. Separat- abdruck aus der„Neuen Rheinischen Zeitung" vom Jahre 1849. M.—,20 DaS Elend der Philosophie. Antwort aus ProudhonS„Philosophie des Elends". Deutsch von Ed. Bernstein und K. Kants ky. Mit Vorwort und Noten von Fr. Engels. Brosch. M. 1,50; gebd. M. 2,— Blarx vor den Kölner Ge- schworenen. Prozeh gegen den Ausschuß der rheinischen Demo- traten wegen Ausrufs zum bc- wafsncten Widerstand(9. Febr. 1849). Mit Vorwort von Fr. Engels. Neue Auflage. M.—.20 Revolution und Konter-Revo- lntion in Teutschland. Deutsch von Karl Kautsky. Brosch. M. 1,50; gebd. M. 2,— Der 18. Brnmaire des Louis Bonaparte. M. 1.— Bernhard Vaer parterre und I. Etage. 5 Rosenthalerstrasse 5 Telephon: Amt III, 1129. Jacket-Anzüge gestreift Kammgarn, und klein gemustert Cheviot 36, 33, 30, 28. 27, 24, 22, 2000 Jacket-Anzüge schwarz, blau und farbig Q B Qft 40, 36, 35, 33, 32, 30, 28, 26, Jacket-Anzüge Ersatz für feine Massarbeit Geh rock- u. Rock-Anzüge schw. Satin und Kammgarn 55, 50. 48, 40, 36, 32, m Fr ü h j ah rs- Pal etots marengo Cheviot, gestreift Kammgarn- 41?[Ifl Covercoat. 32, 29, 28, 27, 25, 24, 20, j J Sommer- Paletots Ersatz für feine Massarbeit 36, 33, 30, 27, 23, 50, 45, 40, 36, 30. M — Abteilung für Kindergarderobe. M° Schul- und Spiel-Anzug, r 2—4, 5-6, 7-9 J oo so g 50 schwarz- woiss, hochge- tür 2—4, 5-6. 7—9 Jahre scbtoasen oder Matrosen- lorm, Blusen-Anzug, dunltol gemnatort, lür 3—4. 5-6. 7—8, 9-10Jaliro hochgoachloseen, g* 50 � 50 q% 50 Cl 50 Beinkleid gelüttcrt. � � P01 0ri pj 0 blau Cheviot mit rotem mr ,a,lr0 Capuchon 4 03 5 00 ß00 blau Cheviot mit Abreichen, Bergeiuttcr @50 750@60 g Cheviot-Beinkleider tu?uÄnhre 8 40 10-1� I80' Pyjack, mr 2—4 5-8 7—9 Jahre 450@50@50 jKarienbnrger- P_£oltcrie. Ziehung: 14.-16. Aprif. 8840 Geldgewinnt bar ohne Jeden Abzug zahlbar von Mk. ssooo Hauptgewinno: Mark 60 000 i®«as 40000 etc. etc. etc. Orieinaiiose k 3 9Inrlc. Für Porto und löst» SO Pf. extra. Oscar BrioetSCcJacItf. G. m. b. IL, Bankgesobnft, BerllcW., Frlcdrlohstr. 181. Filialen: »TW. Wilsnacliernti-. 03 O. Andi-casstr. 40a. SO. Oranienstr. 177, il. j Gelegenheitskäufe in Damen- Konfektion t Kostüme von 12 M. 50 Pf. an Paletots von 7 M. 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ITIit dem 1. flpril 1904 eröffnen wir ein neues Abonnement auf den„Vorwärts" mit seinem wöchentlich fünfmal ericheinenden Qnterhaltungsblatt und der Sonntagsbeilage„Die Neue ülelt". Für Berlin nehmen sämtliche Zeitungsspediteure sowie unsre Expedition, Cindenstrasse 69, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von i JMarh 10 Pfennig frei ins Daus. Für das übrige Dcutlchland nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen zum Preise von i jNIarh io Pfennig pro JVIonat (auslchlicsslich 14 Pfennig pro TNonat Bestellgeld) entgegen.(In der Post-Zeitungslistc lind jetzt die Zeitungen nicht mehr nach Nummern, fondern nach dem Alphabet geordnet.) Die Einziehung des Zeitungsgeldes von den bisherigen Postabonnenten erfolgt gegen Quittung durch die Briefträger, die zur vollgültigen Quittungsleistung berechtigt sind. Neu hinzutretende Postabonnenten können die Zustellung der Zeitung und die Einzahlung des Zeitungsgeldes auch fchriftlich bei der zuständigen Postanstalt beantragen. Für derartige Bestell Ichreiben etc. wird eine Gebühr nicht erhoben. Im Ruslande kann der„Vorwärts" gleichfalls bei der Post bestellt werden; der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich in Belgien 5 Fr. 1 Cts.; Dänemark 3 Hr. 86 Oerc; Rolland 3 Fl-; Italien 5 tire 61 Cts.; Luxemburg 4 Alk. 12 Pf.; Portugal 1455 Reis; Rumänien 6 Lei; Schweden 3 Kr. 87 Ocre; in der Schweiz 5 Fr.; in England, Frankreich, Spanien, den Vereinigten Staaten von Nordamerika und andren zum Weltpostverein gehörenden Ländern S mark. Unter Kreuzband direkt von der Expedition bezogen kostet der „Vorwärts" pro Monat 2 Mark innerhalb Deutichlands und seiner Kolonien, in Ocstreich-Ungam und Luxemburg, im Ausland Z Mark pränumerando. Redaktion und Expedition des„Vorwärts". Die Nachwahl in Zschopan-Marienberg. Die»Wiener Arbeiterzeitung" beschäftigt sich in einem längeren Leitartikel mit der Wahl in Zschopan-Marienberg Bei dieser Gelegenheit geht sie auch ziemlich ausführlich aus die Frage ein, wie der Einspruch gegen die Kandidatur Göhres zu würdigen sei. Die Meinung des leitenden Blattes unsrer östreichischen Bruderpartei, die stets in engster Fühlung mit uns steht, wird den deutschen Parteigenossen gewichtig genug erscheinen, um sie über diese Frage zu hören, um so mehr, als es sich hier um eine gewissermaßen außerhalb des Streites stehende Stimme handelt, deren vollste Objektivität nicht angezweifelt werden kann. ES sei noch vorausgeschickt, daß der Artikel zwar die Mandatsniederlegung durch Göhre im 16. Kreise ebenso wie die anfäugliche Ahmahme des Mandats im 20. Kreise als tadelnswerte Fehler bezeichnet, sonst aber Göhre in persönlicher Hinsicht durchaus sympathisch behandelt. Dies vorausgeschickt, lassen wir folgen, waS das Blatt über daS Verhältnis zwischen Einzel- vrganisation und Gesamtpartei sagt: »Aufgestellt wird der socialdemokratische Kandidat wohl an einem Orte und gewählt wird er in einem Wahlbezirk. Aber der socialdemokratische Abgeordnete vertritt keine Kirchturmsinteressen und ist nicht der Erwählte eines einzelnen Bezirkes. Jenes ist also imr die Form, in Wahrheit ist es aber so, daß der social- demokratische Kandidat von der Partei aufgestellt wird, der social- demokratische Abgeordnete der Vertrauensmann der Gesamtheit der Parteigenossen sein muß. Fehlt dieses Erfordernis, fehlt das unerläßliche Vertrauen, nein, fehlt bloß die Zustimmung der Gesamtpartei, die sich verkörpert in den durch den Willen der Parteigenossen berufenen Instanzen und Institutionen, so schwindet'jene Grundlage, auf welcher allein ein für die Sache der Partei ersprieß- licheS Wirken möglich ist. Irren kann jeder, und es ist ebenso möglich, daß die deutschen Parteileitungen geirrt haben, als sie den Parteigenossen Göhre vorläufig als eine für das ver- antwortungsvolle Amt eines soeialdemokratischen Abgeordneten un- taugliche Person erachtet hatten, als es wahrscheinlich ist, daß der Wahlkreis geirrt hat, da er ihm diese Tauglichkeit zuerkannte. Aber nachdem sich die Parteileitung im Lande wie die Parteileitung der Gesamtorganisation zu dieser ihrer auf der gewissen- haftesten und vorurteilslosesten Prüfung aufgebauten Ansicht bekannt hatten, wäre die Erwählung Göhres— seine Er- wählung als Kandidat wie nicht minder als Abge- ordneter— ein Fremdkörper im Organismus der Partei ge- worden— in einer Partei, die auf die untrennbare Zusammen- geHörigkeit aller wirkenden Männer angewiesen ist, die in der un- verbrüchlichen, wahrhaft brüderlichen Solidarität aller Berufenen das eherne Fundament ihrer Kraft stets gesucht und immer gefunden hat. Es war kein materielles Interesse der Partei zu Ivahren— es stand also nicht so, daß Pinkau die größere Wahrscheinlichkeit bot, gewählt zu werden als Göhre, oder daß Pinkau der für die Partei ivichtigere Mann gewesen ist— aber es war das höchste moralische Gut einer foeialdemofratischen Partei zu hüten: daß der Abgeordnete von dem uneingeschränkten Vertrauen der Gesamtpartei getragen ist. Daß die Differenz bei der Kandidatenaufstellung die Chancen des Erfolges sehr beeinträchtigen werde, war vorweg und keinen Augen- blick zweifelhaft. Aber wir stimmen ganz jenen: Parteiblatt zu, das die tapfere und männliche Meinung vertritt, besser ein Mandat zu verlieren, als in das für die heilige Sache des Proletariats allererste und grundsätzliche Erfordernis der Einheit, des Einklangs der_ Partei, dieser eisernen Zucht für das kämpfende Arbeiterheer, Bresche legen zu lassen. Pinkau ist durchgefallen und Göhre wäre gewählt worden: welch kindischer Trost! Göhre wäre gewählt worden, mit ihm aber wäre in die Partei Mißmut, Ver- bittemng eingezogen, der Keim zu bösen Konflikten verpflanzt ivorden, und das wäre tausendmal schlimmer als ein verlorenes Mandat! Mag sein, daß sich an Göhres Person dieses Mißtrauen mit Unrecht knüpft; aber da es vorhanden war, so mußte die Parteileitung, mußten die sächsischen Agitationskomitees damit rechnen und mußte Göhre damit rechnen. Daß er eS gethan, ist nun seine Partei-Ehre, und den Schatten, der sich um seine Person gelagert hat, wird er jetzt wohl verscheucht haben. Aber wie eS von ihm Gewiflenlosigkeit gewesen wäre, wenn er geschwankt, so wäre es von der Parteileitung Feigheit gewesen, wenn sie ge- zaudert hätte. Ueber allen Empfindungen und Empfindsamkeiten steht Socialdemokraten die Pflicht, und ihrem kategorischen Imperativ darf sich niemand entziehen, der den Ehrennamen Genosse ansprechen Will und verdienen soll. „Was lehrt also die Wahl in Zschopau? Mit Worten, die nicht zu ubersehen und nicht mißzuverstehen sind, predigt sie die Lehre der Dlsciplin. Pinkau ist durchgefallen und Göhre wäre gewählt worden. Wahrscheinlich, aber ist es nicht fast ebenso sicher, daß Pinkau ge- wählt worden wäre, wenn man nicht zuerst Göhre aufgestellt hätte? Was lehrt also die Wahl? Daß man Diseiplin halten muß, daß jede Diseiplinlosigkeit schlechte Früchte trägt." Von Stimmen aus der deutschen Parteipresse liegt heute noch eine Aeutzerung der„Münchner Post" vor: Sie tchreibt: „Es ist eine sehr menschliche Eigenschaft, daß nach einer miß- glückten Aktion sich die verantwortlichen oder wenigstens im Vorder gründe der Geschehnisse stehenden Personen gegenseitig die Schuld zuschieben. Erreicht wird damit natürlich nichts, die etwa vorhandene Erbitterung wird vergrößert, die persönlichen Gegensätze werden ver- tieft, die Kanipfesfreude verdunstet. Keine Partei hat aber gerade in der gegenwärtigen Zeit mehr Ursache, die festeste Geschlossenheit zu er- streben, persönlichen Streit und eigenwillige Rechthaberei zu vermeiden, wie die socialdemokratische. Und wenn eS auch sicher ist, daß der trübe Niederschlag der Dresdener Streitereien und die ausfälligen Ungeschicklichkeiten, die auf mehreren Seiten bei der Kandidatenfrage zu verzeichnen waren, den Gegnern zum Vorteil kamen, so mag der Hauptteil der Schuld am Mißerfolge doch an der unzulänglichen Organisation liegen. Gewiß ist die Person des Kandidaten ein Umstand, der mitspricht, allein ausschlaggebend ist— und das gilt doch namentlich für überwiegend industrielle Wahlkreise— der auf die Organisation verwandte Fleiß. Dabei ist es wiederum menschlich verständlich, wenn persönliche Verstimmungen die Aktionsfreude lähmen, allein eine Kampfpartei darf sich niemals von Sentimentalitäten so weit beeinflussen lassen, daß sie sich in die Gefahr begiebt, eine Fußbreite errungenen Bodens preiszugeben. Wir haben an Nürnberg ein gutes Beispiel erlebt, wie trotz unangenehmer persönlicher Dinge die Stellung ruhmreich behauptet werden kann, und wir in München haben gezeigt, wie eine feste Organisation den relativen Rückgang, den wir 1898 leider zu melden hatten, im Jahre 1903 in einen glänzenden Erfolg umzugestalten vermochte." In seinem Artikel in den„Socialistischen Monatsheften", den wir in unsrer Mittwochnummer im Auszuge mitteilten, citiert Ge nosse Heine eine Stelle aus einem Artikel des Genossen H ä n i s ch in Dortmund. Dazu veröffentlicht Genosse Hönisch in der„Dort munder Arbeiterzeitung" eine Richngstellung. Obwohl wir die fragliche Stelle aus HemeS Artikel nicht wiedergegeben haben, halten wir es doch für angemessen, von der Richtigstellung Notiz zu nehmen. Heine nennt es einen Hohn auf unsre Prineipien, daß Hänifch geschrieben habe: „Unsre Partei ist doch nicht in erster Linie dazu da, um an ihrem Körper die Nützlichkeit und Notwendigkeit der Durchführung demokratischer Grundsätze zu demonstrieren." Darauf erklärt Hönisch, daß Heine den Satz nicht nur aus dem Zusammenhange reiße, sondern auch unvollständig iviedergebe. Der Satz gehe« im Original so weiter:„sondern sie(die Partei) ist das Mittel, die Durchführung dieser(demokratischen) Grundsätze in der ganzen Gesellschaft herbeizuführen." Hätte Genosse Heine. so fährt Hänisch in seiner Richtigstellung fort, diesen Nachsatz gleiche falls citiert, so wäre es ihm nicht gelungen, unsre demokratischen Grundsätze vor den Lesern der„Monatshefte" zu verdächtigen. Nebenbei sei demerkt(was aber in diesem Falle durchaus nicht gleich- gültig ist!), daß im Original das Wort„in e r st e r Linie" durch den Druck hervorgehoben war. in der Wiedergabe des Eitates durch Heine aber nicht. Der Sinn deS Artikels, der uns nicht niehr erinnerlich ist. ging nach Hänisch dahin, zu zeigen, daß innerhalb der Partei naturgemäß die völlige Demokratie und Autonomie nicht Selbstzweck sei, sondern die Organisation müsse so ausgebaut iverden, wie sie der Erreichung der Pa'rteizwecke am dienlichsten sei. Daß einer der lvesentlichsten dieser Parteizwecke eben die Durchführung demokratischer Grund- fätze in der ganzen Gesellschaft sei, habe er noch ausdrücklich betönt. Marx- Vernichtung. Von Herrn Dr. Franz Oppenheimer erhalten wir folgende In schrift, die wir. obgleich wir eine Verpflichtung zur Veröffentlichung derartiger Anti-Kritiken nicht anerkennen, dennoch ausnahmsweise zum Abdruck bringen: Thatsächliche Berich tigun g*) In seiner Anzeige meines Buches:„Das Grundgesetz der Marxfchen Gesellschaftslehre" vom 6. März 1904 sind H. C. einige thatsächliche Irrtümer unterlaufen, die ich richtigstellen will. 1. H. C. schreibt: „Die obige Stelle wird von Marx nicht hypothetisch als Gesetz hingestellt...; sie ist die Folgerung aus einer vorausgehenden 34 Seiten umfassenden streng logischen Deduktion. Es ist also zum Verständnis durchaus nötig, wenigstens die Hauptzüge dieser Deduktion aufzurollen, das heißt die Vordersätze darzulegen, aus denen Marx die obige Folgerung zieht. Herr Oppenheimer hält aber nicht nur dies für unnötig..." Thatsache ist. daß der ganze zweite Teil meines Buches, betttelt:„Der Marxsche Beweis" sich in drei Kapiteln(„Die Entstehung des Kapitalverhältnisses",„Die Reproduktion des Kapitalverhältnisses",„Der Marxsche Kettenschluß") auf den Seiten 21 bis 36 mit der„Aufrollung der Hauptzüge der Marxfchen Deduktion" beschäftigt, wie schon durch einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis erkennbar ist. Hier werden„die Vordersätze" des von mir be- kämpften Gesetzes der Aecumulation dargestellt und kritisch unter- fucht, nachdem der erste Teil die aus ihr folgenden und von Marx gezogenen Konsequenzen auseinandergesetzt und als unanfechtbar zugegeben hat. 2. II. C. schreibt: „So zieht er denn aus dem Marxfchen Accumulationsgesetz folgende Schlüsse: „Wo das variable Kapital im Verhältnis zum Gesamtkapital fällt, da fällt im gleichen Verhältnis(Lohn und Länge des Arbeits- tages als gleich gesetzt) die Zahl der beschäftigten Arbeiter, der Stellen". Wo die Zahl der„Stellen" im Verhältnis zum Gesamtkapital fällt, da fällt sie auch im Verhältnis zur Zahl der arbeitsfähigen und arbeitswilligen Mitglieder des Proletariats. Wo die Zahl der„Stellen" im Verhältnis zum Proletariat fällt, da wächst die Surplusbevölkerung." Thatsache ist. daß diese Sätze keine Schlüsse aus dem, sondern Vordersätze des Accumnlationsgesetzes sind, und. ferner, daß diese Sätze inhaltlich nicht von mir herstammen, sondern nichts andres sind, als von mir auf die kürzeste„logische Figur" koinpri- mierte, inhaltlich aber aus Marx selbst herrührende Thesen. 3. H. C. schreibt: „Doch was kein Verstand der Verständigen sieht, daS findet in Einfalt ein kindlich Gemüt. Marx hat, so entdeckt Herr Oppenheiiner, völlig vergessen,„die Möglichkeit ins Auge" zu fassen, daß der Preis der Arbeit, ohne den Fortschritt der Aecumulation zu stören, so hoch steigt, daß auch die Arbeiter in größerem Maße accumulieren können." T h a t s ä ch l i ch handelt es sich hier um eine von Marx auf- gestellte„Alternasive". Eine solche hat nur dann logische Beweis- kraft, wenn lediglich zwei Fälle logisch möglich d.h. denkbar sind. Sobald ein„tertinm datur", sobald eine dritte Möglichkeit(Denkbar- keit), gegeben ist, ist der Belveis als mißlungen abzulehnen. Aus diesem Zusammenhang gerissen, muß mein Einwand jeden Sinn verlieren. 4. H. C. schreibt: „Marx", erklärt er S. 47,„braucht für den eigentlichen Beweis rundsätzlich nur die Deduktion; und wo er seinen Beweis an den 'hatsachen prüft, da sind es immer nur die großen, auch ohne statisttsche Subtilitäten zugänglichen, die jedermann bekannten •) Da ich drei Wochen von Berlin abwesend war, kann ich erst heute die am Tage meiner Abreise erschienene Kritik berichtigen. Thatsachenmassen. Wo er Zahlen bringt, bringt er sie rein illustratw. nie aber als Beweis". Diese Einseitigkeit des Marx hat Herr Oppenheimer nicht kapiert, leider_— er hätte sonst sich seine An« strengung und uns seine schönen statistischen Nachweise erspart. Für den. der die Marxsche Methode kennt, ist dieser Verachtung unsres Altmeister für Zahlen etwas selbstverständliches." Thatsache ist, daß ich. der ich mich im übrigen selbst von jeher und auch in diesem Buche wieder, durchaus der deduksiven Methode bediene, Marx an dieser Stelle und vier Seiten weiter (S. 81) ausdrücklich gegen die Verfechter der statisttschen und übrigen „Methoden" verteidige, denen mich H. C. zurechnet. 5. H. C. schreibt: „Herrn Oppenheimers Thatsachenbeweise aber stehen noch auf weit niederer Stufe, als die damaligen englischen. Er führt z. B. an, daß die Zahl der in der englischen Baumwollspinnerei und-Weberei beschäftigten Arbeiter absolut zugenommen hat." D i e f e B e h a u p t u n g i st unwahr. Es ist mir niemals eingefallen, mit diesen in einem ganz eignen Zusammenhange bei- gebrachten Thatsachen irgend etwas beweisen zu Ivollen, weder für noch gegen Marx. Den Kommentar zu dieser kritischen Bemühung sehe ich mich leider wider meinem Wunsch gezwungen, an andrer Stelle zu geben. 29.'März 1994. Dr. Franz Oppenheimer. «« Das„Thatsächliche" der obigen„ th ats Schlich en Berichtigung" besteht lediglich darin, daß_ Oppenheimer nicht zwischen Behauptungen und Thatsachen zu unterscheiden vermag und deshalb der Meinung ist, daß seine Behauptungen ohne weiteres als Thatsachen zu gelten haben. 1. Von diesem Standpunkt aus erscheint ihm als ein„that- sächlicher Irrtum", daß ich ihm vorwerfe, er habe die Deduktionen, durch die Marx zu seinem Accumulationsgesetz gelangt, seinen Lesern vorenthalten. Thatsache sei vielmehr, daß er sich im„zweiten Teil seiner Schrift mit der Entstehung des Kapitalverhältnisses, dessen Reproduktion usw. beschäftige. ES fällt mir nicht ein, letzteres zu bestreiten, nur handelt es sich gar nicht um diese Ausführungen, sondern, wie deutlich in meiner Kritik gesagt worden ist, um die der Formulierung des Accumulationsgesetzes voraufgehenden, diesem als Prämissen zu Grunde liegenden Darlegungen, d. h. um die Ab- schnitte des 23. Kapitels: Wachsende Nachfrage nach Arbeitskrast..., Relative Abnahme des variablen Kapitalteils, Progressive Produktion einer relativen Uebervölkerung, Verschiedene Existenzformen einer relativen Uebervölkerung ec. Diese Ausführungen fehlen aber in ihrem Zusammenhange bei Oppenheim„er. Die Marxsche Schilderung der Entstehung des Kapitalverhältnisses. der sogenannten ursprünglichen Aecumulation, steht auf einem ganz andren Blatt, wie sie denn auch von Marx er st hinter- her im 24. Kapitel des ersten Bandes seines Kapitals behandelt wird. Warum bricht übrigens Oppcnheimer in seinem Eitat hinter dem Wort„unnötig" ab und läßt nicht den weiteren Satz folgen?: „... er läßt auch obendrein noch den sich an das obige Eitat ansckiließenden Satz weg:„Es(d. h. das absolute Gesetz der kapitalistischen Aecumulation) wird gleich allen andren Gesetzen in seiner Verwirklichung durch allerlei Umstände modifiziert, deren Analyse nicht hierher gehört." Sollte Herr Oppenheimer inzwischen doch zu der Erkenntnis ge- kommen sein, daß er„thatsächlich" bisher dem Marxfchen „absoluten Gesetz" eine ganz andre Bedeutung beigemessen hat, als Marx damit verbindet? Vielleicht läßt Oppenheimer diese Thatsache diesmal zur Abwechslung nur als Behauptung gelten. Dann bitte ich aber den Leser, sich S. 66 der Schrift anzusehen, Ivo O. sogar einfach aus dem absoluten Aecu- mulations-Gesetz auf eine„ absolute" Verelendung schließt. 2. Nirgends hat Marx die von Herrn Oppenheimer formulierten sogenannten Marxfchen„K e t t e n s ch l ü s s e" gezogen, noch enthalten diese in„komprimierter" Form Marxsche Thesen; im Gegenteil wider- sprechen sie, wie ich nachgewiesen habe, dessen Ausführungen. Daß Herr Oppcnheimer überzeugt ist, seine„Kettenschlüsse" seien in den Marxfchen Ausführungen enthalten, glaube ich recht gern— nur ersetzt diese seine individuelle Ueberzeugung nicht den Nachweis. 3. Es handelt sich nicht darum, ob eine solche Möglichkeit über» Haupt denkbar ist— denkbar ist auch, daß der Mond eine flache Scheibe ist— sondern, ob sie den bisherigen Erfahrungen(Erkenntnissen) entspricht. 4. und 6. Wenn Herr Oppenheimer der Ansicht ist, daß durch derartige sogenannte„Thatsachenbeweise", namentlich stattstischer Art, nichts bewiesen wird, warum bedient er sich dann solcher Beweise? Was speciell die statistischen Ziffern der englischen Baumwollindustrie betrifft, so fügt Oppcnheimer hinzu: „Man sieht, sogar die Zahlen dieses Schulbeispiels stimmen nicht mit der Theorie. Ich habe aber erklärt, auf alle statistischen Subtilitäten verzichten zu wollen und will daher unterstellen, Marx habe in der That nachgewiesen, daß in mehreren bedeutenden Zweigen der Volkswirtschaft viele Arbeiter durch die Maschine frei- gesetzt worden sind." Hätte Herr Oppenheimer Marx verstanden, könnte er weder in diesem Sinne von einem Nichtstimmen mit der Theorie, noch von einem Nachweis für mehrere Zweige der Volkswirtschaft sprechen— denn solches Stimmen oder Nichtstimmen von Beispielen, auch wenn diese mehrere bedeutende Zweige der Volkswirtschaft betreffen, beweist absolut gar nichts für die„absolute"(„absolut" im Marxfchen Sinne) Gültigkeit des Akkumulationsgesetzes. Damit Schluß. _ H. O. ßcrlincr partd-Hn�clcgcnbcitcn. Zur Lokal-Liste. Parteigenossen von Berlin, Trltow-BeeSkow, Nieder-Barnim und Potsdam-Osthavelland. Am Sonntag, den 17. April 1904, erscheint die nächste Lokal- Liste. Wir ersuchen daher die Mitglieder der Loknlkommission von obigen Kreisen, die Ncu-Aufnahmen und die genauen Acndcrungcn bis spätestens Donnerstag, den 7. April 1904, einsenden zu wollen und zwar für: Teltow-Beeskow an den Genossen Hermann Schliebitz in Britz, Jahnstraße 2; Nieder-Barnim an den Genossen Robert Rieck in RnmmelSburg, Kantstraße 22, parterre. Potsdam-Osthavelland an den Genossen Albert Neue in Spandau, Jagowstratze 9; Diverse Orte an den Genoffen Gustav Fellwock in EbrrSwalde, Eisenbahnstraße 67; Berlin an den Genossen Wilhelm Hinz, Z. 14, Prinzenstratze 66. Die Lokalkommissions-Mitglieder wollen die Aenderungen und Neu-Aufnahmen für obige Liste umgehend mitteilen. da spätere Einsendungen keine Berücksichtigung mehr finden können. Vielfach kommt es vor, daß Zuschriften in„Lokalangclegenhctten" an die Redaktion oder Expedition des„Vorwärts" gesandt werden; zur schnellen Erledigung derselben ersuchen wir die Genossen, alle Anfragen und Zusendungen nur an den Genossen Wilhelm Hinz, B e r l i n S. 14, P r i n z e n st r. 66, zu richten und nicht an den „Vorwärts". Die Parteiblätter der oben genannten Kreise Verden um Abdruck ersucht. Wir erwarten bei den Partien und Ausflügen, die während der bevorstehenden Feiertage unternommen werden, daß genau auf die Lokal-Listc geachtet und nur in denjenigen Lokalen eingekehrt wird, deren Räume jederzeit der Arbeiterschast zu Bcrsammlungen:c. zur Verfügung stehen. Arn Sonntag, den 3. April(1. Osterfeiertag), veranstalten die Berliner Männer- Gesangvereine Saarmanusche Liedertafel und Seegerscher Männcrchor eine Festlichkeit im Börsensaal des Central- Viehhofes, Eldenaer Straße. Wir machen die Parteigenossen darauf aufmerksam, daß dies Lokal der Arbeiterschaft zu Vcr- sammlungen-c. nicht zur Verfügung steht und ersuchen deshalb, die angebotenen Billets zurückzuweisen. Sechster Berliner Wahlkreis �Moabit.) Das Etablissement „Artus-Hof", P e r l e b e r g e r st r. 26, steht von jetzt ab der Arbeiterschaft zu Versammlungen ec. zur Verfügung. Fricdrichsfclde. Zum Sonntag, den 3. April(1. Osterfeier- tag) versucht der Theaterverein„Fricdrichsfelde" Billets in Arbeiter- kreisen abzusetzen zu seinem Vergnügen in Rusickes Schlofl-Restauraiit in Friedrichsfcldc, Wilhelmstr. 17u. Dieses Lokal steht der dortigen Arbeiterschaft zu Versammlungen ec. nicht zur Verfügung, daher ist das Vergnügen streng zu meiden. Werder a. Havel. Wir ersuchen die Vereine, Gesell- s ch a f t e n zc., welckie in nächster Zeit nach Werder a. H. einen Aus- slug arrangieren, sich vorher mit dem Genossen August Himlich, Chemnitzerstr. 37, in Verbindung zu setzen, da derselbe den Aus- flüglern, Genossen als Führer zur Seite steht. Von den vielen daselbst vorhandenen Lokalen steht der dortigen Arbeiterschaft nur der„Schwarze Adler", Inhaber Max Koch, F i scher st r. 08, zu Versammlungen ec. zur Verfügung; Ivir ersuchen daher nur dieses Lokal zu besuchen. D i e L o k a l k o m m i s s i o n. Nicder-Schönhausen. Der Wahlverein hielt am Dienstag, den 2V. März, seine monatliche Sitzung ab. Genosse Lewinsohn hielt einen höchst interessanten Vortrag:„Aus dem Gebiete der Chemie". Die lehrreichen Ausführungen des Redners, die durch eine Reihe wohlgelungener Experimente illustriert wurden, fanden bei- fällige Aufnahme und hätten eine zahlreichere Zuhörerschaft verdient. Vierter Wahlkreis sSüd-Ost). Den Genossen zur Nachricht, daß sich meine Wohnung jetzt Wrangelstraße 59, Ouergeb. IV, befindet. N i ch. H a ck e l b u s ch, Vertrauensperson im vierten Kreise. lokales. Auf dem Wege ins neue Heim. Der große Frühlingsunizug ist wieder da. 9Jun raffen in Berlin liebst Vororten wieder hunderttausend Familien ihre Wirtschaft zu- sammen, packen sie auf den Möbelwagen und ziehen mit den: ganzen Kram dem neuen Heim entgegen, das sie sich ausgewählt haben. Das sind ein paar schlimme Tage für alle, die an dieser Völker- Wanderung beteiligt sind. Die Schrecken des Umzuges werden manchem nur gemildert durch den Gedanken an die alte Wohnung, die er verläßt.„Gott sei Dank, daß wir aus der Bude rauskommen I" Das ist die Stimmung, die die Mehrzahl der Umziehenden beherrscht. Aber leider ist auch das nur ein schwacher Trost; denn die„Bude", in die man hineinzieht, ist in der Regel nicht besser. Das„neue Heim", das sich bei der Besichtigung dem flüchtigen Blick so verlockend präsentierte, pflegt seine Mängel erst zu enthüllen, wenn man selber darin haust. Und auch der Herr Wirt, der beim Mieten so liebenswürdig schien und„alles machen zu lassen" versprach, zieht nachher rasch andre Saiten auf und wird grob, wenn man ihn an sein Ver- sprechen erinnert. Beim Umziehen kommt nicht viel heraus, das ist eine alte Er- fahrung. Aber der Umzüge werden dadurch nicht weniger in Berlin. Es ist eben nicht nur die Unzufriedenheit mit der bisherigen Wohnung, nicht allein der Wunsch, sich mal wieder zu verändern, was so viele dazu verleitet und antreibt, immer wieder die Mühen des Umzuges auf sich zu nehmen. Am häufigsten wird in der Arbeiterbevölkerung umgezogen, und das ist auch er- klärlich. Die Arbeiterbevölkerung kann von der billigen Weisheit, daß beim Umziehen nicht viel herauskommt, weil die neue Wohnung gewöhnlich nicht besser ist als die alte, leider wenig Gebrauch machen. Die Wohnung oft und rasch zu wechseln, ist bei der Mehrzahl der Arbeiter eine zwar unbequeme, aber schwer zu umgehende Bedingung für ihre Erwerbs- t h ä t i g k e i t. Wer bald in diesem Stadtteil, bald in jenem Arbeit nehmen muß, bald in Berlin und bald in den Vororten Beschäftigung findet, der verlernt es allmählich, seßhaft zu sein. Der Arbeiter muß sehen, daß er möglichst seiner Arbeitsstätte nachzieht, um sich Zeitverlust und Fahrkosten zu ersparen. Seßhaftigkeit ist ein Luxus, den sich im allgemeinen nur der Bemittelte leisten kann. Auch das ist ein Stück des großen Klassen- gegensatzes, der durch die Gesellschaft geht. Der Unbemittelte muß nicht nur sein Wohnungsbedürfnis aufs äußerste ein- schränken— er wird obenein aus einer Wohnung in die andre getrieben, sei es durch Wirtschikauen und Mietcsteigerungen, sei es durch den Wechsel der Arbeitsgelegenheit und der Arbeitsstätte. Wer in diesen Tagen des Umzuges durch die Straßen Berlins loandert, der kann Zehntallsenden von Arbeiterfamilien begegnen, die sich abmühen, ihr bißchen Kram fortznschaffcn. nicht in stolzen. verschlußsicheren Möbelwagen, sondern auf viel bescheidenerem Fuhr- werk bis hinab zum Hand- und Huildelvageil. Er wird in der Schar dieser Großstadtnomadcn manchen Familienvater bemerken, der wirklich nicht danach aussieht, als ob er den Weg ins„neue Heim" aus Uebermut antritt._ Herr Bolle dementiert. Was wir in unsrer Nummer vom 23. Februar über die Arbeits- verhälmisse der Bolleschen Milchkutscher mitteilten, wird von Herrn Bolle schlankweg als unwahr bezeichnet. Uns gegenüber hat Herr Bolle freilich nicht versucht, die gerügten Mißstände abzustreiten, obwohl doch nichts näher gelegen hätte, als uns zur Aufnahme einer Berichtigung zu veranlassen, falls uusre Angaben der Wahrheit nicht entsprochen hätten. Aber Herr Bolle weiß wohl, daß unsre Angaben über die unleidlichen Verhältnisse in seinem Betriebe nicht erschüttert werden können, und deshalb zieht er es vor, seinen Kunden, die in- folge unsrer Veröffentlichung die Milchlicferung abbestellten, in einem längeren Schreiben glauben zu machen, daß unsre Angaben auf Unwahrheit beruhen, und daß hinsichtlich der Arbeitsverhältnisse in der Bolleschen Meierei alles aufs beste bestellt sei. Sehen wir einmal, was Herr Bolle seinen Kunden schreibt. Die Verhängung von Geldstrafens sagt er. ist ein wirksames Zucht- mittel, um der Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit einzelner zu begegnen. Diese Aeußerung kennzeichnet besser, als es lange Aus- sührungen könnten, den patriarchalisch-ostelbischen Geist, der in der Leitung des Bollcschen Betriebes herrscht. Auf der einen Seite regelmäßige Andachtsübungcn in der Bolleschen Hauskapelle, auf der andren Seite ein endloses Strafregister als„wirksames Zuchtmittel". Da wir gerade der Andachten erwähnen, sei ein Irrtum— der einzige, der bei unsrer Veröffentlichung unterlaufen ist— richtig gestellt. Herr Bolle hat darin recht, daß das Schwänzen seines Haus- gottesdienstes nicht bestraft wird. Die Strafe wird vielmehr ivegen Fehlens in der Jnstruktionsstunde verhängt, an die sich der Gottes-. dienst unmittelbar anschließt. Doch nun zu den übrigen Ableugnungen des Herrn Bolle. Im vergangenen Jahre sollen im ganzen nur 9397,25 M. Strafgelder erhoben worden sein, so daß auf je 199 M. Lohn nur 65V- Pf. Straf- geld kommen. Das würde für jeden Arbeiter, Kutscher usw. noch nicht 29 Pf. pro Woche betragen. Durch welche Rechen- oder Buchungskünste Herr Bolle zu diesem Resultat kommt, mögen die Götter wissen, uns ist es ein Rätsel. Thatsache ist, daß selbst alte, geübte und gewissenhafte Kutscher es als ein seltenes Glück be- trachten, wenn sie in einer Woche mit 89 Pf. bis 1 M. Strafgeld davon komnicn. Es ist aber gar mchts Seltenes, daß ein Kutscher 2, 3 M. und mehr Strafe in einer Woche zu zahlen hat. Dabei handelt es sich ctiva um grobe Verstöße, sondern um ganz un- bedeutende Versehen, die selbst der gewissenhafteste Arbeiter nicht vermeiden kann. Daß die Strafgelder in die Wohlfahrtskasse fließen — Ivos Herr Bolle als mildernden Umstand für sein Strafsystem anführt—, kann die Angestellten durchaus nicht mit diesem System aussöhnen, denn die Mittel dieser„Wohlfahrtskasse" werden zum großen Teil für Zwecke verwendet, die der Wohlfahrt des Bollcschen Personals sehr fern liegen. Man erzählt beispielsweise, daß aus der Bollcschen„Wvhlfahrtskasse" Glocken für eine Missionskirche in Afrika gestiftet worden sind. Jedenfalls wäre es der Wohlfahrt der Angestellten viel dienlicher, wenn man ihnen nicht erst einen er- heblichen Teil ihres sauer verdienten Lohnes in Gestalt von Straf- geldern abnähme, um schließlich dem einen oder midren von ihnen in besonderen Notfällen eine kleine„Wohlthat".ms Kosten der Arbeiter zu erweisen. Nach der Behauptung des Herr Bolle soll es nicht wahr sein, daß die von 3V> Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags währende Arbeitszeit der Kutscher durch keine festgesetzten Pausen unterbrochen wird. Ob Pausen festgesetzt sind, und welche, sagt Herr Bolle aller- dings nicht,' denn es bestehen keine solchen Pausen. Vor V-19 Uhr darf der Kutscher kein Restaurationslokal besuchen, er hat also während der ersten sechs Stunden seiner Arbeitszeit keine Gelegenheit, etwas Etz- oder Trinkbares zu sich zu nehmen. Nach V-19 Uhr ist es ja gestattet, auf höchstens 19 Minuten einzukehren; kommt aber während dieser 19 Minuten eilt Kunde an de» Wagen und wird er nicht so- gleich bedient, so muß der Kutscher 29 Pf. Strafe zahlen. Nennt Herr Bolle das vielleicht eine festgesetzte Pause? Wenn Herr Bolle sagt, die Kutscher würden nicht g e- z w u n g e n, für zahlungsunfähige Kunden einzutreten, so widerlegt er etwas, was wir gar nicht behauptet haben. Was wir sagten, und was den Thatscichen entspricht, ist: Ter Kutscher legt den Betrag unbezahlter Rechnungen einstweileit aus. Das wird vielleicht nicht gerade verlangt, aber doch erwartet. Kann der Kutscher dann trotz fortgesetzter Mahnungen das Geld nicht eintreiben, so trägt er eben den Verlust, denn er lue iß, daß derjenige, der öfter unbezahlte Rechnungen zurückbringt, als unbrattchbar angeschen, und bei passender Gelegenheit entlassen wird. Ebenso steht es mit der Behauptung des Herrn Bolle, die Kutscher würden nicht genötigt, Spargel, Früchte, Säfte usw. für sich zu kaufen. Wir haben nicht gesagt, daß die Kutscher hierzu g e- itötigt werden. Es verhält sich vielmehr so: Der Kutscher kann sich, wenn ihm seine Stellung lieb ist, gar nicht weigern, derartige Handelsprodukte zum Kauf mitzunehmen. Waren, die leicht vcr- derben, wie Spargel, Früchte usw., werden aber nicht wieder zurück- genommen. Wenn solche Sachen nun unansehnlich geworden sind und der Kutscher sie nicht mehr verkaufen kann, dann bleibt ihm eben nichts andres übrig, als sie selber zu essen, nachdem er sie vorher bezahlt hat. Es mag Herrn Bolle unangenhm sein, daß diese Verhältnisse der Oeffentlichkcit bekannt geworden sind, er mag das Bedürfnis haben, seinen Kunden gegenüber unsre Darstellung abzustreiten, aber deshalb bleibt das, was wir gesagt haben, doch in jeder Hin- ficht wahr. Seclenrettung mit Aussicht auf Profit. Die Oberin Petersen, welche im Noveniber vorigen Jahres das Magdalcnen- Stift ans Anlaß etlicher nicht gerade erbaulicher Vorfälle mit einer Schar von „Schwestern" verlassen hat, versendet mit Unterstützung von fünf adeligen Damen ein im gottgefälligen Stil abgefaßtes Rund- schreiben, das die Beweggründe moderner Barmherzigkeit recht erbaulich offenbart. Es soll zur Rettung gefallener Mädchen ein Rettungshaus Salem errichtet werden nnd dazu fehlt es noch an dem nötigen Gründungs kapital. Warum wir diesen Ausdruck wählen, wird klar werden, wenn wir den folgenden Teil des Prospekts der Oeffentlichkcit unterbreiten: .iAuchs hat es der Herr gefügt, daß sich in Lichtenrade bei Berlin ein geeignetes Landhaus zu einem vorläufigen kleinen Anfange bis 1. April 1905 mieten ließ, bis dahin aber muß eine neue Anstalt mit Dampswäschcrei und zunächst zwei Pavillons für Schwestern und 20 Mädchen nahe bei Berlin errichtet sein, und dann ist auch auf genügenden Reinverdienst, nämlich 8000 M. Kostgeld und 20 000 M. Ueberschuß aus der Wäscherei, zusammen 28 999 M. pro Jahr zu rechnen. Hierzu bot uns ein lieber Bruder, Reinhold Bochow, in demselben genannten Vororte von Berlin eine ca. 6>/z Morgen große, für ein Magdalenen-Asyl sehr geeignete Waldparzelle zu dem reckt annehmbaren Preise von 3990 M. pro Morgen an. Der Kauf kann sofort abgeschlossen werden. Nur fehlt uns die vom Ver- käufer zur Bedingung gestellte Anzahlungssumme von 19 999 M. Da es sich nun hier gewiß um eine Sache der Gemeinschaftskreise handelt, da es ferner den Beginn einer Liebesarbeit nach dem Princip der vollen Entschiedenheit, ja der wirllichett Rettung unsterblicher Menschenseclen für die Ewigkeit gilt; da überdies die neue' Anstalt sich sinanziell ansierordeutlich günstig verzinst; da endlich die für diese Arbeit in Aussicht genommenen Schwestern nur der Eine Wunsch beseelt, trotz verlockender Anerbietungen ihrer Angehörigen und andrer Anstalten, zusammen zu bleiben und wieder für Verlorene ihr Alles einzusetzen: so haben die Unterzeichneten den Mut, in I e s u und der Schwestern Namen an Ihre Thür anzuklopfen mit der herzlichen Bitte um die ein- malige freundliche und baldige Zeichnung einer Summe zur Deckung der 19 999 M. Anzahlungsgeld und Beginn des Baues." Seh'n Sie, das ist ein Geschäft, das bringt noch was ein! Die Behörden überweisen dem Konsortium sich barmherzig nennender Schwestern die erforderliche Anzahl„gefallener Mädchen" und nun geht es unter der Devise der„aufrichtigen, wirklich erbarmenden Liebe" flott an die Erzieluitg von Mehrwert aus den Knochen der „Gefallenen". Die kapitalistische Wirtschaftsweise treibt manche häßlich duftende Blüte, am widerwärtigsten sieht sie aber aus, wenn sie die Religion benutzt, damit nebenher— eine Dampfwäscherei sich „finanziell außerordentlich günstig verzinse". Mit dem 1. April tritt eine ganze Reihe wichtiger Verordnungen im Verkehrsleben und Wirtschaftsbetriebe der Reichshauptstadt in Kraft. Die neue Abänderung der Radfahrordnung bringt der Radfahrerwelt, wie schon erwähnt, die gewünschte Erweiterung der freien Straßen und Plätze. Es bleiben allerdings noch verschiedene Verkehrswege, deren Befahren mit Zweirädern nach wie vor verboten ist. Dazu gehören die Leipzigerstraße mit dem Leipziger Platz, Potsdamer Platz und Potsdamerstraße. Hinter der Potsdamer- Brücke ist die Passage für Radfahrer frei. Eine wesentliche Er- leichterung dürste es sein, daß das Kreuzen der verbotenen Plätze von der Polizei gestattet wird. Im eignen Jnterffe kann man aber den Radfahrern nur empfehlen, daß sie diese ungemein stark belebten Orte lieber nicht hoch zu Rad, sondern zu Fuß überschreiton. Von erheblicher Bedeutung für den Verkehr ist die Abänderung des 8 21 der Eisenbahnverkehrs-Ordnung, der besonders für die Reisenden in Betracht kommt. Danach zahlt der Reisende, der ohne gültige Fahrkarte betroffen wird, das Doppelte der durch- fahrenen Strecke, mindestens aber sechs Mark; wer unaufgefordert das Fehlen einer gültigen Fahrkarte meldet, zahlt den gewöhnlichen Preis mit dem Zuschlage von einer Mark, keinesfalls aber mehr als das Doppelte. Das ist besonders für den Nachbarverkehr mit Berlin recht von Vorteil; die bisherige Sechsmarl-Strafe fällt damit weg. Wer ohne gülffge Fahrkarte in einem zur Abfahrt bereitstehenden Zuge Platz nimmt, muß dagegen die sechs Mark zahlen. Die Verweigerung der sofortigen Zahlung berechtigt die Eisenbahnverwaltung zur Aus- sctzung des Fahrgastes. Das Betreten der abgesperrten Bahnhofs- teile wird mit einer Mark Strafe geahndet.— Nach einer Aenderung in der neuen Postordnung sollen die P o st a u f tr ä g e, die den Vermerk„sofort zurück" tragen, bis Schalterschluß auf dem Post- antt liegen bleiben. Das ist für die kaufmännische Welt eine gewisse Erleichterung, da es sich fast immer um die Zahlung von Wechseln und Scktildforderungen handelt, für die manchmal nicht gleich Deckung vorhanden ist. Wenn die Aufträge aber bis zum Abend auf der Post vorhanden sind, so können im Laufe des Tages immer noch die Mittel für die Auslösung herangeschafft werden. Einen traurigen Abschluß haben Mittwochabend die gestern im Gerichtsbericht mitgeteilten Kleinstadtgeschichten durch den Tod des Bürgermeisters von Mitten walde gefunden. Bürgermeister Dauer aus Mittcnwalde kam Mittwochmorgen nach Berlin, um in der Victoriastraße einer Kreistagssitzung und dem Prozeß bei- zuwohnen. Der 45 Jahre alte Herr war niemals krank gewesen. itur die Prozeßgeschichte hatte ihm arg zugesetzt. Als er vorgestern abend durch die Potsdamerstraße ging, brach der beleibte Mann vor dem Hause 23s. in der Nähe der Potsdamer Brücke plötzlich zu- sammen. Ein Blutsturz hatte ihn befallen und hilflos gemacht. Man brachte den Schwerkranken nach dem benachbarten Elisabeth-Kranken- Hause, hier konnte aber der Aufnahme-Arzt nur noch feststellen, daß der Tod bereits eingetreten war. Die Leiche wurde darauf nach dem Schauhause gebracht. Da der Verstorbene Briefe eines hier in der Wasserthorstraße wohnenden Bruders bei sich hatte, so konnte seine Persönlichkeit bald festgestellt werden. Dauer hinterläßt seine Witwe mit zwei Kindern im Alter von 10 und 6 Jahren. Er war früher sechs Jahre Gerichtssekretär, dann ebenso lange Bürgermeister in Golzcn an der Berlin-Dresdener Bahn und zuletzt fast zwölf Jahre Bürgermeister von Mittenwalde. Wie der Deutsche zu VcrkehrSverdesserungcn kommt. Ein in mehrfacher Hinsicht interessantes Geschichtchen wird aus der Haupt- und Residenzstadt Potsdam berichtet. Als die neue Segeljacht des Kronprinzen„Angela" auf dem Potsdamer Güterbahnhof aus- geladen und mittelst eines Krahns in die Havel gelassen werden sollte, stellte es sich heraus, daß der Krahn absolut unzulänglich dazu war. Man holte noch einige Ketten von der Matrosenstation herbei, aber das Herablassen der Jacht ins Wasser erwies sich als unmöglich, so daß diese Ivieder ordnungsmäßig verladen und mit der Eisenbahn nach dein Lehrter Bahnhof in Berlin gefahren werden mußte. Hier erst konnte die Jacht in die Spree gesetzt werden und wurde nun von dort aus nach der Matrosen- station„Kongsnais" geschleppt. Der Kronprinz, der den Versuchen, seine Jacht zu entladen, auf dem Güterbahnhof in Potsdam beigewohnt hatte, lvar über die vergeblichen Versuche ungehalten und beschwerte sich sofort telegraphisch ba Minister Budde über die Unzulänglichkeit des Krahnes. Der Erfolg blieb nicht ans, denn der Minister hat sofort Vermessungen anstellen lassen, so daß zu erwarten steht, daß nun für Potsdam eine größere Krahuanlage hergestellt wird, derentwegen die Potsdamer Kauf- Mannschaft schon lange Zeit vergeblich petitioniert hat. Vielleicht entschließt sich der Minister nunmehr auch dazu, den Wunsch der Kaufmannschaft, am Bahnhof einen Umschlagshafen herzustellen, zu erfüllen.— Man sieht, gerechtfertigte Beschwerden werden von unsren Ministern sofort geprüft, allerdings kommt es darauf au, wer sie erhebt. Ans der gestrige» ordentlichen Magistratssitzung. Die längst von den Interessenten gewünschte Abänderung des Bebauungsplanes 11 im Norden von Berlin soll nunmehr in Angriff genommen werden. Vorzugsweise wird von der Aenderung das weite Gelände jenseits der Verbindungsbahn l Gesundbrunnen) zwischen Christiania-, Behnt-, Bellermann- und Grünthalerstraße, den Wollankschcn Erben gehörig, betroffen, das wegen seiner Erhebungen sehr schwierig zu regulieren war. Im Zuge der Christianiastraße muß eine Brücke mit einer Spannweite von 132 Meter erbaut werden, um über den dortigen Eiseitbahnkörper eine Verbindung zu schaffen. Die bisherigen Vcr- Handlungen mit den Beteiligten scheinen Erfolge zu versprechen. Wegen des Baues einer städtischen Straßenbahir wurde beschlossen, zunächst die Trace im Norden vom Stettiner Bahnhof nach dem Baltenplay zu besichtigen und dann über diese und über die südlichen Linien nach dem Dönhoffplatz Beschlüsse zu fassen. Stadt nnd Straßenbahn. Auf 37 Millionen Mark hat das Gericht den Streitwert in dem Prozeß der Stadt Verlin gegen die Große Straßeubahn-Gesellschaft festgesetzt. Hiernach beträgt die ein- fache Gerichtskostengebühr 185 949 M.; diese Gebühr verdoppelt sich, wenn es zum Urteil kommt, und verdreifacht sich, wenn eine Beweisaufnahme angeordnet wird; in der ersten Instanz können also rund 545 999 M. Gerichtskosten entstehen. In der höheren Instanz sind die Kosten noch höher. Die Gebühren jedes Anwalts betragen 74 418 M., und wenn c-Z zur Beweisaufnahme kommt, 111627 M. Beim Reichsgericht erhöhen sich die Gebühren der Anwalte um 39 Proz., doch kann dort keine Bclveisaufnahme stattfinden. Auf einige Millivitchen an Kosten kann sich demnach der unterliegende Teil gefaßt utachen. DaS Offenhalten von Läden ist am Sonnabend bis 19 Uhr abends für den öffentlichen Verkauf gestattet. Für den heutigen Karfreitag, ebenso für Montag, 4. April. Ueberdics könne hierbei von einem Aufgeben der„Selbstverwaltung" keine Rede sein, da ja die Stadtverordneten heute bereits in Polizei-Angelegenhcitcn fast gar keine Rechte mehr hätten. Stadtv. I c n n e flib.) trat dem Autrage entgegen; man dürfe nicht ein einziges Stückchen der Selbstverwaltung aus den Händen geben. Stadtv. D u ck s ch(Soc.) bestritt zunächst, daß durch die Ver- staatlichnng sich überhaupt würden Ersparnisse erzielen lassen, da der Staat vermutlich nur eine geringe Zahl der städtischen Polizeibcamten übernehme, die Abfindung mit den übrigen aber der Stadt überlassen würde. Daß die Stadt- verordneten- Versammlung heute so wenig Einfluß auf Polizei Angelegenheiten habe, liege an der bürgerlichen Mehrheit der Versammlung, welche eben gar nicht willens sei, ihre diesbezüglichen Rechte gegenüber dem Polizeichef gehörig wahr- zunehmen. Namens unsrer Genossen ersuchte Redner gleichfalls um Ablehnung. Stadtv. Rieger(Soc.) schloß sich dieser Kritik des Verhaltens der Mehrheit vollständig an. Die Mehrheit habe durch ihre würdelose Preisgabe ihres Mitbestimmungsrechts die socialdemokratische Fraktton vor zwei Jahren genötigt, zu einer Ausflucht greifen zu müssen, nur um zu erreichen, daß die Erfahrungen des großen Polizeiprozesses Pieper-Gryga, die in der Polizeiwache vorgekommenen Mißhandlungen öffentlich zur Sprache ge- bracht werden konnten, was man vorher zu verhindern gewußt hatte. Im übrigen geißelte Rieger die ungeheuerliche G e- sinnungsschnüffelei, welche unsre Polizei im Dienste der Direktionen der Staatsbetriebe ausübe, und er erklärte es einfach als unwürdig, daß die städtische Polizei nicht rundweg solche Zu- mutungen der Direktionen zurückweise.— Auf diese direkten Be- schnldigungen blieben die Angegriffenen jegliche Antwort schuldig. Oberbürgermeister K ö l tz e sprach sich f ü r die Verstaatlichung aus und rechnete auch vor, wie sich die Ersparnis von 75 000 M. ergeben müßte. Stadtv. Sturm(kons.) sprach gegen den Antrag. Die Einzigen, welche für sich aus der Verstaatlichung der Polizei Vorteile erwarten, seien die Bauunternehmer, welchen die von der städtischen Polizei geübte Baupolizei recht unbequem sei. Wenn auch, fo führte Redner aus, unsre Selbstverwaltung bereits so manchen Riß bekommen hätte, so könne man doch immerhin beim Etat der Polizei noch etwas dreinreden. Der Antrag Rcinecke wurde hierauf mit 15 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Angenommen wurde dagegen ein Antrag: den Magistrat zu ersuchen, mit der Versammlung durch eine ge- mischte Kommission in Beratung zu treten zur Untersuchung der Polizei-Angelegenheiten(soll heißen zur Untersuchung der gegen die jetzige Handhabung der Polizei erhobenen Beschwerden). Die Versammlung wird lange warten können, ehe der Magistrat hierauf eingeht. Für den Neubau einer Bürgerschule wurden 230 000 M. bewilligt. Das Wahlrcsultnt der Gemeindewahlen der dritten Abteilung in Wilmersdorf ist jetzt endlich amtlich festgestellt worden. Es stimmt mit der am Sonntag von uns gebrachten Nachricht übcrein, wonach in der dritten Abteilung zwischen unsren Parteigenossen und den Konservativen Stichwahl stattzufinden hat. Als Wahltage für die Stichwahl sind angesetzt worden: Montag, der 11., Dienstag, der 12., und Mittwoch, der 13. April; wie bei der Hauptwahl wird an diesen drei Tagen von 10 bis 2 Uhr vormittags und 4 bis 8 Uhr nachmittags gewählt. An der Hauptwahl haben sich 1277 Wähler beteiligt; von unsren Parteigenoffen erhielten Natnsch 036, Adler 033, Hilpert 036, Schröder 029, Giebler 027 und Kiefer 621 Stimmen. Wir haben unsre ganze Kraft anzustrengen, um in der Stichwahl die socialdemokratische» Kandidaten zum Siege zu verhelfen. - In Wilmersdorf haben die Parteigenossen durch den plötzlichen Tod des Schlossers Otto Hauswald einen schweren Verlust erlitten. Lauge Jahre hat der am Mittwoch plötzlich verstorbene Genosse im Vorstand des Wahlvereins sowie in seiner Gewerkschaft init Hingebung gewirkt; auch in das Gciverbegericht am Ort hatte die Arbeiterschaft ihn vor zwei Jahren als Beisitzer entsandt. Noch in der verflossenen Woche war Hauswald bei den Gemcindewnhlen als einer der eifrigsten in der Agitation thätig, so daß sein Tod uns allen unerwartet kam. Ein Lüngenleiden, an dem er schon einige Zeit gelitten, nahm plötzlich einen gefährlichen Charakter an und raffte ihn am Mittwoch hinweg. Hauswald ist 40 Jahre alt geworden. An seiner Bahre trauert eine kinderlose Gattin. Die Parteigenossen werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Ju Pankow wiesen bei der Etatsberatung unsre Parteigenossen in der Gemeindevertretung auf verschiedene Mißstände hin. Sie tadelten, daß die Summe von 000 M. für Schulbücher armer Kinder in den Armenetat und nicht in den Schulctat eingestellt sind, da die Verabfolgung dieser Bücher nicht als Armenunterstützung betrachtet wird. Das schon im vorigen Jahre an die Gemeindeverwaltung gerichtete Verlangen, die Berichte des Schularztes zu veröffentlichen, ist auch diesmal nicht erfüllt worden; der Gemeindevorsteher sagte, daß der große Umfang des Berichts den Druck nicht erlaube. Aus Antrag unsrer Parteigenossen werden nunmehr alle Gemeinde- Arbeiter gegen Unfall versichert werden. Der Etat wurde schließlich gegen die Stimmen unsrer Parteigenossen bewilligt. Die Summe von 9400 M. wurde für Herstellung' einer eignen unterirdischen Telephonvcrbindung zwischen Pankow und Mühlenbeck bewilligt. Hohcn-Schönhauscn. Der Protest unsrer Parteigenossen gegen die Gültigkeit der Gemeindelvahl in der dritten Wählcrklasse mußte als durchschlagend anerkannt. werden. Der Gemeidcvorfteher selbst schlug der Vertretung vor, die Wahl für ungültig zu erklären. Die Versammlung beschloß dementsprechend und ersuchte um Ausschreibung der Neuwahl. Die konservativen Wahlmacher haben nicht weniger wie 16 Vollmachten benutzt, die ausgestellt waren von Leuten, die sich gesetzlich gar nicht vertreten lassen dürfen, aber zu faul waren, selbst zur Wahl zu gehen. Erst das Eintreten der Socialdemokraten in die Wahl war geeignet, mit dem alten Schlendrian zu brechen. Nun nmß aber auch der letzte Manu aufgemuntert werden, damit auch in diesen Karpfenteich endlich einmal ein socialdemokratischer Hecht komme._ Gerichts-Zeitung Ein erstklassiges Sittenbild. Unter Ansschluß-dor Oesfentlichkeit fand gestern vor der zweiten Strafkannncr des Landgerichts I eine Verhandlung gegen den Studenten an der technischen Hochschule Max LucasvonCranach statt, der sich wegen Zuhälterei und Unter- schlagung zu verantworten hatte. Der aus der Untersuchungshaft vor- geführte Angeklagte ist ein schmächtiger junger Wann, der einen recht harmlosen Eindruck macht. Zum Termin war eine große Anzahl jener„Damen" geladen, die in der sogenannten„Berliner Lcbcwclt" eine sehr eindeutige Rolle spicken. Im Jntcreffe der Sittlichkeit würbe auf Antrag des Staatsanwalts und der Verteidigung die Oeffent« lichkeit während der Dauer der Verhandlung ausgeschlossen. Der Angeklagte ivar früher auf einer Kadettcnanstalt und hat dann zum Studium des Jngenieurfaches die technische Hochschule besucht. Sein Bruder war früher Offizier in einem Garderegiment und hat, wie seiner Zeit berichtet wurde, mit einer jetzt auch als Zeugin auftreten- den Lcbedame einen Roman durchlebt, der mit dem Selbstmord des Offiziers endete. Jene Zeugin, Namens Christen, war das Verhältnis des Offiziers. Eines Abends war er von einem Liebcsmahle heim- gekehrt und hatte der Christen angekündigt, daß sie sterben müsse und noch rasch ein Vaterunser beten solle. Tann hatte er einen Revolver auf sie augelegt und auf sie losgeschossen. Unmittelbar darauf krachte noch ein Schuß und der Offizier sank tot zu Boden. Dem Mädchen war die Kugel in die Brust gedrungen, die Verwundete hat eine längere Schmcrzcnszeit durchgemacht und die Kugel hat aus ihren: Körper nicht entfernt werden können. Der jetzt angeklagte jüngere Bruder dieses Offiziers hat, wie der letztere, zu einer außerordentlich flotten Lebensweise geneigt und ist nach und nach moralisch so gesunken, daß er schließlich von dem Sündengelde einer Lebedame, mit der er längere Zeit zusammen gelebt hat, recht erhebliche Summen einheimste. Er hat von diesem Mädchen teilweise gänzlich die Mittel zu seinem Lebensunterhalt bezogen. Aber auch mit der genannten Christen hat er Beziehungen angeknüpft. Als diese im Krankcnhause lag. hatte diese an ihn einen Brief geschrieben, um noch einige Sachen aus dem Nachlaß seines verstorbenen Bruders heraus- zubekommen. Auf diese Weise kam er in näheren Verkehr mit ihr und nahm auch sie pekuniär vielfach in Anspruch, da seine sonstigen, von Unterstützungen durch die Verwandtschaft stammenden Mittel für seine Lebensweise absolut nicht ausreichten, lieber diesen Verkehr war„die andre", die unverehelichte Bretnitz. sehr aufgebracht; sie ist 32 Jahre alt, der Angeklagte war damals 19 Jahre alt und sie. die schon sehr oft Ivegen sittcnpolizeilichcr Uebertretungen vorbestraft ist, wollte mit dem jungen Herrn Staat machen und gönnte ihn keiner andren. Auf ihre Anzeige fand dann eines Tages seine Sistierung statt, er wurde aber als nicht fluchtvcrdächtig wieder entlassen. Er zog es aber doch vor, sich nach Holland zu begeben und die Christen stattete ihn mit den nötigen Mitteln dazu aus. Sie schickte ihm auch das Geld zu Rückreise, als er wieder Heimweh empfand. Als er wieder in Berlin angelangt war, logierte er in einem kleinen Hotel, nahm aber seine Mahlzeiten bei der Wirtin der Christen auf deren Rechnung ein. Eines Tages sollte er auf der Straße von Kriminal- beamten verhaftet werden, er suchte ihnen zu entfliehen und als ihm dies nicht gelang, schoß er einen Revolver auf sich ab. Er hatte sich aber nur einen leichten Streifschuß beigebracht und wurde dem Untersuchungsgefängnis zugeführt.— Staatsanwalt U h l e, der ebenso wie der Verteidiger, Rechtsanwalt R ö h r i g, auf eine Anzahl Zeugen verzichtete, hielt den Thatbestand der Zuhälterei im Sinne des 8 131s und den Thatbestand der Unterschlagung(es handelte sich um den Verkauf eines Konversationslexikons) für erwiesen. Ter Staatsanwalt ließ jedoch die schwerere Anklage, wonach der An- geklagte die Bretnitz unter Antvenduitg von Gewalt oder Drohung zur Ausübung des unzüchtigen Gewerbes angehalten, fallen. Ter Straftantrag lautete auf ein Jahr eine Woche Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust.— Rechtsanwalt R ö h r i g bestritt, daß der Angeklagte unter Ausbeutung des unsittlichen Gewerbes der beiden Zeuginnen seinen Lebensunterhalt bezogen habe und suchte nachzu- weisen, daß es sich nur um Darlehne gehandelt habe, deren Rück- Zahlung die Bretnitz erwarten konnte. In dem Falle Christen könne der K 181» überhaupt nicht zur Anwendung kommen.— Der Gerichtshof war der Ueberzeugnng, daß der Angeklagte zweifellos sehr wohl gewußt habe, daß die beiden Mädchen einen unsittlichen Lebens- Wandel führen und gewerbsmäßig die Unzucht betrieben. Die Frage, ob er unter Ausbeutung dieses unsittliche» Erwerbes seinen Lebensunterhalt bezogen, ist bezüglich der Christen verneint worden. Aller- dings hat ihm diese Geld zur Fahrt nach Holland gegeben, andrerseits hat ihr aber der Angeklagte die Uniformstücke seines Bruders zum Verkaufe gegeben und aus dem Erlös ist das Geld zur Reise geflossen. Im übrigen ist nur erwiesen, daß er mit ihr mehrmals bei Kempinski gewesen ist und bei ihr hin und wieder Kaffee getrunken hat. Anders läge der Fall der Bretnitz, bei der der Angeklagte wochenlang in der Grolmanstraße gewohnt hat. Von ihr hat er Effen, Trinken. Kleidung und alle sonstigen Einnahmen längere Zeit hindurch gehabt. Er sei daher als Zuhälter zu bestrafen. Da er erst 20 Fahre alt und bisher unbestraft ist, hat ihn das Gericht zu einer Gesamtstrafe von sechs Monaten drei Tagen verurteilt und darauf drei Monate Untersuchungshaft angerechnet. Vermischtes. lieber ein Eisenbahnunglück wird aus Wutha in Thüringen amtlich berichtet: Durch drei von Ruhla ohne Maschine abgelaufene Wagen wurde auf hiesigem Bahnhof ein vor einem Prellbock auf Geleis 4 Richtung Fröttstädt stehender Gepäckwagen über den Prell- bock geworfen und letzterer überrannt. Außerdem sind ein mit Stückgut und ein mit Kohlen beladener Wagen je mit beiden Achsen entgleist. Ersterer sperrt beide Hauptgeleise voraussichtlich 8 bis 10 Stunden. Personen nicht verletzt. Betriebsmittel und Geleise erheblich beschädigt. Betrieb wird durch Geleis 3 aufrechterhalten. In der Provinz Cntania, Italien, haben starke Regen fälle schweren Schaden angerichtet. In Paterno, Francavilla. Ccntruipe, Troina, Agira und Gagliana sind mehrere Häuser eingestürzt. Zehn Menschen sind unigekommen. Einzelheiten fehlen. lieber einen Millioncnpastor wird der„Volks- Zeitung" aus Hamburg berichtet: „Also stehet geschrieben Ev. Matth. 61, 19 u. ff.:„Ihr sollt euch nickt Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen.... Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon". Im vergangenen Jahre starb hier als Senior der Geistlichkeit und einer der bekanntesten Seelsorger Hamburgs der Pastor zu Sankt Georg, Herr Dr. Alexander Dctmcr. Zur Erbschastsrcgulierung konnte erst jetzt geschritten werden, da der geistliche Herr sein Ver- mögen zum großen Teil in englischen Papieren angelegt hatte. Die Hinterlassenschaft beträgt HVa Millionen Mark. Ein enormer Betrag, aber was läßt sich dagegen sagen? Heißt es doch im fünften Buch Moses 23, 4:„Du sollst dem Ochsen, der da drischct, nicht das Maul verbinden" und liest nian doch Ev. Lucae 10, 7:„Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert". Aber etwas läßt sich bei der Sache biblisch schwer belegen. Der Verstorbene hatte sein Vermögen zu Lebzeiten nur auf 3'/2 Millionen deklariert und die Steuerbehörde hält sich nun an den lachenden Erben für die Steuerhinterziehung schadlos." Griibeniniglücksfntle. In der Kohlengrube„Alfteton" in der Grafschaft Derby stieß ein Förderkorb, in dem sich sechs Arbeiter befanden, 90 Meter von der Sole auf eine losgelöste Schiene und kippte um. Drei Arbeiter wurden aus dem Korb geschleudert und als Leichen aufgefunden. Die übrigen drei hatten sich an dem Förderkorb festgehalten und konnten aus ihrer gefährlichen Lage be- freit werden. Lens. Einem Grubenarbeiter, der mit der Sprengung einer Mine beauftragt war, wurde durch die vorzeitige Explosion des Sprengschusscs der Kopf vom Runipf getrennt. Clngegangene Druchrchnften. Allgemeines über den Krebs. Von Dr. Heinrich Mohr. Bielefeld. Verlag oon Karl Marhold, Halle a. S. Preis 40 Pf. Pocken und Impfung. Von sotadtarzt Dr. E. Pfeiffer. Hamburg. Verlag von Karl Marhold, Halle a. ä. Preis 30 Pf. Die Berliner Rieselfelder, ihre Einrichtung und Volkswirtschaft- liche Bedeutung. Von Siegsried Hagen, Doktor der Staatswissenschastcn. Berlin. Verlag von Franz Wunder.' Preis l,60 M. Sechster Jahresbericht des ArbeitersclretariatS München und GcschäsiS- bericht des Gewcrhchajtsvercms. München pro 1903. 87 Seiten. Druck G. Birk u. Co., München, Wittelsbacher Platz 2. Adolf Hosfniann. Die zehn Gebote und die besitzende Klaffe. Geleit- bries von Frau Klara Zetkin. 9.'Auslage, 81. bis 90. Tausend. Preis 30 Ps. A. Hoffmanns Verlag, Berlin 0. Blumenstr. 14, I. I I LKATZ& CO Spdanerstr. 45 am Molkenmarkt I ä Elegante Neuheiten-- grösste Auswahl Tacken und Blusen-Kostüme in neuesten Stoffen 12, 15,20 Mk. Elegante Strassenkleiderin Blusen-u.Jackettform 25,30, 40Mk. Euss freies amerik. Jackenkleid, letzte Neuheit 15, 20 Mk. Trauerkleider in eleganter Ausführung. 18, 20, 25 Mk. Elegant garnierte Kleider in Voile; Satintuch und in den neuesten Phantasiestoffeu..... 20, 25, 30 Mk, Seidenblusen elegante Fassons. 5.50, 7.50, 10 Mk. Woll- und Waschblusen........ 3, 5, 6 Mk. Costümröcke prima Verarbeitung, tadelloser Sitz; vorzüglicher Schnitt, In allen Längen und Weiten, auch für ganz starke Damen vorrätig, schwarz und farbig; in den modernsten glatten und Phantasiestoffen..... 3.75» 5, 7, 10, 15 Mk. in Seidendamast 20 u. 25 Mk. 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PREIS- USTE 1904, In veretindllcher Veranschaulichung mit Ober 200 Jllustrationan, wird kostenlos und portofrei zugssandt. Garantie-Hüte vorzüglicher Filz, in neuesten Fa/< Uhr, in der Turnhalle der 69. Gcmemdcschulc, Kleine Frankfurterstr. 6: Per- sammlung. Festvortrag des Herrn Pros. Dr. Albert Gchrle.— Montag, den 4. April, vormittags 10'/, Uhr, ebendaselbst: Festvortrag dcS Herrn Dr. Bruno Wille. Vor- und Nachspiel aus dem Pariser Mustel-Harmoniimi. Gäste, Damen und Herren, sehr ivillkommen. In der humantstischen Gemeinde, Nicdcrwallstr. 12, in der Aula der Friedrich- Werdcrschcn Ober- Realschule, hält am Sonnlagvormiltag 10'/, Uhr Herr Dr. Rudols P e n z i g ciiicit Vortrag über:„Verjüngung". Hieraus Jugeudaujnahmc.— Damen und Herren haben sreien Zutritt. Schlächtergesellen l Heute imchmittag 5 Uhr. im Englischen Garten, Sllexanderstr. 27 e(oberer Saal): Versammlung. Tagesordnung: 1. Bor- trag des Rcichstags-Abgcordiietcn Herrn Fritz Zubeil über:„Die deutsche Gewerkschaftsbewegung und die Streiks". 2. Die Arbestslosigkeit und die gewerbsmäßigen Stellenvcrmittler in unserin Berufe und tvic beseitigen wir beides? 3. Die Bedeutung der Verbandstagc. 4. Verschiedenes. Mr den Julialt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantmortniig. Zhcatcr. Freitag, de» 1. April. Weste». Die Auserweckung des Lazarus. l'Anf. 7'/, Uhr.) Ventral. Geistliches Konzerr. Thalia. Konzert.(Ans. 8 Uhr.) Bellc-Alliancc. Konzert.(Ansang 8 Uhr.) Die übrige» Theater geschlossen. Sonnabend, den 2. April. Ansang 7'/, Uhr: Lpernhans. 9. Sinsonie-Abcnd der töniglichen Kapelle. Schauspielhaus. Geschlossen. Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Alt-Heidelberg. Lessing. Zapsenstrcich. Westen. Zar und Zimmerman». Neues. PelliaS und Melisande. Residenz. Das große Geheimnis. Central. Die Glocken von Cornevillc, Belle-Alliance. Der reichste Berliner. Thalia. Der Verschwender. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallncr- Thealer.) Der Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Schiller lV.(Jriedrich-Wilhelmstädi.) Ferrevl. Kleines. Rachlashl. Luisen. Das Kathchen von Heil- bronn. Trianon. Das elfte Gebot. Carl Weist. Geschlossen. Deutsch-Amerikanisches. Ucber'n großen Teich. Gebr..Herrnfeld. Hausierer Hockeln. Winter-Garten. Ivette Guilbcrt. Costantine Bernardi. Speciali- täten. Metropol. Mein Leopold. Easino. Wie einst im Mai. Apollo. Frühlingslust. Blüten- Hochzeit. Specialitäten. Reichshalle». Stcttincr Sänger. Passage-Thcnter. Caicedo. Specialitäten.'Anfang ö Uhr. llrania. Taubenstraste Um 8 Uhr: Frühlingstage alt der Riviera. Um 4 Uhr: Aus dem Haushalt der sreien Natur. Jnpalidcnstraste 5716%. Stern. warte. Täglich geöffnet von 7 bis tt Uhr. LentrAl-Nleater. Heute 71/3 Uhr: Grostes geistliches Konzert. Ernräfjigte Preise. Sonnabend: Geschloffen. Oster-Sonntag 7>/, Uhr: fgson psmbls. Nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: lHe Geisha. Neues Theater. Schifsbauerdamm 4a— 5. WM- Cieschlossen. Sonnabend: Pelleas und Melisande. Anfang 7>/„ Uhr. Rtßdknz-Thklitkr Direktion S. Lautcnbiwg. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Das große Geheimnis Sonntag und Montag: Der keusche Caßmir. Dienstag, den 5. April: Erstes G a st f p i e l von Adolf Sonnenthal: Kathan der Welse. Luisen-Theater. Heute: Geschloffen. Morgen: Sonntagnachmittag: Das Schloß am Meer. Abends: Der Kaufmann V.Venedig. Montagnachmittag: Kcan. Abends: Der Aktienbudiker. Dienstagnachmittag: Das Käthchen von Heilbronn. Abends: Der Verschwender. Mittwoch: 1. Gastspiel des Central- Theaters: Der Bettelsludent. Donnerstag: 2. Gastspiel des öcntral-TheaterS: DcrZigcuncrbaron. ityelle-Theater. WM- Heute geschlossen. Sonnabend: 16 erstklassige neue Specialitäten. I/etztes Anftreten der Schlattänzerin Magdalena. 1. Osterfeiertag, nachmittags 3 Uhr, Frlihlingsluft und neue Specialitäten. Abends: Premiere: lAebesgtttter. 2. Ostertelertag, nachm. 3 Uhr, Frtthlingsluft und Specialitäten. Abends; I-lebesgtttter. Schiller Schiller- Theater O. (Wallner-Theater). Freitag: Oeschlossen. Sonnabendabend 8 Uhr: Der bieixlgc. Lustspiel in 6 Akten von Moliere. Hieraus: Her eingebildete Kranke, Lustspiel in 3 Akten von Moliere. S v n» t a g n a ch m i t t a g 3 U h r: _ Der Cieizige. •Theater. Schiller-Theater K. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater) Freitag:paelragabnnd«i«. Idklik-sdeslör. Lelle-älliAnee-sbesler. Dresdenerstr. 72/73. Amt IV 4440. Bcllc-'Allianccslr. 7/8. Amt VI 283. Anß 8 Uhr. Direktion tean Kren und Alfred Sckönkeld. Ans. 8 Uhr. grosses Karkreitag-Kon/ert. Morgen Sonnabend: Der Verschwender. An allen drei Osterfeiertagen, nach- mittags 3>/z IKirjCharleys Tante. Grosses Karfreitag-Konzert. Morgen Sonnabend: per reidjfte berliner. Sonntagnachm. 3 Uhr bei kl. Preisen: vie Rünber. UM" Nur noch 3 Cage.'MU Cirkus Schumann. Morgen Sonnabend, den Ü. April, 1904, abends 7'/- Uhr: Benefiz-Abend und Auftreten des iveltberühmten Löwenbändigers Herrn JuL Seeth � 25 Kaiferlöwen. Nur noch dreimal wird dem geehrten Publikum Gelegenheit gegeben werden, Herrn Julius Seeth mit seiner einzig eystierendeii Löwenschar überhaupt zu sehen, da am Schlüsse dieser Saison Herr Julia« Seeth nach 23 jähriger Thätigkeit seinem Kunftberuse Palet sagt. Ausserdem glänzendes Prograiiun. Die große H»»d Hb H Eine Wanderung durch AuSstattungs-Pantomime-AS«u n?« g Jahrtaiijeude. Sonntag und Montag: Zwei Vorstellungen. Ein Kind srci. Urania. Taubenstr. 48/49. Heute: Geschlossen. Morgen 8 Uhr im Theater: Frühlingstage an der Riviera. 4 Uhr: Dr. du Bois-Reymond: Aus dem Haushalt der freien Natur. CASTANS I PA NO FT IC UM Friedrichstr. 165. Afrika in Berlin!!! |Tunesen=Truppe. Grosse Vtflkerschau. (Die schUnen Ilarems Damen In Tunis. Deutseh-Ämerikanisehes Theater. Köpnickerstr. 67. Stat. Jannowitzbr. Heute: GESCHI-OSSEtf. Morgen imd folgende Tage: Gastspiel Adolf Philipp: Anfang 8 Uhr! Ende 10 Uhr 30. Metropol-Theater Heute geschlossen. Sonnabend, den 2. April: Mein Leopold. Volksstück in 3 Akten von Adolf L'Arronge. Gottl. Weigelt: Emil Thomas a. G. Anfang 8 Uhr. Ostersonntag, Ostermontag und die folgenden Tage: Ein tolles Jahr. Anfang'/aS Uhr. Rauchen überall gestattet. Kleines Theater. _ Unter den Linden 44. Geschlossen.-MU Sonnabend: Nachtasyli Ansang 8 Uhr. Carl Weiss'Theaier. Biirgerltcbes Schauspielhaus. Direktion M. E. Fischer. Groste Frankfurter Straste 138. Freitag: Geschlossen. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Aschenbrödel oder: Der silberne Pantoffel. Sonnabendabend ist die Kasse von 6—9 geöffnet. Abends: Geschlossen. Sonntagnachmittag 3 Uhr; Parkett 60 Pf.; Der Hüttenbcsitier.. Abends Tl, Uhr: Die schöne Ungarin.__ Trlanon-Theater. Georgenstraße, zwischen Friedrich« und Universitätsstraße. Heute: Geschloffen. Sonnabend: Das elfte Gebot. Ansang 8 Uhr. An beiden Ostersciertagen nach- mittags:„Madame X." »Abends; Das elfte Gebot. Der Dieb. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/,. Heute Freitag geschlossen. Morgen Sonnabend: „Wie einS im Mai." An allen Feiertagen abends 7'/, Uhr: Der Raub der Sabinerinnen und das Festprogramm. Sonnlagnachmittag 4 Uhr:„Wie einst im iilai.*' Montagnachm. 4 Uhr; Der vertauschte Sohn. Gebrüder Herrnfeld- A? Theater. Sj« Heute: Geschlossen! Morgen, Sonnabend: Hausierer Joebeie Eine ungarische Dorfgeschichte von A. und D. Herrnfeld. Anton sterrnfeld als Großschweinezüchter Laszlo Janos. Donat Herrnfeld als Hausierer Jockele. Vorher: Haehtdienst Bild aus dem Berliner Leben von A. und D. Herrnscld mit Martin Bendix alS�Nach.kolporlcur Knolle-, Donat Herrnfeld als„SUssel Holzer". An beiden Osterfeiertagen: Anfang der Vorstellung präcise 8 Uhr: Hur eine Haeht! 2 Akte aus einer Ehe. Komödie von A. und D. Herrnscld mit den Autoren in den Hauptrollen. Dienstag, den 5. April: kremiere von jltn andern Jorgen! Nachspiel zu„Nur eine Nacht!" Komödie von A. und D. Herrnscld. Personen: Willi Waldhcim.. Donat Herrnfeld Waili Waldheim.. Poldi Ruß Erich Rahndols... Joseph Aschinger Dambilsch...... Fcrd. Grunecker Silbcrling...... Eugen Neuierf Aschgrau...... Jacques Morwah Frau Eisner.... Hedwig Wiese Eisner, deren Mann Gustav Gollbach Hedwig.......'Angelika Frey Lotte......... Else Grcssin Susi......... Julia Loibl-Hahn Tuschek....... Anton Herrnfeld Ein Dienstmann.. Jos. Engler. spielt in Waldheims Wohnung. Bernliard Rose-Theater Gesundbrunnen. Badstr. 58. Während der Karwoche:! Geschlossen! Sonntag, 3. Zlpril(1. Osterfeiertag): Oer Raub der Sabinerinnen. Ansang 8 U h r. Montag, 4.»April(2. Ostersciertag): Kseksekulss. Ansang 7 Uhr. "' c Vo"* der Vorstellung: Orosser Ball. FröbeUllerlei-Theater früher Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Am 1., 2. und 3. Oster- Feiertag: Grosse Festvorstellung. »Am 2. u. 3. Ostcrtag: }(arburger Sänger der Vorstellung: Extra-Freitanz. Passage-Tlieater. Freitag keine Vorstellung. Das gliinzende April-ProgrsmM Anfang an allen 3 Feiertagen nachm. 3 Uhr, an Wochentagen 5 Uhr. Anfang der- Abendvorstellung 8 Uhr. Oskar Flirsi Humorist. Lina Golz Vortragskünstlerin. 14 erstklassige Nummern. Zweiter Wahlkreis. Montag, den 4. April(zweiter Feiertag): rar Zwei Matineen. Kliems Festsäie* Victoria-Brauerei Hasenheide 12/13. Eintritt 80 Pf. Lützowstr. 111/112. Anfang ,/218 Uhr vormittags, 238/4 » ilWHVllW lllwMiWl* Direktion: Robert Dill. Brnnnenstr usse 16. Heilte und morgen: Geschloffen. 1. Osterfeiertag; Kabale und Liebe. 2. und 3. Ostersciertag: Stadt und Land oder: Der BieH- Händler aus Oberöstreich. Ansang 1. und 2. Ostcrtag 7'/- Uhr. 3. Ostcrtag; 8 Uhr. Entrce 30 Pf.— Ball. Palast-Theater Burgstrasie 2%, früher Feen-Palast. »Von heute bis einschließlich 2.»April wegen großartiger»Vorbereitungen zu den Osterfeiertagen geschlossen. Sonntag, den 3. April 1901, nach- mittags 3 Uhr: ]>0]i Cäsar. Schauspiel mit Gesang in 6»Akten von Saar. Abends 8 Uhr: AasphänomkNlitegrtißtlrtigt Feikrtags-Nrogramm. Morgen, Das letzte Wort!!! . Wahlkreis, Süd-Ost Am Sonntag, den 3. April 1904 (1. Osterfeiertag): Matinee arrangiert von den Parteigenossen des Kreises im Lokale„Sanssouci", Kottbuserstr, 4a. Auftreten der HoffmannscbeD Norddeutschen Sänger. Eintritt 30 Pf. Kassenerüffnung 11 Uhr, Anfang 12 Uhr. Es ladet freundlichst ein Das Komitee. IX. Berliner Saison. Cirkus Busch. Heule, Freitag, den 1. April cr.: CgCSChBOSSCIl■ Heute geschlossen Morgen Sanssouci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. »Am 1. und 2. Feiertag: Humoristische Soiree HofTmannti Norddeutsche Sänger. Am 1. Feiertag zum t.»Mal: Beim kahlen Willem. Possen-Ensemble m.Gesang Am 3. Feiertag: Ras bemooste Raupt. Schauspiel in 4»Akten von»Benedix. Am t. u. 2. Feiertage»Ansang: Konzert ö Uhr,»Vorstellung 7 Uhr.»Am 3. Feiertage: 6 Uhr. Vorstell. 7'/, Uhr. Am 2. und 3. Feiertage nach der Vor- stellung: Tanzkränzchen. Königstadt-Kasino Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Grosse Extra-Vorstellungen: »Vom Dienstag, den 20.»März bis Sonnabend, den 2.»April: Traum der»Jiofe. Lledersptel in 1 A k t. Der Kapitän. Seemannskomödie in 1 Akt. Austreten sämtlicher Specialitäten mit l�rauz Sobanski. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. W Karfreitag geschlossen."Vß Freunden und Parteigenossen cmpsehle mein Iböb »Weiß- u. Bairisch-Bier-Lakal, grostes Bereinsziminer. Carl WolflT,. Ziomintenerstraße 2. Sonnabend, den 2. Zlpril 3r.: Jackson Sddffle und Todessprung'"Tempo" Quadrille aus der Zeit Friedrichs des Grossen, geritten in historischen I Uniformen mit 8 Schulpserben. »«ibMal: AlIÖ btll AlptN. Der AntomobUstiirz.{ Avis! An beiden Feiertagen! k k Xwci Gala- Vorstellungen: 4 I hr und?>/. Uhr. In! beiden Vorstellungen:„Das letzte V/ort!" Shhleife und Todessprung{ in einem Tempo. An beiden Tagen, abends 7>/, Uhr: Ringkampf. Unter dem Protektorat Ihrer königlichen Hoheit der Frau Prinzessin Friedrich Leopold von Preussen. Ausstellung f. Kindcs-Äloblfabrt j vom 36. Mäira! bis 5. April 1904 im AussteUungshause der„Berliner Secession" und in den Gartensälen des Theater des Westens. Eintrittsgeld 50 Pf. An Elltetagen 1 R. in ihrer neuen riesigen Ausführung zur Besichtigung durch Gericht und Sachverständige ausgestellt, kann jetzt für kurze Zeit tägl., auch Feiertags, von 10 Uhr vorm. bis 6 Uhr nachm. für SO Ps. Eintrittsgeld, zur Deckung der Prozeßkosten, in Ganswindt's Etablissement in«chöneberg besichtigt werden, bis sie in die noch in»Arbeit befindliche Gondel einmontiert wird. ArheilgrjiMshrer Verein KixSorj »VereinSlokal: H. Thiel, Bergstr. 151/52. 11/18 === Sistung jeden Dienstagabend>/,S Uhr. 2. April, abends G Uhr, nach KottbuS. 10. April, früh 8 Uhr, nach Treptow. IL. April, abends'/,9 Uhr, General- Bersammlung. 17.»April, nachmittags»2 Uhr, nach Mariendorf. 10.»April, abends 8 Uhr: öffentliche Radfahrer- Versammlung. Ä4.»April, mittags 12 Uhr, nach»Aowawes._ Per Vorwtand. Scheruchs Festsäle RUderscSorfepstp. 45. Achtung! Zur JVIaifcier! Achtung! Honntag, der 1. 71 ai, frei geworden. Gleichzeitig empfehle meine Säle und VereinSzimmer, 2000 Personen fassend, und Garten zur Slbhallung von Sommersesten. Famill en-Kaffee kochen gestattet. Albert Scheruch, Besitzer. Bureau-Riinme mit Centrak-Heizmig und elektrischem Licht billig zu vennieten.»Möblierte Zimmer und Schlafstellen von 6 M. an. 4738L* Albert Scheruch, Besitzer. Hag�elwerder a. d. Oberspree. Jeden Sonntag: Grosser U-N bei vollem Orchester.— Bereiuen steht mein Lokal jederzeit zur gefälligen»Versügung. Zu Mondscheinsahrten und �ommernachtsfesten noch einige Sonnabende srei. 47S9L* Um freundlichen Zuspruch bittet_ Gustav Hempel. r" Schmöckwitz tostliaiis zur Palise Seddwsee. kJVUlUU vu.■■ S1»U(Endstation der„Stern"-Dampfer). Hermann Peter. T-i-phon: Grinau no. 39. Empfehle mein allbekanntes, herrlich am Wald und Wasser belegene» Lokal den geehrten Vereinen und Gesellschaften zu SluSflügen. N............. Sä Ausspannung und Dampsersteg«, Kegelbahnen, große Kaffeeküche. Säle, Hallen, großer schattiger Garten, Svv« Personen fassend. Terliner Schweiz Telephon: Erkner No. 62. Post Neu-Zittau. Zwiebnsch Gosener Berge. ♦♦ Idyllisch gelegenes, grösstes VergnUgungslokal der Oberspree. � Halte mich den hochgeehrten Gesellschasten, Vereinen und Fabriken bei »Dampser-, Kremser-, Rad- und Fußpartien bestens empsohlen. 4561S* Hermann Glirtner, Inhaber und Begründer. SoeiaMemokratiseher Wahlverein. Sonntag, den 3. April Vereins-Veranügen ____ Anftreten der Gesellschaft Strzelesvicz.'*3 15/9 Entree 30 Pf.— Anfang 6 Uhr abends.— Nachdem: Tanzkränzchen.(Beteiligung für Herren 50 Pf.) (Erster Fritz Wilkes Festsäle und Garte» Branneii-StrHSse 188. SW Am ersten Lsterfeiertag, mittags 12 Uhr: 4M # Grosse Matinee& veranstaltet vom Gesangverein Liedesfreiheit(M. d. A.-S.-B.) und der Privat-Theatergesellschaft Bohemia. T c! I a in a t o r: Ileinrivi» Aattkie» aus Elbingerode. iW__ I. A.: Das Festkomitee. ZKssditer LvKützsnKsus. Inhaber: A. Freyer. Plötzensee. Hierdurch zur gest. Kenntnisnahme, dag mein Lokal ab heute der organi- Herten Arbeiterschast zu Versammlungen, Vercinssestlichkeiteri:c. zur Vcr« sügung steht.— Ich werde bemüht sein, stets sür gute Speisen und Getränke Sorge zu tragen.— Mein Saal, ca. 1000 Personen sasscnd, sowie meine 3 Zimmer, je ca. 00— 7ö Personen fassend, bringe ich den geehrten Gclucrk- schasten, Vereinen:c. in Erinnerung. 42gSL lim gütigen Zuspruch bittet".— _ A. Freyer, Mo ist Freitag Treffpunkt? Im kestsurÄllt Vervau, Sliilvtdterkr. 33/34. Radfahrer, Touristen und Bock-Bicr-Braucrcilokal Besuchende morgens und abends Rendezvous. Reichhaltige Speisekarte. Gut gepflegte Biere. Es ladet ei» Wernaa. Wo? ist der schönste Lrt für Landpartien und A»S- finge per Dampfer, Uremscr»»d zu Fust durch den Grunewald zu erreichen? Auf der Insel Pichelswcrdcr, Wirtshaus zum Frcnnd. Bei schlechtem Wetter Unterkunft für 1500 Personen. Gefchäf t8- 6röff nung.'MW Allen Genossen, Freunden, Bekannten und den werten 5lirchhossbesuchcrn zur Nachricht, das; ich daS Lokal von Herrn Otto Irrgang, Ripdorf, Hermannitr. 167, käuflich erworben" habe. Indem ich für gute Speisen und Getränke bestens Sorge tragen werde, bitte ich, das meinem Vorgänger geschenkte Vertrauen auch aus mich übertragen zu wollen. 100b* Hochachtungsvoll Emil Schulze, ßermalmjir. 167, ___ früher«ergstr. 81._ Westend- Charlottenbnrg. „Zur Rohtrappe", Spaudauer Berg. Zweite» Uestaoront von der Kastanien-Allee. Haltestelle der Straßenbahn. 47S3L* Angeneiinic! Familien-Fnterhaltiiitg nnd Tanz. Kasseekuche ist von S Uhr ab geöffnet. Es ladet ergebcnst ein liari ILIaknnde. Chariottenburg..L°ib!.iM. s. Warme Speisen zu jeder Tageszeit. s.llälL's_ A. 11» 1 1 ge r. JtaueHf angs- Werder. Bahnstation Zeuthen.== Empfehle den geehrten Gesellschaften, Vereine», Fabriken:c. mein herrlich an großer Waldung und Wasser gelegenes Etablisiement Waldhaus, drei große Säle, verschiedene UnterkunstS-Hallc» sowie Belustigungen aller Art. Küche und Keller bieten nur das beste._ Ednard Rntkowsky. Am I. und 2. Osferfeierfage, sowie folgenden Sonntagen: Sxtra-Mrtennaeh derSerlinerSehwetz. Hbf abrt 9 Clhr vormittags, 2 dbr nachmittags vom SehuKheiss-Aussehank, Jannowitzbrücke. Rückfahrt 6 Ehr. Es ladet ein H. Gürtner. Sehleswig-Kotsteiner nnd Kambnrger. Sonntag, deu l. April(erster Osterseicrtag), morgens 10 Uhr, Treffpunkt aller LandSIcute zum Frühschoppen beim Landsmann O. Ktmmel. Pücklerstr. 2. 47ß2L Ob he fik wall wall marken leet? Tisehler-Verein zu Berlin. (E. H. 89.) 108/9 Die Berfammlnng fällt am Oster- Sonnabend aus.»sfl Am 1. Peierlag, sdemls S Uhr, in Kllen»« grossem Pestsaal, Hasenheide 13/15: Soiree der Zimmertnannselien Korddeutschen Sänger. — Entree 30 Pf.— Billets sind bei allen Vorstandsmitgliedern zu baben. Abendkasse findet nicht statt. Der Vorstand. Lichtenberg! Gudrunsir. 1(Ecke). Weg zum Central Friedhof. Den Genossen und Friedhoss-Be» juchern empsehle meine Lokalitäten, Speisen und Getränke, Kaffeekochen. Angenehmer Aufenthalt. 47158 Karl Bastian stacht.(Ernst Walff.) G Arbeiter- Haifahremrein „Berlin". Freitag, den 1. April, mittags>/, 2 Uhr: Kottbuser Brücke nach Rudow.— Sonnabend früh L Uhr sowie nachmittags 2, 4 u. 0 Uhr nach ftottbuä; Starts: Schlesiiche Brücke. � 1 Feiertag früh'/,8 Uhr nach Biesenthal, mittags 1 Uhr nach Liepnitz-See; beide Starts: Prenzlauer Thor.—-t. Feiertag srüh >/.8 Uhr nach Körbiskrug, mittags 1 Uhr»ach Schmöckwip(Raak): beide Starts: SchtesischeBrücke.—:j. Feter- tag, mittags 2 Uhr: L-chlesische Brücke nach Baumichuienweg(tilckermann). Mittwoch, den 6. April: Ber- sammlung AndreaSstr. 26.— NB. Es wird gebeten, die Bundeskarten in Ordnung zu bringen._ 11/19 Köpeniek. Allen Freunden und Parteigenossen ur gesälligen Nachricht, daß ich mit eutigemTage in der Grünftr.36 ein tabsk- um! Cigarren- Geschäft vöftne. Um geneigten Zuspruch bittet Arthur Gühne, BrodsGesellschaflshaus am Dämeristsee. Inhaber: lil. Dcgebrodt vom Strandschloft am Müggelsee. Enipsehle Fabriken, Vereinen und Korporationen für Sominervergnügen und Ausflüge mein großartig gelegenes Lokal. Zwei große Säle, Hallen, ge» nügende Nebenräume, Belustigungen aller Art. Coulante Preise. ZI. Dcgebrodt. Neu Tivoli Treptow.»SSÄ Für die bevorstehenden Feiertage lade zum Besuch meines Lolals sreundschastlichst ein. 192b» S. und 3. Feiertag: Lcnssvc Tanx* Fritz Prenes. Gewerksebaftshans. 2. Osterfeiertag 7 Uhr abends: Konzert unter gütiger Mitwirkung des Konzertsängers Herrn Th. Scheer u. des Eecitators Herrn B. Pukas. Eintritt 50 Pf. inkl. Tanz. Vorverkauf bei Rühle, Moritz- platz a 40 Pf. 1411b I Prima Sctmilzel ä Pfund 1 Mark. Riickenfett ä Pfund 50 Pfg. Carl Schubert, Prinzenstr, 25 I Preise frei Küche für ibmin u. Vororte Bollmilch i.plomb. Flasch. t Ltr. 20 Pf. KindcrmilGh 1 Liter 35 Pf. beste I. 50„ Prof. lZaerincrs Säuglingsmilch, trinksertig, je nach Atter des Kindes feinste Kutter, 1 Psd. l.Ä0-i,10. 88/14» SoMaisstoionllsIdi sür Konditoreien, Hotels, Bäckereien, Eases».Restaurants zu Vorzugspreis. ZAvhKung! Baußlsohlocl Dienstag, den 5. April 1904, vormittags 10 Uhr: «M innili ltr Intel Itt ml hRit im großen Saal von Keller, Koppenstraße 29. Tages- Ordnung: 1. Z)er gesen«srttge ZfttNlZ unsrer Lohndewogung in SerUn uml ÄSN Vororten. 2. Diskussion. SIAS Der Obmann: V. Reiche._ Der Ganvorstand. I. A.: Stnache. En alle fflaurer Kttlins likd de« zum Uertragsgebiet gehSrende« Ugrorten. Am l. April d. I. erhöht sich laut den Bestimmungen des Vertrages der Lohn um 2Vz Pf. pro Stunde. Der Stundenlohn beträgt demzufolge 70 Pf. Indem wir darauf aufmerksam machen, ersuchen wir alle Maurer, welche den vereinbarten Stundenlohn von 70 Pf. nicht erhalten, dies im Suresu des esnirslverdaniies deutscher Ifiaurer, EweigvereinSerlin, Engel-Uler 15, Zimmer S9, Fernsprecher: Amt IV, No. 4093 zu melde». Die Verbandsleitmiß. 1;!7;15 I. A.: Wilh. Fritzsch._ fre/i' Oegründcl 1889. Spedalbaus Zum Osterfest besonders günstige Kanf- gclegenheit unter biarantic für gute dauerhafte Stoffe. Herren-Anzüge, hochmodern 12,- Mk. Gehrock-Anzüge, fummg�TVon 25,- Mk. an Sommer-Paletots in eleg. Ausführ. 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Die gelieferte» Kleider bleiben das ganze Jahr zur beliebigen Benutzung des Abonnenten. Verband der ZllSbelpoUerer. Die Auszahlung sämtlicher ungen finden morgen Sonnabend "eiträge werden jeden Sonnabend 5-6 Uhr Blumenstr. 33 statt.— Die 8—10 Uhr in den Zahlstellen entgegengenommen. Dienstag, den S. April, abends 8 Uhr. in Rixdorf, Steinmctistr. 103: M?" Versammlung.'MM TageS- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn P. Kotzks über:.Unsre sociale Reform". 2. Diskussion. 3. Wahl. 4. Verschiedenes. Mittwoch, den 6. April, abends 8 Uhr, Engel-Ufer 15� ■ Sitzung sämtlicher Vertrauensmänner. 145/20 Der Vorstand. wj Sauansetiläger. im Verein der Bauanschläger Berlins und Umgegend. Sonntag, den 10. April er., vormittags 10'/, Uhr. bei Franke, Sebastianstr. 39: 166h W SUonats-Versammlmig."M? Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstahd. NB. Der Arbeitsnachweis bejindet sich bei August Schräder. Sebastianstr. LO. iäsaü Knpfersehtniede. iÄ Vom Freitag, den l. April 1901 ab, tritt der neue Lohntaris in Kraft. Am Sonnabend, den 9. April, erfolgt die erste Lohnzahlung nach dem neuen Tarif. Wer nicht nach dem Tarif entlohnt wird, darf deswegen nicht die Arbeit niederlegen, sondern hat sich am 9. April, abends 9 Uhr, im Gcwcrtschastshausc, Zimmer 10. einzusinden, um weitere Instruktion entgegen zu nehmen.— Gleichzeitig sind zu demselben Abend die Vertrauens- lcuic sämtlicher Werkstätten zu einer Sitzung nach Zimmer 10 eingeladen. Am Dienstag, den 5. April tritt der paritätische Arbeitsnachweis in Funktion. Grüner Weg 37. Hof, Stjl. pari., von abends?>/, bis 8'/, Uhr. Sonntags ist derselbe geschlossen. 100/3 Die Filialverwaltung des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands. veulseder Holzarbeiter-Yerband. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß auch am Sonnabend, den 2. April. aus den Zahlstellen kassiert wird. 81/14_ Die Ortaverwaltwng. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Uchtang! Achtung I Der Feiertage wegen bleibt das Bureau am Freitag, den 4. und Montag, den 4. April ganz, am Sonnabend, den 2. nnd Dienstag, de» 3. April naebmlttags geschlossen. Der Arbeitsnachweis ist an den vorbenannten Tagen ganz geschloffen. Achtung! VertrAuensleuis. Wir ersuchen die Bertrauenspersoneu. bei etwaigem WohnungS- Wechsel unter Bekanntgabe ihres Namens, Berufs nnd des Be- triebes wo sie arbeiten, ikre neue Wohnung unnerzfiglieb mitzuteilen. 113/15* Die Ortsverwaltung. Tcrdn der Zimmerer Bcrlliis uttd dttigcgcndo Laut Vertrag mit den Arbeitgebern beträgt der Einheitslohu vom t April 1904 ab 70 Pf. pro Stunde. Sollte am ersten Lohnzahlungstage diese Vereinbarung nicht in alle» Baugeschäften eingehalten werde», so ist in alle» Fällen unsrem Bureau schriftlich oder telephonisch Mitteilung zu machen. Das Bureau befindet sich von« 1. April ab: Dragonerstr. 15, Hof, linker Aufgang I. lelepkoa: Amt III No. 5028. 257/3 Der Vorstand. Central-Yerband der Tönfer Filiale Berlin. Die nächste ArbeilSvermittelung findet am Dienstag, den£». April (dritter Osterseicrtag), nachmittags von 5—7 Uhr statt.— Die Bureau- stunden sinden am Sonnabend, den 2. April, von morgens 8 Uhr bis nachmittags 4 Uhr statt.— Die HilfSzahIstellen bleiben am ersten Oster» seiertag geschlossen. Die Ortsverwaltung. » Hut- Fabrik von CARL RENZ Oranienstr. 3. I. Geschäft: Rellin 80, Chariottenbnrg, KafltStP# 134 S« Welche Steife »Ute von 1,76 Mk. an „ 8,00„ an (Grosses Lager in 1 Motzen, Schirmen.| Beeile Bedienung. 4518L* Central-Leihhaus, Jägerstrasse 7ZZ Ecke __ Kanonierstrasse, Täglicher Verkauf von eleganten, modernen Frühjahrs- n. Sommer-Paletots u. Anzögen von M. 10, 12, 15, 20, 25—36 Prima. Knaben-, Jünglings- n. Einsegnnngs-Anzügc, Kammgarn-Anzüge, Hochzeits-Anzüge, Abonnements-Sachen, fast neu, teils auf Seide gearbeitet, welche von Cavalieren nur sehr wenig getragen sind, spottbillig. Ein Posten Tcppiche, Herren- u. Damenstiefel. 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Pcrla-Zsnnstalt Paul Singer Li Co.. Berlin LW. Nr. 78. 21. Jahrgang. 4. Kiliße im Jocmrlü" Sttlin« llolMIntl Freitag, 1. April 1904. Gewcrkfcbaftlicbcs. Der wahre Zweck der christlichen Gewerkschaften. Im Saargebiet wird die Generalkommission der GeWerk- schaften Deutschlands in nächster Zeit ein Arbeitersekretariai errichten. Es musi von jedem Menschen- und Arbeiterfreund aufs freudigste begrüßt werden, daß durch diesen Schritt den Lohnsklavcn an der Saar, im Königreich Stumm, endlich auch die gewerkschaftliche Organisation in weiterem Maße zugänglich gemacht werden soll. Die Zustände in Saarabien sind so weltberüchtigt, daß über die große Bedeutung des von der Generalkommission vorbereiteten Unternehmens kein Wort weiter gesagt zu werden braucht. Hoffen wir. daß den Arbeitern an der Saar nun bald etwas Licht und Freiheit zu teil werde. Kaum ist der Plan der Generalkommission bekaimt geworden, da werden auch die christlichen Arbeiterzersplitterer' munter. Wenn es nach den Führern der christlichen Gewerkschaften ginge, könnten die Arbeiter in Hunger und Elend verkommen: sie würden keinen Finger rühren. Sobald es aber den freien Gewerkschaften gelingt, nach hartem Kampf endlich in rückständigen Gegenden Eingang zu finden, sofort kommen auch die christlichen Quertreiber mit ihren Sondergewerkschasten, um die Geschäfte der Centrums- Partei zu besorgen. Die.Kölnische Volkszeitung" bringt einen Artikel aus Saarbrücken zu dem Plan der General lommission, worin zur Einführung der christlichen Gewerk- schaften aufgefordert wird. Der Schreiber verleumdet das Unternehmen der Gcnerälkommission als parteipolitisch, als social- demokratisch, obwohl es aus rein gewerkschaftlichen Erwägungen ent- sprungen ist. Der Artikel fordert die christlichen Gewerkschaften auf, .diesem Gebiete eine erhöhte Aufmerksamkeit zu- zuwenden", besonders die in Betracht kommenden Berufe der Berg-, Metall-, Holzarbeiter und Maurer. Ferner schlägt der Artikel- schreiber vor. unter Mitwirkung der verschiedenen christlichen Ver- bände im Saargebiet ein Sekretariat zu errichten. Der Er- folg werde„jedenfalls nicht ausbleiben, da die hiesigen Arbeiter zum weitaus größten Teil auf christlichem Boden stehen. In Saarbrücken und Umgegend hat in letzter Zeit der socialdemokratische Maurer- verband bereits nicht unerhebliche Fortschritte gemacht". Der Artikel sgiebt ferner zu. daß die Arbeitsverhältnisse im Saargebiet„viel zu wünschen lassen". Das hat die christlichen Gewerkschaften bisher nicht veranlaßt, die Arbeiter des Saargebiets zu organisieren und ein Sekretariat zu errichten. Nun aber, wo die freien Gelverkschaften kommen und den Arbeitern den Segen der Organisation bringen wollen, nun entdecken die christlichen Gewerk- schaftsführer ihr Herz und wollen dem Saargebiet eine„erhöhte Aufmerksamkeit" zuwenden. Wo wäre es wohl nötiger als an der Saar, wo das brutalste Unternehmertuin herrscht, daß die Arbeiter in einiger und ge- schlossener Macht gegenüberstehen? Kaum aber ist der erste Schritt dazu gethan, sofort kommen die sich„christlich" schimpfenden Arbeiter- Verführer, um Zwietracht und Zersplitterung unter die Arbeiter zu tragen. Dies Treiben ist geradezu Arbeiterverrat I Berlin und Umgegend. An die organisierten Arbeiter Berlins und Umgegend. Bekanntlich bemühen sich die Barbiergehilfen um einen Schluß der Geschäfte an den zweiten Feiertagen, uni so wenigstens im Jahre drei Feiertage zu haben. Aus diesem Grunde bitten wir die Inanspruchnahme von Barbiergeschästen an den zweiten Feiertagen möglichst zu vermeiden. Gleichzeitig machen wir bekannt. daß die Forderungen der Gehilfen überall da durchgeführt sind, wo der Gehilfe im Besitz der roten Kontrollkarte ist. Agitationskommission der Barbiere. I. A.: Br. Schobert. Der Streik der Bcrgoldcr. Wie bereits kurz gemeldet wurde, haben die Vergolder am Mittwoch beschlossen, bei den dem Ring angehörenden Fabrikanten und den ftir sie arbeitenden Zwischen- meistern in den Streik zu treten, und zwar in der Weise, daß keine neue Arbeit mehr in Angriff genommen wird. Dieser Beschluß wurde dadurch hervorgerufen, daß die Fabrikanten nicht das geringste von den principiellen Forderungen, wie Einsetzung eines gemeinsamen Schiegsgerichts und Bezahlung der gleichen Preise bei den Klein- meistern wie bei den Großfabrikanten, bewilligen, ja, nicht einmal darüber diskutieren wollten. Wie der Verbandsvorsitzende S p ä t h e berichtete, haben die Fabrikanten nach fünfstündiger Verhandlung lediglich die Zugeständnisse gemacht, daß bei der Firma Methlow für die strittige Leiste 1,75 M. und 2 M. gezahlt werden soll, daß der Gcmaßregelte wieder eingestellt wird und Maßregelungen nicht statt- finden sollen und daß die Grundierer statt der Accordbezahlung Lohn erhalten— wie viel, das soll der freien Vereinbarung überlassen bleiben. Hinsichtlich der allgemeinen, auf das ganze Gewerbe bezüg- lichen Forderungen wollten sie, trotz weitgehenden Entgegenkommens der Vertreter der Arbeiter, auch nicht im mindesten irgend welche annehmbare Zusage machen; und sie gaben nicht einmai den guten Willen zu einer vernünftigen Regelung der Arbeitsverhältnisse kund, die doch in anbctracht der ungeheuerlichen und oft mit recht unlauteren Mitteln betriebenen Schmutzkonkurrenz in nicht geringem Maße auch in ihrem eignen Interesse liegen würde. Schließlich erklärten sie wohl, daß Ende nächster Woche die Fabrikanten- Vereinigung zu einer Beratung zusammentreten werde und daS Resultat davon der Gehilfenvereinigung mitgeteilt werden solle; aber es ist— wie der Referent darlegte— nach dem ganzen Verhalten der Fabrikanten bei den Verhandlungen gar nicht zu erwarten, daß dabei etwas Annehmbares herauskommt, es sei denn, daß ein starker Druck von den Arbeitern ausgeübt wird. Da die Arbeitsbedingungen nun durch die mit Hilfe des Zwischenmeistertums ausgeübte grenzen- lose Lohndrückerei in unerträglicher Weise verschlechtert werden, so blieb den Arbeitern kein andres Mittel als der Streik übrig. Wie eS im Vergoldergewerbe bestellt ist, zeigt die Acutzerung eines Arbeit- gebers: Wenn die Versilberer mit 12 oder 15 Mark die Woche auskommen könnten, müßten die Ver- golder auch damit auskommen. Ein andrer meinte höhnisch: Wenn die Vergolder keine Kaviarbrötchen mehr essen könnten, müßten sie mit einer Wurststulle V o r l i e b nehmen, und, wenns dazu nicht mehr aus- reiche, Butterstullen essen.— Es sei noch erwähnt, daß der Vorsitzende der Fabrikantenvereinigung, der freisinnige Stadtverordnete Rosenow, bei den Verhandlungen die- selbe sociale Verftändnislosigkeit zeigte wie die übrigen Vertreter der Fabrikanten. Die Resolution, über die nach Werkstätten, und zwar von dem gesamten Personal: Vergolder, Hilfsarbeiter und Packer, abgestimmt wurde, beginnt:„Die Versammlung ist mit dem Resultat der Ver- Handlungen des Verbandsvorstandes mit dem Vorstand der Fabri- kantenvereinigung durchaus nicht zufrieden, da außer den selbst- verständlichen Zugeständnissen bei der Firma Methlow von den principiellen Hauptforderungen, wie erstens ein Schiedsgericht, zweitens, daß die bei Kleinmeistern Beschäftigten denselben Preis lvie in den Großfabriken erhalten, nichts bewilligt ist."(Hier folgt der bereits gestern mitgeteilte Beschluß) Die in den Vergölderbetricben thätigen Packer haben, wie der Vertreter des Handels- und Transportarbeiter-Verbandes der Versammlung mitteilte, die Forderung der neunstündigen Arbeitszeit, eines Anfangslohnes von 22 M., nach der Dauer der Beschäftigung in vier Stufen bis auf 27 M. steigend, und 15—20 Proz. Aufschlag für Ucberstunden, gestellt. Die Versammlung nahm hierzu folgende Resolution an:„Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Vergolder- betriebe Berlins verpflichten sich, in denjenigen Werkstätten, wo die Hilfsarbeiter und Packer sich solidarisch erklären und mit in die Lohnbewegung eintreten, dafür zu sorgen, daß dort die Arbeit nicht früher wieder aufgenommen wird, bis auch deren Forderung bewilligt und der letzte Mann wieder eingestellt ist." Achtung! Kartonarbeiter und Arbciteriune»! Ueber die Karton- fabrik von M. Pohle, Köpnickerstr. 112, ist die Sperre verhängt worden. Zahlstelle Berlin des deutschen Buchbinderverbandes. Der Tischlerstreik in Luckenwalde ist jetzt nach fünfwöcheistlicher Dauer zu Gunsten der Streikenden beendet worden. Nach mehr- maligen längeren Verhandlungen wurde ein Vertragsverhältnis geschaffen, das vom 1. April d. I. bis 1. Juli n. I. mit viertel- jährlicher Kündigung andauern soll und folgende Grundbedingungen enthält: Die Arbeitszeit wird für sämtliche Luckenwalder Tischler und Maschinenarbeiter von öl) ans 57 Stunden pro Woche verkürzt. Die Bautischler erhalten einen A c c o r d aufschlag von ca. 20 Proz. und die Maschinenarbeiter einen Lohn aufschlag von 10 Proz. Bezüglich der Möbeltischler schweben ebenfalls Ver- Handlungen über' Tarifaufbesserungen, die ivahrscheinlich schon in nächster Zeit zur Durchführung gelangen werden. Wenn auch nicht sämtliche ursprünglichen Forderungen der Arbeiter bewilligt loorden sind, so ist doch mit dieser Einigung der Streik beendet und wird die Arbeit überall nach Ostern wieder aufgenommen. Auch die Berliner Einsetzer, die aus Sympathie mit den Luckenwalder Tischlern die Arbeit für die dortigen Unternehmer verweigert hatten, sind nach Beilegung des Streiks jetzt wieder in Thätig- keit getreten. Deutsches Reich. Zur Malerbewegung. In H a n n o v e r befinden sich 513 Gehilfen im Ausstand. Dem Malermeister Heitmann sind vier Soldaten(!) als„Arbeitswillige" zur Verfügung gestellt worden.— In Plauen forderten die Unternehmer die Arbeiter auf, bis Montag, den 28. März, früh 7 Uhr, bedingungslos die Arbeit aufzunehmen; wer der Auf- forder un g nicht nachkommt, hat auf die Dauer von drei Jahren(!) als ausgesperrt zu gelten. Die 28 Unterzeichner des Aufrufs geben noch bekannt, daß sie sich gegen- seitig verpflichtet haben, für jeden einzelnen Fall der Uebertrettmg 100 M. Geldstrafe zu zahlen. Im übrigen sei bemerkt, daß in Plauen 85 Malermeister vorhanden sind, von denen bis jetzt 49 die Gchilfenfordcrungen bewilligt haben. Die Zahl der Ausständigen beträgt noch ca. 120. Der Poscncr Bertrag für das Maurergewerbe, welcher nach einem 7 wöchentlichen Streik 1902 vor dem Gewerbegericht ge- schlössen Ivmde und einen Lohn von 44 und 45 Pf. neben der Re- gclung der andren Arbeitsbedingungen brachte, erreicht am 1. April sein Ende. Seit Dezember 1903 steht die Organisationsleidmg mit dem Arbeitgeberverband in Unterhandlung. Die Forderung war: Einhcitslohn von 50 Pf. pro Swnde neben andren Verbesserungen. Das Resultat der Verhandlung war eine Lohnerhöhung von 2 Pf. für die Zeit vom 1. April 1904 bis 31. März 1905, gleich 46 und 47 Pf.: für die weitere Zeit bis 1. April 1906 weitere'3 Pf., gleich 49 und 50 Pf. pro Stunde. Also eine Lohnerhöhung von 5 Pf. und eine Reihe weiterer Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Eine stark besuchte Maurerversammlung stimmte diesem Vertrage ein- stimmig zu. Busland. Die Aussperrung der Küpferschmiede in Kopenhagen bei der Aktiengesellschaft B u r m e i st e r u. W a i n ist beendet. Die Arbeit wird am 5. April wieder aufgenommen. Durch Entgegenkommen von beiden Seiten wurde ein Uebereinkommen erzielt, das den Arbeitern verschiedene Vorteile bietet, wenn auch nicht alle Forde- rungen erfiillt wurden. Der Minimallohn wurde auf 40 Oere, für Ausgelernte auf 38 Oere pro Stunde festgesetzt. Die Herabsetzung des Accordpreises für Bleirohr um ca. 33 Proz. wurde rückgängig ge- macht und auf einige andre Artikel eine kleine Erhöhung gewährt. Die Streikbrecher erhalten den Lohn für ihre Verraterei: sie sollen zu einen. Drittel spätestens bis zum 5. April entlassen werden, das zweite Drittel bis zum 9. April und das letzte Drittel bis zum 16. April den Betrieb verlassen haben. Am 29. März starb nach langer I Krankheit unser Mitarbeiter, Buch- I binder 47602 iFriedr. Stappenbeck. Wir werde» ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Borwärts. Buchdruckerei und Verlagöanstalt. ?aul Singer u. Co. Socialdemokratisclier WateeininiS.BeFl.Heiclislags- Watilkreis. Den Genossen zur Nachricht, daß daS Mitglied, der Buchbinder M\z Stappenbeck verstorben ist. Die Beerdigung findet morgen Freitag, nachmittags 3 Uhr, vom Urban-KrankenhauS aus nach dem Böhmischen Friedhos(Blücher- platz) statt. 240/8 Um zahlreiche Beteiligung ersucht »«17 Voi-atand. Deutseher Buchbinder- Verband. (Zahlstelle Berlin.) De» Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Buchbinder Mi Stappenbeek am Dienstag, den 29. März, ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Kranken- Hauses am Urban aus nach dem Böhmischen Friedhof(Blücherplatz) statt., Um zahlreiche Beicckigung ersucht 23/12 Die Ortsverwaltung. Danksagung. SJür die liebevolle zahlreiche Be- ieiliqung und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes (Zrexor l�elsck sage ich allen Freunden u. Bekannten meinen besten Dank. ISSb Frau Mw. Folscb. Deutscher Metallarbeiter-Verband (Verwaltungsstelle Berlin). Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Uhrmacher Sebastian Waller am 29. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Freitag, den t. Apnl. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- Kirchhofes in Rixdors, tzermannsttatze, auS statt. Rege Beteiligung ermattet 113/6 Bio Ortsverwaltung. Allen Parteigenossen, Freunden und Bekannten zur Nachttcht, daß mein lieber Man», unser guter Vater und Schwiegervater, der Klempner anui Vinter nach langem Leiden am Mittwoch- abend im Alter von 57 Jahren sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntag(t. Osterseicrtag), nach. mittags 4 Uhr von der Leichen- Halle des Freireligiösen Begräbnis- Platzes(Pappel-Allee) aus statt. Rtxdott, Fttedetsw. 4. Oie trauernden Hinterbliebenen. Central-lferliaiid der Maurer Deutsehlands. ZwZ.rn (Sektion der Putzer.) Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß am 31. März unser Mitglied Ncinncb Eichler verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonn» tagnachmittag 2'/. Uhr vom stüdti- schen Krankenhause im Fttedttchs- Hain aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Oie ertiiebe Verwaltung. I. 8t.: H. Neumann. Dr. Simtnel, LNk Specialarzt für(86/15- Haut- nnd Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntags 10—13, 2—4. Deutsche Metallarbeiter-Gewerkschaft Ortsverwaltung Berlin. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 29. März, starb�unser langjähriges Mitglied, der Schlosser Hermann Hagen nach zweijährigem Krankenlager an der Proletatter-Kranlheit. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Kirchhojes, Pankow(Kom- munikattonsweg), statt. 280/7 Oie Ortsverwaltung. Todes-Anzeige. Den Tod meines inniggeliebten Mannes, unsres guten Paters und Bruders, des Droschkenkutschers ?»iii Bunke zeigen hiermit an 189b Oie betrübten Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet heute (Karfreitag) nachmittag 31/, Uhr von der Halle des Thomas-Kirch. hoses(Hermannsttaße) aus statt. SoeiddemokratischerVatilTereiii Wilmersdorf. Den Parteigenossen zur Nach- ttcht, daß unser Mtglied, der An- schiäger Cito Hauswald am 30. März d. I. plötzlich ver- storben ist. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet am 1. Ofterseiertag nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Wil» mersdorscr Friedhofs aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Uiele Mütter glauben ihre Säuglinge gut zu ernähren, wenn sie ihnen schon in den ersten Monaten unverdünnte Kuhmilch geben, welche die meisten Kinder wegen ihres zu großen Eiwcißgehaltes nicht verdauen können. Will man den Nährwert der verdünnten Kuh- milch erhöhen, so empfiehlt sich ani meisten der Zusatz von Kufekes Kindermehl, welches auch die Kuhmilch leichter verdaulich macht, weil es im Magen eine seinslockigere Gerinnung des Eiweißes verursacht. Unserm Freunde und Genossen Beter Rylski zu seiner heuttgen LMer-Koctogstt die besten Glückwünsche. 191b Mehrere Genossen des III. Wahlkreises. des von 8, Max Zuckermanns Special-Haus für Kinderwagen, Sportwagen, Betten und Metallbettstellen (für Kinder n. Erwachsene) Rieseuauswahl. bestes Fabrikat. AM- Billigste Preise.~WB Dettzahluug gestattet, bei größeren Raten Cassapreise. iiuk Wunsch kommt Vertreter ins Haus. 10-75 MM Brunnenslr. 186, 12, is-ioom Verkaufe Landparzellen auf Wunsch mit Baugeld und Hypothek, nahe Bahnhof, Vorortverkehr, herrliche Waldlandschaft, Angei- gelegen heil, steigende Grundpreise, in aufblühender Villenkolonie.* Offerten unter G. J. 412 befördert Rudolf Messe, Berlin, Leipzigerstr. 1 03. Für die herzliche Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meines lieben ManneS Hermann Scholz sage ich allen Freunden und Bekannten sowie dem Verein Berliner Weißbier- Witte unfern ttcsempsundenen Dank. Witwe liiiisc dichoiz(1506 geb. 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Co., Köpnickcrstt. 109», Adolf Werkmeister, Schmidstt. 8», 'August Werkmeister, Brunncnstt, 19t. Barthels, Michaclkirchslr. 17. Kubitz u. Imberg, Rcichcnbcrgerstt. 83. Lconhardt, Schlesischcstt. 31. Neumann n. Hennig, Zeughosstt, 21. Rosenow, Schmidstt. 6. M. M. Baer u. Comp.. Gollnowstr, 43, Oöl. Scholz, Lotwmstr. 5. Deutsch u. Lachmann, Büschingftt, t. Ruthcnberg, Wcißcnsec, Lehder- straße 13/14. Die Kleinmeister, die Arbelt sür obige Firmen machen: Göpscrt, Blumenslr. 63 III. Grosse, Lausitzcrstr. 14/15. Kretschmann,!)iixdors, Jägerstt, 66. Lose, Rixdorf, Steinmetzslr. 39. Klinke, Köpnickerstr. 21. Kunzcndorf, Muskaucrftt. 29. Kruinpbolz, Landwehrstr, 5/6. I. Müller, Barnimstr, 41, Heinrich, Zionskirchstr. 46. Brockmann, Soldinerstt. 3. Müller u. Vogler, Naunynstt. 2. Gummersbach, Krautstt. 39. Jrrgang,'Admiralstr, 7. Kiring, Melchiorstt. 3. R. Biering, Kotoniestt. 5, A. Biering, Wolgasterstt. 10. Fietz, Freienwalderstr. 25, Rautenstein, Prinzcn-Allee 6. Bathc, Eisenbahnstr, 14. 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Künig-Chauffee 33», Jul. Schillert, König- Chaussee 39» Skrcmöv. Redakteur: Paul Püttner, Berlin» Für den Inseratenteil voravtw.- Th. Älecket Berlin. Krück u. Berkas: Bvrwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer Li Qd„ Kerlin SW,