Ur. 79. Ndonnemenk-keäingungen: Lbonnements- Preis pränumerando 1 Vierteljährl. 3,30 aw, monalL 1,10 SKI., wöchentlich 28 igfg. frei WS Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- »ellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS« Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Mark, für daS übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 21. Jahrg. erfcheint Ugljdb uBtr DlonU«, Nevlinev VolksblÄkk. Die TnfertlonS'GebQtr vekügt für die sechSgcspallene Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Pssz., für politische und gcwerlschaslliche BcreinS- und BersanimInngS-Anzeigcn 25 Pfg. „Kleine Hnseigen", daS erste(fest- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort B Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen sär zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Lcsttogen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-Adreffe: „Sozlaldtinelirat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokrat» fchen parte! Dcutfchlands. Redaktton: 8Rl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1S83. Sonntag, den 3. April 1994. Expedition: 8W. 68» Lindendtrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Schnorrer und Verschwörer von ehedem. Eine Osterbetrachtung. ES war eine Eigentümlichkeit der mittelalterlichen Kommunisten- selten, sich zur Verteidigung ihrer die Gütergemeinschaft fordernden Bestrebungen auf jene Bibelstellen zu berufen, mit denen sich Sund- haftigkeit und Verwerflichkeit des Reichtums und des Privateigentums beweisen ließ. Der moderne Socialismus gründet sich auf die Wissenschaft, auf die Ergebnisse der nationalökonomischen und histo- rischen Forschung, nicht auf die Religion. Wenn deshalb einmal die Socialdemokratie einen der christlichen Haupt- feiertage zum Anlaß nimmt, um ebenfalls ein Festepistel beizusteuern, so thut sie das in ihrer Art, nicht um durch Bibelcitate ihre Argumente zu stützen, sondern um den ein- förmigen, ewig die alten Phrasen ableiernden Festlitaneien der bürgerlichen Presse den notwendigen historischen KriticismuS cut- gegenzusetzen. Das Osterfest der christlichen Kirche ist die Feier der Auferstehung des gekreuzigten Gottessohnes. Seine Auferstehung für die Kirche hat nur noch symbolische Bedeutung. Christus ist von den Toten auferstanden, nur um seine Gottheit zu manifestieren, nicht um auf Erden sein Reich des Friedens und der Nächstenliebe zu errichten. Und so lvird denn heute nach fast zwei Jahrtausenden von den offiziellen und inoffiziellen Organen unsrer Staatskirche die Auferstehung Christi feierlich verkündet, trotz- dem die Menschheit noch immer unter dein Fluche schnödester Aus- bcutung und Vcrgetvaltigung durch den lieben„Nächsten" seufzt. Kein Wunder, daß die Gewalt des Christentunis über die Gemüter in ständiger Abnahme begriffen ist, daß selbst bei denen, die sich selbst noch für Christen halten, eine ungeheure religiöse Gleich- gültigkeit eingerissen ist. Wie märchenhaft, wie schier unbegreiflich dünkt uns solch' leerem Schein- und Forntchristcntuin gegenüber der lodernde Enthusiasnius jener ersten Christbelcnner, die eher den Leib in Feuersglut dahin- schmelzen, sich eher von wilden Bestien zerreißen ließen, als daß sie ihren Glauben verleugneten! Aber dieser Bekeunermut, diese religiöse Leidenschaft erwuchsen auch nicht auf dein dürren Boden eines leeren FormcnchristcutuinS, einer herrschsüchtigen, mit den Mächtigen der Erde in die Unterjochung sich teilenden Staats- religion; sie wurzelten in dem revolutioiiären Charakter des Ur- christentums, dessen Geist und Tendenz stets wieder in jenen Sektierern auslebte, die dann tausend und mehr Jahre später mit der gleichen heroischen Unbeugsamleit den Ketzerverfolgungen der„christlichen" Kirche trotzten. DaS Urchristentum wußte noch nichts von der„Jenseitigkeit" des MessiaS-Reiches. Die römischen Proletarier, die unter den furcht- baren Wehen deS verfaulenden Römerreichcs schmachteten, glaubten an eine weltliche„Erlösung"; sie hofften auf die nahe Wieder- kunft Christi, von der sie die Zerschmetterung ihrer Dränger und Würger, die Aufrichtung eines„tausendjährigen Reiches" der Brüderlichkeit und Glückseligkeit erwarteten. Und so weit es in ihrer Macht stand, suchten die Christen der ersten Jahrhunderte auch ihre brüderliche Auffassung der Nächstenliebe zu bethätigen. Sie führten Gütergemeinschaft ein, sie thaten sich in Genieinde» zusammen, in denen die Gcnußmittcl allen gemeinsam waren. Wie stark der kommunistische Zug des UrchriftcntuntS war, beweist die Thatsache, daß noch in, sechsten Jahrhundert, als daS Ehristentum längst Staatsreligion geworden und hierarchisch verknöchert war, Gregor der Große schrieb: „Es genügt nicht, daß man andren ihr Eigentum nicht nimmt, man ist nicht schuldlos, solange man Güter sich v 0 r b e h ä l t, die Gott für alle geschaffen hat... Wenn wir mit denen teilen, die in der Not sind, dann geben wir ihnen nicht etwas, was uns gehört, sondern was ihnen gehört. Es ist nicht ein Werk der Barmherzigkeit sondern die Zahlung einer Schuld." Die urchristlichen Hoffnungen auf die Wiederkunft Christi trogen, das tausendjährige Reich brach nicht an. Die ökonomischen Verhältnisse waren damals noch nicht dazu angethan. die socia- listischcn Tendenzen des Urchristentums a I l g e in e i n zu bcr- wirklichen. Die Idee des modernen Socialismus, die G e n 0 s s e n- s ch a f t! i ch k e i t des Be t r i e b e S. der P r 0 d u k t io n. vermochte damals noch gar nicht aufzutauchen, weil der individuelle Betrieb produktionstechnisch damals als der praktischeste erscheinen mußte. Erst daS Maschinenzcitalter mit seiner Schaffung von Riesenbetrieben und seiner unerschöpflichen Produktivität konnte den Gedanken der genossenschaftlichen Produkton gebären, der das Princip des modernen Socialismus darstellt. Der urchristliche Kommunismus bestand hauptsächlich in der Gemeinsamkeit der G c n u ß m i t t e I. Da aber die Möglichkeit der Erzeugung dieser Genußmittel enge Grenze hatte. zwang der Kominunismus zur Mäßigkeit, ja zur Armut und Entsagimg. Sträuben sich selbst heute noch die Besitzenden trotz der Möglichkeit, bei einer socialistischen Produktionsweise allen Menschen eine reichliche Eristenz zu sichern, mit Händen und Füßen gegen den Socialismus, so ist es erst recht erklärlich, daß die Reichen und Privilegierten des Altertums eine kommuuistische Propaganda mit Haß und Wut verfolgten, die an Stelle der Völlerei und Ueppigkeit Mäßigkeit, ja Armut setzen wollte! In diesem Haß liegt die Hauptursache der grausamen Christenverfolguligen. Denn in rein religiöser Be- ziehung waren die Römcr seit jeher von der weitherzigsten Duldsamkeit gewesen. Sticht die Anbetung eines neuen Gottes war cS, was die furchtbaren Verfolgungen gegen die Christen der ersten Jahrhunderte entfesselte, sondern deren Gefährdung der „bürgerlichen und staatlichen Ordnung", deren Ansturm gegen Privat- eigentum und Klassenstaat. So gastfrei und tolerant sonst immer das römische Weltreich sich gegen Frenide und deren Kultübungen bewiesen hatte— gegenüber den„Schnorrern und Verschwörern", als welche den Herrschenden die christlichen Wanderprediger erscheinen mußten, kannte es keine Nachsicht, kein Erbarmen! Die christlichen Revolutionäre bedrohten ja nicht nur das Privat- eigentum, sie erwiesen sich auch als„staatsfeindliche Elemente" da- durch, daß sie mit diesem Staate nichts gemein haben wollten, ihn negierten. Ein Christ durfte in den Zeiten des Urchristentums kein Staatsamt bekleiden. Getaufte waren gehalten, ein bis dahin be- kleidetes öffentliches Amt niederzulegen. Dadurch wurde das Christentum zu einer schweren Gefahr für den Staat, dessen bureaukratische Ne- organisation damals gerade von den Cäsaren angestrebt wurde. Nach der geschichtlichen Legende triumphierte aber schließlich trotz alledem das Christentum über das Heidentum. Nichts ist un- richtiger: nicht das Christentum, wie es das Urchristentum ver- körpertc, das Christentum der T h a t. siegte, sondern das bereits zur Kirche erstarrte Wort- und Scheinchristentum, dessen Ohnmacht oder mangelnden guten Willen, die christlichen Grundsätze zu verwirklichen, wir ja seit andcrthalbtauseud Jahren beobachten können. Das Christentum„siegte" nicht dadurch, daß es das„Heiden- tum", d. h. den CäsariSmuS, das Privateigentum, kurz die weltliche Gewalt und das ökonomische Unrecht, überwand, sondern dadurch» daß es sich den herrschenden Zuständen anpaßte. Erst nachdem eS seinen kommunistischen Charakter abgestreift, nach dem es mit dem Staat seinen Frieden gemacht, nachdem es gestattet, daß ein Christ ebenso gut wie ein Heide Staatsbeamter, ja Hof- bcamter und Soldat sein könne, wurde das Christentum regierungs- fähig. Sein„Sieg" wurde durch Preisgabe seines innersten Wesens erkauft. Deshalb bedeuten denn auch all' die pomphaften Fest- tiraden unsrer heutigen Kirche nichts als ein ohnmächtiges Wort- geklingel. Der„Sieg" des Christentums beweist aber ganz allgemein auch die Schädlichkeit der Kompromißpolitik für revolutionäre Bewegungen. Er beweist, daß nichts gefährlicher für solche Bewegungen ist als ein Sieg in Gestalt der Erlangung der Regicrungsfähigkeit, da er in Wirklichkeit nicht ein Sieg des revolutionären, sondern des reaktionären Elements ist. Der urchristliche Kommunismus mußte zwar auf alle Fälle scheitern an der Rückständigkeit der ökonomischen und historischen Zustände. Aber unser moderner Socialismus könnte, trotz seiner ökonomischen Durchftihrbarkcit, gleich dem Urchristentum dadurch zu Grunde gehen, daß er, statt in starrer Negation des Klassenstaates zu verharren, durch einen Pakt mit dem Klassenstaate unbewußt und unbemerkt allmählich gerade das einbüßte, was sein i n n e r st e s Wesen bildet und wo- durch einzig die kapitalistische Gesellschaft überwunden zu werden vermag!_ politifchc(lebersicbt. Berlin, den 2. April. Vom Krieg in Ostasien. Der Sieg der Geschlagene». Liaujang, 81. März.(Meldung der„Russischen Telegraphen- Agentur".) Der Zusammenstoß mit den Japanern in Nordlorca bei Tschönadschu, der mit dem Siege der russischen Waffen endete, hatte für die Japaner zehnmal größere Verluste im Gefolge als für die Russen. Nach koreanischen(!) Meldungen beerdigten die Japaner gegen fünfzig Tote, 120 Verwundete wurden mit Hilfe von 500 Koreanern zu der japanischen Hauptmacht befördert. Die Verwirrung der Japaner war so groß, daß sie zwei Fahnen des Roten Kreuzes aushängten zum Zeichen, daß sie sich ergäben. Eine derartige Verwirrung in den Reihen der Japaner war im Kriege mit China nicht zutage ge- treten. Die in Liaujang stehenden Truppen Ivurden durch diese Meldung über das erste glänzende Gefecht(I) in Korea in große Begeistcruug versetzt. Die Richtigkeit dieser Meldungen ist selbstverständlich ganz un- verbürgt. Weiteres Vorrücken der Japaner? Tokio, 1. April.(Meldung des„Rcuterschen Bureaus".) Japanische Privatnachrichten besagen, die japanischen Truppen hätten, nachdem sie am 28. v. M. die Russen aus Tschöitgdschn verdrängten, einen Tag Rast gemacht und seien am nächsten Tage nach I ö n g t s ch ö n vorgerückt, von Ivo sie nach kurzem Gefecht die Russen weiter nach Siordeu drängten. Die Russen zögen sich jetzt auf Unsan zu zurück. Ein russischer„Erfolg" zur See. Petersburg, 2. April, früh. Der„Russischen Telegraphen- Agentur" wird aus Port Arthur gemeldet: Das vereinigte russische Geschtvadcr verließ am 26. März Port Arthur und nahm Kurs auf die Miautu- Inseln. Dabei wurde vom„Nowik" aus ein Dampfer bemerkt, der eine chinesische Dschunke schleppte. Er machte erst nach dem ztvciten Schuß des Torpedobootes„Bnimatelui" Halt. Es war der japanische Dampfer„Hunten Maru", aus welchem man 10 Japaner, 11 Chinesen, verschiedene Papiere und Depeschen und außerdem zwei Whitehead- Torpedos vorfand. Die Mannschaft wurde an Bord der russischen Schiffe genommen, der Dampfer wurde i»S Schlepptau genommen und später versenkt. Darauf schlössen sich der„Nowik" und die Torpedoboote dem Geschwader wieder an, das nach Port Arthur zurückkehrte. Ain 20. März wurde die sechste Wiederkehr des Jahrestages der Besetzung von Port Arthur durch die Russen durch einen Gottesdienst und eine Truppen- parade begangen. Am 30. März wurden die bei dem nächtlichen Seegefecht vom 27. März Gefallenen,� der Mechaniker Zverev und sieben Matrosen vom Torpedoboot„«ilny" unter zahlreicher Be- teiligung bestattet. Die patriotische Brandschatzung. Aus Archangelsk wird der Redaktion der„Jskra" geschrieben:� Von der Skrupellosigkeit, mit der hier von den Behörden für Kriegszwecke„gesammelt" lvird, kann man sich schwer einen Begriff machen. So hat der Vorsteher des hiesigen Steucrerhebungsbureaus unter Androhung der D i e n st e n t l a s s u n g alle An- gestellten zum Abzug von 1 Proz. voni MmwtSgeHalt für den Kriegs« fouds gezwungen. Der orthodoxe Bischof hat einfach befohlen. feinen Kanzleibeamten den Monatsgehalt von 20 Rubel auf 14 Rubel zu reduzieren und den Abzug als„freiwillige patriotische Beisteuer" der Regierung zu überweisen. Desgleichen verfügte der Direktor der hiesigen Abteilung der Reichs bank, daß von den Gehältern der Angestellten 1 Proz. abgezogen wird: nicht einmal die Hausknechre, die ein elendes Gehalt von einigen Rubeln beziehen, werden verschont, und man drohte ihnen mit Ent- lassung, als sie bloß 5—10 Kopeken opfern wollten!... Die Behörden wurden hier neulich durch folgende Kuudgebung der Kriegsbcgeistcrung aus der Fassung gebracht. Bekanntlich hat der Zar„gestattet", in erster Linie neben Inden auch„politisch Vor- bestrafte" nach Ostasien zu schicken, um sie den japanischen Granaten als Zielscheibe entgegenzufetzen. Am 13. März ist ein in Archangel seine Verbannung abbüßender„Politischer", ein ehemaliger Lehrer, in die Militärverwaltung citiert worden, um in die Kriegsbataillone' eingereiht zu werden. Er weigerte fich jedoch, den Fahneneid zu leisten und wurde verhaftet. worauf er schriftlich die Erklärung zu Protokoll gab, daß er es rundweg ablehnt,„dem Zarcn-Missethäter, dem Feinde des russischen Volkes zu dienen". Die über den ungewöhnlichen Fall perplex ge- wordene Militärverwaltung meldete ihn dem Gouverneur und dieser erbat sich Instruktion in Petersburg bei dem Ministerium des Innern._ In die Ferien! Paris, l81. März.(Eig. Bcr.) Die Märzstürme im Palais Bourbon sind vorüber. Der Bloc hat auch die neueste, besonders gefährliche Krise überstanden. Das Kabinett Combes fitzt wieder fest im Sattcl.f Die sachliche Ursache der neuesten Krise war der bereits be- sprochene Entwurf betreffend Aufhebung des kongreganistischen Unterrichts. Die Kammer hat nun doch nach etwa vierwöchent- licher Beratung den Entwurf votiert, trotz der offenen Obstruktion der Rechten und der heuchlerischen Minierarbeit eines Teils der Linken. Da aber der Entwurf noch den Senat zu passieren hat, so bedeutet das Kammervotum vorderhand eher eine politische Kund» gebung als ein gesetzgeberisches Resultat. Zudem haben die Minierer mit Hülfe der klerikal- mclinistischen Opposition zwei lvich« tige Verschlimmerungen des Entwurfs durchgesetzt: erstens — Antrag C a i l l a u x— die Verlängerung der maximalen Frist der Abschaffung der Mönchsschulen von fünf auf zehn Jahre, zweitens— Antrag L e y g u e s— die Aufrechterhaltung der Noviziatc zum Zwecke der Ausbildung von Lehrern für die Mönchs- schulen in den Kolonien und im Ausland. Diese letztere Bestimmung wurde zum Teil wieder unschädlich gemacht durch daS Votum eines llnterantragcs D u m 0 n t, der das Alter der Novizen auf mindestens 21 Jahre festsetzt. Werden aber die Unterrichts ord en nach Schließung ihrer letzten Schule aufgehoben werden dürfen? Combes antwortet: Ja! Denn die betreffenden Orden hatten bisher überhaupt keine Erlaubnis, außerhalb Frankreichs Schulen zu gründen, während diejenigen Orden(vier an der Zahl), die zur Gründung von auswärtigen Missionsschulen berechtigt sind, durch daS neue Gesetz gar nicht getroffen werden. L e h g u e s antwortet: Rein! Denn sein Noviziatsantrag bezweckte gerade die Sicherung der auswärtigen Schulen der UntcrrichtSorden, die that- sächlich eine große Zahl solcher Schulen besitzen. Bleibt es also bei dem widerspruchsvollen Kammertext, so wird die Streitftage, die erst durch die Schwankungen der Regierungsmehrheit cut« stehen konnte, von den Gerichten zu lösen sein, was bei der im Richtcrstand vorherrschenden klerikalen Gesinnung die Freunde der Kongregationen mit Hoffnung erfüllt. Ebenso bietet den Klerikalen die Verlängerung der Aussterbezeit auf zehn Jahre eine gewisse Chance, indem so die endgültige Durchführung des Gesetzes eher durch einen Systcmwechscl gelähmt oder rückgängig gemacht werden könnte. Eines steht jedenfalls fest: in der gegenwärtigen Legislatur ist eine radikalere Ministerkombination als die bisherige nicht denkbar, wohl aber eine gemäßigtere, mehr oder minder mit der Rechten paktierende. An dicfem immer deutlicher in die Er- scheinung tretenden Umstand ist im letzten Grunde der blitzplötzliche ministerstürzende Angriff M i l l e r a u d S gescheitert, wie auch soeben der von langer Hand vorbereitete Angriff der Wasser» Patrioten, Doumer, Lockroy und Konsorten. Die Nieder» läge der letzteren war noch beschämender als diejenige Millerands. Die Angreifer selbst, die Rädelsführer, haben schließlich das Hasen- panier ergriffen. In der Millerand-Jnterpcllatiou wurde die Re- gicrung mit knapper Not durch eine Mehrheit von 10 Stimmen gerettet, diesmal aber siegte sie mit 80 bezw. 60 Stimmen Mehrheit. Und Doumer selbst stimmte mit der Mehrheit, nachdem er Pelle tans Verwaltung als eine„nationale Gefahr" bezeichnet hatte! Die vom Bloc-Vorstand im Einverständnis mit der Regierung beantragte und von der Mehrheit votierte Resolution beauftragt die Regienntg mit der Eröffnung einer außerparlamentarischen Enquete über die Lage der Marine und des militärischen Schutzes der Kolonien. Und zwar hat sich die Enquete an diejenige von 1804 anzuschließen, d. h. weit über die Pelletansche Ministerzeit hinaus zu erstrecken. Die geplante Enquete gegen Pelletan ist somit zu einer Enquete gegen die„Marine-Fcudalität" im Sinne Pelletans geworden, zu einer Enquete gegen den Marine-Klüngel und dessen Beschützer, die früheren Marincminister de Lanessan und L 0 ck r 0 y. In seiner Verteidigung, die ein ebenso heftiger wie beweis- kräftiger Angriff gegen das intriguiereitdc Admiralentuin und Liefe- rantentum und deren parlamentarische Bundesgenossen lvar, erinnerte Pelletan an das Wort eines Marine-Offiziers:„Die Marine ist ein Ort in Frankreich, wo das französische Gesetz am meisten ignoriert wird." Ob aber die neue Enquete etwas an der Sclbstherrlichkeit der Marine ändern wird, ist desto zweifelhafter als Pelletans Vcr- suche, gegen den Marineklüngel zu käntpfei,, dessen Macht am drastischsten gezeigt haben. Zudem ist der eigentliche Sieger in der Marinedcbatte nicht Pelletan, sondern das Kabinett EombeS, das sich mit dem Marine- minister solidarisch erklärt hat. Bei vielen unsicheren Kantonisten des Blocs war entscheidend die Erwägung, daß eine Ministerkrise am Borabend der Gemeindewahlen besonders bedenklich wäre.—_ Eine Schlacht in Tibet. London, 1. April. Dem„Rcuterschen Bureau" wird aus Tuna vom 31. März ein e r n st h a f t e s Gefecht gemeldet, das zwischen der britischen Expedition und den Tibetanern stattgefunden hat. In zwei Treffen wurden die Tibetaner in i t schweren V e r l u st e n zurückgeworfen. Ihr Lager bei Guru wurde genommen. Weiter berichten die„TimeS" über die Expedition, daß Oberst Dounghusband und General Macdonald iion Tuna weiter vor- gedrungen und vier Meilen davon mit den tibetanischen Führern zusammengetroffen seien, die auf den Rückzug der Expedition bestanden. Die Engländer setzten dessen ungeachtet unter Oberst Jounghusband ihren Vormarsch fort und bemühten sich, die Tibetaner gütlich zum Abzüge zu zwingen. Eine Weile hatten sie damit Erfolg, aber plötzlich leisteten die Tibetaner auf Anstiften ihrer Führer Wider- st and und gaben aus Luntengewehren Feuer. Da- durch wurden einige englische Soldaten verwundet. In den darauf erfolgenden beiden Scharmützeln büßten die Engländer zwölf Mann ein. Die Verluste der Tibetaner werden auf 400 bis 500 Mann geschätzt. Unter den Toten befindet sich ein t i b e t a n i- scher General. Eine weitere Meldung, die die Ursache des Zusammenstoßes gleich dem obigen Telegramm schildert, teilt folgende Einzelheiten mit: Nach kurzem Marsche traf man mit einem aus Lhassa ent- sandten General zusammen. Es wurden Verhandlungen gepflogen, Uounghusband lehnte eS aber ab, den Vormarsch einzustellen und riet den Tibetanern, sich dem Vorrücken der britischen Truppen nicht zu widersetzen. Der Oberst gab sodann den Befehl, die tibetanische Streitmacht aus ihrer Stellung, die sich quer zur Marschlinie der Engländer befand, wenn möglich ohne Anwendung von Gewalt zu entfernen. Die Stellung der Tibetaner wurde schleunigst völlig umzingelt und die britischen Offiziere, welche glaubten, alles sei vorüber, ritten zu der Verschanzung der Tibetaner empor. Plötzlich zogen dieTibetaner ihre Schwerter und stürzten sich auf die Engländer, worauf ein scharfes Handgemenge folgte. Die Tibetaner waren aber alsbald einem scharfen Feuer ausgesetzt, worauf sie zurückwichen und die Flucht ergriffen. Die Flüchtigen kamen noch unter das Feuer der Gurthas und der Artillerie und erlitten schwere Verluste. Gleichwohl leisteten die Tibetaner noch ein zweites Mal hartnäckigen Widerstand bei Guru, schließlich wurden sie jedoch in vollkommener Verwirrung aus ihrer Stellung vertrieben. Von 1500 Tibetanern ist nur etwa d i e H ä l f t e entkommen. AuS der Art, in der die Tibetaner kämpften, lvar ersichtlich, daß ihre Niederlage nur ihrer u n- zulänglichen Belvaffnung und nicht etwa dem Mangel an Mut zuzuschreiben ist. Emzelne gingen noch mit acht oder neun Wunden im Körper zum Angriff vor. Eine Sonnabend veröffentlichte amtliche Depesche über das Gefecht mit den Tibetanern bestätigt die bereits bekannt gelvordenen Einzelheiten. Sie besagt, daß die Engländer nur einige Verwundete hatten, während der Verlust der Tibetaner 300 Tote und zahlreiche Verwundete betrug und auch viele in Gefangenschaft gerieten. Die Meldung erwähnt ferner, daß die Tibetaner sich weigerteil, ihre Waffen zu übergeben und dem Versuch sie zu cntlvaffneu, Wider- stand entgegensetzten, indem sie die Truppen mit dem Schwert und ihren Gewehren angriffen, worauf die Engländer das Feuer erwiderten.— DcutCchen Reich. StaatScrhaltcnder Hochverrat. Unser Partei-Organ in Erfurt gelangte in den Besitz eines netten Schreibens des„ReichSverbandes gegen die Socialdemokratie", diese neueste Gründung, durch die unsre Partei endgültig dem Untergang überliefert wird. Das Schreiben sagt: Vertraulich! Berlin �V. 35, den 7. März 1904. Flottwellstr. 1. Sehr geebrtcr Herr! Unter Beziehung auf das Ihnen zugegangene Werbeschreiben des Reichsverbandes gegen die Socialdemo- k r a t i e, der bestimmt im nächsten wtonat nach nunmehr erfolgter finanzieller Sicherheit des politischen Vereins ins Leben treten lvird, bitte ich Sie ergebenst, als unser Vertrauens- m a n n f ü r unsre politischen Zwecke gütigst fungieren und m Ihrem Bereiche in eine örtliche Werbung eintreten zu wollen, indem wir zur Erstattung etwaiger sachlicher Auslagen gern bereit sind. Um die politische Organisation der staatstreuen Parteien nicht zu stören, verzichten wir im allgemeinen auf die Bildung von Ortsvereinen, sofern nicht in der betreffenden Gegend die politischen Parteien einen solchen vermissen lassen. Wir wollen unsre Mitglieder hauptsächlich durch die Herren Vertrauensmänner zusammenfassen und in Verbindung mit der Berliner Leituilg er- halten, was natürlich die Errichtung von Ortsgruppen nicht aus- schließt. Thüringen ist vielleicht infolge der staatlichen Zerrissenheit besonders socialdcuiokratisch verseucht, wie der Unterzeichnete aus eigner amtlicher Erfahrung und aus Anlaß der jüngsten Reichstags- wähl persönlich weiß. Wir glauben daher, daß gerade Thüringen einen geeigneten Boden zur eindringlichen Arbeit behufs that- kräftiger Abwehr des socialdemokratischen Ansturms bildet. Mit der Bitte um gütige Rückäußerung behufs Zusendung des erforderlichen Druckmaterials bin ich mit vorzüglichster Hoch- achtm'g Ihr ergebenster v. S t r a n tz i. V. Der Reichsverbandsagitator v. Strantz und seine Kollegen bc- ginnen ihren Kampf gegen die Socialdemokratie gar erbaulich. Sie haben erkannt, wie erfolglos so viele andre die Ursachen der zu- nehmenden socialdemokratischen„Verseuchung"— wie geschmackvoll diese Vertreter des politischen AnstandeS zu reden wissen!— zu er- gründen versucht haben uitd sie haben nun eine ganz funkelnagelneue köstliche Entdeckung gemacht: die staatliche Zerrissenheit Thüringens ist schuld! Die tapferen Kämpen gegen die Social- dcmokratie mögen sich hüten, daß sie nicht wegen Hochverrat gegen das Deutsche Reich und die thüringischen Bundesstaaten ein- gesperrt und der EntseuchungSthätigkeit entrissen werden. Herr v. Strantz scheint selbst Beamter gewesen zu sein— ein Beamter, der Hochverrat betreibt! Es wird nötig sein, einen Reichsverband gegen hochverräterische Beamte zu gründen!— Liberalismus zum Speien. Tie in Fischbechschem Liberalismus schwelgende„Bossische Zeitung", das Leiborgan der deutschen Russenrentiler, das den Namen Lessings noch immer unnützlich zu führen sich erdreistet, hat in den jüngsten Russendebalten, in Sachen der russifch-deutschen Spitzel- Verbrüderung und der Russenausweisungen von Aufaug au von allen bürgerlichen Zeitungen die schmählichste, perfideste Haltung ein- genommen. Einige Empörung über Kischinew mußte sich— schon um des leider noch immer zumeist beschnittenen Berliner BörsenchoreS willen— selbst der seit längeren gründlich getaufte königlich- privilegierte Voß-Politikaster leisten. Auch zu ein wenig lauwarmer Entrüstung über das russische Spitzelunwesen im Aus- lande(zum Beispiel jüngst wieder Rumänien) reichte es zur Not noch aus. llni Himntels willen— man inu sich doch schließlich seinen Liberalismus auch etwas kosten lassen. Aber:„charity begins at lioino", zu vossisch-deutsch: über die heimische Russenschmach decken wir den Schleier der christlichen, wohlgcinerkt der christlichen Liebe, notabcne: wenn es die Kurse so mit sich bringen. Wozu heißt man„Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen"! Man schlvimmt mit dem jeweiligen Börsenstrome, man heult mit den Börsentvölfen— charity begins at hörne! Der Fall Schergoff giebt dieser edlen Blüte des Berliner Bürgertums willkommene Gelegenheit, in ciucni langen Leitartikel von neuem ihre ganze Herrlichkeit zu entfalten. Sie denunziert— wie heißt doch das Sprichwort voni Denunzianten?— Schergoff, er habe es„nur darauf abgesehen, die Anwendung von Gewalt zu provocieren. damit danu die übliche Entrüstung über die„preußische Barbarei" entfesselt werde". Ein„liberales" Gemüt— nicht wahr? Sie hält es für selbstverständlich, daß die Polizei in der Einlegung der Beschiverde durch Schergoff nur eine „Verhöhnung der Staatsgewalt" erblicken tonnte. Wie staats- erhaltend! Der Delinquent, der es wagt, Berufung gegen seine Verurteilung einzulegen,„verhöhnt" damit offenbar die „Staatsgewalt"; am besten wird man ihm noch ob dieser Ver- höhnung eine Extraftrafe aufbrummen. Und wehe gar dem Ruch- losen, der sich zum Beispiel von eijiem Schutzmann nicht mit patriotischer Begeisterung prügeln läßt! Das militärische Beschwerde- recht ist das leider noch so— liberale Ideal aller Rechtsmittel— für die„Vossische Zeilung". Köstlich und cqnisch ist der juristische Eiertanz des Leitartiklers. Er tobt gegen die ungeheuerliche Annahme, daß ein Ausgewiesener durch Einlegung der Beschiverde die Vollstreckung der polizeilichen Aus- weisungSverfügung hemmen könne— und läßt dann„dahingestellt", inwiefern tz 53 des Gesetzes über die allgemeine Landcsvcrwaltung, der ausdrücklich die aufschiebende Wirkung der Beschwerde als Regel bestimmt, auf den Fall Schergoff Anwendung findet! Thatsächlich besteht daran, wie schon tz 130 Absatz 3 des Landesverwaltungs- Gesetzes beweist, für jedes nicht vernagelte oder perverse Hirn nicht das Atom eines Zweifels. Der Vossische Jurist aber proklamiert als selbstverständliches Recht der Polizei das freieste, jeder Kritik entzogene Ermessen, nicht das pflichtgemäße, der Nach- Prüfung unterworfene Ermessen:„Die Polizei ist bei Ans- Weisungen überhaupt an keine Frist gebunden". Und diese angebliche„Rechts"lage findet den ungeteilten Beifall des „liberalen" Blattes. So nützte die Tante Voß die Gelegenheit, ihren politischen Libe- ralismus leuchten zu lassen. Am heiligen Karfreitag aber bot sich ihr eine nicht minder vor- treffliche Gelegenheit, ihre christliche Stubcnreinlichkeit vor aller Welt zu demonstrieren:„Die Geschichte des Christentums ist bis auf den heutigen Tag eine Geschichte fortschreitender Entwicklung. Die Ge- schichte des Menschengeschlechts ist seit 1900 Jahren die Geschichte der christlichen Kultur. Nur die Völker, die sich zu den Lehren des am Kreuze Geschlagenen bekannten, haben für den Fort- schritt des Menschengeschlechts etwas gcthan. Nur sie haben die Wissenschaft gefördert, nur sie" usw. bis zum Erbrechen. Natürlich gilt das auch von getauften Juden! Und es steht zu hoffen,„daß das Christentum" auch die Redaktion der„Bossischen Zeitung"„zur Vollkommenheit erheben" wird, zur Vollkommenheit kapitalistischer Denunzianten-, Börsen- und Polizei-Reinkultur. Herz, was begehrst du mehr? Wir aber sagen: von jeher sind uns von allen Schelmen die Renegaten, die ihr eignes früheres Nest beschmutzten, an, meisten verhaßt. Die Politik der„Vossischen Zeitung"„für Staats- und gelehrte Sachen" aber ist das shstematisierte Renegatentum des deuffchen Bürgertums, das den politischen sowohl wie den religiösen Liberalismus täglich widerlich beschmutzt. Die wasserwirtschaftliche Vorlage. Nach einer parlamentarischen Korrespondenz sollen für die Bedürfnisse in den wasserwirtschaftlichen Vorlagen, die dem Landtage nach Ostern zugehen werden, insgesamt 600 bis 700 Millionen Mark im Kostenanschlage vorgesehen sein, Durch die Einbringung der Vorlagen dürfte der Fortgang der Etatsberatung ungünstig beeinflußt werden. Es wird nämlich be- absichtigt, die erste Beratung dieser Vorlage in die Etatsberatung einzuschieben. Auf die Dauer dieser ersten Beratung werden mindestens acht Tage zu rechnen sein. Bekanntlich wiederholen diese Vorlagen die alte Kanalvorlage— ohne den Kanal, von dem es einst hieß: Gebaut wird er doch! Gebaut wird er nicht.— Abgeordnete und Duell. Das Duell ist gesetzwidrig und gerade der Reichstag hat sich oft gegen den Duellwahn gewendet. Das hindert nicht, daß auch Mitglieder des Reichstages und Land- tages selbst dem blöden Wahn huldigen, nattirlich als— R e s e r v e- Offiziere. Der gesetzgebende„Volksvertreter" ist gegen das ungesetzliche Duell, als Reserve-Offizier opfert er ihm Verstand und unter Umständen das Leben. Der Landtags-Abgeordncte. jüngst noch natioualliberale Reichstags-Abgeordnete, Dr. Max I ä n e ck e. der bei der ReichStags-Ersatzwahl in Lüneburg gegen den Weifen Frhrn. v. Hodenbcrg unterlag, fühlte sich durch eine Erklärung, die sein Gegner in der„D. Volksztg." veröffentlichte, beleidigt. Er er- klärt jetzt im„Hann. K.". daß ein Vorgehen seinerseits„auf dem zwischen Ehrenmänner n üblichen Wege � e r g e b n i s l o s geblieben sei; er habe daher als Reserve-Offizier die An- gelegenhcit den zuständigen Instanzen überwiesen und behalte sich außerdem gerichtliche Schritte in dieser Sache vor". Freiherr v. Hodenberg hatte zuvor den Dr. Jänecke fordern wollen und, da er sich zu drücken schien, als satisfaktionsunfähig er- klärt. Nette Gesetzgeber!— Zechenlegen im Ruhrrevier. Die von der Belegschaft der Zeche „Hasewinkel", welche ebenfalls dem Schicksal versallen ist, stillgelegt zu werden, zu dem Besitzer StinneS entsandte Deputation, die letzterem die Wünsche der Belegschaft unterbreitete, mußte mit einem ablehnenden Bescheide abziehen. Die Arbeiter legten dem Herrn Stinncs den Wunsch nahe, er möge die alte», einheimischen Arbeiter auf der Grube weiter beschäftigen, deren Kündigung zurücknehmen und nur jüngere Leute entlassen. Wie kann nian aber auch so etwas verlangen! Gerade nach frischem, saftigem Fleisch hat der Kapitalismus den größten Hunger I Die von der Stilllegung von Gruben bedrohten Gemeinden beabsichtigen,, durch Petitionen und andre gemeinsam zu unter- nehmende Schritte an die Regierung und die gesetzgebenden Körper- schaften zu gehen, um Ablvendnng des drohenden Unheils zu er- reichen. Die loirffchaftlichen Verhältnisse unter kapitalistischer Herr- schaft, der ÄonzcntrationSdrang des Kapitals ist aber zu stark, um sich durch solche Proteste oder gar durch ethische oder humanitäre Erwägungen beeinflussen zu lassen.— Dem Berliner Rathaus-Freisin» hält der Berliner Mitarbeiter der liberalen„AugSburger Abendzeitung" eine kleine Vorlesung über die Grundbegriffe deS Liberalismus. Der Korrespondent koinmt auch aus die von, Stadtrat F i s ch b e ck gegen die Genossen Hoff in ann und A u g u st i n ergriffenen Maßregeln zu sprechen und sagt, das Vor- gehe» des Herrn Stadtrats erscheine wenig liberal und erinnere an da-Z Sic volo, sie jnbeo absoluter Herrscher.„Was hätten wohl„die um Fischbeck" gesagt, wenn Fürst Bismarck auf der Höhe serner Macht ihren Herr» und Meister Eugen Richter, um dessen un» bequemer und vielfach gehässiger Kritik zu entgehen, in ähnlicher Weise uumdtot gemacht hätte? Jedenfalls sind auch in gut ftei- sinnigen Kreisen die Ansichten über die Berechtigung und Zweck- Mäßigkeit dieses gcwaltthätigen Vorgehens mindestens sehr geteilt. und es findet auch vielfach dort leine Billigung, wo man bereit- ivillig zugiebt, daß die Genossen es förmlich darauf abgesehen haben, durch ihre Agitation auch die städtische Verwaltung zu unter- graben," Der Artikelschreibcr, obschon er den Nntergrabungs- Unsinn schweigend entschuldigt, ist der Ansicht, daß das Ober- Verwalrnngsgericht„das offenbar widersinnige Verbot einfach auf- heben wird".—___ Berichtigung. In Nr. 75 des„Vorwärts" vom 29. März wird dem Unterzeichneten vorgeworfen, daß ihm„an Gerichtsstelle ein Zeugnis ausgestellt fei, das er sich nicht an den Spiegel stecken wird, lveil der beklagte Redakteur vor Gericht den Wahrheitsbeweis geführt habe, daß unterzeichneter Dr. Bnrckhardt über seinen nationalliberalen Vorgänger im Mandat loissentlich unwahre Behauptungen verbreitet habe" und deshalb sei der Beklagte freigesprochen. Es ist dies unwahr! Das Gericht hat gar kein Urteil darüber gefällt, ob ich wissent- lich unwahre Behauptungen verbreitet, der Beklagte hat gar keinen Wahrheitsbeweis darüber führen können, da ich nach dem fteno- graphischen Bericht citiert habe, das Gericht hat lediglich wegen des einen Artikels auf Freisprechung erkannt, weil es dem Beklagten den Schutz des§ 193 des Strafgesetzbuches(Wahrung berechtigter Interessen) zugebilligt hat. Dr. Bnrckhardt, Reichsiags-Abgeordneter. Husland. Frankreich. Der Streik wegen des ZehiistuudeutageS. Tourcoing, 2. April. Der Ausstand der Weber hat sich ausgedehnt. Augenblicklich sind hier 66 Fabriken geschlossen. Die Bereinigung der syndicierten Arbeiter hat von den Behörden die Erlaubnis nachgesucht, eine große Kundgebung veranstalten zu dürfen, unter dem Versprechen, die Ruhe nicht zu stören. Die Kundgebung wurde erlaubt und vcr- lies gestern abend ohne Zwischenfall.— In letzter Stunde find lveitcre 34 Fabriken vom Ausstände betroffen worden. Die Zahl der Ausständigen belauft sich auf 8000. In Lille nahmen gestern die Arbeiter von 25 weiteren Fabrstcn die Arbeit ebenfalls nicht mehr auf. In Roubaix streiken im ganzen 136 Fabriken mit 13 600 Arbeitern. 3200 Hilfsarbeiter sind dadurch gezwungen, eben- falls in den Ausstand zu treten.— Italien. Flucht des Hauptulitschuldigcn Nasis. Rom, 2. April. Nasis Kabinettschef. Professor Lombards ist geflohen. Lombards scheint sich nach Griechenland gewandt zu haben. Damit kompliziert sich die Angelegenheit immer mehr; gegen den Exnnuisrer Nasi selbst kann nicht vorgegangen werden, da er noch Abgeordneter ist. Mittlerweile kommen über die Amtsführung der Firma Nasi- Lonibardo täglich neue S ch m u tz e r e i e n an den Tag. Amüsant ist, daß die„Gazzetta officiale" an, 1. März ein Dekret veröffent- lichte, das Lombardo zum K o m m a n d e u r des Kronen- ordens ernennt. Die Ernennung war im Herbst auf Vor- ch l a g Nasis erfolgt, der damals noch Minister war,— Spanien. Gottesfricdcn im Laude der Pfaffen. Bilbao, 2. April. Gestern abend brachen in Sestao infolge eines Znsammen st oßes bei einer Civil- Beerdigung und einer kirchlichen Pro- Zession Ruhestörungen auS. Anarchisten und Republikaner warfen die Priester mit Steinen und gaben zahlreiche Schüsse auf die Sckmle ab, wo drei von den Ihrigen von der Polizei ein- geschlossen waren. Sie versuchten vergeblich die Kirche in Brand z n st e ck c n u n d v e r w tt st c t c n den k a t h o l i s ch e n K i r ch- Hof. Es fanden ungefähr zehn Verwundungen, darunter mehrere schwere, statt. Wie verhaßt muß sich das Pfaffcntum gemacht haben, um solche Excesse heraufzubeschwören!— England. Einwnnderungs-Borlage. London. 31. März. Die Vorlage betreffend die Einwanderung nach England wurde am 29. März eingebracht und in erster Lesung angenommen. Sie richtet sich vor allem gegen Verbrecher, Proftittnerte und deren Zuhälter. Politisch Verfolgten wird England nach wie vor offen stehen. Immerhin werden sich die Beschränkungen in un- angenehmer Weise fühlbar machen, da auch die Mittellosigkeit ein Grund der Zurückweisung ist. Zur Begründung der Vorlage sagte der Sekretär des Innern:„... Die Zahl der Fremden hat in den letzten zwanzig Jahren stark zugenommen. Im Jahre 1881 belief ie sich auf 135 000? im Jahre 1891 auf 219 000, im Jahre 4901 auf 290 000. Die Fremden zeigen unglücklicherweise die Tendenz, sich in wenigen Plätzen zu konzentrieren, wodurch sie.zu großen Un- annehmlichkeiten den Anlaß geben. Vier Fünftel aller Fremden wohnen in vier bis fünf Ortschaften. Im Bezirk Stepney(Ost- London) giebt eS 54 000 Fremde. In diesen Plätzen haben sie die Eingeborenen ganz verdrängt. Ebenso giebt es in Schottland eine große Fremden- Kolonie, über die die Gewerkschaften sich bitter beklagen. Die Beziehungen zwischen den Eingeborenen und Fremden werden so gespannt, daß die öffent- liche Ordnung bedroht ist. Es ist nicht zu erwarten, daß die Ein- Wanderung abnehmen wird. Sie ninunt vielmehr zu. Ebenso wachse die Kriminalität unter den Fremden...." Gegen die Vorlage wandte sich in wirklich freiheitlichem Sinne Sir Charles Dille, der u. a. erklärte:„Meine Opposition gründet sich aus der Befürchtung, daß diese Vorlage die Opfer der politischen und religiösen Verfolgung in empfindlichster Weise treffen würde.... England müßte im stände sein 250 000 Fremde ohne Schaden zu absorbieren.... Mit einem solchen Gesetze hätten wir mehrere hervorragende Franzosen ausgewiesen, die im Jahre 1871 als Kommunards die englische Gastsreundschaft suchten. Es waren unter ihnen bedeutende Künstler, große Politiker, edle Männer, aber sie waren mittellos. Und Mittellosigkeit ist nach der Vor- läge ein Grund der Zurückweisung. Wir haben unter uns den Fürsten Peter Krapotkin, der ebenfalls ohne Mittel nach Eng- land kam, da ihm die russische Regierung alles konfiszierte. Die russischen Juden, gegen die die Vorlage besonders gerichtet ist. kommen hierher als Handwerker und sind unsrem Lande nützlich. Sie verließen ihre Heimat infolge der Unduldsamkeit Rußlands. Der englische Historiker Mr. Lecky mentte in dieser Beziehung: „Die russische Verfolgung ist eine ganz besondere Erscheinung infolge ihres großen Umfanges und ihrer Wildheit." Uebrigens schickt auch England mittellose Auswanderer in die weite Welt. Die Aimahme der Vorlage ist gesichert.—" Dänemark. DeS Prügelgesetzentwurfs wegen hat der Mnisterrat am DienS- tag beschlossen, die ReichStags-Session über Ostern hinaus zu verlängern. Diesem Beschluß soll eine sehr leb- hafte Debatte vorausgegangen sein, in der die Minister Deuntzer, Hage und Jöhnke als Gegner der Verlängerung der Session den übrigen Ministern entgegentraten. 'Im Landsthing sind alle hervorragenden Juristen, wie die Konservativen GooS, Matzen. Nellemann, der Freikonservative H. N. Hansen und der Liberale Amtmami Bärentzon Gegner der Prügelstrafe, während die Masse der Junker und Groß- bauern dafür sei» sollen,— Die Konservativen des LandSthingS haben sich jetzt herbeigelassen, die gestern erwähnte Anftage des Mmisterpräsidentei! zu beantworten und erklärt, sie seien willens nach Ostern zur schnellen Förderung deS Entwurfs über einige Aenderungen in der StrafgesetzgeLiing(der den Prügelparagraphcn enthält) beizutragen, könnten ihre Fraktionsmitgliedcr jedoch nicht davon abhalten, Aendernngsvorschläge zu inachen, und zweifellos würden auch verschiedene solcher Vorschläge eingebracht werden.— Die konservativen Landsthingsmänner sind also durchaus nicht gewillt, das Prügel- gesetz, den Wünschen AlbertiZ entsprechend, unbesehen hinzunehmen.—_ Demokratie. Die Vorgänge bei der Kandidatenausstellung im Wahlkreise Zschopau- Marienberg haben Anlaß gegeben zu Erörterungen über Recht oder Unrecht nicht nur in dem besonderen Falle, sondern über Grundsragen der Demokratie. Man hat nicht nur behauptet, dag das Eingreifen dev Organe der Landesorganisation und schließlich des Parteivorstandes sowohl formell als sachlich unbegründet war, sondern man sieht darin auch schwere Gefahren für die Demokratie; aus Grundsähen der Demokratie fordert man die voll- ständige Autonomie der Wahlkreise. Das formelle Recht ist in unsrcr Partei- Organisation nicht bloß in diesem Punkte, sondern in jeder Beziehung sehr mangcl- Haft. Man mag das beklagen, indcß ist zu bedenken, daß uusre jetzige Partei-Organisation ihr Alter eigentlich erst vom Hallcschen Parteitage datieren kann— eine ziemlich kurze Zeit für Ausbildung von Normen; andrerseits wird eine politische Kampfpartei niemals in die Lage kommen, ein so vollendetes Recht auszubilden, wie eine dem öffentlichen Recht angehörende Gemeinschaft. Weder hat sie die Zeit dazu, noch hat sie ein Bedürfnis dafür. Nicht vom Rechte, sondern vom gegenseitigen Vertrauen, nicht durch den Zwang, sondern durch die Ueberzeugung lvird eine politische Partei zusammengehalten. Schon diese allgemeine Erwägung zeigt, daß wir zu ganz schiefen Urteilen kommen können, wenn wir die demokratischen Grundsätze, die wir in Staat und Gemeinde zur Geltung bringen wollen, schablonenhaft auf die Partei anwenden wollten. Die Demokratie ist uns ja nicht irgend ein metaphysisches Gerechtigkeitsprincip, sondern ein Mittel der Jutcresseuwahrung und ist deshalb aus Zwcckmäßigkeitsgründen zu beurteilen. Und da die Zwecke einer Partei andre sind wie die eines Staates, so folgt hieraus, daß man auch hinsichtlich der An- Wendung demokratischer Grundsätze hierauf Rücksicht neamen muß und nicht ohne weiteres von dem einen auf die andre schließen darf. Das geschriebene Recht der Partei sagt allerdings nichts darüber, ob bei der Aufftellung von Kandidaten zum Reichstag der Partei- vorstand ein Einspruchsrecht habe. Im vorliegenden Falle ist nicht einmal im sächsischen Landesstatut ausgesprochen, daß den sächsischen Landcsausschüssen ein Mitwirkungsrecht zustehe. Doch sind aller- dings die Kandidaten zum Parlament stets in aller Form von der sächsischen Landesversammlung— nach den Vorschlägen der Wahl- kreise— beschlossen worden und in Fällen, wo Wahlkreise der Landesversammlung noch keinen Kandidaten präsentieren konnten, ist ihnen aufgegeben worden, diesen im Einverständnis mit dem Landeskomitec aufzustellen. Es ist nun gesagt worden, das sei eine unverbindliche Formalität, man kann aber mit genau so viel Recht sagen, es sei die unumwundene Anerkennung des Mitwirkungsrcchtes der Landcsorganisation; Präzedenzfälle, an denen die Richtigkeit der einen oder der andren Auffassung bewiesen tverden könnte, liegen noch nicht vor, man hat sich bisher stets geeinigt. Es liegen aber andre Fälle vor, wo daS Einspruchsrecht über- geordneter Instanzen in aller Form anerkannt ist. So bestimmt das erst vor wenigen Wochen beschlossene Landesstatut für Baden: „Die Wahlkomitees sind verpflichtet, bei Aufftellung von Kan- didatcn für Reichstag und Landtag sich mit dem sbadischen) Partei- vorstande in Verbindung zu setzen.", Und auf dem vorjährigen badischen Parteitage wurde sogar durch Mehrheitsbeschluß den Offenburger Genossen verboten, den Genossen Adolf Geck als Kandidaten aufzustellen. Der Antrag dazu war vom Genossen K o l b- Karlsruhe gestellt worden. Es handelte sich zwar um die Verhinderung einer Doppelkandidatur, aber ohne Beschluß des Parteitages wäre die Doppclkandidatur zu stände ge- kommen. Genosse Geck hätte die Freiheit gehabt, anzunehmen, wo es ihm gefiel. Diese Freiheit ist ihm beschränkt worden und den Offenburger Genossen ist die Freiheit der Auswahl deS Kandidaten beschränkt worden. Beschlüsse, durch welche Doppelkandidaturen aus- drücklich verboten werden, sind mehrfach von Landesorganisationen gefaßt worden. Sie greifen zweifellos in die Autonomie der Wahl- kreise ein, und niemand hat bisher etwas daran auszusetzen ge- sunden, sie haben vielmehr allgemeine Billigung gefunden. Das Einspruchsrecht höherer Instanzen bei Aufstellung von Parlamentskandidaten ist sogar verglichen worden mit dem Be- stätigungsrechte der staatlichen Aufsichtsbehörden gegenüber den Funktionären lokaler Selbstverwaltungskörper. Der Vergleich ist vollständig unzutreffend. Er könnte äußerlich zutreffen, loenn es sich um ein Einspruchsrecht gegen die Verwaltungsbeamtcn der lokalen Parteiorganisationen handelte. Der Kandidat oder Abgeordnete ist aber kein Funktionär der lokalen Partei-Organisation, er hat nicht die Interessen dieser gegen die Gesamtpartei wahrzunehmen. Die Reichstagsfraktion ist ein Organ der Gesaintpartei, sie hat deshalb auch dem Parteitage der Gesamtpartei Rechenschaft zu geben über ihre Thätigkeit, und von ihm empfängt sie Direktiven für ihr ferneres Verhalten. Wären die Abgeordneten Funktionäre des Wahlkreises, dann iväreit sie in erster Linie dem Wahlkreise Rechenschaft schuldig. Das Verhältnis der Abgeordneten zum Wahlkreise ist ein zwar historisches, aber doch ganz zufälliges? eS hat mit den Grundsätzen der Demokratie rein gar nichts zu thun. Wie denn, wenn wir statt des WahlkrciSsystems das Proportionalsystcm hätten, mit dem Reiche als Einheit? Hängt denn das demokratische Princip von dem bismarckischen Wahlsystem ab? Bei einem Proportionalsysiem gäbe es keinen andren Weg derKandidatcn- ousstcllnng. als daß der Parteivorstand, vielleicht nach Vorschlägen lokaler Organisationen unter billiger Berücksichtigung aller Gegenden des Reiches die Kandidatenliste anlegte und sie dem Parteitage zur Beschluß- fassung vorlegte. DaS demokratische Selbstbestimmungsrecht des Volkes soll ge- sährdct sein, es heiße, die Genossen ans Gängelband nehmen, allen Treibereien gegen das allgemeine Wählrecht Vorschub leisten, wenn statt des alleinigen Entscheidungsrechtes der lokalen Partei-Organisation das Einspruchs- oder Mitbestimmungsrecht einer höheren Partci-Iustanz über die Aufstellung des Parlaments- kandidaten besteht. Kein Mensch Iväre jemals auf solche Ge- danken verfallen, wenn uns nicht zufällig die Wahlkreis- einteilung als Grundlage für das Rcichstags-Wahlrecht beschert worden wäre. Mit demselben Rechte könnte man die Demokratie in Gefahr sehen bei Gemeindewahlen in solchen Bezirken, deren Organisation der geschlossene, den ganzen Rcichstags-Wahlkreis um- fassende Verein ist. Da erfolgt die Aufstellung der Kandidaten für die Gcmeindewahlen doch auch vielfach durch den Vorstand oder die Generalvcrsanunlnug des WahIkreiSvereins und nicht im einzelnen Orte oder Bezirk; hat schon mal jemand deswegen die vollständige Autonomie des Kommuualbezirkes oder des Dorfes gefordert? lleberhaupt, warum denn gerade Autonomie des Wahlkreises? Ist nicht die Znsammenfassung mehrerer Ortschaften in eine Kreisorgauisation schon in jeder Hinsicht eine Einschränkung des freien SclbstbestimnmngsrechteS der Parteigenossen? Jede Organisation ist eine Einschränkung der Autonomie; eS kommt alles auf Maß und Zweck an. Die Aufstellung der Kandidaten zum Parlament hat mit dem freien Selbstbesiimmungsrecht des Volkes nicht das geringste zu thun, sintemal dieses nicht durch die Aufstellung des Kandidaten, sondern durch die staatlich geordnete Wahl des Abgeordneten ausgeübt wird. Die Kandidaten werden durch die Partei- Organisation beziehungsweise durch Partei- funktionäre aufgestellt und die Wähler stimmen für die Partei ihres Vertrauens, nicht für den Müller oder Schulze ihres Vertrauens. Man sehe doch die Dinge so nüchtern an, wie sie sind. Die 438 Mitglieder der Partei-Organisation im 20. sächsischen Kreise sind doch auch noch nicht das Volk; dabei giebt es sehr viele Kreise, wo noch viel weniger organisierte Parteigenossen vorhanden sind. Ilm nur ein Beispiel herauszugreifen, das uns gerade zur Hand ist: der Agitationsbezirk westliches Westfalen, umfassend die Wahlkreise Dortmund, Bochum, Reckliughausen. Hamm und Arnsberg, hatte Ende 1903 ganze 1200 organisierte Parteigenossen und brachte uns 88 000 Wählerstimmen. Die 1200 organisierten Parteigenossen sind es aber bestenfalls, in Wirklichkeit vermutlich nur ein kleiner Bruch- teil der 1200, die bestimmen, wer der Mann des Volksvertrauens sein soll. Sie dürfen es kraft ihrer Eigenschaft als Mitglieder oder Funktionäre der Partei, welche die Wähler für sich gewinnen will. Welche Organe der Partei aber diese Funktion der Kandidaten- bcstellung zu üben haben, das ist eine reine Zwcckmäßigkcitsfrage. Daß wir es heut in erster Linie den Wahlkreis-Orgauisationen überlassen, ist lediglich durch die gegebene Wahltechnik be- dingt. Das Wahlkrcissystem schafft ein persönliches Verhältnis zwischen dem Abgeordneten und den Wählern eines Kreises, das neben, unter Umständen auch über das Parteiverhältnis tritt. Das ist vom Parteistandpunkte nicht wünschbar, aber es ist vorhanden und muß bei der Aufstellung der Kandidaten sehr oft noch stark berücksichtigt werden. Das ist ein Grund dafür, weshalb die Auswahl der Kandidaten den Kreisorganisationen übertragen ist, und die Möglichkeit, Organen niederer Ordnung eine Funktion zu überlassen, hat auch dazu beigetragen, nicht die oberen Partei- Instanzen damit zu belasten. Bei einem Proportional-Wahlshstem wäre diese Entlastung der oberen Partei-Jnstanzen nicht möglich. Das Wahlkreissystem bringt es auch mit sich. daß dem Kandidaten die Aufgabe zufällt, persönlich für seine Wahl bei den Wählern des Kreises zu wirken; er agitiert nicht bloß ganz un- persönlich für die Partei, er agitiert auch für sich als Person. Es fallen also dem bestimmten Abgeordneten oder Parteikandidaten be- stimmte Funktionen in dem bestimmten Wahlkreise zu und das hat schließlich zu dem Irrtum verführt, daß der Kreis dem Abgeordneten und der Abgeordnete dem Kreise gehörte, und nun ist ja auch noch der kleine Schritt gemacht worden, dieses auf einer zufälligen Wahl- technik beruhende Zwcckmäßigkcitsverhältnis aus dem demokratischen Princip zu erklären. Wir arbeiten ständig darauf hin, daß der Wähler die Partei und nicht die Person wählt. Gewiß wird es sich für die Millionen auch der Partei gegenüber stets mehr um Vertrauen als um wissen- schaftliche Einsicht in die Richtigkeit aller ihrer Forderungen handeln, aber die weitschauenden umfassenden Ziele unsrer Partei wären ganz aussichtslos, wenn das Vertrauen der Massen anstatt auf die Partei auf die Personen einiger Abgeordneten gerichtet wäre. Der 20. sächsische Wahlkreis hch� uns ja gezeigt, wie leicht wir zurück- geschlagen werden können, wenn das Vertrauen auch»ur bei einem Teile der Wähler mehr der Person des Abgeordneten als der von ihm vertretenen Sache gilt. So im richtigen Lichte gesehen ist es ganz selbstverständlich, daß gegenüber den Eutschliissen der Kreisorgauisationen bei Parlaments- kandidaturcn die oberen Partei-Jnstanzen ein Mitrcderccht haben müssen. Sie haben es selbst dann, wenn es nicht geschrieben steht, weil und sobald es das Partci-Jnteresse erheischt. Zeigen sich Schwierigkeiten und Widersprüche in der Ausübung dieses Rechtes, so suche man sie durch statutarische Ordnungsvorschriften zu be- seitigen. Das Partci-Jnteresse, nicht das demokratische Princip, spielt allein eine Rolle bei der Kandidatenaufftellung, eS kommt allein in Frage,>oer bei der Ausstellung der Kandidaten mitzureden hat, und es muß auch ausschlaggebend sein dafür, ob und wie eine obere Partci-Jnstanz von ihrem Einspruchsrechte Gebrauch macht. Der politische Takt der Einspruchsberechtigten ist hier natürlich wichtiger wie die sorgfälsigsten Ordnungsvorschriften. Es läge nun nahe, aus die Einzelheiten des besonderen Falles einzugehen und zu prüfen, ob der Einspruch gegen die Kandidatur gut begründet war und ob das eingeschlagene Verfahren in jeder Beziehung taktvoll war. Indessen scheint uns dies das weniger Wichsige gegenüber den allgemeinen Erwägungen über das Ver- hälruis der Abgeordneten zur Partei und der Partei-Jnstanzen zu einander. Sind Fehler gemacht worden, so ist es Aufgabe der Parteitage, ihre Ausführungsorgane zu rügen. Der Sächsische LandcSparteitag wird es an einer gründlichen Erörterung nicht fehlen lassen und niemand seine Schuld schenken. Vor Mier sehlerhaften oder auch ungeschickten Anwendung ihrer Rechte sind lvir bei keiner Partei-Jnstanz sicher, selbst nicht bei der Kreis- orgauisation. Ein Streit darum, ob es mehr oder minder demokratisch oder undemokratisch fei, wenn eine Landesorgauisation und schließlich auch der Parteivorstaud bei der Kandidatenaufftellung mitzureden hat, ist ganz aussichtslos; er kann zu keinem Resultat führen, weil diese geschäftliche Angelegenheit mit der Frage der Demokratie nichts zu thun hat. Mit dem freien Sclbstbestimmungsrecht des Volkes hat es nichts zu thun, weil diejenigen, welche den Kandidaten aufstellen, unter allen Umständen, selbst wenn es Leute aus dem Kreise sind, nur einen kleinen Bruchteil der Wählerschaft ausmachen. Dcir Auftrag zur Auf- stellung des Kandidaten haben sie gleichfalls nicht vom Volke, sondern von der Partei-Organisation. Es handelt sich bei der Auf- stellung der Kandidaten mir darum, den Wählern die geeignetsten Pärteimämier zu präsentieren; aber da sie im Parlament als Partei- lente die Gesaintpartei zu vertreten haben und nicht die 100 oder 1000 Parteigenossen ihres Heimatskreises, so müssen sie selbst- verständlich auch das Vertrauen der Gesaintpartei besitzen, und des- halb muß auch die Gesamtpartci durch ihre Organe ihren Einfluß geltend machen können. Man lasse sich also den Blick nicht trüben durch das Auswerfen von Principfragc», die nicht zur Sache gehören. Die Demokratie in unsrer Partei wird nicht im geringsten berührt durch die Kandidatenfrage. Die Demokratie in der Partei wird repräsentiert durch die Zusammensetzung nnd Verwaltung der selbst- geschaffenen Organisation, ihrer Gruppen und Abteilungen und durch die Zusammensetzung unsrer Parteitage in Kreis, Bezirk, Provinz, Staat und Reich. Es hat auch absolut nichts mit der geistigen Frei- hcit und mit der wissciischaftlichen Fvrtentwickelung der Partei zu thun, ob der Partcivorstand in Berlin oder der Kreis- vorstaud eines Kreises größeren Einfluß ans die Aufstellung der Parlaiiienlskandidaten hat. Das geistige Leben der Partei spielt sich doch nicht bloß im Reichstage oder Landtage ab und frisches Blut und neue Gedanken, wenn sie gesund sind. können sich in der Partei Geltung verschaffen auch ohne den Reichstag. Die Demokratie in Staat und Gemeinde wird durch das Recht garairtiert, hinter dem die Macht steht; in der Partei kann nur daS gegenseitige Vertrauen die Grundlage ihrer demokrattschen Or- ganisation bilden; wenn uns das nicht mehr genügte zur Erhaltung derjenigen demokratischen Einrichtungen, die den Zwecken der Or» ganisation entsprechen, dann könnten wir uns begraben lassen. kr. w. partel-Nadmcbten. Zur Erfurter SelbstdeschäftigungSfrage. Auf die Erklärung und Berichtigung Br. Sommers müssen wir erklären, daß lvir jederzeit bereit find, die in unsrer Erklärung an- gesührten T h a t s a ch e n unter Beweis zu stellen. Bezüglich des Briefes schreibt S.: „so konnte ich ihn nicht beantworten, weil ich nur alle vier Wochen schreiben durfte". Für jeden, nur halbwegs mit den Rechtsverhältnissen vertrauten Menschen ist es klar, daß dies nur eine Ausflucht ist, um die sür S. bittere Thatsache abzuschwächen. S. schreibt ferner: „und ich habe niemals die Absicht gehabt oder gar auS» gesprochen, wegen der Höhe zu appellieren". Dagegen erklären wir, daß das in unsrer Berichtigung an- geführte Gespräch mit dem Geschäftsführer in Zcugcngegeuwart statt» fand. Hatte S. nicht die Absicht, an die Ober-Staats- anwaltschaft zu appellieren, wie er ja jetzt behauptet, so hat er den Geschäftsführer und die Zeugen angedichtet; um so schlimmer.� Es widerspricht den Thatsachen, daß S. die Hälfte der Kosten durch den Geschäftsführer angeboten wurde. S. hatte auf die Selbstbeschästtgung freiwillig aus andren Gründen verzichtet, folgedesjen lag zu solchem Angebot kein Grund vor. Die auf Grund des Preßgesetzes verlangte Berichtigung�) enthielt die nachgeiviesenen gleichen Unwahrheiten und müßte aus dem in Nr. � 70 des„V." bereits angeführten Grunde selbstverständlich zurückgewiesen werden. Auf die sonstigen Nerunglimpfungen, welche S. gegen den Verlag der„Tribüne" schreibt, antworten wir nicht. Verlag nnd P r e tz k o m m i s s i o n Fr. Stegmann, Franz Schnell. Geschäftsführer. Einen schönen Sieg errangen die Genossen bei der Gemeinde- ratswahl in Klein- L e u b u s ch bei Bricg. In der dritten Klasse wurden nur socialdemokratische Stimmen abgegeben und unsre beiden Kandidaten gewählt. Auch in der zweiten Klasse eroberten die Ge- nossen einen Sitz, so daß jetzt von 12 Vertretern 5 der Arbeiterpartei angehören. Sein zehnjähriges Jubiläum feierte der„Lübecker Volksbote". Er kann die erfreuliche und wohl einzig in der Partei dastehende Thatsache feststelle», daß mehr als 50 Prozent unsrer Wähler in seinem Verbreitungsbezirk zahlende Abonnenten des Parteiblattes sind, was wir zur Nachahmung dringend empfehlen. Das ist ge- lviß der beste Glückwunsch, den wir bieten können. 39 Monate Ge- fängnis und 600 M. Geldstrafe sind die Kosten des tapferen zehn- jährigen Kampfes. polireilickes. Smebtliebes üb». — Einer seltsamen Anwenduiig deS Paragraphen vom groben Unfug ist der Genosse L i n x w e i l e r in Bochum, Redakteur unsres dortigen Parteiblattes, zum Opfer gefallen. Er hatte gegen einen Wirt, der sein Lokal zu Versammlungen verweigerte, eine ironisierende Notiz veröffentlicht des Sinnes, daß er feine Wirtschaft wohl nur aus Liebhaberei betreibe, weil ihm ja die Arbeitergäste nicht mehr viel Mühe machen würden. Der Wirt fühlte sich beleidigt, stellte Strafantrag und die Staatsanwaltschaft erhob Klage aus§ 185 wegen einfacher Beleidigung. In der Haupt- Verhandlung machte der Vorsitzende den Angeklagten darauf auf- merksam. daß auch 8 l86— Behauptung unwahrer Thatsachen— und grober Unfug in Frage kommen könne. Der als Zeuge an- wesende Wirt erklärte nun aber, er fühle sich durch den Artikel nicht beleidigt, er habe aber Schaden durch ihn gehabt. Sein Bierumsatz sei erheblich zurückgegangen. Darauf wurde mm Linxweiler wegen groben Unfugs zu 150 M. Geldstrafe verurteilt. Er habe kein Recht gehabt, die Exijtenz des Wirtes zu schädigen. Aber wo in aller Welt ist da nur der grobe Unfug? Hiid Induftnc und ftandel. Zur Geschäftslage der rhcinisch-westfälischcn Kohleniudustrie. Die„Rheiuisch-Westfälische Zeitung" veröffentlicht in ihrem Handclstcil eine ausführliche Zusammenstellung der Geschäfts- ergebnisse von 16 Kohlcnbergbau-Gefellschaftcn des rhcinisch-west- Westsälischen Reviers, die mit dem 31. Dezember ihr Ge» schästsjahr abschließen und ihre Abrechnungen für das letzte Jahr bereits erstattet haben. Die Gesellschaften, welche per 1. Juli abschließen, wie zum Beispiel die Harpener Bergbau-Gesellschaft, Louise-Tiefbau und die Rheinischen Anthrazitkohlcnwcrke fehlen in der Uebersicht. Auch sonst ergiebt diese keinen vollständigen und genauen Einblick in die Geschäftslage, da es bekanntlich bei den dortigen Gesellschaften Brauch ist, versteckte Reserven anzulegen. Dennoch entrollt die Zu- sammcnstellung ein höchst interessantes Bild der glänzenden Geschäfts- läge der rhcinisch-wcstsälischen Kohleniudustrie. Die der in Statistik des Zechenblattes behandelten Aktien-Gesell- schaften repräsentieren ein Aktienkapital von 227 569 000 M.(gegen 213 968 000 M. im Jahre 1902). Sie erzielten im letzten Jahre cmeii Rohgcwinn von 50 485 000 M.(gegen 54 771000 M. in 1902). also rimd 8,5 Proz. mehr als im Jahre 1902. Die Abschreibungen, welche für das Jahr 1902 zurückgegangen waren, erhöhten sich wieder von 18 721 000 M. ans 20 575 000 M., so daß noch ein Gesamt-Reingewinn von 30 910 000 M.(36050000 M.) verbleibt. der, auf das Gcsamt-Aktienkapital berechnet, eine Durchschnittsdividende von 14,17 Proz.(13,11 Proz. für 1902 ergiebt. Die aus dem Kohlenbergbau bezogene Rente hat sich somit gegen das Vorjahr bedeutend gebessert, trotzdem der Rohgewimi pro Tonne der Förde- rung zurückging. Der Gewinn auf die Tonne Kohlenförderung mußte heruntergehen, weil die meisten Kohlensorten am 1. April weitere Preisermäßigungen von 0,25 bis 1,00 M. erfuhren, überwiegend aber um 0,50 M. im Preise herabgesetzt wurden. Der Rohgewinn pro Tonne ging daher von 2,71 M. auf 2,61 M. herab. Daß trotzdem ein besseres Gesamtresultat erreicht wurde, ist auf die erhöhte Kohlenproduktion zurückzuführen, ivodurch eine Er- sparnis an Unkosten ermöglicht wurde. Verhältnismäßig am günstigsten arbeitete Konsolidation mit 4,14 M. Rohgewinn pro Tonne(gegen 4,53 M. pro Tonne in 1902), dann kommen der Magdeburger(?) Bcrgwerksverein mit 3,26 M. pro Tonne(3,33 M. pro Tonne in 1902), der Kölner Bergwerksverein mit 3,196 M. pro Tonne(3,125 M. pro Tonne), Dahlbusch mit 3,185 M. pro Tonne <3,067 M. pro Tonne) usw. Am ungünstigsten arbeiteten die Bochumcr Bergwerks-Aktiengesellschaften mit 0,93 M. pro Tonne(1,09 M. pro Tonne) und die Masse»« Bergbau-Gesellschaft mit 1,16 M. Rohgewinn pro Tonne(1,38 M. Pro Tonne in 1902). *) In seiner letzten Erklärung sagt Genosse Sommer nur. daß er die Aufnahme dieser Berichtigung auf Gruird des Preßgesetzes hätte verlangen können, nicht aber, daß er sich tharsächlich aus das Preßgesetz berufen habe. Weitere Erklärungen in dieser Angelegen- heit werden wir nicht mehr a»fnehmeii. Red. des„Vorwärts". Interessant ist es zu vergleichen, wie sich die Gesellschaften hin- fichtlich der von ihnen zu verzinsenden Kapitalien(Aktienkapital und Anleihen), auf eine Tonne Kohlenförderung berechnet, zu ein- ander stellen. Durchschnittlich entfällt auf eine Tonne Kohlen- förderung ein zu verzinsendes Kapital von 12,46 M.(i. V. 13, 2S M.). Die Ziffern für die Gelsenkirchcner Bergwerks-Gesellschaft kommen mit 12.43 der Durchschnittsziffer am nächsten. Am ungünstigsten stellt sich das Verhältnis wieder für die Bochumer Bergwerks- Gesellschaft mit 21,64 M./z Monate Gefängnis. 16. In Crimmitschau wird Genoffe Hecht, der erweislich wahre Pressionen der Fabrikanten als Schurkenstreiche bezeichnet hatte, zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt, der Fabrikant Selb- mann, der lügnerische Behauptungen über die„Führer" der Arbeiter ausgestreut und sie Lumpen geheißen hatte, zu 100 M. Geldstrafe. 17. Ein streikender Maurer in Beuthen, der Arbeitswilligen gesagt hatte:„Euch kommt der Teufel auf den Kopfl" wegen Be- drohung drei Monate Gefängnis. 19. Der oldenburgische Minister Ruhstrat hat den eingesperrten Redakteur Biermann, der des Ministers Vorleben aufgedeckt hatte, dessen Frau gegenüber einen Lumpen geheißen und erhält dafür 20 M. Geldstrafe.(Bald darauf erhält der Minister einen hohen oldenburgischen Orden.) 19. Wegen barbarischen Totschlags, begangen am jüdischen Schriftsetzer Lewy, wird in Könitz der Schlosscrmeister Hahn zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Seine zahlreichen Mitthäter gehen frei ans. 22. Der Polizeisergeant Haudschuk in Wriezen a. d. Oder hat den Polizeibeamten Elsholz mißhandelt und mit dem Niederstechen bedroht. 15 M. Geldstrafe. 23. Wegen Militärrichter- Beleidigung(Kritik des Heidelberger Urteils) Genoffe Zander von der Frankfurter.Volksstimme" einen Monat Gefängnis. 27. Die Genossen KoSnitzki und Kampe wegen Tragens roter Abzeichen bei einem Spaziergange am 1. Mai in Posen zwei und drei Monate Gefängnis. Februar. 6. Der Fabrikant Donath in Crimmitschau hat eine Arbeiterin wegen Streikpostenstehens eigenmächtig gewaltsam festgenonimen, ihr dabei die Kleider zerrissen und sie körperlich beschädigt. Ihr Straf- antrag gegen den Fabrikanten wegen Körperverletzung und Frciheits- beraubung wird von der Staatsanwaltschast in Zwickau abgelehnt. 11. Wegen versuchter Erpressung(angeblicher Bedrohung eines Arbeitswilligen mit Schlägen) ein Bauarbeiter in Berlin drei Monate Gefängnis. 17. In Beuthen wird der streikende Maurer Scholz von zwei Unternehmern und einer Schar Arbeitswilligen mit Knütteln und Steinen angegriffen. Er führt in Gegenwehr mehrere Stockhiebe gegen einen der Unternehmer. Urteil des Landgerichts: Der Maurer, dem Notwehr nicht zugesprochen wird, drei Wochen Gefängnis, die Unternehmer je 21 M. Geldstrafe. Einer von diesen ist schon zwölf- mal, darunter fünfmal wegen Körperverletzung, vorbestraft. In erster Instanz war der Maurer zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, einer der Unternehmer freigesprochen worden. 23. Wegen„fahrlässig" begangener Beleidigung des ErzPriesters Schmidt erhält Redakteur Zietak vom radikal-polnischen„Gorno stazak" 6 Monate Gefängnis. 24. Der Pfarrer Dischl, Lokalschulinspektor in Höhenfurch bei Schongau, wegen Uebertretung des Züchtigungsrechts 20 M. Geld- strafe. 24. Der Pfarrer Nußbaumer von Niederhausen bei Straubing wegen schwerer Körperverletzung, begangen an einem geistesschwachen Stalljungen, 1 Monat Gefängnis.(Dreimal vorbestraft, darunter einmal wegen Mißhandlung eines Kirchenbesuchers mit dem Weih Wasserpinsel. 26. Auf Aussage der acht- und zwölfmal vorbestraften Brüder Kühn wird der organisierte Maurer Neumann in Breslau wegen angeblicher Mißhandlung zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Auf Aussage derselben Herren ist der Maurer Machate zu 1>/z Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Brüder Kühn werden eidlich ver- nommen, die Entlastungszeugen(Organisierte) nichteidlich. 27. Der Rechtsanwalt Dr. Seyda wird in Beuthen wegen Gründung einer polnischen Volksbank ohne polizeiliche Anmeldung zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Polnische Volksbanken seien— politische Vereine I 27. Abstrafung von' sechs Crimmitschauer Ausgesperrten wegen „Beleidigung" von Arbeitswilligen. Ein Ausgesperrter ist von zahl reichen Arbeitswilligen unter Rufen:„Schlagt ihn tot!" mißhandelt worden. Sechs deshalb angeklagte Arbeitswillige freigesprochen. Das Verfahren gegen den Fabrikanten Kehlich, der die Gewerkschafts- führer„wortbrüchige Sauen" genannt hatte, eingestellt. „Wir Arbeitswillige können einen totschlagen", hat sich zuvor ein Arbeitswilliger geäußert. März. 1. Der Duellmörder Falkenhagen hat auf Festung Weichsel- münde die Wachmannschaft mit dem Ueber den Haufen stechen be- droht. 100. M. Geldstrafe. 1. Der„nicht ganz vollflnnige" Paul Haß in Berlin wegen Tobsuchtsanfällcn vor Gericht drei Wochen strengen Arrest mit Ent- ziehung des Nachtlagers. Aus gleichen Anlässen mehrmals vor- oestraft. 2. Der Erste Staatsanwalt in Hannover hat die Amtsanwalte angewiesen, gegen alle freisprechenden Urteile der Schöffengerichte Berufung einzulegen. 2. Genosse Köhler in Crimmitschau von der Anklage wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten(«An die Schanzen I'„An die Gewehre!") freigesprochen. 4. Ein Arbeitswilliger m Nürnberg, der von Streikenden be- leidigt worden sein soll, die Beleidigung aber nicht gehört haben will, wegen Meineids sechs Monate Gefängnis. 6. Erpressung sollen mehrere Töpfer in Berlin begangen haben, die mit einem Denunzianten nicht arbeiten wollten. Die Ausnahnie in die Organisation ist dem Denunzianten verwehrt worden. Sie werden sämtlich zu Gefängnisstrafen verurteilt. 6. Der Gutsbesitzer Weitzel in Lauen hat auf zwei Angler geschossen und eine Frau mißhandelt. Genosse Stelling in Lübeck wegen Be- leidigung dieses Herrn 300 M. Geldstrafe. 9._ Der Arbeitswillige Schramm in Crimmitschau hat den 70jährigen Ausgesperrten Ziergiebel niedergeschlagen, so daß er blut- überströmt zusammenbrach. Zwei Wochen Gefängnis. 9. Wegen Beleidigung des Amtsvorstehers Schröder in Laura- Hütte Redakteur Genosse Henning in Erfurt drei Monate Gefängnis. 10. Genosse Holst in Wismar, der wegen angeblichen Meineides (Mderspruch gegen die Aussagen zweier Polizisten) drei Jahre im Zuchthause gesessen, behauptet seine Unschuld und bezichtigt die Polizisten des Meineides. Dafür drei Monate Gefängnis. 12. Funktionäre des Bäckervereins in Breslau haben Backstuben auf Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeit revidiert. Hausfriedens- bruch, da sie annehmen konnten, daß das Oeffnen der Thüren gegen den Willem der Bäcker erfolge. Je eine Woche Gefängnis. 12. Bauarbeiter Fleischmann hat versucht, einen Nichtorgani- sierten zum Anschluß an den Verband zubewegen und soll ihn dabei beleidigt haben. Erpressung. Zwei Wochen Gefängnis. 13. Zeugniszwangsverfahren gegen Genossen Vredenbeck in Dortmund. 22. Genoffe Leimpeters von der„Bergarbeiter-Zeitung" wegen Feststellung von Mißständen in der Zeche„Alt-Beust" 150 M. Geld- strafe. Es fei ihm nicht darauf angekommen, die gerichtlich erwiesenen lebensgefährlichen Zustände festzustellen, sondern dem Kläger eins „auszuwischen". 25. Der Nachfolger des Redakteurs Biermann in Oldenburg wegen Ruhstrat-Beleidigung drei Monate Gefängnis. Sämtliche schwerwiegende Beweisanträge abgelehnt. 25. Die für schwachsinnig erklärte 16jährige Frieda Plothe wegen Brandstiftung sechs Monate Gefängnis. 26. Zwei Arbeiter in Magdeburg wegen des Verlangens, die Verbandsmarke zu kleben,„sonst melden wir das dem Vertrauens- mann", einen Monat und drei Wochen Gefängnis. Bedrohung im Sinne des Z 1531 26. Einem Mädchen bleibt Gutsbesitzer Thiesies in Naggen sechs Jahre Lohn schuldig(342 Mark) und mißhandelt es. Das Mädchen erleidet alle Rechtsnachteile wegen Kontraktbruches, Straf- befehle auf hohe Geldstrafen und Verlust des größten Teils ihrer Forderung. Klus den Gefängnissen. Februar. 23. Die„Welt am Montag" berichtet: Hinter Kerkermauern in Plötzensee sitze der geisteskranke Strafgefangene Grosse. Seiner Mutter und seinem Bruder ist die Intervention(Besuch des Ge- fangenen) unmöglich gemacht worden, weil sie„verbissene Social« demokraten" seien. März. 1. Genossen Redakteur Markwaldt in Magdeburg wird die Selbst- beköstigung, um die er wegen kränklichen Zustandes eingekommen ist, verweigert. 6. Der russische Jude Skläroff, der als arbeitsloser Familien- Vater eine Uhr gestohlen hat, hat in Plötzensee vom 22. März bis 24. Mai 1900 60 Tage lang die schioersten Disciplinarstrafen erlitten, bevor seine Geisteskrankheit erkannt wurde. 23. Martyrium des«Simulanten" Höhne in der Strafanstalt Brandenburg(1893). 30. Ein„Simulant" hat 200 Tage Dunkelarrest er» litten(1895). Vorn herrlichen Rriegsheer. Januar. 1. Großes Reinemachen in Forbach. Entlassungen. Ver- setzungen. 3. Als dreißigste größere Uniformänderung seit 16 Jahren be- zeichnet die konservative„Schlesische Zeitung" die neuen Achselklappe» der Offiziere. 7. Der Unteroffizier Helbing und ein Musketier werden in Breslau wegen Mißhandlung eines kranken Soldaten zu zwei Wochen gelinden Arrest resp. einem Tage Gefängnis und drei Mark Geldstrafe verurteilt. 7. Ein Musketier, der in schwerer Trunkenheit einem Gefreiten einen Schlag versetzt hat, erhält ebenfalls in Breslau ein Jahr einen Monat eine Woche Gefängnis. 7. In Münster bedroht ein betrunkener Lieutenant Untergebene und Civilisten mit dem„Ueber den Haufen stechen". 9. In Erfurt wird ein Musketier nach mehrfachen Verurteilungen abermals zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Es stellt sich heraus, daß der Mann seit 1897 als gemeingefährlicher Geistes- kranker entmündigt ist. 15. Ein Unteroffizier des 69. Jnfanterie-Regiments wegen fort- gesetzter Mißhandlungen und Unterschlagung 11 Monate Gefängnis und Degradation. 16. In Breslau wird ein Gendann, der einen Civilisten mit dem Säbel geschlagen haben soll und ihn erwiesenermaßen geohrfeigt hat, vom Kriegsgericht freigesprochen. 16. In Pirna hat ein Oberlieutenant mit einem Kameraden wegen Ehebruchs, begangen an seiner Gattin, Duelle ausgefochten. 22. Den Offizieren wird der Besuch des„Zapfenstreichs" von Beyerlein in zahlreichen Garnisonen verboten. 23. Die Berufung des Lieutenants Schilling gegen die Ver- urteilung zu 15 Monaten Gefängnis wegen 968 Soldatenmißhand« lungen verworfen. 24. Ein Unteroffizier des Jnfanterie-Regiments von Horn in Trier wegen niehrsacher Mißhandlung 4 Wochen Mittekarrest. 26. Duell zwischen Frhrn. v. Ompteda und Rittmeister v. Hupfeld in Chemnitz.(Es giebt kein zweites Forbach.) 27. Gefreiter Kahle vom 155. Infanterie- Regiment wegen 114 Mißhandlungen 1 Jahr Gefängnis. Februar. 4. Ein Unteroffizier vom 30. Jnfanterie-Regiment in Trier wegen Mißhandlung eines fallsüchtigen Soldaten und andren Fällen sechs Wochen Arrest. 7. Lieutenant v. Schweinichen vom Infanterie- Regiment 145 wegen Beleidigung eines Feldwebels, thätlichen Angriffs auf einen Wachthabenden und Trunkenheit im Dienst 1 Jahr 1 Monat Festung und Dienstentlassung. 7. Feldwebel Krüger vom 139. Jnfanterie-Regiment in Leipzig wegen fortgesetzter Mißhandlungen 1 Jahr Gefängnis. 11. Vicewachtmeister Kleinmichel vom 57. Artillerie- Regiment wegen grausamer durch sechs Jahre fortgesetzter Mißhandlung(165 Fälle) in Neustadt(O.-S.) 1 Jahr Gefängnis. Keine Degradation. 13. Der Infanterist in Berlin und frühere Redakteur eines katholischen Blattes Mowatius wegen wahrheitswidriger Ausrede und Weigerung, am Sonntag das Klosett zu reinigen, 4 Monate 3 Tage Gefängnis. 19. Ein Roman„Erstklassige Menschen" von Freihern. v. Schlicht(Graf Baudissin, Lieutenant a. D.) schildert in roman- hafter Form ungeheuerliche sittliche Zustände in Ofsiziercorps adeliger Garde-Regimenter. 20. Der Einjährig-Freiwillige Eras hat sich mit einer Be- schwerde an den bayrischen Centrums-Abgeordneten Pichler gelvandl, in der er behauptet hatte, untauglich zu sein und chikaniert zu werden. Pichler hat die Beschwerde an den bayrischen Kriegs- minister v. Asch weitergegeben, und Eras wird zu 4 Monaten Ge- fängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes verurteilt. 24. Die Untersuchung über den Selbstmord des Einjährig- Freiwilligen Cordes in Hannover ergiebt, daß dieser wegen fort- gesetzter Mißhandlung in den Tod gegangen ist. 25. Die Strafe des Unteroffiziers Tschamke in Breslau, der einen Soldaten so ohrfeigte, daß ein Trommelfell zerstört wurde und der Mann sechs Wochen im Lazarett lag, wird von 43 Tagen Gefängnis auf 21 Tage Mittelarrest herabgesetzt. 25. Ein Unteroffizier des 161. Jnfanterie-Regiments in Trier wegen Mißhandlung sechs Wochen Mittelarrest. Dasselbe Kriegs- gericht verurteilt einen Soldaten wegen Achtungsverletzung, begangen im angetrunkenew-Zustand�, zu sechs Monaten Gefängnis, 26. Hauptmann Schröder, der den Lieutenant Schubert im Duell erschossen, erhält rn Leipzig die gesetzliche Mindeststrafe von zwei Jahren Festung. 26. Pistolenduell zwischen zwei Lieutenants in Metz. 27. Unteroffizier Naewe vom Leib-Kürassier-Regiment in Breslau Wegen fortgesetzter schenjjlich raffinierter Mißhandlungen in zahl- reichen Fällen vier Wochen Mittelarrest. 27. Oberlieutenant v. Bila bei strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit in Halle a. S. wegen vorsätzlich falscher Meldung zwei Wochen Stubenarrest. März. 1. Ein Unteroffizier in Spandau wegen materieller Ausbeutung seiner Untergebenen 9 Monate Gefängnis. Ein zweiter wegen Dieb- ftahls, begangen an Untergebenen, verhaftet. 2. Ehebruch-Skandal und Duell in Liegnitz. Ein Hauptmann hatte sich die Abwesenheit eines Stabsarztes während der China- expcditiou zu nutze gemacht. 2. Unteroffizier Reinhardt in Halle vom 153. Infanterie- Regiment wegen 40 Mißhandlnngsfällen 6 Wochen Mittelarrest. 2. Musketier S o m m e r von: 93. Jnfanterie-Regimcnt in Halle wegen Gehorsamsverweigerung sNichtheben des Kopfes und Lachen) 3 Monate Gefängnis. 2. Unteroffizier Zelle(Chinakrieger) wegen Mißhandlung in 42 Fällen und Bedrohung mit einein Verbrechen 5 Monate Ge- fängnis. 6. Unteroffizier MikuS(Chinakricger) vom 22. Infanterie- Regiment in Breslau wegen Mißhandlung 6 Monate Gefängnis. Keine Degradation. 6. Unteroffizier Preißer in Breslau vom 51. Jnfanterie-Regi- ment wegen Mißhandlung in acht Fällen 19 Tage Mittelarrcst. 6. Musketier Buhl vom 51. Jnfanterie-Regiment in Breslau wegen Gehorsamsverweigerung in Trunkenheit ein Jahr sechs Monate Gefängnis. 8. Unteroffizier Spohr vom 7. Ulanen-Regiment in Koblenz wegen Mißhandlung(Zerstörung des TronnnelfellS, Gehörvcrlufl) sechs Wochen Mittclarreft. 11. Unteroffizier Kindler vom Dragoner-Regimcnt in Lüben, der einen Einjährig-Freiwilligen zum Selbstmordversuch getrieben, vier Tage Mittclarrest. 16. Sergeant P. I. Becher in Mainz wegen Mißhandlung in 156 Fällen ein Jahr Gefängnis. 17. Sergeant Bienemann vom 29. Infanterie- Regiment in Koblenz wegen Unzuchtverbrechen und Verleitung zum Meineid drei Jahre Gefängnis, vier Jahre Zuchthaus. 17. Acht Offiziere vom 1. Garde-Rcgiment z. F. in Potsdam (aus der Umgebung des Kronprinzen) plötzlich verletzt. Ursache: Besuch des„Zapfenstreichs". 18. Urteil in Pirna. Obcrlieutenant Krohn wegen drei Duellen vier Monate, Lieutenant Base sechs Monate. Lieutenant Gerlach zwei Jahre, Lieutenant Korn ein Jahr drei Monate Festung. 19. Unteroffizier Stolper vom 11. Jnfanterie-Regiment in Breslau wegen Zerstörung eines Trommelfells durch eine Ohrfeige 12 Tage Mittelarrest. 29. Antwort des Artilleristen Drechfel in München auf den Be- fehl des Unteroffiziers Maier:„Halten Sie das Mault"„DaS Maul halte ich nicht!" Drei Monate Gefängnis. 22. Der„Vorwärts" erinnert daran, daß die Anschuldigungen Normann-Schumann, der verstorbene Generalissimus Graf Waldersee sei der wahre Urheber der ihm zur Last gelegten Majestäts- beleidigungen unwidersprochen geblieben sind. 23. Der Bandissinsche Roman beschlagnahmt. 25. Lieutenant Wilh. v. Germer in Bromberg wegen Miß- Handlung zwei Monate Gefängnis. 25. Unteroffizier Mcis vom 39. Jnfanterie-Regiment in Düffel- dorf wegen Mißhandlung, bei der Soldat in Krämpfe fällt, 14 Tage Mittelarrest. 25. Kanonier Kohrs vom 26. Artillerie-Regiment in Verden wegen Angriffs auf einen Vorgesetzten(Postcnablösung) zwei Jahre Gefängnis. 25. Zwei Soldaten vom 1. Reitcr-Regiment in München wegen eines Excesses 3 Jahre und 1% Jahre Gefängnis. 26. Wachtmeister Gäbet vom Lcib-Kürassicr-Regimcnt in Breslau wegen Aufforderung zu Mißhandlungen 19 Tage gelinden Arrest. 39. Unteroffizier Mitschke vom Fuß- Artillerie- Regiment in Reiste wegen 87 Fällen(Mißhandlung bis zur Ohnmacht) 3 Monate Gefängnis. 31. Gegen Oberlieutenant Wittmaier vom 4. Pionier-Bataillon in Magdeburg und Oberlientenant v. Bila vom 36. Infanterie- Regiment in Halle unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit vcr- handelt. 31. Gendarm Wagner in Breslau wegen unzüchtiger Hand- lungen gegen eine Arbeiterstochter und Mißhandlung einer Arbeiter- frau mit zehn Säbelhieben 4 Monate 19 Tage Gefängnis. Keine Degradation, da sein Verhalten nicht ehrlos gewesen sei. koloniales. Januar. 14. Ausbruch des Herero-Aufftandes. 19. IVa Millionen Mark zur Niederwerfung des Aufstandes gefordert. 29. Berichte der„Frankfurter Zeitung" über die Auswuchernng der Hereros durch die Weißen. Die Kriminalität der Schwarzen in Slldwestafrika beträgt 9,25 Proz., die der Weiße» 9,69 Proz. 23. Neue Nachrichten der„Frankfurter Zeitung" über die Aus- Wucherung der Hereros durch die Weißen. Februar. 12. Ein vertrauliches Cirkular des Missionshauses Barmen (Südwestafrika) legt als Ursache des Herero-Ausstandes die Rück- sichtslosigkeit der Weißen dar. März. 9. Friedensunterhandlungen mit den HereroS sind ausgeschlossen. Doch behält sich der Gouverneur das Recht vor, Scheinverträge ein- zugehen. 11. Ans einem Kriegerbrief aus Südwestafrika:„Der neueste Befehl ist. keine Gefangenen zu bringen, also alles totschießen." 15. Neue Forderungen zur Niederwerfung des Herero-Aufstandes. Die Kosten belaufen sich jetzt aus 13 Millionen. 16. Neuer Soldatenbrief aus Hereroland:„Alles waS lebend ist und schwarze Farbe hat, wird niedergeschossen." 18. Brief des Tierarztes Dr. Baumann aus Windhuk:„Keiner giebt Pardon, es wird alles niedergeschossen." 18. Nach Berichten der Missionare sind die Nachrichten über die Grausamkeiten der Hcreros erlogen. 22. Ein im„Reichsboten" veröffentlichter Brief eines Missionars erklärt die von Weißen verübten Grausamkeiten und Betrügereien für die wahre Ursache des Herero-Aufstandes. 23. Ein Prozeß gegen den christlichen Arbeiter und Chinakämpfer Fiedler in Esten(er wisse aus eigner Kenntnis, daß in China auch von Offizieren Raub und Mord begangen worden sei) auf unbestimmte Zeit vertagt. Der fall Urenberg. Januar. 22. DaS NeichS-Militärgcricht erklärt den Antrag auf Wieder- aufnähme des Verfahrens gegen den Prinzen Arenberg, der wegen Ermordung des südwestafrikanischen Eingeborenen Cain zum Tode verurteilt, dann zu 15 Jahren Gefängnis begnadigt worden war, mit Rücksicht auf die Geistesschwäche des Prinzen für begründet. März. 4. und 5. Neue Verhandlung wegen Mordes am Polizisten Cain. Enthüllungen über das Vorleben des Prinzen. Freispruch wegen heilbarer Geisteskrankheit. 5. 7. und 8. Besprechung des Falles im Reichstage. 8. Prinz Arenberg reist nach der Privatklinik in Ahrweiler. Bus clem Zucbthausftaatc. Januar. 6. Zwei entlassenen Bergleuten, die bei der königlichen„Luisen"- Grube(O.-S.) 21 und 25 Jahre beschäftigt waren, wird ein Gesuch um Wiederanstellung abschlägig beschicdcn, da sie erwiesenermaßen gelegentlich der Rcichstagswahlcn iin großpolnischen, d. h. staatsfeind- lichcn Sinne agitiert haben. 9. Amtsvorstcher Brammer in Bonstorf wegen welfischer Ab- stimmung bei den Landtagswahlcn seines Amtes entsetzt. 26.„Wir haben zu befehlen, Sie haben zu gehorchen" ruft der Minister v. Hammerstein im Landtage den Polen zu. 27. Das Präsidium des Ober-LandesgcrichtS in Posen trägt seinen sämtlichen Untergebenen auf, die auf ihren, ihrer Frau oder ihrer Kinder Namen bei polnischen Banken gemachte Einlagen zurück- zuziehen. 23. Der Student Musculus aus Halle wegen Beleidigung des bayrischen Prinzregenten in München 4 Monate Gefängnis, obwohl er schwer betrunken war, Schwester, Vater, Großvater und Urgroßvater geistesgestört sind resp. Ivarcn. 31. Genosse Fette in Halle a. S. vom„Volksblatt" von der Anklage wegen Majcstätsbeleidigung freigesprochen. Wegen des- selben ThatbcstandeS sind in Leipzig drei socialdemokratische Redakteure verurteilt worden. Februar. 19. Ein Postbeamter in Hainburg, der in Gesellschaft seines Stiefsohnes und in Civil einen Maifcstzng ein paar Minuten lang begleitet hatte, wird mit 19 M. Geldstrafe und Versetzung bestraft. 19. Das preußische Abgeordnetenhaus nimmt einen Antrag auf Bestrafung des KontraklbrucheS ländlicher Arbeiter gegen die Stimmen der Freisinnigen an. Die Regierung verspricht eine Vorlage im Sinne dieses Antrages noch in dieser Session einzubringen. 18. Eine Regierungsvorlage ivird ini preußischen Abgeordneten- hause eingebracht, die für die östlichen Provinzen die Erlaubnis zur Ansiedelung von der Ansiedelungskommission abhängig macht und damit die bürgerlichen Grundrechte der Polen aufhebt. 21. In Neisse, Breslau und Dresden hat man durch Saal- abtreibnng, angedrohten Militärboykott, Denunziation„eines lästigen Ausländers", Versnmmlungsverbot, Redeverbot u. dcrgl. in Summa sechs Versammlungen des Genossen Fröhlich-Wien, der Vorträge gegen den AlkoholiSmuS hält, vereitelt oder gestört. März. 16. Den Postbeamten in Magdeburg wird der Austritt aus dem dortigen Konsumverein anbefohlen. 19. Arbeit der Polizeischere bei den Gräbern der Märzgefallenen. Unter andrem zwei Bibclcitate und ein Citat ans„Wilhelm Tcll" abgeschnitten. 23. Beschwerde über die Auflösung einer Anarchistenversamm- lnng wegen Empfehlung des Generalstreiks zurückgewiesen ivegen„mit den Gesetzen unvereinbarer Ausnutzung des Koalitionsrechtes zu revolutionären Zwecken". 24. Staatlicher Terrorismus in Saarabien. 26. Verbot der Konsumvereine für Bahnbeamte in Magdeburg. Clnfrc Gegner. Januar. 1. Der Hannoversche„Volkswille" veröffentlicht einen Bettel- brief zur Gründung eines ReichSverbandes gegen die Socialdemo- kratie, an dessen Spitze General a. D. L i e b e r t stehen soll. 3. Biilows Reden gegen die Socialdemokratie werden von Landräten in Verschleiß genommen. 3. Der freisinnige'ReichstagS-Abgeordnete S e h b o t h wegen Wcchselfälschung verurteilt.(Sparer stellt sich heraus, daß S. die Kosten der Wahlagitation in Eschwege-Schmalkaldcn selbst decken mußte und dadurch in Bedrängnis geraten war.) 5. Der„Lokal-Anzciger" unterschlägt in seinen„Ausblicken und Wünschen führender Geister" eine arbciterfreundliche demokratische und antimilitaristische Antwort des berühmten englischen Gelehrten Alfred Russell Wallace. 5. Die Macher des„ReichSverbandes" sind u. a. die Abg. Beniner, Dircksen, v. Erffa. Hageinann, Hirsch, Pauli, v. NichtHofen, Schettler, Stocbmann, v. Tiedcmann. Vorster, v. Zedlitz. 6. Eine„sociale Geschäftsstelle für das evangelische Deutschland" zur Bekämpfung der Socialdemokratie gegründet. 9. Geplante Vernichtung der Socialdemokratie durch die Scherische Sparlottcric. 12. Die CentrumSnummer des„Siinplicifsimus" bcschlagnahnit. 14. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" teilt mit. das; Scherl persönlich von der„Sparlottcrie" zurückgetreten sei, wodurch ein Aufschub der zum 1. Januar 1995 geplanten Einführung des Prämieusystems verursacht werde. 22. LandtagS-Abgeordneter v. Zedlitz agitiert für das Plural- Wahlrecht. 23. Ccntrumsführer Bachem hält im Landtag eine Rede gegen das allgeineine gleiche Wahlrecht. 23.„Sehen Sie. der„Lokal- Anzeiger" kostet der Socialdemo- kratte jährlich 39 999 Wähler," soll der Minister v. Hammerstein nach dem„Dresdener Anzeiger" geäußert haben. 27.„Simplicissinius"-Debattc im bayrischen Landtage. 27. Die Wahlpriifnngs-Koinmission des Reichstages erklärt die Wahl des Genossen Braun in Frankfurt a. O. für ungültig, weil der Polizeipräsident seinen Namen unter den konservativen Wahl- aufruf gesetzt hatte. 28. Der Lüneburger Regierungspräsident v. Oertzen vergleicht in einer Rede die Socialdemokratie mit„Wasservcrpestern und Luft- verseuchern". 29. Wegen der Diktatur, die der Centrumspräsidcnt v. O r t e r e r in der„Simplicissimus"-Debatte des bayrischen Landtages ausgeübt hat. legen die liberalen Mitglieder des Präsidiums ihre Aemter nieder. 31. Die freisinnige Mehrheit der Berliner Stadtverordneten- Versammlung lehnt die von der Regierung verpönte Wahl von Socialdemokraten in die Schuldeputation ab. Februar. 6. Pfarrer a. D. Naumann wird tvegen Veröffentlichung eines gegen die Crimmitschauer Fabrikanten gerichteten Gedichts m der „Hilfe" von einein freisinnigen Parteigenossen gerüffelt. 16. Bei der Agrarierparade im Cirkns Busch verlangt Reichs- tags-Abgeordneter v. Oldenburg Ausnahmegesetze gegen die Social- demokratie und Revision des Reichstasg-Wahlrechts. 17. Fest der parlamentarischen Kriegsvcteranen.(Ehemalige Militärs des Reichstages und Landtages). 18.„Auf den Reichstag können Sie sich verlassen", meint Graf Ballestrem in einer Rede beim Festmahl des Landwirtschaftsrats. 24. Die Wahlprüfungs-Konunission des Reichstages erklärt die Wahl des Genossen Buchwald in Altenburg für ungültig, weil der Minister v. Helldorf dessen konservativen Gegenkandidaten v. Blödau mehrere Monate vor der Wahl für ungeeignet erklärt hatte. März. 2. Das Reichstagsmandat Eschwege-Schmalkalden vom Freisinn an die Antisemiten ausgeliefert. 17. Die„Breslauer Volkswacht" veröffentlicht ein vertrauliches Rundschreiben der Wahlrechtsräuber. Es wird darin gefordert: ein Wahlalter von 39 Jahren, 2— 3jährige Seßhaftigkeit, event. Plural- Wahlrecht oder ständische Vertretung. Eine russische Okkupatton, beißt es darin, würde ein gründliches Aufräumen bringen mit der Socialdemokratie, dem allgemeinen Wahlrecht, der Preß- und Rede- freiheit usw. 19. Sitzung des Centralverbandes der Industriellen in Berlin. Plan einer Centralstelle der Arbeitgeberverbände. 29. Redakteur Schack in Posen wegen Beleidigung des MajorS Endell, der 5999 M. aus der Kasse der Landwirtschaftskammcr „entnommen", 399 M. Geldstrafe. 24. Die freisinnige Berliner Stadtverwaltung hat den Genossen Stadtvv. Hoffmann und Augustin den Besuch des städtischen Obdachs verboten. Debatte darüber in der Stadtverordneten-Versammlung. 24. Chefredakteur Kropatscheck von der„Kreuz-Zeitung", der dem antisemitischen Reichstags-Abgeordneten Pastor a. D. Kröiell„schäm- lose Hetzerei" vorgeworfen, 399 M. Geldstrafe. 25., 26., 27. Im Prozeß des Kardinals Kopp gegen den„Gorno- slazak" in Benthe» erfolgen so ungeheuerliche Enthüllungen über den Terrorisnms von Ccntrunrsgeistlichen, daß Kopp die Klage eilends zurückzieht. 27. Die„Freisinnige Zeitung" wünscht vollständigen Ausschluß der Socialdemokraten aus städtischen Verwaltungsdeputationen. 29. Die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitgeber» Verbandes vorläufig geicheitert. Sociale 8treifli�?ter. Januar. 3. Die Alters- und Siechenversorgung der Stadt Berlin erweist sich als durchaus unzureichend. 5. Die Aussperrung der Töpfer beendet. 7. Pfarrer Schink-Crimmitschau veröffentlicht in der„Christlichen Welt" einen wütenden Angriff gegen die Ausgesperrten. 8. Vergleich im Droschkenkutscher-Streik. 9. In Oberschlefien sind 739 Lehrerstellen unbesetzt. Weit über die Hälfte der Schulklassen ist mit 89—159 Kindern überfüllt. 9. Verhandlungen in Crimmitschau scheitern an dem Widerstande der Arbeitgeber. 19. Das Pfarramt in Crimnntschau etabliert sich als Arbeits- willigen-Bureau. 19. Ende des Kampfes in Crimmitschau. 22. Die Crimmitschaucr Geistlichkeit erklärt sich mit dem Pfarrer chink solidarisch und mit dem Verbot der Christbescherung ein- verstanden. 27. Ein Veteran von 1866 und 1879 in Kreuznach, der wegen Bettelns zu fünf Tagen Haft verurteilt worden, begeht nach Ver- büßung der Strafe Selbstmord. Februar. 3. Die Crimmitschauer Unternehmer zwingen ihre Arbeiter zum Austritt aus dem Textilarbeiter-Verband und erklären:„Unsre Vorsicht als Terrorismus zu bezeichnen, wäre politische Kannegießerei, die uns nicht beirren kann." 7. Der Verband der Scharfmacher tritt mit dem Vorschlag der Gründung eines Allgemeinen Arbeitgeber- Bundes in die Oeffentlichkeit. 7. Die Stadtverordneten Genossen Augustin und Ad. Hoffmann veröffentlichen im„Vorwärts" eine Schilderung unerhörter Zustünde im Obdachlosenasyl der Stadt Berlin. 29. Die Aufnahme von Arbeitern in Crimmitschau wird von der Erteilung eines Scheins, ausgestellt vom Arbeitsnachweis der Unter- nehmcr, abhängig gemacht. März. 1. Die Vereinigung der Berliner Mctallwarenfabrikanten fordert ihre Arbeiter auf, sich als Nichtorganisierte in Listen einzuzeichnen. Die Eingezeichneten sollen im Falle einer Aussperrung von den Unternehmern unterstützt werden. 3. Wegen Verletzung der Arbeiterschutzbestimnmngen durch Unter- nehmcr sind 1992 5943 Personen verurteilt worden, davon 4845 zu Geldstrafen bis 19 M., fünf zu Geldstrafen über 299 M!, fünf zu Gefängnis. Durch Gcwerbe-Jnfpektoren festgestellte Zuwiderhand- lungen— 45 511! 8. 9. Der Heimarbeiterschutz- Kongreß enthüllt entsetzliche Zu» stände in der Heimindustrie. 19. Die Reichsregicrung hat die Einladung zum Heimarbeiter- schutz-Kongrcß abgelehnt und die östreichische Regierung gleichfalls in letzter Stunde zum Fernbleiben veranlaßt. 11. Terroristische Praktiken des schlesischen Verbandes der Tcrtil» industriellen. 16. Die Zahl der Unfälle im Bochumer Revier ist von 1835 bis 1993 von 77,9 auf 147,1 pro Mille gestiegen. 18. Masscnentlassungen von Bergleuten in Rheinland- Westfalen durch das Köhlensyndikat. 39. Weitere Entlassungen im Ruhrrevier. VevlcKiecleues. Januar. 6. In Sachsen tritt eine Aenderung des Gemeinde-WahlrechtS ein, weil die Socialdemokraten in Penig in die Mehrheit kamen. 8. Die sächsische Regierung veröffentlicht ihre Denkschrift zur Wahlreform. 12. Wiedereröffnung des Reichstages. 16. Eröffnung des Landtages.(„Deutschland m der Welt voran!") März. 11. Der„Vorwärts" meldet, daß man in Regierungskreisen die Auflösung des Reichstages für das Frühjahr 1994 plane. 22. Nach Meldungen einer Korrespondenz, die unwidersprochen bleiben, ist der Bau einer dritten Schlachtflotte geplant. Möbel- u. Nolsterwaren Fabrik RclcbcnbergerrtraTse 5. A® 3 Cfl tl I 2s 9 Kdcbeiibcrgerftraroc 5. �40 � 5000 in nur anerkannt gediegener Ausführung, auch einzelne Stücke, Empfehle Einrichtungen von Streng reelle und gewifsenhaste Bedienung. _ zu äusserst billigen Preisen. [46812*]' ZM- Coulanteste Zahlungsbedingungen. Geschäfts-Eröffnung.____ Allen Genossen, Freunden, Bekannten und den werten Kirchhofsbefuchern zur Nachricht, das; ich das Lokal von verrn Ott« Irrgang, Ripdorf, Hcrmannstr. 167, käuflich erworben" habe. Indem ich für gute Speifen und Getränke bestens sorge tragen werde, bitte ich, das meinem Borgänacr gcfchcnllc Vertrauen auch auf mich übertragen zu wollen. 199b" Hochachtungsvoll EhUI Schulze, Hernmußr. 167, früher Bergstr. 81. r Speise-Service für 6 und 12 Personen ron 4,50 bis 1185 Mark. mm Kaffee-Service für 2, 6 und 12 Personen Ton 1,585 bis 30 Mark. 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Dtllllßt Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, 2. April 1304. Die Politik des Kohlensyndikats und die Interessen der Bergarbriterschaft. Die Besitzverschievimgen im rheinisch-westfälischen Kohlenbergbau.— Zechen- Auskäuse.— Kohlenraubbau.— Stilllegungcn der Zeche».— Belastung der Gruben mit totem Kapital.— Steigerung der Produktionskosten durch die Aujkäuse.— Die Machtstellung des Kohlensyndikats gegenüber Streiks. Der durch die Beteiligungs-Festsetzungen des Kohlensyndikats veranlasste Aufkauf der kleineren Zechen des Ruhrkohlenreviers durch die grossen Bergwerksgesellschaften und die als Folge dieser Besitz- Verschiebungen unter den Bergarbeitern hervorgerufene Erregung hat in den letzten Tagen der Presse Stoff zu allerlei Betrachtungen über dre Wirkung der Syndikatspolitik geboten, und zwar wurde vielfach die zur Zeit grassierende Ankaufssucht der grossen Zechen als eine er,t neuerdings hervorgetretene Folgeerscheinung der Syndizierung der rheinisch- westfälischen Kohlenindustrie hingestellt. Der Fall zeigt wieder, wie wenig für die heutige Presse unter dem Einfluss der Konkurrenz und der Sensations- jagerci die wichtigsten wirtschaftlichen Vorgänge existieren; so lange diese sich unter der breiten Oberfläche entwickeln. mögen sie auch für die Zukunft die schwersten Gefahren in sich fchliessen. Erst wenn an allen Ecken und Enden die gefährlichen Folgen sich zeigen und in den von diesen bedrohten Volkskreisen auf kräftige Reaktionen stoßen, sind sie der Notiznahme würdig. Schon als im Juni vorigen Jahres der neue OrganisationSstatut-Entwnrf des rhemisch-westfälischen Kohlensyndikats bekannt wurde, machte» ivir wiederholt auf den als Folge der neuen Methode der Anteilsquotcn- festfetzung zu erwartenden Aufkauf der kleinen durch die grossen Zechen aufmerksam, so z. B. im Wirtschaftlichen Wochenbericht vom 26. Julide ganz bedeutend bemerkbar. In Zernsdorf hat die Gemcindewahl am Donnerstag unfern Parteigenossen einen erfreulichen Sieg gebracht. Aus den social- demokratischen Kandidaten Karl Schulz entfielen 29 Stimmen, auf den bürgerlichen Kandidaten dagegen 19 Stimmen. Der Sieg ist um so bedeutsamer, als die Socialdemokratie sich dies Jahr über- Haupt zum erstenmal an der Gcmeindewahl beteiligt hat. Bon» Zeitungsgrüllden. Durch die leichtfertige Begründung einer Zeitung ist anscheinend der Buchbindenncister Ehlert zu Storkow in den Tod getrieben worden. In Storkow, welches noch nicht 3000 Einwohner hat. giebt seit einigen Jahren der Bllchdruckcrei- besitzer Kruse den„Lokalanzeiger für Storkow und Umgegend" drei- mal wöchentlich heraus. Kruse hatte kürzlich einige Leute der Stadt angegriffen und sich dadurch deren Unzufriedenheit zugezogen. Sie wollten ihm nun eine Konkurrenz schaffen und überredeten den Buch- bindermeister Ehlert, der bis dahin in guten Verhältnissen lebte, vor einigen Wochen, eine„Storkower Zeitung" herauszugeben. Dieser ging darauf ein, schaffte sich Maschinen und Schriften an, verwendete viel Geld fiir eine Agitation, um sein Blatt einzuführen, und erzielte trotzdem keinen Erfolg, denn als vor etwa drei Wochen die erste Nummer erschien, hatte er kaum 30 Abonnenten. Ehlert hatte sich durch die Ratschläge seiner guten Freunde ruiniert. Er ist nun in seiner Verzweistuug nach Berlin gereist und hat von dort seiner Frau seine Wertsachen sowie noch 25 M. Geld mit einem Briese, in dem er mitteilt, er wolle sich das Leben nehmen, zugesandt. Seine Leiche wurde aber noch nicht gefunden. Jim der frauenbe�egung. Friedenau. Die Wanderversammlung des BildungsvcreinS für Frauen und Mädchen von Steglitz und Umgegend, welche Dienstag, den 5. April, bei Grube, Kaiser-Allee, stattfinden sollte, sällt diesmal aus. Die nächste Vereinsversammlung findet in Steglitz, Schloß- straße 117, bei Wahrendors am Donnerstag, den 21. April, statt. _ Der Vorstand. Vermischtes. Die verschollene„Discovery" aufgeftinden. Das englische Süd- polarschiff„Discovery", das im Dezember 1901 von Dunedin auf Neuseeland abgegangen war, ist am Karfreitag mit den Entsatzschiffen „Mornnig" und„Terranova", die zur Aufsuchung ausgeschickt lvaren, in Lyttclton(Neuseeland) eingetroffen. Die Auffindung durch die Entsatzschiffe ist am 14. Februar d. I. erfolgt. Die Entsatzschiffe waren am 5. Dezember des vorigen Jahres von Hobart(Tasmania) abgegangen. An Bord der„Discovery" wurden alle Teilnehiner beim besten Wohlsein und in ausgezeichneter Stimmung airgetroffen. Sie hatten sich den ganzen Winter über mit der Bearbeitung des gewonnenen wissenschaftlichen Stoffes beschäftigt. Von den Ergeb- nissel» des Unternehmens ist hervorzuheben die Feststellung, daß das Victoria-Land sich in einer Höhe von 9000 Fuß fortsetzt»md äugen- scheinlich eine ausgedehnte Festlands-Hochebene darstellt. Es wurde ein neuer Weg nach Westen aufgefunden. In eurer Höhe von 2000 Fuß wurde am Gletscher ein LebenSmittclvorrat niedergelegt. Ein Freiherr als Mörder. Ueber einen Doppelmord und einen Selbstmordversuch meldet der Polizeibericht von Nürnberg folgendes: In einem hiesigen Gasthofe erdrosselte ein zugereister 2Sjähriger Rechtskandidat, Vice-Wachtnreister der Reserve eines siiddeutschen Artillerie-Regiments, den halbjährigen Knaben seiner Begleiterin, einer 23jährigen Kellnerin aus Engelfangcn(Regierungsbezirk Trier), erschoß diese und brachte sich selbst einen lebensgefährlichen Schuß in den Kopf bei. Wie weiter aus München gemeldet wird, ist der Mörder ein Freiherr von W a p p e r. Nach dein ärztlichen Bc- funde wird er mit dem Leben davonkoimnen, doch die Sehfähigkeit auf beiden Augen verlieren. Freiherr von Wapper lvurdc Karfreitag schon gerichtlich vernommen. Es fand sich bei ihm ein Brief, den das Gericht an sich genommen hat. Die Pest. Der amerikanische Gesandte in L i in a ineldct, daß dort die Pest ausgebrochen sei und einen bedrohlichen Charakter an- nehine. In der letzten Woche seien 22 Pestfälle vorgekommen und gestern 4 Personen an der Krankheit gestorben.— Acht Farbige sind in Johannesburg unter pcstverdächtigen Erscheinungen erkrankt; zwei Eingeboreue sind gestorben. Ueber einen Eiscnbahnunfall Ivird amtlich gemeldet. Am Grünen- Donnerstagnachmittag um 7 Uhr 40 Minuten fuhr der von Gruiten kommende Güterzug 6831 auf den im Geleis 6 des Bahnhofs Voh- Winkel stehenden Güterzug 7249 auf. Eine Lokomotive und dreizehn Wagen find beschädigt. Zwei Zugbedicnstete sind unerheblich verletzt. Das Hnuptgeleis war 40 Minuten gesperrt. Die Personenzüge er- litten Verspätungen bis zu 70 Minuten. Die Schuld an dem Zu- sainmenstoß trifft den diensthabenden StationSbcamteir. Ein vcrschivundencr Berg. Aus Earibou iin Staate Main wird unter dein 31. März gedrahtet, daß ein soeben von Tiboque zurück- gekehrter Führer berichtete. der Bald Mountain(kahler Berg) in Neubrnmischlveig sei verschwimden. Die Stelle, wo der Berg früher stand,»verde jetzt von einem See mit schlammigem Wasser ausgefüllt. Man glaubt, daß das Verschwinden des Berges»nit dem Erdbeben, das niai: vor etiva 14 Tagen in Nenbraullschlveig und in den Ren- england- Staaten verspürte, in Zusammenhang zu bringen ist. Am F»tße des Vcrschiviindenen Berges traten stets heiße Quellen, offenbar vulkanischen Ursprungs, zu tage. Die Geschichte des Führers wird von einer Anzahl Waldläufern bestätigt. Dyilamit-Expkosion. In Pricebnrgh(Pennsylvanici») erfolgte in einer Dyiramitpatronen-Fabrik eine Explosion. 18 Personen, meist Arbeiterinnen, wurden getötet. Mocken- Spielplan der berliner Cheater. Königliches Opernhaus. Sonntag: Lohcngrin.(Anfang 7 Uhr.) Montag: Manon. Dienstag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Die»vciße Dame. Donnerstag: Die Hugenotten. Freitag: Der Waffenschmied. Sonnabend: Tristan und Isolde.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Margarete. Wontag: Der fliegende Holländer. Königliches Schauspiclhans. SoNntag: Faust."(Anfang 7 Uhr.) Montag: Götz von Bcrlichingcn.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Maria Stuart.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Götz von Bcrlichingcn.(Airfang 7 Uhr.) Donnerstags Wallcnsteins Lager. Die Piccolomini. Freitag: WallcnftemS Tod. Sonnabend: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Wilhelm Tell. Neues königl. Opern-Theater. Sonntag: Nathan der Weise. Montag: Fohannisnacht. Ichulrciterin. Die Dienstboten. Dienstag: Gold- sijche. Mittwoch: Die Regimentstochter.(Ansang 3 Uhr.) Donnerstag bis Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Doktor Klaus.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Geschlossen. Schiller- Theater O.(Wallncr�- Theater.) Sonntagnachmittag: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Sonntagabend: Kollege Crampton. Moirtagnachmitttag: Fcrrsol. Montagabend: Uriel Acosta. Dienstagnach- mittag: Don Carlos. Dienstagabend: Lumpacivagabundus. Mittwoch: Die Kinder der Excellenz. Donnerstag: Die Wildente. Freitag: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Sonnabend: Lumpacivagabundus. Sonniagnachmittag: Maria Stuart. Sonnlagabend: Lumpacivagabundus. Montag: Luinpaeivagabundus. Schiller-Theatcr lV.(Friedrich Wilhelmstädtisches Theater.) sonntaa- nachinittag: Ferrsol. Sonntagabend: Luinpaeivagabundus. Äontagnach- mittag: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Montagabend: Der Biblio- thekar. Dicnstagnachmittag: Iphigenie aus Tauris. Dienstagabend: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Mittwoch: Ferräol. Donnerstag: Ferrool. Freitag: Fcrreol. Sonnabend: Die Wildente. Sonntagnach- nnltag: Die Stützen der Gesellschaft. Sonntagabend: Heimat. Montag: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Deutsches Theater. Sonniagnachmittag: Monna Vanna.(Anfang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Rose Bernd. Montagnachmittag: Rosenmontag. Montagabend: Novella d'Andrca. Dienstagnachmittag: Monna Vanna. Dienstagabend: Rose Bernd. Mittwoch: Der einsame Weg. Donnerstag: Johannes. Freitag: Rose Bernd. Sonnabend: Der Pfarrer von Kirchscld. Sonntagnachiniltag: Es lebe das Leben.(Ansang 21/, Uhr.) Sonntagabend: Der Pfarrer von Kirchseid. Montag: Rose Bernd. Berliner Theater. Sonntagnachmittag: Alt-Hcidelberg.(Ansang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Zaza. Montagnachmittag: Ueber unsrc Kraft. II. Tell.(Ansang 20, Uhr.) Montagabend: Maria Theresia. Dienstag: Maria Theresia. Mittwoch: Zaza. Donnerstag: Waterkant. Freitag: Üllt- Heidelberg. Sonnabend: Die große Null. Sonntagnachmittag: Götz von Berlichingen.(Ansang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Die große Null. Montag: Maria Theresia. Lcssing-Thcater. Vom Sonntag, den 3. April bis Montag, den 11. April: Zapfenstreich. Neues Theater. Sonntag und Montag: Minna von Barnhclm. Dienstag: Pcllcas und Melisande. Mittwoch: Der Strom. Donnerstag: Atinna von Barnhclm. Freitag: Schwester Beatrix. Koketterie. Sonnabend und Sonntag: Minna von Barnhclm. Montag: Pelleas und Melisande. Theater des Westens. Sonntagnachmittag: Der Templer und die Jüdin.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Fledermaus. Montag- nachmittag: Die lustigen Weiber von Windsor.(Ansang 3 Uhr.) Montag- abend:-Stumme von Portici.(Rothmühl.) Dienstag: Der zerbrochene Krug. Mittwoch: Der Waffenschmied. Donnerstag: Stumme von Portici. (Rothmühl.) Freitag und Sonnabend: Die Prinzessin von Trapezunt. Sonntagnachmittag: Der Troubadour.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Prinzessin von Trapezunt. Montag: Die Jüdin. Luise»- Theater. Sonntagnachmittag: Das Schloß am Meer.(An- fang 3 Uhr.) Sonntagabend: Der Kausmann von Venedig. Montagnach- mittag: Kcan.(Ansang 3 Uhr.) Montagabend: Der Aktienbudikcr. Dienstag- nachmittag: Das Käkhchen von Hellbronn.(Anfang 3 Uhr.) Dienstag- abend: Der Verschwender. Mitwoch: Der Bettelstudent. Donnerstag: Der Zigcuncrbaron. Freitag: Ehrliche Arbeit. Sonnabend: Kohlenschulz'n von Berlin. Sonntagnachmittag: Der Kausmann von Venedig.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Ehrliche Arbeit. Montag: Unbeslimint. Rcsidenz-Thcater. Sonntagnachmittag: Cypricnne.(Ansang 3 Uhr) Sonntagabend: Die Empjehlung. Der keusche Casiinir. Montagnach- »nittag: Lutti.(Ansang 3 Uhr.) Montagabend: Die Einpsehlung. Der keusche Casimir. Dienstag und Mittwoch: Nathan der Weise. Don- nerstag: Vater und Sohn. Freitag: Nathan der Weise. Sonnabend: Vater und Sohn. Sonntagnachmittag: Lcontincns Ehemänner.(Ansang 3 Uhr.) Sonnlagabend: Die Enipsehlung. Der keusche Casimir. Montag: Die Empfehlung. Der keusche Casimir. Kleines Theater. Sonutag-nachmittag: Kollegen. Don Carlos. Serenissimus u. a.(Anfang 3 Uhr.) Sonntagabend: Des Pastors Ricke. Montagnachmittag:.Kollegen. Don Carlos. Serenissimus.(Ansang 3 Uhr.) Montagaben: Nachlas»»!. Dienstag: Nachtasyl. Mittwoch: Märtyrer. Elekira. Donnerstag: Des Pastors Nicke. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend: Des Pastors Nicke. Sonniagnachlnittag: Fanülienidyll. Kollegen. Don Carlos. Scrcnissinrus.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Des Pastors Ricke. Montag: Märtyrer. Elcktra. Trianon-Theater. Sonntagnachmittag: Madame X.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Das eiste Gebot. Der Dieb. Montagnachmittag: Madame X.(Ansang 3 Uhr.) Montagabend: Das elfte Gebot. Der Dieb. Diens- tag bis Sonnabend: DaS eiste Gebot. Der Dieb. Sonntagnachmittag: Madame X.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend und Montag: Das eiste Gebot. Der Dieb. Thalia- Theater. Sonntagnachmittag: Charlehs Ta»»tc.(Ansang 3'/, Uhr.) Sonntagabend: Der Hochtonrist. Montag bis Freitag: Der Hochtourist. Sonnabend: Der Verschwender. Sonntagnachmittag: Charleys Tante.(Anfang 3st, Uhr.) Sonntagabend und Montag: Der Hochtourist. Belle- Alliance- Theater. Sonntagnachmittag: Tie Räuber.(An- sang 3 Uhr.) Sonntagabend: Göttcrweibcr. Montagnachmiltag; Die Räuber.(Ansang 3 Uhr.) Montag-lbeno: Göttcrweiber. Dienstag bis Freitag: Götterweiber. Sonnabend: Der reichste Berliner. Ab Freitag: Freut Euch des Lebens.(Ansang l1',, Uhr.) sonntagnachmittag: Die Jungfrau von Orleans.(Ansang 3 Uhr.) Gart Weist- Theater. Sonntagnachmittag: Der Hüttcnbcsitzer. (Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die schöne Ungarin. Montagnach- mittag. Zlvci Frauen.(Ansang 3 Uhr.) Montagabend: Die schöne Ungar.n. Dienstagnachmittag: Maria Stuart. Sonnabcndnachmittag: Max und Moritz.(Altsang 4 Uhr.) Dienstag. Donnerstag und Somilag: Ein toller Einsall. sonuabeiid: Zwischen zwei Herzen. Sonntagnachmittag: Preciosa. (Ansang 3 Uhr.) Central-Theatcr. Sonntagnachmittag: Die Geisha.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend bis Donnerstag: Faeon Pamela. Freitag: Die Puppe. DieuStagnachmittag: Der Bcrtclstudcnt. Mittwoch und Sonnabend: Der gcsticsettc Kater. Sonnlagnachnrittag: Die Fledermaus.(Anfang 3 Uhr.) Tentsch-amcrikanischcs Theater. Allabendlich: Ucbcr'n großen Teich. Zlpollo-Thcatcr. Sonntagnachmittag, Moniagnachmittag nnd.allabcnd- lich: Frühlwgsluft. Spcciaittätcii. Anfang 8 Uhr, Sonntags 70, Uhr. Gebrüder Herrufeld-Theatcr. Allabendlich: Nur eine Nacht. Mctropoi- Theater. Allabendlich: Ein tolles Jahr. Ansang 8 Uhr. Sonnabend: Mein Leopold. Wintergarten. Täglich: Spccialitätcn. Easino- Theater. Sonntagnachiniltag: Wie einst im Mai. Montag- nachmittag: Der vertauschte Sohn.(Ansang 4 Uhr.) Allabendlich: Der Raub der sabinerinnen. Sonnabend: Wie einst im Mai. Passagc-Theater. Oskar Fürst. Lina Goltz. Ansang 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Palast-Thcater. Allabendlich: Der Muckcbold ilnd speeialitäten. ttrnilia-Thcater. Taubenstraße 48/49. Frühlingstage an der Rivicra. (Ansang 8 Uhr.) Verein der Wittstocker. Montag, den 2. Ostcrfeiertag, abends 6 Uhr: Ostcrvergnügcn im Englischen Garten. Alexanderstr. 27o. Kaufmännische Kranken- und Stcrbekassc von 18KS(E. H. 71.) SO. 16, Ncandcrstr. 4. Dienstag, dcn_ä April er., abends 9 Uhr, im Restaurant Frädrich, Alte Jakobstr. 89: Sitzung. Landsmannschaft der SchleStvig-Holfteiner. Sonntag, 3. April (t. O'terscicrlag), abends 7 Uhr: Feier des 12. Stisicingssestes(Prolog, Aufführung. Ball, Vorträge) in Feuersteins Fcstsälcn. Alte Jakobstraße 75. LandSIcnte, Gäste find willkommen. Grünau. Sonntag, den 3.»April(1. Ostcrlag), nachmittags 3 Uhr: Ocffcntliche Versammlung für Männer und Frauen im Saale des Herrn I. Duchauffour. Grünau, Köpenickerstr. 79. Tages-Ordnung: 1. Die Gründe des Streiks bei der Chemischen Fabrik Landshoff u. Meyer zu Grünau und die öffentliche»Meinung darüber. Resercnt:»Aug. Gebcrl-Charlottenburg und E. Benncwitz-Rixdors. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Arbeiter- Samaritcrkoloiiiie. Die Generalversammlung findet um- ständehalbcr erst Dienstag, den 12.»April, abends 9 Uhr, DreSdenerstr. 45 im Vcrcinslokal statt. Tagesordnung ivird noch bekannt gemacht.—»Am zweiten Feiertage findet ein Slusslug nach dem Grunewald statt. Ber- „aiilmwngsort spätestens 3 Uhr in Eichkamp(Werkstatt-Kantinc). «Weizen, gut D „ mittel gering 'Roggen, gut , mittel gering fGerste, gut mittel gering fHaser, gut »Nittel .. gering Richtstroh Heu Erbsen Speisebohnen Linsen * ab Bahn. Marktpreise von Berlin am 31. März 1904 »ach Erinittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. i i-t. r*—>-> � pc.(Ts(C) -Ctr. 17,60 17,52 17,44 13,00 12,96 12,92 13,80 12,80 11,80 15,00 13,90 12,90 4,— 7,50 40,00 50,00 60,00 17,56 17,48 17,40 12,98 12,94 12,90 12,90 11,90 11,00 14,00 13,00 12,00 3,66 4,80 28,00 26,00 25,00 Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch. Schweinefleisch Kalbfleisch. Hammelfleisch„ Butter frei Wagen und Eier Karpsen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse ab Bah». 60 Stück 1 ieg per Schock 8,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 4,00 2,40 3,00 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 6.00 1,20 1,19 1,00 1,20 1,20 2,00 2,80 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 SccialileniokFatisclier Verein für den . üerllneF Reiclistagswalilkreis. Den Genossen zur Nachricht, | daß das Mitglied, der Klcinpner Arno Winter verstorben ist. Die Beerdigung findet heute (l.Osterseiertag) nachmittags 4 Uhr aus dem Begräbnisplatz der Frei- religiösen Gemeinde, Pappel-Ülllee, statt. 240/9 Um zahlreiche Beteiligung er- sucht Der Borstand. llris-�Menlttssö der Klempner. Am 30. März starb nach langen Leiden das langjährige Vorstands- Mitglied unsrer Kasse, der Klempner Ärno Wintern Wir werden sein Andenken in Ehren behalten! Die Beerdigung findet am ersten Osterseicrtagc. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Frei- religiösen Gemeinde,»Pappel-Allee, aus statt. 203b Id«l- MMBBazawauvwwi Soeialtbokrat Wablverein LliBerlReielislaiswalilkreis. (Siirt-Ost.) Den Mitgliedern g daß unser Genosse, zur Nachricht, der Drechsler IFrite Maisch früher 84. Stadtbezirk, jetzt Reichende» gerstraße 21, gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am 4. April, nachmittags Ä Uhr, von der Leichenhalle im Äranlenhauje am Urban aus nach dem Thomas- Kirchhof statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Holzarheiter-Verhand.E Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, der Drechsler Friedrich Maisch am 30. März verstorben ist. Ehre scincin»Andenken I Die»Beerdigung findet am Montag, den 4.»April, nachinittagS um 2 Uhr, vom städtischen Kranken- Hause am Urban aus nach dem Thomas-Kirchhose statt. Um rege Beteiligung ersucht vi« Ortsverwaltung. ,»Allen Verwandten, Freunden! I und Bekannten zur»Nachricht, daß I unsre innigst geliebte Mutter,( � Schwester und Schwägerin l-ouise Gaede geb. Rüdiger nach langen, schweren Leiden im Alter von 55 Jahren saust ent- schlafen ist. Die Beerdigung findet am 5. März, nachiniltags 3 Uhr, vom Traucrhausc, Gcrichtftr. 63, nach dein Freireligiösen Friedhof statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß»neii» einziger Sohn, der Schriftsetzer Walter Haugk am Mittwoch, den 30. März plötzlich verstorben ist. 235b Die untröstliche Mutter AngUHte Haugk. Die»Beerdigung findet am 2. Feiertag vom Traucrhausc, sainariterstr. 5, um 12'/, Uhr nach dem Central- Friedhos in Friedrichsseldc statt. vanksaxunK. Sagen allen, besonders dein»Per- sonal der Firma Menzcnhaucr für die Teilnahine an der Beerdigung unsrer geliebten Tochter, Schwester und Braut Martha Przybysz Herzlichsten Dauk. 227b �»inNlo l'MZ'bj'Sis. Friedrich Onckow. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Klempner �rno Winter am 30. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. d.»Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Freireligiösen Friedhoses in der Pappel-Allee aus statt. Rege Beteiligung ivird erwartet. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bauanschläger Otto Haus�vatd am 30. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an: Sonntag, den 3.'April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Wilmersdorf Ber- linerstraße, aus statt. Rege»Beteiligung wird erwartet. Naehrnk. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Feilcnhauer Gustav Uichtenhcrg am 27. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken I 113/17 Die Ortsverwaltung. reichen Kranzspenden bei der Be- erdignng meines guten Sohnes Pritz Stappenbeck sage allen Kollegen der Firma Paul Singer u. Co., sowie der Firma Friffche u. Baumbach meinen herzlichen Dank. 236b Frau Klara Stappenbeck. Danksagung. Für die rege Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung unsres lieben Sohnes, Bruders und Schwagers, deS Uhrmachers 223b Zank sagen wir allen Freunden und Be- kannten, spcciell seinen Kollegen und Kolleginnen der Allgemeinen Elekiri- citätsgcsellschast(Saal 28 und 23), scincin Meister, Herrn Stenzcl, sowie dem Deutschen Metallarbeiterverband unjcrn tiesgcsühlten Dank. Familie Karl ZnnU. Danksagung. Für die rege Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben»Mannes sage ich allen Freunden und Bc- kannten, besonders dem Gesangverein „»Weddingcr Harmonie" und den Kollegen der A. E.°G. meinen herz- lichstcn Dank. 4787L Witwe Hagen nebst Kindern. �Jch habe mich 2166 Kommaudantenstr. 30 niedergelassen. Arthur Lehmann, praw. Zahnarzt. Hnnabmc-ötellen für„Kleine Hnzeigen". Osten: WengelS, Gr. Frankfurterftr. 133, H Gustav Vogel, Koppcnstt. 85. H. Ramm. Holzmarktstr. 48a. /Nordosten: I. Nenl, Barnimstr. 42. Norden: H. Naschte. Rügcnerstr. 24. Karl Mars, Kastanicn-Allee 95/96. E. Stolpenburg, Wiescnftr. 41/42. L. Dcchanb, Ruhcplatzstr. 24. H. Vogel, Demminerstr. 32. »A. Tiet>, Jnvnlidcnstr. 124. Nordwesten: Karl Anders, Salzwcdelcrstr. 0. fillidwevten: H.»Werner, Mittenwalderstr. 30. H. Schröder, Kreuzbergstr. 15. lSllden: St. Fritz. Prinzcnftr. 31. F. Gntschmidt, Kottbuser Damm 8 Südoaten: Paul Böhm, Lausitzcr Platz 14/15. Martin Mescha,»Adalbertslr. 24. »P. Horsch, Engel-User 15. Charlottenbnrg: G. Scharnbcrg, Sesenheimerstr. 1. Steglitz: H. Bernsee, Schloßstr. 115. Frledrleht-herg; O. Seikel, Kronprinzenstr. 50. * Kümmert, Florastr. 48. Rtzdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerhstr. 7. Conrad. Hermannstt. 50. Sehilneherß-: Wilh.Bä,»mler,MartinLulherstr.51. Wcissensec: W. Rcske. Gäblerslr. 46. Jul. Schillert, König-Chaussee 33... Merken Sie sich unsere Firma I Konfektionssllaus Merken Sie sich unsere Firma Z MAX FABISCH& Co. 5 Minuten vom 1/1 ,, 1K /�>l-»«5l100öO«Q'fra00fi 1Ä II � Eckhaus Invalidenstrasse Bahnhof Friedrichstrasse. It" LI» U V_>l IdLIooCC Oll ClOoC IT1 LI» U 2 Min. v. Ltettiner Bahnhof. Höchste Leistungsfähigkeif durch Gross- Betrieb im eigenen Hause.— Strengste Reellhät bei billigsten, festen Preisen. 3 VORZÜGE KENNZEICHNEN UNSERE FIRMA als leistungsfähigstes Spezial-Geschäft unserer Branche! Unsere enorme Unsere anerkannte Unsere billigen~ AUSWAHL. REELLITÄT. PREISE. 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An die Bevölkerung Berlins und Umgegend. Arbeiter und Hausfrauenl Zu den Ausgeveutetsten gehören die Bäckergesellen. Nicht nur, daß sie trotz des für sie geschaffenen Maxin, al-Arbeitstagcs noch imnier täglich 12, 13 und mehr Stunden beschäftigt werden dürfen, giebt eS für sie jahraus, jahrein keinen Tag. den sie voll uud ganz für sich in Anspruch nehmen könnten. Ganz gleich, ob Feier- tag oder Werktag, die Bäckergesellen müssen mit ge- wohnter Regelmäßigkeit zur Arbeit antreten. Obwohl während der hohen Feste deS Jahres ganz erheblich weniger Ware konsumiert und produziert wird als zu normalen Zeiten, hat doch der liebe Konkurrenzneid nur wenige Bäckermeister sich dazu auffchwingen lassen, ihren Gesellen eine Nacht freizugeben, den Betrieb einmal einen Tag ruhen zu lassen. Da dem weitaus größten Teile der Bäckermeister Einsicht nach dieser Seite hin mangelt, müssen wir auf andre Art fiir die Bäckergesellen eine Freinacht herauszuschlagen suchen. Seit Jahren hat sich deshalb die Organisation an den hohen Festen mit immer steigendem Erfolge an Euch gewandt, am zweiten Feiertage keine Backware zu kaufen, um so die Herstellung von Back- waren in der Nacht vom ersten zum zweiten Feiertage überflüssig zu machen und eine Freinacht fiir die Bäckergesellen zu gewinnen. Auch diesmal wenden wir uns wieder an Euch mit der Bitte, alle nötigen Backwaren schon an, er st en Feiertage ein- zukaufen. Wenn die Hausfrauen und Arbeiter uns mit der schon so oft geübten Energie unterstützen, so wird zumindest in den Arbeiter- vierteln gar bald ein jeder Bäckern, eister finden, daß in dieser Nacht die Backwaren-Erzeugung überflüssig, womöglich gar Verlust- bringend ist. Auch unsre jetzige Bewegung fordert die Einführung von nur drei freienTagen im ganzenJahre— sicherlich eine mehr als bescheidene Forderung. Darum nochmals: Deckt Euren Back- «aren-Eiiikauf heute, am 1. Friertage! . Meidet die Geschäfte der Bäckermeister am 2. Feiertage vollständig! Der Vorstand des deutschen Bäckerverbandes(Mitgliedschaft Berlin). Achtung, Leistenvergolder! Da sämtliche bei den Berliner Ring- fabrikanten beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, ca. 500 cm der Zahl, in den'Streik eingetreten sind, ist der Zuzug nach Berlin streng fernzuhalten. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Der Hauptvorstand des Verbandes der Vcrgoldcr Deutschlands. Achtung, Glasschleifer! Der Streik bei der Firma Salomonis, Alexandrinenstr. 97, ist durch Einigung beigelegt. Die Firma hat nachträglich weitgehende Zugeständnisse gemacht, so daß der Borstand keine Veranlassung mehr hatte, die Sperre noch weiter aufrecht zu erhalten. Es wird nunmehr an uns liegen, darauf zu achten, daß seitens der Firma auch beachtet wird, was sie uns zugestanden hat, nämlich keine Leute einzustellen, ohne Benutzung des Arbeits- Nachweises. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Glasarbeiter und-Arbeiterinnen. * Wir erhalten folgende Berichtigungen: Berichtigung zu der Bekanntmachung der Ortsberwaltung des Verbandes der Glasarbeiter und-Arbeiterinnen in der 1. Beilage von Nr. 77 des„Vorwärts" vom 31. März 1904. 1. Es ist unwahr, daß der Werkführer in meiner Glaserei, Herr Reimann, Leute als Schleifer anlernen wollte; dies iväre auch unmöglich gewesen, da Herr Reimann selbst nichts vom Schleifen versteht. 2. ES ist unwahr, daß dem Werkführer in der Glasschleiferci, Herrn Lorette, 70 M. geboten worden sind, falls er Leute als Glasschleifer anlernen wolle. 3. Auf die Darstellung der Entwicklung des Streiks, die ebenfalls verschiedene Unwahrheiten enthält, einzugehen, halte ich nicht für nötig, da der Streik schon seit Sonnabend, den 26. März 1904, beigelegt ist. Berlin L., den 2. April 1904. I. Salomonis, Alexandrinenstr. 97. Ich Unterschriebener erkläre hiermit die mir von den Glas- schleifern in Nr. 77 gemachte Beschuldigung, daß ich während des Ausstandcs ungelernte Arbeiter angelernt hätte, für unwahr. Mit vorzüglicher Hochachtung Richard Reimann, Werkführer. Metallarbeiter! Nach eingehenden Verhandlungen mit der Direktion sind die Differenzen in der Portland-Cementfabrik Rüders- darf, R. Guthmann u. Jeserich in Tasdorf geregelt. Es ist ein Vertrag abgeschlossen, durch welchen die Lohn- und Arbeits- bedingungen auf zwei Jahre geregelt sind. Ortsverwaltung Berlin des deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Geht nicht nach Grünau! Die Chemische Fabrik von Landshof u. Meyer in Grünau veröffentlicht im„Köpenicker Dampfboot" ein Inserat, wonach der Streik beendet wäre und nunmehr Arbeiter eingestellt würden. Wie man uns telephonisch mitteilt, dauert der Streik fort. Man lasse sich durch die Veröffentlichungen der Firma nicht täuschen. veutlcbes Kdd,. Die Aussperrung der Bauarbeiter in Königsberg ist am Donnerstag zur Thatsache geworden. Ausgesperrt wurden bis jetzt ca. 120 Bauarbeiter. Der Arbeitgeberbund für das Bau- gewerbe verlangt von ihnen, sie sollten zum Preise von 30 Pfennig pro Stunde arbeiten; invalide und sogenannte„minderwertige" Arbeiter sollen noch weniger erhalten!— Die Scharfmacherblätter werden in Kürze von einer Kraftprobe der— social- demokratischen Partei berichten._ Kein Bergarbciterstreik. Eine zahlreich besuchte Bergarbeiter-Versamnrlung beschloß, wie uns ein Privat-Telegramm auS Dortmund meldet, gegen einige Konzessionen von einem Streik abzusehen, weil die drohende Gefahr eines allgemeinen Bergarbeiterstreils ein- treten könnte. Ausland. Siegreiche Arbeiterinnenbewegung. Laibach, 1. April. 1500 Arbeiterinnen der hiesigen kaiserlichen Tabakfabrik inscenierten wegen Entlassung einiger Arbeiter sowie wegen der geplanten Einführung von Cigarettenmaschinen sowie andrer Maschinen große Demonstrationen, die aber später unterdrückt werden konnten, nachdem man den Arbeiterinnen die Bewilligung ihrer Forderungen versprochen hatte. Tie Aussperrung der Buchbinder in Dänemark. Am Mittwoch ist es in einer gemeinsamen Sitzung der Vertreter des Buchbinder- Verbandes, der Buchbinder-Jnnung und der Centralvereinigung der Buchbindcrmcister sowie der Vertreter des Verbandes der Gewcrk- schaftcn und der Arbcitgeber-Vereinigung für Kopenhagen zu einer Einigung gekommen, die eine geringe Erhöhung der Stunden- löhne für Gehilfen und Arbeiterinnen und eine Revision des Accord- tarifs auf Grundlage einer fünfjährigen Tarifgemeinschaft in Aus- ficht stellt. Für die Provinzstädte wurde jedoch keinerlei Einigung erzielt. Die Aussperrung dauert also in den Provinzen unverändert fort, während in Kopenhagen die Arbeit wahrscheinlich am 5. April wieder aufgenommen werden kann. Die Aussperrung in der Diamantindustrie. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern in Antwerpen haben zu folgendem Vorschlag der Arbeitgeber geführt: Vom 1. Oktober 1905 sollte der Arbeitstag auf SV, Stunden, vom selben Datum 1906 auf 9 Stunden herabgesetzt werden. Außerdem sollten sogleich 300 Lehrlinge zugelassen werden. Diese Bedingungen sollten jedoch nur dann eingeführt werden, wenn sie auch in Amsterdam Annahme fänden.— Die Vertreter der Arbeiter hatten sich ver- pflichtet, diese Vorschläge ihrer Verbandsversammlung vorzulegen. ohne dafür oder dagegen zu sprechen. Die Verbands- Versammlung, die am Donnerstag stattgefunden hat und so zahl- reich besucht war, daß viele keinen Zulaß mehr fanden, lehnte die Vorschläge in geheimer Abstimmung mit 1809 gegen 35 Stimmen ab. Der Streik wird also fortgesetzt.— Die Abstimmung zeigt deutlich, daß das Gerede der Arbeitgeber von den vielen Hunderten Arbeitswilliger imd von der Mutlosigkeit mtter den Streikenden nichts als Flunkerei ist.— Nach der letzten Mit- teilung in„Het Volk" arbeiten in Antwerpen 1711 Diamantarbeiter zu den Verbandsbcdingungcn, ivährend nur sehr wenige zu den Bc- dingungen der Arbeitgeber thätig sind. Witternngsübersicht vom S. April 1904, morgeuS 8»Hr. Stationen LS tu ffl— Swinemde. Hamburg Berlin Frankj.a.M. München Wien .= c 8 I 768 WSW 763 SW 762 W 768 SW 769 W 766 W Wetter wss «iS, f» öt 2 heiter 4hciter Zwollenk 2 wolkenl 2Schnee 8 wollig Stationen »=■ Haparanda Petersburg Cork Slberdeen Paris 4 s 5 i«■ 771 Still 772 Still 770 SW Wetter wolkenl wölken! 2 bedeckt et« d% » II =? W?o -14 —8 Wetter-Prognose für Sonntag, den 3. April 1904. Vielfach heiter, am Tage etwas wärmer, jedoch unbeständig, mit leichten Negensällen und mäßigen südwestlichen Winden. Fiühjalu-Anzüge 18 m. 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Nachm. 3 Uhr: Fcvreol. Dienstag: LumpacivagabunduZ. Nachm. 3 Uhr: Don Carlos. Schiller Jf.(Friedrich-Wilhelmstädt) Lumpacivagabundus. Nachm. 3 Uhr: Ferrvol. Montag: Der Bibliothekar. Nachm. 3 Uhr: Der Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Dienstag: Der Geizige. Hierauf Der eingebildete Kranke. Nachm. 3 Uhr: Iphigenie aus Tauris. Kleines. Des Pastors Rieke. Nachm. 3 Uhr; Kollegen. Don Carlos. Serenissimus. Montag: Sßachlasyl. Nachm. 3 Uhr: Kollegen. Don Carlos. Serenissimus. Dienstag: Nachtasyl. Luisen. Der Kaufmann von Venedig. Nachm. 3 Uhr: Das Schloß am Meer. Montag: Der 2lktienbudiker. Nachm. 3 Uhr: Kean. Dienstag: Der Verschwender. Nachm. 3 Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. Trianon. Das eiste Gebot.— Der Dieb. Nachm. 3 Uhr: Madame Zc. Montag: Das eiste Gebot.— Der Dieb. Nachm. 3 Uhr: Madame Zk. Dienstag: Das eiste Gebot.— Der Dieb. Carl Weist. Die schöne Ungarin. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nachni. 3 Uhr: Zwei Frauen. Dienstag: Ein toller Einfall. 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Thalia-Theater. Belle-Älliance-Theater. Dresdenerstr. 72/73. Amt IV 44-10. Ans. 8 Uhr. Direktion Jean Kren Am 1. und 2. Osterfciertag, nachmittags 3'l, Uhr: Charleys Tante. Abends VI, Uhr: Der Hochtourist mit neuen Gesangseinlagen. Guido Thielscher iii der Titelrolle. Bcllc-Allianccstr. 7/8. Amt VI 283. und Alfred Sohönfeld. Ans. 8 Uhr. Am 1. Ostcrseiertag, nachm. 3 Uhr: Die Känber. Am 2. Osterseiertag, nachm. 3 Uhr: Hlntter und Sohn. An allen 3 Osterjeiertagen, V-j, Uhr: Götterweiber. Letzter Sonntag!__ Cirkus Sehnmann. Sonntag und Montag, den beiden Osterfcicrtage«, S'/s und?>/» Uhr: Je£ gr. Extra- Vorstellungen. Nachmittags hat jeder Erwachsene ein Kind frei, weitere Kinder zahlen halbe Rreise. Nachmittags; Robert und Bertram'5ber fti3cn Höchst komische Pantomime in 4 Abteilungen. Clown Gontard j Aug. Cottrell mit dressierten Tieren.| mit seinen Miniatur-Hunden. In beide» Vorstellungen: Herr Jnl. Seetli 25 Kaiserlöwen. Direktor Alb. Schumanns neue und moderne Dressuren. Ringkampf. Parodie des Clowns Cottrel 1. Abends: Babel. Große Äusstattuiigspantomimc in 11 Abteilungen. ljeutzeh-iMckMeh�' TöW. Köpnickerstr. 67. Stat. Jannowitzbr. Heute und folgende Tage; Gastspiel Adolf Philipp: .Mg gm H." Anfang 8 Uhr! Ende 10 Uhr 30. Apollo-Theater. Ostersonntag und Ostermontag, nachmittags 3 Uhr, ermässigte Preise: Frnlillng-sluft. Vorher: Neue Specialitäten. Abends: Premiere: LiiebesgUttcr. Ostermontag: Clebcsgiittcr. Vorher: Das grosse April-Specialitätcn- Programm. Trianon-Theater. Georgenstraße, zwischen Friedrich» und Univcrsitatsstraße. Ostersonntag, nachmittags 3 Uhr: /Madame X. DS" Abends 8 Uhr:-MM Das elfte Gebot. Hieraus: Der Dieb. Ostermontag, nachmittags 3 Uhr: Madame X." Abends 8 Uhr: Das elfte Lebet. Der Dieb. Dienstag: Das eltte Gebot. Der Dieb. Carl Weiss-Thealer. ßürgcrUcbcs Schauspielhaus. Direktion M. E. Fischer. Grofte Frankfurter Strafte 132, Nachmittags 3 Uhr kl. Preise: Der Hüttenbcsifter. Abends V/, Uhr: Gastspiel des Herrn F. Beckmann. Die schöne Ungarin. Gesangsposse in 4 Akten o. Mannstädt und Wellcr. Morgen 3 Uhr: Zwei Frauen. Ab. 71/, Uhr: Die schöne Ungarin. Dienstagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends 7ll, Uhr: Ein toller Einfall. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. Vlr An allen Festtagen nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr: Das neue glänzende Feiertags- Programm. GoedickederGreifenbergerT.Jhekla"! Neu!„The Bernos" zum erstenmal in Berlin. Dazu: „lto Raub der Sabinerinnen". 1. Feiertag 4 Uhr:„Wie einst Im /Mal". 2. Feiertag 4 Uhr:„Der vertauschte Sohn". I Direktion: Robert Dill. Bronnenstrasse 10. 1. Osterseiertag: Kabale und Liebe. 2. und 3. Osterseiertag�: Stadt und Land oder: Der Bich- Händler aus Oberöstrcich. Anfang 1. und 2. Ostertag 7'/, Uhr. 3. Ostertag: 8 Uhr. Entree 30 Pf. Am 2. und 3. Feiertag: Grosser Festball. Gossmanns Feslsäle SW., Rreuzliergstr. 48. Am 2. Feiertag: Gr. Extra• Fest• Ball. 1776] Ansang 4 Uhr. Am 3. Feiertag: Gr. Extra- Fest- Soiree d. Organs Künstler- u. Specialitäten- Ensembles. Neu! Extra-Programm. Ans. 8 Uhr. Entree 20 Ps. Nachher: Boll. Gebrüder Herrnfeld- Theater. An beiden Osierfeiertagen: Ansang der Vorstellung präcise 8 Uhr: Kur eine Kaetitl 2 Akte aus einer Ehe. Komödie von A. und D. Hcrrnfcld mit den Autoren in den Hauptrollen. Im Künstlertcil u. a. Bendix als „Monna Banna". Dienstag, den 5. April: Premiere"WU von AmsuliernUargeu! Nachspiel zu„Nur eine Nadst!" Komödie von A. und D. Herrnseld. Personen: Willi Waldhcim.. Donat Herrnfeld Walli Waldhcim.. Poldi Ruß Erich Rahndolf... Joseph Ztschingcr Dambitsch...... Fcrd. Grünecker Silberling...... Eugen Neutert Aschgrau...... Jacques Morway Frau EiSncr.... Hedwig Wiese EiSncr, deren Mann Gustav Gollbach Hedwig....... Angelika Frey Lotte......... Else Gresnn Susi......... Julia Loibl-Hahn Tuschek....... Anion Herrnfeld Ein Dienstmann.. Jos. Engler. Spielt in Waldhcims Wohnung. pWZSgö-IIiegKs. Das glün.ende Apn! Programm Anfang an allen 3 Feiertagen nachm. 3 Uhr, an Wochentagen 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Osker Fürst Humorist. Lina Golz Vortragskünstlerin. 14 erstklassige Nummern. Keues Programm. Kellino-Truppe Italienische Akrob. Littke Darisen Im Ball-Foyer. Paul Conchas In seiner Scene im Bivouak. Robinson Baker-Trio Springer. Cincinati Jongleur. Helene Land Vortrags-Soubrotte. Gostantino ßernanli V erwandlungsschauspieler. Siegwart Gentes Humorist Orfords Wunder-Elefanten. Peschkoff-Truppe RussischeTänzer. Die Blumenkönigin Xanzdivertissem. Biograph. IX. Berliner Saison.■■QHBSBBSSI Cirkus Busch. Am Sonntag, den 1.» und Montag, den 2. Feiertag: 2 grosse(Zala-VorstellunKen Nachmittags 4 Uhr und abends 7II, Uhr. Nachmittags 4 Uhr: 1 Kind frei, sosern es ein angehörigeS ist-, weitere Kinder aus allen Sitzplätzen halbe Preise. In beiden Vorstellungen: Austreten sämtlicher Clowns mit neuen Witzen und Späßen. Vorführen und Vorreiten der besten Schul- und Freiheitspserde. Das letzte Wort!!!« Sehleile unil Toilessprimg VnipT An beiden Feiertagen: Nachmittags 4 Uhr- Kertulkr Wiuttrfteuden. An beiden Feiertagen: Abends Z|..c Zl Bemerkenswert: 7'/, Uhr:?VUV vtll Alfkll. Der Automobllstnrz. An beide» Feiertagen abends 7'l, Uhr: Große internationale! Ringkampf-Konkurreuz um die Weltmeisterschaft.— Die besten Ringer der Welt. Es treten in Konkurrenz: 1. Feiertag: Glemont le Terrassier, Belgier, gegen Sauerer, München. Peyrouse, Valerie!a. gegen Pisrard le Dolosse, Frankreich. 2.„ Jacob Koch, Deutichland, gegen Sauerer, München. Clement le Terrassier, Belgien, gegen Dirk v. d. Berg, Holl. 3.„ Paul Belling, Berlin, gegen Omer de Bouillon, Belgien. Heinrich Eberle, Dcutschl., gegen August Robinet, Frankr. f�UnteT�enT Protektorat Ihrer königlichen Hoheit der Frau Prinzessin"p Friedrich Leopold von Preussen. Ausstellung für Kindcs-QIoblfahrt � im AussteUungshause der„Berliner Secession" und in den Gartensälen des Theater des Westens. Eintrittsgeld 50 Pf. An Elitetagen 1 31. ____ Schlnss der Au** Ü- 2 L---- � �____ � Ganswindt's Luftschraube, in ihrer neuen riesigen Ausführung zur Besichtiguug durch Gericht und Sachverständige aufgestellt, kann jetzt für kurze Zeit tägl., auch Feiertags, von 10 Uhr vorm. bis 6 Uhr nachm. für 5» Pf. Eintrittsgeld, zur Deckung der Prozeßkosten, in GanSwindt's Etablissement in Schonebcrg besichtigt werden, bis sie in die noch in Arbeit befindliche Gondel einmontiert tvird. Bernharii Rose-Theater Gesundbrunnen. Badstr. 58. Sonntag, 3. April(1. Osterseiertag): Der Raub der Sabinerinnen. Ansang 7 U h r. Montag, 4. April(2, Osterseiertag) ?echschulze. Ansaug 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Grosser Ball. Dienstag, den 5. April: Die Haubenlerche. 'Anfang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Gr. Ball. Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Gastsp. d. Bernhard-Rose-Theaters Sonntag, 3.'April(1. Osterseiertag): Die Haubenlerche. Ansang 6 Uhr. Montag, 4. April(2. Osterseiertag): Br. Wespe. 'Ansang 6 Uhr. Nach der Vorstellung: Gr. Ball. Dienstag, den 5. April 1901: Pechschulze. Anfang 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Gr. Ball. ksisst-IdöAter Burgstrafte 22, früher Feen-Palast. Heute 3 Uhr, halbe Kassenpreise: I>on Cäsar. Schauspiel mit Gesang in 5'Akten von Saar. Speclalltitten-Vorstellung Abends 8 Uhr: Zankteufelchen. Operette v. Linderer. Musik v. Kolle. phänomenale Specialitäten. Oer /VTuckebokl. Schwank von Gustav v. Moser. Muck, Rentter: Direktor R. Winkler. Montag, 4. April, mittags 12 Uhr: Batlnee. Abends 8 Uhr: Grofte Festvorstellung._ Sanssouci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Am 1. und 2. Feiertag: Humoristische Soiree BotRnanns Norddeutsche Sanger. Am 1. Feiertag zum 1. Mal: Beim kahlen Willem. Possen-Ensemble m.Gesang Am 3. Feiertag: Bas bemooste Haupt, Schauspiel in 4 Akten von Benedix. Am 1. u. 2. Feiertage Anfang: Konzert 5 Uhr, Vorstellung 7 Uhr. Am 3. Feier- tage: 6 Uhr. Vorstell. VI, Uhr. Am 2. und 3. Feiertage nach der Bor- stellung: Tanzkränzchen. Urania Wrangelstr. 10/11. Am 2. und 3. Feiertag Grosser Ball. Ansang an beiden Tagen 4 Uhr. C. F. Waltor. Fröbels illeriei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. 'Am 2. Ostertag 5 Uhr: Karburger Sänger. Extra-Fesf-Tanz. Am 3. Ostertag 7 Uhr: Harbnrger Sänger. Nach der Borstellung: Groaiser Extra-Tanz. Arnold Scholz Hasenheide Vo. 108/114.| Sonntag, 3. April(1. Osterseiertag)( I. Gr. Promeuaden- g Konzert t DV" In» Garten. d Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf.£ Montag, 4. April(2. Osterseiertag):» Militär-Dopptl-Klintkrt.d Nach dem Konzert: Ö Grosser Fest-fiall. I iW 2 Ball-Orchester,-»ß l In den hinteren Sälen von 4Ubr ab: p Qrosser Ball* Dienstag, 5. April(3. Osterseiertag) d Im großen Festsaal:» pgf- Ball bei stark besetztem Orchester. d IIGermaniaPrachtsälel Chausseestr. 103. Arnold Scholz.£ Sonntag, 3. Zlpril(1. Osterseiertag)? | Vokslkonzerto (» des("9 itGesaagvereins unter Mitwirkung der Bambnrger Sllngcr.? Anfang 6 Uhr. q »Montag, 4. April(2. 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Platz 20 Ps., Stehplatz 40 Pf. An jedem Sonn- und Feiertag, nachmittags: Ausstieg mit dem Ricsen- Lustballon„Ascension". Ansang der Füllung vormittags 8 Uhr. Passagiere, welche gewillt sind, mitzusahrcn, wollen sich melden. Preis der Mitfahrt 5V M. Dieselbe ist Freifahrt und steigt der Ballon einige tausend Meter hoch. Kapitän Joseph Strohschneider, 242b preisgekrönter Meisterschasts-Turmseilkünstlcr und erster östreich. Luftschiffer. Achtung! Achtung! Gcwcrkrcbaftcn und Vereine. Tanzlehpepvepein„Solidapitat11 (gegründet 1892) empfiehlt sich hierdurch bei vorkoinmenden Festlichkeiten. Bestellungen sind zu richten nach dem'Verelnslohal. Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15, am Büffet. Tagung: Jeden Freitag, abends 9»Hr. 20O12 Der Vorstand. Vtdoria-Säle««TV Empfehle den geehrten CSSIa(Platz für 1500 Personen) �ca' 400 Personen) kür die Vereinen meine« x- sowie«•»»* Wcal Sommersonntage.— Ver- eins zirnmer für 60 Personen.— Auch steht den geehrten Damen die Kaffeeküche zur Verfügung. 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Osterseiertag), in den Gcsamträume» des Gcwcrkschaftslianses (Engel-User 15) Kommers Festrede, wird zu ehren der Delegierten des HUgetnelnen Kongreffee für fUbrleute, Gefchirrf übrer, refp. aller im privaten Cransportwefen beschäftigten Hrbeiter bestehend in 67/15 lumoristischen Vorträgen, Gesang und BALL.'MW ausgeführt von stark besetzten Kapellen des„IVenen Berliner MF* Konzert, Sie Konzert- und Ballmusit linnaert-Dreliesters" l Die Gesangsaustührungen werden vom, geführt.— Auftreten des berühmten„Berliner Ulis-Trio", sowie der preisgekrönten„Tire tiiree ilacktons", Kraft-M clangc-Akt.— Anfang dcS Konzerts im grotzen Saal abends 8 Uhr.— In den unteren Sälen von 8 Uhr an Tan«.— Billcts: Damen SO Pf., Herren 50 Pf. inkl. Tanz, stnd zu haben in den Zahlstellen, sowie bei den bekannten Kollegen. Um zahlreiche Äcteiligung bittet Das Kon.Uee. AM" Gleichzeitig diene den Kollegen zur Nachricht, dap der Zutritt zuni� Hongrctis, welcher am 2. fteicrtag«(mit Ausnahme der Vormittags-Kirchzcit) und Folge im—'~ r tagt, für Jedermann frei Ist, soweit der Raum es ermöglicht. '(M. d. C.-V. d. Civil-Berussmusikcr) unter Leitung des Herrn Bnd. Tiet«. !rden vom Gesangverein„Süd-West"(Mitglieder unsrcs Verbandest aus- Das Kougrest-Komiteo. �.rbeiter-SAaxei'buncl fkerUnüi nnd Hinlegend. sonntag» den 10. Hprü, vorm. u Ubr, in der Brauerei friedneböbain; Uebnng'is- �tnnile. Achtung! Bautischler! Dicustag, den 5. Zlpril 1904, vormittags 10 Nhr: aal von Keller, Koppenstrafie S9. i Der gegenwärtige Stand unsrer Sohnbewegung in Serlin und den Vororten. 2 DMussi»». � si/is Der Obmann: C. Reiche._ Der«anrorstand. I. A.: Stnsche. Nutzer Berlins und der Vororte. Dienstag, den 5. April(3. Osterfelertag). nachm. 4 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: UM" Oeffentliche Versammlung."WK TagcS-Ordnung: Ist die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit für unser Gewerbe zu einer Notwendigkeit geworden? Der Uinhern5er. Die Beerdigung des Kollegen Eichler sindek nicht wie am Freitag angegeben um 2'/, sondern um 4 Uhr vom städtischen Krankenhaus am Fricdrichshain aus statt. 133/11 ZUM Licht" von Utbmann.Frühlingsstürme" Pünktlich und vollzählig erscheinen 1 Lieder:„Gruß an den Mai" von Voigt,„Mahnruf" von Greiner,„Gelübde" von Blaufuß,„Empor von Schulten,„Bruderlicd" von Host. Buudeskarte legitimiert. 1 in Wcbensaaic vormittags prttclse lO Uhr; Ausschuss> Sitzung. Tages-Lrdnung: 1. Ausnahme von Vereinm. 2. Stellungnahme zum Antrag der Lied crgemeinschaft. 3. Maiseier. 4. Bundesangelegenhcitcn. 16/4 NB. Die oben verzeichneten Lieder werden am 1. Mai gesungen. Es ist also unbedingt notwendig, dies« Lieder im Verein zu üben und vollzählig in der Bundes-Uebungsstundc zu erscheinen. Der Vorstand. M" i-Ordnung: Nieder'Sehöneweiiie. Restaurant„Kleiner Kyllhäuser". Eiiivsehlc mein herrlich gelegenes Lokal zn den bevorstehenden Partien. Kaffee" Kamilic» können Billige Preise. Um geneigten Zuspruch bittet affce loche». Gut gepflegte Biere. Gute Küche. 217b dtaiins Fischer. Närkiseher Kof, jldtniralstr. 13c. SHIe, 150 bis 500 Personen fassend, und 4'Vereinsiiimmer. Der kleine Saal ist Sonntags, der groß« an den Sonnabenden bei freiem Orchester an Vereine zu vergeben. 4730L" Jeden Sonntag:<4 rosser Ball. Starkes Orchester. Ansang 5 Uhr. ___ Hochachtungsvoll_ Frltae Schal«. Dampfschiffs-Reederei Ködert Tlsmer Nieder-SchSnewoide Tclcph. Nr. 14 Empfiehlt seine Salon- Dampfer den verehrten Vereinen. Gesellschaften, Schulen ec. zu Ausflügen nach der Obcrspree zu soliden Preisen.— Näheres zu erfragen im Restaurant/, Uhr, im Englischen Hos, Neue Roßstr. 3. Sonnabend, den 9. April, abends 8>/, Uhr, bei Johann Kaiser, Pslugstr. 6. Achtung! Mittwoch, den 6. April, abends 8>/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- User 15, Saal I. ZU«I«4*<- Sonnabend, den 9. April, abends 8'/, Uhr, im puuwr-lunuujr. GcwcrkschastShausc, Engel-Uscr 15, saal 7. Linolennileger u. Seppichnöher. WtlgtN-Krllttdjt. dantenstraße 65. April, abends 8-/, Uhr. bei � Entree inkl. Urogramm 49 81.__ Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Ps.�nach. Eröffnung 6 Nhr. Anfang 7 Mittwoch, den 6. Augustin, Lindcnstr. 69. MMM-Srmche. Ma°iSi Setti«, ffjarkttrolinrj. SrÄÄiKd"»» Tagesordnung in allen Bcrsammlungen: , Gericht uud ilttttotihl der Krtindien-Leitiing." JedeS Mitglied muft unbedingt znr Stelle sein. 156/14_ Die OrtSbcrwaltung. Sonntag, den 3. April(l. Ostcrscicrlag), im Gewertschaftöhanse. Engel-User 15: Kouiert uud Vortrsgsslieud. Uhr. Das Bergniigungs-Komiiee. __ I. A.: W. Tuschke, Michaellirchstr. 28, H. r. IV. Achtung Z Gesellenaussohüsse, Innungssohiedsgerichts- Beisitzer, Beisitzer zur Handwerkskammer. Versammlung; am Mittwoch, den O. April 1004, abends 8'/, Uhr. Im Gewerkschaftshanse(Saal 7). TageS- Ordnung: 1. Aus welchem Grunde verlangen die Jnnungeu ein besonderes EinigungSamt? 2. Diskussion. 3. Verschledencs. Gewerbcgcrichts-Bcisitzcr sind als Gäste willkommen! �WW Der AuSschuft der Berliner GcwerkschastSdRommisston. 156/12 ünehhinder-Mnner-chor. Zl. d. A.-S.-B. Am 8. April(ersten Osterfelertag: ss Jeier des IS. Stiftungsfestes zz. in A. Wcndts Indastric-FestsUken, Beuthstrafte 19/20. Eröffnung 5 Uhr. Anfang präc.« Uhr. Programm 30 Pfennig. ES ladet alle Freunde und Gönner des Vereins ein 28/18 Der Vorstand. Achtung! Kürschner, Mütztnmlitljtr, Zurichter uud Färberti-Arbeiter. Vom 1. April ab befindet sich unser ArbeltsNachlvets nicht mehr Landwchrftr. 11, sondern 26 Im Restaurant des Genaffen Karl Spät. BStr richte» an alle Berufs» kollegen die Bitte, durch regen Besuch im neuen Lokale diese» zum Kiirschnerhcim aller Berliner Kürschner zu machen. Alle ein» schlügigen Fachzeitungc» liegen aus. Der Arbeitsnachweis ist bis 9 Uhr abendS geöffnet. 102/9 Zahlabend jeden Sonnabend von 8 bis Ii» Uhr. Deutscher Kürschner-Verband. Zahlstelle Berlin. Centrai-Verein der Bildhauer Dentschlands. Vei-wnUnngsstelle Berlin. Die für den 3. Osterfelertag geplante Exkursion nach der königlichen Porzellan-Manusaltur findet nicht statt. 20/10 Die Vereinsversammlungen finden von statt und werden pünktlich um Sll, Uhr t fetzt ab .öffnet. jeden Donnerstag Donnerstag, den 7. April, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause» Engel-Uscr 15,«aal 1! VereRNS-VersammluvK. TageS-Ordnung: �, 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Dr. Osborn liier: Konstantin inennler, ein Maler und Bildhauer der Arbeiterwelt, — Vortrag mit Lichtbildern. 3. Verschiedenes. pf GSste, auch Damen, willkommen. USL Zahlreichen Besuch erwartet Der Topstand. Mrantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer&» Maschinen und maschinellen Vorrichtungen — gegen Beschädigungen= zu übernehmen, werden gebeten, sich an die Direktion der Kölnischen Unfall- Versicherungs• Aktien- Gesellschaft in Köln 2U wenden. S chlaffliöbel ♦ Kinderwagen. Kinderwagen in elegantest Fahon v. 8,— M. an. Sportwagen von 3,7fi M. mnr* Kinderbettstellen von 7,— M. Metallbettstellen für Erwachsene von 5,— M. Polwterwaren aller Art. A. Techtow, Neander-Strasse 12. Grösstes Kaufhaus des Nordens für Herren- und Knaben-Bekleidung ___ 18 Scbanfenater Front QrSsste Auswahl, streng reelle Bedienung festen Preisen. bei 33751,'» billigen, ! Moritz Gross, Kastamen-Allee42.| Wei�ichaufdieiMlnaersübezielM�eidi� Villm- Kolonie" jtieder- Sebönhausenl Baustellen in schönster Lage Nieder-SchönHausens an vollständig regulierten Swaßcn mit Gas- und Wasserleitung: nur hochliegcndcs, ! trockenes Land. PSv LZ-R. V0N 85 M. UN. 46192'[ Auskunft jederzeit im Bureau, Kaiserweg 3, Nieder-SohSnhausen. 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Gesperrt sind folgende Werkstätten: Kstbuse, Admiralstraße 18. 186/13 Maas:, Lichtenberg, Hagcnstraßc 55. Fachvercin der Tischler Berlins und Umgegend. VMniI öer Vergoliler uod verwandten Berufspossen Centraivorstand: Heinrich Späthe, Vorsitz,, Berlin NW., Wilsnackerstr, 39. Adjtiiitg! Feisteuoergoldtt! Als gesperrte Fabriken, wo Arbeit ür Ringfabrikanten hergestellt wird, ind noch folgende Goldleistensirmcn nachzutragen:_,„. Ouczinski, Weißense-, Streustraßc. Hilgendorf, Andreasstraße. Grussan& Heinrieh, Warschauer- Behrendt, Biesenthalcrstraße. Weslphal, Elisabcthstraßc, Geissler& Bültner, Löwestraße. Schmidt 4 Braune, Kotlbus, Damm. Probst, Barnimstraße, Der Vorstand 225/8 des Verbandes der Vergolder. Nttantw. Redakteur! Paul Büttner, Berlin. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanjtakt Zaul Hinger Le Co.. Berlin SW.