Nr. 81. 21. Jahrg. Ndonnementz-keSIngungen: �.vJ�f Dlt InlcrHons-Gebüftr zimements. Preis pränumerando: I IVDI.�SOB�J T�MT�P�tBg f«N fl�lf gB ��99RH�sEm|| 1* vetriigt für die sechZgespaltene Kolonel- rteljöhrl. 3.30 Mk. Monats l.I0 Me. VW Ii sWl■Hf BR // W KZ Kg W W dM I fflZ, ii�lPBfcir zcile oder deren Raum«o Psg., sür »en.Iich W Psg. frei ins Haus. SW ILÄI W W» W« W W M W KZ W � W iM �v/ PoIUiWc und gcwerlschas.liche Vereinz. nme! m�swe�er SanMaa� ffil■■ K« K N W g D�» M\£. �llfZX�T�U � mu Auswerte- Sonntags.«WW sWi L» 19 W M M B B« H 9 gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere tage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post. BMI H M WK_, JBH. MB\ BH H �MF3ag( Wort K Pfg. Worte über 13 Buchstaben mnement: 1,10 Marl pro Monat. BW 8WI|BI H|l JSu&fS* 4Bp<�Ä»y�ÄX BB J/ WH zählen für zwei Worte. Inserate für getragen in die Post-ZeitungS»»W WMl �WS«BSBa>/ HM I die nächste Nummer müssen bis K Uhr nsliste. Unter Kreuzband für IKs 1B�> J_ nachmütagS in der Expedition abgegeben irvtrsfäs is.v,"«gÄ"»as a ffiQ.I tt.—--•' OtlTOO.»18811»».numutatw Devlinev VollrsltlLtkk. ää. Zentralorgan der fozialdemohrati fd�en partei Deutfchlands. Redahtion: SRI. 68, Linden Strasse 69. Kernsprecher: Amt IV. Str. 1983. Der Soeialisnms in Großbritannien. London, 2. April. Während der Osterfeiertage halten die beiden socialistischen Or- ganisationen Großbritanniens ihre Jahreskongresse ab: die Social- demokratische Föderation(S. D. F.) in Bnrnley, die Jndcpendent Labour Party sUnabhängige Arbeiterpartei— I. L. P.) in Cardiff. Die S. D. F. ist über zwanzig Jahre alt, die I. L. P. dreizehn Jahre. Schon in ihren Namen prägt sich der Charakter dieser Or- ganisationen aus. Die S. D. F. legt das Hauptgewicht auf das Endziel und steht theoretisch auf dem Boden des Marxismus. Die I. L. P. will vor allem die Arbeiter von den bürgerlichen Parteien loslösen und eine parlamentarische Arbeiterpartei gründen, die immer und überall die Arbeiterintcressen vertreten soll. Sie kümmert sich weniger um Theorie, sie appelliert mehr an das Gefühl der Ge- rechtigkeit und Brüderlichkeit und knüpft auf diese Weise an das Geistesleben an, das sie bei den Arbeitern, ineistens Anhängern dcniokratischer Rcligionsscktcn, vorfindet. Die S. D. F. ist abstratter, gelehrter und deshalb revolutionärer; die I. L. P. ist praktischer, sich mehr an die gegebenen Verhältnisse haltend, und deshalb zu Kompromissen mit verwandten Organisationen geneigt. Außer diesen beiden socialistischen Organisationen giebt es noch eine dritte: die seit 1834 bestehende Fabian Society(F. S.), die auf die Gründung einer besonderen Partei verzichtet, vielmehr ihre Aufgabe darin sieht, jede gesetzliche Maßnahme zu fördern, die ihrer Ansicht nach in der Richtung zum Socialismus liegt. Sie beniüht sich, sowohl die Be- beutung socialpolitischcr Gesetze durch Broschüren und Vorträge dem Volke verständlich zu niachen, wie an der Durchführung derselben teilzunehmen, indem die Fabier sich in die verschiedenen lokalen Körperschaften wählen lassen. Die F. S. ist eine socialpolitische Schule, die sozusagen die Technik, die Praxis des Socialismus lehrt. Die Haltung der S. D. F. und I. L. P. gegenüber der F. S. ergiebt sich nach dem Gesagten von selbst. Die S. D. F. steht ihr ferne, die I. L. P. steht ihr sehr nahe. Dasselbe gilt von dem Labour Representation Coinmittce(Komitee für parlamentarische Arbeitervcrtretung— L. R.(£.), das vor vier Jahren gegründet wurde und bereits eine Million TradeS-Unionisten zählt, die eine Arbeiterpartei gründen wollen, um die Arbeiterintcressen in» all- gemeinen zu vertreten und besonders das alte Gcwerkschaftsrecht, das durch verschiedene Richterurteile in den letzten Jahren zerstört wurde, tvieder herzustellen. Die S. D. F. steht dem L. R. C. ferne, da dieses den Socialismus ablehnte, die I. L. P. geht mit dem L. R. C. zusammen, da dieses die Arbeiterinteressen durch Arbeiter- Vertreter fördern will. Beide socialistische Organisafionen entfalten eine rege Propaganda; ihre Führer, Redner und Schriftsteller find mit großen, Eifer thätig; was Menschen leisten können, um den Sieg an ihre Sache zu heften, wird von Hyndman, Ouelch, Keir Hardie und den andern socialistischen Führern geleistet, und doch giebt es in Großbritannien. dem politisch und industriell am meisten entwickelten Lande, keine nennenswerte socialistische Arbeiterbewegung! ES ist, als ob die ganze socialistische Denk- und Ausdruckstneise, die auf dem europäischen Festlande vorherrscht, für England gar keine Bedeutung hätte. Der britische Arbeiter lehnt den Namen Proletarier als etwas Beleidigendes strikt ab; er fühlt sich nicht als Mitglied einer Klasse, sondern als das einer Nation; der Klassenkampf erscheint ihm ebenso brutal wie der Völkerkrieg; er will nichts negieren,— mit einem Worte: er versteht nicht die marxistische Sprache der kontinentalen Socialisten. Die Jahreskongresse der S. D. F. und I. L. P. inter- essieren ihn ebensowenig oder ebensoviel wie die Zusammenkünfte der Jmpf-Gcgner, Tierschutzvereine oder Vegetarier. Wie ist dieses Problem zu erklären? Welche Ursachen machen England zuZ einer Ausnahme in der internafionalen socialistischen Bewegung? Die Ursachen find sowohl sachlich wie persönlich. Sie sind sowohl in den politischen und wirtschaftlichen Zuständen, wie in der Geistesverfassung des zeitgenössischen Englands zu finden. Die objekfivcn Ursachen sind die Demokratie und der Reichtum Englands; die subjektiven Ursachen sind der Mangel an theoretischem Sinn im allgemeinen und der niedrige Bildungsgrad der Arbeiter im Vergleich zu der bewundernswerten geistigen Verfeinerung der Bourgeoisie. Die Demokrafie, die Teilnahme breiter Volksmassen an der Gesetzgebung und an der centralen und lokalen Verwaltung des Staates, setzt eine gewisse wirtschaftliche Gleichheit und eine gewisse Uebereinstimmung in den socialen Grundgedanken bei den Volksgenossen voraus. In einer komplizierten und zerklüfteten Gesellschaft ist die Demokrafie nicht möglich. Ständen zum Beispiel die social«« Grundgedanken der beiden großen Parteien Englands in emem Gegensatz zu einander, so wäre ihre Abwechselung in der Regierung unmöglich; ein großer Teil des Volkes, der sich in der Opposition befände, würde gegen dessen Willen regiert werden, was eben undemokratisch ist. Wo wir aber in einer zerklüfteten Gesellschaft die Demokratie entstehen sehen, da ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die untere und bislang unter- drückte Klasse im Aufsteigen begriffen ist. Dieser Aufstieg ist von einem Klassenkampfe begleitet, bei dem eS sich in erster Linie um die Erlangung politischer Macht handelt. Die schärfere oder mildere Aeußerung des Klassenkampfes hängt von dem wirtschaftlichen und polittschen Entwicklungsgrade der Gesellschaft ab. In einem rück- ständigen Lande, wo die Autokratte noch nicht überwunden und der Nattonalreichhim nicht groß ist. nimmt der Klassenkampf eine Schärfe an. die allen Beteiligten zum Bewußtsein kommt; die Klassenkampf- Lehre bedarf da keiner besonderen logischen Demonstrafion; sie wird in nicht mißzuverstehender Weise von den Staatsanwälten und der Polizei bewiesen. Anders in einer freiheitlichen Gesellschaft, Donnerstag, den 7. April 1904. wo das Princip der Volkssouveränität und des gesellschaftlichen Fortschritts anerkannt ist. Hier handelt es sich den Herrschenden nicht mehr um die vollständige Zurückdrängung der emporsteigenden Klasse und ihrer Ideen, sondern um die Verlangsamung ihres Vormarsches: die herrschende Klasse stellt sich nicht mehr die Aus- gäbe, die Volksmassen niederzuhalten, sondern ihren Aufsfieg im Interesse der bestehenden Ordnung zu regulieren. In einer rück- ständigen Gesellschaft sind Polizei und Gewalt die Repressionsmittel, die die sociale Kluft nur erweitern; in einer freiheitlichen Gesellschaft das Kompromiß und das Bestreben, sich durch gegenseitige Kon- Zessionen zu nähern, die Kluft auszufüllen und die geisfige Ueber- einstimmung wieder herzustellen, ohne die eine Demokratte nicht möglich ist. Allein die demokratische Arbeitsmethode: das Kompromiß ist nicht ohne Nachteile für das zeitgenössische geistige Leben. Das Be- streben, eine Uebereinstimmung in den socialökonomischen Ansichten zu erzielen, führt zu einer Verwischung der scharfen Begriffsdefinitionen, der ökonomisch-politifchen Wissenschaft. Sie verliert an Generali- sattonen, an der klaren Herausarbeitung der Theorie, an dem Gesamtblick auf die Gesellschaft und beschränkt sich auf einzelne Parfien, analog der praktischen Arbeit der Demokratie, die sich mit der Reform einzelner Ucbel beschäftigt. Auch diese geistige Dis- positton der Demokratie ist dem Marxismus, bei dem die scharf ans- geprägte Definitton und die umfassende Generalisation vorherrschen, nicht günstig. Kann schon der revolutionäre Socialismus in der politischen und geistigen Atmosphäre Englands nicht gut gedeihen, so verliert er noch an Wirkungsfähigkeit infolge des phänomenalen englischen Nationalreichtums, der es den herrschenden Klassen ermöglicht, die organisierten Arbeiter, die ttichtigsten und kampffähigsten Elemente des Proletariats einigermaßen zu beftiedigen. Nach Angaben Mr. Bowleys auf dem Kongresse der Britischen Associatton, South- port 1003, beläust sich gegenwärtig das Nationaleinkommen des Vereinigten Königreichs auf etwa 1900 Millionen Pfund Sterling. Da das Vereinigte Königreich ungefähr acht Millionen Familien zählt, so entfällt auf die Familie ein Einkomnien von 90 M. die Woche. Der Ucbergang Englands von Wohlhabenheit zu Reichtum scheint sich erst in den letzten 40 Jahren vollzogen zu haben, wie folgende Zahlen beweisen mögen. Im Jahre 1861 betrug der Profit von Häusern rund 62 Millionen Pftmd Sterling, im Jahre 1901 18ö Millionen; im Jahre 1881(frühere Daten sind nicht vorhanden) beliefen sich die Profite von ausländischen Anlagen und Papieren auf rund 31 Millionen, im Jahre 1901 63 Millionen; im Jahre 1861 beliefen sich die Einlagen in Sparkassen auf rund 42 Millionen; im Jahre 1902 197 Millionen; Einlagen in UntcrstützungSvereincn (IVioiicU� Societies) im Jahre 1871 8 Millionen, im Jahre 1901 43 Millionen: Gesanit-Außenhandcl im Jahre 1861 377 Millionen, im Jahre 1902 877 Millionen Pfund Sterling; Tonnaye britischer Schiffe, die in Häfen des Vereinigten Königreichs einliefen und löschten: im Jahre 1861 15 Millionen, im Jahre 1902 65 Millionen (Condition of Trade and People, Parliamcntary Eoturn, 12. August 1903.) In dieser Periode der nafionalen Bereicherung nahmen die Tradcs-Unions ihren Aufschwung und zwangen den Unternehmen: bessere Bedingungen ftir die Arbeiter ab. Diese Vorteile kamen selbstredend in erster Linie den organisierten Arbeitern zu gute. Diese Periode sah gleichzeittg den Uebergang Englands vom Liberalismus zur Demokratie. Die Lage der Trades-Unionistcn wurde nach den sechziger Jahren des 19. Jahr- Hunderts eine viel bessere als vorher. Ihre Wünsche wurden in der Gesetzgebung aus den Jahren 1371—76 verwirklicht. Polittsch be- freit durch die Demokratte, materiell geschützt durch die Trade-Union, ftei von Militärpflicht, leicht besteuert und mit billigen Nahrungs- Mitteln verschen, sind die organisierten Arbeiter Englands nur schwer einer Agitation zugänglich, die ihnen vom Klassenstaat, von der Ver- sklavung und Verelendung des Proletariats erzählt. Marxens „Kapital" war in den sechziger Jahren, als der Umschwung Englands von: individualistisch- liberalen Kapitalismus zu Demokratie und Großkapitalismus sich vollzog, bereits fertig und illustrierte eine Periode, die für die britischen Trades-Unionisten zur Vergangenheit gehört. Die Wirkung dieses Umschwungs auf das Geistesleben der britischen Arbeiterklasse war merkwürdigerweise keine gute. Die TradeS-Unionistcn trennten sich von den Millionen Arbeitern, die an und unter der Armutslinie' leben und außerhalb der Trabes- UnionS stehen, und bildeten eine Aristokratie der Arbeit, die wie jede Aristokratte konservativ und exklusiv ist. Die Beschränkung auf den täglichen Kampf um verhältnismäßig geringfügige Vorteile verengerte ihren geistigen Gesichtskreis. Alle Beobachter des TradeS- Unionismus find darin einig, daß das geistige Interesse der organisierten Arbeiter ganz minimal ist. Nur etwa zehn Prozent derselben kaufen Bücher und Zeitungen. Die meisten lesen über- Haupt nichts. Von allen Arbeitern der europäischen Kultur- ländcr sind die englischen die einzigen, die keine eigne politische Presse haben. Ihre Vertreter im Unterhause sind denn auch den parlamentarischen Gladiatoren der Bourgeoisie nicht gewachsen. Sie werden von der geistigen Ueberlegenheit der bürgerlichen Vertreter einfach erdrückt. Aus allen diesen Gründen ist England kein günstiger Boden für den revolutionären Socialismus. Dagegen sind die meisten Trades-Unionisten gute Demokraten und für eine socialpolitische Gc- setzgebung eingenommen. Die entstehende Arbeiterpartei, wie sie sich im„Labour Representation Committee" ankündigt, wird offenbar eine solche Demokratie sein. Die Aufgabe der Socialisten Englands dürste demnach darin bestehen, die Vorhut dieser Arbeiterpartei zu werden, denn die Existenz einer socialistischen Partei nach kontinental-europäischem Muster scheint in England unmöglich. Das beweist am besten die Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. 24jährige Existenz der S. D. F., die zwar sehr vieles für die Ver« breitung und Popularisierung des socialistischen Gedankens gethan hat, aber es zu keiner socialrevolutionären Bewegung bringen konnte. Diese Einsicht bricht sich auch in der S. D. F. Bahn. In einem sehr bemerkenswerten Leitartikel in der„Justice" vom 2. April, überschrieben„Die 24. Jahreskonferenz der S. D. F.". sagt Genosse Hyndman:„... Die S. D. F. muß zweifellos mit der Zeit fort- schreiten. Die Methoden und Wege, die sich nützlich und un- vermeidlich zu einer Zeit erwiesen, als wir noch eine kleine, verfolgte Sekte von Fanatikern bildeten, sind jetzt nicht mehr am Platze, da die ganze Gesellschaft gezwungen wurde, vom Socialismus und von den Socialisten Notiz zu nehmen. Um für die Arbeiter nützliche Resultate zu erzielen, müssen wir, wie die Erfahrung zeigt, auch mit denjenigen zusammenarbeiten, die mit uns nicht ganz über« einstimmen. Durch eine solche zeitweilige Zusammenarbeit mit Leuten, die für dieselben Maßnahmen wie wir sweben, brauchen wir kein Jota von unsren Grundsätzen zu opfern.... Indem unsre Ansichten sich von der Stufe einer Sekte zu der einer Partei entwickeln, sind Takt und richtiges Urteil ebenso wichtig wie Enthusiasmus und Disciplin.... Unser Kongreß wird ein Erfolg sein, wenn er er« kennt, daß organisierte Demokratie die fähige Verwaltung zum Nutzen der Gemeinschaft bedeutet..." Mit diesen Ansichten wird es der S. D. F. nicht schwer fallen, sich mit der I. L. P. zu vereinigen und eine socialistische Vorhut zu bilden, die der entstehenden Arbeiterpartei als Wegweiser dienen wird.— poUtifcke deberlickt. Berlin, den 6. April. Raubbau im Ruhrkohlen-Revier. Die durch die Stilliegung von Zechen im Ruhrrevier hervor« gerufene Erbitterung zieht immer weitere Kreise, stehen doch Zehn- tausende von Arbeitern und viele Tausende sonstige Eingesessene im südlichen Ruhrbezirk vor dem Ruin, wenn nicht dem Beginnen der großen Syndikatszechen Einhalt geschieht! Durch die Stilllegung von„Steingatt" und„Marianna" sind schon über 2000 Arbeiter von ihrer alten Erwerbsstätte Vertrieben. In den bedrohten Revieren waren 1903 über 20 000 Arbeiter beschäftigt; viele haben Haus und Hof— gerade im südlichen Ruhrrevier giebt es die meisten Eigen- tümer unter den Bergleuten. Ihr sauer erlvorbenes Eigentum steht auf dem Spiele. Der Kapitalismus jagt die Leute von Haus und Hof! Ohne den dort seit vielen Jahrzehnten betriebenen Bergbau sind die Städte und Dörfer nicht existenzfähig I Bauern, Handwerkern, Geschäftsleuten, überhaupt allen erwerbsthätigen Einwohnern droh' der wirtschaftliche Ruin! Die Gemeinden haben, veranlaßt durch die Industrie, bedeutende Anlagen gemacht, haben große Anleihe: aufgenommen, deren Verzinsung und Abzahlung ausgeschlossen ist, wenn die Gruben stillgelegt oder auch nur wesentlich eingeschränkt werden. Denn die Bergleute und ihre Familien müssen auswandern, nur ein geringer Teil wird bleiben können. Die Masse zieht nach dem Norden, gründet dort neue Siedelungen, industrialisiert die bis- her landwirtschaftlichen Gegenden des„Münsterlandes" I Neue Erwerbszweige können in den verlassenen Bezirken nicht aufkommen, schon weil es an kaufenden Menschen fehlt. Der Landwirtschast aber haben die Gruben die besten Bodensäfte entzogen; viel Boden ist unfruchtbar geworden, weil das Wasser abzog. Treffend schildert die„Deutsche Bergarbeiter-Zeiwng" die durch die Profitgier hervorgerufene Raubbaupolittk der großen Zechen, die sie ebenso wie unser letzter„Wirtschaftlicher Wochenbericht" auf den neuen Modus der Anteilsquoten-Festsetzung des Kohlensyndikats zurückführt.„Mit den früheren immerhin anständigen Ueberschüssen pro Tonne", schreibt sie,„sind die durch die Riesendividende der Hochkonjunktur verwöhnten Unternehmer nicht mehr zuftieden. Als 1900 die Aktien-Gesellschast Arenberg 75 Pro z. Dividende verteilte, sogar da klagte ein Aktionär über die„hohen Arbeiter- löhne!" 5, 6, 7 Proz. Dividende sind„zu armselig", wenn keine 10 bis 7ö Proz. herauskommen, reden dieHerren von„schlechten Geschäften". So hohe Dividenden können freilich die südlichen Gruben nur ausnahmsweise oder gar nicht einbringen, während die großen Schächte im Norden mit Ueberschüssen von 2— 4 M. pro Tonne abschließen. Das hat die Unternehmer„begehrlich" gemacht, sie wollen möglichst alle Beteiligungsziffern auf die hvchrentablen Schächte übertragen und deshalb kaufen sie zwecks Stilllegung die minderwerttgeren Zechen auf! Moni Cenis kaufte Bommerbänker Tiefbau, richttger gesagt: die 175 000 Tonnen BetciligungSziffer dieser Ruhrzeche. Da Moni Cenis pro Tonne 2,88 M. Ueberschuß hatte, so wird die Gesellschaft, wie ein Gcwerke von Bommerbank berechnete, schon in drei Jahren die Kaufsumme herausgewirtschaftet haben! Und dann kann mit Volldampf gefördert werden die viel höhere Beteiligungsziffer, der Mitesser ist beseitigt. DaS ist des Pudels Kern, alles Abstreiten ist nutzlos." Leider sind die großen Bergwerks-Gesellschasten schon zu über- mächtig geworden, als daß auf andrem Wege als dem des Staats- einspruchs und der Verstaatlichung der Gruben dem von den niedrigsten Profittnstinkten geleiteten Treiben Einhalt geschehen könnte. Mit Recht warnt die„Bergarbeiter-Zeitung" vor einem Streik.„In dieser kritischen Zeit," schreibt sie,„tritt an die Bergleute besonders das Gebot heran, keine unüberlegten Schritte zu unternehmen, die schließlich sogar gewünscht werden könnten von denen, gegen die sich der Arbeiterzorn wendet. Könnte den Unternehmern denn ein größerer Gefallen erwiesen werden als mit einem Streik der Arbeiter? Ein Ausstand im südlichen Ruhrgebiet würde eventuell zur sofortigen Stilllegung der betteffenden Zechen führen, und die Unternehmer hätten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: 1. die erst später geplante Stilllegung„unrentabler" Zechen könnte sofort erfolgen. 2. Die Unternehmer würden dann die streikenden Arbeiter für die Stillegung verantwortlich machen und durch die feile Presse den Zorn der geschädigten Bürger geschickt auf die Bergleute ablenken! So würde es kommen und die Arbeiter wären in doppelter Hinsicht die Leidtragenden, die Unternehmer lachten sich ins Fäustchen." Thatsächlich käme den Zechenvesitzern zur Zeit ein Streik recht gelegen. Nachdem die Organisation des Kohlensyndikats und des KohlcncomptoirS vollendet ist und das Syndikat endlich die lang- ersehnte Macht erlangt hat, dem westdeutschen Kohlenmarkte seine Befehle zu diktieren, fühlen sie sich als wohlgcrüstet. Die zahlreichen frivolen Provokationen, die sich in letzter Zeit verschiedene Zechen ihren Arbeitern gegenüber geleistet haben, beweisen das zur Genüge.—_ Liberaler Monarchismus. Unsre Nationalliberalen sind bekanntlich„monarchisch bis auf die Knochen". Namentlich wenn es gilt, gegen die Socialdemokratie scharf zu machen, feiert ihr Byzantinismus wahre Orgien. Daß man gelegentlich mit einer Revision der monarchischen Anschauungen gedroht, sucht man durch einen Schwall hyperloyaler Redensarten vergessen zu machen. Aber zuweilen äußert sich der Monarchismus doch noch in recht eigentünilichen Formen. So hat der Umstand, daß Baden sür die Aufhebung des§ 2 des Jesuiten-Gesetzes gestimmt hat, die badischen Liberalen derart verdrossen, daß man folgenden Artikel in die„L e i p z i g e r N e u e st e Nachrichten" lanciert hat: „Die Großherzogin hat von jeher einen außerordent- lichen Einfluß au fihren Gemahl gehabt.... Nach- dem es den kirchlich Gesinnten bei Hofe, denen die Großherzogin von jeher als Krystallisationspunkt ihrer Bestrebungen erschienen ist, gelungen war, den„hcrrschgewaltigen" Minister Jolly, wie ihn Wacker in abschreckender Tendenz nach oben noch heute citiert, im Sommer 1876 zu stürzen, da geriet die Leitung der Staatsgeschäfte wieder vollständig in die Hände des Großherzogs und der aufatmende Hof machte drei Kreuze hinter dem abgehenden Minister. Aus den letzten Jahren seiner Amtszeit existiert eine prächtige Anekdote, welche den dramatischen Ausgang der Aera Jolly, des badischen Bismarcks, trefflich illustriert.„Regieren Sie oder ich?" Zu dieser erregten Frage soll es zwischen dem Großherzog und seinem Staatsminister gekommen sei» und das Pikante an der Sache ist, daß mir wenige anzugeben wiffe», wer von beiden der Fragesteller war, der Großhcrzog oder der Minister. Jollys Epi- goncn, so liberal, aber in steter und zunehmender Abschattierung sie noch„ministrieren" dursten, haben sich nur durch ihre jeweilige größere oder geringere Fügsamkeit gegenüber dem Großherzog und vor allem gegenüber den unablässigen politischen Wünschen seiner Gemahlin in: Sattel zu halten vermocht. Allzu tiefes Rückgrat- beugen vor dem Hofe und beim Wiederaufrichte» alsdann Anstoß bei den hinter ihm stehenden Liberalen, parlamentarisch unhaltbare Situationen, deren Herbeiführung der Centrumsführer Wacker meister- Haft verstand, waren die Folgen. Jeder den Vorgänger ablösende Minister erhielt mit den wachsenden C e n t r u m s st i m m e n auch der stsä rkte Versöhnungsaufträge, und mit dem Abbruch der liberalen Reformgesetze, der K l e r i k a l i si er u irg des Schulwesens, Einnistung der katholischen Orden wurde begonnen. Die Schulschwestern erfreuten sich alsbald der liebevollsten Aufmerksamkeit der für ihre katolischen Landeskinder so sehr besorgten Landesmutter, und bald sah man den Grotzherzoa gemeinsam mit seiner erlauchten Gemahlin den Fraucnklöster» Besuch abstatte», was natürlich von den Klerikalen mit Entzücken aufgenommen und weidlich ausgenutzt wurde. Der katholische Adel erfreut sich längst der ganz besonderen Austnerksamkeit der Großherzogin, die bei der Auswahl ihrer Hof- damen, dxn ständigen und den stellvertretenden, stets die Parität geflissentlich herauskehrt, katholische Adlige aber mit Vorliebe und vorzugsweise in ihrem Dienst bezw. in ihrer Umgebung behält. Wie sie früher Preußens Sache gefördert hat, als es galt, den Weg zur nationalen Einheit zu beschreiten, wie sie Bismarck und Jolly bekämpfte mit dem„Fenerkopf" ihrer Mutter, von dein nach Bismarcks Ueberlieferung der alte Kaiser so manches zu erzählen wußte, so hat sie auch mit ruheloser Geschäftigkeit und geplagt von dem roten Gespenst, Ivic ihr Gemahl seit Jahren denr Emporkommen des Klerikalismus beivußt oder unbelvußt vorgearbeitet, wo immer es ging, und wo es, die Sache des Ultranrontanisnrus zu fördern galt. So ist sie auch jetzt wieder im Interesse der preußischen Wünsche thätig gewesen, als es darauf ankam, dein Grafen Bülow mit Ach und Krach zu seiner geringen Majorität zur Aufhebung des Z 2 des Jesuitengesetzes im Bundesrate zu verhelfen, und Graf v. Berckheim, der badische Gesandte in Berlin, ein altes Fnktotrnn der Großherzogin, hat das Scinige dabei redlich gethan. Daß diese politische Wirksamkeit der badischen Landesmntter nur dort Beifall findet, wo eine politische Partei Vorteil davon zieht, ist sehr begreif- lich, so begreiflich wie der latente Verdruß auf unsrer Seite und die dadurch erzeugte Spannung." Wir bekennen uns zerknirscht— bemerkt dazu die„Volks- stimme"— als geschlagen auf dem Gebiete der„Unter- grabung des monarchischen Empfindens" im Volke angesichts dieser liberalen Leistung, die mit dem Begriff des „Gottesgnadentums" in einer Weise umgeht, lvie wir es der socialistischen Presse schon mit Rücksicht auf gewisse monarchiestützende Paragraphen des Strafgesetzbuches unter keinen Umständen empfehlen möchten. Uebrigens wendet sich der Artikel an eine ganz falsche Adresse. Wenn heute in Baden klerikale Stickluft weht, so sind daran zunächst die Nationalliberalen schuld. Aus Furcht vor dem roten Gespenst sind sie im Kampf wider den Klerikalismus bis auf den heutigen Tag vor jedem entscheidenden Schritt zurückgewichen. Ihr Gerede vom „kommenden Sturm" nimmt kein Mensch ernst. Wer fürchtet sich heutzutage noch vor einem„Sturm" der Nationalliberalen l— Dcutfcdeu Reich. Kopps Rückzug. Der Fürstbischof Kopp hat nunmehr auch den zweiten Klage-Antrag gegen den„Gornoslazak", besonders gegen den Redakteur Kowalczyk und Genossen bei dem Beuthener Land- gericht zurückgezogen. Der Kardinal empfiehlt den Geistlichen, auch ihrerseits die an diesen Klage-Antrag angeschlossenen Antrüge zurück- zunehmen. Inzwischen fährt die katholische Presse fort, durch„Erklärungen" der Geistlichen die fatalen Zeugenaussagen zu verwirren. Früher hätte man tvohl die Zeugen verbrannt, das kann sich der heutige Klerikalismus nicht mehr leisten, und so„begnügt" er sich damit, die Gläubigen des Meineids zu beschuldigen. Natürlich widmet sich die„Germania" diesem Geschäft am eifrigsten! dagegen findet sie kein Wort für unsre Mitteilungen aus der„schwarzen Gamison", die das Berliner L e o- H o s p i z so erbaulich schilderten.— Ein Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Reblaus ist dem Reichs- tage zugegangen.—_ Ei» Erlaß gegen Soldatenmißhandlnngen ist kürzlich vom Generalloinrnando des dritten bayrischen Armeecorps an die Truppenteile dieses Corps hinausgegeben worden. Der Erlaß verlangt zunächst, daß den Ucbcrschreitungen der Dienstgewalt cnt- gegengcarbeitet werde, zu denen die Untergebenen durch Ungeschick- lichkeit, Unordcnllichleit, schlechte Gewohnheit und bösen Willen den Anlaß geben.„Sämtliche Vorgesetzten, insbesondere aber die Compagnie-«. Chefs müssen dahin wirk«?, daß rohe Ausdrücke, die V sehr häufig ohne weitere Ueverlegung und ohne schlimme Absicht, mehr gewohnheitsmäßig gebraucht werden, aber trotzdem geeignet sind, die Untergebenen zu beleidigen, verschwinden." Der zweite Teil des Erlasses wendet sich gegen„fortgesetzte Quälereien Untergebener und planmäßige Roheiten". Diese Aus- schreitungen sollen nicht nur bekämpft, sondern auch ausgerottet werden und das sei auch möglich bis auf seltene und kurzlebige Aus- nahmen. Die bloße Androhung strengster Ahndung sei da aller- dings nicht genügend, vorbeugend helfe nur unermüdliche Aufficht, die Einrichtung einer häufigen, unvernmteten und gründlichen Kontrolle. Was das Beschwerderecht betrifft, so sei es Pflicht der Vorgesetzten,„mit allen Mitteln zu verhüten, daß ein Beschwerdeführer, selbst wen» eine Beschwerde sich nicht als voll begründet erweisen sollte, wegen Einlegung derselben im Verhältnis zu seinen Kameraden zurückgesetzt oder irgendwie geschädigt werde. Hierauf sind ganz besonders seine Vorgesetzten aufmerksam zu machen, gegen welche eine Beschwerde gerichtet war". Endlich wird den Vorgesetzten Geduld in der Behandlung der wegen öfterer und längerer Krankheit im Dienst zurückgebliebenen Mannschaften zur besondren Pflicht gemacht.„Drohung von Nach- hetzen in der Ausbildung oder ein Heruntersetzen deS Mannes in den Augen der Kameraden darf niemals erfolgen." Der Autor dieses Erlasses ist der General Heinrich v. Tylander. Leider ist er nicht in der Lage, auch die Ausführung seines Corps- befehls zu überwachen. Wenige Tage nach der HinauSgabe des Erlasses ist er nämlich wegen andauernder Krankheit in Pension gegangen!—_ Ein Erprcssungsvcrsuch gegen den Abgeordneten Kaplan Dasbach hatte den Kellner Lambert Pohl aus Vielich bei Bonn vor die Kölner Strafkammer gebracht. Die Verhandlung fand unter strengstem Ausschluß der Ocffentlichkeit statt und dauerte vier Stunden. Der Kellner war zur Zeit in Berlin ansässig. Er wurde zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Wie aus der Urteilsbegründung hervorgeht, hatte der Kellner an Herrn Dasbach geschrieben, er sei Mitwisser eines über diesen umgehenden Gerüchtes bezüglich des §175 des Strafgesetzbuchs; er werde schweigen, wenn Dasbach 100 M. an ihn einsende. Die Gerüchte wurden von dem Gericht nicht als erwiesen an- gesehen. In einem zweiten Falle ivurde der G e g e n st a n d d e S Erpressungsversuchs im Urteil nicht genannt. Der neun- zehnjährige Angeklagte ist schon zweimal wegen Erpressung vor- bestraft. Es wurden ihni vier Monate auf die Vorhaft angerechnet. Wegen der bekundeten ehrlosen Gesinnung erkannte das Gericht auch auf fünf Jahre Ehrverlust. sKürzlich wurde in B e r I i n ein Hotel polizeilich ausgenommen, in dem der durch den§ 175 verbotene Berkehr gepflegt wurde. Herr Dasbach wohnte in diesen, Hotel, ohne dessen Charakter zu kennen. Er verließ es natürlich sofort. Darauf scheint sich jeuer Erpressungsversuch zu gründen.)— Ultramontane Dividendenjäger. Die von einer Genossenschafts- bäckerei in Berlin verteilten Dividenden haben der ultramontanen Presse schon wiederholt Anlaß gegeben, sich über„socialdemokratische Dividendenschinderei" zu entrüsten. Daß die biederen Centrums- organe aber gar keine Ursache haben, sich in solcher Weise über die „socialdemokratischen" Genossenschaften zu entrüsten, beweist ein Vorgang, der sich kürzlich in München abspielte. Dort besteht ein Konsumverein, der von bürgerlichen Elementen geleitet wird. Dieser hat nach dem Vorschlag der Verwaltung für das abgelaufene Ge- schästsjahr 8 Prozent Dividend� bezahlt. In der Generalversamm- lung wurde von der Opposition vorgeschlagen, nur 7 Prozent zur Verteilung zu bringen und diese erzielte Ersparung zur Gehalts- a u f b e s s e r u n g für das P e r s o n a l zu verwenden. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt und zwar unter Mitwirkung der an- Ivescnden christlichen Arbeiter, unter denen sich auch der Hauptführer der christlichen Gewerkschaftsbewegung in Bayern befand. Von dieser Dividendenschinderei auf Kosten der Angestellten erzählen natürlich die Centrnmsblätter nichts.— AnS einem Hcrero- Brief, nämlich dem Brief eines snach Britisch-Südafrika ausgewandertes Herero, den die„Tägliche Rundschau" veröffentlicht, verdient folgende Stelle vermerkt zu werden: „Ich teile Dir mit, das Land der Engländer ist wahr- scheinlich ein gutes Land, da sind keine Mißheudlungcn; Weißer und Schwarzer stehen auf gleicher Stufe, und wenn er Dich schlägt, (unleserlich) allenthalben, Ivo Du willst, lind da ist viel Arbeit und viel Geld, und lveirn auch Dein Vorgesetzter da i st, so schlägt er Dich nicht, aber wenn er Dich schlägt, und hat das Gesetz übertreten, so wird er mich bestrast." Dentsch-Südlvestafrika scheint der Herero nicht für ein„gutej, Land" zu halten! Der Gewährsmann der„Täglichen Rundschau" fügt dem Briefe denn auch hinzu: „Der Brief ist ch a r a k t e r i st i s ch, und ich glaube, daß es für die Oeffentlichkeit belehrend wäre, von ihm Kenntnis zu erhalten. Wir haben wohl manchen Weißen im Schutzgebiet, der nicht in d er L a g e wäre, einen s o Ich en B ri e f zu schreiben. Die Forderung des Deutschen Kolonialbnndcs, daß jeder Weiße als ein „höheres Wesen" betrachtet werden solle, ist daher in Südwest- afrika, wo Weiße aller Stände und jeden Charakters einwandern, schwer durchführbar. Haben wir doch manchen Boeren, welcher kaum lesen und schreiben kann. Charakteristisch ist auch der Passus über das„gute Land" der Eng- länder. Etwa 700 Eingeborene aus unserm Schutz- gebiete befinden sich zur Zeit in Johannesburg, und diese werde» alle die gleichen Vergleiche zwischen unsrer und der englischen Eingeborencnpolitik anstellen und die entsprechenden Schlüsse hieraus mit hierher zurückbringen." Bon der„Wahlfälschung" freigesprochen. Ein Maurergeselle auS Herbsleben hatte sich vor den, Landgericht in Gotha wegen Wahlfälschung zu verantworten. Er sollte bei der letzten Reichstags- Wahl zweimal gewählt haben. Der Angeklagte wählte bei der Hauptlvahl in Herbslcben, weil er dort seinen ständigen Wohnsitz hatte. In Erfurt arbeitete er und wohnte auch dort. All- wöchentlich weilte er Sonntags bei seiner Familie. Er war auch in Erfurt aufgefordert worden, zu wählen. Bei der Stichwahl sei dies wieder geschehen, und dann habe sr der Aufforderung Folge gegeben. Der Staatsanwalt beantragte vierzehn Tage Gcsängnis. Das Gericht sprach den Angeklagten aber frei, weil e S sich von der Schuld nicht überzeugen konnte.— Im Falle des Dr. Hcrzfeld dachten die Berliner Richter anders, und auch die Erfurter Richter waren in einem ähnlichen Falle andrer An- ficht.—_ Aus dem obcrschlcsischen Arbeiter-Torado. In Obcrschlesien erscheint ein von dem Unternehmertum au§- gehaltenes Organ, der„Arbeiterfreund", der es seit dem 1. April 1900 wöchentlich zweimal unternimmt, den Arbeitern ihr glückseliges Los in den rosigsten Farben zu schildern und das bekannte„warme Herz" der oberschlesischen Jndustricmagnatcn in den rührendsten Tönen anzupreisen. So hieß es in der Nummer 70 des vorigen Jahrgangs: „Bei uns besteht auch in schlechten Zeiten die Haupt- sorge der Industriellen darin, wie sie ihre Arbeiter, wenn möglich ohne jede Einbuße im Verdienst, iibcr diese Zeiten h i n w e g b r i n g e n. In Amerika ist in den meisten Fällen der Gewinn der Unter- nehmer die Hauptsache, der Arbeiter Neben- fache; der letztere muß gehen, wenn seine Bei- beHaltung keinen Gewinn mehr bringt. Bei uns arbeitet die Industrie lieber ohne Gewinn, vielfach sogar mit Berlust, ehe sie ein Werk still legt und auch nur einen Arbeiter mehr als unbedingt notwendig entläßt. Es ist dies ein Unter- schied, auf den uitsre Industrie stolz sein kann und der im hohen Grade geeignet ist, die Arbeitsfreudigkeit unsrer Arbeiter zu«r- höhen." Um dieser für Arbeiter wie Arbeitgeber gleich genußreichen Lektüre eine möglichst große Verbreitung zu verschaffen, hat der Verlag des„Arbeiterfrcund" folgendes Cirkular versandt, das der BreSlauer„Volksmacht" von ungefähr auf den Redakfionstisch geflogen ist: Arbeiter-Zeitschrift Kattowitz, 29. Februar 1904. „Der Oberschlesische Arbeiterfteund". Oberleitung. Bertranlich] J.-Nr. A. 693. An die Verwaltungen der oberschlesischen Berg- und Hüttenwerke. Der unter der Oberleitung des mitunterzeichneten Dr. Voltz herausgegebene„Oberschlesische Arbeiterfteund", welcher seit dem 1. April 1900 zweimal wöchentlich zur Ausgabe gelangt, hat sich im verflossenen Jahre eines ganz besonders regen Jnter- e s s e s der darauf abonnierten Verwaltungen sowie der Ar- beiter(?) derselben zu erfteuen gehabt. Die erhebliche Zahl von 15 429 abonnierten Exemplaren(wozu noch 500 Frei-Excmplare für die Lazarette treten), welche für das laufende Jahr zu der- zeichnen ist(gegenüber 12 274 im ersten Jahr des„ zweimaligen Erscheinens und 3563 im ersten Jahr der diesseitigen Heraus- gäbe eines Arbeiterblattes), beweist am deutlichsten, daß das Blatt in weiten Kreisen(I) für nützlich und zweckentsprechend gehalten wird. Dieser große Anklang, welchen das Blatt immer mehr findet, hat die mit der Herausgabe desselben betraute Kommission veranlaßt, der Frage näher zu treten, ob man nicht dem zweifellos vorhandenen Lesebedürfnis unsrer Arbeiterbevölkerung durch noch öfteres Erscheinen des Blattes noch mehr als bis jetzt entgegenkommen solle. Sie ging hierbei von der Ansicht aus, daß angesichts des sich immer mehr steigernden Angebotes an polnischer Zeitungslektüre wohl kaum etwas Zweckmäßigeres und für unsre A r b e i t e r b e v ö l k e r n n g N L tz l i ch e r e s geschaffen werden könne, als ein möglichst oft erscheinendes deutsches Arbeiterblatt.(!) Da unser„Arbeiterfteund" in der Gesamtzeit seines jetzt vierzehnjährigen Bestehens bewiesen hat, daß er ohne jede Zugehörigkeit zu einer bestimmten politischen Partei- richtung lediglich eine deutschnationale, sowie nntigroßpolnischc und nntisocialdemskratische Tendenz verfolgt, ist es zweifellos ein Blatt. welches von allen Verwaltungen ohne Ausnahme, welcher politischen Partei deren Leiter auch angehören, zur Verteilung an ihre Arbeiter gehalten werden kann und auch gehalten werden sollte. Auch zeigt unsre Abonncntenliste, daß dies auch bisher schon in erfreulicher Weise der Fall war. Das Cirkular hofft, daß infolge dieser Anregung der Abonnenten- stand sich verdoppeln werde. Run behaupte noch jemand, daß das oberschlesische Unternehmer- tum nicht bemüht sei, zur Hebung der Bildung seiner Arbeiter das möglichste beizutragen! Die humanen Unternehmer arbeiten nicht mir aus Rücksicht auf ihre Arbeiter mit Verlust, sie bringen auch darüber hinaus noch finanzielle Opfer, um ihre Arbeiter mit„nütz- sicher" Lektüre zu versorgen!— Togobahn und Bnumwolleiikultur. Die Togovahn, für die der Gesetzentwurf der Regierung die RcichSgarantie für eine Anleihe von 8 Millionen Mark fordert, wird mit dem Hinweis auf die Fort- schritte der Baumlvollenkultur in Togo begründet. Zu dieser Be- gründung wird der„Breslauer Zeitung" geschrieben: „Noch ein besonderer Trick wird jetzt versucht, um vom Reiche Gelder fiir Afrikabahnen zu erlangen. Die Baumwollpreise sind außer- ordentlich gestiegen.... Natürlich muß dies anregen, den Baumwoll« anbau zu steigern. In Britisch- Indien ist die Erntefläche z. B. für 1903/04 um 1 Million Acres oder 6 Proz. gegen das Vorjahr erhöht worden und nur die Witterungsverhältnisse haben eine entsprechende Erhöhung des Ertrages verhindert. So haben sich denn auch in England, Frankreich und Belgien Komitees gebildet und Gelder auf- gebracht, um neue Baumwoll-Anpflanzungen zu fördern. In Deutsch- land hat sich das Kolonialwirtschaftliche Komitee des Kolonialvereins, eine Gesellschaft für Projektenmachcreien in den Kolonien auf Kosten des Reiches, des Themas bemächtigt und glaubt die Baumwoll- 'rage als Handhabe benutzen zu können, um neue Eisen- ahnen in Afrika auf Reichskosten durchzusetzen, erster Linie die Bahn Dar-cS-Salaam-Mrogoro und die oben ährrte T o g o b a h n. Wie schön wäre es doch, so wird fit den Eingaben an den lichstag, welche das Komitee dicserhalb veranlaßt hat, auszuführen gAucht, wenn die deutsche Baumwollenindusirie mit Baumwolle aus n deutschen Schutzgebieten versorgt werden könnte und von den ccissteigerungen der Amerikaner verschont bliebe. Nun, die deutsche aumwollcnindustrie wird ihre Rohstoffe in jedem Fall nach wie vor dort kaufen, wo sie am besten und billigsten zu haben sind. Die Flagge, unter der sich der Anbau vollzieht, spielt dabei gar keine Rolle. Und die Baumwollproduzenten in den Schutz- gebieten— wenn erst solche einmal vorhanden sind— werden ihre Produkte nach Maßgabe der Preise auf dem Weltmarkt verkaufen und auch deutschen In- dustriellen nichts davon schenken. Die Frage ist daher einfach, ob in den Schutzgebieten eine konkurrenzfähige Baumwolle produziert werden kann.... Die Fachschule sür Vaumwollenindustrie in Reutlingen hat bei der Verarbeitung von 500 Pfund Togo-Baumwolle herausgefunden, daß ein wesentlicher Mangel in d e r R a u h i g k e i t der Faser liegt. Das tropische Klima dürfte hieran, so heißt es in dem er- statteten Gutachten, wohl in erster Reihe schuldtragend sein, vielleicht auch der Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre.... Bisher haben sich alle Rentabilitätsberechnungen für Afrika- bahnen als durchaus trügerisch erwiesen. Wie jetzt die Togobahn als Baumwollenbahn, so sollte sich die Usambarabahn als Kaffeebahn glänzend rentieren. Sie deckt aber nicht die B e t r i e b s k o st e n. Ebenso wurde seiner Zeit für die Eisenbahn Swakopmund-Windhoek eine Milchmädchen-Rechnung auf» gemacht. Auch sind die Zeiten, in denen das Reich schon Schwierig- leiten findet, die für das Inland erforderlichen Anleihen dauernd unterzubringen, für Kolonialanleihen weniger als je geeignet.— Hueland. Dänemark. Theatercensur zum Schutz der russischen Despotie. Das„Volks- Theater" in Kopenhagen hatte ein Schauspiel in 3 Akten„Aina" von D r. C. M. Norman-Hanse n zur Aufführung an- genommen. Die Aufführung wurde jedoch vom Censor verboten, iveil in dem Drama Vorgänge geschildert werden, die mit dem Kampf der Finnländer gegen die verbrecherische russische Tyrannei und gegen die Vaterlandsverräter im eigenen Lager in Zusammenhang stehen.—„Social-Demokratens" in litterarischen Kreisen hochgeschätzter Litteraturkrifiker- C. E. Jensen schreibt über das kürzlich im Gyldcnnorsken Forlag erschienene Werk u. a.:„Es ist nicht so sehr darauf angelegt, die einzelnen Personen zu schildern, sondern Finn- lands Nationalunglück in einem starken poetischen Bilde zusammen- zufassen. Und Poesie ist in diesem kleinen Drama, das aus einer leidenschaftlichen Wahrheitsliebe und Gerechtigkeitsdrang entsprungen ist. Kein Wunder, daß die Behörden im dänischen Klein- rußland-- sich veranlaßt fühlten, die Aufführung zu ver- bieten."— Nnftland. Russisch-Pole». Warschau. 29. März.(Eig. Ber.) Wir be- richteten seiner Zeit, daß die„allcrunterthänigste" Aktion der hiesigen Aristokratie und Großbourgeoisie aus Anlaß des Krieges sich zu dem Anerbieten des Erzbischofs an den Gcneralgouverneur ver- dichtet hat, eine speciclle Warschauer geistlich-ärztliche Expedition nach dem Kriegsschauplatz zu entsenden. Diese„patriotische" Stiftung ist von der Regierung gnädig acceptiert worden und der Erzbischof o!? baS Haupt und der Repräsentant der Loyalitätskundgedung hat auch ein Komitee aus bekannten polnischen Stützen des Zarentums, wie der Fürst Tschetwertynski, Graf Kronen- berg, Fürst Radziwill, Herr Gorski, der Großindustrielle Schlenker und andere, zur Sammlung von Beiträgen für die besagte Expedition gebildet. Ein in der feigsten Sprache geschriebener Aufruf des Erz- bischofs wurde in den Warschauer Blättern veröffentlicht. Nun aber ertönte ein störender Mißton in dieser zarenfreundlichen Harmonie: vorgestern, am Sonntag, in der Nacht, sind allen Herren des erwähnten Komitees in ihren Prunkhäusern die Fenster eingelvorfen worden! Die Thäter sind nicht ergriffen. In aristokratischen und bürgerlichen Kreisen herrscht infolge dieses Winkes mit dem Pflastersteiii große Verwirrung, worauf sie sich erfahrungsgemäß nur noch mehr dem Absolutismus in die Arme werfen werden, um bei ihm Schutz gegen den„Texrorismus der Straße" zu suchen. Jedenfalls war dies protestlerische Fensterklirren wenigstens ein Lebenszeichen scitenOer schwachen kleinbürgerlichen Oppositionselemente, die keiner ernsteren politischen Aktion fähig sind und die soeben angesichts des Krieges selbst den Bankrott ihrer nationalistischen Bestrebungen in offiziellen Flugblättern verkündet haben. Ein Erlaß des Ministers Plehtve. Dem„Berliner Tageblatt" geht folgender Geheimerlaß Plehwe's zu: Ministerium des Innern. Vertraulich. Abteilung für Polizeiwesen. Vermittelst Rundschreiben. Sache Nr. ö. Den 6. März 1904. Nr. 723. An die Herren Gouverneure, Stadthäupter und Polizeimeister. Die zu verschiedenen Zeiten vom Ministerium des Innern an- geordneten Maßregeln, um die sich zu Unrecht außerhalb des An- siedelungsrahons niederlassenden Juden aus den neuen Nieder- lassungsgebieten wieder zu entfernen, haben eine Reihe von mehr oder minder strengen Verordnungen zur Folge gehabt, welche alle den Zweck hatten, die betreffenden Juden zurück nach dem An- siedelungsrayon zu befördern. Aus den anläßlich dessen von feiten der gemaßregelten Juden im Ministerium eingelaufenen sehr zahlreichen Beschwerden sowie aus den auf diese Beschwerden hin von feiten der örtlichen Ver- walttlngsbehörden erteilten Auskünften ist zu ersehen, daß die von den Gouverneuren und den ihnen unterstellten Organen behufs Aufrechterhalttmg der das Wohnrecht der Juden beschränkenden Be- stimmungen getroffenen Maßnahmen manchmal von schweren Folgen für die Betroffenen begleitet sind. Indessen läßt sich nicht verkennen, daß die Gründe, welche manche Juden dazu veranlassen, an ihnen verbotenen Plätzen zu wohnen, nicht selten in dem mangelhaften Zustand unsrer Gesetzgebung in Bezug aus die Juden zu suchen sind. Die in den höheren Verwaltungskreisen anerkannten Mängel haben diese bereits veranlaßt, an die Vorarbeiten zu einer Revision der die jüdische Bevölkerung des Reiches betreffenden Gesetze zu schreiten. Die Unklarheit der betreffenden Gesetze, welche selbst innerhalb der höchsten Instanzen die wider- sprechendsten Auslegungen erfahren haben, hatten zur unausbleib- lichen Folge, daß die Einheitlichkeit wie die Ausführung der auf Grund dieser Gesetze von den oberen, namentlich aber von den unteren lokalen Behörden getroffenen Porkehrungen in überaus un- günstiger Weise beeinflußt wurden. Unter solchen Umständen wäre es nicht ganz gerech tfertigt, wollte man alle schweren Folgen einer ungesetzlichen Niederlassung von Juden außerhalb der ihnen zum Wohnsitze angewiesenen Gebiete ausschließlich die Juden allein tragen lassen. Es wäre das namentlich in jetziger Zeit ungerechtfertigt, da durch die kriegerischen Ereignisse im fernen Osten mit den durch sie bedingten Mobilisierungen in einigen Militärbezirken und der Ein- bcrufung der Reserven, unter ivelchen sich even- tuell Angehörige der ausgewiesenen jüdischen Familien befinden können, die schweren Folgen der Au s>v eisungen von den Betroffenen doppelt schwer empfunden iv erden müssen. Aus diesen Gründen, sowie aus dem Bestreben heraus, alles zu vermeiden, ivas den normalen Gang im Innern des Reiches stören und in manchen Fällen die Unzufriedenheit der Bevölkerung hervor- rufen könnte, halte ich es für notwendig, einstweilen rind bis zur Wiederherstellung des Friedens alle die- jenigen Juden, welche nach Ansicht der lokalen Behörden sich in ihrem gegen ivärtigen Wohnorte zu Unrecht niedergelassen haben, in Ruhe zu lassen, falls diese Niederlassung ursprünglich berechtigt und erst nachträglich ihre rechtliche Grundlage verloren hat, oder wenn die Betreffenden schon seit längerer Zeit an ihrem gegenwärtigen Aufenthaltsorte wohnen und daselbst Familie und Besitz haben. Ew. Excellenz möge von obigem Kenntnis nehmen und danach ihre Maßnahmen treffen. Ich füge hinzu, daß als unbedingte Voraussetzung für die Anwendung der vorstehenden Verordnung die Ueberzeugung der lokalen Behörden gelten muß, daß der zum Wohnen außerhalb des für ihn bestimmten Gebietes zugelassene Jude die öffentliche Ruhe nicht gefährden und durch seine Anwesenheit nicht die Unzufriedenheit der Bevölkerung, in deren Mitte er wohnt, erregen wird. Der Minister für die inneren Angelegenheiten. gez. Plehwe, Staatssekretär. ES bleibt abzuwarten, ob man nach Beendigung des Krieges wieder rigoroser vorgehen oder ob man dann wirklich mit der Revision der die Juden betteffenden Bestimmungen ernst machen wird.—________ Der Vormarsch der Japaner. Dem„Reuterschen Bureau" wird auS Söul vom 1. d. M. ge- meldet: Die erste japanische Armee, bestehend aus der kaiserlichen Garde, der 2. und der 12. Division, die in A n d s ch u k o n z e n- triert ist, rückt jetzt auf drei Straßen nach Widschu vor. In Haidschu und Tschinamfu werden Lebensmittel gelandet und von dort in Dschunken nach Andschu befördert. Ebenso sind Pferde, deren jede Division 5200 hat, gelandet worden; sie sind in schlechter Verfassung und da jedes Pferd geführt werden muß. muß eine gleiche Anzahl Mannschaften von dem jetzigen Effekttvbestande in Abrechnung gebracht werden. Die Truppen leiden viel an erfrorenen Füßen.— Die Russen überschätzen die Stärke der japanischen Streitkräfte im Norden von Korea und ziehen sich deshalb zurück, ohne die natürlichen Vorteile des Landes aus- zunutzen. Die Japaner befestigen Fusan und die Insel Ködsche, um Masampho verteidigen und die Straße von Korea beherrschen zu können..._ Folgendes Telegramm des Generals Kuropatkrn an den Kaiser vom Dienstag wird amtlich veröffentlicht: Der Generalmajor Kaschtalinski meldet unter dem 4. April: Am D a l u i st a l l e s r u h i g. Gegenüber Turmiffchen auf der Insel Matuseo hatten Freiwillige ein Geplänkel mit Vorposten der bei Widschu stehenden Japaner. Auf unsrer Seite kein Verlust. Japaner hatten 0 Tote- die Zahl der Verwundeten ist unbekannt. Die Depots in der russischen Ansiedelung Dön-ampho sind geplündert und verbrannt worden. In Äön-ampho stand eine kleine Llbteiluug 300 Mann japanischer Infanterie gegenüber. Die japanische Mobilmachung. Dem„B. T." wird vom 3. April aus Tokio gemeldet: Es steht nunmehr außer jedem Zweifel, daß Japan bis zur Stunde nur den kleineren Tcilfeines Heeres mobil gemacht hat. und zwar im ganzen sechs Divisionen von den vorhandenen dreizehn aktiven Divisionen. Es sind mobil: I.Armee: General Kuroki Gardedivision, 2. Division, 12. Dwision. 2. Armee: General Oku 1. Division, 3. Division, 4. Division. Die ganze 1. Armee ist bis auf den letzten Mann seit dem 25. März in Korea. Das Gros ihrer Kräfte hat Andschu erreicht. Die 2. Armee ist in Ujina und Osaka zur See verladen, zur Zeit unterwegs angeblich nach der Liautung-Küste. Es stehen noch auf Friedensfuß immobil in ihren bisherigen Garnisonen auf Japan die 5., 6., 7., 8., 9., 10., 11. Division. Aus diesen sollen noch eine dritte und vierte Armee gebildet werden._ Die eine dieser beiden Armeen soll noch der zweiten Armee demnächst nachgefllhrt werden, die vierte bis zur letzten Stunde im Lande zurückgehalten die Hauptreserve bilden, die man erst im ge- gebcnen Moment zum entscheidenden Schlage loslassen will, und mit der man womöglich den Russen in den Rücken dringen will, wenn sie die Operation gegen die drei andren japanischen Armeen aufgenommen haben. Die russische Finanznot.. Petersburg, 6. April. Der„Regiernngsbote" veröffentlicht Mit- teilungcn über infolge des Krieges beschlossene Einschränkungen einiger Sraatsausgaben. Denselben ist zu entnehmen, daß es für zweckentsprechend befunden wurde, vorläufig für Kriegszwecke den freien Barbestand der Staatsrentei zu verwenden, ohne zu andren Quellen Zuflucht zu nehmen, außerdem aber durcb Streichungen im Budget 1904, besonders der Civilressorts, die Mittel der Staats- rentei zu vergrößern. Eine besondere Konferenz unter Vorsitz des Grafen Ssolski hat Vorschläge ausgearbeitet, welche nach der Begutachtung durch die Minister vom Reichsrate geprüft und am 19. März vom Kaiser bestätigt worden sind. Das leitende Princip bei den vorgenommenen Streichungen war, dieselben nur für neue Maßnahmen, welche zur Verbesserung schon bestehender geplant waren, zuzulassen, ohne den gewöhnlichen Gang des Staats- lebens zu stören und die Rechte irgend jemands hinsichtlich der Verpflichtungen der Staatskasse zu verletzen. Die G e s am t- summe der vorgenommenen Streich»ii gen beträgt 134 377 10k Rubel; davon entfallen auf in den Vorjahren eröffnete Kredite über 18 Millionen Rubel. Der Rest von 115 498 366 Rubel ent- sällt auf das Blidget von 1904. Am bedeutendsteii gekürzt sind die Ausgaben für B a h n b a u t e n, nämlich um 54 Millionen, für Verbesserung bestehender Bahnen, sowie für einige Arbeiten in den Kriegshäfen Wladi wo stock, Port Arthur usw. Im allgemeinen wurde das Budget für 1904 iim 5,3 Proz. gekürzt. Die gewöhnlicheir Ausgaben wurden um 60 Millionen Rubel gegen den Budgetvoran- schlag herabgesetzt, also um 3 Proz.; dabei übersteigen sie auch nach den vorgenommenen Streichungen die gleichen Posten des Budgets für 1903 noch um 26 Millionen Rubel. Nach dem Prozent- Verhältnis wurden die meisten Ersparnisse durch Streichungen bei den außerordentlichen Ausgaben erzielt, nämlich 26 Proz.; sie be- laufen sich auf 55 Millionen Rubel. pami-f�ackncbten. Die Parteigenosse» der obere» Rheiuprovinz(Regierungsbezirke Köln, Aachen, Koblenz und Trier) hielten Ostern in Mülheim a. Rh. ihren Bezirks-Parteitag ab. Es waren 30 Delegierte aus 17 Rcichstags-Wahlkreisen erschienen; sechs Kreise waren unvertreten. Zum Punkte Organisation wurde folgender Beschluß gefaßt: „In allen Kreisen ist die Bildung einer straffen Centralorganisation zu erstreben. Es sind Kreisvereinc zu gründen, deren Vorstand sämt- liche Partetgeschäfte des Kreises leitet. Die örtlichen Vertrauens- leute sind Unterkassierer des Vereins. Nur wo die Gründung solcher Vereine nicht möglich ist, darf das Vertrauensmänner- System weiterbestehen." Ferner wurde das Agitationskomitee beauftragt, zeitig vor dem nächstjährigen Parteitage ein O r g a n i s a t i o n s st a t u t für den Bezirk der oberen Rheinprovinz zu entwerfen, zur Besprechung in der Presse zu veröffentlichen und dem Parteitage zu unterbreiten. Weiter wurde beschlossen, daß das Agitationskomitce zun» nächsten Parteitage den Entwurf eines all- gemeinen Kommunalprogramms für die obere Rheinprovinz ausarbeiten möge. Die Einnahme des Komitees belief sich aus 7587 M., die Ausgabe auf 7552 M. Die Wochenausgabe der „Rheinischen Zeitung" hat eine Auflage von 500 und erforderte einen Zuschuß von 450 M., d. i. 278 M. weniger als im Jahre vorher. Der Parteitag hatte einen ausgezeichneten Verlauf und ließ in der schwarzen oberen Rheiuprovinz überall einen Fortschritt erkennen. Partcipresse. In die Redaktion der„Bcrgischen Arbeiterstimme" in Solingen wird an Stelle des zum Parteisekretär in Frank- furt a. M. gewählten Genossen Dittmann der Genosse Paul B r ö ck e r aus Hamburg eintreten. Ncber die socialistische Partei Portugals enthält die letzte Nummer des„Avenir Social" einen Artikel, dem wir folgendes ent- nehmen: Am 10. Januar 1375, so heißt es dort, versammelte sich die„Vereinigung des 18. März", die zu jener Zeit den Mittelpunkt der Arbeiterbewegung von Lissabon bildete, und schritt zur Gründung der socialistischen Partei Portugals. Das Programm, ausgearbeitet von Guecco, wurde von der Kommission angenommen und der erste Kongreß der portugiesischen Socialisten, der im Jahre 1877 in Lissabon stattfand, stimmte demselben zu. Der zweite Kongreß fand im Jahre darauf in Porto statt und im Jahre 1879 tagte wiederum ein solcher in Lissabon. Mit der Organisierung der Partei ging es sehr langsam von statten; in den ersten Jahren gab es heftige Kämpfe mit der republikanischen Partei, welche in der Arbeiterklasse noch große Anhängerschaft hatte. In den späteren Jahren wurden die Schwierigkeiten! fast noch größer, indem sich fort- gesetzt neue Gruppen bildeten, die als„Junge" die„Alten" unter Guecco bekämpften. Immer neue destruktive Elemente, namentlich auch anarchistische Gruppen, waten auf und zersplitterten und entkräfteten die socialistische Partei wie die Arbeiterbewegung überhaupt. Dieser Zustand hat so ziemlich das ganze letzte Jahr- zehnt des vorigen Jahrhunderts gedauert. Die socialistische Partei Portugals, so heißt es zum Schluß, besteht jetzt 29 Jahre und sie hat noch Berge von Hindernissen und Schwierigkeiten zu überwinden; sie hat eine große Aufklärungsarbeit zu leisten, der portugiesischen Arbeiterschaft Willenskraft einzuflößen und sie zur Disciplin und Solidarität zu erziehen, alles Eigenschaften, die dem portugiesischen Volke vollkommen mangeln. Es gilt, die Gehirne eines Volkes zu revolutionieren, welches durch das Elend und die Priesterherrschaft vergangener Jahrhunderte des Denkens entwöhnt ist. Diese Kulturarbeit muß und wird die socialistische Partei in Portugal l e i st e n. poUreillcbe», CkmKtlicbes ukw. Ten Ausdruck„Fürstlicher Brotwucherer" hatte die socialdemo- kratische„Nordwacht" in Bant mit Bezug auf den Reichstags- Abgeordneten und Präsidenten des Herrenhauses Fürsten zu Inn- und Knyp hausen gebraucht. Der Redakteur des Blattes wurde vom Landgericht in Oldenburg zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Mitangeklagte Verleger wurde freigesprochen. Auch dem Kaiser wird das Wort vom Brotwucher in den Mund gelegt._ Soziales. Aerzte und Krankenkassen. Aus dem Solinger Aerztevcrein ist der Augenarzt Sanitätsrat Dr. Rheindorf senior in N e u ß ausgetreten. Er begründet diesen Schritt, der mit dem Kampfe der Solinger Aerzte gegen die Ortskasse zusammenhängt, in einer kleinen Flugschrift, worin er ein interessantes Aktenstück als Beweis für ärztliche Kampfmethoden veröffentlicht. In Solingen war das wichtigste Mittel, die Kasse unter- zukriegen und das Einschreiten der Behörde zu erzwingen, die künstliche Erzeugung eines Notstandes der augenärztlichen Hilfeleistung. Nach- dem am i. Januar d. I. die Mitglieder des Solinger Aerztevereins ihre Thäsigkeit für die Kasse eingestellt hatten, weil diese die fteie Arztwahl nicht bewilligte, erlangte die Kasse zwar sechs praktische Aerzte. jedoch gelang es ihr nicht, einen Augenspecialisten anzustellen. Die Solinger Augenärzte gehören dem Aerzteverein an und lehnten die Behandlung der Kassenmitglieder ab. Die Aufsichtsbehörde begann ihr Einschreiten mit der Forderung der Anstellung eines Augenarztes und daraus entwickelte sich alles weitere. Als im Januar ein Mitglied der Kasse augenärztlicher Hilfe be- durfte, wandte es sich an Dr. Rheindorf, der in Neuß eine Klinik hat. Dr. Rheindorf erklärte klinische Behandlung für notwendig, da der Patient vor der Gefahr gänzlicher Erblindung stand. Die Kasse überwies darauf den Mann der Klinik Dr. Rheindorfs und fragte zugleich nach den Bedingungen für dauernde augenärztliche Bs- Handlung der Kassenmitglieder. Dr. Rheindorf teilte diese Be- dingungen mit und es wäre danach ohne Zweifel die Erfüllung der Forderungen der Aufsichtsbehörde möglich gewesen, wenn nicht jetzt der Verein der Solinger Augenärzte, der mit dem Verein der Solinger Aerzte gemeinschaftliche Sache gemacht, eingegriffen hätte. Die Art dieses Eingreifens, die schließlich Dr. Rheindorfs Austtitt aus dem Aerzteverein veranlaßt hat, schildert dieser nun in seiner Flugschrift wie folgt: „Gegen den 12. oder 13. Januar erhielt ich vom Vorsitzenden� nnsres augenärztlichen Vereins eine Aufforderung, kein Mitglied der Orts-Krankenkasse Solingen augenärztlich zu behandeln. Da erst hörte ich von den Differenzen. Ich entließ den Kranken aber nicht, einmal weil die Kur schon, wie es schien, erfolgreich voranschritt, zweitens weil dieselbe doch nur noch kurze Zeit dauern sollte, und drittens weil der arme Mensch»ach meinem Dafürhalten in Gefahr war, total zn erblinden. Am 16. Januar, mittags 1 Uhr, erhielt ich ein Telegramm aus Solingen:„Keinen Kranken der Kasse annehmen!" und um 3 Uhr erschien ein Arzt aus Solingen, der mir endlich volle Aufklärung brachte: freie Arztlvahl bestände schon in Solingen, es handle sich nur um Erhöhung des ungenügenden Honorars. Sofort sagte ich mm meine Unterstützung zu, die ich verweigert haben würde, wenn der Kampf sich um freie Arztwahl gedreht hätte. Nur bei schweren Nugeiiverlctziiugcn, erklärte ich, würdeich meine Hilfe nicht verweigern. Darauf der Solinger Kollege:„Die Düsseldorfer Augenärzte ver- weigern auch dann die Hilfe!"„Nein", erwiderte ich,„das werde ich nicht thun; wenn die praktischen Aerzte in gleichen Verhältnissen, wo das Leben auf dem Spiele steht, ihre Hilfe nicht verweigern, so werde ich als Augenarzt es nicht thun, wenn di�Existcnz eines Auges bedroht ist. Komnit Humanität mit Kollegialität in Kollision, dann stehe ich imnier auf feiten der Humanität. Andre mögen anders enipfinden, ich aber würde es nur nie verzeihen, wenn ich aus Kollegialität einen Menschen erblinden lieh." Nun erklärte sich der Kollege(notgedrungen?) befriedigt, zumal ich darauf hinwies, daß, wenn der Streit durch meine Parteinahme voraussichtlich in wenigen Tagen entschieden sei, ich wohl kaum einen so schweren Fall zu sehen bekommen würde. Am Abend desselben Tages gegen 7 Uhr kam eine Depesche deS Oberbürgermeisters von Solingen an:„ob ich einen Augenkranken der Kasse aufgenommen hätte." Antwort:„Ja, Brief folgt." Am selbigen Abend teilte ich den obigen Sachverhalt mit. Sonntag, den 17. Januar 1904 erhalte ich einen neuen Brief vom Vorsitzenden nnsres Vereins mit nochmaliger Mahnung, alle Augenkranken der Solinger Kasse abzuweisen. Dann aber zugleich einen Brief von einem Düsseldorfer Augenarzt, abgeschickt jedenfalls am 16. Januar abends. Dieser lautete folgendermaßen: Dr. med..., Düsseldorf, 16. 1. 1904. Augenarzt.... str. Nr... Sehr geehrter Herr Kollege! Nicht für mich, sondern im Namen bedrängter Kollegen appelliere ich an Ihr Standesgefühl. In Solingen hängt es zur Zeit nur noch von der Frage ab, ob die Solinger Augenkranken Hilfe be- kommen; danach entscheidet sich der Kampf der dortigen Aerzteschaft gegen den Uebermut der Kassenvorstände zu Gunsten oder Ungunsten der Aerzte. Kriegt der Kassenvorstand von einem Augenarzt der Nachbarschaft Hilfe, so gewinnt er Zeit, bis er einen der vielen Halbspecialisten gewonnen hat. Wie ich gehört habe, ist Ihr Name als Helfer der Kassen gegen Ihre Standesgenossen sowohl in Solingen wie in Viersen genannt. Herr Kollege, ich kann so was nicht glauben, denn die Klugheit muß Ihnen sagen, daß Sie nur der Nothelfer sind, dem man einen Fußtritt giebt, sobald am Orte Ersatz ist. Für die paar Mark momentanen Einkommens würden Sie aber an der Achtung der Standesgenossen schweren und dauernden Schaden leiden. Wir Specialiste» in der ganzen Gegend sind emig. Notfälle kennen wir nur, wo eS sich um Lebensgefahr handelt. Sonst mögen die Leute nach Bonn gehen. Da geht den Kassen in kurzer Zeit der Atem aus, die Reisekosten werden zu hoch, die Kassenmitglieder thun nicht mit. Haben die Kassenvorstände kein Mitleid mit den Mitgliedern und mit den Aerzten, die sie kalt lächelnd auf die Straße setzen, so gebietet das Gesetz des Kriege», die Kranken mitleidlos außer in Fällen alleräußerster Not, abzuweisen."') Hier stehen wir mit der Eiscnbahnbetriebs-Krankenkasse(Elber- feld wohl) seit gestern auch auf Kriegsfuß. Werden Sie auch da für die hiesigen Eisenbahner der Helfer sein, weil die Düsseldorfer Aerzte die Hilfe verweigern? Denken Sic an Neuß. Es kann Ihnen da auch blühen, daß Sie auf Hilfe in Düsseldorf rechnen müssen. Ich hoffe, daß mein Appell an Ihr Standesgefllhl über- flüssig ivar. Mit kolleg. Gruß I Dr... *) Ist es im Kriege auch inhuman, die Menschen tot z« schießen R' Für diesen Brief verlangte Dr. Rheindorf, der sich durch ihn schwer beleidigt fühlte, Genugthuung vom Vorstande deS Vereins der Augenärzte. Die Genugthuung wurde ihm verweigert, so daß man die Solinger Aerzte insgesamt mit dem Briefe identtficieren muß, der an Brutalität nichts zu wünschen übrig läßt. Dr. Rhcindorf giebt am Schluß seiner Schrift dieses Urteil über die Aerzteforderungen ab: 1. Die Aerzte-Miscre ist durch die Ueberproduktton bedingt. Die Krankenkassen können sie nicht beseittgen, aber man dürfte es eventuell auch nicht von ihnen verlangen. 2. Pcrlangen kann man von ihnen eine anständige, den jetzigen Zeitverhältnissen und den Müheleistungen der Aerzte entsprechende Honorierung. 3. Allgemein freie Arztlvahl durch Gewalt oder durch den Gebrauch der Macht irgend eines Fattors zu erzwingen, ist ein schweres Unrecht gegen die Kassen; sie im Interesse der jüngeren Aerzte zu wünschen und zu begünstigen, wird kein Arzt, besonders kein älterer, Bedenken tragen. Der Achtstundentag in Amerika. Die Entwicklung zum Acht- stundentag macht in den Vereinigten Staaten von Nordamerika immer weitere Fortschritte. Das„Labor Bulletin" des Staates Massachuetts bringt in seiner letzten Nummer eine Zusammen- stellung, aus der ersichtlich ist, daß der Achtstundentag bereits in die Gesetzgebung von 27 Staaten Aufnahme gefunden hat. Bei den meisten allerdings ist der gesetzliche Achtstundentag nur vorgesehen für Staatswerkstätben, beziehentlich für Arbeiten und Lieferungen für den Staat und die Kommunen. In einer Reihe von Staaten ist die achtstündige Arbeitszeit für die Gefängnisse, Straf- und Er- zichungsailstalten, in andren auch für die Berieselungsarbeiten fest- gesetzt. Wieder andre haben die gesetzliche achtstündige Arbeitszeit für Berg- und Hüttenwerke, Goldwäschereien eingeführt. In sedis Staaten aber ist die achtstündige Arbeitszeit durch Gesetz für alle Industrien und Gewerbe, mit einigen Ausnahmen, festgelegt. Es sind das die folgenden Staaten: Connecticut, Illinois, Indiana, Missouri, New Jork und Pennsylvanien. Hus Induftrie und Kandel. Stimmungsmache. Seit einiger Zeit bringen wieder ver- schredene Blätter des rheinischen Unternehmertums recht optimistische Berichte über die Lage des rheinisch-westfälischen Roheiscnmarktes. Allerdings wird die rosige Färbung nicht konsequent eingehalten, je nachdem es die Interessen der Syndikate oder einflußreicher Banken- koalitioncn verlangt, werden in den allgemeinen rosafarbenen An- strich einige dunkle pessimistische Pinselstriche hineingebracht. Dabei haben die betreffenden Pretzorganc durchaus nicht nötig, zu direkten Fälschungen zu greifen. Im Wirtschaftsgctriebe der Gegenwart mit seinen einander mannigfach widerstreitenden Tendenzen treten im bunten Wechsel die verschiedenartigsten Erscheinungen an die Ober- fläche, und wenn man hier ein wenig übertreibt mrd dort einige entgegenstehende Thatsachen vergißt, lassen sich die hübschesten Stimmungsbilder zusammenflicken. Aian braucht z. B. bei der jetzt m einzelnen Branchen der Eisenindustrie hervortretenden stärkeren Nachfrage nur zu vergessen, daß solche„Belebung" oder„feste Tendenz" des Eiscnmarktes regelmäßig in jedem Frühjahr eintritt utid eine einfache Folge des sogenannten„Saisoncharakters" dieser Branchen ist, so ergeben sich die schönsten Gründe für die Folgerung, daß der neue Aufschwung bereits kräftig einsetzt. . Gegenüber dieser Stimmungsmache verdient der nachfolgende Bericht der„Industrie", Fachzeitung für Pohlen-, Kali- und Erz-Bergbau, über den rheinisch-westfälischen Eisenmarkt entschiedene Beachtung, da er die Lage ziemlich nüchtern beurteilt: „Auf dem Roheisenmarfte spürt man noch verhältnismäßig wemg von einem Aufschwung, der hier auch wohl nur mit einer be- deutenden Zunahme deS Bedarfs eintreten kann, und diese ist selbst- verständlich nicht plötzlich zu erwarten. Die„Köln. Ztg." spricht allerdings von einem„plötzlichen und starken Wiederhcrvortreten des Bedarfs" in dem Augenblick, als der Siegener Eisenstein- Verkaufsverein die Fördercinschränkung von IS auf 30 Proz. erhöhtet Das sttmmt schlecht zusammen I Daß jetzt alle Verbraucher ihren Bedarf für zweites und wenn möglich auch für drittes Quartal decken,. liegt nahe, aber daraus kann man keine Schlüsse auf einen besonderen Aufschwung ziehen? erst wenn ein wachsender und dringender Bedarf hervor- tritt, darf man von einem solchen sprechen. Zur Zeit wird im' Siegerlande sogar bitter geklagt, daß die Lage selten so schlecht ge- Wesen sei. Das hängt nun wohl mit den besonderen und vielfach eigenartigen Verhältnissen des Siegerlandcs zusammen, wo die reinen Hochöfen die Mehrheit bilden und die jetzt stockende Ausfuhr eine besonders wichtige Rolle spielt. In Nhciulaud-Westfalcu und be- den gemischten Hütten sieht es allerdings besser aus. zumal auch. wo Gießerci-Eiscn in Frage kommt, das innner noch einen guten Bedarf aufweist. Wenn daher die Syndiratc ihre Roheisenpreise für zweites und drittes Quartal bestehen lassen, so thun sie klug daran und tragen der Marktlage Rechnung, die heute für höhere Rohstoffprcise doch noch nicht genug gefestigt erscheint. Nach der„Köln. Ztg." ist dieser vernünftige und fast ideale Gesichtspunkt für eine weise Mäßigung allerdings nicht bestimmend. sondern nur der zu bekämpfende Wettbewerb eines„östlichen Werkes" und des englischen Roheisens, dessen Einfuhr noch immer versucht werde. Danach werden die Roheisen-Shndikate also zu Preis- erhöhungen schreiten, wenn sie jenem Wettbewerb nicht mit niedrigen Preisen begegnen müßten. Wenn man aber nun liest, daß die Er- zeugung jenes Werkes sehr gering ist und gegenüber der Erzeugung der genannten westlichen Werke kaum ins Gewicht fällt, so kann man einen solchen Grund nicht als recht stichhaltig anerkennen. Offenbar ist die Gesamtlage des Roheiscnmarktes noch keine be- friedigende und daher die Zeit noch nicht gekommen, die Preise heraufzusetzen. Das Ostergeschäft der Berliner Konfektionsbranche ist nach dem „Konfektionär" wett lebhafter gewesen, als es anfangs den Anschein hatte. Die Detaillösten, deren Läger an und für sich klein waren, haben zum größeren Teil vorzüglich geräumt und brauchen jetzt nach dem Feste Ware. Das Engrosgeschäst in den letzten Tagen vor dem Feste war ganz bedeutend, die Nachfrage nach Ware war enorm und konnte in keiner Weise ausgeführt werden, da die hier anwesenden Käufer alles aus der Arbeit Kommende direkt mit- nahmen. Die Sandbank in Berlin, die hakattstische Gründung des Herrn Ferdinand v. Hanse, nann, des Sohnes des jüngst verstorbenen Adolf v. Hansen, ann, zahlt wiederum 7 Prozent Dividende, ein Beweis, daß die Verbreitung des Deutschtums im polnischen Osten, richtig geschäftlich angefaßt, sich noch immer recht gut rentiert, be- sonders wenn mem sich hoher Protektionen erfreut. Von der„kiüturellen Thätigkeit" der Bank in den polnischen Bezirken wird im Stechenschaftsbericht gemeldet: Der Umsatz von Restgittern und Vorwerken ist größer gewesen, als in irgend einem der Vorjahre. Unter den verkauften Gütern be- finden sich einige, deren Abgabe mit Zustimmung des Ministeriums an die königliche Ansiedelungskommission erfolgte, weil dieser der Erwerb der Güter nach ihrer Lage und Beschaffenheit in Rücksicht auf die von ihr zu erfüllende nattonalpolittsche Aufgabe besonders erwünscht erschien. Die Zahl der Abverkäufe an Adjacenten ist eine geringere gewesen, einmal, weil die besonderen Verhältnisse der zum Verkauf gelangten Güter an sich eine starke Abgabe von Land an Nachbarbesttzer nicht zuließen, und sodann, weil, abgesehen von dem vern, ehrten Verkauf ganzer geschlofsener Besitzungen, die eigent- liche Kleinkolonisation eine stärkere Ausdehnung erfahren hat. Dem- entsprechend ist die Gründung selbständiger Bauernstellen kleineren und mittleren Umfanges in einem ganz erheblich verstärkten Maße erfolgt. Die Kleinkolonisation erfolgt thunlichst im Einverständnis mit den Staatsbehörden und neuerdings überall unter Mitwirkung der zu- ständigen kön ig lichenGeneralkom Missionen. Durch- geführt ist in, abgelaufenen Geschäftsjahr die Klein-Aufteilung der Güter Wendisth-Pribbernow und Broitz, Kreis Greifen- berg i. P., Krampe, Kreis Lauenburg, und Zemmen, Kreis Bütow, sowie des für die Klcinteilung vorgesehenen Teiles von Rostin. Kreis Soldin. Bei der Auswahl der zahlreichen, zur Auf- teilnng bestimmten Güter, welche sich zur Zeit in Be- arbeitung befinden, sind sowohl volkswirtschaftliche, als auch nattonalpolittsche Rücksichten bestimmend gewesen insofern, als die Bank in den Provinzen Posen und Westpreußen, dem eigent- lich staatlichen Anstedlungsgebiet, von einer Konkurrenz mit der könig- lichen Ansiedelungskommission thunlichst absieht und daftir in andren nicht minder national gefährdeten Gegenden der östlichen Provinzen in verstärktem Maße mit Ankäufen vorgegangen ist. Das trifft insbesondere auf Oberschlesien zu, woselbst die in den Kreisen Pleß und Rybnik belegene Herrschast Borin-Oschin, ca. 1036 Hektar, sowie die Güter Golassowitz. Kreis Pleß. ca. 413 Hektar, und Kottlischowitz, Kreis Tost-Gleiwitz, ca. 1036 Hektar, im vollen Einvernehmen mit allen beteiligten Behörden für die Gründung von Bauernkolonien vor- gesehen sind. Die Lage des Ruhrkohlenmarktes hat, nachdem schon die erste Hälfte des März eine stärkere Versendung gebracht hatte, in der zweiten Hälfte sich noch mehr gebessert, so daß im letzten Monat mit LS Arbeitstagen der Bahnvcrsand der Rührkohlenzcchen an Steinkohlen, Coaks und Steinkohlenbriketts im Tagesdurchschnitt die Ziffer von 192 000 Tonnen erreichte. Die um diese Jahreszeit außer- gewöhnlich starke Beschäftigung der Zechen, die gegen März 1903 eine Mehrleistung von arbeitstäglich rund 30 000 Tonnen ergiebt, ist jedoch weniger auf die Zunahme des deutschen Konsums, als auf die großen Anforderungen zurückzuführen, die von den Rheinhäfen an die Zechen gestellt wurden, veranlaßt durch das Bestreben der Ver- braucher in Hollm,d und am Mittel- und Oberrhein, ihre Abschluß- mengen vor der Aufnahme der Tättgkeit des Kohlcnkontors abzu- nehmen, um nicht vielleicht mit diesem in Konflikt zu kommen. Hollands Handelsflotte hat sich in den letzten Jahren nach einem zehnjährigen Stillstand wieder kräftig zu entwickeln' begonnen. Im Jahre 1890 verfügte Holland über K86 Handels- schiffe mit 371 160 Brutto- Registertonnen, 1899 über 578 Schiffe mit 374 213 Tonnen. Mit dem Jahre 1900 beginnt der lebhafte Aufschwung, der im Jahre 1903 bereits 639 813 Brutto-Registertonnen aufzeigen kann. Die Zahl der Schiffe stellt sich im gleichen Jahre auf 647. Während also vor 13 Jahren das holländische Kauffahrteischiff im Durchschnitt 541 Tonnen hielt, wuchs die Schiffsgröße auf 647 Tonnen im Jahre 1899 und 983 Tonnen im Jahre 1903. Die Zahl der Dampfer bettug in, letzten Jahre 277. Recht groß ist die Zahl der Reedereien, deren Schiffsbesitz die an- gegebene Flotte zusammenbringt, nämlich 387? 1890 waren es sogar 428. Ein beträchtlicher Anteil der niederländischen Handelsflotte gehört der Holland-Amerika-Linie. Getverklchaftlickes. Berlin und ilmgcgend. Die Kühncmänner und der A 153 der Gewerbe-Ordnung. Die Kühnemäimer haben bekanntlich ihren Arbeitern einen Revers vorgelegt, in dem diese sich verpflichten, an Vereinbarungen zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht teil- zunehmen. Die Sache endigte mit einem Fiasko; die Arbeiter waren zur Unterschrift einer solchen Erklärung nicht bereit. Jetzt wird der Versuch gemacht, sie langsam und zielbewußt„ach Kühnemännermanier dazu zu zwingen. Ein Arbeiter sollte bei der Firma Ahrend u. Co., Alexan- drinenstraße, anfangen. Der Mann war brauchbar, auch seine Papiere waren in Ordnung, dennoch wurde er nicht eingestellt. Warum? Man verlangte von ihm, er solle den famosen Revers unterschreiben.— Hier ist doch ein Vergehen gegen den 8 153 der Gewerbe- Ordnung zweifellos. Durch die Drohung, ihn im Falle der Verweigerung seiner Unterschrift nicht einzustellen, zwingt man den Arbeiter, an Verabredungen zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht teilzunehmen oder von ihnen zurück- zutreten. Es liegt also eine ganz flagrante Verletzung des Z 153 der Gewerbe-Ordnung vor. Ein wahres Glück für die Kühncmänner, daß der Staatsanwalt mehr zu thun hat, als jeden Tag den„Vorwärts" von vorn bis hinten auf etwaige strafbare Handlungen durchzusehen; dies Ver- gehen gegen die Gesetze würde ihnen schwer ausstoßen.— Wir sind neugierig, wie die Arbeitgeber-Zeitung" diesen Fall von Terrorismus beurteilen wird. Achtung, Maler und Anstreicher! Die Kollegen in Frankfurt a. O. sind in den Streik getreten. Zuzug ist fernzuhalten._ Deutkdies Reich. Die Aera der Aussperrungen im Baugewerbe hat begonnen. Wir wiesen schon vor einem halben Jahre darauf hin, daß das Jahr 1904 das Jahr der Aussperrungen ,m Baugewerbe sein würde. Die Unternehmer der Baubranche haben beschlossen, überall au Forderungen der Arbeiterschaft mit Aussperrungen im großen Stile zu antworten. Wo aber Forderungen nicht gestellt werden, sollten sogenannte„Arbeitsnachweise-BureanS" eingefiihrt werden, lediglich zu dem Zweck, unter den Arbeitern eine Auslese zu halten und die ..Unbotmäßigen" aufS Straßenpflaster zu werfen. Niemand sollte auf diesen Nachweisebureaus Arbeit erhalten, ohne einen ordnungsmäßigen Entlassungsschein, der natürlich allen Streikenden— und mochten sie aus dem berechtigsten Grunde zum Streik geschritten sein— ver- weigert wurde, den aber ein launischer Arbeitgeber auch jedem andren Arbeiter verweigern kann, vielleicht schon dann, wenn ein tüchttger Mann aus einem schlecht bezahlten Posten anderwärts in einen besseren aufzurücken trachtet. In Königsberg kam es zu einer Aussperrung, weil die Bauarbeiter recht minimale Forderungen stellten. An den Unter- w e s e r o r t e n ist es am Dienstag zu einer Aussperrung ge- kommen, weil dort die Arbeiter sich daS Maßregelungsbureau nicht aufoctrohren lassen wollten. Der Schlag gegen die Arbeiterschaft an den Unterwescrorten ist lange vorbcreilet. Man hat sich dort bemüht, künstlich eine starke Arbeitslosigkeit zu schaffen, indem man auf der einen Seite Arbeiter hinausschob, auf der andern Seite von auswärts Arbeiten heranzog. Die Arbeiterschaft petitionierte dagegen mit dem Ersuchen auf Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweise. Die Behörden antworteten ablehnend darauf mit dem Hinweis auf die Arbeits- nachweise der Unternehmer, auf die Maßregelungsbureaus. die den von den Arbeitern getadelten Zustand herbeiführten. Zunächst wußte man nicht, gegen welche Arbeiterkategorie sich der zweifellos geplante Schlag zuerst richten würde; vielleicht war sich darin nicht einmal das Unternehmertum einig. Da setzte die Baukonjunktur etwas flotter ein und es schien zweifellos. daß dieselbe durch den Abtretungsvertrag zwischen Preußen und Bremen noch an Ausdehnung geivinnen mußte. Mit allen Mitteln suchte man nun die Bauarbeiter zum Streik zu reizen, um bis zum Eintritt der Hochkonjunktur deren Organisation vernichtet zu haben. Ihre minimalsten Forderungen ignorierte man in der brüskesten Weise, auf ihre höflichsten Ersuchen antwortete man mit Beleidigungen und Ehrenkränkungen. Als die Arbeiter merkten, wohin die Absicht des Scharfmachertums ging, setzten sie alles daran, um den Herren einen Strich durch ihre Rechnung zu machen. Sie beschlossen, a u f s ä m t l i ch e F o r d e r u n g e n z u v e r z i ch t e n, die Arbeit also in bisheriger Weise und zu den bisherigen Bedingungen fort- zusetzen. Den Wortführern im Arbeitgeberverband kam dieses ge- chickte Parieren der Arbeiter äußerst ungelegen, sie wollten den Kampf, denn sie brauchten ihn. Als die Arbeiter durch kein Mittel zu provozieren waren, schritt man zur Gründung des Maßregeluirgsbureaus. Ende voriger Woche ließen die Unternehmer an sämtliche Arbeiter des Baugewerbes Karten folgenden Inhalts zur Verteilung gelangen: Unterzeichneter erklärt hierdurch, daß er den vom Arbeitgeber- Verbände für das Baugewerbe errichteten Arbeitsnachweis als für die Anstellung von Gesellen, Gehilfen und Arbeitern im Bau- gcwerbe maßgebend anerkennt. Bremerhaven, Geestemünde, Lehe, den 2. April 1904. Name......... Beruf......... NB. Wer nach Ostern weiter ardriten will, hat diese Karte zu unterschreiben und abzugeben. Mit der Ausgabe dieser Karten holte das Unternehmertum zum letzten Schlage aus. Die Arbeiter waren sich des Ernstes der Lage bewußt, in voller Ruhe und Kaltblütigkeit faßten sie ihre Entschlüsie. Alles hatten sie gethan, um den Konflikt abzulvenden. alles daran gesetzt, die Machinationen der Arbeitgeber in sich zusammen- allen zu lassen. Hier aber handelte es sich um ihre Ehre, hier sandelte es sich um das Verlangen der Anerkennung einer Jn- titution, die sich gegen ihre Organisation, gegen ihre vitalsten Jnter- essen richtete, und da gab es für sie nichts andres, dem an sie ge- stellten Verlangen mußten sie mit einem klaren und bestimmten Nein entgegentreten. In drei überfüllten Berufsversammlungen beschlossen die Arbeiter denn auch, die Unterschrift der Karte abzulehnen, mag da kommen, was da wolle. Die Unternehmer führten den Schlag, mit wenigen Ausnahmen warfen sie am Dienstag früh die gesamten Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter, die gekommen waren, in gewohnter Weise ihre Arbeit zu verrichten, auss Straßenpflaster. Die Generalausspernwg ist perfekt. Ueber tausend fleißige Arbeiter liegen auf der Straße! Der Kapitalist ist drauf und dran, neben seiner Ueberflüssigkeil für die Gesellschaft auch seine Gefährlichkeit für dieselbe zu beweisen! Die Arbeiter der Schuhfabrik Bahersdorf in München befinden sich in Lohndifferenzen. Ursache derselben ist: Verschlechterung der bisherigen Lohnverhältnisse. Da Kündigung bereits eingereicht ist, so werden die Schuhfabrik-Arbeiter allerorts ersucht, keine Arbeits- angebote für München zu berücksichtigen, sondern für Fernhaltung des Zuzuges zu sorgen. Die Arbeiterblätter werden gebeten, von vorstehenden Zeilen Notiz zu nehmen. Der Vorstand des Vereins deutscher Schuhmacher. Hirsch-Dnnckcrsche Gcwcrkvcrcinlcr gegen den„Liberalismus". Seit einiger Zeit besteht innerhalb der Gcwerkvereine, besonders in Berlin, das Bestreben, ein Tagesblatr zu gründen, daS speciell den Interessen der Hirsch-Dunckerschen Organisationen Lienen soll. Mit diesem Plan befaßte sich der an den beiden Ostertagen in Köln abgehaltene vierte Delegicrtentag des r h e i n i s ch- w e st f ä l i s ch e n Ausbreitungsverbandes der Hirsch-Dunckerschen G e w e r kv er ein e. Wie der Referent, Z i e g l e r- Düsseldorf, ausführte, soll nach einem Projekt des Landtags-Abgeordneten Gold- schmidt ein Blatt dreimal wöchentlich für alle Gewerkvereins- Mitglieder obligatorisch erscheinen bei einem Sonderbeitrag von wöchentlich 5 Pf. Das würde also ein Blatt mit 110 000 bis 120 000 Zwangsabonnenteii. Wie Herr Goldschmidt dem Redner mitgeteilt hat, ist das Blatt politisch gedacht„auf breiter liberaler Grundlage". Demgegenüber erklärte Ziegler unter dem Beifall der von 70 Delegierten besuchten Versammlung. Ein solches Blatt müssen wir ablehnen; es wäre Arbeiter- Verrat; mit den Leuten von der national- liberalen Partei, der freisinnigen Volkspartei und der freisinnigen Vereinigung können wir nicht z u s a m m e n g e h e n.— Die folgenden Redner sprachen sich alle für die Gründung von Tageszeitungen aus, die der Hirsch- Dnnckerschen Sache dienen, weil die Gewcrkvereine ohne jede Stütze daständen, während die andern gewerkschaftlichen Richtungen in jeder Weise von der auf ihrer Seite stehenden politischen Presse gefördert würden. Jedoch waren die Redner für Zeitungen in den einzelnen Provinzen. Der Delegiertentag nahm eine Resolution an, worin es heißt:„Der Delegiertentag hält die Vorlage des Verbands- Redakteurs Goldschmidt zur Tageszeitungsfrage für verfehlt und ist der Ansicht, daß die Tageszeitungsfrage für die Gewerkvereine nur von unten herauf durch Lokalblätter gelöst werden kann." Weiter befaßte sich der Delegiertentag mit der politischen Stellung der Gelverkvereine. Die Redner bezeichneten neben einer selbständigen Presse auch eine selbständige Berttetung im Parlamente für die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinc für un- bedingt erforderlich. Melchior- Stirum forderte die Schaffung einer„wirklichen", selbständigen Arbeiterpartei mit einem voll- ständigen polnischen Programm. Er forderte selbständige Beleiligung an allen Wahlen. Der Düsseldorfer Arbeitersekretär und Redakteur des„Gewerkvereinsbote", Erkelenz, äußerte sich ähnlich: Es sei ein Fehler gewesen, daß die Gcwerkvereine sich keiner politischen Partei angeschlossen hätten. Damals habe man sich der Fort- schrittspartei anschließen müssen, wodurch man de» Niedergang des Liberalismus habe verhüten können. Aber sich der heutigen Partei anzuschließen, wäre ein Arbeiter- verrat. Es sei ein Unsinn, wie die katholischen Arbeiter es thun, Unternehmern in den Reichstag zu verhelfen, mit denen man aus der andern Seite im schärfsten wirtschaftlichen Kampfe stehe. Der Redner ließ sich schon näher über die neue,„wirkliche Arbeiter- Partei" aus. Er meinte: Wir müssen Vernunftmonarchisten sein; die Forderung der Republik dürfe man nicht stellen. weil dies die Gewerkvereine im wirtschaftlichen Kampf schädige, indem es ihnen neue Feinde schaffe. Im Laus der Debatte steckte Herr Erkelenz aber wieder einige Löcher zurück. Schließlich nahm der Delegiertentag einstimmig folgende sehr vorsichtig gehaltene Resolution an:„Der vierte Delegiertentag des rheinisch-westfälischen AuSbrcitungsverbandcs erkennt im Prineip an, daß den Berufs- vereinen der Arbeiter in erster Linie die Vertretung der Arbeiter- schaft in der Oeffentlichkeit gebührt. Er beaustragt, ohne sich auf Einzelheiten festzulegen, den Vorstand, im„Gewcrtvereinsboten" über die Frage der polittschen Bcthätigung der Berufsvereine Arttkel zu bringen und dem nächsten Delegiertentag ein Referat zu unter- breiten." Busland. Streits in Norwegen. Die Schuhfabrikarbeiter von D r a m m c u solvie die Arbeiter von Solomons Schuh- f a b r i k in K r i st i a n i a haben die Arbeit niedergelegt; die Zahl der Streikenden beläuft sich auf 220.— Sämtliche Tapezierer von K r i st i a n i a haben ihre Stellungen gekündigt, weil die Arbeitgeber sich weigern, bestimmte Minimallöhne sowie die 54 stündige Arbeitswoche einzuführen.— Die Maurer von Saudefjord sind am 1. April in den Streik getreten, weil die Arbeitgeber sich weigern, einen neuen Tarifvertrag anzuerkennen. In Bergen stehen die Maurer in Unterhandlung über einen neuen Tarifvertrag, während die Maurer von Fredriksstad durch Verhandlungen nnt den Arbeitgebern einen neuen Tarif mit nennenswerten Verbesserungen bereits erzielt haben. Letzte F�admcbtcn und Dcpcfcben. Der öftreichische Marine-Etat._ Wien. 6. April Tic„Politische Korrespondenz" meldet: Wie verlautet, wird der Voranschlag für die Kriegsmarine für 1905 im Vergleich zum diesjährigen Budget keine nennenswerte Steigerung erfahren. Neuforderungen für den Bau von Schlachtschiffen werden nicht eingestellt werden. Die nach Verausgabung der Schlußratcn für die im Zuge befindlichen Neubauten übrig bleibenden Budget- mittel sollen zunächst zur Modernisierung und Verstärkung der Torpedoboots-Flottille verwendet werden, die zum Teil den Fort- schritten der Technik nicht mehr entspricht. Nach der in fach- inännischcn Lireisen herrschenden Ansicht scheint die bereits geplante Baulegung von 6 Torpedobooten nicht länger verschoben werden zu können. Auch die Ereignisse des russisch-japanischen Krieges lassen bereits jetzt erkennen, welchen Wert eine leistungsfähige Torpedo- boots-Flottille besitzt._ Berlin, 6. April.(23. T. B.) Oberst Leutwein telegraphiert aus Okohandja: 80 Wilbois, eine Feldcompagnie find am 2. von Windhuk nach Okohandja abgerückt. Nach Aussage von Gefangenen und Ucberläufern Hauptmacht der HereroS noch bei Oganjera. Abteilungen bei Okatumba und Katjapia. Glasenapp ist am 1. April von Owikokovero nach Offituoko vorgerückt. Ein Trupp der Otjimbingucr Herero ist in der Nacht vom 29. zum 30. März bei Teufelsbach ostwärts über die Bahn gegangen. Von Okohandja eine Compagnie mit der Eisenbahn vorgesandt. Bastards verfolgten von Großbarmcn aus. Rest der Otjimbinguer anscheinend iu das Komas-Hochland zurückgegangen. Sttirmnachrichteu. Kiel. 6. April.(W. T. B.) Die Kieler„Neuesten Nachrichten" melden aus Husum: Infolge orkanartigen Nordwcststurmes trat heilte nachmittag das Wasser der See über die Ouaimauer. Die Schleusenthore brachen. An der Schiffbrücke stieg das Wasser 1>/z Meter hoch auf die Straße. Die benachbarten Häuser sind gefährdet. VrunSbüttrlcrhafcn, 6. April.(W. T. B.) Hier herrscht heftiger Sturm. Das Osterriff-Fcuerschiff wurde gegen Abend losgerißen und elbaufwärts getrieben. xaulSingerL-Eo,.BerlinLW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Veraiitw. Rcdaftx.uxt Paus Büttner. Berlin- Inseratenteil veranjw,: Glocke. Berlin. D.ruä! u.Verla.a: Vorwärts Buchdr.u.VeMgsanstaU Nr. 81. 21. Jahrgang. I. KeilM des Drmrls" Derlim WldsdlÄ Donnerstag, 7. April IM. An die foeialistifchen Vereine und Arbeiter-Organisationen. Liebe Genossen! Das internationale socialistische Bureau ladet Euch ein, an dem vom 14. zum 20. August 1904 in Amsterdam sHolland) statt- findenden Internationalen Kongreß teilzunehmen. Das Bureau, da? am 7. Februar d. I. in Brüssel eine Konferenz abhielt, hat folgende Tagesordnung beschlossen: 1. Prüfung der Mandate; 2. Wahl des Bureaus; Bildung der Seltionen; Feststellung der Tagesordnung; Bericht des Sekretariats; 4. Berichte der Nationen; 5. Internationale Regeln der socialistischen Politik; Resolution über die Taktik der Partei(Socialistische Partei von Frank- reich); 6. Kolonialpolitik(Hyndman: Socialdemokratische Föderation von England, und Van Kol: Socialistische Partei von Holland); 7. Auswanderung und Einwanderung(Socialistische Partei der Republik Argentinien): 8. Generalstreik(Revolutionäre socialistische Arbeiterpartei von Frankreich, und Socialistische Partei von Holland); 9. Socialpolitik und Arbeiterversicherung(Molkenbuhr: Social- demokratische Partei Deutschlands).— Der Achtstundentag (Gewerkschaftsbund Dänemarks); 10. Trusts und Arbeitslosigkeit(Socialistische Partei der Ver- einigten Staaten von Amerika). Verschiedene Fragen. 11. Schutzzoll und Freihandel.(Unabhängige Arbeiterpartei Eng- lands); 12. Militarismus(Unabhängige Arbeiterpartei Englands); 13. Der Klerikalismus und die Schulen(Socialdemokratische Föde- ration von England); 14. Gewerkschaftsbewegung und Politik(Gesellschaft der Fabier von England); 15. Internationale Schiedsgerichte(Unabhängige Arbeiterpartei von England); 16. Arbeiterwohnungen(Nationaler Verein für Arbeiterwohnungen in England); 17. Internationale Solidarität(Verein der deutschen, östreichischen und ungarischen Socialisten in der Schweiz). DaZ Bureau erinnert alle socialistischen Vereinigungen und die gewerkschaftlichen Organisationen an die auf dem Londoner Kongreh(1896) gefaßten Resolutionen, die 1899 auf der Brüsseler Konferenz ergänzt und vom Pariser Kongreß(1900) bestätigt wurden, und welche die Zulassung zu den internationalen Kongressen folgendermaßen regeln: Londoner Resolution. Zugelassen sind: 1. Die Vertreter von Organisationen, die sich als Ziel gesteckt haben, an Stelle der kapitalistischen Eigentumsordnung und Produktionsweise die socialistische zu setzen und welche die gesetz- gebcrische und parlamentarische Aktion als eines der Mittel be- trachten, die notwendig sind, um dieses Ziel zu erreichen. 2. Die Vertreter der rein gewerkschaftlichen Organisationen (Trades-UnionS), die, ohne am polit.schen Kampfe teilzunehmen, die Notwendigkeit der gesetzgeberischen und parlamentarischen Aktion an- erkennen. Die Anarchisten sind also ausgeschlossen. Brüsseler Resolution. 1. Alle Vereinigungen, die Anhänger der wichtigsten Grundsätze des Socialismus sind: Vergesellschaftung der Produktions- und Tauschmittel; einheitliche und gemeinsame internationale Aktion der Arbeiter; socialistische Eroberung der öffentlichen Gewalt durch das als Klassenpartei organisierte Proletariat. S. Alle beruflichen Organisationen, welche sich auf den Boden des Klassenkampfes stellen und die Notwendigkeit der politischen, also der gesetzgeberischen und parlamentarischen Aktion anerkennen, obwohl sie nicht in direkter Weise an der politischen Bewegung teil- nehmen. Gemäß den Beschlüssen, die bei der Konferenz des Bureaus am 7. Februar gefaßt wurden, sind nachstehende Bestimmungen für die Prüfung der Kongrcßmandate getroffen worden: Die Delegierten der verschiedenen nationalen Gruppen sollen sich am Morgen des ersten KongreßtageS mit ihrem Mandat ein- finden, um gegen Erlegung von 10 Frank für jeden Delegierten eine provisorische Eintrittskarte zu erhalten, die ihnen ausgehändigt wird entweder durch ihre nationale Sektion oder das OrganisaUonskomitec des Kongresses. Die Mandate werden anerkannt in den nationalen Sektionen durch Mehrheitsbeschluß. In letzter Instanz prüft der Kongreß selbst. entscheidet also über die angefochtenen Mandate. Der für die internationalen Verhandlungen gemietete Saal ist der des Konzerthauses(Ocmosrtpssbomv) in Amsterdam. Die socialistischen und Berufsorganisationen, werden ersucht, so bald als möglich einen Bericht über die socialistische Arbeiterbewegung und die Lage der Partei in den betreffenden Ländern seit dem Pariser Kongreß von 1900 einzusenden. Ihre Antwort richten Sie, bitte, recht bald an das Internationale Sekretariat, Rue Heyvaert 63, Brüssel. Mit brüderlichem Gruß Der Sekretär Victor Serwy. Das internationale England: H.-M. Hyndman, H. Queich. Deutschland: I. Auer, P. Singer. K. Kautsky. Argentinien: A. Cambier, M. Ugarte. Australien: Ch. Ahre. Oestreich: �V. Adler, F. Skaret. Belgien: E. Vandervelde, E. Anseele. Böhmen: A. Nsmec. Fr. Soucup. Bulgarien: R. Harlakow. Dänemark: P. Knudsen. Spanien: P. Jglesias, A. G. Ouejido. Bereinigte Staaten: G. D. Herron. ocialistische Bureau: Finnland: I. K. Kari. Frankreich: E. Vaillant, A. Cipriani. Holland: P. Troelstra, H. Van Kol. Ungarn: I. Welwer, E. Garami. Italien: E. Fern, F. Turati. Japan: Sen Katayama. Norwegen: O. Klingen, G. Jeppesen. Polen: B. JedrzejowSki, R. Luxemburg. Portugal: A. Guecco. Rußland: G. Plechanoff. Schweden: Hj. Branting, C. Wickman. Schweiz: W. Fürholz. Serbien: V. M. Stohanovitsch. Das Organisationskomitee des Kongresses: Der Schatzmeister: Der Präsident: P. L. Tal. Henri Polak. Der Sekretär: Henriette Roland-Holst-van der Schalk. Mitglieder: J.-F. Ankersmit, J.-G. van.Kuhkhof, Jos. Loopuit, J.-W. Sleef. landtskonftrenz der SurialkiMkrntie Sachsens. Chemnitz, 5. April.(Gig. Ber.) In dem neu erworbenen Heim der Chemnitzer Genossen, dem ehemaligen Ballsaale„Kolosseum", fanden sich heute die Vertreter der sächsischen Socialdemokratie zur Beratung über sächsische Partei- fragen ein. Es waren 56 Delegierte aus allen Wahlkreisen erschienen. Durch die Vertreter des Agitationskomitees und die Reichstags-Wgeordneten, von denen 17 anwesend sind, erhöht sich die Teilnehmerzahl auf 86. Vom Parteivnrstande war Genosse Gerisch anwesend. Die Beratungen begannen mit dem Berichte des Central- komitces. lieber die Kassenverhältnisse und den Stand der Organi- sationen konnte nur günstiges berichtet werden. Es ist im letzten Jahre auf allen Gebieten und in allen Kreisen in erfreulicher Weise vorwärts gegangen. In den zum Teil sehr lebhaften Verhand- lungen beschäftigte man sich aber weniger mit dem Stande der Parrct-Organisationen und Parteifinanzen, es wurde vielmehr schon durch den Genossen S i n d e r m a n n, der den Bericht des Centtal- komitees als erster Referent gab, die Niederlage im 20. Reichstags-Wahlkreise(Zschopau-Marienberg) und die damit im Zusammenhange stehende Kandidatenftage in den Vorder- grund der Verhandlungen gerückt. Außerdem lag noch ein durch den Vorgang veranlaßter Antrag der Parteigenossen des 7. Wahlkreises (Meißen-Großenhain) vor, der den Agitationskomitees ein Mitrederecht bei Aufstellung von Reichstags-Kandidaten sichern will. Genosse Sind ermann wies in seinem Referate auf den glänzenden Wahlsieg der sächsischen Socialdemottatie im Juni vorigen Jahres hin. Leider sei durch die Niederlage in Zschopau- Marienberg ein bitterer Wermuttropfen in die Siegesfreude gefallen. Dann kommt er auf den Fall Göhre zu sprechen und weist darauf hin, daß G. erst vor kurzem ein Mandat niedergelegt habe. Göhre habe dadurch gezeigt, daß eS ihn: an der elementaren Erkenntnis fehle, daß ein Mandat der Partei und nicht dem zufälligen Ab- geordneten gehöre. Fast die gesamte Parteipresse habe anerkannt, daß Göhre mit seinem Mandate einen unerhörten Mißbrauch ge- trieben habe. Im Oktober 1903 habe er im 15. Reichstags- Wahlkreise ein Mißtrauensvotum erhalten; dennoch habe er wenige Wochen später die Kandidatur im 20. Wahlkreise an- genommen. Göhre hätte nicht aufgestellt werden dürfen, das Vor- gehen der Genossen im 20. Kreise sei ein schwerer Fehler gewesen und die Kandidatur Göhre unter den obwaltenden Umständen ein Ding der Unmöglichkeit.(Lebhaste Zustimmung.) Eine Einigung sei mit Göhre nicht zu erzielen gewesen. Die Komitees hätten aber nicht ruhig zusehen können, wie gewissermaßen ein Preis auf die Disciplinlosigkeit gesetzt worden sei. Ein Einschreiten sei im Interesse der Partei geboten gewesen. Wäre die Kandidatur Göhre aufrecht- erhalten worden, hätte es einen Entrüstungssturm in der Partei ge- geben. Es sei falsch, in dem Vorgehen der Komitees die Ursachen der Niederlage zu suchen. Der Kreis hätte auch mit Göhre als Kandidaten verloren gehen können. Wie dem auch sei, jedenfalls dürften bei einer socialdemokratifchen Wahl nicht die persönlichen Eigenschaften des Kandidaten ausschlaggebend sein, sondern unsre Ziele, unser Programm. Unsre Partei sei stark geworden unter einer straffen Disciplin. Wenn jeder Wahlkreis auf eigne Faust Politik treiben wiirde, würden bald ähnliche Zustände bei uns einreißen wie in Frankreich. Wenn der 20. Wahlttcis ver- loren gegangen sei, wäre das weniger den Auseinandersetzungen über den Fall Göhre, als dem Umstände zuzuschreiben, daß die Organisation des Kreises außerordentlich schwach fei und auch die Verbreitung der Presse im Argen liege.(Beifall.) Der zweite Referent, Genosse Braune, hob hervor, die Agitationskomitees seien in einer schlimmen Lage gewesen. Hätten sie nicht eingegriffen, hätte man ihnen von der einen Seite Vorwürfe gemacht, jetzt kommen die Angriffe von der andren Seite. Die Parteigenossen des 20. Wahlkreises hätten den schweren Fehler be gangeir, ohne Verständigung mit dem Centtalkomitee die Kandidaten� aufstellung vorgenommen zu haben. Es sei keine Voreingenommenheit gegen Göhre gewesen, die das Komitee veranlaßt habe, gegen die Kandidatur Göhre vorzugehen. Man habe sehr wohl die Person von der Sache getrennt, aber man hätte dem Centtalkomitee nicht zu- muten können, ein Spiel mitzumachen, das eine Komödie geworden wäre. Im übrigen weist Genosse Braune, der Kassierer des Centralkomitees, darauf hin, daß größere Mittel notwendig sind, wenn die Genossen Sachsens ihre Aufgaben in der Agitation erfüllen sollten. Es sei bedauerlich, daß in einigen Kreisen noch Wochenbeittäge von durch- schnittlich zwei und drei Pfennigen für die Partei- Organisation er- hoben würden und infolgedessen noch immer lediglich die Bezirke Dresden und Leipzig Mittel für das Centralkomitce zur Verfügung stellen könnten. In der darauffolgenden Debatte vertrat zunächst Müller- Glauchau die Ansicht, daß die Genossen im 20. Wahl- kreise mit der Aufstellung Göhres einen Fehler gemacht hätten. Es sei bedauerlich, daß mit Göhre ein solcher Personenkultus getrieben worden sei. Aber ein ebenso großer Fehler sei in dem Vorgehen der Komitees zu erblicken. Man hätte unter leinen Umständen so weit gehen dürfen ohne Rücksicht auf die nachteiligen Folgen für den Wahlausfall, die bekannte Erklärung gegen Göhre zu ver- öffentlichem Nietzeld-Zschopau versucht das Verhalten der Genossen in dem vielgenannten Wahlkreise zu rechtfertigen. Es sei nicht wahr, daß sie bei der Aufstellung Göhres ohne jede Fühlung mit den Komitees vorgegangen seien. Sie hätten sich vielmehr erst in Berlin beim Parteivorstande befragt, dort sei ihnen gesagt worden, in die Angelegenheiten des Kreises reden wir nicht hinein. Dann hätten die Vertrauensleute des Kreises beschlossen, Göhre aufzustellen. Darauf habe das Chemnitzer Agitationskomitee erklärt, wenn Göhre kandidiert, bewilligen wir keinen lvkann und keinen Groschen.(Leb- hafte Pfuirufe im Publikum.) Noch schärfer hätten sich einzelne Ge- nofjen ausgesprochen wie Genosse Riemann. Hätte Göhre sofort verzichtet, als die Komitees eS verlangten, hätte man ihm sicher wieder Vorwürfe gemacht. Er wolle nur noch betonen, daß Göhre den Genossen des 20. Kreises nicht nachgelaufen, daß er diesen viel« mehr aus dem Wege gegangen wäre. Er sei der Ansicht, jdatz die Niederlage nicht auf die schwache Organisation des Kreises zurück- zuführen fei, sondern auf das Eingreifen und Vorgehen der Komitees. (Lebhaftes Sehr richtig I bei einem Teil der Zuhörer.) Außerdem sei Pinkau viel zu anständig für die Antisemiten gewesen, auch die besseren Redner der Partei hätten im Wahlkreise nicht in genügender Anzahl zur Verfügung gestanden. Temmler-Geyer: Es sei jedenfalls ein Fehler gewesen. Göhre in Vorschlag zu bringen. Ein Wahlkreis, der an die Persön- lichkeit des Kandidaten gebunden sei, habe keinen großen Wert. Wir wollen Socialdemokraten haben, keine Mtläufer. F i s ch e r- Briesnitz(Reichstags-Abgeordneter): Es handele sich bei dem Fall Göhre nicht in erster Linie darum, ob die Komitees ein Recht gehabt hätten, in der Weise vorzugehen, wie sie that- sächlich vorgegangen Ivären. Es sei nicht richtig, daß die Landes- konferenz oder das Centralkomitee bisher ein Vetorecht bei Auf- stellung von Kandidaten gehabt habe. Die demokrattsche Freiheit fei in der Partei nur durch das Programm begrenzt, aber nicht durch die Willkür einzelner Personen.(Widerspruch und Zustinimung.) Eine gewisse Selbständigkeit der Wahlkreise müsse erhalten bleiben. Was solle werden, ivenn nach Annahme des Antrages der Parteigenossen des 7. Wahlkreises das Centraikomitee einen Kandidaten nicht acceptieren wolle? Wer solle da entscheiden? Uns fei das sächfisch-preutzische Regierungssystem zuviel in Fleisch lind Blut übergegangen. Leipzig und Dresden würden sich dre Proteste des CenttalkomiteeS auf keinen Fall gefallen lassen. Man hat Göhre beinahe die parteigenösfischen Ehrenrechte genommen, aber nicht die Gefaintheit habe das gethan, sondern eine autokratische Behörde, als. welche sich die Komitees gezeigt hätten. Man hätte Göhre, der ja entschieden einen Fehler geinacht hätte, den Kopf waschen können, man durfte aber nicht in so autokratischer Weise eingreifen. Der Redner ersucht schließlich darum, den Antrag aus dem 7. Kreise abzulehilen. L e h m a nn- Olbernhau erörtert die Kandidatenftage vom Standpunkt der Genofsen des 20. Wahlkreises und protestiert dagegen, daß man diesen Wahlkreis bevormunden wolle. Zur Aufstellung Göhres habe der Kreis keiner Erlaubnis bedurft, denn nach§ 3 des Organisationsstatuts könne jeder Kreis seine Angelegenheiten selbst regeln. Man habe daher den Kandidaten aufgestellt, den man für den geeigneten gehalten habe. Maßgebend tvar für uns, daß er vollgültiger Parteigenosse ist, und das würde man nicht bestreiten können. Gerisch-Berlin: Im Falle Göhre sei die Parteileitung ein- geschritten, nachdem sich herausgestellt habe, daß sich Göhre über die wichtigsten Pflichten gegen die Gesanitpartei hillweggesetzt habe. Er fühle sich voi: aller Voreiiigeiwinmenheit gegen Göhre frei und er bedauere, daß er den Streich begangen hat. Aber, wenn man sagt, Göhre habe in der Aufwallung das Mandat niedergelegt, so ist darauf zu erlvidern, daß Göhre in seiner Rechtfertigung ausdrücklich bemerkt, es sei nicht ein Akt der Verstinimung gewesen, er würde unter ähnlichen Umständen wieder so handeln. Es sei ihm neu, daß Göhre zugegeben habe, einen Fehler begangen zu haben. Er sei überzeugt, daß der Parteivorstand wenig danach strebe, sich in die Angelegenheiten des Kreises einzumischen, aber wenn er angenlfen werde, müsse er auch das letzte Wort haben. In der Nachmittagssitzung wird zunächst der Bericht der Mandat- Prüfungskommission entgegengenommen, sodann werden einige An- träge begründet, unter andern: befürwortet Genosse Schöpfl in eine Resolution, die eine neue Einteilung der Agitationsbezirke empfiehlt und Genosse Gold st ein verlangt in einem Antrage die Errichtung einer Centtalstelle zur Sammlung gegen die Arbeiter ge- richteter Polizeiverfügungen und Gerichtsurteile. Geyer- Leipzig führt zum Falle Göhre aus, die Genossen des 20. Kreises beriefen sich mit Unrecht auf den§ 3 des Organisationsstatuts, denn dieser Passus gebe den Wahlkreisen nur das Recht, lokale Partei-Angelegenheitcn selbständig zu ordnen. Den Genossen des 20. Kreises habe er dringend empfohlen, nicht außerhalb Sachsens auf die Kandidatensuche zu gehen. Es berühre ihn schmerz- lich, daß man weder im 22. noch im 20. Wahlkreise seinen Rat be- folgt und alte erprobte und befähigte Genossen in Sachsen zurück- gesetzt habe. Die ganze Sache sehe aus, als wollte Göhre d:e Ge- nosfen brüskieren. Hätte er die Kandidatur von vornherein abgelehnt, wäre der ganze Spektakel nicht gekommen. H a u b o l d- Chemnitz: Das Chemnitzer Agitationskomitee ist vor allem der Ansicht gewesen, es wäre auch in Sachsen möglich, geeignete Kandidaten zu finden. Noch ehe das Komitee zur Kandidatenftage Stellung nehmen konnte, Hütten schon einige Genossen ans dem 15. Wahlkreise für Göhre in Zschopau- Marienberg Stimmung gemacht; die Hauptarbeit im 20. Wahlkreise sei von jeher von Chemnitz aus besorgt worden, es sei daher nur zu natürlich, daß die Chemnitzer ihren Einfluß nachdrücklich geltend gemacht hätten. G o l d st e i n- Zwickau spricht sich sehr scharf gegen Göhre aus. Er hebt hervor, daß Göhre auf Vorhalt erklärt habe: Wie soll ich für die Partei arbeiten, wenn man mir ein Mandat nach dem andern abnimmt. Alle die alten Genossen, die er in der Versammlung sehe, hätten unter den schwierigsten Verhältnissen ohne Mandat gearbeitet. In rastloser Thätigkeit und unter unzähligen Opfern hätten sie aus den socialdemokratifchen Minoritäten in den Kreisen Majoritäten gemacht. Und jetzt kommen Leute, die nicht arbeiten können, wenn sie kein Mandat haben; da müsse man auf den Gedanken kommen, daß gewisse Leute nur deshalb zur Partei kämen, weil man nirgends so schnell ein Mandat belommen könne, wie in der socialdemokratischen Partei. Unter solchen Umständen sei es berechtigt, diesen Leuten zuzurufen: Ihr seid Mandatsjäger, aber keine Parteigenossen. Göhre hätte, als er sah, daß sich die ganze Partei gegen ihn kehrte, ver- zichten und sich sagen müssen: Jetzt wirst Du von unten herauf dienen. Das hat er aber nicht gethan. Er hat sich vielmehr an die Kandidatur geklammert. Es kam daher zu der peinlichen Aus- einandersetzung und zu der schließlichen Niederlage. F l e i ß n e r- Dresden verteidigt das Vorgehen der Komitees und beschäftigt sich mit den Organisationsverhältnissen im 20. Wahlkreise. R i e m a n::- Chemnitz wendet sich scharf gegen die Genossen aus dem 20. Wahltteise, die in ihrer verärgerten Stimmung nicht mit der nötigen Energie gearbeitet hätten. Ja, von: Ver- trauenömann des Kreises, dem Genossen Nietzel, sei ihm mit- geteilt worden, dieser habe erklärt: Er werde dafür sorgen, daß Pinkau durchfalle. Nietzel bezeichnet das als Lüge. Im übrigen wendet sich Riem noch scharf gegen Göhre. Er betont unter andern:: Wenn in andern Parteien emzelne Offiziere ohne Soldaten dastünden, kämen sie zur Socialdemokratie, wo die Soldaten sofort anmarschiert kämen. Die Debatte muß abgebrochen werden, weil die Chemnitzer Genossen einen Kommers veranstaltet haben. Morgen wird die Debatte fortgesetzt. � � Chemnitz, den 6, April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In Fortsetzung der gestrigen Debatte spricht Grenz- Leipzig gegen die Schreibweise der Chemnitzer.Volksstimme", gegen Schippels Haltung in der Zollfrage und die Revisionisten, gegen die in Dresden nicht genügend vorgegangen sei. Kaden wendet sich gegen Göhres Verhalten und warnt vor den Ueberläufern aus dem bürgerlichen Lager. S ch i p P e l sucht seine Haltung in der Zoll- frage zu rechtfertigen; er sei Schutzzöllner, aber man habe ihm Ansichten zugeschoben, die er als gegnerische ge- kennzeichnet habe. Im Fall Göhre seien von den Komitees Fehler begangen. Nitz schke- Großenhain, Hoffmann-Berlin, Beyer- Leipzig wenden sich gegen Schippe! und Göhre. Gradnauer spricht gegen Schippels Haltung in der Zollfrage, bedauert die Ver- fchärsung der Parteistreitigkeiten, aus denen heraus der Fehler Göhres verstanden werden müsse, wendet sich gegen die Resolution Nitzfchke-Geher, die große Bedenken habe. Nietzel und Lehmann- Zschopau vertreten das Verfahren ihres Kreifes. Geyer spricht gegen Schippe! und für seine Resolution. Diese Resolution wird nach Sindermanns Schlußwort mit 66 gegen 9 Stimmen an- genommen. Die Resolutton lautet:„Kommt eine Einigung bezüglich der Kandidaten-Aufstellung zwischen der Wahltteis-Ocganisatton und dem Agitationskomitee bezw. Centralkomitee nicht zu stände, so ist die Angelegenheit der Parteileitung(Parteivorstand und Kontroll- kommission) zur endgültigen Entscheidung zu unterbreiten." Zum 2. Punkt der Tagesordnung: Landtagswahlrecht skizziert Geyer die Situation in Sachsen. lieber Gemeindewahlen spricht L a n g e- Leipzig in längerm interessanten Ausführungen. Nach längerer Debatte wird Leipzig als Ort der nächsten Konferenz bestimmt._ Außerordentlicher fchmhttischn somldtuwltMcher Partkitag. Luzern, 4. April. Genosse Reimann. der Präsident der GeschäftsleitungS» kommission. eröffnete um 10 Uhr im„Löwengarten" den Parteitag. zu dem sich 188 Delegierte eingefunden haben. In längeren Aus- ftihrungen besprach er das Zustandekommen der 20 Millioncn-Jnittattve Zur Einschränkung der MilitärausgaKen auf dem Oltener Parteitage und die weitere Behandlung derselben durch die Geschäst-Zleitung, eine von derselben in Verbindung mit der socialdemokratischen Fraktion des Nationalrates eingesetzte Kommission und durch das Parteikomitee. Es wurde fast von allen Seiten die 20 Millionen- Initiative für unzweckmäßig erklärt, eine neue Initiative mit sieben Franken pro Einwohner und Jahr formuliert und beschlossen, zur weiteren Behandlung derselben den außerordentlichen Parteitag auf heute einzuberufen. Der an diesen Vorgängen von der Parteipresse geübten Kritik bestreitet er die Berechtigung nicht, allein es kann die ganze Partei als mitverantwortlich bezeichnet werden. Der eigentliche Referent, Genosse Müller- Bern, begründete die neue Initiative, nach der die Dauer der Rekrutenschulen ver- längert und die später� Dienstzeit verkürzt werden soll, um den älteren Bürger und Familienvater zu schonen und zu entlasten. Der Hauptteil der Dienstleistungen soll auf die Altersklassen von 20 bis 25 Jahren verlegt werden. Ferner soll der tägliche Sold des Soldaten von 80 Cts. auf 1 Fr. erhöht, für die Familien der Dienst- thuenden Fürsorge getroffen, endlich sollen die Divisionskommandanten, die ihre verantwortungsvollen Posten heute im Ehrenamt und neben ihren bürgerlichen Berufen bekleiden und daher vielfach Dilettanten sind, fest angestellt und besoldet und die Gesamtausgaben für das Militärwesen durch die Beschränkung auf 7 Fr. pro Einwohner ver- mindert werden. An das beifällig aufgenommene Referat schloß sich eine lebhafte Diskussion, in der zunächst der Antrag der Züricher Arbeiter-Union, nun auf jede Initiative zu verzichten, begründet wurde. Eine Reihe andrer Redner waren derselben Meinung, wobei auch betont wurde, daß die Oltener Initiative betreffend Beschränkung der Militär- ausgaben auf 20 Millionen Franken ihren Einfluß auf die Frage der Militär-Reorganisation gehabt hat, also nicht umsonst war. Bei der weiteren Behandlung der Militär-Reorganisation sollen die social- demokratischen Vertreter im Nationalrat entschieden die Arbeiter- interessen vertreten und wenn nichts Rechtes zu stände konnnt, soll dagegen sofort das Referendum ergriffen werden. Raine- Chauxdefonds kritisierte scharf die Parteileitung wegen der Nichtausführung des Oltener Jnitiativbeschlusses und verurteilte den ganzen Militarismus, für den gar keine Ausgaben genracht werden sollten. Dr. Brüstlein betonte demgegenüber die derzeitige Unausführbarkeit der Naineschen Forderungen. L e t t m a n n- Zürich wandte sich ebenfalls gegen den Militarismus, für den sich zu bc- fefftern die Arbeiter keine Ursache haben. Im übrigen, meinte er, oll von jeder Initiative heute abgesehen loerden. Nachdem noch eine weitere Anzahl Redner, worunter Dr. S ch u l e r, R a p i n- Lausanne, Hof- Gens, im Sinne des Verzichts auf die Aufstellung einer Initiative, ihre Ansichten dargelegt, wird mit 119 Stiinmen folgende Resolution angenommen: „Der Parteitag in Luzern hält an den vom Parteitag in Ölten aufgestellten Grundsätzen bezüglich unsres Heerwesens vollkommen fest und verlangt also eine erhebliche Reduktion der militärischen Ausgaben; die Volksentscheidung über außerordentliche Ausgaben von über einer Million, das Verbot der Verwendung von Truppen bei Streiks, die Besserstellung des Wehrmanns in militärischer und ökonomischer Beziehung, die Abschaffung der Militärjustiz. Er erklärt es als Pflicht der Partei, mit allen Mitteln für die Erreichung dieses Resultats zu kämpfen. Aus taktischen Gründen aber sieht er vorläufig von der Ergreifung einer Initiative ab. Er beauftragt das Parteikomitee, die Frage der Revision der Militärorganisation im Sinne der Thesen Rapin- Müller gründlich zu prüfen und auf dem nächsten Parteitage bestimmte Postulate zur Beratung und Eni- scheidung zu stellen und diese Anträge so rechtzeitig zu veröffent- lichen, daß bis zum nächsten Parteitage genügende Zeit zur aus- giebigen Diskussion in den Sektionen und in der Parteipresse bleibt." Eine lebhafte Debatte gab es schließlich noch über die Frage, ob dem Parteikomitee wegen der Nichtausführung des Oltener Beschlusses betreffend die 20 Millionen-Initiative ein Tadelsvotum erteilt werden soll. Namentlich die Delegierten aus der französischen Schweiz forderten entschieden einen Tadel. Schließlich fand eine Resolution Annahme, welche ausdrücklich einen Tadel ablehnt, aber die Erwartung ausspricht, daß die Parteileitung in Zukunft die Be- fchlüsse der Parteitage prompt ausführt. Vom Parteitag der belgischen Socialdemokratie und vom inter- nationalen socialistischcn Sekretariat in Brüssel waren Begrüßungs- tclcgramme eingelaufen._ Allgemeiner Kongreß der im Transpott- nnd Fuhrgemerbe beschiistigten Personen Deutschlands. Dritter Verhandlungstag. Zu der Resolution betreffs Schaffung einer Reichs- Verkehrsordnung nahm der Kongreß noch folgenden Zusatz- passus an: Die Führer von mit Namen nnd Nummern bezeichneten Fahr- zeugen sind bei Uebcrtretungen von den Beamten auf die Be- stimmungen der Polizeiverordmmgcn aufmerksam zu machen. Anzeigen, welche auf Grund der Kennzeichnung des Fahrzeuges erfolgen, sind dein Führer desselben innerhalb 24 Stunden init- zuteilen. Hierauf referierte Werner- Verlin über die Notwendig- keit der Errichtung von Fahr- und Fachschulen. Unter Hinweis auf die große Vcrkehrsunsicherheit im Straßengetriebe der Städte, durch die so häufig Leben und Gesundheit des Publikums wie auch der Fuhrwerksführer gefährdet, ist Redner zwar der Meinung, daß diesen Uebelständen ani sichersten durch Verkürzung der Arbeitszeit und anständige Entlohnung abzuhelfen ist. Als drittes Mittel aber empfiehlt er die Errichtung von Fahr- und Fachschulen aus staatlichen oder kommunalen Mitteln. Nur in derartigen Instituten, wie beispielsweise eins iir Leipzig be- steht, könne sich ein Gespann- oder Automobilführer die zum Fahr- berufe notwendigen theoretischen und praktischen Kenntnisse aneignen, besonders dann, wenn solche Fachschulen noch besser ausgestattet würden wie die Leipziger. Es wäre dann auch möglich, den Kilt'chcrbcruf an sich zu heben und das Eindringen von allerhand unlauteren Elementen in denselben besonders bei Streiks rc. zu verhindern. Mit der Errichtung solcher Fachschulen dürfe nicht so lange gewartet werden, bis die Unternehmer auf eigne Hand noch mehr derartiger Privatinstitute gründen, als jetzt bereits von ihnen ge- schaffen seien, denn diese„Schulen" seien nur Zuchtstättcn von Streik- blechern oder Lohndrückern. Genau so wie heute schon überall kommunale Fortbildungsschulen für Handwerker bestehen, müßten auch Fachschulen für das Fahrpersonal errichtet werden. Seine speciellen Wünsche faßte Redner in folgender Resolution zusammen: Die ständig fortschreitende Entwicklung des Verkehrs und die dadurch bedingte Zusammendrängung von Transportfahrzeugen der verschiedensten Art in den Verkehrsadern der Städte hat naturgemäß eine große Gefährdung der Verkehrssicherheit zur Folge. Die hieraus sich ergebenden Gefahren machen sich nicht nur, wie die Unfallziffern zur Evidenz beweisen, in äußerst bedenklichem Maßstabe bei den Lenkern der Gefährte bemerkbar, sondern sie üben arich ihren unheilvollen Einfluß auf das die Straßen passierende Publikum aus. Im Interesse der größtmöglichsten Verkehrssicherheit ist es daher unbedingt notwendig, daß Fahrzeuge aller Art nur von geschulten, des Fahrens kundigen Leuten geführt werden. In Anbetracht' dessen fordert der Kongreß: 1. Die Errichtung von Fahr- und Fachschulen in Orten resp. Kommunalverbänden mit mehr als 20 000 Einwohnern, und zwar aus allgemeinen Staats- und Kommunalmitteln, zur Heranbildung eines geschulten, zuverlässigen Fahrpersonals. 2. Stellung der Fahrschulen unter eine fachmännisch-paritätische Kontrollkolnmission, welche sich aus Vertretern der Kommune sowie Arbeitgebern und Arbeitnehmern des Berufes zu gleichen Teilen zusammensetzt. Die Lehrer müssen aus dem Berufe hervor- gegangen sein. 3. Nur in Fahrschulen ausgebildete und von der Prüfungs- kommission dieser mit einem Ausweis über ihre Befähigung zum Fahrdienst versehene Personen dürfen zur Leitung von Fahrzeugen zugelassen werden. Die verkehrspolizeilichen Organe haben darüber zu wachen, daß alle Lenker von Fahrzeugen sich im Besitze des vor- bezeichneten Ausweises befinden. Kutscher, die bei der Errichtung der Fahr- und Fachschulen bereits ein Jahr gefahren sind, erhalten den Ausweis über ihre Befähigung ohne Besuch der Fachschule. lieber die Zweckmäßigkeit der geforderten Fach- und Fachschulen gingen die Ansichten der Delegierten auseinander. Besonders ein Teil der sächsischen Delegierten'war der Meinung, daß von dieser Art „Befähigungsnachweis" keinerlei Vorteil für den gesamten Kutscher- beruf zn erwarten sei. Einmal stehe es nicht jedem auf der Stirn geschrieben, ob er noch je in seinem Leben Kutscher werde; dann aber würde durch solche Institute nur ein Berufsdünkel erzeugt. Keineswegs aber könne bei Streiks verhindert werden, daß nicht an- statt der Berufskutscher dennoch die erstbesten ungeübten Kräfte auf den Bock gesetzt werden; den besten Beweis in dieser Hinsicht habe ja der Berliner Omnibuskutscher-Streik geliefert. Die Resolution wurde nach beendeter Debatte gegen die Stimmen dieser Delegierten mit großer Mehrheit angenommen. Damit war die Tages- ordnung des Kongresses erledigt. Die 7. ordtniliche GeneMloerlammlimg des Verbandes aber in der Textilindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinuen. Viert'er Sitzungstag. Dienstagvormittag. Die beiden von Crimmitschau eingelaufenen Begrüßungs- tclcgramme, deren Ankündigung und Verlesung mit lebhaftem, lang- anhaltendem Beifall ausgenommen wird, haben folgenden Wortlaut: Den Vertretern der organisierten Textilarbeiter Deutschlands ent- bieten wir die herzlichsten Grüße, hoffend, daß die Beratungen vom besten Erfolg gekrönt sein werden. Die organisierten Textilarbeiter Crimmitschaus. Glückauf zur Arbeit senden der Generalversammlung Die Zehnstundcnkämpfer, Crimmitschau, Gesellschaftshaus. Die Beratung wird fortgesetzt bei den Anträgen, die Austritt und Ausschluß betreffen. Hecht- Crimmitschau begründet einen Antrag, der austretende Mtglieder verpflichtet, das Mitgliedsbuch an den Verband abzuliefern und dieses zum Verbandseigentum erklärt. Er verweist auf die bc- kannten Vorgänge in Crimmitschau, Ivo die Unternehmer nicht nur die Bücher für sich„erbeten", sondern sie auch der Ortsverwaltung vorenthalten haben. Der Antrag wird einstiinmig angenommen. Ebenso wird beschlossen, daß verheiratete weibliche Mitglieder, die sich ordnungsgemäß abgemeldet haben, innerhalb eines Jahres ohne Beitrittsgeld wieder aufgenommen werden können. Bezüglich des Beitritts wird beschlossen, daß übertretenden Mitgliedern andrer Centralverbände die Mitgliedszeit bei Festsetzung aller Unterstützungen angerechnet wird. Auf Anfrage wird festgestellt, daß unter Centralverbänden der Centralverband„christlicher" Textil- arbeiter nicht eingeschlossen ist. Ueber Befreiung voni Beitrag liegen gleichfalls mehrere Anträge vor, von denen nach kurzer Debatte folgende zwei Annahme finden: 1. Nach 52wöchigcm Ruhen der Mitgliedschaft, z. B. infolge von Arbeitslosigkeit, erlischt die Mitgliedschaft. 2. Bis zur Dauer eines Jahres können weibliche Mitglieder, wenn sie vorübergehend arbeitslos sind, ihre Mitgliedschaft ruhen lassen, ohne daß' die Karenzzeit dadurch unterbrochen wird. Die übrigen, das Statut betreffenden Anträge werden zusammen- gefaßt. Inzwischen hat die Kommission für Revision der Statuten ihre Arbeiten beendet. Berichterstatter von den Berg- Krefeld: Da§ jetzige Statut ist durch die vielen Nachträge unübersichtlich geworden. Nachdem jetzt eine fast unabsehbare Zahl neuer Aenderungen beschlossen worden sind, ist eine durchgreifende Neufassung des Statuts zur unbedingten Notwendigkeit geworden, wenn auch die Kommission nicht noch diesem Kongreß die Lösung der Aufgabe zumuten konnte. Sachlich hat sich die Kommission im lvesentlichen auf den Standpunkt der Vorschläge gestellt, die Kollege Paulsen im„Textilarbeiter" gemacht hat. Sie erbittet den Auftrag für den Vorstand und Ausschuß, der nächsten Generalversammlung ein in diesen, Sinne revidiertes Statut vorzulegen. An Einzelheiten sei hervorgehoben: Zunächst muß ein einheitlicher, kurzer Name für den Verband gefunden werden, wir schlagen vor: Centralverband deutscher Textilarbeiter und-Arbeiterinnen. In die Statuten muß serner die Verpflichtung der Filialen hinein- geschrieben werden, die Wahl ihrer Vorstände unverzüglich dem Centralvorstande mitzuteilen. Weiterhin sollen in unserm Verband Aufnahmescheine zu statistischen Zwecken eingeführt werden. Ich bitte Sie, unserm Vorschlag debattelos zuzustimmen.— Es wird so beschlossen. Es folgt der Punkt G eneralv ersammlung. Nowawes und Berlin I beantragen, daß auf je 500 Mitglieder ein Delegierter entsendet werden soll. Bisher durfte jede Filiale nur einen Delegierten entsenden, dafür aber jede, die 200 Mitglieder auf- weist. Verschiedene Äompromißanträge wollen statt der bisherigen 200 Mitglieder 300 zur Voraussetzung der Vertretung auf der Generalversammlung machen, oder wollen 500 dafür einsetzen. Wieder andre Anträge schlagen vor, es bei dem jetzigen Modus zu belassen, aber Orten mit mehr als 1000 Mitgliedern zwei Delegierte zuzugestehen. Beschlossen wird schließlich, es beim bisherigen Modus zu belassen. Aus der Mitte der Versammlung wird beantragt, das Gehalt der drei Ccntralbeamten auf 2000 bezw. 1800 M. festzusetzen oder eine staffelmätzige Gehaltserhöhung uin jährlich 50 M. einzuführen. Nahezu einstimmig lvird beschlossen, den Centralvorstandsbeamten die staffelmäßige Gehaltszulage mit rückwirkender Kraft vom vorigen Kongreß an zu bewilligen. Auf Antrag der Revisionskommission für die Statuten werden Vorstand und Ausschuß ermächtigt, im Bedarfsfalle eine neue be- soldete Kraft, eventuell einen Comptoiristen, anzustellen. Als Sitz des Verbandes wird einstimmig ivieder Berlin be- stimmt, der Vorstand(Hübsch, 1. Vorsitzender, Treue. Kassierer und R ö s s e l l> wird einstimmig wiedergeivählt. Als Ort für die nächste Generalversammlung wird M ü h l h a u s e n i. T h. mit großer Mehrheit gewählt. Zeit ist Ostern 1900. Als Berichterstatter der Kommission für Kranken-Unter- st Ü tz u n g beantragt D e f f n e r- Augsburg, die Unterstützungssätze für männliche Mitglieder durchschnittlich um 50 Pf. pro Woche zu erhöhen, für die weiblichen auf der bisherigen Höhe zu belassen. Die Unterstützungs- daucr ist die gleiche geblieben, nur im dritten Jahr, das bisher keine eigne Stufe bildet, ist sie um zwei Wochen verlängert. Die jetzigen Sätze sollen also sein 1. Bei den männlichen Mitgliedern: Im Falle einjähriger Mitgliedschaft 2,50 M. für 6 Wochen „ zweijähriger„ 3,—„„ 8„ „ dreijähriger„ 3,50„„ 10„ „ vierjähriger„ 4,—„„ 10„ Bei weiblichen Mitgliedern ist unter sonst gleichen Bedingungen der Satz jeweils um 50 Pf. geringer.» Dienstag nachmittag-Sitzung. Bis die Anträge der Krankenunterstützungs-Kommission gedruckt vorliegen, wird über die andren Unterstützungszweige beraten. Die Anträge auf Einfiihrung eines Sterbegeldes, einer Heim- a r b e i t e r- U n t e r st ü tz u n g werden nicht genügend unterstützt. Die Reise-Unterstützung bleibt unverändert, die G e- maßregelten- Unter st üvu n g, die bisher 9 M. betrug, wird einstimmig erhöht: männliche Mitglieder sollen von jetzt an 12 M. erhalten: Vwjw sie verheiratet sind 1 M. pro Kind unter 14 Jahren mehr, bis zur Höchstsumme von 15 M. Verheiratete Mitglieder, die infolge von Streik, Aussperrung oder Maßregelung ihren Wohnsitz wechseln müssen, sollen auch eine Umzugs- U n t e r st ü tz u n g in Höhe von 10—40 M. erhalten. Inzwischen isr folgende Resolution eingelaufen: In Erwägung, daß die Arbeit in den Betrieben der Textil- industrie die Kräfte und Nerven der Arbeiter und Arbeiterinnen überanstrengt und vorzeitig erschöpft und eine gesetzliche Arbeits- beschränkung von der medizinischen Wissenschaft, von zahlreichen Gcwerbe-Auffichtsbeamten als ein unabweisbares Bedürfnis an- erkannt ist— daß die auf eine Verallgemeinerung des Zehnstunden- t a g e s gerichteten Bestrebungen der gewerkschaftlich organisierten Textilarbeiter scheitern an dem organisierten Widerstand des rück- ständigen aber einflußreicheren Teiles der Textilindustriellen, vor allem der Besitzer der großen und größten Betriebe— fordern die gewerkschaftlich organisierten Textilarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands den Bundesrat und alle Parteien des deutschen Reichstages auf, die baldige gesetzliche Einführung des Zehnstundentages in der deutschen Textilindustrie zu fördern. Unbeschadet der Forde- rung auf eine gesetzliche Festsetzung der achtstündigen Arbeitszeit für die Arbeiter jeden Berufs, Geschlechts und Alters verlangt die Textilarbeiterschaft Deutschlands die schleunige Einführung des gesetzlichen Zehnstundentages(oder der 50-ftündigen Arbeitswoche) für alle Betriebe der Textilindustrie als eine schon längst ver- absäumte Reform. Die deutschen Textilarbeiter erwarten, daß der deutsche Reichstag noch in der laufenden Session dem Bundesrat einen diese Reform befürwortenden Beschluß zur dringlichen Bc- rücksichtigung überweist und daß der Bundesrat dem Reichstage sofort eine entsprechende Vorlage zugehen läßt. Es folgt die Bersitung der Anträge zur Streik-Unter- st ü tz u n g. Es werden drei Aenderungen angenommen. Zunächst wird vorgeschrieben, daß Ledige beim Streik den Ort sofort ver- lassen sollen. Ferner soll bei Angriffsstreiks erst von der zweiten Woche an Unterstützung gezahlt werden. Schließlich werden künftig bei Streiks usw. nur diejenigen als vollberechtigt an- erkannt werden, die mindestens seit 13 Wochen dem Verband an- gehören. Zur Krankenbeihilfe wird der Abänderungsvorschlag der Kommission ohne wesentliche Debatte angenommen. Die andren Anträge, die hierzu Annahme finden, sind lediglich redaktioneller Natur. Der Bericht über die Fachpresse wird von dem Verleger V i e w e g erstattet: Das Blatt scheint nur in privatem Besitz zu sein. Der Drucker Robert Walther in Burgstädt hat aus Begeisterung für die Arbeitersache das Blatt noch unter dem Socialistengesetz gegründet. Nach dessen Fall mußten toir ihn ablösen. Aus Vorsicht wurde es in der Forni eines privaten Unternehmens gegründet und übernommen. Wir sind mit der„Volksstimme" in Chemnitz ver- bunden, haben unfern vollen Teil an der Verwaltung und dem Ver- mögen des Chemnitzer Parteiblattes. Der Redaktion ist jeder Wunsch erfüllt worden. Deshalb bitte ich Sie, es bei dem bisherigen Zu- stand zu belassen. Geschäftsleiter R e i ch e l t- Chemnitz: Der Verleger bekommt nicht einen Pfennig. Suchen Sie sich einen andren Unternehmer in ganz Deutschland, der es ebenso macht. Was soll da der Antrag heißen, das Blatt in eigne Regie zu übernehmen. Redner klärt dann auf, warum als Expedient ein Chemnitzer angestellt worden sei, weil der in Aussicht genommene, ein- stimmig gewählte Kollege plötzlich absagte und Verttetung nötig war. Nehmen Sie das Blatt nicht aus Sachsen weg. Sie würden die Agitation in Sachsen lahm legen. Auch die„Volks- stimme" ist Arbeitereigentum, groschenweile gesamnielt. Warum läßt man nicht dort, wo wir Miteigentümer sind, sondern in einer Privatdruckerei den Rechenschaftsbericht drucken?(Sehr richtig I) Wir sind dort nach nnsrem Umsatz am Geschäftsgewinn beteiligt. Aber wir als Personen nehmen keine Ueberschüsse. � Entweder geben wir es dem Verband oder erweitern den Reservefonds des Blattes. Mit der llebernahme des Blattes in eigne Regie werden Sie dem Verband nicht nutzen.(Lebhaftes Bravo!) Fritsche- Görlitz: Schon vor vier Jahren wollten wir das Blatt zum Verbandsorgan machen. Jetzt können wir nicht länger warten. Die Blätter der andern Gewerkschaften werden ganz anders geleitet. Der„Textilarbeiter" bringt keinen Mut, kein frisches Blut in die Organisation. Das Blatt geht nicht voran. Ueber Crimmitschau hat es nur fremde Urteile abgedruckt. Redner verliest einen Artikel, in dem die Bcleidigungsstrafe für den Ausdruck „Streikbrecher" gerechtfertigt wird. In dem Blatte fehlen auch be- lehrende Artikel völlig. Es kann nicht zwei Centtalen geben. In Berlin ist das geistige Leben konzentriert.(Lachen.) Es ist uns jetzt auch keine Gewähr dafür gegeben, daß wirklich so wirtschaftlich ver- fahren wird, wie es möglich ist. Rössel- Berlin tritt dafür ein, den„Textilarbeiter" nach Berlin zu verlegen. Dann könnte der Vorstand auch seine Druck- fachen dort herstellen lassen. Der Zusammenhang zwischen Vorstand und Redaktion müsse viel enger werden. Heute fehle dem Vorstand sogar jeder Einblick in die Verhältnisse des Blattes. Darum bitte ich Sic, eine Konferenz zwischen dem Geschäftsführer des Blattes und dem Centralvorstaud anzuordnen. Redakteur des„Textilarbeiter" Wagener: Ich habe diese Anariffe erwartet. Aber ich bin an den Mißständen nicht schuld. ch" muß unter allen Umständen die Artikel mit dem Preßgesetz in inklang bringen; da erlischt dann das Feuer. Belehrende Artikel müssen wegen Platzmangel fortbleiben. Die örtlichen Mit- teilungen kann ich auch nicht so stark kürzen; Sie schreiben ja so lang. Der Artikel über„Streikbrecher" war sehr gut gemeint; ich wollte die Arbeiter vor Strafe schützen, aber ich gebe zu, daß ich da entgleist bin. Ich war einfacher Webergeselle in Burgstedt. Damals war ich der beste Mitarbeiter des„Textilarbeiter". Seitdem giebts viele junge Hollegen, die mich an Arbeitskraft und vielleicht auch an Scharfsinn übertreffen. Aber das kann ich nicht zu ändern versprechen, ich werde ja auch nicht jünger. Schärfer könnte auf die Dauer doch keiner schreiben, sonst käme er nicht aus dem Gefängnis heraus. Wenn Sie aber wünschen, daß ein andrer Kollege an meine Stelle tritt, ich nehme es Ihnen nicht übel. Ewig kann ich schließ- lich auch nicht Redakteur bleiben, ich bin auch mit Nebenarbeiten in Chemnitz zu sehr überhäuft. Der Antrag Rössel wird mit großer Mehrheit angenommen. Auf dem nächsten G e to e r k s ch a f t s- K o n g r e ß soll bei Textilarbeiter-Vcrband durch 12 Delegierte vertreten sein. " Auf dem nächsten internationalen Textilarbeiter- Kongreß in Mailand 1905 soll Deutschland durch 12 Delegierte vertreten sein. Wahl und Bezirkseinteilung soll Redakteur Wagener wieder leiten. Als Vertrauensmann der Textilarbeiter Deutschlands wird W a g e n e r für zwei Jahre durch Zuruf wiedergewählt. Zum Schlüsse wird die Zehnstundentags-Resolution einstimmig angenonimen. Vorsitzender Hübsch: Wir sind am Schluß unsrer Beratungen. Kollegen! Sie alle werden das Bewußtsein mit sich davontragen, hier in ernster, schwerer Arbeit nach bestem Wissen und Können das Wohl des Verbandes angestrebt zu haben. Und wir haben auch die Organisation einen Schritt weiter gebracht. Wir haben die Arbeits- losen-Unterstützung beschlossen, haben vor allem den Verband nianziell auf eigne Füße gestellt. Freilich, hätten wir nicht von Crimmitschau gelernt, wir wären schwerlich zur Beitragserhöhung gelangt.(Lebhafter Beifall.) Jetzt können wir hoffen, mit einer gut geschulten Truppe und genügenden Mitteln recht bald den Unternehmern Achtung vor uns beizubringen.(Wiederholter Beifall.) Ich danke noch einmal den Kollegen Hannovers für die freundliche Aufnahme und schließe mit den besten Wünschen für Ihre Heimreise den Kongreß. Wir können mtt Gcnugthuung auf ihn zurückblicken.(Lebhafter, an- haltender Beifcrll7)— Die-Delegierten singen stehend den ersten VerS der Marseillaise.__ Maschinisten- und Heiml-ongreß. Halle. 4. April. Zu Punkt 6 der Tagesordnung wird nach einem Vortrage von Scheffel- Leipzig auf dem Wege der Gesetzgebung in einer Re- solution das Verbot von Nebenarbeiten von Maschinisten und Heizern während des Betriebes außerhalb des Kessel- und Maschinenraumes verlangt, wenn währenddessen Dampfkessel oder Bctriebsmaschinen ohne fachmännische Anfsicht sind. Begründend wird auf unzählige Unfälle in Fabrikbetrieben hingewiesen. Es sei nicht angängig, daß die Heizer nebenbei mit Stiefelputzen und Küchen- bedienungen beschäftigt werden. In einem Falle, so wird aus- geführt, ist ein Dienstmädchen als Kesselheizerin thätig gewesen. Die Kessel- und Maschinenräume sind teilweise die reinen Pest- und Schwindsuchtshöhlen. Punkt g der Tagesordnung:„Beschlußfassung über eine staatliche Prüfung für Maschini st en und Heizer" fand nach Referateir von Reichert- Stuttgart und Kir schni ck- Berlin durch Annahme einer Resolution, nach der alle Bestrebungen, welche auf Erringung eines Befähigungsnachweises für Maschinisten und Heizer hinzielen, verworfen werden, seine Er- ledigung. Jnnungsbcstrebungen bieten kein wirksames Heilmittel gegen das Ueberhandnehmen von ungelerntem Vetriebspersonal in der heutigen Produktionsweise, sondern fördern vielmehr den Klassen- dünkel und den Egoismus. Im Punkt 11 der Tagesordnung wird die Anzeigepflicht der Betriebsunternehmer an die Gewerbe- und Kessel- inspektion beim Ausglühen(Deformieren) von Dampfkesselteilen ge- fordert, um durch amtliche Untersuchung feststellen zu können, welche Umstände zum Ausglühen des Dampfkessels geführt haben. Die Schuldigen sind zur Rechenschaft zu ziehen. Der Vertreter der Generalkommission, Reichstags-Abgeordneter Robert Schmidt, wendet sich mit einigen ermahnenden und er- munternden Worten an die Kongreßmitglieder. Er sei überrascht gewesen, bemerkt der Redner, so eine Fülle von Elend und un- zähligen Mißständen auf dem Kongreß kennen zu lernen. Die socialdemokratische Reichstagsfraktion wird jeder Zeit die Vertretung der Forderungen der Maschinisten und Heizer inr Parlanrent über- nehmen. Obwohl die Forderungen zu bescheiden und zu mäßig sind. bitte er aber die Kongreß- Teilnehmer, sich in Bezug aus Erfüllung derselben keinen zu großen Hoffnungen hinzugeben. Man sagt allerdings, wir leben im Zeitalter des Dampfes; in Bezug auf sociale Reformen werden wir aber an die Zeit der alten Postkutsche erinnert. Obwohl der Beruf der Maschinisten und Heizer ein sehr verantwortlicher ist und die geschilderten Gefahren auch für das Publikum sehr groß sind, dürfe man nicht verkennen, daß das Unter- nehmertum den Dingen sehr gleichgültig gegenübersteht. Darum ist es absolut notwendig, auch auf gewerkschaftlichem Gebiete rüstig weiter zu arbeiten.(Beifall.) Der Vertreter des Seemanns-Verbandes, M ü 1 1 e r- Hamburg, bedauert, daß diesem Arbeiterparlament, in dein so grauenhafte Mißstände ausgerollt worden sind, kein Rcgierungsvertreter beigewohnt habe. Die Herren von der Regierung werden aber trotzdem von den Verhandlungen lernen müssen, und der Kongreß wird auch nicht ohne Einfluß auf die Unternehmer vorübergehen. Dcprinnerend für die Kollegenschaft sei es aber, daß es in der Organisation noch der- schiedene Richtungen giebt. Eine Einheit der Aktion sei dringend notwendig. Jr Der Kongreß wurde mit einem dreifachen Hoch aus Arbeiterbewegung geschlossen. 7. Generaiversammlultg des sseu derMaslhinisten, Hetzer und Kerufsgei Die Generalversammlung fand nach dem Kongreß statt. Es sind 10 Delegierte, der Hanptvorsitzende und Redakteur K i r s ch n i ck- Berlin, der Verbandskassierer Klein und der Obmann des Aus- schusscs U n g e r i ch t anwesend. Ans dem Rechenschaftsbericht des Vorstandes ist zu entnehmen, daß der Verband in der letzten zwei- jährigen GeschäftSperiode gute Fortschritte gemacht hat. Nach einigen kleinen MonitaS wird den Verbandsbeamten Entlastung erteilt. Die Maßregelungen von Verbandskollegen haben sich in der letzten Geschäftsperiode bedeutend erhöht. An Ärbcitslosen-Unter- stützung hat der Verband im Jahre 1903 14 828 M. gezahlt. Ein Antrag, den Anschluß des Verbandes an den internationalen Bund der Transportarbeiter zu Wasser und zu Lande zu vollziehen. wird von M ü l l e r- Hamburg begründet und angenommen. Es wird..... die Mitgliedschaft für 1000 in der Binnenschiffahrt besch,. �'c Kollegen erworben und soll dafür ein Jahresbetrag von 80 Rt. ausgeworfen werden. Das Sekretariat des Bundes befindet sich in London; durch den Anschluß wird eine internationale Ver- ständigung in den Gewerkschaftsftagen erstrebt. Als Delegierter für den internationalen Transportarbeiter-Kongreß und den gleich- falls im August dieses Jahres in Amsterdam stattfindenden inter- nationalen Arbeiterschutz-Kongrcß wurde H a p p- Hamburg gewählt. Zum nächsten Gewerkschafts-Kongreß werden Ki r s ch n i ck- Berlin und Scheffel- Leipzig delegiert. Bezüglich der Maifeier wurde unter allgemeiner Zustimmung bemerkt, daß über diese Frage auf dem nächsten internationalen Kongreß einmal ein energisches Wort geredet werden müsse. Ent- weder man begeht die Maifeier, wie es sich gehört, oder man stellt die ganze Geschichte ein. In der weiteren Tagung beschäftigte sich die Generalversamm- lung mit dem inneren Ausbau der Organisation. Der Wochen- beitrag wurde von 20 auf 25 Pfennige erhöht und die Arbeitslosen- Unterstiitzung wurde durch Verminderung der Karenzzeit etwas erhöht. Ein Antrag auf Einführung einer Krankenunterstützung wurde abgelehnt. Der Haupt- vorstand wurde per Acclamation wiedergewählt. Als Tagungsort der nächsten Generalversammlung wurde Mannheim bestimmt. Den Verbandsbeamten wird es freigestellt, jedes Jahr Urlaub von acht Tagen zu nehmen. Ein Antrag, den Centralverbands-Vorstand zu ' zehnjährige Thätigkeit des Verbandes eine Statistik de angenommen. Ein Antrag auf Aufhebung der lii; an Stelle der Gauvorstände wurden, um ltäuleiter eingesetzt. nintcrnden Schlußwort von dem 2. Vorsitzenden ...mng, Scheffel- Leipzig, schließt der 1. Vor- Magdeburg die Verhandlungen mit einem drei- 1 dem Verband, worauf die Delegierten die Arbeiter- amen. ungen dauerten vier Tage und erreichten ani moderne es kutschlands. ersuchen, über die herauszugeben,�' Gaue wurde.« Kosten zu erst» Nach est der General sitzende SHr maligen, Marseilla Sie 3. Feiertag nachnnttags Va5 Uhr ihr Ende. Aritht Kongreß der Fliesenleger Deutschlands. Die Fliesenleger Deutschlands hielten am 4. und S. April cr. in Dortmund ihren dritten Kongreß ab. Erschienen waren zwölf Delegierte. Der Vertrauensmann W e g e n e r- Berlin erstattete den Jahresbericht, aus welchem folgendes hervorgehoben sein mag. Tie Zahl der Mitglieder beträgt 330. Die Einnahme des Ver- traucnsniannes belief sich auf 997.05 M.. die Ausgabe auf 774,25 Mark, mithin ein Kassenbestand von 222,80 M. verblieb. Lohn- fanden u. a. statt in Hannovcr-Lmden, Dresden, Tort- �'.rlin, die sämtlich mit Erfolg für die Organisation den Berichten der Delegierten war zu entnehmen, daß iuktuation und der Accordarbeit die Streitigkeiten über ..tionsforw die Entwicklung der Organisation stark be- Vielfach wurde über das Zwischenmeistershstem geklagt. die Verweigerung des Anschlusses an auf dem Boden der Arbeiterbewegung stehende Institutionen. Einen n Raum in der Debatte nahmen dann die e r u n g e n ein über die Bestrebungen, eine _ u n g mit den Centralvcrbänden resp. einen Anschluß an die Generalkommission herbeizu- f u hierzu auch eine Resolution vor, welche sich mit "ä*3* den bekannten, ergebnislos verlaufenen Einigungsverhandlungen in Berlin beschäftigte. Das negative Ergebnis wird den Vertretern der Centralverbände aufs Schuldconto geschrieben, es wird iveiter erklärt, daß man principiell einer Einigung sympathisch gegen- überstehe, jedoch es ablehne, etwas von den Grundsätzen der„Freien Vereinigung" preiszugeben. Redakteur Kater von der„Einigkeit" ließ sich in längeren Ausführungen über die Aufgaben der Arbeiter- bewegung aus. Redner vertrat den Standpunkt, daß es nicht möglich sei, alle Arbeiter doppelt zu organisieren, in lediglich Berufsorgani- fationen und in politischen Vereinen. Aus diesen Gründen müßten die gewerkschaftlichen Organisationen sich auf den politischen Boden der Socialdcmokratie stellen. Weiter meint Redner, eine allzu weit durchgeführte Centralisationl, ähnlich wie beim Militarismus, berge die Gefahr eines Jena für die Arbeiterbewegung in sich.— Der Delegierte von Dresden plädierte für Austritt aus der„Freien Ver- eiuigung" und Schaffung. eines selbständigen Centralverbandes. Sämtliche andren Redner widersprachen dem.Vorschlage, erklärten dazu, daß man nach tvie vor bestrebt sein werde, mit der Centralorganisation in Frieden zu leben und den Anschluß an die Generalkommission herbeizuführen. Die erwähnte Resolution fand sodann ohne Widerspruch Annahme. Sodann referierte W e g e n e r- Berlin über Organisation und Agitation. Redner empfahl die Einsetzung einer Agitations- kommission zwecks besserer Propagierung der Bestrebungen und Ziele der Organisation an solchen Orten, wo noch keine Fliesenleger- orgmiisation geschaffen sei. Ein entsprechender Antrag fand Zu- stimmung. Zu Punkt:„Streiks und Aussperrungen" fand eine Resolution Annahme, in welcher ausgesprochen wird, daß die Konferenz sich auf den Boden der bezüglichen Beschlüsse der 6. Konferenz der„Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften" stellt. Lohnbewegungen sollen stets sofort der Geschäftsleituug mitgeteilt werden, ferner sollen bei Streiks die Mitglieder nach Möglichkeit abreisen. Eine längere Diskussion entspann sich über die Pres s e. Besonders wurde gerügt ein Artikel in Nr. 44 der„Einigkeit": „Wen es angeht l" In dem Artikel wurde, wie bekannt, angeblicher Tcrrorismus freier Gewerkschafter besprochen, in einer Weise, die in weiten Kreisen den Eindruck der Denunziation erweckte. Redakteur Kater von der„Einigkeit" erklärte, daß er die Form der Publikation nicht retten wolle, sachlich halte er dieselbe für notwendig. Der Artikel sei nicht etwa, wie das„Correspondenzblatt" behauptet habe, schuld an einer in Magdeburg vorgekommenen Denunziation, viel- mehr habe gerade diese den direkten Anstoß zu der Veröffentlichung des Artikels gegeben. Eine Resolution, in welcher das Bedauern über das Vorkommnis ausgesprochen wird, gelangte einstimmig zur An- nähme. Zu Punkt„Maifeier" nahm die Konferenz ohne Widerspruch eine Resolution an, durch welche die Mitglieder verpflichtet werden, den 1. Dkai durch Arbeitsruhe zu begehen. Die weiteren Beratungen bezogen sich auf innere Organisationsangelegenheiten. Geschlossen wurden sodann die Verhandlungen mit einem Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung._ Derbandstag des Deutschen Kürschner-VerbandtS. Am 2. Feiertag wurde in Dresden im Volkshause vom Vor- sitzenden Schubert der Kongreß eröffnet und nach den Wahlen der Bericht des Vorstandes gegeben. Der Mitgliederbestand betrug Ende 1903: 1917 gegen 1457 im Jahre 1902. Die höchste Mitglieder- zahl hat Stuttgart: 400, dann folgt Markranstädt mit 269, Lindenau mit 220, Berlin mit 184, Leipzig mit 131, Schkeudditz hat 149, Hamburg 133 und Dresden 63:c. zc. Es dürsten etwa 25— 31 Proz. der Berufsangehörigen organisiert sein. Streiks fanden im Jahre 1903 8 statt, von denen 3 Angriffs- und 5 Abwehrstrciks waren. 6 verliefen erfolgreich. Es waren 407 Kollegen daran be- teiligt, darunter 237 Verheiratete mit 450 Kindern. Kosten entstanden dadurch 7931 M. Eine vom VerbandSvorstand aufgenommene Statistik ergab, daß 1304 Kürschner 1999'/z Tag arbeitslos und 1170 Tage krank waren. Die Gesamteinnahme des Verbandes betrug im Jahre 1903 26 736,16 M., die Ausgabe 13 918,43 M. Es verbleibt somit ein Ueberschuß von 12 317,73 M. Das Vermögen des Verbandes belief sich Ende 1903 auf 22 632,74 M. Daß sich die Institution der Tarifgemeinschaft immer mehr Freunde sowohl bei den Arbeitern als auch erfreulicherweise bei den Unternehmern erwirbt, wird eben- falls im Verbandsbericht konstatiert. Die Unternehmer beginnen mehr und mehr einzusehen, daß es auch für sie vorteilhafter ist, sich friedlich mit ihren Arbeitern auseinanderzusetzen, als immer den Protzenstandpunkt der„Herrn im Hause" einzunehmen. Auch unter den Kollegen verschwinde die irrige Meinung mehr und mehr, daß durch Abschluß von Tarifen die Organisation den Charakter einer Kampforganisation verliere.— Die internationale Solidarität unter den Bernfsangehörigen wird nach dem Vorstandsbericht warm gepflegt. An den Bericht des Vorstandes schloß sich eine rege Debatte. Dresden� 5. April 1904. Bei Beginn der heutigen Sitzung entspinnt sich zunächst eine lebhafte Debatte über die Höhe der Diäten. Sodann wird in der Debatte über den Vorstandsbericht fortgefahren. Leisler- Frankfurt spricht sich für eine möglichst baldige Anstellung eines be- foldeten Vorstandsmitgliedes aus.(Die Vcrbandsgcschäfte werden jetzt im Nebenamte besorgt.) Die Debatte beschäftigte sich, wie auch fchon gestern, hauptsächlich mit den Sonderbestrebungen der Berliner Kollegen, die vielfach noch an der Lokalorganisativn festhalten. Es wird ein Antrag angenommen, der das Verhalten der Berliner Kollegen bedauert und dem Vorsitzenden für sein Verhalten(er hat eine Filiale des Verbandes in Berlin gegründet) das Vertrauen aus- fpricht. Angenommen wird gegen eine Anzahl Stimmen ein Beschluß, der den Vorstand beauftragt, auch fernerhin eine Einigung mit den Berliner Lokali st en an zu- bahnen resp. dieselben zum Anschluß an den Verband zu bewegen. Nach einigen Schlußbcmcrkungen des Vorsitzenden wird dem Borstcmd und dem Ausschuß einstimmig Techarge erteilt. Beim nächsten Punkt der Tagesordnung„Agitation" giebt der Vorsitzende einen einleitenden Vortrag mrd schildert die Schwierig- leiten im Äürschncrbcruf, in dem— außer in den großen Städten— die Hausindustrie stark verbreitet ist und spricht sich gegen die Bildung von Agitationsbezirken aus, da dazu der Kcrband nicht kräftig genug ist und es auch an den geeigneten Agitationskräften mangelt. In der Debatte über diesen Punkt wird auf die Sckiwierigkeit der Agitation unter den Arbeiterinnen hingewiesen. Hier verschuldete viel der Umstand, daß die männlichen Kollegen eine Art Zwischen- meistcr für die weiblichen bildeten, und da allgemein das Accordsystem vorherrsche, so führe das dazu, daß die ersteren unwillkürlich zu Aus- beutern ihrer weiblichen Kollegen würden. Dadurch wäre die nötige Solidarität unmöglich gemacht. Schließlich findet ein Antrag An- nähme, wonach in Orten, wo es wünschenswert erscheint, Agitations- komitees errichtet werden sollen. Diese müssen aber die Zustimmung des Hauptvorstandes haben. Diesem wird auch sonst die Betreibung der Agitation überwiesen. Zum Punkt„Arbeitsvermittelung" hat der Eentralvorstand ein Reglement zur Errichtung eines Centralarbeitsnachweises eingebracht. Dasselbe findet im Princip vielseitige Svmpathie, man hat nur Bedenken hinsichtlich der praktischen Durchführung und darüber, daß die Arbeitgeber den Arbeitsnachweis der Gehilfen auch anerkennen werden. Schließlich wird die Errichtung eines Centralarbeitsnach- weises im Princip mit großer Mehrheit beschlossen. Das vom Eentralvorstand dem Vcrbandstag hierzu vorgelegte Reglement wird daraus mst lvenigen Aienderungen angenommen. Achlveijerischer Gtmrkschaftslwngrch Luzern, 3. April. Der Kongreß ist von 324 Delegierten aus allen Teilen des Landes besucht, die 29 Verbände und 21 Arbeiter-Unione» vertreten. Als Präsident wurde R e i m a n n- Biel. Adjunkt de- scknv.izerischen Aroeitersekretariats gewählt. Ohne längere Debatte wurden die Thätigkeits- und Kassenberichte des Bundeskomitees sowie der Bericht der Beschwerdekommission genehmigt. Der Antrag des Bundes- komitees auf Einführung des Obligatoriums der„Arbeiterstimine" für die Mitglieder der«sektionsvorstände wurde abgelehnt und zwar im Hinblick auf die lokale Arbeiterpresse. Längere Diskussion, an der sich zahlreiche Redner beteiligten, veranlaßte der Antrag der Lausanner Gewerkschaften, in der welschen Schweiz einen Sekretär für den Gewerkschaftsbund anzustellen. Wären die Mittel dazu vorhanden, würde der Wunsch gerne erfüllt werden. Auch für die italienischen Arbeiter im Kanton Tessin wäre ein besonderer Sekretär notwendig. Wegen Mangel an Mitteln konnte bisher noch nicht einmal der vor anderthalb Jahren gefaßte Beschluß betreffend die Anstellung einer Sekretärin ausgeführt werden. Für die baldigste Ausführung dieses Beschlusses trat mit lebhasten und eindrucksvollen Worten die Genossin V i Ili n g e r- Zürich ein. die sich von der Wirksamkeit einer solchen unter den hundert- taufenden Fabrik- und Gewerbe-Arbeiterinnen eine kräftige Förde- rung der Organisation derselben verspricht. In gleicher Weise äußerte sich die Genossin Frau C o n z e t t- Zürich. Von andrer Seite wurde auf die Thätigkeit der katholischen Agitatoren unter den Arbeiterinnen hingewiesen, für die sie bereits mehrere Vereine gegründet haben; demjenigen in St. Gallen sollen 2000 Mit- glieder angehören. Greulich macht darauf aufmerksam, daß die beiden Adjunkten des schweizerischen Arbeiter- Sekretariats in Biel und Genf für die Gewerkschafts- Bewegung der welschen Schweiz da seien und es nur an den Gewerkschaften selbst liegt, sich in steter Verbindung mit ihnen zu halten. Die Anstellung eines besondren Sekretärs für die französische Schweiz durch den Gewerkschaftsbund wurde mit 140 gegen 47 Stimmen ab- gelehnt, dagegen einstimmig beschlossen, in der nächsten Zeit eine Sekretärin anzustellen. Annahme fand schließlich auch noch der An- trag, dem Verlangen der Gewerkschaften in der französischen Schweiz durch den Gewerkschaftsbund zu entsprechen, sobald die Mittel dafür vorhanden sind. In der Nachmittags-Sitzung begründete Genosse Greulich das vorgeschlagene U e b e r e i n k o mm e n zwischen dem Bundeskomitee des Gelverkschaftsbundes und d e m ch r i st l i ch e n G e w e r k s ch a f t s k a r t e l I in St. Gallen. Er erinnerte an die Beschlüsse des 1902 in Bern stattgefundenen Arbeitertages, wonach die Katholiken keine christlichen Gewerk- schaften mehr gründen und die bestehenden auflösen sollten. Die Vertreter der Katholiken im Arbeiterbunde bemühten sich, den Be- schluß durchzuführen, allein unter den Katholiken giebt es eine Klassenkampfströmnng, die die Gründung der Gewerkschaften zur Folge hatte; dagegen vorzugehen, so erklärten die katholischen Ver- treter, hätten sie keine Mittel. Der Hauptsitz dieser Bewegung ist St. Gallen, wo der katholische Professor Jung die Gründung konfessioneller Gewerkschaften betreibt. In unfern Kreisen wird leider die religiöse Neutralität auch noch immer nicht gehalten; katholische Arbeiter beschweren sich darüber, daß sie in Gewerkschaften ihrer Religion wegen ver- spottet worden seien. In der Sache selbst war an ein Aufgehen der katholischen Gewerkschaften in unfern Verbänden nicht zu denken. Unter diesen Umständen richtete der Ausschuß des ArbeiterbundeS an die denselben gehörenden katholischen Organisationen ein Schreiben, in dem die Notwendigkeit der Regelung der Gewerkschaftsftage betont wurde, denn andernfalls stünde der Austritt des Gewerkschaftsbundes aus dem Arbeiterbunde zu befürchten, der aber ohne jenen eine bloße Farce noch wäre, bei der die nichtkatholischen Organisationen nicht mehr mitmachen würden. Es wurde sodann in dem Schreiben der Vorschlag gemacht, daß die christlichen Gewerkschaften sich ihren Berufsverbänden und durch diese dem Gewcrlfchaftsbunde an- schließen sollten. Professor Beck in Freibnrg war damit einverstanden und er erklärte, nie für die Gründung konfessioneller, sondern nur für die neutralen Gewerkschaften einzutreten. Allein die Vertreter der christlichen Gewerkschaften erklärten, nur als ein Ganzes durch das christliche Gewerkschaftskartell sich dem GeWerk- schaftsbund anzuschließen. So kam dann das vorliegende Ueberein- kommen zu stände, nach dem das Kartell einen Jahresbeitrag von 1500 Frank an den Gewerkschaftsbund leisten, sich den Statuten desselben unterlverfen und seine Mitglieder anhalten soll. bei Lohn- und Streikbewegungen mit den Berufsgenossen der andern Gewerkschaften Hand in Hand zu gehen. Andrerseits soll, das Bundeskomitee des Gcwerksthaftsbundes seine Verbände und Sektionen zu einem freundlichen Verhältnis zu den christlichen Gewerkschaften und zu genieinsamem Vorgehen in allen Fragen der Arbeitsverhältnisse anhalten. Nach eingehender weiterer Beleuchtung aller in Frage kommenden Verhältnisse empfahl Greulich schließlich dem Kongreß die gründliche Prüfung der Frage und die gewissenhafte Entscheidung derselben. An der anschließenden Diskussion, die sich sehr lebhast gestaltete. beteiligten sich 17 Redner, von denen 14 das vorgeschlagene lieberein- kommen bekämpften und nur drei es befürworteten. Von den Gegnern wurde unter anderm darauf hingewiesen, daß die ganze Neutralitäts- bewegung nur zur Folge hatte, daß die freien GeWerk- schaften parteipolitische Neutralität üben, die christlichen GeWerk- schaffen aber weder religiöse noch parteipolitische Neutralität. Be- stritten Ivurde, daß die christlichen Gewerkschaften eine Klassenkampf- Bewegung seien, sie sind vielmehr Schutzwälle gegen die freie. klassenkämpfcrische Gewerkschaftsbewegung. ES werden nicht christ- liche Gewerkschaften, wo wir nicht hinkommen können, gegründet, sondern da, wo die freien Gewerkschaften Fuß gefaßt haben, da wird die Arbeiterschaft zerrissen und schwer geschädigt. Den Mitgliedern des christlichen GcwerkschaftskartellS wurde in St. Gallen das hier vorgeschlagene Uebereinkommen dadurch mundgerecht gemacht, daß gesagt wurde, vom politischen Standpunkte aus sei es gut. Nicht die christlichen Arbeiter haben das Bedürfnis nach konfessionellen Gewerkschaften und nicht sie haben solche gegründet, sondern die katholischen Parteiführer und die Geistlichen sind die Gründer derselben. Man hat sogar den deutsche»Reichstags- Abgeordneten Gröber zu diesem Zwecke kommen lassen. Einer der Hauptgründer der katholischen Gewerkschaften, Professor Jung in St. Gallen, hat erklärt, wenn diese Organisattonen durch die Zugehörigkeit zum Gewerkschaftsbnnd stark geworden sind, können sie wieder austreten. Die katholischen Arbeiter sind Aistoritäts- menschen und können daher nicht Klassenkämpfer sein. So lange die christliche Kirche die Geschäfte des Kapitals besorgt, muß sie bekämpft werden. Von den Freunden des Uebercinkommens wurde es als der einzige Weg bezeichnet, die Schädlichkeit der christlichen Gewerk- schaften zu paralysieren und ein geordnetes Zusammenwirken zu ermöglichen. In feinem Schlußwort gab es Greulich auf, den Kongreß noch ftir das Uebereinkommen zu gewinnen. Er verwahrte sich nur gegen den in der Diskussion erhobenen Vorwurf der Unaufrichtigkeit. In der Abstimmung fiel für das Uebereinkommen keine einzige Stimme, für Uebcrgang zur Tagesordnung stimmten 37, für eine nochmalige Unterhandlung mit dem christlichen Gewerkschaftskartell 19, dagegen Ivurde mit 147 Stimmen folgende Resolution angenommen:„Die beantragte Vereinbarung zwischen dem schweizerischen Gewerkschaftsbund und dem christlichen Gewerkschafts- kartest ist gänzlich abzulehnen. Die katholischen Sociologen werden aufgefordert, ihrem anläßlich des Luzerner Arbeitertages gegebenen Versprechen betreffend die Unterlassung der Neugründung von kon- fessionellen Gewerkschaften nachzukommen. eventuell sollten dieselben aufgelöst und ihre Mitglieder bewogen werden, sich den bestehenden Berufsorganisationen anzuschließen. Falls die genannten Sociologen dieser Aufforderung nicht nach- kommen behält sich der schweizerische Gewerkschaftsbund weitere Schritte vor und ist das Bundeskomitee beauftragt, den Verbänden und Sektionen Vorschläge zu unterbreiten, das unHalt- bare Verhältnis im schweizerischen Arbeiterbund anderweitig zu regeln." Als Vorort wurde Bern bestätigt. In einer Resolution wird die Anstellung von Fabrikinspcktorinnen verlangt. Nachdem noch Gen■ Koch namens der Luzerner Arbeiterunion eine kurze An- sxracyc gehalten, schloß Präsident Reimann den Kongreß mit den beste«: Wünschen für das weitere Gedeihen der fchweizerischcn Geiverischaftsbewegung. JCennen Sf* unser 7{abatt~Sysfem? Utk«48201. Qteetiiich geaaaatxt......." P AB ATT- KARTE Waarenhaas Berlin Belle- Alliancestr. 1-2 SpUtelmartct 1 6- 17 Gr. Fron kfurterstr. 113 ANWEISUNG. Wirvera'>foIfe1'»ufWoMch -- bei Baorelnkanfen für Je 25 Pt dee beaablten Betrages eine Rabatt. Marke. 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Meter 4,10 V&f VVf tiUf iref Ganz besondent Pf- Angebot! iBoanäa. Redakteur: Psul Süttm, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: SK. Glocke, Berlin. Druck u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei o. KerlagsanKalt Paul Swger& Co.. Balm SW. st. st 21. mm. 2. Keilllge des„Wmjirts" Kniilln UslksdlM. r � im Berliner partei-Hncielegenbeiten. Wilmersdorf. Am Freitagabend 7 Uhr findet dem Wittes Vollsgarten, Berlinerstr. 40, aus eine Flugblatt-Verbreitung zur Gemrindc-Stichwahl statt. Jedem Parteigenossen erwächst die Pflicht, an dieser Flugblatt-Verbreitung teilzunehmen. Am Sonntagnach- inittag 4 Uhr wird im selben Lokal eine Volksversammlung ab- gehalten, in der die Stichwahlen zur Gemeindevertretung auf der Tagesordnung stehen. Rnmmelsburg. Den Parteigenossen zur Kenntnis, dast am Sonntag früh 7Vz Uhr zur Agitation für den„Vorwärts" eine Flugblatt-Verbreitung stattfindet. ES ist Pflicht eines jeden Genossen, daran teilzunehmen. Die Verbreiter treffen sich in folgenden Lokalen: Otto Wengers, Neue Prinz Albertstr. 17; Gustav Tempel, Alt-Box- Hagen Nr. öS; Werner, Schillerstr. 24; Paul Hege, Prinz Albert- straße 13—14; Karl Burgenger, Kantstr. 44; Schulz, Kantstraße, Ecke Goethestraße. Britz. Die Versammlung des Wahlvereins findet nicht diese Woche, sondern am IS. April bei G. Weniger, Werderstr. 27, statt. lokales. Verhetzung der Feuerwehrmaimschaften wird jetzt sogar von unsrem hochwohNöblichen Magistrat getrieben, der doch sonst aller Verhetzung so gänzlich abhold ist. Es zeigt sich hier wieder einmal, daß die gute Sitte des Bc- mäntelns nur zu leicht durch das böse Beispiel des Kritisierens ver- darben wird. Wie üblich, ist es wieder der„ V o r w ä r t s", der angefangen hat. Wer sonst sollte sich auch zu dergleichen hergeben! Als nach dem Chikagoer Theaterbrand in den Großstädten aller Länder die Feuersicherheit der Theater geprüft wurde, da durfte auch Berlin nicht zurückbleiben, und unsre Theater bekamen die Ber- uichrung der Feurrwehrposten. Wir forderten damals, daß nun der bisherige Brauch, die Mannschaften an ihren„dienstfreien" Tagen zum Theaterwachdienst zu kommandieren, beseitigt oder doch möglichst eingeschränkt werde. Wir wiesen nach, daß nach der Ver- mehrung der Theater-Wachposten die Mannschaften im allgemeinen nur noch zwei wirklich dienstfreie Tage im Monat hatten. Wir empfahlen, bei etwaiger fernerer Beibehaltung dieses bedenklichen Brauches die Mannschaften für die Kürzung ihrer dienstfreien Zeit wenigstens zu entschädigen, lind als radikales Mittel zur Abhilfe schlugen wir schließlich eine Verstärkung des Feuerwehrcorps vor. Die Haltung der Presse gegenüber diesen Darlegungen und Vorschlägen war recht interessant. Zunächst nahmen nur ein paar Blätter von der Sache Notiz. Sie machten auch einige Worte des Bedauerns, aber sie fügten hinzu, da» sei ja schon immer so gewesen und die Gewährung einer baren Vergiitung sei unthunlich. Die andern Blätter suchten unsre Mitteilungen totzuschweigen oder antworteten mit dem gewöhnlichen Geschimpfe auf den„Vorwärts", der nur Hetzen wolle. Ein Berichterstatter, der von der Feuerwehr Nachrichten bekommt, wurde in Bewegung gesetzt und mußte die Zeitungen „auftlären". Da laS man dann, daß der„Vorwärts" von der Sache nichts verstehe und nur Unzufriedenheit errege, die den Dienst erschwere. Hinterher kam noch der Herr Branddirektor selber und stürzte sich in die Unkosten eines„AbteilungSbefehls", durch den er die Mannschaften zu beschwichtigen suchte. Der Sinn des langen und nicht ganz klaren Wortschwalles lief gleichfalls darauf hinaus, daß der„Vorwärts" ja gar keine Ahnung vom Dienst der Feuerwehr habe, daß die Mannschaften sich doch nicht aufhetzen lassen sollten, daß der Herr Branddirektor ja schon so viel für sie gethan habe, und so weiter. Wir haben damals diesen „Abteilungsbefehl", von dem uns eine Abschrift zugegangen war, im Wortlaut veröffentlicht. Eine Berichtigung ist nicht erfolgt, eS dürfte also alles seine Richtigkeit gehabt haben. Hoffentlich hat es uns Herr Giersberg gedankt, daß wir sein Opus einer größeren Oeffentlichkeit übergaben. Nachher wurde es stiller von den Theaterwachen. Aber dann tauchte mit einem Mal das Gerücht auf: das Feuerwehrcorps soll verstärkt werden, weil es unnröglich ist, die vermehrten Theaterposten länger aus den„dienstfreien" Mannschaften allein zu nehmen. Das Gerücht bekam greifbarere Gestalt. Man erfuhr, daß im Polizeipräsidium„erwogen" werde, daß der Branddirektor bereits „ausarbeite", und bald las man auch in den Zeitungen, daß sogar der Magistrat schon„berate". Die Mitteilungen kamen von dem Berichterstatter, der vom Magistrat Nachrichten erhält. Das Drollige ist aber, daß dieser Berichterstatter des Magistrats und der oben er- wähnte Berichterstatter der Feuerwehr dieselbe Person ist. Als so dem„Vorwärts", der erst von der Sache nichts verstanden und nur gehetzt hatte, hinterher recht gegeben wurde, haben wir lächelnd ge- schwiegen und gewartet, wie die Angelegenheit sich entwickeln würde. Nunmehr ist sie gediehen bis zu einer Vorlage, die der Magistrat den Stadtverordneten zugehen läßt. Die Stadt hat ja über die „königliche" Feuerwehr nichts zu sagen, aber sie muß sie wenigstens bezahlen. Geplant wird eine Verstärkung um 12 Oberfeuer- männer und b? F e uerm äl. n er. Der Magistrat ersucht die Stadtverordneten mn Bewilligung der Mehrkosten und schlägt Wiedereinziehung von den Thcaterdirektoren vor. Er begründet die Borlage damit, daß die Mannschaften fortan mindestens vier Tage im Monat wirklich ganz dienstfrei, also auch vom Theaterwachdienst frei sein sollen. Diejenigen, die doch noch an„dienstfreien" Tagen auf Theaterwache müssen, sollen 60 Pfennig Vergütung bekommen. Man sieht, wie der Magistrat in die Fußstapfen des„Vorwärts" tritt und dessen hetzerische Forderungen zum Teil unterstützt. Aber MagistrawS kann freilich nicht anders, er muß ja zustimmen, ob's ihm paßt oder nicht. Die eigentlich Schuldigen sind der Polizei- Präsident nebst Branddirektor, die den Plan ausgearbeitet haben. Wer hätte an dieses Ende gedacht damals, als der„Vorwärts" mit seiner Hetze begann!_ Französisch in der Volksschule. Heber die Einführung des französischen Unterrichts an den Gemeindeschulen berichtet jetzt der Charlottenburger Magistrat. Er besteht seit Michaelis 1903 als wahlfreier Unterricht. Er wird an den drei freien Nach- Mittagen zweimal in IV, und einmal in 1 Stunde erteilt. ES sind zunächst 3 Knaben- und 8 Mädchenkurse eröffnet worden, an denen Lehrer und Lehrerinnen städtischer Schulen unterrichten. Die Er- öffnung noch eines Knaben- und Mädcheukurses steht bevor. Von den bereits eröffneten Knabenkursen ist einer versuchsweise der Berlitz-School übertragen. Im übrigen findet der Unterricht in drei städtischen Gemeindcschulhäusern statt, von denen je eines im Westen, im Centrum und im Osten der Stadt gelegen ist. Zur Teilnahme an dem Unterricht sind immer drei bis fünf der besten Kinder der zweiten und dritten Klasse zugelassen worden. Die technische Leitung des gesamten französischen Unterrichts ist einem Oberlehrer der städtischen Ober-Realschule übertragen._ der reiche Erfahrung auf diesem Gebiete hat. An dem neu zu eröffnende» Kitabenkursus soll em Franzose, an dem Mädchenkursus eine Französin unterrichten. Wenn wir recht unterrichtet sind, wird auch in Wilmersdorf der fremdsprachliche Unterricht in den Gemeindeschulen vorbereitet. Es ist selbstverständlich, daß Berlin auf diesem Gebiete nicht die Hand rührt. Zwei neue Omnibuslinicn sind mit dem jetzt in Kraft ge- tretencn Sommerfahrplan der Allgemeinen Berliner Omnibus- Gesellschaft in Betrieb genommen worden. Die eine Linie(Nr. 14) verbindet die Bahnhöfe Gesundbrunnen— Stettiner Bahnhof und Friedrichstratze. Die Wagen durchfahren die Brunnen-, Invaliden-, Eichendorff-, Novalis-, Elsasserstratze, Oranienburger Thor, Iriedrichstraße, Weidendammer Brücke und Rcichstags-Ufer. Die zweite neue Linie(Nr. 24) verbindet den Pappelplatz mit dem Halleschcn Thor. Die Wagen durchfahren die Invaliden-, Rosen- thalerstrahe, Hackeschen Markt, Spandauer Brücke, Roscnsttaße, Neuen Markt, Kaiser Wilhelm-, tspandauerstraße, Molkeumarkt, Mühlendamm, Köllnischcu Fischmarkt, Rotz-, Neue Roß-, Alte Jakob-,' Kürassier-, Alexandrincustratze und Plauufer. Die Linienführung der Omnibusstrecke Stcttiner Bahnhof— Görlitzer Bahnhof ist wesentlich geändert worden. Die Wagen verkehren von der Dresdner- straße aus durch die Prinzenstraße, Moritzplatz. Oranieu- und Wieuerstrahe. Die Linie Schönhauser Thor— Barutherstraße ist von der letzteren Jnnenstrecke his zum Anhalter Bahnhof verkürzt. Von der Linie Moritzplatz— Moabit ist die letztere Endhaltestelle vom Armimusplatz nach der Rathcnowerstratzc, Ecke Pcrlebcrgerstraße, verlegt worden. Die Wagen der Strecke durchfahren infolgedessen nicht mehr die Turmstraße, sondern werden die Rathenowerstratze entlang bis zur Perlebergerstraße geführt. Großstadtclcnd. Im Monat Februar dieses Jahres wurden von den Beamten der hiesigen Polizei 2285 Bettler festgenommen und nach den Revier-Polizeiburcaus gebracht. Unter den Festgenommenen befanden sich 2149 männliche und 107 weibliche erwachsene Personen und 29 Kinder. Von diesen 2285 Bettlern wurden 1242 zur Haft eingeliefert, 629 entlassen und angezeigt und 419 verwarnt und entlassen. Beim Amtsgericht I(Alexanderplatz) wurden verurteilt: wegen Bettelei: 957 männliche und 18 weibliche Personen; wegen Obdach- losigkcit: 28! männliche und 9 weibliche Personen, und wegen sittcn- polizeilicher Kontravention 302 weibliche Personen. Ueber die von der Abteilung Moabit erfolgten Verurteilungen liegen keine Zahlen vor. Im städtischen Obdach wurden im Februar d. 1. 79 893 nächtlich Obdachlose(78 473 männliche und 1420 weibliche) aufgenommen. Davon wurden 44 dem Krankenhause im Friedrichshain, 13 dem Krankenhause Moabit, 22 der Eharite, 14 dem Krankenhause am Urban, 1 der Anstalt für Epileptische Wuhlgarten, 64 der Geschlechts- kranlenstation und 663 der Polizei überwiesen.— Außer den im städtischen Obdach untergebrachten Personen wurden in der Anstalt der hiesigen Asplvereine noch 24 798 nächtlich Obdachlose(20 203 männliche und 4505 weibliche) aufgenonunen. Die Gesamtzahl der im städtischen Obdach und im Asylvercin im Monat Februar auf- genommenen nächtlich Obdachlosen betrug demnach 194 691(98 676 Männer und 5925 Frauen), gegen 97 722(99 953 Männer und 6769 Frauen) im Fehruar 1993. Es hat sich mithin im Februar 1904 gegen denselben Monat des Vorjahres die Zahl der obdachlose» Männer um 7723 erhöht, die der obdach- losen Frauen um 844 verringert, während die Gesamtzahl aller in den beiden Anstalten aufgenommenen nächtlich Obdachlosen um 6879 gestiegen ist. Aber auch im stadtischen Familien-Obdach hatte noch eine große Zahl Unglücklicher Unterkunft gefunden. Dort befanden sich am 1. Februar d. I. 38 obdachlose Familien mit 127 Personen und 185 Einzelpersonen(153 Männer. 27 Frauen). Der Zugang im Februar betrug 113 Familien mir 358 Personen und 203 Einzelpersonen; der Abgang 165 Familien mit 313 Personen und 245 Einzelpersonen. Die Zahl der Verpflegungötage stellte sich im Februar aus 8913.— Am 1. März d. I. verölieo im Familien-Obdach ein Bestand von 46 Familien init 172 Personen(26 Männer, 51 Frauen, 46 Knaben, 32 Mädchen. 17 Säuglingen) und 143 Einzelpersonen<127 Männer, 16 Frauen); zusammen also 315 Per- sonen. Der neue Botanische Garten in Dahlem soll in diesem Jahre regelmäßig an den Sonntagnachmittagen von 2 Uhr an geöffnet werden. Die Gartcnanlagen sind zwar bereits fertig, aber die Gewächshausbauten sind noch sehr im Rückstände, so daß die Eröffnung des Gartens, die ursprünglich auf den 1. April 1963 festgesetzt worden war, voraussichtlich erst im Jahre 1966 stattfinden wird. ES ist erreicht. Wir berichteten kürzlich, daß die Arbeiter- auSschüsse in den Spandauer Militärwerlstätten sich von unserm Parteigenossen Jacob aus Spandau beleidigt fühlen sollten, weil er im Namen der in den Militärwerkstätten beschäftigten Arbeiter auf den Gräbern der Märzgefallenen einen Kranz niedergelegt hatte. Dieö Verlangen haben die Ausschüsse im socialdcmokratischeir Spandau jetzt pflichtgemäß erfüllt. Die Staatsanwaltschaft hat prompt ihre Mitwirkung zugesagt und in der Angelegenheit das öffentliche Interesse proklamiert, und jetzt kann die Verurteilung losgehen. Oder sollten sich wirklich Richter finden, die die Aktion zu Schanden machen und sich sagen, daß in der Ehrung der teuersten Gräber, die das deutsche Volk besitzt, denn doch wirklich keine Be- leidigung gefunden werden kann? Ueber den moralischen Wert des StrafantragcS oder vielmehr der Anregung dazu ein Wort zu verlieren, lohnt sich nicht. Die Methode patzt in den heutigen Ordnungskampf und wird Früchte tragen, an denen die modernen Ordnungsretter ihr blaues Wunder erleben. Dir Prüfuog der Bierdruckapparate. Eine den gesamten Gewerbe- stand berührende Strafsache beschäftigte gestern das Schöffengericht. Der Restaurateur Weiß in der Waldcmarstraße war angeklagt, trotz der Aufforderung des Polizeipräsidiums die Prüfung seines Bier- druckapparates auf seine Kosten verweigert zu haben. Er soll hier- durch die Polizeiverordnung vom 5. Januar 1993 verletzt haben, durch ivelche den Gastwirten aufgegeben ist, ihre Bierdruckapparate alle zwei Jahre durch die vom Polizeipräsidenten ernannten Dach- verständigen prüfen zu lassen und hierfür die vom Präsidium fest- gesetzten Prüfungsgebühren zu zahlen. Die hiesigen Restauratcure beschlossen, diese Strafsache wegen ihrer allgemeinen Wichtigkeit durch den Vereinssyndikus Rechtsanwalt Leop. Meyer I durch- fechten zu lassen. Dieser bemängelte die Rcchtsgültigkeit der Polizeiverordnung insoweit, als sie die Kosten der Prüfung den Gewerbetreibenden auferlegt. Der Verteidiger rättintc zwar der Polizei da« Recht ein, derartige Prüfungen zum Schutze deö Publikums anzuordnen. auch die Recht- zeitigkeit der Prüfung und ihre Zuverlässigkeit durch Polizei- liche Revisionen zu sichern, keineswegs aber die Befugnis, mit oen Prüfungskosten die Unternehmer zu bekastei,. Die Kosten der im öffentlichen Interesse zur Verhütung von Gefahren für das Publikum von der Polizei angeordneten periodischen Revisionen dürfen, wie das Oberverwaltungsgericht und das Kammergericht in ständiger Rechtsprechung anerkannt hätten, nicht den Besitzern der Revisions- objekte auferlegt werden. Der Angeklagte habe sich daher mit Recht teweigert. die Prüfung ans seine Kosten bornehmen zu lassen.— ZaS Schöffengericht war gleichfalls der Ansicht, daß sich die Polizei- Verordnung, indem sie die Kosten der Revisioncii den Gewerbe- treibenden aufbürdet, nicht in den dem PolizeiverordnungSrecht zu- gewiesenen Grenzen halte. Die Weigerung deS Angerlagten sei daher berechtigt gewesen und seine Freisprechung habe erfolgen müssen. Die Liebe des Freiherr». Zu dem Doppelmord und Selbst- Mordversuch in Nürnberg wird weiter bekannt, daß die Eltern des Mörders, des csnck. juris Freiherrn Alexander v. Watter, in Grunewald bei Berlin wohnhast sind. Seine von ihm er- schossene Geliebte, die 25jährige Kellnerin Helene Krames, soll ein auffallend hübsches Mädchen gewesen sein. Das Motiv zu der That ist darin zu suchen, daß in einem hinterlassenen Briefe des Vaters v. Walters die Unmöglichkeit der Durchführung seiner Heirat mit der Geliebten näher ausgeführt war. Die Schußwunde, die v. Wattcr sich in den Kopf beibrachte, hat den Sehnerv zerrissen und die völlige Erblindung herbeigeführt. Er befindet sich jedoch außer Lebensgefahr, so daß seine Verzweiflungsthat noch ein Nachspiel vor dem Schirrnrgericht erfahren wird.— Wie noch gemeldet wird, studierte v. Watter vorher in München, aber zuletzt an der Berliner Universität. Seine Eltern wohnen seit dem 1. Ottober vorigen Jahres in der Kolonie Grunewald, nachdem sie 2V Jahre lang in .Hamburg ihren Aufenthalt hatten. Der Vater des Studenten ist Direktor einer auswärtigen Pulverfabrik. Der junge v. Watter be- fand sich noch bis zum vergangenen Mittwoch in Berlin und ging dann, angeblich um auf die Universität zu gehen, mit Büchern in der Hand von Hause fort. Er wollte erst andren Tages zurücktehrc», um einen Freund in Berlin zu besuchen. Wie sich später heraus- stellte, hat er aber die Unglücksreise nach Nürnberg angetreten. Junge Leiden. Die 17V- Jahre alte Tochter Alma des Schuh- macher Lawrenzschen Ehepaares aus der Memelerstr. 69 hatte ein Liebesverhältnis mit dem 21 Jahre alten Fabrikarbeiter Otto Lehmann, dem Sohn eines Kutschers aus der Königsbergerstr. 7. Sie war in der letzten Zeit sehr niedergeschlagen und verließ am zweiten Feiertage nachmittags um 5 Uhr die elterliche Wohnung, ohne zu sagen, wohin sie gehen wollte. In der vergangenen Nacht zwischen 12 und 1 Uhr fand der Parkwächter Dobring aus Treptow das Mädchen besinnungslos auf einer Bank an der Neuen Krug-Allce im Treptower Park sitzen. Da es noch Lebenszeichen von sich gab, brachte er es mit einer Droschke nach der Rettungswache am Görlitzcr Bahnhof: als er aber dort mit ihm ankam, war es bereits tot. Die Rcvierpolizei beschlagnahmte die Leiche und ließ sie nach dem Schau- Hause bringen. Neben dem Mädchen auf der Bank fand der Wächter eine Flasche, die einen Rest von Cyankali enthielt. Die Ermitte- lungen ergaben, daß Otto Lehmann ebenfalls am zweiten Feiertag nachmittags die Wohnung seiner Eltern verlassen hat. Bis jetzt ist er weder dorthin zurückgekehrt, noch in seiner Fabrik zur Arbeit er- schienen.— Ein andres Liebesdrama: Der 21 Jahre alte Kohlen- träger Richard Knade, der Sohn eines Arbeiters aus der Buttmann- straße 2, war auf dem Kohlcnplatze von Handle in der Buttmann- straße 12 beschäftigt. Diesem Platze steht die 19 Jahre alte Tochter Frida des Geschäftsinhabers vor. Der junge Mann verliebte sich in Frida Handle, die aber seine wiederholten Annähenmgsversuche ganz übersah. Am Donnerstag voriger Woche wurde er entlassen, weil er sich betrunken und seine Arbeit vernachlässigt hatte. Er bildete sich aber ein, daß nicht seine Trunkenheit, soirdern feine Liebe zu der Geschäftsleiterin die Veranlassung gegeben habe, und wollte sich rächen. Am Sonnabcndnachmittag kam er mit einem Tesching nach dem Kohlenplatz und legte mit den Worten:„Frida hierl" auf das Mädchen an. In dem Augenblick aber, wo er abdrückte, schlug ihm ein Arbeiter auf den Arm, so daß das Geschoß sein Ziel verfehlte und in einen Kohlenhaufcn einschlug. Da angenommen wurde, daß Knade wieder betrunken sei, so ließ man ihn laufen und machte keine Anzeige. Der junge Mann aber, der das nicht wußte, fürchtete, zur Verantwortung gezogen zu werden. Um dem zu entgehen, schoß er sich in der Wohnung eine Kugel w die rechte Brustseite und kam dann klagend in einen in demselben Hause gelegenen Cigarrenladen. Ein Schutzmann ließ ihn von dort nach der Charit« bringen, wo er schwev darniederliegt. Verschwundener Rechtsanwalt. Einiges Aufsehen verursacht das Verschwinden des Rechtsanwalts Dr. B e u s ch e r aus der Mark- grafensttaße 02, der vor etwa vierzehn Tagen unter Zurücklassung von Frau und Kind von Berlin abgereist ist. B. hatte vorher einen Kollegen gebeten, ihn für einige Tage zu vertreten, weil er eine Vergnügungsfahrt unternehmen wolle. Der Rechtsanwalt kehrte nicht wieder zurück, hat über das Ziel seiner Reise niemand Mit- teilung gemacht und auch bisher keinerlei Nachricht, weder an seine Angehörigen noch an den ihn vertretenden Kollegen, gelangen lassen. Das königliche Landgericht hat Herrn Rechtsanwalt Mcssow als Abwesenhcitspfleger für den Verschwundenen bestellt. Dr. Beuscher, der seit zwei Jahren verheiratet ist, lebt in durchaus geordneten Verhältnissen und ist vermögend. Die„Verl. Ztg." meldet noch zu der Angelegenheit: Thatsache ist,.daß B. kurz vor seiner Abreise von Berlin sich in den Besitz eines Betrages von 10 000 M. gesetzt hat, die er als Hypothek auf ein angeblich ihm gehöriges Haus in der Rankestraße aufgenommen haben soll. Diesen für eine kurze Reise ganz überflüssigen Betrag hatte B. bei seinem Abgang aus Berlin jedenfalls bei sich; cS wird sich bald herausstellen, ob er nicht auch auf andern Wege sich weitere Geldmittel zu beschaffen gewußt hat. Daß seine Flucht aus Berlin aber eine vorbereitete war, geht aus einer sehr bemerkenS- werten Aeußeruna hervor, die er seiner Vertrauten, der Vorsteherin seines Bureaus, Fräulein Jaeuickc, gegenüber gemacht hat.„Wenn ich eines Tages nicht mehr wiederkomme,"— hatte er gelegentlich zu ihr gesagt—„dann finden Sie Ihr Zeugnis hier in dieser Schrcibtischlade," Die Jnselbrücke wird behufs Erneuerung des Bohlenbelages vom 6. d. Mts, ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Retter gesperrt. Beim Abspringen von einem in der Fahrt befindlichen Straßen- bahnwagen ist in der gestrigen Nacht die LSjährige unverehelichte Pauline Goral schwer zu Schaden gekommen. Fraulein G. hatte einen Wagen der Linie 10(Moabit— Pappel-Allee) benutzt und ver- suchte vor dem Hause Kastanicn-Allee 89 von dem in ziemlich scharfer Fahrt befindlichen Wagen hinunter zu springen. Die junge Dame fiel so unglücklich zu Boden, daß sie eine schwere Gehirnerschütterung erlitt und nach einem Krankenhause gebracht werden mußte. Ein Eisenbahn-Unfall hat sich, wie uns nachträglich mitgeteilt wird, auf der Klcinbahnstrecke Luckenwalde— Jüterbog ereignet, Als der von Dahme kommcitde Mittagszug sich zwischen den Stationen Reinsdorf und Vcrbig befand, sprang aus noch nicht aufgeklärtem Grunde die Maschine aus dem Geleise und die Räder bohrten sich tief in den Sand der Böschung ein. Glücklicherweise ritz die Kuppelung und blieben infolgedessen die übrigen Wagen auf den Schienen stehen. Die eingcleisige Strecke war bis gegen 9 Uhr abends gesperrt. Bootsunfall auf dem Seddinsee. Zu den gestern von uns ge- meldeten Bootsunfällen wird uns von einem Augenzeugen leider noch ein Unfall, der sich auf dem Seddinsee bei Zwiebusch zutrug, und bei dem wieder ein Mensch seinen Tod in den Fluten fand, ge- meldet. Das Segelboot„Bandit II", das im vorigen Jahre bei seiner ersten Fahrt auf dem Müggelsee kenterte, wobei drei Personen ertranken, fuhr mit Vollzeug bei schwerem, böigem Winde von Zwiebusch ab und kenterte mit seinen drei Insassen. Zwei von ihnen blieben am Boot, während der dritte, Herr Zeh. nach dem Lande zu schwamm und, da Hilfe nicht schnell genug kam, infolge Schwäche er- trank. Die andern beiden Herren, darunter der Besitzer des Bootes, wurden durch ein Ruderboot des Vereins der Schmöckwitzer Segler gerettet. Es kann nicht genug darauf hingewiesen werden, daß Segler, deren Boot schwimmt, sich an ihm so lange halten möge». bis Hilfe kommt. Herr Zeh, der verheiratet war, wäre nicht er- trunken, hätte er sich nach dieser Regel gerichtet. Opfer des Automobilsports. Unvorsichtiges Bremsen wav die Veranlassung eine» Automobilunfalles, der sich gestern früh in der Nähe der mecklenburgischen Stadt Ludwigslust abgespielt hat. Bau- meister Lachmann auS Berlin, Mitinhaber der Firma Lachmami u. Zauber, und ein Herr Ledermann nebst Gattin aus Ham- bürg unternahmen, wie man dem»Verl. Tagebl." meldet, von Ham- bürg(tu5 nebst einem Mechaniker eine Fabrt nach Beriin in einem DailÄcr-Wagen. Als Ledermann an eine scharfe Kurve kam, bremste er plötzlich so stark, dah infolge des scharfen Stoßes und des schlüpfrigen Weges sämtliche vier Insassen aus dem Wagen flogen. Frau Ledermann erlitt leichte Abschürfungen, während Baumeister Lachmann und der Hamburger Herr schwere Verletzungen erlitten; Lachmann trug mehrere Rippenbrüche und Lcdermann einen Schädel- bruch davon; Ledermann fand im Bethlehemstift in Ludwigslust Auf- nähme, wo er sich in hoffnungslosem Zustande befindet. Der Mechaniker erlitt eine Schulterquetschung. Eine Tragödie im CirkuS. Im Cirkus wurde am Dienstag- abend der 42 Jahre alte Droguist Wilhelm Gruner aus der Kirch- stratze 25 vom Tode überrascht. Er besuchte den Cirkus Busch mit seiner 12 Jahre alten Tochter Minna. Während der Ringkämpfe sank er mit dem Ausruf: Mnna, Minna I auf seinem Sperrsitz vornüber und verlor die Besinnung. Während das Kind weinte und jammerte, trug man ihn in das Direktionszimmer, wo er schon nach fünf Minuten starb. Die Leiche wurde, nachdem die Frau des Ver- storbenen herbeigerufen worden war, nach dem Schauhause gebracht. Die Stadtbahnfledderer sind flott an der Arbeit. Jetzt ist es ein Buchdruckereibesitzer E. aus Pankow, der sich über eine teure Fahrt beklagt. E. bestieg am letzten März, abends am Alexanderplatz einen. Stadtbahnzug, um nach der Friedrichstraße zu fahren. Obwohl er ganz nüchtern und auch nicht müde war, schlief er bald ein und wurde erst wieder munter, als ihn auf der Station Westend ein Schaffner aufrüttelte. Nun sah er, daß ihm die Beinkleider auf- geknöpft und die Taschen von innen herausgeschnitten waren. Mit den Taschen war sein Portemonnaie, da? IM M. enthielt, und aus der Weste die goldene Uhr mit Kette verschwunden. Der Beraubte glaubt, daß ihn die Fledderer durch irgend ein Mittel betäubt haben müssen._ Im Gebrüder Herrnfeld- Theater hat der dritte Feiertag einen neuen Einakter gebracht, nämlich eine Fortsetzung des seit geraumer Zeit aufgeführten Stückes„Nur eine Nacht". Im Gegensatz zu dem sonstigen Brauch an dieser Kunststätte sind die jetzt aufgeführten Komödien sentimental gestimmt. Ein Ehepaar kann sich nicht ver- stehen, und die junge Frau verläßt ihren Gatten. Dieser führt ein Junggesellendasein, bis die Widerspenstige plötzlich wieder um Auf- nähme bei ihrem Manne bittet. Aber nur für eine Nacht, da der Papa, der von dem Zwist nichts weiß, zu Besuch kommt, und man einem alten Manne doch den Schmerz ersparen müsse. Das Stück schließt damit, daß nach der vor dem Alten aufgeführten Komödie der Eheverlassene sich seiner Frau wieder zu nähern versucht. Das am Dienstag aufgeführte Stück„Am andern Morgen" ist die Fortsetzung. Es spielt vor dem ersten Frühstück, ist aber bereits so stark gepfeffert, daß einem die Augen übergehen. Selbstverständlich vollendet der andre Morgen die Versöhnung der Gatten. Die im Herrnfeld- Theater aufgeführten Dramen haben be- kanntlich die Herren Direktoren zu Urhebern. Sie würden vielleicht in jedem andren Musentempel kalt lassen; hier aber, in dieser eigen- tümlichen Atmosphäre schmecken sie wie Manna. Schon der hold- selige Dialekt des Ghetto animiert, und wenn nun gar einer jener köstlichen Ausdrücke fällt, deren Bedeutung man nur im vertrauten Umgange mit dem auserwählten Volke ermißt, dann ist in und außerhalb Israel eitel Wohlbehagen und Wonne. Dazu kommt die vortreffliche, bis ins Feinste ausgearbeitete Charakteristik, die auch vor- gestern wieder selbst das Unbedeutende zum Genrebild machte. Kurz, es ist ein bißchen Kulturgeschichte, Ivas ün Herrnfeld- Theater all- abendlich aufgeführt wird. Obgleich dem Berliner Aquarium während der letzten Tage von mehreren Seiten her beachtenswerte Zuwendungen von Land- und Seetieren gemacht wurden, zeichneten sich doch die durch die Station Rowiger übermittelten Sendungen von Meeresticren durch besondere Reichhaltigkeit aus, denn sie umfaßten mehrere hundert Fische, Blumen-, Stern-, Krusten- und Schwammtiere sowie Tinten- fische, sodaß die Becken reich und mit interessantell Geschöpfen be- völkert werden konnten. Eine große Anziehungskraft auf die Be- sucher übt das neubesetzte„Seepferdchen-Becken" aus, da in ihm mehr als 400 der inerkwürdigen Büschelkiemer in ihren eigenartigen Be- wegungen das Wasser beleben und am Boden, an Felswänden und Glasscheiben einige Dutzeird Arten Seesterne, Seeigel, Seegurken und Schwämme und Polypen in einer wunderbaren Mannigfaltigkeit und Abwechselung sich zeigen. Auch das angrenzende.Nordseebecken" hat durch 12ö Stück prächtiger Seerosen einen hervorragenden Zu- wachs seiner Bewohnerschaft erhalten. Für den zweiten Tintenfisch- behälter sind mehrere achtfüßige Polypen, Verwandte des bereits hier befindlichen Octopus, angelangt. Tie großen Fischbassins des unteren Grottenganges erhielten eine Ergänzung ihrer Bestände durch eine Anzahl Mitglieder der Familien der Barschfische, Meerbrassen, Rochen und Lippfische und reizvolle Neuheiten kamen für die kleineren Still- leben-Becken an. In der April-Ausstcllung im Kunstsalon Wertheim ist die Tier- Malerei stark vertreten. Fritz von Heider-Magdeburg bringt außer seiner Kollektion Tierstudien auch eine Anzahl Landschaften. Von Hans Krause-Berlin sehen wir in der Hauptsache Pferdestudien. Hans Schmidt-Charlottenburg hat zahlreiche Bleistiftzeichnungen und größere Werke eingesandt, deren Motive zum Teil dem wilden Tierleben, zum Teil dem landchaftlichen Betriebe entnommen sind. Gegen den Alkohol. Donnerstag, den 7. und Freitag, den 8. April, kommen in den wissenschaftlichen Kursen zum Studium des Alkoholismus zwei besonders interessierende Fragen zur Erörterung: 1. Alkohol und Verbrechen. Vortrag von Professor Aschaffenburg- Halle a. S. 2. Wirkung des Alkohols auf die Nachkommenschaft. Vortrag von Professor Plötz-Schlachteusce. Sonnabend wird aus- schließlich der Schule und dein Hanse gehören. Vortrag von Direktor Trüper aus Jena über Einflüsse des Alkohols auf Erziehung in- Schule und Haus. Die Vorträge finden im Barackenauditorium der Universität vormittags von 10—12 und nachmittags von 4—0 Uhr statt. Billets daselbst a 50 Pf. Der letzte Vortrag sollte allen Lehrern und Lehrerinnen zum Besuche veranlassen. Theater.„Freut Euch des Lebens", die neue Aus- statwngsposse des Belle-Alliance-Theaters unter Direktion Kren und Schönfeld, die morgen, Freitag, zum ersten Male in Scene geht, wird in den Hauptrollen zunächst Fritz Helnierding und Gerda Walde Gelegenheit zur künstlerischen Bethätigung geben. Ferner sind in Hauptrollen die Damen Ballot, Wannovias und Scholz und die Herren August Reiff, Arthur Winkler und Curt Olfers beschäftigt. Zum ersten Male treten in den» Rahmen dieses Ensembles auf Frl. Erna Bijaco, bisher am Theater des Westens, die in einer Gesangspartie debütiert, ferner die Herren Hermann Bartels und Paul Schncider-Duucker, die ebenfalls zum ersten Male in diesem Ensemble erscheinen.— In der Neu-Aufführung des„Pfarrer v o n Ä i r ch f e l d", die im D e u t s ch e n T h e a t e r am Sonn- abend, den 0. April, stattfindet, wirken die Damen Teresina Geßner und Agnes Müller, sowie die Herren Albert Bassermann, Karl Forest, Paul Marx, Karl Meinhard, Franz Reßner, Paul Schwaiger, Otto Sommerstorff, Kurt Stieler, Wilh. Wcrthmann und Bruno Ziener mit. Die Rolle der Brigitta spielt an Stelle der erkrankten Frau v. Pöllnitz mit Zustimmung des Herrn Direktor Dr. Neuntann- Hofer Frau Margarete Albrecht vom Lessing-Theater. Huö den Nacbiiarorten. JohaiimSthal. Wegen der unerlaubten Veranstaltung einer Kollelte hatte sich auf' Veranlassung des Freiherrn v. Trützschlcr, welcher auch das Anst eines Gemeinderats bekleidet, der Genosse Bismark vor dem Schöffengericht in Köpenick zu verantworten. In einer Versammlung des Wahlvereins ivar beschlossen ivorden, unter de» Mitgliedern zum Weihnachtsfest eine Sammlung zu ver- onstaltcn fiir einen seit zwei Jahren erwerbsunfähigen Genossen. Der Genosse Bismark glaubte, der adlige Herr würde so edel sein und auch ein Scharflein beisteuern, da er sich ja auch bei andern Gelegenheiten freigebig gezeigt hatte. Anstatt des erhofften Bei- trag? erhielt er indes nach einigen Stunden den Besuch des Gen- darmen und einige Wochen darauf die Anklage. Der Amtsanwalt beauiragte in Anbetracht des guten Zweckes der Sammlung eine Geldstrafe von 8 M., auf welche das Gericht auch erkannte. Dem Einwand des Angeschuldigten, daß er im guten Glanben gehandelt, da Herr v. Trützschler den Socialdemokraten im Orte schon einmal 10 M. zur Deckung von Versammlungsunkosten überwiesen hatte, ließ das Gericht nicht gelten. Um dem Angeschuldigten Kosten zu ersparen, so erklärte der Vorfitzende, habe er die Ladung des Zeugen v. Trützschler unterlassen, der' Herr blieb demnach davon befreit, seine Handlungsweise vor Gericht beeiden zu müssen. Drohender Einsturz eines Kirchengcwiilies. Die Kirche in Rathenow mußte während der Osterfeiertage teilweise wegen Ein- sturzgefahr gesperrt werden. Im Gewölbe des Mittelschiffes war plötzlich ein etwa 50 Centimcter langer und 3 Ccntimetcr breiter Ritz entstanden. Der Boden hatte sich an dieser Stelle etwas ge- senkt. Um den Gottesdienst während der Feiertage nicht gänzlich ausbleiben zu lassen, wurde nur das Mittelschiff der Kirche gesperrt. und das Gotteshans erst am Dienstag zum Zwecke einer genaueren Untersuchung des Risses geschloffen. Ein Verbot der Tauzlustbarkeiten am sogenannte» dritten Festtag hat im Kreise Niederbarnim Aufregung hervorgerufen. Wie man hört, ist das Verbot auf die neue Polizeiverordnung für die Provinz Brandenburg, die alle öffentlichen Lustbarkeiten und den Besuch der Gastwirtschaften regelt, zurückzuführen. Eine Abordnung von Gast- Wirten, die bei dem Landrat des Kreises vorstellig wurde, hat ab- schlägigen Bescheid erhalten. Der Landrat erklärte, daß er keine Veranlassung habe, die Tanzlustbarkeiten, die in den einzelnen Orten verboten wären, zu gestatten. Letzteres soll dagegen im Kreise Teltow vielfach geschehen sein. CkricKts-Leitung. Die beleidigte Ponimerilvimk-Wisseilschaft. Eine Privatklage des Redakteurs der„Neuen Hamburger Börscnhalle", Dr. Max W i t t e n b e r g, gegen den Herausgeber der„Preußischen Kor- respondenz", Adolf Zimmermann, beschäftigte gestern das hiesige Schöffengericht. Die„Preußische Korrespondenz" hatte die Ausführungen eines Hamburger Gewährsmannes über„Die "risis in Amerika und die deutsche Schiffahrt" veröffentlicht. Gegen diesen Artikel hatte die„Reue Hamburger Börscnhalle" polemisiert und dabei die„Preußische Korrespondenz" als„wenig vertrauenswürdig" bezeichnet. Dieser Vorwurf gab dem Angeklagten Veranlassung, sich in einem sehr scharfen Ar- tikel gegen die Person des Dr.'Wittenberg zu wenden. Er führte darin unter anderm aus, daß der Privatkläger überhaupt nicht in eine anständige Redaktton gehöre. daß er eine publizistische Verttauensstellung schmachvoll ausgebeutet habe und„sein merkwürdiges und unmöglich uninteressiertes Eintreten für die verkrachenden Sandcnbanken" allgemein abfällig besprochen worden 'ei. Wegen dieser Beleidigungen war die Privatklage erhoben worden. Zu einem vom Vorsitzenden angeregten Vergleich erklärte sich der Angeklagte nicht bereit, so lange ihm nicht der Nachweis erbracht sei, daß, als der Privatkläger für die„Zistunft" schrieb, dem Heraus ?eber dessen Stellung zur Pommernbank damals be annt gewesen sei. Er seinerseits bestreite dies.— Rechts anwalt Dehn aus Hamburg beantragte eine der Schwere der Beleidigungen entsprechende Strafe. Der Privatkläger habe nirgends gegen den journalistischen Anstand verstoßen. Wie die ehemaligen Direttoren der Pommernbank, Schultz und Romeick, in einem andren Beleidigungsprozeß bereits ausgesagt haben, sei Dr. W.. der damals zar nicht mehr berufsmäßiger Journalist geivesen, als wissen- chaftlicher Hilfsarbeiter, mit der Aussicht. Direktor zu werden, mit einem Gehalt von 12 000 M. bei der Pommernbank angestellt worden. Daß dies Gehalt im Geheimbuch verbucht worden, habe seinen Grund darin, daß den übrigen Angestellten die Höhe des Gehalts nicht bekannt werden sollte. Im übrigen sei gar nichts verheimlicht worden. Dr. W. habe vielmehr ganz öffentlich als An- cstellter der Bank mit Behörden zc. verhandelt. Er habe zur krittschen seit u. a. eine wissenschaftliche Arbeit über die Mündelsicherheit der ?ypotheken-Pfandbriefe im Sinne dieser Sicherheit veröffentlicht und ich mit dieser sogar im Widerspruch zu den Leitern der Pommern- bank befunden.— Der Angeklagte erklärte, daß er durch den be- leidigenden Angriff des Privatklagers gereizt worden sei und ihm der Schutz des§ 193 zugebilligt werden müsse. Der Gerichtshof erkannte auch an, daß dem Angeklagten der Schutz des§ 193 zur Seite stehe, ersah aber aus der Form die Absicht der Beleidigung und verurteilte den Angeklagten zu 100 M. Geldstrafe eventuell 10 Tagen Gefängnis. In dem Einbruchsdicbstahl- und Hehlerprozeß gegen den Gold- chmied Willibald Dziur owitz und den Händler Wilhelm Löwen- t e i n aus der Brunnenstraße wurden gestern die Verhandlungen 'ortgesetzt. Da sich der Kriminalschutzmann Vierbaum nicht befugt hielt, ohne Genehmigung des Polizeipräsidenten von Schöneberg den Verttauensmann zu nennen, der der Behörde verschiedene, die An- geklagten schwer belastende Momente an die Hand gegeben hatte, so war auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Davidsohn beschlossen worden, den Polizeipräsidenten um Erteilung dieser Genehmigung zu ersuchen. Darauf ist die Antwort ergangen, daß der Polizeipräsident es im Interesse des Staatswohls nicht für angebracht erachte, die Gewährsleute, mit denen die Polizei unvermeidlich arbeiten »nüsse, öffentlich bekannt zu geben. Nach den Ergebnissen der Beweis- aufnähme hielt Staatsanwalt Dr. Linde für erwiesen, daß der Angeklagte D z i u r o w i tz mindestens an dem Schaukasten-Dicbstahl beteiligt war, der am 11. November v. I. bei dem Juwelier Rozanski lFirma Hamann) Alexanderstr. 53, verübt worden ist. Bei diesem Diebstahl sind Goldsachen, llhren, Kolliers, Nadeln, Broschen usw. im' Werte von 5200 Mark gestohlen worden. Zur §eit des Diebstahls ist von mehreren Personen ein verdächtiger kann im Hause beobachtet worden, desseü Signalement auf Dziurowitz paßt. Ferner steht fest, daß dieser nach dem Diebstahl einen Teil der bei RozanSki gestohlenen Sachen be- essen hat. Der Staatsanwalt hielt den Dziurowitz auch noch in andren unter Anklage gestellten Fällen für verdächtig, die Be- lastungsmomente aber doch nicht für ausreichend, um darauf eine Verurteilung zu gründen. Mit Rücksicht auf die bisherige Un- bescholtenhett dieses Angeklagten beantragte er gegen Dziurowitz, der zweifellos von dem älteren und dem Verbrechertum ver- 'allenen Löwenstein verführt worden sei, drei Jahre Ge- ängnis. Daß Löwenstein bei den meisten der hier in Frage kommenden Diebstähle seine Hand im Spiele gehabt, erschien dem Staatsanwalt ftir erwiesen, und so beanttagte er gegen Löwenstein echs Jahre Zuchthaus. Rechtsanwalt Dr. Davidsohn hielt mgegen auch bezüglich dieses Angeklagten den Beweis für äußerst dürftig. Bei dem letzteren seien schließlich doch nur zwei ans den Diebstählen herrührende Uhren gefunden worden, und es sei nicht widerlegt, daß er diese'aus öffentlichen Anktionen er- landen habe. Die Thatsache. daß Löwcnstein wiederholt vorbestraft sei und nun mit Goldwaren handle, könne diesen nicht ohne weiteres verdächtig machen; seine letzte Strafe von vier Jahren Gefängnis sei im Jahre 1892 verbüßt gewesen, und wenn er seitdem straflos geblieben, obwohl ihm die Polizei doch scharf auf die Finger passe, so spreche dies für ihn.— Der Gerichtshof erkannte im Sinne der Ausführungen des Staatsanwalts beide Angeklagte für schuldig und verurteilte Dziurowitz zu zwei Jahren Gefängnis unter Anrechnung von vier Monaten Untersuchungshaft, L ö w e n st e i n zn z>v c i Jahren Zuchthaus, Ehrverlust und Zulässigkeit von Polizeiaufficht. Der bekannte Trakehucr Schnlproreß wird nun am 3. d. M. nochmals die siebente Strafkammer des Landgerichts I beschäftigen. Ter Prozeß spielt schon seit dem Jahre 1902. Die siebente Straf- kaminer hatte im Oktober 1002 den Sanitätsrat Dr. P a a l z o w zu 300 M. und den Lehrer Otto Nickel- Trakehnen zu 200 M. wegen Beleidigung des Landstallmeisters v. Oettingen verurteilt. Es handelte sich um einen in der Fachzeitschrift„Der Pferdefteund" von Dr. P a a l z o w verfaßten Artikel, zu welchem der Lehrer Nickel das Material geliefert hatte. Herrn v. Oettingen lvurde darin Chikanie- rung der Lehrer, Bevorzugung seiner eignen Person, Verschwendung und Uebertretung der Gesetze vorgeworfen. Die Revision des Sanitäts- rats Dr. Paalzöw ist durch dessen am 5. April v. I. erfolgten Tod hinfällig geworden. Auf die Revision des Lehrers Nickel hat das Reichs- gericht das Urteil der Strafkammer aufgehoben, da es nicht für geniigend dargethan erachtete, durch welche Thatsachen der Lehrer Nickel die Strafthat des Dr. Paalzow, ehe sie vollendet war, gefördert habe, da die im Urteil festgestellten Mitteilungen Nickels an Dr. P. Thatsachen beträfen, wegen deren Dr. P. nicht verurteilt worden sei.— Darauf fand am 3. Dezember eiue erneute Ver- Handlung statt, die lediglich einen vorbereitenden Charakter hatte. Es lvurde darin der Umfang der durch kommissarische Vernehmungen zu bewirkenden Beweisaufnahme festgestellt. Zu dem morgigen Termin ist der Angeklagte Nickel persönlich geladen. Als Zeuge dürfte nur Herr v. Oettingen anwesend sein. Die Verteidigung führt wieder Rechtsanwalt Sonnenfeld. Hiis der frauenbevegung. Verein für Franc» und Mädchen der Arbeiterklaffe. Montag, den 11. April, abends 8'/., Uhr, in den Arminhallen, Kommandanten- straße 20. Vorlesung und Diskussion über socialistische Probleme. Gäste willkommen. Verband der Friseurgehilfen Teutschlands(Zweigverein Berlin). Donnerstag, TMlprii, abends 10 Uhr: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: Vorttag. Schluß an den zweiten Feiertagen. Geschäftliches. —( Z w e i g o e r e i n R i xd o r f.) Donnerstag, 7. April, abends 10 Uhr, bei Ooppc, Berlincrstt. 14: Mitglieder-Versammlung. Konditoren! Donnerstag, den 7. Slpril, abends S'h Uhr: Oeffent» liche Versammlung der in Bäckereien und Konditoreien scst oder tage- weise arbeitenden Kollegen. Tagesordnung: 1. Welche Erfolge haben die Konditoren von der jetzigen Lohnbewegung zu erwarten? 2. Diskussion und cvent. Beschlußsassung über weitere Maßnahmen. 3. Verschiedenes. Erscheinen aller unbedingt Pflicht. ßmfkaften der Redatttfon. Sir bitten bei seder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort ertellt werden soll, und die letzte AbonnementSquittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant« mottet und schrislliche Antwort wird nicht erteilt. OorHs«!» la etattstiqne. Wir bitten dringend, aus der Anonymität herauszutreten und uns Gelegenheit zur mündlichen Aussprache zu geben. Das Redaktionsgehcimnis ist unverbrüchlich. A. L.. Falkenberg. Ja, B. gehörte mit zu den ersten Zeichner». Wie hoch die.summe gewesen ist, die er gezeichnet, vermögen wir jedoch nicht anzugeben: hoch kann sie jedoch nicht gewesen sein, da die Gesamt- summe sich nur aus süns Millionen belies. Darin patriotische Opferwilligkeit zu sehen, ist Unsinn; B. konnte infolge seiner finanziellen Beziehungen zur Regierung gar nicht anders. �ftmftilcher Cell. Ti« juristisch« Evrechstundc'fiiidct täglich mitAuSnahm« de> Sonnabends von?-/, bis«y, Uhr abends statt. Geiistnct:? Nbr. U 61 Der Vater hat, weil das Kind nach dem 31. Dezember 1899 geboren ist, kein Recht, die Herausgabe nach vollendetem vierten Jahre zu verlangen. Ein Recht aus irgend welche persönliche Beziehung zu dem Kind hat der uneheliche Vater nicht, da er nicht als verwandt mit dem Kinde gilt. Indessen nuiß ihm über das Kind diejenige Auskunft gegeben werden, deren er zur Beurteilung seiner Alimentationspflicht bedarf.— K. 100. Eine gesetzliche Pflicht zur Versicherung von Ichansensterscheiben besteht über- Haupt nicht. Durch Kontrakt kann eine solche Pflicht sowohl für den Laden- Mieter wie den Hauswirt degründet werden. Wer zum Ersatz einer vernichteten Scheibe verpflichtet ist, richtet sich danach, durch wessen schuld die Vernichtung herbeigeführt ist, oder nach dem Vettrag, wenn er Bestimmungen hierüber enthält. Am besten kommen Sie in die Sprechstunde und zwar mit dem Kontrakt.— R. W. Die Strasversolgung der cmsachen Desertion verjährt in süns Jahren. Die Fttst beginnt mit dem Zeitpunkt, w dem der Deserteur, wenn er nicht desertiett wäre, seine Dienstzeit beendet hadcn würde.(§ 76 M-Stt-G-B.) Unterbrochen wird die Verjährung durch jede aus die Verfolgung des Thälers gerichtete Handlung des Richters, Ge- richtsherren. des die Untersuchung führenden'und des die Anklage vertretenden Lssiziers oder Kriegsgcrichtsrates(§ 10 E.-G. zur M.-Str.-P.-O.). Nach jeder Unterbrechimg beginnt stets eine neue fünslähttge Verjährung. Ob im vorliegenden Falle eine Unterbrechung(z. B. durch Erneuerung des Steckbriefs) stattgesunden hat, würden Sie am besten durch einen Anwalt ermitteln lassen.— Koppenstr. 9. Sie müssen sich den von der Polizei getroffenen Ordnungsvorschristen, von besonderen Ausnahmefällen abgesehen, sügen. Bilz. Die Mahnung in dieser Form enthält eine Beleidigung.— A. Zl. in R. Der ZlltcrsrcnMcr ist aus seinen Antrag von der unteren Verwaltungsbehörde seines Wohnottes von der Jnvalidenversicherungspflicht zn besreien. So lange er nicht besreit ist, sind die Beiträge zu leisten. — T. R. 48. 1. Ist nicht anzugeben. 2. Nach der gleichen Formel. — Runder Turm. Verjährung m süns Jahren nach der letzten gegen den Thüter gerichteten richterlichen Handlung(z. v. Steckbttesscrneuerung).— B. L. 100. Sie ist alters- und invaliden-, nicht aber krankenversicherungs» pflichtlg.'Anmeldung zn einer Krankenkasse mutz also nickt erfolgen.— A. D. 100. Hat die Herrschast die Krankheit verschuldet, dann mutz sie dem Dienstboten bis zu seiner Genesung Schadensersatz leisten, d. i. ins- besondere auch Lohn zahlen; hat der Dienstbote sich die Krankheit obue Verschulden der Hcrrschast, aber durch oder bei Gelegenheit des Dienstes zugezogen lein Fall, der hier vorzuliegen scheint), dann hat die Herrschast bis zum Ablauf der Dienstzeit jür Kur und Verpflegung auszukommen, ohne daß sie hiersür etwas vom Lohn abziehen dürste; handelt es sich endlich»m eine andre, in keinem Zusammenhang mit dem Dienst stehende Krankheit, dann kann die Herrschast ihre Aufwendungen an Kurkosten vom Lohn abziehen.— G. Neumann. Sie können nichts dagegen machen. — M. T. Ein schristiichcr Vertrag war nicht nötig. Der mündliche ist gültig.— O. Krüger. Ja.— E.G. 38. Ja, das Geld würde Ihrer Frau zufallen.— C. K. 3. Kündigung ist zum OuattalSschlutz zulässig.— Ulbrich. DaS Amtsgericht des Wohnottes des Schuldners.— Grosche. Kommen Sie in die Sprechstunde.— K. H. Ä. Wenn nicht ausdrücklich vereinbart ist, daß Sie weiter sür die Miete hasten sollen, ist der Verttag erloschen.— Elise 100. Der Ehemann der Tochter braucht jür nichts aus- zukommen.— M. 28. Sie werden verurteilt: der Widerrus ist unwittsam. — M. B. l. Diebstahl. 2. u. 3. DaS läßt sich nicht voraussagen; erstatten Sie Anzeige und ivarten Sie das Ucbttge ab. 4. u. 5. Sie find schadens- ersatzpflichtig.— Zembrc. 1. Sie brauchen sich nicht zu melde». 2. Die verschiedene Einschätzung kann durch Unterschiede in den zulässigen Abzügen veranlaßt sein.— F. G. O. 1. u. 2. Wenn die Ucbereignung erfolgte, um die andren Gläubiger zu benachteiligen, so ist sie innerhalb zehn Jahren, sonst innerhalb zwei Jähren anfechtbar. 3. Eine Pflicht zur Mitteilung besteht nicht, sie ist aber ratsam. 4. Sie können die Gegenstände dem Schuldner belassen, ohne die Psändung auszuheben. »Weizen, gut D.-Clr. mittel gering »Roggen, gut mittel gering fGerste, gut mittel gering fHafer, gut mittel „ gering Richtsttoh He» Erbsen Spcisebohnen Linsen * ab Bahn. Marktpreise von Berlin am 5. April 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. 17.65 17,57 17,40 13.00 12,96 12,92 13,80 12,80 11,80 15,00 14,00 13,00 3,82 6,40 40,00 50,00 60,00 17,61 17,53 17,45 12,98 12,94 12,90 12,90 11,90 11,00 14,10 13,10 12.10 3,66 5,00 28,00 26,00 25,00 Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindsleisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch, Hammelfleisch nttcr Eier Karpfen Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock res Wage» und ab Bahn. S.00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 4,00 2,40 3,00 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 6,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,80 1,40 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 Rur den Jnbalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Verantwortnng. �Keater. Donnerstag, den?. AprU Ansang T'/j Uhr: Opernhaus. Die Hugenotten. Schauspielhaus. Wallenstems Lager Die Piccolomini. Deutsches. Johannes. Berliner. Waterkant. Lessing. Zapscnstreich. Westen. Die Stumme von Portici. Neues. Minna von Barnhelm. Residenz. Vater und Sohn. Central. Fayon Pamsla. Belle. Alliance. Göttcrweiber. Thalia. Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr: Schiller v.(Wallner« Theater.) Die Wildente. Schiller Zi.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Ferröol. Kleines. Pastors Ricke. Luisen. Der Zigeuncrbaron. Trianou. Das eiste Gebot.— Der Dieb. Carl Weih. Ein toller Einsall. Deutsch-Amerikanisches. Uebcr'n großen Teich. Gebr. Herrufeld. Rur eine Nacht. Ilm andern Morgen. Metropol. Ein tolles Jahr. Casino. Der Raub der Sabinerinnen. Winter-Gartcu. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshallcn. Stettiner Sänger. Passage-Theater. Specialitäten. Urania. Tnnbenstrahe Um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Um 4 Uhr: Aus dem Haushalt der sreien Natur. Im Hörsaal um 8 Uhr: Professor Dr. C. Müller: Der Einfluß der Ernährung auf die Gestaltung. Jnvalidenstraftc 57/62. Sternwarte. Täglich geössnet von 7 bis 11 Uhr. Lentral-Tkestsr. Abends?'/. Uhr: Gastspiel des Frl. Paata Worin: Fa�on Pamela. Vaudeville-Schwank mit Ges. u. Tanz in 3 Alten von Germain St. Maurice. Freitag: 18. Abonnements- Vorstellung 1 Wiederaustreten des Frl. Li» Werber; Die Pappe. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Minna von Barnhelm. Ansang?>/, Uhr. Morgen: Koketterie.— Schwester Beatrix. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: 2. Operetten-Gastspiel des Central-Theatcrs in erster Besetzung: Dar Zigeunerbaron. Freitag zum erstenmal: Ehrliche Arbeit. Sonnabend: Die Kohlenschulz'n von Berlin. Sonntagnachmittag: Der Kauf- wann von Venedig. Abends: Ehrliche Arbeit. Montag: Der Kaufmann v. Venedig. Rkjidtuz-Tljklitkr Direktion S. Lautenburg. Heute: Drittes Gastspiel von Adolf Sonnenthal. Vater und Sohn. Lustspiel in 5 Akten v. 21. Dumas Sohn. Morgen: Viertes Gastspiel von Adolf Sonnenthal. Nathan der Weise. Metropol-Theater Zum 24. Male: Ein tolles Jahr. Qr. dramatisch-satirisclie Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. In Soene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Am Kleinkindersee. Was giebt's Neues. Das Ordensfest. Der neue Zapfenstreich (Parodie). 6. Bild: Briefe, die ihn erreichten (Ballett). Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. 1. Bild 2. Bild 3. Bild 4. Bild HEUTE: Zum 225. Male: Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr 30. Deutsch- Amerikanisches THEATER Köpnickerstraase 87. Jeden Abend: Gastsn. Ad. Philipp Uobem GROSSEM TEICH. Sanssouci. Kotlbuscr Thor- Stat. der Hochbahn. Sonntag, Montag und Donnerstag: II o ff in a n n s Norddeutsche Sänger. Nach jeder Soiree: Tanzkränzchen. Dienstag, den 12. April: Keine vorkeilung. 8cMUcK'-TIicatci% Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Die W ildente. Schauspiel in 5 Ausz. v. Henrik Ibsen. Freitagabend 8 Uhr: Der Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Schiller-Theater Af. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Thcaler). Donnerstagabend 8 Uhr: Fcrreol. Schauspiel in 4 Auszügen von Victoricn Sardou. Freitagabend 8 U h r: Ferreol. Sonnabc ndab en d 8 Uhr: Die Wildente. Mis-TkeAler. Belle-Allianee-Theater. Dresdencrstr. 72/73. Amt IV 4440. Ans. 71/2 Uhr. Direktion Jean Kren Heute und folgende Tage: Der Hochtourist mit neuen Gesangseinlage». Guido Thielscher in der Titelrolle. Sonntaguachmittag 3>/. Uhr: _ Charleys. Tante, Belle-Alliancestr. 7/8. nud Alfred Schönfeld. Amt VI 283. Ans. VI, Uhr. Heute Donnerstag: Götterweiber. Freitag, 8. sksiril, zum 1. Male: Prent Euch des Eebens. Große Slusst.-Posie m. Gesang u.Tanz in 3 Akten. IX. Berliner Saison. Cirkus Busch. Abends 7>/z Uhr: Fortsetzung der Grossen internationalen Ringkampf-Konkurrenz um die Weltmeisterschast. Die 24 besten Ringer der Welt.— ES treten in Konkurrenz: Jacob Koch(Deutschland) gegen Urban Christoph, der rheinische Riese. Paal Helling(Berlin) gegen Almable de la Calmette (Frankreich). Ausgeschieden lind bis jetzt: Eigemann, van Dyck, Lemmerz, Ewertscn, Paul le Meunicr. Rocpell, Witt. Roebnack, Palisotti, Bernard, Robinct. Ferner: Herr Burkhardf-Poottii aus Ncapolitano Soja, von Neapolitano Trompeta a. d. Soja von Pluto. Eine Eirschjagd, geritten mit 20 Voll- und Halbblutpferden, Aus den Alpen, per iXtcbi�tarz. freie Volksbühne Sonntag, den 10. April, nachmittags 2'l, Uhr; ületropol-Theater 1 E�aslng-Theater 5.(6, Abteilung: 8./9. Abteilung: Frau Warrens Geschäft.! Zapfenstreich. 228/14 Der Vorstand. I. Ä.: G. Winkler. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Frühlingstage an der Riviera. Um 4 Uhr: Aus dem Haushalt der freien Natur. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. C. Müller; Der Einfluss der Ernährung auf die Gestaltung. Sternwarte S)«: CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Letzter Monat die Tunesen=Truppe. (Afrika in Berlin!< Grosse Vöikerschaustellung! Die schbncn Harems- Damen aas Tunis. Apollo-Theater. Täglich 8 Uhr: Das grosse April Specialitäten- Programm. g Uhr: Die sensationelle Novität Liebesgötter. Burleske Operette von Schlack und Herrmann. Im dritten Bild: Der grosse Götterzug und die Sensations-Apotheose. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Les ftzton Kiek Ansang 8 Uhr. Morgen: Nachtasyl._ Casino-Theater. Lothringerslr. 37. Ans. 8, Sonnt. 71/,. Des großen Erfolges bis 14. April SW* verlängert."WA „Der Raub der Sabinerinnen". Vorherdas vollst, neue Aprilprogramm Freitag, den 15. April: Premieren» Zlbend. Sonntagnachm. 4 Uhr: lladokuron. Beckers Geschichte. Neue Welt Hasentaelde 108/114. (Hrnold Scholz.) Jeden Donnerstag: Heute: Muttersegen. Nach dem Kontert: FamilienkräDZCim Tanz IVel. Anlang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Vorzugskarten gelten. I rowwawwwwwwwwwaavour Trianon-Theater. Geörgenstrage, zwischen' Friedrich- u»d UniverfitätSstrage. Abend- 8 Uhr': Das elfte Gebot. Hieraus: Dtv Dieb. Carl Weiss-Theater. Bürgerliches Schauspielbaus. Direktion M. G. Fische r. (ürosic Frankfurter Straffe 138. Gastspiel des Herrn Eritz Beckmann. Ein toller Einfall. Schwank in 4'Akten von Karl LausS. MM- Anfang 8 Uhr.-MS Morgen: Die schöne Ungarin. RvtatuKliallvn Stettiner Sänger Zum Schlug: Neu! Cirkus Lenz und Eirkus Pusch. Passage-Tlieater. Anfang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr Vollständig neues Programm. Oskar Fürst* Lina Goltz. Heute abend Fortsetzung der Ringkampf- Konkurrenz. Die Ringkämpfe beginnen jeden Abend um 10 Uhr. I. Direktion; Robert Dill. Brunnens trasse 10. Zum letztenmal: Stadt und Land oder: Der Vieh- Händler aus Oberöstreich. Anfang 8 Uhr._ Entree 30 Ps. Stadt-Theater Moabit Alt-Moablt 47/49. Heute Donnerstag, den 7. April er.: Große Extra- Benefiz-Borstellung für Elsa lecosa vom Bernhard Itose- Theater! Schützenlis l. Große Posse mit Gesang in 4 Akten von Leon Treptow. XW Ansang 8 Uhr.' Vitt Nach der Vorstellung: Orosser Ball. Palast-Theater Burgsiraste 22, früher Feen-Palast. Heute u. folgende Tage, abends 3 Uhr: Zsnktsufeleksn. Im Specialitätenttil: Miss Darnett, athletische Spiele. Miss Aida, Trapez-Künstlerin. The Crullers Comp., der Satan a. Reiter Hedda Petraca, Jongl.-Soubrette. Miss Cayra, Handstand-Künstlerin. Emmeline Hochberg, Vortr.-Soubrctte. Miss Stoers, die musitalischc Taube. Freitag, den 8. April: G Elite-To rstellnng! G Dorf und Stadt Schauspiel in 2 Aussühr. u. 5 Auszügen _ von Charlotte Birch-Pscisser. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. Gebrüder Herrnfeld- Theater. ___* Die Novität_ Im andern Jorgen I Nachspiel zu..Nur eine Nacht I" Komödie von A. und D. Herrnseld. Vorher: Kur eine Kaehtl 2 Akte aus einer Ehe. Beide Stücke mit den Autoren in den Hauptrollen. Morgen:»Rur eine Rächt»«nd »Am ander» Alorgen"._ Frfibelslllerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Sonntag, den 10. April: Grosse Extra-Vorstellung. ftarburger Sänger Ans. 6 Uhr. Entrce 30 Ps. Montag 8'/, Uhr: Burmeisters Goethe-Ens. Grosser Theater-Abend. Iii Keues Programm. Kellino-Truppe Italienische Akrob. Littke Carlsen Im Ball-Foyer. Paul Conchas In seiner Scene im Bivouak. Robinson Baker-Trio Springer. Cincinati Jongleur. Helene Land Vortrags-Soubrette. Gostantino Bernardi Venvandlungsschauspieler Siegwart Gentes Humorist. Orfords Wunder-Elefanten. Pesohkoff-Truppe RussischeTänzer. Die Blumenkönigin Tanzdivertissom. Biograph.___ GenossensElialts-Biictitlriickerei (Eing. Genossenschaft m. b. Haftpfl.) Solingen, tosyi Bilanz pro 1903, Aktiva. Kasscn-Conto. Bank-Conto. Debitoren.. Ab dubois � Maschinen« u." Utens.-Conto 20 Praz. Abschreibung._ Druckerei-Conto 15 Pro,.'Abschreibung. � Buchhandlnngs- Conto.. 15 Proz. Ab» schreibung. 15 249,71 1 452,65 27 801,97 5 560,39 4 271,70 630,70 6 733,00 1009,95 M. 2 340 4 388 13 797 22 241 3 641 6 723 52132 58 05 Passiva. Kreditoren..... Gcnossenschafts-Conto. Darlchns-Conto�... Rücklage-Conto... Gewinnrcserve-Conto. Jahresgewinn... M. 16 933 3 301 5 525 1000 11 778 13 594 52132 114 Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1903..... Im Jahre 1903 ausgeschieden durch Tod....... 1 Bleibt 113 Im Jahre 1903 eingetreten. 3 Summa der Mitglieder 116 Die Hastsumme der Mit« lieder betrug pro 1902 M. 3 211,— ewe pro 1903..., 3 301,— Mithin gestiegen um» 90,— Gewinn-«nd Berlust-Conto. Verlust Jnvenwrstand am 31. De- zcmber 1902.... Kreditwaren-Eingang.. Lohn-Conto..... Handlungsunkosten-Eonto Porto. Gonto..... DarlehnSzinsen.... Abschreibungen.... Jahresgewinn.,.. Gewinn. Kreditwaren-Ausgang. Bankzinsen..... Jnvcnturstand am 31. Dezember 1903.... S o l l n g e n im März 1904. D«r Aafsioktnrat. I. A.: Karl Aaoheuor. Der Toratand. I. A.: Ernst Bollengraben. 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Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, lt. 81 21. 3. KilM des Jotraätfs" Inlinet JolWIiitt DoNerstag, 7. April IM. Der erste Internationale Kongreß für Schul- trat am Oster-DienZtag in Nürnberg zusammen. Derselbe ist auf Anregung des deutschen Vereins für Schul-Gesundheitspflege einberufen und außerordentlich zahlreich beschickt. Vertreten sind außer den deutschen Bundesstaaten Oestreich-Ungarn, Italien, Belgien. Holland, Amerika, Rußland, England. Frankreich. Spanien, Nor- wegen und Schweden, die Schweiz und Japan. Viele Regierungen haben offiziell Delegierte entsendet. Unter den Teilnehmern befinden sich zahlreiche Träger berühmter wissenschaftlicher Namen. Die Tagungen, die sich in Plenar- und Abteilungs-Sitzungcn gliedern, finden teils im Apollo-Theater, teils in dem eben erst fertig gestellten neuen Jndustrieschulgebäude statt. Mit dem Kongreß ist eine Ausstellung verbunden, die besonders von den Regierungen der süddeutschen Bundesstaaten sehr stark be- schickt ist, während Preußen und die übrigen norddeutschen Staaten durch gänzliche Abwesenheit glänzen. Dagegen haben sich diele deutsche Städte an der Ausstellung beteiligt. In dieser Ausstellung werden insbesondere Modelle und Pläne von Schulbauten, Turn- hallen. Schulbädern, Spielplätzen, Schulwerkstätten, Unterrichts- Mitteln zc. vorgeführt; ferner ist ein reichhaltiges statistisches Material vorhanden, wozu besonders der Verein Berliner Sckml- ärzte viel Wertvolles und Lehrreiches beigesteuert hat. Eine Tabelle giebt über das Verhältnis der Schulärzte in Deutsch- land Anskunst' danach kommen auf je eine Million Ein- ivohner Schulärzte: In Hannover und Westfalen je drei, in Ost- Preußen secks, in Pommern und Reuß j. L. je sieben, in West- Preußen, Schlesien und Schleswig-Holstein je acht, in Sachsen und Hessen-Rasiau je zehn, in der Rheinprovinz 20, im Großherzogtum Hessen und im Herzogtum Braunschweig je 23, in Sachsen- Meiningen 143, Mecklenburg, Altenburg, Anhalt, Schwarzburg. Waldeck, Reuß ä. L., Lippe und die Hansestädte haben überhaupt keine Schulärzte. In der Handschristen-Abteilung werden die Vor- züge der Sterlschrift gegenüber der Schrägschrist veransckiaulicht. Den ersten Vortrag hielt Prof. Dr. Cohn-Breslau über:„Was haben die Augenärzte für die Schulhygiene geleistet und was müssen sie noch leisten?" Er hat sich schon vor 40 Jahren mit dieser Frage befaßt und in den Jahren 1804 bis 1860 in Breslau die Augen von Zehntausenden von Schulkindern untersucht, um die Ursachen der Kurzsichtigleit zu entdecken und Vorschläge zu Abwehrn, abnahmen zu machen. Dabei fand er, daß die Zahl der Kurzsichstgen mit den Anforderungen der Schule an das Auge stetig ansteigt und daß auch der durchschnittliche Grad der Kurzsichtigkeit von Klasse zu Klasse stetig steigt. Zu dem gleichen Resultat kamen die hervorragendsten Augenärzte andrer Länder durch ihre sich in die Hunderttausende belaufenden Untersuchungen und die Kurzsichtigkeit wurde als die verbreitetste Schul- krankhcit nachgewiesen. Uebcr die wahre Ursache der Kurz- sichsigkeit herrscht noch tiefeS Dunkel, es ist nur daS eine festgestellt, daß vieles Nahcsehen besonders bei erblicher Veranlagung und schlechter Beleuchtung Kurzstchtigkeit hervorruft. Der Vortragende besprach sodann die Resultate der Forschungen über Schultische, Geradehalter, Steilschrift. Bücherdruck usw. Die Reclamschen Klassikerausgaben bezeichnete er als augeumörderisch, sie hätten seiner Ansicht nach schon längst vom Reichs- Gesundheits- amte verboten werden müssen. Als tadellos erscheinen ihm die vom Verein Berliner Lehrer herausgegebenen Klassikerausgaben. Ferner besprach er die Arbeiten über die Beleuchtung der Klassen- zimmer; er hat bei seinen zahllosen Messungen gefunden, daß daS geringst zulässige Maß 10 Meterkerzen ist. Er präsentierte einen Lichtprüfer, sowie 18 verschiedene Fenstcrvorhänge, die von ihm photometriert sind. Seine Forschungen haben ergeben, daß graue Staubvorhänge bis zu 90, Shirtingvorhänae nur 40— S0 Proz. Licht verschlucken, außerdem hat er über die verschiedenen Arten der kllnst- lichen Beleuchtung, die Wirkung der Lampenschirme, die Ucber- anstrengung der Augen der Schüler Forschungen an- gestellt. Die Forderung zur Anstellung von Schulärzten wird von ihm schon seit vierzig Jahren erhoben, aber lauge war er ein Prediger in der Wüste, während in Ungarn schon seit zwei Jahrzehnten Professoren� der Schulhygiene heran- gebildet wurden und gegenwärtig jede Schule ihren Schularzt hat, wovon wir in Deutschland noch sehr weit entfernt sind, denn 234 deutsche Städte haben erst 679 Schulärzte. Den Augenärzten bleibt noch ein weites Feld zur Bearbeitung, da die Zahl der kurzsichtigen Studenten trotz aller Vorbeugungsmaßregcln noch nicht abgenommen hat. Als nächste Forderung erhob der Vortragende die Vornahme einer Lichttevision in allen Schulklassen, Ausnahmen von BeleuchtungS- skizzen mit dem Wingenschen Lichtprüfer, die wiederholt werden müssen, sobald durch Neubauten das Licht verringert wird; Aufnahme vonSkizzcn mit dem Raumwinkelmesser und über die Helligkeit der Arbeitsplätze bei künstlicher Beleuchtung: es muß ferner untersucht werden, ob jedes Kind an einem Subsellium sitzt, an dem es auf 33 Centimeter Eni- fernung eine Schrift noch bequem lesen kann, außerdem muß festgestellt werden, welche Arten von Brillen hierzu notwendig sind. Das alles ist Aufgabe der Augenärzte, da die Schulärzte aus Mangel an den nötigen Instrumenten und an Zeit und Uebung nicht die richsige Diagnose feststellen können. Als verfehlt bezeichnete es der Redner, die sehschwachen Kinder einfach in eine Augenheilanstalt zu verbringen. ohne einen Bericht einzufordern. Er empfahl eine Reihe von Maßnahmen, um die Sehschwächen, von denen bisher viele den Aerzten entgingen, leichter zu entdecken und legte einen Fragebogen über die Aufgaben der Schulärzte vor. Auch der Farbensinn ist zu prüfen. Auch im Elternhaus müssen die Regeln der Schulhygiene befolgt werden. In dieser Beziehung können Elternabende, in denen die Schul-Augcn- ärzte Vorträge halten, sehr nützlich wirken. Keine Schule darf ohne Augenarzt fem._______ Imiter Nerbaudstag des ssentralverbandes der Fleischer und Kerufsgenossen Deutschlands am 3. und 4. April in Hamburg. ES find 27 Delegierte anwesend, außerdem zwei Vertreter des Hauptvorstandes, einer vom Ausschuß, zwei Vertreter deS dänischen Schlächterei-Arbeiter-Verbandes und S a b a t h von der General- lommifsion. Nach dem Bericht der Hauptverwaltung greift der Organisasions- gedanke zusehends um sich, wenngleich sich dem Verbände aus der unaufgeklärten Kollegenschaft und der Meisterpresse allerhand Hinder- nisse in den Weg stellen. Der Aerbandsleitung entstanden durch den zweimaligen Wechsel in der Hauptkassiererstclle erhebliche Schwierig- leiten. Jene wird seit Septeniber 1903 vom Vorsitzenden mit- verwaltet. Der Agitasion dienten 96 Versammlungen. Einzelne Verwaltungsstellen klagten über Mangel an Agitationskräften. Eine große Tour erstreckte sich erfolgbringend über Rheinland und West- falen. Differenzen mit Arbeitgebern waren in acht Städten zu schlichten; drei Streiks waren zu verzeichnen.— Die Abrechnung zeigte 2b 31ö,14 M. in Einnahme und Ausgabe. Das Verbands- organ erforderte 3472,34 M. Zuschuß. Am 31. Dezember 1901 tvaren 1892 zahlende Mitgliedet vorhanden. Es erfolgten dann 3398 Eintretungen, 2761 Austritte; Bestand am 31. Dezember 1903: 2529 zahlende Mitglieder.— Das Organ„Der Fleischer" hat mehrere Prozeffe führen müffen. Die Auflage bewegte sich zwischen 2400 und 6000 Exemplaren; die letztere Anzahl würde jedoch nur bei besonderen Anlässen aufgelegt. Es ist unverkennbar, daß der Verband gute äußerliche und innerliche Fortschritte gemacht hat. Die dänische» Gäste H a r t m a n n und La r s e n überbringen die Grüße ihres Verbandes, der 90 Proz. der Fleischer Dänemarks umfaßt! Beim Ausschußbericht sprechen sich die Delegierten über einen Aufruf im„Fleischer" zur Unterstützung der Frankfurter Zahlstelle aus. Diese hat einen schweren Kampf mit von der Meisterschaft unterstützten indifferenten Elementen zu führen. Eine gute Unter- stützung der Frankfutter halten alle Kollegen für Ivünschenswert, doch sei ein Verfahren wie das vorliegende unzulässig. Das wird auch vom Redakteur anerkannt. Mehrere Anträge verlangen eine Verbesserung des Fachorgans. Gegen ein Erscheinen aller 14 oder gar 8 Tage wird geltend ge- macht, daß es dann der Anstellung eines zweiten Beamten be- dürfen werde. Jedoch sei eine Verbesserung der Presse für die Agi- tation dringend nötig. Auch eine Vergrößerung des Formats wird verlangt, aber mir der Begründung bekämpft, daß d a S „patriarchalische" Arbeitsverhältnis ein so kleines Format erfordere, damit die Mitglieder nicht beim Lesen vom Meister ertappt würden! Es wird beschlossen, das Blatt aller 14 Tage erscheinen zu lassen und die Abrechnung über das Fachorgan zukünftig von der übrigen zu trennen. Am zweiten Verhandlnngstage wird nach einem Referat von Z e r v a s- Frankfurt a. M. beschlossen, fünf Gaubezirke zu errichten. Vororte sind Berlin, Hamburg, Franksiirt a. M., Stuttgart und Leipzig. Die Kosten der jährlichen Gaukonferenzen werden von der Hauptkasse getragen. Der Referent beklagte die mangelhaste Hilfe durch die Gewerkichaftskartelle bei der Agitation. Auch im gedruckten Bericht des Hauptvorstandes wurde dieselbe Klage erhoben. Müller- Hamburg referiert, gestützt aus die bisherigen Er- fahrungcn, über die künftigen Lohnbewegungen und Streiks. Eine allgemeine Lohnbewegung sei noch lange unmöglich. Bei örtlichen Bewegungen müsse die Durchführbarkeit einer Arbeitseinstellung sorgsam erwogen werden, worauf mit zielsicherer Geschwindigkeit zu handeln sei. Es wird dann im Hinblick auf Einzelfälle darauf hin- gewiesen, daß vor einem partiellen Ausstand mit der eignen Otts- Verwaltung in Verbindung getreten werden müsse, damit diese die Aussichten abwägen und mit dem Hauptvorstand Fühlung nehmen könnte. Dies entspricht dem Statut, wonach in Zukunft bündig verfahren werden soll. Verschiedene Anträge verlangen eine Erhöhung des Beitrages von 20 auf 25 oder 30 Pf. Der Hauptvorstand verlaugt 25, Leipzig 30 Pf. Die indifferenten BerufSvcreine seien dem Ccntralverbande durch ihre Unterstützungs-Vereinigungcn im gewissen Sinne über- legen. Ein Delegierter bringt statistische Erhebungen über den mangelhaften Zahlungsfleiß; große Städte könnten sich an kleineren ein gutes Beispiel nehmen. Der Verband verliere dadurch sehr viel Geld. S a b a t h hält eine Beitragserhöhung nach den bisherigen Beschlüssen für geboten und schlägt einen Wochenbeitrag von 30 Pf. vor. Es wird gegen eine Stimme beschlossen, den Beitrag unter Beibehaltung der Delcgiertcnstcuer von 20 auf 30 Pf. wöchentlich zu erhöhen.— Einstimmig wird der Antrag Berlin gutgeheißen, den tz 2 dahin zu ändern, daß dem Verbände alle in Fleifchereien, auf Schlachthöfen, in Wurstfabriken und verwandten Bettieben(also auch Fleischkouserven-Fabriken) beschäftigten Gesellen, Hilfsarbeiter, V e r- käuferinnen und Hilfsarbeiterinnen angehören können. Die weiblichen Mitglieder sollen einen Wochenbeitrag von 15 Pf. zahlen und von der Delegiertensteuer befreit sein. Die Statuten- anderungen(einschließlich der BeittagSerhöhung) ttttt am I.Juli 1904 in Kraft. Die Ortsberwaltung Hamburg will, daß der Sitz des Haupt- Vorstandes nach Hamburg verlegt iverde; Leipzig beantragt, ihn in Berlin zu belassen. Die meisten Redner sind gegen den Hamburger Antrag. Der Sitz wird in Berlin belassen. Der nächste Verbandstag soll schon im Herbst 1905 abgehalten werden; dann aber soll wieder alle zwei Jahre getagt werden. Ein Antrag, nur alle drei Jahre einen Vcrbandstag abzuhalten, weil durch die Gaue und Gaukonferenzen die zweijährige Tagung un- nötig werde, wurde abgelehnt.— Die Verbandsgelder sollen künftig auf die Namen dreier Personen angelegt werden. ES wird eine K r a n k e n u n t e r st ü tz n n g eingerichtet und so festgesetzt: Nach einer Dauer der Mitgliedschaft von 52 Wochen für männliche Mitglieder 3 M., sür weibliche 2 M. in jeder Woche, bis zur Höhe von 21 resp. 14 M.; nach einer Mitgliedschaft von zwei Jahren fiir männliche 4 M., für weibliche 8 M., bis zur Höhe von 28 resp. 21 M.— Von der Einführung einer Arbeitslofen-Uuterstützung wird noch abgesehen. Ein Antrag auf Erhöhung der Reise-Unter- stützung wird abgelehnt. Eme interessante Debatte entspinnt sich über die Erhebungen des Beirats für Arbeiterstatistik. In Koblenz und Waldheim i. S. suchten Meister durch Freibier die Gesellen in der Ausfüllung der Statistikbogen zu beeinflussen. Mehrfach wurde nur ein Drittel der Bogen statt der vorgeschriebenen Hälfte an die Gesellen gegeben. Trotzdem hat die Erhebung ein derartiges Ergebnis gehabt, daß, ivie der Verwaltungsbeamte betont, die Hoffnung auf einen Maximal-Arbeitstag begründet etschcint. Der Beirat werde wohl Vertreter beider Teile mündlich vernehmen wollen. Bis dahin möge man die Erhebung durch den Verband ver- tagen. Es wird jedoch die Vornahme einer Erhebung be- schloffen und eine Resolution angenommen, die besagt, daß der Maximal- Arbeitstag von zehn Ssiinden auch für das Fleischergewerbe im Interesse der Arbeiter und deS Publikums durchaus notwendig sei. Die Resolution soll dem Reichstag und Bundesrat mitgeteilt werden.— Uni gegen die Lehrlings- z ü ch t e r e i anzukämpfen, wurde beschlossen, daß der Hauptvorstand mit Hilfe der Gauleituug in jedem Handwerkskammerbezirk eine Zählung der Fleischerbetnebe und der beschäftigten Gesellen und Lehrlinge vornehme. Die Verbreitung eines vor der Erlernung des Schlachterberufs warnenden Flugblattes wurde als Voraussicht- lich erfolglos abgelehnt. Der nächste Verbandstag soll in Leipzig sein. Als Delegierter für den GelverkschastSkongreß wird H e n s e l wiedergewählt. Dieser wird auch wiederum zum Verbandsbcamten ernannt, und sein Ge- halt wird von 1500 auf 1800 M. erhöht.— Sitz des Ausschusses bleibt Hamburg. Die Preßkommission wird als überflüssig ab- geschafft.— Zu dem dänischen Fleischerkongreß soll ein Abgesandter geschickt werden._ Gauiwllferen; der Stkinarbeiter. Am ersten Ostertage fand im Gewerkschaftshause die Gau- konferenz des ersten GaueS des Centralverbandes der Steinarbeiter statt. Vertreten waren die Zahlstellen Berlin I, Berlin II, Branden- bürg, Stettin, Greifswald und Frankfurt a. O.: die übrigen Zahl- stellen des Gaues hatten aus finanziellen Rücksichten auf die Be- schickung der Konferenz verzichtet.— Zunächst erstattete der Gau- leiter Walter den Jahresbericht, aus dem zu entnehmen war, daß der Gauvorsland nach besten Kräften die Agitation zu fördern und die Interessen der Organisation zu wahren gesucht hat. Die Mitgliederzahl ist im Gau bedeutend gestiegen und zwar von 500 im ersten Ouartal borigen Jahres auf 635 im zweiten, 700 im dritten und 843 im vierten Ouartal. An diesem erfreulichen Fortschritt der Orqanisasion sind alle Zahlstellen des Gaues, besonders aber Posen und Berlin I und II beteiligt. In kleinen Orten, wo nur einzelne Steinmetzen thäsig sind, so daß die Gründung eigner Zahlstellen unmöglich ist, stehen der Agitation große Schwiettgkeiten entgegen; in einzelnen Fällen wurde hierzu die Hilfe der Gewerkschaftskartelle in Anspruch genommen, große Erfolge konnten jedoch auch auf diese Weise nicht erzielt werden. Der Redner ging sodann auf die verschiedenen Lohnbewegungen ein, besonders auch auf den Streit in Brandenburg und den der Marmorarbeiter in Berlin und krisisierte die dabei angetvandte Taktik.— Dann er- statteten die Delegierten ihre Situationsbettchte aus den einzelnen Zahlstellen, womit eine längere Debatte über taltische und agitatorische Fragen verbunden wurde. ES ging au? diesen Berichten hervor, daß in manchen Städten noch recht traurige Arbeits- Verhältnisse herrschen und für die die Gesundheit schwer gefährdende Arbeit der Steinmetzen, Schleifer und Hilfsarbeiter Löhne bis hinunter zu 12 und 10 M. pro Woche gezahlt werden, Löhne, die um so weniger ausreichend sind, als gerade der Steinarbeiter eine besonders gute Ernährung und Lebenshaltung nötig hat, um nicht den Berufskrankheiten allzu früh zu erliegen. Eine Besserung der Verhältnisse ist selbstverständlich nur von einer starken Organisation zu erwarten. Die nrcisten Redner sprachen sich dafür aus. daß ein auf die öttlichen Verhältnisse bezugnehmendes Flugblatt ausgearbeitet und verbreitet werde. Die Leiter der einzelnen Zahlstellen sollen das Material hierzu der Gauleitung zu- senden und diese wird dann sür die Bearbeitung und' die Herstellung des Flugblattes Sorge tragen. Die Gankonferenz befaßte sich sodann mit Anträgen zum bevor st ehe n den Verbandstag, wozu Hürtmann das einleitende Referat hielt, dem eine längere Diskussion folgte. Es handelte sich hierbei hauptsächlich um innere Verbandsangelegenheiten. Hinsichtlich der Reise-Unterstiitzung erklätten sich die meisten Redner ftir einen Antrag von Berlin I: die frühere Art der Reiseunter« stützung wieder einzuführen, wonach jeder Ort den Reisenden eine bestimmte Summe auszahlt, doch so, daß innerhalb eines halben Jahres demselben Reisenden an jedem Ott nur einmal Unterstützung gegeben werden kann. Als letzter Punkt der Tagesordnung wurde über die Bundes- r a t s- V e r o r d n u n g vom 1. Oktober 1903 und ihre Wirkungen gesprochen. Der Referent M o r i s e t wies auf die Unter- suchungen und das Gutachten des Professors Sommerfeld über die gesundheitsschädlichen Einflüsse, der die Steinarbeitcr ausgesetzt sind, hin, und führte des weiter» ans, daß die BundesratS-Vcrordnung. die diese schädlichen Einflüsse einigermaßen_ vermindern soll, noch viel zu Ivenig berücksichtigt und viel zu oft um- gangen wird.— Dies ivurde auch in der Diskussion über den Punkt durchaus bestätigt. So wurde von einer Grabstein- Werkstätte in Stettin berichtet, daß in der Frühstücksbude, die sich zwischen der Schleiferei, wo die Arbeiter mit den Füßen im Schlamm stehen, und einem Pferdestall nebst Klosett befindet, nicht einmal ein Tifch vorhanden ist und als solcher dem Gewerbe- Inspektor eine zur Bearbeitung dort liegende Grabsteinplatte präsentiert wurde. In einer FnchstMsbude in Brandenburg mangelt es sogar an Sitzgelegenheit, außerdem müssen die Arbeiter die Düste eines schlecht in Ordnung gehaltenen Klosetts einatmen. Selbst in Berlin existieren noch eine Anzahl Werkstätten, die der Bundesrats- Verordnung keineswegs entsprechen. BcmcrkenSwett ist, daß in einer hiesigen Werkstätte, Ivo der Unternehmer auf Veranlassung der Arbeiter gezwungen wurde, der Verordnung nachzukommen, er seinen Arbeitern erklärte:„Die Sache muß ich einführen, aber bezahlen müssen Sie eS!"— und dann thasiächlich die Unkosten durch Lohnabzüge deckte. — Im allgemeinen sind die sanitären Zustände in Kleinbettteben schlechter als in den Großbetrieben.— Nach Erledigung dieses Punktes wurde die Konferenz geschloffen. eingegangene Vruckfckriften. „Der Zlrbeitsmnrkt-,.Halbmonatsschrift der Eentralstelle für Arbeits- markt-Berichte(Herausgeber Dr. I. Jastrow, Berlin, Verlag von G. Reimer). Die als Organ" des„Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeitschrist enthält in Nr. 13 deS 7. Jahrganges unter andcrm: Frühjahrs- belebung im Baugewerbe.— Allgemeines: Internationaler Arbeitsmarkt.— Gcncralkommission der Gewertschastcn und Cenwal-Slrbcttcrsekretattat.— Berliner Gewerlschastshaus.— Krankensürsorge für Seeleute.— Methode der Arbeitsmarkt-Berichtcrstattnng.— Situationsberichtc aus einzelnen Ge- werben: Bergbau(Belebung des KohlcnmarkteS in Rheinland-Westsalcn. Geringe Nachsrage nach Kohlen im obcrschlcsischcn Bezirk. Besserung des Bcschäftigimgsgrädes aus dein Arbeitsmarkt); Eisengewerbe(Günstigeres Gepräge der Marktlage. Arbeitsmarkt und Bctriebstechntk); Textilgewerbe (Geschäftslage in Sachsen, Kottbus, München-Gladbach, Augsburg, Mül» Hausen i. E.); Verkehr(Bessere Konjunktur des ArbcitsmarkteS in Hamburg und Bremen. Arbeitslosigkeit an andren Hasenplätzen); Staatliche'Arbciter (Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Martne-Arbeiter).— Statistisches Monats» Material: Internationale Strcikstatisltk.— Börsenkurse.— Haushaltskosten. Konsum: Lebensmittelpreise im März.— Verwaltung der Arbeitsnachweise: Gesetz über die Stellenvermittelung in Frankreich.— Städttsche Dienst- Vernnttelungsstellen in Wien.— Staatliche Arbeitsvermittclung in Galizien. — Arbeitsnachweis als Streikursache. „Das Gewcrbegericht", Monatsschrift deZ Verbandes Deutscher Gewerbegerichte. Herausgeber: Dr. Jastrow. Charlottenburg-Berlin, Dr. Jlesch, Franksurt a. M.(Verlag von Georg Reimer in Berlin). Die Zeitschttst enthält in Nr. 7 des 9. Jahrganges außer der Rechtsprechung in deutschen Gewerbe- und Berufungsgerichten(Schöneberg, Mainz, Oppeln, Frank- surt a. M.), andren deutschen Gerichten, n. a.: DaS Wahlrecht der Arbeit- geber. Von Maatstratsastessor Dr. Luppe.— Versatsung und Verfahren: Die Vorbildung der Gerichlsschreiber bei den preußischen Gewcrbeyerichten. Von üimtsgerichts-Sckretär Ketsch.— Versäumnisentschädigung bei Abend- sitzungen deS Gcwerbcaerichts.— Gutachten und Anträge: Gutachten des Gewerbegcrichts München über die rechtliche Stellung deS Personals der Gastwirtschastcn.— Recht des Arbeitsvertrages: Aus der Rechtsprechung des Gewerbegerichts Gotha.— Allgemeines: Kausmannsgerichte.— Die PrariS der Gcwerbegerichte und der kaufmännischen Interessenvertretungen. — Das lippische Zicgler-Gewcrbegcricht.— Petition betr. weitere Aus« gestaltung der Gewerbegerichte.— Stattstik der württembergischen Gewerbe-. gcrichte. Von Geivcrbcgettchts-Borsitzenden Reichte.— Litteratur: Ereo, Kollektiver Arbeitsvertrag.— Bernhard, Accordarbeit.— Warneher, Entscheidungen zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Socialer Fortschritt. Nr. 1. Warum interessiert sich heute jedermann sür Fragen der Volkswirtschaft und Socialpolitik? Von Werner Sombart.— Nr. 2. Koalitions- recht. Von M. v. Schulz.— Nr. 3. Was will die Bodenreform? Von W. Timmcrmann.— Nr. 4. Kinderarbeit und Kinder» schütz. Von K. Agahd.— Nr. 10. Zum Kampfe gegen den Schmutz in Wort und Bild. Von Otto v. Leixner. Preis jedes .Heftes 15 Pf., Doppelbett 30 Ps. Reihe von 10 Heften 1,20 M. Leipzig 1904. Felix Dietrich, Verlag. Verein deutscher Schuhmacher. Bericht des Vorstandes über die Gcfchästöperiode 1902/1903 an die Generalversammlung in Berlin 1994. 64 Seiten. Nürnberg 1904. Mögeldorferstr. 10. Charlottenburger Statistik. 10. Heft. Beiträge zur Schulftattsttk in Eharlottcnburg. Herausgeg. vom Statistischen Amt der Stadt. Charlotten- bürg 1904. Kommissionsverlag Karl Ulrich u. Co. Fünfter Jahresbericht des Arbeiter-SelrctattatS Attenburg Z»! HS sbededt 4bededt Äwollig gbedcdt «Regen 6, Regen Stationen Haparanda Petersburg Cork Abcrdeen Paris A S Ii 8) 754 SSW 759 SO 765 SW Wetter 2 bedeckt Schnee 3 bedeckt Wetter-Prognose für Donnerstag, den 7. April 1904. Kühler, zeitweise aufklarend, jedoch sehr junbeständig mit Regen» Hagelschauem und ziemlich starken nordwestlichen Winden. aot cü -» II g» 9 1 oder SitcHdmeker! Freitag, den 8. April, abends 81» Uhr, i» 36/e Louis Kellers Pestsälen, Koppenstrahe 29: Allgemeine lkuchörucliei'-vei'sammlung. Tages-Ordnung: > Ist der Kampf gegen de» Gntenberglinnd ei« de- reihtigtcr? R-f-r-nt: Kollege Ulbert Nassiai. s. Diskussion. Bei der großen Wichtigkeit der Tages- Ordnung erwarten wir ein zahlreiches Erscheinen der Berliner Gehilfenschaft. Der Leitung des Gtttenberg- bundes ist durch Einberufung dieser Versammlung Ge- legenheit gegeben, ihre Ansichten in der sreiesten und ans- gedehntesten Weise zu äußern. Der Einvcrufer: AU». Wachs. dem heuligen Sage habe ic mich in Ijichtenbcrg, Wilhelmetrasse 76, als Arzt niedergelassen. vi-. Schlibel. 234B* Sprechstunden S'/j— 10, 4—5. Dr. Simmel, Specialarzt für W/lö' Haut- und Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntags 10—12. 2—4. Typographia. Wegen der am Freitag stattfindenden Allgem. Buchdrucker-Vcrsammlung fällt die Uebungsstunde an diesem Tage aus. Näheres siehe Freitags- Nummer. Der Verstand. Das beste Hnsteu-Mittel sind die altbewährten, echten Spihwegerich saft-Konbons, vorzüglich im Geschmack, sicher in der Wirkung und billig im Gebrauch. Nur allein echt zu haben bei«nstav Behm, Frankfurter Allee 130; Rixdorf. Hermannstrasie 46. 46122* VereimWg d. Haler,£aekierer, Ünstreleher. Donnerstag, den 7. Slpril, abends 8Vz Uhr: �ltgUeaei*- V ersammlunx für Berlin und Bororte, außer Charlottenbiirg, in den„Arminhallen", Kommandantenstraße 20. Tages-Ordnung: 1. Die Anstellung der Bezirksbeamten und der Beschluß des ProbinziallageS. Referent: Kollege Tehler-Hamburg. 2. Wahl von zwei ANilgliedern zur Agitationskommisfion. Regen Besuch erwartet HltAlledshnch legitimiert. Die 124/8* le OrtsTerwaltnng. Deutscher. Holzarbeiter-Verband. Achtung! Parkettleger. Mtung! Heute, Donnerstag, den 7. April, abends 8 Uhr, im Gcwerkschafts- hause, Engel-Uscr 15: Kommlsslons-Sitznng mit Vertranenslenten.-Wg /20 Der Obmann. Bildhauer! Donnerstag, den 7. April, abends 8'/- Uhr. im Gewcrkschafts- hause, Engel-Uscr 15, Saal I, spricht der Kunstschriststeller Hr. Osborn übe- Conslantin Meunier, c�1lXSri Vortrag In liichtbildern. 20/11 Tic Versammlung wird, pünktlich um'Iß Uhr eröffnet.== Zahlreichen Besuch, auch von feiten der Damen, erwartet ___ Ter Borstand. Orts- Krankenkasse des MiMeiier-köwerbes zu Berlin. Donnerstag. 14. April, abdS. 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-User 15: 0st!ßlltI.KöNöfaI-Vsl8Zli!lllIllllg. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Kommission zur Prüfung der Jshresrechnung. 3. Verschiedenes. Von 8—8'/, Uhr findet ebenda die Ersahwahl eines Arbeitgebers zum Vorstande statt. Um pünktliches und zahlreiches Er- scheinen der Arbeitgeber und Arbeit- nehmer ersucht 272/0 Der Verstand. I. A.: Kerl Schwedler, Raumerstr. 16. TeUzatilutig. 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