Ur. 83. BbonnementS'Bcdingungsn: HBonncmentä- PreiZ pränumerando! Tisrteljährl. ZM Mk., monatl. l,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pffi Sonntags. nummer mit Muftrierter Sonntags. BcUage„Die Neue Welt- lv Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post- ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. 81. Jahrg. Die Tn!ertlon$'Gebtt!)r Beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins. und Bersammlungs-Anzeigcn 25 Pfg. „Meine Knreigen", das erste(fett. gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expeditton ist an Wochen» tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet eiWKint Lg»» außer Msnlagt. Sevlinev VolktsblÄkk. Telegramm-Adresse: ..SsalallitNisllkal steril»". Zcntralorgan der rozialdemohratt leben parte» Deutschlands. Redaktion: SM. 68. Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 8. April 1904. Expedition: SM. 68» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. „Infame Lüge". Am 22. Februar 1904 hielt ber Polizeiminister v. Hammerstein Im preuhischen Abgeordnetenhause jene Aktenrede, in der er die im Reichstag und in der socialdemokratischcn Presse aufgedeckte preußische Russenschande zu verteidigen und zu verhüllen bemüht war. Er verrichtete dies unmögliche Werk nach jener typisch gewordenen Methode, daß er Einzelheiten des gewaltigen Belastungsmaterials als unrichtig nachzuweisen suchte. Mit ganz besondrer Entrüstung aber stellte er damals in Abrede, daß die preußische Regierung so verworfen sein könnte, russische Deserteure an Väterchen auszuliefern. Wörtlich erklärte der Minister: .Endlich hat der„Vorwärts" am 13. Februar eine Alarm- Nachricht in die Zeitung gesetzt, die dann von andren Zeitungen aufgenommen worden ist, daß am 4. Februar preußische Gendarmen zehn Deserteure gefaßt haben und bei Cheladz den russischen Be- Hörden ausgeliefert haben; es ist das im Regierungsbezirk Oppeln an der russischen Grenze. Diese ganze Darstellung ist eine müßige Erfindung. Es find weder russische oder andre Deserteure am 4. Februar oder vorher oder nachher gefaßt und selbswerständlich auch keiner der russischen Regierung ausgeliefert worden. Es ist weiter nichts als eine infame Lüge, die gemacht ist» um die preußische Polizei zu diskreditieren." Bei allem demokratischen Mißtrauen haben wir bisher nicht den Mut gehabt, eine Behauptung für wahr zu halten, die ein Minister öffentlich als„infame Lüge" bezeichnet. Wir neigten in diesem Falle besonders gern dazu, an einen Irrtum der Preßmeldung zu glauben, weil wir aus dem ministeriellen Aufgebot starker Entrüstung die immerhin erfreuliche Zuversicht entnehmen zu können glaubten, daß die preußische Regierung wenigstens sich den Rest von Fein- gefühl bewahrt habe, die Auslieferung von Deserteuren als eine unerträgliche Schmach und den bloßen Vorwurf dieser Handlung als eine schändliche Verleumdung zu empfinden. Das glaubten wir! Seitdem brachten nun wiederholt höchst staatserhaltende Blätter Nachrichten von Auslieferungen russischer Deserteure. An den Grenzorten sei es sogar zu Menschenjagden und Aufläufen aus diesen Anlässen gekommen. Selbst die zu jeder Unwahrheit bereite offiziöse Presse schwieg zu diesen sich wiederholenden„infamen Lügen", die nach dem Minister v. Hammerstein geeignet waren und bezwecken sollten, die preußische Polizei zu diskreditieren. Jetzt wird nun von einer Seite, der Herr v. Hammerstein nicht die Tendenz zuschreiben wird, durch infame Lügen die Polizei diskreditieren zu wollen, behauptet, daß die preußische Regierung principiell militärpflichtige Russen ausliefere und in der Befolgung dieses Grundsatzes so weit geht, selbst geisteskranke Russen aus deutschen Heilanstalten fortzuschleppen, damit Väterchen sie als Kanonenfutter verwenden könne. Die„Berliner Morgenpost" hatte berichtet, daß ein geisteS- kranker Russe Namens Pniover, der in die Kropper Pflege- anstalten auf Lebenszeit eingekauft war, ausgewiesen ist. Zu ihrer Entschuldigung richtet nun die„Verwaltung der Kropper An st alten in Kropp" in einem öffentlichen Briefe eine Anklage gegen die preußische Regierung, die über alles Maß ungeheuerlich ist. Die„Verwaltung der Kropper Anstalten in Kropp" richtet nämlich an die„Morgenpost" das folgende Schreiben: „Die Ausweisung des Pniover ist weder von uns veranlaßt noch gewünscht, sondern uns ist vom Regierungspräsidenten der Befehl zugegangen, Pniover an die russische Grenze zu bringen, weil die russische Regierung an die preußische Regierung die Bitte gerichtet habe, die in Preußen anwesenden, in militärpflichtigem Alter stehenden Russen an die Grenze zu bringen. Und zwar ist dies auf K 0 st e n der russischen Regierung geschehen. Pniover ist niemals der Anstaltsverwaltung lästig gewesen. Wir hätten ihn gerne behalten, und er wäre hier auch zweifellos geblieben, wenn nicht die russische Regierung ihn gefordert hätte. Wir sind auch jederzeit bereit, den jungen Mann wieder aufzunehmen, und haben nicht das geringste Bedenken, ihn hier zu verpflegen, aber die Macht, unS der Re- gierung zu widersetzen, haben wir nicht. Die Ausweisung des Pniover bringt der Anstalt nicht den geringsten Vorteil, da der junge Mann hier überall beliebt war und sich nach Kräften be- schäftigte. Seine Ausweisung ist daher der Verwaltung im höchsten Grade unangenehm gewesen, und wir haben mit tiefem Bedauern ihn weggehen sehen. Die an die Ausweisung geknüpfte Krittk der Anstaltsverwaltung ist daher völlig ungerechtfertigt, denn wenn wir irgend ein Mittel besessen hätten, Pniover zurückzuhalten, so wäre cö nicht unversucht geblieben. Der Regierungspräsident in Schleswig hat auch keineswegs ein Interesse daran, den Anstalten in Kropp irgend einen Kranken abzunehmen. Derselbe hat lediglich einer allge- meinen Anordnung Folge geleistet. Kropp, den 2. April Ivos. Die Verwaltung der Kropper Anstalten in Kropp." Herr v. Hammerstein wehrte sich aufgeregt gegen die„infame Lüge", die Regierung wäre im stände, russische Deserteure aus- zuliefern. Hier wird behauptet, daß die Regierung— auf Wunsch Rußlands— sogar die Pflegeanstalten durchstöbert, und G e i st e s- kranke dem Henker ans Messer liefert. Dieser unglückselige Russe ist doch gewiß kein„Anarchist", die AnstaltSleitung stellt ihm das beste Zeugnis aus, keine Rücksicht auf die gemeinsame anarchistische Gefahr kann also von der Regierung der Bülow und Hammerstein geltend gemacht werden. Offenbar ist die Verwaltung der Anstalten selbst über das Vorgehen so empört, daß sie sich emschloß, in die Oeffentlichkeft zu flüchten. Herr v. Hammerstein müßte mit Fug und Recht den Vorwurf als schwerste Beleidigung empfinden, daß diepreußische Regierung Deserteure ausliefere. Denn nach dem geltenden Völkerrecht ist Auslieferung bei Verbrechen und Vergehen gegen militärische Pflichten, Desertion und Nichterfüllung der Wehrpflicht ausgeschlossen. Wenn die russische Regierung die Frechheit hatte, die preußische zu„bitten", diesen Frevel wider alles Völkerrecht dennoch zu verüben, so wäre es Pflicht der preußischen Regierung gewesen, zum mindesten in einer gr- harnischtcn Note gegen diese die Ehre des preußischen Staates schäm- los antastende Zumutung zu protestieren! Diese„russische" Bitte ist eine tausendfach schlimmere Beleidigung der deutschen Ehre, als der von Fanattkern verübte Gesandtenmord in Peking, um dessentwillen doch der Rachezug nach China unternommen tvurde. Aber Rußland, so scheint es, darf unsre Ehre mit Füßen treten, wir rechnen es uns noch zur Ehre an, die Knute zu küssen, die uns mißhandelt. Väterchen„bitten", Preußen möchte sich aus der Reihe der Kulturstaatcn mit eigner Hand streichen, und der stolze und starke Staat der ja nichts fürchten soll wie Gott, lehnt sich nicht auf gegen die schäm- lose Verhöhnung, sondern beeilt sich, die erbetene Prostitutton zu verrichten— so behauptet die Verwalttmg der Kropper Anstalten. Ja, sie behauptet mehr: Selbst Geisteskranke sollen in Preußen nicht mehr sicher sein vor der Zarenwut der preußischen Regierung! Ist nun also die„infame Lüge", gegen die sich Herr v. Hammer- stein wandte, jammervolle Wahrheit oder ist die Behauptung der Kroppcr Direktion eine„infame Lüge"? Darüber muß Klarheit geschaffen werden, unverzüglich I Es ist nicht zu dulden, daß Preußen um Rußland willen Verbrechen an den allen Kulturvölkern heiligen elementaren Grundsätzen des Völker- rechts begeht, noch dazu in einem Augenblick, da dieser Völker- rechtliche Frevel allgemein als schwerer Neutralitätsbruch in dem russisch-japanischen Kriege wirken muß l— Der Kongreß von Bologna. L Rom, den 5. April. Vom 8. bis zum 11. April wird in Bologna die socialistische Partei Italiens ihren 8. allgemeinen Parteitag abhalten. Auf der Tagesordnung des Kongresses stehen außer den üblichen Berichten des Parteivorstandes, der Fraktion und, des „Avanti" die folgenden Puntte: I. Das Eisenbahnproblem(Nofri). II. Das Abgabenproblem{33 0 n 0 m i). III. Die Handelspolitik{Saldi). IV. Die süditalienische Frage{Ciccotti). V. Die sociale Gesetzgebung{Murialdi). VI. Das Verhalten der Partei der Regierung und der Staats- form gegenüber{B i s s 0 l a t i und L a b r i 0 l a). VII. Parteiorganisation{Libordi und Guarino). Vlll. Von den Sekttonen vorgeschlagene Themata. Unter den letzteren befindet sich die Frage der Beziehung zwischen Partei und Gewerkschaft, die Frage nach dem Verhalten der Partei gegenüber dem Eindringen der französischen religiösen Orden in Italien, das Schulwesen, die Alkoholftage, die Frage nach der Taktik der Partei den Freimaurern gegenüber u. a. m. Voraussichtlich wird kaum die Hälfte der Tagesordnung in Bologna ihre Erledigung finden. Man dürfte zunächst die Reihenfolge der �Tagesordnung verschieben und gleich nach den Berichten die Hauptfrage des Kongresses erledigen: Das Verhalten der Partei der Regierung und der Staatsforni gegenüber. Die beiden Tendenzen, die zum erstenmal auf dem Parteitag in Rom{1900) sich einigermaßen deutlich gegen einander abgrenzten, um sich dann im Redekamps von I m 0 l a so furchtbar in einander zu wirren, daß es scheinen mußte, es könnte überhaupt nur noch ein Fachmann aus ihnen klug werden, haben für den Parteitag von Bologna ihre Streitfragen auf einige prakttsche Hauptpunkte zurückgeführt. Mcrn kann wohl sagen, daß dieses gerade die Hauptfrucht der Diskussionen der letzten Wochen ist. In den vielen Hunderten von Parteiversammlungen, die dieser Tage zur Wahl von Delegierten und zur Diskussion der Kongretzfragen in allen Teilen Italiens zusammengetreten sind, hat die Arbeiterschaft deutlich zu erkennen gegeben, daß sie keine zweite Allflage des Parteitages von Jmola wünscht, daß sie des Ueber- maßes der Theorie müde ist. Gerade nach dem in hohem Maße theoreti- schen lombardischen Parteitage von B r e s c i a hat sich dies Bestreben gezeigt, die wichtige, geradezu entscheidende Abrechnung zwischen Revo- luttonären und Reformisten auf eine einfache, allen verständliche Formel zurückzuführen: kann die Partei im Parlament die Regierung unterstützen oder nicht? Natürlich ist diese Frage nicht losgelöst von ihrem theoretischen Untergrund zu behandeln: sie hat aber den großen Vorteil, eine klare Situation zu schaffen. Diese Formel empfiehlt sich auch deshalb, weil sie über eine Sache von größter praktischer Wichtigkeit entscheidet, über die die Partei eine Richtschnur braucht und die gleichzeitig als Feldzeichen in dem theoretischen Streite dient, der seit Jahren unsre Partei zerreißt und der nur in die vom Wohle der Partei gebotenen Grenzen gebannt werden kann, wenn eine unzweideutige Kongreßentscheidung darüber vorliegt, welchem Feldzeichen die Parteimchrheit mit Vertrauen folgt. Die beiden Referenten über diese Frage vertreten die Extreme der beiden Tendenzen. Bissolati, der frühere Chefredakteur des „Avanti" legt folgende Tagesordnung vor: „Der Parteitag betont von neuem den Grundsatz, daß die Partei jeder Form und Richtung einer bürgerlichen Regierung gegen- über den selbständigen Charakter einer proletarischen Klassenpartei zu behaupten hat, deren Endziel die Erlösung des Proletariats von der kapitalistischen Ausbeutung ist. „Der Parteitag erklärt, daß unter Beibehaltung dieses Charakters die Partei denjenigen Regierungsrichtungen Unterstützung ge- währen kann, die hinlängliche Garantie dafür bieten, daß sie die Eroberung der jeweilig notwendigsten proletarischen Reformen durch das Proletariat begünstigen werden. „Der Parteitag spricht ferner die Absicht aus, sich der bestehenden Institutionen weiter zu bedienen, unbeschadet des Rechtes, seine Kraft für ihre Umwandlung einzusetzen, sobald sie den Forderungen des Proletariats ein direktes Hindernis bieten sollten." Der Korreferent, L a b r i 0 l a, hat seine in VreScia angenom- mene Tagesordnung auf Anregung des Genossen Karl Kautsky in mehreren Punkten modifiziert, so daß sie folgenden Wortlaut erhält: 1. Der Kongreß betont den dauernd und unversöhnten revo« lutionären und dem bürgerlichen Staate feindlichen Charakter der proletarischen Aktton, erklärt die Umgestaltung der polittschen Orga- nisation des Proletariats in eine vorwiegend parlamentarische. opportunistische, konstttutionelle und posstbilistisch-monarchische Partei für eine Entartung des socialistischen Geistes und verwirft, als dem Princip des Klassenkampfes und der proletarischen Eroberung der öffentlichen Macht zuwider, jene Zusammenarbeit des Proletariats mit der Bourgeoisie, die ihren Ausdruck in der Teilnahme von Parteimitgliedern an monarchischen oder republikanischen Re- gierungen findet, sowie in der systematischen Unterstützung eine? bürgerlichen Kabinetts. 2. In Erwägung, daß jede reformatorische Thätigkeit in bürger« lichem Regime, auch wemi sie durch die Pression des Proletariats be- stimmt und den Arbeitern teilweise nützlich ist— eben weil sie aus einem Ineinanderfließen proletarischer und kapitalistischer Interessen entspringt— immer unvollständig bleibt und den Grundmechanismus der kapitalistischen Produktton nie angreift, erklärt der Kongreß, daß die Herbeiführung der Reformen den bürgerlichen Regierungen zu überlassen ist, ohne parlamentarische Mitwirkung und ohne Kompromiß von feiten des Proletariats, dessen Aufgabe darin besteht, jene Refonnen anzuregen, herbeizuführen und zu kontrollieren, die offenbar die Eroberung vorteilhafter Posittonen für die Entwicklung deS Klassenkampfes gegen den Kapitalismus darstellen. 3. In Erwägung ferner, daß nicht nur die Grundsätze der socialistischen Theorie in direktem Gegensatz zu den monarchischen Institutionen stehen, sondern auch die Ausbreitung�eines monarchischen Possibilismus von feiten der Reformisten augenblicklich die Not« wendigkeit klarer und unzweideuttger republikanischer Principien« erklärungen mit sich bringt, erklärt der Kongreß, unter Ablehuung jeder dogmatischen Formel, daß die Agitatoren ihre Thätigkeit auch darauf zu richten haben, das Bewußtsein der Unvereinbarkeit zwischen Proletariat und Monarchie in den Massen zu verbreiten. 4. In Erwägung endlich, daß die parlamentarische Thätigkeit der Partei gipfelt in der Propaganda, in der Einführung des Proletariats in die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten und in der Kontrolle der Regierimgshandlungen, und die Partei nicht er- wartet, im Parlamente den Socialismus herbeigeführt zu sehen, weder durch Abschaffung des kapitalistischen Eigentums, noch auch durch jene vorbereitenden politischen und ökonomischen Eroberungen, die außerhalb der italienischen Verfassung liegen, erklärt der Kongreß, auf keine Angriffs- und Vertcidigungsmittel der Regierung gegen- über zu verzichten und sich auch den Gebrauch der Gewalt vor« zubehalten, falls diese notwendig werden sollte." Mit den Unterschriften hervorragender Parteigenossen versehen cirkuliert noch eine dritte Tagesordnung, die eine vorübergehende nicht systematische Unterstützung eines Kabinetts gelten läßt und etwa anderthalb Spalten für ihre Mottvierung beansprucht. Die Hauptschlacht des Kongresses fällt auf die Abstimmung über diesen Punkt. Obwohl bereits die Aeußerungen von einigen hundert {gegen 250) Partei-Abteilungcn vorliegen, bei denen sich, nach un- gefährer Schätzung, Bissolati,„mittlere�Tendenz", und Labriola etwa zil einander verhalten wie 1:5:4, wäre es vorschnell, über den Ausgang Vorhersagen zu machen. Denn es bestehen in Italien 1207 sich mit ihren Veittagenden auf den: Laufenden befindliche Partei-Abteilungen, die berechtigt sind, 1273 Delegierte zu senden, je einen Delegierten auf hundert eingetragene Mitglieder oder auf jede Fraktion von 100. Hierbei sind 14 sczessionistische Sekttonen, die zur Beschickung berechtigt sind, nicht einbegriffen. Bei namentlicher Abstimmung wird— zum erstenmal auf italienischen Parteitagen— nach dem bei den englischen Trade s- Unions- Kongressen üblichen System verfahren werden, nach dem jeder Delegierte soviel Stimmen hat, als er Mitglieder vertritt. Nun findet der Kongreß gerade im Centtum der reformistischen Bewegung, in der E'milia, statt; voraussichtlich werden fast alle der dortigen Partei-Abteilungcn, bei den geringen Reisekosten, Ver» trcter senden. Es handelt sich um 210 Sekttonen mit einem Anrecht auf 229 Delegierte. Hier sind also Ueberraschungen nicht aus- geschlossen. Soviel ist aber auch schon heute zu erkennen, daß eine Mehrheit zu Gunsten der Spaltung der Partei sich nicht finden wird. Die Mailänder Reformisten und Revolutionäre sowie die Neapoli- taner Revolutionäre verschwinden gegenüber der großen Masse, die die Einheit will. Jedenfalls ist noch keiner unsrer Kongresse mit solchem Interesse von allen Seiten erwartet worden, wie dieser. Jede größere italienische Zeitung sendet einen Special-Berichterstatter. Von aus» wärttgen Genossen sind bis jetzt angemeldet Dr. Victor Adler aus Wien, N a p p a p 0 r t von der Parti SociaNste de France {Guesde-Vaillant) und Dr. Robert Michels. politifcbc Gebcrficbt. Berlin, den 7. April. Zur Hercro-Frage. In Nr. 4 der Zeitschrift„Die deutschen Kolonien", herail� gegeben von Pastor Gustav Müller und Dr. E. Th. Förster, wir» in einem Artikel„Zur Herero-Frage" in ruhiger und von Sachkunde' zeugender Weise das Raubhandels-Svstem erörtert, das nach dem übereinstimmenden Zeugnis aller Sachverständigen eine der Hauptursachen des Herero-Aufstandes bildete. Zunächst wird in dem Artikel in ihren wesentlichsten Be- stimnmngen jene Verfügung zur Einschränkung des Raubhandels mitgeteilt, die dann freilich in der Praxis zu den wüstesten Excessen der beutegierigen Händler geführt hat. Die ani 23. Juli 1SV3 erlassene Verfügung lautet: Z 1. Verbindlichkeiten Eingeborener aus Rechtsgeschäften mit Nichteingeborenen erlöschen innerhalb eines Jahres nach Abschluß des Rechtsgeschäftes, es sei denn, daß vor Ablauf dieser Frist der Gläubiger bei der nach dieser Verfügung zuständigen Behörde Klage erhoben hat. Abgesehen hiervon findet eine Unterbrechung oder Hemmung deS Laufes dieser Frist nicht statt. Die Klage-Erhebnng gilt als nicht erfolgt, sobald der Gläubiger den Rechts st reit einschließlich der Zwangs- v o l l st r e ck u n g i n n e r h a l b einer i h m z u st e l l e n d e n Frist fortzusetzen unterläßt. Die Frist ist von der Behörde, bei der der Rechtsstreit schwebt, unter der Androhung zu stellen, daß ihre Versäumnis das Erlöschen des Anspruches zur Folge haben werde. § 2. Ist die Verbindlichkeit des Eingeborenen gemäß den Vorschriften des§ 1 erloschen, so ist der Nichteingeborene von dem Eingeborenen Rückgabe des Geleisteten nur insoweit zu verlangen befugt, als das Geleistete in einer nicht vertretbaren Sache besteht und sich noch ini V e r- mögen des Eingeborenen befindet. Eine Forderung auf Ersatz wegen Verlust oder Verschlechterung der Sache ist ausgeschlossen. 8 7. Der Zwangsvollstreckung wegen Geld- f o r d e r u n g e n aus den nach 8I 3, 4, 5 ergangenen Eni- scheidungcn unterliegen diejenigen Vermögens- stücke der Eingeborenen nicht, die notwendig sind, um ihnen und ihren Familien die Möglichkeit des wirtschaftlichen Bestehens zu sichern. Der Gouverneur ist ermächtigt, allgemeine Vorschriften darüber zu erlassen, inwieweit hiernach das Vermögen der Eingeborenen von der Zwangsvollstreckung ausgeschlossen ist. Diese Verfügung stellt einen so s e l b st v e r st ä n d l i ch e n und bescheidenen Schutz der Eingeborenen dar, daß man billig darüber erstaunen darf, daß die Verfügung erst im vorigen Jahre erlassen worden ist. Muß man doch bedenken, daß die süd- westafrikanischen Eingeborenen mit wenigen Ausnahmen des Lesens und Schreibens unkundig und deshalb völlig außer st an de sind, einen Handelsabschluß urkundlich festzulegen. Sie waren solchergestalt den Händlern völlig ausgeliefert. Bekannt- lich ist es ja nach den Mitteilungen der Missionare oft genug vorgekomnien, daß Eingeborene drei und vier Mal zahlen mußten, da sie sich keine Quittung hatten ausstellen lassen und nicht aus- stellen lassen können, da sie jaden Inhalt der Quittung doch nicht verstanden hätten. Da die Handelsgeschäfte der herum- ziehenden, zum Schuldenmachen provozierenden Händler andrerseits nur in ganz vereinzelten Ausnahmefällen in Gegenwart eines glaubwürdigen Zeugen abgeschlossen werden konnten, waren die Eingeborenen ge- wissenlosen Ausbeutern rücksichtslos preisgegeben. Auch die obige Verfügung stellt keinen ausreichenden Schutz vor Uebervorteilung dar, sie versucht in ihrer Tendenz lediglich zu verhindern, daß die Ein- geborenen durch den Tauschhandel völlig zu Bettlern gemacht werden. Doppelt unbegreiflich ist es, daß die Regierung solange gezögert hat. den Eingeborenen auch nur diesen minimalen Schutz zu teil werden zu lassen, da nach dem Artikel Major Leutwein bereits seit 1898— also fünf Jahre vor Erlaß der Verfügung!— auf eine Regelung des Kreditwesens gedrungen hat. Die Petitionen der Ausbeuter scheinen für die Regierung schwerer ins Gewicht gefallen zu sein, als die dringlichen Vorstellungen des Gouverneurs, ganz zu schweigen von dem Schutzbedürfnis von 200 000 Eingeborenen! Ueber den Raubhandel selbst und die Wirkung der Verfügung erzählt ein in der Zeitschrift veröffentlichter Brief ungeheuerliche Dinge. In dem Briefe, der aus O n t j o vom 27. Januar d. I. datiert ist, heißt eS: i „Die meisten Händler sollen im Felde ermordet sein und kan» man hierin nur eine» nicht unberechtigten Racheakt der Eiil4 geborenen sehen, die sich den unerhörte» Vergewaltigiiiigen und Brandschatzungen der Händler widersetzen.— Die meisten dieser Händler, frühere Kellner, Maurer zc. zc., meist tief ver- fchuldetes, bankrottes Gesindel, eine Okahandja- Firma beschäftigt allein 142 solcher Gesellen(??), plündern den Eingeborenen systematisch aus, nehmen ihm das Vieh aus dem Kraal zu Preisen, die der Händler vorschreibt.— Ein Händler in Karibib, früherer Kellner Namens B., erzählte vor Zeugen, daß er einem Kapitän einen Sack Mehl gegen Barzahlung zu 120 M. liefere, wolle derselbe aber auf Pump kaufen, dann verkaufe er dasselbe Mehl zu 60 M., weiß er doch, daß er hernach das Vieh zu Preisen nimmt, die er selb st a n g i e b t.(Wird eine Aufschneiderei sein.)— Das im Juli vorigen Jahres herausgegebene Gesetz über den Handel mit Eingeborenen.j hat dem Faß den Boden eingeschlagen lMit diesen selben Worten kennzeichnete Dr. Förster-Berlin beim Erhalt der Nachricht voui Aufstand in der„Deutschen Tageszeitung" dies Gesetz, gegeben im Juli zu Norderney), und jeder Händler hat genommen, was er h«t fassen können, so hat z. B. ein Händler im November von eiistr Werft für 28 000 M. an Vieh weggetrieben und ein andrer, der 15 M. zu fordern hatte, aber einige Tage warten mußte, bis daß das Vieh herangeholt, hat sich seine Wartezeit gcrgestalt berechnet, daß er mit 4 Ochsen abzog.— Jedem' Ochse hatte doch einen Wert von mindestens 90— 110 M. JThatsachen vielleicht übertrieben. Kern der Sache zutreffend.)" Die eingeklammerten Anmerkungen stammen von den Heraus- gebern der Zeitschrift, die damit ihre strengste Objektivität an den Tag legen lvollen und den Abdruck der Briefe nur unter Mitabdruck der Bemerkungen gestatten. Aber mag man auch ihre Meinung teilen, daß einzelne Angaben übertrieben sind, ihren Kern erklären die Herausgeber ausdrücklich für berechtigt! Der Aufstand der Hereros stellt also einen Notwchrakt dar, wie er gerechtfertigter in der Geschichte nationaler Erhebungen gegen ftemde Eindringlinge kaum jemals dagewesen ist! Wir müssen deshalb mit allem Nachdruck wiederholen, daß der angebliche Armeebefehl Leutwcins, wonach alle diejenigen, die sich an der Plünderung beteiligten, schonungslos bestraft werden sollen— offenbar doch mit Pulver und Blei!— eine furchtbare Härte darstellt! Der Artikel„Zur Hererofrage" enthält auch noch eine interessante Stelle über die„Faulheit" der Hereros:! „Nach 8 7 der mehrfach angezogenen Verfügung unterliegen diejenigen V e r m ö g e n s st ü ck e der Eingeborenen der Zwangsvollstreckung nicht, welche notwendig sind, um ihnen und ihren Familien die Möglichkeit des Wirt- s ch a f t l i ch e n B e st e h e n s zu sichern. Wir freuen uns von Herzen über diesen gerechten Schutz. Der Artikelschreiber ->01„ D eutsch-Süd lve st afrikanischen Zeitung" da-' gegen sieht darin eine Prämie für die Faulheit der Eingeborenen. Er findet, daß dadurch ihnen die Möglichkeit gewährt wird zu leben, ohne zu arbeiten.„Denn wenn anderswo das wirtschaftliche Bestehen auf der Arbeit beruht, so ist dies bei den Eingeborenen des Schutz- gebieteS nicht der Fall. Sie sind in der Lage, bestehen zu können, ohne zu arbeiten". Das sind kindliche Vorstellungen. Daß nur ja unsre Tertianer nicht davon hören! Vielleicht erwachte sonst in manchem ein uubezwinglicher Wandertrieb nach diesem endlich entdeckten Schlaraffcnlande! Oder sollte wirklich das Aus- halten von Hitze und nächtlicher Kälte draußen auf einsamem Vieh- Posten, das stete Spähen und Laufe», daS Hungern und ängstliche Suchen nach einer Quelle in trockener Zeit, die nie verschwindende Sorge und die häufige Enttäuschung nicht auch„Arbeit" sein? Wer wird denn so eng von Begriffen sein, die Thätigkcit eines erfolgreichen Hirten von diesem Ehrennamen aus- zuschließen! Und wenn dann der Herero seine Herden über- blickt und an der Zahl der gehörnten Häupter, die ihm trotz der Dürre, der Rinderpest und des geheimnisvoll drohenden Zmangsverfahreus geblieben sind, sich herzlich freut,— ist solche Gemütsbewegung sittlich nicht doch noch höher zu werten, als die Ergötzuug manches satten Europäers an totem Gold und kaltem Prunk?" Die Klagen unsrer raffgierigen Afrikaner über die„Faulheit" der Hereros wurzelte lediglich in dem Aerger, daß die Eingeborenen als Viehzüchter zum Teil eine selbständige Existenz fristen konnten, daß sie nicht alle gezwungen waren, als hnblosc Kulis für eine» Spottlohn für sie zu schuften! Deshalb schreibt denn auch einer dieser Kolonisten in einen ebenfalls wiedergegebenen Brief: „Dies er Krieg, so gräßlich wie er ist, wird den Anstoß zu einer wirklich rationelle» Erschließung der Kolonien geben, denn wir erhalte» die besten Gebiete und daS nötige Vieh dazu." p.!) lind obendrein die völlig ausgeraubten Ein- geborenen als Sklaven! Minister Schönstedt und die Preßsündcr. In den Ostertagen ist in Magdeburg ein deutscher Redakteurtag abgehalten worden, an dem sich etliche vierzig Herren beteiligten. Die Verhandlungen an sich haben keinen höheren Wert als die auf ähnlichen Veranstaltungen gepflogenen und man könnte daher über den Redakteurtag stillschweigend hinweggehen, wenn nicht ein Um- stand einige Beachtung verdiente. Unser Parteiorgan, die M a g d e b.„Volks st imme", be- richtet nämlich über eine„interessante Enthüllung", die der Vor- sitzende der Versammlung, Herr Chefredakteur ten B r i n ck von der „Germania" gemacht habe. Die„Volksstimme" schreibt: Unter Hinweis darauf, daß die Herren Berichterstatter die Sache sehr diskret behandeln möchten, teilte er fol- gendes mit: Er und zwei andre Herren jBollrath,„Volks-Zeitung", und Rippler,„Tägliche Rundschau") seien beim Jnstizminister wegen der S e l b stb e s ch ä f t i g u n g s fr a g e vorstellig ge- worden. Anlaß dazu habe der Fall eines„Vorwärts"- Redakteurs gegeben, der drei Monate nach Tegel gekommen sei. Der Justizminister habe sich sehr wohlwollend üher die Presse geäußert, aber gebeten, von diesem bezeigten Wohlwollen der Oeffentlichkeit keine Mitteilung zu machen, da es eine eigne Sache sei, als Minister sich wohlwollend über die Presse zu äußern. Der Minister Schönstedt habe versprochen, bei den Gefängnis- Verwaltungen dafür zu sorgen, daß akademisch gebildeten Redakteuren Vergünstigungen beim Strafvollzug(Selbst- beschäftigung usw., jedoch keine Selbstbeköstigung) gewährt würden. Allein man solle auch davon„öffent- lich nur ja kein Aufhebens machen"; dem betreffenden „Vorwärts"-Redakteur habe er dann sofort diese Vergünstigungen angewiesen, ten Brinck teilte ferner mit, daß„maßgebende Personen" auch wiederholt darum gebeten hätten, solche Redakteure, die Festungsstrafe erlitten, nur ja zu veranlassen, Memoiren über das Festungsleben nicht zu veröffentlichen. ES wisse sowieso schon jeder, daß man es in Weichselmünde z. B. derart gut habe, daß seiner Zeit Maximilian H a r d e n während seiner Haft mehr in Danzig und Neufahrwaper, als in der Festung gewesen sei. Ja, Horden habe einmal sogar während der Dauer seiner Haft in Weichselmünde eine Badekur in Ncufahrwasser gemacht! Wenn man das der Oeffentlichkeit auch noch mitteile, hätten es schließlich spätere Gefangene nicht mehr so gut. Entweder in den: Referat des Herrn ten Brinck oder in der Berichterstattung über dies Referat sind eine Anzahl Irrtümer enthalten, die durchaus der Richtigstellung bedürfen. Als unser Kollege, der in einem der bekannten Hunnenprozesse zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war, die Hast an- treten sollte, hielt er es wie wohl alle Opfer der deutschen Preß- Verfolgung für seine Pflicht, nach Möglichkeit den Gesundheits- schädigungen vorzubeugen, die der deutsche Strafvollzug im Gefolge hat. Er sprach mit dem Vorsitzenden des Vereins Berliner Presse, Herrn Vollrath von der„VolkS-Zeitung", über feine Hast, und Herr iVollrath gab seiner Genugthuung darüber Ausdruck, daß sich eine Gelegenheit biete, wo der Verein für eines seiner Mitglieder ein- treten und damit überhaupt in Sachen des Strafvollzuges an Preß- Verbrechern eine Besserung anstreben könne. Am Tage nach seinem Eintritt ins Gefängnis konnte unser Kollege Herrn Vollrath in einen: Schreiben mitteilen, daß, soweit es »ich um seine eigne Angelegenheit handle, die geplanten Schritte /g e g e n st a n d s l o s geworden seien, da die in Betracht 'kommenden Faktoren, Direktor und Arzt des Gefängnisses zu Tegel, ihm ohnedies die gewünschten Erleichterungen bereits zugebilligt hätten. Schon vor seinem Eintritt ins Gefängnis hatte unser Kollege von der Gefängnisdirektton diejenigen Vergünstigungen bewilligt erhalten, die bei früheren Gelegenheiten zum Teil schon Preßverbrechern gewährt worden sind. Ihm wurde die Selb st beschäftigung gestattet, er erhielt die Erlaubnis, auf die„V o s s i s ch e Z t g." zu abonnieren, ihm wurde, selbstverständlich gegen Bezahlung, ein Kalefaktor zur Reinigung seiner Zelle bestellt, er durfte außer eigner Kleidung und Wäsche auch sein eignes Bett benutzen, desgleichen nach Belieben korrespondieren; von andern kleinen, aber im Gefängnis immerhin in Betracht kommenden Erleichterungen nicht zu reden. Es handelte sich im wesent- lichen nur noch um die S e l b st b e k ö st i g u n g, und auch diese wurde unsrem Kollegen noch am Tage seines Eintritts ins Ge- fängnis zugebilligt, nachdem er dem dort amtterenden Arzt ein entsprechendes Attest vorgelegt hatte. Es sei zum Ueberfluß bemerkt, daß alle diese„Vergünstigungen" in der preußischen Gefängnisordnung ausdrücklich zugelassen sind und es in früheren Fällen einzig an den für den Strafvollzug verant- wörtlichen Personen gelegen hat, wenn, wie in Plötzensee z. B., über politische Gefangene völlig unnütze Qualen verhängt wurden. Einige Tage nach Empfang der erwähnten Nachricht teilte Herr Voll- rath dann dem Gefangenen mit, daß er mit Herrn ten Brinck doch zum Minister gegangen sei, wenn auch die günstige Erledigung der zum Anlaß genommenen Gelegenheit die Audienz formell gegen- standslos gemacht hätte, lieber die Unterredung mit dem Minister ersiihr unser Kollege nichts Näheres. So liegt in Wirklichkeit der erwähnte Fall. Unser Magdeburger Partei-Organ hat recht, wenn es sagt, daß es hier durchaus nichts zu verheimlichen gebe und die angebliche Bitte des Herrn ten Brinck um diskrete Behandlung der Sache unangebracht sei. Wenigstens in Berlin hat jeder gefangene Redakteur die Selbstbcschäftigung seit Jahren zugebilligt erhalten; und daß auch die Selb st- beköftigung auf ein ärztliches Attest hin jetzt endlich einem Preßsllnder zugestanden worden ist, das kann im Interesse der guten Sache, die die Journalisten aller Parteien in diesem Falle zu ver- fechten haben, gar nicht laut genug bekannt gegeben werden. Wir halten es für ganz selbstverständlich, daß die unserm Kollegen gewährten Erleichterungen auch seinen Nach- folgern zu teil werden. Die Gefängnishaft birgt ohnedies noch Qualen genug in sich. Auch die Herrn Schönstedt in den Mund gelegte Behauptung, daß die erwähnten Vergünstigungen nur akademisch gebildeten Redakteuren zugedacht werden sollen, kann nicht zutreffen. Unsre hier in Betracht kommenden Redakteure sind nicht mit akademischen Graden ausgestattet und doch ist auch ihnen wenigstens der Anspruch auf Selbstbeschäftigung gewährt worden. Es wäre auch noch schöner, wenn da ein Unterschied gemacht würde. Ueber die angeblich so vorzügliche Behandlung politischer Festungsgefangener können wir nicht mitreden. Wir entsinnen uns aber, daß gerade Herr H a r d e n über schwere Gesundheitsschädigungen zu berichten hatte, die er seinem unfreiwilligen Aufenthalt in Weichselmünde verdankte. Nachdem nun einmal auf dem Magdeburger Redakteurtag die Frage der Behandlung politischer Gefangener angeschnitten worden ist und auch wir, aus diesem Anlaß berichtigend, unsre persönlichen Erfahrungen bekannt gegeben haben, darf man wenigstens wohl das eine hoffen, daß trotz Ruhstrat auch in den deutschen Gefängnissen außerhalb Berlins endlich einmal der gar zu skandalösen Behandlung gefangener Redaktcure ein Ende gemacht wird. Womit selbst- verständlich die Forderung der gesetzlichen Regelung des Sttaf- Vollzuges nicht von der Bildfläche verschwinden darf. Denn nicht aus Gnade soll politischen Gefangenen die Behandlung zu teil werden, auf die sie in Kulturländern ein Recht haben. Veutlcke» Reick. Die sächsische Landeskonferenz. Die Verhandlungen und Beschlüsse der Landeskonferenz unsrer sächsischen Parteigenossen setzen die Schreibfedern der bürgerlichen Presse in eilfertige Bewegung. Namentlich die freisinnige Presse fühlt wieder einmal den Beruf, die Socialdemokratie vor dem Terrorismus der— Socialdemokraten zu retten. Der Beschlutz des letzten Tages, der, gegen wenige Sttmmen gefaßt, die Einheit der Partei auch in der Frage der Aufstellung der Reichstagskandidaten festlegt, hat es besonders der privilegiert berlinisch freisinnigen Vossischen angethan, die dem Beschlüsse folgendes Klagelied widmet: „Also sie haben sich wieder geduckt und löblich unterworfen, alle bis auf neun. Zwar warf sich der Leiter der Versammlung in die Brust und rühmte befriedigt, daß Chemnitz kein Dresden ge- worden sei. Und doch ist es dieselbe Komödie, auf der Landes- Versammlung wie im Trianonsanl; schöne Reden, leidenschaftliche Auseinandersetzungen und zum Schluß die übliche Resolution zum größeren Ruhme der Parteileitung und ihrer Taktik, wobei nur noch eine winzige Minderheit den Mut hatte, gegen den Stachel zu löken. Die Ketzer sind gerichtet; vorerst ist die kleine Erkommunikatton über sie verhängt: die große wird ihnen in Aussicht gestellt, und in Demut beugt die große Mehrheit ihr Haupt vor der allweisen Parteileitung und erhebt deren Unfehlbarkeit zum unantastbareu Dogma. Es war nichts mit der Souveränität der Wahlkreise, die von den„Genossen" in Zschopau-Marienberg einstimmig gefordert wurde. Gar nichts hat die Wählerschaft zu sagen. Was ist die Masse, was das Volk? Sie können zahlen und stimmen. Aber nicht sttmmen. für wen sie wollen. Denn sind die Wähler eines Kreises allesamt einig, einen Mann ihres Vertrauens als Kandidaten aufzustellen, so braucht nur ein Centralkomitee dazwischen zu kommen und setzt seinen Willen an die Stelle des Wählcrwillens, und wenn sich die Wähler- schaft nicht gehorsam fügt, so wandern die Prozeßakten zur end- gültigen Entscheidung an die römische Kurie, nein, an die Berliner Parteileitung. Hai die gesprochen, so ist die Sache aus. Dann haben die Massen Disciplin, will sagen Kadavergehorsam zu be- weisen und hübsch eingedenk zu bleiben, daß sie nichts als Sttmm- vieh sein sollen. Das sind die praktischen Folgen des Beschlusses, der gestern in Chemnitz von der Landesversammlung der sächsischen Socialdemokratie gefaßt worden ist." Wenn das die glücklichen freisinnigen Wähler leseri, werden sie gewiß einsehen, daß die Geschichte mit dem freisinnigen Judensohne Bernstein als Landtagskandidaten keine Spur von Parteidiktattir darstellte. Auch die einstige freisinnige Größe Seyboth— die Freisinnigen des Wahlkreises behaupteten zwar auch, der Mann sei ihnen von der Parteileitung aufgenötigt worden; aber das muß wohl nicht richtig sein. Freisinnige kennen so was gar nicht. Doch im Ernst: aus diesem Gerede leuchtet nur der Aerger darüber, daß unsre sächsischen Parteigenossen in aller Ruhe und Sachlichkeit einen Beschluß gefaßt haben, von dem sie sich die beste Lösung etwa zukünftig auftauchender Differenzen versprechen. Der Aerger über die Einheit der Partei leuchtet auch aus den AuS» lassnngen des„Berliner Tageblattes" hervor, das nach Mitteilung einiger Aeußerungen von der Chemnitzer Tagung schreibt: „Diese Sttchproben dürften genügen. Sie zeigen, daß die Miß- stimmung über die autokratische Art, in der die Socialdemokratie geleitet wird, doch recht weite Kreise der Partei ergriffen hat. Daß die extreme Richtung nichts Besseres zu thun weiß, als auf die bürgerliche Presse zu schelten, die angehlich dem Parteivorstande in die Suppe gespuckt habe, ist recht erheiternd. Soll diese Presse viel- leicht der Bcbel-Mehring-Clique den Gefallen thun und an der Vor- bereitung der socialistischen Diktatur mitarbeiten? Das wäre doch eine Selbstverleugnung, die ihr schlecht gelohnt würde. Umgekehrt gilt es, die breiten Massen so viel wie möglich über die Gefahren des socialdemokratischen Terrorismus aufzuklären. Nach den Ver- Handlungen in Kappel darf man hoffen, daß auch innerhalb der Socialdemokratie die Wahrheit auf dem Marsche ist. Vielleicht ringt sich auch in Deutschland einmal ein Millerand durch, so sehr die radikale Socialdemokratte über ihn zetern mag." Dasselbe Lied stimmt die. B e r l i n e r Z e i t u n g" an, die behauptet, mit dem Chemnitzer Beschlüsse sei der Fundamentalsatz der socialdemokratischen Takttk zu Grabe getragen. Herr v. G., der Ver- fasser des Artikels, müßte eigentlich schleunigst in unsre Partei eintreten, denn solange er draußen bleibt, wird er doch gar nicht in die Lage kommen, unsre Fundamentalgruudsätze vor uns selber zu retten. Also los. Herr v. G., wir sind in großer Gefahr und brauchen einen tüchtigen Doktor, der uns wieder auf den rechten Weg bringt. Sogar die„Postesel" beginnen für Freiheit zu schwärmen und behaupten nicht mehr und nicht weniger, als daß in unsrer Partei so eine Art Soldatenmißhandlungen geübt würden. Der Zu» sammcnhang ist etwas seltsam, aber so ein„Esel" bringt alles ferttg. Die„Post" schreibt also: „In der That übt auch die Partei eine eiserne Disciplin. welche nicht nur mit Hilfe des Boykotts, sondern auch gröbster körperlicher Mißhandlungen durchgeftihrt wird. Eine Beschwerde gegen solche Mißhandlungen gicbt es natürlich nicht für die„Genossen". Und die Leute, die ein solches„System" pflegen, zetern fortgefetzt über militärische Mißhandlungen, die verboten sind, die schwer bestraft werden und gegen die sich die Soldaten beschweren können. DaS zeigt, daß es'den Socialdemokraten weniger um die Abstellung von Mißhandlungen an sich zu thun ist, da sie dieselben ja von „Genossen" auf jede Weise entschuldigen und zu beschönigen suchen, sondern daß es ihnen nur auf Anklagen gegen die Armee ankommh um das Vertrauen zu derselben im Volke zu erschüttern und die Disciplin in derselben zu untergraben." So viel Lärm um die einfache Thaffache, daß eine Partei sich durch ihre freigewählte Generalversammlung ein Gesetz gtebt, wie sie Streitfälle in ihren Reihen am besten schlichten kann. Denn um nichts weiter handelt es sich, wie der gefaßte Beschluß zeigt. Die Wahlkreisorganisation der Partei wird sich nach wie vor den Kandidaten aussuchen, die Komitees, das sind die freigewählten Aus- schösse mehrerer Wahlkreise, haben das Recht zu prüfen, ob die getroffene Auswahl zu billigen ist. Und erst, wenn zwischen diesen und der Wahlkreisorganisation eine Differenz entsteht, sollen die obersten Parteiinstanzen entscheiden. Das Gerede von Autokratie und Diktatur ist so unsinnig wie möglich. Die Instanzen unsrer Partei, Ausschüsse, Komitees, Parteivorstand, sind ja auch nur selbstgewählte Verwaltungsansschüsse der Partei, die das Vertrauen der Mehrheit der Parteigenossen auf ihren Platz gestellt hat und die sich alljährlich der Neuwahl unterziehen müssen. Können sie am Schlüsse ihrer einjährigen Amtsperiode ihre Maß- nahmen nicht rechtfertigen, haben sie nicht im Sinne ihrer Austraggeber gehandelt, dann werden sie nicht wieder ge- wählt. Demokratischer kann man gar nicht verfahren. Organisaston bedeutet immer eine Einschränkung des Einzelwillens zu Gunsten der Gesamtheit. Die sogenannte volle Autonomie ist kein demokratisches, sondern ein anarchistisches Ideal. Und die Demokratie meiner nur auf gemeinschaftliche politische Uebcrzeugung gestellten, durch das gemeinsame Ziel zusammengehaltenen Partei kann nur in der Entscheidung der Mehrheit zum Ausdruck kommen. Der Chemnitzer Beschluß ist nichts weiter wie der Ausdruck des einheitlichen Willens der Mehrheit, und zwar der erdrückenden Mehrheit der organisierten Parteimitglieder und die Betonung der Einheit der Partei._ Die Königstreue des Generalissimus. Wir hatten vor einigen Tagen auf die Behauptung des Herrn Normann-Schumann hingewiesen, daß die Majestätsbeleidigungen, um derentwillen er verfolgt sei, in Wirklichkeit von dem Gencral-Feld- Marschall Grafen Waldcrscc begangen worden seien. Hierzu schreibt die.Zukunft": „Die Artikel, wegen deren Herr Normann-Schumann verfolgt wurde, hatten sich hauptsächlich mit dem Ohrenleiden des Kaisers beschäftigt. Ich bin überzeugt, daß die Angaben, die er in den Prozeßakten gemacht hat, der Wahrheit nahe kommen, überzeugt, daß er ihre Wahrheit beweisen kann. Und diese Uebcrzeugung teilt mit mir inancher Betitelte. Wenn es gelang, den Kaiser als totkranken Mann hinzustellen und im Manövergelände deutscher Politik eine undurchsichtige Wirrnis zu schaffen, schlug sür den „Retter" die Stunde. Und dieser Netter war natürlich der fromme Ulan, der mit ganz andrer Wirkung als Caprivi und Hohenlohe den unbotmäßigen Massen die Gebieterfaust zeigen würde.„Wohl aus- gesonnen, PaterLamormainI" Welches Interesse hätte HcrrNormann- Schumann sdcr mitunter maskiert gegen seine eignen Artikel in der Presse polemisierte, um den Wirrwar noch toller zu machen) sonst auch daran gehabt, mit Gefährdung seiner Haut über den Kaiser Ueblcs zu schreiben? Ein Mann seines Kalibers hätte sich viel eher doch der herrschenden Macht vermietet. Herr v. Tausch, der Kriminalkommissar, der den ungeduldigen Goldsucher im Auf- trag des großen Strategen oft zu ruhiger Raison bringen mußte und als Angeklagter dann auf schwierigem Terrain so tapfer schwieg, hat vom Hause Waldcrsee Dank verdient." Will man die ganze Tragweite dieser Behauptungen ermessen, so muß man bedenken, daß diese Majestätsbeleidigungen zum Teil in einem ausländischen Blatt, in einem Organ des französischen Erbfeindes verübt sind. Besonders auffällig ist und scheint die Richstgkeit der Behauptung zu stützen, so wahnsinnig sie klingt, daß in den Artikeln, die nachweislich der nachweisliche Agent WaldersecS Normann-Schumann zum Druck befördert hat, der Graf Waldersee als„Chef der deutschen Reaktion" an- gegriffen wird— eine Taktik, die nur den Zweck haben konnte, die Spuren zu verwischen. Der gegenwärtige preußische Kriegsminister hat kürzlich im Reichstag erklärt: die Hauptsache für einen Soldaten sei die Königssteue. Ihm sei ein königstrcuer Soldat, wenn er auch ein paar Ringe weniger schießt, lieber als ein Socialdemokrat. Frage: Gilt von der Königstreue dasselbe wie von der Religion? Daß sie nur dem Volke, den Untergebenen erhalten werden muß, während der höchste Offizier hinterlistig gegen die Majestät intrigieren darf? Und wie steht es mit dem Monarchismus der konservativen Partei, deren Vertrauensmann Graf Waldersee gewesen istl Sollte man nicht alles Interesse haben, das Schweigen zu brechen und diesen jede Autorität erschütternden Skandal auf- zuklären? Es kann doch nicht so schwer sein, sich des Herrn Normann- Schumann zu bemächtigen.—_ Die Lotteriekonkurrenz. Jeder Bundesstaat will seinen eignen Spielteufel haben, der benachbarte wird ausgesperrt: jeder Bundes- staat will aus dem Lotteriespiel für sich allein profitieren. Andre Bundesstaaten sind im Spielpartikularismus vorangegangen, Preußen thut nun das Seine. Das dem Abgeordnetenhausc zu- gegangene Gesetz will die Bestrafung des Spiels in außerpreußischen Lotterien und den Vertrieb von außerpreußischen Losen in um- fassendem Maße und durch schwere Strafen herbeiführen. Wer in außerpreußischen Lotterien spielt, wird danach mit Geld- strafe bis zu 600 M. bestraft. Wer sich dem Verkauf oder der sonstigen Veräußerung eines Loses, eines Losabschnittes oder eines Anteils an einem Lose oder Losabschnitte außcrpreußischer Lotterien unterzieht, insbesondere auch, wer ein Los, einen Losabschnitt oder einen Losanteil dieser Art zum Erwerb anbietet oder zur Veräußerung bereit hält, wird mit Geldstrafe bis zu 1000 M. bestrast. Die gleiche Sttafe trifft denjenigen, welcher bei einem solchen Geschäfte oder einer solchen Handlung als Mittelsperson mitwirkt. Ist die Zuwiderhandlung durch eine Person begangen, welche Losehandel gewerbsmäßig betteibt, oder bei ihm gewerbsmäßig Hilfe leistet, oder ist sie durch öffentliches Aus- legen, Ausstelleu oder Aushängen oder durch Versenden eines Loses, eines Losabschnittes, eines Bezugsscheines, eines Anteilsscheines, eines Angebots, einer Anzeige oder eines Lotterieplanes oder durch Ein- rücken eines Angebotes, einer Anzeige oder eines Lotterieplanes in eine in Preußen erscheinende Zeitung erfolgt, so tritt Geldstrafe von 100 bis zu 1500 M. ein. Jede einzelne Verkaufs- oder Betriebshandlung, namentlich jedes einzelne Anbieten, Bereithalten, Auslegen, Aus- stellen, Aushängen, Versenden eines Loses, eines Losabschnittes, eines Bezugsscheines, eines Anteilscheines, eines Angebotes, einer Anzeige oder eines Lotterieplancs wird als besonderes selb- ständiges Vergehen bestrast, auch wenn die einzelnen Hand- lungen zusammenhängen und auf einen einheitlichen Vorsatz des Thäters oder Teilnehmers zurückzuführen sind." Noch höhere Strafen werden für Rückfall angedroht. Der Gesetzentwurf soll schon am 1. Juli 1004 in Kraft treten.— Der Kardinal Kopp-Prozeß soll nach zuverlässigen Informationen eine Neuauflage erleben. Die Staatsanwaltschaft geht nämlich gegen polnische Zeugen, deren Aussagen in den neuerlichen Er- klärungen und Berichtigungen oberschlcsiicher Geistlicher als unwahr bezeichnet wurden, mit einer Untersuchung wegen Meineids vor!— Eine FreisinnSthat. Aus Königsberg kommt dieser Nachklang von der Landtagswahl: Wegen gemeinschaftlichen Hausfriedens- brnchcs hatten die Führe r der Freisinnigen Volks- Partei zu Königsberg elf hiesige Parteigenossen bei der Staats- anwaltschaft denunziert. Wie es in der Anklage heißt, sollen die An- geklagten am 2. November 1003 in die von den vereinigten liberalen Parteien einer Wählcrversammlung gemieteten Räume wider- rechtlich eingedrungen sein und außerdem die Angeschuldigten auf die Aufforderung des Vorsitzenden dieser Versammlung, des Stadtverordneten-Vorstehers Th. Krahne, sich nicht entfernt haben, und �Kar gemeinschaftlich. Der Termin zu dieser Verhandlung vor der Strafkammer war auf den 7. April festgesetzt. Schon auf die Gegen- schrift des Verteidigers zur Anklage wurde gegen drei der angeklagten Genossen, worunter sich auch der leitende Redakteur der„Königs- berger Volkszeitung" befand, das Verfahren eingestellt, weil dieselben nicht hinreichend genug verdächtig erschienen. Da nun aber die übrigen acht Angeklagten zum großen Teil Angestellte der Redaktion und Expedition der genannten Zeitung sind, war tags zuvor den Abonnenten mitgeteilt, daß am 1. April die Zeitung nicht erscheinen könne, weil die Angestellten der Redaktion und Expedition an diesem Tage auf der Anklagebank sitzen würden. Da geschah aber ganz was Merkwürdiges. Etwa 20 Stunden vor Stattfinden des Termins wurde den Angeklagten vom Gericht mitgeteilt, daß der Termin aufgehoben und das Erscheinen der An- geklagten nicht erforderlich ist. Welches die Veranlassung zu der plötzlichen Aufhebung ist, ist noch nicht bekannt.—. Ucbcr den heutigen Geschichts- und Religionsunterricht äußerte sich Professor Dr. S ch w e n d- S t u t t g a r t in folgender ehrlich-mannhaster Weise: Im Geschichtsunterricht sollte endlich mit der Forderung der Vollständigkeit gebrochen werden. Lückenloses Wissen sei angesichts der vorhandenen Fülle doch nicht mehr er- reichbar. Mit Recht verhaßt sei dem Schüler die Territorial- eschichte. Tot sei für ihn ferner die preußische, bayerische, württem- ergische � usw. Lokalgeschichle. Wie entsetzlich kalt mute ihn die Prozession jener langweiligen, nichtssagenden Brandenburger an: Friedrich L, Friedrich II.. Albrecht Achilles, Johann Cicero, Joachim I., Joachim II.(Heiterkeit). So marmorkalt wie ihre Bilder in der Sieges- a l l e e.(Große Heiterkeit und Beifall.) Wer kann von uns Lehrern selbst über sie Auskunft geben?'(Beifall.) Und ein 13jähriger Junge muß in einem weitverbreiteten Lehrbuch fünf volle Seiten über diese Nullen sich einprägen. Und die bayrische und ivürttem- bergische Dynastcngeschichte ist ganz ebenso öde und wertlos wie die preußische. Lasten wir doch die alten Biedermänner in ihren Gräbern ruhen; uns Deutsche des Deutschen Reiches gehen sie gottlob nichts mehr an. Ebenso sei es mit der Religionsgeschichte. Nirgends herrsche so viel Inkonsequenz wie in diesem Fach. Der moderne Staat sei religionslos. Seine Mittelschulen seien paritätisch, und doch stehe der Religionsunterricht nicht nur an erster Stelle, sondern werde in einer weit über die Bedürfnisse der Bildung herausgehenden Weise eifrig betrieben. Demgegenüber müsse die Schule mit aller Entschiedenheit betonen, daß dieser Religionsunterricht Aufgabe der Kirche, nicht aber der Schulen, vollends der höheren Lehranstalten sei. Es sei nicht ersichtlich, wes- halb gerade die gebildeten Schichten dieser religiösen Bearbeitung intensiver ausgesetzt sein sollen als die andern, die nach dem Austritt aus der Volksschule sich voller religiöser Freiheit erfreuten. Redner fordert daher, daß die historische Belehrung über die Religion dem Geschichtsunterricht überwiesen werde. Wie Professor Schwend denken viele Tausende unsrer Pädagogen.—_ Majestätsveleidigungs-Prozeß wegen— Lachen. Der Fort- bildungsschülcr Kandzior in Scharley in Oberschlesicn soll bei Ausbringung eines Kaisertoastcs bei der Kaisergeburtstagsfeier gelacht haben. Eine eingehende Untersuchung wurde eingeleitet, die Anklage von der Beuthener Staatsanwaltschaft erhoben, der Verbrecher aber freigesprochen.— Hueland. AtteutatSvcrsuch gegen den König von Spanien? Aus Barcelona wird anitlich gemeldet: „Als der König die Arbeits-AuSstellung verließ, platzte eine Bombe. Zwei Landlcute wurden verwundet; ein Verdächtiger ist verhaftet worden." Spanien, das Land der Pfaffen, des Hungers und der Polizei- brutalitäten, ist naturgemäß auch das Land der Anarchisten. Trotz- dem ist es höchst staglich, ob das Attentat wirklich von anarchistischer Seite ausgegangen ist oder ob es sich nur um eine Polizei- Aktion handelt, die insceniert wurde, um die jüngst enthüllten Tortur-Scheußlichkcitcn der Polizei nachträglich in milderem Lichte erscheinen zu lassen.— Ein ferneres Telegramm aus Barcelona vom 7. April besagt: Der König besichtigte heute vormittag mehrere Weinlager und eine Weberei; er unterhielt sich mit den Arbeitern und äußerte, sein größtes Vergnügen sei, die Arbeiter zu schützen. Sodann besuchte der König die im Bau befindliche Kirche der Heiligen Familie. Ueberall wurde den König mit Jubel begrüßt, namentlich in den Arbeiter- vierteln, wo geflaggt war. Die Arbeiter werden über die naiven Erklärungen des siebzehn- jährigen Königs wohl nachträglich die Achseln gezuckt haben. Der junge König hat bis jetzt'zum„Schutz" der Arbeiter verteufelt wenig gethan. lind es gäbe so unsäglich viel zu thun. Gerade aus Barcelona selbst wird uns gemeldet: Es herrscht eine große Unruhe in Barcelona. Die Stimmung ist eine sehr erregte und zwar eine Folge der drückenden industriellen Krisis. Viele Fabriken sind vollständig geschlossen und in an drei: wird nur die halbe Tageszeit gearbeitet. Man befürchtet, daß auch in diesen die Arbeit bald ganz eingestellt wird. Die Zahl der Arbeits- losen nimmt immer mehr zu, gegenwärtig schätzt man sie bereits auf 6000. Personen, welche die Verhältnisse genau kennen, ver- sichern, daß die Zahl bald noch größer sein wird. Frankreich. Zu dem bevorstehenden französisch-cnglischcn Ucbcreinkommen wird dem„Matin" aus London telegraphiert, um den Wünschen der mit Marokko in Verbindung stehenden englischen Kaufleutc zu entsprechen, habe sich die französische Regierung verpflichtet, die Handelsfreiheit in Marokko für die Dauer von 30 Jahren zu ver- bürgen.— Schweden. Die Wahlrechts-Demonstrationen, die zu Ostern im ganzen Lande stattfanden, gaben von neuem den Beweis, daß die schwedische Ar- beiterschast unablässig in ihrem Kampfe für staatsbürgerliche Gleich- bercchtigung ausharrt und auch nicht gewillt ist, sich mit dem neuen Regierungsvorschlage zur Wahlrechtsreform zufrieden zu geben. In Stockholm beteiligten sich trotz des Schmutzwettcrs ungefähr 0000 Personen, darunter viele Frauen, an der Demonstration. Die Versammlungen, die vor der Stadt auf dem alten Sammelplatz von„Bill-Jans" stattfanden, nahmen eine Resolution an, die mit den Worten schließt: „Unser Volk hat so lange bei den Machthabern um Gerechtigkeit gebittet, ohne daß auf seine Bitten mit etwas andrem als mit Hohn öder mit einem bedaueniden Nein geantwortet wurde. Nun ist für das Volk die Zeit vorbei, um Gerechtigkeit zu bitten, nun fordern wir sie und fordern sie voll und ganz, und sollten unsre Worte auch nicht in dieser Reichstagsperiode Gehör bei den Machthabern finden, so muß auf sie die Schuld fallen, wenn wir uns genötigt sehen sollten, zu zeigen, daß wir bereit sind, unfern Worten Handlungen folgenzulassen. Niedermit allen Verpfuschungsplänen. Her mit dem ehrlichen allgemeinen Wahlrecht!" Die Versammelten marschierten in großem Demonstrattonszuge mit sechzig Fahnen und zehn Musikchören in die Stadt nach dem Volkshaus, wo sich der Zug auflöste. Die Polizei beschränkte sich darauf, dem Zuge die Straßen frei zu halten.— Außerdem fanden, soweit bis jetzt Berichte vorliegen, in circa 50 Städten Wahlrechtsdemonsttationen und-Versammlungen statt, die alle den Verhältnissen entsprechend zahlreich besucht waren. In Malmö beteiligten sich 4000 Personen, in Göteborg, wo Branting sprach, 2000, in Gefle 3000, in Orebro hatten sich ca. 5000 Personen auf dem Großen Markt versammelt, in Knolstad zählte man 3000 Teilnehmer und selbst in kleinen Städten und Orten waren teils hunderte, teils 1000— 1500 Teilnehmer erschienen. In verschiedenen Städten haben auch bürgerliche Reichstags» Abgeordnete zu ihren Wählern über die Wahlrechtsstage gesprochen. Einige dieser Versammlungen erklärten sich ebenfalls für den social- demokratischen Wahlrechtsvorschlag, einige für den liberalen und ein- zelne für die Regierungsvorlage. Asien. Japanische Kultur und Bildung wird auch von China immer mehr gesucht und anerkannt. So halten sich zur Zeit 1400 Chinesen zum Zwecke ihrer Fortbildung in Japan aus; davon befinden sich 75 auf Ilniversitäten, 8 auf hohen Schulen, 305 auf Mittelschulen und technologischen Instituten, 15 in Töchterschulen, 4 in Primarschulen, 103 im Heere usw. Der älteste von diesen Chinesen ist 50, der jüngste 7 Jahr! Mit solchen statistischen Ergebnissen stimmt recht gut dre Auf- fassung des Grafen Leo Tolstoi überein, die dieser in den letzten Tagen einem Interviewer des„Figaro" gegenüber bekundet hat. Tolstoi giebt der lleberzeugung Ausdruck, daß Japan, wenn man es ruhiger Evolution überlasse, für die Kulturentwicklung der Mensch- heit in Zukunft noch etwas bedeuten könne. Die Eigenart der gelben Rasse bei uns Europäern noch viel zu unbekannt, als daß wir uns ein maßgebendes Urteil über ihre Entwicklungsfähigkeiten zu bilden ver- möchten.—_ Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Eine bevorstehende japanische Massenlandung. Söul, 6. Slpril.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Ein vom Norden hierher zurückgekehrter amerikanischer Missionar meldet, auf der Höhe von Haidschu, fünfzig Meilen nördlich von Tschemulpo, befinde sich eine japanische Transportflotte, die aus vierzig, darunter einigen sehr großen, Schiffen bestehe. Man nimmt an, daß diese Flotte einen Teil der zweiten Armee, die erste und dritte Division, befördere, welche in Nönampho gelandet werden sollen. Von der Nalu- Mündung. Tokio, 7. April.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Einer Drahtmeldung aus Söul zufolge laufen die japanischen Zufuhr- dampfer ungefährdet in die Dalu-Mündung ein. Die Landung geht au verschiedeuen Punkten der koreanischen Uferseite des Flusses vor sich, wie man hier annimmt, unter dem Schutze japanischer Kanonenboote. Ein Tungusen- Angriff. London, 7. April.„Daily Mail" meldet aus Shanghai, eine Räuberbande habe einen russischen Vorposten bei Liaojang ange- griffen; eine Anzahl russischer Soldaten wurde getötet oder ver- ivundet. Die Tclcgrapheuleitung wurde von den Räubern zerstört und die Eisenbahn beschädigt.—„Daily Chronikle" meldet, 5000 Mann russischer Verstärkungen seien nach dem Aaluflusse unterlvegs. Weiteres von der patriotischen Brandschatzung. Aus Petersburg wird uns von einem neuen Mittel berichtet, das die russische Regierung erfunden hat, um für den Kriegsfonds zu schnorren. Bis jetzt schon blieb bei der zwangsweisen Eintreibung von„steiwilligen Beiträgen" unter der ärmeren Bevölkerung niemand verschont, als etwa die Insassen der Gefängnisse; nun sollen auch diese noch zur Beisteuer herangezogen werden! Die Verwaltung des bekannten Petersburger Gefängnisses„Krest"(Kreuz) hat es fertig gebracht, die Sträflinge eines Teiles ihres sauren Verdienstes zu berauben. Das seines Namens würdige Gefängnis dient als Unter- suchungsgefängnis und zur Abbüßung von Gefängnisstrafen für „politische Verbrecher". Das„Krest" ist allgemein bekannt durch den raffiniertesten Ueberwachungsdienst, durch die Rigorosität des Regimes, das die Gefängnisinsassen gänzlich von der Außenwelt isoliert(es lverden z. B. gar keine neuen Zeitungen und Revuen zu- gelassen). Zum Ueberfluß hat sich das Gefängnis im vorigen Jahre durch die bestialische Verpriigelung seiner„rebellischen" Insassen be- rühmt gemacht. In dieser Musteranstalt nun werden die Straf- gefangenen zu Zwangsarbeiten angehalten, von denen ihnen selbst vier Zehntel des Verdienstes zu gute kommt, wovon noch die Hälfte zurückbehalten und zu einem„eisernen Fonds" accumuliert wird, der dein Sttäfling erst nach abgebüßter Sttafe als„Bettiebsfonds für ein neues Leben" eingehändigt wird. Die Accordlöhne sistd aber so absurd niedrig, daß z. B. ein Haspler ganze 40 Kopeken im Monat verdient I Auf diese armseligen Kopeken ihrer Opfer hat eS nun die Ver» waltung des„Kreuzes" abgesehen. Seit Anfang des Krieges werden in die Zellen frischeste Bulletins vom Kriegsschauplatz— natürlich lauter Siegesbotschaften— geliefert. Beamte der Verwaltung er- scheinen in den Kammern und halten patriotische Ansprachen. Die Behandlung der Sträflinge wird eine überaus milde. Und die Moral von der Geschichte: man bittet um„freiwillige Beisteuer", wobei sogar die Unantastbarkcit der„eisernen Fonds" aufgehoben wird. Natürlich opfern die Sträflinge unter einem solchen Druck ihrer Peiniger das verdiente Geld, und der blutige Schweiß der „politischen Verbrecher" wandert zum Fiskus, um die zarischen Finanzen zu retten. Krieg dem Kriege. Die Redaktion der„Jskra" hat zur Vervielfältigung und Ver- breitung in Rußland einige neue Flugschristen hergestellt:„Ein wahres Wort des Finanzministors"(aus Anlaß einer Aeußerung des Ministers über die Verwendung der Spareinlagen),„Wer soll der Alleinherrscher Rußlands sein?" und schließlich ein Flugblatt zur Verhinderung neuer Judenkrawalle während der russischen Ostern. unter dem Titel:„Wer braucht die Judenkrawalle?" partei-I�acbrickten. Ein socialdemottatischer Jugendbund in Dänemark. Am Gründonnerstag und Karfreitag fand in Kopenhagen ein Kongreß der socialdemok'ratischcn Jugcndvereine Dänemarks statt, an dem auch drei Delegierte des schwedischen Jugendbundes als Gäste teilnahmen. Der Kongreß beschloß einstimmig, einen„socialistischeu Jugendverband" zu gründen, dessen Zweck sein soll: „Die socialistischen Jugendvereine zu planmäßiger Arbeit für die Ausbreitung des modernen Socialismus unter der arbeitenden Jugend zu sammeln sowie eine antimilitaristische Agitation zu be« treiben.— Ein agitatorisches socialistisches Organ für die Jugend- bewegung zu begründen und zu erhalten; eventuell socialistische Schriften herauszugeben und größere Versammlungen in Gegenden abzuhalten, wo die Jugendbewegung noch keinen Eingang ge» funden hat." Sodann wurde einstimmig beschlossen, unter dem Titel„Nh Tid" (Neue Zeit) ein Blatt zu begründen, das in stark socialistisch-agita- torischcm Geist geleitet werden und das offizielle Organ des Jugend- Verbandes sein soll. Als Redakteure wurden Arbeitsmann Chr. Christensen und Bankassistent Jörgensen gewählt. Das Blatt er- scheint in Kopenhagen. Als Vorsitzender des Verbandes wurde Ed. Adclöre gewählt.— Beschlossen wurde ferner, einen Militäraufruf drucken zu lassen, der zur Agitation unter den in nächsten Tagen in Dienst tretenden Militärpflichtigen verbreitet werden soll. polireüicves. OerichtUcbea ufw. — Den Wahrheitsbeweis erbracht hat in einer Beleidigungssache der Verantwortliche der„Fränkischen Tagespost", Genosse Eberhard in Nürnberg, aber dennoch wurde er verurteilt. In einer humoristischen Wochenplauderei war geschildert, wie gewisse Geschäfts- leute den„unlauteren Wettbewerb" durch Denunziationen bei Gericht zu bekämpfen suchen, wobei aber gewöhnlich nur Geschäftsneid im Spiele ist und weniger das Bestreben, dem„reellen Geschäft" Schutz zu verschaffen. Es war ferner mitgeteilt, daß einer dieser Herren, der einen eignen Denunzierklub gegründet, dessen Vorstand er war. schleunigst seinen Austritt aus dem Verein erklären mußte, um nicht ausgeschlossen zu werden. weil er sich selber wegen unlauterer Geschäftspraktiken vor dem Verein verantworten sollte, daß er von andren Geschäftsleuten Schuhe mit Pappdeckelsohlen gekauft, aus geschmttcn und in seinem Schaufenster ausgestellt habe, um die Bctrestenden zu blamieren, von denen ihm aber einer mit dem gleichen Mittel gedient habe. Dadurch fühlte sich der Schuhhändler Lewnld getroffen. Das Gericht erkannte dahin, daß der WahrhcitS� beweis vollständig erbracht sei, doch müsse E. wegen formeller Bc leidigiiiig zil 20 M. Geldstrafe verurteilt werden. kommunales. !5. Stadtverordueten-Versammlung. Sitzung bo m Donnerstag, den 7. April 1904, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Dr. Langerhaus eröffnet die Sitzung gegen 1!sß Uhr mit einem warm cmpfunasnen Nachruf für den um Berlin hoch verdienten Direktor Jessen von der l. Handwerkerschule. Die Versamnilnng hört die Worte des Vorstehers stehend an. Darauf wird in die sehr umfangreiche Tagesordnung eingetreten deren Beratung zürn Teil feit 3—4 Wochen rückständig'ist. Der Vorentwnrf zum Neubau einer A n st a l t für Hospitanten tat B u ch hatte mit emem Kostenüberschlag von 8 287 000 M. abgeschlossen, der von der Mehrheit als viel zu hoch in der ersten Lesung beanstandet wurde. In der Ausschubberatung hat mair sich dahin geeimgt, daß die Anstalt für 1500 statt 1700 Hospitaliten entworfen, aber auf einmal(nicht zunächst nur für 500) ausgeführt wird, ferner die Gesamtanlage nach neueren Plänen des StadtbaaratS so zusammengezogen wird, daß die Kosten lO/s Millionen nicht übersteigen, daß nur in der Hälfte aller Pavillons Aufzüge angelegt werden, daß endlich auch die sonstigen vom Kitratorilmt des Friedrich Wilhelm-Hospitals vor geschlagenen Aenderungen Berücksichtigung finden, dabei aber von der Vergrößerung des VersammlungSiaales Abstand genommen wird. Referent des Ausschusses ist Stadtv. Barth(A. L.) Von den Stadtvv. H i n tz e und Genossen(Soc.) ist beantragt, in a l l e n Pavillons Aufzüge einzurichten. Stadtv. Hiiltze: Wir werden der Vorlage auch in der neuen verkleinerten Form zustiinmeii, um dem Notstände in der Unter bringung unsrcr Hospitaliten schleunigst abzuhelfen. Wir wünschen aber wenigstens die Anlage von Aufzügen in allen Pavillon?. Es handelt sich doch um alte, gebrechliche Leute, die zum Teil in der dritten Etage untergebracht werden sollen. Es würde sich nur um fünf Aufzüge mehr handeln, also um eine Mehrausgabe von 20 000 M. Die können bei einer Gesamtausgabe von 6�2 Millionen keine Nolle spielen. Stadtv. Dr. LangrrhanS: Behufs Verminderung der Ausgaben für diese Anlage ist im Ausschuß angeregt worden, nicht zweistöckig, sondern dreistöckig zu bauen. Ich bin meinerseits durchaus daflir, denn bei der Menge kostspieliger socialer Aufgaben, die Berlin zu erfüllen hat, will ich billig bauen, wenn ich dabei ebenso gut, ebenso zweckmäßig� und) ebenso angenehm bauen kann. Der Plan des Stadtbaurats, die Dachgeschosse auszubauen, genügt mir nicht, und der Hinweis auf die Bauordnung für die Vororte, wonach mehr als drei bewohnte Geschosse übereinander nicht angelegt werden dürfen, ist nicht durchschlagend, da deren Geltung für Buch nicht feststeht. Setzen wir überall eine vollständige dritte Etage auf. so können wir mehr als 1500 Hospitaliten unterbringen, und das wäre doch sehr wünschcnsioert. Die Hospitaliten sind alte, gebrechliche Leute, aber keine Siechen(Widerspruch), solche würden zu Unrecht dort sitzen. Diese Hospitaliten brauchen keine Atifzüge. Mit einer bis zwei ersparten Millionen können wir anderweit viel Gutes leisten. Ich beantrage deshalb ausdrücklich, die Häuser dreistöckig zu bauen. Kein Fachmann, auch kein Arzt kann gegen den dreistöckigen Ausbau etwas Stichhaltiges einwenden. Auch dreistöckige Hausbauten werden dem Baurat erlauben, architektonisch gefällige Bauwerke hinziistellen. Die Personenaufzüge beantrage ich ganz fallen zu lassen. Stadtbaurat Hoffniaiiu: Iii Herzberge, Dalldorf und Wuhlgarten hat Verlin durchweg zweigeschossige Pavillons gebaut und nur die Verwaltungsgebäude dreigeschossig errichtet. Man kann ja auf drei Geschosse noch ein Dach aufsetzen, aber benutzt werden darf dieses nicht, da die Bauordnung dem entgegensteht. Mache ich die Bauten höher, so muß ich sie auch weiter auseinanderrücken, und der Bau würde dadurch einen sehr veränderten Charakter erhalten; an Stelle des gemütlichen deutschen Landhauses würde der massive italienische Baustil treten. In Italien verleiht man durch Rampen, Veranden usw. diesen Gebäuden mit den flachen Terrassendächern Abwechselung; diese Ausführung möchte ich Ihnen auf eine Zeit zu verlegen vorschlagen, wo Berlin finanziell günstiger steht. (Heiterkeit.) Mit dem guten deutschen Wasserturm, den Sie ja genehmigt haben, würde diese italienische Anlage auch in einen merkwürdigen Kontrast geraten. Stadtv. Körte(Fr. Fr.) hält mit dem Stadtbaurat dafür, daß die dreistöckige Anlage unzweifelhaft die Kosten noch steigern und die Ausftihrung des Baues noch weiter verzögern würde. Dagegen spricht er sich gegen die Fahrstühle aus. Stadtv. Gottfried Schulz(Soc.): Unser Vorsteher ist doch Arzt und weiß in Hospitälern genau Bescheid. Er wird wissen, daß im Friedrich Wilhelm-Hospital 110 Leute liegen, die gar nicht mehr aus den Betten herauskönnen. Dieses Hospital soll aufgehoben und nach Buch mit verlegt werden. Um so nötiger erscheinen also die Aufzüge. In sehr anerkennenswerter Weise sind übrigens in dem neuen Hospital besondere Räume für die Wärterinnen projektiert. In dieser Beziehung ist eS in den Berliner Hospitälern sehr übel bestellt. Stadtv. Haberland(A. L.) stellt sich auf die Seite des Vorstehers. Um die Frage der Gültigkeit der Bauordnung zu prüfen, sollte die Beschlußfassung bis über acht Tage ausgesetzt werden. Stadtbaurat Hoffmann tritt auf Grund genauer Berechnungen mit Entschiedenheit der Auffassung entgegen, daß Bauanlagen billiger werden, wenn sie höher aufgeführt werden. Es würde doch geradezu grausam sein, ein sür Hospitaliten bestimmtes Gebäude auf dem Lande, wo keine Feuerwehr ist, vierstöckig zu errichten. Nach dieser Erklärung nimmt Stadtv. H a b e r l a n d den Antrag auf Vertagung wieder zurück. Der Antrag Hintze wird abgelehnt, desgleichen der Antrag L a n g e r h a n s. die Gebäude dreistöckig zu errichten, gegen die Stimme des Antragsteller?. Angenommen wird dagegen' mit knapper Mehrheit der Antrag Langerhans, die Personenaufzüge auf- zugeben. Mit dieser Acnderung werden die Ausschußanträge an- genommen. In der nochmaligen Beratung des Wahlprüfungs-AiisschusseS ist nach erneuter Prüfung der Behauptungen der Proteste gegen die Wahl des Hoteliers Leis zun, Stadtverordneten abermals mit 4 gegen 3 Stimmen der frühere Antrag auf Gültigkeit aufrecht erhalten worden. Die beantragte Beweiserhebung über unstatthafte Beeinflussungen und betreffs des bekannten liberalen Flugblattes hat die Mehrheit wegen mangelnder Substantiiernng der bez. Behauptungen abgelehnt. Referent ist Stadtv. Michclct, der sich ausführlich über die einzelnen Protestpunkte verbreitet. Unter lebhafter Polemik gegen die Ausführungen des Stadtv. Liebknecht bei der ersten Plenar- Verhandlung sucht er insbesondere nachzuweisen, daß die beantragte Beweiserhebung über die behauptete„Kommandierung" zur Wahl von Leis nicht zulässig war, weil weder die Arbeitgeber oder Vor- gesetzten in dem Protest namhaft gemacht sind, noch die angeblich angedrohten wirtschaftlichen Nachteile irgendloie specifiziert waren. Man habe auch nicht gehört, daß in der Zwischenzeit irgend einem derjenigen, die sich dem angeblich ausgeübten Drucke nicht fügten. derartige wirtschaftliche Nachteile zugesügt worden wären. Auch durch eine Vernehmung würde das Verhältnis der Stimmabgabc nicht alteriert, Herr Leis behielte inuner die Mehrheit. Stadtv. Liebknecht(Soc.): Wir haben heute den schon früher von uns gestellten Antrag aui Beweiserhebung wieder eingebracht. Die damalige Annahme des Antrags Goldschmidt involvierte nach ' unsrer Ueberzeugung die Vornahme der von uns beantragten Beweiserhebung. Es ist diese aber sehr bedauerlicherweise nicht beliebt worden; der Ausschuß hat nur nach einer weiteren Begründung seines früheren Antrages gesucht. Es ist schließlich zugegeben worden, daß Wahlbeeinflussungen auch außerhalb des Wahllokal möglich seien, aber das sollen nur amtliche sein. Es ist doch aber einfach selbstverständlich, daß es auch wirtschaftliche Wahl- becinflussungen giebt; ich werde einen durchschlagenden Fall dieser Art noch später vortragen. Mit dem Begriff des Wortes „substantiieren" wird allerdings der größte linfug gerade von Juristen getrieben; man Pflegt sich darauf zurückzuziehen, wenn man von den Argmnenten des Gegners nichts wissen will, oder wenn nian ein böses Gewissen hat. Hier muß gerade mit dem gesunden Menschenverstand au die Sache herangetreten werden. Ab gesehen von dem ebenfalls wesentlichen Protestpunkt, der das Auf schlagen des freisinnigen Wahlbureaus unmittelbar vor dem Wahl lokal betrifft, kommt entscheidend die Drohung mit wirtschaftlichen Nachteilen in Betracht. Da kommen 34 Personen in Frage. Es soll nun nicht genügend ausgesprochen sein, von wem zu jener Zeit der wirtschaftliche Druck ausgeübt worden ist. Es ist aber doch angegeben, daß dies von den„Vorgesetzten" geschehen ist. Das genügt, denn zum Beweise der Behauptung be- zieht sich der Protest doch auf die Wähler selbst. Kein Gericht, auch nicht das formalistische, würde dieses Beweisanerbieten als un- substantiiert erklären. Wenn nun„befohlen" wird, Leis zu wählen, so genügt das doch ebenfalls. Zur genügenden Substantiierung des ausgeübten Druckes verlangt man genaue Angaben über die Ge- fahren, denen sich jeder einzelne Wähler bei Nichtbefolgung des Befehls aussetzte. Ja, die Herren belieben zu scherzen; genügt es denn nicht, wenn der Arbeitgeber seine Stellung mißbraucht zu solchem Befehl? Weiß nicht jeder Arbeiter und An- gestellte, was ihm bei Ungehorsam passieren würde? Die Anführung bestimmter einzelner Nachteile war nicht notwendig. Herr Michelet und Herr Hermes haben auch den Protest durchaus richtig ver- standen; sie wissen ganz genau, wo man sich über die Wahrheit der Protestbehauptungen erkundigen kann; sie sind zu dem Inhaber des Hotelsj Bristol wid zum Direktor des Hotels Kaiserhof gegangen, aber nicht zu den Arbeitern. Und jetzt will man hier die Versammlung mit Mitteilungen über solche ganz un- verbindliche Gespräche mit den Hoteldirektoren kaptivieren! Dieses private Vorgehen der beiden Herren hat gar keinen Wert für unsre Enlscheidung. Man hat sogar über etwaige antisemitische Be- einflussungen private Erhebungen angestellt; in bestimmten Bezirken, wo der Referent antisemitische Einflüsse vermutet, hätten die Wähler fast durchweg antisemitisch gestimmt. Das genügt den Herren von der Ausschußmehrheit, weil eS ihnen in den Kram paßt, aber die Protestbehauptungen genügen ihnen nicht. Bei der Wahlprüfung Fink in Charlottenburg waren Wahlbeeinflussungen durch Freibier und Cigarren behauptet worden, sowie die Gestattung der Verteilung von Wahlzetteln im Wahllokal. Ucber alle diese Punkte wurde Beweiserhebung beschlossen. Als die Wahl dennoch für gültig erklärt wurde. weil der Gegenkandidat nicht wahlfähig war, hat die gesamte freisinnige Presse ein ungeheures Geschrei erhoben, z. B. sprach das„Berliner Tageblatt" von einem Skandal. daß ein solcher Mann in der Char- lottenburger Stadtvertrewng sitze! Wiegt denn etwa der Befehl des Arbeitgebers, die eventuelle Riskierung der ganzen Existenz, leichter als Freibier und Cigarren? Seien Sie doch wenigstens so einsichtig, wie Ihre Gesinnungsgenossen in Charlottenburg. Sie haben gewiß alle den Artikel des„Verl. Tgbl." mit Wohlbehagen gelesen(Widerspruch)— so, Sie lesen also nicht einmal die Zeitungen Ihrer eigenen Partei! Sorgen Sie dafür, daß der Kollege Leis nicht auf Grund ganz ähnlicher Bezichtigungen in den Verdacht kommt, ein ähnlich anfechtbares Mandat in dieser Versammlung aus- zuüben. Wenn Sie sich hinter dem Wörtchen„unsubstantiiert" verstecken, ist das ein Zeichen von bösem Gewissen. Warum fürchten Sie sich, die ausgestreuten Verdächtigungen wie eine Seifenblase zum Platzen zu bringen? Doch wohl nur, weil Sie besorgen, es kommt doch etwa? heraus. Man spricht hier von Verwilderung des Tones, wenn einem Socialdemokraten gegenüber gewissen Fischbeckiaden einmal die Worte herausfahren, wie ihm der Schnabel gewachsen ist; wenn myn aber wie hier Wortklauberei übt und sich durch Hinter« thürchen flüchtet, so treibt man einer Verwilderung des Parlantentaris- mus zu, vor der ich warnen möchte. Stadtv. Gallandat herausbekommen, daß die Protesterheber hervorragend juristisch gerissen waren, indem sie die Namen der Vorgesetzten ver- chwiegen. Das ist sehr hellseherisch, aber auch sehr ungeschickt, denn wenn sie die Namen verschwiegen, weil sie sonst wegen Beleidigung bestraft lvorden wären, so mutzten sie ihnen doch bekannt sein.(Heiterkeit und Beifall.) Die einseitigen Informationen der Herren Michelet und Hermes hätten gar nicht veranstaltet werden sollen; gleichwohl hat Herr Hermes seine nichtamtlichen privaten Erkundiguiigen dem Ausschuß als Material vorgetragen! Die Stadtverordneten sind hier zu Richten! berufen und für solche sind diese Informationen keinen Pfifferling wert. In dem Proteste sind doch die Zeugen benannt. Das genügt, sie können vernommen werden. Wollen Sie denn den Vorgesetzten glauben, die eines strafbaren Verstoßes beschuldigt werden? Gerade die besten, die klassischen Zeugen sind unS angegeben. Herr Galland hat in einem unbedachten Moment gesagt: Wir besorgen doch nicht die Geschäfte andrer, wir besorgen unsre Geschäfte. Das scheint mir hier zuzutreffen, denn Sie weisen einen angebotenen Beweis mit nichtigen Gründen zurück. Damit geben Sie den Anttscmiten das vorzüglichste Agitationsmaterial in die Hand. Damit schließt die Debatte. Nach persönlichen Bemerkungen der Stadtvv._ Galland, Marggraff und D o v e wird der Antrag Antrick in nament- l i ch e r Abstimntung mit 40 gegen 37 Stimmen abgelehnt und die Wahl für gültig erklärt. Zunt Neubau der Oranienbrücke, die eine feste Fahr» bahn auf Ucberwölbung erhalten soll, weroen insgesamt 526000 M. und behufs baldigster Inangriffnahme der Arbeiten 200000 M. als erste Rate pro 1904 gefordert. Die Vorlage wird kurzer Hand einem Ausschusse überwiesen. Eine Reihe von Stiftungs-Etats wird sn bloo ohne Debatte festgesetzt. Behufs Verstärkung der Feuersicherheitswachen in Theatern und ähnlichen Unternehmungen soll der B e st a n d der Feuerwehr um 12 Oberfeuermänner und 57 Feuermänner vermehrt werden. Die daraus erwachsenden Gesamtkosten von 152 456 M. will der Magistrat durch Gebühren von den Unternehmern wieder zur Stadtkasse vereinnahmen. Der Eni- Wurf einer Gebührenordnung wird gleichzeittg der Versammlung unterbreitet. Die Gebühr soll für jeden Chargierten 3,30. für jeden Feuermann 2,50 M. betragen. Stadtv. Bamberg(A. L.) beantragt, hauptsächlich wegen der Gebührenordnung. Ausschußberatung. Stadw. Singer protestiert gegen eine so summarische Er- ledigung von Vorlagen, wie sie in den letzten zehn Minuten vor- genommen sei. Der Ausschuß bleibe ja eventuell ohne jede Direktive. Die zur Beratung stehende Vorlage begrüßt Redner mit größter Sympathie. Bei dem aufreibenden, verantwortungsvollen Dienst der Feuerwehr sei es ein Fortschritt, wenn die Uebcrwachung der Theater nicht in die dienstfreie Zeit des Feuerwehrpersonals verlegt wird. Die der Versammlung zugegangene Pettti on der Theaterdirektoren bittet Redner, unberücksichtigt zu lassen. Er habe bisher von den Herren höher gedacht; es sei unglaublich, daß sie sich gegen die kleine, ihnen zugemutete Gebühr sträuben, und geradezu verwerflich, daß sie für den Feuer- sicherheitsdienst ihr technisches Personal heranziehen wollen. Das Resultat würde lediglich sein: Ueberbürduiig des Personals und geringere Sicherheit des Publikums. Hoffentlich werde die Ausschuß- beratung keine Verzögerung oder Unbequemlichkeit verursachen. Vor- zuziehen wäre jedenfalls die glatte Annahme der Vorlage. Stadtv. Wallach bittet, diese wichtige Angelegenheit zu vertagen, da seine Fraktion nach den letzten angestrengten Wochen noch keine Stellung dazu habe nehmen können. Die Vertagung wird abgelehnt und darauf die Ucberweisung der Vorlage an einen Ausschluß beschlossen. Nach einer weiteren Magistratsvorlage soll daS Jnselspeicher» g r u n d st ü ck für 3>/« Millionen Mark freihändig erworben werden. Vor zwei Jahren hatten die Eigentümer nur 3'/g Millionen gefordert. Stadtv. Dinse(N. L.) beantragt mit Rücksicht auf die auffällige Erhöhung des Kaufpreises Ausschußberatung, desgleichen Stadtv. Singer, der ebenfalls diese Erhöhung sehr befremdlich findet und die Gründe des Magistrats für seine Zustimmung kennen lernen möchte. Ueber die Notiocndigkeit der Erwerbung zu einem so hohen Preise für ästhettsche Zwecke, über die Wjichten der Verwendung des Terrains wisse man nichts. Oberbürgernteister Kirschner: Die Eigentümer haben früher weniger gefordert, sich aber nicht an ein» Frist gebunden. Bei der Expropriatton würde die Stadt nach unsrer An- ficht auch nicht billiger fahren. Nicht ästhetische Rücksichten sind maßgebend, sondern der dringend nötige Neubau der Insel- brücke. Für diese und zur Regelung der Stromverhältnisse find Teile des Speichergrundstückes erforderlich. Die Vorlage geht an einen Ausschuß, desgleichen ohne Debatte das specielle Projell nebst Kostenanschlag zum Erweiterungs« bau der Pumpstation V. Holz markt st raße 31/33». Schluß 3/4lO Uhr._ Verlammwngen. Zum Streik der Bergolder. In der gestrigen stark besuchten Vcrgolder-Versammlung gab der Vorstand einen eingehenden Situatiousbericht über den gegenwärtigen Stand des Streiks. Dem- nach haben sich bis jetzt ca. 400 bei den Ringfinncn beschäftigten Ar- beiter und Arbeiterinnen als ausständig auf dem Streikbureau ge- meldet. Die übrigen werden sich dem Streik anschließen, sobald sie ihre übernommenen Arbeiten fertiggestellt haben. Außerdem sind an dem Streik noch über 60 im Handels- und Trmtsportarbeiter-Ver- bände organisierte Packer beteiligt, deren Forderungen folgendermaßen lauten: Die täglickje Arbeitszeit beträgt 9 Stunden. Der Anfangslohn 22 Mark pro Woche. Nach dreimonatlicher Beschäftigung steigt der- selbe auf 23 Mark, imck» sechsmonatlicher auf 24 Mark, nach einem Jahre auf 25 Mark. Nach lveiterer Beschäftigung für jedes Jahr steigt der Wocheiflohn um 1 Mark bis zum Höchstlohn von 27 Mark. Uebcrstunden werden von 5— 7 Uhr abends mit 15 Proz., und darüber hinaus mit 20 Proz. Aufschlag vcrgütigt. Die Gesamt-Sittiation wurde als durchaus günstig bezeichnet, umfontchr, als die Fabrikanten ein so energisches Vorgehen der Ar- beiter nicht erwartet hatten. Seitens der Berliner Gewerkschafts- kommission ist ersucht worden, den Streik durch eine Vernrittelung des Einigungsamtes beizulegen. Der Vertreter der Fabrikanten. .Herr Rosenow, aber erklärte es für zweckmäßiger, wenn die Organi- satton der Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Angelegenheit ohne das Einigungsamt erledigen Ivürden. Bis dahin sind indessen 12 Ring- firmen, 35 Zwischenmeister und 4 Grundieranstalten strengstens gesperrt. Beschlossen wurde noch, daß jeder in Arbeit stehende Kollege und Kollegin mit einem Wochenverdienst bis zu 18 Mark einen Extrabeitrag von 50 Pf. pro Woche, über 18 Mark jedoch einen solchen von mindestens 1 Mark pro Woche an dre StteÄkasse abzuführen hat. Letzte ISteebnebten und DcpcFcbcn. Marine• UntcrsuchilngSk-mmission. Paris, 7. April.(W. T. B.) Ministerpräsident ComveS hat im Einvernehmen mit dem Marineminister Pelletan die außer- parlamentarische Marine- UiitersuchungSkommission zusammengestellt. Derselben werden u. a. die Deputterten Doumer, Lockroy, Lanessan und Chaumet angehören, welch letzterer Pelletan sehr scharf angegriffen hat. Die Obmänner der fünf ministeriellen Kammergruppen, darunter JauröS, ferner der Senator Clömenceau sowie eine Anzahl hoher Beamter der Marineverwaltung, des Staats- rats und des Rechnungshofes gehören der Kommission ebenfalls an. Sturmopfer. Königsberg, 7. April.(W. T. B.) Wie die„Hartungsche Zeitung" meldet, ist bei dem Sturm in der vergangenen Nacht bei Rossitten (Kurische Nehrung) ein Fischerboot mit fünf Insassen gekentert, die sämtlich ertrunken sind. Heute nachmittag wurde das Boot mit den Leichen zweier Fischer, die sich angebunden hatten, an den Strand getrieben._____ Shanghai, 7. April.(Meldung des„Reuterfchen Bureaus'.) Die Russen haben längs der Küste von Takuschan und der Mündung des Jalu Minen gelegt. Die japanische Armee in Korea hat jetzt verschiedene Punkte des Süd-llfers des Jalu erreicht. Siianto. NtzdÄteur.: Paul Biittncx, Verlin- Jnftrateoteil veranttv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Vulag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer LcCo., Be rlin S\V. HierzuSBejlagmn.ynterhaftnngSSlatt jLWbmuMtn FMeskonferenz der Sscialdemokratit Sachsens. Chemnitz, 6. April.(Ctg. Ber.) tZ w e i t e r T a g.) In der VormittagSsitzung wird die Debatte über den Bericht deS Centralkomitees. in Wirklichkeit über den Fall Göhre und den Revisionismus fortgesetzt. Grenz- Leipzig wendet sich scharf gegen die Revisionisten. So sehr man auch bestreite, dah der Revisionis- mus im Falle Göhre eine Rolle spiele, so fei es doch Thatsache, daß der Geist Heines in der Versammlung umgehe und von jeher bei der Frage eine Rolle gespielt habe. Der Dresdener Parteitag komme den gewissen Herren in der Partei sehr ungelegen. Das sei zu begreifen. Dort sei eine Eiterbeule ausgestochen worden, leider habe man unterlassen, sie auszudrücken. Er sei der Ansicht, daß man noch hätte entschiedener gegen die Revisionisten vorgehen müssen, wie man es mit den Revisionisten von links in Erfurt gethan habe. Neben Heine und Bernstein sei es besonders Schippel, der durch seine Seitensprünge die Agitation erschwere. Bedauerlich sei, daß sich die Chemnitzer Genossen mit Schippel einverstanden erklärt hätten. Wenn inan die unentschiedene Haltung der„Volksstimme" in Betracht ziehe, sei es kein Wunder, daß der 20. Wahlkreis verloren gegangen sei. Es habe eben daran gefehlt, daß man das Princip nicht genug betont habe. Wenn man die Grundsätze der Partei mehr in den Vorder- grund gestellt hätte, würde man in Zschopau-Marienberg auch besser abgeschnitten haben. Kaden- Dresden: Göhre habe einen Disciplinbruch begangen. Ein solcher habe oft noch schlimmere Wirkungen wie ein Verrat. Unter dem Socialistengcsetz hatte man kurzen Prozeß gemacht, als Biereck und Geiser die DiSciplin dadurch verletzt hätten, daß sie den Aufruf für den Kongreß in St. Gallen nicht unterschrieben. Wenn der Fall Göhre auch etwas anders liege, so stehe doch fest, daß er sich eines DiseiplinbruchS schuldig gemacht habe. Göhre habe zu einem Genossen gesagt: Ich pfeife auf die Disciplin. Nun daS sind mir schöne Genossen, die sich in solcher Weise über die DiSciplin äußern. Ich habe Ihnen vorhin gesagt, wie man mit Rittinghausen, Viereck und Geiser verfahren ist. als sie sich eines DisciplinbrucheS schuldig machten, und jetzt will man mit einem Neu- ling, einem Ueberläufer aus dem bürgerlichen Lager eine ganz be- sondere Ausnahme macheu! Wenn man nun sagt, der 20. Kreis wäre mit Göhre erobert worden, so sage ich. auf einen Kreis, der nur mit solchen Parteigenossen zu erobern ist, lv ollen wir lieber verzichten. sSchr richtig I) Göhre ist selbst an allem schuld; ein Parteigenosse, der selbst aus dem warmen Federbette steigt, das ihm die Genosien zurechtgemacht haben, und sich daneben auf einen Steinhaufen legt, hat kein Recht, sich über Zurücksetzung zu beschweren. Ich möchte aber noch erwähnen, daß wir in fast allen Kreisen Sachsens mehrere verdiente und befähigte Parteigenossen haben, die wohl im stände wären, ein Mandat auszuüben. Da ist aber die Eifersucht der Parteigenossen untereinander daS Hindernis, einen solchen Genossen aufzustellen; es gönnt keiner dem andern etwas, da greift man dann zu solchen Leuten, die erst auS dem bürgerlichen Lager zu uns gekommen sind. Die Parteigenossen sollten sich immer bewußt bleiben, daß eS zehnmal besser ist, nach einem Proletarier zu greifen, als nach einem Ueberläufer aus dem bürgerlichen Lager. Die Komitees haben Dank und Anerkennung verdient, da sie ein- gegriffen und so verhindert haben, daß Göhre wieder auf den Schild erhoben wurde.(Beifall.) Schippel- Berlin: Die Verhandlungen sind bisher glimpf- lich verlausen, vorher hat man mir gesagt, Chemnitz würde ein zweites Dresden. Es hat sich bisher gezeigt, daß man falsch prophezeit hat. Freilich auch ich bin im Irrtum gewesen, als ich annahm, mein Fall würde gar nicht mit zur Erörterung konimen. Die Angelegenheit schwebt noch, wie Sie wissen; es handelt sich um Ausführungen, die ich in einer Berliner Versammlung gemacht habe. Man sagt, es bestände ein Widerspruch zwischen meinen Darlegungen und den über Zoll- fragen in der Partei herrschenden Ansichten und den Ausführungen maßgebender socialistischer Schriftsteller. Ich habe aber in jener Versammlung gar nicht meine Ansichten vorgeführt, sondern die Zu- Hörer in dieser Hinsicht auf mein Buch verwiesen. Ich habe dann dargelegt, warum die Schutzzollbewegung gegenwärtig in Deutschland so starr ist, warum Industrie und Landwirtschaft und die kleinen Bauern— nicht wie es bei uns heißt, nur die Groß- grundbesitzer— so entschiedene Anhänger der Schutzzölle sind. ES ist von mir weiter darauf hingewiesen worden, daß wir mit diesen schutzzöllnerischen Bestrebnnge» als vorhandenen politischen Faktoren werden rechnen müssen, damit diese Bewegung von uns richtig erkannt und gewürdigt werde; denn ohne eine richtige Ab- schätzung der Kräfteverhältmsse und der politischen Strömungen kann man keinen politischen Kanipf führen. Die Fraktion hat mich nun aufgefordert, mich über die Zollfrage einmal gründlich auszusprechen: das ist nicht leicht(Zwischenrufe), denn ich habe mich schon oft darüber ausgesprochen, und klarer als früher könnte ich es kaum thun. Aber ich will es doch versuchen. Zunächst muß ich mir aber doch überlegen, ob ich den Fraktionsbeschluß anerkenne; auch zu dieser Ueberlegung bedarf ich einiger Zeit. Ich kann auch verlangen. daß der Fraktionsbeschluß vom Parteitag aufgehoben wird; ob ich das thun werde, weiß ich noch nickv bestimmt. Entschließe ich mich aber dazu, dann iverden wir zum drittenmal die Zollfrage auf der Tagesordnung des Parteitages haben, und zwar jedesmal mit einem Schutzzöllner als Referenten. Das erste Mal habe ich über diesen Punkt referiert und daS zweite Mal— dazu kann man doch schließlich nur Leute nehmen, die ettvas davon verstehen— der Genosse Calwer. Nun werden wir uns eventuell zum drittenmal damit beschäftigen müssen. Auf dem östreichischen Parteikongreß ist Dr. Karpeles als Referent mit einer Entschiedenheit als Schutz- zöllner aufgetreten, die mich in Verwunderung gesetzt hat. Blicken wir nach der Schweiz; an der Spitze der dortigen Arbeiterbewegung steht der Ihnen allen bekannte alte Genosse Greulich, dessen Name einen guten Klang hat und der einer der intelligentesten Parteigenossen ist. lind Greulich ist der Agrarzöllner, er sagt: wir müssen für die kleine Land- Wirtschaft sorgen, wir dürfen die kleinen demokratischen Bauern nicht zusammenbrechen lassen. Der Schweizer Parteitag hat die Greulichschen Ansichten zwar zurückgewiesen, aber solche Erscheinungen, wie die Stellungnahme Greulichs, müßten uns doch veranlassen, die Dinge ruhig und objekttv zu behandeln. Parteigenossen, hier stimmt etwas nicht bei uns(Zuruf des Genossen Geyer: Sehr richtig!), wir müssen hier gründlich untersuchen, diese Fragen müssen tolerant dis- lutiert werden; man darf nicht aus jedem Wort einen Strick zu drehen versuchen.(Sehr richtig!) Ich habe nicht die geringste Be- fürchtung, Genossen, daß man mir hier einen Strick drehen möchte, ich hoffe viestnehr, daß wir uns in aller Ruhe auseinandersetzen werden. swiHM in vielen Dingen eine andre Meinung, das weiß jeder, imdMitz stllch zu Zeiten für andre als die in der Partei herrschenden eingetreten, aber das ist mein gutes Recht, innerhalb der Grenzey-�Omh�r Bewegung und unsres Programms, und dieses Recht lqße ich�mir auch nicht nehmen, weder von der Fraktion, noch von einer Laspcskonferenz. noch von einem Parteitag. Man wird auch einsehen müssen, daß man über manche Dinge ver- schiedener Anftht sein kann. Man wird nicht sagen können, daß es meine Sache fei, den Leuten meine Meinung aufzudrängen; man wirft' WWW» Gegenteil vor, ich mache meine Ansicht nicht geltend. Ich Hab« ahrr keine Neigung, Parteistreitigkeiten zu inscenieren. ParteweffPiea h Wie ist bei uns noch jeder Streit ausgelaufen? Mit Karl MchsS�'md der materialistischen Geschichtsauffassung fing es immer an.W'd mit einer dreckigen Riimsteinbalgerei hörte es jedesmal auf.(Unrntz' l Und weil ich zu solchen Auseinaiidersetzimgen keine Lust habe, halte ich mit meiner Meinung zurück. Wenn nian aber will, muß ich sie geltend machen. Ich werde in meinem Falle, wie schon erwähnt, dem Fraktionsbeschlusse nachkommen oder mich an den Parteitag wenden. Damit können lvir die Sache ruhen lassen, schließlich kann man mit meinem Fall doch nicht jede Instanz in- kommodieren. Der Redner rckapittiliert darauf die in der Chemnitzer Ver- sammlung angenommene Resolution über seine Haltung zu Zoll- fragen und betont, daß diese der Situation durchaus entspreche. Es könne keine Rede davon sein, daß er je mit seinen abweichenden Ansichten über die Schutzzölle den einheitlichen. Kampf gestört habe. Wenn die Gegner einzelne Aeußcrnngen von'mir ausnutzen und einzelne Genossen dann danlit überfallen, so ist das Sache der be- treffenden Genossen. Ich möchte noch mit einigen Worten auf den Fall Göhre zurück- kommen, weil einige Punkte noch nicht genügend aufgeklärt sind. Was wir bisher gehört haben, erschöpft nicht die ganze Frage. Man hat über Göhre abgeurteilt, ohne den Versuch einer Verständi- gnng zu machen. Mit der beschlossenen Erklärung, die dann ver- öffentlicht worden ist, sind die Komitees vor ihn hingetrcten und haben ihm so die Pistole auf die Brust gesetzt. Es bedarf auch noch der Aufklärung, weshalb die Erklärung veröffentlicht worden ist, ob- gleich man wußte, daß die Reichstagsfraktion eine Verständignng augebahnt und ihrerseits verhindert hatte, daß eine von ihr be- schiossene Erklärung in der Partcipresse veröffentlicht wurde. Ich habe Göhre erst vor einigen Wochen kennen gelernt und ihn dabei als einen der tüchttgsten Menschen schätzen gelernt, die mir je begegnet sind, und ich bedauere tief, daß man diesen Mann systematisch schuh- riegelt und ihm so jede Thätigkeit unmöglich macht. N i tz s ch k e- Großenhain betont, daß Fehler, wie sie Göhre ge- macht, die Kampffähigkeit der Partei beeinträchtigten. Gradnauer- Berlin: SchippelS Zollpolitik sei eine Frage für sich, die gründlicher Erörterung bedürfe und die auf der Landeskonferenz nicht ausgetragen werden könne. So sehr er geneigt sei, Schippel wohlwollend zu beurteilen, so schwer werde ihm, seine Stellungnahme zu verstehen. Es ist schwer, ein klares Bild von seinen Ansichten zu gewinnen. Was die Kandidatur Göhre betrifft, so erkläre ich, daß ich dieser Kandidatur nicht im Wege gestanden habe. Ich hatte die Ucberzeugung, daß Göhre ohne Gefahr eine Kandidatur erhalten könne. Angesichts der scharfen Angriffe, die gegen Göhre gerichtet worden sind, und der verschiedenen gegen ihn gerichteten Behauptungen ist es bedauerlich, daß er heute nicht an- wesend ist; der Fall Göhre kann nur richtig beurteilt werden, wenn man alle die hierbei in Betracht kommenden Verhält- nisse in Betracht zieht, die auf ihn eingewirkt haben. Wir sind leider in Parteidingen oft sehr wenig tolerant und leicht grausam. (Zurufe.) Wie habe man gegen Göhre gehandelt? Ich spreche ihn gewiß nicht frei, aber sein Unrecht ist nicht von dem ganzen Partei- streit zu trennen. Ich gebe zu, daß es nebensächlich ist, ob Göhre im Reichstage sitzt oder nicht. Wir hätten aber doch vielleicht dadurch gewonnen, daß wir durch ihn einmal interessante Debatten mit Stöcker bekommen hätten.(Heiterkeit.) Es ist aber notwendig, die Sache mit Ruhe und Sachlichkeit zu erledigen. Es ist auch ein Fehler, daß man Meinungsverschiedenheiten über Gebühr auf- bauscht. Wir werden zu leicht erbittert und bringen Persönliches in die Debatte hinein. Der Redner warnt im übrigen davor, den ver- einzelt dastehenden Fall zum Anlaß zu nehmen, das Organisations- statut zu ändern. H o f f ni a n n- Berlin: Er teile die Ansicht Geyers nicht, daß ein Kandidat der sächsischen Socialdemokrntie auch Sachse sein müsse. Berlin habe mehrfach Kandidaten aus Sachsen geholt, er erinnere nur an Bebel und Liebknecht. Göhre habe DiSciplmbruch begangen und die Partei geschädigt. Genosse Schippel hat uns heute wieder verschiedenes über die Zollpolitik in der Schweiz und Oestreich ge- sagt, er hat uns erzählt, wie Greulich und andre über die Schutz- zölle denken, aber welche Ansichten er darüber hegt, darüber haben wir wieder nichts erfahren. Die Genossen N i e tz e l- Zschopau und Lehmann- Olbernhau verteidigen nochmals den Standpunkt der Genossen des 20. Wahlkreises. Geyer- Leipzig wendet sich scharf gegen Göhre und Schippel. Der letztere habe wieder auf spätere Erklärungen vertröstet, aber nicht gesagt, was er wolle. Seine Meinungsäußerungen über Zollftagcn haben die Partei in den Nämpfen gegen den Zolltarif schwer geschädigt. Göhre hätte allen Vorstellungen zum Trotz nicht verzichtet und noch in letzter Stunde geschwankt. Dadurch hätte er den Genossen im 20. Kreise die Zeit zur Agitation geraubt. Beyer- Leipzig wendet sich gegen Schippel. Aus seinen Aus- führungen gehe hervor, daß ihn nichts interessiere und ihm alles gleichgültig sei. Nach der Mittagspause wird ein Schlußantrag angenommen, worauf Sindermann das Schlußwort erhält. Es folgen eine Reihe persönlicher Bemerkungen. Schippel bestreitet, gesagt zu haben, daß er nichts sehe, höre oder lese. Er habe nur behauptet, daß er als Parteigenosse und Parteischriftsteller nur Auseinandersetzungen über sachliche Dinge verfolge, daß er sich aber nicht verpflichtet fühle, an persönlichem Gezänk, wie es z. B. die Auseinandersetzung über Radikalismus und Revisionismus in Dresden gewesen ist, Anteil zu nehmen. Sachlichen Erörterungen werde er selbstverständlich als Parteigenosse allezeit mit Interesse folgen. Auf seine Stellung zum Falle Göhre kommend. sagt Schippel, er hätte gewünscht, daß vor einer öffentlichen Pro- klamation der Kandidatur Göhre der Parteivorstand in Berlin gefragt worden wäre. Er sei überzeugt, daß dann der Parteivorstand ein- mütig zugestimmt haben würde. Grenz- Leipzig stellt fest, daß, wenn er von Intriganten ge- sprachen, er Schippel dabei nicht im Auge gehabt habe. G c r i s ch stellt fest, daß die Genossen des 20. Kreises nach der Proklamation der Kandidatur Pinkau sich ebenso verständig und tapfer benommen haben, wie sie dies im Laufe der Verhandlungen hier gethan haben. Gerisch erklärt weiter, der Parteivorstand in Berlin habe sich einmütig gegen Göhre erklärt und wenn ein Mit- glied des Vorstandes sich privatim ftir Göhre aussprach, so könne das nur unter der Einschränkung geschehen sein, daß man Göhre empfehlen könnte, wenn hier nicht die besonderen Umstände gegen ihn vorliegen würden. Die in der nanientlichen Schlußabstimniuitg mit 66 gegen nenn Stimmen angenommene Resolution N i tz s ch e- G e y e r lautet (der gesten, tclegraphisch gemeldete Wortlaut ist ungenau): Die LandeSversammlung erkennt an, daß. wenn keine Landes- Versammlung entscheiden kann, das Ccntralkomitee mit den Agitationökoniitces laut§§ 3, 7 und 12 des OrganisationsstatutS für Sachsen berechtigt sind, bei Aufstellung von Kandidaten für Reichstags- und Landtagswahlen in den einzelnen Wahlkreisen mit- zuwirken und mit zu entscheiden. Komnit eine Einigung zwischen diesen Instanzen nicht zu stände, so ist die'Angelegenheit der Parteileitung zur endgültigen Entscheidung zu unterbreiten. Die übrigen Anträge sind damit erledigt. Der Anttag des 7. Kreises auf Acndcrung des Organi- sattonsstatutS wird zurückgezogen. Die übrigen Punfte der Tagesordnung: LandtagSwahl- recht und Gemeindewahlen werden glatt erledigt. Der erste Punkt, über den Genosse Geyer kurz berichtet, wird ohne Debatte erledigt. Ein Anttag, die Partei möge sich in Zukunft nicht mehr an Landtagswahlen be- teiligen, findet nicht die nötige Unterstützung. In einem vorzüglichen 1'/., stund igen Referat behandelt Genosse Lange-Leipzig die Gemeinde- Wahlen. Er gicbt einen geschichtlichen Ucbcrblick von den reaktiv- nären Matznahmen gegen das Gemeindewahlrecht der Arbeiter und schließt seine mit großem Beifall aufgenommenen Aus- führungen mit einer scharfen Kritik der Gemeinde- jteuer-Politik der sächsischen Regierung. Der Punkt Ge- meindewahlen ruft eine lange Debatte hervor. Die vom Genossen Lange vorgelegte Resolution, in welcher unter anderm eine bessere Ausgestaltung der„Kommunalen Praxis" gefordert und den Gemeindevertretern zur Pflicht gemacht wird, periodisch Gemcindevertrcter-Konferenzen zu veranstalten, wird angenommen. Als Ort der nächsten Konferenz wird Leipzig gewählt. Als Sitz des Centralkomitees wird wiederum Dresden bestellt. Mit einem Hoch auf die Socialdemokratie wird dann die Landesversammlung geschlossen. Richtigstellung. Nach einem Bericht über die Landes- konferenz, der durch verschiedene bürgerliche Blätter geht, soll Genosse Ad. Hoffmann„principiell die Abweisung aller,' die aus bürger- lichen Kreisen kommen, gefordert haben". Thatsächlich hat Genosse Hoffmann eine derartige Forderung keineswegs erhoben. Erster Jllternatloniller Kongreß für Schul' Eesundheitspstege. Nürnberg, 6. April 1004. Der weitaus größte Teil der Beratungen wickelt sich in den Abteilungs-Sitzungen ab, die ein ungeheuer reichhaltiges Material bieten. In den Plcnar-Sitzungen, für die drei Tage angesetzt sind, werden kurze offizielle Ansprachen, sowie Vorträge hervorragender Vertreter der wichtigsten Knlturstaaten gehalten. Eine Diskussion giebt eS in diesen Sitzungen nicht. In den Abteilungs-Sitziingen werden offizielle Referate, deren Themata von der Kongreßleitung bestimmt sind. erstattet und frei angemeldete Vorträge zu den einschlägigen Punkten gehalten, beide mit an- schließender Disknjston. Die Zahl der angemeldeten Vorträge ist enorm, und es kann deshalb auch nicht auf alle Einzelheiten eingegangen werden, nur die wichtigsten Punkte sollen hier kurz skizziert werden. ES sind sieben Gruppen aufgestellt, in denen gesondert beraten wird: A. Hygiene der Schulgebäude. B. Hygiene der Internate, schulhygienische Unterrichtsmethoden, Hygiene deS Unterrichts und der Unterrichtsmittel. C. Hygienische Unterweisungen der Lehrer und Schüler, v. Körperliche Erziehung und Schuljugend. E. Krankheiten und ärztlicher Dienst in den Schulen. F. Sonderschulen. G. Hygiene der Schuljugend außerhalb der Schule, Hygiene des Lehrpersonals und Allgemeines. In Gruppe A. referierte Prof. Dr. Erismann- Zürich über: Die Orientierung der Schulzinimer, wobei er eine gleichmäßige Beleuchtung durch diffuses Tageslicht und eine Orientterung in nördlicher Richtung empfahl. Der Vor- sitzende der Hamburger Schulsynode, Hauptlehrer Meyer, sprach über transportable Pavillons als die Schulstätten der Zuumst. Er verwies auf die Schulnot, die durch die Verschiebung der Be- völkerung infolge wirtschaftlicher Ereignisse oft verursacht wird, so daß zur Errichtung von Pavillons gegriffen werden muß. Dabei ist man auf die Vorzüge des Pavillonsystems gekommen. Die Ver- breitung des Systems wird durch die hohen Bodenpreise erschwert, deshalb muß man sich bemühen, Terrains, die in Händen des Staates sind und für die nächste Zeit noch zur Verfügung stehen, für Schulbauzwccke nutzbar zu machen, wobei indessen Bedacht darauf zu nehmen ist, daß die Schule später sich erweisenden dringenderen Anforderungen des Gemeinwohles weichen kann. Aus diesem Grunde müssen transportable Pavillons als die Schulstätten der Zukunft bettachtet werden. Als das bisher bewährteste System erscheint dem Redner das Döckersche der Aktien- gesellschast für Baracken zu Nieskh in der Lausitz. In Gruppe B referierte Nervenarzt Dr. B e n d a- Berlin über das Maß der Lehrpensa und Lehrziele an den höheren Unterrichts- anstalten. Seine Ausführungen gipfeln in der Forderung intcr- nationaler Vereinbarungen über die Lehrziele, da eine Einschränkung derselben auf das hygienisch zulässige Matz nur von einem gemein- samen Vorgehen aller civilisierten Staaten zu erwarten sei. Der Vortragende fordert ferner dieAufstellung von Statistiken über die geistige Leistungsfähigkeit der Schüler sowohl hinsichtlich der Höhe als auch der Begabung, Abschaffung des Abiturientenexamens aus gesundheit- lichen, pädagogischen und physiologischen Gründen, Gleichberechtigung der körperlichen mit der geistigen Ausbildung, Abschluß des Schul- kurses mit der Untersekunda, Wahlfteiheit der Lehrfächer in den oberen Klassen. Die gleiche Frage behandelte Professor Dr. Schwend- Stuttgart, der den gegenwärtigen Bettieb des Schulunterrichts als Ursache einer schädlichen Ueberanstrengung der Schüler bezeichnete. An die Möglichkeit internationaler Vereinbarungen glaubt er nicht wegen der allzu großen Verschiedenheit der Unterrichts- systeme. Er verwirft das heutige Prüftingssystem, den übertriebenen Sprach- und mathemattschen Unterricht und vor allen Dingen die hcuttge Methode des historischen und des Religions- Unterrichts. Verhaßt ist den Schülern mit vollem Rechte die Terri- torial- und Lolalgeschichte. Wie entsetzlich kalt mute uns die Pro- zession jener langweiligen, nichtssagenden Brandenburger Friedrich L, Friedrich II,, Albrecht Achilles usw. an— so marmorkalt wie ihre Bilder in der Berliner Siegesallee. Möge man doch derartige Biedermänner in ihren Gräbern ruhen lassen. Ebenso ist das Einüben religiösen MemoricrstoffeS zu verwerfen; der Re- ligionSunterricht soll Aufgabe der Kirche, nicht aber der Schulen sein. Die historische Belehrung über die Religion ist dem Geschichtsunterricht zuzuweisen. Die Schädlichketten der Hausaufgaben behandelte Dr. Jäger- Schwäbisch Hall. Er fordert ans diesem Gebiete„Verkürzung der Arbeitszeit". Die Hausaufgaben seien am besten ganz zu beseittgen und im Pensum der Schulstunden aufzuteilen. Bei Schülern unter vierzehn Jahren darf auf keinen Fall die tägliche Gesamtarbeitszeit mehr als sechs, später sieben Stunden bettagen. Die Beschäfttgung der Schüler außerhalb der Schule beleuchtete Oberlehrer Roller- Darnfftadt voni gesundheitlichen Standpunkt aus. Er verwirft den Nachhilfe- Unterricht, die Beschäftigung der Schüler bei den Bcrnksarbeiten der Eltern, auch die Feldarbeit, Besorgung von Gängen usw., dagegen ist er für jede Art von Sport- bethättgung. Nervenarzt Dr. W i l d e r m u t h- Stuttgart entwickelte in einem Vorttage über:„Schule und Nervenkrankheiten" die Ansicht, daß die geistigen Ueberanstrengungen in der Schule bei den Nervenkrankheiten der Schüler nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen, daß vielmehr erbliche Belastung und konstitutionelle, nervöse und allgemein schwächliche Anlagen die Hauptursachcn sind. Ausgesprochen nervöse Kinder sollen nicht so früh die Schule besuchen, für einen Teil derselben empfiehlt sich die Schaffung besonderer Schulorganisationcn, vielleicht im Anschluß an die Hilfsschulen mit entsprechend erweiterten Lehrpläncn und Lchrzielen. Prof. Dr. H a r tm a n n- Berlin will die Erziehung des Volkes zur Gesundheitspflege nach und nach herbeigeführt sehen durch Be- lehrung der Schüler, Lehrer und endlich auch der Eltem, tvozu sich die Elternabende besonders eignen. In der Gruppe G sprach Frau Prof. Kruke über g-Kreuznach über die Bedeutung der schulhygienischen Bestrebungen für die Frauen und für die Familie. Sic fordert Beteiligung der Frauen an der kommunalen Schulvcrwaltung. weibliche Schulärzte, die de» Unterricht in der Gesundheitslehre in den Mädchenschulen erteilen und evenwell auch den sogenannten Aufklärungsunterricht als Klassenunterricht geben sollen:' Belehrung über die schädlichen Wir- klingen des Alkohols besonders auf den weiblichen Körper und Be- kämpfung der Bemühungen, das Gesunde und Natürliche im Verkehr beider Geschlechter als„unanständig" zu verheimlichen. Die unpraktische Kleidung der Schülerinnen verurteilt Dr. Rich. Flachs- Dresden, hauptsächlich wendet er sich gegen die Unsitte deS Korsetttragens. In der Hygiene der Kleidung müssen die Lehrerinnen mit dem guten Beispiel vorangehen, waS leider vielfach nicht der Fall sei. Er giebt eine Reihe von Ratschlägen über eine zweckmäßige Mädchcnkleidung. In der Gruppe IS verbreitete sich Dr. Leubusch er- Meiningen über die Aufgaben deS Staates im Schularztwesen. Die gesundheit- lichcu Schäden, die auS dem Schulbesuch hervorgehen, können ain besten durch das Schularztwcscu beseitigt oder doch wenigstens bc- deutend gemildert werden. Die Verpflichtung, für alle Schulen Schulärzte anzustellen, obliegt dem Staate, der auch den Schul- zwang fordert. Durch die Organisation der Schulärzte können auch nähere Kenntnisse von den Wechselbeziehungen zwischen Wohnungs-, Eruährungs- und Erwerboverhältnissen der Gesamtbevölterung und den Krankheiten der Schüler erlangt werden. Erster Nerbandstag der Kürschner Deutschlands. Dresden. 6. April 1904. Am heutigen Sitzungstage wird die Debatte über den Punkt „Ilntcrsrühungseinrichtuugen" fortgesetzt, die in einer Abendsitzung am gestrigen Tage schon begonnen würde. In dieser Sitzung war auch der Punkt„Statistik" erledigt worden dahin, daß in dieser Hin- ficht, trotz großer Schwierigkeiten, die Statistik in Zukunft noch lveiter getrieben werden soll. Zur Frage der Untcrstützungseinrichtungen hat der Haupworstand die Einführung einer Krankönunterstützung beantragt. Einzelne Zahlstellen beantragen auch die Einführung der Reiseunterstützung. In der Debatte gehen die Ansichten sehr aus- einander. Es wird im Prindp die Einführung der Kranken- und Reiseunterstützung beschlosseir gegen eine kleine Minderheit, die Ein- führung eines Sterbegeldes aber fast einstimmig abgelehnt. Das vom Hauptvorjtand zur Krankenunterstützung vorgelegte Reglement wird in seinen einzelnen Teileil diskutiert, aber nicht zum Beschluß erhoben. Ter Hauptvorstand soll ein neues Reglement ausarbeiten und hierzu die in der Debatte gegebenen Anregungen zu Grunde legen. Zur Reiseunterstützung liegt ein Reglement nicht vor. Auch hier soll der Vorstand das Resüinec der Debatte bei Ansarbeituilg eines Reglements berücksichtigeil. lieber beide Reglcmeiits soll eine llrabstimmuilg endgültig beschließen. Beim Punkt„Statutenberaiung" wird die Erhöhung der Bei- träge mif 49 Pf. pro Woche für männliche und 29 Pf. für weibliche Mitglieder beschlossen. Eine Einführung beziehentlich Beibehaltung von Beitragsklasseil nach Höhe des Wochenverdienstes wird abgelehnt. Die endgültige Beschlußfassung soll aber mich hier erst durch Ur- abstimmung herbeigeführt werden. Die Pnilkte„Lohnbeweguilgen" und„Tarifvereinbarungen" werden gemeinsam behandelt. An ein Referat des Verbands- Vorsitzenden Schubert knüpft sich eine rege Debatte. Die Delegierten geben dabei Siiuatwnsbe richte über die Verhältnisse ml den einzelnen Orten. Tarifvereinbarungen mit den lluternchinern sind mehrfach abgeschlossen worden. Auch sonst siild bezüglich Lohn- Verbesserungen erfreuliche Erfolge zu verzeichnen. Es wird folgende Resolution angenoimncn i a) Der erste Vcrbandstag des deutschen Äürschnervcrbandcs erklärt sich mit der Einfnhrling einheitlicher Lohntarife für ganz Deutschland im Princip einverstanden. Er verkennt aber nicht die Schwierigkeiten, die der baldigen Verwirklichung entgegenstehen. Der Hauptvorstand wird angewiesen, dieser Sache seine Aufmerksmnkcit zu widmen. Alle Filialen sind gehalten, in ihren Orten geregelte Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erstreben und sich, unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse, den besser bezahlten Orten zu nähern versuchen, d) In den einzelnen Orten ist seitens der Kürschner dafür zu sorgen, daß folgende Punkte in Form von Tarifverträgen mit den Arbeitgebern festgelegt werden: I. Einführung eines Minimallohnes. 2. Anerkennung der Orgmüsaiion und des Arbeitsnachweises. 3. Beschränkung der lleberstunden und der Heimarbeit. Weiter wird der Wunsch an das Jntcrnatwnale Kürschner- Sekretariat gerichtet, in Zukunft das Fachorgan, das von, diesem Sekretariat herausgegeben wird, zweimal monatlich, statt wie bisher einmal, erscheinen zu lassen. Den Verbmrdsfunktionären(Centralvorsitzenden und Kassierer) wird als Entschädigung für ihre im Ziebenamte geleistete Verbands- thätigkeit ö Proz. der Einnahmen der Hauptkasse bewilligt. Ter bis- hcrige Verbandsvorsitzende Schubert und der Kassierer Wagnitz werden darauf einstimmig wiedergewählt, womit auch der Sitz des Verbandes tvieder in Hamburg verbleibt. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten wird darauf der Verbandstag geschlossen. Erster Derbavdstag der portefeuiller und Federgalanterie- Arbeiter Deutfilchnds. Offenbach. 6. April 1904. Der erst drei Jahre alte Verband der Portefeuiller trat am ersten Osterfeiertag im hiesigen Saalbau zu seinem ersten Verbands- tag zusammen. Anwesend sind 19 Delegierte, die die Bezirke Offenbach, Berlin, Bergen, Bieber, Bürgel. fe ch e n h e i m, Hanau, Heusenstamm, Obertshausen, rankfurt, Neu-Isenburg. Nürnberg und Stutt- gart vertreten. Die Filiale Leipzig hat sich mit der Filiale F r e i b e r g nicht ans einen Delegierten einigen können nnd ist deshalb unvertreten. Außerdem sind Vertreter de-Z Buchbinder- und Sattlerverbandes, Kube- Berlin für die Generalkonimission und Oberndorfer- Wien für den Ledergalanterie- Arbeikerverband anwesend. Der Vorstand des Verbandes hat auch der Offenbachcr Gewerbe- Jnspckiion eine Einladung zum Kongresse zugehen lassen. In seinem Antwortschreiben teilt der Gewerbe-Jnspektor mit. daß er auf An- Weisung seiner vorgesetzten Behörde nur an der Beratung des Punkes 3.„D i e H a u S i n d u st r i e", und zwar nur als Privat- Person teilnehmen dürfe. Eine weitere Anwesenheit auf dem Ver- bandStage sei ihm also nicht möglich. Den Bericht deS Vorstandes giebt W e i n s ch i l d- Offenbach. Aus demselben geht hervor, daß der Verband seit seiner vor drei Jahren erfolgten Gründung von 9 Zahlstellen mit 1588 männlichen und 59 weiblichen Mitgliedern gestiegen ist auf 26 Zahlstellen mit 2374 männlichen und 77 weiblichen Mitgliedern. Da in der ge- samten deutschen Portefeuille-Jndustrie nur 5392 Personen beschäftigt werden, sind 68"Proz. derselben organisiert. Dem Kassenbericht, den Eisig- Offenbach erstattet, ist zu ent- nehmen, daß einer Einnahme von 59 772,62 M. eine Ausgabe von 17 853,27 M. gegenübersteht. DaS Gesamtvermögen des Verbandes beträgt 32 917,35 M. Dem Vorstand wird Entlastung erteilt. Der Zahlstelle Berlin wird eine Schuld von 259 M. erlassen. lieber Punkt 2 der Tagesordnung„Arbeitslosen-IIntcrstützung" referiert W e i n s ch i l d- Offenbach. Dieselbe würde jährlich ungefähr eine Ausgabe von 19 999 M. verursachen, die durch eine Erhöhung deS Beitrags um 19 Pf. pro Woche gedeckt werden sollen. An Unterstützung sollen gewährt werden: a) An männliche Mitglieder nach 52 wöchentlicher Mitgliedschaft pro Tag 75 Pf. bis zur Höhe von 39 M., nach 194 wöchentlicher Mitgliedschaft pro Tag I M. bis zum Höchstbetrag von 45 M.. nach 156 wöchentlicher Mitgliedschaft pro Tag 1,29 M. bis zum Höchstbetrag von 69 M. b) An weib- liche Mitglieder pro Tag 9,59 M. bis 15,— M.. bezw. 9.65 M. bis 22,59 M.. bezw. 0.75 M. bis 39 M. Iii der Nachmittags- Sitzung dcS ersten TageS spricht zunächst H e n n i g- Berlin über die Einführung einer Kranken-Unter- stütz u» g. Redner kommt auf die Frage der Arbeitslosen- Unter- stützung zu sprechen undHverkennt absolut nicht den großen Wert derselben. ist aber davon überzeugt. daß die Krankenunterstützung das Naheliegendste ist und aus dem Grunde empfehle er die Anträge Berlin auf Einführung der Kranlenverstchernng.— Heindke- Berlin stellt ein Amendement dahingehend, Arbeitslosen- und Krankenunterstützung zu einer Arbeitsmtfähigkeits- Unterstützung mit einander zu verbinden.— Nach längerer Diskussion pro und kontra ergreift sodann der Vertreter des Sattlerverbandes P. B l« m« Berlin das Wort nnd hält den Vorschlag Heindke- Berlin auf Ver- bindung beider Unterstützungsarten für das vorteilhafteste. Um beiden Teilen gerecht zu werden, bringt W e i n s ch i l d- Offenbach folgenden Kompromißantrag ein: „Der 1." Vcrbandstag der Portefeuiller nslv. beschließt im Princip eine E r lv e r b s l o s i g k e i t S- U n t e r st ü tz il n g für die Mitglieder der Organisation einzuführen. Die endgültige Ent- scheidung bleibt den Mitgliedern vorbehalten. Zu diesen: Zweck beauftragt der Verbandstag den Vorstand in Gemeinschaft mit dem Ausschuß eine U r a b st i m m u n g an- zubcranmen. Wird dem Antrage seitens der Mitglieder zugestimmt, so ist der Beitrag von 29 ans 39 Pf. bei männlichen Mitgliedern und von 19 auf 15 Pf. bei weiblichen Mitgliedern zu erhöhen. Im Falle der Annahme werden die genannten Institutionen beaustragt, das dazu notwendige Reglement auszuarbeiten und den Mitgliedern zur Diskussion zu unterbreiten. Die endgültige Entscheidung über das maßgebende Reglement der Erwerbslosen-Unterstntzung liegt dem Verbandsvorstand in Ge- meinschaft mit dem VerbandsauSschuß ob mit der Maßgabe, den Wünschen der Mitglieder nach Möglichkeit Rechnung zu tragen." Dieser Antrag, dessen Annahme auch der Vertreter der General- kommission Kube- Berlin und der Vertreter des Sattlerverbandes Blum- Berlin empfiehlt, gelangt in namentlicher Abstimmung ein st immig zur Annahm e. Ucber den Punkt 3„Die Heimindustrie" referiert Heindke- Berlin. Er knüpft an den Heimarbeiterschutz-Kongrcß in Berlin an, giebt eine eingehende Schilderung des Elends der Heimarbeit in der Portefeuille-Jndustrie. Nach längerer Debatte gelangt folgende Resolution Wein- s ch i l d einstimmig zur Annahme: „Der erste Verbandstag der Portefeuiller usw. ist dabou über- zeugt, daß der größte Teil der Mißstände im Portefeuiller-Gewerbe durch die Hausindustrie hervorgerufen wird. Der Nerbandstag hält es daher für seine Pflicht, die Heimarbeit und ihre schädlichen Folgen mit allen verfügbaren Mitteln zu bekämpfen. Ans diesem Grunde macht sich der Verbandstag die Beschlüsse des ersten Heimarbeiter- schutz-Kongresses zu eigen und verspricht für die Durchführung dieser Beschlüsse mit aller Energie wirken zu wollen." Ebenfalls einstimmige Annahme finden die A n t r ä g e der Zahl- stelle Bieber, um deren Befürlvortung vor den Handwerker- und Gewerbekammern die anwesenden Vertreter der Gewcrbe-Jnspektion gebeten werden. Ueber den nächsten Punkt der Tatzesordnung„Unsre Taktik bei Lohnbewegungen" referiert H e n n i g- Berlin. Er empfiehlt für das Portefeuiller-Gewerbe den Abschluß von Tarif- Verträgen. Um die nötigen Vorbereitungen zu treffen, will er eine Kommission eingesetzt wissen, der Vertreter der Zahlstellen Offenbach, Offenbach- Umgegend, Berlin, Nürnberg und Stuttgart angehören sollen. Der Tarif solle Gültigkeit für ganz Deutschland haben. Weinschild- Offenbach erklärt letzteres für un- möglich. Die ganz verschiedenartigen Verhältnisse in den einzelnen Zahlstellen machten eine generelle Tarifieruntz unmöglich. Der Vertreter der Generalkommission Kube- Berlin führt aus, daß es zu begrüßen sei, wenn die Mehrheit der Delegierten eine Sym- pathie für Tarifverträge bekundeten. Als das alleinige Mittel, Ver- besserungen für die Arbeiter herbeizuführen, dürfen die Tarifverträge nicht bezeichnet werden: denn zum Abschließen solcher Verträge ge- hören auch die Unternehmer, nnd wenn diese, wie das häufig vorkommt, es ablehnen, mit den Arbeitern zu verhandeln, so giebt eS auch»och andre Mittel, unfern Zweck zu erreichen. Der Abschluß von Tarifverträgen über das ganze Reich sei unter Um- ständen sehr wohl möglich, wie das der Tarif der Buchdrucker beweise. Nach längerer Debatte gelangt folgende Resolution H e n n i g einstimmig zur Annahme: „Der erste Verbandstag erkennt an, daß eine Tarifvereinbarnng mit den Unternehmern der Portefeuille-Branche über Lohn- nnd Arbeitsbedingungen geeignet ist, stabilere Eristcnzbedingimgen für die Arbeiter herbeizuführen und außerdem die Entwicklung des Gewerbes in günstigem Sinne beeinflußt. Von dieser Ansicht aus- gehend, beschließt der erste Verbandslag, bei Lohubewegmigen dahin zu wirken, wenn möglich einen tariflichen Abschluß herbeizuführen. Der Vorstand wird beauftragt, das Material über Lohnbewegungen zu sammeln, um festzustellen, ob nnd wie ein einheit- licher Tarif über das Gewerbe in ganz Deutschland herbeigeführt werden kann. Alle Ortsverwaltungen des Verbandes werden aufgefordert, das Werkswben-Vertrauensmännersystem zur strikten Durchführung zu bringen. Ferner sind alle Arbeiter eines Betriebes verpflichtet, die Arbeits- löhne der dort angefertigten Artikel gegenseitig auszutauschen und auf einer Lohntabelle festzustellen. Diese Tabelle ist dann allen Arbeitern eines Betriebes einzu- händigen. Wenn diese Vorarbeiten beendet sind, tritt der Vorstand und der Ausschuß des Verbandes zusammen, um das ganze Material zu sichten. H e n n i g- Berlin teilt mit, daß die Berliner Fabrikanten- Vereinigung der Portefeuille-Jndustrie sich zum Abschluß von Tarif- Verträgen bereit erklärt habe. Beim Punkt 5 der Tagesordnung„Streiks, Streikreglement und Streikunterstützung" gelangen einige Verschärfungen der bisherigen Be- stimmungcn zur Annahme. So muß zu allen Lohnbewegungen die Genchnügung des Vorstandes eingeholt sein, außerdem müssen bei Angriffsstreiks alle Beteiligten m i n d e st e n s sechs Monate Mitglied des Verbandes, bei Abwehrstreiks mindestens die Hälfte aller Kollegen organisiert sein. Die Streikunterstützung gelangt bei größeren Streiks bereits am ersten Tage zur Auszahlung, bei kleinen Streiks bis zur Dauer von zwei Tagen wird überhaupt keine Unter- stützung ausgezahlt. Bei Maßregelungen wird der Betreffende vom ersten Tage ab mit drei Viertel(der Vorstand schlug mir die Hälfte vor) seines Wochenlohnes unterstützt. Ist er gezwungen fort- zuziehen, so erhält er eine Unizugsunterstützung bis zur Höhe von 59 Mark. Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft die Stellung deS Verbandes zu den verwandten inländischen als auch ausländischen Organisationen u nd zur G e n e r a l k o m m i s s i o n der Gewerkschaften Deutschlands. Dem Verband der Portefeuiller ist nämlich die Aufnahme in die Generalkommission aus Grund eines Protestes des Auchbindcr- Verbandes verweigert worden. Der Protest gründet sich darauf, daß der Portefeuillearbeiter-Verband unter den Etuisarbeitern in Hanau und Ruhla agitiert hat. was der Buch- binder- Verband als unlautere Konkurrenz auffaßte,_ da sein Beitrag 49 Pf. pro Woche, der der Portefeuiller nur 20 Pf. beträgt. Es haben nun zwischen beiden Verbänden Einigungsverhandlungen unter Beisein eines Vertreters der Gencralkommission stattgefunden. Die Buchbinder haben sich bereit erklärt, ihren Protest zurück- zunehmen, wenn die Portefeuiller ihrerseits erklären, in Zukunft nicht mehr unter den Etuisarbeitern zu agitieren. Aus- genommen hiervon ist Hanau, wo die im Portcfeuillearbeilcr- Verband bereits organisierten Etuisarbeiter in demselben vor- bleiben sollen. Die Filialen in Offenbach, Leipzig und Frankfurt haben demgemäß den Antrag gestellt, im§ 1 des Statuts, der den Geltungsbereich des Verbandes festsetzt, die Worte„Papiergalanteric- und Etnisindiistrie" zu streichen. Gegen diesen Antrag wendet sich nur der Vertreter der Etuisarbeiter, Wunderlich- Hanau. Der anwesende Vertreter des Buchbinderverbandes, Böttcher- Stuttgart, erklärt, im Fall der Annahme obigen Antrages den Protest rückgängig machen zu wollen, und Kube- Berlin erklärt, daß dann der Aufnahme üi die Generalkommisfion nichts mehr im Wege stände. Nach kurzer Debatte, in der sich alle Delegierten für den An- trag Offenbach erklärten, wird derselbe in namentlicher Abstimmung mit allen gegen die Stimme des Hanauer Delegierten angenommen. Damit ist der Anschluß dcö Portefcuillrrverbandes an die General- kommission vollzogen. Die Grneral-VtrsMtoug des Derimdes der Mäschebranche tagte am zweiten und dritten Osterfeiertage im Saal 3 deS Ge- werkschaftshauses. Außer den Berliner Vertretern waren 7 Delegierte von 5 Filialen anwesend, ferner als Gast mit beratender Stimme Frau Ihrer und von der Gencralkommission Brunner, welcher dem Verbände mit dem wertvollen Rate des erfahrenen Gewcrk- schaftlcrs zur Seite stand. Nach der Bureauwahl giebt Keller eine gedrängte Uebersicht über die Thätigkeit des Verbandes im ersten Jahre seines Bestehens. Die Entwicklung in Berlin war nach manchen Richtungen eine günstige; wieviel jedoch zu thun bleibt, hat unter andcrm auch der Heim- arbeiter-Kongreß nur zu deutlich vor Augen geführt. Eine traurige Er- fahrung machten wir in Steglitz; die große Begeisterung, welche man dort der Agitation entgegenbrachte, erwies sich als Strohfeuer, das vor der Mißbilligung der Wäschcreibesitzer alsbald erlosch. Für den Augenblick ist dort nichts zu hoffen. Das erfreuliche Wachstum der andren Filialen erfordert nun vor allen Dingen auch lebhafte Agitation zur gedeihlichen Weiterentwicklung. Tie Beschlüsse der Generalversammlung sollen uns helfen, aus diesem Wege rüstig fortzuschreiten.— Die Delegierten der Filialen gaben Einzelberichte über die Verhältnisse in ihren Zahlstellen. Köpenick, obwohl die jüngste, zeigt das rascheste Wachstum und den regsten Eifer; freilich herrschen auch dort in den Wäschereien unglaubliche Zustände. Auch ans den andern Orten empfängt man den Eindruck fröhlichen Strebens und frischen Wachstums. Der Verbands- laisierer Eue legt die Finanzvcrhältnisse dar, die befriedigend erscheinen. Mit den vermehrten Ausgaben haben die wachsenden Einnahmen gleichen Schritt gehalten; wir können getrost der Zukunft entgegensehen. Der zweite Punkt der Tagesordnung: Beratung des Verbandsstatuts, nahm naturgemäß den größten Teil der Tagung für sich in Anspruch, obwohl es nur einzelne Paragraphen sind, die einer ein- gehenden Diskussion bedürfen. So zunächst§ 7, welcher den bisher gezahlten Mitgliedsbeitrag auf 25 Pf. für männliche, 15 Pf. für weibliche Mitglieder erhöht. B ü s ch e r- Bielefeld spricht im Namen seiner Filiale gegen die Erhöhung. Bode- Bremen beantragt Zurückstellung des Beschlusses, damit die Mitglieder Zeit gewinnen, sich an die Aenderung zu gewöhnen. Dagegen wird von Berliner, Leipziger und Köpenicker Delegierten tzeltend gemacht, daß die Mit- glieder schon seit längerer Zeit vorbereitet sind. Werden auch manche Mitläufer bei dieser Gelegenheit abspringen, so muß die bessere Agitation, welche man bei höherer Einnahme entfalten kann, den Ausfall wieder decken. Bei namentlicher Abstimmung wird die Erhöhung gegen 2 Stinnnen angenommen. §18, der die Krankenunterstütznng regelt, erhält erst nach längerer Debatte seine bleibende Form. Der Satz von 5 M. wöchentlich für männliche, 3,59 M. für weibliche Mitglieder bleibt bestehen und wird nach der ivkitgliedschaft eines Jahres, d. h. nach Zahlung van 52 Wochenbeiträgen für 4 Wochen gewährt; nach dem zweiten Jahr für 5 Wochen, dem dritten für 6, dem vierten für 7, dem fünften für 8 und dem sechsten für 19 Wochen. Nach erfolgter Einzahlung von 26 Wochenbetträgen wird in Krankheitsfällen die Beitrags- leistung während der Dauer der Erwerbsunfähigkeit erlassen. Wöchnerinnen erhalten für 4 Wochen Kranken-IInterstützung, welche auch im Falle einer Früh- oder Fehlgeburt ausgezahlt wird. Der zweite Verhandlungstag beginnt mit der Beratung über Anstellung cincs besoldeten Beamten, da ohne vorhergehende Ent- scheidung dieser wichsigen Frage die Statutenberatung nicht zu Ende geführt werden kann. Pasewaldt- Berlin führt aus, daß die neue Lage eine Aenderung der Agitations- weise bedinge. In einem kleinen Vereine kann die Arbeit leicht ohne Entschädigung nebenhergehen, anders jedoch bei einem Verband, der sich ausbreiten will. Hatten die Zuschneider seiner Zeit unters der Leitung Möhrings den Achtstundentag mühelos er- runtzen, die LehrlintzSfraqe geregelt, das Accordsystem fast verdrängt, so ist heute von diesen Errungenschaften wenig übrig. Ucberall wird im Accord gearbeitet; der Achtstundentag ist wieder Gegenstand frommer Wünsche. Schlimmer noch steht es bei den Kolleginnen. welche durch die billige Heimarbeit in Schlesien, der Mark, vor allem in Sachsen schwer bedroht sind. Aber solange die Näherinnen in ihrer Knrzsichttgkeit auch über Mittag das Arbeiten nicht lassen, solange sie abends zu Hause noch an den mitgebrachten Waren stundenlang schaffen, kann man auch von den kleinen Ortschasten mit geringem Lohn und endloser Arbeitszeit nicht mehr Aufklärung verlangen. Die ungerechte Belastung mit den Kosten des Nähgarns, der Nadeln usw. hätte längst abgeschüttelt werden müssen. Diese und viele andre Mißstände können nur durch eine lebhafte, planvolle und zielbewußte Agitation bekämpft werden. Dazu aber bedarf eS einer ganzen und unabhängigen Arbeitskraft, die uns mir ein angestellter Beamter bieten kann.— Sprenger- Berlin hebt die Notwendigkeit hervor, bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Er hat einmal 59 Plätterinnen gewogen, im Durchschnitt betrug il?r Gewicht 192—194 Pfund. DaS ist bei so schwerer Arbeit eine viel zu schwächliche Körperbeschaffenhcit und führt zu Krankheit und vor- zeitigem Siechtum.— Eue-Berlin ist auch von der Notwendigkeit der Anstellung überzeugt, muß sich jedoch ftir dieses Jahr dagegen erklären, um nicht die Kaste allzusehr mit Ausgaben zu belasten.— Frau I h r e r- Berlin bemerkt, die Anerkennung, die Möhring für das verdiene, was er bei den Zuschneidern geschaffen, habe er verscherzt, als er für die Plätterinnen einen Vcrgiiiignngsvcrcin gründete, welcher dann ein schweres Hindernis bildete, als es galt, sie richsig zu organisieren. Jetzt endlich sind die bösen Folgen jener Thorheit überwunden; nun gilt es aber, das ganze Heer schlechtbezahlter Arbeiterinnen des Berufes dem Verband dauernd zuzuführen. Zu solchem Zwecke ist keine Aufwendung zu groß, der Erfolg ist auch für die Finanzen jede Ausgabe wert.— Da es sich im weiteren Verlans der Debatte herausstellt, daß sich die Anstellung des Beamten sehr gut bestreiten läßt, wenn man alle verfügbaren Hilfsquellen in Anspruch nimmt, so wird die Forderung mit dreiviertel Majorität angenommen. Die Besoldung des Beamten, der neben den Pflichten des Vorsitzenden auch die Redaktion des Fachblattcs zu übernehmen hat, ist auf 2999 M. fest- gesetzt. Die beiden Wahlen für den Centralvorstand, welche die Generalversammlung zu vollziehen hat, werden kurz� erledigt: Keller als Vorsitzender, Eue als Kassierer werden gewählt. Er- wähnenswcrt aus der Statutenberatung ist noch die Fassung des Schlußparagraphen, nach welcher bei etwaiger Auflösung des Ver- bandes das vorhandene Vermögen der Gencralkommission zufällt. Das Verbandsorgan soll nach einem Vorschlag von Pasewaldt- Berlin in größerem Format als bisher monatlich weiter erscheinen; ein Antrag W e r n e r- Köpenick verlangt, daß es zweimal im Mona! herauskomme. Nur dadurch ermöglicht man es allen Filialen, ihre Versammlungen im Blatt bekannt zu geben, um die kostspielige Ein- ladung durch Karten nnd Flugblätter zu vermeiden. Auch bietet es der Agitation weit mehr Nahrung, wenn die Nachrichten rascher und häufiger dem Einzelnen zugehen. Die Gründe finden allgemeines Verständnis und man beschließt, das Blatt alle vierzehn Tage im bisherigen Format erscheinen zu lassen ohne die jetzt stets unvermeid- liche Beilage, deren Fortfall die Mehrkosten der WWWvc�chkung in der Hauptsache auf das Porto für die zweite VeiWWW beschränken wird. Alle beschlossenen Aendemngen sollen zum I."Juli in Kraft Ein Antrag von Leipzig auf Gewährung Mi* WrßciMIosen-Unter- stützung wird dem Centralvorstande überwics��Dwt Begutachsimg und Berichterstattung an die nächste GeneraltzWWWkng.— Entschädigungen von 19 M. monatlich für den Kassierer, von 75 Ps, für jede Sitzung fiir die Mitglieder des Ccntralvorstandcs Und Alwf>»fftzUHtzerdcn ohne Debatte bewilligt. Der Sitz deS Ausschusses ist Leipzig; als Vorsitzende wird die Delegierte von dort, Fräuleifk TVU b e r t, gewählt. Den Ort der nächsten GeneralvcrsammIimV0�«i,icsm5l der Vorstand bestimmen.— Hiermit ist die Tagesoro,ntgA»»rlcdigt. Mit einem kräftigen dreifachen Hoch aus den VcrMM» schließt die erste Generalversammlung des Verbandes der Wäs�chranche. Hue Induftne und Kandel. Ter Handel Koreas. Obgleich der Zwischen Ruhland und Japm' ausgcbrochcne Kampf Um Korea den Blick der europäischen Politiker auf dieses eigenartige Land gelenkt hat. ist doch bisher nur locnig Zuverlässiges über die neuere wirtschaftliche Entwicklung Koreas bckaiuit geworden. Einen Versuch, die Haudelscntlvicklung der letzten 25 Jahre zu schildern, bat jüngst das„Monthly Summart) of Commerce and Finaucc of thc United StateS" unternommen, und da der betreffende Artikel von genauer Kenntnis der Verhältnisse zeugt, geben wir ihn im Auszug wieder: Tie neuere Handelsentwicklung Koreas beginnt mit dem Jahre 1382 mit der Freigabe der Vertragshäfen für ausländische Schiffe. Vorher beschränkte sich der Handel Koreas nur auf den Umsatz im Lande selbst und den Verkehr mit den benachbarten Gebietsteilen. Schon im Jahre 1876 hatte Japan einen Vorstoß gemacht und wenigstens für seinen Handel deit Zugang zu den beiden Häfen in Gensan und Fusan erschlossen, aber erst nach Oeffnung der Häfen und nach Abschluß von Handelsverträgen! mit den. Vereinigten Staaten (1882), Teutschland und Großbritannien(1883), Rußland und Italien(1881), Frankreich l1836). Oestreich(1832). China (1337) begann das Ein- und Ausfuhrgeschäft Koreas bedeutenderen Umfang anzunehmen und rasch aufzusteigen. So bewertete sich bereits im Jahre 1884 die Einfuhr auf etwas über 806 006 Dollar (1 Dollar-= 4,26 M.) und die Ausfuhr auf 475 000 Dollar. Im Jahre 1830 erreichten diese Ziffern 3 850 000 Dollar und 2 075 000 Dollar. Das Kricgsjahr 1804 blieb mit seinen Ein- und Ausfuhr- werten hinter den Beträgen des Jahres 1890 erheblich zurück, doch waren diese Werte im Jahre 1897 bereits wieder auf rund 5 000 000 Dollar und 4 500 000 Dollar gestiegen. Im Jahre 1962 belief sich die Ein- und Ausfuhr über die Vertragshäfen auf rund 7 000 000 Dollar und 4 200 000 Dollar(hierbei ist der Wert des Goldexports mit 2 000 000 Dollar nicht mit eingerechnet), so daß man unter Hinzurechnung des nicht auf die Vertragshäfcn entfallenden Waren- Umsatzes den Gesamtlxtndcl Koreas— ohne den Edelmetall- und Mlünzverkehr— im Jahre 1902 auf gut 15 000 000 Dollar ver- anschlagen kann. Der Außenhandel Koreas konzentriert sich ausschließlich auf die Vertragshäfcn von Tschemulpo, Fusan, Wonsan(oder Gensan), Tschinampo, Mbkpo, Kunsan, Masampo und Songtschin. Von diesen ist Tschemulpo, der ungefähr in der Mitte der Westküste Koreas liegt. in kommerzieller Beziehung bei weitem der bedeutendste. Seine Einfuhr bewertete sich 1902 auf 1 250 000 Dollar. Die Ausfuhr blieb dagegen mit rund 45 000 Dollar erheblich hinter den Export- Ziffern der übrigen Häfen zurück. Tschemulpo nimmt daher als Importhafen den ersten Platz ein, welche Stellung diese ziemlich große Stadt wohl in erster Linie dem Umstände zu verdanken hat, daß sie von einer verhältnismäßig starken ausländischen Bevölkerung bc- wohnr wird mtd außer den, mit der Hauptstadt Söul, die nur 35 Meilen entfernt liegt, durch eine Eisenbahn verbunden ist. Alle Anzeichen sprechen schon jetzt dafür, daß Tschemulpo, welches zur Zeit 2082 Handelshäuser und 5973 Kaufleute aufzuweisen hat, dazu ausersehcn ist, im auslvärtigen Handel Koreas die führende Rolle zu übernehmen. Der ganze Verkehr mit der Hauptstadt des Landes muß über Tschemulpo gehen, außerdem befindet sich in ihr der Sitz der vier großen, in amerikanischen, englischen, japanischen und fran- zösischen Händen befindliche!: Goldminen und einer vom Staate sub- ventioniertcn Cigarettenfabrik. Nächst Tschemulpo sind Fusan imd Wonsan die wichtigsten Ein- fuhrplätze. Fusan an der südöstlichen Küstenspitze Koreas liegt für den Verkehr mit Japan am günstigsten, während Wonsan, auch Gensan genannt, an der Ostküste und zwar dicht an der Nordgrcnze den geeignetsten Handelspunkt für Wladiwostok abgicbt. Der Hafenplatz Wonsan befindet sich cnißerdem in gerader Richtung gegenüber den an der Westküste gelegenen Städten Antung und Widschu an der Mündung des Daluflusses, Ivo das russische Bahnnetz in der Mand- schüret unmittelbar an das koreanische Gebiet heranreicht. Dieser Teil Koreas, in dem bereits viele Bergbauunternehmungen im Be- triebe sind, ist der minenreichste, ein Umstand, der neben dem sonst hervortretenden Bedarf der eingeborenen Bevölkerung für das Im- Portgeschäft Wonsans von ausschlaggebender Bedeutung ist. Die Einfuhr belief sich 1902 auf 250 000 Dollar, die Ausfuhr auf 280 000 Dollar, abgesehen von dem Küstenhandel, der ebenfalls von erheblichem Umfange gewesen ist. Von Wonsan gehen direkte Dampfcrlinien nach Wladiwostok und Nagasaki. Der Hafen von Fusan, tvclcher Japan am nächsten gelegen ist, vermittelt, wie bereits oben gesagt, den Warenaustausch mit den meisten der größeren japanischen Handelsplätze, und das Geschäft liegt fast ausschließlich in japanischen Händen. Zwischen den japanischen Häsen, Shanghai und Wladilvostok ist ein regelmäßiger Dampferbetrieb eingerichtet. Fusan ist durch ein submarines Kabel mit Japan, außerdem durch Telegraph mit den andren Vertrags- Häfen und deni Innern deS Landes verbunden. Der Wert der Ein- fuhr stellte sich 1902 auf 220 000 Dollar, der der Ausfuhr auf 290 000 Dollar. Neberseeische Auswanderung. Nach dem VierteljahrSheft zur Statistik des Deutschen Reiches 1904 I sind im Jahre 1903 36 310 Deutsche über See ausgewandert; das sind 6,2 Auswanderer auf 10000 der Gesamtbevölkerung. An sich erscheint diese Ziffer gering, dock ist sie im Vergleich nicht nur zum Vorjahr, wo 32 098 Auswanderer(5,6 auf 10000 Einwohner) ermittelt wurden, sondern auch zu den weiteren Vorjahren bis 1896 zurück wesentlich höher. Von den 36 310 deutschen Auswanderern haben 27 614 ihren Weg über deutsche Häfen genommen. Zu diesen 27 614 koinmen(fast das Zehnfache) 268 227 Fremde, so daß die Gesamtzahl der über deuffche Häfen be- förderten Auswanderer tm Jahre 1903 295 841 betrug. Gegen 1902 hat sowohl die deutsche wie ftemde, über deutsche Häfen erfolgte Auswanderung zugenommen, nämlich um 4084 bezw. 46 795, also msgesamt um 50 879. Von den 295 841 Auswanderern des Jahres 1903 gingen 175 320 über Bremen, 120 521 über Hamburg. Das Hauptziel der Auswanderung waren die Vereinigten Staaten von Amerika. Bankier-Tag. Der Centralverband des deutschen Bank- und Bankiergewerbes ladet zur Beschickung des zweiten deutschen Bankier- Tages ein, der am 6. und 7. Mai in Berlin stattfinden soll. Als Beratungsgegenstand ist auf die Tagesordnung die Frage der Börsengesetz- und Börscnsteuer-Reform gesetzt. Soziales. Aerzte und Krankenkassen. In der Zweiten Kammer des sächsischen Landtages kam es am Donnerstag zu einer Aussprache über die Differenzen zwischen der Ortskasse Leipzig und den Aerzten. Wir erhalten darüber folgende telephonische Meldung: Der Minister des Jimern v. Metzsch kennzeichnete seine Stellung in längerer Rede dahin: Die Regierung und die Behördeit haben die Aufgabe gehabt, vermittelnd einzugreifen. Darüber hinaus aber inußte sie sich streng auf den gesetzlichen Standpunkt stellen. Das Gesetz gebe aber den Kassen die Befugnis. Distriktsärzte an- zustellen. So lange nicht bewiesen sei, daß die neuangeworbeuen Aerzte nicht ausreichen, so lange habe die Behörde keine gesetzliche Handhabe, in irgend einer Weise hindernd einzugreifen. Fest stehe allerdings, daß die jetzt vorhandenen 66�) Distrikts- Lrzte nicht ausreichen. Der Rat der Stadt Leipzig sei bereits zur Berichterstattung aufgefordert worden; erst wenn dieser Bericht vor- *) Die Regierung stützt sich bei dieser Angabe offenbar auf ältere Informationen. Jetzt sind 71 Aerzte für die Kasse thätig; außerdem werden in den nächsten Tagen noch 12 bis 15 Aerzte zuziehen. liege, werde die Frage des Eingreifens spruchreif sein. Wahrschein- lich werde sich aber die Kasse dadurch helfen, daß sie die fteie ärzt- liche Behandlung der Familienangehörigen vorübergehend aufhebe. Dagegen sei die Regierung machtlos. Es könne nicht Aufgabe der Behörden sein darauf hinzuwirken, daß die unbeschräntte freie Arztwahl eingeführt werde. Die Regierung sei überhaupt der Ansicht, daß die fteie Arzt- wähl nicht durchführbar sei, ohne die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kassen wesentlich zu beeinträchtigen. Wenn die Regierung sich jedoch auch auf den gesetzlichen Stand- Punkt stelle, erklärte der Minister weiter, so mache sie doch kein Hehl daraus, daß nach ihrer Ansicht die Aerzto Anlaß hätten, sich über die jetzige Gesetzgebung zu beschweren. Die Regierung könne aber vor- läusig weiter nichts thun, als auf dein Boden des Gesetzes ver- harrend abzuivarteu. Das Verhalten des Kreishauptmanns v. Ehrensteiit billige die Regierung vollkommen. Er habe gar nicht anders handeln können. Hätte er anders gehandelt, so würde man der Regierung und den Behörden den Vorwurf machen können, daß sie einseitig für die Aerzte eingetreten seien. An diese Erklärung schloß sich eine Debatte, worin Oswald Z i m in m ermann und der Leipziger Arzt Dr. Brückner scharfe Angriffe gegen die Äreishauptmaunschast und die Leipziger Kasse richteten. Herr E n k e, Abgeordneter für Leipzig, trat auf die Seite der Kreishauptmaunschaft. Er meinte unter auderm, die Leipziger Aerzte könnten sich bei ihren Führern bedanken, wenn sie jetzt auf das Trockene geraten. Auch andre Redner traten für die Kreishauptinannschaft ein. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Am Tage zuvor hatte in Dresden tmter Vorsitz des Ministers v. Metzsch eine Besprechung stattgefunden tmter Beteiligung von Abteilungsvorständen und Räten des Ministeriums, ferner des Kreis- Hauptmanns v. Ehrenstein zu Leipzig, des stellvertretenden Bevoll- mächtigtcn zum Bundesrate Geh. RateS Dr. Fischer, des Präsidenten des Landes-Medizinalkollegiums Dr. Buschbeck und der ärztlichen Berater des Ministeriums des Innern und der Kreis- hauptmaimschaft Leipzig Geheimen Mediziualräte Dr. Renk und Dr. Hofmann. Dabei wurde, wie in den Regierungsblättern offiziös mitgeteilt wird, volles Einverständnis über die Stellung zu der Frage erzielt. Die öffentliche Erklärung des Ministers stellt also da? Ergebnis dieser Aussprache dar. Die Vereinigung der neuen Kassenärzte in Leipzig ver- öffentlicht folgende Erklärung: Die neuen Aerzte der Leipziger OrtS-Krankenkasse sind zu ihrem Bedauern gezwungen, gegen das Verhalten von Mitgliedern des Leipziger Aerzteverbandes öffentlich nachdrücklich Verwahrung ein- zulegen, weil diese durch Verbreitung unwahrer Nachrichten in der Bevölkerung eine Einrichtung zu untergraben versuchen, zu der sie durch ihr eignes Vorgehen den Vorstand der Orts-Krankenkasse selbst gezwungen haben; weil sie bei den Mitgliedern der Orts- Krankenkasse gegen die neue Einrichtung der Distriktsärzte und Berawngsaustalien Mißtrauen zu säen bemüht sind; weil sie endlich nicht davor zurückschrecken, durch kontraktliche Verpflichtungen gebundene Kollegen zum Wortbruch zu verführen. Die Aerzte der Leipziger Orts-Kraukenkasse sind sich bewußt, ein System verwirklichen zu helfen, das gegen den bisherigen Zustand einen wirtschaftlichen und sittlichen Fortschritt bedeutet. Denn die Kasse hat jetzt zum erstenmal Aerzte, die nicht zwei Herren dienen, ihr und Privaten; die erkrankten Kassenmitglieder befinden sich zum erstenmal in den Händen von Männern, die keinen Unterschied machen und kennen zwischen hoch und niedrig, zwischen arm und reich, die aber ihre ganze Kraft, ihre ganze Teilnahme den ihnen anvertrauten Kassenkranken zuwenden; die Aerzte stehen zum erstenmal in einem rein kollegialen Verhältnis zu einander, das durch keinen Konkurrenz- neid getrübt, sondern durch die Förderung gemeinsamer hoher socialer Aufgaben gehoben und gestärkt ist. Die Aerzte der Leipziger Orts-Kraukenkasse bedauern lebhaft den Riß, der sie Iveit trennt von Männern des gleichen Berufs, und be- klagen schmerzlich die tiefen Schatten, die in jüngster Zeit auf den gesamten Aerztestand gefallen sind; aber sie sind sich bewußt, daß nicht sie sich einer Handlungsweise schuldig gemacht haben, weder in Worten noch in Thaten, durch die ungünstige Urteile über den hoch ehrenwerten Benif hätten hervorgenifen werden können; daß nicht sie den Vorwurf der Jntrigue auf sich geladen haben. I Die Aerzte der Leipziger OrtS-Krankenkasse erklären hiermit öffentlich auf das bestimmteste, daß sie durch keinerlei Versprechungen und Lockungen sich in der freudigen Erfüllung ihrer neu über- nommenen Verpflichtungen beirren oder gar von ihr werden abziehen lassen, sondern daß sie der Verwaltung der Kasse aus ehrlicher Ueber- zeugung unbedingtes Vertrauen entgegenbringen. Das mögen sich die Mitglieder des hiesigen Aerzteverbandes samt ihren Freunden gesagt sein lassen, danach mögen sie ihr ferneres Verhalten einrichten._ Die kaiserliche Werft als Arbeitgeber und der Kampf um die Rente. Zwanzig Jahre Chatte der Helfer H. den Kampf ums-rascin in den Musterbetrieben auf der kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven geführt; da erlitt er am 24. August 1900 einen llnfall. War bis dahin die gesicherte Existenz dem H. schon sehr fragwürdig vor- gekommen, so sollte er jetzt noch erkennen, wie die kaiserliche Werft über die„sociale Fürsorge" der in dem Musterbetrieb invalid ge- wordenen Arbeiter denkt. H. stürzte an Bord des Schisfes„Wittels- back" in das Mantclloch und erlitt hierbei einen Bruch der siebenten Rippe linkerseits und eine Quetschung des Herzens. Nach fünf- luöchigcr ärztlicher Behandlung nahm H. die Arbeit wieder ans, und trotz heftiger Beschwerden im Kopf und in der Brust arbeitete er weiter. Durch Bescheid vcin 12. November 1909 lehnte die kaiserliche Werft eine Rentenentschädigung ab. da nach dem Gutachten des Wcrftarztes Erwerbseinbutze nicht vorliegt. Anfangs April erleidet H. einen Schlaganfall durch Gehirnblutung. Während der be- handelnde?lrzt Dr. Fr. aus N. diesen auf den Unfall zurückführt, nimmt der Wcrftarzt Herr Dr. König, der den Verletzten im Werft- krankenhaus beobachtete, an, daß dieses nicht mit Sicherheit zu sagen sei. Herr Dr. König ist vielmehr der Ansicht, daß die Kopf- schmerzen und Schwindclanfälle schon vor dem Unfall bestanden haben, mtd daß der Unfall als Folge eines solchen Schwindclanfalles eingetreten sei. Zu dieser merkwürdigen Ausfassung gelangt Herr Dr. König dadurch, daß H. bei seiner Auf- uahrne im Werftkrankenhaus am 22. April 1901 angegeben habe, „er habe stets an Kopfschmerzen gelitten". H. dagegen behauptet, nicht„stets", sondern nach dem Unfall habe er stets an Kopf- schmerzen gelitten. Der Wcrftarzt Dr. K. sagt dann weiter, daß die Quetschung des Herzens indes auch einen indirekten schädigenden Einfluß auf die Erkrankung der Gefäße ausgeübt haben„k a n n". Mit Rücksicht auf diese Möglichkeit wurde H. seitens der Werft eine Rente von 66V- Proz. der Vollrente gewährt. Hiergegen legte H. Berufung ein. Das Schiedsgericht für Arbeitcrvcrsicherung in Aurich hörte seinen Vertrauensarzt, den Medizinalrat Dr. T. Dieser Sach- verständige schließt sich im„wesentlichen" dem Vorgutachten des Herrn Dr. K. an und hält eine Rente von 66V, Proz. für ans- reichend. Auf Grund dieses„einwandfreien." Gutachtens sei den Behauptungen des Klägers, daß eine Verschlimmerung in seinem Leiden eingetreten sei.„kein Wert" beizumessen. Eine Anfrage des Sckncdsgcrichts bei der Werft, welchen Lohn H. erhalte und welche Arbeit er verrichte, ergab, baß H. mit dem Gcradeklopfen von Nägeln beschäftigt werde und einen Lohn von 24 Pf. pro Stunde erhelltes indessen entspricht seine Leistung diesem hohe» Satze nicht, der Lohn werde auf 16 Pf. pro Stunde herabgesetzt. Trotz dieser Auskunft wurde die Berufung zurückgewiesen, es verblieb bei 66V- Proz. Der von H. eingelegte Rekurs war zu spät eingereicht, so daß das Reichs-Bersichemngscnnt über denselben nicht verhandeln konnte. Nun begann für H. die Aera des Leidens. Selbst die leicht« Arbeit vermochte er nicht zu verrichten, da er das Hämmern und Dröhnen nicht aushalten konnte. Er wandte sich an die Direktion um leichtere Arbeit, das Gesuch wurde abschlägig beschieden. � Zeitweilig mußte H. wieder ins Krankenhaus, bis ihm dann endlich am 28. Februar 1903 bedeutet wurde, er möge den gastlichen Staub der Werft von seinen Smtdalen schütteln und die Werft verlassen, er sei eben völlig erwerbsunfähig. Das hieß für H. den Kelch des Leidens bis zur Neige leeren». Run wandte er sich an das Arbeitersekretariat in Berlin und betraute den Sekretär B. mit der Führung seiner Angelegenheit. Er machte geltend, daß eine wesentliche Verschlimmerung in seinem Leiden ein- getreten sei, wodurch er jetzt völlig erwerbsunfähig geworden sei, er beantrage die Vollrente. Hierauf erfolgte eine neue Beobachtung sin Werftkrankenhause. Der Wcrftarzt Dr. Dirksen erklärte H. im Grade von 75 Proz. arbeitsunfähig. Das Schiedsgericht hörte auf die gegen» diese Schätzung eingelegte Berufung wieder seinen Ver- trauensarzt Dr. T. Dieser Arzt sagt. H. leidet an Herzerweiterung. Herzschwäche. Verkalkung der Artcrienwände; die Klagen desselben müssen als berechtigt angesehen werden. Nach diesem Befunde erklärt der Herr Gutachter dennoch, daß eine Rente von 75 Proz. ausreichend sei, der Verletzte könne noch Arbeiten im Sitzen verrichten. Das Schiedsgericht schloß sich wiederum diesen einwmtdsfreien Gutachten cm und es blieb bei 75 Proz. Die Werft hatte in ihrer Gegenerklärung gegen die Beruftmgsschrift des Verletzten unter anderrn folgende Weisheit bekundet: H. ist entlassen worden, well er auch die ihm daselbst gebotenen leichteren Arbeiten nicht auszu- führen vermochte. Daraus darf jedoch nicht gefolgert werden, daß er die ihm ver- bliebene Erwcrbsfähigkeit nicht noch ans anderrn wirtschaftlichen Gebiete verwerten kann, umsowemger, da der „objektive" Befund für den angegebenen Grad der Beschwerden keine Erklärung giebt. Das Schiedsgericht bezeichnete diese echt kapitalistische Weisheit als sehr zutreffend. Mehr denn zwanzig Jahre hat der Ver- letzte seine Kräfte dem Staat zur Verfügung gestellt, mehr, denn zwanzig Jahre war er Ausbcutungsobjekt; nun wird er durch einen Unfall völlig erwerbsunfähig, so daß er nicht einmal verbogene Nägel gerade klopfen kann,— die Werft zahlt ihm den horrenden Lohn von 16 Pf. pro Stunde, dock) auch diese kann er nicht verdienen, er mutzte entlassen werden. Indes, der Staat weiß, was sociale Für- sorge bedeutet. Wenn H. auch nicht mehr auf der Werft arbeiten kann, so giebt es doch noch andre wirtschaftliche Gebiete I Für den Verletzten wurde gegen diese Entscheidung beim Reichs- Versicherungsamt Rekurs eingelegt und beanttagt, da in der ganzen Umgegend von» Bant und Wilhelmshaven nicht ein Arzt zu finden war, der sich gegen Honorierung bereit erklärt hätte, dem Verletzten ein ärztliches Gutachten über seinen Zustand auszustellen, vom Professor Herrn Dr. Mendel ein Obergutachten einzufordern. Leider wurde diesem Antrage nicht stattgegeben, dagegen mußte H. sich unter dem 11. September 1903 wieder einer Untersuchung durch den Werftarzt Herrn Dr. Wiemann» unterziehen. Dieser Arzt konstatierte, daß die Klagen des H. über Kopfschmerzen usw. glaub- hast erscheinen und derselbe völlig erwerbsunfähig sei. Da diejenigen Leiden, welche die völlige Erwerbsunfähigkeit bedingen, bis zum Schiedsgerichtstermin am 9. Juli 1903 nicht erwähnt sind, so muß angenommen werden, daß sich diese Leiden in der Zeit vom 9. Juli bis 11. September 1903 eingestellt haben. Als Zeitpunkt des Eintritts der Verschlimmerung wird daher der 1. September 1903 an- genommen. Das Reichs-Vcrsicherungscnnt gab dem Rekurse insoweit statt. daß die Beklagte dem H. vom 1. September 1903 ab die Vollrents zu zahlen hat. Bei der Art der Begutachtung entsteht unwillkürlich die Frage, ob H., wenn er sein Recht nicht durch sachkundige Personen bis zur letzten Instanz durchgeführt hätte, überhaupt die Boll- reute jemals erhalten hätte. Leberwurst mit Mehlzusatz. Für ungültig erklärte das Kammergerichi eine Polizeivcrordnnng, welche für Leberwurst ge- ringerer Qualität bis zu solcher, die 70 Pf. das Pfund kostet, nach bestimmten Prozentsätzen Mehlzusatz gestattet. Das Kammergcricht geht davon aus, daß„Wurst" nur aus Teilen des tierischen Körpers und Gewürzen bestehe. Jedenfalls dürfe nicht durch Polizei- Verordnung ein Mehlzusatz zur Wurst ausdrücklich gebilligt werden. Das Nahrungsmittel-Gesetz sei jedoch in einem Falle, wo Leberwurst (für 80 Pf. das Pfund) Mehlzusatz enthielt, ein Schild auf dem Ladentisch dies aber verkündete, nicht anwendbar, da§ 10 Nr. 1 und 2 immer die Absicht der Täuschung voraussetze. Indessen komme dann immer noch der§ 367 Nr. 7 des Reichs-Strafgesetzbuches in Betracht, wonach sich strafbar macht, wer verfälschte oder ver- dorbene Getränke oder Eßwaren feilhält oder verkauft. Die Straf- fache eines in zlveiter Instanz freigesprochenen Fleischermeisters Fischer, der sich gegen jene Polizeiverordnung und gegen das Nahrungsmittel-Gesetz vergangen haben sollte, wurde wegen Nicht- bcachtung des§ 367 Nr. 8 des Strafgesetzbuches nochmals an die Vor- instanz zurückverwiesen._ Versammlungen. Eine Generalversammlung der Freien Volksbühne fand am 31. März in» großen Saal des Gelverkschaftshauses statt. Dr. Max O s b o r n hielt einen sehr interessanten durch Lichtbilder wirksam unterstützten Vortrag über den großen belgischen Künstler M e u» n i e r, den ersten, der die Not, das Sehnen und die Kraft moderner Proletarier bildnerisch in Form von Statuen» und Statuetten zu ergreifendem Ausdruck gebracht hat. Darauf gab der Vorsitzende Conrad Schmidt den Geschäftsbericht. Der Vertrag mit den, Metropol-Theater ist für das nächste Spieljahr verlängert worden. Ein Abschluß mit der neuen Direktion des Lessing- Theaters, Dr. Brahm, hat sich dagegen nicht erzielen lassen. Nach vielerlei Verhandlungen ist schließlich das Berliner Theater, allerdings zu einem beträchtlich höheren Preise als vor einigen Jahren, für fünf Serien gewonnen. Die artistische Leitung im Metropol-Theater bleibt nach wie vor in den bewährten Händen Witte-Wilds.— Der Vorstand hat sich nochmals in einer Eingabe um Ueberlassung des Bürgersaales des Rathauses cm den Magistrat gewandt und die Zusicherung erhalten, daß an Wochentag-Abenden, die durch andre Veranstaltungen nicht bereits besetzt sind, der Raum dem Verein zur Verfügung gestellt werden könne.— Der Bolkschor unter Leitung Dr. Zanders hat sich inzwischen unabhängig von der Freien Volksbühne gestellt und auch Nichtmitglieder des Vereins aufzunehmen erklärt. Natürlich wird der Chor mit seinen Kräften ans Wunsch immer gern bei den Volksbühncn-Festcn mttwirken. Endlich teilte der Vorsitzende mit, daß einer der Revisoren, gegen den von den Ordnern Einspruch erhoben wurde, sein Amt vorläufig niedergelegt hat, bis die Beschwerde vor einem Schiedsgericht erledigt sein würde. Der Kassierer W i n k l e r erstattete den Kassenbericht für das erste Wintcrguartal. Die Einnahmen betrugen 40 533,99 M.. die Ausgaben 29 315,76 M., der Kasscnbcstand betrug somit am Quar- talsschluß 11 218,23 M Auf Antrag des Revisors Gutschmidt wurde einstimmig Techarge erteilt. In der Diskussion unter Punkt„Verschiedenes" wurde wiederum Klag« über Störung der Vorstellungen durch zu spät kommende Mitglieder geführt, insbesondere der Wunsch geäußert, daß die Mitglieder mit dein eventuellen Austausch der Billetts bis zur ersten Pause warten sollten. Moniert wurde ferner der zu späte Ansang und die zu lange Tauer der musikalischen Vor- träge bei den Festen. Ueber Opernvorstellungen konnte Definitives noch nicht mitgeteilt werden. 5¥ür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Nerantmormng. UKeater. Freitag, den 8� April. Anlang?•/, Uhr: Opernhaus. Der Waffenschmied. Schauspielhaus. Wallcnsteins Tod. Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Alt" von Trape Vorher: des Lessing. Zapfenstreich. Westen. Die Prinzessin zunt. Neues. Schwester Beatrix. Koketterie. Residenz. Nathmt der Weise. Central. Die Puppe. Belle-Alliance. Freut Euch Lebens. Thalia. Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.) Der Geizige. Hieraus: Der ein- gebildete Kranke. Schiller hl.(griednch-Wilhelmstädt.) Fcrröol. Kleines. Nachtasyl. Luisen» Ehrliche Arbeit. Trianon. Das eiste Gebot.— Der Dieb. Carl Weih. Die schöne Ungarin. Deutsch-Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Metropol. Ein tolles Jahr. Cfistnv. Der Raub der Sabincrinnen. Winter-Garteu. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshalle». Stettiner Sänger. Pasjage-Dheater. Specialitäten. Urania. Taubenstrasse 48/19. Um 8 Uhr: Frühlingstage an der Rivicra. vm 4 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. gnbalidenstrasse 57/6S. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Mm Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. Schwester Beatrix. Vorher zum erstenmal: Koketterie. Ansang 71/, Uhr. Morgen: Mtiim von Barnhelm. Central-Theater. Heute: 18. Abonnements- Vorstellung 1 Wiederaustreten des Fräulein bli» Werber nach ihrem Urlaub: Die Puppe. Operette in 3 Akten von Audran. Sonnabendnachmittag 4 Uhr, halbe Preise, Kindervorstellung: Der ae- stiefelte Kater. Abends 7'/, Uhr: Der Rastelbinder._ Luisen-Theater. Zum erstenmal: Ehrliche irheit. Ansang 8 Uhr. Sonnabend: Die Kohlenschulz'n von Berlin. Sonntagnachmittag: Der Kauf- mann von Venedig. Abends: Ehrliche Arbeit. Montag: Der Kaufmann V.Venedig. Schiller-Theater. ROett; Theutkl Direktion S. Lautenburg. Heute: Gastspiel v. Adolf Sonnenthal. Nathan der Weise. Sonnabend: Gastspiel v. Adolf Sonnenthal. Vater und Sohn. Melropol-Theater Zum 25. Male: Ein(olles Jahr. Gr. dramatisch-satirische Revne in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. In Scene gesetzt vom Direktor Eichard Schultz. 1. Bild; Am Kleinkindersee. 2. Bild: Was giebt's Neues. 3. Bild: Das Ordensfest, 4. Bild: Der neue Zapfenstreich (Parodie). 6. Bild: Briefe, die ihn erreichten (Ballett). Anfang 8 Uhr. Rauchen liberall gestattet. Apollo-Theater. Täglich 8 Uhr: Das grosse April-Specialitäten- Programm. 9 Uhr; Die sensationelle Novität Iilehesgötter. Burleske Operette von Schlack und Hcmnann. Im dritten Bild: Der grosse Götterzug und die Scnsatlons-Apotheosc. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. T1/* Des großen Erfolges bis 14. April iHF' verlängert.' W „Der Raub der Sabinerinnen". Vorher das vollst, neue Aprilprogramm Freitag, den lö. April: Premieren- Abend. L-onntagnachm. i Uhr: Badekuren. Seckers Geschichte. Schiller- Theater O. (Wallner-Thcater). Freitagabend 8 Uhr: Der Oeizise. Lustspiel in 5 Auszügen von Molicre. Hieraus: Her elnxebUdete Kranke. Lustspiel in 3 Akten von Moliöre. Sonnabendabend 8 Uhr: I-nnipaclvagahnndn«. Sonntag ii ach mittag 3 U h r: Maria Stuart. Schiller-Theater (Friedrich-Wilheinistädiisches Theater) Freitagabend 3 Uhr: Fcrrdol. Schauspicl in 4 Auszügen von Victorien Sardou. Sonnabendabend 8 Uhr: Alle Wildente. Sonnlag nachmittag 3 U h r Die Stützen der Gesellschaft. Sonntagabend 8 Uhr: Heimat. Tlialia-Tliealer. Belle-Alllaace-Theater. Dresdener,'tr. 72/73. Amt IV 4440. Bcllc-Alliancestr. 7/8. Amt VI 283. Ans. VI, Uhr. Direktion Jean Kren und Alfred Schb'nfeld. Ans. T1/, Uhr. Heute Freitag zum erstenmal: Freut Euch des Febens. Große Ausst.-Posse m. Gesang u. Tanz in 3 Akten. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jnngfrau von Orleans. Heute und folgende Tage: Der Hochtonrist mit neuen Gesangseinlagen. Guido Thielscher in der Titelrolle. Sonntagnachmittag 3>/, Uhr: Charleys Tante. IX. Berliner Saison. Cirkus Busch. Mends T'/s Uhr: Fortschunq der Grosien internationalen Ringkampf-Konkurrenz unter dem Ehren-Protektorat des Herrn Prof. Dr. Begas. EntscheidunzSkamps zwischen Heeh Olsen(Dänemarl) und lleinr. Ilherle(Deutschland). Ausgeschieden sind bis jetzt nach viermaliger Niederlage: Eigemann. van Dyck, Leminerz, Ewertsen, Paul le Meunier, Roepell, Witt, Rocbnack, Palisotii, Bernard, Robinct, Pierre le Cotosse, Clöment le Terrassier. Ferner: Mademoisclle de ttoistein, Schulrciterin. aus ihrem irländischen Springpferd Milton.— Die Wiener Damenkapello, höchst komisches Intermezzo sämtlicher Clowns.— Zum 1W. Male: Aus den ABpen. Xntomo'hNstnrz. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Frühlingstage an der Riviera. Um 4 Uhr(kleine Preise): Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte S/IS: CASTANS PANOPTICUM Priedrichstr. 165. Letzter Monat die Tunesen-Truppe. (Afrika in Berlin!) Grosse Völkerschaustellung I Die scbOnen Harems- Damen aas Tunis. HEUTE*. Zum 226. Male; Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr SO. Deutsch- Amerikanisches THEATER KSpnickerstrasse 67. Jeden Abend; Gastsp. Ad. Philipp Üebern GROSSEX TEICH. Passage-Theater. Anfang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr Vollständig neues Programm. Oskar Fürst* Lina Goltz. Heute abend Fortsetzung der Ringkampf- Konkurrenz. Die Ringkämpfe herinnen jeden Abend um 10 Uhr. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nsclitaszfl. Ansang 8 Uhr. Morgen: lies Pastors Pieke. Trianon-Thealer. Georgenstrasie, zwischen Friedrich« und Univerfirätsstrasie. DM- Abends 3 Uhr:""38)01 Das elfte Gebot» Hieraus: DcU Dlcll* Anfang 8 Uhr. Ansang 8 Uhr. Gchrlldcr Herrnfeld- Theater. __ Die Novität__ jitn andern Morgen! Nachspiel zu„Nur eine Nacht!' Komödie von A. und D. Herrnseld. Vorher: ftnr eine Stacht! 2 SHit aus einer Ehe. Beide Stücke mit den Autoren in den Hauptrollen. Morgen:„Nur eine Nacht« und „Slm andern Morgen"._ ». ie. Carl Weiss- Theater. Bürgerliches Schauspielhaus. Direktion M. E. F> s ch c r. Grosie Frankfurter Strasie IBS. Gastspiel de- Herrn Fritz Beckmann com Residenz-Theater. Bedeutend crmäsjigte Preise. Die schöne Ungarin. Gesangsposse in 4 Akten von Mann- städt und Weller. gy Ansang 3 Uhr."ME Morgen nachm. 4 Uhr Kindcr-Vor- stellung: Max und Moritz. Abends 8 Ubr: Die zärtlichen Verwandten. Palast-Theater Burgstrasie 23, srüher Feen Palast. • Ellte-Vo pstcllnng! O Halbe Kassenpreisc. Dorf und Stadt Schauspiel in 5 Mlen von Charlotte Birch-Pseisser. Sonnabend: Der Muckebold. Schwank von Gustav v. Moser. Muck, Rentier: Direktor 8. Vkinkier. Im pyramidalen Spccialitätenteil: Miss DarneN, athletische Spiele. Miss Aida, Trapez-Künstlerin. The Crullers Comp., der Satan a. Reiter tiedda Potraca, jugendliche Soubrette. Miss Ga/ra, Handstaiid-Künstlerin. Emmeline Höchberg, Vortr.-soubrette. Miss Stoers, die musikalische Laube. Selilsaa Heute Nisaanaaa. den 8. April er.: Gastspiel des Bernhard Kose• Theaters. Muttersegen. Schauspiel mit Gesang in S Akten von G. Lemoin. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. Enttee 30 Ps. Numerierter Platz 50 Pf. Akeues Programm. Kellino-Truppe Italienische Akrob. Littko Carlsen Im Ball-Foyer. Paul Conchas In seiner Scene im Bivouak. Robinson Baker-Trio Springer. Clncinati Jongleur. Helene Land Vortrags-Soubrette. Gostantino Barnardi Verwandlungssohauspieler Siegwart Gentes Humorist. Orfords Wunder-Elefanten. Peschkoff-Truppe BussischeTänzer. Die Biumenkönigin Tauzdivertissem. Biograph. Keiclis hallen StettinerSänger Zum Schluß: Neu! Cirkus Lenz und Cirkus Pusch. Ganssnnel. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Sonntag, Moniag und Donnerstag: Hoffmann» Norddeutsche Sänger. Nach jeder Solree: Tanzkrilnzchen. Dienstag, de» 12. April: Keine Vorketlnüg. M.-s». F*! dft MM w WWWwvWWWwWWWWW 9 Neue freie votksdiihve. f in Sonntag, den 10. April, abends TU Uhr Louis Kellers Festsälen, Koppenstrasse No. 29 Frühlings-Fest (Operetten-Konzert und Lebende Lieder). Mitwirkende; Dr. Guedenfeldt, Carola Galsfer, Klara Paul, Else Schüft, Grete Böttcher und das gesamte Berliner Sinfonie-Orchegter. Nach dem Konzert: TANZ. Eintrittskarten für Mitglieder a 50 Pf., Gäste a 60 Pf. sind in allen Zahlstellen zu haben. Extra s Vorstellungen: 3 Uhr, Sonntag, den 17. April, nachm. im Mencn Theater; Serenissitnus-Zwischenspiele. Liebesträume.— Kollegen.— Don-Carlos. Eintrittskarten für Mitglieder und beim Kassierer zu haben. 150/4 Der Yorstand. Sonntag, den 24. April, nachm. 3 Uhr, im Schiller-Theater N.: Kollege Crampton. Schauspiel vonGerhard Hauptmann, Gäste sind in allen Zahlstellen sowie I. A.: H. Nef t, Kassierer, Veteranenstr. 6. FrobelsAllEiisi-Theater Schönhauser Allee 148. Senntag, den 10. Steril: Grosse Extra-Vorstellung. Karburger Sänger Ans. 6 Uhr. Enttee 30 Ps. Montag 81/, Uhr: Burmeisters Goethe-Ens. Grosser Theater• Abend. Kompladt-Kasino Holzmarktsir. 72, Ecke Alexanderstrasie. Grosse Extra-Vorstellnng Nur einmalige Ausführung: Traum der Rose. Liederspielin l Slkt. Die Erbtante. Posse in 1 Akt. Slujtteten sämtlicher Specialitäten. Keine erhöhte» Preise. kHA Anfang 8 Ubr. Clfarlottenlmrg. 3 Warme Speisen zu jeder Tageszeit. s47S4L»j '» zur alten Linde. A. Röttger. Die Frauen und die Politik Bon Lilh Braun. Preis 50 Pfg. AgllationS- Ausgabe 20 Pfg. In wannen, zu Herzen dringenden Worlca fordert sie Verfasserin die proletarisckcn Frauen auf zu tätiger Mit- arbeit bei den OrganisationS- beftrebungen dcrArbeiter. Die Revolution der Maschine hat die Frau der Ausbeutung des Kapitalismus überantwortet: die Maschine ebnet aber auch den Weg zur Befreiung der Frau aus den ökonomischen. rechtlichen und sittlichen Fesseln, in diebcrgangene siei- ten sie geschlagen haben. Die Verfasserm zeigt wie dieses Ziel erreicht werden kann. Vonträrtz Buchhandlung Berlin SW. SS. Lindenstr. 69 m JUarienburger- „fttterie. Ziehung: 14.-16- April. 8840 Gtldflewlnne bar ohne joden Abzug zahlbar van Mk. 355000 Hau ptgo winne: Mark 60000 50000 40000 eto.»to. eto. Orlstnalloae» 3 BKark. Für Porto und Lisi« SO Pf.«xtr». Oscar Bräuer&Co.Haclif. G. m. b. H., Bankgeichilft, Berlin W., Friedrlehatr. 181. Filialen: MW. Wilsnaekepstr. 03. O. Andreaastr. 40a. SO. Oranlenstr. 177. Cbarlottcnburg. Meiner werten Kundschaft erlaube ich mir hiermit bekannt zu geben, daß ich mein 4756L* Herren-Jffassgeschäft von Kriimmestr. 5 nach Leibnitzstr. 64 verlegt babe. Karl Eiirivg, Tchn-idcrmsto Direktion: Robert Dill. Brnnncnstraase Kabale und Liebe. Anfang 8 Uhr. Eutree 30 Pf. Sonnabend: Gr. Eistra-Vorstellung: ___ Der Vetter in tausend Aengstcn.._________________ Vercmtw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdrucker« u. VcrlaLsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Zum Sportebans Ziegenhals, Post Zeuthen. � Fernsprecher: Amt Königs-Wusterhausen 75. 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Sie sind sich einig darin, gegen die Arbeiterschaft loS- zuschlagen, aber noch nicht einig darüber, welcher Führung sie sich dabei anvertrauen sollen. Geeignet für den Kampf gegen die Arbeiterschaft sind beide: der in kapitalistischen Ehren grau gewordene Scharfmacher Bue ch. der die Agitation für die Zuchthausvorlage leitete, und der sächsische Kommerzienrat Bogel, der den frischen Lorbeer der Nieder- knüttelung 7000 armer Weber in Crimmitschau um die Stirne ge- Ivunden hat. Aber keine der beiden Parteien will die Führung im wirtschaftlichen Kampfe bedingungslos der andern überlassen, weil man fürchtet, daß die zum Zwecke eines Kampfes gegen die Arbeiter- schaft der andenr Seite überlassenen Machtmittel skrupellos auch zum Kampfe gegen die Interessen desjenigen Teiles der Unternehmer- schaft verwendet werden könnten, der unvorsichtig seine Selbst- ständigkeit aufgab.— Man kennt sich eben! Die„Reichshauptstädtische Korrespondenz" meldet ans besondrer Quelle folgendes: Der Einbcrufer der neutralen Industriellen- Versammlung vom 17. Januar dieses Jahres, Herr Geh. Kommerzien- rat Vogel- Chemnitz, Vorsitzender des«Verbandes von Arbeit- gebern der sächsischen Textilindustrie", hat sich entschlossen, ent- sprechend der Forderung der Minorität im„Komitee zur Vor- beratung eines allgemeinen Arbeitgeber- Verbandes" und entgegen der Erklärung des Vorsitzenden deS„Central-VerbandeS deutscher Industrieller", daß dieser an einer zweiten freien Jndustriellen-Ver- sammlung sich nicht beteiligen werde, für Montag, den 11. April, vorm. 10 Uhr, nach dem Hotel Continental eine Versammlung einzuberufen. Geheimrat Vogel hält eine Aussprache vor den Verhandlungen des Eentral-Vcrbandes vom 11. und 12. d. MS., durch welche bekanntlich aus dem allgemeinen Arbeit- gebcr- Verband ein Decernat des Central- Verbandes gemacht werden soll, für zweckmüßig und begründet die Einberufung damit. daß, nachdem das Komitee die Mandate wieder in seine Hände zurückgelegt habe, eS ihm, als Einberufer der damaligen Verfamm- lung,„als eine Pflicht und ein Bedürfnis erscheine, unter den Mit- gliedern der Kommission und Vertretern ihr glcichgesinnter Industrien eine Aussprache über das weitere Vorgehen herbeizuführen."— Demnach scheint eS, daß wir nicht eine einheitliche, sondern zwei Unternehmcrorganisationen bekommen werden, von denen die eine mehr schutzzöllncrisch, die andre freihändlcrischer sein wird.— Die Arbeiterschaft hat wenig Anlaß, aus diesem Grunde zu froh- locken. Im Kampf gegen die Arbeiterbewegung werden trotz aller Gegensätze beide Richtungen einig sein! Stukkateure! Berlin und Omgcgend. Die laut Annonce am Sonntag um VzIO Uhr vormittags stattfindenden Zahlstellenbesprechungen der Stukkateure Berlins sollen der Lrtsverwaltung durch die Ausfüllung eines Frage- bogens Material liefern zur Feststellung, inwieweit unser Tarifvertrag hochgehalten oder durchbrochen wird. Wir ersuchen daher alle Kollegen, nur eigne Erfahrungen in diesen engen Kreisen zum besten zu geben und sich zahlreich und rege an diesen Zusammenkünften zu be- teiligcn. Außerdem werden die Tarifänderungen in gedruckter Form unentgeltlich verteilt und Beiträge entgegengenommen. Die Ortsverwaltung des CentralverbandeS der Stukkateure Deutschlands(Filiale Berlin). Ter Streik der Leitcrgeriistbaucr von der Firma Funk u. Co., Charlottenburg, dauert unverändert fort. Die Zahl der Streikenden beträgt ö9 Mann. Die Zahl derer, die sich an der Arbeitsnieder- legung nicht beteiligt haben, beträgt inkl. 7 Poliere 13 Mann. Dazu' haben sich bis heute 7 sonstige Arbeitswillige gefunden, welche jedoch keine geübten Gerüstbauer sind. Der Geist unter den Streikenden ist ein guter. Die Firma hat zur Zeit große Austräge, zu deren Bewältigung dieselbe unbedingt geübter Gerüstbauer be- darf. In Unterhandlung hat sich Herr Altmann bis heute nicht ein- gelassen. Er erklärt sich jedoch bereit, alle Gerüstbauer, außer den beiden Vertrauensleuten und den am Streik beteiligten Kutschern wieder einzustellen. Die Streikenden wollen aber die Arbeit nicht eher ausnehmen, als bis die Firma annehmbare Zugeständnisse ge- macht hat und außerdem sämtliche im Streik stehende Kollegen wieder eingestellt werden. Deutsches Reich. Die Aussperrungen im Baugewerve. Die Generalaussperrung in den U n t e r w e s e r- O r t e n ist setzt völlig durchgeführt. Es arbeiten mw noch einige Poliere. sowie eine kleinere Anzahl alter Gesellen und dann noch verschiedene Lehrlinge. Im übrigen ruht die Arbeit auf sämtlichen Bauten. Die Ausgesperrten bewahren eine musterhafte Ruhe und Ordnung. Von den unverheirateten Arbeitern sind bereits eine große Anzahl abgereist, die übrigen werden selbstverständlich von ihrer Organisation unterstützt. Das Organisattonsverhältnis ist bei den drei in Betracht kommenden Berufen ein vorzügliches. Von den Maurern und Zimmerern gehören je ca. 90 Proz. dem Verbände an, auch die Bau- arbeitet find gut organisiert. Gerüchtweise verlautet, daß die Unternehmer versucht haben, auch die Werften und den Norddeutschen Lloyd zur Aussperrung ihrer baugewerblichen Arbeiter zu bewegen. Sie sollen damit jedoch abgeblitzt sein. Der Lloyd hatte jedenfalls noch an dem vorjährigen Konflikt genug. Daß übrigens der jetzt geführte Schlag seitens des Unter- nehmertums von langer Hand vorbereitet war, beweisen klar und deutlich die Bemühungen des Unternehmer- Arbeitsnachweises, auswärtige Arbeiter heranzuziehen. Schon feit Wochen erscheinen in den verschiedensten auswärtigen Zeitungen Inserate, durch die Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter für die Unterweser-Orte gesucht werden. Dieselben enthalten sämtlich den aus- drücklichen Vermerk, daß ein Streik nicht bestehe. Offenbar soll dieses noch besonders als Köder dienen. Thatsächlich traf denn auch als Erfolg dieser Machinattoncn bereits anfangs voriger Woche ein Trupp Maurer aus Oberschlcsicn ein. Dieselben wurden jedoch von den organisierten Maurern abgefangen, mit Reisegeld versehen und wieder zurückbefördert. Zum größten Leidwesen der Unternehmer natürlich. Es ist zweifellos, daß auch jetzt von feiten des Arbeitgeber- Verbandes, von seinem Arbeitsnachweis sowohl wie von den einzelnen Unternehmern die größten Anstrengungen gemacht werden, von aus- wärts Arbeitskräfte heranzuholen. Für Fernhaltung deS Zuzugs von Maurern, Zimmerern und Bau- arbeitern nach den Unter iveser-Orten zu sorgen, sollte sich daher jeder klassenbewußte Arbeiter zurPflicht machen. � In Königsberg hat sich die Situation nicht wesentlich geändert. 187 Bauhilfsarbeiter haben die Bauplätze freiwillig verlassen, ca. 300 Mann sind von den Meistern ausgesperrt. Die Aus- gesperrten und Ausständigen beauftragten� in einer Versammlung die Lohnkommission, dcni Rat deS Herrn Assessor Dolle nachzukommen und das EinigungsamtdesGelverbegerichts anzurufen,' um so die Friedensliebe der Arbeiter zu bekrmden und den Kampf auf ftiedlichem Wege zu beenden. Zur Malcrbcwegung. Der Streik der Maler in Hannover dauert fort. Herr Obermeister Großmann veröffentlicht in der „Leipziger Malerzeitung" einen Bericht über die Situation, in dem es u. a. heißt:„Viele Gehilfen werden zwangsweise vom Streikkomitee aus Hannover abgeschoben." Wer das liest, muß glauben, in Hannover liege die Polizei in den Händen der Maler- gehilfen. Natürlich ist das Blödsinn. Die Maler haben gar keine Machtmittel, Gehilfen„abzuschieben". Herr Großmann will damit nur den Streikenden einen„Terrorismus" an den Hals dichten, dessen sie bei bester Absicht gar nicht sähig wären. Der„Volkswille" ist dem gegenüber in der Lage, ein Stückchen wirklichen Tcrrorismus der Meister, der nebenbei einen der sonst der Arbeiterschaft angelogenen Mißbrauch der Krankenkassen darstellt, mitzuteilen: Die Orts-Kranken- lasse EI, in welcher die Maler versichert sind, hat die Aerzte an- gewiesen, streikende Maler, welche krank sind, wenn irgend möglich sofort gesund zuschreiben. Vorsitzender der Kasse ist Malermeister D i r k s e n.— Dieser Vorfall zeigt einmal wieder mit aller Deutlichkeit, wie notwendig es ist, daß dw Arbeiter in die Verwaltungen der Kassen Leute ihres Vertrauens bringen. Nicht um solche Posten parteipolitisch auszunutzen ist dies nötig, sondern der Mißbrauch, den ihre Gegner in diesen Posten treiben, zwingt sie dazu. Der Streik der Maler in Plauen ist beendet. Die Arbeiter mußten leider die Arbeit bedingungslos wieder auftiehmen. Dir Lithographen und Steindrucker, die bei der Thüringer Blechemballagen- und Maschinenfabrik, A.-G. in Jena, beschäftigt sind, befinden sich seit Anfang dieser Woche wegen Differenzen mit der Fabrikleitung im Ausstände. Ein Schnhmacherftreik ist in Kiel ausgebrochen. Die Situation ist für die Streikenden überaus günstig. Von 188 am Orte be- schäftigten Gesellen haben S3 die Forderung von 26 Arbeitgebern bewilligt erhalten nnd arbeiten zu den neuen Bedingungen. Ein großer Teil der jüngeren Streikenden hat die Stadt verlassen, so daß nur noch 52 Mann zu unterstützen sind. Die Grund- und Abbrucharbeiter in Köln fordern 50 Pf. Stundenlohn bei zehnstündiger Arbeitszeit. Sie haben auf allen Arbeitsplätzen, wo sie organisiert sind, die Arbeit einmütig nieder- gelegt. In Bettacht kommen 150 Mann. Die Crimmitschauer Fabrikanten sind keine absoluten Gegner der Koalition. Sie haben sich nicht nur selbst eine festgefügte Organisation geschaffen, sondern auch jetzt die„Arbeitswilligen" organisiert. Die Organisatton der„nützlichen Elemente" beweiben sie sogar mit solchem Eifer, daß man diesen in die Wohnungen läuft, um sie zum Eintritt in den neuen Verein zu veranlassen. Der Vor- sitzende sbe§ Spinner- und Fabrikantenvereins, Lukas Schmidt, hielt die Eröffnungsrede in dem Verein, der etwa 300 Mitglieder zählen soll. Da die Arbeitswilligen bekanntlich während der Aussperrung sehr darunter zu leiden hatten, daß die Ausgesperrten sie terroristischer Weise allein tanzen ließen, so wurde als erste Unternehmung des neuen Vereins ein Unterhaltungsabend mit darauffolgendem Massen tanz veranstaltet. Der unvermeidliche Herr Lukas Schmidt hielt wieder die Festrede. Leider aber störte das schöne Fest ein Mißton. Ein Herr Albrecht Schulze trug einen Prolog vor, in dem es u. a. heißt: „Es ist von schwerer Schuld nicht frei zu sprechen. Wer mich an ernster Arbeit hindern will, Mir kam es vor wie heimliches Verbrechen, Hielt ich die schaffensfteud'ge Hand dir still/ Das durfte nicht kommen in einem Verein, der von Herrn Lukas Schmidt so protegiert wird, von dem Vorsitzenden des Spinner- und Fabrikanten-Vercins, der 7000 fleißige Ar- beiter und Arbeiterinnen skrupellos auf die Straße warf, sie an ernster Arbeit hinderte und nicht das heimliche, sondern vor aller Welt das öffentliche Verbrechen beging, 14 000 schaffcnsfreudige Hände still zu halten!— Und die 400, die noch ausgesperrt sind? I Huotand. Die Aussperrung der Buchbinder Dänemarks dauert sowohl in der Hauptstadt, als auch in den Provinzstädten unverändert fort. Die Generalversammlung des Buchbinder-Fachvercins in Kopenhagen hat die in der gemeinsamen Sitzung der Vertreter der beiden Parteien aufgestellten Einigungsvorschläge verworfen, sich jedoch bereit erklärt, die Verhandlungen mit der Innung über mögliche Aenderungen und Zusätze zu den Vorschlägen wieder auf- zunehmen.— Der Vorsitzende der Centralvcreinigung der Buch- bindermeister der Provinzstädte hat der Presse gegenüber erklärt, die Mitglieder der Vereinigung Ivürden auf keinen Fall einer Lohnerhöhung zustimmen, auch dann nicht, wenn die Löhne in Kopenhagen erhöht würden.— Danach zu urteilen, ist also vorläufig keine Aussicht auf Beendigung der Aussperrung vor- handen. Die Maler in Helsingborg haben am Sonnabend die Arbeit niedergelegt, nachdem es nicht gelungen war, die Meister durch Verhandlungen zur Anerkennung ihrer Hauptforderungen: Erhöhung der Stundenlöhne von 42 aus 47 Oere und Regelung des Lehrlings- Wesens, zu veranlasseu.______ ßcrUncr partci-Hngdegenbcitcn. Schöneberg. Am Sonntag findet in allen Bezirken unsrcs Ortes eine Flugblattverbreitung statt. Treffpunkt früh VzZ Uhr in folgenden Lokalen: Ständer, Hohenstaufenstr. 79; Schilling. Kyffhäuserstr. 16; Kr ü g er, Vorbergstr. 9; Döring, Merfeburgerstr. 7; Obst, Meiningerstr. 8; Horlcmann, Kaiser Friedrichsw. 8; Reimer, Hohenftiedbergstr. 26; Häuser, Sedan- straße 60; Ditt meyer, Sedanstr. 71a; Hoffmann, Max- straße Löh Moll, Sponholzstr. 34.— Eine vollzählige Beteiligung der Parteigenossen wird erwartet. Wilmersdorf. Die Flugblatwerbrcitting am heutigen Abend 7 Uhr findet nicht nur, wie gestern irrtümlich angegeben, von Wittes Volksgarten, sondern von allen bekannten Lokalen aus statt. Jeder Parteigenosse hat am Platze zu sein. Waidmannslnst. In der Sonntagnachmittag 4 Uhr bei Kleesen in Hohen- Ncuendorf stattfindenden Versammlung des Wahlvercins spricht Genosse Davidsohn über die Arbeiter und die Kunst. Gäste haben Zutritt. Eichwalde. Die Mitgliederversammlung des WahlbereinZ fällt diesen Monat auS. Sonntag, den 10. April, nachmittags 4 Uhr, ist eine öffentliche Volksversammlung bei W. Heinrich, Hankels Ablage (Bahnhof Zeuthen). Reichstags- Abgeordneter Fritz Zubeil spricht über: Der Kampf gegen die Socialdemokratie. Ncucnhagen an der Ostbahn. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß die nächste Mitgliederversammlung des socialdemokratischen Vereins nicht am 10. d. M,( sondern am Sonntag, den 17. d. M., stattfindet. Lobaled* Aus der Stadtverordneten-Versammlung. Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten begann mit der Beratung einer Bausache, bei der es wieder nicht ohne einiges Geplänkel gegen den teuren Stadtbaurat Hoffmann abging. Der.Bauentwurf für das Hospital in Buch schien dem Vorsteher LangerhanS zu kostspielig, und so bemühte sich denn der alte Herr, zu zeigen, wo man sparen könne. Baurat Hoffmann wies mit feinem Humor nach, daß gerade die Aus- führung der Vorschläge des Herrn Langerhans mehr Kosten ver- Ursachen würde, und er blieb bei der Abstimmung Sieger. Von socialdcmokratischer Seite war beantragt worden, die Pavillons des Hospitals sämtlich mit Aufzügen auszustatten. Genosse Hintze begründete diesen Antrag mit dem Hinweis auf die Gebrechlichkeit vieler Hospitaliten, und dem eiftig dagegen sprechenden Herrn LangerhanS erwiderte Genosse Schulz, daß zum Beispiel im Friedrich Wilhelms-Hospital zahlreiche Hospitaliten sogar bettlägerig sind. Diesmal blieb aber Herr Langerhans Sieger. Nach Ablehnung des socialdemokratischen Antrages wurde sein Antrag, auch die wenigen im Baucntwurf.vorgesehenen Aufzüge noch zu streichen, angenommen. Es folgte eine lange Debatte über die Wahl des Hoteliers Leis z n m Stadtverordneten. Der Wahlprüfungs-AuSschilß hatte diese Wahl trotz der eingegangenen Proteste für gülttg erklärt, aber das Plenum hatte ihm die Sache zu nochmaliger Beratung zurückgegeben. Leider hat die nochmalige Beratung dasselbe Er- gebnis gehabt. Von der socialdemokrattschen Fraktton wurde nun die Beweiserhebung, auf die sich der Ausschuß wiederum nicht ein- gelassen hat, erneut beantragt. Stadtv. Michel et als Bericht- erstatter des Ausschusses gab sich alle Mühe, die Beweiserhebung als unnötig und unmöglich nachzuweisen. Dabei brachte er selber Material bei, das von freisinniger Seite durch private Erhebungen be- schafft war und nicht kontrolliert werden konntet Genosse Lieb- knecht rügte diese Berichterstattung als ungehörig und sagte dann der fteisinnigen Mehrheit eine Reihe bitterster Wahrheiten, die man auf gegnerischer Seite einsteckte, ohne zu mucken. Herr G a l l a n d (Alte Linke) meinte, die Stadtverordneten-Versammlung sei doch nicht dazu da, den Protestcrhcbern ihr Material zu beschaffen, und sein Fraktionskollege D o v e äußerte sich in ähnlichem Sinne. Den socialdemokratischen Antrag untersttitzte Herr Marggraff (Soc.-Fortschrittl.), ebenso der Senior der Versammlung, Herr Neu mann(wild), der in einer bedeutsamen Rede unter dem Bei- fall der Socialdemokraten die Forderung aufstellte, dem Mißbrauch der wirtschaftlichen Ueberlegenheit entgegenzutteten. der bei den Wahlen von den Arbeitgebern getrieben wird. Lieb- knecht ging dann in seiner Erwiderung noch kurz auf das gefälschte Flugblatt ein, das von Freisinnigen fabriziert worden war, und nagelte die Aeußernng Gallands:„Wir besorgen hier unsre Geschäfte!" fest. Das Ergebnis der Abstimmung bestättgte dieses Wort: unser Antrag wurde abgelehnt— die freisinnige Mehrheit wünscht keine Aufklärung der gegen die Parteifreunde des Herrn Leis erhobenen Beschuldigung. Wähler beeinflußt zu haben. Nach neun Uhr war's, und der Vorsteher mahnte zur Eile. Ein paar Sachen that er summarisch ab, aber als er bei der Vorlage über die Vermehrung der Feuerwehr in gleicher Weise verfahren wollte, erhob Genosse Singer Einspruch und forderte regelrechte Beratung. Singer sprach in warmen Worten seine Freude über diese Vorlage aus, die dazu beitragen werde, den wackeren Mannschaften der Feuerwehr ihren schweren Dienst zu er- leichtern und ihnen ihre wohlverdienten Ruhepausen zu sichem. Die Vorlage ging an einen Ausschuß. Herr Fischbeck und der„Zuhälter". Unsre Nachtragsbemerkungen zu der Stadtverordneten-Sitzung vom 23. März, in der der Stadtrat Fischbeck die im„Vorwärts" (2. März) gegebene Schilderung einer Aus lv eisung ans der Geschlechtskranken- Station des städtischen Ob- d a ch s dadurch zu entkräften suchte, daß er den ausgelviesencn O. als Zuhälter bezeichnete, haben bei der„F r e i s i n n i g e n Z e i t n n g" und ihren Hintermännern die Wirkung hervorgerufen, die wir er- wartet hatten. Wir kennen zur Genüge die schofle Kampfesart, die dort üblich ist, und wundem uns nicht mehr darüber. Verwunderlich würden wir es höchstens finden, wenn wir einmal von dort eine ehrliche Antwort bekämen. Es widerstrebt uns zwar, mit solchen Gegnern uns»och länger herumzuschlagen, aber ein paar Punkte müssen wir doch festnageln. Der Verfasser der durch die„Freisinnige Zeitung" gegebenen Antwort sucht sich aus unsren Angaben über die persönlichen Ver- Hältnisse des„Zuhälters" alles heraus, was ihm in den Kram paßt. und verschweigt alles, was seinem Zweck nicht dient. Zu der Frage, ob O. verheiratet sei, giebt er nur an, daß uns das von den Angehörigen versichert worden sei. Mitgeteilt wird auch, daß wir O. selber in seiner Wohnung aufgesucht haben, hinzugefügt wird von dem gewissenhaften Mitarbeiter der«Freisinnigen Zeittmg" so- gar die Einzelheit, daß wir den Mann im Bette liegend antrafen. Aber verschwiegen wird, daß wir auch seine Frau nebst der in die Ehe mitgebrachten Tochter vorfanden. Für die Leser der„Frei- sinnigen Zeitung" dürfen Frau und Tochter nicht existieren, sie müssen ihnen nach wie vor als Phantasiegebilde erscheinen— zur höheren Ehre Fischbecks. Und derselbe Mann, der mit solchen Waffen gegen uns ficht, hat den Mut, zu schreiben, der„Vor- wärts" sucht„in wahrhaft raffinierter Weise den Anschein zu erwecken, als ob seine früheren Beschuldigungen zu Recht erhoben worden seien". Gewisse Stellen der Fischbeckschen Rede— Stellen, die den Redner in seiner Eigenart zeigten sind in dem erst jetzt er- schienenen amtlichen stenographischen Berichte teils in milderer Form, teils mit Auslassungen wiedergegeben. Auch das wird in der„Freisinnigen Zeitung" verschwiegen. Warum eigentlich? Warum ist nicht vielmehr dieser falsche Bericht durch die„Freisinnige Zeitung" berichtigt worden? Es ist doch manche Kraftstelle mit darunter, die den„Vorwärts" und die Socialdemokratte nebst dem Zuhälter" und ihrer sonstigen„Klientel" so recht an den Pranger stellt. W i r hatten in unserm Sitzungsbericht, den wir am 24. März brachten, diese Kraftstellen unverkürzt so wiedergegeben, wie sie von unserm Berichterstatter niedergeschrieben worden waren. Unser Bericht ist dadurch zu einer wertvollen Ergänzung des amtlichen, falschen Berichts geworden. Hätte der Mitarbeiter der„Freis. Ztg," seine Nase in unfern Bericht gesteckt, dann hätte er auch gesehen, daß die Aeußernng, die O. dem ärztlichen Leiter der Station inS Ge- ficht schleuderte, ziemlich vollständig darin enthalten ist. Wir hatten daher keinen Anlaß, sie noch einmal herzusetzen, wie es in der „Freisinnigen Zeitung" gefordert wird. Wenn wir aber irgendwem einen Dienst damit erweisen, so wollen wir eS heute nachholen. O. sagte, nach Fischbccks Angabe, wie sie daS amtliche Stenogramm bringt:„Sie haben aufzustehen und stramm zu stehen. Ihre Knochen zusammenzunehmen, wenn Sie mit mir sprechen; wissen Sie auch, wer ich bin?!" Daß die Worte so gelautet, wird von uns nicht nur indirekt" bestätigt— indirekt, indem wir sie verschwiegen, ivie in der„Freisinnigen Zeitung" gemeint wird—, sondern auch direkt. O. hat uns zugegeben, daß er das oder Aehnliches gesagt habe, und wir glauben, der Mann hätte nicht mal das Stenogramm korrigiert, Venn mnn'8 thm vorher zugeschickt hätte. In der„Fr. Ztg." wird jene unsinnige Aeußcrimg als ein Ausfluß„stechen Benehmens" bezeichnet. Auch Herr Fischbeck trug sie am 23. März in ent- sprechendem Tone vor— und wir müssen sagen: der Ton gelang ihm nicht übel und erzielte seine Wirkung— doch ein parteiloser, nüchterner Beurteiler wird zugeben, daß ein solches Benehmen eher auf Verrücktheit hindeutet. Das mag dem ärztlichen Leiter der Ge- schlechtskranken-Statiou entgangen sein, aber nian kann eben nicht alles von ein und demselben Arzte verlangen. Nicht wird von uns„bestätigt", daß O. wegen dieser Aeußerung ausgewiesen worden /ei. Erließ sich erst zu ihr hinreißen, als ihm wegen der U r l a u b s ü b c r s ch r e i t u n g seine Ausweisung angekündigt worden war. Und hierum handelt es sich! Wäre man ihm weniger schroff entgegengetreten, hätte man ihn in Ruhe angehört und ausreden lassen, so hätte er sich wahrscheinlich doch anders benommen. Aber man hatte ja schon, als er den Urlaub nachsuchte, die von ihm angegebenen Gründe, obwohl er eine eben eingelaufene, von seiner Tochter abgesandte Postkarte als Beweis vorlegte, für Schwindel gehalten und ihm das auch nicht verhehlt. Es ist uuzu- lässig, daß der„kurze Prozeß", den man mit dein Manne gemacht hat. von den Aerzten mit einem nachträglichen„frechen Be- nehmen" und von Fischbeck gar damit entschuldigt wird, daß O. sich hinterher als„Zuhälter" swaS noch gar nicht bewiesen ist) ent- puppt habe. Wir wiederholen hier, was wir am 2. März sagten. Daß in den 5trankcnhnuscrtt die„Disciplin" in einer lediglich luircaukratischen Weise gehandhadt wird, widerstreitet dem Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege. Fischbcck sprach von dem„Zuhälter, der im „Vorwärts" den Vertreter seiner Interessen gefunden". Es handelte sich hier um die Interessen nicht eines einzelnen, sondern der Gc- samthcit— was Herr Fischbeck freilich nie kapieren wird. Der Direktor der Philharmonie, Herr Ludovico Saccrdoti, ist in der Nacht zu gestern gestorben. Er hat gemeinsam mit dem Direktor Landecker die Philharmonie ausgebaut und zu dem be- rühmten Konzertinstitut, das es heute ist, hergerichtet. Zum Diebstahl auf der Ncichsbank ist mitzuteilen, daß der Be- stohlene wieder in den Besitz seines Eigentums gekommen ist. Gestern erhielt er die Tasche, die von einem unbekannten Absender auf dem Postamt 2 aufgegeben ivar, wieder zugestellt. Sie enthielt nicht nur die beiden Wechsel, sondern auch die sechs Einhundert- markscheine. Der Mann, der sie besaß, traute sich lvohl nicht mehr, eins der Papiere auszugeben, nachdem er in den Zeitungen gelesen hatte, daß sie gesperrt waren. Er mußte auch damit rechnen, daß die Nummern der Scheine bekannt waren. Ans dem Reiche des Herrn Budde. Ein großer Speicher- brand entstand Mittwochabend'/e9 Uhr auf dem alten Lehrter Güterbahnhofe an der Lüneburgerstraße und beschäftigte die Wehr bis heute mittag. Der 1 V/Z stöckige langgestreckte Schuppen ist erst vor zwei Jahren von dem Kaufmann H. Wolf aus Steinfachwerk aufgeführt und barg mehrere tausend Centner Lumpen und Papier. Als das Feuer bemerkt wurde, schlugen die Flammen bereits an allen Ecken durch das leichte Pappdach. Brandmeister Hammer war mit seinem Löschzuge aus der Turmstraße bald zur Stelle und gab angesichts des großen Brandherdes ivfort die Meldung„Mittelfeuer", worauf die ganze vierte Eompagnie unter Leitung des Brandinspektors Julius herbeieilte. Nun stellte sich wieder die alte Kalamität ein, nämlich der Mangel an Hydranten auf dem Bahugelände. In Schlauchleitungen von mehr als fünfhundert Meter mußte das Wasser teilweise heran- geholt werden. Die Ablöschung gestaltete sich langwierig, obgleich sechs Rohre in Thätigkeit waren. Einzeln mußten die glimmenden Balken auseinander und ins Freie gezogen werden. Hierbei litten die Löschmannschaften stark unter Qualm und Nässe. Zwei Pferde waren rechtzeitig aus ihren Ställen in Sicherheit gebracht. Im Laufe der Nacht wurden die einzelnen Löschzüge wiederholt abgelöst. lieber die Entstehungsursache des Feuers ist nichts ermittelt. Seit Jahren kämpft die Verwaltung der Feuertvehr für die Her- stellung von Hydranten auf dem Gelände des alten Lehrter Güter- bahnhofes an der Lüneburgerstraße. Alle in dieser Richtung bei der zuständigen Eisenbahn-Behörde erhobenen Vorstellungen blieben bisher unbeachtet, so daß sich der Feuerwehr-Qffiziere' nachgerade eine große Erbitterung bemächtigt hat. Die Bahnverwaltung vcr- pachtet die Stadtbahnbögen, erteilt die Genehmigung zur Errichtung von Lumpenspeichern in der Nähe der Bahngeleise, bat ihre eigne Polizei, die sich in nichts hineinreden läßr, und wenn dann auf ihrem Gelände ein Brand ausbricht, der bei vorhandenem Wasser und Hydrantcnleitungen vielleicht iin Keime erstickt werden könnte, so überläßt sie es ruhig der' Feuertvehr, das benötigte Lösch- mittel aus weiter Entfernung herbeizuholen. In den letzten Jahren kamen wiederholt sowohl in den benachbarten Bahnbögen, wie auch auf dem freien Gelände, erhebliche Brände zum Ausbruch, die fiir die Feuerwehr immer dieselbe Wasserkalamität im Gefolge hatten. Dabei birgt die Anlage eines Lumpcnspeichcrs auf dem Bahnkörper schon Feu'ersgefahr in sich. Ballen von Papier und Lumpen, die oft tagelang im Freien liegen, können von den Funken vorübcrfahrender Lokomotiven entzündet werden. Ob nun die Bahnbehörde dem dringenden Verlangen der Feuerwehr nach der Anlage von Hydranteir nachkommt? Als einzige Entschuldigung wäre anzuführen, daß der Kampf gegen ehrenhafte socialdemo- kratische Ei senbah narbeiter die Zeit der Behörde voll- auf in Anspruch nimmt. Gegen den Heilgehilfen Hugo Walter, welcher beschuldigt ist, seine Ehefrau in der Nähe von Dallgow-Döberitz mit Vorsatz und Ueberlegung getötet zu haben, ist nunmehr die Anklage wegen Mordes erhoben worden. Die Strafsache wird an einem noch näher zu bestimmenden Tage in der am 17. April ain Landgericht Ii beginnenden neuen Tagung des SchivurgerichtS zur Verhandlung kommen. Den Vorsitz wird Landgerichtsdirektor Grabs v. Hang s- d o r f führen, die Verteidigung haben die Rechtsanwälte Dr. Henry S i l b e r st e i n und Morris übernommen. Unter schwerem Verdacht wurde im Anschluß an die Liebes- tragödic im Treptower Park, über die wir gestern berichteten, der LI Jahre alte Fabrikarbeiter Otto Lehmann aus der Königs- bergerstraße festgenommen. Der Wächter, der das vergiftete Müdchen im Park ailsfand, traf später Lehmann ebenfalls im Park und führte ihn nach der Wache. Heute wurde der junge Mann der hiesigen Polizei zugeführt. Nach seiner Darstellung, die durch die Vernehmung der beiderseitigen Angehörigen unterstützt wurde, wollte das Pärchen gemeinsam in den Tod gehen, weil es sich nach durchschwärmter Nacht nicht wieder nach Hause traute. Lehmann hatte aus der galvanischen Fabrik, in der er arbeitete, Cyankali mitgebracht. Um sich die Feiertage über vergnügen zu können, hatte er seinem Bruder ein Portemonnaie mit 6 M. weggenommen, während das Mädchen die Kasse der Mutter erleichterte.' Um sich Mut anzutrinken, kauften sich die Lebensmüden eine Flasche Eognac und tranken davon einen großen Teil. Dann mischten sie Cyankali in den Rest. Nachdem das Mädchen getrunken hatte und sich in Krämpfen wand, bekam Lehmann Angst und lief davon, um sich nach Hilfe für seine Geliebte umzusehen. Unterdessen kam der Wächter und nahm sich ihrer an. Zu dem Verschwinden des Rechtsanwalts Benschcr wird berichtet, daß die Angelegenheit sich durchaus harmlos aufklärt. Herr Benscher bat sich keiner Verfehlungen schuldig gemacht, sondern ist in etiler Patentangelegenheit nach New Jork gereist und hat von dort bereits Nachricht nach hier gelangen lassen. Eine gute Maske hatte ein Taschendieb gctvählt, der gestern auf dem Bahnhofe Friedrichstraße entlarvt wurde. Ein gebrechlicher alter Herr mit iveißein Haar und Bart hielt sich auffallend lange auf dem Fernbahnsteig auf und mischte sich gerade dann unter die Fahrgäste, weM sie sich im letzten Augenblick zum Einsteigen vor dem zur Ab- fahrt bereit stehenden Zuge drängten. Er schien sehr unbeholfen zu sein und in einer Weise, die Mitleid erregte, bald hierhin bald dort- hin gestoßen zu werden. Einem Kriminalbeamten aber, der den Verkehr beobachtete, kam eS sonderbar vor, daß der würdige Greis wiederholt den Anschluß versäumte, obwohl er doch vor dem Zuge stand. Er schenkte ihm daher seine besondere Aufmerksamkeit und sah dabei u. a.. wie er die Treppe hinuntergehend, einem Reisenden, der ihm init offenem Rock und tlcberzieher begegnete, in die Arme hineinstolperte und sich dann mit vielen Verbeugungen entschuldigte. Der alte Herr hatte Gelegenheit gehabt, die Brusttafchen des Reisenden zu untersuchen, aber nichts gefunden. Daun wandte er sich einer Dame zu, öffnete behutsam ein Täschchen, das sie am Arme trug und hätte es sicher geleert, Ivenn er nicht jetzt, unmittelbar vor Abgang des Zuges, wirklich einen Stoß bekommen hätte. Run wußte der Beamte genug, nahm den Greis beiseite und brachte ihn nach dem Alexandcrplatz. Hier erkannte man ihn wieder als einen alten Taschendieb, einen 71 Jahre alten früheren Agenten Joses Wiesiilgcr aus Oestreich, der erst vor kurzer Zeit das Gefängnis verließ. Nach der Entlarvung legte Wiesinger, der wahr- scheinlich auch schon auf andern Bahnhöfen„gearbeitet" hat, seine Gebrechlichkeit ab und wurde wieder ganz rüstig. Von einci» Omnibus überfahren und getötet wurde der frühere Steindrucker Arthur Bereusee, der seit vier Jahren von seiner Frau geschieden war und mit seiner Mutter zusammen in der Wriezcner- straße Nr. 9 wohnte. Der 46 Jahre alte Mann, der seit einigen Jahren Winkelkonsulent war, hatte am Mittwoch in einer Gastwirt- schaft einige Schriftstücke bearbeitet. Auf dem Heimwege wurde er um 7 l/.-, Uhr abends von einem Omnibus überfahren und so schwer verletzt, daß er auf dem Wege nach der Charits starb. Ein Selbstmordversuch im Tiergarten erregte gestern, Donners- tag, nachmittag Aufsehen unter den zahlreichen Spaziergängern. Aü dem Floraplatz schoß sich ein unbekannter Mann von etloa 50 Jahren eine Revolvcrkugel in die rechte Schläfe. Obwohl das Geschoß den Kopf durchschlug und' an der linken Seite wieder heraustrat, blieb der Verwundete noch am Leben und wurde von einem Schutzmann nach der chirurgischen Klinik der Charits gebracht. Anhalts- punkte zur Feststellung seiner Persönlichkeit wurden noch nicht ge- funden. Der Unbekannte scheint seiner Kleidung nach dem Mittel- stände anzugehören. Erjst kräftig gebaut, mittelgroß und untersetzt und hat einen blonden Schnurrbart. Große Aufregung rief der Zusammenstoß der Droschke Nr. 148S init ciuem Omnibus in der Leipzigerstraße an der Friedrichstraße hervor. Das Pferd wurde scheu, warf die Droschke gegen den Omnibus und der Kutscher blieb mit schweren Verletzungen am Boden liegen. Da? Pferd rannte im Galopp die Friedrichstraße hinauf und wurde an der Zimmcrstraße wieder eingefangen. Im Ostcnd-Thcatcr ist ein Direktionswechsel eingetreten. Herr Carl Weiß, der einfüge Komiker des Adolf Ernst-Theaters, hat die Leitung niedergelegt und ein Herr Direktor Fischer führt das iszeptcr. Ob irgend ein Programmwcchsel kommen wird, steht da- hin: die erste Vorstellung unter der neuen Direktion, die Mannstädts alte Posse„Die schöne Ungarin" in erträglicher Darstellung brachte, kündete noch gar nichts an. Und doch thäte gerade in diesem Musentempel ein Wandel dringend not. Jetzt soll das Theater den Namen„Bürgerliches Schauspielhaus" führen. Das sagt ja auch noch nichts. Das Institut hat manchen Nameuswechsel erlebt, doch ist es sich in einem immer treu geblieben, nämlich in seinem Charakter als dramatische Schreckenskammer. Wenn irgend ein Rummel los war, wurde er unter den Frankfurter Linden dramatisiert und zwar ungefähr nach denselben Grundsätzen, die früher bei großen Mordthaten für Deutschlands Leierkastenmänner maßgebend waren. Als 1885 der Senfationsprozeß gegen den Märchenmaler Professor Gräf vor sich ging, wurde im Ostend- theater prompt ein Drania„Modelle" aufgeführt! nicht lange dauerte es und die Heldin des Prozesses, Bertha Rother, betrat selber die Bühne. Im Jahre 1888 übernahm Direktor Witte-Wild mit angeblich ernsten Grundsätzen die Leitung des Theaters. Aber auch er konnte sich während seiner kurzen Direktionsführung nur mit SensationSftücken über Wasser halten. Als besonders entsetzliches Merkmal aus dieser Zeit sei erwähnt, daß im Mai 1890 der frühereIScharfrichter Krauts als Held des von ihm selbst fabrizierten Stückes„Der Scharftichter von Berlin" im Ostend-Theater mimte. Auch unter der Direktion Max Samst hielt die Aera der Gelegenheitsstiicke an. Im Jahre 1892 setzte die Kellnerinnen-Bewegung ein und flugs gab es ein Stück „Die Kellnerinnen von Berlin"; einige Zeit später kam der Alexianer- Prozeß, und auch dies Ereignis wurde dramatisiert. Und so bis heute. Die„Freie Volksbühne" hielt im Ostend- oder damaligen National-Theater ihre Vorstellungen ab: aber von einem irgendwie sittigendcn Einfluß� dieser Institution ans die Bühne lvar keine Rede. Dabei war Herr Samst ein ganz vortrefflicher Schauspieler, der auch in klassischen Stücken wohl seinen Mann zu stehen wußte. Herr Carl Weiß fing mit einem patriotischen Kolonialstück an und ver- legte sich dann namentlich auf die Dramatisieruug der—„Lokal- Ailzeiger"-Romane. Doch auch dies Geschäft scheint nicht viel eingebracht zu haben. Wird jetzt der alte Faden weiter ge- spönnen werden bis zu dein Tage, Ivo der Aufenthalt in dem auch äußerlich recht ramponierten Hause lebensgefährlich geivorden ist? 5 Die Lust an der Parodie. Die Unfreiheit der deutschen Oeffent- lichkeit erstickt die künstlerische Satiere ans das öffentliche Leben, soweit die Bühne in Betracht kommt. Das gewaltsam erstickte Recht macht sich nun auf polizeilich erlaubte Weise derart Luft, daß zwar nicht das Leben, aber da? Theater parodiert wird. So kümmerlich dies Surrogat ist. so charakteristisch ist eS, daß selbst der Not- b e h e l f vom Publikum außerordentlich bevorzugt ist. Daher die Erscheinung, daß auf der vornehmsten. Specialitätenbiihne Berlins, im„Wintergarten" das April-Programm in überwiegendem Maße solcher Parodie gewidmet ist. Neben dem aus dem Vormonat übernommenen Verivandlnugsküiistler B er n a r d i, der— 22 Personen in einer— gleich ein ganzes«Specialitätenprogranun parodiert, erscheint die„NortragS-Soubrette" Lene Land, die mit kräftiger Gestaltung das lieberbrettl, den Otto Rentier, die Duse kopiert, die letztere so genau, daß die spottende Nach- ahnumg schon fast ernsthaft wirkt. Als dritter im Bunde tritt Siegwart Gentes auf, der mit außerordentlich wandlungsfahiaer Stimme und frischem Temperament eine ganze Oper auszugsweise zur Aufführung bringt und den Familien- dilettantismus lustig verspottet— zum größten Behagen der Zu- schauer.— Bon den andern Specialitäten des April- Programms sind zu nennen: die Kellino-Trnppe, italienische Akrobaten, die mit Menschen wie mit Federbällen spielen: das Robinson Baker- Trio. Springer, die in den Beinen Sprungfedern zu haben scheinen, und der bekannte„Armee- Herkules" Paul C o n ch a s, der mit Annen, Kopf und Nacken ccntnerschwere Granaten jongliert, als wären es Glaceehandschuhe. Die Ueberlvindung der Schwere und Masse durch diSciPlinierte Kraft, das Problem aller Akrobatenkuust. feiert schließ- lich auch iu drei„Wunderelefantcu" Triumphe. die fast ohne Ein- Wirkimg des Dresseurs wie die Pudel ihre Männchen machen und ihre ungeheure Körperfülle soweit bändigen, daß sie kleine Theater- scencn— eine Feuersbrunst— gewandt exekutieren. Hua den Nachbarorten� Tic laudhittismnßigc Bebauung fiir emen Teil des Schöneberger Geiucindegebictes ordnet eine neue Polizeiverordiiimg an. die als Nachtrag zur Baupolizei-Ordnung für die �-tadt Charlottenbnrg und andre Gemeinden soeben vom Berliner Polizeipräsidenten erlassen Ivorden ist. Die Beschränkung ilmfaßt das Gebier, daß im Norden von der Ersnrterslraße, im Osten von der verlängerten Martin Lutherstraßc, im Süden von der Straße H und im Westen von der verlängerten Bamberger isruher Passauer) Straße umschlossen wird. Abgesehen von Nebenanlagen dürfen hier nur Gebäude errichtet ! vvrden, die ausschließlich oder zum überwiegenden Teile Wohn- zwecken dienen und ganz oder an drei Seiten frciliegen. Die Einrichtung von Werkstätten, Geschäftsläden und Fabrikanlagen ist verboten. Schöncberg. Am kommenden Sonntag, abends Vl.2 Uhr. findet in der Aula der Hohenzollernschule, Eisenacherstraße," der nächste volkstiimliche Kunstabend statt. Es gelangen zum Vortrag Scenen aus„Nora",„Gespenster" und„Volksfeind" von Henrik Ibsen. Billets zum Preise von 30 Pf. sind in der Parteispedition. Martin Lutherstr. öl, zu haben. Gerichts-Leitung. Der Victoria-Prozeß. Nach viermaliger Vertagung stand gestern wiederum Termin zur Hauptoerhandlung gegen den Ingenieur Adolf Hein wegen Beleidigung der Direktoren der V e r s i ch e r u n g s- g e s e l l s ch et f t„B i c t o r i a" an. Als Nebenkläger waren Generaldirektor Gerstenberg und die Direktoren Thon und Grunwald zugelassen, als deren Vertreter war Rechtsanwalt S i e g m a n n, als Verteidiger Rechtsanwalt Jüngst anwesend. dagegen fehlte der Angeklagte. Dieser hatte, nachdem schon dreimal der Termin vertagt werden mußte, auch den vierten durch Einsendung eines Krankheitsattestes vereitelt und der Gerichtshof hatte das letzte Mal beschlossen, den Angeklagten vorführen zu lassen. Zum gestrigen Termin traf eine polizeilicke Depcsrbe ein, wonach die Vorführung unmöglich sei, da der Angeklagte im Bette liege und behaupte, krank zu sei,,. Ter Verteidiger hatte Tags zuvor eine gleiche, eilige Mit- teiluiig an das Gericht gelangen lassen und um Aufhebung des Termins gebeten. Er hatte angegeben, daß der leidende Angeklagte infolge eines Streites mit seinem 5iutschcr hochgradig nervös und nicht im stände sei, zum Termin zu erscheinen. Ein gestern bei Gericht ein- laufendes ärztliches Attest sprach davon, daß der Angeklagte magenkrank sei. Bei dieser Sachlage beantragte der Staats- anwalt nunmehr die Verhaftung des Angetlagten, da dieser schon seit Februar vorigen Jahres offenbar alles aufbiete, um eine Verhandlung zu vereiteln.— Der Verteidiger trat diesem Antrage entschieden entgegen, versicherte, daß der Angeklagte krank sei und gab aiihcim, den Gesundheitszustand durch den Gerichtsarzt feststellen zu lassen.— Der Gerichtshof beschloß, auch diesen fünften Termin wieder zu vertagen und weitere Ermittelungen über den Gesundheits- zustand des Angeklagten' anzustellen. Ganz durchtriebene Schwindeleien hat der ehemalige Fabrikant Gustav B i sch of f in Svene gesetzt� der gestern wegen Betruges und versuchten Betruges der zweiten Strafkammer dcs Landgerichts l vorgeführt wurde. Er verbüßt zur Zeit eine ihm wegen Glücksspiels auferlegte viermonatige Gefängnisstrafe. Er ist ans irgend eine Weise in den Besitz von Briefbogen gelangt, auf denen sich die Finna des Oberstabsarztes Dr. Kiminle befindet. Auf einem dieser Brief- bogen machte er eines Tages bei der bekannten Firma Anschütz eine Bestellung, wonach das aktive und inaktive Sanitätscorps dcs zweiten Eiscnbahn-Regiments einem Kollegen zu seinem Jubiläum einen photographiicheu Apparat im Werte von 4— 500 M. zum Geschenk machen wolle. Zu diesem BeHufe wurde die Firma Anschütz ersucht. zwei derartige Apparate nach dem Dieustgebäude des Eisenbahn- Regiments zur Auswahl zu schicken. Dieser Auftrag wurde dann telephonffch dahin abgeändert, daß beide Apparate in die Privat- Wohnung dcs Oberstabsarztes Dr. K., Potsdamerstr. 71, gesandt werden möchten. In diesem Hause hatte der Angeklagte kurz vorher als angeblicher Verwandter des Oberstabsarztes Dr. K. angeblich für diesen auf kurze Zeit eine gerade leerstehende Wohnung gemietet. Er hatte dem Vermieter gesagt, daß der Dr. K. am nächsten Tage die Wohnung beziehen und inzwischen wohl durch den Burschen desselben und andre Personen verschiedene gekaufte Sachen hingebracht werden würden. Dem Portier wurde bedeutet, die Personen nach der Hinter- treppe zu weisen. Als nun der Anschützsche Bote mit den beiden Apparaten erschien, fand er an der Hinterthür eine hübsch geschriebene Adresse mit dem Namen„Dr. W. Kimmle, Oberstabsarzt", angeklebt. Auf sein Klopfen öffnete der Angeklagte, nahm dem Boten einen Apparat ab, angeblich um ihn„dem Herrn" zu zeigen, ging aber damit durch die vordere Wohnungsthür und die Vordertreppe hinab und ließ sich nicht mehr sehen. Er hat den Apparat schleunigst für 45 M. verkauft. Denselben Schwindel versuchte er mit kleinen Ab- änderungen, aber ohne Erfolg. In dem einen Falle hatte er„für den Jubilar" eine Uhr und Kette im Werte von 500 M. ausgewählt. Der Bedienstete des Uhrmachers kam nach der Potsdamerstr. 71, als der Angeklagte den ersten Schwindel schon ausgeführt hatte und ver- schwuuden war. Als er den angeblichen Herrn Oberstabsarzt nicht mehr vorfmid, wandte er sich an das Eisenbahlt-Rcgiment in der General Pape-Stratze und erfuhr dort, daß von einem solchen Jubiläum und solchem Geschenke niemand etwas wisse. Auch der Versuch des Aiigeilagten, die Finna Sauer u. Sohn zur Lieferung zweier Drcilanf-Gewehre für den„Jubilar" zu bewegen, ging fehl. Schließlich wurde ihm das Uhrengeschäft des Herrn v. Stach in der Bülowstraße zum Verhängnis. Dort erschien er, um für seinen „Bruder", den Dr. Prillwitz, in der Kurfürstenstraße eine goldene Uhr im Werte von 500 M. zu bestellen. Er lvies dabei einen Brief mit dem Firma-Aufdruck eines hiesigen RechtsaMvalts vor. Ter Brief war von der angeblichen Frau des Rechtsanwalts, die die Schwester dcs Angeklagten sein sollte, geschrieben und bezog sich auf die Uhr. In Wahrheit hatte ihn aber der Angeklagte geschrieben. Besagter Rechtsanwalt hatte den Angeklagten einmal in einer Armensache vertreten und letzterer hat dabei lvohl Gelegenheit gc- funden, sich einige Briefbogen anzueignen. Herr v. Stach kam die Sackie ctivas verdächtig vor und als der Angeklagte sich entfernen wollte, angeblich um an seine Schwester zu telephonicrcit, wurde ihm das Geschäftstelephon zur Verfügung gestellt. Bon dort sprach er nach dem Bureau des Rechtsanlvalts, der Inhalt dcs Gesprächs war aber so nichtssagend, daß sich der Verdacht gegen ihn verstärkte.?lls er sich entfernt hatte, setzte sich v. Stach nrit dem Rechtsanwalt in Verbindung und auf seine Anfrage wegen der Bestellung erhielt er den Bescheid, daß der Besteller offenbar ein Schwindler sei und fest- genommen werden solle. Dies geschah denn auch bald. Ein Kriminalschutzmcmn begleitete einen Boten des Geschäfts itach der Kurfürstenstraße und pflanzte sich auf der Vordertrcppe auf. Der Bote, dem ein inhaltsloses Pakctchcn mitgegeben worden Ivar. wurde an der Hintcrthür der Wohnung von dem Angeklagten empfangen, der ihm das Paket abnahm und wieder über die Bordertreppfe entkommen wollte. Hier wurde er aber von dem Kriminalbeamten in Empfang genommen und zur Wache gebracht. Er war im gestrigen Termin geständig. Der Staatsanwalt beantragte 6 Monate, der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 1 Jahr Gefängnis. Ein großer Wucher, und Vctrugsvrozcst hat Mittwoch vor der Strafkammer dcs Landgerichts zu Essen bcgomtcn. Die Haupt- angeklagten sind zwei Brüder, der Bautechmker und�Ugcnt Jakob Rötzel aus London, der auch unter dem Namen Dr. F. Engel und F. Arbaces auftrat, und der Schriftsetzer Heinrich Rötzel slizz Henry Engel und A. Arbaces aus London. Daneben sind noch angellagt: der Kaufmann Georg Kauperr(Heerdts, Kaufmann Karl Kröger (■Remscheid), Handlungsgehilfe Karl Kegler(Düsseldorf). der frühere Rechtsanwalt Dr. jur. August Nolden l Essen), Kaufmann Arnold Köchlina(Köln), Kaufmann Albrecht Hoffmann(Berlin). Ingenieur Mftx Albert(Celle). Kaufmann Wilhelm Maltz, zuletzt in Frankfurt a. M. und Hannover ansässig, der Kellner Ernst Dünckel(Ham- bürg) und der Agent Max Wildenow(Berlin). Die Mehrzahl der Angeklagten befindet sich seit vorigem Fahre in Untersuchungshaft. die Hauptangeklagtcit Rötzel sind im Jahre 1901 nach langen Ver- Handlungen von England ausgeliefert ivorden und seitdem in Unter- uchungshaft. Die Hmwtangeklagteu erließen seit Jahren in den gelesenste« deutschen Zeitungen Anzeigen, worin sie Kavalieren und Offiziereit, oder auch Gutsbesitzern, Fabrikanten, Kaufleuten Geld aus Wechsel und gegen Bürgschaft zu soliden Bedingniigen- anboten. Darmifhin meldeten sich zahlreiche- Gcldbcdürftige, die Wechsel her- gaben iind später einlösen mußten, ohne auch nur einen Pfennig Geld erhalten zu haben. Statt dessen erhielten sie werllose Kuxe oder Anteilscheine. In der Regel traten die Angeklagten als Selbstgeber auf. obgleich sie völlig mittellos waren. Die übrigen Angeklagten sollen den Hauptangeklagten nach den verschiedensten Richtungen Beihilfe geleistet haben. Zu der Verhandlung sind 74 Zeugen, darunter eine Anzahl Offiziere und Mitglieder der Aristokratie, aus ganz Deutschland geladen. Eingegangene Druckfcbriften. �Kommunale Praxis". Z c i t s ch r i i t i ür K o m IN!l N a l b o I i t i k ond Gcmeinde-SoeialismuS. Herausgeber Tn Älbert 2 ü b c f u m- Bcrlin. Aus dem Inhalt der ersten Nummer des zweiten Quartals heben wir hervor: Eine Abhanblimg über baS Recht ber Ztabtocrorbnetcm C. Hie. lowski behandelt btc Frage der Landgcmcinbc-Wablcn in Hessen-Nassau. Artikel über Arb eitern erhält iiisse und Finanz- imb Steuerwesen.— Neben eincin Notizenteil über alle Gebiete bes Gemcinbclebcns enthält die Nummer in ihrer technischen Beilage einen illustrierten Beitrag vom Ingenieur P. M. Grenwe über Tageslicht in dunklen Räumen. Die„Kommunale Praxis" erscheint am i. nnd 15. jeben Monats, lostet vierteljährlich nur 1.50 M. Das Wonnement ist allen den- jenigen zu cmpschlen. die fich sür bie wichtigen Fragen des Gemeinde- lcbcns interessieren. Probenummern versendet sranlo imb gratis der Verlag Berlin W. 15. /——— Vermifcbtcs. Ein schwerer Nordloeststuri» herrschte namentlich Mittwoch auf der Nordsee und in den Flußmündungen. Ihm sind, wie wir schon meldeten, vor der Ernsmiindung die drei Lotsen zum Opfer gefallen. Mittwochabend hat der Sturm drei Fischern in der Wesermündung den Tod gebracht. Das mit Garnelenfang beschäftigte Fahrzeug des Fischers Langhorst aus Lehe wurde auf den Eversand geworfen lind lenterte. Die drei Mann starke Besatzung ist ertrunken. Sonst sind Menschen, soweit die bisherigen Nachrichten übersehen lassen, nicht verunglückt, wohl aber sind verschiedene Schiffsunfälle vorgekommen, auch hat der� Sturm an der Küste mancherlei Schaden angerichtet. Seewärts bestimmte Schiffe konnten nicht auslaufen nnd mußten auf der llntcrelbe ankern. Unterhalb Lühe sank ein kleines Segelschiff. Die Mannschaft, die in den Mast geflüchtet war. befand sich zeitweilig in gefährlicher Lage, da.Hilfsboote wegen des Stunnes nicht herankommen konnten; später ist sie jedoch gerettet worden. Im Baakenhafen wurde die im Verholen begriffene französische Bark „Versailles" durch den Stunn gegen eine Pfahlgruppe getrieben. Bei Krautsand wurde Mittwochvormittag der aufkommende Ewer „Gloria" durch den Sturm auf den Strand geworfen. Hamburg war Mittwoch von Hochwasser bedroht, da im dortigen Hafen das Wasser um 10 Fuß über Null gestiegen war. Kanonenschüsse machten nachmittags die Bewohner der niedriger gelegenen Stadtteile auf die drohende Gefahr aufmerksam. Auch an der Ostküste Schleswig- Holsteins hat sich der Sturm, der ja auch weit im Binnenlande zu spüren war, noch stark bemerkbar gemacht. In Hadersleben wurde das Thor der Schutzschleuse von den Wasjermasscn eingedrückt. Das Wasser stieg, wie das„Wochen- blatt" meldet, in der Stadt so hoch, daß die Keller in der Hafen- straße voll Wasser liefen und die Feuerwehr alarmiert werden mußte; auch ein großer Petroleumtank wurde zerstört. Durch den Orkan ist bei R a tz e b u r g ein Eisenbahnunglück herbeigeführt worden. Aus Lübeck, 7. April, wird darüber telegraphiert: Der Orkan warf eine starke Buche auf den den Wald- einschnitt passierenden Ratzcburger Kleinbahnzug. An den letzten beiden Waggons wurde das Dach durchschlagen, wobei mehrere Passagiere verletzt wurden. ilcber ei» Eisenbahn- Unglück wird ans Köln vom Donnerstag berichtet: Als heute morgen gegen 8 Uhr auf dem Güterbahnhofe in Nippes zwei Güterwagen, der eine mit geschlachtetem Vieh, der aiidre mit lebenden Kälbern und Schweinen beladen, nach dem Schlachthofe übergeführt werden sollten, sprang, wie die„Kölnische Zeitung" meldet, an einer Weiche aus bisher unbekannter Ursache der vordere Wagen aus den Schienen, schlug um und legte sich quer über das Geleise. Der nachfolgende'Wagen mit den lebenden Tieren prallte auf und schlug gleichfalls um. Bon zwei Bieh begleitcrn vermochte der eine sich glücklich durch einen Sprung zu retten, während der andre von den Puffern des aufprallenden Wagens erfaßt und derartig verletzt wurde, daß der Tod bald ein trat. Ein Teil des Viehs erstickte oder erlitt Verletzungen. Die Pocken in Bochum. Wie der„Märkische Sprecher" von amt- licher Seite erfährt, ist eine Krankenschwester an Pocken erkrankt; ferner sind zwei verdächtige Fälle festgestellt. Die mit den früher Erkrankten in Berührung gewesenen und rsölierten Personen werden voraussichtlich heute freigelassen werden. Selbstmord? Bonn, den 7. April. Gestern nachmittag stürzte aus einem in Fahrt befindlichen Militärzug ein Soldat ab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz nach seiner Verbringung ins Krankenhaus gestorben ist. Dynamitatteutat auf ein Gefängnis. Aus dem StaatSgefängniS in Jcfferson Eity, Missouri, brachen am 5."April vier Sträflinge aus, die bald darauf, mit Revolvern und Dynamit bewaffnet, einen förmlichen Angriff auf die Strafanstalt machten. Die Gefängnis- Wärter zogen sich zurück, doch gelang es schließlich der Gefängnis- wache, die Angreifer zu umzingeln und zur Uebergabe zu zwingen. Eine Suche in ihren Zellen ergab das Vorhandensein eines voll- ständigen Waffcnlagcrs sowie einer Ouantität Dynamit im Gewichte von 20 Pfimd. Außerdem wurde Nitroglycerin gefunden. Einer der überwältigten Sträflinge gestand, daß man unter den übrigen Sträflingen Mitverschworene habe. Die Absicht sei gewesen, die Wärter sämtlich zu töten, die 300 Insassen des Gefängnisses zu befteien und sodann das Gefängnis selbst in die Luft zu sprengen. Marktpreise von Berlin am l». April 1904 nach Ermittelungen deS kgl. Polizeivräsibiums. "Weizen, gut D.-Cw. miticl „ gering. "Roggen, gut mittel gering. j Gerste, gut mittel gering iHaser, gut mittel . gering Richtstrvh Heu rbsen -peiscbohnen Linsen * ab Bahn. f Wittcrungsüderslcht vom 7. April 1904, morgens 8 Uhr. Wetter.Prognose für Freitag, de» 8. April 1904. EIiraZ kühler, zeitweise heiter, aber veränderlich mit Niederschlögm und irischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. KnefKaften der Redaktion. K. P. 205. 1. und 2. Wenden Sie sich an das stenographische Bureau des preußischen WgeordnetcnhauscS, hier, Albrechtstraße.— Z. A. 1. Nein. 2. Ja. 3. Nein.— B. V. 1. Nein. 2, Nein.— K. K. 1. Ja. 2. Wahrscheinlich. 3. Nein.— Zschopau. Wer siegen lernt in Niederlagen, wird auch daS Glück des Siegs ertragen. Zeit und Gelegenheit wird sich sür die Unterlegenen sinken, das Geibclsche Worl durch die That zu bewahrheiten. — Indiskutabel. Etwas, worüber man sich nicht auseinandersetzen kann. — R. R. Neil«.— M. R. 103. 1. Die polizeiliche Behauptung geht dahin: Die Lcuic haben sich„lästig" gemacht. Nachträglich läßt sich so etwas nicht leicht jestjtellen. 2. Auskunst durch die Gewerkschastskommission, Engel- Ufer 15.— A. H. SO. 1. und 2. Herr K- ist! uns unbekannt. Wenden Sie sich persönlich oder brieflich an ihn.— W.<5. Eine Prwat-Angelegcn- heit des Abgeordneten A. B. Wir können darüber nicht Mitteilung machen. — M. K. Tegel. Konsultieren Sie einen Arzt.— Bildhauer.(Zephyr.) Leichte, ersrischende Lustbcwegung: Westwind, Abendwind i das Wort ist griechischen Ursprungs. �urifttfeber Cell. Tie juristische Tprcchstunde findet täglich mitAuSnahme des TomiabeudS do»?>/, bis»>/, Uhr abends statt. Geöffnet:? Uhr. E. P. 100. Polizeiliche Beglaubigung genügt.— Merzig. 1. Darüber, ob die Absindung ausreichend ist, entscheiden Vormund und Vormundschasts- gcricht. Sic scheint ausreichend zu sein. 2. Die Verpflichtung zur Zahlung der 30 Mark ist bindend.— E. St. 200. Sie babcn ihr Rein- einkommen zu versteuern. Sollten Sie incht wissen, wie Sie das zu bc- rechnen haben, dann kommen Sie in die Sprechstunde.— M. 76. 1. Nein. 2. Ja. 3. Nein. 4. Ein Anspruch darauf besteht nicht, jedoch können Sie unter Ansührung dcr Thatsachen um Ermäßigung des Steuersatzes eintommc». — Grabowsce. Das Kind ist ohne weiteres Dissident.— H. Z. 31. Frage ist nicht verständlich, kommen Sie in die Sprechstunde.— Ä. S. 11. Ja.— A. K. 5. Ihre Ehefrau haftet mit ihrem Vermögen keinesfalls. Sie leben ohne weiteres nicht in Gütergemeinschast. Sie persönlich haste» nicht, sofern Sie dazu außer stände find unter Berücksichtigung Ihres Per- diensteS und der Verpflichtungen Ihrer Familie gegenüber, abgesehen davon, daß Verjährung eingetreten sein dürste, was aber erst nach Rücksprache in der Sprechstunde sestgestcllt werden kann.— P. 100. Ist allein noch kein Schcidungsgrund.— Löst. ES ist zu kleben.— 63. SU Unwahre un- eidliche'Aussage ist als Meineid nicht strafbar, jedoch kann darin das Delikt der Begünstigung liegen.— M. M., Tresdenerttrastc. Nein. — R. Hommcl, ülndcrnach. Ob das Gesetz zu stände kommen wird, können wir nicht wissen.— B. G. Sie erfragen dies am besten auf Ihrem Polizci-Rcvicr.— M. B. 100. Durch Antrag beim zuständige» Standesamt, ohne Kosten.—(S. I. 22. Zunächst oersuchen Sie cS in Güte bei der Erbin. Eventuell, falls dieselbe die Regelung in Güte ab- lehnt, wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt in Elbing.— Waise. Kommen Sie in die Sprechstunde.— 20 Mirbachstraste. Ist kein Entlassungs- grund, daher lltagige Kündigung.— P. N. 13. 1. Stellen Sie sofort unter Angabc des vollständigen Thatbestandco beim VormundschastSgcricht den Antrag, der Mutter die Erziehung der Kinder zu überwagen. 2. Gegen die Anordnung des Stiftes läßt sich nichts machen.— O. 9. Ja. — M. 32. Sie können das Testament selbst aussetzen, müssen cS dann aber vollständig selbst schreiben, datieren und unterschreiben. Die Kosten der Errichtung vor dem Notar richten sich nach dem«Objelt i da die Gebührenstusen variieren, lassen sich'Angaben über die Kosten ohne Kenntnis des Objekts nicht machen.— H. G. Die Sachdarstellung ist unzureichend: kommen Sic in die sprechikundc.— R. W. 18. Ja.— S. W. 63. Die Anfechtung ist ausgeschlossen.— S. O. 16. 1. Ja. 2. Nein. 3. Wenn dem Betreffenden eine Vcrwaucnsstcllung eingeräumt ist, oder wenn er eine ans- drückliche dahingehende Frage verneint hat, ja, sonst nein. 4. Nein. — K. S. 28. DaS Gcricht des Ortes, an dem die Lohnzahlung zu crsolgcn hatte, ist zuständig, also zuerst Gewerbe- rcsp. JnnungS-Schieds- gcricht, besteht kein solches,"dann das Amtsgericht(hier Amtsgericht II).— Dtenzel. Die Veranlagung ist nicht verspätet.— K. W. Sie hasten nicht, wenn Sie nachweisen können, daß die Aussicht eine ordnungsmäßige war. Das wird man hier wohl annehmen müssen. Nach langem, schwerem Leiden entschlief sanft am 6. Aprll unser hochverehrter Chef, Herr IiDiiis Hennig Mitinhaber der Firma dieuwano, Hennlx& Co. Wir verlieren in dem Verstorbenen nicht nur einen humanen Chcs, sondern auch einen wahrhaft väterlichen Freund, der uns allen ein leuchtendes Vorbild war. Sein Andenken werden wir stets hoch in Ehren halten. 48142 Berlin, den 7. April 1904. Die Angestellten der Firma: Krumboost. Bordiert. Ligat. Lange. Krüger. Allen Kollegen, Freunden, Bc- kannten und Verwandten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Restauratcur, frühere Zimmer- mann Karl Grandke am 5. Zlpril plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, 10. April, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-Kirchhoscs Lichtenberg, Krugstege, aus statt. 307b Dies zeigen licsbetrübt an Die trauernde Witwe Marie Grandke nebst Kindern. Freitag, 8., Sonnabend, 9- Seefische, 4811L* Grosse S6h6UfiS6hC pro Pfd. 20 Pf. Dieselben ohne Kopf„„ 25„ pro Pfd- Pf* CKK-r AmClrM.(zum Kochen und Braten). al»gc£a»8te_JPon8tci\ weiss und creme pro_«50 Q �00 Fenster J � Fies. Seeessions TUll-Stores M.|86 Gestickte echte CDS Spachtel-Stores Goldfarb. reich- gestickte Erbe- X35 thll-Stores M*•» Gardinen-Speeialiiaus w w1 an gros Wurst an detail d Grosser Umsatz! Billige Preise! J Vsd. ü Rotwurst n. Zwiehelwurst 0,502«, J Mettwurst u. 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Dev LeitUNft des Gtttenberg- bmldes ist durch Einberufung dieser Versammlung Gelegenheit gegeben, ihre Ansichten in der sreiesten und aus- gedehntesten Weise zu äußern. Der Einberuscr: All». Wachs. Central-Verband der Maurer. Berlin.— Sektion Pntzer. Sonntag, 10. April, vormittags 10 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. SO: BilUglivilvr'» Venssinmlung, Tages-Ordnung: 1. Wrcchnung vom I. Quartal 1904. 2. Situationsbericht und Verschiedenes. _ Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht vi« Örtliche Verwaltung, I. St.: H. Neumann. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Freitag, abends S1/. Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-Ufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Achtung! SinfetZCVl Achtung! Sonntag, den 10. April, vormittags 10 Uhr. finden in den de- kannten Lokalen die Bexirkssitzongen statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Kommission. Montagabend 8 Uhr im Gewerkschaftshause. Engel-User IS, Zimmer 2: Kenumssloassitxiiiijg. 82/1 Stukkateure. Montag» den 11. April, abends 8''3 Uhr, bei Franke, Sebastianstr. 39: Oeffentliehe Versammlung. Tages-Ordnung: 173/6 1. Unsre diesjährige Frühjahrikonjunktur und die Tariferhöhungen vom 1. Mai 1904 ab. 2. Diskussion. 3. Die paritätische Arbeitsvcrmittelung in misrcm Beruse. Zahlreiches Erscheinen der Kollegen erwartet Der Elnherafcr. Sonntag, den 10. April» vormittags'MO Uhr, in sämtlichen Zahl- stellen des Verbandes Zusammenkünfte der Stukkateure Berlins. Wichtige Mitteilungen. IMcOrtsvcrwaltnnjf. Aitg.Kranbtil-u.Sttrbtbllffe der Metallarbeiter (E. H. 29 Hamburg) rillal« licrlln II. Freitag, den 8. April, abends 8 Uhr, im„Märkischen Hof", Admiralstr. 18c: Ausserordtl. Kitgliedorversanunliiiig. Tages-Ordnung: 1. Die Vorkommnisse bei Aus- stellung der Kandidaten zur General- Versammlung. 2. Ausstellung eines Kandidaten zur Generalversammlung. dlL. Die Wahl der Delegierten findet am Sonntag, den 10. April, von srüh 9 Uhr bis nachmittags 5 Uhr bei W ä h l i s ch. Stdalberlstr. 4, statt. Die OrtsTcrwaltnng. I. A.: E. Fahrenwald. 3046 Dr. Simtnel, Specialarzt für[86/15* Bant- und Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntags 10—12 2—4. Typographia. Die Uebungsstunde findet morgen Sonnabend, abends 9 Uhr, statt. Erscheinen samtlicher Sänger notwendig._ Per Vorstand. Verwaltnngsstclle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Sonntag, den 10. April, vormittags 10 Uhr: NkchmmlNg der Slluauslhtiigkr im Glesverhsehaftshause, Engel-Ufer 15, Saal I. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen I.oo» über:„Die Entstehung und Entwicklung der Vereinigten Staate» von Amerika«. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenhciten. 4. Vcrbandsangelegenhciten. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet 114/1 Die Ortsverwaltang. r M Sektion der Gips- und Cemenibranche.— Gruppe: Rabitzspanner. Sonntag, den 10. April 1001, vormittags 10 Uhr, bei«lannanchh. Jnsel-Stratze 10: Versammlung der Babitzspanner. Tages-Ordnung: 137/16 1. Vertragsinnehaltung im allgemeinen. 2. Gewerlschajtlichcs. 3. Verschiedenes. MSV Erscheinen aller Kollegen dringend notwendig."WH Der Vorstand. An alle Dachdecker Berlins«nd der Vororte! Gcmäh den Bestimmungen unsres TarisvertrageS tritt vom 1. April dieses Jahres eine Lohnerhöhung von 2'/. Pf. pro Stunde ein. Der Stundenlohn beträgt demzufolge 70 Pf.— Wir machen daraus ausmcrksam und ersuchen alle Dachdecker, welchen diese vereinbarte Lohnerhöhung vorenthalten lvrrd, unverzüglich Mitteilung an unten bezeichnete'Adresse gelangen zu lassen.— Centralverbanb der Dachbecker Dentschl. 54/6 A.: Ortsverwaltung Berlin. H. H ö p p n e r, Wiihewrshavenerstr. 57. Orts- Krankenkasse der Sattler u. verwandt. Gewerbe zu Berlin. Sonnabend, den 16. April, abends 8ll1 Uhr, im Gewerkschaftshause, (saal I) Engel-User 15: Drdentt. General-Versammlung der Vertreter der Kasten- Mitglieder und Arbeitgeber. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes über das verflossene Geschästsjahr. 2. Bericht des RechnungSausschusses und Ab» nähme der Jahresabrechnung. 3. Unsre Stellung zur Arztsrage. 4. Antrag der Beamten aus Neuregelung des DiensteinkommenS. 5. Verschiedenes. Delegiertenkarte legitimiert. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 272/10 Der Vorstand. Albert Tischendort, Vorsitzender, DreSdenerstr. 107/108. Walter Dittmann, Schrijtjührer, _ Sparritr. 6. Krankttl-Merstiitznilgs-nnd Kegröbniskasse der Leder- Mchter Serlins.(E.H.Nr, so.) Sonntag, den 17. Slpril 1904, vor» mittags 10'/, Uhr, Geuernl- Versammlung bei l'eind, Weinstraße 11. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1904. 2. Geschäftliches. 3006 Der Vorstand. I. Zl.: Vinstav Busse. Arbeiter- Rüdlabrerverein „Berlin". H' Sonntag früh 7 Uhr nach Fürstenwalde, mittags-/,2 Udr nach Hirschgarten(Radischat). Bei >tem Wetter per Bahn. Beide s: Schlesische Brücke._ 12. l Dr. Schünemann Specialarzt sür Haut-, Harn- und Franruleiden. Seydelstr. 9. VjlÄ—'/«S,'/»«—■/«». 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