Ur. 84. flbonncmentS'Bedingtingjn- Lbonnements- Preis pränumerando i Bierteljährl. z�o SR!., monolT. 1,10 Mk,, wächentlich 28 Pfg. frei ins HauS, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt* 10 Pfg. Post- Slbonnemeitt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn Z Marl, für das übrige Ausland g Mark pro Monat. 21. Jahrg. vie InlerNsnt-Sebllhr beträgt für die sechSgcspaltcne Kolonel« zcilc oder deren Rauni 40 Psg., für politische und gcwerlschastliche Vereins» und Versammlungs-Anzcigen 25 Pfg. „Kleine Hnzeigen", das erste(fettgedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen, tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. cilchtin» täglich außer Montag». Verltnev VolksblAkk. Telegramm-Adresse: „Soziaitumohfjt Rerlin". Zentralorgan der fozialdemohrati fehen Partei Deutfchlands. Rcdahtion; 8W. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS8Z. Sonntag, den 40. April 4004. Expedition: 8M. 68, Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984._ Quittung. Im Monat März gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 2. Kreis 2059,3.?(darunter: ll. D. 4.25, Bierprozente Tischlerei Dunski, Schlesischestr. 29, 39,—. Onkel 3,—, Kunst- und Bautischlerei Lüdtke durch Wiemer 22,19). 4. Kreis Ost 3999,—(darunter: Bon den Elenden 9,71, Llgitationsversammlung der Maurer mit Frauen N. O. 19,—, Rote Kindtaufe Ebertystr. 16/17 1,35, Tischlerei Fülle, Fruchtstr. 28,—, Sechserkasse Drechslerei Krohn 3,39, Werkstatt H. Köhlert, Pallisadeu- straße 77/78 29,—, Kranzüberfchull Lennig u. Jatzky 1,59, des- gleichen der Arbeiter der Firma Pintsch 34,—, Fraiscgcld H. S. 5,—, Bierprozente der Arbeiter der Möbelfabrik M. Barth, Fruchtstrafte 8 59,—, Bilsbrauseuprozente der Firma E. Trebs 8,—. A. T. Blumenberg 3,—. Damit c-Z besser werde 50,—.) 4. Kreis Südost 2090,—,(darunter: Aufgelöster Gesangv.„Fackel" für ein Bild durch Berlin 3,59, A. B., Süd- oft 39,—, rote Mndtaufe, Forsterstr. 18, 1,71, trockenes Pulver v, d. Arb. der Firma Riehm u. Söhne, Eisenbahnstr. 5, 18,15, Streit bei Senftleben 4,—, Uebersch, d. Kranzsp, v. d. Arb. b. Spinn u. Sohn 8,15, Uebersch. aus einem aufgelösten Geschäft 293,29.) 5. Kreis, Wahl- verein 500,—(darunter: Bon der Liquidationskommission des auf- gelösten Rabattsparvereins KönigSthor, 3. Rate 259,—, Märzkranz- Ueberschuft der Werkzeugfabrik Richard Weber u. Co. 22,75.) 6. Kreis 6599,—(darunter: Ueberschuft d. Fanrilienabend der A.-E.-G.�Spulenwickelei 8,39, alter Genosse, Schönhauser Allee 5,—, Wilhelm Jägerhaus 10,—, Uebersch. v. Maskenball des Rauchkl. Maryland, M. d. A.-R.-B. 15,—, Geselliger Verein„Voran" 19,—, A. B. Mister 1,—, Bierprozente der Möbelfabr. E. Nöthing, Friedcnstr. 48 69,—. Kranzübersch. v. d. Klempnern und Drückern v. F. A. Schulze 9,95, v. d. Arbeitern der Firma Panzer Aktien- Gesellschaft, an Stelle des Märzkranzes 18,29, Märzkranz-Ucberschuft von den Arbeitern der elektrischen Maschinenbau- Abteilung von Schwartzkopfs, Scheringstrafte 12,75, FuftparticHamerikanische Auktion b. Wasser-Jule 38,40; Wedding: Ueberschuft vom Märzkranz der Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Bergcmann, Oudcnarder- und Hcnnigsdorferstrafte 85,49, Kranzüberschuft von Lölve u. Co., Werkzeugbau 32,59; Moabit: amerikanische Auktion der Bc- zirke 646/47 4,29, Neberschuft der Kranzspende v. d. Arb. d. Firma Jachmann 6,85, de-Zgl. v. d. Arbeitern d. Anbaltischen Fabrik 24,99, desgl. v. d. Arbeitern der Finna Gebauer, Moabit 11,93, desgl. v. d. Arbeitern v. Siemens- Schuckert Werk, Ronnendamin 18,—). Berlin, diverse Beiträge: Vom Ccntralverb. deutscher Brauerei-Arb., Sekt. I 5,—. Machetes 5,—. Durch Gerisch 2,—. Dr. L. A. 199,—. Gesammelt v. d. Möbelpolierern der Fabrik G. Klug, Warschauerstr. 13,89. Tauzlehrerverein„Solidarität" 19,—. Uebersch. v. Märzkranz v. den Kollegen der Firma Bichl 1,—. Hilfspersonal der Buchdruckerci I. Sittenfeld, von einer Kranzspende übrig geblieben 12,95. Zur Kranzsp. am 18. März gewidmet v. d. Tischlern u. Maschinenarbeitern der Tischlerei v. Friedrich, Fruchtstr. 39 25,—. Uebersch- v. März- kränz v. d. Arb. der Gasmesser- u. GaSofenfabrik in Mariendorf 13,65. Möbelfabr. Ball, Warschauerst. 17,39. Au Stelle eines Märzkranzes von Arb. des Typograph 24,45. H. 199,—. L. u. H. B. 19,—. Exekutor 2,—. Bierprozente der Schlosser der Firma Flatow 28,25, Ueberschuft vom Märzkranz 5,75, Summa 34,—. Einige elende Maler und ihr Budiker vom Bau Frankfurter Allee 187—189 3,—. Von den Beamten d. Ortsverlv. d. Mctallarb.-Krankcn- u. Sterbelasse(E. H., Hamburg 29), Filiale Berlin II u. Rixdorf 199,—. Junggesellen 10,—. Kein Märzkranz, aber frisches Pulver zum neuen Wahl- kämpf, gesammelt von den Arbeitern der Firma Daimler. Marien- felde 67,49. Uebersch. v. einer Geburtstagsfeier, durch Schericke 6.95. Märzkranz-Ueberschuft Blockwerk Siemens u. Halske 28,79. lieber- schuft der Sammlung zur Kranzspende z. 13. März von den Arbeitern der Hauptwerkstatt der Großen Berliner Straßenbahn 67,29. P. S. 59,—. A. B. 50,—. Zur Wiedererwerbung verlorener Rechte 19.—. Munition zum Kampfe für Wahrheit und Recht 4,—. Die Contobuch-Arbeitcr vom Wedding 5,—. Märzkranz-Ueberschuft von den Arbeitern der Firma A. Borsig, Tegel 289,85. Gesammelt von vier Tabakarbeitern, Schliemaunstrafte 3,—. Arbeiter n. Arbeiterinnen d. Buchdr. Vorwärts, Abt. Buchbinderei 29,—. Arbeiter v. Butzke u. Co., Kranzüberschuft 4,59. Cohn 1,—. C. D. Guhrau 1,—. A. Qu., Glogauerstr. 3,—. Gesammelt Tilsiterstr. 6 bei der Beerdigung d. Gen. Lenk 7,75. Vom Verein der städt. Markthallenarbeitcr 19,—. ZeitungSfouds aus Grabow- sce 2,59. Uebersch. d. Kranzsp. Berk. Motorlvagenfabr. d. W. W. 3.59. Kranzsamml. v. 18. März d.Firma Bernh.Joscph 6.39. Gutenberg 38,—. Bicrprozente Kofferfabr. H. Stöhr 29,—. Jule, Rittcrstr. 83, 23,39. Buxtehude, von den Alten durch Weber 3,—. Bern 59,—. Beelitz, v d. Blauen a. d. Sanatorium„trockenes Pulver" anstatt eines Märzkranzes 19,35. Bremen, �v. d. Parteigenossen 599,—. Beuthen (O.'S.), von den Partcigenoiien 6,—. Breslau, zurückerhaltenes Grammophon 1,—. Breslau, sociald. Verein 199,—. Bielefeld, C. Sch. 1,—. Charlottenhurg. für Agitation bei ReichStagS-Ersatzwahlen 5.—. Darmstadt, K. K. 4,—. Durlach i. Baden. von den Parteigenossen 1(X),—. Duisburg, v. d. organisierten Töpfern 4,—. Falkcnberg (Obcrschl.) 2,—. Fürth, vom Socialdeniokratischen Wahlverein 20—. Flensburg. Parteibeitrag der Genossen 23.—. Gotha, von den Parteigenossen durch den Vertrauensmann 39,—. Gorczizen. H. 29,—. Hagen. Uebersch. v. d. Reichs- u. Landtagswahl d. Kreises Hägen-Schwelm 199,—. Idar, Volksverein 1. Ouartal 1904 3,40. Kaltowitz(Oberschl.), vom socialdcmokr. Wahlverein 5,—. Königsberg i. Pr., Partcibeitrag für 1. Quart 1994 199.—. Leipzig. 12. u. 13. sächs. Reichstags- Wahlkreis 2999,—. Luckenwalde, Rufus 5.—. Niedcrbarnimer Wahlkr. 1000,—. Neviges-Tönisheide, allgeni. Arbeiterverein 19,—. Nürnberg, S. 19,—. Nürnberg, socialdemokr. Verein 1. Ouartal 1994 259,—. Reifte, B. F. 2,—. Oggersheim (bayrische Pfalz) vom socialdemokr. Verein 39,—. Oberlangen- bielctu, Parteibeitrag aus dem Eulengebirge 199,—. Offenbach .in. Parteibeitrag des Großhorzogtums Hessen 1999,—. ach i. Schl., socialdemokr. Wahlverein 19,—. Richzen- beiter-BildungSverein 3,—. Schiffbeck i. Holstein, socialdemokr. f. Sch. u. Umg. 199.—. Straftburg i. E., Alt- Staftfurt, Wahlkreis(Salbe- AscherSlcben 100,—. Schl., soc. Wahlverein, 1. Quart. 94, 5,—, Sachsen- ______ �Landesorganisation 60,—. Tcltow-BccSkow-Charlottcnb., Ccntral-Wählverein, Februar u. März 299,—, Trier, Korkschneider M. B. 3,—. Württemberg 199,—. Zeitz, Wahlkreis Zeitz-Wcißen- sels-Naumburg 399,—. Berlin, den 3. April 1994. Für den Parteivorsiand: A. Gerisch, Kreuzbergstr. 39. Nochmals: Ursachen des Herero- Anfstandes. Was man beim Ausbruch des Hercro-AufstaudeS innerhalb der socialdeniolratische» Partei über die wirklichen Ursachen dieser Er- Hebung ahnte, hat sich nach und nach in vollem Umfange bestätigt. Durch den Wust einseitig gefärbter offizieller und offiziöser Nach- richten sickerte mit der Zeit die Wahrheit hindurch, anfänglich aller- dings nur tropfenweise, jetzt jedoch in täglich stärker werdendem vollen Gütz. Selbst in den RegierungSbcrichten mutzte schon— wenn auch nur zögernd und verblümt— zugegeben werden, daft das eigensüchtige, wucherische Verhalten der weiften Händler gegenüber den Eingeborenen zur Entfachung des Aufstandes wesentlich mit beigetragen habe. Seit aber die letzten Missionars- berichte ihren Weg in die Oeffentlichkeit fanden, ist das ganze Lügen- gewcbe unsrcr kolonialwlltigcn Presse, die alle Schuld nur einzig und allein auf die Hcrcros Ivarf, ein für allemal zerrissen. Es steht jetzt unumstößlich fest: Die Hauptschuld au dem A u f st a n d e tragen unsre deutschen Kolonisatoren. DaS deutsche K o l o n i a l s y st e m hat die unterdrückten, ausgebeuteten Eingeborenen zu diesem Bcr- zweislungskampfe getrieben. Vergleicht man die amtlichen Denkschriften über die Entwicklung des Schutzgebietes von Dcutsch-Südwcstafrika seit etwa einem Jahr- zchnt nnt einander und zieht daraus rein objektive Schlutzfolgcrungcn, so kann man sich über den Ausbruch des AufstandeS gar nicht wundern; verwunderlich erscheint höchstens, daft er nicht schon früher erfolgt ist. Zwar melden die amtlichen Jahresberichte nichts von systematischer Unterdrückung, Aussaugmig und Knechtung der Eingeborenen, im Gegenteil, alles ist da Fortschritt, Kultur- Verbreitung, Erfolg. Wenn man aber ein wenig zwischen die Zeilen schaut, gewinnt man notwendigerweise ein andres Bild von den Dingen. In dem Berichte vom Jahre 1894/95 heißt es: „Den Hereros ist eine feste Süd- und auf dem Nordzuge auch eine Nordgrcnze gegen das Konzcssionsgebiet der South- West- Afrika-Compagny gesetzt Ivorden. Gerade in den letzten Jahren haben sich die Hereros instinktiv«der absichtlich(!) über ihr eigentliches Stammesgebiet ausgedehnt und zwar besonders nach Norden und Süden. Es wird daher den Kapitiinen(Hänplingrn) nicht leicht werden, ihr Wasser und Weide für die zahlreiche» Rinder begehrendes Volk in die neuen Grenzen hineinzubringen. Dies ist für die Häuptlinge sowohl wie für die Regierung zur Zeit um so schwieriger, als das diesseits der Grenze liegende Gebiet noch nicht mit Weiften besetzt ist und es die Hercros daher nicht verstehen können, warum sie nicht, wie bisher, ihre Herden auf unbesetztem Land weiden lassen dürfen. Es ist daher sehr wohl möglich, daß sie an einzelnen Stellen bei weiterem unbefugten(!) Vordringen mit Gewalt üb'er die Grenze zurückgetrieben werden müssen". Dies„unbefugte" amtliche Kolonial-Deutsch würde in richtiger Uebersctzung etwa folgendermaßen lauten: Wir deutschen Eindring- linge haben auf Grund des Rechts des Stärkeren zu Gunsten konzessionierter Territorial-Gefellschaften die Hcrcros aus ihrem bis- herigen natürlichen Landbesitz hinausgedrängt und ihr Wcidegebict willkürlich beschränkt. Falls sie diese deutsche Rechts- und Kultur- maftrcgcl nicht verstehen sollten, werden sie einfach über den Haufen geschossen.— Die Zahl der Hcrcro-Rinder wurde damals auf 3—499999 an- gegeben. Daß es unter solchen Umstäuden bei den Hereros etwas zu verdienen gab, hatten die deutschen Kulturpionicre bald heraus- gefunden; sie legten sich denn auch mit Vorliebe auf den Handel. Der Bericht sagt darüber, daft sich besonders die ausgedienten Mannschaften der Schutztruppe erfahrungsgemäß gerne dem Handels- geschäft zuwenden, um dann später, wenn sie ein kleines Vermögen erworben haben, Landbau zu treiben. Auf welche Art sie ihre Handelsgeschäfte betreiben und wie sie ihr kleines Vermögen nebst dem zum Landbetrieb gehörigen Vieh„erwerben", darüber verrät der Bericht allerdings nichts. Immerhin müssen die Händlergeschäste ganz lukrativ gewesen sein, denn die Denkschrift von 1896/97 zählt auf die damals 539 weiften Ansiedler, Arbeiter und Handwerker, die außer der Schutztruppe, den Missionaren und Beamten dort ansässig waren, nicht weniger als 112 Händler, darunter 89 Deutsche. Nebenbei erwähnt der Bericht auch gleichzeitig eine„L e k t i o n", die den Eiugeborncn wegen Auflehnung gegen die Grenzabsperrung zuteil geworden ist und bei der die Haupträdclsführer erschossen wurden. Die folgenden Berichte melden dann einen rapiden Rück- gang des Viehbestandes der Hereros infolge der Rinder- pest und des RcgenmangelS. Hunger, Not und Elend sind die Folge. Doch auch diese furchtbaren Schicksalsschläge haben nach Ansicht der LandeShauptmannschaft ihr Gutes gewirkt, denn die„an reichliche Kost gewöhnten" Hereros wandten sich nunmehr notgedrungen dem Landbau zu. Der Feldhandel aber, durch den die Händler„rasch reich zu werden hofften", hatte erheblich abgenommen. Im Bericht von 1899/1999 wird dann wieder vom wachsenden Wohlstand der Eingebornen und Bastards gesprochen, deren Viehzucht ihnen einen reichlichen Lebensunterhalt gewähre. Wie es jedoch mit diesem „wachsenden Wohlstand" bestellt sein muß. ersieht man aus der Denkschrift von 1992/93. Es hatten dort laut amtlicher Zählung die gesamten Eingebornen nur noch 45899 Stück Rindvieh im Besitz, während die weiften Ansiedler über 44 487 Stück verfügten. Demnach muß die Rinderpest, die den Schwarzen einen so enormen Viehvcrlust brachte, für die Weißen einen wahren Viehsegen im Gefolge gehabt haben. Beim Kleinvieh ist der Kontrast noch auffallender, davon besaften die Weiften 219 893, die Schwarzen aber nur 136 557 Stück. Bedenkt man nun. daft der Viehbestand der Schwarzen in früheren Jahren nach Hunderttauscnden, der der Ansiedler aber nur nach Hunderten zählte; zieht man ferner in Betracht, daft die Kopfzahl der Schwarzen rund 299999, die der Weiften einschlieftlich der Schutztruppe und Bemnten aber nur 4682 beträgt— dann muft man sagen: Die weiften Kolonisten haben eS wirklich aus dem ff verstanden, den HereroS das Fell über die Ohren zu ziehen. Es ist dann auch verständlich, daft die Zahl der Händler aus 277, darunter 253 Deutsche, angewachsen ist Einen interessanten Einblick in die Behandlung der Hcrcros gewährt aber auch die Kriminalstatistik. In Jahre 09/1900 wurden 357 Eingeborene gerichtlich bestraft; davon wegen Eigentumsvergchcn, Diebstahls:c. 152 mit einer Gefängnisstrafe von 2 bis 12 Monaten und je 15 bis 25 Hieben; 195 Eingeborene erhielten wegen kleiner Vergehen oder llebertretung der ganz nach preuftifchem Muster dort eingeführten zahlreichen Polizeiverordnungen 19 und 29 M. Geldstrafe bis zu einem Monat Gefängnis und je 15 Hiebe. Bis zum Jahre 1992/93 stieg die Zahl der bestraften Ein- geborenen auf 749. In den weitaus meisten Fällen handelte es sich da um Vergehen oder Verbrechen gegen das Vermögen, Diebstahl, Vichraub usw. oder um Uebertretungen, die meistens anerkannter- maßen aus der Notlage der Schwarzen, wie sie die Einengung ihrer Weideplätze, Rinderpest, Dürre, Pferdesterbcn, Mißwachs und Fieber mit sich brachten, resultierten. 473 dieser armen Teufel wurden zu Prügrlstrnfcn verurteilt und 276 erhielten zu ihren Gefängnisstrafen noch Zusatzstrafen, die ebenfalls in Priigclstrnfe bestanden. Dagegen wurden wegen Verbrechen und Vergehen gegen den Staat, dis öffentliche Ordnung, die Person oder das Vermögen bestraft 46 Weifte, und 188 Weifte erhielten Geldstrafen wegen Uebertretungen. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mußten mithin viel mehr Weifte wie Schwarze bestraft werden; ein sicherer Matzstab, auf wessen Seite die meiste Neigimg zn Gesetzwidrigkeiten herrscht. Da- für waren die über die Eingeborenen verhängten Strafen aber im« gleich strenger wie die der Weiften, und die Prügelstrafe wurde nur gegen Schwarze angewandt. Werfen ivir noch einen kurzen Blick auf den Mssionsbericht des« selben Jahres. Da heißt eS in Bezug auf die unter den Hereros herrschende Unzucht und Trunksucht: „Leider sind oft Weifte nicht allein schlechte Vorbilder in dieser Beziehung, sondern auch direkte Verführer. Venerische Krankheiten haben in besorgniserregender Weise um sich ge« griffen.... Sehr bedauerlich ist es, daft es hier in weiten Kreisen üblich ist, eingeborenen Arbeitern den Genuß von Brannt- wein regelrecht anzugewöhnen, indem man ihnen wöchentlich ein- oder zweimal ein sogenanntes„Suppiy"(Sauf- gclage) giebt." Angesichts solcher Kulturarbeit unsrer deutschen Kolonial« Verwaltung und der Ansiedler ist der Hercro-Aufstand nur zu er- klärlich. Vom menschlichen Standpunkte aus ist es den armen, unterdrückten Schwarzen nicht zu verargen, wenn sie schließlich da- nach trachten, das ihnen aufgebürdete unerträgliche Joch der deutschen Fremdherrschaft abzuschütteln. Durch Gewalt und List hat man sie ihres Landes und ihres Viehstandes beraubt. Sie selbst find zum großen Teil Sklaven und ihre Frauen schutzlose Lustobjekte brutaler egoistischer Fremdlinge geworden. Neben ihren angeborenen sind ihnen auch noch die ekelhaften europäischen Laster wie Fusel und Syphilis gebracht worden, dazu spricht ihre Behandlung aller Menschlichkeit Hohn. Unter diesen Umständen ist nur zu gut zu verstehen, daß der Oberhäuptling Samuel Maharero seine Stammesbrüder zum Kampfe aufrief. Fast lächerlich klingt da die Beschuldigung, daft Maharero ein blut- dürftiges Ungeheuer und ein lüderlicher Süffel sei. In den früheren Kolonialbcrichten wurde der Oberhäuptliug geradezu gefeiert als der angesehenste Hereroführer, der stets treu zu Deutschland gestanden hat und durchaus gute Beziehungen zur LandeShauptinauuschaft unterhielt. Mehrfach ist eS rühmend hervorgehoben worden, daft er zur Unterdrückung von Aufständen kleinerer Stämme Hilfteich die Hand geboten hat. Die Anweisungen aber, die er nach den letzten Missionarsberichten während des Aufftandcs zur Schonung der Frauen und Kinder gegeben hat, lassen uns diesen Wilden in mancher Hinsicht bedeutend sympathischer erscheinen, als manchen unsrer Kolonialhclden. Alle diese Betrachtungen drängen UNS aber unwillkürlich die Frage auf: Ist die ganze südwrstafrikanische Kolonie denn überhaupt wert, daft dieser Krieg um sie geführt wird? Die Frage muft un- bedingt verneint werden. Zwar leuchtet aus allen amtlichen Berichten stets die Prophezeiung von der großen EntwicklungS- fähigkeit der Kolonie hervor. Verlockend wurde die Fruchtbarkeit des Bodens, der Viehreichtum und vor allem die Fülle der noch un- gehobenen metallischen Schätze der Erde geschildert. Aber trotzdem sich eine ganze Anzahl von Territorial- und Minengescllschaften aus die Ausbeute des Landes geworfen haben, ist deren Resultat ein völlig negatives. Der Bergbau rentiert sich, wie in den Denk- schristen jetzt zugegeben wird, absolut nicht. Dqs Land leidet unter großem Wassermangel. Giebt es doch Distrikte, in denen drei Jahre lang kein Tropfen Regen gefallen ist. Ein Blick auf die Berichte der meteorologischen Stationen daselbst zeigt uns, welche trost- lose Ocde dort herrschen muß. Diessr natürlichen Unftuchtbarkeit des Landes cutspricht denn auch die AuSfihr an Produkten. An Tieren und tierischen Erzeugnissen wurden im Berichtsjahre 1992/1993 insgesamt ausgeführt: 5199 Rinder(die den Eingeborenen von den Händler« meistens für einen SchundpreiS abge— kauft und dann mit großem Stutzen wieder verkauft wurden) 17 333 Stück Kleinvieh, 2S0 fonstige Haustiere und 22 Stück Wild. An Erzeugnissen des Landbaues und der Forstwirtschaft wurden ausgeführt ganze 237 lebende Pflanzen und 25 529 Kilogramm Gummi arabicum. An Getreide, Holz usw. konnte nichts ausgeführt werden. Zieht man demgegenüber in Betracht, daß diese Wüste dem Deutschen Reich bis jetzt bereits ca. 69 Millionen Mark kostet und infolge des Aufstandes in diesem Jahre wahrscheinlich noch weitere 60 Millionen kosten wird, so ergiebt sich der völlige Unwert der Kolonie von selbst. Von der gesainten 4682 Köpfe zählenden weißen Bevölkerung leben dort 2098 Deutsche. Zieht man davon die 1915 Schutztruppen, Geistlichen, Aerzte und Beamten ab, so bleiben an Ansiedlern, Händlern, Handwerkern und Arbeitern deutscher Nation mit Familien nur 1983 Köpfe übrig, und diese kosten dein Reich pro Kopf rund 69 099 M.! Wirklich, eine„teure" Kolonie. Deutschland könnte sich gratulieren, wenn es sich aus dieser Wüstenei so bald wie möglich zurückzöge! poiitiicbe CUberficbt. Berlin, den 9. April. Ueber die Wahlbcwcguiig im Herzogtum Sachseu-Altrnburg schreibt man uns: Die Wogen des WahlkampfeS gehen hoch und die Erbitterung, mit der auf beiden Seiten gekämpft ivird, ist noch ständig im Wachsen begriffen. Die Agrarier mußten von einer Wiederaufstellung des früheren Reichstags-Abgcordncten v. Blödau Abstand nehmen; denn darüber war man sich in diesen Kreisen so- fort klar, daß man init diesem extremen Agrarier ans keinen Fall durchdringen könne. Die Konservativen entschieden sich deshalb für einen Beamten und fanden einen solchen in der Person des Ober- landesgerichisrats Dr. Porzig in Jena, der früher in Altenburg als Richter amtiert hatte. Dieser Kandidat steht auf dem Staudpunkt des in Leipzig durchgefallenen alldeutschen Professors Hasse. Er machte kein Hehl daraus, daß er für hohe Zölle ist, daß ihm das jetzige Reichstagswahlrecht nicht gefällt, und vor allen Dingen strebt er ein Gesetz au. durch welches man streikende Arbeiter zwingen kann. die Arbeit sofort wieder aufzunehmeil. Wohl nirgends in Deutsch- land hätte nian den Mut besesseir, einen Kandidaten aufzustellen, der es so wenig versteht, seine stockreaktionäre Gesinnung etwas zu verbergen. Im Herzogtunr Altenburg, wo der Haß gegen die Socialdemokratie bereits so wunderbare Bluten getrieben hat, kann man sich das erlauben. Je reaktionärer hier ein Kandidat auftritt, desto sicherer ist ihm die behördliche Unterstützung. Der Aussall der Wahl im 29. sä ch s isch en Wahlkreise hat bei den Gegnern eine geradezu fieberhafte Erregung hervor- gerufen. Jetzt bereits werden die erbärmlichsten Kampfmittel angewendet und namentlich der Bund der Landwirte ist es, der in schamlosester Weise arbeitet. So hat man uns in den ländlichen Bezirken ziemlich alle Säle abgetrieben und in den gegnerischen Per- sammlungen haben wir keinen Zutritt. Bei der vorigen Wahl wurden abgegeben 13695 socialdemokratische, 14 498 konservative und 2993 freisinnige Stimmen. Die Frei- sinnigen stellen diesmal keinettstoandidateiisauf, damit eine Stichwahl vermieden wird. Sie wollen sofort fiir den Konsery.ativen stimmen. Daß der größte Teil der freisinnigen Wähler diese Parole befolgen wird, unterliegt keinem Zweifel. Wir sind sonach voll- ständig auf eigne Kraft angewiesen und es wird ja auch unsrerseits eine überaus rege Agitation entfaltet, so daß die Hoffnung besteht, daß wir den Kreis trotz alledem behaupten. Erschwert und kompliziert ist die Agitation noch dadurch, daß 14 Tage vor der auf den 29. April angesetzten Reichstagswahl, also am 15. April, die Landtagswahlen im ganzen Lande stattfinden. Wir haben in der dritten Wählerklasse vier Mandate zu verteidigen und können damit rechnen. daß wir noch zwei neue hinzugewinnen. Gelingt uns dies, dann hat der Bund der Landwirte die Mehrheit im altenbnrgischen Landtag verloren. In Würdigung dieser Gefahr ist bereits seit Wochen ein Geschäftsreisender des Bundes auf der Tour, um in den gefährdeten Bezirken zu retten, was noch gerettet loerden kann. Auf dem Lande gründet man mit agrarischer Hilfe Ortsgruppen des Bundes der Handwerker, wodurch die Handwerter für den konservativen Kandidaten geangelt werden sollen. Zu allem Ueberfluß finden in der Stadt Altenburg am 12. April auch noch die Gewerbegerichtswahlen statt, also drei Wahlen innerhalb 17 Tagen, gewiß eine recht arbeitsreiche Aufgabe.— DcutTche» Reich. An die falsche Adresse wendet sich die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" mit der folgenden Erklärung: „Der..Vorwärts" entrüstet sich wieder einmal über die preußische Regierung. Er gründet seine sittliche Empörung in diesem Falle aus ein Schreiben, das die„Verwaltung der Kropper Heilanstalten in Kropp" in Sachen eines russischen Geisteskranken Namens Pniover an die„Morgenpost" gerichtet haben soll. Darin wird gesagt, daß die„AllSweisung" jenes Geistes- kranken der Anstalt vom RegierungS- Präsidenten in Schleswig anbefohlen sei,„iveil die russische Regierung an die preußische die Bitte gerichtet habe. die in Preußen an- wesenden, in militärpflichtigem Alter stehenden Russen an die Grenze zu bringen". Pniover würde zweifellos in»tropp geblieben sein,„wenn nicht die russische Regierung ihn gefordert hätte". Seine Ausweisung habe der Anstalt nicht den geringsten Vorteil gebracht und habe auch nicht im Interesse des RegierungS- Präsidenten gelegen, der lediglich„einer allgemeinen Anordnung Folge geleistet habe". Diese Angaben sind absolut wahrheits- Widrig. Der„Fall Pniover" hat sich, wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt luird, solgendermaßen abgespielt: Im März 1993 berichtete der Regierungspräsident in Schles- wig an den Minister des Innern, daß die aus Rußland lPetrikau) stammenden, an Idiotie höheren Grades leidenden Gebrüder Gustav und Adolf Pniover sich zur Zeit in den Kropper Heil- und WoHltHätigkeitSanstalten befänden. Die Anstalten sähen sich nicht in der Lage, die beiden Kranken weiter zu verpflegen und zu unterhalten, der zuständige russische Kreischef habe ihre lieber- nähme nach Rußland aber abgelehnt, weil sie nicht in den Volks- büchern der Stadt Petrikau eingetragen seien. Der RegierungS- Präsident bat deshalb, eine Uebcnrahnie-Erklärung auf diploinatischcnr Wege herbeizuführen. Dies ist dann durch Vermiltelung des Auswärtigen Amtes und der kaiserlichen Botschaft in Petersburg geschehen; die russische Regierung erklärte sich schließlich bereit, die in Rede stehenden beiden Geisteskranken zu übernehmen, und dem Regierungspräsidenten in Schleswig wurde hiervon mit dem Anheimstellen, das weitere zu veranlassen, Mitteilung gemacht. Es ist also von einem Aiisliefcrungsgesuch der russischen Regierung nicht die Rede, und die militärischen Angelegenheiten der beiden Geisteskranken sind selbstverständlich überhaupt nicht in Frage gekommen. Die Thätigkcit der Regierung hat sich einfach daraus beschränkt, daß sie für die Uebernahme der beiden Geistes- Iranken durch ihre Heimatsbchörde Sorge getragen hat. Eine Auslieferung von Deserteuren:c. an Rußland findet über- Haupt nicht statt. Die mit Rußland wegen der Ansliescrung von Deserteuren:c. seiner Zeit abgeschlossene Kartell-Konvenfton von 1857 besteht schon seit mehr als 39 Jahren nicht mehr zu Recht. Nach dem mit Rußland im Jahre 1885 abgeschlossenen Auslieferungsabkommen besteht keine Verpflichtung zur Auslieferung wegen militärischer Vergehen, und thatsächlich finden preußischer- scits Auslieferungen au Rußland wegen solcher Vergehen, wie be- reits gesagt, überhaupt nicht statt. „Der„Vorwärts" ist mit seiner sittlichen Entrüstung auch diesmal wieder gründlich hineingefallen. Wenn er, wie er sagt, der vom Ministern des Innern am 22. Februar d. I. im Abgeordnetenhause abgegebenen Erklärung anfänglich Ver- trauen geschenkt hat. so mag er aus unsrer Darstellung des Sach- Verhalts ersehen, daß er besser gethan hätte, an diesem Vertrauen festzuhalten." Die Unehrlichkeit des Regierungsblattes offenbart sich in diesem Falle in äußerst charakteristischer Weise. Anstatt sich an die Ver- waltung der Kropper Anstalten zu wenden, die doch jene Thatsachcn behauptet hat, verklagt sie uns. die wir doch lediglich Folgerungen ans jener Zuschrift gezogen haben. Daß die Verwaltung der Kropper Anstalten wirklich in so frivoler Weise die Oeffentlichkeit irregeführt haben soll, wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" behauptet, ist uns vorläufig ein Rätsel, ans dessen Aufklärung wir warten müssen. Daß die preußische Regierung keinen Deserteur an Rußland aus- liefert, ist eine Behauptung, die hoffentlich wahr ist, trotzdem sie in einem offiziösen Blatte steht, das die allgemeine Anweisung erhalten zu haben scheint, alles auf gut Gluck zu dementieren, was im „Vorwärts" steht. Um diesen: Auftrag möglichst oft gerecht zu werden, wendet sie sich offenbar in so auffälliger Weise an die falsche Adresse. Im übrigen hat die bürgerliche Presse, haben bürg er- l i ch e Korrespondenten fortwährend Nachrichte» von Auslieferungen russischer Deserteure gebracht. Sind das alles„infame Lügen" gewesen? Im übrigen ist der von der„Morgrichost" initgeteilte Brief von dem Direktor der Anstalt, Biitow, unterzeichnet lind»nterstempelt.— Neues vom preußische» Sch»lvrrer-Äricgsschanplatz. Dasselbe Spiel wie im Fall Schergoff beginnt die hiesige Polizei jetzt gegen unsren Genossen Dr. v. Wetscheslaff zu spielen. Wetscheslaff hat, nachdem die früheren von uns besprochenen Äusweisimgsverfüguugeil zurückgenommen waren, wie bereits ge- meldet, am 22. Februar d. I. für sich und seine Familie eine neue Ausweisungsverfügung deS Amtsvorstehers zu Hermsdorf mit Frist von 23 Tagen erhalten. Die Verfügung stützt sich darauf, daß WetscheSloff trotz wieder- Holter Aufforderung keinen gültigen Auslandspaß beschafft habe und somit als lästiger Ausländer anzusehen sei; sie droht bei Nichtbefolgung eine Zwangsstrafe von 69 M. an. Wetscheslaff. der seit ca. 6 Jahren in Berlin und Umgegend und seit 21/a Jahren in Hermsdorf wohnt, ohne je in Konflikt mit deutschen Behörden gekommen zu sein, ist im Besitz eines ordnungs- mäßigen, allerdings jetzt abgelaufenen AuSlanoSpaffeS. dessen Er- neuernng ihm von den russischen Behörden verweigert wird, während ihni das hiesige russische Konsulat, den bereits im Reichstage zur Sprache gebrachtn Ausweis zum ferneren Verweilen in: Auslände ausgestellt hat. Er bedarf aber als russischer Edelmann nach russischem Gesetz keines Passes und hat als Edelmann nach diefem Gesetz das ausdrückliche Recht,„bis er vom Kaiser zur Rückkehr aufgefordert wird", ohne besondere Genehmigung im Ausland zu verweilen. Gegen die Ausweislingsverfügung. die wiederum von der zur Ausweisung aus dem gesamten preußischen Staatsgebiete gar nicht zuständigen Hcrmsdorfer Ortspolizeibehörde ausgegangen ist, ist rechtzeitig Beschlverde erhoben, die noch nicht erledigt ist und nach § 53 des Landesverwaltungs-Gcsetzes aufschiebende Wirkung hat. Dennoch hat der Amtsvorsteher zu Hcrmsdorf am 24. März die angedrohte Zwangsstrafe von 69 Mark sc st gesetzt und zu ihrer Zalflmig eine Frist von 8 Tagen gesetzt. Obwohl auch diese rechtlich nicht haltbare Verfügung mit der aufschiebend wirkenden Verwaltungsbeschwerde angefochten ist, hat der Amts- Vorsteher zu Hermsdors, und gar noch vor Ablauf der acht- t ä g i g e Ii F r i st, w e g e n d c r 69 M a r k pfänden lassen. Auch gegen diese Pfändung sind die zulässigen Rechtsmittel ergriffen. Gestern nun ereignete sich das Crstamiliche, daß ein Gcnsdarm in der Wohnung des Dr. Wetscheslaff erschien, um ihn zu verhaften. Allerdings mißlang das Unternehmen, da der Gesuchte verreist und daher weder unter den Betten und in den Kammern, die der Gendarm aufS peinlichste durchstöberte, zu finden war, noch auch von der Ehe- frau und den vier- und achtjährigen Kindern, die in scharfes Kreuz- verhör genommen wurden, verraten iverden konnte. Die Rechtskraft der Ausweisungsverfügung steht, wenn ihre Aufhebmig nicht erfolgen sollte, in wenigen Tagen zu erwarten, da der Regierungspräsident, die letzte Instanz, bereits mit der weiteren Beschlverde befaßt ist. Sollte man es für möglich halten, daß„ohne Nachteil für das Gemeinwesen" Wetscheslaff auch diese kurze F r i st nicht mehr in Preußen geduldet lv e r d e n kann? Sollte man es für möglich halten, daß— ohne vorherige Androhung der Vollstreckung der Rechtskraft— von den höheren Instanzen dieses turbulente und rigorose Zwangsverfahren zur Rettung des preußischen Staates erforderlich erachtet und gebilligt iv erden könnte! Freiherr v. Hammerstein wird die Fragen zu beantworten haben.— ArSciterkammern. Aus Stuttgart wird berichtel: In der Kommission der t'lbgcordnetenkammer wurde am Freitag einstimmig der Antrag ongenomiiiett, lvvrin die Regierung ersucht wird, im Bundesrate für die nnvcrzögerte Einbringung eines Gesetzentwurfes über die Errichtung einer geordneten Vertretung der Arbeiter ein- zutreten. Der Minister des Innern erklärte, die württem- bergische Regierung werde im Bundesrate für die Be- schleunig nn g der Angelegenheit besorgt sein. Er persönlich sei der Meinung, daß die ausschließliche Arbeitervertretung vor der gc- ineinsamen Vertretung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern den Vorzug verdiene.— Sächsische Wahl-„Reforu!". lieber die Beratung der Wahlfrage in der Deputation der zweiten sächsischen Kammer teilt das.Leipziger Tageblatt" mit: „Wie in Äbgeordnetcnkreisen verlautet, ist die Wahlreform in der Deputation in er st er Lesung zu Ende geführt. Die Einzel- heilen der Beschlüsse liegen schon deswegen noch nicht vor, weil bis zur endgültigen Feststellmig noch manches geändert werden kann. So viel scheint indessen festzustehen, daß sich keine einzige Stimme für die in der Denkschrift der Regierung zur Erwägung vorgeschlagenen Grundlinien einer Wahlrefornr— Verbindung von Abteilungswahlen mit bcrufsftändischcn Wahlen— gefunden hat, und daß die e i n z i g c n V o r s ch l ä g e, d i e m a n iibcrhaupt der Erwägung für wert hält, alle auf ein Pluralsystcm hinauslaufen. Darunter läßt sich nun allerdings sehr viel verstehen und zu bestimmten Vorschlägen, nach welchen Merkmalen und wieviel Plural- stimmen zuzubilligen seien, scheint die Deputation in ihrer konser- vativen Mehrheit njcht gekommen zu sein. Im einzelnen scheinen die Ansichten innerhalb der Deputation wesentlich von einander ab- zuweichen, da neben dem Bericht des Vorsitzenden Geh. Hofrat Opitz auch ein M i n d e r h e i t S b e r i ch t von einem National- liberalen erstattet werden wird. An sich ist es zwar erfreulich, daß die Konservativen dem nationalliberalcn Vorschlag des Pluralsystems nicht mehr grundsätzlich abgeneigt sind, andererseits kann selbstverständlich nicht jedes Pluralsystcm als eine Verbesserung des herrschenden Wahl- rechts angesehen werden. Denn wenn von der Mehrheit Merlmale für Mchrslimmen enipfohKü würden, welche die Unzufriedenheit eher vermehren als vermindern würden, wenn eine übermäßig große Zahl von Wahlstimmel, empfohlen würde, so könnten derartigen Vorschlägen auch diejenigen nicht zustimmen, die an sich einem allgemeinen Wahlrecht mit Mehrstimmen für größere Erfahrung, Alter, Leistung und Bildung geneigt sind." Die Wahlreform, die unter dem ersten Schreck deZ 16. Juni zugesagt wurde, ist völlig versumpft. Die Folge dieser weisen Politik wird sein, daß der Erbitterung in der sächsischen Bevölkerung niemals versiegende Nahrung zuwächst.— Die sterbende Demokratie. In der Bürgerausschuß-Sitzung der badischen Stadt Offen bürg wurde am Freitag der Antrag, der katholischen Kirchengemeinde einen städtischen Platz mitten in dem neneil Oststadtteil zur Erbanung einer Kirche zu schenken, gegen großen Widerspruch angenommen. Der Sieg des Klerus war nur dadurch möglich, daß sämtliche Demo- k r a t e ii dafür stimmten. Der demokratische Führer Muser blieb der Sitzimg fern.— Ei» Beitrag zum Russenkurs. Wie wir aus den russischen Ostseeprovinzen hören, ist das bis- her in den dortigen Lehranstalten gebräuchliche Dan ielsche Lehr- buch der Geographie von der nissffchen Regierung verboten worden. An Stelle desselben soll, wie man uns ferner berichtet, von jetzt ab ein offizielles rnffsisches Handbuch der Geographie eingeführt werden. Dasselbe enthält mir ein einziges Kapitel, tvelches„Geographie von Rußland" überschrieben ist und also lautet: „Rußland ist groß, Rußland ist sehr groß. Rußland ist so groß. daß man so weit reisen kann als man Lust hat, ohne aus Rußland heranSzukommen. Denn außerhalb Rußland zu reisen hat niemand Lust, weil dort die Kultur zu gering und der Schnaps zu dünn ist. Der westliche Teil Rußlands führt mich den Provinzialname» „Deutschland" und wird verwaltet von Statthaltern des Zaren, der von Zeit zn Zeit einen Kosaken dorthin schickt, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist. Die Bewohner Teutschlands dürfen, wie die Samojeden und Kamtschadalen. vorläufig noch ihre eigne Sprache reden. Sehr lange werden sie sich dieser Licenz nicht mehr zu er- freuen haben. Rußland ist ein Land, in toelchem die Kultnr auf ihrem Gipfel und die Wissenschaft auf dem Kopfe steht. Die meisten berühmten Männer Ivnrden in Moskau geboren. Selbst in den eisigen Steppen Sibiriens blühen Kunst und Wissenschaft in einer solchen Ueppigkeit, daß Eisbären und Silberfüchse sich in Ermangelung andrer Pflanzen- tost den ganzen Winter über davon ernähren tonnen. Das alles kommt von der Allmacht des Zaren. Dem Zar ge» hört alles. Dem Zar gehört z. B. auch der Mond. Wenn der Zar will, so muß bei Archangel Wein und auf Spitzbergen Ananas und Muskatnuß gebaut werden. Wenn der Zar es wünscht, so läßt er ans Kamtschatka Marzipan nnd Pfefferkuchen wachsen. Wenn der Zar befiehlt, so muß der erste, beste Kosak einen Vortrag über Metaphysik halten. Eiiieii Kalmücken kann er so lange prügeln lassen, bis derselbe fließend italienisch und spanisch sprich:. Der Zar braucht nur zu ivinken, so wird mitten auf dem Nord- pol ein Jndustriepalast gebaut, der sechsundzwanzigmal so groß und prächtiger ist als der Pariser. Der Zar wird es auch de» verfluchten Deutschen an der Ostsee schon bei- bringen, daß sie Rilssen sind! Er wird nicht eher aufhören sie zu drangsalieren, bis er kultivierte Menschen aus ihnen gemacht hat. Es darf nicht geduldet werden, daß da immer Leute sitzen, welche glauben, daß der Spiritus zu etwas andrem gut sei als zum Trinken. Leute, die ungebildet genug sind, nicht einmal zn wissen, daß die Seife mir innerlich genommen von reinigender Wirkung ist. Aber der Zar ist allmächtig, und der Zar wird sie schon zwingen, ins Licht zn beißen!" Diese Schildcrimg, die treffend die heutigen erbärmlichen Zu« stände geißelt, stammt aus den: Jahre 1867 und ist dem„Kladderadatsch". dem dänialigen liberalen Witzblatte, entnommen. Heute keimt auch ein liberales Witzblatt solch eine Sprache nicht. /Zustand. Oestreichisch-italienische 9)l inifterzus auimcnkunft. Italien steht zum Teil unter dem Zeichen der Monarchen- und Ministerzusammeiikünste. Dem Besuch des deutschen Kaisers werden die Besuche des französischeii Ministers des Auswärtigen D clcasso und des östreichischcn Ministers Grafen Goluchowski folgen. Goluchowski wird bereits heute, Sonnabcnd, mit dem italienischen Minister des Aeußeni, T i t t o n i. in Abbazia zusammentreffen. Das Wiener„Frcmdcnblatt" schreibt zu der Zusammenkunft, daß diese zwar keiner aktuellen Veranlassung zuzuschreiben sei. daß inan aber selbstverständlich auch politische Tagesftagen behandeln werde. Die Balkanfrage werde keine Rolle bei den Erörtcrnngen spielen: sie sei augenblicklich ganz in der Reformfrage enthalten. Gelinge es, wie man hoffe, den zur Vertvirklichnng der Reformen eingesetzten Organen, die ihnen gestellten Aufgaben zn erfüllen, so sei dem Lande die Ruhe gesichert und der«tut»» quo bleibe gewahrt. So lange dies der Fall sei, könne auch lein Anlaß zur Einmischung auf- tauchen. Soweit besondere Versicherungen zwischen Oestreich-klngarn und Italien wünschenswert erschienen seien, wären sie seit langem ausgetauscht. Oestreich-Ungarn und Italien wüßten, daß sie sich gegenseitig auf ihre Ilneigenniitzigteit bezüglich Albaniens verlassen könnten, und der Besuch Tittonis sei nur als ein höchst erfreuliches Zeichen des freundschaftlichen Verhältnisses beider Mächte zu be- trachten. Skeptischer noch beurteilt die Wiener„Arbeiter-Zeitung" die Muiisterziisanimenkunft. lieber die wirkliche italienische Frage in Oesterreich— die Autonomie für Welschtirol und die italienische Universität— werde wohl schwerlich gesprochen werden. Ebensowenig werde die Frage der Handelsverträge, speeiell des Weinzolls, durch die lliiterhalhing der Diplomaten gefördert werden. Goluchowski sei ja nur das Exekutivorgaii der östreichischen und ungarischen Regierung, der keine Meinung habe, der Hofdiplomat der in sich jammervoll zerrissenen Nionarchie. Der Besuch GoluchowskiS sei deshalb nur ei» absolut bedeutungsloser Akt der Diplomaten- Höflichkeit.— Frantreich. Das euglisch- französische Äolonialabtommen enthält betreffend Neufundland folgende Bestimmungen: Frank- reich giebt sein Recht auf die French sflors auf. nämlich das Recht. aus dem Lande Fische herzurichten nnd zu trocknen. Es behält das Fischerei-Recht in den Gewässern der French shore längs einem Küstenstrich von 180 Kilometern und erhält für seine Fischer das Recht, sich an der Küste mit Köder zu versorgen, und nicht nur Stockfische, andern auch Hummern zu fischen. Außerdem soll der Schaden, den etwa die Reeder und Seeleute durch die Neugestaltung der Dinge erleiden sollten, durch eine ftanzösisch-englische Kommission oder eventuell durch einen vom Haager Schiedsgericht zu er- nennenden Oberschiedsrichter festgestellt werden. Für die Abtretung der French shore wird Frankreich eine Grenzberichti- gung z w i s ch e n dem Skiger und dem Tschadsee zu- gestanden, wodurch Frankreich eine durch fruchtbares Gebiet rührende Straße vom Niger nach dem Sindergebiet erhält. Ferner erhält Frankreich die L o S- I n s e l n, welche nr England lediglich militärischen Wert hatten, sowie Stadt und Gebiet Darbate n da am schiffbaren Gambia- Fluß, wodurch sranzösischc Schiffe französisches Gebiet anlaufen können. In der Erklärung bezüglich S i a m s wird das Ueberein- kommen von 1896 präzisiert. Beide Mächte erlangen voll- ständige Aktionsfreiheit in den westlich vom M e n a n- F I u s s e gelegenen siamesischen Provinzen. JJemer wird die territoriale Unvcrlctzlichkeit und der Status quo verbürgt. In der Erklärung betreffend die Neuen Hebriden wird die Einsetzung einer Komniission betreffend Beilegung von Grundstreitig- leiten beschlossen.— Rußland. Nene Judeimictzcleicil in Rußland? Es wird uns geschAheir; Kruschewan, jener blutrünstige Antisemit, der Leiter de» „Bessarabetz", der einzigen offiziellen Zeitung voflKiMiicw, die unter Duldung und Förderung der russischen Behörden den Judennwrd predigte und die vorjährigen Judeninetzeleien in Kischinew vor aller Oeffentlichkeit vorbereitet und organisiert hat, lägt seit einiger Zeit in Petersburg die„ S n a m j a"(Fahne) erscheinen, die in unzähligen Exemplaren über ganz Rrigland verbreitet wird. Die Kosten der Verbreitung, die' meist umsonst erfolgt, imd z. B. in der Gegend von Odessa einen außerordentlichen Umfang angenommen hat, stammen keinesfalls aus der antisemitischen Parteikasse oder der Tasche Krnschewans. 5� a ii zweifelt in eingeweihten Kreisen nicht d.-ran, daß dem wackeren staatserhaltenden Juden mörder erhebliche Subventionen aus den berüchtigten offiz'ielle» und offiziösen Geheim- fonds zufließen. Die„Snamja" lehrt unermüdlich den Ritualmordwahn und hetzt seit Monaten in schamlosem CyniSinus zu einem diesjährigen neuen B l u t o st e r n, das, blutiger als die sicilianische Vesper und die Pariser Blnthochzeit, zu einer AuS- rottung des verhaßten Judentums in ganz Rußland führen soll. Die Aufregung und Verängstigung der jüdischen Bevölkerung Rußlands, vor allem Odessas ist fieberhaft. Seit langem sieht man für die morgen beginnenden russischen Ostern ein zweites schrecklicheres Äischinew voraus.— Die russische Regierung aber rührt leinen Finger. Auf flehentliche Bitt- und Schutzgesuche erfolgt die stereotype,' höhnische Antwort:„Was können wir dafür? Ihr Juden seid selbst daran Schuld! Ihr seid nicht patriotisch genug und lei st et zu geringe Beiträge zum Kriege. Helft Euch selbst!" So züchtet man in Rußland Patriotismus.„Zahl Jud, oder Du stirbst wie ein Hund!" So hat die Empörung der Welt über Kischinew auf die russische Regierung, die Hauptschuldige von Kischinew, gewirkt. Wozu aber soll auch der Zarismus in sich gehen, wenn er sieht, wie seine Barbareien und Infamien, wie die Blutschuld von Kischinew Staatsmänner andrer Staaten nur zu immer neuer Würdelosigkeit gegenüber eben diesem Zarismus begeistern'i— Türkei. Das türkisch-bulgarische Abkommen ist ani Freitagabend von dem Vertreter der Pforte und dem bulgarischen diplomatischen Agenten Natschewitsch unterzeichnet worden. Bulgarien verpflichtet sich, die Bildung von revolutionären Komitees und bewaffneten Banden gegen das türkische Reich zu verhindern und seine Unterthailen. die in den be- nachbarten Provinzen revolutionäre Handlungen vorgenommen haben, nach Maßnahme der Gesetze zu bestrafen. Bul- garien wird außerdem die Einfuhr von Explosivstosten usw. nach den drei maeedonischen Provinzen verhindern. Mit Rücksicht auf die nnt den Ententemächten vereinbarte Durchführung der Re- formen in den drei Provinzen wird der Sultan alle wegen revolutionärer Akte Verurteilten, Verhasteten oder Verbannten amnestieren, diese in Freiheit setzen und ihnen die Rückkehr in die Heimat gestatten, nnt Ausnahme der wegen Dynamitaltentate Verurteilten. Die maeedonischen Flüchtlinge werden bei ihrer Heimkehr von der Pforte behufs Wiederaufbaues ihrer Wohnungen unterstützt. Ausnahmsweise Zollmaßregeln und die gegen die Eirkulation von Eisenbahnzügen verfügten Erschwe- rungen sind aufgehoben. Die türkischen Ilnterthanen bulgarischer Abkunft find zu öffentlichen Aemtern in der Türkei zugelassen. Eine gemischte Kommission wird die übrigen noch schwebenden Streit- tragen erledigen. Ein Vertrag über Auslieferung von gemeinen Verbrechern wird vorbehalten. Ebenso alle Vereinbarungen über gegenseitigen Grenzschutz.— Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Gerüchte von einer Tchlacht am Natu. AuS Tokio lvird dem„Daily Ehronicle" eine unbestimmte Meldung übermittelt, bei K i u I i e n ch e n g am Nordufer des N a l n(nördlich von Antung) habe eine Schlacht stattgefunden. Nähere Einzelheiten werden nicht gemeldet. Die Korrespondenten verschiedener andrer Blätter stimmen dagegen in ihren Meldungen aus Tokio darin übercin. daß kein Zusammenstoß erfolgt sei, die Russen hätten sich sowohl über den Jalu, wie über den Turnen» Fluß zurückgezogen ohne dem Vormarsch der Japaner Widerstand entgegenzusetzen. Eine Bestätigung des in Paris verbreiteten Gerüchts von einer Niederlage der Russen am Valu liegt hier nicht vor. Bevorstehende japanische Flottenaugriffe. Port Arthur, den l>. April. Die japanische Flotte ist abermals am Horizont gesehen worden, man erwartet täglich einen neuen An- griff. Insbesondere glaubt man, daß die Japaner hoffen, die Russen gelegentlich des Osterfestes überraschen zu können. London, b. April.„Daily Ehronicle" berichtet aus Niutschwang, daß man auch dort einen Angriff der Japaner während des russischen Osterfestes befürchtet.— Es hat sich nuiunchr herausgestellt, daß der Panzer„Retwisan" vollständig kampfunfähig ist und nur noch als schwimmende Batterie benutzt werden kann. Tie Kreuzer „Pereswit" und„Poltawa" sind wieder repariert. Partei- acbr i cbtcn. ' Zu dem Beschlufse der sächsische» Landeskonferenz über die Mit- Wirkung der Komitees und das Entscheidungsrecht der obersten Partei-Instanzen bei Kandidatenanfstellungcn äußern sich bis jcbt nur wenige Parteiblätter. Soweit solche Aeußerungen vorliegen, billigen sie den Beschluß vollständig; Einwendungen werden von keiner Seite erhoben. „Prinz Arenbcrg und die Arcnbcrg.e" in soeben im Berlage der Buchhandlung Vorwärts erschienen. Der Vertasser der Broschüre giebt nicht nur eine ausführliche Darstellung des Falles Aren borg, sondern er schildert auch das Milieu, in dem dieser ungeheuerliche Fall möglich geworden ist. Tic Broschüre verfolgt die Lausbahn des Prinzen von der Kaserne, durch den Kolouialdicnjt. auf die Anltoge- bank und von hier zur Freiheit. Temeiitsorechend gliedert sich die Schrift in drei Teile, deren erster sich unter Zugrundelegung zahlreicher zum Teil wenig beachteter Thatjachen mit aristokratisch- militärischen Berhältnissen beschäftigt, deren zweiter Teil den Wert unsrer Kolonialpolitit und das Treiben in den Kolonien beleuchtet, deren driticr endlich untre Rechtszuitände soeialtritisch zu erklären versucht.„Prmz Arenbcrg und die Arenbcrge" ist eine Anklageschrift gegen Militarismus, Kotornaloolitit und Klassenjustiz. Der Einzel- preis ist 20 Pf., sie ist in allen Partei-Buchltandlungen und bei sämtlichen Kolporteuren zu haben. Die Broschüre durste sich vor- züglich für die Agitation eignen: der Verlag hat deshatv eine billige Agitationsausgabe hergestellt, die zu den bekannten billigen Preisen an Wahlvereine usw. abgegeben wird. Die Schrift erscheint als erstes Heft einer Socialdemotratlsäic» AgitationS-Bibliothek, die den Zweck verfolgen soll, wichtige Zeit- ereignisse zusammenfassend darzustellen. Dinge, die nicht vergessen werden dürfen, sollen sicherer festgehalten werden, als dies durch das Zeitungsblatt möglich ist. Tie Hefte erscheinen in zwangloser Reihenfolge zu möglichst billigen Preisen, um jedem Arbeiter die Anschaffung zu ermöglichen.— In Berlin liefern die Parteispeditioncn und alle Kolporteure und Zeitnngsspcditeure die Broschüre. polizeilich«»» Gerichtliches uk»« — Zu vier Monaten Gefängnis wurde der Redakteur des ,.Volksblattes" für K a s s e l. Genosse G a r b e. verurteilt. Er soll die Direktion der StaatSbahn beleidigt haben. Der Staatsanwalt wollte sich mit drei Monaten begnügen. Nähere Angaben liegen nicht vor. — Wegen Beleidigung des Maschinenfabrikaiiten Polier in Leipzig wurde der Redakteur der„Leipziger Volkszeitung". Genosse Scger, zu zwei Wckhem Gefängnis verurteilt. AuS Anlaß der Kaiserparade im September war die Fabrik gegen den Wider- fpruch eines großen Teiles der Arbeiter geschlossen worden. Die versäumte Zeit mußte durch Ueberstunden ohne Zuschlagszahlung wieder eingebracht werden. Dieser Vorgang wurde in einem Artikel der„Leipziger Volkszeitung" kritisiert und dabei die Lohnverhältnisse in der Fabrik im allgemeinen kritisch beleuchtet. In diesem Artikel wurde die Beleidigung gefunden. Hud Induftne und ftandel. Zechen-Soplsistereieii. Die durch die Stilllcgung von Zechen im Ruhrkohlen-Rcvier Hervorgerufeue hockigradige Erregung der Bevölkerung ist den Zechen- Verwaltungen höchst unangenehm, und da sie fürchten, daß die Rc- gierung sich doch vielleicht zu einer gewissen Intervention veranlaßt fühlen könnte, suchen sie in der unter ihrem Einfluß stehenden Presse nachzuweisen, daß erstens die Erregung der Bevölkerung des Ruhr- rcviers nur das Werk sogenannter Hetzapostel ist, daß zweitens die Stilllegung der Zechen ein wirtschaftlicher Fortschritt ist, der im ureigensten Interesse der nationalen Wohlfahrt liegt, und daß drittens die Regierung absolut kein Recht bar, den Zechxnbcsitzern bei ihrem Vorgehen irgend welche Steine in den Weg zu sckncveii. Zu dieser Gattung von Beweisführungen gehört auch ein Artikel des Berg- meisters Engel in Essen, der zur Zeit durch die kapitalistische Presse läuft. „Ich halte," schreibt Herr Engel,„es für angezeigt, die der- schiedenen, gegenüber den geplanten Betriebseinschränkungen oder Einstellungen von Bergwerken vorgeschlagenen Abhilfsmaßrcgcln einer Betrachtung zu unterziehen. Im Vordergrunde der Vorschläge hat bisher, soweit ich übersehe, der Hinweis aus den§ 6ö A. B. G. gestanden. Dieser lautet: Ter Bergwertsbesitzer ist verpflichtet, das Bergwerk zu bc- treiben, wenn der llnterlasiung oder Einstellung des Betriebes nach der Entscheidung des Ober-Bergamres überwiegende Gründe des öffentlichen Interesses entgegenstehen. Das Ober-Bergamt hat in diesem Falle die Befugnis, den Eigentümer, nach Ver- nehmung desselben, zur Inbetriebsetzung des Bergwerks oder zur Fortsetzung des unterbrochenen Betriebes binnen einer Frist von 0 Monaten aufzufordern, und für den Fall der Nichtbefolgung dieser Ausfordcruug die Entziehung des Bergwerks-Eigentums ichch Maßgabe des sechsten Tirels anzudrohen. Abgesehen davon, daß dieser Paragraph seiner Entstehungs- geschichte nach nur Anwendung findet, wenn durch den Nichtbetneb eines Bergwerkes eine allgemeine Notlage wegen des Mangels an dem bezüglichen Mineral eintritt, kann seine Anwendung doch den Beirieb nur bei Strafe der Entziehung des Bergwerks-Eigentums fordern, wird somit die Stilllegung womöglich beschleunigen, anstatt sie aufzuhalten. Auch kann man einen Betrieb nicht durch einen Dritten zwangsweise führen lassen. Es würde das ein Ein- griff in die g e w ä h r l e i st e i e U n v c r l e tz l i ch l e i t des Eigentums bedeuten, wie sie vielleicht im Bebelschen Zutünstsstaat, nicht aber unter unsrer Rechtsordnung möglich ist. Auch erscheint der weitere Vorschlag unausführbar, an die durch solche Betriebseinschränkungen oder Srilllegungen betroffenen Gemeinden bezw. an deren ansässige Einwohner Abfindungen für Steuerausfälle oder für Wertminderung des Grundeigentums zu zahlen. Schon die Auslegung solcher Abfindung ist gesetzgeberisch kaum zu konstruieren, noch viel weniger der Verleilungsmaßsiab für die Quoten an die einzelnen Grundbesitzer. Auch der Bildung von Zwaiigs-Kommunalverbänden stehen große Bedenken entgegem Aus der Vereinigung verschiedener stark verschuldeter Gemeinwesen zu einem Ganzen wird nie ein leistungsfähiger Körper entstehen._ Zudem werden die wenigen nicht erheblich verschuldeten Gemeinden einer Einverleibung in solche Zwangsvervände allen Widerstand entgegensetzen. Der weitere Vorschlag, an Stelle des Bergbaus neue Industrien in den betreffenden Gemeinden anzusiedeln, wird bei der erheblichen Stärke der ansässigen Bevölkerung schwer ausführbar sein und ver- spricht jedenfallö keine sofortige Abhilfe. Der Schlvcrpnnkt bei allen diesen Maßnahmen ist meines Erachtens darauf zu legen, daß der Grund- und Gebäudcbcsitz in den beteiligten Ortschaften vor Eni- Wertung geschützt wird. Diesen Zustand kann nieder ein praktisch unausführbarer Bctriebszwang, noch die Gewährung von Ab- findungen herbeiführen. Jedoch erscheint dieses Ziel vornehnMch dadurch erreichbar, daß man durch ungesäumte Ergänzung des Straße»bahn netzes insbesondere der ansässigen bergmännischen Bevölkerung Arbeitsgelegenheit in weiterem Radius von ihrem Wohnsitze s ch a s f t. sei es im Bergbau, sei es in andren Erwerbszweigen. Es trifft sich besonders günstig, daß in geringer Entfernung nördlich der in Frage kommeude» Zechen mehrere in rascher Entwicklung begriffene Bergwerke belegen sind, bei denen nach Ausbau des Netzes unter Einführung eines den A n f a h r- zeiten entsprechenden Straßenbahnbetricbes »och zahlreiche Arbeiter Beschäftigung finden können. Mit dieser Maßnahme wird der jetzt ans den alt- ansässigen Bewohner der Ortschaften lastende Druck behoben, der durch die Unsicherheit über die Zukunft der sie beschäftigenden Werke entstanden ist. Diese Ansässigen, können somit, wenn auch ihre Er- locrbsbedingungcn sich zum Teil verschieben werden, im übrigen in ihren altgewohnten Lebensbedingungen verharren, der Grund und Boden und ihre Anwesen werden der drohenden Wcrtvcrminderung entzogen." Die Einwände sind recht fadenscheinig. Warum bedingt die Eni- zichung des Bergwerkseigcntums eine Beschleunigung der Still- legung? Der Staat kann doch die Zechen in Staatsrcgie nehmen und die Förderung für eigene Rechnung betreiben laßen. Daß die Zechenbesitzer darin„einen Eingriff in die gewährleistete Unverletzlich keit des Eigentums" sehen, glauben wir recht gern: aber ist es vielleicht kein Eingriff in das Eigentum, wenn die Syndikate außenstehenden Werken, die sich ihrem Diktum nicht fügen wollen, durch Drohung und Zwang die wirtschaftlichen Existenzmittel entzieht und sie zum Bankrott treibt? Der Unterschied ist nur. daß in diesem Falle der Eingriff zur Hebung des Profits einiger wenigen Großkopttalisten erfolgt, im andren Falle hingegen zum Nutzen breiter Bevölkernngsschichten. Daß die Untcrilehmcr gegen einen Ausbau des Straßenbahn- Netzes, d. h. eine Lcrbindnng ihrer Zechenanlagen mit den um- liegenden Ortschaften, nichts cinzuwendeii haben, finden wir durchaus begreiflich. Sie ersparen sich dadurch die Unannehmlichkeit, bei den Zechen, dencndic nenerworbenenBeteiliguiigserhöhnngen zur Förderung zugewiesen werden, für die Unterkimst der zuziehenden Bergarbeiter zu sorgen, und zugleich ist dieser Vorschlag geeignet, das rebellierende, aus Händlern und Handwerkern bestehende Kleinbürgertum in den Bcrgmannsdörfern zn beschwichtigen. Bedingimg'st allerdings für sie dabei, daß nicht ctiva die Zechen zn denKosten für den Ausbau der Bahnen herangezogen werden; die Zuschüsse z,l den Kosten haben selbstverständlich ausschließlich die Gemeinden und der Staat zu tragen, ebenso haben sie eventuell die Garantie für die Rentabilität der Bahnen zu übernehmen. Die Herren sind, wo es sich um ihren Nutzen handelt, wirklich nicht auf den Kops gefallen. Und die Regierung scheint thatsächlich die ihr zugedachte Rolle spielen zu wollen, denn die„National-Ztg." erhält aus Essen folgende telegraphische Meldung: Essen, 9. April. In Verfolg der an den Minister ge- sandten Eingaben werden gegenwärtig seitens der Regierung Erhebungen darüber angestellt, in welchem Umfange durch das Stilllegen einzelner Zechen die Bergarbeiter beschästigungs- los und einzelne Gemeinden geschädigt werden. In den letzten Tagen fanden mehrfach Konferenzen der Ver- treter größerer Zechen zwecks Förderung des Planes auf Ausbau des Straßenbahn-NetzcS im Ruhr-Revier statt. Die� Zechen gehen von der Erwägung aus, daß bei Stilllegung einzelner Werke die unverheirateten Arbeiter anderswo untergebracht und die verheirateten Arbeiter mittels Straßenbahn den benachbarten Zechen zugeführt werden sollen. In Arbeiterkreisen wird befürchtet, daß speciell in den Bergrevieren Witten und Hattingen die meisten Zechen vorzeitig stillgelegt werden sollen. In diesen Revieren wurde» im Boriahre 20 000 Bergarbeiter beschäftigt. Für die Arbeiterschaft ergiebt sich daraus umsomehr die Forderung: Verstaatlichung des Kohlenbergbaues— natürlich nicht eine bloße Verstaatlichung der unrentablen Zechen, sondern des gesamten Bergbaues, und selbstverständlich nicht zu den durch die Praktiken deS Kohlensyndikats hinaufgetriebenen hohen Kurswerten. Wohl stehen einer Verstaatlichung manche Bedenken entgegen, aber der Syndikatswirtschaft mit ihren unausbleiblichen Folgen ist selbst unter den heutigen Verhältnissen der Staatsbetrieb immerhin vorzuziehen. Bergbau- und SchiffahrtS-Gesellschaft Kannengießer, Mül» h e i m a. Rh. Wie die„Kölnische Zeitung" aus sicherer Quelle er- fährt, ist der seither in Köln befindliche große Besitz an Aktien der Central-Aktiengesellschaft für Tauerei und Schleppschiffahrt' zu Ruhrort in das Eigentum der Bergbau- und Schifsahrts-Gesellschast Kanncngießcr übergegangen, die bisher bereits einen beträchtlichen Teil der Aktien des erstgenannten Unternehmens besaß. DaS Blatt bemerkt dazu, dieser Bcsitzwechscl sichere der Wticngesellschaft Kannengießer die Mehrheit des gesamten Aktienkapitals der Tauerei» gescllschast und könne als ein Fortschritt in der Entwicklung deS lange mit Rührigkeit und Geschick verfolgten Planes einer Per-» einigung beider Gesellschaften betrachtet werden. 8o2iales. Ueber de» Stand der Wurmkrankheit im Oberbergamtsöezirk Dortmund berichtet der„Reichs-Anzeiger": „Die Zahl derjenigen Schachtanlaaen, auf denen die mikroskopische Untersuchung der gesamten unterirdiichen Belegschaft vorgenommen ist, betrug gegen Ende März 1904 122. Von diesen Schachtanlagen lvaren zum gleichen Zeitpunkte 89 mit der zweiten oder auch häufigeren Untersuchung der gesamten unterirdischen Belegschaft fertig. Auf diesen 89 Schachtanlagen sind bei der jeweilig ersten Untersuchung insgesamt 13 974, bei der" jeweilig letzten Untersuchung insgesamt 4079'Wurm- träger ermittelt worden, so daß in der Zahl der ermittelten Wurm- träger eine Verminderung um 9895 gleich 70,8 Proz. eingetreten ist. Aus einigen Schachtanlagen ist die Zahl der Wurmträger auf ein Minimum herabgemindert oder es ist überhaupt kein Wurmwäger mehr ermittelt worden. Auf einigen andern Schachtanlagen zeigen die Zahleir der bei den Untersuchungen ermittelten Wurmträger ganz geringe Schwankungen, die darauf zurückzuführen sind. daß sich die Zahl der ermittelten Wurmträger nicht immer ganz genau mit derjenigen der wirklich vorhandenen Wurmträger deckt, da nicht bei jeder Untersuchung eines Wurmträgers Wurmeier gefunden werden. Jedenfalls aber lassen die vorstehend angegebenen Zahlen im Vergleich zu den an dieser Stelle früher mitgeteilten Zahlen einen erheblichen Fortschritt in der Bekämpfung der Krankheit erkennen." D e zugelassene Einstellung der Berieselung der Schachtanlagen hat keinen Erfolg gehabt, weshalb die bewilligten Ausnahmen zurück- gezogen worden sind. Infolge der AbtreibungSkuren sind vier Bergleute erblindet. Es wird weiter mitgeteilt, daß auf verschiedenen Schächten besondere Krankenbaracken zur Behandlung Wurmkranker errichtet werden sollen. Ter Rekurs einer Unfall- Berufsgenosseuschast ist nur dann recht» zeitig erfolgt, wenn der Vorstand innerhalb der Rekursfrist seine Genehmigung zum Rekurse gegeben*hat. Einem Holzarbeiter in Schönebeck, der zuletzt 10 Proz. Rente bezog, wurde von der Nord- deutschen Holz-Berufsgenössenschaft die Rente entzogen, weil infolge wesentlicher Besserung Folgen des Unfalls, die ihn in der Erwerbs- fähigkeit beschränkte», nicht mehr vorhanden seien. Das Schieds- gcricht zu Magdeburg verurteilte jedoch die Berufsgenossenschast zur Weitergewährung der Rente. Kurz vor Ablauf der Frist meldete ein Geschäftsführer der Berufsgenossenschast. der ihre Sachen stets vor dem Schiedsgericht und dem Reichs-Versichcrungsamt in Berlin vertritt, den Rekurs an, mit der Erklärung, die Zustimmungs- crklärung des Vorstandes folge nach. Die Zustimmung des Vor- srandes erfolgte erst n a ch A b l a u f der gesetzlichen RekurSftist. Der Geschäftsführer H. hielt sich zur Einlegung des Rekurses vor- bchalüich der Zustimmung des Vorstandes berechtigt, weil er Boll- macht hat, die Berufsgenossenschast in allen Terminen vor dem Rcichs-Vcrsicherungsamt zu vertreten und selbständig Vergleiche ab- zuschließen. Der verhandelnde Senat des Reichs-VerficherungsmnteS verwies die Suche an den Erweiterten Senat. Dieser verwarf in seiner letzten Sitzung den Rekurs der Berufsgenossenschast als verspätet und führte aus: Daß der Geschäftsführer H. innerhalb der Frist den RclurS angemeldet habe, könne zur Wahrung der Frist nicht genügen. Der Senat habe folgendes er- wogen: Allerdings ständen an sich Kläger und Beklagte prozessual gleich. Andrerseits seien jedoch an die Einlcgung des Rekurses seitens der BcrufSgenoffensckiaft andre Folgen geknüpft, als an die des Verletzten. Ter Rekurs der Berufsgenossenschast habe aufschiebend« Wirkung zu ihren Gunsten; der Rekurs des Klägers wirke nicht so. Bei dieser Verschiedenheit der Rekurse der Parteien ermögliche sich auch eine Verschiedenheit bezüglich der Behandlung der Einlegung des Rekurses. Aus diesen Erwägungen heraus sei der Erweiterte Senat des Rctursgcrichts zu der Meinung gekommen, daß den Be- rufsgenosienschaftcn nicht zu gute lommeu könne, was den Verletzten öfter gestaltet werde.(In Bezug auf Nachbringung von Vollmachten für ihre Vertreter.) Ter Rekurs einer Berufsgenossenschast sei nur dann rechtzeitig eingelegt, wenn innerhalb der ReturSfrist die Genehmigung des Rekurses seitens der kompetenten Jnstavz(Bor- stand, Vorsitzender) erfolgt sei. Biiis der Frauenbewegung. An die Gknosjinutn Deutschlands! Seit jeher ist die Beschränkung des Vereins- und Ter» sanimlungsrcchts in den verschiedenen Staaten Deutschlands ein großes Hemmnis für die Aufklärung und Organisierung der prole- tarischen Frauen, der Arbeiterinnen aber insbesondere gewesen. Für die. einschließlich der Dienstboten, den vierten Teil der weiblichen Bevölkerung betragenden crwcrbsthätigen weiblichen Per- sonen ist ei» freie«, irnbeschränktes Vereins- und Versammlungsrecht eine Lebensnotwcndigteit geworden. Deutschland zeigt in seinen Einzclslaaicn eine Mustcrkarte von Bestimmungen zur Verhütung des Mißbranchs des Vereins- und Versau, mluiigsrechts auf, die von einem Rechte der Bereinigung kaum eine Spur übrig lasten. Braunschweig. Reuß ä. L. und andre sind schlagende Beloeise dafür. Hier existiert kein Vereins- und Ber- iammlungsrccht für Frauen, obgleich viele Taufende von ihnen m diesen Staaten aus Erwerbsarbeit angewiesen sind. In Braunschweig will mm, jetzt reformieren: weiblichen Per» sonen soll gestattet werden, an Vereinen und Versammlungen teil- teilzunehmen, welche Zwecken der Nächstenliebe, der Erziehung, des Unterrichts weiblicher Personen dienen. DaS ist lediglich eine Konzession an die bürgerlichen Frauen. TenArbeiterinnen aber ein unbeschränttes Vereins- und Versammlungsrecht zu gewähren. damit sie sich organisieren und ihren festen Zusammenschluß für Er- ringung günstiger Erwerbs- und Existcnzdcdiiigungcn im Wirt. schafts- und Staatsleben ausnützen können, dafür ist das braun» schwcigische Gcldsacksparlamcnt nicht zu haben. Preußen mit seinem Junkerparlamcnt steht Braunschweig würdig zur Seite. Hat doch jüngst der weise Staatssekretär Graf Posadowsly im Reichstage das Verlangen nach einem freien Vereins- und Versammlungsrecht der Frauen damit abzuthun geglaubt, daß er meinte: ,,rö steht den Franen nicht an." In Deutschland besitzen die gewerblichen Arbeiterinnen zw« nach der Verfassung die Koalitionsfreiheit. Es giebt aber kein« Möglichkeit, diese Freiheit genügend wirksam auszunutzen, solang» nicht ein freies, uneingeschränktes Vereins- und Versammlungsreck für alle geschaffen wird. Tie Fran ist als Arbeiterin allen Chitancn des Unternehme tums preisgegeben:. Die Frau muß dem.Staate von ihrem kümw Kdfffl Verdienste Steuern zahlen, direkte und indirekte. Sie mutz ihre unter Kummer und Sorgen erzogenen Söhne dem«Bater- lande" hingeben, sie zu Krüppeln schießen lassen und, Wenns befohlen wird, den eignen Sohn auf Bater und Mutter das Gewehr richten sehen. Tie Frau ist allen Gesetzen unterworfen, mögen sie noch so nachteilig wirken, ohne daß sie das Recht hat, an der Gestaltung der Gesetze mitzuwirken und dadurch eine Aenderung der Verhältnisse herbeizuführen. Die socialdemokratische Rcichstagsfraktion hat in Erwägung all dieser und andrer Umstände im Reichstage einen Initiativantrag eingebracht, der ein freies Neichs-Vereins- und Versammlungsrecht für alle, ohne Unterschied des Geschlechts, fordert. Es darf den einzelstaatlichen reaktionären Parlamenten nicht überlassen bleiben, über das Vereins- und Versammlungsrecht, ein Grundrecht der Menschen, der Staatsbürger, zu bestimmen, sondern der deutsche Reichstag hat ein einheitliches Recht zu schaffen. Es muß daher unsre Aufgabe in der nächsten Zeit sein, eine energische Agitation für die Erringung dieser notwendigen Waffe im Befreiungskampfe des Proletariats ins Leben zu rufen. Ver- sammlungen über Versammlungen müssen zu diesem Zweck ab- gehalten werden. In Lese- und Diskutierabenden sollte man das Thema des Vereins- und Versammlungsrechts gehörig erörtern, dmnit die Teilnehmerinnen bei persönlichen Gesprächen dafür agitieren und in Versammlungen für unsre Forderungen eintreten können. Die„Gleichheit" bringt seit Jahren ausgiebiges Material zu der Frage. Dieses Material sollten die Genossinnen benutzen, um sich gründlich zu informieren. Dem weiblichen Geschlecht wird seine Hartnäckigkeit und seine Ausdauer bei der Arbeit oft zum Vorwurf gemacht. Diese Eigen- schaften aber, wie auch die Leidenschaftlichkeit, vor welcher der preußische Polizeiminister Herr v. Hammerstein in so großer Furcht lebt, sollen uns bei der Agitation und dem Kampfe für unsre Forde- rungen gute Dienste leisten. Was wir uns vorgenommen haben, müssen wir durchsetzen, jrvtz aller Hammerstcins und Posadowskhs. Sorgen Sie, werte Genossinnen, also dafür, daß in Ihrem Orte oder Kreise mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die Agitation für ein freies Reichs-Versaimnlungsrecht betrieben wird. Thun wir alle unser Bestes, strengen wir alle unsre ganze Kraft an, so wird der Erfolg nicht ausbleiben. Darum frisch ans Werk. Tie Bertrauensprrson der socialdemokratischen Frauen Tentschlands. Ottilie Baader, Berlin L. 53. Blücherstr. 49. Hof II. Schöncberg. Der Verein für Frauen und Mädchen Schöncbcrgs und Umgegend hält Montag, den 11. April, im Lokal«Wilhelms- Hof", Ebersstr. 80. seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab, in welcher Herr Dr. Chajes einen Vortrag über Krämpfe halten wird. Gleichzeitig benachrichtigen wir die Mitglieder, daß am L3. April unser Frühlingsfest, bestehend in Konzert. Theater und Tanz, in obengenanntem Lokale stattfindet und die Billets in dieser Ver- sammlung ausgegeben werden. Der Vorstand. Neu-Weifiensce. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiter- klaffe. Monwg. den 11. April, abends 3'/> Uhr, im Lokal des Herrn Garz, König-Chaussce 55: Vortrag des Herrn Dr. Röder über Wirbelsäulenverkrümmungen und ihre Verhütung. Gäste willkommen. Der Vorstand. Sonnabend, den 7. Mai, feiert der Verein sein 1. Stiftungsfest durch Konzert. Theater und Gesang, nachher Tanz. Billets sind zu haben bei Frau Demmig, Friedrichstr. 1. und Frau Mcinecke, Schön- straße IL.__ � GeHchtö-Zeitung. Ein Schulpalast in Berlins Umgebung. An demselben Tage, an welchem die T r a k e h n e r Schul- z u st ä n d e vor Gericht erörtert wurden, hatte die fünfte Straf- kaumier des Landgerichts II sich längere Zeit mit den Verhältnissen des Schulgcbäudcs in Schöneiche bei Friedrichshagen zu beschäftigen. Viel erbauliches kam dabei nicht zum Vorschein. Der Kunstmaler Hugo Link aus Schöneiche war beschuldigt, seine 8jährige Tochter ohne genügende Entschuldigung vom Schulbesuch ferngehalten zu haben. Die Beweisaufnahme erbrachte folgenden Sachverhalt. Ter Angeklagte besitzt eine 8jährige Tochter und aus Rücksicht auf deren Gesundheit ist er nach Schöneiche hinausgezogen. Nachdem das Kind die dortige Schule besuchte, fing es bald an zu kränkeln, klagte namentlich über Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit und wurde täglich schwächlicher. Der besorgte Vater ging der Sache auf den Grund und stellte folgendes fest: Das Schulgcbäude in Schönciche besteht aus einem kleinen einstöckigen Häuschen, in welchen! sich die Lehrer- Wohnung in einem vorher zum Teil als Futterboden benutzten Räume befindet. Das Schulzimmer ist etwa 6 Meter lang, 5 Meter breit und 2V. Meter hoch. In diesem Zimmer steht ein alter so- genannter Zianonenofen, der bei dem geringsten Luftzug raucht; die drei Fenster, die dem Räume Lirlit geben sollen, sind durch davor- stehende Bäume noch zum Teil verdeckt. Der Raum soll außerdem dermaßen feucht sein, daß der Fußboden morsch ge- worden ist; in einem angrenzenden, nur durch eine Lehmwand gc- trennten Räume waren während des Sommers polnische Schnitter untergebracht. In diesem Schulzimmer wurden durchschnittlich 50 Kinder unterrichtet. Nachdem Herr Link sich von diesen Zuständen überzeugt und von verschiedenen Personen sich Rat geholt hatte, nahm er sein Kind aus der Schule und unterrichtete es selbst. Die Krmikhcitsshmptonic verloren sich von diesen: Augenblick an wieder langsam. Herr Link wurde von der Ortsbchörde in Schöneiche mit einer Schulversäumnisstrafe von 2 M. bedacht. Hiergegen erhob er Widerspruch, worauf das Schöffengericht in Köpenick die Strafe auf 1 MS. ermäßigte. Hiermit gab sich Link nicht zufrieden, sondern legte unter dem Beistände des Rechtsanwalts Dr. Liebknecht Berufimg ein, die nun vor der Straskammer zur Verhandlung kam. Als medizinische Sachverständige waren geladen: Kreisarzt Dr. Schulz, Sanitätsrat Dr. I a c o b y- Friedrichshagen und Dr. med. Carl Peters- Friedrichshagen. Seitens der königlichen Regierung war der Kreisschulinspektor B a b i ch anwesend. Der als Zeuge vernommene Lehrer Bethmann bestätigte im allgemeinen die oben geschilderten Zustände: das ganze Gebäude sei so feucht, daß sein« Frau Rheumatismus davongetragen habe. Ter Kreisschul- inspektor gab seine Ansicht dahin kund, daß das Gebäude bei toeitcm nicht den gesundheitlichen Anforderungen, die an ein Schulgebäudc zu stellen seien, entspreche. Der Kreisarzt Dr. Schulz gab sein Gutachten dahin ab, daß in derartigen knappen Räumlichkeiten, in tvelchen 50 Kinder zusammengedrängt unterrichtet würden, sich sehr wohl so schlechte Luft ansammeln könnte, die derartige Krankheits- erscheinungen, wie sie bei der kleinen Link beobachtet Ivurdcn, hervor- bringen können. Der Staatsanwalt beantragte, die Berufung zu verwerfen. Rechtsanwalt Liebknecht hielt dagegen die Frei- sprcchung für geboten. Man könne doch wohl dem um die Gesundheit setner Tochter besorgten Vater nicht verdenken, wenn er diese nicht in ein« Schule schicke, die den hygienischen Anforderungen nach keiner Richtung entspreche. Ebensogut könnte man ihm zumuten, sein Kind in einen Schulraum zu schicken, dessen Decke einen baldigen Einsturz befürchten ließe. Von einer Vernachlässigung des Schulbesuchs könne vorliegendenfalls nicht die Rede sein.— Ter Gerichtshof schloß sich diesen Ausführungen an und erkannte auf Freisprechung. Wie lange mag denn nun noch die Vernichtung der Gesundheit von 50 Kindern weiter geduldet werden? Einen Ablehnungsantrag wegen Befangenheit stellte gestern der wegen Untreue angeklagte Betriebsdirektor Willy Wulff gegenüber dem Vorsitzenden der vierten Strafkammer Landgerichts- direktor Oppermann l. Der Angeklagte ist vor zwei Jahren wcgest eineZ groben Falles der Untreue in Gemeinschaft mit dem verstorbenen Omnibusunternehmer Johannes K n i e s e zu e r n e i n- halb Jahren Gefängnis bei sofortiger Verhaftung ver- urteilt worden. Auf seine beim Reichsgericht eingelegte Revision erfolgte die Aufhebung des ersten Urteils wegen formaler Mängel und die Zurückverweisung der Sache an die Strafkammer zu er- neuter Verhandlung. Der Angeklagte betrieb dann seine Haft- entlassung, die später auch erfolgte und aus der Stellung, die der Vor- sitzende den Entlassungsanträgen gegenüber«ingenommen hat, leitete er nun den Verdacht der Befangenheit her. Der Ablehnungs- antrag wurde als unbegründet abgelehnt. In der Sacke selbst handelte es sich um die schnöde Hintergehung eines Wohlthäters durch den Angetlagtcn. Dieser war früher Bauerngutsbesitzer, er kam in die Deroute und ging nach Berlin, wo er zunächst Lmnibusschaffner wurde. Um aus dieser Dürftigen Position herauszukommen, wandte er sich an seinen Jugendfreund, den inzwischen als Direktor des Technikums in Ilmenau in eine glänzende Lage gekommenen Direktor I e n tz e n, der sich auch bereit erklärte, dem Angeklagten mit Geldmitteln zu helfen. Es kam zwischen beiden ein Vertrag zu stände, wonach Direktor Jentzen etwa 30 000 M. für das projektierte Unternehmen einer..Neuen Berliner Nachtomnibus- Linie" hergab, selbst Eigentümer des Unternehmens, Wulff aber technischer Leiter und Prokurist wurde. Im Sommer 1901 kam es zwischen beiden zu Differenzen, im Laufe deren Direktor Jentzen dem Angeklagten alle Vollmachten für die Polizei entzog und sofortige Niederlegung der Geschäftführung verlangte. Der Angeklagte sträubte sich. Direktor Jentzen mußte die Handelskammer zum Erlaß einer einstweiligen Verfügung anrufen, bevor aber noch die Prokura des Angeklagten gelöscht worden war. verübte dieser noch einen arg- listigen Streich. Er Ivar mit Kniest bekannt, der als Konkurrent gleichfalls ein Nachtomnibus-Unternchmeu. gleichzeitig aber auch einen Pferdehcmdel betrieb. Mit diesem schloß Wulff in seiner Eigenschaft als Prokurist, ohne vorher dem Direktor Jentzen auch nur ein Sterbenswort zu sagen, einen Vertrag ab. wonach sich die „Neue Berliner Nachtomnibus-Linie" mit einem Betrage von 100 000 M. an dem Knicsescben Unternehmen, insbesondere an dem Pferdehandcl beteiligte. Er übergab dem Kniest zugleich 5 Wechsel a 20 000 M., darunter«inen Sicktwechstl, die er als Prokuxist des Direktor Jentzen acceptiert hatte. Die Anklage nahm an, daß es sich um einen zwischen dem Angeklagten und dem Kniest ausgeklügelten Plan handelte. Herrn Direktor Jentzen in finanzielle Schwierig- leiten und dann dessen Unternehmen an sich zu bringen. Die Bc- stimmungcn des Vertrages waren dem Kniest durchweg günstig, während Direktor Jentzen mit einem Risiko von 190 000 M. ohne jede sichere Unterlage belastet wurde. Eines Tages wurde dem letzteren der Sichtivechstl von 20 000 Ml zur Zahlung vräsentiert. Zahlung wurde nicht geleistet. Der Wechsel ging zum Protest und Direktor Jentzen tvar nun wieder gezwungen, in einem langwierigen Civilprozeß gegen Kniest sich durch alle Instanzen vor einer miß- bräuchlichen Benutzung seiner Accepte zu schützen. Er siegte in allen Instanzen, die übereinstimmend der Ansicht waren, daß hier ein höchst verwerflicher, arglistiger Streich vorlag. Ter Civilsrrcit ist schließlich durch einen zwischen Direktor Jentzen und Kniest ge- schlosscnen Vergleich beendet worden.— Auf Grund dieses That- bcstcmdes. an dem sich nichts änderte, beantragte der Staatsanwalt gestern wieder 1 Jahr«! Monnate Gefängnis.— Ter Gerichtshof erkannte auf Einstellung des Verfahrens gegen den ver- storbenen K n i e s e und verurteilte den Angeklagten Wulff zu IV, Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshaft. Der Angcllagte wurde auf freiem Fuß belassen. Graf Zbigniew Kwilecki zu Wroblewo suchte gestern eine Stätte auf, tvclche trübe Erinnerungen in ihm wachrufen mußte. Er befand sich in Begleitung einer Dame, welche in einer Bctrugssache als Zeugin aufzutreten hatte, mr Kriininalgcrichtsgebäudc. Die Dame war die Frau BukowSka aus Karlshorst, bei der Graf Kwilecki während seiner früheren Besuche der Hauptstadt wiederholt gewohnt hatte. Als der Graf wegen Verdachts der Kindesunterschiebung in Untersuchungshaft genonuncn wurde, fehlten ihm Barmittel, weshalb er die Frau Bukowska beauftragte, vier Fischoiterfclle, welche in ih�em Gewahrsam waren und die 00 M. wert sein sollten, zu ver- kaufen. Frau Bukolvska wandte sich an den Agenten Max Floht, welcher es versuchen wollte, einen Käufer für die Felle zu finden. Er sollte sich hierbei eines Betrugs schuldig gemacht haben. Wie Frau Bukowska im Termin behauptete, habe Flohr nach längerer Zest erklärt, daß er nicht mehr wie 30 M. für die Felle erhalten könne. Tie Zeugin habe sich damit einverstanden erklärt, sich aber in ihrer Annahme, daß der Angeklagte ihr die 30 M. bringen würde, getäuscht gesehen, denn dieser habe sich nicht wieder sehen lassen. Ter Angeklagte behauptete, dagegen, daß die Zeugin ihm selbst die Felle verkauft, er aber aus guten Gründen das Geld für sich behalten habe. Er sei auch von der Zeugin beauftragt worden, für den in Hast befindlichen Grafen auf ein von diesem ausgestelltes Schriftstück Geld zu besorgen, was ihm aber trotz vieler zeitraubenden Be- mühungen nicht gelungen fei. Er würde für seine ganze Thätigkeit im Interesse des Grafen keinen Pfennig erhalten haben, wenn er sich nicht durch Einbehaltung der 30 M. selbst bezahlt gemacht hätte. Da Aussage gegen Aussage stand, so zog der Gerichtshof eS vor, ein freifprechevdcs Urteil zu fällen. Versammlungen. Ist die Bekämpfung dcS GutcnbcrgbnndcS eine Notwendigkeit? Mit diesem Thema beschäftigte sich am Freitag eine öffeutlichc Buchdrucker-Bersammlung. die in Kellers Saal statt- iand. Der Besuch der Versammlung war ein ungewöhnlich starker. Bis auf den letzten Platz waren Saal und Galerien gefüllt. Im Vordergrunde, dicht vord er Bühne, hatte ein ettva 100 Personen zählendes Häuflein Gutenbcrgbündler Platz genommen. Der Um- stand, daß im Versammlungsthema von Bekämpfung die Rede ist, mag es toohl gctoesen sein, der die Polizei in besonderer Stärke aus den Plan trieb. Außer den beiden Ueberwacheuden im Saale hielten sich in de» Vorräumen noch etwa sechs Schutzleute auf, deren Helmspitzen durch die geöffnete Saalthür blinkten. Selbstverständlich nahmen die Auseinandersetzungen zwischen Verband und Gurenbcrg- bund, so entschieden sie auch geführt wurden, nicht einen derartigen Charakter an, daß dadurch das ungewöhnlich starke Polizeiaufgebot begründet worden wäre. Eine gründliche Abrechnung war es. die der Referent M a s s i n i mit dem Gutcnbergbunde vornahm. Er sei kein Freund von Aus- eiiiandersttzungen zwischen Arbeitern desselben Berufes— sagte der Redner—, aber da diese Auseinandersetzung mit dem Guteubcrg- bunde sich notwendig gcmachr habe, so solle sie auch gründlich er- 'olgen. Den Anlaß zu dieser Auseinandersetzung haben die Vor- gänge der letzten Zeit, namentlich der durch das Verhalten der Gutenbergbüudler hervorgerufene Konflikt bei der Firma Haasen- stein u. Vogler gegeben. Zunächst sei es notwendig, den Schlüffel zu diesen Ereignissen zu geben und das sei der: Nachdem bei der letzten Tarisberatung der paritätische Arbeitsnachtvcis eingeführt und gleich- zeitig vereinbart war, daß numnebr die sowohl von Prinzipalen wie von Gehilfen allein geführten Ärbeitsuachweise aufgehoben seien, und nachdem die Prinzipale wie der Buchdrucker- Verband ihre' Arbeitsnachweise aufgelöst hatten, erklärte der Gutcnbergbund zwar offiziell, daß auch er seinen Arbeitsnachweis auslöse, aber unter der Hand wurde die Arbeitsvermittclung des Gutenbcrgbnndcs weiter geführt. Als dieser Sachverhalt zur Kenntnis des Tarif- amtes kam. strich es im Mai 1902 den Gutcnvcrgbund von der Liste der tariftreucn Organisationen. Das hinderte aber den Gutenbcrgbuud nicht, seine ArbeitSvcrmittelung fortzufetzqn, und Stellen einzunehmen, welche bisher von Berbmidsmitgliedern besetzt Ivaren. Der Redner besprach nun die bekannten Vorgänge bei Haasenstcin u. Vogler, die damit endeten, daß das Tarifamt die Besetzung der Stellen durch den Gutcnbergbund als einen Tarifbruch erklärte, die Firma nach anfänglichem Sträuben sich dem durch das Tärifamt unstrstützien Verlangen des Verbandes fügte, die Guten« bergbündler, welche das Tarifamt als tarifuntrcu erklärte, entließ, und die Verbandsmitgliedcr wieder einstellte. Nachdem der Redner noch mehrere weiter zurückliegende ähnliche Handlungen des Guten- bergbundes angeführt hatte, kam er zu dem Schluß, daß der Kampf gegen den Gutenbergbuud berechtigt und notwendig ist, denn der Gutenbergbund suche die Stellen der Verbandsmitgliedcr zu besetzen. und er sei vom Tarifamt als tarifuntreu erklärt worden. Das Ziel des Kampfes sei, daß sich der Gutcnbergbund dem Buchdrucker- Verband anschließe. TW sehr ausgedehnte Diskussion wurde durch den Vorsitzenden des Gutenbergbiindes, I l l i g, eingeleitet. Er suchte die Sonder« organisation mit denselben Gründen zu verteidigen� die für den Schutz der Arbeitswilligen geltend gemacht zu werden Pflegen. Die Bekämpfung des Bundes bezeichnete der Redner als Verstoß gegen das Koalitionsrecht. Es werde dem Verbände nicht gelingen, den Gutenbergbund zu ruinieren. Je schroffer der.Kampf gegen den Bund geführt wird, desto schroffer werde die Abwehr werden.— Die Einzelfälle, mit denen Massini das nnsolidarische und tcrrifwidrige Verhalten des Gutenbergbundes begründet hatte, wurde weder von Herrn Jllig, noch von den sonstigen Rednern des Bundes, Burckhardt, Dahl und andern auch nur mit einer Silbe berührt. Keiner der Bündler kmn über mehr oder weniger unklare allgemeine Redens- arten hinaus.— Ebenso eingehend wie streng sachlich äußerte sich der Verbandsvorsitzende D ö b l i n zu der Angelegenheit. Er be- tonte, daß der Gutcnbergbund lediglich deshalb bekämpft wird und bekämpft werden muß. tveil er die Bestrebungen des Verbandes hindert, und weil der Bund eine Gefahr ist für das. was der Ver- band in langer und schwerer Arbeit errungen hat. Würde der Verband den Gutcnbergbund nicht bekämpfen, dann würden die Errungenschaften des Verbandes bald wieder verloren gehen. Schließlich wandte sich der Redner an die Einsicht der Gutenberg- bündler, er suchte ihnen klar zu machen, daß jede Zersplitterung in der Organisation die Arbeiterintcressen schädigt, und daß alle Buch- drucket in den Verband gehören.— Ter Appell au die bessere Einsicht schien aber bei den Gutenbcrgbündlern nutzlos zu sein. Die nach- folgenden Redner äußerten sich in derselben Tonart, die schon die ersten Redner ihrer Richtung angeschlagen hatten. Als dem Referenten Massini das Schlußwort erteilt wurde, erhoben sich die Bundcsmitglicdcr geräuschvoll und gingen demonstrativ zum Saale hinaus. Nachdem Massini in seinem Schlußwort betont hatte, daß keiner der Gutenbergbündlcr auch nur den Versuch gemacht habe, die gegen sie erhobenen und begründeten Vorwürfe zu widerlegen, nahm die Versammlung folgende Resolution an: Die Versammlung der tariftreucn Berliner Buchdrucker bringt ihre tiefste Entrüstung über das tarifwidrige und unsolidarische Ver- halten des Gutenbergbundes hiermit zum Ausdruck. Sein Verhalten den Tarifinstitutionen wie dem Verband gegenüber ist ein jedem Herkommen im Gewerbe hohnsprechendes. Ebenso sind die Aus- führungen im«Typograph", dem Organ des Bundes, wie im be- sonderen in der Broschüre des Hauptvorstandcs des Bundes, be- treffend seine.Rechtfertigung" über die jüngsten Vorgänge in Berlin, nicht der Wahrheit entsprechend.— Die Versammlung erklärt daher, daß der gegen den Gutenbergbund geführte Kampf nicht nur ein berechtigter, sondern geradezu eine Pflicht der Tariforgau« und der tariftreucn Gehilfenschaft ist. um endlich dem gewerbc- schädigenden Treiben dß> Gutenbergbundes einen Riegel vorzuschieben.— Ferner erwartet die Versammlung von der dem Bunde noch anghörenden Gehilfenschaft, daß sie aus diesen Vorkommnissen die Konstqucnzen zieht, und nickst länger einer Vereinigung angehört. die wegen der vielen Zuwiderhandlungen gegen die Interessen der Tarifgcmcinschaft als tarifuntreu vom Tarifamt gestrichen werden mußte./ Eine gut besuchte Versammlung der organisierten Schlächter» gesellen, an welcher sich auch die Vertäuferinncn rege beteiligten, tagte am Karfreitag im„Englischen Garten". Der Reichstags« Abgeordnete Fritz Zubeil sprach über die deutsche Gewerkschafts« bcwegung und die Streiks. Redner wußte durch seine sachlichen, belehrenden und interessanten Ausführungen die anwesenden Gesellen und Verkäuferinnen zu fesseln. Reicher Beifall belohnte den Rc- fercnten. Zum zweiten Punkt sprach Lange über die Arbeitslosig- keit und die gewerbsmäßigen Stcllenvermittler. Auch seine Aus- führungen, die dahin gingen, daß nur eine starke Organi- fation die Seelenverkäufer aus der Welt schaffen könnte. wurden mit Beifall aufgenommen. Hierauf verlas der Vorsitzende K e S l i n k e eine an das Berliner Polizeipräsidium ge« richtete Petition, in der ersucht wird, dafür Sorge zu tragen, daß alle Fleischereibetriebe Berlins und Umgegend am Karfreitag sowie an andern Sonn- und Festtagen von 10 Uhr vormittags an einer gründlichen Kontrolle betreffs der Durchführung des§ Ivo c der Gewerbe-Ordnung unterliegen. Es wurde auch noch durch Anfrage vom Vorsitzenden festgestellt, daß trotz der Kontrolle der Behörde am Kar« freitag bis 2 Uhr nachmittags und noch länger in Fleischereien gearbeitet worden ist. Auch waren die Meister vielfach sonderbarer- weise vorher von der zu erwartenden Kontrolle unterrichtet. Eine lebhafte Diskussion ergab, daß in vielen Geschäften Sonntags oft bis 4 Uhr nachmittags gearbeitet wird. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die heute in Berlin versammelten Fleischergesellen und Ver« käuferinncn beschließen in Bezug auf die Regelung der Wochen- und sonntäglichen Arbeitszeit, daß die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches nochmals um die gesetzliche Festlegung einer täglichen MaximalarbeitSzeit von zwölf Stunden angegangen und gleichzeitig um schärfere Kontrolle der SountagSarbeit in den Fleischereien ersucht werden sollen. Den Kollegen wird zur Pflicht gemacht, für Durchführung dieser Verlangen jederzeit einzutreten und vor allem für Anftechterhaltung der gesetzlichen Vorschriften, für die Einhaltung der Sonntagsruhe zu sorgen." Letzte jVachncbten und Depefchetv Hercro-Krieg. Berlin, 9. April. Obcrlieuienant Techow meldet unier dem heutigen Tage aus Windhuk: Die Abteilung Glafenap im Vor- marsch von Olvikokorero hatte am 2. April ein schweres aber lieg- reiches Gefecht bei OkaHarni. Der Gegner zog in nordöstlicher Richtung ab. Major von Glasenap ist vom 3. bis 4. April auf Odjilnara marschiert und beabsichtigte, den Gegner anzugreifen. Bei letzterem wurden 92 Tote gezählt. Diesseits Lieutenant d. R. Nörr und 31 Mann tot; Lieutenant Hildebrandt von der Marine-Jufanterie und 15 Mann verwundet._ Ein Gesetzentwurf über die Wahlpflicht. London, 9. April.(B. H.) Der Premierminister der Provinz Viktoria(Australiens hat einen Gesetzentwurf ausgcarbcitcl betreffend die Zwaugsabstimmung bei den Wahlen. Der Minister ist zu dieser Maßregel durch die häufigen Wahlcnthaltungen veranlaßt worden._ Paris, 9. April.(23. T. B) Der konservative Deputierte Groussau teilte dem Jusffzministcr mit, daß er ihn über die Eut« fernung der Christusbilder aus den Gerichtssälen interpellieren werde, da die Gerichtsgebäude den Departements gehörten, weshalb die Verfügung des Justizminifters eine Rechtsverletzung bedeute. AmienS, 9. April.(W. T. B.) Infolge der hier vorgekommenen ernsten Ruhestörungen sind weitere Truppen hierher beordert. Stockholm, 9. April./z Uhr, bei Mierke, Berlinerstr. 54, referiert Genosse Vierräther- Pankow über:„Preußen in Deutschland voran— Deutschland in der Welt voran." Auf der Tagesorb>..i!lg steht außerdem: Bericht des Kassierers über das verflossene Halbjahr. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Karlshorst. Montagabend 8'/z Uhr ist im Lokal von Kupsch der Zahlabend des Wahlvereins. Johannisthal. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet Dienstagabend 8V2 Uhr bei Rau, Parkstr. 12, statt. lokales. Wie die städtischen Irrenanstalten ihre Toten begraben. Einen Beitrag zu diesem Kapitel bildet wieder einmal ein Fall, der uns aus der Anstalt Dalldorf berichtet wird. Dort ist kürzlich ein Patient G. gestorben und dann beerdigt worden, ohne daß seine Frau von seinem Ableben Kenntnis erhalten hatte. Das Bureau hatte zwar die vor einigen Monaten nach einem Vorort der- zogene Frau benachrichtigt, aber der Brief war als unbestellbar zurückgekommen. In der Anstalt war mithin bekannt— und zwar noch vor der Beerdigung—. daß die Todesnachricht nicht an Frau G. gelangt war. Als die Witwe dann sieben Tage nach der Beerdigung hinauskam, stand sie vor einem geschlossenen Gräbel Es giebt Leute, die nicht begreifen können, daß der«Vorwärts", wenn ihm Mißstände aus der städtischen Verwaltung bekannt werden, Artikel von halben und ganzen Spalten darüber bringt. Stadtrat Fischbeck hat sich in der Stadtverordneten-Versammlung hierüber den Mund zerrissen, und in seinem Organ„Freisinnige Zeittmg" ist derselbe Faden weiter gesponnen worden. Fischbcck hat auch geschildert, wie wegen dieser„langen Artikel" dann der Oberbürgermeister„sich hinsetzen" und„eine Verfügung schreiben" muß, wie der Decernent der angegriffeneu Verwaltung«ebenfalls die Ver- fügung zeichnen" muß, wie der in Betracht kommende Beamte gleichfalls„sich hinsetzen und bogenlange Berichte schreiben" muß. Solchem Kopf, der die Wichtigkeit der Beschwerden offenbar mit der Elle mißt, wird wahrscheinlich auch der eingangs mitgeteilte Fall als ein unerheblicher erscheinen, den man gleichmäßig zu den übrigen legen dürfe. Andren aber, die sich ihr Urteil über mensch- liches Liid nicht erst aus dem Aktenschrank heraussucheil, drängt sich hier der Gedaule auf: Wie ivar dieses Vorkommnis, das die Witwe begreiflicherweise tiefschmerzlich berührt hat, überhaupt möglich k Verhälttlismäßig nebensächlich ist die Frage, wen die Schuld an der Nichtbestellung des Briefes trifft. Frau G, hatte der Anstalt den Wohnungswechsel mitgeteilt. Sie leitet die Filiale einer bestimmten Finna und hat ihre Wohnung hinter dem Laden. Der Angabe ihrer vollen Adresse hatte sie, wie sie ver- sichert, hinzugefügt, daß sie im Laden dieser Firma zu finden sei. Hat das Bureau das nicht beachtet oder hat der Briefträger sich nicht genug ningeschaut? Unsre Nachforschungen im Briefträgerzimmer des Postamtes haben nicht ergeben, ob einem Briefträger die Schuld trifft. Die Dalldorfer Anstalt könnte Auskunft darüber geben, aber wir haben darauf verzichtet, uns dorthin z« wenden. Die Verwaltungsbureaus des freisinnigen Berliner Magistrats haben strenge Anweisung, der Presse die Auskunft zu verweigern! an die Oeffent- lichkeit darf nur konmien, was von„oben" genehmigt ist.(Man vergleiche dazu auch die Affaire„Fischbeck contra Hoffmann- Augustin"!) Kann sein, daß sich den Dalldorfcrn die Möglichkeit bietet, den Briefträger ans Messer zu liefern. Aber retten würde sie das nicht; denn ihre Schuld würde dadurch um nichts ver-, ringert. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß bei Todes- Nachrichten alle Mittel angewandt werden müssen» um die Hinterbliebenen aufzufinden. Das ist eine Pflicht, die menschliches Mitgefühl ohne weiteres anerkennen muß. G. war nicht einer jener Patienten, um die sich kein Mensch kümmert. Er war von der Frau und andern Angehörigen oft besucht worden, und noch zwei Tage vor seinem Tode war Frau G. draußen gewesen. Durch eine Anfrage beim Wartepersonal hätte das Bureau das fest- stellen können. Wir wissen nicht, ob man den„unbestellbareil" Brief beruhigt zu den Akten gelegt oder weitere Ermittelungen angestellt hat. Aber was nmn auch gethan haben möge: richtig kann man nicht zu Werke gegangen sein. Die Schuld an der„Unauffindbarkeit" der Frau trifft die Anstalt— trifft sie auch dann, wenn ihr etwa doch nicht der Name der Firma bekannt gewesen sein, oder wenn der Briefträger nicht aufgepaßt haben sollte. Es kommt noch ein besonderer Umstand hinzu. Frau G. wurde nachttäglich vom Briefttäger gefunden und erfuhr nun, daß eine Zustellung für sie als unbestellbar zurückgegangen sei. Darauf schrieb sie nach Dalldorf um Auskunft über das Befinden ihres Mannes, dessen Vor- und Zuname nebst Pavillonnummer sie angab. Sie fügte hinzu, die Mitteilung des Briefträgers über eine an sie gerichtete Zustellung habe sie be u n r u h i gt. Eine angefügte Antwort- karte trug ihre genaue Adresse. Das war zwei Tage nach der Ve- erdigung, aber die Antwort— blieb aus. Als die Frau vier Tage nach Abscndung der Bitte um Auskunft endlich aus dem Geschäft, das sie allein versieht, wegkonnte, fuhr sie selber hinaus und erfuhr dann das Schreckliche. Ein paar Tage später fuhr sie nochmal hinaus, um sich zu beschweren. Man zuckte die Achseln und gab ihr ge- wisscnhaft die unbenutzte Antwortkarte zurück. Eines Wortes der Kritik bedarf es hier nicht— die Sache richtet sich selber. Rur einen kleinen Zusatz wollen wir machen, der vielleicht nicht überflüssig ist. Die erste Mitteilung über das Vorkommnis ist uns von unbeteiligter Seite zugegangen. Die Angehörigen und Verwandttn G.s, von denen wir dann Auskunft erbaten und erhalten haben, sind von uns nicht gefragt worden, wie sie sich zur Socialdemottatie stellen; danach fragen wir in solchem Fall nie. Wir haben aber den Eindruck gewonnen, daß sie sämtlich nicht unsre Freunde sind, und einer der Verwandten hat sich von vornherein sogar als entschiedensten Gegner des„Vor- Ivärts" und der Socialdemottatie bekannt. Hier kann also die Hilflosigkeit ertappter Schuld sich nicht hinter jenes Wort verstecken, durch das der freisinnige Stadtrat Fischbeck für alle Zeiten sich selber gcbrandmarkt hat, hinter das Wort von der„Klientel des„Vorwärts" und der Socialdemottatie". Im übrigen ist ja für die Jrrenpflege-Verwaltnng nicht Fischbcck, verantwortlich. Aber vielleicht wird man uns jetzt erwidern: Wie kommt denn ihr dazu, euch in die Angelegenheiten von Leuten hineinzumengen, die euch gar nichts angehen? Da werden lvir aller- dings wohl verstummen müssen. Denn wir glauben nicht, daß es uns gelingen wird, in freisinnige Schädel die Erkenntnis hinein- zuhämmern, daß uns auch hier wieder die Person nichts und die Sache alles sein mußte._ Eine Schauermär der„Staatsbürger Zeitung". Es ist nachgerade ständiger Brauch bei der arbeiterfeindlichen Presse geworden, bei jedem Streik irgendwelche strafbaren Hand- lungen zu„entdecken", die von Streikenden gegen irgend einen arbeitswilligen Schützling des Unternehmertums verübt worden sein sollen. Meistens genügt schon die Thatsache, daß gleichzeitig mit einem Streik eine strafbare Ausschreitung beliebiger Personen statt- gefunden hat, um diesen Vorgang mit dem Streik in Verbindung zu bringen und den Streikenden Vergehen und Vorbrechen in die Schuhe zu schieben, an denen sie ebenso jmschuldig sind, wie etwa an einem Gewitter, welches zur Zeit des Streiks ausbricht und irgendwo ein- schlägt. Jeder halbwegs urteilsfähige Mensch erkennt zwar den Stempel der Lügenhaftigkeit, den die Verunglimpfungen streikender Arbeiter in der arbeiterfeindlichen Presse an der Stirn tragen, und wir hätten deshalb keine Ursache, uns mit der Richtigstellung solcher Schauernachrichten zu befassen, wenn nicht genugsam bekannt wäre, daß solche Schwindclgeschichtcn die Runde durch die ganze Unter- nehmerpresse machen und schließlich, wenn es einmal gilt, gesetzliche oderpolizeiliche Maßnahmen gegen die Arbeiterbewegung durchzudrücken, sogar von amtlicher Seite als Material zur Begründung weiterer Knebelung der Arbeiterorganisation verwendet werden. Dieser Umstand legt uns die durchaus uicht angenehme Pflicht auf, uns heute mit einem der unsaubersten Organe der arbeiterfeindlichen Richtung zu befassen, und eine nichtswürdig- tendenziöse Entstellung dieses Organs aus ihren wahren Sachverhalt hin zu prüfen. Die„Staatsbürger-Zeitung" erregte am 1. April durch eine entsetzliche Schauermär das Gruseln aller Staatsbürger. Anknüpfend an die Thatsache, daß die Tischler und Maschincnarbeiter der Küsterschen Bautischlerei in der Greifswalderstratze streikten und nachdem schon die Forderungen der Streikenden(die inzwischen in allen Punkten erfüllt worden sind) als wahre Schaudthaten gekenn- zeichnet wurden, fährt das Organ des edlen Grafen Pückler fort: „Als der seit ungefähr fünf Wochen bei der Firma Küster beschäftigte Tischlcrgesclle Franz Lehmann, Grünthaler- straße 29a am Dienstagabend gegen 9 Uhr seine Arbeitsstätte verließ, um mit dem Nordring nach Hause zu fahren, traten auf dem Bahnhof Weißcnsee drei Männer auf ihn zu. Der eine davon schlug ihm ohne jeden voraufgegangenen Wortwechsel mit der Faust in das Gesicht, worauf alle drei in den Zug sprangen. Da dieser bereits im Abfahren begriffen war, blieb auch Lehmann weiter nichts übrig, als einzusteigen. Auf dem Bahnhof Schönhauser Allee angekommen, verließ er den Zug und ging, da er von den drei Männern nichts mehr bemerkte, ruhig seines Wege?. Er beabsichtigte noch vor dem Nachhausegehen aus einer ihm gehörenden Sommerlaube einiges Handwerkszeug zu holen. Plötzlich be- merkte er die drei Männer von vorher, in unverkennbar feindseliger Absicht hinter sich herkommen, und da ihm in der völlig menschenleeren Gegend angst wurde, begann er zu laufen, wurde jedoch eingeholt und mit den Worten:„Du Hund sollst nicht wieder zur Arbeit gehen!" zu Boden geworfen und mit Fäuste», Stiefeln und Messern in der bestialischten Weise zugerichtet. Die drei Männer ergriffen darauf die Flucht. Nachdem der Unglückliche längere Zeit völlig bewußtlos dagelegen hatte, vermochte er sich endlich unter den gräßlichsten Schmerzen bis zur nächsten Unfall- station in der Schönhauser Allee zu schleppen, wo der Arzt außer mehreren tiefen Messerstichen eine Menge andrer, teils schwerer Verletzungen feststellte." Welche Thatsachcn liegen nun der von der„Staatsbürger-Zeitung" erzählten Mordgeschichte zu Grunde? Wir haben durch Befragung einwandsfreicr Zeugen folgendes festgestellt: Am Montag vor Ostern— nicht am Dienstag, wie die„Staats- bürger- Zeitung" unrichtigerweise mitteilt— erschien abends der Tischler Lehmann in einem in der Nähe der Küsterschen Werkstatt belegenen Schanklokal. Von den streikenden Küsterschen Arbeitern war zu jener Zeit u i e m a u d im Lokal. Weder der Wirt noch die anwesenden Gäste kannten den Lehmann, auch konnte niemand vermuten, daß Lehmann zu den Arbeitswilligen des Küsterschen Betriebes gehörte. Lehmann, der stark angetrunken war, mischte sich in das Gespräch zweier Gäste, und zwar in so unanständiger Weise, daß diese den Wirt ersuchten, sie vor den Belästigungen des Betrunkenen zu schlitzen. Aber trotz aller Versuche, den Störenftied zur Vernunft zu bringen, setzte er sein unanständiges Betragen fort, und so kam es zwischen Lehmann und den beiden von ihm be- lästigten Gästen zu Reibereien. Gegen 12 Uhr nachts ver- ließen Lehmann und die beiden andren Männer gleich- zeitig das Lokal, und auf dem Heimwege kam es dann auS Anlaß der vorausgegangenen Wirtshausstreitigkeiten zu einer Rauferei, bei der Lehmann einige Verletzungen davonttug.— Die Messerstiche, die schweren Verletzungen, die gräßlichen Schmerzen des gequälten Opfers sind Phautasiegebilde der„Staatsbürger Zeitung". Lehmanns Zustand war derart, daß der ihn behandelnde Kassenarzt keine Veranlassung hatte, den„Schwerverletzten" als arbeitsunfähig zu bezeichnen. Ja, der Lehmann erschien am nächsten Morgen, also wenige Stunden, nachdem er sich unter den gräßlichsten Schmerzen als Schwerverletzter zur Unfallstation geschleppt haben soll, in dem Schanklokal in der Greifswalderstraße, um mit Hilfe der Polizei die beiden Männer zu ermitteln, mit denen er am Abend vorher in der geschilderten Weise zusammengeraten Ivar. Die Beiden wurden ohne Schwierigkeiten ermittelt. Der eine ist ein Arbeiter, der andre ein Buchhalter, beide sind in einer Pianomechanik-Fabrik beschäftigt. Die ganze Angelegenheit hat also mit dem Streik— der übrigens nicht die geringste Ausschreitung zur Folge hatte— auch nicht das mindeste zu thun. Es handelt sich um einen ganz alltäglichen Wirtshausstreit mit nachfolgender Prügelei; ein Vor- gang, der gewiß nichts seltenes ist, und höchstens im Polizeibericht mit zwei Zeilen erwähnt zu werden pflegt. Der Umstand aber, daß in diesem Streit ein Arbeitswilliger der leidende Teil war, genügt dem Organ des Dreschgrafen, um eine Schauermär zu erzählen von bestialischen Ausschreitungen Stteikender, obwohl diese an der ganzen Sache nicht beteiligt tvaren. Die streikenden Arbeiter des Küster- schen Betriebes haben diese Angelegenheit erst durch die„Staats- büraer-Zeitung" in lügenhafter Darstellung erfahren und an diesem Beispiele wieder einmal gesehen, tvic die von der arbeiterfeindlichen Presse verbreiteten Lügen vom StrcikterroriSnms entstehen. Vom selbstherrlichen Fischbcck. Die socialdemokratische Fraktion der Stadt« verordneten zu Berlin hat an den Magistrat folgende Anfrage gerichtet:„Welche Vorkehrungen gedenkt der Magistrat zu treffen, um die unberechtigte Verwendung von städtischen Mitteln(wie solche bei Verattmg des Etats 23 sA r b e i t s h a u s in Rummelsburgj zu Tage getreten ist) in Zukunft unmöglich zu machen? Des weiteren: Was gedenkt der Magistrat zu thun, um diese Mitrel der Stadthauptkasse wieder zuzuführen?" Diese Anfrage ist veranlaßt durch ein Geständnis, das der Stadtrat F i s ch b e ck, Vorsitzender der Verwaltung des Obdachs und des Arbeitshauses, am 21. März bei der Beratung des Arbeitshaus-Etats in öffentlicher Stadtverordneten-Sitzung abgelegt hat, nachdem die Angelegenheit schon im Etatausschuß gestteift worden Ivar. Fischbeck plauderte, er habe im ArbcitshauS-Filialhospital (Reinickendorferstraße) an den Beköstigungsrationen der beurlaubten Hospitaliten Ersparnisse gemacht und daraus den andern Hospitaliten bessere Kost reichen lassen. Der Herr Stadtrat Bewies damit, daß er weder weiß, wie es in einer geordneten Verwaltung zugeht, noch von Grund und Zweck der Aufstellung eines Etats eine rechte Vorstellung hat. Genosse Borgmann erwiderte ihm da- mals, daß dieses Verfahren unzulässig sei und eine Umgehung des Etatrechts bedeute. Finde der Decernent einer Verwaltung. daß die Beköstigung nicht genüge, so sei es seine Pflicht, für alle Hospitaliten Erhöhung der Etatsätze zu fordern und die Bewilligung durch die städtischen Behörden abzuwarten, nicht aber als Decernent zu schalten und zu walten, wie es ihm einfällt. Fischbeck behauptete, er habe die Sache mit Absicht noch einmal zur Sprache gebracht. weil er dafür einen„Rechtsboden" finden wolle. Durch die Anfrage unsrer Genossen wird ihm ja nun Gelegenheit gegeben werden, sich vor der Versamnilung in aller Form zu verantworten und sich darüber belehren zu lassen, was ein Verwaltungsvorsitzender dars und was nicht. Wird der Freisinn den Selbstherrlichkeitsgelüsten dieses eigenartigen Magistratsmitgliedes, das für sein Verfahren erst nachträglich einen„Rechtsboden" sucht, wenigstens diesmal einen Dämpfer aufsetzen?_ StaatScrhaltcnde Denunziationen. Aus Spandau schreibt man uns: Die Nachricht von dem ge- meinsamen Vorgehen der— A r b e i t e r a u s s ch ü s s e der hiesigen Staatsbetriebe gegen unfern Genossen Jacob aus Anlaß der be- kannten Kranzniederlegung zur Ehrung der Märzgefallenen entpuppt sich mehr und mehr als ein Ricsenschwindel, bei dem einzig der Wunsch Vater des Gedankens war. Wie wir aus allerbester Quelle erfahren, hat bisher noch nicht ein einziger Arbeiter- auSschuß den Beschluß gefaßt, gegen unfern Genossen I. die Be» leidigungsklage anzustrengen. Im Gegenteil, einzelne Arbeiter- ausschüsse haben zwar bereits die Frage, angespornt durch die patriotische Denuuziantenpresse, unter sich ventiliert, es bestand aber nicht die mindeste Neigung dafür, der— konservativen Parteileitung am hiesigen Orte zu Willen zu sein und sich zu der entwürdigenden Rolle eines Denunzianten herzugeben. Die verständigen Mitglieder der verschiedenen Arbeiter- ausschüsse empfinden sehr wohl das Beschämende der Rolle, die ihnen noch bei jeder Gelegenheit von den socialistenftefferischen Paulianern aufgedrängt worden ist, und sie mögen auch sehr gut wissen, daß der Kranz, der neben einer gewiß sehr treffenden Vers- Widmung die Aufschrift trug, daß er„von Arbeiternder Staatswerk st ätten zu Spandau" gestiftet sei, auch that- sächlich von Staatsarbcitern bestellt, bezahlt und auf ihre Ver- a n l a s s u n g auf dem Märzgefalleuen-Friedhof niedergelegt ist. Die folgenden Auslassungen eines Staatsarbeiters, die er in einer Karte an einen Kollegen eines andren Spandauer Instituts macht, werfen ein grelles Streiflicht auf den ungeheueren Mißbrauch, der von feiten der Ordnungshelden mit den Arbeiterausschüssen der Spandauer Staatsbetriebe zu rein politischen Zwecken ge- trieben wird. Der Mann schreibt also: Werter Kollegel „Nach der bekannten Kranzniederlegung mit roter Schleife, ging durch die hiesige Presse die Notiz,(!) daß die Arbeiter-Aus- s ch ü s s e gerichtlich dagegen vorgehen wollen. Es ist darauf, ob- gleich wir von der ganzen Sache keine Ahnung hatten,(!) von unsrer D i r e k t i 0 n angefragt worden, wie es damit steht, eS liegt uns nun eine von Rechtsanwalt Lüdickc(dem konservativen Landtags- Abgeordneten für Spandau, Vorsitzenden des„Neuen Wahlvereins". D. B.) ver- faßte Strafanzeige vor, die derselbe auch kostenfrei durchführen will"... usw. Dieser neueste politische, na sagen wir— Nötigungsakt, aus- geübt auf die so ungemein abhängigen Arbeiterausschüsse, reiht sich recht würdig den gleichen Beeinflussungen bei ftüheren Gelegenheiten an. Man ist gewöhnt, die Arbeiterausschüsse zum Sturmbock gegen die Socialdemottatie zu benutzen, man weiß sie gelegentlich zu Huldigungsadressen in passender Weise„anzutippen", man mißbrauchte sie zu Agitationszwecken für die Wiederwahl Paulis, man überträgt den Mitgliedern der Arbeiterausschüsse gewohnheitsmäßig die Verbreitung von Einlaßkarten für die ber— ühmten Paulischcn Versammlungen, die bekanntlich stets unter Ausschluß der Oeffentlichkeit tagen; ja man schreibt einzelnen Mit- gliedern der Ausschüsse sogar bereitwilligst Protesterklärungen gegen die Socialdemottatie aus und druckt solche Produtte West« kalmückischer Kulttir dann mit Wollust als eine— offizielle Aus- lassung„des Arbeiterausschusses" im konservativen Schleifstein ab. Dieser schimpfliche Terrorismus der konservativen Partei kennt eben keine Grenzen. Als Spitzel entlarvt wurde am Sonnabendabend der in der Eisenbahn-Werkstatt Grunewald arbeitende Metallarbeiter Adolf Spieler. Alle Arbeiter, besonders die im Eisenbahnbetriebe beschäftigten, werden vor diesem Menschen dringend gewarnt. Nähere Angaben folgen._ Minister Schönstedt und die Preßsiindcr. Vorgestern hatten wir einige Mitteilungen richtig �u stellen, die Herr ten B r i n ck von der „Germania" auf dem Nedaktenrstag zu Magdeburg angeblich über dies Thema gemacht haben sollte. Die Zeitung des Herrn ten Brinck befaßt i'ich bis jetzt nicht mit der Angelegenheit, wohl aber einige andre Blätter. Herr Vollrath erklärt in der„Volks- Zeitung" die auch von uns stark angezweifelte Mitteilung für falsch, daß Herr Schönstedt in der Behandlung von Preßsündern einen Unterschied zwischen akademisch gebildeten und andren Redakteuren geniacht haben wollte. Die„V o s s i s ch e Zeitung" knüpft an unsre Mitteilungen allgemeine Betrachtungen über die Be- Handlung von Redakteuren im Gefängnis und spricht die Erwartung aus, daß jetzt überhaupt Preßsündern gegen- über ein neuer, besserer Kurs eingeschlagen werde. Im übrigen fordert das Blatt gleich uns ein Gesetz über den Strafvollzug. Eine bedenkliche Notiz leistet sich die„Tägliche Rundschau". Sie zeiht den socialde», akratischen Jonriialisten, der den Bericht vom Redakteurstag in die Presse gebracht Hot, des Vertrauensbruchs. Kann von einem solchen, was wir noch bezweifeln, überhaupt die Rede sein, dann ist der Vorwurf doch zunächst gegen die Stelle zu richten, die Mitteilungen angeblich diskreter Natur in der erwähnten Versammlung zum besten gegeben hat. Wobei bemerkt werden muß, daß die Worte, die Herr Schönstedt gesprochen haben soll, aber nicht gesprochen haben kann, höchstens wegen des in ihnen enthaltenen Unsinns in der Oeffentlichkcit eine Beanstandung beanspruchen können. Weiter will die„Tägliche Rundschau", daß die neuerdings gefangenen Redakteuren zugebilligten Benefizicn nicht von solchen Leuten beansprucht werden, die sich nicht Redakteure nennen dürfen, weil sie für einige Monate als Sitzredakteur gedungen seien, während sonst ihr Platz an der Hobelbank oder in der S ch u st e r w e r k- st a t t sei. Wir wissen nicht, wo solche Redakteure zu finden sind, in der deutschen socialdemokratischen Presse jedenfalls nicht. Es sei denn, die„Tägl. Rundschau'" verstände darunter auch Männer, die sich ans eigener Kraft aus andern Berufen zum Redakteur empor- gearbeitet haben und deren journalistische Leistungen sich neben denen akademischer Redakteure immerhin seheit lassen können. In seiner verfänglichen Fassung kann der Wunsch der„Tägl. Rundschau" höchstens solchen Leuten Behagen bereiten, die auch in der BeHand- lung von Preßsündcrn zweierlei Recht gelten lassen wollen. UebrigenS müssen auf dem RedaktionStag in Magdeburg zum Teil gar bedenkliche Vertreter des Berufs ihr Wesen ge- trieben haben. Nach ZeitnngSmeldungen empfahl dort ein Redakteur B r a t s ch e ck, die Thcnterdircktoren zu bitten, von dem Ertrag der Aufführung tanticmenfrcicr Stücke 1 Prozent den Redakteuren„zu überlassen", und ein Redakteur G r ö l l e r begründete die Not- wendigkcit dieser Forderung also: „Wir sind es doch, die fiir die Theater Reklame schreiben müssen, die, oft gegen unsre II e b e r z e u g u n g, die Stücke, die der Herr Direktor bietet, loben und herausstreichen müssen! Wir sind die eigentlichen Träger der Nation, wir sind das Ge- wissen der Nation! Man dringe deshalb energisch darauf, auch Wohltyätigkeits-Borstellungen für uns ver- anstalten zu lassen. Mit dem Ertrag derselben können die Direk- toren manchem Kollegen in der Not eine große Erleichterung ver- schaffen." Es fällt uns nicht ein, diese schäbige Schmockgesinnung schnorrender„Träger der Nation" als die unter bürgerlichen Redak- teuren gang und gäbe hinzustellen. Leider verlautet aber nichts davon, daß die anständigen Elemente ans diesem Redalteurstag zwischen sich und den Schmocks das Ti s ch tu ch zerschnitten hätten. Und doch läge eine deutliche Absage an diese Elemente viel mehr im Interesse des bürgerlichen Journalismus als eine Tiftelei darüber, ob ein Redakteur, der früher an der Hobelbank ge- standen, im Gefängnis auch auf die„Benefizien des Redakteurs- berufS" Anspruch machen kann, auf Benefizien, die, wie nebenher bemerkt sei, in deutschen Gefängnissen durchaus nicht politischen Uebelthätern allein zu teil werden, sondern auch andren Ge- fangenen, die nicht gerade mit dem Makel des Ehrverlustes behaftet find. Wird eine anständige Behandlung der von uns vorgestern ge- childerten Art fortan allgemein gefangenen Redakteuren zugebilligt. dann Iverden sie im Gefängnis eben nur solchen Leuten gleichgestellt, die sich, um ein Beispiel unter vielen herauszugreifen, etwa als Architekt wegen Vergehens gegen die hergebrachten' Regeln der Bau- lunft eine Freiheitsstrafe zugezogen haben. Vom Plänterwald wird durch den Bau des Teltowkanals ein Stück in Anspruch genommen. Der Nebcnkanal, der auf Britzer Gebiet von dem Hauptkanal abzweigt und über Baumschulenweg nach der Oberspree führt, tritt in der Nähe der Kuhnheimfchen Fabrik und der Grenze von Niedcr-Schönewcide in den Plänterwald ein und durchschneidet seine südöstliche, äußerste Spitze. Dieser von der \ Stadt am weitesten entfernte Teil des Plänterwaldcs ist bisher noch nicht von Parkwegen durchzogen und darf noch gar nicht betreten werden, der Kanal bringt also den erholungsuchenden Spaziergängern keine Beeinträchtigung. Die Linie des Kanals ist festgesetzt, und die Bäume, die auf dem in Anspruch zu nehmenden Gelände standen, sind weggeräumt. Der Beginn der Ausschachtungsarbeiten wird aber an dieser Stelle noch längere Zeit auf sich warten lassen. Der heutige» Nummer unsres Blattes liegt ein Prospekt der B u ch h'a n d l u n g Vorwärts bei über das neue Lieferungswerk: „Wider die Pfaffcnwirtschaft" von Emil R o s e n o w, den lvir der besondren Anfmerksamkeit unsrer Leser empfehlen. Bcrhaltuugsmaßrcgcln auf der Nntergnmdliahn. Von den Maß- nahmen zur Erhöhung der Sicherheit auf der Untergrundbahn aus Anlaß des Pariser Unglücks war als letzte eine Belehrung des Publikums über das Verhalten bei Betriebsstörungen vorgesehen. Sie ist jetzt vom Polizeipräsidenten genehmigt und wird demnächst in den Wagen und auf den Haltestellen angebracht. Ihr Wortlaut ist: Das Versagen der Beleuchtung in den Wagen und auf den Haltestellen ist die Folge einer vorübergehenden Stromunterbrechung, die durch- aus gefahrlos ist und sich' fast immer nach kurzer Zeit beseitigen läßt. Macht sich im Wagen Rauch bemerkbar, oder entsteht ein Brand, so ist durch Ziehen der Notbremse der Zug zum Stehen zu bringen: der Handgriff der Notbremse befindet sich an der Wagen- decke und ist durch ein Schild mit der Ausschrift„Notbremse" kennt- lich gemacht. Das Zugpersonal wird dann sofort für die Beseitigung derartiger Erscheinungen Sorge tragen, wenn notwendig, mittels der in jedem Wagen vorhandenen Löschvorrichtungen. Ist ein Zug auf der Strecke liegen geblieben, so dürfen ihn die Fahrgäste erst verlassen, nachdem sie dazu vom Zugpersonal aufgefordert sind. Jeder Fahrgast, der den Zug vorzeitig verläßt, setzt sich der Gefahr aus, auf dem Nachbargeleise überfahren oder durch Berührung mit der Stromschiene verletzt zu werden. Das Zugpersonal ist angewiesen, die Ansfordernng zum Verlassen der Wagen erst dann auszusprechen, wenn sämtliche Leitungsschicnen stromlos sind und Züge auf dem Nachbargeleise nicht mehr verkehren können. Das Aussteigen darf nur nach den Nachbargeleisen hin stattfinden. Beim Aussteigen ist zu beachten, daß sich der Wagenfußboden in einer Höhe von 90 Centi- meter über dem Bahnkörper befindet. Gewandte Personen können bequem herabspriugcn, weniger gewandten, insbesondere Fronen und Kindem, ist indessen anzuraten, sich von der Thürschivelle sitzend herabzulassen. Das Personal wird beim Aussteigen Hilfe leisten. Auch wird darauf gerechnet, daß die Fahrgäste sich gegenseitig beim Aussteigen unterstützen und unnötiges Stoßen und Drängen vermeiden. Nachdem die Fahrgäste die Wagen verlassen haben, wird ein Bahnbediensteter die Führung zur nächsten Haltestelle übernehmen,«nd ein zweiter Beamter folgt nach lind ist dafür ver- uinwortlich, daß niemand zurückbleibt. Die Beamten tragen rot- brennende Fackeln. Auf den Haltestellen ist der Aufforderung der Bahnbediensteten zum Verlassen der Bahnsteige Folge zu leisten. Bei starkem Andränge können zur Verbreiterung der Ausgänge die Schaffner- stände beiseite geschoben werden. Eine Rückerstattung des Fahr- gelbes erfolgt entweder sogleich an den Fahrkartenschaltern oder, wenn deren Schließung bei starkein Gedränge erforderlich wird, nach- träglich, ohne daß eine Benachteiligung der Fahrgäste hierdurch ein- treten wird. Bei allen außergewöhnlichen Vorkommnissen im Betrieb werden die Fahrgäste gebeten, möglichst die Ruhe zu bewahren, damit die für die Sicherheit der Fahrgäste getroffenen Anordnungen und Einrichtungen wirksam zur Anwendung gelangen können. Der Mann mit der schwebenden Jnngfrau. Ein früherer Handlungsgehilfe Gustav Matthias aus der Dragonerstraße, ein mehrfach bestrafter Mensch, suchte„kautionsfähige Leute als Kassierer", da er ein Theater gründen wolle. Wer sich bei ihm meldete, dem machte er die glänzendsten Aussichten, und nahm ihm so viel ab, als er nur bekommen konnte, lim den künftigen Kassierern Ver- trauen einzuflößen, führte er sie nach der Elbingerstraße zu einer Dame, die er als erste Kraft fiir sein linternehmen gewonnen habe. Sie sollte als„schwebende Jungfrau" austreten, eine Nummer, wie Berlin sie noch nicht gesehen habe. Matthias bearbeitete die Leute mit seinen rosigen Schilderungen so lange, bis sie ibr Geld her- gaben. Dann begannen die Vertröstungen: ein Hindernis trat nach dem andern ein. Als einem der Kassierer die Geschichte zu lange dauerte und er gestern sein Geld nicht wiederbekommen konnte, zeigte er den Theatergründer an und ließ ihn festnehmen. Jetzt kamen die systematischen Kautionsschlvindeleien ans Licht. Die' schwebende Jungfrau ist die Geliebte des Verhafteten. In einer wichtigen Sache wird der Arbeiter Franz Z i l i n s k i und seine Ehefrau, die beide bis 1896 in Britz wohnten, ersucht, ihren jetzigen Aufenthalt Herrn Hermann, Rixdorf, Thomas- straße 11, mitzuteilen. Das Ehepaar hält sich wahrscheinlich in Sachsen oder Thüringen aus, vielleicht drucken daher die dortigen Parteiblätter diese Aufforderung ab. Eine Falle stellte gestern ein Schlosser drei alten Taschendieben. Die Kriminalpatrouillc, der die Verfolgung der Taschendiebe obliegt, wußte srit einiger Zeit, daß mehrere ihrer alten Bekannten wieder an der Arbeit waren, besonders unter den Königs-Kolonnaden am Alexanderplatz und in der Fricdrichstraße. Die alten Sünder, ein früherer Bäcker Albert Hänkel, ein Kellner Karl Wischniewski und ein Arbeiter Richard Plcw, ein geborener Engländer, gingen aber so vorsichtig zu Werke, daß man ihnen nicht beikommen kmmte, zumal seitdem sie bemerkt hatten, daß die auch ichien von stüher her bekannte Patrouille ihnen wieder aus die Finger sah. Gestern erhielten sie eine wirksame Unter- stiitzung durch einen Amateur-Kriminalisten. Ein Schlosser sah, wie einer von den drei Männern fortwährend unter den Kolonnaden an fremden Taschen herumtastete, während die beiden andren ihn zu decken versuchten. Er kam auf den Gedanken, daß es Taschendiebe ein nnißten, und den Einfall, ihnen eine Schlinge zu legen. An einem abgelegenen Orte des Bahnhofes Alcxandcrplatz band er sein Portemonnaie an eine Schnur, steckte es in die Außentasche seines Rockes, zog die Schnur durch den Stoff hindurch und steckte eine Hand mit dem einen Ende unter dem Rock in die Hosen- lasche. Nachdem er dann die Rocktasche etwas aufgebauscht hatte, mischte er sich wieder in das Gedränge und that, als ob er auf nichts achte. Es dauerte auch gar nicht lange, da fühlte er, wie an seinem Portemonnaie gezottelt wurde. Je weniger er sich merken ließ, desto stärker wurde, wie er an der Schnur fühlte, gezogen. Endlich faßte er mit der rechten Hand zu und packte den Arm des Diebes, bevor er noch seine Finger aus seiner Tasche wieder herausziehen konnte. Jetzt kamen die beiden andren heran, um ihren Freund aus der Klemnie zu ziehen, im selben Angcnblick aber sprang die Kriminalpatrouille, die aus einem Versteck das Gebahren ihrer alten Bekannten beobachtet hatte, zu und nahm die ganze Gesellschaft am Kragen. Als die Verbrecher erfuhren, was für eine Falle ihnen der Schlosser gestellt hatte, waren sie sehr ärgerlich und wollten es kaum glauben, da ihnen so etwas in ihrer langen Praxis denn doch noch nicht vorgekommen sei. Einen sonderbaren Selbstmordversuch machte Freitagabend der 36 Jahre alte Hilfsheizer Richard Schützke aus der Lausitzerstr. 35, der seit IVz Jahren auf einem Schleppdampfer des SchiffÄ'eeders Walther beschäftigt war. Schützke hatte gestern, während der Dampfer an der Fischerbrücke lag. über den Durst getrunken. Nach- dem er wieder an Bord gegangen war, sahen nach kurzer Zeit andre Leute Dampf ans dem Maschinenraum herausdringen. Sie stiegen hinab, um nach dem Rechten zu sehen, und fanden den Hilfsheizer schwer verbrüht daliegen. Er hatte einen Tampfhahn geöffnet und sich den Dampf in den Mund einströmen lassen, bis er bcsinnungs- los zusammengebrochen war. Schützke wurde nach der Charit« ge- bracht und liegt noch schwer danieder: er kann noch kein Wort sprechen. Was ihn zu dem seltsamen Beginnen veranlaßt hat, weiß niemand. Ei» entsetzlicher Unglücksfall, der mit dem Tode eines Greises geendet, hat sich am gestrigen Sonnabenduachmittag gegen 4 Uhr an der Ecke der Stubenrauch- und Hauptstraße in Schöneberg vor den Augen zahlreicher Passanten ereignet. Der 71jährige Hauptmann a. D. Bock ist um diese Zeit aus dem Fenster seiner in der dritten Etage des HanscS Stubenrauchstr. 1 belegenen Wohnung auf die Sttaße herabgestürzt und auf der Stelle verschieden. B. litt seit mehreren Monaten an Herzverkalkung und Atembeschwerden, die den greisen Mann außerordentlich peinigten. Aerztlichcrseits war dem Patienten mitgeteilt worden, daß ein derartiger asthmatischer Anfall leicht seinen Tod herbeiführen könne. Am gestrigen Nachmittag wurde der Haupt- mann wiederum derarttg stark von Asthma befallen, daß seine Tochter geängstigt zum Arzt eilte.. Als sie das Zimmer verlassen hatte, riß B.' das Fenster auf. ivahrscheinlich um sich durch Zu- führung frischer Luft Linderung zu verschaffen. Er verlor hierbei das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Der Körper schlug dicht hinter einer vorübergehenden jungen Dame auf den Bürgersteig. Ein Schritt weiter und die Passantin wäre durch die fallende schwere Last niedergeschmettert worden. Die Leiche des Hauptmanns wurde nach dem Schauhause gebracht. Ein hartnäckiger Selbstmörder verursachte gestern mittag bei den Passanten de-Z Waterloo-Ufers große Erregung. In der Nähe der Watcrloo-Brücke sprang gegen 12 Uhr ein etwa 4l)jähriger reduciert gekleideter Mann in den Landwehrkanal. Hilfe war sofort zur Stelle. Ein Passant warf dem Lebensmüden den Rettungsball zu, doch stieß der Selbstmords- Kandidat den Ball von sich. Auch ein zweites und drittes Mal reagierte der Unbekannte nicht auf die ihn, in dieser Weise gebotene Hilfe und ging dann langsam unter. Ein mit dem Rettungskahn heran- fahrender Schutzmann konnte nur noch die Leiche des Selbstmörders, welche nach dem Schauhause gebracht wurde, bergen. Die Volkshochschule Hnuiboldt-Akademic eröffnet am Montag, 11. April, und an den folgenden Wochentagen die 82 populär- wissenschaftlichen Volkscyklen und Untcrrichtskurse des Frühjahrs- quartals. Am Montag beginnen zahlreiche Vorlesungen in den Lehrstätten N.W., Georgcnstr. 30/31, und W., Lützowstr. 84 ck, in den Abendstunden, sowie ein kunstgeschichtlicher Vortrag im königlichen Alten Museum vormittags 12— 123/.i Uhr; die übrigen Vorlelungeu an den darauf folgenden Tagen in denselben Lehrstätten: eine Anzahl auch in O., Weinmeisterstr. 16/17, sam Donnerstagabend) und in W., Wilhclmstr. 92 93, Architcktenhaus(am Dienstag- Vormittag). Bei der Mehrzahl der Cyklen, welche für Herren und Damen gehalten werden, ist der erste Vortrag stei zugänglich: die Ausnahmen sind im Programm vermerkt. Die Hörgebühren für die gewöhnlichen Cyklen von zehn Vorträgen betragen für Mitglieder und Lehrer, Subaltcrnbeamte, Studenten, Arbeiter, Handlungs- lehrlinge usw. 3 M., für andre 5 M. Alles Nähere enthalten die ausführlichen Programme, welche, 28 Seiten stark, für 10 Pf. in bekannten Buchhandlungen und in den Bureaus der Akademie, Stuhrsche und B. Vehrs Buchhandlung, N.W., Unter den Linden 47, E Haast, Potsdamerstr. 116s, S. Hahne, Prinzenstr. 34, Th. Fröhlich, Landsbcrgerstr. 32, käuflich sind. Die Nene Freie Volksbühne veranstaltet heute ihr diesjähriges Frühlingsfest in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29. Das Programm umfaßt ein Orchesterkonzert lOperettenabend) mit eingeschalteten Auf- führungen von lebenden Liedern unter Mitwirkung erster künst- lerischer Kräfte. Anfang 7>/-, Uhr. Eintrittskarten a 69 Pf. sind an der Abendkasse zu haben. Die il. städtische Handwerkcrschule, Andreasstraße 1/2, eröffnet ihre Untcrrichtskurse, die wiederum eine wesentliche Erweiterung erfahren haben, am Sonntag, den 19. April er. Die Schule hat auch in richttger Erkenntnis der Schwierigkeit, die vielen Eltern aus der rechtzeitigen Unterbringung ihrer eben aus der Schule entlassenen Söhne in eine geeignete Lehrstelle und besonders«us der Wahl eines passenden Berufes erwächst, nach dem uns vorliegenden Pro- gramm für das Sommer-Halbjahr eine Einrichtung getroffen, die in einer Tages-Vorklasse bis zum Beginn der praktischen Lehrzeit An- fängern kunstgetverblicher und gewerblicher Berussarten Unterricht in den zeichnerischen und bildnerischen Vorkursen zc. bietet und außerdem solchen Jünglingen, die noch keinen Berns gewählt haben, Gelegenheit gießt, ihr Geschick in der zeichnerischen und bildnerischen Darstellung zu erproben und danach zuversichtlicher einen geeigneten Beruf wählen zu können. Vielen Eltern dürfte der Hinweis auf diese Tages-Vorklasse, in der während der Wochentage von morgens 8 Uhr ab Unterricht erteilt wird, sehr erwünscht sein, um ihren Söhnen bis zum Eintritt in die Lehre eine angemessene und nützliche Beschäftigung zu geben. Anmeldungen hierfür werden noch im Schulhause, Andreasstraße 1/2, durch den Direktor Tradt entgegen- genommen. Die Freie Hochschule beginnt ihre Vorlesungen für das Frühjahrs- quartal am 15. April in der Aula der Eharlottenschule Steglitzer- straße 29 um 8 Uhr. Vorträge haben die Herren Dr. Alfred Koppen, Karl Henckell, Adolf Damaschke, Direktor Dr. L. Heck, Th. Kappstein, Professor Duverdier und Frau Anna Behnisch-Kapp- stein übernommen. Program nie liegen bei Wertheim, Leipziger- straße. Gg. Plothow, Potsdamerstr. 113 und in der Nicolaischen Buch- Handlung Dcrothcenstr. 75 aus. Der neue Botanische Garten in Dahlem bei Steglitz ist am heutigen Sonntagnachmittag von 2—7 Uhr für das Publikum geöffnet. Huö den Nacbbai'Oi'tcn. Schöneberg. Die Neuwahl eines Vor st eher? an Stelle des verstorbenen G. Müller wird die morgige Stadtverordneten- Versammlung beschäftigen. Wie immer bei solchen Gelegenheiten, wo es sich um die Besetzung eines so wichtigen Amtes handelt, haben sich auch hier verschiedene Strömungen von Leuten bemerkbar ge- macht, die diesen oder jenen auf den Schild erheben möchten. Die meisten Aussichten dürfte wohl der bisherige Stellvertreter, Justizrat Dr. v. Gordon. haben. Uns Socialdemokraten interessiert diese Personcnsrage nur insoweit, als dabei die Objektivität der Betreffenden in Betracht kommt, die auf den Gang der Geschäfte nicht ohne Einfluß ist, und über die gerade die Arbeitervertteter nicht ernstlich genug wachen können. Die Zahl der Grundstücke, welche im Februar durch Besitz- Wechsel in andre Hände übergingen, betrug 13 bebaute und 6 un- bebaute im Werte von 2 526 599 M. bezw. 3 146 603 M. Fertig« gestellt wurden 8 neue Häuser: dieselben enthielten 157 Wohnungen mit 599 Zimmern.— Die hiesige Orts- Krankenkasse hatte am Ende des Monats März 9649 männliche und 3727 tveibliche, zusammen also 13 367 Mitglieder. Die Fürsorgcstclle für Lungenkranke in Schömberg, die von dem vor kurzem gegründeten Verein zur Bekänipfung der Tuberkulose ins Leben gerufen ist, wird, wie wir erfahren, bestimmt am 15. April eröffnet werden. Sie befindet sich vom genannten Tage an im Rat- hause zu Schöneberg und ist dazu bestimmt, lungenkranken Personen, die in ihrer Häuslichkeit beschränkt sind, durch Unterbringung in ge- eigneten eignen Zimmern usw. Erleichterungen und bessere Pflege zu verschaffen und die Ansteckungsgefahr für die Umgebung zu ver- mindern. Voraussichtlich Mitte Mai dürfte dann die mit dem gemein- nützigen Unternehmen in Verbindung stehende Erholungsstätte im Grunewald, die speciell lungenkranken Rekonvalescenten Auf- nähme gewährt, fertiggestellt werden. Dem genannten Verein, der sämtliche im Interesse der Kranken entstehenden Kosten bestreitet, steht bereits ein ansehnliches Kapital zur Verfügung, und er wird hoffentlich durch weitere Gewährung von Mitteln, insbesondere von Gemeindewegen, in den Stand gesetzt werden, das angefangene Werk fortznsetzen, das auch dazu bestimmt ist, in der Wohnungs- Hygiene, die hier noch sehr im argen liegt, einen kleinen Schritt vorwärts zu schreiten._ Vermischtes. Die Exkönigin Isabella von Spanien ist gestern. 73 Jahre»lt. in Paris gestorben. Im Jahre 1868 wurde sie von ihrem Volke aus dem Lande gejagt. Vorher hatte sie, die so stark in der l/iebe war, vom Papst' Pius IX. eine goldene Tugendrose zum Geschenk erhalten. Frühling in Tirol. Seit 39 Stunden schneit es in Innsbruck und im größten Teile Tirols ununterbrochen fort. Man befürchtet ernste Verkehrsstörungen. Außer in Wien sind gestern im ganzen Wiener Wald, in Steiermark und Böhmen schwere Gewitter nieder- gegangen, verbunden mit schwerem Schneegestöber und Hagelschlag. Gefährlicher Brand. Aus Petersburg, 9. April, wird gemeldet: In der vergangenen Nacht gerieten in einem Schuppen des Haupt- Postamts durch ein fortgeworfenes Zündholz Benzin-, Kerosin- und Oelvorräte in Brand. Das Feuer zerstörte auch 17 dort aufbewahrte Automobilwagen der Postverwaltung. Es konnte nur mit großer Mühe lokalisiert werden._ Singegangene Druchlchnftcn. Die Grundlagen der Naturwissenschaft. Von Karl August. Berlin 1901. Hermann Walcher, Verlagsbuchhandlung. G. m. b. H. Preis 1,50 M. Oskar Klein-Hattingen. Bismarck und seine Welt. Preis gehestet 4 M., geb. 5 M. Berlin 1904. gerb. Dümmlers Verlagsbuchhandlung. Die dentschen Frauen«nd die Hamburger Bordelle. Verlag von Hermann Schneider Nachf. Pößneck i. Th. Preis 1 M. ßnefhaften der Redahtion* Iuriltk Icker Ceil. Tie jnrifttsitze Svrechstuudc findet täglich mitSluvuahme de« Sonnabends von 7'li bis O1/. Mir abends statt. Geöffnet: 7 Ubr. A. W. 599. Die Kündigung muß von Uliimo zu Ultimo erfolgen, ganz gleich, wie lang der Monat ist. Eine svätere Kündigung kann als verspätet zurückgewiesen werden.— S. S. 59. 1. Die Beschwerde hat wenig Aussicht aus Ersolg. 2. Zur Civilllage aus Schadenersatz ist zu raten. — Griinzcl. Die Lcrusung ist aussichtslos: das Geld ist nicht zurück- zucrstatten.— Heinrich. Steht der Arbeiter in Monats« oder Wochenlohn, dann sind die Feiertage zu bezahlen, steht er in Tage- oder Stundenlohn, braucht Bezahlung nicht zu erfolgen.— M. G. 4999. Natürlich müssen Sie zahlen.— Seelbach. Die Papiere sind herauszugeben; der Spediteur hat an ihnen kein Psandrecht.— Erwin 99. Kommen Sie in die Sprechstunde.— E. H. 30. 1. Er muh unter allen Umständen zahlen, auch sür die Jahre, während denen er Soldat war. 2. Ist das Kind vor 1909 ge- boren, dann kann er seine Herausgabe verlangen, sonst nicht.— A. K. 59. Sie müssen das LoS bezahlen.— P. H. 99. Sie brauchen nicht zu bc» zahlen, wenn Sic nachweisen können, bah das Kind ordnungsmäßig, d. h. wie in Ihren Verhältnissen üblich, bcaussichtigt worden ist. Und das ist wohl anzunehmen.— E. M. Br. Die Vorlage ist noch nicht Gesetz. Ihre beiden Fragen lassen sich zur Zeit also nicht beantworte«. — Wichmaniistrafie. Potsdam.— Kos? 83. In beiden Fällen ist zu zahlen. Ist sestcr Lohn sür längere Zeit lWochenlohn, Monatslobn, nicht Tngelohn oder Stundenlohn) vereinbart, so ist der Lohn ohne Rücksicht daraus zu zahlen, ob in die Zeit Feiertage fallen. Ein Lohn, der wöchentlich ge- zahlt wird, aber nach Stunden oder Tagen berechnet wird, ist kein sicher Lohn sür längere Zeit. Lohnabzüge sür verbummelte Zeit oder ans sonst welchen Gründen find unzulässig. Sie müßten Ihre Forderimc «Uf Schadensersatz besonders einklagen. Der§ ZW des Bürgerlichen Gesetzbuches will, ohne jede Beschränkung, den JahreSlohn bis 1500 M. gegen jeden Abzug schützen. Vereinbarungen, die dies umgehen, sind ungültig, weil§ 394 gegeben ist, um die Gegenleistung für die bereits voraus- gabte persönliche Leistung im Interesse der Arbeiter, deren ölono- mische Zufluchtsstätte der Arbeitsvertrag ist, und im Interesse der Allgc- meinheit sicher zu stellen, die ein erhebliches Interesse daran hat, daß nicht wegen Forderungen von Gläubigern, die zufällig Arbeitgeber sind und als solche in der Regel nachzuleisten haben, der Arbeiter völlig mittellos gestellt und aus die öffentliche Armenpflege verwiesen wird.— I. B. Nein. — Fr. P. A. 81. 1 bis 3 a ja. 4. Die Polizei ist berechtigt, gegen das Zusammenleben vorzugehen, wenn durch dasselbe Aergernis erregt wird. — Otto, Eharlottcnburg. Die Strasantragssrist beträgt drei ZIZonate, gerechnet von der Kenntnis der strafbaren Handlung ab. Die Verjährungs- srist der Beleidigung beträgt fünf Jahre. Eigenmächtige Pfändung als solche ist kein besonderes Strafdelikt. Sie kann sich als Diebstahl(Verjährungsfrist fünf Jahre) oder als ein andres Delikt nach Lage des Falles charakterisieren. — Emil Pf. 1. Wenn er nicht selbständig ist(Geschäft auf eigne Rechnung und Risiko betreibt) ja. 2. Ja. 3.'1,. 4. Ist der Zwischenmeister selb- ständig, das heißt betreibt er sein Gewerbe aus eigne Rechnung und aus eigne Verantwortlichkeit, so ist er auch gewerbesteuerpflichtig.— R. Sch. 9. Die ZK 185 bis 187 beziehen sich aus Beleidigungen. Sie können dieselben in jeder öffentlichen Bibliothek(im Strafgesetzbuch) nachschlagen. In Ihrem Falle kann aus Geld- oder Freiheitsstrafe erkannt Werden. Wird aus Geldstrafe erkannt, so tritt im Nichtzahlungssalle an deren Stelle Gefängnis. — E. M. in Br. 1. und 2. Das in Krast getretene englische Gesetz macht den Einlaß keineswegs vom Besitz einer Geld- summe abhängig. 3. Die polizeiliche Auskunst ist zutreffend. — M. C. 1. Falls nicht ein ausdrücklicher Vergleich geschloffen wird, durch den der Gläubiger aus Zwangsvollstreckung bei pünktlicher Ratenzahlung verzichtet, kann er das ganze Urteil vollstrecken lassen.— N. K. Aus Ihrer Anfrage geht nicht hervor, welche Art Gemeindewahlen«ie im Auge haben: preußische? nichtpreußische? Stadtverordneten- oder Landgemeinde- Wahlen? Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Ergänzung nach den an- gedeuteten Üiichtungen hin.— H. M. 38. Klagen Sie aus Aushebung des Vertrags und Schadensersatz. Es empfiehlt sich, der Klage einen Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Verfügung beizufügen, die aus sosortigcs Aus- ziehen aus der Wohnung gerichtet ist. Dem Antrag ist ein die Gesundbeits- gcfährdung begutachtendes Attest beizufügen.— L. 2. B. 3?. Ihre Frau ist in voller Höhe infolge Ihrer Unterschrist mitvcrpflichtet. Die Verjährungs- srist beträgt'in Ihrem Falle 5 Jahre.— Fritz Bast. Sie können Ihre Bestellung nicht einseitig ausheben: Sie sind im dieselbe gebunden. WittenmgSübersicht t>oi» 9. April 1991, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemdc. Hamburg Berlin Franks. a.i! München Wien - 3 m« 758 SS W 756 WSW 759 762 765 765 SW SW Weller wx c � W?o Stationen 3 Regen Zz Regen 3 Regen 3� wolkig 6chedeckt 2, Regen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 750 SSO 757 SO 766 Wetter gg» W fo 2Schnce 4bedeckt 2bedeckt 12 Wetter-Prognose für Sonntag, den 19. April 1991-. Mild und zeitweise ausklarend, aber sehr veränderlich mit Regenfällen und ziemlich lebhasten südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Soeialdeniokrat. M\mm (Süd-Ost.) Den Mitgliedern hiermit zur Kcnnwis, daß unser Genosse, der Zimmerer M Trautmann wohnhast Forsterstraße 47, Stadt- bezirk 112» gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des EmmauS-KirchhoseS aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Eentral-Verband d.KmmkrkrDeutschlands. (ZaKlstsIIo Berlin und Umg.) Hiermit unfern Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kamerad Max Trautmann an den Folgen eines Unsalles ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. April, nach- mittags 4 Uhr, von dckr Leichen- halle des Emmaus-Kirchhoses in Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. lfeati'al-Mea'ytLMWe der Zimerer Dentselilaods. Hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied MaxTrautmann infolge eines Unsalles plötzlich ver- starben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet an> Dienstag, den 12. Zlpril, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Emmaus-Kirchhoses in Britz aus statt. Um rege Beteiligung bittet Der- Vorstand, Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Rixdorf.) Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege, der Tischler Hicbard Junker am Freitag, den 3. April, ver- storbcn ist. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 4'/, Uhr von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/5 vis Orteverwsltung. Todes- Anzeige. Am Donnerstag entschlief nach langen Leiden unser Fremid und Mitarbeiter, der Kellner Alois Daomann im Alter von 49 Jahren. Ehre seinem Andenken. Cieitzr. Mlelltz, Arminhallen, Kommandantenstraße 20. Die Beerdigung findet heute, Sonntagnachmittag 4 Uhr, aus dem sankt Hedwigs-Kirchhos in Weißensee statt. 4836L Verein deutscher Schuhmacher, Am 5. April verstarb unser lang- jähriges Mitglied Hldvni Dfei�svk im 30. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 10. d. M., nachmittags 4 Uhr, vom Schauhause Hannover- schcsttaße aus nach dem Friedhos der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel-Allee statt. 169/17 Hie Ortsverwaltnng. Hierdurch die traurige Nachricht, daß am Freitag, den 8. April, vormittags 10 Uhr, mein innig ge- liebter Mann, der Tischler Julius DitteM im 62. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden sonst entschlafen ist. Die Beerdigung findet am 11. April, nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle des Markuskirch- hoss, Wilhclmsberg, statt. Witwe Ciar» Bitterhoff 334b_ geb. Stock._ Deutscher Holzarbeiter-Verband. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, der Tischler tiilias Bitteriioff am 8. April verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet amA Montag, den 1 1.April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Markus- Kirchhofes in Wilhelms- berg aus statt. 82/3 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, der Tischler Rarl Krüger am 8. April verstorben ist. Ehre sewem Andenleu! Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag um 3 Uhr von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/4 Hie Ortsverwaltung. ßrnnktn- u. Kegriibms-j Kasse der Keiftußeder. E. H. 17. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Mitglied 372b Kart Krüger am 7. Slpril, vormittags'/,? Uhr, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 10. April, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Der Vorstand. I. A.: Karl Geisler, Kassierer. Allen Verwandten, Freunden undBckanntcn die tiestraurige Nach- richt, daß unser Vater,«chwicger- und Großvater Friedrich Sehnutz am 5. d.Mts. plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 10. Aprl, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Schöneberger Friedhofes, Max- straße, aus statt. 330b Oie trauernden Hinterbliebenen. Karl Winzer, ÄlexaDderstr. Zlh I. Sehooendste kMlmi Teilzahlung gestattet. Kuusttichk Zähne, 2 M. an. Plomben, 1,50 M. an. Schmertloses Zahuchheu. Aetzt Ctiausseestr. 53 1. 47042* Oskar Wiedstrnck. Sprechstunde 9—7. Sonntags 9—1. Werten Parteigenossen zur gefälligen Nachricht, daß ich das Lokal des Ge- nassen 4850L Bruno Wolf, Wienerstr.43 käuflich erworben habe. Um geneigten Zuspruch bittend zeichnet Achtungsvoll 6. Saumgärtner. Auf dem Bauterrain in der Utrechtcr-«. Malplaquctstratzen- Ecke: 386b in dem Riosen-Aniplii-Tlieater. Täglich Ansang abends 8 Uhr. Sonntag: nachm. 3 u. abends 8 Uhr. Als Schluß einer jeden Vorstellung: Auftreten der Könige der Seiikunsiler auf dem 80 Fuss hohen Drahtturmseil. Es ladet eracbenst ein hochachtungsvoll •Xosepk Strohschneider. Berliner iilk-Trio. Felix Scheuer u Straliandentr. I. Wallnertheater-Str. 15. Jeden Sonntag: Großer Extra- Ball bei doppelt besetztem großen Orchester. Ansang 5 Uhr. Einpjchle mein Lokal für Vereine und Versammlungen. 4700L* A. Zamcitat. Bergschlösschen. Restaurant und I-ogis. 20 Minuten vom Bahnhof Oranienburg. Treffpunkt nach Heilstätte Grabov/see, schöner Wald. Für Ausflügler und Ver- eine herrlicher Aufenthalt. 350b Raul Weher, Gastwirt. 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Wegen der wichtigen Tagesordnung ersuchen wir die Kollegen und Kolleginnen, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. SV* Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltnng. Hcbtung! Hcbtung I Konditoren aus sämtlichen Bäckereien u. Konditoreien. Dienstag, den IS April, in den Armlnhailen (großer Saal), Kommandantenstr. 20: Verfamniliing, TageS-Ordnung: 1. Weshalb müssen die Konditoren unbedingt ihre Forderungen durch- setzen? Reserent Genosse 8tr«dol. 2. Der Stand unsrer Lohnbewegung in Bäckereien und Konditoreien und eventuelle Beschlußsassung. 3. Verschiedenes. AUW- Kollegen, agitiert nachdrücklich jür Massenbesuch dieser Ver- sammlung. Erscheint Alle! 238b Der Einbernfer. Montag, den 11. April, abends 8'/, Uhr, im Restaurant Ro-ick�, Pankow, Kreuzftrafte: Frauens Vortrag über 288/13 Menstruation u. Schwangerschaft Gäste, nur Damen, herzlich willkommen._ " Naturhcilocreins-Mitglicder frei. Gäste 20 Pfennig.'■ Es ladet ergebenst ein Der Vorstand��es„Verein für Gesundheitspflege Berlin-Nordcn«, aus sskihnhlunq. Oranienftr. 131. aÄtgJ- � M. Orts- Krankenkasse der Httwalher, Hutfourmtmeu- und Kzmurtn-Uerftltiger in Berlin. Dienstag, den lit-FAPril, abends 8 Uhr, im Restaurant sieind, Wcinstr. 11: Orden!!. General-Versammlung wozu die Delegierten hiermit ein- geladen werden. Tages-Ordnung: 1. Jahres- und Kassenbericht. 2. Be- richt der Revisoren pro 1903 und eventuell Antrag auf Erteilung der Dccharge des Vorstandes und des Rcndanteu. 3. Verschiedenes. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Postkarte gestattet. 339b Der Vorstand. Karl Kümmert, Vorsitzender, Pankow, Florastr. 35. Orts-Kraukenkasse d. Handschuhmacher u. vrrw. Gewerbe zu Berlin. MwiMt GeueFalversaDiiiiliBig der Delegierten am Sonntag, den 17. April 1804, vormittags 10'/, Uhr, Rosenthalci-strasse 57« Tages-Ordnung: 1. Bericht des Rendantcm 2. Bericht der Revisoren. 3. Verschiedenes. Die Delegierten werden hierdurch ersucht, pünktlich und vollzählig zu er- scheinen. 272/14 Berlin, den 10. Slpril 1904. De»» Vors. and. Hermann«ine, Vors., Prinzen-Allee 33. Orts- Krankenkasse der Weber und verwandten Gewerbe. veueral- Versammlung sämtlicher Delegierten Sonntag, den 17. April 1901, vormittags 10 Uhr, in Flochs grosicm Saal, Fruchtstr. 56 a. Tages-Ordnung: 1. Vorlage der Jahrcsrcchnung pro 1903. 2. Bericht der Revisoren imd Antrag aus Erteilung der Dccharge. 3. Wahl eines Kassierers und dessen Stellvertreters. 4. Bewilligung von Manlogcld an den Kassenjührer. 5. Verschiedenes. 318b B c r l i n. 10. April 1904. Der Vorstand: Emil Last, Gust. Bernd!,, Vorsitzender. Schristsührer. Orts-Krankenkasse des Gtloerbes der Fuckierer zu Verlin. Sonntag, den 17. April 1904, vormittags 10>/z Uhr: Venera!- Versammlung bei Schumacher, Skalitierftr. 126. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung pro 1903. 2. Bericht der Revisoren. 3. Statuten-Aenderung. 4. Verschiedenes. 316b Der wichtigen Tagesordnung wegen (Statuten-Aenderung) ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu dieser Ver- sammlung zu erscheinen. Der Vorstand. I. V.: Otto Woidemann, Vorsitzender. Hcbtung! Hcbtung! Vereinigung der Maler, Lackierer etc. Deutschi. Sektion der Lackierer. Montag, 11. April, abends S'/s Uhr, im Gexvcrkschaftshansc, Engel-Ufer 15, Saal III: ZW" Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung der bisherigen Filialkasse vom ersten Quartal. 2. Wahl der SektionSlcitung. 3. Verschiedenes. 107/6_ Die Ortisverxvaltrang. Herraaan Hertzer, DiÄSr- Strasse 10/11, empfiehlt seine neuen eleganten Salon-Dampfer den Gcsellschastcn, Vereinen u.Gewerlschast. zu Ausflügen in Berlins Umgeg. zu billigst. Preis. Telophon Amt IV, 6718, elee Ortsvervoaltung Berlin. Afrfii.ttttrt' Den geehrten Vereinen. Gewerkschaften, Gast- * Wirten 2C. hiermit zur Nachricht, daß unser Vereins- lokal sich jetzt in der Brnuuenstr. 188 beiWIlke bcsindet. 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Rhcinbaben und der Stahlwcrksverband.— Der UedertrUt des Regierungsrats Dr. Voelcker in den Shndikatsdicnst.— Herr Voelcker als Rescrcnt über die Eisen-Syndikate in der Kartellkommijsion. — Regierungsbeamtc im Jndustricdienst. Daß die Karrcll-Enquete, nachdem sie über ein Jahr sich in müden, immer mehr in rein geschäftsmäßigen Erörterungen auZ- laufenden Verhandlungen hingeschleppt hat, schließlich doch noch sensationelle Ueberraschungeu bescheren könnte, hat kaum jemand er- Marter. Und rhatsächlich haben auch die Debatten selbst die von inanchen zu Beginn der Untersuchungen erwarreten sensationellen Enthüllungen noch immer nicht gebracht, Wohl aber haben jüngst einzelne Mitglieder der hohen Regierung zu den Syndikats- bestrebungen in breitester Oesfentlichkeit eine Stellung eingenommen, die selbst bei denen, die sonst nicht zur Ueberschätzung der geistigen und sittlichen Qualitäten des heutigen Regimes leiden, Befremden erregt. Recht seltsam beriihrie schon, daß die Regierung in sürsorg- licher Rücksichtnahme auf die Interessen der großen rheinischen Stahl- uxrke— es kommen eigentlich nur zwanzig Werke in Betracht— die Enquete vorläufig eingestellt hat, um die Verhandlungen dieser Werke über die Gründung eines zur Be- herrsch nng des deutschen Stahlmarktes� be- stimmten Sta h lwer ks v e r b an d e s nicht zu stören. Der inzwischen gegründete Stahlwerksverband ist die vermehrte, monopolistisch besser ausgestattete Neuauflage des Halbzeug- Verbandes, des Syndikats, das durch seine Preispolitik mehr wie irgend ein andres die deutsche industrielle Entwicklung geschädigt hat. Während es auf dem deutschen Inlandsmarkt mit allen Mitteln die Preise für Halbzeug(sogenannte Flußeiscn- oder Rohstahlprodukte) auf den hohen Stand, den sie in den Hochkonjunkturjahren 1893/99 cingenonunen hatten, festzuhalten suchte, stellte es andrerseits seinen Mitgliedern den Erpi.'rt nach auswärts zu jedem beliebigen Preise frei; eine Freiheil/ dve, wie die am 2. und 3. Dezember vorigen Jahres stattgefundenen Verhandlungen der Kartellkommission nach- gewiesen haben, von einzelnen Werken dazu benutzt wurde, um ihre Erzeugnisse auf die Auslandsmärkte zu 8S— 40 Proz. billigeren Preisen zu werfen. Tie Folge war, daß zwar die Ausfuhr von Halbzeug in den letzten J«.chren rapide zugenommen und sich z. B. im Jahre 1902 im Vergleich' zu 1901 mehr als verdreifacht hat, daß aber' andrerseits die auswärtig« Walzcisen-Jndustric in die Lage kam, den deutschen Rohstahr ungleich billiger einzukaufen als die deutsche Fertigeisen- Industrie, so daß sie dem deutschen Export in fertiaen Stahifabrikaten ohne große Ai, strengungen ein Paroli zu bieten vermochte. Der Enderfä.lg lief also auf eine Beeinträchtigung der deutschten Fabrikation von stählernen Fertigprodukten zu Gunsten der Rohstahl- Ausfuhr hinaus. Und trotz dieser für das deutsche Wirtschaftsleben nichts weniger als nichltdien Jirteressenpolitik des früheren Halbzeugverbandes diese zärtliche Rücksichtnahme der hohen Regierung atif die Bedürfnisse seines im gleichen Fahrwasser segelnden Nachfolgers! Doch Herr Rhcinbaben hatte noch eine andre Ueberraschung in petto. In° seiner Rede im preußischen Abgeordnetenhaus!: am 20 Januar trat er als Anwalt der neuen Verbandsgründung der Herren A. Kirdorf. Lob, Thyssen u. Eo. auf. indem er in edlem Eifer um das Wohl der deutschen Eisekiindustrie erklärte:„Auch das Zustandekommen des Stahlwerksverbandes halte ich im Interesse der Industrie und der Konkurrenz mit den gewaltigen zusammen- geschweißten Kapitalmächten des Auslandes für unerläßlich. Der einzelne muß seine individuellen Interessen dem nationalen Wohl unterordnen. Dem Stahlwcrksverband würden zunächst die wichtigsten Aufgaben zufallen, eine lleberproduktion zu vermeiden und eine Preisreg ulicrung gegen- üb er dem Auslande, in dem sich bis jetzt die Werke immer gegenseitig unterboten haben, d n r ch z u f'ü h r e n." Eine befremdende Stellungnahme eines Ministers zu einem die nacktesten Profitintcrcssen vertretenden Unternehmerverband. Schon möglich, daß Herr von Rhcinbaben als Chef der Seehandlung die an dem Zustandekommen dcS Stahlwcrksverbandes interessierten Großindustriellen und oberschlesischcn Komme rzicnräte als recht honnette Herren kennen gelernt hat. Aber die aus solchen Erfahrungen entsprungenen Sympathien für kapitalistische Jirteressenbestrebungen sind seine privaten, keine ministerielle Angelegenheit. Mag Herr von Rhcinbaben sich den Leitern des Stahlwerksverbandcs in der Tiefe seines Herzens noch so seelenverwandt fühlen, die öffentliche Propaganda für ihren Verband gehört nicht zu seinen amtlichen Obliegenheiten. Noch mehr überrascht als die Rede Rheinbabcns hat indes die Meldung, daß Herr Regierungsrat Dr. Voelcker, der von der Regierung für die Kartcll-Enqucte gestellte Referent über die Eisen- syndikate, in den Dienst des Stahlwerksverbandes tritt, und daß der für ihn reservierte Posten, obgleich er große Anforderungen an die Arbeitskraft kaum stellt, mit 100 000 M. jährlichem Ge- halt dotiert wird. Wie es heißt, haben die Herren Kirdorf, Lob, Röchlin, Thyssen usw. in Herrn Voelcker eine hervorragende „organisatorische Kraft" erkannt, die sie der Verwaltung des Stahlverbandes dienstbar machen wollen. Die Herren besitzen— mag man sonst über sie denken, wie man will— entschieden eine gute Dosis Menschenkenntnis. Regierungs- rat Dr. Voclker wird sich mit feinem Verständnis den Bedürfnissen des Stahlsyndikats anzupassen wissen, dafür bürgen allein schon seine Referate über einzelne Äartellfragen in der Kartellkommission. Wußte er doch bei der Wiedergabe der verschiedenen Ansichten über die Syndikatspolitik Licht und Schatten sehr hübsch zu verteilen und für die der Vergangenheit der Kartelle angehörenden früheren Fehler nachsichtsvolle Entschuldigungen zu finden. So zum Beispiel, wenn er in seinem Referat zu Beginn der Sitzung am 1. Dezember vorigen Jahres die Frage, durch welche Mittel das Roheisen- Syndikat den Abschluß langfristiger Licferungsverträge erzwang, ganz unberücksichtigt ließ, nnd statt dessen einfach erklärte:„Es (d. h. das Roheisen-Synditat) wurde hierzu bestimmt durch die vielen Anmeldungen für das ganze Jahr 1901, die sich bereits mr- fangs 1900 auf 123 000 Tonnen beliefcn."— Oder wenn er auf die Klage, daß nach Eintritt der Krise das Roheisen-Syndikat hart- näckig an seinen früheren Preisvcreinbarungen festgehalten habe, kurzweg auf die Nützlichkeit der künftigen Einfügung einer Baisse- klausel in die Lieferungsverträge hinwies und den Nachweis der schädlichen Rückwirkung des Massenexportes des Stahlzeug-Verbandes auf die deutsche Walzeisen-Judustrie mit den Worten abfertigte: „.... ich glaube nicht zu irren, wenn ich behaupte, daß uns die Verkäufe nach dem Auslande über die schwierigen Zeiten, die wir in den letzten Jahren in der Eisenindustrie gehabt habcu, zum Teil himveggeholfen haben. Hierbei muß man auch untersuchen, ob sich die Lage der reinen Walzwerke wesentlich gebessert hätte, ivenn dieser Export nicht möglich gewesen lvärc. Allerdings hätten die reinen Walzwerke dann billigeres Halbzeug gehabt, wie sie es auch haben werden, wenn der Halbzeug-Verband nicht erneuert werden sollte. Ich möchte aber an die Vertreter der reinen Walz- werke die Frage richten, ob sie dann nicht einen um so größeren Wettbewerb der Walzwerks-Erzeugnisse auszuhalten gehabt hätten, nnd ob die gemischten Werke dann nicht versucht hätten, ihre gesamte Produktion an Halbzeug in der Form von Fertigerzeugnissen ans den Markt zu bringen und die Preise dadurch so zu werfen. daß eben die von den reinen Walzwerken gewünschte höhere Spannung doch nicht erzielt worden wäre." Ja, Herr Dr. Voelker zeigte sich sogar so besorgt um das fried- lichc Zusammenarbeiten der großen Syndikate, daß er zu Beginn der Verhandlungen über den Halbzeug-Verband, als der Gegensatz zwischen den Stahl- und den reinen Walzwerken das Hervortreten mancher dem Halbzeug-Verband belastenden Anklagen erwarten ließ, an die Großindustriellen die Mahnung richtete, doch nicht so gründlich in der Erörterung der Streitfragen zu sein. Er sagte nach dem Ber- Handlungsbericht wörtlich:. „Wenn der Herr Vorsitzende gestern abend in seinen Schluß- »vortcn einen kurzen Rückblick über die Verhandlungen der beiden ersten Tage gegeben hat, so darf ich seinen Ausführungen vielleicht noch hinzufügen, daß nach meiner persönlichen Ansicht infolge des vielleicht zu weiten Eingehens auf Einzelheiten und durch eine zu gründliche Dar- stellung der der Vergangenheit angehörenden Verhältnisse, die sich zwischen den Puddel- und Walzwerken aus der einen Seite und dem Roheisen-Syndikat auf der andren Seite herausgebildet haben, schließlich nicht mehr genügend Zeit übrig geblieben ist, um den Weg einer Verständigung zu bcschrc i te u." Eine Aeußerung, die eine höchst sonderbare Auffassung von dem Zlveck einer Enquete verrät; denn eine solche veranstaltet man doch gerade, um Aufschlüsse über gewisse Verhältnisse zu erlangen, nicht aber um„Verständigungeu" oder Interessenausgleiche herbei- zuführen. Der Stahlwcrks-Vcrband macht also in Dr. Voelker eine lvcrt- volle Akqmsition. Anders stellt sich aber vom politischen Standpunkt dessen Eintritt in den Shndikatsdicnst dar— besonders da es sich hier nicht um einen vereinzelten Fall handelt, sondern seit einigen Jahren die großen Banken und Jndustriegesellschaftcn geradezu sportsmäßig die Anlverbung höherer Regierimgsbcamtcn betreiben. Erinnert sei nur an den Eintritt des Geh. Seehandlungsrats Schoellcr und des Ministerialdirektors Geh. Ober-Regierungsrats Hoeter in den Dienst der Diskcmto-Gesellschaft, des Ministerial- direktors Micke in den Dienst der Großen Berliner Straßenbahn, der Geh. Ober-Fnmnzräte Miller und Härtung von der Reichsbank in den Dienst der Dresdner Bank und de? Schaaffhausenschen Bankvereins, des Börf cnlommijsars Herrn Schönscld in den Dienst der Deutschen Bank usw. Natürlich wird jede solche Erwerbung von den betreffenden Gesellschaften mit den besonderen Organisations- talcnten der bei ihnen eintretenden Beamten begründet. Die läster- süchtige Fama sucht jedoch hinter diesen Engagements ganz andre Motive. Sie meint in ihrer moralischen Verdorbenheit, daß es sich für die Banken und industriellen Gesellschaften entweder darum handelt, gute Konnexionen in Regierungskreiscn zu haben, oder Beamte, die man in ihren Stellungen fürchtet, kaltzustellen. Viel- fach wird sogar behauptet, daß heute schon von strebsamen jüngeren Beamten der Durchgang durch den Staatsdienst als das beste Mittel angesehen wird, um später hochdotierte Stellungen im Finanz- und Jndustricdienst zu erlangen. Selbstvcrjtändlich beruhen solche Be- hauptungen nur auf schnöder Verkennung edelster Absichten. Cat. Chausseestrasse 24*125 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 zwischen Invaüdenstr. n. Schiller- Theater N. geisch. Janncnritzbrückeu. Köpenickerstr.(Ecke Rtmgestr.) 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Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glycke, Berlin. Druck», Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlaLsanstalt Paul Singer Li Co.. Berlin SW, Nr. 84. 21. Jahrgang. LUW des, Amiirls" Atlin« MUhtt. Sonntag, 10. April 1904. Erster Internationaler Kongreß fnr Schul- Cefundheitspstege/ Nürnberg, 8. April 1904. In den Abteilungssitzringen wurde wieder eine Reihe inter- esianter Beratungen gepflogen, lieber den Einfluh der üblichen Jugendspiele auf die Herzthätigkeit der Kinder referierte Professor S a in o s ch- Breslau, der in dieser Beziehung an Breslauer Volksschlllern Forschungen angestellt hat. Diese führten ihn zu dem Resultat, daß die üblichen Jiigcndspiele einen wesentlichen intensiven Einfluß auf die Herzthätigkeit in erregenden» Sinne ausübten, ohne daß aber eine Schädigung des Herzens festgestellt werden konnte. Dr. C r o n- Heidelberg sprach über die moralisch Schwach- sinnigen in den öffentlichen Schulen und erklärte es für notwendig, die psychologischen und psychopädagogischen Vorstudien der pädagogischen Instanzen auszudehnen, die Schulsysteme unizu- gestalten, die Eltern besser zu unterrichten und ein einheitliches Zusammenwirken von Schule, Schularzt und Elternhaus anzubahnen. Sonst leistungsfähige moralisch Schwachsinnige sollen nicht aus denr Nahmen des normalen Schulwesens ausgestoßen, sondern es soll durch Vertiefung der pädagogischen Arbeit der Weg zur Rettung der erziehungsfähiaen moralisch Schwachsinnigen gesucht werden. Die Gesundheitspflege taubstummer Kinder war der Gegenstand eines Vortrages, den Baldrian- Wien hielt, und in dem er die krankhasten Zustände, die mit dem Taubstumm- sein häufig verbunden sind, erörterte, und Bekämpfung der Ursachen des Taubstummseins und dessen häufigen Begleiterscheinungen durch Verbesserung der Lebensbedingungen der großen Masse forderte. So- lange diese Ursachen nicht beseitigt sind, sollen die nachteiligen Folgen durch Gründung von Pflegestätten für noch nicht schulpflichtige, taub- stumme Kinder armer Eltern zu mildern gesucht werden. In diesen Pflegestätten soll hauptsächlich Wartung und Körperpflege ausgeübt werden. Für den Unterricht Taubstuininer eignet sich in den ersten Jahren am zweckmäßigsten das Internat. Ueber Krüppel schulen sprach Dr. Rosenfeld- Nürnberg, der solche Schulen für ein dringendes Bedürfnis erklärt, da nach einer 1897—1994 in einzelnen Provinzen aufgenommenen Statistik die Krüppel 5,9 Prozent der Gesamtbevöskerung bilden. In Deutschland sind zur Zeit ca. 320 099 Krüppel, 235 000 Erwachsene und 67 099 Kinder. Von den Erwachsenen haben 40 900 überhaupt keinen Unterricht genossen, mehr als 199 999 können sich nicht einmal in der notdürftigsten Weise ernähren. Nahezu 59 909 Krüppel bedürfen in Deuttchland des Unterrichts in einer Sonderschule, da die Normalschule ihnen die nötige Ausbildung nicht geben kann. Die vorhandenen Privat-Erziehungöanstalten decken das Bedürfnis kaum zum dreißigsten Teil. Deutschland hat eine einzige staatliche Krüppelschule aufzuweisen, während im Auslände verschiedene solche Institute bestehen. In den Schulen erlangen 93 Prozent der Zöglinge eine vollkommene sociale Selbständigkeit. Daraus ergiebt sich die eminent sociale Bedeutung der Krüppel- schulen. Wenn der Krüppelunterricht allgemein durchgeführt iväre, würde Dcutschlaud allein 89 Millionen Mark an Nationalvermögen gewinnen. Deshalb ist die allgemeine Durchführung unbedingt zu fordern, etwa in der Weise, daß ganze Provinzen zusammengelegt loerden und auf 299099 bis 399999 Einwohner eine Krüppclschiile kommt. Neben dem Elementarunterricht ist eine sorgfältige technische Ausbildung zu geben. Als Fächer des Fortbildungs- Unterrichts sind die Schuhmacherei, die� Schneiderei, Buchbinderei, Schreinerei und die Ausbildung von Schreibern hauptsächlich zu Pflegen. Dem Turnunterricht muß eine hervorragende Stelle ein- geräumt werden. Die Zöglinge tteten mit dem schulpflichtigen Alter in die Schulen ein. Die Auswahl hat der Schul- oder Amts- arzt vorzunehmen. Internate sind zu bevorzugen, empfehlenswert ist eine Angliederung an Polikliniken ec. oder Anstellung von Special- ärzten, um besonders orthopädische ärztliche Hilfe den Schülern an- gedeihen zu lassen. Ein wichtige Erörterung entspann sich in Gruppe E. Privat- dacent Dr. Jessen- Straßburg gab ein Bild von den traurigen Zuhnverhältnissen, wie sie durch die neuesten Unter- suchungen bei den Schulkinderir der ganzen eivilisierten Welt fest- gestellt wurden. Als Ursachen der ungeheuren Verbrcittnig der Zahnkaries bezeichnet er bei dem Einzelindividuunr mangel- hafte Zahnpflege und unrationelle Ernährung, bei den Völkern als Gesamtheit Einflüsse der" Rasse, des Bodens, der Eivilisation, der verfeinerten Lebenslveisc, der Verweichlichung und Vererbung. Redner schilderte ausführlich die zahllosen schädlichen Einwirkungen der Zahnkaries auf den Gesamtkörper und bezeichnete als die einzige Möglichkeit, diese immer weiter um sich greifende Volkskrankheit energisch zu bekämpfen, die Belehrung der Kinder in der Schnle, die unentgeltliche Untersuchung und BeHand- lung der VolksschuUindcr in städtischen Schnl-Zahnkliniken. Der dadurch erzielte Nutzen würde die Kosten reichlich aufwiegen. Dr. S i ck i n g e r- Brünn verspricht sich nicht viel von ärztlichen Untersuchungen der Schulkinder zum Zwecke der Feststellung von Zahnschäden und der unentgeltlichen Behandlung, da zu fürchten sei, daß man dadurch nur schädliche Fabrikarbeit erhalte. Es seien dagegen besondere Schul-Zahnärzte anzustellen, denen jede Privat- Praxis zn verbieten ser. Ferner fordert er die Verstaatlichung der zahnärztlichen Präparate. Diese Forderungen wurden auch von den übrigen Rednern warm befürwortet. liebet Lehr- und Lernmittel für den hygienischen Unter- richt in der Schule sprach Lehrer Fischer- Ripdorf, der die Er- Weiterung der Schulmuseen zu Schulhygicne-Museen fordert. Das Elternhaus müsse die Besttebungcn der Schule unterstützen, doch werde durch Armut, Hunger, Erwerbsunfähigkeit und WohnungSelend oft falsche Anschammgen erzeugt. Gegen diese Dinge müsse man ankämpfen. Um das Haus für die Bestrebungen der Schule zu interessieren, gebe es nur das Mittel der Aufllärnng. Eine Ver- mehrung seiner hygienischen Kenntnisse thue dem Volke bitter not, wie die zahllosen Kurpfuscher und ähnliche ehrenwerte Leute beweisen. Die möglichst vollkommenen und übersichtlich geordneten Sammlunge» müssen dem Laienpublikum unentgeltlich unter sachkundiger Führung offen stehen, damit sind entsprechende Vorträge zu verknüpfen. Dr. G u tz M a n n» Berlin referierte über die Bedeutung der Sprach- und Stimm Hygiene für Lehrer und Schüler und fordert eine genaue Unterweisung der Lehrer in der Kenntnis vom Bau und Gebrauch der Sprechiverkzeuge, die schon auf dem Seminar zu erfolgen habe. Ebenso seien die.Lehrer in der richtigen Pflege der Stimmwerkzeuge zu unterrichten. (ZewefKlcKafUicKes. Verständnis gefunden bei Polizei und Gerichten hat jetzt das Kannnergericht niit seinen immer wiederkehrenden Belehrungen darüber, daß ein Polizeibeamter zwar Streikposten nicht wegen der Ausübung ihres Koalitionsrechts, aber wegen der Befürchtung einer Störung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit fortwciscn kann. Gegen die Berliner Straßenpolizeiverordnung sollte sich der Metallarbeiter St. als Streikposten vergangen haben. Es wurde ihm vorgeworfen, er habe vor dem Hause Ruhcplatzstr. 13, wo ein Streik war, gestanden und sei der Aufforderung eines Schutz- mannes, wegzugehen, nicht gefolgt. Das Schöffengericht verurteilte auch den Angeklagten zu einer Geldstrafe, weil er einer „zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Sicherheit auff öffentlicher Sttaße ergangenen Aufforderung" eines Beamten nicht gefolgt sei. Die Berufung des Angeklagten wurde vom Landgericht mit folgender Begründung verworfen: Es sei allerdings richtig, daß hier Ruhestörungen nicht stattgefunden hätten. Entscheidend sei aber, daß der Beamte glaubte, gleichwohl Zusammenstöße mit den Weiterarbeitenden befürchten zu müssen, und daß er berücksichtigte, daß um Feierabend auch viele Arbeiter einer fünfzehn Minuten entfernt liegenden Fabrik die Stelle passieren würden. Angeklagter legte Revision ein und niachte geltend, das bisher Festgestellte sei durchaus nicht geeignet, eine Anwendung der Sttaßenpolizeiverordnung zu rechtfertigen. Der Strafsenat des Kammergerichts unter dem Vorsitz des Präsidenten Lindenberg verwarf die Revision und führte aus: Die Rattir der Aufforderung des Schutzmanns als einer verkehrssichcrnden sei vom Landgericht mit genügender Klarheit festgestellt. Es sei zur Anivendung der fraglichen Sttaßenpolizeivorschrist nur erforderlich, daß die vom Beamten erlassene Aufforderung eine Anordnung zur Sicherung des Verkehrs auf öffentlicher Sttaße gewesen sei, was, wie gesagt, das Landgericht festgestellt habe. Die Rechtslage ist nun so: Wird ein Streikposten aufgefordert, die Sttaße zu verlassen mit dem Hinweis:„Sie dürfen hier nicht Streikposten stehen", so ist eine solche Verweisung rechtsungültig und der Streikposten braucht derselben nicht Folge zu leisten. Wird ein Streikposten unter Hinweis auf die Straßenpolizei- Verordnung fortgewiesen, so muß er nach der Kammergerichts- Entscheidung dieser Aufforderung sofort Folge leisten und sich in die nächste Wirtschaft oder den nächste» Haus- flur begeben, von wo aus er die Straße übersehen kann. Auf das Innere der Gebäude erstreckt sich die Straßenpolizeiverordnung und die Polizeigewalt der Beamten nicht. SerUn und Qmgegend. Maurcrstreik. In den Ausstand getreten sind am Sonnabend- morgen in Rathenow 129 Maurer. Dieselben forderten 43 Pf. Stundenlohn und Verpflichtung von feiten der Unternehmer, den- selben im nächsten Jahre auf 45 Pf. zu erhöhen. Verhandlungen mit den Unternehmern führten zu keiner Verständigung. Seit Wochen arbeitet in Rathenow eine Kolonne Italiener, der kurz vor dem Ausstand eine zweite gefolgt ist, woraus ersichtlich ist, dag die Unternehmer es auf einen Kampf ankonimen lassen wollen. Drei Unternehmer, welche zur Zeit 18 Maurer beschäftigen, haben die Forderungen der Ausständigen anerkannt.— Zuzug ist fernzuhalten. Deutfehes Reich. Achtung, Metallarbeiter! In den Panterfahrradwerken zu Magdeburg sind nach einem uns zugegangenen Privat- t e I e g r a m m Differenzen ausgebrochen. Dreher und Schlosser, besonders aber Schleifer werden vor der Annahme von Arbeit nach dort gewarnt.— Die Parteipresse wird um Abdruck gebeten. Die Tarifbewcgung der Lichtdrucker, Photographen, Präparatcure und Retoucheure in Frankfurt, die in» Vorjahre bereits eingeleitet wurde, hat nunmehr zu einein ganzen Erfolge geführt. Alle Frank- furter Lichtdruckanstalten mit 24 beschäftigten Gehilfen haben den Tarif schriftlich anerkannt»md durchgeführt. Die Aussperrung in den Untcrwescrorten dehnt sich weiter aus. Ausgesperrt sind numnehr auch die Stukka- teure, die bis a»lf wenige Mann abgereist sind. Die„Arbeitgeber-Zeitung" lügt die Aussperrung schon wieder kalt in einen Streik um I Das Blatt, dessen UuverfrorenHeit ja noch aus dem Crimmitschauer Kampfe her bekannt ist, veröffentlicht wider besseres Wissen folgenden Bericht: Bremerhaven. Sämtliche Bauhandwerker in Bremer- Häven, Lehe und Geesteinünde sind am 5. April in einen Ausstan!» eingetretci», weil sie den von den Arbeitgebern eingerichteten Arbeits» Nachweis nicht anerkennen wollen. Die Arbeitgeber haben dieses Institut in der Absicht geschaffen, daß sie den Arbeitsuchenden eine Centralstelle geben wollen, in welcher sie mit möglichst wenig Zeit- verlllst sich über den Arbeitsmarkt orientteren können. Bisher war es dem Arbeitsuchenden nur möglich unter Aufwendung von viel Zeit und Unkosten, die offenen Stellen in diese»» drei Orten zu erfahren. We»»»» nun auch der vernünfttge Arbeiter den guten Willen der Arbeitgeber anerkennt, so hat doch hier wieder die hetzerische Agitation das ihre gethan, bei der jetzt begmnenÄen Barlperiode in einen Streik hineinzutreiben. Es ist unwahr, daß die Arbeiter in einen Streik getreten sind, sie Häven dies ausdrücklich abgelehnt! Wahr ist, daß den Ar- beitern ein Schriftstück vorgelegt wurde, in dem sie sich»rnter- schriftlich verpflichten sollten, den sogenannten„Arbeitsnachweis" der Arbeitgeber anzuerkennen. Als die Arbeiter das nicht thaten, tveil es sich bei dein„Arbeitsnachweis"»richt»im einen solchen, sondern um ei» Maßregelungsbureau handelte, wurden sie ausgesperrt! DieS ist der beste Beweis, daß es sich bei dem ganzen Unternehmen nicht um ein zun» Wohle der Arbeiter geschaffenes, sondern um das Gegenteil handelte. Wenn den Unternehinern ein guter Arbeits- »»achweis an» Herzen lag, Ivarum haben sie die Forderung der Arbeiter nach Schaffung eines unparteiischen städtischen Arbeits- Nachweises hintertrieben Klusland. Der iutcrnatiomrle Eigarrciiinnchcr- und Tavakardeiter-Bcrvaud in Holland hielt zu Ostern in Amsterdam einen außerordentlichen Kongreß ab, der sich hairpffächlich mit der Leh rlingsfrage be- schäftigte. Es»vurde eine Resolution airgenommen, durch die die Ortsabteilungen verpflichtet wurden. Wenn möglich gemeinsam mit den Bruderorganisationen und den Arbeitgeberorganisationen darauf hinzulvirken, daß die Zahl der Lehrlinge so viel wie möglich ver- mindert werde und ein System eingeführt»verde, wobei die Lehr- linge nicht»vie jetzt hauptsächlich im persönlichen Jirteresse ansge- beutet, sondern zu tüchtigen Fachmännern ausgebildet werden. Außerdem soll der Verbandsvorstaird auf eine dementsprechende Ver- besserung des GesetzentivurfS zum Arbeitsgesetz hinwirken.— Ferner »vählte der Kongreß einen besoldeten Sekretär und Redakteur,»vober K. H. V u l l i n g über den„anttpolittsch-anarchistischen" Kandidaten A. v. d. Berg mit 54 gegen 29 Stimmen siegte. Der niederländische Mctallarbeitcr-Verbaiid hielt vom 3. bis zum 5. April seinen Verbandstag zu Haarlem ab. Der Verband zählt jetzt über 750 Mitglieder»urd giebt ein Fachblatt heraus, das in 3299 Exemplaren erscheint. Zunächst fand eine lange Debatte statt. die sich wesentlich auf das Flachblatt und den Redakteur I. van Blairken bezog, dem vorgeworfen wurde, daß er social- demokratische Propaganda iin Organ betteibe, wogegen er selbst jedoch erklärte, daß er gegen jedes Dogma in der Gewerkschafts- belvegung sei. Nachdem der Redakteur eure Wiederwahl ablehnte. »vurde eine Kommission zur Leitturg des Organs gewählt. Mit 13 gegen 9 Stimmen»vurde beschlossen, daß der Verband Mitglied de3 Nationalen Arbeitersekretariats bleiben soll. Ferner»vurde be- schloffen, daß der Verband al»f dem bevorstehenden antimilitaristischen Kongreß vertreten sein soll.— Dein Hariptvorstand»vurde der Auf- ttag erteilt, eine Statistik über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Metallarbeiter Hollands aufzunehmen. Dann wurde eine Kom» Mission getvählt, die Untersuchungen über die Arbeitsweife der ansländischcn Getverkschaften anstellen soll.— Der Verbandsvorstand hat seinen Sitz in Haarlem. Als besoldeter Sekretär»vurde G. Elferinck gewählt. Die Schuhmachcrstreiks in Sch»vcde», solvohl der in Beiiers Schuhfabrik zu Stockholm, als auch die in den Fabriken von Oerebro, sind sämtlich durch Tarifverttäge mit den Unternehmern erfolgreich für die Arbeiter beendet»vorden. Der Norwegische Schuharvciter- Verband hielt zu Ostern in Kristiania seine siebente Landesversammlung ab. Der Verband zählt jetzt in 12 Ortsabteilungen 552 Mitglieder. Beschlossen wurde unter anderm, eine Reise- und Arbeitslosen-Unterstützui»gskasse zu errichten. Der Umstand, daß auf manchen Fabriken versucht»vird, den Arbeitern das Koalitionsrecht zu nehine»», gab Veranlassung zur Annahme einer Resolution, die besagt, daß bei allen Konflikten unbedingt die Anerkennung der Organisation verlangt werden soll. Als Verbands- Vorsitzender»vurde A. E. Gunderssen gewählt. 'Weizen, gut D.°Ctt. mittel gering 'Roggen, gut „ mittel gering fGerste, gut . mittel gering fHafcr, gut urittel gering Richtstroh Heu Erbsen Speisebohnen Linsen * ab Bahn. Marktpreise von Berlin ain 8. April 1994 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. 17,70 17,64 »7,58 13,05 13,01 12,97 13,80 12,80 11,80 15,00 14,00 13,10 4.00 7,20 40.00 50,00 60,00 17,67 17,61 17,55 13,03 12,99 12,95 12,90 11,90 11,00 14,10 13,20 12,30 3,50 4,80 28,00 26,00 25,00 Kartoffeln, neue D.-Ctt. Rindfleisch, Keule 1 dg do. 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Geübte Arbeite- rinnen finden dauernde Beschäftigung bei A.Theil«, DreSden-rsttaste35. 88/17 Näherinnen aus Oberhemden vcr- langt I. Gotthcim, Wäschesabrik, Elisabetbstraste 22. 139/19 Stemplerinnen. geübte, verlangt I. Gotthcim, Wäschesabrik, Elisabeth- straste 22._ 139/18 Plätterin, geübte, sür wcisteWäjche verlangt Akazicnstraste 9._+119* Schürzrnnäherin, bessere weiße Hänger, verlangt Klemann, Peters« burgcrsttaste 25 II.+55* Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Ruzeigen kosten 40 Bf. pro Zeile. MckiM tüchtig und crsabren im Fach, zum sosortigen'Antritt gesucht. Meldungen Montag vormittags 9—11 Uhr im Haupteomptoir. 4833L .A.« J a ii<1 o p f& C o«, EcUealliancestr. t/2. 14-15] ans achtbarer Familie wird gesucht. Frau fSiviiviitj� geb. Liebknecht, Schöneberg, Sedanstr. 57, HI. Redegewandte Frauen, Händ« lcriniie»! Grostartiger Verdienst! Agnes Ostermann, Schönhauser Allee 141._+32* Näherin Knabenblusen, auch lernen, junges Dienstmädchen das zu Hause schläft. Lrandenburgstraste 28 Witt. Hos III._ 3666 Schürzennäherin aus schwarzeLatz »nd Reform im Hause dauernd, Fabel, Triststtastc 35, 354b MIuiiü, Holzarbeiter! Zuzug ist streng fern zu halten vo» Saniischlern, Eiusehem nach der Werkstatt LI/Z Aaaüii», Lichtenberg. Hagen- straffe 53. Für Tischler, Drechsler. Bildhauer, Polierer. Masch inen arbeiter: ICpäitiiel, Waldemarstr. 14. Urans, Polstermöbel-Fabrik, Chorinerstraffe Sk. Ferner ist ZNANg ferN ZU halten nach Lharlotttll- bürg, da dort Bautischler und Einsetzer im Streik stehen. Meißenster! zsohardeiter! Gesperrt ist: Hahn u. Meükow, König-Chaussee 7l, und Kraus, Langhansstt-aste 22. 89/14* Die Ortsvcrwaltung. IM! DV" Gesperrt sind iolgendc Werkstätten: Mathuse, Admiralstr. 18. Maas. Lichtenberg, Hagenstr. 55. Achtung! Grünau! Da der Streik bei der Chemischen Fabrik von Landshoff u. Meyer noch nicht beendigt ist, ist der Zuzug von Arbeitern sämtlicher Branchen streng sernzuhallen, 358b Die Lohnkommisston. )Znnakme-8teUen fiir„Kleine Hnzeigen". Osten: Wengels, Gr, Franksurterstr, 133, H Gustav Bogel, Koppenstr, 85. H. Ramui, Holzmarklftr, 48s. X<>p«Ia«tvn: I. Reul, Barmmstr. 42. Alopdcn: H. Raschke, Rügenerstt. 24. Karl MarS, Kastanien-'Allce 95/95. E. Stolffenburg, Wiescnstr. 41/42. L. Dechand, Ruhcplatzstr. 24. H. Bogel, Demminerstr 32. A. Ticl!, Jnvalidenstr. 124. ZVapdivestvn: Karl Anders. Salzwedelerstr. S. Ktidn'psten: H. Werner, Mittenwalderstr, 39. H. Schröder. Krcuzbergstt. 15. Kitcken: St. Friü, Priiizenstr, 31. F. Gutslhinidt, Kottbuser Damm 3 Kiidosten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. Martin Mescha, Adaldertstr. 24. P. Horsch, Engel-User 15. Okaplattondnps: G. Scharnberg, Sesenheimerstr. 1. Kt««Ilt�: H. Bcrnsee, Schloststr. 115. rpledplclisdppe: O. Seilet, Kronprinzenstr. 5V. rankoiv: Kümmert, Florastt, 48. Blxdvpr: M. Heinrich, Prinz Handjerhsir. 7. Conrad, Hermannstr, 50. Kcliiineibepjj; Wilh.Bäumlcr. Martin Lutherstr.51. Welssensee: W. Ncskc, Gäblerstr, 46, Jul. Schillert, König-Chaussee 39s.