Ur. 88. nbonnementS'Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando! M-rteljährl. 3,30 Mt,. monatl. 1,10 SRt, wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer ö Psg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungar» 2 Marl, für daS übrige Ausland 8 Marl pro Monat. S1. Jal/rg. CrMitlnt tZgllch außer Montag». Derlinev VolksblAkk. Me snlertionz-Sedilhk beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zeilc oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewcrlschastliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 28 Pfg. «Aleine JJnztigtn". das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weiter« Wort 5 Psg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 8 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr dormMagS geöffnet. Telegramm»Adresse: „Soalaliteinftkrat Berlin". Zentralorgan der lozialdcmohratifchcn Partei Deutfchlands. Redahtiom SM. 68» Jandenstrasde 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Freitag, den 15. April 1904. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Gestrandet. Mchdem die Kanzler beratung im Reichstage zwei Tage lang fast völlig im Nachlesegerede verflante, gewann sie am Donnerstag Bedeutung. Der Kanzler würde unsrem Partei genossen Bebel die Erhöhung der Debatte über seinen Etat danteu dürfen, wenn nicht der Kanzler selbst dabei auf den Sand geraten und böse Strandung erduldet hätte. . Bebel behandelte eine ganze Reihe von zeitbewegenden Fragen in knappen und packenden Zusammenfassungen. Alle seine Aus- führungen fesselten im höchsten Matze das Haus und Graf Bülows Antworteversuch vermochte die herbeigeführte Klärung nicht im geringsten wieder zu trüben. Bebel bemerkte zunächst zur Auslands Politik, datz das englisch-französische Abkommen doch die zunehmende Isolierung Deutschlands anzeige und datz am wenigsten die laute Geschenk-Zund Toast- und Besuchspolitik diese Lage verbessere. Sodann kritisierte er den Verkauf deutscher Schiffe an Rutzland, was einer strengen Neutralität nicht entspreche. Im späteren Verlaufe seiner Ausführungen besprach Bebel die handelspolitische Situation, das Verhältnis der bürgerlichen Parteien zur Socialdemokratie, und er zeigte schlietzlich die Hohlheit des kulturkämpferischcn Gebarens der Nationalliberalen, die mit ungerechten Ausnahmegesetzen gegen die Jesuiten streiten, aber in Wahrheit das einzig wirkliche Mittel des Kampfes gegen die klerikale Verfinsterung, die Herbeiführung ganzer und reifer Volksbildung, überall und stets verhindern. Vor allem galt es unsrem Redner, das vorläufig abschliehende Wort zur preutzisch-deutschen Russenschmach zu sprechen. Diese autzerordentliche Kulturfrage kümmert alle bürgerlichen Parteien so wenig, datz keiner ihrer Redner darauf sann, die AusweisungSthaten des Grafen Bülow auch nur zu erwähnen. Um die Aufhebung der in der Praxis nicht angewandten und darum gleichgültigen Aus« »veisungsbefugnis gegenüber Jesuiten zauste man sich viele Monate lang im Lande und nun viele Tage lang in den Parlamenten, aber die zur Thatsache gewordenen, jeden Kulturanspruch Deutschlands höhnenden, jeden früheren Russendienst übergipfelnden AuSweisungs- grcuel gegen tapfere Russenjugend lösen noch immer in keiner bürger- lichen Partei die Neigung zu einigem Widerspruch. Immerhin aber stund die Mehrheit des Reichstages, als Bebel jetzt Gericht hielt, unter dem Eindruck, datz hier wiedemm die Socialdemokratie das grotze moralische und kulturelle Recht wahrt und datz der Regierung nur eines bleibt, wenn sie das vermag, sich in den Grund der Seele zu schämen ob einer Politik, die sie im Urteil der Zukunft un- auslöschlichster Schande überliefert. Bebel ging davon aus, datz allerdings, nach den vom Grafen Bülow mitgeteilten Aktenstücken, Fürst Bismarck schon in den achtziger Jahren das Muster der Würde« losigkeit gegenüber Nutzland erreicht habe. Er geitzelte dann die Ausweisung der 14 russischen Studenten, die opferbereit gewagt hatten, ihre Ehre gegen schwerste Angriffe zu wehren. Er wies zurück das traurige Spiel mit dem Anarchismus und Terrorismus. Er lieh den niederen Spott über die Silberfarb und Mandelstamm verstummen und schilderte dem todesstill lauschenden Reichstage aus dem heroischen Lebensgang dieses Mandelstamms, welcher der höchsten Achtung wert ist und den nur erbärmliche Wichte zu beschimpfen im stände sind. Auch das Verhalten der Universitätsbehörden bei diesen Ausweisungen sowie die Polizeiverfolgungen gegen die Familie v. Wetschesloffs und daS unabsehbar fortdauernde Königsberger Untersuchungsverfahren fanden ihr gerechtes Urteil. In dem tiefsten Widerwillen, der uns gegen die russische Bedienungspolitik des Grafen Bülow erfüllt, ist es nicht leicht, die Antwort, die er gab, ruhig zu würdigen. Vielleicht darf man aus dieser Antwort die Vermutung wagen, datz eine innere Stimme sich gegen das zu erheben beginnt, was Graf Bülow in Fortsetzung dessen, was er angefangen, weiter zu vertreten versucht. Seine Erwiderung war ohne Schärfe, matt und farblos, anscheinend ohne Steigerung; kein Witzchen kam zu stände und er blieb ohne jede Wirkung auf die Hörer. Und inhaltlich schien der Versuch des Grafen Bülow nur wie eine nun einmal unvermeidliche Anstandsabwehr; er suchte die Ausweisung von Studenten, denen nicht der geringste Vorwurf zu machen ist, zu verteidigen durch die altübliche Ablenkung, datz die russischen Revolutionäre keineswegs harmlose Leute seien; er verlas einige Citate, an denen keiner der Ausgewiesenen mit- gewirkt hat und deren Inhalt sich aus den Furchtbarkeiten des russischen Despotismus, die wir an andrer Stelle mitteilen, nur allzusehr erklärt. Zur Ausweisung der 14 Studenten wutzte Graf Bülow nichts weiter zu sagen, als datz er sich Grobheiten nicht ge- fallen lassen brauche. Damit ist dieses Ausweisungskapitel der deutschen Russenschmach zunächst abgeschlossen. Im russischen Dienst hat das mächtige Deutsche Reich brutale Gewalt fürchterlich mihbraucht, doch schon sind die Gewalthaber vor dem Richterstuhl der Civilisatiou tödlich gerichtet. Die da im KurS der Gewalt prahlerisch" zu steuern der- meinten— gescheitert, gestrandet! WaS der Reichskanzler autzerdem gegen Bebel erwiderte, war nicht erfolgreicher. Vor einer Isolierung Deutschlands brauche man sich nicht zu fürchten, meinte der Kanzler im Schein der höchsten Furchtlosigkeit; aber jeder Verständige sieht die Gefahren einer zu- nehmenden Isolierung bei der heutigen Weltlage, und jeder Vcr- ständige sagt sich, datz dieses Wort des Reichskanzlers nur aus der Not eine Tugend zu machen sich bemüht. Graf Bülow bestritt, datz der Schiffsvcrkauf an Rutzland der strengen Neutralität wider- strebe, und er berief sich hierfür auf den„Vorwärts", wobei er, wohl durch entsprechende Information seines Gehilfen, das betreffende Eitat da abbrach, wo es gegen ihn zu sprechen begann. Er der- suchte, umgekehrt die Socialdemokratie der Neutralitätsverletzung zu Gunsteir Japans zu bezichtigen, weil die Presse unsrer Partei sich leidenschaftlich gegen Ruhland kehre. Wir schenken dem Kanzler den wohlfeilen Scherz, denn er weitz natürlich, datz blotze M e i n u n g s- äutzerungen der Presse oder der Versammlungen auf einem ganz andren Blatte stehen als offizielle Handlungen der Regierung. Graf Bülow sprach in diesem Zusammenhang wieder einmal von der„unklugen und unpatriotischen Haltung der Socialdemokratie", die Deutschland gegen Rutzland verfeinde, während die französischen Socialisten weit zurückhaltender seien und dieser Tage erst dem Ministerpräsidenten Combes in Laon, als er die russischen Beziehungen pries,7zugejubclt hätten. Es ist wunderbar, wie wenig Graf Bülow von französischen Dingen weitz; abgesehen von der sicherlich andern Lage Frankreichs gegenüber Rutzland. als deren Bundesgenossen, an dessen Seite die Bismarcksche Politik es gedrängt hat, waren es natürlich keine Socialdemokraten, die in Lyon um Combes versammelt waren, sondern bürgerliche Radikale: ferner könnte Graf Bülow wissen, datz die französischen Socialdemokraten beiderlei Richtung fortdauernd die schärfste Propaganda gegen Rutz- land üben. Wenn endlich Graf Bülow aus der wiederholten Erklärung Bebels, datz die Socialdemokratie nimmermehr die deutschen Lande einem etwaigen Angreifer überlassen werde, die Aufforderung folgert, die Socialdemokratie müffe dann aber auch Militär- und Flottenvorlagen bewilligen, so beweist er hierdurch, datz es ihm unmöglich ist, unsre Stellung zu der Frage der Landesverteidigung irgendwie zu begreifen. Und doch sollte es schlietzlich auch für einen Kanzler begreiflich werden können, datz die Socialdemokratie ein Klassenheer, das zudem zu Angriffskriegen geeignet ist und den Weltfrieden dauernd gefährdet, ablehnt, datz sie andrerseits ein Volksheer fordert, das geeignet ist zur Vaterlands- sicherung und zur Beseisigung des internattonalen Wettrüstens. Kurz alles, was der Reichskanzler schlagwortartig und ohne sachliche Ver- tlefung gegen Bebel vorbrachte, schlug völlig daneben. Im übrigen ergab die Sitzung, nutzer nochmaliger Bestätigung der handelspolitischen Ratlosigkeit durch den Reichs- kanzler, die endlose Fortspinnung jdes I e s u i t e n st r e i t e s. Fest- haltenswert ist daraus nur eine Explosion des CentrumSabgeordneten Dr. Bachem gegen die«furchtbare Knechtschaft" des Staates, der die Eltern mit rauher Gewalt zwinge, sich der religiösen Erziehung ihrer Kinder zu begeben. Doch die Donnerlvorte Dr. Bachems erinnern nur daran, datz das Centrum das Elternrecht allein dann kennt, wenn der Katholizismus sich zurückgesetzt glaubt, datz es das Eltern- recht jedoch schnöde verwirft, sobald die Eltern ihre Kinder nicht in der heutigen. Staatskirche, sondern in fteieren Weltanschauungs- formen zu bilden wünschen. Das Centrum wütet gegen die Staats- gewalt, wenn sie der katholischen Kirche Weisungen giebt, aber es preist jeden Terrorismus der Staatsgewalt, wenn er im Dienst der katholischen Kirche geschieht. Die Reichskanzler-Debatte wird am Freitag noch fortgesetzt. Die letzte Seeschlacht bei Port Arthur. Die russischen Nachrichten aus Port Arthur geben zwar noch weitere Verluste zu: die Beschädigung eines zweiten Panzers durch eine Minrnexplofion sowie die Vernichtung eines Torpedobootes, allein über die näheren Umstände der stattgefundenen Seeschlacht schweigt man sich noch immer aus. Wenn man den offiziellen russischen Nachrichten glauben wollte, so hätten die Japaner lediglich das gesunkene Torpedoboot in den Grund gebohrt, die Versenkung des„Petropawlvwsk" und die Beschädigung des zweiten Linienschiffes wären lediglich auf einen unglücklichen Zufall zurückzuführen gelvesen. Das neueste Petersburger Telegramm lautet nämlich: Petersburg, 14. April. Ein Telegramm des Konter-Admirals Fürsten Uchtoinski an den Kaiser aus Port Arthur von heute besagt: Am 13. April kenterte in der zehnten Stunde während eines Manövers des Ge- schwaders auf der Reede von Port Arthur an- gesichts der feindlichen Flotte nach Explosion einer Mine das Panzers chiff„Petropalvlowsk", welches die Flagge desKommandauten führte. Umgekommen sind: der Kommandant der Flotte und der Chef des Stabes; gerettet wurden: Grotzfürst Kyrill Wladimiro- witsch, der Kommandant Jakowlew, die Lieutenants Unkoloski, Jenisch, Dukclski, die Midshipmen Wladimir Schmidt, Schlippe und 52 Matrosen. Gesunden sind die Leichen des Kapitäns zweiten Ranges Wassiljew, der Midshipmen Akimow und Burotschka. des DokrorS Wolkowitsch und einiger Matrosen. Von den gestern auf eine nächtlicheExpeditionausgesandten Torpedo- booten wurde das Torpedoboot„Besstratschny", das sich infolge deS schlechten Wetters von der Abteilung getrennt hatte, von feindlichen Torpedobooten umzingelt und ging im Kampfe mit ihnen unter. Fünf Mann sind gerettet. Nach dem Untergang des Panzerschiffes„Petropawlvwsk" habe ich das Amt des Kommandierenden der Flotte in Vertretung zeit- weilia übernommen. Beim Manövrieren deS Geschwaders erhielt das Panzerschiff„Pobeda" durch eine Mine eine Beschädigung in der Mitte auf der rechten Seite. Das Panzerschiff lief ohne Hilfe in den Hafen ein. Niemand tot oder verwundet. Auch in diesem, reichlich 24 Stunden nach der Seeschlacht ab- gesandten Telegramm wird nicht verraten, ob es denn russische oder japanische Minen waren, durch die den beiden Panzer- schiffen so übel mitgespielt wurde. Den Japanern kann es ja furchtbar gleichgültig sein, ob die unheilvollen Sprengmaschinen eignes oder feindliches Fabrikat lvaren, aber für eine Konstruktion des Schlachtenbildes lväre es doch sehr wichtig, etwas darüber zu erfahren. Ein Teil der Presse neigt der Auffassung zu, datz der„Petropawsko" durch eine russische Sperrmine in die Luft geflogen sei, und zwar infolge eines ver- hängnisvollen Zufalls. Da aber nach der neuesten russischen Meldung nun auch noch ein zweites Linienschiff durch eine Mine beschädigt wurde, mützte ja die russische Flotte in ganz un- gewöhnlicher Weise von verhängnisvollen Zufällen verfolgt sein. Nach der nichtrussischen Darstellung ist denn auch an den schweren Verlusten der Russen nicht der Zufall, sondem die Angriffsschneidigkeit der Japaner schuld. Die„Central News" veröffentlichen einen eignen Bericht aus T s ch i f u; hiernach habe Makarow eine Kreuzfahrt mit sämtlichen Schiffen seines Geschwaders unter- n 0 m m e n, als er von den Japanern, die sich hinter Liaotischang ver st eckt hatten, angegriffen worden sei. Als er die Falle sah, gab er den übrigen Schiffen Befehl, sich zurück« zuziehen. Der Rückzug des Admiralschiffes wurde jedoch ab« geschnitten, Torpedoboote umzingelten dasselbe und fünf Torpedos trafen gleichzeitig den Panzer. Infolgedessen flog er in dir Luft; mehrere andre russische Schiffe sollen gleichfalls durch die Japaner beschädigt worden sein. Von japanischer Seite liegt folgende Meldung vor: Tokio, 14. April. Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Admiral Urin meldet in einer kurzen Depesche, daß die Flotte des Admirals Togo am Mittwoch morgen angriff und ein russisches Panzerschiff, Typ„Pctropawlowsk", und einen„Torpedojäger" zum Sinken brachte. Auf japanischer Seite kein Verlust außer einem Ver« wundeten. Ein eingehender Bericht wird erwartet. Danach hätten die Japaner also autzer dem Torpedoboot— eS handelt sich nach der zuverlässigeren japanischen Darstellung um einen Torpedojäger mit einigen 50 Mann Besatzung— auch den „Pctropawlowsk" zum Sinken gebracht. Nach dieser Dar« stellung hat also eine wirkliche Seeschlacht stattgefunden, die den Russen autzerordentlich schwere Verluste gekostet hat. Denn es ist ja noch sehr fraglich, ob der durch eine Mine beschädigte Panzer„Pobeda" sPobjäda) noch gefechtsfähig ist. Dieser „Pobjäda" repräsentiert einen noch jungen und größeren Linienschifftyp als der versunkene„Petropawlowsk".„Pobjäda" hat ein Deplacement von 12 800 Tonnen, vier 25 Centimetrr-Geschntze und elf 15 Centimeter-Schnrlllade-Gcschützr. Ist er durch seine Ver« letzung ebenfalls autzer Gefecht gesetzt, so sind von den sieben Linien« schiffen, die sich bei Ausbruch des Krieges in Port Arthur befanden, nur noch drei aktionsfähig l Ueber die Bedeutung der neuesten russischen Verluste urteilt der„Hamburgische Korrespondent": „Im Schutze der starken Küstenbatterien entging da? russische Port Arthur- Geschwader der Gefahr einer völligen Vernichtung' es konnte sogar in der Folgezeit die Mehrzahl, wenn auch nicht besten der in den ersten Gefechten beschädigten Schiffe repa« rieren. Wqr es nun auch nicht im stände, auf hoher See der gesamten Macht der Japaner erfolgreich zu begegnen, zumal sich eine Vereinigung mit dem starken Kreuzergeschwader m Wladiwostock nicht bewerkstelligen lieh, so konnte es doch die Landungs manöver der Japaner erschweren, ja unter günstigen Umständen einem Teil der feindlichen Flotte schwere Verluste beibringen. Zumal nach der Uebernahme des Kommandos durch den tüchtigen Admiral Makarow erstand in Rutzland die Hoffnung wieder, datz seine ostasiatische Flotte doch noch eine Rolle in dem gewaltigen Kampfe werde spielen können. Diese Hoffnung ist heute jäh vernichtet worden. DaS Flaggschiff des Geschwaders, der Panzer„Petropawlowsk" ist in die Luft geflogen. Von dem Stab und der 700 Mann starken Besatzung sind nur wenige gerettet worden. Unter den Toten befindet sich auch Admiral M al a r 0 w. Ter Ver- lust dieses ausgezeichneten Führers dürfte, ganz abgesehen von der weiteren Reduktion der an sich schon schwachen Streitmacht der Russen, die völlige Lahmlegung des Port Arthur-Geschwadcrs be- deuten. Eines der wenigen Panzerschiffe dieses Geschwaders voll« ständig verloren, der Führer der Flotte mit dem arötzten Teil des Stabes tot, dazu der moralische Eindruck eines solchen Ereignisses auf die Mann- s ch a f t: das giebt das Bild einer Katastrophe. Dem gegenüber will es wenig bedeuten, datz es gelang, auch den neuen Angriff der Japaner abzuschlagen. Soweit man die Sachlage übersieht, werden die Japaner von dem Port Arthur-Geschwader sich kaum noch grotzer Schwierigkeiten zu versehen haben. Es besteht ja nach Abzug des„Petropawlowsk" noch aus vier Panzern und fünf oder sechs Kreuzern, aber von den Panzern sind nur zwei als moderne Schiffe zu betrachten, und Kreuzer bewirken nicht die Entscheidung. Vor allem aber ist durch den Tod Makarows dem russischen Geschwader der Wagemut, die ftische Initiative genommen, die seine Kraft verdoppelten." Admiral Makarow war 1848 geboren. Er stand seit 1864 im russischen Militärdienst. Im russisch-türkischen Kriege kommandierte er den Dampfer„Grotz- fiirst Konstantin", der mehrere kühne Angriffe auf türkische Häfen ausführte. Im Jahre 1831 war er im Corps des Generals Skobelcw im Feldzuge gegen die Achal-Turkmencn. Später in verschiedenen Stellungen loieder der Marine angehörig, zeichnete er sich besonders durch Einführung zahlreicher von ihm selbst erfundener technischer Verbesserungen aus. In weiteren Kreisen wurde er durch die von ihm angegebene Konstruktion des Eisbrechers„Jermak" bekannt, mit dem er u. a. eine Winterexpedition nach dem Franz Josephsland unternahm. Von dem Posten eines ObcrkommandeurS des Kronstädter Hafens wurde Makarow bald nach Beginn deS gegenwärtigen Krieges, als Nachfolger deS Admirals Starck, zum Befehlshaber der Flotte im Stillen Ocean ernannt. Die grotzen Erlvartungen, die man in ihn setzte, hatte er, wie unsre Leser wissen, bereits zu erfüllen begonnen; das Geschwader von Port Arthur entwickelte seit seinem Eintreffen eine weit energischere Thätigkeit als zuvor. poUtifchc üeberficbt. Verlin, den 14. April. „Ich bin Banause genug!"... Kunst und Wahlrecht haben sicherlich kaum irgend etwas mit einander zu thun. Dennoch ist es sehr merkwürdig und lehrreich zu beobachten, wie das demokratische Wahlrecht auch auf dem Gebiete der ihrem Wesen nach aristokratischen Kunst erzieherisch wirkt. Das allgemeine Wahlrecht arbeitet wirksam au der Aufgabe mit, das Volk selbst aus dumpfer Bewußtlosigkeit zur Persönlichkeit zu erheben. Ist aber die Masse in ihrem Emporwachsen zur persön- lichen, selbstbewußten Würde gereift, so gewinnt sie auch Verständnis für die Kunst, in der die große Persönlichkeit den Kulturgehalt der Zeit auf ihre Weise gestaltet und erhöht. Ii» Reichstage des allgemeinen Wahlrechts, des„Pöbel- Wahlrechts", blieben die vor einigen Wochen geführten Kuustdebatten auf einer gewissen anständigen Höhe. So wenig sich auch Parlamente eignen mögen, Kunstfragcu zu erörtern, im Reichstag eiferten die Redner aller Parteien danach, zu belveisen, daß auch sie nicht künstlerischer Kultur entbehrten. Hinter dem Streit zwischen„Secession" und Kunst- geuosseuschaft steckt keineswegs der Kampf von künstlerischen Richtungen, sondern die Auflehnung gegen das persönliche Regiment in der Kunst, das durch die Verteilung von Hofgnade und die Vcr- hängung der Hofacht dem individuellen Kimstgcschmack eines Einzelnen Zwangskurs zu verleihen strebt. Darum wurde von allen Parteien im Reichstag die Secession recht kräftig gegen den offenbaren höfisch- staatlichen Boykott verteidigt. Selbst das Centrum verbarg im Reichstag klug seine Heinze-Gcsinnuug und posierte Verständnis für Manet und andre Teufclsknustler. Anders im preußischen Abgeordnetenhaus, dieser aus dreimal gesicbtcin Besitz hervorgegangenen Vertretung der „gebildeten" Nation. Hier gab es am Donnerstag einen matten Nachhall der Kuustdebatten, eine preußische Ausgabe der Verhand- lungen des Reichstages von trister Ocde und zum Teil auch von hoher Komik. Zwar wurde auch im Abgeordnetenhause„Gerechtigkeit" für die Secession verlangt, aber mit Ausnahme des Freisinnigen Träger und allenfalls noch des Nationalliberalen B e u m e r wurde um die Kernfrage, den Protest gegen das preußische Hofkunst-Syndikat und seine Monopolbestrebnngen hermngeredet. Ja, was im Reichstag niemand gewagt hatte, wurde hier Ereignis: Durch die Debatte klang deutlich die Note von der R i n n st e i n- k u n st durch. Herrn B e u m e r s Kühnheit geht nur bis zu dem Eingeständnis, daß er das Marmorlager am Branden- burger Thor nicht überwältigend findet und daß er jährliche Heber sichten über die Staatsankäufe fordert, aber auch er ist nur für die Freiheit der„berechtigten" Kunst und nur diejenige Kunst ist angen- scheinlich berechtigt, die einem Mitglied des Centralverbandes der Industriellen keine Unruhe bereitet: Also fort mit dem„nackten Zynismus" und dem«krassen Realismus", fort mit der„zhnistischen" Kunst. Mit Recht zog dann der Düsseldorfer Kirsch vom Centrnm die Konsequenz, daß die Nationalliberalen nun künftig für die lex Heinze stimmen würden. Herr Kirsch war natürlich auch mir für die berechtigte Kunst, und den Berechtigungsschein sieht er darin, daß sie ans der Grundlage des C h r i st e n t u m s ruhen muß; die alte heidnische Hcllenenknnst war folglich nicht berechtigt. Den Höhepunkt der künstlerischen Weltanschauung der Drei klassen-Kammer erkloinm aber der Uckermärker R e w o l d t, Rechts anwalt, Notar und Justizrat dazu, der sehr richtig und mit be- wnndcrungswürdigem Mut näselte:„Ich bin Kunstbanause genug, um den hohen nationalen Wert der Siegesallee anz»erkenne n." Dieser Fraktionskollege des Herrn v. Kardorff, der offenbar keinen fccessionistisch verlorenen Sohn hat, entdeckte auch, daß die Werner-Truppe von den Secessionisten vergewaltigt würde und verkündete das merkantile Princip, man dürfe die Werke der Berliner Hofkünstler nicht schlecht finden, weil das die Interessen der deutschen Kunst auf den» Weltmarkt schädige; es fehlte nicht viel, so hätte der national näselnde Uckermärker alle Freunde der Secession als „Agenten des Auslandes" gebrandmarkt. In einein heiteren Zwischenspiel bemühte sich der alte Herr v. Ncumann, Rittergutsbesitzer bei Königsberg in der Nenmark, seine in einem langen Leben aufgespeicherten Kunstgrübeleien auf einmal los zu werden. Er redete eine ganze Weltkunstgeschichte, fand, daß die Secession unsittlich mache und feierte den hochseligen Philipp IL von Spanien, der den Vclasqncz vor dem Absturz in die Simpli- cissimus-Schliinde gerettet habe. Der Kultusminister Studt— in den Festspielen der Secession pflegt sein Nanie zu zischen— konnte erleichtert aufatmen. Es war nicht arg geworden. Er war froh, konstatieren zu können, daß alles in Ordnung sei, daß Preußen alle Kunst, freilich nur die„wahre" Kunst gleichmäßig und gerecht unterstütze— was„wahr" ist, erfährt man beim Portier des Kultusininisteriums— und der höfische Kunst- gcschmnck auf die staatlichen Ankäufe keinen Einfluß habe. Der vcr- diente Direktor der Natioualgalerie, Herr v. Tschudi, war zufällig nicht anwesend: sonst hätte er sicherlich aus seinen Erfahrungen heraus den Schwur seines Chefs bekräftigt. Oder leitet Herr v. Tschudi, der gegen eine Welt von Schwierigkeiten die National- galerie zu einer der schönsten Sammlungen fast aus dem Nichts erhoben hat, nicht mehr dies Institut? Man sagt ihin ja längst schwere Verstöße gegen die„wahre" Kunst nach. In einer Abendsitzung wurde das Kapitel von preußischer„Kunst und Wissenschaft" fortgesetzt, die Weitcrbcratnng auf Freitag 11 Uhr vertagt.—_ Hcrrenhans. Das Herrenhaus trat am Donnerstag wieder zusammen. Auf der Tagesordnung standen lediglich Petitionen und der Kommissions- bericht über den Gesetzentwurf betr. die Bildung einer Genossenschaft zur Regelung der Vorflut und zur Abwässerreinigung im Emschcr- gebiete. Diese Vorlage wurde nochmals in die Konunission zurück- verwiesen. Von den Petitionen ist allgemein beachtenswert nur die des Centralvcreins für Jugendpflege auf Erlaß einer Novelle zum preußischen Gesetz über die Fürsorge- Erziehung Minderjähriger. Entgegen dem auf Ueberganz zur Tagesordnung lautenden Kommissionsantrag überwies das Hans die Petition der Regierung als Material. Am Freitag steht die zweite Lesung des Gesetzentwurfs beft. die Gründung»euer Ansiedcliiiigc» lPolcnvorlage) zur Beratung.— BiilowS Schiitzling. In der letzten RcichStagssitzung hat Graf Bülow einen Artikel der„Leipziger Volkszeitung" erwähnt, in dem daS Attentat gegen den Wilnacr Gou Verne nr v. Wahl besprochen wurde. Mit EinPhase wandte sich der Reichskanzler gegen das socialistische Organ, ohne auch nur mit einem Wort zu erwähnen, wie sein Schützling v. Wahl aussieht und welche Handlung seiner Zeit das Attentat hervorgerufen hat. Der General v. Wahl gehört zn den bcstinlischtcn Vertretern des russischen BlutregimcntS. Vor etwa 27 Jahren ließ er in WitebSk(Litauen) ältere Gymnasiasten auf der Polizeiwache durchpeitsche». Später, als Gouverneur von Kursk, l i e ß W a h l e i n i g e' b c i B a n e r n u n r n h e n v e r h a f t e t e B a u e r n zn Tode peitschen. Als Polizcimeistrr von St. Petersburg sagte v. Wahl zu den Arbeiten»»«», die über miserable Löhne klagten:„Verdient Euch durch Prostitution dazu! Nach solchen Beweisen der Regierungstüchtigkeit wurde v. Wahl wieder als Gouverneur nach Litauen geschickt. Von vornherein terrorisierte er die gesamte Bevölkerung in der unglaublichsten Weise. Ein allgemeiner Haß tvar das einzige Gefühl der gesamten Bevölkerung zu dem würdigen Nachfolger ivkurawicws des Henker Es kam die Maifeier von 1902. Die Arbeiterorganisationen verbreiteten Maiaufrnfe. v. Wahl setzte die Stadt Wilna fast in Belagerungszustand und kündigte die strengsten Strafen gegen die Demonstration au. Das Militär stand unter Waffen. Die Manifestation kam fast gar nicht zu stände. Etwa 40 Arbeiter demonstranten, wurden aber sofort umzingelt, in unmenschlichster Weise mißhandelt �und verhaftet. Die Kosaken schlugen auch an' das Publikum ein. Am nächsten Tage fand in dem Polizei-Arrcst eine schreckliche Sccne statt, v. Wahl liest die Bcrhaftctcu systcinatisch auspeitschen Wahl stand daneben und machte sich in b e st i a l i s ch e r Weise über die 30 Gequälten lustig. Wenn die Armen hereingeführt wurden, begrüßte sie Wahl mit spöttischem Lächeln „Ich begrüße z u m F e st t a g", dann zeigt er auf die bereit- liegenden Ruten mit den Worten„das i st die U e b e r- rasch ung!" Der hinzugezogene Arzt verhielt sich ebenso cynisch Die von ihm Untersuchten, welche eine Krankheit angaben, verspottete er in gräßlichster Weise. Den Arbeitern. die einen Herzfehler angaben, erwiderte er:„Thut nichts! Herzklopfen ist da, das ist aber nur vor Angst! Kann geschlagen werden!" Wahl lächelte dazu und zählte dann selbst mit bestialischer Wollust laut die Anzahl der Schläge. Bei einer Gruppe der Verhafteten stellte er an jeden die Frage, wie alt er sei— und ließ dann so viel Schläge hcrabsausen, als Jahre angegeben wurden. Ein junger Arbeiter erwiderte trotzig:„1000 Jahre"— Wahl ließ ihm über 100 Schläge geben. Die armen Opfer schrien so laut, daß die Bewohner der ganzen Straße von grausigem Entsetzen erfaßt wurden, v. Wahl hatte seine Freude an dem Verzweiflnugsschrei der Gequälten. AI ein Arbeiter alle Onalcn erlitt, ohne einen Laut hervorzubringen, ließ er ihn immer weiter schlagen, bis das Opfer vor Schmerz aufschrie. Wenige Tage nach dieser schrecklichen Exekution gab ein einfacher Arbeiter zwei Revolverschüsse auf Wahl ab. Die ganze Stadt nahm die Nachricht von dem Attentat mit begeisterter Freude auf. Dem Gehilfen Wahls an der Auspeitschung wurde einige Tage später der Schädel eingeschlagen. Der Arzt, der die Gequälten verspottet hatte. wurde in einem Hausflur ausgepeitscht und nachher in der chemisch technischen Schule von seinen Schülern mit stürmischen Zurufen: „Weg I Henker I Schurke!" empfangen, so daß er flüchten mußte. Der Attentäter wurde vor ein Kriegsgericht gestellt. Ein Ver teidiger wurde nicht zugelassen. Vor Gericht verhielt er sich ruhig— sprach kein Wort. Nach dreistündiger Verhandlung wurde er zum Tode verurteilt. Dann erst wurde ein Anwalt zugelassen. DaS Urteil wurde schon am 10. Juni am Galgen ausgeführt. Wahl floh aus Wilna. Stundenlang saß er auf dem Bahnhofe in einem besonderen, von Gendarmen umgebenen Wagen und fuhr nach Petersburg. Welche Gefiihle die niederträchtige Handlungsweise v. Wahls in der Arbeiterschaft hervorgerufen hat, geht aus einem Aufruf hervor, der wenige Tage nach der Auspeitschung in Wilna in Massen vcr breitet wurde und aus dem wir folgendes wiedergeben wollen: „Genossen I Es giebt Verbrechen, so wild, so gräßlich, daß es an Worten fehlt, sie zn brandmarken. Es giebt blutgierige Bestien, niederträchtige Reptilien, die schon durch ihre Existenz die Menschlichkeit schänden. Das moskovitische Zarat begeht solche entsetzliche Verbrechen— solche blutgierige Bestien regieren über uns. Der niederträchtige Scherge Wahl ließ die während der De- monsträtion verhafteten Arbeiter mit Ruten auspeitschen. Schon zeitig vor der Demonstration ließ er eine große Zahl von Ruten bereit legen— er selbst leitete die Exekution persönlich. Die Augen leuchteten ihm in lüsterner Wollust, als er auf die blutenden, in Onalcn sich windenden Menschcnkörper blickte! Und denkt daran, daß von solchen Verbrechern unsre Freiheit. unsre Ehre, unser Leben abhängt I Denkt, daß Millionen von Menschen auf Gnade und Ungnade dem wahnsinnigen Verbrecher überliefert sind! DaS Zarat stützt sich auf das Verbrechen— lebt von fort- währenden Verbrechen— übcrgicbt Verbrechern die Gewalt. Die Scherge» zertreten alles Menschenrccht mit Füßen, achten selbst ihre moskovitischen Gesetze nicht, wenn es sich darum handelt, uns zu mißhandeln. Litauen hat schon schreckliche Erfahrungen Hintersich. Murawicw der Henker hat würdige Nachfolger. Jetzt haben wir Wahl den Anfschlitzer! Genossen, wehren wir uns!" So sieht der Gouverneur Wahl aus— der neueste Schützling des deutschen Reichskanzlers I— Veutsickeu K.dcft. Das Zechenlcgcn. AnS Dortmund wird uns geschrieben: Große Aufregung hat der perfekt gewordene Verkauf der Zeche „v. Bickefeld-Tiefbau" in den Kreisen der Beteiligten hervorgerufen. Am Tage der Zustimmung zu deni Kaufangebot von„Bismarck", fand schon abends eine vom Verein der Hans- und Grund- besitzer inscenicrte Besprechung statt, zu welcher zum Teil telcgraphisch eingeladen worden war. Es hatten sich Vertreter fast aller wirtschaftlichen Vereinigungen eingefunden, auch die gewerkschaft- lichen Organisationen waren vertreten. Ein Pfarrer befürwortete, die Regierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß das Syndikat die Zustimmung zu der Uebernahme von BcteilignngSziffern auf andere Zechen die Zustimmung verweigere. Am besten werde fein, den gesamte» Bergbau zn verstaatlichen. Eine sehr große Mißstimmung herrscht gegen den Ver- treter des Kreises im Abgeordnetenhause. Herrn S ch m i e- d i n g. Mit gewisser blutiger Ironie bemerken Redner. man habe den Herrn allerdings gewählt, aber gerade ihn könne man nicht mit der Vertretung der Interessen der Ge- nieinde betrauen, das habe der Herr auch dadurch gezeigt, daß er in der Versammlung der Aktionäre— zu denen er gehört— kein Wort gegen den Verkauf gesagt habe. In Konsequenz der Einsicht, daß der schlechteste Vertreter ihr Vertreter ist, soll den Landtags- Abgeordneten mit Ausschluß de-Z eignen Abgeordneten eine Resolution unterbreitet werden, durch welche man ein Veto zu Gunsten der bedrohten Ge- meinden einzulegen sucht. Eine aus drei Personen bestehende Kommission soll den Regierungspräsidenten auf die zu er- wartenden Schäden hinweisen und seine Intervention nachsuchen. nötigenfalls soll die Kommission beim Ministerium vorstellig werden. Ferner wurde beschlossen, für nächsten Sonntag eine Volks- Versammlung einzuberufen, in welcher ebenfalls zu der Angelegenheit Stellung genommen werden soll.— Bndische Reaktion. Man schreibt uns aus Karlsruhe: Als wir vor einigen Wochen berichteten, daß die VerfaffungS« kommission der Zweiten badischen Kammer die erste Lesung der Wahlreform-Vorlage beendet habe, da konnten wir konstatieren, daß der Regiernngsentwurf ein wesentlich freundlicheres Gesicht erhalten hatte; die reaktionären Anschläge ans das allgemeine Wahlrecht zur Zweiten Kammer waren wesentlich abgeschwächt worden und das bndgctäre Uebcrgewicht der Volkskmnmer über die Junkerkammer, das vernichtet werden sollte, blieb erhalten. Wenn auch für uns Socialdemokraten noch viel zu wünschen übrig blieb, man konnte, wenn die Reform so zu stände kam, sie wenigstens keinen Riickschrttt nennen. Die Regierung will es ander?; sie will das direkte Wahlrecht nur verkaufen gegen derartige Verschlechterungen, daß in der Zweiten Kammer Narren sitzen müßten, wollten sie auf den Handel eingehen. Am Mittwoch gab die Regierung in der Verfassuugskommission ihre gestern bereits erwähnte Erklärung zu deren Beschlüssen erster Lesung ab. Die Mitglieder der Zweiten Kammer sollten zu Gunsten der jetzt schwer benachteiligten großen Städte von 63 auf 70 vermehrt werden. Um dem Centrnm, das die ländlichen Kreise vermehrt wissen wollte, entgegenzukommen, beschloß die Kommission, die Mit- gliederzahl ans 73 zu erhöhen. Die Regierung lehnle ab, weiter wie 70 zu gehen; sie ließ durch- blicken, daß sie nicht gegen eine Beschneiduug der Städte zu Gunsten des Landes sein würde, ob sie indes mit der Aufhebung der so- genannten Städte Privilegien— 8 kleine Städte wählen jetzt, obwohl sie zum Teil weit hinter der Einwohnerzahl der andern Wahlkreise zurückbleiben, je einen Abgeordneten für sich— einverstanden wäre, darüber verweigerte der Minister zunächst noch die Auskunft. Das von der Kommission beschlossene Proportionalwahlsystem für die großen Städte, welche mehr als einen Ab- geordneten zu wählen haben, erklärte die Regierung gleich- falls für unannehmbar. Hauptgrund: Baden will nicht mit dem Proporz der politischen Wahlen anfangen. Endlich sind der Regierung die Beschränkungen des Wahlrechts zur Zweiten Kammer in der Kommission zu sehr abgeschwächt worden. Es sollte nach dem Regiernngsentwurf zweijähriger Besitz der Staatsangehörigkeit und des Wohnsitzes zur Wahlberechttgun; erforderlich sein und der Wahlberechttgte mußte im letzter Jahre vor der Wahl seine Staats- und Gemeinde. steuern bezahlt haben. Die Kommission beschloß es schor bei der einjährigen Staatsangehörigkeit oder einjährigen Wohnsitz bewenden zu lassen; die Steuerrestanten- Bestimmung wurde durch das Erfordernis der Mahnung und„persön" lichen Verschuldens" abgeschwächt. Die Regierung ist mit Herabsetzung der Karenzzeit auf ein Jahr einverstanden; sie besteht jedoch darauf, daß Staatsangehörig- kcit und Wohnsitz ein Jahr gedauert haben muß; bei den Steuer- restanten soll es nicht auf das„Verschulden" ankommen, schoi, derjenige soll ferner wahlrechtsverlustig sein, der ungeachtet der Mahnung seine Steuern nicht bezahlt. Die Komniissionsbeschlüsse über die Zusammensetzung der Erste« Kammer werden von der Regierung durchweg abgelehnt. Sie erklär, für unannehmbar, daß ein Vertreter'der Arbeiter. kammern in die Erste Kammer kommt, sie will statt zwe. Hau delska in mer-Vert retern deren drei und statt drei Städtevertretern vier Vertreter von Gemeinden und Ge- meindeverbänden. Die wichtigste Frage aber, die für alle Parteien principiell« Bedeutung har, ist die Erweiterung des Budgetrechts der Erster, Kammer. Die Regierung wollte in dieser Hinsicht die beiden Kammern einander völlig gleichstellen; da jetzt das Budgetrccht der Ersten Kammer gleich Null ist, bedeutete das eine starke Zurücksetzung der Zweiten Kammer. Die Konunission beschloß das Vorrecht der Zweiten Kammer in jeder Hinsicht zu wahren. Demgegenüber erklärte die Regierung: Wenn das Bndgetrecht der Ersten Kammer nicht erweitert wird, ist das ein„wesentliches Hindernis für das Zustandekommen des Gesetzes". Sie müsse daraus bestehen, daß die Erste Kammer über jede einzelne Position des Budgets beraten und mit voller Wirkung beschließen könne; bei Differenzen zwischen den zwei Kammern soll über jede strittige Position nur wie bisher über das Gesanitbudget Auszählung der beiden Kammer- b e s ch l ü s s e oder gemeinsame Abstimmung vorgenommen werden dürfen. Dasselbe gelle für das Finanzgesetz. Nach den Beschlüssen der Kommission, nach welchen ein abgelehntes EtatssFinanzsgesetz gar nicht erst an die Erste Kammer geht und die Erste Kammer das Budget nur im ganzen annehmen oder ablehnen kann, werde die Ablehn ung des Gesamtbudgets geradezu als verfassungsmäßiges Recht anerkannt. Darauf könne die Regierung niemals eingehen, das sei geradezu eine Heraus- 'orderung zum Staatsstreich. Damit ist die Reform erledigt. Die beiden großen bürgerlichen Parteien haben sich auf die Beschlüsse der Kommission festgelegt, und der Socialdemokratie war es noch zweifelhaft, ob sie für die Komniissionsbeschlüsse stimmen konnte, geschweige denn, daß sie die Riickwärtsbewegung der Regierung mitmachen kann. Die Aussicht, in Baden das direkte Wahlrecht zu erlangen, dürfte damit auf lange Zeit hinaus begraben fein.— Warum Kopp FricdcnSfürst wurde. Die„Frankftirter Zeitung" erfährt nähreres zu dem überraschenden Beschluß des Fürstbischofs Kopp, die Klagen gegen die radikal- polnischen Blätter zurück- zuziehen: Kardinal Kopp hatte zum Osterfeste dem Verteidiger im Beuthcner Prozeß, Dr. S e y d a, einen freundlichen Gruß ge- 'audt und dabei der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß das heilige Fest besänftigend und friedlich auch in Oberschlesien wirken werde. Daraufhin kam Dr. Seyda nach Breslau und wies in einer längeren Unterredung mit Kardinal Kopp darauf hin, daß durch die Bcröffentlichungen der Geistliche» und deren un- ausbleiblichc Folgen ans Frieden einstweilen nicht zu hoffen sei. Er machte auch darauf aufmerksam, daß die etwaigen Mrineidsprozesse 'iir die Angeklagten einen günstigen Ausgang nehmen dürfte», da die Verteidigung in der Lage sei, jede der bestrittenen Zeugenaussagen durch eine große Anzahl andrer Zeugen zu bekräftigem Die Folge dieser Unterredung war, wie von absolut zuverlässiger Seite versichert wird, daß sowohl die Beleidigungsklagen der Zeugen, wie die Erhebung der Anklagen wegen Meineids unterbleiben werden. Herrn Kopps„Friedensliebe" nmß sich aber noch ein weiteres abringen: Die Geistlichen müssen zur Zurücknahme ihrer ver- dächtigenden Erklärungen veranlaßt werden.— Die Wirtschaft in den Kropper Anstalten. Wie die,. Morgen- p o st" berichtet, ist der aus dem Tausch-Prozeß bekannte, jetzt in den frommen Anstalten beamtete Herr v. L ü tz o w, der Gcwährs- mann für die Nachricht, daß der geisteskranke Russe Pniover auf Befehl des Regierungspräsidenten als militärpflichtig an Rußland aus- geliefert worden sei. Herr v. Lützow soll derjenige gewesen sein, ler von der allgemeinen Ausweisungsorder militärpflichtiger Russen gesprochen hat. Man muß zugeben, daß Herr v. Lützow kein Vertrauens- würdiger Gewährsmann ist. Immerhin bleibt die Angelegenheit dunkel. Klar ist jedoch, daß eine heillose Wirtschaft in den Anstalten herrschen muß. wenn lebenslänglich eingekaufte Insassen ein- "ach zur finanziellen Entlastung der in großen Schwierigkeiten leckenden Institute abgeschoben werden.— Licntenantskaunen. Das Ober-Kriegsgericht in Koblenz befaßte ich mit folgendem Fall: Am 6. Februar, nachts gegen 1 Uhr. kam der Lieutenant D a m a n n vom Jnfanterie-Regiment Nr. 161 in T r i e r in der Dienstmütze auf die Wachtstube der Hauptwache. Er stellte den wachhabenden Unteroffizier Natke zur Rede, weil er nicht„Achtung!" gerufen habe und die auf den Pritschen ruhenden Mannschaften nicht antreten ließ. Er befahl dem Unteroffizier dann, dies zu thun. Der Unteroffizier führte den Befehl nicht aus, da er nach den Bestimmungen der Wachtordnung dazu nicht verpflichtet sei Der Lieutenant ließ d a r a u f s e l b st a n t r e t e n. Dann ging er weg, revidierte die Kasernenwache und kam nach einiger Zeit wieder, um seine Befehle zu wiederholein Der Unteroffizier weigerte sich wieder, worauf der Lieutenant die Meldung ins Wacht- buch schrieb. Das Kriegsgericht der 16. Division sprach den Unteroffizier freivondcr Anklage des Ungehorsams und des Beharrens darin vor versammelter Mannschaft, da Lieutenant Damann nicht der Vorgesetzte der Wache gewesen sei und also nicht berechtigt war, der Wache Befehle zu erteilen; die Wachen unterständen außer dem kommandierenden General und dem Stadtkommandanten nur noch den zur Wache befohlenen Offizieren; der Wache gegenüber hörten alle Vorgesctzteneigenschaftcn auf.— Das Ober-Kriegsgericht schloß völlig und imbegrciflicberweise die OeffentliÄkeit wegen „Gefährdung Militär- dienstlicher Interessen" a u s. Das öffentlich verkündete Urteil verwarf die Berufung des Gerichtsherrn. Es bleibt also bei der S r e i s p r e ch n n g.— Eine EentruiiiZgröße, der Fabrikant Aiignst V o g e n o, ein bekannter KatholikentagS-Redner, ferner CentrumS-Soeialpolitikcr, Ge- meindevertreter, erster Beigeordneter in Haaren bei Aachen, Kirchen- rendant und Duzfreund der hohen Geistlichkeit, Angehöriger einer der ersten Familien des Aachener Bezirks usw., wurde von der Strafkammer in Aachen wegen Unterschlagung von Kirchen- kapitalicn und der einen erheblichen Inhalt aufweisenden Kasse der katholischen Studentenverbindung„Carolingia" zu drei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust der- urteilt.— Eine gestürzte Ordmingssäille. Die Strafkanimer in Köln ver- handelte mehrere Tage gegen den Fabrikanten Adolf Bauer in Köln- Lindenthal, der vor einiger Zeit wegen Unterschlagung und ivegcn Verleitung zum Meineid zu anderthalb Jahren Zuchthaus verurteilt, dann mittels Automobils über die französische Grenze geflohen, aber nach längeren Verhandlungen ausgeliefert worden war. Bauer war Hauptmann der Reserve, Stadtverordneter der ersten Klasse, In- haber vieler Ehrenämter und stand in hohem Ansehen. Er unterschlug in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Westdeutschen Thonröhren- Syndikats eine Gesamtsmnme von 63 000 M. Der Staatsanwalt beantragte für die Unterschlagungen 3 Jahre Gefängnis; es liege ein großer Vcrtrauensbruch vor; der Angeklagte sei von ehrloser Gesinnung und ein krasser Egoist, der immer nur an seine eigne Person denke. Das Urteil lautete auf zwei Jahre Gefängnis.— Bon russischen Grenzposten erschossen wurden in der Nähe von Myslowitz zwei Russen beim Ueberschreiten der Grenze. Sie be- saßen keine Pässe und die 30 Kopeken, mir denen sie den Posten be- schwichtigen wollten, genügten dem Manne nicht. lieber ein Vorspiel zum Hcrcro-Aufstand berichtet ein Brief des inzwischen gefallenen Vicefeldwebels der Reserve Bernhard W e l l st e i n, Farmer bei GobabiS, den der „Wetzlarer Anzeiger" abdruckt. In diesem Brief heißt es: „Seit dem 15. Januar bin ich zu den Waffen eingezogen. Schon um die Mitte Dezember 1963 hörte man gerüchtweise von dem beabsichtigten Aufstand der Hereros! Mein Nachbar erschoß um diese Zeit aus seiner Farm zwei rebellische Hercros." Eine sehr seltsame Nachricht I Sollten solche Akte allzu energischer Selbsthilfe nicht auch ihr Teil zu der viel später erfolgten wirklichen Erhebung beigetragen haben?!— Hueland. Schweiz. AuS der Bundesversammlung. Bern, 13. April. sEig. Ber.) Der„Vorwärts" hat bereits den Beschluß des Ständerats betreffend das neue Anarchisten- g e s e tz kritisch glossiert. Ueberraschend ist die Zustimmung dieses Parlaments zu diesem Wechselbalg nicht, denn die Annahme aller bundesrätlicheu Vorlagen ist ja die Regel, namentlich dann, wenn es sich um eine Reaktion unter der Flagge der Bekämpfung des Anarchismus handelt. Die Erregung, mit der im Stände« rat Bundesrat Brenner feine Mißgeburt gegen die Be- zeichnung„lex Sylvestrelli" verwahrte, indem er dabei mit parlamentarisch feinstem Tone von„blödem Gerede" redete, war kein Beweis für die Güte seiner Sache, und er dürfte auch niemand zu seiner Ansicht bekehrt haben. Bei der Affaire Sylvestrelli handelte es sich um die Forderung der italienischen Regierung nach Bestrafung des Anarchisten Bertoni wegen seiner Freude über die Ermordung König Hnmbcrts und wegen der kritischen Darstellung der Thätig- tcit desselben an der Spitze Italiens. Da zur Einleitung eines strafgerichtlichen Verfahrens ausdrücklich ein bezüglicher Antrag Italiens notwendig war, die Regierung aber einen solchen nicht stellen wollte, sondern ohne weiteres Einschreiten ver- langte, so handelte es sich um eine der„berühmten Lücken", die mm das neue Anarchistengesetz ausfüllen soll.— Aus diesem Zu- sammcnhange ergiebt sich, wie berechtigt die Bezeichnung des neuesten rcaltionären WcchselbalgeS als„Isx Sylvestrelli" ist, da er der Affaire Sylvestrelli sein Dasein verdankt. Nach der wuchtigen Verwerfung des Maulkrnttengcsetzes in der V o l k s a b st i m m u n g vom 23. Oktober 1903 hätte man aller- dings die Zurückziehung des neuen Anarchistcngesetzcs, auf Grund essen auch Schillers„Wilhelm Tell" verboten werden könnte, er- warten können, allein die Rücksicht auf das Ausland und die eigne Neigung zur Reaktion haben diesen befreienden Schritt nicht zugelassen. Es hat nun noch der Nationalrat das Wort, aber von ihm ist nur die volle Zustimmung zu erwarten. Die socialdem akratische Partei wird in Konsequenz ihrer bisherigen Stellung zu der lex Sylvestrelli das Referendum ergreifen und dein Volke die Verwerfung empfehleil müssen. iveil die bestehende Gesetzgebung auch den Anforderungen des AuS- landes gcilügt. Derselbe Ständerat hat bei der Eisenbahn-Haftpflicht die Er- Weiterung des Schutzes der Arbeiter beim Eisen- bahnbau abgelehnt. Da es sich hierbei fast ausschließlich um italienische Proletarier handelt, haben wir es hier geradezu mit einem Schulfall der Klassengesetzgebung zu thun: den Großen Italiens wird auf Wunsch vermehrter Schutz gewährt, den Proletariern Italiens wird er versagt.. �. Der Nationalrat hat eine Reihe von Motionen sJnitiatlv- antrügen) erledigt. Die eine Motion betrifft die Verstaatlichung der ca. 500(XX) Pferdekräfte enthaltenden Wasserkräfte der Schweiz, sie wurde fast einstimmig angenommen. Der Bundesrat Ivird nun eine bezügliche GesctzeSvorlage auszuarbeiten haben. Er- lcdigt wurde ferner das Lebens mittel-Ge setz, indem es mit 74 gegen 33 Stimmen angenommen wurde. Die Materie war bisher Sache der kantonalen Gesetzgebung.— Spanien. Arbcitcrdcmonstrationcn. Wie wir bereits vor einiger Zeit be- richteten hat sich hierorts ans den verschiedensten Arbeitcrkatcgorien ein Koniitee gebildet, das sich die Aufgabe gestellt hat. so lange wegen der in Arbciterkreisen Herrichenden Hungersnot, Arbeitslosigkeit ic. bei den kompetenten Behörden vorstellig zu werden, bis diese die nötigen Maßnahmen zur Beseitigung der erwähnten Ucbelstände ergreifen würde». Dieses Komitee hielt kürz- lich feine z w e i t e V e r s a m m l u n g ab, die noch weit zahlreicher als die erste besucht war. Es sprachen unter anderm die Genossen Eastineiras. Zapata und Garcia Cortss. Unsre Bewegung, so führten sie ans, ist hervorgerufen durch die gebieterischte aller Ursachen, den Hunger. Tausende von Genossen in Madrid sind arbeitslos und somit dem Hunger und Elend preisgegeben, während die Behörden dies ruhig mit ansähen, ohne auch mir das geringste zur Abstellung dieses unerträglichen Ucbclstandcs zu thun. Hätten jene Leute auch nach Brot schreiende Kinder, bald ivürde es anders werden. Das Komitee wird nicht erlahmen in den ihm einmal gestellten Bestrebungen, es wird den Behörden Ivieder und immer wieder die auf die Dauer unhaltbaren Zustände unter der hiesigen Arbeiterbevölkerung vor Augen führen, bis sie sich schließlich ihrer so lange vernachlässigten Pflicht erinnern. Die Reden ent- flammten große Begeisterung unter der zahlreichen Zuhörerschaft. Nachdem der Präsident dem Wunsche Ausdruck gegeben hatte, auch die späteren Versammlungen gleich zahlreich besucht zu sehen, wurde die eindrucksvolle Sitzung geschlossen. England. Unfall eines Torpedobootzerstörers. Nach einer Laffan-Meldung erlitt bei einem Manövcr-Nachtangriff auf Portsmouth, der als Vorführung für den anwesenden Prinzen Heinrich ausgeführt wurde, der Torpedobootzerstörer„Tcaser" einen ernsten Unfall. Das Fahr- zeug versuchte den Scheinwerfern der Hafenbefestigungen aus- zuweichen und in den Hafen zu gelangen. Es wurde jedoch van einem Scheinwerfer ausgespäht und der von diesem auf das Schiff gerichtete mächtige Lichtstrahl blendete die Augen des auf den „Tcaser" kommandierenden Offiziers derart, daß er die Leitung verlor und sein Fahrzeug mit voller Geschwindigkeit gegen die U f e r b e f e st i g u n g e n rennen ließ. Der„Tcaser" brach in der Mitte entzwei. Ein Verlust an Menschen- leben ist jedoch nicht zu beklagen. Prinz Heinrich begleitete, wie verlautet, den Admiral Fisher, der sich sofort mit einem Schlepp- dampfer zur Unfallstelle begab. Dänemark. Massenprotcst gegen den Prügelgesep-Entwurf. Am Sonntag haben in Dänemark 30 von der socialdemokratischen Partei ver- anstaltete Protestversanunlnngen gegen die Wiedereinführung der Prügelstrafe stattgefunden. Die Versammlung in Kopenhagen fand in dem im Tivoli belegenen Arena-Thcater statt, das von gegen 4000 Personen gefüllt war. Aber gegen dreimal so viel Menschen, die gegen das Prügelgesetz protestieren wollten, konnten keinen Ein- laß inehr finden und umdrängten das Gebäude. Als Referenten sprachen Dr. phil. Ediv. Larsen, der Arzt Arn. Möller und die Folkethings-Abgeordneten Borgbjerg und P. Knudsen. Nachstehende Resolution, die die vom„liberalen" Ministerium ausgehende Reaktion treffend charakterisiert, wurde unter stürmischen Beifallskundgebungen einstimmig angenommen: „Die Versammlung spricht ihre Entrüstung und ihren Abscheu gegenüber dem Gesetzentwurf über die Wiedereinführung der Leibes- strafe für erwachsene Männer aus, ein rohes und nach dem Zeugnis der Geschichte wirkungsloses Strafmittel, das einen Fleck auf"das dänische Volk als Kulturnation setzen wird. Die Versammlung beklagt es, daß die Regierung sogar noch zu außerordentlichen Mitteln zur Förderung dieses reaktionären Gesetz- entwurfs greift, während sie sich ruhig damit zufrieden giebt, daß große demokratische Fortschritts- ge setze— die Wahlreform, die Gerichts- reform und das Ehestands-Gesetz— zurückgestellt werden. Die Versammlung spricht ihre Zustimmung aus zu der energischen Opposition der Socialdemokratie gegen die Politik der Regierung und die Hoffnung, daß alles, Ivas im Lande an Frei- sinn und Demokratie zu sindcil ist, sich erhebe zum Kampf gegen die neue Reaktion und zur Arbeit für die demokratische Entwicklung des Landes." Auch die Versammlungen in den Probinzstädten waren außer- ordentlich zahlreich besucht und, ebenso wie in Kopenhagen, keines- wcgs nur von Socialdeniokraten, sondern auch von dem intelligenten Teil des Bürgertums sowie von Lehrern und Beamten. In einzelnen Versammlungen suchte sich eine schwache Opposition von Prügel- freunden Geltung zu verschaffen, fand jedoch keinen Anklang. Die Resolution gegen das Prügelgesetz und die Regierungspolitik wurde überall einstimmig oder gegen vereinzelte Stimmen angenommen. Schweden. DaS schwedische„Zuchthausgesctz", das im Jahre 189S zu stände gekommene Ausnahmegesetz gegen die Arbeiterklasse, wonach Drohungen und Gelvaltthaten gegen Streikbrecher viel strenger bestraft werden, als wenn sie gegen andre, ehrliche Leute verübt wurden, soll auch in Zukunft dem Volke erhalten bleiben. Die von den socialdemokratischen Abgeordneten eingereichte Resolution gegen dieses Gesetz wurde am Sonnabend im Reichstage zur Verhandlung gestellt. In der Ersten Kammer wurde sie, wie zu erwarten war, rund- weg abgelehnt und man hielt dort jegliche Diskussion für über- flüssig. Jir der Zweiten Kammer sprachen außer unsren Parteigenossen Brauting, Niels Persson und Larsson, unter andern auch die Juristen Zetterstrand, Lindhagen und Stauf gegen das Gesetz und bewiesen klar, daß es sich in der Rc- solution um nichts andres als um die Forderung auf Anerkennung des Grimdsatzes der Rechtsgleichheit aller handelt. Nach der während der Debatte hervortretenden Stimmung hätte man annehmen können. daß eine Mehrheit für die Resolution zu stände kommen würde, dennoch wurden nur 102 Stimmen für, aber 116 Stim- inen gegen die Aufhebung dieses schändlichen K l a s s e n g e s e tz e s abgegeben.— Die ehrlichen organisierten Ar- beiker werden also auch in Zukunft den Streikbrechern, als den lieben, guten Schutzbefohlenen der Polizei und der Gerichte, mi ganz besonderer Höflichkeit begegnen müssen, wenn sie es überhaupt wagen dürfen, sie anzusprechen, ohne befürchten zu müssen, als Ver- brecher behandelt zu werden.— Rußland. Die Aktion der Socialdemokratie. Die systematische Verbreitung der socialdemokratischen Flugschriften gegen den Krieg und die Regierung sowie zur Bekämpfung der künstlich durch Polizei-Organe aufrechterhaltenen„patriotischen" Stimmung verursacht doch der Regierung und der offiziösen Presse arge Beklemmungen. Die patriotische Presse versucht sogar, dieser Aktion der russischen Socialdemokratie entgegenzuwirken. So ist in dem„ Odessaer Boten" nach der in Odessa stattgcfundcncn Verbreitung des Flug- blatts unter dem Titel:„Sind die Japaner unsre Ivirktichcn Feinde?" ein ganzes Feuilleton zur Beanttvortung dieser Frage erschienen— natürlich ohne direkte Erwähnung der socialdcmokrat- ischen Schrift, doch mit deutlicher Bezugnahme auf dieselbe. Flug- blätter gegen den Krieg sind wieder herausgegeben und verbreitet ivorden von dem Komitee der socialdemokratischen Arbeiterpartei in Odessa, in Charkow, in Ekatcrinoslaw, in Nishnij Nowgorod, in Tomsk, in Kijeiv, in Charbiu(Mandschurei).— Asien. Ein neues Gefecht in Tibet. London, 14. April. Nach einer Meldung der„Times" aus Gyangtse vom 11. d. Mts. haben die Tibetaner am 8. d. MtS. an der Schlucht vom Roten Götterbild wiederum den Versuch gemacht, dem Vorrücken der englischen Expedition Widerstand entgegen- setze n. Die Geschütze des Feindes auf den Höhen wurden von den Engländern zum Schweigen gebracht. Alsdann wurde der Durchniärfch von den 32. Pionieren erzwungen. Die Verluste des Feindes bclicfcn sich auf rund 200 Tote. Die Engländer hatten keinen Toten und nur 10 Leichtverwundete.— Partei-]V aebr lebten. Aus Anlaß des Chemnitzer Beschlusses über die Mitwirkung der Partei- Instanzen bei der Kandidatenaufstellung stellt die „Märkische V o l k s st i in m e" in Forst i. L. Betrachtungen über die Organisationsvcrhältnisse in der Provinz Brandenburg an. Sie ist mit dem Beschlüsse ganz einverstanden, weist aber dann auf das Verlangen hin, dieselbe Norm für das ganze Reich zu schaffen und schreibt dazu:,. „Dieses Verlangen ist im Princip durchaus zu billigen, seine praktische Durchführung setzt jedoch eine gewisse Ausbildung und Gleichartigkeit der provinziellen Organisation voraus. Die Pro- vinzialverttetung. der ein Einspruchsrecht gegeben werden soll, darf nicht in der Luft schweben, sie muß vielmehr auf der Organisation in den Kreisen und auf der organischen Zusammenfassung der Kreise sich aufbauen. Das ist noch nicht überall der Fall. Wir finden die provinziale und Landesorganisation leidlich durchgeführt in Sachsen, besser noch in Württemberg und Hessen, in weiten Gebieten des größten Bundes- staates hängt jedoch die Provinzialorganisation und Provinzial- Vertretung der Partei noch in der Luft. Während z. B. das Großherzogtum Hessen eine gutgegliederte Landesorganisation aufweist mit einheitlicher Beitragsmarke und der Einrichtung festbegrenzter Beiträge aller einzelnen Genossen, von denen ein bestinunter Bruchteil an den Landesvorstand abzuliefern ist(eine Einrichtung, die in modifizierter und weniger exakter Form z. B. auch Sachsen hat), ist speciell in unsrer Provinz Brandenburg dazu nicht einmal ein leiser Ansatz vorhanden. Für die brandenburgischen Kreise bildet die bestehende Provinzial-Agitationskommifsion nicht entfernt den organisatorischen Mittelpunkt; feste Beiträge schickt ihr überhaupt niemand, sie ist auf gelegentliche Zuwendungen einiger Kreise(und zwar ausschließlich der sechs Berliner und zwei Borortskrcise) angewiesen, steht in keiner festen dauernden Verbindung zur Provinz und genießt natürlich auch nicht die Autorität, die erforderlich ist, um die Kreise beraten zu können. Das mag zum Teil seinen Grund in der Thatsache haben, daß die in Berlin sitzende Agitationskommission wohl eine Kommission ist zur Unterstützung der Agitation in der Provinz, abe'- keine Provinzialkommission; die Provinz hat auf ihre Zusammensetzung nicht den geringsten Einfluß. Gewöhnliche Berliner Wahlkreis- Versammlungen wählen, jeder Kreis für sich, die Mitglieder; die Provinz hat„nix to seggen". Es liegt auf der Hand, daß die Ein- Mischung einer solchen Kommission sich lediglich Wahlkreise gefallen lassen würden, die in drückender finanzieller Abhängigkeit zu der Kom- Mission stehen. In dieser scharf ausgeprägten Weise wird wohl nirgends im Reiche die Vorherrschaft einer einzigen Stadt faktisch und formell bestehen, immerhin ist's möglich, daß in mehreren Provinzen die Verhältnisse ähnlich gelagert find. Da wäre also erst notwendig, geeignete organisatorische Grund- lagen zu schaffen; wenn der Fall Zschopau-Marienberg hierzu den Anstoß giebt, so wäre das ein großer Gewinn. Das Verlangen jener Parteiblätter, welche Ausdehnung des Chemnitzer Beschlusses auf die Gesamtpartei fordern, ist jedenfalls nur insoweit durchführbar, als wirkliche aus geordneter Wahl der beteiligten Kreise hervorgegangene Provinzialvertretungen vorhanden sind. Demokratisch empfindende Menschen— und das sind doch unsre Genossen— unterordnen sich nicht einer Behörde, auf deren Zu- sammensetzung sie keinen Einfluß haben und die sie nicht in aller Form zur Rechenschaft ziehen können." Parteipresse. Unser Ludwigshafener Parteiblatt, die„Pfälzische Post", bisher noch in Zusammenhang mit der„Mannheimer Volks- stimme", wird am 1. Oktober d. I. völlig selbständig werden, da es von diesem Tage an in eigner Druckerei hergestellt werden wird. Totenliste der Partei. In Elberfeld ist der Parteigenosse Paul Gräser gestorben. Ter Verstorbene litt seit langem an der Proletarierkrankheit, der Schwindsucht, sie hat ihn schon einmal eine Reihe von Jahren davon abgehalten, der Arbeiterbewegung zu dienen. Gräser war früher Tischler; schon in den 80er Jahren war er für die Arbeiterbewegung, besonders die Gewerkschaften, eifrig thätig, so- wohl durch Vorträge als auch in der inneren Organisasion. Schon damals war er leidend und mit Beginn der 90er Jahre zog er sich aus dem angegebenen Grunde aus der Bewegung zurück. Doch wie jeder, der von einer guten Sache durchdrungen und zur Thätigkeit befähigt ist, eine solche Zurückgezogenheit schmerzlich empfindet, so auch Gräser. Und da sich sein Gesundheitszustand auch etwas ge- bessert hatte, so trat er im Jahre 1895 wieder dem Holzarbeiter- Verbände und dem Socialdemokratischen Volksverein bei, auch nahm er die öffentliche Agitation sofort wieder auf. In der Gewerkschafts- kommission führte bald darauf Gräser einige Jahre den Vorsitz. Als mit dem 1. Januar 1909 die„Freie Presse" in Parteieigentum überging, wurde er als Berichterstatter derselben angestellt, als welcher er bis kurz vor seinem Tode gewirkt hat. Kurz vor den letzten ReichstagSwahlen wurde er von den Essener Parteigenossen zur Uebernahme der Kandidatur für den hochwichtigen Wahlkreis Essen ersucht, und er nahm die Kandidatur an. Bei dem großen Erfolg, welchen die Essener Genossen hatten, kam unser Kandidat zum erstenmal in diesem Kreise in die Stichwahl. Arge Hustenanfälle machten sich bei ihm in den letzten Monaten bemerkbar. In treuer Pflichterfüllung ging er jedoch noch immer seinem Berufe nach, bis er am 26. März auf dem Wege nach dem Landgericht von einem Blutsturz befallen wurde. Tarauf hat Gräser das Bett nicht wieder verlassen. Die Parteigenossen werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren. Geboren war Gräser 1864 in Mickten bei Dresden. Tcntsche und östreichisch-ungarische Socialisten in der Schweiz. Der in Zürich domizilierte Landesausschuß hat soeben für 1903 den Jahresbericht veröffentlicht, in dem einleitend die glänzenden Wahl- siege der deutschen Socialdemokratie gefeiert werden. Der Organi- sation gehören 43 Sektionen mit über 3100 Mitgliedern an. In den Bibliotheken der Vereine befinden sich rund 10 000 Bänden Agitationsschriften wurden für 4000 Fr. verkauft. Die zahlreichen Situationsberichte der Sektionen orientieren über deren Verhältnisse und zeigen, wie unsre Genosse» unter manchmal recht ungünstigen Umständen die Fahne der Socialdemokratie hochhalten. Die Central- lasse hatte 2328,20 Fr. Einnahmen, 777,90 Fr. Ausgaben und am Schlüsse des Berichtsjahres einen Kassenbestand von 1550,30 Fr. Von den Ausgaben entfallen 287,25 Fr. auf Agitation. Für di« socialdemokratischen RcichstagSivahlen in Deutschland wurden von den Sektionen 2016,25 Fr. aufgebracht. Der Fonds zur Unter- stützung politischer Flüchtlinge verzeichnet 715,15 Fr. Einnahmen, 315,30 Fr. Ausgaben und 399,85 Fr. Kasscnbestand. Unter den Einnahmen figuriert auch ein Beitrag des Parteivorstandcs in Berlin von 280 Fr. An den Pfiugsttagcn hält die Organisation in Winterthur ihre 5wnfereuz ab. „Wissen ist Macht— Macht ist Wissen." Die unter diesem Titel den älteren Genossen bekannte Festrede des alten Liebknecht ist in unserm Parteivcrlage, Buchhandlung Vorwärts. Berlin, in neuer Auflage erschienen. Liebknecht hielt diese 3kcde am 5. Februar 1872. Die Broschüre ist jetzt mit einem neuen Vorwort versehen, in dem es heißt: „Diese nun 32 Jahre alte Festrede lebt noch in voller Jugend- kraft, und so mag sich der Soldat der Revolution durch sie abermals zu einer neuen Agitationstour in das Reich des Proletariats an- schicken. Viele Tausende haben an dieser Schrift den Socialismus lesen lernen, auch dem neuen heranwachsenden Geschlecht wird sie dauernd die Macht des Wissens, und dadurch zugleich das Wissen seiner Macht weisen." Die Schrift ist ein trotziger Protest gegen Staat und Gesellschaft durch die Gegenüberstellung der für Militär- und der für Bildungs- zwecke aufgewendeten Mittel. Was der„Alte" damals sagte, gilt auch heute noch:„Wenn man die heutige Kultur kratzt, kommt die Barbarei zum Vorschein." Die Broschüre, die alten und jungen Genossen empfohlen werden kann, kostet 30 Pf., ist in allen Partei- buchhandlungen, in Berlin in allen Parteispcditionen zu haben und tvird durch alle Kolportcure und Zeitungsboten besorgt. Hub Induftrie und Handel. Herabsetzung des Diskonts der Bank von England. Die englische Bank hat ihren am 3. September vorigen Jahres von 3 auf 4 Proz. erhöhten Diskontsatz auf 3>/z Proz. herunter- gesetzt: eine Ermäßigung, auf die in den englischen Bank- und Börsenkreisen schon seit einer Woche bestimmt gerechnet wurde und die deshalb nicht die geringste Ueberraschung hervorgerufen hat. Als vor sieben Monaten die Bank von England ihren Diskont um 1 Proz. heraufsetzte, fand infolge des für den englischen Geldmarkt ungünstigen Standes der ausländischen Wechselkurse ein beträchtlicher Abfluß des englischen Goldbestandes statt, vornehmlich nach Deutsch- land und den Vereinigten Staaten von Amerika. Seitdem hat sich aber die Lage des englischen Geldmarktes außerordentlich gebessert, teils durch größere Goldzufuhren von Südafrika und Australien, teils infolge des inzwischen erfolgten Umschlages in New Nork, das nicht nur seine früheren Ansprüche an den Londoner Markt eingestellt hat, sondern sogar London durch Goldexporte nach Japan und Argentinien entlasten konnte. Indes ist es nicht diese günstige Lage allein, welche die Bank von England zur Herabsetzung ihres Diskonts bewogen haben dürste. Es steht allem Anschein nach die Emission verschiedener Anleihen auf dem englischen Markt bevor, und man will für deren Aufnahme gutes Wetter schaffen. Auch vom politischen Standpunkt hat übrigens die Ermäßigung ihre Bedeutung. Die Herabsetzung wäre sicherlich nicht erfolgt, wenn »„an nicht in den englischen Regierungskreisen die Ansicht gewonnen hätte, daß der russisch-japanische Krieg in nächster Zeit größere Ueber- raschungen nicht bieten wird, vor allem daß er die wirtschaftliche Lage der wichtigeren europäischen Staaten nicht in stärkerem Maße nachteilig beeinflussen wird. d. h. mit andren Worten: man rechnet mit Sicherheit darauf, daß der Krieg in Korea und der Mandschurei lokalisiert bleibt. Daß die deutsche Reichsbank dem englischen Vorgehen alsbald folgen und ihren Diskontsatz ebenfalls ermäßigen wird, ist kaum aiizuiiehmen, wenigstens liegt unter den heutigen Verhältnissen dazu kein Anlaß vor._ Der Eintritt des RcgierungSrats Dr. Voelckcr in den Dienst dcS Stahlwerks-BcrbandeS wird jetzt von diesem offiziell angezeigt. Außer ihm tritt noch der Kaufmann Wilh. Gutzmann in die Geschäfts- leitung ein, so daß diese jetzt aus fünf Personen besteht, nämlich Herrn Karl Ohly als Vorsitzenden und den vier Herren Dr. Voclcker, Bouche, Ottmann und Gußmann als Ressortchefs. Aktiengesellschaft für Anilinfabrikntion, Berlin. Nach dem Rechnungsabschluß für das Jahr 1S03 stellt sich der Bruttogewinn auf 6 277 442 M.(im Vorjahre S 722 026 M.); von diesen gehen ab: für Abschreibungen 1 625 141 M.(1 456 519 M.), für General- Unkosten usw. 2 763 527 M.(2 594 257 M.), für Zinsen 183 336 Mark(244 946 M.), für Verluste und Abschreibungen zweifelhafter Forderungen 34 666 M.(23 732 M.). Nach Verteilung einer Dividende von 16 Proz. bleibt ein Ueberschuß von 1 731 381 M.(1 463 567 M.). Betreffs der Geschäftsaussichtcn heißt es im Jahresbericht: Von größtem Einfluß auf die zukünftige Entwicklung der deutschen Teer- farben-Jndustrie wird der Abschluß günstiger langfristiger Handels- vertrüge mit den andren Industriestaaten sein. Um für voraus- sichtlich notwendig werdende Vergrößerungen und für die Aufnahme neuer Fabrikationen, deren Betrieb in den bisherigen Fabrikations- stätten wirtschaftlich weniger günstig sein würde, ein geeignetes Terrain zu besitzen, that die Verwaltung Schritte zur Erwerbung eines passeitdcn Grundstücks am Rhein, und zwar in Rheinau bei Mannheim. Berliner Grundstückspreisc. Die beabsichtigte Einführung von Taxämtern in den größeren Städten giebt der„National-Zeitung" Anlaß zu einem historischen Rückblick auf die Steigerung der Grund- stückspreise in Berlin. Unter der Regierung des Großen Kurfürsten konnte der Besitzer eines ansehnlichen Hauses von Glück sagen, wenn er dafür einen Kaufpreis von 266 Thalern erzielte. Das änderte sich allerdings bald, gleichwohl standen auch in der Folgezeit die Preise im Vergleich zu den jetzigen auf einer geradezu lächerlich geringen Höhe. So laufte die gräflich reußische Familie das Gebäude des jetzigen Kriegsmimsteriums in der Leipzigerstraße samt dem aus- gedehnten Garten— dem größten Hausgarten, den es in Berlin giebt— um die Mitte des 18. Fahrhundert von einem Minister des Königs Friedrich Wilhelm I. für 26 666 Thaler. Ein Menschen- alter später ging es in die Hände des Fiskus über, kostete aber schon 36 666 Thalcr. Heute würde das gewaltige Grundstück eine beträcht- liche Anzahl von Millionen einbringen, wenn es dem Fiskus in den Sinn käme, sich seiner zu entäußern. Noch frappanter stellt sich die enorme Entwicklung des Grundstückswertes bei dem gegenwärtigen Neichskanzlerpalais dar. Es wurde vor etwa 175 Jahren vom General Grafen Adolf Friedrich von der Schulenburg, dem Friedrich Wilhelm l. den Grund und Boden dazu geschenkt hatte, erbaut. König Friedrich Wilhelm II. kaufte es als Wohnsitz für die Gräfin Dönhoff für 36 666 Thaler, aber schon wenige Jahre darauf ging es in den Besitz des Fürsten Anton Radziwill über, der schon 66 666 Thaler dafür zahlen mußte; und als es nach dem französischen Feld- zug das Reich kaufte, um dem Reichskanzler eine angemessene Be- hausung zu beschaffen, bezifferte sich der Kaufpreis auf die Summe von 6 Millionen Mark. Der Preis dieses Grundstücks ist also in einem Zeitraum von etwa 86 Jahren um das Fünfunddrcißigfache gestiegen. Im Jahre 1366 betrug der durchschnittliche Wert eines Quadrat- meters bebauter Grundstücke in Berlin 94 M., und dieser Preis hat sich in der kurzen Spanne von 9 Jahren verdoppelt(187 M.), wobei allerdings die gewaltigen Ereignisse, die Berlin zur Haupt- stadt des neucrstandcnen Deutschen Reiches machten, und die darauf folgende Gründerzeit eine große Rolle gespielt haben. Nach der Gründerzeit kam aber auf diesem Gebiet eine sehr fühlbare Reaktion, die den Wert des Quadratmeters bebauter Grundslücke auf 143 M. sinken ließ. Die Preise„erholten" sich allerdings wieder, wie man in der Börsensprache zu sagen pflegt, so daß im Jahre 1885 ein Quadratmeter im Durchschnitt 166 M. einbrachte und fünf Jahre später sogar auf 213 M. stieg. Dann sank der Preis wieder auf 211 M., doch nur, um mit Beginn des 26. Jahrhunderts auf die vorher nie erreichte Höhe von 252 M. emporzuschnellen. Ter Wert hat sich also in 35 Jahren nahezu verdreifacht. Für die unbebauten Grundstücke wird der jetzige Durchschnittswert eines Quadratmeters auf 85 M. berechnet, es muß indessen hervorgehoben werden, daß in den verschideenen Stadtteilen die Unterschiede enorm groß sind. In den Geschäftsgegenden der Stadt beträgt nämlich der Wert un- bebauten Grund und Bodens nahe an 566 M. pro Quadratmeter, während er cm der Peripherie des Weichbildes 26 bis 36 M. ausmacht._ GewerkfebaftUebee. BcrUn und Ctmgegend* Jnnungsmeister-Sehnen. Der Wunsch nach einem Jnnungs-Einigungsamt ist bei den Jnnungsmeistern so stark, daß sie wider besseres Wissen verkünden, der Oberpräsident habe sich für die Errichtung entschieden. Bekanntlich hatte die Gewerbedeputation des Berliner Magistrats auf einen Protest von elf der größten Innungen die Satzungen für die Errichtung nicht genehmigt, um dem Berliner Gewerbegericht nicht ein Konkurrenziuftitut zu schaffen. Gegen diese Entscheidung richtete der Jnnungsausschuß eine Beschwerde an den Oberpräsidenten. Obgleich bis jetzt auf diese Beschwerde keine Antwort ergangen ist. bringt die„Fachzeitung" der Tischlermeister und Holzindustriellen wiederholt die Notiz der Genehmigung durch den Oberpräsidenten. Hier scheint der Wunsch der Vater deS Gedankens zu sein. Wie schon berichtet, protestieren sämtliche Gesellenausschüsse gegen die Errichtung und beabsichtigen, diesen Protest an den Ober« Präsidenten oder Handelsminister zu richten. Die Berliner Bäckerinnungen in der Streikfurcht. Am Mittwoch waren die Bäckermeister beider Innungen ver- sammelt, um das erste Mal in corpore zu den Forderungen der Gesellen Stellung zu nehmen.— Obermeister Bernard ließ sich zunächst Absolution erteilen dafür, daß er ohne Einwilligung der Bercmtw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Gesami-Meisterschaft eine Verhandlung mit dem Gesellenverband abgelehnt habe; er sei mit den Bezirksvorständen der Meinung ge- Wesen, seine ablehnende Antwort an die Gesellenvertretung würde allseitige Billigung finden.(Allgemeines beifälliges Gemurmel.) Sodann referierte Altmeister Kaufmann über die Gesellen- forderungcn. Er betonte, die Innung sei noch stets für eine Ver- besserung der Lebenslage der Gesellen eingetreten und werde es auch fernerhin thun.(Deswegen werden die Gesellen auch mit 6 M. und halber Kost pro Woche abgespeist.) Bei dieser Lohnbewegung aber handele es sich um eine Machtfrage seitens des Gesellen- Verbandes, und heiße es, die entschiedensten Abwchrmaßregeln zu treffen. Am meisten Besorgnis äußerte der Redner über einen etwaigen Boykott, der sehr einschneidende Folgen haben könne in Anbetracht der großen Zahl gewerkschaftlich organisierter Arbeiter und des Einflusses, den diese auf die Berliner Bevölkerung ausüben. Die Wirkung des Boykotts aber könne abgeschwächt werden, wenn die hiesige Polizei ähnlich so vorgehen wolle wie die Polizei in Kiel, die seinen Informationen nach eine schleunige Strafverfügung vom Amtsgericht gegen die Gewerkschaftsführer erwirkt habe, welche die Namen derjenigen Meister veröffentlicht haben, die daselbst eine Be- willigung der Gesellenforderungen ablehnten,— In der Debatte wurden von der Mehrheit der Redner, vom Obermeister Bernard bis zum Untermeister Werner, alle Register aufgezogen, um die Forderungen der Gesellen als„unannehmbar" hinzustellen und die „Anmaßung" der„Verbcmdshetzer" zu„kennzeichnen". Den ver- heirateten Gesellen könne man ja schließlich insgesamt Kost und Schlafen außer dem Hause des Meisters gewähren(t), wie dies schon teilweise(I) geschehen sei; die ledigen jüngeren Gesellen aber müßten im Hause des Meisters unter gebührender Aufsicht gehalten werden.— Nur zwei Redner, die Meister Pfeiffer und Wilhelm Müller, empfahlen ein Eingehen auf die Gesellenforderungen, da doch einige derselben bereits früher bewilligt, indessen nicht ge- halten worden waren. Sie ersuchten, nicht länger auf dem ver- alteten, starren Meisterstandpunkt zu verharren, sondern in Ver- Handlungen mit den Gesellenvertretern einzutreten, sei es mit der Verbandsleitung oder dem Gesellenausschuß. Beide Redner fanden jedoch keinen Anklang, sie wurden vielmehr durch eine Flut saftiger Zwischenrufe unterbrochen und mußten schließlich unter allgemeinem Unwillen der Anwesenden schweigen. Darauf wurde folgende Re- solution angenommen: «Die Versammlung der Bäckerinnung zu Berlin erklärt sich mit der Haltung des Jnnungsvorstandes, die er bisher den Ge- sellenforderungcn gegenüber eingenommen hat. einverstanden. Dis Versammlung konstatiert, daß ein Teil der Forderungen der Gesellen(Beseitigung von Logis und Kost im Hause des Meisters an verheiratete Gesellen und Gewährung von drei freien Nächten an den hohen Festen) zugestanden und zum großen Teil durch- geführt ist. Sie bevollmächtigt den Vorstand, in Verhandlungen über die aufgestellten Forderungen nur mit den gesetzlichen Ver- tretent, dem Gesellcnausschuß, zu treten und verbietet dem Jnnungsvorstand jede Verhandlung mit den Vertretern des Deutschen Gesellenvcrbandes." Ein ähnlicher Beschlutz wurde auch von der.,Konkordia"-Jnnung gefaßt. Gegen Schluß der Versammlung gab Obermeister B e r n a r d seinen Jnnungsbrüdern dann folgende charakteristische Lerhaltungs- maßregeln, die ein recht eigentümliches Streiflicht sowohl auf die Meistermoral als auch auf ihre Ansichten über Staatshilfe werfen. Im Falle die Gesellen den Streik beschließen, so meinte der Ober- meister, würden sie erfahrungsgemäß sofort von jedem Meister die unterschriftliche Anerkennung der Forderungen verlangen. Diese Unterschrift möchten die Meister dann nur ge- traft geben. Es hindere sie jedoch nichts daran, die unterschriebenen Bewilligungen nicht inne- zuhalten, sobald sie Arbeitswilligenersatz für ihre Gesellen zur Verfügung hätten. Und für diesen Ersatz werde pünktlich gesorgt werden, denn schon lägen die Orders an sämtliche Brandenburger Innungen bereit, sofort Arbeitswillige zu schicken, wenn hier der Streik ausbricht. Sobald dann die Arbeits- Willigen eingetroffen seien, möchten die Meister ungeachtet der gegebenen Unterschrift ihre Gesellen einfach entlassen. Nun schien aber der Obermeister selbst gelinde Zweifel zu hegen, daß die Meistersöhnchen oder sonstige Arbeits- willige der„sämtlichen Brandenburger Innungen" einen genügenden Ersatz für die streikenden Gesellen zu bieten im stand« sind; deshalb empfahl er noch ein andres Mittel. Die Jnnungsmeister sollen sich nämlich noch an die Regimenter wenden, bei denen sie gedient haben, wie auch an die Kommandos der Berliner Regimenter, damit ihnen die bei der Fahne dienenden Bäckergesellen als Ar- beitswillige zur Verfügung gestellt würden I Wenn dann noch in den einzelnen Bezirksversammlungen Matz- nahmen getroffen würden., daß ein Meister dem andern mit Ware aushilft, dann wäre es ein Leichtes, die streikenden Gesellen zur Raison zu bringen. Wenn die Meister glauben, die Gesellen ins Bockshorn jagen zu können, so sind sie im Irrtum. Der Leitergrriistbaucr-Streik bei der Firma Funk u. Co.(Alt- mann), Charlottenburg, wird weiter geführt, da Herr Altmann jede Verhandlung zivecks Beilegung des Streiks strikte abgelehnt hat. Da nicht ausgeschlossen ist, daß die Firma außer mit G u t s ch e- Friedenau auch noch mit andern Berliner Firmen zwecks Ausführung von Aufträgen in Verbindung steht, ist es angebracht, daß alle Leitergerüstbauer auf etwaige Streikarbcit Acht geben. Streikbrecher sind nicht zu verzeichnen. Die Zahl der Arbeitswilligen hat sich bis heilte nicht vermehrt. Obgleich mindestens 15 Kolonnen zwecks Erledigung der vorhandenen Aufträge� gebraucht werden. war es der Firma nicht möglich, mehr als sechs Kolonnen auf- bringen zu können. Die Situation ist daher für die Ausständigen gut, Daß die Firma wirklich in Verlegenheit ist, beweist auch ein wutschnaubender Brief, mit dem Herr Altmann unsre Redaktion be- ehrte. Es heißt unter anderm in demselben: Die Warnung an die Maler soll ein Aufhetzen der Malergehilfen sein. Herr Bebel würde diesen Satz als gemeine Schurkerei bezeichnen."— Muß der Mann sich geärgert haben, daß er so schimpft l Und das ist nur eine kleine Probe auS dem Briefe. Der wohlgemeinte Rat an die Maler, sich die von ungeübten Arbeitern aufgestellten Gerüste genau anzusehen, ehe sie dieselben betreten, kann doch wohl nur von jemand als„Schurkerei" bezeichnet werden, für den ein Menschen- leben keinen Wert hat. wenn es ein Arb e it er leben ist. Die Maler dürften dafür kaum Verständnis haben und dem Gerüstbau im Gegenteil erhöhte Aufmerksamkeit widmen. Oeurkcbes Reich. Die Bauarbeiter-AuSsperru ngeu, welche die Arbeitgeber im Vor- jähre beschlossen und sorgsam vorbereitet haben, mehren sich. Auch in Forst i. L, ist es zu einer solchen gekommen. Dort haben die Bauunternehmer den Maurern eine neue Arbeitsordnung vorgelegt und bestehen auf Anerkennung derselben. Die Maurer weigerten sich dessen und so kain es aus mehreren Bauten zu Aussperrungen. Der Kampf hat den ausschließlichen Zweck, die Organisation der Maurer zu vernichten._ AuS Crimmitschau. Am Montagabend reiste wiederum ein Teil der ausgesperrten Textilarbeiter von hier ab, um anderweitig in Arbeit zu treten. Hunderte von Kollegen hatten sich am Bahnhofe eingefunden, um mit den Scheidenden, mit welchen sie jahrelang zusammen in einer Fabrik gearbeitet und im Verbände vereint ftir die Gcsamtinteressen der Arbeiterschaft gekämpft haben, noch einige Freundschaftsworte zu wechseln. An diesem Abend hätten die Unternehmer sehen können, daß die bisherige Einigkeit unter der Arbeiterschaft fortbesteht. Die Arbeiter haben sich zur Zeit nur dem Drucke gebeugt, von dem Verlangen durchdrungen, zu gegebener Zeit den zehnstündigen Arbeitstag zu erkämpfen. Unter den Answanoernden fanden sich welche, die das 66. Leebensjahr überschritten haben. Auch sie mußten zimt Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagscmstalt Wanderstabe greifen und in die weite Welt hinausziehen, weil ihnen das Unternehmertum am Orte keine Arbeit mehr gab, sie also dem Hungertuche überantwortete, obwohl diese Männer ihre Jugendkrast und Gesundheit geopfert haben, damit das Unternehmertum Reich« tum auf Reichtum anzuhäufen vermochte. Ausland. Die Berbimdstage der schweizerischen Gewerkschaften.(Eig. Ber.) Der Metallarbeiter-Verband beschloß auf seinem in Luzern abgehaltenen Verbandstage die Anstellung eines zweiten Sekretärs, die wöchentliche Herausgabe der jetzt zwölftägig erscheinenden „Schweizer Metallarbeiter-Zeitung" und die Einfiihrung der fakultativen Krankenunterstützung sowie eines Sterbegeldes. Mit dem Verbände der Maschinenindustriellen soll wegen der Reduktion der Arbeitszeit von 16 auf 9 Stunden in Unterhandlungen ein- getreten werden. Der Verband hat im Jahre 1963 seine Mitglieder» zahl von 3757 auf 4468 erhöht, die sich auf 86 Sektionen verteilen. Ende 1963 hatten die Sektionen 24622 Fr., die Centralkasse 56996 Fr. Vermögen.— Der Verbandstag der Holzarbeiter beschloß die Anstellung eines vollbesoldeten Sekretärs und das Obligatorium der „Arbeiterstimme". Der Verband hat in 53 Sektionen 3275 Mit» glieder und ein Vermögen von 14 785 Fr. Den Verbandstagen der Metall- und Holzarbeiter-Verbände wohnten die Genossen Reichel und Leipert aus Stuttgart als Vertreter der deutschen Bruder- verbände bei.— Die Zimmerer beschloffen, auf die Gründung eines Bauarbeiter-Verbandes hinzuwirken und den Anschluß an den Holzarbeiter-Verband abzulehnen.— Die Maurer wollen ihren eingeschlafenen Verband wieder beleben und an Stelle der Monatsbeiträge von 46 Cent. Wochenbeiträge von 15 Cent, einführen.— Die Lithographen beschlossen die Einführung einer Jnvalidenkasie mit 25 Cent Wochenbeitrag, genehmigten Lehrvertrag und Regleinent für die Lehrlingsprüfungs- kommi>sion und lehnten den Abschluß eines Gegenseitigkeitsvertrages mit dem deutschen Verbände ab. Der internationale Lithographen- kongreß soll in Zukunft nur alle drei statt zwei Jahre abgehalten werden.— Die Verbände der Dachdecker und Kaminfeger beschlossen die Verschmelzung zu einem Verbände und die An« strebung von Kartellverträgen mit den Verbänden in Deutsch- land und Oestreich.— Die Hilfsarbeiter im graphischen Gewerbe beschlossen u. a. Anschluß an den Schiedsgerichts- vertrag des Typographenbundes.— Die Organisationen der Brauer, Küfer, Cigarrenarbeiter, Gärtner und Bäcker beschlossen die Gründung eines Verbandes der Lebensmittel-Arbeiter mit einem vollbesoldeten Sekretär. Der neue Verband umfaßt ca. 2666 Mitglieder. Die Müller werden erst durch Urabstimmung über die Frage des Anschlusses entscheiden.— Zwischen dem Gewerkschaftsbund und den lokalen Arbeiter» Unionen wurde auf einer Konferenz in Luzern ein Ueber- einkommen zur Verhinderung leichtsinniger und planloser Streiks abgeschlossen,»voraus lvieder einmal zu ersehen, wie unsinnig die gegnerische Phrase ist, wir zettelten Streiks an, weil wir die Verhetzung und Streikerei für die Anstecht- erhaltung der Bewegung brauchten. Die Lohnbewegung der Tapezierer in Kristiania. Nachdem sämtliche Tapezierer und Dekorateure ihre Stellungen gekündigt hatten, haben sich die Meister nun entschlossen, über die Forderungcn zu verhandeln. Zu diesem Zweck ist ein Komitee aus Vertretern beider Parteien gebildet worden. Die Arbeitgeber sind unorganisiert, dagegen gehören die Arbeiter sämtlich dem Skandinavischen Sattler- und Tapeziererverbande an, dessen Vor- sitzender Jönsson aus Dänemark anläßlich der Lohnbewegung in Kristiania anwesend war.— Es wird wohl noch längere Zeit dauern, bis die Verhältnisse geregelt sind, tveshalb vor Zuzug nach Kristiania gewarnt werden muß._ Letzte Nachrichten und Depefchen. Näheres über die letzte Seeschlacht bei Port Arthur. Tschifu, 14. April.(Meldung des Reuterschcn Bureaus.) Aus japanischer Quelle verlautet, der Angriff vom Mittwoch auf Port Arthur verlief folgendermaßen: Bei Tagesanbruch machten die Torpedoboote eine Demonstration, zu derselben Zeit, legten s i e M i n e n in den äußeren Eingang zum Hafen, zogen sich dann zurück und vereinigten sich mit dem Hauptgeschivader, welches vorging, um die russische Flotte zum Herausgehen zu be- wegen. Dies geschah, die„Petrojewlowsk" stieß auf eine japanische Mtne und wurde zerstört. Meldung über den Nachfolger MakarowS. Petersburg, 14. April.(W. T. 33.) Wie die russische Telegraphen- Agentur aus unterrichteter Quelle erfährt, ist zum Nachfolger des ums Leben gekommenen Admirals M a k a r o»v der Kommandant der Schwarzen Meer-Flotte Skrydlow ernannt worden. Englisches Unterhaus. London, 14. April.(W.T.B.) Premierminister Balfour erklärte. die marokkanische Regierung sei bezüglich des englisch- stanzösischen Abkommens nicht zu Rate gezogen»vordeu. Die britische Regierung habe mit der spantschcn Regierung Mitteilungen ausgetauscht, deren Veröffentlichung aber nicht vorteilhast wäre. Auf eine Anstage, ob durch das englisch-stanzösische Abkommen die Bestimmungen der Suezkanal- Konvention über eine jährliche Versammlung von Vertretern der Signatarmächte aufgehoben würden, führte Unterstaatssekretärs des Auswärtigen Earl Percy aus, die an- gezogenen Paragraphen blieben infolge der Besitznahme Aegyptens durch Großbritannien vorläufig außer Kraft. Die Frage, ob eine dahingehende formelle Mitteilung den Signatarmächten zu machen sei, werde erwogen werden._ Die besonders nützlichen Elemente. Wächtersbach, 14. April. Azif dem Nachhausewege von Schlier- bach wurden die hier wohnenden Maurer Gebrüder Lischmann von Streikbrechern in der Nacht vom Montag zum Dienstag so schwer mißhandelt, daß der eine derselben seinen Verletzungen erlag. (»Kl. Pr."),_ Ein Kriminalfall. Magdeburg, 14. April. Wegen Beleidigugg durch die Presse stand der Redakteur Lauterbach von den inzwischen eingegangenen „Neuesten Nachrichten" vor dem Schöffengericht, weil er bei der Kritik einer Operette das Kosttim einer Sängerin, tvelches sich durch starken Stoffmangel auszeichnete, als ansfchlaggebend für den Er- fclg bezeichnet hatte. Ter Angeklagte wurde freigesprochen, hauptsächlich deshalb, weil die Klägerin sich nicht dazu verstehen konnte, in demselben Kostüm wie tei der Aufführung vor dem Gericht zu er- scheinen._ M.-Gladbach, 14. April.(SB. T. 33.) Der frühere Direktor der Gladbacher Baumwollmanufaktttr Müller, welcher der Kasse der Gesellschaft 25 776 M. widerrechtlich� entnommen hat. wurde heute von der Strafkammer wegen Unterschlagung zu 16 Monaten Ge- fängnis und 1660 M. Geldstrafe verurteilt. Müller wurde sofort in Hast genommen. Mannheim» 14. April. Ein schweres Unglück ereignete sich heute vormittag am Rheinvorlande. Als im Lagerplatz der Gewcrk- schaft„Deutscher Kaiser" der Dauipfkrahn einen gefüllten Selbst- greiser aus dem Schiffsraum einporzog. riß die Kette und der mehrere Centner schwere Apparat stürzte in den Schiffsraum. Drei Arbeiter wurden schwer verletzt, einer davon starb kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Der Zustand der beiden andern ist besorgniserregend.(„Frankfurter Zeitung.") Paris, 14. April.(W. T. 33.) Der nationalistische Deputierte Archdeacon hat angekündigt, daß er beim Wiederzusammenttitt der Kannner den Minister des Lleußeren Delcassö über das stanzösisch- englische Abkommen interpellieren werde. Paul Singer LcCo., Be rlin SW, Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Kr. 88. 21. 1. Irilngt ki Jomifitf ßftlintt loUIntt Frettag, 15. April IM. Reichstag* «6. Sitzung. Donnerstag, den 14. April 1904. 1 U h r. Am Tische des Bundesrats: Reichskanzler Graf Bülow, Graf Posadowskh, Nieberding, Frhr. v. H a m m e r st e i n. Die zweite Beratung des Etats des Reichskanzlers wird fortgesetzt. Abg. Bebel fSoc.): Die Fragen der auswärtigen Politik haben in der letzten Zeit im Reichstage eine grötzere Rolle gespielt als früher. Das Haus hat sich von der Ansicht, die zur Zeit des Fürsten Bismarck herrschte, vollständig ein an- z i p i e r t, daß es gefährlich sei, sich über aus wältige Politik überhaupt zu äuhern, dah man hier den Ministern einfach Vertrauen entgegenzubringen habe. Das ist allmählich anders geworden. Es hat nnch insbesondere auch mit einer gewissen Genugthuung erfüllt, daß gestern der Redner der äußersten Rechten, Herr v. Heydcbrand, im Namen seiner Partei- freunde ausdrücklich hervorgehoben hat, er habe an den Reichs- kanzler die Frage zu stellen, wie eS in der auswärtigen Politik aus- sehe, denn das Volk wolle wissen, wohin die Reise geht. Es war gerade seine Partei, die bisher solchen Erörterungen stets aus dem Wege gegangen ist. Wenn auch sie in die Bahnen andrer Parteien einlenkt, so kann man wohl daraus schließen, daß sie mit dem Gang der auswärtigen Politik für den Augenblick nicht sonderlich zufrieden ist. Der Herr Reichskanzler meinte, solche Fragen seien leichter zu stellen, als zu beantworten. Ich will zugeben, daß dies Wort seine vollkommene Berechtigung hat, muß aber doch mit einigen Worten auf seine Ausführungen eingehen. In Bezug auf das englisch-französische Abkommen erklärte der Herr Reichskanzler, die deutschen Interessen würden dadurch nicht gefährdet. Auch ich glaube, daß von einer direkten Schädigung der deutschen Interessen dabei nicht die Rede sein kann. Was aber bei diesem Abkommen von ganz besonderem Interesse ist. ist, daß hier einmal in geradezu glänzender Weise sich dokumentiert hat, wie zwei große Kulturnationen in einer arißerordentlich wichtigen Frage sich zu verständigen in der Lage sind, ohne daß dabei im gering st cn mit dem Säbel gerasselt wird. Es ist der geschickten Diplomatie beider Staaten möglich geworden, in einer außerordentlich verwickelten Frage ein Abkommen zu treffen, das für eine Reihe von Jahrzehnten ernste Konflikte zwischen beiden Ländern wohl ausschließt. Das giebt mir die Ueberzeugung, daß das Ideal, das wir verfolgen, vielleicht näher ist als man glaubt, daß nämlich allmählich alle Kulturstaaten der Welt zu der lieber- zeugung kommen, daß es richtiger und der allgenreinen Wohlfahrt nach jeder Richtung hin dienlicher ist, wenn bei schlummernden internationalen Konflikten nicht gleich zum äußersten gegriffen wird und ein Krieg mit seinen furchtbaren Folgen nach Möglichkeit ver- mieden wird. Auf der andren Seite glaube ich annehmen zu dürfen, daß diese? Abkommen insofern für Deutschland kein günstiges genannt werden kann, als damit England und Frankreich mehr als bisher auf eine innere Freundschaft angewiesen sind, was eine Schwächung des Dreibundes und eine Stärkung des Zweibundes bedeutet. Ich will nicht gerade sagen, daß in einem Weltkrieg die Engländer auf die Seite der Franzosen und Russen träten, dahin wird es hoffentlich niemals kommen, aber ich habe doch stets auf die große Bedeutung hin- gewiesen, welche die Stellungnahme des mächtigen englischen gleiches in einem Weltkriege haben würde. Jedenfalls scheint die Folge des Abkommens eine weitere Isolierung Deutschlands zu sein. Deutschland gegenüber sind ja in den maßgebenden Klassen fast aller Länder, Nordamerika, England, Italien, Frank- reich' und selbst in Rußland die Antipathien im Zunehmen begriffen, was ich für ganz außerordentlich bedauerlich ?alte. Daran haben die zahlreichen Reisen, Be- u ch e, Empfänge. T o a st e, G e s ch e n k e, die in der letzten Zeit in Deutschland insceniert worden sind, nicht das gering st e geändert. Es macht überhaupt einen wunder- baren Eindruck. daß aus diesem Gebiete in Deutschland eine Thätigkeit entfaltet wird, die weit umfangreicher ist als die Thätigkeit aller Staatsoberhäupter der Welt zusammen. Eine gewisse Zurückhaltung nach der Richtung, daß man vor allem die Liebens Ivürdigkeit nicht da aufdrängt, wo sie gar nicht gesucht wird, könnte der deut>chen Würde keineswegs schaden. Uebrigcns stehen die Festivitäten über die in den letzten Wochen fast Tag für Tag berichtet wird, in etwas schneidendem Widerspruch zu den Vorgängen in S ü d w e st a f r i k a, wo leider deutsches Blut in Strömen geflossen ist. Der Reichskanzler hat dann Bezug genommen auf die Bor- gänge in Ostasien. Er meinte, daß eine pessimistische Auffassung der Dinge von russischer Seite so hätte auf- gefaßt werden können, als empfänden wir Genugthuung dariiber, wenn es dort zu Konflikten käme; also auch hier wieder in erster Linie die Rücksicht auf Rußland. Von keiner Seite ist verlangt worden, daß Deutschland aktiv in die ostasiatischen Angelegenheiten eingreifen sollte. Wenn Herr v. Kardorff behauptete, daß die Socialdemokratie allein eS sei, die die deutsche Neutralität nicht wünsche, so möchte ich fragen, woher er diese Weisheit eigentlich hat.(Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) In keiner Zeitung, von keinem Redner meiner Partei ist angedeutet worden, daß Deutschland aktiv einzugreifen hätte, genau das Gegenteil ist der Fall. Wir sind sogar der Meinung, daß die Machtentfaltung der deutschen Marine in Ostasien weit über das Be- dürfnis unsrer Interessen hinausgeht. Wir sind der Meinung, daßDeutsch- land auch nicht den leisesten Verdacht erregen darf, daß es irgendwie Partei ergreife oder die Begünstigung eines der Streitenden ein- treten lassen wolle. Der Reichskanzler meinte. Deutschland müsse alles thun, um die Neutralität Chinas aufrecht zu er- halten. Das hat mich überrascht, das stimmt nicht zu seiner Neutralität. China ist nicht der Vasallenstaat Deutschlands oder einer andren Macht, um in solcher Weise in seinem Sclbstbcstimmnngsrecht eingeengt zu werden. Das Bemühen, China a tous prix neutral zu erhalten, muß notwendig den Eindruck erwecken, als geschähe es ausschließlich zu G u n st e n R u ß l a n d s, für das die Neutralität Chinas von be- s anderem Werte ist. Nun hat sich in den letzten Tagen ein Vorgang ereignet, der den Eindruck erwecken muß, als wenn die strikte Neutralität Deutschlands nicht in korrekter Weise aufrecht erhalten wird. Ich spiele an auf den Vorgang der Schiffsvcrkäufc. Die Hamburg-Amerika-Linie hat den Schnelldampfer „Bismarck" einer russischen Firma verkauft, die ihn Rußland wieder zur Verfügung gestellt hat. in dessen Auftrag der Verlaus zweifellos abgeschlossen worden ist. Ich weiß nicht, ob die Hamburg-Amerika-Linie vor dem Verkauf dieses Schiffes b e i dem Auswärtigen Anit angefragt hat— ich nehme aber an, daß es geschehen ist, denn die Leiter der Gesellschaft sind vorsichtige Leute, die sich n i ch t m u t w i l l i g in einen Konflikt mit der Regierung bringen werden. Der Verkauf dieses Schnelldampfers, der als Auxiliarkreuzer auf der deutschen Flottrnliste figuriert und der im Kriegsfalle als Kriegs- sahrzeug verwendet werden soll, muß notwendig Kopfschütteln her- vorrufen. Auch der Norddeutsche Loyd soll die Absicht haben— und hat sie vielleicht schon ausgeführt— das Schiff„Hohenzollern" an Rußland zu verkaufen. Diese Verkäufe durch Handelsfirmen dienen nur dem Zweck, der rusfischen Marine auf einem Umweg größere Aktivität als bisher zu ver- leihen. Der russisch-japanische Konflikt hat die Kulturstaaten m zwei Lager geteilt, auf der einen Seite stehen die Anhänger Rußlands, auf der andern die Freunde Japans. Jeder Schritt von uns, in dem eine Verletzung der Neutralität erblickt werden kann, muß auf der andren Seite Mißmut erregen. Das können wir unter keinen Umständen wünschen; die Welt ist mit Kampf st off überfüllt, jederFunken, der insPulverfaß fliegt, kann einen Weltbrand erzeugen.(Lebhafte Zustimmung bei den Socialdemokraten.) Ich möchte deshalb den Reich* kanzler ausdrücklich fragen, ob ihm etwas von dem Verkaufe dieser Schiffe bekannt ist und ob er in diesem Verkauf nicht eine ge- wisse Begünstigung der maritimen Interessen Rußlands erblickt. Ein Teil der Presse bestreitet, daß der Verkauf in diesem Sinne aus- gelegt werden könne. Ich erinnere aber an folgendes: Als während des Boerenkrieges die Firma Krupp eine große Bestellung von Geschossen, die zweifellos für Englands Interessen bestimmt waren, von einer eng lischen Firma erhielt. da stellte die offiziös Presse die Thatsache zuerst in Abrede. Da aber wurde doch eingeschritten und verhindert, daß die Geschoßlieferung ausgeführt wurde. Ganz ähnlich liegen die Dinge hier. In all' den Jahren vorher haben wir von dem Verkaufe erstklassiger Schiffe an Rußland nichts gehört, und wenn diese Schiffe im Falle eines See- krieges Deutschland selbst Dienste leisten sollten, dann sind durch den Verkauf auch die maritimen Interessen Deutschlands geschädigt. Es schwirren allerlei Gerüchte über eine neue Flottenvorlage umher, die noch in dieser Session an das Haus gelangen soll— ich glaube nicht daran— aber angesichts des zweifellos vorhandenen Bestrebens, weit über die Flottenvorlage hinaus die Schiffe zu vermehren, müssen diese Verkäufe besonders auffallen. Nun könnte gesagt werden, ach, ihr Socialdemokraten, wie könnt ihr euch überhaupt herausnehmen, von der nationalen Würde Deutschlands zu sprechen. Unsre Begriffe über die Ehre Deutschlands mögen andre sein, aber auch für uns giebt es eine Ehre Deutschlands, und meinWort, das soviel Aufsehen erregt hat, wir würden nicht dulden, daß auch nur ein Fleckchen deutschen Landes in die Hände des Feindes fällt, drückt eine Auffassung aus, der ich nicht zun« erstenmal Worte verliehen habe. Ich und mein Freund Lieb- knecht haben uns schon vor 18 Jahren ganz ebenso ausgesprochen. Wir sind nicht gewillt, jeden Angriff auf' Deutschlands Stellung uns stillschweigend gefallen zu lassen. Ich komme nun auf die Verhandlungen vom 27. und 29. Februar über die R u s s e n- A u s lv e i s u n g e n zurück. Damals hatte Herr Dr. Müller-Meiningen die Ansicht ausgesprochen, daß zur Zeit Bismarcks ähnliche Dinge nicht hätten vorkommen können. Ich habe diese Auffassung schon damals durch einen Zwischenruf bestritten. Der Reichskanzler hat aus dem Aktenschrein des Auswärtigen Amtes eine Reihe von Aktenstücken vorgetragen, die beiviesen haben, daß Bismarck in Bezug auf Erfüllung russischer Auslieferungswünsche ein Entgegenkommen an den Tag gelegt hat, ivie es unter ihm selber noch nicht vorgekonimen sei. Wenn er hat beweisen wollen, daß er ganz auf dem Stand- Punkt Bismarcks steht, so ist ihm dieser BeiveiS glänzend gelungen. Aber er hat damit etwas herbeigeführt, was er nicht herbeiführen wollte, er hat die Stellung Bismarcks gegenüber Ruß- land durch die Vorlegung dieser Aktenstücke in einer Weise kom promittie rt, wie es schlimmer nicht geschehen kann.(Lebhafte Zustimmung bei den Socialdemokraten.) Es ist nicht wahr, wenn Bismarck in den Akten behauptet, daß es sich bei Leo Deutsch um einen gemeinen Verbrecher handelt. Leo Deutsch ist auch in Rußland kein gemeines Verbrechen nachgewiesen worden. Die badischen Behörden, die badischen Richter hatten große Bedenken, ihn auszuliefern, aber dem großen Drucke, den Bis- marck aus sie ausübte, komiten sie natürlich nicht Stand halten. Auch bei M e n d e l s o H n handelt es sich nicht um gemeine Verbrechen. Wenn jemals aktenmäßig bewiesen worden ist, daß die deutsche Politik in geradezu unwürdiger Weise sich in den Dienst Rußlands gestellt hat, so ist es durch dieses Aktenstück geschehen. Die Aus- führungen des Reichskanzlers standen im engsten Zusammenhange mit der Erörterung der Ausweisung russischer Studenten. Ich hatte in meiner Rede auf den Protest von ca. 409 russischen Studenten und Studentinnen Bezug genommen, der sich gegen die Ausführungen des Freiherrn v. Richthofen richtete. Der Reichskanzler kam auf diesen Protest zu sprechen und drohte allen,„die sich mausig machen", die Ausweisung an. Aber die vielgenannten Studenten Mandel stamm und Silbersarb erlaubten sich doch, eine neue Ver fammlung ihrer Landsleute einzuberufen, in der sie gegen die Rede des Reichskanzlers von neuem Protest erhoben. Es war ja vorauszusehen nach jener Erklärung des Herrn Reichs- kanzlers, daß das Schicksal der Protestanten besiegelt war, man hat 14 von ihnen einige Tage nach dem Protest ausgewiesen. Es liegt hier ein gewisser Widerspruch vor zu früheren Erklärungen des Herrn v. H a m m e r st e i n. Nach dem ersten weit schärferen Protest der russischen Studenten gegen den Minister des Auswärtigen erklärte Herr v. Hammerstein, von einer Ausweisung werde Abstand genommen, da es sich um eine kindische Handlung jugendlich uncr- fahrener Leute handle. Wenn ich auch die Motive nicht billigen konnte, so hat mir doch die damalige Haltung der Regierung im- paniert, ich habe mir gesagt, das ist eine Stellungnahme, wie sie eines mächtigen Kulturstaates würdig ist. Jetzt aber, da sich der Protest der Studenten gegen den Reichskanzler selbst richtete, erfolgte sofort die Ausweisung. Es ist vielleicht nicht ganz uninteressant, namentlich angesichts der Thatsache, daß die Namen Silberfarb und Mandelstamm von einem gcwifsen Teil der Presse in äußerst kindischer Weise verhöhnt werden, einige kurze Mitteilungen über diese beiden Persönlichkeiten zu machen. Silberfarb ist weder Anarchist, noch auch Socialist, sondern Zionist, also ein orthodoxer Jude, dem nichts ferner liegt als Um- sturzgedanken. Mandelstamin ist als j u n g e r M a n n in Liebau gegen die Rusfifizierungsbcstrcbungen gegenüber den Deutschen in den Ostsccprovinzen auf das entschiedenste aufgetreten. Später wurde er Socialdemokrat, trat in Moskau in einer Fabrik als Ar- beiter ein, wurde wegen socialistischer Agitation verhaftet und zwei Jahre in Untersuchungshaft gehalten. Was das in Rußland heißt, das mögen Sie daraus er- fehen, daß von seinen 14 Genossen in der Unter- fuchungShaft vier in Wahnsinn verfielen und zwei Selbst- mord verübt haben.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Sein eigener Bruder ist in, Gefängnis in Wahnsinn verfallen und später an Tuberkulose gestorben. Männer, die in dieser Weise für ihre Ueberzeugung kämpfen, verdienen unsre Hochachtung, nur ein erbärmlicher Wicht aber kann es wagen, gegen solche Männer einen Stein zu werfen.(Lebhafte Zustimmung bei den Socialdemokraten.) Mandelstamm hat dann weiter eine fünfjährige Berban- nung in Sibirien durchgemacht und hat auch in dieser ~eit den größten Mut bewiesen, indem er den Brutalitäten des »ffiziers,'der den Gefangenentransport führte und ein ganz gemeiner Schurke war, energisch und mit Erfolg entgegentrat. Ait die AllSweisungsmaßregeln haben sich dann noch andre Dinge geknüpft. Auf der E x m a t r i k e l des Herrn Silberfarb befand sich folgender Vermerk:"„War bis zu seiner am 18. März erfolgten Ausweisung durch die hiesige Polizei Student der Universität." (Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Das ist eine Brandmarkung alleruiedrigstcr Art.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Da- bei Ivar die Ausweisung noch nicht e i n m a l r e ch t s k r ä f t i g geworden.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Wenn ein deutfcher Unternehmer einein seiner Arbeiter gegenüber so vorgeht, macht er sich auf Grund der Gewerbe-Ordnuiig strafbar.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Welch traurige, erbärmliche Rolle spielen unsre Univerfitötsbehörden gegenüber Männern, die um ihrer politischen Ueberzeugung wegen aus dem Lande gejagt werden! Diese Haltung der Umversitätsbehörden wird s e l b st in der Deutschen Universitäts-Zeitung", deren Heraus- geber ein Sanitätsrat Dr. Küster ist, aufs schärfste getadelt. Der Verfasser des Artikels erklärt: Unsre Sympathien sind cjanz und gar auf feiten der russischen Studenten.(Hört I Hort! bei den Socialdemokraten.) Wer weiß, wie gierig diese Studenten an allen Quellen der Kultur trinken, an denen deutsche Studenten vielfach verächtlich vorübergehen, der wird nicht im stände sein, im Tone antisemitischer Blätter über das zu spotten, tvie es der höch st e Beamte des Deutschen Reiches beliebte. Eine kräftigere Abfuhr konnte einer Behörde kaum zu teil werden. Ich habe mich gestellt, daß sich hier ein Mann gefunden hat, der den Mut hat, zu sagen, was er denkt. Geheimer Regierungsrat Althoff soll ja vor kurzem ausgesprochen haben, daß künftighin auch das preußische Kultusmini st erium sich mit dem Aus- wältigen Amt in Beziehung setzen werde in bezug auf die Behandlung auswärtiger Studenten. Herr Sattler hatte kein Wort der Entrüstung über diese Maßregeln, die uns in den Augen der gesamten Kulturwelt herabsetzten. Dieselben Studenten, die hier als staatsgefährlich, als Schnorrer und Verschwörer ausgewiesen werden, können in Frankreich, in der Schweiz, in Italien ungestört ihren Studien obliegen. Man behandelt sie dort so, wie es einem Kultur- staat gebührt, während wir jeden Tag mehr und mehr in den deutschen Polizeistaat hineingeraten. Noch einige Ausführungen zum Falle v. Wetschesloff, der jetzt ganz besonders aktuell ist. Am 20. Februar wurde Herr v. W. ausgewiesen. Am 22. hatte sein Anwalt Dr. Liebknecht Beschwerde erhoben. Nach bestehendem Recht kann die Ausweisung nicht eher erfolgen, bis die Befchwerde ent- schieden ist. Da die Entscheidung sehr lange auf sich warten ließ, hat der Rechtsanwalt mit Herrn V.W. vereinbart, daß dieser am Dienstag, den 12. April, mit seiner Familie Berlin und Preußen verlassen solle. Am vorigen Freitag begleitete Herr v. W. einen schwer erkrankten Ereund nach der Heilanstalt Honnef am Rhein. Am Sonnabend 'inmen Gendarmen in seine Wohnung in Hermsdorf, wo seine Frau mit den kleinen Kindern zurückgeblieben ist, durchsuchen alles und wollen Herrn v. W. verhaften. Die Frau sorgt natürlich dafür, daß Herr v. W. seine bereits angetretene Rückreise unterbricht. Am Dienstagmorgen um 6 Uhr erscheinen wieder Gendarmen in der Wohnung der Frau v. W., stellen alles von Unterst zu oberst(Hört! hört! bei den Socialdemokraten), Frau v. W. wendet sich an den Rechtsanwalt, dieser verhandelt persönlich mit dem Landrat des Kreises und der letztere erklärt sich damit einverstanden, daß Herr v. W. noch im Laufe dieser Woche Berlin mit seiner Familie ver- lasse: spätestens am Freitag solle er anzeigen, wann und wohin er abreise, am Schalter solle ein Gendarm anwesend sein, dem Herr v. W. sein Billet zeigen müsse.(Hört! hört! bei den Social- demokraten.) Alles dies sollte gelten, falls der Vorgesetzte des Land- rats, Herr v. Hammerstein, zustimmte. Gestern mittag erst erhielt dann Herr v. W. die Nachricht, die Zustimmung sei nicht erfolgt. Gendarmen kommen nunmehr jeden Tag in die Wohnung, um sich nach ihm zu erkundigen. Sehr charakteristisch ist die Aeußerung der Frau v. W. zum Rechtsanwalt Dr. Liebknecht: „Aber ich bitte Sie, das ist doch ganz wie bei uns in Rußland." Ich habe geglaubt, Deutschland sei ein civili- s i e r t e s Land."(Lautes Gelächter bei den Socialdemokraten.) Dabei ist Herr v. W. bereits seit fechs Jahre» in Hcrmödorf und lebt dort ruhig seinen Studien. Drei seiner Kinder sind in Hcrms- dorf geboren. Es ist doch in der That unerhört, daß ein Mann, der keinerlei Vergehen oder Verbrechen begangen hat, mitsamt seiner Familie in dieser Weise belästigt wird. Graf Bülow sagte seiner Zeit zu uns: Meine Herren, Sie kennen mich ja noch gar nicht. Nun, wir haben ihn jetzt von einer Seite kennen gelernt, die ich damals nicht für möglich gehalten hätte. Ich habe ihn für einen vorurteilssteien Mann gehalten, habe gedacht, daß er durch seine jahrzehntelange Abwesenheit im Auslande gelernt habe, eine Lebensauffassung zu gewinnen, wie sie in seinen Gesellschaftskreisen in Deutschland in der Regel nicht zu finden ist. Es scheint aber, er hat sich in den wenigen Jahren wieder zurückacclimatisiert in' den Geist des preußischen Junkertums.(Sehr gut! bei den Social« demokraten.) Auch der Prozeß in Königsberg ist noch immer nicht erledigt, Rowagrotzki und seine Genossen sitzen jetzt vier, fünf Monate in Untersuchungshaft, und noch ist keine Anklage erhoben.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Ich bin gestern auf das Gericht als Zeuge citiert worden. Ich war im höchsten Grade überrascht, als man mich fragte, ob ich mittlerweile erfahren hätte, ob es ein russischer Polizeispitzel gewesen sei, der unter die an Nowagrocki ge- schickten Schriften solche anarchistischen Inhalts gemischt habe. Ich habe den Eindruck gewonnen, als ob die Herren in Königsberg sich in einer verzweifelten Verlegenheit befinden, was sie aus dem Prozeß machen sollen. Herr Abg. Dr. Sattler hat nach dem Schicksal der Handelsverträge gefragt und Herr v. Kardorff hat die Kündigung des argentinischen Meistbegünstigungsvertrages verlangt. Wir haben es vorausgesagt, daß es sehr schwer sein würde, mit dem neuen Zolltarif Handelsverträge abzuschließen. Herr v. Kardorff hat übrigens bereits bei der Beratung des Antrages Kanitz erklärt, daß, falls dieser nicht verwirklicht würde, in zwei Jahren die deutsche Landwirtschaft völlig zu Grunde gehen würde. Das war 1896, also vor zehn Jahren. Der deutschen Landwirffchast ist es aber niemals besser gegangen als in den letzten Jahren. (Lebhafter Widerspruch rechts.) Daß auch Not in der Landwirtschaft herrschst bestreiten wir nicht, aber an dem ivirtschaftlichcn Fortschritt der letzten Zeit hat die Landwirtschaft erheblichen Anteil. Es ist der einzige vernünftige Gedanke der Regierung in der letzten Zeit ge- wesen, daß sie sich nicht zur Kündigung der Handelsverträge hat drängen lassen.(Hört! hört! rechts.) Herr Dr. Sattler hat uns vorgeworfen, daß wir die Klassen- Herrschast der Arbeiter erstreben. Das ist nicht der Fall. Wir ivollen nicht eine neue Klassenherrschaft an Stelle der alten setzen, sondern die Klassen überhaupt aufheben. (Lebhafte Zustimmung bei den Socialdemokraten.) Und wie steht es mit der Jnternationalität der Socialdemokratie? Wenn behauptet wird, diese Jnternationalität bestehe darin, daß alle Sprachen auf- gehoben, alle Landesgrenzen verwischt und ein allgemeiner Völkerbrei geschaffen werden soll, so ist das Wahnsinn und Verrücktheit. Unsre Jnternationalität beruht darauf, daß wir eine Völker- Verständigung, eine Völkcrversöhnung, eine Völkerverbrüderung ivollen, daß unser Ziel die allgemeine Konföderation aller Kulturvölker ist, um die Kulturaufgaben lösen zu können, zu deren Lösung ein einziges Volk zu schwach ist.(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Es giebt kein Ziel, das edler und höher wäre, das sich ein Mensch stellen kann. Herr Dr. Sattler hat über die Gegensätze der bürget- lichen Gesellschaft geklagt. Glauben Sie, diese Gegensätze jemals beseitigen zu können? Wenn die Socialdemokratie nicht existierte, würden diese Gegensätze noch weit schärfer sein, als sie es heute sind.(Heiterkeit und lebhafte Zu- stimmung bei den Socialdemokraten.) Wir sind der „Wauwau", vor dem Sie sich fürchten, und: Liebe, Friede, Ruhe, Versöhnung I so schallt's von allen Seiten, weil wir da sind.(Große Heiterkeit.) Der Cen trumsabgeordnete Kohl hat m München eine Rede gehalten, in der er sagte, es ist eine Fügung der göttlichen Vorsehung, daß die Social- demotratie in unsrer Zeit einen so großen Ein- flutz auf die Massen und die Politik hat, fönst würde der Kulturkampf viel ärger tobe». Hier dankt also ein Mitglied des Centrums dem lieben Gott dafür, daß wir da sind (Stürmische Heiterkeit), und er hat nicht Unrecht.(Heiterkeit.) Wenn weiter darüber geklagt ivird. daß die Verhandlungen in allen deutschen Parlamenten einen so ungeheuren Umfang annehmen, so liegt die Ursache für das Redebedürsnisder Abgeordnetendariih daß jedLl dieser Abgeordneten die Interessen nnd Bedürfnisse einer bestimniten Gruppe, einer bestimmten Partei, einer bestimmten Klasse znnr Austrag bringen muß. Und die Zunahme dieses Redcbedürsnisscs ist auch ein Zeichen dafür, das; der Klassengegensatz immer schärfer wird. (Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Dazu kommt weiter die Gesetzesmacherei und die Kompromißsucht bei den Gesetzen, weil nicht ganze Arbeit gemacht wird. Deshalb kommen schon nach zwei und drei Jahren Aenderungen und es zeigt sich, daß das Kompromiß nichts getaugt hat.� Für uns sind mancherlei Kombinationen möglich, und wenn wir nur unser Schwert scharf erhalten, so brauchen wir uns vor dem Alleinsein gar nicht so sehr zu fürchten. Herr v. Kardorff, dem ich aufrichtig dankbar bin für seine wohlwollende Beurteilung unsrer auswärtigen Politik, hat von dunklen Mächten gesprochen, welche die Interessen der Landwirtschaft nachteilig beeinflußten. Wie man mir den Vorwurf machen kann, daß ich es fehlen ließe an der nötigen Rücksichtnahme, Fürsorge und dem nötigen Entgegenkommen für die Landwirtschast, verstehe ich nicht. Im Kampfe mit einem großen Teile dieses Hauses, im Kampfe mit großen Parteien, im Kampfe mit einem großen Teil der öffentlichen Meinung und starken Strömungen, habe ich einen landwirtschaftlich freundlichen Tarif vorgelegt und durchge- führt und mit diesem Handelsvertrags-Verhandlungen begonnen. lieber den Stand der Handelsvertrags- Verhandlungen hat der Staatssekretär des Acußern gestern Auskunft gegeben.' Diese Aus- kunst hat den Grafen Rrvcutlow nicht bestiedigt. Ich möchte aber doch darauf aufmcrlsam machen, daß in keinem Parlament der Welt über schwebende Verhandlungen Minister eingehend Auskunft zu geben in der Lage sind und daß in vielen Parlamenten solche Anfragen über schwebende Verhandlungen überhaupt nicht gestellt werden. Was aber die Kündigung der Handelsverträge angeht, so muß ich sagen: wir stehen in sehr schwierigen, in sehr verwickelten Handelsvertrags-Verhandlungen, die unser handelspolitisches Verhältnis zu unsrcn Nachbarn und der ganzen Welt neu regeln sollen. Die Verantwortung für den Fortgang, für den Ausgang dieser Ver- Handlungen trägt lediglich die Negierung. Da muß auch die Re- gierung bestimmen, wann ihr der Zeitpunkt gekommen zu sein cheint, Handelsverträge zu kündigen, und diesen Standpunkt habe ich festgehalten während der ganzen Zolltarifaktion, daran muß ich auch weiter festhalten. Es handelt sich hier um ein Recht der Exekutive, auf das in einem monarchischen Staat keine Regierung verzichten kann. Gelangen wir ohne Kündigung der allen Verträge zu neuen Verträgen— desto besser nr alle Beteiligten, nehmen die VcrtragSvcrhandlungen nicht den von uns erlvartetcn und gewünschten Verlauf, so werden wir ohne Schwäche von u n s r e m Kündigungsrecht Gebrauch machen.(Zuruf rechts: Wann? — Heiterkeit.) Das kann ich nicht sagen. Was die Brüsseler Zucker- konvention anlaugt, so glaube ich. wird von allen Seilen anerkannt werden, daß wir uns in einem gewissen Uebergangsstadiuin befinden, wo sich ein volles Urteil über die Konvention noch nicht gewinnen läßt. Wenn schon heute dies möglich ist, wird der Staatssekretär des Neichsschatzamtes Ihnen darüber jede wünschenswerte Aufklärung bei der Lesung des Zolletats geben. Gewiß haben die verbündeten Regierungen eine ernste Aufgabe auf sich genommen, als sie mit festgelegten Getreidezöllen in Vertrags- Verhandlungen eingetreten sind. Sie sind aber vollständig überzeugt, daß sich mit diesen Minimalzöllen sehr wohl Handelsverträge erreichen lassen, daß diese Minimalzölle in keiner Weise ein Hindernis für Handelsverträge sind, daß sich auf der Basis dieser Minimalzölle mit allen Staaten, mit denen wir in Unterhandlungen stehen, sehr wohl für beide Teile befriedigende Handelsverträge erreichen lassen. Ich komme kurz zu den Ausführungen des Abg. Dr. Ricklin! Ich werde auf das eingehen, was Herr Ricklin llber die Be- schlüsse des Landesausschusses von Elsaß-Lothringen ansgeführt hat. Diese Beschlüsse bewegen sich in dreifacher Richtung. Sie verlangen einmal Ausschaltung des Reichstages als gesetzgebenden Faktor für Elsaß-Lothringen, sie fordern Vertretung im Bundesrat bei Beratung von elsaß-lothringischen Angelegenheiten und sie wünschen endlich die Zuteilung der Stellung und des Namens eines Landtages an den Landesausschuß. Die Ausführung dieser Beschlüsse würden also einen tiefen Eingriff in die staatsrechtliche Stellung von Elsaß- Lothringen in sich schließen, die mit dieser staatsrechtlichen Stellung zusammenhängen und sind an und für sich schwierig und verwickelter Natur. Ich meine, es kann meines Erachtens nur allmählich er- folgen, nur Hand in Hand mit der Festigung des Reichsgedankens. Was den dritten Punkt angeht, so möchte ich darauf auf- merksam machen, daß mit Ausnahme des Jnterpellationsrechts dem Landesausschuß von Elsaß-Lothringen schon jetzt alle Befugnisse zustehen, die ein Landtag hat. Ueber diese Frage, die eine innere elsaß-lolhringische Frage ist, werden wir uns vielleicht mit Leichtig- feit verständigen können. Ich weise aber weiter darauf hin, daß in der Verfassung von Elsaß- Lothringen sich seit der Wieder- Vereinigung Elsaß-Lothringens mit dem Reich eine große Anzahl von Aenderungen vollzogen haben, die unfern Landsleuten dort den Beweis liesern könnten und sollten, daß die Reichsregieruna immer bereit ist, ihren Wünschen entgegen- zukommen, soweit sie berechtigt und durchführbar sind. Ich erinnere in dieser Beziehung nur an die Aufhebung des Diktatur- Paragraphen vor zwei Jahren.— Herr Graf v. Reventlow hat gestern gemeint, daß das englisch- französische Abkommen und specicll der- jenige Teil, der sich auf Marokko bezieht, in Deutschland mit Be- schämung und Niedergeschlagenheit aufgenommen worden wäre. Er meinte, wir dürften nicht dulden, daß sich andre Mächte an der Nordküste von Afrika größeren Einfluß sicherten als wir. Das kann mir soviel heißen, als daß wir selbst ein Stück von Marokko fordern sollen. Ich möchte an den Herrn Grafen Reventlow eine einfache Frage richten: er ist mit mir der Ansicht. daß, wenn ein so großes Reich, wie das Deutsche Reich, eine Forderung stellt, es diese Forderung auch durchsetzen muß, conts quo conto. Was würde er mir nun raten und vorschlagen zu thun, wenn eine solche Forderung auf Widerstand stieße. Jch� sage nicht. daß es sicher ist, daß sie auf Widerstand stößt, ich sage, daß es wahrscheinlich ist, ich sage nur, daß man eine solche Eventualität doch jedenfalls ins Auge fassen muß, würde er mir dann den Rat geben, daß ich vom Leder ziehen soll? Herr Graf Reventlow schweigt und ich verstehe das sehr wohl.(Heiterkeit.) Jedenfalls ist das Aufhören einer Reibuugsfläche mit England und Frankreich durchaus nicht in Widerspruch mit unsren wohlverstandenen Interessen. Graf Reventlow hat zu meinem Bedauern auch außerordent- lich scharfe Angriffe gerichtet gegen unsre Vertreter im Auslände und namentlich gegen unsre konsularischen Vertreter. In jeder Herde wird einmal ein räudiges Schaf vorkommen. Wenn Sie irgend einem meiner Untergebenen irgendwelche Pflichtwidrigkeit nach- weisen können, namentlich Mangel an dem, was ich von unsren Vertretern in allererster Linie verlange, nämlich stramme nationale Gesinnung— der fliegt hinaus. Da können Sie ganz ruhig sein. Aber ohne Beweis, auf vage Anschuldigungen hin gebe ich meine Untergebenen nicht preis. Auf die übrigen vom Grafen Reventlow vorgebrachten Fragen wird der Staatssekretär des Aeußern und der Kolonialdircktor bei ihren betreffenden Etats eingehen. Ich komme noch einmal zurück auf die in den letzten Tagen soviel erörterte Frage der Aufhebung des§ 2, und ich möchte zunächst feststellen, wie schwierig � ist auch bei aller Vorsicht, hier so zu sprechen, daß man nicht miß- verstanden wird. Graf Reventlow meinte, ich hätte gesagt, ich arbeitete nur mit dem Centrum. Aehnliche Andeutungen hat Herr Gothein gemacht. Was habe ich denn in Wirklichkeit gesagt. Ich habe an ein ver- chrtcs Mitglied dieses hohenHauses, anHerrn Sattler dieFrage gerichtet, ob es möglich wäre, daß ich die Geschäfte des Reiches in ver- fassungsmäßiger und ersprießlicher Weise führte ohne jede Rücksicht auf die stärkste Partei in diesem Hause. Ich habe mich ebenso wenig dem Centrum mit Haut und Haaren verschrieben, wie Herr Spahn gesagt hat, das Centrum wäre eine Regierungspartei saus phrase geworden. Es giebt eine Reihe von Fragen, wo ich andrer An- ficht bin wie die Herren vom Ccnlrum, es giebt aber auch Fragen, wo ich mit den Herren vom Centrum zusammengehen kann. So geht es mir mit allen Parteien, die in diesem Hause auf dem Boden der Verfassung und der bestehenden Ordnung der Dinge stehen. Herr Spahn hat erst gestern mit einem Seitenblick auf Herrn Sattler gesagt, daß ich ihm zu viel mit den Natioualliberalen kokettiere. (Heiterkeit.) Die Herren v. Heydcbrandt und Gothein haben gemeint, wenn man sich auch mit der Aufhebung des Z 2 befreundete, so wäre doch die Art und Weise der Aufhebung im hohen Grade anstößig. Ich möchte mit der Gegenfrage antworten, welche Artikel der Ver- assung, welches verfassungsmäßige Recht durch mein Vorgehen ver- otzt worden ist. Ich glaube aber, ich kann einfach sagen, mein Ver- Ähren würde doch nur dann im Widerspruch stehen— ich sage, nicht mit dem Buchstaben, aber mit dem Geist der Reichsverfassung, wenn ich entweder den Bundesrat überrumpelt hätte oder wenn dieser heutige Reichstag zu der Frage der Aufhebung des§ 2 anders stände, wie sein Vorgänger. Wie kann aber von einer llebcrrumpclung oder einer Ueberraschung die Rede sein, wenn ich vor 13 Monaten von dieser Stelle klar und deutlich vor versammeltem Kricgsvolke erklärt habe, daß ich die Beseitigung des§ 2 für möglich und für nützlich halte. Was aber die Stellung des heutigen Reichstages zur Frage der Beseitigung des Z 2 angeht, so könnte man ja leicht die Gegen- probe anstellen, indem von irgend einer Seite ein Antrag eingebracht würde auf Wiederherstellung des 8 2.(Heiterkeit.) Daß die Aufhebung nützlich und richtig war, war die Ansicht der Mehrheit dieses Hauses und der Ausführungen. Und nun möchte ich nur noch Herrn v. Heydebrand danken für die Mahnung, die er gestern an unsre evangelischen Glaubensgenossen im Lande gerichtet hat. daß sie nicht durch eine, wie ich wohl weiß, tiefgehende aber nach meiner innersten lleberzeugung nicht bcrcchtigie Erregung über die Beseitigung des§ 2 sich zu einer Haltung drängen lassen, von der ich fest überzeugt bin. daß sie die Juteresicn beider Konfessionen, die Interessen des Landes schädigen wird. Keine Konfession hat ein Interesse daran, die konfessionelle Streitaxt aus- zugraben. Ich bin überzeugt, daß die Mehrheit dieses hohen Hanfes mit mir einverstanden sein wird, daß wir in dieser Zeit, wo manche ernste Syniptome am Horizonte unsrer inneren und auch unsrer auswärtigen Politik stehen, den konfessionellen Hader vermeiden müssen(Beifall), der uns im Innern und nach außen schwachen würde.(Beifall.) Eingegangen ist folgende Resolution Dr. M ü l l e r- Meiningen (frs. Bp.): Der Reichskanzler möge dem Reichstage alsbald einen Gesetzentwurf vorlegen, durch welchen Artikel 5 Absatz 1 der Reichs- Verfassung dahin ergänzt wird, daß die zu einem Reichsgesetze er- orderliche Uebereinstimmung der Mehrheitsbeschlüsse des Reichstags und des Bundesrats im Laufe einer und derselben Legislatur- Periode herbeigeführt werden muß. Abg. Dr. Hieber(natl.): Dem Wunsche des Abg. Reventlow. daß den Deutschen in Südafrika, die durch den letzten Krieg ge> chädigt sind, ein kraftvollerer Schutz zu teil werden möge, kann ich mich nur anschließen. Ebenso klagen die Deutschen in Samoa noch heute über Nichtberücksichtigung ihrer Entschädigungsansprüche.— Begrüßt habe ich es. daß der Reichskanzler hofft, Handelsverträge mit den Minimalzöllen vorlegen zu können.— Unsre Stellung- nähme zur Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesetzes ist nicht durch parteitaktische Motive bedingt; man würde es in dw weitesten Kreisen d«S Landes nicht bersianden haLen, wenn der Reichstag über diesen Beschlas; des Bundesrats sich nicht geäußert hätte. Wir stimmen mit dem Herrn Reichskanzler , Ist.. durchaus überein, daß wir keinen Anlaß haben, den konfessionellen Streit ans poliiischeur Gebiete auszufechten, aber der Streit der Konfessionen als solcher, als Streit der Geister mus; aus- gefochten werden. Daß der Herr Reichskanzler Fühlung haben muß mit großen Parteien erkennen wir durchaus an, aber die Regierung muß über den Parteien stehen und sich nicht durch eine bestimmte Partei schieben und führen lassen.— Was die staatsrechtliche Gültigkeit der Aufhebung des§ 2 des Jesniteugesetzes betrifft.' will ich nur erklären, daß ivir der Resolution des Abg. Müller- Meiningen zustimmen.— Herr Bebel hat kein Recht, uns Halbheit vorzuwerfen. Wirft er doch seiner eignen Partei Halbheit und Ver- schwommenheit vor. Es war mir sehr interessant, daß er auch für die Zukunft ein Zusammengehen von Centrum und Socialdemokratie in Bayern in Aussicht stellte. Abg. Dr. Sw-kniann(Rh.): Die Notlage der Landwirtschaft ist durch die schönsten Worte nicht mehr zu lindern, soll die Stimmung nicht immer verbitterter werden, so möge die Regierung endlich zu den laug ersehnten Thaten übergehen. , Die Maßnahmen der Regierung gegenüber den runischen Anarchisten und Socialdemokraten haben uns nur bestärkt in dem Vertrauen, das mein Freiind Kardorff zur auswärtigen Politik der Regierung aussprach. Daß Bethätigung w elfisch er Gesinnung in den Krieger- bereinen nicht geduldet werden kann, ist selbstverständlich; sie steht mit den Statuten derselben in Widerspruch. Zum Schluß noch einige Worte über die Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesetzes. Dieselbe hat, eine tiefgehende Erregung in den Kreisen des gebildeten Bürgertums hervorgerufen, die ihren Grund namentlich in dem dadurch bezeugten ständigen Wachsen des Ein- flusses des Centrums hat. Auf die Jesuitenftage selbst lvill ich nicht eingehen, sondern nur auf das Gesetz. In formaler Beziehung bin ich einverstanden mit dem Grafen v. R e v e n t l o w, daß eine Zustimmung des Bundesrates z n einem von einem früheren Reichstag beschlossenen Gesetze unzulässig i st, ohne daß das Gesetz dem neuen Reichstag noch einmal vorgelegt wird. Wenn es in das Beliebe it des Bundesrats gestellt wird, früheren Beschlüssen eines früheren Reichstages zuzustimmen, dann kommen wir zu ganz u n h a l t- baren Z u st ä n d e n. Ich begrüße deshalb den Antrag des Abg. Dr. Miiller-Meiningen, wenn er mir auch etwas zu weit geht. Auch mit dem Beschluß des Reichstages, den ß 2 des Jesuitenge>etzes auf- zuhebcn, ist die Mehrheit des evangelischen Volkes nicht einver- standen. Die Zustimmung des Bundesrats zu diesem Beschlüsse des Reichstags ist eine schwere Kränkung der evangelischen Bevölkerung. (Bravo I rechts.) Staatssekretär Dr. Niebcrding: Als Graf Rcventlow gestern die Verfassungsmäßigkeit des Bnndesratsbeschlusses über den§ 2 des Jesuitengesetzes bestritt, habe ich geschwiegen, weil der Redner keine Gründe anführte. I u r i st i s ch e Gründe hat heute auch Herr Dr. Stockmann nicht ins Treffen geführt, sondern nur Z w e ck m ä ß i g k e i t s g r ü n d e. Ein Juri st kann mit solchen Gründen die Verfassungsmäßigkeit des Beschlusses n i ch t a n g r e i f e n. Er hat behauptet, daß ein erheb- licher Stimmungswechsel seit dem Reichstagsbeschlusse in den Kreisen des evangelischen Volkes eingetreten sei. Aber auch ein Stimmungs- Wechsel ist kein Grund der Legalität, einen vom Bundesrat gefaßten Beschluß zu bestreiten. Für den Bundesrat kommt es nicht darauf an, lvas in evangelischen Kreisen gedacht wird, sondern darauf, was der Reichstag beschlossen hat. Der Bundesrat ist verpflichtet, wenn ihm ein Beschluß des Reichstags vorliegt und falls der Präsident nicht mitteilt, daß der Beschluß aufgehoben ist, Stellung zu dem Reichstags-Beschluß mit Ja oder Nein zu nehmen. Dreißig Jahre besteht unsre Verfassung, ohne daß dies Recht deö Bundesrats in Zweifel gezogen' worden wäre. Die verbündeten Regierungen stehen auf dem Standpunkt, daß der Bundesrat solange mit einem Beschluß des Reichstags zu rechnen ha!, als der Reichstag nicht selber dem Bundesrat mitgeteilt hat, daß der Beschluß aufgehoben ist. Die Verfassung deS Reichs ist darin der preußischen Verfassung gefolgt, als sie den verbündeten Regierungen keine Schranke hinsichtlich der Zeit ihrer Stellungnahme zu dem Beschlüsse des Reichstages gezogen hat. Diese Auflassung hat auch Fürst Bismarck, der Schöpfer der Reichsverfassnng, immer gehabt, diese Auffassung ist von keinem Staat in Jiveifcl gezogen worden und von keiner verbündeten Regierung ist dies Recht des Bundesrats je bestritten. Eine Zeitschrantc für den Bundesrat über nicht zurückgezogene Beschlüsse des Reichstages zu beschließen besteht demnach nicht. Im Bundesrat und Reichstag hat also stets die Anschauung be- standen, daß der Bundesrat auch nach Schluß der Legislaturperiode und nach der Wahl eines neuen Reichstages befugt sei, zu den vor- handenen Beschlüssen des Reichstages Stellung zu nehme». Abg. Dr. Bachem(C.): Ich ivill die Aufmerksamkeit auf die elsaß-lothringischcn Rcichsangchörigen lenken. Dort haben die Dinge sich so entwickelt, daß nach keiner Richtung ein gefährdetes Reichs- intcresse eine gesonderte staatsrechtliche Stellung der Elsaß-Lothringer erfordert. Es ist erfreulich, daß der Reichskanzler wenigstens eine Prüfung der Angelegenheit zugesagt hat. In Bezug auf die Aufhebung des Z 2 des Jesuitengesetzes habe ich den staatsrechtlichen Ausführungen des Staatssekretärs nur wenig hinzuzufügen. BisanfeinenFall aus der ersten Zeit des Reichstages, wo Sicherheit in der Handhabung der Geschäfte noch nicht vorhanden war, ist stets so verfahren worden, ohne daß irgend ein Einspruch erhoben wurde. Nur bei dem Jcsuitcugesetz geht ein Lärm los. Nehmen Sie es uns nicht übel, lvenn wir denselben für aufgebauscht und Mache halten. (Sehr richtig I im Centrum.) Damit verlasse ich die staatsrechtliche Seite der Frage und gehe zu dem materiellen Einlvande, daß mit der Aufhebung des Z 2 an dem 1887 beschlossenen modus vivendi gerüttelt werde. Ja. hat den» dieses Haus dieAnfhebung seitdem nicht ioicdcrholt verlangt? Wer diesen Einwand erhebt, ßeht nicht auf parlamentarischem Boden.(Sehr richtig!> Wir mutzten vielmehr wünsche», daß der Bundesrat allen Beschlüssen dieses hohen Hauses zustimmt. Der Einwand des Abg. S t o ck m a n n, die Aufhebung sei kein inneres Bedürfnis der katholischen Kirche, ist ganz irrelevant; denn staatsrechtlich ist volle Parität und Beseitigung eines Aus- nahincgesetzcs zu verlangen, gleichgültig, ob die katholische Kirche ein inneres Bedürfnis hat oder nicht. Dr. H i e b c r findet die Aushebung an sich nicht bedenklich, das Bedenkliche findet er darin, daß cS Symptom unsrer inneren Lage sei. Er sagt also, das Haus wünscht die Aufhebung, aber der Bundesrat müßte sie verweigern, weil das ein Symptom der inneren Lage tväre. Dies Symptom ist doch nur das, daß das Centrum hier eine beachteustverte Minorität bildet. Die Scheidung zwischen Katholizismus und Ultromontanismus müssen wir entschieden ablehnen. Wenn Sic den IlltramontaniSmus bekämpfen, so werden sich die Katholiken stets dagegen wahren. Wenn der Staat Alleinherrsd)cr in der Schule wird, so wird ein unerträglicher Geisteszwang gegen die Kinder der meisten Eltern ausgeübt. Das ist ei» socialdcmokratischer Gedanke und ich warne die andern Parteien, diesen Weg zu betreten. Hierauf vertagt sich das Haus. Persönlich bemerkt Abg. Graf Revcntlow(Antif.): Der Herr Reichskanzler hat mir unterstellt, ich hätte auf eine von ihm an mich gestellte Frage nicht direkt geantwortet, weil ich Bedenken hätte, die Antwort zu geben. Ich habe die Antwort nicht gegeben, weil der Präsident in diesem Hause Zwiegespräche nicht zuläßt. Im übrigen insinuierte er mir irrtümlich eine gewisse Neigung für die Diplomatie und bc- gründete diese irrtümliche Insinuation mit Beziehung auf andre Träger meines Namens. Ich möchte im Anschluß hieran nur den Wunsch aussprechen, daß auch in andren Familien später einmal rühmliche Beziehung auf diplomatische Vorfahren genommen werden könnte.(Heiterkeit.) Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr. Fortsetzung der heutigen Beratung.(Etat des Auswärtigen Amtes. Interpellation Graf Oriola betreffend Vorlegung der Militärpensionsgcsetz-Eutwürfe. Etat über den Allgemeinen Pensionsfonds, den Reichs-Jnvalidenfonds, die Ex- pedition nach Ostasien. Interpellation Auer und Genossen betreffend die Außerbetriebsetzung von Gruben im Ruhrgebiet.) Schluß 6 Uhr._ Kommunales. Stadtvcrordnetcu-Vcrsammluug. 16. Sitzung vom Donnerstag.Zden 14. April 1964, nachmittags S Uhr. Vorsteher Dr. Langcrhans eröffnet die Sitzung V-6 Uhr. In den Ausschuß für die Vorlage betr. die Verstärkung der Feuerwehr und die Erhebung von Gebühren für die Theater-Feuer- wachen sind u. a. auch die Stadtvv. Singer, Ewald und TolkSdorf(Soc.) gewählt worden. Aus Anlaß einer Polizeiverordnung betr. die Beseitigung der bei den jetzt üblichen Einrichtungen der Klosetts, Bäder, AuSguß- decken usw. bestehenden Gefahr der Verunreinigung des Trink- Wassers, ist der Uebergang der auf die B e- und Entwässerung der Grundstücke bezüglichen örtlichen P o l i z e i v e v- Verwaltung auf die Stadtgemeinde in Anregung gekommen. Der Magistrat>st mit der Uebernahme einverstanden und ersucht die Versammlung um ihre Zustimmung. Ohne eine solche ausdrück- liche Kompctenzübertragnng bestreitet der Magistrat die Verpflich- tung der Stadt zur Ausführung der betr. Polizeiverordnung. Sradtv. Galland(A. L.): Die Vorlage sieht zunächst harmlos aus, ist aber doch von außerordentlicher Bedeutung. Die städtischen Behörden werden danach lediglich die Handlanger der Polizei werden. Die Sache ist auch höchst unpopulär. Irgend ein findiger Hausbesitzer hat entdeckt, daß bei vier komplizierten, zufällig zusammentreffenden Momenten eine Verunreinigung des Trinkwassers durch übertreten- des Spülwasser aus den Klosetts eintreten kau». Es ist festgestellt, daß in Berlin ein solcher Fall nicht vorgekommen ist, angeblich soll in Dresden ein solcher eingetreten sein. Auf eine solche Möglichkeit läßt sich doch keine Polizeiverordnung aufbauen. Mit demselben Recht könnte man verlangen, daß wegen eines herabfallenden Ziegel- slcins die Dächer mit Schutzblechen verschen sein müßten, oder daß wegen eines unglücklicherweise Ertrunkenen die Spree zugedeckt werden sollte. Auch das Kammergericht hat allgemein entschieden, daß eine Polizewcrordnung nicht erlassen werden kann, wenn der Nachweis einer Gefahr nicht zu erbringen ist. Ich beantrage wegen der principiellen Wichtigkeit der Angelegenheit Ueberweisnng an einen Ausschutz. Bürgermeister Dr. Reicke: Was die Bedürfnisfrage anlangt. so liegt die Sache doch nicht so wie der Vorredner meint. Der Ge- Heime Medizinalrat Roth in Potsdam hat eine ganze Blütenlese von Fällen anführen können, wonach durch derartige thatsächliche Ver- unreinigungen die Möglichkeit von Infektionen und Epidemien her- vorgerufen werden kann. Ferner gicbt uns doch gerade diese An- gelegenheit die Möglichkeit, die Polizeiverwaltung Berlins zu einem Teil selbst in die Hand zu bekommen. Ich würde es für unzweckmäßig halten, eine solche Möglichkeit dazu wie die gebotene vorübergehen zu lassen; es läßt sich vielleicht später noch mehr erreichen. Auch würde, wenn wir die Hand davon zurückziehen, der Polizeipräsident die Verordnung von 1962 ohne weiteres ausführen können und wohl auch ausführen. Ich bitte Sie um eine recht wohlwollende Prüfling der Angelegenheit im Ausschuß. Die Vorlage wird darauf einem Ausschuß überwiesen. Mit der Vermehrung der Zahl der Mitglieder der Ver- kehrsdeputation um 2 Stadtverordnete ist der Magistrat einverstanden, wenn die Versammlung dareinwilligt, auch ein weiteres Magistratsmitglied in die Deputation eintreten zu kassen. Vorsteher Dr. Langcrhans schlägt vor, die Wahl der Personen dem Ausschuß für Unbesoldete zu übertragen. Stadtv. Singer(Soc.) schlägt vor, die Wahl von der Ver- sammlung möglichst sogleich vorzunehmen, falls die große Fraktion des Hauses sich schon schlüssig gemacht habe. Für seine Fraktion präsentiert er den Stadtv. Heimann. Stadtv. Wallach(A. L.) mutz mitteilen, daß seine Fraktion sich noch nicht über ihre» Kandidaten schlüssig gemacht hat. Die Wahl der beiden neuzuwählcnden Mitglieder wird auf die nächste Tagesordnung gesetzt. Nachdem die an den städtischen Schulen beschäftigten Reinemachefrauen rechtskräftig als im Dienste der Stadt- gemeinde stehend anerkannt sind, hat die Stadt gegen dieselben die Kranken-Vcrsicherungspflicht des Arbeitgebers zu erfüllen. Die Betriebs-Krankenkassc der Stadtgcmcinde Berlin hat nun vom Magistrat die Erstattung der seit 21. Mai 1966 rückständigen Bei- träge verlangt, der Magistrat dieselbe wegen Verjährung abgelehnt, soweit sie vor 1962 liegen. Seit dem 1. Dezember 1968 leistet der Magistrat die laufenden Arbcitgebcrbeiträge und will für die Zwischenzeit ein Pauschale von 16 863 M. zahlen, worin auch die nicht mehr eintreibbarcn rückständigen Beiträge der Arbeitnehmerinnen für dieselbe Zeit einbegriffen sind. Tie Versammlung hat gegen diese Regelung der Frage nichts zu erinnern. Zur Erforschung der Ursachen der plötzlichen Fisch- sterben in der Spvce sollen vom 1. April 1964 ab auf 3 Jahre systematische Untersuchungen des Wassers der Spree innerhalb der Berliner Weichbildgrenze durch Dr. Grönheim vom tierphysiologischen Institut der Landwirtschaftlichen Hochschule an- gestellt lverdcn. Tie Versammlung soll dafür jährlich 3466 M. be- willigen. Hierzu begründet Stadtv. Paul(N. L.) mit Rücksicht auf den durch den Großstadt- verkehr wachsenden Staub und Schmutz der Straßen,, den Inhalt der durch NotauSlässe sich eventuell öffnenden Kanäle und mit Rücksicht. auf den wachsenden Schiffahrtsverkchr mit seinen Folgen nach- stehenden Antrag: „Tie Versammlung stimmt der Vorlage zu, ersucht aber den Magistrat, die Untersuchungen auf die Bodcnablagerungen der Spree und zwar innerhalb und auch möglichst außerhalb des Weichbildes auszudehnen sowie die Prüfung des im Flußwasser enthaltenen Sauerstoffs auch auf seine etwaige Abnahme bei sinkendem Luftdruck und unter Berücksichtigung der jeweiligen Temperatur, vornehmen zu lassen." Bürgermeister Reicke hält den Antrag im wesentlichen für schätzbares Material; die Untersuchung der Bodeuablagerungcn werde ohnehin erfolgen, andrerseits gehe die Forderung zu weit, wenn sie die Untersuchung des Sprccwassers auch außerhalb des Weichbildes verlange. Der Magistratsantrag gelangt mit dem Antrage Paul zur Annahme.„ Tie Vorlage betr. die Erivcrbung eines S ch u l g rund- st L ck s an der n e n p r o j e k t i c r t e n, die Senefclder- st r a ß c schneidenden Straße hat der Ausschuß ein- st im ni i g abgelehnt und beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, den Magistrat um schleunige Ausführung des bereits 1962 auf Grund der Vorlage wegen Ankaufs eines Schulgrundstücks in der Senefelderstratze selbst abgeschlossenen Kaufvertrages, nötigen- falls im Prozcßwege, zu ersuchen. Nach dem Vortrage des Referenten Stadtv. Esmann, der ans die eigentümlichen Bentzverhältnisse des betr. Terrains sowie auf die Beschaffenheit des Bangrundstücks ausführlich Bezug nimmt und ausdrücklich dem Magistrat das Befremden des Ausschusses über die neue Vorlage ausspricht, wird die Vorlage ohne jede Debatte ab- gelehnt. Vom Magistrat ist eine Abänderung des Stadtverordneten- Beschlusses vom 24. Mai 1831 bezüglid, der Aufnahme von Grund- stücken in die F e u e r s o c i e t ä t vorgesthlagen. Es handelt sich darum, die Unbilligkeit zu beseitigen, daß die Grundbesitzer, deren Grundstücke erst kurz vor. Ablauf des Geschäftsjahres abgeschätzt iverden, für das ganze Jahr bezahlen müssen. Nach dem neuen Vorschlage sollen die neuen Grundstücke erst vom 1. Oktober ab auf- genommen werden und die vorher erfolgten Taxoufnahmen für das laufende Geschäftsjahr keinerlei Rechte noch Pflichten begründen. Stadtv. Esmann(Fe. Fr.) ivill daneben noch den Nachweis er- bracht wissen, daß die qu. Baulichkeiten anderweitig voll versichert find. Stadtv. Wallach schlägt eine andre Fassnflg vor, wonach der Feuerkafsen-Beitrag mindestens für ein halbes Jahr zur Zahlung gelangen muß. Nach längerer Debatte wird Ausschutzberawng beschlossen. Die beiden Anstalten des Berliner Vereins für Volksbäder in der Garten- und Wallstraße sollen vom 1. April ab in das Eigentum und in die Verwaltung der Stadt übergehen. Der Verein zahlt noch 166 666 M. zu(die Stadt hatte seiner Zeit dem Verein 168 666 M. Subvention gewährt), wovon 16 666 M. für bauliche Instandsetzung der Anstalten verioandt werden sollten. Ohne Debatte tritt die Versannnlung den Magistrats- anträgen bei. Die in die Königgrätzcrstraße fallende Fläche von IIb Quadrat- meter des Alten Dreifaltigkeits- Kirchhof es vor dem Potsdamer Bahnhof soll, da die Liegefrist noch bis 1913 währt und ein freihändiger Erlverb nicht ausführbar ist, enteignet werden. Die Versammlung stimmt ohne Diskussion zu. Die Beschlüsse des P f l a st c r a u s s ch u s s e s hinsichtlich der für 1964 geplanten Neu- und UmPflasterungen werden nach dem Referat des Stadtv. Gericke en bloc angenommen. Für das ehemals militärfiskalisthe, jetzt dem Beamten- Wohnungsverein gehörige Grundstück Lothringer- st r a ß e 1—7 und Prenzlauer Allee 249 sind Fluchtlinien festgesetzt worden; die abgestumpfte Ecke des Grundstückes wird durch die für die Verlängerung der Kaiser Wilhelmstraße festgesetzte Fluchtlinie getroffen. Auf Antrag des genannten Vereins soll ein Flächenaustausch stattfinden, außerdem sollen an den Verein 266 666 M. für die Wertverminderung des Grundstückes durch die 1865 für die Lochringerstraße festgesetzte Fluchtlinie gezahlt werden. Stadtv. Groncwaldt(A. L.) findet, daß der Beamten- Wohnungsvercin bei diesem Abkommen zu günstig fahren würde und beantragt Ausschutzberatung. Den gleichen Antrag stellt Stadw. Bracke(N.£.), worauf dementsprechend beschlossen wird. Schluß V-8 Uhr._ Marktpreise von Berlin am 13. April 1904 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. »Weizen, gut D.-Ctr mittel gering »Roggen, gut mittel gering ßGerste, gut mittel gering fHaser, gut mittel „ gering Richtstroh Heu Erbsen Speisebohnen Linsen » ab Bahn. t frei Wagen und ab Bahn 17,60 17,56 >7.52 13,05 13,03 13,01 13,80 12,80 11,80 15,00 14,00 13,10 4.16 7,40 40,00 50,00 60,00 17,58 17,54 17,50 13,04 13,02 13,00 12,90 11,90 10,90 14,10 13,20 12,30 3,50 5,20 28,00 26,00 25,00 Kartosseln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 leg do. Bauch„ Schweinefleisch Kalbsleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 l-S per Schock 8,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 4,00 2,40 3,00 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 6,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,80 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 Witterungsübersicht vom 14. April 1904. morgens 8 Uhr. Stationen Swinemdc. Hamburg Berlin Franks.a.M. Münch«» Wien 758 758 759 759 763 763 II SSO SW till s SW Still W-Uer wolkig wolkeiil bedeckt wollcnl heiter wolkig iSN s � 5" n(«) Stationen o 7; a 5 »=■ ii H 53? Haparanda Petersburg Cork Äberdeen Paris 769 N 759 NW 756 SSO Wetter 2 wölken! 3 bedeckt 3bcdeckt ai« c -i!I w?o -7 -3 12 Wctter-Proguoic für Freitag, den IS. April I9N4. Warm und vielfach heiter, aber veränderlich bei schwachen südwestlichen Winde», etwas Regen und Gewitterneigung. Bertiner Wette rbureau. Lriekkaften der Redahtfoti. Li» LInnchc. Der Aermel; Kanal zwischen Eugland und Frankreich.— Posen. Geben Sic Ihre Adresse der Buchhandlung des„Vorwärts» an und ersuchen Sie um Zusclidung des Schristcnverzeichliisscs, das alles sür Sie wesentliche erhalten dürste.— Curieux. 1. 500. 2. Etwa 15 links, 30 rechts Stehende und annähernd süns, die keiner der beiden Richtungen angehören. 3. Zu unbestimmt gefragt. Steht indessen aus dem Boden des wissenschasllichen Socialismus. 4. Reben der Depiltiertenkanniicr der Senat. 5. Ja— B. A. Rein.— Z. Z. IVO. 228 Millionen. - W. M. Dr. Heinrich Klose, Konsul in Bern.— Chicago. Redaktion der.PArbelter-Zeituilg» in Chicago. Genügt vollständig.— F. O. Nein. — A. W. Ja.—«. N. Ständig.— 888. 1. Ja. 2. Rein.— Weber. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja.— Pose» 2. H. Zanten, Arbeitcrschutz- Gesetze in Europa.— Minka. Nein.— Fragment. Börnes Aphorismen entnommen: Höflichkeit ist ein Staatspapicr des Herzens, das um so größere Zinsen trägt, je unsicherer das Kapital ist. Fliriftikcbcr Teil. Tic juristische Tvrcchftnndc findet täglich mitAnSuahme de? SonnabelldS von?>/, bis»-/- Nbr abend? statt. Gcöskiict: 7 Nhr. Schröder-Moabit, Nonne 23«iid andre: Was ist bei der Steuer ein schätz ung in Abzug zu bringen? Als steucr- Pjlichtiges Einlommen des cinzelncii Stcucrpslichliacn gelten dessen gesamte JährcZcinkünste in Geld und Geldcswcrt cinschlieklich des Mietswertes der Wohnulig im eignen Hause oder der ihm zustehenden freien Wohnung sowie des Wertes der ini Haushalt verbrauchten Erzeugnisse der eignen Wirtschast und des eignen Gewerbebetriebes. Abzugssähig sind: 1. die zur Er- Werbung, Sicherung und Erhaltung des Einkommens verwendeten Aus- gaben, 2. solche indirekte Abgaben jeder Art, welche zu den Goschästs- Unkosten zu rechnen sind, 3. die regelmäßigen jährlichen Absetzungen für ülhiiudung von Gebäuden, Maschinen, Betricbsacrätschasten usw., 4. die vom Stcuerpstichtigen zu zahlenden Schuldenziiisen und Renten. 5. die aus besonderen Rechtstiteln(Vertrag, Verschrcibung, letztwilligcr Verfügung) beruhenden dailernden Lasten, z. B. Altenteile, 6. die von den Steuerpslichtigen für ihre Person gesctz- oder Vertrags- mäßig zu entrichtenden Beiträge zu Kranken-, Unsall-, Alters- und JnvalidenverpiberuiigS-, Witwen-, Waisen- lind Pensionskassen, 7. Ver- stchcrungSprSmien, welche sür Versicherung des Steuerpflichtigen ans den Todes- oder Erlebensfall gezahlt werden, soweit dieselben den Betrag von 600 M. jährlich nicht Übersteigen. Ferner: von dem steuerpflichtigen Ein- loinmen eines.HaushaltungSoorstandcs, dessen steuerpflichtiges Einkommen 3000 M. nicht übersteigt, ist sür scdes Familie nglied unter 14 I a h r c Ii d e r B ei r a g v o n 50 M. i n A b z u g zu bringen; sind miiidestenS drei Familieimiitglicder unter 11 Jahren vorhanden, so findet auf jeden Fall eine Ermäßigung«m eine Stufe statt. Die Leistungssähigkcit, wesentlich beeinträchtigende wirlschasttiche Verhältnisse(a u ß e r g c w ö h n- Ii ch c B e la stu Ii g durch Unterhalt, Erziehung, Erkrankung, besondere II n g l ü ck s s äl I e) können auf Antrag berücksichtigt werden. ES ist in solchen Fällen ratsam, cincn besonderen Antrag zu stellen. — A. 3. 6. Da Sie in der Zeit zwischen dem l. Januar und 27. März 1834 geboren sind, so sind mindestens 520 Marken zur Erlangung der Altersrente erforderlich. Die Woche bescheinigter Krankheit zählt als Marke. Mithin sind 507 Marken sür Sie erforderlich.— L. L. Ja.— P. P. 1. Stein. 2. und 3. Wenn Sie annehmen, was doch wahrscheinlich, daß die machen Eigentum Ihrer Frau geworden sind und nur abzuzahlen waren, so sind Sie nicht strafbar.— B. R. Siegen den Beschluß muß innerhalb 14 Tagen Klage erhoben werden.— N. K. Soweit die Sachlage über- sichtlich, ist die Wahl ungültig.— W. 1601. Sie müssen bei der Rc- gierung den Antrag um Zulassung zu den Kursen stellen. Bei der Prüfung dürfen Sic das dreißigste Jahr noch nicht erreicht haben.— R. S. Stein. — Probst, t. Slmtsgcricht Berlin 1, Grunerstraßc. In dem dem Arbeiter- recht beigcsügtcii Führer durch das bürgerliche Gesetzbuch(Str. 22 und 23 der Beispiele) finden Sie ein Beispiel. Das Buch liegt in den öffentlichen LcscliaUeii aus. Die Kosten richten sich nach der Höhe des Objekts. 2. Etwa 50 Mark. Verjährung tritt nicht ein. Sie können die Möbel ohne Klage zurücknehmen.— Rixdorf 238. Ohne Darlegung des Inhalts des Vertrages ist eine Beantwortung Ihrer Frage über die Tragweite des Vertrages unmöglich.— I. B. 100. Das Testament ist ungültig, weil es nicht unter schrieben ist. Lesen Sie die Beispiele Nr. 55 bis 59 des dem Arbciterrccht bcigesügten Führers nach: Das Datum und alles andre muß oberhalb des Namens stehen.— Ryström. 1. Im Jahre 1895 ist die Flasche Wein durch einen Courier dem Verstorbenen zugesendet und na»? Behauptung seines Lcibjoiminlistcn von diesem und ihm ausgctruntcn. 2. Nci.. SJfiit den Jichalt der Inserate übernimnit die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Berantivortnng. UKeater. von Freitag, den lS. llpril. Ansang VI, Uhr: Opernhans. Der Barbier Sevilla. Schauspielhaus. Weh' dem, der lügt i Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Die große Null. Lessing. Zapfenstreich. Westen. Der lustige Krieg. Neues. Minna von Barnhelm. Residenz. Nathan der Weise. Central. Der Zigeunerbaron. Belle-Zllliance. Freut Euch des Lebens. Thalia. Der Hochtourist. Ansang S Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.) Das grobe Hemd. Schiller IV.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Kleines. DeS Pastors Rieke. Luisen. Der Veilchensresser. Trtanon. Das eiste Gebot. Hieraus: Der Dieb. Carl Weift. Zwischen zwei Herzen. Deutsch-Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Gebr. Herrnfeld. Nur ewe Nacht. Am andern Morgen. Metropol. Ein tolles Jahr. Casino. Der Raub der Sabine- rinnen. Palast. Der Hüttenbesitzer. Winter-Gartcn. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. ReichShallen. Stettiner Sänger. Pasjage-Theater. Specialitäten. Urania. Xaubenstrafte 48/4S. Um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Um 4 Uhr: Aus dem Haushalt der freien Natur. Jnvalidenstrafte 57/62. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis U Uhr._ Neues Theater. Schisfbauerdamm 4a— 5. Minna von Barnhelm. Ansang T'/a Uhr. Morgen:»er Strom._ Centrai-Theater. Heute VI, Uhr: Der Zigeiincrbaron. Operette in 3 Akten von I. Strauß. Sonnabend und folgende Tage, abends VI, Uhr: Der Zlgenner- baron. Sonntagnachm. 3 Uhr halbe Preise: Kofgunst. Abends 7ll, Uhr: Der Zlgewnerbaroa._ Luisen-Theater. Abend« 8 Uhr: SerVeilehenfresser. Sonnabend: Dr. Wespe. Vonntagnachmittag: Romeo und Julia.— Abends: Dr. Wespe. Montag: Dr. Wespe._ Rkslilkly-Theater Direktion S. Lautenburg. Heute letztes Gastspiel von Adolf Sonnenthal: Nathan der Weise. Sonntag und folgende Tage: Der keuscho Casimir. Vorher: Die Empfehlung. Sonntagnachm 3 Uhr: Leontines Ehemänner. Metropol-Theater Zum 38. Male: Ein tolles Jahr. Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. In Leone gesetzt vom Direktor Richard Schultz. 1. Bild; Am Kleinkindersee. 2. Bild: Was gieht's Neues. 3. Bild: Das Ordensfest. 4. Bild: Der neue Zapfenstreich (Parodie). 5. Bild: Briefe, die ihn erreichten (Ballett). Anfang 8 Uhr. Hauchen überall gestattet. Apollo-Tiieater. Abends 8 Uhr: Neue Specialitäten. 8'/, Uhr; lilebesgötter. Im dritten Bild: Der grosse Götterzug und die Sensatlons- Ap otheose. Schloss Weissensee. Heute Freitag, den Ib. April: Gastspiel des MM Rose-Ttieater-Eiiseintile. Pechschulze. Posse mit Ges. in 3 Akten v. Salingrö. Kasscneröffnung 7 Uhr. Ansang der Vorstellung 8 Ubr. Entree 30 Ps. Numeriert. Platz 50 Pf. Schiller-Theater. Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Freitagabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Das grobe Hemd. Volksstück in 4 Akten v. C. Karlweis. Sonnabendabend 8 Uhr: Dampacl'vasabmidiis. Sonntagnachmittag 3 U h r. Die Kinder der Excellenz. Sonntagabend 8 U hr: Das grobe Hemd._ Schiller-Theater M. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater). Freitagabend 8 Uhr: Der Geizige. Lustspiel in 5 Auszügen von Meliere. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Lustspiel in 3 Alten von Meliere. Sonnabendabend 3 Uhr: Der Geimlge. Hieraus: Der elngeb. Kranke. Tlialia-Tbeater. DreSdenerstr. Ans. VI, Uhr. Heute und folgende Tage: Der Hochtourist mit neuen GesangSeinlagen. Guido Thielscher in der Titelrolle. Sonntagnachmittag 3ll, Uhr: Charl eys Tante._ Belle-Ällianee-Tliealer. 72/73. Amt IV 4440. Belle-Alliancestr. 7/8. Amt VI 283. Direktion Jean Kren und Alfred Schönfeld. Ans. Vj, Uhr. Heute und folgende Tage: Freut Euch des Febeus. Große AuSst.-Pofse m. Gesang u.Tanz in 3 Akten. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Sohn der HVUdnis. IX. Berliner Saison. Palast-Theater Burgstrafte 22, früher Feen-Palast. # Elite-Vorstellnng! Halbe Kafsenpreise. Der Hüttenbesitzer. Schauspiel in 5 Allen von G. Ohnet. (Austreten bedeutender Gäste.) Sonnabend 8 Uhr: Tante Mollig. Schwank in 1 All v. Heinrich Klaeger. Pyramidale Specialitäten. Die Weber. Sonntagnachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Schauspiel in 5 Akten von Friedrich v. Schiller. Abends 8 Uhr: Das phänomenale Aprilprogramm._ Cirkus Busch. Abends 7>/z Uhr: Fortsetzung der Großen internationalen Ringkampf-Ko«k«rrenz unter dem Ehrenprotektorat des Herrn Pros. Dr. Degas. ca. 8'/. Uhr: Enlscheidungskamps zwischen Peyronse, dem Löwen von Valencia und Heinrich Eberle...... (Deutschland). Nach Ausscheidung der bisher im Borringen viermal geworfenen Ringer spielen sich gegen wärtig die Endkämpfe zwischen den nunmehr als die acht besten Ringer ermittelten Teilnehmern ob, von denen jeder einzelne mit seinen sieben Konkurrenten ringen muß. Jeder Sieg zählt für einen Punkt, und ergeben die meisten Puntte den Hauptfieger. Ferner: DIU— Auftreten des Slonsienr Borok. Das Tollkühnste aus dem Gebiete des Radsahrsports: IM- Der Saitomortale mit dem Zweirad.-MM Aus den Alpen. D,F Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Frühlingstage an der Riviera, Um 4 Uhr(kleine Preise): Aus dem Haushalt der freien Natur. Sternwarte Tsfw. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Letzter Monat der Tunesen-Truppe. (Afrika in Berlin!) Grosse Völkersehaustellung! Die echönen Harems- Damen ans Tunis. HEDTE: Zum 833. Male: Anfang 8 Uhr. Ende tOUhrSO. Deutsch- Amerikanisches THEATER Köpnickerstrasse 67, Jeden Abend: Qaetsp. Ad. Philipp Uebern GROSSEM TEICH. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. VI,. «uhr:„Husareullebt" 8'/,: DaS brillante April-Programm. Markert, fr. am Lessing- Theater:c. s uhr: Zärtliche Verwandte. Sonntagnachm. 4 Uhr: Der Kaub der Sabinerinnen. Kleinas Tiieater. Unter den Linden 44. Des Pastors Kieke. DM- Anfang 8 Uhr.-MM Morgen: Elektra. Märtyrer. Passage-Theater. Anfang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Jeden Abend 10 Uhr: Grosse Internationale Ringkampf- Konkarrenz. 20 preisgekrönte Ringkämpfer. Oskar Fürst* Lina Goltz Humorist. Soubrette. 14 erstklassige Nummern. Gebrüder Herrnfeld- Theater. Lachen ohne Ende I-MW Witz aus Witz!"MW Schlager aus Schlager!-MM Ein Bombenersolg!-MW so lautet die einstimmige_ WW- Premieren-Kritik MW über die Anton u. Donat Herrnseldsche Novität Am snckern Morgen l Dazu täglich die zweiaktige Ehelomödie 7kur eine Meiil! mit den Autoren in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr praeise. DM- Schluß der diesjährigen Spielfaison: Donnerstag, 28. April, wegen Gesamt-Gastspiel desHerrnseld- Theaters in Köln a. Rh. Ab 7. Mai: Gastspiel des Driginal- Tegernseer Bauern-Thealers. Carl Weiss'Theater. Bürgerlichco Schauspielhaus. Direktion M. E. Fischer. Grefte Frankfurter Strafte 132. Novität! Zum erstenmal: Novität I Zwischen zwei Herzen. Schauspiel in 4 Akten von Rich. Voß. Mr~ Ansang 8 Uhr. M« Morgen nachmittag: HänseF und Grete). Abends: Zwischen zwei Herzen. I Direktion: Robert Dill. Brnnnenstras.e 10. Zum letztenmal: Der Better in tausend Aengstr». Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend: Elite-Vorstellung. Trianon-Theater. Georgenstraßi, zwischen Friedrich. und Universitätsstraße. — Abends 8 Uhr:-- Das elfte Gebot Der Dieb. Hieraus: Rönigstsüt-Xssino Holzmarktjtr. 72, Ecke Alexanderstraße. Grosse Extra-Vorstellung. Um 9 Uhr: Die Erdtante. Zum Schluß auf vielseitiges Verlangen Die weiße Dame. Große Specialitäten-Vorstellung. Keine erhöhten Preise. Wss" Ansang 8 Uhr. USlolüKlmllSI» Stettiner Sänger Zum Schluß: N e ul Cirkus Lenz und Cirkus Pusch. Sanssouci, Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Sonntag, Montag und Donnerstag: 11 o f f m a n n s Norddeutsche Sänger. Nach jeder Soiree: Tuunkrhuiechcii. Dienstag, den 19. April: Vorletzter Theaterabend: Ein geadelter Kaufmann. Volksstück w 5 Akten von G ö r n e r. Kellino-Truppe Italienische Akrob. Littke Carlscn Im Ball-Foyer. Paul Conchas In seiner Leone im Bivouak. Robinson Baker-Trio Springer. Helene Land Vortrags-Soubrette. Gostantino Bernardi Verwandlungssohauspieler Siegwart Gentes Humorist. Orfords Wunder-Elefanten Peschkoff-T ruppe RussischeTänzer. Die Blumenkönigin Tanzdivertiesem. Biograph. FröbelsAlleriei-Tlieater Schönhauser Allee 148. Sonntag 6 Uhr: Karburger Sänger Nach der Vorstellung: Grosser Extra-Tanz. Montag 8'/, Uhr: Burmeisters Goethe- Ens. Grosser Theater-Abend. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Freitag, abends 8>/z Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-User 15 Sitzung der Ortsverwaltung. Montag, den 18. April 1904, abends 8'/, Uhr: Branchen e Versammlung der Bürsten- und Pinselmaeher etc. im Lokale von PfelTer, Rosenthalerftr. 57. Ta ges-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen A. Sorge:„Technik und Kapitalismus-, 2. Diskussion. 3. Branchenangclegenheiten. 4. Verschiedenes. 82/10 Kollegen erscheint alle zahlreich und pünktlich. Nichtmitglteder alS Gäste sind stets willkommen. MW Die Branchen-Kommisstou. Arbeiter- Bildungs- Schule Berlin. Freitag, den 22. April 1904, abends Uhr: General-Versammlung im Saale des Gewerkschaftshanses, Engel- Ufer 15. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrer- Kollegiums und der Revisoren. 2. Anträge. 4/15 3, Schulangelegenheiten. 4. Vorstandswanl und Wahl zweier Revisoren. Mitgliedsbuch legitimiert.— Beitrage können bezahlt werden. des !r Mittwoch, den 27. April 1904, abendS 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: General- Versammlung der Vertreter der Kassenmitglieder und Arbeitgeber. Tages-Orduung: 1. Vorlegung deS VerwaltungsberichlS und Rechnungsabschlusses pro 1903. 2. Bericht der PrüsungSkommission und Bcschlußsasiung über die Ab- nähme der JahreSrechnung. 3. Antrag aus Bewilligung einer Entschädigung für die Kassenmitglicdcr deS Rechnungsausschusses. 4. Wahl eines Vorstands- Mitgliedes aus der Gruppe der Arbeitgeber an Stelle deS ausgeschiedenen >rrn Sasse. 5. Beratung und Beschlußfassung über die mit den Kassen- camten abzuschließenden Verträge. 6. Antrag deS Vorstandes� aus Ab- ändcrung des jj 42 deS KassenstatutS. 7. Bericht über den Stand der .."'chlußsassung zu derselben. A. Kelpm, Schrists. Acrztesrage und wettere Belchlutzsassung zu derselben. __ 4646_ Der Voraiand: A. OaeHm, Bors.___ Nerantw. Redakteur.: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil peronto,: Th. GlvckeVÄcrlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin S r. Filiale Berlin. Sonntag, den 17, April, vormittags 10 Uhr, bei Feind, Weinstratze 11:. AM" JKitgUeder-Versammlung."MZ Tages-Ordnung: 1. Wie gedenken wir uns sur fernerhin unser» Arbeitsnachweis zu gestalten? Reserent: Kollege Görnitz. Korreferent: Kollego Rosonbaum. 2. Verbandsangelegenheiten. 54/7 Um zahlreiches Erscheinen ersucht__ Die Ortsverwaltung. AL-il Verband der Hafenarbeiter ssssi u. uerraandter Sernfsgenossen Mschlaniis.M%fns il" Sonntag, den 17. April 1904, vormittags 10'/, Uhr. im Königftadt-Äasino, Holzmarktstr. 72: I�itglieckev-Vepsammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung des Kassierers vom 1. Quartal. 2. Vortrag deS Verbands« Vorsitzenden Genossen Däring-Hamburg über:„Welchen Wert haben die aus dem letzten VerbandStag gefaßten Beschlüsse für die Organisation? 3. Diskussion. NB. In dieser Versammlung wird das Verbandsorgan sowie der An« hang zum Statut ausgegeben. 19/5 Die Kollegen werden ersucht, in dieser Versammlung sehr zahlreich und pünktlich zu erscheinen. De»- Voi-staad. I. A.: F. Trapp. Kwelgvereln Berlin. Sektion: Gips- n. Eementkranche. Gruppe: Cementierer. SM- Sonntag, den 17. April 1004, vormittags 10 Uhr,-MM bei Wilke, Brunnenstrafte 188: Regelmässige Mitglieder-Versammlung der Cementierer. Tages-Ordnung: 1. Die Durchführung der Vertragsbefttmmungen in unserm Berus. 2. Gewerkschaftliches. Verschiedenes. 137/13 Der wichttgen Tagesordnung wegen ist daS Erscheinen aller Kollegen von besonderer Bedeutung. Der Verstand. Tisehler-Verein zu Berlin. (£. H. 80.) 198/11 Sonnabend, den 16. April, abends 8>/z Uhr, Melchiorstraße 15: Ordentliche General- Versammlung. TageS-Ordnung: Kassenbericht vom 1. Vierteljahr 1994. Bericht der Bibliothekare. Er« ledigung eines Unterstützungsgesuchs. Berewsangelegenheiten. Nur Mitglieder haben Zutritt.— DaS OutttungSbuch ist vorzuzeigen. Rege Beteiligung erwartet_ Der Borstand. Vereinigung derZimmererDeutschl. Bureau: Berlin C. 54, Dragonerstr. 15.— Telephon: Amt HI, 5028. Sonntag, den 17. April 1904, vormittags 10 Uhr,-MM in den Jnduftrie-Festsälen, Benthstr. 20: General- Versammlung des Vereins der Zimmerer Kerlins und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1904. 2. Vereinsangelegenheiten. Beschlußfassung über den neuen Statuten-Entwurf. 4. Gewerkschastliche� und Verschiedenes. 257/6 Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt._ I. A.: Albert luppenlatz. �tmg! Vergolder! Tiliale Sernn. Montag, den 18. April, abends präc. 8 Uhr: Mitgtteder-Uers'AMmlung in den Armin-Hallen, Kommandantenstr. 20(großer Saal). TageS-Ordnung: 1. Die Situatton des gcgenwärttgen Streiks. 2. Verschiedenes. DM- Bei der hochwichtigen Tagesordnung ist es Pflicht der Kollegen und Kolleginnen aller Branchen, in dieser Versammlung zu erscheinen. 225/11 Der Vorstand. Arbeiter-Baugenossensch.„PunttllCS" zu Berlin. (E. G. m. b. H.) Wir machen unsren Mttgliedern hiermit bekannt, daß unser �ntfUU °wi° Hanpthnsse w°°n i-tzt ab 8g. 28, KoMnser Uer 44, Hos rechts, 1 Tr., befinden. Geöffnet von 8—8. Wir bitten nunmehr die Mitglieder, ihre Mitgliedskarten so bald als möglich gegen die bei der Haupt« lasse zur Ausgabe gelangenden Guthabenbücher und Statuten einzutauschen. Zu diesem Zwecke sind die Kassenstunden DltlwlngS, DüllnklSlügS, Irfitugs und Annnnhtnhö bis 9 Uhr abends verlängert. Ferner find auf unsrem Gelände bei jO|)i|n$h0rf noch einige Acker. und Laubenparzellen morgen- und rutcnweise aus 1—5 Jahre zu»er- pachten uns ersuchen wir diesbezügliche Reflektanten, sich baldmöglichst beim Vorsitzenden G. Kosttka oder im Bureau melden zu wollen. s!" Ferner geben wir bekannt, daß �pnrgtlhtl laut Beschluß der Gesamtverwaltung bis auf weiteres mit 3>/, Prozent ver- i.inst und nach den Bestimmungen der unter Zustimmung des Aufsichtsratcs beschlossenen Sparordnung, welche mit dem heuttgen-iage in Kraft tritt, eingelegt und zurückgezahtt werden können. 198/3 I Wir ersuche» Sie nunmehr, von Ihren statutarischen von �!td)tkn und(§ 28, Absatz 1, 2 und 4) den ausgiebigsten Gebrauch zu machen, damit die Verwaltung in der in nächster Zeit abzu- haltenden Generalversammlung Ihnen mit einem vollständigen AMonS- Programm auswarten kann. Der Aufsichtsrat. Der Vorstand. gez. R. Stramm, Vorsitzender, I. A.: Koaska, 1. Vorsitzender, Rixdorf,___ Wienerstr. 29, Part._ Arbeiter- Raillahreryerein Berlin". Sonntag früh 7 Uhr nach Nauen(Schützenhaus, Chaussee. straße). Mittags 1 Uhr nach Spandau Kumke, Schönwalderstr. 80). Beide tarts: Brandenburger Thor. Mittwoch, den 20. d. M., Versammlung im Böhmischen Brauhaus, Lands- berger Allee. 12/3 RB. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen— betreffs der Delegiertonwahl zum Bundestag. Jeden Freitag ReigenfaHren. Charlottenburg srüher Krumme str. 5, jetzt Leibnizstr. 64. Anfertigung feiner Herren- Garderoben nach Mast von Karl Ehring, Schneidermeister. Stofflager. englische u. deutsche Stoffe. Solide Preise. 47552* Dr. Simmel, KIT; Specialarzt für[86/15* Hant- nnd Harnleiden. 10— 2, 5—7. Sonntags 10— 12, 2— 4. Nr. 88. 21. Jahrgang. 2. Stilnp des JitMits" Kerlim lolMIntt. Freitag, 15. April 1904. Hbcfeorcliietciibaus» 52. Sitzung vom 14. April 1S04, vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: Dr. Studt. Die Etatsberatung ivird beim Kttltnsministerium(Kap. Kunst und Wissenschafts fortgesetzt. Abg. Träger(frs. Vp.): Zum erstenmal knüpft sich heute an dieses Kapitel eine größere Diskussion. Grund dazu bietet die Stellung, die die Regierung einer neuen Kunstrichtung gegenüber einnimmt. Der Reichstag ist vor wenigen Wochen mit einer kaum je dagewesenen Einigkeit und Ueber- einstimmung aller Parteien dafür eingetreten, daß die Kunst frei und alle ihre Richtungen gleichberechtigt seien. Auch hier will ich nicht irgend eine Kunstrichtung hervorheben oder propagieren, ich halte � mit dem Grafen Posadowsky Parteien und Parlament in Kunstfragen ebensowenig für den zuständigen Areopag wie die Regierung. Aber wir haben doch die Pflicht, darüber zu wachen, daß die Gelder, die wir bewilligen, in dem Sinne verwandt werden, in dem wir sie bewilligen. Schon 1884 erklärte der Kultusminister Goßler. die Regierung wolle der Kunst keine Bahnen weisen und sie nicht vergewaltigen. Seitdem aber st der Kampfruf: Gegen die Sccrssion! erschollen. Ueber die Secession will ich nun nichts weiter sagen als das, was Graf Oriola unter allgemeiner Zustimmung im Reichstage gesagt hat: daß sie den Kampf der Eigenart gegen die Konvention darstelle, daß sie ge- Holsen habe, uns aus den Banden inhaltloser Schulkunst zu befreien. Aber unsre Kunstverwaltung hat noch nie eine Ausstellung der Secession besucht, Gemälde von Secessionisten mir auf Hintertreppen angekauft. Und doch können diese mit Recht verlangen, daß die Regierung hübsch artig auf den Vordertreppen zu ihnen hinaufsteige. lHeiterkeit.) So hat die Verwaltung einfach Künstler wegen ihrer künstlerischen Ueberzeugung materiell geschädigt. Sinn glaube ich, daß selbst ein sehr starker Mann als Minister durch solche Mittel die Entwicklung der Kunst nicht in die bei ihm beliebten Richtungen drängen könnte. Nun sagt man ja allerdings, daß unsre Minister nicht zu stark, sondern zu schwach sind gegenüber der Kabinettskunst; nach dieser Richtung wollen wir ihnen also mehr Widerstandskraft wünschen. Um so vermessener erscheint der Versuch, nicht nur Deutschland, andern der ganzen Welt, selbst Amerika das Urteil eines preußischen Ministeriums aufdrängen zu wollen. Mit dem bisherigen Vorgehen hat man die Künstler nur gewaltsam in eine Opposition gedrängt. Man hat sogar versucht, eine Einheitlichkeit für ganz Deutschland zu erzwingen. Ist es doch bis heute nicht widerlegt, oaß der Minister in Weimar von einem Geheimrat begleitet war. Und auf Vcr- gnügungsreisen kenne ich doch angenehmere Begleiter.(Große Heiter- keit.) Dabei verdanken wir die Mannigfaltigkeit unsrer Killturinittel im wesentlichen der staatlichen Zersplitterung in Deutschland. Heute versucht man, nach preußischem Modell zu uniformieren. Aber möge auch der Herr Minister nicht vergessen, daß über der Nationalgalerie steht: Der deutschen Kunst, und nicht: Der königlich preußischen Kunst.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Dr. Bcumer(natl.): Ich gehe von dem Standpunkte aus, daß die Minister verant- «vortlich sind für die Verwendung der Mittel, die wir hier für Kunst- zwecke bewilligen. Vorausschicken möchte ich, daß der Einfluß der Kunstgenossenschast vielfach falsch beurteilt wird. Sie ist ein Verein zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der deutschen Künstler. hat keinerlei Einfluß auf die technische Entwicklung. Ich hoffe, daß sie die Stürme überdauert, die sich jetzt gegen sie erhoben. ES hat sich das Gefühl in weiten Kreisen des Volkes verbreitet, daß nicht alle Richtungen von Seiten des Staates die gleiche Förderung erfahren, als ob die akademische Richtung in unberechtigter Weise zu Ungunsten der freien Künstler bevorzugt werde. Wir aber wünschen, daß alle berechtigte» Kunst- richwngen in gleicher Weise vom Staate unterstützt werden. Aller- dings kann ich zu den berechtigten Kmistrichtungen den nackten Cy- nismus und den krassen Realismus nicht rechnen. Die haben unter der Jugend viel größere Verheerungen angerichtet, als Sie vielleicht glauben. Wozu ist denn da die Landes- Kunstkoinmissio« da? Ein Mitglied der Kommission hat gesagt, es sei zwecklos, Vorschläge für Ankäufe zu machen, da sie doch nicht berücksichtigt werden. Die An- griffe könnte der Minister nur dadurch widerlegen, daß er uns eine jährliche Uebersicht über die Namen der Künstler, die angekauften Werke und die dafür verwendeten Summen gäbe. Die neueste Eni- Wicklung der Kunst hat zu Ergebnissen geführt, die man nicht als erfreulich wird bezeichnen tonnen. Wenn vor Jahre» gänzlich im- berechtigt das Reichstagsgebäude als Gipfel der Geschmacklosigkeit bezeichnet wurde, so muß ich sagen, daß uns jetzt in unmittelbarer Nähe desselben Dinge vor Augen gestellt worden find, die dir- selbe Bezeichnung in viel höherem Grade verdient haben, die den wundervollen Vau des Brandenburger Thorrs— < längere Pause) nicht gerade heben.(Große Heiterkeit.) Die lebenden deutschen Künstler zu fördern, muß unser Streben sein. Darum sollte die Nationalgallerie, wie schon Virchow forderte, nur deutschen Künstlern vorbehalten sein. Wir wollen es nicht machen wie in Sachsen, wo der Künstler nach den Ansichten des Finanz- Ministers Dr. Rüger sterben muß. ehe er erleben kann, daß eins seiner Werke angekauft wird.(Große Hefterkeit.) Möge der Minister sich bewußt sein, daß auf keinem Gebiet der Satz so weit gehende Geltung hat, wie auf dem Gebiet der Kunst: Stillstand ist Rück- schritt!(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalcn.) Abg. Dr. Rcwoldt(fk.) verteidigt zunächst den sächsischen Finanzminister Dr. Rüger uiid bezeichnet den Hinweis darauf, daß Minister Studt auf der Weimarer Reise von einem Geheimrat begleitet war. als beweislose Unterstellung.— Die Behandlung der Kunstfrage im Reichstage war ein Vorstoß gegen Preußen. Man fordert Freiheit für alle Künstler. Aber die Secessionisten bezeichnen alle ihre Gegner als talentlose Stümper, sie, eine verschwindende Minderheit, wollen ihre Alleinherrschaft, eine Parteidiktatur. Die allgemeine deutsche Kunstgenossenschaft bestand schon vor dem deutschen Reich, aber durch nichts ist be- lviesen, daß sie den großen Einfluß, den sie naturgemäß besitzt, dazu hat verwenden wollen, die secessionistische Richtung zu unterjochen. Auch bei der Vorbereitung der St. Louis- Weltausstellung, bei der man zuerst den großen Fehler gemacht hat, den althergebrachten Modus der Auswahl zu verlassen, hat die Kunstgenossenschaft sich alle erdenkliche Mühe gegeben, den Riß zu verkleistern. Auch die Regierung hat die Secession in weitgehendstem Matze berücksichtigt. In der Nationalgalerie haben wir Wunderwerke Böcklms, haben einen Leistikow(Zuruf), allerdings einen geschenkten(Heiterkeit), Liebermann hat die goldene StaatSmedaille erhalten, ist Professor und Mitglied der Akademie der Künste geworden. Dagegen haben die Secessionisten eine»vilde Agitation entfacht, die selbst vor dem Reichstag nicht Halt gemacht hat. Sie haben Unzuftiedenheit zu erregen versucht, weit über den Rahmen der Knnstlerschaft hinaus. Sollen lvir uns ihr Kesseltreiben gegen die Berliner Äünstlerschaft ruhig ge- fallen lassen! f Und wie nimmt sich der Kamps der Secession aus. wenn man ihn vom nationalen Gesichtspunkte aus betrachtet? Um ihre Alleinherrschaft zu konstituieren. schreien diese Künstler der Secession in alle Welt hinaus, daß wir uuS in Paris blamiert haben. Und glauben Sie denn, daß wenn man Manet und ivie die Franzosen sonst heißen, in alle Himmel hebt und sich sklavisch an die ausländischen Vorbilder anklammert, daß man damit den deutschen Kunstexport heben kann? Aber die Secession will eine Internationale der Kunst konstituieren, die sich über die Grenzen nationaler Kunst hinwegsetzen will. Ich bin Banause ncnüg, nuszusprcchcn, daß die SicgcSallce�eiiicn großen nationalen Wert für Gegenwart und Zukunft hat. Sind doch fast sämtliche Berliner Künitler zu ihrer Herstellung herangezogen worden. Das geht schließlich jedem Künstler so: wenn das Hau? fertig ist, sieht es ganz anders anS, als vorher. Wenn ein Angehöriger meiner eignen Partei behauptet, in Berlin seien nur das Brandenburger Thor und das Denkmal des Großen Kurfürsten wirkliche Kunstwerke, tvie oann noch irgend ein Fremder nach Berlin kommt I(Heiterkeit.) Die Künstlerschaft hat sich in der letzten Zeit schon nicht so entwickelt, wie die fanatischten Secessionisten es»vünschten. In ihren eignen Reihen sind unter den jüngeren Kräften köstliche Keime, die noch größere Frucht uns bringen»Verden. Das heißt aber doch nicht, daß jeder der 460 Secessionisten schon ein großer Künstler ist, bloß»veil er dieser Ruhmesversicherung auf Gegen- seftigkeit angehört. Ich fasse meine Ansführuugen dahin zusammen: Mögen die Künstler sich unter einander streiten»vie bisher, soviel sie»vollen»»nögen sie aber stets Selbstbeherrschung vor der Oeffentlichkeit zeigen, besonders dann, Ivenn es sich um inter- nationale Ausstellungen und unsre Vertretung gegenüber dem Aus- lande handelt!(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Kirsch(C.): Die heutige Kunstdebatte bot ein lvenig erfreuliches Bild; es ist immer mißlich, wenn ein Parlenient im Streit der Künstler Stellung nehmen soll, man sticht da in ein Wespennest.— Ich habe hier die Broschüren aller Parteien vor mir. Es ist vorgeschlagen worden, daß der Landtag sich größeren Einfluß auf den Ankauf der Werke sichern sollte, aber wie sollte unsre Kommission zusammengesetzt sein. Nach der Stärke der Parteien? Das tväre doch der schlechteste Maßstab. Jedenfalls sollte die Regierung aus der bloßen Thatsache dieser Anregung lernen, daß sie in Zukunft nach andren Maßstäben auswählen soll.— Der„Freiheit der Kunst" will doch schließlich jeder Schranken anlegen. Gewisse Grenzen erklärte sogar Herr Dr. Bcumer für notwendig. Ich erwarte als», daß die National- liberalen künstig für eine neue lex Heintze zu habe» sein werden. (Heiterkeit bei den Nationalliberalcn.) Herr Dr. Relvoldt betonte die nationalen Grenzen jeder Kunst,»vir, das Centrum heben die christ- liche Grundlage der Kunst hervor. Ist ei» Kunstwerk noch so schön, noch so vollendet, wir dcgouticren es, wenn es nicht auf christlicher Grnndlage ruht. Auch die Meinung des sächsischen Finanzniinistcrs ist so ganz unbegründet nicht; bei der menschlichen UnVollkommenheit bedarf eS der Zeit, bis ein neues Kiinstwerk verstanden und beachtet wird. Geiviß wollen wir auch die lebenden Künstler möglichst berücksichtigen._ Vor allem aber dürfen wir. und auch die Regierung, keinen Zweifel darüber lassen, daß wir über dem Streit der künstlerischen Parteien stehen und nichts als Gerechtigkeit üben wollen.(Bravo! im Centrum.) Abg. Winckler(k.): Es ist selbstverständlich, daß in Kunstftagen die Meimlngen noch »veiter auseinandergehen als in andren. Ich kann nicht leugnen, daß in den Künstlcrkreisen ein gewisses Mißtrauen Platz gegriffen hat. Ich würde es als erfreulichste Frucht der heutigen Debatte be- grüßen,»venn durch eine Erklärung des Ministers dieses Mißtrauen escitigt würde. Auch wir lvünschen keine einseitige Bevorzugung und keine einseitige Unterdrückung.(Bravo! links.) Bureaukratische Schranken dürfen nicht die individuelle Bethätigung, die allein wahre Kirnst schafft, hemmen. Die Secession ist nicht sowohl eine Kunst- richtnng, als eine neue Organisationsform, entstanden aus lokalen und geschäftlichen Rücksichten, kann also nicht den geringsten Grund bieten, die Künstler, die ihr angehören, irgendwie anders zu be- handeln. Möge die Regierung das Princip der ausgleichenden Gerechtigkeit auch auf dem Gebiet der Kunst zur Durchführung bringen.(Lebhaftes Bravo!) Kultusminister Dr. Studt: Ms Resultat der vorausgehenden Debatte kann ich sagen, daß ich allen Angriffen auf die Unterrichtsverwaltung mit gutem Ge- wissen und voller Ruhe gegenüberstehe. Besonders die auf dem Gebiet persönlicher Auseinandersetzung gegen mich gerichteten An- griffe entbehren aller thatsächlichen Unterlage. Eine geivisse Be- nnruhigung m Künstlerkreisen ist ja vorhanden, aber Schuld daran ist nicht das mir unterstellte Ressort, sondern eine gewisse scnsations- lüsterne Presse, die sich zum Ziel gestellt hat, gewisse Kunstrichtungen hervorzuheben und die Knnstverlvaltung für Dinge Verantlvortlich zu machen, für die sie absolut nicht veranttvortlich gemacht»Verden kann. Ich unterschreibe vollkommen den Satz: daß alles wahrhaft künstlerische Bestreben gleiche Berechtigung findet, aber ich lege ans das Wort„wahrhast" besondren Acceut. Was»vahrhafte Kunst ist, entscheide ich nicht nur nach der persönlichen Auffassung der Rcssortchefs, sondern auch nach den Rat- schlägen, die mir von allen Seiten in vielseitigster Form dargeboten »Verden. Darum hat die Kunstvorlvaltnng Ihre Kontrolle nicht zu scheuen. Im Gegenteil, wir lvünschen, daß sie recht gründlich geübt ivird. Sehen Sie sich nur die neuen und neuesten Erwerbungen in der Nationalgalcrie, die Aufträge an, die von staatlicher Seite an die verschiedenen Richtungen gegeben»vordcn sind, unterziehen Sie die Kunstschulen in Berlin. Breslau, Düsseldorf»vie in Kassel Ihrer Beachtung, und Sie»Verden finden, daß alle vom Standpunkte der Unterrichtsvcrwaltung auS zulässigen Richtungen vollständig zur Geltung kommen. Die Landeskunstkommissionen haben zwar nur beratende Ssiminen, aber trotzdem werden ihre Entscheidungen jedesmal von mir berücksichtigt. Unser Verhältnis ist ein ga>,z vorzügliches. Ich bin»oährcnd meiner Amtsführung gewohnt getvesen, über Berleumduiigcn der Presse schweigend hinwegzugehen und keine Beleidigungsprozesse anzustrengen. Umsomehr bedauere ich, daß hier in diesem Hause die von niir schon einmal zurückgewiesene Be- Häuptling»viederholt»vorden ist, als hätte ich in Weimar gegen den Künstlcrbund inttiguiert. In Weimar ist über Kunstfragen oder Kunstverwalwng überhaupt nicht gesprochen»vorbei». Erst auf der Rückreise hörte ich, daß die Gründung eines neuen Künstlcrbundes beabsichtigt sei. Ich muß gestehen, daß es kaum irgend ettvaS giebt, was mu so gleichgültig ist wie das.� Redner erklärt dann, daß die Nachrichten über eine Diseiplinirrnng des Akademie- Direktors Dettmann vollkommen unberechtigt seien. Der Unterschied zwischen Staatsaufträgen und solchen auf Kosten der Krone muß unbedingt aufrecht erhalten werden. Die von verschiedenen Seiten hier geübte Kritik an der von der Krone ge- förderten Kunstrichtung mag sachlich berechtigt sein oder nicht— ihre innere Unberechtigung liegt darin, daß der Staat nicht daran beteiligt ist. Abg. Münsterberg(frs. Vg.) schließt sich dem Abg. Winkler an und dankt für die Aufklämngen des Ministers. Abg. v. Neumann-Großenborau 1 � 2[�j 4| 5[ 6[ 7 in Fällen... � 153| 62 � 26 3 j 2 � 1 Sehnlich, wenn nicht noch trauriger, liegen die Verhältnisse bei den zweizimmrigen Wohnungen. In diesen wohnen Personen!l!2>3!4l5!g>7l8>9>1oll1 in Fällen � 81| 416| 463| 429| 274 1 188| 94| 47 j 18| 3| 1 Da mag man sich vorstellen, wie es mit den sittlichen und ge- sundheitlichen Verhältnissen aussieht, wenn vier, fünf, sechs, ja sieben Personen in einem Räume hmisen, darin wohnen und schlafen ze. Geradezu niederschmetternd wirkt, waS einer der Beamten über die Ursachen dcS WohnungselenbS, Über die Unmöglichkeit— mit salbungsvollen Ratschlägen den sittlichen und gesundheitlichen Ge- fahren entgegen zu wirken, sagt. Er bemerkt in seinen» Bericht: „Stellen»vir uns z. B. vor, daß sich in dem einzigen geheizten Küchenraum außer Mann, Frau noch vier bis acht kleine, teilweise im zartesten Alter befindliche Kinder aufhalten müssen, so ist es leicht einzusehen, daß in diesein Räume das Fenster bei kalter und schlechter Jahreszeit nicht allzu oft und auch nicht lange geöffnet werden kann... so müssen wir auch in diesem Falle ein- gestehen, daß hier eine Lüstling leichter angeordnet aus aus» geführt ist. Zu der hilfsbedürftigsten Menschei»klasse gehören die mit Kindern überreichlich gesegneten Arbeiterfamilien, deren einziger Ernährer mit dem besten Willen nicht im stände ist, für seine Fainilien- und Wohniingsbedürfnisse so zu sorgen, Ivie es in mensch- licher, gcsuiidhritlichcr und sittlicher Beziehung unbedingt notwendig wäre..."!!! Die Wohnungsinspektion ist eine halbe Maßregel; sie kann das WohnnngSelend nicht beseitigen. Aber daß(sie es anitlich, zahlen- mäßig ansdeckt, ist trotzden» von hohem Werte. Die Wohnungs- inspektion schreit geradezu nach Ergänzung durch die wichtigere Hälfte der Wohnungspolitik: den Wohnungsbau zu einer öffentlichen A»»- gelegenheit zu erklären, ihn den» Privatunternehmertum aus den Händen zu nehmen, Wohmmgen durch die Gemeinde zu erbauen. Bei der GcwerbegerichtSwahl in Breslau machten die„kaiser- treuen und christlichen Arbeiter", deren Deputation nach dem Tode Krupps durch die bekannte Rede Wilhelms H gegen die Sorialdemokratie auf dem Hauptbahnhofe zu Breslau besonders aus« gezeichnet worden war, zun» erstenmal den Versuch, mit den freien Getverlschasten in Wettbewerb zu treten. Der Versuch endete mit einem �völligen FinSko. die Liste der freien Gewerlschaften erhielt 4ZW Stimmen, die der christlichen Geiverkvereine nur 600. Die Hirsch-Dunckerschen streckten schon vor der Wahl die Waffen. berliner Partei-Angelegenheiten. Erster Wahlkreis. Dienstagabend 8'/z Uhr hält der Wahlverein 'eine Generalversammlung Fischerstr. 25 ab. Es stehen auf der Tagesordnung die Neuwahlen des Vorstandes. Statuten- änderungen, sowie ein Vortrag über die politische Macht. Johannisthal. Die nächste Mitgliederversainmlung des Wahl- Vereins findet am Soiinabendavend 8'/z Uhr im Lokale von Reime in Rudow statt. Genosse Wutzki wird über sociales Genossenschafts- Wesen sprechen. Grünau. Sonnabendabend!? Uhr hält der W a h l v e r e i n bei Stabbert, Köpenickerstr. 88, eine Mitgliederversammlung ab. Vortrag übert Was lehrt uns die letzte Gemeindevertreterwahl? Der Vorstand. Fricdrichshagell.| Morgen Sonnabend hält der Arbeiter-BildungS- verein bei Paznick, Friedrichstr. 114, seine Versammlung ab. Bartels spricht über Marx' ökonomische Lehren: austerdem stehen noch loichtige Gegenstände aus Tagesordnung. Wohnungsänderungen sind dem Kassierer mitzuteilen. Hohen-Ncuendorf und Stolpe. Sonnabendabend 3'/� Uhr hält Genosse Maspfuhl bei Bergemann in Stolpe einen Vortrag. Auch sonst stehen wichtige Punkte auf der Tagesordnung. lokales. Bernachlässigung der Gemeiudcschulen. Ucber die wichtige Frage, wieviele derjenigen Gemeindeschlller, die nach erfüllter Schulpflicht, d. h. mit vollendetem 14. Lebensjahre die Schule verließen, das Lehrziel erreicht oder wenigstens die höchste Klasse der Gcmcindcschulc noch besucht haben, entnehmen wir dem neuesten Heft der„Charlottenburger Statistik" einige interessante Daten. In C h a r l o t t e n b u r g sind von Ostern 18gg bis Michaelis 1903 durchschnittlich 37,62 Proz. aller von den Gemeinde- schulen entlassenen Knaben und 38,66 Proz. aller Mädchen nach erfüllter Schulpflicht abgegangen, die übrigen sind entweder umzugshalber oder weil die Eltern die Stadt verließen, nach einer andren Gemeindeschule gebracht worden oder aus der Gcmcindeschule in eine höhere Schule gegangen, einige wenige haben aus verschiedenen Gründen die Schule nicht bis zum Ende der Schulpflicht besucht. Von denjenigen Kindern, welche die Gemeinde- schule bis zur beendigten Schulpflicht besuchten, wurden von der ersten Klasse im Durchschnitt 55.39 Proz. Knaben und 53,43 Proz. Mädchen entlassen. Es haben also nur wenig mehr als die Hälfte der Knaben und Mädchen mit 14 Jahren das volle Lehrziel oder nahezu das volle Lehrziel erreicht. Allerdings ist im Laufe der Jahre ein entschiedener Fortschritt zu verzeichnen, denn Ostern 1899 hatten nur 43,75 Proz. der Knaben, die nach erfüllter Schulpflicht entlassen wurden, die erste Klasse erreicht und über ein Viertel, nämlich 25,35 Proz., gingen von der unteren Klasse ab. Mchaelis 1903 dagegen gingen 61,70 Proz. der Knaben von der ersten Klasse ab und nur ein Siebentel(14,10 Proz.) verließen die Schule von der dritten und vierten Klasse. Bei den Mädchen ist ein erheblicher Fortschritt zu erkennen. Ostern 1899 hatten 50,63 Proz. der wegen erfüllter Schulpflicht Entlassenen die erste Klasse erreicht, während etwa ein Sechstel, nämlich 16,35 Proz. von den unteren Klassen abgingen. Michaelis 1903 dagegen wurden 61 Proz. von der I. Klasse und nur 10,03 Proz. von den unteren Klassen entlassen. Im Durchschnitt gingen dem Statistischen Jahrbuch deutscher Städte zufolge im Schuljahr 1900/01 in 16 Städten, die Gemeinde- schulen mit siebenklassigem System haben, aus der obersten Klasse 62,2 Proz. der Knaben und 63,7 Proz. der Mädchen ab. Char- lottenburg bleibt also etwas hinter dem Durchschnitt zurück. Einen recht hohen Prozentsatz für den Abgang aus der ersten Klasse weist Stuttgart auf(92,9 Proz. Knaben, 93,5 Proz. Mädchen), dann folgt Frankfurt a. M. mit 82,2 Proz aller Kinder. Sehr niedrig ist der Prozentsatz in Posen mit 28,7 Proz. bei Knaben und 26,2 Proz. bei Mädchen und in Potsdam mit 20,9 Proz. bei Knaben und 31 Proz. bei Mädchen. Von den 231 Gcmeindeschulen Berlins waren im Jahre 1899 9831 Knaben und 10 082 Mädchen nach erfüllter Schulpflicht ab- gegangen, und zwar hatten 97,20 Proz. der Knaben und 97,36 Proz. der Mädchen die obere Stufe, das heißt eine der ersten drei Klassen erreicht; bis zur ersten Klasse waren 61,35 Proz. der Knaben und 61,73 Proz. der Mädchen gelangt. Im Jahre 1900 stellten sich nach dem neuesten Berliner Jahrbuch die Verhältnisse noch etwas günstiger, es hatten 97,12 Proz. der Knaben und 97,49 Proz. der Mädchen die obere Stufe und 62,84 Proz. der Knaben sowie 62,94 Proz. der Mädchen die erste Klasse der Gemeindeschule bei ihrem Abgange er- reicht. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, daß Berlin bis Oktober 1900 Schulen mit sechs aufsteigenden Klassen hatte und daß erst seit dieser Zeit allmählich sieben bis acht Klassen eingerichtet werden. Nach einer kürzlich vom Statistischen Amt der Stadt Elb er- seid veröffentlichten Untersuchung über die im Schuljahre 1902/03 aus der Schulpflicht entlassenen dortigen Volksschiiler, erreichten von den in diesem Jahre abgegangenen Knaben 42,2 Proz. und von den in derselben Zeit abgegangenen Mädchen 45,7 Proz. die oberste Stufe. Da aber in Elberfeld die Volksschulen acht Stufen haben, so sind diese Zahlen nicht direkt mit denen der sicbenklassigen Gcmeiudeschulcn zu vergleichen. Eine der beiden höchsten Stufen erreichten von den Knaben 73,6, von den Mädchen 80,1 Proz. und eine der drei höchsten Stufen 89 Proz. der Knaben und 94,4 Proz. der Mädchen. Diese Resultate der Gcmeindeschulen sind im allgemeinen wenig erfreulich. Um eine Besserung zu erzielen, ist vor allem eine Herab- setzung der Frequenz der einzelnen Klassen nötig. Daneben bedarf es weiterer Reformen, wie sie seitens der Socialdemokratie seit Jahren angestrebt werden: der Gewährung freier Lernmittel und freien Frühstücks, damit der schmachvolle Zustand beseitigt wird, daß Kinder, vom Hunger gequält, dem Unterricht nicht mit der genügenden Aufmerksamkeit zu folgen vermögen. Das beste Mittel zur Hebung der Gemeindeschule allerdings bleibt ihre Umwandlung in wirkliche Volksschulen, das heißt in Schulen, die jedes Kind zu besuchen ge- zwangen ist. gleichviel ob seine Eltern einfache Arbeiter oder Millionäre sind._ Die Parkdcpntation wählte in ihrer gestrigen Sitzung den bei der Stadt Berlin etatsmüßig angestellten Gärtner Schulze an Stelle des verstorbenen Obergärtners Baumert zum Obergärtner.— Ein Antrag, wonach ein größeres Terrain zur Aufzucht von Pflanzen für den botanischen Schulunterricht zur Verfügung gestellt werden soll, wurde einem engeren Ausschuß überwiesen, der mit der Schuldeputation über die Frage, wie groß in Zukunft der Bedarf an Pflanzen sein werde, sich auseinanderzusetzen hat. Der Jnselperron mit der Bedürfnisanstalt an der Rosenthalerttraßc wird mitGesträuch bepflanzt werden, auch der Andreasplatz soll besser ausgestaltet werden. Ein Projekt, die Ausschmückung des Arnswalder Platzes betreffend, wurde einem engern Ausschuß überiviesen, dem auch Genosse Zubeil an- gehört. Die Postbehörde kam mit einem Antrag, auf dem Leipziger Platz innerhalb des Gitters eine R o h r p o st l e i t u n g legen zu dürfen. Da solche Anlage jedoch die Wurzeln der Bäume beschädigt, lehnte die Deputation die Hergabe des Platzes ab. Die Beratung ; eines Antrages auf unentgeltliche Hergabe eines Landstriches zur Er- ; richtung eines Schifferheims am Humboldthafen, das in erster ! Reihe den Kindern der Schiffer zu gute kommen soll, wurde vertagt; der Antragsteller Herr Krause soll ersucht werden, über das Projekt der Deputation Vortrag zu halten. Es scheint, als ob hier Missions- bestrebungen in Frage kommen. Ein Herr Leps, den niemand kannte, wollte einen Platz im Treptower Park für Marine schau spiele haben. Der Autrag wurde abgelehnt, ebenso ein Antrag des Sport- � klubs„Graphia" um Ueberlassung des Spielplatzes am Friedrichshain ; zur sonntäglichen Veranstaltung von Fußballspielen. Ein merkwürdiger Fall beschäftigte die Deputation am Schluß ihrer Sitzung. Sie bewilligte dem Amtsdiener Dietze die beanspruchte Belohnung von 20 M., die ihm gemäß einer alten Verordnung aus den siebziger Jahren zusteht, ivonach derjenige, der Pflanzen- diebe oder Baumfrevler zur Anzeige bringt, auf die erwähnte Geld- summe Anspruch hat. Nachdem der Amtsdieuer die 20 M. bewilligt erhalten hat, beschloß die Deputation jedoch, aus dem P l ä n t e r- tu a I d e die Warnungstafeln zu entfernen, nach deren Inschrift die erwähnten 20 M. selbst dann fällig sind, wenn nur eine ganz unbedeutende Enttvendung von Pflanzen oder Blumen in Frage kommt. Ter Umbau der GZrliücr Bahn wird jetzt auch auf Bahnhof Adlershof in Angriff genommen. In nächster Nähe des Bahnhofs hatten die Dammaufschüttungen vor einem Hause Halt gemacht, das genau in der Linie des neuen, verbreiterten Bahndammes stand. Dieses Haus ist jetzt geräumt und mit dem Abbruch begonnen worden, so daß der Höherlegung des Bahnkörpers hier nichts mehr im Wege steht. Bahnhof Adlershof wird vorläufig der Endpunkt der vier- gelcisigcn Strecke sei». Rasche Fortschritte werden die lilnbau- arbeiten in der nächsten Zeit auch in dem Abschnitt zwischen Berlin und Baumschulenwcg machen. Die Notgcleise, die von der Görlitzer Bahn gleich hinter der Kreuzung mit den: Ringbahndamm abzweigen, sind fertig, so daß nun auf der ganzen Strecke von hier bis Baum- schulenwcg der Verkehr auf Notgclcisen bewirkt wird und der alte Bahnkörper frei liegt. In dem Abschnitt innerhalb der Ringbahn bis zum Landwehrkanal hin kreuzen die Geleise die Elsen- und die Bouchestraßc in Straßeuhöhe. In der benachbarten Gemeinde Rix- dorf ist der Wunsch laut gewordei», daß auch dieser Abschnitt höher gelegt werden möge. Die Eisenbahnderwaltuug hat nicht bestimmt ablehnend geantwortet, hat aber in ihrem Bescheid auf die großen Schwierigkeiten hingewiesen, die wegen der vorhandenen Anschlüsse der Ringbahn dabei zu überwinden wären. Berliner Bolksschulbildung. Uevcr die kürzlich vorgenommene Aufnahmeprüfung von 23 Schülern für die> Fach- und Fortbildungs- schule der Berliner Fleischer-Jnnung berichtet die„Deutsche Fleischer-Zeitung":„Von den 23 Schülern waren drei aus höheren Lehranstalten, welche die Onarta und Tertia erreicht hatten, 17 stammten aus Berliner Gcmeindeschulen, davon zwei aus der vierten, einer aus der dritten Klasse, drei waren ans aus- wärtigen Schulen. Von zehn Rcchimngsaufgabcn. Ivclchc dein Auffassungsvermögen der vierten Klasse einer Gemeindcschule angepaßt� waren, lösten alle 10 Aufgaben richtig 4 Schüler, 9 Aufgaben richtig 1 Schüler. 8 Aufgaben richtig 5 Schüler. 7 Auf- gaben' richtig 4 Schüler, 6 Aufgaben richtig 1 Schüler, 5 Aufgaben richtig 4 Schüler. Ueber die Erfolge der übrigen ist Schweigen das Beste. Dann waren einzelne Fragen schriftlich zu beanltvorten. Auf die Frage: Warum feiern wir Ostern? wußten neun Schüler gar keine Antwort, fünf gaben eine grundfalsche Antwort. Auf die Frage: Wie heißt der Stifter der christlichen Religion? ant- warteten neun Schüler: Dr. Martin Luther. Zwei Schüler wußten auf diese Frage ebenfalls keine Antwort. Als die Hauptstadt Preußens bezeichnet ein Schüler„Deutschland", ein andrer„Brandenburg". Auf die Frage: Man nenne einige hervorragende Männer aus der Zeit Kaiser Wilhelms I. wurden auch Blücher und Gneisenau erwähnt, selbst der Große Kurfürst zweimal. Von Bismarck wußten ueun Schüler, sämtlich aus Ber- liuer Gcmeindeschulen, kein Wort. Zwei Berliner Jungen wußten nicht, wie unser Kaiser heißt. Vier Schüler konnten den Namen der Kaiserin nicht nennen. Die Aufgabe, einige der größten Ströme Deutschlands zu nennen, lösten zlvei Schüler dadurch, den Okzean (Ocean) als Fluß zu bezeichnen." Der preußische Patriotismus weiß des Ruhmes der preußischen Volksschule kein Ende, und der Lokalpatriotismus des Berliner Freisinnsphilisters sucht der Welt einzureden, daß besonders die Ber- lincr Schulen unübertrefflich seien. Flegeleien gegen die Feuerwehr. Die Feuerwehr ist in der letzten Zeit mehrfach des Nachts von unbekannten Personen bös- willigerweise alarmiert worden. Nur in den seltensten Fällen gelingt eS, die Thäter zu ermitteln und dem Richter vorzuführen, die in der Regel wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, Sachbeschädigung (bei der Inbetriebsetzung des Feuermelders muß eine Glasscheibe zertrümmert werden) und VerÜbung groben Unfugs auf eine hohe Strafe erkennen. In der letzten Nacht um 2 Uhr wurde die Feuerwehr zum wiederholten Mal nach der Herkules- Brücke ani Liitzow- Platz alarmiert. Diesmal gelang es, den Thäter auf der Flucht zu erwischen. Nachdem die Feuermänner ihm in nicht mißznverstehender Weise den Staudpunkt klar gemacht hatten, wurde er der Polizei übergeben. Auf der Polizeiwache entpuppte der Thäter sich als der Pförtner Richard Strache ans der Friedrich Wilhelmstraße 16, der sich mir_ einen „kleinen Scherz" hatte machen wollen. Für derartige kleine Scherze haben die Behörden aber keine Nachsicht, dies sollten alle die be- denken, die in den letzten Nächten die Feuerwehr nach der Malplaquet- straße, Reinickendorf, Gesundbrunnen usw. alarmiert haben. Die Wehr muß in der Regel dann nach der Ursache der Alarmierung suchen und wird dadurch für längere Zeit der Alarmbereitschaft auf der Wache im Fall eines Brandes entzogen, wodurch das größte Unglück entstehen kann. Die illustrierte Romanbibliothek„In Freien Stunden" ist jetzt bis zum 16. Heft erschienen. Dieses bringt die Fortsetzung des Gerstäckerschen Romans„Die Flußpiratcn des Mississippi" und der spannenden Erzählung„Gabriel Lambert, der Galeerensklave" von A. DumaS.Z sowie eine naturwissenschaftliche Skizze„Eine Fessel- ballonfahrt im Eismeer". Daneben„Dies und Jenes",„Witz und Scherz". Wöchentlich erscheint ein 24 Seiten�starkes Heft zum Preise von 10 Pf., das in allen Parteispeditionen und in der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, zu haben ist. Mit dem 1. Januar begann der neue Roman, der noch jetzt von Heft 1 an nachbezogen werden kann. Wir empfehlen unfern Lesern das Abonnement. Der Geigendieb, der feit einigen Monaten die Berliner Ge- meiudeschulen unsicher machte, ist jetzt in der Person des 21 Jahre alten Arbeitsburschen Georg Teschner ermittelt und festgenommen worden. Teschner, ein aus der Art geschlagener Sohn einer acht- baren Familie, trieb sich an den Schulen umher und erfragte von Kindern, die nach Schluß des Unterrichts nach Hause gingen, die Namen der Lehrer, die er gerade sah. Später meldete er sich bei den, Rektor mit dem Begehren, den ihm genannten Lehrer zu sprechen. Wenn ihin der Rektor die Klasse bezeichnet� hatte, in der jener Lehrer unterrichtete, so wartete er die Pause ab, benutzte diese dazu, dreist in das Klassenzimmer hineinzugehen und daraus mitzunehmen, was ihm in die Hände fiel; außer Geigen auch Mikroskope und andre Lehrmittel. Es kam vor, daß er »>it der Geige unter dem Arm an Rektor und Lehrer vorbei davon- ging. Der Rektor glaubte, derKehrer habe ihn beauftragt, die Geige zur Ausbesserung wegzutragen und der Lehrer nahm vom Rektor dasselbe an. In 24 Schulen gelang ihm der Plan. Als er seine Beute nach und nach in Kaschemmen der August- und Rosenthaler- straße zum Kauf anbot, wurde er ertappt und festgenommen._ Nun versuchte er, die Diebstähle dem Einbrecher Kilian zuzuschieben, einem der drei Verbrecher, die kürzlich einen Kaufmann in der Jerusalemerstraße fledderten, in der Hoffnung, daß Kilian zu seinem reichhaltigen Conto auch diese Kleinigkeiten noch hinzunehmen werde. Kilian ließ ihn aber im Stich und stellte jede Teilnahme an den Geigendiebstählen in Abrede. Der Gebnhrcntarif für die Benutzung der öffentlichen Schlacht- Häuser und für die Untersuchung des Schlachtviehs auf dem hiesigen städtischen Schlachthofe ist dahin abgeändert worden, daß vom 1. April dieses Jahres ab für eine Ziege eine Schlachtgcbühr von 20 Pf. und eine Untersuchungsgebühr von 15 Pf. zu zahlen sind. Für die veterinärpolizeiliche Untersuchung des direkt, d. h. ohne Berührung des Viehmarktes, dem Schlachthofe zugeführten Viehs sind außerdem zu zahlen: für ein Rind 1,25 M., für ein Schivein 50 Pf., für einen Fresser 70 Pf., für ein Kalb 40 Pf. und für ein Schaf 10 Pf. Der Dovvelsclbstmord eines kinderlosen Ehepaares rief gestern morgen im Südwesten der Stadt großes Aufsehen hervor. Ter traurige Vorfall ereignete sich in dem Hanse Grotzbeercnstr. 93, wo der Kaufmann Paul Pirling mit seiner Ehefrau ein Kolonialwaren- und Grünkramgeschäft seit 11 Jahren betrieb. Das Geschäft ging früher ganz vorzüglich, doch hatte neuerdings das Ehepaar� mit Nahrungssorgen zu kämpfen. Dieser Umstand mag die Veranlassung zum gemeinsamen Selbstmord gewesen sein. Schon am vorgestrigen Tage hatten Pirling und seine Frau die Vorbereitungen für die beabsichtigte That getroffen. Verschiedenen Bekannten gegenüber äußerten sie sich dahin, daß sie einen wichtigen Schritt vor hätten, um den gegenwärtigen Zustand zu beseitigen. Frau Pirling schenkte einem Hausdiener, der ständiger Kunde bei ihr w-�'.iin Weißbicrglas zum Andenken. Pirling, der dem Rauckiklub„Berliner Wappen" angehörte, begab sich abends zu einer Klubsitzung nach dem Vereins- lokal in der Kochstraße und bezahlte hier drei Monate rückständige Beiträge. Gegen 12 Uhr verabschiedete er sich von den Klubkollegen und begab sich nach der Gastwirtschaft von Rüdiger in der König- grätzerstraße, um dem ihm befreundeten Gastwirt Adieu zu sagen. Er teilte mit, daß er eine große Reise antrete, von der er nicht zurückkomme. Dann begab sich P. nach Hause, wo ihn seine Frau in der neben dem Laden befindlichen Schlafstube erwartete. Pirling drehte von einer durch das Zimmer führenden Gasleitung die Vcr- schlußschraube ab und legte sich dann in sein Bett, während seine Frmi auf dem Sofa den Tod crloartete. Als gestern morgen gegen V:9 Uhr ein Lehrling der Lohnerschen Buchhandlung einige Flaschen Bier holen Ivollte, fand er den Keller noch, verschlossen. Er schlug Alarm und die Thür mußte gewaltsam erbrochen werden. Den Ein- tretenden war es unmöglich, in den mit Gas dicht geschwängerten Schlafraum zu gelangen. Es mußten zunächst die nach der Straße führendeu Fenster eingeschlagen tverdcn, um der Stickluft Abzug zu gewähren. Erst nach einer halben Stunde Ivar es möglich, den Kcllerranm zu betreten, in welchem die beiden Gatten dann als Leichen vorgefunden wurden. Auch das Hündchen des Ehepaares ivar erstickt. Auf dem Tisch wurde ein Zettel vorgefunden, in tvelchem P. mitteilte, daß Nahrungssorgen ihn und seine Frau in den Tod getrieben und für die Beerdigung der Rauchklub Sorge tragen werde. Ein schwerer Unglücksfall auf dem Grundstück der Chemischen Fabrik vormals Schering in Charlottenburg hat den: Arbeiter August Gottschalk das Leben gekostet. Kurz vor der Vespcrpause sollte ein großer Cylinder transportiert werden, der auf einem sogenannten Schlitten lag und durch Rollen weitergeschobcn wurde. Leichtfertiger- weise waren keine Sicherheitsmaßnahmen getroffen, und so fiel die schwere Masse plötzlich herab und zermalmte den erwähnten Arbeiter. Der Vemnglückte hinterläßt eine Frau und fünf unmündige Kinder; er wohnte Köslinerstraße 6. Abermals ein Opfer des Eisenbahnbetriebes! Durch einen Sturz vom Wagen ist der 57 Jahre alte Eisenbahnbremser Adolf Hemke aus der Triftstraße 40a. tödlich verunglückt. Heinke wollte vorgestern abend auf dem Moabiter Güterbahnhof an einem Schlußwagen das Licht anzünden, als der Zug sich in Bewegung setzte. Er stürzte hinab und zog sich so schwere innere Verletzungen zu, daß er nach zehn Minuten starb. Die Leiche wurde beschlagnahmt und zur gcrichtsärztlichcn Oeffnung nach dem Schauhause gebracht. Im Polizrigcwahrsam gestorben ist der 44 Jahre alte Klavier- spieler Richard Riiffer, der sich ohne Wohnung hier aufhielt. Der heruntergekommene Mann wurde am Donncrstagmittag im 33. Polizei- rcvier beim Betteln betroffen und sollte vorgefiihrt werden. Bevor es aber dazu kam, machte ein Schlaganfall auf der Wache seinem Leben plötzlich ein Ende. Der Schlächterwagen. Von einem Fleischtransportwagen der Firma Georg Tietz in der Landsberger Allee 52 lvurde gestern nach- mittag 2l/o Uhr in der Fischerstraße die 1'/, Jahre alte Tochter des Bäckermeisters Lambeck überfahren. Das unglückliche Kind erlitt schwere Verletzungen am Bein, auch wurde ihm eine Hand zermalmt. Der Kutscher war in sausender Fahrt die Straße entlang gefahren und wird sich gerichtlich zu verantworten haben. Ein recht gefährlicher Brand kam am Donnerstag im ersten Stock des linken Seitenflügels am Spittelmarkt 2 angeblich durch Unvorsichtigkeit in einer Tapeziererwerkstatt aus. Zum Glück wurde die Feuerwehr bald alarmiert. Diese erschien unter Leitung des Brandmeisters Leyboldt in wenigen Minuten und nahm sofort von der gleich fertigen Gasspritze eine Rohrleitung vor. Trotzdem seit der Alarmierung bis zum Angriff kaum fünf Mimlten verstrichen waren, brannten schon eine Menge Polstermöbel, Werg, Seegras:c., Regale, Thüren, Fensterrahmen, die Schaldccken, Bretterwände u. a., sowie Gardinen, Stoffe, Tapeten und andrer Inhalt der Räume. Durch krästiges Wassergeben wurde die Gefahr einer weiteren Aus- dehnung des Brandes beseitigt und die Flammen auf die erste Etage beschränkt._ Theater. Im Bürgerlichen Schauspielhause(Carl Weiß-Theater) geht heute zum erstenmal Richard Voß' vieraktigeS Schauspiel„Zwischen zwei Herzen"in Scenc. Die Haupt- rollen liegen in den Händen der Damen Milli Wichmann, Dctschic, Helmert, Busch, Schlüter, sowie der Herren Brackmann, Gadiel, Schneider,«cheibach und Rosen. In Scene gesetzt ist die Novität von Herrn Gadiel.— Im Residenz-Tbcater verabschiedet sich morgen Adolf Sonne nthal in der Rolle des„R a t h a u" für immer vom Berliner Publikum. Von Sonntag ab tritt wieder der französische Schwank„ D e r keusche Casimir" in seine Rechte, der nächsten Donnerstag das Jubiläum seiner hundertsten Aufführung feiert.— Central-Theater. Freitag und iolgende Tage ivird in erster Besetzung„Der Zigeunerbaron" mit Oskar Bräner, Josephine Vettori und Rudolf Auder gegeben. Die Premiere von„Sonnenvogel" findet erst am Donnerstag, den 21. d. Mts. statt. Im Sportpark Friedenau wird eS am nächsten Sonntag in den beiden Dauerrennen über 30 Kilometer mit Motorführung zu recht interessanten Begegnungen kommen, da die beteiligten Fahrer seit einigen Tagen tüchtig auf Schnelligkeit trainiert haben. Be- sonders die Prüfung für das große Goldene Rad wird sich zu einem äußerst scharfen Kampf zuspitzen, da der vorjährige Weltmeister Piet Dickentmann in diesem Jahre zum erstenmal herauskommt und auf Salzmann, Ryser und Demke trifft, die schon bei den Oster- rennen durch ihr gutes Fahren beim Publikum auffielen. Außer dem zweiten 30 Kilometer-Rennen, in welchem Käser, Heiny, Große und Przyrembel konkurrieren, finden drei Fliegerrennen für Berufs- fahrer und zwei für Herrenfahrer statt, die eine große Beteiligung gefunden haben.___ Huö den Nachbarorten. Wilmersdorf. Die Niederl age, die unsre Partei bei den Gemeindewahlen erlitten hat, ist bereits gestern von uns kurz ge- meldet worden. Neberraschend kam sie nicht. Unser Vorort ist, wie alle großen„Dörfer" des Westens, nur zu einem geringen Teil proletarisch bevölkert; und unter den zehn- bis fiinfzehntausend Ein- wohnern, um die sich Wilmersdorf jährlich vermehrt, sind Arbeiter verhältnismäßig wenig vertreten. Beamte und andre Glieder des besser situierten Mittelstandes machen die Mehrzahl dieser Hinzu- ziehenden aus; eine Thatsache, die auch darin ihren Ausdruck findet, daß bei den ReichStagswahlen mit geheimer Stimmabgabe 1893 nur 40 Proz. und 1903 42 Proz. der Wählenden socialdemokratisch stimmten. So war es ganz besonders günstigen Umständen zu danken, daß unsre Partei bei den Gemeindewahlen im Marz 1902 über die einige Monate vorher unter einander in Hader geratenen bürgerlichen Parteien den Sieg davontrug. Die Nachwirkungen dieses Haders und auch Wohl die Betrügereien des Genieindekasscn-Rendanten und konservativen Parteiführers Knisse versetzten damals dein Ansehen der Rathanspartci einen bcdenllichen Stotz und kamen der Social- dcinokratie zu gute. Jnnnerhin hätte nnsre Partei sich auch jetzt be- Haupte» können, wenn nicht nngeachtct aller Warnrufe zndenHauptwahlen eine bedauerliche Lauheit unter der Arbeiterschaft des Ortes eingerissen wäre. Es kommen wesentlich Angehörige des Banberufs für uns in Betracht, und diese verletzten in dem Irrwahn, daß es der Social- dcmokratie ans keinen Fall am Siege fehlen könne, vor 14 Tagen in geradezu sträflicher Weise ihre Wahlpflicht. Ein gutes Dutzend Stimmen mehr und wir hätten damals nnsre Position behauptet. Das auf eine Stichwahl hinanslanfende Ergebnis spornte die Kon- servativen aber zu außerordentlich reger Kraftentfaltnng an. ES war nicht allein zu Tage getreten, daß die liberalen Sonderbiindler bedeutungslos waren, fondern auch, daß man sich über die Stärke unsrer Partei vorher übertriebene Vorstellungen gemacht hatte. Doch wäre auch jetzt noch ein socialdemokratischer Sieg zu erfechten gewesen, wenn nicht der Beanitenapparat mit Hochdruck gearbeitet hätte. In einem Flugblatt der Konservativen wurde mit dürren Worten darauf hingewiesen, daß die B e a m t e n s ch a f t es als ihre Pflicht zu erachten hätte, unter allen Umständen konservativ zu stimmen, und dieser Wink mit dem Zaun- pfähl wurde verstanden. Die Gemeindcarbeiter. die kleinen Beamten. hatten dem Drängen der socialdemokratischen Vertreter eine wescnt- liche Verbesserung ihrer Lage zu verdanken: sie glaubten aber, sich denr Zwangsgebot fügen zu müssen und traten als konservative Hilfstrnppen auf den Plan. Unter Führung ihres Rektors rückten die Lehrer an den Wahltisch, um ebenfalls gegen die Partei zu stimmen, die sich im Ortsparlament am eifrigsten ihrer materiellen Interessen angenommen hatte. Post- und Eisenbahn- beamte und auch Straßenbahnschaffner, die in großer Zahl am Orte wohnen, ließen sich von der Rathanspartci benutzen; genug, die korrumpierende Wirkung der öffentlichen Stimmabgabe trat so kraß wie nur denkbar ans Licht. Höhere Beamte sowie besser situierte Private, die zahlreich in der dritten Klasse wählen, leisteten natürlich ebenfalls zu Hunderten dem konservativen Aufgebot Folge. Am Nachmittage des letzten Wahltages waren uns die Gegner teilweise um dreihundert Stimmen voraus, und diesen Vor- spruna konnte die Arbeiterschaft in den Abendstunden nicht mehr einholen. Gegen zehn Uhr war die Wahl zu Ende, und deren Ergebnis war, daß die Konservativen gut 1000 Stimmen erhielten, wahrend nnsre Parteigenossen hingegen es auf rund 850 Stimmen brachten, die ausschließlich aus den Reihen des Proletariats kamen, da die Liberalen entweder der Wahl fernblieben oder konservativ stimmten. An der Thatsache, daß die Arbeiterschaft vorab im Orts- Parlament uuvertreten sein wird, läßt sich nichts mehr ändern. Zu apathischer Rast soll uns die Niederlage aber nicht zwingen. Wir haben in der kommenden Zeit unsre Organisation auszubauen und uns eifriger als bisher mit der Agitation zu befassen, um bei nächster Gelegenheit auch den schwierigeren Verhältnissen angepaßt mit Mut wieder in den Kampf treten zu können. Unser die Welt trotz alledem I Da nnsre Parteigenossen am Orte das genaue Wahlresultat besonders interessieren wird, teilen wir dieses mit. Es erhielten auf der Liste unsrer Parteigenossen Adler 846, Natusch 845, Giebler 842, Hilpert 846, Kiefer 844 und Schröder 848 Stimmen. Von den Gegnern erhielten Henze 1012, Ehrlich 1011, Hesse 1019, Bresscr 1010, Hermann 1010 und Geffers 1001 Stimmen. Bei den Hauptwahlen wurden durchweg abgegeben für unsre Parteigenossen 630 Stimmen. für die Konservativen 512 Stimmen, für die Liberalen 115 Stimmen. Die Konservativen haben in der Stichwahl ihre Stdnmenzahl also fast verdoppelt. Eharlottenburg. Die Allgemeine Orts-Krankcnkassc für die vereinigten Gewerbebetriebe Eharlottenburgs veranstaltet auch in diesem Jahre mehrere volkstümliche Vorträge über Gesund- hcitspflege im Volkshause zu Eharlottcnburg, Rosinenstr. 3, und zwar wird der erste Vortrag am Freitag, den 15. April er., abends 8V, Uhr stattfinden. Das Referat hat Herr Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Dönitz übernommen: es lautet:„Das Wesen der ansteckenden Krankheiten und ihre Bekämpfung." Wir weisen nnsre Leser auf diese» Vortrag hin, dessen Besuch für jede erwachsene Person unentgeltlich ist. Bemerkt sei, daß Rauchen während des Vortrages nicht gestattet ist und auch Getränke nicht verabfolgt werden. Rixdorf. Bon einem Unglücksfalle wurde der 20jährige Kutscher Mar. Borsch. Bcrgstr. 82, wohnhaft, am DonnerStagvornüitag in der Delbrücksträße betroffen. Beim plötzlichen Anrücken der Pferde stürzte B. vom Kutschersitze des von ihm geführten Kohlen- Wagens herab, geriet unter die Räder und wurde überfahren. Der Aermste hatte lebensgefährliche innere Verletzungen davongetragen und wurde nach der städtischen Krankenanstalt geschafft. Ob es möglich sein wird, den jungen Mann am Leben zu erhalten, ist zweifelhaft.— Weil er stellungslos war, erschoß sich der 20jährige Kellner Max Günther in der Wohnung seines Bruders, Warthe- straße 5. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt.— Der Steuer- plan für 1904/5 hat in der von der Stadtverordneten-Versammlung beschlossenen Fassung die Genehmigung der Aufsichtsbehörde ge- funden._ Gericbtö-Zeitung. Berlin bei Nacht. Eine Sccne aus dem Berliner Nachtleben beschäftigte gestern die vierte Strafkammer des Landgerichts I in einer gegen den Buch- Halter Max K e r st e n gerichteten Anklage wegen Amtsanmaßung. Als der 20jährige Kaufmann Müller in der Nacht zum 9. Juli gegen 3 Uhr morgens die Weidendammer Brücke passierte, gesellte sich zu ihm eine Frauensperson, die zwar„weder Fräulein, noch schön" war, aber doch nicht ungelcitet nach Hanse gehen wollte. Sie fesselte auch den jungen Mann, dessen Schönheitssinn durch den vorangegangenen Alkoholgcnuß stark gelitten hatte, derartig, daß er sich zum Ritter der Unschuld aufwarf und die„Dame" zu ihrer in der Schumannstraße belegenen Wohnung geleitete, um dort noch eine Tasse Thce zu trinken. An der Wohnungsthür prangte der Name Kersten. Der Thee scheint aber etwas ungemütlich geworden zu sein, die Dame des Hauses verblüffte Herrn Müller plötzlich durch pekuniäre Anforde- rungcii, es kam zum Wortwechsel, die Dame schimpfte und keifte und schließlich riß sie das Fenster auf und rief zwei unten vorübergehenden Männern die Frage zu. ob sie Kriminalbeamte seien. Auf die be- jahende Antwort wickelte die sehr aufgebrachte Kersten den Haus. schlüssel in Papier und warf ihn zum Fenster- hinaus. Gleich darauf stürmten zwei Männer die Treppe hinauf und in die Wohnung hin- ein und der eine erklärte: er seiKrinnnalbeaniter und fordere Herrn Müller auf, mit zur Wache zu kommen. Müller trug dazu kein Per- langen, verlangte vielmehr zunächst Aufklärung darüber, mit welchem Recht er sistiert werden sollte, und es kam zu lebhasten Ans- einandersetzungen. Müller entging thätlichcn Angriffen nur dadurch, daß er nach der Rocktasche griff, so that, als ob darin ein Revolver verborgen sei, und jeden über den Haufen zu schießen drohte, der ihm zu nahe kommen wollte. Er folgte dann den beiden angeblichen Kriminalbeamten zur Wache. Auf der Straße wunderte er sich, daß diese einen ganz falschen Weg einschlugen. Auf seine verwunderte Frage nach der Ursache versetzte ihm der eine seiner unliebsamen Begleiter einen Stockhieb über die Schulter und nahm dann schleunigst Reißaus. Er entkam. Auf den Hilferuf des Müller gelang es, den zweiten „Kriminalbeamten" festzunehmen, und da stellte es sich denn heraus, daß es sich um den Ehemann der holden Dame handelte. Der An- geklagte behauptete, daß er über die Treulosigkeit seiner Frau empört und deshalb berechtigt gewesen sei, den Störer seines häiislitfieii Friedens zur Wache zu' sistieren. Da aber der Gerichtshof feststellte, daß sich der Angeklagte durch die Flalterfahrten seiner Frau ernähren ließ, so nahm er an, daß hier ein von dem trauten Ehepaar ausgeklügelter Tric vorlag, der wahrscheinlich nicht das erste Mal in Anwendung gebracht worden war. Der An- geklagte wurde wegen der Gemeingefährlichkeit seines Treibens zu neun Monaten Gefängnis verurteilt und sofort in Haft genommen. Eine andre Nachtscene, bei der der Revolver eine Rolle spielte, lag einer vor der fünften Strafkammer des Landgerichts I ver- handelten Anklage wegen Bedrohung gegen den Sattler Friedrich Karl R i e m a n n zu Grunde. Der Angeklagte ist Tanzmaitre in einem Lokal in der Beussclstraße und hat häufig Konflikte mit brutalen Leuten, die sich seinen Anordnungen nicht fügen wollen. In der Nacht zum 16. Dezember kam er in Streit mit einem Gefangenen- Aufseher, der bald daraus-i» aller Eile das Lokal verließ. Drei vor dem Lokale auf der Straße stehende Zimmcrleute sahen ihn davon eilen. Plötzlich erschien der Angeklagte auf der Bildfläche und rief den drei harmlosen Leuten auf der Straße zu: „Wo ist der Lump? Ich jage ihm eine Kugel durch den Kopf!" Mit einem Anfing von Humor antwortete ihm einer der Leute:„Na, Männeken, Sie werden doch nicht gleich losschießen!" Statt aller Antwort holte der Angeklagte einen Revolver aus der Tasche, hielt ihn in der Ztichtnng nach den drei jungen Leuten und drückte los. Der erste Schuß ging aber nicht los und so schoß der Angeklagte zum zweitenmal, wobei die Kugel dem einen jungen Mann dicht am Ohr vorbei psiff. In drohender Haltung rief er den Dreien als- dann zu:„Wer es noch wagt, einen Schritt zu gehen, den schieße ich über den Haufen!" Er steckte aber den Revolver Wieder in die Tasche und kehrte im Vollgefühle seiner Hcldcnthat in das Lokal zurück. Dort ließen ihn die Bedrohten durch einen herbeigeholten Schutz- mann feststellen. Vor dem Schöffengericht hatte er s. Zt. seine Identität bestritten, er wurde aber bald als der Thäter mit aller Bestimmtheit wiedererkannt. Das Gericht verurteilte ihn mit Rücksicht darauf, daß er beinahe namenloses Unglück angerichtet hätte, zu drei Monaten Gefängnis. In der Berufungsinstanz gab er zu, der Mann mit dem Revolver gewesen zu sein, entschuldigte sich aber mit der ungeheueren Aufregung, in welche ihn der Streit mit dem Gefangenen-Aufseher' versetzt habe. Als er auf der Straße die drei Männer gesehen, habe er Furcht vor ihnen gehabt und geglaubt, Feinde vor sich zu haben, die bereit wären, sich auf ihn zu stürzen.— Da sich in der Verhandlung zeigte, daß der Angeklagte ein sehr nervöser Mann ist, der bis dahin gänzlich unbescholten war, so ermäßigte der Gerichtshof die Strafe auf 150 M. Geldbuße eventuell 30 Tage Gefängnis. Dem Angeklagten wurde aber der gute Rat mit auf den Weg gegeben, in Zukunft das Hantieren mit geladenen sechsläufigen Revolvern zu unterlassen. Unheimliche Gesellen, welche ihrem Aenßercn nach zu den besseren Gesellschaftsklassen gehörten, unter dieser Maske aber ein höchst schimpfliches und gemeingefährliches Gewerbe betrieben, wurden gestern der achten Strafkammer des Landgerichts I in den Personen des Bereiters Richard A ß m a n n und des Kellners Hugo A h e r l c vorgeführt. Es wurde ihnen versuchte Erpressung zur Last gelegt, ein Vergehen, Wegen dessen Aßmann bereits eine Vorstrafe von 2>/z Jahren erlitten hatte. Jetzt wurde durch die Beweis- aufnähme folgender Thatbestand festgestellt: Der Rentner v. E. ging an einem Januarabcndc durch die Friedrichstraße. Als er in die Behren- straße eingebogen war, wurde er von dem Angeklagten Atzmann an- gesprochen. In wohlgcsetztcr Rede schilderte dieser ihm seine Not- läge und bat schließlich um eine kleine Unterstützung. Herr v. E. gab ihm eine Mark, und der Beschenkte ging eine Strecke lang neben ihm her. Als eine Bedürsinsanstalt erreicht war, verabschiedete v. E. sich von seinem Begleiter und trat hinein, ohne darauf zu achten, daß der Angeklagte ihm folgte. Als beide dann wieder die Straße betraten, wurde v. E. aufs äußerste empört und überrascht, als der Angeklagte ihm plötzlich den Vorwurf nmchte, daß er unsittliche An- träge an ihn gestellt habe. Als gerade ein Schutzmann vorüber- ging, wiederholte der Angeklagte diesem gegenüber seine Be- zichtignng und verlangte die Feststellung der Persönlichkeit des Herrn v. E. Da dieser sich durch Papiere auszuweisen vermochte, so blieb er von dem Gange zur Wache verschont. Während der Auseinandersetzung nnt dem Beamten war der zweite Angeklagte an die Gruppe herangetreten und hatte dem Gespräch zu- gehört. Dieser erschien am folgenden Tage in der Wohnung des Herrn v. E. und stellte ihm vor, daß es doch eine sehr unangenehme Sache für ihn sei und es besser für ihn wäre, sie auf dem Vergleichs- Wege ans der Welt zu schaffen. Herr v. E. fertigte den Besucher kurz ab. Nachdem der erste Angeklagte dann noch einmal einen ver- geblichen Erprcssungsvcrsuch gemacht, nahm der Bedrängte die Hilfe der Polizei in Anspruch. Der Staatsanwalt beantragte gegen Aßmann vier, gegen Ayerle drei Jahre Gefängnis. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß beide schanilose Erpresser mit gleichem Matze gemessen werden müßten, sie wurden beide zu je vier Jahren Gefängnis verurteilt. Vergleich in einem Preßprozcß. Wir werden um Aufnahme folgender Mitteilung ersucht: In einer Privatklage des Chestedakteurs der„Neuen Hambnrgischen Börsenhalle", Dr. M. Wittenberg, gegen den verantwortlichen Redakteur dos„Hamburger Echo", Gnstav Wabersky kam am 23. März vor dem Schöffengericht V fol- gendcr Vergleich zu stände:„Herr Waberskh erklärt, daß er auf Grund der Beweisaufnahme durchaus die Ueberzengung gewonnen habe, daß die wissenschaftliche Thätigkeit des Herrn Dr. Wittenberg von keinerlei materiellen Interessen an der Pommernbank beeinflußt gewesen sei. Der Privatbeklagte verpflichtet sich, über den Inhalt dieses Vergleichs im„Echo" eine redaktionelle Notiz zu bringen und übernimmt die Kosten." Oberst a. D. Gädke gegen Professor Kropatscheck. Das Kammer- gericht als RevisiionSinstanz beschäftigte sich gestern mit dem Be- leidignngsprozeß des Oberst a. D. Gädke wider den Redakteur Professor Kropatscheck von der„Kreuz-Zcitnng". Oberst a. D. Gädke besprach seinerzeit im„Berliner Tageblatt" den serbischen Königs- mord. Dabei betonte er, es gebe neben dem Treueid gegen den Monarchen als gleichwertig noch die Bürgerpflicht gegen das Vater- land. Von dieser lönne der Treueid niemals entbinden. Einer der ernstesten Konflikte eines Ehrenmannes wäre es, wenn diese beiden Pflichten in Gegensatz gerieten. Professor Kropatscheck schrieb darauf in der„Kreuz-Zeitnng":„Eine Konsequenz Wird hoffentlich jeder Offizier, der etwa— wir glauben cS nicht— diese Ansicht des Oberst a. D. Gädke teilte, als ehrlicher Mensch zichn: schleunigst seinen Abschied ans einem Eorps zu nehmen, in daS er innerlich nicht mehr hineingehört." An einer andern Stelle wird von einem Ver- such des Herrn Gädke, sich herauszureden, gesprochen. Herr Gädke fühlte sich durch die Artikel beleidigt und klagte gegen Kropatscheck. — Das Landgericht sprach jedoch den Beschuldigten frei. Herr Gädke legte Revision ein. Der Strafsenat des Ka m m c r g c r i ch t s verwarf indessen die Revision als unbegründet. Mit Recht sei dem Beklagten, insbesondere wegen seiner Eigenschaft als Landwehr- offizier, der Schutz des§ 143 zugesprochen worden. Wie es mit den allgemeinen Rechten der Presse stehe, brauche hier nicht erörtert zu werden. Die brutalen Roheiten eines LehrlingsschinderS sind gestern von einem Berliner Gericht mit außerordentlicher Milde gesühnt worden. Die Lehrlingsansbildnngsmethode des Bäckermeisters Paul Dehmelt unterlag gestern der Prüfung des Schöffengerichts. Der Meister hatte sich wegen Ueberschreitnng des ihm zustehenden Ziichtigungs- rechts zu verantworten. Er hat bis dahin mit drei Lehrlingen ge- arbeitet, von denen der eine noch bei ihm lernt, der andre kürzlich Geselle geworden und der dritte aus der Lehre gelaufen ist. Die beiden ersten traten gestern als Belastungszeugen gegen ihn auf. Nach ihrer Schilderung soll der Angeklagte die Ausbildung seiner Lehrlinge häufig durch Anwendung gemeiner Schimpf- warte ihnen schmackhaft zu machen suchen, auch mit der Austeilung von Prügeln nicht geizen. Der eine Zeuge erzählte sogar von Maulschellen und Schlägen ins Gesicht, durch welche die Nase ins Bluten gekommen sein soll. Diese Roh- Heiken hatten mehrfach zu Beschwerden der Eltern, bis dahin aber noch nicht zu einem Strafantrag geführt. Dieser wurde durch zwei besondere Vorgänge verursacht. In dem einen Fall hatte der in aller Frühe in der Nähe des Ladens des Angeklagten postierte Schutzmann gesehen, wie der Angeklagte seinem Lehrjungen, der Backwaren ausfahren sollte, aber eine andre Jacke für diesen Zweck verlangte, beim Genick hatte und mit den Füßen auf das Gesäß trat. Der Schutzmann untersagte dem Angeklagten diese Behandlung, erhielt aber eine schnippische Antwort. In dem zlveiten Falle hatte der Meister einem Lehrling, der bei der Arbeit noch mit dem Schlafe zu kämpfen hatte, mit dem Ofen» schieber über den Arm geschlagen, so daß sich ein blauer> Sttiemen zeigte.— Der Angeklagte versicherte dem Gerichtshöfe, daß er sich drei manchmal obstinaten Lehrjungen gegenüber in einer sehr üblen Lage befunden habe. Der Gerichtshof glaubte ihm dies, hielt aber fein Vorgehen in den beiden Fällen der Anklage nicht für ent- schuldbar und verurteilte ihn zu 30 M. Geldstrafe. Wie hart wären Arbeiter von der bürgerlichen Justiz bestraft lvorden, die sich nicht an wehrlosen Lehrlingen sondern an Streik- brechen? ähnlich vergangen hätten? Zuchthausstrafe wäre ihnen unter Umständen sicher gewesen._ Versammlungen. Die Baunnschliiger tagten am Sonntag im Gcwcrkschaftshause- Auf eine Anfrage über den Stand der Tariffrage wurde mitgeteilt, daß der Tarif im Druck fertiggestellt sei und unverzüglich der Innung vorgelegt werden soll. Ebenso soll versucht werden, mit der Charlotten- burger Schlosserinnnng in Tarifverhandlungen zu treten. Eine längere Debatte entspann sich über die Arbeitsnachweise. Beschlossen Wurde, eine endgültige Lösung der Arbeitsnachweisfrage mit der Tariffrage zu verbinden: bis dahin soll die Agitationskommission die Arbeitsausgabe, die Kontrolle usw. regeln. Schöneberq. Am Dienstag, den 12. d. M., fand eine von ca. 1000 Personen besuchte Volksversammlung in Obsts Festsälen statt. Reichstags-Abgeordneter Genosse Ledebonr sprach über Kosakenkurs. An der Hand der Ausführungen, welche die preußischen Minister sowohl im Reichstage als auch im Abgeordnetenhause zum besten gaben, erklärte Redner die erniedrigende Rolle, welche nnsre Regierung gegenüber Rußland einnimmt. Ter Referent streifte die Verhandlungen im Reichstage, widerlegte die Reden Bülows und Richthofens betreffs der russischen studierenden Jugend und tadelte scharf das Verhalten der preußischen Regierung in der Sache des Königsberger Geheimbundprozesscs. In der Diskussion nahm ein Herr Daya. Anarchist, das Wort. Der Herr gefiel sich in allgemeinen abfälligen Acußernngen über die socialistische Parteileitung und Abgeordneten der Partei. Ucbergehend auf den Königsberger Prozeß bezeichnete der Redner es als eine Niederträchtigkeit unsres Abgeordneten Haase, den russischen Schriftsteller Äurzew als irrsinnig hinzustellen. Herr Daha plädierte auch für den General- streik.— Genosse Ledebonr unternahm es, den Phantasten in scharfen Worten zurechtzuweisen. Das Verhalten der Socialdemokratie be- treffs der russischen Spitzelwirtschaft als einzig taktvoll und gerecht be- zeichnend, schloß derselbe damit, daß der Socialdemokratie einzig und allein die Befreiung der Arbeiterklasse gelingen werde.— Mit einem Hoch auf die internationale Socialdemokratie schloß der Vor- sitzende die interessant verlaufene Versammlung. Johanniötlial. Der Socialdcmokratische Wahlverein für Johannisthal und Rudow hielt am 12. April seine fällige General- Versammlung ab. Aus dem Thätigkcitsbcricht des Vorstandes, den der Vorsitzende, Genosse Düring, erstattete, ist zu entnehmen, daß im letzten Quartal 7 Mitgliederversammlungen, 7 Vorstands- sitzungen und 4 öffentliche Versammlungen abgehalten wurden. Die Zahl der Mitglieder beträgt zur Zeit 127.— Der Bericht des Kassierers S ch i r m h o f f weist eine Gesamteinnahme von 179,20 Mark auf. Nach Abzug der örtlichen Ausgaben und der an den Hauptvorstand abzuliefernden zwei Drittel der Einnahme verbleibt ein Bestand von 16,01 M. am Orte. Die Einnahme ans der Zeitungsspedition steht um 30 M. hinter der des vorigen Quartals zurück. Es erklärt sich das aus der Erhöhung des Botenlohnes.— Einer Anregung des Vorstandes, monatlich eine Versammlung in Johannisthal und eine in Rudow abzuhalten, wurde stattgegeben, und zwar wurde beschlossen, den Vcrsannnlungstag für Johannisthal wechselnd auf Dienstag vor dem 15. und Dienstag nach dem 15. fest- zusetzen. Die Festsetzung des Bersammlungstages für Rudow wurde den dort ansässigen Genossen überlassen. Vom Vorsitzenden wurde »och die spärliche Beteiligung bei den letzten Flugblattverbreitnngcn gerügt. Allgemeine Kranken- nnd Stcrbckasse der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg). Filiale Rmmnclsburg. Sonnabend, den 1ö. d. M., abends S'/j Uhr, bei Guslav Tempel, Boxhagencrstraßc, Ecke der Bahnhofs- straße: Mitgliederversammlung. TageS-Ordnung: 1. WaS lehren uns die letzten Delegiertenwahlcn zur diesjährigen Generalversammlung. 2. Kassenbericht. 3. Diskussion über die gestellten Anträge zur Generalversammlung. 4. Interne Kassenangelegcnhciten. Vermifebtes» lieber die Explosion einer Höllenmaschine wird aus Petersburg vom Donnerstag berichtet: In boriger Nacht brach in einem Zimmer des vierten Stocks des Nordhotels, gegenüber dem Nikolai-Bahnhof, Feuer aus. Als die Feuerwehr ins Zimmer drang, fand sie alles in Flammen, im Zimmer eine arge Zerstörung, die Fensterrahmen herausgeschlagen und die Dielen aufgerissen. DaS Zimmer war vor einigen Tagen von zwei zugereisten Herren gemietet worden. Einer derselben, Kasanow, wurde im brennenden Zimmer tot aufgeftmdcn, der zweite war verschwunden. Es weist alles darauf hin, daß der Brand infolge der Explosion einer Höllenmaschine entstand, die durch unvorsichtiges Umgehen des Besitzers explodierte. Familicndrama. In Chaux de Fonds vergiftete sich in der Nacht zu gestern eine ganze Familie, bestehend aus Mann, Frau und zwei jungen Töchtern, mit Blausäure. Die Familie war finanziell gut gestellt. Drei Männer verbrannt. Bei einem Feuer, das in der Nacht zu gestern in einem Hanfe in der Kasernenstraße zu Jnsterburg aus- brach, fanden ein Hoboist, ein Eisenbahnarbeiter und ein Friseur- gehilfe den Tod in den Flammen. Vom„Echten bayrischen Vier". Bei der am Dienstag in der bayrischen Abgeordnetenkammer abgehaltenen Beratung über die Malzanfschlng-Rückvergütung seitens deS Staates für ausgeführtes Bier im Betrage von 7 100 000 M. wurde, wie man aus München schreibt, mehrfach lebhaft über den immer mehr zunehmenden Wettbewerb norddeutscher und nicht zuletzt Berliner Biere geklagt. Von einem wahren Wettbewerb der bayrischen Biere mit den norddeutschen könne nicht mehr die Rede sein, denn das„echte Bayrische" stelle sich in Norddentschland viel teurer, als das einheimische. Von den bayrischen Brauereien haben nur noch 19 einen größeren Absatz im Auslände. llnd auch dieser geht stettg zurück, so daß das bayrische Braugewerbe jetzt in der Hauptsache nur für den inländischen Markt zu arbeiten hat. Daraus zu schließen, daß man in Bayern jetzt ein schlechteres Bier erzeuge als früher, sei durchaus falsch, wie der HofbräuhauS- Gewaltige Finanzminister Dr. v. Riedel nachdrücklichst betonte. „Unser Bier ist besser als ftnher; das werden die Sach- verständigen bestätigen," hob der selbst sehr Sachverständige hervor. Bemerkenswert war auch noch die Feststcllimg des Finanzministers über den Ertrag der bayrischen Großbrauereien. Von den 70 bayrischen Akticnbrauereien verteilten im letzten Jahre 15 keine Dividende, 13 unter 5 Proz., 39 zwischen 5 und 10 Proz. und nur drei über 10 Proz., nämlich 14, 20 und 22 Proz. Von einem männlichen Entschlnsse zeigt folgendes in der „Greifswalder Zeitung" veröffentlichte Inserat: Gläubiger gesucht. Alle meine Gläubiger werden aufgefordert, sich binnen dreimal 24 Stunden mit ihren paar Forderungen hauptpostlagernd Stettin zu melden, da ich den ganzen Bettel in einem Aufwasch durch meinen Bevollmächtigten erledigen lassen will, denn ich habe die alberne Treterei satt. W. M., cand. phil. Zstri-Lrotjadrik,olbeinftt'. 1, O. Finte. Gr. 15.. 155. ommandantenstr. 23, H. Blum. Kyllmannstr. 12, H. Kroß. Gr. L., IM. Marienstr. 14, F. Ära mm. Moltkcslr. 47, O. Kautz. . 48, H. Moser. Parallellftr. 11. C. St-inbrlng. . 15, F. Mulfinger. Ringstr. 47, E. Rahn. Gr. L, 145, Schillerstr, 10, W. Randow. Steglitzerstr. 47, O. Kautz. Stcrnstr. 53. C. Rust. Verlängerte Wilhelmstr. 1, I. Raabe Nächst. G. L. 134. Zehlendorserstr. 9, C. Ruff. 12, C. Mewes. «mnenalck. Huverws-Allee 6, R. Niemann. 19. O.Kögel. Wi., 36. Humboldtstr. 9, A. Buhlemann. Halenvee. mmboldtstr. 6, E. Lantenbach. W!., 467. Joachim Friedrichstr. 10,®. Mächler. Kronprinzendamm 2, R. Koch. 20, A. Stümke. Kursürftendamm 128, Wi.. 582. List u. Meyer. Westsältschestr. 49, List u. Meyer. 52. P. Messer. Wi.. 707. l-ankvlt«. Kaulbachstr. 71, H. Kortekamp. Obcr-Schöneweldc. Frischenstr. 4, Th. Kussin. O. 200. Siemensstr. 9, P. Boissier. Blxdorf. Berastr. 28, R. Fuhrmann. Berlmerstt-. 23, E. Schneider. » 54, W. Burghardt. Fuldaftr. 54, P. Enigk. Hennannstr. 12, F. Stähr. 43. R. Berg. Ri. 867. Hobrechtsb. 3, Si. Lubitz. Kaiser Friedrichstr. 237, H. Stadler. Karlsgartcnstr. 3, G. Dorr. Mainzerstr. 58, F. Licbscher. Richard str. 99, E. Menzel. Sekvneberg. Apostel Paulusstr. 13, L. Zabel. , 20, I, Spertich. Bclztgcrstr. 5, O. Gacde. Cheruskerstr. 26, G. Adomelt. Colonncnstr. 20, A. Seifert. Dürer-Platz 3, C. Höppner. Ebersstr. 64. E. Oest. IX, 6706. 73, B. Lantenbach. IX. 5309. Eisenacherstr. 67, R. Lauterwald. Gothacrstr. 4. F. Fischer. VI. 4650. -Gothenstr. 49. A. Rohloff. IX. 6178. Gruuewaldstr. 113, R. Nagel. Gustav Freytagstr. 4, E. Gimbaldt. Herbertstr. 3, G. Tradert. Hohcnsrtcdbergstr. 10, R. Gericke IX, 6315. Meiningerstr. 6, W. Kuhlmey. Merseliurgcrstr. 8, C. O. Schulz. Sedanstr. 34, B. Noack. Sponholzstr. 8, O. Walther. Neue Steinmctzsb. 2, G. Brandt. Stubenrauchstr. 3, P. Schönbor«. Vl. 1117. Tempclhosersw. 18», H. Reitmcister. IX, 5769. Wielandstr. 25», I. Strietzel. Fr. 71. Stegltts. Slhornstr. 27, P. Höhne. Albrechtstr. 36. P. Wiedehöst. Düppelstr. 26», F. Königer. "chtestr. 55, H. Meißner. orajtr. 23, C. Spcerschneider. ...aricndorscrstr. 79, W. Thiele. Schloßftr. 31. B. Schroeder. Slhildhornsw. 12, O. Krieger. „ 88. C. Feldmann. Schützenstr. 38, F. Müting, 8t. 137. 33, E. Friedrich, 8t. 191. 44, H. Megow, St. 79. SKdende. Potsdamerstr. 3, G. Moloisch. Steglitzerstr. 23, H. Hartrath. Dp. 66 Tempelhof. Berlinerstr. 40, M. Wagener. Tp. 131. 112, P. Pistor. Tp. 23. Dorsstr. 21, F. Graebert. 44, O. HUdcbrandt. Tp. 110. Wllmemdert'. Bemhardstr. 12, E. Gabberl. Wi. 528. Bingerstr. 79, C. Garke. Wi. 363. 81. A. Holz. Coblenzerftr. 25, O öii Güntzelstr. 29». F. Hildegardstr. 21»,/, Uhr, in den Germania-StUen, Chausseestr. 103: Zwölfte ordentliche General-Yersammlung. TageS-Ordnung: 1. Erstattung des Geschäftsberichts unter Vorlegung der Bilanz nebst Gewwn» und Verlustberechnung sür das Jahr 1303. 2. Bericht der Re- visionskommission. 3. Beschlußfassung über die Genehmigung der Bilanz und über die Verteilung des Ge- Winnes. 4. Beschlußfassung über den Bericht des VcrbandsrevisorS über die am 21. Februar ds. IS. vorae- nommene Revision. S. Bericht über den Verband der aus der Grundlage des gemeinschaftlichen Eigentums stehenden deutschen Baugcnossen- Ichasten. 6. Neuwahlen zum Aus- sichlsrat. 7. Beschlußsassung über den Gesamtdcwag, welchen Anleihen der Genossenschaft und Spareinlagen bei ihr nicht übersteigen sollen. 8. Be- schlußsassung über die Ausschließung von säumigen Genossen. 4172b Die Bilanz, sowie die Gewinn- und Vcrlustberechnung für das Jahr 1903 sind in der Geschästsstelle, Sickingenswaße 7, einzusehen. von Vorstand. L. Schmidt. Ernst Roscher. Gelegenheitskäufe in Dnmen» Konfektion! Kostüme von 12 M. 50 Pf. an Paletots von 7 M. 50 Pf. an Rücke von 3 il, 50 Pf. an» Reisemuster spottbillig Satnetunäntel-Tabrik Tanbenstr.£0, 1. Etage. 'wwwwwwwwwo w wd Orts- Krankenkasse der Stelln?acher. Sonntag, den S4. April, vorm. 9'/. llhr, bei Herrn Wllke, Brunneustr. 188: Ordentliche General'Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abnahme der Rechnung des Jahres 1303 und Bericht der Revisoren. 2. Ersatzwahl eines Vorslandsmit- gliedes(Arbeiigeber). 3. Die Arztsrage. 4. Verschiedene Kassen-Angelegen- heilen. Der wichfigen Tagesordnung wegen ist es Psiicht eines jeden Mit- gliedes, sowie der Herren Arbeitgeber, sür pünktliches und zahlreiches Er- scheinen Sorge zu wagen. 273/t ver Vorstand. I. A.: Heinrich Lehr, Vorsitzender. Krlmkemmterstiitzlmgs- und Kegrübmsverem der Kau- n. gewerblich. Hilfsarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, 17. Zlpril, vorm. IG/, Uhr, Langesw. 65: General-Versammlung. Tagcs-Ordnung: 1. Wrechnung vom 1. Quartal 1304. 2. Wahl eines ersten Schriftführers. 3. Vercinsangelegenheiten und Ver- schiedenes. Die Mitglieder werden ersucht zahl- reich zu erscheinen. Neue Mitglieder werben vom 16. bis 45. Jahre aus- genommen. Sonnabend, den 16. April fällt der Zahltag im Osten aus. 37/4 ver Vorstand. Unser« ausrichtigsten Dank allen Freunden und Bekannten sür die in so reicher Fülle dargebrachten Glück- wünsche zu unsrer am 12. April statt- gehabten Silbcrhochzeitsseier. 474b Varl Scholz u. Fran. Orts- Krankenkasse der Drechsler nnd verwandten Gewerbe Ordentliche General- Versammlung Montag, de» SS. April, abends 8 Uhr, im vrcsdcncr Garten, Drcsdenerstr. 43, wozu die Herren Verwetcr hiermit crgebenst eingeladen werden. Tages-Ordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Bericht des Rechnungsausschusses. 3. Bericht der Beschwerdekommissioii und evcnt. Neuwahl. 4. Beschlußsassung über die Acndcrungen des eingereichten Eta- tuts. S. Aerztefrage. 6. Regelung der Beamtengehältcr. 7. Verschic- denes. 480b ver Vorstand. I. A.: 0. liest, Vorsitzender. I prima Schnitzel & PfunO 1 Mark. RBckenfett ä Pfund SO Pfg. 2 Pfund 95 Pfg. Carl Schubert, Prinzenstr. 25 I Die Frauen � und die Politik � Bon Litt» Braun. Preis 50 Pfg. Agitations- Ausgabe 20 Pfg. In warme», zu Herzen dringenden Worten fordert die Verfasserin die proletarischen Frauen aus zu tätiger Mit- arbeit bei den Organisattous- beftrebungen derArbciter. Die Revolution der Maschine hat die Frau der Ausbeutung des Kapitalismus Sbcrantw ortet: die Maschine ebnet aber auch den Weg zur Besreiuna der Frau aus den ökonomischen, rechtlichen und ftttlichen Fesseln, in die vergangene gei- icn sie geschlagen haben. Die Verfasserin zeigt, wie dieses Ziel erreicht werden kann. von»Skt5 ssuchstznäluna Berlin SW. LS, Lindcnstr. 69 Thüringer Delikatcü- Stangenkäse Postliste(40 Stück) 3.20 Mark; franko Nachnahme. 419b 120 Stuck 8,20 M. franko deutsche Bahnstafion und Nachnahme, loh Schulze, Gr. Brembach S.-W. Preise• bettebtge Teil. zahlung. Olga Jacobson, Sonntags geöffnet! Maifeier-Abzeichen mit verschiedenen Einlagen Groß sorfiert Mark 3,—/ Nachnahme Dtz...— ,90 1 20 Vf. mehr. Rudolf Langer& Co., Weinböhla 16, bei Dresden. jay Jacketts n. Frauen- päletots Einzelverkauf billig Köpniltrrstr. 189, v. III, Schneider- Werkstatt. 460b Dieser steife, schwarze Hnt mitFuiter, moderne Form, bosttt 1,� M.' in grosser Auswahl. Lpedal-HuMBugroZluger nur neuesterModen. Einzelverkauf zu Fabrikpreisen im Comptoir Nene Königstr. 48, t Treppe, BV drittes Hans vom Alexander- Platz.-M> Gröftte Auswahl, aussergewöhnlich billige Preise. 4873L* Filimile lllr Herren. ÄÄÄPS'il T.Ä Qualität M. 8,50, extra feine M. beste Qualität M. 1,50 SW. Lindenstriche 69, Lnden. Schrifte« von Karl Marr: Das Kapital. Kritik der politischen Ockonomic. 233/1» 1. Sb.: Der Produktionsprozeß des Kapitals. 4. Aufl. M. 9,—; in Haibsrz. gcbd. M. 11.— 2. Bd.: Der Cirkulationsprozeß des Kapitals. 2. Aufl. M.8,—; in Haibsrz. gcbd. M. 10.— 8. Bd.: Der Gcsamtprozeß der kapitalistischen Produktion. Zwei Seile, M. 10,—; in Haibsrz. Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848—50. Atit einer Einleitung von Friedrich Engels. M. 1,— Der Bürgerkrieg in Frankreich. Adresse des Gencralrats der Jntcr- nationalen Arbeiter- Assodtitiun. !N.-,30 Enthüllungen über den Kommu- niste»- Prozefl zu Köln. Mit Einleitung von Fr. Engels und Dokumenten. M.—.2 Lohnarbeit und Kapital. Separat- abdruck aus der„Neuen Rheinischen Zeitung" vom Jahre 1849. M.—,20 Das Elend der Philosophie. Anllvort aus Proudhons„Philo- sophic des Elends". Deutsch von Ed. Bernstein und K. Kautskh. Mit Vorwort und Noten von Fr. Engels. Brosch. M. 1,50; gebd. M. 2,— Marx vor den Kölner 6)e- schmorcncn. Prozeß gegen den Ausschutz der rheinischen Demo- traten wegen Aufrufs zum be- waffnctcn Widerstand(9. Febr. 1849). Mit Vorwort von Fr. Engels. Neue Auflage. M.—,20 htevolution und Konter-Revo- lutio» in Deutschland. Deutsch von Karl K a u t S k y. Brosch. M. 1.50: gcbd. M. 2.— Der 18. Brumaire des LouiS Bonaparte. M. 1,— V Die weltbekannte IM Bettfedern Fabrik j GuftavLustig, BerlinK., Prinzen» I ftrade 46, versendet gegen Nachnahme garant.ncuc vettsedern d. Pfd. 5b Ps., chinesische palbdennen d. Psd.M.l,2S, »esse« Salddaunen d. Psd. M. I.TS vorzügliche Daunen d. Psd. M. 2.8S/ von diesen Donnen genüge» Z vis 4 Psund zum arohen Oberdrtl Berralknng srei. Preiil. u. Proben grati». Liele SnerkennungZschr., VlRvatvr Ookkontl. TUiflülmmZ: garantiert. „Versuchsbühne Deutscher Autoren." Berlin, Friedrichs tr. 243. Man verlange Prospekt. 87/11* Eigene Fabrikation prima Verarbeitung, tadelloser Sitz, vorzüglicher Schnitt, in allen Längen und Weiten, auch für ganz starke Damen vorrätig, schwarz und farbigi in den modernsten glatten und Phantasiestoffen..... 3.75, 5, 7, 10, 15 Mk, in Seidendamast.......... 20 u. 25 MIc. Amerikan. fussfreie Strassenröcke, regenecht 5, 6, 9, 10 Mk. Elegante Frühjahrs-Paletots, Jacketts. Sakkos, in Tuch, Rips und Phantasiestoffen.... 10, 12, 15, 20, 25 Mk. Elegante Phantasie-Paletots in Seide, Rips u. Tuch, weite Sackform, mit gezogenem Rücken... 20, 30 Mk. Havelocks u. Paletots in hellen, gezw. Stoffen 15, 20 Mk. Blusen-Jacketfs, elegant verschnürt... 10, 12, 15 Mk. letzte Neuheit, kleidsamste Fassons für junge Mädchen. Schwarze bestickte Frauen-Capes... 12, 15, 20 Mk. Reise- und Golf-Capes....... 9, 12, 15 Mk. Gummimäntel, Reisemäntel, Regenmäntel. 10, 12, 15 Mk. Frühjahrs-Costüme Moderne Formen Elegante Ausführung Jacken und Blusen-Costüme in neuesten Stoffen 12, 15, 20 Mk. EleganleStrassenkleiderin Blusen- u.Jackettforra 25,30, 40Mk. FuSfreies amerik. Jackenkleid, letzte Neuheit 15, 20 Mk, Trauerkleider in eleganter Ausführung. 18, 20, 25 Mk. Elegant garnierte Kleider in Voile, Satintuch und in den neusten Phanfasiestoffen..... 20, 25, 30 Mk. Seidenblusen, elegante Fassons 5.50, 7.50, 10 Mk. Woll- und Waschblusen.... 1.50, 2, 3, 5, 6 Mk. Morgenröcke, Matinees und Jupons.. Sieimann tz Hosenberg „ Kommandantenstr., Ecke Lindenstr. , Massanfertigung. [HTM» Sie unterstützen die einheimischen Arbeiter und die einheimische Landivirtschaft, wenn Sie L-eclig's Stern- Kaffec-Zusatz kaufen, denn dieser altbekannte, vorzügliche Cichorien- Kaffee wird nur aus erstklassigen württembergischen Cichorien- wurzeln hergestellt, während zu andren Konkurrcnzsabrikaten ost- mals minderwertige, ausländische(belgische) Cichorienwurzeln Verivcndung finden. Lassen Sie daher Skr sskönes Geld nicht ins Ausland wandern, sondern verlangen Sie ausdrücklich:»Seclig's Stern- Kaffec-Zusatz". Jedem Paket liegt eine Sparmarke bei; sammeln Sie dieselben, so erhalten Sie ein entsprechendes Quantum Seelig's Stern-Kaffee-Zusatz lostcnsrei als Prämie und erzielen dadurch im Lause des Jahres eine >Äl 'ßsjiiauj;aii8; �ßERÜN- Empfehlen unser helles u. dunkles Tafelbier: Gambrlnusbräu(Münchener) Nepomukbräu(Pilsener) Sobmisches Brauhaus no. Fass• Abteilung: Liamlsbcrg/cr Allee 11/13. T. VII. 5088. Flaschen-„ Frledcn-Strasse 03. T. VII. 1670. Unsre Original-Ähzutj-Flaschenbiere in fast allen K olomalwarcn-Randlungcn. Zum Sportshaus Ziegenhals, Post Zeuthen. Fernsprecher: Amt Königs-Wusterhausen 75. Empfehle de» geehrten Vereinen, Fabriken und(Sesellschatten mein herrlich am lZrossin-8ee bei Rauchfangwerder gelegenes Lokal zur bevor- stehenden Saison. Ich bin durch Ausbau und Renovierung meiner 8äle, Hallen und Gartens im stände, bis zu 2000 Personen zu bewirten. Eigene Waldung, Dampserstcge.Kassecküche, Kegelbahnen, Bootsverlcihung, Elektr. Orchestrion und Belustigungen aller Art. Speisen und Getränke in bekannter Güte. Indem ich hoffe, das mir bis jetzt entgegengebrachte Ver- trauen auch weiter entgegenzubringen, zeichnet Hochachtungsvoll Kar Hörschel. Bestellungen aus mein Lokal nimmt auch in Berlin, Dirkscnstr. 39, Tel.-Amt III, 1813, der Verband Deutscher GastwirtSgehilsen entgegen. KL. Billige Dampfer stehen zur Vcrsügung. 4785L* Erhebliche Ersparnis in Ihrer Wirtschasts-Kasse. Möbel-Fabrik 3u!ius flpelt, Skalitzerstr. 6, u. Lager kompletter Wohnungs-EinriGhtungen zu Fabrikpreisen— eigne Werkstfitten— empfiehlt am Kottbuser Thor. Clmrlottrniiura. Leibnizstr. s, Restaurant zur alte» Linde. 4S1IE» abgejoasste�JFensteiv weiss und creme FÄr»• 2M, 3, 4M Eleg. Secessions-»»<85 Tüll-Stores■ Gestickte echte« C65 Spachtel-Stores'® Goldfarb. reich- gestickte Erbs- H A35 ttill-Stores Gardinen-Specialtaaus n 0ranienslF.lS8,Bei,Un s. ßsiriHllMI-Katal0? mit vires llitl ItinCU' 600 Abbildungen gratis und Warme Speisen zu jeder Tageszeit. j47542*] A. Röttger. Wurst en detail en gros Grosser Umsatz! Billige Preise! Pfd. Rotwurst u. Zwiebelwurst 0,50M. Mettwurst u. Polnische 0,65, Hausmacher-Leberwurst 0,00, Hausmacher-Fleischwursf 0,85, Braunschweiger Mettwurst 0,80, ThüringerKalbsleberwurst OAO, Kaiser-Jagdwurst 0,90, Weiche Salami u.Schlackw. 0,95, Pa. Holsteiner Schlackw. 1,25, „„ Salami 1,25. „„ Schinkenw. 1,10( Prima fetter Landspeck 0,60. „ magerer Landspeck 0,65. „ Landschinken 1,00. „ Rollschinkeno. Knoch.1,15, Bei'Abnahme v. 5 Psd. Preisermätz. A, Meyer, Berlin N., Weinbergsweg 11. Ww Dr. Schünemann Specialarzt sür Haut-, Harn- und Frauenleiden,«eydeistr.». '/.l»-'/,S,'/„Ö-'/jS, Sonnt. 9-11 JCleine ßnzemen. W w als IS Buchstaben zählen doppelt. JKßmKSmi Ml|r Strasse« Anzeigen ZmmerTfatn den Annahmestellen für Berlin bis I Vhr.filr die Vororte bis! iUbr, : der Hauptexpedition Lindeu- strasse69 bis S Uhr angenommen. Verden trlin jA Verkäufe. Restauration billig verkäuflich, voller Schank. Zahlstelle, Verein. 'Auskunst Krause, Cigarrengcschäst, Biescnthalcrstratzc II._ fllO* Wardincnhaus Große Franksurter- stratze 9, parterre. f37» BorjährtgeHerrenanzüge, Winter- Paletots, Beinkleider, aus feinsten Matzstoffen spottbillig täglich, zurück- gesetzte Paletots, Beinkleider. Anzüge, Havelocks, Joppen entsprechend bst- ligcr. Sonntagsverkaus. Deutsches Versandhaus, Jägerskratze 63, I.* Ueberzteher. Herrenanzüge, wenig getragene Monatsgarderobe von 6 Mark an, grotze Auswahl, sür jede Figur passend, auch neue, zurück- gesetzte, kaust man am billigsten direkt nur beim Schneidermeister Fürstenzclt, Rosenthalerstratze 15 III. 108/17» Tamenjacketts, hochelegante Reise- nnistcr, teils aus Seide, 7 Mark. Posten Similiscidcne Steppdecken statt 8 Mark durchweg 3,75, Posten FraucncaPcS für die Hälfte verkauft Julius Ncumann," Bellealliance- stratze 105._ 223'2K* Krawattenstoffe, grötzte Auswahl. Wallnertheaterstratze 30. 4156 Tcppiche, Betten, Gardinen, Portieren, Steppdecken, Wäsche, Tisch- decken, Regulatoren, Anzüge, Sommer- paletots, Rcmontoiruhren, Uhrkcttcn, Spiegel, Bilder, Möbel spottbillig Leihhaus, Neanderstratze 6. Teil- Zahlungen gestattet._ 89/13* Betten. Gardinen, anerkannt spott- billigste Bezugsquelle PsandleihhauS Weidcnweg 19._ föö Gteppdecken. Tischdecken, Teppiche spottbillig PsandleihhauS Weidenweg Nr. 19._+55* Regulatoren, Freischwinger, Spiegel, Küchenrahmcn spottbillig Pfandlcihhaus Wcidcnwcg 19. iöö* Taschenuhren. Herrenkciten, Damenkettcn, Schmucksachen spott- billig Psandleibhaus Wcidcnwcg 19.* Trauringe. Aussteuerwäsche spott- billig PsandleihhauS Weidenweg 19.* Bettinlette, Bettbezüge, Bett- lakcn spottbillig PsandleihhauS Weiden- weg 19._ 1-35* Sommerpaletots, Jackettanzüge, Herrenhosen, Damensachcn, Riesen- nuswahl, spottbillig, PsandleihhauS Wcidcnwcg 19. Verkaufszeit bis 9 Uhr abends. stau Teppiche! ssehlerhaste) in allen Grötzen sür die Hülste des Wertes iin Teppichlager Brünn, Hackescher Markt 4, Bahnhos Börse. 93/22* Möbelvcrkauf. In meiner Möbel- Fabrik, Gneisenaustraße 15, am Hallcschen Thor, stehen viele Woh- nungs-Einrichtungcn, verliehen ge- ivescne und neue Ausstattungen zum sehr billigen Verkauf. Teilzahlung bei ganz geringer Anzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. Ich licscre gediegene Einrichtungen sür 150. 200, 300, 400 Mark, hoch- elegante von 500 bis 10000 Mark. Ganz besonders cmpsehlenslvcrt ist der grotze Vorrat verliehen gewesener und zurückgesetzter Möbch die noch fast neu und im Preise bedeutend herabgesetzt sind. Kleidcrspind 24, Kommode 18, Sofa mit Auszug 30, Bettstelle mit Matratze 20, Muschclspinde, Vertikos 36, Salougarnitur, Plüsch garnituren 105, Muschelbettstellcn mit Matratzen 40, geschnitzte Büffctts, Bücherspindc, PancclsosaS mit Satteltaschen 85, Schreibttsch 40, Englische«schlas- zimmer, Speisezimmer, SalonS, auch Jugendstil. 2177K* Säulentrumeau, geschlissen, vierzig Mark, elegantes Pancelbrett sechs Mark. Strautzbergerstratzc 6a I. 89/12 SofnS, größte Auswahl, von 21 Mark an, direkt in der Fabrik Blumenstratze 35 b. 2174K* Teppiche mit Farbensehlern Fabrik- Niederlage Grotze Franksurterjlratze 9, parterre. st3?* Fahrrader, Teilzahlungen, hundert- fünfzehn Mark, Jnvalidenstratze 143 (Eingang Bergstratze). SkalitzA.-- stratze 40, Grotze Franlsurterstratze 56. Nähmaschinen sämtlicher Systeme ohne Slnzahlung, Woche 1,00, Post- karte genügt. Frankfurter Allee 10, am Ringbahnhof._ st 142* Nähmaschinen sämtlicher Systeme ohne Anzahlung, wöchentlich 1,00. Fünf Jahre Garantie. Alte Maschmcn nehme in Zahlung. Wienerstratze 6, Bellealliancestratzc 78, Ackerstratze 113. Nähmaschinen ohne Anzahlung, 6,00 Vergütung. Postkarte. Breilholz. Rodenbergstratze 39. 454b* Nähmaschinen. Vergüte bis 10,00, wer Teilzahlung Nähmaschine kaust oder nachweist. Alle Systeme, Woche 1,00. Postkarte erbeten. Lorchcrt, Zorndorscrstratzc 50._ 139117* Hienfong-Esscnz für Wiedervcr- käuser 1 Dutzend 2,50 Mark(30 Flaschen 7 Mark kostenfrei überall hin). Laboratorium Paul Seifert, Dittersbach Nr. 75 bei Waldenburg (Schlesien). 397b Nähmaschinen, gebrauchte, Wheelcr-Wilson von 8 Mark und Langschiff von 10 Mark an. Bell- mann, Gollnowftratzc 26. 22t2K' Malzkraftbier, blutbildend, für Blutarme, Brustkranke, Schwächliche, Gewichtszunahme, bessere Gesichts- färbe, überraschend, 14 Flaschen 3 Mark, Tonne 3,50 exklusive. Nicht Flaschenzahl, Qualität ent- scheidet. Porter- Kellerei Ringler, Bernauerftratzc 119. 103/11 Borjährige hochelegante Herren- anzüge und Paletots aus feinsten Matzstoffen, 25 bis 40 Mark. Zurück- gesetzte Anzüge, Paletots, Beinkleider, Havelocks, Gummimäntel, Joppen werden sür die Hälfte der bisherigen Preise verkauft. Versandhaus Ger- mania, Unter den Linden 21. 2166K* Steppdecken billigst Fabrik Grotze Franlsurterstratze 9, parterre. st 37� Jefft Ritterstratze 125. Taschen- uhrcn reinigen 75, Feder 75, Wecker 60. Zwei Mark vicrtcldutzcud Damen- Hemden, Herrenhemden 3,30, große Bettlaken 1,30, Handtücher, Tischtücher, Servietten, Normalwäsche, fvottbillig. Wäscheausslattungs- Fabrik' Adolph Salomonsky, Dirckscnstratze 21(Alex- anderplatz). 111/4 Singermaschine umständehalber billig. Koch. Bremersttatze 56. st86 Singermaschine, säst neu, um- ständchalbcr spottbillig. Moabit, Olden- burgcrstratze 8, Gemüseladen. st86 Berkaufe billig gutes Bett, Gar- dinen, Stores, Plüschtischdccke, Teppich, zwei elegante Steppdecken, Hoffmann, Naunynstratze 52.__ 475b Damcnkleider, sämtliche Kinder- garderobe, fertigt billigst, auch aus- bessern, modernisieren alter Kleider, Delling, Kvttbuscrdamm 32. st126 Restauration, gutgehend, krank- hcitshawer preiswert zu_ verkaufen. Auskunst: Ramlow, Schönhauser Allee 135. � st33* Grünkram-, Materialien-, Holz- und Kohlcngeschäst ist billig zu ver- kaufen. Ringbahnsttatze 27. st 132* Herrenrad, hochelegant, umstände- halber jeden Preis, Schönhauser Allee 9, Qucrgebäude II. 108/18 Plüschgarnitur, Chaiselongue, Taschcnsosa, Chnussceslratze 95 I. 110/3 Bauparzellen am Vorortbahnhos Rüdersdorf! Guter Gartenbodcn. Quadratmeter 75 biß 90 Pfennig, kleine Anzahlung: Stratzcnland und Bäume gratis. Bebauungsplan ge- nehmigt; kein Bauzwang. Böhm, Kleine Andrcasstratze 17. Beck, Michaelkirchplatz 18. 471b* Ringschiffcheu. Bobbin, Schnell näher, ohne Anzahlung, Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Köpnickerstratzc60/6l, Prenzlaucrstratze 59/60 und Grotze Frankfurt erstratze 43._•(■98' Kupferschmiede- Einrichtung zu verkaufen. Näheres Kopp ensttatze 12 1. Verscbiedenes. Unfallsachen-Rechtsbureau Putzger. Steglitzerstratzc fünsundscchzig.s2219K Patentanwalt Dammann, Ettw nienstratze 57, Moritzplatz._ 3026* Rechtsburcau!(Andreasplatz), Grünerweg vierundneunzig. Lang- jähriger Gcrichtsbeistand I_ Rat» erteilung! Eingabengesuchel Steuer- berufung!_ 4096* Rechtsbureau(0,50 Raterteilung), Stcucrsachcn, Gerichtsklagen, Straf- lachen, Unsallsachen, Schankerlaubnis, Eingabengcsuche, Psändungssachcn. Pctsch, Brunnensttatze 97._ stllO* RechtSburea»(Alexander-Platz), Kurzestrntze achtzehn! Gcrichtssachcn, Interventionen, Strassachen! Rechts- Hilfe! Eingabengcsuche!_ Ul/l* Wer Stoff hat? Fertige Herrenanzüge mit Futtersach en 1 5,00. Wagner, Schneidermeister, Lichtenbergersttatze 9 (Pallisadenstratze). Auswahl Anzug. rcste billigst.___ 89/18 Kunftstopferei von Frau Kokosky, Steinmetzsttatze 48, Ouergebäude hoch- parterre. AufPolsterung! Sofa 5,00, Matratze 4,00, auch autzcrm Hause. Bachmann, Blumenstratze 35b. 2173K* Darlehen vcrgiebt Selbstgeber, diskret. Tietze, Posenerstratze 23. Rück- porto. 410b* Pfandleihe. Geld aus Wertsachen, Verkauf von Teppichen. Müller, Zosscnerflratze 35. 87/5 Pfandleihe. Prinzenstratze 63, Ecke Ann«, stratze, täglich 8—8, sonntags bis 2 Uhr geöffnet. 2235K* Pfandscheine kaust Pfandleihe Prinzenstratze 63._ 2236M' Wernaus Festsäle, Schwcdtcr- stratze 23, zu Sommerscstlichkciterl verschiedene Sonnabende und Sonn- tage noch zu vergeben. 2245K* RechtSburea» Brunnensttatze vierzig. Langjähriger Prozctzbciswnd, Ehcklagesachen, Straffachen, Alimenten- suchen, Steucrsachen, Eingabengesuche, Raterleilung. 479b- Rechtsbnreä«, Gerichtssekremr, früherer, Andreassttatze 33. Sonn- tagsdiensL 461b* Fahrräder kaust, beleiht Ratzlaff, hönhauser Allee 163a. 108/9* RechtSburea»� Vorsteher, früherer. Pücklerstratze 15. Sonntagsdienst.>st27 Steuersachcu. Eingaben aller Art werden angefertigt Ackerstratze 146, III rechts. 462b Vermietungen. Zimmer» Borderzimmer, großes, leer, gleich oder später an kinderlose Mieter Mariaitnensttatze 4. st28* Möbliertes Zimmer Köpnicker- stratze 25, Hos III. Inklusive 17,00. Möbliertes Zimmer für einen oder zwei Herren Chaussccjttatze 2, 1. Ouergebäude IV bei Fischer. Direkt Oranienburger Thor. 470b Sedlskstellen. Teilnehmer für möblierte Schlaf- stelle sucht Witwe Jacobey, Kolberger stratze 26._' Anständiges Mädchen findet Schlafstelle. Meier, Köslinerstratzc 13. Freundliche Schlafstelle Buckowcr- sttatze 7. Biercntc. 110/4 Möblierte Schlafstelle sür einen auch zwei Herren Mariannensttatze 50, vorn 2 Treppen. Mitzling. st28 �rdeitsmarkt. Stellenangebote. Brunnenbauer verlangt Höhne, Ncuendors b. P., Schulstratze 1. Meldung schriftlich. 452b Reisende, Händler! Mottenplattcn. Hiensongesienz, Gcbirgsthce, Harlemer Tropfen. Agnes Ostcrmann, Schön- hauser Allee 141. st33 Sandsteinmek aus Grabdenkmäler, der auch schrist hauen kann ver- langt sofort Julius Adam, Königs- bcrgcrftratze 18. st56 Ei» guter Graniffchristhauer erhält sofort lohnende Bcschäsrigung bei P. Itter, Grotz-Lichterselde, Moltke- sttatze 20._ 4786* Phantasicfeder«. Geübte Arbeite» rinnen verlangt A. Theile, Dresdener- stratze 35._ 110/5 Kammmacher, Bieger Kammsabrik, Ehaussecstratze 82. Karton- Arbeiterinnen verlangt Pape, Blumenstratze 30. 476b Arb e iterinne» aus Knabenblusen 1—6 verlangt Roscnthalersttatze 44. Meldung von 3 Uhr ab. 108/19' Näherinnen aus Oberhemden ver. langt I. Gottheim, Wäschesabrik, Elisabethstratze 22. 111/2 Im ZlrbeitSmartt durch desondere« Druck hervorgehobene ««zeige» kosten 10 Pf. pro Zeile. Gesucht ein nur ganz tüchtiger 135/15* Feingieher, speciell auf ischristen und Ornamente in eine Metallgießerei der Schweiz. Bei tüchtiger Leistung hoher Lohn. Gcfl. Offerten mit ZeugniSkopien und Lohnansprüchen unter l'c SS39 Z an Haasenslein& Vogler, Basel. Achtung, Holzarbeiter! Zuzug ist streng fern zu halteir vo» Bautischlern, Einsetzem nach der Werkstatt gi/g Ann««, Lichtenberg, Hagen- straffe 55. Für Tischler. Drechsler, Bildhauer, Polierer. Maschinen arb eiter: FrUnkcl, Waldemarstr. 14. Brnns, Polstermöbel-Fabrik, Chorinerftraffe S«. Fcmer ist Zuzug fern zu halten nach Ehariotteu- bürg, da dort Bautischw und Einsetzer im Streik stehe- kWn, Leiterperiistliauen Die Differenzen bei der /irma JPaiRli Ä Co.(Altin�nn), Eharlottenburg, sind no; nicht beigelegt. Zuzug sür Leittgerust. baucr ist bis aus weiteres scengstens fernzuhalten.. 67/17 Hie Sektiexsleitung. Detacheure, Plätterinneu � Weiffensec, Langhnusstraffe A- bei hohem Lohn gesucht Grbr. Allenbergs Färberei B.erantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts BuKdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW1.