Ur. 90. RbonnementS'ßedlnsunscn; Abonnements- Preis pränumerando Z Nerteljährl. Z,Z0 Mb, monatl, t.lv Mb, wschentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer K Pfg. EonntagS» nummer mit illustrierter SonntagS- Beilage»Die Neue Welt" lv Pfg, Post» Abonnement: l.tO Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungS- PreiSIists, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. 21. Jahrg. CrtcStiDl tiig»« außer Montag». Devlinev VolksvlÄkk. vle Inlertlsns-eebilhk vekSgt für die fechSgefpaltenc Kolonel» geile oder deren Raum<0 Pfg,, für politische und gcwerlschasMche Vereins- und VerfammlungS-Anzeigen 2S Pfg. „Kleine ZZnreigen", das erste fsett- gedruckte) Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 1 Uhr abends, an Sonn- und Festtageil bis 8 Uhr voru>ittags geöffnet, Telegramm. Adresse: „Sozlaliuinoknt Rcrlln", Zentralorgan der fozialdemokrati fehen Partei Deutfcblands. Redaktion: Süll. 68, Ltndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 198B. Sonntag, den 17. April 1904. Expedition: Süll. 68» lUndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. S. C. M. 88. 03. 74 Abschrift. In der Strafsache yegen bcn Journalisten Julius Kalisli aus Berlin, geboren am 6. Juli 1877 zu Samter, LandgerichtSbczirl Posen, mosaisch. wegen Beleidigung durch die Presse hat die dritte Strafkammer des Königlichen Landgerichts I in Berlin am 16. Oktober 1903 für Recht erkannt: Der Angeklagte Kaliski wird wegen Beleidigung durch die Presse zu 4— vier— Monat Gefängnis, auch in die Kosten des Berfahrcns verurteilt, Die Artikel betreffend die Kaiserinsel in den Rummern 196 und 197 des„Vorwärts" sowie die zu ihrer Herstellung bestimmten Platten und Formen sind unbrauchbar zu machen. Dem Beleidigten, Hofmarschall Herrn von Trotha, wird die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung des Angeklagten Kaliski auf Kosten des letzteren durch je einmalige Einrnckung in den„Vor- wärts" und die„Neue Preußische Zeitung" binnen vier— 4— Wochen nach Zustellung des rechtskräftigen Urteils bekannt zu machen, Die Richtigkeit der Abschrift der Urteilsformel wird beglaubigt Und die Vollstreckbarkeit des Urteils bescheinigt. Berlin, den 7. April 1904. OL S.) gez. Schöne. Gerichtsschreiber des Landgerichts I. Strafkammer 3. Koloniale Sorgen. Die Lage auf dem Kriegsschauplatze scheint nach den letzten Rachrichten eine ziemlich kritische geworden zu sein, Gerade das, was man nicht meldet. waS sich aber un- schwer zwischen den Zeilen lesen läßt, legt die Vermutung nahe. baß der Kampf gegen die Hercros viel schwieriger ist, als man sich eingebildet hat. Am 4. April erlitt die Abteilung des Majors Glasenapp bei Okaharui eine empfindliche Schlappe, bei der sie allein 33 Tote verlor. Okaharui liegt 70 Kilometer ostnordöstlich von Oka Hand ja. Räch dem Gefecht marschierte Glasenapp nach Oujatu, 20 Kilometer nordöstlich von Okaharui. Seit dem hat man seit zwölf Tagen keine Nachricht mehr von ihm erhalten, was sich daraus erklärt, daß starke Hcrero-Trupps sich zwischen ihm und der Abteilung des Obersten Dürr befinden. Das Detachement des Letzteren griff am 9. April die Hereros bei Onganjira au, 30 Kiloineter östlich von Okahandja. Es erfocht nasch achtstündigem Gefecht, das erst mit der Stacht endete, einen „Sieg L Die HereroS wurden zurückgeworfen, ein Teil wandte sich nach Nordeen, ein andrer Teil nach Nordosten, der Gegend zu. wo sich Glascnä'vp befand. Selbst dste bürgerliche Presse äußerte damals schon Besorgnisse, daß Glasenapp durch die Vereinigung dieser Herero- Abteilungen mit denjenigen,.die ihm am 4. April so schwere Verluste beigebracht hatten, in euie: gefährliche Lage gebracht werden könne. Man hoffte aber, iiaß die Truppe des Oberst Dürr den Hereros auf dem Fuße folg,:» und Glasenapp zu Hilfe kommen werde. Aber der„Sieg" vom 9:. April scheint kein derartiger gewesen zu sein. daß er die Hereros)zu rascherem Rückzug genötigt hätte. Das be- weist die gestrige. Meldung über ein neues Gefecht bei Okatumba. bei ldem die deutschen Truppen ziemlich schwere Ver- luste erlitten: 8 Tot>e, 8 Schwer- und 5 Lrichwcrwundetc. Okatumba liegt kaum zwei deutsche Meilen entfernt von Onganjira. Da das Gefecht bei Okatumba am 13, April stattfand, hätten sich danach in vier Tagen die Herer os ganze 15 Kilometer weiter nach Osten zurück- gezogen gehabt I Hii izu kommt noch, daß über den Ausgang dieses letzten Gefechlies auch heute noch keine Nachricht v orliegtl Ein„Wolff"- Telegramm vom 16. April. 2 Uhr nach- mittags meldet vielinchr: „Ein tclegrchphischcr Bericht über den Ausgang des Gefechts bei Okatumba ist i bis jetzt an amtlicher Stelle nicht eingegangen." Das ist doch-eine auffallende Saumseligkeit! Oder ist das Gefecht diesmal nicht siegreich gewesen? Wie dem aber auch sei: So viel kann jedenfalls als feststehend angenommen werden, daß die Hereros sich noch immer zwischen der westlichen und der östlichen Truppenabtcilung ibefinden, daß sie an Widerstandsfähigkeit— das beweisen die deutschen Verluste!— noch nichts eingebüßt haben und deshalb noch wohl im stände sind, der durch die früheren großen Verluste— ca. 60 Tote und gegen 30 Vcrlvmidete— geschwächten Abteilung des Majors Glasenapp weitere empfindliche Verluste bei- zubringen. Sogar der mit Regierungslreisen in Fühlung stehende„Lokal- Anzeiger" schreibt in seinem heutigen Wendblatt: Ernste Besorgnisse erregt in hiesigen kolonialen Kreisen das Ausbleiben jeglicher Nachricht über das Schicksal der Kolonne Glasenapp. Nach dem siegreichen Kampfe der Haupt- abteiluug unter Lcutwein bei Onganijira geriet die Kolonne Glasenapp dadurch in schwierige Lage, daß die in diesem Gefecht zersprengten Herero, die auf mindestens 2000 Gewehre zu schätzen sind, auf den damaligen Standort Glasenapp? abgedrängt wurden. Glasenapp dürfte noch über 350 Streiter v e r f ü g e n. Wenn nian auch, was das Nachrichtenwesen betrifft, mit den äußerst schwierigen örtlichen Verhältnissen zu rechnen hat. so muß doch das Fehlen jeder Meldung um so mehr Befremden erwecken, als sicherlich die leitenden Männer in Berlin sowohl wie in Süd- westafrika alles aufgeboten haben werden, mit Glasenapp in Verbindung zn bleiben. Hoffentlich werden schon die Nachrichten der allernächsten Zeit die Besorgnisse zerstreuen." Sollte es noch immer nicht angebracht sein, die von Maharero angebotenen Verhandlungen aufzunehmen? Natürlich ohne ver- räterische Vorbehalte! Der deutsche Gesamtverlust ist durch das letzte Gefecht bereits auf 06 Tote und 69 Verwundete ange- wachsen. Die südwest-afrikanische Sandwüste ist also genügend auch mit deutschem Blute gedüngt! Inzwischen ist der Dampfer„Feldmarschall" mit Verstärkungen für Dcutsch-Südwestafrika am Donnerstag in Swakopmund eingetroffen. Der„ Feld ni arschall" brachte Truppen in Stärke von 400Mann mit 14Offizieren und 3Aerzten. Es wird aber wohl cineReihe von Tagen vergehen, bevor diese Truppen auf dem Gefechtsschauplatz eintreffen werden. Und auch ihre Ankunft wird an der Gesaintlage nicht allzuviel ändern. Die Hoffnungen auf eine Einkreisung der noch zwischen den beiden Abteilungen stehenden Hereros sind nach den bisherigen Erfahrungen recht geringe. Die Hereros werden sich nach etlichen weiteren Gr- fechten nach Norden und Osten zurückziehen. Ihre Verfolgung wird Monate in Anspruch nehmen, und ihr schließliches Entweichen über die Grenze wird selbst bei Beschaffung eines zahlreichen Pferde- Materials kaum verhindert werden können. Gelingt es aber einer stärkeren Hereromacht, die Grenze zu überschreiten, so Ivird die Kolonie es auf lange Zeit hinaus mit einem erbitterten und zu Einfällen geneigten Rachbarn zu thun bekommen. Das ganze Kriegsabenteuer kann uns also ungeheuer kostspielig werden l Oberst Dürr erkrankt? Frankenthal» 16. April. Nach einer Privatdepesche des „Frankenthaler Tageblattes" trifft der W ö r m a n n- Dampfer mit dem erkrankten Ober st Dürr, dem Leiter des südwe st afrikanischen Expeditionscorps bereits am 28. d. Mts. in Deutschland ein. Dürr ist also bereits auf dem Heimwege, worüber amtlich noch nichts mit- geteilt worden ist._ Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Ein neues Bombardement Port Arthurs. Petersburg, 16, Llpril. Die russische Telegraphenagcntur meldet aus Port Arthur von gestern: Heute früh 6 Uhr erschien am Hori- zonte ein kleines feindliches Geschwader, entfernte sich jedoch bald wieder. Um 10 Uhr kamen 23 feindliche Schiffe in Sicht, die sich in zwei Gruppen teilten; die eine nahm Aufftellung hinter Liautieschan und beschoß das Ufer und die Tigerhalbiusel, die andre beschoß von der Reede aus den Goldenen Berg und die übrigen Batterien. Das Feuer dauerte mit Unterbrechungen bis 1 Uhr nachmittags. Unsre Schiffe antivorteten mit indirektem Feuer; ein Schuß beschädigte einen japanischen Kreuzer; nach andern Meldungen erlitten zwei Schiffe Beschädigungen. Den Befestigungen und der Stadt fügte der Feind keinen Schaden zu; getötet wurden einige Chinesen, verwundet 2 Chinesen und 2 Russen. Was die angeblichen Beschädigungen japanischer Schiffe anlangt, so ist zu berücksichtigen, daß Japans Flotte längst nicht mehr existieren würde, wenn alle von russischer Seite gemeldeten Beschädigungen der japanischen Motte der Wahrheit entsprochen hätten I Pctropawlowsk durch ein japanisches Unterseeboot vernichtet't Nach einer neuesten russischen Darstellung soll der Untergang des Panzerschiffes„Petropawlowsk" und die Beschädigung des Panzerschiffes„Pobjeda" nicht durch Minen, sondern durch ja- panische Unterseeboote verursacht sein. Die russische Presse spricht jetzt die Ueberzeuguug aus. daß die Panzerschiffe„Petropawlowsk" und„Pobjeda" durch japanische Unterseeboote gesprengt ivorden sind, da die„Pctropawlowsk" im Augenblick der Explosion ruhig stand. Die Beschädigung der «Pobjeda" sei nicht schwer. Tiefes Bedauern rufe das vorzeitige Ende des bekannten Schlachtenmalers Wereschtschagin auf der „Petropawlowsk" hervor, der erst wenige Tage vorher in Port Arthur eingetroffen war. Die russischen Flottenverluste. Englische Blätter bringen folgende Aufzeichnung der bisher im fernen Osten verloren gegangenen oder kampfunfähig gem achten russischen Schiffe: „Petropawlowsk". Linienschiff, gesmiken bei Port Arthur am 13. 4. 04. „Pobjeda", Linienschiff, vom Torpedo getroffen am 13. 4. 04. „Zarcivitsch", Linienschiff, vom Torpedo getroffen am 9. 2. 04. „Retwisan", Linienschiff, vom Torpedo getroffen am 9. 2. 04. „Pallada", gedeckter Kreuzer, vom Torpedo getroffen am 9. 2. 04. „Warjag", gedeckter Kreuzer, gesunken am 9. 2. 04. „Korejetz". Kanonenboot, gesunken am 9. 2. 04. „Jenissei", Mi n cn- Tr an S p 0 rts ch i f f, gesunken am 11. 2. 04. „ W n u s ch i t e l n i", Zerstörer, gestrandet am 24. 2. 04. „Stercgnstschi", Zerstörer, gesunken am 10. 3. 04. „Strastschni", Zerstörer, gesunken am 13. 4. 04. Zusamnien vier Linienschiffe, zwei gedeckte Kreuzer. ein Minenschiff. ein Kanonenboot, drei Z e r st ö r e r. Ferner wurde als kampfunfähig gemeldet der gedeckte Kreuzer„Bojarin" und als beschädigt das Linien- schiff„Poltawa". Ueber den Zustand dieser beiden Schiffe weiß man mchts Bestimmtes. Beschädigt und wieder ge- brauchs fähig gemacht wurden vier Schiffe, nämlich die gedecktenKreuzer„Nowik",„ASkold" und„Diana" sowie das eben jetzt wieder als beschädigt gemeldete Linienschiff „Poltawa". 1 Ein angeblicher russischer Landsieg. Aus Petersburg meldet„Standard": Admiral Togos Flotte eskortierte einem hier im Umlauf befindlichen Gerücht zufolge eine Anzahl Transportschiffe nach einem Punkte westlich der Mündung des Dalu, wo die Aus- schiff« ii g der Expedition begann, ohne daß die Japaner bemerkten, daß die Russen im Hinterhalt lagen. Als zwölf- tausend Mann japanischer Truppen gelandet waren, griffen die Russen an und trieben die Japaner zu ihren Schiffen zurück, wobei die Japaner schwere Verluste an Mannschaften und Geschützen hatten. Ferner wird gemeldet, das W l a d i- wostok-Geschwader s ei Ivieder ausgelaufen. Derartige russische Landsiege, die unter genau denselben Um- ständen stattgefunden haben sollten, sind wohl schon ein Dutzendmal gerüchtweise gemeldet worden. Eine Bestätigung ist n i ch t e i n- mal eingetroffen. Der offizielle russische Telegraph weiß auch heute nichts von diesen: neuesten Sieg zu melden. ES handelt sich also auch diesmal wieder nur um eine unwirksame Beruhigungspille. Eine neue Katastrophe vor Port Arthur? Petersburg, 16. April.(Laffan-Meldung.) Unter Vorbehalt wird gemeldet, bei einein neuen Angriff der japanischen Flotte auf PortArthur und daS russische Geschwader am gestrigen Freitag sei das Schlachtschiff„Sewastopol" unter- gegangen und ein andres Schiff beschädigt worden. Eine amt- liche Bestätigung dieser Nachricht fehlt noch. Die Lage am Nal«. Tokio, 16. April.(Meldung des„Renterschcn Bureaus".) Privat- Nachrichten aus Korea bestätigen die Nachricht, daß die Rüsten 20 000 Mann ans de>n rechten Ufer des Ualu konzentrieren nnt der Absicht, sich dem Eindringen der Japaner in die Mandschurei zu widersetzen, obgleich es zweifelhaft ist, ob sie die Mündung des Flusses beherrschen. Die Japaner geben keine Andeutung über ihre Absichten, sie versammeln große Streitkräfte am linken Ufer, aber es ist nicht bekannt, wann und wo sie den Uebergang versuchen werden, doch man ist hier überzeugt, daß sie, sobald ihr Auf- marsch vollendet ist, den Uebergang ohne große Verluste erzwingen werden._ politifcbc Qebcrficbto Berlin, den 16. April. Der Reichstag führte am Sonnabend die Debatte über den Etat deS Reichskanzlers endlich zum Abschluß, obwohl es zuerst so schien, als sollten die Erörterungen über den Kirchhof von Fameck, das polnische Ansiedlungsgesetz und die agrarischen Klagen gar kein Ende nehmen. Herr Dr. Bachem jammerte eine geschlagene Stunde darüber, daß durch rohe Polizei— man denke— die Oeffnung eines katholischen Kirchhofes für die Beerdigung einer protestantischene Leiche erzwungen worden sei. Dabei erlaubte er sich, den Rchtsanlvalt Blumenthal als Winkeladvokaten zu beschimpfen. Den Ordnungsruf dafür erhielt er vom Grafen Ballcstrem am Schlüsse der Sitzung zugestellt. Dasselbe Thema wurde vom elsässi- schon klerikalen W e t t e r l s breit erörtert und ein polnischer Redner wiederholte nochmals die Kritik am neuen Ansiedlungsgesetz. Die Agrarier bemühten sich, ähnlich wie Herr Dr. Bachem, in ihrer Art den Ton im Reichstage zu verbessern. So meinte der süddeutsche Landbündler Dr. W 0 l f f. die Wähler des Herrn v. Gerlach müßten noch dümmer sein als Herr v. Gerlach selber. Diese Ungezogen- heit, die ungerügt blieb, wurde eigentlich noch überboten von dem Agrarier v. O l d e n b u r g, der es besonders auf den Grafen Bülow abgesehen hatte. Da müht sich der Reichskanzler unausgesetzt damit ab. durch gesetzgeberische Maßnahmen die Grundrente zu erhöhen, er verspricht feierlich, daß der Minimaltarif ungeschmälert in die Handelsverträge übergehen soll, und all' das nützt ihm nichts. Herr v. Oldenburg bescheinigte ihm wiederum, daß seine Gesinnungsgenossen kein Vertrauen in ihn fetzten. Die Großgrundbesitzer hätten es satt, sich um die Ernährung der Gesellschaft inklusive der Reichstags- Abgeordneten zu „schinden", wenn ihnen nicht eine höhere Kapitalrente als 2 Proz. vom Staate verschafft werde. Herr v. Oldenburg sehntsich nach der Zeit unter Bisniarck, wo Industrie und Landwirtschaft„sich gegenseitig bewilligt hätten, tvas sie brauchten" und bekannte sich schamlos zur Maßregelung eines seiner Vorarbeiter, der für einen Freisinnigen zu sttninien gewagt hatte. Aus be- sondercr Niederträchtigkeit erzählte er weiter, daß die berühmte Bülow- Rede gegen dicSocialdemokratie in 800 Exemplaren nach seinem Kreis gekommen und dort ver- gebens wie saures Bier ausgeboten worden lväre. Jetzt lagerten die Broschüren beim Amtsvorstehcr ab, wenn sie nicht, wie Herr v. Oldenburg andeutete, bereits eine unmittel- bar landwirtschaftliche Verwendung gefunden haben. Das waren die Funken, die Herr v. Oldenburg auf Wunsch seiner Wähler sprühen ließ. Singer tröstete die Freunde des Grasen Bülow durch den Rat, doch künftig die Reichskanzler-Reden durch unsre Organisattonen, freilich gleich mit unfern Erwiderungen versehen, verbreiten zu lassen. Dann würden sie sicher an den Mann gebracht werden. Außerdem riet er den Konservattvcn, aus deren Reden beständig der Ruf nach dem starkenMann hervorklingt, die Stelle doch endlich einmal öffentlich auszuschreiben. Er erklärte, daß unsre Fraktion für die Resolutton Müller-Meiningcn, die den Bundesrat nöttgen will, in bestimmter Frist zu den Beschlüssen des Neichstages.Stelluw zu nehmen, stimmen würde, wenn ihr auch eine gewisse Halb- heit anhafte, weil sie nur die Minderheit der Rcichstagsbeschlnsse, die Gesetze, und nicht die Resolutionen in Betracht ziehe. Graf Po.sadoivsky bestritt, daß dem Ver- halten des Bundesrats zu ReichstagSbeschlüsscn irgend eine UnHöflichkeit zu Grunde liege. Die Antwort auf Herrn v. Oldenburg, �dessen Bosheiten gegen den Reichs- kanzler von dem Abg. Schräder nicht ohne Nebenabsicht besonders unterstrichen worden waren, überließ er seinem Herrn und Meister Graf Bülow, der erst in später Stunde ini Reichstag erschienen war. Graf Bülow erwiderte die un- höfliche Anrempelung des Ostelbiers durch die höflichsten Ver- beugungen gegen die Rechte. Er wiederholte seine dringende Bitte, doch nicht immer auf ihn schießen zu wollen und rückte noch einmal seine unbestrittenen Verdienste um die Agrarier ins rechte Licht. Mit einem Scharmützel zwischen den Abgg. Blumenthal und Gröber endete die Debatte. Die Resolution Müller Ivurde gegen die Stimmen des Ccntrums angenommen. Der Reichskanzler bekam sein Gehalt bewilligt. Am Montag stehen zwei zurückgestellte Resolutionen zum Etat des Reichskanzlers sowie der Etat des Auswärtigen Amtes auf der Tages- ordnung.—._ „Thcatcrpanik". Mit einer blinden Theaterpanik verglich der Minister Möller am Sonnabend im preußischen A b g e o r d n e t e n h a u s e die Er- regung, welche sich der Bcrgarbeiterbcvölkerung im Ruhrkohlenrevier bemächtigt hat. Und er freute sich, daß„nur" 12 500 Arbeiter in Betracht kämen, die dem kapitalistischen Zechenlegcn zum Opfer gebracht werden sollen. Es wird sich schon alles finden— das war das Leitmotiv des Ministers, und groß ist das Kohlen- spudikat I Was liegt daran, ob 12 500 Arbeiter ans ihren ge- wohnten Verhältnissen gerissen werden— die werden schon anderswo ausgebeutet werden können. Theaterpanik, bloß Theaterpanik. Das ist höchst charakteristisch: während man in den Ostmarken die Elementarbegriffe des Eigentumsrechts verfassungswidrig verletzt, um die Geschäfte der Hakatistischen Spekulation zu fördern, krümmt man dem allmächtigen Syndikat im Westen kein Haar, obwohl der ß 65 des Berggesetzes eine Handhabe giebt. Es sind ja nur 12 500 Ar- beitcr, die so thöricht sind, einer Theaterpanik zu verfallen, anstatt ruhig, gelassen und geräuschlos in der Explosion einer kapitalistischen Jntrigue zn verbrennen.... Das preußische Abgeordnetenhaus besprach am Sonnabend die Interpellation der Centrums-Abgeordneten Brust uild S t ö tz e l über den Ankauf und die Stilllegung kleiner Zechen durch die größeren im Ruhrkohlenrevier infolge der Zuteilung der Förderungen seitens des Kohlensyndikats. Wie Abg. Stötzel in der Begründung der Interpellation ausführte, will das Centrum den Socialdemokraten im Reichstage das Wasser abgraben. Ge- lungen ist das kaum. Allerdings, die Priorität kann niemand dem Centrum streitig machen, seine Interpellation im Landtage ist früher zur Sprache gekommen als der socialdenwkratische Antrag im Lieichstage. Der Fixigkeit entsprach aber nicht die Gründlichkeit. Eine oberflächlichere Behandlung der Angelegenheit als die durch die Herren Stötzel und Brust läßt sich kaum denken. Statt auf den inneren Zusammenhang des Vorgehens des Kohlensyndikats mit der kapitalistischen Wirtschaftsmcthode einzugehen und nach- ziiweisen, daß dies Vorgehen gerade im Wesen des kapitalistischen Mechanismus begründet ist. begnügte sich Herr Stötzel damit, an der Hand einzelner Beispiele die Schädigungen zu zeigen, die die betroffenen Gemeinden und deren Einwohner, insbesondere die Bergleute und Gewerbetreibenden dadurch erlitten haben, und an die Regierung die Anfrage zu richten, was sie gegen die Praktiken des Kohlensyndikats zu thun gedenkt. Die Erklärung der Regierung war nicht gerade entgegen- kommend. Der Handelsminister Möller fühlte sich durchaus als Großindustrieller und begeisterter Anhänger des Kohlensyndikats, er faßt die Sache sehr leicht auf und tröstet sich damit, daß die meisten Arbeiter wohl auf andren Zechen unterkommen, und läßt es in der Schwebe, ob die Regierung auf die Bestimmung des Berg- gesetzes zurückgreifen will, wonach ein Bergwerk weiter betrieben werden muß, wenn das im öffentlichen Interesse liegt. Glühende Verteidiger fand das Kohlensyndikat außer in dem Handelsminister in den Äbgg. H i l b ck snatl.) und Dr. B e u m e r snatl.). Herr Hilbck, der einseitigste Vertreter der Interessen der Bergwerks- besitzer, geht über die Arbeiterfrage mit ein paar Worten hinweg. Die Bergleute, meint er, finden wo anders Arbeit, die andren Zechen rcißeir sich förmlich um sie, und im übrigen würden die „Kohlenbarone", die keineswegs so hartherzig seien, wie es immer dargestellt werde, alles thun, um Schädigungen der Arbeiter zu ver- meiden, sie seien sogar bereit, Opfer zu bringen. Daß sie das nicht ans freien Stücken thun, sondern aus Furcht, daß das Berg- gesetz gegen sie angewendet werden könnte, verschwieg Herr Hilbck wohlweislich. Ihre tief im Innersten wurzelnde Abneigung gegen die ganze moderne industrielle Entwicklung, nicht etwa sociale Einsicht, ließ die Konservativen verständigere Ansichten zur Schau tragen. Abg. Schulze- Pelkum(t.) wies auf das Bedenkliche der Still- legung von kleinen Zechen durch größere hin und regte an, das Berg- gesetz dahin zu ändern, daß der Betrieb eines Bergwerks unter allen Umständen aufrecht erhalten werden muß, wenn derselbe noch eine Rente abwirft. Auch Abg. S t o ck m a n n(fk.) verlangte im öffent- lichen Interesse ein Einschreiten des Staates, und noch weiter ging Abg. Hahn sb. k. P.), der die Verstaatlichung des Bergbaues an- regte. Auch Abg. O e s e r sfrs. Vp.). der an sich kein Gegner der Syndikate ist, mußte zugeben, daß in der rücksichtslosen Entfaltung der Syndikate möglicherweise eine große Gefahr liege und daß die Bergwerksbesitzer sich nur vom Egoismus haben leiten lassen. Nach Erledigung der Interpellation nahm das Haus debattelos den Antrag Dr. Arendt sfk.) betreffend Gewährung von Beihilfen an die Veteranen von 1364 an. Die Geschäftslage des Hauses ist, wie Präsident v. K r ö ch e r mitteilte, so, daß voraussichtlich bis zum 26. April der Etat die dritte Lesung passiert haben wird. Dann sollen den Fraktionen zwei freie Tage zu ihrer Stellungnahme zu den wasserwirtschaftlichen Vorlagen bleiben, mit deren Beratung am 29. April begonnen werden soll. Am Montag wird die ziveite Lesung des Staatshaushalts- Etats fortgesetzt und zwar kommen einige kleinere Etats an die Reihe.-_ Das antipolnische Ausnahmegesetz wurde am Sonnabend vom preußischen Herrenhaus an- genommen. Die Generaldebatte vom Freitag hatte die Herren offenbar erschöpft. Die Specialberatung verlief flach und temperamentlos. Auch über den§ 13b, diesen Staats- st r e i ch- Paragraphen der Regierung, kam es zu keiner leb- haftcren Debatte mehr. Herr v. Hammer st ein hielt eine kurze nationale Ansprache, Podbielski übte sich in weiteren Satzverschlingungen, und Herr v. K o s c i e l s k i bemühte sich, der Regierung Logik zu lehren, ohne übrigens eine der Bedeutung �.der Suche angemessene Sprache zu finden. Auch heute kanien wieder starke Bedenken gegen den§ 13b zum Ausdruck: so seitens des Frhrn. Durant und des Breslaucr Oberbürgermeisters B e n d l e r, der einige gute Bemerkungen gegen die ganze Polenpolitik fand. Wie stark der Widerstand gegen den§ 13b war, wollten die„Herren" nicht klar stellen. So verzichtete man ans eine namentliche Abstimmung. Das Gesetz wurde nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Nun hat das A b g e o r d n e t e n h a u s das Wort; auf die Energie, die das Centrum entwickeln wird, um die Vorlage zu bekämpfen, darf man gespannt sein. Nach Erledigung einiger kleinerer Gesetze vertagte sich das Haus bis zum Mai.— DeutlcKen Reich. NcichsfinlUizen 1903/04. Die Jsteiuncihme von Zöllen und Verbrauchssteuern hat nach dem soeben erschienenen Ausweis für das EratsjaHr 1003 insgesamt 816,6 Millionen Mark oder 2,8 Millionen Mark mehr als im Etatsjahr 1902 betragen. Dasselbe günstige Verhältnis macht sich gegenüber dem Etatsan schlage bemerkbar. Veranschlagt waren Zölle und Verbrauchssteuern mit 810,3 Millionen Mark, erbracht- haben sie aber rund 6 Millionen Mark mehr. Die Zölle haben das bedeutende Mehr von 34,3 Millionen Mark aufzuweisen. Außer ihnen hat noch die Salzsteuer ein Mehr, und zwar von 3,1 Millionen erbracht. Alle übrigen Verbrauchssteuern schließen mit Weniger ab und zwar die Zuckersteuer mit einem solchen von 11,7 Millionen, die Maischbottichsteuer mit 11 Millionen, die Branntwein-Verbrauchs- abgäbe mit 4,7 Millionen, die Brausteuer mit 1,7, die Tabaksteuer mit 1,1, die Schaumweinsteuer mit 0,7 Millionen Mark. Von den übrigen Einnahmezweigen haben die Reichs- st e m p e l a b g a b e n, so weit sie den Einzclstaaten zu überweisen sind, 69,7 Millionen Mark oder 8,8 Millionen weniger, als im Etat vorgesehen waren, ergeben. Von den 69,7 Millionen Mark ent- fallen 29,4 Millionen ober 3,6 Millionen unter dem Etatsanswlage auf die B ö r s e n st c u e r, 39,4 Millionen oder 5,2 Millionen Mark unter dem Etatsanschlage ans die L o s e st e u e r und 0,9 Millionen Mark auf den Schiffsfracht-Urkundenstempel. Auf Grund der vorliegenden Ergebnisse läßt sich bereits das finanzielle Verhältnis der Einzelstaaten zum Reiche aus das Finanzjahr 1903 feststellen. Das Verhältnis der Einzelstaaten zum Reiche ver- bessert sich danach um 19,7 Millionen Mark. Diese würden den Einzelstaaten hcrauszuzahlen sein, wenn nicht bestimmt worden wäre, daß sie zur Tilgung der Zuschußanleihe von 1903 zu verwenden sind. Die Einzelstaaten zahlen demgemäß, wie im Etat vorgesehen, etwa 24 Millionen Mark für 1903 mehr an das Reich, als sie von ihm erhalten. Von der Hauptversammlung der Flottcntrcibcr, die in Dresden in Anwesenheit des sächsischen Ministers deS Innern und einiger hoher und höchster Herrschaften tagte, ist ferner zu be- richten, daß die Zahl der Untergruppen und Geschäftsstellen 3595 betrug. Die Jahreseinnahme belief sich im verflossenen Jahre auf 541 497 M. gegen 390 258 M. im Vorjahre. Es konnte infolgedessen triumphierend konstatiert werden, daß der Verein, der vor drei Jahren noch mehrere hunderttausend Mark Schulden gehabt habe, jetzt über ein Vermögen von 278 598 M. verfüge. Die glänzende Entwicklung des Vereins sei wesentlich auf die stille Kleinarbeit in der Organisation'zurückzuführen. Besondere Aufmerksamkeit will der Flottenverein der„ B e- lehr un g der künftigen Generation" über die Not- wendigkeit einer starken deutschen Flotte nach dem Muster der in England mit großem Erfolge wirkenden Navy League zuwenden. Leider sei aber dem Flotten verein, so sagt der Bericht hierzu, seitens maßgebender Schul- behörden nicht immer die Unterstützung zu teil ge- worden, die man wohl bei der so wichtigen Frage der Erziehung der heranwachsenden Jugend zu überzeugten, treuen Anhängern des Deutschen Reiches hätte erwarten können. Aber auch ohne solche Unterstiitznng habe man es bisher erreicht, daß die beut- scheu Vol ksschullcsebücher mit Aufsätzen aus dem Gebiet des Seewesens ansge stattet wurden, daß zahlreiche anschauliche Tabellen in vielen Schulen aus- gehängt worden seien, und daß durch die kine- matographischeir Vorführungen des Vereins und V o r t r ä g e H u ii d e r t t a u s e ii d e von deutschen Jungen und Riädchen eine Vorstellung davon erhalten hätten, daß die Zukunft des Vaterlandes in nicht geringem Maße von seiner Machtentfaltnng zur See abhänge. Es wäre auch wunderbar, wenn es einem so hoher Protektion sich erfreuenden Verein nicht gelungen wäre, in der geschilderten Weise mit der wasscrpoliti scheu Propaganda in die Schule einzudringen! Welche Folgen dieser Unfug in pädagogischer Hinsicht hat, davon haben ja die wunderbaren Er- gebnisse unsrer modernsten Schulbildung schon erbauliche Proben ge- geben I Die Flottentreibercicn nnsrer Wasser- und Weltpolitiker be- weisen die Notwendigkeit unermüdlichster Gegenpropaganda. Unsre bisherigen weltpolitischen„Erfolge" liefern dafür ja ein vernichtendes Material.— Der Geldbeutel des Fürstbischofs Kopp wird von der„G ermania" mit fanatischein Eifer verteidigt. Einen ganzen Artikel widmet sie dem„Nachweis", daß Herr Kopp durchaus nickt verpflichtet sei, dafür zu sorgen, daß die durch das Berline, Leo-Hospiz zu Schaden gekommenen kleinen Leute ihr Geld erhalten. Am Schlüsse deS Artikels zu Gunsten ihres fürstbischöflichen Aktionärs schreibt das ehrenwerte Blatt: „Es gehört die ganze Dreistigkeit der soeialdemokratischen Kampfesweise dazu, die Lage des Lco-Hospizes mit der in der Görkeschen Broschüre urkundlich erwiesenen Korruption unter den Charlottenburger Socialdemokraten in Parallele zu stellen. Mögen in Sachen des Leo-Hospizes vielfache Fehler und Mißgriffe be- gangen sein, diese geben aber dem„Vorwärts" nicht das Recht, die Angelegenheit des Leo-Hospizes mit dem Charlottenburger Panama zu vergleichen." Die„Germania" lügt. Es ist uns niemals eingefallen, den grotesken Finanzskandal de? Klerikalismus mit dem„Charlotten- burger Panama" zu vergleichen, schon deshalb nicht, weil das Leo- Hospiz ein wirkliches Denkmal frommer Mißwirtschaft und frommen — Geizes ist, während die Charlottenburger„Korruption" nur in der Phantasie der„Germania" besteht.— Die Arbeit der Ansiedelungskomniission. Posen, 16. April. (Privat-Telegramm.) Polnische Blätter melden: Zahlreiche kürzlich von der Ansiedelungskomniission aus Galizien hierher beförderte evangelische Ansiedler und Arbeiter verließe» plötzlich die zugewiesenen Posten, um in die Heimat zurückzukehren, da ihre Erwartungen un- erfüllt blieben.— Die dem Abgcordnctenhanse zugegangene Seknudärbahn-Borlagc fordert 147 Millionen Mark zum Bau einer Hauptbahn, 21 Neben- bahnen und einer Reihe von Kleinbahnen. Die meisten der neuen Bahnen entfallen ans den Osten.— Ein neues Organisationsstatut will sich die national- liberale Partei geben. Die„Nat.-Ztg." begrüßt den dem Central- vorstand ihrer Partei vorliegenden Entwurf„als ein wertvolles In- strunient zum Ausbau und zur Befestigung der inneren Organisation der Partei". Als wichtigste Acnderimg wird bezeichnet, daß den land- schaftlichen Verbänden das selbständige Wahlrecht zum Cciitralvorstand, dem leitenden Faktor der Partei, eingeräumt wird. Sonst find diese Bestimmungen hervorzuheben: „Die Organisation der nationalliberalen Partei umfaßt: 1. den allgemeinen Vertretertag als oberstes beschließendes Organ, 2. den Centralvorstand mit seinem geschäftsführendcn Ausschuß als oberstes verloaljendes Organ, 3. die laudschaftlichen Verbände, die Wahl- kreis-, Bezirks- und örtlichen Organisationen, 4. die besonderen, der Vertretung nationalliberaler Grundsätze gewidmeten Vereine (Arbeiter-, Jugendvereine usw.) mit ihren Verbänden." In Bezug auf die Vertretung der Wahlkreise auf dem Partei- tag heißt es in dem neuen Orgauisationsstatut:„Den organisierten Wahlkreisen steht das Recht zu, je zwei Vertreter zu wählen. Sind in einem Wahlkreis bei den ReichstagSwahlen im ersten Wahlgange niehr als 3000 Stimmen für den nationalliberalen Kandidaten abgegeben, so kann für diesen Wahlkreis ein dritter Vertreter gewählt werden. Sind mehr als 6000 Stimmen für den nationalliberalen Kandidaten abgegeben, so kann ein vierter Ver- treter gewählt werden, desgleichen ein fünfter, wenn niehr als 10 000 nationallibcrale Stimmen im ersten Wahlgauge abgegeben worden sind. Ist die nationalliberale Partei in einem Reichstags- Wahlkreise für einen Kompromitzkandidaten andrer Parteirichtung eingetreten, so entscheidet der gcschäftsführende Ausschuß des Central- Vorstandes, nach welchem Stimmenmaß die Abordnung von ge- wählten Vertretern erfolgen darf." Der Reichsverband der national- liberalen Jugendvereine sowie die übrigen Vereine und Verbände wählen für je 500 Mitglieder einen Vertreter. Jede angefangene Zahl von 500 wird beim vollendeten zweiten Hundert für voll gerechnet.— Ter Beichtstuhl in Elsaß-Lothringcn. Aus Didenheim wird der „Freien Presse" in Mülhausen berichtet:„Ein weiterer Beweis, wozu der Beichtstuhl gut ist, haben wir von hier zu melden, nämlich: Am letzten Sonntag ging ein hiesiger Arbeiter zur Osterbeichte. Als der- selbe nun seiner Meinung nach seine Sünden alle aufgezählt hatte, sagte der Pfarrer:„Ihr habt noch etwas auf dem Gewissen." Antwort: „Nein, nicht daß ich wüßte." Pfarrer:„Ihr lest doch die „F r e i e P r e s s e" und habt dieselbe doch abonniert?" Arbeiter:„Ja." Pfarrer:„Das ist eine Sünde, und es ist alles nicht wahr, was drin steht. Die Socialisten wollen die Religion und die Regierung stürzen, auch behaupten sie, es gebe keine Auferstehung." Arbeiter: „Nein, das ist nicht wahr." Pfarrer:„Ich habe den Artikel über den Geistlicheu und ein Bauernmädchen aus Italien auch gelesen und sage, es ist nicht wahr." Arbeiter:„Wcim es nicht wahr wäre, würde die Regierung einschreiten." Pfarrer:„Das ist weit von hier, und es geht Keiner dahin, um die Wahrheit zu ergründen. Ich kann Euch die Adsolutio» nicht geben, außer Ihr versprecht mir, die„Freie Presse" abzusagen." Arbeiter:„Nein, das mach' ich nicht!"... Hierauf folgten Auseinmidersetzuiigen in Bezug auf das, was die Socialisten wollen. Dabei sagte u. a. der Arbeiter:„Warum soll nur der arme Arbeiter wegen jeder Kleinigkeit in der Zeitung herumgeschmiert werden und die Geistlichen wegen weit größerer Vergehen nicht?" Pfarrer: „Habt Ihr noch Glauben?" Arbeiter:„Ja, ich bin katholisch ge- tauft und halte noch etwas daranf, sonst wäre ich nicht hierher ge- kommen." Pfarrer:„Also Ihr wollt die„Freie Presse" nicht ab- sagen?" Arbeiter:„Nein—", nahm seinen Hut:„Adieu, Herr Pferrer I" und ging zur Kirche hinaus.— Die Auseinandersetzung, die erst im Flüsterton geführt wurde und gewiß 20 Minute« dauerte, wurde am Schluß so laut, daß die noch in der Kirche An- wesendcn deutlich verstehen konnten, um was es sich handelte." Chronik der Majcstätsbclcidigungcn. AuS Marburg wird uns geschrieben: Ein alter Landstreicher Namens Belleifftein aus Ulm im Kreise Wetzlar, der wegen Diebstahls, Unterschlagung, Majestäts- beleidignngen und Bettelns schon 49 mal, auch mit Zuchthaus vor- bestraft war, stand heute vor der Strafkammer abennals unter der Anklage der Majestätsbeleidigung in zwei Fällen, die er wahrschein- lich begangen hatte, um ein'Unterkommen zu finden. Der Gerichts- hos ließ„Milde" walten, weil es dem Angeklagten gewiß schwer sei, in geordnete Lebensverhältnisse zu kommen und verurteilte ihn zu einer Gesamtstrafe von sechs Monaten Gefängnis.— Das Urteil des Reichsgerichts im Kaiser-Jnscl-Prozeß ist jetzt den Angeklagten Leid und Kaliski zugestellt. Das Urteil, ivelches die Strafen von neun bezw. vier Monaten Gefängnis be- stätigt, ist nach verschiedenen Richtungen hin recht lehrreich für die Notwendigkeit einer völligen Umgestaltung der sogenannten Revisions- instanz. Wir heben einige Punkte anS dem Urteil hervor: Der Laie wird annehmen, in erster Reihe habe das Reichsgericht zu prüfen, ob die haltlose Behauptung deS Landgerichts zutreffe, die inkriminierten Artikel bezögen sich auf den Kaiser und„werfen diesem Feigheit und beabsichtigtes Vorgehen mit ungesetzlichen Mitteln" vor,. Das Reichsgericht erklärt aber kurz:„Eine Korrektur dieser A-cks- legung steht dem Rcvisionsgericht nach§ 376 Straßprozeß- Ordnung nicht zu, nach dem es nur zu prüfen.'' hat, ob eine Rechts norm nicht oder nicht richtig angeroendet ist". Mit andren Worten: Die thatsächliche Feststellung kann falsch sein, sie kann gegen alle Regeln der Logik Verstößen, das geht alles das Reichsgericht nichts an, denn diesem steht nur die Prüfung von Rechtsnormen zu, der Verstoß gegen die'Nonnen der Logik ist aber— nach reichsgerichtlicher Ansicht— noch lange kein Verstoß gegen Rechtsnormen, was der Laie kurz damit ausdrückt: Juristen- verstand und gesunder Menschenverstand sind zweierlei, verschiedenartige Dinge. Daraus folgt freilich weiter: es laiin jemand schuldig vom Standpunkt des Juristenverftandes und gleichzeitig völlig un- schuldig vom Standpunkt des gesunden Meiischenverstandes sein. Wer will, daß der gesunde Menschenverstand herrsche, muß also für Beseitigung der also„gelehrten" Richter und Ersatz derselben durch Laien eintreten. Freilich wäre die Herrschaft des gesunden Menschen- Verstandes erschrecklicher Umsturz der bestehenden Gesellschafts- ordnung. Läßt das Gesetz nach Ansicht des Reichsgerichts auch keine Nach» Prüfung darüber zu, ob die„thatsächliche Feststellung" des Richters erster Instanz eine zutreffende ist, so schreibt das Gesetz doch auch nach Ansicht des Reichsgerichts vor, daß Thatsachen und nicht die politischen Ansichten der Richter die Grundlage des Urteils bilden müssen. Das laudgerichtliche Urteil zieht aber aus einer vermeint- lichen„politischen Tendenz des„Vorwärts"" Schlüsse. Da meint nun das Reichsgericht: Ob die Ansicht des Landgerichts über die„politische Tendenz des„Vorwärts"" zutreffend ist, darüber haben wir nicht zu urteilen. Denn Thatsachen gehen uns als Reichsgericht nach dem Gesetz nichts an. Das Gericht habe auch keinen Beweis über die Tendenz zu erheben brauchen, wenn es die Tendenz als„allgemein bekannt" voraussetzte, gleichviel ob folche Tendenz thatsächlich nur nach der politischen Ansicht der Richter, aber nicht in Wahrheit existiert.„Dadurch sind nicht die politischen Ansichten der Richter an Stelle von Thatsachen zur Grundlage des Urteils gemacht." Dem Angeklagten wird also künftig nichts übrig bleiben als zu verlangen, daß sämtliche Nummern des„Vor- wärts" zur Verlesung gebracht werden, damit in den Urteilsgründen nicht an Stelle der wirklichen Tendenz des„Vorwärts" eine solche als„allgemein bekannte Thatsache" trete, die in den Wahlflugblättcrn und Wahlreden der politischen Gesinnungsgenossen der Richter als Tendenz hingestellt worden sein mag. „Ohne Anklage keine Verurteilung" hält man für eine Grund- forderung der Gerechtigkeit. Leid ist wegen drei Artikel angeklagt, wegen fünf verurteilt. Also müßte doch das Urteil aufgehoben werden? Das Reichsgericht sagt: nein, denn: drei ist eins und eins ist fünf, also ist fünf gleich drei. Wenn das Hexcneinmaleins im „Faust" Wunder gebiert, sollte dieKüche des Reichsgerichts nicht dieVer- werfung einer Revision zeitigen können? Dies Einmaldrei gleich Einmal- fünf wird im schriftlichen Urteil wie folgt konstruiert. Nach Ansicht des Gerichts enthalten die fünf Artikel eine„auf einem einheitlichen Vorfatz beruhende, fortgesetzte Haiidluna". Der dierte und fünfte Artikel sind also„nur unselbständige Bestandteile derselben ein- heillichen That". Wurde der Angeklagte auch wegen dieser Artikel verurteilt, so ist er doch nur wegen derselben Thit verurteilt, die zur Anklage gestellt war. Bum. Demnach kann ein Redakteur wegen eines Artikels angeklagt, aber wegen 100 Artikel verurteilt werden, wenn nur„zu seinen Gunsten" angeno-imen wird, die 100 Artikel enthalten jeder einzelne„unselbständige Bestandteile" der einen»fortgesetzte» Handlung", die in der Gesamtheit der 1Artikel liegt. Das mag freilich eine logische Sinnlosigkeit sein, aber deshalb ist es noch kein Verstoß gegen eine Rechtsnorm; denn 3 gleich 5 ist keine Rechts norm, sondern eine„thatsächliche Feststellung". Aus dem Urteil möge noch ein Passus Erwähnung finden, der auf die Formel juristischer Art des Vorbeigehens an der Wirklichkeit ein etwas heiteres Licht wirft. Selbstverstäudlich legte Leid das Hauptgewicht auf den Angriff gegen die bereits erörterten klaren Rechtsverletzungen. In der Voraussetzung, daß das Reichsgericht die Revision nicht als ein Mittel erackitet, dein wahren Recht zum Siege zu verhelfen, sondern als ein Mittel zur Prü- fung, ob der Richter das juristische Handwerkszeug nach Schema F formularmäßig richtig angewendet habe, fügte der An- geklagte mich eine rein formale Rüge in seiner Revisionau. Das Erkennt- ins hätte Leid verurteilt, weil er den„Kaiser, seinen Landcsherrn", be- leidigt habe. Das Gericht stellte aber nicht fest, daß der König von Preußen der Landesherr des in S ch w a r z b u r g- Sondershausen geborenen Angeklagten ist. Diese Rüge hält das Reichsgericht für e r h e b l i ch. Es sagt,„der hiernach vorliegende Mangel wird auch nicht, wie die Gegenerklärung der Ober- Staatsanwaltschaft annimmt, durch die Erwägung beseitigt, daß es Sache des Angeklagten gewesen sei, die der Anklage und dem Eröffnnngsbeschlnß zu Grunde liegende Annahme, er sei preußischer Staatsangehöriger, in der Hauptverhandlung zu bemängeln. Gleichwohl kann die Rüge keinen Erfolg haben, da auch, wenn der Angeklagte n i cht preußischer Staatsangehöriger w a r, die gleichwertige Alternative vorliegen würde, daß er während seines Aufenthalts in dem Bundes st aate Preußen dessen Landesherrn beleidigt hat. Ein Einfluß des Mangels auf das Strafmatz kann bei dieser Sachlage umsoweniger voraus- gesetzt werden, als daneben die Beleidigung des Kais er s bestehen bleibt." So viel Worte, um darzulegen: die Rüge trifft zwar zu, aber das thut nichts. Nun wir können das hohe Reichsgericht und die Oberstaatsanwaltschast beruhigen: Leid i st Preuße und Schivarzburg-Sondershausencr, das hätte ein Nicht jurist schon aus dem Umstand entnommen, daß er preußischer Stadtverordneter ist, wie das Gericht festgestellt hat, um das Stadtverordneten-Mandat zur Aufhebung zu bringen. Mslauck. Die Revision des schweizerischen Fabrikgesctzcs. Bern, 16. April.(Eig. Bcr.) Im Nationalrat wurde endlich die vor ca. IV- Jahren von unserm Genossen Dr. Studer- Mnterthur bezüglich der Revision des Fabrikgcsetzcs eingebrachte Motion(Initiativantrag) behandelt. Tie Motion lädt den Bundes- rat ein, die Frage zu prüfen und sodann den beiden Räten Bericht darüber zu erstatten, ob nicht das Bundesgesetz betreffend die Arbeit in den Fabriken im Sinne einer Verkürzung der Arbeits- zeit, eines besseren Schutzes der Arbeiter und überhaupt einer intensiveren Ausgestaltung der leitenden Grundsätze des Gesetzes und seiner Vollzugsbestimmungen abzuändern sei. In seiner Rede zur Begründung der Motion wies Genosse Dr. Studer auf die Thatsache hin, daß das Fabrikg-setz vor 27 Jahren erlassen und in der Zwischenzeit nicht revidiert wurde, Während sich die industriellen und gewerblichen Verhältnisse wesentlich verändert haben. Es sind hier gewaltige Fortschritte gemacht worden, aber das Fabrikgcsetz ist stabil geblieben. Wohl hat der Bundesrat durch entsprechende Interpretation den veränderten Verhältnissen innerhalb des Rahmens des Fabrikgesctzcs Rechnung zu tragen sich bemüht, allein die bezüglichen Vcrordrntngen beweisen nur, wie not- Wendig die Totalrevision des Fabrikgesetzcs ist. Für diese Not- tvendigkeit spricht auch die Schaffung der kantonalen Arbeitcrschutz- gcsctze, ferner hat sie der verstorbene Fabrikinspektor Dr. Schüler immer wieder betont und die bezüglichen Borschläge dieses bedeutenden Mannes dürfen geradezu als sein socialpolitisches Testament be- trachtet werden. Die Hauptforderung der Arbeiterschaft ist die Einführung des Zchnstundentages, weiter wird ein besserer Schutz der Arbeiter überhaupt, insbesondere eine E r- Weiterung' des Geltungsbereiches des Fabrik- g e s c tz c s im Sinne der Ausdehnung auf heute noch u n- geschützte Arbeitcrkatcgorien verlangt. Das Verlangen der Arbeiterschaft nach der Revision des Fabrikgesetzes kommt nicht mehr zu früh, die Schweiz, die bei dessen Erlaß an der Spitze der Sozial- Politik marschierte, ist im Laufe der Jahre stark zurückgedrängt worden, es gilt also, die verlorene Position wieder zu erobern. Im Namen des Bundesrats erklärte sich Bundesrat D e u ch e r bereit, die Motion entgegenzunehmen, aber ehe sie aus- geführt wird, muß erst der Ausgang der HanMsocrtragsunier- Handlungen abgewartet werden, auch hofft man aus eine i n t c r- nationale Verständiguitg über gewisse Punkte des Arbeiter schutzes. Bei der Revision muß unter allen Umständen daran festgehalten werden, daß das Geltungsgebiet des Gesetzes nicht eingeschränkt und daß die Arbeitszeit reduziert wird. Ter Zehnstundentag wird sich unter gcwiffen Vorbehalten durchführen lassen. Ter Bundesrat hofft, innerhalb kurzer Zeit eine revidierte Vorlage im Rate einbringen zu können. Opposition machte einzig ein liberaler Stick- fabrikant Büsch aus St. Gallen, nach dem die Stickerei- industrie eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht ertragen kann— und doch haben zahlreiche Stickfabriken bereits den Zehnstundentag I Weiter befürchtet er die Verdrängung der Fabrikstickerci durch die HauSstickerei und die Verkürzung der Arbeitslöhne. Greulich schickte die alten Ladenhüter zurück und verwies darauf, daß ein Stickerei-Jndustrieller die Motion Studer mit unterschrieben hat. Auch der Spinnerei- undWeoereifabrikant Gugel- mann trat Bäsch entgegen und er teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß eine Enquete ergeben hat, daß 8 6 Firmen des s Ä kv e i z e r i s ch e n Spinner- und Wcbcrvcrbandes sich für und nur 46 gegen die Verkürzung der Arbeitszeit sich ausgesprochen haben. In der ganzen Buntweberei ist der Zehnstundentag bereits eingeführt und sie hat damit so gute Erfahrungen gemacht, daß sie nicht mehr zur längeren Arbeitszeit zurückkehren möchte. Für die Motion Studer traten nock, weiter ein Dr. Tecurtius und der St. Galler Muscumsdirektor Wild, der sich namentlich gegen die un- berechtigte Opposition der Gcwcrbekreise wandte. Ferner trat der- selbe für die Ausdehnung des Gesetzes auf die Haus- i ndn st r i e ein. Die Motion wurde schließlich erheblich erklärt.— Der Nationalrat hat sich auch mit der Vorlage betreffend die Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden und Arbeitsschluß spätestens um 5 Uhr an den Vorabenden von Sonn- und Fe st tagen beschäftigt und dem- gemäß beschlossen. Aber das kleine Geschenk, das er den Arbeitern mit der einen Hand gegeben, hat er mit der andern Hand wieder ge- nommen, indem er die Bestimmung, daß an Sonnabenden die Arbeit mcrgens nicht früher als an den übrigen Wochentagen beginnen darf. gestrichen und damit den Unternehmern eine Hinterthüre geöffnet hat. die sie gern benutzen und wodurch sie zahlreiche neue Kämpfe mit den Arbeitern heraufbeschwören werden. Eine Verschlechterung der Vorlage wurde auch durch die Beschränkung des Mitnachhausegebcns von Arbeit auf den Sonnabend bewirkt, während sie dieses Verbot für alle Tage festsetzte. Die Beschränkung desselben auf den Sonn- abend ist lächerlich, denn es kamt dafür am Freitag und an jedem andern Wochentage um so mehr Arbeit mit nach Hause gegebe» werden. Es hat nun wieder der Ständerat das Wart, der zuerst schon die Vorlage einigermaßen befriedigend gestaltet hatte und der hoffentlich seine ursprüngliche Vorlage wieder herstellen und daran festhalten wird. Frankreich. Aus Anlnsi der Masiregclung der Admirale Bieuaimö und Ravel erneuert der„Figaro" seine Erklärungen, daß beide seinen Ent- hüllungen vollkommen fernstehen. Der Minister Pelleta» wolle durch derartige Gewaltakte nur seine Untergebenen einschüchtern und sie verhindern, vor der außerparlamentarischen UntersuchungS- kommiffion noch mehr Indiskretionen auszusagen. Das werde ihm aber nicht gelingen; so werde z. B. der zum See- präfekten von Lorient ernannte Vice-Admiral Melchior vor dieser Kommission nicht anders sprechen, als er sich in seinem Be- richt geäußert habe, den Pelletan jetzt durch einen andern Bericht ersetzen lassen wolle. In der Kommission Iverde jedoch trotz aller Bemühungen des Ministers der ursprüngliche Bericht vorgelegt werden, der einen wahren Alarmruf bilde. Die radikalen Blätter billigen die Entscheidung des Ministers.„Petite Republique" sagt, beide Admirale hätten durch die begangenen Indiskretionen nicht bloß die Gegner Pelletans, sondern auch gleichzeitig die Feinde Frankreichs über den Effektivbestand und die-Uängel der französischen Kriegsschiffe unterrichtet. Anarchistrnspuk. Marseille, 16. April.(W. T. V.) Gestern wurden hier drei Verhaftungen vorgenommen, die mit der Entdeckung eines anarchistischen Komplotts in Zusammenhang stehen. Nach den angestellten Ermittelungen hatte ein Friseurgehilfe Namens Micaeli Giovanni in einer in einer Bar abgehaltenen Versammlung seine Absicht kundgegeben, den Präsidenten Loubet während d e s s e n N e i s e i n I t a l i e n z u e r m o r d e».(?) Nach einer Haussuchung wurden auch der Inhaber der Bar und ein andrer italienischer Arbeiter verhaftet. Ernsthafte Attentäter pflegen ihre Absichten nicht erst prahlend anzukündigen.— Ruhland. Gegen den Socialismus in Finnland. Die Handlanger der russischen Despotie in Finnland schonten anfänglich die Arbeiter- bewegung, offenbar in der Absicht, dadurch die Kluft zwischen Be- sitzenden und Besitzlosen im Lande zu erweitern, mn so desto leichter das ganze Volk knebeln zu können. Seit einiger Zeit ist das jedoch anders geworden; nun bekommen auch die Arbeiter die ganze Brutalität der russischen Herrschaft zu kosten. Wie die Zeitschrist „Fria Ord" meldet, ist ein Arbeiter Löfquist, der in Abo und andren Orten socialistische Vorträge gehalten bat, verhaftet und nach Viborg transportiert worden. Zu dieser Gewaltmaßregcl waren lediglich die Vorträge die Veranlassung.— parlamentarisches. Der Kommissions- Bericht betreffend die Kaufmanns- g e r i ch t e ist heute dem Plenum unterbreitet worden. Wir haben über den Gang der Beratungen in der Kommission und die dort be- schlossenen Abänderungen der Regierungsvorlage fortlaufend be- richtet.—_ Partei Nachrichten. AuS dem Leben focialdemokratifchcr Zeitungen. Der lokale und provinzielle Teil der Freitagnummer des Kasseler„Voksblattes", dessen Redakteur in rascher Folge erst zu sechs Monaten, vier Wochen und vier Monaten verurteilt' worden ist, besteht aus folgender Notiz: „Redaktion und Expedition des„Volksblatt" sowie ein Teil der Setzer waren am heutigen Morgen gezwungen, vor der hiesigen Straf- kammer in dem vom änttsemitischen Reichstags-Abgcordneten Lieber- mann v. Sonnenberg gegen uns angestrengten Beleidigungsprozeß als Angeklagte bezw. als Zeugen zu fungieren. Aus diesem Grunde war es uns nicht möglich, den lokalen Teil besser, wie geschehen, auszugestalten. Wir werden daftir unsre Leser morgen ent- schädigen." Auch unser Königsberger Partciblatt war vor einigen Tagen in ähnlicher Lage. Auch dort war fast das gesamte Personal der Redaktion und Expeditton auf die Anklagebank geladen, so daß sogar das Ausfallen einer Nummer notwendig wurde. Nur dem Umstände, daß der Prozeß vertagt wurde, war es zuzuschreiben, daß die Nummer doch noch hergestellt werden konnte. Und auch hier war es charakteristischerweise eine gegnerische polittsche Partei, welche die Klage veranlaßt hatte. In Kassel die antisemitische, in Königs- berg die freisinnige Partei. Wie schön sich darin die Wahlverwandtschaft der beiden scheinbaren Gegenpote, der änttsemitischen und der freisinnigen Partei dokumentiert! Der bayrische Parteitag ist auf den 26. und 27. Juni ver- schoben worden. poli-eUicKes, Sericktticbes üb». — DaS Urteil des Dcssauer Schöffengerichts gegen den Redakteur des„Anhaltischen Volksblatts", Genossen K r e tz s ch ni a r, verdient auch eine nochmalige Erwähnung. Der„Anhaltische Staatsanzciger" hatte nach einem Berliner Blatte mit entsprechenden Glossen von einer zweiten Versammlung im dritten Wahlkreise berichtet, in der Heine gegen Bebel aufgetreten sein sollte. Thatsächlich war der Bericht nur die Aufwärmung der bekannten Versammlung, die längst vorher stattgefunden hatte. Eine zweite solche Versammlung ist nicht abgehalten worden. Das„Volksblatt" machte sofort auf die Unrichtigkeit der Meldung aufmerksam, der„Staatsanzeiger" bequemte sich aber nicht dazu, den Reinfall einzugestehen, sondern machte allerhand Winkelzüge. Obwohl das Blatt aus der Wiederholung der Ver- sammlung besonders Kapital geschlagen, zog es sich dann darauf zurück, daß es gleichgültig sei, ob die Versammlung zweimal statt- gefunden habe;' es komme nur darauf an. daß sie überhaupt statt- gefunden habe. Das„Volksblatt" diente darauf mit kräftigen Worten und schließlich, als sich die Polemik herüber und hinüber bewegte, klagte der Redakteur des„Staatsanzcigers" wegen Beleidigung, aber nicht etwa wegen des Vorwurfs der Lüge— denn der hätte ja bewiesen werden können—, sondern wegen Schimpfworte. Darum erhob auch Krctzschmar die Widerklage. Hatte doch der „Staatsanzeiger" in Beziehung auf die Socialdemokraten ge- schrieben, daß„mit der Röte der Scham diesen Ehrenmännern nicht beizukommen sei". Die Wendung verrät zwar keinen Stillünstler, die Absicht der Beleidigung läßt sie jedoch nicht vermissen. Die Folge war. daß der socialdemokratische Redakteur zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt und ihm der Schutz des§ 193 ausdrücklich versagt wurde; der ftaatscrhaltende Redakteur aber wurde frei- gesprochen, weil er nicht beleidigt und überdies in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe! Soziales. Aerzte und Krankenkassen. Den Leipziger Aerzten waren sogar die dortigen Sanitätswachen durch Verweigerung der ersten Hilfeleistungen bei Unglücksfällen zu Hilfe gekommen, wenn es sich um Mitglieder der Orts-Krankenkasse handelte. Darauf hat sich der Rat der StadtLeipzig mit der Angelegenheit beschäftigt. Er hat auf Grund bestehender Verträge den Sanitätswachen klar gemacht, daß sie unter allenUmständenverpflichtetsind, bei Unglücks- fällen die erste ärztliche Hilfe zu leisten, ganz gleich, wer der Ver- unglückte ist. »»' Auf wievielVersicherte ist einArzt notwendig? Bei dem gegenwärtigen Kampfe zwischen Aerzten und Krankenkassen ist die Entscheidung der Frage sehr wichtig, was als ausreichende Versorgung der Versicherten mit ärztlicher Hilfe anzusehen sei. Bekanntlich haben jetzt die Aufsichtsbehörden ganz nach freiem Ermessen darüber zu befinden, ob ein Mangel an ärztlicher Hilfe vorhanden und damit das Einschreiten gerecht- fertigt ist. Objektive Merkmale dafür sind nicht vorhanden. Daher gewinnt eine Untersuchung erhöhtes Interesse, die von der Ortskasse der Fabrikbetriebe in Krefeld nach dieser Richtung angestellt worden ist. In ihrem Jahresbericht schreibt die Kajse darüber: „Wir haben Veranlassung genommen, an der Hand der von uns in der tabellarischen Uebersicht ermittelten Zahlen und unter Berück- sichtigung der hier bestehenden Kassenzersplitterung die Verhältnisse in Krefeld zu erforschen und dabei folgendes festgestellt: Die Zahl der krankenvcrsicherungspflichtigen Personen in Krefeld beträgt rund 30 000, darunter 19 060 weibliche. Von diesen 30 000, die in etwa 53 Kassen versichert sind, haben mehr wie die Hälfte— ungefähr 13 000— unter diesen natürlich nur solche, die einen eignen Hausstand haben, auch für ihre in Betracht kommenden Familienangehörigen die ärztliche Behandlung frei. Angenoinmen. alle Kassen hätten die freie ärztliche Behandlung für Familienangehörige der Mitglieder statutarisch eingeführt— was, nebenbei bemerkt, bei einer Verschmelzung dieser 53 Kassen zu einer einzigen sofort ermöglicht werden könnte— und es würde von dieser großen Kasse mit 30000 Mitgliedern pro Mitglied und Jahr pauschauliter ein Arzthonorar von 6 M. einschließlich Familien- Behandlung gezahlt, so würden unter die 47 Krefelder Kassenärzte — es besteht hier freie Arztwahl— 180 000 M. zu verteilen sein. Legt man der Verteilung dieser Summe allgemein die prozentuale Inanspruchnahme zu Grunde, wie wir sie bei unsrer Kasse ermittelt haben, so würden auf die einzelnen Aerzte die in Spalte 12 ver- zeichneten Beträge entfallen, und zwar hätte im Jahre 1903 der am meisten beschäftigte Arzt 15 444 M. und der am wenigsten in An- sprach genommene 270 M. erhalten. llnsre Statistik zeigt ferner in einwandfreier Weise, daß von den 17 namentlich aufgeführten Aerzten 10 mehr wie die Hälfte der gesamten Kassenpraxiö in Händen haben und diesen dafür zweifel- los auch die Hälfte des angenommenen Honorars von 180 000 M. zufließt, selbst wenn die Verrechnung dieser Summe nach einem andren als dem von uns angenommenen Modus, geschehen sollte. Damit haben wir nachgewiesen: 1. daß 10 normal beschäfttgte Aerzte bei einer Pauschale von 6 M. im Durchschnitt je 9000 M. erhalten würden; 2. daß, da 10 Aerzte die Hälfte aller Kassenmitglieder nebst Familienangehörigen behandeln— dabei aber zum Teil»o ch erhebliche Privatpraxis betreiben—stir Krefeld 20 Aerzte vollauf genügen, allen 30 000 Versicherten— also auf 1500 Kasseinnitglieder ein Arzt— mit ihren Familien- angehörigcn ausreichende ärztliche Hilfe zu bieten und 3. daß ein Arzt— ohne überbürdet zu sein— diejenige Arbeit zu bewältigen vermag, die im Krankheitsfalle unter 1500 Ver- sicherten mit den in Betracht kommenden Familienangehörigen zu leisten(ist. Es ist möglich, daß durch besondere örtliche Verhältnisse, die aber schon abnorm sein müssen, die Zahl der auf einen Arzt ent- fallenden Versicherten etwas erhöht werden kann oder ermäßigt werden muß, jedenfalls bietet unsre Statistik für den Normalfall eine brauchbare Grundlage, und da auch die von ärztlicher Seite getroffenen Feststellungen zu gleichen Ergebnisse» geführt haben, so werden stichhaltige Einwendungen gegen unsre Statistik kaum erhoben werden können." WarciihaiiSstener. Das Obcr-Verwaltungsgericht erklärte am 15. April einen Nach- trag zur Gewerbesteuer- Ordnung der Stadt Beuthen, welcher eine Warenhaussteuer als besondere kommunale Gewerbesteuer einführt. für rechtsgültig, oblvobl danach eine Besteuerung mit mehr als 20 Proz. des Jahresumsatzes möglich ist, während die durch Gesetz eingeführte staatliche Warenhaussteuer 20 Proz. für den Höchstfall zuläßt.— lieber die principielle Seite des Streites um die„be- sondere kommunale Gewerbesteuer", die gegen Warenhäuser zc. los- gelassen wird, haben wir uns in unserm Bericht über den Zeitzer Fall unlängst näher verbreitet. Ein Fall schamloser Ausbeutung der Kinderarbeit wurde vor dem Landgericht Nürnberg als Berufungsinstanz verhandelt. Die Brüder Michael und Bernhard Fuchs in Fürth besitzen außer ihrer Fabrik in Fürth u. a. auch ein Hammerwerk„Königshammer" im Schwarzachthal in der Fränkischen Schweiz, wo die Kinderarbeit sehr im Schwange ist. Als im Oktober 1903 der Fabrikinspektor auf dem Hammerwerk einen unverhofften Besuch abstattete, fand er, daß die zum Schutze der Kinder, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen erlassenen gesetzlichen Bestimmungen nicht eingehalten wurden. Auf die Anzeige des Fabrikinspcktors hin kam die Sache bor dem Schöffengericht Schwavach zur Verhandlung, wobei krasse Zu- stände aufgedeckt wurden. Es genügt, wenn wir aus dem schöffengerichtlichen Urteil, durch das die Gebrüder Fuchs wegen Verfehlungen gegen verschiedene Paragraphen der Gewerbe» Ordnung zu je 320 M., der Werkmeister Jmhof zu 126 M. und der Werkmeister Scheu zu 20 M. Geldstrafe verurteilt wurden, einen kleinen Auszug geben. Darin heißt es: Die Werkmeister sind zur selbständigen Leitung des Betriebes angestellt. Die Besitzer kommen wöchentlich einmal nach KönigShammer, aber die Arbeiter interessieren sie nicht, sie haben nur Sinn für das Arbeitsergebnis. Das Gericht hält für festgestellt, daß in den Jahren 1901 bis Ende 1903 die Gewerbe-Ordnung fortgesetzt in der un- erhörtesten Weise übertreten wurde. Die Arbeitszeit für Kinder und jugendliche Arbeiter begann oft um 3 Uhr morgens und währte länger als dreizehn Stunden. Häufig wurden sie auch in der Zeit von 7 Uhr abends bis 6 Uhr morgends die ganze Nacht hindurch beschäfttgt. Die Pausen wurden nicht eingehalten, die Ausnlltzung der Kinder und jugendlichen Arbeiter ging sogar so weit, daß man ihnen noch die einstündige Mittagspause be- schnitt. Leider ist dieser Punkt nicht mit unter Anklage gestellt. Während der Pausen mußten Kinder und jugendliche Arbeiter oft Metall klauben oder andre Arbeiten verrichten. Ebenso ist erwiesen, daß Arbeiterinnen oft morgens um 5� Uhr, an den Sonnabenden um 3 Uhr, an andren Tagen öfters um 5 Uhr die Arbeit beginnen mußten. Die Unternehmer hatten die gesetzliche Verpflichtung, ihren Betrieb zu überwachen, aber das Gericht ist geneigt, anzunehmen, daß die Uebertretungen mit Wissen der Gebrüder Fuchs ge- schehcn sind. Die Kinder seien in geradezu unerhörter Weise rücksichtslos ausgebeutet worden. Das sei schon vom menschlichen Standpunkte aus verwerflich, aber auch vom gerichtlichen Standpunkte aus sei eine exemplarische Strafe am Platze. Die Verhandlung habe aber auch noch weiter ergeben, daß die Fabrikinspektion in ihrer jetzige» Form ungenügend sei, sonst hätten solche Gesetzwidrigkeiten nicht jahrelang begangen werden können. Die Gebrüder Fuchs und der Werkmeister Jmhof waren so naiv, von der Berufungsinstanz eine Freisprechung zu erwarten. Das Landgericht verwarf die Berufung und betonte, es würde auf eine viel höhere Strafe erkannt haben, wenn es über die Sache abzuurteilen gehabt hätte. Es konnte aber die Strafe nicht erhöhen, da nicht auch der Amtsanwalt Berufung eingelegt hatte. Eine viel höhere Strafe wäre auch durchaus erforderlich ge- Wesen; man kann unmöglich von einer„exemplarischen" Bestrafung reden, wenn für solche jahrelang betriebene Ausbeuttmg der Kinder auf ganze 320 M. Geldstrafe erkannt wird. Der§ 146 der Gewerbe- Ordnung, der hier Anwendung zu finden hatte, schreibt Geldstrafe bis zu 2000 M. vor. Wenn in solchen! Falle nicht die höchste zulässige Strafe angewandt wird, wann soll jie dann wohl zulässig sein?_ Der Konkum-. Äau- und Tparvcrciit„Produktion" in Ham- bürg g,ebt soeben seinen Geschäftsbericht für das Jahr 1003, den sunsten seit seinem Bestehen, heraus. Daraus ergicbt sich, daß der Berem auch im verflossenen Jahre wieder einen bedeuteuden Fortschritt zu verzeichnen hat. Zu den bestehenden L4 Verkaufsstellen sind im Berichtsjahre 3 weitere hinzugekommen. In diesem Jahre sind demnächst weitere Eröffnungen von Verkaufsstellen zu erwarten. so daß der Verein in kurzem über 3 0 Verkaufsstellen für kolonial- und Fettwarcn verfügt. Außerdem hat der Verein in seinem Grundstück Wendcnstraße einen Schlächterladen eröffnet, in dem während sechs Monaten ein Umsatz von 10 804,86 M. erzielt wurde. Der Gesamtumsatz'betrug im Berichtsjahre 2 655 9-18,85 M. gegen 2 221 582,57 M. im Jahre 1002. Der Reingewinn beträgt 102 371,43 M. gegen 74 011,53 M. im Vorjahre, so daß die Verwaltung in der Lage ist. den Mitgliedern aus die von denselben entnommenen Waren eine Ziückvergütung von 3 Proz. vorzuschlagen. Tie Zahl der Mitglieder stieg von 13 310 auf 16 246. Am 10. Juli 1003 wurde in der neu erbaute», mit allen modernen Hilfsmitteln ausgestatteten Bäckerei der Betrieb auf- genommen. Ter Bericht sagt hierzu unter anderm: „Die fertige Anlage wurde an mehreren Sonntagen für die Mitglieder zur Besichtigung freigegeben und der zahlreiche Besuch bekundete das für unsre Bäckerei vorhandene Interesse. Auch die Verwaltungen von verschiedenen in- und ausländischen Ltonsum- vereinen, ferner Vollswirtschaftler. Architekten und Fachleute nahmen unsre Bäckerei in Augenschein." Die dem Berichte beigcgebenen Abbildungen des 5 Meter hohen Backraumes mit 4 Doppeldampfbacköfen. 1 Gerstel- und 1 Zwieback- trockenofen, mit den ans Marmor hergestellten Wirktischcn, dessen imposanter, sauberer Eindruck noch erhöht wird durch die mit weißen, glasierten Wandplatten abgedeckten Wände und den die ganze Vorder- front einnehmenden Spiegelscheiben, lassen erkennen, daß der ganze Betrieb das Licht der Leffentlichkeit nicht zu scheuen braucht. Die weiteren Abbildungen gewähren uns einen Einblick in den Teig- kncteraum mit den dazu erforderlichen Maschinen sowie in das Mehl lagcr, in dem die Mchlmisch- und Reinigungsmaschincn aufgestellt sind, die das zum Backen wie auch das für die Verkaufsstellen be- nötigte Mehl zunächst von allen unreinen Beimengungen reinigen. Tie aiigestellten Bäcker sind verpflichtet, vor wie auch nach Beendigung der Arbeit zu baden. Zur Durchführung dieser vom Standpunkte der Konsumenten nicht hoch genug einzuschätzenden Maßregel dienen 6 Wannen- und 4 Brausebäder. Die Arbeitskleidung der Bäcker wird von der Genossenschaft geliefert und sauber erhalten. Die Arbeitszeit der Bäcker ist eine achtstündige, die Ansangslöhne betragen 25— 28 M. pro Woche, außerdem erhalten die Bäcker 6 Tage Ferien unter Fortzahlung des Gehaltes und die gesamten Jnvaliditäts- und Lirankenversicherungs-Beiträge werden von der Genossenschaft bezahlt. In der Zeit vom 10. Juli bis zum 31. Dezember wurden 282 717 Brote im Werte von 120 760 M. gebacken. Auch eine modern ein-, gerichtete Schlächterei und Wurstfabrik mit den dazu gehörenden Kühl-, Pökel- und Räucherei-Anlagen hat der Verein im Berichts jähr« eingerichtet. Auch dieser Betrieb ist nach denselben Grund- sätzen wie die Bäckerei ausgeführt. Der Umsatz der Schlächterei bc- trug in den 6 Monaten 42 266 M. An Löhnen wurden den Schlächtern 22, 25 und 30 M. pro Woche gezahlt, wie auch die übrigen Vergünstigungen gewährt wurden. In der eignen Tischlerei wurden für 17 410 M. Gegen- stände angefertigt. Die Löhne der Tischler betrugen bei achtstündiger Arbeitszeit 31,20 M. und 35 M. pro Woche; auch diese erhalten b Tage Ferien. lieber die Personalverhältnisse im allgemeinen ist zu erwähnen, daß die Genossenschaft insgesamt 168 Personen beschäftigt, an Löhnen wurden gezahlt: Comptoiristen 27— 35 M., Lagerhaltern 32— 30 M.. Verkäufern 20— 25 M., Verkäuferinnen 12,50— 18 M., Lagerarbeitern 25— 28 M., Kutschern 27— 28 M., Arbeiterinnen 15 M nebst Ferien usw. Erwähnenswert ist noch, daß alle nicht in Berufs- genossenschaftc» versicherungspflichtigen Angestellten bei dem All- gemeinen Deutschen Versicherungsverein Stuttgart gegen Unfall versichert sind, und zwar im Todesfall mit 2000-�5000 M., bei gänz- licher Arbeitsunfähigkeit mit 6000— 15 000 M., bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit mit 2— 5 M. pro Tag Rente. Der erste ordentliche Genossenschaftstag des Centralverbandcs deutscher Konsumvereine findet am 12., 13. und 14. Juni in Hamburg statt. Es stehen nicht toeniger wie 16 Punkte, darunter 7 Vorträge auf der Tagesordnung._ Hus Induftne und ftandel. Finanzieller Zusammenbruch und Selbstmord. Das seit länger als hundert Jahre bestehende HolzexporthausJ. G. Luden- dorff u. Co. in Stettin hat seine Zahlungen eingestellt, und der eine Inhaber, Brunkow, hat sich erschossen. Die Firma war bis vor einem Jahre wohl angesehen, von da ab wurde aber das Geschäft immer unbedeutender, und es erfolgten Kreditkündigungen, die dem Hause die Erfüllung seiner Verbindlichkeiten unmöglich machten. Auch der Preisrückgang der kicfernen Exporrhölzer mag den Verfall mit verschuldet haben. Uebcr die Höhe der Passiva vcr- lautet noch nichts, auch nicht über die Hauptbeteiligtcn, die wohl über- wiegend in den Kreisen der Stettiner Banllvelt zu suchen sein werden. Konkurs Horn. Vor dem Kölner Amtsgericht fand gestern die erste Gläubigerversammlung in Sachen des Bankhauses Horn statt, wobei festgestellt wurde, daß bei den Gesamtschulden von 600 000 M. Aktiva von 100 000 M. gegenüberstehen. Beteiligt sind drei Pariser und zwei Brüsseler Vankfirmen, sowie eine Menge kleiner Leute. Der Konkursverwalter erklärte, Horn habe seit Jahren Geschäfte betrieben ohne erhebliches eignes Vermögen, namentlich in Brüssel, Paris, London Spielgeschäfte mit Verlust gemacht. Aus der Masse dürften 4.5'/- Proz. herauskommen. Konvention der Niederreinischen Sammet- und Plnschfabrikantcn. Der Verband der Niederrheinischen Sammet- und Pliischfabrikanten hat. wie der„Confectionair" mitteilt, in seiner am Freitagnachniittag statt- gehabten Generalversammlung die seit langer Zeit geplante Kon- vcntion endgültig beschlossen. Durch dieselbe werden einheitliche Zahlungs- und Lieferungsbedingungen festgesetzt. Für die Jnne- Haltung besteht eine Ueberwachungskommission, welche die Vorlage der Geschäftsbücher verlangen kann. Tabaksmonopol in Japan. Wie der Berliner Handelskammer mitgeteilt wird, ist in Tokio am 31. v. M. ein Gesetz erlassen worden, welches in Japan das TabalfabrikationS-Monopol vom 1. Juli d. I. an einführt._ Gewerhrchaftlichcö. Geistige Waffen der Sorialistentödter. Unter der Spitzmarke„Geistige Waffen der Socialdemokratie" brachte die„Staatsb. Ztg." vor einiger Zeit eine Notiz, wonach bei der Firma SchwidlinLky». Co., Fabrik für Gas- und Wasser- leitungSgegenstände m Berlin 40 Proz. der Arbeiter den Wisch deS Kühnemänner-BerbandeS unterschrieben hätten, in deni sie sich als eventnelle Streikbrecher bekennen. Darauf wurde, erzählt die „Staatsbürgerin", in den BctriebSräumen der Firma an einer Stelle, welche die Arbeiter täglich zu passieren pflegen, folgender Anschlag angeheftet? „Aufruf an die Streikbrecher und Genossen. An euch, ihr Knechtesseelen, geht dieser Auftuf. Wie könnt ihr euch so weit herabwürdigen, daß ihr, statt in die Reihen eurer Mitarbeiter zu bleiben, euch als Streikbrecher in die Liste des Fabrikantenvcrbandes einschreibt, also als Verächter eurer Brüder, des gedrückten, aber sich gegen die Tyrannen wehrenden Proletariats gebrauchen läßt. Lockt euch der JudaS- lohn von 2,50 Mark, habt ihr Angst, daß ihr entlassen werdet und ihr dann euren Bauch nicht ganz so voll mit Brot stopfen oder Alkohol füllen könnt und nach eurem Tode keine u Sarg gratis er- haltet? Ach, wie tief seid ihr feigeKreaturen gesunken, daß ihr die Füße küßt, die euch treten,— o, wie erbarm- l i ch.— Euch rufe ich zu: Bcharrt nicht weiter in hündischer Unterwürfigkeit zu eurem Ausbeuter, zeigt, daß ihr»och Männer seid, macht euren Fehler wieder gut, zieht die Unterschrift, die ihr dem Unternehmer gegeben, zurück: nichts steht dem entgegen. kehrt, damit eure Schande auslöschend, als freie ehrliche Menschen in unsre Reihen zurück— auf zum Kampfe gegen unser» gem eins am eii Feind, der Unterdrückung und Knechtschaft." Nun erfolgt ein Erguß, in welchem daS alberne Machwerk als eine Kundgebung der organisierten Arbeiter hingestellt wurde, das „in demselben blutrünstigen Tone gehalten" loäre,„den diese irre- geleiteten Leute von ihren Führern in den Versammlungen zu hören bekommen." Uns klang im Gegenteil dazu die Tonart sehr nach„Arbeit- geber-Zeitung",„Post" oder auch„Staatsbllrger-Zeitung", so nn- süglich albern ist das Machwerk. Immerhin wollten wir nicht vor- eilig Schlüsse ziehen. Nun hat die Leitnng des Mctallarbeiter-VerbandeS bezüglich der Angelegenheit Feststellungen gemacht, die den Verdacht nahelegen, daß in der That Geistesverwandte der„Staatsbürger-Zeitung" ihre nie sauberen Finger bei der Sache im Spiel haben. Zunächst wurde festgestellt. daß kein Mitglied des Metallarbeiter-Verbandes den Aufruf angeheftet hat. Unter den Arbeitern deS Betriebes befindet sich überhanpt niemand, der Stil und Jiiterpiinktio» genügend beherrscht, um den Aufruf in seiner äußerlichen Gestalt so wie vorliegend herzustellen. Der Anschlag ist also von dritter Seite angefertigt worden, um gegen die Organisation ausgeschlachtet zu werden! Merkwürdig ist in der Sache daS Verhalten des F i r in e n i n h a b e r s. Die „Staatsbürger Zeitung" meldet, der Anschlag wurde in den Betriebs- räumen der Firma an einer Stelle angeheftet, welche die Arbeiter täglich zu passieren Pflegen. Man sieht, nicht nur der Ton deS Schriftstücks ist derselbe, wie ihn die bedauernswerten Antisemiten in Pückler-Versammlnilgen und in der„Staatsbürger-Zeitung" auf sich wirken lassen müssen, auch die Auffindung desselben an dein Orte, der mit bezeichnender Votliebe von antisemitischer Seite Propagandistsich ausgenutzt wird, weist zwingend auf seine Herkunft hin!—„Juden raus!"„Schlagt ihn tot, den Juden Jtzig!"„Hep, Hcp!" Woanders findet man diese antisemitischen Aufforderungen zur Propaganda der That gegen die Schnorrer und Verschwörer in solchen Massen, als an jenem stillen Oertchen, dessen Dunkel Herr S ch w i d l i n S k i den nach seiner Meinung für die Socialistentötung so prächtig verwendbaren Aufruf entriß— ausgesprochen._ Berlin und vlmgegend. Die Rammer sind an ihre Arbeitgeber mit der Forderung einer Lohnerhöhung herangetreten. Am 8. März wurde der im November vorigen Jahres aufgestellte Lohntarif, der einen Stundenlohn von 65 Pf. vorsah, unter Neduziernilg der Forderung auf 60 Pf. den Innungen zugestellt und bis zum 20. März Antwort erbeten. Die Antwort lief vom Obermeister der Berliner Jiinung ans einer Post- karte ein, dahin lautend, daß die Jnnungsversammlung erst Mitte April stattfinde. Auf ein nochmaliges Schreiben an den Obermeister. die Sache doch nicht unnötig in die Länge zu ziehen oder gar zu verschleppen, erfolgte die Antwort, daß wegen der ungünstigen geschäftlichen Lage im Steinsetzgewerbe, von der eine Besserung vorläufig nicht zu erwarlen sei. einer Erhöhung des Stundenlohnes nicht stattgegeben werden könne. In einer Ver- sammlung, die sich mit diejer Antwort befaßte, wurde beschlossen. das Gewerbegericht als Einigungsamt aiizurufen, um auf friedlichem Wege eine Einigung herbeizuführen. Als Vertreter vor dem Einigungsamt wurden Hauschild und Trampe einstimmig gewählt. Achtung, Metallarbeiter! Der Zuzug von Metallarbeitern aller Branchen nach Magdeburg(Streik mid Aussperrung) ist streng fern zu halten. OrtSvcrwaltilng Berlin des Deutschen Metallarbciter-VerbandeS. Oeutkches Reich. Mit einer allgemeinen Aussperrung der Maurer will der Arbeit- geberbuild für das Baugewerbe den partielleil Streik der Maurer in Königsberg beantworten. Er hat ain Donnerstag einen dahin- gehenden Beschluß gefaßt. Es ist bereits ein Fonds von über 000 Mk. gezeichnet worden, damit Italiener geholt werden können. Nun ist eS aber noch zu keiner Aussperrung von der Seite der Arbeit- geber gekommen, wohl aber haben seit ein paar Tagen immer mehr und mehr die Forderungen der Maurer bewilligt. Bis Freitag mittag hatten 10 Baugeschäfte die Fordennigen bewilligt. Diejenigen Arbeitgeber, die im Bunde ain cnergischsten die Forderungen bc- kämpfen, haben fast gar keine oder nur sehr wenig Arbeit. Sie können deshalb schon eine Lippe riskieren. Die Situation steht für die Maurer und ebenso für die Bauhilfsarbeiter sehr günstig. Letztere haben in einer Versammlung eine Behauptung der Arbeitgeber, daß sich genügend Arbeitswillige gefunden hätten, als gänzlich u n- wahr zurückgewiesen. Man habe damit nur die Oeffcntlichkeit täuschen wollen. Hugiand. Der Allgemeine Niederländische Zimmererverland hielt am 10. und 11. April zu Nymwegen seine Jahresversammlung ab, auf der 31 Abteilungen des Verbandes durch 57 Delegierte vertreten waren. Als Vertreter des Deutschen Zimntererverbaitdes war dessen Bor- ntzcnder Schräder anwesend. Der Verbandsvorsitzende Verdorst gedachte in seiner Eröffninigsrede deS General- treiks gegen die Zwangsgesetze im April vorigen JahrcS und erwähnte nnter andern:, daß sich in Antsterdam von 3000 Zimmerleuteit 2000 daran beteiligt haben, in Rotterdam von 2000 175, im Haag von 1500 650 usiv. Durch die Generalstreik- Bewegung sei die Agitation auf dein Lande sehr erschwert worden. — Die Jahresversammlung gab dein Verbandsvorstand den Auf- trag, mit den Vorständen der benachbarten ausländischen Br u derver bände über eine bessere Regelung der Verhältnisse bei Streiks und Aussperrungen zu beraten. Ferner soll der Verbands- vorstand auf die Errichtung einer niederländischen Föderation der Arbeiter des Baugewerbes und auf Verkürzung der Arbeitszeit im Baugewerbe hinwirken. Zur Unterstützung der ausgesperrten Diamantarbeiter wurden 1000 Gulden, die in Wochcnraten von 200 Gulden gegeben werden sollen, bewilligt. Als Vertreter fiir den Internationalen Arbeitcrkongreß wurde S ch a p e r(Mitglied der Zweiten Kaninier) gewählt; einen zweiten Delegierten wählt der Hanptvorstand._ Versammlungen. Der Religionsstreit in Groß-Lichterfelde. In Groß-Lichterfelde fand am Donnerstag eine öffent- Religion als Privatsache zu erklären. Entscheidend sei der Geist, der in den Verwaltungen herrsche. Kein Beamter dürfe sich etwa als Dissident oder gar als Atheist bekennen; die Schule sei eine kirchliche, konfessionelle. Unter den jährlichen Staatsausgaben in Preußen seien für kirchliche Zwecke allein circa sechs Millionen enthalten. Redner begründete alsdann eingehend die Forderungen im social- demokratischen Parteiprogramm: Erklärung der Religion zur Privat- fache. In längeren Ausführungen gab der Referent eine historische Darstellung der verschiedenen hauptsächlichsten Religionen und ihrer Merkmale. Zweifellos hätten dieselben im Laufe der Geschichte auch viel Gutes gewirkt uiid den Bedürfnissen der Masse in früherer Zeit entsprochen. Jetzt allerdings seien die Religionen überflüssig. Dem Dogmen- Glauben trete die Naturwissenschaft gegenüber, die im Laufe der letzten Jahrzehnte gewaltige Fortschritte gemacht und die Unhaltbar- kelt wesentlicher Glaubenssätze nachgewiesen habe. Daher der Ruf der Kirche nach Umkehr der Wissenschaft. Vor allem müsse auch der Religionsunterricht aus den Schulen entfernt werden.— Nachdem Redner noch die Arbeiterschaft zu intensivster Thätigkeit auf allen Gebieten der Kultur, zur Zusammen- faffnng aller Kräfte aufgefordert, schloß er seinen mit großem Beifall belohittcn Vortrag. Der nächste Redner in der nun folgenden Diskussion war der Theologieprofessor Dr. Pfleiderer. Er bezeichnete den Refe- reuten als einen derjeniaen wenigen Führer der Socialdemokratie, mit dclicn man„veriiüiiftig" reden könne. Die Religion sei heute auf der Antlagebaiik, aber der AnUäger habe conlanterweise mit- dernde Umstände beantragt. Besonders freue ihn die Anerlennung des ethischen Inhaltes der Bibel. Wenn der Vorredner aber die Religion für die Gegenwart und die Zukuiift für überflüssig erachte, so wirke dies mehr schädlich als nützlich. Die Religion bilde kein Hemmnis für die Wissenschaft. Ob die Religion entbehrt werden könne, erscheine ihm sehr fraglich. Wohl habe die Naturwissenschaft gewaltige Fortschritte gemacht; dafiir seien wir aber auf andrcn Wissensgebieten zurückgegangen. Die Zeiten der Kant, Hegel, Schleiermacher usiv. scheinen vorbei zu sein. Redner geht auf den Kampf zwischen Naturwissenschaft und Re- li�ion näher ein und wünscht, daß beide Hand in Hand gehen möchten. Auch die Naturwissenschaft habe den Urgrund aller Dinge nicht beweisen können. Und infolge dieser Lücke bleibe eben der Glaube an einen Gott. Und selbst die Soeialdcmokraten hätten in gewissem Sinne Religion, ohne daß sie das wüßten— ihre Ideale, über die er sich anfrichtig freue. Aber diese Ideale seien sehr ferngcrückt und ohne den Glauben an einen Gott wahrscheinlich nicht zu ver- wirklichen. Die ziemlich zahlreich erschienenen Anhänger des Theologie» Professors spendeten ihm Beifall. Graf Hoensbroech stimmt der Forderung auf Erklärung der Religion zur Privatsache volllommen zu. Aber er bemängele an den: einleitenden Referat, daß das Wesen der Religion nicht berührt worden sei. Es sei lediglich ein Zerrbild der Religion gegeben worden, ab- gesehen noch von einigen historischen Irrtümern. Der Referent hätte sagen müssen, was eigentlich Religion sei. Man müsse nicht immer nach dem Buchstaben der Religionslehre sich richten, sondern nach dem Geist. Auch der Zulunftsstaat werde nicht alle Bedürfnisse befriedigen können.— „Das Wort hat der Herr Pastor Stalte!"—„Im Namen des Gesetzes löse ich die Versammlung auf."— Das war der dramatische Schlußeffekt der Versammlung. Die berühmte Lichterfeld'er Polizeistunde hatte just dem Diener GotteS das Wort abgeschnitten. Die Fortsetzung der DiSlussion findet am Donnerstag, den 21. April, statt und haben alsdann zu» nächst die Herren Pastoren das Wort. Reinickendorf(West). Der hiesige Wahlverein hielt am 13. April seine fällige Mitgliederversammlung ab. Gemeindevertreter Ohl hielt einen Vortrag über die politische Lage. In der Diskussion wurde namentlich die Gründung eines GcwerkschaftskartellS am Orte erörtert. Darüber konnte durch den Wahlverein natürlich nichts beschlosseii werden, die Mitglieder des Wahlvereins stehen aber der Angelegenheit sympathisch gegenüber. Bezüglich der Maifeier ivurde beschlossen, dieselbe in den beiden Bezirken'(Osten und Westen) getreimt abzuhalten. Für den Bezirk Westen kommt daS Lokal von Franke, Eichborn- straße 17, und für den Bezirk Osten das Lokal von Kirsch, Max- siraße 1/2, in Betracht. Bon der Wahl eines Beisitzers wurde Ab- stand genommen bis zur Neuwahl des gesainten Vorstandes im Juli. Berichtigung. In unfrem Versammlungsbericht aus Schöne» borg ist einer der Dislussionsredner, HcrrDaya, als Anarchist bezeichnet worden. Obgleich Herr D a y a darin ein hohes sittliches Lob erblickt, verwahrt er sich doch dagegen und ersucht uns, mit- zuteilen, daß er S o c i a I d e m o k r a t und im dritten Berliner ReichStagS-Wahlkreis organisiert sei. liche Versammlung mit dem Thema:„Ist Religion Privatsache?" statt. Der Besuch der Versainnilniig war ein geradezu kolossaler. Alle Tische mußten entfernt werden, iclbst auf der Bühne dicht hinter dem VorstandStisch hatten die Teilnchiner Zuflucht gesucht, ivährend Hunderte voin Garten durch die geöffneten Fenster den Rednern zuhörten. Das einleitende Referat hatte Genosse Eduard Bernstein. Redner betonte, daß das Thema zweierlei Sinn haben könne: Ist Religion jetzt schon thatsächlich Privatsache oder soll sie es erst werden? Im preußischen Staat sei die Religion keine Privatsache. Die Berfassung vom Jahre 1848 gewähre wohl Religionsfreiheit; aber bei der RücklvärtSrevidierung der Verfassung sei es unterblieben, die Letzte Nachrichten und Depcfchen. Amtliche Nachricht über das Gefecht dci Okatumba. Berlin. 16. April.(28. T. B.) Haugtmanii Fiedler schickt aus dem stellvertretenden Hauptquartter in Okahandja folgende Gefechtsdepcsche des Gouverneurs Leutwein, die iusolge einer Betriebsstörung der Heliographenlinie erst am 16. April früh 7 Uhr in Okahandja einttaf: Am 13. April rückte ich von Otjosasu gegen die bei Okatumba stehenden H e r e r o s vor. Letztere wichen bis in die Gegend von Oviumbo zurück, wo sie ihrerseits angriffen. In zehnstündigem schweren Gefecht überlegener Gegner abgewiesen. Letzterer zahlreiche Verluste. Da Heranziehung von Munition und Verpflegung nicht möglich, weiteres Vorgehen in diesem Gelände auch keinen Erfolg versprach, ging ich nach Otjosasu. Diesseitige Ver- l u st e: Hauptmann Bagenski, Oberlicutenant Reiß und sieben Reiter tot, Lieutenant F i n d e i S und sieben Reiter schwer, sechs leicht verwundet. Japanische Meldung über den letzten Angriff ans Port Arthur. Tokio, 16. April.(Meldung des„Rcutcrschen�Burcaus".) Admiral Togo meldete hierher, er habe am 11. April einen Angriff auf Port Arthur gemacht und um Mitternacht Minen gelegt, worauf er seine Schiffe auf eine Entfernung von 15 Meilen zurückzog. Die „Petropawlowsk" sei. als sie den Hafen verließ, auf cinc japanische Mure gestoßen und in die Luft gflogcn. Grubeminglück. Essen a. d. Ruhr, 16. April.(58. T. B.) Auf der Zeche Werne in Werne entstand infolge eines Sprengschusses eine Explosion durch schlagende Wetter. Drei Arbeiter wurden schwer, drei leicht verletzt. Durch die Explosion brach ein Grubenbrand aus, der aber ohne weitere Folgen bleiben dürfte, da die Abdämmungsarbeiten sofort in Angriff genommen wurden. Düsseldorf, 16. April.vie die Papua und Eskimo durch die Berührung mit der europäischen Kultur in ihrem numerischen Be- stände gefährdet wird, ist schon zur Genüge beivicsen. Im Gegen- teil stndet an den meisten Stellen, wo die Sklavenjagden und die ewige Sclbstzerfleischuug der Schwarzen untereinander behoben ist. eine Vermehrung der Bevölkerung statt. Die Frage ist nur, ob sie bildungsfähig, d. h. im stände ist. neue europäische Kulturclementc in sich aufzunehmen und zu verarbeiten. Bei der Beantwortung dieser Frage seien eine ganze Anzahl von Urteilen von Reisenden tind Kolonialpolitikern von vornherein aus- zuschalten, denn es sei zu durchsichtig, zu welchem Zweck diese Urteile verneinend'aus- fielen. Aber auch ernste und sachkundige Kritiker hätten hänsig die Inferiorität der schwarzen Rasse behauptet. Er selber habe diese Anschauung früher geteilt, obwohl sein Vater, der zehn Jahre in Westindien alsMissionar gewirkt habe, eine hohe Meinung von der schwarzen Rasse gehabt habe. Nach und nach habe er sich jedoch durch fortgesetztes eifriges Studium von der Unrichtigkeit seiner Anschauung überzeugt. Kein Künstler suche den Typus der angelsächsischen Rasse im Dreck von London. So gebe es neben den Thatsachen. die sm Inferiorität der schwarzen Nasse zu sprechen scheine, eine ganz» Menge andre, die aus das Gegenteil hindeuteten. Dieser Thatsachen führte der Redner eine große Menge aus Amerika an. die zur Genüge beweisen, daß die dortigen Neger, die Nachkommen der ehemals zu Hunderttausenden hinübertranöportierten Neger- sklaven. auf allen Gebieten der Wirtschaft, der Technik, des geistigen Lebens in erfolgreichen Wettbewerb mit der weißen Rasse treten. Als diese Neger aus der Sklaverei befreit wurden, waren sie in einem halb tierähnlichen Znstand, i'cicht das mindeste hatten ihre Befreier gc- than, um sie zum Genuß der Freiheit fähig zu machen. AuS eignerKraft mußten sie sich den Weg bahnen, und hatten trotz der Freilassung unglaubliche Hindernisse und Borurteile -u überwinden. Wenn jetzt nach 70 Jahren dort trotzdem so eminente Fortschritte erzielt seien, so könne man nicht umhin, der schwarzen Rasse eine eminente Kulttirfähigkeit zuzusprechen. Freilich müsse man in einem solche» Entwickelmigsprozeß nicht nach Jahrzehnten, sondern vielleicht nach Jahrhunderten rechnen. Aber wie in Amerika, sei cS überall. Niemand gebe sich die geringste habe nicht den Frieden gestört, sondern das Recht verteidigt. Er sei zu einer vernünftigen niatcricllcn Regelung, zur Abtrennung eineS_ Teiles, gern bereit gewesen. Wenn in Preußen die Protestanten ihre Kirchhöfe den Katholiken weigerten, kümmere sich kein Mensch darum. Ucbrigens werde der Ab- geordnete Blumcnthal sich aus seiner Vergangenheit wohl noch erinnern, wie tief die religiösen Gefühle der Juden verletzt seien, wenn Andersgläubige auf ihren Kirchhöfen begraben würden. Nie- mand in der ganzen katholischen Welt lvolle den Protestanten nicht eine würdige Grabstätte überlassen, aber die Frage muß eben gcsctz- lich neu geregelt werden. Nicht der Fall Fameck sei also das Empörende, sondern die illoyale und unzulässige Ausschlachtung eines derartigen Vorfalles zu illoyalen Zwecken. Wenn das aus der Welt geräumt wird, so wird der konfessionelle Friede nicht weiter ge- stört sein.(Bravo! im Ccntruin.) Abg. Dr. Wolff(B. d. L.): Der Reichskanzler hat meinen Freund Graf Rcventlow angegriffen wegen seiner Aenßerung über das englisch- französische Bündnis, aber jedenfalls sind wir in Marokko wieder beiseite geschoben worden. Die Socialdcnrokratcn freuen sich darüber natürlich nur, lvie der Abg. Bebel neulich hier ausgeführt hat. Der einzige Unterschied zwischen ihm und dem Zaren ist, daß dieser der Beherrscher aller Reußen, Bebel der Herrscher aller Roten ist. In Bezug auf die Landwirtschaft hat der Abg. Bebel gesagt, sie stehe glänzend da. Das beweist nur, daß er diese Verhältnisse überhaupt nicht kennt. Der Abg. Gothei» hat sich vorsichtiger aus- gedrückt, es gehe der Landwirtschaft ganz gut. Herr v. Gerlach tritt als Sachverständiger auf, weil er in einem rein ländlichen Wahl- kreise gewählt sei. Nun, dann sind seine Wähler noch dümmer gewesen als er selber: wirklich blinde Hessen. Ich spreche ihm jede Sachkenntnis ab.(Sehr richtig! rechts.) In Bezug auf die Handelsverträge sagt der Reichskanzler, den Zeitpunkt der Kündigung müsse man ihm überlassen: er zieht sich auf den formalen Rechtsstandpunkt zurück, um auszuweichen. Bei den Verhandlungen mit Rußland sollte erden gegenwärtigen Krieg in O st a s i e n benutzen, u nr eine Pression auf Rußland auszuüben, günstige Bedingungen zu erhalten. Abg. Krzyininski,(Polc): Als Polen annektiert wurde, ist eS kulturell fortgeschrittener gewesen als Preußen, seine Schulen sind bedeutend besser gewesen. Der Minister v. Hammerstein behauptet, Preußen hat für Polen viel gethan. Was Preußen nach der Anneltion allein an Kirchengütern eingesteckt hat, ist so viel, daß alle Auf- Wendungen Preußens für Polen noch nicht die Zinsen dessen er- reichen. Redner geht ausführlich auf das Ansiedclrmgsgesctz ein. Weiter bringt Redner eine Reihe von Klagen über kleinliche Chikancn der Beamten gegen die Polen vor: so trage man die weiblichen polnischen Namen mit der Endung li statt ka in die StandcsamtSregister ein. Abg. Wcttcrle(Elf.) wendet sich gegen den Abg. Blumenthal, der in Colmar sein Programm dahin zusammcngesaßt habe,„er wolle Waldeck-Rousseaun", jetzt wolle er wohl„Combiern"? Herr Blumenthal und seine Parteigenossen treten für eine merkwürdige Freiheit ein, den Ausweisungen der Ordensbrüder in Frankreich, ebenso der des Kollegen Delsor hätten sie zugejubelt. Auch das ftanzösische Vereinsgesetz, das sie loben, sei schlechter als das unsrige. (Widerspruch links.) Die Aeußerungen des Reichskanzlers bezüglich der staatsrechtlichen Gleichstellung der Reichslande mit den übrigen Bundesstaaten seien nicht befriedigend. Die Gleichstellung verlangen alle Parteien in Elsaß-Lothringen. Redner geht weiter noch auf den Fall des Kirchhofs in Fameck ein. Abg. v. Oldcnburg-Januschau(B. d. L.): £3 Ich möchte bitten, daß der Herr RcichSkanzler auf die Fragen der Landwirtschaft doch etwas ausführlicher und positiver antwortet als bisher. Die Geschäftsverteilung zwischen Reichskanzler und Staatssekretär für das Auswärtige Amt ivird sich nicht dauernd aufrecht erhalten lassen. Ter Herr Reichs- kanzler vertröstet uns auf das, was der Herr Staatssekretär sagen, und der Herr Staatssekretär ans sdas, was der Herr Reichskanzler sagen wird; dann sind sie beide still.(Heiterkeit.) Ich hoffe aber Mühe, die Steger zu erziehen. Ehe man nicht die ernstesten Versuche gemacht habe, sie zur Höhe der modernen Kultur empor- zuführen, habe niemand ein Recht dazu, von der Inferiorität der schwarzen Rasse zu reden. Zwei schlimme Eigenschaften werfe nian den Negern gewöhnlich vor: Sucht zur Karikatur und Faulheit. Die Beobachtung zeige aber, daß die Karikatur eine Kinderkrankheit sei, die immer mehr verschwinde, je länger die Neger mit der europäisch-amcrikanischcn Civilisation in Berührung stehen. Und dieser Trieb des Nachahmens, der zuerst gewöhnlich so lächerliche Blüten zeitige, ermögliche gerade die Emporentwicklung. Ohne ihn sei kein ErziehungSerjolg denkbar. Auf allen Gebieten habe es sich gezeigt, daß die Neger sähig seien, voni rein äußerlichen Nachahmen zur Assinnlierung höherer Kulturwerte vorwärts zu schreiten. Viel schlvercr wiege der Vorwurf, der Reger sei zu faul zu ernster Arbeit. Man weise zum Beweise oft auf die alte ameri- ramsche Plantagenwirtschaft hin, die nach der Ncgerbcfteiung an Arbeiterniangeb zu Grunde gegangen sei. Er behaupte dagegen, daß die damaligen Plantagenbesitzer auch ohne diese Kalamität zu Grunde gegangen wären. Ans dem einfachen Grunde, weil sie die modernen Arbeitsmittel nicht eingeführt hätten, vielmehr technisch vollständig rückständig geblieben und dadurch konkurrenzunfähig geworden seien. Im übrigen: Wenn die Neger damals das arbeitsloie Dasein für das einzig menschenwürdige gehalten hätten, so'habe das einfach an der vorhergehenden fürchterlichen Ausbeutung gelegen, von der sich die Weißen heute keinen Begriff machen könnten, weiter aber daran, daß ihnen ihre Bedrücker selber mit schlechtem Beispiel vorangegangen, die alle mehr oder nriuder die Arbeitt für etwas Verächtliches an- gesehen hätten. Je mehr wir uns von jener Zeit entfernt haben. desto mehr ist in Amerika der Anlaß zum Vorwurf der Faulheit gegen die Neger geschwunden. In D e u t s ch- O st a f r i k a haben die Missionare lvie die- j e n i g e n Weißen, die die Neger richtig zu behandeln lvissen, fast immer ein größeres Angebot von Arbeits- I r ä f t e n, als sie verwenden können. Gott behüte und bewahre unsre Kolonialregieruug vor dem Fehler, etwa Kulis und Chinesen zu importieren. Das würde auf die Dauer die schwarze Rasse einfach ruinieren. Das schwerste Hindernis für die Entwicke- lung der schwarzen Rasse sei nno bleibe jedoch der Dünkel und Rassenhaß der Weißen. Mis'ionsinspektor Sauberzweig-Schmidt ve- siätigte vollständig Buchners Urteil über die amerikanischen Neger ftir S ü d afrika. Hier befänden sich die Neger auf genau dem gleichen Wege wie in Amerika, nur, daß sie naturgemäß noch nicht ganz so weit seien lvie ihre amerikanischen Brüder, weil die Bc- riihrung mit der Kultur der Weißen eben noch nicht so lange und so intensiv angedauert habe. Wer die Schulen d�r Neger- linder m, t denen iv e i ß e r Kinder vergleiche, müsse zugestehen, daß jene die gleiche Aufnahme- sähigkeit besitzen wie diese. Dazu lernen die Neger- linder meistens zwei Sprachen und die Erwachsenen beherrschen oft drei Sprachen und radebrechen zuweilen nocb eine vierte. I» Britisch-Kaffraria giebt es Zeitungen, die von Schwarzen geleitet, geschrieben, gedruckt und gelesen werden. Eine der größten Ge- fahren für die Zukunft der schwarzen Nasse sei die Berbastardisieruirg. Leider häufen sich neuerdings die Fälle immer mehr, in denen seitens weißer Abenteurer und Kolonialbeamten in dieser Hinsicht skrupellos gesündigt werde. Wenn aber eine Bastardisiermig(Nasscnmischung zwischen Weißen und Schwarzen) erfolge, habe die Rasse keine Znkruift. Pastor Grundmann: Rastenunterschiedc würden immer bestehen bleiben. Das Kastenwesen in Indien sei nichts andres als im Interesse der Landivirtschaft, daß sie nun bald einmal in die Lage kommen werden, positive Mitteilungen zu machen. Graf Bülow macht es sich ja sehr leicht. Er schickt den Grafen PosadowSky in die Wüste(Heiterkeit), be- packt mit den Wünschen des deutschen Volkes. Der bringt dem Centn«» den§ 2; die Svcialdemokraten haben allen Grund dank- bar zu sein von der Wahl her für das Klosettgesetz, und wenn das nicht genügt, so zeigt man ihnen jetzt im Hintergründe die ArbcitSloseiwcrsicheruug, von der ich allerdings wünsche, daß sie in diesem Hause mit Pauken und Trompeten durchfällt, wenn sie wirklich a n u n s gelangt. Die Freisinnigen hoffen, daß sie bei der Börsemrovelle noch irgend etwas machen können, was der Landwirtschast nicht frommt. Und min die Welt weggegeben ist, naht der Agrarier als Poet.(Große Heiterkeit.) Ich glaube aber nicht, daß der Reichskanzler die Absicht hat, uns in seinen Himmel zu nehmen(Heiterkeit): denn eS wäre doch bedauerlich, wenn die Landlvirte das schöne Geschäft aufgäben, sich für 2 Proz. ihres Anlagekapitals weiter zu schinden. daS könnte bedenkliche Folgen haben. Bei europäischen Komplikationen könnten wir dann der- hungern, sogar die Herren Reichstags- Abgeordneten könnten ver- hungern.(Heiterkeit.) Der socialistische Staat wäre uns näher ge- kommen, weil die ländlichen Rekruten fehlten, die Zustände würden ja nicht lange dauern, unsre Selbständigkeit ginge zum Teufel usw. Ich habe also die Idee, daß die Landwirte sich weiter schinden sollen, aber ich halte es für unbillig, daß sie cS auf die Dauer für 2 Proz. thun.— Die reinste Freude ist die Schadenfreude und wenn ich da- zu neigte, so konnte ich sie anwenden gegenüber den Herren, die dem Antrage Kardorff in der Annahme zugestimmt haben, der Reichs- kanzler sei nun moralisch verpflichtet, bald Handelsverträge vor- zulegen. Ich erinnere mich an das Lied der Mädchen in den Spinn- stuben:„Grün, grün, Pfefferkraut, ich Hab' meinem Schatz zu viel vertraut".(Große Heiterkeit.) Auch die Kündigung der Handelsverträge, wenn sie eintritt, wird von nicht a ll�u g r o ß er Wirkung sein, wenn nicht gleichzeitig die Meistbcgüilstigiuig mit den ameri- kanischc» Staate» gekündigt wird. Wir glauben gar nicht, daß das Auswärtige Amt darauf dringen würde, aber vielleicht werden es sich die VertragSstaatcn nicht weiter gefallen lassen, daß Amerika ohne irgend welche Konzession allein den Schluck aus der Pulle nimmt.(Heiterkeit.) Die BiSmarckschcn Getreidezölle von 5 Mark reichten ja schon damals nicht aus. Bei dem enormen Sinken der amerikanischen Frachtsätze sind sie heute ohne jede Bedeutung. Man dankt dem Reichskanzler, daß er die Mindcstzölle nicht fallen läßt. Er könnte ja seine ganze Politik mit dem Centrnm nicht durchführen und das Centrum könnte ja die Marine- und Militärvorlagen gar nicht annehmen, lvenn nicht die wirtschaftliche Lage geklärt lväre inr Interesse derer, die Verständnis haben für produktive Arbeit.—(Abg. v. Normann ruft laut Bravo I Stürmische Heiterkeit.) Die Vichzölle werden auch nicht dazu reichen, eine Fleischvcrtencrung wesentlich mit herbeizuführen. Viel wichtiger ist der absolute Scuchcnschntz, denn die Sicherheit unsrer Viehbestände hat dadurch in den letzten Jahren bedeutend zugenommen. Es ist ja traurig, daß sich Industrie und Landwirtschaft die paar Zölle gegenseitig vorrechnen müssen. So lange Fürst Bismarck am Ruder ivar, herrschte die Identität der Interessen. Wir haben uns gegenseitig bewilligt, was wir brauchten(Stürmische Heiterkeit bei den Sociakdemokraten) und das deutsche Vaterland hat sich dabei sehr gut befunden.(Andauernde Heiterkeit bei den Social- demokraten.) Hauptsächlich habe ich zu dem Zweck das Wort ergriffen, um die Legende zu zerstören, als hätte unser hochverehrter Reichskanzler in seinen vier Amtöjahren irgend etwas Ernsthaftes für die Landwirt- schaft gethan. Das glauben natürlich Herr Bebel und Herr Gothein, die den Jntcxessen Landwirtschaft absolut fernstehen. Unter uns jungen Mädchen gesagt, will i ch n u r g e st e h e n, daß ich einen meiner Vorarbeiter, der sür Gothein gestimmt hat, einfach rnt- lassen habe.(Große Unruhe bei den Sociakdemokraten.) Ja. ich halte auf Ordnimg, wie der socialdemokratische Partei- vorstand: man kann eben nicht liberale Politik machen und in den Mußestunden Dünger fahren.(Andauernde Unruhe links.) Vor ein Ausdruck von Rassenunterschieden. Selbst die Missionare können nicht die Volksseele in ihrer tiefsten Tiefe treffen, sondern müssen sich aus dem Volk selber Helfer heranziehen. Immer werde es so bleiben, daß jedes Volk aus sich selber heraus die besten Erziehungs- kräfte entwickle, so daß alles, was die weißen Missionare den Schwarzen bringen, nur Vorbereitungsarbeit sei. Missionsdirektor G e n s i ch e n: Die Schlvarzen haben eine starke Phantasie und vorzügliche Gabe der parlamentarischen Bc- redsamlcit. Redner erwähnt u. a., daß der Missionar in Pretoria sonntäglich eine ganze Stunde verbrauche, um die 3—400 sür die Schwarzen ciiigegangenen Briefe zu verteilen. So lebhaft sei deren Korrespondenz. Pastor M e i ir h o f: Was beispielsweise die musikalischen Fähig» leiten der Neger anlange, so stehe fest, daß noch kein Europäer eine afrikanische Molodie richtig wiedergegeben habe, während jeder Afri- kaner ohne große Mühe eine europäische Melodie nachsingen könne. Prof. v. Lnschan weise imnier von neuem darauf hin, daß die Be- arbcitimg des Eisens aller Wahrscheinlichkeit nach in Afrika erfunden worden sei. Freilich dürfe nian den Leuten keine Arbeiten zumuten, an die sie gar nicht gelvöhnt seien. Die Hcrero sind Hirten. Man solle sich Mühe gebe», ihre Viehzucht zu verbessern, aber sie nicht gewaltsam zu Plantagen- Arbeitern machen wollen. In Togo haben wir noch heute eine ein- heimische Eisenindustrie. Statt diese zu entwickeln. suche man sie mit allen Mitteln totzumachen. weil e s vorteilhafter ist, den Schwarzen euro- päische Eisenwaren zu verkaufen und sie zur erstellnng von Produkten zu zwingen, die die uropäer bei sich importieren wollen. Achnlich so sei es mit dem einheimischen Baumwollenbau in Togo, der mehr und mehr durch amerikanische Importe verdrängt werde. In der ganzen sehr interessanten Debatte kam nicht eine einzige Stimme zu Tage, die das Dogma von der absoluten und dauernden Inferiorität der schwarzen Rasse vertrat, wenn auch alle Redner betonten, daß man mit langen Fristen zu rechnen habe. Hingegen fiel über die Gewohnheiten der offiziellen„Kulturträger" unsrer Kolonialpolitik manches scharfe Wort. Wenn man sich auch hütete, die Reichspolitik direkt anzugreifen und im Detail zu kritisieren, so war die überwiegende Stimmung doch offenbar die, daß man sich nm der Schwarzen willen ganz gewiß keine Kolonialpolitik wie die heutige wünschen kann. Buchner besonders ließ darüber keinen §, Weisel, daß seiner Meinung nach von Anbeginn bis heute die Be- andlimg der Schwarzen durch die europäischen Kolonialerobercr eine große Kette von Sünden und Mißgriffen gewesen ist. Wir können nur wünschen, daß diese Herren von der Misston jederzeit aus dem Posten sind und rücksichtslos vorgehen, wenn es sich darum handelt, die Rechte der Eingeborenen zu vertreten. Wenn sich treilich in manchen dieser Herren immer von neuem trotz aller schlechten Erfahrungen. die gerade sie in ihrer Wirksamkeit fortgesetzt machen müssen, die Hoffnung zu regen scheint, daß man eines Tages doch von dem bisherigen Kolonial- AuSbenttnigssystem zum System der planmäßigen und selbstlosen Erziehung der schwarzen Rasse übergehen werde, so vermögen ivir diese Hoffnung allerdings nicht zu teilen. Wir glauben, daß auch die Missionare, so weit sie ehrlich das Wohl der schwarzen Rasse erstreben, von unsrer heutigen Kolonialpolitik, der Kolonialpoliiik kapitalistischer Ausbeutung, immer von neuem Eiittänschung auf Enttäuschung, Hindernis über Hindernis für ihre eignen Bemühungen finden werden. düem ciBcr soll sich die Legende nicht veim Reichskanzler selbst bildein Er hat ja sehr viele und sehr schone Reden gehalten, das erkenne ich dankbar an, er ist auch immer antzerordentlich liebenswürdig. (Heiterkeit.) Auf Reden kann man aber eigentlich keinen großen Wert legen. iLebhastes Sehr richtig! links.— Große Heiterkeit.) Auf gewissen Schaufenstern lese ich die schöne Aufschrist: Reellithee. Das erfreut selbst bei dieser Rechtschreibung. Aber unser Ve r hält nisznnr Reichskanzler ist rein platonisch, gar nichts R c e l l e S.(Heiterkeit.) Also seine Reden sind wunderschön, am schönste n die gegen die Socialdemokratie. Ich habe sie gelesen und bc- sitze sie noch.(Heiterkeit.) Aber das ist gerade das bedenkliche. Der Reichskanzler hat die Auffassung, daß solche Reden etwas nützen, wenn nicht der feste Wille zur Thitt hinter ihnen steht. Sie wurden also gedruckt und verteilt, ich bekam in nr einem Kr eis�goo Exemplare. Sie wurde» anSgeboten wie sancr Vier._(Stürmische Heiterkeit die lange fortdauert), wir konnte» sie gar nicht los werden, so daß wir sie schließlich par orckrs du mufti a» die Gcnicindcvorstchcr verteilten, was die daniit gemacht haben, weiß ich nicht.(Große Heiterkeit.) Wir sind ja schließlich zimr Reden hier � die Wähler wollen einmal Funken sehen(Heiterkeit) und man kann die Tribüne doch nicht den andern zur Propaganda überlassen. Es geht mit den Reden wie mit den Ehen; man sagt von ihnen �vie von der Zwiebel: man iveint dabei und frißt sie doch. (Stürmische Heiterkeit.) Der Reichskanzler hat einmal vor dem Pessimismus gewarnt. Da gestatten Sie, daß ich ernster rede. (Ohl oh! bei den Socialdcmokratcn.) Ich lebe seit 20 Jahren auf dem Lande und quäle mich, so gut wie ich kann. Wenn man nun sieht, wie so viele Leute sich dort quälen und nicht vorwärts kommen, so erkennt man den Grund des Pessimismus, der auch das Fundament erschüttert, auf dein die Kaiserkrone ruht. Denn ihre Sicherheit ruht auf zahl- lose» kleinen Kronenträgern, auf zahllosen selbständigen Existenzen. (Sehr richtig! rechts.) Durch das Volk geht j e tz't eine Sehnsucht nach d e in F ü r st e n'�B i s m a r ck. Seine Schüler werde» es als zünftig nicht anerkennen. Von ihnen wird cS sagen: „Wie er sich räuspert und wie er spuckt, Das habt Ihr ihm glücklich abgeguckt. Aber sein Genie, ich niein, sein Geist, Sich nicht auf der Heerstraße weist." „Ich wünsche dem Reichskanzler, daß er in die Lage kommt, Bisiuarcksche Eigenschaften zu bcthätigc». DaS würde gut set» für ihn und das ganze deutsche Vaterland!(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Singer(Soc.): Der Vorredner sehnt sich nach d e r Z e i t zurück, wo sie sich gegenseitig bewilligt habe», was sie brauchten. Das ist der Inhalt dieser ganzen Rede gewesen.(Sehr gut! bei den Social- dcmokraten.) Und wenn Bismarck nicht diese agrarische Stellung eingenommen hätte, welche die Freunde des Herrn Oldenburg auf Kosten des Volkes bereichert hat, so würde er jetzt dieses Lob nicht erhalten haben. Er sagt, das Vaterland hat sich gut dabei be- sunden, als die Großgrundbesitzer gehätschelt wurden, und das Volk sehne sich nach Bismarck zurück. Das ist ein Ausspruch, der den Thatsachen nicht entspricht. Die Wahlen, die damals stattgefunden haben, haben den Beweis geliefert, daß nach der Meinung der Wähler das Vater- land sich damals durchaus nicht gut befunden hat.(Sehr richtig! bei den Socialdcmokratcn.) Der Vorredner hat sich hont in einer ganz neuen Rolle vorgestellt, nämlich als Agrarier und Poet.(Heiterkeit bei den Socialdcmokratcn.) Er hat scharfe Angriffe gegen den Grafen Bülow gerichtet, die dieser Ivirklich nicht verdient hat. Wenn je ein Reichskanzler zu Gunsten der Landwirtschast Versprechungen untreu geworden ist, die er vorher gegeben hat, dann ist es Graf Bülow. Er hat ausdrücklich erklärt, daß ein über die Vorschläge der verbündeten Regierungen hinaus- gehender Zolltarif nie zu stände kommen würde. Aber dem Drängen der Agrarier nachgebend ist er dieser seiner eignen Versicherung gegenüber geradezu wortbrüchig geworden.(Sehr richtig I bei den Socialdcmokratcn.) Diese Art Dankbarkeit, die der Reichskanzler jetzt erfährt von Leuten, denen »nan Wohlthaten über Wohlthaten erwiesen hat, für die nian Millionen über Millionen aus den Taschen des arbeitenden Volkes genommen hat(Lärm rechts.) ist nur der Aus- fluß der Nimmersatten Habgier der Agrarier.(Lärm und Lachen rechts.) Wenn der Herr Vorredner behauptet hat, daß das Ver- hältnis zwischen Großgrundbesitzern und Arbeitern sich nicht auf der Grundlage des Geldes aufbaue, so hat er zweifellos recht, den» von Geld ist da wenig die Rede.(Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Eine besondere Liebenswürdigkeit hat der Vor- redner den Reichskanzler kosten lassen, als er erzählte, auch in seinen Wahlkreis seien 800 Exemplare der Rede des Grafen Bülow gegen die Socialdemokratie gelangt, er habe sie aber beim besten Willen nicht an den Mann bringen können. Wir haben ja seiner Zeit erklärt, daß wir gern bereit wären, unsre Organisation dazu herzugeben, um die Rede des Kauzlers und natürlich auch unsre Antwort darauf zu verbreiten. Sie können sich darauf verlassen, wir hätten Millionen an den Mann gebracht.(Heiterkeit.) Aber die Parteien, die den Grafen Bülow als den neu erstmidenen Helden gegen die Socialdemokratie feierten, sie versagen jetzt. Wenn der Vorredner weiter gemeint hat, Reden seien nur Worte, Thaten niiißten erfolgen, so ist das ja die alte Scharfmacherei, ohne die eine konservative Rede gar nicht mehr gedacht werden kann.(Heiterkeit bei den Socialdcmokratcn.) Alle diese Klagen laufen ja immer darauf hinaus, daß Gesetze gegen die Social- dcinokratic gemacht werde» sollen; es ist eine förmliche Suche nach dem starken Mann, der der Socialdeniokratie an den Kragen geht. Ich rate Ihnen, schreiben Sic doch die Stelle aus!(Große Heiterkeit.) Herr W e t t e r l e hat der Abwechslung wegen uns einmal unsre französischen Genossen als abschreckendes Beispiel vor- geführt, die uns sonst immer als Muster von Vaterlandsliebe und Verständigkeit vorgehalten werden. Hcrr Wetierls aber hat uns gegenüber den französischen Socialisten inRücksicht auf unsre Stellung zu den Ausnahmegesetzen gelobt. Er sollte doch froh sein, daß wir so sind, wie wir sind. Näher auf die Frage der Haltung der stanzösi- scheu Socialisten einzugchen, habe ich keine Veranlassung, um so mehr, als dort die Verhältnisse ja ganz anders liegen wie bei uns. Unsre Stellung zu den Ausnahmegesetzen ist von Anfang an die- selbe geblieben und wird so auch für alle Zukunft sein. Wir sind grundsätzliche Gegner jeder Ausnahmegesetzgcbung, g e g e n w e n sie sich auch richtet. Vor den Jesuiten haben wir keine Furcht. Wir haben so viele Jesuiten im Lande nach allen Richtungen hin, daß es wirklich auf die Handvoll mehr nicht ankommt.(Heiterkeit bei den Soc.) Diejenigen von den Herren, die da glauben, daß es den Jesuiten vorbehalten ist, uns tot zu schlagen, sollten froh sein über unsre Verblendung, die uns selbst dafür stimmen ließ, daß unsre Todfeinde ins Land zurückkehren. Ich habe mich zum Worte gemeldet, um einige Bemerkungen zu der St e s o l u t i o n M ii I l e r- M e i n i n g e n zu niachen, zu der wir aber noch nicht Stellung nehmen können, weil sie eingebracht wurde, nachdem er gesprochen hatte. Die Resolution betrifft ein Thema, das schon häufig Gegenstand der Erörterung im Reichstage gewesen ist. Es grc»zt nahezu an Unfug, in welcher Weise der Bundes- rat mit Beschlüssen des Reichstages umgeht.(Sehr richtig! links.) Es verletzt geradezu unsere Würde als eines gleichberechtigten Faktors der Gesetzgebung, wenn der Bundesrat Beschlüsse des Reichstages I a h re l an g un b e antw o r t et l ä ß t.(Sehr richtig!) Zwölf-, vicrzehumal müssen ivir einen Antrag wiederholen, ehe der Bundes- rat sich herabläßt, ein Wort dazu zu sagen. Im P r i n c i p sind wir mit dem Antrag durchaus e i n v e r st a n d e n. Jede Partei müßte damit einverstanden sein, weil es ein einfaches Gebot der Selbstachtung für den Reichstag ist, den Bundesrat zu einer raschere Stellungnahme zu veranlassen. Wenn im Bundesrat auch nur das kleinste Gefühl dafür lebendig lväre, daß er dem andren gesetzgebenden Faktor eine gewisse Rücksicht schuldig ist, dann würden sich die Verhältnisse gar nicht so gestaltet haben. Ich bedauere nur, daß Herr Paher in seiner Begründung den Hauptnachdruck auf dSn Anlaß zu dieser Resolution auf Aushebung des§ 2 des Jesuitengesetzes gelegt hat. Er kann damit den Anschein erwecken, als wenn diese Aufhebung der einzige Grund wäre, iveshalb der Antrag gestellt worden ist. Ich hoffe, daß der nachfolgende Redner der Freisinnigen diesen Verdacht ablehnen wird. Gegen den Ein- druck, als wenn die Resolution nur den Zweck hat, das Mißbehagen des Reichstags über die Aufhebung des§ 2 auszudrücken, müssen meine Freunde sich entschieden verwahren. (Rufe bei den Freisinnigen: Wir auch!) Dieser Eindruck ist nicht verbessert worden durch das A m e n d c- m e n t des Herrn S t o ck ni a n n. Der Form nach mag hier eine Verbesserung gefunden sein, die Schwierig- leiten aus dem Wege räumt. Aber der Umstand, daß der Begründer dieses Amendements die Rechtsgültigkeit des Bundesrats- beschlusses ausdrücklich bestritten hat, gicbt dem Verdacht Nahrung, als wäre die Resolution nur eingebracht, um den Reichstag zu ver- anlassen, nachträglich ein Votum gegen die Aufhebung des Z 2 abzugeben. Ich verstehe ja, daß das evangelische Empfinden des Kollegen Dr. Arendt durch die Be- seitigung des§ 2 verletzt worden ist.(Große Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Das erklärt sich wohl aus dem Reiz der Neuheit, den dieses evangelische Empfinden auf ihn ausüben muß.(Erneute Heiterkeit.) Herr Stockmann hat die Theorie auf- gestellt, es käme nicht auf das an, was die Mehrheit des Reichstages beschließt, sondern was die Mehrheit des Volkes dazu sagt, und nach dieser Mehrheit müsse sich der Bundesrat richten. Alle Achtung vor dieser demokratischen Empfindung(Große Heiterkeit bei den Social- dcmokraten), aber bei der bisherigen Thätigkcit und bei den Abstimmungen des Herrn Dr. Stockmann haben wir von diesem demokratischen Empfinden nicht viel gespürt. Hoffcnt- lich wird er konsequent genug sein und seine F r e n n d e nun veranlassen, die Änfnnhme des Referendums in die Verfassung z» beantragen.(Heiterkeit.) Es scheint aber so, als wenn Herr Stockmann zu den Leuten gehört, die immer das als Mcinui g der Volksmehrheit erachten, lvas ihrer persönlichen Meinung entspricht.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Die Resolution ist eine Halbheit, weil sie den allergrößten Teil der Beschlüsse des Reichstages ausnimmt von der Verpflichtung für den Bundesrat, schnell z» ihnen Stellung zu nehmen. Aus dem Wortlaute der Resolution könnte der Bundesrat die Auffassung schöpfen, als ob es ihm stcigcgeben werden sollte, die- jenigen Beschlüsse des Reichstages, die nicht in Gesetzform gefaßt werden, auch weiterhin so schlecht wie bisher zu behandeln. Das entspricht durchaus nicht unsrem Willen. Wir wünschen, daß alle Beschlüsse des Reichstages, ob sie nun in Form von Gesetzes- vorlagen oder in Gestalt von R e s o l n t i o u e n angenommen werden, von der Resolution umfaßt werden. Mit dieser ausdrücklichen Motivierung können wir fiir die Resolution stimmen, weil sie einen an sich richtigen Ge- danken ausdrückt. Wie schwerwiegend diese Bedenken sind, zeigt sich, wenn man sich folgende Zahlen vor Augen hält. Nach einer Ausstellung, die uns Herr Dr. Bachem gegeben hat, hat der Bundesrat in der Zeit von 1800— 1003 zu 18 unter 02 Beschlüssen des Reichstages noch nicht Stellung genommen. In der Zeit von 1000—1003 sind nach der Aufstellung, die uns der Präsident am Schluß der letzten Legislaturperiode gegeben hat, unter den Initiativ- antrügen, die während der ganzen Zeit von den Parteien gestellt worden sind, nur vier Anträge, die in Gesetzcsform vorgelegt worden sind. Mehr wie hundert Rümmer» würden durch die Resolution Müller- Meiningcu nicht getroffen werden. Es gehört ja auch in der That zu den Seltenheiten, daß Initiativanträgen die Form von Gesetzen gegeben wird: ist es doch das Handiverk der Geheimräte, Gesetze zu fabrizieren. Wir müssen daher die Forderung, daß der Bundesrat die Beschlüsse des Reichs- tages in schnellerem Tempo als bisher erledigt, ausdehnen auf das Gebiet sämtlicher Rcichstagsbcschlüsie. Sollte der Bundesrat, wen» die Resolution angenommen wird, ihr folgend einen Gesetzentlvurf vorlegen, so werden wir bemüht sein, ihn dahin auszudehnen, daß er sich auf alle Beschlüsse des Reichs- tages bezieht. Für die Resolution Müller-Meiningen werden wir stimmen, um zu beweisen, daß wir mit ihrem Grundgedanken durch- aus einverstanden sind und vom Bundesrat das notwendige Maß von Achtung für die Rcichstagsbeschlüsse fordern. Staatssekretär Graf Posadowskh: Wenn man die Klagen über die beschließende Thätigkeit des Bundesrats hört, sollte man glauben, daß unsre gesetzgeberische Thätigkeit seit zehn Jahren stockt. Dabei sind in keinem Lande Europas so viele schwierige loirtschaftliche Materien gesetzgeberisch geordnet worden wie bei uns. Ich habe in der Presse aller Parteien. von der äußersten Rechten bis fast zur äußersten Linken sogar Klagen gelesen, daß wir zu viel Gesetze machen, und diese' Klagen haben zweifellos eine gewisse Berechtigung. (Sehr wahr!) Wenn wir alle Anregungen aus diesem Hause zu Gesetzen umgestalten, würden die staatlichen Organe gar nicht ans- reichen, um sie durchzuführen. Gesetze, die bloß auf dem Papier stehen blieben, wären doch schlimmer als gar keine, die Gesetze müssen doch auf vernünftige Weise ins Leben eingeführt werden. Und unsre örtlichen Beamten sind mit statistischen Erhebungen und der Ausarbeitung neuer Gesetze schon jetzt stark belastet. Wenn der Bundesrat auf einen Reichstagsbeschluß nicht sofort ant- wortet, so handelt es sich entweder um einen Antrag, den der Reichstag dem Bundesrat zum so und sovieltenmale erledigt und bei dem er die Stellung des Bundesrats längst kennt oder die Materie ist so verwickelt, daß wir nur antworten könnten: Zur Zeit wird dieser Anregung keine Folge ge- geben. Wir halten es dann aber für höflicher, die' Antwort bis zur endgültigen Entscheidung hinauszuschieben.— Da ich einmal das Wort habe, will ich auf die in der Debatte gefallene Aeußernng zurückgreifen, wir sollten nicht nach der Stimmung des Reichstags, sondern nach der des Volkes entscheiden. Dabei ist zu- nächst wohl der§ 27 der Reichs-Verfassung übersehen. Welches ist denn der Zweck der gesetzgebenden Versamm- lungen ohne Instruktion und Auftrag, die wir haben. Wo man mit der Volksstimmung rechnen muß, ist der Parlamentarismus überhaupt untergraben.(Sehr richsig!) W a s V o l k s st i ni n, u n g ist, wird ja sehr schwer zu ermitteln sein. Gehören zum Volk auch die Damen, die noch nicht das Stimm- recht besitzen oder ist es nur die Stimmung der Reichstagswähler? Das würde ich für bedenklich halten, denn bei der letzten Wahl haben die Social- demokraten das größte Kontingent der Wähler gestellt und wen» wir nach dieser Bolksstimmung unsre Politik einrichten müßten, so würde» wir heute schon im Znkunfts- staate sein, hätten den 1 des JcsuitengcsetzeS schon aufgehoben und »och vieles andre.(Sehr richtig! bei den Socialdemo- kraten.— Heiterkeit.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp.): Ich werde glühende Kohlen auf das Haupt des Herrn v. Olden- bürg sammeln und mich nicht so lauge mit seiner Person beschäftigen, wie er neulich mit meiner; nur das will ich bemerken, daß, wer eine solche Wechselwirkung zwischen Getreidezöllen und Patriotismus konstruiert wie er, kein poetischer Agrarier, sondern höchstens ein politischer Kraftmensch ist. Zu unsrem Antrage bemerke ich zunächst, daß wir die Abänderung durch den Abg. Stockmann annehmen. Die Unterstellungen des Abg. Singer gegen Herrn Stock mann kann ich nicht billigen. Herr Bebel ruft mir „Unsinn" zu. Präs.�Graf Ballestrcm: Wenn ich das gehört hätte, hätte ich es zurückgewiesen. Ich bitte übrigens die Zivischenrufe zu unterlassen, das ergiebt manchmal sehr unangenehme Umstände.(Heiterkeit.— Abg. Bebel: Ich habe ja gar nichts gerufen.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(fortfahrend): Ich nehme Kenntnis von Ihrem Geständnis, daß Sie nur ein lautes Selbstgespräch ge- halten haben.(Heiterkeit.) Beim Jesuitengesetz hat der Bundesrat in der That eine ganz singuläre Praxis wallen lassen. Unser Antrag hat mit dem sachlichen Inhalt » der Bundesrats- Entscheidungen nichts zu thun, das ist ein rein zufälliges Zusammentreffen, aber nach unsren kon-- stitutionellen Anschauungen darf derartiges sich nicht wiederholen. Bei den Resolutionen liegt die Sache doch anders. Da soll der Bundesrat doch erst ein Gesetz ausarbeiten. Herr Bachem traut dem Bundesrai eine Fülle von mala, tidos zu, wenn er glaubt, er würde künftig die von uns vorgeschlagenen Bestimmungen benutzen, um einer Antwort auszuweichen. Ich kann die geltend gemachten Bedenken nicht als durchschlagend anerkennen und bitte um Annahme unsres Antrages.(Bravo! links.) Abg. Gröber(Ctr.) Ivendet sich unter großer Unaufmerksamkeit des nur noch sehr schwach besetzten Hauses zunächst gegen den Vor- redner. Es sei doch Thatsache, daß bezüglich des Jesuitengesetzes zwei Seelen, ach in jeder liberalen Brust wohnten. Dann polemisiert er gegen den Abg. Bebel, der die Ausweisungen französischer Kongregationisten verteidigt habe. Redner bringt hierzu verschiedene Fälle von Ausweisungen vor, in denen in Deutschland geborene aber mehr als zehn Jahre abwesende Kongregationisten trotz Krankheit und Alter ausgewiesen worden seien. Das sei eine des Deutschen Reiches unwürdige Grausamkeit.(Sehr wahr! bei den Socialdemokraten.) Redner führt Beschwerde über die Handhabung des Vereins- und Ver- sammlungsrechts in Elsaß-Lothringen. Geheimrat Haltcy erklärt, daß ihm die einzelnen Fälle nicht bekannt seien. Für vereinzeltes Vorgehen untergeordneter Beamten könne die Verwaltung die Verantwortung nicht übernehmen. Abg. Schräder(frs. Vg.): Die Aufhebung des§ 2 des Jesuiten- gesctzcs ist solvohl im Volke wie im Bundesrat auf großen Wider- stand gestoßen. Die Mehrheit der verbündeten Regierungen ist noch jetzt dagegen, und wenn im Bundesrat eine Mehrheit der Stimmen dafür war, so ist sie nur durch einen starken Druck zu stände gekommen. Unter diesen Umständen hätte ich, der ich ein Anhänger dieser Auf- Hebung bin, gewünscht, daß die Frage vorher noch einmal hier vor dem Lande diskutiert worden wäre, und daß uns hier die Gründe entwickelt worden wären, die die lange Verzögerung der Stellungnahme des Bundesrats bewirkt haben. Redner erklärt, daß seine Partei für die Resolution Müller-Meiningen stimmen werde und konstatiert, daß die Mißstimmung in der evangelischen Bevölke- rung iibcr die Aufhebung des§ 2 groß sei, besonders deswegen, weil die Befürchtung vorliegt, daß wir immer weitere Rückschritte in kultureller Hinsicht machen werden. Ich bin kein Knlturkämpfer, aber zwischen der katholischen Kirche und einem modernen Staatswesen bestehen doch große Gegensätze. Vor allem ist zu fürchten, daß die Schule der Kirche ganz ausgeliefert wird. Die Absonderung der Katholiken von den Protestanten wird immer schärfer be- trieben. Die katholische Kirche sollte sich dem Staate unter- ordnen.(Reichskanzler Graf Bülow erscheint im Saale.) Der Famecker Kirchhosstreit hat die Unduldsamkeit der katholischen Kirche gezeigt. Der Herr Reichskanzler ist dem Centrum ständig ent- gcgengekoinmen. Dank hat er nicht davon geerntet. Jmnier neue Verlegenheiten iverden ihm bereitet. Der Herr Reichskanzler ist auch sehr entgegenkommend gegen die Agrarier gewesen. Welcher Dank ihm von dieser Seite wird, konnte er heute aus der Rede deS Herrn v. Oldenburg erfahren, einer Rede, wie ich sie im Reichstage noch nicht gehört habe. Ich habe die Kämpfe gegen den Fürsten Bismarck mit erlebt, aber in dieser rücksichtslosen Weise ist im Reichstage noch nie gesprochen worden, und das von einer Seite, die dem Grafen Bülow wirklich Dank schuldet. Die Herren Agrarier sollten zufrieden sein mit dem, was sie durch ihn erreicht haben.(Rufe rechts: Wir haben ja noch nichts!) Sie haben ein großes Stück erreicht.(Rufe rechts: Was denn?) Erst in diesen Tagen hat der Reichskanzler erklärt, daß an den M i n i m a l z ö l l e n als der Grundlage der Handelsverträge fest- gehalten werden soll. I st Ihnen das noch nicht genug?(Rufe rechts: Nein!— Lachen links.) Sic sollten den Reichskanzler aus Dankbarkeit in seiner Politik unterstützen. Ich weiß ja nicht, wer hinter Herrn v. Oldenburg steht, aber solche un- verdienten Angriffe in so rücksichtsloser Schärfe sind noch nie gegen den ersten Beamten des Reiches erfolgt. In dieser Weise sind wir nie vorgegangen.(Ruse bei den Socialdcmokratcn: Sie haben ja auch nichts erreicht!) Eine Politik, die dadurch Anhänger gewinnt, daß sie immer Zugeständnisse macht, kann sich auf diese Anhänger nie verlassen. Nur eine klare, zielbewußte Politik kann treue Anhänger um sich sammeln. Der Herr Reichskanzler wird mir erwidern, gicb mir ein Rezept, wie ich es anders machen soll. Jetzt kann er es nicht anders machen, aber vor den Wahlen hat er die Möglichkeit dazu gehabt. Er hätte sich entweder klar zu einer rein agrarischen Politik erklären, oder sich auf die andre Seite stellen sollen. Klarheit in der.Politik ist das einzige Mittel für eine Regierung, eine feste Position zu haben. Ich wünsche dem Reichskanzler, daß er immer so ehrliche Gegner, wie ivir es sind, findet, die ihn dort unter- stützen, wo sie mit ihm übereinstimmen, und ihm offen entgegentreten, wenn sie andrer Ansicht sind.(Bravo I links.) Reichskanzler Graf v. Bülow: Ich bedauere, daß ich selbst die Ausführungen des Abgeordneten v. Oldenburg nicht mit angehört habe, die, wie ich höre, ihre persönliche Spitze- gegen mich richteten. Wenn der Abg. Schräder diese persönliche Spitze eben so liebevoll, möchte ich sagen, unter- strichen hat(Heiterkeit), so gefiel er sich dabei doch wohl etwas in der Atolle des tertius gaudens, von dem in den letzten Tagen viel die Rede lvar. Im übrigen sind mir soeben die Ausführungen des Abg. v. Oldenburg nach drei Gesichtspunkten resümiert worden. Herr v. Oldenburg hat es als eine Legende bezeichnet, daß ich etwas für die Landwirtschaft gethan hätte."Ohne meine beharrlichen Bemühungen würde der Zolltarif noch in den Vorstadien st ecken geblieben sein, noch in den Vorstadien gescheitert sein, würde er über- Haupt nicht zu st an de gekommen sein. Würde er nicht mehr gewesen sein als ein Versprechen in schönen Worten, so hätte ich nur für den Zolltarif nicht solche Mühe gegeben. Ich halte die Vorlage des Zolltarifs für eine für die Landwirtschaft und das Land nützliche That. Oder glauben Sie, daß es sich bei den schwierigen Unterhandlungen, die wir jetzt auf Grund des Zolltarifs führen, nur um schöne Redensarten handelt? Auf Grund des Zolltarifs hoffen wir zu Handels- Verträgen zu kommen, denen die Mehrheit dieses Hauses wird zustimmen können. Und wenn auf diese Weise auf der Basis des Zolltarifs Handelsverträge zu stände kommen, so würde ich das für eine weitere und nützliche That halten. Ich glaube, daß bei aller Schwarzseherei des Herrn Abg. Oldenburg er sich doch die praktische Leitung der Geschäfte leichter denkt als es in Wirklichkeit ist. So liegen die Dinge nicht, daß der Reichskanzler bloß auf den Knopf zu drücken braucht und der ge- deckte Tisch für die Landwirtschast steht da. Es handelt sich für mich um sehr schwierige Bemühungeg, die jeder mit der Hand greifen kann, der sie nicht mit einer vorgefaßten Meinung beurteilt. Und in diesen meinen Bemühungen für die Landwirtschaft sollten mich die Freunde der Landwirtschaft unterstützen, statt selbst auf mich zu schießen. Und endlich, meine Herren, hat der Abg. v. Oldenburg gemeint, daß sich die Schüler des Fürsten Bismarck nicht vergleichen könnten mit dem Meister. Das ist eine der richtigsten Bemerkungen, die ich je in meinem LebenIgehört habe. Sich mit dem Fürsten Bismarck zu vergleichen war nicht nur für jeden Schüler desselben,(ondern für jeden lebenden Politiker einfach geschmacklos. Wenn sich aber niemand vergleichen kann mit einem Staatsmann, wie er einem Volke einmal im Jahrhundert geschenkt wird, so sollte jeder sich bemühen, nach Kräften von ihm zu lernen. Eine der Hauptregeln, die Fürst Bismarck hinterlassen hat, ist, daß man sich unter dem Erwünschten, aber Unerreichbaren nie das praktisch Mögliche gefährden soll. (Beifall.) Abg. v. Normann(k.): Auch wir glauben nicht, daß es dem Sinne dcc Verfassung entspricht, die Beschliisse des Reichstages nach fünf Jahren zum Gesetz zu erheben. Wir hoffen, daß auch in kürzester Zeit der Bundesrat sich Mühe geben wird, nach besten Kräften jeden Beschluß des Reichstages zur Ausführung zu bringen. Wir hätten in dem Antrag Stockmann die Frist für die Entschließung des Bundesrats am liebsten bezeichnet: bis zum Tag vor den all- gemeinen Wahlen, werden aber auch so dem Antrag zustimmen. (Bravo! rechts.) Abg. Blumcnthal(südd. Vp.): Herr Bachem hat mich völlig unmotiviert persönlich angegriffen. Es ist mir völlig unbegreiflich, wie unter dem Schutz der parlamen- tarischen Immunität ein Kollege wegen einer sachlichen Meinungs- Verschiedenheit den andern als Winkeladvokaten bezeichnen kann. Ich gehe über solche Kampfesweise zur Tagesordnung über.(Bravo! links.) Herr Bachem hat mir mit Unrecht den Borwurf gemacht, daß ich gestern nicht lang genug gewesen bin.(Heiterkeit.) Die Frage des Kirchhofs von Fameck liegt nicht,°auf dem Gebiete des dürren Rechts, sondern auf dem der ch r ist li ch e n Ch a r i t a s. Diese hat eine Partei hier nicht respektiert, die sich sonst als M u sl e r der Toleranz ausspielen will.(Lebhaftes Bravo! links.) Wkit der Aufhebung der kirchlichen Zwangsgesetze sind wir einverstanden, wenn endlich die Trennung von Kirche und Staat durchgeführt wird. Der Regierung war es ja sehr unangenehm, das; sie den Bischos Benzler desavouieren muffte. Vielleicht macht sie der ausschlag- gebenden Partei zum Trost einige Kompensationen.(Groffe Heiterkeit links.) Für die französische Politik halte ich mich ebensowenig sür zuständig, wie den Abgeordneten Wetterls. Frankreich hat jetzt eine Krise durchzumachen, die es dadurch verschuldet hat, das; es die Erziehung der Jugend einem der Nation und Verfassung feindlichen Klerus ausgeliefert hat. Ich fürchte, daff wenn die Zugeständnisse in Deutschland so weiter gehen, uns derselbe Kampf aufgezlvungen werden wird.(Sehrrichtig! links.) Dcr Rcichskanzer sagte, daff bei der Aufhebung des§ 2 des Jesuitcngesetzes Staats- raison und Gerechtigkeit zusammengefallen seien. Das sollte doch immer der Fall sein. Wenigstens darin werden die Herren vom Centrum mir recht geben. Denn auch sie sprechen ja davon: Justitia fundarnenturn regnornrn.(Bravo! links.) Abg. Gröber(C.) polemisiert gegen den Abg. Schräder. Es sei unbegreiflich, daff ein politisch so bewanderter Mann über zu groffe Konnivenz des Reichskanzlers gegen das Centrum klage. Die Katholiken verlangen nur Gleichberechtigung im Staate in jeder Beziehung, auch bei der Besetzung aller öffentlichen Acmter.(Bravo! int Centrum.) Herr Schräder hat so viel von klarer, zielbewuffter Politik ge- sprachen. Selber scheint er sie nicht befolgt zu haben, denn seine Partei ist ja auf eine verschwindend: Minderheit zusammengeschmolzen. (Heiterkeit im Centrum.) Damit schliefft die Diskussion. Präsident Graf Bnllcstrcm: Ich habe mir das Stenogramm der Rede des Abg. Dr. Bachem vorlegen lassen und stelle daraus fest, daff Herr Dr. Bachem gesagt hat: Herr Blumcnthal hat wie ein richtiger Winkeladvokat gesprochen. Diese Aeufferung ist vollständig unzulässig, besonders wenn der Kollege auherhalb des Hauses die Stellung eines Advokaten einnimmt. Ich rufe den Abg. Dr. Bachem dafür zur Ordnung. Der Titel: Gehalt des Reichskanzlers wird hierauf bewilligt. Die Resolution Müller- Meiningen wird mit dem Amendement S t o ck m a n n gegen die Stimmen des Centrums an- genommen. Der Rest des Etats des Reichskanzlers und der Reichs- kanzlei wird debattelos bewilligt. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. NechnungSvorlagen; Re- solntioncn über die Lage der Staatsarbeiter und zum Etat des Reichskanzlers: Etat des Auswärtigen Amtes; Interpellationen. Schluß VU Ahr._ Hb�cordnetcnbaua. Sitzung vom 16. April 1904, vormittags 11 Uhr. Am Ministcrtischc: v. H a m nt e r st e i n, Möller. Zur Verlesung kommt folgende Interpellation Stichel, Brust und Genossen(C.): 1. Ist der königlichen StaatSregierung bekannt, daß infolge der Zuteilung der Fördermengen seitens des KohlcnsyndikatS an .die einzelnen Zechen von den großen Zeche»(Gewerkschaften) die kleineren im kliuhrrcvier angekauft und stillgelegt werden, um deren Forderquantmn zu übernehmen? 2. WaS gedenkt die königliche Staatsregierung gegen diese die betroffenen Gemeinden und deren Einwohner, insbesondere die Bergleute und Gewerbetreibende in bedenklicher Weise schädigenden Praktik zu thun? Handelsminister Möller erklärt sich bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. Zn ihrer Begründung erhält das Wort Abg. Stößel(C.)(im Zusammenhang nicht verständlich): Im Ruhrkohlenrevicr ist in den letzten Wochen ein gewaltige Erregung ausgebrochen nicht bloß in der arbeitenden Bevölkerung, sondern auch bei Handwerkern und Kaufleuten. Den Grund hierzu bietet der Ankauf der im südlichen Bezirk gelegenen kleineren Zechen durch die großen.Gewerkschaften und dereit Absicht, die angekauften Werke, wenn auch nicht augenblicklich, so doch in wahrscheinlich kurzer Zeit stillzulegen. Es handelt sich hier um Gebiete, in denen der Bergbau sett Jahrhunderten betrieben wird, um eine uransässige Bergarbeiterbevölkernng. Man konnte sich kaum denken, daff ein Mann, der im Werk arbeitete, nicht auch im nächsten Dorf sein Heim besessen hätte. So blieb es im großen ganzen bis zum Jahre 1866. Hat dann auch der Industrie- Aufschwung zu lebhafter Fluktuation geführt, so ist es zum größten Teil auch noch heute so. Noch heute sind die Bergleute in dieser Gegend weit mehr zum Land gehörig, als in den nördlichen Bezirken. Bei den ersten Ankäufen wurde ich nun beim Minister vorstellig: er bekannte, daß die Lage für die Bc- sitzer wie für die Arbeiter sehr schwierig sei. Ich wurde auch bei den Regierungspräsidenten in Arnsberg und Münster vorstellig. Sie versprachen, alles zu thun, um wenigstens die schweren Schädigungen der Gemeinden möglichst zu mindern. Jedenfalls haben wir. um eine klare und bindende Antwort zu erhalten, diese Resolution ein- gebracht, und zwar hier im preußischen Landtage, von dem gesetz- geberische Maffiiahiiteit in dieser Frage auszugehen hätten.— Man wendet uns. wenn Ivir dieses fordent, nun zunächst ein, daff»tan es den Gruben nicht übelnehmen könne, wenn sie den tm- rentablen Betrieb einstellten. Aber es handelt fich gar nicht um un- rentable Zechen; wenn auch ein Laie die Rentabilität nicht leicht beurteilen kann, so werden Sie doch dem Gutachten eines solchen Fachmannes wie des Abg. Hilbck glauben. Dieser hat für die von Zeche Bismarck angekaufte Zeche Bickefeld eine hohe Rentabilität nachgewiesen. Ich glaube also nicht, daß man Zechen, die noch auf lange Jahre hinaus reichen Ertrag liefern, stillgelegt hätte, loenn nicht das Kohlenshndilat die Beteiligungsziffer festgesetzt hätte. Unter solchen Umständen kann man die Aufregung der Leute, die Einkommen und Wohnung verlieren sollen, wohl verstehen, man kann es begreifen, daß sie wild werden, und daß viele alte Leute er- klären, sie würden sich überhaupt nicht mehr in die neuen Verhältnisse hineinleben können. Wir werden gräßliche Zustände sehen müssen. die ein Hohn auf alle Sozialpolitik sind. Man behauptet, daß§ 65 des Berggesetzes keine Handhabe zum Eingreifen giebt: aber ich bin überzeugt, der Gesetzgeber hätte ihn anders gefaßt, wenn er eine solche Entwicklung vorausgesehen hätte. Es muß unter allen Um- ständen dem vorgebeugt werden, daß die schlimmen Befürchtungen, die die Bevölkerung jener Gegend hegt, zur Wirklichkeit werden. (Bravo! im Centrum.) Handelsminister Möller: Die Rede des Vorredners giebt die Aufregung wieder, die in den Distrikten, die von der Stilllegung betroffen sind, eingerissen ist. Aber an sich ist der Prozeß der Stilllegiing von Zechen nichts Neues, sondern etwas, was sich seit Jahrzehnten bereits allmählig vollzogen hat. Schon ganze Gegenden haben den Bergbau verloren, aber es hat sich eine andre Industrie dort eingebürgert, und Landstriche, die früher arm waren, sind danach wohlhabend geworden. Dasselbe wird sich mit den jetzt bettoffenen Beztrken vollziehen. Es handelt sich nur darum, eine angemessene UebergangSzeit zu finden. Die Mitteilungen über die Zahl der betroffenen Bergleute sind weit übertrieben. Es handelt sich im ganzen höchstens um 12 500 Arbeiter. Hätte das Kohlensyndikat nicht seinen nivellierenden Einfluß auf die Preise geübt, so wären diese Zechen schon in der Krise der öOer Jahre stillgelegt worden. Denn die Bevölkerung hat auch so schon dauernd Zubuße leisten müssen.— Redner sucht das an längeren statistischen Darlegungen nachzuweisen. Bei den Zechen, die hier in Frage kommen, handelt es sich zum er- heblichen Teil um solche, die entweder überhaupt noch eine gewisse Zeit fortbctrieben werden oder bei denen nur gewisse Teile aus- geschaltet werden. Im übrigen haben bereits Verhandlungen an verschiedenen Stellen zlvischen den Bergbehörden, den Verwaltungs- behörden und den Gemeindeverttetern stattgefunden und ist auch bereits au mehreren Plätzen zu bcruhigruden Berhandlungen ge- kommen. Wir miissen eine Kommission von Miuisterialkommisjären in das Revier schicken, welche festzustellen sucht, wie weit mau den Schäden Abhilfe schaffen kann. Die Arbeiter werden mit vcr- schwindenden Rnsnahmen sehr bald anderweit Unterkommen finden. Bedauerlich bleibt die Situation der grundbesitzcitdcn Arbeiter und der Geschäftsleute, die auf die Arbeiterknndschast angewiesen sind. Die Zechenverwaltungen haben den geschädigten Kommunen schon Entgegenkontmen bewiesen. Von einer Zeche ist mir mitgeteilt worden, daß sie ihre Steuerzahlung an die Gemcinde auf 5 Jahre fortsetze» will.(Hört! hört!) Auch sonst haben schon Verhandlungen der Zechen mir den Interessenten stattgesundeu. Sie sind bemüht, den Arbeitern fast vollständig audcriveitig Unterkommen zu ver- schaffen.— WaS die Anwendung des<5 65 des Berggesetzes anlangt, so ist aus den Kreisen der Interessenten des Kohlen- bergbaucs diesem Paragraphen wohl eine zu enge Auslegung gegeben worden. Ich hoffe, daß meine Auffassung, die eine erheb- lich weitere Fassung des t; 65 zuläßt, auf die Dauer Geltung ge- Winnen wird.(Hört! hört!) Sollte mit den Interessenten über die Anwendung des Z 65 leine Einigung erzielt werden, so wäre von feiten der Regierung in Erwägung zu ziehen, ob eine Klarstellung des betreffenden Paragraphen notwendig wäre, eventuell, ob die Be- stimmungen nicht vielleicht weiter ausgedehnt werden müssen. Ich habe die Hoffnung, daß die Schloierigkeiten, die nun durch die Plötzlich- keit und den gleichzeitigen Eintritt der beabsichtigten Stilllegungen eingetreten sind, sich leicht überwinden lassen ivcrdcn. Daff der ganze Süden des westfälischen Kohlenreviers in den nächsten Jahr- zehnten seiner Erschöpfung entgegengeht, ist jedem Sachkenner be- kannt. Das Ruhrrevicr ist mit andren Gegenden, wie mit dem Eifelgebirge und Schlesien, nicht zu vergleichen. �Wenn sich dort Uebcr- fluff von Arbeitskräften bemerkbar macht, so werden bald neue Be- triebe entstehen, die die fleißigen Hände beschäftigen können. Wenn die Sache ruhig und ohne ttinstliche Aufregung behandelt wird, dann wird es leicht gelingen, die ganzen Schwierigkeiten zu überwinden. Jetzt ist eine Art Theaterpanik ausgebrochen, aber ich bin überzeugt, bei gutem Willen wird sich in verhältnismäßig kurzer Zeit ein.Ans- gleich finden lassen.(Beifall.) Auf Antrag des Abg. D i t t r i ch(C.) findet eine Besprechung der Interpellation statt. Abg. Hilbck(natl.) sucht ausführlich darzulegen, daß die Zechenbcsitzer im südlichen Ruhrrevier gezwungen sind, die Werke wegen ihrer llnrentabilität allmählich stillzttlegcn. Die Selbstkosten würden jetzt nicht gedeckt, hauptsächlich auch deshalb, weil das Kohlensyndikat mit seinen Preisen so mäßig sei. Nur der Zähigkeit der Westfalen sei es zu danken, daff nicht schon eher Stilllegungen erfolgt sind. Einzelne Zechen, wie die dem Bochumer Verein gehörige Grube Marianne- Steinbank und die Zeche Bickefeld-Tiefbau haben seit langen Jahren mit Verlust gearbeitet. Ter Bochunier Verein müßte geradezu Tinte gesoffen haben, wenn er ein günstiges Kauf- angebot nicht annähme. Die Betriebseinstellung bei rentablen Gruben würde auch ich für gewissenlos halten. Wenn der gute, fleißige Vergarbeiterstand im Ruhrrevicr arbeitslos würde, so wäre das ein großes Unglück. Aber für die Arbeiter brauchen wir keine Sorge zu haben, dcuii um diese reißen sich die andren Gruben. Schlimmer sind die Gemeinden daran, aber auch diesen kommen die Zechen sehr entgegen.§ 65 mag anwendbar sein, aber ein solches Verfahren dauert drei Jahre und so lange können die Arbeiter nicht warten. Die Hauptsache ist, daß die Nachbarzechcn die Arbeiter sofort be- schästigen. Bis jetzt ist noch kein Arbeiter brotlos geworden. Sie werden anch alle ihre Wohnstätten behalten können, denn sie werden es immer noch näher zur Arbeitsstätte haben, als zum Beispiel die Berliner Arbeiter, namentlich wenn die Zechen Mittel für Verkehrsverbesscrungen ausgeben. Die Vorgänge sind aufgebauscht durch die Centruntsversammlungen und die Socialdentokraten. Für uns ist es die Hauptpflicht, ruhiges Blut zu behalten.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Schulze-Tclkum(k.): Hinter den Zechen stehen die großen Banken. Wir meinen aber, es dürfen hier nur nationale Rücksichten gelten, nicht die Dividenden- Politik der Großbauken.(Beifall.) Hierüber habe ich eine nn- zweideutige Erklärung des Ministers vermißt. Den§ 65 des Berg- gesetzes halte ich für eine stumpfe Waffe, er müßte dahin geändert werden, daß die Bergverwaltung den Betrieb weiter verlangen kann, solange er noch rentabel ist. Hoffentlich werden die Verhandlungen dazu beitragen, die Erregung nach Möglichkeit zu beseitigen. Abg. Oescr(Hosp. d. frs. Vp.): Es ist uns heute von verschiedenen Seiten Ruhe aitempfohlen worden. Aber eS fällt doch etwas schwer, ruhig zu bleiben, wenn man die socialen Folgen der Politik großer Untcrnchmrrvcrbäudc einmal handgreiflich vor sich hat. Und es erscheint doch angezeigt, die Frage etwas weitgehender aufzufassen als es bisher geschehen ist. Gewiß darf man nicht übertreiben. Aber es läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß durch die öffentliche Erörterung der Angelegen- heit ein starker Einfluß ausgeübt worden ist auf diejenigen, die diese Zustände hervorgerufen haben. Die Bereitwilligkeit der Bergwerksbesitzer, die sie in den letzten vierzehn Tagen gezeigt haben, ist doch wesentlich eine Folge dieser öffent- lichen Erörterung, vielleicht auch eine Folge davon, daß die Parlamente sich der Sache angenommen haben. Ich begrüße es, daß der Minffter positive Vorschläge gemacht hat, daß er entschlossen ist. eine Untersuchuitgskommissio» nach dem Ruhrrevier zu schicken, und ich bitte ihn nur, die Ergebnisse dieser Untersuchung uns so bald wie möglich mitzuteilen.— Es hat mich gefreut, daß sich der Minister für eine weitere Auslegung des 8 65 des Berggesetzes ausgesprochen hat. Das scheint vorläufig das wichtigste zu sein. Die ironische Bemerkung des Abg. Hilbck über die drei Jahre, die über die Anwendung des Paragraphen vergehen würden, ist doch nicht ganz zutreffend. Schon der Wille, von dem§ 65 unter Umständen Gebrauch zu machen, wird seinen Einfluß auf die Bergwerksbesitzer üben. Sehr stark spielen die Unternehmerverbände in die Angelegenheit hinein. Wir sind keine grundsätzlichen Gegner der Syndikate. Was die der Interpellation zu Grunde liegenden Thatsachen an- langt, so scheint nur aus der Debatte hervorzugehen, daß Still- legungen von Zechen, die noch wirtschaftlich betrieben werden können, erfolgt find. Daß das schwere Schäden im Gefolge hat, unterliegt keinem Zweifel, und alle heule'zur Abhilfe vorgeschlagenen Mittel sind nicht im stände, die wirtschaftlichen Folgen wieder weit zu machen. Die Stilllegung ist nicht etwa erfolgt im Allgemcin-Jntcr- esse der Konsumenten, der Verbilliguug und Hebung der Produktion, der Erleichterung der Konsumtion, sondern� der ganze Vorgang ist rein diktiert von dem kapitalistischen Interesse der einzelnen Werke. Es handelt sich beim Ankauf der Zechen nicht etwa darum, für die Allgemeinheit etwas zu erreichen, sondern aus« schließlich um das Interesse der einzelnen Zechen, die sich dadurch ihre Eigenproduktion wirtschaftlich sicherstellen, aber von dieser Verbesserung ihrer Position in den Syndikats- preisen der Allgenteinheit auch nicht den geringsten Anteil zufließen lassen. In der That hat das Syndikat de» Stonsiimente» sehr rigorose Bedingungen vorgeschrieben. Und das schlimmste ist, daß die kgl. Berg- werksdircftion in Saarbrücken diese Bedingungen genau so acceptiert hat, daß sie also nicht ein Haar besser ist als das Kohlensyndikat. Es fragt sich, ob nicht schon ein Eingreifen der Gesetzgebung erörtert iverden nutß in dem Sinne, daß derartige mächtige Syndikate und Monopole verpflichtet werden, zu den aufgestellten Lieferungs« bedingungen an jedermann zu verkaufen.— Das Ergebnis der heutigen Debatte ist: die Zechen werden stillgelegt werden, es wird nur im Tempo der Stilllegung etwas Rücksicht auf die öffentliche Meinung genommen. Meines Erachtens muß uNte'rsucht werden, ob der Betrieb ohne Rücksicht auf das investierte Kapital an sich unrentabel ist. Ist das der Fall, so würde der 8 l!5 des Berggesetzes unter allen Umständen einzugreifen haben. Denn gerade bei der Kohle, dem Brot der Industrie, müssen die Interessen der Allgemeinheit besonders kräftig gewahrt werden. Es ist gar nicht zweifelhaft, daß die«syndikatspolitik mit Notwendigkeit zu dieser Stilllegung der Zechen geführt hat. Die hier vorgeschlagenen Mittel sind viel zu klein, um wirksam zu sein. Eine arge Schädigung der Arbeiter wird immer übrig bleiben.— An die Bahnbauten, die den Verkehr von der Wohnung nach der Arbeitsstätte erleichtern sollen, glaube ich noch nicht. Die Gemeinden werden sich jedenfalls dafür bedanken, diese Bahn zu bauen, und ob es die Zechenbesitzer thun, ist mir sehr zweifelhaft. Die Steuer- Vergütung ist ein verhältnismäßig kleiner Behelf. Vielleicht wäre es am besten, lveun die Belegschaft als solche eine Gcuosscuschaft bildet und die Zechen so lange ausbeutet, als die Ausbeutung noch rentabel ist. Die Anwendung des 8 65 hat gewiß ihre Schwierigkeiten und es fragt sich, ob nicht eineAendernng des ganze» Berggesetzes nach der Ent« Wicklung, die die Verhältnisse genommen haben, am Platz ist. DieVorauS« setzung des Berggesetzes ist die freie Konkurrenz gewesen, und big freie Konkurrenz ist durch das Kohlensyndikat beseitigt worden. Das Syndikat hat immer noch das Bestreben, sich weiter auszudehnen. Es ist mit der internationalen Berggesellschaft in Erkelenz in Verbindung getreten, um die Felder dieser Gesellschaft anzukaufen, und c-s hat tu den letzten Verträgen auch Aenderungcn vorgenommen, wonach der Geschäftsbereich des Syndikats ausgedehnt wird, wonach es bc- rechtigt ist, Berggcrcchtsame anzukaufen und Bergbau auszuüben. Da meine ich, daß auch hier für Gesetzgebung und Staatsregierung die ernste Frage auftaucht, ob es angängig ist, daß wir unter An- Wendung des Berggesetzes gestatten, daß dieses Monopol derart zu einem vollkommenen wird, daß kein fremdes Element mehr in den ganzen Bergbau hinein kann, ob lvir unter dem Zwang, Mntungen zu verleihen, wo geschürft ist, nun auch zugestehen dürfen, daß diese Mutungen so lange liegen, bis es dem Syndikat oder dem Eigentümer beliebt, sie auszubeuten, ob wir mit einem Gut wie der Kohle in einer derartigen Weise wirtschaften lassen dürfen. Es ent- steht die Frage, ob der Kohlenbergbau als solcher verstaatlicht werden soll. Ich persönlich würde vor einer solchen Verstaatlichung des Bergbaues nicht zurückschrecken. Freilich sind die Schwierigkeiten groß. Jimnerhin sollte der Staat wenigstens die Möglichkeit haben, unter Umständen die Verleihung einer Mutung zu versagen, wenn Interessen des öffent- lichen Wohles einer derartigen Verleihung entgegenstehen. Daß die Arbeiterverhältnisse im Ruhrgebiet so befriedigend liegen, wie es heute dargestellt worden ist, bezweifle ich. Nach meinen In- formationen sind auch Arbeiter schon entlassen worden. Und alt eingesessene Arbeiter sind zurückgesetzt worden gegenüber neu hinzu- ziehenden. Wollen wir befriedigende Verhältnisse schaffen, so müssen wir die Pflicht der Gesetzgebung anerkennen. da, wo ein Koflikt zwischen den allgemeinen Interessen und denen der Privatverbändc besteht, die allgemeinen Interessen zu wahren. Wir müssen besonders dahin wirken, daß das Kohlen- syndikat kein vollständiges Monopol erhält, daß es die Häitde auf Kohlenschütze legt, die vielleicht in vielen, vielen Jahren einnml aus- gebeutet werden sollen. Das Berggesetz muß so reformiert werden, daß wir die Freiheit, die wir bei dem Princip des alten Bergregals gehabt haben, wieder erhalten.(Bravo! links und im Centtllm.) Abg. Dr. Stockmamt(freit.): Der Vorredner hat sck sehr gegen das Monopol deS Kohlen» syndikats geeifert, während er doch gegen das Monopol der Waren- hänser nichts einzuwenden hat.(Lachen links. Sehr richtig! rechts.) Die Erregung in den Arbeiterkreisen halte ich für eine be- gründete. Wir können gegen eine Sttlllegung unrentabler Gruben nichts machen, müssen aber verlangen, daß der Betrieb weiter geführt wird, wenn es auch nur mit geringem Nutzen verknüpft ist. Da sind die Voraussetzungen des§ 65 des BcrgcsetzeS ohne weiteres gegeben. Sollte dieses Mittel nicht ausreichen, so muß die Frage entstelM, ob nicht der Staat durch Ankauf weiterer Zechen bestimmenden Einfluß auf die Preise des Syndikats gewinnen muß. Wir freuen uns, daß die Interpellanten im Wege eines Antrages die Sache weiter verfolgen wollen. Meine Freunde wünschen der ganzen Frage noch in e i n e r K 0 nt m i s s i 0 n näher zu treten. Abg. Brust(C.) legt noch einmal die Schädigungen der Arbeiter dar. Er verlangt Beschleunigung der Enquete über die Kartelle. Auch er macht dte Syndikatspolitik für die Stilllegung verantwortlich. Die Ver» Handlungen hätten ihn im allgemeinen beftiedigt, er hoffe, daß die in Aussicht gestellten Erhebungen weiteres Material zur Bescittgung der vorhandenen Mißstände liefern ivürden.(Beifall im Centruin.') Abg. Dr. Bcumcr(natl.): Herr Brust ist nicht der geeignete Mann, die Sache hier zu behandeln. Auf seilte Veranlassung sind seiner Zeit die Piesberger Bergwerke außer Betrieb gesetzt worden. Durch die Presse ist die in Frage stehende Angelegenheit stark übertrieben worden. Der Arbeiter hat sich eine nnbegriindcte Angst und Beunruhigung bemächtigt. Redner nimmt das Kohlensyndikat in Schutz und behauptet, ohne das Syndikat wäre die Stilllegung der Zechen schon längst erfolgt. Nach eitter Verstaatlichung der Zechen würden, wie er den Fiskus tariere, billigere Preise nicht zu erwarten sein. Schließlich iverde man auch noch die Landwirtschaft verstaatlichen wollen. Seiru denn damit die Konservativen einverstanden?(Abg. Hahn ruft: Aber sofort!) Schließlich werde man auch noch die Presse verstaatlichen, dann giebt es keine öffentliche Meinung mehr.(Heiterkeit.) Mg. Dr. Hahn(Bund d. Landw.) spricht seine Bcftiedigung über die Debatte aus. Schuld an den Vorgängen haben nicht die germanischen Männer der roten Erde, sondern die Großkapitalisten der Berliner Börse. Das Kohlensyndikat muß scharf beobachtet werden, denn es ist übermächtig auf Wirt- schaftlichem Gebiet. Wird das Kohlensyndikat weiter bevorzugt, dann wird der Wunsch nach Verstaatlichung der Bergwerke immer lebhafter werden. Die Kohlcnindustrie möge recht artig sein in wirtschaftlicher und socialer Beziehung, damit die Animosität gegen sie nicht noch zunimmt.(Beifall rechts.) Nach einer Polemik des Abg. Brust gegen den Abg. Dr. Beniner wird ein Schlußantrag a n g e n 0 m nt e n. Abg. v. Savigny(C.)(zur Geschäftsordttuitgs: Ich behalte mir einen Antrag vor, den 8 65 des Berggesetzes zu prüfen, ob er eine genügende Handhabe gegen die durch die Stilllegung von Zechen entstehenden wirtschaftlichen Schädigungen biete und eventuell noch in dieser Session einen cntsprcchcndcn Gesetzentwurf vorzulegen. Damit ist die Interpellation erledigt. Der Antrag Arendt(fk.) betreffend die Gewährung von Beihilfen an ehemalige Angehörige des preußischen Heeres und der Marine, die an dem Kriege gegen Dänemark 1864 teilgenommen haben, wird ohne Debatte an eine besondere Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen. . Das Hans vertagt sich. Präsident v. Krocchcr theilt dem Hause seinen Plan über die Geschäftsdispositionen mit. Danach soll die zweite Lesung des Etats bis zum 21. April beendet sein, die dritte Lesung am 23. April beginnen und am 26. April beendet sein. Am 29. April soll die erste Lesung der wasscrwirt» schaftlichcn Borlage beginne». Die dazwischen liegenden Tage sollen für die Beratungen der Kommissionen frei bleiben. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. Fortsetzung der zweiten Etatsberatung und zwar des Etats der Seehaitdlting und der Lotterie Verwaltung der direkten und indirekten Steuern und der Ceutra genoffenschastskasse. Schluß 43/4 Uhr. B TVO; ta ilttWÖCl soweit der Vorrat reicht: ih. iMarquis mit Sammet, Strohborto Q und GoMknöpfcn Q.UVJmi« Toque i � 3.75 Mk. Vis Bliaseehemdeini Perkal-Bluse 2«k. Einfarbige Bluse 3.1 5 Zephyr-Bluse gemustert 4.75 Mk. WeisseBlusen�'�siSJö, muu5.50 Ein Posten ungarnierter trohhüte 1 schwarz, moderne Geflechte und Formen � 9 IXtJsW q 11»nTc Htitlbliuimeini Röschen-Piquet 12- 17 toilig 1 teilig Oü PI.» mit Laub' �k. Rosen-Piquet �65 pr. Lafrance- Rosen 38 pr. Piquet 2 teilig Knospen- Piquet 80 pr. mit Laub Ein Posten reinseiden. Hut- u. Krawatten- Bänder ca. 12 cm breit, modernste Farben Mtr. cS) u. �<§> Pff. Damee-HainidsclhMlhe Stoff-Handschuhe mit 2 oruckknöpf.SO.pf. Imitiert Leinen mit 2 oruckknöpfen 42 pf. Imitiert Schwedisch.. 62 p?. Glace-Handschuhe.55,1.so Bretonne mit Ouerkopr, mit Sammel-O 1 Fl Mk band eingeusst u. garniort�* 1 w®1-. Bretonne m.Torpadokopr, gepunkter Q O c?... Stoff mit Goltusnöpfchea O.Cut ailt, Charlotienburg, Wallsir. 1. F. Kunstmanii9 Öhren u. Goldwaren. 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Die ersten Paragraphen werden debattelos genehmigt. Z 13s bestimmt, daß die Ansiedelungs-Genehmigung auch er- forderlich ist, wenn infolge der Ilmwandliing eines Landguts in mehrere ländliche Stellen innerhalb einer iin Zusammenhange gc- bauten Ortschaft ein Wohnhaus errichtet werden soll. Oberbürgermeister Struckmann-Hildesheim hält diese Bestimmung für viel zu weitgehend, die Ansiedelung werde hier in ganz unberechtigter Weste erschwert. Ganz unverständlich sei es, daß diese Bestimmung auch für Provinzen wie Westpreußen gelten solle, in denen von polnischen Bestrebungen keine Rede sei. Graf Finck von Finckenstein: Die Bestimmung soll der unsinnigen Parzellierungswut, wie sie heute in einzelnen Gegenden herrscht, Einhalt thun und ist sehr notwendig. Oberbürgermeister Becker-Köln hält die Bedenken des Oberbürgermeisters Struckmann für un- begründet. Ein Regierungskommissar bittet dringend um Annahme des Paragraphen. 13a wird hierauf angenommen. 5$ 13b bestimmt, daß der Regierungspräsident, bevor die An- sicdelungsgenehmigung erteilt wird, eine Bescheinigung darüber aus- zustellen hat, daß die Ansiedelung mit den Zielen des Gesetzes nicht in Widerspruch steht. Beschwerde ist beim Oberpräsidenten zu führen, der endgültig entscheidet. Minister Frhr. v. Hammerfirin: Während da? Gesetz im wesentlichen wirtschaftlicher Natur ist, hat der vorliegende Paragraph eine hervorragende politische Be- deutung. In den letzten zehn Jahren hat die polnische Bevölkerung in Posen um 9 Proz. zugenommen, die deutsche dagegen nur um 4 Proz. Unter diesen Umständen müssen wir alles thun, um das Deutschtum in Posen zu stärken. Der nationale Kampf muß aus- gefochten werden bis zum Siege. Das ist nur möglich, wenn die Deutschen einen gesunden Egoismus beweisen, und ich bitte das hohe HauS, diesen gesunden Egoismus durch Annahme des vor- Uegenden Paragraphen zu bethätigen. Oberbürgermeister Knobloch-Bromberg protestierte gegen die Be- haupwng des Kommissionsberichts, daß die Deutschen in den Ost- marken ihre nationale Pflicht nicht erfüllten. Das dort eingepflanzte deutsche Reis ist kräftig an Gesundheit und Leib. v. Diest erörtert ausführlich die Vorgeschichte der polnischen Be- wegung in den letzten 100 Jahren und wird dabei zweimal vom Präsidenten Fürsten Knyphausen zur Sache gerufen. Freiherr v. Durant hält den Paragraphen für zu weitgehend. Es ist eine sehr mißliche Sache, in jedem Ansiedelungsfalle den Oberpräsidenten zu behelligen. Die Prüfung durch die Kreisaus- schüsse wäre vollkommen genügend. Minister v. Podbiclöki verteidigt die Fassung der Vorlage gegen- über dem Vorredner. Graf Hoensbrocch betont, daß die katholische Geistlichkeit in den polnischen Provinzen durchaus national gesinnt sei. Kultusminister Studt erkennt die nationale Haltung der katholischen Geistlichkeit dankbar an. Abg.». Koscielski: Herr v. PodbielSki hat gestern von halsabschneiderischen Verträgen der Landbanken gesprochen. ES kommt aber nicht auf den Wortlaut des Formulars an, sondern darauf, ob die Bestimmungen des Kontraktes auch durchgeführt werden. Denken Sie doch an die drakonischen Berliner Mietsvcrträge.— Der Herr Minister hat das bekannte Dichterwort variiert: Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erobere es. um es zu besitzen!(Zuruf: Erwirb es!) Jawohl, so sagte der Dichter mit vollem Recht. Vor dem Erwerber Ethische Erziehung. Die Trennung der Schule von der Kirche ist eine notwendige und unabweisliche Konsequenz des obligatorischen Schulbesuchs. „Wie würde es sich sonst mit der Freiheit und Achtung verhalten, die mm, allen religiösen und philosophischen Ueberzeugungen schuldig ist, welche von den Eltern und in Zukunft von den Kindern gehegt werden können, oder welche von den Lehrern gehegt werden, die ja das gleiche Recht wie andre Menschen haben, ihren Lebensberuf unabhängig von ihrer Weltanschauung oder ihrer religiösen lieber- zeugung zu wählen.... Die Volksschule, die allen offen steht. darf nicht auf irgend einer religiösen Meinung beruhen oder von einer solchen abhängig fein; sie darf weder religiös noch antireligiös sein, sie soll also eine weltliche, eine Laien-, eine neutrale Schule sein." Diese Worte, die einem Gutachten zu dem Gesetz entnommen sind, das im Jahre 1882 die konfessionslose öffentliche Schule in Frankreich ins Leben rief, begründen diese letztere von, Standpunkt der gesellschaftlichen Toleranz und Meinungsfreiheit. Daneben tritt nicht minder wichtig der Gesichtspunkt der gesellschaftlichen Oekonomie. Die rapid wachsende Bedeutung der Volksschule für den Wirtschaftsprozctz der Gesellschaft und die Stellung der Völker auf dem Welkmarkt wird von niemandem mehr bestritten. Die Schul- frage rührt unmittelbar an die materielle Existenz der Gesamtheit. ist ein Stück gesellschaftlicher Magenfrage. Daher ist die in ihren Mitteln unzulängliche Privatschule bereits heute ein socialer Wider- sinn. Das zeigt sich deutlich in dem gepriesenen Lande der freien Schulen, in England, wo die kommunale vor der Privatschule immer mehr in den Vordergrund tritt. Aber auch die konnnunalc Schule kann bei der rasch fortschreitenden Socialisierung unsrcs Gescllschasts- lebens nur eine Etappe sein, die schließlich endigen muß mit der völligen Uebcniahme der Schule an die leistungsfähigste öffentliche Körperschaft, an den Staat. Der Staat aber ist nicht nur seinem Wesen nach konfessionslos, er trägt hier zu Lande paritätischen Charakter. Jude. Heide und Christ sind also berechtigt, an die öffent- liche Schule die gleichen Anforderungen zu stellen. Daraus aber er- gicbt sich wiederum notwendig die Ausgestaltung derselben auf kon- fesstonsloser Grundlage. ?eder Mensch besitzt mit dem natürlichen Recht auf Erziehung as Recht auf moralische Erziehung. Und gerade dieses Recht auf moralische Erziehung soll die Notwendigkeit deS Religionsunterrichts begründen. So schreibt in seinem Werk„Naturrecht und Politik" der von konservativer und klerikaler Seite gleich anerkannte Fr. Walter:„Die Erziehung muß darauf gerichtet sein, das Herz und Gemüt, den Sinn für das Reine, Wahre und Edle in der dem Alter angemessenen Weise zu entwickeln. Dieser Teil ist noch wichtiger als der Unterricht.... Hilfsmutel dazu sind ausgewählte passende Stücke für die Lese-, Schreibe- und Gedächtnisübungen. Denksprüche, biographische Züge, insbesondere auch der Gesang mit angemessenen Texten. Vor allem aber wird die Religion und Kirche für die Erziehung wie der Familie so auch der Volksschule zu Hilse kommen müssen, und die Staatsgewalt muß ihr darin einen freien. unbehinderten Einfluß einräumen. Eben oeshalb muß die Volks- schule den konfessionellen Charakter genau berücksichtigen." Als weiterer Grund für den konfessionellen Charakter der Volksschule Ks.Amick" hat alle Welt Hochachtung, der Eroberer braucht kein besonders tüchtiger Mann zu sein. Der tertius xsuSens des vorliegenden Gesetzes würde— August Bebel sein.(Heiterkeit.) Oberbürgerincffter Bcndcr-Breslau: Durch die bisherige Gesetzgebung sind die Polen nur aus- geschlossen von Wohlthatcn des preußischen Staates, hier aber tritt eine Differenzierung im Privatrecht ein, und das ist eine bittere und böse Sache. Diese'Bcstimmung giebt den polnischen Agitatoren eine wirksame Waffe in die Hand. Die Folge des Gesetzes wird nur die sein, daß die Polen die deutschen Bauern aufkaufen. Ein Schlnßantrag wird hierauf angenommen.§ 13b wird nach dem Kommissionsbeschluß genehmigt. Die ZZ Ii— 16 werden unverändert angenommen. ß 17 lautet: Ist anzunehmen, daß infolge der Ansiedelung eine Aendcrnng oder Neuordnung der Gemeinde-, Kirchen- oder Schulverhältnisse erforderlich wird, so sind die beteiligten Vorsteher von dem Antrage mit dem Eröffnen in Kenntnis zu setzen, daß sie binnen einer Frist von 21 Tagen(Regierungsvorlage: zwei Wochen) bei der Genehmigungsbehörde die Festsetzung besonderer Leistungen des Antragstellers für den Zweck dieser Forderung beantragen können. Herr v. Buch beantragt, daß diese Aufforderung an die beteiligten Behörden in allen Fällen einer beantragten Neuansiedelung zu er- gehen hat. Freiherr Durant beantragt, daß die AnsiedlungSgenehmigung vom Nachweis, daß die Leistungen erfüllt sind oder genügende Sicherheit gestellt ist, abhängig gemacht wird. v. Faber will die Frist von 21 Tagen auf 3 Monate verlängert wissen. Nach Begründung der Anträge durch die Antragsteller wendet sich Minister v. Podbielski gegen alle Abänderungsanträge, die eine wesentliche Erschwerung der Ansiedlung bedeuteten. Kommissare des Handelsministers und des Ministers des Innern treten ebenfalls für Ablehnung aller Abänderungsanträge ein. In der Abstimmung wird der Antrag v. Buch angenommen, ebenso 8 17 mit dieser Abänderung. Der Rest des Gesetzes wird debattelos angenommen. Des weiteren werden debattelos eine Reihe kleinerer Gesetz- entwiirfe genehmigt. Der Präsident teilt mit, daß die nächste Tagung des Herren- Hauses vom 9. bis 14. Mai stattfinden soll. Am 9. Mai konnnt u. a. die Interpellation Becker betr. Schlachthansgesetz zur Be- sprechung. Schluß 6 Uhr._ Berliner partei-Hngelecfenbelten. Die Lokal-Liste für Berlin und Umgegend ist neu herausgegeben und der hcuttgcn Nummer unsres Blattes beigefügt worden. Bei der Wichtigkeit der Lokalfrage erwächst den Parteigenossen die dringende Pflicht, die Lokal-Listr streng zu beachten. Den Saalabtreibereien und Verweigerungen gegenüber, die in Berlin teilweise noch versteckt, in den Vororten dagegen offen betrieben werden, bleibt uns kein andres Mittel übrig als die Lokalsperre x und diese dort, wo nötig, durchzuführen, muß das Bestreben aller Parteigenossen sein. Arbeiter, Partei- -genossen, Gewerkschaften. Gesangvereine JC., besucht daher bei Ausflügen, Vergnügungen zc. nur solche Lokalitäten, welche auf der Liste verzeichnet stehen. Vor allen Dingen erwächst aber den Vorständen von Arbeitervereinen die Pflicht, beim Ab- schluß von Festlichkeiten und Partten auf das strengste die neue Lokal-Liste zu beachten. Die Vorstände wollen in solchen Fällen auch darauf sehen, daß in den Verträgen mit den Wirten eine Klausel Platz findet, wonach für den Fall, daß das Lokal für Arbeiter- Persammlungen später verweigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Verschiedene Vorkommnisse der letzten Zeit lassen eine Bestimmung dieser Art dringend ratsam erscheinen. pflegt dann das natürliche Verfügungsrecht der Eltern über ihre Kinder ins Feld geführt zu werden. Dasselbe mache es den Eltern zur Pflicht, ihren Kindern eine den eignen Grundsätzen entsprechende Erziehung angedeihen zu lassen. Ist nun in der That der Religionsunterricht unsrer Schulen ein die Moral fördernder? Ein„gedankenloses Maulbrauchen" nennt ihn Pestalozzi einmal derb, aber treffend. Man braucht nur einen Blick in die Schulregulativc zu werfen, die als„Minimum" die Gesangbuchstrophen, die biblischen. Geschichten, die Sprüche, die Choralmelodien schock- und hundcrtweise fordern, man braucht sich nur an die eigne Jugend zu erinnern, wo einem vor lauter Abimelechs und Josuas. vor Seligkeiten und Gnadenstücken die Bibel zum Ekel und der Katechismus zum Greuel geworden ist, um die Wahrheit jenes Ausspruchs lebhaft zu empfinden. Was hat dieser ganze Kram, Ivas haben Pottphars Frau und Lots Töchter in der Moral unsrer Jugend zu suchen? Sittlichkeit ist praktisches Handeln, und dieses eignet man sich in der Jugend nicht an durch, utwerstandene Sprüche und Regeln, sondern durch praktische Unterweisung, durch Vorbild und Beispiel. In der weitaus größten Mehrzahl der Fälle aber wird, wie die Verhältnisse heute liegen, der konfessionelle Unter- richt das 5ftnd in Widerspruch bringen zum Lehrer, zu Vater und Mutter, d. h. zu eben jenen natürlichen Vorbildern, die berufen sind, ihm die Moral prakttsch vor Augen zu führen. Weit entfernt also, die Sittlichkeit des Kindes zu fördern, wird der konfessionelle Unter- richt dasselbe in Zwiespalt und Zweifel bringen, wird es»m eines unverstandenen und unverdauten Moralgcplappers willen die prakttsche Moral'schädigen, aufheben, zerstören. Und wie steht es nun mit der Verfügungsgewalt der Eltern über ihre Kinder? Das elterliche Verfügnngsrecht ist nicht absolut, sondern von vornherein durch die Gesellschaft beschränkt Der Klerikalismus hat den Grundsatz, daß kein katholisch getauftes Kind evangelisch erzogen werden darf, und er räumt dem Staat principiell die Befugnis ein, gegebenenfalls die katholische Zwangserziehung an- zuordnen, unbekümmert, ob etwa elterliche Rechte dem entgegen- stehen. Es wird dabei von dem Princip ausgegangen, daß jede Verfügungsgewalt erlischt, wo die unveräußerlichen Rechte der Person beginnen. Erblickt mm nun in diesen letzteren nicht gerade das Anrecht ms eine bestimmte Konfession, sondern allgemein das Anrecht auf die selbstgeschaffene geistige Individualität, so wird für den Konfessionalismus der eigne Rechtsboden tödlich, fällt die konfessionelle Jugenderziehung überhaupt. In der That hebt der Grundsatz kon- fessioneller Erziehung vor dem Verstanbesalter die Grundlage der Religion selber auf. Jede Religion beruht auf dem Princip der Selbstverantwortlichkeit in einem vorausgesetzten Jenseits. Selbst- Verantwortlichkeit und oktroyierte Moral aber sind unlösbare Wider- sprüche; sie vereinigen wollen heißt jedes Rechtsprincip vernichten. Der Iwnfessionalismus selber behauptet, es gebe eine natürliche Sittlichkeit: die Religion solle nur die Krone jener sein. Wie beide aber theoretisch unterschieden werden, die eine angeblich die Grund- läge und Boraussetzung der andren bildet, so würde die Logik fordern, beide auch zeitlich zu trennen, die eine der andren folgen zu lassen. Von wo aus mm also auch die Schulftage betrachten mag, an allen Ecken und Enden schreit es nach ihrer Befreiung aus dem kon- fessionellen Joch. Es kann dnTstr nicht wundernehmen, wenn in erster Linie Frmkreich, dessen Volksschule und ihre Ucberlegenheit über die unsre wir unlängst geschildert haben, die konfessionslose Schule verwirklicht, an Stelle des religiösen Unterrichts die ethische Sonntag, 17. April 1904. Ebenso ist es Pflicht der Vorstände und Komitees, dafür nach Mög- lichtest zu sorgen, daß bei Mehrbedarf an Bedienungspersonal der Stellennachweis des„Verbandes deutscher Gastwirts- gehilfen"(Ortsverwalttmg Berlin), Dircksenstr. 39 I, Telephon Amt 3 1813, Berücksichttgung findet. Thut ein jeder seine Pflicht, so kann der Erfolg nicht ausbleiben. Lokale, die keine Säle haben, sind frei. Die Lokalkommission. Erster Wahlkreis. Dienstag, abends 8'/z Uhr: Generalversamm- lung des Wahlvereins in der Fischerstr. 25." Vortrag des Genossen Kaliski über„Die politische Macht". Diskussion. Neuwahl des Vorstandes. An den Vorstand gelangte Anträge. Zahlreichen Be- such erwartet' Der Vorstand. Zweiter Wahlkreis. Dienstagabend S'/a Uhr, Versammlung des Wahlvercins in Habels Branerei-Ausschank. Bergmannstr. 5/7. Vortrag des Genossen Bartels„Die Entwicklung des Socialismus von der Utopie zur Wissenschaft". Gäste willkommen. Zahlreichen Bestich erwartet Der Vorstand. Wahlverein für den 4. Berliner Rcichstags-Wahlkreis Süd-Ost. Dienstagabend 8l/z Uhr findet die Generalversammlung im Gewerkschaftshause statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vor- standes und Neuwahl. 2. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Ge« Nossen Stolle über: Der Heldenkampf der Crimmitschauer Ar- bester und welche Lehren giebt dieser Kampf dem arbeitenden Volke? 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Schöncbcrg. Dienstagabend findet im Obst scheu Saale, in der Mciningerstr. 8, die G e n e r a l v e r s a m m l u n g des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vorwog des Reichstags- Abgeordneten Fräßdorf über„Krankenkassen und Aerztestreiks" Groß- Lichterfelde- Lankwitz. Die Fortsetzung der am Donnerstag aufgelösten öffentlichen Versammlung mit dem Thema: „Ist Religion Privatsache?" findet am Donnerstag, den 21. April, abends 8 Uhr, im Richter scheu Saale, Chaussee- straße 104, statt. Die Parteigenossen werden ersucht, für guten Besuch auch dieser Versammlung eifrigst zu agitieren. Als erster Dislussioitsredner ist Herr Pastor Stolte eingezeichnet. Der Vorstand des Wahlvereins. Tcmpelhof. Ueber«Die preußischen Junker und die Kanal« Vorlage" hält Redakteur John am Dienstagabend 8 Uhr bei Müller, Bcrlinerstr. 41/42, einen Vortrag. Zahlreicher Besuch dieser Vereinsversammlung wird erwartet. Gäste, auch Frauen haben Ztttritt. Steglitz-Friedenau. Im Austrage unsrer Wahlvereine wird Genosse G r u n>o a I d einen Cyklus von 5 bis 6 Vorträgen über die Grundlagen des Erfurter Parteiprogramms abhalten. Die Vorträge sollen, wenn möglich, abwechselnd in Steglitz und Friedenau stattfinden. Der erste findet am 13. Mai bei Schellhase, Steglitz, Ahornstr. 15, statt. Indem wir den Parteigenossen schon jetzt von diesem VortragScyklns Kenntnis geben, ersuchen wir, sofort mit reger Agitation zu beginnen. Friedenau. Dienstag hält der Wahlverein seine Mitglieder- Versammlung ab, in der Genosse Stempel einen Vortrag über „Arbeiter-Baugenoffensihaften und wirtschaftlicher Befreiungskampf des Proletariats" halten wird. Zchlcndorf. Die Versammlung des W a h l v e r e i n s findet am Dienstag, abends 8 Uhr bei Giese, Teltowerstr. 23 statt. Referent Genosse Hildcbrand:„Welche Anforderung stellt die Socialdemokratie an den einzelnen Parteigenosse»?" Diskussion. Rixborf. Die Mitglieder des Wa hlvereins machen wir darauf auftnerksam, daß die Generalversammlung am Dienstag in den Victoria-Sälen, Hermannstr. 49, stattfindet. Näheres im heuttgen Inserat. Rauchfangwcrdrr. Am Sonntag, den 15. Mai. nachmittags 4 Uhr, findet int Lokale von NutkowSki eine Volksversammlung statt. Das Referat hat Genosse Zubeil übernommen. Die Partei- genossen in der Umgegend werden ersucht, für recht rege» Besuch derselben zu agitieren. Erziehung, die„Moral- und Bürgcrlehre" hat treten lassen. Ihr wird in dem gesamten Lehrplan die Hauptaufgabe zugewiesen. „Nicht Aneignung von Kenntnissen soll das Ziel sein, sondern die Entwicklung des Menschen im Menschen, die Bildung des Herzens und die intensive Entwicklung des sittlichen Wollens, so daß der Mensch sich später aus freier Enfichcioüng dem Guten zuwendet." In den Kinderklassen und auf der Unterstufe verlangt der Lchrplan nur Aneignung der notwendigen Höflichkeitsformen, ein- fache Erzählungen, Gedichte, Fabeln und ähnliches, die geeignet sind, auf das Gemüt des Kindes veredelnd einzuwirken; gleichzeitig soll das moralische Gefühl nach Möglichkeit angeregt werden. Die systematische Pflichtenlehre tritt mit der Mittelstufe ein. Sie um- faßt die Pflichten in der Familie, der Schule, gegen sich selbst, die Gesellschaft, das Vaterland u. s. f. Auch hier sind Besprechungen, praktische Anregungen, Lesen mit Erklärungen und andres in noch planmäßigerer Weise vorgesehen, als es auf der vorhergehenden Stufe der Fall war. Das vorgeschriebene Ziel soll in erster Linie durch Unterhaltungen über Wahrnehmungen aus dem Leben selbst und daran geknüpfte Belehrungen erreicht werden. Zur Unterstützung des Unterrichts werden dmin auch den einzelnen Stufen angepaßte Lesebücher herangezogen. Es liegt auf der Hand, daß ein derartiger Unterricht von allen Konfessionellen in Grund und Boden verdammt wird. Demgegen- über mag an das Urteil des Berliner Schulmannes Groppler er- innert sein, der 1990 anläßlich der Pariser Weltausstellung das französische Schulwesen im Auftrage der Diesterweg-Stiftung an Ort und Stelle eingehender studierte. Derselbe schreibt in seinem Studienbericht:„Aber darauf muß doch hingewiesen werden, daß es nicht zutrifft, wenn von Gegnern verschiedener Länder diesem Unter- richt eine direkt religionsfeindliche, antireligiöse Tendenz zugeschrieben wird. Es ist direkt verboten, die Kinder, die vielleicht zu Hause in religiösen oder auch konfessionellen Vorstellungen er- zogen sind, irgendwie in ihren Gefühlen zu verletzen. Man könnte vielleicht zugeben, daß der Unterricht einen anti- konfessionellen Charakter habe, aber den mußte er bei Be- rücksichttgung der französischen Verhältnisse erhalten,... wenn man in einwandsfteien Darstellungen die Schilderungen liest, in tvelchcr verdammenswerten Weise gerade die katholischen Geistlichen in Frank- reich den Religionsunterricht ausnutzen... Wenn man eine Lektion in der Moral aufmerksam verfolgt und das Glück hat, wie ich es zweimal hatte, sie von einer Lehrerpersönlichkeit erteilt zu sehen, die den hohen Anforderungen, welche der Lchrplan an dieselbe stellt, doch wenigstens zum guten Teil entspricht, der kommt doch zu der Er- kenntnis, daß auch dieser Moralunterricht nicht anttchristlich, sondern mit Erfolg bemüht ist, jene ewig gültigen Grundsätze der Sittlichkeit, die aufopfernde Nächstenliebe und die Achtung vor allem Hohen, Erhabenen und Schönen... der empfänglichen Jugend zu über- Mitteln. Natürlich läßt sich auch nicht leugnen, daß ein unfähiger. innerlich vielleicht noch nicht sittlich genug gefestigter, gegenüber den höchsten Gütern der Menschheit verständnisloser Lehrer im M o r a l- Unterricht ebenso viel Unheil anrichten kann, wie eine gleich- geartete Persönlichkeit im Religionsunterricht." Im deutschen Lande der Denker aber werden, gegen den ent- sprechenden Entgelt an Kanonen und Panzerplatten, die Hirne der heranwachsenden Generation an engherzige Kirchlichkeft und Mucker- tum verschachert._ Treptow- Baumschulenweg. Dienstagabend 8Va Uhr hält der Wahlverein seine Generalversammlung im Restaurant Ackermann, Baumschulenstr, 78 ab. Auf der Tagesordnung steht: Vortrag, Kassenbericht, Anträge und Wahl der Delegierten zur Kreis-General- Versammlung und Verschiedenes. Gäste, auch Frauen willkommen. Die Wohnung des K a s s i e r c r s befindet sich jetzt Baumschulen- straße 21, vorn Hr. Lichtenberg. Heute Sonntag findet eine Agitation für den «Vorwärts" statt. Die Parteigenossen werden ersucht, sich recht zahl- reich daran zu beteiligen. Treffpunkt: die bekannten Bezirkslokale. — Dienstag hält der W a h l v e r e i u seine General- Versammlung im Höflichschc» Lokale ab. Ans der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen v. Elm:„Unsre Waffen im Klassen- kämpf." Jahresbericht des Vorstandes. Neuwahlen. Adlcrshof. Am Donnerstag präc. 8*L Uhr findet im Lokale von Fcchner, Oppenstr. 56, die Mitglicdervergannnlung statt. Tages- ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Borchardt über.Die Ver- wirklichnng des Socialismus". 2. Diskussion. 3. DaS Urteil des Ober-VerwaltinigSgerichtö gegen den Wahlvercin. 4. Vereins- angelegcnhciten. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist not- wendig. Frattziisisch-Biichholz. DienStag, abends 8Vz Uhr, findet in Kühnes Lokal die Mitglicdcrversainmlnng des WahlvcreinS statt, in der die Vorlesung über„Moses oder Darwin" fortgesetzt wird. Gäste willkommen. lokales. Tie Lishnc der städtische» Arbeiter. Mit den Löhnen der städtischen Arbeiter Berlins hat sich in der letzten Zeit wiederholt die Oeffentlichteit beschäftigt. Schon seit mehreren Jahren wiesen die organisierten Arbeiter auf die Unzu- länglichkeit der in den Betrieben unsrer Reichshauptstadt gezahlten Löhne hin. Aber auch in der Tagespreise und in den mit socialen Problemen sich beschäftigenden Zeitschriften wurde des öfteren für eine Besserstclluuo dieser Arbeiterkategoricn eingetreten. Auch im Stadtparlamcnt haben bei den Etatsberatungcn unsre Parteigenossen die Notwendigkeit betont, eine Lohnerhöhung vorzunehmen. Leider ist man wiederum mit einigen nichtssagenden Einwänden dem cnt- gcgengetreten. Es ist dies um so bedauerlicher, als die hiergegen ins Feld geführten Beweggründe durchaus nicht als einwandsfrei gelten können. So wird häufig arguinentiert, dag die Leistungen der Arbeiter in einzelnen Betrieben nicht derart sind, dag aus ihnen eine bessere Bezahlung gefolgert tverden könne. Abgesehen von einigen Betrieben, wie bei der Parkvcrwaltung, wo bei leichterer Funktion aber auch die schlechtere Bezahlung(2,75 M.) platzgreift, sind in den meisten Betrieben die Anforderungen bezüglich der Leistungen dieselben wie in jeder Privatwerkstatt. Auch der Hinweis, dajz eine gesteigerte Nachfrage nach Arbeit bei der Stadt deren Vor- zug bestätigt, ist wenig geeignet, die Lohnsätze zu rechtfertigen. Es liegt darin lediglich die Thatsache, daß es recht viele andre Arbeiter giebt, denen es noch schlechter geht, und wenn auch der Grundsatz von Angebot und Nachfrage hier mitsprechen mag, so sind für eine kommunale Verwaltung denn doch andre Gesichtspunkte maßgebend, als beim Privatmann. Ebenso liegt es mit der Behauptung, man dürfe der Privatindustrie keine Konkurrenz bereiten. Wenngleich dieser Einwand schon mit der Thatsache abgethan werden kann, daß dort die Löhne durchweg höhere sind, kommt noch hinzu, daß die meisten Industriearbeiter nach vollzogener Thätigkeit Herren ihres Thuns und Lasseus sind, so daß sie sich je nach ihren Fähigkeiten oder Verhältnissen unter Umständen einen Nebenverdienst verschaffen können, während es den städtischen Arbeitern untersagt ist, in ihr Fach schlagende Arbeiten auszuführen. Der hauptsächlichste Einwand aber ist die schlechte finanzielle Lage. Auch bei den Beamten hat man zur Begründung der Ab- lehnung der Gehaltsaufbesserung jenen Einwand gemacht, trotzdem für sie durch ihre lebenslängliche Anstellung und die turnusmäßige Steigerung des Gehaltes von vornherein günstigere Positionen vor- handen sind, als bei den Arbeitern. Ob dieser ungleiche Zustand gerechtfertigt ist, soll hier nicht untersucht werden. Es möge der Hinweis genügen, daß eine Anzahl Leiter großer kommunaler Ge- meinden den Standpunkt vertreten, daß„ein innerer Grund, die beiden Berufs stände(städtische Beamte und Arbeiter) nach vollständig verschiedenen Prin- z i p i e n zu behandeln, nicht vorliege." Es soll gar nicht geleugnet werden, daß die Finanzvcrhältniffe Berlins im Augenblick nicht dazu angethan sind, mit vollen Händen zu geben und den auf allen Gebieten vorhandenen Wünschen vollauf Rechnung zu tragen. Es ist die Pflicht der Stadtverwaltung, darauf Bedacht zu nehmen, daß die benötigten Ausgaben mit den Einnahmen in Einklang gebracht werde». Das entbindet aber nicht von der Ver- pflichtung, die Lebenslage der städtischen Arbeiter annähernd so zu gestalten, wie sie sich als unumgänglich notwendig erweist. Und daß eine Lohnentschädigung von durchschinttlich 3,50 M. nicht dazu angethan ist, eine Familie zu ernähren, weiß jeder, der die heutigen Preise der Lebensmittel kennt. Ganz abgesehen von der durchaus zutreffenden Aufstellung des Herrn Privatdocentcn Dr. Jastrow- Charlotteiiburg— nach welcher das wöchentliche Budget einer sünf- köpfigen Arbeiterfamilie bei vernunftgemäßer Ernährung 20 bis 21 Ml betragen müßte— ist doch von vielen socialen und hygienischen Instituten, von Behörden und Parlamentariern unzweideutig zum Ausdruck gebracht worden, daß durch die Steigerung der Mieten und der Bedarfsartikel die Lage der arbeitenden Klasse eine schlechtere geworden ist. In den Krankenhäusern Berlins selbst finden wir das eigentümliche Verhältnis, daß trotz des großen und billigen Einkaufs der Verbrauchsartikcl für den gewaltigen Konsum sich die Ernährungskosten für einen Kranken höher stellen als hier für einen gesunden Arbeiter, der einer kräftigeren Ernährung bedarf, soll er seine Arbeit verrichte». In einer Petition des Berliner Magistrats und der Stadtverordneten gegen die iin vorigen Jahre vorgenommene Erhöhung der Getreide- und Nahrungs- mittelzöllc wird u. a. der Nachweis geführt, daß sich bei der Er- höhung der Zölle der Mehraufwand für Fleisch bei einer vierköpfigen Familie auf 47 M. stelle» würde. Ter notlv endige Verbrauch wird daselbst auf„nur" 75 Kilogramm pro Kopf oder für die Fantilie auf 300 Kilogramm angenommen. Rechnet man nun diesen Konsum zu dem niedrigen Schwcinefleischprcis des Jahres 1 9 0 0, so macht das eine Ausgabe von 287 M. im Jahre oder von 78 Pf. pro Tag. Daß bei einem Verdienst von 3,50 M. eine Fantilie auch nicht einmal die Hälfte dieser Tare anwenden kann, ist einleuchtend, wenn die andern Bedürfnisse Berücksichtigung finden sollen. Die städtischen Arbeiter haben es unternommen, den verschiedenen Branchen ent- sprechend, eine Statistik aufzustellen, in welcher der Nachweis gc- liefert werden soll, daß die jetzige Bezahlung nicht ausreicht, be- schcidene Bedürfnisse zu befriedigen. Diese Statistik, aus deren Einzelheiten wir heute aus Raum- mangcl nicht gut eingehen können, beweist zur Evidenz, daß ein Lohn von'3,50 M. auch für die bescheidensten Bedürfnisse einer Arbeiter- familie nicht ausreicht. Ter Berliner Kommunalliberalismus wird sich bei nächster Gelegenheit mit den Aufstellungen der erwähnten Gewerkschaftsorganisaiion zu beschäftigen haben. Uns soll verlangen, was die Herren vom Besitz gegen die sachlichen Darstellungen der Lage unsrer städtischen Arbeiter vorbringen werden. Der Magistrat hat gestern beschlossen, die Zustimmung der Stadtverordneten- Verfainmlung zur Errichtung des von einem Komitee geplanten Denkmals für Professor Rudolf Virchow aus dem Karlsplatz in der Nähe der Eharitö einzuholen. Dem Beschlüsse der gemischten Deputation für die innere Ausschmückung des Rathauses, wonach an den Wänden der zum Bürgcrsaale führenden monumentalen Freitreppe zwei große Bronzetafeln ntit den Namen der bisherigen Oberbürgermeister und Stadtverordneten- Vorsteher angebracht tverden sollen, ist der Magisttat beigetreten und wird die Bewilligung der Staditzerordneteu-Vecsanunluiig einholen. Der hcnttge» Nummer ulisres Blattes liegt für den Rest der Auflage ein Prospekt der Buchhandlung Vorwärts bei, der auf das neu erscheinende Lieferungswerk von Emil Rosenow„Wider die Pfaffenherrschaft" hinweist. Wir empfehlen den Prospekt der besonderen Benchttnig unsrer Leser. Tic Arbeiten für die Herstellung der Döberiher Heerstras-e sind, soweit sie Charlottenburger Gebiet betreffen, in vollem Gange. Zum Neubau der Charlottenburger Brücke, die eine Breite von 60 Meter erhalten wird, ist eine Notbrücke im Bau, die in kurzem fertiggestellt sein soll. Ter Abbruch der Südseite der Bismarckstraße schreitet sehr schnell fort. Ausgenommen die beiden Grundstücke 126 und 127, von denen der Bau der Untergrundbahn bereits bei Fertigstellung des Bahnhofes Knie erfolgte, wird auf allen Häusern der Nummern 125 bis 90 gearbeitet und einige kleinere sind bereits ganz niedergelegt. Der Aufenthalt in dieser Straße ist des Lärmens und lästigen Staubcs wegen, der in dicken Wolken dieselbe einhüllt, zur Zeit keine Annehmlichkeit, fie wird daher von Passanten so viel wie möglich gemieden, während von verschiedenen Hansbesitzern auf der Nord- seite der Straße schon Beschwerden bei den Behörden eingegangen sind, während andre mit ihren Mietern, welche Entschädigungs- ansprüche geltend machten, in Streitigkeiten gerieten. Gleichzeitig mit der Nicderlegting der Häuser läßt die Hoch- und Untergrundbahn- Gesellschaft Bohrungen zur Feststellung der Beschaffenheit des Bau- grundes vornehmen, während die Verlegung der Wasser-, Gas- und elektrischen Leitungen von den betreffenden Behörden erst im nächsten Monat in Angriff genonunen werden soll. Der Abbruch der Häuser 90 bis 125 soll noch vor Pfingsten beendet sein, der der andren Hälfte der Südseite der Bismarckstraße bis zur Schloßstraße wird im April nächsten Jahres erfolgen: bis zum 1. jenes Monats ist sämtlichen Bewohnern dieses Straßenteils gekündigt worden. Jenseits der Schloßstrahe wird eifrig an der Herstellung des Dammes der hier als Bismarckstraße weiterzuführende« Töberitzer Heerstraße ge- arbeitet und derselbe hat beim Königsweg bereits eine Höhe von 4 Meter erreicht. Er erstreckt sich dann in 50 Nieter Breite quer über das Excrzierfeld des Elisabcth-Negimcnts bis zu dem am Schluß der Ahorn-Allee liegenden Platz. Von diesem biegt die Bismarckstraße dann ebenfalls in 50 Meter Breite nach Norden hin bis zum Spandauer Bock ab. wo jetzt zur Herstellung des Heerstraßen- dammcs die bei dem Etablissement belegenen Sandbcrgc abgetragen werden. Die Heerstraße selbst wird vom Platz B aus in schnurgerader Richtung durch den Grunewald hindurch geleitet und folgt nach Heber- schrcitnng der Spandaucr Eisenbahn der Chaussee nach Pichelsberge, die stark wellig hier den Forst durchschneidet, so lange bis sie nach Norden abbiegt, während die Heerstraße dann weiter durch den Wald bis zur Havel geführt wird. Die Richtung der neuen Straße ist im Fcrft bereits abgesteckt, so daß man sie genau verfolgen kann. Ter Verband der Waren- und Kaufhäuser, der gestern in Berlin seine Generalversammlung abhielt, zählt zur Zeit 130 ordentliche und 910 außerordentliche Mitglieder. Im ersten Geschäftsjahre betrugen die Einnahmen 27 000, die Ausgabe» 18 000 M. In den Vorstand wurden von Berliner Warenhausinhabern gewählt die Herren Tictz und Stein, lieber die wirtschaftliche und sociale Be- deutung der Warenhäuser referierte der Generalsekretär Dr. Wernicke. Er vertrat den Standpunkt, daß die Warenhäuser keineswegs den Mittelstand schädigten oder vernichteten. Ter Mittelstand wachse vielmehr, er setze sich heute allerdings aus andern Schichten zusammen als früher. Auch den Kleinhandel könnten die Warenhäuser nicht verdrängen. Ihre wirtschaftliche Bedeutung bestehe darin, daß sie auf Verbilligung der Preise und auf eine Hebung der Lebenslage breiter Schichten hinarbeiten. Sie seien social unausgesetzt thätig. So habe man an verschiedenen Orten schon Fortbildungskurse, Er- holungshcime und Altersversorgung eingerichtet. Die Angriffe gegen die Warenhäuser, denen man Preisschleudereien und unreelles Ge- baren vorwerfe, seien ungerechtfertigt. Ter Redner erklärte schließlich die Warenhäuser als den besten Schutz gegen die drohenden Syndikate und Kartelle. Die Versammlung schloß sich in der Diskussion diesen Darlegungen an._ Ein Eisciibahnunfall auf dem Gesnndbrnnnen. Gerüchte von einem schlveren Eisenbahnunglück waren gestern nachmittag in der ganzen Stadt verbreitet. Viele Personen sollten verletzt sein. Zum Glück übertrieben die Gerüchte sehr stark, und wenn auch bei einem Zusammenstoß auf der Strecke zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Wcdding viel Material zertrümmeci wurde, fo kam doch kein Mensch zu Sckrndcn. Der Zusammenstoß fand zwischen zwei Güterzügen infolge Nichtbeachtung eines Signals statt. Der Lokomotivführer Juhn vom Gesundbrunnen fuhr kurz vor 4 Uhr mit einem Güterzuge von 84 Achsen und der Tender- Maschine Nr. 1738 durch die Station Gesundbrunnen nach dem Wedding zu und achtete nicht ans das Haltesignal. Zu gleicher Zeit fuhr der Lokomotivführer Schneider aus Pankow mit einem Güterzug von 34 Achsen und der Lokomotive Nr. 1934 mit Ausfahrtsignal vom Wedding weg, wohin er vom Grunewald her gekommen war. Die Züge haben jetzt nur ein Geleise zur Verfügung, weil mehrere Brücken auSgcbeffert werden. Das Unglück wollte es nun, daß die beiden sich auf einem Strcckcntcil begegneten, der nicht„sichtig" ist, in einer Biegung bei der Blockstation an der Badstraße. Als die beiden Lokomotivführer sich etwa 1500 Meter von der Station Gesundbrunnen entfernt zu Gesicht bekamen, waren sie sich schon so nahe, daß der Zusammenstoß nicht mehr vermieden werden konnte. Beide gaben sofort Gegendampf und ein Notzcichen für Zugführer und Bremser. Das ganze Personal rettete sich dann durch Abspringen und kam unversehrt davon. Der Zusammeiistotz Ivar, da die Geschwindigkeit der Züge auf die kurze Strecke nicht viel mehr vermindert werden konnte tmd die Wagen mit ihrer großen Last die Maschine trotz Gegendampfes weiter- drückten, so wuchtig, daß er an dem rollenden Material großen Schaden anrichtete und weithin gehört wurde. Das Krachen der zertrümmerten Wagen und das Zischen des Dampfes alarmierte die ganze Einwohnerschaft der Hinterhäuser der Neuen Hochstraße und der Laubenkolonie an der Pankstraße. Beide Maschinen wurden schwer beschädigt. Der Schutzwagcn des Zuges, der vom Wedding kam, der große Kastenwagen Nr. 4661, ging ganz in Trümmer. Mehrere andre Wagen bäumten sich hoch auf.' Einige Plattenwagen, die in der Mitte leer eingeschoben waren, wurden zerdrückt, fast an allen Wagen wurden die Puffer verbogen. Der zweite Wagen war ein Plattemvagen mit einem Möbel- wagen von Frcese in Stettin. Er sollte nach RuinmelSburg nnigesetzt werden. Der Möbelwagen schob sich von der Platte hinab in den Kastenwagen hinein und wurde mit diesem zertrümmert. der Plattcnwagcn ebenfalls stark beschädigt. Der Schutzwagen Nr. 4575 des vom Gesundbrunnen kommenden Zuges teilte das Schicksal des Wagens Nr. 4661. In ihn schob sich der Wagen 502 325 einer chemischen Fabrik, der leere große Ballons geladen hatte, hinein und wurde ebenfalls zcrtrümntert. Die Beschädigungen der folgenden Wagen sind ungefähr dieselben wie an dem andern Zuge. Die beiden Lokomotivführer wurden nach Hanse geschickt und müssen sich dort zur Verfügung der Eisenbahndirekiion halten. Hilfs- personal, Ingenieure, Bahnmeister und Arbeiter kamen alsbald init einem Gcrätewagcn nach der Unfallstelle, um sofort ntit der Auf- räumung zu beginnen. Diese wird ivohl noch den ganzen heutigen Soimtag in Anspruch nehmen. Die Störung ist um so empfind- lichcr, als, ivie schon erwähnt wurde, nur das eine jetzt gesperrte Geleise zur Verfügung stand._ Krüppelheim»nd andrer Schwindel. Großes Aufsehen erregte seiner Zeil die Entlarvung eines Kunstverlages, der unter dem Deck- mantcl der Religiosität und Nächstenliebe der verwerflichsten Eigen- sucht diente. Ein gewisser I o h a n n s c n überschwemmte das gut- gläubige Publikum mit Prospekten, die in ihrer ganzen Abfassung und Verzierung auf weichmütige Menschen leicht Eindruck machten, und vertrieb dann in seinem„Kunstverlag" besonders Haussegen, deren Erlös einem Krüppelheim zu gute kommen sollte. Das mildthätige Publikum zahlte gern fünf bis zehn Mark für ein Mach- tverk, das ihm als„künstlerisch" angepriesen wurde, das aber nicht den geringsten Kunstwert besaß und einen Geldwert von höchstens fünfzig Pfennig hatte. Eine Kleinigkeit bön dem gewaltigen Ertrag verwandte Johannsen in der That zu wohlthätigen Zwecken. Drei bis vier verkrüppelte Kinder erhielten ab und zu eine Zuwendung. Das war das„Krüppelheim", für das Johannsen zu wirken vorgab, während er Hunderttausende in seine Tasche steckte. Bevor der Staatsantvalt oder die Kriminalpolizei Hand auf ihn legen konnten, war der„Kunstverleger" verschwunden, aber sein Geschäft wurde doch unschädlich gemacht. Seit einiger Zeit jedoch tauchten in Berlin und Umgegend Nachfolger des findigen Schweden auf, neue Verlags- gcschäfte, die sich wiederum den Mantel der Kunst und der Wohl- thätigkeit umhängen. Aehnlich liegt es mit einem andren Schwindel» der früher bereits blühte, mit der Industrie der Kreide- zeich nunqen nach Photographien. Auch auf diesem Gebiete treten jetzt wieder Leute auf. das Publikum auszubeuten. Die Bilder werden bekanntlich gratis geliefert, nur der— Rahmen soll bezahlt werden. Da dieses Treiben nachgerade einen ungeheueren Umfang annimmt und dem Publikum, besonders kleinen Leuten. Hundertauscnde aus den Taschen lockt, so chcht jetzt die Berliner Kriminalpolizei mit besonderen Maßregeln vor. Sie hat einen Kommissar eigens mit der Bearbeitung dieser Angelegenheit be- auftragt. Die Grundlage für das Vorgehen bietet das Bürgerliche Gesetzbuch. Wünschenswert wäre es, wenn das betrogene Publikum die Kriminalpolizei in ihrem Kampfe gegen diesen Schwindel that- kräftig unterstützte. Anzeigen werden im Zimmer 175 des Polizei- Präsidiums entgegettgcnommen. Erschossen hat sich am Freitagabend der 30 Jahre alte Buch- Halter Theodor Braun, der seit zwei Jahren im Hauptcomptoir von Gerson angestellt war und als Junggeselle in der Kaiserstr. 25s, Ivohnte. Nach hinterlasscnen Auszeichnungen, in denen er von Licbcsgrant und Verzweiflung spricht, scheint er geistig nicht ganz gesund gewesen zu sein. Die letzte Zeit war er sehr nieder- geschlagen. Nachdem er am Freitagabend um 6 Uhr nach Hause ge- kommen war, tötete er sich um 9ßz Uhr auf dem Schlafsofa liegend durch einen Nevolvcrschuß in das Herz. Als Ursache des Selbstmordes, den der Kellner May Günther begangen hat, war Stellungslosigkeit angegeben worden. Der Bruder des Iliiglücklichen teilt uns mit,' daß diese Annahme nicht zutrifft. Max Günther hat seine letzte Stellung am 1. April freiwillig auf- gegeben und wollte zum 15. d. M. eine neue Stelle antreten. Seine Verwandten sind über die eigentliche Ursache des Selbstmordes noch völlig im dunkeln. Verschwunden ist seit dem 9. April der Zimmerer Heinrich Oxendorf, Friedrichsfelderstr. 15, ohne seiner Familie irgend welche Nachricht zu hinterlassen. Tic geängstigte Frau ersucht des- halb besonders alle seine Kameraden, die ihn vielleicht irgendwo gc- sehen haben, derselben, oder dem Bureau der Zimmerer, Dragoner st r. 15, Nachricht zulommcn zu lassen. Bautinfall. Von gewerkschaftlicher Seite wird uns gemeldet: Auf einem Grundstück der MUhlcnstraße in Schöneberg führt die Firma Torgau ist bis zur zweiten Etage, das Fabrikgebäude jedoch Das Vorderhaus ist bis zur zweiten Etage, das Fabrikgebäude jedoch erst bis zum Parterre hochgeführt. Am Sonnabcndvormittag war der Maurer Friedrich Menger aus Zinna bei Jüterbog am Treppenflur des Seitenflügels an einer 50 Ccntimeter langen und eine» Stein starken mit der Tveppenflurwand verbundenen Vorlage beschäftigt. Diese Vorlage gehört eigentlich zu dem Mauerwerk des Fabrik- gebäudes und konnte nur sehr schwer von der Stelle aus, wo Menzer arbeitete, erreicht werden. Da das Fabrikgebäude yoch ca. 8 Meter tiefer als der Seitenflügel lag, so kann auch der Laie ermessen, auf welch einer gefährlichen Stelle Meitzer seine Arbeit auszuführen hatte. Um die vollständig frei in der Luft stehende Vorlage, die auch noch geschwächt war, weil unter den Balken einige Schichten des Mauerwerkes fehlen mußten, korrekt und lotrecht zu mauern, mußte Menzer auf da" vor ihm liegende etwa 10 Schichten über die Balken liegende Maueriverk klettern. Das Mauerwerk der Vorlage, sowie ein Teil der Treppenflurwand löste sich nun aus seinem Verband und stürzte zusammen mit Menzer. die Abdeckung der Krllcr-Etage durch- schlagend, bis in de» Keller des Fabrikgebäudes hinab. Menzer wurde von Arbeitern des Baues, schwer verwundet, aus seiner Lage befreit und in das Elisabeth- Krankenhaus gebracht. Zunächst sind einige Rippcnbrüche festgestellt worden. Wir fragen, weshalb war an der gefährlichen Stelle kein Schutzdach? Konnte man ein solches nicht anbringen? Nun, so mußte das Stück Maueriverk liegen bleiben und von einer geschützteren Stellung aus hochgeführt werden. Mit eigner Lebensgefahr rettete gestern ein Schriftsetzer Pofahl die Näherin Frieda Dammin, die wegen Nahrungssorgcn vor dem Hause Plannfer 40 in den Landwehrkanal sprang. Pofahl stürzte sich der Lebensmüden nach und schwamm mit ihr ans Ufer. Da er dieses an der glatten Wand nicht ersteigen konnte, so ntußte»tan ihm einen Rettuitgsring zuwerfen. An diesem hielt er sich und das Mädchen solange über Wasser bis Schiffer mit einem Kahn kanten und beide aufnahmen._ Die Ringkämpfe im Cirkuö Busch bringen das Publikum von Tag zu Tag mehr in Aufregung. Allabendlich ist der CirkuS bis auf den letzten Platz gefüllt und mit nervöser Unruhe wartet man in allen Rängen auf den erhabenen Moment, wo die Recken in die Arena treten. Namentlich am Freitag war die Spannung groß. Der deutsche Preisringer Eberls hatte sich mit dein bisher tut- besiegten Spanier Peyrouse am Dienstag gemessen, ohne daß der Kampf zum Anstrag gekommen war. Nun sollte nach drei Tagen die Fortsetzung stattfin'dcit. Als die beiden Gegner bald nach 9 Uhr erschienen, wurde es still und der in athletischen Finessen nicht be- 'chlagene Zuschauer ntußte jetzt das Publikum doppelt beachtenswert finden. Der sonst aller Extase abgeneigte Berliner kam in Feuer und schwang sich zu einer beinahe leidenschaftlichen Begeisterung auf. Wir wollen die politische Intelligenz der Reichshauptstadt gewiß nicht unterschätzen, doch kann mancher Mann, der seine Lebenskraft ür politische und sociale Ziele einsetzt, Herrn Eberls um die Auf- inerksamlcit beneiden, die er auf seine Kraftnatur zu lenken wußte. Dreimal rangen die Gegner miteinander und zweimal chien es, als ob der Spanier den Deutschen besiegen würde. Jedoch beide Male hatte sich Eberle mit Geschick seinem Gegner zu entwinden gewußt, der anscheinend, ärgerlich des Miß- erfolges, allmählich in unnütze Hitze geriet und zu Griffen überging. die den Kampfregeln zuwider schienen und daher unter den nun wieder plötzlich lebendig gewordenen Zuschauern einen heillosen Lärm erregten. Beim dritten Gange drang Peyrouse mit wilder Hast auf Eberls ein, der jetzt in seiner Ruhe geschickt eine Blöße des Gegners erspähte und ihn mit einem Uebergriff glatt auf die Schultern warf. Ntm ging ein Jubel los, der sich kaum beschreiben läßt. Immer und immer wieder mußten sich die Ringer nach dem 23 Minuten langen Kampfe zeigen, und ein Lorbeerkranz von fabelhafter Größe belohnte den Sieger. Kenner versicherten, daß so etwas Herrliches überhaupt noch nicht dagewesen sei. Das Casino-Theatcr hat die„Zärtlichen Verwandten" des alten Beitedix in den Spielplan aufgenommen und damit bei seinem vergnügten Publikum einen vollen Erfolg erzielt. Direktion und Künstler leben mit der ausgedehnten Nachbarschaft in Seelen- Harmonie und wissen es einziirichten. daß selbst ein von der Last der Jahre mitgenommenes Stück so frisch wirkt als ob es eine wirkliche Premiere wäre. Vor allem that Herr Berg in der Rolle des Schurich alles, was einen Erfolg verschaffen kann. Da im Casino-Theater die verschiedensten Gefühlswallungen zu ihrem Recht kommen wollen, so war für den Anfang der Vorstellung ein Sing- spiel, H u s a r e n l i e b e" angesetzt worden. Man glaubt gar nicht, mit welchem Schmelz Herr Eckhoff als Husaren- Unter- offizier seine schönen sentimentalen Lieder sang. Auch wenn er die Wirtin zum goldenen Engel nicht durch die Erinnerung an eine alte verratene Liebe butterweich gestinunt hätte. würde der tapfere Soldat sich die niedliche Tochter mit leichter Mühe erobert haben. Außer den erwähnten beiden Dramen gab eS auch noch einen S p e c i a l i t ä t e n t e i l, in welchem die uattiralistische Kunst- richtung bewies, daß sie, weit entfernt, sich ins kühle Grab zu legen, mit ungevändigter Urkast noch über die weltbedeutenden Bretter schreiten kann. Beschreiben lätzt es sich nicht, Ivie die Volkstypen« Darstellerin Alice Markert als Waschfrau, als Streichholz-Jule und als Scheuerfrau mimt! man mutz ihr Pantinengepolter erlebt haben und ist dann gemätz den Vorschriften der alten Poetik bis ins innerste Gebein von Furcht und Mitleid gepackt. Die zündende Wirkung ihres Vortrages, die künstlich noch durch eine Menge verteilter Streichholzschachteln angefacht wird, legt sich erst, wenn der Jongleur Bernos auftritt. Das ist ein Künstler, der an einem ersten Specialitäten-Theater mit Anstand seinen Platz ausfüllen kann. Lysistrata in Paris. Paul Vinckes Operette Lyststrata ist gestern im Neuen Theater des Moulin Rouge zum erstenmal aufgeführt worden und zwar wie die Blätter berichten, mit grohem Erfolge. Diesem Erfolg wird umsomehr Bedeutung beigemessen als ja auch die Fledermaus, an die Lysistrata allerdings nicht ganz heranreicht, den Parisern offenbart worden ist. Paul Vincke selber war, wie erinnerlich sein wird, Ende der neunziger Jahre einmal Kapellmeister in den Folies bergöres zu Paris. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Heute Abend 7 Uhr im GeWerk- schaftshaus, Engel-Ufer 15, Saal 1: Vortrag des Genossen Treu über„Das Verbrechen als Produkt der gesellschaftlichen Verhältnisse". Der Festabend, den das Arbeiterinnenheim I, Brückenstr. 8, am heutigen Sonntag, abends 7 Uhr veranstaltet, findet in den Gesamt- räumen der Jndustriesäle, Beuthstratze 18—20 statt. Kasseneröffnung 6 Uhr. Billet mit Programm 20 Pfennig. Der neue Botanische Garten in Dahlem bei Steglitz ist heute, Sonntagnachmittag von 2—7 Uhr, für das Publikum geöffnet. Das Museum der Landwirtschaftlichen Hochschule ist Sonntag von 11 bis 3 Uhr unentgeltlich für den allgemeinen Besuch geöffnet. Die Sammlungen sind den betreffenden Fachdozenten unterstellt und haben dadurch eine große Vielseitigkeit erhalten, weshalb die Be- Nutzung durch den am Eingang zu 50 Pf. käuflichen amtlichen Führer (mit zwei Plänen) sehr unterstützt wird. Der Landes-AuSstcllungsvark wird nach der— am 20. Oktober 1003 von Herrn Ludwig Zweig begonnenen— vollständigen Um- Wandlung am 30. April gleichzeitig mit der Großen Berliner Kunst- ausstellung eröffnet Iverden. Vom Eröffnungstage an finden regel- mätzig Doppel-Kvnzertr statt. Zu den früheren Eingängen ist ein neuer an der Straße Alt-Moabit hinzugekommen. Von hier aus können die Besucher durch Hallen in die Kunstausstellung gelangen. völlig geschützt gegen die Unbilden der Witterung. Wie in den Vor- jähren, werben Saisonkarten zum Preise von 6 Mark ausgegeben, die für den Eintritt zur Kunstausstellung und den Landes-Ausstellungs- park während des ganzen Sommers berechtigen. Die Verkaufsstellen werden durch Inserate und Plakate bekannt gemacht. »us clen l�ackbarorteu. Kurzen Prozeß mit dem Hausagrariertum zu machen und ein- fach allen im Privatbesitz befindlichen Grund und Boden— aufzukaufen, um so die nur langsam' fortschreitende Expropriierung etwas zu beschleunigen, hat am Dienstag die— foctaldemo- kratische Stadtverordneten-Fraktion in Spandau beschlossen. Dieser Beschluß ist auf eine Anregung zurückzuführen, welche unsren Genossen von dem Hauseigentünicr und Stadtrat a. D. A. Dam er in einem längeren Schreiben gemacht worden ist. Herr D. verwies in diesem Schreiben darauf, daß die Spandauer Hauseigentümer jetzt wieder den welthistorischen„sieben mageren Jahren" entgegen gingen, und daß jetzt die Zwangsversteigerungen an der Tagesordnung seien, bei denen es die Hypothekenbanken so einzurichten wüßten, die Grundstücke zum halben Preis an sich zu bringen. Diese Gelegenheit, billige Grundstücke zu erwerben, sollten die Socialdcmokratcn doch nicht vorübergehen fassen! am Schluß seines Briefes schreibt der Herr Stadtrat a. D. wörtlich: „Sie und Ihre Genossen besitzen reichlich Geld. Sie können in der Zwangsversteigerung Häuser kaufen und dadurch Ihren Genossen billige Wohnungen liefern. Zum Kauf eines Grundstücks gehören 500 21!. zur Deckung der Gerichtskosten, die Bank läßt ihr Geld zur ersten Stelle stehen, das Geld verzinsen Sie und die Sache ist fertig." „Ich erlebe jetzt zum dritten Male die sieben mageren Jahre. Es wäre dies eine besondere Zkichtung. eine Richtung Rieger, Ihr Name kann ebenso berühmt werden, wie der der Herren Bebel und Liebknecht." Diese Argumente leuchteten unsren Stadtverordneten dermaßen ein, daß sie in ihrer letzten Fraktionssitzung nach imwesentlicher Diskussion beschlossen, der Anregung stattzugeben. Für den Aufkauf von Grundstücken bankrotter Hausbesitzer sind zunächst drei Millionen bereit gestellt, und der Bankier unsrer Spandauer Genossen, Herr Julius Turm, ist mit den entsprechenden Vollmachten versehen worden. Gutem Vernehmen nach dürfte nun die Proklamierung des soeialdemokratischen Zukunftsstaatcs auf dem Fuße folgen. Aus der Spandauer Stadtverordnctcn-Versammlung. Nach der Regel, daß das beste Mittel gegen den Zorn die Verzögerung ist, scheint auch die bürgerliche Mehrheit in der hiesigen Stadtverordneten- Versammlung in dem Streit mit der soeialdemokratischen Minderheit um die Besetzung der Kommissionen, Deputationen usw. zu ver- fahren. In der Donnerstag-Sitzung zeigte sich die. Mehrheit bei der Wahl dreier Kommissionen ctivas vernünftiger, indem sie unsren Genossen in jeder Kommission ohne weiteres je zwei Sitze einräumte. Schern vor Beginn der Ätzung wurden unsre Geiwssen durch ein Mitglied des VI. Ausschusses um ihre Vorschläge befragt, so daß die Wahlen selbst glatt von statten gingen. Die Hoffnung, daß sich die Mehrheit nun endlich ihres Unrechts bewußt geworden sei, und also auch den zur Beratung stehenden Anttag unsrer Genossen. den„VI. Ausschuß"(Wahlvorbereitungs-Ausschuß) auf 9 Mit- glieder zu verstärken und den Socialdemokratcn davon drei Sitze ein- zuräumen, annehmen würde, erwies sich aber als vollkommen ver- fehlt Der Antrag, der vom Stadtv. Ducksch(Soc.) kurz be- gründet wurde, rief die Herren Lüdecke und Engelhardt auf den Plan. die sich krampfhaft bemühten, durch unsagbar kleinliche Ausflüchte und Ausreden um die Pflicht der Mehrheit, endlich die Rechte der Minderheit zu respektieren und Gerechtigkeit zu üben, herumzureden. Wenn nichts, so bewiesen diese Drückebergereien, daß der Mehrheit doch das böse Gewiffen zu schlagen beginnt, und daß sie sich nun genötigt sieht, unsren Genossen Konzcssionen zu machen, mit denen sich die Minderheit aber gewiß nicht besänftigen lasten wird. Stadtv. Nieger(Soc.) trat den Scharfmachern mit Entschiedenheit entgegen und nagelte ihre Taktik der Ausflüchte nach Gebühr fest mit dem bekannten Ausspruch:„Spiegclbcrg. Dich kennen wirl" Genosse Ducksch zog sich in der Hitze des Gefechts noch einen Ordnungsruf zu, indem er dem Stadtv. L ü d e ck e, der Jurist ist, den Vorwurf machte, daß er das Recht mit Füßen trete. Die Liberalen schwiegen sich aus und bestätigten damit am allerbesten ihr Einverständnis mit der Willkür der Mehrheit. Der Antrag wurde mit allen gegen die Stimmen der Socialdemokraten abgelehnt. Es bleibt also beim alten: Der Krieg geht weiter! NowaweS. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurden zuerst die neu- resp. wiedergewählten Gemeindevertreier, unter denen sich unsre Genosten Otto H i e m k e und Hermann Hähnchen befanden, in ihr Amt eingeführt. Sodann nahm die Versammlung von einem Schreiben des Justizrats Dr. Rothe- Neu-Babelsberg Kenntnis, worin der Herr, mitteilt, daß seine ver- storbene Frau dem hiesigen Oberlinhause die' Summe von 10 000 M. testamentarisch vermacht habe; die Zinsen dieses Kapitals sollen zur Anstellung einer Schwester verwendet werden, welche bei armen und hilfsbedürftigen Einwohnern die Krankenpflege zu besorgen hat.— Des weiteren beschäftigte sich die Versammlung mit einer Vorlage der Hauskommission des Rathauses auf Einrichtung von Warte- zimmern für das Bau- und Standesamt, welche vom Gemeinde- Vorsteher mit den vielen Unzuträglichkeiten begründet wurde, die sich auf dem Bauamt dadurch ergeben, daß die Interessenten niemals den Baumeister allein sprechen können, während es auf dem Standes- amt als ein großer Mißstand empfunden wird, daß z. B. bei Ehe- schließuMN das Publikum auf dem Korridor warten muß, bis sie beendet sind. Dieser Uebelstand soll dadurch behoben lverden, daß dem Sekretär Krug die Wohnung im Rathause gekündigt und das Bauamt in diese Räume verlegt wird. Da die Vergrößerung des Bauamtes wesentlich der Amtsverwaltung zu gute kommt, soll diese zur Deckung des Miete- usw. Ausfalls von 415 M. mit 250 M. jährlich herangezogen werden. Einige andre Räume sollen ebenfalls verlegt werden, so daß für das Standesamt zwei gegenüberliegende Zimmer frei werden. In der Diskussion erklärt sich Genoste G r u h l im Princip mit diesen Vorschlägen einverstanden, wünscht jedoch, daß das Standesamt durch zwei miteinander verbundene Zimmer ein- gerichtet wird, denn sonst würden sich doch die meisten Leute auf dem Flur aufhalten. Auch ist er der Ansicht, daß die Mietsentschädigung der Amtsverwaltung eine zu geringe ist. Schöffe Richter erklärt sich gegen die Vorlage, indem er meint, es habe bisher ohne Warte- zinrmer gegangen und werde auch wohl noch weiter so gehen. Schöffe Langer schlägt vor, von den Bau-Jnteressenten für den Besuch des Baubureaus eine Entschädigung zu fordern. Genosse Hofs- mann erklärt, daß er nicht geglaubt habe, daß gegen diese Vorlage principieller Widerspruch erfolgen würde. Das einzige Bedauerliche daran wäre, daß sie nicht schon früher eingebracht sei, denn schließlich sei man doch in keinem hinterpommcrschen Dorf, wo man die Leute auf dem Flur oder auf der Straße warten lasten kann. Der Langersche Vorschlag sei unannehmbar, denn man könne doch nicht von einem Teile der Einwohner, welcher ebensogut seine Steuern bezahlt wie jeder andre, verlangen, daß er für den Besuch eines Rathausbureaus Abgaben bezahlt. Nach einigen weiteren Aeuße rungen wurde beschlossen, zum 1. Oktober das Bauburcau mit einem Wartezimmer in die Sekretärwohnung zu verlegen. Bezüglich des Standesamtes sollen Erhebungen angestellt werden, ob es möglich ist, dem Vorschlage Gruhls nachzukommen. Schönebcrg. Als bei den Stadtvcrordneten-Neu- Wahlen im November v. I. durch eine wüste und mit allen mög- lichen Mitteln'betriebene Agitation der vereinigten Gegner uns die beiden bisher innegehabten Mandats im vierten Bezirk entrissen wurden, war in jenem Lager natürlich große Freude, und als daraufhin als Quittung ihnen zum erstenmal der siebente Bezirk von den Socialdemokraten abgenommen wurde, hatten gewisse Kreise nichts Eiligeres zu thun, als einen Protest gegen die Gültigkeit dieser Wahl herauszusuchen. Und daß ein solcher bei der Zusammensetzung einer dergestalt konstituierten Körperschaft auf günstige Aufnahme rechnen kann, besonders wenn es sich um Beseitigung der verhaßten Arbeitervertrcter handelt, wat nicht verwunderlich. Ueber die einer legalen Handlung hohnsprechenden Wahlvorgänge im vierten Bezirk (Freibier in Massen, Beorderung der Straßenbahner usw.) hatten wir seiner Zeit berichtet. Daß von unsrer Seite gegen die in dieser Weise zu stände gekommenen Wahlen ebenfalls protestiert werden mußte, war natürlich. Und was geschah? Während die bürgerliche Mehrheit im Stadtparlament in jenem Bezirk unfern Protest zurück- wies, wurde im siebenten Bezirk dem von den Gegnern eingelegten Protest unter Außerachtlassung aller parlamentarischen Gepflogen- heiten stattgegeben, womit eine Neuwahl verbunden wäre. Daß die Soej�ldemokratie sich damit nicht beruhigen konnte, war selbst- verständlich, schon, um festzustellen, ob man in jenem Bezirk zu Un- recht abgegebene Stimmen, wie üblich, einfach dem Kandidaten ab- zieht, und im andern(wie im 7. Bezirk) dieses Verfahren für un- zulässig erklärt(denn sonst hätte Wollermanns Wahl für gültig erklärt werden müssen). Es wird nun in Zukunft Aufgabe unsrer Genosten sein müssen, es nicht bis zu einem Schiedsspruch kommen zu lassen, sondern gleich im e r st e n Wahlgange den Kandidaten der Socialdemokratte zum Siege zu verhelfen, damit ähnliche Niederlagen, wie sie uns der Nachbarort Wilmersdorf ge- bracht hat, vermieden werden.— Seit Anfang dieses Jahres„schwebt" nun die unsrerseits gegen beide Entscheidungen der städtischen Körper- schaff beim Bezirksausschuß eingelegte Klage, und es dürfte ein Urteil bald zu erwarten sein. Mit der Vertretung unsrer Klage ist Rechtsanwalt Genosse Herzfeldt betraut worden, während die Stadt durch den Justizrat von Gordon verttcten wird. Johannisthal. Die Gemeindevertretung erklärte in ihrer letzten Sitzung die Ersatz- und Neuwahlen zur Gemeindevertretung für gültig. Einspruch war von keiner Seite erfolgt. Die Einfuhrung und Verpflichtung erfolgte in der üblichen Weise. Die Neuwahlen der verschiedenen Kommissionen wurden bis zur nächsten Sitzung vertagt. Eine Eingabe der Saalbesitzer auf Ermäßigung der Lust- barkeitssteuer wurde einer Kommission überwiesen. Bon der Re- gierung ist eine einmalige Beihilfe zum Bau einer Turnhalle im Betrage von 2000 M. gewährt worden. Der Betrag ist auf ein Sparkassenbuch zu diesem Zwecke eingezahlt worden. Hierzu wurde von unserm Vertreter die Anregung gegeben, bei Aufstellung des nächsten Etats den Bau der Turnhalle zu berücksichtigen. Die Kosten für die Planierung des neuen Kirchhofes sollen aus dem Bestand des Vorjahres gedeckt werden. Die Beschlußfassung über den Bau des Gemeindehauses wurde vertagt, da über die Differenzen in der Platzfrage keine Einigung erzielt werden konnte.— Die Ausführung der Kanalisation beschloß die Gemeindevertretung in eigner Regie zu bewerkstelligen, da die Wiesbadener Städtereinigungs-Gescllschaft, welche im Kreise eine große Reklame entfaltet, die Arbeiten auch nicht selbst ausführt, sondern wieder an kleine Unternehmer vergiebt. Zu dem Zwecke beschloß die Vertretung die Anstellung eines Technikers. Die Rechnungslegung für 1902 wurde angenommen. Gerichts-Zeitung. Ein Meineidsprozeß. Aus welchen geringfügigen Anlässen bisweilen Meineide ge- leistet werden, zeigte die Verhandlung, welche gestern vor dem Schwur- gcricht des Landgerichts I stattfand. Auf der Anklagebank erschienen die unverehelichte Wirtschafterin Wilhelmine S a ck n i e s, deren Tochter, die unverehelichte Marie S a ck n i e s, und der schon be- tagte Hauseigentümer Karl M e c u s zu Reinickendorf, der die beiden Frauen zum Meineid angestiftet haben soll. Mecus ist Besitzer des Hauses Papierstr. 13 in Reinickendorf. Die beiden Mitangeklagten Frauen besorgen ihm die Hausreinigung und genießen dafür freie Wohnung. Am 11. September 1902 erschien der Gemeindediener auf dem Hofe des Mecus und stellte fest, daß die Senkgrube nicht vorschriftsmäßig mit einem eisernen Deckel verschlossen war. Wegen dieser Uebertretung erhielt Mecus ein Strafmandat über 5 M. Er beantragte richterliche Entscheidung, das Schöffengericht verwarf aber seinen Einspruch. Nun legte er Berufung ein. Im Termin vor der Strafkammer erschienen die Wirtschafterin und ihre Tochter als Zeuginnen. Beide bekundeten unter ihrem Eide, daß die Grube stets verschlossen gewesen sei. auch an dem fraglichen Tage, aber mit Ausnahme etwa eicklr Stunde, während der Mecus die Grube gerade gereinigt habe. Jtt vieser Zeit sei der Gemeindediener Fischer er- schienen und habe gerügt, daß die Senkgrube offen sei. Die beiden Frauen wollen vor einem offenen Fenster im Wohnhause gestanden und gehört haben, daß Mecus dem Beamten gegenüber geäußert habe:„Sie sehen doch, daß ich die Grube gerade reinige." Auf Grund dieser Aussagen erzielte Mecus ein freisprechendes Erkenntnis. Der Verdacht, daß die beiden Frauen Meineide geleistet hatten, lag nahe und wurde schon bei der ersten Vernehmung von ihnen ein- geräumt. Sie gaben jetzt an, daß die Grube nie verschlossen ge- Wesen sei und sie den Hausherrn wiederholt gebeten hätten, doch für einen Verschluß Sorge zu tragen, damit kein Unglück geschähe. Wilhelmine Sacknies gab an. daß sie mit Mecus schon zu Lebzeiten seiner Ehefrau ein intimes Verhältnis unterhalten und bis in die letzte Zeit sortgesetzt habe. Mecus habe es verstanden, beide Frauen zu seinen willenlosen Werkzeugen zu machen. Besonders die Mutter, seine Geliebte, sei geradezu schändlich von ihm behandelt und fast täglich von ihm mißhandelt und aufs gemeinste beschimpft worden. Als Mecus Berufung eingelegt hatte, sei er an sie herangetreten und habe Mutter wie Tochter vorgeredet, was sie im Termin auszusagen hätten. Anfangs hätten sie ffch gesträubt, doch schließlich seien sie mürbe geworden, weil sie gefürchtet hätten, daß sie im Weigerungs- falle schwere Mißhandlungen zu erdulden haben würden. Dies Geständnis wiederholten die beiden Frauen vor den Ge- schwornen. Der Angeklagte Mecus bezeichnete die Angaben als aus der Luft gegriffen. Er habe niemand beeinflußt. Die Beweis-. aufnähme fiel durchweg zu seinen Ungunsten aus. Der Staats- anwalt beantragte das Schuldig im vollen Umfange der Anklage. während die Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Friedländer, Dr. Herbert Fränkel und Fleischer, nachzuweisen suchten, daß die beiden Frauen sich nur eines fahrlässigen Meineides schuldig' gemacht hätten und dann von einer Anstiftung zum Meineide von. feiten des Angeklagten Mecus nicht die Rede sein könne. In betreff der Angeklagten Marie Sacknies wurde ausgeführt, daß ihr Z 157 Abs. 2 Nr. 9 B zu gute komme, wonach die Strafe auf ein Viertel ermäßigt werden kann, wenn ein Angeschuldigter durch Bekundung� der Wahrheit sich selbst oder einen Angehörigen einer Strafthat be- zichtigen muß. Da die Mutter zuerst einen Meineid geleistet, so be- fand die Tochter sich.in dieser Zwangslage. Die Geschwornen sprachen die Angeklagte Wilhelmine Sacknies des wissentlichen, ihre Tochter des fahr- lässigen Meineides, den Angeklagten Mecus schuldig der Anstiftung zum Meineide. Das Urteil lautete gegen Wilhelmine S a ck n i e s auf 1 Jahr Zuchthaus, gegen ihre Tochter auf 6 Monate Gefängnis, gegen Mecus auf 2 Jahr 6 Monate Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust._ Sieben Polnische Arbeiter. Vorstandsmitglieder des polnisch- katholischen Arbeitervereins in Hennigsdorf, hatten sich am 15. d. M. vor dem Schöffengericht zu Spandau zu verantworten, weil sie im März d. I. die vom Landrat durch den Amtsborsteher v. Bredow eingeforderte Mitgliederliste nicht vollständig eingereicht hatten. Nach dem Zeugnis des Amtsvorstehers v. Bredow ist die Anklage auf folgende Weise zu stände gekommen. Er, der Amtsvorsteher, hatte den Auftrag vom Landrat, von dem Vorsitzenden des Vereins die Mitgliederliste einzufordern. Dies sei auch geschehen. Die Ver- einsmitglieder wohnen zum größten Teil in Hennigsdorf. Seine Sitzungen halte der Verein aber in dem Orte Neubrück ab, wo auch einige Mitglieder wohnen. Dieser Ott gehöre aber nicht mehr zu seinem Amtsbezirk. Der Landrat habe gleichzeitig auch den Amtsvorfteher, zu dessen Amtsbezirk Neubrück gehört, aufgefordert, von dem genannten Berein ein Mitgliedcr-Verzeichnis einzufordern. Beide Verzeichiste wurden eingereicht. Auf dem ihm zugesandten Verzeichnis fehlten aber 8 Namen von Mitgliedern. Der Landrat habe nun von ihm verlangt, daß er den Vorsitzenden bestrafen sollte. Er habe dies aber abgelehnt, weil er dies nicht glaubte verantlvotten zu können, denn diese Leute seien seinen Anforderungen bisher stets gerecht geworden; er könne den Angeklagten auch sonst nichts nach- sagen, sie bettagen sich musterhaft, haben auch in ihren Statuten einen Paragraphen, der besagt, wer sich betrinke, werde aus dem Verein ausgeschlossen. Er wünschte nur, daß alle Vereine solche Statuten besäßen, dann würde es besser mit den Vereinen sein. Die Bestrafung des Vorsitzenden habe er dem Landrat selber anHeim- gestellt. Auf diese Weise sei die Angelegenheit vor den Staatsanwalt gekommen. Ob der Verein sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftige, könne er nicht sagen. Nach dem Statut ist dies nicht der Fall. Die Angeklagten selbst erklären, daß sie sich statutengemäß nur mit der Pflege der polnischen Sprache und mit dem Zusammen- schluß der polnischen Arbeiter, um ihnen mit Rat und That beizu- stehen, sowie auch mit religiösen Sachen beschäftigt haben. Der Amtsanwalt Göhring verttitt die Ansicht, daß der Verein, der den Zusammenschluß der polnischen Arbeiter und die Pflege der polnischen Sprache betreibe, sich in Gegensatz zu der übrigen Be- völkerung bringe und darin sehe er eine öffentliche An- gelegenheit. Die Angeklagten hätten sich deshalb strafbar gemacht und er beanttagte gegen jeden eine Geldsttafe von 20 Mark. Das Gericht hält nicht für erwiesen, daß der betteffende Verein sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigt habe, aus den Statuten sei auch nichts zu ersehen. Der Zusammenschluß der polnischen Arbeiter und die Pflege der polnischen Sprache sei keine öffentliche Angelegenheit und soinit brauchten die Angeklagten auch kerne Mitgliederlisten einzureichen. Im übrigen hätte auch nur der Vorsitzende allein verantwortlich gemacht werden können. Sämtliche Angeklagte wurden freigesprochen. Vermutlich wird nun der Amtsanwalt Berufung einlegen. Aus einer kleinen Garnison. Vor dem Landgerichte E i ch st ä d t spielt« vorgestern ein Prozeß, der sowohl seines Milieus halber — ein Lieutenant war Kläger, zahlreiche andre Offiziere waren als Zeugen und Zuhörer zugegen— als auch um der Handlung willen. die dem Prozesse zu Grunde lag, Auffehen erregte. Der Sachverhalt des Belcidigungsprozesses ist kurz folgender: Lieutenant Dingl- r e i t c r vom 13. Jnfantette-Regiment in Ingolstadt befand sich während der Pfingstfeiertage v. I. auf Urlaub in München. Sine Frau erhielt am Pfingstmontag den Besuch des Lieutenants Müller. Die Frau des Hauses unterhielt sich im Salon offenbar ganz gut mit ihrem Besuch, als plötzlich die Köchin H i m m e r unangemeldet eintrat. Ter ungebetene dienstbare Geist glaubte nun Beobachtungen gemacht zu haben, die sie zu der Annahme berechtigten. daß die Beziehungen der Frau Lieutenant zu Lieutenant Müller das gewöhnliche Maß der Freundschaft überstiegen. Am Pfingstdienstag übersandte die Frau Lieutenant durch den Bedienten ihres Mannes dem Lieutenant Müller ein Buch, in dem ein Bttxf mit einer Ein- ladung für abends lag. Für diesen Abend wurde den Dienst» boten der nachgesuchte Urlaub bewilligt. Lieutenant Müller erschien aber ebenfalls pünktlich, wie man es von einem Offizier nur verlangen kann, um, so giebt er wenigstens an, die Frau Lieutenant, welche mit ihrem Manne eine kleine Differenz Chatte. Hierwegen zu beschwichtigen. Bei den sich nun wiederholenden Be- suchen wollen nun auch» die übrigen Dienstbottn Beobachtungen ge- macht haben, daß die Freundschaft zwischen ihrer Dienstherrin und dem Lieutenmit Müller etwas Auffallendes an sich habe. Die Sache sprach sich herum und kam schließlich auch zu Ohren des Lieutenant Dinglreitcr, der seine Köchin, als sie ihre Behauptungen aufrecht erhielt, sofort entließ und beim Schöffengericht verklagte, das die Köchin auch z u 4 0 MarkGeldstrafe verurteilte. Diese Sttafe war dem Herrn Lieutenant zu niedrig, die Köchin Himmer wollte freigesprochen sein, weshalb beide Berufung ergriffen. Das Lernd- gericht Eichstädt fand es für gut, während der Vernehmung der beiden Hauptzeugen, der Frau Lieutenant und des Lieutenants Müller, wegen Gefährdung der Sittlichkeit die Oeffent- lichkeit auszuschließen. Die beiden Zeugen stellten auf Eid in Abrede, intimen Verkehr miteinander gepflogen zu haben, weshalb das Landgericht das schöffengerichtliche Utteil aufhob und für die Himmer auf einen Monat Gefängnis erkannte. Wenn die Sache wirklich so harmlos und nur durch das Gejchttwtz der Köchin aufgebauscht war. ist es unerfindlich, warum man dann die Oeffentlichkcit ausschloß. Rixdorf. Aus die am Montag, den 18. April, stattfindende Protest. Versammlung(siehe heutiges Inserat) wird ganz besonders hingewiesen. Um den Protest zu einem vollständigen zu machen, dars kein überzeugter Arbeiter schien._ Das Gewerkschastskartell. Eingegangene VnieKfdmtten. „Der Arbeitsmarkt«, HalbmonatSschttst der Centralstellc für Arbeits« martt-Bettchte(Herausgeber Dr. I. Jasttow, Berlin, Verlag von G. Reimer». Die als Organ des„Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeilschrist enthält in Nr 14 des 1. Jahrganges unter andern,: Rundschau über die Lage dcS Arbeitsmarktcs.— Allgemeines: Centtalisicrung der Arbeitgeber-Verbände in Deutschland.— Neuregelung des Submissionswesens Anträge im Abgeordnctenhause und Reichstage.— Situationsberichte aus einzelnen Gewerben: Bergbau(Bedrohung des Bergbaues im Ruhrgebiet)- Metalle und Maschinen(Günstigeres Gepräge der Marktlage. Ungunst au! dem Arbeilsmarkl); Tcxtilgewcrbe(Geschästslagc im Greizer Bezirk).— Stafistisches Monatsmaterial- Wetterbericht.— Arbeitsuachweife.— Streik» Verzeichnis für Deutschland, Oestreich-Ungarn, Schweiz.— Lehrlingswesen. Fortbildung: Förderung des Kleingewerbes in Oestreich und England— Stiftung zur Ablenkung von der Hausweberei in Schlesien.— Beilage- Mitgliederliste des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise nebst zahlenmäsiigen Angaben über März 1304. J Ed. Lwtz-DMldott � 1000' �nummer. 310 Seiten. Verlag von Max Kaplan Triedrichstrasse I, am SeUe-tfUliatiee-flaiz. Abteilung für fertige Konfektion. 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Die Schaffung einer einheitlichen Organisation für den Fliesew leger-Beruf wurde am Freitag in einer tn den Jndustrie-Festsälen abgehaltenen öffentlichen Versammlung der Berliner Fliesenleger eingehend erwogen. Einberufen war die Versammlung von der Fliesen- legersektion des Maurerverbandes, und waren eine beträchtliche An- zahl Mitglieder der in Frage kommenden Organisationen des Verbandes, der lokalen Richtung und der freien Ver- einigung erschienen. Winzler wies in seinem Referate auf die enormen Schäden hin, die eine Zersplitterung der Arbeiter- Bewegung in verschiedenen Organisationen schon im allgemeinen für die Arbeiterschaft ün Gefolge gehabt hat. Geradezu absurd aber sei es, daß für eine so kleine Berufsgruppe wie die Fliesenleger volle drei Organisationen bestehen: die Schäden einer der- artigen Zersplitterung habe jeder Berliner Fliesenleger be« sonders bei dem letzten Streik verspüren müssen, ganz abgesehen von dem offenen oder versteckten Mißtrauen, mit der sich die Mitglieder der drei Richtungen sowohl im privaten Verkehr als auch bei», Zusammenarbeiten auf den Bauten gegenseitig betrachten. Dieses unerquickliche Verhältnis erzeuge die widerwärtigsten Be- gleitcrschcinungen, die schließlich in fanattschen Haß, Neid, Mißgunst und gegenseitiges Ausderarbeitdrängen ausarten. Einer betrachte den andern nicht mehr als einen Arbeitsbruder sondern als Feind, und doch seien es im Grunde genommen nur kleinliche Dinge, um die sich der ständige Zwist drehe. U e b e r die Führung des gewerkschaftlichen Klassenkampfes an sich sowie über die politischen Ideale und Ziele beständen überhaupt keinerlei Meinungs- Verschiedenheiten, da habe einer dieselbe Grund- g e s i n n u n g wie der andre. Angesichts dessen müsse endlich jeder Einsichtige danach streben, der Zersplitterung und der völlig nutzlosen gegenseitigen Befehdung nun- mehr ein Ende zu bereiten. Redner verwies auf die Arbeitgeber, die sich ohne Unterschied der Rasse oder der religiösen und polittschen Gesinnung, lediglich zur Wahrung ihrer Klasscuinteressen gegen die Arbeiterschaft zusammenschließen und jetzt sogar einen allgemeinen Arbeitgeber-Verband zur Nieder- Inebcluua der Gewerkschaften gegründet haben. Hieran möchten sich die Berufskollegen ein Beispiel nehmen; wo der Wille zur Einigung vorhanden sei. da finde sich auch ein Weg.—. Die Diskussion gestaltete sich ebenso sachlich wie er- giebig, es beteiligten sich Redner aller drei Richtungen an der Aussprache. P u t t l i tz und W e g n e r vom Lokalverein be- dauerten gleichfalls die Zersplitterung unter den Fliesenlegern. Die Einsicht von der Notwendigkeit einer ein- heitlichen Berufsorganisation sei wohl bei jedem vorhanden; es frage sich nur, auf welchen! Wege eine Verschmelzung erreicht werden könne; irgend einen positiven Vorschlag aber habe der Referent leider nicht gemacht. Befremdlich müsse doch auch erscheinen, daß dieselben Ver- bandsmitglieder, die jetzt so warm eine Einigung befürworten, vor kurzem erst die Verbandssektion gegründet hätten; also zu deil bereits bestehenden beiden Organisationen noch die dritte ins Leben riefen' und damit die Zersplitterung noch größer machten als sie ohnehin schon war. ES mache jetzt fast den Eindruck, als wolle man die größeren und älteren Organi- sationcn durch schöne EiuigungSworte gemütlich in die jüngere und kleinere Organisation, also die Verbandssektion, hineinreden. Ein Nebertritt in den Centralverband der Maurer sei aber nicht ohne weiteres angängig, es müßten denn e n t s p r e ch ende und gearbeitet haben, sich bedingungslos unterwerfen als jene. Ebensowenig geworden sei, zumuten Konzessionen betteffs der freien Selbstverwaltung gemacht werden. Schon früher sei einmal von lokaler Seite der Gedanke erwogen worden, daß es vielleicht möglich sein könne, alle Fliesen- leger in einer einheitlichen Organisation zusammenzufassen und sie als selbständigen Verband. nicht aber als Sektion des Maurerverbandes der Generalkommission anzugliedern. Dies sei aber von Mitgliedern der Generalkommission strikte abgelehnt worden, mit dem Bemerken, die Fliesenleger hätten einfach als Sektion in den Verband hineinzuschlüpfen. Wenn die Verbändler die Ratschläge des„Vorwärts" befolgt hätten und den Lokal- organisationen entgegen kämen, indem sie ihnen die Gewerkschafts- kommission öffneten und die Generalkommission als gemeinsames Bindeglied funktionieren.ließen, dann wäre eine Einigung vielleicht längst erfolgt. Man könne doch nicht verlangen, daß Leute, die jahrelang für eine Organisation gelebt nun einfach einer andern Organisation sollen, nur weil diese großer sei man einem Maurer, der später Fliesen!_ könne, daß er aus seinem ihm lieb und"wert gewordenen Verband in eine lokale Fliesenleger-Organisatton übertritt, ebensowenig dürfe man einem gelernten Fliesenleger zumuten, sich aus seinem ihm ebenso ans Herz gewachsenen Lokalverein nun einfach in den Maurer- verband hineinkommandieren zu lassen. Da eine Einigung nun aber ein zwingendes Bedürfnis geworden sei, andrerseits aber die Beschlüsse des letzten Fliesenleger-Kongresses vorlägen, so würde es sich empfehlen, eine gemeinsame Kommission zu wählen und dort die Mittel und Wege einer Verschmelzung näher zu besprechen. Von der fteien Vereinigung erklärten sich Schwarz und G i e s ch e ebenfalls für die Schaffung einer einheitlichen Organi- satton, wenn sie auch schwer zu erreichen sein werde, da jeder seine eigne Vereinigung für die beste halte. Im Interesse aller Berufs- kollegen würde es allerdings liegen, wenn sich die drei bestehenden Orga- nisationen auflösten und unter einem Hut wieder vereinigten.— Nach- dem sich noch mehrere Redner zu der Angelegenheit geäußert hatten, betonte W i n z l e r in seinem Schlußwort, die Debatte habe bereits gute Früchte gezeitigt. Einer Unterwerfung unter den Ver- band wolle auch er nicht das Wort reden; positive Vorschläge zur Verschmelzung habe er jedoch nicht machen können, da sich erst ergeben müßte, ob genügend Neigung für eine Einigung vorhanden sei oder nicht. Nun sich aber sämtliche Redner für die S ch a ffun g einer e in h e i t l i ch e nO r g a n i s a ti o n ausgesprochen hätten, schließe er sich dem Wunsche auf Bildung einer Kommission an.— Beschlossen wurde sodann, von jeder Organisation drei Mann zu wählen, die als Konimission über die weiteren Schritte der Einigungsfrage beraten sollen. Als Obmann der Kommission wählte die Versammlung den Genossen Puttlitz. Witterungsübersicht vom 16. April 1»04. morgen» 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin .a.M en Wien 758 SO 755 SSO 757 SO 755! NO 758 S 752 SO Wetter wölken! Dunst wölken! 2 wolkenl 8 bedeckt 2! Nebel vis s» w& 9 13 13 16 16 12 Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 758 S 773 SO 755 Wetter 4 bedeckt Ihedeckt Lbedeckt ö»s cSr s Ii M fr. -1 — 0 11 Werrer-Progiioic für Sonntag, den 17. April 1901. Etwas kühler, zeitweise heiter, aber veränderlich mit Gewitterneigung und mäßigen südwestlichen Winden. ßncfhaftcn der Redahtfon. Anonymus. Besten Dank sür Ihre Mitteilungen, aber ohne genügende Unterlagen nicht zu verwenden. >rir«rcber Ceil. Tie juristische Spitechftiindc findet täglich mit Ausnahme dcS Sonnabend» von bis S>/2 Ubr- abends statt. GeSfiuct: 7 Ubr. R. 100 I. Sie sind nicht krankenverstcherungspflichtig, sind aber be- rechtigt, als freiwilliges, vollzahlendcs Mitglied der Orts-Krankenkasse bei« zutreten.— E. Z. 1. Es ist ratsamer, das Testament zurückzufordern und? im Zusammenhang und klar sestzusetzen, was Sie wünschen. 2. Sie schließen den«chnaiegersohn ausdrücklich von der Verwaltung und Nutz« nießung aus. 3. In.— 1000 Alte Schönhauserstraste. 1. Nein. 2. Fa. — M. Gehre, Liegniü. In dem von Ihnen geschilderten Fall liegt keine strafbare Handlung.— Marie Sch. 19. Soweit ohne Einsicht in den Vertrag ersichtlich ist: nein.— A. E., Znm Gemütlichen. Sogenannte Musik zur Nachtzeit kann ruhestörender Lärm sein. Gegen Verursachung eines solchen kann die Polizei und der Sttasrichter einschreiten. Außerdem kann der Hauswirt und können die Mieter Klage auf Unterlassen der Ruhe« störung erheben. Ob Ruhestörung vorliegt, ob insbesondere eine Lokalmusik als solche zu eraösten ist und von welcher Wendzeit ab, ist von Fall zu Fall unter Würdigung aller Verhältnisse(stärke, Art der Musik; Gegend, Gewohnheit) zu entscheiden.— Schw. 88. Sie können ohne Be- einttächtigung Ihrer Rechte so viel arbeiten wie Ihnen möglich ist.— Daß noch kein Termin anberaumt ist, ist unwahrscheinlich. Erkundigen Sie sich aus der Gerichtsschrciberei, ob Sie sich nicht etwa geemigt haben. — H. 101. Für die Kranken- und Begräbniskosten Ihres verstorbenen Ehemannes haben Sie als Erbe auszukommen, wenn Sie nicht der Erbschaft entsagt haben. Haben Sie die Erbschaft mit der Rechtswohlthat des Inventar» angetreten, so hasten Sie nur in Höhe des auf Sie Vererbten. Soweit ersichtlich, könnten Sie als märkische Ehefrau noch jetzt von der Sorge sich bcsteien. Es ist aber zur sicheren Beantwortung ersorderlich zu wissen: Wann ist Ihr Mann gestorben? Hat schon Nachlaßregulierung stattgesunden? Liegt ein Testament vor? Ein Ehevertrag? Wo haben Sie geheiratet und nach der Heirat Wohnsitz genommen? Sic wollen entweder Ihre Frage unter Er- gänzung nach diesen Richtungen hin wiederholen oder die juristische Sprech- stunde besuchen.— E. Sch. 11. Nachkleben dürfen Sie jetzt nicht mehr. Das hätte vor der Heirat stattfinden müssen.— X. 2. 1. Geldstrafe und Arrestftrase ist sür Nichtbesolgung einer Uebungsaufforderung zulässig. 2. und 3. Selbswcrftändlich kann Vollstreckung m das Vernrögen ersolgen. 4. In sünf Jahren von der letzten gegen Sie gerichteten Handlung des Richters ab gerechnet. 5. Ja.— F. D. 1. und 2. Nein. 3. Ja. — Charlottenburg SS. Wiederholen Sie Ihre Anfragen unter Ergänzung nach folgenden Richtungen: Wann haben Sie sich verheiratet? Wo? Wann ist Ihre Frau gestorben? Haben Sie Kinder? Haben Sie bereits eine Erklärung über Erbanttitt dem Gericht gegenüber abgegeben?— Prinzesjinneustr. 27. 1. Dienstboten sind nicht kranken-, aber invaliden- und altersversicherungspflichttg. Die Hälfte der Klcbemarken(nicht einer etwaigen Krankenversicherung) ist vom Gesinde beizutragen. Die Herrschast ist aber nur berechtigt, die Beittäge sür zwei Lohnzahlungsperioden abzu- ziehen. 2. u. 3. Ja. Handelt es sich nicht um Dienstboten, sondern um ae- werbliche Arbeiter(z. B. Gastwirtsgehllsen), so liegt auch Krankenverfiche- rungs-Pflicht vor. Der Arbeiter wägt dieser Versicherung. Die Fragen 2 und 3 sind sür diesen Fall zu verneinen.— Jnvalidenmarken. Ja: halten Sie die Marken sür unrichtig— Ihre Anftage enthält keinen Anhalt nach dieser Richtung—, so wenden Sie sich an die Versicherungsanstalt mit dem Antrage, die richttgen Marken kleben zu lassen.— W. M. Nein. — Steuer. 1. Sie können um Ermäßigung einkommeu. Was bei der Steuerveranlagung in Abzug gebracht werden kann, ist ausführlich im Bries- kästen der Frcitagnummer dargelegt. 2. Sind Sie oder Jlft Bruder Erbe geworden, so hasten Sie als Erbe. Sonst hasten weder Sic noch Ihr. Bruder. Der Gläubiger ist berechtigt, unter mehreren Schuldnern sich einen auszusuchen.�— Sch. M. 100. Ja.— I. K. 23. 1. Derjenige, der die Karre in Händen hat. 2. Ja. 3. Der Angeklagte, der seinen VerteVoiger bezahlt, wählt sich den Verteidiger selbst aus. Ein von Amtswegest ihm bestellter Verteidiger wird----------- ihm in Schwurgerichtssachen gestellt, falls er keinen Verteidiger bestellt. Die Auswahl steht ihm nicht zu. 4. Nein: die von Ihnen gewühlte Bezeichnung wird genügen.— F. 10. 7. Lesen Sie das Gesetz oder den Nachttag zum„Arbeiterwecht", S. S bis 12, durch. Sie können eine besttmmte, aus einen Einzelsall bezügliche Frage stellen, aber doch nicht verlangen, daß wir Ihnen den. Inhalt eines länge,-••- dieser Stelle mitteilen. längeren Gesetzes an LKaussesstaisss 24*125 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 zviscbcn Invalidensir. u. Schiller- Theater K rvrisch. Jannowitzbrtckc a. Köpcnlckerstr.(Ecke Rnngesir.) Ecke Koppens tr.— Am Bürger-Hospital. Fabrikation und Spezialhaus grössten Massstabes. hervorragende Sender-Angebote:----- Frühjahr-Paletot schwarz-wo i&s gastreifter odsr melioiisr Kammgarn u Chsvlot Hoohmodern in Stoff u. Faston Grau und bunt gestrsiftsr odsr meliartor Cheviot. Hochmodern in Stoff und Fasson••••• Frühjahr- Paletots r ÄÄ'iS.fr STT 8 m. Frühjahr-Raglans Mod#r,w Vorarb'itun8""�T-?».- 21 m. Frühjahr-Anzüge 15 m. Gehrock- Anzüge � �TTV-«»- 27 m. 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Zu bedeutend herabgesetzten Preisen, wegen Aufgabe der betreffenden Serie oder UeberfOllung der Uger oder sonstiger Mangel verkauft, solange die Vorräte reichen: Herren-Anzüge.......... von 10 m. an II Knaben-Anzüge...V........ 2 M.an Sommer- Paletots......... von 6 m. an II Jünglings-Anzüge......... von 4 m. an Ausserdem b allen Abttlttnjen grosse Mengen Waren zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen. Socialdemokratischer Wahlverein für den 1. Berliner Sleiehstags-Wahlkreis Dienstag, den 19. April, abends 8'/z Uhr, in der Fischerstraße 25: Qeneral-Versammtung. TageZ-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen liallski über:„Tic politische Macht.« Wahl des Vorstandes. 4. An den Vorstand gelangte Anträge. KM- Gäste willlommen. Zahlreichen Besuch erwartet 236/5 2. Diskussion. 3. Neu- vei» Vorstand. Socialdemokratischer Wahlverein für den 2. Seriinerfteichstags-Wahikreis. Dienstag, de» 19. Zlpril, abends 8l/2 llhr, in Habels Brauerei- Ausschank, Bergniannstr. 5/7:_ IM' Versammlungs'MW Tages-Ordnung: 1. Vortrag dcS Genossen Ikartols über: Die Entwicklung des Socia- lismus von der Utopie zur Wissenschaft. 2. Diskussion. 238/5 Gäste erwünscht. Zahlreichen Besuch der Mitglieder erwartet Der Borstand. Socialdemohratischer Wahlverein f.d. 4. Serl. Keichstags-Wahlkreis(SO.) Dienstag, 19. April, abends Uhr, im Gcwcrkschaftshanse, Engel-User 15: General-Versammlnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht dcS Vorstandes und Neuwahl desselben. 2. Vortrag des Reichstags-Abg. Sitoll« über:„Der Heldenkampf der Criinmitschauer Arbeiter und>vas lehrt dieser Kampf dem arbeitende» Volke?" 3. Diskussion. 4. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiert. 243/4 Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstand. Socialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Beichstap-Wahikreis. 'MW am Dienstag, den 19. April, abends S'/a Uhr, bei Wernau, Schwedlerstr. 23/24. Tages-Ordnung: 247/1 1. Vortrag des Genossen Dr. Borchardt über -------„Die Verwirklichung des Sorialismns".------- 2. Diskussion. Gäste— auch Damen— haben Zutritt. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Borstand. Mscher KoizaMer-Verband. _ Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt. MM" Montag, den 18. Zlpril 1904, abends 6 Uhr, bei"Mg Wernau, Schwedterstr. SZ: SrAnekenvsrLAmmwAV d. ZKSdeMseklsr Tages-Ordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. 82/11 Bierrateniieber«.alle in GoldleistenlaliHken heseh. Holzarbeiter. Montag, den 18. April, abends S1/. Uhr bei Voigt, Ritterstr. 75 Itriu»«!Z»ei».V«rsa>u>ul»iig. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Obmanns. 2. Neuwahl der Kontroll-Kommission. 3. Branchen- angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Obmann. Sonnabend, 33. April, präe. 8 Uhr in Boigts Rittersäle». Nitterstr.75 Okeater-Vorskellung und Lraneken-Vergnügen. Programme ä. 25 Psg. sind noch in der Versammlung zu haben. Regen Besuch erwartet Das Komitee. Vcrvraltungsstellc Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1— 5. Fernsprecher: Amt lV, 3353. Sonntag, de» 17. April, vormittags 19 Uhr: Sfiorgenspraohe dar Mraubendrehev bei Wctseel, Wrangelstr. 136. Montag, den 18. Zlpril, abends 8'/- llhr, im K/olI>erser Salon. Kolberger-Dtraste 33: 114/0 Versammlung der Former uud Berufsgeuosseu Berlins u. Omg. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Unsre Waffen im Befreiungskämpfe des Proletariats«. Neserent: Genosse Vturrel. 2. Diskistsion. 3. Migstände in den Berliner Eisengiegereien. 4. Verbandsangelegeuheiteu und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwnltnng. FitMi kr küBMi'Irtir Montag, de» 18. April 1901, abends 8'/, Uhr: General- Versammlung bei Braninnnn, Nannhnstr. 37. Tages-Ordnung: 1. Abrechnmig von der„Urania"-Vorstcllung «nd vom ersten Quartal. 2. Berichterstattung vom Heimarbeiterschuh- Kongreß. 3. Bekanntgabe der neu aufgenommenen Mitglieder. 4. Vercinsangclcgcnheitcn. DM- Mitgliedsbuch legitimiert.«ME Bei der wichtigen Tagesordnung erwartet vollzähliges Erscheinen 141/7 Her Vorstand. Aclifting! Kistenmaeher. Achtung! Montag, den 18. April, abends 81/., llhr, in den AndrcaS- Festsülen, Andreasstr. 21: GeneralUerjammlung. Tages-Ordnung:...... 1. Abrechnung vom letzten Quartal. 2. Wahl des gesainten Vorstandes. 3. In welcher Form nehmen loir unsre Urabstimmung vor? 4. Unsre dies- jährige Maiseier. 5. Verschiedenes._ 103/7 Biag- Mitgliedsbuch legitimiert.«MG Da in dieser Versammlung wichtige Beschlüsse gesagt werden, ist daS Erscheinen aller Mitglieder nolwendig. Bei» Vorstand. I. Sl.jfKarl Jucket, Nummelsburg, Kantstr. 39. 'te> Orts-Kra»kenkasse der Kupferschmiede. Sonntag. 31. April, vormittags 10 Uhr, Rosenthalerstr. 11/13: General- Versammlung. Tagesordnung siehe übersandte Ein- ladung des Vorstandes. b01b GeiWWbakts-Hlledilrnelimi (lling. Oevossevseii. m. besehe. Haftpd.) Solingen. Unsre Bilanz pro 1903 enthält in Bezug aus die Hastsummc der Gc- Nossen einen Irrtum. Es mutz hcitzcn: Haftsumme pro 1902... 3420 M. „ 1903... 3480„ Mithin gestiegen um 60 M. Der Aufsichtsrat. 103/4 I. A.: Xaei Äsobeuoe. Der Borstand. I. A.: llenst öoltengeadon. im Soeialdemokratiseher Verein 5. Berliner Reiehstags-Wahlkreis. Dienstag, den 19. April, abends 8V2 Uhr, im großen Snale des Uertins Kerl. Mnslker, Kaiser Wilhelmstr. 18«, Gefjentliehe Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Neichstags-Abgeordneten Genossen Liluarü Zernswin:„Wo stehen wir in?reussen". 2. Diskussion. 3. Wichtige Vereins- und Partei-Zlngelegenheiten. Gäste, auch Frauen erwünscht. 245/5« Aus pünltliches und allseitiges Erscheinen der Mitglieder rechnet Der Vorstand. Socialdemokratischer Wahlverein Rixdorf. Dletistltg, den 19. April, abends 8% Kljf, in den„Wom-Siilen" EiAnan»), Hcrmannftr. 49: General- Versammlung."OK p/ages- Ordnung: 1. Vortrag deS Neichstags-Abgeordneten Gen. Dr. Südckum:„Die Ziele unsrer Kommunalpolitik". 2. Diskussion. 3. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und dcS Bibliothekars. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. Vereinsangelegeiiheiten. Verschiedenes uud Fragekasten. SUp- Mitgliedsbuch legitimiert.«MG 232/11 Um zahlreichen Besuch bittet_ Per Vorstand. I u, Pcntsoklands. Achtung! Achtung! Montag, den 18. April, abends präcise 7 llhr, in de» I» d« st r i e- F c st s ä l e n, Beuthstraste Nr. 19/39: Grnpptn-Vkrsarnnilnng der Kuherträger. Tagesordnung: 1. Die Einführung dcS Achtstundentages im Putzer- gcwerbc und unsre Stellungnahme dazu. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Alle Kollegen, welche augenblicklich bei Putzern beschäftigt sind, sind hierzu besonders eingeladen._ TUesenteger-KUfsarbeiter! Dienstag, de» 19. AprU, abends 8 llhr, im Rosenthaler Vereins- Haus, Rosenthalerstraste 57- Mitglitdkr-Utrsarnmlnng der Fliksenlkger-Hilfsarbkittr. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Dislussion. 3. Die Vertrcter-Sitzung. 4. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Kollegen ist erforderlich. $*11 takrstnhl- Arbeiter!$*il Mittwoch, de» 39. April, abends 8 Uhr, in I a ii n a s ch k S Fe st s ä l e», Jnsclstraste Nr. 19 II: Utrsnmmlnng der tut Fnhrstiihlkn beschästigte» Arbeiter. Tagesordnung: 1. Das Vorgehen der Kollegen bei de» einzelnen Firmen und unsere weitere Stellungnahme. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Alle an Fahrstühlen und Hebevorrichtungen bcschästigten Arbeiter sind hierzu eingeladen. Auch ist es wünschenswert, datz Stcinträger sich durch ihren Baudeputiertcn in dieser Versammlung vertreten lassen. llio Ortsvcrwaltunii des Verbandes der Bauarbeiter. 33/5_ I. A.: Karl Hcidcmann._ Sektion Gips- nnd Ccmcntbranche. Gruppe: Katoitzputzer. Mittwoch, den 29. April, abends 8'/. Uhr, in den Zlrminhallcn, Komniandantenstr. 39: 08Jf Regelmässige gggf JRitglieder-Versammlung. • Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Erscheinen aller Kollegen dringend notwendig. 137/20__ Der Vorstand. Marmorarbeiter Berlins u. Umgegend. Mittwoch, 20. April 1904, abends 8>/z Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27 c: Tagesordnung: 1. Vierteljahres- Abrechnung und Abrechnung vom Maskenball. 2. Bericht der Delegierten zur Gaukonserenz. 3. Ver- schiedcncs. 172/9 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Per Vorstand. MMg! Stuisarbeiter. Achtung! Montag, de» 18. April, abends 8 Uhr: 55� Branchen- Versammlung IM im GewerkfchaftShaus, Engel-Ufer 15, Saal 8. Tages-Ordnung: 1. Wie stelle» sich die Kollegen zur Abhaltung einer Konferenz der EtuiSarbeiter Deutschlands. Rcserent: Kollege Qnft. 2. Anträge zum Berbandstag. 3. Wcrkstubcnangclcgcnhciten, Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwarte! s23/15s Per Vertrauensmann. Verband der Sattler. Ortsverwaltimg ßerlin. Mittwoch, den 39 Zlpril 1994, abends 8'/- Uhr: General- Versammlung in den Arwiii-Hallcn, Kommandaiztimstr. 20, großer Saal. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Abrechnung vom ersten Quartal 1904. 2. Jahresbericht und Abrechnung der Ortsverwaltung Berlin. 3. Nciuvahlen. a) Wahl des Vorsitzenden der Ortsverwaltung Berlin. ,..b) Gchattsregelung und Wahl des Kassierers. 4. Verschiedenes. PAP Z ii dieser Bersaniiiiliing legitimiert dnS Mitgliedsbuch.'"MG Das Erscheinen eines jeden Mitgliedes ist unbedingt notwendig. 150/15 Pie Ortsversvaltung._ Achtung! Vereine, Gewerkschaften! Achtung! Empfehle meine Säle nebst 500 Personen fassenden Naturgarten mit Thcnlcrbühue nebst zwei verdeckten Sommer-Kcgelbahnen zur Abhaltung von Sommcrsesten, auch Sonntags. 111/11 Um gütigen Zuspruch bittet Cr. Goldgrttbc, Neue Königstr. 7, Plenstas, den 10. April, abends 8'/. Uhr, im Prälaten: General-Versammlung des Socialdemohratischen Wahlvereins. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Vicrtcljahresbcricht deS Kassierers. 3. Be- richt des Vertrauensmannes. 4. Bericht der Revisoren und Neuwahl der. selben. 5. Bericht der Zeitungsspcdition. 0. Abänderung des Z 7 der Ge. schästSordnung. 7. Vcreinsangelegcnheitcn. 18/4 Die öffentliche Zablstcllc befindet sich bei 5ckmutr,König-Ehaussce, Ecke Strcustr. Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Vorstand. Sehöneberg. Socialdemokratischer Wahlverein. Dienstag, den 19. April, abends 81/, Uhr, im Obstschcn Saale, Meiningerstr. 8: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1.„Krankenkassen und Aerztestreiks-. Referent: Rcichstagsabgcordnetcr F r ä ß d o r s-Dresden. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 2. Quartal. 4. VcrcinSangelegcnhcitcn. Gäste— auch Frauen— willlommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein 15/10__ Per Vorstand. Achtung! Rixdorf. Achtung! Montag, den 18. April, abends 8 Uhr, im Lokal von Vblel, Bergstr. 151/153; Tages-Ordnung: 1. Das Vorgehen der Stadt Rixdors gegen ihre Arbeiter. Genosse Dittincr. 2. Diskussion. Referent: Die Stadtverordneten sowie die Mitglieder des Magistrats sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen.; 202/17 Pas Gcwcrkschaftskartell. Deutsche fttetallarbeiter-Sewerhschaft. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis Rosenthalerstr. 57 sGormanustr. 28). Geöffnet von 9'/,— 3 und 4—8 llhr. Telephon 111. 1399 Sonntag, 17. April, nachmittags 5 Uhr, im Englischen Garten tobcrcr Saal), Alexanderstr. 37c: Monats-Versammlung Frauen. Tages. Or d n u n g: 1. Vortrag: Häckcls Weltanschauung. Referent Schriftsteller Baegc. 2. Gewerkschaftliches. 280/3 Nach der Versammlung- GetNNtltchcS StisNtNmtUstl» llllt TllNj. Gäste willkommen._ Die Ortsverwaltnng. Achtung! Achtung! Ball- Reise-Schuhmacher Montag, 18. April, abends 81/, Uhr, AiidrcaSftr. 31(oberer Saal): Versammlung d. Ball-Schuhmacher u. Reise- Schuharbeiter, Tages-Ordnung: 1. Die Anfertigung von Ballschuhen in Dresden lür Berliner Fabrikanten und die Stellung der Dresdener Kollegen zu diesen Verhältnissen. 2. Bericht über den Heimarbeiterschntz-Kongretz. 3. Verschiedenes. 109/18 Ple Ortsverwaltnng. Allgemeine Kranken- und Sterbehasse für Weiter aller berufe Deutschlands. Zahlstelle Charlottcnbnrg. Montag, den 18. April, abends S'l, Uhr, im Charlottenburger Bolkshanse, Rosinenstr. 3: Ocffcntlicbe Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Warum sollen wir uns ausreichend gegen Krankheit versichern? Rescrcnt: Der RendaiN der Allgemeinen Orts-Krankenkasse Herr Albert Wilde. 2. Diskussion. 5686 Um zahlreichen Besuch bittet Der Einbcrnfer. SaeialdemokratiseliJaliivereiD für den yerlinerReieiistapaiilkreis. Todes- Anaelge. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag der Genosse, Tischler LnKt fiurcbeH Stargarderstr. 4 verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 17. April, nach- mittags 1 Uhr, von der Leichen- Halle des Ccntral-Friedhoss in Friedrichsselde, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 247,3 Ter«oritand. Todes- i\lweixe. Am 14. d. M. verstarb nach kurzem Krankenlager unser lang- jähriges Mitglied frost BureheH im eben vollendeten SO. Lebens- jähre, er war uns immer ein wahrer Freund und guter Berater. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 17., mittags 1 Uhr, von der Halle des Ccntral-Friedshojes, Friedrichsfelde, auS statt. IllitdelfaKidli„Stern". (E. G. m. b. H.) 5416 lÄrlieiter-IlailfalirervereinBerliD Mitglied ! des Radfahrerbundes Solidarität. Todes- Anzeige. Am Donnerstag starb unser treues Mitglied Lrost Burchert nach kurzem Krankenlager. Die Beerdigung findet Sonntag, den 17. d. Mts., nachmittags 1 Uhr, I von der Leichenhalle des Central- Fricdhoss Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 0426 Der Lorstand. Wand der Bau-, Erd- und gewerbl. üsarlieiter DeutseW. Bezirk Weifieusee. To desAnzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dasj der Kollege Aups! Pietz ! im Alter von 43 Jahren am ] 15. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am ! Montag, den 18. April, nach- i mittags 4 Uhr, von der Leichen- 1 Halle des Weigensecr Kirchhoscs, j Rölkcslraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht iZZ/ö Die Lrtsvcrlvaltung. Vemn deutscher Schuhmacher. Am 15. April verstarb unser | Mitglied Waldemar Appell im Alter von 29 Jahren. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet Dienstag, den 19. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Sankt Andreas-Gemcinde,Hohcn-Schön« Hausen, aus statt. Die Ortsvcrwnltnng. Am Freitag, den 15. April, starb jj unser langjähriger Kollege, der Schriftsetzer RstaH Frank geb. 15. Februar 1850 in Berlin. Sein ausrichtiger und biederer Charakter sichern ihm ein ehren- volles Andenken bei allcnKollcgen. Berlin, 10.'April 1904. 0as Personal der Norddeutschen Buchdruckerei. Die Beerdigung findet am Montagabend 5 Uhr vom Trauer- Hause, Schillingstr. 38, aus nach dem Gcorgen-Kirchhos am Königs- � thor statt. 506b Todes- Anzeige. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, dag meine liebe Frau .Ida Springer geh schmu am 15. April verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Rixdorser Friedhofes, Mariendorser Weg, aus statt. Her trauernde lZatte 4927L Ma» Springer. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unsrcr lieben Mutter, Schwicger- und Gross- mutier , geb. Lamprecht, sagen wir hierdurch allseitig unfern ticsgesühllcn Dank. 581b _ I. A.: Roinh. Bngge. Orts- Krankenkasse der Messcrslhiiliedt, Schlvertfeger n. Verfertiger chirurgischer Instrumente zu Berlin. Sonnabend, 23. April, abends 8'l2 Uhr, Ackerstr. 6/7(Borussia-Säle): Ordentliche General-Versammlung Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Abnahme der JahreSrcchnung 1903. 2. Verschiedenes. 503b Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht Her Vorstand. Die Herren Arbeitgeber sind hierzu eingeladen. der und verwandter Bewerbe au Berlin. Die Vertreter der Orts- Krankenkasse der Schneider, Schneide- rinnen und verwandter Gewerbe zu Berlin werden zu der am Montag, den ÄS. April, abends 8 Uhr, im Neuen Klubhause, Kommaudautcustr. 72 stattfindenden Ordentl. General-Versammlung hiermit eingeladen. 522b Tages-Ordnung: I. Vortrag des Jahresberichts pro 1903. 2. Bericht des Rcchnungs- Ausschusses. 3. Erteilung der Decharge. 4. Bericht vom Krankenkassenkongress. 5. Stand der Acrztesrage. 0. Ver- schicdcncs. Der Vorstand. Frau Emma Reimann, Vorsitzende. FrnuElisabeth Rösioke.Schristsührcrin. Inuungs-Krunhtuhasst der Glaser-Zwangs-Iuuung z» Berlin. Montag, den 25. April 1904, abends 8 Uhr: General- Versammlung im Saale 7 des Gcwcrlschastshaujcs. Engel-User 15. Tages-Ordnung: 1. Geschäfts« und Kassenbericht vom NcchiiungSjahre 1903. 2. Gehalts- festsctzuug der Angestellten. 3. Kranken- kontrolle durch Delegierte und Eni- schädigung derselben. 4. Ersatzwahl eines Vorstandsmitgliedes(Arbeit- nchmcr) an Stelle des verstorbenen Herrn Krüger. 5. Verschiedenes. Der Borstnnd. 272/8 I. A.: A. Bäcker, stellvertr. Vorsitzender. R ESTE zur Damen-Mäntel- Confektion, Mädchen- und Knaben-Garderobe. Damen- tuche in schwarz und farbig. Kostümstoffe, Kammgarn, Cheviot, Corkskrew. Plüsch, Saramete, Besatzartikel etc. 0MFEKT10N. Fertige Jacketts, Capes, Paletots, Kostüraröcke etc. Grösstc Auswahl. Billige Preise. CO— E_ Kottbuser A ■ rBBZi Strasse Montag, den 18. April, abends 81/, Uhr, Restaurant Wcddingpark, Berlin X., Müllerftr. 178: Großer Vortrag für Damen u. Herren über Die Prostiwtton. Referent:?sul Simon. Es ladet ergcbenst ein 233/19 Der Vorstuud d. Umius f. Gesuudheitspstege Kerli« N. Bundesnummer 1316. Achtung! Frauen! Achtung! Montag, 18. April, abends 81/, Uhr, in Ahrens Brauerei(Turmstr.): Vortrag nur für Frauen. Thema: 1. Bau des weiblichen Körpers. 2. Die Entwicklung des Menschen von der Begattung bis zur Geburt. 3. Verhalten der Wöchnerinnen, um Wöchncrinnenkrankheiteil zu verhüten. Referentin: Dr. med. Frl. H. Z t e g e I r o t h. Eintritt SO Pf. Mitglieder frei. Her Vorstand der Maasarztkasse„Volkswolil". 288/18_ I. A.: 0. Hagen, erster Vorsitzender, Rostockcrstr. 21. O r d e n 1 1 1 c Ii e General-Versammlung der Delegierten der Orts- Krankenkasse für das SlillilkrijeVkrbt am Dienstag, den 26. April ct., abends 10 Uhr, im Restaurant Rosenthalerstrasse 57,„Rosenthaler Vereinshaus". Tages-Ordnung: 1. Protokollverlesung. 2. Jahresbericht des Rendanten. 3. Bericht der Revisoren. 4. Vorstandsbericht. 5. Gcschästliches. 273/9 Ter Vorstand. I. A.: Kilschmann, Vorsitzender Allgem. Orts-ßrauhenhaffe für Kirdorf. Montag, den 25. April er.. abends von 8—9 Uhr, findet im 5iasje»lokal, hier, Jsarstr. 12, 1, eine Ersatzwahl von lo Delegierten der Arbeitgeber und 31 Delegierten der Arbeitnehmer statt. Wahlberechtigt und wählbar ist jeder Arbeitgeber, welcher aus eignen Mitteln Beiträge zur Kasse leistet und jedes Kasscnmitglicd, welches gross- lährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist. 273/8 Um Ucbersüllung des Wahllokals zu vermeiden, ist für die Arbeitgeber der Vorderausgang reserviert worden, während die Kassenmilglleder gebeten werden, den Ausgang im Seitenflügel zu benutzen. Als Legitimation ist die letzte bc- zahlte Rechnung, rcsp. das abgc« stempelte Mitgliedsbuch mitzubringen. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Ripdorf, den 16. April 1904. Der Borstand. G. Rambow, Vorsitz. WisscnSIe es schorx tJassy�rconafahrräder i i'e besten«.'billigsten sind� Wo»tc S:e 60--100 Mk. sparen, a« taatec Sie Ernst Machnow'a Arcona. Rad Wollen Sie jährlich m. Lelchtig- *e;t viele 100 Mk. Terdienen, so era- pfehlen uud verkaufen Sic im Kreise Ihrer Freunde und Bekannten Ernst Machnow's Arcona-Fahrräder. Verlangen Sie zu Ihrer Orientierung m. neuen reich illustrirt. 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Oktober 1900 gegen die getvcrbsmähige Arbeitsvermittelung in keiner Weise geeignet ist, die Stellcnsuchenden im Gastwirtsgewerbe von der wucherischen Ausbeutung der Stellenvermittler zu befreien, ersucht, da es keine Seltenheit ist, daß eine Vermittelungsgebühr von 20 M. und mehr verlangt wird, der 3. Vcrbandstag daher die verbündeten Regierungen, dem Reichstage baldmöglichst einen Gesetzentwurf be- treffs Verbot jeder Stellenvermittelung gegen Entgelt zu unter- breiten. Ferner ist der Verbandstag der Ueberzeugung, daß die Errichtung der städtischen und paritätischen kostenlosen Arbeitsnachweise tcinerlei Vorteile für die Gastwirtsgchilfen bietet, so lange nicht jede Stellenvermittelung gegen Entgelt verboten ist." Der Delegierte aus Mainz führte aus, daß ihm ein Entscheid des hessischen Ministeriums zugegangen ist, in dem diese Behörde er- klärt, die Kellner usw. in den Restaurationsbetrieben der Rheindampfer fallen nicht unter die Bundcsrats-Verordnung für das Gastwirts- gewerbe.— P o etz sch bemerkte hierzu, er halte es für zweifellos, daß die Bundesrats-Vcrordnung auch auf die Restaurationen der Rheindampfer zutreffe, da alle Voraussetzungen der Verordnung auf diese Betriebe passen.— Um Klarheit in diese Angelegenheit zu schaffen, beantragte der Mainzer Delegierte eine Resolution, die auch angenommen wurde. Sie fordert die Reichsregierung auf, Matz- nahmen dahin zu treffen, dah dem Restaurationspersonal der Rhein- dampfer mindestens die Vorteile der Buudesrats-Verordnung ge- währt werden. Mehrere Anträge, die sich auf Einführung der Arbeitslosen- Unterstützung beziehen, wurden ohne Debatte abgelehnt. Der Verbandstag wählte die beiden bisherigen Verbands- bemnten: P o« tz s ch- Berlin als Vorsitzenden und Redakteur, sowie Ströhlinger- Berlin als Kassierer einstimmig wieder. Die übrigen Mitglieder des Hauptvorstandes sind von der Berliner Mit- gliedschaft zu wählen. Der Vorsitzende P o c tz s ch schlotz den Verbandstag, indem er als das wichtigste Ergebnis desselben den Beschluh bezeichnete, welcher die bisherige Taktik des Verbandes beibehalten wissen will, nämlich die Taktik der modernen Arbeiterorganisation, wodurch sich der Vcr- band deutscher Gastwirtsgchilfen von andren Kcllncrorganifationen unterscheidet. Die Befolgung dieser Taktik werde den Verband stärken und ihn in die Lage bringen, die Forderungen der Gastwirts- gehilfen zu verwirklichen. Doch echte Schutzmannsprügel. In der Affaire der beiden Rixdorfer Schützleute K n u t h und V'eruleit, die lebhaftes Interesse in weiten Kreisen erregt, lvurden gestern die Verhandlungen vor der vierten Strafkammer des Landgerichts II fortgesetzt. Die am Abend vorher vom Gerichtshofe vorgenommene Besichtigung des in Frage stehenden Geländes ist eine sehr sorgsame gewesen und erstreckte sich auch auf die Besichtigung der Räume des Polizeibureaus und des Raumes, in welchem die Regenmäntel für die Schutzleute aufbewahrt werden. An die Er- gebnisse der Besichtigung knüpfte der Vorsitzende, Landgerichtsdircktor H o f h e i n z. noch eine ganze Reihe von Fragen an einzelne Zeugen. Unter diesen blieb der Zeuge Sabin dabei, dah auch er zwei Schutz- lcute, deren Helme er habe blinken sehen, zur kritischen Zeit auf der Wiese wahrgenommen habe.— Staatsanwaltschaftsrat Meyer erklärte, dah er auch nach der Augenscheinncchme keine andre Auf- fassung von der Sache gewonnen habe und keinerlei Anzeickie» dafür erblicke, dah der Belastungszeuge Frädrich sich die ganze Geschichte er- funden haben sollte. Der Staatsanwalt hielt deshalb seinen auf je neun Monate Gefängnis lautenden Strafantrag aufrecht. — Rechtsanwalt Dr. Löwen st ein setzte nochmals in längerem Plaidoycr auseinander, dah die Angeklagten diese unglaubliche, wahnwitzige That, zu der jegliches Motiv fehle, unmöglich ausgeführt haben können. Er habe die felsenfeste, unerschütterliche Ueber- zcugung gewonnen, dah die beiden Angeklagten unschuldig seien. Es sei doch auch nicht anzunehmen, dah die beiden Beamten, die um die fragliche Zeit jeden Augenblick kontrolliert werden konnten, sich ganz lnotiv- und zwecklos in die entfernte, abgelegene Gegend begeben hätten, um dort einen harmlosen Menschen zu mihhandeln. Er halte den Zeugen Frädrich für einen geistig beschränkten Menschen, dessen Phantasie mit ihm durchgegangen sei.— Der Gerichtshof kam nach längerer Beratung zu einer Verurteilung der Angeklagten, die der Vorsitzende wie folgt begründete: Der Gerichtshof, der sich in ein- einhalbtägiger eingehender Prüfung noch /einmal mit dieser An- gelcgenheit beschäftigt habe, müsse anerkennen, dah durch die Beweis- aufnähme die Sachlage ganz anders geklärt worden sei, als es zur Zeit des ersten Urteils der Fall war. Zweifellos habe sich der Zeuge Frädrich in einer Menge von Uebertreibungen gefallen und es seien ihm auch einzelne Untvahrheiicn nachgewiesen worden. Das Gericht nimmt an, dah die beiden Angeklagten am Abend des 1. August keine Mäntel angehabt haben und dah sich der Zeuge auch noch in einem andern Punkte irrt. Man kann aber den Zeugen Frädrich völlig fallen lassen und kommt, wenn man ohne Voreingenommenheit und ruhig die Sache prüft, doch dazu, dah die Angeklagten und kein andrer die Thäter gewesen sind, die den Zeugen Frädrich geschlagen hüben. Das geht aus den Bekundungen dreier Zeugen hervor, gegen die nichts einzuwenden sei. Dah er geschlagen worden ist, beweist die Beule an seinem Arm. Der genaue Zeitpunkt, wann die Mitz- Handlung stattgefunden, steht nicht fest; da aber der Zeuge schon um 11 Uhr mit seiner Anzeige auf dem zweiten Polizeirevier erschienen war, mutz sich der Vorfall gegen V-ll Uhr abgespielt haben. Diese Zeit stimmt ganz genau zu den dienstlichen Funktionen der beiden Angeklagten. Wenn gefragt wird, wie diese dazu gekommen sein sollen, auf die Wiese zu gehen, so ist folgendes zu erwidern: Die Angeklagten sind im Dienst gewesen und haben sich veranlaht gesehen, einen Patrouillengang zu machen, um sich zu überzeugen, ob Strolche dort sind. Sie haben die Winkel abgesucht und den Frädrich dort getroffen. Als dieser ihnen auf ihre Fragen barsch geantwortet. haben sie den Säbel gezogen und ihm ein paar Hiebe versetzt. Frädrich übertreibt kolossal, wenn er behauptet, er habe etwa 15 Hiebe bekommen. Es liegt dem Gerichtshof fern, anzunehmen, dah die Angeklagten wie die Rowdies ohne jede Veranlassung jemand über- fallen haben; sie sind auf der Patrouille gewesen, haben den Berliner auf den Schub gebracht und sind dann wieder auf ihren Posten zurück- gegangen. Zwei andre Schutzleute können nach Ansicht des Gerichts nicht in Frage kommen, und dah es sich um' fingierte Schutzleute handelte, hält der Gerichtshof für ausgeschlossen. Einen weiteren Beweis dafür, dah es die Angeklagten gewesen sind, sieht das Gericht in der Rckognition des Zeugen Frädrich, der dem Polizeilieutencmt die Persönlichkeiten so genau geschildert hat. dah dieser sofort sah, das; nur die beiden Angeklagten gemeint sein können. Der angetretene Alibibeweis steht einer Thäterschaft der letzteren keineswegs entgegen. Die Situation ist für die Angeklagten dadurch eine bessere geworden, dah sie sich i n Ausübung ihres Amtes befanden. Sie glaubten, es mit einem Strolch zu thun zu haben und find über ihre Befugnis hinausgegangen, indem sie ihm einen Klaps gaben. Sie haben sich nicht als Rowdies gezeigt, sondern als übereifrige Beamte. Deshalb erschien dem Gerichtshofe die früher erkannte Strafe zu hoch. Andrer- seits konnten einem Beamten, der sich zu Mihhandlungen hinreihen lieh, mildernde Umstände nicht zugebilligt werden. Die Angeklagten sind zu je fünf Monaten Gefängnis wegen Körper- Verletzung in Verbindung mit Vergehen im Amte verurteilt, ihnen ist auch auf drei Jahre die Fähigkeit zur Bekleidung eines öffentlichen Amtes abgesprochen worden. Beiden wurde gleichzeitig eine an Frädrich zu zahlende Buhe von 50 M. auferlegt. Etos der frauenbewe�ung. Johannisthal. Dienstag, den 19. April, abends 8 Uhr, findet im Lokal des Herrn Krause(früher Wienstruck). Friedrichstr. 1, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Röder:„Die Frau bei Krankheitsfällen in der Familie". Diskussion. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen namentlich der Frauen und Mädchen erwartet Die Einberufcrin. Der Bildnngsverein für Frauen und Mädchen zu Ober-Schöne- weide hält am Dtontag, den 13. April, abends 8V- Uhr. im Lokale von Kaufhold. Wilhelminenhofstrahe 18, seine Mitgliederversammlung ab. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag der Frau Dr. W. Zepler: „Welchen Wert hat die Bildung für die Arbeiterin?" 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenhciten; Neuwahl der ersten Vorsitzenden. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen sämtlicher Mit- glieder notwendig.— Gäste willkommen. Für das Frauenwahlrecht in Schweden. Der Abgeordnete Lind- Hagen hat in der Zweiten Kammer des schwedischen Reichstages einen Antrag eingebracht, wonach der Reichstag bei Erledigung der Frage der Einführung des allgemeinen Wahlrechts für Männer die Regierung ersuchen soll, einen Vorschlag zur Einführung des Wahl- rechts zur Zweiten Kammer auch für die Frauen auszuarbeiten und dem Reichstage vorzulegen. Ter Antrag wird durch 30 Abgeordnete unterstützt._ Wochen-Spielplan der Berliner Cbeater. Königliches Opernhaus. Sonntag: Der Barbier von Sevilla. Montag: Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Der Barbier von Se- Villa. Mittwoch: Romeo und Julia. Donnerstag: Der Barbier von Se- Villa. Freitag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Carmen. Sonntag: Aida. Montag: Manon. Königliches Schauspielhaus. Soimtag: Goldsische. Montag: Das arohe Licht. Dienstag: Götz von Berlichingen(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Der Compagnon. Donnerstag: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Kabale und Liebe. Sonnabend: Coriolan. Sonntag: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Unbestimmt. Neues königl. Opcrn-Thcater. Sonntag: Faust.(Anfang 7 Uhr.) Montag bis Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Doktor Klaus.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Geschlossen. Schiller> Theater/, Uhr.) Sonntagabend: Maria Theresia. Montag: Alt- Heidelberg, Dienstag: Zaza. Mittwoch: Die rote Robe. Donnerstag: Maria Theresia. Freitag: Die rote Robe. Sonnabend: Watcrkant. Sonntagnachmittag: Alt-Heidclberg,(Ans. 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Die rote Robe. Montag: Unbestimmt. Lesfing-Theater. Vom Sonntag, den 17. Aprll bis Montag, den 25. April: Zapsenstreich. Neues Theater. Sonntag: Minna von Barnhelm. Montag: Der Sirom. Dienstag: Minna von Barnhelm. Mittwoch: Minna von Barn- Helm, Donnerstag: Der Strom. Freitag: Kabale und Liebe. Sonnabend: Pelleas und Melisande. Sonntag: Kabale und Liebe. Montag.? Kabale und Liebe. Theater des Westens. Sonntagnachmittag: Der Freischütz,(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Prinzessin von Trapezunt. Montag: Die Prinzessin von Trapezunt. Dienstag: Die Asrikanerin.(Rothmühl.) Mitt- woch: Die Prinzessin von Trapezunt. Donnerstag: Die Stumme von Portici.(Rothmühl.) Freitag: Rigoletto. Sonnabend: Die Stumme von Portici.(Rothmühl.) Sonntagnachmittag: Martha.(Anfang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Prinzessin von Trapezunt. Montag: Rigoletto. Luise»- Theater. Sonntagnachmittag: Romeo und Julia.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Doktor WcSpe. Montag: Doktor Wespe. Dienstag: Sappho. Mittwoch: Der Veilchenstesser. Donnerstag: Romeo und Julia. Freitag: Der Psarrer von Kirchseid.(Hosvaucr.) Sonnabend: Das Milchmädchen von Schöneberg. Sonntagnachmittag: Sappho.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Der Verschwender,(yofpauer.) Montag: Doktor Wesp/„ Uhr.) Sonntagnachmittag: Des Meeres und der Liebe Wellen.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend und Montag: Freut Euch des Lebens. Carl Weist-Theater. Sonntagnachmittag: Zwei Frauen.(Anfang 3 Uhr.) Sonntagabend: Zwischen zwei Herzen. Montag: Zwischen zwei Herzen. Dienstag: Robert und Bertram Mittwoch: Die zärtlichen Vcr- wandten. Donnerstag: Robert und Bertram. Freitag und Sonnabend: Der Raub der Sabinerinnen. Sonntagnachmittag: Die zärtlichen Vcr- wandten.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Robert und Bertram. Montag: Unbestimmt. Central-Theater. Sonntagnachmittag: Hosgunft.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend 6i»_ Mittwoch: Der Zigcunerbaron. Donnerstag bis Sonnabend: Der Sonnenvogel. Sonntagnachmittag: Wahrheit.(Ansang 4 Uhr.) Sonnlagabend: Der Sonnenvogel. Montag: Der Sonnenvogel. Deiitsch-amerikanischcs Theater. Allabendlich: Ueber'n großen Teich. Specialttäten. Anfang Am andern Morgen. Ansang« Uhr. Ansang 8 Uhr. Apollo-Theater. Allabendlich: Liebesgötter. 3 Uhr, Sonntags 7'/, Uhr. Gebrüder Herrnfeld-Theater. AllaLendlich: Vorher: Nur eine Nacht. Ansang 8 Uhr. Metropol- Theater. Allabendlich: Ein tolles Jahr. Sonntags 7'/, Uhr. Wintergarten. Täglich: Speeialitäten. Ansang 8 Uhr. Casino- Theater. Sonntagnachmittag: Der Raub der Sabinerinnen, (Ansang 4 Uhr.) Allabendlich: Husarenliebc. Zärtliche Verwandte. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7'/, Uhr. Passage-Theater. Oskar Fürst. Lina Goltz. Ansang 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Palast.- Theater. Sonntagnachmittag: Maria Stuart.(Ans. 3 Uhr.) Allabendlich: Tante Mollig und Specialitaten. Urania- Theater. Taubcnstraße 48/49. Das Land Tirol. Ansang 3 Uhr. Marttpreise von Berlin am 15. April 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. ' Kartosscln,ncueD.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 lex do. Bauch„ Schweinefleisch. Kalbfleisch Hammelfleisch. 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Nachm. 3 Uhr: Leontinens Ehe- männer. Montag: Der keusche Kasimir. Central. Der Zigcunerbaron. Ziachm. 3 Uhr: Hosgunst. Montag: Der Zigcunerbaron. Bellc-Nlliaucc. Freut Euch des Lebens. Nachm. 3 Uhr: Der Sohn der Wildnis. Montag: Freut Euch des Lebens. Dhalin. Der Hochtourist. Nachm. 3>/z Uhr: Charlehs Tante. Montag: Der Hochtourist. Anfang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.) Das grobe Hemd. Nachm. 3 Uhr: Die Kinder der Ercellenz. Montag: Der Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Schiller JV.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Nachm. 3 Uhr: Die Ehre. Montag: Das grobe Hemd. Kleines. Des Pastors Ricke. Nachmittags 3 Uhr: Familienidyll. Kollegen. Don Carlos. Sere- nissimus. Luise». Doktor Wespe. Montag: Dieselbe Vorstellung. Drianou. Das elfte Gebot. Hierauf: Der Dieb. Nachm. 3 Uhr: Madame Z. Montag; Das elfte Gebot. Hierauf: Der Dieb. Carl Weih. Zwischen zwei Herzen. Nachm. 3 Uhr: Zwei Frauen. Montag: Zwischen zwei Herzen. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Ilm andern Morgen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Metropol. Ein tolles Jahr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Casiuo. Husarenliebe. Zärtliche Verwandte. Nachm. 4 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Montag: Hnsarcnlicbe. Zärtliche Verwandte. Palast. Tante Mollig. Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Montag: Tante Mollig. Wiuter-Garten. �pecialitätc». Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshallc». Stettiner Sänger. Passage-Dhcater. specialitäten. Urania. Taubenstrnhc 4K/4S. Um 8 Uhr: Das Land Tirol. Montag: Dieselbe Vorstellung. Im großen Hörsaal: 8'/- Uhr: Dr. B. Donath: Das Problem der Photographi ein Natursarben. Jnvalidenstraße S7/liÄ. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr._ Central-Theater. Sonntagnachm. 3 Uhr Neine Preise: Hofsnnst. Lustspiel in 4 Akten von Thilo v. Trotha. Abends 7'/, Uhr in erster Besetzung: Wer iigeiinorbaron. Operette in 3 Akten von I. Strauß. Montag. Dienstag und Mittwoch: Vor iMsermvrbai-oii._ Neues Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. Minna von Barnhelm. Ansang 71/s Uhr. Morgen: Per Strom._ iLulsen-Theater. Nachmittag: Romeo und Julia. Abends 8 Uhr: I>r. Wespe. Montag: Dr. Wespe. Dienstag zum erstenmal: Sappho. Mittwoch: Der Beilchcnsresser. Donnerstag: Romeo und Julia. HEUTE: Zum 286. Male: Anfangs Uhr. EndelOUlirSO. Deutsch- Amerikanisches THEATER Köpnickerstrasse 67. Jeden Abend: Gastsp. Ad. Philipp Üebern GROSSEM TEICH. Schlllei'-Theatei*. Sedillv»' TIie»t«i- O. (Wallncr-Theatcr). Sonntagnachmittag 3 U h r. Die Kinder der Exccllenz. Lustspiel in 4 Aufzügen von E. v. Wolzogcn u. W. Schumann. Sonntagabend 8 Uhr: Hn« grobe Hemd. Volksstück in 4 Akten v. C. Karlweis. Montagabend 8 Uhr: Her Geizige. Hieraus: Her eingeb. Kranke. Schillcr-Theafcr M. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater). Sonntagnachmittag 3 U h r: Hie Ebre. Schauspiel in 4 Akten V.H.Sud ermann. Sonntagabend 8 Uhr: Her Geizige. Lustspiel in 5 Auszügen von Molierc. Hierauf: Her eingebildete Kranke. Lustspiel in 3 Akten von Moliere. Montagabend 8 Uhr: _ Has grobe Hemd._ Thalia-Theater. Belle-AHiance-TheateF. Drcsdcncrstr. 72/73. Amt IV 4440. Bclle-Alliauccstr. 7/8. Amt VI 283. Ans. 71/j Uhr. Direktion Jean Kren und Alfred Schönfeld. Ans. 7'/, Uhr. Wegen des Umbaues Schluß der Saison am 1. Mai. Heute nachmittag 3�/, Uhr; ' Charlcys Tante. Täglich: Der Hochtourist. Heute nachmittag 3 Uhr bei kl. Preisen: Her Solin der HViidnis. Täglich: Freut Euch des Febeus. Große Ausst.-Poffc m. Gesang u.Tanz in 3 Slktcn. IX. Berliner Saison. Cirkus Busch. 2 große Gala-Borstellungett Ä IÄi Nachm. 4 Uhr: Ein Kino frei, sofern es ein Angehöriges ist, _ weitere Kinder aus allen«Sitzplätzen halbe Preise._ Ju beide» Porstellungcu:"�ISS Aus den Alpen.„„ ISSJUr.. Ferner: NM- Auftreten des Jlonsicnr Horok. Das Tollkühnste auf dem Gebiete des RadsahrsPortS: DBF" Her Saltomortale mit dem Jßweirad. Abends T'/a Uhr: Fortsetzung der Grotzcn internationalen| Ringkampf-Konkurrenz unter dem Ehrenprotcktorat des Herrn Prosessor Dr. Segas. Urban Christoph, der ichein. Riese, gegen Heinr. Eberlc, 1 Deutschland. Aimable de la Calinettc(Frankreich) gegen| Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Oas Laad Tirol. Montag 8 Uhr": Dies. Vorstellung. Hörsaal S'/a Uhr; Dr. B. Donath: Oas Problem der Photographie in Naturfarben. Sternwarte Sft; CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr, 165. Letzter Monat der T unesen=T ruppe. (Afrika in Berlin!) Grosse Völkerschaustellung! Hie schönen Harems- Hamen ans Tnnls. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachmittags 3 Uhr, bei bedeutend ermäßigten Preisen: Liebesträume. X Familienidyll. Kollegen. Serenissimus-Zwischenspiele. Abends 8 Uhr: Des Pastors Bieke. Morgen: Xachtasyl._ Apollo-Theater. Abends 7'/. Uhr: Das gr. Speeialitäten-Progpaiiini. Hie Scnsatlons-Xovität: 81/, Uhr: Liebesgötter. Ballett-Akt: Pans Liebesnacht. Im dritten Bild: Der Götterzug und die grandiose Apotheose. Hetropol-Theater [Zum 34. Male: Ein tolles Jahr. Gr. dramatisch- satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. In Leone gesetzt vom Direktor Richard Schultz. sl. Bild: Am Kleinkindersee. 2. Bild: Was giebt's Neues. 3. Bild: Das Ordensfest. Bild: Der neue Zapfenstreich (Parodie). Bild: Briefe, die ihn erreichten (Ballett). Anfang'/.jS Uhr. Rauchen überall gestattet. Reßde«; Thkutn Direktion S. Lautenburg. .Heute und folgende Tage 7'/, Uhr: l>ie6mpfedlung. 8 Uhr: Sonntagnachm. 3 Uhr: Uiontinens Ehemänner. Voranzeige! Mittwoch, den 27. April, zum erstenmal: Hie 'iOO Tage.(L'Enfant du mi- racle.) schwank in 3 Alten von Paul Savault und R. Eharvey. Deutsch von Alfred Holm, Triauou-Thealor. Georgenstraße, zwischen Friedrich- und Univcrsitätsstraßc. DOP" Abends 8 Uhr: Das elfte Gebot. Hierauf: Der Dieb. LasZno-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/. s uht:„Hllsartilliebe" 8'/,: Das brillante April-Programm. Markert, fr. am Lessing- Theater sc. 9 Uhr: Zlirtlichk UcrilillMe. Sonntagnachm. 4 Uhr: Ger Kaub der Labinerinnen. Carl Weiss-Theater. Bürgerliches Schauspielhaus. Direktion M. E. Fischer. Große Frankfurter Straße 13Z, Nachmittag 3 Uhr(Parkett 60 Ps.); Zwei Frauen. Schauspiel in 5 Akten v. E. Borchcrt. Abends 8 Uhr: Zwischen zwei Herzen. Schauspiel in 4 Akten von Rich. Voß. Morgen: Zwischen zwei Herzen. I Direktion: Robert Gill. Rrnnnenstrasse lO. Drei Frauen ans einmal. Zum Schluß: Sie ist wahnsinnig. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Ps. Galt. Gobrüdor Herrnfeld- Theater. Lachen ohne Ende! Witz aus Witz! Schlager auf Schlager!-WW Ein Bombenerfolg!-TWfZ so lautet die einstimmige DET* Premieren-Kritik-ME über die Anton u. Donat Herrnseldsche Novität Jim andern Morgen 1 Dazu täglich die zweiaktigc Ehclomödie Kur eine Kaebt! mit den Autoren in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr präcisc. MC- Schluß der diesjährigen Spielsaison: Donnerstag, 28. April, wegen Gesamt-Gustspiel desHerrnseld- Theaters in Köln a. Rh. Ab 7. Mai: Gastspiel des Griginal- Tegernseer Bauern-Theaters. Passage-Theater. Anfang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Jeden Abend 10 Uhr: Grosse internationale Ringkampf- Konkurrenz. 20 preisgekrönte Ringkämpfer. Oskar Fürst* Lina Goltz Humorist. Soubrette. 14 erstklassige Nummern. Königstadt-Kasitio Holzmarkt jtr. 72, Ecke Alexanderstraße. Täglich: Franz Sobanskt. Bernhardys. Moreno Gaffron, Isar.o, Thonisen Plessner. Zum Schluß: Medca. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag nach der Borstellung: Tanz. Palast-Idealer Bnrgstratze ÄS. früher Feen-Palast. Nachmittag 3 Uhr halbe Kassenpreise. Stnart. Schauspiel in 5 Akten von Friedrich v. Schiller. (Hervorragende Gäste.) Abends 8 Uhr:-WE Taute Mollig. Schwank in 1 Akt v. Heinrich Klaeger. Phänomenale Gpecialitäien. Die Weber. Charaktergemäide mit Musik von W. Gcricke. Montag und folgende Tage: Gas sensationelle Aprilprogramm._ Bernhard Rose-Theaier Gesundbrunnen. Badstr. 58. Heute Sonntag, den 17. April: Drei Tage aus dem Men eines Spielers. Drama in 3 Abteilungen nach dem Französischen von Angelp. Sgag?- Ansang 7 Uhr. Nach der Vorstellung: twi'ossei' Ball. Morgen Montag: Benefiz für Karl Lohrmann; Berlin, wie es weint »ud lacht. Stadl-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Heute Sonntag, den 17. April: HernlisTil Rose-llieater-EnsEiiilile. Berlin, wie es weint nnd lacht. Volksstück mit Gesang in 3 Akten (11 Bildern) von Berg und Kalijch. JjSp- Ansang 6 Uhr.-WW Nach der Vorstellung: Ball. Dienstag, den 19. April, aus all- gemeinen Wunsch: Lenore oder: Oie Grabesbraut. Kellino-Truppe Italienische Akrob. Littke Carlsen Im Ball-Foyer. Paul Conchas In seiner Leone im Bivonak. Robinson Baker-Trio Springer. Helene Land Vortrags-Soubrette. Gostantino Bernardi V erwandlungsschauspieler Siegwart Gentes Humorist. Orfords Wunder-Elefanten. Peschkoff-Truppe RussischeTänzer. Oie Blumenkönigin Tanzdivertissem. Biograph. isiaiissonci. Kottbuser Thor— Etat, der Hochbahn. Sonntag, Montag und Donnerstag: H o ff m a n n s Norddeutsche Sänger. Nach jeder Soiree: Tanzki'ftnzcben. Dienstag, den 19. April: Vorletzter Theaterabend: Ei» geadelter Kaufmann. Volksstück in 5 Akten von G ä r n c r. Keiclis Italien StettinerSänger Zum Schluß: N c u I Cirkus Lenz und CirkuS Pufch. Fröbelsillerlei-Mer Schönhauser Allee 148. Sonntag 6 Uhr: �arburger Sänger Nach der Vorstellung: Grosser Extra-Tanz. Montag 81/, Uhr: Burmeisters Goethe-Ens. Grosser Theater-Abend. Alhambra Wallncptbeafep-Str. 15. Jeden Sonntag: Großer Extra- Ball bei doppelt besetztem großen Orchester. Ansang 5 Uhr. Empsehle mein Lokal sür Vereine und Versammlungen. 47008' A. Zumeitat. Urania. Wrangelstpasse lv 11 Jeden Sonntag: Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. Empsehle mein Lokal zu Fest- lichkciten und Versammlungen. 46992* C. F. Walter. 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Grandel Kammmacher, Bieger verlangt Kammfabrik, Ehausseeslratzc 82. 469b» Tüchtige Tischler für inneren Aus bau und Möbel verlangt Tischlerei Tettowersttaße 53._ 448b* Brunnenbauer verlangt Höhne, Neuendors b. P., Schutstraße 1. Meldung schriftlich._ 4526 Lehrling gesucht, intelligenter Junge, sür elekttomechanische Werk- statt. Fritz Sänger, Kaifer-Allee 19. Steinmetz, Schristhauer gesuch'. Christiansen, Müllersttaße 144. 534b Korbmächer-Gehilsen für dauernde Arbeit sucht F. Franke, Blüchersttaße 12. Metaildrücker-Lehrlwg verlangt Ztcuenbmgersttaße 31. 508b Tüchtige Tischler sür polierle Möbel verlangt Tischlerei. Teltowerstraß« 53. Korbmacher-Gehttsen aus bessere Gestcllarbeit verlangt Wronke Nach- solger-, Orianiensttaße 108. 564b Gementiercr, tüchtige, sür Cemcnt- putz.'Melden: Sonntag bis 2 Uhr nachmittags, Nixdors, Wärthesttaßc 9, Bläser.__ 557b Reisende, Straßenhändlcr, auch Frauen! Mottenplatten l Agnes Ostermann, Schönhauser Allee 141. 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Schröder, Krcuzbergstt. 15. Müden: St. Fritz, Prinzenstt. 3l. F. Gntfchmidt, Kottbuser Damm 3 Siidonten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. Martin Meschn, Adalbertstr. 24. P. Horsch, Engel-User 15. Ohni>i«ttvnhni-s: G. Scharnberg, Scsenheimerstr. I. 8te»-Iit»: H. Bernsee, Schloßstt. 115. VricdrichshSr«: O. Seikel, Kronprinzenstr. 50. I*anIro«': Kümmert, Fiorastr. 48. llixdopf: M. Heinrich, Prinz Handjerhstr. 7. Conrad, Hermannstr. 50. GchünchQi's: Wilh. Bäumler, MarttnLutherstr.SI. Weissensee: W. Reske. GMerstr. 46. Jnl. Schillert, König-Chaussee 39». Der Gesamt- Auflage unfrer heutigen Nummer liegt ein Pro» fpekt der Buchhandlung lffnrl «loch, Breelan I, Feld» strafte»Ic, betreffend das neue Wert„Bibliothek des allgemeinen und Praktischen Wiffens* bet. � Verantw. Redakteur: Paul Bütttier, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin L�V. w M A> « "S «* W w o »»-» /» u *« o vo o (ft) i c t: s - ä-S •.L Ü w 0> IO•£-• 03 0 Xi j-�S �.cH- 5�" s Pf- | 5� 5 a= H w wÄ-pW cT�äO �:: 1-1 1�' Äg© o s �© � SÄ e; Ci CO CO". CZ.- g 2 es ä- (M »O CM �«2 « CO o SS. ii ii oo�r. Zt- .�ä-'-.SÄ.I co<25 c: •r; s■- 1 - s S O- W -:p O N- Up- G«5 «so. G Gi— c: £«5ä ci" IT s„ CO � G G r�* ■G S g "£7 C5— rQ � u. o � il�|Iswg= g —-o.!? GGGZG" «-o<0��: �<2/.'N- W �-*-• �7:<2 �7 �z. o 5-» C5 1 J-» S<33 � 3 �*" o?» c" « «Ii? .S�e?*--� QC CO 10. � o � Z?-**<33 � to U0 � �..2 r"'—■ cj<2_-j'>»�,».•—■ «�•GöGiiOSG-S�." AiG-As G-SG=0 Grtr JS O O SC£ Öd � ö I n a w 5 S<353 o . t- o. CM J-» - CO o"�; isi wäot s �-5 a£®s K>T-G� es «g �s-g'gj'g'ö® 1 ---„5 C-G= JO ö es � G g-Gg 7 6�(Ä® C�Ö? ö? CV a S7•> H" � <2 5.<33� � u-�xi 2:§ � 1� �GS@o«5G| =.s?fpi-g,c 2 TO'S G-2-C S■K«■? <5*"c � ä« 0 � n «••S gF S:= 3- <3»�7 � « o g. O<33 w � i|S£ »N Q> 3 nv SZ o-SC S3»— o �0 ig S a a<3 § S> N-� N-N-d� � SZZ� SS-a u-S� 0 � "oto«;� 9-gi&® -§ gl'S 55 Ö$5 g iö ZZKZ ifäJ " o � g•• � o � ZGZ C �.�Z-'g L" 23. � �-22 CT.�j o'S'O§ g S�hro' 0il � �" -L.� .. �3 r* � SCu**; Cl> O r3 5 � Z.LK? ß�Z .~-- G cioWi — w g(9" S G �„ G G"c■§== o o o�g-ig- sliöty s? VZ'o GZ g iiZ - GGUZ« ?>!�> G G 3 K�'L'g V O �7. J~i 0S£� 55ZL N Jb) -- � U 2�2<3 - 5:0*r* '-—-+-< r'_>— � � � o-5- c-» i-»«7»-* ■"••�Gg�J-S G-g5 OTO c'—g G S>GKKLZZZZUG�� GKKAAT-�-ZU�g�. Jl-�g w 'g' g 3 g!G. G. c O�-iC-iG- g>-GJg CO G! sö-r; 1 >g ö 5-s•=§~®°Z AKT°"«- f Z. ccSö g«. � �G?k S � G K G-Z L ZS� g S.: . G-S=S:ÄG v!=!"o£.e:e>2'S-a ~ �0 CO 0 os» 3£ � � 's 1«)? ! 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