nftannementS'Bedlngiüwn: MonnementS, Preis pränumerando; SierteljShrle SL0 Mk, monaN. l.lv SKt, wöchentlich 28 Pfg. frei ins HanS, Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage»Die Neue Well' lv Pfg. Post- Abonnement: l,!0 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband fit» Deutschland und Oesterreich- Ungarn g Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat, Crfditlnt täflliäi außer Montag». Vevlinev VolksblAkk. Bit TnTcrttonS'GcbüDf BlhSgt für die scchSgespallene KolonS- geile oder deren Raum 40 Pfg, für politische und gewerkschaftliche BerrinS- und Versammlungs-Anzeigen 25 Pfg. „dUeine Anreizen", das erste fsell- gedrulkte) Wort!0 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditwn ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, cm Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöfsnet. Telegramm-Adresse: „SozUldemclirat Berlin". Tentralorgan der rozialdcmokratifchcn Part«! Deutfchlands. Redahtfon: 8 AI. 68, Ltndcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. IS8Z. Donnerstag, den 21* April 1904. Expedition: 8AI. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1S84. Ur. 93. •0 21. Jahrg� Ein Generalstreik der ungarischen Eisenbahner ist gestern abend auf den ungarischen Staatsbahnen ausgebrochen und hat im Laufe des Mittwoch einen außerordentlichen Umfang angenommen. Der Bahn verkehr ist auf einer ganzen Reihe von Strecken zum Still st and ge- bracht. Die Regierung, die durch ihr brutales Vorgehen, durch Maßregelungen den Streik entfacht, geht gegen die Ausständigen mit äußerster Härte vor, sie hat bereits 43V Eisciibahnangcstclltc verhaftet und ist bemüht, durch Verwendung des Eisen- bahn- und Telegraphen-Negiments den Betrieb auf- recht zu erhalten. Die letzte Ursache des Streiks liegt in dem schroffen Vorgehen der Regierung gegen die Leiter der Eisenbahnerorganisation und die Worfführer der Angestellten. Hätte die Regierung nicht den Versuch gemacht, die Organisation der Eisenbahnangestellten zu vernichten und die Protestbewegung gegen das als unzulänglich bezeichnete Gchaltsregulierungs-Gesetz, das gegenwärtig vom Finanzausschuß des Abgeordnetenhauses beraten wird, mit rücksichtsloser Gewalt zu er- sticken, so wäre der Streik jedenfalls nicht ausgebrochen. Der schon seit geraumer Zeit energisch geführten Bewegung der ungarischen Eisenbahner ist cS endlich gelungen, die ungarische Re- gierung zur Vorlage eines Gesetzes zu zwingen, durch das die Gehälter der Eisenbahnangestellten neu geregelt werden sollen. Die Begründung dieses Gesetzentwurfes gesteht selbst ein, daß man bis- her die Eisenbahnangestellten hoch st stiefmütterlich behandelt hat. In dieser Begründung wird ausgeführt, daß die Gehälter der Eiscnbahnangestellten seit dreißig Jahren unverändert geblieben seien, obgleich während dieser Zeit die Existenzbedingungen nicht nur in der Hauptstadt, sondern überall im Lande sich wesentlich verschärft Hütten! �Nichtsdestoweniger mußte die st a a t S f i n a n z i e l l e Rück- Wirkung dieser Maßregel auf die Gebarung der ungarischen StaatSbahnen in Betracht gezogen werden, und darin fand das Ausmaß der neuen Zuwendung seine natürliche Grenze." Der Gesetzentwurf verlangt demgemäß eine Erhöhung des Gehalts- etatS um dauernd 6 643 406 Kronen und eine einmalige Zuwendung von 1 665 666 Kronen. Nun ist der Uebcrschutz der ungarischen Eisen- bahnen allerdings kein so großer wie der der preußischen Eisen- bahnen. Immerhin betrug der Reingewinn 1602 ca. 82 Millionen Kronen, was einer Verzinsung des investierten Kapitals von circa 4 Prozent gleichkommt. Hätte man sich also nicht lediglich auf den ganz unhaltbaren Standpunkt der Plus macherei gestellt, sondern die paar Millionen, die zur Befriedigung der nur z u b e- rechtigten Forderungen der Unterbeamten genügt hätten, mehr eingestellt, so wäre der jetzige Kampf vermieden worden. Aber man hält es in Ungarn wie überall: gerade da, wo es am ungerechtfertigt st en ist, soll gespart iverden, an den Löhnen der schlechtbezahltesten Proletarier! Den betreffenden Arbeiterkategorien, die seit drei Jahrzehnten vergeblich auf eine Gehaltsaufbesserung geharrt hatten, war mit Recht das ihnen in Aussicht Gestellte zu wenig, sie verlangten als Minimal-Stammgehalt für Beamte 1600 Kronen(1 5t!ronc gleich 0,85 M.), für U n t e r b e a m t e 1200 Kronen und für Diener 700 Kronen? außerdem sollte in allen drei Klassen das Quartier- geld erhöht werden. Die Vorlage verschlechterte die Gesamt- einkommen insofern, als sie das Ouartiergeld herab- setzen will. Zur gemeinsamen Erörterung dieser Fragen hatten die verschiedenen Lokalkomitees beschlos seil, m Laufe dieser Woche in Budape st einen Kongreß abzuhalten; dieser Kongreß wurde von dem DirrktionspräfU deuten Ludvigh untersagt, und die Betriebsleitungen wur- den angewiesen, denjenigen Angestellte», die sich zum Kongreß begeben wollten, weder Urlaub noch Fahrkarten zu bewilligen. Allen Beamten wurde befohlen, bis auf weiteres ihren Stationsort nicht zu verlassen, außer wenn sie von Amts wegen ausgeschickt würden. Gegen Zuwider- handelnde wird wegen Ungehorsams das Disciplinarverfahren mit sofortiger Suspendicrung vom Amt eingeleitet werden. Diese Ver- ordimng der Eisenbahndircktion wurde telegraphisch an alle Eisen- bahnämter weiterbefördert. Man wird zugeben müssen, daß die Forderungen der Eisen- bahner ungemein bescheidene Ivaren. Ein Minimalgehalt von 1020 M. Pro Jahr für tlnterbeamte, von 83 M. pro Monat, ist wahrhaftig nicht zu viel! Als jedoch die Eisenbahn-Angestellten ihre Forderung als Kollektivkörperschaft vertreten wollten, da schritt sofort die Verwaltung mit den schärfsten Mitteln der Maß- regelung ein! Der Streik entwickelte sich nun folgendermaßen: Die An- gestellten der Szegedincr Betriebsleitung er- härten sich in einer Versammlung für solidarisch und ersuchten den Handelsminister Hiera nymi telegraphisch, den Direktionspräsidenten Ludvigh zur Zurückziehung seines die Abhaltung des Kongresses verbietenden Erlasses anzuweisen. Die Angestellten der andren Betriebsleitungen folgten diesem Beispiel. Im weiteren Verlaufe der von den Eisenbahn-Angestellten im Interesse der Verbesserung ihrer Lage gepflogenen Beratungen wurde die Idee der Schaffung eines den Rechtsschutz und die Hilfeleistung für die Eisenbahn-Angestellten verwirklichenden Verbandes angeregt. Nach dreitägigen, seitens der Leiter der Ausschüsse gepflogeneu Ver- Handlungen wurde der Landesverband der Eisenbahn- Ange st eilten konstituiert; die ausgearbeiteten Statuten sind behufs vorhergehender Genehmigung dem Direktionspräsidenten Ludvigh unterbreitet worden. Eine Einwirkung der ungarischen Regierung auf den Dircktionspräsidenten zu Gunsten der Forderungen der Ange st eilten erfolgte nicht, viel- mehr erklärte der Handelsminister, mit dem Aktionskomitee der Beamten nicht mehr zu verhandeln; er empfing die Herren nicht. Man antwortete darauf mit einzig übriggebliebenen Mittel: dem Streik! lieber den Umfang desselben meldet das„W. T. 33.": Budapest, 20. April. Der Bahnverkehr ist auf einer ganzen Reihe von Strecken eingestellt. Aus der Provinz treffen Delegierte der Eisenbahnaugestellten zu einer hier stattfindenden Versammlung ein. Ein Teil derselben wurde bei ihrem Eintteffen verhaftet. Die Bahn- Höfe werden von Militär und von der Polizei bewacht, unr eine etwa beabsichtigte Zerstörung des Bahngeländes zu verhindern. Die Ausständigen haben eine Abordnung zum Ministerpräsidenten ent- sandt und machen ihr weiteres Verhalten von der Antwort ab- hängig, ivelche sie von ihn: erhalten wird. Die Lebensinittel steigen im Preise. Wien, 20. April. Infolge des Streiks bei den ungarischen Staatsbahnen ist der gesamte Verkehr nach und von Ungarn über Bruck und Marchegg eingestellt. Der heute früh hier über Marchegg fällige Orient-Exprcßzug von Budapest verkehrte bis hierher als Sonderzug. Budapest, 20. April. Im ganzen Lande ist ein Streik der Eisenbahn-Angestellten ausgebrochen. Kein Zug der Staats- bahnen verkehrt. Von Budapest gehen heute nur Züge der Südbahn ab, die in privatem Betriebe steht. Gestern Nacht sind sechs fällige Züge nicht in den Budapester West- bahnhof eingefahren und acht fällige Züge nicht abgegangen. Der Streik begann damit, daß gestern abend auf dem Budape st er We st bahn Hof sämtliche Weichenlichter und Signaila nrpeil ausgelöscht wurden; nur das Semaphorlicht wurde belassen, der Semaphor aber auf Halt gestellt. Ein Güterzug wurde an der Einfahrt dadurch gehindert, daß einige Hundert Ausständige, sich vor die Lokomotive drängten, worauf der Lokomotivführer, der Heizer und der Zugführer abstiegen. Der Wiener Schnellzug wurde auf der Station RakoS Palota an- gehalten; die Passagiere legten darauf den halbstündigen Weg nach Budapest mit der Stadtbahn zurück. Das Streikkomitee hatte tclegraphisch die Weisung erteilt, um Mitternacht alle Züge auf den Stattonen, wo sie um diese Zeit eintrafen, anzuhalten und an der Weiterfahrt zu verhindern. Die Ausständigen beabsichtigen, von verschiedenen Punkten des Landes Züge abzulassen, Ivelche nur Eiscnbahnangestcllte nach Budapest befördern. Wien, 20. April. Der Verkehr von hier nach Ungam ist nur noch mit Danipfboot und über die Südbahnlinie möglich. Die Bedingungen der Streikenden. Budapest, 20. April. Der allgemeine Streik der Eisenbahn- angestellten ist durch die Enttäuschung hervorgerufen worden, welche der bor einigen Tagen den: Abgeordnetenhause vorgelegte Gesetzentivurs über die GehaltSregulierung der Eisenbahnbeamten bei diesen verursacht hat. Die Ausständigen verlangen eine Gehaltserhöhung in der Höhe, die sie in einer Denkschrift angegeben haben. Falls ihnen dieses Zugeständnis gemacht und den Führern dcS AuSstandeS Generalamnestie erteilt wird, sind sie bereit, den Ausstand zu beenden. Wie verlautet, hat sich der Präsident der Staats- bahnen an den Rektor des Polytechnikums mit dem Ersuchen gewandt, der Verwaltung Polh- techniker zur Verfügung zu stellen, welche das Examen bestanden haben und als Lokomotiv- führer verlvandt werden können. Der Streik vor dem Abgeordnetenhaus. Budapest» 20. April. Bor dem Beginn der Sitzung des Abgeordnetenhauses versammelten sich Abgeordnete sämt- lich er Parteien im Bureau des Präsidenten, um die durch den Ei senbahnstreik geschaffene Lage zu besprechen. An der Versammlung nahmen teil der Minister- Präsident, der Finanz- und der Handelsminister. Der Minister- Präsident erklärte, die Regiermig könne mit den streikenden Elementen nicht verhandeln; sie habe Akaßrrgeln getroffen, um durch Heranziehung von Militär die Ordnung wieder her- zustellen und durch Berwendnng des Eisenbahn- und Telegraphen- Regiments die Wiederaufnahme deS BertchrS zu ermöglichen. ES müsse ein Exempcl statuiert werden; gegenüber den verleitete» Elementen wolle die Regierung Nachsicht walten lassen. Bisher sind 450 Eiseubahn-Angestellte verhaftet. Bei Eröffnung der Plenarsitzung deS Abgeordnetenhauses herrschte eine große Erregung. Der Ministerpräsident wurde beim Be- treten des Saales von der Rechten mit brausenden Eljenrufen, von der Linken mit stürmischen Prote st rufen empfangen. Budapest, 20. April. Im A b g e 0 r d ir e t e n h a u s e erklärte H a n d e 1 s m i n i st e r Dr. v. Hie ro nymi in Bezug auf den Ausstand der Eisenbahnangestellten, die erste Pflicht der Regierung sei, de» Verkehr aufrechtzuerhalten; man sei deshalb bereit» die Ausständigen, falls sie unverzüglich zu ihrer Pflicht zurückkchrtcu, wieder aufzunehmen; sollten sie jedoch nicht geneigt sein, den Dienst wieder aufzunehmen, werde die Regierung Mittel finden, den Betrieb nichtsde st owe niger ohne Störung abzu- wickeln.(Beifall rechts.) Weitere 500 Verhaftungen k Budapest, 20. April. Weitere 500 Eisenbahnangeftclltc sind ver- haftet worden. Sie waren aus Fiume eingetroffen. Die Arbeiter in den Werkstätten des West bahn Hofes er- klärten sich mit den Ausständischen solidarisch. Nach einer Polizei- lichen Mitteilung bemächtigten sich 750 Angestellte in Biator- Bagy eines Zuges und leiteten ihn hierher. Bei ihrer Ankunft wurden sie von der Polizei in Empfang genommen. Ein Strafverfahren ist eingeleitet worden. Die Drahtverbindung zwischen den Stationen Budapest- Marchegg und Budapcst-Zsolna ist unterbrochen, da die Ausständigen die Telegraphentaster demonffert haben. Der bisherige Verlans des Streiks. Ans Wien erhalten wir folgende? Privat-Telegramm über die Ursachen und den bisherigen Verlauf des Streiks: Der Streik ist lange zu erwarten gewesen, dennoch ist er plötzlich ausgebrochen. Die Lohnbewegung dauert schon ein halbes Jahr und ihre Frucht war die am Sonnabend eingebrachte Vorlage, ivonach der Regierung für Gehaltserhöhung ein Kredit von 2 043 000 Kronen bewilligt werden sollte. Da eö sich um 27000 Be- amte, Unterbeamte und Arbeiter handelt, kann man ermessen, wie gering die Aufbesserung ausfiel, obwohl die Vorlage selbst konstattert, daß die Bezüge sämtlicher Angestellten seit 30 Jahren unverändert geblieben sind. Auch nach der Regulierimg hätte daS Anfangsgehalt der Arbeiter 700 Kronen betragen, und die Geringfügigkeit der Aufbesserung wird noch problematischer, da in vielen Kategorien das Ouartiergeld herabgesetzt wird, so daß selbst die dürftige Reform überhaupt wert- los ist. Die Regierungsvorlage hatte auch insbesondere bei der Beamtenschaft namenlose Empörung erregt, die sich sofort in zahlreichen Versammlungen offenbarte, und die ihren geschlossenen Ausdruck in dem für heute einberufenen Landeskongreß finden sollte. Dieser Kongreß wurde nun aber auf Auftrag der Regierung vom Direltionspräsidenten Ludvigh verboten und sämtliche Stationen wurden telegraphisch beauftragt, die Beamten von der Fahrt nach Budapest abzuhalten.— Einer Deputation, die bei ihm vorsprach, erklärte Handelsminister Hieronymi kurzweg, daß er Auftrag ge- geben, die fünf Führer'der Bewegung, sämtlich Beamte, aus dem Dienste zu entlassen. Dieser brutale Streich schlug dem Fasse den Boden aus und das Aktionskomitee proklamierte sofort den Streik, der auch unmittelbar auf den Buda- pester Bahnhöfen ins Werk gesetzt ivurde. Der Streik ist fast vollständig, gestern nacht sind schon sechs Züge nicht eingefahren, acht fällige nicht ausgegangen,— heute ist der Verkehr im ganzen Lande aufgehoben, kein Zug der Staatsbahnen verkehrt. Die Re- gierung hilft sich vorläufig mit Brutalitäten und sucht die Streiken« den einzuschüchtern. Tausend Eisenbahner, die auS verschiedene» Gegenden zum Kongreß gekommen waren, wurden verhaftet und werde» polizeilich abgeschoben. Die Opposition machte im Ab« geordnetenhause großen Lärm. Der Handelsminister erklärte, die Regierung würde, wenn die verführten Elemente zur Ordnung zurückkehren, Milde walten lassen. Die Regierung hofft, daß ihr das Eisenbahnregiment zu Hilfe kommen wird. Der Streik umfaßt ein Personal von etwa 40 000 Menschen. Die ungarischen Staatsbahnen haben eine Länge von 23 000 Kilometer. Die Bewegung geht hauptsächlich von Beamten aus, die sonst sehr patriotisch. deren Erbitterung aber jetzt eine grenzenlose ist. poUtifcbe Oleberfickt. Berlin, den 20, April. Der Reichstag trat zu Beginn seiner heutigen Sitzung in die schon gestern be» schlossene Besprechung der Interpellation Oriola über die Aussichten des neuen Militürpensionsgesetzes ein. Die gestrige Erklärung des KriegSministers, daß das in der Thronrede und besonders in der EtatSrede deS Herrn v. Einem mit großem Applomb angekündigte Militärpensionsgesetz seit fünf Wochen im Bundesrat lagere, wurde von fast allen Parteien als Enttäuschung empstmden. Besonders die nationalliberalen, konservativen und antisemitischen Redner warnten die Regierung wieder einmal die so oft erweckten Hoffnungen der Militärinvaliden zu täuschen. Unsre Partei, für die Genosse Singer sprach, ist natürlich nicht enttäuscht, weil sie von der Regierung nichts erwartet hat. Nichtsdestoweniger forderte sie mit den bürgerlichen Parteien zusammen trotz ihrer principiellen Gegnerschaft gegen den Militarismus, daß seine Opfer angemessen entschädigt werden. Singer verwies besonders auf die Notwendigkeit, außer für eine Erhöhung der Offiziers» Pensionen für eine solche der Mannschasten vom Feldwebel abwärts zu sorgen. Gegen diese Anschauungen wandten sich nur Herr Dr. P a ch n i ck e von der Freisinnigen Vereinigung und der CenttumSabgeordnete Gröber. Dieser fühlte sich ganz als Mitglied der verantwortlichen Regierungspartei, die keine Ausgaben bewilligt, ehe sie nicht für die notwendige Deckung gesorgt hat. Aber weder er, noch der Kriegsminister v. Einem, noch auch der bayrische Generallieutenant v. Endres vermochte die Verschleppung des Gesetzentwurfes im Bundesrate nach dem Urteile der über- wiegenden Mehrheit des HauseS zu enffchuldigen. Noch größere Einmüttgkeit zeigte sich, nachdem der Etat des allgemeinen PensionSgesetzes debattelos erledigt ivar, bei der Be- ratung einer neuen Interpellation Oriola, die zum Etat des Jnvalidenfouds gestellt war und Uebernahme der Kriegsinvaliden- rente auf dem allgemeinen Etat sowie ihre Erhöhung nach mehreren Richtungen hin forderte. Von unsrer Partei trat Genosse Grünberg mit großer Wärme für eine freigiebigere Ge- ivährirng des Ehreusoldes ein. Selbst Teilnehmer des deutsch» französischen Krieges schilderte er die Leiden, aber auch die Erfolge der deutschen Truppen begeisterter, als es sonst wohl unsre Partei- genossen thun. Das kränkte Herrn Dr. A r e n d t, der neben dem einzigen zuverlässigen evangelischen Gewissen auch ein Monopol auf nationale Gesinnung zu haben glaubt. Er konstruierte eiuen Gegensatz zwischen dieser Rede und den Ausführungen andrer Parteigenossen, die bei völlig verschiedener Gelegenheit in ganz andrem Zusammen- hange gemacht worden waren und schloß einen lehrsamen Vortrag über den antinationalen Charakter unsrer Partei an. Nach diesem Zwischenfall ging die Debatte rasch weiter, und die Resolution Oriola fand einstimmige Annahme. Ob die Regierung ihr Folge geben wird, steht freilich dahin; die Uebernahme der Kosten auf den allgemeinen Staatsfonds sagte Schatzsckretär Freiherr v. Stengel zwar zu, aber von einer Er- höhung oder weiteren Ausdehmmg der Renten wollte er bei der jetzigen vollkommen unaufgeklärten Finanzlage nichts wissen. Für die Entschädigung der Opfer unsreS trefflichen Heercssystems und für die Unterstützung der Invaliden aus dem von ihnen so unauf- hörlich gepriesenen großen Kriege haben die leitenden Beamten des Reiches nichts übrig. Um so verschwenderischer gehen sie mit dem Gelde der Steuerzahler, auch der Armen und Aermften um, wenn es sich um weltpolitische Abenteuer handelt. Das zeigte in recht deutlichem Kontrast die unmittelbar an- schließende Beratung über den Etat der Expedition nach Ostasien. Die Regierung hatte fiir diesen Etat so aus dem Vollen geschöpft, daß die Budgetkommisfion selbst in ihrer bürgerlichen Mehrheit ziemlich bedeutende Abstriche gemacht hatte. Freilich, zu der voll- ständigen Ablehnung des Etats für das VesatzungScorpS konnten sich die bürgerlichen Parteien allesamt nicht entschließen. Von unsrer Fraktion wies Genosse Dr. Südekum darauf- hin, daß die Bc- lassung der Truppen in Ostasien uur die Gefahr von Konflikten mit andren»Mächten erhöhe und daß andrerseits die dort stehenden Truppen nicht im Kriegszustand seien, sondern daß bei den völlig friedlichen Zuständen die Offiziere, die sogar ihre Frauen nachkommen lassen, die Zeit mit Lawn-Tcnnis-Spielen und Theegescllschaften hinbrächten. Aber selbst der süddeutsche Volksparteiler Paper erklärte, im Princip den Etat belvilligen zu wollen, da der Krieg zwischen Rußland und Japan vielleicht die An- Wesenheit unsrer Truppen notlvcndig machen könnte. Noch viel weiter ging der konservative Abg. Frhr. v. R i ch t h o f e n. der Wiederherstellung der Regierungsvorlage forderte und dem oft- asiatischen Expeditionskorps, das nebenbei fiir jeden wirklich ernsten Konflikt viel zu klein ist, ganz phantastische Aufgaben stellte. Er sowohl, wie der gleichnamige Staatssekretär des Auswärtigen Amtes schienen andeuten zu wolle», als ob Deutschland entschlossen sei, die Neutralität Chinas im Notfalle durch Intervention zu erzwingen.— Ebenso wenig aufgeklärt wie diese Frage ist eine andre, die auch Genosse Ledebour zur Debatte stellte. Er fragte den Staatssekretär, ob wir wirklich, wie verlautete, durch Verträge mit den andern Mächten verpflichtet seien, unsre Truppen in Ostasien zu belassen. Staatssekretär v. N i ch t h o s e n leugnete das, drückte sich aber, trotzdem er zweimal das Wort ergriff, so un- klar aus, daß man nicht erkennen konnte, ob er nur das Vorhanden- fein bindender Staatsverträge ober das von Abmachungen überhaupt bestritt. Schließlich wurde die Aufrechterhaltung des ostasiatischen Besatzungscorps gegen unsre Stimmen beschlossen. Die Einzelheiten des Etats werden in der heutigen Sitzung beraten werden, danach unsre Interpellation über die Stilllegung von Kohlengruben im Ruhrrevier.—_ Abgeordnetenhaus. Der Präsident des Abgeordnetenhauses konnte seine Ab- ficht, am Mittwoch den Etat in zweiter Lesung zu Ende beraten zu lassen, nicht durchführen; die Volksvertreter waren trotz der 15 Mark Diäten, die sie auch für jeden Tag, wo sie nicht anwesend sind, beziehen, in so geringer Zahl erschienen, daß die Sitzung wegen Beschlußunfähigkeit abgebrochen werden mußte. Vorher hatte das Haus den Gesetzentwurf über die Dienstaussicht bei größeren Amtsgerichten gegen die Stimmen eines Teils der Konservativen deni Justizminister vor die Füße geworfen, dagegen die Vorlage wegen Abänderung des Gesetzes betreffend Regelung der Richtergchälter debattelos angenommen. Hierauf beriet das Haus eine zurückgestellte Position des Justizetats. Die Budget- kommission beantragte, an Stelle von 11 Staatsanwälten als Abteilungsvorsteher und Vertreter der Ersten Staatsanwälte mit einem Einkommen von 5400—7200 M. und je 900 M. pensionssühiger Zulage nur fünf zu belvilligen, dagegen die Stellen der Staatsanwälte mit einem Gehalt von 3000 bis 6600 M. um sechs zu vermehren. Für die Regierungsvorlage erklärten sich nur die beiden konservativen Parteien; ein Resultat wurde jedoch noch nicht erzielt, da das Bureau über das Ergebnis der Abftinlmung zweifelhaft blieb und der „Hammelsprung" die Bcschlußunfähigkeit ergab. Ani Donnerstag soll die zweite Etatsberatung Nim wirk- lich beendet werden.—_ Denkschriften! Anders als sonst m Menschenköpfen malen sich die Welt und ihre Ereignisse in den erleuchteten Gehirnen der Geheimräte, denen die Abfassung der amtlichen Denkschriften übertragen wird. Die beiden Denkschriften über das Hochwasser im Oder- und Weichsel- gebiete vom Juli Ivvs und über die staatliche Hilfsaktion aus Anlaß von Unwetterschäden im Jahre 1903 liefern einen neuen Beweis für diese alte Wahrheit. Während nämlich die gesamte öffentliche Meinung, sogar die konservative, die schlesische Katastrophe und die ihr folgenden amtlichen Vorgänge als ein bedenkliches Zeichen staatlicher Mißwirtschaft betrachtete, wird der künftige Geschichts- schreiber in jenen beiden Denkschriften nichts andres finden als ein neues Dokument der Fürsorge und Weisheit einer Hochwohlweisen Stegierung. Diese Denkschriften verschweigen zunächst vollkommen, daß Hoch- wasser-Katastrophen im Odergebict ständige, im Zeitraum von 6—7 Jahren wiederkehrende Erscheinungen sind. ES ist nur von den Katastrophen von 1813 und 1834, den schlimmsten, die Rede, nicht aber von den dreizehn übrigen, die sich im vorigen Jahr- hundert ereignet haben, insbesondre nicht von jener, die sich im Jahre 18S7 ereignete und fiir die Regierung ein deutliches Warittlngssignal hätte sein müssen. Auch wird sich der schwer getäuscht finden, der von der ersten der beiden Denkschriften eine sorgfältige Untersuchung darüber er- wartet, welche Mängel der staatlichen Wasserwirtschast die ungeheure Ausdehnung der Hochflut ermöglicht haben. Eine solche Unter- suchung hätte man von der neuen Denkschrift um so eher erwarten müssen, als sie doch zur Begründung der neuen Wasserwirtschaft- licheu Vorlagen mit dienen soll. DaS Geständnis deS Versäum- nisseS ist nicht in der Denkschrift zu finden, höchstens in der Vor- läge selbst. Die zweite der beiden Denkschriften kann des Rühmens kein Ende finden über das, was von feiten der Regierung geschehen. Die berühmte Reise deS Herrn v. Hammerstein findet ausführliche Erwähnung. Ferner wird erzählt: Ihre Majestät die Kaiserin ließ eS sich nicht nehmen, während der Abwesenheit Er. Majestät des Kaisers und Königs, Allerhöchstselbst die am schwersten heimgesuchten Gegenden zu be- suchen, und den Geschädigten Trost und Mut zuzusprechen. Wir wollen nicht annehmen, daß irgendwer der Kaiserin das hätte„nehmen" wollen! Der Schaden, den Schlesien erlitt, wird mit 21 453 320 M. angegeben; davon wurden durch Privatsaunnlungen gedeckt 1860 000 Mark, das ist etwa 8Vz Proz. In der Provinz Brandenburg betrug der Schaden 3 300 000 M., davon durch Privatwohlthätigkeit gedeckt 56 000 M. oder 1,6 Proz. Und nun erinnere man sich gefälligst an den Artikel, den Herr v. Hammerstein nach seiner schlesische»„Trost- und Mtit"-Reise in die„Berliner Korrespondenz" schrieb. Da hieß es: „Zunächst handelt eZ sich um die Linderung der augenblicklich drängenden Not. Dazu wird hoffentlich daS Ergebnis der mit Energie und in weitestem Umfange aufgenommene» Sammlungen ... ebenso genüge», wie zur Brstrritung der unmittelbaren Kosten der Anftammmg und an Desinfektion." Damals schlug alle Welt die Hände über dem Kopfe zusammen vor Erstauuen, daß ein königlich preußischer Minister der Privat- wohlthätigkcit die Aufgabe zuweise, nicht nur durch Vernachlässigung staatlicher Kulürraufgaben entstandene Schäden zu decken.— wozu sie sich, wie damals sofort vorausgesagt wurde, durchaus un- zureichend bewies— sondern gar auch Epidemien zu verhüten und die Gesundheitspflege in private Regie zu übernehmen. Die Denk- schrift aber sagt ganz stolz: Besondere Aufmerksamkeit ist von Anfang an(!) dem Gesund- heitszustande in den vom Hochwasser heimgesuchten Gegenden gewidmet worden.... es ist dadurch gelungen, da? Auftreten von Typhus, Malaria und ähnlichen auf die Ueberschwemmung zurückzuführenden Krankheiten zu verhindern. Daß die ganze preußische Regierung zur Zeit der Katastrophe Sommerschlaf hielt und erst von der Presse, besonders der social- demokratischen, wachgerüttclt werden mußte, darüber erfährt man aus der amtlichen Denkschrift nichts. Nicht einmal jene geistreichen Auslassungen der„Berliner Korrespondenz" sind abgedruckt, in denen es hieß, daß„derartige Hochwässer durch starke Niederschläge eut- stehen", und daß die nalürlich vorhandenen Schutzbautcn nur noch nicht genügend konsolidiert waren, um einer so großen Gewalt des Wassers Widerstand leisten zu können.... Ja, wenn man dabei war, glaubt man, die Sache verhielte sich so u>ii> so. Lieft man dann aber die amtliche Denkschrift darüber, so merkt man erst, daß alles ganz anders war, und daß der be- schränkte Unterthanenverstand abermals geirrt hat. Veutscden k!.eick>. Die Ncichsfinanzreform. Die B u d g e t k o m m i s s i o n d e S Reichstages wandte sich am Mütwoch endlich der Beratung des Gesetzentwurfs über die Reichsfinanzreforni zu. Vor den OsterferieuZ hatte das Centrum dem Reichsschatzsekretär eine Reihe von Fragen gestellt, von deren Beantwortung es die Beratung abhängig machte. In„fleißiger, von Morgen bis zu Abend danerndeii Ferienarbeit" haben die Räte des Schatzamts, wie der Staatssekretär sagte, eine Ucbersicht über die Gestaltung der Reichsfinanzen in den letzten zwanzig Jahren und ihre voraussichtliche Entwicklung im kommende» Jahrfünft zu- saminengestellt. Die Denkschrift ist von uns bereits kurz gewürdigt worden. In seinem einleitenden Referate, das sich eng an das Schema der vom Centrum vorgelegten Fragen anschloß, gab der Reichsschatzsckretär Freiherr v. Stengel der Kommission Er- läutenmgen dazu. Zunächst bestritt er die Richtigkeit der in verschiedenen Zeitungen ausgesprochenen Behauptimg, es handele sich in dem K 2 der Vorlage um eine Aufhebung der Matrimlarbeiträge der Einzelstaaten zu den Kosten des Reichshaushalts. Davon könne gar keine Rede sein, es solle vielmehr lediglich der im Artikel 76 der Reichsverfassung vor- gezeichnete subsidiäre Charakter der Matrikularbeiträge schärfer betont werden. Eine Beschränkung trete nur insofern ein, als der Charakter subsidiärer Beiträge nur noch den ungedeckten Matrikularbeiträge» bleibe. In Wahrheit bedeute die Vor- läge der Regierung also keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung der Lage der Einzelstaaten. Auch nach dem Inkrafttreten der Reform bleiben die Eiiizclstaaten im Jahre 1904 noch nnt 130 Millionen Matriknlarbeiträgen belastet, von denen 24 Millionen ungedeckt sind. Man habe neuerdings vielfach behauptet, in dem Werke von Schwarz und Strutz über die preußischen Finanzen sei der rechte Weg der Reichs-Finanzreform angegeben worden. Das sei aber ein Irrtum; das sonst ganz verdienstliche Werk gäbe keinen brauchbaren Fingerzeig. Immer lvieder müsse betont werden: die Vorlage wolle keine Aufhebung der Matrikularbeiträge, sondern mir ihre „Veredelung". Eine allseitig erschöpfende Beantwortung der von der Kommission auf Antrag des Centrums vorgelegten Fragen sei nicht möglich gewesen. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung für die Zukunft werde deshalb auch mit allen Vorbehalten gegeben. Man müsse immer bedenken, daß es auch im Leben des Staates heiße:„Der Mensch denkt, Gott lenkt". Weder bei den Ausgaben— die ja auch doch oftmals»ach der Initiative des Reichstages vermehrt würden— noch bei den Einnahme» könne man etlvas Genaueres vorhersagen. WaS gerade die Eröffnung neuer Einnahmequellen anlange, so halte er eine vor- zeitige Kundgebung noch unfertiger und unreifer Steuer Pläne für verkehrt, weil daraus eine Beunruhigung weiter Kreise entstündc.Die Wirkung der neuen Handelsverträge auf die Reichsfinanzen lasse sich noch gar nicht übersehen; eine Prognose sei auch mit Rücksicht aus die schwebenden Verhandlungen mit sremdcu Staaten nicht empfehlenswert. Die Ueberzeugimg von der Notwendigkeit der geplanten Finanz- reform habe sich bei ihm mit jedem Tage verstärkt. Es komme darauf an, den Reichsctat klarer und durchsichtiger zu gestalten und aus dem Zustande der Dunkelheit und Verworrenheit heraus- zubringen. So lange man noch nicht wisse, wieviel der neue Zolltarif bringe, könne man sich nicht über neue Deckungsmittel schlüssig machen; aber man brauche deshalb noch nicht alle Steuer- Pläne fallen zu lassen. Aber ebenso gut sei auch jetzt schon eine Verbesserung des Reichshaushalts möglich; die Vorlage sei darum nicht verfrüht. Im Gegenteil, nach der Einführung des neuen Zolltarifs werde man vor andren großen Aufgaben flehen, z. B. vor einer Revision der Vereinszollgesetzgebnng, vor der Durch- sühnmg der Osx Trimborn usw. Was im einzelnen die Maischraumsteuer anlange, so stelle sich der abnehmende Ertrag dieser Steuer als ein beklagenswerter Zu- stand dar; auf die Dauer sei er unhaltbar. Schon 1902 sei erörtert worden, ob es sich nicht empföhle, auch bei einstweiligem grundsätz- lichcn Festhalten an der Maischbottichsicuer und unter thunlichster Schonung der landwirtschaftlichen Interessen der Abbröckelung dieser Steuer eine Schranke zu ziehen. Sollte sich diese Erwägung zu einem Antrage verdichten, dann werde sich die Regierung wohl da- mit befassen. Für 1904 könne man übrigens auf einen höheren Be- trag rechnen. Die Veranlagung der Bransteuer sei nach seiner Meinung auch der Verbesserung dringend bedürftig. An Vorarbeiten fehle es nicht und daS Reichsschatzamt wende der Frage andauernd seine Aufmerk- samkeit zu. Mehr könne er auch nicht sagen. Wiederholt sei die Heranziehung des StärkezuckerS zur Zucker- stcuer verlangt worden, das sei aber ohne Aendernng der ganzen Zuckersteuergesetzgebung nicht möglich; und wenn die Regierung der Frage noch nicht näher getreten sei, so befinden sie sich in lieber- cinstimmung mit der Mehrheit des Reichstages. WaS daS Bndgetrccht des Reichstags anlange, so fehle der Stegierung auch die mindeste Absicht es anzutasten. Von einer Gefährdung des Einnahmebewilligungsrechtes könne nur ge- sprochcn werden, wenn durch Beschränkung der Ueberweisungen die reichseigenen Einnahmen zur Deckung der ordentlichen AuSgabert des Reiches allein ausreichten; wenn also eine Einwirkung des Reichstages auf die Gestaltung eines beweglichen Fakwrs unmöglich gemacht würde: Davon könne aber gar keine Rede sein. Auch nach Einführung deS neuen Zolltarifes seien derartige Befürchwngen unbegründet. Denn auch später sei immer noch ein jährliches ungedecktes Deficit von 70— 100 Millionen Mark zu erwarten. Man solle nur an das Militärpenfions-Gejetz, den Servistarif, die ostasiatische Expedition usw. denken. Heber- Haupt solle man sich vor übertriebenen Vorstellungen von den Erträgnissen der neuen Zölle hüten: die Finanzzölle würden wahrscheinlich weniger bringen als bisher, über die Nahrungsmittelzölle sei bereits verfügt, und Jndusiriezölle, die ihrem eigenllichen Zweck, nämlich den: Schutze, wirksam dienten, hätten die Tendenz zil sinken. Und auf alle Fälle blieben noch die 100 Millionen Erträge der Branntweinsteuer, die überwiesen und dann durch Matrikularbeiträge wieder zurückgeholt würden, als beweglicher Faktor. Nach alledem bitte er, die Vorlage wenigstens nicht grundsätzlich ablehnen zu wollen. Er würde das Scheitern im Interesse deS Reiches bedauern, denn nicht bald würde wieder ein Schatzsekretär den Mut zu einem Neformvorschlag finden. Reformiert werden müßten aber die Reichsfinanzen, wolle man auf der abschüssigen Bahn nicht innner tiefer rutschen; die Regierung lehne dann jede Ver- antwortnng ab. Nach diesen Ausführungen trat die Kommission zunächst in eine allgemeine Diskussion der von der Regierung vorgelegten Denkschrift ein. Abg. P a a s ch e lobte die Arbeit der Regierung im allgemeinen, hatte aber im einzelnen manches daran auszusetzen; die Zusammen- stellixng der Einnahmen erscheine ihm zu pessimistisch, so z. B. die angenommene Steigerung des Ertrages der Zuckersteuer. Dagegen würden Heer und Marine wohl größere Ausgaben erheischen. Abg. Müller-Fulda legte dieBedeutung der Vorlage für die konstitutionellen Rechte des Reichstages klar und wies ans die Aeußerung des sächsischen Finanzministers hin, der schon von der Abschaffimg der Matrikular- beitrüge träume. BcmerkenSwert seien auch die Marinephantasien deS sächsischen Ministers v. Metzsch und die Deklamationen unsreS „See-Boulangers", des Generals Keim ans dem Floltenvereinstage zu Dresden. Das dort geforderte dritte Doppelgeschwader würde allein 794 Vz Millionen Mark kosten, der Marine-Etat würde auf 400 Millionen Mark jährlich anschwellen. Für eine Sanierung unsrer Reichsfinanzen gebe es nur drei Möglichkeiten: neue Steuern, Erhaltung der Beitragspflicht der Einzcfftaatcn oder Anleihen. Da- von könnte nur die Anfrcchterhaltung der Matrikularbeiträge in Frage kommen, und gerade die wolle die Vorlage abschaffen! Die konstitutionellen Rechte des Reichstages würden nicht gewahrt und das Interesse der Einzelstaaten an einer sparsamen Wirtschaft im Reiche werde bedauerlich verringert. Nachdem dann noch der sächsische Gesandte Gras v. Hohen- t h a l einige Worte zur Verteidigung der sächsischen Minister gesagt harte, begann man mit der Einzelbcsprcchnng der Denkschrift, an der sich aus der Kommission die Abgeordneten Dr. Paasche, Hug, Dr. Südekum, v. Richthofen, Speck und Dr. Arendt beteiligten. Am Donnerstag ivird die Beratung der Reformvorlage beginnen. Herr v. Stengel berichtigt. Am IL. März d. I. haben wir auf Grund des uns übermittelten Berichtes über die Verhandlungen der Budgetkommission darauf hin» gewiesen, daß der Schatzsekrctär die Durchsührnng der Lex Trimborn (Witwen- und Waisenversicherung)— ohne die Einführung neuer S r e u e r n als unmöglich bezeichnet habe. In der Sitzung der Kommission am Miittvoch hat Herr v. Stengel gegen unsre Auf- sassnng seiner Worte polemisiert und folgendes ansgeführt:„Ich habe nur gesagt, wenn die I-cx Trimborn eine Lücke in das Budget reiße und iv e n n der Etat nicht ohne Schmälerung der Reichsfinanzen balanzicrt werden könne, danu dürfe man das Manko nicht einfach ans die Einzelstaaten übertragen, sondern eS sei dann eine Ehrenpflicht des Reiches, dafür einzutreten. Ob dieser Fall eintreten wird, das habe ich vollständig dahingestellt sein lassen. Fiir die ersten Jahre handelt es sich ja überhaupt nicht um Deckung von Ausgaben, sondern um Ansammlung eines Fonds; dabei ist zweifelhaft, ob die Einzelstaaten zu einer solchen Thesau» rierung verpflichtet sind." Wir sind der Meinung, das sehr späte„Wenn" des Herrn SchatzsekrctärS fei ziemlich bedeutungslos. Und woraus man eine„Ehrenpflicht" des Reiches, das heißt der indirekt geschröpften großen VolkSmassen zur Leistung des etwa noch fehlenden Betrages ableiten will, ist unS ganz unerfindlich. Durch eine solche„Ehrenpflicht" entlastet man wieder einmal die Reichen und b e lastet die Armen. Herr v. Stengel predigt die Umkehrnng des Satzes, daß Reichtum verpflichte. Entkleiden wir seine Darlegungen ihres hypothetischen Charakters, der ihnen doch nur ans politischen Gründen wegen der„Beruhigung" gegeben wurde, dann bleibt die Thatsache bestehen, daß für die Witwen- und Waisenversicherung neue Steuern zu erwarten sind. Nichts andres hatten wir behauptet.—_ Zum Kampfe gegen Polen. Bei den jüngsten Gemeindevertreter- Wahlen in Chropnczow(Oberschlesien) siegten die polnischen Kandi- daten über die deutschen. Die Wahl der neuen Gemeindevätcr wurde jedoch vom Landrat des Kreises Benthe» nicht bestätigt, da dieselbe» nach dessen Meinung so schlecht deutsch sprechen, daß sie zur Führung der Geschäfte»ich: befähigt erscheinen. Auch in andre» ober- schlesische» Orten, in welchen Polen gewählt wurden, soll in gleicher Weise vorgegangen werden. So feiert das Deutschtum immer neue Triumphe.— Ein Kämpfer gegen den Umsturz. Aus dem Großherzogtum Sa ckisen- Weimar wird uns berichtet: Der Schriftsteller Joseph Stieb, welcher seit Jahren ein beliebter Mitarbeiter einer Anzahl Thüringer Blätter ist und durch seine verleumderischen Artikel gegen die Socialdemokratte öfters unsrem Thüringer Partei» organ Veranlassung gab, sich etwas näher mit diesem Herrn zu be- fassen, ist jetzt von der Strafkammer des Landgerichts Weimar wegen Betruges und Unterschlagung unter der Annahme mildernder Umstände zu sechs Monaten Ge- f ä n g n i s verurteilt. Wurde Stieb in gebührender Weife einmal von uns bloßgestellt, dann spielte er den Beleidigten, strengte Klage an und erklärte sich dann bereit, gegen eine„Abfindungssumme" seine Klage zurückzuziehen. Mehrere Male ist ihm dies' Manöver auch geglückt. Hoffentlich läßt sich die thüringer kapitalistische Presse auch'in der Zukunft den Herrn Stieb, der seinen Wohnsitz nach Leipzig verlegt hat, als würdige Kraft im Kampfe gegen den Umsturz nicht entgehen.—_ Einige Geständnisse. Den bekannten Erklärungen der im Kopp-Prozeß bloßgestellten Geistlichen sind einige Gegenerklärungen der betreffenden Zeugen gefolgt, die ihre Behauptungen vor Gericht vollinhaltlich auftecht er- hielten. Einige der angegriffenen Geistlichen veröffentlichen wieder Er- ilärungen in Nummer 41 der„Gazeta Katolicka", des polnischen Organs der obcrschlesischcn Geistlichkeit. Den Erklärungen geht eine Bemerkung der Redaktion voran, in der den polnischen Zeugen direkt vorgeworfen wird, daß sie vor Gericht gelogen hätten I Der Leiter der„Gazeta Katolicka" ist der bekannte Centrumsagitator Pfarrer Dr. Stephan— der Gründer und Macher des Berliner Leo-Hospizes. WaS die Erklärungen der Geistlichen selbst betrifft— so sind sie zum Teil geradezu erbauliche— Zugeständnisse. Der Kaplan Wojbok ans RoSdzin berichtigt folgendermaßen: „KoruS ist bekannt als stiller Agitator gegen die Geistlichen; deshalb konnte ich ihn zur Beichte nicht annehmen und ging zu einem andren Beichtvater, um ihn zu benachrichtigen. Dann kam Korns zu mir und fing laut an zu schimpfen; deshalb habe ich ihm gesagt, er solle aus der Kirche herausgehen." In der Gerichtsverhandlung hatte der Zeuge Piecka ausgesagt. der Kaplan Pucher hätte den Kindern gesagt, sie sollten bis auf weiteres nicht zum Kommunionsunierricht kommen, da ihre Eltern schlecht gewählt hätten. Die Erklärung des Kaplans Pucher aus Boguschütz lautet: „Was den Unterricht betrifft, so ist er deshalb im Einber- ständnis mit dem Pfarrer ausgefallen, weil bei uns die Leute und die Kinder durch die Wahlen so aufgehetzt und uiiruhig waren, dah man mit Erfolg nicht lehren konnte. Bei der Pfarrei muhten z. B. einige Tage lang die ganze Nacht hindurch Wärter stehen, um einen Angriff gegen die Pfarrei zu verhindern. Es ist also nicht unsre Schuld, sondern die des„Gornoslazak", daß der Unter- richt ausgefallen ist." Diese Erklärung ist nicht nur ein Geständnis— sie enthält ouherdem eine Verdächtigung der Anhänger des polnischen Blattes, sie wollten einen nächtlichen Angriff gegen die Pfarrei veranstalten, ohne auch nur die Spur eines Beweises vorzubringen! Prächtig ist die Erklärung des Pfarrers Bilzer aus Szymiszow, der sagt: „Ich habe meine Pflicht erfüllt und werde sie immer erfüllen, so daß ich das vor meinem Gewissen verantworten kann. Mich wegen Jan Waloszek— der Zeuge— zu entschuldigen, das der- bietet mir meine Prie st erwürbe. Was die Parochianen über ihn denien, das ist mir Garantie, daß er nicht im stände ist, mich zu beleidigen." Mit allen diesen Redewendungen ist natürlich nichts widerlegt. Wenn man solche Erklärungen liest, so versteht man, wie der „Friedensfürst" Kopp dazu gekommen ist, auf die Einstellung der drohenden weiteren Prozesse zu dringen.— Der Rückzug Bnudissins. Der Verfasser der„Erstklassigen Menschen" sendet den Zeitungen diese Mitteilung: „Auf meine diesbezügliche Bitte an die Leitung der deutsch- konservativen Fraktion des Reichstages meldete sich sofort der Herr Abgeordnete, der den mich beleidigenden Zwischenruf in der Sitzung vom 4. März gethan hatte. Nach meiner Erklärung, daß ich das Buch„Erstklassige Menschen", welches ich ausdrücklich als Roman bezeichnet habe, niemals veröffentlicht haben würde, wenn ich es vorausgesehen hätte, dah dasselbe als eine Beleidigung der ganzen deutschen Armee oder gar eines bestimmten OfsiziercorpS aufgefaßt werden könnte, hat der betreffende Herr Abgeordnete erklärt, daß er den mich beleidigenden Ausdruck nicht gebraucht haben würde, wenn ihm meine obige Auffassung bekannt ge- Wesen wäre." Nachdenl dein Grafen Baudissin mit Klage gedroht ist, ersucht er fiir seine Sittenschilderung um mildernde Umstände, da er sie „ausdrücklich als Roman" bezeichnet habe. Interessanter ist die konservative Moral, welche die Mitteilung lehrt,„Lump" rief ein konservativer Abgeordneter laut, als die Schrift im Reichstage behandelt wurde. Ein Lump ist den Konservativen derjenige, der es lvagt, gegen die Lebensart der Offiziere Kritik zu üben; über die Wahrheit oder Unwahrheit des Inhalts der Schrift konnte der Lump-Rufer nichts wissen. Der Lunip wird jedoch zurück- genommen, sobald die Erklärung erfolgt, es sei nicht ernst gemeint und nur ein Roman. Wer die Wahrheit verkündet, ist Lump. Wer flunkert, ist ein Ehrenmann. Womit allerdings andrerseits auch noch nicht bewiesen ist, daß der Roman nur Roman ist.— Cäsarcnwahnsin» überschreibt das„Berliner Tageblatt" folgende Meldung aus Söul: Der Kaiser von Korea beabsichtigt, den nieder- gebrannten Palast mit einem Kosten auf wand von fünf Millionen Den aufs prächtig st e wieder zu erbauen, trotzdem die Schatzkammern völlig geleert sind. Es müßten daher dem Volke zu diesem Zwecke schwere Steuern auferlegt werden, die das g a n z e Land ausplündern würde n. Die Ratgeber des Kaisers treten für einen bescheideneren Neubau ein. Welch' urkrästige spräche das liberale Blatt einem gekrönten Haupte gegenüber anschlägt, wenn dies gekrönte Haupt— im fernen Asien residiert! Als ob solch kostspielige LuxuSvautcn nicht auch von andren ge- krönten Häuptern aufgeführt worden wären. Wir möchten nur an Friedrich den Großen erinnern, der gerade nach dem f ieb en j ä h rig e n Kri e g, durch den das Land in der furcht- barsten Weise erschöpft worden war, das Neue Palais in Potsdam aufführen ließ. Die Baukosten für diesen ebenso pomphaften wie überflüssigen Bau werden nach niedrigster Schätzung auf 3, nach höchster Schätzung auf 11 Millionen Thaler veranschlagt, wozu noch die Millionen für die innere Ausstattung kamen. Und diese Summen tvurdcn verausgabt bei einer Gesamtausgabe des Etats von 16 Millionen Mark, wovon allein 13 Millionen auf den HeereSetat entfielen I Zieht man noch die Civilliste und die Kosten für die Regierungsvcrwaltung ab, so verbleiben für die ganze übrige Staatsverwaltung noch 1 706 000 Thaler I Bei den kostspieligen Aufwendungen fiir das Heer und Privatluxusbautcn ist es dann nicht verwunderlich, daß die den Bauern auferlegte Kontribution nicht iveniger als 33Vz bis 421/3 Proz. des Gesamtertrages der bäuerlichen Wirtschaft betrug I— Elf minder schwere Fälle— sechs Wochen Mittclarrest. Der Unteroffizier Paul Zimmermann von der 12. Eom- pagnie Regiment Nr. 04 in Jena hatte sich am Dienstag vor dem Kriegsgericht der 38. Division in Erfurt wegen S o l d a t e n- Mißhandlung in e l f F ä I l e n zu verantworten. Der An- geklagte scheint an„Gedächtnisschwäche" zu leiden, denn er will sich auf die ihm zur Last gelegten Fälle nicht genau besinnen können und in den Fällen, wo er sich besinnen kann, wollte er durch die Miß- Handlung den Geschlagenen Schmerzen nicht verursachen. In einem Falle stieß er beim Stiefelappell einem Rekruten die Stiefel .ins Gesicht» daß ihm die Augen überliefen; deniselben Manne gab er nr in bestens vier Ohrseigen, die„n i ch t sehr weh t h a t e n". Einem andren gab er eine Ohrfeige. die„etwas brannte". Der dritte Soldat erhielt zwei Schläge auf den Kopf und eine Ohrfeige, die ebenfalls brannte. Im vierten Falle wurde cincnr Rekruten der Helm verpaßt, daß ihm der Kopf weh t h a t. Weiter erhielt dieser Mann zweimal Fan st stoße in den Rücken, weil die Binde hinten zu weit vorguckte und zum Schluß Schläge mit dem Stiefelschaft, was gleichfalls „nicht sehr" weh that. Wunderbarerweise stellten die Miß- handelten und auch andre Zeugen den Angeklagten als ein e n guten Unteroffizier hin, der im Dienste sehr st r e n g sei, in der dienstfreien Zeit aber mit ihnen Karten spiele, damit die Zeit vergeht. Der Vertreter der Anklage findet, daß elf minderschwcre Fälle vorliegen, wovon zehn im Dienst begangen sind. Er beantragt sechs Wochen Mittelarrest und das Gericht erkennt demgemäß. Von einer Degradation wurde Abstand genommen, weil der Angeklagte sich im D i e n st e i f e r zu diesen Mißhandlungen habe hinreißen lassen. Neues Marinc-Nrtilleric-Geschlitz? Die tt-Korrespondenz meldet: Geheimnisvolle Artillerie-Schießübungcn finden gegenwärtig in der Elbmündung bei Curhaven statt und zwar auf dem eigens dazu von Kiel eingetroffenen Artillerie-Schulschiff„Karola", welchem zur Unter- stützung das Torpedoboot Ol III beigegeben worden ist. Zu den Schießübungen resp. Versuchen hat das Reichsmarineamt die Kor- vcttenkapitäne Bossart und Schräder, sowie den Kapitänlieutenant Thorbecke an Bord des Schulschiffes entsandt, woselbst sich auch mehrere hervorragende Marineoffiziere �anS Kiel und Wilhelmshaven befinden, lieber die Einzelheiten des Schießens soll der Oeffentlich- keit gegenüber strengstes Stillschweigen gewahrt werden. Den: Ver- nehnien nach soll es sich darum handeln, ein neues Marine-Artillerie- Geschütz resp. Geschoß auf seine Leistungsfähigkeit nuszuproben. Ehronit der Majestätsbeleidigungen. Wegen Majestätsbeleidigung stand vor dem Landgericht in Veuthen(Oberschlesien) der Ivegeil Bcttelns:c. oft bestrafte Arbeiter Traugoit Munski, der in einer Branntweinschenke den deutschen Kaiser beleidigt haben soll. Obwohl der Kreisarzt Dr. Ketteier er- klärte, der Angeklagte sei g e i st i g nicht normal, lvenn auch nicht unzurechnungsfähig in: Sinne K 51 des Strafgesetzbuches, ver- urteilte das Gericht den Beleidiger der Majestät zu zwei Monaten Gefängnis._ Aus Deutsch-Südwcstafrika liegt keinerlei neue Meldung vor. Angesichts der ganzen Lage hegt man nicht nur wegen der Abteilung Glascnapp, sondern auch wegen der im G r o o t f o n t e i n e r Bezirk Befindlichen ernste Besorgnisse. Der Berichterstatter der„Köln. Ztg." schreibt: Wenn- gleich der Distriktschef von Grooffontein, Oberlieutenant Volkmann, als ein tüchtiger Mann bekannt ist, lvenn auch Proviant genug ani Orte vorhanden war, als die Einschließung begann. so i st doch die Lage der 200 dort weilenden Flüchtlinge durchaus kritisch. Von aller Welt abgeschnitten, zu einem aufreibenden Wachtdienst genötigt, von der Sorge um die Angst ihrer Angehörigen in Europa geplagt, in unbehaglichen Lebensverhältnissen zusammengedrängt, haben sie ohne Zweifel viel zu leiden. Unter den Eingeschlossenen befinden sich der B e s i e d l u u g S k o m m i s s a r Dr. Paul R o h r b a ch und der Geometer Heimsoeth. Soviel ich V o r zwei Monaten erfahren konnte, ging es allen gut. Die Herero haben sich vernnitlich nach Süden zurückgezogen, so daß ein Angriff auf Grootfontein wohl nicht zu befürchten ist. Ausgeschlossen ist er jedoch nicht, da der Feind die Linie des Omuramba O m a t a k o gegebenenfalls zur Flucht nach der Kalahari benutzen und dann den Platz von der Seite überfallen könnte. Die Kolonne v. Estorffs sollte den Norden säubern und die Verbindung über Outjo nach Otawi und Grootfontein herstellen, eS ist jedoch infolge der Bewegungen des Feindes zu einer Schwenkung nach Süden gekonimen. Hueland. Jaurds' Zeitung. Paris, 10. April.(Eig. Ber.) Was der jaurösistischen Partei seit zwei Jahren nicht gelingen will, das ist ihrem Führer binnen drei Monaten gelungen. Der letzte Kongreß der P. S. F. in Saint- Etienne hat die Frage der Gründung eines Parteiblattes ivieder einmal dem nächsten'Kongreß überwiesen. Gleichzeitig aber ging der Parteiführer JaursS daran, auf eigne Faust ein privates Tage- blati zu gründen, nachdem er kurz vorher aus der „Pente Rspublique" ausgetreten war. Am 18. April ist die erste Nummer des von der Partei unabhängigen Organs des Partei- führers erschienen. Die in einer wirklich organisierten socialiftischen Partei undenkbare Erscheinung ist in der P. S. F. ebenso selbst- verständlich zur Thatsache geworden, wie in den bürgerlichen Parteien, deren Prcsie Privatsache der einzelnen Führer ist. JaursS Zeitung trägt den Namen„ L' H u m a u i t s"(Die Menschheit). Dieser Name soll, wie es in dem von Jaurss ver- faßten Programmartikel heißt,„genau das Ziel unsrer Partei markieren", nämlich„die von allen Socialisten angestrebte Verwirklichung der Menschheit", die heute noch nicht oder kaum existiere:„Inner- halb jeder einzelnen Nation wird die Menschheit kompromittiert und gleichsam zerbrochen durch den Klassengegensatz, durch den im- vermeidlichen Kampf zwischen der kapitalistischen Oligarchie und dem Proletariat. Einzig der SoeialiSmuS wird durch die Aufsaugung aller Klassen im gemeinschaftlichen Eigentum der Arbeitsmittel jenen Gegensatz lösen und so jede endlich mit sich selbst versöhnte Nation zu einem Teil der Menschheit machen." Auf internationalem Gebiete erstrebe desgleichen„das internattonale Proletariat die Wieder- Versöhnung aller Völker durch die universelle sociale Gerechtigkeit. Dann und nur dann wird eS wahrhaftig eine Menschheit geben, deren höhere Einheit sich wiederspiegelt in der lebendigen Mannig- faltigkeit freundschaftlicher und freier Nationen...." Die Sätze, die sich auf die sozusagen einheimische nationale Seite des„Menschheits"begriffeS bezichen, kennzeichnen jedenfalls genau JaursS' theoretische Stellung zum Klassenkampf- Während für die internattonale Socialdcmokratie der Klassenkampf der gewaltigste Faktor der geschichtlichen Entwicklung ist, erblickt in ihm Jaurss zunächst den— freilich„unvermeidlichen"— Störenfried der„Menschheit" und verkehrt ferner das Verhältnis zwischen Klassenkampf und Soeialismus ins direkte Gegenteil. Der Klassenkampf ist ihm nicht das einzige Mittel zur Verwirklichung des socialiftischen Zieles, sondern umgekehrt ist ihm der Soeialismus ein Mittel zur Beseitigung des Klassenkampfes. So wahr nun der Soeialismus den Klassenkampf nebst den Klassen abschaffen wird, so falsch und sonderbar ist eS vom Standpunkt des kämpfenden Proletariats, das Verhältnis zwischen seinem Ziel und Mittel in der JaursSschen Weise umzukrempeln. Noch keinem Feldherrn ist es je eingefallen, den Sieg seiner Armee für ein Mittel zur Beseitigung des Kriegs- zustandes zu halten und in diesem Sinne seine Soldaten aufzu- klären... Ferner verkündet der dogmenfeindliche Verfasser des Programmartikels da? Dogma der friedlichen Verwirklichung des Soeialismus: „In dem Maße, wie sich bei den Völkern und den Individuen die Demokratie und die Vernunft entwickeln, wird die Geschichte der Gewaltanwendung enthoben." Aus dem sonstigen Inhalt des Artikels sei folgendes hervor- gehoben: das Versprechen, bei aller entschiedenen Verteidigung des eignen taktischen Standpunktes„giftige Polemiken" zu vermeiden und die Bemühungen der Socialisten aller Richtungen zu fördern, ausgenommen einzelne Gruppen, die etwa„durch sektiererische Leiden- schaft sich hinreißen lassen sollten, die Geschäfte der Konterrevolution zu besorgen": solche Gruppen sollen„mit Festigkeit bekämpft werden"; das Bestreben, mit allen Formen der Arbeiterbewegung in steter Fühlung zu bleiben, sowie in jeder Beziehung für eine genaue und wahrhaftige Berichterstattung zu sorgen:„Die große socialistische und proletarische Sache bedarf weder der Lüge, noch der halben Lüge, noch der tendenziösen Berichterstattung, noch der übertriebenen oder verstümmelten Nachrichten, noch eines schiefen oder ver- lenmderischen Verfahrens. Sie bedarf weder der ungerechten Herab- sctzung und Erniedrigung der Gegner, noch der Verstümmelung der Thatsachen...." In diesen Worten kennzeichnet JaursS negativ die in der französischen Presse allzu verbreiteten Unsitten, die freilich auch anderwärts zu Hause sind. Soweit die ersten ztvei Nummern der„Humanitt" ein Urteil zulassen, unterscheidet sich die neue Zeitung inhaltlich allerdings sehr vorteilhaft von dem bisher hier verbreiteten Typus der billigen Presse, von Clemcnceaus„Aurore" abgesehen. Sie ist ernstlicher, sachlicher, gehaltreicher und belehrender. Vielleicht aber erscheint sie eben deshalb dem an leichten, oberflächlichen und sensationellen Stoff gewöhnten großen Publikum etwas langiveilig. Der Redaktions- und Mitarbeiterstab der„Humanits" ist sehr zahlreich und weist alle glänzenden Namen und tüchtigeren Kräfte des ministeriellen Soeialismus auf: Briand, Pressensch Viviani. Fournisre u. a. Auch Allemane, dessen Revolutionarismus freilich seit langem bereits durch einen waschechten MinisterialismuS abgelöst worden ist, zählt zum Redaktionsstab. ebenso wie der marxistisch gesinnte ReVelin, der nach dem Saint-Etienne-Kongreß sich der P. S. F. ivieder angeschlossen hat. Einen großen Raum wird in der „Humanits" die auswärtige Polittk einnehmen. Sie wird von fünf Redakteuren behandelt werden: von Pressensch dem gründlichen Kenner der auswärtigen Politik, der lange Jahre dieselbe im„Tenips" redigierte, von Lucicn Herr, Charles Andler. Jean Longuet und Remy. Eine Neuheit in der französischen Presse, zumal in ber billigen, ist die Anstellung ständiger auswärtiger Korrespondenten in den wichtigsten Ländern: ReichstagS-Abgeordneter Dr. Südekum für Deutschland, Beer für England, Friedrich Hertz fiir Oestreich- Ungarn, Abg. Fournsmont für Belgien, Abg. Bissolati für Italien, Kantonsrat Sigg-Genf fiir die Schweiz. Unter den litterarischen Mitarbeitern glänzen die Namen von Anatole France, der für das Feuilleton ein neues Werk:„Auf dem weißen Stein", philosophische Gespräche, geschrieben hat, ferner von Octave Mirbean, Abel Hermaitt, Gustave Geffroy u. a. m. Finanziell ist die„Humanits" von jeder Kapitalistengruppe un« abhängig. Das freilich noch ungenügende Gründungskapital ist n» relativ kleineren Beträgen aufgebracht worden. Die Redaktton fft. wie Jaurss schreibt, auch vor jedem Druck seitens der Aktieninhaber gesichert.. Gelingt es der neuen Zeitung, beim großen Publikum Cnngang zu finden und so ihre Existenz zu sichern, so wird der ministerielle Soeialismus in ihr eine äußerst wirksame Waffe gewinnen. Schweiz. Ans der Bundcsversammlunz. Bern, 18. April.(Eig. Ber.) Die Frühjahrssession der Bundes« Versammlung ist nach 14 tägiger Dauer wieder geschlossen worden. Der Nationalrat hat zum Schlüsse noch die Vorlage betreffend die Neuordnung der Feldartillerie angenommen, die nun neue T'/a Centimcter-Gcschütze erhält, mit denen, lvie erklärt wurde, die Schweiz das beste Geschütz der Gegenwart erhält und für die schon früher ein 20 Millionen-Kredit bewilligt wurde. Im Nattonal- rat interpellierte Greulich in Gemeinschaft mit seinen Fraktions- genossen und bürgerlichen Abgeordneten den Bundesrat über seine Stellung zu dem Begehren einer Bundessubvention an dieKantone unter Freigabe der Verwendung fiir die K r a n k e n g e I d V e r s i ch e r u n g oder für die unentgeltliche Krankenpflege oder für beide zugleich. Greulich begründete seine Interpellation durch eine lange vortreffliche Rede. Bundesrat Deucher erklärte in seiner Antwort die Forderung nach Staatsärzten für undurchführbar. Die Frage der unentgeltlichen Krankenpflege wolle der Bundesrat objekttv und wohlwollend prüfen. Bundesrat Forrer, der„starke Mann" der Bundesregierung, erklärte in semer Rede unter anderm an der Beitragspflicht der Unternehmer gegenüber der Krankenversicherung festzuhalten, das heißt, auch an dem Recht der Unternehmer zur Selbstvertvaltnng. Eine solche Schmälerung ihrer Selbstverwaltung lassen sich die Arbeiter aber nicht gefallen, darum haben sie 1000 die Versicherungsvorlagen verworfen und aus diesem Grunde werden sie jede neue Vorlage, die derartiges enthält, verwerfen. Daran wird Herr Forrer immer scheitern. Der Ständcrat hat in Sachen des Gesetzes betreffend die Arbeitszeitverkürzung an den Vorabenden V o n S o n n- u n d Festtagen den verschlechternden Abänderungsbeschlüssen des Nationalrates insofern zugestimmt, als er die Bestimmung, daß an diesen Tagen am Morgen mit der Arbeit nicht früher begonnen werden darf, als an den übrigen Wochentagen, fallen ließ. Da- gegen hat er beschlossen, an dem Verbot des Mitnachhause- gebens von Arbeit nach der Fabrikarbeit für alle Wochen« tage, also allgemein zu verbieten, festzuhalten, während der Nationalrat' dieses Verbot auf den Sonnabend zu beschränken beschlossen hat. Es besteht also zwischen beiden Häusern noch eine erhebliche Differenz, die der Nationalrat vor Sessions- schluß nicht mehr erledigt hat. Er wird sich damit in der nächsten Jnni-Session zu beschäftigen haben. Erwähnenswert ist, daß der katholische Socialpolitiker Dr. Decurttus, der auf dem 1807 in Zürich abgehaltenen internationalen Arbeiterschutzkongreß ein dramatisch bewegtes Rededuell mit unsrer Genossin Zetkin über die Abschaffung der Hausindustrie hatte, im Nationalrat das genannte Verbot eben- falls bekämpfte, aus„formellen" Gründen, weil es nicht in dieses Gesetz gehöre. Ein andermal wird er eben andre„Gründe" haben. die verelendende Hausindustrie auS reakttonären, kirchlich-politischcn Gesichtspunkten zu beschützen.— c Dänemark. Die Bemannung der Festung Kopenhagen. Der Gesetzentwurf des Kriegsministers, wonach 360 Jnfantcrierekrutcn auf die Seeforts übergeführt werden sollen, lvurde am Montag in zweiter und dritter Lesung vom Folkething angenommen. Dagegen stimmten außer den Socialdemokraten neun Liberale, einige andre Liberale waren abwesend, so daß ebenso viele Mitglieder der Linkenpartei wie bei der Interpellation über die Rüstungen den Kriegsminister nicht unterstützten, aber mit den: Unterschiede, daß ein Teil davon jetzt gegen ihn stimmte. Vor der Abstimmung fühlte sich der liberale Wortführer Zahle veranlaßt, nochmals eine höchst überflüssige Frage an den Minister zu richten, nämlich die: ob nach Annahme des Gesetzes die durch außerordentliche Order einberufene Mann- schaften auch wirklich entlassen werden sollten. Nachdem der Minister mit„Ja" antwortete, war da? Gewissen Zahles vollkommen beruhigt, so daß er unverzagt für die Bemannung der einst von seiner Partei so heftig bekämpften Festung stimmte.— Amerika. Streikunrnhen. In der im Kohlenbezirk belegenen Stadt G a r r e t t(Pennsylvanien) ist es nach dem„W. T. B." zu großen Ausschreitungen im Ausstande befindlicher bewaffneter Grubenarbeiter gekommen. Ein großes Polizei-Anfgebot ist nach Garrett abgegangen, da man befürchtet, daß es zu einem Kampfe zwischen den Ausständigen und den Nicht-Gewerkschaftlern kommen würde. Bereits sind zahlreiche Schüsse geivechselt worden. Ein Arbeiterwohnhaus ist niedergebrannt worden. Hierbei ist die Frau eines Grubenarbeiters mit ihren fünf Kindern umS Leben gekommen. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Ueber den Untergang der„PctropawlowSk" berichten Augenzeugen: Als sich die„Petropawlowsk" an die Spitze der in Schlachtkolonne aufgestellten Schiffe stellte, zeigte sich auf ihr ein Rauchwölkchen. Eine schwache Detonation erfolgte, ivorauf zwischen den Schornsteinen eine Rauchsäule und eine riesige Flamme aufstieg. Es erfolgte eine zweite stärkere Explosion. Das Hinterteil des Panzerschiffes hob sich über den: Wasserspiegel empor, die Schrauben arbeiteten, sodann ver- sank das Hinterteil rasch im Wasser. Fast in demselben Augenblick sank das Schiff in die Tiefe. Nach einer Mitteilung des geretteten Midshipman Jakowlew war die Kommandobrücke, auf der er stand, unter Wasser, che man noch einen Gedanken an Rettung fassen konnte. Alle auf der andren Seite der Brücke Stehenden, darunter auch Vice-Adnnral Makarotv, kamen, offenbar durch die Explosion verwundet, um. Die Katastrophe dauerte nicht länger als zwei Minuten, doch gelang einem Amateur eine Photo- graphische Anftrahme. Die in der Nähe befindlichen Torpedo- boote und das Kanonenboot„Gaidamrk" eilten zur Rettung der Mannschaft herbei. Das Ereignis erschütterte alle furchtbar. Die Trauerknnde durchflog die Stadt, alle eilten an den Hafen, niemand wollte an den Untergang Makarows glauben, alle hofften, daß er gerettet wäre. Viele behaupteten, daß am 15. April bei Port Arthur ein japanischer Kreuzer untergegangen sei und daß die„Kasuga" und die„Nisshin" durch das indirekte Feuer am 15. April über der Wasserlinie beschädigt worden seien. Nagasaki, 20. April. Die japanische Flotte hat 3 Kontakt-Minen, die sie 40 Seemeilen vom Schantung-Vorgebirge entfernt auf See treibend gefunden, zerstört. Die patriotische Brandschatzung. Wir haben bereits zahlreiche Illustrationen der eigentümlichen Methoden angeführt, womit die zarische Regierung ihre geliebten Unterthanen für den Kriegsfonds ausplündert. ES gehört ja sonst zu den lieblichen Praktiken des Militarismus, daß während des Krieges die materiellen Mittel des Lande? durch Erhöhung der Steuern, durch Einführung neuer außerordentlicher Geldquellen, durch innere Anleihen und dergleichen aufs äußerste erschöpft werden. Aber eine solche Allerwelts-Bettelei und zwar ein so kleinliches und brutales Kopeken-Sammeln und-Schröpfen, wie es gegenwärttg in dem heiligen Rußland in enormem Maßstab gettieben wird, ist wohl noch nie erlebt worden. Die kleinen Beamten und Privatangestellten, die Jndustrie-Arbeiter müssen sich natürlich nach gelindem Protest die patriotischen Daumenschrauben gefallen lassen, weil die Hunger- peitsche— die Dienstentlassung— sofort als überzeugendes Argument ins Feld geführt wird. Nicht so die Bauern. Diese„anti- kollektivistischen Schädel" wollen es partout nicht verstehen, daß sie mit dem Väterchen und seinen Mandschurei-Kriegern ihre Sparpfennige teilen sollen. Und da giebt es bei der Eintreibung von patriotischen Spenden allerhand teils ernste, teils heitere Händel. So wird jetzt z. B. in dem ganzen Lubliner Distrikt längs der Weichsel von den Dorfgemeinden ein hartnäckiger Krieg mit den Behörden um die abgepreßten Spenden geführt. In der Gemeinde G o l o m b haben die Bauern jede Beisteuer zum Kriegsfonds rundweg abgelehnt. Die Folge war: der Gemeinde- Aclteste wurde verhaftet und der Schreiber entlassen. In B a r a n o!v wurden Haus- suchungen vorgenommen. In andern Gemeinden gaben die Bauern auf die Aufforderung der Behörden zu Sann»- lungen die Antwort:„Der Zar sei ja ohnehin sehr reich, der habe genug, um seine Bedürfnisse aus eignen Mitteln zu decken." Die beste Antwort wurde jedoch iin Namen der Gemeinde in P u I a w y lin offiziell russischer Geographie Mexandrien) gegeben; nachdem sich der Kreishauptmann alle Mühe gegeben, um"hier den Bauern klar zu machen, daß die Regierung Ivirklich für den Krieg Geld brauche. antwortete ihm ein Bauer laut:„Wenn ich kein Geld habe, fahre ich nicht zum Jahrmarkt." Diese einfache Bauern- und Menschenlogik erwies sich aber als gänzlich unwirksam gegenüber der höheren Logik der zarischen Regierung. Um die Bauern zu belehren, wie man„zum Jahrmarkt fährt", wenn man auch kein— wenigstens kein eignes— Geld hat, nehmen die Behörden überall gewaltsam aus den Gemein dekassen Baucrngeld heraus und notieren cS als„freiwillige patriotische spenden deS begeisterten Volkes".... Postverkehr mit Ostasien unterbrochen. Offiziell wird im russischen„RcgicrungSboten" kundgegeben, daß der internationale Postverkehr mit Ostasien auf unbestimmte Zeit suspendiert wurde. DieS mag jetzt zur Erklärung dienen, weshalb Briefe ans Deutsch- land auch nach dem östlichen Sibirien in der letzten Zeit unbeant- wortet blieben. Ucbrigens wird höchstwahrscheinlich mich mit der Jnlandskorrespondcnz aus dem europäischen Rußland nach Sibirien von der russischen Post nicht viel Federlesens gemacht.— Soziales. Die Freiheit der Spiunstube. Sogenannte Spinnstubeu-Zusanimenkünfte von Männlein und Weiblein haben sich noch in einigen Gegenden Deutschlands erhalten, wobei allerdings nicht mehr gesponnen wird. In einem rheinischen Dorfe schritt die hochwohllöbliche Polizei aus„Gründen der Sittlich- keit" dagegen ein, indein sie fiir die in Privathäuscrn stattfindenden Zusammenkünfte eine Polizeistunde und zwar auf 11 Uhr abends sestsetzte. In einem Strafverfahren gegen eine große Anzahl spinn- lustiger Buben und Mägdelein hat nun jetzt das Kammergericht auf Freisprechung erkannt und die betreffende Polizeiverordnung für ungültig erklärt. Im PolizeiverwaltungS-Gcsetz lasse sich absolut keine Vorschrift entdecken, die die Verordnung stützen könnte. Klus Industrie und Kandel. Preußische Scchandluug. Der Finanzminister und der Minister des Innern haben, wie die„N. Pol. Korrespondenz" mitteilt, diS ihrer Aufsicht unter- stehenden Behörden an eine Kabinettsordcr vom Jahre 1820 erinnern lassen, nach welcher alle im Jnlande für Rechnung deS Staates, dessen Kassen und Institute vorfallenden Geldgeschäfte, bei denen eine laufmännische Mitwirkung nicht entbehrt werden kann, ohne Unter- schied durch die Seehandlung zu besorgen sind. Zugleich weist der Erlaß auf die Ermäßigung der Provisionssätze der Seehandlung so- wie auf die Einrichtung von Safes bei diesem Institute hin. An der Börse wollte man heute auch wissen, daß eine Vermehrung des Grundkapitals der Seehandlung bevorstehe, und zwar eine sehr bc- trächtliche. Das zur Zeit 34 Millionen Mark betragende Grund- kapital soll nämlich um ca. S0 Millionen Mark erhöht werden. Der alte Konkurrenzstreit zwischen der Seehandlung und den großen Privatbanken schien fast schon gänzlich eingeschlafen zu sein; vielleicht erleben wir nun doch noch eine kleine Neuauflage des alten Haders, wenn auch kaum mehr als einen schwachen Wiederhall des in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts tobenden Konkurrenzstreitcs. denn inzwischen hat sich denn doch die Position der großen Bankgesellschaften dermaßen gehoben, daß sie heute der Seehandlung ganz anders gegenüberstehen Ivie vor etwa drei, vier Jahrzehnten. Damals wurde die Seehaudlung, da sie den Privatbanken durch ihre Geschüftspolitik manches profitable Geschäft verdarb, nicht nur oft in der liberalen Börsenpresse, sondern auch im preußischen Abgeordnetenhause von den parlamentarischen Kommis der Bankfirmen heftig angegriffen, bis sie sich schließlich unter Camphausens Ministerherrschaft während der siebziger Gründer- jähre die volle Zuftiedenheit der Gründer und Grllnderbankcn zu erwerben verstand._ Die deutsche Rohciseuproduktion für das erste Quartal deS laufenden Jahres übertrifft nach den Ernnttelungcn des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller die Erzeugung des ersten Vierteljahres 1903 um mehr als 70 000 Tonnen. Produziert wurden nämlich in den letzten drei Monaten 2 481 853 Tonnen gegen 2 391 032 Tonnen im gleichen Zeitraum deS Vorjahres. An dieser Zunahme ist jedoch der letzte Märzmonat nicht beteiligt. Er lieferte nur 350 340 Tonnen gegen 854 144 im März 1903; darunter befanden sich Gießerci-Roheiscn 146 726 Tonnen, Bessemer-Roheisen 41 681 Tonnen, Thomas-Rohciscn 535 901 Tonnen. Stahl- und Spiegeleisen 52 684 Tonnen und Puddel-Rohcisen 73 348 Tonnen. Die Produktion im Februar 1904 betrug 780 460 Tonnen, im März 1903 854144 Tonnen. Zur Lage der Krcfelder Seiden- und Samuictindustrie. Die un- günstige Lage der Krefelder Sammet- und Seidenindustrie hat die dortigen Fabrikanten veranlaßt, Erhebungen darüber anzustellen, wie hoch sich in den beiden letzten Jahren ihr Gesamtabsatz belaufen hat. Die Statistik ergiebt fiir das Jahr 1903 einen Rückgang von ca. 2Vz Millionen Mark. Während im Jahre 1902 der Umschlag 82 557 348 M. betrug, sind im vergangenen Jahre nur für 79972785 Mark Fabrikate verkauft tvorden. Das Geschäft mit Deutschland hat sich, dem Werte nach, um ca. l'/z Millionen Mark verringert, doch ist an dieser Verminderung nur das Seidenstoff-Geschäft beteiligt, tvährend der Umschlag in Sammetwaren mit Deutschland um über 400 000 M. zugenommen hat. Der Umschlag in Sanmietlvaren ist, der Wertziffer nach, uni 584 010 M. gesunken und zwar von 22 728 831 im Jahre 1902 auf 22 144 821 M. im Berichtsjahr. Dem entsprechend hat sich die durch- schnittliche Zahl der beschäftigten Handstühle für Sammet und Sammetgewcbe um 82, die der beschäftigten mechanischen Stühle um 117 vermindert.— Die Umschlagsziffer fiir die ganz- und halb- seidenen Stoffe ist von 59 828 517 M. im Jahre 1902 auf 57 827 964 M. im Berichtsjahre, also um 2 000 553 M. zurückgegangen. Es hat sich dabei nicht nur die Zahl der beschäftigten Handstühle in Stoffen um 847, sondern auch die der beschäftigten mechanischen Stoffstühlc um 154 verringert. Zeche»- Dementis. Die nicht nur unter den Bergarbeitern, sondern auch unter dem Kleinbürgertum des Ruhrrcviers um sich greifende Erregung scheint den Zechenverwaltungen doch unangenehmer zu sein, als sie zugeben wollen, denn sie halten cS fast überall fiir .angebracht, zu erklären, daß die angekauften Zechen vorerst noch -nicht stillgelegt werden sollen. Nach einer Meldung auS Dortmund hat dort die Direktion der„Union" erklärt, daß die Zeche „Glückauf- Tiefbau" keineswegs stillgelegt werden solle. Auch die Stillleguug der Zeche„Julius Philipp" wird dementiert. WaS diese Erklärungen wert sind, zeigt eine in Stiepel(bei Witten) abgehaltene Versammlung, in welcher der dortige Gemeindevorsteher Thiehoff versicherte, daß man auf„Julius Philipp" die Pfeiler der Grundstreckcn abbaue und sie dann zuschütte, tvährend die Strecken ineinander geschossen würden. Dadurch werde bewirkt, daß die Zeche niemals wieder in Betrieb genommen werden könnte. Einige BcrgwerkSgesellschaften behelfen sich in andrer Weise. So begründet z. B. die Hibernia, wie uns aus Essen gemeldet wird, ihre Betriebseinschränkung auf der angekauften Zeche Alstaden damit, daß das Förderseil defekt sei. Und auf der Zeche„Fröhliche Morgen- sonne" kann deshalb nicht voll gearbeitet werden, weil es plötzlich am Absatz fehlt. Gründe billiger als Brombeeren. Die Rnbenziickcr-Prodnktion macht seit einigen Jahren in der nordamerikanischen Union bedeutende Fortschritte. Nach den An- gaben der amerikanischen Handelspresse betrug in der beendeten Rübenzucker- Campagne 1903/04 die Gesamtproduktion 203 135 Tonnen gegen 195 463 Tonnen in der vorhergehenden Saison, eine §unahme um 12 672 Tonnen. Es wurden in der Saison neun neue abriken cröffnet, wodurch sich die Gesamtziffer auf 53 erhöht, gegen 44 in der Saison 1902/03. Californien steht an der Spitze der Rübenzucker produzierenden Staaten und zwar infolge der Leistungs- fähigkcit der Claus Sprcckelfchcn Fabriken. Denn trotzdem ge- nannter Staat nur sieben Fabriken aufweist, haben dieselben doch im letzten Jahre 60 608 Tonnen Rübenzucker geliefert, gegen- über einer Ausbeute der in Michigan vorhandenen zwanzig Fabriken von 57 064 Tonnen gegen 48 879 Tonnen in 1902/03. In letztgenanntem Staate hat sich die Zahl der Fabriken während letzter Saison um vier vermehrt. Auch Colorado wies in der Campagne mehr Rübenzucker- Fabriken auf, als Californien, nämlich 8. Es hat 39 566 Tonnen produciert. Dann folgen Utah mit 7 Fabriken und einer Produktion von 20 670 Tonnen, Nebraska mit drei, New Dork mit zwei, sowie Wisconsin, Ohio, Minnesota, Oregon, Washington und Idaho mit je einer Fabrik. Das Resultat wäre noch befriedigender geloesen, wäre nicht ein Teil der Rübensaat in Michigan durch heftigen Regenfall im September und darauf folgendes Frostwetter zerstört worden. Die im Bau begriffenen Fabriken in Mount Pleasant und Charlevoip, Michigan, sowie Phoenix, Arizona, wurden in letzter Saison nicht vollendet. Für die kommende Saison ist mit dem Ban von Fabriken in Sugar City, Idaho und Chippewa Falls, Wisconsin, begonnen worden. In der Campagne 1901/02 belief sich die Rüben- zucker-Produktion der Vereinigten Staaten aus 163 126 und in 1900/01 auf 76 859 Tonnen._ Versammlungen. Die Generalversammlung des WahlverciuS für den 1. Kreis tagte am Dienstagabend in der Fischerstr. 25. Aus dem Kassen- bericht ergiebt sich, daß in der Berichtsperiode(seit Dezember) den Einnahmen von 1202,99 M. die Ausgaben mit 658.70 M. gegen- überstanden. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt und be- schlössen, von dem Bestand 300 M. an den Vertrauensmann zu iiberwcisen. Auf Antrag des Vorstandes wurde beschlossen, daß die Zahlabcude jeden zweiten Mittwoch im Monat stattzufinden haben. Gegen zwei Stimmen wurde beschlossen, drei Mitglieder des Wahl- Vereins, die an der Landtagswahl nicht teilgcnommcn haben und auf Ersuchen keine Ausklärung hierüber gaben, aus dem Verein aus- zuschließen. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde einstimmig be- schloffen, den bisherigen Vorstand weiter wirken zu lassen. Es folgte das Referat des Genossen Julius K a l i s k i über: „Die politische Macht". Die Frage der politischen Macht— führte der Referent aus— ist eine der wichtigsten, die das Proletariat be- schästigen. Die Besetzung der Mehrheit der Mandate im Reichstage oder im Landtage bedeutet noch nicht de» Besitz der politischen Macht — es gehört dazu der ausschlaggebende Einfluß auf die Verwaltung, die Justiz und das Heer. Selbst vernünftige socialpolitische Gesetze können durch die Thätigkeit der Verwaltung und der Justiz un- wirksam gemacht werden. In Deutschland haben wir ein schreiendes Mißverhältnis zloischen der wirtschaftlichen Bedeutung des Prole- tariats und dessen thatsächlichen Macht. In«nsrer Partei sind Strömungen vorhanden, die glauben, das Proletariat könne vor Besitzergreifung der politischen Macht einen wirklichen Einfluß aus- üben; die Mittel, die hierfür empfohlen wurden, waren unter andcrm: das Zusammengehen mit den sogenannten liberalen Parteien, die R n r gewerkschaftspolitik, die Ucbcrschätzung des Äonsumvercinswesens und der Ministerialismns. Nach der bis- herigen Entwicklung in Deutschland ist der Gedanke einer bürgerlichen Demokratie eine Utopie geworden. Ich bin überzeugt, daß es heute selbst den einilußreichsrcn Genossen in der Partei nicht gelingen würde, die Gcsamrpartei zu bewegen, bei Stichivahlcn für einen so- gcnemntcn Freisinnigen einzutreten. So karni von einem Zusammengehen mit der bürgerlichen Linken nicht mehr die Rede sein. ES gab iil unsrer Partei Leute, die selbst in der lächerlichen Frage der Be- sctzung dcS Vicepräfidcntenpostcns ein Mittel sahen, nnsre wirkliche Macht zu vergrößern. Tic N u r gciocrkschaftSpolitik hat in de» großen Kreisen der Gewerkschaftler selbst keinen Anklang gefunden. Die Konsumvereine, die an sich nützliche Institutionen sein können, kommen aber für den Befreiungskampf des Proletariats selbst gar nicht in Betracht. Es ist unmöglich, mir den Konsumvereinen den Kampf gegen den Kapitalismus selbst aufzunehmen. In Berlin z. B. ist der verhältnismäßig geringe Aufschwung der Konsumvereine durch daS Vorhandensein der großkapitalistischen Konkurrenz der Warenhäuser zu erklären. Dem Miniflerialismus stand die deutsche Socialdemokratie in ihrer großen Mehrheit von Anfang an feindlich gegenüber. In Frankreich hat der MinisterialiSmus Schiffbruch ge- litten. Socialdemokraten haben im französischen Parlament selbst bei direkt arbeiterfeindlichen Maßregeln dem Ministe« um zu- gestimmt, nur, um Herrn Millerand im Amt zu erhalten. In Eng- laud haben die in den Ministerielt sitzenden Vertreter der Arbeiter nichts weniger als Arbeiterpolitik getrieben. In Deutschland steht die politische Entwicklung weit zurück hinter der wirtschaftlichen. Die Zahl der selbständigen Existenzen wird immer kleiner— damit auch die Zahl der an der Erhaltung des Kapitalismus Interessierten immer geringer. Die Reakrion erhebt drohend ihr Haupt. Statt des Zuchthaus g c s e tz e s haben wir die Zuchthaus urteile. die Verurteilungen wegen Streikvergehcn, Crimmitschau. Das Reichötags-Wahkrccht wird bedroht. Angesichts dieser Zuspitzung der Klassengegensätze auf wirffchaftlichem und politischem Gebiete müssen wir„aussprechen das, was ist". Die Frage, w i e wir die politische Macht erobern werden, läßt sich so rund und nett nicht beantworten. Wir haben für eine Geschlossenheit der proletarischen Masse zu sorgen, im Sinne der proletarischen Klassenpolitik zu agitieren und zu organisieren. Die Socialdcmo- kratie muß auf alles gerüstet sein, sie muh in den proletarischen Massen das Kampfbewußtsein wachhalten, das Bewußtsein der Solidarirät der Interessen des Proletariats, für die man mit und gegen die bürgerliche Gesellschaft den Kampf führen muß. (Lebhafter Beifall.) Eine Diskussion fand nicht statt und der Vorsitzcno«! konstatitert das Einverständnis der Versammlung nnt den Ausführungen des Referenten. Mit einigen Abschiedswortcn an den Genossen Kaliski, der in diesen Tagen seine Gefängnisstrafe antritt, schloß der Vor- sitzende die sehr gut besuchte Versammlung. Der socialdemokratische Wahlvrrcin für den zweiten Berliner Reichstags-Wohlkreis hielt am 19. April im Habelscben Saal, Berg- manirstraße 5/7, eine Versammlung ab. Genosse Bartels hielt einen Vortrag über die Entwickelung des Socialiömus von der Utopie zur Wissenschaft. Der Vortragende, der das gestellte Thema gemeinverständlich und lebendig behandelte, erntete reichen Beifall. Er verwies zum Schluß darauf, daß es jetzt darauf ankomme, die drei Millionen, die für uns gestimmt haben, zu drei Millionen Kämpfern zu erziehen.— Genosse H e n s c l und der Vorsitzende, Genosse Werner pflichteten dem Referenten bei und teilten mit, daß der Wahlverein in dieser Richtung durch Ver- anstaltung entsprechender Vortragsabende wirken will. Zunächst lverde Genosse Bartels noch zwei Vorträge hakten, die als Fort- sctzung des eben gehörten gedacht seien: einen über Karl Marx' ökonomische Lehren und einen über das socialdemokratische Pro- gramm.— R a n t m a n n regte an, die Genossen möchten sich die jür 10 Pf. in der Buchhandlung erhältliche Schrift Schoenlanks und Kantskys über das Programm zulegen und bis zu dem über- nächsten Vortrag durchgehen, damit sich eine ersprießliche Diskussion daran schließe. Der Fachvercin der MuMustrumenten-Arteiter hielt am 18. April eine Generalversammlung ab. Honsel gab die Abrechnung vom 1. Quartal. Einer Einnahme von 2366,95 M. stand eine Ausgabe von 1446,50 M. gegenüber, so daß ein Ueberschuß von 1420,45 Di. zu verzeichnen loar. Das Gesamtvermögcn beträgt 5941,16 Mark. Sodann berichtete K a m e n t s als Delegierter sehr ein- gehend über den Heimarbeiterschutz- Kongreß. Ganz besonders habe die Ausstellung der Produkte der Heimarbeit gezeigt, in welch schändlicher Weise die Ausbeutung der Heimarbeiter betrieben werde. So werde z. B. gezahlt für einen Knabenanzug 75 Pf. Arbeitslohn, die Gesamtkosten betragen 2,88 M.» der Ladenpreis— 8 M. Redner bedauerte, daß man dein Bürgertum ein zu großes Eickgegenkommen gezeigt habe in Betreff Ausschmückung des Lokales. Das Symbol der nach Freiheit strebenden Arbeiter, die rote Fahne, habe man gänzlich vermißt. Erfreulich sei es gewesen, daß die Frauen Lily Braun, Zetliu, Zieh betonten, daß die Heimarbeit imr im Zeichen des SocialiSmus verschwinden werde. Am 1, Mai findet eine Versammlung bei Graumann statt. Letzte Nadmebten und vepelcben Ungarisches Abgeordnetenhaus. Budapest, 20. April.(W. T. B.)(Fortsetzung.) Mxmster- Präsident Graf T i S z a erklärte nni Bezug auf den Eisenbahner- streik, die Regierung sei hinsichtlich der Gehaltsaufbesserung der Eisenbahn- Beamten bis zu der äußersten Grenze gegangen, so daß die übrigen Staatsbeamten Grund härten, diese glücklicheren Kollegen zir beneiden. Die Eisenbahnbeamten irrten, lvenn sie meinten, durch den Ausstand mehr zu erreichen, als gewährt worden sei: man könne gar nicht von einem Ausstande sprechen, da die Eisenbahnbeancken die Dienstpflicht verletzt hätten, die sie mit ihrem Eide gelobt haben. Der Ministerpräsident erklärte weiter, man könne eigentlich nur den Anstiftern und Agitatoren grollen, die sich hinter der verleiteten Menge verkriechen und sich ans eine Solidarität berufen, deren Hauptelemente die Leichtgläubigkeit der Menge und die Feigheit der Anstifter bilden.(Beifall rechts. Unruhe links.) Die Re» gieruug hält den Weg offen für diejenigen, die auf den Weg der Pflicht zurückkehren wollten, sie wolle den Schleier deS Ver- aesscns über das Geschehene vreiteu. Falls die Streikenden die Arbeit nicht ausnehmen, so würde der Betrieb, mit welchen Mitteln auch immer, weint gleich anfänglich im beschränkten Umfange, ab- gewickelt werden.(Beifall.)_ Englisches Unterhaus. London, 20. April. Mittwoch, denW. April 1904, 1 Uhr. Am Bundesratstische: v. E i n e m. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Besprechung der Interpellation des Grafen Oriola, betr. Vorlegung der Militär- pensions-Gesetzent würfe. Abg. Wincklcr: Nichts liegt uns ferner, als aus der ostasiatischen Brigade eine ständige Einrichtung zu machen, aber der Zeitpunkt für ihre vollständige Auflösung und vollständige Rück- berufuug aller Truppen kommt nur allmählich und kann nicht plötzlich mit Gewalt herbeigeführt werden. Die Truppen hatten ursprünglich die Aufgabe, die deutsche Ehre im fernen Osten zu wahren. Ich freue mich, daß sie diese Aufgabe in glänzender Weise gelöst haben, insbesondere schulden wir dem Grafen Walder see großen Dank, seine Thaten sind dauernd in die Annalen der Geschichte eingezeichnet. Jetzt hat unsre ostasiatische Brigade andre Aufgabe» zu erfüllen. Sie muß die chinesische Verwaltung stärken, zu ver- hindern suchen, daß der Krieg zivischen Rußland und Japan über den lokalen Bereich hinausgeht und einer etwaigen Wiederholung der Unruhen verbeugen. Wir müssen sie aber nicht nur aufrecht erhalten, sondern auch mit den nötigen Mitteln zu einer energischen Wirksamkeit ausstatten, zumal die Forderungen, um die es sich handelt, von einer sehr geringen finanziellen Bedeutung sind. Redner erläutert dann die einzelnen konservativen Anträge und schließt mit der Bitte, die Regierungs- Vorlage wieder herzustellen.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Siidclum(Soc.): Wenn man diesen Etat sieht, so sollte man nicht glauben, daß wir uns in einer Zeit der Finanzklnnme befinden. Es werden uns 13 Millionen Mark zugemutet, die mit außerordentlichen Deckungs- Mitteln bestritten, d. h. die Schuld des Reiches vermehren sollen. Auch im einzelnen sind die Positionen des Etats so reichlich und luxuriös und aus dem v o l l e n a u s g e st a t t e t. als ob wir in der Zeit des größten Ucberflusses unS befänden und kaum die Regierung erwarten könnte, etwas von dem überflüssigen Gclde unterzubringen. Wir halten es nicht nur für angängig, sondern auch für notwendig, die ostasiatischc Brigade sobald wie möglich aufzu- löse» und nach Hanse zuriickziiziche». Das Problem im fernen Osten hat der Vorredner sehr richtig dargestellt, eS ist die Aufrechterhaltung der Neutralität Chinas, denn wenn China aus scincrNcutralität herausträte. ließe sich der Umfang der Verwickelung im fernen Osten überhaupt nicht übersehen. Aber in der Beurteilung der Möglichkeit dieses Heraus- tretens bin ich ganz anderer Meinung als er. Die An- Wesenheit fremder Truppen in China dient nicht sowohl der Aufrecht- erhaltung der Ruhe, als sie vielmehr ein Moment der Beunruhigung ist. Die fremden Besatzungsbrigaden müssen von China als Pfahl im Fleisch gefühlt werden. Auch die Reibungen der K o n t i n- gente unter einander sind nicht außerhalb der Möglichkeit und man kann nicht wissen, was aus einfachen Schlägereien sich ent- Ivickeln kann. In der Budgetkommission hat sich mein Parteifreund Ledebour immer wieder bemüht, etwas zu e r s a h r e n über d i e i n t c r- nationalen Verträge, die Deutschland angeblich verpflichten sollen, seine Truppen in Ostasien stehen zu lassen. Er hat nichts darüber erfahren können, und ich fürchte, auch ich werde keine Auskunft erhalten, wenn ich jetzt trotzdem an den Staatssekretär die Frage richte, wie diese inter- nationalen Verträge lauten. Der Abgeordnete v. Richthofen hat so gesprochen, daß ich vermutete, er würde weit über die Sätze des Etats hinausgehen und nicht nur die Wiederherstellung desselben fordern. Zu den Zwecken, die er im Auge hatte, genügt nicht eine einfache Brigade, sondern dazu sind zivei oder noch mehr Armee corps erforderlich. Was für Unruhen will man denn mit dieser Handvoll Leute unterdrücken? Zu ernsten Zwecken reichen sie nicht aus und zu der rein dekorativen Thätigkeit, die sie dort entfalten, sind sie uns doch zu kostspielig. Man sagt immer, es ließe sich dort sehr schwer leben; eine eigne Bauverlvaltung und alle möglichen andren großen Acmter sind geschaffen worden, um das Leben dort nur erträglich zu machen. und eine Menge von Be- amten ist hinausgeschickt, eine Reihe von Sinekuren dort geschaffen worden. Aber während uns auf der einen Seite gesagt wird, daß unsre Soldaten dort auf dem Kriegsfuß stehen und während ihnen Kricgskompctenzen gezahlt werden, finden wir Ivieder Positionen, die zeigen, daß diese Behauptungen einfach nicht den That- sachcn entsprechen. Wir finden in der Forderung für Vorspanne und Transporte 40 000 Mark Kosten infolge von Heranziehung von Familien nach China. Es handelt sich dabei hier darum, den verheirateten Offizieren ihre Frauen nachkommen zu lassen. (Vielfaches Hört! hört!) Wenn unsre Truppen dort wirklich in baufälligen Baracken untergebracht sind, im Kriegszustand und stets auf dem„(Jui vive" stehen, dann wäre es ja geradezu eine Bar- barei, die Frauen der Kriegsgefahr auszusetzen.(Sehr richtig I links.) Ist das aber nicht der Fall, sind wir dort nicht im Kriege, sondern auf dem Lawntennis-Platze und im Theehause, wo die Anwesenheit der Damen natürlich erwünscht ist, so haben wir den besten Beweis, daß der ganze Etat verdient, rücksichtslos von uns gestrichen zu werden.(Lebhaftes Sehr richtig! kinks.) Im Etat werden Sportanzüge für die Offiziere als notwendig bezeichnet, natürlich nur zu Ballspielen, die im Kampfe gegen die klimatischen Einflüsse zur Erhaltung der Gc- sundheit notwendig sein sollen. Aber wir sind sehr mißtrauisch dagegen, weil lvir schon an diesem Punkte sehen, wie in Ostasien gcwirtschaftet wird. Bedenkt denn die Regierung gar nicht, welche Wirkung im Lande eine derartige Verschwendung machen muß? Schon die bloße Veröffentlichung der Thatsache durch den Ab- geordneten Dr. Paaschs im„Tag" hat Empörung' im Volke hervor- gerufen. Wie man das Geld der Armen und A e r m st e n, aller Steuerzahler, für solche Zwecke ausgeben kann, verstehe ich einfach gar nicht. Wenn die Regierung den Oppositionsparteien zu dem reichlichen Material, das sie schon haben, neues hinzulicfcrn wollte, so hätte sie es nicht besser besorgen können als durch diesen Etat. Ich bitte Sie darum, lehnen Sie diesen ganzen Etat ab. (Lebhafter Beifall links.) Staatssekretär Frhr. v. Richthofen: Dem Herrn Vorredner kann ich erwidern, daß keinerlei staatsrechtlicher Zwang für die einzelnen Regierungen besteht, ihre Besatzungsbrigaden in China zu behalten. Wenn der Herr Vorredner meinte, daß die Truppen zu rein dekorativen Zwecken in China sind, so hat dieser rein dekorative Zweck sich doch in den letzten Jahren ganz gut bewährt. Ich glaube nicht, daß ohne die Besatzungsbrigade ein gesicherter Aufenthalt der Fremden in der Provinz Petschili möglich gewesen wäre. Im übrigen hat sich der Herr Vorredner sehr vorsichtig darin ausgedrückt, er wünsche, daß die Truppen„möglichst bald" abgerufen würden. Diesen Wunsch stellt wohl das ganze Haus. Das Verlangen, die Truppen sofort zurückzuziehen, hat auch Herr Payer nicht gestellt. Hätten lvir das vergangenes Jahr gethan, so müßten wir jetzt mit vollem Rechte den Vorwurf über uns ergehen lassen, daß wir den Gang der Ereignisse in keiner Weise vorausgesehen hätten. Abg. Dr. Paaschc(natl.): Wir wollen selbstverständlich auch nicht die sofortige Zurückziehung der Truppen aus Ostasien, sind aber in der Kommission für möglichste Verminderung des Etats eingetreten. Sollten wir die Truppen jetzt zurückziehen, so würden wir nur dem Bestreben der Chinesen, neutralitätsbrüchig zu werden, neue Nahrung geben. Im übrigen bemerke ich, daß wir in der Kommission etwa i 300 000 M.. ungefähr den zehnten Teil des Etats, gestrichen haben. Abg. Ledebour(Soc.): Die Ausführungen des Herrn Staatssekretärs trafen nicht den Kern der Sache. Ilns kommt es darauf an. ob die R e- gierungen untereinander gegenseitige Ver- pflichtungen eingegangen sind, ihre Besatzungstruppen nicht ohne gegenseitige Zustimmung zurückzuziehen, oder ob jede einzelne Regierung vollkommen freie Hand be- halten hat, jederzeit ihre Truppen zurückzuziehen. Ich bedauere, daß der Herr Staatssekretär auf die vom Herrn Referenten Grafen Oriola vertretene Ansicht, daß solche gegenseitigen Ab- machungcn getroffen seien, nichts erwidert hat. Nach unsrer Auffassung wäre es ganz unzulässig, wenn die deutsche Regierung sich derartig die Hände binden würde. Heute hat Herr v. Stengel in der B u d g e t k o m m i s s i o n Aeutzerungen gethan, die ein bezeichnendes Licht auf die Absichten, die man mit der Besatzungsbrigade hat. werfen. Er hat gesagt, man werde besser thun, diese Brigade künftig im Ordiuarinm, statt wie bisher im Extraordinarinm aufzuführen.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Was bedeutet demgegenüber die platonische Erklärung des Herrn v. Richthofcn, daß man eine dauernde Brigade nicht wünsche. Was heißt„dauernd"? Die Majorität des Hauses wünscht eine Beseitigung der Brigade innerhalb des nächsten JahreS. Welche Gefahren die Aufrechterhaltting der Besatzungsbrigade in sich schließt, beweisen die höheren Pläne, welche Herr v. Richthofen vorhin geäußert hatte über die Aufgaben der Brigade. Er meinte, sie solle das Rückgrat der chinesischen Verwaltung bilden. Höchstens kann sie doch dazu dienen, die chinesischen Vcrwaltuugsbeamten in ihrer Thätigkeit zu beunruhigen. Herr v. Richthofen aber will sogar mit der Besatzungsbrigade die chinesische Regierung zur Neutralität zwingen. Wie soll sie denn das machen? Vorläufig steht doch China noch nicht unter der Vormund- schaft des kommandierenden Generals der Befatzungsbrigade, nicht ei»mal unter Vornrundschaft des Deutschen Reiches. Herr v. NichtHofen kündigte also leichten Herzens einen Interventionskrieg a»,»m China von einem Kriege mit einer andren Macht abzuhalten.(Lachen rechts.) Ja, wenn er das nicht wollte, hat er sich höchst unklar ausgedrückt. Wir lehnen alle solche unsinnigen Gedanken ab und wünschen die sofortige Zurückziehung der Be- satzungsbrigade.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Staatssektretär Freiherr v. Richthofcn: Ich weiß nicht. wie ich Herrn Ledebour antworten soll. Er hält alles, was ich sage, von vornherein für belanglos. Ich habe erklärt, daß die Besatzungsbrigade nur eine temporäre Institution sei, darauf hat er erwidert, das scheine doch nicht der Fall zu sein. Zweitens habe ich gesagt, ein staatsrechtlicher Zwang zur Aufrechterhaltung. der Besatzungsbrigade bestehe nicht, auch diese Auskunst aber ge- nügt ihm nicht. Damit schließt die Debatte. Die Aufrechterhaltung der oft- asiatischen Besatzungsbrigade wird im Princip gegen die Stimmen der Socialdemokraten beschlossen. . Hierauf vertagt das Haus die Wcitcrberatung auf Donnerstag 1 Uhr.(Außerdem Interpellation Auer wegen Stilllegung der Gruben im Ruhrgebiet.) Schluß 6V4 Uhr. parlam entarilekes. WahlPrüfiingS-Kommission. Die Feststellung des Berichts über die Wahl des Abg. O s e l(C.), Wahlkreis K r 0 n a ch. Bayern. wurde ausgesetzt und beschlossen, in eine Nachprüfung dieser Wahl einziltreteii, weil bei der Prüfung die bisherige Praxis der Kommission in einigen Punkten verlaß cn worden ist. Dann tritt die Kommission in die Prüfung der Wahl Fuchsandre Personen für einzelne Wahlberechtigte gewählt, so daß die letzteren nicht wählen konnten, da auf ihren Namen schon Stimmzettel abgegeben worden waren. Die Beratung über diese Protestcrhebung wurde wegen vor- gerückter Zeit abgebrochen. Als ein charatteristischer Zug zeigt sich bei dieser Wahl wie bei all den Wahlen in den„schwarzen" Wahlkreisen des Westens, wo Centtum und Nationalliberale mit allen Mitteln um den Sieg ringen, die skrupellose Mogelei, die von beiden Seiten geübt wird. Bei der dcmnächsttgen Prüfung andrer Wahlen wird dieses Charakte- ristikum abermals hervortreten. Die Pctitionskommission des Reichstages beschloß in ihrer am Mittwoch abgehaltenen Sitzung, eine Petitton des Bundes für Handel � und Gewerbe in Leipzig, betreffend Ausdehnung der Berpflichlung zu geordneter Buchführung auf Handwerksmeister und kleine Handel- und Gewerbetteibende, dem Reichskanzler als Material zu über- weisen.— Derselbe Beschluß wurde gefaßt bezüglich einer Petition, betteffcnd Ergänzung des K 15a der Gewerbe-Ordnung(genauere Bczcichuung der Firma vo» Geschäftsinhabern). Eine recht eingehende Debatte entspann sich über eine Petition des Dr. inscl. Hirschfeld in Charlottenburg, betreffend Aendcrung des 8 175 des Strafgesetzbuchs— Bestrafung widernatürlichen Geschlechts- Verkehrs zwischen Personen männlichen Geschlechts.— Die Petitton fordert Straflosigkeit für Homosexuelle, wenn der Geschlechtsverkehr zwischen gleichgeschlechtlichen Erwachsenen ohne Anwendung von Zwang stattfindet. Der Referent, Abg. Dr. Thaler, trat in längerer Rede entschieden gegen die gewünschte Abänderung des Strafgesetzbuches ein. Ebenso gut wie der Staat alle Mittel aufbiete zur Bekämpfung der Reblaus in den Weinbergen und der RotzttanNicit der Pferde, sei er auch verpflichtet, der Unzucht zwischen Gleichgeschlechtlichen entgegen- zutreten. Er bedauerte, daß in dieser Hinsicht nur die Männer und nicht auch die Frauen unter Strafe gestellt würden. Würde man den Wünschen des Petenten Rechnung tragen, so wäre das eine schwere Schädigung des Staatswohls. Die Straflosigkeit der Homo- fexuellen sei mit Schuld, daß Frankreich unter der Abnahme der Bevölkerung zu leiden habe. Einer solchen Gefahr dürfe sich das Deutsche Reich nicht aussetzen. Die Socialdemokraten Abgg. Dr. Braun und Thiele traten diesen Ausführungen entgegen. Man brauche keine besondere Vorliebe für Homosexuelle zu haben, um die Petitton fiir berechtigt zu halten. um so mehr als bedeutende medizinische Sachverständige sich fiir die Aufhebung der bezeichneten Strafbestimmnng erklärt hätten. Es sei nachgewiesc», daß ein großer Teil der mit Strafe bedrohten infolge natürlicher Veranlagung zu ihrem Thun veranlaßt würden. Die Annahme des Referenten, daß die Entvölkerung Frankreichs ans die Straflosigkeit des gleichgeschlechtlichen Verkehrs zurückzuführen fei, fei eine durchaus irrige. Abg. Dr. Potthofs(fcs. Vg.) führte aus, daß man nicht, wie es der Referent gethan, auf die m früheren Jahrhunderten gegen den Verkehr zwischen Gleichgeschlechtlichen vorgebrachten Gründe ein- zugchen habe, da wir ja sonst auch heute noch in Deuffchland die Hexenvcrbrcnnung haben würden. Durch die Bestrafung mache man die Homosexuellen zu Märtyrern und fördere die von ihnen getriebene Agitation. Abg. Dr. Mngdan(sts. Vp.) tritt ebenfalls für die Petition ein. Nur wenn ein Zwang ausgeübt würde oder falls Kinder mißbraucht würden, fei eine Bestrafung zu empfehlen. Abg. Dr. Höffe!(k.) erwiderte, daß in ärztlichen Kreisen die Mehrheit sich der Forderung des Petenten ablehnend gegenüber verhalte. Wenn man von nattirlicher Veranlagung vieler Homo- sexueller spreche, so könne er nur sagen, daß ihm in seiner dreißig- jährigen ärztlichen Praxis ein solcher Fall noch nicht vorge- kommen sei. Das Resultat der Abstimmung in der Petttionskommission war folgendes. Der socialdemokratische Antrag, die Petition dem Reichs- kanzler zur Berücksichtigung zu überweisen, wurde gegen 5 Sttmmen; der freisinnige Antrag: Ueberweisung zur Erwägung gegen sechs Stimmen und ein anderer Antrag: Ueberweisung an den Reichs- kauzler als Material gegen 9 Sttmmen abgelehnt. Die Mehrheit be- schloß: Uebergang zur Tagesordnung. Die Angelegenheit wird dem- nächst im Plenum des Reichstages zur weiteren Verhandlung kommen. Eine andere Petitton, betreffend Abänderung des H 361 Abs. 6 des Strafgesetzbuches, welcher von der Beftrastmg weiblicher Personen wegen gewerblicher Unzucht handelt, wurde dem Reichskanzler als Material überwiesen._ Generalversammlung des Verbandes dentscher Steivarbeiter. Erfurt, 18. April. Nach mittagssitzung. Nach Eröffnung der Sitzung teilt der Vorsitzende Schmidt mit. daß die schtvcdischcn Stcinarbeiter den Kollegen Malmberg als Delegierten entsandt hat. Der Vorsitzende La n g e giebt dann noch bekannt, daß das Ver- einsvermögen vom 1. Januar bis jetzt auf ca. 133 000 M. ge- stiegen ist. Ten Bericht des Central-Ausschusses giebt O e r t« l- Leipzig, den des Verbands- Ausschusses Schmidt- Düsseldorf, welche beide Entlastung des Vorslandsberichts beantragen. Die be- aittragte Entlastung wird nach längere Diskussion erteilt. Als Vertreter der Generalkommission der Gewerkschaften ist Ge- nosse K n 0 l l- Berlin eingetroffen. Erfurt. 19. April. Zu dem Punkte:„Organisation und Agitation" liegen eine ganze Reihe von Anträgen vor, die sich auf die verschieden- sten Materien bezieh«. Der größte Teil derselben wünscht eine ander- weitigc Regelung der R e i s c u n t e r st ü tz u n g. Weiter wird die Einführung der Kr a n k e n- U n t e r st ü tz u n g beantragt, des- gleichen Einführung der Unterstützung bei S t c r b e f ä l l e n der Mitglieder. Gewünscht wird ferner die Aust�hnung der Ge» ma ß r e g c l t c n- U n t e r st ü tz u n g. Andre Anttäge verlangen eine strengere Kontrolle bei Gewährung von Rechtsschutz einer- seits und andrerseits bei Unfällen die Gewährung der Kosten für makchZnMe arztliche Gukachkeff. Die Um zugskosken- Unterstützung soll voll bezahlt werden. Bezüglich der Beitrags- leistung wird die Einführung staffelförmiger Beiträge beantragt. Ferner, daß im Winter keine Beiträge erhoben werden. Der Vorstand beantragt den Beitrag in Höhe eines Stundenlohnes festzusetzen. Die Debatte über die Reise-Unterstützung nimmt die ganze Vormittagssitzung in Anspruch und werden sodann die vorliegenden Anträge einer Kommission zur Bearbeitung überwiesen. Zu den Anträgen auf Einführung der Kranken-Unterstützung legt der Vorsitzende Starke in einem einleitenden Referat den ablehnenden Standpunkt des Vorstandes dar. Dieselbe ist wegen der erforderlichen erheblichen Beitragserhöhung nicht durch- führbar. Allenfalls könne der Vorstand beauftragt werden, zur nächsten Generalversammlung eine statistisch begründete Vorlage zu machen. Eine Anzahl Redner wendet sich in eingehender Weise gegen diese Ausführungen. Die Einführung der Kranken-Unterstützung sei nicht nur ein Mttel zur Förderung der Agitation, sondern entspreche auch einem Bedürfnis. Von andrer Seite wird darauf hingewiesen, daß in mehreren Zahlstellen Kranken-Zuschußkassen auf lokaler Grund- läge vorhanden sind, deren Mitglieder durch die bei einer Centrali- sation notwendig werdende Beitragserhöhung von der Organisation abgeschreckt würden. Der Kassierer Lange bekämpfte die Kranken- Unterstützung, um durch dieselbe die spätere Einführung der Ar- beitslosen-Unterstützung nicht zu gefährden. Zur Annahme gelangt eine Resolution, in welcher alle auf die Einführung der Kraulen-, Sterbe- und Arbeitslosen-Unterstützung bezüglichen Anträge dem Vorstande überwiesen werden. Derselbe wird zugleich beauftragt, dem nächsten Verbandstage eine statistisch begründete Vorlage behufs Einführung der Arbeitslosen- eventuell auch der Kranken- und Sterbe-Unterstützung zu unterbreiten. Es folgt die Beratung der auf die Erhöhung der Gemäß- regelten-Unterstützung bezüglichen Anträge. Der Vor- stand empfiehlt es bei den bisherigen Bestimmungen zu belassen. Zwei vorliegende Anträge, diese Unterstützung zu erhöhen(Schwarzen- bach und München), werden abgelehnt; es bleibt somit beim alten. Partei-�sackrickten. Organisatorisches. Die Vreslauer„Volksmacht" stellt in Anknüpfung an die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Betrachtungen an über die ungenügende Zahl der Polstisch Organisierten im Verhältnis zur Zahl unsrer Wählerstimmen. Sie verweist darauf, daß wir nach der Statistik des Parteivorstandes nur rund 600 l>0v Abonnenten «ruf die Parteipresse haben, daß wir aber vermutlich, wie verschiedene Einzelangaben beweisen, in unfern Organisationen noch viel weniger Mitglieder haben. Dann schreibt sie: „Die politische Organisation der deutschen Arbeiter ist weit zurückgeblieben hinter der gewerkschaftlichen Organisation. Zum Teil liegt das sicher an der Organisationsform. Wir befinden uns in einer Uebergangsperiode zwischen dem losen Vertrauensmänner- System zu festeren Vereinsgebilden. Es ist dringend notwendig, daß das Tempo dieses Ueberganges etwas beschleunigt wird. Die losen Organisationen haben sich überlebt. Wir sollten von den Gewerkschaften lernen. Tic ganze Partei-Organisation könnte, was in principieller und taktischer Hinsicht sehr wünschenswert erscheint, auf solidere Basis gestellt werden, wenn sie nach dem Muster der Gewerkschaften und unter Berücksichtigung der natürlichen Unter- schiede centralisiert würde. Die heute noch bestehenden Hindernisse — Gesetzgebung einzelner Bundesstaaten, Frauenrechtlosigkeit, wirtschaftliche Abhängigkeit— sind nicht mehr durchschlagend genug, um eine immer notwendiger werdende Reform länger aufzuhalten. Was könnte die Partei alles leisten, wenn ihre innere Organisation, ihre Finanzen usw. nach dem Vorbilde der Gewerkschaften oder des Bundes der Landwirte, der ja auch politische Partei ist, durchgebildet würde? Wir brauchen deshalb den dadurch entstehenden Central- und Zwischeninstanzen der Partei durchaus keine außerordentlichen Machtbefugnisse und Bestimmungsrechte einräumen, sondern nur solche, die mit den weitgehendsten Ansprüchen der Demokratie, der- einbar sind. Wie wir hören, gedenkt ein älterer Parteigenosse in Breslau demnächst emen Anstoß in dieser Richtung zu geben und die wichtige Frage eventuell vor das Forum des Parteitages zu bringen." Wir haben schon aus Anlaß der Wahlergebnisse einige Be- trachtungen angestellt über die Verschicdenartigkeit unsres Fort- schreitens in den einzelnen Reichsgebieten und dabei den Wunsch ausgesprochen, es möchten diese Betrachtungen und Untersuchungen auf Grund örtlicher Erfahrungen fortgesetzt und auf dem Parteitage besprochen werden. Daraus hätten sich auch ganz natürlich Er- örterungen über die Organisation ergeben. Auf dem Dresdener Parteitage ist leider über diese wichtige Frage kein Wort geredet worden. Wird jetzt von einem andern Punkte aus das Thema zur Diskussion gestellt rnd kann der Parteitag dafür Zeit gewinnen, so wäre das sehr zu begrüßen. So wichtig die Agitation ist, so schätzen wir doch die Organisation erheblich höher, denn sie befestigt erst und macht zu sicherm Besitze, was durch die Agitation gewonnen, aber auch leicht wieder verloren wird, wenn man es bei der Agitation be- wenden läßt. «.* Das„Offenbacher Abendblatt" schildert im Anschluß an den Abdruck der Breslauer Ausführungen die h e s s i s ch e Organi- sation. Wir geben diese Schilderung wieder hauptsächlich wegen der sehr praktischen Art des Rechnungswesens. Das Blatt schreibt: „Wir haben eine einheitliche Landesorganisation, die sich in Kreis- wahlvereine gliedert. Die Kreiswahlvereine wiederum werden ge- bildet aus den Lokalorganisationen Bei dieser einheittichen Landes- organisation— mit einem Landeskomitee an der Spitze— läßt sich das Kassenwesen in verblüffend einfacher Weise regeln, ohne kompli- zierte Verrechnungen und ohne daß eine Instanz auch nur um einen Pfennig zu kurz kommen könnte. Entsprechend der einheitlichen Organisation kommt in Hessen auch eine einheitliche Beitragsmarke zur Ausgabe und zwar über den Betrag von 10 Pf. Monatlich müssen zwei Marken geklebt werden. Die Marke wird vom Landeskomitee an die Kreisvercine zum Preise von 3 Pf. abgegeben. Die Lokalorganisationen beziehen die Marken vom Kreiswahlverein für 5 Pf. Das ist die denkbar glatteste Rechnung. Der Lokalorganisation verbleiben auf diese Art 50 Proz. der Beiträge zur Verwendung am Orte, den Kreiswahlvereinen ver- bleiben von den Beiträgen 20 Proz. zur Befriedigung der Bedürfnisse im Kreise, das Landeskomitee erhält 30 Proz., davon hat es� zwei Drittel zur freien Verfügung für die Zwecke der Landcspartei, ein Drittel giebt es nach Berlin weiter an den socialdemokratischen Reichs- säckelwart Gerisch, so daß auch der zu seinen vorgeschriebenen zehn Prozenten kommt. Eine einfachere Art der Verrechnung dürfte kaum auszuklügeln sein und wir können die Einführung dieses Verfahrens— Patent David— auf Grund mehrjähriger Erfahrung bestens empfehlen. Was nun die Form der Organisation anbelangt, so wissen wir sehr wohl, daß sich eines nicht für alle schickt und daß es speciell in Preußen aus„polizeitechnischcn" Gründen schwieriger ist, feste Parteiorgani- sationen zu bilden wie in Hessen. Wie wir keine Versammlungs- anmeldung kennen, so auch keine Anmeldung der Organisations- Mitglieder bei der Polizei. Das sind Dinge, die hierzulande die Polizei Nichts angehen."_ veber die Geschäftsverteilung in unsrer Reichstagssraktion schreibt die„Volksstimme" in Frankfurt a. M. nach Abdruck der bei uns veröffentlichten Erklärung des Genossen R. Krafst hinsichtlich seiner Broschüre über die Soldatenmißhandlungen: „Es muß doch einmal gesagt werden, was dann sonst die Schuld an solchen Mängeln unsrer parlamentarischen Aktion wägt. Und das .ist u. E. ihr» Systemlosigkeit und mangelhafte Organisation. Von SSPi leWigest IMssen Uöd Gegenständen abgesehen, bei denen uysre Fraktion ubungsgeinäß die Redner bestinMk, ergreifen unsre Abgeordneten ohne Regel und Vorbesprechung dort das Wort, wo sie Lust haben. Das könnte besser und sorgfältiger organisiert werden, teils um überflüssige Reden mit Wiederholungen zu verhindern, teils um wichtiges, wie die treffliche Krasftsche Schrift, sicher zur Sprache zu bringen. Zu der gewerkschaftlich so wichtigen Rundfrage Posadowskys z. B., die eine neue Zuchthausgesetzbestimmung in ß 123 der Gewerbe- Ordnung einschmuggeln will, hat in den letzten Debatten über das Reichsamt des Innern ebenfalls lein einziger Redner von uns ge- sprochen." polireMcbes» GericbtHcbcs ulw. Interessantes vom preußischen Preßgesctz und vom Reichs-Preßgesctz. Die ßZ 10 und 41 des preußischen Preßgesetzes sollten die Ge- nossen Bracke, Tscheschma und Pfftorius in Magdeburg dadurch über- treten haben, daß die beiden Erstgenannten auf Veranlassung des Genossen Pistorius von der„Volksstimme" in Magdeburg w ä h- rend der Wahlzeit Exemplare des Magdeburger Partei- blattes öffentlich verteilt hatten, ohne eine polizeiliche Er- laubnis eingeholt zu haben. Alle drei wurden auch in der Berufungsinstanz zu Geldstrafen verurteilt. Das Landgericht er- achtete im Gegensatz zu den Angeklagten die betreffende Nummer der Volksstimme nicht für eine„Druckschrift zu Wahlzwecken", für deren öffentliche Verteilung in der Zeit der Wahlen nach amtlicher Bekanntmachung des Wahltermins gemäß 8 83 der Gewerbeordnung keine Erlaubnis erforderlich sei. Diese Ausnahmebestimmung er- klärte das Gericht deshalb nicht für anwendbar. Die Angeklagten legten Revision ein und machten unter anderrn geltend, daß der Begriff der„Druckschrift zu Wahlzwecken" vom Landgericht verkannt sei. Die fragliche Nummer der„Volksstimme" habe einen Wahlauftuf und Artikel über die Reichstagswahl ent- halten. Das Kammergericht hob das landgerichtliche Urteil auf und überwies die Sache am 13. April noch einmal dem Landgericht. Der Swaffenat ging von folgenden Erwägungen aus: Mit Recht sei die Nummer der„Volksstimme" nicht als„Druckschrift zu Wahl- zwecken" behandelt worden; die ganze Zeitung sei keine solche Druckschrift, wenn auch ein Wahlaufruf darin ent- halten gewesen sei und die Nummer deshalb verteilt worden sein möge. Das Urteil des Landgerichts müsse indessen aus einem andren Grunde aufgehoben werden. Der 8 30 Absatz 2 des Reichs- Preßgesetzes habe den§ 10 des preußischen Preßgesetzes nur in- soweit auftecht erhalten, als es sich um das„unentgeltliche" öffentliche Verteilen von Bekanntmachungen, Plakaten und Auf- rufen handle. Das entgeltliche öffentliche Verteilen von Druckschriften würde durch die 8s 10 und 41 des preußischen Preßgesetzes nicht bewoffen. Nun habe hier das Landgericht ein unentgeltliches Verteilen angenommen, weil die Verteiler vom Publikum nichts für die Zeitungen erhielten. Diese Auf- fassung sei nicht haltbar. Begriffsmäßig gehöre zum„Verteilen" überhaupt nicht eine Gegenleistung des Publikums. Somit bedeute „unentgeltliches Verteilen" ein Verteilen, wo der Auftrag- geder der Verteiler diesen nichts für das Verteilen zahle. Darüber müßten aber im Falle der Angeklagten vom Landgericht noch nähere Feststellungen getroffen werden.— Wenn eine Un- entgeltlichkeit im Sinne der Auffassung des Senats nicht fest- gestellt werden könne, sondern eine Entgeltlichkeit der Verteilung vor- liege, dann könnten die Angeklagten nicht auf Grund des preußischen Pretzgesetzes verurteilt werden. Der 8 30 des Reichs-Pretzgesctzes mit seiner beschränkten Auftechtcrhaltung landesgesetzlicher Normen hat auf dem Gebiete des Verteilens von Druckschriften einen eigenartigen Rechtszustand geschaffen. Wir haben schon früher einmal darauf hingewiesen, ohne daß es die Parteipresse beachtete. Der vorliegende Fall ergiebt wieber, daß nach Lage der ein- schlägigen GesetzesGewerbe-Ordnung, Reichs-Preßgesetz und preußisches Preßgesetz) in Preußen das entgeltliche öffentliche Ver- teilen von Druckschriften, wenn es nichtgewerbsmäßig er� folgt, an keine Bedingung geknüpft ist. während das sonst gleiche arttge, aber unentgeltliche Verteilen eine polizeiliche Erlaubnis voraussetzt. Sonntags ist es ja allerdings nach der juristtschen Praxis durch die Vcrfrommungsvorschriften bedrängt. Mit der obigen Rechtsmaterie hat das indessen nichts zu thun.— Neu ist unsres Wissens die Auslegung des Begriffs des„unentgeltlichen Ber teilens", die das Kammergericht ihm hier gegeben hat. — Wegen Beleidigung des Baubcner Offizicrcorps wurde, wie uns ein Privattelegramm meldet, Genosse Düwell in Dresden, Redatteur der„Sächsffchen Arbeiterzeitung", zu vier Monaten Gc- fängnis verurteilt._ GewcrhfcbaftUcbcs. Die Pioniere des Kapitalismus. Aus Metz geht uns ein Notschrei der dortigen Zimmerleute zu. Seit dem 10. d. M. werden bei der Berliner Firma Balke u. Co., die an der bei Metz im Bau begriffenen Bahnstrecke einen Brücken- bau herstellt, 80 Pioniere beschäftigt. Täglich haben arbeitslose Zimmerer bei der Firma vorgesprochen, sind aber immer abgewiesen worden mit dem Bescheid:„Wir brauchen keine Zimmerer mehr l Die Zimmerer haben sich nun schriftlich an das Kommando des 16. Armeecorps gewandt und ersucht, die Pioniere von der Arbeit zurückzuziehen, damit die arbeitslosen Zimmerer Gelegenheit er- halten, ihr Brot verdienen zu können. Ihr- Gesuch fand keine Berücksichtigung.-- In Metz haben die Behörden ein Stück vom Z u k u n f t s- staat des Arbeitgeber-Verbandes verwirklicht: Alle Arbeitsfähigen werden im Interesse des Kapitalismus als Arbeits soldaten eingezogen. Damit ist jeder Gedanke an einen Streik, jeder Gedanke an eine Verkürzung der Arbeitszeit, an höheren Lohn oder eine„civile" Behandlung von vornherein niedergeschlagen. Wer zur Arbeit kommandiert, diese verweigert, wird disziplinarisch bestrast; es giebt eine ein für allemal feststehende„Löhnung", keinen Lohn; die Länge der Arbeitszeit bestimmt der vorgesetzte Unter- offizier, und wenn dieser einem Arbeiter die notwendigen Hand- griffe durch allzu drastische Mttel beibringt, bleibt dem Arbeiter immer noch der bekannte militärische Beschlverdeweg mit dem ebenso bekannten kleinen Nachteil, daß eS dem Beschwerde- führer s e l b st an den Kragen geht, wenn die Vorgesetzten seine Beschwerde für ungerechtfertigt halten. So wird der„sociale Friede" hergestellt, wie ihn die Haupt- stelle der Arbeitgeber-Verbände ansttebt: man macht Streiks unmöglich, Aussperrungen überflüssig, alles das, indem man dem schönen Beispiel des Corpskommandos im 16. Armeecorps folgt, die Arbeiter abschafft und an ihre Stelle Pioniere setzt. Morgen werden„Post" und„Neueste Nachrichten", am Sonn- abend wird die„Arbeitgeber-Zeitung" das Lob der Metzer Militär- behörden singen, die bahnbrechend auf diesem Gebiete vorgingen, wahre Pioniere des Kapitalismus. SerUn unck Ohngegenck. Die Fensterputzer beschäftigen sich augenblicklich mit der Frage einer allgemeinen Lohnbewegung. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Berufe sind fast bei allen Fenster- reinigungS-Jnstituten gleich miserabel. Durch dl« Hergabe fco» Kautionsgeldern seitens der Arbeiter wollen die Unternehmer nicht nur den Anschein einer Interessengemeinschaft zwischen sich und den Arbeitern erwecken, sondern das Geld soll auch mehrfach zum Ausbau des Geschäfts verwandt werden. Horrend sind auch die den Arbeitern bei allen möglichen Gelegenheiten gemachten Abzüge, so sind verschiedenen Putzern kürzlich von ihren 18 M. betragenden Wochenlöbnen Bettäge von über 4 M. in Abzug gebracht worden. Einzelne Firmen verweigern die Bezahlung der Ueberstuuden, selbst Trinkgelder werden von dem Ueberstundengelde abgezogen._ Ein weiteres Uebel ist das schlechte Leitermaterial; die Leitern bei der Glaserinnung wurden als direkt lebensgefährlich bezeichnet, auch „Nelken" und„Germania" stellen zeitweilig untaugliche Leitern. Aus all' diesen Gründen hält man die Schaffung eines einheitlichen Lohn« tarifes für eine zwingende Notwendigkeit.* Die Aussperrung in der Werkstatt des Böttchcrmcisters Otto Thonack dauert unverändert fort; Meister Thonack sucht Arbeitswillige aus den äußersten Provinzen heranzuziehen. Auf den Namen seines Wcrkführers Gustav Tl)one annoncier! er in den Provinzblättern. u. a. im„Graudenzcr Geselligen", worauf sich mehrere Böttcher ge- meldet haben. Es ist den Gemaßreglten gelungen, einen Böttcher, welcher auf ein Schreiben eines Streikbrechers zugereist kam, durch Klarlegung der Verhältnisse zu überzeugen, daß es keine schöne That wäre, den ausgesperrten Kollegen in den Rücken zu fallen. Dem zu- gereisten Böttcher wurde von den gemaßregelten Kollegen andre lohnende Arbeit nachgewiesen und selbiger benachrichtigte sofort tele- graphisch drei weitere Kollegen, welche ihm noch folgen wollten, von der Sachlage. Der Arbeitswillige Heinrich Grabow aus Neustettin. dem ebenfalls Arbeit von den Ausgesperrten nachgewiesen wurde, zog es vor, diese nicht anzunehmen, sondern weitere Liebesdienste bei Meister Thonack zu verrichten. Der Böttcher G. N e u b e r aus Bromberg legte seine Arbeit bei Meister Lindner in Ripdorf nieder und stellte sich dem Meister Thonack zur Verfügung. Der dritte im Bunde ist der Böttcher Paul Winkelmeyer aus Lehrte bei Hannover. Ganz rätselhaft bei dieser Aussperrung ist das Verhalten der Rixdorfer Polizei. An einem Abend wurden nicht weniger als sechs Krimminalbeamte, zwei Schutzleute in Uniform und ein Vigilant beobachtet. Da die Gemaßregelten sich in jeder Hinsicht mustergülttg betragen, findet die Polizei natürlich nichts zu thun. Der Vorstand des Centralvercins deutscher Böttcher. Zu dem Streik der Holzarbeiter in Landsberg a. W. ist noch zu berichten, daß von den Streikenden 120 dem Deutschen Holzarbeiter- Verband, 17 dem Gewerkverein und 11 dem Lokalverein(Richtung Keßler) angehören. Die Forderungen waren den Meistern am 11. d. M. unterbreitet worden, die Antwort der Meister war durch- weg eine ablehnende. Einer der Unternehmer gab eine schriftliche Antwort, welche folgenden Wortlaut hat: „Da bei einem mündlichen Bescheide Ihnen manches entfallen könnte, erlaube ich mir meine Antwort schriftlich bekannt zu machen. Ihre Forderungen sind unannehmbar, aus dem einfachen Grunde, weil ich bei diesen Preisen nicht mehr leistungsfähig sein kann, und ein Verdienst in der Fabrikatton vollkommen ausgeschlossen ist. Ich unterbreite nun, da Sie Bedingungen aufgestellt haben, nun auch die nieinigen. Jeder Arbeiter hat abends seine Arbeitsstätte zu reinigen, wozu nähere Verständigung erfolgen würde. Ausscheidung aus dem Holzarbeiter-Verband. Hochachtungsvoll C. Moritz. Wenn der Arbeiter sich erlauben würde, an den Herrn die Forderung auf Austtitt aus dem Unternehmer- Verband oder gar Kriegerverein zu stellen, so könnte man sich auf einen Sturm der Entrüstung gefaßt machen, der unter den Herren ausbrechen würde. Nun, jedenfalls wird Herr Moritz ebenso wie alle übrigen Tischler- meister Landsbergs zu der Einsicht kommen müssen, daß es doch besser ist, im Frieden mit seinen Gesellen zu leben. Zuzug nach Landsberg a. W. ist streng fernzuhalten. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Gauvorstand Berlin. Deutlcbes Reich. Die Steinsetzer in den Untrrwescrorten befinden sich ebenfalls im Streik. Die Sache nahm hier fast denselben Verlauf wie bei den Bauarbeitern. Sie forderten ursprünglich emen Mnimallohn von 60 Pfennig pro Stunde, worauf die Arbeitgeber mit der Forde- rung einer MinimaUeistung alttworteten, ohne jedoch eine Lohnzulage zu gewähren. Die Arbeiter zogen darauf ihre Forderungen zurück. Da die Unternehmer aber durch Herbeiziehung fremder Arbeitskräfte sich auf einen Streik schon vorbereitet hatten, provozierten sie nun einen solchen durch Forderung der Anerkennung ihres Arbeits- Nachweises.— Zuzug von Steinsetzern ist fernzuhalten von Lehe, Bremerhaven und Vegesack. Huslanck. Der schweizerische Schuhmacherverbanb, der in 17 Sekttonen 555 Mitglieder zählt, und in den letzten zwei Jahren 5481,02 Frank Einnahme und 3928,74 Frank Ausgabe hatte, sowie ein Verrnögen von 3909 Frank besitzt, hat am 17. und 13. April in Basel seine Delegiertenversauunlung abgehalten, welche folgende Neuerungen be- schloß: Herausgabe eines eignen Fachorgans unter dem Titel „Schweizer. Schuhmacher-Fachblatt" mit monatlich einmaligem Er- scheinen, Wiederanschluß cm den Gewerkschaftsbund, Umwandlung der fakultativen Krankenzuschuhkasse in eine obligatorische, Einführung von Wochenbeiträgen zu 20 Cts. statt der jetzigen Monatsbeiträge von 30 Cts. Die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung wurde noch verschoben. Als Verbands-Vorort wurde Zürich bestätigt. Die Basier Regierung hatte 50 Frank zu den Kosten des Arrangements bewilligt. Hu 9 der frauenbewegung. Verein für Frauen und Mädchen der Arveiterklasse. Montag, den 25. April, abends 8'/z Uhr, in den Arminhallen, Kommandanten- straße 20: Vortrag des Herrn Fritz Herbert-Stettin über das Thema:„Welches Interesse haben die Frauen am Genossenschafts- Wesen?" Gäste willkommen. Der Vorstand. Soeialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„Demosthenes". heute, Donnerstagabend 9 Uhr im Lokale wn Hermann Dornbusch: Fortsetzung der Diskussion über das Ersurter Programm. Gäste will- 'ommen. Soeialdemokratischer Agitationsverein für den Reichstags» Wahlkreis Kalau-Luckau. Sonnabend, den 23, d. M,, abends 8 Uhr: Sitzung hei Augustin, Vorwärtshaus. Gäste willkommen. Verband der Friseurgchilfen Deutschlands(Zweigverein Berlin), Donnerstag. 2t. April, abends 10 Uhr, bei Pscfser, Rosen« thalerstratze 57: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag: Die Bedeutung des 1. Mai. 2. Diskussion. 3. Gewerkschastliches. Gäste willkommen. ''Weizen, gut D.-Ctt. . mittel gering 'Roggen, gut mittel gering fGerste, gut „ mittel gering tHofcr, gut „ mittel .. gering Richtstroh Heu Erbsen Speisebohnen Lksen » ab Bahn. Marktpreise von Berlin am 19. April 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. 17,50 17,44 17,38 12,95 12,93 12,91 14,00 12,90 11,80 15,00 14,00 13,00 4,00 7.20 40,00 50,00 60,00 17,47 17,41 17,35 12,94 12,92 12,90 13,00 11,90 10,80 14,10 13,10 12,10 3,66 5,00 28,00 26,00 25,00 Kartofseln, neue D.-Ctr, Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch. Schweinefleisch„ Kalbfleisch Hammelfleisch nutter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schiere Bleie Krebse 60 Stück 1 KZ; per Schock f ftei Wagen und ab Bah«. 8.00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 4,00 2,40 3,00 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 6,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,80 1.20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 Utir den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Tbcaten Donnerstag, den 21. kl p r i l. Ansang T'/j Uhr: Opernhaus. Der Barbier von Sevilla. TchanspielhanS. ,.Göh von Berv- chingen mit d« eisernen Hand. (Anfang 7 Uhr.) NeneS Opernhaus. Geschlossen. Deutsches. Die Jüdin von Toledo, Berliner. Maria Theresia. Sessing. Zapsenstrcich. Westen. Die Stumme von Portici. Neues. Der Strom. Residenz. Der keusche Kasimir. Vorher: Die Empfehlung. Central. Der Sonnenvogel. Belle-Alliance. Freut Euch des Lebens. Thalia. Der Hochtourist. Ansang 3 Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.) DaS grobe Hemd. Schiller ST.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Haus Roscnhagen. Kleines. Märtyrer. Elettra. Luisen. Romeo und Julia. Trianon. DaS eiste Gebot. Hierauf: Der Dieb. Carl Weih. Robert nnd Bertram. Deutsch'Nmerikaniiches. Ueber'n grohen Teich. Gebr. Herrufeld. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Metropol. Ein tolles Jahr. Casino. Husarenliebe. Zärtliche Verwandte. Palast. Liebe im Eckhause. Die Weber. Winter-Gartcn. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Passage-Theatcr. Specialitäten. Urania. Tanbenstrahe 18/49. Das Land Tirol. Jnvalidenstrasic S7/«S. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Der Strom. Anfang VI, Uhr. Morgen: Kabale und Liebe._ Centrai-Theater. Heute VI, Uhr: Gastspiel Paula W o r m. Novität! Zum erstenmal: Der Sonnenvogel. Operette in 3 Akten v. R. Schanzer und G. OkonkosvSki. Musik von Victor Holländer. Morgen und folgende Tage: Hot Sonnenvogel._ Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Romeo und Julia. Freitag: Gastspiel von Max Hos- pauer: Der Pfarrer von Kirchseld. Sonnabend: Benefiz EmilUhlig, zum erstenmal: Das Milchmädchen von Schöneberg. Sonntagnachmittag: Sappho.— Abends: Gastspiel von Max Hospauer: Der Verschwender. Montag: Dr. WeSpe._ Rkjldkiy-TlMttr Heute und folgende Tage 7'/, Uhr: Oie Empfehlung. 8 Uhr: Der wsiht Csßmir. Voranzeiget Mittwoch, den 27. April, zun: erstenmal: Hl« 000 Dax«.(L'Enfant du mi- racle.) Schwank in 3 Akten von Paul Gavault und R. Charvey. Deutsch von Aisred Halm. Sonntagnachm. 3 Uhr: Leontines Ehemänner..__ Metropol-Theater Zum 38. Male: Ein tolles Jahr. Gr. dramatisch- satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Mueik von Victor Hollaender. In Bcene gesetzt vom Direktor Ricnard Schultz. 1. Bild: Am Kleinkindersee. 2. Bild: Was giebt's Neues. 3. Bild: Das Ordensfest. 4. Bild; Der neue Zapfenstreich (Parodie). 6. Bild: Briefe, die ihn erreichten (Ballett). Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Heute Donnerstag, den 21. April: Bernlmril Rose-!heatep-Enseinb!e. Drei Tage aus dem Leven eines Spielers. Drama in 5 Akten nach dem Franzisischen von Angelh. jgttT Ansang 8 Uhr."WW Nach der Vorstellung: Cri*osser Ball. Sonntag, den 24. Ztpril: Drei Tage aus dem Leben eines Spielers. TduIiu-TveAter. Belle-Alliance-Theater. DreSdenerstr. 72/73. Amt IV 4440. Belle.Alliancestr. 7/8. Amt VI 283. Ans. 71/s Uhr. Direktion Jean Kren und Alfred Schönfeld. Ans. 7I/ä Uhr. Wegen des Umbaues Schluß der Saison am 1. Mai. Nur noch IS Vorstellungen. er Hochtourist. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Okiunlvz-s T»iit«. % Heute und folgende Tage: Freut Euch des Febens. Große Ausst.-Posse m. Gesang u.Tanz in 3 Akten. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Des Meeres u. der Liebe Wellen. Schiller-Tlieater. Schiller-Theater O. (Wallner-Theatcr). Donnerstagabend 8 Uhr: Hat. grobe Hemd. Volksstück in 4 Akten v. C. Karlweis. Freitagabend 8 Uhr: Da« grobe Hemd. Sonnabendabend 8 Uh r: PerrSol. Schiller-Theater V. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Hau« Roaenhaeen. Drama in 3 Auszügen v. Max Halbe. Freitagabend 8 Uhr: Ham-t Roscnhagen. Sonnabendabend 8 Uhr: Der Geizige. Hierauf: Der elngcb. Kranke IX. Berliner Saison. Clrkus Busch. Der Aufenthalt ist nnr noch von kurzer Dauer! Abends 7Va Uhr: Fortscstung der Grossen internationale» Ringkampf-Konkurrenz unter dem Ehrenprotektorat des Hern: Professors Dr. Vegas. Beginn gegen 8'/. Uhr. Entschcidungskämps zwischen Jacob Koch (Deutschland) gegen Dirk van den Berg(Holland). Urban Christoph, der rheinische Riese, gegen Sauerer(München). DM- Auftreten des Honsieur Horok."WM Das Tollkühnste aus dem Gebiete des Radsahrsports: __ Der Saltomortalc mit dem Zwclrad. ISfJ Alis den Alpen. Dcr iÄÄt«r.. Sonnabend, den 23. April: Benesiz-Vorst. für Herrn Burkhardt-feettit. 7r de Volksbühne Sonntag, den 24. April, nachmittags 2,/4 Uhr Hetropol-Theater 9./ 10. Abteilung: Frau Warrens Gewerbe. Uesslng-Theater 12/13. Abteilung: 228/16 Zapfenstreich. Der Torstand. I. A.: G. Winkler. Urania. Taubonstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Das Land Tirol. Sternwarte S«: CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Letzter Monat der Tunesen-Truppe. (Afrika in Berlin!) Grosse Völkorschaustellung! Die.ehttnen Harems- Damen aus Tunis. Apollo-Theater. Abends 8 Uhr: Specialitäten. 3'/«: Die Sensatlons-Xovltht: Liebesgötter. Im dritten Bild: Der Götterzug und die grandiose Apotheose. HEUTE: Zum 240. Male; Anfangs Uhr. Ende 10 Uhr 30. Deutsch- Amerikanisches THEATER Klpnlckerstrasse 67, Jeden Abend: Gastsp. Ad. Philipp Uebem «ROSSET TEICH. Trianon-Theater. Georgenttrage, zwischen Friedrich» und UniversitärSshatze. WM- AbendS 3 Uhr:"MW Das elfte Gebot. Hierauf: DSV Dieb. tads-IMös. Anfang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Jeden Abend 10 Uhr: Grosse internationale Ringkampf- Konkurrenz. 20 preisgekrönte Ringkämpfer. Oskar Fürst* Lina Goltz Humorist. Soubrette. 14 erstklassige Nummern. Carl Weiss-Tbeater. ßürgerHcbes Schauspielhaus. Große Frankfurterftr. 132. Gastspiel von E. Beckmann. Robert und Bertram oder: Die lustige» Vagabunden. Morgen: Erstes Gastspiel des kgl HofschauspielerS Emil Richard: Onkel Brlisig Kleines Theater. Unter de» Linden 44. EJsIftns. Vorher: Hürtyr Ansang 8 Uhr. Morgen: �iachtasyl. rer. Casino-Theater. Lothriugerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/,. «uhr-„fiusarenliebe." 8'l,: Das brillante April-Programm. Markert, fr. am Lessing» Theater je. s uhr: Zärtliche Verwandte. Sonntagnachm. 4 Uhr zum letzten- mal: Oer Raub der Sabinerinnen. Gicbrttdcr Herrnfeld- Theater. &MP' Schlufi der diesjährige» Spiclsaison: Donnerstag, 28. April, wegen Gesamt-Gastspiel destzerrnfeld- Theaters in Köln a. Rh. Bis dahin täglich präcise 8 Uhr die Anton und Donat Herrnfeldschen ScnsationS-Komödien Am andern Jorgen I Nachspiet zu„Nur eine Nacht". Vorher: Kur eine Kaehtl 2 Akte aus einer Ehe mit den Autoren in den Hauptrollen. Ab 7. Mai: Gastspiel L. Köhlers Bauern-Theater aus Tegernsee. Kellino-Truppe Italienische Akrob. Llttke Carlsen Im Ball-Foyer. Paul Conchas In seiner Scene im Bivouak. Robinson Baker-Trio Springer. Helene Land Vortrags-Soubrette. Costantino Bernardi Verwandlungsschauspieler. Siegwart Gentes Humorist. Orfords Wunder-Elefanten. Pesohkoff-Truppe KussisoheTänzer. Die Blumenkönigin Tanzdivertissem. Biograph. Neue Welt Hasenfaelde 108/114. (Hmold Scholz.) Jeden Donnerstag: Bernhard Rose-Theaier-EnseiDlile, Heute: Berlin wie es weint und lacht. Volksstück mit Gesang in drei Akten(11 Bildern). Nach der Vorstellung: Familienkränzchen. Tanz frei. Anfang 8 Uhr. Entree 30 PI. Vorzugskarten gelten. t irBPTV Palast-Theater Burgstraste 23, früher Feen-Palast. Sie jßiebe im Sehhanse. Lustspiel in 2 Akten von ll o s m a r. Pyramidale Speciallt&ten. Die Weber. Eharaktergemälde mit Musik von W. Gericke. Morgen: Elite- Vorstellung: Die Anna-Liese. Historisches Schauspiel in 5 Sitten von Hersch. Sonnabend, den 23. Zlpril, abends 8 Uhr: Das phänomenale April-Programm. Schlust der Saison: Sonnabend, den 30. April 1901. Königstadt-Kasino Holzmarktstr. 72, Ecke NIcxanderstraffe. Täglich: Pranz Sobanskl. Bernhardys. Moreno Gaffron, Isano, Thomsen Plessner. Zum Schluß: Medea. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag nach der Vorstellung: Tanz.__ Refclis hallen SteitinerSänger Zum Schluff: N e u I Cirkus Lenz und Cirkus Pnsch. i�anssonvl. Kottbuser Thor— Etat, der Hochbahn. Sonntag, Montag und Donnerstag: H o f f m a n n s Norddeutsche Sänger. Nach jeder Soiree: Tanzkrttnzchen. Dienstag, den 26. Slpril: Letzter Theaterabend. Knchhandlnng vorwärts Berlin SW.SS. Cinbcnftc. 69. nieder mit den Sozlaldemoliraten von Wilhelm Bracke istfoeben inneuerUeberarbeitung herausgegeben. Preis 10 Ptg. Porto 1 Pfg. .Rieder mit den Sozialdemo» traten" ist eine der ältesten, aber noch immer wirkungsvollen Agi« tationSbroschüren für die ländliche Bevölkerung. Bracke hat die land» läufigsten Vorwürfe, die gegen unsre Partei erhoben werden, in volkstümlicher, allgemein ver« ständlicher Weise widerlegt. Die Märchen vom.Teilen", von der .Zerstörung der Familie und Religion", die auch heute noch in entlegenen Gegenden von unsern Gegnern kolportiert werden, sind in überzeugenden Worten zurückgewiesen. Servus macht I Schuhe u. Stiefel) spiegelblank, geschmeidig, wasserdicht, doppelt baltbar. Sparsamer als Wiebse. Zu haben in schwarz und farbig in Drogen-, Seifen-, Schuh- und Kolonialwarenhandlungen. 1 Fabrik; Lubszynski& Co., 1 Berlin NO. 18. 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Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und "' pünktlich um'/»II Uhr. Der Unterricht beginnt in Mi . if kundi beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pü Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8 bis O Uhr geöffnet.— Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 26 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach beträgt pro Kursus 4 ist am zweiten Abend zü zahlen. Der erste Abend jedes Kursus steht jedermann zum unentgeltlichen Besuch frei. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Gewerkachaftshana, Engel- Ufer 15, Hof links 2 Tr., und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfir. Scholz, Admiralstr. 40a; Rcnl, Bamim- strasse 42; Yogel, Demminerstrasse 32; Krause, Müllerstr. 7a; Horach, Engel-Ufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann Uamme, Berlin SW. 47, Homstr. 20, Querg. II, Geldsendungen an den Kassierer U. Königs, Berlin S. 59, Hasenheide 50, zu senden. 4/14 Der Vorstand. *) Dieses Thema ist die zweite Abteilung bestehenden Kursus über allgemeine„Weltgeschichte". eines aus and 5 Cyclen Kaltar- Naturheitv. Reform, Kuranst. Köpnickerstr. 73, Sprechst.U— 3. 6—8. JL franen-Vortrag morgen Freitagabend 8'/, Uhr, Kommandantenstr. 20, „ Arnünhallen": Frau Grundmann, pratt. Naturheilk. erklärt am weiolTorso morgen Freitagabend 8'/, Uhr. Kommandantenstr. 20, allen": Frau Grundmann, pratt. Naturheilk. erklärt am tr ft'mieiileitten jeder Altersstufe« Eintritt»O Pf. Naturärztliche Sprechstunden für Frauen unMinder von Frau Grundmann, Köpnickerstr. 73, Dienstags und Freitags 3—5 nachm., Charlottenburg, Berlinerstr. 40, tägl. 8—9. 4g74L V öChste Te«, giebt MERKUR Vorziiglictie Duiertrad- Billigstes Kessel- qdiI Feuerung. Heizmaterial MERKUR giebt die httchste Temperatur! MERKUR 4339L* Alleinverkauf für Berlin nnd Provinz Brandenburg durch: Dahlmann A Co., Berlin NW., Holsteiner L'fer 8. Herrn. 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I. bei der Orts- Krankenkasse für Leipzig und Umgegend bestehenden Organisation des ärztlichen Kassendienstes mit ihrein Medizinischen Beirate einer ein- gehenden Prüfung unterzogen. Diese Prüfung hat ergeben, daß durch die von der Kasse ge- troffenen Anordnungen eine den berechtigten Anforderungen der Ver- sicherten entsprechende ärztliche Versorgung mich nur der Kassen- Mitglieder nicht vorhanden, geschweige denn für die Zukunft gesichert ist. Zugleich ist von dem medizinischen Beirate der königlichen KreiShauptmannschast festgestellt worden, daß für eine solche Siche- rung mindestens 112 Aerzte, einschließlich 12 Specialärzte, erforder- lich sind. Ist hiernach die königliche Kreishauptmannschaft in die Notwendig- keit versetzt, von dein Vorbehalte im 2. Absätze ihrer Verordnung vom 14. März d. I. Gebrauch zu machen und eine Vermehrung des ärztlichen Personals zu verlangen, so will sie doch bei der durch§ ö6a des Krankenversicherungs-Gesetzes gebotenen pflichttnäßigen Abwägung aller in Betracht kommender Verhältnisse auf eine Forderung der vollen obigen Ziffer zunächst noch nicht zukomnien, sondern, nainent- lich auch mit Rücksichl auf die Notwendigkeit schleuniger Hilfe, sich— nach Gehör der Kasse und der Aufsichtsbehörde— vorerst auf folgende Anordnungen beschränken: 1. Die Ortskrankenkasse hat bis zum 2ö. d. M., nachmittags 6 Uhr der königlichen KreiShauptmannschast nachzuweisen, daß ihr insgesamt mindestens 98(achtundneunzig) geeignete und zu- verlässige Aerzte(ausschließlich der Zahnärzte) für die Behandlung der Kaffenmitglieder zur Verfügung stehen. Unter diesen Aerzten müssen sich je 2 fachmännisch ausgebildete Specialisten für a) Chirurgie, b> Augenheilkunde, o) Frauenkrankheiten und Geburtshilfe, 6) Haut-, Harn- und Geschlechtskrankheiten, e) Nasen-, Rachen- und Kehlkopfleiden, f) Ohrenkrankheiten befinden. 2. Dem Nachweise sind beizufügen: a) ein Verzeichnis der Namen und Wohnungen dieser Aerzte; d) diejenigen Unterlagen, aus denen ihre Eignung und Zuver- verlässigkeit sich beurteilen läßt; c) die Bescheinigung der zuständigen Ortspolizeibehörde darüber, daß der betreffende Arzt in dem angegebenen Wohnorte eingetroffen ist. Bei der im zweiten Absatz wiedergegebenen Beurteilung hat der medizinische Beirat der königlichen Kreishauvtmannschast neben den sonstigen Unterlagen, insbesondere den Durchschnittszahlen der Krank- heitsfälle und Krankheitstage, den Umfang und die örtlichen Lage- Verhältnisse des Versorgungsgebietes sowie die hierdurch bedingte Zersplitterung der ärztlichen Kräfte, vor allem aber auch den Uinstand zu berücksichtigen gehabt, daß die Kassenärzte infolge der dem Vor- stände bekannten Vorgänge auf eine auch nur vorübergehende Unter- stützung und Aushilfe von feiten andrer Aerzte fast nirgends zu rechnen haben. Gerade die letzterwähnte Thatsache. mit welcher zugleich die wesentlichste Voraussetzung der Verordnung vom 14. März d. I. hinfällig geworden ist, bedeutet nach den überzeugenden, durch die Erfahrungen der letzten Wochen durchaus bestätigten Dar- legungen des medizinischen Beirates des Kreishaupttnannschaft eine derartige Erschwerung des ärztlichen Dieiistes, daß demgegemiber auch der Wegfall der Angehörigenbehandlung— die ja übrigens nach den Erklärungen der Kasse und der gegenwärtigen Kassenärzte den letzteren thatsächlich weiter zufallen soll— einen Ausgleich nicht bieten kanii. Für die Bemessung der in Ziffer 1 festgesetzten Frist war be- stimmend, daß der vorhandene, bei der geringsten Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands geradezu gefahrdrohende Not- stand schleuniger Abhilfe bedarf, übrigens aber die Kasse wemgstens seit der letzten gefchlossenell Absage der Leipziger Aerztcschaft (März d. I.) ausreichend Anlaß und Zeit gehabt hat, ihr ärztliches Personal auf die erforderliche Höhe zu bringen. Die königliche Kreishauptmannschaft. gez. von Ehrenstein. Formell thnt die KreiShauptmannschast nur, waS sie in ihrer Verordnung vom 14. März angekündigt hat; materiell aber bedeutet die Verordnung eine vollständige Aenderung der bisherigen Kassen- Politik der KreiShauptmannschast. Für die Beurteilung kommt auS- schließlich in Frage, ob die vorhandene ärztliche Hilfe ausreicht oder nicht. ES mutz allerdings gesagt werden, daß über den Umfang der vorhandenen ärztlichen Hilfe die Oeffentlich- keit etwas im Unklaren gelassen worden ist. Während vor einiger Zeit in der.Leipziger Volkszeitung" von 83 praktizierenden Distriktsärzten die Rede war, liest man jetzt wieder von 74; wie viel Aerzte an den drei Beratungsanstalten thätig sind, ist noch nie- mal? mitgeteilt worden. Aber angenommen. eS feien jetzt nur 74 Distriktsärzte vorhanden, so bedeutet das doch, nachdem die steie ärztliche Behandlung der Familienangehörigen aus dem Statut entfernt worden ist, daß noch immer weniger wie 2000 Versicherte auf einen DistristSarzt entfallen; durch die uns unbekannte Zahl der an den Berawngsanstalten thätigcn Aerzte wird die Zahl der auf einen Arzt entfallenden Versicherten noch nennenswert heruntergesetzt. Die KreiShauptmannschast beruft sich auf Beschwerden, die ihr zugegangen sind. Nun ist aber Thatsache. daß diese Beschwerden von den alten Aerzten künstlich gemacht worden sind. Die KreiShauptmannschast hätte also zunächst Ursache, die Beschwerden auf ihre materielle Begründung zu prüfen, wenn eS ihr darum zu thun wäre, ihre bisherige neutrale Haltung zu bewahren. Außerdem ist aber, selbst wenn sich die vorhandenen Beschwerden als begründet erweisen sollten, durch den erst vor wenigen Tagen beschlossenen Wegfall der statutarischen Familien- behandlung eine ganz neue Sachlage geschaffen, da hierdurch der Anspruch an die Kasse auf ärztliche Hilfe um mehr als die Hälfte herabgefetzt worden ist. Es wäre damit den etwaigen begründeten Beschwerden m weit größerem Umfange Rechnung gewogen worden, als es die KreiShauptmannschast durch Vermehrung der Zahl der Aerzte um etliche 20, also um etwa höchstens ein Drittel der vor- handenen, glaubt fordern zu müssen. Für wie viel Versicherte ein Arzt notwendig ist, darüber giebt es keine Normen. Es unterliegt dem freien Ermessen der Aufsichts- behörde. waS sie unter ausreichender ärztlicher Hilfe verstehen will. Such exakte Untersuchungen darüber sind nur erst vereinzelt an- gestellt worden. Die Frage wird aber in solchen Kampfzeiten brennend, umsomehr, als sie immer dann austritt, wenn Kassen die Aerzte fest anstellen. Es kann für die Kasse ja geradezu ver- hängniSvoll werden, wenn ihr aus irgend einem Grunde die An- stellung einer das Bedürfnis erheblich überschreitenden Zahl fest be- soldeter Aerzte vorgeschrieben wird. Auf eine exakte Untersuchung über die Zahl der notwendigen Aerzte haben wir in unsrer Sonntagnummer aufmerksam gemacht. Die Orts-Krankenkasse für die Fabrikbetrieve in K r e f e l d hat fest- gestellt, daß bei ihr ein Arzt 1300 Versicherte und deren Familienangehörige behandeln kann, ohne als überbürdet zu gelten; sind mehr als 3000, wahrscheinlich noch mehr als 3300 Per- Ks Jorroiirls" sonen. Danach bemessen, könnte eS als ausreichend angesehen iverden, wenn in Leipzig ohne Familicnbehandlung zwischen 40 und 30, mit Familicnbchandlung etwa 100 Distriktsärzte thätig wären, wobei immer noch die Thätigkeit der drei Bcratungsanstalten außer Rechnung gelassen ist. Auch für München liegen einige Angaben bor, die einen Schluß zulassen auf die Zahl der notwendigen Aerzte. Seit 1. Januar ist für die dortige jetzt allgemeine Orts-Krankenlasse mit über 100 000 Mitgliedern die freie Arztwahl eingeführt worden. Die Mitglieder haben die Wahl unter 371 Aerzten. Es ist fest- gestellt worden, daß bis zum 2. April 134 Aerzte ohne jede Kassen- Praxis blieben. Es ist aber weiter untersucht worden, wie viel von den Kassenkranken auf den einzelnen in Anspruch genommenen Arzt entfallen. An drei Tagen, nämlich am 18. März, am 26. März und am 2. April sind genaue Auszählungen vorgenommen worden. Dabei hat sich herausgestellt, daß 38 Aerzte etwa zwei Drittel der Kassenpatienten behandelten. Angenommen, diese 38 Aerzte wären gleichmäßig in Anspruch genommen und ihre Inanspruchnahme stellte das Höchstmaß ihrer Leistungsfähigkeit dar, dann ergäbe sich, daß die gesamte Kassenpraxis von mehr als 100 000 Versicherten durch 37 Aerzte bewältigt werden könnte. Da Leipzig etwa 140 000 Versicherte hat, würden auch danach die 74 Distriktsärzte schon ausreichen. Aber die Annahme der gleichmäßigen Inanspruchnahme der Aerzte trifft nicht zu. Nach der für die genannten drei Tage vor- liegenden tabellarischen Uebersicht war die durchschnittliche Juanspruch- nähme eines ArzteL an den drei Tagen zusammen 170(erwerbsunfähige) Patienten. Es war aber bei dem meist beanspruchten Arzt die Frequenz 380 und bei dem wenigst beanspruchten nur 92. Nur 13 der 38 Aerzte erreichten oder überschritten den Durchschnit, die andern 23 blieben unter dem Durchschnitt und zwar durchschnittlich um 30 Patienten. Selbst wenn mau nur die durchschnittliche Belastung der 33 Aerzte, also mit 170, als die normale ansehen will, obwohl thatsächlich einige Aerzte das doppelte und darüber geleistet haben, so blieben doch noch 23 Aerzte übrig, die nur etwa zwei Drittel der Durchschnittsleistung hatten. Würden sie gleichfalls auf die Durch- schnittsleistung gestellt, so wäre noch etwa ein Drittel der 23, alfo acht, übrig, so daß thatfächlich nur 15 und 15, also 30 Aerzte nötig gewesen wären, nm zwei Drittel derjenigen Krankenzahl zu be- handeln, die bei mehr als 100 000 Versicherten entstehen, für die Gesamtzahl also 43 Aerzte. Es ergiebt sich hieraus, wenn man die Krefclder Zahl in Bettacht zieht, daß wir wahrscheinlich die Leistungsfähigkeit der Aerzte noch unter- schätzt haben. Das ist ja auch sehr naheliegend. Denn wenn wir statt 38 nur 30 Aerzte für die ausgewiesene Arbeit annehmen, dann beträgt der Durchschnitt für den einzelnen immer nur 213, und der wurde noch von neun Aerzten überschritten. Die Möglichkeit höherer Leistungen, alS wir sie als durchschnittlich zulässig unterstellten, ist bei neun von 33 Aerzten nachgewiesen. Aber selbst bei dieser den Aerzten sehr günstigen Annahme ergiebt fich, daß 74 Distrikts- nrzte auf 140000 Versicherte, der gegenwärtige Stand in Leipzig, schon zuviel find. Materiell ist also daS Einschreiten der Kreishauptmaunschaft in Leipzig nicht gerechtferttgt. Die Entscheidung darüber, ob aus- reichende ärztliche Hilfe vorhanden ist, kann sich doch unmöglich auf die Thatsache des Vorliegens einer Anzahl von Be- schwerden stützen, die in einem Kainpfzustande aufgebracht worden sind; sie muß sich doch an objektive Merkmale halten. Wir sind überzeugt: wenn man die Statistik der Leipziger Ortskasse daraufhin prüft, wie sich die Inanspruchnahme der Aerzte unter dem System der bis zum 1. April bestandeneu be- schränkten steten Arztivahl gestaltet hat, dann wird man zu Ergebnissen kommen, die den Krefclder und Münchener sehr nahe kommen, loahrscheinlich zwischen beiden liegen, und das würde beweisen, daß das Verlangen der KreiShauptmannschast, noch mehr Distrikts- ärzte anzustellen, auch nach Leipziger Verhältnissen sachlich nicht be- gründet ist. In einer ihrer Bekanntmachungen teilte die KreiShauptmannschast mit, daß die Kasse auf Wunsch der Behörde im Interesse der alten Kassenärzte längst vor dem 1. April den Abschluß von Verträgen mit neuen Aerzten unterbrochen hat. Das jetzige Vorgehen der KreiShauptmannschast scheint darauf hinzuweisen, daß daS damalige Entgegenkommen deSKaffenvorstnudes schlecht gelohnt wird. Es will uns scheinen, daß der Kassenvorstaud damals klüger gehandelt hätte, wenn er kein Entgegenkommen bewiesen hätte. Indes konnte er ja auch nicht wissen, daß es ihm so schlecht gelohnt werden würde. Aber was nun? Wenn nun der Kassenvorstand nicht in der Lage ist, innerhalb acht Tagen die geforderte Zahl Aerzte zu stellen? Wird sie die Kreishauptmannschast stellen können? Die alten Leipziger Aerzte find nicht bereit, Distriktsarztstellen anzunehmen. Sie sind auch nicht bereit, neben den angestellten Distriktsärzten in steier Praxis gegen Bezahlung der Mindesttaxe diejenigen Kassenmitglieder zu behandeln, die sich an sie wenden, daS haben sie bisher fchon gezeigt. Sie haben jedes Kassenmitglied, daS sich an sie wandte, rundweg abgewiesen, ihm statt dessen eine Beschwerde wegen mangelnder ärztlicher Hilfeleistung zur Unterschrift vorgelegt und diese Beschwerden sind es, auf die sich dieKreiShauptmannschast in ihrer neuesten Verordnung beruft. Die alten Aerzte verlangen Aufhebung der Berattingsanstalten und Einführung der allgemeinen freien Arztwahl. Sie werden wahrscheinlich auch wie in Köln die Ausschließung der jetzigen DisttiktSärzte von der Kassenpraxis„im Namen der freien Arztwahl" fordern. Die KreiShauptmannschast hat aber jüngst erst feierlich erklärt, daß die eingegangenen Verttäge gehalten werden müßten, daß von einer Entlassung der zugezogenen Aerzte keine Rede sein könne. Wie denkt sich nun die Kreishauptmannschaft die weitere Ent- Wicklung der Angelegenheit? Uns scheint, sie ist auf dem besten Wege, ein zweites Köln zu schaffen, obwohl sie sich auch dagegen schon feierlich verwahrt hat. Klug können wir danach den neuesten Schritt dieser Behörde nicht nennen. Lokales. Wie die Stadt Berlin ihre Waisenkinder«nteriringt. Ein Waisenkind stand im Mittelpunkt einer BeleidigungS- klage, die am Mittwoch vor dem Schöffengericht in Moabit ver- handelt wurde. Ueber eine Fran Schuster, Willibald Alexisstr. 11, hatte sich das Gerücht verbreitet, daß sie das ihr von der Berliner Waisenverwalttmg anvertraute Pflegekind, einen jetzt siebenjährigen Knaben Herbert Schlegel, übermäßig schlage. Die in demselben Hause wohnende Frau Jahn hatte fich der Sache angenommen und beim zuständigen Waisenrat Anzeige erstattet. Der Waisenrats-Vorsitzende Bildhauer Meinhardt, Fidicinstt. 6, war durch die von ihm vor- genommenen Ermittelungen nicht zu der Ueberzeugung gelangt, daß die von der Frau I. vorgebrachten Beschuldigungen der Wahrheit entsprachen. Darauf war dann der Spieß umgedreht worden, und Frau Sch. hatte die Frau J. wegen Beleidigung durch üble Nachrede verklagt. Dsnverstllg, 2l. April 1904. War die Nachrede begründet? Zur Prüfung dieser Frage hatten die Parteien eine große Zahl von Zeugen gestellt. Die Beklagte Frau I. berief sich auf andre Bewohner des Hauses und eines Nachbarhauses; der Klägerin Frau Sch. standen Mitglieder des Waisenrats zur Seite. Frau Sch. bestritt nicht, den Knaben mehrfach geschlagen zu habe», aber sie habe ihm dadurch seine große Un- reinlichkeit abgewöhnen wollen. Sie gab auch an, daß man ihr in- zwischen das Kind abgenommen habe, doch fei das geschehen, weil das Kind skrophulöS sei. Das gegen sie ins Feld geführte Zeugnis der Hausbewohner, soweit diese vernoinmen wurden, brachte keine Aufklärung. Wie das Kind geschlagen wurde, hatte niemand von ihnen gesehen. Die einzige Zeugin, die vom Nachbarhause auS zu- geschaut hatte, war nicht erschienen. Andre hatten nur häufiges und langandauerndes Geschrei gehört; außerdem hatten sie ge- sehen, daß der Knabe oft wunde Stellen im Gesicht sowie blaue Flecke hatte. Bestimmtere Aussagen kamen von der gegnerischen Seite. Der Waisenrats-Vorsitzende Herr Meinhardt gab an, es seien Anzeigen im November 1902, im Januar 1903, im September 1903 und im Januar 1904 gekommen, die er sämtlich der Waisenvcrwaltung übergeben habe. Auch die Polizei habe im November 1902 eine Anzeige erhalten. Alle seine Ermittelungen sowie die der Polizei hätten nichts Belastendes ergeben. Frau I. könne nicht von der Wahrheit ihrer Behauptungen überzeugt gewesen sein, nachdem er sie doch so oft verwarnt habe. Er halte sie, da sie fich in die Sache so hineingebohrt habe, für nicht ganz intakt, und sie werde auch von der Polizei als Ouerulantin behandelt. Der Verteidiger bemerkte hierzu, dann sei wohl das ganze HauS„nicht intakt". Nach diesen sonderbaren Auslassungen erzählte Herr Mein- Hardt weiter, das Kind sei sehr skrophulös, überhaupt sehr krank. Frau Sch. habe es mit großer Liebe gepflegt, dreimal täglich habe sie die Pflaster abgenommen, da habe das Kind eben geschrieen. Er legte ein Zeugnis de§ Armenarztes vor, der da? Kind oft gesehen, aber nie Verletzungen bemerke hatte, die auf Mißhandlung schließen ließen. Nach dieser Erklärung hielt es das Gericht stir nötig, doch noch jene Bewohnerin des Nachbarhauses zu laden, und die Sache wurde vertagt.— Wir wollen mit unsrem Urteil zurückhalten, bis das Gericht ge- sprachen haben wird, aber ein paar vorläufige Bemerkungen möchten wir unS fchon jetzt gestatten. Wir können nicht wissen, ob Frau Sch. „übermäßig" geschlagen hat oder nicht. Aber auch wenn die Waisen- Verwaltung ihr das nicht zuttaute, hätte sie ihr das Kind doch schon viel früher abnehmen müssen. Ein„sehr sttoPhulöseS, überhaupt sehr krankes" Kind, das sich im siebenten Lebensjahre noch häufig die Hosen näßt, gehört nicht in Familicnpflege, wo es mit Prügel» behandelt wird, sondern in das Lazarett, und da ist es ja nun auch endlich hin- gekommen. Frau Sch. könnte die beste Absicht gehabt haben— wir, wie gesagt, wissen's nicht—, aber zur Pflege dieses KindeS eignete sie sich offenbar nicht. Wenn das Herr Meinhardt nicht eingesehen hat, so hätte es doch die Waisen- verlvaltmig rechtzeitig einfchen können. Hat eS denn nie- mand stutzig gemacht, daß immer wieder Beschwerden kamen? Was mag Frau Sch. auf die früheren Beschuldigungen geantwortet haben? Hat sie schon damals sich damit entschuldigt, daß daS Kind unreinlich und skrophulös sei, hat sie schon damals zugegeben, daß sie es thatsächlich gefchlagen habe? Man ließ ihr den Knaben und legte beruhigt eine Beschwerde zur andern. Erst als der„Vorwärts" eingriff. wurde es anders. Frau I. war nämlich, als sie durch die Beschwerden nichts erreichte, auf den Rat eines Hausbewohners zu unS gekommen. Wir gewannen den Eindruck, daß die Frau bei all' ihrer Einfalt die edelsten Beweggründe hatte. Da wir den Sachverhalt nicht zweifelsfrei feststellen konnten, so gaben wir die Beschwerde durch eine» unsrer Stadtverordneten an die Waisenverwaltuug. Am 12. März 1904 antwortete Waisenhaus- Direktor Neubauer dem betreffenden Stadtverordneten:„Gleich nach Empfang Ihre? Schreibens habe ich die daselbst angeführte Pflege- stelle revidiert. Thatsache» haben sich nicht feststellen lassen, auch weigerten sich die betreffenden Personen, ihre Behauptungen zu Protokoll zu geben. Ich bin der Meinung, daß sich der Junge für Familienpflege nicht eignet, sondern in einem Lazarett kuriert werden müsse, und habe demgemäß berichtet." Wir haben diesein vielsagenden Briefe kein Wort der Erläute« rung hinzuzufügen. Wir haben ihn veröffentlichen müssen, damit durch ihn allen Abstteituugsversuchen(die wir selbstverständlich niemals von Herrn Direttor Neubauer selber erwarten würden) von vornherein vorgebeugt wird._ Die Gründung von Schwindelkasse» ist auf dem Gebiete der Gaunereien genau so eine Specialität ge« worden wie die Ringnepperei und der Heiratsschlvindel. Es thut sich eine kleine Gesellschaft anrüchiger oder schiffbrüchiger Personen zusammen, meldet eine„Eingeschriebene Hilfskasse" bei der Behörde an, wählt sich unter einander etwa auf zehn Jahre zu unabsetzbaren und gut besoldete» Beamten, und dann geht mit Hilfe einer Agenten« schar der Fang von Mitgliedem los. Aufgenommen wird unbesehen? ein jeder, der Beiträge abzuladen willens ist; hat das Opfer den Halsabschneiderverttag unterschrieben, so muß es zahlen oder wird ausgepfändet. Macht ein solches Mitgfied aber auf Krankengeld An- spruch, so wird es ausgelacht; zur Not sagt man ihm, daß eS die Krankheit, an der es leidet, bei der Aufnahme verheimlicht habe und daher nicht unterstützuugsberechtigt sei. Will der Schwindel nicht mehr gehen, dann geht die Kafse, nämlich pleite, und die Vor» standSmitglieder machen sich allmählich an t ie Gründuug einer neuen „Eingeschriebenen Hilfskasse". Wir haben im Laufe der Jahre un- zähligemal vor diefen Unternehmungen gewarnt, doch scheinen immer noch Leute auf den Schwindel hineinzufallen. Leider richten die Grüudungsschwindler aber auch noch einen andern Schaden an. Sie diskreditieren die Eingeschriebenen Hilfskassen im allgemeinen und liefern ferner den Arbeiterseinden Material zu Attentaten. Die, wenn wir nicht irren, im Solde des CentralverbandeS deutscher Industrieller stehende„Deutsche Volks- wirtschaftliche Korrespondenz" bringt einen Arttkel über die erwähnten Kassen, der auch von der„Kreuz-Zeitung" abgedruckt wird. Am Schluß der Bettachttmg heißt es: „Es mag ja nicht zu leugnen sein, daß diese HilfS- lassen, sofern sie in strenger örtlicher oder beruflicher Be- firenzung gehalten werden, einem Bedürfnis abzuhelfen und eine ruchtbringende Thätigkeit zu entfalten geeignet sein könnten. Aber der jetzige Zustand, bei dem eine solche Kasse bei böchst be- i schränkter staatlicher Aufsicht im ganzen Reiche ihr meist durch Agenten recht kostspielig gestaltetes Unwesen treiben darf, scheint ganz unhaltbar zu sein; denn die Zahlungsunfähigkeit der m der Form von eingeschriebenen Hilfskassen bestehenden Kranken- kassen ist schier zur Gewohnheit geworden. ES empfiehlt sich alfo eine Reform des Gesetzes über die eingeschriebenen Hilfskassen (vom 7. April 1876 bez. 1. Juni 1884) in die Wege zu leiten und namentlich auch einmal in eindrucksvoller Weise nach außen kund- zuthun, daß man bei der Beteiligung an derarttgen Kassen und bei der Unterschrist von Reversen. Verpflichtungen und Statuten mit der größten Vorsicht verfahren möge." Mit demselben Rechte kann man schreiben, daß die Zahlungs- nnsähigkcit der deutschen Banken schier aut Gewohnheit geworden ist usw., denn die von den Arbeitern gegründeten Freien Hllfskassen, deren Existenz zum Teil schon von den sechziger und siebziger Jahren herdatiert, haben mit den Schwindelkassen gar nichts gemein. Sie stehen unter unausgesetzter Kontrolle des Staates und ihrer Mit- glieder, die einen so weit wie nur möglich gehenden Einfluß aus die Leitung der Kassen haben, und bieten keine geringere Sicherheit als die Ortskassen. Diese Kassen niit den Schwindelkassen in einem Atemzuge zu nennen, kommt einer Verleumdung nahe. Bildliche Propaganda der Thai. Graf Piicklers letzte Rede „Die Juden die Könige der Zeit" ist als Flugblatt erschienen und wird auf den Straßen der Reichshauptstadt verteilt. Wir glauben, imsre Leser mit einigen. Kraftstellen delektieren zu müssen: Deswegen schlägt die ganze Judenpresse gegenwärtig einen heillosen Lärm und verlangt gebieterisch die Anstellung von jüdischen Offizieren. TaS fehlte auch gerade noch zu all dem llnglück, daß diese Gesellschaft unsrc schönen Regimenter ruiniert. Was würden wohl die Riesen der Garde sagen, wenn plötzlich eines schönen Tages so ein jüdisches Männchen vor der Front erschiene und mit seinen krummen Beinen und seiner krummen Nase herumsauste, als ob er der Hölle und der Finsternis direkt entsprungen wäre. Wissen Sie, was die Grenadiere machen würden? Das will ich Ihnen sagen: die würden bei der ersten Gelegenheit das schwarze Ungeheuer in die Beine schießen, daß es der Deibel holt, und sie hätten auch sehr recht, Ivenn sie das thätcn.... Das Elend aber, in dem Sie sich befinden, meine Herren, das kommt von der Schlappheit und von der Feigheit, die herrschen in allen Kreisen und in allen Berufsständen von Berlin. Kein Mensch will mehr etwas wagen, etwas riskieren, kein Mensch will mehr offen hervortreten mit seiner Meinung. Niemand will mehr Opfer bringen, niemand will mehr energisch kämpfen, nur immer recht leise und vorsichtig auftreten, nur um Gottes willen keinen Krach und keinen Tumult, das ist die Losung der Angstmeier und der Nachtwächter.... Der sogenannten ersten Gesellschaft, die so Wer alle Maßen verlumpt und verlicdert ist, der müssen wir mal den Standpunkt ganz gehörig klar machen. Fort niit den feinen Salonleuten, die immer nur denken an ihre schönen Kleider; fort mit den Fatzkes und mit den Jammerkerls, fort mit den Drohnen, den Parasiten und den Schinarotzerpflanzen, die immer nur genießen wollen, ohne zu arbeiten; sort mit den liberalen und freisinnigen Theologen, welche auf der Kanzel ihren Herrn und Meister ver- leimncn; fort mit den feigen und schlappen Parlamentariern, welche nicht den Mut besitzen, der Regierung ganz energisch die Wahrheit zu sagen, und welche immer ja sagen zu allen den dummen und albernen Gesetzen, welche in letzter Zeit fabriziert worden sind; fort mit den Staatsanwälten, welche immer nur Leute quälen, fort mit den Richtern, die zu viel Rücksicht auf die Juden nehmen, fort mit den Staatsmännern, die sich nur mit Juden herumtreiben und das eigne Volk im Stich lassen; fort mit den Höflingen, die zu feige sind und zu schlapp, um ihren Herren und Gebietern die 'Wioljrhcit zu sagen; fort mit den Für sie n. die das eigne Volk im Stiche lassen und nur dem Auslande nachlaufen. Graf Pückler kann sich daraufhin, daß gerichtsnotorisch er nur bildlich zu Adord und Totschlag arrffordert. auch schon ein bißchen Revolution leisten und obendrein an die Soldaten der Garde den Appell richten, daß sie vorkommenden Falles doch ja nicht versäumen, auf ihre Offiziere zu schießen. Und gern gestehen wir ein, daß wir diese gemütlich- rücksichtsvolle Auffassung vom Wesen der Pücklerschen Agitation billigen. Der Mann ist trotz seiner Propaganda der That kein Schreckensanarchist; ja er lvirkt durch seine Heiterkeitserfolge in unfrer aufgeregten Zeit geradezu kalmierend. Jiwimerkerle. In einen, zweieinhalb Spalten langen Leitartikel jammert die„Staatsbürger Zeitung" darüber, daß ein Gnaden- gesuch, welches ihr Verleger, Reichstags-Abgeordneter Bruhn, eingereicht hatte, vom Kaiser abgelehnt worden ist. Bruhn war im Oktober 1S02 in dem großen Konitzer Beleidigungsprozeß zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden, die er zur Zeit in Tegel verbüßt. Den Rest der Strafe wollte er durch Begnadigung erlassen haben. Im wehleidigen Ton wird diese Verweigerung der Begnadigung von dem Anttsemitenblatt ein„Wettersignal" genannt und zugleich aus Anlaß des an sich durchaus nebensächlichen Falles dem Kaiser vorgeworfen, daß er zur Zeit nicht gewillt sei, nnt den Parteien zu gehen, die sich als national bezeichnen und daß ihm der Börsenliberalismus und das C e n t r u m zum Zweck der Förderung seiner besoudercn Pläne, die, wie boshafterweise gesagt wird, uns glücklicheren Zeiten entgegenführm sollen, gegenwärtig lieber seien. Ein Glück für Deutschland, daß sein Bestand nicht von der Gunst jener sich national nennenden Mannesseelcn abhängig ist, die ihren Patriotismus gleich alten Hosen anpreisen und flennen, wenn das Geschäft einmal nicht nach Wunsch geht. Graf Pückler kennt seine Pappenheimer, wem, er in seiner letzten Rede auf die Schlappheit und Feigheit schilt und sagt, daß kein Riensch mehr etwas wagen, etwas riskieren will! Unser Parteigenosse Dr. Kurt Frcudenberg hat sein Stadt- verordneten-Mandat niedergelegt. Gesundheitsrücksichten zwangen unsren Genossen, in Kairo Aufenthalt zu nehmen, wo er sich jetzt dauernd niedergelassen hat. Sllle, die Dr. Frcudenberg kennen. werden bedauern, daß seine schätzbare Kraft unsrer Gemeinde und der Partei am Orte nicht mehr dienstbar sein kann, und mit uns den Wunsch hegen, daß der Aufenthalt in Aegypten ihm baldige und gründliche Genesung bringe. Dr. Freudenberg gehörte der Stadtverordneten-Versammlung seit dem i. Januar 1900 an; er vertrat den 40. Kommnnal-Wahlbezirk dritter Abteilung, lvo nun- mehr ebenso wie in dem bisher durch m,sren Kollegen Leid ver- tretenen 32. Wahlbezirk eine Neuwahl stattzufinden hat. Die Arbeiter-Samariterkoloune zählt nach ihrem jetzt erstatteten Jahresbericht 70 Mitglieder; zum Winterkurjus haben sich 34 Personen aufnehmen lasten. Durchschnittlich beteiligten sich an den UebungS- abenden in der Centrale 39, in der Filiale 24 Mitglieder. Außer den im Lehrplan verzeichneten Vorträgen fanden noch einige außer- ordentliche Vorträge statt, von denen der letzte im pathologischen Institut besonders gut besucht war. Die Bibliothek enthält 183 Bücher. Es wurden gelesen von 66 Mitgliedern 234 Bücher. Gerügt wurde die luipünktliche Ablieferung der Bücher. Die dienstthuende Abteilung zählt 23 Mitglieder. Sie hatte während des Winter-Halbjahres 22 dienstliche Auf- träge zu erledigen. Gemeldet wurden 15 Hilfeleistungen. Die Statistik der letzteren zählt jetzt 816 Hilfeleistungen vom 1. Januar 1898 an. Die Kolonne ist Mitglied der Deutschen Gc- sellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Es sind in letzter Zeit Samariter-Kolonncn in Renischeid und Brandenburg a. d. H. errichtet worden, wozu Drucksachen. Anleitungen usw. ge- geben wurden. Die Einnahme der Kolonne betrug 4ö0 M., die Ausgabe 320 M., der Kasienbestand 740 M. Dem Kassierer wurde Decharge erteilt. Die Neuwahl dcS Vorstandes ergab folgendes Resultat; Stein erster, Hahn zweiter Vorsitzender; Hellmuth erster, Bukow zweiter Kassierer;«itte erster, Ladeburg zweiter Schrift- ftihrer: Frau Sperling Bibliothekarin; Müller und Henimann Revisoren. Am 9. Mai beginnt ein neuer Sanmriter-KursuS. Der Ausschuß des Deutschen Stiidtrtagcs, dessen Organisation auf dem Deutschen Städtetage in Dresden im vorigen Jahre be- schlössen wurde, war kürzlich im Berliner Rathause un'tcr dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner versammelt, um die Satzungen zu beraten, die der Organisation der deutschen Städte als Grundlage dienen sollen. An den Beratungen nahmen die Oberbürgermeister von Breslau, Dresden, Hildesheim. Kiel, Königsberg i. Pr., Kottbus, München. Stettin, Straßburg i. E. und Stuttgart, Bürgermeister Leupold-Dresden, Stadtrat Namslau-Verlin und der Stadtverordneten- Vorsteher Dr. Langerhans-Berlin teil. Es herrschte Uebereinstimnmng darüber, daß alle drei Jahre ein deutscher Städtetag zusammentreten müsse und daß von einer gcmcinsanien Centtalstelle aus alle die Fragen in der Zwischenzeit bearbeitet und erledigt werden könnten, bei denen gemeinsame Interessen der beteiligten Gemeinden vorausgesetzt werden dürfen. Von der Geschäftsstelle erwartet nian für die organisierten Gemeinden eine wesentliche Erleichterung des Geschäftsverkehrs insofern, als dann viele Anfragen und Auskünfte über kommunale Angelegenheiten, Bestimmungen usw. nicht mehr von den einzelnen Gemeinden, sondern viel schneller und erschöpfender von der Centralstelle aus beschafft und erledigt werden können. In jedem Falle würde der Verkehr zlvischen den Einzelgemeinden sehr entlastet werden. Prcisdrückerer in Hoflieferanteittittln. Hoflicscrantentitel ausländischer Fürstlichkeiten versucht die Firma I. F. Petroczky in Budapest bei Gewerbetreibenden und Kauflcuten in Deutschland zu vertreiben, und zwar beziehen sich die Angebote, wie die„Allgemeine Fleischer- Zeitung" mitteilt, auf Oestreich- Ungarn, Serbien. Rumänien, Bulgarien, Italien, Griechenland. und Portugal. Die Firma rühmt sich ihrer vorzüglichen Verbindungen und weist darauf hin, welchen großen Nutzen eine solche Auszeichnung für das Ge- schüft habe. Ter Handel scheint recht schwunghaft betrieben zu werden, denn die Fttma bedient sich gedruckter Gebührenformulare und Jnformationsbogen. Die Billigkeit der Gebühren, die Petroczkh fordert, drängt geradezu, auf das Angebot einzugehen. Petroczky verlangt nämlich nur 60 Kronen zur Einleitung des Geschäfts und „bei Erhalt der offiziellen Zusage des Titels" 300 Kronen. Das wird gewiß den Zteid der Konkurrenz erwecken, die bisher solche Titel zu viel höheren Preisen abgab. Aber da Petroczky seine Ware gleich im großen von sieben Fürstenhöfen bezieht, kann es nicht wunder- nehmen, daß er als Vernichtcr des Mittelstandes auf einem Gebiete auftritt, das bisher von der Schleuderkonkurrcnz noch einigermaßen frei war. Im alten botanischen Garten werden die Beamten- Wohnhäuser zum 1. Juli d. I. geräumt, da ihre Bewohner um diese Zeit nach dem neuen Garten bei Dahlem übersiedeln. Die alten Häuser werden vorläufig noch nicht abgebrochen, sondern es werden dort die Herbarien untergebracht werden, die sich jetzt in gemieteten Räumen des Hauses Grunewaldstt. 120 befinden. Arbeiterrisiko. Vom Verband der Glaser wird uns geschrieben: Beim Einsetzen vom Schaufensterscheiben im Hause Friedrichstt. 87 sind zwei Schlosser der JnstallationSfirma Flatow schwer verunglückt. Eine große Spiegelscheibe ging ihnen unter den Händen entzwei und durch die herabfallenden Glasstücke wurde einer der Leute am Arm, ein andrer an der Brust erheblich verletzt. Derartige Unfälle könnten vermieden werden, wenn zu solchen Arbeiten Fachleute herangezogen würden. Doch ist es gang und gäbe, un- geübte Arbeiter zu verwenden, und auch in diesem Falle sind erst vier Glaser eingestellt worden, nachdem das Unglück geschehen war. Viel Gutes könnten die Gewerkschaftsorganisationen wirken, wenn sie ihre Mitglieder darauf verwiesen, daß sie gefährliche Arbeiten, die nicht in ihr Fach schlagen, auf alle Fälle verweigern. Bei den Glasern kommt noch in Betracht, daß sie unter der gegen- wältigen Arbeitslosigkeit durch die geschilderte Konkurrenz schwer zu leiden haben. Ein Liebesdrama. Einen Leichenfund machte vorgestern nach- mittag im Grunewald in der Nähe der Kolonie Moor'lake ein Ge- Hilfe der Stolper Försterei, der sich auf einem Dienstwege befand. Ein in Begleitung des Forstbeamtcn befindlicher Hund blieb plötzlich vor einer Bodensenkung stehen und schlug an. Als der Förster, durch das auffällige Gebahren des Hundes aufmerksam gemacht, hinzutrat, fand er die Leichen eines Liebespaares. An dein Rocke des jungen Mannes war mit einer Stecknadel ein Zettel befestigt, auf dem die Adressen Herniann Kost, Zorndorferslraße le und Klara Hoppe, Weberstraße 10, angegeben waren. Neben der Leiche des ManneS lag ein Revolver, dessen Trommel noch drei Pattoncn enthielt. Die Ursache zu der ttaurigen That ist vollständig unbekannt, und die Eltern, die gestern ftüh von dem Leichcnsund benachrichtigt wurden, stehen vor einem Rätsel. Der Selbstmörder ist der 19 jährige Handlungsgehilfe Willy Schulz, der bei seinem Stiefvater, dem Kellner Kost in der Zorn- dorfersttatze 1s. wohnte. Er war in einem lvtanufakwrwarengeschäft in der Großen Frankfurterstraße angestellt, in dem er auch die Lehrzeit durchgeinackit hatte. Im November vorigen Jahres lernte er bei einer Festlichkeit des Kaufmännischen Hilfsvcreins die 17 jährige Tochter Klara des Sattlers Hoppe, Weberstr. 10, kennen, und zwischen beiden entspann sich ein Liebesverhältnis, dem die An- gehörigen der jmigen Leute keinerlei Hindernisse entgegensetzten. Am Sonntagvormittag verließ Schulz die elterliche Wohnung, um die Hoppe zu einem Äusfluge abzuholen und war seit dieser Zeit verschwunden. Die That scheint in der Nacht zum Montag verübt worden zu sein. Dem Leichenbeftind nach zu urteilen, hat Sich, seine Geliebte umarmt und ihr dann eine Kugel in die linke Schläfe gejagt. An der Wunde sind noch Brandstellen vorhanden. Dann schoß sich der junge Mann zweimal in die rechte Schläfe und brach tot neoeu seiner Braut zusammen. Wie bemerkt, ist die Ursache zu der That vollständig imbekannt, die Verstorbenen haben auch keinerlei Schriftstücke hinter- lassen, welche Aufklärung zu geben geeignet sind. Im Dienste tödlich verungliickt ist der 37 Jahre alte Straßen- reiniger Ernst Vollus aus der Oppelnerstraße. Als der Maiin an, Sonnabend einen Karren über den Alexandcrplatz schob, geriet er in die Gefahr, von einem Bierwagen überfahren zu werden. Bei seinen Bemühungen, diesem auszuweichen, glitt er aus, fiel hin, so daß sein Karren umschlug, und stürzte mit dem Kopf auf die Bord- schwelle. Der Verunglückte wurde bewußtlos nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht und erlag dort seinen Verletzungen. Da seine Frau ihn vor vier Wochen verlassen hatte, so wurde sein ein- ziges Kind bei seiner Schwiegermutter untergebracht. Einbrecher suchten in der Nacht zum Mittwoch das Kaufhaus von Kott in der Schönhauser Allee Nr. 50 heim. Sie erbrachen die Thören, stahlen aus den, Laden 12 Ballen Kammgarnstoffe, 12 bis 15 Dutzend Sommerübcrziehcr und 30 bis 40 Hosen, packten die Beute im Werte von 3900 M. in eine Droschke und sichren in der Richttmg nach der Kastanien-Allce davon. In Flammen. Weydingerstraße 7 wohnt in der ersten Etage die 63 jährige Greisin Katharina Schiefer geb. Krieg bei ihrem ver- heirateten Sohn. Bis September v. I. war die alte Frau in einem Sttft in Köln a. Rh., wurde aber von ihren hier lebenden Kindern nach Berlin geholt, weil sie infolge eines Schlaganfalles gelähint blieb und sorgfältiger Pflege bedurste. Als„un gestern vormittag gegen 9 Uhr. während der Sohn auf Arbeit war und die Schwicger- tochter Einkäufe besorgte, das Mittagbrot auf der Maschiue über- kochte, wollte die Greisin den Topf vom Feuer nehmen. Hierbei fingen die Fransen ihres Umschlagetuches Feuer, und lichterloh brennend schleppte sich die Gelähmte nach dem Flur, laut um Hilfe rufend. Herbeieilende Hausbewohner rissen der Aermstcn die brennenden Kleider vom Körper und Samariter der schnell herbei- gerufenen Feuerwehr leistete,, die erste Hilfe. Mit schweren Brand- wunden am Oberkörper, Kopf und Armen wurde die Greisin dann mittels Krankenwagens nach dem städtischen Krankenhaufe Friedrichs- Hain gebracht. Feuerbrncht. lieber ein Dutzend Alarmierungen hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden zu verzeichnen. Dienstagabend gegen 9 Uhr wurde sie nach der Lüneburgerstr. 23 gerufen, weil hier in einer Wohnung Möbel, Decken und Kleidungsstücke in Flammen standen. Ein zweiter WohnungSbrand kam bald darauf in der AndreaSstr. 17 aus, konnte aber leicht unterdrückt lvcrdcn. Gegen 6 Uhr lief ein Alarn, aus der Lauveukolonie„Neu-Kalisornicn" an der Landsberger Allee ein, wo in einer Holzbude durch die Explosion von Spiritus Feuer ausgekommen ivar. Als der erste Löschzug ein- traf, stand die Laube schon in hellen Flammen. Die Wehr gab sofort tüchtig Wasser, konnte aber nichts mehr retten; die Laube ist total niedergebrannt. Nachmittags hatte der 19. Löschzug in der Mauer» straße 12 zu thun. Hier waren in einen, Schaufenster Eclluloib- lvareu in Brand geraten, der auch einen Teil der Dekoratton erfaßt hatte. Die Gefahr konnte indes leicht bcsettigt werden. Alle übrigen Marmierungen, die in der Zwischenzeit die Wehr noch nach der Bluincnstt. 70, Danzigerstr. 90, Bellc-Alliancestt. 24 und noch nach verschiedenen andren Stellen führten, waren auf ganz m, bedeutende Anlässe zurückzuführen_ Freie Fortbildungskurse für Arbeiter, veranstaltet von der fociak- wissenschaftlichen Abteilung der Wildcnschaft der kgl. Technische» Hochschule zu Berlin. Im Sonnnerhalbjahr 1904 werden in der Gemeindeschule Hl zu Charlottenburg, Schloßstraße 2. folgende Kurse wöchentlich einmal abends von 8 bis 10 Uhr abgehalten: Deutsch; Rechnen; Algebra(Buchstabenrechnen); Geometrie; Zeichnen; Physikalische Erklärung alltäglicher Erscheinungen; Goethe; Rechtliche Grundbegriffe; Exkursions-Vorttäge und Allgemeine Uebnngen. In der Aula der Oberrealschule zu Charlottenburg, Schloßstraße 27, finden jeden Mittwochabend von 8—10 Uhr Einzelvorträgs aus den verschiedensten Gebieten der Wissen- schaft, Kunst und Technik statt. Die Kurse beginnen am 2. Mai. die Einzelvorttäge am 4. Mai. Für Teilnehmer an den Kursen wird außer einer Einschreibegebühr von 25 Pf. pro Kursus ein Eutgelt von 25 Pf. erhoben: für die Einzelvorttäge 10 Pf. pro Vorttag, für alle 50 Pf. Amncldungen werden Sonnabend, den 30. April, abends 8>/z— 9l/z, sowie an den folgenden Unterrichtsabenden um 8 Uhr i» der Gcmeindeschiile III entgegengenommen. Programme sind erhältlich von Ingenieur W. Wagner, Westend, Akazien-Allee 17. pt. Theater. Das Bürgerliche Schauspielhaus, wie jetzt das Ostend-Theater heißt, experimentiert noch mit altbewährten Stücken, bevor es an die angekündigte Reformierung des Spielplans herangeht. Seinem Personal haften noch die bisherigen Tradittoncn der Firma Weiß an, und schon aus diesem Grunde ist eine milde Beurteilung geboten. Es sei daher anerkannt, daß es immerhin schon eine Verbesserung bedeutet, wenn die bis dahin verübten Attentate gegen den guten Geschmack aufhören und au Stelle der Schreckensrammcrsiücke milde Sachen treten, wenn die„Zärtlichen Verwandten" von Benedix mit einem Rührstück von Rich. Voß ab» wechseln oder wenn, wie gestern, die derbe aber drollige Posse „Robert und Bertram" gespielt wird. Diese lustige Spitzbubenkomödie reizt immer noch zum Lachen, vorausgesetzt, daß die beiden Titelrollen von beweglichen Künstlen, dargestellt werden. An der Behendigkeit mangelte es den Herren Beckmann und Heinrich jedoch zuweilen, so daß manche sonst wirksame Pointe verloren ging. Da im übrigen die Rollen jedoch erträglich besetzt waren, so kam das Publikum auf seine Rechnung. Man war vergnügt in der richttgen Erkenntnis, daß ein an Cirkuskünste gemahnendes Stück an der richtigen Stätte immer noch besser ist als ein klassisches Drama, wenn es am unrechten Ort mit unzulänglichen Mitteln aus» geführt wird. Max Hofpauer, königl. bahr. Tit. Hoffchauspieler, wttd im Luisen- Theater am Freitag, den 22. und Sonntag, den 24. als..Wurzelsepp" in„Pfarrer von Kirchfeld" und als„Valenttn" in „Der Verschwender" gastieren.— Im Central- Theater findet heute Anfang?'/„ Uhr die Erstaufführung der Victor Holländerschen Operette„Der S o n n e n v o g e l" statt. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Kapellmeister Siegfried Moritz.— Das Gebrüder Herrnfeld- Theater wird in der kommenden Woche wegen einer Gastspielreise der Künstler nach Köln und Frank- furt a. M. geschlossen. Das Theater wird am 1. August wieder er- öffnet.— Im Apollotheater bleibt die Operette„Liebesgötter" auf dem Spielplan. Namentlich das Höllengericht gegen den Noten» dieb Greifenberger wirkt amüsant. Das Bolkslicderkonzert zum Besten des Hauptvereins„Kinder- Hort" wird als Vortrag der„Berliner Liedertafel" sChormeister Ad. Zander) 30 wirkliche Volkslieder und volkstümliche Lieder zu Gehör bringen, darunter das altdeutsche Minnelicd(1240), Braun Mägdelein(16. Jahrh.), Maidle, laß Dir was verzähle(schwäb.). Spinnerin. Sandmännchen, der Kosake ttänkt sein Roß(russisch), Spinn, spinn(esthländisch), Ei, Du denkst wohl gar(schwedisch), Schlaflied fürs Peterle usw. usw. Für das Konzert hat KommissionS- rat Busch seinen Cirkus am 24. April, mittags 12 Uhr, kostenftei zur Verfügung gestellt. Billets zu 1,50 M. und 1 M. für Erwachsene, 50 Pfennig für Schulkinder, find an der Kaffe des CirkuS Busch wie bei der Billctkasse des Warenhauses A. Wertheim. Leipzigerstraße, zu haben._ Huq den Nachbarorten. Adleröhof. Heute abend, pünktlich S'/a Uhr, findet die Mtgkieder» Versammlung des Wahlvereins bei Fechner, Oppenstr. 56, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Genossen Dr. Borchardt über„Die Verwirklichung des SociakismuS". 2. Diskussion. 3. Das Urteil des Ober-Verwaltungsgerichts gegen den Wahlverein. 4. Vereins» angelegenheiten.— Das pünktliche Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist dringend notwendig. Gäste, nur durch Mitglieder eingeführt, haben Zuttitt. Aus Zossen wird uns berichtet: In der Deutschen Buch-»nd Kunstdruckerei Hierselbst ist am Dienstag der 26 Jahre alte Monteur Fleische! aus Berlin schwer verungliickt. Er arbeitete an einer Frankenthaler Schnellpresse, als diese im vollen Gange war. Der herumschlagende Cylinderzapfen schnitt dem Monteur dabei von allen vier Fingern der rechten Hmid das erste Glied ab. I» der Anstalt vergeht kaum eine Woche, ohne daß ein Unfall geschieht. Vor wenigen Wochen wurde dem Drucker N ö S k e der Daumen der rechten Hand in derselben Weise ab- geschnitten, vor einigen Tagen geriet eine Hefterin mit der Hand in die Maschine und wurde arbeitsunfähig, das gleiche Unglück traf den Anleger S ch a l l h o f f. MS ein Monteur vorige Woche den Gasapparat revidieren wollte, platzte der Apparat, der Arbeiter trug schwere Brandwunden im Gesicht davon. Einige Monate sind es her, daß dem Schweizerdegen B a s ch i n von der Tiegeldruckpresse einige Fmgerglieder abgeschnitten wurden. Bei einem Bestand von 30 männlichen und 20 tociblichen Arbeitskräften sind im Maschinen» saal während der letzten zwei Jahre 15 schwere und ungezählte leichtere Unfälle borgelommen. Sicherheitsvorrichtungen fehlen fast ganz, der Gewerbe-Inspektor hat sich bis jetzt noch nicht sehen lassen. der Leiter des Geschäfts handelt nach dem profitablen Grundsatz: Wem'S nicht paßt, der lann gehen! Wieviel Unfälle sollen noch ge» schehen, bis die Aufsichtsbehörden energischer ihre Pflicht thun? Der Beginn der Wcrderschen Baumblüte steht für den nächsten Sonntag zu erwarten, falls nicht ein plötzlicher Tcmperaturrückgang die Entwicklung der Knospen aufhält. Die Blütenpracht verspricht in diesem Jahre herrlicher denn je zu werden, weil die Kälte die Enttvicklung der grünen Blätter an den Bäumen zurückgehalten hat. so daß sie m ihrem schneeigen Schmuck allein dastehen. Werder macht schon Toilette, um die zahlreichen Besucher aufzunehmen, welche sich immer mit den Erttazügen der Eisenbahn, den Dampfern der Stern- gesellschaft, zu Wagen, per Fahrrad und per pedes apostulorurn dort einfinden. In allen Obstgrundstückcn wird„geschuffelt", wie der Werderschc das Fortharkcn der Blätter und Sefte nennt. Zelte werden erbaut und die sonst sehr sandigen Wege in den Bergen so gut es geht befestigt. In einzelnen Grundstücken sieht man schon weiße Kirschbäume und rosig angehauchte Aprikosen blühen. Sobald sich die Blüte allgemeiner entfaltet hat. meldet dies der Vorsteher des jetzt gänzlich umgebauten Bahnhofes Werder nach Berlin, worauf daim von der Eisenbahnverwaliung die sog. Llütenzüge eingelegt werden. Friedrichsfelde. Die hiesige obligatorische Fortbildungs- schule hat jetzt ihr zweites Arbeitsjahr hinter sich. Den Schluß des Schuljahres bildete eine Prüfung der einzelnen Klassen in ver- schiedenen Fächern. Daran schloß sich eine Prämiicrung der acht besten Schüler. Verbunden war mit der Prüfung eine ansprechende Ausstellung von Schülern hergestellter Zeichnungen. Faßt man das Resultat zusammen, so läßt sich ruhig behaupten, daß die Schul« segensreich wirkt, wenigstens in Erweiterung der Kenntnisse der Schüler. Die Schattenseiten, die sich bei obgligatorischem FortbildungSschul-Unterricht zeigen, sind aber auch ganz beachtenswert. Zur Zeit haben in Berlins Umgebung erst Rummelsburg. Weitzensee und unsre Gemeinde Obligatorium. Die Schulzeit ist Wochentags von T'/a bis O'/a Uhr abends. Für den größten Teil der Schüler ist es kaum möglich, zu dieser Zeit ordnungsgemäß zur Schule zu erscheinen. Rußig und schmutzig rennen diese jungen Leute von der Arbeitsstelle zur Bahn. Dann geht's im selben Tempo nach der elter- lichenWohnung und vondortnach oberflächlicher Reinigung, oftmals ohne warmes Abendbrot, zur Schule. Wer tagsüber nur von Brot leben muß, freut sich auf das warme Abendessen, und hier wird Verjünge Mensch gezwungen, erst noch zwei Stunden zu lernen. Wo soll da noch Lernfreudigkeit herkommen? So lange nicht Berlin und die großen Vororte Obligatorium einrichten, wird dieser Mißstand nicht besser. Beschwerden Ivegen zu später Entlassung der Schüler aus der Arbeit werden mit Entlassung, d. h. Brotlosmachung des Be- treffenden, beantwortet. Wiederholt ist es vorgekommen, daß auch Schüler bestraft wurden, weil sie die erforderlichen Bücher nicht herbeischaffen konnten. Wir haben am Mittwoch über solche Fälle berichtet. Unentgeltliche Lieferung der Lernmittel ist unbedingt er- forderlich. Der Jahresetat der Fortbildungsschule bettägt 4380 M., darunter 280 M. für Prämien an fleißige Schüler. SmcKts-�eitimg. Was aus„Ringkämpfen" herauskommen kann, zeigte eine An- klage wegen Totschlages, die den Steinschläger Rudolf Schwelen? gestern vor das Schwurgericht am Landgericht II führte, Am 16. Januar holten sich die auf der Ehaussecneubau- Strecke zwischen Nassenheide und Liebenwalde beschäftigten Steinschläger und Arbeiter ihren Lohn in der Schreiberschen Gastwirtschaft zu Freienhagen. Sie befanden sich daselbst im Vorderzimmer, während im Hinter- zimmer ein Gesangverein tagte. In der Bierlaune kam es zwischen den Steinschlägern zu Scherz-Ringkämpfen, bei denen der Besiegte die Pflicht hatte, Getränke zum besten zu geben. Ueber den Aus- gang einer dieser Kämpfe kam es zu einem Streit zwischen den Ringenden und daraus entwickelte sich eine Rauferei zwischen diesen. Als einige andre Anwesende sich anschickten, thätig in den Strett ein- zugreifen, ging auch der Angeklagte in die Gruppe hinein, um die Leute auseinander zu bringen. Er wurde dabei von dem Stein- fchläger Schibilski bei der Brust gepackt und zurückgeschoben und versetzte seinem Gegner einen Schlag gegen den Kopf. Das war der Anfang zu einem sehr erbitterten Kampf zwischen dem An- geklagten und dem Schibilski. Letzterer wurde nach der Thür zu ge- drängt und der Angeklagte soll mit einem Bierglas nach ihm ge- schlagen haben. An der Thür hielt sich Schibilski mit der linken Hand fest, zog mit der Rechten Hand sein Messer und schlug damit auf die in seiner Umgebung stehenden Personen los. Dann schickte er sich zur schleunigen Flucht an, der Angeklagte soll nun aber auch sein Messer gezogen und in dem Augenblick, als Schibilski zur Thür hinausdrängte, von hinten mit aller Wucht ihm das Messer in den Rücken gejagt haben. Der Verletzte lief noch etwa 60 Schritte weiter und sank dann tot zu Boden. Der Stich war in die rechte Lunge ge- drangen und hatte eine Blutung in dem rechten Brustfellraum zur Folge gehabt. Der Angeklagte gab den Thatbestand im allgemeinen zu, behauptete aber, daß er der Angegriffene gewesen sei und sich habe verteidigen müssen.— Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t plädierte auf Notwehr, die die Geschwornen auch als vorliegend erachteten und infolgedessen die Schuldfrage verneinten. Es erfolgte dem- gemäß die Freisprechung des Angeklagten. Deutsches Recht in Ostelbien. Wenn man auf dem Lande sein Recht sucht, kann man sehr leicht selbst besttaft werden. In einer Ortschaft iin Kreise Gumbinnen wollte ein Arbeiter einen Besitzer, der seinen minderjährigen Sohn schlver gemißhandelt hatte, deshalb vor Gericht verklagen. Zu dem vorausgehenden Sühnetermin bei dem Schiedsmann der Gemeinde konnte er nicht selbst erscheinen, weil er mehrere Meilen weit von seiner Wohnung in Arbeit stand. Er gab daher seiner Frau eine mit seinem vollen Namen versehene schrist- liche Vollmacht, damit sie ihn im Termin vertrete. Diese Vollmacht erkannte der Schiedsmann ohne Stempel des Gemeindevorstehers nicht an. Die Frau begab sich daher wegen der Beglaubigimg zum Gemeinde- Vorsteher. Dieser verweigerte die Anerkennung, Er meinte, der Mann müsse zur Abgabe der Erklärung selbst erscheinen, außerdem sei das von der Frau als Vollmacht vorgelegte Schriftstück zu klein, es müsse eine ordentliche Größe haben um als V o l l m a ch t verwandt zu werden.(Das Papier war 21 Centtmeter lang und 11 Centimeter breit und bot in seinem unbeschriebenen Teil Raum für mehr als drei Stempel,) Als nun die Frau dem Schiedsmann mitteilte, daß der Gemeindevorsteher die Vollmacht nicht stempele, lehnte der Schieds- mann die Abhaltung des Sühnetcrmins ab. In der hierbei ge- brauchten Aeußerung erblickte die Frau gegen sich eine grobe Be- leidigung. Sie richtete daher sowohl gegen den Schiedsmann, als auch gegen den, Gemeindevorsteher an deren vorgesetzte Behörde eine Beschwerde. Der Erfolg dieser Beschwerde war ein Strafantrag wegen Beleidigung gegen die Arbeiterfrau, von feiten des Landgerichts- Präsidenten als des Vorgesetzten des betreffenden Schiedsmanns. In der Hauptvcrhandlung vor dem Schöffengericht zu Gumbinnen hat, wie es im schriftlichen Urteil steht, der beleidigte Schiedsmann glaubwürdig bekundet, daß er die ihm in der Beschwerde zu Last gelegte Aeußerung nicht gethan hat. Daher wurde die Frau zu einer Woche Gefängnis verurteilt. In der Be- gründung dieses Urteils heißt es: daß die Angeklagte die Beleidigung gegen besseres Wissen begangen hat, hat nicht angeommen werden können; es mußte zu Gunsten der Angeklagten angenommen werden, daß sie eine Aeußerung des Schiedsmann,.der zur ftaglichen Zeit erregt war. in ihrer Erregung bei der Wahrnehmung des Termins mißverstanden hat. Unter der Berücksichtigung der Tragweite der Beleidigung erschien als Sühne der That die verordnete Strafe angemessen. Einen Bescheid darüber, ob der Gemeindevorsteher berechtigt war, die Größe des Papiers zu der Vollmacht vorzuschreiben und den Stempel dazu zu verweigern, hat die Frau nicht erhalten. Ebenso geht nun natürlich der Besitzer st r a f l o s aus, der den Sohn der zu einer Woche Gefängnis verurteilten Frau in roher Weise ge- mißhandelt hat. Wieviel Socialdemokraten mag dieser beachtenswerte Rechtsfall züchten? Krankenkassenbeiträgs als Betriebskapital. Das Landgericht Stettin hat am 23. Oktober v. I, den Buchdruckereibesitzer Max E i t n e r von der Anklage des Vergehens gegen das Krankenversiche- ruirgs-Gesetz fteigesprochen. Er machte seinen Arbeitern die üblichen Abzüge für die Beiträge zur Ortskrankenkasse. Vom November 1002, wo er in Zahlungsschwierigkeiten geriet, bis Juli 1903 lieferte er diese Beiträge nicht an die Krankenkasse ab. Diese untersagte ihm die weitere Einziehung der Beiträge und gab ihm auf, dies durch Aushang seinen Arbeitern bekannt zu geben. Der Angeklagte zog aber weiter die Beiträge ab und behielt sie für sich, bis er wieder in bessere Ver- mögensverhältnisse kam, worauf er die Beiträge bis auf einen kleinen Rest nachzahlte. Das Gericht hat das Verfahren des Angeklagten nicht als strafbar angesehen.— Die Revision des Staatsanwalts wurde vom Reichsanwalt als begründet angesehen. Das Urteil be- ruhe auf vollständiger Verkennung der Bestimmungen des Kranken- kassenversicherungs-GesetzeS. Das Landgericht spreche den Angeklagten frei, weil nicht erwiesen sei, daß der Angeklagte die Beiträge nicht habe an die Kasse abführen wollen, und daß er sich einen Vermögens- vorteil verschaffen wollte. Das sei aber doch gerade alles erwiesen. — Das Reichsgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück._ Vermifcktes. Neder einen neuen Lawinensturz mit furchtbare» Folgen wird aus Turin gemeldet: Gestern zerstörte in der Gemeinde Progelato eine Lawine eine Anzahl Hütten, in denen Bergarbeiter Unterkunft gefunden hatten. Ungefähr hundert Arbeiter wurden verschüttet, von denen sich nur 2S retten konnten. Heute morgen versuchten die Anwohner, unterstützt von Truppen, trotz des herrschenden Unwetters zu der Unglücksstätte zu gelangen, um den verschütteten Arbeitern zu Hilfe zu kommen.— Bei dem Lawinenstiwz vom Spitzhorn bei Brix(Wallis), wurde der Weiler Mühlebach verschüttet. Von 20 Personen, die in den Betten von dem Unglück überrascht wurden, kamen 13 um. Ein weiteres Laivinenunglück wird wegen der ungeheueren Schneemassen und des ungewöhnlich Ivarmen Wetters befürchtet. Ein Studenten-„lllk". Am 12. April berichteten die Zeitungen in Jena, daß in der Nacht über der Wohnung des katholischen Geistlichen das Hörnerpaar eines Ochsen angebracht und der Rumpf des Wiederkäuers zeichnerisch wiedergegeben worden war. Das ganze Dekorattonsstück trug die Aufschrist„Kuh-Ede". Am 10. April erschien in den Zeiwngen ein dreispaltiges Inserat folgenden Inhalts: „Erklärung! Im Hinblick auf den vor einigen Tagen von den hiesigen Zeitungen gerügten Unfug am katholischen Pfarrhaus erklären wir uns als defsen Urheber und drücken hiermit unser tiefstes Bedauern aus. Jena, den 18. April 1904. Schiller, Rcchtskandidat. Reu- mayer, stuck, ovo. v. Korhtowski, stuck, ose. Westphal, stuck, med." Es ist eine ganz ungewöhnliche Form des AuSttages studentischer Heldenthaten. In der Regel lasten sie es auf ein polizeiliches Strafmandat ankommen. Da scheint also etwas dahinter zu stecken. Berdlutet. AuS Gollnow in Pommern wird uns berichtet: Der Ackerbürger Hensling war mit seinem 19 Jahre alten Sohne in den Wald gefahren, um Langholz zu holen. Bei dieser BeschäftignnK wurde dem Mann die Hand so furchtbar zerquetscht, daß er starb,, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Ein verheerendes Feuer wütete nach einer Meldung aus New Jork am Dienstagabend in Toronto(Kanada) in der King-, der Wellington- und der Dorkstraße; das Feuer hat sich während der Nacht weiter ausgebreitet, der Schaden wird auf sechs Millionen Dollar geschätzt.______ ßncfhaften der Redaktion. JurlMkcber Deik. Die juristische Sprechstunde findet tägliih mit SluSuahmc des EounadeudS von?>/z bis»-/- Uhr abends statt. G-öfin-t:? Uhr. L. L. Die Polizei kann in Preußen gegen das Zusammcnwohnen utt« verheirateter Personen verschiedenen Geschlechts einschreiten, wenn daS Zusammcnwohnen Aergcrnis erregt.— M. R. 10. Nein.— K. O. 72. Wenn Sie nicht erben, sondern der Erbschast entsagen, so haften Sie auch nicht sür die Schulden. Bei Lebzeiten kann Ihre Mutter Ihnen Schenkungen machen oder Sachen verlausen.— Luckenwalde. Durch Lrtsstatut kann Bürgergeld eingesührt werden. Das Bürger» geld ist wie eine Steuer einzuziehen.— Niederlausit!. Nein. — H. N. 31. Anspruch aus Rente steht Ihnen nicht zu.— A. B. Die Höhe der„Rente" entspricht leider dem Gesetz.— Schäfer. Wenn keine schwere Folge eingetreten ist, zwei Monate.— A. W., Grünau. Ob llnsallzuschutz stattfindet, hängt von der Höhe des ortsüblichen Tage» lohnes nfw. ab. An welchem Ort hat das Unglück stattgcsundcn? Wie hoch ist der dem Krankengelde zu Grunde gelegte Lohn?— Ullrich. Schrift- liche Antwort wird nicht erteilt. Für die Klage zuständig ist das Amtsgericht.— H. A. 4. In der Regel haben Eltern sür ohne ihre Genehmigung gemachten Schulden ihrer Kinder nicht zu hasten. — A. B. 100. 1. Der außereheliche Vater ist nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch keineswegs nur zu einem Beitrag zu den Kosten der Erziehung und des Unterhaltes, sondern zur Zahlimg des vollen Betrages des Unter» Haltes verpflichtet. Der Unterhalt umsatzt den gesamten LcbenSbcdarj so« wie die Kosten der Erziehung und der Vorbildung zu einem Berus. Die Höhe der Mimente richtet sich nach der Lebensstellung der Mutter, Be» stimmte Sätze kennt das Gesetz nicht. In der Praxis werden häusig nur unzureichende Sätze zuerkannt. Die Unterhalispslicht umsaßt auch die Krankhcits- und Kurkostcn. Haben Sie noch nicht bestimmte Sätze aus» geklagt, so können Sie aus Erstattung der hiersür verauslagten Kosten oder aus Befreiung von der diesbezüglichen Zahlungspflicht klagen. Die Alimente sind an den Vormund zu zahlen. 2. Der Mutter steht ein Anspruch auf Ersatz ihrer Entbindungskosten und der Sechswochenkostcn zu. Außerdem kann die Mutter auch diejenigen Auswendungen ersetzt perlangen, die etwa insolge der Schwangerschaft oder der Entbindung und andres notwendig wareir. —>!weha4t»daa»e, Engel- Ufer 15. im großen enale die I. ordentliche General-Versammlung pro 1904 statt, Sämtliche Herren Vertreter der Arbeitgeber und der Kasscnmllglicdcr werden hierzu crgebenst eingeladen, Tages»Ordn»tng: t, JahrcS- bericht pro 1903. 2. Bericht des Neuner-Ausschusses und Slbnahme der Jahresrechnung. 3. Verschiedene� Berlin, dm 20. April 1904. 6316 Der Borftand. JA.:». StaWmann, Vorsitzender. Zahlstelle Berlin und Umhegend. Sonntag, den 24. April 1904, vormittags 10 Uhr: General»Versammluns: in den Industrie-Sälen, Beuthstr. 19— 20. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 1. Quartal 1904. 2. Diskussion und Beschlußfassung über die Verlängerung des Vertrages. 3. Verbandsangelegenheiten. Der wichtigen Tagesordnung»oegen ist das Erscheinen aller Mitglieder erforderlich. ülltAllcdslHich legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. 33/7_____ IMe Ortsverwaltnng. Steinbildhauer. Donnerstag, den 31. April, abends 7 Uhr lglcich nach Feierabend), im Gewerkschaftehanse, Engel-Uscr 15, Saal lll: OeffciitlilheNersliiiiiillmz. Tages-Ordnung: 1, Geschäftliches. 2. Wie gedenken die itollegen die gegenwärtige Konjunktur auszunutzen? 3. Verschiedenes. Kollegen, erscheint Mann sür Mann zu dieser Versmnmlung und namentlich find die unorganisierten Kollegen hierdurch nochmals eingeladen, 23/16'''______ Per Elnberufcr. Arbeiter-Bildungs- Schule Berlin. Freitag, den 22. April 1904, abends 8Vä Uhr: General-Versammlung Im Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15. Tagea-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, der Revisoren und des Lehrer- KoUegiums. 2. Anträge.. 4/16 4. Wahl des Vorstandes und der Revisoren. 3. Schulangelegenheiten und Verschiedenes. WltfllieJsbuch legitimiert. Beiträge konneu bezahlt werden. Deutscher Holzarbeiter-Verhand. Achtung! Einsetzen. PF" Freitag, den 33. April er., abends 8 Ehr,"Wß im Oewcrkschaftshanse: Vensammlung(nur für Mitglieder der roten Karte). Die Frauen /i? und die Politik Von Lily Brau». Preis 50 Pffl. Agitafions- Ausgabe 20 Pfg. In warmen, zu Herzen dringenden Aorten fordert die Lersasserin die proletarischen Frauen aus zu tätiger Mitarbeit bei den OrgnnisafionS- besncbungen der Arbeiter, Die Revolutwn der Maschine hat die Frau der Ausbeutung des Kapitalismus überantwortet: die Maschine ebnet aber auch den Weg zur Befreiung der Frau aus den ökonomischen, jetgt, wie dieses Ziel erreicht werden kann, vonoSi't» Budiftandlona Berlin SW. 68, Lindenstr, 69 bestes Waschmitfcl Orts-Krankenkasse der Gürtler. Zu der am T o n n t a g. den 34. d. M., vormittags 9'/, Uhr. im „Milrklschen Hof", Sldmiral- straße 18c, stattfindenden ordentlichen General-Versammlung werden die Herren Delegierten er- gebenst eingeladen. Tages-Ordnung: 1. In getrennter Versammlung für Arbeitnehmer: Wahl eines Vorstandsmitgliedes (§ 38 Abs. 4-5 des Statuts), II. In gemeinsamer Versammlung t. Bericht der Revisoren und Ab nähme der Jahresrechnung, 2. Aerzte, srage, 3. Verschiedenes. 64tb Berlm, den 20, April 1904. Her Vorstand. 0. llnsill, Vorsitzender, Die ordentliche General-Versammlung der Orts-Krankenkasse sür den Gewerbebctr kB der Kimfleutt, Handtlslkute und Apotheker findet statt am Freitag, den 30. April 1004. abends 8'/, Uhr. in der Berliner Ressonrce, Kommandantenstr, 57. Tages-Ordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1903,' 2. Beschlußfassung über eine von der Ausstchtsbebörde dem Vorstande ausgegebene Rückzahlung von Reisekosten, 3. Abänderung des i 40 des Kassenstatuts, 4. Antrag er Delegierten Wicdcmaun und Ge- Nossen aus regelmäßige Zusendung der„DeutschenKrankenkassen-Zeitung" an sämtliche Delegierte. 6386 Her Vorstand. It. Nürnberg, H. Philipsohn, Vorsitzender. Schrisisührer. Dr. Simmel, � Specialarzt sür[86/15* Bant- nnd Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12. 2-1 Orts- Krankenkasse der Gastwirte nnd verwandten Bewerbe zn Berlin. Ordentiieiie General-femminfDng der Kassenvertreter am Freitag, den 30. April 1004. nachm. 3'/, Uhr, im Lokale des Herrn Bempel, Rosenthalerftr. 11/13. Tages-Ordnung: 1. Bericht des RcchnnngsausfchusseS über die Prüfung der Jahres» rechnung pro 1903.(K48d, Statuts.) 2. Besprechung des Jahresberichts. 3. Verschiedenes und sreie Besprechung. 4. Porttag. 273/14 Berlin, den 18. April 1904. Her Vorstand. Poppe, llraun, Vorsitzender. Schrisisührer. Z« der-im Sonntag, den 24. d. M.. vorm. 12'Uhr im„Märkischen Hot". Sldmiraljtt. 13o stattfindenden Ordentl. Generai-Versammlung werden die Mitglieder hiermit ergeben st eingeladen. 642b Tagesordnung: 1. Bericht der Revisoren«nd Ab« nähme der Jahresrechnung. 2. Verschiedenes. Berlin, den 20. April 1904. Der Borftand. A. Heller, Vorsitzender, _ Prenzlauer Allee 11. Dr. Schünemann Specialarzt sür Haut-, Harn- nnd Frauenleiden,»eydelstr. O, '/.ta-'/jS, Sonnt, 9- H Künstliche' Zähne,1 Plomben ic. Carl Goerlnger, Dentist, N.,Eichendor(f8tr.2l,jnchcrSnnmenstr, mal-sw Olga lacobsoD, Seltene Gelegenheit! 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U bis aus weiteres gesperrt. Deutscher Kürschner-Verband (Zahlstelle Berlin). Vorband d. Kürschner Berlins o. Umg. I. Sl.: Fr. G r andel. \ r langt Laascr, Brmmenstraße 84. ver- +110* (rmale Berlin), Tie Sperre über die Firma Wehner, Stallschreiberftr. 58, ist aufgehoben, da dort keine Ringarbeit gemacht wird und dicS nur auf Irrtum beruhte. Her Vorstand. 223/14 I A.: Bs. tzlpathe. Heilaktenr, 4969L* gründlich litterari seh gebildet, wird hauptsächlich für das Ecnilleton zum 1. Wai oder auch später gesucht. Bewerbungen, enthaltend Eebenslaut undGehaltsansprnche, sind asu richten an den Verlag der„Volksstinsme" in Chemnitz, IJferstr. 14. Bcrantw. Redakteur: Paul Bnttner, Berlin. Für dcn Jnseratentellverantw.-Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,