Nr. 94. es Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Bellage Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungss Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 22. April 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. Internationale Arbeiterschutzfragen. fat weiblicher und jugendlicher Arbeitskräfte in der Spinnerei, Arbeitszeit für wohlvereinbar halten kann mit den Interessen der des Es ist nicht unbegreiflich, wenn auch einigermaßen auffallend, daß die Mitteilung im schweizerischen Nationalrate so vollständig fühl aufgenommen wurde und fast gar keine Erörterung in der Bresse hervorgerufen hat. Man ersieht hieraus, daß der vollständige Mißerfolg der mit so viel äußerem Aufwande abgehaltenen Konferenz vom Jahre 1890 noch nach mehr als 14 Jahren nachwirkt. Nichts ist in der Politik gefährlicher, als getäuschte Hoffnungen, als nicht ein gehaltene Versprechungen. Dieser Satz wird jedem späteren Historiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts bei der Betrachtung der deutschen Geschichte in die Augen springen. Wir wissen, daß die fünftige internationale Arbeiterschutz- Konferenz weit davon entfernt sein wird, den Wünschen der organisierten Arbeiterschaft Rechnung zu tragen, wir halten es aber doch nicht für vollkommen ausgeschlossen, daß sie einige fleine Erfolge auf den Ge bieten, die wir hier beleuchtet haben, zeitigen wird. Die große Aufgabe der Arbeiterklasse ist es, das Zögern der Regierungen zu überwinden und sie durch unablässige Propaganda zum Arbeiterschutz treiben. Der Generalstreik der ungarischen Eisenbahner handeln. widelung eingeengt wurde durch den außerordentlich starken Prozent folgern fann, daß der Großbetrieb die Einführung der verkürzten Weberei und in ihren Nebengewerben. Hieraus erklärt sich, daß Produktion. In der italienischen Seidenweberei beträgt der ArbeitsMan war überrascht, als der Chef des schweizerischen Handels- die allgemein in Erscheinung tretende Verkürzung der Arbeitszeit tag zwischen 10-11 Stunden. In der italienischen Spinnerei und Industriedepartements im schweizerischen Parlamente ankündigte, vor den Thoren der Tertilbetriebe Halt macht. Die Notwendigkeit, 10-11, hier und da 12 Stunden, doch kommt die Konkurrenz der daß eine internationale Arbeiterschutz- Konferenz in sicherer Aussicht auch in dieser bedeutungsvollen Industrie eine Verkürzung der Arbeitszeit italienischen Textilindustrie für die Schweiz nicht besonders, für die stehe und daß dieselbe voraussichtlich im Mai des nächsten Jahres herbeizuführen, wird allgemein anerkannt, ja auch vielfach von den Textil- übrigen Länder kaum irgendwie in Betracht. In den Niederlanden stattfinden dürfte. Die Mitteilung, die sicherlich nach vorheriger fabrikanten selbst nicht bestritten und nicht für unmöglich erklärt, beträgt die Arbeitszeit fast der Hälfte der geschüßten Personen Vereinbarung mit andern Regierungen vom Bundesrate der Eid- aber ihrer Aussage nach gehemmt durch die ausländische Konkurrenz. weniger als 10 Stunden. In einem erheblichen Teile der an sich genossenschaft gemacht wurde, beweist, daß der Widerstand Deutsch- Die Frage ist heute im Flusse. Seit Jahren hat die schweizerische für die Weltproduktion nicht start ins Gewicht fallenden holländischen lands gegen die Abhaltung einer zweiten internationalen Regierung ihre volle Bereitwilligkeit erklärt, den dort seit 1877 ein Tertilindustrie beträgt die Arbeitszeit 10 Stunden. Am weitesten Arbeiterschutz- Konferenz aufgegeben ist. Aus den Rechenschafts- geführten elfstündigen Magimalarbeitstag durch einen zehnstündigen ist der Zehnstundentag in Dänemark vorgeschritten, wo aber die berichten des schweizerischen Handels- und Industriedepartements ist zu ersetzen, wenn das Deutsche Reich, dessen oberelsässische und Textilindustrie keine Rolle spielt. bekannt, daß die häufigen Anregungen der schweizerischen Volts- badische Textilindustrie mit der schweizerischen in starkem Wett- Alle diese Ausführungen sprechen dafür, daß die Kürzung der vertretung wie der eidgenössischen Regierung auf Abhaltung bewerb steht, in der gleichen Richtung vorgehen würde. Bei uns Arbeitszeit auf 10 Stunden auch vom Standpunkte des Unter einer internationalen Konferenz zur Besprechung der Arbeiterschutz hat der Riefenkampf von Crimmitschau troß der Niederlage die nehmers und der Regierungen spruchreif ist. fragen vornehmlich dem Widerstande ant Deutschen Bahn zum Zehnstundentag geebnet, und eine ganze Reihe von Prof. Bauer kommt zu dem Schlusse, daß eine gleichförmige Reiches gescheitert waren, was in der Schweiz um so peinlicher Aeußerungen der Gewerbe- Inspektion sprechen sich selbst in der und gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit gerade in der Textil empfunden wurde, als die schweizer Regierung im Jahre 1890 durch Aera Möller für diese Erweiterung des Arbeiterschutzes aus. Hierzu industrie aller Konkurrenzländer eine feste Grundlage für weiter ihr weitgehendes Entgegenkommen Wilhelm II. ermöglicht hatte, die kommt noch, daß in Frankreich, wenn auch nicht gerade vollkommen gehende rationelle Betriebseinschränkungen in den Zeiten der Krise Konferenz in Berlin abzuhalten. thatsächlich, so doch gefeßlich der Zehnstundentag festgelegt ist. Die bilden würde. Gerade die besonderen Verhältnisse in der Textilindustrie Stimmung der verschiedenen Industriestaaten wird deswegen lassen ihm eine einheitliche Kürzung der Arbeitszeit nicht nur socialweniger fühl für internationale Abmachung auf diesem Gebiete politisch, sondern auch im industriepolitischen Interesse wünschenswert sein als dies im Jahre 1890 der Fall war, wo lediglich diplomatische erscheinen. Rücksichten und nicht ein gemeinsames Bedürfnis die etwas plötzlich gekommene Berliner Arbeiterschutz- Konferenz beschicken ließ. Seit bald 20 Jahren ist es die schweizerische Regierung, die zähe den Gedanken des internationalen Arbeiterschutzes verfolgt. Man wird vielleicht nicht vollkommen irre gehen, wenn man einer Arbeit des Leiters des unter Aufsicht der eidgenössischen Regierung stehenden internationalen Arbeitsamtes im ersten Hefte des Archivs Wir sind sicherlich sehr nüchtern bei der Beurteilung der Auss für Socialwissenschaft und Socialpolitik") über die Entwicklung zum fichten der nächsten Arbeiterschußkonferenz, aber wir meinen doch, daß Behnstundentag" einigermaßen offiziösen Charakter mit Rücksicht auf dieselbe nicht von der gleichen vollkommenen Ergebnislosigkeit sein die geplante Arbeiterschußkonferenz beimißt. Professor Bauer konstatiert muß, als ihre unrühmliche Vorgängerin. Seit 1890 hat sich die dort, daß die Bewegung zu Gunsten fürzerer Arbeitszeit eine gleich Abweichung der Arbeiterschutz- Gesetze und der thatsächlich üblichen zeitige wirtschaftliche Erscheinung sei, die einen immer rascheren Arbeitszeiten in den maßgebenden Industriestaaten erheblich ver- Gang einschlägt, daß die größere Intensivität der Arbeit ein stärkeres mindert, so daß eine Ausgleichung der Abweichungen viel leichter in Ruhebedürfnis der Arbeiter zur Folge hat, daß fast überall die Be- ist in das Stadium der Unterhandlungen eingetreten. Die Regierung den gesetzgebenden Körperschaften der in Betracht kommenden Staaten richte der Gewerbe- Inspektoren sich in gleichem Sinne für eine Ver- hat sich genötigt gesehen, über Nacht ihren terroristischen Standpunkt durchgeführt werden kann; auch ist der Druck der Arbeiterbewegung fürzung des Arbeitstages aussprechen, daß der Uebergang vom Elf- aufzugeben und mit den Streifenden als mit einer Macht zu unterauf ihre Regierungen ein größerer wie am Ende des vorletzten zum Zehnstundentag die Produktivität nicht eingeschränkt hat und Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts und dann ist trog aller Scharf- daß auch dort, wo gesetzlich der Elfftundentag festgelegt wurde, in Nachdem gestern noch der Handelsminister Hieronymi jebes machereien die öffentliche Meinung heute interessierter an der Ber- bielen Betrieben von dem Recht dieser Ausmutzung der Arbeitskraft kein Berhandeln mit den Streifenden als mit vertragsbrüchigen Auffürzung der Arbeitszeit wie in den Tagen des Rücktritts Bismards. Gebrauch gemacht und Arbeitszeiten von fürzerer Dauer eingeführt rührern weit von sich wies und prahlend ankündigte, daß man die Endlich dürfte man auch den Kreis zur Erörterung gestellter Fragen wurden. Die Untersuchung behandelt auch die Frage der Verteilung Eisenbahner, falls sie nicht von selbst zu Kreuze friechen, schon firre vielleicht enger ziehen und zuletzt ist der Gegenstand der zu be- der 60 Stundentvoche auf die sechs Arbeitstage und tritt für die machen werde, ist heute der Wind völlig umgeschlagen. Man ist, handelnden Fragen viel mehr flar gestellt, als dies damals war. Freigabe des Sonnabendnachmittags im Interesse der vollkommenen übrigens bereits gestern abend, durch Vermittelung des Abgeordneten Wenn es auch nur eine Vermutung ist, so spricht vieles dafür, Sonntagsruhe des kaufmännischen Personals ein. Viel Gewicht Voeroes mit dem Streitkomitee in Verhandlungen getreten und hat daß die künftige Konferenz sich vornehmlich mit zwei Gegenständen wird auf die vollständigen Erfolge der 551 Stundenwoche in der bereits ein ziemliches Entgegentommen an den Tag gebefassen wird: Mit dem Verbote bezt. Einschränkung gewisser englischen Textilindustrie gelegt und auf die Verteilung der Arbeits- legt. Die Regierung hat den Streifenden völlige Amnestie gesundheitsschädlicher Betriebsmethoden, wie sie bei der Verwendung zeit auf je 10 Stunden in den ersten fünf Wochentagen und auf in Aussicht gestellt, sie will auch gegen die Gründung eines von Blei und andern Giftstoffen vielleicht auch für die Verwendung 5% Stunden am sechsten Wochentage und endlich darauf, daß auch Landesverbandes der Eisenbahner nichts unter tierischer Produkte, wie Schweineborsten, Tierhaare, Felle und dergl. diese Arbeitszeit in England nicht überall boll ausgenügt wird, daß nehmen, und schließlich soll die Abhaltung einer Landesversammlung vorkommen und dann mit der Verkürzung der Arbeitszeit, vielleicht in der Leinen- und Jute- Industrie von Dundee und Umgebung ge- der Eisenbahner zugestanden und der Gesetzentwurf über die Gehaltsmur der erwachsenen Frauen, und zwar mit besonderer Rüdsicht auf wöhnlich nur 55 Stunden in der Woche gearbeitet werden. Die regulierung bis nach Abhaltung dieser Landesversammlung verschoben die Textilindustrie. vorteilhaften Wirkungen des neuen französischen Gesezes, vor allem werden. Zu dieser Annahme gelangt man durch die Maßnahmen einer das Fehlen eines Produktionsausfalles, eine größere Regelmäßigkeit Die Streiffeitung hat diesen Erklärungen gegenüber noch eine Reihe von Regierungen durch ihre Erklärungen, daß sie zu höherem im Gehen und Kommen der Arbeiter, eine Beseitigung der kurzen sehr reservierte Haltung eingenommen. Mit Recht! Denn nachdem Schuße bereit wären, wenn das Ausland gleichen Schritt halten Vor- und Nachmittagspausen, eine Unterdrückung des Besuchs der die Regierung einmal durch ihre Brutalität den Streit heraufwollte, und durch eine Reihe von Verwaltungsmaßnahmen. Ueberall Sneipen in der Umgebung der Fabrit, eine Verringerung der Präsenz- beschworen hat und nachdem der Streit in so imponierendem Umfange eingetreten ist, handeln die Eisenbahner durchaus fucht man, wenn auch vielfach mit ungenügenden Mitteln und nicht zeit der Arbeiter werden festgestellt. Aus den deutschen Fabrifinspektionsberichten wird auf die frei- vernünftig, für alle in Betracht kommenden Arbeiterkategorien, die Verwendung wenn sie die für sie günstige Situation auch des Bleies in der Industrie einzuschränken oder an gewisse Be willige Einführung des 10- Stundentages bei der Firma Chr. Dierig so gut als möglich auszumuzen suchen. Es handelt sich ja dingungen zu knüpfen. Im Deutschen Reiche hat vor kurzem eine in Langenbielau, einer der bedeutendsten Anlagen der Textil nicht nur um die Amnestie und um die Anerkennung der Organis Konferenz über die Verwendung von Bleifarben stattgefunden; wir industrie, hingewiesen, wobei sich herausgestellt hatte, daß die fation, sondern zunächst um die Bewilligung der Forde. befizen einige Bundesrats- Berordnungen über die Einrichtung Produktionshöhe in diesen 10 Stunden nicht hinter der früheren rungen der Eisenbahner. Nun kann die Regierung durch von Bleifarben- und Bleizucker Fabriken, 10% stündigen Arbeitszeit zurückgeblieben ist. Dieselben Erfahrungen Bugeständnisse am besten ihre Absicht beweisen, einen ehrlichen über den Betrieb von Anlagen zur Herstellung elektrischer machte man bei einer Verminderung der Arbeitszeit von 11 auf Frieden zu schließen. Lassen sich die Streifenden durch unverbind Accumulatoren aus Blei Aehnliche 9 Stunden in einer Leinengarnweberei in Freiberg, in den Trifot liche allgemeine Zusicherungen erst zur Wiederaufnahme der und Bleiverbindungen. Anordnungen befizen England und einige weitere Staaten, fabriken Württembergs, ja aus Liegnis wird berichtet, daß in Arbeit bewegen, so steht es in der Hand der Regierung, ihre Verin andren werden sie in den Berichten der Gewerbe- Inspektoren mehreren Fabriken, die infolge der Krise die Arbeitszeit um 2 bis fprechungen in ihrem Sinne auszulegen, d. h. zu brechen. verlangt. Die Phosphorzündhölzer- Frage hat auch eine Reihe von 3 Stunden verkürzten, die beabsichtigte Einschränkung der Produktion Innerpolitische Gründe, vor allen Dingen aber die imponierende Staaten, so Dänemark, die Schweiz und das Deutsche Reich zu gefeßz- nicht eintrat. Eine Reihe weiterer derartiger Beispiele werden in den Geschlossenheit und Einmütigkeit der Eisenbahner haben geberischen Atten veranlaßt, man fürchtet aber, so vor allem in der deutschen Berichten festgestellt. Es wird ferner konstatiert, daß von die Regierung gezwungen, ihre Hochfahrende Haltung schleunigst zu Schweiz, eine Erschwerung bei der Durchführung dieser Bestimmungen 28 preußischen Gewerberäten sich nur 4, merkwürdigerweise mur oft ändern; die fernere Geschlossenheit wird die Regierung wahr durch die Einfuhr von Waren, die für die Produktion im Inland elbische( Dst- und Westpreußen, Bommern und Oppeln) gegen die scheinlich auch zu weiterer Nachgiebigkeit zwingen. Ueber die verboten sind. In der Frage des Milzbrandschutzes findet man in weitere Berkürzung der Arbeitszeit aussprachen, zwei andre, auch den deutschen Fabrikinspektoren- Berichten Klagen über die Einfuhr ostelbische( Frankfurt a. Oder und und Bosen), sie nur mit gewissen von Material, das im Auslande angeblich desinfiziert wurde, das Einschränkungen billigen, während alle übrigen Inspektoren sie befich aber bei der Verarbeitung als nicht frei von Milzbrandsporen fürworten. Der Aufsichtsbeamte für Breslau betont ausdrücklich: erivies. Dies einige Beispiele dafür, daß bei den Regierungen das Ein so günstiger Zeitpunkt mit der Herabsetzung der Arbeitszeit Bedürfnis einer einheitlichen Regelung auf diesen Gebieten vorhanden wie der gegenwärtige dürfte später sobald nicht wiederkommen." sein und daß diese auf keine erheblichen Schwierigkeiten stoßen In Desterreich arbeiten ebenso wie in der Schweiz mehr wie Hälfte der Betriebe nicht die in den beiden Ländern gefeßlich zuWichtiger aber als diese Fragen, die bei all ihrer Bedeutung läffige Beit von 11 Stunden, nur die Textilindustrie strebt die volle Aber in Desterreich ist man doch nur einen engen Personenkreis betreffen, ist die große Arbeiterschutz- Ausnügung des 11 Stundentages an. Frage der Verkürzung des Arbeitstages von 11 auf 10 Stunden. auch in den Hauptcentren der Textilindustrie bereits überwiegend Bei dieser Frage muß man den thatsächlichen und den gesetzlichen zum 10- Stundentage übergegangen. So sind es von 406 TextilZustand auseinderhalten, thatsächlich ist in den meisten Großbetrieben betrieben des Reichenberger Aufsichtsbezirkes nur 196, die noch den der wichtigsten Industriestaaten der zehnstündige Arbeitstag die 11- Stundentag im Jahre 1901 voll ausnügten, 177 waren zum marimale Arbeitszeit. Nur eine Großindustrie, die fast in allen 10- Stundentag übergegangen, 7 Betriebe zum 10% und 10 BeStaaten eine Exportindustrie ist, macht hier eine Ausnahme, die triebe zum 10% stündigen Arbeitstage. In der Schweiz hat ein Textilindustrie. Hier sind die Schwierigkeiten umso größer, als die Biertel der Betriebe der Textilindustrie die fürzere Arbeitszeit eingedrückte Lage der Arbeiterschaft in fast allen Tertilgetverben des geführt, die 39 Proz. der Arbeiter zu gute kommt, so daß man daraus Sontinents ein Hemmnis der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung und den Betrieb würden. war, die in Entfaltung weiter erschwert wurde durch die Tendenz " 1 *) Fortsetzung des Archivs für sociale Gesetzgebung und r Textilfabriken zum Riesenbetriebe und die endlich in ihrer Ent- Statistit". wird gemeldet: Verhandlungen Budapest, 21. April. Im Laufe der Beratungen zwischen dem Abgeordneten Voeroes und dem Streiftomitee trugen die Aus ständigen ihre Forderungen vor. Abg. Boeroes suchte um Mitternacht den Handelsminister Hieronymi auf und kehrte dann zur Fortsegung der Beratung zurüd. Ueber den Verlauf der Konferenz wird folgendes bekannt: Abgeordneter Voeroes teilte mit, daß die Regierung geneigt sei, ben Ausständigen böllige Straflosigkeit zu gewähren. Die Abhaltung der zu morgen einberufenen Landesversammlung werde gestattet und der Gefeßentwurf über die Gehaltsregelung bis nach Abhaltung der zweiten Landesversammlung verschoben werden. Die Regierig fei auch geneigt, die Gründung eines Landesverbandes der Eisenbahnbeamten zu ge nehmigen und werde über die Regelung bes Dienstes Vorschläge machen. Die Forderung der im Mai auszuzahlenden Zuschläge folle bewilligt werden. Die Mitglieder des Streifs tomitees erklärten, daß sie von diesen Mitteilungen Kenntnis nähmen, jedoch keinerlei Garantie für die Befehdung des Kohlensyndikats nichts andres, als daß die direkte Verbindung zwischen Onjatu und Dkohandja noch Beendigung des Streits übernehmen könnten. durch Erhöhung der Eisenbahnfrachttarife und durch Bezug immer unterbrochen, wohl aber ist es möglich, endlich um die Wie ferner verlautet, war ein Teil des Streikkomitees der Kohlen seitens des Staates von andren Produzenten die Onjattberge herum nach Windhuk mit Windhut in Verbindung zu geneigt, für die Annahme dieser Bedingungen ein Dividende des Syndikats herabgedrückt werde. Dr. Bachem treten. Auf diesem Wege wird es dann auch möglich sein, der zutreten. Die Mehrzahl erklärte aber, der morgen stattfindenden Versammlung diese Be- wünscht eine Staatskommission, die Kontrolle in der Geschäfts- Kolonne Glasenapp Verstärkungen zuzuführen, sobald die frisch gedingungen nicht unterbreiten zu können. Sie verführung der Syndikate übt und die Geschäfte gegen das allgemeine landeten Truppennachschübe in Okahandja angelangt sein werden. langten die Bewilligung sämtlicher im Memo- Wohl nicht zuläßt; es ist die ganze Kleinbürgerei, die in solchem Erst dann wird wahrscheinlich der erneute Versuch gemacht werden, randum von 1901 gestellten Forderungen. Zahl- Vorschlag ihren Groll gegen das übermächtige Großkapital austobt: die in den nördlichen Ausläufen der Onjatiberge festsitzenden Hereros reiche Eisenbahnangestellte, welche in den benachbarten als ob nicht die Syndikate den Staatskommissar gut und gern an- zu werfen. Sälen versammelt waren, bestürmten die zeitweise aus der nehmen, da sie alsdann unter der Weihe der staatlichen Aufsicht Aus dem obigen Telegramm geht ferner hervor, daß der GeKonferenz zurückgekehrten Komiteemitglieder, keinesfalls ihre Geschäfte betreiben dürfen, und da sie wissen, daß der Staat fundheitszustand bei der Kolonne Grafenapp ein sehr nachzugeben, da das Komitee sonst durch den sie nicht ernstlich beschweren wird, in dessen Ministerien die unerfreulicher sein muß. Denn außer zwei nachträglich ihren VerUnwillen der Ausständigen hinweggefegt Vertrauensmänner der Syndikate figen. Der Bachemsche wundungen Erlegenen sind auch ein Soldat an Typhus und zwei werde. Unter dem Eindruck dieser Erklärung beschloß auch die Minorität des Komitees, alle Forderungen aufrecht zu erhalten. Staatskommissar wird bald die mäßig bezahlte Staatsstellung andre an„ Herzschwäche" verstorben. Zudem mußten 42 Strante nach Die Konferenz dauerte um 1/24 Uhr früh noch fort. quittieren und die Errungenschaften seiner Lehrzeit im Verwaltungs- Windhul gebracht werden. Das ist eine sehr bedeutende Budapest, 21. April.( B. H.) Die Verhandlungen zwischen dienst des reichen Syndikats bewähren. Dr. Sattler hatte das Krankenziffer. Freilich war es zu erwarten, daß die an das der Regierung und den Vertretern des Streiffomitees dauern aussichtsreichste Hilfsmittel: die Syndikate sollen selbst so vernünftig afrikanische Klima nicht gewöhnten frischen Mannschaften schwer unter ununterbrochen fort. Bis jetzt haben sie noch zu keinem end- werden, von ihrer Macht mäßigen Gebrauch zu machen. Und die Fieber und Dysenterie zu leiden haben würden. Die Krankheiten gültigen Resultat geführt. Die große Versammlung freisinnigen Redner fonnten nichts andres vorbringen, als daß der werden jedenfalls noch manchen Soldaten hinwegraffen oder zum der Eisenbahner, die von der Regierung gestattet wurde, und die Staat eine Anzahl Gruben erwerbe, um dem Syndikat Konkurrenz Invaliden machen! heute nachmittag stattfindet, wird darüber zu bereiten. schlüssig werden, ob die Streikenden die VorDa nach früherer Vereinbarung Interpellationen nur an einem fchläge der Regierung annehmen oder nicht. Einstweilen ist ein großer Teil der Streifenden gegen die An- Sigungstage beraten werden sollen, konnte von unsrer Seite eine nahme derselben. Der ganze Verkehr beschränkt sich auf zwei Würdigung dieser kleinbürgerlichen Kritik an den Syndikaten nicht Züge, nämlich einen Personenzug, der heute vormittag nach Wien mehr erfolgen. In jedem Fall wird die Beratung ihre Wirkungen abging und einen Schnellzug, der heute nachmittag über Bruck erreichen: An einem Musterbeispiel ist die Heillosigkeit der nach Wien gehen wird. kapitalistischen Entwicklung erwiesen, in der selbst der BetriebsBudapest, 21. April.( B. H.) Die Verhand- fortschritt zum neuen Mittel vermehrter Ausraubung der Massen lungen des Regierungsdelegierten mit dem Streik: wird. komitee find gescheitert, die Situation dürfte sich, falls die Regierung nicht weitere Konzessionen macht, hochernst werden. Abgeordnetenhaus. Nur mit Hilfe einer Abendsigung war es dem AbgeordnetenDie Wirkung des Streifs. Wien, 21. April.( W. T. B.) Eine Mitteilung der Staats- haufe möglich, den Etat am Donnerstag in zweiter Lesung zu Ende zu beraten. Es stand, abgesehen von vereinzelten Eisenbahngesellschaft besagt, daß zufolge weiteren Nachrichten aus Positionen fleinerer Etats, noch der Etat des FinanzBudapest auf sämtlichen Streden der Budapest linksseitigen und Budapest- rechtsseitigen Betriebsleitung der ungarischen Staatsbahnen ministeriums aus, erörtern. Politische Ueberlicht. Berlin, den 21. April. Leviathan. der neben den Dst markenDer„ Tag" enthält noch folgendes Telegramm seines bei der Kolonne Glasenapp befindlichen Special- Berichterstatters: Biwak Wasserstelle Onjatu, 16. April. Ihren am 3. April in dem Gefecht bei Ofaharui erhaltenen Wunden sind noch nachträglich erlegen der Reiter Kahlert, der Einjährige Schmidt und der Seesoldat Selke. Ferner haben wir durch Typhus verloren den Unteroffizier Aissig und den Seesoldaten Diederich, beide von der Compagnie Lieber, sowie den Reiter Wolff von der Compagnie des Grafen v. Brockdorff. Diese bisher zum Glück vereinzelt gebliebenen Typhusfälle können bei den außerordentlichen Stra pazen, die wir durchzumachen hatten, den großen Märschen und der wechselbollen Witterung faum überraschen. Biwakiert das Detachement Glasenapp doch heute in ummterbrochener Reihenfolge bereits das ein. und sechzigste Mal! Deutfches Reich. Die Reichsfinanz- Reform. der Gesamtverkehr der Orienterpreßzüge, die Ostende- Expreßzüge zulagen auch die Forderung für das königliche einbegriffen, bis auf weiteres eingestellt worden sind. Die bereits Residenzschloß in der Stadt Posen enthält. aufgenommenen und unterwegs befindlichen Güter werden auf- Während die Regierung für das Schloß einen festen, nicht gehalten und den Versendern zur Verfügung gestellt. Zwischen überschreitbaren Betrag von 5 150 000 M. forderte, hat Wien- Marchegg und zivischen Wien- Bruck a. d. Leitha bleibt der die Budgetkommission diese Summe auf drei Millionen Verkehr der Schuellzüge sistiert. reduziert, wovon eine Million als erste Rate bewilligt wurde. Die Budgetkommission des Reichstags fegte am Donnerstag Die Dftmarkenzulage gab naturgemäß zu einer heftigen zunächst die Besprechung der von der Regierung vorgelegten Polendebatte Anlaß, in der der Hurra- Minister Freiherr Denkschrift über die bisherige und zukünftige Gestaltung der v. Rheinbaben wieder einmal im Striegervereinston die Reichsfinanzen fort. Bei der Uebersicht über die Erträgnisse der deutsch- nationale Gesinnung pries. Der Minister bezeichnete Maisch bottichsteuer wies der Referent Abg. Sped darauf es als selbstverständlich, daß die Zulage solchen Beamten nicht hin, daß das Jahr 1903 einen bedeutenden Minderertrag bringe, da Nachdem der Reichstag am Donnerstag den Etat der oft- gegeben wird, die ihren nationalen Pflichten nicht genügen, das Effektivergebnis der Steuer um rund 11 Millionen Mark hinter asiatischen Besatzungstruppe erledigt hatte, behandelte er die social- er erkannte also den demoralisierenden Charakter der Vorlage dem Etatsoll zurückbleibe. Dieser schlechte Abschluß erkläre sich aus demokratische Interpellation über das schwere Ver- unumwunden an. Dieselbe Tonart schlug Abg. Dr. Fried der Höhe der Rückvergütung, deren Säge viel zu hoch bemessen hängnis, das durch das Kohlensyndikat über das füdliche berg( natl.) an, der es nebenbei noch für nötig hielt, sich seien. Infolge von technischen Veränderungen empfingen die Brenner Ruhrrevier gekommen ist. Der Lauf der Beratung erwies, wie in einigen thörichten Ausfällen gegen die Socialdemokratie um mindestens 4 Mark bei der Rückvergütung zu viel. Die Finanznötig es war, trotz der Verhandlung im Abgeordnetenhause über zu ergehen. falamität müsse den Gedanken nahelegen, dieses Gesetz zu dieselbe Frage und gerade wegen dieser Verhandlung und ihrer Einen breiten Raum in der Debatte nahm die Frage reformieren und die Rückvergütung an die Leistungen der völligen unzulänglichkeit, im Reichstage diesen schweren Notstand zu des Rückgangs der preußischen Staatspapiere ein. Zu ihrer Brenner anzupassen. Abg. Dr. Südefum legte dar, daß jeder Hebung schlug der Finanzminister verschiedene Mittel vor. formellen Neuregelung der Reichsfinanzen die materielle vorauss Allerdings, die Regierung floh vor unsrer Interpellation. Unter anderm will die Regierung die kleinen Sparer ver- gehen müsse. Wenn man mit der Liebesgabenwirtschaft aufräume, Es ist diese Flucht wohl zu verstehen, da die Regierung ihre Aufsichts- anlassen, ihr Geld auch in Staatspapieren anzulegen, und den dann würde die Finanzlage mit einem Schlage gebeffert sein und thätigkeit gegenüber dem Leviathan der Syndikate überhaupt nicht gern Sparkassen vorschreiben, daß sie einen bestimmten Prozentsas man brauche nicht zu Zuschußanleihen seine Zuflucht zu nehmen. zur Schau stellt und am wenigsten vor dem Reichstag, in dem denn ihres Geldes in Staatspapieren, einen bestimmten Prozentsatz Bei der Maischraumsteuer sei es wie bei der Zuckerbesteuerung: die doch die kritische Beurteilung der peinlichen Vorgänge einen andern in Kommunalanleihen anlegen müssen. Weiter soll das Fortschritte der Technik machten die Absichten der Gesetzgeber zu Wiederhall findet als im Abgeordnetenhaus. So blamabel aber Kapital der Seehandlung erhöht werden. Bei verschiedenen nichte. So wie man aber die Liebesgabe in der Zuckerproduktion brauchte die Regierung ihre Flucht nicht gestalten als sie es that, Rednern stieß der Minister mit seinen Vorschlägen auf leb- endlich habe kürzen müssen, so müsse man auch in der Schnaps indem sie, im Widerspruch mit Verfassung und allem Herkommen, haften Widerspruch. produktion vorgehen. Auch der Abg. Müller- Fulda trat ebeno die Behandlung der Interpellation als außerhalb der Kompetenz Neben dem Etat wurde auch das Etatsgesetz mit falls für eine Reform der Steuer ein. Da der Staatssekretär eine des Reichstages erklärte. Kaum hatte Graf Posadowsky die Er- einem Zusatzparagraphen angenommen, der nachträglich die wohlwollende Prüfung eines Initiativantrages aus dem Reichstage zuflärung gegeben und kaum trat der gesamte Troß der Bundesrats- Verwendung von Staatsmitteln vom 1. April ab gutheißt. gesagt habe, so frage er an, ob man einer Verschmelzung der Herren die hurtige Flucht an, als der Reichstag, mit Ausnahme nur Eine solche Bestimmung ist nötig, da Preußen im Gegensatz Maischraumsteuer- Reform mit der Reichsfinanz- Reform zustimmen der Konservativen, für die Beratung der Jnterpellation eintrat; und zum Reich, trotzdem der Etat nicht zur verfassungsmäßig vor- wolle; er wäre gerne bereit, einen solchen Antrag zu stellen. bald nachher erklärte auch der konservative Redner die Kompetenz- geschriebenen Zeit fertiggestellt war, von einem Etats- Notgesetz Gegen diefes Anerbieten sprach sich der Staatssekretär frage für jedenfalls zweifelhaft und bewies durch eifrige Beteiligung Abstand genommen hat. b. Stengel aus. Eine Ermäßigung der Prämien lasse an der Debatte dies Recht des Reichstages. sich aber auch bei Aufrechterhaltung des Gesetzes erreichen. Genosse Hue begann seine Begründung der Interpellation mit Auf die Materie selbst ging der Unterstaatssekretär v. Fischer in dem Nachweis, daß dieser Streif des Bundesrats sicherlich ein Von der Abteilung des Majors Glasenapp, die sich nach der längeren Ausführungen ein. Der Ausfall im letzten Jahre sei aus unberechtigter ist. Er legte dann in fachkundiger und eindrucksvoller am 3. April bei Okaharui erlittenen Schlappe nordöstlich nach besonderen Ursachen zu erklären. Die Zurückvergütung sei allerSchilderung die Situation im Ruhrrevier dar, die lediglich eine Onjatu, ca. 90 Kilometer entfernt von Okahandja, zurückgezogen dings jetzt zu hoch; die Steuer betrage etwa 12 m., die Rüd Folge der profiteifrigen Syndikatspolitik ist. Wenn die Syndikats- hatte und von der seitdem keinerlei Nachricht mehr eingetroffen war, vergütung 16 M. Auch der konservative Vertreter Dr. Dietrich schützer im Abgeordnetenhause die Brachlegung der fleinen Zechen sind nunmehr über Windhuk Berichte eingegangen, aus denen hervor erkannte die Reformbedürftigkeit der Maischraumstener ausdrücklich als natürlichen Vorgang darzustellen suchten, so bedeute aber dieser geht, daß die ihretwegen allgemein gehegten Befürchtungen un an, wollte die Reform aber nicht chematisch gestaltet wissen. Wichtig Vorgang nicht Fortschritte für die Gesamtheit und verhänge über begründete waren. Da sich nach dem Gefecht bei Dnganjira tei, daß die Vergütung denselben Betrag ausmache, wie die Steuer. Zehntausende von Arbeitern, von Geschäftsleuten und Bauern den am 9. April ein Teil der von Major Leutwein zurückgedrängten Von Liebesgaben" könne man doch wohl nicht gut reden, da das wirtschaftlichen Ruin. Hue schilderte eindringlich die Uebermacht der Hereros in der Richtung gegen Onjatu zurückgezogen hatte, hegte Getverbe immerhin noch eine Steuer trage. Bei einer Reform wenigen größten Syndikatsbeherrscher und die Gefahr, daß das man die Sorge, daß diese Herero- Abteilungen sich mit denjenigen dürften die bedeutenden Interessen der Landwirtschaft nicht verganze südliche Ruhrrevier ausgekauft und stillgelegt wird, Abteilungen, die am 3. April gegen das Detachement Glasenapp nachlässigt werden; das ganze Gewerbe werde technisch revolutioniert daß Die dort im Boden ruhenden Schätze den zu gefochten, vereinigen und das letztere gemeinsam angreifen würden. werden. fünftigen Generationen vorenthalten werden. Gegen diefe Das ist nun nicht der Fall gewesen. Die von Leutwein, geschlagenen" Die Centrums- Abgeordneten Sped u. Gen. stellten nun den furchtbaren Notstände und diese noch schwerer drohenden Gefahren Hereros hatten sich mur eine kurze Strede zurückgezogen, so daß sie Antrag, die Regierung möge einen Gefeßentwurf vorlegen, durch den müsse der Staat einschreiten, oder sei der heutige Staat machtlos Leutwein noch am 13. April bei viumbo, nur 20 Kilometer die Rückvergütung der Maischraumsteuer möglichst auf den Betrag gegenüber den wüftesten Ausschreitungen des Kapitalismus? Er entfernt von Dnganjira, entgegentraten. Nach diesem Gefecht der thatsächlichen Ausbeute herabgesetzt werde. Mit großer Energie kennzeichnete die kapitalistische Verheerung, daß die Socialdemokratie, zog sich nun Oberst Leutwein seinerseits wieder zurück, so daß sprach sich der Abg. Bebel gegen die Liebesgabenwirtschaft aus. die verschrieene Feindin des Eigentums", den Staat bedrängen höchstwahrscheinlich die Hereros in der Nähe von Oviumbo Die Regierung wolle wieder einmal nicht vorgehen, um den muß, ob er denn feinerlei Mittel habe, um das sauer erworbene geblieben sind, weitere Angriffe in für ihre Agrariern nicht wehe zu thun. Der gegenwärtige Zustand sei Eigentum von zehntausenden kleiner Leute gegen die Raubpolitik Berteidigung günstigen Gelände abzuweisen. Dieser Hererotrupp hat eine Ungerechtigkeit ersten Ranges, und es sei die höchste der Syndikate zu schützen? Zugleich aber legte unser Redner mit fich also mit den Gegnern des Majors Glasenapp nicht ver- geit, dagegen vorzugehen. Die Ausgaben Recht dar, daß ein Ausweg aus diesen llebeln schließlich nur durch einigt. Da nun die Wasserstelle von Dujatu als Biwak von wüchsen fortwährend und würden auch noch die Einnahmen die Verstaatlichung der Bergwerke gefunden werden Glafenapp wahrscheinlich derart gewählt ist, daß den Hereros feine aus dem neuen Zolltarif verschlingen. Da folle man zunächst erst tönne, wobei natürlich der Fiskalismus abgewendet und das günstigen Angriffschancen geboten find, so hat man ihn seither un- mit diesen Liebesgaben aufräumen. Hier lägen die Millionen für Koalitionsrecht der Arbeiter sichergestellt werden müßte. belästigt gelaffen. Zu Zusammenstößen wird es wahrscheinlich erst das Reich auf der Straße. Der Antrag Sped wurde nach weiterer wieder kommen, sobald die deutschen Truppen ihrerseits wieder die Debatte einstimmig angenommen. Offensive ergreifen. " Unter den Rednern, die in der Debatte das Wort nahmen, war teiner, der nicht mehr oder minder die Berechtigung der socialdemokratischen Interpellationsflage anerkennen und die Syndikatspolitik tritifieren mußte. Die Zustände sind zu toll und zu sichtbar, als daß man sie leugnen könnte, und man wünscht die Socialdemokratie nicht allein als Anwalt der Ausgeplünderten gelten zu lassen. Aber die Kritik der bürgerlichen Redner war in allerlei Nuancen gefärbt, vom nationalliberalen Dr. Sattler, der, durch feinen Fraktionskollegen Beumer belehrt, unter dem Schein von Einwendungen gegen die Syndikate im Grunde eine Lobpreisung ihrer Berdienste besorgte, bis zum Grafen Kaniz, der die Gegensäge berühren sich in der abfälligen Kritik sich in hohem Maße an die unsrige anlehnte; die Junker mögen nur die eigne Bereicherung auf Boltestosten leiden, der großindustrielle Profit gefällt ihnen weniger. Bom Centrum sprach Dr. Bach em, von den freisimmigen Gruppen Gothein und Dr. Wiemer. Den frei Was wußten die bürgerlichen Parteien an Heilmitteln vorzuschlagen? Die Vorschläge zeigen die vollständige Unfähigkeit aller bürgerlichen Barteien, mit dem Syndikatsproblem irgendwie fertig zu werden. Unentschlossen und ohnmächtig schwanken sie zwischen der Anerkennung der Syndikate als unverfälschter Gewächse aus urtapitalistischem Boden und zwischen den Gefühlen des Mißbehagens, die in ihnen die Ungeheuerlichkeit der Syndikatsgewalt erregt. Ebenso unentschlossen und ohnmächtig sind die Abwehrmittel, die fie, meist recht unklar, andeutetert. Nachricht von dem Detachement Glasenapp. um dem Das„ W. T. B." meldet unter dem 21. April: Aus Windhuk werden unter dem heutigen Tage noch folgende liche Todesfälle der Kolonne Glasenapp nachträgl aus Onjatu gemeldet: = von der 4. Compagnie des Seebataillons: Ein Schmidt jährig Gefreiter Johannes am 10. April infolge der bei Okaharui erlittenen Verwundung; Unteroffizier May Kiessig am 11. am Typhus; Seefoldat Franz Dietrich am 14. an Herzschwäche; von der 1. Compagnie des Seebataillons: Seefold at Gustav Selte am 11. infolge der bei Okaharui erlittenen Verwundung; = des Reiches Abg. Müller Fulda entfesselte eine längere Debatte bei der Uebersicht über die Erträge der Stempelsteuer. Der Staatssekretär gab zu, daß der Bundesrat einen Gesezentwurf berate, wonach der Wettstempel so reformiert werden solle, daß den Rennvereinen die Hälfte des Ertrages dieser Steuer zum Zwede der Förderung der Pferdezucht" überwiesen werden solle. Näheres werde später zu erörtern sein. Bei der Uebersicht über die Erträge der Post ritt Herr Abg. Sped eine Attacke gegen das 50 Pf.- Paketporto, das er als eine Förderung der großen Warenhäuser bezeichnet. Eine Erhöhung des Paketportos müsse der Warenhaussteuer in den Einzelstaaten an die Seite treten. Von einer entsprechenden Resolution sehe er an dieser Stelle ab. Abg. Dr. Süd ekum wies die Unhaltbarkeit dieser mittelstandsretterischen Darlegungen nach und protestierte gegen dervom Ersatztransport Winkler: Reiter Alois Wolff artige Erhöhungspläne. Abg. Singer legte schlagend dar, daß am 15. an Herzschwäche. nicht die großen Warenhäuser, sondern die Konsumenten im ( Aus obiger Nachricht geht hervor, daß die Kolonne Glafenapp allgemeinen und die ländlichen Produzenten im besondern den am 15. April noch in Onjatu stand und inzwischen weitere Vorteil vom billigen Paketporto kulturfördernd; und die Gefechte nicht stattgefunden hatten.) hätten. Billiger Verkehr sei Kulturvorteile sollte man nicht fitr eine Utopie aufgeben. Abg. Graf Oriola machte darauf aufmerksam, daß eine Erhöhung des Paketportos nur der preußischen Eisenbahn zu gute kommen werde. Auf einige BeFerner wird gemeldet, daß am 20. April ein Transport von 42 Kranken der Kolonne Glasenapp unter Führung des Hauptmanus a. D. Fromm in Windhak eingetroffen ist. Der Krankentransport ist also( vermutlich ebenso die Nachricht merkungen des Abg. Miller antwortete Abg. Ledebour mit Graf Kaniz weiß nach aller vom 21. April) in Windhut eingetroffen. Danach ist zwar dem Hinweis darauf, daß die großen Warenhäuser bei der Porto " fich daran erhöhung wohl auch mit einer Erweiterung ihrer eignen Paket-[ v. Nidda im Reichstage angekündigt hat, als er die Behauptungen zettel, den er in strenger Verwahrung hat, die zur Verhandlung beförderung vorgehen würden. über die angebliche Offiziersaffaire in Baugen als erlogen hinstellte. stehenden Sachen mitzuteilen. Es ist vorgekommen, daß am Ver Nachdem dann noch eine Reihe andrer Uebersichten mehr oder Die Sächsische Arbeiterzeitung" hatte eine Notiz aus der bürger- handlungstage selbst sogar bürgerlichen Berichterstattern weniger ausführlich diskutiert worden waren, begann endlich die lichen Presse, die gleichzeitig in der„ Dresdner Zeitung" und dem unrichtige Angaben über die zur Verhandlung stehenden Beratung der Reformvorlage selbst. Der Referent Abg. Sped be-" Leipziger Tageblatt" erschienen war, abgedruckt und dazu einige be- rungen Die Kriegsgerichts- Sizungen gnügte sich mit einer einfachen Darlegung des Inhalts des§ 1 und Bemerkungen gefügt, dahingehend, der Vorfall sei der Redaktion Fälle gemacht worden sind. schon seit Wochen mitgeteilt worden, doch hätte sie finden in dem Gebäude eine Treppe hoch statt. Wird nun, behielt sich seine Entscheidung vor. Abg. Dr. Sü dekum als ihre Informationen noch nicht vollständig abgeschlossen gehabt. was sehr häufig vorkommt, die Deffentlichkeit während Korreferent ging fofort auf die principielle Bedeutung der Vorlage Es wurde noch hinzugefügt, daß die angeblichen Orgien in der Verhandlung ausgeschlossen, so müssen Zeugen, Verein. Die Notwendigkeit der Reform werde nicht bestritten, aber auf einem bestimmten Lokale stattgefunden hätten und dabei auch die teidiger sowie das der Verhandlung ettva beiwohnende diesem Wege werde nichts Ordentliches erreicht. Worauf es Hundepeitsche eines Fleischermeisters, dessen Tochter bei dem Gelage Publikum nicht nur allein den Saal, sondern auch die ganze ankomme, sei dieses: die Unsicherheit in den Einnahmen des beteiligt gewesen sei, eine Rolle gespielt habe. Thatsächlich sind der Etage verlassen und sich nach den Parterreräumlichkeiten begeben, Reiches zu beseitigen, δας heißt direkte Redaktion der Sächsischen Arbeiterzeitung" schon mehrere Wochen bis die Deffentlichkeit wieder hergestellt ist. Es könnte sonst doch Reichssteuern zu schaffen. Daran sei freilich nach den bestimmten Erklärungen vor der Veröffentlichung in den oben erwähnten Blättern eine Reihe vielleicht ein Laut aus der Verhandlung an die verpönte Deffentlichdes Staatssekretärs zur Zeit nicht zu denken. Aber es müsse immer Schreiben von den verschiedensten Seiten zugegangen, worin die angeblichen Orgien und die Auch bei Beratungen zieht sich nicht das Gericht fnüpfenden Auf- keit dringen. das anzustrebende Ziel bleiben, und wahrscheinlich müßten erst wirk- tritte mit dem Fleischermeister eingehend geschildert wurden. zurück, sondern Zeugen und Publikum müssen die Etage verlassen. lich ernste Stalamitäten die Einzelregierungen dafür mürbe machen. Es wurde das Zimmer des betreffenden Lokals genau bezeichnet In der Festungsstadt Pillai erregte am Dienstag das ungewöhnGehe man auf die Pläne des Staatssekretärs ein, dann nähme man und eine Reihe Einzelheiten des angeblichen Vorfalls geschildert. liche Erscheinen eines Civilisten zur Kriegsgerichts- Sigung geradezu den Einzelstaaten jedes Interesse an sparsamer Wirtschaft, weil man Die Sächsische Arbeiterzeitung" hat aber feine Notiz von der Sache Aufsehen. Ein Berichterstatter der Königsberger Volkszeitung" hatte ihr Risiko einschränke. Man öffne zugleich den Weg zu nenen in- genommen, obwohl sie von den verschiedensten Seiten dazu gedrängt durch Zufall erfahren, daß dort gegen einen Lieutenant, einen Felddirekten Steuern, Belastungen des Bedarfs der Masse. Dabei werde wurde. Erst als die oben erwähnten Notizen in der bürgerlichen webel und einen Unteroffizier wegen Mißhandlung und vorPresse erschienen, find sie von der Arbeiterzeitung" in der Annahme die Duchsichtigkeit und Klarheit des Etats nicht einmal erheblich abgedruckt worden, daß sich die bürgerlichen Zeitungen infolge ihrer Schriftswidriger Behandlung Untergebener verhandelt werden gefördert. Daher empfehle sich die radikale Ablehnung besseren Verbindungen mit den höheren" Kreisen genau über die sollte. Die Kriegsgerichts- Sitzungen finden im Arresthause der Vorlage. Abg. Dr. Paasche trat lebhaft für die Vorlage Sache informiert haben. Gleichzeitig mit der„ Sächsischen Arbeiter- statt. Als sich der Genosse nun dort einfand, erklärte der Arrestein und bekämpfte die gegen sie vorgebrachten Argumente. Sei das zeitung" ist die Mitteilung auch von einer großen Anzahl Amts- aufseher, er habe strengen Befehl, keine Civilperson Reich erst einmal durch Aufhebung der Ueberweisungssteuern zum blätter abgedruckt worden. ohne Erlaubniskarte der Herrn seiner Finanzen gemacht worden, dann würde im Gegenteil sparsamer gewirtschaftet werden. Die vom Abg. Dr. Südekum in Rechnung gestellte starke Vermehrung der Marine- Ausgaben lägen ja noch nicht vor und er glaube auch nicht daran. Er sei bereit, für die Vorlage zu stimmen, da er sie für einen wesentlichen Fortschritt halte, wenn sie auch nicht erfülle, was er gewünscht hätte. Die Weiterberatung wurde auf Freitag vertagt. Der Kaiser in Catania. am Fast gleichzeitig mit dem Leipziger Tageblatt" brachten die Gebäude hineinzulassen. Unser Genosse begab sich nun Dresdener Wochenblätter" Der Beobachter" und die„ Dresdener nach der Kommandantur, erhielt zwar eine Starte ausgeschrieben, es Rundschau" eingehende Schilderungen des angeblichen Vorganges. fehlte jedoch die Unterschrift des Majors, der nicht zu Hause war. Der Redakteur des ersteren Blattes ist bereits zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden und gegen die„ Rundschau" schwebt noch um 9 Uhr hatte die Verhandlung begonnen, aber erst um 111 Uhr ein Verfahren; es sollen auch gegen 20 bürgerliche Blätter Straf- gab der zurückgekehrte Major dem Berichterstatter, nachdem er sich verfahren eingeleitet worden sein. nach Namen und politischer Tendenz der von ihm vertretenen Zeitung Es ist charakteristisch, daß der„ Sächsischne Arbeiterzeitung" noch erkundigt hatte, freies Geleit nach dem Verhandlungszimmer., bis in die letzten Tage Schreiben zugegangen, in denen behauptet Inzwischen war natürlich der interessante Fall wurde, es seien thatsächlich Orgien gefeiert worden und schließlich erledigt. Es wurden noch drei Fälle verhandelt. Aber weder die Nach Mitteilungen aus Rom wurde der Kaiser, als er wurden auch eine Anzahl Zeugen namhaft gemacht, die als beteiligte dienstthuende Ordonnanz noch der Aufseher oder sonst einer von den vielen Mittwoch die Stadt Catania zu besuchen gedachte, aufmerksam Personen den Wahrheitsbeweis erbringen könnten. Auf Grund der dort an den Verhandlungen beteiligten Militärpersonen wußten, gemacht, daß der Stadtrat socialistisch gesinnt sei. Der daraufhin in Baugen eingeleiteten Grörterungen entschloß sich Genosse wie viele oder welche Fälle an dem Tage zur Verhandlung Kaiser soll lächelnd gesagt haben:" Ich besuche doch nicht den Stadt- Düwell, den Wahrheitsbeweis anzutreten. Er stellte deshalb in der rat, sondern die Stadt". Diese Auffassung des Kaisers, der vor Verhandlung durch seinen Verteidiger Anträge, eine Reihe von standen. Ja, der Arrestaufseher, ein Sergeant, fragte den Bericht einiger Zeit in Kopenhagen mit dem socialistischen Bürgermeister Zeugen, darunter mehrere Mädchen, das Personal von dem betreffenden erstatter ganz erstaunt, wie er es in aller Welt erfahren daß in Pillau das Kriegsgericht aus. zusammentraf, foll auch die Einladung des socialistischen Lokale und eine Anzahl Offiziere laden zu lassen. Diese Beweisanträge ha be, Bürgermeisters, des bekannten Defelice, zur Abendtafel wurden nach langer Beratung als unerheblich abgelehnt und es wurde Königsberg wurden nach langer Beratung als unerheblich abgelehnt und es wurde Königsberg an diesem Tage Sigung abhalte! ermöglicht haben. Defelice aber sei nicht zum Staiser dabei von dem Vorsitzenden betont, der sächsische Militärbevoll- Er sei bereits 7 Jahre hier im Dienst, aber noch niemals habe ein gegangen, sondern habe sich durch den Stadtverordneten- Vorsteher mächtigte habe erklärt, die Sache sei erlogen und das ehrengerichtliche Berichterstatter oder sonst eine, nicht gerade attiv beteiligte CivilCastelucci vertreten lassen. Defelice hatte nämlich noch eine andre Verfahren gegen die beschuldigten Offiziere habe nichts Belastendes person verlangt, der Gerichtsverhandlung beizuwohnen. Die vers Repräsentationspflicht zu erfüllen, da der Zufall es wollte, daß zu auf den in Frage stehenden Fall. Die Ablehnung der Betveis wunderten Gesichter der Offiziere des Kriegsgerichts bestätigten denn auch diese Erklärung. den gleicher Zeit die in Katania eintrafen. auträge ist jedenfalls sehr bemerkenswert, sie wird natürlich als Wenn die Mitteilungen richtig sind, so ist es immerhin ein Revisionsgrund gebührend geltend gemacht werden. Das Urteil einen Mann nicht lautete, wie schon mitgeteilt, auf vier Monate Gefängnis. wenig schade, daß der deutsche Kaiser kennen lernte, der jezt Bürgermeister in Catania ist, In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, es sei strafveraber im Jahre 1893 Crispi wegen revolutionärer Erhebung gegen schärfend in Betracht gezogen worden, daß ein Stand beleidigt worden fein Schandregiment auf Jahre in den Kerker werfen ließ. Den fei, dem die Ehre höher stehe als das Leben. Kaiser hätte wohl dieser Wandel der Dinge berührt: Crispi, der Die gegen Düwell ausgeworfene Strafe muß angesichts der That einstige Freund Bismards und des offiziellen Deutschland, traurig fache, daß es sich um einen Nachdruck handelt als außerordentlich zu Grunde gegangen; Defelice, der Verfolgte, der Eingekerferte, jezt hoch bezeichnet werden. Der Vorsitzende der Straffammer war der aus in hohem Amt, Vertreter einer bedeutenden sicilischen Stadt!. dem Löbtauer Zuchthausprozeß bekannte Landgerichtsdirektor Frauhold. Würden alle die furchtbar abhängigen Provinz- Kreisblättchen ihre Berichterstatter nach den vielen Garnisonen zu den Kriegsgerichtsverhandlungen schicken dürfen, dann würde ein ganz anderes Material über Soldatenschinderei und Quälerei an die Deffentlichkeit kommen. Das würde auch schon der Fall sein, wenn die sogenannten liberalen Zeitungen der mittleren Provinzstädte mit einiger Energie sich Berichte von den öffentlichen Kriegsgerichtsverhandlungen verfich Berichte von den öffentlichen Kriegsgerichtsverhandlungen verschaffen würden. Ausland. München, 20. April. Der bekannte Prozeß gegen die CentrumsEinen neuen Boulanger. Nummer des Simplicissimus" ist heut beendigt worden. Das Ein socialpolitischer Vertrag zwischen Frankreich und Italien. nannte in der Budgetkommission des Reichstages der Centrums- Strafverfahren gegen die verantwortlichen Personen wegen BerParis, 20. April( Eig. Ber.) abgeordnete Müller Fulda den General Keim, der in der gehens gegen die Religion war schon früher eingestellt worden, da Der am 15. April abgeschlossene Vertrag bedeutet einen interGeneralversammlung der Flottentreiber nicht nur die Fertigstellung denselben das subjektive Bewußtsein der Schuld nicht nachgewiefen werden könne. Derjenigen Flottenbauten, die nach dem Flottengesetz vom Jahre 1900 Das jetzige Verfahren vor dem Landgericht efsanten Keim internationalen Arbeiterschutzes. Die erste Anregung bezog sich nur noch auf Einziehung der betreffenden ist 1902 von Luigi Luzzatti ausgegangen, dem bekannten bis zum Jahre 1917 vorgesehen waren, bis zum Jahre 1912 forderte, Nummer, beziehentlich, wie der Staatsanwalt sondern bis zu diesem Jahre auch noch weitere 17 Linienschiffe vom auf Ueberdrucken der gegen das Centrum gerichteten Predigt und Vereinigung und ihrer Kongresse. Die französische Regierung griff beantragte, aktiven Teilnehmer der bürgerlichen internationalen ArbeiterschutzStapel gelaffen sehen wollte. Die Bezeichnung„ neuer Boulanger" eines Bildes samt Text( Je nachdem"). Das Gericht erkannte auf den Gedanken mit Freuden auf, da ja Frankreich auf dem Gebiete hat das teutsche Gemüt des Herrn Generals offenbar tief getränkt. abweisung des staatsanwaltschaftlichen Antrages und Auf des Arbeiterschutzes Italien weit voraus ist. Ein Jahr und In den Mitteilungen des Deutschen Flottenvereins" lesen wir: Es seien Beschimpfungen " In der Sitzung der Budgetkommission des Deutschen Reichs- hebung der Beschlagnahme. länger aber stieß der französische Botschafter in Rom tags vom 20. April hat, wie diesseits nach Befragen eines Mit- vorhanden, aber nicht der Religion im Sinne des§ 166 des Straf- beim Stabinett Zanardelli auf taube Dhren. Erst im Dezember 1903, gliedes dieser Stommission festgestellt worden ist, der Abgeordnete gesetzbuches. Müller Fulda( C.) geäußert, " 3 Zur badischen Wahlreform. mit dem Eintritt Luzzatis ins italienische Ministerium, kamen die Unterhandlungen rasch in Gang. Dieselben mögen wohl auch durch die inzwischen eingetretene diplomatische Annäherung zwischen den beiden Ländern günstig beeinflußt worden sein. Regierung in der Lage, einen solchen Gegenwert auf dem Gebiete der Arbeiterinteressen selbst liefern zu können, dank des Umstandes, daß in Frankreich rund 200 000 italienische Arbeiter beschäftigt sind, während die Zahl der in Italien beschäftigten französischen Arbeiter bloß 10 000 beträgt. es sei auch ein neuer Boulanger in Sachsen erstanden in einem Offizier a. D., der für 794 Millionen Mark neue Schiffe fordere. Da diese Am Mittwoch wurde in der Verfassungskommission des Badischen Aeußerung in Zusammenhang mit der Sigung des Gesamt- Landtages wieder über die Wahlreform verhandelt und zwar nahmen vorstandes des Deutschen Flottenvereins in Dresden am die Parteien Stellung zu der fürzlich besprochenen RegierungsDie zu überwindende Hauptschwierigkeit lag in der großen 16. April 1904 gebracht wurde, so unterliegt es keinem Zweifel, daß erklärung. Unfre Vermutungen über die Aussichten der Reform be- Rückständigkeit der italienischen Arbeiterschuß- Gesetzgebung gegenüber unter dem Offizier a. D., welchen Herr Müller- Fulda so geschmackvollstätigen sich; die Parteien, welche für die Zweidrittelmehrheit aus der französischen. Vom Standpunkt der italienischen Bourgeoisie als neuen Boulanger bezeichnet, nur der Berichterstatter schlaggebend find, gehen auf gewisse Forderungen, die von der des Präsidiums über den Punkt V der Tages- Regierung als conditio sine qua non bezeichnet wurden, nicht ein. bedeutet ja die Verbesserung des Arbeiterschutzes einen„ Verlust" und Frankreich, wofür ein ordnung Die Aufgaben des Deutschen Flotten- Nationalliberale und Centrum sind bereit, alle Verschlechterungen des im gegebenen Falle ein Zugeständnis an Vereins für die nächste Zukunft", Generalmajor Wahlrechts der Arbeiter zu genehmigen, sie lassen in der Beziehung Gegenwert eingehandelt werden müßte. Indes war die franzöfifche a. D. Keim gemeint sein kann. General Keim ist Mit- ihre Beschlüsse aus der ersten Lesung leichten Herzens im Stich. So glied des Präsidiums und hat selbstverständlich nicht für seine u. a. im Punkte der Staatsangehörigkeits- und Wohnsizkarenzzeit Person, sondern im Auftrage des Präsidiums und und der Steuerrestantenausschließung. Sie bleiben dagegen fest im in voller Uebereinstimmung mit demselben nach Städteproporz, der sich auch gegen die Socialdemokratie richtet. Das eingehender vorheriger Beratung den Antrag Centrum hat noch den Specialwunsch, daß eine neue Wahlkreis eingebracht und erläutert. Dieser Antrag ist sodann einteilung geschaffen wird auf der Basis: dem Lande zwei Drittel, Demgemäß ist im Vertrage der fabrikgesegliche Zweck, an welchem nach lebhafter Diskussion einstimmig angenommen den Städten ein Drittel der Site. worden. Hieraus geht hervor, daß finnentsprechend sämtliche Mitglieder Durch diese Gestaltung der Dinge würde die Vorlage, da die Frankreich interessiert ist, verknüpft worden mit der Zusicherung der des Präsidiums wie des Gesamtvorstandes des Deutschen Flotten socialdemokratische Frattion wahrscheinlich nicht den Ausschlag geben freilich nicht rückhaltlosen Gleichstellung der beiderseitigen Arbeiter Vereins nach Ansicht des Herrn Müller- Fulda als" Boulangers" wird, kaum zu Falle kommen. Aber die Regierung verlangt eine mit den einheimischen in Bezug auf die Vorteile der gesamten anzusehen wären. Wir hören jedoch, daß General Keim die An- Erweiterung des Budgetrechts der Ersten Kammer und alle die socialpolitischen Gesetzgebung. Die beiden Grundlagen des Vertrages gelegenheit zu seiner persönlichen gemacht hat." offenen und versteckten Feinde des direkten Wahlrechts flammern sich sind wie folgt formuliert. Die vertragschließenden Länder bezwecken: Es wird also dem guten Centrums- Abgeordneten und Rentier nun an diese faum jemals praktisch werdende Rechtsverschiebung. 1. Jhren im Auslande arbeitenden Angehörigen den Genuß der Ernichts andres übrig bleiben, als trotz dieses Säbelraffelus In der Pose des unentwegten Vollstribunen erklären National- sparnisse zu erleichtern und die Vorteile der socialen Versicherungss a la Boulanger feinen Vergleich reumütig zurüdzunehmen, falls er liberale und Centrum: es darf kein Titelchen der Rechte gesetzgebung zuzuwenden; 2. die Aufrechterhaltung der bereits nicht die Sekundanten des grimmigen alten Herrn erwarten will! der Zweiten Kammer angerührt werden. Die Erste Kammer Ultig ist übrigens, wie das Flottentreiber- Drgan den Vorwurf muß hinter der Zweiten Kammer zurückſtehen. Ganz gut, bestehenden Arbeiterschutzgesetze zu verbürgen und deren Forts , abenteuerlicher" Forderungen zu entkräften versucht. Die wenn es nicht tolle Heuchelei wäre! Dieselben Leute, bie entwicklung zu fördern. Diese zwei Grundbestimmungen sollen dann in mehreren AbForderungen des Vorstandes des Flottenvereins beliefen sich, das heute erklären, haben früher die Regierung direkt angereizt, in abgesehen von der zu erwartenden Kreuzervorlage, der Richtung vorzugehen, wie sie es nun gethan und sie würden der machungen im einzelnen präcisiert werden. Frankreich wird unter bis zum Jahre 1912 auf" nur" 250 Millionen. Wozu dann freilich Regierung noch mehr geben, wenn es geschehen könnte, ohne dem der Bedingung der Gegenseitigkeit das Unfallgesetz von 1898 den noch die Erhöhung der jährlichen Ausgaben käme, die durch die Volke das unangenehme direkte Wahlrecht zu geben. Jetzt in Frankreich beschäftigten italienischen Arbeitern zu gute kommen Abkürzung der Bauzeit für die durch das Flotten gefez wo die Regierung auf dieser Budgetrechtsverschiebung besteht, lassen auch im Falle, wenn die zur Entschädigung Berechtigten das von 1900 geforderten Schiffe unt fünf Jahre erwüchsen. Durch ist ihnen das ein bequemes Mittel, die Vorlage zu Fall zu bringen Land verlassen haben, bezw. im Falle eines tödlichen Unfalls die diese Abkürzung der Bauzeit würde der jährliche Flottenetat, und obendrein noch den rüdgratfesten Volksmann zu spielen. wie wir bereits nachgewiesen, von 265 Millionen auf 427 Millionen Die Vorlage ist fonach endgültig gescheitert; etwa zwei Monate Pension den im Ausland lebenden Angehörigen des Opfers auserhöht werden! Wozu dann noch die jährlich 27, Millionen und werden sich die Kammern mit dem Kadaver herumschlagen, denn das zahlen. Dieselbe Verpflichtung übernimmt Frankreich bezüglich der die Kosten für die Kreuzer fämen. Es handelte sich also" nur" Bolt darf die Komödie nicht durchschauen, und dann wird man in kommenden Altersversicherung. Für jede Art der Versicherung die Bestimmung, daß die Beiträge des um eine Erhöhung der jährlichen Flottenausgaben um rund einer großen Entrüstungsvorstellung das Resultat bekannt geben, das gilt gegenseitig 200 Millionen Mark! Das ist für unsre Flottentreiber absolut wir heute schon feststellen können. Es wird Nationalliberalen und fremden Arbeiters auf alle Fälle ihm garantiert werden, nichts Abenteuerliches ICentrum, die gleich große Schuld wie die Regierung haben, kaum daß ferner die unternehmerlichen Beiträge zu Gunsten des gelingen die Wähler zu betrügen; solche Politik muß sich rächen. fremden Arbeiters besonders zu regeln sind unter Berück Dr. Krieger und Dr. Dullo in Königsberg haben seit einiger fichtigung des Abstandes zwischen der socialpolitischen GesetzZeit politische Anschauungen geäußert, die sie in stets größeren Von der öffentlichen Militär- Gerichtsbarkeit gebung der beiden Länder und der sich daraus für die Gegensatz zu der Freisinnigen Bollspartei brachten, der sie seit. langem angehörten. Dr. Krieger war von 1898 bis 1903 Landtags- ist, so schreibt man uns aus Königsberg vom 20. April, in französischen Unternehmer ergebenden Mehrbelastung, daß endlich Abgeordneter für die Freifinnige Volkspartei. Sowohl in social- Ostpreußen fast gar nichts zu merken. Trotzdem die Stand- und etwaige staatliche Versicherungsbeiträge von jedem Staate seinen politischen Fragen und in der Beurteilung der Socialdemokratie Kriegsgerichte hier in den einzelnen Garnisonen wohl ebenso viel in eignen, auswärts lebenden Angehörigen auf Wunsch zuzuwenden fowie in der Auffassung von der offiziellen Taktik der Freifinnigen Anspruch genommen werden wie anderswo im Reiche, dringt doch wären. In Bezug auf die Sparkassen ist eine Abmachung bereits Volkspartei seit den Zollkämpfen haben die beiden Herren scharf fast gar nichts von den Verhandlungen derselben an die Deffentlich abgeschlossen worden, wonach die beiderseitigen Kassen kostenfrei die abweichende, mutige und recht vernünftige Urteile abgegeben. Die feit. Es wird streng geheim gehalten, wann ein im andern Lande deponierten Ersparnisse auszahlen. Dasselbe soll Freisinnige Zeitung" tobt daher seit Jahresfrist gegen die beiden Stetzer; jetzt hat eine Königsberger Versammlung sich mit der Termin stattfindet und welche Sachen darin zur für die Auszahlung der Versicherungsrenten durch die VersicherungsAngelegenheit befaßt und die Leiter des dortigen Freisinns haben Verhandlung stehen. Wo es sich nur irgend mit disciplinari- tassen stipuliert werden. Italien verpflichtet sich seinerseits, das Arbeiterschutz- Gesetz von den beiden erklärt, daß sie dieselben nicht mehr als zu ihrer Partei schen oder dienstlichen Gründen motivieren läßt, wird dann auch noch gehörig ansehen tönnen. Thatsächlich erscheinen Dr. Krieger und die Deffentlichkeit ausgeschlossen. 1902 aufrecht zu erhalten und weiterhin durch die Uebergangsetappen Dr. Dullo zu gut für diese Partei. In Königsberg werden die Kriegsgerichts- Sizungen in einem der Arbeitszeit der Frauen von 12 auf 11 Stunden( oder auf Dresden, 21. April.( Eig. Ver.) Die gestern furz mitgeteilte zu Bureauziveden gemieteten Gebände abgehalten. Der bei 66 Stunden in der Woche) herabzusetzen, falls die andren Nachbar Verurteilung des Genossen Düwell, Redakteurs der Sächsischen den Gerichtssigungen gleichzeitig als Gerichtsdiener fungierende länder Frankreichs die gleiche Arbeitszeit einführen, endlich in kurzer Arbeiterzeitung", zu vier Monaten Gefängnis ist in Militärbeamte scheint strengen Befehl zu haben, keinem Zeitungs- Frist eine Gewerbe- Inspektion zur Sicherung der Durchführung der item jener Prozesse erfolgt, die der sächsische Bevollmächtigte Krug Berichterstatter oder einer sonstigen Civilperson von dem Termins- Schußgefeße zu schaffen. Der Vortrag bildet, wie gesagt, ein einheitliches Ganzes. Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. " 17. Sigung vom Donnerstag, den 21. April 1904, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sigung gegen 16 Uhr mit der Mitteilung, daß der Stadtv. Dr. Freudenberg( Soc.) aus Gesundheitsrüdsichten sein Mandat niedergelegt hat. Das Andenken des verstorbenen früheren Stadtv. Ingenieur Wolff ehrt die Versammlung durch Erheben von den Sigen. In die Verkehrsdeputation werden seitens der Verfammlung durch Zuruf gewählt die Stadtvv. Heimann( Soc.) und Wallach( A. 2.). Stadtv. Caffel( A. 2.) hält die Darstellung seines Fraktionsgenossen Haberland über tie steuerlichen Verhältnisse Berlins für nicht ganz zutreffend; Berlin stehe in den letzten zehn Jahren doch erheblich günstiger da. Im allgemeinen stimmt er dem Oberbürger meister zu, doch hat er Bedenken, ob es bei der Eingemeindung so ganz ohne Schädigung der Selbstverwaltung abgehen würde. Man habe vor allem den falschen Schein zu vermeiden, als ob Berlin einen Druck auf die Nachbargemeinden nach dieser Richtung ausüben müsse, Im nicht selbst im Strudel zu bersinken. Der Wille zur Macht" äußere sich doch nicht in der Annahme papierner Refolutionen. In eine freiwillige Querelenkommission zu gehen, lehne er ab. Darauf wird ein Schlußantrag angenommen. Stadtv. Preuß bemerkt persönlich, daß in seinem Antrag von einem Zweckverband nichts steht. Stadtv. Perts( N. L.) bedauert, den Standpunkt seiner Freunde nicht haben darlegen zu können. Stadtv. Preuß zieht seinen Antrag zu Gunsten des Singerschen wir davon überzeugt, daß es Haß gegen Berlin, Mißivollen und Kern und das Rückgrat der Selbstverwaltung, ohne fie läßt fich die Er wird daher in allen Teilen annulliert werden können, falls Abneigung gegen die Verstärkung der wirtschaftlichen Stellung Verwaltung gar nicht führen, darin fehe ich persönlich den Rückhalt Italien feinen Verpflichtungen bezüglich des Arbeiterfchuzes nicht Berlins ist, was die maßgebenden Stellen zu ihrer Stellungnahme und die Sicherheit der Selbstverwaltung in unsrem Gemeinwesen. nachkommt oder falls Frankreich seine bestehende Schutzgesetzgebung bringt, so müßte der Magiftrat erst recht so vorgehen, während er Die Abneigung der gefeßgebenden Körperschaften gegen Berlin ist ja, verschlechtert. Leider hat die französische Regierung bereits die vom durch seine Passivität gerade dieser Auffassung Vorschub leistet. Der wohl auch wegen der in Berlin herrschenden Auffaffung der Kirche verschlechtert. Leider hat die französische Regierung bereits die vom Oberbürgermeister hat ja erfreulicherweise bewiesen, daß er eine lichen Verhältnisse, nicht gering, aber auch sie wird auf die Dauer Senat votierte Verschlechterung des Zehnstundengesetzes eventuell, für starke Empfindung dafür hat, daß die Städte untereinander ge- nicht vorhalten. Der Minister dann hat mir rundweg er den Fall eines zustimmenden Kammervotums, als zum bestehenden" meinsame Interessen haben tönnen; es ist aus Anlaß des letzten lärt, eine größere Eingemeindung beabsichtige Zustand gehörend betrachtet. Gemäß der Annullierungsklausel hat Städtetages seinerseits ein Versuch zu einer Organisation zur die Regierung nicht. Aber auch diese Meinung wird nicht unjeder der beiden Vertragschließenden das Recht, jederzeit die Durch- Förderung solcher gemeinsamen Interessen gemacht worden. Viel- abänderlich sein, und die Regierung wird sich schließlich überzeugen führung des Vertrages und der einzelnen Abmachungen durch die Gegen- leicht hätte aber der Oberbürgermeister daran denken sollen, daß müssen, daß die Einverleibung in größerem Umfange durch staats partei zu kontrollieren, wobei er eventuell im voraus seine Abficht einem das Hemd näher als der Rod ist. Unfre Stellung zu der liche Intereffen geboten ist. Wir wollen die Hände keineswegs in fund zugeben hat, eine Verletzung der Arbeiterschutzgesetzgebung und Frage ist bekannt. Es unterliegt doch keinem Zweifel, daß auf dem den Schoß legen. Es ist die erste Aufgabe des Magistrats, Interesse damit einen Annullierungsfall konstatieren zu wollen. Gebiete der Schule, der Armen- und der Krankenpflege und noch und Verständnis für diese Frage in den weitesten Kreiſen auf andren Gebieten gemeinsame Interessen aller Vororte, sowohl zu verbreiten; wir haben schon mit der Denkschrift Schließlich bestimmt der Vertrag, daß die Teilnahme Frankreichs der westlichen wie der nördlichen und östlichen, vorliegen. Vor ganz vor dem Antrage Preuß die Flucht in die die Deffentlichan einer internationalen Arbeiterschutz- Konferenz zum Zwecke einer kurzer Zeit hat der Oberbürgermeister von Schöneberg bei uns an feit ergriffen. Ernstlich muß auch die Decentralisation Vereinheitlichung der Arbeitsbedingungen auch Italien zur Teil- gefragt, was es foste, wenn wir die Schöneberger Geschlechtstranten in Angriff genommen werden; Berlin muß zeigen, daß sich die Vernahme verpflichtet, und umgekehrt. in unsre Krankenhäuser aufnehmen.( Heiterfeit.) Eins der waltung dieses großen Körpers führen läßt neben der Centrale durch Seit der Berliner internationalen Arbeiterschutz- Konferenz wichtigsten Gemeininteressen liegt ferner auf dem Gebiete des Ver- fleinere Bezirke mit selbständiger Verwaltung. Die Verwaltung fruchtlosen Angedenkens sind nun 14 Jahre verflossen. Der erste tehrswesens. Die beste und einzige Waffe gegen die Monopol- selbst, die tägliche, laufende, muß so geführt werden, daß Berlin ein praktische Schritt auf dem Wege zu den guten Absichten von dazumal artigen Organisation zu finden sein. Bei der jetzigen Bunt- ist das erste Fundament.( Sehr wahr!) Verlieren Sie dieses und wirtschaft der Großen Berliner Straßenbahn würde in einer der Anziehungspunkt wird für die Einzuverleibenden. Die Verwaltung ist aber nicht von der deutschen, sondern von der franzöfifchen Re- fchedigkeit der Verträge, welche die„ Große" mit den Vororten jagen Sie weitgehenden Plänen nach, so verlieren Sie dieses und gierung gethan worden. schließt, triumphiert sie allemal über die Stadt Berlin. Der Ober- erreichen das andre nicht. Es muß der richtige Moment abgewartet bürgermeister hat Angst gemacht vor der Unförmlichkeit der Be- werden.( Beifall.) ratungen des Parlaments" dieser Organisation. Niemand ver- Stadtv. Mommsen( Fr. Fr.) stimmt namens seiner Freunde voll Tangt, daß über ein gemeinsames Interesse von Berlin, Schöneberg und ganz den Oberbürgermeister zu. Sie seien durchaus Freunde und Charlottenburg auch die andren Vororte mitzureden haben der Eingemeindung im großen Stile; heute sei er auch für die sollen. Es ist ja auch nicht notwendig, diese Organisation aus einer Eingemeindung der nördlichen Vororte zu haben. Heute aber einen fo großen Anzahl von Köpfen bestehen zu lassen; es ginge ganz Beschluß zu fassen, habe nicht den geringsten Zweck. Darum wünsche wohl, daß die Oberbürgermeister, Bürgermeister und Amtsvorsteher er dem Ausschußantrag die Mehrheit. diese Vertretung bilden. Wir werden hier mit 144 Mann fertig; warum soll denn eine Körperschaft von 20-25 Häuptern nicht mit den ihr zu stellenden Aufgaben fertig werden können? enn unsre Vorgänger aus den 60er und 70er Jahren, die einen wirklichen Fortschritt für die Stadtgemeinde herbeiführten, nicht mit mehr Wagemut erfüllt gewesen wären als der heutige Magistrat, dann hätten wir heute noch die Rinnsteine in Berlin.( Sehr richtig!) Rum heißt es, auf Freiwilligkeit sei nicht zu rechnen, da müsse 3wvang Eine Reihe von Rechnungen dechargiert die Versammlung geübt werden. Im Staat, im politischen Leben verwerfen die Liberalen ohne Debatte nach dem Referat des Berichterstatters Stadtv. Kollo jede Zwangsorganisation; wie haben wir ringen müssen um Sonntags towsky( N. L.). rube, Fortbildungsschulen uſtv. Heute verlangen Sie mit einem Es folgt die Berichterstattung über die Ausschußberatungen Male eine Zwangsorganisation, veil Sie die Sache im Heime er zum Antrage des Stadtv. Dr. Preuß: Den Magistrat zu ersticken wollen. Alle diese Einwände haben keine Berechtigung. Diese Entfuchen, mit den benachbarten Stadt- und Landgemeinden in Ver- sagungspolitik kann ich nicht billigen; damit depoffedieren Sie sich selbst, bindung zu treten, um gemeinsame Einrichtungen für die Wahr- damit verzichten Sie auf diese große Aufgabe, und dann können Sie nehmung und den Ausgleich kommunaler Interessen innerhalb dieses der Regierung auch feinen Vorwurf mehr machen. Eine KommunalVerwaltungsbezirks vorzubereiten. politif, die nur von der Hand in den Mund lebt, kann wohl in einer Der Ausschuß hat bekanntlich, nachdem sich der Oberbürger- leinen Stadt noch allenfalls verstanden werden, aber Berlin muß meister wiederum im Sinne einer refignierten Politit des Abwartens eine Kommunalpolitik treiben, welche auch weitsichtig genug ist, zeitig zurüd. geäußert, den Antrag sowie alle auf weitergehende Inkommunalisierung an Einrichtungen zu gehen, deren Rußen vielleicht erst später für die gerichteten Anträge abgelehnt. Stadt in Frage kommen kann. Werden die Anträge angenommen, so wird das auch den ersten Schritt zur Eingemeindung bilden; der Widerstand dagegen wird zusammenbrechen und Berlin schließlich mit den Nachbargemeinden den Kampf gegen die Regierung aufnehmen, wenn diese hartnädig bleibt. Würde Herr Haberland seinen Eingemeindungsantrag aus dem Ausschusse wiederholen, so würden wir Zum Empfange des V. internationalen Dermatologens für ihn stimmen müssen. Ob es flug wäre, solchen Antrag heute Rongrefies auf dem Rathause werden 6000 m. bewilligt. einzubringen, beziveifle ich sehr; denn wenn er abgelehnt wird, geben Die Vorlage betreffend den Ankauf von Schemeln für die Antrages Preuß im Ausschuß war ein Fehler, denn er schrieb den Fr.) bekämpft. vir den Gegner eine Waffe mehr. Die Specialisierung des II. Handwerkerschule wird vom Stadtv. Prof. Glazel( Fr. Man werde die leberfüllung der Schule noch Vorortgemeinden bereits ihre fünftige Aufgabe einseitig vor. Seinem steigern, wenn man diese Schemel bewillige. ursprünglichen Antrage gegenüber halte ich den meinigen für den Nach einer kurzen Entgegnung des Stadtschulrats Gerstenbesseren; erst sollen die Gemeinden ganz allgemein vor die Frage berg wird die Vorlage angenommen. werden soll, und dann danach würde über das Programm derselben gestellt werden, ob eine solche gemeinsame Organisation geschaffen Beschluß zu fassen sein. Es kann sich nicht darum handeln, ob der Erfolg bereits vor der Thür steht. Auf die Dauer kann ein Zustand nicht bleiben, wie der heutige, wo die Leute, die ihr Vermögen in Berlin erwerben, uns verlassen, und in die Vororte gehen, während auf der andern Seite die Lasten, die zum Teil durch die Konsequenzen des Umstandes herbeigeführt werden, daß diese Leute Scharen von Arbeitern beschäftigen, schließlich von der Stadt allein getragen werden müſſen. Lehnen Sie jeden Versuch nach dieser Richtung ab, dann wird das ein schlechtes Licht auf die Berliner Verwaltung werfen, und wir werden mit Recht ebenso kleinlich, ebenso fommunal- fistalisch gescholten werden, wie die Vororte, über die wir uns beklagen! Der Oberbürgermeister würde sich und der Stadt einen guten Dienst er weisen, wenn er von dieser Entsagungspolitik ablassen und von dem Quieta non movere zurücktreten wollte, zu Gunsten einer Arbeit, die wirklich des Schweißes der Edlen wert ist!( Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) In namentlicher Abstimmung wird der Antrag Singer mit 68 gegen 19 Stimmen abgelehnt. Mit den der Socialdemokraten stimmen die Socialfortschrittlichen und Stadtv. Eckard von der Alten Linken; dagegen stimmt auch die gesamte Neue Linke. Nach dem Ausschußantrage wird auch der Antrag Preuß selbst verworfen. stüden in der Büschingstraße für Wilhelmine Zeitlers Frauenheim" Die neue Zuwendung des Rentiers 8eitler mit 5 Grundivird unter lebhaftem Beifall der Versammlung angenommen. Die Vorlage betr. einen neuen Lageplan und mehrere specielle Gutwürfe für verschiedene Gebäude bei der III. Irrenan stalt in Buch geht auf Antrag Wallach in einen Ausschuß. Gartenbau Auss Die Beschidung der Großen stellung in Düsseldorf seitens der Park- und Gartenverwaltung wird beschlossen. Die Errichtung noch eines Schulpabillons sowie einer Turnhalle auf dem städtischen Gelände an der Olivaerund, Thornerstraße wird genehmigt. Zu dem Ankauf von Grundstücken zu Rieselzweden in Faltenberg und Franz. Buchholz zc. erteilt die Versammlung ihre Zustimmung. Schluß nach 9 Uhr. Hierzu liegen folgende Anträge vor: Stadtv. Dr. Breuß( soc.- fortschr.) und Genossen beantragen die Annahme des ursprünglichen Antrages Breuß. Stadtv. Singer beantragt: Die Versammlung ersucht den Magistrat, unter Zuziehung von Mitgliedern der Versammlung mit Vertretern der Vorortgemeinden Verhandlung darüber zu führen, ob und auf welche Weise eine gemeindliche Gesamtorganisation Berlins und der Vororte zur Förderung und zum Ausgleich gemeinsamer Tommimaler Interessen zu schaffen ist. Referent Stadtv. Wallach legt die Gründe der Ausschußmehrheit dar. Wenn auch die jeßigen Zustände viel zu wünschen übrig ließen, so seien sie hoffentlich nur vorübergehend. Für die Kalamität, daß zahlreiche Berliner städtische Beamte in den Vororten wohnen, habe der Ausschuß ein erfreuliches Verständnis bewiesen. Stadtv. Dr. Preuß: Der Referent und feine Gesinnungsgenossen sind mit der absoluten Ablehnung offenbar von Herzen einverstanden. Auch sämtliche Gegner Groß- Berlins haben diesem negativen Ausschußbeschlusse zugejubelt, gerade das bestimmt mich aber, für den Gedanken nochmals entschieden einzutreten. Es fragt sich, ob bei der Berwirklichung der Idee die Initiative der Stadt Berlin ganz und gar abdanten soll. Das scheint ja die Absicht der großen Mehr beit zu sein. In der Versammlung ist unzweifelhaft im Brincip für die Eingemeindung eine Mehrheit vorhanden, aber bei der augenblick Lichen Sachlage und bei der veränderten Stellung der Regierung würde ein entsprechender Beschluß nur platonischen Wert haben. Der auch schon im Ausschuß gestellte Antrag Singer dedt fich materiell böllig mit dem meinigen vom 8. September v. J. Im Ausschusse hatte ich diesen meinen Antrag auf Wunsch näher specifiziert, ziehe mich aber jett um so lieber auf die frühere Fassung zurüd, als diese f. 3t. auch von denjenigen mitunterschrieben worden ist, mit denen ich mich nicht mehr im engeren Fraktionsverbande befinde. Wer die LeidensOberbürgermeister Kirschner: Wenn man die Frage richtig be- Letzte Nachrichten und Depeschen. geschichte der Eingemeindungsfrage fennt, wird einräumen müssen, urteilen will, darf man nicht in erster Reihe an Berlin, sondern daß niemals im Rathaus eine Angelegenheit laurer und matter be man muß zunächst an die beteiligten Nachbargemeinden denken. Im trieben worden ist. Es fehlte jeder Wille zur Macht" bei den Interesse dieser liegt es mindestens ebenso, eine Aenderung der In der heutigen Abendsigung wurde die zweite Beratung des Städtischen Körperschaften. 1868 hat der Oberbürgermeister Sehbel gegenwärtigen Verhältnisse herbeizuführen. Jedes Gemeinwesen denselben Gedanken einer vertragsmäßigen Föderation Berlins und führt für sich ein besonderes Leben, hat eine gewisse Autonomie und Etats des Finanzministeriums fortgesetzt; das Gehalt des Ministers feiner Vororte, der meinem Antrage zu Grunde liegt, als nicht uns das Recht der eignen Gesetzgebung. Bedeutende Fragen der Reichs wurde bewilligt. Die Ditmarten- 3ulagen wurden gegen die ausführbar bezichnet. Die gleiche Sturzsichtigteit brachte 1875 den gefeßgebung, so des Versicherungswesens, der Gewerbe- Ordnung haben Stimmen der Polen, der freisinnigen Bollspartei und des Centrums Regierungsvorschlag einer Provinz Berlin zu Fall. Seitdem geschah die Gemeinden zu ordnen, dazu kommen die steuerlichen Aufgaben nach angenommen. Die Forderung von einer Million zur Erbauung von den städtischen Behörden in der Eingemeindungsfrage nichts, und der Landesgesetzgebung und andres mehr. Wenn auf allen diesen Gebieten eines Residenz schloffes in Bofen wird der Budgetdie Chance, die fich 1891-93 unter dem Ministerium Herrfurth alle diese Gemeinden selbständig schalten können, muß schließlich bot, blieb unbenutzt. Der 1894 erfolgte halbe Vorschlag des eine Verwirrung eintreten, unter der auch der Staat leidet. In der kommiffion zur nochmaligen Prüfung überwiesen. Zu den VorMagistrats tam zu spät, denn inzwischen war die Regierung andren Polizeiverwaltung ist heute Berlin beschränkter als die kleinsten Ge- arbeiten für den Neubau des Opernhauses in Berlin wurden Sinnes geworden. Nun sollte doch Berlin endlich thun, was es gerade meinden. Die steuerlichen Verhältnisse, die Verhältniste der Armen- 50000 M. bewilligt. bei der ablehnenden Haltung der Regierung aus eigner Seraft thum und Krankenpflege können bei einer Situation wie die, in der sich Magdeburg, 21. April.( B. H.) Der Polizeipräsident hat den Tann. Jst Groß- Berlin thatsächlich eine wirtschaftliche und sociale Berlin befindet, unerträglich werden. Alle diese Verhältnisse Einheit, so muß sich dieser Gedanke auch schließlich zur Geltung bringen empfinden aber entweder alle Beteiligten oder doch der größere Maifestzug der Socialdemokraten untersagt. lassen. Die Behörden Berlins sollten sich nicht darauf beschränken, Teil; sie werden noch wachsen, wenn das Ideal der Regierung Budapest, 21. April.( W. T. B.) Ein Personens und ein Eil Tag um Tag bloß zu„ berwalten", sondern auch organisatorisch sich Wirklichkeit geworden und Berlin von einem Kranze städtischer vorausschauend bethätigen, wie es das wohlverstandene Interesse Gemeintvesen umgeben sein wird. Berlin ist dabei relativ am zug, die heute von höheren Beamten auf der Wiener Strecke geführt Berlins erfordert. Muß schließlich die Regierung die Sache machen, wenigsten beteiligt; es ist fast ganz bebaut und hat eine sehr hohe worden sind, haben anstandslos die Strede zurüdgelegt und normal mäßig die Grenzstation Marchegg passiert. so hat Berlin nicht mehr das entscheidende Wort dabei zu sprechen. Dichtigkeit der Bevölkerung. Biel mehr als Berlin selbst Stadtb. Haberland( A. 2.) sympathisiert im Princip mit dem hat Groß Berlin und von einer Regelung, Paris, 21. April.( B. H.) Aus Ranch wird berichtet: Die Vorredner, kann sich aber zur Zeit von beiden Anträgen einen die dem Ganzen eine gesündere Basis giebt. Die Wege dazu sind Polizei verhaftete den Fouragehändler Diné, welcher unter dem Verteil für Berlin nicht versprechen. An der Hand einer von ihm alle nicht gangbar. Die Eingemeindung halte ich für den einzig Verdacht steht, Spionage getrieben zu haben. In seiner Wohnung veranlaßten graphischen Darstellung demonstriert Redner der Ver- richtigen Weg; gegenwärtig wäre es aber nicht opportun, einen wurde eine umfangreiche Korrespondenz beschlagtnahm, aus welcher fammlung die Verschiedenheiten der Steuerkraft Berlins und der folchen Antrag zu stellen. Der zweite Weg, die Gründung eines sich angeblich seine Schuld ergiebt. der Staat Preußisches Abgeordnetenhaus. Vororte. Die Steuerkraft Berlins fei in den letzten zehn Jahren Zweckverbandes, kann auch nur durch die Gesetzgebung eingeschlagen Paris, 21. April.( W. T. B.) Der Staatsrat hat die Erzstationär geblieben, während sie sich in sämtlichen Vororten, auch werden und steht uns zur Zeit nicht zur Verfügung, würde auch bischöfe von Paris, Lyon, Reims und Toulouse infolge ihrer an den ben steuerlich ungünstigen, aufwärts bewegt habe. Das einzig der Einverleibung nur hinderlich sein. Der Zweckverband verlangt Richtige sei die Eingemeindung; in dieser Nichtung solle der Magistrat auch konkrete Unterlagen, und solche sind von feiner Seite Präsidenten Loubet gerichteten Briefe, in welchen sie gegen die Beimmer und immer wieder seinen Einfluß geltend machen, bis das gegeben worden. Auch in dem specialisierten Antrage Breuß in der feitigung des Unterrichts durch Ordensmitglieder Verwahrung einMinisterium die Notwendigkeit dieser Maßregel erkennt.( Beifall.) Sommission fehlt es an solchen." Der Hinweis auf die Schöneberger gelegt haben, wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt belangt. Stadtv. Singer( Soc.): Der Beifall, den der Vorredner er- Anfrage wegen der Kranten bietet doch feine genügend breite Basis. London, 21. April.( B. H.) Hiesige Blätter berichten aus New hielt, gilt leider nicht dem Gedanken der Eingemeindung. Herr Möglicherweise würde ich das Gebiet des Verkehrswesens für dazu York, daß die Verzögerung in den japanischen Kriegsoperationen zu Saberland ist ein weißer Rabe in seiner Fraktion, denn ein uns be- geeigneter halten.( Nufe: Na also!) Das wäre etivas, aber einen Lande auf den Verrat des Oberstlieutenants Hanzoku, Mitglied fannt gewordener Ufas hat uns verraten, daß die überwiegende Zweckverband mit zwingender Gewalt würden wir damit nicht des Generalstabes, zurückzuführen ist. Derselbe hat den Russen die Mehrheit seiner Fraktion wie die Fraktion des Stadtv. Mommsen durchsetzen fönnen. Bleiben noch die Anträge Singer und Operationspläne verkauft, er war der Freund eines russischen Militärbeschlossen hat, alle Anträge abzulehnen. Aber es ist nunmehr ers Preuß. Der Antrag Preuß ist durchaus ein Mißgriff. tir attachés in Tokio, mit dem er in Deutschland bekannt geworden freulich, daß wenigstens einer der Herren Verständnis für die großen fämen damit in ein wirkliches Parlament, welches die Befugnis war. Der Oberstlieutenant ist Iriegsgerichtlich abgeurteilt und von Butunftsaufgaben auf diesem Gebiete hat. Im übrigen hat sein haben soll, über alle Dinge, wo auch nur zwei Gemeinden beteiligt einer Abteilung der japanischen Kaisergarde erschossen worden. Bortrag den andren Gemeinden die Eingemeindung in Berlin recht sind, vor der Entscheidung in diesen beiden Gemeinden zur gutacht- Lissabon, 21. April.( W. T. V.) Der Ausstand der Setzer fehr berefelt( Heiterkeit); er hat geradezu, wenn auch gewiß un lichen Aeußerung herangezogen zu werden; obendrein wäre feiner bauert fort; es erscheint feine Zeitung mit Ausnahme des amtlichen bewußt, den Versuch gemacht, das Kind, welches er mit zur Welt an das Gutachten gebunden und die Gemeinden würden Organs, das heute den Erlaß über Auflösung der Cortes ver zu bringen helfen will, schon im Mutterleibe zu erstiden.( Große schließlich das Gutachten gar nicht erst einholen. Heiterkeit.) Die Freude an hübschen, bunten Bildern hat Herr der Vorschlag Singer. Aber was der will, geschieht alle öffentlicht. Haberland offenbar größer eingeschäßt, als die an bloßen Dent Tage, dazu brauche ich keine Organisation. Wenn Herr Singer Melbourne, 21. April.( W. T. V.) Abgeordnetenhaus. fchriften; denn alles, was er da bordemonstriert hat, haben wir viel hofft, es werde fich ein Jnhalt für diese Organisation schon finden, Bei der Beratung der Vorlage betr. die schiedsgerichtliche Regelung einfacher und übersichtlicher vor uns in der Denkschrift des Magistrats fo fann ich das nicht für ein prattisches Vorgehen halten. Damit von Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern wurde. rats Hamburger. Die ganze Eingemeindungsfrage heute aufs neue geben wir mit nichten die Eingemeindungsidee auf. Die Widerstände ein von der Regierung bekämpfter, von einem der Arbeiterpartei aufzurollen, besteht für mich kein Bedürfnis. Berlin muß in seinem dagegen halten wir für auf die Dauer nicht unüberwindlich. Die angehörigen Deputierten gestellter Antrag angenommen, der die Beeignen Intereffe und in dem der Bororte immer wieder sich an Bedenken andrerseits, daß damit die Verwaltung zu kompliziert und ſtimmungen der Vorlage auf die Regierungsangestellten ausgedehnt strengen, die Eingemeindungsidee zu fördern und die zu über die Selbstverwaltung gefährdet würde, find nicht haltbar. Wir wissen will. Infolge dieser Abstimmung tritt die Bundesregierung zeugenden Stellen mit Gründen der Notwendigkeit belagern. Sind haben jetzt in städtischen Ehrenämtern 25 000 Männer, die sind der zurüd. Bleibt Verantwv. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Boriväris Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Ut. 94. 21. 1. f film des„DmMs" ßtiiiiict WIKsdlM Iteitaj, 22. MI 1904. Reichstag. Erhebliche worden. gewiesen erhaltung 72. Sitzung. Donnerstag, den 21. April 1904, 1 U h r. Am Bundesratstische: v. E i n e m. Die zweite Beratung des Etats für die Expedition nach Ostasicn wird fortgesetzt. Im Tit. 3 hat die Kommission einen Jntendanturrat mit 8700 Marl Gehalt nur für ein halbes Jahr bis zum 30. September 1904 bewilligt. Das HauS beschließt demgemäß. Bei Titel 10 beantragen die Abgg. Dr. Spahn sC.) und Paaschs lnatl.) gegenüber dem Komnnssionsbeschluß, welcher von 32 Oberlieutenats 13 nur bis zum 30. September dieses Jahres be- willigen wollte, Wiederher st eilung der Regierungs- Vorlage. Dasselbe verlangt ein Antrag der Konservativen Dieser Antrag bringt eine Mehrbewilligung von 23 400 M. gegen die Kommissionsfassung. Kriegsminister v. Einem: Ich danle den Herren Antragstellern für ihren Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Es werden dadurch keine Sineluren geschaffen, sondern die Brigade wird lediglich in den Stand gesetzt, ihren Dienst so zu thun, wie es notwendig ist. Da ich das Wort habe, möchte ich noch zum Titel 12 und Titel IS und den dazu vorliegenden Anträgen mich äußern. Es handelt sich dort um das BelleidungSdepot.' Ich bemerke, daß die verbündeten Regierungen verschiedene Anstalten und Institute, die bei dem Expeditionscorps bestanden, aufgelöst hatten, nachdem das Corps auf die Stärke einer Brigade zusammengeschrumpft ist. Dieses Bekleidungödepot ist aber stehen geblieben, weil es absolut notwendig für die Brigade ist. Es ist auch nicht etwa nur für die Brigade da, sondern es dient als Centralstelle, an die von hier aus die verschiedenen Sendungen gerichtet werden. Streichungen sind bei der Bauleitung vorgenommen Es ist schon in der Konimission darauf hin- worden,_ welche Schwierigkeiten durch Aufrecht- dieser Streichungen entstehen würden. Nach Beendigung der Kon, missionsberatung ist der bisherige Leiter deS dortigen Bauwesens hierher gekommen und hat über die dortigen Verhältnisse eine Erklärung zu Protokoll gegeben, auS der hervorgeht, daß er, der die Verhältnisse aus eigner Anschauung genau kennt, die Aufrecht- Haltung der Regierungsvorlage für ein dringendes Bedürfnis hält. Die Kulis bedürfen nach seiner Angabe fortlvährender Beaufsichtigung, sie müssen jeden Tag bezahlt werden, weil sie sonst nichts zu essen haben, das Geleistete muß daher täglich verrechnet werden. D i e Heranziehung deutscher Unternehmer hat sich nicht als vorteilhaft erwiesen. Ich bitte also dringend, diese Position zu bewilligen.— Schließlich noch ein Wort gegen- über der gestrigen Bemerkung des Herrn Südekum. Er hat darauf hingewiesen, daß es bedenklich fei zu gestatten, daß die Offiziere und Beamten ihre Familien nach China mit- nähmen. Ich will mir daran erinnern, daß die französischen Frauen bei der Okkupation Deutschlands durch Frankreich unter Napoleon massenhaft Deutsch- land überschwemmt haben, aber dasselbe war auch bei unsrer Okkupationsarmee in Frankreich der Fall. Kaiser Wilhelm gestattete, daß Offiziere und Unteroffiziere ihre Familien heranholten. In China handelt es sich außerdem um Freiwillige und da ist es wohl einzusehen, daß man im fremden Lande das Familienleben gestattete. Im ganzen haben übrigens nur vier Offiziere und fünf Beamte von dieser Erlaubnis Gebrauch gemacht. Abg. Dr. Südekum lSoc.): Die Ausführungen des Kriegs- mniisterS haben mich nicht von der Unrichtigkeit n, einer gestrigen Darlegungen überzeugen können. Er hat darauf hingewiesen, daß die Offiziere freiwillig nach China gingen. Ich sage, wer die Trennung von seiner Familie nicht aushalten kann, braucht sich ja nicht nach China zu melden; kommandiert wird nie», and dazu. Gegenüber der Reminiscenz des Kriegsministers verweise ich darauf, daß man schon auf der Kriegsschule von dem großen Troß des französischen Heeres, das bei Roßbach geschlagen wurde, hört. Daraus geht hervor, wie unvorteilhaft es für ein Heer ist, einen großen Trotz mit sich zu führen. Außerdem hat der Kriegsminister eben auseinandergesetzt, wie außerordentlich notwendig eine kom- plizierte Bauverwaltung in China sei. Durch das Nachziehen der Familien würden sich die Baukosten natürlich erheblich erhöhen, denn es muß doch auch für die Unterkunft dieser Familien gesorgt werden. ES ist also durchaus angebracht, wenn wir dagegen protestleren, daß auch die Familien der Offiziere und Beamten nach China übergeführt werden. sSehr richttgl beiden Socialdemo- kraten.) Kriegsminister v. Einem: Es ist ausdrücklich vorgesehen, daß die verheirateten Offiziere, welche von der ErlaubmS Gebrauch machen, ihre Familie heranzuholen, kein Quartier auf Staatskosten für dieselbe bekommen. Abg. v.«ardorff sRp.): Ich habe die geschichtlichen Kenntnisse des Herrn Dr. Südekum doch höher eingeschätzt. Er führte aus. bei Roßbach wären die Franzosen besiegt, weil sie einen so großen Troß . mitführten. Nun ein großes Damenversonal war ja dabei, aber das 8erade als Familie zu bezeichnen, das würde ich doch nicht thun. Sroße Heiterkeit.) Danlit schließt die Diskussion. Die Anträge Spahniiigt; mit seiner Erklärung ist die Erregung im Ruhrrcvier nur noch gewachsen. Der Reichs- kanzler engt durch seine Ablehnung, die Interpellation hier zu beant- Worten, das Wirkungsgebiet des Reichstages ein. Dabei sind schon häufig Fragen, bei denen Reichsrecht an Landesrecht grenzt, hier behandelt worden. Wie kann der Reichskanzler behaupten, daß hier nicht eine Reichssache vorläge? Die Stilllegung der Ruhrzechen ist ja nichts andres als eine Folge der modernenSyndikatspolitik. (Lebhafte Zustinimung bei den Socialdemokraten.) Und die kontra- diktorischen Verhandlungen über das Kartell sind vom Reichstag, nicht vom Landtag angeordnet worden. Glaubt die Regierung mit dieser Haltung sich etwa die Sympathien der Bevölkerung des Rubrreviers zu erwerben? Nicht das Berggesetz oder bergpolizei- liche Borschristen kommen hier in Frage. Ich werde nachweisen. daß ohne die Ncuformierung des Grubensyndikats die Zustände im Ruhrrcvier nicht möglich gewesen wären. Die Regierung ist auf Grund der Verfassung verpflichtet, für die Wohl- fahrt deS Reiches und seiner Bürger zu sorgen. Hat die Reichsregierung nicht mehr die Macht dem Kohlcnsyndikat gegenüber, die Kleinbürger, Bauern und Arbeiter, die vom Groß- kapital bedroht find, zu beschützen und das Eigentum der Kleineigentümer zu retten? Im Lande wird man wissen, was man da- von zu halten hat. Im Landtag ist gesagt worden, es sei ein natürlicher Vorgang, der nicht von heute dattere, daß Gniben stillgelegt würden. Gewiß, auch in Mitteldeutschland und in Schlesien, überall ist es vorgekommen, daß Gruben wegen Unrentabilität stillgelegt worden sind. 1868 waren im Ruhrgcbiet noch 281 Gruben vorhanden, 1900 waren es nur noch 172. Haben Sie gehört, daß in stühcren Jahren wegen dieser Stilllegung im Ruhraebiet je Erregung entstanden ist? Die heuttge Erregung ist für mich der beste Beweis, daß eS sich nicht um einen natürlichen Vor- gang bei der Sttlllegung, sondern um einen gewaltsamen Akt der «yndikatspolitik handelt.(Sehr richttg I bei den Socialdemokraten.) Es sind nicht etwa in erster Linie Arbeiter an mich heran- getreten, sondern kleine Bürger, der sogenannte Mittel- stand, A m t s v o r st e h e r, Landräte ze., die durch die Still- legung der Gruben schwer geschädigt würden. Im preußischen Landtage ist gesagt worden, die Stilllegung der Gruben geschähe, weil der Betrieb unrentabel sei, sie wäre früher erfolgt, wenn das Syndikat nicht bestände. Die Thatsachcn be- weisen das Gegenteil, ich berufe mich auf die B e r g s b e r i ch t e zum Beweise dafür. Es handelt sich nicht um bergtechnische, berg- polizeiliche Fragen, die allerdings vor den Landtag gehörten, sondern um Auswüchse, wie man es so schön nennt, oder wie ich es nennen würde, um die notwendigen Folgen des Syndikats. In den Generalversammlungsberichten einer Zeche wird erklärt, anfangs habe man 170 000 Tonnen für neue Zechen zugebilligt erhalten. 75 000 Tonnen waren schon bewilligt, da kam die' Erneuerung des Syndikatsvertrags dazwischen mit den bekannten Satzungen, welche die Zechen zwangen, auf die weiteren 95 000 Tonnen zu verzichten. (Hört! Hört! bei den Socialdemokraten.) Die Folge davon war die Verschlechterung der Zechenaussichten und die endliche Folge der Ver- kauf dieser Zechen. In der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung" wird von einer Zeche, die bisher außerhalb des Syn- dikatS gestanden hat, berichtet, daß sie nunmehr, nachdem sie großmüttg zu den alten Bedingungen in den Schoß deS Syndikats aufgenommen sei, das Schicksal andrer kleiner Zechen zu erwarten habe, von andern Gruben aufgekauft zu werden. Gegenüber dieser Feststellung der Unternehmerpresse glaube ich be- haupten zu dürfen, daß wir es hier nicht mit bergpolizei- I i ch e n Dingen zu thun haben, fondern mit einer Erscheinung der Syndikatspolitik. Es ist im Landtage gesagt worden, eS könne von niemand verlangt werden, eine unrentable Grube weiter zu betreiben. Gerade von socialdemokrattscher Seite wird gewiß jeder wirtschaftliche Fortschritt aufs lebhafteste begrüßt, und wenn die Stilllegung einer Grube einen Fortschritt für die Gesamtheit bedeutete, dann würden wir die Ersten sein, die diese Still l�egunlg begrüßten. Wir sind auch durchaus keine Feinde des Syndikats. Ich habe schon vor. einigen Monaten in den„Socialisttschen Monatsheften" Artikel über das Syndikatswesen geschrieben, aus denen auch die Unternehmerpresse Auszüge brachte und aus denen zu ersehen war, daß ich gar kein Gegner des Syndikats bin. Allerdings verschwieg die Presse, daß das Syndikat seine angebliche segensreiche Thätig- keit, die Löhne der Arbeiter zu erhöhen, durchaus nicht ausgeübt, sondern fich allmählich zu einem Lohndrückrrkartell ausgebildet hat.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Wir müssen uns nur vergegenwärtigen, was uns bevorsteht, wenn es bei den vagen Erklärungen im Abgeordnetenhause bleibt. Wenn das Syndikat in der bisherigen Weise wirkt, ist gar nicht abzusehen, warum eS nicht alle diejenigen Gruben im südlichen Ruhrgebiet, die in Summa 13- bis 14000 Tonnen liesern, sttlllegt, da es ja den ganzen Bedarf auf den nördlichen Gruben allein liefern kann. Wenn nicht durch die bevorstehenden Verhandlungen im Parlament den Herren etwas das Herz gebebt hätte, dann würden sie schon längst alle diese Gruben stillgelegt haben. Mir ist ein Herr vom Syndikat bekannt, der als Privat- Person ein s e e l e n g u t e r M e n s ch ist, an dessen Thür kein Bettler vorbeigeht, ohne eine Gabe zu empfangen. Derselbe Manu macht aber mit einem Federstrich durch Stilllegung von Gruben große Gebiete zu Oedländereien.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Es handelt fich also hier nicht um Angriffe gegen Personen, sondern um eine Besprechung der Syndikatswirtschaft als solcher. Welche Mittel hat denn eigentlich heute der Staat, die Herren vom Syndikat zu hindern, die 66 in Bettacht kommenden Gruben stillzulegen? Es ist interessant zu vergleichen, was z. B. Minister Möller im Landtag und Bergmeister Engel, der Geschäfts- führet des bergbaulichen Vereins, über die Anwendung des § 65 des Berggesetzes sagte. Herr Engel sagt: 8 65 kann nur angewendet werden, wenn Kohlenmangel herrscht. Danach darf der Staat nie einschreiten, wenn auch alle südlichen Gruben stillgelegt würden; denn ein Kohlen mangel tritt dadurch nicht ein. Andrerseits steht Herr Möller auf dem Standpunkte, daß dieser Paragraph nicht so eng auf- gefaßt werden darf. Es ist im Landtage auch ge- sagt worden, daß im Syndikat viel kleinere Besitzer vorhanden seien. Man hätte nur hinzufügen müssen, daß die sogenannten kleinen Kapitaliften im Ruhrberg- bau„nix tau seggen" haben. Im Syndikat haben die 16 großen nördlichen Gruben allein die Majorität(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) und diese haben natürlich ein Interesse daran, die südlichen Gruben stillzulegen. Glauben Sie denn, daß bei uns das Volk so blind ist, um nicht zu sehen, was allmählich vorgegangen ist, wie allmählich die kleinen Kuxenbesitzer ausgekauft wurden durch künstlich ausgeschriebene Zubußen? Soll ich Sie erinnern an die Veröffentlichung des Herrn Schmidt, der die bedeutendsten Kohlengrubenbesitzer in der schärfften Weise als Fälscher brandmarkte, ohne daß die Herren es wagten, den Mann anzuklagen? Vor wenigen Wochen ist in Bochum ein Flugblatt verbreitet worden, in dem ebenfalls die schwersten Vorwürfe gegen die größten Grubenbesitzer im Rukrgcbiet erhoben wurden, daß sie durch ihre Machinationen die kleinen Besitzer allmählich ausgekauft, oder, um eS deutsch zu sagen, bewogen hätten. Auch hier ist keine Anklage erfolgt.(Hört! hört! bei den Social- demokraten.) Daß die kleinen Kuxenbesitzer irgendwie ausschlag- gebend sind, ist eine Illusion, die nur der haben kann, der die Ver- Hältnisse gar nicht kennt. Die 16 großen Gruben genehmigen sich, was sie wollen. Eine kleinere Minorität von 5kuxenbesitzern'hat sich stets heftig gegen die Verkäufe gesträubt. Im Generalversannnlungs-Bericht der Bochumer Bergwerks- Aktiengesellschaft ist die Erklärung eines kleinen Aktienbesitzes ent- halten, daß man allerhand Machinationen anwende, u m den kleineren Besitzern den Aktienbesitz zu ver- ekeln und sie zum Verkauf geneigt zu machen.— Im Abgeordnetenhause ist ferner gesagt worden, die kaufenden Zechen hätten gar keinen Nutzen davon gehabt. Herr Hilbck hat diese große Weisheit vorgebracht. Das' muß ein merkwürdiger Geschäftsmann sein, der solche Geschäfte macht, von denen er von vornherein weiß, daß dabei nichts zu verdienen ist.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) So dumm sind unsre Grubenbesitzer nicht, sonst wären sie nicht so weit gekommen. Ich bin im Gegenteil in der Lage, aus dem nun herausgekommenen Bericht der Zeche Konkordia, die in, Jahre 1902 Zechen kaufte und sofort stilllcgte, folgendes anthentische Urteil der Aktionäre mitzuteilen. Da heißt es, der Ankauf dieser Zechen habe sich als durchaus vorteilhaft erwiesen. Denn ttotz zurückgegangener Preise, gestiegener Löhne und erheblich oewachsener Lasten könne man dieselbe Dividende wie vor 1902 verteilen, was durch die große Förderung und die dadurch bewirkte Verminderung der Selbstkosten möglich gewesen sei. Der Vertreter einer andern Zeche, die ebenfalls Zechen aufgekauft hatte, rechnete in der Generalversammlung aus, daß man in fünf bis sechs Jahre» die ganze aufgewendete Summe durch die erhöhte Betciligungsziffer hrrausgewirtschaftct habe. Eine Zeche rechnete sich einen um 800000 Mark erhöhten Verdienst pro Jahr heraus.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Wie kommt man unter diesen Umständen dazu, zu erklären, die Verkäufe geschähen sozusagen um Gottes Willen. Auf bergmännische Gutachten ist nicht viel zu geben. Leute, die vor zwei bis drei Jahren den Gruben eine gute Zukunft prophezeiten und nachwiesen, daß sie noch Jahrzehnte existieren könnten, be- haupten heute das Gegenteil. Man sollte sich von durchaus unparteiischer Seite den Kohlenreichtum in der dortigen Gegend be- rechnen lassen. Herr Hilbck hat im Landtage erklärt, wenn Herr Stötzel auch nur einen einzigen Arbeiter wüßte, der durch die Still- legung der Gruben arbeitslos geworden sei, so würde er ihn genannt haben. Etwas Lächerlicheres hätte er kaum aussprechen können. Als ob jeder Abgeordnete sofort ein Nottzbuch bei der Hand hat und sich die Namen der einzelnen Arbeiter aufnotiert. Ich möchte Herrn Hilbck fragen, wenn es keine arbeitslosen Leute dort giebt, woher kommt dann der vertrauliche Erlaß des allgemeinen Knappschaftsvereins vom 12. April 1904 an die Knappschaftsärzte, worin diesen nahegelegt wird,„da infolge der Stilllegung der Gruben manche erwerbslosen Leute(Hört! hört! bei den Socialdem.) zu ihnen kommen würden, diese besonders gut zu beobachte n." Es wird den Arbeitern also noch obendrein der Vorwurf der Simulation gemacht. Herr Hilbck hat spöttisch Herrn Stötzel ersucht, er möge doch einen arbeitslosen Bergmann auf den Tisch des Hauses legen, lieber dies Wort dieses Bergbau-Sachverständigen braucht man sich nicht zu wundern: hat er doch vor einigen Jahren im Reichstage erklärt, der erkrankte Bergmann bekäme drei Viertel feines Lohnes als Krankengeld, während es in Wahrheit nur 50 Prozent sind.(Hört I hört I link».) Herr Hilbck sollte nun aber auch nicht mehr verlangen, ernst genommen zu werden. Selbst über die geographische Lage der stillgelegten Zechen ist Herr Hilbck, wie seine Rede im Abgeordnetenhause ve« weist, nicht orientiert. Der Minister Möller sprach von Theater- panik im Ruhrrcvier. Auch ein geschmackvolles Wort, wenn man weiß, daß 32 Zechen mit nur 20 000 Arbeitern bis jetzt stillgelegt find. Nur 20 000 Arbeiter, die ihre Arbeitsstätte verlieren, denen ihr Eigentum genommen wird!(Hört! hört! bei den Social- demokraten.) Ohne diese sogenannte Theaterpanik, d. h. ohne den EntrnstungSsturm im Ruhrrcvier wären jetzt noch weit mehr Zechen bereits stillgelegt. Man wird die Stilllegung solange hinausschieben, bis man glaubt, daß sich die Erregung gelegt hat. Dann wird die Stilllegung unter der Hand vor sich gehen. (Sehr wahr! bei den Socialdemokraten.) Womit wird die Sttlllegung der Zechen verteidigt? Sie sollen unrentabel sein. Aber die Zeche Eibrrg, die stillgelegt worden ist, gab durchschnittlich 7,8 Proz. Dividende.(Hört I hört! bei den Socialdemokraten.) Ein Gutsbesitzer aus der Gegend sagte zu mir: Wenn ich nur diesen Reingewinn hätte!(Hört! hört I rechts.) Die Zeche Stringart hat 1901 noch ein Konsortium für den Bau von Arbeiterwohnunaen ge- gründet. Neuanlagen wurden geschaffen, Leute hingezogen, Schulen und Kirchen gebaut. Die arme Gemeinde Altendorf erhöhte hierbei ihre Schulden um 200 000 Mark.(Hört! hört!) 1902 wird diese Zeche stillgelegt. (Hört I hört!) Ist das Politik, die vom nationalen Stand- punkte aus gutgeheißen werden kann? Ist das Ihre Mittel st andspolitik? Wo bleiben die Geschäftsleute, wo bleiben die Gutsbesitzer, die B a u e r n, die sich auf den Anbau von Gemüsen und Knollenfrüchten stir den Berkauf in der Nähe eingerichtet haben, wenn in dieser Art weiter Verfahren wird? Was ist eigentlich nach Syndikatöanschauungen rentabel? Als die Zeche Breuberg 1900 nur 75 Proz. Dividende verteilte(Hört! hört! bei den Socialdemokraten und recht?) klagte ein Atttonär über die hohen Arbeitslöhne.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Die durchschnittliche Dividende der 1k größeren Gesellschaften im Ruhrgebiet betrug im letzten Jahr 14 Proz. gegen 13 Proz. im Borjahr. Die Leistungsfähigkeit der Ruhrbergleute ist höher als die der Bergleute in Sachsen, Schlesien und Belgien. Die Leistung beträgt pro Kopf 250 bis 259 Tonnen jährlich, während sie anderswo zwischen 220 bis 230 Tonnen sich bewegt. Es werden durchaus nicht etwa Gruben mit abgebauten Flözen ohne Kohlenrcichtum stillgelegt. Da haben wir als Mitglieder des deutschen Volkes die Verpflichtung, zu verhindern, daß durch die Syndikatspolitik nattonale Schätze an Kohle vergeudet oder verloren werden. Wir müssen auch für die ferne Zukunft sorgen und verhindern, daß die Nation nicht das Gros der In- dnstrie, die Kohle verliert. Die Syndikatspolitik verschüttet Millionen aubbauföhiger Kohlen, die nun verderben müssen, weil es den Herren vom Syndikat besser paßt, die wertvolleren Gruben im Norden abzubauen. Dassebe Schauspiel haben wir beim Kalisyndikat. Wenn fich der preußische Staat den Kalibergbau nicht vorbehält, so steht zu befürchten. daß unsere Kalibergwerke ganz in die Hände englischer belgischer und amerikanischer Kapitalisten ge- raten, die schon jetzt einen großen Teil der Aktien im Besitz haben.(Hört! hört!) Der Staat nimmt einen falschen Standpunkt in der Kalibcrgbaufrage ein. Die Kaliprodutte werden viel zu teuer an die Landwirtschaft abgegeben. Diese wertvollen Dungstoffe sollten so billig wie möglich geliefert werden, um unfruchtbares Land fruchtbar zu machen. Aber die gegenwärttge fiskalische Politik ist von ganz andern Anschauungen beherrscht. Im Landtage haben die Herren davon gesprochen, daß ultta- montane und socialdemokratische Agitatton erst die Erregung im Volke hervorgerufen hätte. Redner verweist auf Artikel des n a t i o- n a l e n„Rheinisch- Westfälischen Tageblatts" in Bochum. des „Evangelischen Arbeiterboten" und der u l t r a m o n- tauen„Essener Voltszeitung", die in schärfsten Worten die Still- legung der Gruben verurteilten. Diese Blätter stehen nicht im Ver- dacht, gegen die Regierung zu Hetzen oder Feinde des Kapitalismus zu sein. Bei den Protestversammluugen in den Ruhrorten finden sich nicht bloß Bergleute und Fabrikarbeiter ein, nein, die Bürger und Bauern fraternisieren mit ihnen und sind einig mit uns im Kampfe gegen das Kohlensyndikat. Ja, die Kleinbürger und Geschäftsleute sind es, die die Arbeiter scharf machen. Auch in den Versammlungen des Bundes der Landwirte im Rnhrgcbiet sind sehr deutliche Töne an- geschlagen worden. Dort ist mit dürren Worten die Verstaut- tichnng des Kohlenbergbanes verlangt worden. Vom Parteistandpnnkt könnten wir ja mit diesen Erscheinungen sehr zu- frieden sein. Wir brauchen uns keine Mühe mehr zu geben, um die Leute aufzurühren. Jetzt laden mich sehr behäbige Bürger ein, in die Versammlung zu kommen. Da ist es tvirklich unglaublich, daß die Regierung sich auf die Kompetenzfrage zurückgezogen hat. Die Frage des Berg- rechts kann hier ganz ausscheiden, ini Vordergrunde steht die Frage, was können wir gegenüber dieser Syndikatspolitik unternehmen? Glauben Sie nicht, dasi es sich nnr um Auswüchse des Kohlen- syndikats handelt, vom Stnhlwcrksvcrbaud droht dasselbe. In seinem Gesellschnftsvertragc hat er dieselben Vestimmimge» wie das Kohlcn- syndikat. Die Bcteiligungsziffer ist auf die einzelnen Werke verteilt, und die Hiittcnbesitzer sind berechtigt, sie untereinander zu verschieben. Die Versammlung derZccheubesitzer entscheidet über das Schicksal des einzelnen Werkes. Ein grosies Eisenwerk in Rheinland-Westfalen hat seine seit Jahrzehnten betriebene Fabrikation bereits nach Lothringen verlegt. lHört I hört! bei den Socialdcmokraten.) Dürfen wir angesichts dieser Eutlvicklung die Augen verschließen? Auch der Stahlwerks- verband verfügt über die Erdschätze, gehören doch Eisen- und Kohlen- gruben zn ihnen. Wenn den Maßnahmen der Kohlensyndikate von der Regierung mit solcher Gelassenheit zugesehen wird, dann werden eines guten Tages die Herren vom Stahlwerksvcrband auch die ErzWerke in Rheinland-Westfalen, in Schlesien oder iin Saarrevier stilllegen nnd den Betrieb nach den Gebieten verlege», wo größere Kohlen- oder Erd- schätze vorhanden sind.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Der Stahlwerksvcrband wird dcusclbcu Weg wandeln wie das Kohleusyiidikat. Was hat mit dieser Angelegenheit das Bergrecht zu thuu? Wie kann man da darüber streiten, ob das Landrecht oder Reichsrccht in Frage kommt I Wir sollten uns doch nur fragen, be- sitzen wir in unsrer jetzigen Gesetzgebung ein Mittel, um die Verödung großer Landstriche des Reiches und die Vergeudung von nationalem Eigentum zn verhindern, um das Erbteil der Natur, welches das deutsche Land erhalten hat, ungeschädigt unsren Nachkommen zn hinterlassen, oder sind wir voll- kommen machtlos der großkapitalistischen Syndikatspolitik gegenüber? Nicht das Syndikatswesen an sich bekämpfen wir, wir fordern nur Maßnahmen, um zu verhindern, dasi unersetzliche nationale Werte unwiderbringlich verdorben werde». Wir erblicken p r i n c i p i e l l das Heilmittel gegenüber diesen Verhältnissen in der Verstaatlichung der Erdschätze, wie aller Produktionsmittel überhaupt.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Socialdemokraten) aber darum Handeltes sich hier nicht. Es handelt sich hier um Verderbnis hochwertiger, unersetzlicher Naturrcichtümer, die wir so schnell wie möglich retten müssen. Wir wollen hier nicht den socialistischen Staat einführen, wollen nicht die Vergesellschaftung der Hütten aussprechen, sondern wir wollen nur die Frage aufwerfen, ob Reich und Reichstag gegenüber den un- geheuer starke» Kapitalisten im stände sind, de» Nationalreicht»» vor diesen wüsten kapitalistischen Ausschreitungen zn schütze». Sollte aller- dings der Reichstag zu der Anschauung kommen, daß ihm dagegen kein Mittel zu Gebote steht, daß er mit gebundenen Händen den sich mächtig entwickelnden kapitalistischen Mächten, Trusts, Syndikaten und Kartelleu gegenübersteht, dann allerdings müßten alle ehrlichen Leute den Schluß ziehen, daß alle Produktionsmittel, besonders wenn sie schon kartelliert sind, in den Dienst der Gesamtheit gestellt werden müssen. Auch die bürgerlichen Parteien müssen mit mir sagen: Wir haben mindestens keine Ver- anlassung zuzusehen, daß man dort dem Syndikat zuliebe wer weiß wie viele kleine Existenzen, Bürger und Bauern, aufs schwerste schädigt, unr ihr schwer erworbenes Eigentum bringt. Wenn Sie mit mir dort herumgewaudert wären, wenn Sie wie ich dort die Leute, die sich iu Pfennigen ihr Eigentum, ihren Grund u»d Boden zusammengespart haben. hätten klagen hören: Wo soll ich hin? Ivo soll ich Arbeit finden?, dann würden Sie alle, unbeeinflußt von den Partei- Unterschieden, mit mir die Verpflichtung anerkennen, das schwer bedrohte Eigentum dieser armen Leute, ehrlich erworbenes Eigentum, nicht Börscnjobbergewinne zu schützen. Oder sind Sie schon außer stände, das bürgerliche Eigentum zu schützen? Treten Sie unserm Antrage bei, ich bitte Sie dringend im Interesse der schwer bedrohten Eigentümer. Machen Sie der Regie- rung begreiflich, daß es nicht angeht, kalten Herzens zu erklären, daß diese Frage schon im Landtag behandelt worden ist. Wenn Sie energisch vorgehen, wird die Regierung schon Mittel und Wege finden, der Ausbcutungspolitik des �Syndikats, der Vernichtungspolitik nationaler Schätze entgegenzuwirken.�(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Abg. Graf Kanitz(k.): Die Frage, ob die Angelegenheit vor den Reichstag oder L an d t a g gehört, mag zweifelhaft sein. Der Bergbau gehört in gewissem Sinne doch zum Gewerbebetrieb(Zuruf bei den Social- demokraten: Selbstverständlich I), so daß hier auch das Reich ein Wort mitzureden hat. Wir haben aber der Begründung des Staats- sekretärs Grafen Posadowsky, der die Besprechung hier ablehnte, zu- gestimmt und gegen die Besprechung gestimmt. Nachdem sie trotzdem beschlossen ist, wollen auch wir unsren Standpunkt zu der Sache auf breitester Grundlage darlegen. Der Herr Vorredner sprach von der Verstaatlichung der Gruben, hat aber nicht gesagt, ob Preußen oder das N e i ch die Verstaatlichung vornehmen soll.(Zurufe bei den Socialdemokraten.) Sollte das Reich die Gruben aufkaufen, so dürften uns Preise abgefordert lv erden, daß uns die Augen übergehen.— Stecht muß ich dem Herrn Vorredner darin geben. daß einige wenige große Zechen in dem Syndikat die Majorität haben. Zugegeben muß ferner werden, daß eine ganze Lieihe von Zechen seit Jahren mit Verlust gearbeitet haben. Die besser situierten Zechen aber haben in den letzten Jahren einen Reinertrag von zwei Mark pro Tonne gemacht. Darin liegt der Schlüssel des ganzen Geheimnisses. Die Zechen suchen nach Möglich- keit ihre Förderung zu erhöhen, um mehr Reingewinn zu erzielen. Nun läßt sich vom rein wirtschaftlichen Standpunkt nicht viel hiergegen sagen. Es ist das freie Spiel der Kräfte, das hier zum Ausdruck kommt. Andrerseits müssen ivir auch die socialen Gesichtspunkte be- trachten. Ich beklage die schwierige Lage vieler Kommunal- verbände, die Gefährdung der Existenz vieler kleiner Leute, die Konsolidierung der Gruben in den Händen weniger Großkapitalisten. Es wird nur sehr schwer sein, die richtige Mitte zwischen den zur Abhilfe vorgeschlagenen Matz- re g e ln zu f i n d en. ZöbdesBerggesetzesistdesbalb nichtausreichend, weil nicht gesagt ist, was nun mit den konsiscierten Gruben geschehen soll. Soll der Staat das verlassene Bergwerk übernehmen, das sich vielleicht in unbrauchbarem Zustande befindet, und es mit Verlust weiter betreiben, nur damit die Arbeiter nicht den Ort verlassen müssen. Die hierfür aufgewendeten Summen sollte der Staat lieber verwenden, um die Arbeiter direkt in eine bessere Situation zu versetzen. Es kommt dann die Verstaatlichung in Betracht. Sollen nur einzelne Zechen verstaatlicht werden, damit der Staat eine Stimme in den Syndikats-Sitzungen hat? Davon verspreche ich mir keinen Erfolg, denn Preußen hat sich bisher stets willenlos dem Syndikat gefügt(Sehr richtig I bei den Social- demokraten.) Die preußische lliegierung hat das Syndikat erst groß gezogen.(Sehr wabr! bei den Socialdemokraten.) Wenn andrerseits der ganze Kohlenbergbaii� verstaatlicht und auch die Kohlen in Bayern, Sachsen und Schlesien erworben lverden sollen, so entsteht die Frage, wie das zu machen ist.(Zuruf bei den Socialdemokraten: Expropriation!) Ich glaube kaum, daß sich eine Majorität für diesen Vorschlag finden würde. Aber mau könnte ja die Kohlenbergwerke zunächst billig machen. Die hohen Erträge, die heute erzielt werden, beruhen ja hauptsächlich unsren Eisenbahn-Frachttarifen, die einer B e- bision unterzogen werden können, und darauf, daß Preußen seinen ganzen Bedarf von dem Syn- dikat bezieht, während es ebenso gut seinen Bedarf außerhalb des Syndikats decken könnte. Aber ich kann mich mit dem Gedanken der Verstaatlichung überhaupt nicht befreunden. Ich glaube, mit den Mitteln, die ich eben angeregt habe, könnte man das Syndikat auch zu einer Aenderung seiner Politik zwingen. Ein besonderer Mißstand der Syndikatswirtschaft liegt in den billigen Auslandsverkäufen. Die Ausführungen in der Enquete über den Kohlenbergbau über die hierbei erzielten Preise sind leider von dem hetreffenden Herrn nachher gestrichen und fo nicht in die Ocffcntlichkeit gelangt. Nun ist in der letzten Zeit ein Vertrag zwischen dem Kohlensyndikat und dem Stahlwerksverband geschlossen worden dahin, daß Exportprämie» an einzelne Stahlwerke nur im Einvernehmen mit dem Stahlwcrksverbande ge- währt werden können; das heißt also, die Stahlwerke, die dem Ber- bände nicht angehören, bekommen keine Exportprämien.(Zuruf bei den Socialdemokraten: T e r r o r i s m u s!) Ja, das ist das freie Spiel der Kräfte I Ich billige ja diese Dinge auch nicht und gebe zu, daß gegenüber dieser Entwicklung etwas geschehen muß. Leider hat ja die Enquete über den Kohlenbergbau bis heute noch zu keinen gesetzgeberischen Resultaten geführt. Minister Möller hat ja erklärt, eS solle eine Kommission in das Ruhrgcbiet entsandt werden, um die Vorgänge dort an Ort und Stelle zu studieren. Das Ergebnis dieser Enquete werden wir zunächst ablvarten müssen, ehe wir weitere Vorschläge machen.(Bravo!> Abg. Dr. Bachem(C.): Ich kann mich im tvesentlichcn auf die Ausführungen meines Fraktionskollegen Stötzel im Landtag beziehen. Man muß unter- scheiden, was von dieser Materie in den Landtag und was in den Reichstag gehört. Wir haben beim Bürgerlichen Gesetz- buch eine Resolution auf Vorlegung eines Reichs- Berggesetzes angenommen und haben daher wohl das Recht, darüber zu sprechen, in welchen Bestimmungen ein solches Gesetz von den bestehenden Gesetzen abweichen müßte. Es muß im§ üö des preußischen Berggesetzes klargelegt werden, daß der Staat das Siecht hat einzugreifen, wenn das Stilllcgen von Gruben derartige socialpolitischc Folgen hat, wie sie sich jetzt zeigen. Ferner können ivir auf eine Beschleunigung der Syndikatsgesetzgebung hinwirken, die bis heute ganz vernachlässigt ist. Ein solches Reichs-Syndikatsgesetz ist durch die enorme Eilt- Wicklung der Syndikate, von deren Gebaren das Wohl des Ganzen abhängt, eine dringende Notwendigkeit geworden.(Sehr richtig I im Ceutrum.) Es muß verhindert werden, daß die Industrie des Aus- landes von den Syndikaten besser als die einheimische behandelt wird.(Sehr richtig I> Die Schaffung einer Syndikats-Gesetzgebung, die einheitlich, energisch und brauchbar ist, sollte mit vollem Nachdruck von der Regierung betrieben werden.(Bravo I im Ceutrum.) Abg. Dr. Sattler(natl.): Es ist behauptet worden, mein Freund Beniner hätte gesagt, 18 Zechen sollten noch stille gelegt werden. Das ist ein Irrtum. Diese Zahl bezog sich auf. die Zechen, die früher bis zur Gründung des Syndikats stille gelegt worden sind. Herr Hue hat erklärt, er sei heute zu der Meinung gelangt, die Verstaatlichung aller Verkehrs- anstalten sei erforderlich. Aber seine Partei stellt diese Forderung doch schon seit Jahrzehnten. Ich freue mich, daß gerade Herr Hue sich heute für die S e ß h a f t m a ch u n g der Bevölkerung begeistert hat. Sonst war die Socialdemokratie doch immer über die Versuche empört, die Arbeiter an die Scholle zu fesseln.(Lachen bei den Soc.) Es ist nicht zn leugnen, daß Eigentümer in ihrem Besitze bedroht und daß die Gemeinden in ganz außerordentliche Schwierigkeiten kommen werden, wenn die Arbeiter zur Auswanderung gezwungen werden, wie es zum Teil zu befürchten ist. Zechen, die keine Erträge liefern, müssen selbstverständlich still- gelegt werden. Hier können die entstehenden Schäden nur ge- mildert werden. Bei den übrigen Zechen darf der Betrieb nicht vor- zeitig stillgelegt werden, weil dadurch in der That Natur- ichätze gefährdet werden. Unzweifelhaft hat das Kohlen- syndikat die Entwicklung dieser Zechen eingedämmt und damit teils im günstigen, teils im ungünstigen Sinne gewirkt. Gerade in der Hochkonjunktur haben die großen Zechen im Gegensatz zu den kleinen socialpolitisch günstig gewirkt, als sie ein übertriebenes Hinaufgehen der Preise verhindert haben.' Ungünstig wirkt das Syndikat jetzt, insofern es abbauwürdige Zechen stilllegt. Wenn der§ 65 des preußischen Berggesetzes auch in der breiteren Aus- legung, die ihm Minister Möller gegeben hat, nicht genügt, Abhilfe zu schaffen, so haben wir ja die Möglichkeit, ein neues Berggesetz zu machen. Aber das würde bei der Langsamkeit, nnt der jetzt die parlamentarische Maschine arbeitet, ohne Wirkung bleiben für die Linderung der gegenwärtigen Not. Aber der Weg, den die Regierung Preußens— und es ist ja zunächst eine preußische Sache— eingeschlagen hat, nämlich den Versuch zu unternehmen, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß die Schäden für den Einzelnen und die Gemeinden gemildert werden, erscheint mir richtig. Auch darf nach dem bisherigen Verhalten des Kohlensyndikats geschlossen werden, daß eine gute Rede dort auch einen guten finden wird. Die Aussendung von Kommissaren wird dazu beitragen, daß das Kohlenshndikat auch seinerseits eine entgegen- kommende Haltung einnimmt. Ob das gegenwärtige Aufsichtsrecht des Staates ausreicht, können wir uns später überlegen Unzweifelhaft bedeutet das Syndikatswesen große wirtschaftliche und technische Vorteile für die industrielle Entwickelung und die Arbeits- tüchtigkeit des Volkes. Andrerseits aber schließt es auch große Gefahren in sich, so daß seine Entfaltung mit aller Aufmerffamkeit verfolgt werden muß. Es kann sich zu einer Macht entfalten, daß es für unser ganzes wirffchastliches Leben beunruhigend wird und auch nach der politischen Seite zu einer Gefahr werden kann. Die Vereinigung von Kphle und Eisen wäre eine solche Potenz; eine solche Machtkombination, wie sie in Amerika besteht, wäre für deutsche Verhältnisse höchst bedenklich. Nun wird die Verstaatlichung des Bergbaues vorgeschlagen. Ich bin ein Anhänger der Eisenbahn-Verstaatlichung, halte es aber für außerordentlich bedenklich, jetzt schon an eine Verstaatlichung des Kohlenbergbaues zu denken. Wir müssen wünschen. daß die Syndikatsleiter im Interesse ihrer eignen Existenz von ihrer außer- ordentlichen Macht nicht vollen Gebrauch machen, sondern sie mit Maß handhaben. Sie müssen sich klar darüber sein, daß sonst die Wünsche auf Verstaatlichung immer weitere Kreise erfaßt. (Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Gothein(fts. Vp.): Daß Gruben, die dauernd ohne Stutzen arbeiten, stillgelegt werden, ist auch in früheren Jahren massenhaft vorgekommen. Aber durch die Politik des Syndikats sind viele Gruben stillgelegt, die durchaus unter den jetzigen Verhältnissen noch eine Ausbeute ermöglichen. Das jedes Syndikat das Bestreben hat, die Preise möglichst günstig für sich zu gestalten, ist selbstverständlich, es fragt sich nur, welche Mittel wir haben, um der socialen Schädlichkeit der Syndikatswirtschaft entgegenzutreten. Ob§ 65 des Berggesetzes zur Vermeidung der Stilllegung von Gruben ausreicht, scheint mir zweifelhaft. Es ist jedenfalls bedauer- lich, einem Paragraphen einen Sinn unterzulegen, den die Gesetzgeber seiner Zeitnicht gewollt haben. Außerdem giebt dieser Paragraph auch dem Staate keineswegs das Recht der Enteignung, wie Graf Kanitz meinte. Also auf dem Wege ist nichts zu erreichen. Was den Ankauf von Gruben, die mit Zubuße arbeiten, durch den Staat anlangt, so würde auch der Staat ein solches Kohlenbergwerk nicht rentabel machen können. Die allgemeine Verstaatlichung des Kohlenbergbaues scheint mir wenig erwünscht; der technische Fortschritt würde durch die schwerfällige Etatswirtschaft nicht so gefördert werden können, wie bei der privaten Bewirtschaftung. Auch ist zu befürchten, daß das fiskalische Interesse, nicht das der Allgemeinheit, bei der Verwaltung der Gruben ausschlaggebend sein würde.— Herr Dr. Bachem hat nun einen tiefen Blick in den Schreibtisch seines Kollegen Dr. Spahn gethan, in dem ja seit Jahren ein Gesetzentwurs gegen das Syndikats« Wesen ruht. Aber nach den Mitteilungen, die uns Herr Bachem machte, i st nicht viel Geeignetes vorhanden. Ein Staatskommissar mit Vetorecht soll den Syndikaten beigegeben werden. Was ist von solchem Kommissar zu erwarten, lvcnn der Minister v. Siheinbaben die Weisheit des Kohlensyndikats so ge- priesen hat. Jetzt scheint diese Weisheit freilich ein Loch zu haben. Herr Bachem will die billigen Auslandsverkäufe der Syndikate verbieten. Dann sollte er mit uns_ die Spiritus- Exportprämie erst einmal beseitigen.— Schließlich forderte Herr Bachem, daß nicht ausländische Arbeiter im Ruhrrevier beschäftigt würden. Viel auswärtige Arbeiter werden im Rnhrrevier nicht zu finden sein. Oder sollte er an polnisch sprechende deutsche Arbeiter gedacht haben? Soweit wird er doch in Ausnahmegesetzen gegen die Polen nicht gehen wollen.(Heiter- keit.) In Zeiten der Kohlennot dankt man Gott, wenn man aus- wärtige Arbeiter bekommt. Das einzig brauchbare Mittel, um den Ausschreitungen der Syndikate entgegenzutreten, ist die Anfrechterhaltung der Konkurrenz. Freilich ist sie nicht leicht zu schaffen, denn die Welt ist zum großen Teil weggegeben. Der Staat möge einen großen Komplex von Feldern im Ruhrgebiet erwerben und eine veränderte Tarifpolitik einschlagen. Das ist der einzige Weg, um etlvas Wirk- liches zu erreichen.(Bravo I links.) Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.): Wir halten den Reichstag für zuständig, diese Materie zu behandeln. Die Regierung hätte die Pflicht ge- habt, hier Aufklärung zu geben und sich nicht in Schweigen hüllen dürfen. Die Angaben über die Stilllegung der Zechen sind noch heute durchaus'schwankend. Wir können nur wünschen, daß die von Herrn Minister Möller in Aussicht gestellte Kommission möglichst rasch arbeitet. Daß Arbeitercntlassungen stattgefunden und schwere Schädigungen vieler Gewerbetreibender eingetreten sind, unter- liegt keinem Zweifel. Aus der heutigen Debatte geht hervor, daß eine Reihe der stillgelegten Zechen durchaus noch nicht erschöpft sind. Bei der K a n a l v o r l a g e ist darauf hingewiesen worden, daß gerade im südlichen R n h r r e V i e r d e r K o h l e n- r c i ch t u m noch lange nicht erschöpft ist. Graf Kanitz sprach vom freien Spiel der Kräfte. Aber gerade beim Syndikatswesen ist das freie Spiel der Kräfte unterbunden. Recht hat Graf Kanitz darin, daß die Regierung das Syndikat groß- gezogen hat. Hoffentlich wird die Regierung künftig den Syndikaten skeptischer gegenllherstehen.(Beifall.) Hierauf wird ein Vcrtagungsantrag angenommen. Nächste Sitzung Freitag' 1 Uhr.(Fortsetzung der Etatsberatung, und zwar Etat für das Sieichs-Militärgericht, Etat der Schutzgebiete und Etat für das Auswärtige Amt.) Schluß 7 Uhr._ parlamentarlfchee. WnhlprüfungS-Kommission. In der Fortsetzung der Prüfung der Wahl F u ch s- Wendel-Ottweiler verhandelte die Kommission zunächst über die Protestpunkte, die die Wahlbeeinstussnng durch katholische Geistliche hervorheben. Der katholische Pfarrer Albcrts in Elwcrsberg ließ eine Liste bei den Wählern herumtragen nnt der Aufforderung, die Wähler sollten sich durch Unterschrift für die Wahl Fuchs' verpflichten. Ein andrer, Eul in Merchweiler, hat einigen Kirchenbesuchern auf der Empore vor Beginn des Gottesdienstes zugerufen:„Zum Auftreten im nationalliberalen Verein seid Ihr zu feig; Ihr Feiglinge, Ihr ver- kauft Euren Glattben! Hier habe ich das Recht, Euch rauszu schmeißen; hier bin ich Herr!" Darauf forderte er zwei Männer auf, die Kirche zu verlassen, was auch geschah. Dann begann der Gottesdienst. Dieser Pfarrer erlaubte sich noch andre, weniger markante Uebergriffe. Der Pfarrer Schwab zu Heiligenwald hat am 7. Juni im Hochamt gepredigt:„Ultra- montan sei gleich katholisch; wer nicht ultramontan gesinnt sei, solle a u f st e h e n." Am Psingstsonntag hat derselbe in der Frühmesse geäußert:„Der Liberalismus sagt: Religion gehört nicht in das wirtschaftliche Leben. Er thut dies, um in den Besitz des Kapitals zu gelangen und scheut sich nicht, durch Betrug und schlechte Bezahlung der Arbeiter dies zu fördern." Die Kommission erachtete dies nicht als amtliche Beeinflussung, da die Pfarrer keine Gemeinde- oder Staats- b e a m t e n seien. Dagegen beschloß sie, Beweiserhebung anstellen zu lassen, ob der Bürgermeister B I e y aus Bocherbach die Landwirte seiner Bürgermeisterei vom Wählen abzuhalten suchte, und ob derselbe später, als der Landrat ihn darüber zur Rechen- schaff gezogen hatte, die Landwirte dahin instruierte, nationalliberale Stimmzettel zu durchstreichen und Fuchs darauf zu schreiben. Nach alledem kam die Kommission zu dem Beschluß, die Wahl Fuchs' zu beanstanden und Beweiserhebungen anstellen zu lassen. Dann schritt die Kommission zur Prüfung der Wahl im zweiten Danziger Wahlkreis, Elbing- Marienburg. Bei der Haupt- wähl erhielten der Socialist 6600 Stimmen, der Konservative v. Oldenburg 6258, das Centium 3292, die Reichspartci 3245, die Liberalen 1740; bei der Stichwahl v. Oldenburg 11215, der Socialdemokrat 9344 Stimmen. Ein Protest rügt, daß in Scharpau im Jsolierraum mehrere Wähler zugleich sich befanden; ferner stellt er einige andre unerhebliche Behauptimgen auf, die, toenn sie alle sich als wahr erwiesen, das Wahlresultat nicht umstürzen würden. Die Kommission beschloß darum, die Wahl für gültig zu erklären. Aehnlich liegt die Sache bei der Wahl S t o ck m a n n s(k.), neunter schleswigscher Wahlkreis, Plön-Oldenburg, die auch für gültig erklärt wurde. Dann wurde der ausgesetzte Beriöht über die Wahl Ose! fertig gestellt. Es blieb auch hier bei der Gültigkeitserklärung. Hierauf verschritt die Kommission zur Prüfung der Wahl Dirksens, Wahlkreis Kottbus-Spremberg. Bei der Hauptwahl er- hielten Stimmen: v. Dirksen(ReichSp.) 10 323; Antrick(Soc.) 9146; Freisinn 3074; Centrum 188. Bei der Stichwahl v. D i r k s e n 13 602; Antrick 10 691. Das socialdcmokrattsche Wahlkomitee hat Protest gegen die Wahl rechtzeitig erhoben. Da die Majorität Dirksens eine bedeutende ist, erklärte die Kommission folgende Protestpunkte für eventuell erheblich. In Lim- berg sei vom Wahlvorstand Konttolle bei der Stimm- abgäbe geübt worden. Drei Arbeiter seien daraufhin entlassen worden mit der Bemerkung, weil sie schlecht gewählt hätten. Der Wahlvorstand soll eidlich, die Zeugen uneidlich vernomnieu werden. In Radwiese sei gar kein Jsolierraum vor- handen gewesen; hier soll der Wahlvorstand uneidlich, dagegen die Zeugen eidlich vernommen werden. In I ä n s ch w a I d e sei der Jsolierraum ungenügend gewesen, so daß der Couvert- Verteiler genau sehen konnte, was jeder Wähler in diesem„Isolier- räum" that. Der betreffende Couvertverteiler und die Zeugen sollen eidlich, der Wahlvorstand uneidlich vernommen werden. Wegen vorgerückter Zeit wurde hier die Prüfung unterbrochen. Nächste Sitzung Dienstag, 26. April.— Gentralversammlung des Verbandes deutscher Stemarbeiter. m. Erfurt, 20. April. ES folgt die Beratung der auf die Gewährung von Rechts- schütz bezugnehmenden Anträge. Der nachstehende Antrag wird dem Hauptvorstande zur Berücksichtigung überwiesen: Bei entschädigungspflichtigen Unfällen bezw. Rekurs-Entschei- düngen gegenüber der Rentenfestsetzung kann neben dem Gutachten des Vertrauensarztes der Berufsgenossenschaft ein zweites Gut- achten eines andern ArzteS gewährt werden, sobald dies zweck- mäßig erscheint. Der Nachsuchende muß mindestens ein Jahr organisiert sein und dürfen die Kosten 15 M. nicht übersteigen. An den Bestimitiiliigen über die U m z u g s u n t e r st ü tz u n g wird nichts geändert. Der Verbandstag tritt sodann in die Beratung der auf die Beitragsregelung bezüglichen Anträge ein. Gegen die Schaffung einer dritten niedrigeren Beitragsklasse wendet sich der heutigen Produktionsprozeß entstehenden Gefahren für Leben und Ge-| Taktik geht nun dahin, die Beschaffung dieser Zahl der Kasse zw Hauptkassierer Lange, derselbe empfiehlt vielmehr den Beitrag in fundheit entgegentreten soll. Die Broschüre wird bisher indifferente Streise hintertreiben und dann, wie in Köln, Solingen usw., der Kaffe die Höhe eines Stundenlohnes festzusetzen. Die Mehrerträge, die sich von der Notwendigkeit unfrer Maidemonstration und der Forderung Bedingung zu stellen, auf das System der Distriktsärzte zu verzichten, hierdurch gegenüber den jetzigen Wochenbeiträgen ergeben, sollen den des Achtstundentages überzeugen und die Gewerkschaftsbewegung die neuen Aerzte zu entlassen und die früheren Aerzte bei freier Lokaltassen zu gute kommen. Nach einer sehr ausgedehnten Debatte wesentlich unterstützen. Der Preis für die Broschüre ist 20 Pfennig, Arztwahl und unter den bekannten unverschämt hohen Honorarfäßen einigt man sich auf einen Vorschlag des Verbandsvorsitzenden sie ist als das 4. Heft der Arbeiter- Gesundheits- Bibliothek erschienen, wider anzustellen. Das ist natürlich Wahnsinn, allein es hat doch Starte, namentlich darüber abzustimmen, ob man sich im Princip deren erste Hefte behandeln: Heft 1:„ Die erste Hilfe bei Unglücks- Methode. Sollte die Kreishauptmannschaft wirklich auf diesen Leim für Einführung einer dritten Beitragsklasse erklärt. Dieser Vorfällen", Heft 2: Das erste Lebensjahr, wie ernähren und pflegen kriechen, so würde sie den Genuß haben, die Verantwortlichkeit und schlag wird mit 36 gegen 13 Stimmen bejaht. Nach einer weiteren wir den Säugling?" Heft 3:" Zur Gesundheitspflege des Nerven- die Arbeit des Kassenvorstands allein auf ihre Schultern zu nehmen. namentlichen Abstimmung wird festgestellt, daß die einzelnen Zahl- systems". Jedes Heft ist für sich abgeschlossen, kostet 20 Pf. und ist Der Vorstand wird in diesem Falle demissionieren. stellen nur einen Beitrag erheben dürfen mit 34 gegen in allen Parteibuchhandlungen und bei jedem Kolporteur und 15 Stimmen. Weiter wird ein Antrag des Vorstandes, den Beitrag Zeitungsboten zu haben. für die dritte Klasse auf 30 Pf. festzusetzen und den Beitrag der ersten Klasse auf 45 Pf. zu erhöhen, mit 35 des Vorstandes, der gegen 14 Stimmen abgelehnt. Der Antrag Münder und die Beiträge folgendermaßen festgesetzt wissen will: 1. Klasse 40, 2. Klasse 35 und 3. Klasse 30 Pf wird mit 30 gegen 14 Stimmen angenommen. Die Streif unterstützung wird festgesetzt: erste Klasse 12 M., zweite Klasse 10 M., dritte Klasse 8 M.; für Kinder: erſte Klasse 1 M., zweite Klasse 75 Pf., dritte Klasse 50 Pf. Hierauf tritt die Mittagspause ein. Nach Eröffnung der Nachmittagsverhandlungen wird ein Antrag angenommen, der den Centralvorstand in Gemeinschaft mit den Ortsverwaltungen beauftragt, diejenigen Branchen zu bestimmen, welche den niedrigsten Beitragssatz zu leisten haben. " Totenliste der Partei. Jn Göppingen( Württemberg) starb der Parteigenosse Hermann Thiele. Die Schwäbische Tagwacht" widmet ihm einen warm empfundenen Nachruf. Die Parteigeschichte der letzten 17 Jahre in Göppingen ist auf das engste mit seiner Person verknüpft. Bei allen öffentlichen Kundgebungen und Versammlungen stand er in der vordersten Reihe. er später aus geschäftlichen Gründen wieder ablehnen. Bekannt ist Die ihm übertragene Kandidatur zur letzten Landtagswahl mußte ebenfalls seine Thätigkeit als Gemeinderat. Er war stets und mit Erfolg bemüht, die Interessen der Gesamtheit nach seiner Ueberbeugung zu vertreten. Als gelernter Klempner wurde er wegen seiner Parteithätigkeit mehrmals gemaßregelt. Er erlitt das typische Schicksal so vieler thätiger Parteigenossen namentlich in fleineren Orten. Er fand in Handel sein Leben zu fristen suchen. Und doch erwarb er sich ein so seinem Berufe keine Arbeit mehr und mußte durch einen kleinen gutes Ansehen, daß auch die bürgerliche Presse bei seinem Tode ehrend seiner gedenkt. rheumatismus warf ihn nieder. Er stand erst im 44. Lebensjahre. Ein schwerer GelentAus Induftrie und Handel. Die Bank von England hat der kürzlichen Herabsetzung ihres aus Australien. = Winterteizen Winterspelz. Winterroggen Klee Luzern Wiesen April 1904 April 1903 April 1902 2,5 3,3 2,3 2,2 2,5 2,2 2,5 3,0 2,3 2,8 2,5 2,7 2,7 2,7 2,5 2,9 2,7 2,8 M * * * Folgende Resolution geht uns zur Veröffentlichung zu: „ Die am 16. April im Gewerkschafshause tagende ordentliche General- Versammlung der Ortskrankenkasse für das Goldschmiede Gewerbe zu Berlin weist den Vorivurf, welchen Herr Dr. Mugdan im Reichstage gegen die Kaffenverwaltungen erhoben hat, daß diese im Gegensatz zu den Mitgliedern in der Frage der Aerzteversorgung einen andern Standpunkt einehmen, mit Entgeeignet, etwaige Anhänger der freien Aerztewahl von diesem Standschiedenheit zurück. Das Auftreten des Herrn Dr. Mugdan war nur punkt abzubringen. Die Versammlung protestiert energisch gegen die den Thatsachen nicht entsprechende Behauptung des Herrn Dr. Mugdan, daß die Kassen für socialhygienische Verbesserungen nur Worte besigen und kennzeichnet die Ausführungen des genannten Herrn in der Kassenfrage als unerwiesene Unterstellungen, die ges eignet sind, das Selbstverwaltungsrecht der Kassen zu schädigen. * " 68 Einen fürchterlichen Quatsch druckt die Kreuz- Zeitung" dem ,, Leipziger Tageblatt" nach. Es soll darin nachgewiesen werden, daß die Socialdemokraten den Aerzten nicht gestatten wollen, was sie für sich selber in Anspruch nehmen. Da heißt es: „ Aber wenn die Aerzte streiken, so ist das natürlich ein ges meines Verbrechen; die Aerzte haben nämlich der leidenden Menschheit( lies: den socialdemokratischen Kassenmitgliedern) zu helfen, und wenn sie dabei verhungern sollten." Berhungern ist gut. Unter dem bisherigen System der beAnträge, die zum Punkt, Agitation" gestellt sind, liegen 14 vor, die ausschließlich die" Anstellung von besoldeten Gauleitern verlangen. Der Standpunkt des Centralvorstandes ist in nachstehendem Antrage niedergelegt. " Es muß das Bestreben gefördert werden, die Gauleitungen möglichst selbständig zu machen. Zu diesem Zweck ist es zu empfehlen, daß die Konferenzen der Gaue beschließen: Die Zahlstellen haben pro Mitglied quartalsweise einen bestimmten Betrag an die Gaukasse abzuliefern. Wird in einem Gau die Anstellung des Gauleiters für notwendig erachtet, so haben sämtliche Zahl stellen pro Woche einen Beitrag von 5 Pf. für jedes Mitglied an die Gaukasse abzuliefern. Neicht die hierdurch erzielte Einnahme zur Deckung der daraus entstehenden Kosten nicht aus, so kann der Verbandsvorstand einen Zuschuß bis zur Höhe von Diskont eine weitere Ermäßigung folgen lassen, und zwar wieder schränkt freien Arztwahl war das für jede ärztliche Einzelleistung 500 Mart jährlich gewähren. Die Thätigkeit der Gauleitungen unterliegt selbstverständlich der Kontrolle des Centralvorstandes. um 1½ Proz, so daß sich jetzt der Diskontsatz auf 3 Proz. stellt. von der Kaffe gezahlte Honorar so hoch, daß Aerzte, die genügend unterliegt selbstverständlich der Kontrolle des Centralvorstandes. Anlaß zu dieser Maßnahme gab nach den Londoner telegraphischen Bulauf hatten, 9000 bis 10 000 Mark Jahreseinkommen von der Dem Centralvorstand ist über sämtliche Einnahmen und Ausgaben Meldungen das Andauern der günstigen Konstellation der aus- Kasse bezogen. Trotzdem wollte die Kasse das Honorar um circa Rechnung zu legen. Die Anstellung der Gauleiter selbst hat der ländischen Wechselkurse und das demnächstige Eintreffen neuer be- 25 Prozent erhöhen, insgesamt um rund 140 000 Mark. Centralvorstand vorzunehmen." Es gehört Der Vorsitzende Sta de erklärt, daß mit Annahme dieses An- trächtlicher Goldmengen aus dem südafrikanischen Minengebiet und wirklich eine starke Portion Unverschämtheit dazu, bei solcher Sachtrages die Centraltasse ca. 7500 Mark zuschießen müßte. Nachdem lage von Verhungern zu reden. Gewiß gab es auch Aerzte, die eine große Reihe von Rednern für und gegen die Anstellung Saatenstand in Preußen. Nach den Angaben der amtlichen nur wenige hundert Mark von der Kaffe bezogen.. Aber das von Gauleitern gesprochen, nimmt der Vertreter der GeneralStatistischen Korrespondenz" war der Saatenstand in Preußen um liegt am System der freien Arztwahl. Da hat es fommission, Genosse Knoll- Berlin, das Wort. Redner glaubt, die Mitte April folgender( 1= sehr gut, 2= gut, 3= mittel, die Kasse nicht in: der Hand, auf eine gleichmäßige daß die Zeit gekommen sei, wo man nicht mehr von der Ansicht 4 gering): Inanspruchnahme der Aerzte und damit auf ihre gleichmäßige Bes ausgehe, daß die Beamten der Gewerkschaften ein notwendiges Uebel seien. Es hat sich langsam die Ansicht durchgerungen:„ Tüchtige teiligung am Honorar zu wirken. Das ist ja das Wesen der freien Beamte, mehr Mitglieder!" Wenn der Vorstandsantrag Arztwahl, daß die Kassenpatienten jeden beliebigen Arzt konsultieren wohl sein Entgegenkommen zeige, so trifft er doch nicht immer das dürfen. Daß einzelne Aerzte dabei so hohe Honorare erzielen Richtige. Wo die Organisation so start ist, daß sie sich einen befonnten, beweist aber, daß die Bezahlung der Einzelleistung foldeten Gauleiter leisten kann, ist diese Frage gelöst, fie bleibt aber Hoch genug tvar, um einem vollbeschäftigten Arzte ein gerade da offen, wo die Agitation am notwendigsten ist. Der Vorsehr standesgemäßes Einkommen zu sichern. Sollten wirklich stand wird also hier etwas mehr entgegenkommen müssen. Man Die wegen Auswinterung, Mäuseschadens, Schneckenfraßes und schon Aerzte verhungert sein, weil ihnen bei der freien Arztwahl darf die Frage der Anstellung der Gauleiter nicht nur vom Stand- dergleichen umgepflügte Fläche ist bisher sehr gering, beim Winter- nicht genug Patienten zuliefen, so soll ihnen unser Bedauern nicht punkt der Agitation ansehen. Bei Lohnstreitigkeiten z. B. hat sich weizen beträgt sie nur 0,41 Broz. der Anbaufläche gegen 17,09 Pro3. fehlen; aber soll vielleicht die Krankenkasse für das Wohlergehen gerade die Notwendigkeit und die Zweckmäßigkeit gezeigt. im April des vorigen Jahres, beim Winterroggen 0,30 Proz. gegen derjenigen Aerzte verantwortlich gemacht werden, deren sie nicht beWas man hier an einem Streit erspart, wiegt das Gehalt 2,16 Proz. eines Gauleiters sicher auf. Bei der Konzentration des Kapitals gerade im Steinarbeiterberuf stellt es sich heraus, daß der„ Stat. Korrespondenz" heißt es, daß troß der mangelnden Schnee- beschäftigte Aerzte! In den der obigen Zusammenstellung hinzugefügten Erläuterungen darf? Eine Krankenkasse ist doch keine Versorgungsanstalt für un Kapitalisten 10 bis 12 Brüche haben, von denen die Arbeiter nur in decke der Kahlfrost keinen bedeutenden Schaden angerichtet habe. dreien oder vieren organisiert sind. Dadurch ist der Unternehmer in Mit verhältnismäßig wenigen Ausnahmen werde berichtet, daß die der Lage, den Arbeitern Bedingungen zu stellen, die sie sich nicht ge- Saaten gut durch den Winter gekommen seien. Daß sich das Wachsfallen lassen können, und so kann es passieren, daß die Arbeiter ein tum bisher mäßig zeigte, habe Besorgnis kaum erregt, da, wie allund desselben Unternehmers ihren organisierten Kollegen in den gemein erwartet, mit Eintritt wärmeren Wetters alles gut gedeihen Rücken fallen. Also hier zeige sich der Wert der Agitation. Man werde. Die Weizensaaten, welche zum größeren Teile wegen später die im November 1899 gegründet wurde, hat sich sehr rasch entwickelt Kopenhagens Dienstmädchen- Vereinigung, betrachte die Angelegenheit nicht von dem Standpunkt, daß man Bestellung mangelhaft in den Winter gekommen seien, hätten strich- und für einen großen Teil der Dienstmädchen Kopenhagens geregelte sagt, wenn unser Gau teinen Gauleiter erhält, soll der andre auch weise einigen Schaden durch Kahlfrost davongetragen. Der geringere Arbeitsverhältnisse herbeigeführt. Auf dem Arbeitsvermittelungsteinen habent. Hier kann nur die Zweckmäßigkeitsfrage entscheiden Befund in den östlichen Gegenden werde aber durch den besseren in Comptoir der Organisation müssen sowohl die Hausfrauen wie die und diese zu erörtern ist notwendig. Der Vorsitzende Starte er der westlichen Staatshälfte ausgeglichen. Dagegen hätten die klärt, daß der Centralvorstand einen Sprung ins dunkle nicht mit- Roggensaaten, welche infolge zeitigerer Bestellung meist kräftig ent- Dienstmädchen bei der Einstellung einen Vertrag unterschreiben, der macht und ein solcher ist die Anstellung befoldeter Gauleiter wickelt feien, weniger durch Frost als durch tierische Schädlinge, be- die gegenseitigen Verpflichtungen enthält. Die Hausfrau verschon jetzt. Für Anstellung einer Hilfskraft tritt er ein, als die sonders Mäuse, Krähen und Schnecken gelitten. Doch solle das pflichtet sich, dem Dienstmädchen außer Lohn, Koſt und Logis, jeden einzige Konzession, die der Vorstand machen kann. Warte man mit Wintergetreide zu den besten Hoffnungen berechtigen. zweiten Sonntag von 2 Uhr an und jeden Mittwochabend von 7 Uhr der Anstellung von Gauleitern bis zur nächsten Generalversammlung. an Ausgehezeit zu gewähren, es sei denn, daß ein Krankheitsfall oder Sollte sich bis dahin die Notwendigkeit herausgestellt haben, wird Vom Roheisen- Syndikat. Die Erzeugung der im Roheisen- Abwesenheit der Hausfrau die Verlegung der Ausgehezeit auf einen der Vorstand derartige Vorlagen machen. Der Redakteur des Syndikat vereinigten Werke betrug nach der Rhein.- Westf. 3tg." im andern Tag der Woche notwendig macht. Das Dienstmädchen muß Steinarbeiter", Staudinger, stellt fest, daß die angestellten Monat März insgesamt an syndiziertem und nichtsyndiziertem Roh- sich unter anderm zur Bereitung der Speisen, der Reinhaltung einer Beamten überlastet sind und tritt für Anstellung einer Hilfskraft eisen 316 492 Tonnen( gegen 277 042 Tonnen pro Februar cr.); Fünfzimmer- Wohnung und zur Mithilfe an der Wäsche und am ein. Nachdem zu diesem Punkt 32 Redner gesprochen, wird ein Plätten verpflichten. Die längste regelmäßige Arbeitszeit des Antrag auf namentliche Abstimmung angenommen. Für Anstellung Dienstmädchens dauert von morgens 6 bis abends 7 Uhr, ungefähr befoldeter Gauleiter treten nur acht Delegierte ein, dagegen 40 bei 13 Stunden. Wird Waschen, Blätten oder Reinigung des Schuheiner Stimmenenthaltung. Nunmehr gelangt obenstehender Antrag zeuges außerhalb dieser Zeit verlangt, so sind 25 Dere Extra= des Vorstandes mit 30 Stimmen zur Annahme. Die Anstellung bergütung pro Stunde zu bezahlen. Der Vertrag enthält einer besoldeten Hilfskraft wird gleichfalls in namentlicher Abferner die Bestimmung, daß nur schriftliche Kündigung auf stimmung abgelehnt. dem von der Dienstmädchen- Vereinigung gelieferten Formular gültig ist. Sonst kommt es im Dienstverhältnis häufig vor, daß in einem um eine Bagatelle entstandenen Streit die Kündigung aus gesprochen wird, die man nachher bereut, aber die zurückzunehmen man zu eigensinnig ist. Dem soll durch die schriftliche Kündigung auf dem im Nachweiscomptoir erhältlichen Formular entgegengewirkt werden. Diese Verträge sind sowohl für die Dienstmädchen als auch für die Hausfrauen von großem Nußen. Es besteht die Absicht, sie auch in den übrigen Städten und Orten Dänemarks einzuführen, sobald dort Arbeitsvermittelungs- Comptoire von der DienstmädchenOrganisation gegründet werden. Partei- Nachrichten. davon wurden versandt ins Inland 93 276 Tonnen( gegen 85 575 Tonnen pro Februar) und ins Ausland 8796 Tonnen( 7798 Tonnen). Von den Werken wurden in Eigenbetrieben weiterverarbeitet 217 126 Tonnen( 195 782 Tonnen), so daß die Vorräte, die am Monatsanfang noch 243 777 Tonnen betragen hatten, auf 241 073 Tonnen zurück gingen. An Aufträgen fürs In- und Ausland lagen am 1. April 1904 vor insgesamt 386 586 Tonnen( gegen 299 154 Tonnen am 1. März). Von diesen Abschlüssen entfallen 306 223 Tonnen ( 249 717 Tonnen) auf die rheinisch- westfälische Gruppe und 80 363 Tonnen( 49 437 Tonnen) auf den Siegerländer Verein. Der Auftragsbestand hat demnach im Monat März wieder einen beträchtlichen Zuwachs, fast 30 Proz., gegen den Vormonat aufzuweisen, der in der Hauptsache auf Gießereiroheisen entfällt. Aber auch Buddelund Stahleifen zeigt eine Auftragsvermehrung von nahezu 38 000 Tonnen. Ferdinand Laffalle an seine Mutter. Die Antiquariats- Buchhandlung von Ernst Frensdorf hier bietet in ihrem Antiquariats- Kataloge Nr. 6( Zur Geschichte der nationalen Bewegungen und deutschen Einheitsbestrebungen) unter andren unWas den Absatz betrifft, so ist die Besserung hier im Vergleich veröffentlichten Autographen einen Brief Lassalles zum Kaufe, den zu den Vormonaten allerdings kaum wahrnehmbar, besonders wenn dieser am 25. Februar 1849 aus dem Gefängnis in Düsseldorf an man berücksichtigt, daß der Kleine Unterschied im Versand mehr feine Mutter geschrieben hat. Aus dem Briefe wird folgende inter- darauf zurückzuführen ist, daß der März um zwei Tage länger ist als der Februar. Der Abruf der Werke läßt also noch zu wünschen essante Stelle mitgeteilt: übrig und steht jedenfalls nicht im Verhältnis zu der vermehrten Erzeugung. " Im Laufe März komme ich vor die Assisen, daß nicht das geringste zu fürchten ist, habe ich Euch schon von vornherein geschrieben.... Ich freue mich auf die Prozedur wie ein Gott. Wie der fernhintreffende Apollo will ich meine Lanzen werfen und ich habe im Voraus Mitleid mit dem Aermsten, der die klägliche Aufgabe haben wird, die spaßhafte Anklage mir gegenüber zu verteidigen. Soziales. Aerzte und Krankenkassen. Aus der Frauenbewegung. Kopenhagens Dienstmädchen- Vereinigung hat schon im ersten Jahre ihres Bestehens eine größere Wohnung gemietet, die zu einem gemütlichen Heim eingerichtet wurde, wo die Dienstmädchen sich Sonntagsabends versammeln. Dort wird durch Bücher und Zeitungen, durch Musik, Gesang und Gesellschaftsspiele für Unterhaltung gesorgt. An den Mittwochabenden werden verschiedene Unterrichtskurse abgehalten, wo die Mitglieder sich größere allgemeine und berufliche Bildung erwerben können. Außerdem steht ihnen eine Bibliothek zur Verfügung. Ein Fachorgan mit dem Titel " Tjenestepigernes Blad" erscheint alle 14 Tage. Es wird beabsichtigt, ein eignes Gebäude der DienstmädchenVereinigung zu errichten, das ein Altersheim für nicht mehr arbeitsfähige Mitglieder enthalten soll, und eine Fachschule, wo junge Mädchen bei freiem Aufenthalt Kochen, Hauswirtschaft, Waschen, Plätten und Kinderpflege lernen können. Der für das Unternehmen bestimmte Fonds beläuft sich zwar erst auf ca. 4000 Stronen, wächst aber beständig, unter anderm auch durch jährliche Beiträge der Hause frauen. Eine socialdemokratische Frauenzeitung soll vom Mai dieses Jahres an in Lugano( Schweiz) erscheinen. Das Blatt soll von den Genofsinnen Maria Giudice und Dr. Angelica Balabanoff rein deutscher und italienischer digiert werden, Sprache erscheinen und der socialdemokratischen Propaganda unter den schweizerischen und italienischen Arbeiterinnen in der Schweiz dienen. Zu der neuen Verordnung der Kreishauptmannschaft Leipzig Die politischen Verhältnisse werden wohl gleichfalls bald zu einer an den Vorstand der Ortskrankenkasse erhält die„ Schwäbische Tagentscheidenden Lösung gelangen müssen. Entweder kehrt Deutsch- wacht" eine Zuſchrift aus Leipzig, die einige bisher nicht bekannt geland wirklich wieder und für immer in die Nacht der alten Zustände wordene Umstände mitteilt. In dieser Zuschrift heißt es, daß die zurück und dann ist alle Wissenschaft eine Lüge, alle Philosophie Stasse zur Zeit 81 Aerzte habe und noch mit einer größeren Bahl ein bloßes Spiel des Geistes, Hegel ein dem Jrrenhaus entlaufener in Unterhandlungen stehe. Es wird weiter mitgeteilt, daß es den Narr, und es giebt keinen Gedanken in dem Zufall der Geschichte alten Aerzten gelungen sei, 16 bereits engagiert gewesene Aerzte oder die Revolution wird bald einen neuen und entscheidenden zum Stontrattbruche zu verleiten, die deswegen eine KonventionalTriumph feiern... strafe von je 6000 M. zu bezahlen haben werden. Einzelnen Das wird ein Kochen geben! Diesen Frühling steht Europa in Specialisten hätten die Aerzte bis zu 20 000 M. geboten für den Kontraktbruch. Dann heißt es in dem Artikel: Feuer und Flammen. Wer das nicht sieht, ist ein Thor. Gnade " Die Kreishauptmannschaft ist gegen die Herren Aerzte immer Gott dann unsrer preußischen Wirtschaft. Durch die November- schwach gewesen. Nachdem sie am 23. März ihre Verfügung erlassen, ereignisse sind jetzt auch dem Dümmsten die Augen geöffnet, die in der sie es endgültig ablehnte, den Aerzten die Kastanien aus dem Novemberverfolgungen sind der größte Hohn auf Recht und Gesetz Feuer zu holen, begannen die Aerzte und ihre hochmögenden Gönner gewesen, und die Lehre wird keine verlorene sein...“ einen Sturmlauf auf die Behörde, der in wenigen Tagen den KreisDie 5. Generalversammlung des Landesvereins Preußischer hauptmann mürbe machte. Am 2. April war dieser auf dem Punkte, Volksschullehrerinnen wird in den Pfingstferien d. J. vom 22. bis vor dem Aerzterummel zu tapitulieren; entgegen allen Aeußerungen 25. Mai in Kassel tagen. Volksschullehrerinnen aus allen ProDer Achtstundentag" eine gesundheitliche Forderung, zugleich der Behörde sollte an diesem Tage eine Verfügung erscheinen, welche bingen find bereits angemeldet. Die gemeinsame Ereine Einführung in die Gewerbehygiene von Dr. J. Zadek. Die die freie Aerztewahl der Kaffenverwaltung diftiert hätte. Der Vor- ziehung der Geschlechter" und" Die Volksschule Forderung auf Einführung des achtstündigen Arbeitstages steht noch stand eilte nach Dresden und erwirkte durch persönliche Vorstellungen und der Kampf gegen die Unfittlichkeit" werden in immer im Vordergrunde des wirtschaftlichen Kampfes der Arbeiter beim Minister v. Metsch, daß die Kreishauptmannschaft telegraphisch den beiden öffentlichen Versammlungen Gegenstand der Verhandklasse. Der Verfasser hat es unternommen, vom ärztlichen Stand- angewiesen wurde, jede Verfügung zu unterlassen. In der Zwischen- lungen sein. Es wird eine Nebenbersammlung abstinenter punkt aus diese Forderung zu begründen, indem er die gesundheit- zeit haben die Aerzte weiter gebohrt; sie haben alle Instanzen belagert, Lehrerinnen und eine Nebenbersammlung in Sachen der lichen Schädigungen des Arbeiters bei längerer Arbeitszeit dar- die in der Sache einen Einfluß geltend machen konnten, und sie haben Fortbildungsschule stattfinden. legt. Der Verfasser fordert aber nicht nur die gesetzliche Festlegung der es nunmehr so weit gebracht, daß der Kaffe die sehr hohe Zahl von Arbeitszeit, sondern er zeigt auch, wie der Arbeiter den durch den 98 Aerzten, darunter 12 Specialisten, aufgegeben wurde. Ihre Gewerkschaftliches. Berlin und amgegend. Die Einsegung einer Schlichtungs- Kommission in der Berliner -O Die Fahrstuhlarbeiter( Bauarbeiter- Verband) waren zu Beginn Dr. Julins Wolf, ordentl. Profeffor der Staatswissenschaften. Beit schrift für Socialwissenschaft. Heft 4. Einzelheit 2 M. Preis vierteljährlich 5 M. Monatlich ein Heft. Berlag Georg Reimer, Berlin W. 35, Lützowftraße 107/108. Geschäftsbericht der allgemeinen Orts- Krankenkasse zu Berlin für das Jahr 1903. 55 Seiten. Selbstverlag. Briefkaften der Redaktion. Husland. der vorigen Woche in eine 2ohnbewegung eingetreten. Shre Sattlerstreit in Stockholm. Nachdem die Tarifverhandlungen mit Forderungen richteten sich auf eine Lohnerhöhung von durchschnittlich den Arbeitgebern zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt 5 Proz. In Betracht kommen etwa 15 Baufirmen mit rund 600 haben, sind die Sattler Stockholms am Mittwoch in den Streit geArbeitern. Bei mehreren Firmen tam es zu Arbeitsniederlegungen treten. In den Militärwerkstätten wird jedoch weiter gearbeitet, Holzindustrie bon der Dauer bis zu einer Woche. Daraufhin konnte mit zweien ebenso bei zwei Firmen, die den Tarif unterschrieben haben. dieser Firmen ein Vertrag abgeschloffen werden, mit zwei andern bildet bekanntlich seit längerer Zeit den Gegenstand von Versteht der Abschluß bebor, bei einer Firma wird nicht gestreift. Ein handlungen, welche zwischen der Vertretung des Holzarbeiter- Ver- einheitlicher Lohntarif für sämtliche an Bau- Fahrstühlen beschäftigten Eingegangene Druckfchriften. bandes und den Arbeitgebern des Berufes gepflogen werden. In Arbeiter tonnte nicht ausgearbeitet werden, weil bei fast jeder Firma Kriegskarte von Deutsch- Südwestafrika, 1: 800 000; Blatt Windhur. den gemeinschaftlichen Beratungen ist jetzt der Entwurf einer ein andres System der Förderung und Bedienung herrscht, bald Dritte auf Grund neu eingegangener Materialien ergänzte Ausgabe, Geschäftsordnung für die Schlichtungs- Kommission zu stande ge- Sandbetrieb, bald Straftbetrieb verschiedenster Art. Am Mittwoch April 1904. Preis in Umschlag 1 M. Berlag Dietrich Reimer( Ernst kommen, den Glocke am Mittwoch der Vertrauensmänner- Ver- erklärten sich die Fahrstuhlarbeiter in einer Versammlung mit den Bossen), Berlin SW. 48, helmſtr. 20. fammlung des Holzarbeiter- Verbandes vorlegte. Als Obliegen bisherigen Vertragsabschlüssen, in denen im wesentlichen ihre heiten der Kommission find gedacht: 1. Regelung von Differenzen Forderungen anerkannt sind, einverstanden und beschlossen, auch bei zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, welche das Lohn- oder den übrigen Firmen in ähnlicher Weise vorzugehen. Arbeitsverhältnis betreffen. 2. Berhandlungen zum Bived der Herbeiführung eines Einverständnisses über die Art und Weise der Arbeitsvermittelung. 3. Herstellung eines Einvernehmens zwischen den Parteien bei Streitigkeiten von principieller Bedeutung. Die Kommission soll aus 14 Mitgliedern bestehen, die je zur Hälfte von den Arbeitgebern, bezw. Arbeitnehmern gewählt werden. Jede der beiden Parteien wählt aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden, die Leitung der Verhandlungen liegt in der Regel dem Vorsitzenden der Arbeitgeber ob. Unter den ersten Punkt der Aufgaben der Kommission fallen die sogenannten Werkstattdifferenzen. In dieser Hinsicht bestimmt die Geschäftsordnung: Wenn beim Eintritt von Differenzen die Kommission angerufen wird, so haben die beiderseitigen Organisationen ohne Verzug je einen Bevollmächtigten in die betreffende Werkstatt zu entfenden. Die Bevollmächtigten haben den Gegenstand der Differenzen zu prüfen und eine Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern anzustreben. Gelingt das nicht, so hat die Kommission mit möglichster Beschleunigung die Verhandlungen aufzunehmen, welche in der Regel an einem bestimmten Tage vorläufig Mittwochs stattfinden sollen. Zu diesen Verhandlungen können Sach- Achtung, Kürschner! Da bei der Firma H. Wolf, Burgstraße 29, verständige hinzugezogen werden. Bis zur endgültigen Beschluß- Lohndifferenzen in Aussicht sind, bitten wir den Zuzug fernzuhalten. fassung der Kommission darf die Arbeit nicht niedergelegt werden; Deutscher Kürschner- Verband. Zahlstelle Berlin. während dieser Zeit muß den an den Differenzen beteiligten Arbeitern, falls ihre Leistung die gleiche bleibt, das hisher bezogene Roftgeld weitergezahlt werden, und zwar auch in dem Falle, daß die Verhandlungen nicht zu einer Einigung führen. Maßregelungen oder Entlassungen dürfen während dieser Zeit nicht vorgenommen werden, ebenso find Neueinstellungen von Arbeitern zu vermeiden. Wenn die Kommission die Forderungen der Antrag fteller als berechtigt anerkennt, so treten die den Arbeitern etwa bewilligten höheren Löhne von dem Tage an in Kraft, wo die Vorverhandlungen der Bevollmächtigten begannen. Gelingt es ber Kommission nicht, eine Einigung der Parteien herbeizuführen oder einen endgültigen Beschluß hinsichtlich der vorliegenden Streitigkeiten zu faffen, so soll es den Parteien freistehen, nach ihrer Wahl entweder das Einigungsamt anzurufen oder sonstige ihnen geeignet erfcheinende Maßnahmen zu treffen. -Der dritte Punkt der Kommissionsaufgaben bezieht sich auf Aenderung der Arbeitszeit, Einführung von Tarifverträgen, Regelung der Koftgeldfrage fotvie der Lohnberhältnisse, Aufstellung von Werk statt- Drömungen und Regelung der allgemeinen Arbeitsbedingungen. Die geschäftliche Behandlung diefer Art von Streitigkeiten ist im allgemeinen dieselbe wie die zum ersten Buntt. Der Streit der Leitergerüstbauer bei der Firma Funk u. Co. ( Altmann), Charlottenburg, dauert fort. Die Firma sucht weiter von andren Firmen Streitarbeit machen zu lassen. Der Gerüstverleiher Baudach in Steglitz hatte es übernommen, für Funk u. Co. in der Dürerstraße in Groß- Lichterfelde ein Gerüst aufzustellen. Die dort Angstmeier. Ducke Dich, liebe Seele; es fommt ein Hagelwetter. beschäftigten Gerüstbauer hatten dies von gut unterrichteter Seite im Anfang 1392 M., nach vier Dienstjahren 1848 M., nach 23 Dienstjahren St. W. Ja. G. St. 80. Gehalt der Berliner Gemeindeschullehrer: erfahren und weigerten sich, Streitarbeit zu berrichten. Da eine 2900 M., Höchstgehalt( nach 31 Dienstjahren) 3600 m2. Das 25. Lebensjahr Einigung nicht erzielt werden konnte, legten diefelben gestern früh fann ungefähr dem vierten Dienstjahr entsprechen. 444. Nein. einmütig die Arbeit nieder, nur der Bolier blieb als Arbeitswilliger Bildhauer. Benden Sie sich mit Ihrem Anliegen an das Bureau der zurück. Da sich bis zur Mittagszeit weitere Arbeitswillige nicht stunstakademie zu Charlottenburg, Hardenbergstraße 4. Schleiers gefunden hatten, nahm Herr Baudach mit seinem Sohne selbst an macherstraße. Fragen Sie an im Textilarbeiter- Verband, hier, Andreas. der Aufrüstung teil. Jedoch tönnten einige Tage vergehen, ehe das ftraße 61. Triptis. Schlagen Sie im Kursbuch Ihres Bostamtes nach. Gerüst, welches von geübten Leuten in einem halben Tage auf- fich an die Redaktion der„ Sanitätswarte" hier, Neanderstr. 13. Boran II. Erhalten Sie als Drucksache. W. S. 3. Wenden Sie gestellt wird, fertiggestellt ist. Dadurch dürfte Herr Altmann in Nein.- P. S. 20. Fachmännische Auskunft burch Redaktion der deutschen A. J. größte Verlegenheit kommen. Gärtnerzeitung" hier Meterstr. 3. Frantiertes Couvert für Rüdantwort beilegen. D. D. Nein. R. O. 1. Nein. 2. Ja. 3. Nein. F. J. 100. Ein Problem für einen gewissenhaften Bogelhändler. 3. R. 100. Die Broschüre ist vollständig vergriffen. durch Zufalls- Stauf zu haben. 666. 1., 2. t. 3. Ja. 4., 5. u. 6. Nein. Papft. Die dreifache Papst. Die dreifache päpstliche Krone, die Triara. Seit 1885 beglückt Leopold II. die Belgier als König. Nordsee. Helgoland liegt in nordöstlicher Richtung von Norderney. Streitfall. Eure Perlen sollt Ihr nicht vor die Säue werfen. ( Matthäus 7, 6.) Weimar. Hamburg der Staat hat einen Flächenraum von 415 Quadratkilometer und umfaßt die Stadt mit 76,91 Quadrate filometer. Das Weichbild der Stadt Berlin hat 44,4 Kilometer Umfang, 63,49 Quadratkilometer Flächenraum. Boll- oder Haarhutfabrik erhalten. Pläge für Wollhutfabriken sind: Guben, R. Köpenick. Woll- oder Haarstaub( Bimsstaub) fann man in jeder Ludenwalde, Berlin, Neudamm 2c.; für Haarhutfabriken: Glogau, um, Altenburg, Homburg v. d. H. Den Berliner Gerüstbauern ist gegenüber etwaiger Streitarbeit die größte Vorsicht zu empfehlen. Handwerkskammer in Berlin. großen Sizungssaale des Provinziallandeshauses, hier W., Am Montag, den 25. April d. J., vormittags 10 Uhr, findet im Matthäikirchstr. 20/21, eine Vollversammlung der Handwerkskammer statt, zu welcher der Gesellenausschuß gemäß§ 23 des Statuts eingeladen ist. Die Mitglieder des Gesellenausschusses sowie die Ersatzmänner werden behufs Vorbesprechung ersucht, sich am Sonntag, ben 24. d. Mts., vormittags 10 Uhr im Gewerkschaftshaus, EngelUfer 15, einzufinden. Deutfches Reich. Cleopold. Juriftifcher Teil. Nur Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends bon 7 bis 9%, Uhr abends ftatt. Geöffnet: 7 Uhr. fann Sie auf Ihren Antrag von der Vormundschaft befreien.- S. S. 100. 2. M. 100. Das hängt von der Vereinbarung ab. 3ft nichts ver einbart, so ist die Antrittszeit des Gesindes in Berlin der Quartals erste 34 Maurer legten am Dienstag, den 12. April, in Merseburg( 1. April, 1. Juli usw.) und wenn die Antrittszeit hiernach auf einen Sonnbei zwei Firmen die Arbeit nieder, weil die gestellten Forderungen, oder Festtag fallen würde: der Werktag vorher. M. 23. 38. Den Ane zehnständige Arbeitszeit und 42 Pf. Stundenlohn, nicht bewilligt trag stellen Sie unter Mitnahme der Karten bei dem Magistrat, Abteilung wurden. Um letzten Dienstag, den 19., haben nun die Unternehmer für Invalidenversicherung.- 2. 98. Sie beantragen, die Konzession auch für die neuerbauten Räume zu erteilen. die bei ihnen beschäftigten Verbändler ausgesperrt. Ob Sie den Antrag als solchen Bei zwei auf Konzessionserweiterung oder als solchen auf Ronzession nennen, ist gleichweiteren Firmen sind die Forderungen jezt ebenfalls gestellt worden. gültig. Schöneberg. Ein Rechtsanspruch auf Schadensersatz besteht für solche in der Regel nicht, um bestimmte Antwort zu erhalten, sollten Von einer allgemeinen Anssperrung der Maurer hat der Arbeit genau den speciellen Fall schildern. Noter. Nein. Soweit ist zwischen den Vertretern des Holzarbeiter Berbandes geberbund für das Baugewerbe in Königsberg fugerweise.. Forderungen aus ärztlicher Behandlung verjähren in 2 Jahren und denen der Arbeitgeber ein Einverständnis erzielt worden. Abstand genommen. Der Bund fühlt, daß er den stramm organi- nach Ablauf des Jahres, in dem die Forderung entstanden ist. Aber von Dagegen ist hinsichtlich der Arbeitsvermittelung noch keine Ber- fierten Maurern nicht gewachsen ist. Dagegen will er Italiener feber unerkennung fängt die Frist von neuem ait. G. F. Das Gericht ständigung zu stande gekommen. Während die Arbeitgeber an dem nach Königsberg importieren. Schon am Dienstag follten 150 dieser Der Antrag ist an das Bolizeipräsidium zu richten. Militärpaptere find von ihnen eingerichteten Arbeitsnachweis der Innung festhalten, nüßlichen Leute eintreffen. Sie sind jedoch zum großen Schmerz der beizufügen. B. 1890. 1. Rein. 2. Unverständlich. 3. Nein.-H. W. 73. fordern die Vertreter des Holzarbeiter- Verbandes die Einrichtung Unternehmer ausgeblieben. Wahrscheinlich haben sie erfahren, daß Die Länge der Arbeitszeit hängt erwachsenen Männern gegenüber eines paritätischen Arbeitsnachweises. Glode bemerkte hierzu, in Königsberg gestreift wird. Inzwischen macht die Lohnbewegung von freier Vereinbarung ab; gefeßliche Marimalarbeitszeit besteht nicht. daß ohne die Erfüllung dieser Forderung eine dauernde Verständigung gute Fortschritte. 25 Unternehmer haben bewilligt. leber R. S. 80. 1-4. Benn Sie weder die Erbschaft ausgeschlagen, noch zwischen beiden Parteien nicht denkbar sei. Es werde deshalb noch- 21 Baugeschäfte ist bie Sperre verhängt worden. Ein die Erbschaft mit der Rechtswohlthat des Inventars angetreten, noch Nachlaßmals versucht werden, bei den weiteren Verhandlungen auch über eine Unternehmer hatten die Maurer am Mittwoch auf Tonkurs herbeigeführt haben, so haften Sie auch über die Höhe des NachBer behauptet laffes hinaus mit Ihrem Vermögen für die Schulden. diefen Punkt eine Vereinbarung im Sinne der Arbeiterforderung zu bas Gewerbegericht citiert. So wollte einer Schadensersatz Gläubiger au sein hat dies zu beweisen: jedes Beweismittel ist zulässig. haben, weil über seinen Bau die Sperre verhängt worden war. Er 5. Darlehen verjähren in 30 Jahren. 2. 19. In Deutschland wird die wurde jedoch abgewiesen. Einen andren Unternehmer mußten die Ehe ohne Unterschied der Religion getrennt. Den getrennten Ehegatten Maurer verklagen, weil er den Lohn einbehalten hatte. Er wurde steht es frei, sich abermals in dieselbe oder eine andre Ghe zu stürzen, falls verurteilt, den Lohn sofort auszuzahlen. Andre derartige Prozeffe fein Gheberbot vorliegt. Solch Cheverbot besteht für den des Chebruchs stehen noch in Aussicht. Da jedoch die ersten Attaden abgeschlagen schuldigen Gatten gegenüber seinem Mitschuldigen, falls wegen dieses Ehe find, so dürften auf diesem Felde die Unternehmer auch fein Glück bruchs die Ehe geschieden wird. Von diesem Eheverbot ist Dispens zulässig. E. 23. Der Antrag auf Bewilligung der Invalidenrente für Striegshaben. Immer wieder muß man bedenten, daß dieser Kampf nur teilnehmer ist in Berlin an das Polizeipräsidium zu richten. Ein geführt wird, um die Erfüllung eines Versprechens der Unternehmer Straßenabonnent. Für eine Darlehnstlage ist sowohl das Gericht zu au erfämpfen. ständig, an dem der Empfänger zur Zeit der Hergabe des Darlehns, als ber Drt, an dem er zur Zeit der Klageanstellung seinen Wohnsitz hat. erzielen. Die Bersammlung erklärte sich mit dem vorstehend bezeichneten Entwurf der Geschäftsordnung im Princip einverstanden, ein endgültiger Beschluß über dieselbe soll jedoch erst in der nächsten Bertrauensmänner- Versammlung gefaßt werden. Nachdem die Versammlung noch verschiedene geschäftliche Angelegenheiten erledigt hatte, wurde bestimmt, daß zur Maifeier am 1. Mai um 12 Uhr eine Versammlung in der„ Neuen Welt" abgehalten wird. Herren- Stoffe Verkauf direkt an Private! Die Lage der Bauhilfsarbeiter- Bewegung ist unverändert. Herrengarderobe Warum fertig kaufen? 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Nach der Geschäftsordnung werden die eingebrachten Interpellationen in der Sitzung„verlesen". Nun werden auch in nonnalen Zeiten im östreichischen Abgeordnetenhause in jeder Sitzung zwanzig bis vierzig Interpellationen eingebracht! nach längeren Ferien schwillt die tägliche Produktion bis zu siebzig, ja hundert Stück au. Was die Abgeordneten zu„fragen" haben? Fragen sind die Anfragen nun gewöhnlich nicht, vielniehr haben sie keinen andern Zweck als den der Demagogie. Wenn man schon garnichts thun kann fiir den Herrn Wähler, wenn die Sache bei Gericht oder bei der Verwaltungsbehörde gescheitert ist, so bringt man halt eine „Interpellation" ein; das kostet garnichts, nicht einmal Stempel, und den Wählern macht es doch Freude, lim die„Verlesung" dieses Haufen von Anfragen zu bewältigen— von denen manche oft zwanzig bis fünfzig Seiten des gedruckten Protokolls füllen— hilft man fich in normalen Zeiten damit, dah bloß das„Rubrum" verlesen wird; die Verlesung wird also fingiert. Wenn nun aber ein einziger Abgeordneter eS verlangt, muß die Be- stimmung der Geschäftsordnung sofort wirksam werden; die Verlesung muß also im Wortlaut erfolgen. Man kann also das Haus für vier, fünf Stunden todtmachen, indem mau die wörtliche Verlesung des„Einlaufes" begehrt; während der an- mutigen Beschäftigung kann man entweder beim Buffett lungern, oder kann auch einen längeren Spaziergang machen. Dazu kommt noch, daß man die Interpellationen ohne besondere Anstrengung recht umfänglich gestalten kaim. Man nimmt einfach ein konfisziertes Buch und„fragt", warum es verboten worden ist. Das Verbot kann auch ein Jahrzehnt alt sein, das macht nichts. In der vorigen Session wollten die Jungczechen die ganze„Rose Bemdt" vorlesen, obwohl das Haicptmannsche Drama gar nicht verboten ist, sondern nur vom Repertoir des Burgtheaters verbannt wurde. Dieser „Scherz" war aber selbst dem so gutmütigen Präsideuten Vetter zu arg und er ließ die Interpellation nicht zu; zumeist fteilich aus Rücksichten auf den Hof. Man kann aber auch ein dickes Manuskript nehmen und„fragen", ob es konfisziert werben würde, wenn eS gedruckt werden sollte; es geht alles. Wenn ein Fremder, unkundig der östreichischen Parlamcntssitten, an solchen Tagen ins Parlament käme— er wüßte buchstäblich nicht, ivas vorgeht. Der Schriftführer sitzt und bewegt zeitweilig die Lippen; ein artikuliertes Wort vernimmt man nicht. Nebst dem Mann, der„liest", und dem Manne, der auf dem Präsidentenstuhl schlummert, sind noch zwei, drei Abgeordnete an- wesend: die„Controllore", die aufpassen, daß von dem Wortlaut beileibe kein Wort ausgelassen wird. ES ist keine Verhandlung. keine Abstimmung, keine Unterbrechung auch— es ist nur Lange« weile. Aber die konzentriert nur ausgiebig; man gähnt schon beim Anschauen. So hat der vorige Sessionsabschnitt geendet, so hat der dies- malige heute begonnen: wie lange wird eS so gehen? Vielleicht eine Woche, vielleicht zwei; das ist noch nicht abzusehen. Die„ver- fassungsmäßige' Thätigkeit des Reichsrates besteht bekanntlich jetzt darin, dem 8 14, dein Verfassungsbruch, die Mauer zu machen. Bevor etwas mit den» Paragraphen verordnet werden kann, muß eS anstandshalber auf der Tagesordnung gestanden haben, und da in der voriger Session die theoretische Tagesordnung von dem Rekruten- gesetz occupiert war, mußte das Parlament noch einmal versammelt werden, damit auch das Budget auf der Tagesordnung gestanden habe— bevor es„mittels" des 8 14 verordnet werden wird. Nebst- dem fungiert das Parlament auch als Wahlkörper: es hat jede? Jahr die Delegationen zu wählen und(da die Quote seit Jahren nur immer für ein Jahr bestimmt wird) die sogenannte Quoten- deputation— die mit der entsprechenden ungarischen Abordnung über die Beiträge zu den gemeinsamen Ausgaben zu verhandeln hat, welche„Verhandlung" freilich immer damit endet, daß dieses Verhältnis der Beitragsleistungen subsidiär von der Krone bestimmt wird. Das ist in Wahrheit die einzige Thätigkeit, die der ReichSrat leistet und wo ihn der 8 14, trotz aller Interpretationen und Er- Weiterungen seiner„Kompetenz", nicht zu ersetzen vermag. Die Jungczechen machten vor Ostern Miene, auch diese letzte Parlaments- arbeit zu verhindern, wobei sie von dem hochmögeuden Polenklub ziemlich unverhohlen unterstützt worden sind. Infolge dessen hatte Herr v. Körber auf die Vornahme der Wahl verzichtet und sie wird jetzt zil liefern sein. Große Gefahr hat es mit der Obstruktion bei diesem Punkte nicht, da die Wahlen länderweise vor- genommen werden— mittels Abstimmung der Abgeordneten der einzelnen Kronländer— und überdies tradittonell in einer außer- ordentlichen Abeudfitzung. so ist mit den üblichen Obstruktionsscherzen da wenig auszurichten. Das ginge wirklich nur mit Gewalt— aber zu Obstruktionsstürmen ist die Langeweile die ungeeignetste Atmosphäre. Ueberdies würde daS eine Kriegserklärung an die Krone bedeuten— die in den„gemeinsamen" Angelegenheiten keinen Spaß verträgt und die den Versuch mit harter Ungunst ahnden würde. Aber auf alles verzichten die Herren Jungczechen eher, als auf die Gunst des KafferS, von dessen Wendungen sie immer träumen und auf dessen Gebelaune ihre Polittk nicht zum wenigsten ge- gründet ist. Kann also gar nichts geschehen, um daS Parlament aus dem Sumpfe herauszubringen, in dem eS nun rettungslos unterzugehen scheint? An Plänen fehll es wahrlich nicht. Der natürlichste Weg schiene doch, da an eine Ueberwindung der Obstruktion nicht zu denken ist, die Verständigung mit den Obstruttiouisten. Das wäre auch ein leichter Weg, wenn man es eben mit einer normalen Obstruktion zu thun hätte. Obstruttion ist gewöhnlich daS Bestreben, mittels der Behelfe der Geschäftsordnung den Willen der Mehrheit zu hemmen, die Gesetzwerdung irgend einer Borlage aufzuhalten. Davon ist bei der östreichischen Obstruktion keine Rede; schon des- halb nicht, weil die Dinge, welche die Obstruttion„aufhält", dann der 8 14 macht, die Obstruktton also auch formell wirkungslos bleibt. Die Jungczechen treiben keine Obstruktion, um etwas zu verhindern, sondern um etwas zu erreichen: eine nationale Konzession; und so besteht ihre Tattik darin, den Staat, der ihnen die nattonale Eroberung versagt. in Ungelegenheiten und Schwierigkeiten zu versetzen, welche den Druck darstellen sollen. von dem jene geheischte Erfüllung die einzige Befreiung bietet. Die nationale Konzession, welche die Jungczechen begehren, ist zweierlei Art: erstens eine Erweiterung ihrer sprachlichen Rechte bei den staatlichen Behörden in den Sudetenländem sdaß in den czechischen Gebieten die czechische Sprache auch im inneren Dienst der Behörden verwendet werden soll) und zweitens die Errichtung einer zweiten czechischen Universität, als deren Standort sie dieZmährische Landeshauptstadt, das vorwiegend deutsche Brünn, nennen. Es ist einleuchtend, daß den Czecheu nur gegeben werden kann, wenn den Deutschen genommen wird, daß also die Regierung nur bewilligen kann, was die Deutschen zugestehen; über die Köpfe der Deutschen zu bewilligen, bedeutete nichts andres. als die deutsche Obstruktion für die czechische einzutauschen. Bisher haben sich die Deutschen gegen jedes einseittge Zugeständnis beharrlich ge- wehrt und wollen sich zu der traditionellen Aufgabe nicht mehr hergeben, aus ihrem Besitzstande die Ansprüche der Slaven ohne entsprechende Gegenleistung zu befriedigen. Die Gegenleistung, welche die Czecheu leisten können und leisten müssen, wenn es zu einem halbwegs erttäglichen Nebeneinanderleben der beiden Nationali- täten kommen soll, ist die Anbahnung einer administrativen Teilung Böhmens, einer Loslösung des deutschen Gebietes von dem czechischen Stammlande— welche Forderung freilich bisher an der czechischen Ideologie von der Einheit und Unteilbarkeit des„glorreichen König- reiches" eine unerbittliche Gegnerschaft gefunden hat. Trotzdem wird im Parlament zur Zeit an der„Verständigung" gearbeitet, für welche sich die Polen als ehrliche Makler angeboten haben. Aber vorläufig ist es ganz ungewiß, ob es überhaupt zu Verhandlungen kommen wird, geschweige denn, daß sich irgend ein positives Ergebnis voraussagen ließe. Der andre Plan ist die Ersetzung der ObstruttionS-Geschäfts« ordnung durch eine andre, welche obstrukttonistische Mttel ausschließt. Darüber liegt aus dem Talent des deutschen Abgeordneten Grab- mayer ein ausgearbeitetes Operat vor, das zwar ein Muster alberner Gedankenlosigkeit ist— reduciert es doch beispielsweise die drei Lesungen, die eine Vorlage bisher auch in Oestreich zu passieren hatte, auf eine!— und in jedem Hause, das auf seine Würde bedacht ist, nur Hohngelächter Ivecken würde, durch die bescheidene Leistung, daß es die Obsttuttionsbehelfe einschräntt, jedoch zu einem unbegreiflichen Ruhme gelangt ist. ES entspricht auch der ererbten östteichischen Denkfaulheit, eine organische Krankheit— und das ist die endlose parlamentarische Krise jedenfalls— durch mechanische Hilfsmittel ausmerzen zu wollen, und so ist diese nun anderthalb Jahre alte„Reform" das Sehnsuchtsziel aller derer im Abgeordneten- hause, die das Privilegienparlament vor dem Verfalle retten möchten. Sicherlich Ivird es auch diesmal nicht an Versuchen fehlen, die Reform durchzubriugen,— ein Versuch, an dem sich wunderlicher- weise am leidenschaftlichsten die Obstrukttonisten selbst beteiligen, der aber bisher immer durch den entschiedenen Einspruch der Social- demokraten gescheitert ist. Ob diese Session, wie man allgemein glaubt, bald zu Ende sein und das Parlament heimgeschickt tverden wird, wird sich rasch zeigen. Möglich ist das blamable Fiasko gewiß, aber überraschend wäre es denn doch nicht, wenn sich die Privi- legierten um ihr Besitztum zu wehren beginnen würden. Daß die Socialdemokratte keine» Finger rühren kann, um das Unrechts- Parlament vorm Tode zu bewahren, vielmehr alles thun muß, seinen Untergang zu beschleunigen, das ist freilich selbstverständlich und danach werden ihre Abgeordneten sicherlich handeln. Aus Wien wird uns vom 20. April geschrieben: Kaiser Franz Joseph und der Herr Graf T i S z a sind um den Effekt eines Theatercoups gekommen, von welchem sich die ungarische Regierung offenbar sehr viel versprochen hatte. Gestern wurde nämlich ge- meldet, das Amtsblatt werde heute ein„allerhöchstes Handschreiben" an den Ministerpräsidenten veröffentlichen, in welchen: dieser an- gewiesen wird, sich mit der Frage der Rückbeförderung der„Asche" von Franz Rukoczy II. zu„befassen". Das ist jener ungarische Nattonalheld, der den Krieg gegen Habsburg zuerst so glücklich führte, daß er auf dem Onoder Reichstag vom Jahre 1707 den Kaiser Joseph I. absetzen lassen konnte, der aber zum Schluß von dem unter Wiens Waffen stehenden Reichstage von Szathmar geächtet und landflüchttg in der Türkei sterben mußte. Mit der allerueuesten nationalen Errungenschast hoffte Graf TiSza heute im Abgeordnetenhause zu prunken, aber der gestern abend ausgebrochene Eisen- bahnerstreik hat alle die schönen Hoffnungen zu Nichte gemacht und in der Sitzung hallte es von Verwünschungen eines Regierungs- shstems, das fich als unvermögend erweist, die gewöhnliche Ordnung des Staates aufrecht zu halten. In Wahrheit ist dieser Streik eine ungeheure Blamage Ungarns, dessen herrschende Oligarchie sich in schamloser Weise bereichert, die arbeitende Klaffe aber im gräßlichsten Elend hungern läßt. Es ist eine Auflehnung der Beamten; Beamte aller Grade sind die wirkende Kraft in dieser Arbeitseinstellung, die ohne Verabredung und ohne Organisation, in einer Macht auf allen Puntten des riesigen Staatsbetriebes durchgesetzt wurde. Man geht nicht zu weit, wenn mau sagt, daß sich die Beamten des exponiertesten Betriebes in vollster Empörung gegen den Staat befinden— den Staat, dem sie sonst nattonal und social mit loyalster Hingebung angehören. Wie der Streik aus- fallen wird, ist im Augenblick nicht abzusehen; daß er von dem gleißenden Bild des Ungarstaates die Maske abreißt, wird in Budapest bitter und lange empfunden werden. Die Reform des Gemeindemohlrechts und das Charlottenburger Stadtpartameut. Zu principiellen Auseinandeirsetzungen zwischen den Social- demokraten und den Liberalen kam es an: Mittwoch in der Charlotten- burger Stadtverordneten-Versammlung aus Anlaß des Antrag Dr. Borchardt(Soc.) und Genoffen, betreffend die Einleitung von Schritten zum Ersatz des Dreittassenwahlsystems durch das allgemeine, gleiche, direkte und ge- Heime Wahlrecht unter Aufhebung des Privilegs der Grmidbesitzer. Zur Begründung führte Stadtv. Dr. B orchardt aus, daß der socialdemokratische Antrag nicht etwa einem agitatorischen Bedürfnisse entspringe. Zwar erblickten seine Freunde darin keinen Borwurf, denn eine wirkliche Volkspartei habe die natürliche Pflicht, die Iveitesten Volkskreise über ihre Ziele aufzuklären und propagandistisch und agitatorisch auf sie einzuwirken. Aber in Bezug auf das Wahlrecht die Stellung der Socialdemottaten allgemein bekannt; es komme darauf an. die Reform des Beschlusses praktisch in Angriff zu nehmen. und nicht nur die Reform des Wahlrechts, sondern mich die schon längst notwendige Revision der Städteordnung in Fluß zu bringen. Indem die Antragsteller die Frage des Wahlrechts herausgreifen, geben sie lediglich einen Wegweiser, in welcher Richtung die Revision vorzunehmen sei. nämlich in der einer Ausdehnung oder richtiger, überhaupt erst einer Herbeiführung einer kommunalen Selbstverwal- wng. Auch die beschräntte gegcrnvärttg bestehende Selbstverwaltung sei nur eine solche der Besitzenden; von den 32 74S Charlottenburger Wählern haben 545 ein Drittel, weitere 3942 wiederum ein Drittel, also 4487 Wähler zusammen 48 und der Rest von 28 259 Wählern nur 24 Stadtverordnete zu wählen. Von einer Selbswerwaltung der Volksangelegenheiten durch die Volksmassen könne hierbei keine Rede sein. Der Einwand, daß die Bevorrechtigten auch den Hauptanteil der Steuern aufbringen und deshalb mehr Recht haben müssen, sei in keiner Wesse stichhaltig; denn durch Steuern werde überhaupt nur wenig mehr als die Hälfte der städtischen Bedürfnisse gedeckt. Auch würden die Steuern von den reichen Leuten doch nur bezahlt aus Grund der Arbeit der Volksmassen; der Besitzer von Hypotheken z. B. aus Grundstücke, die in Berlin oder Paris liegen, oder der Besitzer von Aktien ausländischer Unternehmungen, etwa von Straßenbahnen in Argentinien, lebe von der Arbeit der dortigen Volksmassen, und auf Grund dieser Thatsache solle er auf die Angelegenheiten der Charlottenburger Einwohner einen größeren Einfluß ausüben, als diese selbst? Die Äulturentwicklung sei von der Sklaverei zu immer stärkerer Selbständigkeit der Massen gegangen, und in dieser Richtung müsse sie auch Wetter gehen, oder wir haben überhaupt keinen Kultur- fortschritt, sondern Rückschritt. Ter geringe Einfluß, den die Wähler« massen auf die Zusammensetzung der Stadtverordneten-Versammlung haben, iverde noch mehr beschränkt durch das Privileg der Grundbesitzer. die Hälfte der Versammlung zu besetzen. Diese Einrichtung, die vor 199 Jahren vielleicht einen Fortschritt bedeutete.— auch das litt» sinnigste ist seinerzeit einmal vernünftig gewesen— sichere jetzt in der Vertretung der Wähler die Majorität einer Erwerbsklaffe. deren Interesse, nämlich Erhöhung der Rente, dem Interesse der Wähler- massen direkt entgegengesetzt sei. Allerdings gebe es im Volke der Denker und Dichter auch ideal gesinnte Grundbesitzer, die das Person« liche Interesse hinter das der Allgemeinheit zurückstellen, und sich der socialdemokrattschen Partei mtschlicßen; aber naturgemäß sei da? unter der an sich schon geringen Zahl von Grundbesitzern eine ver- schwindende Minorität. Wir leiden in Preußen unter emer namen- losen, junkerlich-pfäffischen Reattion. Der Ansturm gegen diese müsse von den fortgeschrittenen großen Städten ausgehen. Hier müßten sich die Wähler zusammonschlietzen, um Front zu machen nicht nur gegen die feudalen Vorrechte des Junkertums, sondern auch gegen die Auf- rechtcrhaltung jeder Privilcgienwirtschaft überhaupt. Hoffentlich sei in Charlottenburg dieser Geist des Forsschritts auch bei den Bevor- rechteten. Privilegierten, lebendig. Die Mehrheit würde das be- zeugen, wenn sie den Antrag einsttmmig annehmen würde.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Als einziger Redner der bürgerlichen Parteien ergriff Stadtv. Dr. Crüger, der bekannte Anwalt der Hirsch-Dunckerschen Genossenschaften, daS Wort, um in Erwiderung auf die rein sachlichen Ausführungen unsres Genossen sich in unangebrachten und unberechttaten Angriffen auf die Socialdemokratte zu ergehen. Der liberale Herr warf der socialdemokratischen Fraktion wahlagitatorische Manöver vor; sie habe den Antrag nur gestellt, um auf Jahre hinaus ihre Agitatton und Propaganda betreiben zu können. Daß das Wahlrecht reform« bedürftig sei, erkenne er an, er und seine Freunde könnten sich aber der Kennzeichnung der Hausbesitzer durch Dr. Borchardt nicht an« schließen; sie seien Gegner der öffentlichen Abstimmung und Gegner des Dreittassenwahlsystems, aber niemals würden sie berett sein. das Reichstagswahlrecht den Kommunalwahlen zu Grunde zu legen. Den Zusammenhang zwischen Wahlrecht und Selbstverwaltung könne er nicht anerkennen, denn bei der Selbswerwaltung handle es sich im wesentlichen darum, daß die Kommunen Herren im eignen Hause bleiben und ihnen die Regierung möglichst wenig hineinredet. Nach der Begründung durch Dr. Borchardt könne seine Fraktion den Antrag unmöglich annehmen, er empfehle aber nicht pure Ablehnung. sondern Kommissionsberatung. Das werde eine nette Ferienarbeit abgeben.(Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Kaum hatte Dr. Crüger seine Rede beendet, als der Vorsteher verkündete, daß sich niemand weiter zum Wort gemeldet habe und die Debatte daher geschlossen sei. Es erhielt nur noch Stadtv. Hirsch(Soc.) als Mitantragsteller das Schlußwort. Genosse Hirsch wandte sich zunächst gegen diejenigen bürgerlichen Fraktionen, die es nicht ein- mal für nötig befunden hatten, zu dem Antrage das Wort zu er» greifen, um sodann gründlich mit Herrn Dr. Crüger und den Liberalen abzurechnen. Als er die KampfeSwcise des Stadw. Dr. Crüger, den Socialdemokraten trotz ausdrücklicher Verwahrung falsch Motive unterzulegen, als eine nicht anständige bezeichnete. zog er sich eine Rüge des Vorsitzenden zu. Redner setzte auseinander, daß die Socialdemokraten nich nötig hätten, nach AgttattonSstoff zu suchen, da die bürgerlichen Parteien solchen in überreichlicht Menge fchafften. Statt Borwüsse gegen die Socialdemokraten zu erheben. sollten die Liberalen sich an die eigne Nase fassen und sich an ihre Agitattonsmanöver bei der Sttchwahl im 7. Bezirk erinnern, wo sie, um ein Mandat zu ergattern, sich um den letzten Rest ihrer politisch» Ehre gebrach hätten.(Der Vorsteher ruft den Redner wegen dieser Aeußerung zur O r d n u n g.) Herr Dr. Crüger sprech von Selbstverwaltung, aber er verstehe darunter lediglich die Selbst» Verwaltung der Privilegierten; die Masse der Wähler wolle er davon ausnehmen. Nicht einmal das Vorrecht der Hausbesitzer sei Herr Dr. Crüger zu opfern berett. Andre Liberale hätten das Privileg ensschieden bekämpft, z. B. der frühere Oberbürgermeister Dr.Miquel. (Ruf bei den Liberalen: War der liberal?)— Miguel war damals liberaler als die heutigen Liberalen in Charlollenburg. (Unruhe bei den Liberalen.) Auch Dr. Jasttow, ja selbst Eugen Richter hätten sich scharf gegen das HauSbcsitzcrprivileg ausgesprochen. 1875 sei auch die preußisch Regierung bereit gewesen, es preis» zugeben; heute wolle sie es aus Furcht vor dein. Eindringen der Socialdemokraten in die Gemeindevertretungen verweigern. Die Furcht vor der Socialdemokratte sei auch für den Vorredner das Leit« motiv gewesen; die Herren wollen eben nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Er beantrage, den Antrag Borchardt einem Ausschuß zu überweisen, aber nicht, um ihn dort zu begraben, sondern um ernst zu arbeiten an der Besettigung eines Wahlsystems, das die Hersschaft in den Gemeinde» einer Handvoll Besitzender auf Gnade und Ungnade ausliefert.(Beifall bei den Socialdemokraten) Nach persönlichen Auseinandersetzungen zwischn den Stadt- verordneten Dr. Crüger, Dr. Spiegel(liberal) und Hirsch wurde AuSschußberatung beschlossen. Warten wir ab. was dabei hevauskommtl_ Berliner partel-Hngelegenbeiten. Nieder-Schöneweide. Sonnabend, den 23. Apssl, abends S>/, Uhr. bei Franz, Grünauerstt. 5: Versammlung deS Wahlvereins. KönigS-Wusterhausen. Sonntag ftüh 7 Uhr findet eine Flug« blattverbreitung statt, zu welcher die Mitglieder pünktlich im BereürSlokale SiegeSkranz bei Lange anwesend fem wollen. Tegel und Borsigwalde. Montagabend 8>/z Uhr findet in Trapp« Festsälen eine Volksversammlung statt, in der Reichstags- abgeordneter Z u b e i l über den„Kampf gegen die Sossaldemo« kratie" spsscht. Eine Flugblattberbreitung erfolgt Sonn- tag ftüh 3 Uhr von den bekannten Stellen aus. Zahlreiche Beteiligung ist geboten. fernsdoss. Sonntag hält der Wahlverein seine Mitglieder- ammlung ab. Die Maifeier findet acht Tage darauf bei Knorr statt. Zahlreiche Beteiligung wird für beide Sonntage erwartet. Lokales. Au» der Stadwerordneien-Bersammlung. In der gestssgen Sitzung der Stadtverordneten kam eS nach langer Zett wieder eimnal zu einer großen Debatte über die Sin» gemeindungsfrage. Der bekannte Antrag Preuß, der Berlin mit den Vororten wenigstens so weit„unter einen Hut bringen" will, daß fie gemeinsame kommunale Interessen fortan gemeinsam zu fördern suchen, hatte in einem Ausschuß keine Mehr« heit gefunden. Herr Preuß hatte gestern im Plenum diesen Auttag erneuert. Daneven empfahl ein Antrag Singer, mit den Vorortgemeinden erst einmal Verhandlungen darüber anzuknüpfen. ob und wie sie eine gemeindliche Gesamtorganisation zu dem im Antrag Preuß bezeichneten Zweck schaffen wollen. Herr P r e u ß(Soc.-Fortschr.) verteidigte seine Sache mit Eifer und Geschick, aber im Rate der Mehrheitsfrakrionen war es beschlossen, sich starr ablehnend zu verhalten. Ans der Mitte der Gegner erhob sich Herr Haberland(Alte Linke), um zwar gegen den Preustschen Vorschlag zu sprechen, aber gleichzeitig mit großer Wärme für den Eingemeindungsgcdanken einzutreten. Herr Haberland hat bereits früher gezeigt, daß er in diesem Punkte von seinen Freunden abweicht. Unser Genosse Singer stellte fest, daß wenigstens einer in den Mehrheitsfraktionen ist, der ein Empfinden hat für die Aufgabe, die der Berliner Gemeindeverwaltung durch die Eingemeindungsfrage gestellt ist. Singer geißelte dann nach Gebühr die Haltung, die der Magistrat zu dieser Frage bisher eingenommen hat, die Entsagungspolitik, die er gegenüber der ablehnenden Regierung befolgt hat, die Passivität, in der er verharrt und durch die er denjenigen Stellen noch Vorschub leistet, die die Eingemeindung nicht wünschen. P r i n c i p i e l l forderte unser Redner die Eingemeindung. Im gegenwärtigen Augenblick aber solle man wenigstens dem Vorschlag Preutz Beachtung schenken und zu diesem Zweck zunächst Fühlung mit den Vorort' gemeinden suchen. Oberbürgermeister K i r s ch n e r antwortete mit einer Rede. deren Inhalt wieder nur auf jene Entsagungspolitik binauslief. Für später will auch er mehr, als was vorläufig von Singer und Preuß gefordert wird. Auch er will, wie diese, die Eingemeindung aber vorläufig will e r— gar nichts.„E r k a n n warten!" rief ein Spötter dazwischen, und Herr Kirschner bestätigte nachher, daß er in der That warten kann und warten will. Er will sich bescheiden gc- dulden, bis ihm schließlich die Regierung von felber kommt und die Eingemeindung fordert. Er schloß seine Rede mit dem Wort „Vorgethan und nachbedacht hat manchem schon groß Leid gebracht." Eine billige Weisheit, bei der schon mancher versauert ist! Nach Herrn Kirschner sprachen noch Mommsen und Cassel, beide im Sinne der Kirschnerschen Politik des Hoffens und Harrens. Herr Cassel wehrte sich gegen den Vorwurf, daß ihm und seinen Freunden der„Wille zur Macht" fehle und verfiel dabei in einen' Ton des Bramabarsierens, der geradezu komisch war. Berlin kann ruhig weiterschlafen— Herr Cassel wacht und wird dafür sorgen, daß„die Blüte Berlins nicht sinkt". Nachdem Preutz seinen Antrag zu Gunsten des Antrags Singer zurückgezogen hatte, wurde dieser in namentlicher Ab- stimmung mit 63 gegen 19 Stimmen abgelehnt. Magistrat und Stadtverordneten-Mehrheit werden nun unter Kirschners und Cassels Führung weiter warten. Da werden sie vielleicht„lange warten können". Aus der Verwaltung, für die Fischveck„der Richtige" ist. Ueber Zustände und Vorgänge im städtischen Obdach, dessen Verwaltung nach Oberbürgermeister Kirschners unerforschlichem Rat- schluß den Stadtrat F i s ch b e ck zum Vorsitzenden und Leiter hat, bringt die bürgerliche Presse von Zeit zu Zeit ganz eigenartige Nachrichten. Wenn aus dem Rathause durch den Berichterstatter des Magistrats die übliche Notiz über die Obdachfrequenz des letzten Monats versandt wird, dann fehlt ihr selten ein mehr oder weniger deutlicher Hinweis darauf, daß es vielen Besuchern des Obdachs gar nicht so schlecht geht, und daß die Wohlthaten dieser Anstalt in unverschämter Weise gemißbraucht werden. Auch die kürzlich ver- sandte Notiz über die Frequenz des März ist wieder in ähnlichem Ton gehalten. Es finden sich immer noch Blätter, die diese Auslassungen ihren Lesern mitteilen zu sollen glauben. Manchmal wird dann auch noch geschildert, was für eine verkommene Gesellschaft sich allabendlich draußen in der Fröbelstraße zusammenfindet, wie frech die Obdachsuchenden dort auftreten, wie un- botmäßig sie sich gegenüber dem Personal desObdachs benehmen und so weiter. Dagegen sucht man in diesen Nachrichten vergeblich nach einem Wort des Mitleids mit den Hunderten und Tausenden, die nicht der Uebermut, sondern bittere Not in diese wirklich nicht paradiesische Zufluchtsstätte des Elends hineintreibt. Solche Art der Berichterstattung über das Obdach der Stadt Berlin ist erst üblich geworden, seit Herr Fischbeck in der Fröbel straße das Scepter schwingt. Sie entspricht aber ganz den An schauungen dieses Herrn. Stadtrat Fischbeck, Decernent für das Obdach und auch für das Arbeitshaus, besitzt nicht die Spur eines Verständnisses für die Lage seiner Schützlinge. Wie er selber sein Amt auffaßt, das hat er vor einigen Wochen in der Stadt- verordneten-Versammlung mit verblüffender Offenheit zu erkennen gegeben. Bei der Beratung des Etats der ihm anvertrauten Anstalten äußerte er sich über deren Insassen in einer Weise, wie es ungefähr ein Polizeiwachtmeister oder ein Gefängnisaufseher thun würde. Dabei suchte er jeden, der für Obdachlose und Arbeitshäuslinge etwas andres als Verachtung übrig hatte, nach Kräften herabzusetzen, die socialdemokratischen Stadtverordneten nicht minder als den„Vorwärts". Selten hat ein Vertreter des freisinnigen Berliner Magistrats so rückhaltlos bekannt, daß diese Körperschaft bar ist alles socialen Empfindens; selten hat die freisinnige Mehrheit der Berliner Stadtverordneten- Versammlung, die ihm zujubelte, so brutal bestätigt, daß sie aus gleichem Holze geschnitzt ist. Von socialdemokratischer Seite wurde darauf hingewiesen, daß der Oberbürgermeister keine besonders glückliche Hand gehabt habe, als er einen Mann mit solchen An- schauungen zum Leiter der Verwaltung des Obdachs und des Arbeitshauses machte. Aber der Oberbürgermeister erwiderte, Herr Fischbeck scheine ihm„gerade der Richtige" zu sein. Der Oberbürgermeister hat sich einverstanden erklart mit dem Auftreten Fischbecks des Richtigen. Billigt er auch den Ton, in dem über die Verwaltung des Herrn Fischbeck an die Presse berichtet wird? Wir müssen das annehmen; denn der Berichterstatter des Magistrats wird sich schwerlich dazu herbeilassen, etwas zu verbreiten. wovon er nicht voraussetzen darf, daß es„oben" genehm ist. Wir begreifen aber— offen gestanden— nicht, wie man im Magistrats- kollegium es als vereinbar mit der Würde der Gemeindeverwaltung erachten kann, daß in den vom Rathause aus an die Presse ver- sandten halbamtlichen Notizen über eine städtische Anstalt fort und fort auf die Insassen dieser Anstalt gescholten wird. Dieses Ver- fahren wird allerdings nur bei einem einzigen der slädtqchen Ver- waltungszweige geübt— eben bei demjenigen, für den Herr Fisch- b e ck„gerade der Richtige" ist._ Berlin und die Vororte. Dr. Preuß und Genossen haben bei der Stadtverordneten-Versammlung folgenden Antrag eingebracht: Wir beantragen unter Ablehnung des Ausschutzantrages süber den mehrfach berichtet worden ist) den Antrag Preuß und Genossen vom 8 September v. I. anzunehmen. Unser Parteigenosse Stadt- verordneter Singer hat dazu folgenden Antrag eingereicht:„Die Versammlung wolle beschließen: Die Versammlung ersucht den Magistrat, unter Zuziehung von Mitgliedern der Stadtverordneten- Versammlung mit Vertretern der Vorortsgemeinden Verhandlungen darüber zu führen, ob und auf welche Weise eine gemeindliche Gesamtorganisation Berlins und der Vororte zur Forderung und zum Ausgleich gemeinsamer koinmunaler Interessen zu schaffen ist. Die angekündigte Konferenz, die gestern im Rathause zwischen Vertretern Berlins. Reinickendorfs. Pankows und Nieder- Schönhausens stattgefunden hat, dürfte Früchte tragen. Es w,rd uns darüber mitgeteilt: Der Pankower Holzweg, der setzt ,m Bogen den nördlichsten Teil von Berlin begrenzt und die Kolon, estraße schneidet, soll auf Antrag der Adjacenten und der Gemeinde Remickendorf in gerader Linie nach der Panke-Brucke ,n Pankow verlegt werden. Da an dieser Stelle die Gemeindegrenzen von Berlin. Reinickendorf, Rieder-Schönhausen und Pankow zusammentreffen, so werden durch die Geradelegung der Straßen Aenderungen der Gemeindegrenzen erforderlich. Man einigte sich hierüber und auch über die Festsetzung der Baufluchtlinien und über die Unterhaltung! Pflicht der Straße. Ein socialistisches Montagsblatt. Genosse Ed. Bern st ei teilt uns mit, daß er vom 2. Mai ab ein Montagsblatt erscheinen lassen wird, das den Titel tragen soll:„Das Neue Montagsblatt Berliner socialistische Montagsschau". Das Blatt soll sich nicht nur durch seine Tendenz, sondern auch durch verschiedene eigene Rubriken von den zur Zeit in Berlin veröffentlichten Montagsblättern unter scheiden. Es wird im Einzelvertrieb zu 5 Pfennig pro Exemplar verkauft werden. Die beiden städtische» Haiidwcrkerschulcn haben das Winterhalb jähr IgvSM mit nahezu 5000 Schülern abgeschlossen. Die erste Schule(Lindenstraße) wurde von 2514 Schülern besucht, die zweite (Stralauer Platz! hatte es bis ans 2465 gebracht. Die erste Hand Werkerschule, im Jahre 1830 eröffnet, war bezüglich der Höhe ihrer Schnlerzahl schon seit mehreren Jahren an der Grenze der Leistungs fähigkeit angelangt. Trotz aller Bemühungen, die Untcrrichtsräume imnier wieder noch zu vermehren, hatten schließlich viele An Meldungen zurückgewiesen werden müssen. Die zweite Handwerker- schule besteht erst seit 1892, komnit aber der ersten Schule bereits jetzt an Schiilerzahl fast gleich. Besonders seit der Vollendung ihres nenen großen Schulhauses am Stralauer Platz hat sie einen bedeutenden Zuwachs an Schülern gehabt, so daß durch sie die Schule in der Lindenstratze etwas entlastet worden ist. In den letzten vier Winterhalbjahren hatte die erste Schule 2597, 2637, 2485, 2514 Schüler, hier ist also eine kleine Ver Minderung eingetreten. Die zweite Schule hatte in denselben vier Winterhalbjahren 1641, 1841, 2028, 2465 Schüler, nnthin ist in dieser Zeit ihre Besuchsziffer um genau 50 Proz. gestiegen. Im Sommer pflegt die Schülerzahl sich zu verringern, aber im kom- menden Winterhalbjahr dürfte sie für beide Schulen zusammen da fünfte Tausend zum erstenmal und erheblich überschreiten. Die junge Schule am Stralauer Platz wird dann die stärkstbesnchte sein. Sie ist so groß angelegt, daß sie noch viel mehr Schüler auf nehmen kann. Eine Polizeivcrordliunq, welche angeblich die Auswüchse da Straßen Handels beseitigen, thatsächlich diesen Handel aber unmöglich machen sollte, ist seiner Zeit von der Stadtverordneten- Versammlung abgelehnt worden. Jetzt hat das Polizeipräsidium einen neuen Entwurf ausgearbeitet, der angeblich den Wünschen der Stadtverordneten-Versammlung Rechnung trägt. Dieser Entwurf ist jetzt den städtischen Behörden vorgelegt worden. Die neueste Rettung des Staates. In der Wohnung des Leiters der bekannten Volkssänger-Gesellschaft Lewandowsky erschienen etliche Kriminalbeamte, um im Austrage der Staatsanwaltschaft nach dem Bändchen der„politisch-satyrischen Kouplets" zu haussuchen. Die Beamten beschlagnahmten etwa 700 Exemplare der Druckschrift. „Wider die Pfaffenherrschaft", Kulturbilder aus den Religions kämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts. Von diesem von unsrem Parteiverlage herausgegebenen Lieferungswerk ist soeben das zweite Heft erschienen. Es beginnt mit dem zweiten Kapitel:„Von der Revolution zur Weltherrschaft", das behandelt: Die Urchristen.— Die urchristlich-kommunistischen Gemeinden.— Christliche Agitation im Römcrreiche.— Christenverfolgnngen.— Der Sieg über das Römertum.— Kaiser Konstantin und die christliche Kirche.— Ausbreitung des Christentums unter den Barbarenvölkern.— Die Völkerwanderung.— Grausames Blutvergießen durch das Christentum.— Die Entwicklung des Klerus und seine Vernichtung der kommunistischen und demokratischen Verfassung der Gemeinden.— Die Kirche.— Das Recht der Schenkungsannahme, die Ursache des Reichtums des Klerus.— Entwicklung des Papsttums.— Die Weltpolitik des Papsttums:— Die Kreuzzüge.— Der Kirchenstaat.— Von den Illustrationen dieses Heftes nennen wir:„Die Martern des heiligen Stephan", nach einem unbekannten Meister;„Karl der Große und seine vier Frauen" und„Die Martern der ersten Christen unter Kaiser Nero nach einem Holzschnitt von Albrecht Dürer.— Jedes Heft kostet 20 Pfennige und ist jedem Genossen zu abonnieren empfohlen. Jede Parteibuchhandlung und jeder Kolporteur liefert die Hefte, die in Berlin in sämtlichen Parteispeditionen zu haben sind. Ueber Schutzmannsnot wird geschrieben: Der Mannschaftsbestand ür den Straßendienst soll eigentlich 4047 betragen. Daran fehlen augenblicklich über tausend Mann. Dreihundert Leute sind ohne Gehalt beurlaubt, das heißt sie arbeiten auf Probe bei andern Behörden, um später zu diesen überzutreten. Ferner sind 91 Mann nach Werften abkommandiert. Endlich sind gegenwärtig fünfhundert Mann krank. Der neue Zugang ist diesmal verschwindend klein. Während sich ftüher bei jedem Termine aus allen Truppenteilen der Garde und der Linie, von allen Waffengattungen bis zu hundert zwanzig Unteroffiziere zum Eintritt in die Schutzmannschaft meldeten, kamen jetzt nur acht. An diesen üblen Zuständen ist zum Teil die ganze Organisation der Schutzmannschaft schuld. Denn die Disciplin ist kaum milder als die militärische, das Einkommen aber nicht so hoch, daß es zum Uebertritt reizen könnte. Bevor nicht eine wesentliche Verbesserung der allgemeinen Lage dieser Beamtenklasse eintritt, wird der Mangel an Schutzleuten nicht ge- hoben werden können. Dem erwähnten Mangel ließe sich am Ende abhelfen, wenn die Beamten der politischen Polizei nützlicherer Thätigkeit zu- geführt würden. Die politische Abteilung des Polizeipräsidiums be- teht immer noch, trotzdem der Tauschprozeß und andre Skandalfälle zezeigt haben, daß diese Einrichtung für den Staat, geschweige denn iir die Staatsbürger, nur einen sehr problematischen Wert hat. Wenn außerdem noch die ebenfalls ziemlich zwecklose Ueberwachung von Arbeiterversammlungen aufhörte, würde der wirkliche Sicherheitsdienst immerhin regelrecht funktionieren können. Womit gar nicht geleugnet sein soll, daß die Lage der Schutzleute sehr ver- besserungsbedürftig ist. Die Allgemeine Berliner Omuibus-Aktien-Gescllschaft führt zur eit eine umfassende Vennehrung ihres Wagenbestandes durch. ichon zu Ende des vergangenen Jahres ivurden 72 neue Einspänner- Omnibusse angeschafft. Außer den Anschaffungen im ersten Viertel dieses Jahres wurden mit der Einführung des neuen Sommer- ahrplans am 1. d. Ms. nicht weniger als 53 neue Omnibusse in Dienst gestellt. Weitere 50 Wagen sind bestellt und werden zum Teil noch in diesem Monat, zum Teil im Laufe des Monats Mai in Benutzung genommen werden können. Die Zahl der dem Verkehr dienenden Omnibusse der Gesellschaft wird dann gegen 900 betragen. Die neuerdings gebauten Wagen sind sämtlich für die Bespannung mit einem Pferd eingerichtet. Diese Bauart ist gewählt, um die Wagen auf den einzelnen Linien möglichst schnell hinter einander folgen zu lassen und so die Beförderungsgelegenheiten zu vermehren. Dadurch daß die Bauart der neuen Wagen eine viel leichtere als ftüher ist, ist es nicht nur möglich, die Wagen ge- räumiger und bequemer zu gestalten, sondern auch die Zahl der Plätze zu vermehren. Die neuen Einspänner-Omnibusse haben 16 an Stelle von 12 oder 14 Plätzen. Der vermehrte Raum kommt insbesondere der vom Publikum bevorzugten Hinteren Plattform zu gute. Eine Strcißenbahn-Berbindung Mariendorf— Teinpelhof— Dönhoff- platz— Gesundbrunnen wird am Sonntag, 24. April, im Sonn- und Festtagsfahrplan der Großen Berliner Straßenbahn hergestellt werden. Die Hälfte der Wagen der Linie 33 Gesundbrunnen— Dönhoffplatz— Victoria-Park werden an den Sonntagen von der Bellealliancestratze aus nicht mehr in die Krenzbergstraße, hinein. ondern die Tcmpelhofer Chaussee entlang bis zur Kirche in Mariendorf geleitet werden. Mit einem Revolver hat gestern der Tischler Friedrich M a s ch i n s k i aus der Michaelkirchstraße 5 den Maler Hönsch be- droht, als dieser auf dem Bau Pariser Straße 60 zu Wilmersdorf eine Arbeit verrichten wollte. Maschinski hat Streikbrecherdienste geleistet und trägt seitdem ständig einen Revolver bei sich. Als der Maler ahnungslos das Zimmer betrat, wo Maschinski beschäftigt war, sagte dieser, daß er keinen Fremden neben sich dulde. Hönsch kehrte sich nicht an diese Worte und machte Miene, sein Handwerks- zeug hineinzutragen, als Maschinski auf ihn anlegte und erklärte, daß er jeden Eintretenden niederschießen werde. Der rabiate Mensch wurde der Polizei übergeben, die ein Verhör mit ihm anstellte und ihn dann entließ. Eine blutige Familieutragödie hat sich Donnerstagvormittag in der Boyenstr. 17 abgespielt. Der 17jährige geistesschwache Willy H ö r n i n g tötete seinen am 20. Mai 1347 in Dölitz, Kreis Pyritz, geborenen Vater mit einein Beil und schloß sich dann mit dem Sterbenden in der Küche ein. Ueber den blutigen Vorgang erfahren wir folgende Einzelheiten: Die Familie Hörning, bestehend aus den©Kern und drei Kindern im Alter von 12, 14 und 17 Jahren, wohnte früher in der Vernauerstr. 98 und verzog am 2. d. M. nach der Boyenstr. 17. Hier bewohnte sie seitdem im vierten Stock des Ouergebäudes eine kleine Wohnung mit einer Stube und Küche. Da sie in ärmlichen Verhältnissen lebte, bezog sie eine kleine Armenunterstützung. Der kränkliche Mann trieb hin und wieder einen Straßenhandel mit Zeitungen, und auch die Frau suchte durch Uebernahme von Reinigungsarbeiten noch etwas zu verdienen. Gestern ftüh war nun Frau Hörning weggegangen und hatte ihren Mann mit dem 17jährigen Willy zu Hause gelassen. Als sie gegen Mittag heim- kehrte, fand sie die Küche von innen verriegelt, traf aber im Wohn- zimmer niemand an. Sie erkundigte sich auf dem Hofe nach dem Verbleib ihrer Angehörigen und erfuhr dabei, daß Flurnachbarn längere Zeit ein starkes Stöhnen in der Kücbe gehört, aber darauf keinen großen Wert gelegt hätten. Voll böser Ahnungen holte die Frau polizeiliche Hilfe herbei, die aber keine Gewalt anzuwenden brauchte, weil der 17jährige Willy mittlerweile die Küchenthür freiwillig geöffnet hatte. Den Eintretenden bot sich ein erschütternder Anblick dar. Der junge Bursche stand gleichgültig in einer Ecke und neben ihm, unter der Wasserleitung, lag sein Vater tot in einer großen Blutlache. Un- aufgefordert deutete der blödsinnige Bursche an, daß er den Vater mit dem Beile geschlagen habe, er werde aber wohl bald wieder aufwachen. Der Thäter wurde festgenommen und die Wohnung polizeilich geschlossen. Da der geistesschwache Mensch auch fast taub- stumm ist, so Ivird er strafrechtlich nicht herangezogen werden können, sondern einer Irrenanstalt überwiesen werden. Das hätte nur vor der entsetzlichen That geschehen sollen. Die Jagd auf den Stellenschwindler. Einen„durchschlagenden" Erfolg hatte gestern, Donnerstag, der Stellenschwindler Hans Wilhelm mit einem neuen Unternehmen. Erst vor einigen Tagen festgenommen, weil er stellungsuchende Arbeitslose um 3 bis 5 M. geprellt hatte, wurde er vom Untersuchungsrichter wieder auf freien Fuß gesetzt. Sobald er sich in der Kleinen Alexanderstr. 27 eine neue Schlafstelle gemietet hatte, erließ er wieder eine großspurige Ankündigung. Für 44 Schmiede, 10 Schloffer, 8 Hofgänger usw. seien die besten Stellen offen. Seinen Namen verschwieg natürlich der Schwindler. Viele Arbeitslose meldeten sich gestern morgen wieder, auch solche, die ftüher geprellt waren. Unter diesen befand sich ein Familienvater, den Wilhelm aus einer Stellung heraus- gelockt hatte, um ihm 6 M. abzunehmen, ohne ihm eine neue verschaffen zu können. Vermittler und Kunde erkannten sich sofort wieder. Wilhelm aber schloß eiligst die Bude, um unliebsamen Auseinandersetzungen vorzubeugen, und ließ sich nicht mehr sprechen. Unterdessen kamen wohl fünfzig Mann, die sich um eine Stelle bewerben wollten. Nachdem alle über den Schwindel aufgeklärt waren, versuchten zwei Mann durch Vermittlung seiner Wirtin Wilhelms habhast zu werden, um ihn der Polizei zu übergeben. Aber auch die Frau erhielt keinen Einlaß. Nun verteilten sich die Arbeiter auf der Straße und warteten ab, ob der Schwindler sein „Bureau" verlassen würde. Stundenlang harrten sie umsonst.' Erst um 1 Uhr kam Wilhelm, der wohl eingesehen hatte, daß er sein Geschäft wieder verlegen müßte, ein kleines Köfferchen in der Hand, mit einem gewaltigen Satze aus der Hausthür aus die Straße ge- strunzen und suchte zu entrinnen. Die Geprellten aber hatten ans- gehalten. Ein Pfiff machte auch ihre Verbündeten aufmerksam, von rechts und links kamen sie herbeigelaufen und nach wenigen Minuten hatten einige Dutzend Fäuste den Schwindler gepackt, um ihn im Triumph nach dem Polizeipräsidium zu führen. Daß sie nicht allzu anft zufaßten, ist begreiflich. Die Kriminalpolizei brachte Wilhelm abermals»ach Moabit. Sollte ihn der Untersuchungsrichter wieder entlassen, so wird er ohne Zweifel sein Schwindelbureau am nächsten Tage wieder anftnachen. Viel Glück wird er allerdings nicht mehr haben. Dafür wollen die Arbeitslosen sorgen. Bei der Arbeit vom Tode überrascht. Der 40 Jahre alte Roll- kutscher Friedrich Kornowski aus der Lothringerstr. 9, der seit einem halben Jahre bei dem Berliner Transportverein in der Rnngestr. 21 beschäftigt war, hielt vorgestern mit feinem Wagen vor dem Hause Gollnowstr. 19, um Kisten abzuladen. Nachdem er diese an den Rand gerückt hatte, erhielt er die Weisung, sie anderswohin zu bringen, und stieg wieder auf, um sie wieder ftir den Transport zurechtzustellen. Bei dieser Arbeit wurde ihm plötzlich unwohl. In- dem er die Arme emporstreckte, stürzte er rücklings vom Wagen und chlug mit dem Hinterkopf heftig auf. Bald raffte er sich wieder auf. aumelte ein paar Schritte hin und her und brach abermals zu- ammen. Man brachte ihn jetzt nach dem Krankenhause am Friedrichshain, wo er nach kurzer Zeit starb. Kornowski war bis dahin ganz gesund gewesen. Er hinterläßt seine Frau mit zwei Töchtern von 10 und 8 Jahren. Straßensperrungen. Die alte Grünstraßen-Brücke sowie der Fahrdamm an der Kreuzung der Straße„An der Friedrichsgracht" mit der Grünstratze und der kurze Sttaßenteil von der Grünstraßen- Brücke bis zur Wallstraße werden wegen Neubaues der Brücke vom 25. d. Mts. ab bis auf weiteres ftir Fuhrwerke und Reiter gesperrt, ebenso die Straße„Am Engel-Ufer" von der Adalbertstraße bis zum Michaelkirchplatze wegen Ausftihrung von Kanalisattonsarbeiten vom 20. d. Mts. ab, und die Waldstraße von der Wiclef- bis zur Siemensstraße wegen Asphaltierung vom 25. d. Mts. ab. Unfall eines Offiziers. Der Oberlieutenant Graf v. Hebeler von der schweren sächsischen Kavallerie, der zur Kriegsakademie ab- kommandiert ist, stürzte gestern vormittag mit seinem Pferde vor dem Brandenburger Thor und zog sich schwere Verletzungen am Kopfe und an den Beinen zu, so daß er nach dem Garnisonlazarett in der Scharnhorststtahe gebracht werden mußte. Herr v. Hebeler kam von einer Kurfürstendamm 235 belegenen Wohnung und hatte feinen Burschen nach dem Brandenburger Thor beordert, dem er dort das Pferd übergeben wollte. Kurz vor dieser Stelle scheute plötzlich das Pferd, ging durch und raste auf einen vorüberfahrenden Bierwagen los. Es kam zu einer schweren Karambolage, bei der das Pferd tot zusammenbrach. Der Reiter hatte sich nicht aus den Steigbügeln reimachen können, kam infolgedessen unter das todte Tier zu liegen und mutzte in halbbetäubtem Zustande von herbeieilenden Schutz- leuten hervorgezogen werden. Der Zustand des Grafen v. Hebeler 'oll nicht unbedenklich sein. Feuerbericht. Infolge mehrmaliger Meldung wurde in der Nacht zum Donnerstag ein größeres Löschaufgebot nach der Elbinger- tratze 84 gerufen, weil hier bald nach Mitternacht plötzlich helle Flammen aus dem Keller schlugen. Es brannte allerlei Gerümpel, alter Hausrat und Verpackungsmaterial in den Verschlügen und hatte die Wehr längere Zeit zu thun, um die Gefahr zu beseittgen. Vorher hatte am Süd-Ufer 24/25 ein Posten Müll auf dem Hofe Feuer gefangen. Gegen 10 Uhr abends erfolgte ein Alarm nach dem Hause Fcanzöfischestr. 55, das augenblicklich niedergerissen wird. Auf dem Hofe war dort auf nicht ermittelte Weise ein Schutthaufen in Brand geraten, der auch Bretter und Balken ergriffen hatte, aber in kurzer Zeit unterdrückt werden konnte. Gegen Abend wurde die Wehr nach dem Werdcrschen Markt 9 gerufen. Die Löschzüge konnten aber sofort wieder Kehrt machen� da keinerlei Feuersgefahr vorlag. Beim Photographieren mit Blitzlicht war lediglich eine Rauchwolke aufgestiegen. Diese wurde von Hausbewohnern gesehen und daher Feuer vermutet. Außerdem liefen in den letzten 24 Stunden noch ans der Weydingerstr. 7. von dem Stralauer Platz 14 und noch von einigen andern Orten Alarmierungen ein, die mdes nur ganz kleine Brände betrafen, die vor Ankunft' Löschzüge schon beseitigt waren. der Der zweite der volkstümlichen Borträge über Gesundheitspflege, die die Allgemeine Orts-Krankenkasse Charlottenburg, wie wir berichteten, veranstaltet, findet am heutigen Freitag, abends 8'/s Uhr. im Saale Rosinenstr. 3. statt. Herr Professor Dr. L. Casper sprickit über das Thema:„Die Geschlechtskrankheiten, ihre Verhütung und Bekämpfung". Zu diesem Vortrage, dessen Besuch unentgeltlich ist, können aber nur Männer zugelassen werden. Freie Hochschule. Ein litterarischer Abend findet Freitag, den 22. April, 8— 9 Uhr, in der Aula der Charlottenschule, Steglitzer- straße 29, statt. Herr Karl Henikell wird aus seinen Gedichtwerken und Frau Anna Behnisch-Kappstein aus ihren Prosaschriften lesen Am Dienstag, den 2tj. April, hält in derselben Aula Herr Adolf Damaschke einen Vortrag unter dem Thema„Sociale Streifzüge durch Ostasien(China und Japan)". Ebenfalls am Dienstag eröffnet Herr Dr. med. Magnus Hirschfeld einen Kursus über das„Geschlechts- leben und seine Gesetze" in der Aula des Köllnischen Gymnasiums. Jnselstr. 2, 1/z9— 19 Uhr. Programme und Hörerkarten sind bei Wertheim und in den Buchhandlungen von Nicolai. Plothow. Schild- berger, Seydel, sowie bei dem Generalsekretär Rob. Bertelt, Krön- prinzenstraße 3. erhältlich. Programme bei Loeser u. Wolff. Zur Baumblüte nach Werder veranstaltet die Spree-Havel- Dampfschiffahrt- Gesellschaft„Stern" am kommenden Sonntag folgende Sonderfahrten: a> ab Spandau, Charlottenbrücke 10 30 Uhr vormittag, d) ab Potsdam, Lange Brücke(Eisenbahnhotel), vormittag 10«. nachm. 12. 2. 2«. 3«. 4« Uhr. Bei günstiger Witterung werden nach Bedarf noch weitere Schiffe abgelassen. Die Mckfahrten von Werder. Restaurant„Bismarckhöhe". erfolgen um 12«. 2, 3», 4«. S«, 6« nach Potsdam, um S»> nach Spandau. Alle Dampfer legen auf der Hin- und Rückfahrt auch am Restaurant„Zur Ueberfahrt" in Werder an. In der kommenden Woche wird zwischen Potsdam und Werder bei günstiger Witterung nachmittags eventuell obiger Fahrplan auf- recht erhalten: auf jeden Fall ab Potsdam 12. 2«. 3« Uhr. zurück von Werder 2, 6*°, O3" Uhr. Ferner verkehren am Sonntag, den 24. April, ab Wannsee (Bahnhof) um 11«, 2«. Z« 4». 520. 620(uw 3» 6ao über Cladow) Dampfer bis Potsdam und von Potsdam, Eisenbahnhotel (Langebrücke) um 11«. 2, 3. 4. 6. 6 Uhr(11«°. 2. 6 über Cladow) bis Wannsee. Auf der Oberspree wird am Sonntag von 2 Uhr nach- mittags ab ein halbstündiger Dampferverkehr von der Jann owitz- brücke(Belvedere) bis Grünau auftecht erhalten. Auf dem Müggelsee Ueberfahrten zwischen Friedrichshagen und„Rübe- zahl". Von Erkner über Woltersdorfer Schleuse(Mühle) Motor- bootsfahrten nach Grünheide— Alt-Buchhorst. Am 1. Mai tritt der Frühjahrs-Fahrplan in Kraft. Theater. Bürgerliches Schauspielhaus.(Carl Weiß. Theater.) Am Freitag beginnt das Gastspiel des königl. württemb. Hof- schauspielers Emil Richard als ,. O n k e l B r ä s i g". In dem nach Fritz Reuters Roman„Ut mine S t r 0 m t i d" bearbeiteten fünf- aktigen Lebensbilde werden neben dem bekannten und in Berlin gern gesehenen Gaste die ersten Mitglieder des Bürgerlichen Schau- spielhauses beschäftigt sein.— Im Thalia-Theater gehen im alten Hause nur noch zehn Vorstellungen in Scene, und zwar „De: Hochtourist": da das Theater bereits am 2. Mai geräumt sein muß. findet am Sonntag, den 1. Mai. die Abschieds- Vorstellung statt. Am kommenden Sonntag, sowie auch am 1. Mai nachmittags geht„Charleys Tante" mit Guido T h i e I s ch e r in Scene.— Central-Theater. In der Sonntagnachmittag- Aufführung„Der Zigeunerbaron" wird die Opernsängerin Amalie Reiffel vom königl. Hofoperntheater in Bayreuth die„Sassi" singen._ Huö den Nachbarorten. Pankow. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung fand zunächst die Neuwahl eines Schöffen statt. Unsre Genossen, welche bisher bei Schöffenwahlen stets unbeschriebene Zettel abgaben, einigten sich auf den Genossen Freiwaldt, der fünf Stimmen erhielt. Gewählt wurde Rentier Schulz mit 17 Stimmen. Da die Vertretung seiner Zeit die Gehälter der Gemeindebeamten erhöhte, so mußte eme Aen- derung des Ortsstatuts erfolgen. Die Aenderung wurde von der Regierung nicht bestätigt, weil einzelne Beamte neben ihrem Ge- halt noch Einnahmen in Form von Tantiemen erhalten sollten: dieses sei nicht zulässig. Es handelt sich hauptsächlich umdieVollziehungsbeamtcn, denen neben ihrem festen Gehalt Pfändungsgebühren bis 90 Mark pro Jahr zustehen: an Stelle der Tantiemen soll den Beamten als „Ansporn für Fleiß und Tüchtigkeit bei tadelloser Führung" eine nicht pensionsfähige Gehaltszulage von 200 M. zugebilligt werden. Dem Amtsvorsteher steht es zu. diesen Zuschuß zu verweigern. Von unsrer Seite wurde hervorgehoben, daß mit der Annahme dieser Borlage der Willkür Thor und Thür geöffnet würde. Heuchelei und Kriecherei würde bei den Beamten platzgreifen, hm die 200 Mark zu erringen. Als Beispiel, daß jetzt schon der Amts- Vorsteher willkürlich auf die Beamten einwirke, wurde unsrer- seits zur Sprache gebracht, daß von einer Anzahl Beamten eine Beschwerdeschrist gegen den Bureaudirektor dem Amts- Vorsteher eingereicht sei. dieser ließ nun die Beamten einzeln zu sich kommen und drohte mit Maßregelungen in Bezug auf Gehalts- zulage und Beförderung der Beamten. Amtsvorsteher und Beamten- kommission, sowie die bürgerlichen Vertreter schwiegen sich über das Vorgehen aus. Die Vorlage wurde gegen die Stimmen der Social- demokraten angenommen. Bergiftung dnrch Wasser. Eine ungewöhnliche Vergiftung. welcher die beiden Arbeiter Otto und Karl Fischer erlegen sind, wird aus Heegermühle bei Biesenthal gemeldet. Ueber den Vorfall erhalten wir folgenden Bericht: Die 23 und 26 Jahre alten Söhne Karl und Otto der Witwe Fischer waren am Sonntag nach dem nahe bei Heegermühle belegenen Mäckersee gegangen, um dort Krebse zu fangen. Vom Durfte geplagt tranken die jungen Leute von dem Wasser des Sees, und bald daraufstellten sich bei ihnen Vergiftungs- erscheinungen ein. Die Krankheitserscheinungen traten gleich in so schwerem Maße auf, daß es den jungen Leuten nicht mehr möglich war, Heegermühle zu erreichen. Die Brüder versuchten in einer in der Nähe befindlichen Gastwirtschaft Hilfe zu erlangen, doch brach Otto F. schon auf dem Wege nach dort zusammen, während Karl F. beim Betreten der Gaststube tot niederstürzte. Der jüngere Bruder wurde auf der Landstraße noch lebend aufgefunden, verstarb jedoch auf dem Wege nach dem Krankenhause, wohin er gebracht werden sollte.__ Gmcbtö-Zeitung. Tie Baronin und ihr Kind. Aus Dresden wird berichtet: Gegen die Baronin v. Biedermann wurde vor dem hiesigen Land- gericht verhandelt, weil sie beschuldigt worden ist, ihre Tochter, die 13jährige Baronesse Leonie, mißhandelt und an ihrer Gesundheit ge- schädigt zu haben. Die ärztliche Untersuchung des Kindes ergab das Vorhandensem zahlreicher Wunden und Flecke an seinem Körper, jedoch wurde festgestellt, daß das Mädchen verlogen, trotzig und diebisch ist und zu geschlechtlichen Ausschweifungen neigt, ivcshalb die Mutter zu strengen Maßregeln gezwungen war. Aerztlicherseits konnte nicht mit Bestimmtheit behauptet werden, daß die Verletzungen des Kindes Folgen der körperlichen Züchtigung seien. Vom Gerichtsborsitzenden wurde der Angeklagten vorgehalten, daß sie ihr Kind, welches an Skrophulose litt und am ganzen Körper mit Schwären bedeckt war, mit Hilfe eines Rohrstockes derartig gezüchtigt habe, daß dem Kinde das Blut durch die Unterkleider drang, daß sie um Weihnachten v. I. das 5lind mit einer Scheuerbürste abwusch, um die blutigen Spuren vorangegangener Mißhandlungen zu beseitigen, daß sie ihr Kind nachts über in unbekleidetem Zustande in einer ungeheizten Kammer zu- bringen ließ und ihm nur das notwendigste Essen verabreichte. Das Urteil des Gerichts lautete auf— Freisprechung, da die Aussagen der Hauptzeugen, ehemaliger Dienstboten der Baronin, zu wenig glaub- würdig erscheinen. Tie Rache des Verurteilten. Ein raffiniert ausgeführter Juwelenschwindel beschäftigte gestern, zum zweitenmal die zweite Strafkammer des Landgerichts l. In der früheren Verhandlung, die vor etwa anderthalb Jahren stattfand, befand sich der Kaufmann Richard Saloschin allein auf der Anklagebank. Er wurde wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrugs zu einer Zuchthaus- strafe von 1 Fahr 2 Monaten verurteilt.• Nachdem er diese Strafe verbüßt hatte, machte er Anzeige, daß er in der Person des Kauf- manns Willy B u r 0 w einen Mirrhäter gehabt habe und führte so belastende Thatsachen an, daß nachträglich auch gegen Burow An- klage erhoben wurde. In der früheren Verhandlung war folgender Sachverhalt festgestellt worden: Am 22. April 1902 erschien der frühere Angeklagte Saloschin im Gcschäftslokal des Juweliers Hadank in der Stallschreiberstraße und überreichte eine Geschäftskarte des Uhrmachers Dähne, worin dieser um eine Auswahlsendung von 6— 8 Herren-Brillantringen zum ungefähren Preise von 150 M. per Stück bat. Hadank entsann sich, daß Dähne einmal vor Jahren ein größeres Geschäft für ihn vermittelt hatte, lehnte aber dennoch die Verabfolgung der Ringe ab. weil die Bestellkarte zwar die Firma, aber nicht die Unterschrift und den Stempel enthielt. Nach einiger Zeit erschien Saloschin wieder und brachte die Bestellkarte in der ver- vollsländigten Form. Nun erhielt er 3 Ringe zum Gesamtwerte von 1350 M. In den nächsten Tagen wurde Hadank wiederholt telephonisch angerufen, angeblich von Dähne. Dieser bat, die Ringe noch einige Tage behalten zu dürfen, da sich das Geschäft seinem Abschluß nähere. Schließlich wurde Hadank mißtrauisch, er begab sich zu Dähne und erfuhr hier, daß dieser von der ganzen Geschichte nichts wußte. Die Ringe wurden in den Leihhäusern und dadurch auch der Betrüger ermittelt. Im gestrigen Termine bekundete der Zeuge, daß er vom Zuchthause befreit geblieben wäre, wenn der frühere Angeklagte Burow ihn früher nicht so schwer belastet hätte. Dies habe ihn zu seiner jetzigen Anzeige veranlaßt. Sie hatten im Untersuchungsgefängnisse Bekanntschaft gemacht und dann den Be- trug gemeinsam ausgeführt. Burow habe ihn nach dem Laden des Uhrmachers Dähne geführt. Dort hätten auf dem Ladentische viele Geschäftskarten umhergelegen, von denen er, Saloschin, sich eine Anzahl angeeignet habe. Burow habe ihm dann später den Text für die Bestellkarte dUtiert. Der Betrug sei dadurch gelungen, weil Hadank zufällig früher ein Geschäft mit Dähne abgeschlossen hatte. Die Ringe hätten durch den Versatz 300 M gebracht und davon habe Burow 100 M. erhalten. Die Angaben des Zeugen Saloschin verloren durch die Zeugenvernehmung jede Glaubwürdigkeit, so daß der Staats- anwalt selbst die F r e i s p r e ch u n g des Angeklagten beantragte. In diesem Sinne erkannte der Gerichtshof. Die Leidensgeschichte eines Kindes beschäftigte gestern die sechste Strafkammer des Landgerichts I. Vor dieser hatte sich die verehe- lichte BerthaSchmidt geb. Becker wegen barbarischer Mißhand- lungen ihres vierjährigen Stiefsohnes Willy Hasse zu verant- Worten. Sie war Winve, als sie sich mit ihrem jetzigen Ehemann verheiratete. Dieser hatte den Willy als unehelich geborenen Sohn mit in die Ehe gebracht. Der Knabe wurde zu einer ordentlichen Frau gegeben, die ihn auch mit aller Sorgfalt erzog, da aber den Schmidtschen Eheleuten die Aufbringung der Pflegekosten zu schwer wurde, nahmen sie den Jungen zu sich. Nun begann für den kleinen Kerl ein wahres Martyrium. Nach den Schliderungen der Flur- Nachbarinnen, die gestern als Zeuginnen vernommen wurden, ist der Jammer, in dem sich das Kind besand, kaum zu beschreiben: die ein« Zeugin, eine alte Frau, die sich mehrfach des Gemckrterten ange- nommen hat, bezeichnete die Barbarei, die an diesem verübt wurde, als einen„Dippoldschen Fall". Uebereinstimnrend wurde bekundet, daß die Angeklagte täglich vier bis fünfmal mit einem starken Aus- klopfer auf den Knaben mit voller Wucht eingeschlagen habe, oftmals ist er mit Fußtritten regaliert worden und sein Wehgeschrei soll stcinerweichend gewesen sei. Die Nachbarinnen haben der Ange- klagten wiederholt ihre unmenschliche Handlungsweise vorgehalten, es half aber nichts, vielmehr antwortete sie cynisch:„Sie werden noch viel mehr erleben I" Man hat das völlig verschüchterte Kind, ivelches eine unbezähmbare Furcht vor der Angeklagten hatte, oftmals zer- kratzt, zerbeult und mit unzähligen kleinen Wunden und Schärfen bedeckt vorgefunden. Sein Körper— so schilderten einige Zeuginnen— sei so schwarz gewesen, als wenn er von einem Wagen überfahren worden wäre, seine Ohrläppchen seien eingerissen und blutig gewesen, die Finger blutunterlaufen, einige Abscesse hätten sich gezeigt, der Junge habe gefiebert usw. Als die Sache zu toll wurde, erstattete man Anzeige und der praktische Arzt Dr. Labes konstatierte, daß das Kind, an dessen Körper zahlreiche Striemen und blaugrüne Beulen sich zeigten, einer lebensgefährlichen Behandlung ausgesetzt gewesen sei�— Die Angeklagte suchte sich durch die Behauptung zu ent- schuldigen, daß der Knabe unsauber sei, aber auch dieser Behauptung widersprach die Pflegemutter, der das Kind jetzt von Amtswegen an- vertraut worden ist.— Das Schöffengericht hatte die Megäre zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Bcrufungskamnrer war zwar auch der Meinung, daß hier eine bodenlose Roheit vor- lag, sie ermäßigte aber die Strafe auf sechs Monate Gefängnis, da die Angeklagte bis dahin völlig unbescholten war. Versammlungen. Proteswcrsammliingen der Bäckergesellen. Vier öffentliche Versammlungen, die gestern in Berlin statt- fanden, hatten die gleiche Tagesordnung:„Unsre Forderungen und die Unwahrheiten und Verdrehungen dar Bäckerinnung in der Presse". Die gut besuchten Versammlungen nahmen folgende gleichlautende Resolutton an:„Die Versammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von den Einsendungen des geschäftsführendcn Vorstandes des Germania-Verbandes deutscher Bäckermnungen an die Presse. Sie sieht in der von bewußten Unwahrheiten und Verdrehungen strotzenden „Schilderung der Lohn- und Arbettsverhältnisse der Bäckergesellen" eine unerhörte Täuschung des Publikums durch die Bäckermnungen. Die Versammelten erklären, daß'der aus der Feder des Obermeisters Bcrnard stammende Artikel die Löhne sämtlich zu hoch an- gegeben hat. Aehnlich verhält es sich mit den andern von der Innung geschilderten Verhältnissen, sie sind sämtlich entstellt und in möglichst rosigen Farben gemalt; nicht eine einzige Angabe entspricht den thatsächlichen Verhältnissen. Die Versammelten protestieren ferner gegen den Versuch der Innungen, in Flugblättern und der Presse unsrer derzeitigen Be- wegung, deren Einleitung, sowie den Führern die unlautersten. niedrigsten Motive zu unterstellen. Tie Gründe einer solchen wider- wärtigen Kampfestveise sind so durchsichtig, daß die Versammlung diesen Verläumdungen nur die tiefste Verachtung zollen kann. Die Lage der Bäckergesellen ist eine derartig jämmerliche, daß sie dringend der schnellsten und gründlichsten Ausbesserung und Ilm- gestaltung bedarf. Einzig und allein aus dieser Ueberzeugung ist die Bewegung hervorgegangen, und sprechen die Versammelten ihren Führern ihr vollstes Vertrauen aus. Die Bäckerinnungen tragen einen großen Teil Schuld und Ver- antwortung für die sprichwörtlich gelvordenen Uebclstände im Bäcker- berufe; sie verhindern auch jetzt wieder die friedliche Beseitigung der- selben und wenden dafür ihr altes demagogisches Hetzmittel: die Ver- unglimpfung der Führer an. Die Versammelten verpflichten sich, mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß dieser alte Trick jämmerlich zu.Schanden wird. Sie versprechen, thatkräfttg für die Betvegung und die Organs« sation zu wirken, um die von den Innungen wohlweislich ver- schwiegenen Hungerlöhne und sonstigen haarsträubenden Mißstände im Berufe und im Arbeitsverhältnis endlich für immer zu beseitigen." Die außerordentliche Generalversammlung der Civilmusiker nahm nach Erledigung einer Unterstützungssache den Kassenbericht vom ersten Quartal 1904 entgegen. Die Einnahme betrug inklusive 445,18 M. Bestand vom vierten Quartal 1903 781,64 M., dsp Ausgabe 267,99 M., der Kassenbestand Ende März 513,65 M., außerdem befindet sich ein Anteilschein der Gesellschaft „Gewerkschaftshaus" über 500 M. in Händen des Kassierers. Die Mitgliederzahl betrug 223. Neu eingetteten sind 30, ausgetreten resp. gestrichen wegen rückständiger Beiträge sind 11 Mitglieder. Nach einigen Monitas wurde auf Anttag des Revisors Bühle dem Kassierer Gartmann Decharge erteilt.— An Stelle des bisherigen Arbeits- Vermittlers Böhm, der sein Amt niedergelegt hat, wurde Hoch gewählt. Der seit Jahren aufs heftigste befehdete Entwurf zum obligatorischen Arbeitsnachweis wurde durch endgültige Ab- stimmung mit erheblicher Majorität angenommen. Der Termin des Inkrafttretens wurde auf den 1. Oktober 1904 festgesetzt. Die Wahlen des Vorstehers wie der Kommissionen zum obligatorischen Arbeits- Nachweis wurden vertagt. In die Maifeier-Komnnssion wurde zum Ersatz für Böhm, Toebe gewählt. Charlottenburg. Am Donnerstag, den 14. d. Mts., hielt die Charlottenburger Gewerkschaftskommission eine gut besuchte Ver- sammlung der Delegierten ab. Zunächst machte S t e i n i g k im Auftrage des Ausschusses den Delegierten den Vorschlag, am 1. Mai, mittags 12 Uhr, zwei öffentliche Demonstrationsversammlungen stattfinden zu lassen, und fand derselbe nach kurzer Aussprache ein- stimmige Annahme. Sodann giebt der Kassierer den Bericht für das 1. Quartal und wird demselben— nachdem G r e w I i n g als Re- visor dies beantragte— Decharge erteilt. Unter Punkt 3— Unterstützung des Volkshauses— beschloß die Kommission auf Antrag F e n s k e, in einer mit dem Verwaltungsausschuß des Volkshauses und den Gewerkschaftsvorsitzenden gemeinsam abzuhaltenden Ver- sammlung zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Beim nächsten Punkt referierte U ck 0 über die Verlegung der Versammlungstage nach dem in Berlin gefaßten Beschlüsse. Auch dieser Antrag fand einstimmige Annahme. Von den unter Verschiedenem behandelten Fragen sei noch erwähnt, daß die Delegierten beschlossen, die Bibliothek-Abend« der Kommission in Lese-Abende auszudehnen und gleichzeitig das Bürgerliche Gesetzbuch anzuschaffen. Zum Schluß wurde noch der Ausschuß beauftragt, im Hinblick auf das Unglück beim Abriß der Flora dem Magistrat von Charlotteiwurg die Re« solution des Bauarbciterschutz-Kongresses zugehen zu lassen.— Nicht vertreten waren die Putzer, Maschinisten und Gastwirtsgehilfen. Vermischtes. Ueber das Lawinenunglück bei Grcngiols berichtet die„Neue Zürch. Zeitung": In der Nacht vom 13. auf den 19. ds. zwischen 1 und 2 Uhr morgens brach am sogenannten Spitzhorn eine ge- waltige Lawine los und sauste durch den Mühlegrabcn her- nieder, und zwar mit solcher Wucht, daß sie den Weiler Mühle- b a ch, bestehend aus drei Wohnhäusern, zwei Mühlen, einem Back- Haus und einer Säge, vom Erdboden hinwegfegte. Im genüberliegenden Weiler Bächernhäuser spürte man eine furcht- bare Erschütterung. Alle Bewohner glaubten, die Häuser würden einstürzen. Tie Leute sprangen aus den Betten ins Freie und sahen, daß Mühlcbach verschwunden war. Sogleich wurde auch im nahen Dorfe Grengiols Alarm geschlagen, Hilfe zu bringen. Der erste zur Stelle war der Gemeindevorsteher. An einer Stelle, wo er wußte, daß da ein Haus gestanden, rief er laut:„Lebt Ihr noch?" Er vernahm leise Hilferufe. So wurden denn dort die Rettungs- arbeiten zuerst begonnen. Von einer sechs Personen starken Familie wurden Vater und Mutter sowie drei Kinder gerettet, ein Kind blieb tot. Noch zwei weitere der dort wohnenden 20 Personen wurden chem Tode entrissen, die andern kamen um. 13 Personen 'sind tot. Ein Mann von Mühlebach, der in Mörel in Tagelohn arbeitete und gewöhnlich abends nach Hause zurückkehrte, an diesem verhängnisvollen Abend jedoch des schlechten Wetters wegen in Mörel geblieben war, entging dadurch dem Tode. Die Leichen sind meist stark verstümmelt. Sie sind alle geborgen bis auf die eines Ltindes. Alle Umgekommenen wurden vom Tode in ihren Betten überrascht, nur eine Frau wurde von der Lawine gegen 100 Meter weit fortgerissen. Sie lag auf der Oberfläche der Eismasse. Neben ihr fand man im Hcmdchen ihr dreijähriges Kind. Durch sein Weinen wurde die Rettungsmannschaft aufmerksam, und so wurde es vom sicheren Tode errettet. Der Arzt hofft es am Leben er- halten zu können. In drei Fällen hat der Arzt Erstickungstod, in den andren Fällen Schädelbrüche festgestellt. Wo die Lawine zu Thal gefahren, vermutete niemand eine solche Möglichkeit. Die Bewohner des in unmittelbarer Nähe liegenden Wellers Bächernhäuser sind in ständiger Sorge, es werde eine neue Lawine losbrechen. Die nötigen Vorsichtsmaßregeln wurden getroffen. Die Scenen bei den Rettungöarbeiten waren erschütternd, die Trauer ist groß. Es ist zu befürchten, daß dies nicht das einzige Unglück bleiben wird, denn gewaltige Schneemassen liegen auf den Bergen, und wo seit Jahren keine Lawinen mehr gefallen sind, da krachen und donnern sie jetzt besorgniserregend zu Thal. Sehr viel verderblicher in seinen Folgen ist das Lawinenunglück bei Pragelato gewesen. Wie aus Turin gemeldet wird, sind dabei 83 Arbeiter verschüttet worden. Bisher wurden 2S als Leichen und 9 lebend geborgen. 132 Soldaten sind mit den Rettungsarbeiten beschäfttgt. Mittwochabend sollten noch 40 Soldaten der Alpentruppen ankommen. Schiffbruch im Kattegat. Aus Swinemünde wird gemeldet: Der norwegische Dampfer„Gries", mit einer Ladung Kohlen von Swansea nach Stettin bestimmt, ist im Kattegat infolge eines Zu- sammenstoßes gesunken. Die 16 Mann starke Besatzung soll er- trunken sein. Marktpreise von Berlin am 20. April 1904 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. 'Weizen, gut D.-Ctr. 17.50 17,47 . mittel„ 17,44 17,41 gering. 17.38 17,35 »Roggen, gut 12,95 12,94 mittel. 12,93 12,92 gering. 12,91 12,90 fGerste, gut. 14.00 13,00 mittel. 12,90 11,90 gering. 11,80 10,80 iHaser, gut„ 15,00 14,10 . mittel, 14,00 13,10 . gering. 13.00 12.10 Richtstroh. 4.16 3.66 teu, 7,40 5,20 cbsen. 40,00 28,00 Speisebohnen. 50,00 26,00 Linsen, 60,00 25,00 * ab Bah». t stet Wagen und ab Bahn/ Kartoffeln, neue D.°Ctr. Rindslcisch, Keule 1 kg do. Bauch. Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch utter Eier Karp.'en Aale Zander t echte arsche Schleie Bleie Krebse «0 Stück 1 kg per Schock 8,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60 2,00 3,00 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 6.00 1,20 1,10 1,00 1,20 1.20 2,00 2,80 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 WttternngSüberstcht vom 81. Aprtl 1SV4. morgens« Uhr. Stationen Swincmde. Hamburg Berlin Franff.a.M. München Wien 761 762 761 760 759 759 Wetter 3 wollig 3 heiter 1 bedeckt 2wolkenl 2wolkig 2 bedeckt d»s- d* #; n t« H S- Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdee» Paris Wetter-Proguose für Freitag, den 88. April 1S04. Ein wenig wärmer, trocken und vielsach heiler bei mäßigen nordist» iichen Winden. Für den Juhalt der Juserate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 22. April. Anjang 7%, Uhr: Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg.( Anfang 7 Uhr.) Schauspielhaus. Kabale und Liebe. Neues Opernhaus. Geschlossen. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Freitagabend 8 Uhr: Das grobe Hemd. Boltsstück in 4 Aften v. C. Karlweis. Sonnabendabend 8 Uhr: Ferréol. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Sonntagabend 8 Uhr: Lumpacivagabundus. Thalia- Theater. Deutiches. Der Pfarrer von Kirch- Dresdenerstr. 72/73. Amt IV 4440. feld. Berliner. Die rote Nobe. Leffing. Zapfenstreich. 23esten. Rigoletto. Neues. Rabale und Liebe. Anf. 7%, Uhr. Direktion Jean Kren Wegen des Umbaues Schluß der Saison am 1. Mai. Schiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater). Freitagabend 8 Uhr: Haus Rosenhagen. Drama in 3 Aufzügen v. Mar Halbe. Arbeiter- Bildungs- Schule Berlin. Freitag, den 22. April 1904, abends 81 Uhr: General- Versammlung Sonnabendabend 8 Uhr: im Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15. Der Geizige. Hierauf: Der eingeb. Kranke. Sonntagnachmittag 3 Uhr. College Crampton. Sonntagabend 8 Uhr: Haus Rosenhagen. Belle- Alliance- Theater. Belle Alliancestr. 7/8. Amt VI 283. Anf. 7%, Uhr und Alfred Schönfeld. Heute und folgende Tage: Nur noch 10 Borstellungen. Freut Euch des Lebens. Residenz. Der Teusche Kafimir. Der Hochtourist. Große Ausit. Boffe m. Geſang u. Tanz Vorher: Die Empfehlung. Central. Der Sonnenvogel. Belle Alliance. Freut Euch des Lebens. Thalia. Der Hochtouriſt. Anfang 8 Uhr: • Schiller 0.( Wallner Theater.) Das Sonntagnachmittag 31, Uhr: Charleys Tante. in 3 Atten. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Schluss der Saison am 3. Mai. Cirkus Busch. Abends 7 Uhr: Fortsetzung der Großen internationalen Schiller N.( Beledrich- Wilhelmſfädt) Ringkampf- Konkurrenz Haus Rosenhagen. Kleines. Nachtashl Luisen. Der Pfarrer von Kirchfeld. Trianon. Das elfte Gebot. Hierauf: Der Dieb. Carl Weiß. Der Raub der Sabinerinnen. Deutsch Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Metropol. Ein tolles Jahr. Casino. Husarenliebe. Verwandte. Bärtliche Palaft. Die Anna- Liese. Winter- Garten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Passage- Theater. Specialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Das Land Tirol. Invalidenstraße 57/62. unter dem Ehrenprotektorat des Herrn Professors Dr. Begas. Beginn gegen 8 Uhr. Entscheidungskampf zwischen Peyrouse, dem Löwen von Valencia und Dirk van den Berg( Holland). De Auftreten des Monsieur Morok. Das Tollkühnfte auf dem Gebiete des Radfahrsports: Der Saltomortale mit dem Zweirad. Ferner: Eine Wiener Damenkapelle, tomisches Intermezzo sämtlicher Clowns. Mademoiselle de Holstein, Schulreiterin. Bemerkenswert: Aus den Alpen. Der Automobilsturz. Morgen Sonnabend, den 23. April: Benefiz für Herrn Burkhardt- Foottit. Urania. Carl Weiss- Theater. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Stern. Das Land Tirol. Sternwarte Invalidenwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 115r. Central- Theater. Täglich 7, Uhr: Gastspiel Paula Worm. Der Sonnenvogel. Operette in 3 Atten v. V. Holländer. Morgen und folgende Tage: Der Sonnenvogel. Sonntagnachm.: Der Zigeunerstr. 57/62. CASTANS Bürgerliches Schauspielhaus. Große Frankfurterstr. 132. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, der Revisoren und des LehrerKollegiums. 2. Anträge. 3. Wahl des Vorstandes und der Revisoren. 4/16 4. Schulangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge können bezahlt werden. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Bureau: SO., Engel- Ufer 15. Fernsprecher: Amt IV, 3578. Am 20. b. Mts., früh 2, Uhr, entriß uns der Tod unser inniggeliebtes Töchterchen Liona nach vierzehntägigem Strantenlager, im Alter von vier Jahren. Dies zeigen tiefbetrübt an Karl Hahn, bom Frau Ida Hahn geb. Beinhold. Die Beerdigung findet Sonnabendnachmittag 5 Uhr, Trauerhause, Gleimstraße 5, nach dem Elisabeth- Kirchhof, Prinzen Allee, statt. nach 49822 Arbeiter- Radfahrerverein Berlin". Sonntag früh 6 Uhr Geute Freitag, abends 8½ Uhr, im Gewerkschaftshauſe, Engel- Ufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. nas fürstenwalde( Schloßkelleret), Sonntag, den 24. d. M., vorm. 10 Uhr, im Lokal des Herrn Schößler, Heffenwinkel( Gesenschaftshaus). Stromstraße 28: Bezirks- Versammlung für Moabit. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen endel über" Moralbegriffe". 2. Distusfion. 3. Berbands- Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Treppengeländer- Branche. Sonntag, den 24. April, vormittags 10 Uhr: Versammlung der in Treppengeländer Fabriken beschäftigten Tischler, Stellmacher, Drechsler, Maschinenarbeiter usw. im Königstadt- Kafino", Holzmarktstraße 72, Ede Alexanderstraße. Tages- Ordnung: 1. Die Ueberstunden- Arbeit in unsrer Branche und wie beseitigen wir 2. Diskussion. 3. Wahl des Dbmanns und der Kommission. dieselbe. Gastspiel des töniglichen Hofschau- 4. Berbands- und Branchen- Angelegenheiten. Spielers Emil Richard. Zum erstenmal: Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung pünktlich Die Kommission. Onkel Bräsig. zu erscheinen. Rebensbild in 5 Atten nach Friz Reuters Ut mine Stromtid". Anjang 8 Uhr. Sonnabend: Lettes Gastspiel des Herrn Fritz Beckmann: Robert und Bertram. PANOPTICUM Kleines Theater. Friedrichstr. 165. Letzter Monat der baron.-Sonntagabend Gastspiel Tunesen- Truppe. Paula Worm: Der Sonnenvogel. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a- 5. ( Afrika in Berlin!) Grosse Völkerschaustellung! Die schönen HaremsDamen aus Tunis. Kabale und Liebe. Apollo- Theater. Anfang 7 Uhr. Morgen: Pelleas und Melisande. Abends 8 Uhr: Specialitäten. Luisen- Theater. 8: Die Sensations- Novität: Abends 8 Uhr: Gastspiel des fönigl. bayrischen Hofschauspielers Mar Hofpauer: Der Pfarrer von Kirchfeld. : Benefiz Emil Uhlig, Sonnabend: zum erstenmal: Das Milchmädchen bon Schöneberg. Sonntagnachmittag: Sappho. Abends: Gastspiel von Mar Hofpauer: Der Verschwender. Montag: Dr. Wespe. Liebesgötter. Im dritten Bild: Der Götterzug und die grandiose Apotheose. Passage- Theater. Anfang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr. Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Jeden Abend 10 Uhr: Grosse internationale Residenz- Theater RingkampfHeute und folgende Tage 7%, Uhr: 8 Uhr: Die Empfehlung. Der kenfche Cafimir. In Vorbereitung: Die 300 Tage.( L'enfant du miracle.) Schwant in 3 Aften von Paul Gavault und N. Charvey. Deutsch von Alfred Halm. Sonntagnachm. 3 Uhr: Leontines Ehemänner. Konkurrenz. 20 preisgekrönte Ringkämpfer.. Oskar Fürst Lina Goltz Humorist. Soubrette. 14 erstklassige Nummern. W. Noacks Theater. Direktion: Robert Dill. Brunnenstrasse 16. Metropol- Theater Sie ist wahnsinnig. Zum 39. Male: Vorher: Drei Frauen auf einmal. Entree 30 Bf. Ein tolles Jahr. Anfang 8. Gr. dramatisch- satirische Revue Uhr. Gebrüder in 5 Bildern von Julius Freund. HerrnfeldMusik von Victor Hollaender. In Scene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. 1. Bild: Am Kleinkindersee. 2. Bild: Was giebt's Neues. 3. Bild: Das Ördensfest. 4. Bild: Der neue Zapfenstreich ( Parodie). 5. Bild: Briefe, die ihn erreichten ( Ballett). Anfang S Uhr. Rauchen überall gestattet. HEUTE: Zum 241. DeutschAmerikanisches THEATER Köpnickerstrasse 67. Jeden Abend: Gastsp. Ad. Philipp Uebern GROSSEN Theater. Schluß der diesjährigen Spielsaison: Donnerstag, 28. April, wegen Gesamt- Gastspiel des HerrnfeldTheaters in Stöln a. Rh. Bis dahin täglich präcise 8 Uhr die Anton und Donat Herrnfeldschen Sensations- Komödien: Unter den Linden 44. Achtung! Einsetzer! Achtung! Sonntag, den 24. April, vormittags 10 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75: Branchen- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Neuwahl der Kommission und Bezirksleiter. 2. Berbands- Angelegen heiten. Es ist jedes Kollegen Pflicht, pünktlich zu erscheinen. Nachtasyl. 82/18 Anfang 8 Uhr. Morgen: Des Pastors Rieke. Schloss Weissensee. Heute Freitag, den 22. April: Gastspiel des Bernhard Rose- Theater- Ensembles. Schützenlis'l. Große Boffe mit Gefang in 4 Atten von Leon Treptow. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Rumer. Way 50 Palast- Theater 21. Burgstraße 22, früher Feen- Palast. Elite- Vorstellung! Halbe Kaffenpreise. Die Anna- Liese. Historisches Schauspiel in 5 Aften von Hersch. De Morgen: Der Obmann. Musikinstrumenten- Arbeiter Montag, den 25. April, abends 8%, Uhr: Branchen- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 1. Tages- Drdnung: 1. Bortrag über: Die Intereffen der Holzarbeiter". Referent: Genoffe Antrick. 2. Diskussion. 3. Maifeier. 4. Branchenangelegenheiten. NB. Die Mitglieder werden ersucht, für zahlreichen Besuch zu agitieren. Gäste haben Zutritt. Achtung! Achtung! Rohrer. Mittwoch, den 27. April, abends 8 Uhr, in Englischen Garten, Geffentliche Versammlung Alexanderstr. der Rohrer Berlins und Umgegend. Tages Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Die Lohnbrüderei bei der Firma Stahl und wie stellt sich die neue Vereinigung dazu. 4. Berschiedenes. Es ist Pflicht jedes einzelnen Rohrers zu erscheinen. Das wunderbare April- Programm. 9/2 Sonntag, den 24. April 1904, nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. Schauspiel in 5 Aften v. Fr. v. Schiller. Abends 8 Uhr: Das phänomenale April- Programm. Schluß der Saison: Sonnabend, den 30. April 1904. Fröbels Allerlei- Theater Der Vertrauensmann. Verband des technischen Bühnen- Personals. Sonnabend, den 23. April, abends 11 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15: General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Borstandsbericht. 2. Sassenbericht. 3. Wahl des Gesamtvorstandes. fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Sonntag 6, Uhr: Zahlreichen Besuch erwartet Harburger Sänger. Entree 30 Pf. Nach der Vorstellung um 10 Uhr: Grosser Ball. Sperrfit 50 Pf. Montag 8 Uhr: Gastspiel Burmeisters Goethe- Ensemble, WITH BARTEN 8 765 Kellino- Truppe Italienische Akrob. Paul Conchas In seiner Scene im Bivouak. Robinson Baker- Trio Helene Land Vortrags- Soubrette. Springer. Am andern Morgen! Costantino Bernardi Nachspiel zu„ Nur eine Nacht". Vorher: Nur eine Nacht! 2 Afte aus einer Ehe mit den Autoren in den Hauptrollen. Ab 7. Mai: Gaftspiel L. Köhlers Anfang 8 Uhr. TEICH. Bauern- Theater aus Tegernsee. Male: Ende 10 Uhr 30. 190/3 Der Vorstand. Arbeiter- Skatbund Berlins und Umgegend. Sonntag, den 24. April, nachmittags 2 Uhr, bei Pfeffer, Rosenthalerstraße 57: mittags 1 Uhr nach Beide Starts: Schiefische Brüde. NB. Das Reigenfahren findet dies. mal nicht heute, Freitag, statt, sondern erst am Mittwoch, den 27. April. 12/4 Central- Kranken- u. Sterbekaffe der Dachdecker Deutſchl. Verfammlung „ Einigkeit". am Sonntag, den 24. April 1904, vorm. 11 Uhr, bei Feind, Beinstr. 11. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom I. Quartal 1904. 2. Verschiedenes in Staffenangelegen heiten. Der Vorstand. 54/8 Sanssouci. Rottbuser Thor- Stat. der Hochbahn. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Nach jeder Soiree: Tanzkränzchen. Dienstag, den 26. April: Letzter Theaterabend. Reichshallen Stettiner Sänger Zum Schluß: Neul Cirkus Lenz und Cirkus Busch. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Strassenhändler für 671b neuen 10 Pfennig- Artikel. Zu vergeben 8-11 vormittags und 4-7 nachmittags. Alte Leipzigerstr. 20 III. Große Betten 12 M. ( Dberbett, Unterbett, swet Riffen) mit gereinigten neuen Bebern bet Guftos Luftig. Berlin S., Bringen ftraße 46. Preisliste toftenfrei. Biele Anerkennungsfreiben. 4811L* Gelegenheits- Partie General- Versammlung. Gardinen 1. Bericht des Borstandes. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Staffenbericht. 4. Statutenänderung. 5. Verschiedenes." Rege Beteiligung erwartet eingeladen. Der Vorstand. Klubs, welche dem Bunde beitreten wollen, sind hiermit 289/1 Zum Sportshaus Ziegenhals, Post Zeuthen. Fernsprecher: Amt Königs- Wusterhausen 75. Empfehle den geehrten Vereinen, Fabriken und Gesellschaften mein Verwandlungsschauspieler. herrlich am Crossin- See bei Rauchfangwerder gelegenes Lokal zur bevorSiegwart Gentes Humorist. ftehenden Saison. Ich bin durch Ausbau und Renovierung meiner Säle, Orfords Wunder- Elefanten. Hallen und Gartens im stande, bis zu 2000 Personen zu bewirten. Peschkoff- Truppe Russische Tänzer. Die Blumenkönigin Tanzdivertissem. Biograph. Casino- Theater. Königstadt- Kasino Trianon- Theater. Lothringerſtr. 37. inf. 8, Sonnt. 7 Solzmartiſtr. 72, Ede Alexanderſtraße. Georgenstraße, zwischen Friedrichund Universitätsstraße. Abends 8 Uhr: Das elfte Gebot. Hierauf: Der Dieb. Verantw. Redakteur: 8 ur: Husarenliebe." 82: Das brillante April- Programm. Markert, fr. am Leffing Theater 2c. ur: Bärtliche Verwandte. Sonntagnachm. 4 Uhr zum letztenmal: Der Raub der Sabinerinnen. Täglich: Franz Sobanski. Bernhardys. Moreno Gaffron, Isano, Thomsen Plessner. Zum Schluß: Medea. abgepasste Fenster, pro Fenster weiss und crême m. 250, 3, 400 Eleg. Secessions- M. 85 Tüll- Stores Gestickte echte M. 565 Spachtel- Stores Goldfarb. reichgestickte Erbs- M. 435 tall- Stores Eigene Balbung, Dampferstege, Kaffeeküche, Stegelbahnen, Bootsverleihung, Gardinen- Specialhaus Elektr. Orchestrion und Beluftigungen aller Art. Speisen und Getränke in bekannter Güte. Indem ich hoffe, das mir bis jetzt entgegengebrachte Bertrauen auch weiter entgegenzubringen, zeichnet Hochachtungsvoll Max Mörschel. Bestellungen auf mein Lotal nimmt auch in Berlin, Dirksenstr. 39, Tel.- Amt III, 1813, der Verband Deutscher Gastwirtsgehilfen entgegen. NB. Billige Dampfer stehen zur Verfügung. 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I. verflossenen Halbjahr haben außer einer Generalversammlung vier Mitgliederversammlungen stattgefunden, von denen eine, in der Genosse Paul Singer sprach, so zahlreich besucht war. daß der Saal schon um 8 Uhr abgesperrt wurde und viele keinen Platz mehr fanden. Der Vorstand hat 16 Sitzungen abgehalten und hatte sich unter anderm mit der Thatsache zu befassen, daß eine An- zahl Mitglieder bei den Landtags- und Stadtverordnetenwahlen von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht haben. Sie wurden vor den Vorstand geladen, um zu erklären, warum sie sich dieser groben Pflichtverletzung schuldig gemacht haben. Ein Teil der Geladenen brachte mehr oder minder wichtige Gründe und Entschuldigungen vor, die teils vom Vorstand für stichhaltig erachtet wurden, teils eine mildere Auffassung ihres Vergehens zuließen, so daß ein Tadelsvotum für ausreichend angesehen werden konnte. Em großer Teil der Be- schuldigten hielt es jedoch trotz wiederholter Einladung nicht für nötig, zu erscheinen, oder auch nur zu antworten. In diesen Fällen sah sich der Borsland genötigt, den Ausschluß der Betreffenden zu beschließen. Dazu kommen noch einzelne Fälle, wo andre grobe Verstöße gegen die Grundsätze der Arbeiterbewegung, wie z. B. Streikbruch, vor- liegen, die ebenfalls den Ausschluß zu Folge haben mußten. Es sind im ganzen 22 Ausschlüsse, für die der Vorstand die Genehmigung der Generalversammlung nachsuchte.— Im übrigen hat die Organisation recht erfreuliche Fortschritte gemacht. Die Mitgliederzahl des Wahl- Vereins, die im April 1962 erst 2225 betrug, stieg im folgenden Jahre auf 2984 und beläuft sich jetzt auf 5060, also im Laufe zlveier Jahre ein Zuwachs von 2345 Mitgliedern. Einschließlich der Mitglieder des Wahlverems im Osten sind ungefähr 19 699 Parteigenossen organisiert, was allerdings im Verhältnis zu den bei der letzten Rctchstagswahl im vierten Wahlkreise abgegebenen 68 753 socialdemokratischen Stimmen noch lange nicht befriedigend erscheint. Unter Hinweis auf diese Thatsache forderte der Redner zu eifriger Arbeit für die weitere Ausbreitung der Organisation und zur Ver- tiefung der Mitglieder in die Grundsätze der Partei auf.— Hierauf verlas der Kassierer U l m den Kassenbericht. Die Einnahmen be- liefen sich einschließlich eines alten Bestandes von 331,92 M. auf 6722,42 M., die Ausgaben, darunter 3615,55 M für Agi- t a t i o n— auf 5942,55 M.; es verbleibt also ein Kassenbestand von 779,37 M.— Die Generalversammlung erteilte dem Kassierer einstimmig Decharge. Ueber die erwähnten Ausschlüsse aus dem Wahlverein fand eine längere Debatte statt, die damit endete, daß die Generalbersammlung gegen wenige Stimmen den Beschluß des Vor- standes guthieß. Hierauf wurden die Vorsrcmdswahlen vorgenommen, und zwar mit folgendem Ergebnis: Erster Vorsitzender PaulHoff- mann, zweiter Max Menzel; erster Schriftführer Prath- mann, zweiter Paul Künstler; erster Kassierer Wilhelm Ulm, zweiter T r a c z y k; Beisitzer: Klamm, Lemni. Fritz Lehmann. Zicks, Luaser und D o l a t a. Als Revisoren wurden Bechert. Brödenfeld und G u t s ch e gewählt. Dann hielt Reichstagsabgeordnetcr Stolle einen Vortrag über da» Thema:«Der Heldenkampf der Crimmitschauer Arbeiter und was lehrt dieser Kampf das ar- beitende Volk?" In fesselnden und von gründlicher Kenntnis der Verhältnisse zeugenden Ausfuhrungen schilderte der Vertreter des Wahlkreises Zwickau-Crimmitschau die Ursachen und den Verlauf des Kampfes, und zog schließlich aus den Ereignissen in Crimmitschau die Lehre, daß eine unermüdliche Thätigkeit für den Auöbau der Arbeiterorganisationen und die Aufklärung der Massen notwendig ist, daß aber die Arbeiterschaft dann, trotz des engen Zusammenschlusses der Unternehmer und trotz vorübergehender Niederlagen, doch zuletzt im großen Kampf der Sieger bleiben tziuß.— Der Vortrag fand starken Beifall. Der Vorsitzende gab noch bekannt, daß die gegen die Genossen Schlüter, Ormnenstraße, und F e r g e r, Adalbertftraße, er- hobenen Vorwürfe sich als ungerechtfertigt erwiesen haben. Fünfter Wahlkreis. Tie Versammlung, welche der Social- demokratische Verein am Dienstag im Saale des Vereins der Berliner Musiker in der Kaiser Wilhelmstratze abhielt, war ungewöhnlich stark besucht. Nachdem die Versammlung die Aufnahme von 83 Mitgliedern bestätigt hatte, hielt EduardBernstein«inen Vortrag über das Thema:«Wo stehen wir in Preußen." Zwei Ereignisse— sagte der Redner— hätten ihn veranlaßt, dies Thema zu wählen, nämlich das voraussichtliche Zustandekommen eines deutschen Arbeit- geberbundes und der von freikonservativer Seite im preußischen Landtage gestellte und vmi liberaler Seite amendierte Antrag auf Abänderung des Wahlrechts. Diese beiden Angelegenheiten, so wenig sie anscheinend mireinander zusammenhängen, begegnen sich doch in der Rückwirkung, welche sie auf die Arbeiterbewegung ausüben.— Das Ziel des Arbeitgeberbundes sei: Rückversicherung gegen Streiks, Organisierung des Arbeitsnachweises in den Händen der Unternehmer und Aufnahme der Streikklausel in die Lieferungsverträge. Wenn das verwirklicht werde, was der Arbeitgeberbund will, so werde den Arbeitern der Kampf um die Verbesserung ihrer Lage unmöglich gemacht. Es sei aber nicht zu befürchten, daß die Absicksten der Unternehmer in vollem Umfange verwirklicht werden, denn die Orgcrni- sationen der Arbeiter seien stark genug, um Mittel und Wege zur Vereitelung d« Absichten der Unternehmer zu finden. Die voll- ständige Knebelung dsr Arbeiter werde den Unternehmern nicht ge- lingen, aber die Lohnkämpfe der Arbeiter würden schwerer und opfer- reicher werden. Ob die Streikklausel verwirklicht werde oder nicht, das hänge wesentlich von dem Geist ab. welcher die leitenden Behörden beherrscht. Gegenwärtig sei die Befürchtung, daß die Wünsche der Unternehmer in dieser Hinsicht erfüllt werden, nicht sehr begründet. Der Staatssekretär Posadowsky habe im Laufe der Jahre einen ge- wissen Grad von Verständnis für sociale Angelegenheiten erlangt. Deshalb werde auch gegen ihn gehetzt, und wenn diese Hetze andauert, dann könne er beseitigt werden. Diese Erwägungen hängen zusammen mit der Frage nach der Stellung der matzgebenden Behörden zur Streikklausel, und das führe uns auch zu der Frage, wie es in Preußen init der Volksvertretung und der Gesetzgebung beschaffen ist. Der preußische Landtag tverde natürlich geneigt sein, die Wünsche der Unternehmer zu erfüllen.— Der Redner besprach nun die Zu- sammensctzung des preußischen Landtages, er kennzeichnete das Drei- klassen-Wahlsystem, dem diese Körperschaft ihr Dasein verdankt, und ging dann zu einer Kritik der auf Abänderung des Wahlrechts ge- richteten konservativ-liberalen Anträge über. Schließlich führte der Redner aus: Im Reiche wie in Preußen herrscht ein rückschrittlicher, arbeiterfeindlicher Geist. Vom preußischen Landtage ist in dieser Hin- ficht keine Besserung zu erwarten, nicht einmal eine solche, die dem Sinne des Liberalismus entspricht. Jetzt wird sogar daran gedacht, das preußische Wahlrecht noch mehr zu verschlechtern. Was sollen wir demgegenüber thun? Wir sollen nicht etlva auf die Straße gehen, auch keinen Generalstreik ins Werk setzen, aber wir sollen zu diesen reaktionären Versuchen auch nicht still sein, oder uns mit einigen Leitartikeln begnügen. Viel können wir ja in dieser Hinsicht nicht thun, aber doch etwas. Wir müssen den Kampf nicht allein in der Presse führen, sondern daneben starke Demonstrationen veranstalten durch Versammlungen und Protestresolutionen, welche dem Landtage überreicht werden, so daß man nicht sagen kann, das Volk ist mit den gekennzeichneten Bestrebungen einverstanden. Es muß dahin gewirkt werden, daß denen, die noch ein Gewissen haben, das Gewissen schlägt. Im Landtage ist die Socialdemokratie nicht vertreten, so soll sie wenigstens von außen her ihre Stimme erheben zum Protest gegen die Zustände, die in Preußen obwalten.— Der Bortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Unter ,, Parteiangelegenheiten" machte der Vorsitzende Zucht folgende Mitteilung: An den Vorstand des Vereins sei vielfach die Anfrage gerichtet worden, warum die diesjährige Maifeier nicht wie sonst, im«Schweizer Garten" abgehalten tverde. Er beantworte diese Anfragen dahin: Mit dem Wirt des„Schweizer Garten" sei schon seit langem wegen Veranstaltung der diesjährigen Maifeier verhandelt worden, da aber der 1. Mai diesmal ein Sonntag ist, so habe der Wirt im Hinblick auf seine sonsttgen regelmäßigen Sonntagsgeschäfte Schwierigkeiten gemacht und schließlich verlangt, daß ihm noch bare 459 M. zugezahlt lverden, wenn er sein Lokal für die Maifeier am Sonntag hergeben solle. Darauf sei der Vorstand natürlich nicht eingegangen, er habe sich nun um ein andres Lokal bemüht. Bei der Brauerei„Königstadt" sei er abgewiesen worden. Der Oekonom der Brauerei Bötzow wollte die maifcicrnden Social- demokraten auch nicht aufnehmen. Er sagte, Kommerzienrat Bötzow habe zwar nichts gegen die Veranstaltung der Maifeier, aber er, der arme geplagte Oekoiwm, müsse damit rechnen, daß die Aniijemiren und die Bürgervercine nicht mehr zu ihm kommen, wenn die Maifeier in fernem Lokal abgehalten werde. Unter diesen Umständen sei dem Vorstand nichts übrig geblieben, als ein außerhalb des Wahlkreises liegendes Lokal, das„Elysium", zu nehmen. Von den Parteigenossen werde erwartet, daß sie durch recht zahlreichen Besuch die Maifeier auch in diesem Lokal zu einer recht imposanten gestalten.— In der Diskussion, die sich an diese Mitteilung knüpfte, wurde daS Verhalten des Wirtes vom„Schweizer Garten" scharf verureeilt. Mm bezeichnete diesen Vorfall als ein Beispiel dafür, daß solchen Wirten das Geld der Arbeiter willkommen an Tage«, wo sie kein andres Geschäft machen können, daß sie die socialdemokratischen Arbeiter aber ab- weisen, wenn sie mit andren Leuten Geschäfte machen können. Aus der Versammlung wurde beantragt, daß auf die Tauer von 19 Jahren keine Festlichkeiten im„Schweizer Garten" abgehalten werden sollen. Dieser Antrag wurde abgelehnt, nachdem Liepmann erklärt hatte, Vorstrmd und Vertrauensleute halten es für selbstverständlich, daß sie dm Wirt, der die Parteigenossen diesmal abwies, nicht wieder ersuchen werden, ihnen sein Lokal zu einer Festlichkett zu überlassen. Beschlossen wurde, die Angelegenheit mit dem„Schweizer Garten" der Lokalkommission zu überweisen. Sechster Wahlkreis. Der socialdemokratische Wahlverein hielt am Dienstag in Wernaus Saal eine gut besuchte Diftrittsversamm- lung für die Schönhauser Vorstadt ab. Genosse Dr. Borchardt sprach daselbst über«DieVerwirklichungdeS Socialis- m u s", indem er etwa folgende Gedankengänge entwickelte: Die End- ziele des Socialismus. die in der Ucberzeugung von der Notwendigkeit der Uingestaltung unsver heutigen kapstalistischen Gesellschaftsordnung in eine socialisttsche zum Ausdruck kommen, feien nicht das ersonnene Produkt grübelnder Ideologen, sondern wurzeln in der klaren Er- kcnntnis der ganzen bisherigen wirtschaftlichen Entwicklung und deren Folgen. Um diese Ziele zu erreichen, sei natürlich eine möglichst inten- sive Propagierung derselben erforderlich, wie sie von der Partei be- trieben loerde, denn je mehr Anhänger die Partei im Volke gewinne, d. h. je mehr Volksgenossen von der Richtigkeit des socialistischen End- ziels durchdrungen seien, desto näher rücke auch der Zeitpunkt der Verwirklichung desselben. Immerhin richte sich das Streben der Arbeiterklasse naturgemäß erst auf die Eroberung der polittschen Macht. Doch selbst Ivenn dies« erreicht sei, so würde wohl eine völlige Demo- krattsierung der gesamten Staatseinrichtungen und der Staats- Verwaltung erfolgen, eine Socialisicrung der Produftion und Distri- button aber, wie sie unserm Endziele entspricht, würde damit noch nicht eingetreten sein, denn eine vollkommene Durchführung der Demokratie im Staat habe noch nichts specifisch Socialisrisches an sich. Der Socialismus an sich sei ein wirtschaftliches Ideal, dessen Durchführung von wirtschaftlichen Vorbedinguiigen abhängig sei. Allgemein be- wachtet seien diese Vorbedingungen allerdings schon in der kapitalisti- scheu Produftionsform an sich vorhanden, doch entstehe die Special- ftagc, auf welchem Wege die Ucberleitung der lapttalistischen Pro- duftionsweise in eine socialistisch-genossenschastliche vor sich gehen könne und ob sich schon innerhalb der heutigen Gesellschaft Ansätze zur socialistischen Produktionsform zeigen. Redner ist nun der Meinung, daß die Keime zur socialistischen Produftionsform in den Konsumgenossenschaften liegen, allerdings seien diese Genossenschaften vorläufig nur als kleine Zellen in dem großen wirtschaftlichen Gebilde zu betrachten. Immerhin scheine die Entwicklung dahin zu führen. daß die Organisation des Konsums den späteren Uebergang zur Eigen- Produktion zur Folge habe und damit trete dann die Produktion von Verbrauchsgütern nur für die Mitglieder in Erscheinung, die bei einer Ausdehnung des Genossenschaftsivesens über das ganze Volk schließlich zur gänzlichen Ausschaltung der Warenproduftion für den Markt führen werde. Den Konsumgenossenschaften wohne also zweifellos ein socialistischcs Element innc, das bewußt oder unbewußt zum all- mählichen Durchbruch gelangen tverde. Freilich werde diese genossen- schastliche Produktion ihre bestimmten Grenzen haben, da z. B. Land- straßen, Eisenbahnen, Kanäle usw. auf diese Art nicht herzustellen seien. Doch würden in solchen Fällen die demokratisch verwalteten Zwangsgenossonschaften(Staat und Kommune) in entsprechende Funftion treten. Wie dem aber auch sein möge, vor allem komme es darauf an. neben der größtmöglichsten Agitation für unser Endziel sich auch darüber zu unterhalten, ans welchem Wege es sich am wahr- scheinlichsten verwirklichen lasse.(Beifall.) Die rege Diskussion gestaltete sich im wesentlichen zu einer fach- lichen Aussprache über den ökonomischen bezw. socialistischen Wert der Konsumgenossenschaften. Thomas pflichtete dem Referenten rück- haltlos bei und ersuchte die Genossen des sechsten Kreises, ihre bis- herige Anttpathie gegen die Konsumvereine aufzugeben. Puttlitz ist zwar kein Gegner der Konsum-Genossenschaften, ver- mag aber nicht die Keime zu einer socialistischen Pro- duktionsweise in ihnen zu entdecken. K ä m i n g erklärt sich für eine Bethätigung der klassenbewußten Arbeiter sowohl auf politischem wie gewerkschaftliche, als auch genossenschaftlichem Gebiete. Neben der Aufklärungsarbeit, die zur Eroberung der politischen Macht führe, müßten die Arbeiter auch in den Genossenschaften für die socia- listische Produftionsform geschult werden. Derselben Ansicht istKrebS. Freythaler warnt. dieGenossenschaftsftage zur Parteisache zu machen; die jetzige Steutralität der Partei zur Frage des Genosscnschafts- Wesens sei die einzig richtige Stellung, welche die Partei einnehmen kann.— Mit einem warmen Appell an die Anwesenden, ständig für die Stärkung des Wahlvereins zu wirken, fand die Versammlung gegen 12 Uhr ihr Ende. Der Berein der Kistrnmacher hielt am 18. April in den Andreas- Festsälen seine Generalversammftmg ab. Die Ab- rechnung vom ersten Quartal, die der Kassierer Haucke verlas, weist 445,59 M. Einnahmen und 225,82 M. Ausgaben auf, so daß ein Ueberschuß von 219,68 M. erzielt wurde. Einschließlich des alten Bestandes betrug der Kassenbestand am Quartalsschluß 1796,16 M.— Die Generalversammlung erteilte dem Kassierer einstimmig Decharge.— Die Vorstmidswahlen, die dann vorgenommen wurden, hatten folgendes Ergebnis: Vorsitzende Juckel, Hunger; Kassierer Haucke, Sprung; HilfSkasficrer für den Südosten Schauherz. Schriftführer Denkler, Grambsch; Revisoren Dufte, Bartholomäus und Schröder.— Hierauf befaßte ftch die Versammlung mit der Frage, in welcher Form die geplante U r a b st i m m u n g über den Uebertritt zum Holz- arbeiter-Verband vorgenommen werden soll. Bereits vor Jahresfrist machte sich innerhalb des Vereins eine starke Strömung für den Uebertritt geltend. Die Beschlußfassung wurde jedoch mit Rücksicht auf die damals zwischen den Organisationen der lokalen und centralen Richtung vor sich gehenden Einigungsverhandlungen ver- tagt. Nachdem diese Verhandlungen noch zu keinem Resultat geführt haben, soll jetzt einem im vorigen Jahre gefaßten General- versammlungS-Beschluß entsprechend eine Urabstimmung stattfinden. Der Vorsitzende I ä ck e l machte hierzu den Vorschlag, diese Ab- sttmmung durch Fragebogen vorzunehmen, die außer der Frage, ob der Betreffende gewillt fei, dem Holzarbeiter-Verband beizutreten. noch einige andre, wie die nach der politischen Organisatton,»ach der Länge der Arbeitszeit des Betreffenden usw. enthaften sollen, um dadurch zugleich einige wichttge Aufklärungen über die Verhältnisse im Beruf zu gewinnen. Dieser Vorschlag wurde an- genommen. Ferner wurde beschlossen, daß binnen 6 Wochen eine außer- ordentliche Generalversammlung stattfinden soll zwecks Abänderung der Bestimmung des Statuts, daß eine Vierfünstel-Majorität zur Be- schlußfassung über die Auflösung des Vereins notwendig ist.— Be- züglich der diesjährigen Maifeier wurde beschlossen, am Vor- mittag einen Ausflug nach Treptow zu machen, wo sich die Kollegen in einem Lokal, das noch durch Inserat im«Vorwärts" und in der«Einigkeit" bekannt gegeben wird, um 9 Uhr treffen. Die Rückkehr nach der Stadt soll so zeitig er- folgen, daß die Kollegen nachmittags an den von der Partei veranstalteten Feiern teilnehmen können. Den Arbeitslosen wird in diesem Jahre dieselbe Unterstützung wie ftüher am 1. Mai zu teil.— Für die streikenden Bürsten- und Pinselmacher bewilligte die Versammlung 39 M. 4 I I I I LKATZ& CO Zpmwmls. 45 am Molkenmarkt I für Gastwirte billigste Bezugsquelle Glas-, Porzellan-, Stahl-, Nickel-Waren etc. sowie samtlichen Bedarfsartikeln. 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