Nr. 95. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl, 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat, Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mai- Angst. Eine bürgerliche Korrespondenz meldet: Für die socialdemokratische Maifeier, welche in diesem Jahre, da der 1. Mai auf einen SonnSonnabend, den 23. April 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Gegen diesen Rechtszustand demonstriert die Maifeier hat, während er mit einem andern Teil parallel läuft, genügt durch. allerdings. Aber in dieser Demonstration lebt der Frühling aus nicht mehr dem Verkehr, der sich in den beiden letzten Jahr zehnten mehr als verdoppelt hat, so daß die Kleinschiffer und schreitet die Geschichte selbst ihren notwendigen Weg. trotz des vor zwei Jahren eingeführten verstärkten Nachtdienstes Was wollen alle Flinten und Säbel gegen die Gewalt an den Schleusen zu oft tagelangem Warten gezwungen sind. Be der Natur und das Gesetz der Menschheit! Die Frühlings- fonders gilt das von der Liebenwalder Schleuse, wo der Verkehr tag fällt, in größtem Umfange stattfinden dürfte, kraft der Natur, das Frühlingsrecht der Völker spottet aus dem Voßkanal einmündet. Diese Beschwerlichkeiten haben werden von den Sicherheitsbehörden die weitesten dieses bestehenden Rechtszustandes", der es nicht verträgt, bereits, wie die Schleusenstatistik und die Jahresberichte der VorMaßnahmen getroffen. Schon jetzt ist, jedenfalls daß das Proletariat für Völkerfrieden, Arbeitserleichterung und steher der Stettiner Kaufmannschaft tonstatieren, in den letzten Jahren nach einheitlichem Plane, in vielen Städten den Arbeiterorganisation sich begeistert. ein geringes Nachlassen in der Benutzung des Wasserweges für socialdemokratischen Verbänden ein Umzug in ge= Mag man den Arbeitern die Mai- Umzüge verbieten, der gewisse Massengüter bewirkt, indem diese trotz der höheren Frachten schloffener Masse untersagt worden, da derartige Mai zieht dennoch um- und scheucht lächelnd im häufiger als früher der Eisenbahn zum Transport übergeben wurden. Sodann aber find die Wasserfrachten auf der bisherigen Wassers Rundgebungen eine Demonstration gegen Triumph die lächerliche Mai- Angst aus der jauchzenden Frei- straße Berlin- Stettin zu hoch. Sie stellen sich im Ganzen nicht viel den bestehenden Rechtszustand beheit des Frühlings hinter die dumpfen Kasernenmauern und in niedriger, als die Frachten von Hamburg nach Berlin, wenigstens deuteten und deshalb eine Gefahr für die staubigen Polizeistuben! Dort mag sie in Sicherheit was die schweren Massengüter anbetrifft. Die Hauptursache dieses die öffentliche Sicherheit, Ruhe und zittern! hohen Frachtenstandes ist, daß auf dem bisherigen Schiffahrtswege Ordnung in sich bergen. Die Gendarmerie wird von Berlin nach Stettin nur Schiffe bis zu einer Ladefähigkeit von Hamburg- Berlin auf der Basis eines regelmäßigen Verkehrs von " - = Bom am Maitage vollzählig auf dem Plane erscheinen, Der Großschiffahrtsweg Berlin- Stettin. 170 Tonnen verkehren können, während die Frachtpreisbildung um nötigenfalls eingreifen zu können. Auch das Militär wird am 1. Mai teilweise auf Ausgang Unter den verschiedenen wasserwirtschaftlichen Vorlagen, welche 400 Tonnen- Schiffen erfolgt und ohne Schwierigkeiten Schiffe mit verzichten müssen, da Kafernenkonfignierungen vor- für Berlin und die Provinz Brandenburg zweifellos der Groß- gestellt werden können. Deshalb ist auch die Herstellung des neuen die Regierung erneut dem preußischen Landtage eingereicht hat, hat einer Ladefähigkeit bis zu 600 Tonnen in diesem Frachtdienst ein gesehen sind." schiffahrtsweg Berlin- Stettin die größte wirtschaftliche Bedeutung, Großschiffahrtsweges Berlin- Stettin und die Anlage der Schleusen Es läßt sich kein wirksamerer Aufruf zur Maifeier denken, umsomehr, als die Regierung trotz der bekannten vom Kaiser bei der in solcher Breite und Tiefe geplant, daß auf ihm ebenfalls 600 ale diese prächtige Kundgebung aus dem Gendarmen- und Eröffnung des Dortmund- Ems- Kanals abgegebenen Versicherung: Tonnen- Schiffe verkehren können, wodurch voraussichtlich die jetzigen Stafernenstaat. „ Dafür werde ich stehen"! vorläufig in ihrer Anpassung Wasserfrachten sich um etwa ein Drittel ermäßigen würden. In früheren Jahren bestand das Verbrechen der Mai- an die Wünsche der Wünsche der ostelbischen Groß- Agrarier auf die Auch gegen die Linienführung läßt sich, wenn man die Angabe feter des Proletariats aller Länder darin, daß sich die Arbeiter Durchführung des noch bor furzem mit allen mög der Technifer als gegeben betrachtet, daß eine einfache Erweiterung erfühnten, aus eignem Rechte an einem Festtage, den sie sich lichen und unmöglichen volkswirtschaftlichen, politischen und des alten Kanals aus technischen Gründen unzweckmäßig ist, nichts selbst geschaffen, der Fron zu entlaufen und Menschen zu militärischen Gründen verfochtenen Mittellandkanal- Projektes gehorsamst einwenden. Der neue Kanal vermeidet eine ganze Reihe Krüm sein. Das war, so erzählte man uns, die furchtbare Auf- berzichtet und sich in stiller Bescheidenheit einstweilen mit einer mungen des alten Wafferweges, enthält weniger Schleusen und lehnung gegen die Rechtsordnung, die mit starker Hand nieder- Ratenleistung, der Fortführung des Emstanals bis an der Leine überdies wird durch ihn die Wasserstraße von Berlin nach Stettin gelben Strand, begnügt. um ungefähr drei Meilen verkürzt. Während der Weg durch den gehalten werden mußte. In der ersten Kanalvorlage, wie sie im Jahre 1899 im Landtag Finow Kanal von Berlin( ab Mühlendamm) eine Länge von Diesmal ist der erste Mai gesetzlicher Feiertag. Der erschien, fehlte der sog. Großschiffahrtsweg Berlin- Stettin gänzlich, 194 Kilometer hat, wird der neue Großschiffahrtsweg nur etwa Kalender selbst ist revolutionär geworden und pattiert mit obgleich der Gedanke der Herstellung einer für größere Fahrzeuge 172 Kilometer lang sein, wovon 107 Stilometer auf die Stanal dem Umsturz. Der erste Mai ist von Staats wegen in diesem befahrbaren Wasserstraße zwischen Berlin und den bedeutendsten strecke von Berlin( Mühlendamm Schleuse) bis zur Hohenfaathener Jahre ein Tag der Arbeitsruhe. Wenn das Proletariat also preußischen Seehäfen keineswegs jüngsten Datums ist, sondern schon Schleuse kommen, der Reft auf die Unter- Oderstrecke von Hohendiesmal sein Weltfrühlingsfest feiert, so verlegt es nicht das in den fiebziger Jahren in Berliner Handelskreisen viel erörtert faathen bis Stettin. Geplant ist folgende Ausführung: Die Verbindung mindeste„ Recht", es stört um keine Minute den raftlosen Gang wurde. Die Regierungsvorlage von 1899 enthielt nur die Forde- von Berlin geht einmal durch den Berlin- Spandauer Schiffahrtskanal rung von 261 Millionen Mark für den Dortmund- Rhein- und den zum Tegeler See, sodann durch die Unterspree über Charlottenburg der göttlichen Profitmaschine. fich an diesen anschließenden sogenannten Mittelland- Kanal. Als und Spandau und weiter die Havel aufwärts. Dieser zweite Weg Sonst erlebten wir jedes Jahr um diese Zeit einen Zeit- tros des persönlichen Eintretens des Kaisers für den Kanalbau und ist jetzt schon für größere Fahrzeuge brauchbar, nur muß in artikel der Bossischen Zeitung", in dem Haarflein troß der eigenartigen Appellation Miquels an feine seelenverwandten Spandau eine neue Schleuse erbaut werden. Der Schiff nachgewiesen wurde, welcher Frevel es sei, mutwillig kontrakt- Baterlandsfreunde" die im preußischen Abgeordnetenhause fahrt Kanal von Plößensee bis zum Tegeler See muß brüchig" zu werden und in frechem Uebermut den Unter- herrschenden Agrarier ungerührt das Kanalprojekt mit 228 gegen dagegen entsprechend verbreitert und vertieft werden. nehmern den rechtswidrigen Willen der Arbeiter aufzuzwingen. 126 Stimmen durchfallen ließen, versuchte es bekanntlich Graf Tegeler See aus benutzt die Schiffahrtstraße die Havelseen In diesem Jahre sollte man meinen, würde die Bossische Bülow bei der Wiedereinbringung der Kanalvorlage im Jahre 1901, und weiterhin die Havel, fällt also im wesentlichen mit der Zeitung" selber einen Aufruf bringen zu Gunsten einer Feier, diese durch Verbindung mit verschiedenen die östlichen Wasser- bestehenden Wasserstraße zusammen. Um die unbequemen, teilweise die ja durchaus kein Rechtsgut" verletzten kann. Wir verwege betreffenden Kompensationen für das ostelbische Junkertum nicht erweiterungsfähigen Schleusen bei Pinnow, Dranienburg und nehmen nichts dergleichen. Im Gegenteil, es scheint, als ob schmackhafter zu gestalten. Die Kanalvorlage hatte sich zu einer großen Walz zu vermeiden, wird unterhalb Pinnow die alte Straße ber die Mai- Angst der kapitalistischen Gesellschaft heuer noch stärker asserwirtschaftlichen Vorlage ausgewachsen, deren Forderung sich auf lassen und bis oberhalb der Malzer Schleuse ein neuer Weg hergestellt, 389 Millionen Mark stellte, da neben dem Mittelland- der zunächst bis in die Nähe von Lehnitz die Havel verfolgt, dann sei als sonst. Man fürchtet, daß die Massen unter der Sonne Sanal beträchtliche Summen für den Bau eines Großschiffahrts- unter teilweiser Aufnahme des dort in der Ausführung begriffenen für den Frühling demonstrieren und durch die bloße Gewalt weges von Berlin nach Stettin und für die Ober- und Weichsel- Privattanals nach dem Lehnißfee führt, diesen durchschneidet und ihrer Zahl und die Tiefe ihres Gefühls beweisen, wie start Wasserstraßen gefordert wurden. Diese Zugeständnisse an die Inter- von seinem Nordende aus nach Herstellung der Lehnizdie Welt der Arbeit sei. Wir sollen nicht Feste feiern, damit effen des landwirtschaftlichen Oftens sollten die Agrarier dem Ver- schleuse als neuer Sanal bis zu seiner Vereinigung mit der alten wir nicht in dem Bewußtsein unsrer Macht wachsen. Wir langen der rheinisch- westfälischen Großindustrie nach dem Rhein- Wasserstraße oberhalb der Malzer Schleuse läuft. Darauf wird auf sollen dem Mai nicht huldigen, damit der Philifter Elbe- Kanal gefügiger machen. Deshalb wurde von der Regierung 6,2 Kilometer Länge bis Dusterlake der zu erweiternde alte( Malzer) nicht mit eignen Augen das Schreckliche schaudernd zu sehen auch die untrennbarkeit" der Vorlage verkündet. Die Junker hatten stanal benutzt. Bei Dusterlake wendet sich die neue Linie sodann braucht, wie gewaltig die brausende Frühlingskraft der Mensch- jedoch für diese Zumutung an ihre Verdauungstraft nicht das ent- öftlich durch das Kreuzbruch, die Römer- und Großen Wiesen nach sprechende Verständnis. Ihnen dünkten nur die in dem Strudel Ruhlsdorf, wo der Finow Kanal an der Einmündung des fteckenden Rosinen genießbar, und so griff bekanntlich Graf Bülow, Werbellin- Sanals gefreuzt wird. Nun verfolgt die Linie auf Was aber kann allein die Herrschenden vor ihrer Mai- um die Regierung nicht einer neuen offenen Niederlage auszusetzen, etwa 1 Kilometer Länge den Werbellin Kanal, behält, Angst schützen: Gendarmen und Soldaten. Wie im Jahre zu dem seltsamen Mittel, den Landtag kurz vor der Abstimmung zu dieser sich nach Westen wendet, zunächst die gerade Richtung bei, um 1890, als wir zum erstenmale das Maifest feierten, werden schließen. dann durch das höher gelegene Gelände nach dem Pechteich- See ab wieder die Gendarmen und Soldaten gegen den Frühling In seiner Schlußrede erklärte er nochmals: Die Rezuschwenken. Um die zahlreichen Schleusen der Ddertreppe zu um mobilisiert. Arme Proletarier im bunten Rock! Man gierung muß die Kanalvorlage als ein Ganges gehen, muß von hier aus ein neues Kanalbett bis Liepe hergestellt nimmt auch Euch Euren Sonntag weil, nun weil betrachten, aus welchem wesentliche Bestandteile werden. Die Linie geht in ebenem Gelände nördlich von Steinfurth die Arbeiter sich einen Tag lang freuen wollten. Selbst gegen ohne Beeinträchtigung wichtiger wirtschaftlicher nach Lichterfelde und weiter in südöstlicher Richtung auf Eberswalde Interessen nicht ausgeschaltet werden können." zu. Nach Kreuzung der Berlin- Stettiner Eisenbahn in der Nähe ihr schlechtes Gewissen schützen sich die Herrschenden nicht selbst, Das war damals im Jahre 1901. Seitdem aber hat Bülow die von Eberswalde wird dann in nordöstlicher und später östlicher sondern sie zwingen Proletarier, ihnen die Mai- Angst mit Entbedung gemacht, daß die Konsequenzmacherei" einer un- Richtung das höher gelegene Gelände des Eberswalder Stadtforstes Revolver, Säbel und Flinte zu scheuchen. diplomatischen Veranlagung entspringt, und wer deshalb als und des Choriner Forstes aufgesucht, in der die Linie annähernd bis Und wozu der elende Aufwand? Warum werden die preußischer Diplomat gelten will, den Beweis feiner Inkonsequenz Liepe verbleibt. Hier erfolgt mittels einer Schleusentreppe und einer Mai- Umzüge verboten, warum wird das junge Grün der auf- führen muß. Mit der jetzt zum drittenmal im Landtag daneben liegenden geneigten Ebene, an deren Stelle auch ein blühenden Welt mit Bickelhauben übersäet? eingebrachten Vorlage giebt der Reichskanzler seine früheren Grund- Hebewerk oder eine zweite Schleusentreppe treten kann, der Weil die Maifeier eine„ Demonstration gegen den be- fäße völlig preis. Nicht nur ist in der neuen Vorlage der Mittel- Abstieg ins Oderthal. Von Liepe aus wird die größtenteils in der stehenden Rechtszustand" ist und deshalb die öffentliche Nuhe, land- Kanal zu einem kuriosen Torso zusammengeschrumpft; die alten Oder liegende, bestehende Wasserstraße benugt, die nur an Regierung hat auch, wie die agrarische Rechte verlangte, die zur einigen Stellen zu vertiefen ist. Bei Hohenfaathen wird dann der Sicherheit und Ordnung stört. Stompensation bestimmten Vorlagen, d. H. die Entwürfe zur Ver- Schiffsverkehr durch eine neu zu erbauende große Schleuse in die minderung der Hochwassergefahren in den öftlichen Provinzen sowie Strom- Oder geleitet. zur Berbefferung der Borflut in der unteren Ober, Havel und Spree, Da die Frachtkosten von Stettin und der unteren Ober nach bon den eigentlichen Kanalvorlagen abgetrennt, so daß den Agrariern, Berlin durch die geplante neue Verbindung beträchtlich ermäßigt während man sie früher zur Ableistung des ganzen Menus zwingen werden und diese Frachtverbilligung wieder auf die Preise der von wollte, jetzt bereitwilligst freigestellt wird, gana nach Belieben dort bezogenen Bedarfsartikel zurückwirken wird, ist Berlin an dem à la carte zu speisen. Bau des neuen Schiffahrtsweges wirtschaftlich in hohem Maße Diese Thatsache, daß der Großschiffahrtsweg von Berlin nach interessiert. Nach der Denkschrift der Regierung stellte sich der Stettin nur als eines der Kompenfationsobjekte an den agrarischen Gesamt- Drtsgüterverkehr Berlins mit Einschluß des WerDften den wasserwirtschaftlichen" Vorlagen eingefügt ist, schließt fehrs von Charlottenburg und Rigdorf( aber ohne Die Vororte), soweit er zu Wasser erfolgte, in inbes nicht aus, daß die geplante Wasserstraßenverbindung einem übrigen wirtschaftlichen Bedürfnis entspricht und alle Vorbedingungen für eine den Jahren 1899 bis 1902 auf 6 700 000 Tonnen bis spätere Rentabilität bietet, wenn auch in den ersten Jahren die Ein- 7 300 000 Tonnen jährlich und kommt also dem Eisenbahnnahmen sicherlich nicht die Ausgaben und die Verzinsung der Anlage verkehr nahezu gleich. Davon entfallen auf die Hohenfaathener fosten decken werden. Die Havel- Ober- Verbindung( Finow- Kanal), mit Wasserstraße etwa 35 Proz. Die für die Verbilligung der Fracht welcher der neugeplante Kanal einen Teil der Wasserstraße gemeinsam in Betracht kommenden Massenartikel sind besonders Holz( von der heit der Unterdrückten sei. Die Maifeier des Proletariats demonstriert für den Die Maifeier des Proletariats demonstriert für den Weltfrieden: Das ist die Störung der öffentlichen Ruhe der Barbarei. Die Maifeier des Proletariats demonstriert für den Achtstundentag: Das ist die Störung der Sicherheit des Arbeitswuchers. Die Maifeier des Proletariats demonstriert für eine vernünftige Organisation der Gesellschaft: Das ist die Störung der Drdnung der Anarchie. Wenn unsre Maifeier denn eine Demonstration gegen den bestehenden Rechtszustand sein soll, dann wird damit zu gestanden, daß der bestehende Rechtszustand unlöslich beruht auf der rohen Völkerverhekung, der brutalen Ausbeutung und der blinden Willkür. " 4 0 wo Warthe, von Stettin und Liepe nach Berlin), englische Steinfohlen, I geben, aber stets waren ihre Träger die Organisationen der Jetzt beantragten die Abgeordneten der Rechten, es bek Roheisen, schwedische Granitsteine und Cement( von Stettin- nach Arbeiter und die Beamten standen vom Kampfe abseits der bisherigen Praris zu belassen, wonach der Fonds zur Berlin), Mauersteine( aus dem Gebiete des Finow- Kanals und der oder ihm in offener Feindseligkeit gegenüber. An Deckung aller außerordentlichen Ausgaben verwendet werden oberen Havel sowie aus dem Oderbruche nach Berlin), Kalksteine( von diesem Streik nehmen aber alle teil, die im Dienste der ungarischen könnte. Unfre Redner, die Genossen Dr. Südekum und Rüdersdorf nach der unteren Oder und der Warthe), Kies und Thon Staatsbahnen stehen; was in dem großen Betriebe denft und Ledebour, wiesen auf die Kommissionsdebatten hin, wo ( von Hohenfaathen, Niederfinow, Naduhn nach Berlin und Nüdersdorf). arbeitet, was wirft und schafft, alles steht im hellen auch die bürgerlichen Parteien die Notwendigkeit betont hatten, Ferner ist auch damit zu rechnen, daß die Erzeugnisse der Berliner Aufruhr wider Diesen elenden Staat, dessen Vereine bessere Uebersicht über die Finanzwirtschaft der KolonialEisen- und Maschinenindustrie, die zum Versand nach den Gebieten walter sich schamlos bereichern und der die verwaltung zu erhalten. Sie betonten, daß kein Kolonialder Ostseeküste oder zum Erport nach den skandinavischen Ländern arbeitenden Menschen in qualvollem Joch darben Etat zur erstmaligen Vornahme einer solchen Neuerung so bemmt sind, häufiger als bisher auf dem Wasserwege zur Ver- läßt. Der Streit, der so plötzlich ausgebrochen ist und dem ganzen geeignet sei, wie der diesjährige für Südwestafrika, der ja bei frachtung gelangen und infolge der billigeren Fracht in jenen Betrieb sich sofort wie mit Bligesschnelle mitgeteilt hat, der war fein der Unmöglichkeit, die fünftigen Ereignisse vorauszusehen, Gegenden an Konkurrenzfähigkeit gewinnen. kühler, wohlerwogener Beschluß organisierter Menschen, kein plan- doch nur theoretische Bedeutung habe. Das Centrum verEin den Verkehr belebender Einfluß ist weiter von dem Kanal mäßig erdachter Vorstoß in einem Lohnkampf. Das ist ein Ausdruck schloß sich diesen Argumenten. Prinz v. Arenberg, der auf das von ihm durchschnittene Gebiet zu erwarten. Besonders von Erbitterung, ein Ausbruch von Hak, ein Schrei gleichsam als Referent den Kommissionsantrag empfohlen hatte, dürfte die Spandauer Maschinen-, Schiffbau- und Schneidemühl- aus den innersten Empfindungen heraus. Dreißig Jahre haben empfahl als Abgeordneter, der Kolonialverwaltung freie Hand Industrie davon Vorteil haben. Ebenso kann Oranienburg auf die Eisenbahner keine Verbesserung ihres Lebens empfangen und zu lassen; und seine Parteifreunde ließen sich ohne Widereinen gewissen Nugen rechnen, schon deshalb, weil in dessen Gebiet seit drei Jahren währt schon der Kampf der Bitten und Vorspruch nachsagen, daß sie sich der Tragweite ihrer Abstimmung durch die infolge des Kanalbaues dort eintretende Senkung des stellungen um die ihnen von allen Regierungen versprochene Ge- in der Kommission nicht bewußt gewesen wären. So fiel denn Wasserspiegels und Grundwasserstandes geeignetes Gelände für haltserhöhung. Und was bietet nun die Regierung Tisza? Die das Centrum wieder einmal um; und die Kolonialverwaltung getverbliche Anlagen geschaffen wird. Für Birkenwerder und Heger- felbe Regierung, die so nobel sein kann, daß sie für die Kosten des kann weiter nach ihrem eignen Belieben wirtschaften, ohne mühle, in gewissem Grade auch für Zehdenick, wird der Absatz der Hofstaates zwei Millionen Kronen mehr begehrt, will die dreißig sich um die Zweckanweisungen zu kümmern, die der Reichstag Ziegeleien erleichtert, wie auch die Industrie im Gebiete des Finow- Tausend Menschen mit zweieinhalb Millionen Kronen abspeisen!..." den bewilligten Geldern giebt. „ Der Streik der ungarischen Staatsbahner ist nicht bloß Nach einem furzen Zwischenspiel, in dem der Antisemit besserung des Verkehrsweges Vorteil ziehen wird. Vor Liepe harren einer der merkwürdigsten Lohnkämpfe, die jemals Liebermann v. Sonnenberg und der freisinnige ergiebige Thou, Kics- und Mauersand- Lager der Erschließung, die Ehrerbietung der civilisierten Menschheit Volksparteiler Dr. Müller Sagan darüber stritten, ob während der bedeutenden Holzschneide- Industrie in Liepe und Oder- in Anspruch genommen haben; er ist nicht minder eine jüdische oder christliche Pferdehändler die ostpreußischen Bauern berg aus der Erleichterung und Verbilligung des Transportes des Offenbarung über den Zustand des ungarischen Staates. Das fühlen bei dem Ankauf von Pferden für Südwestafrika übervorteilt verschnittenen Holzes nach der Elbe erhebliche Vorteile erwachsen die Tisza und Hieronymi sehr wohl und deshalb hat der sonst hätten, blieb das Centrum zur Abwechselung wieder einmal werden. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist schließlich die so hochmütige Herr Tisza, nachdem er im Abgeordneten feinen früheren Beschlüssen treu. Die Kommission hat in der Schaffung der Wasserstraße für die Verwertung der Erzeugnisse der Hause mit Bajonetten gedroht hatte, zu den Streifenden Friedens- Frage der Entschädigung der durch den Aufstand geschädigten angrenzenden bedeutenden Forsten. boten geschickt und um Frieden gebettelt. Denn der Streit zeigt so Einwohner in Südwestafrika beschlossen, Beihilfen nur den wunderbar deutlich, wie dieses Ungarn verwaltet wird. Staats- und Bedürftigen, rückzahlbare Darlehen allen Geschädigten zu getönigstreue Beamten lassen den Dienst stehen, den Dienst in dem währen. Jezt traten die konservativen Parteien im Verein exponiertesten Gebiete des modernen Industrie- und Militärstaates: mit der Kolonialverwaltung an den Reichstag mit der Zuwie viel Erbitterung muß sich da vorher angehäuft haben?!" mutung heran, auch den Nichtbedürftigen einfach ein Geschenk von Reichs wegen zu machen. Demgegenüber wiesen die Abgeordneten Payer( Südd. Vp.) und Gröber( C.) darauf hin, daß diese Mittel selbst von armen Leuten auf dem " In Debreczin haben die Streifenden die Lokomotive vom Wege indirekter Steuern aufgebracht würden, daß sowieso Buge abgekoppelt, so daß der Zug nicht weiterfahren konnte. Bei schon 6000 M. Entschädigungen auf jeden Kopf entfallen, und der Debrecziner Betriebsleitung lief ein Telegramm daß man bei Ueberschwemmungen in Deutschland sich viel vom Ministerium ein. Das Telegramm begann mit den Worten: weniger splendide gezeigt habe. Um jedes weitere Abstreiten Ich verordne..." Es wurden nur diese beiden Worte auf- unmöglich zu machen, stellte Genosse Ledebour an den genommen. Der Beamte schaltete den Telegraphen- Apparat aus Kolonialdirektor die Frage, wie groß die Zahl der Entund telegraphierte zurück: Auf das übrige sind wir nicht neu- schädigungsberechtigten überhaupt sei. Aus der Antwort des gierig!" Kolonialdirektors ist zunächst die bemerkenswerte Thatsache zu entnehmen, daß während des ganzen Aufstandes nur 4 Frauen ums Leben gekommen sind. = Ueber eine denkwürdige Streifepisode erzählt die„ Wiener ArbeiterBeitung" das folgende: Nicht minder ist Stettin an dem Zustandekommen des neuen Großschiffahrtsweges interessiert, der ihm die Gelegenheit zur Zurückgewinnung eines Teiles des brandenburgischen Hinterlandes bieten würde, das ihm seit einigen Jahren Hamburg mit steigendem Erfolge strittig macht. Allerdings jene hohen Erwartungen, welche die Regierungs Denkschrift in Bezug auf den künftigen Wettbewerb Stettins an den Bau der neuen Wasserstraße knüpft, vermögen wir nicht zu teilen; heißt es doch z. B. in der Denkschrift:„ Es ist sogar zu erwarten, daß für gewiffe Güter die für Stettin höhere Seefracht nach und von England und Amerika durch die Verbilligung der Binnenfracht ausgeglichen werden wird, und daß Stettin auch bezüglich noch andrer Artikel als der Kohle für die Güterbewegung zwischen jenen Ländern und Berlin nebst Umgebung mit Hamburg erfolgreich in Wettbewerb treten fann." Ueber die Gestaltung des Schiffahrtsverkehrs entscheidet denn doch nicht nur die Höhe der Frachten allein, sondern auch die Frage, inwieweit nach den betreffenden Häfen auf volle Ladungen zu rechnen Abendstunde noch ein amtliches Telegramm aus Breslau( Oderberg) Bei der Eisenbahndirektion Berlin traf am Donnerstag in später ist und ob sich dort Gelegenheit zur Einnahme entsprechender ein, nach welchem nunmehr auch der Verkehr der Orients und Rückfrachten bietet. In dieser Hinsicht aber steht Hamburg ungleich Ostende Expreßzüge eingestellt worden ist. Des günstiger als Stettin. Der Hiniveis auf die starke Einfuhr eng- weiteren besagt die Depesche, daß leider auch der Güterbertebr Lischer Kohlen in Stettin hinkt, denn für den Verkehr der Kohlen- infolge des Streits gänzlich sistiert werden muß: alle schiffe sind besonders günstige Bedingungen vorhanden. Genügende Gütersendungen, welche für Stationen der fgl. ungarischen StaatsRückfrachten finden sich zwar auch für diese Schiffe nur selten in Stettin, bahnen, sowie für den Durchgangsverkehr über deren Streden beaber sie haben einen Ausweg gefunden, sie fehren nämlich nicht direkt stimmt sind( sofern in letzterem Falle die Güter nicht über Hilfsnach England zurück, sondern fahren zunächst in Ballaſt nach versendern zur Verfügung gestellt werden. Damit routen geleitet werden können), sollen angehalten und den schwedischen oder russischen Häfen und gehen dann von dort mit ist natürlich auch die Annahme von Expreß- und Frachtgut für Holz- und Erzladungen nach England. Dieses Verfahren vermögen und über Ungarn sistiert und der Staatsbahn- Verwaltung blieb aber die andren Frachtdampfer nicht einzuschlagen. nichts andres übrig, als die sämtlichen Güterabfertigungsstellen telegraphisch anzuweisen, für die ungarischen Staatsbahnen Gütersendungen bis auf weiteres nicht mehr anzunehmen. Immerhin bedeutet der geplante Großschiffahrtsweg BerlinStettin eine derartige Förderung des Wirtschaftslebens der von ihm durchschnittenen Gebiete, daß selbst dann, wenn die Einnahmen noch auf Jahre hinaus die Verzinsung der Anlagekosten nicht decken sollten, die geforderten 48 Millionen Mark sicherlich weit besser angelegt sind, als die weit höheren Summen, die der Staat seit Langem in unglücklichen Kolonialunternehmungen verpulvert hat. Der Generalstreik der ungarischen Eisenbahner = ---= noch der Nachprüfung. Nach seinen Angaben sind 526 PerDie übrigen Angaben des Kolonialdirektors bedürfen jonen zu entschädigen; es scheint aber, als ob er die 130 bei dem Aufstand umgekommenen Personen mit eingerechnet hat. Bei der Abstimmung wurde der konservative Antrag abgelehnt, die Kommissionsfassung aufrechterhalten. Der Rest des Etats für Südwestafrika wurde debattelos bewilligt. mit dem Etat für Kiautschou und den übrigen Resten des Etats, In seiner morgigen Sigung wird sich das Haus zunächst dann mit kleineren Vorlagen zu beschäftigen haben. + Deutsches Reich. Konservativer Reichstagsgroll. Budapest, 22. April.( B. H.) Der Stand des Eisenbahnerstreiks Die Störung und Verschleppung der Reichs ist unverändert. Der Honvedminiſter Nihri hat sich nach Wien tags- Arbeiten durch die Socialdemokratie ist ein bes begeben, um beim Kaiser die Bewilligung zu erhalten, bei einem liebtes Geschwäß der Konservativen. Ein Musterbeispiel, wie eventuellen Fortdauern des Streits einen Teil der Reserve ein- dieser heitere Infinn betrieben wird, bietet wieder die Konservative berufen zu können, um auf diese Weise Beamte und Personal zu Korrespondenz", der es alsbald die gesamte Amtsweisheit in den erhalten, welche der militärischen Disciplin unterstehen. Nach Provinzen nachdrucken wird: einer Meldung, welche im Streiflager eingetroffen ist, ist ein Personenzug, welcher heute vormittag 8 Uhr von Budapest ab= gelassen wurde, entgleist. Details fehlen. Politifche Ueberficht. Berlin, den 22. April. Kolonial- Etat. # ist durch die seit vorgestern nacht schwebenden Verhandlungen noch nicht beigelegt worden. Das Streiffomitee hat im Einverständnis mit den Beamten seine Minimalforderungen formuliert, von denen es nichts ablassen zu können erklärt. Die Regierung ihrerseits will auf diese Forderungen, bei denen es sich im ganzen um 5 Millionen Kronen( 44 Millionen Mart), also im Grunde um eine Die Etatberatung, die heute im Reichstage fortgesetzt Bagatelle handelt, nicht eingehen, und versucht es zur Abwechslung wurde, ging außerordentlich schnell und glatt von statten. wiederum mit Einschüchterungen. So erklärte am Freitag im Ab- Der Etat des Reichs Militärgerichts und der geordnetenhaus Ministerpräsident Graf Tisza auf eine des Rechnungshofes wurden debattelos bewilligt und Anfrage des Abg. Rakovszky, es sei wenig Aussicht, daß das Ent- auch bei dem vom Reichsamt des Innern noch zurückgestellten gegenkommen der Regierung seitens der Eisenbahnbeamten ent- Titel" Patentamt" entspann sich nur eine unwesentliche sprechend aufgenommen werde. Es würden daher organi- Debatte, die sich um die hierzu eingegangenen Petitionen von satorische Maßnahmen getroffen, um den Verkehrsdienst, Beamten um die materielle Besserstellung drehte. Bemerkenswenn auch vorläufig in beschränktem Umfang, wieder wert aus dieser Diskussion war, daß eine Petition der aufzunehmen. Falls die Eisenbahnbeamten im Laufe des heutigen expedierenden Sekretäre statt nach dem Kommissionsantrage Tages nicht zu ihrer Pflicht zurückkehrten, so würden von morgen an neue Kräfte an ihre Stelle treten und für den Eisenbahndienst angeworben werden, wodurch die Ausständigen selbstverständlich ihre Stellen vertüren. V V zur Erwägung der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen wurde. Das Centrum, das den Komniissionsbeschluß selbst herbeigeführt hatte, wie Genosse Singer fonstatierte, hatte sich inzwischen auf seine Beamtenfreundlichkeit besonnen und ließ durch seinen Redner, den Abg. Speck, diese Aenderung der Kommissionsbeschlüsse beantragen. 1111 zweite Etatsberatung " Im Reichstage rückt die langsam weiter. Zudem ist fast ein ganzer Sigungstag zu der Besprechung der ganz unnötigen social demokratischen Interpellation über die Außer betriebsetzung bon Kohlengruben int Ruhrrevier bers schwendet worden. Nachdem der Reichskanzler die Bes antwortung der Anfrage abgelehnt hatte und im preußischen Abgeordnetenhause bereits eine ausgiebige Besprechung dieses, der Kompetenz des Reichstages nicht unterliegenden Gegenstandes gepflogen worden war, hätte man im Reichstage sich damit zufrieden geben können. Allein es sollte dent „ Genossen" Hue Gelegenheit zu einer Agitationsrede an die Bergleute gegeben werden, und dank der Unterstützung durch das Centrum gelangte auch der socialdemokratische Antrag auf Bes sprechung der Juterpellation zur Annahme. Die Geschäftslage im Reichstage ist trostloser als sie jemals war. Es scheint, als bestche keine Möglichkeit, in dieser Session, außer dem Etat noch irgend etwas Nennenswertes zu stande zu bringen. Der Vorschlag, noch einige erste Lesungen, beispielsweise die der Börsengesetz- Novelle, vorzunehmen und dann den Reichstag bis zum Herbst zu vertagen, scheint neuerdings kaum Aussicht auf Verwirklichung zu haben. Die wenigen Parlamentarier, die das Opfer ihrer Anwesenheit bei den un glaublich öden Debatten bringen, sind müde und wünschen vor Pfingsten den Sessionsschluß herbeizuführen. Die Gesezgebungs- Maschinerie ist also durch die Wie die„ Neue Freie Presse" meldet, befindet sich der socialdemokratischen Schwäger lahmgelegt." Landesverteidigungs Minister Ungarn, für General Major v. Nigri, in Wien, um dem Kaiser und Auch der Kolonial- Etat, dessen Beratung den abstimmung in eine weit geringere Rolle verwiesen, als ihr durch Im Reichstag sind die Konservativen durch das Urteil der Voltsdem Kriegsminister Vorschläge wegen der Mobilisierung des Hauptteil der Sizung einnahm, führte nicht zu den großen ungerechte Selassen- Wahlsysteme gestütztes Großmachtsbewußtsein es Eisenbahnregiments behufs Brechung des ungarischen Eisenbahner- Redekämpfen, die man allgemein erwartet hatte. Nachdem erträgt. Die Konservativen Hassen den Reichstag ebenso, wie sie den Ausstandes zu machen; eventuell werden noch weitere Mobili die Etats für Ostasien, Togo und Kamerun debattelos ge- preußischen Dreiflaffen- Landtag lieben; darum mühen sie sich hartsierungen erfolgen, um Eisenbahnbeamte und Arbeiter zu gewinnen, welche der militärischen Dis- nehmigt waren, gegen unsre Stimmen, gab zum Etat für nädig, den Neichstag zu verunglimpfen. Deutsch- Südwestafrika Genosse Bebel kurz die Erklärung So verständlich der konservative Reichstags- Verdruß, so sollte ciplin unterstehen. Sechs Compagnien des Eisenbahn- und Tele- ab, daß er sich die Erörterung der dortigen Vorgänge bis zur doch die konservative Presse ihn etwas flüger äußern. Wenn von graphen Regiments, das in Korneuburg bei Wien dritten Lesung vorbehalte, dann aber eine Antwort des Staats- unglaublich öden Debatten" geredet wird, so erinnert sich aber ftationiert ist, gingen am Freitagmorgen mit Dampffchiffen fekretärs auf seine früher gestellten Fragen erwarte. Das jedermann zunächst an das- preußische Abgeordneten haus, dessen Verhandlungen allerdings, dank der konservativen nach Budapest ab, um den Dienst auf den wichtigsten Linien der veranlaßte auch die meisten bürgerlichen Redner, auf das Wort Herrschaft baselbst, so öde zu sein pflegen, daß- leider!- das ungarischen Bahnen zu übernehmen. Auf der Staatsbahr:- zu verzichten. Nur der konservative Abg. Frhr. v. Richt- Interesse des Volkes daran überaus gering ist. Wenn von„ LahmLinie Wien- Bruck- Budapest gingen am Freitag früh Züge von hofen konnte es sich nicht versagen, eine Komödie des legung der Gesetzgebungsmaschinerie" geredet wird, so ist wiederum Wien ab, deren Lokomotiven von Ingenieuren geführt wurden. Die Patriotismus aufzuführen, indem er pathetisch erklärte, seine zuerst an das. preußische Abgeordnetenhaus zu denken, das seit vielen Kondukteur- und Wächterdienste wurden von Leute aus dem Kanzleipersonal besorgt, die früher im technischen Dienst standen.( Ob die Fraktion würde alles bewilligen, was die Regierung für Süd- Jahren in keiner Session den Etat rechtzeitig fertigſtellt, was Züge auch in Budapest eingetroffen sind, wird leider nicht westafrika forderte. Gerührt sprach ihm der Kolonialfekretär dem Reichstage immerhin in Jahrzehnten zum erstenmal geschieht. Heiter ist die Klage der Konservativen Korrespondenz" von der gesagt. Die Red.) Mehrere Dampfschiffe gingen am Morgen dicht namens des südwestafrikanischen Schutzgebietes feinen tiefbesezt auf der Donau nach Budapest ab. Die Zufuhr von gefühlten Dank aus. Dieser schnelle Schluß der General- Troftlosigkeit der Geschäftslage des Reichstages. Wohl ist bedauerDieser schnelle Schluß der General- lich, daß der Etat nicht vor Beginn des Etatsjahres fertig geworden ungarischem Vieh auf den Wiener Markt ist fast debatte wurde dem antisemitischen Abg. attmann zum ist, die Schuld hieran trägt aber die konservative Regierung, die Verhängnis. Er versäumte den Anschluß, wollte seine gut ben Reichstag ohne triftigen Grund so spät einberufen hat, daß ganz unterbrochen. Unter dem Einflusse des Ausstandes der Eisen- ausgearbeitete Rede über die Kolonialmüdigkeit und ihre Bevor Weihnachten nur wenige Sitzungen stattfinden konnten. Außerbahn- Angestellten ist in Debresin eine große Streitbewegung fämpfung bei einem falschen Titel halten und wurde dabei dem mag allerdings die von der„ Konservativen Korrespondenz" beim Gange. Die Arbeiter einer Tabakfabrik, einer Dampfmühle, der vom Vicepräsidenten Grafen Stolberg gehindert. Auch hauptete Parlamentsmüdigkeit bei den Konservativen vorherrschen, Werkstätte und der Waggonfabrik der Staatsbahnen, vom Vicepräsidenten Grafen Stolberg gehindert. sowie die Maurer, Zimmerleute, Tischler und sein Schutzengel Liebermann v. Sonnenberg ver- da diese alles daran segen, daß die Börsengesez- Novelle nicht zur Schlosser haben die Arbeit eingestellt. Es find etwa mochte ihn nicht vor der Unterbrechung zu schützen und er Verabschiedung gelangt. Pflichtbewußte Abgeordnete können 6000 Arbeiter ausständig. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sind mußte unter der größten Heiterkeit des Hauses von der die längere Dauer der Sessionen nicht mißbilligen und setzen den umfassende Maßnahmen getroffen worden. Rednertribüne abtreten. Als er zu einem späteren Titel das Anivandlungen persönlicher Müdigkeit das Allgemeininteresse voran. Und wenn die reichstagsfeindliche Presse sich über zu lange Wort erhalten sollte, war er spurlos verschwunden. Ausdehnung einzelner Debatten beschwert, so ist nicht zu verkennen, daß z. B. jüngst die bürgerlichen Barteien die Diskussion zum Etat des Reichsfanzlers bis auf fünf Tage ausgedehnt haben, wobei gerade auch fonservative Redner durch ödeste Wiederholung uralten Schwazes glänzten. * = Die Wiener Arbeiter 3eitung" bespricht den Streit in einem Artikel, dem folgende Stellen entnommen seien: Ju der Geschichte der Arbeitseinstellungen ist dieser Streit ohne Beispiel. Eisenbahnerstreiks hat es schon oft geLebhaftere Debatten gab's bei der Specialberatung der einzelnen Titel für Südwestafrika. Beim Reservefonds hatte die Kommission beschlossen, daß er nur zur Deckung unvorher gesehener Bedürfnisse verwendet werden dürfe. Am föstlichsten schließlich bewährt die Konservative Korresp."| parlamentarischen Redewendung, deren Charakter zudem jede Absicht I gelegenheiten die Mitglieder von königlichen Familien über dem das Ungeschick ihrer Bolemit, indem sie die socialdemokratische Inter- einer persönlichen Ehrenkränkung ausschloß, von einem über- Gese ½ stehen und deswegen gegenüber Gläubigern und Lieferanten pellation über das Kohlensyndikat als Zeitvergeudung auszugeben empfindlichen Heißsporn derart zur Rechenschaft gezogen zu werden. unantastbar sind. Die Diätenangelegenheit soll, so wird wieder einmal gemeldet, neuerdings die darüber entscheidenden Kreise beschäftigen. Der " Deutschen Tageszeitung" wird es von unterrichteter Seite als wahrscheinlich bezeichnet, daß der Bundesrat demnächst, wenn auch vielleicht nicht in den nächsten Wochen, sich mit der Frage der Gewährung von Tagegeldern an die Reichstags- Abgeordneten zu befassen haben werde." Nach dem„ Reichsboten" soll eine Vorlage im Civilkabinett des Kaisers liegen. Spanien. Aus der spanischen Arbeiterbewegung. abversucht. Und doch war es einer der wenigen Konservativen, die Herrn Müller- Fulda hat es gleichwohl beliebt, in einer so schmack- Aber sittlich ist das Voltsurteil seit langem ausgesprochen. sachlich reden können, der Abg. Graf Kanig, der als erster in Haften Form Abbitte zu leisten! Die öffentliche Meinung kann nicht annehmen, daß ein millionreicher dieser Debatte das Wort zu nehmen für dringend nötig hielt nnd Herr Müller- Fulda hat sich aber obendrein nicht damit begnügt, Fürst aus Familienstreitigkeiten vornehmlich wenn der Königs die Wichtigkeit dieser Angelegenheit im weitesten Maße anerkannte. dem Herrn General in aller Form zu bezeugen, daß er kein Boulanger liche Haß die Töchter nur deshalb verfolgt, weil die Prinzessinnen Die Konservative Korrespondenz", die unfreiwillig die eignen fei, sondern er hat auch die durch nichts motivierte Erklärung der Stimme der Liebe Gehör geschenkt haben das Recht herleiten Parteiführer lächerlich macht und in drastischer Komik den konser- abgegeben, daß die Forderungen des Präsidiums des kann, Gläubigern einfach die Zahlung zu verweigern! vativen Groll gegen den Reichstag verrät, sollte nur in den zurück- Flottenvereins, die in dem Referat des Generals Keim gebliebensten Junkeröden Ostpreußens verbreitet werden. Sonst niedergelegt waren, weit hinter der von der Presse ge= die Gemeint ist damit blamiert sie ihre Partei über das Maß, das ihre Gegner ihr brachten Ziffer zurückblieben! wünschen. Summe von 794 Millionen Mark, die in etlichen Blättern herausDer neuesten Nummer des" El Socialista" entnehmen wir gerechnet war. Diese Ziffer war allerdings unzutreffend, aber nur deshalb, weil sie viel zu niedrig war! Denn in Wirklichkeit folgende Mitteilungen: handelt es sich allein bis zum Jahre 1912- nicht um 794 Millionen, In Bilbao wurde kürzlich eine vom Provinzialkomitee der sondern um rund 1½ Milliarden! Wozu dann noch die Ausgaben socialistischen Arbeitergruppen einberufene Versammlung Nachdem mehrere Redner unter großem Beis für die Jahre 1812-1817 fämen, die neue Unsummen darstellen gehalten. würden, denn Herr Müller- Fulda glaubt doch nicht etwa, daß fall gesprochen, wurde folgende Resolution angenommen:„ Die während dieser Jahre unsre Flotte uns keinen Heller kosten würde! in der Zahl von 4000 versammelten Arbeiter Bilbaos verlangen Herr Müller- Fulda hätte also dahin berichtigen müssen, daß die von den Behörden nachdrückliche Maßregeln zur Verbilligung der Forderungen der Flottentreiber in der bürgerlichen Presse um viele Hauptnahrungmittel und schnellste Beseitigung der Arbeitslosigkeit, „ Sie protestieren hundert Millionen zu niedrig angegeben worden seien. Statt dessen die so viele Opfer unter den Arbeitern fordert." verfchleierte er die Tragweite des ungeheuerlichen Attentats der Flotten- ferner gegen die Verfolgungen, denen die liberalen Elemente und ganz besonders die Socialisten sowohl in Bilbao, als auch in den treiber auf das deutsche Volk!! Bergiverksregionen ausgesetzt sind." Die Arbeiter von Madrid beschlossen, den 1. Mai festlich Auf den Dörfern um Madrid sollen Flugblätter zu begehen. verteilt werden, ferner sollen der Regierung die politischen Fors derungen der socialdemokratischen Partei unterbreitet und der Ges meinderat aufgefordert werden, die Teuerung und die schlechte Qualität der Lebensmittel zu beseitigen. Es wird eine Kommission ernannt werden, die den Bürgermeister und der Regierung die diesbezüglichen Beschlüsse zu überreichen hat. Heinzemänner. Man schreibt uns vom Rhein: Selbst die„ Germania" macht sich über die heuchlerische Zur Zeit befindet sich in mehreren rheinischen Städten das Centrum mit höchstem Eifer bei einer Kontrolle der Schaufenster Entrüstung der Flottentreiber luftig. Sie schreibt: nach Darstellungen des Nackten. In Köln besteht eigens" Sodann wird in den Mitteilungen des Deutschen Flottenein Verein, der unter der Leitung des Herrn Roeren vereins erklärt, die Behauptung des Herrn Müller- Fulda, daß der gegen die neue Schiffe „ öffentliche Unfittlichkeit" Deutsche Flottenverein für 794 Millionen Mark zu Felde zieht und unter anderm fordere, sei eine objektive unwahrheit. Nur gemach und von Zeit zu Zeit zur Boykottierung öffentlich derjenigen Geschäfte auffordert, die anstößige" vorsichtig! Niemand wird dem Herrn Abg. Müller- Fulda die AnBilder und dergleichen ausstellen. erkennung versagen, daß er vortrefflich zu rechnen versteht, während In Wirklichkeit besteht die von den Mitteilungen des Flottenvereins aufgemachte Rechnung zu einem solchen Treiben der Sittlichkeitsfeye gar kein Anlaß. Und Propaganda in Andalusien. Unser rühriger Genosse gar zu sehr der bekannten„ Milchmädchen- Rechnung" ähnlich sieht, Iglesias ist unausgesetzt bemüht, die Arbeiter aus den Händen der Herr Roeren und die Seinen sollten ihren Thatendrang auf einem andren Gebiete bethätigen. Wir sind in der Lage, ihm ein Gebiet zumal der Bau der großen und kleinen Kreuzer nebst Anarchisten zu befreien und zu socialistischer Denktveise zu sonstigem Zubehör darin ganz außer Acht ge- erziehen, vor allem auch sie zu den socialistischen Gewerkschaften zu bezeichnen, wo die Abhilfe brennend notthut. Iassen ist." In dem eisernen Bestande des Verleumdungssystems, das die heranzuziehen. So hielt er vergangenen Monat eine Anzahl Die Germania" beruft sich alsdann auf die Berechnungen des gewerkschaftliche Versammlungen in Andalusien ab, in welchen er Gegner unsrer Partei zumal in dem Herrschaftsbereich des Centrums pflegen, steht an erster Stelle die Lüge, die Socialdemokratie wolle Organs des Herrn Eugen Richter, wonach nach den Forderungen die anwesenden Arbeiter zum Anschluß an den„ Allgemeinen Familie und Sittlichkeit zerstören. In den Gebieten von Köln, des Keimschen Flottenprogramms der Marine- Etat in den nächsten Arbeiterverband" aufforderte. Er wandte sich gegen die anarchistische Aachen usw. aber kann man seit Jahren die erstaunliche Thatsache acht Jahren auf mehr als 400 Millionen Mark pro Jahr anschwellen Taktik bei Streifs, die unüberlegt und in der Regel ohne genügende beobachten, daß sowohl die Presse als auch die Redner müsse! Mittel begonnen und meist im Blute der Arbeiter erstickt werden. Und hinter diesem Artikel bringt dann die„ Germania", offenbar in des Centrums auf dieses sonst so beliebte Kampfmittel böllig verzichten- allerdings der Not gehorchend, nicht des Kontrastes wegen, die klägliche Erklärung des Herrn Müller- In einigen Versammlungen waren auch die Landarbeiter stark verdem eignen Triebe. Die sittlichen Qualitäten einer ganzen Reihe Fulda! bon Centrumsgrößen sind nämlich in den letzten Jahren der DeffentEin antisemitischer Reichstags- Abgeordneter. In Stargard Reichstagsferien aber kein Sessionsschluß. Das Landsthing hat lichkeit in einer Beleuchtung gezeigt worden, daß auch der Einfältigste längst weiß, wo die Zerstörer von Familie und wurde am Mittwoch die Privatflage des früheren Pastors Abg. am Mtwoch das Gesetz über die Bemannung der Festung mit Sittlichkeit figen. Wenn beispielsweise in Köln ein Centrumsrösell gegen Rittergutsbesizer b. DerenthalI verhandelt. allen gegen die Stimme unfres Parteigenossen agitator mit jenem Vorwurf gegen die. Socialdemokratie Dieser hatte über Krösell in der letzten Wahlbewegung gesagt: C. C. Andersen angenommen. Dann wurden die Sigungen des aufzutreten wagte, so würde ihn jeder auf die Affaire eines Er hat als Pastor gelogen und ein Pastor, der Landsthings, ebenso wie vor kurzem bereits die des Follethings, in Köln wohnenden Centrumsführers und Centrumsleiters mit einem lügt, ist in meinen Augen ein Schweinehund!" Derenthall hat auf unbestimmte Zeit vertagt, das heißt: solange, bis die Ausin ganz Deutschland bekanntem Namen verweisen, der seiner Zeit den Wahrheitsbeweis angetreten und das Gericht hat er schußberatungen über den Prügelgefeßentwurf beauf seine sämtlichen parlamentarischen, kirchlichen und sonstigen Ehren- kannt, daß Kröfell in mindestens drei Fällen bewußt die Unwahrheit endet sind. Dieses Gesetz will nämlich der Justizminister durchaus noch Die des Prügelgesetes wegen erämter verzichten mußte, weil er als Ehemann ein intimes und nicht gesagt hat. Der Ausdruck Schweinehund" wurde aber als Be- in dieser Session fertig haben. ohne Folgen gebliebenes Verhältnis mit einem Mädchen unterhielt, leidigung erachtet und v. Derenthall deswegen zu 150 M. ber- folgte außerordentliche Verlängerung der Reichstagssession hat nach einer Berechnung der konservativen Zeitung Vort Land" dem Lande dem er sich unter falschem Namen als unverheiratet ausgab. urteilt. bereits 57 000 kronen gekostet. Das schlimmste bei der schändlichen Geschichte war, daß Desertion eines Lieutenants. Wegen Fahnenflucht, begangen im der fromme Mann zur nämlichen Zeit die Stirn hatte, als Centrums: Jahre 1893, stand vor dem Kriegsgericht in Breslau der Lieutenant redner in großen Versammlungen der Socialdemokratie Ehe- und v. Klützow. Die Verhandlung fand auch hier wegen Gefährdung Sittenzerstörung nachzusagen. militärischer Interessen" unter Ausschluß der Deffentlichkeit statt. Das Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis und Entfernung aus er " der Armee! treten. Dänemark. Der mit der Beratung der Gerichtsreform betraute Reichstagsausschuß hat am Mittwoch seine Verhandlungen abgebrochen, um sie im Herbst wieder aufzunehmen. Die Reform Der völlig veralteten Rechtspflege erscheint nicht dringend, nur die Prügelstrafe, die muß Dänemark nach der Meinung seines liberalen Justizministers unter allen Umständen so schnell wie nur möglich erhalten. Schweden. In ähnlicher Weise mußte vor nicht zu langer Zeit in Aachen der Centrumsführer und Chefredakteur des ultramontanen Voltsfreund" abtreten, nachdem er in einem EhescheidungsProzeß auf die Frage: mit der Gattin des auf Dresden, 22. April. Die Zweite Kammer des Landtags nahm Scheidung flagenden Ehemannes Verkehr gepflogen habe, erwiderte, heute das Gesetz betreffend den Staatshaushalt( Stomptabilitätsgesetz) er könne sich dessen nicht mehr erinnern. Der fromme Mann muß in der Hauptsache nach der Regierungsvorlage an. Durch dieses Zum Schutz der russischen Despotie in Finnland. Vor dem demnach in einem solchen Umfange mit den Ehefrauen andrer Männer Gesetz wird dem Finanzminister insofern eine Sonderstellung seinen Beckens nyheter" intim verkehrt haben, daß ihm die einzelnen Fälle nicht mehr klar im Ministerkollegen gegenüber eingeräumt, als er ein Betorecht gegen Rathausgericht zu Stockholm wurde am Dienstag über die Anklage Gedächtnis hafteten. Von einer andern Aachener Centrumsgröße brachte Etatseinstellungen der übrigen Minister erhält. Im§ 1 wurde die gegen den verantwortlichen Herausgeber von fürzlich unser dortiges Parteiblatt die Nachricht, daß er sich vor dem Bestimmung eingefügt, daß der den Ständen vorzulegende Staats- wegen Beleidigung des Baren und hoher russischer Würdenträger verhandelt. Der Rechtsbeistand des Angeklagten, Hofgerichtsnotar haushalt die Gegenzeichnung sämtlicher Minister zu tragen hat. Beby, reichte eine längere Verteidigungsschrift ein, in der ausführlich Nevolver eines eifersüchtigen Gatten habe flüchten müssen. Dieser Tage erst erfolgte die Verurteilung des in kirchlichen und Auflauf der Pfalzbahnen durch den bayrischen Staat. Aus die Ereignisse erörtert werden, die mit dem Manifest des garen an weltlichen Ehren sigenden Katholikentagsredners Vo= geno in Aachen wegen Unterschlagung von 25 000 Mart Kirchen- München wird berichtet: Die bayrische Regierung hatte es im vorigen die Finnländer vom Februar 1899 im Zusammenhang stehen, und und andern Geldern zu drei Jahren Gefängnis. Wir haben über diesen Jahre abgelehnt, auf Grund der sogenannten Fusionsbestimmungen zu weiterem Beweise dafür, daß es sich hierbei um einen die Pfalzbahnen zu erwerben. Nunmehr ist dieselbe jedoch, Bruch der vom 8aren beschworenen Verfassung werden handelt, die Urteile bedeutender Fall nur kurz berichtet. Es verdient noch folgendes nachgetragen zu verschiedenen Anregungen entsprechend, in Verhandlungen über den Finnlands werden. Der Pfarrer Lörper sagte in der Gerichtsverhandlung aus: Bogeno freihändigen Ankauf der Bahnen in der Weise eingetreten, daß sie skandinavischer und ausländischer Rechtsgelehrter, sowie verhabe bei der ganzen Gemeinde ein überaus großes Vertrauen ge- Die Geneigtheit ausgesprochen hat, das Gesamtbesigtum der Pfalz- fchiedene Breßäußerungen angeführt. Zum Schluß fordert der nossen und insofern eine politische Rolle gespielt, als er in den verschiedensten Katholikenversammlungen als Redner auftrat. Durch die bahnen zum 1. Januar 1905 um einen Preis zu erwerben, der dem Verteidiger die Richter auf, sich vor ihrem Gewissen die Frage zu Bemühungen des Pfarrers ist die unterschlagene Summe bei nach dem Stande von Mitte März 1904 sich berechnenden Kurswerte beantworten, ob der unter Anklage gestellte Artifel des gesamten Aktienkapitals entspricht. Ein dahingehender Vor- irgend etwas unwahres enthält, und verlangt FreiZeiten, besonders durch fromme Damen, gedeckt worden, und die Sache wäre garnicht zur Anzeige gekommen, ichlag wird voraussichtlich demnächst die zur Vertretung der Pfalz- fprechung des Angeklagten. Nach schwedischem Recht ist bei Beleidigungsflagen der Wahrheitssondern mit be- bahn- Aktiengesellschaften berufenen Organe beschäftigen. Es ist andem Mantel der Liebe christlichen zunehmen, daß ein großer Teil der Aktionäre bereit ist, auf dieser beweis für die unter Anklage gestellten Behauptungen nur durch deckt worden, wenn nicht die Staatsanwaltschaft auf Umwegen davon Kenntnis erhalten hätte. In dem Prozeß trat Grundlage ein Abkommen mit dem bayrischen Staate zu treffen.gerichtliches Urteil zulässig, er wäre also in diesem Falle, da ein gerichtliches Urteil über den Verfassungsbruch in Finnland nicht zu ferner eine unter Sittentontrolle stehende Frauenserlangen ist, unmöglich gemacht. Auf diese Thatsache wird auch in person als Zeugin auf und bekundete: Vogeno habe ihr der Berteidigungschrift Bezug genommen, gleichwohl stützte sich das vielfach Besuche abgestattet, und sie habe von Gericht auf jene der modernen Rechtsauffassung widerstreitende Beihm verschiedene Schmucksachen und im ganzen stimmung und beschloß, daß die Schrift nicht in das etwa 3000 m. erhalten. Gerichtsprotokoll aufgenommen werden soll. Der Prozeß wurde dann auf den 26. April vertagt. Ausland. Frankreich. Auch was nachträglich über den gegenwärtig wegen Sittlichkeits- Eine Demonstration der Volksschullehrer. Paris, 22. April. In berbrechen steckbrieflich verfolgten katholischen Pfarrer Ritzenhoff der hiesigen Arbeitsbörse wurde gestern eine Versammlung von aus Höngen bei Aachen bekannt wird, läßt die Duldung, die 1500 Voltsschullehrern abgehalten, die außer verschiedenen den frommen Sittlichkeitsverbrechern aus den eignen Reihen Forderungen, die sich besonders auf Aufbesserung des beim Centrum zu teil wird, als ganz außerordentlich groß Gehalts beziehen, eine Resolution annahmen, in welcher erscheinen. Denn diefer Kaplan Ritzenhoff hat schon vor versichert wird, daß die Lehrerschaft von Paris hingebungsvoll im 22 Jahren als Kaplan wegen Sittlichkeitsverbrechen an Kindern Sinne des Friedens, des weltlichen Unterrichts verhaftet werden sollen, ist aber glücklich ins Ausland entschlüpft. und der Republit wirfen wolle. Daß die Kirche ihm später wieder ein Amt gab, zeigt, welche geringen sittlichen Anforderungen man an die eignen Leute stellt. Darauf ist es auch zurückzuführen, daß das Centrum, statt die Unfittlichkeit in seinen Reihen zu bekämpfen, sich um die öffentliche Unfittlichkeit" abquält und das Volt mit lex Heinze und andren schönen Dingen beglücken will. Herr Müller- Fulda leistet Abbitte. Der dräuenden Erklärung des Flotten- Generals Reim, Herrn Müller- Fulda persönlich zur Rechenschaft dafür ziehen zu wollen, daß er von ihm wegen seines„ abenteuerlichen" FlottenversammlungsProgramms als von einem neuen Boulanger" gesprochen hat, ist pünktlichst die Abbitte des Herrn Centrumsabgeordneten gefolgt. Diese Abbitte ist noch kleinlauter ausgefallen, als wir annehmen zu dürfen geglaubt hatten. Sie lautet: Belgien. -Der Königliche Erbschafts- Prozeß. Brüssel, 20. April.( Eig. Bericht.) Heute, Mittwoch, hat der bürgerliche Gerichtshof in Brüssel sein Urteil gefällt in dem sensationellen Prozeß gegen den König Leopold II., anhängig gemacht durch die Gläubiger seiner zwei ältesten Töchter, der Prinzessin Luise von Koburg- Gotha und der Gräfin von Lonyay, der ehemaligen Erbherzogin- Witwe von Desterreich. Rußland. Russische Bilderstürmer in Finnland. Am Dienstag, den 19. April, morgens 17 Uhr, drang eine Abteilung vollständig bes waffneter Polizeidiener in den Sizungssaal der Stadtverordneten im Rathause zu Helsingfors ein und nahm dort das Bildnis des Senators Leo Mechelin fort, das dann nach dem Polizeibureau gebracht wurde. Jm Rathaussaale war zu diesem Zeitpunkt nur eine Frau anwesend, die den Fußboden reinigte. Bereits am Montagabend hatte die Polizei die Straßen in der Nähe des Rathauses abgesperrt. Senator Mechelin war viele Jahre Vorsitzender der Gemeindevertretung von Helsingfors. Als er vor einigen Jahren die Wiederwahl ablehnte, ließ die Gemeindevertretung von dem bekannten Maler Albert Edelfeldt sein Portrait malet, das dann im Sigungssaale aufgehängt wurde. Im Herbst vorigen Jahres versuchte der Generalgouverneur die Gemeindevertretung durch den Gouverneur von Nylandshen zu veranlassen, Mechelins Portrait aus dem Saal zu entfernen, aber diesem unbegründeten Verlangen wurde selbstverständlich nicht entsprochen. Nun haben also die Vertreter der russischen Despotie ihren Wunsch auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der offenbaren Gewalt durchgesetzt.Amerika. " Die Gläubiger forderten, das gerichtlich anerkannt wirde, die Che des Königs Leopold mit seiner verstorbenen Frau sei ein Civilvertrag mit Zugrundelegung der Gütergemeinschaft, da wegen Abwesenheit eines Notars tein besonderer Heiratskontrakt aufgestellt worden sei. Diese Ansicht wird durch die Rechtsanwalte Paul Jansen, der Führer der radikal- fortschrittlichen Partei, de Jongh, einen " Ich spreche mein Bedauern aus, die Person des Herrn sozialdemokratischen Justizrat, und Ninauve, einen christlichen DeGeneralmajor Keim in Verbindung mit General Boulanger gebracht mofraten vertreten. Die Vertreter des Königs, Nechtsanwalte Demot, Ober- Einen großen Sieg erfochten die Socialdemokraten von zu haben, es lag mir durchaus fern, Herrn General Keim Eigenschaften zuzuschreiben, wie man sie in Deutsch- bürgermeister von Brüssel, und Sam Wiener, libe- Milwaukee bei den vor kurzem stattgefundenen Municipalwahlen. land General Boulanger zuzuschreiben pflegt. rales Mitglied der Herrenkammer, behaupten dagegen, daß die Wie der soeben eingetroffene Social Democratic Herald" von MilIch ging von der irrigen Voraussetzung aus, daß regierende königliche Familie über dem Bürger- waukee mitteilt, wurden neun Socialisten als Stadtverordnete geHerr General Keim in der Versammlung zu Dresden für seine gesez stehe und sein Chevertrag als diplomatischer Aft anzusehen wählt; bisher waren die Socialdemokraten im dortigen Stadthaus Bei der Mayors( Bürgermeister) Wahl Person gesprochen habe, während ich jetzt erfahre, daß er im sei. Der Nte ich sanwalt, Prokurator des Königs, war der nicht vertreten. hielt der Kandidat der Socialdemokratie Berger 15 333 Stimmen. Namen des Gesamtpräsidiums des Deutschen gleichen Meinung. Unter diesen Umständen war das Urteil der Richter zweifellos: Leider hatte auch die socialistische Arbeiterpartei einen beFlottenvereins den Antrag gestellt und be= es auf 3650 Stimmen gründet hat, daß dessen Umfang bezüglich der Die Gläubiger sind mit ihrer Klage abgewiesen und zu sonderen Kandidaten aufgestellt, der Der Nachlaß der brachte. Der Republikaner erhielt 17 603 Stimmen und der DemoKosten auch weit hinter der von der Presse ge- den Kosten des Prozesses verurteilt worden. brachten giffer zurübleibt. Königin ist unbedeutend, und die Gläubiger der Königin können frat 23 515 Stimmen, der lettere war somit gewählt. Von den Berlin, 21. April 1904. gez. Müller- Fulda. ruhig einen Strich durch ihr Schuld conto, das etwa 900 000 Fr. 60 169 Stimmen. die bei der Mayors- Wahl überhaupt abgegeben wurden, fielen also auf die Socialisten 18 983. Hätten fich die Daß der ironische Vergleich des Herrn Müller- Fulda sich nur beträgt, machen. Bom juristischen Standpunkte aus ist dieses Urteil fehr an- beiden Gruppen geeinigt, so wäre der Kandidat der Socialisten an auf den vehementen Rüstungseifer des Herrn Generals und auf nichts sonst beziehen konnte, verstand sich doch wohl am fechtbar. In der That bleibt zu beweisen, daß ein diplomatischer die zweite Stelle getreten. Vier Genossen wurden außerdem zu Rande. Herr Müller- Fulda hätte deshalb die Drohung des Vertrag gültig sei, wenn er nicht durch das Parlament bestätigt ist. Armenvorstehern gewählt. Bei den Kommunalwahlen vor 2 und empfindlichen alten Herrn mit einer Humoristischen Bemerkung Herr Paul Jansen, der Mitglied der Deputiertenkammer ist, soll vor 4 Jahren waren für den socialistischen Bürgermeister- Kandidaten quittieren fönnen. Es wäre das um so angebrachter gewefen, als es beabsichtigen, über die Angelegenheit im Barlament Aufklärungen nur 8453 beziehentlich 2584 Stimmen abgegeben worden bisher in Deutschland nicht Sitte war, wegen einer beiläufigen zu verlangen. Die Frage ist auch, ob in bürgerlichen Aner Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Ucber die Seeschlacht am 1». April liegt heute folgende ausführliche amtliche russische Darstellung vor Petersburg, 22. April. Ein Telegramm des Statthalters Gcneraladju tauten Alexejew an den Kaiser von gestern lautet: Am 11. April lief das ganze Geschwader nach Süden aus. um Evolutionen auszuführen, und kehrte am Abend in den Hafen zurück. Am 13. April lief eine Abteilung von acht Torpedo- booten aus, um die Inseln zu besichtigen. Sie hatte Befehl, bei einer Begegnung mit dem Feinde ihn anzugreifen Während des starken Regens in der Nacht trennten sich drei Torpedoboote von der Abteilung. Von ihnen kamen Zwei mit Tagesanbruch in Port Arthur an. Dabei begegnete eins von ihnen vier feindlichen Torpedo booten; es wich ihnen aus, indem es sich weiter von der Küste hielt. Das dritte Torpedoboot„Straschny" be g e g n e t e, wie die Matrosen aussagen, mehreren in Fahrt begriffenen japanischen Torpedobooten und hielt sie in der Dunkelheit für russische. Es gab ihnen deshalb ein Erkennungssignal und schloß sich ihnen an. Bei Tagesanbruch wurde es aber vom Feinde erkannt. In dem folgenden Nahkampf wurden der Kapitän zweiten Ranges Jurasso�wski, d er Mi d sh ip m an Akinfj ew, derMecha- niker Dmitriew und die Mehrzahl der Mannschaft getötet. Der verwundete Lieutenant Malejew fuhr fort, persön- lich mit einem Maschinengewehr den Feind zu beschießen. Der Kreuzer„Bajan", welcher am 13. April bei Tagesanbruch den Torpedobooten entgegcnfuhr, ging unter Volldampf ihnen zu Hilfe. Etwa 16 Meilen von Port Arthur sah er das Torpedo- boot„Straschnh" im Kampfe mit vier japanischen Torpedobooten. Auf dem„Straschnh* erfolgte bald eine Explosion und er begann zu sinken. Nachdem der Kreuzer „Bajan" die feindlichen Torpedoboote durch Schüsse vertrieben hatte, näherte er sich dem Kampfplatz und setzte Schaluppen aus. Es gelang ihm, die übrig gebliebenen fünf Mann, welche in der See schwammen, zu retten. Beim Retten der Leute war der Kreuzer genötigt, von Steuerbord- feite aus einen Kampf mit sechs sich nähernden japa- irischen Kreuzern zu beginnen. Nachdem die Schaluppen an Bord genommen waren, ging der„Bajan* nach Port Arth u r. Er erlitt keine Verluste noch Beschädigungen, oblvohl ihn viele Geschoßsplitter träfe nV Ihm eilten die„Diana* zu Hilfe und fünf Torpedo- boote. Gleichzeitig liefen die übrigen Kreuzer, die Panzerschiffe „Petropawlowsk* und„Poltawa* und ein Teil der Torpedoboote auf die Reede aus. Dann verließen auch die übrigen Panzerschiffe den Hafen. Nachdem die Schiffe sich in Kiellinie formiert hatten mit dem„Bajan" an der Spitze und den Torpedobooten an den Flanken, fuhr der Kommandant der Flotte zum Kampfplatz des„Straschnh", dem sich die japanischen Torpedoboote und Kreuzer wieder genähert hatten. Nach kurzem gegenseitigen Feuer auf eine Entfernung von 66 Kabellängen wandten sich die feindlichen Schiffe dem Meere zu. Um 8 Uhr 40 Minuten morgens wurde ein Geschwader von neun japanischen Panzerschiffen gesichtet. Unsre Schiffe zogen sich daher nach Port Arthur zurück, wo sich auf der Reede„ P o b j e d a*, „P e r e s s w j c t" und„S s e w a st o p o I" ihnen anschlössen. Darauf nahm das Geschwader Frontaufstellung in folgender Reihenfolge:„ASkold*,„Bajan",„Diana",„Petropawlowsk", „PcreSswjet",„Pobjeda",„Nowik", fünf Torpedoboote und zwei Minenkreuzer auf dem linken Flügel. Den Torpedo- booten wurde befohlen, in den Hafen zu gehen. Die Kreuzer er- hielten den Befehl, sich in Kiellinie zu formieren. Nachdem die neue Aufstellung erfolgt war, wandte sich der „Petropawlowsk", der sich an der Spitze befand, nach Osten und ging nach rechts dem Feinde ent- gegen. Um 9 Uhr 43 Min. fand an Backbord des„Petropawlowsk" eine Explosion statt, darauf eine zweite stärkere unter der Kommandobrücke. Es erhob sich eine hohe dichte Säule gelbgrünen Rauches. Dabei hoben sich der Fockmast, ein Schornstein und die Kommandobrücke beim Turm in die Höhe. Das Panzerschiff legte sich auf die rechte Seite. Das Hinterteil hob sich in dieHöhe und man sah die in der Luft arbeitende Schraube und die von den Flammen ganz erfaßte„Prtro- pawlowsk" sank binnen nicht mehr als zwei Minute», indem sie mit dem Vorderteil ins Wasser tauchte. Ein Teil der Besatzung rettete sich auf das Achterdeck des Kreuzers„Gaidamak", der sich eine Kabellänge von der„Petropawlowsk" befand. Mit Hilfe von Schaluppen gelang es, direkt vom Kreuzer aus S. K. H. den Großfürsten Khrill Wladimirowitsch, zwei Offiziere und 47 Matrosen zu retten. Die herbeigeeilten Torpedoboote und Schaluppen von der„Poltawa" und dem„Askold" retteten ebenfalls Leute. Im ganzen wurden sieben Offiziere und 73 Mann gerettet. Das Panzerschiff„Poltawa". das im Kielwasser der„Petropawlowsk" zwei Kabellängen von ihm gefahren war, stoppte und verblieb auf der Unglücksstätte. Auf ein Signal des Fürsten Uchtomski fuhren die übrigen Schiffe zum Hafeneingang, indem sie sich in Kiellinie formierten mit dem„Pereßwjet" an der Spitze. Kurz darauf erfolgte unter der rechten Seite des Panzerschiffs„Pobjeda* eine Minenrxplosion. Das Schiff legte sich auf die Seite, setzte aber seinen Weg fort und fuhr in den Hafen ein, ihm folgten alle andren Schiffe. Der Feind blieb bis 3 Uhr sichtbar und entfernte sich dann. In der Nacht, die dem Auslaufen des Geschwaders vorherging, wurden in lveiter Ferne auf der Reede Lichter und die Umrisse von Schiffen bemerkt. Hierbei beobachtete der Kommandant der Flotte persönlich bis zum Morgen alles, was vorging, vom Kreuzer„Diana* aus. der auf der äußeren Reede an Bojen festgemacht hatte, und verließ ihn um 4 Uhr morgens. Ich melde zum Schluß, daß trotz des Mißgeschicks, das die Flotte des Stillen Oceans gettoffen hat, unter den Mannschaften unausgesetzt vollstes Pflichtbewußtsein herrscht und daß die gnädigen Worte, die Ew. Majestät in schwerer Zeit der Prüfung an die Mannschaften gerichtet haben, dem ganzen Personal ein starker Trost und Unter- stützung sind bei seinem auf die Niederwerfung des Feindes zum Ruhme des geliebten Monarchen und des Vaterlandes gerichteten Bestreben. Deutscher Neutralitätsbruch. Petersburg, 22. April. Gerüchtweise verlautet, Rußland kaufte zwei argentinische Kriegsschiffe an. zwei Offiziere. Fürst Engalitschew und Demschinski, seien bereits zur Ueberführung abgereist. Weiter heißt es. Deutschland habe einige auf Privatwersten im Bau begriffene Schiffe, welche kurz vor dem Stapel- lauf stehen, abgetreten. Es handle sich um acht Torpedoboote, welche aus der Schichanwerft erbaut werden. Es seien die größten Torpedo- boote, welche bisher gebaut wurden, sie befitzen 560 Tonnen Gehalt, während die größten bisher nur 320 Tonnen faßten, ihre Durch- schnittsgeschwindigteit beträgt 28 Knoten. Die deutsche Regierung habe Rußland diesen Freundschaftsdienst dadurch geleistet, daß sie wegen Neverschrcitung der Lieferzeit den Auftrag bei der Schichau- werft annullierte, worauf Rußland diese Kontrakte übernommen habe. Auf diese Weise sei die Neutralität Deutschlands gewahrt worden. Daß in diesem Falle, sofern die russischen Mitteilungen auf Wahrheit beruhen sollten, auf deutscher Seite ein eklatanter NcutrnlitätSbruch vorläge, wird schwerlich jemand zu leugnen wagen. Die deutsche Regierung wird deshalb umgehend zu erklären haben, ob die Nachricht richtig ist. Die„Norddeutsche Allgenreine Zeitung" ignoriert die Meldung einstweilen vollständig. Besser wäre es entschieden gewesen, sofort ein Dementi zu bringen, falls die russische Meldung unrichtig ist. Zeit genug dazu hatte sie gehabt. Wozu haben wir denn offiziöse Organe, wenn sie zu so beunruhigenden Meldungen nichts zu sagen haben! Auffallend ist auch eine Liebeserklärung, die Deutsch- land in dem halbamtlichen„Journal de St. PeterS- bürg" gemacht wird. Das Blatt bringt einen Aufsehen erregenden Artikel anläßlich der Katastrophe vor Port Arthur. Das Blatt weist auf das Mitgefühl hin, welches nian in Berlin für Rußland empfindet. Die kriegerischen Traditionen hätten bei den deutschen Nachbarn stets in Ehren gestanden und man erinnere sich in Berlin an die lange dauerhafte Waffenbrüderschaft. Seit Beginn des Krieges habe man in Petersburg immer von den ritterlichen Sympathien des feurigen deutschen Kaisers gesprochen, und die herzlichen Worte, welche der Kaiser im Momente der Trauer Rußlands geftinden, würden ewig unvergeßlich bleiben. Der Artikel erregt um so mehr Aufsehen, als das genannte Blatt trotz seines amtlichen Charakters bisher stets nur für Frankreich Sympathien hegte. Es fehlte in der That gerade noch, daß Deutschland, das durch seine famose Auslandspolitik in geradezu genialer Weise überall Mißtrauen und Spott zu erregen ver- st a n d e n hat, sich durch ein besonderes LiebeSwerben um Väterchens Gunst und allerhand Sieutralitätsbrüche neue Antipathien zuzöge I Um eine englische Intervention bemüht sich bereits die russische Presse. Die„ N o w o st i" schreibt: Die Möglichkeit einer Intervention im rnssisch-japanischcn Konflikte seitens Englands und dazu auS dessen eigner Initiative sei sehr erfreulich. Eine freundschaftliche Jnterventton Englands im geeigneten Augenblicke werde zweifellos sowohl Rußland lvie auch England einen Dien st leisten. Sie werde mit einem Schlage eine Reihe von Streitpunkten hinsichtlich der Befriedigung legaler Ansprüche Rußlands im fernen Osten beseittgen und gleicbzeittg eine feste Grundlage für eine volle Verständigung zwischen Rußland und England über alle Fragen schaffen, welche zwischen ihnen diplomatische Mißverständnisse hervorgerufen haben. Außerdem würde eine solche Jnterventton England aus der in jeder Beziehung unbequemen Lage ziehen, der Verbündete eines Volkes zu sein, in welchem die gelbe Gefahr verkörpert erscheint, die allen europäischen Völkern droht. Für das Kraftgefühl Rußlands, aus eigner Kraft mit Japan fertig zu werden, zeugt dieser Erguß gerade nicht. Erschießung zweier japanischer Offiziere. Ein Telegramm d e S Generaladjutanten Kuropa t k i n an den Kaiser vom 21. April lautet: Allerunterthänigst inelde ich Euerer Majestät, daß die japanischen Offiziere S t ch e w o I u k o k a und T e i s I a O k i, die in der Nähe der Station Turschicha festgenommen worden waren und drei Schachteln nrit Bickfordscher Zündschnur, einen ranzösischen Schraubenschlüssel, Dynamitpatronen, Werkzeuge zur Zerstörung der Bahn, anderthalb Pud Pyroxylin, gute Pläne der Mongolei, der Mand- ' ch u r e i sowie Nordkoreas und Notizbücher bei ich hatten, vom zeitweiligen Kriegsgericht in !harbin am 20. April schuldig befunden worden md, daß sie als zur japanischen, gegen Rußland operie- renden Armee gehörig und in der Absicht, zwecks Förde- rung der Erfolge dieser Armee die russischen Eisen- bahn- und Telegraphenbauten zu zerstören oder zu beschädigen, mit verschiedenen Gerätschaften zur Be- chädignng dieser Bauten ausgerüstet, heimlich in das Gebiet der Mandschurei eingedrungen sind, wo sie von russischen Stteifwachen 30 Werst südwärts von der Station Turschicha der ostchinesischen Eisenbahn festgenommen wurden. Sie trugen bei der Verhaftung mongolische Kleidung, die sie angelegt hatten, um ihre Nationalität und ihre Zugehörigkeit zur japanischen Armee zu verbergen. Für die erwähnte Handlung sind Jukoka und Oki laut dem 2. Teil des Artikels 281 des Kriegsstrafgesetzes zum Verlust der Standesrechte und zum Tode durch den Strang verurteilt worden. Dieses Urteil habe ich bestätigt. In Berücksichtigung ihres Offizier- 'tandes habe ich jedoch eingewilligt, an Stelle des Todes durch den Strang den Tod durch Erschießen zusetzen, dabei aber den Rechtsverlust beizubehalten. Die Bitte der Verurteilten, ihnen das Leben zu schenken, habe ich abgelehnt. Das Urteil ist am 21. April um 6 Uhr abends voll st reckt worden. Das Erschießen solcher Spione ist auch noch eine von jenen arbareien mittelalterlicher Kriegsführung, wie lie sich so zahlreich noch in unsrer Zeit„humaner" KriegSführung nhalten haben. Soldaten wie die beiden Erschossenen sind ent- chieden tapferere und heroischere Krieger, als die meisten derjenigen Mannschaften, die in der Front dein Feind entgegentreten. Auch an Intelligenz sind sie den,»eisten ihrer Kameraden sicherlich über- legen, da sie sonst zu so schwieriger Mission untauglich wären. freilich: Moral und Humanität vertragen sich min einmal nicht mit dem organisierten Massenmord! Das Bild der russischen Mobilisation. Aus TomSk wird uns geschrieben: Hier herrscht während des Aufenthalts der vorüberziehenden Truppenabteilungen die größte Unordnung. Die neueingezogenen Soldaten saufen in der Stadt und machen dann Ausschreitungen. plündern Läden und Häuser aus. Alle Maßnahmen dagegen er- weisen sich als machtlos, um die Disciplin aufrechtzuerhalten. Die Maßnahmen aber sind an sich, was die Grausamkeit betrifft, ganz im Geiste des„Standrechtes" gehalten, das längs der Linie der 'ibirischen Eisenbahn verkündet worden ist. Man erzählt, daß bei rkutsk drei Soldaten wegen Beleidigung eines Gendarmerie- IffizierS erschossen wurden, desgleichen zwei andre auf der Eisenbahnstation Obj— für eigeninächtiges Verlassen des Wacht- Postens.. Jetzt steht es fest, daß unter den Truppen epidemische Krank- Helten mit verheerender�Macht wirken und zwar: Hungertyphus, Blattern und Dysenterie. Die Militärbehörden erweisen sich dem- gegenüber völlig ratlos. Die erkrantten Soldaten werden vom Kriegsschauplatz in die Krankenhäuser der größeren sibirischen Städte - nach Jrkutsk und Krasnojarsk gebracht. Hier aber ist es um die hygienische und medizinische Seite so bestellt, daß die Jnfekttons- krankheiten sich von den Soldaten auf die Stadtbevölkerung ver« breiten. In KraZnojarsk ist bereits eine außerordentliche Sitzung der Stadtverordneten nötig gewesen, in der man sich mit den Maß- nahmen befaßte, die zum Kampfe mit der Epidemie zu ergreifen wären. Die Hochwohlweise zarische Regierung ihrerseits ist inzwischen mit viel wichtigeren Dingen beschäfttgt, nämlich nrit der Anwendung des Standrechts* aus— Schullinder. So ist in Krasnojarsk ein Mädchen auS dem Gymnasium ausgeschlossen und extra zum Gouverneur zum hochnotpeinlichen Verhör citiert worden, weil es auf die den Schulkindern präsentierten Sammellisten für das Rote Kreuz— eine ganze Kopeke gezeichnet hatte.... Krieg dem Kriege. In Twcr hat eine geheime Versammlung stattgefunden, in der 130 organisierte Arbeiter einstimmig eine Resolution angenommen haben, die mit den Worten schließt: „Wir, organisierte Arbeiter von Twer protestieren als eine Zweigsorganisation der Russischen socialdemokratischen Arbeiterpartei gegen den russisch-japanischen Krieg, der von der zarischen Regierung ohne Einwilligung des russischen Volkes unternommen wurde. Wir strecken die brüderliche Hand unseren japanischen Genossen entgegen und erklären uns solidarisch mit ihren: Protest gegen den Krieg, der nur für unsre beiderseitigen Regierungen von Vorteil, dagegen für die Arbeiter- klaffe ohne Unterschied der Sprache und der Nationalität ver- derblich ist. „Wir erklären uns auf das entschiedenste gegen alle inter- nattonalen Kriege, sowie gegen den gegenwärtigen Krieg und er- kennen nur einen unerbittlichen Krieg an— den gegen unsre Feinde, den AbsoluttsmuS und die Bourgeoisie. Fort mit dem Zarismus und dem Kriege I ES lebe die inteniattonale Socialdemokratie l Es lebe die russische socialdemokrattsche Arbeiterpartei!* Englischer Gewerkschaftssieg. London, 22. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Tradc-Z-Union-Bill wurde heute mit 39 Stimmen Mehrheit in zweiter Lesung angenommen. Dadurch ist der für die Gewerkschaften so ungünstige Tnff-Bnlc-Entscheid fast gänzlich aufgehoben. Letzte Naebnebten und Oepelcben. Reichstags-Ersatzwahl im 14. badischen Wahlkreise. Karlsruhe, 22. April.(W. T. B.)' Bei der gestrigen Reichstags- Ersatzwahl im 14. badischen Wahlkreis(Wertheim— Tauberbischofs- heimj wurde der bisherige Abgeordnete, Landgerichtspräsident Zehnter in Offenburg(Centrum) wiedergewählt. Der„Karls- ruher Zeitung" zufolge wurden bisher 9793 Stimmen für Zehnter gezählt; das Wahlergebnis aus einer Geineiitde steht noch aus. Ungarischer Eisenbahner-Streik. Budapest, 22. April.(W. T. B.) Ministerpräsident Graf Tisza hat die Entgegennahme eines Memorandums der ausständigen Bahn- beamten abgelehnt. Die Zahl der heute von Budapest abgegangenen Zügo beträgt vier gegen 39— 60 Züge, die sonst von Budapest abge- lassen werden. Die Züge werden durch Soldaten des Eisenbahn- regiments und durch Beamte der Centralverwaltung bedient. Auf den Stationen wird der Dienst durch die Stationsvorsteher versehen. In Budapest ist eine ziemlich rasche Steigerung der Lebensmittelpreise eingetreten. Die Regierung hofft, bei längerem Andauern des Aus- standes in 4—6 Wochen eine Neuorganisierung des Betriebes durch Anwerbung neuen Personals vollständig durchführen zu können, wobei auch darauf gerechnet wird, daß von einem großen Bruchteil des Personals die weitere Beteiligung am Ausstande aufgegeben wird. Ungefähr 39 999 Beamte, Unterbeamte und Eisenbahnarbeiter nehmen an den: Ausstande nicht teil. Budapest, 22. April.(23. T. B.) Die Ausständigen haben an das Abgeordnetenhaus eine Eingabe gerichtet, in der sie ihre Be- schwerden über den Entwurf betreffend die Gehaltsreguliernng dar- legen. Sie verlangen eine Erhöhung des Anfangsgehalts von 1499 auf 1699 Kronen, Sicherung des Auffteigens in eine höhere Rang- stufe bei tadelloser Führung, während jetzt nur Zulagen nach Maß- gäbe der Dienstzeit gewährt werden. Ferner fordert die Eingabe die Einführung eines Dienstregelungsplanes und beschwert sich über die Verringerung des Wohnungsgeldzuschusses. Wien, 22. April.(Von einem besonderen Korrespondenten.) DaS Ergebnis der heuttgen militärischen Beratungen ist, wie die „Neue Freie Presse meldet, der Beschluß, das Eisenbahn- Regiment zu mobilisieren. Sonstige Einberufungen von Reservisten der gemeinsamen Armee wurden mcht beschlossen. Vom russisch-japanischen Kriegsschauplatz. Petersburg, 22. April. 2lm Dalufluß fand am Mittwoch ein Gefecht statt. Die russischen Vorposten waren bis Puh-Chung vor- gedrungen mit der Absicht, gegen Gensan zu marschieren. Sie stteßen auf starke japanische Truppen und mußten sich zurückziehen. Beide Armeen wenden an der Westküste Koreas dieselbe Taktik an. In informierten Kreisen befürchtet man, daß es den Japanern ge- lingt, Kuropatttn zu beseitigen. Dies würde auf die Armee einen nieoerschlagenden Eindruck machen. Petersburg, 22. April.(B. H.) Wie verkautet. soll Admiral Skrydlow vor Uebernahme des Kommandos in Ostasien die Be- dingung gestellt haben, daß Admiral Alexejew zurückberufen wird. Der Zar soll seine Zustimmung gegeben haben. London, 22. April.