Nr. 90. flbontMiMntS'RedingHntfn: WonnementZ- PreiZ pränumerando! Werteljährl. 3,50 TOI., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei inS HauS. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntag». nummer mit illustrierter Sonntag». Vellage„Die Neue Welt' 10 Pfg. Pos». «donnemcnt! 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungar» 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. 31. Jahrg. euch«»« tigllch«HStr Olontist Devlinev VolksblÄkk. Die TnfertlonS'GebQbr beträgt für die fechSgcspaltcne KolonÄ» geile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschastliche BereinS- und BersammlungS-Anzeigen 2S Psg. „Alein- Anr-ig-n". das erste(sett- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zWen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüsten bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr dormUtagS gcässnet. Telegramm. Adreste: „SozialiKiDSfcnt Btrlln". Zentralorgan der rozialdemohratifcben parte» Deutfcblands. Redahtton: SM. S8» Ltndcnatraaee 69. Nernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Tötender Strafvollzug. Aus dem Dunkel der Gefängnisse und Zuchthäuser. Im Strafgrfängnis zu Plötzensce liegen die Arrestzellen im Erdgeschost des 1. und 2. Gefängnisses. Sie sind etwas kleiner als die Isolierzellen und mögen etwa 20 Kubikmeter Rauminhalt be- sitzen. Das Mobiliar besteht aus einer massiven Holzpritsche, cincni Wasserkrug und der unvermeidlichen„Bombe". Der Boden der Zelle ist cementiert. Die Atmosphäre ist mangels ausreichender Bentilation mehr oder weniger stinkend; die Temperatur schwankt zwischen 7 und 9 Grad Reaumur. Dabei ist es natürlich feucht, und zwar in solchem Mäste, datz die Matratze, welche nachts als Lager bewilligt wird, völlig klebrig ist. Wem dies Bcttlager als Straf- -Verschärfung entzogen wird, der verliert nicht viel. Das Qualvolle der Arreststrafe besteht wesentlich in dem sofort fühlbaren Verlust der Körperwärme, der sich je nach dem Mäste der hinzutretenden Kostschmälerung noch intensiver gestaltet. Schon in der ersten Stunde merken alle Arrestanten die Angriffe dieses un- erbittlichen Feindes. Sie versuchen ausnahmslos den über die Haut kriechenden Schauder durch lebhaste körperliche Bewegung, Laufen oder Freiübungen, zu verjagen. Kräftige Naturen helfen sich mit diesem Mittel auch leidlich über 5— 7 Tage einsamer Einsperrung hinweg; schivächere sehen schon nach 24 Stunden den Mistersolg ein, sie kauern sich eng zusammen und versuchen auf diese Weise dem Ansturm der feuchten Kälte, der sich bald Hunger und tödliche Lange- weile zugesellen, Widerstand zu leisten. Natürlich wirken diese drei gefährlichen Elemente auf jede Individualität verschieden. Bei jüngeren Leuten von normaler Konstitution, die kurz hintereinander mehrere Wochen Arrest verbützen müssen, ist zum Tode führende Schwindsucht die Regel. Aber auch ab- gehärteten Männern treiben 14 Tage Arrest daS Fleisch von den Knochen und alles Blut aus den Adern; sie gleichen„ach der Ber- vüsjung ausgemergelten Greisen und bedürfen monatelanger Zeit zur Erholung. Dieselbe Einbuhe erleiden alle ohne Ausnahme in psychischer Beziehung. Die während der Haft gelegten Keime zu geistigen Erkrankungen der Gefangenen werden vor- wiegend durch die beklemmenden Empfindungen während der Dis- ciplinierung zum Ueberwuchern gefördert. Dah sich diese Gefahren für leibliche und geistige Schädigung bei verdunkelten Zellen noch erheblich vergröstern. versteht sich von selbst. Eine Schilderung der ausgestandenen Qualen hört man fast nie. Die Leute sind ge- wohnlich geistig zu sehr herunter oder zu verbittert, um sich darüber auszulassen: ihr Acusteres redet aber deutlicher als es die treffendsten Worte vermöchten. Die Verwaltung selbst ist sich über die Wirkungen des Arrestes völlig im klaren. Sie lästt nämlich den Bestraften beim Eintritt in die Arrestzelle Halstuch und Hosenträger abnehmen. Damit wird der ziemlich allgemein auftretenden Neigung der Arrestanten, sich durch Aufhängen den Qualen zu entziehen, die Möglichkeit einer Bethätigung genommen. Trotzdem sind Selbstmordversuche auf der Arrcststation an der Tagesordnung. Die Aufseher sind in dieser Beziehung zu ganz besonderer Achtsamkeit verpflichtet. Wer aber ist es gewöhnlich, der sich der Disciplinicrung aus- setzt? Sind es etwa die intellektuell höher stehenden oder nur normalen Elemente? Niemals I DaS geht soweit, dast nicht etwa die moralisch noch gesunden, sondern gerade die verkommenste» Sträflinge mit der besten polizeilichen Führung glänzen. Gerade diese Stammgäste der Gefängnisse verineidcn jeden Konflikt, erdulden ruhig auch chikanöse Behandlung m>d kommen nur dann vor den Kadi, wenn sie durch einen seltenen Zufall bei „Schiebungen" oder dergleichen unerlaubten Geschäften erwischt werden. Es sind andre Personen, die zur Bevölkerung der Arrestzellen dienen. Entweder unreife Burschen oder krankhaft Reiz- bare, Schwachsinnige und Geistesgestörte! Der Nichteingeweihte bekommt bei der unablässigen Disciplinicrung dieser Menschcnklasicn das natürlich unbegründete Gefühl, als hätte die Verwaltung von der Justizbehörde den Auftrag, diese Leute auf kostenlose Manier aus der Welt zu befördern. Der Grund des Eni- schlichen liegt in dem ganzen Mechanismus des Strafvollzugs, in der Abstumpfung der Aerzte und Beamten, denen überdies niemand auf die Finger sieht. Im Gefühl der unbeschränkten Gewalt und der Gewihheit, etwaige Beschwerden durch eine kurze Gegen- äusterrmg gegenstandslos zu machen, wird mit Menschcnexistenzen verfahren wie mit Aktenbogcn. Dah es nicht etwa nur die aus dem klntcroffizierstande hervor- gegangenen Beamten sind, in deren Händen der Strafvollzug tödlich wirst, dafür ein Beispiel. In Plötzensee war der Haupttnann a. D. Freiherr v. Maitz ahn drei Jahre Polizci-Jnspektor; er hatte, wie seine Borgänger, in Vertretung seines vielbeschäftigten Direktors die Strafgewalt auszuüben. Man kann nicht sagen, dast Herr v- Maltzahn. der jetzt Gefängnisdirektor in Gollnow ist, ein gefühl- loser Mensch war. Eher war das Gegenteil der Fall, und er stand m mancher Hinsicht turmhoch über seinen Vorgängern. Der Herr besah auch � Intelligenz, um sich über die Wirkungen eines längeren Aufenthalts im Keller klar zu sein. Trotzdem gefiel es ihm, Ge- � irgend welcher„Schiebungen" verdächtig, aber nicht zu überfuhren waren, und solche, deren Geständnis ihm nicht genügte, zur..Aufbewahrung" in den Keller z» stecken. Hier lebt also im Strafvollzug ein Verfahren wieder auf. das im Strafrecht als mittel- alterl'che-varbarei beseitigt ist: die Erzwingung von Geständnissen durch Strafen! �lese Aufbewahrung zog sich leicht durch 14 Tage hin und n'n■_"sie auch nur„hinreichend Verdächtige" betraf, doch nichts ano e Qjg cine � cinmni modern zu nennende Folter. Häufig gen g war aus den Leuten auch dann nichts herauszuholen. und Herrn v. Maltzahn blieb nur der Trost, ihnen durch die Auf- bewahrung einen Denkzettel verabfolgt zu haben. In einem Falle, der einen gewissen Helllechner betraf— der war mit einem Kom- plicen entwichen und sollte eingestehen, wer der Hauptschuldige war— ,_ zog sich diese Aufbewahrung im Keller durch bestimmt mehr als sechs Wochen hin. Es können aber auch Monate gewesen sein; unser Gewährsmann weist das nicht mehr genau. Um so deutlicher aber sieht er noch das Bild dieses Unglücklichen vor sich, bei dessen Er- scheinen die Mitgefangenen, wie von einem Gespenst erschreckt, ent- setzt zurückwichen. In den Gcfängnisvorschriftcn findet sich nichts, was diese vom Herrn v. Maltzahn beliebte Methode guthiestc. weder der Zügellosigkett seiner Begierden. Es war auch Thatsache. dast er sich in Plötzensce, während seiner Gcmeinschaftshaft, zur Befriedigung jedermanns perverser Neigung hergab. Als H. nach Plötzensce überführt wurde, hatte er noch neun Monate Strafe zu verbüßen. Während dieser Zeit sind ihm, vor- wiegend von Herrn v. Maltzahn, mehr als 60 Tage Arrest zudiktiert, deren Vollstreckung denn auch bestätigt wurde, nachdem die jedes- maligr„N»bcdeilklichkctts"erkliiruna seitens des Dr. Pfleger eingeholt war. Gewöhnlich waren es Ungehorsam, Frechheit oder unpassendes Benehmen, weswegen die Bestrafungen erfolgten. Alan kann sich denken, in welchen Zustand der ausgemergelte Körper des völlig Zcr- rüttetcn geriet. Unser Gewährsmann hat ihn, als er im Arrest war, durch die Observaiionsklappe wiederholt beobachtet. Gewöhnlich sah er, von Hunger und Kälte schauernd, seinen Kopf auf die heraufgezogenen Knie gelegt, um die er seine Arme geschlungen. auf der Holzpritsche. Er war bleich wie der Tod und glich völlig einem mit weller Haut überzogenem Gerippe. Sein Anblick war derart jämmerlich, dah selbst die ab- gestumpften Kalefaktoren eine menschliche Regung spürten und ihm hier und da ein Stück Brot zusteckten. In derselben elenden Vcr- fassung wurde er nach vcrbüstter Strafe auch entlassen und völlig mittellos auf die Strasse gesetzt. Weder die Direktion noch die Aerzte dachten daran, diesen Schwachsinnigen einer der vielen staat- lichen?lnstaltcn zur Aufnahme zu empfehlen. Das überläßt man der Polizei. Die fängt ja solche Leute auch sofort, nachdem diese die Gesetze von neuem übertreten. Dann geht es wieder vor den Richter, von da ins Gefängnis und endlich zum erlösenden Tode in der Arrestzelle oder günstigstenfalls im Gefängnislazarett. * Todesstrafe wegen eines Wortes. Herr v. Maltzahn, der Gewaltige von Plötzensee, aber war, wie gesagt, noch ein ganz humaner Mensch. Er konnte nichts dafür, wenn.die Gefangenkn die.Arreststxafe nicht gut ertrugen., e*pcdCtiom SM. 68, Wndcnatraaac 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Dagegen enthalten die Akten des Zuchthauses in Celle so grauen» haste Dinge, daß man erschrickt über den Mann, der seine Unter» schrist unter die Todesurteile im Disciplinarverfahren gcwohnheits» mästig setzte: dieser Vollstrecker des barbarischen Strafvollzuges ist der Strafanstalts-Direktor und Lieutenant a. D. Plahn, der Vorsteher des Zuchthauses in Celle. In Celle sah anfangs der neunziger Jahre ein junger Mann. der wegen Diebstahls zwei Jahre Zuchthaus zudiktiert erhalten hatte. Wie ihm das Zuchthaus zum Schafott ward, das berichten ein paar ganz kurze Aktenstücke, der schauerlichsten wohl unter dem bisher veröffentlichten grauenhasten Anllagematerials: Kgl. Strafanstalt Celle, den 2. April 1891. Anzeige des Aufsehers E. Der Sträfling Schipiorowski— 4016— hat bei der Ein» licferung einen andern angesprochen. K., Oberaufseher. Verfügt: 40 Tage Arrest. gez. Plahn. Direktor. Vollstreckt vom 2.— 12. 4. 91. K. 8. 4. 91. Anzeige des Aufsehers D. Schipiorowski— 4516— hat seine Jacke im Arrest auSge- zogen und seinen Kopf darauf gelegt. K., Oberaufseher. Verfügt: Nochmal 10 Tage Arrest. Celle. S. 4. 91. gez. Plahn. Direktor. IS. 4. 91. Anzeige des Aufsehers D. Schipiorowski— 4516— hat während der Nacht im Arrest sein grosses Bedürfnis auf ein Stück Papier verrichtet. K., Oberaufsehcr. Verfügt: Nochmal 10 Tage Arrest. Celle. IS. 4. 91. gez. Plahn, Direktor. Am 4. Mai 1391 war Schipiorowski tot. Während der Per- büstung der letzten 19 Tage— immer Dunkelarrest bei Wasser und Brot, ohne Bettlager, die Stein» fliesen als Sitz und Bett— hatte den 25jährigen, gesund eingelieferten Mann, ein heftiges Lungen- und Magenleiden befallen. dem er, kaum ins Lazarett gekommen, erlag. Dast er zivei, drei Worte gesprochen, dann im Dunkel auf den Fliesen liegend, seine Jacke unter den Kopf schob und schliestlich ein Bedürfnis der- richtete, das ihm nachts mit Gewalt überkam— vorschriftsmäßig darf das nur zweimal aar Tage geschehen, bei Nacht ist das Klosett durch ein Gitter abgesperrt— diese drei Verstösse gegen die Hausordnung genügten dem Strafanstaltsdirektor und Lieutenant a. D. Plahn, den Armen in die Hölle des Dunkelarrest zu schicken, wo er umkam. In den Zuchthäusern findet keine ärztliche Untersuchung der Dis- ciplinicrten statt, ehe sie die Strafe antreten; wer den Aufenthalt im Arrest nicht vertragen kann, der geht eben draufl Dah diesem Strafanstaltsbeamten, von dessen Wirken die grausigsten Geschichten erzählt werden, die Affaire Schipiorowski nicht ganz geheuer schien. geht daraus hervor, dast den Angehörigen des Sch. gar keine Nachricht von seinem Ableben gegeben! wurde. Die Akten-enthalten die Adresse einer Schwester, aber geschrieben ist ihr nicht, trotz der ganz be- stimmten Vorschrift. Im Dunkel der Strafanstalten und Zucht- Häuser stirbt es sich geräuschlos.... Der Generalstreik der ungarischen Eisenbahner ist auf einem krittschen Punkte angelangt. Die Unter« Handlungen mit den Streikleitern, die gestern abend von der Regierung noch einmal aufgenommen worden ivaren, sind abermals— und wie eS scheint endgültig— gescheitert. Die Regierung ist daraufhin zur rücksichtslosen Anwendung der ihr zu Gebote stehenden Machtmittel geschritten. Sie hat nicht nur eine große Anzahl von Rcservisten dcZ Eisenbahn» und Telegraphen- reginients einberufen— die Einberufung auf vollen Kriegs- stand wird von der offiziösen ungarischen Telegraphenagentur allerdings bestritten— und eine angeblich nach Tausenden zählende Anzahl von Streikbrechern engagiert, sondern sie hat auch am Sonn» abendmittag einen Gcwaltstrcich gegen die Streikleitung geführt. Ein Telegramm aus Budapest meldet darüber: Heute mittag erschien ein großes Polizei-Aufgebot unter Führung des Polizcichrfs Rudnay sowie zw« Eskadronen Husaren vor dem Lager der Ausständigen. Der Führer derselben, Sarlay, wurde wegen Aufreizung und Mmestätsbeleidigung verhaftet, weil er de» königlichrn Befehl betreffs Einbernsraig der Eifenbahner- Rcservisten abfällig kritisiert hatte. Sodann hielt Rndnay an die Ausständigen eine Ansprache, in der cr die begangenen ungesetzlichen Handlungen beleuchtete und erklärte, daß nunmehr das Straf- »erfahren eingeleitrt sei. Jeder einzelne Anwesende mußte sich legitimieren und erhielt, falls er gestellungspflichtig war, vom an- wesrnden Hauptmann des Ergäiizungs-BezirlstommandoS feine Ein- bcrufungsorder, nach der er noch heute zur Truppe einzunicken hat. Hierauf wurde das Lager der Ausständigen für aufgelöst erklärt, woraus dicselben kriucn Widerstand leisteten. Ob durch diese Husarenattacke die Streikleitung vollständig zersprengt und aktionsunfähig gemacht Ivorden ist, lästt sich vorläufig nicht übersehen. Jedenfalls hat sich durch dies Vorgehen der Regierung die Lage aufs ä u h e r st e zugespitzt. Uebcr die Situation wird dem„Berliner Tageblatt" telegraphisch gemeldet: B u d a p e st. 23. April. Das Handschreiben desKöuigs hat in allen Kreisen den tiefsten Eindruck gemacht, den gröhten Teil der Streikenden jedoch wenig beeinflußt, da die Hauptmasse derselben nicht de in Militär- st a n d e a il g e h ö r t. Die S t r e i l l a g e r waren heute dicht bevölkert. Die E i n b e r n fn n g s o r d e r an die Reservisten ist bereits telegraphisch im ganzen Land versendet, und es wird angenommen, daß bis Montag alle Reservisten bei- sammen sein werden, da Stellung in jenen Orten erfolge» muß, wo der Betreffende sich im Moment der Einberufung befindet. Mit den sich immer mehr meldenden Stellensnchcnden sowie den 4000 Mann des ans Kriegsfuß zu ergänzenden Eisenbahn-Regiments und den etwa 11 000 Reservisten hofft die Bahnverwaltung, in den nächsten Tagen über etwa 16 000 Personen zu verfügen, wozu n o ch v i e 1 e T a n s e n d e n i ch t st r e i k e n d e r Eisenbahner kommen. Ferner wird dem„Tag" gemeldet: Budapest, 23. Apm. Da mit deni heutigen Tage der Termin abgelaufen>, welchen die Regierung de n Streikenden für die saMederanfnahme der Arbeit Bestimmt hatte, wurden nun alle Maßregeln getroffen, um neue Arbeitskräfte heranzuziehen. Angeblich soll daS inorgige Amtsblatt schon die Ernennung von 5600 Eisen- b a h n a ii g e st e l l t e n bringen. Auf den Staatsbahnen werden morgen Sonntag auf sämtlichen Hanptlinien Züge verkehren. Es melden sich in großer Zahl I n g e n i e n re als Lokomotivführer und zn s o n st i g e m Betriebsdienst. Während der Verhandlungen des Streikkomitees ließ der Abgeordnete Karl Eütvös bitten, die Sitzung zu suspendieren, weil er mit dem H a n d e l s m i n i st e r einen I e tz t e n V e r s u ch mache n wolle, den Ausstand friedlich bei- zulegen. Der Bitte Ivnrde Folge geleistet. Allein auch dieser letzte Versuch fiihrte zu keinem Ergebnis. Das Streik- komitee beriet bis 2 Uhr nachts und beschloß, den Aus st and fortzusetzen. Solidarität der östrcichischen Eisenbahner. München 23. April. Zum Eisenbahnerstreik in Ungarn melden die„Münchcncr Neuesten Nachrichten", die oft reichischen Eisenbahner verweigern die Uebernahme aller in Passau und Simbach übergehenden Güter für Ungarn. Aus Budapest wird uns vom 22, April geschrieben: Im Augenblick ist nicht abzusehen, wie der Streik, der nun den dritten Tag währt, beendigt werden wird. Die Regierung, die am ersten Tage sehr hochmütig gethan, hat am zweiten sehr Bemerkens- werte Zugeständnisse gemacht, worunter die förmliche Verhandlung, also die Anerkennung des Streikkomitees als gleichberechtigte Macht, sicherlich nicht die unwichtigste ist. Aber auch in materieller Hinsicht hat sich die Regierung, trotz aller Verklausulierungen, den Forde- rungen der Streikenden sehr stark genähert. Vor allem wurden alle Verhafteten freigelassen, allgemeine Straflosigkeit zugesichert swas in Anbetracht des reaktionären ungarischen Strafgesetzes, das auf das eigen- mächtige Verlassen des Dienstpostens eine Strafe von drei Monaten, auf das verabredete gar bis drei Jahren Kerker setzt, von der allergrößten Bedeutung ist) und wurde den Streikenden zum Zwecke der Ausnahme der Arbeit in der Hauptstadt eine Versamnilung gestattet. Was die Gchaltsvorlage, das eigentliche Kampfobjekt, betrifft, so erklärt sich die Regierung bereit, ein eingehendes Memorandum entgegen- zunehmen und dasselbe in einer neuen Vorlage, über welche ein eigner Kongreß der Angestellten entscheiden soll, nach Thunlichkeit zu berücksichtigen. Ob die Streikenden nicht gut gethan hätten, dieses Angebot anzunehmen, ist nicht so ausgemacht, als sie es zu glauben scheinen. Wohl ist es richtig, daß sich die Regierung in einer tödlichen Verlegenheit befindet und durch eine Fortdauer de? Streiks Gefahren für den Staat heraufbeschwört, deren Umfang im Augen- blicke einfach unübersehbar ist. Andrerseits ist der psychologische Zwang zu berücksichtigen, der es ihr unmöglich macht— natürlich vom Standpunkte der berühmten Staatsautorität betrachtet— über eine gewisse Linie hinauszugehen. Das schlimmste, was dem Streik passieren könnte, wäre, wenn er sich verlaufen lvürde, wenn er, statt in ordnungsmäßiger Vereinbarung abgewickelt, in Furcht und Mutlosigkeit zusammenbrechen würde. Graf Tisza hat heute im Abgcordnetenhause angekündigt, daß die Regierung bis heute abend warten wolle; da fallen die Würfel und es entscheide sich, ob die Wiederaufnahme der Arbeit durch Milde erreicht oder durch Gewalt erzwungen werden wird. Man kann dem Manne glauben, daß er das Handwerk der Gewalt besser treffen würde, als wie ihm unsympathische Milde üben. Unter den Maßregeln, welche die Regierung plant,. steht vor allem die Einberufung der Reserven des Eisenbahn- und Telegraphcn-Regimeuts, das im FricdenSstande etwa 1200, mit allen Reserven aber 3000 Mann stark ist. Das kann gesetzlich auf„Befehl" des Kaisers verfügt werden („insofern dies außerordentliche Umstände erfordern", sagt das Wehr- gesetz) und diesen Befehl zu erwirken, ist der ungarische Honvcd- minister heute nach Wien gekommen. Die Regierung kann mittels dieser gesetzlichen Bestimmung auch andre Reserven einberufen, ins- besondere alle jene natürlich, die bei diesem Streik beteiligt sind, also die aus den italienischen Maßnahmen bekannte Militari- , i e r u n g des Eisenbahn Person als auf einem Umwege— freilich nur lückenhaft— erreichen. Ob nicht schon die Drohung fruchten wird und ob alle diese Maßregeln ausreichen werden, die Aufnahme des Verkehrs herbeizuführen, darüber ist im Moment ein Urteil nicht möglich. So viel steht fest, daß der Streik den anti- socialen Charakter des ungarischen Regiments mit einer Deutlichkeit bloßgelegt hat. daß von ihm auch politische Veränderungen sicher nuSgeheil werden. politifcbc Qebcrricbt. Berlin, den 23. April. Im Reichstag gab am Sonnabend vor Eintritt in die Tagesordnung Kriegs» minister v. E i n e m die Erklärung ab. daß die Militär» Verwaltung nicht daran schuld sei. tvemf, wie gestern im Reichstag dargestellt, die Pferdeziichter in Ostpreußen von den Pferdehändlern übervorteilt worden seien. Es scheint aber. als ob es dort ziemlich bös hergegangen ist. da der Kriegs- minister versprach, künftig jede Bevorzugung der Händler zu vermeiden. Dann wandte sich das Haus den noch vor- liegenden Resten des Etats zu. Die Forderungen für jliautschou wurden debattelos bewilligt. Dagegen gab der Etat für die Verwaltung Samoas zu längerer Debatte Anlaß. Alle Parteien stimmten mit unsrcm Genossen Stadt Hägen darin überein, daß die Ein- richtung einer farbigen Polizei durch den Gouverneur Solf den deutschen Farmern zu berechtigten Beschwerden Anlaß gebe. Die Verteidigung, die Kolonialdirektor Dr. S t ü b e l versuchte, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß die von Genossen Stadthagen vorgebrachten Fälle polizeilicher Ucbergriffe wahrheitsgemäß dargestellt seien. Auch die Einfuhr chinesischer Arbeiter und die Erhebung hoher Eingangszölle wurde von unsreni Redner mit Recht gerügt. Herr Dr. S t L b e l bekannte ganz naiv, daß die Ein- gangszöllc ja von den Konsumenten getragen werden müßten, ein Geständnis, das unsre Fraktion zustimmend aufnahm. Herr Dr. Arendt konnte angesichts der von Genossen Stadthagen vorgelegten Photographien und Urkunden von den Thatsachen nichts abstreiten und beschränkte sich daher auf einige Be- merkungen über unsre Stellung zur Kolonialfragc, die er wahr- scheinlich für Witze hielt. Danach passierten nicht weniger als drei kleinere Vorlagen die erste Lesung. Zuerst der schon in der Thronrede angekündigte Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Reblaus, der der Regierung anheimstellt, scharfe Mittel gegenüber dieser Gefahr für den Weinbau anzuwenden. Daun ein Abkommen mit fast allen Kultur- staaten über die gemeinsame Regelung einiger Fragen des internationalen P r i v a t r c ch t s. Alle Staaten der europäischen Kiilturgcmcinschaft mit Ausnahme von Rußland, Dänemark und England haben sich auf gleichlautende Bc- stimmnngen geeinigt, welche die Eheschließung und Ehescheidung verschiedener Staatsangehöriger oder Angehöriger eines Landes in einen: andern Staate regeln; auch über die Vor- mundschaft für Kinder fremder Staatsangehörigkeit sind darin Bestimmungen getroffen. Nach kurzer Debatte, in der alle Parteien ihre Freude über die fortschreitende Entwicklung des Fremdenrechts äußerten, wurde die Vorlage, die immer- hin nur einen schüchternen Versuch bedeutet, in erster und zweiter Lesung angenommen. Von größerer socialpolitischer Bedeutung war die dritte Vor- läge, eine Novelle zum Krankensürsorge-Gesctz für See- lcute, das die Fürsorgepflicht der Reeder auf 26 Wochen ausdehnt. Mit der socialen Gesetzgebung für Seeleute hat es. wie Genosse Molken b u hr ausführte, eine eigne Bewandtnis. Sic ist seit dem Jahre 1861, wo das alte Handelsgesetzbuch geschaffen wurde, nicht wesentlich fortgeschritten. Auch die jetzt vor- geschlagene Verbesserung ist unsrer Ansicht nach durchaus un- zureichend. Neben einer größeren Zahl von Abänderungs- antrügen, die die einzelnen Paragraphen der Novelle betreffen und bei der zweiten Lesung noch ausführlicher be- sprochen werden sollen, forderten die Genossen Schmal- f e l d t und JNolkenbuhr, daß an Stelle der bisherigen Krankcnsürsorge eine Krankenversicherung träte, bannt die Reeder keine Veranlassung mehr Hütten, die ihnen von der Scemannsordnung auferlegten Lasten durch Abmusterung kranker Leute von sich abzuwälzen. Die bürgcr- lichen Parteien und die Regierung äußerten gegenüber all diesen Anregungen eine verdächtige Eile, das Gesetz möglichst bald fertig zu bringen; obwohl sie erst im Jahre 1902 gleichlautende Anträge unserer Fraktion abgelehnt haben, haben sie es nun auf einmal so eilig, daß sie am liebsten mit der Vorlage gleich heute fertig geworden wären. Um die Verbesserungsvor- schlüge, die unsere Fraktion zur zweiten Beratung stellen wird, werden sie aber nicht herumkommen. Montag steht neben zwei Kolonial-Vorlagen die erste Lesung des Börsengesetzes und die Stempclstcucr-Novelle auf der Tagesordnung.— Preuftisches Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus bewilligte am Sonnabend zunächst die an die Budgetkommission zurückverwiesene Position von Z Sävttvtt M. für die Errichtung eines königlichen Nesidenzschlosses in Posen; es gab der Regierung sogar noch ÄÖÜtMK) M mehr, als diese für den genannten Zweck gefordert hatte. Nur die Polen und einige Frei- sinnige stimmten gegen die Position; die übrigen Parteien, auch Freisinnige und das Centrum, waren einmütig dafür, legten also das Maß von„nationaler Gesinnung" au den Tag, das Abg. Graf M o l t k e(frk.) den Gegnern des Planes abzusprechen beliebte. Nun werden ja wohl die für ö'/z Millionen Mark geschichteten Steine reden und— germanisieren. Nach definitiver Annahme des Gesetzentwurfs betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel für den Bau von Beamtenwohnnngen begann die dritte Lesung des Staatshaushalts-Etats. Die General- debattc wurde durch eine Rede des konservativen Führers Graf Limburg-Stirum eingeleitet, in der er seinem Bedauern über den angeblich zu geringen Einfluß des Finanzministeriums Ausdruck gab, mit andren Worten eine noch größere Knauserigkeit und Filzigkeit empfahl, um sodann die Regierung ernstlich und nachdrücklichst vor der Beantwortung von socialdcmokratischen Interpellationen im Reichstage, die sich auf preußische An- gelegenheiten beziehen, zn warnen. Graf Limburg meinte, daß dadurch nur die Socialdemokratie Vorteil hätte, daß aber dieser Partei keine Konnivenz entgegengebracht werden dürfe. Unmittelbar darauf, in seltsamer Getstesverlvirrung, hielt dann der Graf von der Tribüne des Landtages herab eine Rede über die Notwendigkeit der Kündigung der Handelsverträge, also über eine Angelegenheit des D e u t s ch e n N e i ch e s. Auf seine Klagen über die Notlage der Landwirtschaft gab Minister v. R h e i n b a b e n die überflüssige Erklärung ab. daß die Regierung alles thun werde, um die Wünsche der Agrarier zu erfüllen. Auch die Polcndebatte fehlte in der Gcneraldiskussion nicht. Der Sekretär der schlesischcn Bergloerksbesitzer, Abg. Dr. Voltz(natl.) hielt sich für verpflichtet, unter per- sönlichen Angriffen auf den polnischen Abgeordneten Korfanty eine paradiesische Schilderung der oberschlesischen Zustände zu geben und die schlesichcn Großindustrieben ob ihrer Arbeitcrfürsorgc und ihrer socialpolitischen Einsicht in den Himmel zu heben. Doch dürfte die Schilderung der Ver- Hältnisse, wie sie Abg. Korfanty in seiner Erwiderung gab. der Wahrheit wohl etwas näher kommen. Abg. Korfanty gab ein anschauliches Bild von den kulturwidrigen Verhältnissen, unter denen die oberschlesische Bevölkerung lebt. Minister v. Hammerstein. der zur Entgegnung verurteilt war, suchte sich mit einigen Phrasen aus der Affaire zu ziehen. Der Herr suchte dadurch für sich den Anspruch auf Ernsthaftigkeit zu er- wirken, daß er feierlich erklärte, den Ankläger der ober- schlesischen Zustände nicht ernst nehnien zu können, obwohl doch dieser Korfanty der glückliche Retter des Lieblings der preußischen Regierung, des Fürstbischofs Kopp, geworden ist. Nach Schluß der Generaldebatte erledigte das Haus in rascher Reihenfolge eine Anzahl von Specialetats ohne Er- örterung. Nur beim Etat des Finanzministeriums kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Minister v. Rhein- b a b e n und dem Abg. R o s e n o w(frs. Vp.) darüber, ob der von der Regierung für den botanischen Garten von der Stadt Berlin geforderte Preis zu hoch war oder nicht. Eine Ent- scheidung wurde nicht herbeigeführt. Am Montag wird die Etatsdebatte fortgesetzt.— Nationallilicrales Reichstags-Wahlrecht. Jüngst hatte der nationalliberale Landtagsabgeordnete M e n ck sich gegen das Reichstags-Wahlrecht ausgesprochen. Darauf hat die nationalliberale Parteileitung sich gegen diese Aeutzerungen ihres Parteikollegen gewandt, aber wir wiesen sofort darauf hin, datz die Zurücklveisung der Menckschen Erklärung nur geringe Bedeutung habe, wenn die Partei einen Abgeordneten in ihrer Mitte verbleiben läßt, der die von ihr vertretenen wichtigsten Grundsätze nicht an» erkennt. In der Korrespondenz des Herrn Lorenz findet sich jetzt eine Zuschrift zu dieser Angelegenheit, welche die nationalliberalen Parteiznstände bemerkenswert kennzeichnet: „Die Erklärung des nationalliberalen Landtags-Abgeordneten Menck gegen das Reichstags- Wahlrecht hat seitens der offiziellen nationalliberalen Parteiinslanzen eine in pathetischem Ton nahezu moralischer Entriistung gehaltene Zurückweisung erfahren. Diese Zurückweisung nimmt sich daruni ein bißchen komisch aus, weil nämlich den pathetischen Worten nie und nimmer eine That folgen ka n'n, und weil doch in der Politik nur solche Worte einen Wert haben, hinter denen der Wille und die Möglichkeit zur That steht. Gesetzt den Fall, die nationalliberale oberste Parteiinstanz wollte erklären, der Abgeordnete Menck könne nicht mehr als zur nationalliberalen Partei gehörig betrachtet werden, so könnte eine solche Erklärung den Abgeordneten Menck sehr kalt lassen, würde aber die national- liberale Partei selber vielleicht bis zur Vernichtung treffen. Denn die inatcricllc Existcnzmöglichkcit der nationallideralc» Partei beruht auf den in ihrer Gesamtheit hohe Sumuicn repräsentierenden Geld» beitragen der Großindustrielle» Kreise. Mit diesen Geldern wird eine nationalliberale Agitation betrieben und durch diese Agitation die Existenz einer nationalliberalen Partei trotz des bestehenden Wahl- rechts immer wieder gerettet. Wollte man nun wirklich den Ab- geordneten Menck„abschütteln", so würden für ihn seine Berufs- und Gesinnungsgenossen— die fast ausnahmslos aus seinem Standpunkt st ehe»— Partei ergreifen, das heißt der nervus rerum des nationalliberalen Parteilebens in der gegenwärtigen Form wäre sehr schnell und sehr gründlich unterbunden. Der Abgeordnete Menck ist eben jmächtiger als ein formales Programm und eine pathetische Erklärung, die beide innerhalb der gegebenen Ver- Hältnisse doch nur JllusionSwert haben. Wie wir übrigens auS dem Abgeordneten Menck sehr nahe stehenden Kreisen hören, betrachtet er selber seine Auslassung im„Altonaer Tageblatt" nur als den ersten Vorstoß einer gewisser- maßen im Sinne des Bismarckschen Vermächtnisses nachhaltig zu führenden Campagne gegen das bestehende Reichstags- Wahlrecht." Der Wahlrechtshaß der nationalliberal-steikonservativen Groß- industrie ist eine alte notorische Thatsache und erst bei Gelegenheit unsrer Giesebrecht- Veröffentlichungen wurden auch national- liberale Abgeordnete als Geldspender der Wahlrechtsfeindschaft auf- gedeckt. Dennoch müssen wir dem Lorenz verpflichtet sein, daß er in der„Antisocialdemokratischen Korrespondenz" für die Social- demokratie wirkt, indem er der Oeffentlichkeit die bevorstehende „nachhaltig zu führende Campagne gegen das bestehende Reichstags- Wahlrecht" zeitig signalisiert. Die obige Zuschrift leuchtet hell in die materiellen Unter« gründe der nationallibcralen Politik. Die Großindustrie hat die Nationalliberalcn finanziell an der Leine und sie wird die Geldsperre verhängen, sobald die Partei ihren Wünschen zuwiderhandeln wollte. So erklärt es sich, daß die Nationalliberalcn selbst das Reichstags« Wahlrecht, das Fundament der von ihnen gepriesenen Reichs- einheit, zu sichern nicht im stände sein würden. Sobald den Interessen der großindustriellen Geldmacht dieses Wahlrecht gefährlich erscheint, müssen die nationalliberalcn Politiker ihre einst höchsten Grundsätze verraten.— veutfcke» Kelch. Zu den blöden Anklagen der„Konservativen Korrespondenz": die Gesetzgebnngsmaschinerie sei durch die socialdeniokratifchen Schwätzer lahnigclcgt", diene die folgende Episode zur Jllustrierung, über die uns geschrieben wird: Als im Laufe der vorigen Woche die Debatte über den Etat des Reichskanzlers bereits den dritten Tag währte und sich über alles mögliche und unmögliche erstreckte, frug Genosse Bebel den Prinzen Arenberg: warum man dieser schrecklichen Debatte nicht durch einen Schlußantrag ein Ende mache. Darauf antwortete Prinz Arenberg: Das geschähe nicht, weil die Mehrheit fürchte, daß wir— die Socialdemokratie— alsdann die Beschlußfähigkeit des Hauses bezweifelten. Bebel erwiderte: Dieser Gedanke sei bisher unter uns nicht erörtert worden, was lvir verlangten sei, daß man sich gegebenenfalls mit uns über den Schluß der Debatte verständige und denselben nicht eher annähme, als bis das. was die Fraktion durch ihre Redner zu dem betreffenden Etat zn sagen habe, gesagt sei. Prinz Arcnbcrg schien über diese Antwort sehr befriedigt� zu sein und niachte sowohl dem Präsidenten wie seinen Frakiionsgenossen davon Milteilung. Trotzdem aber schlich sich die Debatte noch durch zwei lange Sitzungen, bis sie endlich wegen Mangel an Rednern ihr Ende fand. Als einige Tage später Genosse Bebel dem Prinzen Arenberg gegenüber seine Verwunderung über diesen Vorgang äußerte und frug, ob seine Fraktionsgenossen mit dieser Taktik einen be- stimmten Zweck verfolgten, erhielt er zur Antwort ein Achselzucken mit der Bemerkung: Er wisse von nichts. Es sind aber nicht allein die Debatten im Plenum, die vielfach den Charakter der Oede und Leere angenommen hoben, ähnliches zeigen die Debatten der Budgetkommission, die, obgleich es sich mit Ausnahme des Entwurfs über Aenderungen im Finanzwesen des Reiches um keinerlei schwierigen oder zeitraubenden Arbeitsstoff handelt, einen so schleppenden Gang angenommen haben, wie niemals zuvor. Auch hier sind es nicht die socialdemokratischen Abgeordneten. welche die Verhandlungen in die Länge ziehen, denn unsre Redner legen sich hier, ensprechend der Stellung, die wir zum Etat ein- nehmen, große Reserve auf, sondern es sind die Redner der Mehr- hcit, die durch Frage- und Antworffpiel kein Ende der Debatten aufkommen lassen. Wenn man, nach einem Bismarckischen Wort, den Parlamentarismus durch den Parlamentarismus diskreditieren will, dann muß so verfahren werden, wie gegenwärsig die Mehr- heit im Reichstag verfährt. Die Angriffe auf unsre Partei weisen wir»ut Entschiedenheit als haltlos und ungerechtfertigt zurück.—_ Prozeß Münch-Ferber. Vor dem Landgericht in Hof findet in den nächsten Tagen ein Prozeß statt, der das Interesse der politischen Kreise erregen dürste. da es sich um den Charakter eines einflußreichen nationalliberalen Abgeordneten handelt. Klüger ist Herr Münch-Ferber. der moralisch genötigt wurde, gegen den Spinnereidirektor und Rittergutsbesitzer Julius S ch m i d klägerisch vorzugehen. Schmid, der Freund und Vertreter der Erben des stüheren Mitinhabers der Münch-Ferberschcn Weberei, eines Bruders des genannnten Abgeordneten, hatte öffentlich schwere An- klagen erhoben gegen ihn. Münch-Ferber wurde von ihm beschuldigt. daß er in der Erbschaftssache.illoyal vorgegangen sei, daß er als Nufsichtsrat im Hinblick auf das Tantiemeiirccht andre Anschauungen vertreten habe als im Reichstag usw. Politisch wichtig aber ist die folgende Behauptung Schmids, die allerdings, wenn erwiesen, den Herrn Münch-Ferber parlamentarisch unmöglich machen würde. Man erinnert sich, daß während der Ver- Handlungen der Zollkommission plötzlich unter den Schutzzöllnern eine wilde Fehde zwischen Webern und Spinnern ausbrach. Herr Münch-Ferber behauptete, daß die Spinner Ausbeuter und Erdrosseler der Weber seien, und daß insbesondere die Vogtländische Spinnerei ein im Golde schwimmendes Unter- nehmen sei. Dabei soll Herr Münch-Ferber selbst an seiner Baum- Wollweberei nicht weniger als 7ö Proz. verdienen! Schmid ist Direktor der Vogtländischen Spinnerei und er be- hauptet, daß die Angriffe Münchs gegen die Spinner lediglich ein Privater Rache-Akt gewesen sei, weil Schmid die Interessen der Erben gegen den Abgeordneten wirksam vertreten hatte. m Wäre dies wahr, so hätte Herr Münch-Ferber— ganz gleich- gültig, ob er sachlich recht hatte oder nicht— sein parlamentarisches Amt zu persönlichen Zwecken mißbraucht uird hätte damit zugleich ein krasses Beispiel dafür geliefert, aus welchen Motiven die Schutz- zöllner für die«nationale Arbeit" eintraten. In erster Instanz wurde Schmid zu einer gelinden Geldstrafe verurteilt. Man wird in der zweiten Instanz hoffentlich volle Klarheit über das Charakterbild dieses nationalliberalen Parlamentariers gewinnen, der in Süddeutschland eine sehr einflußreiche Rolle spielt.—_ Ein neuer Hausfriedensbruchs- Prozeß gegen Bersammlungs- bcsucher ist in Königsberg in Sicht. Das Lokal„Jnbiläumshalle", das unter freisinniger Verwaltung steht, wurde kürzlich nicht mehr einem Verbände der freien Gewerkschaften als Versammlungs- lokal zur Verfügung gestellt. Am Donnerstagabend hielt nun der Verein deutscher Kaufleute, der auf Hirsch-Dunckerschem Boden steht, in diesem Lokale eine Versammlung ab. Ein wirklich liberaler Mann, Herr Dr. Düllo, der Direktor des Statistischen Amtes, der bisher hervorragendes Mitglied der Freisinnigen Volkspartei war und jetzt wegen seiner wahren liberalen Ansichten von dieser Partei verfolgt wird, hatte das Referat übernommen. Er sprach über Warenhäuser und Konsumvereine. Als er über die Bedeutung der Konsumvereine reden wollte, fiel ihm der Pächter des Lokals ins Wort und sagte: Ueber Konsumvereine darf hier nicht gesprochen werden. Als sich gegen diese freisinnige Censur lebhafter Protest erhob, erklärte er, hätte er gewußt, daß Dr. Düllo sprechen würde, dann hätte er seine Lokalitäten überhaupt nicht dazu hergegeben. Als Herr Dr. Düllo trotzdem weiter sprechen wollte, erklärte der Pächter, daß er das Licht auslöschen werde. Nun schickte der Vorsitzende der Ver- sammlung zur Polizei. Inzwischen war der Saal auch thatsächlich verdunkelt worden, auch hatte man alle Thüren geöffnet. Dann forderte der Pächter, Herr Kernus, alle auf, den Saal zu verlassen. Der Vorsitzende erklärte, daß er den Saal gemietet habe, und daß niemand hinausgehen werde. Auch der Schutzmann, der inzwischen erschienen war, lvurde aufgefordert, den Wirt aus dem Saale zu bringen, er that es jedoch nicht. Man hatte inzwischen wieder einzelne Lampen angezündet, und der Wirt wollte sie wieder aus- löschen. Daran wurde er jedoch vom Schutzmann gehindert. Nun stieß ihn der Wirt unter sehr heftigen, beleidigenden Worten zurück. Die Versammlung mutzte endlich, da der Wirt fortwährend lärmte, geschlossen werden. Es wird nun zu einein großen Prozeß kommen. Der Wirt will gegen alle Versammlungsbesucher Straf- antrag wegen Hausfriedensbruchs stellen. Der Vorsitzende der Versammlung will wieder gegen den Wirt Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs stellen. Und endlich will auch der Polizist Straf- antrag wegen Hausfriedensbruchs, Beamtenbeleidigung und Wider- standcs gegen die Staatsgewalt stellen. So regiert der Frei- sinn in Königsberg. Er macht es seinen eignen An- h ä n g e r n unmöglich, Versammlungen abzuhalten. Klar ist es, daß der Wirt nicht aus eigner Initiative vorgegangen ist. Er hat sicher dazu den Austrag erhalten. Es geht jetzt mit Riesenschritte» abwärts mit der Freisinnigen Volkspartei in Königsberg. Allgemein ist»mir hier der Ansicht, daß der Freisinn aus Furcht vor der öffentlichen Kritik diese Versammlung unmöglich gemacht hat, denn am Tage vorher hatte der Freisinn in einer Parteiversammlung ein furchtbares Ketzergericht über Herrn Dr. Düllo und dm Verein der deutschen Kaufleute abgehalten.— ReichSfiskus und Landessteuern. Am Freitag wurde in der Zweiten Kammer des sächsischen Landtages ein Steuerkonflikt zwischen dem Reichs- Militärfiskus und der sächsischen Steuerbehörde behandelt. In der Begründung der Interpellation führte der konservative Abg. Dr. Stöcke! u. a. aus, daß der Militärfiskus in den meisten Gemeinden u. a. die Grundsteuer als nicht dinglich bezeichnet und deshalb die Steuern verweigert habe, die er bisher anstands- los ausgezahlt hätte. Dadurch seien besonders eine bc- trächtliche Anzahl kleiner ännerer Gemeinden in der Gegend von Z e i t h a i n hart getroffen worden, denen der Militär- fiskns den größten Teil der zur Gemeinde gehörigen Grundstücke durch Expropriation abgeiwmmen und zur Vergrößerung des Exerzier- Platzes bei Zeithain verwendet habe. Von dem Militär würden die Gemeinde-Einrichtungcn mit benutzt, die Straßen würden durch die Truppenbewegungen lZeithain ist Artillerieschießplatz» ruiniert, die Gemeinden hätten dadurch große Ausgaben und doch verweigere der Militärfiskus plötzlich die Gemeindesteuern. Dadurch seien diese Gemeinden in_ eine sehr schlimme Lage gekommen. Der Kriegsmini st er v. Hansen erklärte, die Verweigerung der nicht dinglichen Abgaben se, auf ein Schreiben des Reichs- schatzsekretärs voin Oktober 1303 zurückzuführen, in dem der Standpunkt begründet worden sei, das Reich sei nicht verpflichtet, an die Gemeinden Stenern zu leisten, entgegengesetzte landesgesetz- liche Bestimmungen könnten daran nichts ändern. Der Minister des Innen, von M e tz s ch gab zu, daß besonders fiir die Gemeinden bei Zeithain ein unerträgliches Verhältnis geschaffen worden sei, daß aber bei der gegenwärtigen Auslegung der in Betracht kommenden Gesetze nicht sicher sei, ob man die vom Reichsschatzsekretär und dem Reichskanzler geteilte Ansicht, daß der Reichs-MilitärfiskuS nicht zur Leistung von Gemeindesteuern verpflichtet sei, mit Erfolg werde be- kämpfe» können. Die Regierung habe bereits erwogen, ob man auf dem Wege der Pfändung gegen den Militärfiskus vorgehen solle, man habe aber noch vorgezogen, zuvor den Weg der Vcmnttelung zn versuchen. Erst wenn dieser Versuch fehlgeschlagen sei, wolle man zu dem letzten Mittel greifen. Der Abg. Opitz empfahl der Rc- gierung, die Gemeinden vorläufig aus den Kassen des Landes zu entschädigen, um den unerträglichen Verhältnissen abzuhelfen. In der Verhandlung kam»och zur Erörterung, daß auch der P o st f i s k u s in letzter Zeit in Sachsen in derselben Weise wie der Reichs- Militärfiskus vorgegangen ist und die Gemeindesteuern ver- Mgert hat. Ja, der Postfiskus hat die Entscheidung der sächsischen srsberbehörde angerufen. Als diele zu seinen Ungunsten ausgefallen «'. bat er sich trotzdem geweigert, die Steuern zu zahlen. Der KitftsÄ war mit der Regierung einmütig der Ansicht. daß diese Nerlniw unhaltbar seien und eine Abändcrnng durch gesetzgeberisches b r �en herbeigeführt werden müsse. Konsumvereins-Feinde. vVtften'unt?6". Parlament ist ein von 42 konservativen Ab- 9■ z,t wird kÄx'chueter Antrag eingegangen, wonach die Regieruiig m!.n.ciuden vcrpflj� i" G c s e tz v o r z u l e g e n. nach welchen, dir �>- l mit.■ werden solle», Großbetriebe im Klern- h a ii i>' wer Umsatzsteuer zu belegen. Die sächsische RegrerBS wsh» gegen die landesgesetzliche Einfiihr.mg der Umsatzsteuer einen ablehnenden Staiidpunkt eingenoinmen und diesen im vorigen Landtage durch eine umfangreiche Denkschrift eingehend begründet. Es bleibt abzulvarten, ob die Regierung auch diesem neuesten Vorstotze der konservativen Konsumvereinstöter— denn auf die Arbeiter-Konsumvereine haben eS die Herren in erster Linie abgesehen— Stand halten wird. München, 23. April.(Telcgr.) Die„Augsbnrger Abendzeitung" verzeichnet das Gerücht, die C c n t r u m s f r a k t i o n hätte den Be- schluß gefaßt, daß bei Beratung des Militärctats das Centrum dem KriegSmini st er den Rücken kehren und auf Kommando den Saal verlassen soll.— Huölanc!. Oestreich-Ungarn. Sturmsrenen im Wiener Abgeordnetenhause. Beim Beginn der Freitags- Sitzung erhebt Dr. StranSky Einspruch gegen das Vorgehen des Präsidenten am Schlüsse der letzten Sitzung und bezeichnet die Anberaumung einer außerordcnt- lichen Sitzung für heute zur Vornahme der Dclcgationswahlcn als Bruch der Geschäftsordnung, nachdem bereits vorher das Haus dem Antrage des Präsidenten, die nächste Sitzung am Sonnabend abzuhalten, zugestimmt habe. Hierdurch werde eines der wichtigsten Rechte der Legislative, an der Feststelluiig der Tagesordnung mitzuwirken, beeinträchtigt. Redner fordert den Präsidenten auf, die heutige Sitzung für eine ordentliche zu er- klären, und bei derselben gemäß der Geschäftsordnung wie bei ordentlichen Sitzungen vorzugehen. Falls der Prä- sident dieser Anfforderung nicht nachgebe, appelliere Redner in gleichem Sinn an das Haus. Für den Fall, daß der Präsident auch dies nicht zuließe, beantragt Redner Schluß der Sitzung und nament- liche Abstimmung hierüber. Der Präsident erklärt, ihm stehe gcschästsordnungsmäßig das Recht der Einberiifuirg der außerordentlichen Sitzungen zu, daher nach der ratio Ivais auch das der Feststellung der Tagesordnung derselben. Da auberordent- liche Sitzungen ack hoc sOhorufe der Czechen) also zur Erledigung eines besonderen Gegenstandes einberufen werden könnten, könne er der Anregung Sstanskhs, den Einlauf verlesen zu lassen, nicht Folge gebcil und die Abstimmung über diesen Punkt nicht zulassen. Dagegen lverde er den Antrag auf S i tz u n g s s ch l u ß zur Abstimmung bringen. Der Antrag wird hinreichend unterstützt und die Ab- stimmung vorgenommen. Dabei wird der Antrag auf Schluß der Sitzung mit 310 gegen 102 Stimmen abgelehnt. C h o c protestiert gleichfalls gegen das Vorgehen des Präsidenten und gegen die Vornahme der Delegationswahlen. Er beantragt, die heutige Sitzung für eine ordentliche zu erklären und die Debatte der letzten Sitzung fortzusetzen. Hierüber sollen namentliche Abstimmungen stattfinden. Im Falle der Ab- lehnung seiner Vorschläge solle die Sitzung auf vier Stunden unter- brochcn, und auch hierüber solle namentlich abgestimmt werden. Der Präsident erklärt, er könne die Anträge nicht zur Abstimmung zulassen.(Ohorufe der Czechen und Socialdemokraten. Choc pfeift auf einer schrillen Signalpfeife.) Die Socialdemokraten protestieren energisch gegen die Verweigerung der Abstimmung. Der Präsident läutet anhaltend, vermag sich aber kein Gehör zu verschaffen. Nachdem der ohrenbetäubende Lärm etwa 10 Minuten angehalten, unterbricht der Präsident die Sitzung auf eine halbe Stunde. Nach Wicderaufiiahme der Sitzung erklärt Perner st orfer, die kleinen Parteien müßten gegen jede Maß- regel, welche ihre Erdrosselung herbeiführen könnte, mit allen Mitteln ankämpfen..Er be- gnüge sich mit einem P r o t e st gegen das Vorgehen des Präsidenten, in der Erivartung, daß derselbe eine Er- klärung abgeben werde, wonach in der Einberufung einer außerordentlichen Sitzung für die Delegationswahlen kein Präjudiz für die Zukunft geschaffen werde. Der Präsident erklärt, e r könne kein Präjudiz in seinem Vorgehen er- blicken, das auch früher bei Delegationswahlen üblich gewesen sei. Graf Sternberg erklärt, er sei ein persönlicher Gegner der Obstruktion, müsse jedoch die Czechen er- muntern, die Delegationswahlen zu verhindern, um ihr Selbstbessimmungsrecht zu wahren. S t a n e k hält eine Rede in czechischer Sprache und stellt schließlich einen Antrag auf zwölf- stündige Unterbrechung der Sitzung. Inzwischen beginnt die Abgabe der Stimmzettel für die Delegationswahl aus Böhmen, nachdem die dcutsch-böhmischen Abgeordneten sich bereits vorher vor der Präsidententribüne angesammelt hatten. Die Wahl geht unter anhaltendem Tumult der Czechisch-Radikalen vor sich, die un- ausgesetzt pfeifen, johlen, klopfen und singen. Ans dem Lärm werden die Töne der Volkshhmne vernehmbar. Die Delegasionswahl nahm 1 l!t Stunden in Anspruch. Während der ganzen Wahlhandlung nahm der tosende Lärm und die Erregung kein Ende. Nach Beendigung der Wahl ertönte lebhaftes Beifallsklatschen. Darauf wurde, tun 8llt Uhr abends, die Sitzung geschlossen. In der S o n n a b e n d- S i tz u n g protestiert nach wärt- sicher Verlesung des Einkaufs, welche bis IV« Uhr dauerte, Kramarcz gegen das gestrige Vorgehen des Präsidenten. Er beantragt in da§ amtliche Protokoll der gestrigen Sitzung einen Zusatz emzuschalten, ivonach das Vorgehen des Präsidenten als geschäftsordnungswidrig bezeichnet wird. Hierüber erfolgt namentliche Abstimmung. Nachdem der A n t r a g Kramarcz abgelehnt ist, erheben Choc, Klofac und Graf Sternberg gegen die Art der gestrigen Vornahme der Delegationswahlen Einspruch. Der Präsident rechtfertigt seine Haltung, wobei er von den lärmenden Zwischenrufen der Czechisch-Radikalen unterbrochen wird. Hierauf setzt das Haus� die Beratung des Dringlichkeitsantrages Dvorak, betreffend Ausgestaltung der czechischen Hochschulen fort. Die Dring- lichkeit wird abgelehnt, da es an der erforderlichen Zwcidrittel- Majorität fehlt. Die nächste Sitzung findet am Dienstag statt.— England. Geschäft und Gesetzgebung.„The Daist, News" veröffentlichen eine interessante Statistik über die Beteiligung der regierenden Klassen an der Fabrikation von Bier und Branntwein. Danach sind nicht bloß eine große Anzahl Parlamentsmitglieder und sonstige hohe Persönlichkeiten, sondern auch viele Mitglieder des Kabinetts sehr stark an der Herstellung beziehentlich an dem Konsum von Alkohol interessiert. Von 18 Ministern, welche das engst, che Kabinett zählt, werden neun aufgeführt, welche dirett oder indirekt jals Aufsichtsräte usw.) in der Brauerei- oder Branntwein, Industrie oder auch an Hotel- oder Restaurations- Gesellichaften beteiligt sind. Sodann folgen 167 Lords; davon sind 8 Herzöge, 7 Marquis; dann kommen die zahlreichen Grafen, Barone usw. Ferner zählt die Statistik 129 Mitglieder des Unter- hau, es auf und schließlich folgen 880 hochstehende, mit Titeln und Ehrenzeichen versehene Personen, welche einen großen Teil ihres „Erwerbes" ans dem Konsum von Alkohol ziehen. Auch eine Anzahl hochstehender Damen(Herzoginnen, Marquisen, Gräfinnen usw.) figurieren unter den Altionären von Unternehmen der Bier- und Branntweunndustrie. Das von diesen Personen in jenen Industrien direkt angelegte Kapital schätzen„The Daily News" auf 200 Millionen. Viele dieser Herrschaften sind schon eifrig st in Mäßigkeits- und Sittlichkcitsvereinen thätig gewesen. Das hindert sie nicht, große Summen aus dem Bier- und SchnapSvcrbralich zu ziehen, und es wird sie auch nicht ab- halten, für die jetzt vorliegende Licenz-Bill der Regierung, die den Schnaps- und Bierproduzenten Vorteile in den Schoß wirft, zu stimmen.— Norwegen. -._ Märchen über Aalesnnd. Als nach dem Brande Aalesunds am 23. Januar sofort auS aller Welt Gaben in so reichem Maße herbeiströmten, als sei jene Brandstätte der einzige Ort der Erde, wo Elend und Not zu« finden wäre, da gingen wohl die Geber von dem Gedanken aus, daß. schnelle Hilfe hier unbedingt notwendig sei. Es wird manchen wundern, zu erfahren, daß jetzt nach Verlauf von drei Monaten von den Geldspenden nur ein geringer Teil in die Hände der Ge- schädigten gelangt ist, daß man aber hinsichtlich der Hauptsumme. noch immer nicht darüber einig ist, in welcher Weise man sie ver-- teilen, oder ob man sie überhaupt nicht verteilen soll. Es giebh nämlich auch Leute in Aalesund, die verlangen, man solle aus dem Geld einen Fonds bilden, woraus die Bedürfnisse der Gemeinde teil- weise gedeckt werden könnten. Besonders sind esgroßeStcue?« zahl er, die diesen Wunsch hegen. Dagegen wünschen die Ar* heiter, daß das Geld zum größten Teil verteilt werde an die minder bemittelten und mittellosen Leute.— Der Amtmann Alexander Kielland hat den Vorschlag gemacht. jedem vom Brand Geschädigten, ob vermögend oder unvermögend, 50 Kronen zukommen zu lassen. Hiergegen macht jedoch das Justiz- dcpartcmcnt in einem Gutachten an die Gemeindevertretung von Aalesund, die die Sache nun im Einverständnis mit dem Amtmann entscheiden soll, verschiedene Einwendungen. Am 13. April hat in Aalesund eine gemeinsame Sitzung deS Magisttats und der Stadtverordneten, zu der auch Repräsentanten der verschiedenen Vereine geladen waren, über die Angelegenheit beraten. Der Vorsitzende machte die Mitteilung, daß im ganzen 1 400 000 Kronen eingekominen seien, wovon 200 000 Kronen zur Verteilung verwandt worden seien. Außerdem seien Waren im Werte von mehreren hunderttausend Kronen verteilt worden. Von den Ar» beiterfachvereinen wurde nun gemeinsam der Wunsch ge- äußert, eine Million dem Vorschlage deS Amtmanns entsprechend zu verteilen, jedoch mit Ausschluß derjenigen Leute, die ein Vermögen voll winde- stens 10 000 Kronen haben. Von andrer Seite wurde dagegen geltend gemacht, etwas von dem Gelde niüsse für allgemeine Zwecke, wie Verbesserung des Wasserwerks, Sttaßetzckauarbeiiten, Darlehen zu geringem Zinsfuß für Errichtung kleinerer Wohnungen. Stiftung eines Legats zur Beihilfe für die zukünftigen Bedürfnisse der vom Brand Geschädigten, Krankenhaus usw. verwandt werden können. Außerdem wurde hervorgehoben, daß die Kommime selbst am meisten durch den Brand geschädigt sei, da ihr Verlust sehr groß und die Steuerfähigkeit der Bürger sehr reduciert sei. Man erklärte, die Absichten der Geber seien sehr verschiedene gewesen und einzelne hätten es ausdrücklich ausgesprochen, daß die Gaben zum Wohl der Stadt angewandt werden sollten.— Die Entscheidung haben nun der Magistrat und die Stadtverordneten zu treffen. Aus Anlaß dieser Vorgänge unternehmen es verschiedene bürgerliche Blätter in Deutschland, die Arbeiter- klasse zu verdächtigen und von etnier furchtbaren Korruption der arbeitenden Bevölkerung Aale- sunds zu erzählen. Das Acrgste leisten darin die»Hamb. Nachr.", die ihren Lesern unter anderm folgendes erzählen: „Die Wirkung der socialdemokratischen Agitation hat sich jetzt in recht lehrreicher Weise in dem niedergebrannten Aalesund ge- zeigt. Die Bevölkerung der zu sieben Achteln eingeäscherten Stadt ist völlig dem Müßiggang verfallen; aus Kristiania haben sich„Volks- freunde" eingefunden, die bei den bisherigen Faustarbeitern der Stadt die Einbildung großgezogen haben, als seien die ein- gelaufenen Geldspenden ausreichend, sie sämtlich arbeitslos zu ernähren; aber die„Großen" wollten einmal wieder den armen Leuten nichts gönnen, noch zukommen lassen."—— Wir haben oben mitgeteilt, daß die organisierten Arbeiter von Aalesund denselben Vorschlag machen, wie der Amt» mann Kielland, nur mit dem Unterschied, daß die vermögenden Leute nichts erhalten sollen, womit jeder einverstanden sein wird, der das Wort:„Wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe", nicht für ein Sittengesetz hält. Uebrigcns ist der Amtmann Kielland, der berühmte Verfasser socialer Romane, durchaus keim Socialdemokrat, hat auch in seiner Aintsthätigkeit bisher kein so besonders hervoragendes Maß socialen Empfindens für die Arbeiter an den Tag gelegt. Daß in dieser Angelegenheit die socialdemokratischen Arbeiter im wesentlichen mit ihm einverstanden sind, beweist nur, daß es sich bei den oben erwähnten Anschuldigungen um nichts als Veleumdungcn handelt., Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz liegen verbürgte Nachrichten über neue ernsthafte Znsammenstöße noch nicht vor. Zwar cirkulieren in Petersburg allerhand Nach» richten über ein großes Gefecht am Aalu, bei dem die Japaner 1600 Mann verloren haben sollen, allein eine amtliche Bestätigung einer solchen Schlacht ist nicht eingettoffen, so daß den Gerüchten kaum eine thatsächliche Unterlage beizumessen ist. Immerhin kann es jeden Tag zu einem ernsten großen Land» gefecht kommen, da die Truppenzusammenziehungen der Japaner am Daln wahrscheinlich das Uebergehen zur energischen Offensive ge» statten. Freilich schwebt über den strategischen Absichten der Japaner völliges Dunkel. Rkan hat sogar ans der langsamen Entfaltung der japanischen Landmatsi und der nur in bescheidenem Maße erfolgten Mobilisierung den Schluß gezogen, daß Japansich daranfbeschränken wolle, sich in Korea fe st zusetzen und seine Stellungen derartig zu befestigen, daß ein russischer Angriff aussichtslos sei. Nach de» Aeußerungen der japanischen Presse scheint Japan sich jedoch keines» wegs auf eine solch defensive Rolle beschränken, sondern Rußland auch aus der Mandschurei verdrängen zu wollen. Die Aktionen Japans während der nächsten Wochen werden den japanischen Kriegsplan deutlicher erkennen lassen. Ueber die Stärke der japanischen Landtruppen wird gemeldet, daß 80 000 Japaner in Nordwest-Korea und 20 000 im Nordosten versammelt seien, während 60 000 Mann in Süd-Japan eingeschifft sind und also zur beliebigen Verwendung gegen Port Arthur oder Wladiwostok verfügbar stehen. Diese letzteren 60 000 Mann sollen an Bord einer Transportflotte Japan am 16. März verlassen haben. Sie sollen die Richtung nach Port Arthur zu eingeschlagen haben, was insofern glaubwürdig klingt, da ohne Hilfe gelandeter Truppen die Festung nicht zu nehmen ist. Scharmützel am Aalu. Ein Telegramm des Statthalters Alexejew vom 22. lautet: Eine Reihe von Rekognoscierungen am Aalu haben er» geben, daß die Japaner nördlich von Widschu bedeutende Streitkräfte bei Diwissi zusan, mengezogen, sowie begonnen haben, Truppen in Widschu zu vereinigen. Die dorttge koreanische Bevölkerung lvurde gezwungen, die Stadt zu räumen. Es ist eine Meldung eingegangen. wonach die Japaner Frachten, die Pontons ähnlich waren, befördert haben. Gegenüber Mabihe wurden auf einer Insel von unsrcn Freiwilligen zwei japanische Kund» -.ch a f t e r getötet, von denen einer anscheinend Offizier War. Auf der rechten Flanke führten unsre Freiwilligen mehrere Tage lang k ü h n e Relognoscierungen des linken Dalu- ufers ans. Dadurch wurde festgestellt, daß südlich vom Pomahuaflutz wenig Truppen stehen, datz die Japaner dort aber mit Herstellung von Booten beschäftigt sind. Ein ans zwei Offizieren und 32 Mann bestehendes russisches Kommando begab sich in drei Booten dorthin, wurde aber bemerkt «nd verlor im Gefecht drei Schützen. Schwerverwnndct wurde» Stabskapitän Smeihi» und elf Schützen. Lieutenant Puschkin und vier Schützen sind leicht verwundet. Unter Deckung des Feuers von zweien unsrer Geschütze kehrte das Kommando auf unser Ufer zurück. Eine neue Minenexplofion. Petersburg, 23. April. Admiral Blexejew telegraphiert an den Zaren» daß bei der Legung einer Unterseemine ein Boot, in welchem sich ein Lieutenant mit 20 Mann befand, in die Lnft geflogen sei. Das Auslegen von Minen beweist, daß die Flotte in Port Arthur sich künftig völlig auf die Defensive zu beschränken gedenkt. Eine Demonstration der japanischen Fortschrittspartei. Tokio, 22. April.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Mitglieder der Fortschrittspartei, die den dritten Teil der Mandate deö Abgeordnetenhauses besitzt und im allgemeinen dem Kabinett K a t s U r a feindlich g e a e n ü b e r st e h t, hielten heute hier eine V e r s a m m I u n g ab. In derselben hielt Graf Okuma eine Rede, in er der dem japanischen Volke die Not- tvcndigkeit vor Augen hielt, sich auf die Intervention irgend einer e u r o p äi sch en Ma ch t während desKrieges und au sterbe in auf eine groste Bern, ehrung der nationalen Ausgaben nach deni Kriege gefaßt zu m a ch e n. Er erklärte, es werde notwendig sein, nach dem Kriege eine Anleihe von mindestens 500 Millionen Den aufzunehmen. Masamsoishi, der Führer der Fortschrittspartei, gab der Ansicht Ausdruck, keine Macht werde Japans U e b e r g e w i ch t in O st a s i e n willkommen heißen, viele Mächte dagegen würden z u allen Mitteln Zuflucht nehmen, um die Ausdehnung des japa- nischen Einflusses einzuschränken. Redner tadelte dann die auswärtige Politik Japans und erklärte, daS von der Regierung ausgegebene Weißbuch zeige deutlich d i e rosten Rußland angebotenen Zugeständnisse. 8 wäre ein nationales Unglück für Japan gewesen, wenn Rußland die ihm angebotene» milden Bedingungen angenommen hätte. Hinter den Conlissen der Mobilisation. Während deutsche Berichterstatter ihren Blättern wahre LobeS- Hymnen über das glänzende Anstenbild der russischen Mobilisation, über das kerngesunde, rüstige, heitere und Wer weih noch welche Aussehen der transportierten Soldaten zuschicken, lauten die un- verfälschten und nicht im luxuriösen Offiziercoupä I. Wagenklasse gesammelten Beobachtungen russischer Privatkorrespondenten ganz audersl ES wird der Redaktion der„Jskra" aus Ostsibirien geschrieben: Der allgemeine Eindruck von den Truppentransporten nach dem Osten ist ein äußerst niederdrückender. Ihr Korrespondent hatte Gelegenheit, ausnahmslos jeden einzelnen bei Tage Vorllberreisenden Transportzug zu beobachten, und er war jedesmal durch das nieder- geschlagene, besorgte Wesen der Soldaten direkt frappiert. Besonders kläglichen und wehmütigen Eindruck machen die Reservemannschaften, die jetzt im Alter von 35—38 Jahren eingezogen werden, die also ihre oft sehr zahlreichen Familien in völliger Unsicherheit der Existenz verlassen müssen.„Da werden sie zum Beispiel— schreibt der Korrespondent— über die Straßen von StretjenSk(eine Bahn- siation in TranSbaikalien, in der Nähe der Ntandschnrischen Grenze) zur Musterung geführt.— eine Compagnic nach der andren. Ihr Gang ist schleppend, die Militärröcke hängen wie auf Stöcken, die Leute marschieren nicht wie stramme reguläre Truppen, sondern schlendern wie eine Herde. Weder der Trommelwirbel, noch die aus Kommando gesungenen Chorlieder vermögen den niedergeschlagenen Mannschaften clwas mehr Munterkeit beizickringen". Derselbe Korrespondent bestätigt die auch schon ftüher gemeldeten erschreckenden Nachrichten über den mangelhaften Schutz der transportierten Truppen gegen Kälte und Hunger. Bei 30—35 Grad Näaumur Kälte wurden die Soldaten in ungeheizten Güterwagen transportiert; dabei werden die großen Wagenthiiren auf jeder Station breit offen gemacht und die eingkalte Luft jedesmal von neuem hereingelassen. Auch völliger Klosett- mangel in den Güterwagen erhöht kaum die Bequemlichkeit der Reise für die armen Soldaten." Wie wenig sich die Militärverwaltung um die materiellen Sorgen der Mannschaften kümmert, beweist der Umstand, daß sie der neueingezogenen Reserve, die erst in den Sanimelpunkten der Truppen die Uniform bekommt und die mitgebrachten eignen Kleider ablegen mutz, in keiner Weise die Rück- beförderung der Sachen nach Hause, etwa durch unentaelt- lichen Transport oder dergleichen, erleichtert hat. Den Leuten bleibt nicht andres übrig als die eignen Kleidungsstücke— und man hat doch die besten und wärmsten mitgenommen!— schnell zu ver- kaufen. Daß sie dabei von den Händlern unbarmherzig übers Ohr gehauen werden, versteht sich am Rande. Der„Familienpelz", der feine 10 Rubel gekostet hat, wird für 1,60 Rubel losgeschlagen, und der Soldat giebt ihn bitter weinend aus der Hand, da„zu Hause die Kinderchen ohne den Pelz frieren werden". Jetzt ist die strengste Kälte vorbei, die FrühlingSluft ist milder, aber ein andrer Feind der russischen Soldaten weicht nicht von der Stelle: der H u n g e r. Die in Stretjensk ihrer Weiterbeförderung harrenden Soldaien bekommen nur einmal täglich zu essen und zwar eine wässerige Erbsensupppe mit einer winzigen Fleischportion. Morgens und abends giebt man ihnen gar nichts zu essen. Aus eignen Mitteln aber sie notwendigen Lebensmittel hinzuzulaufen, fällt den Soldaten äußerst schwer, angesichts der hier herrschenden Teuerung: 1 russisches Pkund Schwarzbrot kostet 5—0 Kopeken. Weißbrot bis 10 Kopeken. Fleisch 18—15 Kopeken. In Westsibirien, wo die Lebensmittel billig sind, werden sie den Soldaten in natura verabfolgt, in Ostsibirien dagegen, wo alles teuer ist, kriegen die Soldaten Geld— natürlich in völlig ungenügender Quantität. So machen die Militärbehörden Spekulationen mit dem Hunger ihrer Soldaten I Kein Wunder, daß die Soldaten, ja sogar die„zaren- treuen" Kosaken murren. Die Mannschaften haben die Offiziere direkt im Verdacht, daß sie die Gelder der Intendantur stehlen. „Gebe Gott", sagen sie.„daß an uns der zehnte Teil dessen gelaugt, waö für uns bestimmt ist l"... Dies ist das wahre Bild der Mobilisation, wie sie den russischen Soldaten für die weiteren Unbilden und Schrecken des Krieges vorbereitet._ partcl-JNfachricbten. Eine niedliche Selbstverspottung leistet sich die„Germania". Zum so und so vielten Male schreibt sie einen Artikel über die rote Garnison" Charlottcnburg. Bei den Neilwahlen der Dele- gierten für die Generalversammlung der Ortskrankenkasse ,n Charlottcnburg soll die„politische Oberleitung des lokalen ZukunstSstaateS" Wahlbeetnflnssungen der schlimmsten Art begangen haben, wie in einer Beschwerde an die Regierung in Potsdam behauptet worden sei. Nachdem die„Gennania" über diese „Korruption" eine Spalte lang gekohlt, heistt es zun, Schluß in dem Artikel: „Ueber diese Machinationen ist dann eine Beschwerde an die kgl. Regierung zu Potsdam gerichtet worden. Infolge dieser Be- Nerantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw. schwerde hat nun die Regierung den Magistrat von Charlotten- bürg als nächster Aussichtsbehörde der Orts- Krankenkasse zu einem Bericht aufgefordert. Dieser Bericht ist eingegangen, hat aber ersichtlich die Regierung nicht befriedigt, denn der Regicrungs- Präsident hat durch die königliche Polizei eigne Ermittelungen an- ltellen lassen, welche jetzt abgeschlossen sind und der Beurteilung der höheren Instanz unterliegen." Also die Untersuchung des Magistrats zu Charlottenburg über die Korruption hat ergeben, daß die Korruption nur in der Phantasie der„Germania" und ihrer Hintermänner besteht. Den eignen Ermittelungen der Königlichen Regierung zu Potsdam wünschen wir ebensoviel Glück, wie ihren früheren Er- Mittelungen über die Verwendung von Krankenkassengeldern zu Zwecken der socialdemokratischen Partei. Diese wurden bekanntlich für die Zwecke der Revision des Krankenvcrsicherungsgesetzes angestellt und waren so erfolgreich, daß man bei der Einbringung und Verhandlung der Novelle zu dem Gesetze auch nicht ein Sterbenswörtchen davon gehört hat. Aber wenn in der roten Garnison nichts zu holen ist: vielleicht ist eine Untersuchung über die schwarze Garniso» Leo-Hospiz er- giebiger. polleelttckes, OeHcbtUchte ufw. Polizeistunde und gemieteter Saal. Für eine ReichstagSwähler-Versammlung in Wetzlar hatte der Genosse R. den Saal gemietet. Bei Eintritt der Polizeistunde forderte der Uebcrwachende die Versammelte» auf, den Saal zu ver- lassen. R. folgte der Aufforderung nicht, worauf er wegen lieber- tretung des 8 365 des Strafgesetzbuches angeklagt wurde. Er sollte die Bestimmung übertreten haben, wonach bestraft wird, wer in einer Schankstube, wer in einem öffentlichen Ver- gnügungölokal über die gebotene Polizeistunde verweilt, nachdme der Wirt oder ein Polizeibeamter ihn vergeblich zur Entfernung aufgefordert hat. Das Landgericht als Beruftmgsinstanz verurteilte auch den Angeklagten zu einer Geldstrafe.— R. legte Revision ein und machte geltend, man hätte ihn als den Mieter des Raumes beim Eintritt der Polizeistunde nicht daraus verweisen dürfen.§ 365 des Strafgesetzbuches beziehe sich im übrigen nur auf Schank- stubcn und öffentliche Vcrgnügungslokalc. Eine Schankstube sei aber der Raum nach 11 Uhr nicht mehr gewesen, denn es sei von 11 Uhr ab nichts mehr ausgeschänkt worden. Auch habe eS sich nicht um einen öffentlichen Vergnügungsort gehandelt. In Betracht komme besonders, daß der Raum für die Versammlung von ihm gemietet gewesen sei.— Der Strafsenat des Kammergerichts erachtete die Nichtbeachtung der Angabe des Klägers, daß er den Raum gemietet habe, für einen rechtlichen Fehler des Landgerichts, und verwies deshalb die Sache unter Aufhebung der Vorentscheidung zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an daS Landgericht zurück. Das Gericht ging davon aus, daß An- geklagter freizusprechen ist, wenn die Mietling des Saales nnchge- wiesen wird._ Hua Induftm und Kandel. Schisfsverkäufe der Hamburg-Amerika-Linie an Rußland. Nach Meldungen aus Hamburg wird dort in Börsenkreiscn behauptet, daß die Hamburg-Amerika-Linie außer dem„Fürst Bismarck" auch die drei großen Dampfer„Columbia",„Bengalia" und„Belgia" an die russische Regierung verkauft hat. Der Kohlenrcichtnm des Ruhrrevicrs. Die Zechenstilllegungen ini Ruhrkohlenredier haben in letzter Zeit mehrfach zu der Frage« stellung Anlaß gegeben, welche Ausdel?nung und Tiefe die dortigen Kohlenfelder besitzen. Darauf giebt die„Köln. Bolkszeitimg" folgende Antwort: Die größte Breite des RuhrkohlenbcckenS von Haßlinghansen im Süden bis Recklinghausen im Norden beträgt 35 Kilometer, die Länge von Ruhrort im Westen bis Welver im Osten 75 Kilometer, der Flächeninhalt demnach rund 2600 Luadratkilometer, der also ungefähr dem des Großherzogtums Luxemburg entsprechen würde. In diesem Becken sind bis jetzt 135 K o h l e n f l ö tz e mit einer Gesamtmächtigkeit von 110 Meter aufgeschlossen worden. Davon entfallen auf die Magerpartie 30 Flöhe von einer Gesamtmächtigleit von 22 Meter. Die mittlere oder Fcltkohlciipartie hat 38 Flöhe zu einer Gesamt- Mächtigkeit von 30 Meter; die Gaskohlenvartie mit 44 Flöhen eine olche von 35 Meter. Die oberste, die GaSffammkohlcnpartie umfassende Etage endlich weist bis jetzt 23 Flöhe auf, die eine Gesaintmächtiakeit von 23 Meter haben. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß von den obigen 135 Flöhen etwa 30 Wegen zu geringer Mächtigkeit nicht abbauwürdig sind. Die Hälfte dieser letzteren Flöhe entfällt auf die Fettkohlenformation. Rechnet man die Gesamtmächtigleit dieser 30 Flöhe mit rund 10 Meter ab, so bleiben als abbauwürdig 105 Flöhe mit einer Gesamtmächtig- keit von 100 Meter Kohle übrig, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die Flötze nicht immer ans reiner Kohle bestehen,� sondern vielfach von Steinschnüren(Bergmitteln) durchzogen sind. Ferner ist in Betracht zu ziehen, daß die Flötze stellenweise bereits mehr oder weniger stark abgebaut worden sind. Dies ist namentlich bei den Mager« und Fettkohleiiflötzen der im Süden des Beckens liegenden Zechen der Fall. Ob die ain nördlichen und östlichen Umfang des Bezirks in der jüngsten Zeit bei Bohrversuchen angetroffenen Kohlen- slötze mit den bereits bekannten sämtlich oder teilweise identisch sind, wird erst später beim Abbau derselben sich feststellen lassen. Während man die südliche Basis der Ruhrkohlenformatio» genau festgestellt hat, sind die Ränder dcS Beckens im Westen, Norden und Osten noch nicht genau bekannt. Dasselbe gilt hinsichtlich der Grenze der Stein- kohlenformation nach der Tiefe zu, da die höchste Tiefe der Kohlen- 'chächte erst 800- 000 Meter beträgt, und dabei die tiefsten Flötz- mulden noch nicht erreicht sind. Handelskainmer-Ehrlichkeit. Die Dortmunder Handelskammer kann keinen Jahresbericht hinausgehen lassen, ohnr in einigen Stil- Übungen die Socialdemolratie zu„vernichten". Auch der jetzt heraus- gekommene Bericht pro 1003 leistet sich wieder folgendes Geschwätz: „Vor uns liegt eine Statistik, ans der resultiert, daß � die socialdemokratischen Gewerkschaften in 0 Jahren die kolossale Summe von 32 Millionen Mark und in einem Jahre auf den Kopf des socildemokratischc» Gewerkschaftlers über 13,10 M. an Beiträgen erhoben, ja daß 13 Gewerkschaften die Beiträge in den 0 Jahren durchschnittlich um 10g Proz. gesteigert haben. Da die Staatssteuer, die z. B. in Preußen durchschnittlich auf dem Arbeiter lastet, auf etwa 6'/, M. berechnet ist, so ergiebt sich, daß die Ge- werkschaftler im Durchschnitt das Doppelte an Beiträgen an die Gewerkschaftskasse als an den Staat zu entrichen haben...." Da dem Verfaffer ohne Ziveisel bekannt ist. daß die direkte Staatssteuer nur einen kleinen Bruchteil der wirklich für den Staat zu leistenden Steuer darstellt, die verschiedenen Zuschläge zu der Einkommensteuer und nicht zu vergessen die indirekte Steuer, die Summe jener nm ein vielfaches steigern, weiter jenem Manne auch nicht unbekannt geblieben sein kann, daß der größte Teil der Gc- Werkschaftsbeiträge verbraucht wird zur Zahlung von Kranken-, Reise-, Arbeitslosen-„nd andren Unterstützungen, so könnte man vorstehendes Geschreibsel als einen gewöhnlichen rabulistischen Kniff betrachten: die Handelskammer geniert sich aber nicht, in bestimmter Absicht folgende Unwahrheit hinzuzufügen: „... wenn man dazu rechnet, daß eine Gegenleistung für all diese Schröpfungen in keiner Weise erfolgt...." Solches Gewäsch nennt man Wirtschaftsbericht! Immerhin ist das Angeführte noch harmlos gegenüber die Anwürfe, die der Bericht sich zum Schluß gegen eine ganze Arbeiterkategorie erlaubt. Um die Socialpolttik zu diSkredilieren, wird der Bergarbeiter schaft zunehmende Faulheit angedichtet. Es wird da bc- : Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt hauptet, seit 1880 sinke die Leistung pro Kopf, trotz Fortschritte fa Technik. Man merkt sofort die Absicht dieser Behauptung, da gleich hinterher abgelehnt wird, die Aufnahme der Ncbcnproduttwn und die Verwendung von Arbeitskräften bei unproduktiven Arbeiten, Schachtabteufen usw.. als in Betracht koinmenden Einfluß gelten zu lassen. Dann heißt es weiter:■ „Der Streik von 1889 ist zweifellos auf die Leistung der Arbeiter in den folgenden Jahren von nachteiligem Einfluß ge- Wesen, und noch mehr der steigende Lohn."(l) Und nun kommt dar Hauptvorstoß durch folgende, die Abneigung gegen die Socialpolitik illustrierende Auslassung: „DaS Sinken der Leistung fällt zusammen mit der Ver- änderung der Wirtschaftspolitik, die seit Abgang des Fürsten Bismarck begann...„Nmnentlich war Fürst Bismarck ein Gegner des Schenmttsierens und des vielen Rcgierens vom grünen Tische... Gegenüber der Skrupellosigkeit, mit welcher hier gegen die Arbeiterschaft gehetzt wird, ist nur notwendig, auf die der Handels- kammer sicher nicht unbekannte Thatsache zu verweisen, daß der Verein für die bergbaulichen Interessen im Ober-Bcrgamts-Bezirk Dortmund in seinen Publikationen wiederholt sich ganz entschieden dagegen verwahrt hat, die Bewegung der Förderqumrten pro Kopf der Arbeiter nach irgend einer Richtung als Maßstab für die Leistung der Arbeiter gelten zu lassen. Die KaPitnlSvermehrung der Concordia. Bei der in Oberhausen abgehaltenen Generalversammlnng der Bergbau-Gesellschaft Concoroia kam es, nachdem die Aktionäre dem Vorschlag der Verteilung einer Dividende von 18 Proz. zugestimmt hatten, zu einem kleinen Renkontre wegen der Kapitalsvergrößerung der Gesellschaft um 4 Millionen Mark. Bekanntlich sollen für 1 Million Mark Aktien ausgegeben werden, die ein Berliner Konsortium zum Kurse von 270 Proz. übernehmen will mit der Bcrpflichtung, davon für 800 000 M. Aktien zuin gleichen Kurse den jetzigen Aktionären zu überlassen, während für die übrigen drei Millionen Mark Obligattonen zum Kurse von OS'/z Proz. ausgegeben werden sollen. Dieser Plan wurde von einem Akttonär, dem früheren Bankier, jetzigen Rentner David Kappell-Berlin bekämpft. Er bezeichnete den Nutzen, den die Gesellschaft durch Ueberlassung der restlichen 200 000 M. der Bankengruppe zuwende, als zu groß. Er biete genau so wie die Bankengruppe für die den Aktionären anzubietenden 300 000 Mark neuer Aktien 270 Prozent, für die restlichen 200000 Mark aber 800 Prozent sowie für die drei Millionen Mark Schuldverschreibungen, die diese Bankengruppe gleichzeitig zu 08>/z Prozent übernehmen wollte, 09 Prozettt. Darauf teilte der Vorsitzende mit, daß sich die Bank- gruppc bereit erklärt habe, sowohl die neuen Attien als auch die neuen Schuldverschreibungen zu denselben Bedingungen, die Herr Kappcll geboten hatte, zu übernehmen. Dieser zog darauf seinen gegen die Beschlüsse der Kapitalbeschaffung erhobenen Widerspruch zurück. Gesellschaft für elektrische Unternehmungen zu Berlin. Nach dem Geschäftsbericht erzielte im letzten Jahr die Gesellschaft einen Brutto- gewinn von 3 066 959 Mk.<1 917 637 Mk, in 1902.) Handlungsunkosten, Steuer. Abschreibungen etc. absorbieren 1 859 706 Mk.<1 929 617 Mk). sodaß einschließlich des Vortrages aus dem Jahre 1902 ein Reingewinn von 1 221 008 Mk.(13 754 Mk.) verbleibt. Davon erhalten der Reservefonds 60 362 Mk., die Spezialreserve 150 000 Mk., die Aktionäre 3 pCt. Dividende; 110 645 Mk. werden auf neue Rechnung vorgetragen. Letzte Nachrichten und Depcfchen, Tie sächsische Wahlrechtsreform. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Dresden, 23. April. Der Bericht über die Wahlrechts- r e f o r m ist erschienen. Der Antrag der Deputation lautet: Die RcgierungSvorschläge sind keine untauglichen Unterlagen sür ein Wahlgesetz. Der Antrag der DeputationSmchrheit geht dahin: Der Zeitpunkt für eine Aenderung dcS Wahlrechts sei noch nicht gekommen. Die Regierung solle das vorgelegte Material durch Unterlagen über die Wirkung eines PlnralwahlsystemS ergänzen, das Tichernng gegen die Ucberflutung staatsfeindlicher Elemente biete. Der Antrag der Minderheit(4 nationalliberale Abgeordnete) erklärt: 1. Die Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts ist mit dem Wohle des Staates unvereinbar. 2. Die Regierung soll dem nächsten Landtage einen Gesetzentwurf vorlegen, durch welchen die geheime und direkte Wahl aller Wahlberechtigten unter Gewährung von Zusatzstimmen eingeführt wird. Beendigung deS Eisenbahner-Streiks. Budapest, 23. April.(Meldung dcS„Ungarischen Telegraphen- Korrespondenz-Bureaus".) Da« Streikkomitee der Eisenbahnbeamten erklärte, daß die Ausständigen die Bedingungen der Regierung an- nehmen und unverweilt den Dienst auszunehmen beabsichttgen. Es wurde an den Handelsminister eine Abordnung gesandt, ihm den Entschluß bekannt zu geben. Die Antwort des Ministers ist noch unbekannt. Budapest, 23. April.(W. T. B.) Die Reorganisierung de« Eisenbahndienstes macht sehr bedeutende Fortschritte. Morgen wird der Frachtverkehr wieder aufgenommen. Es werden nicht bloß Züge von Budapest, sondern auch Personenzüge von der Provinz nach hier abgelassen. Viele Hundertc von Ausständigen habe» sich wieder zum Dienst gemeldet, darunter 80 Lokomotivführer. Der Ausstand ist in völliger Auflösung begriffen. Augsburg, 28. April.(W. T. B.) Die„AugSburger Abend- zeitung" veröffentlicht den heute ftüh m München vollzogenen Verkauf der„AugSburger Abendzeitung" an die LerlagSanstalt F. Bruckmann, Aktiengesellschaft in München. In der Leitung des Blattes wie in dem Ort und der Art ihres Erscheinens tritt keine Aendenmg ein. Wien, 23. April.(B. H). Dem östreichisch-nngarischen Bot- schafter sind gestern auf schriftlichem Wege die zollpolitischen Forde- rungen, die Oestreich-Ungarn gegenüber Deutschland in den Handels- Vertragsverhandlungen aufzustellen bcabsichttgt, zugegangen und dürften dieselben bereits im Besitze der deutschen Regierung sein. Paris. 23. April.(B. H.) Der Petersburger Korrespondent deS „Eckio de Paris" erklärt auf Grund des Gerüchte« einer franco- englischen Vermittelung. daß ein solches Angebot von vornherein als völlig aussichtslos z« betrachten sei. Paris, 23. April.(B. H.) DaS„Echo de Paris" meldet aus Petersburg, in der hiesigen chinesischen Gesandtschaft ist man auf den sofortigen Abbruch der diplomattschen Beziehungen mit Rußland gefaßt. Der chinesische Gesandte soll bereits alle Vorbereitungen zu seiner Abreise getroffen haben. Marseille, 23. April.(W. T. B.) Die hiesigen Schiffahrt«- gcsellschaften haben beschlossen, wegen des Ausstandes der Schiffs- öffizicre von heute an ihre Schiffe abzurüsten. Sydney, 23. April.(B. H.) Der Arbeiterführer W a t s o n hat de« Auftrag zur Neubildung des Kabinetts angenommen. Eine Frist bis Mittwoch ist zugestanden. Paul Singer Mo.. Berlin SW. Hierzu 5Bcilagen u.Untrrhaltu»zs>latt 9.96. A. z.w-, i Keilllze des Amlick" Kerliller NollisdlM �w.m. Reichstag. 74. Sitzung. Sonnabend, den 23. April 1304, 1 Uhr. Am Bundesratstische: V. Einem, v. Ti r p i tz, Dr. S t ü b e l. Vor Eintritt in die Tagesordnung kommt Kriegsministcr ». Einem aus die gestrigen Ausführungen des Abg. v. Staudy iiber die Pferdeankäufe in Ostpreußen zurück. Richtig sei, daß von Händlern gekaust sei und daß die Händler wochenlang vorher die Pferde von den Bauern aufgekauft hätten. Das hätte die Militärverwaltung nicht hindern können. Auf keinen Fall seien die Händler vorher von der Militärverwaltung von den geplanten Ankäufen benachrichtigt worden. Die Händler hätten also in Pferden spekuliert. Daß die Spekulation glücklich abgelaufen sei, hänge damit zusammen, daß die Vorfitzenden der Remontekommissionen den Ankauf ohne die Händler nicht glaubten bewerkstelligen zu können. Jedenfalls wird man zweifellos in Zukunft davon Abstand itehmen, die Händler zu bevorzugen. Die Vorsitzenden der Remontekommissionen sind der Ansicht, daß sie ganz ohne die Händler nicht auskommen köimen, da bei dem Auftrieb auf den Märkten nur ganz unbrauchbares Material geboten wurde. Im übrigen will ich nur konstatieren, daß ohne die Militärverwaltung in Ostpreußen kein einziges Pferd gekauft lvorden Wäre.<8lbg. Müller-Sagan: Sehr richtig!> Hierauf tritt das Haus in die Tagesordnuitg ein. Der Etat für Neu-Guinea wird debattclos bewilligt, desgleichen die Etats der Karolinen, Palau und Marianen. ES folgt der Etat für S a m o a. Abg. Eickhoff(frs. Vp.): Unsre Partei gehört keineswegs zu den p r i n- cipiellen Gegnern aller Kolonialpolitik. Es ist zweifellos, daß gerade Samoa einer bedeutenden Zukunft entgegen- geht, obwohl es gegenwärtig noch einen Reichszuschuß von Million erfordert. Augenblicklich besteht in weiten Kreisen der deutschen Ansiedler in Sainoa eine gewisse Unzufrieden- heit mit der Verwaltung des Gouverneurs Sol f. Der Kolonialverwalwng müsse eine Reihe von Beschwerden zugegangen sein. Hat die Verwaltung diese Beschwerden geprüft, und was ist das Ergebnis dieser Prüfungen gewesen? Ist es richtig, daß der vor zwei Jahren eingetretene A u f- schwung bereits wieder abgenommen hat und die Zuwanderung ersichtlich nachläßt? Der Gou- verneur soll porsona gratissima bei den Ein- geborenen, nicht aber bei den Ansiedlern sein. Das möchte ich dahingestellt sein lassen. Der neuerdings eingeführte Eingangszoll auf alle Waren ist entschieden zu hoch und müßte im Interesse der kleinen Ansiedler und Pflanzer herabgesetzt werden. Das würde auch eine erhebliche Steigerung der Zufuhr zur Folge haben. Außerordentlich wichtig ist die Arbeiterftage. Der Versuch mit chinesischen Arbeitern ist zur vollsten Zufticdenheit der Ansiedler gelungen. Die Beschaffung billiger und tüchtiger Arbeits- Iräfte ist, wie die Regierung selbst betont, eine Lebensfrage für die Kolonisten. Der Herr Gouverneur Solf hat es beim ersten Versuch bewenden lassen. Aber 280 Kulis gciüigen doch nicht. 30 000 M. sind für die Beschaffung farbiger Arbeiter in diesem Etat ausgesetzt, aber Erläuterungen finden sich nicht dazu. Ich möchte um Auskunft bitten, wie sich der Herr Kolonialdirektor die Ans- führung dieses Versuches denkt. Auch über die Zusammen- setzung des Gouvernementsbeirats wird Klage geführt. In diesem Beirat fitzt außer den drei Angestellten der deutschen Handelsplantagen-Gesellschaft, für die der Gouverneur besondere Sympathien zu haben scheint, ein Selterswasser- Fabrikant. Die selbständigen Farmer sind gar nicht vertreten. Es macht einen eigentümlichen Eindruck, wenn der Gouverneur sich von einem solchen Beirat. den er selbst ernannt hat, Vertrauensvoten erteilen läßt. Es läßt das darauf schließen, daß es keine andren Leute giebt, die ihm ein solches Vertrauen aussprechen würden. Ein weiterer Punkt. Es giebt nur zwei deutsche Acrzte, von denen der eine seine Praxis bereits wieder aufgegeben hat. Jedenfalls haben die Ansiedler über Mangel an ärztlichen Kräften gellagt. Gerade die Verwaltung von Samoa sollte mit besondrer Aufmerksamkeit kontrolliert werden? denn Samoa ist in erster Linie geeignet, eine nutzbringende Pflanzerkolonie zu werden.(Bravo I bei der Freisinnigen Volkspartei.) Kolonialdirettor Dr. Stiibcl: Die Störung de? guten Einvernehmens zwischen dem Gouverneur in Samoa mrd einem Teile— ich betone, einem kleinen Teile der Ansiedler— bedauert die Kolonialverwaltung sicher am meisten. Die Prüfung hat aber ergeben, daß dem Herrn Gouverneur Solf eine Schuld rn dieser Beziehung nicht bei- gemessen werden kann. Herr Solf ist das Gegenteil eines zugeknöpften Burcaukraten, er ist ein Mann, der offenen Auges die wirtschaftliche Entwicklung der Inseln zu fördern sucht; er hat es verstanden, Ruhe und Ordnung im Lande aufrecht zu erhalten, und die Folge ist, daß die Eingeborenen im großen und ganzen mit der Lage zu- frieden find. Die feste Hand, die der Gouverneur den Em- geborenen selbst gegenüber zu bcthätigen verstanden hat, hat er notwendigerweise auch denjenigen Weißen gegenüber bethätigen müssen, die daraufhin gewirkt haben, das gute Einvernehmen zu stören. Und eS ist kein Zweifel, daß eine Anzahl der gegen den Gouvemcur erhobenen Silagen von solchen ausgegangen ist. die es nicht verstanden haben. mit den Eingeborenen sich gut zu stellen. Wenn in einem Fall der Gouverneur es unterlassen hat. einen Pachtvertrag zu bestätigen, so nur deshalb, weil er der Ansicht ist. daß die betreffende Person- lichkeit sehr dazu geneigt ist. das gute Einvernehmen mit den Eingeborenen zu beeinträchtigen. Der Betreffende hat ja geäußert, er werde ohne Skrupel gegen die Eingeborene n von seinerWaffeGebrauch mache n. und das ist in einem Lande, welches im allgemeinen einen so friedlichen Anstrich hat, wie augenblicklich Samoa, jeden- falls eine vollständig überflüssige aggressive Haltung gegenüber den eingeborenen Elementen. Wenn auch die Gefahr eines Eingeborenenaufstandes, ivie er leider jetzt in Südwest- aftika ausgebrochen ist, in Samoa nicht in dem Umfange vorliegt, so mutz doch der Gouverneur unter allen Umständen auch nnt einer solchen Eventualität rechnen. Wenn er in dieser Be- ziehung nicht mit der größten Sorgfalt verfährt, so Ivird ihm nachher die Verantwortung für die Folgen zugeschoben. Herr Eickhoff hat Bezug genonunen auf die Erhöhung der Einfuhrzölle. In den britischen Kolonien jener Gegenden sind aber überall Einfuhrzölle in Höhe von 10 Proz. vorhanden. Der Handel hat sich damit abgefunden. Außerdem ist es eine bekannte Erfahrung, daß Einfuhrzölle schließlich von den Eingeborenen, von d e u Kon su m e nten, getragen werden.(Sehr richtig I bei den Sorialdemokraten.) Was die Beschaffung von Arbeitern angeht, so ist es richtig, daß die Kolonial- Verwaltung die Heranschaffung von Chinesen begünstigt hat. Das �vhlrecht zum Kolonialbeirat kann den Ansiedlern heute noch nicht gegeben werden, in den englischen Kolonien haben sie es auch nicht. ein Aerztemangel in Samoa herrscht, mutz ich zugeben. Abg. Stadthagcn(Soc.): handelt sich hier nicht um eine Förderung von kapitalistischen 3 fondern um eine Förderung der Interessen von ® h?n u»d Bauern. Es sind mir von Pflanzern und BaY�-N'.' nicht zur socialdemokrattschen Partei gehören, ernste Beschw"'� zugegangen. Es liegt mir fern, über den Herrn �vuvcr>. persönliche Beschwerde zu führen, aber ivas n>ir von den Ä»st Zu Ohren gekommen ist, scheint mir durchaus der Wahrheu""�rechen. Erstens handelt es sich um den Schutz der «utscheU+ izx' soweit ihre persönliche Arbeft in Betracht kommt. Wenn vorhin davon gesprochen wurde, daß die Arbeiterfrage große Schwierigkeit»nacht und man chinesische Arbeiter importieren m ü s s e, und man der Samoa-Gesellschaft dafür dankbar sein müsse, weil sie diesen Weg beschritten hat, so st i m m t das mit d e in, was die Pflanzer wünschen, durchaus nicht ü b e r e i n. Nach dem letzten offiziellen Bericht giebt es auf Samoa 113 Deutsche, darunter 39 Pflanzer, die sich zu einem Pflanzerverein ziisammengethan haben. Es Wird ihnen aber durchaus keine Beachtung geschenkt. Mir schreibt ein Pflanzer unter andern» folgendes: Im April vorigen Jahres haben die Löhne für Samoancr so niedrig gestnudcn, daß sie streite» mußte». Sie hätten 24 Mark pro Monat bekomme», während sie 60 Mark verlangt hätten. Wenn die Handels- und Plantagengesellschaft über bOO Schwarze, wenn die Samoa- Gesellschaft über 300 Chinesen eingeführt hat, so muß das zu einem Druck aus die Arbeitslöhne führen. Darum verdient diese Art und Weise durchaus keine Förderung. Soweit sich der Herr Gouverneur dem entgegenstellen sollte, muß man das durchaus anerkennen. Auf diese Weise wird die Ein- Wanderung der Kolonisten gehindert und schließlich ein Tummelplatz für Beamte und Kapitalisten geschaffen, während der eigcutliche An- sicdlcr das Nachsehen hat. Ein weiterer Punkt: Die Kopfsteuer für Eingeborene ist aufgehoben worden, weil die Planzer nicht im Gouvernementsrate vertreten sind. Ja, die Pflanzer stehen schlechter da, als die Samoaner. Denn diese haben Selb st Verwaltung, während jene vom Willen des Gouverneurs ganz abhängig sind. Ein Pflanzcrssohn aus Ostpreußen, der allerdings kein Großkapital hat, schreibt mir, die K o p fst e u e r sei nur zu Gunsten der P l a n t a g e n g e s e l l s ch a f t e n auf- gehoben worden und habe lediglich den Erfolg gehabt, daß die Gesellschaften mehr Dividende zahlen konnten. Dagegen habe es den Pflanzern nicht im geringsten genützt. Die Erhöhung der Eingangszöllc von 2 auf 10 Proz. trifft hauptsächlich die Pflanzer. Den eigentlichen Kolonisten werden alle Lebensmittel außer- ordentlich verteuert, während den Kapitalgesellschaften 600 Dollar durch Erlaß der Kopffteuer auf Kulis und 1000 Dollar durch Erlaß der Kopfsteuer auf Neger geschenkt werden. Das samoanische.Steuer- system wirkt wie jedes andre zu Gunsten des Kapitals. Die nach Samoa eingewanderten deutschen Bauern sind, wie aus den mir vorliegenden Berichten hervorgeht, vielfach den schwersten Mißhandlungen seitens der als Polizisten ange st eilten Samoaner ausgesetzt. 2 Pflanzer wurden eines Abends von einem Samoaner angehalten. Er verstand kein Deutsch und Englisch, sie kein Samoanisch. Er belästigte sie fortgesetzt, bis ihn» schließlich einer von den Deutschen einen Stoß gab. Der Deutsche wurde angeklagt, daß er einen Polizisten vorsätzlich körperlich miß- handelt habe und zu 30 Mark Geldstrafe in zwei Instanzen ver- urteilt. Der Polizist erklärte, er habe den Mann arretieren lv ollen, weshalb wußte er nicht anzugeben. Mit den samvanischcn Arbeitern sind die Farmer noch nie in Konflikt gekommen, wohl aber mit diesen eingeborenen Polizistcu, die für ihr Amt ganz ungeeignet sind und es mißbrauchen. Für Beschwerden von Leuten, die durch die Polizei mißhandelt sind, s i n d die dortigen Behörden nichtzuhaben, genau wie in Berlin/ Redner bringt Iveiter einen Fall vor, in dem zwei Deutsche von zwei samoanischcn Polizisten aufs schwerste mißhandelt sind. Die beiden Polizeibcamten wurden nur zu gering- fügigen Strafen verurteilt; von dem einen Deutschen wurde an- genommen, er habe Widerstand geleistet. Redner legt die Photo- araphie des einen Mißbandelten auf den Tisch des Hauses nieder. Nach der Mißhandlung sah der Deutsche so aus, als wenn er in die Hände von Kannibalen gefallen wäre, aber nicht in die von Polizei- beamten, die bezahlt sind durch da« Geld deutscher Steuerzahler zum Schuv deutscher Steuerzahler. Obgleich ganz klar war, daß der Deutsche sich in der Notwehr befunden hatte, wurde er wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zunächst zu cincr Freiheits- strafe und dann zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Gewiß soll man den Eingeborenen gegenüber nichts weniger als provozierend sein, aber die ruhigen arbeitssamen Menschen, um die es sich hier handelt, haben nicht an Provokationen gedacht. Klein- bauen» haben mir geschrieben, daß sie mit de» Eingeborene» sehr gut stehen, aber mit den cingeborcile» Polizcibeamtcn nicht; genau so wie bei n n S. Auch dort würde ein Schutzverein gegen Schutz- leute durchaus angebracht sein.(Heiterkeit bei den Social- deniokraten.) Das ist ja die Ursache von Aufständen und Unruhen in unseren Kolonien; man kann sich eben nicht gefallen lassen, schlimmer behandelt zu werden als ein Stück Vieh. Alle Maßnahmen werden durchaus zu Ungunsten der Arbeiter und der Gerechtigkeit getroffen. Wir haben keine Ver- anlassung, derartige rechtswidrige Maßregeln den Deutschen gegen- über im Auslande zu unterstützen. Interessant ist es mir gewesen, daß von den 39 Pflanzern einige ausdrücklich betont haben, daß sie zwar nicht S o c i a l d e m o k r a t e n seien, in der Social- dcmokratic aber die einzige Partei sähen, die de» Bauern im Aus- lande zu Hilfe kommen würde.(Bravo I bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Arendt(Np.j: Ich möchte die Rede des Herrn Vorredners als die erste kolo u ialfreu i» bliche Aeußeruna von socialdemo- k r a t i s ch e r Seite bezeichnen.(Heiterkeit.) Auch ist beinerkenswert, daß der Abg. Stadthage n Bauerninteressen in Schutz genommen hat; vielleicht kommt er auf dem Umwege über Samoa dazu, sich auch für die Bauen» in Deutschland zu interessieren. (Heiterkeit.) Auch mir sind Berichte über Mißhandlungen zugegangen, die mich zu ähnlichen Schlußfolgerungen führen wie den Herrn Vor- redner. Es ist durchaus ungerechtfertigt und bedenklich, Ivenn Deutsche in einer deutschen Kolonie einer Eingeborenenpolizci unter- stellt werden. Das führt zu einer Verminderung des Ansehens der Deutschen den Eingeborenen gegenüber. Das ist aber nur die Folge einer übertriebenen Sparsamkeit aus Furcht vor dem Reichstag. Insofern ist der Reichstag und vor allem die kolonialfeindlichen Parteien fckrnld daran, daß solche beklagenswerte Zustäiide bestehen iönnen. Allerdings, wenn solche Klagen an die Adresse von Herrn Stadthage n koniincn, so spricht das nicht gerade für ihre Glaub- Würdigkeit.(Oho! bei den Socialdemokraten. Beifall rechts.) Redner wünscht, daß die Kolonialverwaltung die Verhältnisse in Samoa rechtzeitig klar stelle, damit man nicht auch dort durch un- angenehme Borkommnisse überrascht werde. Die llebergriffe sanioanischer Polizisten gegen Deutsche müßten auf jeden Fall ver- hindert werden.(Bravo! rechts.) Abg. Eickhoff(frs. Vp.) erwidert dem Abg. Stadthagen, daß er sich nicht für die Einführung chinesischer Arbeiter in unsre Kolonien erklärt habe und daß er an keiner Plantagcngesellschaft irgendwie beteiligt sei. Kolonialdirektor Dr. Stnebel: Der vollständige Ausschluß aller anderi» Sprachen als der deutschen in den Kolonien würde zu Schwierigkeiten führen. Daß der Gouverneur die Ausländer bevor- zuge, hat sich in keinem Falle nachweisen lasse». Ueber die Frage, ob eine farbige Polizei angebracht sei. sind eingehende Erhebungen darüber ailge>tellt. ob es in den englischen und französischen Kolonien eine farbige Polizei gäbe. Da hat sich herausgestellt, daß maii dort mit Rücksicht auf den Verkehr auf Farbige als Polizisten nicht verzichten zu können glaubt. Was den von Herrn Stadthagen vorgebrachten Fall anlangt, so gebe ich zu, daß diese Dinge lffcht hätten vorkommen dürfen. Die beteiligten Polizisten sind gerichtlich bestraft und entlassen worden. Abg. Stadthagcn(Soc.): Herr Dr. Arendt hat die Berechtigung der Beschwerden der samoanischen Ansiedler angezweifelt nur aus dem Gniiide, weil die Beschwerdeführer sich an mich gewandt haben. Die Leute müssen dort doch außerordentlich tüchtig sein, denn s i e haben dies Argument des Herrn Dr. Arendt schon voraus geahnt. Ein Ansiedler schreibt mir:„Allein dadurch, daß den Ansiedlern das Recht eingeräumt wird, die Ein- nahmen und Ausgaben der Kolonie zu bewilligen, wird es ver- hindert, daß jährlich M i l l i o n e n für u n n ü tz e Zwecke ausgegeben werden. Das deutsche Volk kann doch nicht glauben, daß die Kolonisten, welche Jahre lang im Lande wohnen, d ii m m e r sind, als ein einzelner Beamter, der von der Hochschule kommt. Oder wird etwa befürchtet, die Bauern in der Kolonie könnten socialdemokratisch werden, wie in Neu-Seeland oder Australien? Nu», die Socialdemo- kratci» sind die schlechtesten Patrioten nicht— schreibt der Bauer(Heiterkeit rechts.)— Bitte treten Sie etwas für uns ein und klären Sie das deutsche Volk auf. welches glaubt. daß die Deutschen im Auslände wer weiß wie angesehen sind." BJch freue mich, daß dieser einfache Pflanzer mich lder Aufgabe über- hoben hat. seinen Gedankengang Herrn Dr. Arendt gegenüber dar- zulegen. Ich war der Ansicht, daß man urteilen sollte ohne Rücksicht auf die Person. Herr Dr. Arendt aber giebt klar zu erkennen, daß er eine Sache danach beurteilt, von wem sie b e- fürw ortet wird. Das zeigt, wie klaftcrtief verschieden ui»,rc Anschauungen über Gerechtigkeit sind. Ich Iverde mich nicht abhalten lassen, überall da für das Recht einzutretei,. wo ich es für r ich t, g halte. Ist etwa die Socialdemokratie nicht stets für Bauern und Arbeiter eingetreten?(Sehr richtig I bei den Socialdemo- kraten.) Aber Sie(»ach rechts) verwechseln stets d,e Kapitalisten, Großgrundbesitzer und Aktiengesellschaften, deren Interessen, Sie vertreten, mit den Interessen der wirklich Arbeitenden, der Bauern und Arbeiter. Wenn Herr Dr. Arendt meint, ineine Rede wäre die erste socialdemokratische koloiiialsrelindliche Rede, so habe ich dargelegt, daß das, was Sie als Kolonialpolitik treiben, lediglich dem Kapitalismus und der Burcaukratie dient, nicht aber den Arbeitern. Wenii er meine Rede für kolonialfreundlich hält, so mag er die K o n s e q u e n z ziehen und mit mir den Etat ablehiien. Auch wir»vollen kolouisiereu, aber vor allen DiNgeil ui Deutschland.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Meine Bemerkung richtete sich nicht gegen die Klagen selbst, sondern gegen die Klagesteller, daß sie sich zu ihrer Vertretung eine koloiiialfeindliche Partei ausgesucht haben. — Ich meine, daß die farbige Polizei Farbigen gegenüber ganz am Platze ist, aber mit weißen Vorgesetzten. Auf keinen Fall darf sie sich llebergriffe gegen Weiße zu Schulden kommen taffen. Das würde das Ansehen des Deutschtums untergraben. Natürlich komme ich nicht zu einer Ablehnung der Position, wie der Herr Vorredner, sondern befürworte eine Erhöhung.(Beifall rechts.) Damit schließt die Diskussion. Der Etat Ivird genehmigt. Es folgt der Etat für K i a u t s ch o u. Der Etat wird debatteloS bewilligt. Es folgt die e r st e Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Bekämpfung der Reblaus. Abg. Blankenhorn(natl.) spricht im Namen seiner Freunde seine Zustimmung zum vorliegenden Gesetzentwurf aus, der dem Reichskanzler und dem Bundesrat bedeutend weitergehende Befugnisse zur Bekämpfung der Seuchengefahr giebt als bisher. Hinzufügen könnte man vielleicht eine Bestiminuilg, daß Neuanlagen anmelde« pflichtig sind. Sehr wesentlich ist eine Verschärfung� der Straf- bestimmungen gegen Personen, die sich gegen das Gesetz vergehen. Zur weiteren Prüfung der Detailfragen beantrage ich die Einsetzung einer Kommission von 21 Mitgliedern. Abg. Rettich(k.) erkennt im Namen seiner Freunde die Not- weudigkeit schärferer Maßregeln an und tritt der Einsetzung einer Konimissioil von 21 lWitgliedern bei. Abg. Sartorius(frs. Vp.): Frankreich hat durch ungenügende Velänipfung der Reblausgefahr in den letzten Jahren gegen 13 Milliarden Verlust am Nationalvermögen erlitten. Das ist Grund genug für uns, vorsichtig zu sei». Ich glaube, der Gesetz- entwurf giebt die Gewähr, daß eine solche Gefahr von uns ab- gewandt wird. Im ganzeu habe ich wenig auszusetzen.§ 2 und 8 13 sind am wichtigsten; sie müssen entschieden präciser ge- faßt werden; es ist immer die Rede von„dürfen" und„können", dafür müßte es„müssen" und„sollen" heißen. Das Ausrottungs- Verfahren soll die Grundlage des ganzen Gesetzentwurfs bilden, das müßte ebenfalls deutlicher ausgedrückt werden. Elsaß-Lothringeu gegenüber können wir dieses Ausrottungs- verfahren überhaupt nicht durchführen. Ich halte es für bedenklich, daß Allsuahmen von dein Gesetze durch den Bundesrat allein be- stinimt werden sollen, eS müssen feste, allgemeine Grundsätze auf- gestellt werden, wenn dies Verfahren aufgegeben werden soll. Es würde sich empfehlen, wann die verschiedenen Regierungen zur Prüfung der bisherigen Versuche uutcr sich in Verbindung treten wollten. Solche Versuche sollten mir unter staatlicher Aufsicht statt- finden. Im übrigen bin ich der Ansicht daß sich auch in der Kom- Mission sehr leicht eine Verständigung anbahnen läßt. Auch wir wollen den Gesetzentwurf einer Kommission überweisen, von der wir hoffen, daß sie möglichst rasch arbeiten wird, weil Gefahr im Ver- zuge ist. So köiiiien wir hoffen, das Deutsche Reich vor einem schweren Verluste am Nationalvermögen zu bewahren.(Beifall.) Staatssekretär Graf v. PosadowSky: Da der Weinbau nur verhältnismäßig kleine Teile Deutschlands umfaßt, so ist vielleicht der KreiS derjenigen, die dem vorliegenden Gesetzentwurf in diesem Hause ein besonderes Interesse entgegen- bringen, auch nur ein beschränkter. Aber wemi sich die Herren vergegenwärtigen, welche gewaltigen Verluste am Nattonalvermögcn andre Staaten— ich erinstere nur an Frankreich, Oestreich-Ungarn, Italien— durch die Verbreitung der Philoxcra erfahren haben, so werden Sie mir zugeben, daß die Frage der Ausrottung der Neb- laus von ungeheurer Wichtigkeit ist. Der Gesetzentwurf verfolgt drei Ziele. Zunächst will er weitere Vorbengungsmaßregeln in die Hand des Bundesrats legen, um der weiteren Verschleppung der Philoxera wirksam zu begegnen. Zweitens sollen die Straf- bestimmungen wesentlich verschärft werden. Man hat sich dabei an die Vorschriften über den Verkehr verseuchten Viehes gehalten. Denn wer die Vorschriften gegen die Verschleppung der Reblaus übertritt, bereitet einen ebenso großen Schaden, wie der- jenige, der die Vorschriften gegen die Verschleppung verseuchten Viehes mißachtet. Drittens sollen der Reichstag und Bundesrat durchgreifende Vollmachten zur Bekämpfimg der Reblaus erhalten. Es ist der Wunsch geäußert worden, man solle das„können" in„sollen" limwaiideln. Ich bitte dringend, davon Abstand zu nehme». Die Verhältnisse in den einzelnen Gegenden sind außerordentlich verschieden. Das Ansrottungsverfahren ist häufig schwer durchzuführen, besonders in den Weinbergen, die längs der deutsch« französischen Grenzen liegen, wo die Weinreben imterirdisch wie ein Spinnnetz verblmden sind, da in Frankreich dieses Verfahren nicht durchgeführt wird. Ich kann nur dringend raten, das Gesetz so schnell wie möglich zu verabschieden, deim wie aus der Begründung zu ersehen ist, haben Reichstag und Bundesrat noch eine große Anzahl von Ausführungsvorschriften auf Grund des Gesetzes zu er- lassen, die technisch große Schwierigkeiten bereiten. Die Gefahr ist eine außerordentlich große, und wer die Gefahr bekämpfen will, der muß, wenn wir diesen Pelz waschen sollen, unS auch die nötige scharfe Bürste dazu geben.(Bravo!) Bevollmächtigter zum Bundesrat Geheimrat v. Halley wendet sich gegen Ausführungen des Abg. Blankenhori,. Abg. Gröber(C.) wünscht präcisere Bestimmungen über die Eiitschädigungspflicht, die man auf keinen Fall den Gemeinden auf« halsen dürfe. Bei Kulturverboten, die den Wert der betreffenden Grundstücke erheblich vermindern, muß den Eigentümerii eine billige Entschädigung gewährt werden. älBg. Vlankcuhorn und Gcheiinrat Hallcy polemisieren noch in mehreren Reden gegen einander, dann schließt die erste Lesung und der Gesetzentwurf geht an eine Kommission von 2l Mitgliedern. Es folgt die erste und zweite Lesung der drei von Deutschland, Ocstreich, Ungarn, Belgien, Spanien, Frankreich, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal, Rumänien, Schweden und der"Schweiz abgeschlossenen Abkommen über das internationale Privatrecht, die Eheschließung, Ehescheidung und Vormund- schast regeln. Abg. Dove sfrs. Vg.> dankt der Regierung für die Förderung der Versuche friedlicher internationaler Versländigung, bedauert aber, daß Rußland sich den, Abkommen nicht angeschlossen hat. Abgg. Dr. Lukas snatl.) und v. Dirtsc»(Rp.) sprechen gleichfalls ihre Genugthnnng über den Abschluß der Verträge ans und fügen das Bedauern hinzu, daß auch England, Amerika und Dänemark sich nicht angeschlossen haben. Damir schließt die Diskussion, das Gesetz wird in erster und zweiter Lesung angenommen. Es folgt die erste Beratung eines Gesetzentwurfes be- treffend die Krankenfürsorge für Seeleute, der diese auf 26 Wochen ausdehnt. Abg. Schmalfcld sSoc.): Wir haben zu dem vorliegenden Gesetzentwurf einige AbänderungSanträge ii» Interesse der Seeleute zu stellen. Heute müssen die Seeleute die Kosten der Krankheit, die bei ihnen nach der Abmusterung ausgebrochen ist, trotzdem sie sich dieselbe im Dien st e der Reeder zugezogen haben, s e l b st bezahlen. Daß das ein schweres Unrecht ist, haben einzelne Reedereien, z. B. der Norddeutsche Lloyd, selbst anerkannt. Andre Gesellschaften freilich nehmen keine Rücksicht darauf, sondern halten im Augenblicke der Abmusterung alle Verpflichtungen für erledigt. Daher müssen wir eine Bestimmung schaffen, daß für diese Seeleute noch bis drei Wochen nach der Abmusterung gesorgt wird. Eine entsprechende Bestimmung existiert schon für die auf den» Lande be- schäftigten Arbeiter. Weiter hat man bei der Seemanns-Ordnung das K ü ch e n p e r s o n a l und die Stewards befonders schlecht behandelt. Während man im übrigen eine gewisse Arbeitszeit von zehn Stunden festsetzte und in den Tropen von acht Stunden, hat man die Stewards davon leider ausgeschlossen, sie müssen heute 16— 18 Stunden täglich arbeite». Man hat seiner Zeit erklärt, daß sie sehr viel freie Zeit während des Tages hätten, aber ich möchte eS keinem anraten, vor versammelten Stewards diese Aeußerung zu thun, er wurde einfach ausgelacht werden.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Daher beantragen wir, daß den Familien der Stewards, wenn diese im K r a n k e n h a u s e liegen, der Betrag einer Heuer gezahlt wird. Man kann nicht verlangen, daß die Frauen der Stewards dafür büßen. daß das Trinkgelderwesen an Bord besonders stark aus- gebildet ist. Für zerbrochenes Geschirr zahlt der Norddeutsche Lloyd den Stewards nur 10 Prozent! sHört! hört I bei den Socialdemo- kraten.s Die übrigen 90 Prozent müssen sie selber tragen. Ferner beantragen wir... Präsident Graf Bnllcftrcm: Herr Abgeordneier, wir kennen keine Antrüge in der ersten Lesung, sie können erst in zlvciter Lesung gestellt werden. Abg. Schmalfcld lfortfahrend): Wir wünschen außerdem eine ausreichende Krankenversicherung für die Seeleute i die Recdcrpreffe hat behauptet, daß durch die Ausdehnung der Krankenfiirsorge ans 26 Wochen die Reeder bei dem schlechten Gesundheitszustände der Seeleute überlastet würden. Aber in der Praxis stellt sich die Sache wesentlich anders. Da lassen sich die Reeder nicht von der Krankcnfürsorge ruinieren, sondern w ä l z e n d i e L a st e n einfach ah. Infolgedessen ist von vorn- herein eine Krankenversicherung für die Seeleute notwendig, wir iverdcn Ihnen deshalb in der zweiten Lesung eine dcmcntsprcchcnde Resolution vorlegen. Heute hat die Krankenfürsorge ungeheuer- liche Zu st än de zur Folge. Das möchte ich Ihnen in einem be- stinimten Fall nachweise». Ein 41 Jahre alter erster Steurrmaun auf dem Schiff„Konkordia" einer Reederei in Elsflct wurde in einem überseeischen Hase» einfach abgemustert. Alle seine Sachen wurden von dem Kapitän rinbchaltcn. Er mußte als Heizer auf einem eng- tischen Schiff in seine Heimat zurückkehren und von Bremen, wo er gelandet war, die 6ö Kilometer nach seiner Heimat in einer stürmischen Winternacht notdürftig bekleidet und ohne Kopfbedeckung zurücklegen.(Hört I hört!) Dort erkannte man sofort, daß der Mann schwer geisteskrank war. Er wurde in die Irrenanstalt gebracht, dort wurde fortschreitende Gehirnerweichung festgestellt, und er ist seitdem gestorben. Seine alte 85jährige Mutter hatte schon elf Wochen vor seiner Abmusterung aus seinen Briefen erkannt, daß er geistesgestört sei. Daß dem Kapitän diese Krankheit entgangen ist, ist umsolveniger möglich, da man sie auf dem englischen Schiff sofort erkannte.(Hört! hört I> Trotzdem ist der Mann einfach ohne jede Krankenfürsorge entlassen Im dunkelsten Wien. In allen Sprachen und aller Sprachen Mundarten hat die Not schon auf uns eingeredet: aus trockenen Berichten der beschreibenden Nationalökononne und aus den tönenden Rythmen zornentflainmter Poeten, aus naturalistischen Romanen, aus Denkwürdigkeiten von Arbeitern, aus Volksliedern.aus dem Rinnstein". Dem Proletarier erschloß sich aus dieser Litteratur keine neue Welt; die bürgerliche Gesellschaft aber hat die Mode vom Anfang der neunziger Jahre, da sie mit lüsternem Grusel den erste» Blick in fürchterliche Tiefen warf, längst übcrlvunden... Was will zu solcher Zeit ein neues Elendsbuch? Das Bändchen „Im dunkelsten Wien, Strottgänge von Max Winter." (Wiener Verlag, Wien und Leipzig 1904» wird mit seinem Titel trotz der trefflichen Deckenzeichnung von Ranzen hofer ans dem breiten Chor der litterarischc» Neuerscheinungen nicht wie eine Fanfare klingen— zuni mindesten nicht für die, die Max Winter, seinen Stoff und seine Art noch nicht kennen. Den Lesern der Wiener„Arbeiterzeitung" ist freilich Max Winter ein guter alter Bekannter; gute alte Bekannte sind ihnen auch jene Skizzen, die jetzt zum Buch gesammelt vor ihnen liegen. Sie kennen Winter als einen eigenartigen kühnen Journalisten— das viel mißbrauchte Wort ist hier als Ehrentitel gebraucht—, der das Elend bis in seine allerletzten Schlnpfwinkel verfolgte, dessen vertrauenerweckendem Wesen sich Herzen öffneten, die längst darauf verzichtet hatten, der Welt ihr Leid zu klagen, und der. was er gesehen und gehört, in merkwürdig lebensvollen und anschaulichen Skizzen ivieder- zugeben verstand. Diese Skizzen sind sociale Poesie und wissenschaftliche Be- schreibung zugleich. Von der wissenschaftlichen Beschreibung haben sie die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Angaben, von der Poesie das warme lebendige Kolorit: den Hcimatston. das heimlich durch- zitternde Mitempfinden. In diesem Sinne sind sie Muster eines eigenartigen Genres und können als solches gar nicht genug jenen vorgehalten werden, die glauben, es genüge, die„Thatsachen reden" zu lassen— eine unwahre Phrase, da doch die Thatsachen nicht selbst, sondern nur aus der Darstellung reden!... Winter begleitet einen Strotter bei seiner Arbeit. Unter Strottern versteht man in Wien Leute, deren Erwerb es ist, den Spülicht der unterirdischen Kanäle nach verlorenen oder weg- geworfenen, aber noch verlvertbaren Gegenständen zu durchsuchen. Üebcr dieses letzte, ärmlichste, schmutzigste Gewerbe giebt er aus eigner Anschauung die genauesten Angaben: über seine Technik, seine Organisation, seine Einkünfte, seine Gefahren. Mit dem Strotter steigt er in den Kanal ein, durchwühlt die Därme der Großstadt und läßt sich von seinem Führer alles Wissenswerte erzählen. Dann durchstreift er die Brigittenau, das Proletarierviertel des Wiener Nordens. Am Donankanal betrachtet er die verwahrloste Jugend bei ihren inunteren, ausgelassenen, oft gefährlichen Spielen und die Männer bei ihrer schweren Arbeit. Er durchforscht die Ge- worden. Das zeigt, wie notwendig die Einführung einer Kranken- Versicherung ist.(Bravo! links.) Abg. Rettich(k.): Die Schwierigkeiten der Organisation einer Krankenversicherung für Leute, die sich überwiegend im Auslande aufhalten, sind so groß, daß man mit vollem Recht davon abgesehen hat. Ich bitte den Herrn Präsidenten recht dringend, die zweite und dritte Lesung möglichst bald auf die Tagesordnung zu setzen, damit die Seeleute recht bald der ihnen hier gewährten Vergünstigung teil- haftig Iverden.(Bravo I rechts.) Abg. Dr. Patzig(natl.): Ich kann nicht ersehen, was der un- glückselige Fall eines armen Menschen, der im geisteskranken Zustand auf einem Schiffe zurückgehalten wurde, mit dieser Vorlage zu thun haben soll.(Zuruf bei den Socialdemokraten.) Der socialdemo- kratische Vorredner hat verschiedene Wünsche geäußert, die eine wesentliche Erweiterung der Vorlage und eine Verschiebung dieses an sich spruchreifen Gegenstandes � auf unabsehbare Zeit bedeuten würden. Ich wünsche, daß dieses Gesetz recht bald in Kraft tritt schon mit Rücksicht darauf, daß im vorigen Jahre, als der Staatssekretär eine baldige Regelung der Materie in Aussicht stellte, dies die socialdemokratischen Redner eine Vertröstung auf den Nimmerleinstag nannten.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Wenn wir das Gesetz am 1. Mai in Kraft treten lassen, wird endlich einmal der 1. Mai ein Nimmerleinstag für die Socialdemokraten werden.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Abg. Erzbergcr(C): Auch wir wünschen eine möglichst baldige Verabschiedung dieses Gesetzentivurfs. Zu den vom Abg. Schmal- fcldt in Aussicht gestellten Anträgen können wir heut natürlich keine Stellung nehmen, da sie nicht im Druck vorliegen. Abg. Molkcnbuhr(Soc.): Wenn der Herr Vorredner nicht verstanden hat, was Genosse Schmalfcldt mit dein von ihn, angeführten Falle beweisen wollte, so liegt das wohl an s e i n e r mangelhaften A u f f a s s u n g S- gäbe. Schmalfcldt hat sich nicht beklagt, daß man den Mann so lange an Bord gehalten, sondern daß nian ihn, der schon 11 Monate irrsinnig war, abgemustert und hilflos ans Land gesetzt hat, damit der Reeder der Verflichtung entginge, ihn zu verpflegen. Das ist ein drastischer Beweis dafür, wie die Reeder sich der Verpflichtung entziehen, die sie auf Grund der geltenden Seemannsordnung haben. Ich könnte Ihnen eine ganze An- zahl von Fällen vorführen, in denen man Leuten gelagt hat: „Ihr seid nur faul, Ihr müßt arbeiten", und ihnen so lange zugesetzt hat, bis sie schließlich eingewilligt haben, sich abmustern zu lassen, und dadurch jedes Anspruchs verlustig gegangen sind. Wenn plötzlich von allen Seiten als dringender Wunsch her- gestellt wird, die Wohlfahrt des Gesetzentwurfs möglichst bald den Seeleuten zu gute kommen zu lassen, so ist das ein eigentümlicher Umschwung in der Stimmung der MehrheitSparteien. Wenn es Ihnen Ernst damit ist, so hätten Sie schon im März 1902 dazu Gelegenheit gehabt, wenn Sie damals die von uns gestellten Anträge angenommen hätten.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Angeblich soll der Zweck der Vorlage sein, die seemännischen Arbeiter mit den übrigen gegen Krankheit versicherten Arbeitern möglichst gleichzustellen. Das soll wieder ein Stückchen Socialreform sein, aber damit ist es bei den Seeleuten eine eigenartige Sache.(Sehr lvahr! bei den Soc.) Die Socialreform für Seeleute dreht sich immer im Kreise herum. Auch nach der jetzige» Vorlage haben die Seeleute noch nicht die Rechte, die sie nach dem alten Handelsgesetzbuch von 1861 hatten. lHört! hört I bei den Socialdemokraten.) Sie hatten damals Rechts- ansprüchc, die erst wir ihnen hcnt liefern wollen, und das zu einer eit, wo das Wort Socialreform noch gar nicht erfunden war. Die ccder scheinen allerdings ungünstig gestellt zu fein, weil sie allein die Last aus der Krankenversicherung tragen müssen. T h a t- sächlich i st das nicht so schlimm. Die weitaus meisten Krankheiten sind von sehr kurzer Dauer, durchschnittlich von 18'/z Tagen. Nun ist es allerdings richtig, daß die Krankhcits- dauer 6« Seeleuten etwas länger ist als bei Landarbeitern. Es kommen verschiedene k l i m n t i s ch e K r a n k h e i t e n in Betracht, denen die Landarbeiter nicht ausgesetzt sind. Sehr oft fehlt es auch an Bord an der nötigen Pflege und den nötigen Heilmitteln. Man klagt auch sehr oft darüber, daß, wo ein Arzt an Bord ist, doch der Kapitän die Rolle eines Ober- arztes spielt nnd viele Vorschriften des Arztes einfach nicht anSsiihrc» läßt, weil sie ihm zu teuer sind. Durchschnittlich werden von den Reedern für den See- mann 7,65 M. an Krankenversicherungskosten ausgegeben. Da- gegen wenden die Arbeitgeber auf dem Lande durchschnittlich 21,9 M. pro Kopf auf. Unbedingt muß ich die Gleichstellung der Seeleute mit den übrigen Versicherten fordern, damit nicht der Kranke so hilflos bleibt, wie es in dem Falle geschehen ist, den uns mein Genosse Schmalfcldt geschildert hat. Eine besondere Lücke in der Seemannsordnung besteht in der Familienfürsorgc. Dieser Mißstand ist in der jetzigen Seemannsordnung lediglich durch ein Mißverständnis des Reichstages hineingekommen. In der zweiten Lesung war bestimmt worden, daß die Angehörigen des Heimnisse der Ufer— ein wildes Asyl der Obdachlosen unter Zillen und in stinkenden Höhlen. Er schildert Menschen, die auf den Düngerhaufen der Gärtner schlafen, weil es dort warm ist; die den geflickten Rock auf dem bloßen Leibe tragen und es jeden Morgen dem Zufall überlassen müssen, ob ihnen der neue Tag ein Häuflein ekle Nahrung bringt. Dann steigt er auf der Staffel dieser gesellschaftlichen Ordnung um eine Stufe höher: er erklimmt die steilen, engen Stiegen kapitalistischer Zinsburgen. Diese Leute, die unterschiedslos zusammen- gewürfelt— Groß nnd Klein, Mann und Weib, Bursche und Mädchen— beieinander in engen Räumen hausen und selten ein brauchbares eignes Bett zur Verfügung haben, sind ja schon die Glücklicheren. Sie sind keine Gelegenheitsarbeiter wie die Obdach- losen, sondern Leute mit_„gesicherter Existenz": Bau- und Telegraphen-Arbeiter, Flickschuster, Schwerkutscher und andre schlecht entlohnte Proletarier. Da mißt er Räume aus, stellt die Zahl der Bewohner, der vorhandenen Schlafgelegenheiten fest und erfährt mancherlei von den Arbeits- und Lohnverhültnissen der Insassen. Mit seinen Freunden vom Donaukanal zusammen genießt er die Segnungen des modernen Rechtsstaates. Mit einer Schar Obdach- loser wird er aufgegriffen und erhält Gelegenheit, in die Polizei- gefängnisse Einblick zu erhalten und in die Art, wie dort Menschen behandelt werden, deren Verbrechen es ist, hungrig zu sein und kein Bett zu haben. Die Frage drängt sich aus die Lippen: Wie ertragen diese Massen, denn um Massen handelt es sich, so entsetzliche Leiden? Glimmt in ihnen das Feuer der Revolte, drängen sie zum Ausbruch, streben sie nach Rache? Wer diese Schilde- rungen mit fühlendem Herzen liest, der vermag es kaum zu fassen, daß sich der Groll dieser Letzten der Enterbten nicht täglich ein dutzendmal in wilden besinnungslosen Gewaltthaten entlädt. Ach nein! Müde, tatenlos, resigniert, gemächlich, fast ge- mütlich schiebt das alles zu dem großen Aschenhaufe» zu, i» dem loir alle enden. Dieser Strotter klagt über die neue Konstruktion der Aborte, die seinen Erwerb geschmälert hat: der Gedanke, daß dieser Mann, der mit gebeugtem Nacken die Kloaken durchwühlt, einmal den Leib der verhaßten Großstadt mit tödlichem Sprenstoff füllen könnte, mag in dem Kopfe eines Romaziers entstehen— dem passiven Helden des Dramas liegt er vollständig ferne. Aus dem Donaukanal holt der Obdachlose seinen Trunk. Unser Wanderer will ihn über die furchtbare Gefahr eines solches Genusfes belehren. „Das Wasser ist not schlecht zum Trinken", erhält er zur Antwort, „es ist ja frisch und rein". Und in einem scheusäliaen Zinshause, einem wahren Massengrab seiner Bewohner, aber auch einer wahren Goldgrube seiner Besitzerin, giebt ihm eine Mieterin diese treuherzige Lehre mit auf den Weg: „So Häuser sollten mehr sein. Dö san a wahre Wohlthat für die arme Menschheit. M'r siecht's aa.(Man sieht cS auch.) An dem Haus ist nie a Wohnung ang'schlagen, die gehen alle unter der Hand weg.. Seemannes im Fall seiner Erkrankung Anspruch haben auf ei» Drittel der Heuer, falls der Unterhalt seiner Familie vorher ganz oder teilweise von ihm bestritten worden war. Herr Hirsch hat beantragt, das Wort„teilweise" durch„überwiegend" zu ersetzen, um eine Uebereinstimnnmg der Secmannsordnung mit dem See- Unfallversichcrungs- Gesetze zu erzielen. Dieser Zweck ist aber dadurch durchaus nicht erreicht worden. Der Passus:„Im Fall der Lebensunterhalt ganz oder überwiegend vom Seemann bestritten ist"— bezieht sich nur auf die Fürsorge für Verwandte aufsteigender Linie; dagegen ist Ver- sorgung von Frauen und Kindern besonders geregelt. Diese haben ohne weiteres den Anspruch auf 20 Proz. der Heuer. Wenn man also wirklich eine Uebereinstimmung des See-Unfallsversicherungs- Gesetzes und der Seemanns-Ordnung herbeiführen will, dann sollte man den Frauen und Kindern der Seeleute unter allen Umständen die Familicn-Untcrsttitzung zusprechen. Die Familien-Unter- stützung für Seeleute wird zunächst in viel geringerem Maße ausgezahlt werden, als bei andren Arbeitern, weil die Seeleute in viel geringerem Maße verheiratet sind. Es würde sich für die Reedereien höchstens um eine Summe von 15 000 M. handeln, die für sie ernstlich gar nicht in Betracht kommt, aber für die betroffenen Familien, die heute gar nichts bekommen, eine'sehr gute Hilfe ist. Was die Krankenversicherung der Seeleute anbetrifft, so hat sich Herr Rettich dagegen ausgesprochen. Er meinte, die kleinen Reeder würden dadurch zu sehr belastet werden. Gerade diese Leute, die heute eventuell große Summen für einen erkrankten Mann ausgeben müssen, würden durch die Einführung davon befteit werden. Schon damit arbeitslose Seeleute die Krankenversicherung als S e l b st V e r f i ch e r u n g fortsetzen können, ist es notwendig, die Kran kenfürsorge durch eine Krankenversiche« r u n g zu ersetzen. Ich glaube nachgewiesen zu haben, daß, wenn eine wirkliche Gleichstellung der Seeleute mit den übrigen Be- rufen erreicht werden soll, einige Aenderungen an der Novelle vor- zunehmen sind und ich glaube, daß sie ohne besondre Gefahr vor- genommen werden können, da eine übermäßige Belastung der Reeder nicht entsteht. Zum Schluß noch eine Frage der Rechtsauslegung. In dem alten wie in dem neuen Gesetz findet sich die Bestimmung, der Reeder habe die Kosten der Verpflegung zu tragen Es ist nun streitig, wie die Kosten zu bemessen find, wenn der kranke Seemann zu seiner Familie ins Haus geht, ein Fall, der besonders häufig eintritt, wenn Seelente aus dem Krankenhause entlassen werden, ohne daß sie jedoch schon arbeits- fähig sind. Vielfach erhalten diese Leute gar keine Unterstützung. Ich halte diese Ansicht zwar für irrig und glaube, daß im 8 61 des Gesetzes sogar die Höhe der Verpflegungs- kosten für diesen Fall angegeben ist. Sollte meine Auffassung aber irrig sein, so wäre es nötig, in dem neuen Gesetz eine Bestimmung zu treffen, auf welche Kosten der Seemann bei Familienverpflegung Anspruch hat.(Bravo I bei den Socialdemokraten.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Als ich am 16. März 1903 die Erklärung abgab, daß dieses Gesetz vorgelegt werden würde, erklärte ich, daß bei dem allge- meinen Unterschied zwischen der allgemeinen Fürsorge und der Fürsorge für Seelente in Bezug auf Tragung der Versicherungskosten die Verlängerung der llnterstützungsdauer auf 26 Wochen für die Arbeitgeber des Schiffahrtsgelverbes eine ganz andere Bedeutung habe als für die Arbeitgeber der übrigen Gewerbczweigc. Darum muß diese Frage einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden. Wir haben diese Prüfung vorgenommen und haben gesehen, wie außerordentlich schwer es ist, die Kosten aus der Kranken- fürsorge den Benifsgenossenschaften aufzuerlegen. Als wir damals diese Erklärung abgaben, waren wir noch im Unsicheren. Der Zweck der Novelle war keineswegs eine umstürzende Aenderung der Grund- läge der Krankenversicherung für Seeleute, aber ich hielt es für unbedingt notwendig, daß man die Dauer der Krankenfürsorge, die man allen Kranken gewährt, auch den Seeleuten ge- währen müsse. Ich bitte dringend, diese Eröternngen, ob man überhaupt die Krankenversicherung für Seeleute auf eine andere Grundlage stellen soll, init diesem Gesetz nicht zu ver- binden. Ich habe den dringenden Wunsch, daß man die Wohlthaten dieses Gesetzes den Seeleuten möglichst bald zukommen läßt. Ueber die Organifationsfragen können wir noch sehr oft bei andrer Ge» legenheit sprechen. Ich bin gern bereit bei anderer Gelegenheit in diese Erörterung einzutreten.(Bravo!) Damit schließt die Diskussion. Die zweite Lesung der Novelle wird ohne Kommissionsberatung vorgenommen werden. Das Haus vertagt sich sodann auf Montag 1 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen 1. Reichsgarantic für die Bahn von Dares« salem nach Mroporo, 2. Aufnahme einer Anleihe für das Schutz- gebiet Togo, 3. erste Lesung des Börsengesetzes und der Stempel- sleuernovelle. Schluß 6-/2 Uhr. Nur ein Bauarbeiter, der mit seiner Frau am Tage des Be- suches von 24 Hellern(20 Pfennigen) gelebt hat, ist bewußter Socialdemokrat. Auf dieser massenpsychologischen Erscheinung, daß das bitterste Elend in tausend von tausendundeincm Falle zur vollkommensten Apathie führt, ist ja alles Glück der Regierenden und Besitzenden gegründet! Aus diesen Elendsgestalten ist nicht nur der bewußt- tastende Drang nach aufwärts geschwunden, auch alle Gefühle der Auflehnung, der Empörung, der Rachsucht sind ausgebrannt oder haben wohl nie in ihnen geglüht. Nur ein mächtiges sociales Empfinden konnte den Verfasser meses Buches alles Widerstreben vor dem Anblick des Aeußersten überwinden heißen und ihn für seine Fahrten mit einem �Mut ausrüsten. der die höchste Achtung verdient, wenn auch die bürgerliche Gesell» schaft, die jeden Bergfex bewundert, für solche Art von Mut nicht das rechte Verständnis hat. Und der Verfasser hat auch damit recht gethan, daß er den Thatsachen einfach die Sprache seines Herzens lieh, ohne nach Tendenz zu jagen, wo diese Tendenz sich ans jeder Ecke übermächtig aufdrängt. Manchmal ftcilich, wenn er zu einem Seitenhieb auf die Wiener kommunale Verwaltung ausholt, mag dem, der nicht den ehrlichen Haß eines Wiener Socialdemokraten gegen die verkommene Spießerwirtschast der Luegerhorde unmittel- bar mitfühlt, das Gefühl kommen, als ob sich in dieses Weltpanorama der Not ein gewisser kleinlicher Zug ein- schliche. Indes hat die Ersahrung gelehrt, daß solch« Nutzanwendungen im Einzelnen nicht ohne Erfolg geblieben find. So ward beispielsweise ein Haus, dessen Zustände Winter in der „Arbeiter-Zeitung" geschildert hatte, acht Tage nach dem Erscheinen der Schilderung niedergerissen. Ob seine einstigen Bewohner nun besser daran sind? Auch möchte der Leser, den dieses Buch von der ersten btS zu, letzten Seite in seinem Bann hält, manchmal länger weilen, wo de, Verfasser rasch vorüber eilt, von manchen der flüchtig vorbeigleitenden Gestalten etwas von ihrem Woher und Wohin erfahren. Wohl wissen wir. daß diese Gesellschaft ihre Opfer heischt, und daß es allemal welche geben muß, die in ihr die Allerletzten sind. Aber welches Schicksal, welches Ineinandergreifen von Zufall, Veranlagung, Schuld hat gerade diese Menschen zu den allerletzten gemacht, die und keine andren? Welche Umstünde ermöglichen es einem Proletarier. der Bewohner einer Zinskascrne zu bleiben, welche schleudern ihn in den Spülicht herab und zu dem Unrat des Kanals? Gerade Winter tväre der rechte Mann dazn gewesen, uns auf solche beklommene Fragen Antwort zu geben, Lebensgänge Einzelner zu verfolgen, in ihre Arbeitsgewohnheiten, ihr Liebcsleben, ihr Haushaltsbudget, thre Familienverhältnisse einzudringen und von dem allen ein Bild zu geben, das weder durch trockene Häufung von Thatsachen ermüdet, noch durch phantastische Ausläufer irreführt. Doch— vielleicht holt er's noch nach, wenn das, was dieser Band bringt, auch außerhalb Wiens die Würdigung und Beachtung findet, die er verdient. F- L. Berlins Sonntag, den I. I.Wahlkreis: Kliems Festsäle, Hasenheide 13-15. 2. Wahlkreis: Bock-Brauerei, Fidicinstr. 2/3, am Tempeihofer Berg. 1. Wahlkreis: Neue Weit, Hasenheide. Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15. 4. Wahlkreis(Ost): Brauerei Friedrichshain(Lipps), am Königsthor. Keilers Festsäle, Koppenstr. 29. Mentes Volksgarten, Lichtenberg, Röderstr, 6. 4. Wahlkreis(Süd-Ost): Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Joels Victoria-Garten, Treptow, Köpnicker Landstrasse, Ludwigs Park-Restaurant, Treptow, Köpnicker Landstrasse. S.Wahlkreis: Elysium, Landsberger Allee 40/41. T elto w-Beesko w: Köpenick: Michelmsgarten(Schere). „ Hotel Kaiserhof. „ Restaurant Ringeltaube, Wilhelmstraße. „» Seibel, Grünauerstraße. « ,» Reichel, Lindenstraße. Schöneberg: Obst, Meiningerstr. 8. Wilmersdorf: Uolksgarten, Verlinerstr. 40. Charlottenburg: U�ibshans, Rosinenstr. 3. Rirdorf: Wreinsbrauerei, Hermannstr. 214-219. „ Nictoria-Sale, Hermannstr. 48/49, „ Thiel, Bergstr. 151/152. Niedep-Barnim: Lichtenberg- Friedrichsberg: Höstichs„Schwarzer Adler", Franksurter Chaussee 120. Pankow: Ebersbachs Kurfürsten-Säle, Kttliuerstr. 192. reiolili�IblAes Programm, bestehend in; Theater, Lebenden Bildern � turnerischen AuifUhrnngen, Vorträgen ernsten und heiteren Inhalts, Feuerwerk� Tanz u. Kinderbelnstigqngen wird die Maifeier zu einem wahren Volksfest machen. Der Festgesang wird von den Gesangvereinen des Arbeiter-Sängerbundes aosgeliit Anfang 4 Uhr. Entree«O Pf. ErUlfnnng der KalTeekUche» Ehr. Alles Nähere die Plakate und Billets der einzelnen Wahlkreise.-WIM Um recht zahlreiche Beteiligung in allen Kreisen ersuchen Die Yertraaenslente Berlins and Umgegend. S öl HR. M.W MI Zahlstelle Berlin nnd Umgegend. Sonntag, j.j,, j, Mai 1904, vormittags 10 Uhr. in der Brauerei.Friedrichshain(früher Lipps): — JWai-Versammlung. �— Tages-Ordnung: IW Die Bedeutung des I. Mai-'HW iRcfevcnt: Ncichstaas-Mgcordneter Genosse .e'le Kontrolle über den Versammlungsbesuch zu ermöglichen, werden am Eingange des Saales Malmarlen ausg�cb�,,, welche ins Mitgliedsbuch gellebt werden. In den Lerlchrslolalen werden IN diesem Jahr- leine Mannarien pusgegcben. Die Ortsverwaltung. Q � G« G m VI. Wahlkreis. Sonntag, den i. Mai 2904: Ittat-jeier der SocialdcmokrateD des lechlten Mreifes in folgenden Lokalen: Krrliner Prater, Kastanien-Allee 8/9. Fröbels Allerlei- Theater, Schönhauser Allee 148. Wernaus Festsäle, Schwedterstraße 23. Jägerhaus, Schönhauser Allee 102/103. Kallschmieder, Badstraße 16. Wrimanns Uolksgarten, Badstraße 56. Marienbad, Badstraße 36. Feldschlöstchen, Müllerstraße 142. Norddeutsche Zranerei, Chausseestraße 58. Kronen-Drauerei, Alt-Moabit 47/49. Walhalla, Alt-Moabit 104/105. Krauerei Pahenhofer, Turtnstraße 25/26. keM. AU-W SpiU-VMlU Im» i»M ?aeUel-?otonaise. TANZ. Seilende Silder. Anfang Ä Uhr nnchnilttags. Anfang 2 Uhr nachmittags. Da wir keine Billets ausgeben, sondern es dem Ermessen der Parteigenossen überlassen, zu den llnkostc» der Mai-Feirr beizutragen, infolgedessen es auch dem wirtschaftlich Schlcchtgrftclltcn möglich mache», sich a» der Mai-Feirr zu �beteiligen, hoffen wir auf recht zahlreichen Besuch. Da» liomitee. « HGO O Bildhauer. Sonntag, den 1. Mai, im neuerbauten Festsaal deS Restaurants Karpfenteich, Treptow. Kopenicker Landstraste: Grosse Mal-Feier verbunden mit Serenissimus- Zwischenspielen. '/,« mr- S Festrede. Grosses Konzert und Anfführnngen. WWW» Billets a 20 Pf nur im Vorverkauf zu haben bei den Kollegen: P. G r e i e r, Köpcnickerstr. l vorn IV; D. M i sb a ch, Engel. User 15, Zimmer 27 und Restaurant N o a ck, Pücktcr- u. Muskaucrstr.-Ecke. Anschig 3 Uhr. Gäste willkommen, vis KaffeekDche ist von 3 Uhr geiffnet 20/14 Bas Komitee. Central- Verband der&phalteure, Pappdachdecker und vervo. ßerufegenoffen Deutschlands. (Zahlstelle Berlin nnd Umgegend.) Sonntag, den 1. Mai 1904: TamiUeti-Jlusfhtg nach SMchelswerder bei Freund. Abfahrt: Lehrter Bahnhos 6,42, 7,30, 10,5 Uhr. Putttitzstr.„ 6,48, 7,36, 10,11„ Für Nachzügler: Tresspunkt beim Rcstaurateur Q. KOpnicb, Spandau, Pichelsdorf erstr. 39. 289/5 Um rege Beteiligung ersucht Ber Torstand. Arbeiter- Samariter« Kolonne. Sommer- Kursus 1904. __ Dor Kursus beginnt in der Centrale,.,Bresdener Garten", Dresdenerstr. 45, am 2. Mal und in der Filiale Restaurant Base, Brunnenstr. 154, am». Mai, jedesmal abends 9 Uhr beginnend. Die Lehrabende sind in jeder Abteilung vierzehntägig. Der erste Vortrag in jeder Abteilung lautet über„Anatomie" (Bau des menschlichen Körpers) mit Demonstrationen an Bildern und Präparaten. 261/2 Mitglied kann jeder Arbeiter und jede Arbeiterin werden, welche das 18, Lebensjahr erreicht haben. Linschreibegeld sowie Monatsbeitrag 25 Pf. Gäste haben einmaligen freien Zutritt— Eine reichhaltige Bibliothek steht unentgeltlich zur Verfügung. Auskunft erteilt der Vorsitzende E. Stein, Charlottenburg, Kaiser Friedrichstrasse 40, auch werden auf Wunsch Lehrpläne zugesandt.>• Ber Torstand. Dampfschiffs-Reederei Robert Tismer Nieder-Schönoweide Teleph. Rr. 14 Salon- Dampscr den verehrten Vereinen, �mpsichlt seine Salon- Dampscr den verehrten Vereinen, Gesellschastcn, Schulen zc. zu Ausflügen nach der Oberspree zu soliden Preisen.— Näheres zu erfragen im Restaurant G. Barcinz, Briukcnstr."7, Amt'IV 4472, von morgens 10 bis abends 9 Uhr. 4695t/» für kleine Familie, Bier- u. Weinhandlung, Destil- lations-Niederlage.Jung- bier, verkauft billig. Laden mit Wohnung, billige Miete. Woldenberger- straße 2. � \nr 5 Mark kostet die echte Böhnel System Nickel-Anker« Roskopf• Patent- Uhr lsamt schöner Nickel- kette und Futteral. Dieselbe Uhr mit Bild von Ferd. Lassalle, Karl Marx oder Arb.- Verbriiderungs• Relief kostet 1 Mark mehr. Beste u. dauerhajtcsle Strapazier- Uhr für edormann. 3 Jahre chrisl. Garantie. 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Da die Regierung diese Summe für unzureichend erklärte, wurde der Titel an die Budgetkomnnssion zurückverwiesen, die nach den Auf- klärungen von feiten der Regierung jetzt vorschlägt, als festen, nicht llberschreitbaren Beitrag 5 350 000 M. an dir Krone, welche den Bau für eigene Rechnung als Bauherr aufführt, zu bewilligen. (Davon 1 990 999 M. als erste Rate ftir 1904.) Grund zu der über die Regierungsvorlage herausgehenden Mehrbewilligung sind neuer- dings bemerkte Fundierungsschwierigkeiten. Finanzminister v. Rheinbaden: Ich will nur ein Wort des Dankes an die Budgetkommisfion sagen. Ich kann nur dringend wünschen, daß das hohe Haus mit möglichst großer Mehrheit dem Beschlüsse der Kommission beitritt, um zu be- weisen, daß die Volksvertretung in Uebereinstimmung mit der Re- gierung entschlossen ist, alle Maßnahmen zu ergreifen, die zur cnd- lichen Herbeiführung friedlicher Zustände im Osten unsres Vaterlandes dienen.(Lebhafter Beifall.) Abg. Graf Moltke(fk.) und Abg. Aronsohn-Bromberg(für einen Teil der freisinnigen Bolkspartei) treten für die Vorlage ein. Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.): Wir glauben nicht an eine Festigung des Deutschtums im Osten durch den Posener Schloßbau. Abgesehen davon, daß uns die Not- wendigkeit der Erhöhung der Bausumme nicht überzeugend nach- gewiesen ist, haben wir grundsätzliche Bedenken gegen die ganze Forderung. Es kann nicht Sache des Landes sein, komglichc Schlösser zu bauen. Ich lege übrigens Verwahrung ein gegen die Unter- stellung des Grafen Moltke, als ob alle diejenigen, die gegen die Vorlage stimmen, nicht auf nationalem Boden stehen. Ich bestreite dem Grafen Moltke jedes Recht, über diese Frage zu urteilen.(Bravo I links.) Die Avgg. Dr. Friedberg(natl.) und Ernst(fts. Vg.) geben kurz die �iarung ab, daß sie ftir die Forderung stimmen werden. Abg. Dr. Porsch(C.) erklärt, daß dieses alle Bedenken habe fallen lassen, um ein möglichst einmütiges Votum herbeizuführen. Damit schließt die Diskussion. Nach einer persönlichen Bemerkung des Grafen Moltke wird die zweite Vorlag« der Budgetkommission gegen die Stimmen der Polen und eines Teiles der Freisinnigen Volkspartei angenommen. Es folgt die dritte Lesung des Etats(Generaldebatte) Abg. Graf Limburg-Stirum(k.): Wir vermissen in der Staats- regierung die Einheitlichkeit, die wir von früher her gewöhnt waren Die Stelle des Finanzministeriums ist eine höchst bedeutsame wichtige und notwendige, und es darf nicht vorkommen, daß Ressort- vertteter h,er erklären: wir hätten den und den Posten gerne eingestellt, aber der Finanzminister hat ihn ge- strichen. Das Finanzministerium hat ja unangenehme Auf- -laben, zu deren Lösung eine gewisse Genialität wie die Miguels gehört. Aber sie muß jedenfalls das Recht haben, gegenüber den Ressorts die allgemeinen Staatsinteressen zu wahren. In Sachsen soll dem Finanzminister ein ausdrückliches Vetorecht gegen alle Etaispositionen gegeben werden. Auch wir müssen die Stellung des Finanzministers stärken. Ich komme auf die Stellung der preußischen Regierung zum Reichstage. Ich bedauere es tief, wenn Minister den Anforderungen der Socialdemokratte im Reichstage eut- sprechend über Dinge, die hierher gehören, sich dort zur Verantwortung ziehen lassen und vor dem Forum des Reichstages erscheinen.(Sehr richtig I) rechts.) Wir haben mit Freude gesehen, daß sich dies m dm krtzten Tagen bei der Grubenfrage geändert hat. Ueberhaupt zeigt man in den höheren Kreisen eine viel zu große Konnivenz gegenüber der Socialdemokratte. Diese Politik ist ganz verkehrt.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Sie kann nur den Machtdünkel der Socialdemokratte stärken.— Zum Schluß komme ich auf die Handelsverträge.(Stürmische Zurufe links: Reichstag! Reichstag.) Wir erwarten mit Entschiedenheit, daß die Handelsvcrttäge in der nächsten Zeit gekündigt werden.(Rufe links: Reichstag!) Wenn die Verträge noch weiter bestehen bleiben(Immer wiederholte Rufe: Reichstag! Reichstag!), so weiß ich nicht, tvie lange die Landwirtschast noch lebensfähig ist. Die Handelsverträge sind nur für die Industrie, nicht für uns ein Lebensbedürstns. Darum wünschen wir sie nur unter Wahrung der Interessen der Landwirtschaft.(Lebhaftes Bravo I rechts.) Finanzminister v. Rheinbaben: Wir vom Finanzministerium sind ja gewohnt, als Karnickel hin- ,estellt zu werden. Aber wir haben das Bewußtsein, gegenüber den .peciellen Ressorts das allgemeine Landesinteresse zu vertteten. Da ist es oft schwer, die richtige Mitte zu finden. Ich wünschte nur, Sie alle wären einmal vier Wochen Finanzminister(Heiterkeit), Sie bekämen graue Haare(Stürmische Heiterkeit, da Herr v. Rheinbaben ganz volles, ttefschwarzes Haar hat). Die Anerkenmuig, die Herr v. Limburg-Sttrum mir zollte, muß ich auf die Herren meines Ministeriums abwälzen. Sie haben eine ungeheure Arbeitslast zu bewältigen, ohne jede Sommerpause, die doch wenigstens in den andern Ministerten eintritt. Ich kann dem Vorredner auch darin zustimmen, daß es sehr bedenklich ist, den Reichstag zum Tribunal für Fragen zu machen, für die der Landtag zuständig ist. Ich selbst habe auch, obwohl ich wiederholt im Reichstage aufs schwerste angegriffen worden bin, nur stets von hier aus geantwortet.(Bravo! rechts.) Aber bei der Ausweisung der Russen handelte es sich doch um eine gemischte Angelegenheit, die zum Gebiet der aus- lvärtigen Polittk und damit auch zur Zuständigkeit des Reichstages gehört. Deshalb hat du Staatsregierung damals auch im Reichs- tage geantwortet; aber rm Grundgedanken ist sie vollkommen mit dem Vorredner einig, daß die verfassungsmäßige Scheidung zwischen Reichstag und Landtag ausrecht erhalten werden muß. Aber was dem einen recht ist, ist dem andern billig.(Lebhaftes: Sehr richtig I links.) Ich muß es nur also versagen, über die Frage der Handelsverträge hier Auskunft zn geben. Nur das will ich bemerken, daß das Bedürfnis, der Landwirtschaft erhöhten Schutz an- gedeihen zu lassen, seitens der Reichsregierting und des Herrn Reichs- kanzlers durchaus anerkannt wird und die schwebenden Verhandlungen der Landwirtschaft den nöttgen Schutz bringen werden. Abg. Boltz(natl.) p�/�fiert gegen die früheren Ausführungen des Abg. Korfanty, dessen Angriffe gegen die oberschlestschen Behörden und Industriellen er mlter Besprechung sämtlicher von ihm angeführten Einzelfälle als durchaus unwahr und leichffertig bezeichnet. Die Lage der Arbeiter in Oberschlesien sei glänzend. Em Vergleich mit andren Gegenden falle nur zu Gunsten Oberschlesiens aus. -Schütte z. B. hat im letzten Jahre 19 Proz. Dividende und 9,9 4roz. Uxfoster- WohlfahrtSeinrichtiinge» gezahlt. Auch die?"brrudc deutsche Oberschicht hat in Oberschlesien redlich und energisch 0"ban, was sie thun konnte. Der Grund zum Empor- schnellen drr großpolnischen Bewegung ist derselbe, der anderswo die Socialdemokratte groß gezogen hat. Dazu kommt noch der Gebrauch der polnischen Sprache. Ich möchte die Legenden zerstören, die noch vielfach im deutschen Volke über Oberschleften verbreitet sind. Die Gesundheit, Bildung und der Lcbensstand seiner Arbeiter steht ganz außerordentlich hoch.(Beifall bei den Nationalliberalen. Lachen bei den Polen.) Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.): Ich weiß nicht, welch besonderer Anlaß zn den Ausführungen des Grafen Limburg-Stirum über die Stellung des Finanzministers in Preußen vorgelegen hat. Wollte er ihm den Rücken stärken, ist etwas hinter den Coulissen vorgegangen?(Lachen rechts.) Auch wir erkennen die große Arbeit des Finanzministeriums an. Wollte mau ihn aber zu erhöhtem Fiskalismus antreiben, so müssen wir das wie schon zur Zeit Miguels in Rücksicht auf die Kulturinteressen abweisen, die uns stets in erster Linie stehen. Der Landtag hat guten Grund, zu Kulturausgaben zu drängen. Denn die Einnahmen sind mal da, und verbuttert werden sie doch.(Heiter- keit.) Statt uns zur Sparsamkeit zu mahnen, sollte man eine Ouottsierimg der Einkommensteuer herbeiführen, damit wir die Einnahmen mit den Ausgaben ausgleichen können. Entgegen dem konservativen Redner betone ich, daß für uns preußische Angelegen- heiten noch deutsche Angelegenheiten sind, und da ist es nicht gut, wenn preußischer Partikiilärismus sich bildet. Fürst Bismarck hat den preußischen Partikularisntus den schlimmsten genannt. Ich halte es auch ftir falsch, wenn hier Unfreundlichkeiten gegen den Reichstag ausgesprochen werden.(Sehr richttg I links.) Mir scheint es auch sehr zweifelhaft, ob zu der jüngsten Interpellation die Regierung nicht hätte antworten müssen, da die Frage auch zum Gewerberecht gehört. Graf Kanitz hat sich ja auch aii der Debatte beteiligt. Bei der Russendebatte hat sich ja schon gezeigt, daß nur die Socialdemokratte den Richen davon hat. wenn die Regierung nicht sofort antwortet. Nicht durch die.Konnivenz" der Regierung, sondern durch die Fehler der Gesetzgebung und Verwaltung wird den Socialdemokraten das Wasser zugettieben, daß ihre Mühlen so lustig plätschern.(Sehr richtig I links). Ueber_ das Verhältnis zum Reich hat daim der konservative Redner gleichsam Wrangels schönes Wort gesetzt: Ich dementtere mir.(Heiterkeit.) Zu seinen handelspolitischen Ausführungen, die er doch sicherlich nur im Reichstage hätte vorbringen dürfen, will ich nur kurz bemerken, daß ich eS für den schlimmsten politischen Fehler halten würde, die Handelsverttäge zu kündigen ohne die Sicherheit, daß neue an ihre Stelle treten.(Sehr richtig! links.) Deutschlands ganze ökonomische Entwicklung drängt auf volle Berücksichtigung der Industrie und des Gewerbes hin, wenngleich auch wir alle berechtigten Forderungen derLandwirtschast er- füllen wollen. Jedenfalls darf sich Deutschland nicht blindlings in handelspolitische Abenteuer stürzen.(Lebhaftes Bravo! links.) Abg. Dr. Friedberg(natl.): Herrn b. Limburg-Sttrums finanzpolitische Bedenken sind wohl hauptsächlich durch gewisse parlamentansche Erscheinungen erregt worden. Bei der starken Stellung des Finanzministers in Preußen sehe ich allerdings keinen Anlaß dazu. Ich hätte es eher verstanden, wenn er seine Rede im Reichstag gehalten hätte, wo wir die straffe Hand eines wirklichen Leiters der Finanzen ja stets vermissen. Aber an diesen Besorgnissen ist der Landtag selbst Schuld, wenn er ständig auf Steigerung der Ausgaben hindrängt. Es ist gar nicht so nötig, daß lvir alles verbuttern.(Heiterkeit.) Von Thesaurieruug ist noch lange nicht die Rede. Aber darin gebe ich Herrn Dr. Wiemer recht, daß die Räte des Finanz- Ministers sich nicht mehr darauf beschränken, die Zulässigkeit und Dringlichkeit von Ausgaben zu prüfen, sondern sich vollkommen als Korreferenten der Ressortdecernenten fühlen. In der Kompetenzftage wollen auch wir nur rein preußische Angelegen- heiten im Landtag behandeln. Aber der Kreis von Aufgaben, die nur die Landesverwaltung angehen, ist nur eng. Andrerseits müssen wir in der Behandlung von Reichsfragen große Vorsicht und großen Takt üben, sonst bilden wir uns zu einem Tribunal über den Reichstag aus.— Zur Frage der Handelsverttäge bestreite ich, daß sie nicht auch ein Lebensinteresse der Landwirtschaft sind. Auch diese wird ge- schädigt, wenn die Industrie zurückgeht. Die passive Handelsbilanz beweist da wirklich gar nichts, denn wir führen Rohstoffe und Genuß- mittel ein. Ich stimme Herrn von Limburg-Stirum zu, daß die Frage der Stilllegung von Gruben eine rein preußische ist. jsAber er möge sich zunächst..darüber mit seinem Parteigenossen Graf Kanitz auseinandersetzen. Jedenfalls ist es sich die Regierung schuldig, sich diese Frage zu überlegen und wir wollen ihr da nicht ins Handwerk pfuschen.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.): Ich stimme dem Vorredner in vielen Punkten zu und kann mich deshalb kurz fassen. In der Beurteilung der Stellung des Reichs- schatzsekretärs und unsrer Stellung zu den Ausgaben Preußens stimme ich ihm entgegen und dem Abgeordneten Dr. Wiemer zu. Mit diesem wünsche ich eine Kontingentierung der Einkommensteuer. Die Alis- bildung der Räte des Fiiianzmiiiisteriums zu Korreferenten ist eine der genialsten Einrichtungen Miguels. In der Zu- ständigkeitsftage darf die Regierung auch nicht den Anschein erwecken, als ob sie den Reichstag in rein preußischen Angelegen- heiten für kompetent halte. Ich erinnere an Bismarcks Wort von der Gefahr des unitarischen Konvents. Reichsftagen dagegen müssen wir behandeln, weil wir die Stellung der preußischen Bundesratsvertreter zu kontrollieren haben. Gewiß sollen wir das nur mit Vorsicht und in Slusnahinefällen thun, aber uuter Umständen ist es unser Recht, unsre Pflicht.(Bravo I rechts.) Iii der Frage der Handelsverträge sind wir ja insoweit alle einig, daß wir die Interessen von Landwirtschast und Industrie gleichmäßig wahren wollen und anerkennen, daß diese langfristige Handels- Verträge braucht. Die Versicherung der Freisiiiuigen Volkspartei, sie wolle die berechtigten Interessen der Landwirtschaft wahrnehmen, können wir nicht für vollgültige Münze ansehen.(Unruhe links.) Diese Partei läßt ihre Politik nur von den Interessen andrer Erwerbskreise, des mobilen Kapitals bestimmen, hat an der Land- Wirtschaft nur ein i verschwindendes Interesse von jeher genommen. Die Landwirtschaft ist ftir sie nur Aschenbrödel, nicht Gegenstand der Sorge.(Große Unruhe und Widerspruch links.) Wir sind ja davon überzeugt, daß die Erklärungen des Reichskanzlers, daß er die Landl Wirtschaft schützen wolle, ernst gemeint sind. Wir glauben, daß er die Handelsverträge kündigen wird, wenn die Verhandlungen zu keinem Ziel führen. Aber die fteihändlerische Presse und die freihändlerischen Politikcrswußten nie etwas anderes zu thun als flau zu machen und jetzt verbreiten sie systematisch die Meinung im Auslände, wir würden die bestehenden Verttäge nicht kündigen. Da wärt es gut, wenn der Reichskanzler ein Beispiel statuierte, z. B. an Argentinien. Der Reichskanzler hat gewiß seine handelspolittschen Versprechungen in hohem Maße gehalten, aber das Vertrauen im Lande würde gestärkt werden, wenn endlich den Worten Thaten folgten.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Korfanty(Pole): (Während der Redner langsam auf der Tribüne sein Material ordnet, ruft ein Abgeordneter der Rechten: Schluß!— Große Heiterkeit rechts und auf der Regierungsbank.— Der Redner be- ginnt erst nach neuer längerer Pause): Der Handelsminister hat mir Verleumdung vorgeworfen, als ich allgemein von der Korniption der königlichen Gnibenbeamten in Oberschlesien sprach. (Sehr richtig! rechts.) Heute bin ich bereit, ihm die Namen der be- treffenden Beamten zu nennen. Für die Verhältnisse in Oberschlesien ist der Ausfall der Landtagswahl im Vergleich zu den Reichstags- wählen charaktenstisch. Bei der Landtagswahl wurden überhaupt nur nationalliberale Wahlstimmen abgegeben; ist das nicht Mißbrauch ökonomischer Uebcrlegenheit, wenn Sie so gewählt werden, Herr Voltz. Rur im Reichstage sind deshalb wirtliche Bolksvertretrr, die noch nicht chauvinistisch durchseucht sind.(Unruhe rechts.) Was Herr Voltz von Hetze sprach, das waren ja nur Redens« arten. Die Großindustriellen und die mit ihnen verbündete Polizei verbieten uns ja alle Versammlungen, lösen uns alle politischen Vereine auf.— Redner geht dann auf Einzelfälle ein, u. a. auf die Mißhandlung polnischer Kinder durch deutsche Lehrer. Er zeigt einen etwa fingerdicken Stock vor, mit dem die polnischen Kinder in den Schulen geschlagen sein sollen. Damit wollen Sie in den polnischen Schulkindern Liebe zum Deutschtum wecken.(Lachen rechts.) Schiimer Sie sich doch, darüber zu lachen. Vicepräsident Dr. Porsch ruft den Abg. Korfanty zur Ordnung. Abg. Korfanty(forffahrend): Aber wenn Sie solche Vertteter des Deutschtums haben, wenn Sie mit solchem Handwerk arbeiten, dann brauchen wir gar keine Versammlungen, dann tteiben Sie die Agitation für uns.(Bravo I bei den Polen.) Minister des Innern Frhr. v. Hammerstci«: Ich weiß nicht, ob ich Herrn Korfanty als Abgeordneten ernst nehmen soll. Seine Rede paßte besser vor dem Forum einer Volksversammlung.(Lachen bei den Polen.) Seinen Verdächtigungen gegenüber war die Grobheit des Handelsministers durchaus an- gebracht. Ich bestreite auch, daß die Polizei mit den Industriellen in Oberschlesien im Bunde steht, sie ist gegen jedermann gerecht. Als der Abg. Korfanty von Vertretern des deutschen Volkes sprach, die noch nicht chauvinistisch durchseucht seien, hat er, meine Herren, den Landtag beleidigt! Als Bild des nicht chauvinistischen Volkes denkt sich Herr Korfanty Polen und Socialdemottaten. Wir haben daneben andre Vorstellungen als er, der nur hetzen will.(Lebhafter Beifall rechts.) Vicepräsident Dr. Porsch: Ich habe die vom Herrn Minister inkriminierte Aeußerung deS Abg. Korfanty nicht gehört; ich werde mir aber das Stenogramm kommen lassen und danach das weitere veranlassen. Damit schließt die allgemeine Besprechung. Es folaeii persönliche Bemerkungen. Abg. Korfanty: Der Minister des Jiinern hat nieine Rede verhetzend genannt.(Sehr richtig! rechts.) Demgegenüber bemerke ich, daß die Rede des Ministers viel verhetzender als die meine war. Präsident v. Kröcher: Das war nicht persönlich. Das Haus wendet sich hierauf der Spccialberatung zu. Beim Etat der Landwirtschaftlichen Verwaltung erklärt Minister v. Pödbielski auf eine Auflage des Abg. v. K l i tz i n g(kons.), daß die Vorarbeiten für eine Reorganisation der Generalkommission im Gange seien. Bei der Schwierigkeit der Materie würde aber noch eine bestimmte Zeit vergehen, ehe er mit bestimmten Vorschlägen an das Haus gehen könne. Beim Etat des Finanzministeriums bittet Abg. Hammer(k.) den Minister um Auskimst darüber, was die Regierung mit dem Terrain des alten Botonischrn Gartens in Berlin zu machen gedenke. Minister Frhr. v. Rheinbaben: Die Regierung beabsichtigt, einen Teil des Botanischen Garten? als Bauland zu verkaufen, einen zweiten Teil ftir Staatsgebäude zu reservieren, den übrigen Teil will sie als Park erhalten, wenn die dabei interessierten Gemeinden angrinesscne Beitrage leisten. Der Stadt Berlin ist schon vor längerer Zeit ein Angebot gemacht worden. Die Stadt Berlin hat aber nicht einmal darauf geantwortet. Ohne daß sich Berlin aber angemessen an den Kosten beteiligt, können wir de» Park nicht schaffen. Abg. Rosenow(frs. Vp.): Der Preis, der der Stadt Berlin für den Botanischen Garten gemacht worden ist, ist von ihr als kein angemessener bettachtet worden, sondern als ein übertrieben hoher. Aber wenn sich darüber auch streiten ließe, die Regierung hat die weitere Zumutung gestellt, daß Berlin allein Verpflichtungen, die auf dem Terrain gegen die Schöneberger Bauern noch liegen, für alle Zukunft übernehmen solle. Diese Zumutung ist so»ngcheuerlich, daß sich ihre Trag- weite vorläufig gar nicht ermessen läßt, daß die Stadt Berlin recht hatte, überhaupt keine Antwort auf das Angebot zu geben. Die Stadt Berlin ist bereit, eineu angemessenen Preis zu zahlen und weit davon entfernt, sich ihre Parkanlagen schenken zu lassen. Sie beweist das dadurch, daß sie gegenwärtig mit großen Kosten im Norden Berlins den sogenannten Nordparl anlegt. Sie hat aber gar keine Veranlassung, dem Staat überttieben hohe Preise zu be« bewilligen, da sie ihre Freigebigkeit gegenüber dem Staat schon sehr oft belviesen hat. Ich erinnere nur daran, daß, wie jetzt nnwider- leglich feststeht, sowohl der große wir der kleine Tiergarten städtischer Besitz waren und von der Stadt der Krone überwiesen worden sind. (Bravo! links.) Minister Freiherr v. Rheinbaben: Der Stadt Berlin ist das Angebot gemacht ivorden, sie solle für ein Stück von 29 Morgen, das also viermal so groß ist, wie der Dönhoffplatz, 2 Millionen Mark zahlen. Das ist ein sehr billiges Angebot, das zum mindesten eine Antwort wert gewesen wäre.(Sehr richtig I rechts.) Wenn die Stadt Berlin im Norden einen großen Park anlegt, so könnte sie ja auch in einer andern Stadtgegend für einen Park Mittel bewilligen. Das vom Vorredner ge- wählte Beispiel des Tiergartens war sehr unglücklich ge- wählt. Die Frage, ob der Tiergarten früher einmal städtischer Besitz war, ist sehr stteitig. Er war Jagdgebiet der Kurfürsten von Brandenburg. Aber thatsächlich unterhält der Staat der Stadt Berlin den schönsten städtischen Park der Welt mit großen Kosten. Und die Stadt Berlin hat bisher nur jährlich 39 999 Mark, jetzt etwas mehr, gezahlt.(Lebhaftes Sehr richtig! rechts.) Noch einmal: Die Regierung will einen Teil des Botanischen Gartens als Park erhalten, aber nur, wenn ihr die nötigen Beihilfen ge- leistet werden, sonst nicht.(Lebhafter Beifall rechts.) Der Etat des Fina»zministeri,ims wird hierauf bewilligt. Die weitere Etatsberatung wird aus Montag, 11 Uhr, vertagt. Schluß 4'/« Uhr._ Soziales« Aerzte und Krankenkassen. Die Leipziger Verbandsärzte haben in einer Versammlung ölgende Nesolutioii angenommen: »Die heute abend im Hotel Palmbaum zu Leipzig fast voll« zählig versammelten Aerzte von Leipzig und Umgegend erklären einstimmig ihre fteudige Zustimmung zu dem unlängst im Deutschen Reichstage eingebrachten Antrage von Dr. Becker- "-essen ans reichsgesetzliche Regelimg des Verhältnisses zwischen rankenkaffen und' Aerzten, erforderlichenfalls auch außerhalb des Rahmens einer Gesamtreform des Krankenversicherimgs- Gesetzes. Sie sprechen dabei die lleberzeugung aus, daß eine olche Regelung unter Zugrundelegung der wiederholt aufgestellten ärztlichen Forderungen der freien Arztwahl, einer standesgemäßen Honoricrung und' der Einführung von gemischten Einigungs- kommissionen am ehesten geeignet ist, nicht nur das vielfach gestorte Einvernehmen zwischen Krankenkassen und Aerzten wiederherzustellen und dadurch weiteren unberechenbaren Schaden für alle Beteiligten abzuwenden, sondern auch eine gedeihliche Weiterentwicklung der gesamten socialpolitischen Gesetzgebung zum Segen des ganzen deutschen Volkes und Vaterlandes aus die Dauer ÜU perbürgen." Es wäre doch sehr nützlich, wenn die Herren einmal sagten, ans welchem Wege sie bei der freien Arztwahl die Garantie für ein standesgemäßes Einkommen schaffen wollen. Bei noch so hohen Sätzen für die Einzellcistnng wird es bei der freien Arztwahl in den großen Städten Aerzte geben, die von ihrer Praxis nicht standesgemäß leben können._ Bei der GewcrbcgcrichtSwahl in Schwabach lBahern) siegte die Liste der freien Gewerkschaften mit 258 Stimmen über die der- einigten christlichen und Hirsch-Dunckerschen, die nur 74 Stimmen erhielte»._ Berliner partei-Hn�elegenbeiten. Dritter Wahlkreis. Dienstagabend 8>/z Uhr im Gewerkschafts- hause, Engel- Ufer: Generalversammlung des W a h l v e r e i n s. Tagesordnung: Bericht und Abrechnung vom letzten Quartal. Vor- trag des Reichstags-Abgcordneten Genosse» Wolfgang Heine. Diskussion. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Damen haben auf den Galerien Zutritt. Zahlreichen Besuch der Mitglieder wünscht der Vorstand. Mitglieder werden in der Ver- sammlung, jeden zweite» Mittwoch im Monat auf den Zahlabendcn sowie in den folgenden Zahlstellen aufgenommen: Gottfried Schulz, Admiralstr. 40a. Wilhelm Börner, Ritterstr. i5. Martin Mescha, Adalbertstr. 24 fEingang Engel-Ufer). Emil Götte, Brandenburg- straße 13. Adolf Flick, Simeonstr. 23. Ernst Lier, Alte Jakob- straße 119. Franz Krüger, Naunynstr. 54. Im sechsten Reichstag- Wahlkreise findet am Dienstagabend 8 Uhr eine Volks- Versammlung statt, in der Reichstags- Abgeordneter B a u d e r t einen Vortrag hält:„Hundert Jahre deutscher Dichtung". Die Versammlung tagt in WeimaimS Volks- garten, Badstr. 5«. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vertrauensmann. Spandau. Morgen abend 8'/z Uhr spricht Hierselbst im Kumke scheu Saale. Schönwalderstr. 80. die Genossin Emma Ihrer über das Thema:„Der Feind, den wir am tief st en hassen!" Arbeiter und Arbeiterfrauen I Sorgt für einen glänzenden Besuch dieser Versammlung I Der Schinargendorfer Wahlvcrcin hält am Dienstagabend 8>/z Uhr ,m Restaurant Sanssouci, Ruhlaerstr. 21/22 seine General- Ver- s a m m l u n g ab. Der äußerst wichtigen und interessanten Tages- ordnung wegen wird der Besuch sämtlicher Mitglieder erwartet. Nieder- Schönhause». Achtung l Parteigenossen! Im Hinblick aus die am Mittlvoch stattfindende Ersatzwahl zur Gemeinde- Vertretung findet am Dienstagabend in Wenzels Lindengarten, Lindenstr. 43, eine Volksversammlung statt. Parteigenossen, thut Eure Schuldigkeit: Agitiert für ein volles Haus I Fricdrichsfclde. Allen Genossen zur Nachricht, daß am Freitag, den 29. April die Ersatzwahl in der dritten Abteilung statt- findet. Dienstag, den 29. d. M. ist bei Bube eine Volks- versammln» g. Hierzu findet am Montag, den 25. d. M., abends 7—3 eine Fl ugblaitvcrb reitung statt. Treffpunkt bei Losse, Luisenstr. 20. lokales. Eine Kulturthat des Magistrats. Daß die Kulturaufgaben nicht leiden, wurde bei der Beratung des diesjährigenjEtats feierlich vom Stadtkämmerer M a a ß und dem Stadtverordneten Cassel versichert. Sehr, sehr schnell ist zu Tage getreten, daß diese zum Ruhme der Reichshauptstadt kundgegebene Neuigkeit nicht im geringsten anders zu bewerten ist als die ähn- lichen Versicherungen unsres Reichsfeuilletonisten, die regelmäßig vom Stapel gelassen werden, wenn die böse Socialdemokratie im Reichs- tage den Talmischimmer unsrer offiziellen Herrlichkeit nicht als bare Münze hinnehmen will. Gestern hat der Magistrat in einer außerordentlichen Sitzung über die Einführung obligatorischer Fortbildungsschulen beraten. AnderSwo ist man sich fast überall klar darüber, daß nur eine all- gemeine Pflicht, diese Schule zu besuchen, Nutzen stiften kann: in der Neichshallptstadt dagegen suchten Größen ersten Ranges sachgründig zu betveisen, daß der Ausbeutungszlvang, den habgierige Lehrlings- züchter üben, zwar nuantastbar ist, daß hingegen der Schulzwang den Genius der Freiheit mitten ins Herz trifft. Bei alledem war nach jahrelangem Hängen und Würge» das Obligatorium so ziem- lich unter Dach und Fach gebracht worden. Der Kommunal- Frei- sinn in der Stadtverordneten-Versammlung hatte knurrend beigegeben und der Magistrat— nun der werde sich an socialpolitischer Ein- ficht doch nicht von der Stadtverordneten- Versammlung beschämen lassen! So glaubten treuherzige Gemüter, aber es k a m a n d e r s. In seiner gestrigen Sitzung hat der Magistrat das Obligatorium da- durch aufgehoben, daß er beschloß, alle Knabe», die ein Jahr lang die erste Klasse der Gemeindrschulc besucht haben, der Verpflichtung zum Besuch der Fortbildungsschule zu entheben. Wenn diesem unglaublichen Beschluß überhaupt ein Sinn ein- geiinpft werden soll, dann ist einzig anzunehmen, daß aus Spar- sainkeitsgründen zu einer Maßnahme gegriffen würde, durch deren Einführung bewirkt wird, daß sich die Fortbildungsschule zu einer Nachhilfeschule für schwach befähigte Kinder degradiert. Es ist klar, daß die Mehrheit im Magistrat, die diesen Beschluß durchzudrücken wußte, die Aufgabelnder Fortbildungsschule völlig ver- kennt, vielleicht absichtlich verkennt. Kann Berlin die hunderttausend Mark, die durch eine solchNVerstümmelung erspart werden, wirklich nicht mehr aufbringen? Muß einer Einrichtung, von deren Notwendigkeit alle Fachmänner längst überzeugt sind, in Berlin gleich bei der Ge- burt ein unheilbarer Schade zugefügt werden? Oder geht der Magistrat von der im Junkerstaat allerdings zeitgemäße» An- schauung aus, daß es vom Uebel ist und das Laster der Begehrlichkeit und Unzufriedenheit weckt, wenn 14jährige Knaben mehr lernen als die Genieindeschule ihnen bietet? Dürfen sie im Interesse der gottgewollten Ordnung etwa nicht mehr in ihren Kopf aufnehmen als das Pensum der ersten Klasse? Das so kurios abgeänderte Statut geht nun an die Stadt- verordneten-Versammlung zurück, mit der Wirkung, daß der Social- demokratie abermals zu einem kamn geahnten Triumph verholfcn wird._ Allerhand zum Maifest. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts ist jetzt die Mai- z e i t u n g erschienen. Bei der Herausgabe von Maisestblättern mögen unsre Parteiverleger nicht immer nach Grundsätzen verfahren sein, die vom künstlerischen Standpunkte aus zu billigen waren; aber was auch bei früheren Gelegenheiten gefehlt wurde, es ist diesmal doppelt und dreifach gut gemacht worden. Das ist ein Maiblatt, einer Be wegung würdig, die nicht allein den Hungernden und Enttechteten eine bessere Zukunft weist, sondern auch die Kunst aus den Fesseln eines lächerlichen Despotismus erlösen will. Es ist schwer zu sagen, welches von den großen Bildern des MaiblatteS 1904 das schönste ist. Das Titelbild zeigt den neuen Tag: Apoll, der Sonnen- gott, fährt in Majestät mit seinem Viergespann empor, begrüßt vom Manne der Arbeit, der unter dem Schutze des Gottes den Erlösungskamps wagen will. Sinnvoll ist auch die Leiste auf der Schlußseite: ein Knabe, der eine Rose als Symbol der Freude pflückt, nach der das heutige Geschlecht sich in heißem Verlangen verzehrt. Käte K o l w i tz verdanken wir �.diese Allegorie. Ilnd nun das Hauptbild von Walter C r a n e. Der hervor- ragendste, selbständigste unter den englischen Malern hat das Proletariat schon oft mit seinen Schöpfungen erfreut, und sein zur Maifeier 1891 erschienenes Bild„Der Triumph der Arbeit" ist den Arbeitern aller Kulturländer bekannt. Das neue Werk„Der Triumph der Socialdemokratie" hat Walter Crane den deutschen Arbeitern gewidmet. Von zwei Männern der Bluse getragen, erscheint die Socialdemokratie auf dem Erdenrund, in der Rechten den Adler, das Symbol der Macht, in der Linken das Banner haltend, das ihren Triumph ankündet. Während die Stützen des Unrechts und der Unterdrückung besiegt in der Finsternis verschwinden, eilt das befreite Volk der Hochgestalt in Jubel entgegen. Diesen Bildern schließt sich der Text würdig an. Georg Gradnauer bringt einen Hymnus. Mailicht". Kurt E i S n e r feiert den Weltpatriotismns, Clara Zetkin erläutert in einem Artikel„Vollem Menschentum entgegen" die Bedeutung des Acht- stuudentages und Ernst K r e o w s k i definiert sinnig den Begriff der Begehrlichkeit, die uns von der Bourgeoisie zum Vorwurfe gemacht wird und zu der wir als der edelsten der Tugenden die Entbehrenden zu erziehen haben. Ein schwungvolles Gedicht„Der Freiheit Maienritt" bringt Ludivig Lessen. Der billige Preis von 10 Pf. ist auch diesmal für die Maizeitung beibehalten, die durch alle Parteibuchhandlungen und Spediteure zu beziehen ist. Eine sehr schöne M a i f e st s ch r i f t hat auch die Wiener Volksbuchhandlung geschaffen. Im Gegensatz zu der Berliner Maizeitung ist die von unser» Wiener Parteigenossen herausgegebene koloriert hergestellt. Das Titelbild„Mann der Arbeit aufgewacht" ist von Leopold Braun, dem Bruder unserer Parteigenossen Heinrich und Adolf Braun. Mit schlichter, ergreifend wirkender Verständlich- keit veranschaulicht es den ihm zu Grunde liegenden Gedanken. Ferner bringt das Wiener Festblatt die„Morgenröte" von Guido Rem, die„Schädelpyramide"(Apotheose des Krieges), des kürzlich im russich- japanischen Kriege getöteten Malers Wereschtschagin, und dann als Vollbild das Gemälde Schad-Rossas„Das freie Menschentum". Im Text finden wir Beiträge von P a r v u s(der russisch-japanische Krieg), von Etbin K i n t a u, Dr. Max Adler, Eduard R i e g e r, O. W. P a y e r, Kurt E i s n e r und Stefan Großmann. Auch der„ W a h r e I a c o b" hat sich zum Maifest geschmückt. Das Titelbild stellt eine drollige Tier-Allegorie dar und ein kraft- voller Weckruf von Hans Heinrich rüttelt die Trägen, die Un- schlüssigen auf: Lasset Ivehn die rote Fahne, Schließet mutig eure Reihen I Reißt die Trägen ans dem Wahne, Daß sie sich vom Joch befreien. Auf! Wir wollen uns erretten, Werfet ab die Sklavenkctten I Den Wert des Achtstundentages beleuchtet vom hygienischen Standpunkt aus Dr. I. Z a d e l in seiner für 20 Pf. käuflichen Broschüre:„Der Achtstundentag, eine gesundheitliche Forderung." Die unsrer Leserschaft hiermit empfohlene Schrift weist in ihrem Schlußsatz darauf hin, daß vor hundert Jahren schon der hervorragende deutsche Arzt Dr. Hufeland die Forderung aufstellte: Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Muße, acht Swnden Schlaf. Bei dieser Uebereinstimmung von Wissenschaft und Arbeit, so schließt Dr. Zadel hoffnungsfreudig, kann der schließliche Erfolg nicht ausbleiben. Zunr Schluß wollen wir noch mitteilen, daß im Verlag der Buchhandlung Vorwärts eine hübsche Ansichtskarte her- gestellt ist, die in wohlgelungener Ausführung das altbekannte Bild „Der erste Mai" bringt. Wir hoffen, daß diese Karte deutsche Arbeitergrüße in alle Weltteile übermitteln wird. Das neueste Hohenzollern-Denkmal. Das„Berk. Tagebl." meldet: Ein Kaiser-Gedenkstein wird in der Schorfheide bei Zehdenick an derjenigen Stelle zur Aufstellung gelangen, wo der Kaiser seinen tausendsten Hirsch erlegt hat. Der Stein, ein Findlingsblock im Gewicht von 50 Centnern, ttägt folgende Inschrift:„Unser durch- lauchtigster Markgraff und Herre, Kaiser Wilhelm IL, faellete allhier am 20. IX. n. ä. 1898 Allerhöcbst Seinen 1000 edel Hirschen von 20 Enden." Die Wichttgkeit des Anlasses, aus welchem der Denkstein gesetzt wurde, wird unter den heuttgen Zeitläuften gewiß gewürdigt werden. Nicht ganz klar ist aber, warum die Inschrift des Denk- steins in einem archaistischen Mauscheldialekt gehalten ist. Für die Erhaltung des alten Botanischen Gartens als Park sollen die Aussichten zur Zeit günstig sein. Der Ausschutz wählte gestern an Stelle des verstorbenen Stadtvcrordneten-Vorstehers Müller(Schöneberg) den Stadtverordneten Kollokowsky(Berlin) zum ersten Vorsitzenden und den Stadtverordneten Dr. Richter (Schöneberg) zum zweiten Vorsitzenden. Herr Kollokowsky erstattete dann, nachdem er seinem Vorgänger einen Nachruf gewidmet, einen Bericht über die Lage. Danach soll die Stimmung der Regierung jetzt der Erhaltung des Gartens viel sympathischer als früher sein. Durch die schon erwähnte, neuerdings wieder aufgenommene Absicht der Regierung, dort Staatsgebäude zu errichten, wird— so hofft man— wenigstens ein Teil des Gartens gerettet werden. Wer's glaubt, wird selig! Pückler im Gefängnis. Graf Pückler hatte, bevor er die Räume des Berliner Polizeigefängniffes verlieh, an das Landgericht in Glogau tclegraphisch den dringlichen Antrag gestellt, den Haftbefehl sofort aufzuheben und noch am Sonnabendvormittag oder nachmittag einen neuen Termin in seiner Bcleidigungssache anzuberaumen, weil er am Sonnabendabend in Berlin unbedingt einen Vortrag über„Die Totengräber von Berlin" halten müsse. Das Gericht hat aber den Anttag abgelehnt. Pückler wird am Montag abgeurteilt werden. Ueber Künstler- Selbstmorde berichtet das„Verl. Tgbl.": Wir haben bereits gemeldet, dah der Berliner Maler Eugen Schwarz aus der Kurfürstenstratze aus gettänktem Ehrgefühl seinem Leben ein Ende gemacht hatte. Seine zur Kunstausstellung gesandten Bilder waren von der gesttengen Jury refusiert worden. Heute wird uns eine neue Künstler-Tragödie gemeldet. Auch der bekannte Berliner Maler Richter-Lefensdorf hat sich gestern erschossen, aus gleichem Grunde wie Schwarz. Richter-Lesensdorf war auch in weiteren Kreisen als Landschaftsmaler bekannt und seine Werke waren in den bisherigen Ausstellungen am Lehrter Bahnhof oft zu sehen. Beide Künstler standen im Alter von 45 Jahren. Die Mitglieder des Berliner Künstlervcreins ehrten gestern durch Erheben von den Sitzen das Andenken der beiden so tragisch aus der Welt geschiedenen Maler. Gattenmordversuch und Selbstmord. In der Nacht zu gestern versuchte in dem Hause Ruppinersttatze 3 auf dem Flur der 30 Jahre alte Arbeiter Arnold Heise aus Reinickendorf seine 23 Jahre alte Ehefrau Martha durch drei Revolverschüsje zu ermorden und tötete sich dann selbst. Tie Frau wurde schwer verwundet. Heise stammt aus Oranienburg, wo er auch seine Frau kennen lernte. Die linder- lose Ehe war unglücklich. Der bereits wegen Diebstahls besttafte Mann arbeitete wenig und lieh sich von seiner Frau ernähren. Wiederholt lebten die Eheleute getrennt. Bor 14 Tagen mietete die Frau in der Provinzstraße 122 eine Wohnung. Sie sagte, datz sie aus Oranienburg komni«, wo sie eine kranke Schwägerin gepflegt habe. Heise gab an, daß er bis dahin bei seiner Mutter in der Hochstädterstrahe gewohnt habe. Am Dienstag lief Frau Heise ihrem Manne wieder davon und ging zu ihrem Stiefvater, dem Arbeiter Baranowski in der Ruppiner- straße. Fveitagmorgen bat Heise seinen Hauswirt, dem er für 14 Tage Miete gezahlt hatte, ihn ziehen zu lassen, da ihm seine Frau ausgerückt fei uns er feine Einrichtung zu einem Spediteur bringen wolle, um eine Schlafstelle zu beziehen. Ter Wirt WaSi damit einverstanden und schenkte ihm die rückständige Miete. Heise verkaufte aber seine Sachen, ging abends zu Baranowski. zeigte diesem, seiner Familie und seiner Frau das Geld und spiegelte ihnen vor. er habe Arbeit und gleich einen Vorschutz bekommen. Daraufhin bat er seine Frau, wieder zu ihm zu konunen. Zwei Stiefbrüder der Frau schlugen vor, die Versöhnung mit einem Glas Bier zu feiern, und besuchten mit dem Ehepaar mehrere Wirtschaften. Um IV, Uhr trat die Gesellschaft ihren Heimweg an. Heise und Frau gingen Arm in Arm. In der Nähe des Hauses Ruppinerstratze 8 veran- latzte er seine Schwäger, vorauszugehen. Sie gingen gleich in ihre Wohnung hinauf und ließen die Hausthür offen. Als Heise mit seiner Frau ungefähr die Mitte des Hausflurs erreicht hatte, feuerte er aus einem sechsschüssigen Revolver drei Schüsse auf die Frau a b. Die erste Kugel drang in das linke Schulterblatt ein, die zweite durchschlug vom Rücken aus die linke Körperseite dicht nebcr dem Herzen, die dritte stteifte das Gelenk der linken Hand. Als die Frau mit einem Aufschrei auf dem Flur zusammenbrach, schoß er sich zweimal in die rechte Schläfe und fiel tot neben der Verwundeten hin. Aus allen Wohnungen kamen Leute mit Lampen herangelaufen, während andre die Polizei holten. Ein Wachtmeister kam mit vier Schutzmännern und sperrte dm Hausflur ab. Ein Arzt von der Rettungswache verband die schwer verwundete bewußtlose Frau und ließ sie nach der königlichen Klinik in der Ziegelsttatze bringen. Ueber eine Stndentenansschreitung wird berichtet: Die russischen Studenten Turoweroff und Dittmann wurden aus einem in der Hannoverschenstratze belegenen Schanklokal gewiesen, weil sie sich unanständig betragen hatten. T. versuchte aus Aerger darüber das Schaufenster einzuschlagen, woran er von dem Schutzmann Schön- Wolf verhindert wurde. Der Schutzmann versuchte ihn zu beruhigen, was aber nicht gelang. Turoweroff versetzte dem Beamten Faustschläge, und wurde hierbei von Dittmann und einem unbekannt ge- bliebenen Strolch unterstützt. Der Beamte sah sich schließlich ge- zwungen, den Säbel zu ziehen. Er verwundete die beiden Studenten unerheblich. Auf der Wache wurden ihre Personalien festgestellt, und da sie fluchtverdächtig waren, wurden sie ins Polizeipräsidium eingeliefert. Warum waren denn die russischen Studenten gerade flucht- verdächtig? Wird denn auch bei einer teutonischen Studentenrüpelei gleich Fluchtverdacht bei den Beteiligten vorausgesetzt? Der Mordprozeß gegen den früheren Barbier Hugo Walter beginnt am Dienstag vor dem hiesigen Schwurgericht. Walter wird beschuldigt, seine von ihm getrennt lebende Frau in der Döberitzer Heide getötet und die Leiche dann an einem Haselnußstranch auf- gehängt zu haben. Die Frau wurde als Selbstmörderin beerdigt. dann aber wieder ausgegraben, es hat sich aber zur Frage der etwaigen Anwendung von Gift nichts ergeben. Auf Grund der gegen ihn vorliegenden Verdachtsmomente ist Walter in Holland verhaftet worden. Er hat im November einen verunglückten Ausbruchsversuch aus dem Polizeigefängnis gemacht und ist dann hierher ausgeliefert worden.— Er bestreitet entschieden, der Mörder seiner Ehefrau zu sein, hat sich aber bei seinen Aussagen vielfach in Widersprüche verwickelt. Die Anklage stützt sich nur auf Indizien. Ein Telephonschwindlrr ist in der Person eines Handlungs- gehilfen Arthur Jähnke aus der Brunnenskatze festgenommen worden. Der junge Mann kassierte in Vororten für ein hiesiges Geschäft, lieferte das Geld aber nicht ab und meldete sich krank. Als der Ge- schäftsmann den Betrag von ihm haben wollte, stellte sich heraus, daß Jähnke nicht ttank war, sondern sich herumtrieb. Nachdem er das Geld vergeudet hatte, besuchte er andre Kunden, um seine Tasche wieder zu füllen. Nun war ihm jedoch der Geschäftsinhaber zuvor- gekommen. Diese Enttäuschung veranlaßte den Ungetreuen zu einem Schwindel mit dem Fernsprecher. In Gemeinschaft mit einem andern jungen Mann, den er im Gefängnis kennen gelernt hatte, bestellte er bei seinem Geschäftsherrn für einen guten Kunden, den er in seinem Verzeichnis fand, einen Posten Waren, der gleich erb» geholt werden sollte. Dann schickte er seinen Bekannten, dem das Gewünschte ausgehändigt wurde. Der Bestellzettel, der der Sendung beigelegt war, wurde nach einige» Tagen zu einem neuen Auftrage benutzt. So ging es weiter, bis Kriminalbeamten auffiel, daß Jähnke so viel auf eigne Rechnung verkaufte. Jetzt kam der Schwindel an den Tag und der junge Mann, der mit seinem Freunde flott gelebt hatte, Ivurde in Untersuchungshaft gesetzt. Bon einem Balken erschlage» wurde der 45 Jahre alte Arbeiter August Scheibe, der seit 2'/» Jahren auf dem Kohlenplatze von Dahlmann und Uno in der Möckernsttatze 33 beschäftigt war und in der Möckernsttatze 71 wohnte. Da das Geschäft nach Moabit verlegt wird, so ist man jetzt dabei, die Holzschuppen abzubrechen. Als nun Scheibe unten Bretter wegtrug, während ein andrer Arbeiter das Dach abriß, fiel ihm am Donnerstagnachmittag ein leichter Balken auf den Kopf. Anscheinend unverletzt konnte er nach Hause gehen, aber schon am nächsten Tage starb er dort, wahrscheinlich infolge einer GeHirnverletzung. Allerhand Sttaßcubahn- Unfälle. Durch einen Wagen der städttschen Straßenbahn wurde gestern vormittag gegen II Uhr die Arbeiterfrau Berger schwer verletzt, welche einen Straßenbahnzug der Linie Mittelstraße— Pankow benutzt hatte und den Wagen an der Ecke der Prinzen-Allce und Soldinerstratze verließ. Sre gmg an der Hinterplattform des Wagens vorbei, um das zweite Geleije zu über- schreiten, beachtete aber nicht, daß auf diesem ein Motorwagen aus der Richtung von Pankow herangesaust kam. Die Frau wurde zur Seite geschleudert und erlitt innere Verletzungen sowie auch eine Kopfwunde. Man brachte sie nach der Unfall-Station in der Hoch- straße. Ein eigenartiger Unglücksfall ereignete sich nachmittags gegen e/.2 Uhr in der Gerichtstraße. Der 40jährige obdachlose Arbeiter Ernst Lemke ging, von der Müllersttaße kommend, etwa einen Meter seitlich links an dem Straßenbahngeleise den Fahrdamm mtlang. Auf dem Schienenstrang kam ihm der Motorwagen 1832 der Straßenbahn- Linie 31(Schiefischer Bahnhof— Seestraße) entgegen. Als sich ihm der Kraftwagen bis auf etwa zwei Meter Entfernung genähert hatte, fiel dem Arbeiter plötzlich die Mütze vom Kopf. Er bückte sich, um danach zu greifen und stieß daber m,t dem Kopf gegen die Ecke der Vorderplattform des inzwischen herangekommenen Motorwagens. L. wurde niedergeworfen und erlitt einen Bruch des rechten Oberschenkels und Wunden an der Sttrn. Er wurde nach dem Paul Gerhardt-Sttft gebracht. Glücklicher abgelaufen ist ein Unfall, der sich abends gegen 12 Uhr an der Ecke der Neuen Königsttaße und Linienstraße ereignete. Der Bauarbeiter Paul Henkel. Memelersttaße 63 wohnhaft, der sich in stark angetrunkenem Zustande befand, versuchte unmittelbar vor einem Straßenbahnzug der Linie 62(Weißensee— Dönhoffsplatz), den Fahrdamm zu tteuzen. H. geriet unter die Vorderplattsorm des Motorwagens und wurde derartig festgeklemmt. daß, um ihn zu befteien, der Wagen angehoben werden mußte. Trotzdem hatte er, wie aus der Unfallstatton in der Keibelstraße fest- gestellt wurde, keinerlei Verletzungen erlitten. Eine Wärmflasche, die aus dem Fenster fiel, hat gestern nach« mittag gegen 6 Uhr in der Landsberger Alle schweres Unheil an- gerichtet. Dort spielte vor dem Hause Nr. 4 der 7jährige Sohn des Kaufmanns Heidenfeld, als plötzlich aus der Höhe der vierten Etage eine Wärmeflasche aus Blech, mit welcher ein Knabe am Fenster ge- spielt hatte, hinabstürzte. Das schwere Metallstück fiel dem Knaben auf den Kopf und zwar mit solcher Gewalt, daß das Kind einen Schädelbruch erlitt. Der Kleine wurde nach dem nahe belegenen Krankenhaus Friedrichshain gebracht. Feuerbcricht. Eine ganze Reihe Alarmierungen hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden zu verzeichnen. Gegen Mitternacht wurde sie nach der Görlitzerscraste 60 gerufen, weil hier durch die Explosion einer Petroleumlampe in einer Wohnung Feuer ausge- kommen war. das Decken und Möbel ergriffen hatte. Die Gefahr konnte in kurzer Zeit beseitigt werden. Vorher gab es in der Boeckh- srratze 37 zu thun, wo sich in der Bäckerei von A. Wodetzki Mehlstaub entzündet halte. Em Rosten Holzwolle hatte zur lelbeo Seit in der Swwemilnderstrahe 121 auf dem Hofe Feuer gefangen, während in der Steinmctzstraho 12 alter Hausrat und Berpackuugsmatcrial brannte. Bald nach 9 Uhr erfolgte ein Alarm nach der König- stratze 46, wo aus dein Laden des Goldwarengeschäftes Belmonte u. Co. verdächtiger Rauch drang. Tie Wehr konnte aber trotz langen Suchens keinen Brandherd finden. Jedenfalls rührte der Rauch von einem mit Papier geheizten Ofen her. Alle übrigen Alarmierungen, die in der Zwischenzeit noch aus der Pallasstrahe 5, Körnerstrahe 11 usw. einliefen, betrafen durchweg Brände, die teils vor Ankunft der Löschzüge schon von Hausbewohnern beseitigt waren, teils die Wehr nur ganz kurze Zeit beschäftigten. Arbeiter- Bildungsschule, GcwerkschaftshauS, Engel- Ufer 15. Lehrplan für das II. Quartal 1901. Montag. 25. April, Saal 8: Nationalökonomie(Entwicklung und Bedeutung de-Z Kartellwesens) i Vortragender: Schriftsteller Max Grunwald. Dienstag, 3. Mai, Saal 1: Geschichte(Geschichte der UrVölker und des Altertums von den Perserkriegen bis zum Untergang der Röiner-Herrschaft) i Vor- tragender: Schriftsteller Dr. Rudolf Steiner. Donnerstag, 28. April, Saal 8: Gesetzeskunde(Aufgaben und Wesen des Strafrechts): Bortragender: Schriftsteller Simon Katzenstein. Freitag, 6. Mai, Saal 1: Redeübung(Uebungen in mündlicher Rede und im schrift- lichen Aufsatz); Vortragender: Dr. Rudolf Steiner. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünklich 9 Uhr und endet pünktlich um'/»II Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8—9 Uhr geöffnet.— Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.: das Untcrrichtsgeld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 M. und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kurses steht jedermann zum unentgeltlichen Besuch frei. Arbeiter und Arbeiterinnen! Tretet der Arbeiter-Bildungs- schule bei! Im Berliner Aquarium hat sich die Gruppe der Hai- und Rachen- fische nicht nur durch Zusendung verschiedener Arten und Exemplare, sondern jetzt auch durch Geburt junger Tiere erweitert. Die Ver- mehrung dieser riesigen Fische geschieht nicht durch Absetzung um- fangreicher, aus taufenden von einzelnen Eiern bestehenden Laich- massen, wie wir es von andren Flossenträgern kennen, sondem durch Ablage einzelner sehr groher und merkwürdig viereckig gestalteter Eier oder durch Geburt lebendiger Jungen. Jetzt ist nun wieder ein Roche aus seiner zähen Hülle geschlüpft und als kaum handlanges Wesen, das sich in seinem Becken fast ausschließlich auf dem Sandgrunde aufhält und schon vollständig die ver- schrobene Körperform der Alten besitzt, im oberen Grotten- gange zu sehen. In großer Mannigfaltigkeit erscheinen in den neuen Einsendungen die Seestcrne und in allen Größen, vom Durchmesser eines halben Meters bis herab zur Winzigkeit einer Kirsche. Neben den niedlichen grünblauen Asterinen ist der zur selben Familie gehörende und in Schauanstalten seltene Breitfuß zu er- wähnen, bei dem der Körper oben und unten plattgedrückt(scheiden- förmig) und nebst den fünf Armen auf weißem Grunde mit roten Stachclhäufchcn versehen ist, und sodann ein verschiedene schöne Farben zeigender Haarstern, der durch seine zehn mit Fiederchcn bc- setzten rme eher einem pflanzlichen Wesen ähnelt. Ter Berliner Zoologische Garten besitzt seit kurzem einen Singvogel, der bisher wohl kaum lebend nach Europa gekommen ist. Das schmucke Tier, eine B'laudrosselmeise, befindet sich mit einer schwarzblauen Tangare zusammen in einem Glaskäfig des neuen Vogelhauses und fällt dein Besucher durch sein flüchtiges, lebhaftes Wesen auf. Der oben bräunliche, unten hellere Vogel hat hellblaue Flügel und einen ebensolchen Schwanz. Er ist ein naher Verwandter des allgemein bekannten Samenvogels oder der söge- nannten chinesischen Nachtigall, und seinem ganzen Naturell und der Bauart nach auch sofort als solcher zu erkennen. Die Heimat dieses seltenen Vogels, der im weiteren Sinne zu der Gruppe der Timalien gehört, ist Nordindien. Auf der Treptow- Sternwarte spricht Direktor Archenhold heute nachmittag 5 llhr über.Kometen und Sternschnuppen' mit besonderer Berücksichtigung des neuen Kometen, der im Stern- bilde des.Herkules" sichtbar geworden ist. Das Thema für den Siebcnuhr-Vortrag lautet:„Die Bewohnbarkeit der Welten", und am Montag, den 25. d. M., abends 7 Uhr:.Die Rätsel des Mars". Beobachtet wird am Tage die Sonne, auf der jetzt mehrere Fleckengruppen sichtbar sind, und von 7,/2—12 Uhr nachts der Mond. /Zus clen Nacbbarorten. Schöneicrg. Heute Sonntag findet in der Aula der Hohen- zollernschule, Belzigcrstraße, der letzte volkstümliche Kunst- abend dieser Saison statt. Zum Vortrag gelangen Werke von Liliencron. Anfang 7 Uhr abends. Billcts a 3v Pf. sind in unsrer Parteispedision, Martin Lutherstr. 51, zu haben. Charlottcnbnrg. Schrankenlose Pläne nennt das Organ der freisinnigen Partei in Charlottenburg unfern Antrag auf Be- seitigung des Dreiklassen- Wahlrechts und des Privilegs der Haus- besitzer bei den Kommnnalwahlen. Einst waren dies grundlegende Forderungen der Liberalen, welche gerade deshalb, weil sie gleiches Recht für alle forderten, sich eine Volkspartei nannten, und auch zahlreiche Anhänger im Volke fanden. Heute verlangen sie eine Reform des Wahlrechts nur von dem engen Gesichtspunkt aus, demjenigen Teil der Besitzenden und Privilegierten, welcher liberal wählt, wine Vorrechte zu erhalten und zu erweitern! die Forderung gleichen Rechts gilt ihnen heute als schrankenlos. Kann der Liberalismus noch tiefer sinken? Bedauerlich ist es, daß es trotzdem noch immer Arbeiter giebt, welche sich zur Zeit von Wahlen durch schöne Redensarten und den wohlklingenden Namen Volkspartri blenden lassen und ihre Stimme diesen Volksverrätern geben. Qg hilft doch etwas. AuS Spandau wird uns berichtet: Die„Forstverkaufs-Angelegenheit" soll noch nicht zur Ruhe kommen. Unsre Parteigenossen hatten bekanntlich gegen den Verkauf des besten Teiles der Stadtforst(2000 Morgen) bei dem Rcgierungs- Präsidenten rn Potsdam Protest eingelegt und besonders ouf die pochst sonderbare Art hingewiesen, wie der �.erkauf beschwumgt worden ist, und unter welch ungünstigen Be- ,'Ngungen die stadtischen Körperschaften jenen Teil der Stadtforst losschlagen wollten. Wochen gingen darüber ins Land, ohne daß unfte Genossen etwas über das Schicksal ihres Protestes erfuhren. er aber nicht wirkungslos geblieben sein konnte, bewies eine llflegeg�iche �nrerkung des Oberbürgermeisters Költze in der Stadtv�gj.ßgxten-Versammlung, wonach die Stadtsorst.noch nicht verkauft» s�l Äetzt erfährt der»Anzeiger für das Havelland", daß die Re- giening jn Potsdam beabsichtige eine eigne Wcrttaxe des be- ' treffenden Waldterrams aufzunehmen. Zu diesem Zwecke trifft in de» nächsten Tagen fm höherer Forstbeamter in Spandau ein, um Lrt und Stelle die nötigen Ermittelungen anzustellen. _..gesundheitlich� Fürsorge für Schulkinder in Charlottenburg. 1899 finden tn den Charlottenburger Gemeindeschulen regel- "s.oPe ärztliche Untersuchungen der Kinder durch die von der Stadt .gestellten Schulärzte statt, und zwar wird einmal der Gesundheits- zustand der Kinder bei ihrer Aufnahme jn die Schule geprüft und dann ,edes ärztlichen Fürsorge bedürftige Kind sortdauernd unter Kontrolle gehalten. Außerdem werden einzelne Klassen von Zeit �«eit ärztlich untersucht, f0 pgfi in jeder Schule etwa im Lml�e eines Vierteljahres jede Klasse einmal an der Untersuchung teilgenommen hat. Die vom Statistischen Amte dtröfseutlichte statistische Ucbersicht nimmt nur auf die Aufnahmeprüfungen Rücksicht, die»ach einem einheitlichen Schema ausgeführt werden. Bei der Untersuchung während der Schulze» wäre es wünschenswert, wenn die einzelnen Klassen gesondert würden, weil nur dadurch festgestellt werden könnte, ob einzelne Uebel, z. B. Augen- und Ohrenlciden, von Klasse zu Klasse zunehmen. Jn den vier Jahren von 1899 bis 1902 sind bei der Aufnahme in der Schule im ganzen 5309 Knaben untersucht worden; von ihnen haben 1015— 19,7 Proz. eine gute, 3927— 71 Proz. eine mittlere und 337— 6,3 Proz. eine schlechte Konstitntion gehabt. Da nicht von allen Schulärzten die Zahl der als normal befundenen Knaben bezeichnet ist, so kann nur der Prozentsatz der normalen Kinder angegeben werden. Dieser ist 29,3, also zwischen ein Viertel und ein Drittel der untersuchten Knaben. Unter ärztlicher Konttolle blieben 1065 20,1 Proz. Bei den Mädchen treten in Bezug auf die Konstitution ähnliche Verhältnisse zu Tage. Es wurden im ganzen 5132 Mädchen bei der Ausnahme untersucht. 1016— 18,7 Proz. zeigten eine gute Konstitution, 1073— 75 Proz. eine mittlere und 313— 6,3 Proz. eine schlechte. Als normal be- funden wurden 27,9 Proz. und unter ärztlicher Kontrolle bleiben 1099— 20,2 Proz. Die Zahl der in Ferienkolonien ans- gesandten Kinder hat sich von Jahr zu Jahr vergrößert, sie ist von 181 im Jahre 1896 auf 622 im Jahre 1903 gestiegen. Von den letzteren sind nach ärztlichem Urteil 309 geheilt, 303 ge- bessert worden, während zehn ungeheilt blieben. Die Gesamt- kosten beliefen sich auf 21891 M., so daß auf jedes Kind 10 M. entfielen. Zu den Kosten hatte die Stadt für das Jahr 19D3 einen Zuschuß von 12 000 M. und für Unterbringung von Kindern in Hospize weitere 3200 M. bewilligt, der übrige Teil drr Kosten wurde durch Sanunlungen, durch die Zinsen eines Legats, durch Einnahmen aus Wohlthätigkeits-Konzerten u. dgl. gedeckt. Gerichte-Zeitung* Die ersehnte Genugthnung ist nun doch den Spandauer Konservativen geworden z- es ist ihnen endlich gelungen, einen unsrer Genossen aus Anlaß des verflossenen Wahlkampfes hinter schwedische Gardinen zu bringen. Unsrem Genossen K o n i tz e r in Spandau war auf Anttag des Vorstandes des dortigen„Neuen Wahlvereins" bekanntlich im„öffentlichen Interesse" der Prozeß gemacht worden, weil er die Herren Konservativen durch einen gepfefferten Leitartikel in der „Laterne", die er damals verantwortlich zeichnete, beleidigt haben sollte. Der Amtsanwalt des Spandauer Schöffengerichts war schon in erster Instanz der Meinung, daß solche Frevelthat nur durch Gefängnishaft gesühnt werden könnte, weshalb er acht Wochen Frei- heitsstrafe in Antrag brachte. Sehr zum Leidwesen der tapferen Konservativen erkannte das Schöffengericht aber auf eine Geldstrafe von 100 M. Dies schien der Staatsanwaltschaft zu milde, weshalb sie Beruftmg einlegte. Die Strafkammer des Landgerichts II verurteilte nun am Donners- tag den Prcßsündcr zu zwei Wochen Gefängnis, Daß die Spandauer Ordnungshelden dieses— obendrein wenig beneidens- werten Triumphes— nicht froh werden sollen, dafür werden. unsre Parteigenossen sorgen. Ein Preßprozeß gegen die—„Woche". Wegen Verrats militärischer Geheimnisse bezw, unbefugter Bekanntgabe von Festungsrissen wurde gestern der Cheftedakteur der„Woche", Paul D o b e r t, vor der II. Straftammer des Landgerichts I zur Verantwortung gezogen. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor O p i tz, die Anklage verttat Staatsanivalt L i e b e n o w, die Ver- teidignng führte Rechtsanwalt H e n s ch e l. Als Sachverständiger war Major B r o s e vom großen Generalstabe geladen. Im staat- lichen Interesse ivurde auf Antrag des Staatsanwalts die Oeffent- lichkeit ausgeschlossen. Der Sachverhalt war ein überaus einfacher. Die„Woche" brachte in ihrer Nummer 1 des laufenden Jahrgangs eine Abbildung des neuen Abschlußgitters um die Festung Metz. Jn den kurzen Begleitworten wurde gesagt: Nicht geringes Aufsehen hat die Nachricht gemacht, daß um die Stadt Metz in weitem Ilmfange ein eisernes Gitter errichtet werde. Die Meldung sei irrtümlicherweise mit der Wasserversorgungssrage in Zusammenhang gebracht worden, in Wahrheit haben die beiden Dinge nichts mit einander zu th»n. Die Errichtung des Gitters sei eine gar nicht mehr ungewöhnliche militärische Maßnahme usw. usw.— Auf Grimd dieses Arttkels und der dazu gehörigen Abbildung wurde der Augeklagte zu einer Woche Festnngshaft verurteilt. Der Staatsanwalt gegen ehrenhafte Arbeiter. Von der Anklage der U n t e r s ch l a g u n g ist am 31. Juli v. I. vom Landgericht I in Berlin der Bevollmächtigte des Deutschen Metallarbeiter-Ver- bandes, Karl W i e s e n t h a l, fteigesprochen worden. Er sollte sich mehrere voni Verband der Arbeitgeber ausgestellte Arbeitsnachweis- scheine, welche ihm von Arbeitern übergeben worden waren,„rechts- widrig angeeignet" haben.— Die vom Staatsanwälte eingelegte Revision wurde gestern vom Reichsgericht v e r w o r f e n, da der Eigentumsvorbehalt des Arbeitgeber-Verbandes erloschen war und der Angeklagte außerdem im guten Glauben gehandelt habe. Der Masseilprozeß der Wiesbadener Aerzteschaft gegen den Decernenten für Medizinal- Angelegenheiten der königlichen Re- gierung, Geh. Regicrungs- und Medizinal-Rat Dr. August Pfeiffer- Wiesbaden, der Freitagvormittag vor dem Schöffengericht Wies- baden zur Verhandlung gelangen sollte, wurde im letzten Augen- blick vertagt und zwar, weil der Beklagte bisher keinerlei Er- klärungen zur Sache an das Gericht hatte gelangen lassen. Wie verlautet, wird die Affaire voraussichtlich durch einen Vergleich bei- gelegt werden, nachdem Geh.-Rat Dr. Pfeiffer seine Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben hat, dem ärztlichen Vereine eine Ehrenerklärung zu übermitteln und die Kosten des Verfahrens zu ttagen. CClocden- Spielplan der Berliner Cbeater. Königliches Opernhaus. Sonntag: Aida. Montag: Manon. Dienstag: Der Barbier von Sevilla. Mittwoch: Die Zauberflötc. Donncistag: Mignon. Freitag: Robert der Teufel.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Der Barbier von Sevilla. Sonntag: Margarete. Montag: Lohengrin.(Anfang 7 Uhr.) Königliches Schauspielhaus. Sonntag: Götz von Bcrltchingen. (Ansang 7 Uhr.) Atontag: Iphigenie auf Tauris. Von Dienstag, den 26. April ab: Geschlossen. Neues königl. Lpern-Theater. Sonntag: Doktor Klaus.(Ansang 6 Uhr.) Montag: Geschlossen. Dienstag: Götz von Berlichingen.(Slnsang 7 Uhr.) Mittwoch: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: Wann wir altern. Die Schule der Frauen. Freitag: Götz von Berlichingen. tAnsang 7 Uhr.) Sonnabend: Ein Sommernachtstraum. Sonntag: Narziß. Montag: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Schiller- Theater O.(Wallncr- Theater.) Sonntagnachmittag: Die Jungfrau von Orleans.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Lumpaci- vagabundus. Montag: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Dienstag: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Mittwoch: Haus Roscnhagen. Donnerstag: Lumpacivagabundus. Freitag: Lumpacivagabundus. Sonnabend: Haus Roscnhagen. Sonntagnachmittag: Maria Stuart.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Lumpacivagabundus. Montag: Lumpaci- vagabunduS. Schiller-Theater IV.(Friedrich WilhelmstädtischeS Theater.) Sonntag- nachmittag: Kolleg- Crampton.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Haus Rosenhagcn. Montag: Das grobe Hemd. Dienstag: Das grobe Hemd. Mittwoch: Lumpacivagabundus. Donnerstag: HauS Rosenhagen. Freitag: Die Wildente. Sonnabend: Das grobe Hemd. Sonntagnachmittag: IDie Stützen der Gesellschast.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Kinder der Excellenz. Montag: Haus Roscnhagen. Deutsches Theater. Sonntagnachmittag: Die versunkene Glocke. (Ansang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Chrano von Bergerac. Montag: Der Pfarrer von Kirchfeld. Dienstag: Rose Bernd. Mittwoch: Novella d'Andrca. Donnerstag: Die Weber. Freitag: Der Psarrer von Kirchseld. Sonnabend: Rose Bernd. Somitagnachmittag: tAnsang 2fl, Uhr.) Monna Vanna. Sonntagabend: Der Psarrer von Kirchseld. Montag: Die versunkene Glocke, Berliner Theater. Sonntagnachmittag: Alt-Heidelbcrg.(Anfang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Die rote Robe. Montag: Götz von Berlichingen. Dienstag: Zaza. Mittwoch: Die rote Robe. Donnerstag: Die große Null. Freitag: Waterlant. Sonnabend: Der jüngste Lieutenant. Sonntag« nachmittag: Wilhelm Tell.(Anfang 2',, Uhr.) Sonntagabend: Der jüngst» Lieutenant. Montag: Der jüngste Lieutenant. Lessing-Theater. Sonntag bis Mttwoch: Zapsenstteich. Donnerstag! Das Wunderlind. Freitag: Das Wunderkind. Sonnabend: Zapsenstteich, Sonntag: Das Wunderkind. Montag: Zapsenstteich. Neues Theater. Sonntag: Kabale und Liebe. Montag: Kabale und Liebe. Dienstag: Minna von Barnhclm. Mittwoch: Kabale und Liebe. Donnerstag: Der Strom. Freitag: Minna von Barnhelm. Sonnabend: Kabale und Liebe. Sonntag: Kabale und Liebe. Montag: Minna von Barnhelm. Theater des Westens. Sonntagnachmittag: Martha.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Zar und Zimmermann. Montag: Rigolctto. Dienstag: Der Bcttelstudent. Mittwoch: Die Stumme von Portici. (Rothnuihl.) Donnerstag: Don Juan.(dÄndrade.) Freitag: Apajune. Sonnabend: Apajune. Sonntagnachmittag: Rigolctto.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Apajune. Montag: Apajune. Luise»- Theater. Sonntagnachmittag: Sappho.(Anfang 3 Uhr.) Sonntagabend: Der Verschwender.(Hospauer.) Montag: Doktor Wespe. Dienstag: Das Milchmädchen von schönebcrg. Mittwoch: Sappho. Donnerstag: Das Käthchen von Heilbronn. Freitag: Der Kausmann von Venedig. Sonnabend: Das Milchmädchen von Schönebcrg. Sonntag und Montag: Geschlossen. Rcsidenz-Theater. Sonntagnachmittag: Lcontinens Ehemänner.(An- sang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Empfehlung. Der keusche Casimir. Montag: Die Enrpsehlung. Der keusche Casimir. Dienstag: Die Empsehlung. Der keusche Casimir. Mittwoch: Die Empfehlung. Der keusche Casimir. Donnerstag: Die 300 Tage. Freitag: Die 300 Tage. Sonn- abend: Die 300 Tage. Sonntagnachmittag: Lcontinens Ehemänner. (Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die 300 Tage. Montag: Die 300 Tage. Kleines Theater. Sonntagnachmittag: Liebcsträume. Kollegen. Don Carlos. Serenissimus.(Ans. 3 Uhr.) Sonntagabend: Nachtasyl. Montag! Nachtasyl. Dienstag: Des Pastors Niete. Mittwoch: Märtyrer. Elektra. Donnerstag: Nachtasyl. Freitag: Des Pastors Riett � Sonnabend: Fräulein Julie. Sonntagnachmittag: Liebesträume. Familienidyll. Don Carlos. Serenissimus.(Ansang 3 Uhr.) /Sonntagabend: Fräulein Julie. Montag: Des Pastors Ricke. Trianon-Thcater. Von Sonntag, den 21. April, bis aus weitcrcS täglich: Das eiste Gebot. Der Dieb.(Ansang 8 Uhr.) � Thalia- Theater. Sonntagnachmittag: Charlcys Tante.(Ansang 3'/, Uhr.) Sonntagabend: Der Hochtourist. Montag bis Sonnabend: Der Hochtourist. Sonntagnachmittag: Charlcys Tante.(Ansang 3'/, Uhr.) Sonntagabend und Montag: Der Hochtourist. Belle- Alliancc- Theater, sonntagnachmittag: Der Hüttenbesitzcr. (Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Freut Euch des Lebens. Montag bis Sonnabend: Freut Euch des Lebens.(Ansang 7flz Uhr.) Sonntagnachmittag: Othello.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend und Montag: Freut Euch des Lebens. Carl Wcift-Theater. Sonntagnachmittag: Die zärtlichen Verwandten. (Anfang 3 Uhr.) Sonntagabend: Onkel Bräsig. Montag: Wilhelm Tell. Dienstag: Onkel Bräsig. Mittwoch: Die beiden Reichenmüllcr. Donnerstag! Die beiden Reichenmüllcr. Freitag: Die beiden Reichenmüllcr. Sonnabend: Der Totschläger. Sonntagnachmittag: Zwischen zwei Herzen.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Der Totschläger. Montag: Unbestimmt. Central-Theater. Sonntagnachmittag: Der Zigcuncrbaron.(Anfang 1 Uhr.) Sonntagabend: Der Somicnvogcl. Montag bis Sonnabend: Der Sonnenvogel. Sonntagnachmittag: Wahrheit.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend und Montag: Der Sonnenvogel. Deütsch-ameritanisches Theater. Allabendlich: Uebcr'n großen Teich. Ansang 8 llhr. Apollo-Theater. Allabendlich: Liebesgötter. Specialitätcn. Ansang 8 Uhr, Sonntags Tl, Uhr. Gebrüder Herrnfeld-Thcater. Allabendlich: Am andern Morgen. Vorher: Nur eine Nacht. Ansang 8 Uhr. Metropol- Theater. Allabendlich: Ein tolles Jahr. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7»/, Uhr. Wintergarten. Täglich: Spccialitäten. Ansang 8 Uhr. Casino- Theater. Sonntagnachmittag: Der Raub der Sabinerinnen. (Ansang 1 Uhr.)»Allabendlich: Husarcnlicbe. Zärtliche Verwandte. Ansang 8 Uhr. Sonntags 71/, Uhr. Passage-Theater. Oskar Fürst. Lina Goltz. Ansang 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Palast- Theater. Sonntagnachmittag: Maria Stuart.(Ans. 3 Uhr.) Allabendlich: Tante Mollig und Specialitätcn. llrania- Theater. Taubensttaße 48/19. Das Land Tirol. Dienstag und Freitag: Aus dem Haushalt der sreien Natur. Ansang8 Uhr. Zlllgcmeine Familien-Sterbekafie. Heute Zahltag: Ackersttaße 123 bei Dicke und Marianncnswaße 48 bei Licbchcnschel von 3—6 Ubr. Berlinert Kranken-Unterftühungs- und Begräbnis-Bcrcin für Frauen und Mädchen(gegr. 1892). Heute abend 6 Uhr im Gcwerkschafts- bause, Saal I: Generalversammlung. Aerztlicher Vortrag, Wahlen, gcmüt- lichcs Beisammensein. Gäste willkommen. Briefkasten der Redaktion. Juristischer Ceü. Die juristische Sprechstunde findet täglich mitSluSnahme deS SonuadeudS von?-/, bis ti'l, llhr abends statt. Gcofinet: 7«Hr. F. D. 74. 1. und 2. Nein.— H. I. 58. 79. 1. Ja, aber wenn Sie geheiratet haben, leben Sie nicht in Gütergemeinschast. 2. Ja. An das Gericht. 3. Die Entscheidung hängt von der verständigen Würdigung aller Umstände ab. Den Pflegeeltern kann das Kind bleiben.— Spann, Elbingerstraftc. Ja.— B. 4. Es ist nicht ersichtlich, welchem Zweck die Nachfrage dienen sollte. Sie können sich anfragend und bcschwcrdesührend an das Polizeipräsidium wenden.— M. D. 19. Jn Psand genommene Sachen werden keineswegs durch Zcitablaus Eigentum des Pfändenden. Der Gläubiger hat entweder eine Klage aus Zahlung anzustellen und kann dann die Psandsache pfänden und verkaufen lassen oder er kann ohne vorausgegangener Klage aber nach vorausgegangener Androhung die Psand- lache öfsentlich versteigern lassen. Die Einzelheiten finden Sie S. 205 des dem„Arbeitcrrecht" bcigejügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus.- M. W., Alte Schönhauserstraftc. Nein. — B. Zachow. 1. Falls der MictSverttag nicht entgegenstehende Vor» schritten enthält, nein. 2. und 3. Darüber ist von Fall zu Fall nach den Grund» sätzen von Treu und Glauben zu entscheiden.— Zimmerer, Spandau. Ihre Kündigung ist eine rechtzeitige. Fordern Sie den Wirt auf, dies an» ,»erkennen und reichen Sie eventuell eine Feststellungsklage gegen den Wirt >cim Amtsgericht ein.— Lehrling. Falls aus dem Lehrverttag nicht Gegenteiliges erhellt: l. und 2. Ja.— R. W., Grünau. Mit dem sogenannten Unsallzuschuß verhält cS sich solgendcrmaßcn: Beträgt das Krankengeld weniger als zwei Drittel deS bei der Berechnung desselbe» zu Grunde gelegten TagelohncS, so ist das Krankengeld bis aus diese zwei Drittel zu erhöhen. Welcher Tagelohn zu Grunde zu legen ist, crgicbt daS Statut der Krankenkasse. Ist dort nicht der Jndividuallohn zu Grunde gelegt, so kommt der ortsübliche Tagelohn in Bettacht. Der ortsübliche Tagctohn sür Köpenick bettägt 2,90 Mark. Demnach wäre der Unsallzuschuß zu zahlen, wenn nach dem Kassenstntut der Berechnung des Krankengeldes der ortsübliche Tagelohn zu Grunde gelegt ist. Der Unfallverletzte soll sewen Anspruch der Krankenlasse gegenüber geltend machen. Der Unsall» zuschuß ist vom 29. Tage nach Eintritt des Unfalles ab zu zahlen. Der Tag des Unfalls zählt nicht mit.— Richard W. New. A. S. 99. Anträge, die das Erziehunasrecht bettefscn, sind an da» Vormundschastsgericht zu richten. Ist unter der Hcrrschast des Bürgerlichen Gesetzbuchs eine Ehe geschieden und der Vater sür den schuldigen Tell er» klärt, so geht die Fürsorge sür die Person des Kindes auf die Mutter über. Die Verttetung des Kindes, die Vermögensverwaltung und die elterliche Nutznießung verbleiben aber dem Vater. Im Interesse des Kindes liegt es oft, diese Rechte des Vaters durch einen anderen ausüben zu lassen. Ob es sich in dem von Ihnen gemeinten Fall um solche Pflcgschast handelt oder ob es sich um die Bestellung eines Pslegers in einem Falle handelt, in dem wegen Mißhandlung oder Gesährdung des körperlichen oder geistigen Wohls dem Vater das ErziehungSrecht abgenommen ist, läßt Ihre Anfrage nicht ersehen. Jn beiden Fällen hätte das Amtsgericht zu entscheiden. WitteningSübersicht vom SS. April 1994. morgens 8 Uhr. Etatimen Swinemde Serlin Franks.a.R München Wien Letter 2 bedeckt 2wolkenl tbedeckt 2halb bd. 4bedcckt —Nebel nie; #" w& 12 8 11 . 6 7 12 Stattomn »=• Haparanda Petersburg Cork Werdeen Paris 76t W 769 SSO 736 NW Wetter 2 wolkig heiter bedeckt Bis- C» Sil gBi MSi Wetter. Prognoie für Sonntag, den S4. April 1994. Etwas kühler, ziemlich ttübe mit Rcgcnsällen und mäßigen nor östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Die Zelt der Ausflüge und des Sports mm Passform u. unerreichte zoiethmtissIgeScIiulKiiiiren! Unsere Fabrikafe erfüllen in jeder Beziehung weitgehendste Ansprüche und zeichnen sich noch ganz besonders durch H erren-Zugstief el m moderner Ausführung. Wichsleder... Rossleder... Boxcalf...» Mk. 8.90 n. 6.85 Mk. 6.60 u. 6.40 Mk. 7.80 u. S.— Mk. 10.60 H erren-Sch n u rsti ekel m vorzüglicher Passform. Wichsleder....... Mk. 4.90; Roaaleder........ Mk. 7L0 Boxhorse........ Mk. 7.76 Cherrean........ Mk. 8.60 Ziegenleder, braun u. rot.. Mk. 8.76 Boxcalf........ 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B-riag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstatt Paul Smger& Co., Berlin SW. Nr. 96. 21. Jahrgang. 3. Krilxjt des JtntM" Serlinet MWM. Sonntag, 24. April IM. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, 23. April 1904. Aus der amerikanischen Eisenindustrie. � Amerikanische Stimmungsmache.— Frühjahrsgeschäst.— Statistisches aus 1803.— Roheisenproduktion.— Stahl- und Walzwerkerzeugnisse.— Der Preissall im letzten Jahr.— Amerikanischer Eisen- und Stahlexport.— Wie in der Unzuverlässigkeit ihrer Berichterstattung, so ist auch in der Stimmungsmache die amerikanische Handelspresse ihrer europäischen Kollegin bei weitem überlegen. Selbst im August und September vorigen Jahres, als schon die amerikanische Eisenknse ein Marktgebiet nach dem andern ergriff, mutzten noch die grotzen amerikanischen Blätter mit den kuriosesten volkswirrschaftlichen Gründen zu beweisen, datz die rasche Abnahme der Nachfrage nach Eiscnerzeugnissen nichts andres sei, als eine jener bald vorüber- gehenden leichten Absatzstockungen, wie sie häufig im modernen Wirt- schaftsgetrieb eintreten; und kaum hat sich seit Anfang März der amerikanische Eisenmarkt wieder ein wenig zu heben begonnen, so entdecken schon dieselben Blätter überall Spuren eines neuen Aufschwmrgs. tatsächlich hat. wie sich nicht leugnen läht. der Eisenmarkt sich nach der enormen Depression in den Monaten November/Januar etwas erholt. Die bedeutende Einschränkung der Eisen- und Stahlproduktion, die zeitweilig bis zu fast 50 Proz. der normalen Leistungsfähigkeit stieg, hat den Markt entlastet, während zugleich das inr März einsetzende Frühjahrsgeschäft vermehrte Auf- träge brachte, die, wenn sie auch cm Zahl und Bedeutung weit hinter den Frühjahrsbestellungen der letzten Hochkonjunkturjahre zurück- geblieben sind, doch der stagnierenden Produktionsthätigkeit � der grotzen Werke wieder neue Lebenskraft emflötzten, so datz diese in den letzten Wochen einen Teil ihrer ausgelöschten Hochöfen wieder anblasen konnten. Deshalb aber von dem Beginn eines neuen Aufschwunges zu reden, ist nichts als Humbug. Die enorme Steigerung der Eisen- und Stahlproduktion der Bereinigten Staaten von Amerika in den Fahren 1398/1903 hatte vornehmlich drei Ursachen: 1. die ausgedehnte Eiscnbahnbau- thätigkeit, die eine starke Nachfrage nicht nur nach Schienen, sondern auch nach sog. Konstruktionsstahl für Brücken- und Hallenbauten sowie nach Lokomotiven und Wagenbaumaterialien hervorrief, 2. der Ausbau der gröheren Städte in den verschiedensten Teilen der Unw» und die zunehmende Verwendung von sogenanntem Baueisen nn Hausbau. 3. die Gründungs- und Trustierungsmanie. die überall neue Fabrikanlagen ins Leben rief. Diese Basis, auf der sich die Hochkonjunktur der letzten Jahre erhob und zu stolzer Höhe empor- wuchs, ist aber heute nicht mehr vorhanden. Die Eiscnbahnbauten sind autzerordentlich zusammengeschrumpft, und es besteht, wie die übereinstimmenden Berichte der Fachzeitschriften konstatieren, keine Aussicht, datz die Eisenbahnbauthätigkeit in nächster Zeit wieder in grotzerem Matze aufgenommen wird; und nicht minder krankt der Wohnungs- und Fabrikbau an den Uebertreibungen der letzten Jahre. So schnell, wie jene Blätter aus leicht zu durchschauenden Motiven behaupten, tvird deshalb die amerikanische Eisenkrise nicht weichen, deren charakteristische Eigenheit, wie oft völlig übersehen wird, nicht in einer Uebererzeugung von Eisen- und Stählfabrikaten, einer Ansammlung übermätziger Vorräte besteht, sondern in einer Ueberproduktion von Produktionsmitteln, einer Steigerung der Leistungsfähigkeit der Hochöfen-, Stahl-, Walzwerke usw., die weit über den Marktbedarf hinausgeht. Selbst wenn man aber den Meldungen amerikanischer Blätter vmr dem Beginn eines neuen Auf- schwunges und den daran geknüpften Prahlereien Über die innere Gesundheit der amerikanischen Eisenindustrie recht skeptisch gegen- übersteht, mutz anerkannt werden, datz sie bisher in der Krise eine Widerstandskraft bewiesen hat, die zur Hochachtung zwingt. Schon die Energie, mit welcher die grotzen Werk«, als der Rückschlag der Produktionssteigerung eintrat, zur Einschränkung ihrer Erzeugung griffen, die rasche Entschlossenheit, mit der die grotzen Gesellschaften ihre Preise herabsetzten, steht in vorteilhaftem Gegensatz zu dem klein- lichen Anklammern an eine schwindende geschäftliche Konjunktur, zu dem Festhalten an absolut unberechtigt gewordene Preisfestsetzungen, die Ivir bei den deutschen Eisenspndikaten, vornehmlich beim Rheinisch-westfälischen Roheiscnsyndikat, beim Ausbruch der deutschen Eisenkrise vor drei Jahren finden. Mögen auch die in der amerikani- sehen Eisen- und Stahlindustrie vorhandenen Trustgründungen an höchst schädlichen Ueberkapitalisationen leiden, mag speciell die Basis der Stahltrusts eine recht unsichere sein, so tritt doch andrerseits in der amerikanischen Eisenindustrie nicht nur ein imponierender Zug ins Grotze, sondern auch eine innere Lebenszähigkeit hervor, die ihr für die Zukunft die erste Position auf dem internationalen Markt verheitzt. Von diesem Gesichtspunkt aus darf die jüngst von der amerikani- schen„Jron and Steel Association" herausgegebene statistische Ueber- ficht über die Verhältnisse des Eisenmarktes im letzten Jahr und ihre Bearbeitung und Ergänzung durch den deutschen Handels- sachverständigen beim kaiserlichen- Generalkonsulat in New Jork jNr. 35 der vom Reichsamt des Innern herausgegebenen„Nach- richten für Handel und Industrie") auf allgemeines Interesse An- spruch erheben. Eine von der„American Jron and Steel Association" im August 1903 veröffentlichte Aufstellung der in den Vereinigten Staaten im Bau begriffenen Hochöfen gab schätzungsweise an, datz im Jahre 1903 die Produktionsfähigkcir der Hochöfen um 1 972 000 Tonnen und im Jahre 1904 um weitere 2 475 000 Tonnen steigen würde. Nach derselben Quelle sollte am Schlüsse des Jahres 1904 die Gesamtleistungsfähigkeit der Hochöfen der Vereinigten Staaten auf 31 Millionen Tonnen im Jahre und die thatsächliche Produktion etwa 24 Millionen Tonnen betragen. Die bald darauf eintretende starke Abflauung des Roheisenmarktes, speciell in den Südstaaten, machte jedoch durch diese an und für sich keineswegs optimistische Rechnung einen dicken Strich. Die Käufer hielten mit Bestellungen zurück und die Preise fielen in nascher Aufeinanderfolge. Nun er- folgte durch gemeinsamen Entschlutz, der durch die Vereinigung der Hochofenindustrie in wenige grotze Gesellschaften wesentlich erleichtert wurde, eine weitgehende Betriebseinschränkung. Statt der er- warteten 20 Millionen Tonnen Jahresproduktion sind nur 18 009 252 Tonnen thatsächlich erzeugt worden. Die Zunahme gegen 1902 betrug nur 187 945 Tonnen. Im ersten Halbjahre 1903 wurden 9 707 367 Tonnen, im zweiten nur 3 301 385 Tonnen er- zeugt, darunter an Gieherei- und Puddeleisen 5 785 957 Tonnen, an Bessemer und phosphorarmes Eisen 9 939 903 Tonnen. Die hauptsächlich in Betracht kommenden Staaten hatten folgende Erzeugung: Pennsylvania.... 8211 500 Tonnen Ohio....... 3 287 434 Illinois...... 1 692 375 Alabama...... 1 561 398 Ohio und Illinois produzierten 1903 weniger Roheisen als 1902. Während aber die Produktion von Roheisen immerhin noch um em geringes zugenommen hat, sank der Verbrauch gegen 1902, wie folgende Zahlen zeigen: 1902 Produktion....... 17 821307 Einfuhr........ 625 383 Bestand am 1. Januar... 73 647 1903 18 009 252 Tonnen 599 574 49 951 18 658 777 Tonnen Gesamtvorrat.. 18 520 337 abzüglich Bestand am 31. Dez. 49 951 598 489 Tonnen Aussilhr........ 27 487 20 381„ Verbrauch.. 28 442 899 18 039 907 Tonnen Die Produktion von Stahl ist noch nicht genau ermittelt. Sie wird im ganzen auf annähernd 14 960 000 Tonnen geschätzt. Davon kamen ungefähr 9 140 000 Tonnen auf den sauren Besscmer-Prozetz, 4 600 000 Tonnen auf den basischen Herdofen- und 1 100 000 Tonnen auf den sauren Herdofen-Prozetz. Von den Walzwerk» Produkten scheinen Feinbleche und Draht hinsichtlich der Produktions- mengen gegen 1902 zurückgeblieben zu sein. Auch in Schienen, Trägern, Winkeln und in Grobblechen ist keine Produktwnssteigerung erfolgt. Was in den ersten acht Monaten 1903 gegen die gleiche Zeit 1902 gewonnen wurde, ist durch die umfangreichen Betriebs- einstellungen Ende 1903 wieder verloren gegangen. Von Interesse ist die Einwirkung der Krise auf die Preise. Die Preise aller Rohmaterialien, Halb- und Fertigfabrikatev wiesen wesentliche Rückgänge auf. Bessemer-Roheisen ging in Pittsburg von 22,35 Dollar ün Januar auf 14,50 Dollar im Dezember und auf 13,60 Dollar zu Anfang März zurück. Der Preis von Gieherei- Roheisen bewegte sich Anfang 1903 in Chicago, Pittsburg, Cincinnati und Philadelphia zwischen 23 und 22 Dollar für die Tonne. An- fang März betrugen die Preise in Philadelphia für Standard Nr, 2 14,50 Dollar, in Chicago 13 Dollar, in Pittsburg 13,25 Dollar und in Cincinnati für südliches Gietzerei-Roheisen Nr. 2 11,75 Dollar. Für Halbfabrikate sind die Preise durch die Syndikate in gleichem Matze herabgesetzt worden. Der starke Rückgang der Nachfrage auf dem amerikanischen Markt regte naturgemätz dazu an, den Export zu forcieren; aber der Erfolg der hierauf abzielenden Bestrebungen ist bisher ein recht be- scheidener geblieben. Zur Zeit der Zollkampagne Mutzten bekanntlich die Blätter vom Schlage der„Rheinisch-Westf. Ztg.", der„Post" und der„Verl. Neuesten Nachr." die der deutschen Eisenindustrie drohende„amerikanische Gefahr" nicht schwarz genirg zu schildern, sogar von der Wahrscheinlichkeit bedeutender Roheisenexporte der amerikanischen Werke nach Deritschland wurde gefabelt. Von allen diesen Befürchtungen hat sich recht wenig erfüllt. Im Bericht heiht es darüber: „Der Erfolg des Exportgeschäfts war jedoch nicht so bedeutend, datz die Ausfuhr des Jahres 1902 überholt werden konnte. ES wurden von Hütten- und Wälzwcrkerzeugnissen im Jahre 1902 372 419 Tonnen und im Jahre 1903 326 655 Tonnen exportiert. Die Ausfuhr von Roheisen blieb sehr gering; sie erreichte nur 20 381 Tonnen. Die- Ausfuhr von Stahlschienen betrug nur 30 656 Tonnen gegen 31 805 Tonnen im Jahre 1901. Der Hauptabnehmer war wieder Kanada... Nach England wurden in den letzten Monaten grötzere Verschiffungen von Stahlhalbfabrikaten gemacht. die jedoch im ganzen nur 5445 Tonnen betrugen. An Handelsstahl fanden in den letzten Monaten gleichfalls grötzere Verschiffungen statt, so datz die Gesamtausfuhr auf 17 802 Tonnen stieg. An Handelseisen wurden 19 330 Tonnen, an Drahtknüppeln 22 449 Tonnen exportiert. Eine weitere Steigerung erfuhr die Ausfuhr von Draht; sie erreichte den Betrag von 108 520 Tonnen; Drahtnägel gingen in einer Menge von 8890 Tonnen ircs Ausland. Die Aus- fuhr von Konstruktiowsmatcrial nahm dagegen bedeutend ab. Exportiert wurden nur 30 641 Tonnen. Die Ausfuhr von Eisen- und Stahl-, Grob- rrnd Feinblechen blieb ungefähr dieselbe wie im Vorjahre." Die Produktionskosten der amerikanischen Eisenindustrie und die Frachten bis zu den europäischen Häfen sind noch immer zu hoch, als datz sich der Massen-Export lohnte. Allerdings verschwindet dieses Hindernis mehr und mehr. Zur Verminderung der Pro- duktionskosten hat auch die jetzige Krise wieder beigetragen, indem das durch sie herbeigeführte Ueberangebot auf dem Arbeitsmarkt von den grotzen Gesellschaften, besonders vom Stahltrust, zu Lohnherab- setzungen ausgenützt worden ist. die für verschiedene Arbeiter- kategorien sich auf 20— 25 Proz. stellen. Tat. . I ATA'A' V/"' Chauss6estrasse 24*125 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 zvitdien laralidenstr. a. Schiller• Theater N. zwtech.Janacnritzbrttckea, Köpenickerstr.(Ecke Rnngeslr.) Ecke Koppenstr.— Am Bürger-Hospital, Fabrikation und Spezialhaus grössten Massstabes. hervorragende Sonder-Jtagebote:■ Frühjahr-Paletot •chwarz- weiss goatreiftor oder n»«Jioffer Kammgarn u. 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Göfc von 53er. lichingen mit der eisernen Hand. Ansang 7 Uhr. Montag: Iphigenie aus Tauris. Neues Opernhaus. Doltor Klaus. Ansang 8 Uhr. Deutsches. Chrono von Bergerac. Nachm. 21/, Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Der Pfarrer von Kirchfeld. Berliner. Die rote Robe. Nachm. 2'/, Uhr: Sllt-Hcidewerg. Montag: Götz von Berlichingen. Lesstug. Zapfensweich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Zar und Zimmermann. Nachm. 3 Uhr: Martha. Montag: Rigoletto. Neues. Kabale und Liebe. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Der keusche Kafimir. Vorher: Die Empfehlung. Nachm. 3 Uhr: Leontmens Ehe« männer. Montag: Der keusche Kasimir. Central. Der Sonnenvogel. Nachm. 3 Uhr: Der Zigeuncrbaron. Montag: Der Sonnenvogel. Bellc-Rlliance. Freut Euch des Lebens. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Montag: Freut Euch des Lebens. Thalia. Der Hochtourist. Nachm. 3'/z Uhr: Charleys Tante. Montag: Der Hochtourist. Ansang 8 Uhr: Schiller O. sWallner- Theater.) Lumpacivagabundus. Nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Der Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Schiller X.(Friedrich-Wilhelmstädt.) HauS Rotenhagen. Nachm. 3 Uhr: Kollege Erampton. Montag: Das grobe Hemd. Kleines. Nachtasyl. Nachmittags 3 Uhr: LiebeSträume. Familienidyll. Don Carlos. Sere- nissimus. Montag: Nachtasyl. Luisen. Der Verschwender. Nachm. 3 Uhr: Sappho. Montag: Doktor Wespe. Trianon. Das elfte Gebot. Hieraus: Der Dieb. Montag: DaS eiste Gebot. Hieraus: Der Dieb. Carl Weist. Onkel Bräsig. Nachm. 3 llhr: Die zärtlichen Ver- wandten. Montag: Wilhelm Tell. Deutsch-Amerikanisches, lieber'» großen Teich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Metropol. Ein tolles Jahr. Montag: Diesewe Vorstellung. Casino. Husarenliebe. Zärtliche Verwandte. Ansang VI, Uhr. • Nachm. 4 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Montag: Husarenliebe. Zärtliche Verwandte. Palast. Die Liebe im Eckhause. Die Weber. Nachm. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Winter-Garten. Speeialitäten. Apollo. Liebesgötter. Speeialitäten. Reichshalle». Stettiner Sänger. Passage-Theater. Speeialitäten. Urania. Taubenftraste 48/4S. Das Land Tirol. Montag: Dieselbe Vorstellung. Jnvalidenstraste 57/63. Sternwarte. Täglich geöjsnet von 7 bis 11 Uhr._ Neues Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe. Ansang VI, Uhr. Morgen; Kabale und Liebe._ Central-Theater. Nachmittags 3 Uhr in erster Besetzung: Der Kigcnncrbaron. Abends 71/j Uhr: Gastspiel Paulo Worin. Novität! Der Sonnenvogel. Operette in 3 Akten v. V. Holländer. Morgen und folgende Tage: Der SonnenvogcL_ Urania. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Das Land Tirol. Montag 8 Uhr: Dies. Vorstellung. Sternwarte SSS: CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Letzte Woche der Tunesen=Truppe. (Afrika in Berlin!) Grosse Vülkcrschaa. Die schönen Harems- Damen ans Tunis. Berliner Aquarium Unter den Linden 68a Eingang Schadow- Strasse No. 14. Häute Sonntag Eintrittspreis; W 25 Pfg."W Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. Luisen-Theater. Nachmittag: Sappho. Abends: Gastspiel von Max Hospauer: Der Versehwender. Montag: Dr. Wespe. Dienstag:' Das Milchmädchen von Schöneberg. Mittwoch: Sappho. Donnerstag: Das Käthchen von Heilbronn.__ Metropol-Theater Zum 41. Male; Ein tolles Jahr. Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. In Scene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. 1. Bild: Am Kleinkindersee. 2. Bild: Was giebt's Neues. 3. Bild: Das Ordensfest. 4. Bild: Der neue Zapfenstreich (Parodie). 5. Bild: Briefe, die ihn erreichten (Ballett). Anfang S Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. Abends VI, Uhr: Phänomenale Speeialitäten. 6'/,: DieSensations-XovitlW: Liebesgötter. Im dritten Bild; Der Götterzug und die grandlone Apotheose Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 71/, «Uhr-„Husarenliebt" S'/jt Das brillante April-Programm Markert, fr. am Lessing- Theater sc. »uhr: Zärtliche Verwandte. Sonntagnachm. 4 Uhr zum letzten ryal: Oer Rajib.der Sabinerinnen. Rejideiiz Theliter Heute und folgende Tage VI, Uhr: Die Empfehlung. 8 Uhr: Der lleusihe Cafim. Mittwoch, den 27. April: Dl« ZOGTuzxc.(L'enfunt du mi- racle.) Schwank in 3 Akten von Paul Gavault und R. Eharvey. Deutsch von Alsred Halm. Sonntagnachm. 3 Uhr: Leontines Ehemänner. Schiller-Theater. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachmittags 3 Uhr, bei bedeutend ermäßigten Preisen: Liebesträume. X Familienidyll. Don Carlos-Parodie. Serenissimus-Zwiscbenspiele. Abends 8 Uhr: Nachtasyl. Morgen: Xachtasyh_ Anfang 8 Uhr! Sonnabend: Zum 280. Male. Deutsch- Amerikanisches THEATER Köpnickerstrasse 67. Jeden Abend: Gastsp. Ad. Philipp Uebern GROSSEN TEICH. Gebptlder Herrnfeld- Theater. NW- Schluß der diesjährigen Spielsaison: Donnerstag, 28. April, wegen Gesamt-Gastspiel desHerrnseld- Theaters in Köln a. Rh. Bis dahin täglich präeise 8 Uhr die Anton und Donat Herrnseldschen Sensations-Komödien: Arn andern Jorgen! Nachspiel zu„Nur eine Nacht". Borher: Kur eine Kaehtl 2 Alte aus einer Ehe Mit den Autoren in den Hauptrollen. Ab 7. Mai: Gastspiel L. Köhlers Bauern-Theater aus Tegernsee. Trianon-Theater. Keorgenstraße, zwischen Friedrich. und Universitätsstratze. DM- Abends 8 Uhr:-»» Das elfte Gebot. Hieraus: Der Dieb. Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Sonntagnachmittag 3Uhr: Die.luusft-au von Orleans. Sonntagabend 8 Uhr: liumpacivagabundus. Montagabend 8 Uhr: Der Geizige. Hieraus: Der elngeb. Kranke. Dienstagabend 8 Uhr: Der Geizige. Hierauf: Der eingeb. Kranke Schiller-Theater S. (Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater). Sonntagnachmittag 3 Uhr. Oollege Crampton. Sonntagabend 8 Uhr: Hans Rosenhagen. Montagabend 8 Uhr: Das grobe Hemd. Dienstagabend 8 Uhr: _ Das grobe Hemd. Thalia-Theater. Belle-Allianee-Theater. Dresdenerstr. 72/73. Amt IV 4440. Ans. VI, Uhr. Direktion Jean Kren Sonntagnachmittag 3ll, Uhr: Charleys Tante. Nur noch 8 Vorstellungen. er Hochtourist. i des Umbaues Schluß der Wegen Saison am 1. Mai. Belle-Allianeestr. 7/8. Amt VI 283. und Altred Schönkeld. Ans. 7-/, Uhr. Sonntagnachm. 3 Uhr bei kl. Preisen: Der Hiittenbesitzer. Täglich: Freut Euch des Lebens. Grohe AuSst.-Posse m. Gesang u.Tanz in 3 Akten. Schluss der Saison am 3. Hat. Cirkus Busch. Nachmittags 4 Uhr und abends VI, Uhr: Ä grosse Oala-Vorstellimgen In beiden Vorstellungen: Auftreten des Honslenr Morok. Das Tollkühnste aus dem Gebiete des Nadsahrsports:_ Der Saltomortalc mit dem iEwclrad. Ferner: Die besten Schul- und Freiheitspserde. Sänitl. Clowns mit ihren neuesten vorzüglichen Witzen und Spässen! In beiden Vorstellungen: Aus den Alpen. SmobTutur.. Abends 71/» Ehr: Fortsestnng der Großen internationalen"WS Ringkampf-Konkurrenz unter dem Ehrenprotektorat des Herrn Projesiors Dr. Begas. Beginn gegen 8'/, Uhr.— Gr. Entscheidungskamps zwischen Heinrich Eberle(Deutschland) gegen Omer de Bouillon(Belgien), Jacob Koch(Deutschland) gegen Sauerer(München). Nach Ausscheidung der bisher im Vorringen viermal geworfenen Ringer spielen sich gegenwärtig die Endkämpse zwischen den nunmehr als den acht besten Ringern ermittelten Teilnehmern ab._ Passage-Theatei. Anfang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Jeden Abend 10 Uhr: Grosse internationale Ringkampf- Konkurrenz. 20 preisgekrönte Ringkämpfer. Oskar Fürst« Lina Goltz Humorist. Soubrette. 14 erstklassige Nummern. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen. Badstr. 58. Heute Sonntag, den 24. April: Berlin, wie es weint nnd lacht. Volksstück mit Gesang in 3 Akten von Berg und Kaiisch. Dttr Ansang 7 Uhr. Nach der Vorstellung: tMcessee Hall. Morgen Montag: Große Extra- Vorstellung: Der Mann mit der eiserne» Maske. Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Heute Sonntag, den 24. April: Bernliaril Rose-Tlieater-Ensenitile. Drei Tage aus dem Lehen eines Spielers. Drama in 5 Akten nach dem Französischen von Angel y. M?- Ansang 6 Uhr."ME Nach der Vorstellung: Crro�ei' Ball. Dienstag, den 26. April: Berlin, tvic eS weint und lacht. Dir! Weiss-Theater. Bürgerliches Schauspielhaus. Groste Frankfurterstr. 132. Nachmittags 3 Uhr(Parkett 60 Pf.): Austreten des Dir. M. E. Fischer. Die zärtlichen Verwandten. Lustspiel in 3 Akten v. Rod. Benedix. Abends 8 Uhr: Gastspiel des königl. Hosschauspielers Emil Ziichard: Dukcl Brilslg. Lebensbild in 5 Akten. Im Sommergarten: Speeialitäten- Vorstellung. Ansang 4 Uhr. Montag: Volksvorstellung, halbe Preise: Wilhelm Teil. Palast-Theater Burgstrafte 22, früher Feen-Palast. Heute nachmittag 3 Uhr: Halbe Kassenpreise. Kabale und Liebe. Schauspiel in 5 Akten v. Fr. v. Schiller. Abends 8 Uhr: Die Liehe im Sehhause. Lustspiel in 2 Akten von E o s m a r. Pyramidale Speeialitäten. Die Weber. Eharaktergemälde mit Mufik von W. Gericke. Montagabend 8 Uhr: Das phänomenale Äpril-Propmm. Schluft der Saison: Sonnabend, den UV. April 1901. I Direktion: Robert Dill. Rrnnuenstrasse 16. StelTen Eianger ans Glogan oder: Der Zar und der Seiler. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ball. Montag: Dieselbe Vorstellung. fvöMs Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. . Sonntag 6Vj Uhr: KarSsurger Sänger. Nach der Vorhlellung um 10 Uhr: Grosser Dali. Entree 30 Ps. Sperrsitz 50 Ps. Montag 3>/z Uhr: Gastspiel Dur- meisters Goethe-Ensemble. Königstadt-Kaslno Holzmarltstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Nur noch bis 30. b. Mts. Austreten a. Franz Sobanskl. Curt Moreno, Ada Thonisen, Marga Plessner, Gustav Isano. Bruno Gaffron sowie: Ein sauberes Kleeblatt. Posse in 1 Akt. E. und C. Bernhard/(Versuchung des Eremiten). Mittwoch, Sonnabend, Sanntag nach der Vorstellung: Tanz._ ■Theater vorm. Wclmann, Badstrahe 56. Sonntag, den 24. April 1904: Eröffnung der Sommer< Saison. Konzert. Theater- und tzSpecialitilt.-Vorstellung Austreten des Burrmeistcr- Goethe- Ensemble sowie d. Orgoufchcn Sänger. Ansang 4 Uhr.[688b] Entree 30 Ps. Rclclis Italien Stettiner Sänger Zum Schills!: N e u I Cirkus Lenz und Cirkus Pusch. Kellmo-Truppe Italienische Akrob. Paul Conchas In seiner Scene im Bivouak. Robinson Baker-Trio Springer. Helene Land Vortrags-Soubrette. Gostantino Bernardi Verwandlungsschauspieler Siegwart Gentes' Huraorist. Orfords Wunder-Elefanten. Peschkoff-Truppe RussischoTänzer. Die Blumenkönigin Tanzdivertissem. Biograph. Alhambra Wallnertheatcr-Str. 16. Jeden Sonntag: Groster Extra> Ball bei doppelt besetztem grohen Orchester. Ansang 5 Uhr. Empsehle mein Lokal für Vereine und Versammlungen. 47VVL' A. Zaiueltat. Sanssouci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Sonntag, Montag und Donnerstag: H o ff m a n n s Norddeutsche Sänger. Nach jeder Soiree: DM- Tanz."9�1 Dienstag, den 26. April: Letzter Theaterabend. Ein geadelter Kaufmann. _ Volksstück in 5 Akten. erlinerlllk-Trio. Felix Scheuer u Strilssnderstr. I. Urania. Wrangelstrassc 10/11. Jeden Tonntag: Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. Empsehle mein Lokal zu Fest- lichkeiten und Versammlungen. 4639L* C. F. Walter. MMtG n Arnold Scholz Hasenhclde Ko. 108/114. Sonntag, den 24. April: Doppel-Konxeft unter Mitwirkung der Gesangvereine„Frc.va II" u. Sängervereinigung Südost. Nach dem Konzert: ftmiilieiiliranidien. DM- 2 Ball-Orchester. 9y Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. In den hinteren Sälen von4Uhr ab: krosser 3aN bei stark besetztem Orchester. Caf® ifl®yep Strasse 128/29. Kaffee 10 u. 15, Bier, hell u. dunk.,10Pj. ca. 50 Zeitungen; 2 Billards SId. 40 Ps. Zahlstelle der Freien Volksbühne.+ Obersprec. Station Rieder-Schöneweide. Jeden Sonntag. Mittwoch, Donnerstag: Grosser Stile-Sali Kaffeeküche v. 2 Uhr an geöffnet. Ausspannung. Volksbelustigungen aller Art. Chr. Fennel.[49122» VwWTiniFW <* Germania Prachtsälel Chausseestr. 103. Arnold Scholz.< Jede» Sonntag: ----- Grosser= BALL| bei stark besetztem Orchester.# Ansang 5 Uhr. J Ii 3. Kreuzbergstr. 3. Sonntag: Junge» Gänsebraten» Aal grün m. Gurkensalat, Eis- bei» Sauerkohl, Spee. Groster Mittagstisch, a Couvert«D Pf.» vorzügliche Biere. Von 4 Uhr an DV Frei-Konzert. Der Garten ist eröffnet. __ Brauerei Triedriehshain_ früher Idpps(Oekonom: E. Niemann) am Königsthor. Grösster Konzertsaal Berlins. Von heute Sonntag ab: Kurzes Gastspiel von Johann Strauss ans Wien Dirigent der k. u. k. Sstreichischen Hofballmusik mit seiner gesamten Kapelle. Anfang( Wochentags 81/, Uhr. Entree 50 Ps. "' 2\ Sonntags 7'l,„ Reserv. PI. 1,00. Morgen Montag: Populäres Konzert von«loh. Strauss. Neue Krug-Allee 50 Jeden Sonntag: Grosser Hall wozu ergebenst einladet Fritz Freuss. Wedding-?ark, MiillerstrasselTS. Empfehle meine» Saal«.d Garten � Vereine= am t. u. 2. Pfingstfeiertag a» Jrilhkonzert und Matinee. Sonnabende w. Mai, Juni, Juli noch frei. Saal Testlichksüen Versammlungen 3 Kegelbahne» noch einige Abende frei. Vereinszimmer frei. S°»nt"g«»rrosser Ball. ♦ «ÄÄ« Am Himmelfahrtstage. IZZ I-lcbtcnbcrg* ROderstrassc O. Sonntag, den 24. April 1904: Grosses Eröffnungs-Konzeri Ball Im Saal: Anfang 4 llhr. Entree 10 Pfennig. Jnh. Com.-Ges. Alfried Winkler. Mentes Volhsgarten. Lichtenberg, 8»«|k. 35/36, SÄ* Sonntag, den 24. April: Eröffnung der Sommersaison Im Riesensaale: Kall. SÄ-. Großes Konzert. Große Anstrengungen sind auch für diesen Sommer gemacht.-WF Jeden Sonntag drei beseüte Bühnen. Bühne I: Harburger Sänger. Bühne II: Konzert. Bühne III; Specialitätcn-Theater. Eine neue BeleuchtuNgs-Anlage zur Illumination ist angelegt, wie diese in Berlin noch nicht gesehen ist.-WU) 433b__ H. Bleute, früher 21 Jahre im Böhm. Braiihanse. Ullärkischer Hof, Idmiralstr. 18c. Säle, 150 bis 500 Personen sassend, und 4 Vereinszimmer. Der kleine Saal ist Sonntags, der große an den Sonnabenden bei sreiein Orchester an Vereine zu vergeben. 47302" Jeden Sonntag: Grosser Hall. Starkes Orchester. Ansang 5 Uhr. Hochachtungsvoll»'ritz»ckalz. Saisonkarten ä 6 Mark für den Bcsnch der Grossen Berliner Kunst-Ausstellung 1904 und des Landesausstellungs- Parkes. Verkanfsstellcn: Pförtner des Ausstellungsparkes(kleine Pforte Alt-Moabit). Thormeyer, Cigarrengeschaft, Königgrätzerstr. 129(am Potsdamer Platz). 12 Filialen der Cigarrenfabrik J. Neumann. 110(12* Eröffnung: Sonnabend, den 30. April 1904. 3ade's Volksgarten Haltesteile d. elektrischen in w Strassenbahn(Siemens). W Jeden Sonntag: ünll.— Vereinen bestens cmpsohlen. Amt IV 1278. s Hasselwerder a. d. Oberspree. Jeden Sonnlag: Grosser Ball bei vollem Orchester.— Bereinen steht mein Lokal jederzeit zur gefälligen Verfügung. Zu Mondfcheinsahrtcn und Sommernachisscsten noch einige Sonnabende frei. 4759L* Um freundlichen Zuspruch bittet Gustav Hempel. NT«?«__________« Brandcnburgijche Straste 10«. VssTAMEVsASN?» Zssisursnt SeMe. tliigenehmer Tamllien-Autenthalt. � Musikalische Unterhaltung. Vereins�iii.n.er(8V I*erso»en). Billard�ininier. 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April er., abends Weimanns �oBksgapten, 8 Uhr, Bad- Straße 56: Uotks-UcrsammitlNg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten D a n d e r t dentscher Dichtung". 2. Diskussion. Um zahlreichen Besuch ersucht�_ über;„Hundert Jahre Der Vertrauensmann. Achtung, Vereine! F. Scholz's Festsäle mit Garten u. gr. Theaterbühne 74 Gr. Frankfurterstr. 74 empfiehlt sich d. Vereinen zu Sommer- festen, Theater-Vorstell. u. andr. Ver- gnügungen. Versch. Sonnabende frei. Sonntag: Gr. Ball. Ansang 4 Uhr. Heute, Sonntag, den 24. April, im großen Saale„Deutscher Hof*- Luckauerstraße 15: Vokal- u. Instrumental- Konzert 779b des Orchester- Vereins s Männerchor„Georglnla 1879" „Allegro".|(M. d. A.-s.-B.). Anfang 5 Uhr. Näheres an den Säulen._ Entrce 39 Pf. Deutseber Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Morgen, jtioniag, den 25. April er., abends präeise 8 Uhr: OrdkMche GeilttMeckiimlullg im großen Saal des Gewerkschaftshanses, Engel-Ufer 15. Tages-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Ersatzwahl zur Ortsverwaltung. 3. Neuwahl des Gauvorstandes. 4. Unsre Anträge zum Vcrbandstag. 5. Verbandsangelcgcnheiten und Verschiedenes. 23/17 S)m~ Mitgliedsbuch legitimiert t"Wi Das vollzählige und pünktliche Erscheinen aller Mitglieder erwartet Die Brts-verrvaltnng. Verband der Sattler. Bratichcn-Vcrfammlutig aller auf wasserdichte Pläne und Zelte beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen am Mittwoch, den 27. Zlpril, abends 8>/, Uhr, im Englischen I Garten, Alexandcrftr. 27c, kleiner Saal, 1 Treppe. Tages-Ordnung: 1. Der im Jahre 1993 vor dem Einigungsamt abgeschlossene Tarif- vertrag und das Verhalten der Unternehmer den Bestimmungen desselben gegenüber. Referent: Karl Weyher. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Kollegen und Kolleginnen der Firmen: Oskar Eckert, Robert Reichelt, Edmund Weiser, Karl Duwe, Pudor 4 Hammer, Wolf müssen unbedingt in dieser Versammlung anwesend fem. 156/6_ Die Branchen-Leitung. ttr immer- m Mittwoch, den 27. April, abends S'/a Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: General Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom ersten Quartal. 2. Bericht des Vorstandes, des Arbeitsvermittlers und der Kontrolllomunssionen. 3. An- träge. 4. Verbandsangelegenheiten. 82/19 Eintritt nur mit Mitgliedsbuch.-Mg Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Branche der Korbmacher. Montag, de» 25. d. M«, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Eeopold. 2. Diskussion. ?. Wahl eines Kommissionsmitgliedes. 4. Branchenangelegenheiten. schiedcncs. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 5. Vor- Die Kommisston. Verein deutscher Schuhmacher. Bureau jestt Wastmannstr. 32 A, Hof Part. Montag, den 2S. April, abends S'l, Uhr, im Roscnthaler Hof, Rosenthalcrstr. 12: Lvnvnsl-Vei'ssmmlung. Tages-Ordnung: 1. Kassen- und Geschästsbericht pro erstes Quartal 1994. 2. Bericht von der Brandenburger Provinzial-Konserenz. 3. Antrage zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. Iii It Filiale Berlin. 9Iontag, den 25. d. 71 abends 81/« Uhr, pünktlich, bei I1 r a n k e, Sebastianstr. 39: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Bedeutung der Landwirtschast.(3. Vortrag des Genossen Redakteur Ströbel.) 2. Abrechnung vom 1. Quartal 1994. 3. Abrechnung vom Strandsest. 4. Gewcrkschastliches. Eintritt gegen Vorzeigung des in Ordnung befindlichen Mitglieds- buches.«In der Thür erhält jeder Kollege eine gedruckte Abrechnung ausgehändigt zur besseren Orientterung. 173/7 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Montag, den 25. April, abends 8 Uhr, im Industrie-Gebäude, Bcuthswaße 29: VeffenMvbe Versammlung. Vortrag von Anna Papprltu-Berlin: „Vis wirtschaftlichen Ursachen der Prostitution." _ Diskussion. Einrtitt frei für Männer und Frauen."VCi 7076 Die Einberuferin: Frau Martha Marquardt. i Wahlkreis. Dienstag, den 26. April, abends S'h Uhr, im GcwerUchafshauS. Engel-Ufer(großer Saal): General- Uersammlnug des socialdemokratische» Wahlvereins für den dritten Kreis. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Abrechnung vom letzten Quartal. 2. Vortrag des Reichs« tags-Abgeordnetcn Genossen Wolfgang Heine. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. DM- Mitgliedsbuch legitimiert. Damen haben aus der Galerie Zutritt. Zahlreichen Besuch der Mit« glieder erwartet Der Vorstand. Mitglieder werden in der Versammlung, jeden zweiten Mittwoch im Monat auf dem Zahlabende, sowie in den folgenden Zahlstellen aus« genommen: tZotttrled Schulz, Admiralstr. 49a(Kottbuser Platz). Wilhelm Börner, Ritterstr. 15. Martin Mescha, Adalbertstr. 24, Eingang Engel-User. Emil Götte, Brandcnburgstr. 18. Adolf Flick, Simeonstr. 23. Ernst Eier, »Alte Jakobstr. 119. Franz Krüger, Naunynstr. 54. 249/19 Soeialdemokratiseher Verein im S. Berliner Reichstags-Vtohlkreise. Die Zahlstellen des Vereins befinden sich bei Wendland, Cigarrengeschäst, Marienburgerstr. 32. Heul,„«arnimstr. 42. Hlchtei-, Filzschuhsabrik, Neue Königstr. SO. Knötzsch, Gastwirt, Hirtenstr. 10. PfelTcp,„ Rosenthalerstr. 57. Wirth,„ Auguststr. 51. Wlttchow,„ Kleine Hamburgerstr. 27, Ecke Elsasserstraße. Wiese, Hutmacher, Luisenstr. 20. Da eine neue Mitgliederliste ausgestellt wird, bitten wir alle Mit» glieder, welche eine Konttollkarte noch nicht ausgefüllt haben, ihre genaue Adresse, Nummer des Mitgliedsbuches, Name, Stand, Wohnung(resp. bei wem) per Postkarte(2 Pfennig Porto) an den Kassierer Leopold Liepmann, NO. 4z, Linien- strasse 242, I, gelangen zu lassen. Derartige Karten sind aus Wunsch m dm Zahlstellen zu haben. Wir bitten dringend, dies zu beachten. 245/6 Der Borstand. Mtenberg! Montag, den 25. April, abends 8V3 Uhr, im Saale des Herrn Höflich. Frankfurter Chaussee kS0: Uolks Uersammwng. TageS-Ordnung: 1. Gleiches politisches Recht für Mann und Frau. Neserenttn: Genossin Klara Zetkin. 2. Wahl einer weiblichen Kreisvertrauensperson. 222/4 Steinarvetter! Donnerstag, den 28. April 1003. abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 o|_ ÜSF* jYiitglieder-Versammlung."MZ Tagesordnung: 172/10 1. Vierteljahrsabrechnrmg. 2. Bericht von der Gaukonserenz. 3. Be» richt vom Vcrbandstag. 4. Verschiedenes. Um rrajt zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Oer Vorstand. n Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Am Montag, den 25. April 1004, abends 8 Uhr, findet in den „Andreas-Sälen", Andreasstr. 21, die 114/14 KomkimerteNertrauensmiinner-Konferettz statt. Tages-Ordnung: Stellungnahme zur Geueralversammluug. Ohne Mitgliedsbuch und ohne Einladungskarte kein Zutritt. Die Ortsverwaltung. Dienstag, den SS. April, ahds. S'l,(ihr, in Weimanns Tolbsgorten, Badstrasse 56: Großer lehrreicher Uorlrag. 1. Sonnen-Therapie. Erzielte Hcilersolge bei LupuS, Flechte, t autkrebs. Referent: Herr Haxliiillian Behl. 2. t,uft u. l-lcht, Bei Heilsaktorcn des Naturheilversahrens. Referent: Herr liedhardt Adorno. DM- Mitglieder frei. Gäste 29 Ps. Eintritt.-Mg Es lad« ergebenst ein 289/6 Der Borstand des Bereins für Gesundheitspflege Berlin Norden« (Bundes-Nummer 1316.) kummvlsliungs Soeialdemokratiseher Wahiverein. Montag, den 25. d. M., abends 81/, Uhr, im Weigelschen Lokal, Türrschmidtstraße 45: General-Bersammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Verschiedenes. 8/6 Um recht zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstand. Verein für f rauen u. JVIädehen der Arbeiterklasse. Montag, 25. April, abends 8'/, Uhr, in den Arrninhalisn, Kommandantenstr. 29: Vorttag des Hrn. Fri» Herbert-Stettin:„Welches Interesse hahou die Frauen am Genossenschaftswesen?" 55/10 Gäste willkommen. Der Borstand. H SrelkeMze» HachF.""HT- Besonders günstige Kaufgelegenheit! Montag, den 25. April bis Sonntag, den 1. Mai � bekannt billigen Preise Einige Beispiele: Doppelte Stabattmarken. 4\g\P\&s S t�cXP �Gj\P »v v>- »«K- «SS-»" 4883L* Teppich- Soeelalhaiis Emil Lefhvre Oranlenslr. 158. (Erweitertb. Prinzessiunonstr.) Lei! dnrch seine und den Siesenfiager Riesen-Umsatz! Zurockgestbli Teppiche, Prachtexemplare, M. 8,75, 6, lO,«O-lOOotc. Gardinen, Portieren, MObclxtoffe, Steppdecken etc. Pracht-Katalog mit etwa in künstlerlscber Ausstattung auf Wunsch gratis ü.franco. R ESTE zur Dnmen-Mäntel- Confektion, Mädchen- und Knaben-Garderobe. Damen- tuche in schwarz und farbig. Kostüms tofle, Kammgarn, Cheviot, Corkskrew, Plüsch, Kammete, Besatzartikel etc. ONFEKTION. Fertige Jacketts, Capes, Paletots, Kostümröcke etc. GrSsste Auswahl. Billige Preise. CIPaBv Kottbuser A m CBZ; Strasse Oskar Hanke3 8ret-8äekereien liefern das grösste und im Geschmack vorzüglichste Rongenlirot von jetzt ab grösser als bisher sowie die rübrnllcbst bekannten Riesen-Napfkuchen und Stollen, 2 Pfd. für 50 Pf. Specialität: Abs. 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Eine Woche ist nunmehr nach dem Ende unsres Kongresses ins Land gegangen und noch läßt sich kein Ueberblick darüber gewinnen, was wenigstens seine nächsten praktischen Folgen für das innere Parteilichen sein werden. Noch nie hat ein Kongreß so viel Arbeit ungethan sein lassen, wie dieser. Er hat sich gewissermaßen ganz und gar erschöpft in der Kraftprobe, ob der linke Flügel stärker sei als der rechte und selbst dieser Kampf hat sich unter Bedingungen vollzogen, daß man mit Recht sagen kann, daß selbst der hier erlangte Beweis nicht gerade genügend ist. Der Parteitag von Bologna ist ein Kongreß großer oratorischer Redlichkeit gewesen. Keiner hat mit seiner Meinung hinter dem Berge gehalten. Die Anhänger B i s s o l a t i s und die Labriolas haben von Anfang an ähnlich gesprochen wie jemand, der der Niederlage sicher ist und fast nur noch ein geschichtliches Interesse daran hat, seine Ideen zu Protokoll zu geben. Da nun aber im Kongreß sich nicht zwei, sondern drei Gruppen gegenüberstanden und von diesen dreien nicht eine über die absolute Mehrheit verfügte, so erschien im Laufe der Verhandlungen klar, daß das Abstimmungsresultat im wesentlichen auf die Gruppierungskünste ankam. Das für die Einheit und gegen den Ministerialismus auftretende Centrum konnte nur siegen, wenn die Labriolaner ihre Stimmen auf es über« wälzten. Bissolati und die Seinen konnten an Sieg nur denken, wenn sie aus dem Centrum Stimmen gewinnen konnten. Und in diesem Versuch der Stimmenkonzentration ging die Aufrichtigkeit, von der man so viel gesprochen, ganz in die Brüche. Die dem Außenstehenden schwerer verständliche Teilung des Centrums in ein rechtes(Rigola) und in ein linkes(Ferri) war durch die ausschlaggebenden äußersten Flügel bestimmt. Denn es handelte sich um eine rein taktische Teilung, wie man aus der fast vollständigen Uebereinstimmung der Tagesordnung Rigola und der Tagesordnung Ferri ersehen kann. Die Parole zu dieser Teilung wurde am Abend des zweiten Tages von den Labrwlanern ausgegeben, als sie— in der privaten Sitzung ihrer Gruppe— erklärten, die Tagesordnung Rigola in der Stichwahl fallen zu lassen, weil sie durch das bunte Gemisch der Unter- zeichner und nach den Erklärungen mehrerer ihrer Redner keine ge- nügende Garantie mehr böte. Ferri brachte nun eine andre, die Einheitsidee und den Antiministerialismus ausdrückende Resolution ein, die vor der Resolution Rigola das voraus hatte, daß sie noch keine Kongreßgeschichte besaß, noch nicht als Turatismus ohne Logik. als Labriolismus ohne Logik, als kupplerische Resolution usw. be- zeichnet worden war. Hätten darauf Rigola und die Seinen ihre Resolution zurückgezogen, so wäre die Sitriatton klar geblieben: ein rechter ministerieller Flügel, ganz aus einem Stück(Ref. Bissolati), ein linker antiministerieller Flügel aus der Koalition des Centrums und der Revolutionäre. Nun zogen aber Rigola und die Seinen ihre Resolution nicht zurück, vielleicht, weil sie sich nicht klar darüber waren, warum Ferri in zwölfter Stunde ihrer Resolution das Wasser abgrub, weil in der Eile und Aufregung hierüber keine gegenseitige Verständigung erzielt werden konnte und es nun manchem so schien, als hätte sich Ferri darin gefallen, mit der An» ziehungSmacht seines Namens eine persönliche Kraftprobe zu machen. Gleichzeitig hatten sich nun auch die um Bissolati bemüht, vom Centrum Stimmen zu gewinnen und hatten ein Amendement ge- plant, das erklärte, es bestände keine Möglichkeit, in absehbarer Zeit an der Regierung teilzunehmen. Da nun aber Rigola seine Tages- ordnung auftecht erhielt, wählten sie eine andre Form, um zu einem Stimmenzuwachs aus dein Centrum zu kommen: sie erklärten, in zweiter Abstimmung ihre Stimme,: auf Rig olasResolution überzuwälzen. Damit war die Konfusion vollkommen: für die antiministeria- listische Einheitsresolution Rigola die gar�e ministerielle Rechte, für die antiministerialistische Einheitsresolution Ferri die ganze anti- ministerielle Linke. Daß aus solchen Abstimmungen keine Klarheit komnien kann, liegt auf der Hand, umsomehr, als Rigola stets der gemäßigt revolutionären Richtung angehört hat und weiter links stand als Ferri. Wenn man all den innerparteilichen Kuhhandel. der dem Votum vorausging, bei Seite schiebt, so bleibt eben als Kern des Resultats die Feststellung, daß die Linke in der Partei stärker ist, als die Rechte. Die praktischen Konsequenzen dieser Feststellung hat man sofort gezogen, indem man in den Parteivorstand nur Mitglieder der Linken wählte. Und nach diesem„Regierungswechsel" Kennte sich der Kongreß, das übrige dem Parteivorstande überlassend. Dieses übrige ist nun sehr viel: man hat den neuen Vorstand beauftragt, ein neues Organisationsstatut auszuarbeiten und durch Referendum von den Parteimitgliedern bestätigen zu lassen. Das war unbedingt notwendig, ist aber darum nicht weniger schwierig. Man muß sich vergegenwärtigen, daß seit Rom(Sep- tcmber 1999) in der italienischen Partei die Rechte die Oberhaud hat. Diese Rechte hat nun immer auf die Decentralisation in der Partei, auf die Autonomie der Teile hingearbeitet. Turati und me, die ihm nahe stehen, haben sich offen für die Abschaffung jedes Parteivorstandes ausgesprochen. Es ist logisch, daß die Linke, wenn sie m eigner und ausschließlicher Verantwortung die Parteileitung ubernlmnit, dies nicht thun kann, ohne dem Vorstand jene Kompetenzen wiederzugeben, die ihm die Rechte genommen hat. jeden. Versuch, seine Kompetenzen auszudehnen zu einer Ueberwachung über die Parteipresse, einer Kontrolle der Fraktion. emcm Emspruchsrecht bei der Aufftellung der politischen Kandidaten zc., ist der Partelvorstand des energischten Widerstands von feiten der immerhin sehr bedeutenden reformistischen Minorität sicher. Ferner hat der.neue Vorstand die Frage der autonomen Zirkel zu lösen. Die Reformisten beanspruche» die Anerkenming aller bereits bestehenden und eventuell noch sich bildenden autonomen Organisationen. Nun ist das natürlich das thatsächliche Ende der Parteieinheit, denn wenn sich an einem Ort zwei oder mehr rechtmäßige Partei-Organisationen bilden dürfen, mit eigenen Zeitungen und natürlich auch mit eigenen Kandidaten, dann steht eben die Parteieinheit nur noch auf dem Papier und man thut gut daran, sie auch dort möglichst schnell zu beseitigen. Reformisten erklären, auf die Nichtanerkennung der secessionistischen Parteiabteilung mit der Spaltung zu antworten. Nachdem sie aber soviel mit der Spaltung gedroht haben, um dann schließlich für die Einheit zu stimmen, obwohl diese Einheit in einer antiministerialistischen Tagesordnung steckte, werden diese Drohungen nicht mehr sehr ernst genommen. Am Morgen nach dem Parteitagsschluß(12. April) haben sich die Reformisten versammelt, um über ihr Verbleiben in der Partei zu beraten. Eine kleine Gruppe trat für den sofortigen Austritt ein, die Mehrheit beschloß, abzuwarten. Man ernannte eine Konwoll- kommission, die die Parteileitung überwachen und die reformistische Aktion leiten sollte, eine Art reformistischer Parteivorstand mit Sitz in Mailand. Auch in manchem weiteren Nachspiel deS Kongresses ist viel Befremdendes: besonders nach dem Verhalten der Mehrheit der Reformisten, die während des Parteitages trotz des vielen Redens von der Spaltung, die Spaltung sehr energisch ablehnte. In Parma sind die Abgeordneten B e r e n i n i und Albertelli aus der lokalen Parteiorganisation ausgetreten, um eine autonome Organisation zu gründen. Ferner haben die Abgeordneten M o r g a r i und L o l i n i, die für das rechte Centrum stimmten, A g n i n i, der fiir die Linke stimmte, ihren Wählern ihr Mandat zur Verfiigung gestellt, weil ihr Wahlkreis zu Gunsten der andren Tendenz stimmte. In diesem Zeichen weiht man die Einheit ein l Was die Presse betrifft, so ist die bürgerliche fast einstimmig darin, daß es sich nur um eine geleimte Einheit handele. Alle Blätter, die konservativ-oppositionellen„Giornale d'Jtalia" und„Corriere della Sera" an der Spitze, behaupten, die Reformisten hätten aufgehört, Socialisten zu sein, und wären im Grunde nichts als eine neue radikale Refornchartei. Der refor- mistische Mailänder„Tempo" sagt, die wahren Sieger wären die Reformisten, da sie eine kompakte Einheit bildeten, während Ferri in Zukunft nur noch ein Werkzeug in der Hand der Revolutionäre sei. Die Genueser nicht socialistische aber den Reformisten freundlich gesinnte Arbeiterzeitung„II L a v o r o" schreibt: die Spaltung sei nunmehr unvermeidlich. In den lokalen socialistischen Wochenblättern, deren es gegen 199 giebt, scheint die Beftiedigung über die nicht erfolgte Spaltung vorzuherrschen. Das Ausbleiben einer offiziellen Spaltung ist freilich ein magerer Erfolg, aber man könnte sich darüber freuen, wenn nur von feiten der Reformisten etwas guter Wille da wäre, für die Schaffung einer neuen Einheit und Einigkeit zu arbeiten! Se\vevKfd?aftUcKes. lieber die Streiks und Aussperrungen im Jahre 1993 veröffentlicht das„Reichs-Arbeitsblatt" folgende Mtteilungen: Im Jahre 1993 wurden im Deutschen Reiche im ganzen 1374 Streiks beendet gegen 1969 im Jahre 1992, 19S6 im Jahre 1991, 1433 im Jahre 1999 und 1288 im Jahre 1899, dem Ausgangsjahr der amtlichen Streikstatistik. Während die Zahl der beendeten Streiks im Berichtsjahre 1993 gegen das Vorjahr 1992 fast um ein Drittel gestiegen ist, betrug die Steigerung bei den streikenden Arbeitern weit über die Hälfte und bei den beteiligten Betrieben und den infolge des Streiks zum Feiern gezwungenen Arbeitern mehr als das Doppelte. Unter den fünf in Vergleich stehenden Berichtsjahren tritt 1993 in betreff der beendeten Streiks in die zweite Stelle, in betreff der betroffenen Betriebe und der streikenden Arbeiter in die dritte und in betreff der gezwungen feiernden Arbeiter in die erste Stelle. Ein Vergleich der beendten Streiks des Jahres 1993| mit denen des Jahres 1992 zeigt eine Zunahme der Ziffern sowohl bei den vollständig erfolgreichen und vollständig erfolglosen, als auch bei den nur teilweise erfolgreichen Ausständen. Vergleicht man die Er folge der Ausstandsbewegung des Jahres 1993 mit den Durch- schnittSerfolgen des Zeitraumes 1899—1993, in welchem insgesamt 6211 Streiks zur Beendigung gelangten, darunter 1334 mit vollem, 1898 mit nur teilweisem und 2979 ohne jeden Erfolg für die Streikenden, so entfallen auf die beendeten Ausstände »ÄS» w 3.5« 1» mit vollem Erfolge..... 21,48 Proz. 21,83 Proz. mit teilweisem Erfolge.... 39,96, 32,32„ ohne Erfolg....... 47,96„ 45,85„ Das Jahr 1993 entspricht sonach hinsichtlich der Zahl der Streik- fälle mit vollem Erfolg ziemlich dem Durchschnitt des Zeitraumes 1899 bis 1993, geht über denselben bezüglich der Fälle mit nur teil weisem Erfolge hinaus und bleibt hinter demselben zurück, was die Ziffer der vollständig erfolglos verlaufenen Ausstände anlangt. Aussperrungen wurden im Jahre 1993 79 beendet gegen 46 im Jahre 1992, je 35 im Jahre 1991 und 1999, und 23 im Jahre 1899. Ausgesperrt wurden hierbei 35 273(19 395, 5414, 9985, 5298) Arbeiter, während außerdem 835(297, 95, 226, 1728) Arbeiter infolge der Aussperrungen zum Feiern gezwungen wurden. Von den im Jahre 1993 beendeten Aussperrungen hatten 36 vollen. 15 teil- weisen, 19 keinen Erfolg; es entfallen auf die beendeten Aus- sperrungen w 3.5«»03 mit vollem Erfolge..... 48,33 Proz. 51,43 Proz. mit teilweisem Erfolge.... 26,79„ 21,43„ ohne Erfolg....... 24,88„ 27,14„ Die Zahl der Aussperrungen hat demnach verhältnismäßig weit rascher zugenommen als die der Streiks, und diese Entwicklung dürste sich, wenn man die Beschlüsse der diversen Unternehmer- organisationen und die Gründung der sogenannten„Hauptstelle" der Unternehmerverbände in Betracht zieht, noch fortsetzen. Ein Vergleich zwischen der Zahl der Ausgesperrten und der der Streikenden, den das„Reichs-ArbeitSblatt" leider nicht giebt, bietet folgendes Bild: Es wurden gezählt: Im Jahre: Streikende: Ausgesperrte: 1899 99 338 5 298 1999 122 893 9 985 1991 55 262 5 414 1992 53 912 19 395 1993 85 693 35 273 Wenn diese Entwicklung sich fortsetzt, dürste in wenigen Jahren die Anzahl der ausgesperrten Arbeiter die der streikenden erreichen. Den Gewerkschaften erwächst daraus eine neue Aufgabe: Sie müssen ihre Schlagfertigkeit gegen bisher noch bedeutend erhöhen und stets für einen Fonds sorgen, der es ihnen er- möglicht, auch den unerwarteten und unvorhergesehenen Aus- sperrungen besser als bisher begegnen zu können. Außerdem ist es notwendig, daß der Widerstand gegen Aussperrungen in dem Umfange wie die Crimmitschaner, denen eine Gewerkschaft allein nicht gewachsen ist, organisiert wird. Es muß eventuell der Gcneralkommission die Möglichkeit gegeben werden, Extrasteuern, die sich diesmal nur einige Gewerkschaften freiwillig auferlegten, a l l- gemein anzuordnen. Will man der Generalkommission allein eine so große Machtvollkommenheit nicht zusprechen, so könnte in solchen Fällen vielleicht eine schnell einzuberufende Konferenz sänitlicher Ge- werkschaftsvorstände handeln. Jedenfalls darf die Unterstützung der vom Kapital Angegriffenen in Zukunft sich nicht wie bisher lediglich auf fteiwillige Beihilfen beschränken, die imnier nur von wenigen gegeben, diese wenigen stark belasten müssen und deswegen gerade im notwendigsten Augenblick versagen können. Berlin und dmgegend. Achtung, Metallarbeiter! Die Arbeiter bei P i n s ch in W i e n haben die Arbeit nieder-. gelegt. Wir ersuchen, den Zuzug nach Wien streng fernzuhalten. Sodann machen wir den Kollegen die Mitteilung, daß der Streik und die Sperre über den Betrieb von Knoll aufgeboben sind, nachdem eine Verständigung zwischen den Kollegen und der Firma stattgefunden hat. Diese Veröffentlichung gilt zugleich als Antwort auf die vielfachen schriftlichen Anftagen, die in den letzten Tagen in dieser Sache an uns ergangen sind. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsvcrwaltung Berlin. OtUtkcbes Reich. Der Deutsche Metallarbeiter- Verband veröffentlicht jetzig seine Jahresabrechnung, aus der sich eine Mitgliederzahl von 169 135 (164,567 männliche. 5568 weibliche) und damit gegen 1992 eine Zu- nähme von 31 293 ergiebt. Der Deutsche Metallarbeiter- Verband war bekanntlich im borigen Jahre die Zielscheibe der Kühnemänncr, in Iserlohn und Berlin wurde versucht, ihn kampfunfähig zu machen und zum Weißbluten zu bringen. Ader alles war umsonst, in Jsir- lohn stieg die Mitgliederzahl von 216 auf 1625. in Berlin von 39 345 auf 35 741! Und die Jahresabrechnung ergiebt weiter, daß das Vermögen des Metallarbeiter- Verbandes trotz der zahlreichen, schwierigen und kostspieligen Kämpfe, in die er verwickelt Ivar, sich doch um über 299999 Mark vermehrt hat! Die Einnahmen und Ausgaben bilanzieren mit 3242773,48 M., die Reineinnahme be- wägt 2 814 897,57 M.(1992: 1567 433.67 M.). Die Ausgaben des- Verbandes für U n t e r st ü tz u n g e n sind enorm gestiegen, wie fol- gendc Aufstellung zeigt: 1993 1992 Reisegeld...... 146 773,14 M. 135 226,24 M. Arbeitslosen-Unterstiitzung 329 859,59„ 366 934,12„ Streikunterstützung... 1229 551,59„ 419 759,91„ Besondere Notfälle... 84 969,19„ 66 344,27„ Rechtsschutz..... 45 374,36„ 12 372,68„ Summa: 1 826 618,87 M. 999 727,32 M. Der Mehr aufwand fiir Unterstütznngen beläuft sich also im Jahre 1993 auf nicht weniger als 826 891,55 M., die S t r e r k- u n t e r st ü tz u n g hat sich verdreifacht. Zu den dafür aus- gegebenen 1 229 551,59 M. kommen aber noch die großen Summen, die aus den Lokalkassen dafür geopfert wurden; in Berlin allein 224 719,35 M. Auch fiir die übrigen Nnterstützungszweige sind aus lokalen Mitteln noch große Summen geleistet worden. Angesichts dieser Thatsachen sagt die„Metallarbeiter-Zeitung'' mit Recht, daß der Verband sowohl in Bezug auf seine Milglieder- zahl wie seine finanzielle Leistungsfähigkeit ein erfreuliches Bild zeige. Trotz alledem und alledem! Das Organ des Ver- bandcs schließt seine Betrachtungen mit folgenden Sätzen:„Die Scharfmacher mögen daraus lernen, daß alle ihre Mühe schließlich doch umsonst ist. Im Grunde genommen beschleunigen ihre Gewalt- maßregeln doch nur den Aufmarsch der Arbeitcrbataillone und die Vervollständigung ihrer Rüstung---- Aber wir müssen immer wachsam und auf dem Posten sein. Das Scharfmachertnm holt zu einem neuen Schlage gegen die organisierte Arbeiterschaft aus. In Berlin pflegten seme Verweter in diesen Tagen Kriegsrat. Der allgemeine Arbeitgeber-Verband ist in Gestalt einer„Hauptstelle deutscher Arbeitgeber-Verbände" gegründet worden. Dem Gesamt- verband der Metallindustriellen Deutschlands wurde dabei eine führende Rolle übertragen. Er soll die noch widerstrebenden Arbeitgeber-Verbände zum Anschluß bewegen, dem ganzen Terroristen- bund den letzten Schliff geben. Diese Thatsache wird gewiß den Eifer unsrer Kollegen ganz besonders anspornen, sie werden ihre Werbethätigkeit für den Deutschen Metallarbeiter-Verband verviel- fältigen, ihm neue, zahlreichere Scharen zuführen, um so ein Uir- übersteigliches Bollwerk zu errichten: den Metallarbeitern zum Schutz, ihren Widersachern zum Trutz!" Die Zimmerer hatten in Bielefeld an die Unternehmer das Ersuchen gestellt, ihnen einen Stundenlohn von 59 Pfennig zu zahlen und die Lohn- und Arbeitsverhältnisse einheitlich zu regeln. Der Arbeit- geberverband für das Baugewerbe sicherte einen Stundenlohn von 45 Pfennig zu, der sofort gezahlt werden soll, und lvollen ihre Bau- preise so normieren, daß in Zukunft die gestellten Forderungen be- willigt iverden können. Auf Grund dieser Vereinbarung kam es zu einer friedlichen Beilegung des Konfliktes. Die Lohnbewegung der Maurer in Königsberg ninnnt einen günstigen Fortgang. In der ersten Woche des Ausstandes haben 28 Baufirmen dem neuen Lohntarif schriftlich ihre Anerkennung ge- geben, so daß bereits 243 Maurer mit 55 Pf. pro Stunde entlohnt werden. 377 Mann befinden sich im Ausstand, 216 Kollegen sind abgereist und nur noch 169 arbeiten zu den alten Bedingungen. Die von den Unternehmern so sehnsüchtig erwarteten Italiener sind noch immer nicht eingetroffen. Busland. Der Streik der SchiffStischlcr und Modellarbeiter auf der Schiffs- werft in Helsingör dauert noch immer fort. Wie bekannt, be- finden sich 42 Mann im Ausstand. Mehrere deutsche Tischler haben sich durch Annoncen in deutschen Zeiwngen zur Reise nach Helsingör" verlocken lassen, weshalb wir auf Grund vorstehender Mitteilung des Vorstandes des dänischen Tischlerverbandes unsre Warnung vor Zuzug hierdurch nochmals wiederholen. Ein Landgerichts- Direktor als Preßcensor. Zu schärften Angriffen gegen die Presie'nahm gestern Land- gerichts-Direktor Op permann I als Vorsitzender der 4. Straf- kammer des Landgerichts I Veranlassung. Wegen Beleidigung durch• die Presse hatte sich der Redakteur der„Staatsbürger-Zeitung". Erich Kammer zu verantworten. Inkriminiert war ein Artikel in Nr. 371 der„Staatsbürger-Zeitung" vom 17. Dezember v. I. unter der Ueberschrift:„Der Zusammenbruch eines Gerichtsvollziehers. Eine Warnungstafel." In dem Artikel wurde berichtet: Der Gerichtsvollzieher Zweiling sei nach dem Empfang eines Schreibens des Aufsichtsrichters Lieber, in welchen: er aufgefordert lvurde, sich zur amtlichen Vernehmung einzufinden, geistig zusammengebrochen und habe nach der Irrenanstalt Herzberge übergeführt werden müssen. An diese richtige Thatsache knüpfte der Artikel eine Reihe von Betrachtungen über die Not der Gerichtsvollzieher und das Verhalten der Behörde Herrn Zweiling gegenüber. Es habe sich um eine nur scheinbar begründete Beschwerde gehandelt, daß Z. eine Zwangsvollstreckung nicht schnell genug erledigt habe. Und lcdig- lich deshalb sei dies amtliche Schreiben ergangen, das so entsetzliche Folgen gehabt habe. Die Ursachen des geistigen Zusammenbruchs des Z. seien: 1. Ueberlastung mit dienstlichen Arbeiten, 2. ein zu scharfes Vorgehen der Behörde bei Beschwerden über angeblich nicht genügend schnelle Erledigung der Zwangsvollstreckungen, 3. unge- nügende Besoldung des Gerichtsvollziehers. Schließlich wurde dem Befremden über das„eigenartige" Verhalten des Aufsichtsrichters Herrn Lieber Slusdruck gegeben. Die unglückliche Frau Z. sei zu diesem gekommen, habe ihm vorgestellt, daß sie aller Mittel entblößt sei und um Unterstützung gebeten. Was habe aber der Amtsrichter gethan? Er habe der armen Frau den Rat gegeben, sich an die� Armendirektion zu wenden und habe ihr auf einen: besonderen Zettel auch noch den Weg aufgeschrieben, den sie zu geben habe, um von der ArmendireMon Unterstützung zu erhalten. Am Schlüsse b«s> Artikels wurde dem Justizmimster das Studium dieses Falles auf das angelegentlichste empfohlen.— Auf Grund dieses Artikels hat Amtsrichter Lieber den Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Der Angeklagte bestritt die Absicht der Beleidigung. Der Zweck des Artikels sei Abstellung eines vorhandenen Uebelstaudcs gewesen. Die Thatsachcn selbst seien ihm als verbürgt mitgeteilt und durch Rechercheure bestätigt worden.— Der als Zeuge vcrnomniene Amtsrichter Lieber bekundete, daß ihm der Gerichtsvollzieher Zweiling stets sehr sympathisch gewesen sei, aber öfter zu berechtigten Beschwerden Veranlassung ge- geben habe, da er aus Gutmütigkeit Schuldnern, bei denen eine Zwangsvollstreckung vorzunehmen war, unberechtigt Aufschub ge- währt habe. Die vorgesetzte Behörde habe ihm diese Eigenmächtig- keit wiederholt verwiesen. Durch Verfügung des Präsidenten seien die Gerichtsvollzieher ausdrücklich darauf hingewiesen, daß sie dazu lein Recht haben, daß sie nur nach dem Gesetz handeln dürfen und nur der Gläubiger Recht zum Aufschub der Zwangsversteigerung habe. Der Gerichtsvollzieher Z. sei wiederholt vermahnt worden, er habe aber aus Mitleid sich immer wieder dazu hinreisten lassen, gegen die Vorschrift zu verstosten. Auf die Beschwerde vom 2. Dezember sei er erst mündlich ge- hört worden, dann habe sich die Notwendigkeit heraus- gestellt, nähere Erkundigungen im Comptoir des Schuldners einzuziehen, und es habe sich herausgestellt, dah Z. in diesem Fall nicht weniger als viermal unberechtigt Aufschub be- willigt habe? deshalb sei es erforderlich gewesen, ihn zur amtlichen Vernehmung vorzuladen. Als die Frau bei ihm erschien und ihm die geistige Erkrankung ihres Ehemannes mitteilte, habe er tiefes Mitgefühl empfunden, und als sie ihm ihre Notlage vorgetragen, habe er sich sofort bereit erklärt, mit ihr durchzuberatcn, wie ihr zu helfen sei. Des ersten Teiles dieses Gesprächs entsinne er sich nicht mehr genau, glaube aber, das; dabei von einer Stundung der Einzahlungen bei der Anstalt Herzberge die Rede war und in diesem Zusammenhange das Wort„Armendirektion" gefallen sein könne. Im übrigen habe er der Frau geraten, schleunigst ei» Unterstützungsgesuch bei der Justizbehörde einzureichen und dafür Sorge zu tragen, das; ihr die Pflegschaft für ihren Mann übertragen würde, damit sie das Gehalt erheben könnte. Er habe ihr dann alles, was notwendig sei, auf einen Zettel geschrieben und sie habe auch die Bedeutung des Zettelinhalts sehr gut verstanden, denn sie habe beim Justizminister ein Unterstiitzungsgesych eingereicht und zweimal Unterstützung erhalten.— Die Ehefrau des Gerichtsvollziehers Zweiling. die nach ihrer Angabe mit dem Artikel in keiner Verbindung steht, bekundet dem gegenüber: Als sie dem Amtsrichter ihre Notlage geklagt, habe dieser zunächst gesagt:„Wenden Sie sich in Ihrem Bezirk an den Arme»vor- st e h e r. vielleicht erhalten Sie da etwas." Darauf habe sie geant- wortet:„Aber Herr Amtsrichterl Ich als Bcamtenfrau kann doch so ctlvas nicht thun. Der Armenvorsteher würde mir doch auch gar nichts bewilligen, denn ich habe doch noch eine gute Wirtschafts- Einrichtung!" Dann erst habe der Amtsrichter mit ihr beratschlagt, was sonst gethan werden könnte. Der Zettel habe sich allerdings auf die bei der Justizbehörde von ihr zu unternehmenden Schritte bezogen.— Staatsanwaltschaftsrat Schmidt beantragte 150 M.Geld- strafe cvent. 10 Tage Gefängnis.— Rechtsanwalt Ulrich plädierte dagegen für Freisprechung. Er nahm für den Angeklagten den Schutz des Z 193 in Anspruch, da dessen Zeitung dieJnteresfen des Mittel- standes, des mittleren Beamtenstandes und speciell der Ge- richtsvollzieher vertrete. Den Thatbcstand habe der An- geklagte von Gewährsmännern, die nicht zu nennen für ihn ein nobil» officium sei, er habe austerdem Recherchen angestellt. Eine Art Voruntersuchung habe er nicht anstellen können, wenn er auch vielleicht darin gefehlt hat, das; er den Grundsatz„audiatur et altera pars" nicht genügend berücksichtigte. Schließlich habe doch auch die Frau Z. die Darstellung des Angeklagten bezüglich des Hinweises auf den Armenvorsteher bestätigt und diese Mitteilung kann eine Beleidigung nicht darstellen. Der Gerichtshof kam zu einer Verurteilung des bis dahin unbescholtenen Angeklagten. Der Vorsitzende, der daS Urteil aus- führlich begründete, führte darin der Hauptsache nach folgendes aus: Hier liege tvieder ein Fall vor, der leider fast typisch zu werden scheine, daß in der l e i ch t f e r t i g st e n Weise Sachen in die Oeffentlich- keit geschleudert werden, die sich absolut anders verhalten, als in dem Erzeugnis der Publizistik dargestellt wird und daß dann die Sachen vom Verfasser noch zu Bemerkungen benutzt werden, die schließlich darin gipfeln, die höchste Stelle des betreffenden Beamten- standes aufzufordern, mit der höchsten Schärfe, mit Untersuchung:c. gegen Beamte vorzugehen. Das geschieht dann, ohne daß der, dein so etwas auf den R e d a k t i o n s t i sich fliegt, der Pflicht nach- kommt, auf das genaueste über die Wahrheit der behaupteten That- fachen Nachforschungen anzustellen. Kommt es dann zur Anklage, dann schützt man bezüglich des Gewährsniannes gewissermaßen Amtsverschwiegenheit vor. Andrerseits aber nimmt die Presse sofort Stellung dagegen, wenn eine Behörde sagt: dies und jenes ist uns aus sicherer Quelle zugetragen, aus staatlichem Interesse ist es aber nicht angebracht, die Quelle zu nennen. Dann erhebt . die Presse sofort ein großes Geschrei. Sie selbst will ein Beneficium haben, sie will, in dem Willen und der Tendenz, Uebclstände vor ihr Forum zu ziehen, alles machen dürfen, wenn dies aber von der Gegenseite geschieht— ja, dann ist es ganz etwas anderes! In dem Anklagcfall ist der Amts- richter, der ganz unnötigerweise mit Namen genannt wurde, ver- antworilich dafür gemacht worden, daß Zweiling vorübergehend in Geisteskrankheit verfiel, der Artikelschreiber behauptete, die Be- schwerde, die zur Vorladung des Z. führte, sei nur„scheinbar be- gründet" gewesen und es habe nichts iveiter dahinter gesteckt. Das alles wage ein Artikelschreibcr in der Presse, der sich nach eigner Angabe seine Kenntnis von den Dingen nur einseitig verschafft hatte. Er'hätte doch wohl die Verpflichtung gehabt, sich an der zuständigen Stelle zunächst Gewißheit zu verschaffen! Er habe sich nicht gescheut, einen pflichttreuen Beamten vor der Welt so darzustellen, als habe er es verschuldet, daß ein alter, gewissenhafter Beamter in Irrsinn verfallen sei. Da höre einfach alles auf! Nach der einmütigen Ansicht des Gerichtshofes sei es unerhört, in einem solchen Falle den Grundsatz„audiatur et altera pars" einfach unberücksichtigt zu lassen. Nicht nur jener schwere Vorwurf gegen den Amtsrichter liege in dem Artikel, sondern er habe eine angebliche Thatsache daran ge- knüpft, die geeignet sei, den Amtsrichter in der öffentlichen Achtung herabzuwürdigen. Der Gerichtshof habe nach der eidlichen Be- kundung des Zeugen nicht für erwiesen ansehen können, daß dieser die Frau ursprünglich auf die A r m e n d i r e k t i o n verwiesen habe, ganz abgesehen davon, daß der Angeklagte die Sache so darstellte, als habe der Amtsrichter die Frau lediglich auf die Armendirektion verwiesen. Allerdings sei von der Armendirektion die Rede gelvesen, aber nur hinsichtlich der zu erwirkenden Stundung der in Herzberge zu zahlenden Gebühren. Die Frau sei bei der Aücksprache sehr auf- geregt und fassungslos gewesen und wenn sie meint, daß ihr ein allgemeiner Hinweis auf die Armendirektion gegeben worden sei, so sei dies mißverständlich. Frau Z. sei außerdem keinen Augenblick im Ztvcifel darüber gewesen, daß der Zettel sich auf die nachzusuchende Unterstützung aus'Justizfonds bezog. Von rigorosem Vorgehen gegen den Gerichtsvollzieher sei aar keine Rede, es seien hier leichtfertig Thatsachen in die Welt ge- schleudert worden, als sei eine Art Justizmord verübt worden.§ 193 stehe dem Angeklagten nicht zur Seite, denn der Angeklagte habe den Wunsch gehabt, sich an der Behörde und an der Person des Aufsichts- richters zu reiben. Ein derartig leichtfertiges Umgehen mit der Ehre eines Mitmenschen verdiene strenge Strafe. Es müsse der Presse zu Gcmüte geführt werden, daß sie bei der enormen Wichtigkeit, die sie sich selb st als siebente Großmacht beimesse, die Verpflichtung habe, stets mit der größten Vorsicht und Gewissenhaftigkeit vorzugehen. Hier, wo ein pflichttreuer Beamter ohne Not vor der Ocffentlichkeit an den Pranger gestellt worden, halte der Gerichtshof trotz der Un- bestraftheit des Angeklagten eine Geldstrafe nicht für genügend, er habe vielmehr auf drei Monate Gefängnis erkannt. Wir wollen von dem hier in Frage stehenden Einzelfall absehen, aber da der Landgerichtsdirektor im allgemeinen seinem Aerger über die Presse Ausdruck gicbt, so hätte er auch begründen sollen, auf welche Wahrnehmungen sich seine Behauptungen stützen. Wenn es nach seiner Meinung typisch zu werden scheint, daß leichtfertigerweise Sachen in die Oeffentlichkeit geschleudert werden, die sich absolut anders verhalten als von der Presse dargestellt worden, warum hat er dann nicht wenigstens eine Anzahl solcher typischen Erscheinungen aufgezählt? Wenn dieser Richter eine Ahnung davon hätte, wie sorg- sältig im allgemeinen wenigstens die linksstehende Presse recherchiert, bevor sie gravierende Dinge an die Oeffentlichkeit bringt, dann hätte er sich trotz seiner Animosität gegen die „siebente Großmacht" am Ende doch reservierter verhalten. Wenn man weiter nichts anführen kann als den Umstand, daß die Presse in hundert Fällen sich auch einmal irrt, dann wiegt diese nun einmal in der menschlichen UnVollkommenheit liegende Er- scheinung nicht schwerer als die Irrtümer. die Staats- a n w a l t e und Richter amtlich begehen. Wie würde es Herrn Qppermann behagen, wenn man ihm gegenüber da, wo er sich in seinen Urteilssprüchen geirrt hat, von Leichtfertigkeit reden wollte, oder wenn deshalb Vorwürfe in den Fällen erhoben würden, wo die von Staatsanwälten amtlich erhobenen Beschuldigungen durch die er- folgte Freisprechung des Angeklagten als haltlos hingestellt worden sind? Und in solchen Fällen könnte von der Presse mit viel größerem Rechte als Redakteuren gegenüber die Philippika deS Landgerichtsrats wiederholt werden, da den Richtern und Staatsanwälten zur Erforschung der Wahrheit der ganze amtliche Apparat zur Ver- süguug steht, die Presse in ihrem schweren Beruf hingegen nur auf private Auskünfte angewiesen ist. Etwas mehr Reserve wäre hier gerade bei einem Richter entschieden klüger gewesen. Versammlungen. Ter ReligionSstreit in Grosi-Lichterselde hat in der am Donnerstag fortgesetzten Versammlung sein Ende er- reicht. Der Besuch der Versammlung war auch diesmal ein ge- waltiger. Obgleich von vornherein schon alle Tische aus dem Saale entfernt waren, mußte bereits um 8 Uhr abgeschlossen werden. Hunderte lvaren im Garten, an den Fenstern und sogar auf Bäumen hatten die„Ausgesperrten" Platz gesucht, um von hier aus den Rednern der beiden feindlichen Weltanschauungen zuzuhören. Punkt 8 Uhr eröffnete Genosse Wenzel als Vorsitzender die Versamm- lung, um zunächst dem Genossen G e i s c n- K e r st i n g das Wort zu geben, der in scharfen Worten die sckiäbige und verlogene Berichterstattung des„Tcltower Kreisblattcs" und des„Gemeinnützigen" brandmarkte. Nach einem kurzen Resümee deS Referenten Genossen A e r n st c i n über die letzte Versammlung sprach Pastor Stötten: Ter Hauptsatz sei, ob die Religion Privatsache werden solle. Das sei eine schwierige Frage und nicht leicht zu beantworten. Man könne aus Freundschaft fiir die Religion zur Bejahung dieser Frage kommen. Die Kirche würde auch an Kredit gewinnen: alle die Mit- gliedcr, die ihr heute bloß pro korma angehörten, würde sie los- werden. Die Kirche vermöge sich mit allen Staatsformcn ab- zufinden und sei z. B. in England, Amerika usw. viel unabhängiger vom Staat. Trotzdem glaube er nicht, daß auf diesem Wege das Heil zu suchen sei. Auch sei der Staat nicht ganz ohne Interesse an der Kirche. Wenn die Socialdemokratic die Religion als Privatsache erklare, so nehme er an, daß sie eine neutrale Stellung ein- nehmen wolle. Aber damit scheine es doch zu hapern. Bebel sprach ja einmal im Reichstage von der atheistischen Partei. Er wolle nicht einmal einen Vorwurf erheben, denn eS sei ja nicht gut möglich, neutral zu sein; wenigstens als Deutsche nicht. Bezüglich der konfessionslosen Schute meinte Redner, daß dann in dem Lehr- stoff alle Gedichte, Sprüche usw. mit dem Worte Gott„ausradiert" lverden müßten. Der Vorwurf wegen des Theologenstreitcs sei nicht berechtigt; auch in der Wissenschaft gäbe es� Gezänk. Kunst und Wissenschaft seien kein Ersatz für Rcligoii. Er könne nur den Rat Pflciderers wiederholen, es mit der Religion zu versuchen.— Pastor Muß: Er scheue sich nicht, sich zu seinem Glauben zu bekennen, stimme aber dem Referenten zu, daß die Religion die innerste An- gclcgenhcit des Menschen sei. Redner erinnert an die Propheten, die selbst den Machthaber» gcgcnübergetreten seien. Der Professor Ladcnburg, der auf dem Naturforscher-Kongrcß erklärte, daß die Naturwissenschaft einen Glauben an Gott ausschließe, habe diese Stelle in der betrcfsendcn Broschüre gestrichen.— Genosse W e tz k e r nimmt das Wort und fragt alsdann, wo heute denn eigentlich die Propheten seien, die gegen die Mächtigen etwas zu sagen wagten? (Vielstimmiges Sehr richtig II Heute halte man schon selbst Stellen aus der Bibel für revolutionär; die Sdflcife eines Kranzes mit einer solchen Bibelstelle sei der Polizeischcrc zum Opfer gefallen. Die Doppelehe Philipps von Hessen sei von der Kirche sanktioniert worden. Die Behauptung, daß es ohne Religion keine Sittlicksteit gäbe, sei lächerlich. Sehr viele religionslose Menschen seien mindestens ebenso sittlich wie andre. Und daß die Religion nicht vor dem moralischen und sittlickien Verfall schütze, das beweise die Strafstatistik des Vor- jahrcs, nach welcher 5 8 Geistliche wegen Sittlichkeitsverbrechens, Unterschlagung, Untreue, Meineides ysw. verurteilt worden seien. Um die Religion, wie sie von Professor Pfleiderer in der Ver- samnilung definiert worden sei, kümmere sich der Staat allerdings nicht; die sei schon Privatsache. Aber es handle sich um die Dogmen-, die konfessionelle Staatsreligion. An der Hand reichhaltigen Materials beweist Redner die Feindschaft der Kirchs gegenüber der Wissenschaft; auch die Feuerbestattung scheitere an der Kirche. Daß nur„dem Volle" die Religion erhalten bleiben solle, beweise der Umstand, daß z. B. in Lichtcrfeldc die Volksschulen wöchentlich£>. die höheren Schulen jedoch nur 2 Religionsstunden hätten. Dabei werde dm Kindern die Mosaische Schöpfungsgeschichte als göttliche Wahrheit gelehrt, während man selbst daran nicht glaube. Das sei also die Sittlichkeit, der Jugend offenkundige Lügen als göttliche Wahrheiten zu lehren!(Auf die Frage des Redners, wie die Pastoren über die Abstammung des Menschen, der doch mit den Tieren verwandt sei, dächten, erklärte Pastor Stoltcn, das sei über- Haupt keine Wissenschaft!) Unter lebhaftem Beifall der Versamm- lung unterzog der Redner das heutige Staats-Christentum bezüglich feiner Stellung gegenüber der kämpfenden Arbeiterklasse einer fcharsen Kritik.— In seinem Schlußwort ging Genosse Bern- stein in einer halbstündigen Rede auf die Einwände der Gegner noch des näheren ein und schloß seinen Vortrag unter dem stürmischen Beifall der Anwesenden knapp vor der Auflösung der Versammlung, so daß es noch möglich war, über eine diesbezügliche Resolution, die sich mit dem Parteiprogramm deckt, abstimmen zu lassen. Die Annahme derselben erfolgte gegen wenige Stimmen. Kurz darauf wurde die imposante Versammlung unter brausendem„Bravo!" der Teilnehmer vom überwachenden Beamten aufgelöst. Ein christlich- socialer„Kandidat der Rechte", der die Mitglieder des Bureaus un- erhört beschimpfte, mußte leider vom Vorsitzenden aus dem Saale gewiesen werden._ Die Zahlstelle Berlin des CentralverbmideS der Zimmerer hielt im Laufe dieser Woche sünfaußerordentlicheAgitations- V e r s a m ni l u n g e n ab; eine davon fand am Dienstag im Charlottenburger„Volkshause" statt, die andern vier in den Berliner Lokalen„Königsbank",„Graumanns Festsälen",„Königshof" und „Hensels Festsälen". Die Referate wurden von den Verbands- Mitgliedern H. K u b e, H.Kn ü p f er, P. R e i m a n n und W. Witt gehalten. Alle Redner behandelten die Frage der gegenwärtigen Situation im Zimmererberufe in Verbindung mit den Aufgaben des Zimmerer-Verbandes. Nach den Berichten des Dr. Jastrowschen „Arbeitsmarkt" verspreche die Vauthätigkeit auch in diesem Jahre in ganz Deutschland mit Ausnahme von Bayer» eine verhältnismäßig rege zu werden. Diese Annahme stehe auch im Einklang mit den Beobachtungen des Zimmerer-Verbandes. Soweit speciell Berlin in Betracht komme, ist die Arbeitslosigkeit gegenwärtig weniger groß wie in früheren Jahren; sie betrug früher im Durchschnitt etwa 7 Proz. der Mitglieder. Im Jahre 1903 sei diese Ziffer im März auf 3,2 und im April auf S,8 Proz. gesunken; dagegen seien im März 1904 nur vereinzelte Arbeitslose vorhanden gewesen, deren Zahl sich im April allerdings wieder erhöht, jedoch das sonst übliche Durchschnittsmaß nicht erreicht habe. Freilich be- rechtige die günstige Baukonjunktur die Zimmerer nun keineswegs, etwa die Hände in den Schoß zu legen, denn angesichts der enormen Profite der Unternehmer und besonders der Bauspekulanten liege alle Ursache vor, auch fernerhin mit ganzer Energie auf eine entsprechende Er- höhung der Arbeitslöhne wie der übrigen Arbeitsbedingungen hinzu- wirken. Eine allgemeine Stärkung der Organisation sei aber um so not- wendiger, als die Unternehmer in dieser Beziehung viel von den Arbeitern gelernt hätten. Nicht nur, daß sie sich selbst einer Orts- organisation anschließen, vereinigen sich die Ortsvereine der Unter- nehmer auch wieder zu größeren Provinzial- und Landesverbänden unter einheitlicher Leitung. So schließt sich der Ring der Unternehmer« orgaiiisationen immer enger mit dem ausgesprochenen Zweck, die Arbeitervereinigungen allmählich zu zerdrücken. Die Aussperrung an der Unterweser wegen Anerkennung des Arbeitsnachweises der Unternehmer zeige als warnendes Beispiel, wohin der Unternehmerkurs gehe. Unter solchen Umständen werde da die Organisation der Zimmerer vor neue Aufgaben gestellt. Nicht nur daß sich die Zimmerer in Zukunft auf größere langwierige Lohn- kämpfe gefaßt machen können, werden sie auch erhebliche Mehropfer für die Organisation bringen müssen, um dieselbe leistungs- und manöverierfähig zu erhalten. Dazu sei aber nötig: reges Interesse an der Organisation, gegenseitiges Vertrauen der organisierten Kollegen unter einander und intensive Agitation zur Gewinnung der noch Unorganisierten. Dann werde der Zimmerer-Verband auch allen späteren Anforderungen gewachsen sein und den Maß- nahmen des koalierten Unternehmertums kalten Blutes entgegensehen können. In der Charlottenburger Versammlung wurde noch auf den Bericht von der letzten Versammlung der lokalorganisicrten Zimmerer Bezug genommen und der daselbst zur Sprache gebrachte Fall von angeblicher Aufnahmeverweigerung eines Nicht-Verbandsmitgliedes in die freie Hilfskasse der Zimmerer als unrichtig geschildert dar» gestellt. Die Aufnahmeverzögerung ist demnach lediglich eine Folge der aus den statutarischen Vorschriften der Kasse hervorgehenden Bestimniungen über die ärztliche Gesundheitsbescheinigung des Auf- zunehmenden. Der Verein zur Wahmng der Interessen der Maurer hielt am 21. April bei Wille in der Brunnenstraße seine Geuerversammlung ab. Zunächst verlas der Kassierer K a u f m a n n die Abrechnung vom 1. Quartal 1904. Die Einnahmen beliefen sich auf 3021,06 M., wozu ein alter Kassenbestand von 74 333,06 M. kommt; die Aus- gaben betrugen 6641,96 M., der Kasscnbestand am Ende des Quartals also 72 912,16 M. Für Maßregelungen und Sperren wurden 2370 M. ausgegeben.— Die Generalversammlung erteilte dem Kassierer ein- stimmig Decharge. Darauf berichtete Kaufmann über die letzten Vorkommnisse im Beruf und besonders über die verschiedenen Sperren und Maßregelungen im verflossenen Vierteljahr. Sodann wurde G ö b e l als Revisor und W i e s n e r als Thürkontrolleur gewählt. — Außerdem befaßte sich die Versammlung mit inneren Angelegen- Heiken der Organisation. Die Filiale Berlin de-Z Centralverbandes der Dachdecker hielt am 17. April ihre Mitgliederversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilte der Vorsitzende mit, daß es der Tarifkommission nicht gelungen sei, eine Einigung in der Fahrgeldfrage herbei- zufübren. Es ist von feiten der Dachdecker daher das Einigungs- amt des Berliner Gewerbegerichts angerufen worden. Beim ersten Punkt der Tagesordnung:„Wie gedenke» wir in Zukunft unser» Arbeitsnachweis zu gestalten?" trat der Referent Görnitz warm für die Beibehaltung des paritätischen Nachweises ein. Derselbe wies auf die Schwierigkeiten eines einseitigen Arbeits- Nachweises hin. Er wies besonders auf die Arbeitsnachweise nach Art der Kühnemänner hin, unter denen namentlich der Metall- sowie der Holzarbeiter-Verband zu leiden haben und ist der Anficht, daß diese Organisationen gerne einem paritätischen Arbeitsnachweis zu- stimmen würden. Der Korreferent R o s e n b a u m erläutert nanient- lich die Art und Weise, wie die Unternehmer die Benutzung des Nach- weises umgehen und empfiehlt die Wiederschaffung eines eignen Arbeitsnachweises. Die Abstimmung ergab schließlich eine Zweidrittel-Majorität für die Beibehaltung des paritätischen Arbeits- Nachweises. Zum 2. Punkt der Tagesordnung: Verbandsangelegen- heiten liegt ein Antrag vor: die Bersaninilungen in Zukunft auf einen Wochentag abzuhalten. Derselbe wird angenommen und wird bestimmt, daß die Versammlungen jeden Donnerstag nach dem 13. stattfinden. Zum Schluß wird'noch eine Resolution angenommen, welche lautet:„Die Versammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von einem Artikel in dem Verbandsorgan des Bundes deutscher Dach- decker-Jnnungen, worin mit Bezug auf die Mitglieder unsrer Organisation von Organisationsschnüfflern und Schnapsbrüdern die Rede ist. Die Versammlung protestiert entschieden gegen eine der- artige Beschimpfung." Der Verband der Portefeniller usw.(Zahlstelle Berlin) hielt am 20. April in Graumanns Festsälen, Naunynslraße, eine General- Versammlung ab. Der Vorsitzende Hauptmann berickstete über die Thätigkeit der Lrtsvcrwaltung im ersten Quartal 1904, worauf H e n n i g für dieselbe Zeit den Kassenbericht gab. Die Central- lasse rechnete mit 1337,60 M. Einnahmen und 1057,01 M. Aus- gaben, so daß ein Bestand von 300,59 M. verblieb. Für die Lokal- lasse betrugen die Einnahmen einschließlich eines Bestandes von 198,33 M. 1167.84 M.. die Ausgaben 868.76 M., was einen Be- stand von 299,08 M. ergiebt. Mtglieder hatte die Zahlstelle am Ende des vorigen Jahres 334 männliche und 27 weibliche, während am Ende des jetzt verflossenen Quartals 377 männliche und 31 Weib- ljche Mitglieder in der Zahlstelle waren.—; Nach dem Bericht der Revisoren wurde dem Kassierer Techarge erteilt.— Der Bericht vom Arbeitsnachweis stellte für das verflossene Vierteljahr Mangel an Arbeit fest.— Beim Thätigkcitsbcricht der Agitationskommissiou rügte Hennig, daß die Beteiligung der Kollegen mi den mibe- räumten Wcrkstattvcrsammlungeii eine verhältnismässig schwache gewesen fei.— Nach dem Kassenbericht der Agitationskommission war am 18. Januar ein Bestand von 121,61 M. vvrhanden. Außerdem wurden 54,70 M. eingenommen. Die Ausgabe betrug 93,37 M. Der Bestand umfaßt 82,74 M.— Heber die Verhandlungen des Verbandstages berichtete Hauptmann.(Ter„Vorwärts" hat bereits einen Bericht über den Vcrbandstag gebracht.) Im Anschluß an feinen Bericht hob Redner hervor, daß der Anschluß an die Gcneralkommissioii der Gewerkschaften Teutfchlcmds nahe vevorsteht. Danach steht auch dem Anschluß der Berliner Zahlstelle an die Ge- tverkfchaftskommission nichts mehr entgegen. In der folgenden Debatte wurde diese Anerkennung des Verbandes als einer gleichberechtigten Organisation mehrfach für das erfreulichste Resultat des Verbandstages erklärt.— Die Versammlung billigte durch einen Beschluß das Ver- halten der Berliner Delegierten auf dem Verbandstage.— In den Verbandsausschuß, zu dessen Vorsitzenden der Verbandstag H e i n k e bestimmt hat, wählte die Versammlung als Beisitzer Friedrich Hahn. Appell, Karl L u t o r und E r n st F i e d l e r. Die: aus der Berliner Agitationskommission ausgeschiedenen Mitglieder wurden durch neue erfetzt. Ferner wurde beschlossen, das Bureau weiter zu führen unh einen Beamten mit einem Gehalt von 30 M. pro Woche auf ein Jahr anzustellen. Als Beamter einstimmig ge- wählt wurde Johannes Hennig.— Am 1. Mäi findet in der Berliner Ressource. Kommandantenstraße, eine Versammlung statt. Centralverband der Glaser. In der am 13. April d. I. tagenden gut besuchten Mitgliederversammlung des Centralverbandes der Glaser ergab die Abstimmung über den einzigen Punkt der Tagesordnung:„Stellungnahme zum Kündigungstermin unsres Tarifs", die Kündigung desselben am 1. Mai d. I. Bei der daraus-, folgenden Wahl der Kommissionsmitglieder zur Ausarbeitung des neuen Tarifs wurden gewählt die Kollegen: Suchfort, Fauerbach, Rochow. Böcker, Krause. Darauf teilte Rochow mit, daß in der Quartalsversammlung der Berliner Glaserinnung beschlossen worden sei, den mit der Organisation ver- einbarten Lohntarif gleichfalls am 1. Mai zu kündigen. In der Sitzung habe sich nun ein bemerkenswerter Zwischenfall abgespielt. Eine ständige Forderung der Arbeiter sei bei Tarifverhandlungen, den Vertreter der Organisation zuzulassen. Als in der Quartals- Versammlung vom Gesellenausschuß dieser Forderung Erwähnung gethan wurde, sei unter vielen andern Jnnungsmitgliedern auch der Glasermcister Karl Scholz, Mitglied des socialdemokratischen Wahl- Vereins im 4. Berliner Reichstagswahlkreis, aufgetreten und habe dem Sinne nach ungefähr gesagt: Der Vorsitzende der Organisation sei nicht im Berufe beschäftigt; die Innung würde nur mit den bei ihren Mitgliedern beschäftigten Gesellen verhandeln. Durch ein solches Auftreten dürften Arbeiterinteressen nicht gerade gefördert werden. Die Charlottenburger Filiale der Vereinigung der Maler, Lackierer usw. hielt am 13. April im Volkshause eine General- Versammlung ab. Zum 1. Punkt der Tagesordnung sprach Genosse Kurth in einem interessanten Vortrage über das Genossenschaft»- wesen, unter welchem er das Gebiet der Konsumgenossenschaften ganz besonders eingehend besprach. Der Aufforderung des Vortragenden, Mitglieder des hiesigen Konsumvereins zu werden, wurde nach- gekommen, indem schon in der Versammlung einige ihren Beitritt sofort erklärten. Tie hierauf vom Kassierer D r ö m e r t gegebene Viertcljahres-Abrechnung wurde genehmigt und wurde derselbe somit entlastet. Der Vorsitzende Flemming besprach nunmehr die Gründe, die dahin führen, die Kandidaten zum hiesigen Gehilfen- ausschus; von jetzt ab in den Vereinsvcrsammlungcn aufzustellen, um den unliebsamen Vorkommnissen wie bei den letzten Wahlen cnt- gcgenzutreten. Dieser Maßregel wurde zugestimmt und wurden 5 Mitglieder als Kandidaten zu den am 20. d Mts. im Volkshause stattfindenden Wahlen zum Gehilfcnausschuß proklamiert. In Bezug auf die Frage der Hauskassierung teilte Flemming namens der Ortsvcrwaltung mit, daß dieselbe weiter bestehen bleibt, da sich andre Formen, die bester wirken, nicht finden. Von Matzke u. Jost wurde eine lebhafte Werkstellenagitation befürwortet. Dem Vorstand wurde anheimgegeben, positive Ratschläge in dieser Angelegenheit auszuarbeiten. Ter deutsche Metallarbcitcrvcrband hielt am 21, April eine öffentliche Versammlung in Obcr-Schöneweide, ini«Ähloßpark Wilhelminenhof ab. In der von über 600 Personen besuchten Ver- sammlung sprach Cohen über:„Die Lage in der Metallindustrie". In seinen? mit stürmischem Beifall aufgenomnrenen Referat ging der Vortragende auch auf die Frage der Unternehinerorganisation ein. Er führte aus: Die Maßnahmen, die in neuerer Zeit beschlossen wurden(die Arbeiter sollen unterschreiben, daß sie keiner Organisation angehören, daß eine vierwöchcntliche Kündigung stattfindet und andres mehr), lassen deutlich die Angst der Unternehmer vor einem etwaigen Streck erkennen. Interessant ist auch der Verlauf des Streikes bei der Firma Knoll in der Linienstraße. Die Arbeiter standen im Streik, die Unternehmer drohten mit der Aussperrung. Sie machten die Aussperrung jedoch nicht wahr, sondern der Streik wurde zu Gunsten der Arbeiter beigelegt. Cohen forderte die Versammlung auf, fester Venn je zusammen zu halten, unter Anschluß an die OrZani- sation, den Unternehmern geschlossen wie ein Mann gegenüber zu treten. Die Diskussionsredner, unter denen auch ein Mitglieds der Metallarbeiter-Gewerkschaft war, sprachen sich in demselben Sinne aus wie der Referent. Es wurde schließlich eine Resolution ange- nommen, die sich für den Anschluß an die Organisation ausspricht. Britz. Der Wahlverein hielt am 13. April seine General- Versammlung ab. in welcher der Vorstand den Vierteljahresbericht erstattete. Es haben stattgefunden drei Mitgliederversammlungen. sechs Vorstandssitzungen, eine Volksversammlung, eine Flugblatt- Verbreitung und eine Handzettelverbreitung. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 190,10 M., die Ausgabe betrug 69,23 M. Der Bericht des Bibliothekars zeigte, wie wenig die Bibliothek in Anspruch genommen wurde, denn es wurden, in einem halben Jahre nur 13 Bücher gelesen. Nach dem Bericht des Vorstandes hielt Gen. B ö s k e seinen Vortrag: Fortsetzung der Diskussion über das Programm. In der Diskussion war eine starke Beteiligung� Unter Vereins- angelegenhciten wurde der Genosse Julius Sandmann als Revisor gewählt. Des weiteren standen auf der Tagesordnung der Ausschluß von 3 Genossen, die sich nicht an der Gemeindewahl be- teiligt hatten. Da die Genossen Was chis check, Siebert und Gröber sich genügend entschuldigt hatten, wurden diese drei nicht ausgeschlossen, sondern ihnen wurde eine Rüge erteilt. Genosse Priwanski und Elsner wurden ausgeschlossen, weil sie nicht er- schienen waren. Der Vorsitzende machte bekannt, daß am 1. Mai mittags eine Versammlung im Buschkrug, und nachmittags ein Ver- gnügen bei Bethke, Chausseestratze 53, stattfindet. Der Kassierer Vogt wohnt jetzt Bürgerstraße 13. Lichtenberg. Der socialdemokratische Wahlverein hielt am Dienstag seine Generalversammlung ab. An Stelle des Genossen v. Elm sprach Genosse Katzenstein über:„Unsre Waffen im Klassenkampf". Der Genosse Gröppler trat der Auffassung des Referenten, daß die Konsulnbewegung zu diesen Waffen gehöre, ent- gegen, während Welk diese bedingt als Mittel zum Zweck gelten lassen will, aber mit der Einschränkung, daß neben der Konsumbeweguug weder die gewerkschaftliche Bewegung noch die politische vernachlässigt werden dürfe.— Der Halbjahrsbericht des Kassierers(pro Oktober bis März) ergiebt eine Einnahme von 1357,00 M., der eine Ausgabe von 1012,63 M. gegenübersteht. Unter den Ausgaben befinden sich 385 M. als an den Kreis-Ber- wauensmann und 200 M. an den Orts-Vertrauensmann abgeführt, während der Rest bis auf 345,23 M. Bestand zur Agitation Ver- Wendung fand. Die Mitgliederzahl vermehrte sich um 174 und beträgt zur Zeit 797. Unter den Mitgliedern sind als Haupt- berufe vertreten: Arbeiter 184, Tischler 74, Maurer 60, Rcstaurateure 47, Zimmerer 29, Schlosser 29. Möbelpolierer und Töpfer je 23, Händler 18, Kutscher 14, Maler 13, Barbiere und Schuhmacher je 11, Klempner, Vergolder je 9, Buchdrucker, Hutmacher, Schneider je 3; auf andre Berufe entfallen je 7 bis zur Einzelmitgliedschaft.— Die Geschäfte des Wahlvereins, der bei den Wahlen zum Landtage, zur Gemeindevertretung usw. eine rege Thätigkeit entfalten konnte, erforderten 16 VovftandSsitzungen, 8 Versammlungen usw. Zum ersten Vorsitzenden wurde Genosse Welk gewählt, W e i ß f l u ck zum Kassierer, A d l e r st e i n zum ersten Schrift- führer und H ä f n e r zuin zweiten Schriftführer. P o h l a n d und L a h l wurden zu Bezirksführern bestimmt. Die Feier des 1. Mai wurde bei Höflich abzuhalten beschlossen und mitgeteilt, daß ein ge» planter Maifcstzug von der Röderstraße nach dem Festlokal auS „verkehrspolizeilichen Rücksichten", obgleich sich der Zug durch den verkehrsärmsten Teil des Ortes bewegen sollte, von der Ortspolizei verboten sei. ?Zus der frauenbewegung. Johannisthal. Dienstag, den 26. April, abends 8 Uhr, findet iin Lokale von Senftleben eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Herr Dr. Röder über„Die Frau bei Krankheitsfällen in der Familie" spricht. Diese Versammlung sollte vorigen Dienstag im Lokale„Jägerhaus", früher Wienstruck, stattfinden, wurde aber in letzter Stunde aus baupolizeilichen Grültden verboten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Einberuferin. Steglitz. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglitz und Umgegend hielt Donnerstag, den 21. April, bei Wahren« dorf, Schloßstraße 117, seine Generalversammlung ab. Die Vor« sitzende gab einen kurzen Ueberblick über die stattgefundenen Vor« träge. Hierauf erstattete die Kassiererin Bericht; ihr wurde Decharge erteilt. Leider waren die Rcvisorinnen nicht anwesend und es mußte zur Neuwahl geschritten werden. Unter„Verschiedenes" wurde beschlossen, im Monat Juni ein Sommervergnügen statt« finden zu lassen. Eingegangene Dfucklcdnften. Halbmonatsschrift für Kinderpflege und Erziehung. Exemplar 30 Heller. Geschäjtsstelle Wien I, Walluer- „Unser Kind«. Heft Nr. 23 und 24. stratze 15. Gg. Schneider. Massage als Mittel zur Heilung vieler Krank« Helten des McnschenkörperS. Preis 20 Pfennig. Verlag Edmund Demme. Leipzig. Marktpreise von Berlin nach Ermittelungen des 'Weizen, gut D.-Ctr. 17,50 17,48 mittel., 17,46 17,44 gering„ 1 7,42 17,40 'Roggen, gut„ 13,00 12,00 mittel. 12,98 12,07 gering„ 12,96 12,95 fGerfte, gut. 14.20 13,10 mittel„ 13,00 11,90 gering. 11,80 10,80 fHafer, gut. 15,00 14,10 . mittel„ 14,00 13,10 gering„ 13,00 12,10 Richtstroh. 4,32 3,82 Heu. 7,60 5,20 Erbsen, 40,00 28,00 Spcisebohnen„ 50,00 26,00 Linsen„ 60,00 25,00 * ab Bahn. + frei Wagen und ab Bahn. . am 22. April 1904 lgl. Polizeipräsidiums. Kartofscln, neue D.»Ctr. Rindfleisch, Keule 1 lex do. Bauch„ Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander fechte arsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock 8,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60. 2,00 3,00 3,00 2,30 2,00 3,00 1,40 15,00 6,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,80 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 SoeialdemokratisciierWahlYereiD für den 2. Berliner Reiclistagswalilkreis. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mtglicd, der Sattler 238/6 Jacob Effers am 21. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet heute nachmittag 4'/, Uhr von der Leichenhalle des katholischen Kirch- hoses in Siidcnde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht Ter Vorstand. Todes- Anzeige. Freunden und Genossen sowie den Mitgliedern der Oflcnbachcr Frauen-Kranlenkassc zeigen hier- durch betrübt an, daß meine liebe Frau, unsre gute Mutter nach schwerem Kampse aus dem Leben dahingeschieden ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 24. April, nach- mittags 4 Uhr, vom Traucrhausc, Prinzcn-Allee 30, aus nach dem Friedhos der Freireligiösen Gc- meinde, Pappcl-Allee, statt. Der trauernde Gatte HViilielm Brinkmann nebst Kindern. 7596 KM Iferein soeialtookratiselier Gast- und Schankwirte Berlins nnd Umgegend. Ilm 22. April verstarb die Frau unsres Kollegen Msrie Brinkmann geb. Fiele. _®ic Beerdigung findet am «onntag. den 24. April, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause, 5?tzöeN'Allee 30. aus nach dem m-Vstatt freireligiösen Gc- sucht" in�Ireit&e Beteiligung er- Vorstand. g. SI. Emil Keif in. Rixdorf. Todcs-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied. der Metallarbeiter Karl Dierberg nach langem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 25. April, nach- mittags S Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen Rixdorser Kirch- hoses(Mariendorscr Weg) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 232/12 Der Vorstand. Dr. Schünemann Specialarzt sür Haut-, Harn- nnd Frauenleiden,«evelelstr. O. '/mIS—'/iS,'/iQ—'/ifj, Sonnt, il-11 Verband deutscher Gastwirtsgehilfen (Ortsverwaltung Berlin). Am 21. April verschied nach längerem Leiden unser Mitglied Robert Grunewald. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahre». Die Beerdigung findet am Mon- lag, den 25. April, nachmittags 4'/z Uhr, von der Leichenhalle des neuen Iakobi-Kirchhoss aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 289/4 Oer Vorstand. Danksagung. Hiermit sagen wir allcnVerwandten, Freunden und Bekannte», sowie den Kollegen der Firma vormals Eick u. Strasser, jetzt Akticngescllschast, ferner dem Ecntralverbaud'der Lederarbeiter sür die zahlreiche Beteiligung und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes, unsres guten Vaters, unser» herzlichsten Dank. 7996 Die trauernden Hinterbliebenen Witwe I�aiix nebst Kindern. Orts- Krankenkasse sür das Tepksiern-Gtnikrbt zu Berlin. Donnerstag, den S8. April>904, abends 8 Uhr, int Gewerkschaftshause, Engel-User 15, Saal 7- General-Versammlung der Delegierten. Tagcs-Ordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Beschlußfassung über die Abnahme der Rech- nung des Jahres 1903. 3. Bekannt- machung der Beschlüsse des Vor- standeS. 4. Verschiedenes. I. A.: Carl Rickisch, Vorsitzender, Berlin dl 37, Chorinerstr. 84. Ailgem. Orts-Krankkniillsse für Ripdorf. Freitag, den Ä9. April 4904, abends 8 Uhr, findet im Restaurant Karlsgarten, hier, Karlsgartenstraße 6/8, die erste diesjährige ordentliche Genersl-Verskininlimg statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht pro 1903. 2. Bericht der Revisionskommission. 3. Ergänzungswahlen zweier Arbeitnehmer zum Vorstande. 4. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen der Herren Delegierten ist dringend notwendig. Die Versammlung wir pünktlich um 8 Uhr eröffnet. 273/15 Als Legitimation ist die Ein- ladnngsknrtc mitzubringen. Rixdorf. den 20. April 1904. Der Vorstand. G. Rambow, Vorsitzender. Preise' beliebige Deik- zahlung. Olga Jacobson, Strasse 14S. Orts-Krankenkasse der Dachdecker Berlins. Dienstag, d. 26. d. M., abends 8 Uhr, im Saale b. Hrn. Feind, 2Semstr.ll: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Prüfungsausschusses und Dechargccrtcilung des Rendanten. 2. Verschiedenes. 7395 UM!— Delegiertenkarte legitimiert. Der VorMtand. A. Salzmann, erster Vorsitzender. Orts- Krankenkasse Die statutenmäßige General-Versammlung findet am Montag, S. Mai 1904, abends 8 Uhr, im Restaurant Roczycki, Pankow, Kreuzstr. 3/4, statt. Tagcs-Ordnung: 1. Protokoll. 273/11 2. Vorlegung des Jahresberichts pro 1903. 3. Bericht der Revisoren. 4. Desinittve Genehmigung dcZ mit den Kassenärzten vereinbarten Nach- träges zu dem abgeschlossenen Ver- trage. 5. Anträge, welche mindestens fünf Tage vor der Versammlung bei dem Unterzeichneten schristlich eingereicht sein müssen. 6. Verschiedenes. Pankow, den 18. Zlpril 1904. Der Vorstand der Orts-Kranken- tafle Pankow. stetkriohter, Vorsitzender. NB. In dieser Versammlung sind nur die gewählten Delegierten stimm- berechtigt._ Iilnullgs-Kranhknkasse der Glastr-ZMNgs-IllNllllg zu Berlin. Deiianntmnelinng. Die II. Abänderung des Statuts die ßfj 13, 17, 28, 53 und 54 betreffend ist vom Herrn Polizeipräsidenten unter dem 25. März er. genehmigt worden. Die hauptsächlichsten Abänderungen beziehen sich auf die Beiwagssätze sür die einzelnen Mitgliederklassen(vom 9. Mai er. ab I. Ii4»sse 78 Pf. wöchentlich, II. Klasse 63 Pf. wöchentlich, III. Klasse 45 Pf. wöchentlich und IV. Klasse 87 Pf. wöchentlich), ferner aus die Gewährung von Fahrgeld und Mittag- essen an Reconvalescenlen, auf Zah- lnng von 35 Pf. für ein Ersatz- Mitgliedsbuch und auf die Gench- migung von Verträgen durch die Generalversammlung. Gedruckte Nachträge zum Statut können im Kassenlokal und beim Bei- ttagslassierer in Empfang genommen werden. 273/12 Der Borstand. gez. A. Böcker, stellvertretender Vorsitzender. Sie kaufen am Besten!!! auf Teilzahlung Juhre& König, Warschauerstr. 72. (Wöchentlich nur 1 Mk.) Herren-, Damen- u. Wecker-Uhren, Regulateure, fimebeo Ringe, Ketten. 40862* Unscrm Freund und 5iollcgen Reinliold Hildebrandt zu seinem heutigen Wicgcnscste ein dreimal donnerndes Hoch! 787b W. E, K, H. F. F. H. Nur«och hurte M! 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All« Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann Eammö, Berlin SW. 47, Berns tr. 20, Querg. Et, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, Hasenheide 50, zu senden. 4)14 Der Vorstand. ♦) Dieses Thema ist die zweite Abteilung eines ans 5 Cyclen bestehenden Kursus über allgemeine„Welt- und Knltnr- gesehlchte". Achtung! Gewerkschaften k Beretnet Achtung! Empfehle mentc Sftle n. 500 Pees. sass. Vatnr garten in. Thcatcrbühne sowie zwei verdeckte Sommer-Kegelbahnen z. Abhält, v. Sommersest., auch Sonn- tags, ohne jegl. Beding. Hochacht. G. Goldgrttbe, Neue Königstr. 7. ganze Wohnnngs. Einrichtungen, Zimmer- und Küchcn-Einrichtungen, sowie jedes Stück billigste»~• einzeln, zu den billigsten Preisen, gediegener Arbeit empfiehlt in guter. [48742* Wilh. Sambrecht, Berlin 8W., Simeonstrasse 19, Verlangen Sie, bitte, illustr. Preisliste. an der Allen Jakobstraffe. 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Ein Antrag, die Verbandstage in Zukunft stets am Sitze des Verbandes stattfinden zu lassen, wird abgelehnt. Ange- nommen wird ein Antrag, daß in Zukunft auch in besonderen Not- fällen Unterstützungen gewährt werden können. Betreffs der Ehren- Mitgliedschaft wird festgesetzt, daß dieselbe nach fünfjähriger Mit- gliedschaft gewährt werden kann, sofern das betreffende Mitglied dauernd nicht mehr als neun Mark pro Woche verdient. Ange- nommen wird ein Antrag, die Maimarken abzuschaffen. Ein Antrag Berlin, die Beiträge zur Untcrstützungsetnrichtung der GeWerk- schaftsmigestellten nur zur Hälfte zu gewähren, wird abgelehnt. Damit spricht sich der Kongreß für volle Zahlung aus. Der Ver- bandstag soll alle zwei Jahre im April stattfinden. Dresden be- antragt Anschluß an den Kartellvertrag der Verbände der Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter: der Antrag wird dem Vorstand über- wiesen. Eins Anzahl Restkonten werden den betreffenden Zahl- stellen erlassen ev. vom Vorstande verweigerte Zahlungen nachträglich bewilligt. Ein Antrag, nach Bedarf für italienische Mitglieder besondere Zählstellen zu errichten, wird dem Vorstand zur Berück- sichtigung überwiesen. Zu der beschlossenen Beiiragsregelung wird beschlossen, daß dieselbe am 1. Juli in Kraft treten soll. Zur Frage des deutschen Pflasterungszolles berichtet Staudinger über die diesbezüglichen Verhandlungen des Steinsctzerverbandes in Braunschweig. Der Verbandstag der Steinarbeiter erklärt sich mit den dort gefaßten Beschlüssen einverstanden. Der Generalversammlungsleiter Schmidt dankt den Dele- gierten und der Erfurter Zahlstelle für das bewiesene Entgegen- kommen während der Verhandlungen, und der Verbandsvorsitzende Starke erwartet, daß die gefaßten Beschlüsse ein weiterer Ansporn sein werden, um die indifferenten Elemente zum Klassenbewußtsein zu bringen. Mit der Absingung des ersten Verses der Maeseillaise findet die erste Generalversammlung ihr Ende. VerK»»»? nur gegen bar zu niedrigsten festen Preisen. Jtiax Kaplan = Triedrichstrassß 1, am 8ßUe-£Uianee-?lafz.= m- Abteilung für fertige Konfektion. Jackett-Anzüge, haltbare Stoffe, Sommer-Paletots, moderne Form...... Paletots anf Seidenfutter, prima Verarbeitung M. 16 bis 88.— M. 18 bis 85.— M. 4».- 49401,' Grosse Aoswaiil in allen Artikeln.* Reiciaitigstes Stofllager liir Massanlertignng, nur moderne Stolle. Centrai-Leihhaus, Jägerstrasse 72, kJsLs.. Täglicher Verkauf von eleganten, modernen Frühjahrs- n. Sommer-Paletots u. Anzügen von M. 10, 12, 15, 20, 25—36 Prima. Knaben-, Jünglings- u. Einsegnungs-Anzüge, Kammgarn-Anzüge, Hochzelts-Anzüge, Abonnements-Sachen, fast neu, teils auf Seide gearbeitet, welche von Cavalleren nur sehr wenig getragen sind, spottbillig. Ein Posten Teppiche, Herren- u. 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