Ar. 98. BbonnemenfS'Bcdingungen: ItBoimcmehlS- Preis pränumerando i M-rteljährl. 3,30®!f., mona«. 1,10 SKt, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer K Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage„Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Singetragen in die Post-ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. S1. Jahrg. Die TnferflonS'Gebflftr beträgt für die sechSgespallene Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 2S Pfg. „Meine ZZlnreigen", daS erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. erscheint tZglich außer Glontags. Devlinev VolksblÄkk. Delegramm< Adresse: „Sozialdcmoliral RcrllB". Zcntralorgan der rozialdcmokrati leben Partei Deutfchlanda. Redabtion: 6 Cd. 68» Lindenstrasse 69. Kernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: 8 Cd. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Koloniale Schlachtopfer. Aus S ü d w e st a f r i k a ist wiederum eine Nachricht von der Kolonne Glasenapp eingetroffen. Leider wieder eine sehr traurige. Das vom offiziösen Depeschenbureau verbreitete Telegramm lautet: Berlin, 26. April. Nach einem Telegramm des Gouverneurs Leutwein vom heutigen Tage steht die Kolonne des Majors v. Glasenapp seit dem 22. d. Mts. in Otjihaenena, wohin sie wegen Ausbruchs von Typhus marschiert ist. Bis jetzt sieben Todesfälle. Namen noch nicht gemeldet. Die M i s s i 0 n s- station Otjihaenena ist als Lazarett eingerichtet. Unter der Kolonne Glasenapp ist also eine bösartige Typhus- epidemie ausgebrochen, die die durch die schweren Gefechtsverluste ohnehin arg zusammengeschmolzene Truppe weiter dezinnert. Das Lager bei O n j a t u war derart verseucht, daß es verlassen werden mußte. Die Abteilung marschierte deshalb nach Süden und hat sich nunmehr bei der Missionsstation Otjihaenena— 160 Kilometer süd- lich von Onjatu und etwa ebensoweit östlich von Windhuk — gelagert. Wie hoch die Zahl der Erkrankten ist, wird in der Meldung nicht mitgeteilt. Jedenfalls ist sie eine beträchtliche, waren doch bereits, wie die letzte Mitteilung besagte, 42 Kranke nach Windhuk geschafft worden. Die Zahl der am Typhus Verstorbenen wird auf sieben angegeben. Selbst wenn man den bereits vor dem 16. April am Typhus Verstorbenen mit- rechnet, lägen doch noch weitere sechs Todesfälle vor, die in den letzten acht Tagen zu verzeichnen waren. Wie viele noch sterben werden, ist nicht abzusehen. Denn wenn auch Otjihaenena— schon weil es von Windhuk aus leichter zu erreichen ist— eine bessere Behandlung der Kranken ermöglicht, so dürfte doch sehr viel an einer Krankenpflege fehlen, die den medizinischen Anforderungen entspräche. Jedenfalls aber ist durch dies neue Mißgeschick, das die Kolonne Glasenapp bettoffen, diese Abteilung für absehbare Zeit an jeder Aktionsfähigkeit gehindert. Man wird nicht einmal die noch gesunden Reste dieser Abteilung andren Abteilmrgen zuteilen dürfen, da die Ansteckungsgefahr eine zu große wäre. Durch den Abmarsch der Abteilung Glasenapp nach Süden ist' den HereroS der Weg nach Osten wieder völlig frei- gegeben. Nach dem bisherigen Verhalten der HereroS ist freilich nicht anzunehmen, daß sie von dieser Rückzugsmöglichkcit Gebrauch machen werden. Sie werden ihre Stellung in den Onjattbergen ruhig weiter zu verteidigen suchen. Und da das Gelände reich an Buschwald ist, wird ihre Vertreibung jedenfalls noch gewaltige An- strengungen und schwere Verluste kosten. Auszuhungern sind die Hereros aber erst recht nicht, da es ihnen weder an Wasser noch an Vieh mangelt. Die Kämpfe in den Oujatbergen können also noch Monate lang dauern I Dadurch aber wird die Lage der in Grootfontein ein- geschlossenen 200 Weißen allmählich eine kritische werden. Denn der Versuch, die in den Onjattbergen befindlichen Hereros einstweilen sich selbst zu überlassen und zunächst Grootfontein zu entsetzen. würde ebenfalls großen Schwierigkeiten begegnen, da dann erst die bei Waterberg stehenden starken Hererohaufen geworfen werden mußten. Die ganze Situation in Slldwestaftika ist also eine höchst kritische. Die Niederwerfung des Aufftandes wird dem deutschen Volke wahrscheinlich noch erheblich mehr als 60 Millionen kosten, wie Bebel seiner Zeit angenommen hatte. Und alles das für ein Gebiet, daß selbst der Centrums- Abgeordnete Schwarze gestern noch als, S a n d w ü st e" bezeichnet hat. Nach der ganzen Sachlage ist es zudem durchaus nicht aus- geschloffen, daß dem Reichstag demnächst abermals die Forderung neuer bedeutender Truppennachschübe vorgelegt werden wird. Bisher nahm man an, daß die Situatton zu Gunsten unsrer Truppen sich in dem Augenblick ändern werde, wo man den Hereros die nöttge Zahl Berittener entgegenstellen könne. Aber was vermögen Berittene gegen einen Feind auszurichten, der sich in die Schlupfwinkel des Buschwaldes zurückzieht. Oberst Leut- wein verfügte ja bereits über eine große Anzahl Berittener, allein er hat gegen die Hereros bis jetzt ebensowenig auszurichten ver- macht, wie das über nur wenig Pferde verfügende Corps deö Majors Glasenapp. Und dieselben Schwierigkeiten, mit denen die deutschen Truppen in den Onjattbergen zu kämpfen haben, könnten sich wieder- holen m den gebirgigen Regionen des Landes der Bergdamara bei Waterberg und Grootfontein. Der Feldzug kann sich also sehr in die Länge ziehen, er kann ungeheure Geldopfer erfordern, und er kann vor allen Dingen auch zahlreiche Menschenleben fordern I Schon sind mehr als hundert unsrer Soldaten im Kampfe gegen die Hercros gefallen oder dem tückischen Klima erlegen. Und doch stehen wir allem Anschein nach erst am A n f a n g des Krieges I Da drängt sich denn doch nicht nur jedem Socialdemokraten, sondern überhaupt jedem vernünftigen Menschen die Frage auf. ob es nicht endlich an der Zeit ist. diesem frivol heraufbeschworenen unsinnigen Kriegsabenteuer so rasch als möglich ein Ende zu machen. Ist es denn wirklich notwendig, diesen abenteuerlichen „Kolonialkrieg" bis zum bitteren Ende durchzuführen, lediglich zum Wohlgefallen und Vorteil jener gemischten Elemente, die in Südwest- afrika so rasch als möglich Reichtümer zusammenzuraffen sich be» rechtigt wähnten? Gebietet nicht die gesunde Vernunft und die Rücksicht auf unsre ohnehin trostlosen Finanzen, den ernstlichen Versuch zu machen, auf andrem Wege als durch die brutale Waffengewalt den Frieden in Südwestaftika wiederherzustellen? I Ein solcher gangbarer Weg wäre gegeben durch Eingehen auf jenes Unterhandlungsangebot des Oberhäuptlings Maharero Man brauchte nur den Hereros diefernstliche Absicht zu erkennen zugeben, unter annehmbaren Bedingungen mit ihnen Frieden schließen zu wollen, und das Blutvergießen hätte ein Ende. Auf das Massen st andrechteln der.Schuldigen" müßte man freilich verzichten, ebenso darauf, die Hereros nackt aus- zuplündern und sie den Farmern als Leibeigene auszuliefern. Wohl aber könnte man sie zur Herausgabe des geraubten Viehs zwingen, wodurch der Haupffchaden wieder gut gemacht würde. Unsre Kolonialscharfmacher verbreiten fteilich die Legende, die Hereros wollten gar keinen Frieden, weil sie sich einbildeten, die Deutschen wären zu schwach, um sie niederwerfen zu können. Als ob die Hereros, deren Häuptlinge vielfach lesen und schreiben können, von denen einzelne bereits in Deutschland waren, nicht ganz genau wüßten, daß ein dauernder Widerstand absolut aussichtslos ist. Maharero hat ja auch bereits schon vor vielen Wochen Unterhandlungen angeboten! Es liegt in der Hand der deutschen Regierung, dem thörichten und grausamen Blutvergießen endlich Einhalt zu thun. Es handelt sich dabei ja nicht nur um das so wohlfeile geschätzte Blut der Ein- geborenen, sondern um das angeblich so teure Blut der eignen Landeskinderl Mehr als hundert sind schon in dem afrikanischen Sande verscharrt worden— sollen ihnen weitere Hunderte folgen?! Es handelt sich ja fteilich um Freiwillige, die in der Hoffnung auf leicht errungenes Helden tum in jugendlich keckem Thatendrang in den Kampf gezogen sind. Aber ihr Tod, ihr Siechtum wird von ihren Angehörigen nicht minder schmerzlich empfunden. Und wozu das alles? Um die Hab- gier einer Handvoll von Abenteurern zu befriedigen, die durch ihre skrupellose Beutewirtschast die Eingeborenen erst in den Ver- zweiflungskampf getrieben haben! Bismarck, der gepriesene nattonale Heros", sagte seinerzeit, daß ihm das bißchen Herzegowina nicht die Knochen eines pommerischen Grenadiers wert sei. Das bißchen Herzegowina war immerhin noch unendlich wertvoller als die südwestafrikanische Sandwüste, Und trotzdem diese un- erhörten Blutopfer! poUtifcke Qebcrlicbt. Berlin, den 26. April. Die Börsengesetz-Novelle im Reichstage. Vor kurzem hieß es, daß die Rechte wie der agrarische Teil des Centtums die Beratung der neuen Börsengesetz-Novelle im Reichs- tage zu verzögern gedächten, um eine Annahme der Vorlage in dieser Session zu verhindern. Wem: diese Absicht bestanden haben sollte, müssen die betreffenden Parteien inzwischen ihre Meinung geändert haben; denn am Sonnabend wurde plötzlich die erste Lesung der Novelle auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt und heute kam endlich die Vorlage zur Beratung. Allerdings erst an dritter Stelle, nachdem vorher die dritte Lesung des Abkommens über das internattonale Privatrecht und die zweite Lesung des Gesetzentwurfes, betreffend die Krankenfürsorge für Seeleute erledigt Ivorden war und aufs neue die socialpolittsche Rückständigkeit der Regierung er- wiesen hatte. Als das Haus in die Beratung der Börsengesetz-Novelle eintrat, machten sich bereits deutliche Anzeichen der Ermiidung bemerkbar, und die lauge monotone Rede, mit welcher der Handelsminister die Verhandlungen einleitete, war nichts weniger als ge- eignet, die Aufmerksamkeit der Anwesenden zu fesseln. Obgleich Kaufmann und einstiger Zögling der bekannten Hamburger Reederfirma Woermann has Herr Möller in seinem Aeutzern wie in seiner Sprechweise sehr viel vom steifen preußischen Büreauttaten älterer Schule. Mit einer gewissen phlegmattschen Nonchalance leierte er seine augenscheinlich gut vorbereitete Rede herunter, eine bunte Mschung einzelner Stellen aus der offiziellen Begründung der Novelle mit Daten aus der Denkschrift des Centralverbandes des deutschen Bank- und Bankiergewerbes und allgemeinen Betrachtungen über die wirtschaftliche Entwicklung Deutsch- lands in dem letzten Jahrzehnt und ihre Unterbrechung durch die letzte Krise. Zu einem großen Teil Ausführungen, die mit der Börsengcsetzreform nur lose zusammenhingen und ebenso gut zur Begründung einer Abänderung des Aktiengesetzes, der Konkurs- ordnung oder irgend einer anderen wirtschaftlichen Gesetzesreform dienen könnten. Dabei waltete bei Herrn Möller ersichtlich das Bestreben ob, nach keiner Seite hin scharf anzustoßen. Der Rüge der gegen das Börsengesetz vorgekommenen Verstöße fügte er sogleich einige Elogen über die weltbekannte Ehrlichkeit, Tüchtigkeit usw. des deutschen Haudelsstandes an. während er andrerseits, nach der Rechten gewendet, dieser wieder zugab, daß die mehrfache Erhebung des Register- und Differenzeinwandes ein ungünstiges Licht auf die Moralität gewisser Börienkreise werfe. Viel geschickter sprach vom Standpunkt des ostelbischen Groß- Agrariers Gras Kanitz gegen die Vorlage. Der Besitzer von Podangen gehört zu den wenigen Mitgliedern der Rechten, die etwas von volkswirtschaftlichen Fragen verstehen und eifrig studieren. Zu seinem Angriff hatte er ein sehr reichhaltiges Material zusammengetragen. Be- sonders hatte er neben schwachen Stellen aus den Regierungsmotiven eine hübsche Auslese von Citaten aus der ftüheren Börseneiiquete sowie von Aussagen Hervorrageuder Bankiers vor dem Börsen- Ausschuß gesammelt. Vor den Möllerschen Ausführungen hatten die seinen schon insofern einen Vorzug, als sie ohne lange Umschweife direkt auf ein bestimmtes Ziel lossteuerten und geschickt einzelne Vor- komnmiffe in den Vordergrund schoben. Ueber die Ursachen, die den Redner zu seinem Angriff bestimmten, ließ er niemand in Zweifel. Neben dem Haß des feudalen immobilen Kapitals gegen das Börsen- und Finanzkapital ist es vor allem die Möglichkeit, daß nach den Abänderungsvorschlägen der Regierung der Getteide-Terminhandel wieder an Boden gewinnen könnte, die ihn zu seiner Stellungnahme bewegen, denn dieser Terminhandel hat, wie er iinmer wieder betonte, die Tendenz, die Getreidepreise herabzudrücken. Dieser dem pekuniären Eigeninteresse entspringende Haß gegen die Börsenspekulatton verhindert ihn auch zu erkennen, daß diese nur ein Ausfluß des allgemeinen Spekulationscharatters unsres heutigen Wirtschaftssystems ist, das in seinem ganzen Bestände auf der Rech- nung mit unbekannten Größen basiert. Nach dem Grafen Kanitz sprach noch der Regierungskommissar Wendelstadt, der unter der Unaufmerksamkeit des Hauses nachzu- Iveisen suchte, daß die Regierung gegen die vom Grafen Kanitz behauptete Renitenz der Berliner Börse keineswegs zu nachsichtig gewesen sei.—_ Preußisches Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus überwies am Dienstag zunächst debattelos einen Anttag S a v i g n y(C.) und Genossen an eine Kontmission, der die Regierung um eine Prüfung der Frage ersucht, ob der§ 65 des Berggesetzes eine ausreichende Handhabe bietet, das freiwillige, die beteiligten Gemeinden und deren Einwohner schwer schädigende Stilllegen der Bergwerksunternehmungen zu verhindern und nöttgenfalls noch in dieser Session einen Gesetzentwurf dem Landtag vor- zulegen, welcher das Berggesetz dahin ergänzt, daß gegen jene Schädigungen wirksame Vorkehrungen getroffen werden können. Ein solcher Antrag ist sehr bequem, er verpflichtet zu nichts und kann bei urtcilslosen Menschen den Anschein erwecken. als ob das Centrum wirklich entschlossen ist, gegen die unerhörten Machinattonen des Kohlensyndikats ein« zuschreiten. Wird dem Antrage dann in der Kom- Mission ein unrühmliches Begräbnis bereitet, dann kann das Centrum in einem späteren Wahlkampfe doch wenigstens mit dem guten Willen hausieren gehen, den es an den Tag gelegt hat. Hierauf beendete das Haus die dritte Beratung des Etats; es erledigte zunächst den Etat des Ministeriums des Innern unter Annahme eines Antrages auf reichsgesetzliche Regelung der Zig-eunerfrage und erneute Prüfung der Erteilung von Wandergcwerbeschetnen an naturalisierte Zigeuner. Die Debatte über den Kultus-Etat begann mit einer Verherrlichung der O st markenzulage für Lehrer. Der Etat setzt aus zu widerruflichen persönlichen Zulagen an im Dienste befindliche und pensionierte Volks- schullehrer und-Lehrerinnen in der Provinz Posen und den gemischtsprachigen Kreisen der Provinz West- Preußen behufs besonderer Förderung des deutschen Volks- schulioesens eine Million, und zu Remunerattonen an Volks- schullehrer und-Lehrerinnen behufs besonderer Förderung des deutschen Volksschulwesens in den Landesteilen mit ge- mischt deutscher und polnischer Sprache 200 000 M. Den von blindem Haß gegen die Polen erfüllten Chauvinisten gehen diese Forderungen noch nicht weit genug. Abg. K r e t h(k.) und Genossen beanttagen daher die Ausdehnung des erst- genannten Fonds auf Ostpreußen und Schlesien, und Ab- geordneter Frhr. v. Zedlitz(fk.) beanttagte die Erhöhung von 200000 auf 250000 M. und ferner die Regierung zu ersuchen, durch einen Nachttagsetat, spätestens aber durch den nächstjährigen Etat den Fonds auf den dem wirklichen Bedarf entsprechenden Bettag zu erhöhen. Nach einer Polendebatte. in der neues nicht gesagt wurde, gelangte der Antrag Zedlitz. soweit er sich auf die Erhöhung des Fonds bezieht, zur An- nähme. Der Anttag Kreth und der zweite Teil des An- trags Zedlitz wurden abgelehnt, gleichzeittg aber, einem Vorschlage der Budgetkommission entsprechend, an die Regierung das Ersuchen genchtet, Erwägungen darüber anzustellen, ob der Fonds genügt und nöttgenfalls einen höheren Bettag in den nächsten Etat einzustellen. Die Regierung wird also förmlich dazu gedrängt, das Geld der Steuerzahler für ihre unftuchtbaie Ostmarkenpolitik zum Fenster hinauszuwerfen. Im weiteren Verlauf der Debatte beklagte sich Abgeordneter Cassel(frs. Vp.) über die Beschränkung der Selbst» Verwaltung der Berliner Kommunalverttetnng auf dem Gebiete des Schulwesens. Die Antwort des Ministerial- direktors Schwartzkopff, insbesondere seine Verteidigung der„Paradeferien" beweist, wie recht die socialdemokrattschen Stadtverordneten seiner Zeit mit ihrer in der Versammlung geübten Krittk hatten. Herr Schwartzkopff verteidigte auch das der Kommune entzogene freie Verfügungsrecht über die städttschen Schulräume damit, daß diese socialdemokrattschen Vereinen zur Vcrfiigung gestellt worden wären. Am Mittwoch fällt die Sitzung aus. Am Donnerstag beginnt die Berattmg der waffer» wirtschaftlichen Vorlagen; doch stehen zunächst nur die eigentlichen Meliorattonsvorlagen nebst den dazu gehörigen Denkschriften auf der Tagesordnung. Die Beratung der eigent- lichen Kanalvorlage findet erst nächste Woche statt.— Wafferstrasten und Industrie. Von den Denkschriften, die dem Abgeordnetcnhaufe mit den wasserwirtschaftlichen Vorlagen zugegangen sind, behandelt eine den Einfluß der Wasserstraßen auf die Ansiedelung der Industrie und deren Decentralisiernng. Die Denkschrift geht von dem Grundgedanken aus, daß gewerbliche Betriebe, um tvettbewerbsfahig zu sein, besonderen Wert auf geringe Her stellungskosten legen müssen und daß ein Haupterfordernis, um diese zu vermeiden, niedrige Transportkosten bilden. In folgedessen hat die Industrie sich mit Vorliebe dort angesiedelt, wo die für sie erforderlichen Rohstoffe gefunden oder erzeugt werden oder wohin sie mit geringen Unkosten gebracht werden können. _ Daher z. B. die Zusammcndrängung der Industrie in den großen Bergwerksbezirkcn. Kleinere Jndustriecentren und Einzelwerke in großer Zahl liegen auch an den Wasserstraßen; sie bieten anscheinend der Industrie so günstige Vor bedingungen, daß diese nicht nötig hat, sich in den großen Industriebezirken anzusiedeln, wo die Rohstoffe, insbesondere Kohlen, gefunden werden. Die Regierung hat nun untersucht, in welchem Umfange und durch welche Umstände die Wasserstraßen die in besonderen Fällen beobachtete Anziehungskraft auf die Industrie aus üben, und ob dadurch eine Deccntralisation der großen Industriebezirke erwünscht ist. Die zu diesem Zweck angestellten Erhebungen bestätigen die Annahme, daß nicht nur vereinzelt, sondern an vielen Stellen zahlreiche und vielgestaltige gewerb liche Betriebe sich an Wasserstraßen angesiedelt haben, und zwar hat fast überall gerade in neuerer Zeit eine starke Eni Wicklung in diesem Sinne stattgefunden. Die Gründe, welche die Industrie zur Ansiedelung veranlaßt haben, bestehen nicht nur in den von den Wasserstraßen gebotenen Frachtersparnissen, sondern auch noch in andern Vorteilen, wie dem billigen Bezug der Rohstoffe, dem billigen Versand der Erzeugnisse, dem billigen Grunderwerb für Gebäude und Materiallagcrplätze und der Möglichkeit späterer Erweiterung ohne übermäßige Kapital- festlegung, den billigen Arbeitskräften aus der Umgegend, für deren Unterbringung nicht gesorgt zu iverden braucht, oder für die billige und gesunde Wohnungen mit etwas Garten- land leicht hergestellt werden können, der Seßhaftigkeit von Arbeitern, die während längerer Betriebspausen auf dem ihnen gehörigen Lande oder in benachbarten land- und forst- wirtschaftlichen Betrieben Beschäftigung finden und nicht zur Auswanderung neigen, der Ausnutzung der Wasserkraft, der billigen Beschaffung ausreichenden Betriebswassers und der bequemen Entfernung verbrauchter Abwässer, der billigen Eis- beschaffung. Vielfach zeigt sich, daß neben den an der Wasser- straße angesiedelten Betrieben die sonst in der Umgebung be- legcnen Werke gleicher Art nur geringe Bedeutung besitzen. Es darf daraus geschlofseu werden, daß die Wasserstraße für die Entwicklung dieser Betriebe von bestimmender, oft ausschlaggebender Bedeutung gewesen ist. Für viele Betriebe ist neben der Lage am Wasser Eisenbahnauschluß von Wichtigkeit, durch den die wirtschaftlichen Vorteile des Schiffahrtsweges häufig erst zur vollen Geltung kommen. Es ergicbt sich nun, daß die Zahl der Erwcrbsthätigcn bei der Berufs- und Gcwcrbezählung vom Jahre 1895 in den Gruppen B.(Bergbau und Industrie) und E.(Handel und Verkehr) pro Quadratkilometer durchschnittlich in den an Wasserstraßen belegenen Kreisen doppelt so groß war wie in den übrigen Kreisen, und ferner, daß die Zunahme an Erwerbs- thätigen von 1832 bis 1895 in diesen Kreisen reichlich dreimal so groß gewesen ist wie in den übrigen. Daraus folgt, daß die Besicdelung der mit Wasserstraßen versehenen Kreise nicht nur eine stärkere ist, sondern daß die darin zu erkennende Bevorzugung seitens der Industrie gerade in neuerer Zeit trotz des immer dichter werdenden Eisenbahnnetzes besonders hervor tritt. Lediglich die von der Lage der Kohlen- und Erzbergwerke sehr abhängige Gruppe der Hüttcnbetriebe und die meist durch alte lleberliefcrung örtlich gebundene Textilindustrie sind in den an Wasserstraßen belegenen Kreisen schwächer vertreten als in den übrigen Kreisen. Die Kohlcnbctriebe werden indes nenerdings vielfach nicht in die Kohlen- und Erzbezirke, sondern unter gleichzeitiger Her- stellung eines Eiscnbahnanschlusscs an die Wasserstraßen gelegt oder mit diesen durch kurze Werkbahnen verbunden. Diese stärkere Ansiedelung der Industrie in den mit Wasserstraßen versehenen Kreisen tritt fast in gleicher Weise bei dem indnstrieschwächcren Osten wie bei dem industriell stark ent- wickelten Westen hervor. Die östliche Geiverbcthätigkeit sucht also aus den Wasserstraßen in gleicher Weise Nutzen zu ziehen wie die westliche Industrie, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Wasserstraßen geeignet sind, decentralisiercnd zu wirken und die großen, in den Kohlenrevieren zusammengedrängten Industricbezirkc zu entlasten.— Der Geiicrelstreik der Eisenbahner in Ungarn ist nach dcn spärlichen offiziösen Meldungen endgültig erstickt. Die Scharstnacherorgane nicht»nr in Oestreich stimmen darob Jubel- Hymnen an. Die„Post" schreibt: „In Ungarn hat die st a r k e Hand deS Ministeriums Tisza mit einem Schlage dem anscheinend so erfolgreichen Streik der Eisenbahnbeamten ein Ende bereitet und die gefährliche Stockung des Eisenbahnbetriebes beseitigt. Dieser Vorgang zeigt aufs neue, wie richtig die von uns verlrerene Auf« f a s s u n g i st, daß rücksichtslose Entschlossenheit gegenüber Bewegungen nach dem Leitsatze:„Wo dein starker Arm nicht will, stehen alle Räder still", das einzig Nichtige und des Erfolges regel- mäßig sicher i st. Dies gilt natürlich in erster Linie von der Bekämpf nng derSocialdemokratic. Selbstverständlich kann hier die starke Hand sich nach dem Beispiele Ungarns nur bethätigen, so weit ei» Anlaß ähnlicher Art zum Einschreiten vorliegt. Aber im übrigen wird doch alle-Z zu verineiden sein, was auch nur den Schein der Schwäche und der Konnivenz gegenüber der Social- d e m o k r a t i e wecke» könnte. Die Eisenbahner, die in Ungarn den Generalstreik proklamierten, waren zwar durchaus keine Socialdemokraten, sondern sehr„ordnungsliebende" Elemente, aber das hindert natürlich die „Post" nicht, die Politik der„starken Hand" auch bei dieser Gelegen- heit wieder der Socialdcmokratie zu empfehlen. Bei der„Post", dem weiland König Stummschen Schleifstein, nimmt das ja weiter nicht wunder; interessant ist es jedoch, daß auch nnsre wackere Tante V o ß. Vertreterin der„männlichen" Linie des Freisinns, in genau dieselbe Scharsmachcrkerbe haut. Sie läßt sich folgendermaßen vernehmen: „Natürlich wird der Ausgang des Kampfes von allen denen die berufen sind, dem„ k l a s s e n b e>v u ß t e n P r o l e- t a r i a t" unter allen Umständen recht zu geben, dcn Siegern als Verbrechen angerechnet. Ist es doch der„ver- rottete Kapitalistenstaat", der vor dem Masscntritt der Arbeiter- bataillone nicht abgedankt hat! Hätte sich das Ministcrinin �löblich nnterlvorfen, so hätten die Socialdemokraten und ihre Schutz- Herren aus benachbarten Lagern ein Triumphgeschrei über die Unwiderstehlichkeit der Menge, über die klägliche Ohn- , nacht der Gewalthaber angestimmt. Und s i e hätten dazu einigen Grund gehabt. Denn der Massenausstand war eine Kraftprobe; nicht durch Gründe Ivolltcn die Feiernden ihr Ziel erreichen, sondern durch die Heraufbeschwörung eines schweren öffentlichen N o t st a n d e s; es>»» ß t e sich zeigen, wer der Stärkere ist; in dem verhängnisvollen Aberglauben an ihre Ucbcrlegenheit vcrlangten die Ausständigen die Erfüllung ihrer Forderungen binnen vierundzwanzig Stunden und die schriftliche Bürgschaft der Minister. Welcher leitende Staatsinann hätte sich eine solche de nrütigende Frist vorschreiben lassen und dabei wähnen können, im Amte zubleiben? ES kommt nicht d a r- a u f an, wie weit die sachlichen Wünsche der Beamten und Arbeiter gerechtfertigt sind, wie weit ihre Lage der Ver- b e s s e r u n g benötigt; die ungarische Regierung war und ist in dieser Hinsicht zu w e i t e st e m E n t g e g e ir k o m m e n b e- reit. Aber auch die b e st e Sache entschuldigt nicht die Schritte des Bahnpersonals, so lange nicht der Zweck jedes Mittel heiligt. Es ist höchst inkonsequent, daß die„Voss. Ztg.", die doch für die A e rz t e st r e i k s, die doch sogar Menschenleben zu gefährden geeignet sind, in so e n t h u s i a st i s ch e r Weise ein- getreten ist, sich mit einem Male so sehr gegen eine„Kraft probe" entrüstet, wenn es sich nur um Eisenbahn- Proletarier handelt. Ihre Entrüstung über die Streikenden schlägt sogar in eine förmliche Verherrlichung der „ st a r k e n Hand" der Regierung um. Wir möchten ihr zur Behcrzigung nur empfehlen, was die liberale Wiener„Zeit" schreibt: „Eine wahrhaft starke, das heißt durch Einsicht und Berant- wortlichkeitsgcfühl, nicht aber durch Bajonette starke Regie- rung wird sich nie rechthaberisch, eigensinnig, trotzig und boshaft betragen. Ist es den» eine rühmliche Sache, über die Armut, die um ihr Brot kämpft, zu siegen?"— veutfcken Reick. KönigSbcrgcr.�Hochverrats"-Prozeß. Aus Königsberg wird telegraphisch gemeldet, das auf Antrag des Verteidigers der Haftbefehl gegen unsre Parteigenossen Nowa- grotzki und Treptau gegen Stellung von Kaution und gegen Braun ohne Kautionsstellung aufgehoben worden ist. Genosse Braun-Königsberg war nach mehrmonatlicher Unter- suchungShaft bereits einmal außer Hast gelassen worden. Er hatte sich zur Wiederherstellung seiner sehr schwer geschädigten Gesundheit in eine Heilanstalt im Ausland begeben, als seine Wiederverhafttmg verfügt wurde. Die jetzt trotz der Abwesenheit Brauns wiederholte Aufhebung des Haftbefehls beweist, daß die Königsberger Staats anwaltschaft, auch wenn sie glauben sollte, daß ihre gesamte Zaren-Aktion noch irgendwelche Aussichten biete, doch selbst zur Ueber- zeugung gelangen mutzte, daß mindestens gegen Braun garuichts „zu machen" ist. Und bezüglich der beiden andern Angeschuldigten ist nun endlich wenigstens eine der Unverständigkeiten des Königsberger Verfahrens gemildert worden. Zuvor hat die Staatsanwaltschaft die Hastentlassung stets abgelehnt, weil Gefahr der Verständigung mit Mitschuldigen oder Zeugen bestehe, welche Behauptung ganz un- verständlich blieb, da alles, was an Beweismaterial möglich ist, bei den Haussuchungen festgenommen wurde und jede Verwischung der angeblichen Vergehen ausgeschlossen war. Zwar hat auch jetzt die Staatsanwaltschaft es noch immer nicht bis zur Anklage gebracht, aber sie sieht nun selbst ein, daß sie Vcrdachtsumftände, die sie bis- her eistigst suchte und deren Vcrbergung sie befürchtete, doch nicht Inden kann. Also mußte sie sich entschließen, die kühne Annahme der Kollusionsgefahr endlich aufzugeben. Wir hoffen, daß die Königsberger Justiz auch alle die andren Voraussetzungen, auf denen sich ihr beispielloses Russen-Verfahren aufbaut, bald in ihrer UnHaltbarkeit erkennen mutz, und dah unsre Genossen, die so überaus schwer leiden müssen, endlich vor diesen unsäglichen Verfolgungen Ruhe finden.— Reichsfinanzreform. Die Budgetkommission des Reichstages nahm am Dienstag die Beratung der Vorlage über die Reichsfinanzreform beim§ 2 wieder auf. Vorgelegt waren inzwischen zwei Anträge der Centrumsabgeordneten Müller- Fulda und S p e ck, die folgender- maßen lauten: 1) Die Kommission wolle beschließen: l. in§ 2 der Vorlage Artikel 70 Zeile 1 und 2 das Wort„ordent- lichen" zu streichen, 2. ebendaselbst Zeile 8 bis 10 die Worte: „solange die erforderlichen Dccknngsmittel nicht auf andere Weise, insbesondere durch Einführung weiterer Reichsstcuern beschafft werden," zu streichen. Müller lFnlda). Speck. Die Kommission wolle beschließen: 1.§ 2 wie folgt z» fassen: § 8 des durch die Bekanntmachung vom 24. Mai 1883, Reichs- Gesetzblatt S. III, veröffentlichten ZolltarifgesctzcS erhält folgende Fassung: 8 S. „Em Drittel des Ertrages der Tabaksteuer und der Zölle, soweit über diese nicht durch§ 13 des Gesetzes vom 23. Dezember 1002, Reichs-Gesetzblatt S. 303, verfügt ist, ist dcn einzelnen Bundesstaaten nach Maßgabe der Bevölkerung, niit welcher sie zu dcn Matrikularbeiträgcn herangezogen werden, zu überweisen. Diese Ueberweisung erfolgt vorbehaltlich der definitiven Abrechnung zwischen der Reichskassc und den Einzelstaaten auf Grund der in Artikel 39 der Reichsverfassung erwähnten QuartalScrtrakte und beziehungsweise Jahresabschlüsse." 2. Als Z 3 den ß 2 der Vorlage mit den gestellten Abänderungs- antrügen zu setzen. Referent S p efck wandte sich zu 8 2 gegen die Vorschrift, daß nur„ordentliche" Ausgaben durch ordentliche Einnahmen gedeckt werden könnten. Das Centrum stehe aber auf dem Standpunkte, daß die Einführung direkter Steiler» einen Ein- griff in die Rechte der Einzel st aateil bedeute und desorganisierend auf deren Finanzen wirken könnte. Die Vor- schrift, daß die Matriknlarbeiträge„in Höhe" des budgetmäßigen Bedarfs ausgeschrieben werden sollten, solle doch wohl nicht bedeuren, daß die Zuschnßanleihe in alle Zukunft überflüssig sei? Der Zoll- tarif werde eine Steigerung der Zolleinnahmen im letzten halben Jahre vor Inkrafttreten bringen; diese sollte abgefangen und zur Schuldentilgung verwendet werden. Abg. Dr. S ü d e k u m bestritt auf das entschiedenste, daß die Einführung direkter Rcichssteuern formell oder materiell einen Eingriff in die Rechte der Einzelstaaten darstelle. Es sei nötig, die Ausführungen des Vertreters der Centrnmspartei zu unterstreichen. Die Einführung� der direkten Neichs-Einkommcn-, Rcichs-Bcrmögens- und Rcichs-Erlischnstssiencr müsse das anzustrebende Ziel bleiben und jede Maßregel sei zu bekämpfen, die der Erreichung dieses Zieles hindernd in den Weg trete. Abgeordneter Müller- Fulda: Mit dem Gedanken, daß die Einzelstaaten für solche Matriknlarbeiträge, die sie über die llcberwcisungcn hinaus gezahlt haben, aus reichscignen Mehreinnahmen Deckung erhalten, erkläre er sich einverstanden. Seine Anträge sollten mit dazu bei- tragen, daß die Begriffe„ordentliche" und„außerordentliche" Aus- gaben revidiert würden. Es seien sehr oft regelmäßig wieder- kehrende Ausgaben auf dcn a>lßerordentlicheu Etat übernommen worden. Durch Absatz 2 seines ersten Antrages wolle er in Zukunft Z u s ch u ß a n l e i h e n unmöglich»lachen; der Hinweis auf „weitere Rcichsstencrn" sei überflüssig. Die Einführung der direkten Rcichs-Einkommensteuer solle dadurch nicht präjudiciert werden. Die Matriknlarbeiträge seien nichts andres als Zuschläge zu einzcl- staatlichen Einkommensteuern. Wenn sie dcn Einzelstaaten Anlaß geben zu einer Reform ihrer Einkommensteuern. so sei das ein guter erziehlicher Nebenzweck. Abg. v. R i ch t h o f c n erklärt sich mit 8 2 der Regierungsvorlage einverstanden. Die Stellung zu den Eentrumsanträgen behalte er sich vor. Schatzsekretär v. Stengel: Das Wort„ordentlichen" sei km dcn Entwurf des neuen Art. 70 der Verfassung eingeschaltet worden, um die Klarheit der Vorschrift zu erhöhen. Man lehne sich damit an die jetzigen Etatsgesetze an. Man sollte deshalb das Wort stehen lassen. Die ordentlichen Einnahmen könne man nichtsdestoweniger gegebenenfalls zu außerordentlichen Ausgaben verwenden. Die Grundsätze der Unterscheidung zwischen ordentlichen und außerordcnt- lichen Ausgaben seien 1901 zwischen Regierungen und dem Reichs» tage festgelegt worden und engten den Begriff der außerordentlichen Ausgaben schon sehr ein. Die Ziffer 2 des Mllllerschen Antrages widerspreche der Absicht der Regierung, am bestehenden Wortlaute der Verfassung möglichst wenig zu ändern. Was die Ueberschüsse anlange, so wollte man ihre Verwendung nicht ganz festlegen, sondern sich die Möglichkeit einer Dotierung des Jnvaliedcnfonds vorbehalten. Abg. Gröber hielt die Streichung des Wortes„ordentlicher" für begründet; denn die Konsequenz der jetzt vorgeschlagenen Fassung sei, daß man ordentliche Ausgaben nur durch ordentliche Einnahmen decken dürfe. Dazu sei aber nötig, daß man auch den Artikel 73 der Verfassung abändere. Eine klare Scheidung der ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben sei sehr schwierig, auch nach den Grundsätzen der Denkschrift von 1901 nicht ohne weiteres durch- sührbar. Abgesehen von produktiven Anlagen könne man eigentlich nur die Ausgaben für kriegerische Ereignisse zu den außerordentlichen Ausgaben rechnen.— Der im Antrag Müller zur �Streichung vor- geschlagene Satz im Absatz 2 halte er auch für überflüssig. Was der Staatssekretär verhüten will, ist eine Verwendung der etwaigen Ueberschüsse zu den Ausgaben. Bisher sei aber für Ueberschüsse immer noch gerade eine Verwendung aufgetaucht; die Schulden- Minderung sei also sehr problematisch, wenn sie nicht durch zwingende Vorschrift festgelegt würde. Staatssekretär v. S t e n g e l wandte sich gegen den Vorschlag, den Absatz 2 nach Gröbers Darlegungen enger zu fassen. Man müsse doch Abweichungen von der Regel wenigstens im Bereiche der Möglichkeit zulassen. Abg. Richter schloß sich den letzten Ausfiihrungen des Staats- sekretärs an und warnte vor der Einführung allzuvieler automatischer Vorschriften. Die Fälle, in denen die etatsmäßige Verwendung der Ueberschüsse notwendig würde, ließen sich nicht voraussetzen. Was das Wort«ordentliche" anlange, so halte er es für falsch. Den von Müller-Fnlda beanstandeten Satz halte er für über- flüssig: die Frage der direkten Steuern werde dadurch nicht präjndiziert. An der Frage der Rückerstattung der Matrikular- beitrüge nähme er Anstoß; dadurch werde der Reichshaushalts- Etat wieder kompliziert gemacht. Es müßte doch wenigstens vorgesehen sein, daß die Einzelstaaten auch eventuell ent- stehendes Plus der Ueberweisungen an das Reich zurückzahlen müßten. Rückerstattung müsse beiderseitig vorgeiehen sein. Er würde nur so weit gehen, daß die Abweichungen vom Etat soll ausgeglichen würden. Die Rechnung würde durch die von der Regierung vorgeschlagene Methode nicht klarer als bis- her. Schatzsekrctär v. Stengel wollte den subsidiären Charakter der Matriknlarbeiträge stärker betont wissen. Der 8 2 stehe in engen Beziehungen zu 8 1. wo vorgesehen sei, daß die Uebertveisungen ziemlich konstant seien. Die Aussicht auf Rück- erstattung ungedeckter Matriknlarbeiträge würde die Einzelstaaten zur sparsamen Wirtschaft veranlassen. Es sei von Anfang an richtiger gewesen, die Ueberschüsse der Matrikularbeiträge nicht etatmäßig weiterzugeben. Der bayrische Gchcimrat B u r ck h a r d t wandte sich gegen die Vorschläge Müller-Fuldas. Abg. Gröber brachte einen Antrag ein, wonach etwaige Ueberschüsse ans dcn Vorjahren im Reichshaushalte zunächst zur Ausgleichung ungewöhnlich großer Schwankungen bei den ordent- lichen Einnahmen dienen sollen. Bei der Abstimmung wurden zunächst die Anträge Müller-Fulda angenommen; Antrag Gröber wurde ab- gelehnt. In dieser Fassung wurde 8 2 angenommen. Zur Begründung des zweiten Antrages Müller- Fulda führte der Antragsteller ans, es solle dadurch ein Teil der Zölle als Ueber- Weisungssteuern belassen werden. Der Nachteil der alten Clausula Franckenstein, die Schwankungen in den Etats der Einzelstaaten. solle beseitigt werden. Er wolle dadurch eine Mehrheit für die Reform sichern. Abg. Dr. Südckum forderte denAbg. Müller zur zahlenmäßigen Darstellung seines Antrages auf, da sich nur dann seine Tragweite überschauen lasse. Der Staatssekretär v. Stengel äußerte eine Reihe von Bedenken gegen den Vorschlag des Abg. Müller. Bräunt- wcin-VerbrauchSabgabe und die Aisträge Müller würden 320 Mill. Mark Ucberweisungssteuern ausmachen. Dadurch werde der ganze Grund- gedanke der Vorlage in Frage gestellt. Nicht einmal der Verduntc» uing und Verworrenheit des Rcichsbaushalts-Etats werde durch den Antrag Müller ein Ende bereitet. Die Zölle müssen wenigstens von der Ueberweisung ausgeschlossen bleiben. Bittet daher den Antrag abzulehnen. Abg. Dr. Arendt glaubte, daß der Antrag Rküller die Vorlage direkt gefährde, denn der Zweck des Gesetzes werde da- durch vereitelt. Abg. Müller: Die Entlastung der Einzelstaaten von zwei Dritteln des Risikos sei doch sehr erheblich. Abg. Richter meinte, daß selbst nach dem Antrag Müller die Ueberweisungen sehr beschränkt würden. Da niemand weiß, was die Zölle einbringen werden, so dürfe man nicht über diese Beträge Ver- ngungen treffen; man dürfe die ganze Einnahme- 'teigerung nicht dem Reiche zuweisen, um nicht zu neuen Ausgaben zu reizen. Die Kompliziertheit des Etats solle man doch nicht übertreiben. Die Voraussage» über den Fall deS Gesetzes seien vorschnell. Abg. v. NichtHofen sprach sich gegen den Antrag Müller auS. Abg. Graf v. O r i o l a schloß sich ihm an. Abg. Gröber glaubte, daß die Beratung des Antrages Müller eigentlich besser der zweiten Lesung vorbehalten bleibe; jedenfalls müsse das mit der Abstimmung so gehalten werden. Die Lage sei etzt ganz anders als vor Einführung der Clausula Franckenstein; damals habe man aus konstitutionellen Gründen ein künstliches Deficit schaffen müssen, jetzt aber habe man ein dauerndes sehr reales Deficit, denn die Bedürfnisse des Reiches könnten aus eignen Einnahmen nicht gedeckt werden. Deshalb sei aber auch der Antrag Müller nicht geeignet, das Schicksal der Vorlage zu bestimmen. Der Staatssekretär bedankte sich für diese Ausführungen beim Abg. Gröber. Die Weiterbcratnng wurde auf Mittwoch vertagt. Abg. Müller zog seinen Antrag bis zur zweiten Lesung zurück.— Wenn der Kaiser reist! Eine Korrespondenz berichtet: Gelegent- lich der Rückkehr des Kaisers nach Deutschland und seiner Anwesen- heit in Wiesbaden, Biebrich. Mainz zc. werden die Polizeibehörden wieder die umfangreichsten Maßnahmen bezüglich der Sicherheit des Monarchen treffen, cvent. unter Mitwirkung Berliner Sicherheits- bcamtcn. Vorschrift hierfür ist die allgemeine Anordnung, daß Ort- schaften, deren Polizei-Organe wegen ihrer geringen Stärke nicht unbedingt für die absolute Sicherheit des Kaisers bürgen können, von der Berliner Polizeibehörde Ergänzung fordern. Auf Anordnung des Berliner Polizeipräsidiums wird dann ein genügend starkes Kommando(Kriminalbeamte unter Führung eines Kommissars, unter Umständen auch uniformierte Schutzleutej nach der betreffenden Ortschaft beordert. Schon wenige Tage vor Ankunft des Kaisers bcgiebt sicki das Kommando nach dem bezüglichen Ort. um sich über das Gelände zu informieren, besonders gebotene Maßnahmen für die Wege des Kaisers zu treffen, wie überhaupt den ganzen Aufsichts- dienst zu regeln und zu leiten. Zu diesen Ehrenkommandos werden stets bestimmte, erprobte und verläßliche Beamten verwandt. Vor einiger Zeit meldeten übrigens italienische Blätter, daß sich auch bei der gegenwärtigen Erholungsreise des Kaisers deutsche Polizeibeamte an der Ausübung des Sicherheitsdienstes beteiligen.— Nnssenkurs i» Baden. Karlsruhe, 23. April.(Eig. Ber) Bei der Beratung des Budgets der Universitäten Heidelberg und Frciburg i. Br. wurde von der socialdemokratischen Fraktion auch die Behandlung russischer Studierender in Deutschland kritisiert Man konnte damals zugeben. daß zwar noch leine preußischen Zustände an badische» Hochschule» existieren, aber an Chikanen gegen fremdländische Studierende, de- sonders gegen Russen, fehlt es auch in Baden nicht. Vor zwei Jahren wurde der Versuch gemacht, die Regierung zu schärferem Vorgehen gegen die Russen in Heidel- berg zu hetzen, zunächst ohne Erfolg, Neuerdings aber hat man die Zulassung russischer Hörerinnen zu medizinischen Vorlesungen und klinischen Kursen ganz außerordentlich erschwert unter dem Vorwand, daß diese Damen mehr aus Neugierde diese Kurse besuchten und den Unterricht störten. Das wurde von unsrer Fraktion, wie ge- sagt, gebührend kritisiert und dabei auch der preußische Russen- kurs erwähnt. Der Kultusminister verteidigte zwar den Reichs- kanzler Bülow, aber man konnte doch nicht annehmen, daß die Knute auch schon im liberalen Musterstaat regiert. Das trat erst jetzt zu Tage, Die bndische Regierung hat förmliche Steckbriefe hinter die aus Preußen ausgewiesenen russischen Studenten erlassen, um so, falls sie sich nach Baden wenden sollten, auch hier sofort wieder hinauszuwerfen I Die socialdemokratische Fraktion hat wegen dieser Vorgänge im Landtage eine entsprechende Interpellation eingebracht. So weit bisher bekannt, ist bereits der aus Berlin ausgewiesene Student Bärmann, der in Heidelberg seine Studien fortzusetzen beabsichtigte, aufgefordert worden, binnen 14 Tagen Baden zu verlassen; Bärmann hat gegen diesen Answeisungsbefehl Berufung eingelegt.— Maifeier-Verbote. Ein Stück Russenkurs liegt gleichfalls in den Maifeier- Verboten, die jetzt verübt werden. In letzter Zeit habeil die unteren Verwaltungsbehörden alle Maiseier-Umzüge, für die um Genehmigung nachgesucht wurde, verboten. So in Karlsruhe, Freiburg und in den letzten Tagen auch in Heidelberg, Da dieselben Behörden Umzüge bei allerlei Gelegenheiten genehmigen und erst vor Jahresfrist nichts dagegen gehabt haben, daß anläßlich des Mannheimer Katholiken- tages ein großer Umzug Sonntags die Straßen sperrte, so haben die socialdemokratischen Abgeordneten im Landtage folgende Jnter- pellation eingebracht: Wir ersuchen die Regierung um Auskunft, ob die Verbote der Maifeier- Fe st züge auf>ninisterieller Ver- f ü g u» g zurückzuführen sind und, sollte dies nicht der Fall sein, was gedenkt sie zu thun, um diese Ausnahmemaßregel sofort rückgängig zu»lachen? Zur Rettung der Maiseier-Umzüge wird die Interpellation kaum ausreichen, denn die Regierung ivird sich um die Beantwortung so lange als möglich herumdrücken. Aber Rede stehen wird sie müssen und sie wird offenbaren müssen, wie sie das„gleiche Recht für alle Staatsbürger" versteht.—_ Zur Wahl in Altcnburg. Die Agrarier arbeiten fieberhaft, um das Mandat der Socialdcmokratie zu entreißen. Wie diese Wirtschaft- liche Vereimgung den politischen Kampf betreibt, zeigt u, a. dieses Cirkular, das uns gesendet wird: Altenburg sSachsen-Altenburg). Brühl Nr, 1. An die Herren Mitglieder des Bundes der Landwirte im Herzogtum Sachsen-Altenburg, Von den zur Verteilung gelangten Stimmzetteln hat jedes BnndeSmitglied eine kleinere Anzahl zur persönlichen Verteilung und außerdem jeder Vertrauensmann eine größere Anzahl er- halten, die ausreichen wird, um sämtliche Wähler in der be- treffenden Ortsgruppe am Tage der Wahl mit Stimmzetteln zu versehen. Sollten trotzdem nach Ansicht der Vertrauensmänner und Mitglieder nicht genügend Zettel vorhanden sein, bitten wir, die noch öewünschte Zahl bei dem Unterzeichneten sofort zu verlangen. Wir bitten nun nochmals dringend unsre Mitglieder, dafür zu sorgen, daß kein reichstreuer Mann am Wahltage fehlt. Organisieren Sie einen Schlepperdicnst innerhalb der Ortsgruppen nnd holen Sie jeden Mann, von dem anzunehmen ist, daß er unsrem Kandidaten die Stimme geben wird, zur Abgabe seiner Stimme herbei. Nur ivenn niemand fehlt, wird der Sieg unser sei». In der Anlage erhalten Sie noch einige Stimmzettel für unsren Kandidaten, Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Porzig in Jena I Thue jeder am Wahltage seine Pflicht, damit es uns am 29. April gelingt, den Wahlkreis der Socialdemokratie zu ent- reißen I Der Wahlausschuß des Bundes der Landwirte. Freiherr von Seckendorff. Unsre Parteigenossen sind natürlich gleichfalls mit größtem Eifer m der Wahlarbeit, Am Sonntag sprach u, a. Genosse Bebel im dortigen Kreise, Wenn auch die Gegner die Gunst der alten Wähler- listen für sich haben und obschon sie, wie das Cirkular schön beweist, den äußersten Terrorismus deS Schlepperdienstes anzuwenden beabsichtigen, so werden hoffentlich demnach ihre Hoffnungen zu Schanden werden.— Wegen Majcstätsbclcidigung hatte sich vor dem Landgericht Bayreuth die ledige Anna Löffler von Baiersdorf bei Weismain zu verantworten, Sie hatte sich im Herbst 1993 und im Januar 1994 in der Wohnung der SchreinerSehcleute Schmidt in Weismain in abfälliger Weise über das bayrische Königshaus geäußert und über die Herkunft des Königs Ludwig II und des jetzt noch lebenden geisteskranken Königs Otto die tollsten Geschichten erzählt, die sie bei einem Besuch in München gehört haben will. Noch drasttscher sprach sie sich über den bayrischen Prinzregentcn ans. Das Frauenzimmer weiß jeden- falls gar nicht, was sie sagt, aber die Majestät ist nun einmal be- leidigt, und so wurde sie zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsauwalt hatte gar zwei Jahre beantragt.— Kluslancl. Frankreich. Klerikale Militärjnstiz. Paris, 23, April,(Gig. Ber.) Die Militärjustiz fährt fort, aus klerikalen Rücksichten der sonst sakrosankten militärischen Disciplin ein Schnippchen zu schlagen. Die schönste Leistung auf diesem Gebiet war die Freisprechung des Obersren Saint-Romy in Nantes, der sich geweigert hatte, gegen rebellierende Mönche vorzugehen. Das Kriegsgericht derselben Stadt Nantes hat soeben in heuchlerisch gemilderter Form die gleiche gesetz- und disciplinwidrige Recht- sprechung befolgt. Es handelte sich um fünf Offiziere, zwei Hauptleute und drei Lieutenants, die am 12. Februar dieses Jahres sich geweigert hatten, an der Spitze ihrer Truppenabteilungen nach Ploörmel zu gehen, um an der Austreibung der rebellierenden Lamennais-Mönche mitzuwirken. Der Thatbestand wurde vor Gericht so klar wie nur möglich nachgewiesen. Es lag unzweifelhaft eine Gehorsams- Verweigerung vor, auf die der Verlust des Offiziergrades steht. Die Angeklagten, von denen vier das adlige„von" in ihrem Namen führen, suchten sich vergebens in jesuittscher und feiger Weise hinter der Ausrede zu verschanzen, sie hätten keinen militärischen Dienstbefehl mißachtet, sondern einen Rcquisitionsbefchl, weil er nicht bor den versammelten Truppen ver- lesen worden wäre. In Wirklichkeit haben sie einem regelrechten militärischen Befehl ihres Vorgesetzten den Gehorsam verweigert, und die juristische Finte bezüglich des Requisitionsbefehls, die sich auf ein Gesetz von 1791 stützt, ist schon deshalb hinfällig, weil jenes Gesetz die Nationalgarde im Auge hatte, niemals auf das stehende Heer angewendet wurde und obendrein abgeschafft ist. Zum Ueberfluß erinnerte der Regierungskommissar(Staatsanwalt) daran, daß bei der militärischen Aktion gegen die Streikenden von Hennebont(er hätte ebenso gut s ä m t- liche militärische Aktionen gegen Streikende heranziehen können I) kein einziger Offizier von den besagten juristischen Skrupeln gepackt wurde, Und das Urteil? Die Militärrichter haben sich mit einer so- genannten Gunstminderheit, mit drei gegen vier Stimmen, über den klaren Thatbestand, über Gesetz und militärische Disciplin hinweg- gesetzt: die Schuldfrage betreffs der Gehorsamsverweigerung wurde so verneint. Mit fünf gegen zwei Stimmen wurden dann die rebellischen Offiziere bloß wegen„Verlassens des Postens" zu vier Monaten Gefängnis und in die Kosten verurteilt. Zudem hat das Gericht den Beginn der Gefängnisstrafe auf den 15. Februar zurück- datiert. Die ganze drakonische Härte der militärischen Disciplin bleibt den gemeinen Soldaten vorbehalten, die sich unterstchen, den Kadavergehorsam auch nur durch eine unwillige Geberde zu ver- letzen.— Rußland. Die Kämpfe im Gefängnis. Die russische revolutionäre Bewegung hat in den Intervallen zwischen Arbeiterdeinonstratione» und Versammlungen während des Streiks keine Mittel, um sich in ihrer regelmäßigen, unermüdlichen Agitation öffentlich bemerkbar zu machen. Nur die Gefängnisse und die Universitäten bilden den Schauplatz fast unaufhörlicher heftiger Znsammenstöße der revolutionären Elemente mit dem zarischen Regime und dessen Trägern. So schreibt man uns auch jetzt aus Kijcw: Wieder hat hier im Gefängnis ein ungleicher Kampf zwischen den„politischen Verbrechern" und der Gesängnisverwaltung statt- gefunden. Die Sache verhält sich folgendermaßen: Anfangs März sind in Kijew ca. 29 Arbeiter in zwei geheimen Versammlungen fest- genommen worden. Die Anklage gegen die„Verbrecher" stützt sich natürlich auf leeren Mutmaßungen der strebsamen Gendarmerie, allein dies genügte, um die verhafteten Arbeiter nicht nur im Gefängnis überhaupt, sondern direkt im Gefängniskeller zu internieren I Die gewöhnlichen Zellen schienen für diese „Verbrecher" ein zu luxuriöses Gewahrsam oder vielleicht zu wenig Sicherheit zu bieten. Der Aufenthalt im Keller war natürlich un- erträglich und die Arbeiter forderten, daß man ihnen einen Vertreter der Gesängnisverwaltung schicken möge, um mit ihm Rücksprache zu nehmen. Als man diese Forderungen ganz unberücksichtigt ließ, nahmen die Arbeiter zu einem probaten Mittel Zuflucht: sie ver- anstalteten im Korridor eine kleine Demonstration und sangen die Arbeitermarseillaise. Da erschien natürlich schleunigst der Gefängnis- direktor in eigner Person, der aber, nachdem er die Forderung der Arbeiter, in ordentlichen Zellen untergebracht zu werden, vernommen, einfach den Befehl an die Konvoisoldaten gab, die ruhig stehenden Arbeiter ohne jeden Grund»nt Gewehrkolben in ihre Keller zurück- zujagen. Gin Arbeiter ist dabei verwundet worden! Darauf gab es natürlich einen Aufruhr im ganzen Gefängnis, alle In- haftierten verlangten stürmisch die Herbcirufung des Staatsanwalts, um bei ihm Beschwerde zu führen. Die Verwaltung mußte nach- geben, der Zweite Staatsanwalt erschien und nahm die Beschwerde sowie die Forderungen entgegen, doch bleibt es zweifelhaft, ob auch dies irgendwelche Besserung in der Lage der Inhaftierten zur Folge haben wird, Auch in der Studentenschaft der hiesigen Universität sowie des Polytechnikums gärt es stark; es werden revolutionäre Gegendemonstrationen als Antwort auf zarenfromme Kund- gebungen des reaktionären Teiles der Studentenschaft organisiert, der sich durch Veranstaltung patriotischer Gottesdienste aus Anlaß des Krieges sowie durch nicht minder patriotisches Denunzieren der „verdächtigen" Kollegen an die Behörden hervorthut. Einem be- sonders eiftigen dieser Jünger hat die revolutionäre Studentenschaft anheimgestellt, den Vorlesungen fernzubleiben; da er aber trotzte, bauend auf den Schutz der Behörden, so werden die durch seine An- Wesenheit beehrten Vorlesungen nunmehr boykottiert.— Vom ostafiatischen Kriegsschauplatz. Das Wladiwostock-Geschwadcr vor Grnsan. Nach Tokioter Meldungen lag das russische Geschwader noch gestern abend vor Gensan; die Kreuzer und die Torpedoboot- zerstörer hatten sich vereinigt. Von der japanischen Bevölkerung sind besonders Frauen, Kinder und Greise ins Binnenland geflohen. Es erhält sich die Meinung, daß die Russen japanische Transportschiffe abzufangen hoffen. Tokio, 26. April. Wie das„Reutersche Bureau" meldet, war die Bemannung des„G o y u Mar u" nach Gensan ans Land g e- schickt worden, bevor die Russen das Schiff in den Grund bohrten. Söul, 26, April.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Das russische Geschwader ist von Gensan wieder ab- gedampft. Ein Bombardement Niutschwangs. Tientsin, 26. April.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Hier erhält sich das Gerücht, daß die Japaner die Befcstignngswerke von Niutschwang Montagnacht beschossen haben. Russische Rüstungen. Petersburg, 26. April. Durch einen kaiserlichen Ukas wird die Bevölkerung einiger Kreise der Gouvewsemcnts Orenburg, Ufa und Samara zum Stellen von Pferden M den Kriegsfuß zu setzende Teile des Orenburgschen und UsWMHosakenheeres herangezogen. partßj richten. Wir lesen in der„öefosiger Volkszeitung": „Der„Vorwärts" sucht seinen Rückzug in der Hardenschen Sache nochmals durch belletristische Witzeleien zu decken. Da wir uns hierauf so wenig verstehen, wie auf Sensationsmache, so lassen wir ihn gern laufen. Sollte er noch einmal die Parteiprcsse durch Re- klame für Harden blamreren, so werden wir uns wieder melden. Inzwischen haben wir einigen Grund zu der Annahme, daß die Lektion, die wir ihm im Interesse der Partei erteilen mußten, fürs erste genügen wird."._ Wir waren in dieser erschütternden Aktion weder Angreifer, noch haben wir den unnötigen Versuch einer Verteidigung gemacht; deshalb sind wir gar nicht in der Lage, einen Rückzug anzutteten. So verhält es sich auch mit der Lektton. Wenn es unserm Lektor— der es vor drei Tagen ablehnt«, unser Hüter sein zu wollen— befriedigt, an die Wirkung seiner Lettion zu glauben, so sind wir die letzten, die ihm das mißgönnen. Ein gutes Wort. In der Berner„Arbeiterstimme" schreibt Genosse H, Greulich: „In letzter Zeit habe ich iviederholt folgende Bemerkung ver- nommen: Wenn das und das geschieht oder nicht geschieht, dann tritt unsre Settion aus dem Verband, oder unser Verband aus dem Gewcrkschaftsbunde, oder der Gewerkschaftsbund aus dem Arbeiter- bunde. Dabei habe ich mich weniger geärgert als geschämt, denn ich hörte die Unternehmer dabei lachen und sagen: Die Leute brauchen wir nicht zu fürchten, deren Forderungen können wir noch ruhig ablehnen. Die sind nicht gefährlich. Wann werden wir einmal diese albernen Kindcrunarten los? Die mögen etwa passen für einen Kegelklub, oder ein Tabakskollcgium. oder eine Skat- und Saufgesellschaft, für Leute, die Vergnügen wollen, aber nicht für eine Gewerkschaft, in der man für die Existenz und die Rechte der Arbeiter kämpft, die also eine Notwendigkeit ist. Wrr wollen mitbestimmen im Arbeitsvertrag, wir wollen Gemeinde und Staat meistern, ja, wir streben eine vollständige Umgestaltung der ganzen Gesellschaft an— und wir lassen uns immer wieder drohen, daß man wegen kleinlicher Meinungsverschiedenheiten unsre eignen ~Iiiii»iia»ii jii jtiin ii wM Welcher Widerspruch) Es ist wahrlich hohe Zeit, daß wir endlich einmal solche Albernheften aus unser« Versammlungen und aus unsrer Presse hinausweisen, denn sie blamieren imd schädigen uns nur. Nicht fottlaufen, sondern da- bleiben und weiterarbeiten, das ist die Parole einer demokratischen Organisation. Was gesund ist, wird Meister werden und das Un- gesunde mag verschwinden. Mehr Brüderlichkeit und weniger Recht- haberei, mehr freundliche Verständigung und freiwillige Disciplin und weniger Eigensinn— dann erst werden wir aus unsrer Ohn- macht endlich einmal herauskommen." k)olizeUicbes, Ocnchtliches ulw. — Zu 800 Mark Geldstrafe wurde der Redakteur unsres Hannover« schen Parteiblattes verurteilt wegen Beleidigung eines Gutsbesitzers. Der Arbeiter Hapke aus Luthe hatte ihm der Wahrheit zuwider mit- geteilt, daß er von dem Gutsbesitzer wegen seiner socialdemokratischen Abstimmung bei der Reichstagswahl entlassen worden sei. Hapke hatte alle seine Angaben ausführlich niedergeschrieben und durch seine Unterschrift bekräftigt. Die Angaben erwiesen sich, wie der „Hannoversche Kuner" berichtet, als erfunden. Hapke wurde zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt, Der„Volkswille" mit dem Bericht liegt uns noch nicht vor. GewerkfckaMickes. Christliche Gewerkschaften und christliche Unternehmer. Die Gewerkschaften, auch die christlichen, waren den Unter- nehmern, ob jüdisch oder christlich, stets ein Dorn im Auge. Es entstanden deshalb oft Zwistigkeiten bei Gründung der christlichen Gewerkschaften mit den christlichen Unternehmern, Maßregelungen von Vorstandsmitgliedern kamen sehr häufig vor. Doch wurden diese Streittgkeiten noch stets beigelegt, wenn den christlichen Unter» nehmern klargemacht wurde, daß die christlichen Gewerkschaften nur zur Bekämpfung der Socialdemokratie gegründet würden. Es handele sich darum, Zersplitterung in die Reihen derArbeiter zu tragen, sosdaß sie dem Unternehmertum'gegenüber wehrlos seien. Wie bemerkt, sahen die frommen Unternehmer dieses ein und gaben sich zufrieden, bis neuerdings von frommer Seite wieder ein Vorstoß die gegen christlichen Gewcrk- schaften unternommen wird. Man geht wohl nicht fehl, wenn man die Befürworter der katholischen Gewerkschaften hinter dem Augriff vermutet. Es sind nämlich ernste Konflikte zwischen den christlichen Gewerkschaften und den katholischen Unternehmern in Westfalen und am Rhein, hauptsächlich am Medcrrhein, ausgebrochen. Besonders stark wütet der Kampf in dem frommen Wallfahrtsort Kevelar, dort hat die rheinische Centrumsleitung aus Köln schon zu vermitteln versucht, jedoch lehnen die streng katholischen Unternehmer jede Verinittelung ab, weil sie „Herr im Hause" bleiben wollen, wie sie sagen. Nachdem neuerdings der Zustand sich immer mehr zuspitzte, übernahmen katholische Geistliche von auswärts die Mission, den Frieden herzustellen, aber ganz resultatlos. Die Unternehmer werfen rücksichtslos die Organisierte» auf die Straße, ja. die Firma Butzon u. Bercker, apostolischer Verlag, die sehr viele Arbeiter beschäftigt, konnte es mit ihrer Frömmigkeit vereinigen, einem alten Arbeiter, den sie aufs Pflaster geworfen, noch die Hypothek, die der arme Teufel von ihr hatte, zu kündigen. Eine echt christliche Handlungsweise. Hoffentlich sehen die christlichen Arbeiter nach einem solchen Vorgehen strammer Centrunisanhänger ein, daß es mit der Interessengemeinschaft von Kapital und Arbeit, die vom Centrum fortwährend gepredigt wird. nicht weit her ist, sondern daß sich hier zwei Klassen rücksichtslos gegenüberstehen und ein„Hüben" und„Drüben" nur gilt. es wurde Festsälen, hcn Beschluß eine Sitzung n 499 erschienen der Versammlung enaussckmß zu bevoll- Berlin und(lmgegend. Lohnbewegung der Bäckergcscll Gegen 2S99 organisierte Bäckereiarj genaue Kontrolle geführt— waren geste Koppenstraße, versammelt, um über das zu fassen. Unmittelbar vor dieser Ver der Verttauensmänner stattgesunden waren—, in welcher der Beschluß folgenden Vorschlag zu empfehlen:„Den- �___ mächtigen, im Auftrage des Verbandes weitere VerHand- lungen mit den Innungen anzubahnen und die endgültige Ent- scheidung über die Proklamierung des Streiks 14 Tage hinauszu- schieben." Nachdem der Referent, der Verbandsvorfitzende Hetzschold, die gegenwärtige Lage ausführlich beleuchtet, das ganze Verhalten der Innungen den Versammelten vor Augen geführt, empfahl er die Annahme der folgenden Resolution: „Die am 26. April 1994 in Kellers großem Saal von Mit- gliedern des deutschen Bäcker-Verbandcs besuchte Versammlung nimmt mit lebhaftem Bedauern Kenntnis von der ablehnenden Ant- wort der Innungen, Vor der Oeffentlichkeit sei ausdrücklich konstatiert, daß die Gesellenschaft ein tarifliches Arbeitsverhältnis anstrebte, die Me isser- schaft den Abschluß eines solchen Tarifs aber mit nichtssagenden Rede- Wendungen sttftt ablehnt. Die Innung bezeichnete den Tarif für undurchführbar und in seiner letzten Konsequenz für Meister und Gesellen unheilvoll und alles andre, nur nicht den Frieden bringen, aber zugleich über berechtigte Wünsche mit dem Gesellenausschuß verhandeln will. Die Versammelten überlassen diese rückständigen nnd gleichzeitig sich widersprechenden Ansichten dem Urteil der Oeffentlichkeit. Obgleich w-ir uns vom weiteren Verhandeln mit den Innungen absolut nicht viel versprechen, möchten wir doch gern wissen— und dürfte dies auch weitere Kreise des konsumierenden Publikums interessieren—, welche unsre Forderungen von den Jnnimgen als „berechtigt" anerkmmt werden. Die Versammelten betrauen die Gesellenausschüsse mit folgender Mission: 1. Sta haben mit den Innungen im Auftrage des Verbandes über unsre unverkürzten Forderungen zu verhandeln. 2. Falls die Innungen unter dieser Voraussetzung ver- handeln, ist zunächst zu verlangen, daß von den Gesellenausschutz» Mitgliedern ein Schriftführer ernannt w rd, der das Protokoll der Sitzung aufnimmt. 3. Weiter ist bei Beginn der Sitzung zunächst festzustellen, welche Punkte der Forderungen von den Innungen als„berechtigt" anerkannt werden, und welche unberechtigt sind. 4. Haben die Gesellenausschüsse den Innungen die Frage vorzulegen, welche Garantten uns die Innungen geben, daß die als„berechttgt" anerkannten Forderungen auch innegehalten werden, nachdem im Jahre 1999 die Einigungsbedingungen des Einigungsamtes des Gewcrbegerichts von den Meistern nicht mne- gehalten worden sind. 5. Die Gesellenausschüsse haben bis Dienstag, den 19. Mai, über diese Verhand» lungen Bericht zu erstatten." In der Versammlung machten sich verschiedene Stimmungen bemerkbar, man verlangte eine sofottige Proklamierung des Streiks. wieder andre hielten 14 Tage für zu weit hinausgeschoben und ver- langten innerhalb 3 Tagen die Entscheidung, Diesen Auslasftmgcn trat der Referent entgegen; man möge der Leitung verttauen, daß alles wohl erwogen sei. Den Gesellenausschüsscn wird eine besondere Taktik vorgeschrieben, unter andenn sei bei den Verhandlungen mit den Innungen in der Frage des Kost- und Logiswefens stritte darauf zu bestehen, daß dieses für alle Gehilfen ohne Ausnahme und nicht etwa nur für die Verheirateten abgeschafft werde. Nach- dem die Resolution angenommen, beauftragte man den Gesellen- ausschuß, noch im Laufe dieser Woche mit den Innungen in Verhandlungen zu treten. In seinem Schlußwort gab der Referent noch die Erklärung ab. sollten die Innungen sich weigern, unter den dem Ausschüsse vorgeschriebenen Bedingungen zu verhandeln« dann lel der Auaenblick zum Kcmdeln gekommen.— Den Wiener Kollegen, die sich auch in einer Lohnbewegung befinden und an diesem Tage eine grosie Versammlung abhalten, spricht die Versammlung ihre vollste Sympathie aus. Die angestrebte Tarifgcineinschaft der Berliner HandelSgärtncr mit dcni Arbeitgeber-Berbandc auf der Grundlage des Tarifs von 1901 ist nicht zu stände gekommen, da der Arbeitgeber-Verband diese strikt abgelehnt hat. In der Versammlung der Gehilfen, die sich mit der Antwort der Arbeitgeber beschäftigte, wurde hervorgehoben, dah die Ablehnung nicht erwartet wurde, da selbst das Organ des Handelsgärtner-Verbandes ans Anlah der Hamburger Tarifgemein- schaft auch solche an andren Orten befürwortet habe. Auch der Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises gegenüber verhält sich der Arbeitgeber-Verband ablehnend. Nachdem mehrere Redner die gegenwärtigen Verhältnisse für eine große Aktion nicht geeignet erklärten und für partielle Arbeitsniederlegungen plädierten, einigte man sich schließlich zur Annahme folgender Resolution:„Die öffentliche Gärtnerversammlung nimmt von dem Schreiben der Gruppe Berlin des Verbandes der Handels- gärtner Kenntnis: sie spricht ihr Bedauern darüber aus, daß die- selbe bei den bescheidenen Forderungen eine tarifliche Rege- lung, welche doch geeignet ist. gesunde Verhältnisse im Gärtnerberuf zu schaffen. abgelehnt hat, trotzdem von Arbeitgcberseite ebenfalls der Wunsch ausgesprochen wurde. Die Versammlung ist der Ansicht, daß die für die Ab- lehnung angeführten Gründe logischerweise für und nicht gegen eine Tarifgemeinschaft sprechen und erblickt demzufolge in dem Ver- halten der Arbeitgeber nichts weniger als friedliche Bestrebungen. Aus diesem Grunde hält eS die Versammlung fiir eine unbedingte Notwendigkeit, sich zu rüsten, um auf eine verarfige Ab- sage zur gelegenen Zeit die richtige Antwort erteilen zu können." Achtung, Kürschner! Die Lohnforderung der Zurichter Berlins: neunstündige Arbeitszeit und Erhöhung der Accprdpreise, ist von den Arbeitgebenr nach achttägigem Streik bewilligt und sind sämtliche Arbeiter an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt. Deutscher Kürschnerverband. Zahlstelle Berlin. Oeutlcbes Reich. Maurer. Die Lohnbewegung der Maurer in S a l z u n g e n ist zu Gunsten der Gehilfen beendet. Sie erzielten eine Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde. Zimmerer. Sämtliche Zimmergesellen von Salzungen sind Sonnabend ftiih in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie verlangen eine Erhöhung des Stundenlohnes. Die lang erwarteten Italiener trafen am Montag in Stärke von 16V bis 180 Mann in Königsberg ein. Sie wurden unter polizeilicher Bedeckung in dicht verschlossenen Journalieren vom Bahnhofe abgeholt und nach den verschiedenen Baustellen transportiert, wo dieselben Streikbrecherdienfte leisten sollen. Der Transport erregte hier besonderes Auffehen dadurch, daß den einen Wagen zum Beispiel 4 Schutzleute begleiteten, die auch bei dem Entladen der kostbaren Ware an Ort und Stelle hilf- reiche Dienste leisteten. Es werden dem Vernehmen nach noch mehr Italiener in Königsberg erwartet. Dieselben kosten den Bau- JnnungSmeistern ein schweres Stück Geld. Die Unternehmer rechnen aber bestimmt darauf, daß sie diese Kosten aus den Knochen der jetzt um einige Pfennige mehr Stundenlohn kämpfenden Maurer- gefellcn wieder herausschinden, wenn diese im Kampfe unterliegen sollten. Die organisierten Maurer sind jedoch ziemlich siegesgewiß: sie meinen, die Italiener machen den Kohl nicht fett, wenn sonft Zuzug ferngehalten wird. Die Maurer Ä» St. Johann-Saarbrückrn haben beschlossen, in den Ausstand ft«,»treten, nachdem die Untenrehmer mit Ausnahme von dreien dfttuißrrst bescheidenen Forderungen nicht einnral einer Antwort gewiirdigt haben. Die Maurer fordern zehnstündige Arbeits- zeit und 46 Pf. Sumtzmivhn. Sie sind für saarabische Verhältnisse ziemlich gut organisierte..._ Die AnSsherrung an der Nnterwes« hat nun eine weitere Ausdehnung erfahren insofern, als jetzt auch die Tischler in dieselbe hineinbezogen sind. Infolge der Aufforderung an die Tischler, Zimmererarbeiten zu verrichten, hatten die- selben den Beschluß gefaßt Streikarbcir abzulehnen und dies den Meistern mitgeteilt. Darauf wurde in den Werkstätten von den Unternehmern folgendes Plakat angeheftet: Veranlaßt durch ein aus der Gesellcnschaft hervorgegangenes Rundschreiben beschlossen die dem Arbeitgebcrverbande für das Baugewerbe angeschlossenen Inhaber von Tischlereibetrieben, daß es dem Meister überlassen bleiben muß zu bestimmen, welche Arbeiten die Gesellen zu machen verpflichtet sind. Hierzu gehören insbesondere alle Arbeiten, die bisher anstands- los von Tischlern ausgeführt wurden. In einer öffentlichen Holzarbeiterversammlung, die sich mit diesem Anschlag beschäfttgte, wurde einsiiinmig beschlossen, die in demselben verblümt angedeutete Zumutung, Streikarbeit zu ver- richten, zurückzuweisen. Eine Kommission wurde beaufttagt, mit dem Arbeitgeber-Verband zwecks Beilegung dieses neuen Konfliktes in Unterhandlungen zu treten. Das Resultat dieser Ver» Handlungen war jedoch em negattves. Der Unternehmer-Verband beharrt auf seinem Standpunkt und ist nunmehr zur Aus- sperrung von etwa 6v Tischlern übergegangen, der ver- mutlich weitere Aussperrungen folgen dürften. Kusianck. DaS internationale Buchdrucker Sekretariat in Bern umfaßt nach seinem soeben für 1903 veröffentlichten Jahresbericht 22 Organisationen mit rund 86 600 Mitgliedern. Der Allgemeine Nieder- ländische Typographenbund ist mit 1200 Mitgliedern aus-, der sran- zösische Bucharbeiter-Verband mit 10 600 Mitgliedern sowie die Buchdrucker-Organifation in Serajewo(Bosniens sind beigetreten. Der Sekretär'beabsichtigt, die Entwickelungsgeschichte der Buch- arbeiter-Organisattonen zu schreiben und damit eine große Auf- gäbe zu erfüllen. Zu seiner weiteren Ausbildung besucht er an der Berner Universität die Vorlesungen über die Socialstatisttk und socialstatistische Arbeiten. Von den verschiedenen Mitteilungen seien erwähnt die Differenzen der deutschen und östteichischcn Buchdrucker- verbände in Bezug auf ihren GegenseittgkeitSverttag. die auf einer internationalen Konferenz in Straßburg geschlichtet wurden: ferner der Kampf der Schristgießer in Leipzig zur Schaffung einer Tarifgemeinschaft sowie der Generalstreik in Rom, fiir den durch das Sekretariat 3493,37 Frank ge- sammelt wurden, außerdem sandten zahlreiche Verbände noch 3887,46 Fr. direkt nach Rom. Der Kampf der Buchdrucker im Kanton Tessi'n wurde mit 2467,23 Fr. durch die Vermittlung des Sekretariats unterstützt. Die Einnahmen des Sekretariats selbst betrugen 7844,46 Fr., die Ausgaben 6726,92 Fr., so daß ein Saldo von 2118,64 Fr. Ende 1903 verblieb. Das internationale Buchdrucker- sekrctariat besteht nunmehr 10 Jahre und es ist heute so befestigt und geschätzt, daß sein dauernder Fortbestand als gesichert angesehen werden kann. Der gegenwärtige Sekretär P. Stautner giebt sich auch alle Mühe, die Einrichtung den Buchdruckern aller Länder nützlich zu«lachen. Die Aussperrung in der Diamantindustrie. Auch bis jetzt hat sich die allgemeine Lage nicht wefentlich geändert, doch die Zahl der Ausgefperrten und Streikenden hat sich in den letzten Tagen wiederum um einige Hunderte vermindert, indem sowohl in Amster- dam als auch in Antwerpen eine größere Anzahl Diamantarbeiter zu den Verbandsbedingungen wieder in Arbeit treten konnten. Ende der vorigen Woche wurde die Zahl der in Antwerpen zu Verbands- bedingungen Arbeitenden auf 1300 angegeben, am Montag ist ihre Vkrantw. Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Inseratenteil verantw. Zahl um 200 gestiegen. UcbrigenS genießen dort die Streikbrecher einen sehr weitgehenden Polizeischutz. Ein Streikender wurde dieser Tage festgenommen, weil er Streikbrecher ausgepfiffen hatte, ein anderer weil er einen Streikbrecher bedroht und beleidigt und damit„Schändung der Arbeitsfteiheit" verübt haben soll. Nach der bisher üblichen Praxis zu schließen, werden sie wohl beide nicht vor Beendigung des Streiks wieder fteikommcn. Die Zahl der Ausgesperrten in Amsterdam ist um einige Hunderte dadurch vermindert worden, daß in einer großen Fabrik Tag- und Nachtschicht eingeführt wurde, in einer andren die Diamant- schleiferei erheblich vergrößert, und daß eine neue, allerdings nur kleine Fabrik errichtet wurde. Eue der frauenbewegung. Bamnschulcnwcg. Donnerstag, den 23. April, abends 8V- Uhr, hält der Verein für Frauen und Mädchen Schönebergs und Um- gegend im Lokale von Christ, Marienthalerstraße, Ecke Ernststraße, eine Wanderversanrmlung ab. Herr Dr. Sommerfeldt wird über „Kindererziehung in gesundheitlicher Beziehung" sprechen. Um zahl- reiches Erscheinen bittet Ter Vorstand. Welches Interesse haben die Frauen am Genossenschaftswesen? lautete das Thema des Vortrages, den der Reichstags-Abgeordnete Fritz Herbert- Stettin im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffe hielt. Ter Referent schilderte die Entwicklung des Genossenschaftswesens in England, den enormen Aufschwung, den es dort genommen, und wie langsam dagegen in Deutschland ge- nossenschaftliche Organisationen Wurzeln fassen. Das hat seine be- stimmten historischen Ursachen, und liegt im wesenrlichen an der von Schulze-Delitzsch und seinen Anhängern geübten Agitation, die nicht die großen Arbeiterkrcise erfassen konnte, sondern nur für das Klein- bürgertum und den Mittelstand geschaffen war. Auch die Lassalleschen Ideen gegen die Konsumgenossenschaften sind überwunden und in den letzten 10 Jahren entfaltet sich auch in Deutschland die Ge- iwssenschafts-Bewegung in stetig steigendem Maße. Die Arbeiter- schaft mutz ihre Macht auf diesem Gebiete mehr ausnützen; wenn von den drei Millionen Stimmen, die die letzte Wahl ergeben hat, zwei Millionen genossenschaftlich organisiert werden, welchen Einfluß könnten sie da ausüben, welche Vorteile gewinnen. Namentlich m Berlin ist viel auf diesem Gebiete zu thun; allerdings muß zugegeben werden, daß hier, solange die Bewegung noch keinen großen Um- fang erreicht hat, auch etwas Opfermut nötig ist, um das Gedeihen der Genossenschaften zu ermöglichen. Der Vortragende schilderte dann die Schwierigkeiten, die den Konsumvereinen von bürgerlicher Seite gemacht werden, wie man durch die Umsatzsteuer die Vereine gefährden wolle med auch in diesen Gebilden politische Gefahren sehe. Tie Genossenschaften haben nichts mit Politik zu thun, aber sie sind eine vorzügliche Handhabe zur wirtschaftlichen Erziehung der Arbefterklasse. Di« Krönung des Genossenschaftswesens ist die Eigenproduktion. Auch hier ist jetzt in Deutschland schon manches geleistet worden, besonders in Bäckereien, und jetzt will man ein« Seifenfabrik errichten. Auch hier ist es, neben den rein prakri scheu Vorteilen für die Konsumenten, die Möglichkeit, Beweise zu liefern, daß auch unter den besten Arbettsbedingungen und hohen Löhnen ein Betrieb bestehen kann.„Konsumenten Berlins, bereinigt Euch!" mit diesen Worten schloß der Referent seinen interessanten Vortrag. n der Diskussion wandte sich Herr Mügge ganz besonders an die rauen, die die berufensten Vertreterinnen des Genossenschaftswesens seien. Auch hier wieder muß uns England vorbildlich werden. Die Vorfitzende teilte mit, daß die nächste Versammlung am 9. Mai stattfindet. Versammlungen. Berein deutscher Schuhmacher(Zahlstelle Berlin). Am Montag fand im„Rosenthaler Hof" die Fortsetzung der Generalversmmnlung für das 1. Quartal d. I. statt. Den Kassenbericht erstattete Weber. Einnahmen und Ausgaben der Centtalkasse balanzieren in der Summe von 3671,76 M. In der Lcckalkasse beträgt die Einnahme inklusive Bestand 7628,97 M., die Ausgabe dagegen 2245,03 M., so daß ein Vermögensbestand von 6283,94 M. verbleibt. Der Zahlstelle ge- hören 2067 Mitglieder an, davon such i960 männliche und 117 Weib- liehe; die Mitgliederzahl hat sich im letzten Quartal um 63 erhöht. Als besonders bemerkenswert wurde hervorgehoben, daß die Be- fürchtungen, mit der Einführung der obligatorischen Beitragsleistung zum Lokalfonds würde ein Mitgliederverlust eintteten, sich keines- wegs erfüllt haben, sondern im Gegenteil ein Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen war, ganz abgesehen von der erheblichen finanziellen Stärkung der Zahlstelle. Auf Anttag wurden dem Streikfonds der Centralkasse 300 M. überwiesen.— Hierauf berichtete O l l r i ch über die Verhandlungen der Brandenburger Provinzialkonferenz, die am 2. Ostertage im Berliner Gewerkschaftshause stattfmrd. Bon den 24 Zahlstellen der Provinz sind daselbst 20 mit 31 Delegierten ver- tteten gewesen. Die Lohnverhältnisse sind in den meisten Provinzial- orten noch außerordentlich traurige, besonders bei den Jnnungs- meistern. Wochenlöhne von 9— 12 M. find gang und gäbe, bisweilen werden auch nur 7 M. verdient, wie z. B. in Kottbus. Der Durch- schnittsverdienst der Fadritosfeitcr beträgt 18 M. Betont wurde jedoch, daß in de« Berlinds, Hpsphlanstalten vielfach noch schlechtere Löhne gezahlt werden, wch.z>' ,lMtch«r Provinzialstadt; die in solchen Werkstätten beschäftigten' ÜViefT n stehen in ihrer Mehrzahl der Organisation auch noch völlig»ikercsseloS gegenüber. Aus Branden- bürg ist mitgeteilt worden, cipe Firma ihre Schuhwaren vorwiegend im Zuchthause zu WwWcir�Mtellen läßt und diese dann per Annonce in dem Organ der �Mroßeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine dem Publikum anvreiss. Die Schriftleitung der Groß- einkmifsgesellschaft soll auf die Praktiken jener Firma aufmerksam gemacht werden. Von den Anttägen, die der Konferenz unterbreitet wurden, gelangten außer den auf die kommende Genoralversammlung des Verbandes Bezug habenden folgende zur Annahme: 1. Tie Zahlstellen des Bezirks sind verpflichtet, pro zahlendes Mtglied und Quartal 5 Pf. an die Agitations-Kommission abzu- führen. Die Beittäge sind vierteljährlich, spätestens 4 Wochen nach Wlauf des Quartals einzusenden. Der Beittagsleistung zu Grunde gelegt wird die am Schlüsse des Quarkals festgestellte zahlende Mitgliederzahl. Zahlstellen unter 60 Mitglieder können die Beiträge auch in Halbjährlichen Raten leisten. Die Ausgabe von Marken seitens der Agitationskommission wird aufgehoben. 2. Die Zahlstellen sind verpflichtet, die für ihren Ort be- stehenden Lohntarise für Schoßschuhmacher und Schuhindustrie bei der Kommission einzureichen. 3. Die Agitationskommission behält in bisheriger Stärke (6 Mann) ihren Sitz in Berlin. Die Kommission ist berechtigt, zu Referaten auch Kollegen aus der Provinz mit heranzuziehen, wenn dazu geeignete vorhanden sind und der Bestimmungsort von dem in Betracht kommenden Kollegen leichter zu erreichen ist, als von Berlin aus. Bemerkenswert ist noch folgender Antrag, der von der Zahlstelle Nowawes gestellt war:„Die Mitglieder des Vereins deutscher Schuhwacher erwarten von ihren besoldelen Beamten, daß sie ihre volle Arbeitsttaft misschließlich in den Dienst des Vereins stellen und jeder offiziellen politischen Bethätigung fernbleiben." Der An- ttag hat seine richtige Würdigung darin gefunden, daß die Konferenz über denselben ohne Debatte zur Tagesordnung übergegangen ist. An den Beschlüssen der Konferenz wurden Aussetzungen nicht erhoben. Da auch in der Versammlung neue Anttäge zum Verbandstag nicht gestellt wurden, so teilte der Vorsitzende noch mit, daß die Mai- Versammlung um 12 Uhr mittags im.Schweizergarten" abgehalten wird; der übrige Teil der Feier wird in der bisher üblichen Weise bor sich gehen. Auf eine Anfrage hin wurde außerdem bekannt ge- geben, daß die Sperre über die Firma K u s ch e bis auf weiteres nach wie vor bestehen bleibt.__ ---*—...........—........i,-- Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstatt Die Generaloersammliing des Socialdemokratischcn Arbeiter» Vereins zu Spandau, welche am letzten Donnerstag stattfand, war verhältnismäßig gut besucht. Der vom Vorstande erstattete Kassen- bcricht für das erste Quartal 1904 weist ein« Einnahme von ins- gesamt 308,49 M. und eine Ausgabe von 166,39 M. auf, so daß ein Kassenbestand von 142,10 M. verbleibt. Außerdem ergab der Lichtbildervortrag am ersten Osterfciertag einen Ueberschutz von 31,40 M. Die Endabrechnung mit der„Laterne" schließt mit 126,40 M. Deficit ab; hinzu kommen aber noch die Kosten des letzten Prcßprvzesses, in welchem Genosse Konitzer soeben zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden ist. Genosse Scholz ermahnte die Anwesenden, nun wieder frisch ans Werk zu gehen, um rastlos für unsce Ideen zu werben. Die Gegner stellten jetzt alles Erdenkliche auf, um ihrem„Neuen Wahlvercin" aus den Reihen der Staats- arbciter neue Mitglieder zuzuführen. Demgegenüber müßten wir unsre ganzen Kräfte daransetzen, um unsre eigne Organisation be- deutend zu stärker». Der jetzige Mitgliederbestand des Socialdemo- kratischen Arbeitervereins sei geradezu beschämend niedrig. Hierauf hielt Genosse B a r t h e l- Berlin einen fesselnden Vortrag, in welchem er, anknüpfend an das Wort Wilhelms II.:„Die Social- demokratie überlassen Sie uns nur", in großen Zügen schildert, welche Entwicklung die ökonomischen Verhältnisse im Laufe der Jahr- hundette genommen haben, und wie wenig die Ideen oder der Wille einzelner diesen Gang der Entwicklung zu beeinflussen vermögen. Redner machte den Versammelten in vorzüglicher Weise lkar, was unter der Marxschen materialistischen Geschichtsauffassung zu ver- stehen ist, und erntete für seinen lehrreichen Vortrag wärmsten Beifall. Eine Diskussion fand nicht statt. Unter Verschiedenem gab Genosse Köhler die Erklärung ab, daß er die dem Genosser» Rieger zugefügte Beleidigung bedauere und die betreffende Aeußerung hier- mit zurücknehme. Die Zahlstelle Rixdorf des deutschen Holzarbeiter-Berbandes hielt am 21. April ihre Generalversammlung bei Thiel ab. Der Kassierer Rothe gab den Kassenbericht vom ersten Quartal. Nach seinen Ausführungen betrugen die Einnahmen der Hauptkasse 2436,89 M., die Ausgaben derselben 2381,79 M., Bestand für das zweite Quartal 84,10 M. Die Einnahmen der Lokalkasse 10 196,70 M., die Aus- gaben derselben 1100,68 M., Bestand für das zweite Quartal 9096,02 Mark. Dem Kassierer wurde Decharge erteilt. Hierauf erhielt der Referent, Genosse Davidsohn, zu seinem Vortrage„Unsre Minister" das Wort. Redner entledigte sich seiner Aufgabe in ttefflicher Weise. In der Diskussion forderte der Kollege Hennig die Anwesenden auf, im Sinne des Referenten zu wirken. Bei der nun erfolgenden Wahl eines Schriftführers wurde der Kollege Hirschfeld gewählt. Hierauf wurden noch einige andre Verbandsangelegenheiten erledigt. Weihensee. Am 19. d. Mts. fand im„Prälaten" die ordentliche Generalversammlung des Socialdemokratischen Wahlvereins statt. Ten Bericht des Vorstandes gab der Borsitzende Schmutz. Die Thätigkeit erstreckte sich hauptsächlich auf die Gemeindevertreter- Wahlen, welche im März stattfanden, und müßten die Genossen noch intensivere Thätigkeit entfalten. Es haben 6 ordentliche und 4 außer- ordentliche Vorstandssitzungen stattgefunden, sowie 2 Mitglieder- Versammlungen; auch den Besuch der letzteren mußte der Vorsitzende bemängeln. Ferner unterbreitete Genosse Schmutz der Ent- schcidung der Versammlung das Verhalten gegen alle diejenigen Mitglieder, welche bei den angeführten Wahlen nicht gewählt haben. Es wurden auf Beschlutz der Versimunelten aus dem Wahlverein ausgeschlossen diejenigen, welche behufs Entschuldigung vom Vorstand geladen und nicht erschienen sind; ferner mit nicht genügender Ent- schlildigung W. Sorrer und Gastwirt Bilio. Dauernd ausgeschlossen wurde Würzburg, welcher statt einer Entschuldigung einen Brief voller Moralredensarten an den Borstand gesandt hatte.— Der Bericht des Kassierers Zeise ergab eine Einnahme von 336,23 M., eine Ausgabe von 524,17 M und eine Mitgliederzahl am 31. März von 808. Nun- mehr nahm die Versammlung den Bericht des Verttauensmannes entgegen. Derselbe drehte sich in der Hauptsache ebenfalls um die Gemeindewahlen. Ein erfteuliches Bild ergab der Bericht der Zeitungsspedition. Der Abonnentenzuwachs betrug durch Agitation nach den Landtagswahlen 102 Neuabounentcn, so daß jetzt über 1000 Vorwärtsabonnenten am Orte sind. Dem Spediteur wurde eine Ge- Haltszulage gewähtt. Eine Neuwahl der Revisoren ergab als solche die Genossen Mai, Sorrer und Kaufhold. Dem Vertrauensmann überwies man 160 M. und wurde ferner ein Anttag des Vorstandes auf Aenderung des§ 7 der Geschäftsordnung nach der Fassung des Vorstandes angenommen. Mit einem Appell an die Mitglieder auf rege Agitation schloß der Vorsitzende die gut besuchte Versammlung. fettste Nachrichten und Depefchen. Neues„Attentat" auf den Miuisterpräfidenten Maure. Madrid, 26. April.(B. H.) Auf den Wagen des heute hier eingetroffenen Ministerpräsidenten Maure wurde zwischen den Stattoncn Micantc und Encina ein Schuß abgefeuert. Die Kugel silhr in die Decke des Wagens, ohne weiteren Schaden anzurichten. Englisches Unterhaus. London, 26. April.n Gesetz wird, so dürfte von de in ganzen Börsengesetz wenig übrig bleiben.(Sehr richtig! rechts und im Centrum.) Es ist gesagt worden, dah die Vorlage sich in Uebereinstimmung mit dem Votum des Börsenausschusses vom 9. Juni 1901 befindet. Nun besteht aber dieser Ausschuh zu zwei Dritteln aus Börseninteressenten, während die produkttven Stände nur zu Vz vertreten sind. Dieses Drittel hat damals aus meinem Antrag beschlossen, dah die bisherigen Erfahrungen nicht ausreichen, um eine Revision des Börsengesetzes schon jetzt notwendig oder zweckmähig erscheinen zu lassen. Allerdings haben sich bei der Anwendung des Börsengesetzes gewisse Mihstände herausgestellt, aber das ist bei jedem neuen Gesetz unvermeidlich, und hat sich auch beim Bürgerlichen Gesetzbuch gezeigt. In der Kommission war cS unser Hauptbestreben, das Börsengesetz von 1396 in materielle Uebereinstimmung mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch zu bringen. Formell soll zwar in der Vorlage an dem Verbote des Terminhandels festgehalten werden; thatsächlich wird aber dem Bundesrat die Befugnis gegeben, Zeitgeschäfte und andre nicht als Termingeschäfte zu erklären. Solche Bcstimiimngen sollten nicht auf administrativem, sondern nur auf gesetzlichem Wege erlassen werden. Wir würden auf diesem Wege zu einer einfachen Wieder- Herstellung des Terminhandels kommen.(Sehr richtig I rechts.) Aus den Motiven erhellt, dah sich eine grohe Unzufriedenheit mit der Rechtsprechung des Reichsgerichts herausgebildet hat. Es heiht, es )ei den Lieferungsgeschästen und Kassageschäften der Rechtsboden sntzogen worden, einen solchen Rechtsboden haben sie nie besessen. «Sehr richtig I rechts.) Es freut mich, dah es in Deutschland noch Richter giebt, die unbekümmert um den organisierten Widerstand der Börse und ihren Entrüstungssturm nach bestem Wissen und Gewissen Recht sprechen.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Alle die Gründe, die wir vor 8 Jahren ausführlich erörtert haben, bestehen heute noch fort. Durch den Getreideterminhandel wird das natürliche Verhältnis von Angebot und Nachfrage zu Ungunsten der Landwirtschaft verschoben. Ganz hervorragende Getreidehändler haben sich gegen den Getreide- terminhandel ausgesprochen und die nachteiligen Wirkungen für die Landwirtschaft zugegeben. Hoch angesehene Vertteter der Mühlen- industrie bekunden, dah in Berlin ganz minderwertiger Weizen ge- liefert worden ist. Der eine hält jedes Termingeschäft für verwerflich, ein andrer groher rheinischer Getreidehändler sagt:„Man hat die Spielbanken geschlossen, man hätte lieber den Terminhandel schliehen sollen, denn an der Börse können Gelder verloren werden, die man nicht besitzt, bei der Spielbank ist das nicht gut möglich."(Heiterkeit rechts.) Viele Vertreter des Getreidehandels und fast sämtliche der Müllereien sind durchaus zuftieden mit dem Verbot des Terminhandels. Der Abg. Singer hat einmal hier gesagt, er sehe in dem Termin- yandel ein Mittel, daS Brot zu verbilligen. Das mag in vielen Fällen richtig sein, es giebt aber auch Fälle, wo der Terminhandel zu eiper Verteuerung führt. An der Börse wird nämlich nicht immer nach dem Schema Cohn und Rosenfeld gearbeitet, es wird auch einmal umgekehrt operiert. ich erinnere nur daran, das; oie Firma Ritter u. Blumenfeld auf einen Schlag viele Millionen verdient hat, weil sie den Markt entblößte und eine Aktton ä Ig, hausse eingeleitet hatte. An der Berliner Börse geht die Be- «vegung meist ä la baisse, aber an den andern Börsen nicht. Die Gegner des Terminhandels finden sich auch in industriellen Kreisen. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", die doch gewist Verständnis und Jnterefse an: Ternttnhandel in Bergwerks- Aktien hat. hat sich stets sehr lebhaft gegen den Ternzinhandel aus- gesprochen. Nun noch etwas über das Börsenregister. Herr Möller hat schon darauf hingewiesen, dast die angesehensten Mitglieder der baute tmaiics, Herr Frenze! und Herr Mendelssohn, sich für das Börsenregister, allerdings nur für die Warenbörse, ausgesprochen haben. Damit war natürlich der entscheidende Schritt gethan, das Börsenregister auch für die Effektenbörse einzuführen. Meines Er- achtens liegt nicht der geringste Grund vor, sich über das Börsenregister so zu ereifern. Die Mottve der Vor- läge, die ja sehr umfangreich sind, hätten noch ein übriges thun und die Namen der 50 Personen, die sich' in das Register haben eintragen lassen, mitteilen sollen. Man hätte dann gesehen, dast es eine sehr gut angesehene Gesell- schaft ist, der beizutteten niemand sich zu scheuen braucht. Die ganze Abneigung gegen das Register beruht meiner Ansicht nach auf einem auf Mistverständnissen aufgebauten Vorurteil und es liegt gar kein Grund vor, im Wege der Gesetzgebung das Börsenregister abzuichaffen. Widersprechen möchte ich der Gleichstellung des Handelsregisters mit dem Börsenregister. Geschähe das, so hätte daS Börsenregister gar keinen Zweck mehr. Ich möchte noch nttt wenigen Worten auf Treu und Glauben skommen. Ich verurteile den Differenzeinwand auch auf das aller- chärffte und wenn Herr Käinpf seiner Zeit denjenigen, welcher den Differenzeinwand erhebt, einen Schurken nannte, so stimme ich ihm darin vollkommen bei. Ich schlage sogar vor, solche Leute einfach vom Börsenbesuch auszuschliesten. Als ich aber diesen Vorschlag im vorigen Jahre hier machte, wurde ich von der Börsenpresse sehr heftig angegriffen.(Hört! hört I rechts.) Es wurde mir gesagt, ich wiistte mit den Dingen nicht Bescheid, es wären nicht berufene Börsenbesucher, welche diesen Einwand erheben, sondern meistens Privatleute in der Provinz. In den Motiven heistt es: Gerade solche Personen, die zum Abschlust von Börsen- Termingeschäften berufen erscheinen. Habensich ihren Verpflichtungen durch den Registereinwand entzogen.(Hört! hört! rechts.) Gewohnheitsmästige Börsenbesuchcr, reiche Rentiers, die seit Jahren regelmäßig Börsengeschäfte gemacht haben, vermögende Kaufleute, insbesondere Bankiers, haben den Registereinwand erhoben.(Hört! hört! rechts.) Also mein Vorschlag hatte doch eine gewisse Berechtigung. Möge man solche Leute ein für allemal von der Börse ausschließen und in ein schwarzes Register eintragen.(Sehr gut! Heiterkeit rechts.) Wir wollen nur, daß die legitimen Preisbildungsfaktoren— Angebot und Nachfrage — zu ihrem Rechte kommen. Niemand kann behaupten, daß das Börsengesetz diesen Zweck nicht erfüllt hat. Es ist ein civilisatorischer Fortschritt(Lebhafter Beifall rechts), und wir wollen ihn nicht in einen Rückschritt verwandeln. Geheimer Oberrcgiernngsrat Mendelstadt: Der Herr Vorredner ist in seiner beredten Weise eingetreten für die Aufrechterhaltung des Verbots des Börsen-Ternttnhandels. Er wird sich im Laufe der Debatte überzeugen, daß die verbündeten Regierungen keineswegs beabsichtigen, das bestehende Verbot des Terminhandels zu beseitigen, und daß sie auch entschlossen sind, das Register bestehen zu lassen. Nur Mißstände sollen beseitigt werden und es wird die Aufgabe des hohen Hauses sein, zu prüfen, inwiefern solche Mißstände vorhanden sind. Der Herr Vorredner hat einen außerordentlich schweren Vorwurf gegen den Berliner Handelsstand gerichtet, den ich nicht unwidersprochen lassen kann. Er hat von einer unerhörten Renitenz der hiesigen Kaufmannschaft gegenüber gesetzlichen Bestimmungen gesprochen. Ich muß den:- gegenüber betonen, daß über die Tragweite der gesetzliche» Be- jtimmungen sehr verschiedene Ansichten herrschen. Die Sccession und die Errichtung einer Privatbörse im Feenpalast wurden von einem preußischen Gericht zunächst als berechtigt anerkannt und erst in zweiter Instanz wurde nach langen Verhandlungen eine Entscheidung herbei- geführt, die der Auffassung des Herrn Vorredners entsprach. Wenn »ran der Meinung gewesen wäre, daß es sich um renitente Kaufleute handelte, hätte der preußische Handelsminister niemals mit ihnen verhandelt. Aber die Leute waren der Meinung, daß sie im Recht waren. Ich glaube, damit erledigt sich schon der Vorwurf, daß die Regierung zu milde gegenüber renitenten Leuten aufgetteten ist. Ich muß in diesem Zusammen- hang auch daran erinnern, daß gerade von der preußischen Handels- Verwaltung die Bestimmungen des Börsengesetzes mit großer Strenge durchgeführt worden sind, lieber seine Bestimmungen hinaus hat der Handelsminister auf Bitte der preußischen Landwirtschafts- kammer landwirtschaftliche Mitglieder dem Börsenvorstand auf- oktroyiert. Sic werden sich der Agitation erinnern, die sich daran knüpfte. Aber die preußische Handclsverwaltung hat diese Bestimmungen getroffen, daß daran festgehalten und zu Wege gebracht, daß schließlich auch die Kaufmannichaft zu besserer Einsicht gelangte und sich in diese Bestimmungen fügte. Als weiterhin Polizeiverfügungen die Versammlungen im Feenpalast auflösten und versucht wurde, eine anderweitige Einrichtung zu treffen, da ist wiederum die preußische Handelsverwaltung mit aller Energie eingeschritten. Sie hat also stets genügende Festigkeit bewiesen. Im übrigen bemerke ich, daß e-Z sich bei dieser Vorlage keineswegs um Wiedereinführung des Terminhandels auf Um- wegen handelt, sondern nur um eine Forderung des soliden Lieferungsgeschäftes. Wir hätten auch nicht die mindeste Ver- anlassung, eine Bestimmung zu bekämpfen, an deren Zustandekommen sie selbst den hervorragendsten Anteil genommen hat. (Bravo!) Darauf vertagt sich daS Haus. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen 1. Wahlprüfungen, darunter auch die der Abgg. Braun-Frankfurt(Soc.) und Blumenthal-Strastburg-Land (Vp.). 2. Rest der heuttgen Tagesordnung. Schluß 6'/,, Uhr._" parlamcntarifcbca. Wahlprüfungskommissio». Die Kommission prüfte zunächst die Wahl des Abg. B 0 l tz(natl.), fünfter Wahlkreis des Regierungs- bezirks Trier, Saarbrücken. In diesem Kreise sind hergebrachter- maßen stets die offenbarsten amtlichen Wahlbeeinflussungen vor- gekommen, trotzdem die Wahlprüsungskommission und der Reichstag stets Voten gegen dieselben eingelegt haben. Auch bei der letzten Wahl sind die altbekannten Vergewaltigungen und Gesetzwidrigkeiten in raffinierter Weise wiederholt worden. Dagegen richtet sich ein Protest der Centrumspartei. Bei der Hauptwahl 1903 wurden 37 000 gülttge Stimmen abgegeben, davon erhielt Boltz 19 480; Math(C.) 15 636; Spaniol(Soc.) 1375. In dem Protest heißt es. daß der Geheime Bergrat H i l g e r sich aktiv an die Spitze der nationalliberalen Agitation stellte und als solcher während des ganzen Wahlkampfes fungierte. In seinen Wahlreden habe Herr Hilger gesagt, die Arbeiter seien verpflichtet, Boltz zu wählen aus Dankbarkeit gegen die vorgesetzte Behörde Ferner habe das amtliche Organ der Bergbehörde die Kandidatur Boltz empfohlen. Auch der Bergrat Jahns habe ein„Jahns, Bergrat" unter- zeichnetes Flugblatt zur Verteilung bringen lassen in fast nur von Bergleuten bewohnten Dörfern, in dem er bat, Boltz zu wählen. Durch diese und andre Handlungen der Bergbeamten sei die Kandi- datur Boltz als eine amtliche stigmatisiert loorden. Nach längerer Diskussion darüber, ob die Bergräte als Amtspersonen im Sinne der bisherigen Auffassung der Kommission zu betrachten seien, be- schloß die Mehrheit der Kommission, über die angeführten Protest- punkte Beweiserhebungen anstellen zu lassen. Ebenso sollen Erhebungen über die Behauptung des Protestes angestellt werden, ob in Malstatt die Wähler von den auf- gestellten Meistern und Beamten, deren Kette die Wähler erst zu passieren hatten, selbst im Jsolierraum noch beobachtet wurden, ob sie den für Boltz erhaltenen Zettel in das Wahlcouvert steckten. Die beigefügten Zeichnungen lasten den Jsolierraum als ungenügend erscheinen. Unerhörte Wahlbeeinflussungen durch private Grubenbesitzer und deren Beamte sind nicht minder vorgekommen. aber sie werden von der Kommission als unerheblich bewachtet, weil sie nur als Parteimachinationen aufgefaßt werden. Schließlich b e a n st a n d e t e die Kommission die Wahl und beschloß die an- gedeuteten Beweiserhebungen. Darauf wurde die Wahl des Abg. Korfanty(Pole), Wahl- kreis Kattowitz- Zabrze, geprüft. Bei der Hauptwahl erhielten Stimmen: Letocha(C.) 19 992, Korfanty(Pole) 11 670, Morawski (Soc.) 10 044, Schneider(lib.) 3033; bei der Stichwahl Korfanty 23 550, Letocha 22 875. Die Centrumspartei hat Protest gegen die Wahl erhoben. Entgegen dem 8 17 des Wahlgesetzes seien am 22. Juni, also drei Tage vor der Stichwahl, die für die Orte Przclaika und Laurahütte anberaumten Wähler- Versammlungen von den Amtsvorstehern verboten worden. Hierüber beschließt die Kommission informatorische Vernehmung der betreffenden Amtsvorsteher. Die fernere Beruftmg des Protestes auf die Wahl- krawalle in Laurahütte wird von der Kommission alS unbeachtlich gehalten. Der Referent, Abg. Schwarze(C.), hob aus den Akten noch hervor, daß in mehreren Protokollen die Bescheinigung über die gesetzlich vorgeschriebene ortsübliche Bekanntmachung fehlt. Auch dazu beschloß die Kommission, amtliche Auskunft einzuholen. Wegen der Nachprüfung der für ungültig erklärten Stimmzettel wird die endgültige Beschlußfassung über die Wahl Korfantys bis zur nächsten Sitzung ausgesetzt.— Nächste Sitzung Mittwoch, 27, April. )Ziis Induftrie und Handel. „Phönix" und Stahlwcrks-Verband. Die mit Hochdruck betriebene Agitation des Stahltverks-Vcrbarrdes unter den Aktionären des„Phönix" hat den gewünschten Erfolg ge- habt. In der heute in Köln abgehaltenen Generalversammlung der Aktiengesellschaft„Phönix" wurden etwa zwei Drittel der ver- tretcnen Stinunen für den Beitritt zum Stahlwerks-Verband unter den letzthin von dessen Leitung aufgestellten Bedingungen abgegeben, so dast jetzt auch der„Phönix" dem Verbände angehört und somst � i!•• V das letzte Hindernis gefallen ist, das den Stahlwerks-Verband an den Verfolg seiner Absatz- und Prcispolittk hinderte. In der Versammlung, die von 1 14 Aktionären mit etwa 31 000 Stimmen besucht war, begründete Generaldirektor Kamp die Ab- lchnung des Airgebots des Stahlwerks-Verbandes durch die Werks- Verwaltung. Da in den letzten Jahren die Neuanlagen und die Er- Weiterungen des Betriebes 35 Millionen Mark erfordert hätten, sei die dem„Phönix" gewährte Beteiligungsziffer zu gering, wenn man nicht auf eine Nutzbarmachung der neuen Anlagen von vornherein verzichten wolle. Auch heute müsse er an den verlangten Be- teiligungsziffern festhalten. Er wisse zwar, dast er überstimmt werde, aber die wirklichen„Phönix"-Attionäre würden zweifellos seinen Standpunkt einnehmen. Er sehe in dem Beitritt des„Phönix" zum Stahlwerks-Verband ein Unglück für daS Werk. Die großen Kapitalien für die geschaffenen Neuanlagen seien umsonst aus- gegeben. Mehrere kleinere Aktionäre traten ebenfalls für den Nicht- anschluß an das Stahlsyndikat ein, wurden aber bei der Abstimmung von den Grostaftionären und den Vertretern der Grostbcmken über- stimmt._ Zur Lage des Arbcitsmarttes in England und Frankreich. Während sich in Teutschland eine steigende Besserung des Be- schäftigungsgrades bollzieht, ist der Geschäftsgang in andern �euro- päischen Ländern noch mehr oder minder gedrückt. Im Gegensatz zu Deutschland blieb z. B. in England der Beschäftigungsgrad im März sogar noch hinter dem des Vorjahres zurück. Es betrug nämlich die Zahl der Arbeitslosen Ende März nicht weniger als 6 Proz. gegen 4,3 Proz. im Vorjahr. Verhältnismäßig befriedigend war die Bc- schäftigung nur im Bergbau. Dagegen liest schon die Lage des Eisen- gcwerbes viel zu wünschen übrig. Es lvaren weit weniger Hochöfen während des diesjährigen März im Betrieb als im Vorjahr. Im Maschinenbau und im Schiffbau war die Zahl der Beschäftigungslosen größer als selbst im Vorjahr, wo die Arbeitslosigkeit in diesen In- dustriezweigen schon lvest über das Durchschnittsmaß hinausging. Die Bauthätigkeit liegt sehr darnieder und zeigt selbst gegen den Februar kaum eine leise Besserung. Ganz unbeftiedigend war der Geschäftsgang im Textilgewerbe, was in der Hauptsache auf das Mißverhältnis zwischen Rohstoff und Fabrikatpreise zurückgeführt wird. Es zeigt sich nämlich, daß solche Betriebe, bei denen dieses Mißverhältnis aus bestimmten Gründen nicht in Frage kam, recht gut beschäftigt waren. Bei dieser ungünsttgen Lage des Arbeitsmarktes mußten die Löhne ihre sinkende Richtung weiter innehalten. Im Eiscirgewcrbe fand eine ziemlich durchgreifende Lohnreduktion statt, von der ca. 50 000 Arbeiter betroffen lourden. Auch iiil Frankreich merkte man von einer Frühjahrsbelebung auf dem gewerblichen Arbeitsmarft nur wenig. Eine Ausnahme machte allerdings das Baugewerbe, in dem eine scharfe Besserung deutlich hervortrat. Dagegen hat sich im Textilgewerbe die Krise fast auf alle Baumwollbezirke ausgebreitet. Die meisten Betriebe lassen die Arbeit an 1 bis 2 Tagen der Woche ruhen. Die Geschäftslage im Metall- und Maschinengewerbe zeigt, im ganzen genommen, eine kleine Erholung, die aber in der Hauptsache daher rührt, dast in ein- zelnen Branchen, so vor allem in der Automobil-Jndustrie, der Ge- schäftsgang besonders flott ist. Daß aber gegenüber dem Vorjahr der Arbeitsmarkt noch sehr viel zu wünschen übrig läht, geht aus der noch immer hohen Arbeitsloscnziffer hervor: im März des Vorjahres wurden 7 Proz. als beschäftigungslos gemeldet, im März dieses Jahres dagegen 10,9 Proz. Zu den Zechenankäufen im Ruhrgebiet äußerte sich in der vor- gestrigen Zechenbesitzer-Versammlung des Rheinifch-Westsälischen Kohlensyndikats dessen Vorsitzender Geheimrat Kirdorf, General- diveftor der Gelsenkirchner Bergwerks-Gesellschft, in einer ellen- langen Rede. Jrgendwelch neuen für die Berutcilung der Zcchn- stillsetzungen in Betracht kommenden Gesichtspunkte enthielt sie nicht, ist aber insofern von Interesse, als Herr Kirdorf es im Namen des Kohleirsyndikats-Vorstandes stritte ablehnte, den fortdauernden Zechen- ankäufen zu wehren.„Die Stellung des Kohlensyndikats zu diesen Zechnankäufen kann," so erklärte er,„meines Erachtens nur nach Maßgabe unsres Syndikatsvertrages erfolgen; wenigstens habe ich als Vorsitzender Ihres Beirats und Aufsichtsrats es ablehnen müssen, in der Richtting einzugreifen, daß das Kohlensyndikat eine Ein- Wirkung auf die Käufer und Verkäufer, die dabei in Frage kommen. ausüben könnte. Ich bin der Ansicht, dast dies über die Aufgabe und die Befugnisse des Kohlensvndikats hinausgeht. Ich habe ge- glaubt, nicht weiter gehen zu können, als die Mitwirkung unsres wirtschftlichn Vereins, des Vereins für die bergbaulich» Jnter- essen, anzurufen, damit dessen Mitglieder, die bei diesem Vorgehen in Frage kommen, berechtigten weiteren Interessen insofern Rechnung trogen, als die Stilllegung angekaufter Zechen in keinem Falle sofort, sondern erst nach langer Uebergangszeit erfolge, damit in erster Linie den betroffenen Arbeitern Zeit bleibt, die in vollem Umfange vorhandene Arbeitsgelegenheit auszunutzen sowie durch VerHand- lungen und Entgegenkommen den betreffenden Gemeinden wettere Beunruhigungen erspart werden. Dieser Anregung hat der Berg- baulich Verein entsprochen. Auch in seinem Kreise hl) M. für den Zuwiderhandlungssall, innerhalb der nächsten zehn Jahre ohne Genehmigung des Verbandsvorsitzenden weder seinen Wohnsitz zu wechseln, noch überhaupt Stellung bei einer mit ihren Acrzten in Streit befindlichen Krankenkasse anzunehmen. Herr Brämer bereute die Unterzeichnung dieses mit seinen früher gegen- über der Orts-Krankenkasse eingegangenen Vertragspflichten in un- lösbarem Widerspruche stehenden Vertrages bitter. Er bat, ihn als Kassenarzt wieder anzunehmen und versprach vor mehreren Zeugen, „nicht nochmals umzufallen.* In einer Erklärung der Aerzte für freie Arztwahl heißt es: „Die Generalversammlung besteht wohl aus gewählten Dele- gierten der Äasscnmitglieder, drückt aber durchaus nicht die wahre Meinung aller Mitglieder aus; denn die Wahl dieser Delegierten ist längst zu einer Parteisache geworden, genau wie die Reichstags-, Landtags- und Kommunalwahlen: die Listen der Gewerkschaftler werden durchgebracht gegenüber den Listen der nicht-socialistischen Kassemnitglieder. Auch in diesem Sinne ist die moderne Aerztebewegung bereits an verschiedenen Orten, wie Leipzig, Königsberg. Frankfurt a. M.. allerdings zu einer socialistischen Parteisache geworden. Es droht die Gefahr, daß diese socialistischen Bestrebungen allmählich in allen Orts-Krankenkctfsen die Oberhand gewinnen werden." Ob die Herren Aerzte wohl annehmen, auf diese Weise bei den Versicherten Sympathien zu erwerben? Die Arbeiter lehnen es ab, Objekt der Aerzte zu sein. Bei der Gewcrbegerichtswahl in Kassel(Hessen) siegte die Liste der freien Gewerkschaften mit 285 gegen 79 christliche Stimmen. Die Gewcrbcgerichts-Beisitzrr aus den Kreisen der Arbeitnehmer in Elbing beabsichtigen in der allernächsten Zeit in einen Streik einzutreten, den sie auch hoffeii siegreich durchzuführen, da eS wohl an Arbeitswilligen mangeln dürfte. Es ist das etwa kein Scherz, sondern bitterer Ernst, denn die Amtsdauer der gegenwärtig amtierenden Gewerbegcrichts-Beisitzcr war schon Ende Januar ab- gelaufen. Eine Neuwahl ist aber noch nicht ausgeschrieben. KerUner partei-�ngelegenkeiten. Zur Lokalliste. Auf die mehrfach an uns gerichteten Anfragen hin, teilen wir den Parteigenossen, Vereinen, Gewerkschaften usw. mit, daß das Lokal Luisenpark, Wilhelmsaue 112, in Wilmers- d 0 r f der Arbeiterschaft zu Versammlungen usw. nicht zur Ver- fügung steht; wir ersuchen daher, dieses Lokal streng zu meiden.— Reinickendorf. Der Gesangverein„Reinickendorfer Liedertafel" veranstaltet am Sonnabend, den 30. April, sein Stiftungsfest im Kaiser F r i e d r i ch- G a r t e n. Da dieses Lokal der dortigen Arbeiterschaft zu Vers amm- lungen usw. nicht zur Verfügung steht, so ersuchen wir, die an- gebotenen Billets zurückzuweisen und das Vergnügen nicht zu besuchen.— Falkenberg bei Freienwalde. Den Touristen und Aus- flüglern nach dort diene zur Nachricht, daß das Lokal auf der Karlsburg mir zu besuchen ist.— Diejenigen Gewerkschaften, Vereine, Klubs usw., welche nach Potsdam, Nedlitz und Umgegend Partien veranstalten oder abgeschlossen haben, werden ersucht, den Tag und das Lokal dem Mitglied der dortigen Lokal- kommission, Genossen M. Hausmann, Alexandrinenstraße 9 in Potsdam, umgehend mitzuteilen. Die Lokalkommission. Nicder-Schönhausen. Der Tag der Ersatzwahl zur Gemeinde- Vertretung ist heute gekommen; gewählt wird von 12—5 Uhr im Liedemitschen Lokal. Jeder hat am Wahltische zu erscheinen. Es bedarf unsrer ganzen Anstrengung, wollen wir unfern Kandidaten durchbringen. Keiner darf aus Gleichgültigkeit sein Wahlrecht nicht ausüben. Speciell an die Berliner Genossen richten wir die dringende Bitte, uns im Wahlkampfe dadurch zu unterstützen, daß sie ihre Kollegen und Mitarbeiter, die in Nieder- Schönhausen wohnen, an ihre Wahlpflicht erinnern. Nur so kann es uns gelingen, daß wir den ersten socialdemokratischen Gemeindevertretcr in unser Dorf- Parlament entsenden. Friedrichöhagen. Nächsten Sonntag von nachmittags 3 Uhr ab findet im Lokale von Karl Conrad, Friedrichstr. 137, die Mai- f e i e r statt, bestehend in Vokal- und Jnstrumental-Konzert, humo- ristischen Vorträgen, Festrede und Tanz. Die hiesigen Parteigenossen werden ersucht, für einen regen Besuch zu agitieren und zahlreich zu erscheinen. Steglitz. Wir weisen nochmals darauf hin, daß unsre Mai- fei er in diesem Jahre in größerem Umfange im Birkenwäldchen stattfindet, und bitten um regen Besuch. Desgleichen erinnern wir daran, daß unser Programm- Kursus am Freitag, den 13. Mai, abends 8>/z Uhr, bei Schellhase beginnt. Dazu erwartet gute Agitatton Der Vorstand des Wahlvereins. Die Parteigenossen von Wilhelmsruh, Nordend und Rosenthal halten am Sonntagnachmittag 5 Uhr im Restaurant Feldschlößchen eine Volksversammlung ab. Tagesordnung: Der erste Mai. Referent Genosse Ohl-Reinickendorf. Wir machen es allen Genossen zur Pflicht, in der Versammlung zu erscheinen. Waidmannslnst. Donnerstag findet der Diskutierabend bei Schmidt an der Chaussee statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Maspfuhl über: Das Parteiprogramm. lokales. Das farbloseste aller Regierungsblätter. Die Frage, welches Blatt der Kaiser liest, ist bekanntlich vor kurzem dahin beantwortet, worden, daß der„Lokal-Anzeiger" das einzige Blatt sei, das der Kaiser sich ganz, das heißt nicht in Ausschnitten, vorlegen lasse. Ein Redakteur dieses Blattes habe selbst in einem geschäftlichen Schreiben darauf hingewiesen. Der bürgerlichen Presse geht diese dem„Lokal-Anzeiger" widerfahrene Ehrung natürlich sehr durch den Kopf und mannigfache Betrachtungen werden losgelassen. So klagt das„Leipziger Tageblatt": Wir bedauern, daß die Nachricht nicht dementiert worden ist. Vielleicht glaubt man. um solch eine Kleinigkeit brauche die „N A-Z" nicht bemüht zu werden. Eine derartige Auffassung würde unberechttgt sein. Es ist durchaus keine Kleinigkeit, ob der Kaiser über Stimmung und Bedürfnisse der Nation unterrichtet wird oder nicht. Wir fürchten, daß man den Monarchen die öffent- liche Meinung in den Zeitungsausschnitten ohnehin nur sehr ge- färbt vorlegt; wir fürchten, daß die Vertrauensmänner der Krone sich gerade nicht danach drängen, Wilhelm dem Zweiten ab- weichende Meinungen der Presse zu unterbreiten und wenn nun endlich der„Lokal-Anzeiger". das färb- l 0 s e st e aller gouvcrnementalen Blätter, die einzige Zeitting sein sollte. aus der sich der Kaiser persönlich über die Ansichten und Empfindungen der deutschen Bevölkerung unterrichtet, so wäre es freilich sehr natürlich, lvenn bisweilen die Fühlung zloischen der Nation und ihrem höchsten Repräsentanten verloren ginge. Unter solchen Umständen würde auch das Unerklärliche erklärlich, daß z. B. das Scherlsche Sparprojekt die Zustimmung des Ministeriums gewinnen konnte;>ver weiß, wie spät die kritischen Ausführungen der Presse zur Kenntnis des Monarchen gelangt sind! Vom bürgerlichen Standpunkt aus mag die aufgeworfene Frage ja Bedeutung haben: die focialdemokratische Arbeiterschaft kann aber kühler darüber hinweggehen. Viel wichtiger als die Frage, welches Blatt der Kaiser liest, ist ihr die Frage, welches Blatt von der arbeitenden Bevölkerung gelesen wird. Und da fällt die Antwort, daß die mit Recht als das f a r b l 0 s e st e aller Regierungsblätter bezeichnete Zeitung sich von der übrigen offiziösen Presse ganz wesentlich dadurch unterscheidet, daß sie einen außerordentlich großen Leserkreis hat, zu welchem die unbemittelte Bevölkerung durchaus nicht das geringste Kontingent stellt. Gewiß ist nicht zu verkennen, daß auch hier allmählich ein Wandel zum Besseren eintritt. Wenn der„Vorwärts" in gut einem Jahre an 30 000 Abonnenten gewonnen hat. so wird diese Thaffache am Ende auch an dem Regierungsorgan ihre Spuren hinterlassen haben. Aber dennoch ist hier noch weit mehr gut zu machen; und wir meinen, daß in der Agitation für den„Vorwärts" überall dort, wo der„Lokal- Anzeiger" aus Arbeiterfamilien zu verdrängen ist, der Charakter dieser Zeitung als Regierungsorgan gar nicht scharf genug hervorgehoben werden kann. Ein solcher Hin- weis ist nicht minder wirkungsvoll als das Hervorheben der Thatsache, daß der„Lokal-Anzeiger", statt politische Aufklärung zu bringen, alles Unrecht schweigend gutheißt und das Gehirn mit Klatsch und Tratsch verkleistert, damit die Bevölkerung unfähig werde, über ihr Elend nachzudenken. Der socialdemokratischen Arbeiterschaft wegen kann der„Lokal-Anzeiger" sich als offiziöses Blatt aufspielen, so viel er will; nur ist in ständiger Agitation dafür zu sorgen, daß der Leser- kreis dieses Blattes wenigstens in der unbemittelten Bevölkerung dem andrer offiziösen Blätter gleich werde. Wobei die Thatsache im Auge zu behalten ist, daß die andren offiziösen Blätter der arbeitenden Bevölkerung kaum dem Namen nach, aus eigner An- schauung aber gar nicht bekannt sind. Die Stadtverordneten-Ersatzwahlen im 32. und 40. Kommunal- Wahlbezirk dritter Abteilung sind auf Dienstag, 31. Mai, angesetzt worden. Im 40. Bezirk hat für den aus Berlin nach Kairo ver- zogenen Parteigenossen Dr. Freude nberg eine Neuwahl zu erfolgen; im 32. Bezirk kandidiert selbstverständlich unser Partei- genösse Leid wieder, dem das Stadtverordneten-Mandat von bürgerlichen Richtern im Kaiserinsel-Prozeß aberkannt worden ist. Hier ist eS Sache der Wählerschaft, den Moabiter Urteilsspruch zu korrigieren und der bürgerlichen Justiz zu zeigen, daß ihre An- schauung und die des Volkes sich schnurstracks entgegenstehen. Mit erdrückender Mehrheit muß unsrem gefangenen Parteigenossen im Volksgericht das Stadtverordneten-Mandat wieder zuerkannt werden! Traktätchcn im Krankenhause. Uns wird geschrieben: Eine Roheit, die ihres Gleichen sucht, wurde am Sonntagnachmittag von einem Traktätchenverteiler im Krankenhause am Urban ausgeübt. Während der Besuchsstunde erschien plötzlich ein noch ziemlich grün aussehender Jüngling, ging von Bett zu Bett und warf jedem Krauken einen Zettel zu, eine Nummer der„Signale", heraus- gegeben vom deutschen Jugendbundverband. Die litterarisch vollkommen wertlose Historie der Nummer nennt sich:„Diese Nacht" und schließt mit der erbaulichen Mahnung an den Leser: „Es könnte vielleicht diese Nacht Deine letzte sein. Denke einmal daran: diese Nacht... Deine Todesnacht! Und was sollte der Todcsnacht vorausgehen? Freund, wenn Du noch bisher nicht Jesum gefunden hast, dann laß den heuttgen Tag Deinen Be- kehrungstag sein. Der Todcsnacht muß der Bekehrungstag vorausgehen. Wehe dem. der die Bekehrung auf die Todesstunde verschieben will, es ist zu fürchten, daß es dann zu spät ist." Es gehört wirklich eine starke Tattlosigkeit dazu, eine solche Lektüre Schwerkranken auf das Lager zu schleudern. Fällt solch ein Wisch in die Hände eines sensitiven nervöfen Pattenten, so kann sich sein Zustand aufs äußerste verschlimmern. Das weiß jeder ver- ständige Mensch; weiß es das Pflegepersonal und wissen es die A e r z t e des Urban-Krankenhauses nicht? Es ist geradezu un- erfindlich, wie das Attentat auf die Gemütsruhe der Kranken ge- duldet werden konnte. Zu dem gestrige» Bericht über die Sitzung des Obdach- Kuratoriums wird uns zur Verhütung von Mißverständnisjen noch mitgeteilt, daß es sich bei dem erwähnten zweiten Frühstück nicht um ein solches handelt, wie es den Häuslingen verabreicht wird, sondern daß nach einem Antrag des Oberarztes aus der Küche gegen Entgelt ein Frühstück verabreicht werden soll,„da das mit- gebrachte Essen besonders im Sommer vertrocknet." Zweimal hat die Verwaldmg sich bereits mit dieser Frage beschäftigt. Man sieht daraus, wie gründlich unsre Stadtväter vorgehen, wenn es sich um kleine Dinge handelt. Der Anti-Bilse. Den schädigenden Wirkungen der Militärromane soll jetzt sozusagen im amtlichen Aufgebot entgegengetreten werden. Das„Militär-Wochenblatt" berichtet darüber: „Es ist bei dem Verein inaktiver Offiziere der deutschen Armee und Marine angeregt lvorden, den falschen Anschauungen, welche in nicht urteilskrästigcn Kreisen der Bevölkerung durch die in jüngster Zeit erfchienenen Militärromane entstanden sind, durch der Wirklich- keit entsprechende Schilderungen aus dem Offiziersleben entgegenzu- wirken. Die zur Aufklärung und Richtigstellung bisher veröffent- lichten Schriften haben ihres mehr abstrakten Inhaltes wegen den gewünschten Erfolg nicht gehabt. Ein solcher dürfte jedoch durch Erzählung kurzer, selb st erlebter Begebenheiten aus dem Leben der Offiziere und deren Familien erreicht werden. Diefe mit dem Namen des Verfassers zu versehenden Er- Zählungen sollen gesammelt und dem Publikum in Buchform zugänglich gemacht werden. An alle Offiziere, möge» sie attiv oder inaktiv sein oder dem Beurlaubtenftande angehören, desgleichen an alle Freunde der Armee richtet der Verein daher die Bitte, ihm Schilderungen mit der angeführten Tendenz zu übersenden und damit das Unternehmen, welches ganz zweifellos im Interesse der Armee liegen dürfte, zu fördern. Der Vorstand des Vereins muß sich vorbehalten, das hoffentlich in Fülle eingehende Material zu sichten. Sendungen werden unter der Adresse:„Verein inaktiver Offiziere, Berlin W.i30, Motzstr. 8", erbeten." Kurze selbsterlebte Begebenheiten aus dem Leben der Offiziere und deren Familien hat bekanntlich auch Herr B i l s e der Oeffent- lichkeit unterbreitet. Hier ist also Vorsicht geboten. Auch wird die Hoffnung etwas optimistisch sein, daß Material in Fülle eingeht, da die Kunst des Novellenschreibens nicht jedermanns Sache ist und namentlich in der Kriegerkaste noch Egmonts Wort Geltung hat:„Unter vielem Verhaßten ist mir das Schreiben das Verhaßteste". Aber solche Umständlichkeiten sind ja auch gar nicht nötig, da dem deutschen Volke bereits eine klassische Militär-Litteratur zur Verfügung steht, die wie ehedem so auch heute noch alle edlen Jungfrauen mit Wonne erfüllen wird. Wozu ist„Reif- Reislingen" und der„ V e i l ch e n f r e s s e r" gedichtet worden, wenn sie nicht aufgeführt werden sollen? Wo so viele Millionen für Germanisationsbestrebungen im Osten unnütz verpulvert werden. sollten da nicht wenige Millionen flüssig zu machen sein, um das Lieutenants- Lusffpiel in seiner faden Herrlichkeit und Süße wieder zu neuem Leben zu erwecken? Gratisvorstellungen vom„Veilchen- fresser" sei die Losung; nur in diesem Zeichen wird der deutsche Offizier den Bilses Trotz bieten und Bismarcks Wort, daß uns den preußischen Lieutenant niemand nachmacht, wieder zu Ansehen bringen. Der Protest der Großen Berliner Straßenbahn ist auch an der Stadtgcmeinde Charlottenburg nicht ganz spurlos vorüber« gegangen, immerhin ist die Nachbar-Residenz in einer günstigeren Lage, da ihr ebenfalls„Repressalien" zur Verfügung stehen und zwar in Gestalt eines mit der Straßenbahn-Gesellschaft abgeschlossenen Vertrages. Nach diesem ist die letztere verpflichtet, bis Ende 1906 auf Verlangen des Charlottenburger Magistrats eine elek« ttische Straßenbahn vom„Knie" durch die Bismarckstraße nach der Kolonie Westend zu bauen und in Betrieb zu setzen. Eine solche Linie ist zur Zeit und wohl auch noch auf Jahre hinaus völlig un- rentabel und es besteht daher bei der Großen Berliner Straßenbahn durchaus nicht die Absicht, diese unrentable Linie zu bauen. Unter diesen Umständen war es für Charlottenburg natürlich leicht, eine Einigung zwischen den beteiligten Konkurrenz-Gesellschaften. Hoch- bahn und Straßenbahn, herbeizuführen. Die Aktieugeselllchaft Siemens u. Halske wird, wie bereits mitgeteilt, den Bau ihrer Zweiglinie„Knie"— Bismarck-Sesenheimerstraße— Wilhelmsplatz noch in diesem Sommer in Augriff nehmen und die Große Berliner Straßenbahn wird gegen diese Konkurrenzlinie nicht protestieren. Bezüglich der Weiterführung dieser Konkurrenzlinie nach der Kolonie Westend schweben die Vorhandlungen zur Zeit noch, es steht aber zu hosten, daß auch bezüglich dieser auf derselben Grundlage eine Einigung zwischen den Konkurrenz-Gesellschaften wird erzielt werden. Nur für Unteroffiziere! Das Polizeipräsidium teilt mit: In- folge mannigfacher Erörterungen, die der zur Zeit herrschende Mangel an Beamten bei der Berliner Schutzmannschaft in der Presse gefunden hat, gehen beim Polizeipräsidium außerordent« lich viele Bewerbungsgesuche von Personen ein, die den gestellten Anforderungen in keiner Weise genügen. Bestimmungsgemäß müssen die Bewerber eine mindestens siebenjährige Militärdienstzeit zurück- gelegt und den Dienstgrad eines Unteroffiziers erreicht haben. Ge- suche von Personen, die diesen Bedingungen nicht entsprechen, können keine Berücksichtigung finden. Die Mordthat im Scheunenviertel scheint ungesühnt bleiben zu sollen. Der des Mordes an seiner Ehefrau, der Kellnerin Grabowski, dringend verdächttge Schlächtergeselle Theodor Grabowski wurde auf Antrag seines Verteidigers, Rechtsanwalt Morris zwecks Unter- suchung auf seinen Geisteszustand der Irrenanstalt überwiesen. Die Untersuchung hat ergeben, daß Grabowski unzurechnungsfähig ist. Das Verfahren gegen ihn hat infolgedessen eingestellt werden müssen. Das alte Abgeordnetenhaus in der Leipzigerstraße mit dem Anbau, in dem sich früher das Geheime Civilkabinett des Kaisers befand, will der Lindenban- Akttenverein vorbehaltlich der Ge- nehmigung des Kaisers käuflich erwerben. Ob das Gebäude voll- ständig vom Schauplatz verschwinden wird, um einem Neubau Platz zu machen, oder ob es, wie ein Gerücht wissen will, für Theater- zwecke verpachtet werden wird, ist noch eine offene Frage. Auch im alten Reichstags- Gebäude hatten sich f. Z. bekanntlich allerhand Ramschbazare aufgethau. Um den Bcycrleinschcn Roman„Jena oder Scdan" hatte sich be- kanntlich ein Streit entsponnen, der zu einer Beleidigungsklage führte, die von dem Buchhändler Felix H e i n e in a n n, Geschäftsführer der Verlagsanstalt„Vita", gegen den Verleger der„Hamburger Nachrichten", Dr. Hartmeyer angestrengt ward. Gestern fand vor der 8. Strafkammer des Landgerichts Ü in der Berufungsinstanz die erneute Verhandlung statt, da Dr. Hartmeyer gegen das schöffen- gerichtliche ErkennMis, das ihn zu 50 M. Geldstrafe verurteilt hatte, Berufung eingelegt hatte. Der Gerichtshof verwarf die Be- rufung. Die Erholungsstätten vom Roten Kreuz werden Anfang Mai wieder in Betrieb gesetzt. Zunächst werden die Erholungsstätten in der Jungfernheide für männliche Kranke, in Pankow für weibliche Kranke und in Sadowa für Kinder(alle drei am 1. Mai) eröffnet. Im Laufe der ersten Hälfte des Monats Mai sollen nachfolgen die Erholungsstätten Eichkamp(männliche Patienten), Spandauer Berg (weibliche Patienten) und Schönholz für Kinder. Anmeldungen von Kranken für die Erholungsstätten sind thunlichst bald an das Bureau für Erholungsstätten vom Roten Kreuz, Friedrichstraße 207, Hof rechts II, in den Vormittagsstunden zwischen 10 und 1 Uhr zu richten. Zu gleicher Zeit wird auch der neugegründete Verein für Tuberkulosebekämpfung in Schöneberg die von ihm geplante Erholungsstätte, mit welcher er sich der Organisation der Berliner Erholungsstätten angegliedert hat, ebenfals in der ersten Hälfte des Monats Mai in der Nähe von Eichkamp eröffnen. Unter den Straßenbahnwagen geraten und getötet ist gestern mittag die 4jährige Tochter des Tischlers Reczerski, Greifswalderstr. 211 wohnhaft. Die Kleine spielte auf der Promenade vor dem Hause Greifswalderstr. 23 und wollte plötzlich nach dem Bürgersteig hin- übereilen. Ahnungslos lief das Kind auf das Sttaßenbahn-Geleise kaum einen halben Meter vor dem in voller Fahrt heransausenden Motorwagen 1817 der Linie 32(Weißensee— Dönhoffplatz). Das Kind wurde von der Federkveste erfaßt, niedergerissen und geriet unter die Vorder-Plattform. Der Körper des Mädchens wurde etwa acht Meter weit mitgeschleift und klemmte sich unter der Schutzvorrichttmg derartig fest, daß erst die Befreiung des unglücklichen Kindes möglich wurde, nachdem der Wagen angehoben worden war. Der Kleinen war der Schädel gespalten und der Brustkorb eingedrückt. Der Tod des Kindes war auf der Stelle eingetreten. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Eine große Blutlache bezeichnete die Unfallstelle. Ucbcr den Selbstmord des Berliner Malers Hugo Richter- Lesen sdorf werden nachträglich folgende Einzelheiten bekannt: Der Unglückliche wurde in seiner Villa in Ahrenshop bei Barth in Pommern tot im Bette aufgefunden. Ein sofort aus Wusttow herbei- gerufener Arzt stellte nach Besichtigung der Leiche fest, daß der Tod infolge eines Schusses in der Herzgegend eingetreten ist; ein mit drei fcharfen und einer abgeschossenen Pattone geladener Revolver wurde auf der Leiche liegend gefunden. Infolge einer telegraphischen Benachrichtigung des Gemeindevorstehers in Ahrenshop begab sich eine Gerichtskommission unter Zuziehung des Gerichtsarztes zur Leichenschau an den Thatort: auch diese ergab keine andre Todes- Ursache. Da zweifellos Selbstmord vorlag, wurde die Leiche zur Beerdigung freigegeben.— Wie schon gemeldet, hat der Künstler seinem Leben ein Ende gemacht, weil die Jury der Großen Berliner Kunstausstellung seine eingesandten Bilder refüsiert hatte. Vom Schlütersteg in die Spree stürzte sich gestern in der neunten Morgenstunde die 39 Jahre alte Maurers, au Auguste Hentsch aus der Freienwaldersttaße 33. Die in auskömmlichen Verhälttnssen lebende Frau war seit der Geburt ihres einzigen Kindes, das nach kurzer Zeit starb, nervenleidend. Die Krankheit verschlimmerte sich im letzten halben Jahre, so daß sie mehrere Wochen in einer Au- stalt zubringen mußte. Nachdem ihr Mann gestern morgen früh zur Arbeit gegangen war, lief Frau Hentsch nach der Spree, um sich das Leben zu nehmen, wurde aber von Schiffern und Schutzmännern gerettet und in ein Krankenhaus gebracht. Der Unfall hatte eine große Menschenansammlung zur Folge. In der Meinung, daß die Frau aus Not ins Wasser gegangen sei, stiftete ein Wohlthäter einen erheblichen Betrag für sie. Die Gerettete wird aller Voraussicht nach ohne dauernden Schaden davonkommen. TodeSsturz von der Sttaßenbahiiplattform. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich gestern spät abends in der Neuen Königsttaße zugetragen. Gegen 11 Uhr durchfuhr der Straßenbahnwagen Nr. 2149 der Linie 63 die Neue Königsttaße. Hinter der Gollnow- reiße nahm er, da die Strecke frei war. die zulässige höchste Fahr- Geschwindigkeit an, als plötzlich, kaum acht Meter vor dem Straßen- Üahnwageii, der Kutscher einer in der Richtung nach dem Königsthor fahrenden Droschke das Pferd wandte, um das Gelds zu kreuzen. Der Führer des Sttatzenbahnwagens suchte den drohenden Zusammen- stoß durch Anlvendung der Gefahrbremsung zu verhindern, und es gelang ihm auch, den schweren Wagen rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Durch die starke Bremswirkung wurden die Fahrgäste von ihren Sitzen geschleudert und der fünduudzwanzigjährige Schlosser Max Wagner aus Rixdorf stürzte von der Plattform auf das Straßenpflaster. Er erlitt einen schweren Schädelbruch und wurde !n besinnungslosem Zustande in das Krankenhaus an: FriedrichShaui gebracht. Hier starb Wagner kurz nach seiner Einlieferung. Der Droschkenknlscher, der den traurigen Unfall herbeigeführt hat, ist leider nicht festgestellt worden. Ans der Nntcrsnchungshast entlassen wurde am Montag der frühere Direktor der Pommerschen Hypothekenbank Komnierzienrat Schultz, nachdem die durch Gerichtsbeschluh geforderte Kaution von IVO OOü Mark für ihn hinterlegt worden ist. Die für Nomeick geforderte Kaution von SO 000 Mark soll im Laufe des Dienstags aufgebracht worden sein. Ein Opfer seines NrbermntS ist der 13 Jahre alte Metallschleifer Paul Adams ans der Kaiser Fricdrichstr. 27 zu Rixdorf geworden. Der junge Mann war ein guter Radfahrer und Schwimmer. Als er vor vierzehn Tagen mit seinem Ivjährigen Bruder und einem eben so alten Maler OSkar Wagner auf dem Heimwege von der Arbeit abends um 7>/z Uhr nach der Schillingsbrücke kam,�rief er in jugendlichem Uebermut: Hundert Mark dem. der über das Geländer springt und nach dem andren Ufer schwimmt! Als seine Begleiter ihn auslachten, als ob er das selbst nicht könnte, schwang er sich über die Brüstung in die Spree. Kaum war er bis zur Mitte des Flusses gekommen, da begann er unterzugehen. Sein Bruder und Wagner eilten ihm mit einem Rettnngskahn zu Hilfe, aber bevor sie ihn erreichten, verschwand er vor ihren Augen unter der Ober- fläche und kain nicht mehr zum Borschein. Gestern erst landete man seine Leiche am Hinterlande der Holzmarktstraste. Wieder eine LiebeStragödic? In einem Gebüsch am Landwehr- Kanal fand ein Mann ein Paket Sachen, auf welchem ein Zettel lag, aus dem hervorging, daß die Besitzerin der Sachen den Tod im Wasser gesucht habe. Der Finder brachte Zettel und Sachen nach dem 79. Polizei-Revier. Die angestellten Recherchen ergaben, dast die geftmdcnen Sachen der 18jährigen, in der ReichSdruckerci beschäftigten Arbeiterin Anna Ballach, Jsarstr. S in Rirdorf bei der Mutter wohnhaft, gehörten. Das Mädchen war nwrgens von Hause fortgegangen, an ihrer Arbeitsstelle aber nicht eingetroffen. Auf dein Zettel nimmt sie Abschied von Mutter und Geschwistern sowie einem „Jugendfreunde". Da keinerlei Grund zu einem Selbstmord des Mädchens bekannt ist, nehmen die Angehörigen an. dast es sich um eine unglückliche Liebe handelt. Die Leiche konnte bisher noch nicht gefunden werden. Das Opfer eines schrecklichen Unglücksfalls ist das 1>/zjährige Söhnchen des Schönweiderstr. 17 zu Rixdorf wohnhaften Arbeiters Pacholdczyk geworden. Das Kind spielte in der Küche, während sich seine achtjährige Schwester an einem Spirituskocher zu schaffen machte, ihn ansteckte und das noch brennende Streichholz fortwarf. Unglücklicherweise fiel das Streichholz auf das Kleidchen des Knaben und im Augenblick stand das Kind in hellen Flammen. Dabei er- litt der Kleine am ganzen Körper so schwere Brandwunden, daß er trotz ärztlicher Hilfe wenige Stunden später unter großen Qualen verstarb. Die Mutter des Kindes, welche die Wohnung nur kurze Zeit verlassen hatte, um Einkäufe zu besorgen, ist infolge des Todes ihres Lieblings lebensgefährlich erkrankt. Unbekannter Selbstmörder. Am 27. März er. hat sich ein etwa 40 bis 4ö Jahre alter Mann in einem Hotel zu Eöln erhängt. Er hatte sich als Buchhalter Wilhelm Weber aus Neuß in das Fremden buch eingetragen; in Neuß ist über denselben nichts zu ermitteln gewesen. Beschreibung: etwa 1,65 bis 1,70 Meter groß, schlank, schwarze Haare' und Augenbrauen, starken schwarzen Schnurrbart, breite Stirn, blasse Gesichtsfarbe. Bekleidet mit schwarzem Joppenanzug, schwarzem Ueberzieher mit Sammetkragen, Stehkragen, schioarzem Selbstbinder, Manschetten<286 gezeichnet), schwarzen Schnür- schuhen und Strümpfen, Oberhemd, Normalwäsche, Hosenträgern lHerknles) und brauneu gefütterten Glacehandschuhen. Die Bekleidung war ziemlich abgetragen. Bei sich trug er einen Naturknotenstock mit gebogener Hornkrücke. Eventuelle Nachricht an die Kriminalpolizei zu Nr. 3436 IV/24. 04. Klus äen I�ackbarorten. Neu-Weifienfee. Der Erat der Amtsvcrwaltung schließt in Ein- nahine und Ausgabe mit 75 000 Mk. ab, wozu beide Gemeinden Weißenfee beizutragen haben. Auch hier wurden die Gesuch« der Beamten um Gehaltserhöhung und Mietsentschädigung abgelehnt. Das Gehalt der Fleischbeschauer wird von 900 auf 1500 Mk. jahrlich erhöht, ebenso die Entschädigung der Baukommissionsmitglieder von 600 auf 1200 Mk. Diese Aemter werden in der Regel als Neben- beschäftigung ausgeübt und bilden daher für die glücklichen Inhaber eine vorzügliche Extra-Einnahrncquelle; sie werden auch nur an die „Allergetreuesten" � vergeben.— Ten Betrag von 5849,82 M. an Armenkosten mußte die Gemeindevertretung niederschlage«, da von den Empfängern nichts mehr zu erhalten war; von nun ab will man böswillige Schuldner auf dem Klagewege an ihre Pflichten erinnern. — Die Eingemeindung von Alt-Weißensee in Neu- Weihenses ist in einer gemeinschaftlichen Sitzung beider Gemeinde- Vertretungen angenommen worden, nachdem vorher ein aus 15 Para- graphen umfassender Bereinigungsvertrag abgeschlossen war. Nach diesem Vertrag wird die Zahl der Gemeindeverordneten von 21 auf 24 erhöht, ebenso die Zahl der Schöffen von 5 auf 6. Bis zum Jahre 1910 bildet der Ortsteil Weitzensee eine« eignen Wahlbezirk; es «riissen die zu wählenden drei Gemeindeverordneten und ein Schöffe in diesem Ortsteil ihren Wohnsitz haben. Bei der erstmaligen Wahl wählt die Gemeindevertretung daselbst aus ihrer Mitte die drei Ver- ordneten und den Schöffen. Mit dem Tage der Vereinigung treten in der vereinigten Gemeinde Weißensee die zu diesem Zeitpunkte in Neu-Weitzensce geltenden Bestimmungen über die Kommunal- besteue rung und die Erhebung von> Gebühren, Beiträgen, sowie sonstigen öffentlich-rechtlichen Abgaben niit der Maßgabe in Kraft, daß vom Tage der Vereinigung beider Gemeinden an auf die Dauer von drei Jahren der zur Zeit der Eingemeindung bestehende Taxwert der Alt-Weitzenserr Grundstücke mit Ausnahme der Grundstücke der Brauereien, Fabriken, Kirchhöfe, der Rennbahn und der Baugesell- schaften für die Gemeinde-Grundsteuer aufrecht erhalten bleibt, aus- genommen, wenn nach der Vereinigung Verkäufe von Grundstücken, Neubauten und Umbauten stattfinden. Sofort nach vollzogener Ver- einigung beider Gemeinden müssen die gepflasterten Straßen kanalisiert und mit Wasserleitung versehen werden. Die zur Zeit beschäftigten Beamten und Lehrer werden von Neu-Weißensee über- nommcn. AuS ländlichen Hütte». Ein Mord und Selbstmord ist Ende voriger Woche in dem Dorfe Groß-Demstn bei Brandenburg a. H. vorgekommen. Der 74jShrige Arbeiter Neuhaus hat dort planmäßig die 64jährige Schwiegermutter seines Sohnes, Witwe Bittkow, die mit ihm in einem Hause wohnte, mit einem Beil erschlagen und sich dann selber im Hausflur erhängt. Schon öfter war Streit zwischen den alten Leuten entstanden, so daß Neuhans schon längere Zeit einen Groll gegen Witwe Bittkow hegte. Am Abend vor der That war es wiederum zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen beiden gekommen und nun wartete NeuhauS bis zum nächsten Tage, um bluttge Rache zu nehmen. Als die alte Frau das Mittagessen be- rettete, schlich er sich heimlich Hera» und spaltete ihr hinterrücks mit einem gewaltigen Beilhieb den Schädel. Dann ging er nach dem Hausflur und erhängte sich. Rixdorf. Die evangelische und die katholische Kirchengemeinde haben an den hiesigen Magistrat vor einiger Zeit Gesuche gerichtet um Ucberlassung von öffentlichen Plätzen zu K i r ch e n b a u t e n. Es versteht sich am Rande, daß man es dabei auf die schönsten von den wenigen Plätzen, die rmsre Stadt besitzt, abgesehen hat; dem» Reuter- und dem Kranoldplatz. Nachdem Magisttat und Stadt- vcrordnctenversammlung diese Gesuche in gemischter Deputation vor- beraten haben und, wie nicht anders zn erwarten war, diese dem Gesuche der evangelischen Kirchengemeinde bezüglich des Reuterplatzes zugestimmt hat, wird nunmehr die Stadtverordneten-Versammlung am Tonnerstag sich mit der Sache befassen. Obwohl in der vor- beratenden Deputation sich dafür nur eine sehr schwache Majorität fand und, wie es scheint, selbst im Magisttat die Einmütigkeit darin nicht weit her ist, so ist doch nicht zu bezweifeln, daß mit Hilfe der bekannten Mehrheit der Stadtverordneten-Versammlung der schönste und vom Standpunkt der öffentlichen Gesundheitspflege geradezu unbezahlbare Platz Nixdorfs in seinem ioestlkhen Teile in den„guten Magen" der Kirche geworfen wird. Das Gesuch der katholischen Kirche schlägt die Magistratsvorlage vor, abzulehnen und zlvar des- halb, iveil der Kranoldplatz„zn klein" für einen Kirchenbau sei. Nun, die Schwarzen werden schon einen andern größeren finden. Eine Foinilieutragödle hat sich gestern in Nauen bei Spandau abgespielt. Dort erschlug die ZOjührige Ehefrau des Dachdeckers Albert B e s k o w ihren Mann mit einem Beile und verübte dann Selbstmord durch Erhängen. Die beiden Ehegatten Beskolv gelten als gutsituierte Leute in Nauen; B. hatte sein Dachdeckergcwerbe vor einigen Jahren aufgegeben, um sich zur Ruhe zu setzen. Tie Ehe war kinderlos, und das mag wohl den ersten Anlaß zu Zwistig- keilen zwischen dem Mann und seiner sehr lebenslustigen, um etlva 14 Jahre jüngeren Frau gewesen sein. Das eheliche Leben gestaltete sich allmählich sehr unglücklich; es kam oft zu Scenen der wider- wärtrgsten Art. Erst kürzlich hatten sich beide auf offener Straße derartig geschlagen, daß die Polizei eingreifen und Ruhe stiften mußte. Auch der im Hause lebenden, 19jährigcn Pflegetochter gelang es nicht, den Frieden herzustellen. Beide Ehegatten' scheinen des Lebens überdrüssig geworden zu sein und beschlossen zn haben, gemeinsam aus dem Leben zn scheiden. Darauf läßt ein Selbstmord- versuch schließen, den beide kürzlich verübten, indem sie während der Nacht die Gashähne öffneten, um durch Gasvergiftung ihrem Leben ein Ende zn niachen. Der Plan mißlang jedoch, da das Gas durch ein offenstehendes Fenster Abzug fand. Gestern morgen nun fand man in dein Vorgarten ihres kleinen Besitztums die Leichen der BeSkowschcn Eheleute. Der Mann lag am Boden, sein Schädel wies eine klaffende Wunde ans, neben ihm lag ein blutbeflecktes Beil. Um seinen Hals ivand sich eine Schlinge, deren Enden abgeschnitten waren. Unmittelbar neben ihm hing an einem Holzstaketen-Zaun die Leiche der Frau Beskow; sie hatte ihreni Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Nach den bisherigen polizeilichen Ermittelungen wird angenommen, daß beide Ehegatten im Einverständnis gehandelt haben._ Gerichte-Zeitung. Ein Automobilunsall kam in P r e n z l a u vor der Sttaskammer des Landgerichts zur Verhandlung. Der Eigentümer Karl Schwarz ans Rixdorf hatte sich nämlich wegen fahrlässiger Körperverletzung zu veramworten. Ain 29. September v. I. begab sich eine Jagd- gesellschaft von Rixdorf und Berlin aus nach Hammelspring in der Uckermark. Während einige Personen die Nordbahn benutzten, ficht der Angeklagte in Begleitung zweier Damen und eines Herrn mit seinem Automobil die Berlin- Zehdenicker Chanssee entlang nach dem Jagdrevier. Unterwegs sollte er nun in der Nähe des Dorfes Kremelin mit einem Fuhrwerk zusammen- gefahren sein. Der Rosselenkcr, ein Bewohner des genannten Land- ortes, der wohl wußte, daß sein Pomch vor dem mysteriösen Fahr- zeug scheuen würde, suchte noch rechtzeitig auszuweichen, was ihm in- dessen nicht mehr gelang. Von dem dahinsansenden Automobil wurde ein Rad seines leichten Gefährtes erfaßt und dieses Herumgerissen. Der Insasse stürzte vornüber aus dem Wagen, wobei er sich eine schmerz- hafte Verletzung am Bein zuzog, die ihn angeblich 14 Tage lang bettlägerig gemacht haben sollte. Die Nummer des Automobils — A 903— hatte er sich aber wohlweislich gemerkt und daraufhin Anzeige erstattet. Die Beweisaufnahme führte auch zur Belastung des Angeklagten, obgleich die übrigen Insassen des Automobils eidlich in Abrede stellten, von den: fraglichen Unfall irgend etwas gemerkt zu haben. Der Gerichtshof hielt die Richttgkeit ihrer An- gaben nicht für ausgeschlossen, erblickte jedoch in der enormen Fahr- geschwindigkeit des Automobils eine strafbare Fahrlässiglcit des An- geklagten, der denn auch zu 500 M. Geldstrafe oder 50 Tagen Gefängnis verurteilt wurde. Versammlungen. Protestversammliiiig der städtischen Gärtner und Parkarbeitcr. Am 8. Februar d. I. stellten die in den städtischen Parkanlagen beschäftigten Gärtner und Arbeiter ihre Forderungen auf, die sie an zuständiger Stelle einreichten. Die Forderungen halten sich durch- aus in den Grenzen dessen, was die Stadtverwallung selber als Entlohnung der in ihren Bcttieben beschäftigten Arbeiter festgesetzt hat, denn nach eineni Beschluß der beiden Gemeindebehörden soll der Mindestlohn der städtischen Arbeiter 3,50 M. betragen. Mehr fordern auch die Parkarbciter nicht. Nun ist aber sowohl im Etats- ausschutz wie in der Stadtverordneten-Versammlung festgestellt worden, daß 570, das sind etwa zwei Drittel aller Parkarbeiter. Löhne von 2,50 bis 3,25 M. beziehen. Diese Bezahlung unter dem von den städtischen Behörden festgesetzten Mindestlohn wird damit zu rechffertigen versucht, daß man behauptet, es handele sich bei den Minderbezahlten um Leute, die nicht mehr im Vollbesitz ihrer Arbeits- kraft sind und die auf Armenunterstützung angewiesen wären, wenn sie nicht von der Parkverwaltung beschäfttgt würden. Als sich die Stadtverordneten- Versammlung am 24. März mit dieser An- gelegenheit beschäftigte, sagte Oberbürgermeister Kirschner, nachdem Genosse Singer darauf hingewiesen hatte, daß die Parkverwaltung Arbeiter beschäfttgt, die noch weniger wie den ortsüblichen Tagelohn von 2,90 M. erhalten:„Wenn bei der Parkverwaltung niedrigere Löhne bezahlt werden sollten, so werden das keine regulären Arbeits- kräfte sein. Ich möchte den Herrn Vorredner bitten, sich anzusehen, in welcher Weise einzelne Arbeitskräfte in der Parkverwaltung ihre Arbeit leisten, irnd ich glaube, er wird dann zu der Ueberzeugnng kommen, daß ein Lohn von 1,75 M. noch sehr reichlich ist-"— In derselben Sitzung sagte der Stadtverordnete Wallach mit Bezug auf solche angeblich minderwertigen Arbeitskräfte: „Sehen Sie sich diese Leute an. Sie harken kaum so viel Blätter zusammen, wie sie Pfennige Lohn an einem Tage bekommen." Diese Aeußerungen gaben den Anlaß zur Einberufung einer öffentlichen Versammlung der städttschen Gärtner und Parkarbeiter. Zu der Versammlung, die am Montag im großen Sale der Armin- hallen tagte, waren die Parldeputatton sowie die Stadtverordneten Mommscn und Wallach eingeladen. Von der Parkdeputation war mn: unser Parteigenosse Stadtv. Schulz erschienen, außerdem war der Stadtv. Genosse Schubert anwesend. Herr Wallach hatte sein Ausbleiben durch anderweitige Beschäftigung entschuldigt und in seinem Schreiben gleichzeittg betont, daß seine Bemerkung:„Sie harken kaum so viel Blätter zusammen" usw., leinen Vorwurf gegen die Pariarbeiter enthalte, sondern sich nur auf die minderwertigen Arbeitskräfte beziehe. Genosse Bürger vom Verbände der Gemeindearbeiter referierte in der Versammlung über die in Rede stehende Angelegenheit. Insbesondere wandte er sich gegen die BeHanptting, daß es sich bei den niedrig entlohntenArbeitskrästenansschlicßiichumminderleistungsfähige Personen handle, die sozusagen bei der Parkverwaltung das Gnaden- brot erhalten. Die Parkarbeiter hätten unter ihren Kollegen in allen Revieren Nachfrage gehalten, aber nicht einen Einzigen er- mittelt, dem die Beschäftigung nur deshalb zugewiesen sei. um ihn vor der Armennnierstützung zu bewahren. Moabit sei das einzige Revier, von dem man in dieser Hinsicht nichts Bestimmtes habe feststellen können. Die Verhältnisse bei der Park- Verwaltung seien durchaus nicht so, wie sie von der Ber- waltnng und von bürgerlichen Stadtverordneten dargestellt werden. Der größte Teil der Parkarbeiter befinde sich im Vollbesitz der Arbeitskraft. Die Parkverwaltung sei aber von jeher bestrebt gewesen, möglichst niedrige Löhne zn zahlen, und wenn im Arbeiter- ausschuß Wünsche nach Lohnaufbesserung vorgetragen wurden, dann sei den Ausschußmitgliedern gesagt worden: Seht Euch nur die polnischen Arbeiter au, die erhalte» viel geringere Löhne wie Ihr, und sie kommen dock, damit aus. Ihr müßt auch sehen, daß Ihr mit Euren« Lohn auskommt.—- Das sei der Standpunkt der Park« Verwaltung, von den« rniS sich die geringe Entlohnung erkläre. Wenn die Parkverivaltting allch viele ältere Arbejttr beschäftige. so handle es sich dabei nicht um solche, die eigentlich von der Armen- dircttioi« unterstützt werden müßten, sondern diese Arbeiter seien im Dienste der Stadt alt und grau gelvorden, sie haben einen niorali- scheu Anspruch auf Arbeit und ausreichenden Lohn, und gerade diese alte«« aber immer iioch leistungsfähigen Arbeiter empfinden es als eine Kränkung, weirn«nan ihnen sage, sie«vürden nur aus Gnade und Barmherzigkeit beschäftigt, damit sie nicht von Almosen leben«näßten. Die Diskussion war eine sehr rege. Es beteiligten sich daran eine ganze Reihe von Parkarbeitern, Männer, die,«vie die meisten Teilnehmer der Versammlung die Blüte der Jahre längst hinter sich haben, die aber den Eindruck machen, daß sie bei der Arbeit noch ininier ihren Mai«n stehen. Alle diese Redner betonten denn auch, daß ihre Beschäftigung durchaus keine leichte sei. und daß diejenigen, welche das Gegeitteil behaupten, die Verhältnisse nicht kennen. Unter andern, führte«« die Redner ans: Herr Wallach hat schon rechtZwenn er sagt,«vir harken nicht so viel Blätter zusammen,«vie wir Pfemfige verdienen, denn zu so einer leichten Arbeit kommen wir gar nicht. Wenn«vir die Wege chaussieren, so ist das eine ebenso schtoere Arbeit wie die an den staat- lichcn Chausseen. Während aber die Chaussee-Arbeiter einen Tage- lohn von 3,50 M. bekommen,«niissen wir diese Arbeit ftir 2,50 M. ver- richten.— In der Zeit, Ivo gesprengt wird, müssen zwei Mann täglich 150 Kübel Wasser heranziehen, und da wir bei unsrem geringen Lohn uns. keine wasserdichten Stiefel anschaffen können, so giebt es beim Sprengen ilaffe Füße, und die Folge davon ist RheumattsmuS. Herr Wallach und der Oberbürgermeister sollten nur einmal einen Tag lang gemeinsam so einen Wasserkübel ziehen, dam« würden sie beurteilen können, daß unsre Arbeit nicht leicht ist.— Ein Arbeiter ans dem Plänterlvald sagte, er sei bereits seit acht Jahren bei der Parkverwaltung beschäftigt, er erhalte aber erst seit kurzem einen Tagelohn von 3,50 M. Mehrere seiner Mitarbeiter, die im Winter auf dem städttschen Steinplatz gegen einen Tagelohn von 3,50 M. beschäfttgt waren, hätten gesagt, die Arbeit aus dem Steinplatz sei leichter«vie die Arbeit im Plänterwald. Derselbe Redner führte aus: Erst in letzter Zeit seien die Löhne vieler Arbeiter von 2,50 M. auf 2,75 M. erhöht worden, jedenfalls deshalb, damit bei einer Nachfrage festgestellt«verden könne, daß nur noch wenige Arbeiter für 2,50 M.'beschäftigt werden.— Weiter lvurde ausgeführt, daß viele Parkarbeitcr schon um>/?5 Uhr morgens ihre Wohnung verlassen und erst um Vz9 Uhr abends wieder nach Hause kommen, so daß sie also 16 Stunden hintereinander ans den Beinen sind. Das Ausgraben und Umpflanzen von Bäumen und Sträuchern sei gewiß eiiie schlvere Arbeit, die nicht von minder leistungsfähigen Personen verrichtet werden könne. Als der König von Italien Berlin besuchte, wurden zur Ausschmückung_ der Feststraße Bäume aus dem Plänterwalde in Kübel gesetzt, und diese 13 Centner schweren Kübel mußten von Parkarbeitern transportiert «verden. Wenn Herr Wallach einen Versuch mit dieser Arbeit machen wollte, dann«viirde er vielleicht zu der Einsicht kommen, daß ein Tagelohn von 4 M. dafür nicht zu hoch sei.— Einer der Redner sagte, die Parkverwaltung berechne und erhebe den Krankenkassen- beittag von den Arbeitern, welche 2,50 M. erhalten, nach einem Lohnsatz von 3,50 M.— Weiter lvurde betont, daß nicht nur die Lohnaufbesserulig. sondern auch die Verkürzung der elfftiindigen Ar- beitSzeit auf zehn Stunden ein dringendes Erfordernis sei. Die Parkarbeiter würden von andern Arbeitern aufgezogen, weil sie bis 7 Uhr abends arbeiten, während in andren Betrieben durch- weg um 6 Uhr Feierabend gemacht«oird. In dieser Weise schilderten die Parkarbeiter anschaulich ihre Arbeitsverhältnisse, und sie bedauerten, daß von den bürgerlichen Stadtverordneten und Parkdeputattons- Mitgliedern niemand erschienen war, um aus dem Munde der Arbeiter zu hören, wie die Dinge liegen.— Die anwesenden Stadtverordneten Schulz und Schubert bezeichneten die Forderungen der Parkarbeiter als be- rechttgt und versprachen, für diese Forderungen einzutreten, soweit es in ihren Kräften steht.— Schließlich nahm die Versammlung einstin,«nig die nachstehende Resolutton an: Die Versammlung protestiert ganz entschieden gegen die mehr- fach in die Oeffentlichkeit getragene Meinung, als ob die Mehrzahl der mit 2,50— 2,70 M. entlohnten Arbeiter minderwerttge Arbeits» kräfte seien. Die Versammelten erklären vielmehr, daß mit ganz verschlvindenden Ausnahmen die Gärtner und Parkarbeiter für den geringen Lohn eine tägliche elfstündige Arbeitszeit mit recht schwerer Arbeit ausfüllen müssen. Die Versammelten bezeichnen die vom Magistrat dem Etatsausschuß vor- gelegte Statisfik als recht mangelhaft, indem sie die thatsächlichen Verhältnisse, insbesondere die zurückgelegte Dienstzeit gar nicht auf- klärt. Die Versammlung bedauert ganz außerordentlich, daß weder der Magisttat, noch die Deputation, noch das Stadtverordneten- Kollegium den bescheidenen Wünschen der Parkarbeiter entgegen- gekommen sind. Ferner verurteilt die Versammlung, daß mm« auch dem zuständigen ÄrbeiteranSschuß auf seine Anträge keine Antwort zukomme«« läßt. Die Versammlung hält nach«vie vor an den an« 8. Februar d. I. aufgestellten Lohnforderungen fest. Schließlich ver- sprechen die Versammelten, für die gewerkschaftliche Organisation einzutreten. liebet einen Unterschleif in der Bettiebs-Krankenkaffe der Park» verlvaltnng teilte der der Versammlung Vorsitzende Seklionsleiter der Parkarbeiter folgendes mit: Nach dem vor zwei Monaten erfolgten Tode des Rendanten der genannten Kasse, Magistratssettctär Thieme, habe der neue Rendant ein«Wanlo von 1004,34 M. in der Kasse entdeckt. Der Sohn des Verstorbenen habe sich verpflichtet, diese Summe vom 1. April 1905 ab in Monatsraten von 10«vi. an die Kasse zurückzuzahlen.— Stadtv. Schubert bemerkte hierzu, daß der Magistrat, welcher den Kasscnrendanten eingesetzt hat, für dessen Geschäftsführung verantioortlich und für das Deficit haftbar sei. Marktpreise von Berlin am 25. April 1904 nach Ermittelungen des«gl. Polizeipräsidiums. »Weizen, gut D.-Ctt. 17,30 17,28 mittel„ 17,26 17,24 gering. 17,22 17,20 »Roggen, gut. 13,05 13,03 mittel. 13,01 12,99 gering. 12,97 12,95 tGerstt, gut. 14,20 13,10 mittel. 13,00 11,90 gering» 11,80 10,80 IHaser, gut. 15,00 14,10 mittel. 14,00 13,10 gering. 13,00 12,10 Richtsttoh. 4,32 3.66 heu. 7.40 5,00 Erbsen. 40,00 28,00 SpciseboHnen. 50,00 26,00 Linsen. 60,00 25,00 * ab Bahn. t frei Wagen und ab Bahn. Kartoffeln, neue D.-Ett. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweuiefleisch„ Kalbfleisch. Hammelfleisch. Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schlei« Bleie Krebse 60 Stück 1 üg per Schock 3,00 1.80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60 2,00 3,00 3.00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 «.00 1,20 1,10 1.00 1,20 1,20 2,00 2,60 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 Witterimgsiibersicht vom 26. April 1904, morgens 8 Uhr. Etationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M München Wien O a 5 - 2 S S 765 W 766 W 766! SWS 766 M 7631 Stia 760 RW Setter liwolkig 2 heiter 3 wolkig 4 balb bd. — Regen 3bedeckt siS. All g? M S> Stationen §c S o 741 Petersburg 757 Eorl Werder» Paris ii s« Still SSW 768 NNO Well« — Regen LwoUenl 1 wolkenl --»« 2» # 11 i■■» wa. 3 10 Wetter-Prognose für Miltwoch. den 27. April 1904. Ziemlich kühl, vieljach wolkig bei mäßigen westlichen Winden! keme er» heblichen Niederschläge. B e r l i n e r Wetter b ureau. cstag sich mit der Sache befassen. Obwohl in der vor- und sie kommen doch damit aus. Ihr«mißt auch sehen, oatz Zyr___ B e r« i n e r Wetterbure- Perantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Dnicku. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Perlagsanstalt Paul Singer Le Co., Berlin SW. 9t. 98. A. ZchMg- 2. ötÜllßt ■iiiiimiiiiii——iiiiiii iiiiiii in Der Prozeß wegen Gattenmordes, dessen der frühere Heilgehilfe Hugo W a l t h e r beschuldigt wird. begann gestern unter großem Andränge des Piiblikums vor dem Schwurgericht am Landgericht IL Den Vorsitz führt Landgerichts- direktor Grabs v. H a u g s d o r f f, die Anklage vertritt Staats- anwaltschafts-Assessor Dr. Schindler, als Verteidiger sind die Rechts- anwalte Morris und Dr. H. S i l b e r st e i n zur Stelle. Der Angeklagte, ein schmächtiger Mann nnt blasser Gesichtsfarbe und wohlgepflegtem blonden Schnurrbart, betrachtet, als die Thür zum Zuhörerraum geöffnet wird, sehr unbefangen die Eintretenden. Am Gerichtstische steht eine Tafel, die den Lageplan des Thatortes wiedergiebt. Da die Verhandlung mindestens zlvei Tage dauern wird, lvird ein Ersatzgeschworener ausgelost. Es sind 43 Zeugen geladen, darunter die Mutter der ersten Frau des Angeklagten, die Schwester und der Vater der zweiten Frau.— Als Sachverständige sind anwesend: Kreisarzt Medizinalrat Dr. I a e n i ck e- Spandau, Kreisarzt Dr. A u st- Naueit, Prof. Dr. Straß ntann, Gerichts- arzt Dr. H o f f m a n n und Gerichtschemiker Dr. B i s ch o f f. Zu seinen Personalien giebt der Angeklagte an: Er sei der Expedient Hugo Walther aus Enimerich, geboren am 19. Februar 1868 zu Bischofswerda, Königreich Sachsen, evangelisch. Sein Vater, ein früherer Feldwebel und späterer Grenzaufseher, ist gestorben, seine Mutter ist noch am Leben. Er ist beschuldigt, auf der Dallgower Feldmark am 7. September 1903 seine Ehefrau Meta geb. Mehlhorn ermordet zu haben. Er erklärt, daß er unschuldig sei. Der Vorsitzende stellt aas dem Vorleben des Angeklagten folgendes fest: Nach Beendigung seiner Schulzeit ist der An- geklagte zuerst in ein kaufmänntsches Geschäft eingetreten. Im Jahre 1884 wurde er Soldat, trat in die Unteroffizier- schule zu Marienberg ein, im Jahre 1887 wurde er zum 3. sächsilchen Jnfanterie-Regiment in Zittau versetzt, seit November 1388 that er Dienst als Unteroffizier und dann als Sergeant. Dann stellte sich bei ihni ein Nervenleiden ein, das als unheilbare Augen- muskel-Lähntung bezeichnet wurde und am 31. Dezember 1894 zu seiner Entlassung aus dem Militärdienst als Ganz-Jnvalide mit einer monatlichen Pension von 54 M. führte. Sein Leiden hatte ihn der- anlaßt, sich mit medizinischen Fragen zu beschästigen und er ent- schloß sich nunmehr, da er keine kaufinännische Stellung erlangen konnte, sich als Heilgehilfe in Zittau in Sachsen niederzulassen, wo er bis zum Jahre 1898 die Naturheilkunde ausübte. Dieser Beruf verschaffte ihm, wie der Vorsitzende hervorhebt, die Kenntnis der Wirkungen von Giften und er soll auch in dem Besitz von Giften gewesen sein.— Letzteres bestreitet der Angeklagte mit großer Leb- haftigkeit.... Im Jahre 1895 war eine Untersuchung gegen ihn eröffnet worden, weil er bei der Behandlung eines dreijährigen Knaben zu reichliche Dosen Arsenilum verordnet haben und der Tod deS Kindes eingetreten sein sollte. Das Verfahren ist aber schließlich von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden.— Im Jahre 1896 ist er vom Landgericht zu Bautzen wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Es handelte sich dabei darum, daß er einem siebenjährigen Mädchen beim Ausziehen eines Zahnes zu starke Dosen Cocain zur Herbeiführung der Narkose ge- geben hatte. Jin Jahre 1898 ist er von demselben Gericht wegen fahrlässiger Körperverletzung und Beleidigung zu sieben Monaten Gefängnis ver- urteilt wordeu. Er hatte einer Frau Einschnitte in den Hals ge- macht, um ein angeblich von dieser verschlucktes Gebißstück aus der Speiseröhre zu entfernen. Infolge unterlassener antiseptischer Be- Handlung soll die Wunde in Eiter übergegangen und das Leben der Frau eine Zeitlang gefährdet worden sein.— Der Angeklagte stellte mit großer Beredsamkeit beide Fälle nach seiner Art dar und be- hauptet, daß er durchaus nicht gegen ärztliche Kunstregeln ge- fehlt habe., Die erste Ehe des Angeklagten. Der Vorsitzende stellt ferner folgendes fest: Im Jahre 1892 hatte sich der Angeklagte mit der 18 jährigen Olga Corte verheiratet. Aus der Ehe entsprossen drei Kinder, zwei Mädchen und ein Knabe. Es wird behauptet, daß der Angeklagte die Frau schlecht behandelt habe und die Ehe keine glückliche gewesen sei; die Schuld daran soll der Angeklagte getragen haben, er soll unsolide gewesen sein, sich um seine Frau nicht gekümmert und auch die eheliche Treue gebrochen haben.— Angeklagter: Dgs ist nicht wahr I Ich habe meine erste Frau als armes Mädchen geheiratet. Es war ein sehr nettes und zartes Frauenzimmer. Mir wurden seitens des Regiments und seitens der Eltern Hindernisse in den Weg gelegt. ich habe aber die Hindernisse beseitigt und das Mädchen geheiratet. Wir haben ganz glücklich gelebt, allerdings haben wir manchmal Not gelitten, denn nachdem ich vom Militär entlassen worden war, wurde es mir sehr schwer. den Lebensunterhalt für die Familie zu beschaffen. Unsolide bin ich nicht gewesen. allerdings, wenn mir ein Patient einmal ein GlaS Bier kauft, so verweigere ich eS nicht!— Präs.: Ihre erste Frau ist ziemlich plötzlich, nach ganz kurzer Krankheit gestorben. Man munkelte, daß es dabei nicht ganz nnt rechten Dingen zugegangen sei. Neuerdings, nach Ihrer Verhaftung, ist seitens der Staats- anwaltschaft in Bautzen ein Ermittelungsverfahren eingeleitet worden, das aber nicht zu weiteren Ergebnissen geführt hat. Woran ist denn Ihre erste Frau so schnell gestorben?— A n g e k l.: Es trat nach und nach allgemeine Schwäche bei ihr ein. Ich hatte ihr ver- schiedene Mittel vorgeschlagen, sie nahm sie aber nicht und ich mußte ihr sagen:„Wem nicht zu raten ist, dem ist nicht zu helfen I" Ich mutmaßte bei der Frau Gehirnerweichung oder Gehirnentzündung. — Präs.: Sie sollen schon sechs Monate vor dem Tode Ihrer Frau ein Verhältiiis mit Ihrer zweiten Frau angefangen haben.— A n g e k l.: Das ist nicht wahr. Meine Frau und ich Waren uns selbstverständlich ganz gut, meine Frau war eifersüchtig und ich auch: das kommt ja schließlich in jeder Familie vor. Ich war f. Z. Mitglied deS Vergnügungskomitees im Verein„Humor" und hatte in dieser Eigenschaft verschiedene Herren und Damen zu Proben«. zu laden. Die Ehefrau hatte dann einige Postkarten der Mehlhorn gefunden und daraus ist dann das Gerücht eines Verhälttnsses von meiner Frau aufgebracht worden.— Präs.: Sie haben aber dann l'/z Monate nach dem Tode Ihrer ersten Frau die Mehlhorn ge- heiratet?— A n g e k l.: Jawohl. Ich mußte jemand zur Pflege meiner Kinder haben.— Präs.: Ihre zweite Frau. die am 22. April 1875 geborene Meta Melhorn, hatte bereits ein außerehelich geborenes Kind Gertrud, welches im Jahre 1892 geboren war und von Ihnen nnt übernomnien und erzogen wurde, vis Sie sich von Ihrer Ehefrau trennten.— A n g e k l.: Jawohl I— Präs.: Auch Ihre zweite Ehe soll eine unglückliche gewesen fem. Woran lag das?— Der Angeklagte erzählt mit einem un- ftillbaren Wortschwall die Geschichte dieser zweiten Ehe und deutet an, daß seine Frau untreu gewesen sei. Der Hauptfriedensstörer, so sagt er, ist mein Schwager Thomas, der ihr schon vor unsrer Heirat nachstellte. Sie hatte keinen richtigen Sinn für gemütliches Familienleben, Wie ich es gewöhnt bin. Ich habe ihr jeden Wunsch von den Augen abgelesen und alles gethan, um ihr das Leben schön und angenehm zu gestalten, aber nieine Frau hatte keinen Sinn dastir. Sie hatte immer Augen für andre. Sie hat mich und die Kinder tyrannisch behandelt und mir mein Haus zur Hölle gemacht. Ich bin am liebsten zu Hause, denn ich bin kein Freund von Wirtshäusern.— Präs.: Genug, es wurde immer schlimmer in Ihrer Ehe und Ihre Frau ist schließlich auf längere Zeit zu ihrer Familie gereist. Äs sie zurückkehrte, fand sie bei Ihnen das Dienstmädchen Kalauch vor und sie hatte den Ver- Ks Lsmnls" Kerli dacht, daß Sie mit dieser die eheliche Treue brachen..— A n g e k l.: Das ist ganz falsch. Ich mußte jeniand für die Kinder haben und dazu babe ich die Kalauch angenommen.— Präs.: Sie haben mit ihr nicht geschlechtlich verkehrt?— A n g e k l.: Nein, ich habe darin mein ganz besonderes Princip. Wenn man sich mit derartigen Frauenzimmern einläßt, dann werden sie stech. Durch Vorhalt und Befragen des Angeklagten giebt der Präsident über die weiteren Vorgänge folgende historische Dar- stellung: Als das Zerwürfnis mit seiner Ehefrau immer unheilbarer wurde, verließ Walther seine Ehefrau am 1. Oktober 1991. Letztere blieb in Bautzen, er zog, nachdem er seine Kinder erster Ehe zu seiner Mutter gebracht hatte, nach Muschelwitz bei Bautzen, wohin er die Kalauch mitnahm, die bis 1. Januar 1992 bei ihm blieb. Der Angeklagte soll von großem Haß gegen seine Ehefrau erfüllt gewesen sein�und ihre Annäherungsversuche rundweg abgelehnt haben. Ein zur Verlesung gebrachter Brief zeigt den Grad dieses Hasses. Der Angeklagte schreibt darin seiner Frau, daß sie sich keine Mühe geben solle: sie habe jegliche Liebe, die er einst für sie gehabt> systematisch getötet. Ende Dezember 1991 verließ die Ehefrau Bautzen und begab sich zu ihrer Schwester Frau Thomas nach Berlin. Walther aber ging mit der Kalauch und seinen zwei Töchtern am 17. Februar 1992 nach Holland. Er nahni eine Stellung in einer Blechfabrik in Enimerich an, verlegte in: September 1992 auch seinen Wohnsitz dorthin und wohnte bis März 1993 bei der Familie des Bahnarbeiters Klein. Die Kalauch verließ ihn erst Ende April 1993. Die Bautzener Staatsanwaltschaft hatte inzwischen ein Verfahren wegen Entführung gegen den Angeklagten eingeleitet, ihn aber wegen Mangels an Be- weisen außer Verfolgung gesetzt. In Emmerich wurde er Anstreicher, Photograph, Schreiber und Rechtskonsulent.— Präs.: Es wird behauptet, daß Sie mit Bernhardine Klein, der jüngsten Tochter Ihrer Wirtslente, in ein Liebesverhältnis getreten seien. Dies wird namentlich von der Kalauch behauptet.— Angeklagter: Dann soll doch die Kalauch beweisen, was sie behauptet. Der Präsident läßt mehrere hierzu gehörige Briefe verlesen, die der Angeklagte nach seiner Verhaftung an die Familie Klein und deren Töchter geschrieben hat. Sie sind außerordentlich über- schwenglich gehalten, sprechen viel von seinen Leiden, bitten, nicht an ihm zu verzweifeln. Er würde bald wieder frei sein. lieber das Leben seiner Ehestau hatte sich der Angeklagte durch Nachstagen bei dem Auskunftsbureau von Greve u. Klein aus dem Laufenden erhalten. Die Auskünfte lauteten über deren sittliches Verhalten sehr ungünstig: die Frau habe bei den Eheleuten Thomas in der Waldemarstraße und Samariterstraße geivohnt und es werde behauptet, daß sie mit einem ganz jungen Chambregarnisten, mit dem sie Rad fahre und sich amüsiere, ein Verhältnis habe. Das Treiben der Frau sei ein so anstößiges gewesen, daß der Hauswirt darauf gedrungen habe, daß Herr Thomas seine Schwägerin ab- melde. Ende März 1993 seien die Eheleute Thomas nach Zehlen- darf, Frau Walther sei nach der Frankfurter Chaussee gezogen.— Auf Antrag der Rechtsanwälte Dr. S i l b e r st e i n und Morris iverden diese Auskünfte verlesen. Auf Anfrage eines Ge- schworenen nach dem Grunde der Auskunftseinholung erklärt der Angeklagte: Es wäre ihm zu Ohren gekommen, daß seine Schwägerin Frau Thomas sich vier Stock hoch aus dem Fenster gestürzt habe und zwar aus Verzweiflung darüber, daß ihr Mann mit der Frau Walther Beziehungen unterhielt. Um der Sache auf den Grund zu gehen und eventuell sich von seiner Frau scheiden zu lassen, habe er die Nachforschungen angestellt. Staatsanwälr Dr. S ch i n d l e r: Die Frau Walther erhält von Zeugen, die später zu vernehmen sein werden, das Zeugnis einer zwar lebenslustigen, aber keineswegs unsittlichen Person, die in der Lchmannschen Weberei zu Rummelsburg fleißig und zuverlässig ge- arbeitet habe. Hieraus findet eine Mittagspause statt. Der Tod der zweiten Frau. Nach Wiederaufnahme der Sitzung geht der Präsident die An- klage weiter durch: Am 8. September 1993, nachmittags gegen 6 Uhr, wurde Frau Walther auf der Feldmark Dallgow an einem Haselnußstrauch hängend tot aufgefunden. Der Kopf der Leiche hing in einer Zuckerschnur-Schlinge derart, daß diese von der Kehle der Erhängten über die Ohrläppchen steil nach oben führte und ihre beiden Enden erst an dem Aste selbst zu einer Verschlingung sich trafen. Die Haare waren stark in Unordnung, machten aber nicht den Eindruck, als ob sie von: Winde zerzaust wären. Die Kleider der Frau waren in Ordnung und glatt gestrichen. Es sah so auS, als ob sie nach dem Fundorte hingeschleppt sei. Die Leiche wurde in das Dallgower Spritzenhaus geschafft. Das Gericht nahm Selbstmord an und der Beerdigungsschein wurde erteilt. Am6. September 1993 erschien in der Wohnung der Frau Thomas nachmittags'/o5 Uhr ein Mann nnt einem an Frau Walther ge- richteten, mit Gummitypen geschriebenen Briefe. In diesem wurde der Frau Walther eine Stelle in einem Geschäft angeboten und sie wurde zur Besprechung mit dem Briefschreiber für den nächsten Tag— 7. September— um 4 Uhr nachmittags auf den Lehrter Bahnhof bestellt. Präs.: Sie geben zu, diesen Brief, der mit den Worten„Der Inhaber" unterzeichnet war, geschrieben zu haben?— A n g e k l.: Ja, das ist richtig.— Präs.: Wozu schrieben Sie denn diesen Brief?— A n g e k l.: Es war eigentlich lediglich ein Scherz. Der ganze Brief war ein ganz unschuldiger Scherz. Ich wollte meine Frau überraschen und war neugierig, was sie dazu sagen würde, wenn sie mich auf dem Lehrter Bahnhofe plötzlich vor sich sah. Am 18. September, also eine ganze Zeit nach dem Tode der Frau Walther, traf bei der Schwester derselben, der Frau Thomas, plötzlich ein Brief des Angeklagten ein, der am 16. September zwischen 4 und 8 Uhr in Gendringen in Holland aufgegeben war. Er erkundigte sich darin, wo seine Frau Meta sei und ob sie Lust haben würde, am 1. Januar zu ihn: zurückzukommen oder ob er die Scheidung einleiten solle. Meta solle sich aber sehr sorgfältig prüfen, sie solle nur kommen, wenn sie verspreche, von ihren Liebeleien zu lassen. Er befinde sich zwar in Holland, wenn aber ihr Poussieren nicht aufhöre, dann finde er doch Mittel, zuzugreifen. Er habe seine Meta sehr lieb gehabt und hätte ihr eine Kirchturmspitze herabgeholt, sie aber habe sich stets sehr ablehnend verhalten. Ein Zusammensein würde aber nur möglich iverden, wenn sie sich ändern wollte. Der Brief schloß:„Von Rkcta will ich jetzt noch keinen Brief haben, sondern von Dir, Du bist ver- ständig. Wenn eS nicht 85 M. Reisegeld kosten würde, würde ich mir Berlin auch einmal ansehen. Das Mädel, welches ich bei den Kindern hatte, ist schon lange fort. Bitte, teile mir bis zum 19. mit, ob ja oder nein." Adressiert war der Brief:„An Frau Helene Thomas zu Berlin. Samariterstraße 39. Bitte nachsenden. falls Adressatin verzogen."— Präs.: Der Brief ist vom 16. September datiert, es sieht aber so aus, als ob zuerst der 11. September da gestanden hätte, und aus dieser Zahl dann eine 16 gemacht worden wäre.— A n g e k l.: Das ist nicht richtig. Ich habe den Brief flüchtig am 15. September und den Nachtrag am 16. geschrieben. Der Angeklagte giebt auf Bestagen des Präsidenten über die Ereignisse folgende Darstellung. Am 7. September vormittags habe er seine Sachen vom Lehrter Bahnhof nach der Handgcpäckstelle des Anhalter Bahnhofes geschafft und sich gegen 4 Uhr nachmittags nach dem Lehrter Bahnhof begeben, um aus Grund des typierten Briefes seine Frau daselbst zu erwarten. Diese sei auch pünktlich eingetroffen; die Begrüßung sei sehr nett und herzlich gewesen, er habe mit seiner Frau Bier getrunken und auf Vorschlag seiner Frau, nach auswärts zu fahren, haben sie zwei Fahrkarten gelöst und seien nach Dallgow gefahren. Dort seien sie bald nach 6 Uhr in der Bahnhofswirtschaft gewesen, haben Bier getrunken Mittoch, 27. Ipril 1904 und sich unterhalten. Er habe ihr den Vorschlag gemacht, mit ihn» nach Gendringen zu gehen. Sie seien dann spazieren gegangen und auf eine Chaussee gekommen, Frau Walther habe Hunger bekommen und sie seien wieder in eine Gastwirtschaft gegangen, die sie gegen ?!/„— 8 Uhr verlassen hätten. Auf dem Wege seien sie von vier jungen Civilistcu überholt worden. Diese hätten mit seiner Frau angebändelt und unanständige Redensarten gemacht, der eine Civilist habe sogar seinen Arm um ihre Taille gelegt und sie habe die sehr unanständigen Redensarten des jungen Mannes ebenso unanständig erwidert. Da habe er gesehen, weß Geistes Kind sie noch immer sei und da er sich nicht wieder zum Affen machen lassen wollte, habe er ihr drohend zugerufen:„Du bist die reine Sttaßcndirne! Ich werde Dich unter polizeiliche Kontrolle bringen!" Die Frau habe ihm darauf pikiert geantwortet, habe ihn stehen lassen und sei mit den vier jungen Leuten weitergegangen. Er habe noch eine Weile gewartet, sie sei aber nicht zu ihm zurückgekomnien. Aus Sparsamkeitsrücksichten habe er dann zu Fuß nach Spandau gehen wollen, habe dann aber den Weg verpaßt und sei schließlich nach der Station Wustermark gelangt. Der Bahnwärter habe ihni den nächsten Weg nach Spandau angegeben, er habe sich aber bald nach der Haltestelle zurückbegeben/ wo er erfahren, daß der letzte Zug nach Berlin eben durchgefahren fei. Er habe dann die Nacht auf den Stufen vor dem verschlossenen Bahnhofsgebäude zugebracht und sei am 8. September etwa um 6 llhr früh mit dem ersten Zuge nach Berlin gefahren. Hier fei er etwa 6� Uhr eingetroffen und mit der Elektrischen sofort nach dem Anhalter Bahnhof gefahren. Er habe schon am Abend vorher seiner Frau erzählt gehabt, daß er mit dem ersten Zuge nach Dresden fahren wolle. Der erste Zug sei schon weg gewesen und so habe er dort in dem Wartesaal 3. Klasse auf den gegen 11 Uhr nach Dresden abgehenden Zug gewartet. Als er an das Fenster getreten, habe er seine Frau über den Askanischen Platz kommen sehen. Er sei der Meinung gewesen, daß sie sich wohl wegen ihres Verhaltens am Abend vorher bei ihm entschuldigen wollte. Er sei auf seine Frau zugetreten und habe ihr zugerufen:„Du ehrloses, freches Fraucnzinnner I Du willst es noch wagen, hier auf den Bahn- Hof zu kommen?! Ich bin auf der Polizei gewesen, Du kommst unter Kontrolle und wirst eingesperrt!" Darauf habe ihn seine Frau verlassen und er habe nichts'mehr von ihr gesehen.— Präs.: Sie sind also der Meinung, daß Ihre Frau Selbstmord begangen habe? — A n g e k l.: Jawohl.— Präs.: Sie bleiben auch dabei, daß Sie Ihre Frau noch am 3. September früh lebend gesehen haben? — A n g e k l.: Das ist mein Trost bis zum heutigen Tage, so viel mir dies auch abgestritten wird.— Präs.: Sie wollen damit fagen, daß es Ihr Trost sei, daß sie nicht durch das Zerwürfnis am 7. September und dadurch durch Sie in den Tod getrieben worden sei, da Sie sie noch am 8. September gesehen haben.— A n g e kl.: Ja.— Präs.: In Ihrem Besitz soll auch Amylniwit vorgefunden worden sein. Dies soll ein betäubendes Mittel sein und die Anklage steht auf dem Standpunkte, daß Sie mit Ihrer Ehestau möglicher- weise in ein Gebüsch gegangen seien, sie dort betäubt und dann erdrosselt haben.— A n g e k l.: Das weise ich weit zurück. Amylnitrit kenne ich nur als Gegenmittel gegen Cocain.— Präs.: Wie will der Angeklagte es erklären, daß feine Ehefrau erst von Dallgow nach Berlin gekommen, von ihm in der geschilderten Art angefahren worden sei und sich dann wieder nach Dallgow zurück begeben habe, um sich gerade wieder dort aufzuhängen?— A n g e k l: Darüber kann ich natürlich gar keine Erklärung abgeben. Die Vernehmung des Augeklagten ist hiermit beendet. Rechts- anwalt Morris: Sind denn irgend welche Nachforschungen nach den vier Civilisten angestellt worden?— Präs.: Das ist nicht geschehen. Es hat niemand Civilisten gesehen, auch die beiden Soldaten, die thatsächlich dem Angeklagten und seiner Frau be- geguet waren, haben keine Civilisten gesehen und der Angeklagte konnte nähere Angaben über diese nicht machen.— Staatsanwalt Dr. S ch i n d l e r: Es lag keine Veranlassung vor, einem Phantom nachzujagen. In der Vewcisaufnahme wurden zunächst einige Zeugen ver- nominen, die etwas über das Leben des Angeklagten mit feiner ersten Frau und über deren plötzlichen Tod bekunden sollen. Die Zeugenaussagen sind in dieser Beziehung dürftig. Nachdem verschiedene Zeugen sich' in Vermutungen ergangen haben, wird die Sitzung auf Mittwoch 9 Uhr vertagt. Versammlungen. Die Arbeiter der Treppengeländer-Branche(Tischler. Drechsler, Stellmacher, Maschinenarbeiter usw.) nahmen am Sonntag in einer im„Königstadt-Kasino" abgehaltenen Versammlung Stellung zu der in den Trcppengeländer-Fabriken stark grassierenden U e b e r- st u n de n a rb e i t. Wie der Branchenvertreter P a t t l o ck aus- führte, ist besonders in der letzten Saison in der überwiegenden Mehr- zahl der Betriebe nicht nur von unorgmiisierten. sondern auch von organisierten Arbeitern die von der Generalversammlung des Holzarbeiter-Verbandes als Norm festgesetzte 52stü»dige Wochcn-Arbeitszeit permanent erheblich überschritten worden.. In keiner Baubranche hat sich das lleberstundenunwesen so cingcstesscn wie bei den im Trcppenbau beschäftigten Arbeiten:. Sobald aber die Saison vorüber ist, wird meistens mit verkürzter Arbeitszeit ge- arbeitet; den dann erlittenen Minderverdienst suchen die Kollegen in der nächsten Saison durch lleberstundenarbeit wieder wett zu machen. In Anbetracht dieser ungesunden Verhältnisse hält es die Organisation nunmehr für ihre Pflicht, mit aller Energie auf die Beseitigung des Uerstnndenunwcscns hinzuwirken, indem den Unter- uehmern anHeim gegeben wird, sich in Zukunft mit der Uebernahmc von Arbeiten und deren Ausführung besser einzurichten, die Arbeiter hingegen dringend auf die Beschlüsse der Organisation sowie auf die möglichen Folgen der fortdauernden Nichtbeachtung derselben hinge- wiesen werden.— Nach reger Aussprache, in der sich die Redner durchweg auf den Standpunkt stellten, daß die Verweigerung der Ueberstundenarbeir die notwendige Vorlfedingung zur allgemeinen angestrebten Verkürzung der Arbeitszest sowie Festsetzung eines Minimallohnes ist, beschloß die Versammlung,„die bisher während der Saison übliche Uebcrstundenarbeit unter allen Umständen zu ver- weigern" und in diesen: Sinne auch auf die Unorganisierten ein- zuWirken.— In die Branchenkommission wurden sodann gewählt: Rossnberg, Klopp, Viehstädt, Born und Mark s. Ter Verband deutscher Gastwirtsgehilfcu hielt am 22. April eine außerordentliche Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken der verstorbenen Mitglieder Dammann und Grunewald in der üblichen Weise. Zciske berichtet über die Thätigkeit der Delegierten zum Vcrbandstage in Erfurt. Der Bericht wurde von der Versammlung beifällig aufge- nommen und erklärte sich die Versammlung mit den Auösührungcn in jeder Weise einverstanden. Zur Neuwahl der Hauptverwaltung und der Revisionskommission stellt Steinmann den Antrag auf Wieder- Wahl der alten Mitglieder der Hauptverwaltung en dloc. Zeiske berichtet noch, daß der Antrag Sohn vom Vcrbandstag abgelehnt wurde. Als Vorsitzender des Verbandes wurde Poetzsch, als Kassierer Ströhlinger vom Verbandstag wiedergewählt. Ströhlingers Gehalt wurde durch den Vcrbandstag von 159 ans 299 M. pro Monat erhöht. In die Hauptverwaltung wurden gewählt: Krcnnbach, Hilgert, Kraushaar, Kollmann und Burmeister. Als Revisoren: Pietzner, Albrecht und Bonkatz. Bormann berichtet über die Thätigkeit des Vorstandes. Zeiske giebt den Geschäfts- und Kassenbericht. Placiert wurden im ersten Ourtal für fest 74 Mitglieder, zur Aushilfe 3374 Mitglieder. Durch den unentgeltlichen Verbands-Arbeitsnachweis wurden den Mitgliedem 2372,59 M. erspart und den Vermittlern entzogen. Die CriSbcthwIhing hat eine Einnahme bon 342-1,30 2J?. und eine AuZ- gebe bon 3105,90 M, gehabt, bleibt ein Kassenhestand bon 318,40 M., außerdem noch ein Guthaben bon 41,95 M. bei der Hauptbcrwaltung. Wegen rcsticrender Beiträge jind 01 Mitglieder gestrichen, 15 sind abgereist, 5 berstorban! oerbleibt eine Mitgicderzahl bon 750. Pietzner giebt den Bericht der Gcschäftskommission. Für die aus- geschiedenen Mitglieder der Geschästskonimision wurden gewählt: Pietzncr, Fritz Meyer und Beck. Central-Kranken- und Bearäbniskasse für Frauen und Mädchen Deutschlands(E. H. SS.) Offenbach a. M. Verwaltungsstelle Berlin I. Mittwoch, den 27. April, abends 81/, Uhr, im GcwcrkschastShaus, Engel- User IS: Hauptversammlung. TagcS-Ordnung: 1. Kassenbericht pro erstes Quartal IlKW. 2. Vortrag des Herrn Dr. I. Sternberg über:„Er- kranknngcn der Luftwege." 3. Dislüssion. 4. Verschiedene Kassenangelegcn- Helten. Im„Verein für die Interessen der Hausangestellten" sindet am Donnerstag, den 23. April, abends Sll2 Uhr bei Marro-Murich, Steglitzer- ftratze 3Z, eine VereinZversammlung statt, in welcher Fräulein A. Arndt Wer „Stellenvermittlung, gewerbliche und private" sprechen wird. Emtritt frei für jedermann. tkcutralverband der Konditoren und verwandter Berufe. Mittwoch, den 27. April, abends 81/., Uhr. Bei Wille, Brunnenstraße 188: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Quartalsbericht der Lokalverwaltung. 2. Die Lohnbewegung und Beschlußfassung über den bevorstehende!» Streik der Backgehiljcn. 3. Verschiedenes. Für den Jnlialt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhezter. Mittwoch, den 27. April. Ansang 7-,. Uhr: Opernhaus. Die Zauberflöte. Schauspielhaus. Geschlossen. Neues Opernhaus. Götz von Bcr- lichingcn mit der eisernen Hand. Ansang 7 Uhr. Deutsches. Novella b Andrea. Berliner. Die rote Robe. Lessiug. Zapscnstreich. Westen. Der Postillon von Lon- jumcau. Neues. Kabale und Liebe. Residenz. Die 300 Tage. Central. Der Sonnenvogel. Belle-Zllliauce. Freut Euch des Lebens. Dhalia. Der Hochtourist. Anfang 8 Uhr: Schiller«.(WaXlner« Theater.) Haus Roscnhagen. Schiller Zf.(Fricdrich-Wilhelmstädt.) Lumpacivagabundus. Kleines. Nachtasyl. Luisen. Sappho. Triauon. Das elfte Gebot. Hieraus: Der Dieb. Carl Weis». Die beiden Reichen- Müller. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Gebr. Herrnfeld. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. Metropol. Ein tolles Jahr. Casino..Husarenliebe. Zärtliche Verwandte. Palast. Die Liebe im Eckhause. Die Weber. Wiuter-Garten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. ReichsHalle». Stettiner länger. Passage-Theater. Specialitäten. Urania. Taubenftratze 48/49. Das Land Tirol. Uni 4 Uhr(kleine Preise): Früh- lingstagc an der Riviera. Jnvalidenstratze 57/62. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Um 8 Uhr.Herr Hoelling:„Das Gesamtbild des Weltalls."_ Central-Theater. Täglich VI, Uhr: Novität: Gastspiel]*anla Worm. Der Sonnenvogel. Operette in 3 Akten v. V. Holländer. Morgen und folgende Tage: Der Sonnenvogel. Sonntagnachmittag: Wahrheit. Abends: Der Sonnenvogel._ Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe. Ansang 7'/, Uhr. Morgen: Der Strom._ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Sappho. Donnerstag: Das Käthchen von Heilbronn. Freitag: Der Kaufmann v. Venedig. lsonnabend: Letzte Vorstellung in dieser Saison: Das Milch- »iiädchcn von Schönebcrg._ Rkfidenz-Ttjelitkl NM- Heute zu»! erstenmal-MG und solgendc Tage: vie ZOO Tage. (L'enkant du miracle.) Schwank in 3 Akten von Paul Gavault und R. Charvcy. Deutsch von Aisred Halm. Anfang 8 Uhr! Sonnabend: Zum 2§ß. Male. Deutsch- Amerikanisches THEATER Köpnickerstrasse 67. Jeden Abend: Gastsp. Ad. Philipp Uebern GROSSEX TEICH. Kleines Theater. Unter den Linden 44. XavIUfiSAl. PM- Ansang 8 Uhr."MG Morgen: Nachtasyl._ Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen. Badstr. 58. Heute Mittwoch, den 27. April: Große Extra-Benefiz-Vorstellung für Käthe Bach. Kvslh-LltS'l°d°r- Djt MÜhlt im Edelgrnnd. Schauspiel mit Gesang in 4 Akten von I. Willhardt. UM- Ansang 8 Uhr.'_ Nach der Vorstellung: Crrossei* Ball. Scliiller Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Haus Roscnhagen. Donnerstagabend 8 Uhr: I.nnipacivagabnndns. Freitagabend 8 Uhr: En iiipaclvagabumius. Tlieater. Schiller-Theater X. (Fricdrich-Wilhelmstädtisches Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Eumpaclvagahunilu!!». Donnerstagabend 8 Uhr: Haus Rusenhagen. Freitagabend. 8 Uhr: Die Wildente. Thalia-Theater. Belle-Ällianee-Theater. Dresdeucrstr. 72/73. Amt IV 4440. Belle-Allianccstr. 7/8. Ans. 7i/3 Uhr. Direktion Jean Kren und Alfred Schönfeld. Amt VI 283. Ans. Vj, Uhr. Heute und solgende Tage: Freut Euch des Lebens. Große Ausst.-Poffe m. Gesang u.Tauz in 3 Akten. sonntagnachm. 3 Uhr: Othello. Wegen des Umbaues Schluß der Saison am 1. Mai. Nur noch 7 Vorstellungen. er Hochtonrist. Sonntagnachm. Gharlej-a Tante Schinso« der Saison am!t. Hai. Cirkus Busch. DM- Abends 7'l, I hr:-MM_ DM- Fortsetzung der Grossen internationalen Rittgkautpf-Kottkurreiiz unter dem Ehrenprotektorat des Herrn Professors Dr. Begas. Beginn gegen 83/4 Uhr.— Jacob Koch(Deutschland) gegen Omer de Bouillon(Belgien). Aimable de la Calmette(Frankreich) gegen van den Berg(Holland). W- Auftreten fies Monsieur Morok.-MM Das Tollkühnste aus dem Gebiete des Nadsahrsports: Der Saltomortale mit dem Zwcirad. Ferner: Mademoiselle de Holstein aus ihrem irländischen Springpferd „Milton".— Herr Burkhardt-Foottit aus„Neapolitano Soja", Lippizaner Hengst von Neapolitano Trompeta aus der Soja von Pluto. Zum 127. Male: Aus den Alpen. iSSä;*».. Brauerei Triedrichsbain früher Eipps(Ockonom: E. Niemann) am Königsthor. DM- Orösster Konzertsaal Berlins.-WM ■ von Heute und folgende Tage, auf kurze Zeit: IM- hObULkf-WD Johann Strauss Dirigent der k. u. k. östreichischen Hofballmusik mit seiner gesamten Kapelle. 50182* Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Rcserv. PI. 1,00. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 4 Uhr im Theater(kl. Preise): Frühlingstage an der Riviera. 8 Uhr: Das Land Tirol. Sternwarte Siez! 8 Uhr Herr Hoelling: „Das Gesamtbild des Weltalls." Friedrichstr. 165. Letzte Woche! Die Tunesen-Truppe (Afrika in Berlin!) Grosse Tölkerschan. Die schönen Harems- Dämon ans Tunis. Apollo-Theater. Abends 8 Uhr: Phtaesaie Specialitäten. 8'/,: Die Sensations-�l ovltht: iLlebesgötter. Im dritten Bild: Der Götterzug und die grandiose Apotheose. Gebrtlder Herrnfeld- Theater. Zum vorletztenmal: Die großen Hcrrnfcld-Schlngev Mr eine Ztselii! 2 Akte aus einer Ehe, und Am gnilern Meegen! Nachspiel zu„Nur eine Nacht" mit den Autoren in den Hauptrollen. DM- Schluß der diesjährigen .pwlsaison: Donnerstag, 28. April, wegen Gcsamt-Gastspicl dcsHerrnseld- Theaters in Köln a. Rh. Ab 7. Mai: Gastspiel der Tcgernseer. Trianon-Thealer. Georgenstraße, zwischen Fricdrich- und Universitätsstraße. � Abends 8 Uhr: Das elfte Gebot. Hieraus: Dev Dieb. Dr. Simmel, s,™; Specialarzt für[86/15* Haut- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2—4. Metropol-Theater Zum 44. Male; Ein tolles Jahr. Gr. dramatisch- satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. In Seena gesetzt vom Direktor Richard Schultz. 1. Bild: Am Kleinkindersee. 2. Bild; Was giebt's Neues. 3. Bild: Das Ordensfest. 4. Bild; Der neue Zapfenstreich [Parodie). 5. Bild; Briefe, die ihn erreichten (Ballett), Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/.. «Uhr:„Husarenlitbk." 8'/z: Das brillante Zlpril-Programm. Ma'rkeii, fr. am Lesfing- Theater w. o uhr: Iärtliche Vemtlttdtt. Sonntagnachmittag 4 Uhr:„Hotel klingebuscb." Austreten der neuen Specialitäten.__ l Direktion; Robert Dill. Brunnenstrasse IG. fStelTen Langer ans Glogan oder: Der Zar und der Seiler. Volksstück v. Charlotte Birch-Psciffer. 'Ansang 8 Uhr. Entrce 30 Ps. Passage-Theater. Anfang; Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Jeden Abend 10 Uhr: Grosse internationale Ringkampf- Konkurrenz. 20 preisgekrönte Ringkämpfer. Oskar Fürst* Lina Goltz Humorist. Soubrette. 14 erstklassige Nummern. Palast-Theater Burgftrafie 23, früher Feen-Palast. Heute sowie folgende Tage: Vie Me im Sckhanse. Lustspiel in 2 Akten von C o s m a r. Im pyramidalen Spccialitätenteil: Miss Stoers, die musikalische Laube. Emmeline Hocbbecg.Lortr.-Soubrette. Deamando und Anni, akrobat.- equllibristischer Meiange-Akt. Die Weber. Charaktergemälde mit Musik von W. Gericke. Schluß der Saison: Sonnabend, den 30. April 1904. Carl Weiss-Theater. BürgerUchcs Schauspielhaus. Große Frankjurterstr. 132, Gastspiel des königl. Hoffchauspielers Emil iliichard: Die beiden Rcicheuiiililler. Posse urit Gesang in 4 Akten von Anton Anno. Anfang 8 Uhr. lörgen: Dieselbe Vorstellung. Trifels Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Mittwoch, den 27. April: Führmann, Horst und Walde-Sänger. Nach der Vorstellung:-ME F r e 1- T a n z. Ansaug 8 Uhr. Eintritt_50 Ps. Bons sind gültig bettle Vorstellungen ilesseQsatiODElleDiprilpi'oijTäK Kellino-Truppe Italienische Akrob. Paul Conchas In seiner Scene im Bivouak. Robinson Baker-Trio Springer. Helene Land Vortrags-Soubrette. Gostantino Bernardi Verwandlungsschauspieler Siogwart Gentes Humorist. Orfords Wunder-Elefanten. Peschkoff-Truppe RussischeTänzer. Die Blumenkönigin Tanzdivertissem. Biograph. Reichs Italien Stettiner Sänger Zum«chluß: Neu! CirkuS Lenz und Cirkus Pusch. Soeben ist wieder neu erschienen: Mm durch das Gemrbe- Mstllverfichernngsgefth Preis 25 Pfg.— Porto 3 Pfg. Ein notwendiges und praktisches Büchlein für alle Versicherten, denen es Leiter und Führer durch das Gesetz ist. Es legt die Pflichten und Rechte aus dem Gesetz dar und zeigt, wie und wo der Ver- sicherte sein Recht suchen muß. Voruräet! Bucbbandlung, Berlin S&l. _ Lindenstraße 69. Iii ODirhäuser Pensionate, Hotels sollten bei grösseren Neuan- schaßungen nicht versäumen, meine Offerte u. Preise zu vergleichen, da stets Ungewöhn* Mches zu bieten im stände bin. Katalog<400 Seiten stark) n. ■* Mustersendung franco. Ä. Emil Leievre 0ranienstrassel58,Be|.lin R ESTE zur Damen-Mäntel- Confektion, Mädchen- und Knaben-Garderobe. Damentuche in schwarz und farbig. Kostümstoffe, Kammgarn, Cheviot, Corkskrow, Plüsch, Sammete, Besatzartikel etc. ONFEKTION. Fertige Jacketts, Capes, Paletots, Kostümröcke etc. Grösste Auswahl. Billige Preise. CPA|_ Kottbuser A n reBZj Strasse**■ Koch 3 Tage! Heute beginnend bis Freitag, den 29. April, stellen wir mehrere Posten vorjähriger-der nicht ganz moderner,<">$ fehlerhafter Herren- Anzüge und Paletots 3« ausnahmsweise stark herabgesetzten Preisen zum Verkauf, darunter hervorragende Modell-Kleidungsstücke, wie auch verpasste Bestellungen. Ein Posten Sommerpaletots, bisherige Preise 16—35 Mk....... jetzt 6—9 Mk. Ein Posten Herren-Anzüge, bisherige Preise 18—40 Mk.... jetzt durchweg IS Mk. Ein Posten Hurschen-Anzüge für das Alter von 12—16 Jahren, bisherige Preise 10—19 Mk., jetzt 6 und 9 Mk. Ein Posten Hurschen-Patetots Bon 10—18 Jahren............ 7,50 Mk. Diese Preise halten wir nur diese 3 Tage auftecht. Wir bitten höflichst, dem Verkäufer zu sagen, wenn zurückgesetzte achen gewünscht werden. Die Preise sind streng fest und aus jedem Gegenstande in Zahlen deutlich sichtbar. deutsche Compagn& Ii Berlin SO. Jl Konigstadt-Kasino Holzmarktstr. 72, Ecke Mexanderswaße. Nur»och bis 30. d. Mts. Austreten v. Branz Sobanski. Gurt Horeno, Ada Thomsen, Marga Plessner. Gustav Isano. Bruno Gaffron sowie: Ein sauberes Kleeblatt. Posse in l Alt. E. und C. Bernhardy(Versuchung des Eremiten). Mittwoch, Sonnabend, Sonntag nach der Vorstellung: Tanz. In westlicher, in rascher Entwicklung begriffener Vorortkolonie mit bequemen Verbindungen, habe 87/20 hübsehe Parzellen an waldumgebenen Teichen gelegen, mit Bauerlaubnis, bei kl. Anz. zu verkaufen.Sichere Kapitalsanlage, steigende Grundpreise. Off. sub « V. 4)41 bef. Rudolf Mosse, Leipzigerstr. 103. Elegante und einfache Dameifjacketts 5.50, 6.50, 8.50—12.00 M. älteste � zur 4962L* Oamenmäntel- u. Kinderkonfektion. Knabenanziige, Paletots. Mädchenkleider, Mädchenjacken. Riesenauswahl."TMß Rosenberg;, 98Kottbuserdamm98. Wer billigst 1 Rolle v. 10 Pf. an in jedem Genre, wie hochelegant. neuesten stilvoll. kaufen will, verlange den Gratiskatalog von einfach in den Mustern Achtnng, Vereme! F. Scbolz's Festsäle mit Garten u. gr. Theaterbühne 74 Gr. Frankfurterstr. 74 empfiehlt sich d. Vereinen zu Sonnner» festen, Theater-Vorstell. u. andr. Ver- gnügungen. Versch. Sonnabende frei. Sonntag: Gr. Ball. Ansang 4 Uhr. Sehlosspark WilelnußeiM Oberspree. Station Nieder-Schönewride. Jeden«onntag, Mittwoch, Donnerstag: grosser 8tite-3aU. Kaffesküche v. 2 Uhr an geöffnet. Ausspannung. Volksbelustigungen aller Art. Dbr. Fennel.[49122* AnTiinp nß� W ffit nll�UtjvHerrtnu Knaben größte Auswahl in in- u. aus» ländischen Stoffen für Paletots. Anzüge, Beinkleider:c., werden unter Garantie des gute» Siües zu überaus billigen Preisen schnellstens angefertigt im Tuchgeschäst b-i A. Karle, Waldemarstr. 98» Dr. Schünemann Specialarzt sür Haut-, Harn- und Frauenleiden, 8e>/z Uhr, bei livller, Koppcnstr. Sit: General-Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom ersten Quartal. 2. Bericht des Borstandes, des Arbeitsvermiltlers und der Kontrollkommissionen. 3. An- träge. 4. Verbandsangelegenheiten. 82/19 ßtr" Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Kriiiillpiierliiral»i>g der Stellmacher am Donnerstag, den SK. April, abends 8'l2 Uhr, im Lokale des Herrn Rosenrhalerstr. 57. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Branchcnangelcgen- heiten. 4. Verschiedenes._ Stock- u. Celluwid-Arbeiter. M ittwo ch, den S7. April, abends S'/s Uhr� Branchen-Versammlung in Frankes Festsälen, Scbastianstrasie 39 Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten ve. Sllbcrstein über:»Gesundheitsschädigung durch die Arbeit und deren Beseitigung". 2. Diskussion. 3. Die Aussperrung bei Schulke Aachs.. Ritterstr. 59. 4. Stellungnahme zum 1. Mai. 5. Werkstattangelegenheiten. 6. Verschiedenes. Der Obmann. M ir r Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: SO., Engel-User 15. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Mittwoch, den 27. April, abends 7 Uhr, im Lokal von Kaufhold, Wilhelmmcnhosftr. 18: Kozirks-Uersommliing für ObvnsdhonvHnreidtes TagcS-Ordnung: 1. Bortrag über: Berufskrankheiten. 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten._ Donnerstag, den 28. April, abends B'/.j Uhr, im Lokal von Wille, Brumienstr. 138: Sranehett- Versammlung der Elektpo-Nlonteure. Tages-Ordnung: 1. Bortrag deS Kollegen Baerman. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes._ Donnerstag, 28. April, abends 7 Uhr, im Louisenstädt. Konzerthaus, Alte Jakobstr. 37: Versammlung; der Former u. Gießerei-Arbeiter Tages-Ordnung: 1. Bortrag deS Reichstags-Abgeordneten Kollegen«renn-Sachsen 2. Diskussion. 3. Verbands-Angelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet 114/18 nie Ortsverwaltnng. Fachverein der Tischler Berlins u. Umgegend. Heute, Mittwoch, den 27. April, abends S1/, Uhr� General- Versammlung im Fttrstenkof, Kopnicterstr. 137. Die Kollegen werden ersucht, wegen der wichtigen Tagesordnung alle zu erscheinen. - Mitgliedsbuch legitimiert.- 186/16 Der Vorstand. ichlung! WllMSÜSl'?. ie'"un°! Donnerstag, den 28. April, abends 8 Uhr, in Wittes Volksgarten, Berlinerstr. 40; d. dein....... (Zahlstelle Scböneberg). Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. AM- Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist dringend notwendig. ßg/2__ Die Ortsverwaltung. «• wujgvtjviirt« Bureau: Berlin C., Dragonerstr. 15, Hot part. Telepb.: Amt III, No.5028. Freitag, den 29. April, abends 8'/, Uhr: Delegierten-Versammlung in dem Lokale des Herrn C. Patt, Dragonerstr. 15. Tages-Ordnung: Vcricht und-Abrechnung des Ausschusses. 2. Neuwahl des Ausschusses. 3. Bericht vom Heimarbeiterschutz- Kongreß. 4. Kartell angclcgcnheitcn. 289/9 Vollzähliges und pünktliches Erscheinen erwartet Der Ansschnss. Iiirodts Gesellschaftshaus, CrHner. Inhaber: �1. Oegebrodt. Sonntag, den 1. Mai 1904: Grosse jUai» arrangiert von den Parteigenossen von Erkner u. Umgegend. Konzert. Festrede. Tanz. Humoristische Vorträge. Anfang nachmittags 3 Uhr. ZlbendS: Kinder-Fackelaue. MF* Die Kaffee-Küche steht de» geehrten Damen von 2 Uhr ab zurVersügung..[222/5*]_ Entree 25 Pf Um zahlreichen Besuch bittet_ Das Komitee. Tapezierer. Sonntag, den 1. Mai,«rächt der Verband einen Ausflug nach Picheis werden, Restaurant Freund."7/8* Drehpunkt und Abmarsch: Bahnhof Grunewald, vorm.•/,10 Uhr. Zahlreiche Beteiligung mit Familie erwartet vis Ortwrwaltung. )KaiYersammlungen1904 der im GewerMchafts-Kartell Sonntag', den 1. Hai. Tagesordnungen in den Versammlungen: Die Bedeutnng des ersten Mai. Bauarbeiter. Englischer Garten, Alcxanderstr. 27 o, mittags 12 Uhr. Bürsten- und Pinselmacher. Mitglieder-Versammlung vormittags 10 Uhr bei/z Uhr im Restaurant Keglerschlöstchen, Köpenicker Landstratze. Kleber und Tapezierer. Ausflug nach Pichclswerder. Treffpunkt vormittags 9 Uhr Bahnhofsrestaurant Station Grunewald. Für Nachzügler nachmittags 3 Uhr in Freunds Jnselgarten. Kürsebner. Mitglieder-Versammlung im Alten Schützenhaus, Linienstr. 6, vormittags 10 Uhr. Markthallen-Arbeiter. Die Mitglieder schließen sich am Nachmittag mit ihren Angehörigen den in ihrent Kreise stattfindenden Partei- festlichkeiten an. Maurer. Husflug mit famüie nach ßirkenwerder. Daselbst nachmittags 2 Uhr: Versammlung im Paradtes-Garten. Abfahrt BahnhofGesundbrunnen morgens 9,56 u. 11,01 Uhr. Metallarbeiter. � � � Husflug.&&& Treffpunkt vormittags 10 Uhr im Arbeitsnachweis-Lokal, Rosenthalerstr. 57 und Gormannstr. 28. Musiidnstrumenten- Arbeiter Mitglieder-Versammlung vormittags 10 Uhr bei Graumann» Naunhnstr. 27. Möbelpolierer. Mitglieder- Versammlung vormittags 10 Uhr im Lokale „Königsbank", Grohe Frankfurterstr. 117. Rubrer. schließen sich am i den m ihrem Kreise stattfindenden Parteifest- Die Mitglieder schließen sich am Nachmittag mit ihren Angehörigen den in ihrem Kreise stattfindenden Parteife' lichkeiten an. Schiffs» und Bootsbauer. Ausflug nach Eichwalde. Treffpunkt früh 88/« Uhr Bahnhof Treptow. Am Nachmittag beteiligen sich die Kollegen an der Partei- feier in Eichwalde. Scbirmmacber. Die Mitglieder schließen sich am Nachmittag mit ihren Angehörigen den in ihrem Kreise stattfindenden Parteifest- lichkeiten an. Tischler. Definittver Beschluß stand beimAufgebendeSJnseratS noch aus. Töpfer. Ausflug nach Grünau. Treffpunkt morgen» 10 Uhr am Sportdenkmal. Tinkxiesser und Stürzer. Die Mitglieder schließen sich am Nachmittag mit ihren Angehörigen den in ihrem Kreise stattfindenden Partei- festlichkeiten an. Zimmerer. Oeffentliche Versammlung im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee 11—13, mittags 1 Uhr. Maler und Lraclderer. Oeffentliche Versammlung bei Feuerstein, Alte Jakobstr.7S, mittags 12 Uhr. Die Einberufer haben das Anmelden ihrer Versammlung selbst zu besorgen. Bei den Zusammenkünften bedarf es keiner Anmeldung. Dem Bureau, Dragonerstr. 13, Amt IH 5028, ist über den Verlauf der Versammlung und über die Zahl der Versammlungsbesucher zc. Mitteilung zu machen. Den Mitgliedern nebst Angehörigen wird anempfohlen, sich an den Parteifcstlichkeiten der Wahlkreise rege zu beteiligen. 23s/l0 Rüstet zum Maientag! Der Husfdniß. Central-Verein der Mauer Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin. Donnerstag, den 28. April, abends 8'/. Uhr. im«ewerhschatts- hause, Engel-Ufer 15, Saal 1: Ordentliche Generalverfarornlung. Tages-Ordnung: 1, Gelchästliches. 2. Entgegennahme der Kassenberichte. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Borstand. „ Mai=Feier.„ Polizeilicher Kontrolle halber werden Billets zur Maiseicr im„Karpfen- teich", Treptow, am 1. Mai selbst nicht verkauft. 20/15 Kühner, 8nten, Paten, slcisiig legende, kerngesunde Tiere, Dauben, Brutpute». Bruteier hochedler Rassen empsiehlt reell».billig. F. Wegner, Berlin, Mariannenstr.34. ZKolkersi. 8 Kühe, 12 Schweine, 1 Pferd und 2 Wagen preiswert zu verkaufen. Karl Schiriner, Wciftenfee, 49592* Lehderftr. HO. Werder. Achtung! Restaurant Schwarzer Bdier. Inhaber Max Koch, Fischerstraste 98. Parteilokal.— Dampfersteg. 50072» Allen Parteigenossen, Gewerkschaften und Vereinen empfehle bei Au». flögen nach Werder meine Lokalitäten zur freundlichen Berücksichtigung. Herrn. Rarnlows Weiss- u. Bayrischhler-Lokal Schönhanscr-Allec 135. Empfehle mein großes Vereinszimmer für Zahlstellen, Gcwerkschasts- und Werlslallsitzungen. 48802» IW Zwei nenrenovlcrte Kegelbahnen."TBffl Großer Mittagtisch sowie gut gepflegtes Weiß- und Bayrisch Bier. H. Ramlow. TlRSatSrstüoKS OoLsnti. Aufführung garantiert. „Versuchsbühne Deutscher Autoren." Berlin, Friedrichstr. 243. Man verlange Prospekt. 87/11* Herren-AuWstoffe, Reste. empfiehlt spottbillig 49442» TuehiiaiitlltiDy Ferd. Scholz, Reinickendorf-West, cichd«rn»tr.S4. Verein der Zimmerer | Berlins u. Umgegend. Todes- Anaseige. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafj unser altes Mitglied Heinrieh Olendorf aus dem Leben geschieden ist Die Beerdigung findet am DynnerStag, den 28. d. MM, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- hokS in Friedrichsfelde aus statt, Rege Beteiligung erwartet 2S7/17 vor Voestond. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Ansciife. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger SwusI Warstadt am 25. d. ms. gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am I Mittwoch, den 27. April in Berg- frieden in Sachsen statt. 114/17 vis Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß amMontag, den 25. d.M., vormittags 11'/, Uhr, meine liebe Frau, unsre gute, unvergeßliche Mutter Frau Louise Schulz geb. Kaschke im Mer von 56 Jahren nach schweren Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Donners- tag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Emmaus- Ge- meinde aus statt. 502lL Die trauernden Hinterbliebenen. Robert Schulz nebst Kindern. Köpenick. SocialiemokratisclierWalilverein Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Genosse, Mechaniker Otto Scheimann im Alter von 27 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 6 Uhr vom Traucrhause Schönerlinderstraße 6 aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borstaud. Todes-Ansolg«. Am Montag, den 25. April, i verstarb nach langem, schwerem | Leiden unser Kollege, Mechaniker Otto BcheiniAnn. Wir verlieren in ihm einen usrichtiaen, treuen Kollegen. Die Beerdigung sindet Mitt- I woch, den 27. April, nachmittags 1 6 Uhr, vom Trauerhause Schöner- I lindcrstraßc 6 in Köpenick aus statt. 8366 Die Kollegen der A. E.-G., Saal 11, Ackerstraßc. Todes- Anzeige. Gestern früh 6V2 Uhr entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber M ann, der Restaurateur Hermaim Gerst im 39. Lebensjahre. 8316 In tiefem Schmerze Ernestine Gerst geb. Schmidt, Luckauerftr. 13. Die Beerdigung sindet Donners- tag, den 28. d. Mts., nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisen- Kirchhofs, Rixdors, Hermannstraße, aus statt. Unserm treuen Genossen Franz Beiz zu seinem övjährigen Gesellen- Jubiläum ein dreimal donnerndes '! Die Genossen des 431. Stadtbezirks. Danksagung. Für die vielen Kondulationsschrelben, Beweise der Teilnahme bei der Beerdi- gung unsrer unvergeßlichen Tochter sagen wir Verwandten und Bekannten hiermit unsren innigsten Dank. S43b Die trauernden Eltern. Barl Balm und Frau. Central-lferbaiKl der Maurer| Zwelgvereln Berlin. Unsren Kollegen zur Nachricht, daß am Montag, den 25. d. M. unser treuer Verbandskollcge Karl Wolf im Alter von 52 Jahren an Lungen- u. Nierenentzündung gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. d M., nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen Schöneberger Kirchhofes, Maxstraße aus statt. Um zahlreiche Beteiligung aller Kollegen bittet 143/2 Die Berbandsleitung. Danksagung. Allen Freunden und Genossen, welche meiner lieben Frau das letzte Geleit gaben, sowie dem Genossen A. Hoffmann für die herzlichen Worte am Grabe sage aus diesem We meinen innigsten Dank. Wlllielin Brinkmann 8426 nebst Kindern. Hiermit sagen wir allcnDerwandten, freunden und Bekannten sowie den ollegen der Firma Moritz Mädler, ferner demSocialdemokratischen Wahl- verein für den 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis für die zahlreiche Be- teiligung und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsres guten Vaters, unfern herzlichsten Dank. 834b Oia trauernden Hinterbliebenen. Frau Efferz und Kinder. ÄL........ wertesten mir direkt in der Fabrik, 72 Wall- strckst«?». woaucholt, Etepvdeeken aufgearbeitel werden. v. Strohmaudel» Beriin»A Illustrierter Preiskatalog gratis. tepvdecken Wisse nSic'es schorv dass�rconafahrräder'__ ■iie besten».billigsten sind» Wo«sc Sie 60--100 Mk. sparen, m faojec Sie Ernst Machnovr's Arcona- Rad! Wollen Sie jährlich m. Leichtig- se;« viele 100 Mk. ▼erdienen, so empfehlen und verkaufen Sie im Kreise Ihrer Freunde und Bekannten Ernst Machnow's Arcona-Fahrräder. Verlangen Sie zu Ihrer Orientierung m. neuen reich illnstrirt. Hauptkatalog für Wiederverkäufer. Derselbe vrird Ihnen gratis und franko zugesandt. Ernst Machnow, Berlin Ii Aioon.pliti 1. Sede Kausfrau versuche Yormbaum's Waschpulver 9,£urekau| dasselbe verhütet das unliebsame Abfärben und Ein- laufen der Wäsche, erhält die wollene Wäsche wunderbar weich, macht die weiße blitzschnell blendend weist und giebt der- selben einen höchst angenehmen, frischen Geruch. „Eureka" wird von den bedeutendsten Hausfrauen< Rettungen tc. als bestes IMmittel öer Gepwart empsohlen und sollte daher in keinem Haushalte fehlen. 75/4» „Em-oki»� kostet pro Paket 16 Pf. und ist in allen besseren Ge- schäften zu haben. Engeos-Vertrieb durch die Firma: Klorvltz& Moock. Berlin. Gegen Monatsraten von 2 Mk. an liefern wir Musikwerke selbstspielende sowie Drehinstrumente l mit answeubsel- baren 1 Metallnoten roa IL Mi. aafwsrts. Phonographen nur erstklassige, vorzngllcli J funiaiomeren- 'de Apparate von 20 Mk. aufwärts. Bespielte und nnbeepielte Walzen la. Qualität iGCcrdeons in sebr reicher Auswahl, J sehr preiswerte Instrumente In allen Preislagen. Zithern aller Arten, wie Acoord-, Harfen-, Duett-, Konzert-, Gnltarre- Zithern et«. Sial& Freund in Breslau IL Illustrierte Kataloge auf Verlangen gratis und frei Villen-Kolonie Kieder- Schönhausen Baustellen in schönster Lage Rieder-TchönhausenS an vollständig regulierten Straßen mit Gas- und Wasserleitung/ nur hochliegendes, trockenes Land, per E-R. V0« 85 M. SN. 46192» j Auskunft jederzeit im Bureau, Kaiserweg 3, Nieder-SchSnhausen. Für den Haushalt. Citronensaft it LI.. lO»Ig.,/ Z l»lr» HIK. I ,«SO, /j!■ Suppen- u. Speisewürze Mk. 1,—,'/i Ltr. Mk. 4,50, für Sup garantiert aus frischen FrSchten, zur Kur und für den Haushalt, V« Ur. 75 Pfg., VaJ-tr. Mk. 1,35,>/, Ltr. Mk. 2,50. wohlschmeckend, ausgiebig und billig, Vi» Ltr. 50 PI.,'/,. Ltr. Suppen, Saucen, Gemils.. Fleichs- speisen etc. und zur schnellen Bereitung einer feinen Bouillon. Tceilf CcconT zur sofortigen Herstellung eines haltbaren UOöIJJ-IiSaCUii u, gut. Speise- u.Einmaohe-Essig. Flasche 50 Pf. für 12Vä Ltr., Fl. Mk. I,— für 25 Ltr.,'/, Ltr. Mk. 1,75 für 50 Ltr. Essig reichend. Berlin u.Bixdorf frei ins Haus. Preise inkl. Flasche. Hans Reges, Rixdorf- Berlin, Sehinkestr. 2. Verkauf nur gegen bar zu niedrigsten festen Preisen. Max Kaplan = Triedrichstvassc 1, am 8elle-JUliattce-?late.= Abteilung für fertige Konfektion. Jackett- Anzüge, haltbare Stoffe........ M. 10 bis 38.— fSomiuer-PaletotH, moderne Form....... M. 18 bis 35.— Paletots auf Seldenfntter, prima Verarbeitung. M. 4M.— 5017L* Grosse iusvabl in allen Artikeln.* Reichiialtigstes StoSIIatjer lör Massanlertigung, nur moderne Stolle. Jedes Wort: ' Wort 10 Pfr. Worte mit mehr als IS Buchs tabi /(Jesne Anzeigen. M ben zählen doppelt.- Strasse i Anzeigen Wu�VeXen in den Annahmestellen für Berlin bis Whr, für die Vororte bist Zühr, ' in der Hauptexpedition Linden Strasse 69 bis S Uhr angenommen. Verden jja '.Hin JMS. Kleinwohnungen sofort, helle, gesunde, billige Lynarswaße 11 (Wedding)._ 142/2* Verkäufe. ©nrbiiieithoiis GroßeFvantsurter« ftraße?, parterre._ t37* Borjährige hochelegante Herrenanzüge und Paletots aus feinsten Maßstoffen. 25 bis 40 Marf. Zurück- gesetzte Anzüge, Paletots, Beinkleider, Havelocks, Gummimäntel, Joppen werden sür die Hälfte der bisherigen Preise verlaust. Versandhaus Ger- mania, Unter den Linden 21. 2166K» Herrenanzüge(Reisemuster), Prachtmodelle, spottbillig, Schön- haus er Allee 72b vorn III links.[109/17 Knabenanznge, Mädchcnkleider, Paletols, Jacketts verkaust billigst Hoff- mann, Veteranenstraße 14. 218114» Ausgemietet. Resterhandlung Grüner Weg, Hausflur, jetzt Kleine Andreasstraße 5. Großer Posten Reste Kostümstoffc, Anzugstoffe, Englisch. Lcderhoscn, Stosshosen sür Knaben, billig. Scholz._+196» Steppdecken, großer Posten, sollen zu jedem Preis verkaust werden. Köpnickersh'aße 62._ 6916 Tcppiche!(fehlerhafte) in allen Größen für die Hälfte des Wertes im Teppichlager Brünn, Hackescher Markt 4, Bahnhos Börse. 93/22» Steppdecken, Tischdecken, Teppiche spottbillig PsandleihhauS Weidenweg Nr. 19. s-55» Betten, Gardinen, anerkannt spott billigste Bezugsquelle PsandleihhauS Weidenwcg 19,_ t55 Regulatoren spottbillig leihhaus Weidenweg 19. 155 Regu Spiegel. Pfandleis Freischwinger, Küchenrahmen spottbil" Taschenuhren. Herrenkettcn. Dnmenketten, Schmucksachen spott- billig PsandleihhauS Wcidcnweg 19.» Trauringe. AuSsteuerwäschc spott- billig Psandleihhaus Weidenweg 19.' Zomnirrpaletots, Jackeltänzüge', Herrenhosen,- Damensachen, Riesen- nuSwahl, spottbillig, Psandleihhaus Wcidenweg 19. VerkansSzeit bis 9 Uhr abends._+55* (LelegenheitSkänfe: Paletots, An- züge, Hosen, Kessel, Betten, Teppiche, Schirme spottbillig. Lücke, Oranien- straße 131. 8056 Rcisegläser, Operngläser, Koffer, Revolver, Teschings, Reißzeuge, Zithern, Harmonikas, Geigen spott- billig Lücke, Oranienstraßc 131. 805b Neftauratioii, 30 Jahre bestehend, will jetziger Inhaber verkaufen. Näheres bei Bastian, Neue Hoch. straße 13._ 329b» Kanarienroller, Stamm Seifert, Stamm Tritte, Original-Weibchen, verkaust Gödde, Rctnickcndorserstr. 54. Bettinlette, Bettbczüge, Bett- laken spottbillig PsandleihhauS Weiden- weg 19._+55« Ringe, Brillanten, Uhren. Ketten, Goldsachen, Regulatoren, Lücke, Oranienstraßc 131._ Steppdecken, Teppiche, Gardinen, spottbillig. 805b Knabenanzüge spottbillig. Oranienstraßc 131. Lücke, 805B Sofas, größte Auswahl, von 21 Mark an, direkt in der Fabrik Blumenstraße 35 b. 2174K» Metallbetten, zwei 100,00, Kinderbett 25,00, straße 112 II. ante, Itter- i29» Linoleum- Tapeten, Linoleum- Teppich, Linoleum-Läuser, Reste. Holz- marttstraße 52. 2955» Teppiche mit Farbenfehlern Fabril- niederlage Große Franksurtcrftraße 9, parterre.+37» Fahrräder, Teilzahlungen, hundert. sünszehn Mark, Jnvalidenstraße 148 (Eingang Bergstraße), Skalitzer- straße 40, Große Franksurterstraße 56, Nähmaschinen, Schnellnäher.Ring schiff, Bobbin, Langschiff, ohne An. zahlung, Woche 1,00, großes Lager von gebrauchten Ring- und Lang- schiffmaschinen von 10 Mark an. Post- karte genügt. Frankfurter Allee 10, am Ringbahnhof_+192' Tambourier- Maschinen meyer", alleiniger Fabrikant Q. Bell mann, Gollnowstraße Landsbergerstraße. nahe der 2215K» Bronzegaskronen! dreiflammig! 6,00. GaSlvren 1'/,. Zweilochgas- kocher 2'/,. Wohlauer, Wallnerthealer- straße 32(Schillertheater). Gaskocher- Hans I 2257K» Steppdecke« billigst Fabrik Große Franksurterstraße 9, parterre.+37» Damenjacketts(Reisemuster), teils aus Seide, durchweg 8 Mark. Posten Steppdecken(Seidentloth) statt 8 Mark durchweg 3,75, vertäust JuliuS Neu- mann. Belleallianeestraße 105. 2263K» Hochvornehme Herren« Anzüge, Sommerpaletots, vorjährig, aus feinsten Maßstoffen, 18—38,00. Bein- Neider 7—11,—. Täglich, auch Somi- tags-Verkaus. Deutsches Versandhaus, Jägerftraße 63, I._ 225411* Geschwister verkaufen gediegene komplette Muschelbettstellen 30,00, ge- schliffener Tnimeau 33,00, echt four- nierien Muschelschrank, Muschelvertiko 38,00, Säulenichränle 45,00, Auszieh- tisch, Salonlisch 15,00, Plüschsosa 30,00, Perserleppich 4,75, Plüschdecke, Betten, Stores, Gardinen. Bilder, Salon- garnitur 95,00, schnell, Köpnicker- straße 126 a, I._ 841b Ringschiffchen, Bobbin. Schnell. näher, ohne Anzahlung, Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Köpnickerstraße60/61, Prenzlauerstraße 59/60 und Große Franksurterstraße 43._+98» Kahn, noch gut im stände, verkaust Groß. Giflchlnerstraße 33. 802b Gassparkocher, GaSplättetien, Bügelnpparate, Bronzekronen, Ge- legenheitsfäuse, spottbillig. Schröder, Hochstraße 43. 8146 Schlassofa 20,00, Bettstelle, Dia. tratze 15,00 Pallisadenstraße 23, Tape. zierer. 143/ 10 Nähmaschinen aller Systeme ohne Anzahlung, wöchentlich 1,00. Fünf Jahre Garantie. Unterricht im Sticken, Stopfen gratis. Postkarte genügt. Wienerstraße 6, Ackerstraße 1 13, Belleallianeestraße 78. 850b Betten, zwei schöne Stand, Teppich, Plüschtischdecke, Gardinen, zwei elegante Steppdecken verkauft billig. Hoffmann, Naunhnstraße 52. 849b Eckdestillation. preis/ verkäustich. jorderlich. Erjragi straße 3. flotte, Jnvenlar- 1000 Mark et» a'gen Temme, Lebuser- 143/11 Herrenrad. Damenrad, eininal benutzt, sür jeden Preis, Schönhauser Allee 9, Ouergebäude II. 109/19 Gutes Sofa, Nußbaum-Möbel, verkaust billig Reich, Buttmann- straße 20._ 847b Nähmaschinen ohne Anzahlung, bis 10,00 Vergütung. Postkarte. Brei!- holz, Rodenbergftraße 39.+34» Nähmaschinen. Zahle bis 10 Mark, wer Teilzahlung Nahmaschine kaust oder nachweisL Alle Systeme, Woche 1,00. Postkarte erbeten. Borcheri, Zorndorserstraße 50. 112113 Paneel- oder Fräulein Gehler, Pi Milchgeschäft �chlassosa spottbillig .rinzenstrasie 64. lausen. preiswert zu ver- ärlottenburg, Grünstraße 21. Schnellnäher, Adler, Bobbin, ohne Anzahlung, Woche 1,00, schnellste Lieferung,«peeialges chäst, Stralauer Allee 26. 112/14 VersekiecleneZ. Vereine, welche am Simmelsahrts- tage eine Dampferpartie nach Neue Mühle oder Woliersdovser Schleuse unternehmen wollen, tönnen sich beteiligen. Pro Perlon 50 Pfennig hin und zurück. Krause, Alexander- straße 13. 2261K» Borkost-, Gemüsegcschäft mit i erhaltener Rolle ist sür 500 Marl verkaufen. Falk, Annenshaße 33. zu U» fall sachen.Yicchlsbureau Putzger, Stegli tzerftra ße sünsundsechzi g.s-221 3K* Rechtsbureau. Klagen, Jntcr- vcntionen, Eingabengesuche scriigk an Oranienstraße 109, I. 2250K* RechtSburea« l(AndreaSplatz), Grünerweg vicrundneunzig. Lang- jähriger Gerichtsbeistand! Rat erteilung I Eingabengesuche l Steuer berufung! 811b» RechtSburea«. Unsallsachen, Ge. richtSllagen, Strafiachen, Eingabengesuche, Raterteilungcn, Schank- erlaubnis, Steuersachen, PsändungS- fachen. Petsch, Brunnenstraßc 97. Rcchtsbnreau Brunnenstraste vierzig. Langjähriger Prozeßbeistand. Steuersachen. Eingabengesuche, Rat- erteilung(allerbilligst)._ 8246* Rechtcbnrcan(Siiexander-Platz), Kurzcstraße achtzehn I Gerichissachen, Interventionen, Strafsachen, Rat- erteilung, Eingabengesnche. 112/12» Stenereingabeu. Jnlerventtons-, EhcscheidungS-, Alimentensachen, Be- rusungen, Eingaben. Hentschel, Förster- straße 10, 111._ 647b Kunststopferet von Frau KokoSly, Steimnetzstratze 48, Ouergebäude Hochparterre. ♦ Aufpolstern«?! Sofa 5,00, Matratze 4,00, auch außcrm Hause. Bachmann, Blumenstraße 35b._ 2173K» Darlehen vergiebt Selbstgeber, diskret. Tietze, Posenerstratze23. Rück- porto._ 8096» Prinzenstraße Pfandleih«, Ecke Annenstraße, täglil tags bis 2 Uhr geöffnel 8-8 63, Sonn» 2235K» Pfandscheine Prinzenstraße 63. laust Fahrräder taust, beleiht Ratzlaff, Schönhauser Allee 163a._ 108/9» Bandwürmer mit Kops, frisch in Spiritus eventuell Wasser, kaufen a 2 Mark, Linnaca, Jnvalidenstraße 106. Platina, alte Goldsachen, Silber, Gebisse, alte Bruch Uhren, . Pfai Wrangelstraße 4.» Blattgold, KehrgoldBiillanten, Pfand scheme kaust Broh, Bereinszimmer Almenstraße l6. Patentanwalt Dammann. Ora- nienstraße 67, Moritzplatz. Rat in Paientsachen bis abends neun. s835b» BereinSzimmer mit Pianino zu vergeben. Potsdamer Stangenbierr Moritz Mix. Skalitzerstraße 69.+31 Vereinszimmer, großes. >. Paul, Reichem )ianmo, zu vergeben. jergerstraße 133. mit +31 Vennietii fixen. Wobnungen. Ein-, Zwei- und Drei-Zimmer- Wohnungen, alle mit Bad, sehr billig. Ecke Münchener- und Reuterstra' (Rixdors), Baumeister Seibt. 113/! Zimmer, Borderzimmer. zweifenstrig, an zweiHerren zu vermieten. MalinowSki, Manteuffelstraße 113. 5 bis 8 Ulir. Kleines separat, sür M«----- möbliertes Zimmer, icnm,(osorL Winklcr, ahbach-User 25, vorn parterre. 832b Freundliches möbliertes Zimmer sür zwei Herren, Preis a 14 Mark inllustve, Flurcingang, Chaussee« straße 2, 1. Ouergebäude IV, link». Fischer. 83öb Schlafstellen, Möblierte Schlafstelle sür Herrn. Fr. Hinz, Camphausenstraße 3. Zwei bei Will, /erren finden Zntlitzitraße 16. Schlafstelle 8536 Möblierte saubere Schlafstelle, Roese, Oranienstraße 65._+60 Schlafstelle. Zimmer alleinseparat Müllerftraße 164, Ouergebäude par- terre rechts._ tl20 Möblierte Schlafstelle für Herren Sebastianstraße 9, vorn 4, Scholz. Möblierte Schlafstelle. haus 2 links, Josephstraße 5. Garten- 8486 Schlafstelle an 2 Herren, separater Eingang, Skalitzerstraße 8, vorn HI links. 837b �rbeitsmarkt. Stellenangebote. Schrifthaner, tüchtigen, verlangt Rieger, Bergmannstraße 32.+118» Reitende! �lraßenbändler l Auch Frauen I Prima Mottenplatten I Billigste Bezugsquelle I Agnes Oster. Schönhauser-Allee 14 l.+34 Drei Pechen werden verlangt Warschauerstraße 88. gesellen auf et Schächter, +57 Schrifthauer Verlan Bcrgmannstraße 70, Bu Janetzke, e 26. Eigärrenmacher-Lehrling verlangt Behrendt, Oderbergerstraße 30, vorn I. Metalldrücker mit etwas Kapiial als Teilhaber sür kleinen Massenartikel gesucht. Offerten unter.0. 6" Ex- peditto» des„Vorwärts"._ 85! b Tüchtige Schuhmacher aus ge- wendete Fleckschuhe verlangt Emil Ptnner Nachsl., Dircksenstraße 41. Wasfleriunen, auch lernen, ver- langt. Baumschulcnweg, Baumschulen- straße 19/20, vorn II rechts. 830b Lehrdamen sür Manusatturwaren. Wäschegeschäft Kaufhaus Salmgcr, Borsigstraße 28._ 8396 Putzfcdern-Lehrmädchen. sofortiges Gehalt. Arbeiterinnen für bessere Klebcsachcn sofort. Rosenstein, Oranien- straße 101._ 814b» Mädchen, 14 bis 16 Jahre, für leichte Beschäftigung sofort. Rosenstein, Oranienstraße 101. 845b» Im ArbeitSmarkt durch befonderen Druck hervorgehoben« Anzeigen kosten 40 Pf.»r» Zeile. Größte und leistungsfähigste Holzcoalcanre- Fabrik sucht überall tüchtige ProvifionS-Reisende gegen höchste Provision. 582b Offerten Z. 5 Exp. d..Vorwärts". Helllllslg,»lllMböÜös! Zuzug ist streng fern zu halten von Kautislhlern, Eiusetzew nach der Werkstatt 81/8 aiaass. Lichtenberg, Hagcn- straffe SS. Für Tischler. Drechsler, Bildhauer, Polterer, Maschincnarbciter: Prllnkcl, Waldemarftr. 14. Brnns, Polstermöbel-Fabrik, Chorinerstrafte 26. Ferner ist Zuzug fern zu halten nach Steglitz. Groft-Lichterfelde, Lankwitz und Friedenau sür Bau- tischler und Einsetzer. �mamssasm Arzt! Einem Parteigenossen wird von einem Arzt günstige Ge- legenheit zur Niederlassung in einer Provinzstadt nachgewiesen. Offerten unter A. 6 an die Expeditton, wo Reflektanten, die sich als Parteigenossen ausweisen, die Adresse des Kollegen erfahren können. 5002L» 4 und I>etachenre verlangt«ebr. Altenbergs Fttrberel, Neu- Weißensee. Langhansstrafte 4.+134» Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.» Berlin SW.