Nr. m RtannementS'ßedlngUftgtt« HSonncmcnfä- Preis pränumerando} Merleljährl. 330 Mi, monatl 1,10 Mi, wöchentlich 28 Pfg. frei WS Haus, Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags« nunimer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement t 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungari» 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat, 21. Jahrg. Crfchelnt täglich auB« lilontag», Verltnev Volk�blskk. vle snlettlonz-Sebllh? vekägt für die sechsgespaltene Kolonel« geile oder deren Raum 40 Mg., für politische und gewerkschaftliche Vereins« und Bersammlungs-Anzeigen 25 Pfg, „Kleine Hnreigen", das erste(fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächst« Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geössneti Telegramm. Adresse: „SozUlileiiisHnt Berlin". Zentralorgan der foztaldemokratifcben Partei Deutfcblande. Redaktion: 8QL 68, Lindcnetrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 1. Mai 1904.; Expedition: 8M. 68, Lindenetrasee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Maifcicrlicd. Von Riebard vehmel. Gs war wob! einst am ersten)NIai, viel Kinder tanzten in einer Keib, arme mit reichen, und hatten die gleichen vielen Stunden zur freude frei. Gs ist auch heute erster Mi, viel Mnner schreiten in einer Reih; heut sind sie heiter, und haben weiter keine Stunde zur freude frei. Doch blüht wohl einst ein erster Mi, da tritt alles Volk in eine Reih; mit einem Schlage hat's alle Hage ein paar Stunden zur freude frei. Unser Tag.-<3� Da Mc Natur im tmaubMjcit Werden Überquillt. Sa Himmel und Busch und Feld sich in Schönheit erneuem, feiert der Bedrückte das Fest des großen Höffens und GelobenS. In die Arbeitsstätte der Entbehrenden, in das dunkle Kellerloch weht der lichte Hauch deS Mai; er lockt auS der Enge, er ruft zur That, die eine neue Welt erobem soll, eine Mai-Welt der Fülle und des Schönen. Die überlieferten Feste, die kirchlichen und die sich vaterländische nennen, sind Vergangenheitstage. I» der Erinnerung, im Lob des Einstigen, des längst Vergangenen lebt die Gesellschafts- klasse. welche die regierende ist und noch den Kalender bestimmt. In der Gegenwart aber und in der Vorausnahme der Z u k u n f t lebt die Arbeiterklasse, welche noch die bedrückte.ist, aber begonnen hat. ihre Fesseln zu sprengen. Ein Wahrzeichen des Befreiungsbeginnes ist die amtlich nicht beglaubigte, um so mehr wirkliche Revolutio- nierung des Kalenders, die Feier des eignen TageS. Die Klasse deS Kapitalismus feiert rückwärts, die Klasse deS SocialiSmuS feiertvorwärts! Die politischen Parteien, welche die kapitalistische Klasse der- treten, heißen sich Hüter des Glaubens und der Ideale, sie der« lästern die Socialdemokratie als Feindin des Glaubens und Förderin materialistischer Triebe. Doch die Wirklichkeit widerlegt diese Unwahrheit jede Stunde. Die Menschen der kapitalistischen Klasse erfüllen ihr Leben in niederer Erwerbsgier, in schnöder Nieder- werfung und Vergewaltigung deS Nächsten, oft im Uebergenus; und Laster: und ihre Feste find bestenfalls Opiate zur Gewissensbeschwichti- gung, Sündenvergebung zum beruhigten Sündenrückfall. In der Arbeiterklasse allein lebt wahre Gläubigkeit, wahres Ideal. Nicht wie Arbeiter den Arbeiter beeinträchtigen, betrügen, vernichten kann, ist des Arbeiters Lebensinhalt: fein Gedanke erhebt sich über die enge Selbstsucht und aus der Not der Arbeiter- klasse ringt sich stets sieghafter das hehre Ideal: alle menschlichen Arbeitskräfte zu vereinen und in weiser Ordnung jedem die Entfaltung all' seiner Fähigkeiten und allen das Leben schöner Menschlichkeit zu erringen. Diesen gewaltigen, alles überwindenden Mcnschhcitsglaubcn zu feiern, wieder und wieder zu bekräftigen, daS ist der Grundsinn deS MaifesteS, das die Arbeiter- klasse sich selbst im promctheischen Ringen gegen eine alte Herrscher- weit geschaffen. Und gleichwie Prometheus sich wider den Gott titanentrotzig empört, so ruft die Arbeiterklaffe der Kapitalistcmvelt zu. die das Fest neuen MenschheitSwerdens lästert und vergewaltigt: Mußt mir meine Erde Doch lassen steh'». Und meine Hütte, die Du nicht gebaut, Und meinen Herd. Um dessen Glut Du mich beneidest! Nebolutionäre Gedaulen, die unter einander innerlichst der- schlungen sind, erfüllen die Botschaft des Maifestes: Schutz der menschlichen Arbeitskraft, Schutz der Kultur vor Waffen und Krieg, Aufhebung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Damit ein Teil der Menschen müßig geht und das Leben nichts- nutzig vergeudet, darum muß die Mehrheit der Arbeitenden sich in Ueberarbeit verzehren, muß die Freudigkeit an den Gaben der Natur und Kultur entbehren, muß die Gesundheit zerstören und das Leben kürzen lassen, darum müssen Frauen und Kinder in schwerer Plage sich mühen und ganze Generationen verderbt werden. Die kapitalistischen Parteien sprechen gern von«nationalen Forderungen", die jeder Patriot erfüllen soll: wenn eine Forderung im reinen Sinn eine nationale zu nennen ist, so die des Achtstundentages, die heute wieder laut von Millionen der arbeitenden Klassen erhoben wird I Wenn Patriotismus er« wiesen werden soll, so kann es durch nichts mehr geschehen als durch die Mitwirkung an der Erringung des Acht« stundentages, der Grundbedingung für die leibliche und geistige Erneuerung nnsreS Volkes. Aber die besitzende Klaffe und ihre Parteien verweigern hartnäckig jeden entschiedenen Fortschritt im Arbeiterschutz, und nur die unausgesetzte, stet« weitere Kreise ergreifende Ueberzeugungsarbeit der Arbeitergewerkschaften und der Socialdemokratie wird die Erfüllung der großen Forderung bringen, von der aus ein neues Zeitalter der menschlichen Geschichte anhebt. Der Arbeiterschutz erfordert die Jnternationalität. Während die Kapitalisten der verschiedenen Nationen in der Kon- kurrenz um den Weltmarkt einander mit List und Gewalt befehden, erwächst der Internationalismus der Arbeiterklasse ans dem gleichen Lebensbedürfnis der Arbeiter aller Länder, da die niedrigen Arbeits- bedingungen des Auslandes stets den Fortschritt auch der Länder mit höheren Arbeitsbedingungen hemmen. Der Weltbürgergeist, den einst die Philosophie und die klassische Dichtung verkündete, den die bürgerliche Nachkommenschaft verräterisch preisgab, fand neue Heimat in der Arbeiterklasse und schöpft neue Kraft ans ihren auf den Ausgleich der nationalen Völkerfeindschaft gewiesenen Existcnzinteressen. Wenn ftir das Jahr 190ö ein internationaler Arbeitcrschutz- Kongreß von den Regierungen einberufen wird und einige Fortschritte erzielt werden, so mag diese Ernte eine allzu ge- ringe bleiben, jedenfalls aber ist auch sie entsprossen ans der Saat, welche die Arbeiterklasse an ihren Maitagen warf. Der Maitag gilt der Friedfertigkeit unter den Völkern, der Zuversicht einstigen ganzen KulturfricdenS: nicht der verzweiflungsvollen Friedfertigkeit, die in den Toasten der Fürsten gefeiert wird, die in ungeheuerlicher Waffenrüstung starrt, die jeden Tag wildeste Kriegsvennchtnng droht', sondern der wahren Friedfertigkeit, die in den gemeinsamen Aufgaben der Kultur- Nationen beruht. W i e r tz, der geniale Belgier, hat ein herrliches Bild gemalt, das die Dinge der Gegenwart vor den Menschen der Zukunft zeigt; auf der Hand hält eine ManneSgestalt Kanonen und Schwerter und Fahnen, wie die Gegenwart sich ihrer rühmt, mild lächelnd beugt er sich über das seltsame Spielzeug und wundersame Kindergesichter schauen voll Neugier auf die unbelaunten Erzeugnisse einer früheren Periode. Mag eine düstere Lehre die Menschheit zur blutgierigen Bestie der- dämmen und die Werkzeuge des Völkermordes als eine ewige Ein- richtung ausgeben, in der Arbeiterklasse lodert heiß der Kulturglaube an eine Menschheit, die über die Blutzeit hinauswächst und den Namen, den die Naturkunde bisher unberechtigt dem Menschen gab, den Namen„der weise Mensch", zu Recht macht. Auch die besten Geister der bürgerlichen Aera mußten aus ihrer Zeit flüchten, wenn sie an der Menschheit nicht verzagen sollten; sie flüchteten zur Illusion eines einstigen glücklichen Naturzustandes der Menschheit oder in das Reich der Kunst, das fernab erbaut wurde von der Wirklichkeit eines trüben Lebens. Unversöhnbar erschien Ideal und Leben: da Schiller, an der Wende des neun- zehnten Jahrhunderts, um die große Harmonie der Menschheitlichkeit rang, wagte er sie nur i n d e r K u n st zu finden, und im Gedicht allein sollte der Künstler der Menschheit Würde erkennen und wahren: Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben, Bewahret siel Sie sinkt mit Euch l Mit Euch wild sie sich heben! i 1 1 Erhebet Euch mit kühnem Flügel Hoch über Euren Zeitenlaus I Fern dämm're schon in Eurem Spiegel Das kommende Jahrhundert aus l Neue gewaltige Entwicklungen haben eine neue Macht werden lassen, der heut— fast ein Jahrhundert nach des Dichters Tode— das herrliche Wort gilt. Nicht in ein Naturparadies der Urzeit, nicht nach Hellas, nicht in das Land der Romantik geht unser Sehnen; nicht im Denken, nicht in der Kunst allein wagen wir daS Ideal zu verwirklichen. Die Bedrückten und Enterbten dieser Zeit erheben sich mit kühnem Flügel hoch über ihren Zeiten- lauf und sie arbeiten in rastlosem Werke am Neubau dessen, was der Dichter geschaut, was die Wissenschast gewiesen, wozu die große technische und wirtschaftliche Entwicklung das Bau- Material gegeben. Am Neubau der Menschenwürde zu bauen, allen Menschen zu spenden, was Menschenmacht vermag: Gesundung, Recht. Freiheit. Wissen. Schönheit.— das ist den Arbeitern aller Länder das Gelöbnis am M a i f e st, das wir feiern froh errungener Siege, freudig zu neuen Werken! «M> Ein Gedenktag im Kampf für den Arbeiterschutz. Ms der Gedanke der Maifeier auftauchte und in allen Ländern propagiert wurde, bemächtigte sich der Bourgevisie eine groge Angst. Fast instinktiv fühlten die Angstmeier, daß dieses Fest deZ Proletariats ein Festtag der socialen Revolution sei. DaS Abschreckende war nicht der Begriff der Revolution, denn feierte doch an demselben Tage, als der internationale Kongreß 1889 in Paris zusaminentrat, die Bourgeoisie den hundertjährigen Gedenktag des BastillensturmeS, ' des Tages, an welchem das Bürgertum durch gewaltsamen Umsturz sich Geltung verschafft hatte. Das Abschreckende war der Gedanke, daß die Proletarier aller Länder sich geeinigt hatten, die gleichen Forderungen betreffend des Arbeiterschutzes in allen Ländern zu stellen und deren Durchführung anzustreben. Diese Thatsache war schon der Beginn eines SiegcS der socialen Revolution._ Das wirksamste Argument gegen den Arbciterschutz war innner der Hinweis ans andre Länder gewesen. Dieselben Ausflüchte, daß die Arbeiter den Schutz nicht wollen und daß in andern Ländern an Einführung und Ausdehnung des Schutzes nicht zu denken sei. waren in den gesetzgebenden Körperschaften so oft wiederholt worden, daß ein guter Papagei sie hätte alle hersagen können. Obwohl man jedes Gesetz mit dem Hinweis ans die Gegnerschaft in andern Staaten bekäinpfte, lehnte man doch die Versuche ab, die von der Schweiz zu internationaler Verständigung gemacht waren. Nun hatte der internationale Arbeitcrkongrctz die beiden wichtigsten Argumente d« Kapitalisten zerschlagen. Die Arbeiter forderten ausgedehnten Schutz und die Arbeiter aller Länder hatten sich ge- einigt, bestimmte Forderungen durchzusetzen. Diese That des Proletariats machte gewaltigen Eindruck. Unter diesem Eindruck kamen die Erlasse vom 4. Februar 1890. der Sturz des grimmigsten Gegners des Arbeiterschutzes, des Fürsten Bismarck, und die Einberufung der internationalen Konferenz. Sanguiniker räumten von dem Anbruch einer neuen Aera, aber die Groß- apitalisten setzten alle Kraft ein, ihr altes Vorrecht zn verteidige». Die Macht der Jndustriekönige war stärker als die des socialen Königtums und sehr bald kapitulierte das letztere vor dem Ansturm der Stumm und der Gebieter im Centralverband deutscher Industrieller. Zwar mußte die Regierung ihre völlige Niederlage zu ver- schleiern suchen und speciell in Deutschland wurde eine große Anzahl von Gesetzen und Verordnungen erlassen, die sich mit der Frage des Arbcitcrrechts und des Arbeiterschutzes beschäftigten. Man begann im Jahre 1800 mit dem Gesetz über die Gewerbe- gerichte, diesem folgte die Novelle zur Gewerbe- Ordnung, durch welche die Sonntagsruhe ausgedehnt wurde. In den KK 120a bis i20e wurden die allgemeinen Schutzvorschristen, welche Bundes- rat und Landesregierungen erlassen können, näher formuliert. Man gab sogar dem BimdcSrat das Recht zur Einführung eines Maximal- Arbeitstages. In den§Z 134a und folgenden wurde die Willkür der Fabrikordnungen etwas eingeschränkt; durch§ 135 die Kinderarbeit in den Fabriken mehr eingeschränkt und in den folgenden Paragraphen für jugendliche und weibliche Arbeiter der Zehn- resp. Elfituiidentag gegeben. Zur Anwendung des§ 120s wurde 1892 die Kommission für Arbeiterstatistik geschaffen und BundesratSverordmmgcn betreffend die Arbeits- oder Ruhezeit im Bäckerei-, Müllerei- und Gastwirts- gewcrbe erlassen. Ferner eine Verordnung betreffend die Kleider- und Wäschekonfckiion erschien. Durch andre Verordnungen sollten Mißstände in Thomasschlackenmiihlen, Walz- und Hammerwerken, Glashütten. Cichoricnfabriken, Zuckerfabriken, beim Steinkohlen- Bergbau, in Hechelräumcn, Gummifabriken. Ziegeleien, Zinkhütten, Steinbrüchen und Steinhauereien beseitigt oder gemildert werden. Eine Novelle zur Gelvcrbe- Ordnung im Jahre 1900 schuf den Ncunuhr-Ladenschluß. Es wurde das Gesetz zum Verbot der Ver- Wendung von weißem Phosphor bei Ziindholzfabrikation, sowie das Gesetz über gewerbliche Kinderarbeit geschaffen. Eine Reform der Seemanns-Ordnung sowie der Verfichernngsgesetze wurde durchgeführt. Ferner wurde das Arbeiterrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch und im Handelsgesetzbuch weiter ausgebildet. Das Quantum gesetzgeberischer Leistungen ist also recht erheb- lich. Würden einmal alle Gesetzesbestimmungen, welche das Arbeiter- recht betreffen, in einein Gesetzbuch verschmolzen,- dann wurde es schon ein umfangreiches Gesetzbuch geben. Das Machtgebot der Proletarier hat alle Parteien in Bewegung gesetzt, und Anträge, welche sich mir der Arbeiterfrage beschäftigen, werden zu Dutzenden, in Form von Gesetzentwürfen, Resolutionen usw., eingebracht. Be- trachtet man den Inhalt der Gesetze und Verordnungen sowie der Anträge des Centruins und der bürgerlichen Parteien, so findet man, daß in dieser Flut der„Arbeiterfürsorge" die wichtigsten Forderungen der Arbeiter, der Achtstundentag und d i e Sicherung des Koalitionsrechts der Arbeiter, fehlen. Ohne starke Organisation der Arbeiter sind aber die meisten Gesetze und Schutzbestunmungen nur ei» Blatt Papier. Der einzelne Arbeiter, der sein Recht fordert, wird mit der Hungerpcitsche gezüchtigt. In der Frage des Koalitionsrechts hat sich das„sociale Königtum" ganz dem Machtgebot der Herren v. Stumm und Genossen gefügt. Mai-Religion. ES ist die tiefe Leistung der deutschen klassischen Philosophie, daß sie über die bloße Aufklärungs-Kritik der positiven Religion hinaus- gekommen und in die Einheit ihres wissenschaftlichen Systems eine Religion innerhalb der Grenzen der Vernunft— wie es Kant bezeichnete— als unentbehrliches Element mcnschheitlicher Bildung aufnahm. Diese religiöse Neuschöpfung ist nicht etiva eine ängstliche Konzession an die herrschenden Kirchen, nicht ein Spiel mit religiösen Begriffen, um wenigstens den Schein einer religiösen Gesinnung, die den Denkern in Wahrheit fremd gewesen wäre, in feiger Wcltsnrcht zu wahren. Im Gegenteil: Für Kant und noch stärker für seinen unnrittelbaren Schüler Fichte, diesen revolutionären Flammengeist, den die heutige Legende zu der jämmerlichen Zwerggestalt eines nationalen Studentleins unserer Tage zu verkrüppeln bemüht ist— für Kant und Fichte war ihr religiöses Bekenntnis nicht ein crzlvungcnes, lästiges Beiwerk, sondern die Krönung ihres Gedankengebäudes. Es entsteht die Frage: Nach einem Worte von Friedrich Engels ist die Socialdemokratie die Erbin der klassischen Philosophie. Ist sie auch die Erbin der klassischen Gedankenrcligion? Darf sie eS sein? Muß sie diese Erbschaft ablehnen oder lebt vielleicht auch im wissenschaftlichen Socialismus wie in der Socialdemokratie etwas, das mit deö Religion der Kant und Fichte Verwandischaft hat. Unsre liberalen Theologen berufen sich zwar auf die reli- giösen Schriften unsrer Klassiker. Sie haben sicher nichts damit gemein. Denn erstlich schrecken sie vor der Pflicht zurück, welche eine berechtigte Nachfolgerschaft der Kant und Fichte unbedingt auf sie lädt, im Kampf gegen die positiven Kirchenreligionen die äußersten und rücksichtslosesten Konsequenzen zu ziehen. Zweitens ist auch ihre vermeintliche Verinnerlichung zu einer seelischen Gemeinschaft mit Gott, zn einer religiösen Geftthlsschwclgerci— keine Zeit schwelgt. um der Vernunft zu entfliehen, so viel in Gefühl lv:e unsere ganz und gar gefühllose Gegenwart— durchaus lvesensverschiedeu mit der religiösen Gedankenwelt jener großen Denker. Sie verfolgten vor allem als eine ihrer wichligsten Aufgaben, die geoffenbarten Mythologien der Kirchen als schlechthin unvereinbar nach- zuweisen mit der theoretischen Vernunft der Wissenschaft und der prakti- schen Vernunft der Sittlichkeit. Den persönlichen Gott der Kirche, der die Welt und die Menschen schafft und leitet, trieben sie unbarmherzig ans und sie gewannen dafür die lautere Gottesidee, toelche nichts rst, wie eine Schöpfung der menschlichen Vernunft und nichts bezweckt wie die Mitarbeit an der höchsten menschlichen Vollkommenheit. Die Gottesidee ist der ganze Inhalt ihrer Religion. Was aber ist die Gottesidee, was der Glaube an diesen Gott? — cs ist. wie Fichte klar und scharf ausspricht, der Glaube an eine sittliche Weltordnung, die nicht etwa von irgend einer autzerweltlichcn Macht bestimmt ilt. sondern die zu erringen und zn er- arbeiten iff der Menschheit ist. Jede andre Religion --T.....—--�v. __... Hier war man immer bestrebt, die von den Unternehmern rücksichtslos ausgenutzten Koalitionsrcchte für die Arbeiter völlig zu vernichten. In der in der Blütezeit der Socialreform eingebrachten Novelle zur Gewerbe-Ordnung war der berüchtigte§ 153 enthalten, nach welchem Aufforderung zum Streik mit Gefängnis bis zr fünf Jahren be- straft werden sollte. Damit aber nur Arbeiter v.ni dem Arm des Strafgesetzes erreicht werden konnten, hatte man vor dem Worte „auffordert" das Wort„öffentlich" gesetzt. Denn auch Unternehmer fordern zum Streik oder Aussperrung auf, aber durch ihre geringe Zahl haben sie nicht nötig, öffentlich aufzufordern, und waren sie vor der Strafe geschützt. Als dieser Angriff abgeschlagen war, kam 1894 das Köllersche Uinsturzgesetz, 1398 im preußischen Landtage das v. d. Rcckesche Vereinsgesetz und 1899 du Zuchthausvorlage. Alle diese Angriffe auf das bestehende Recht scheiterten an dem Widerstände der Arbeiter. Speciell das Zuchttausgesetz begegnete einem so geschlossenen Widerstande, daß viele stille Anhänger der Vorlage nicht für dieselbe zu stimmen wagten. Was man auf dem Wege der Gesetzgebung nicht erreichen komite, daS suchte man durch die wirtschaftlichen Michtmittcl, durch die Hungerpeitsche zu erreichen. Groß ist die Zahl der Aussperrungen und lvlaßregelungen, die über Arbeiter verhängt wurden, weil diese von einem gesetzlichen Recht Gebrauch machten. Zwar giebt es Gerichte, die in Erkenntnissen ausgesprochen haben, daß es ein Ver- stoß gegen die guten Sitten ist, ein öffentliches Recht, wie das Wahlrecht oder Koalitionsrecht, durch Privatverträge illusorisch zu machen. Aber was kümmern sich die Jndustriekönige um die guten Sitten? Gute Profits und hohe Dividenden ist.für sie das Haupt- wort. Glauben sie hohe Profite erzielen zu können, dann giebt eS keine Schranke des Gesetzes für sie. Bemerkenswert ist hier, daß der Staat als Arbeitgeber lvillig aus- führt, was die Kapitalisten befehlen. Die Beschlüsse des Kühnemänner- Verbandes werden von keinem llnternehmer gehorsamer befolgt als von den Siaatsbctrieben. Auch im Bergbau folgt der Fiskus im Saarrevier den Anordnungen des Freiherrn v. Stumm. Wohl ließ der Fiskus sich durch den südwestdeutschen Verband der Eisen-Jndnstriellcn 1892 eine Herabsetzung der Kohlenprcise diktieren. Die koalierten Kapitalisten warer. eine Körperschaft, mit welcher der Fiskus gerne verhandelte. Als dann aber der Fiskus die drohenden Verluste auf die Arbeiter abwälzen wollte und die Löhne kürzte und es infolgedessen zum Streik kam, da zeigten die Bergbehörden, daß sie gelehrige Schüler Stumms waren. Rücksichtslos wurden die Bergleute gemaßregelt, welche als Vertteter ihrer Kameraden im Gemeiniuteresse gewirkt hatten. Es gelang dem Fiskus durch Anwendung und Drohen mit der Hungerpeitsche die Arbeiterorganisation zu vernichten und er konnte nun seine Macht ausnutzen. Die Löhne, welche 1891 durchschnittlich 1137 M. betrugen, wurden in der Zeit des Niederganges herabgesetzt. Jahr für Jahr sanken die Dnrchschnittslöhne. Als dann Ende der neunziger Jahre die Hochkonjunktur einsetzte, folgte der Fiskus wohl mit der Erhöhung der Kohlenpreise, aber mit seinen Lohnerhöhungen blieb er hinter den rücksichtslosen Ausbeutern des rheinisch-westfälischen Bezirks erheblich zurück. Denn 1902 erreichten sie in 1053 M. ihren Höhe- Punkt und waren im Jahre 1901 noch rund 300 M. niedriger als im rhcinisch-westfälischen Bezirk. Gewiß können die Vertreter des Fiskus sich rühmen, daß sie durch die Auflehnung gegen das Reichsrecht eS dahin gebracht haben, daß trotz der erheblichen Steigerung der Preise der Lebensbedürsiiissc und der kolossalen Steigerung der Kohlcnpreise die Durchschnittslöhne 1902 noch 84 Mark niedriger waren als im Jahre 1891. Ob diese Lohndrückerei sehr fiskalisch mar ist eine andere Frage, denn hoher Lohn verteuert selten die Produktion. Arbeiter, die gut ernährt sind, find leistungsfähiger als schlecht ernährte Arbeiter. Können die Arbeiter sich nicht statt essen, und das ist bei-den Löhnen, die der Fiskus zahlt, nicht immer möglich, dann werden sie weniger leistungsfähig sein. In den Kreisen der rigorosen Jndustriekönige werden die Leiter fiskalischer Werke in hohem Ansehen stehen. Was die Scharfmacher mit dem 8 153 der Gewerbeordnung 1890, mit dem Umsturzgesetz 1894, mit dem v. d. Neckeschen Vereinsgesetz und dem ZuchthauSgesetz erreichen wollten, das haben die Leiter fiskalischer Werke durch das Drohen mit der Hungerpeitsche erreicht. Haben es die Großkapitalisten bisher vermocht zu verhindern, daß der Arbeiterschutz Formen annahm, die für sie unbequem wurden, so ist damit nicht gesagt, daß dieser Zustand ein dauernder ist. Die große Demonstration von 1889 hat den Bruch mit der Vergangenheit herbeigeführt und Regierungen und Parteien ge- zwungen, die grundsätzlich ablehnende Haltung aufzugeben. Wenn die Regierungen auf das lange Register der Arbeiterschutz-Gesetze und der Verordnungen und die Parteien aus die großen Verzeichnisse ihrer Anträge hinweisen, dann können die klassenbewußten Arheiter getrost sagen: Das sind die Früchte unsres entschiedenen Auftretens. Im öffentlichen Leben hat nur die Macht Erfolge. Schon wird die Macht des Proletariats beachtet. Freilich steht ihr gegenüber die Großmacht des Großkapitals. Wo die Kapitalisten organisiert sind, finden sie seitens der Regierung Bcachtung und Förderung ihrer Bestrebungen. Eine solche anerkannte Großmacht im öffentlichen Leben zu lverden, muß die vornehmste Aufgabe der Arbeiter werden. ist fiir die klassische Philosophie Götzendienst, Atheismus. Ihre Religion ist init andren Worten: Idealismus des Endziels oder auch Enthusiasmus für die Menschheit. So spricht Fichte in seiner kleinen Abhandlung„Ueber den Grund unsres Glaubens an eine göttliche Weltordmnig(1798> von einer Religion des freudigen R e ch t t u n s":„Dies ist der wahre Glaube; diese moralische Ordnung ist das Göttliche, das wir an- nehmen... Dieses ist das einzig mögliche Glaubensbekenntnis: fröhlich und unbefangen vollbringen, was jedesmal die Pflicht ge- beut, ohne Zweifel und Klügeln über die Folgen." Ilnd Fichtes sittliche Wcltordmmg ist nicht etwa eine leere und blasse Moralisterei. Es ist die Rcchtsgesellschaft freier und gleicher Menschen, und in der Konsequenz seiner Sittlichkeit schuf er als Form ihrer Organisation in der Wirklichkeit den s o c i a l i st i s ch e n Staat. Wegen der erwähnten Abhandlung verfiel Fichte der Denunziation des Atheismus, die schließlich zu seiner Entsetzung von der Jenenser Professur führte. In diesem berühmten Atheismnsstreit aber verfaßte Fichte Rcchtfertigungsschriften, in denen er mit einem aus den Tiefen seines Selbst hcranstürmenden gewaltigen Hohn die Niedrig- kcit der positiven Kirche erweist und für sich selbst den Anspruch einer geläuterten Religion, des wahre n Gottesglaubcns. erhebt. „Ich habe das Recht, dafür zu halten"— schreibt Fichte in seiner„Äppellatton an das Publikum"—,„daß man seinen gesunden Verstand verlieren müsse, um iv i e sie an Gott zu glauben; und daß mein Atheismus lediglich darin besteht, daß ich meinen Ver- stand gern behalten möchte.... Dieser ihr substantieller und um der Smnenwelt willen angenommener Gott, was ist er denn nun für ein Wesen? Daß die fromme Einfalt Gott als eine ungeheure Ausdehnung durch den unendlichen Raum, oder die noch einfältigere ihn so, wie er vor dem alten Dresdener Gesangbuch abgemalt ist, als einen alten Viani», einen jungen Viani» und eine Taube, sich bilde;— wenn dieser Gott nur selbst ein moralisches Wesen ist, und mit reinem Herzen an ihn geglaubt wird— das kann der Weise gutmütig belächeln; aber daß man denjenigen, der die Gottheit unter dieser Form sich nicht vorstellen will, einen Atheisten nenne, seine Schriften verbiete, und ihn vor den Ohren der Nation verschreie, ist um vieles ernsthafter zu nchnien." „Ihr Gott ist der Geber alles Genusses, der Austeilcr alles Glücks und Unglücks an die endlichen Wesen: dies ist sein Grund- charakter." „Ein Gott, der der Begier dienen soll, ist ein verächtliches Wesen; er leistet einen Dienst, der selbst jeden erträglichen Menschcn ekelt." „Das System, in welchem von eine»» übermächtigen Wesen Glückseligkeit erwartet wird, ist das System der Abgötterei...- Scy dieses übermächtige Wesen ein Knochen, eine Vogelfcder, oder sey cS ein allmächtiger, allgegcnwärtgcr, altkluger Schöpfer Himmels »urd der Erde;— wenn von ihm Glückseligkeit erwartet wird, so ist es ein Götze." Der Feiertag des Proletariats, der erste Mai, muß dazu ausgenützt werden, neue Anhänger für die Ideen des Proletariats anzuwerben. Der Arbeiterschutz wird erst dann als solcher anerkannt werden können, wenn die beiden Hauptforderungen Achtstundentag. und uneingeschränktes Koalitionsrecht der Arbeiter aufgehört haben im Reiche der Ideale zu schweben; wenn diese Forderungen erfüllt sind und die Arbeiter damit Zeit und Gelegenheit habeii, höheren Zielen zuzustreben. Anderthalb Fahrzehnte sind seit dein Jahrhnndertfeste der bürger- lichen Revolution und seit der Einigung der Proletarier aller Länder verflossen. Die Macht der Arbeiter ist gewaltig gewachsen. Die Zahl der socialistischen Stimmen bei den Rcichsragswahlen ist seit der Zeit auf mehr als das Doppelte gestiegen. Trotz des Kampfes der Kapitalisten und des diesen gefügigen kapitalistischen Staates gegen den Gebrauch des Koalitionsrechts ist die Zahl der gcwcrk- schaftlich organisierten Arbeiter noch stärker angewachsen und blicken die freien Gewerkschaften ans die imponierende Mitgliedcrzahl von beinahe einer Million Mitglieder. Beginnen auch die Gegner des Koalitionsrechts sich an den Gedanken zu ge- wohnen, daß die Arbeiter sich dieses Recht nicht mehr entreißen lassen, so müßten die Arbeiter von dem Gedanken beseelt seil», die Macht des organisierten Proletariats so zu starken, daß mich jeder Gedanke an einen Angriff auf dieses Recht schwindet. Sind die Arbeiter zu einer solchen Großniacht geworden, dann wird die schöne Phrase vom Arbciterschutz aufhören eine Phrase zu sei»». Die Leistungsfähigkeit der Arbeiter im interuationnlen Wettkampf wird allen Anforderungen gewachsen sein»ind die breiten Schichten des Volkes iverden ans eine höhere Kulturstufe gebracht werden. Eii»e Förderung des Gemeinwohls ist das hohe Kampfziel. Der 1. Mai ist der Tag der Heerschau über die Schar der Kämpfer. Die Berkürzmtg der Arbeitszeit durch die Gewerkschaften. So unzweifelhaft cs ist, daß eine gewaltige Zahl von Arbeitern durch den gewerkschaftlichen Kampf eine Verkürzung der Arbeitszeit im letzten Jahrzehnt erreicht haben, wie auch die Summe der für diese Arbeiterschaft gewomieucn freien Stunden eine ganz enorme ist, so wenig läßt sich positiv nachweisen, was die Gewerkschaften aus diesem Gebiete geleistet haben. Es fehlt bisher an einer Statistik. die über diesen Teil des Wirkens der gewerkschaftlichen Organisattonen Auffchluß geben könnte. Es sind zwar in den» lebten Jahrzehnt die Streiks, ihre Ursachen und Erfolge mit immer größerer Genauigkeit von den Vorständen der gewerkschaftlichen Centralverbände� registriert worden, aber es ist nicht im einzelnen nachgewiesen, wie groß die Zahl der an den um Arbeitszeitverkürzung ge- führten erfolgreichen Streiks beteiligten Arbeiter ivar. wie- viele Arbeiter also durch einen Streik eine Verkürzung der Arbeits- zeit erreicht haben. Die Statistik der Generalkommission berichtet zwar, daß in den Jahren 1891— 1902 insgesamt 6201 Streiks um Verkürzung der Arbeitszeit und 882 Streiks um Verkürzung der Arbeitszeit und Lohnerhöhung geführt wurden. Sie berichtet auch, wieviel der AngriffsstreilS gewonnen oder mit teilweisem Erfolg beendet worden sind, nicht aber weist sie aus, wieviel Beteiligte bei den erstgenannten Streiks waren, wieviel dieser Streiks»nit vollem oder teiliveisem Erfolg endeten, noch viel weniger, wieviel der Be- teiligten vollen oder teilweise»» Erfolg hatten. Erst seit dem Jahre 1900 ist aus dieser Streikstatistik ersichtlich, wie groß die Zahl der Streikenden ist, die vollen, teillveisen oder keinen Erfolg bei der Durchführung ihrer Forderungen hatten. In den drei Jahren van 1900 bis 1902 hatten von den an Streiks, die eine Verkürzung der Arbeitszeit bezweckten, 1369 Be- teiligte vollen und 69 Beteiligte teilweisen Erfolg»md bei den um Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung geführten Streiks 7144 Be- tciligte vollen und 27 252 Beteiligte teilweisen Erfolg. Welche Ver- kürzung der Arbeitszeit bei diesen Streiks im einzelnen oder inS- gesamt erreicht morden ist, weist die Statistik nicht aus. Aber wenn auch ein solcher Ausweis gegeben märe, so würde er doch mir einen sehr geringen Teil der Erfolge der Gewerkschaften auf dem Gebiete der Arbeitszeitverkürzung darstellen. Die Thatsache steht fest, daß die meisten Verbesserungen der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse nicht unmittelbar durch die Streiks. sondern vielmehr durch die Lohnbewegungen, durch die Androhimg eines Streiks herbeigeführt worden sind. Damit ist selbst- verständlich nicht gesagt, daß die Opfer, welche die Streiks erforderten,»imsonst gebracht seien. Im Gegenteil, die Streiks waren notwendig, um den Unternehmern zu zeigen, daß, lveiin alle Versuche, eine Besserung der Arbeitsbedingungen zu er- reichen, vergeblich sind, zum Lleußersten gegriffen wird. Dadurch sind die Uuternehnicr, soweit sie tu Deutschland überhaupt der Be- lehrung zugänglich sind, zu der Einsicht gekommen, daß der Weg der Unterhandlung der bessereist. Sie wissen, daß die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft die Konsequenz ans ihren Forderungen zieht und da, wo friedliches Vereinbaren verweigert wird, zum letzten Mittel, der Arbeitsverweigerung, greift. Wenn heute Vereinbarungen Und mm geißelt Fichte diesen Götzen der Kirchen: „Eigenwillig, wie sie selbst eS sind, nach deren Bild er ge» formt ist, knüpft er die von ihm zu erwartende Glückseligkeit an die Erfüllung gewisser Bedingungen, schlechthin weil er nun einmal diese Bedingungen will.� Je unbegreiflicher dieser Wille, desto glaub- würdiger ist es, daß es sein Wille sey; dein» dadurch wird er umso- inehr ein uncrforschlicher, d. i. ein eigensinniger Gott, dem seine llebermacht statt alles Rechts gilt. Erfüllung gewisser Ceremonien, Hersagen gewisser Formulare. Glauben an unverständliche Sätze, wird das Mittel, bei ihm sich einzuschmeicheln und' seiner Segnungen teilhaftig zn werden. Gehr die Sache noch am erträglichsten, so»vird die Tugend dieses Mittel; es ver- steht sich, die bloße äußere Ehrbarleir... In dieser Fuirktion hat jener Gott ivenigftens das Verdienst, mangelhaften Polizeianstalten nachzuhelfen. In diesem System wird Gott ohne Unterlaß gelobt und gepriesen, wie kein rechtlicher Mensch sich selbst möchte preisen lassen. Da ist nur immer die Rede von seiner Güte, und wieder von seiner Güte,»md sie können nicht müde werde»», dieser Güte zu gedenken... Da ist ihin alles einerlei; er läßt sich� alles gefallen, und»nnß sich alles gefallen lassen; und»vas die Menschen auch thun mögen, er ist mit seinem Segen immer hinterdrein. Und, was noch daS Heilloseste dabei ist, sie glauben es selbst nicht, indem sie cs sagen, sondern meinen nur, daß das ihr Gott gern höre, und wollen ihm nach dein Munde reden." Nach solcher Schilderung unwürdigen Götzendienstes steigt nun in mächtigen Accorden, gleich kreisenden Sternen in irdischen Welten, der Hymnus FichteS auf den Gottglauben des sittlichen Ideals, auf die Unsterblichkeit des Menschen in der zur Vollendung emporsteigenden Menschheit. Es ist klar, daß das heutige kirchenftomme Bürgertum, ein- schließlich der liberalen Theologen,»ficht die Erbin dieser kühnen und großen Weltanschauung geworden»st, weder in der Kritik der positiven Religiouei», noch in der Neuschöpfung des religiösen Gedankens. Der Socialismus»vird im Kampfe gegen die kirchliche Agentur der herrschenden Klasse Fichtes Kritik folgen. Aber bedarf der Socialis- mus auch eines, wenir auch noch so aller Offcnbarungsreligion und allem Kirchentum cutfremdeten religiösen Elemerfis? Wir haben gelernt, ck>aß die socialistische Gesellschaft nicht ans den Wolken auf die Erde fällt, sondern das Ergebnis Ivirtschastlicher Gesetze ist. Wir wissen, daß die neue Staats- und Rechtsordnung nicht von der„Güte" oder der„Moral" der Menschen zu erwarten ist, sondern daß sie nur das Werk des Kampfes der unterdrückten gegen die herrschende Klasse sein kann. Wo ist in dieser klaren und einheitlichen Erkenntnis nach Platz für— religiösen Glauben? In einem tieffiimigei, Worte erklärt Fichte einmal, was wahrer, verruchter Atheismus»ei:„Der»vahre Atheismus, der eigent- liche Unglaube und Gottlosigkeit besteht darin, daß man über die Folgen seiner Handlungsweise klügelt, der Stimme seines Gewissens nicht eher gehorchen»vill. bis man den guten Erfolg vorher- zusehen glaubt." Umgekehrt ist danach die wahre Religion der cfjuc ÄrLeitSeinsteVung in größerer Zahl zu stände komme», so ist fcn« den Streiks zu danke», die mit großen Opfern geführt wurden, und nicht einer von ihnen war überflüssig und nicht einer wird in Zukunft den Arbeitern erspart werden. Die Arbeiter haben stets den Weg der Verhandlung und Verein- barung der Arbeitseinstellung vorgezogen und wo die Unternehmer den Frieden wollten, oft genug ihre Forderungen herabgemindert und doch nicht unbedeutende Fortschritte durch Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit erreicht. Diese Fortschritte nachzuweisen, ist bisher nur von einzelnen Organisationen, und auch von diesen erst in den letzten Jahren versucht worden. Vom Jahre tW-t ab wird aber in allen der Generalkommission angeschlossenen GeWerk schaften hierüber Statistik geführt und wird es nunmehr möglich sein nachzuweisen, welche Erfolge die Gewerkschaften in jedem Jahre erzielen. Für die zurückliegenden Jahre ist dieser Nachweis nur vereinzelt möglich, unmöglich aber ist es anzugeben, welche Verkürzung der Arbeitszeit durch die Gewerkschaften für die gesamte Arbeiterschaft erreicht worden ist. Seit dem Jahre t8!X>, nicht unwesentlich beeinflußt durch die vom internationalen Kongreß in Paris aufgestellte Forderung des Acht- srundentages, machte sich das Bestreben in den Gewerkschaften geltend, der Verkürzung der Arbeitszeit eine größere Bedeutung beizulegen als einer Lohnerhöhung� Aus verschiedenen Generalversammlungen der Verbände wurde beschlossen, eine Lohnbewegung nur dann zu unter- stützen, wenn eine Verkürzung der Arbeitszeit gefordert würde. Lohn- crhöhung ohne Arbeitszeitverkürzung solle als von der Organisation zu unterstützende Forderung nicht anerkannt werden. In einigen Organisationen wurde eine solche Bestiminung auch in das Streik- reglement ausgenommen. Die intensiv betriebene Agitation für die Verkürzung der Arbeitszeit brachte es auch den Arbeitern, welche meinten, ArbeitSzeilverillrzmig bringe Lohnverlust, zum Verständnis, daß dauernde Verbesierung der Lohnvcrhältnisse erst eintritt, wenn eine entsprechende Reduzierung der Dauer des Arbeitstages herbei- geführt ist. Der Satz, daß Verkürzung der Arbeitszeit ini wahren Sinne Erhöhung des Wertes der Arbeitskraft, also Lohnerhöhung bedeute, war vor einem Jahrzehnt keineswegs allgemein anerkannt. Wohl waren besonders die Vertreter der gewerkschaftlichen Organi- sationen seit je bemüht, dem Satze Anerkennung zu verschaffen, doch fanden sie nicht in allen Kreisen der Arbeiterschaft das genügende Verständnis. In guten Organisationen ging die Forderung auf Lohnerhöhung stets mit der Forderung des kürzeren Arbeitstages parallel. Hier zeigte sich im praktischen Gewcrkschaftsleben, daß Lohnerhöhung allein nicht eine Besserung der Arbeitsverhältnisse bringe, weil damit eine Verminderung der Arbeitslosigkeit nicht ein- tritt, also eine ständige Gefahr für die Herabminderung des Lohnes durch Ucbcrangebot von Arbeitskräften gegeben war. So stellten auch die Buchdrucker bei Ablauf ihres Tarifs im Jahre 1891 die Verkürzung des Arbeitstages auf neun Stunden an die erste Stelle. Der um diese Forderung geführte Streik endete zu Ungunsten der Arbeiter. Trotzdem wurde der Reunstnndcntag wenige Jahre später von den Unternehmern an- erkannt und gill heute in ganz Deutschland in allen tariftrenen Druckereien. Bei durchgehender Arbeitszeit beträgt die Dauer des Arbeitstages nur 8� Stunden und in einer nicht unbedeutenden Zahl Druckereien ist die achtstündige Arbeitszeit eingeführt. Es ist diese tarifliche Festlegung des Neunstundentages für fast 40 000 Arbeiter in den Buchdruckereien der beste Ausweis für das Wirken gewerk schastlicher Organisation für die Verkürzimg der Arbeitszeit. In gleich umfassender Weise ist für einen andern Beruf in Deutschland eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht erfolgt, obgleich solche in allen Gewerben eingetreten ist, immer aber herbeigeführt für einzelne Orte oder Distrikte. Bei den Bildhauern z. B. war nach einer vom Berbandsvorstand im Jahre 1891 auf- genommenen Statistik die unterste Grenze des Arbeitstages fast allgemein zehn Stunden. Im Jahre 1900 hatten nach der Statistik des Verbandes 153 Steinbildhaucr den achtstündigen und 09 den neunstündigen Arbeitstag und nur 42 den zehnstündigen. .Von den Holzbildhauern arbeiteten 231— S1/.,, 301— 9 und 729— 10, von den in der Modcllbranche Beschäftigten" 178— 8, 202— 9 und 85— 10 Stunden täglich. Auch hier ist eine bedeutende Abkürzung des Arbeitstages in einem Jahrzehnt zu verzeichnen, wenn diese auch nicht einheitlich für das ganze Gewerbe erfolgt ist. Aehnlich haben sich die Verhältnisse in den andern Bernsen gestaltet, in denen gute Organisationen bestehen. Der positive Nach- weis ist aber nur für wenige dieser Berufe zn führen. Ein an- näherndes Bild von dem Wirken der Gewerkschaften dürste die folgende Tabelle geben. Es sind in dieser ans der Statistik des Holzarbeiter- Verbau des") 50 Orte verschiedener Größe und aus verschiedenen Bezirken Deutschlands zusammengestellt, die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit im Jahre 1893 und die vom Jahre 1902 angegeben und daneben bemerkt, um wieviele Stunden die Arbeitszeit pro Woche verkürzt worden ist. In der weiteren Rubrik ist vermerkt, in welchen von diesen Orten und in welchem Umfange die Arbeitszeit bei den Maurern von 1893 bis 1902 verkürzt wurde. Die Lage der Holzarbeiter. Stuttgart 1904. Bearbeitet von Th. Leipart. entschlossene Glaube an das, was man als wahr erkannt hat und an da?, was man als notwendig und möglich will. Der begeisterte Glaube an die socialistische Menschheit, die unverbrüchliche Uevcrzeugung, daß Iv i r so h a n d e l n k ö n n e n u n d m ü s s e n, w i e u n s r e forschende Vernunft a l s N o t w e n d i g I e i t erkannt hat, dieses kühne Vordringen zu dem Ziel, das wir uns setzen, zu dem die Vernunft führt, von dem aber das zage Vcr- nünfteln über die„Folgen" ablenkt— das ist Religion in Fichtes Geist, und so lange dies Bewußtsein auch die Religion der Social- demokratie bleibt, wird sie ihren Weg finden. D i e Religion brauchen »vir, sie Ivird durch kein Wissen und keine Klugheit ersetzt, Ivie sie andrerseits zugleich höchstes Wissen und höchste Klugheit ist. Bc- geisterung und lleberzeuguug allein heben die Welt aus den Angeln. Wie klein, wie trost- und hoffnungslos sind angesichts der Er- babenheit dieses religiösen Idealismus die Lehren der herrschenden Kirche! Während sie leere Ucberschwänglichkciten in ein unvorstell- bares Jenseits blasen, demütigen und brechen sie unablässig den Stolz der menschlichen Vernunft und die Siegesgewißheit ihrer Kulturarbeit. Sie sind in der That wahrhaste Atheisten; denn sie glauben nicht an die Menschheit und an die unerschöpflichen Kräfte des Diesseits. Immer nur reden sie von unsrer menschlichen Ge- brechlichkeit. sie wuchern mit der triebhaften, der höheren Erkenntnis fremden Todesfurcht schwacher Seelen, sie psalmodieren von_ der ff..- während die Aerzte rüstig nach der Ursache nach ihrer Heilung forschen, jammern Frage: Warum wohl Krankheiten auf sie thun alles, um die menschliche Ver- ihre Flügel zu lähmen, ihren fteien . indem sie der Menschheit das Vertrauen zu ihrer unendlichen Kraft entlisten, suchen sie die Armen und Schwachen unter das Joch der Herren zu beugen. Das ist der Wahn, von dem die neue Religion für immer befreit— eine Mai- Religion der blühenden Fülle, die Religion des Glaubens an die Wirklichkeit der menschlichen Solidarität und vernünftigen Gesellschaftsordnung, die Religion der Unsterb- lichkeit der menschlichen Kulturarbeit, die Religion des Selbstbewußtseins unsrer weltschöpfenden Kraft! Wer dieses religiöse Bewußtsein, in dem die Socialdemokratie in Wahrheit wieder die Erbin der klassischen Philosophen ward, gewonnen hat, der empfindet nicht nur die religiösen Verheißungen der kirchlichen „Polizeianstalten" als klein und völlig entbehrlich, er wird auch über die Ermüdungen und Zweifel des Tages immer wieder erhoben. Weil wir Socialdemokraten— wir allein— diese Religion des Glaubens an unser Ziel und die Begeisterung für unsere Sache haben, und weil wir— wir allein— ohne über die Folgen zu vernünfteln, so handeln, ivie wir handeln müssen, darum können Ivir mit Fichte bekennen: Wir nur sind die Gottgläubigen, die andern aber, wie fromm sie sich spreizen, sind die Gottlosen, weil sie an die Sache der Menschheit nicht glauben. Ewigkeit der Not, und der Krankheiten und sie über der Narren Erden seien. Kurz, nunft zu ersticken. Flug zu vereiteln, und Holzarbeiter Maurer Es ist danach in den 50 Orten für 68 032 Holzarbeiter eine Arbeitszeitverkürzung von 3/io bis 8 Stunden pro Woche und für 32 711 Maurer in 27 Orten von 3 und 0 Stunden eingetreten. Diese Abkürzung der Arbeitszeitdaner ist selbstverständlich nicht alles, tvas diese beiden Organisationen in den 9 resp. 7 Jahren erzielt haben, sondern nur ein kleiner Teil des Erreichten. Die Zusammenstellung sollte nur bezwecken, eine Schätzung über das Wirken der Gewerkschaften für die Arbeitszeitverkürzung zu ermöglichen. Sowohl bei den Holzarbeitern als auch bei den Maurern ist in einer weit größeren Zahl von Orten als den an- gegebenen die Arbeitszeit verkürzt worden. Die Statistik deS Maurer- Verbandes�) weist das Folgende ans: Die Arbeitszeit wurde verkürzt: 1885—1890 in 118 Orte« für 19 749 Maurer V» Stunde täglich „ 215„„ 23 764 1 W „ 6„„ 202 l'h 2 in 340 Orten für 43 809 Maurer 1890—1893 in 61 Orten für 10 189 Maurer Vs „ 106„„ 8917„ 1 1„ 12 2 Stunde täglich in 168 Orten für 19118 Maurer 1895—1900 in 124 Orten für 21 658 Maurer'/z Stunde täglich „ 357„„ 44 958„1„„ „ 2„„ 80„ l'/a„ .. 3„„ 422„ 2 in 486 Orten für 67 118 Maurer Es würde in den 15 Jahren, soweit nachweisbar, für 130 043 Maurer und damit auch für die auf diesen Bauten beschäftigten Hilfsarbeiter eine Verkürzung der Arbeitszeit um 3 bis 12 Stunden pro Woche herbeigeführt sein. Jedenfalls ein bedeutendes Stück Gewerkschaftsarbeit in einem Berufe, in dem der Verkürzung der Arbeitszeit auch bei vielen der Berufsangehörigen eine geringere Bedeutung als einer Lohnerhöhung beigelegt wird. Es liegt dies daran, daß bei den noch nicht genügend gewerkschaftlich geschulten Arbeitern des Berufes die Erklärung der Unternehmer, die kurze Saison müsse ausgenützt werden, nicht kurzerhand abgewiesen Ivird. sondern noch Glauben findet. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist deshalb besonders in den Saisongewerbcn äußerst schwierig. Daß sie trotzdem heute von der Masse auch der Arbeiter dieser Gewerbe gefordert und durchzuführen erstrebt wird, zeigt das Beispiel der Organisation der Maurer. Es sei noch ein Beispiel aus einem Berufe angeführt, in dem Saisonarbeit vorhanden und dessen Arbeiterschaft aus einer Reihe von Gründen schwer für die moderne Gewerkschaftsbewegung zu gewinnen ist. Aus der Stattstik des Verbandes der Steinsetzer von 1893 und 1901 sind in nach- stehender Tabelle die Orte zusammengestellt, die in beiden Statistiken enthalten sind und in denen eine Verkürzung der Arbeitszeit in den Jahren von 1893 bis 1901 durchgeführt worden ist. Ort Altenburg.. Berlin... Braunschweig. Breslau... Bromberg.. Köln a. Rh. Käthen... Eislcben... Frankfurt a. O. Görlitz... Kiel.... Leipzig... Ouerfurt... Zahl dcr Be- schäftigten 18 1650 60 140 37 200 16 37 20 40 80 230 32 Arbeitsstunden pro Woche 1893 1901 66 60 60 66 66 66 72 66 66 66 60 60 66 60 54 57 60 60 63 66 60 60 60 57 57 60 Vcr- kürzung um Stunden « 6 6 6 3 6 6 6 6 3 3 6 2380 In sdcn 13 angeführten Orten ist für 2580 Steinsetzer und danach für annähernd die gleiche Zahl Hilfsarbeiter eine Herab- Minderung der Arbeitszeit von drei und sechs Stunden erfolgt. Daß es sich hier um ein Gewerbe handelt, in dem sich der Reduzierung *) Das Maurergewerbe in der Statistik. Bearbeitet von Fritz Päplow und Th. Bömelburg. Hamburg 1902. der Arbeitszeit besondere Schwierigkeiten entgegenstellen, zeigt die lange Arbeitszeit, die 1893 und auch im Jahre 1901 noch vor» handen war. Die angeführten Beispiele zeigen, daß die Gewerkschaften mit Energie und auch mit Erfolg für die Verkürzung der Arbeitszeit kämpfen. Mancher mag von den erzielten Erfolgen nicht befriedigt sein. Jedoch ist zu bedenken, daß die Gewerkschaften in der ersten Hälfte der neunziger Jahre unter der_ wirtschaftlichen Krise im Rückgange sich befanden und Mühe hatten, die von ihnen gewonnenen Positionen zu behaupten. Erst nach dem Jahre 1896 begannen die Verbände an Mitgliederzahl zuzunehmen und ihre Finanzverhältnisse besser auszugestalten, und von da ab wurde es erst wieder möglich, erfolg- reich'den Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit zu führen. Ebenso hinderte die ungünstige Wirtschaftskonjunktur der letzten Jahre das erfolgreiche Wirken der Organisationen. Berücksichtigt man dieses wie auch den Umstand, daß den Gewerkschaften endlose Hindernisse durch reaktionäre Gesetze und die polizeilichen Eingriffe bereitet werden, so ist das Errungene nicht hoch genug einzuschätzen. Weitere Fort- schritte müssen aber und werden auch herbeigeführt werden, denn sie sind die Vorbedingung für die gesetzlich festzulegende kürzere Arbeits- zeit. Diese wird dann auch den Arbeitern den Zehnstundentag bringen, die durch die kapitalistische Ausbeutung so herabgedrückt sind, daßsieihnaus eigner Kraft nur schwer zu erkämpfen vermögen. Je größer die Zahl der Arbeiter ist, die sich den Zehnstundentag oder eine kürzere Arbeitszeit errungen haben, um so weniger läßt sich der gesetzliche Zehnstundentag der gesamten Arbeiterschaft vorenthalten. Ist dieses erreicht, so kann mit größerer Sicherheit und Widerstandskrast der Kampf für den Neunstundentag aufgenommen werden, dem dann, in gleicher Weise errungen, der Achtstundentag folgen wird. Sicher ist, nach meiner Ueberzeugung, daß der Kampf um den Achtstundentag nicht so lange Zeit in Anspruch nehmen wird, wie der um den Zehn- stundentag. wenn dieser gesetzlich festgelegt ist. Die Gewerkschaften tragen viel dazu bei, daß wir ihn bald erhalten, wenn sie mit erhöhter Energie den Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit fortführen. Die Arbeitszeit in den französischen Militärwerkstätten. Die Feindseligkeit, die unsre staatlichen Verwaltungschefs von der Art der Budde, Krätkc und Einem gegen die Organisationen der Arbeiter zur Schau tragen, ist in Frankreich aus mehr als einem Grunde undenkbar. Es würde hochgradig lächerlich erscheinen, wenn man dort einem Bürger der Republik seine Staatsbürgerrechte rauben wollte, sobald er seine Arbeitskraft dem Staate und nicht einem privaten Kapitalisten vermietet— und Lächerlichkeit tötet in Frank- reich die Minister schnell! Unsren heimischen Obermandarinen müssen schier die Haare zu Berge steigen, wenn sie höre», daß in Frankreich sogar die Arbeiter der Militärwerkstätten organisiert sind und daß diese Organisationen offiziell anerkannt werden. Neben dem Shn- dikat der Arbeiter und Arbeiterinnen der Centralmagazine der Kriegsverwaltung haben wir eine Föderation der Arbeiter und Ar- beitcrinnen der Armee-Verwaltungsmagazine, überdies eine Ver- trctung der Arbeiter in den Artillerie- und Trainwerkstätten und eine selche der für die Heeresverwaltung i» Algier thätigen Arbeiter. Am 19. Dezember 1901 centralisierten sich alle diese und noch einige andre Kategorien von Arbeitern in der großen föderativen Union der Arbeiter in Staatswerkstätten. Der erste Programmpunkt dieser Union war die Erringung des Achtstundentages, Abschaffung der Stückarbeit und Festsetzung eines Minimallohnes. Schon vorher halten die Sonderorganisationen Versuche zur Durchsehung ähnlicher Forderungen gemacht: die Arbeiter der Militärwerkstätten forderten im Mai 1901 vom Kriegsminister die Verkürzung der effektiven täg- liehen Arbeitszeit auf S'A Stunden; und die Arbeiter in den Artillerie- und Trainwerkstätten, die noch auf ihrem 7. Kongreß im Jahre 1900 keinerlei derartige Forderung gestellt hatten, setzten den Achtstundentag auf die Tagesordnung ihres 3. Kongresses im Juni 1901. Nach einer eingehenden Debatte setzten damals die Vertreter von 9 Werkstätten mit 10 800 Arbeitern gegen die von 5 Werkstätten mit 5200 Arbeitern eine Resolution durch, in der die tägliche Marimalarbeitszeit auf 8 Stunden unter Beibehaltung des jetzt für 10 Stunden bezahlten Lohnes gefordert wurde. Seit 1901 ist die Frage des Achtstunden- tages nicht mehr von der Tagesordnung der Kongresse der Militär- werkstättenarbciter verschwunden. In seinen Grundzügen entspricht das System der Bedarfsdeckung bei der französischen Heeresverwaltung dem bei uns üblichen: ein Teil des ArmcebcdarfS wird aus privaten Produktionsstätten bezogen, ein geringer Teil wird bei der Truppe von aktiven Soldaten besorgt, der Rest kommt aus Staatstverkstätten. in denen Civilarbeitcr be- schäftigt sind. Stach der letzten offiziellen Uebcrsicht waren Civil« arbeiter in Militärwerkstätten beschästigt: bei der Artillerie und dem Jngenieurtvesen,,-» 15 993 bei den Werkstätten des Bekleidungsamtes, Lagerimg, Sanitätsdienst usw.........,. 1 970 bei der Pulverfabrikation 3 530 bei der Ccntralverwaltung, beim topographischen In-> stitut, bei den Militärbildungsanstalten.... 265 zusammen 21 717, Nach Alter und Geschlecht gruppieren sich diese 21 717 Arbeite« wie folgt: Männliche über 18 Jahre 17 444 Frauen- über 18 Jahre...... y 3 827 Jugendliche Arbeiter von 13— 18 Jahren.. 395 Jugendl. Arbeiterinnen von 13— 18 Jahren 51 Tie Hauptmasse dieser Arbeiter bilden natürlich die eigentlichen Handarbeiter; dazu treten dann noch die Zeichner, Magazinaufseher und Rechnungsbcamten. Die Arbeitszeit war bis in die neueste Zeit hinein principiell auf 10 Stunden festgesetzt; bei einigen wenigen Werkstätten betrug sie im Winter 9 Stunden. In den Bureaus tvechselte die Arbeitszeit. je nach dem Dienste, doch war sie im allgemeinen kürzer als in den Werkstätten; ebenso war die Arbeitszeit für Frauen und Kinder etwas kürzer. Nachdem die föderative Union(d. h. der Centrälverband)' der Staatswerkstättcnarbciter dem Kriegsministerium die oben ange- führten Forderungen unterbreitet hatten, setzte der Kricgsminister eine gemischte Kommission zu ihrer Prüfung ein. Die Vertreter der Arbeiter beharrten von Ansang an auf ihrer Forderung des Acht- st u n d e n t a g c s. Der Vorsitzende des Verbandes der Magazin- arbeiter beklagte sich in der 11. Sitzung der Kommission über die durchgehends schlechte Beleuchtung der Werkstätten und behauptete, daß mm: durch eine Verkürzung der Arbeitszeit während der Stunden dieser schlechten Beleuchtung an Licht sparen könne, ohne daß der Arbeitseffckt sich verringern würde. Am 30. Oktober 1902 unter- breitete dieselbe Organisation dem Kriegsminister den Vorschlag, er möge doch in je einer Fabrik der verschiedenen Vcrwaltungs- dcpartements einen Versuch mit dem Achtsttmdentag machen. Ter Generalsekretär des Verbandes der Civilarbeiter in den Militär- Werkstätten meinte zwar in der Sitzung der Kommission vom 12. Februar 1902, die Maßregel sei vielleicht noch verfrüht, aber einen Versuch könne man imnicrhin machen. Die Kommission be- auskragte dann Herrn Laurent-Atthalin mit dem Studium der Frage und einigte sich am 3. April 1903 nach seinem ausführlichen Referats und einer eingehenden Diskussion auf folgenden Beschluß: „Die Kommission hält dafür, es sei wünschenswert, daß die Arbeitszeit der Arbeiter täglich acht Stunden nicht überschreite; diese Verkürzung der Arbeitszeit sei anzustreben ohne VerrUigerung der Gehälter und Tagetöhne. Abgesehen von besonderen Mäßnahmen, die in einzelnen Werk- statten etwa getroffen werden, um zeitweiligen Arbciterentlassungen. vorzubeugen, würde die Kommission nicht zu einer sofortigen Ver- kürzung der Arbeitszeit von 10 mif 8 Stunden raten, weil zu be- fürchten iväre, daß dadurch enttveder die Löhne verkürzt oder die Unkosten erhöht würden; es ist nach der Ansicht der KommissiW nicht SnzMehmen, daß die Jntensifikation der Arbeit den AuZsall vott qwei Arbeitsstunden ohne weiteres wettmacht. Dagegen würde eine stufenweise, wenn auch schnelle Verkürzung der Arbeitszeit eine derartige Verbesserung des Werkzeuges ermög- lichcn, daß die Arbeiter eine erheblichere Mehrleistung auf sich nehmen könnten und daß die Durchftihrung des Achtstundentages ohne merkliche Belastung des Budgets zu erwarten sei. Aus diesen Gründen ist die Meinung der Kommission: 1. das; der Achtstundentag zwar nicht sofort und allgemein ein- geführt werden soll, daß aber 2. eine progressive Verkürzung der Arbeitszeit im oben an- gedeuteten, Sinne stattzufinden hat." Kurze Zeit darauf bestimmte der Kriegsminister. General Andre, daß zmtächst in dem Arsenal von Tarbcs vom 1. September 1903 ab ein dreimonatlicher Versuch mit dem Achtstundentag gemacht werden solle. Da die Erfahrungen zu einer abschließenden Bc- urteilung der Frage am 1. Dezember 1903 noch nicht ausreichten, so ordnete der Kriegsminrstcr, wie wir dem„SuIIetin de l'Office du Travail" entnehmen, eins Weiterführung des Versuches an und bestimmte ani 1. Februar 1904 den 31. Mai 1904 vorläufig als Endtermin. Ferner verfügte er unter demselben Datum, dah in allen vom Waffcndepartement des Kriegsministcriums rcssortierenden Artilleriewerkstättcn der Reunstundentag versuchsweise vom 15. Fe- bruar bis zum 1. Juni 1904 einzuführen sei. Für die im Tagelohn stehenden Arbeiter ist mit dieser Maßnahme eine Erhöhung des Lohnes um ein Neuntel verbunden, während den im Stücklohn Bc- schäftigten keine Erhöhung zugebilligt lourde. Am 20. Februar 1904 wurde die ministerielle Verfügung in folgender Weise verallgemeinert: „Der jtriegsminister bestimmt, daß der Versuch mit dem Neun- stundentage vom 31. März 1904 auf alle Werkstätten der Heeres- Verwaltung ausgedehnt wird. In die neun Stunden werden fünf Minuten zu Anfang und fünf Minuten zum Schlüsse der Arbeit ein- gerechnet. Für die Accordarbeiter wird ein entsprechender Minimal- lohn festgesetzt. Diese Verfügung ist in allen Werkstätten auSzu- hängen." „ So in— Frankreich! {frofelflittutifln der spanischen Somlistkn nn die knsßschen. Während die japanische und die russische Machtsich zu blutigem Ringen im fernen Osten anschicken, hat die junge japanisch-socialistische Arbeiter- Partei an die russischen Genossen eine Sympathie-Erklärung gesandt, deren Wortlaut von dem Wochenblatt unsrer japanischen Vruderpartei, dein „Haimin Shimbun", zum Abdruck gebracht wird. Das Schriftstück stellt nicht nur dem Mut, mit denr unsre japanischen Genossen inmitten der aufgepeitschten Kricgsfurie die Ideen der Hlimanität und des Völkerfriedens vertreten, ein ehrendes Zeugnis aus, sondern zeigt zugleich, wie die socialistische Lehre überall, wohin sie dringt, auch in den fernsten Zonen, wahre Ge- sittung und Menschlichkeit weckt. In diesem Sinne hat die nach- stehende Erklärung gerade heute, am Weltfeiertag der Arbeiter, ihre besondere Bedeutung. Werte Genossen! Seit vielen Jahren hören wir von Euch und haben oft Eurer gedacht, obgleich wir bis jetzt keine Gelegenheit hatten, Euch die Hand zu drücken und mit Euch zu verkehren, da wir von Euch durch Tausende von Meilen getrennt sind. Zwanzig Jahre sind verflossen, seit Ihr begonnen habt, die hehren Principien der Menschlichkeit unter dem socialdemokratischen Banner zu verkünden. Während jenes Zeitraums waren die Verfolgungen eines despotischen Regiments und die Grausamkeiten der Polizei von einer Art, wie man sie nie bisher gesehen hat. Eure Vorläufer gingen durch die schwersten Prüfungen, sie erduldeten Hunger und Not, und diejenigen von ihnen, welche ins Gefängnis wandern mußten, in die Wüsten Sibiriens geschickt wurden, oder auf dem Schaffst endeten, sind zahllos. Dennoch wurde Eure Agitation nicht im geringsten Grade entmutigt, sondern Euer Mut vervielfältigte sich nach jeder Hinrichtung. Im letzten Jahre haben die verschiedenen socialistischen Gruppen in ganz Rußland sich zu einer starken Organisation vereinigt, und seitdem ist der Socia- lismus auch in Rußland zu einer großen Macht geworden. Wir er- klären unsre herzliche Sympathie mit Euch in Eurer schweren Lage und bewundern Euch, daß Ihr so fest zu Euren Grundsätzen steht. Werte Genossen! Eure und unsre Regierung haben sich jüngst in den Kampf gestürzt, um ihre imperialistischen Wünsche durchzu- führen, aber für uns Socialisten giebt es keine Grenze der Rasse, des Landes und der Nationalität. Wir sind Kameraden, Brüder und Schwestern und haben keinerlei Grund, uns gegenseitig zu bekämpfen. Euer Feind ist nicht das japanische Volk, sondern unser Militarismus und sogenannter PatriotiS» mus, noch ist unser Feind das russische Volk, sondern Euer Militarismus und sogenannter Patriotismus. Ja Patriotismus und Militarismus sind unsre gemeinsamen Feinde; und nicht nur wir, alle Socialisten der Welt betrachten sie als ihre gemeinsamen Gegner. Wir Socialisten müssen gegen sie tapfer fechten, und zwar ist jetzt dazu für uns die beste Gelegenheit. Wir glanben, daß Ihr diese Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen werdet. Wir werden auch unser Bestes zu thun suchen. Doch erlaubt uns, noch einige Worte hinzuzufügen. Wir find weder Nihilisten noch Terroristen, sondern Socialdemokraten und kämpfen stets für den Frieden. Wir verwerfen durchaus militärische Gewalt in unsrem Kampfe; wir kämpfen auf friedlichem Wege mit Hilfe der Vernunft und Belehrung. ES mag sehr schwer für Euch sein, auf diese Art zu fechten und in Rußland auf ftiedlichem Wege eine Revolution herbeizuführen, wo es keine Verfassung giebt und folglich, die Versuchung nahe liegt, die Regierung durch Gewalt zu stürzen. Aber wir alle, die wir für Menschlichkeit fechten, müssen dessen eingedenk sein, daß der Zweck nicht die Mittel heiligt. Wir können nicht voraussohen, Ivelche der beiden Regierungen den Kampf gewinnen wird. Aber welche auch siegen»nag, das Kriegsergcbms wird in allen Fällen dasselbe sein: allgeineines Elend, die Last neuer, schwerer Steuern, die Untergrabung der Moralität und die weitere Ausdehmmg des Militarismus. Deshalb ist die lvichtigste Frage für uns nicht die: welche Regierung gewinnen soll, sondern wie bald wir das Emde des Krieges herbeizuführen vermögen. Die Haltung, lvelche die internationale Arbeiter- assoziation in ihrer Agitatton während des deutsch- französischen Krieges einnahm, bietet uns ein gutes Beispiel. Wir sind Kameraden und Brüder und haben keine Veranlassung, uns zu be- kämpfen. Der Gegner, unser gemeinsamer Feind, fordert seine Menschenopfer. Wie Karl Marx uns hieß: Arbeiter aller Länder. vereinigt Euch! so müssen wir Socialisten uns die, Hand zum Wider« stand reichen. Werte Genossen! Wenn Ihr leidet unter der Unterdrückung Eurer Regierung und den Verfolgungen einer grausamen Polizei, dann erinnert Euch, daß da tausende Eurer Genossen in einen» fernen Lande sind, welche»nit der größten Sympathie für Euer Wohlbefinden und Euren Erfolg beten! schaft Berlin II erklärt sich mit dein Vortrag des Genossen Döring und den gefaßten Beschlüssen des 8. Vcrbandstages nach allen Seiten einverstanden und verpflichtet sich, voll und ganz dafür einzutreten, indem sie sich von denselben mich für»iiisre Mitgliedschaft euren ganz besonderen Vorteil verspricht. Der Centralvcrband der Schmiede(Zahlstelle Berlin) hielt seine stark besuchte Quart alsversanvralmig am Mittwoch im„Englischen Garten" ab. Ten jeassenbcricht pro 1. Quartal verlas N i m m r» ch. Einnahme und Ausgabe der Hauptkasse balanziert mit 4936,16 M. An den Hauptvorstand wurden 2609 M. abgesandt, die Aufwendungen für Arbeitslosenunterstützung bcliefcn sich auf 931 M. Die Ein- nähme der Lokalkasse betrug 3504,77 M., die Ausgabe 1483,83 M. Mit Einrechnung des erzielten lieberschusses beträgt der Vermögens- bestand 5615,39 M. Am Quartalsschluß hatte die Zahlstelle 1530 Mitglieder. Dem Kassierer wurde cinsrirrnnig Decharge erteilt. Nach Erledigung einer Reihe innerer Angelegenheiten teilte der Vorsitzercde S i« r i n g mit, daß in nächster Zeit eine öffentliche AgitationZ- Versammlung zwecks Einführung des Neuicstundcntagcs einberufen werden soll. Die Filiale IV des Textilarbeitcr-Verbandes(Stickercibranche) hielt am 20. April er. ihre Generalversammlung ab. Ter Vorsitzende P r i l l wi tz führte in seinem Bericht aus, daß im Laufe des Jahres 4 ordentliche, 1 außerordentliche Generalversamnilung, 6 Mitglieder- Versammlungen und 15 Vorstiandssitznngen stattgefunden haben. Der Mitgliederbestand betrug am 1. Januar er. 205, übergetreten sind an» 1. Marz in den Textilarbcitcr-Verband 166 Kollegen, neu ein- getreten sind im März 19, so daß die Mitgliederzahl am 81. März 135 beträgt. Lohnforderungen und Streiks fanden im vergangenen Jahre 4 statt, die sämtlich zu unsren Gunsten entschieden wurde». Zu in Kassenbericht teilte der Kassierer M a s s u t h c»nit, daß die Einnahme 2249,20 M. betrug, dazu der Bestand mit 1064,47 M., in Summa 3313,67 M. Die Ausgabe betrug 1701,10 M., Bestand am 31. März 1612,57 M. Bei der Vorstandslvahl Ivurden Prill- Witz, 1. Bors.; Frau Litfin, 2. Vors.; Scheich, 1. Kassierer; F. Müller, 2. Kassierer; Käfer, 1. Schriftführer; G r a n- n o w s k y, 2. Schriftführer; Beisitzerin Fräul. Hoppe. In die Agitationskommission wurden gewählt Thiel, Massuthe, H i n tz e und Frau Schuber t. Unter Punkt„Verschiedenes" teilte der Vorsitzende mit, daß es, nachdem die Zahlabcnde der politischen Partei auf den zweiten Mittwoch im Monat verlegt sind, nötig war, unsre Versammlungen zu verlegen; dieselben finden jeden dritten Mittwoch im Englischen Hof, Neue Roßstraße 3, statt. Betreffs des 1. Mai wurde mitgeteilt, daß die Filialen l und IV einen gemein- sawen Ausflug nach Sadolva machen. Nachdem noch für die Bibliothek 50 Mark bewilligt wurde»», erfolgte Schluß der Ver- sammlung._ Letzte JNtadmcbteii und Depefcben. Englisch-chinesisches Abkommen. London, 30. April.(B. H.) Zwischen England und der chinesischen Regierung ist ein Abkoinmen ivcge» Verwendung chinesischer Kulis in den Transvaalminen unterzeichnet worden. Operationen der Japaner zu Lande. Petersburg, 30. April.(B. H.) Nach einer Meldung Kuropatkins wurden ain 28. d. M. nachmittags und nachts größere japanische Tcuppcirkontingente auf den» Marsche von Jongampho nach Widschu solvie ein japanisches A»lftläru>»gsdctachcnlcnt aus einem Hügel im Süden von Stinchiagoon beobachtet. Ein aktives Vorgehen dieser japanischen Truppen war bis jetzt nicht zu konstatieren. Verhaftung eines russischen Gefängnisbeamten. Ki«>v, 30. April.(B. H.) Großes Aufsehen erregt hier die Verhaftung des Gehilfen des Moskauer GcfängniSinspcktors. Der Verhaftete hat eine Anzahl von Wechsel»» aus die S»lnm»e von 69000 R»ibel auf den Namen des Moskauer Gouverneurs gefälscht. Eröffnung der Weltausstellung in St. Louis. St. Louis, 30. April._t scher Dichtung" sprach. Aus dem reichen Schatze unsrer lyrischen und dramatischen Litteratur griff Redner eiire Anzahl Werke der bekanntesten deutschen Dichter des letzten Jahrhunderts heraus und zeigte an ihnen den unvcrkcnn- baren Einfluß, den die jeweiligen politischen»md wirtschaftlichen Verhältnisse auf die Dichtkunst ausgeübt haben. In fesselnder Weise führte er den Zuhörern vor Augen, wie— abgesehen von den Er- zeUgnissen serviler, gunstlüsterner RciMkünstlcr— uns aus den Hmiptwerken gerade der hervorragendsten Dichter, von Schiller, Körner, Arndt u>»d Heine bis zu Freiligrath und Audorff, der Geist der Bildung Und der Freiheit cnigegenatmet, bis wir in den heutige»» nwdernen Bühnenwerken sogar häufig in realistischer Schilderung das sociale Elend der Arbeiterklasse dramatisiert finden. All' diese Schöpfungen dichterischen Genies, ob wir sie nun in»«Wilhelu» Tcll" oder in„Die Toten an die Lebende»»", in„Bei' und arbeit'" oder in der„Arbeiterniarseillaise" und in den„Webern" bewundern, übyi» wieder ihre eminent bildende, befruchtende und begeisternde Rück- imrkung auf das Denken und Empfinden der nach Freiheit und socialer Gerechtigkeit ringenden Arbciterklaffe aus. Was die blasierten Schichten der satten Bourgeoisie auf diesem Gebiete höchstens noch als eine gesellschaftliche Modeuntcrhaltung betrachten, das wird für das Proletariat ii»»mcr mehr zum Schöpfquell lebendiger Kraft, der es für das im Socialismus verkörperte hehre Bcfreiungsideal von Tag zu Tag empfänglicher»nacht. So liegt denn der hohe Wert der Dichtkunst für die Arbeiterklasse nicht nur in der Schönheit dichterischer Poesie und in der packenden Lcbei»digkeit dramatischer Schilderungen, sondern auch vor allein i»» der Weckung und Stärkung der heiligen Gefühle für Mcnschenivürde und Menschenrechte. Ter interessante Vortrag wurde allseitig mit lebhaften» Beifall aufgenoinnlcn. worauf der Vorsitzende B i t t o r f die Versammlung»nit man Hoch auf die Socialdeinokratie schloß. Die Filiale Berlin des Centralverbandes der Stukkateure hörte »n ihrer am Montag bei Franke abgehaltenen Generalversainn, lung einen Vortrag des Genoffen Ströbel über:„Die Bedeutung der Landwirtschaft", welcher beifällig aufgenommen wurde.— Der Kassenbericht vom 1. Quartal 1904, welcher diesmal gedruckt n» der Vcrscmniilung verteilt wurde, ergab folgendes Endresultat: Ein- nähme für die Hauptkasse 2312,35 M., Ausgabe für dieselbe 144.22 Mark, mithin abzuführen an die Hauptkaffe 2668,13 M.; Einnahme für die Filiale 2303,60 Mk.. hierzu Bestand vom vorigen Quartal 5946,33 M., in Summa 8249,93 M.; Ausgabe für die Filiale 2722,26 M., bleibt also Gesamtkaffenbcstand 5527,73 M. Da mehrere der Vergnügungskoinitcemitglicdcr eme weitere Thätigkcit Verantw. Redakteur.: Paul Büttner, Berlm. Inseratenteil verantw, ablehnten, wurden zur Ergänzung und allinählichen Einarbcitting vier Mitglieder zugewählt. linier„Gewerkschaftliches" winde zunächst mitgeteilt, daß die Berliner Marmorschleifer und Polierer sich organisiert und(bis jetzt 27 Manb) dan Centralverband der Stukkateure als Zweiggruppe angegliedert baben. Es wurde hierbei der Wunsch ausgesprochen, daß diese Organisation mehr Lebens- fähigkeit besitzen inöge, wie seiner Zeit die der Figurenformer und Gießer.— Jin weiteren wurden die Kollegen Aug. und Paul Blaß- »nanu wieder in den Verband aufgenominen, während einem gleichen Antrage, den Kollegen Neetzendorf betreffend, nicht stattgegeben werden konnte, Iveil derselbe nicht selbst anwesend war.— Eine längere lebhafte Debatte rief die Mitteilung über das Verhalten des Unternehmers Jacckel, Wilmersdorf, hervor. Dieser Herr hat in letzter Zeit mehrfach den Unwillen der Kollegen erregt und auch jetzt wieder versucht, unter Nichtachtung unsres Tarifes einigen Kollegen den Verdienst zu schmälern. Diese jedoch lehnten es ab, unter solchen Umständen weiter zu arbeiten und hatte ein Einspruch unsres Vor- sitzenden zwar den Erfolg, daß für die Weiterarbeitenden eine Einigung erzielt wurde, doch sang der Unternehmer hierbei das Lied vom„Herrn»m Hause". Er wollte nur mit seinen Leuten ver- handeln. Den Kollegen dieser Finna wurde warm ans Herz gelegt, jede Tarifdurchbrechung energisch zurückzuwcisci» und sofort der Organisation zu melden. Hierauf wurde eine Erklärung der fkollegcn von der Firma Beinlich u. Hanschke verlesen, ivorin dieselben dagegen protestieren, daß genannte Firma»in Fachblatt als nicht tariftreu mit aufgeführt ist. Sie erklären, daß sie sämtliches Material zu- getragen bekommen und ist die Suche hierinit erledigt. Nachdem noch darauf hingeiviesen, daß die Kollegen ihren evcnt. Bedarf an Handwerkszeug jetzt im Verbandsburcau decken können und zum regen Besuch unsrer Maiversammlung am Sonntagvormittag 11 Uhr bei Franke aufgefordert worden, erfolgte Schluß der schon stark ge- lichteten Vcrsaminfting. Centralverband der Töpfer. Die Filiale Berlin des Töpfer- Verbandes hielt am 29. April ihre Generalversammlung ab. Der Kassenbericht von» ersten Quartal 1904 ivar den Mitgliedern bereits gedruckt zugestellt worden. Die Abrechnung mit der Verbmrdskasse schließt»nit der Bilm»zsiiM!nc von 11 110,93 M. Für Kranken- unierstützung wurden 3217,85 M. ausgegeben, für Streikunterstützung 225,10 M. Die Lokalkassc hatte, einschließlich des alte»» Bcstairdes von 23 805,65 M., 30 125,45 M. Einnahmen und ain Quartalsschluß 24 126,75 M. Bestand. An die Hauptkasse wurde»» 5067,70 M. abgeführt. Die Filiale hatte am Quartalsschluß 1970 Mitglieder. Es wurde beschlossen, vier Mitglieder ihres hohen Alters Ivcgen vom Lokalbeitrag zu befreie»». Sodann berichtete Hagen über die Baute i»koi> trolle und über den Arbeitsnachweis. Ueber die Bautenkontrolle ist seit dem 15. Februar genau Buch geführt Wörde»». Es wurden seitden» 97 Bauten koi»trolliert, wobei es sich in 41 Fällen um kleme Lohndifferciizcn handelte. Meist kamen hierbei die Nebenbestimmungen des Tarifs in Betracht, die tcillvcisc noch»»»cht richtig verstanden wurden. Ferner handelte es sich um Ilm- gclning des Arbeitsi»achlve»scs, um die Fenstcrfrage oder um andre Differenzen. Erfreulicherweise ist im allgeineiiicn etwas mehr Ordnung geschaffen worden.— Ueber den Arbeitsnachweis wurden ganz verschiedenartige Beschwerden erhoben; nach Meinung einiger Mitglieder lvcrdcn zu viele Fremde zugelassen, so daß ortsausässtge verheiratete Kollege» zu lange ohne Arbeit bleiben; nach Meinung andrer lverden den Fremden zu viel Hindernisse bereitet,»im hier Arbeit zu erhalten. Thatsächlich wird die Geschäftsführung a»»f denr Arbeitsnachweis so gehandhabt, dah die Zugereisten wohl ein- geschnebc»» werden, daß jedoch, ei», cm Beschluß der Filiale rnt- sprechend, die der Filiale Berlin angehörenden Kollegen bei der Arbeitsvcrtcilung zmtächst Berücksichtigung finden,»vorauf die Fremden anfmerksam gemacht werde»». Auf dem Arbcitsnachlveis waren im Monat Februar 993 Arbeitslose eingeschrieben, von denen nur 376 Arbeit erhielten, im März stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 1033 und von diesen komrten erst gegen Ende des Monats 577 in Arbeit gebracht»verde»». Diese Zahlen zeigen deutlich, daß von eurem Mangel an Arbeitskräften in Berlin nicht die Rede sein kann. Ter Redner trat arich der Ansicht entgegen, daß dnrch den Nachivcis die Fremden nach Berlin gelockt wurden; thatsächllch ist durch den Nachivcis erst eine Kontrolle des Zuzuges möglich geworden.— Ueber diesen Punkt fand ehre lebhafte Auseinandersetzung statt, die jedoch zu keiircn Acndcrmrgen der bestehenden Regeln der Arbeitsvermittcluirg führte; über die dazu gestellten Anträge Ivnrdc zur Tagcsordnmrg übergcgairgcn. Beschlossen wurde, die Zahl der Mitglieder des Kuratoriums des Arbeitssiachiveises auf vier zu beschränken, die nicht Mitglieder des Vorstandes sein sollen. Gewählt lvnrden für dieses Amt Otto Hayn, D a m m a n n, L i p p» tz und K o z o!v r c ck. — In die Lohnkommission ivurden gewählt: der Bautenkontrolleur Hagen und der Altgeselle Hugo I o h n.— Hinsichtlich der Maifeier wurde von einer besonderen Versammlung Absrand genommen.— Für einen notleidenden, seit langer Zeit kranken Kollegen bclvilligte die Vcrsi»n»uilui»g 50 M. Tie Hafenarbeiter(Berlin II) hielten am 17. April eine Ver- sammlung ab. Die Abrechnung des Kassierers ergab für das erste Vierteljahr ein Mm»ko von 127,93 M. Nach einem Referat des Verbmidsvorsitzenden, welches die Erhöbung der Beiträge, solvie die Einführung einer Krm'kengeld-Zuschuhkasse betraf, wurde folgende Resolution angenommen: Tie heutige Versammlung der Mitglied- : Th. Glocke, Berlin, Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt 8t. 102. 21. ZchMg. j DtÜitß poUtiscke Ucbcrficht. Berlin, den 30. April. Die Vertagung des Reichstages. Der Seniorenkonvent des Reichstages hat gestern unter dem Vorsitz des Präsidenten über die Geschäftslage des Reichstages be- raten. Unter der Zustimmung der Vertreter aller Parteien führte der Präsident, nachdem er eine Uebersicht des rückständigen Be- ratungsmaterials gegeben, aus, das; vor den Pfiugstferien— höchstens stehen noch vierzehn Sitzungstage zur Verfügung— nur noch die zweite Beratung des Etats und der Finanzreforin, sowie die dritte Lesung dieser beiden Vorlagen erledigt werden können. Zur zweiten und dritten Beratung im Plenum sind in den Kommissionen vorbereitet die Gesetze über die KaufmannSgerichte und die Vorlage betr. Entschädigung unschuldig Verurteilter. Hierzu kommen das Gesetz zum Schutz gegen die Reblaus, sowie ' da? Münzgesetz und die Vorlagen über die beiden Afrikabahnen, deren Verabschiedung wünschenswert ist. Der Präsident beabsichtigt, nachdem er sich der Zustimmung des Seniorenkonvents vergewissert hat, bei den verbündeten Regie- rungen dahin zu] wirken, daß eine Vertagung des Reichstages bis im November stattfindet. Sollte dem statt- gegeben werden, dann würde der Reichstag etwa am 13. Mai eine kurze Pfingstpause machen, nach Pfingsten die dringend notwendigen Vorlagen— Reblaus- und Münzgesetz sowie die Afrikabahnen— erledigen, um dann nach der bis zum Herbst dauernden Vertagung die unerledigten Vorlagen— Kaustnannsgerichte, Gesetz betreffend unschuldig Verurteilte, die socialpolitischen Resolutionen, sowie das noch erwartete Militärpensions-Gesetz usw.— weiter zu beraten. Von socialdemokratischer Seite und vom Centrum wurde als sehr wünschenswert bezeichnet, daß die socialpolitischen Reso- lutionen noch vor der längeren Vertagung zur Beratung im Reichstage gebracht werden. Außer dem Militärpcnstons- Gesetz stehen noch Regienmgs- vorlagen über die Entlastung des Reichsgerichts— Erhöhung der Revisionssumme— sowie ein dritter ErgänzirngSetat für Niederwerfung des Herero-Aufftandes in Südwestafrika in Aussicht. Definitive Abmachungen konnten nicht getroffen werden, da zu- nächst festgestellt werden muß, ob die Regierung die Session zu schließen oder zu vertagen beabfichtigt. Nach Kundgebung der NegierungSabsichten wird der Senioren- koiwent definitiv darüber beschließen, welche Gegenstände vor dem Schluß oder Vertagung der Session zur Verabschiedung gelangen sollen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich die parlamentarische Situation dahin gestalten, daß, nachdem der Reichstag nach Pfingsten in einer kurzen Tagung die notwendigsten Sachen aufgearbeitet hat, die Vertagung des Reichstags bis Anfang November eintritt. Altenburg. Aus dem Wahlkreise Mtenburg wird uns geschrieben: Wir sind unterlegenl Ein Resultat, mit dem wir von allem Anfang an rechnen mußten und auch gerechnet haben. Genosse B u ch w a l d brachte es auf 17 544 Stimmen, sein Gegenkandidat Oberlandesgerichtsrat Dr. Porzig siegte mit 18 Ml). Dies das Resultat der am Freitag in dem einen einzigen Wahl- kreis bildenden Herzogtum Sachsen-Altenburg vollzogenen Nachwahl. Wohl selten dürfte ein Wahlkampf mit einem solchen Aufwand an Kraft und mit solcher Erbitterung geführt worden sein wie dieser. Bei der Hauptwahl 1W3 erhielten Stimmen: Buchwald(Soc.) 18 695, v. Blödau(B. d. L.) 14 493, Dr. Hartn,ann(frs. 58p.) 2993. Wir hatten sonach mit einer Mehrheit von 1294 Stimmen beide Gegner im ersten Wahlgang siegreich geschlagen. Auf welche Weise das Mandat für ungültig erklärt wurde, ist bekannt. Die Gegner, soweit Konservative und Agrarier in Frage kamen, hatten sich dahin verständigt, daß von einem agrarischen Kandidaten abzusehen und ein Kompromißkandidat aufzustellen sei. und einen solchen fand man in der Person des Oberlandesgerichtsrates Dr. Porzig in Jena, eines auS großbäuerlichen Kreisen staminenden früheren alten- burgischen Richters. Die Liberalen kamen nicht zu einer bestimmten Stellungnahme, denn sie haben auch nicht einmal die Spur einer Organisation. Ueber ihre Haltung war man sonach zieinlich im Unklaren, wenn Kenner der Verhältnisse auch nicht daran zweifeln konnten, daß sie zum größten Teil in das Lager der Konservativen abschwenken würden. In Wirklichkeit war ja auch der Auf- schwung der Liberalen im Vorjahre von 1999 auf rund 3999 Stimmen nicht der werbenden Kraft des in Abhausen gekommenen Liberalisinus zuzuschreiben, sondern dem Umstand, daß ein Teil der städtischen Konservativen mit der Kandidatur des extremen Agrariers v. Blödau nicht einverstanden waren und ihren Protest in die Abgabe liberaler Stinunzettel kleideten. Unsre Position war von vornherein eine ungünstige, weil die alten Wählerlisten verwendet werden mußten. Allerdings hatte der Wahlkommissar im Gegensatz zu der in Sachsen beliebten Praxis bestimmt, daß jeder Wähler wieder dort wählen könne, wo er im vorigen Jahre sein Stimmrecht ausübte; auch dann, wenn er mittlerweile verzogen war, und sonach nicht inehr in seinem alten Wahlbezirk wohnte. Unsre Gegner, denen die vorjährige Niederlage noch schwer in den Gliedern lag, setzten sofort mit aller Macht ein, um diesmal das Mandat z» erobern. Ihre Hoffmuig steigerte sich noch durch den Ausfall der Wahl in Zschopau- Marieubcrg. Acußerungen hervorragender Parteigenossen, die zum Teil bis in das Jahr 1879 zurückreichen, wurden entstellt und aus dem Zu- fammenhang geriffen den Wählern vorgesetzt, der Kandidat, unter- stützt von den Rednern des Bundes der Landwirte und des eben erst gegründeten Bmrdes der Handwerker, bereifte den Kreis nach allen Richtungen. In den letzten Tagen ließ man noch den antisemitischen Radaubruder Liebermann v. Sonncnberg fomnieu. Uns trieb man aus dem Lande vielfach die Säle ab; gegnerischen Versammlungen mußten wir fernbleiben, denn es hatten nur sogenannte reichstreue Wähler Zutritt, dagegen schickte man in unsre letzten Versammlungen den agrarischen Heißsporn v. Bodelschwingh, der durch unverfrorenes Auftreten provozierte, freilich ohne den gewünschten Erfolg. Die größte Niederträchtigkeit leistete man sich aber erst in letzter Stunde; in verschiedenen Teilen des Landes wurden nämlich am Abend vor der Wahl Stimmzettel verteilt, die auf den Namen des Genossen S t ü ck l e n- A l t e n b u r g. des Reichstags-Abgeordnetei: für den 15. sächsischen Wahlkreis, lauteten. Am Wahltage selbst wurde eine Schlepperei großen Stils insceniert. selbst Kranke holte man per Wagen heran. Selbstredend waren auch unsre Genossen nicht müßig gewesen, sie hatten gearbeitet fast bis zur Erschöpfung. Versammlungen fanden in großer Zahl statt. Bebel sprach vor Tausenden im Westkrcise, zu heller Begeisterung entfachend. Am Donnerstag sprach Singer in Altcilburg. Wiewohl ein sehr großer Saal zur Verfügung steht, mußten zwei aufeinander folgende Bersatinnlungen angesetzt werden, um den Massen Gelegen- heit zu den Redner zu hören. Noch war die erste Versammlung nicht beendet, als im Garten schon Tausende standen, den Einlas; zu der zlveiten Verfanimlung erwartend. Zur Arbeit am Wahltage standen Parteigenossen aus Leipzig, Crimmitschau, Gera und Jena zur Verfügung, und so bot sich an diesem Tage im ganzen Lande ein Bild scharfen, erbitterten Ringens, Daß uns trotz alledem der Sieg nicht zufiel, ist bedauerlich, doch zu verwundern ist das nicht. Die Kriegervereinc, vereint mit dem Bund der Landwirte, haben einen unerhörten Druck ausgeübt. Sie bezeichneten jeden Kriegervereiuler, der nicht konservativ wähle, als meineidig, drohten mit Ausschluß ans. den Vereinen; die Bauern nahmen sich die kleinen Leute vor mit der Drohung, keine Diingerfuhren mehr zu leisten. kein Kartoffelfeld mehr abzugeben. Daß solche Drohungen ernst gemeint waren. daran ist nicht zu zweifeln. Nicht zu vergessen der ungünstige Wahltag. Viele Arbeiter aus dem Herzogtum ar- beitcn in weitentfernten Städten, für sie bedeutete die Teilnahme an der Wahl ein Entgang von zwei Arbeitstagen. Bezeichnend ist das Verhalten der Liberalen, die in der frei- sinnigen Volkspartei ihre Vertretung erblicken. Es läßt sich ziffem- mäßig nachweisen, daß sie mit vereinzelten Ausnahmen Mann für Mann in das konservative Lager abgeschwenkt sind. Die politische Charakterlosigkeit dieser Partei hat sich wieder einmal in trefflicher Beleuchtung gezeigt. Immerhin habe» die Gegner keinen Anlaß, diesmal von einem Rückgang der Socialdcmokratie zu fabeln, den» nach Abzug der an der Ausübung ihres Wahlrechts Verhinderten, der Verstorbenen und weithin Verzogenen haben wir unsre Stimmenzahl behauptet. Dies beweist, daß die Socialdemokratte in unsrem stark bäuerlichen Wahlkreis festen Boden gefaßt hat und daß unsren Gegnern bei der nächsten Gelegenheit das Mandat wieder ab- genommen wird.— • 7, ♦ Nach einer andern Meldung erhielt Buchwald 17 419, der Gegenkandidat 18 933 Stimmen. Wir hätten danach gegen die Hauptwahl 1993 1276 Stimmen eingebüßt, während die Gegner zusammen es auf ein Mehr von 677 Stimmen brachten. Es ist keine nachträgliche Entschukdiguug, daß wir in dem Wahlkreise mit einer Niederlage gerechnet haben. Wer unsre früheren Mitteilungen aus dem Wahlkampf liest, wird zugestehen, daß wir die Lage von Anfang an für ernst hielten. lieber die lokalen Gründe des Mißerfolgs— die Ungunst der alten Wahllisten usw.— hat unser Korrespondent ausführlich be- richtet. Dennoch bleibt die, natürlich nicht entmutigende, aber doch zur ernsten Beachtung auffordernde Thatsache bestehen, daß wir wiederum einen Wahlkreis verloren haben, und zwar nicht— das wäre zu verschmerzen— weil sich etwa die bürgerlichen Parteien fester zusammengeschlossen hätten als vordem, sondern weil ein recht beträchtlicher, wenn auch zum größten Teil durch den Wegzug von Wählern erklärlicher Sttmmenverlnst auf unsrer Seite und ein nicht unbedeutender Stimmenzuwachs im gegnerischen Lager unsre Nieder- läge verursacht hat. Seit den Hauptwahlen ist fast ein Jahr verflossen, ein Jahr, in dem die herrschenden Klassen nur Symptome der Zerrüttung auf- wiesen und keine einzige erfreuliche und fruchtbare Aktion vermochten. In einer solchen Zeit dürfen wir uns nicht damit begnügen, unsre Stimmenzahl zu behaupten, sondern wir müßten dem Gegner weitere Anhänger abgewinnen, wir müßten Fortschritte machen. Statt dessen gelingt es uns nicht, den alten Bestand zu er- halten. Dazu kam doch bei der Mtenburger Wahl noch ein besonders günstiger Ilmstand. Das Mandat war durch einen skandalösen, aufs höchste aufteizenden Gewaltakt der Reichstags- Mehrheit geraubt worden. Schon die Thatsache dieser Kassierung mußte zum erbitterten Protest werden und die Massen gegen die Mit- schuldigen des Streichs aufbringen. Auf unsrer Seite war das Recht — das war die wirksamste Agitatton für uns. Und endlich: Seit unserm Dreimillionensieg haben die Gegner die Maske abgeworfen. Sie haben in chnischer Offenheit zugegeben, daß sie das ReichstagSwahlrecht bei der ersten besten Gelegenheit beseitigen wollen. Jeder Wähler weiß jetzt, daß sein wichtigstes staatsbürgerliches Recht bedroht ist. Wählt er einen Gegner, so trägt er dazu bei, sich selbst zu entrechten. Gleichwohl sind die Fortschritte nicht auf der Seite der einzigen Partei, die das Wahlrecht schützt. Es ist nicht das verlorene Mandat an sich, das verdrießt. Ein Mandat mehr oder weniger, das ändert nichts an unsrem Einfluß. Unsre Macht liegt nicht im Reichstage, sondern in den Köpfen der socialistisch aufgeklärten und erzogenen Massen. Das Bedeutsamste an dem Mandat, das wir gewinnen, ist, daß es das Maß unsrer Werbekraft erhöht zeigt. Verlieren wir ein Mandat, so deutet der Verlust doch scheinbar auf ein Nachlassen unsrer Werbekraft hin. Ist diese Scheinbarkeit etlva Wirklichkeit? Der Frage dürfen wir nicht ausweichen. Damit die Socialdemokratte Anhänger gewinnt, ist zweierlei nöttg— wenn man von der allgemeinen Vorbedingung der wirtschaftlichen Entwicklung absieht: Die socialistische, principiell durchgebildete Erkenntnis und das Vertrauen zu der Partei, die berufen ist, diese gewaltigste Revolution der Menschheit zur Durchführung zu bringen. Die socialdemokratische Auffassung bleibt wahr, auch wenn hinter ihr— wie in England— keine mächtige socialdemokratische Partei steht. Damit eine Partei sich bilde, wachse und behaupte, bedarf es auch der politischen Kunst, der Fähigkeit Vertrauen zu erwecken und Seelen zu gewinnen. Personen sind die Träger der Sache, sie müssen durch ihre Thättgkeit jeden nicht nur von der Richttgkeit ihrer Anschauung überzeugen, sondern auch davou. daß sie die Berufenen seien, der Sache zum Siege zu verhelfen. Es ist die ruhmreiche Geschichte der deutschen Socialdemokratte, daß sie die Partei in dem Maße auf die Höhe der Sache ge- hoben hat, daß Socialismus und deutsche Socialdemolratie geradezu untrennbare Begriffe, eine unlösliche Einheit geworden sind. Man kann sich gar nicht niehr vorstellen, daß die socialistischen und demokratischen Principien eine tüchtigere, geschicktere und klarere Verkörperung finden als in der deutschen Partei. Mit dieser eben- bärtigen Verschmelzung von Person und Sache, von wissenschaftlicher ErkeiinMis und politischer Thatkraft, hat die deutsche Socialdemolratie ihre Anhänger gewonnen, ist sie von Sieg zu Sieg geschritten. Hat die innere Thätigkeit der Partei seit dem 16. Juni an Schwung und begeisternder Agitation nachgelassen? Haben wir alles gethan, wozu der große Sieg uns verpflichtete? War unsre Parteipolitik— wir meinen natürlich nicht die Politik gegenüber dem Gegner durchweg fruchtbar? Waren alle Einzelerscheinungen notwendig, verloren wir uns nicht etwa in Kleinlichkeiten und Nebendinge, war unser Thun immer so bedeutsam wie unsre Sache? Man mag diese Fragen bejahen oder verneinen— unter allen Umständen liegt nicht der mindeste Grund vor, zu ver- zagen und Trauerlicder anzustimmen, aber zugleich haben wir auch allen Grund, die Kräfte zusammen zu fassen und unsre Arbeit mit höchster Anspannung, würdig unsrer Sache, fortzusetzen und sie über die Wirrungen des Tages zu erhebe». Arbeiten wir! Dann werden wir auch werben!-- MMM z«ml«s. 1. Um 1004. ■aMBMBMBMaMMmawBaMMiiiiiMiiii amssBBsmmaamammm Der Reichstag führte heute die Debatte über das Börsengeseh zu Ende. Er war, wenn möglich, noch schlechter besetzt als gestern und 30 Abgeordnete waren wohl während der ganzen Sitzung im Saale. Auch die Debatte brachte im wesentlichen nur Wiederholungen, wenn auch einige recht interessante Schlaglichter auf die Stellung der bürgerlichen Parteien zur Börsengesetz-Novelle fielen. Fast jede Rede brachte die Desavouierung eines Partei- Mitgliedes durch ein andres. Am schlimmsten kam dabei Graf Neventlow weg. Der Bauernbündler Dr. W o l f f trat äußerlich zwar für seine Anschauung ein und erging sich gleich ihm in einigen anti- semitischen Späßchen, deren Ziel— man kann nicht gut sagen Opfer— diesmal die Freisinnige Vereinigung war. In Wahr- heit aber erklärte er die Bereitwilligkeit der äußersten Rechten, an der Ausarbeitung der Novelle mitzuwirken, und den Ver- zicht auf jeden Gedanken an Obstruktion. Hingegen will Herr Dr. Arendt von einer Reform des Börsengesetzcs nichts wissen. Er wandte sich gegen die Ausführungen der Linken, wobei er in Wahrheit die seiner Parteifreunde Kardorff und Gamp traf; und da seine sachlichen Anssnhrnngen selbst das eine Dutzend Zuhörer nicht zu fesseln vermochten, so versuchte er es mit einigen boshaften Be- merkungen über den Stimmenrückgang in nnsrer Partei, die er neulich schon im„Tag" abgeladen hatte. Der national- liberale Dr. Semmler, der die kommerzielle, insbesondere die Hamburger Anhängerschaft der nationalliberalen Partei vertrat, entfernte sich weit von den Ausführungen des national- liberalen Fraktionsredners Dr. Lucas. Er spielte sich als freiwilliger Negierungskommissar auf und erklärte die Vorlage für den richtigen Mittelweg, den er am liebsten ohne weiteren Aufenthalt betreten hätte. Nach diesem freiwilligen Regierungskommissar trat Graf Posado wsky mit großer Bestimmtheit und manchen gegen die Rechte wirksamen Argumenten für die Vorlage ein, und der Abg. D o v e(frs. Vg.) schloß eine Polemik gegen die heutigen Reden der Abgg. Arendt und Wolff an. Nach einer sehr nebensächlichen Berichtigung der Angaben, die unser Genosse Schmidt- Berlin über den wissenschaftlichen Mitarbeiter des Bundes der Landwirte, Professor Ruhland, gemacht hatte, war die Rednerliste erschöpft, und die Vorlage ging an eine Kommission bon 21 Mitgliedern. Dasselbe Spiel wie beim Börsengesetz spielte sich bei der Stempelsteuer-Novelle ab. Die Regierung, für die Freiherr v. Stengel sprach, er- klärte die von ihr vorgeschlagene Herabsetzung gerade für die richtige, ohne sich indessen darauf zu versteifen. Die börscn- freundlichen Redner, die Freisinnigen Kämpf und Mommsen und der Nattonalliberale Dr. Semmler, traten für eine weitere, Herr Dr. Paasche und Herr Dr. Arendt für eine geringere .Herabsetzung der bestehenden Stempelsteucrsätze ein. Schließlich ging die Vorlage an die Vudgetkommission. Am Montag wird die zweite Beratung des Etats fort- gesetzt.— Preußisches Abgeordttetenhaus. Das Abgeordnetenhaus hat am Soimabcnd nach UN- erheblicher und völlig inhaltloser Debatte auch die vierte Meliorattonsvorlage, den Gesetzentwurf betreffend Maßnahmen zur Regelung der Hochwasser-, Deich- und Vorflut-Verhältnisse au der oberen und mittleren Oder, an die Kommission ver- wiesen. Die Vorkehrungen, die der Präsident gegen die Ueber- füllung der Tribünen getroffen hatte, haben sich glänzend bewährt; nur zwei Zuhörer hatten sich eingefunden. Nach Erledigung einiger kleineren Vorlagen ohne Be- deutung vertagte sich das Haus auf Dienstagvormittag 11 Uhr, wo die Beratung der eigentlichen Kanalvorlage beginnt. Ain Montag fällt die Sitzung aus, damit die Fraktionen Zeit haben, zu der Kanalvorlage Stellung zu nehmen.—_ Die Ursachen des Herero-KriegeS liegen zwar für jeden, der überhaupt sehen will, so klar, daß man die Akten über diese Frage ruhig schließen könnte. Aber gerade jetzt, wo wir wiederum vor einem neuro Truppennachschub und neuen Herero-Krediten stehen, versucht die kolonialwütige Presse wiederum, die aktenmäßig festgestellten Thatsachen hinwegzuschwindely, um das kostspielige KciegSabentener, das die brutale Beutegier unsrer Koloniabenteurer, uns eingebracht, als einen„heiligen" Krieg, als eine Sache unsrer„nation alenEhre" erscheinen zu lassen. Wir hatten in unsreiT Artikeln während der letzten Tage betont, daß die südwestaftikanische Sandwüste die ungeheuren Opfer an Gut und Blut nicht wert sei, die eine gewaltsame Niederwerfung des Herero-Aufftandes kosten werde. Wir hatten ahnungsvoll bereits am Mittwoch von höchst wahrscheinlich bevorstehenden weiteren großen Truppen Nachschüben gesprochen, die dann am Donnerstag durch den RegieningSoffiziosus Scherl thatsächlich an- gekündigt wurden und inzwischen auch bereits durch eine An- kündignng in der B u d g e t k o m m i s s i o n ihre B e st ä t i g u n g gefunden haben. Wir fragten: wozu ungezählte Millionen zum Fenster hinauswerfen, wozu hunderte blühender Menschen- leben opfern? Man trete in Friedens-Unterhand» lungen mit den HereroS, die ja solche Verhandlungen bereits angeboten haben. Gegen einen selchen Vorschlag wendet sich imn General v. Boguslawski in der„Tägl. Rundschau" mit bom- bastischem„nationalen" Phrascnschwall und weniger als faden- schciittgen Gründen. Er giebt die Größe der Blutopfer zu, aber er ruft pathettsch: „Welches Volk ist aber jemals bor Opfern zurückgeschreckt um seiner nationalen Ehre, um seiner Zukunft willen?" Gerade aus Beweggründen der nationalen Ehre, der Kulturehre treten wir ein für Verhandlungen. Gewiß haben die Hereros 150 Ansiedler ermordet. Aber abgesehen davon, daß für jeden dieser Gemordeten wohl mindestens schon ein halbes Dutzend Hereros erschossen oder erschlagen worden sind— darunter auch Wehrlose und Verwundete!— daß Blutrache in wirklich hinreißendem Maße erfolgt ist, man muß vor allen Dingen die Ursachen des Ueberfalles der HereroS berücksichtigen. Die Hereros haben nur in der Notwehr gehandelt. Da diese hundertfach er- härtete Thatsache aber immer wieder bestritten wird, ist es nötig, immer neue Beweise dafür beizubringen. Selbst Herr P. M ü l l e n d o r f f, Redakteur der„Kölnischen Zeitung, der vor Ausbruch und während des Krieges eine Zeitlang in Südwestaftika weilte, bestritt vor einigen Tagen in einein in Berlin gehaltenen Vortrag, daß die Härte und Beutegier der Weißen den Krieg verursacht habe. Ja. Müllcudorff erklärt sogar, daß umgekehrt die Weißen Ursache zur Unzufrieden- beit wegen der„Berhätschelyng der Ei»geborr»kn" gehabt hätte« 1 Nun haken wir wiederholt auf Grund eines den amtlichen Denkschriften entnommenen Materials nachgewiesen, wie man die Eingeborenen„verhätschelte". Man nahm ihnen ihr be st es Land weg, man duldete, das? die H a n d l e r sie durch unerhörte Wucherpraktiken des größten Teils ihres Viehes beraubten, man duldete, daß die Weißen die Männer mißhandelten und d i e Weib er als Lnstobjekte gebrauchten, man unterwar sie einer drakonischen Justiz und vollzog an Tau senden von ihnen wegen kleiner Vergehen di Prügelstrafe— wahrhastig, eine beispiellose„Berhätschclung". Wie, fragt man sich, ist eS da nur möglich, eine so wahnwitzige Auffassung zu vertreten I Je nun, man muß sich eben mit dem Standpunkt unsrer Kolonial-Herrenmenschen vertraut machen, um ihre Klagen über eine zu„milde" Behandlung der Eingeborenen zu verstehen. Wie Herr Müllendorff selbst über eine Behandlung, wie sie Eingeborenen gegenüber am Platz ist, denkt, das geht aus einem seiner Berichte über die slldlvestafrikanischen Ereignisse hervor Um die Abneigung unsrer Kolonialkreise gegen die Missionare zu erklären, erzählt er folgende Episode: „Ein Offizier, der mit einer starken Patrouille emen Farmbczirk vom Feinde gesäubert und dabei zehn Herero getötet, dabei auch einige Weiber, die sich hetzend hinzu gedrängt, angeschossen hatte, wurde bei seinem Eintreffen in einem Mission shause von der Hausfrau recht ungnädig aufgenommen:„Ihnen geht ja ein schöner Ruf voraus, Sie haben Weiber und Kinder um g e b r a ch t."" Unsre Leser werden die E n t r ü st u n g der MissionarSgattin nur zu gut nachfühlen können— Herr Müllendorff aber will durch seine Erzählung die Taktlosigkeit der Missionare illustrieren l Menschen, die im S ch w a r z e n auch einen Menschen, einen gleichberechtigten Nächsten, einen Bruder sehen, wie e-Z doch gerade auch das C h r i st e n t u m lehrt, sind unsren Kolonial- kreisen eben Narren und Störenfriede. Daher ihr infernalischer Haß gegen die protestantischen Missionare, denen es nicht in deil Kop? wollte, daß die 200 ovo Eingeborenen nur dazu daseien, um so rasch als möglich nackt ausgeplündert und zu Leibeigenen der Handvoll Kolonialabcnteurcr gemacht zu werden. Die Auffassung dieser Kolonialkreise findet klassischen Ausdruck in zwei Briefen aus Südwestafrika, die unser Magdeburger Bruder organ veröffentlicht. Der Verfasser, ein Farmer aus dem Süden des Landes, schreibt darin: „Kurzum, mögen die Sachen liegen wie sie wollen,»ur eiserne Unterdrückung, und wenn möglich, Entfernung der Missionare ist denkbar, um die Eingeborenen an die Herrschaft der Weißen zu gewöhnen und Herrscher wollen wir über die schwarze Rasse sein, nicht Brüder. Da hört denn doch die Religion auf! Es ist nicht nötig, daß man die teuren Missionare nach hier sendet, um den Eingeborenen stets und stets zu predigen, — wir sind alle Brüder— der Hottentott faßt das wörtlich auf und verlangt auch brüderliche Behandlung, lind wenn mal etwas passiert, dann muß mit eiserner Faust nach dein Grundsatz Pardon wird nicht gegeben, dazwischen gefahren werde», aber nicht deutsche Michelspolitik, die bange vor einigen 1000 Eingeborenen ist und lieber Zuckerplätzchen mit Hintenansetzung des Ansehens unsres mächtigen Deutschen Reiches gießt, anstatt den Kampf bis aufs Messer zu führen. Hoffentlich erhalten wir mal einen ganz besonders energische» Gouverneur hierzu...." Und über die Hottentotten, die mit„eiserner Faust" v e r- sklavt werden sollen— über die er an andrer Stelle schreibt: „Wäre seiner Zeit mit gepanzerter Faust dazwischen gefahren, anstatt Friede gemacht, hätte man die Bestie heute ge- knechtet und unterdrückt" schreibt der Verfasser in dem gleichen Atemzuge: „Wie der Kolonialdirektor S t ü b e l im Reichstag richtig bc- merkte, ist der H o t t e n t o t Gentlemau-Krieger— er wird niemals Frauen und Kinder in den Krieg ziehen und sich an den- selben vergreifen, auch einzelne Weiße wird er, wenn er sich in Truppen befindet, nicht angreifen. Er nennt es eben keinen Krieg, wenn hunderte gegen einen oder drei an- gehen, und sein Aberglaube flößt ihm einen heiligen Respekt vor unnützem Blutvergießen ein. Ein Standpunkt, der viel Christ- lichcs enthält. „Es sind Herden Hottentotten von 80 Mann in Gondas, Heirakakaben und andern Plätzen gewesen, die nur von je einem Farmer bewohnt waren, und haben daselbst nur die Gewehre und Vi u n i t i o n genommen und ohne irgendwelche Beschädigung an Mensch oder Vieh oder Material sind sie dann wieder abgezogen." Die Hottentotten sind also„Geutleman-Krieger", deren Auffassung „viel Christliches enthält". Aber gleichviel: man hätte die„Bestie" schon längst„geknechtet" und„unterdrückt" haben sollen! Daß solche Ansichten aber nicht die Meinungen Einzelner sind, beweisen wohl zur Genüge folgende Auslassungen der »Kolonialen Zeitschrift", die da schrieb: „Ist der Farbige nicht willig, so brauchen wir Weiße eben Ge walt. Er hat sich den modernen Anforderungen zn füge n oder von der Bildfläche dauernd zu verschwinden. Der Mittel, welche der Kongostaat bei seiner Neger-Erziehung zur An- Wendung bringt, haben wir uns deshalb noch nicht zu bedienen. Aber eiserne Strenge als Charaktereigenschaft ist bei der Besetzung unsrer Gouverneursposten die ooullitio sius gua höh." (K. Ztschr. 04, 79.) „Nicht für die Missioniernng der Farbigen, nicht für ihr Wvhb ergehen in erster Linie haben wir die Kowniecn erworben, sonder/ für unS Weiße. Wer uns in dieser Absicht entgegentritt, den mü' wir aus dem Wege räumen."(Ebd. 1 Vom Standpunkt eines solchen kolonialen Ilebcrmenschenkums aus bewachtet, mag selbst die Regierungspolitik als„ V e r- h ä t s ch e l u n g" der Eingeborenen angesehen werden können. Solche Ansichten aber, die nur zu oft bethätigt wurden, lassen für jeden Menschen, der nicht auf dem Standpunkt unsrer kolonialen Conguistadoren steht, den Herero-Aufftand als einen Not>vehr-Akt erscheinen I Stellt der Aufstand aber einen solchen Notwehrakt dar, so vcr- langt es gerade die nationale Ehre bei WiderHerstellung des Friedens alles überflüssige Blutvergießen zu vermeiden. Sonst macht sich das deutsche Volk zum Mitschuldigen jener jenseits aller Moral stehenden Nebcrmenschen, denen wir das heillose Kriegsabenteuer in der süd- westafrikanischen Sandwnste zu verdanken haben I— fähigkeit und Wohnsitz im Deutschen Reiche), sondern auch innere Qualitäten, geistige Befähigung zum Redakteur haben und die Thätigkeit eines Redakteurs auch ausüben müsse. Das ist eine Sache, die wohl die öffentliche Meinung, nicht aber die Gerichte angeht. Dem Gesetze ist genügt, wenn eine verfügungsfähige, im Deutschen Reiche lvohnende Person mit ihrem Willen als Verantwortlicher Redakteur bezeichnet wird und die gesetzliche Haftung übernimmt. Eine unrichtige Angabe im Sinne des Gesetzes liegt nur dann vor, wenn jemand ohne sein Wissen als Veranttvortlicher Redakteur bezeichnet wird, der es nicht sein will. ES kann dem Ansehen eines Blattes in der Oeffentlichkeit schaden, wenn eine ungeeignete Person als verantwortlicher Redakteur bestellt wird, aber die Gerichte geht das gar nichts an, weil kein Gesetz vorschreibt, daß ein Redakteur sein Geschäft verstehen müsse. Einen Befähigungsnachweis für Redakteure schreibt kein Gesetz vor und wird niemals ein Gesetz vorschreiben. Die UnHaltbarkeit, der in der Rechtsprechung trotzdem geltend ge- wordenen Auffassung ist jetzt auf die Spitze getrieben und durch sich selbst aufgehoben worden durch ein neues Urteil de Reichsgerichts. Der Schlosser P i o n t e k hatte die Verantwortlichkeit fiir� die „Gazeta Robot nicza" übernommen; er, der Verleger Thiel und der Metteur MorawSki wurden angeklagt wegen Verletzung de Preßgesetzes durch falsche Angabe des verantwortlichen Redakteurs. Piontck und Thiel wurden auch mit der erwähnten Begründung verurteilt, der Metteur aber freigesprochen, weil er selbstverständlich weder Einfluß auf die Bestellung des Redakteurs hat, noch dessen Qualität und Thätigkeit prüfen und kontrollieren kann. Der Staatsanwalt legte Revision ein und das Reichsgericht hob das freisprechende Urteil auf mit der Begründung, daß des Metteurs Freisprechung nicht durch die Feststellung getragen werde, daß er auf den Inhalt des Blattes keinen Einfluß hatte und den Anweisungen seines Prinzipals folgen mußte. Jeder sei als Thäter zu betrachten, der in Kenntnis von dem Sachverhalte an der Vcr wirklichung des strafbaren Thatbestandes mitwirkt. Wenn also MoralvSki wußte, daß Piontek nicht verantwortlicher Redakteur war und durch seine Thätigkeit doch Piontek auf dem Blatte- als ver- antwortlicher Redakteur genannt wurde, so ist der Thatbestand des 8 18,2 Preßgesetz gegen Morawski gegeben; er hat den Sachverhalt gekannt und gegen das Gesetz gehandelt, es trifft ihn also ein Ver- schulden. Wer eine Ahnung vom Zeitungslvesen hat, sieht den Unsinn ein, der an seiner eigenen Logik zu Grunde geht. Wenn es schon richtig ist, daß jeder strafbar ist, der an einer strafbaren Handlung mit Wissen mitwirkt, dann braucht man auch bei dem Metteur nicht stehen zu bleiben, es giebt noch viel mehr Leute, die an der Herstellung und Verbreitung einer Zeitung mitwirken. Es kann auch einer Zeitungsfrau bekannt werden, daß der auf der Zeitung als vcrantwort- licher Redakteur bezeichnete Mann nicht geeignet ist zum Redaltcur. Konsequenterweise müßte auch sie verurteilt werden, wenn sie trotz- dem die Zeitung verbreitet hat, denn auch sie hat dann an der straf- baren Handlung wissentlich mitgewirkt. Wir wünschen dringend, daß nächstens der Versuch gemacht wird, auch die Zeitungsfrauen zu bestrafen, wenn sie eine Zettung verbreiten, deren verantwortlicher Redakteur nicht schreiben kann. Ein neues Ausnahmegesetz kündigt der„Lokal-Anzeiger" an. Vor einiger Zeit wurde eine Novelle zum preußischen Bereinsgesctz angekündigt, in der die Rechte der Frauen endlich erweitert, dagegen die Polen im Gebrauch ihrer Muttersprache verhindert werden 'ollten. Also ein Fortschritt, zusammengekuppelt mit einer reaktionären Ausnahmebestimmung! Inzwischen ist der Fortschritt der Regierung leid geworden; das wäre ja auch ein Hochverrat an der preußischen Reaktion. Das Vereins- und Versammlungsrecht für Frauen soll nicht vernünftig gestaltet werden. Dagegen bleibt die ausnahmegesetzliche Absicht bestehen: Es soll der Gebranch der deutschen Sprache in Ver- samntlungen vorgeschrieben werden. Diese Ungeheuerlichkeit ist nicht nur ein Ausnahmegesetz gegen die Polen, sondern auch gegen die Proletarier; denn nur sie werden durch solches Verbot des Gebrauchs der polnischen Sprache betroffen, sie werden auf diese Weise vcrhindct. ihre Interessen wirksam in der Oeffentlichkeit zu vertreten. Napoleon I. war wirklich ein Waisenknabe gegen unsre heutigen Hammcrsteine und Rheinbabcn. Der„korsische Parvenü" ist niemals auf den Gedanken gekommen, den Deutschen den Gebrauch der Muttersprache zu verbieten!— Zur Psychologie des Militärs. In der Hocnsbroechschen Monatsschrift„Deutschland" tMaihcft 1904) kramt ein Oberst von Cochenhansen seine Weisheit über Soldaten mißHand- l u n g e ir ans. Der Mann charakterisiert sich selbst dadurch am besten, daß er mit einer Emphase für die Einführung der Prügel- strafe eintritt, die OertelS Neid erregen könnte; er treibt'S darin so weit, daß der doch gewiß nicht zimperliche Graf von Hoensbroech in einer Anmerkung recht weit von ihm abrückt. Für den Obersten von Cochenhansen ist die Geschichte mit den Soldatenmißhairdlmigen ungeheuer einfach: das ist natürlich alles socialdem akratische Mache.„Wider besseres Wissen" wird in der Presse jeder einzelne Fall mit Behagen inid Gemigthiiung breitgetreten, um gegen den Militarismus Stimmung zu machen. Er will diesem Systeme ent- gegentreten und findet es au der Zeit, seine Stimme zu erheben und der Armee dafür ein Lob zu spenden,„wie verschwindend g c�r i n g die Zahl der Mißhandlungen sind". Was„die Herren Söhne aus den Kasernen nach Hause schreiben, sind„Ucberlreibungen und direkte Lügen"; die„Masse unverschämter Lügen" wird nur vor- gebracht, um auf diese Weise Mitleid zu erregen und sich reichlichen Geldzuschnß zn verschaffen. Um das zn beweisen— fingiert der err Oberst einen Brief, den ein Banernjimge an seine Mutter schrieben haben... könnte! Die Abschaffung der Soldaten- Mißhandlungen ist ein„Ideal", soll heißen: ein Phantom; denn: so wenig es jemals glücken ivird, Mord, Diebstahl, Betrug usw. anz aus der Welt zu schaffen..." Man kennt ja Text und telodie zur Genüge. Schließlich wird der Herr Oberst aber doch in Versuchung geführt" z» glauben, daß einmal eine Zeit denkbar wäre, Ivo die Mißhandlungen ganz verschwinden. Na, hoffen wir es, geehrter Herr Oberst! Inzwischen danken wir ftir den lehrreichen Einblick, den Sic uns in die Seele eines „alten Soldaten" gestattet haben. Dortmund, die Herreit Regierungspräsidenten von Arnsberg und Düsseldorf, die königlichen Bergrevierbeamten und Landräte der in Betracht kommenden Bezirke, Vertreter des bergbaulichen Vereins zu Essen, des Kohlensyndikats und der ankaufenden Gesell- schaften an der Verhandlung teil. Die beweblicheit und wirtschaftlichen Verhältnisse der emzelneu Zechen. deren Verkauf feststeht, die Fragen, ob und welche Einlvirkungen der Verkauf auf die Verhältnisse der Bergarbeiter, der Gewerbe- treibenden und Gemeinden ausüben wird, tourden in eingehendster Weise erörtert. Im Anschluß an die heutige Konferenz werden auf einer Reihe von Zechen die in Frage kommenden Verhältnisse an Ort und Stelle morgen und übermorgen geprüft werden. Das Ergebnis dieser Verhandlungen wird voraussichtlich schon bei Bc- ratung des Antrages von Savigny und Genossen zu§ 65 A. B. G. zur Kenntnis des Landtages gebracht werden." Dieser Bericht ist völlig nichtssagend, er läßt einen so klug, wie man schon vorher war. Selbst die bürgerliche Presse zeigt sich unzufrieden. Die öffentliche Meinung geht dahin, daß die Konferenz kaum praktische Erfolge haben wird. DaS Zechenlegen wird seinen Fortgang nehmen; thatsächlich gehen auch Gerüchte um von neuen Zechenverkäufcn. Nach den Verhandlungen in den Parlamenten ist das ja auch ganz selbstverständlich.— veutlcben Reich. Der Unsinn durch Uebcrtreibnng aiifgehoieit. Nach dem Ncichs-Preßgesetze ist eS strafbar, eine Person fälschlich akS verantwortlichen Redakteur zu benennen. Entgegen dem Sinne und dem Zwecke der Vorschrift, die verlangt, daß eine vcrfiignngs- -fähige, im Deutschen Reiche wohnende Person die rechtliche Haftung -für etwaige Rechtsverletzungen übernimmt, hat sich die Rechtsprechung seit Jahren auf den Irrweg verloren, daß der verantwortliche Redatteur nicht nur die gesetzlich vorgeschriebenen Qualitäten(Berfügungs- Eine Konferenz wegen des Zechenlegens, vom Ministerium einberufen, an welcher die Zcchcnbesitzer und Be- Hörden des Ruhrrcvicrs teilnahmen, begann am Donnerstag unter dem Vorsitz des Ober-Berghauptmanns v. Velsen im Stadt- verordneten-Sitznngssaale der Stadt Dortmund zu tagen. Minister Möller hatte seine Teilnahme zugesagt, ist aber nicht erschienen. Die Bevölkerung ist von der Konferenz sehr enttäuscht, da die Oeffentlichkeit ausgeschlossen lv a r. ja nicht einmal die Presse zugelassen wurde. Als diese allgemeine Mißstimmung in der Presse Ausdruck fand, suchte man zn beschloichtigen durch die Erklärung, daß durch den Obcrbergrat Engel, dem Geschäftsführer des Bergbaulichen Vereins, der Presse ein offizieller Bericht zugestellt werden solle. Dieser Bericht ist nun im Laufe des Freitags erschienen und hat folgenden Wortlaut: „Im Sitznngssaale des Stadthauses begann unter Vorsitz des Herrn Ober-Berghauptmanns v. Belsen, Berlin, unter Zuziehung der zuständigen Verwaltungsbehörden und der beteiligten Interessenten die Verhandlung über Untersuchung der� durch den Verkauf ver- schiedener Zechen im Ruhrgebiete geschaffenen Verhältnisse. An der Verhandlung, welcher auch die Herren Oberpräsidenten der Rhein- Provinz und der Provinz Westfalen beiwohnten, nahmen als Kom- missare des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe»eben Herrn Oberberghauptmann v. Velsen der Geheime Oberbergrat Meißner und Geheimer Bergrat Rcuß aus Berlin, als Kommissar des Herrn Ministers des Innern der Geheime Rcgierungsrat Richter aus Berlin teil. Ferner nahmen das königliche Oberbergamt zu Die Gcrmanisation im RcichSlande. Ans Straßburg sckireibt uns unser �.-Korrespondent mrterm 28. April: Gelegentlich der Beratung der Petitionen machte der Landesausschuß heute einen kleinen Spazierritt aus das immer noch interessante Terrain der Gcrmanisation. Der in seiner Mehrbeit bekanntlich socialdcmokratische Gemeinderat der Stadt Mülhausen hatte sich wieder an das Landesparlament gewandt, mit dem Gesuch, einer Einführung des französischen Sprachunterrichtes in den Lehrplan der Volks- schulen das Wort zu reden. So alt diese Bestrebungen im Reichsland auch sind, so entschieden hat sie die Regierung immer verworfen, und zn einem energischen Schritt hat sich auch der Landesausschuß nie hcrvorgewagt. Daß aber in einem Grenzland mit gemischtsprachiger Bevölkerung die Erlernung der französischen Sprache für diejenigen Schichten des Volkes, denen der höhere Schulunterricht verschlossen ist, vom denk- bar größten Vorteil wäre, das kann garnicht zweifelhaft sein, nnd nur diejenigen können die Frage in ihrer Tragweite nichts erfassen, denen das„ g e r»i a n i s a t o r i s rii e" Moment alles ist! Daß dieses„gennamsatorische" Uebcrlegen tbatsächlich den Grund der auch jetzt wieder ablehnenden Haltung der Regierung bildet, geht klar hervor ans dem im Bericht der II. Kommission angeführten Motiv des Regiernngsvertreters',„die Schule(natürlick, nur die Volks- schule, nicht die höhere Schule, die ftemdsprachlichcn Unterricht pflegt) habe ihre Schüler zum nationalen, nicht zum internationale» Lebe» vorzubereiten. Das sagt genug, trotz der auch sonst noch an- geführten abweisenden„Gründe" pädagogisch-techniscker Natur. Die zweite Kommission empfahl mm, das Gesuch der Re» g i e r u n g zur Kenntnisnahme zu überweisen. Da- gegen wandte sich ein Autrag Dr. Schott sklerikal), das Gesuch sei zur wohlwollenden Prüfung zu überweisen. Dieser Antrag wurde lebhaft unterstützt von Herrn R ö s f lliberal) nnd »nserm Genossen"E m m e l, der darauf hinwies, daß der Vorschlag der Kommission nichts weiter bedeute als ein Aus kneifen, ei» N i ch t« Fa r b e b e k e nn e n. Entweder solle man zur TageS« ordnung übergehen oder den Antrag Schott annehme». Im übrigen merkte E in in e l in Würdigung der Schwierigkeiten zur Beschaffung des Lehrermaterials, man solle den Unterricht zuerst fakultanv, für die Städte einführen und erst allmählich zum allgemeinen obligatorischen Unterricht schreiten. Wenn es im LandeSanSschuß nun schon selten ist. daß ein Kommissionsantrag bekämpft wird, so ist der Erfolg der Mülhausen Petition noch bedeutsamer, da trotz des energischen W e r- p r n ch e s des Regierung S ver treters der Antrag Schott mit ziemlicher Mehrheit gegen die Sammlung der alten, konser« vativen Elemente a n g e n o m in c n wurde. Für die UnNvandlunil im politischen Leben des LaudeSauSschuffeS gewiß ein charaltcristischeS Merkmal!—_ Stimme»?»»;. Krefeld, 29. April. sEig. Ber.) Drei Centrums» manner aus Nenß standen vor der Düsseldorfer Strafkammer, an» geklagt wegen Vergehens gegen Paragraph 109 des Strafgesetzbuches. der lautet:„Wer in einer öffentlichen Angelegenheit eine Wahl- limme kauft oder verkaust, wird mit Gefängnis von einem Monat bis zu 2 Jahren bestraft; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden." Das Centrum hatte bei den Stadtverordnetenwahlen in Nenß im November vorigen Jahres einen schlvcren Stand gegen eine sogenannte Bürgerparte!, ist auch nachträglich unterlegen. Mit allen Mitteln wurde versucht, den Sieg an sich zu reißen, be- sonders wurde ein Druck auf die Geschäftsleute ausgeübt. Ein Wirt Müller, der sonst stets das Centrum gewählt, erklärte einem der Führer des Centrllms, einem Kaufmann Jnhoffen, er würde nicht wählen. iveil ihm der Fischereischein von der Verwaltung vorcickhalten würde. Jnhoffen setzte sich, daraufhin mit dem langjährigen Beigeordneten der Stadt Nenß, einem Kaufmann Wehrhahn, einer festen Centrums» stütze, in Verbindung, und dieser besorgte in kurzer Frist den Fischerei- schein. Die Stimme war für das Centrum gewonnen. Doch brachte diese Angelegenheit die drei Verbündeten auf die Anklagebank, weil die Sache der Behörde zu Ohren ge- kommen war. Die drei Angeklagten bestritten, daß die Sache sich so verhalte wie in der Anklage behauptet werde, doch wurde» sie durch Zeugen überführt. Das Urteil lautete für Müller und Wehrhahn auf je einen Monat und für den Vermittler Jnhoffen auf acht Tage Gefängnis. Hueland. Die Mai-Hetzjagd in Warschau. Die Telegraphcnagenturen haben an? Warschau die Nachricht gebracht, daß dort„eine Bande" einige Polizisteu überfallen und sie niedergeschossen hätten. Die Kunde lautete gleich sehr abenteuerlich. Jetzt erhalten wir eine ganz andre Darstellung des Zwischenfalles. Demnach ist am 27. April eine kleine Gruppe von Agitatoren der Socialdemokrafte Russisch-Polcns bei der Herstellung von Mai-Flugblättern auf der Vorstadt Wala von der Polizei überrascht worden. Es gelang den Verfolgten zu entkommen und sich bei einem Schuhmacher, gleichfalls Genossen, zu verstecken. Doch di: Polizei kam auf ihre Spur und drang mit der ganzen bestialischen Brutalität, die sie in den letzten Tagen vor der Maifeier besonders zur Schau trägt, in die Wohnung des Schuhmachers ein, um die Flüchtlinge mit Gewalt zu entführen. Bei dem Zusammenstoß zogen die Socialdemokraten in der Notwehr die Revolver und verteidigten sich energisch. Bei dem Handgemenge blieb der Oberstlientenant der Gendarmerie auf der Stelle tot, der Adjunkt des Polizeikommissars ist tätlich verwundet und einige Schutzleute trugen mehr oder minder schwere Wunden davon. Die verfolgten Socialdemokraten sind schließlich verhaftet worden. Es bleibt abzuwarten, ob diese Darstellung bestäfigt wird und waS die weiteren Nachrichten zur Aufklärung der Affaire bringen. Jedenfalls ist zum Verständnis der jetzt in Warschau sowie in Lodz herrschenden Zustände in Betracht zn ziehen, daß in beiden Städten die Jndustriekrise im Zusammenhange mit dcni Kriege und der Krise in Rußland mit ganzer Vehemenz ausgebrochen ist. Die Arbeits- losigkeit wächst mit jedem Tage, circa dreißigtausend Arbeiter nagen buchstäblich am Hungertuche. In Lodz sind schon Brotläden geplündert worden. Von der Regierung wird dabei gar nichts gethan, um die Rot einigermaßen zu lindern. Ja, durch den neuesten Ukas. daß alle ausländischen oder aus entfernteren Gegenden des Landes stammenden Fabrikarbeiter entlassen werden sollen, wird die Arbeitslofigkett noch künstlich vergrößert. Gleichzeitig werden aus Angst vor der Mai- feier die Wachsamkeit und die Brutalität der Polizei verdoppelt. Für einige Tage vor und nach dem 1. Mai soll sogar formell der Belagerungszustand verhängt und so die Lage in Warschau ganz ähnlich wie z. B. der in Odessa werden, wo Krise, Hunger und Belagerungszustand gleichfalls zusammenwirken, um die Arbeiter- massen aufs äußerste zu erbittern. Die Maifeier kann somit in Warschau und Lodz diesmal Ereignisse zeitigen, die schwer im voraus zu übersehen sind. Belgien. Die Herrschaft der Klerikale» in Belgien ist geradezu unerträglich geworden. Seit vielen Tagen wird in der belgischen Kammer über die allgemeine Politik der Re- gierung debattiert. Angesichts der Kammerwahlcn, die am LS. Mai stattfinden, werden die Debatten mit großer Leidenschaftlich- keit geführt. H h m a n s von den Liberalen und Vandervelde für die Socialisten haben die Politik der Regierung in glänzenden Reden einer vernichtenden Kritik unterzogen. Seit 20 Jahren hat die klerikale Partei in Belgien die Herrschaft ununterbrochen und sie hat die Zeit ausgenutzt und alle Institutionen des Landes dazu mißbraucht, ihre Herrschaft zu befestigen. Das Schulgesetz, welches die Klerikalen geschaffen, hat den öffentlichen Unterricht fast vollständig vernichtet; in neun Zehnteln aller Ge- meindcn des Landes ist die offizielle Schule durch solche der 5longregationen ersetzt. Diese erhalten Subventionen vom Staat, werden aber dirigiert von den geistlichen Schulbrndern und Nonnen. Die Familienväter sind gezwungen, ihre Kinder in diese Schulen zu schicken, wenn sie anders nicht au-Z der Arbeit gebracht werden wollen. Man boykottiert die Händler und Gewerbetreibenden, welche im Verdacht stehen, anti-klerikal gesinnt zu sein; die Beamten sind gezwungen, ihre wahre Ueberzeugung zu verheimlichen. Es ist die heilige Alliance der Priester, der Groß- grundbesitzer und der Unternehmer, welche in Belgien alles beherrscht. Auch wirtschaftlich wissen die Klerikalen die Bevölkerimg an sich zu fesseln und von ihrem Willen abhängig zu machen. Sie haben das ganze Land überzogen mit Cooperativ-Genosscnschaften, Unter« stütznngs- und Versichcrungsvereincn aller Art. Alle diese Institutionen werden geleitet von Geistlichen. Um zu diesen zu- gelassen, beziehentlich Nutzen aus denselben zu ziehen, nmß nian als lrommec Christ bekannt sein; hält man sich davon fern, wird man boykottiert. Die Hilfstruppen der frommen Garde wachsen ins ungemessene. Im Jahre l859 gab es in Belgien Löl Klöster mit 3649 Insassen, im Jahre 1300 betrug die Zahl der Klöster 2231 mit 37 637 Mönchen und Nonnen. In den letzten Jahren ist infolge des französischen Gesetzes die Einwanderung von Kongreganisten so stark gewesen, daß oie Zahl derselben jetzt ca. öS OOS betragen dürfte. Die Hälfte der historischen Schlösser Belgiens ist in die Hände der Kongreganisten übergegangen. Jedes Kloster ist eine Werkstätte für klerikale Wahlen. Die Geistlichen halten es nicht einmal mehr für nötig, den Schein zu wahren; sie schreiben und unterzeichnen die Flugblätter und Eirkulare, leiten die Versammlungen, ernennen die Kandidaten usw. Die Staatsschulden belaufen sich auf drei Milliarden und bedürfen einer jährlichen Verzinsung von Ivv Millionen. Vandervelde berührte sodann auch die socialen Fragen und hielt den Klerikalen ein langes Sündenregister vor.— Die Reden der zwei politischen Führer haben im Lande großen Eindruck hervorgerufen, und der Wahlkampf ist damit in vorteilhafter Weise für die Parteien der Linken eingeleitet.— Italic». Die Existenzberechtigung der autonomen Parteiorganisationen. Rom, den 27. April. Der italienische Parteivorstand ist heute zusammengetreten, um über den Entwurf eines neuen OrganisationZstatuts zu beraten, der den Parteiabteilungen zum Referendum vorgelegt werdeil soll. In diesem Entwurf wird natürlich auch die Frage nach der Existenz- berechtigung der von den Reformisten gegründeten autonomen Orga- nisationen ihre Erledigung finden. Zu dieser Frage nimmt mm die in Bologna gewählte Kommission der Reformisten in einem Schreiben an den Partcivorstand Stellung. ES heißt darin, daß der Vorstand den Artikel des früheren Statuts, der nur eine Partei- abteilunq au jedem Ort zuläßt, nicht bestätigen könne, ohne die allercrnstcsten Folgen heraufzubeschwören, denn dadurch bestreite man die Daseinsberechtigung der autonomen Zirkel. Das Schreiben schlägt vor, diese Zirkel auzucrkeimen und Normen zur Verständigung der beiden Organisationen an einem Ort bei Wahlangelcgenheiten und ähnlichem ailfznstellen. Ansätze zu dieser Neuerung bestünden bereits: Zeitungen verschiedener Tendenzen an einem Ort, das Recht der verschiedenartigen Bethätigung usw. TaS Recht, gleich- artige Organisationen mit einem Willen und nur einer Methode zu gründen, gehöre zu dem unverkürzbaren Patrimonium jedes Genossen. DaS Schreibe» schließt mit folgenden Worten: „Jeder Vorschlag, diese Frage der Partei zum Referendnin zu unter- breiten, könnte daher nicht auf nnsre Zustimmung rechnen, weil die fundamentalen Rechte sich jedem Zwang der Mehrheit entziehen. Nach dieser unsrer Erklärung erwarten wir Eure Beschlüsse, von denen nnsre Verantwortlichkeit deutlich und scharf gesondert bleibt." Die Parteileitung beschloß nun heule abend nach längerer Dis- kussion, entgegen diesem Ultimatum der Reformisten, die Partei durch R e f e r e n d n iil über die E x i st e n z- berechtigung d e r a u t o n o in e n C i r k e l z u b e f r a g c n. Die in diesem Sinne beschließende Tagesordnung Fcrri wurde einstimmig angenommen. Das Referendum soll bis zum 31. Mai abgeschlosjen sein, lieber das Organisati onsstatut. das nach er- ledigter Abstimmung gesondert zum Referendum vorgelegt werden soll,' wird die Parteileitung in ihrer morgenden Sitzung weiter beraten.—_ Die DiZciplin in der italienischen Partei. Rom, den 27. April. Wie traurig es noch in einigen leitenden Kreisen der italienischen Partei um die Praxis und selbst um die Theorie der Diseiplin be- stellt ist, geht aus folgendem Zlmschenfall hervor. Dem Festkomitee zur Begrüßung Loubets war auch ein Parteigenosse, der Schriftsteller II g o O j e t t i. beigetreten. Die römische Parteiabteilung sprach ihm darauf ihre Mißbilligung ans und Ojetri zog daraus die Konsequenz, die wohl jeder disciplimcrte Genosse gezogen hätte: er trat ohne weiteres ans dem Festkomitee aus. Die Sache wäre beendigt ge- Wesen, wenn nicht im heutigen„T e m p o" B i s s o l a t i in einem Seit- artikel Ojetti mit Spott überschüttete, in einer Weise, die der An- gegriffene wohl kaum auf sich beruhen lassen dürfte, lind das alles, weil ein Genosse seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit gethan hat! Bissolati schließt seinen Artikel mit folgenden Worten:„Ärmer Ojetti, möge der Gott der Revolution Dein Opfer sehen und Dich dafür belohnen... mit einem Stadtverordnetensessel oder einem Sitz in Montecitorio"._ Vom ostasmtischen Kriegsschanplatz. Japanischer Bericht über dke Versenkung des„Kinschiu Mar«". Tokii, 29. April. Folgender offizielle Bericht ist über den Unter- gang des„Kinschiu Moni" ausgegeben worden: Als der Transport- dampfer„Kinschiu Maru"<2380 Registertonnen) mit der 9. Eoinpagnie des 37. Jiifanterie-Regiments nach Gensan zurückkehrte, nachdem diese in Diwon und dessen Umgebung in Hangyongda rekognosciert hatte, wurde er am 2S. April, abends ll'/4 Uhr, querab von Sinpho durch drei russische Kreuzer und zwei Torpedoboots an- aehalten. Die„Rossija" näherte sich dem Dampfer. Der Kapitän des Schiffes, begleitet von dem leitenden See-Offizier und zwei andren Offizieren, gingen an Bord der„Rossija". wo sie an- scheinend zurückgehalten wurden. Der Feind gab den Soldaten eine Stunde Frist, sich zn ergeben, aber die Soldaten weigerten sich dessen, m genauer Ausführung der von ihren Offizieren erhaltenen Befehle. Um l'/z Uhr schoß der Femd eine» Torpedoschub ab, worauf sich unsre Soldaten auf Deck t n Linie formierten und mit dem Feinde zu schießen au- fingen, wobei mehrere von unfern Offizieren und L e u t e n f i e l e n. Um 2 Uhr wurde ein zweiter Torpedo abgeschossen, der den Maschinenraum traf und den Trans Port- dampfer in zwei Teile zerriß. Einige Kailfleute und Kulis waren vorher in die Boote gegangen, denen später nach der Explosion einige Soldaten folgten. Die Boote ruderten in westlicher Richtung ab und erreichten nach unbeschreiblichen Leide» Siupho am 27. April. Es waren dies im ganzen 45 Unteroffiziere u u d Gemeine, 8 K u l i s und 3 ,K a u f l e u t e. Mau glaubt, daß alle Militärpersonen, mit Ausnahme der oben- erwähnten Ueberlcbcudeii, tot sind. Die Compagnie war stark lFricdensstärlc): 2 Hauptlcnte, 2 Ober-, 1 Unterlieutenant, 1 Fähnrich, 73 Gemeine, 2 Dolmetscher. Von den überlebenden Soldaten jind 10 leicht und 1 schwer verwundet. Russischs SchiffSankäufe. London, 30, April,(„Bureau Laffan,") Mit Genehmigung des Zaren wird, wie„Daily Telegraph" aus Petersburg meldet, Großfür st Alexander Mi chailo witsch dreißig M i l l i o u e n R u b e I aus seinen e i g n e u M i t t e l u für den Ankauf schneller Schiffe hergeben. Die Agenten amerikanischer, deutscher und andrer Firmen, bieten passende Dampfer an, doch machte der Norddeuischc Lloyd ein so an- nehmbarcS Slngcbot, daß sich die russischen Behörden gar nicht erst an andre Stellen wenden werden. Die Dampfer sollen vor- läufig in Reserve gehalten werden, um er- forderlichen falls zur Vernichtung des japanischen Handels verwandt zu werden, Z n m D a n k für die bei Aufbringung der neuen r u s I i s ch e n Anleihe erwiesenen Dienste sollen alle während des Krieges von Rußland zn erteilenden Aufträge auf Kriegsmaterial an deutsche und französische Filmen vergeben werden. partei-�ackncdlm Wahlkampf in Frankfurt-LcbnS. Sofort und mit erfreulicher Einmütigkeit hat im Frankfurt- Lebuser Kreis der Wahllampf eingesetzt. Noch nicht vier Stunden waren seit der skandalösen Abstimmung des Reichstags verflossen, als am Mittwoch in Fürstenwalde eine Versammlung des dortigen Wahlvereins tagte, in der Genosse Heinrich Braun über den eben vollzogenen Raub des Mandats referierte. Die Entrüstung der Versammelten war ebenso lebhaft wie die Entschlossenheit, mit verdoppelter Energie in den neuen Kampf einzutreten. Einstimmig wurde der vom Gen. Felber gestellte Antrag angenommen, den bisherigen Abgeordneten als Kandidaten der für den folgenden Tag nach Frankfurt a, O. einberufenen Sitzung der Vorsiände des Centralwahlvcreins und der örtlichen Wahlvereine des Kreises vorzuschlagen, Am Donnerstag fand diese Sitzung statt, Sie bcichloß einstimmig die Wicderaufstellnng der Kändidatnr des Genossen Dr. Heinrich Braun und die Verteilung eines Flugblattes, das bexcits am Morgen des 1. Mai in circa 40 000 Exemplaren im ganzen Wahlkreise zur Verbreitung gelangt. Auch in dieser vom Genossen Faber geleiteten Sitzung herrschte eine Stimmung, die die Gewähr bietet, daß die brutale Vergewaltigung des Wahlkreises die Folge hat. daß der Kampf um das entwendete Mandat mit der äußersten Entschlossenheit geführt werden wird. Den gleichen Geist der Kampflust atmete die am selben Tage abgehaltene Versammlung des örtlichen Wahlvereins in Frankfurt a, O. So kann nian schon heute mit aller Sicherheit sagen, wie auch der Wahl- auSfall sich gestalten mag, das Altcntat des Reichstags gegen den Fraukfiirt-Lcbuser Kreis wird bewirken, daß in diesem Kreise eine mächtigere Agitation als jemals zuvor sich entfalten nnd in jedem Fall die Socialdemokratie de» erheblichsten Nutzen haben wird. Als Kandidat der„Ordmingsparteieu" soll Herr Basser- m a ii n in Aussicht genommen sein. Die freundlichen Pocken. In B o ch n m lvar das Auftreten der Pocken festgestellt worden. In der Sitzung der Stadtverordneten am Freitag erklärte der Bürgermeister, die Preise habe unnütz ausgebauscht, die Epidemie scheine erloschen zu sein. Nichtsdcstolocuigcr diente am Sonnabend die Pockenepidcmie als Grund zum Verbot der Volks- Versammlung, die zur Feier des l. Mai von nnsern Genossen geplant war. Von einem Verbot der Gottesdienste ist nichts bekannt. Offenbar entsichcii bei Gottesdienste» in Bochum keine Menschen- aiisammlimgen. Mit Messern geht die Polizei in Mainz dem„patriotischen Rummel" zu Leibe. Bekanntlich kompliziert sich in Mainz die proletarische Maiseier durch die Anwesenheit hoher, höchster und allerhöchster Herrschasten, die zur Einweihung der neuen Rheinbrücke kommen. Das hat dazu geführt, daß entgegen bisherigem Brauche misten Genossen die Stadthnllc zur Maiversammlnng verweigert worden ist. Die Genossen sind deshalb, da ihnen in Mainz sonst kein größeres Lokal zur Verfügimg steht, genötigt, ihre Feier auswärts zu begehen, Sie teilten dies den Arbeitern in einem an die Litfaß- säulcn angeschlagenen Plakat mit, dessen Schluß lautet: „Arbeiter!' Parteigenossen! Durch den Beschluß der Halle- Kommission ist eS uns unmöglich gemacht, die Feier des 1. Mai, wie projektiert, in der„Stadthalle" zu begehen. Da uns nun aber in Mainz keine größeren Lokalitäten zur Versiigung stehen, waren wir gezwungen, den Weltfeiertag in vorstehender Weise zu arrangieren. Erscheint deshalb zahlreich zu diesen Veranstaltungen, um zn demonstrieren für Arbeiterschutz und Achtstundentag, Völker- frieden und Völkcrgliick. Zeigt, daß Ihr für den patriotischen Rummel nicht zu haben seid." Nachdem da-s Plakat zivei Tage geklebt hatte, erging vom KreiSamte— wahrscheinlich auf preußisch-polizeiliche Erleuchtung— die Weisung, die Plakate zu entfernen. Ein Teil der Plakate wurde darauf überklebt, von einem andern Teile wurden die Worte „patriotischer Rummel" durch Polizeibeanue mit Messern heraus- geschnitten._ SocialdcmokratischeS Kommmialprogramm. Die Stettiuer Parteigenossen beschlossen in der letzten Sitzung ihres Wahlvereins folgendes Kommunalprogramm: 1. Die Wahlen haben an einem Sonntag oder anderm gesetz- lichen Ruhetag stattzufinden. 2. Die Gemeindesteuern sind auf direkte Steuern zu beschränken; Ausschluß jeder indirekten, Verbrauchs- oder Kopfsteuer. 3. Weltlichkeit der Schulen. Obligatorischer Volksschnlbesuch. Uiientgcltlichkeu des Unterrichts nnd der Lernmittel in den Volks- schulen. Besondere Schulklassen für minder Befähigte. Förderung befähigter unbemittelter Schüler durch weitere Ausbildung auf städtische Kosten. Obligatorischer Fortbildimgsmiterricht für beide Geschlechter bis zum vollendeten l7. Lebensjahre. Erteilung dieses Unterrichts an Wocheutageu während der Arbeitszeit. Schulärzte zur regelmäßigen Prüfung und ärztlichen Beauffichtigimg der Schüler, der Schulen und der Schulcinrichtimgen. Verpflegung der Schullinder. 4. Förderung bezlv, Eiiirichtnna und Betrieb von Volks- bibliothekcn, Lesehallen. VolkShochschulkiirsen, privaten und korpora- tiven Fach- und Fortbildungskursen, Volksbühnen, Volkskonzerten, Spiel- und Turnplätzen. Dagegen Verweigerung aller städtischen Mittel für religiöse Zwecke und byzantinischen Prunk. S. Einrichtung und Unterhaltung einer geregelten Kranken- und Gejimdheitspflege unter Beachtung aller vorbeugenden Mittel. Er- richtnng von öffentlichen Volksbädcrn und Schulbädern, unentgelt- liche Desinfektion, umsassende Wohimiig?- und Straßcnhhgiene, Er- werb der Konzession neuer Apotheken durch die Stadt. Ferner: Milchberteilung, Einrichtung sogen. Krippen auf stadtische Kosten fSr, Säuglinge, deren Mütter dem Erwerb nachgehen muffen. 6. Gemeinnützige Wohnungspolitik zur Verhinderung deS Boden. Wuchers. Möglichst umfangreiche Grimderwerbung und Verwendung des Erlöses aus Grundverkauf zur weiteren Gelände-Erwerbung u'lid Errichtung von Wohnhäusern resp. Verpachtung an gememnutzxge Baugesellschaften. � y.... 7. Errichtung von kommunalen Wohnungsämtern für: regelmcchige Wohnungsinspekiion, Wohuungsstatistik und Vermiätelung der Wohuungsvermietung, 8. Revision des Submissionswesens. Vergebung der Gemeinde- arbeiten und-Lieferungen nur unter vertragsmäßiger Lerpftichtung der Unternehmer zur Sicherstelluug des Arbeitslohnes durch Ein» fordern einer entsprechenden Kaution und unter Lohn- inrd AroeitZ- Bedingungen, die in Gemeinschaft mit den Gewerkschaftsorganisationen der Arbeiter festgesetzt sind. Streittlauscln dürfen in den Verträgen nicht enthalten'sein. An Mitglieder der Gen-icindekö-rperschasten dürfen keine Arbeiten oder Lieferungen für die Gemeinde übertragen werden. Ebenso dürfen sie in keiner Weise an gewerblichen Unter» nehmungen beteiligt sein, die in einem Vertrags- oder Lieferungs» Verhältnis zur Gemeinde stehen. 9. Ausbau des ArbeiterschntzeS. Errichtung von Arbeitsämtern als Zentralstellen kommunaler Arbeiterpolitik mit den Aufgaben der Arbeitsstatistik, des Arbeitsnachweises, der Arbeitslosenfürsorge, der Ailskunsterteilung und der Ueberwachung. 10. Volle Koalitionsfreiheit für alle Angestellten der Gemeinde. Frei gewählte Arbeiterausschüffe. Schutz gegen willkürliche Eni» lassung. Achtstündiger Normalorbeitstag. In jeder Woche eine un» unterbrochene Ruhezeit von 36 Stunden. Regelmäßiger ErholungS» Urlaub. Festsetzung von Miudestlöhnen gemäß Vereinbarung mit den gewerkschaftlichen Organisationen. Fortzahlung des Gehalts oder Lohnes auf 6 Wochen im Krankheitsfall, ferner im Urlaubs- und Einbernflingsfalle. Errichtung von Pensions-. Wsttwen» und Waisenkassen. 11. BelenchtungS-, Verkehrs-, KrafterzeugungS- sowie sonstiger für die Gemeinde notwendige Betriebe find der Privatailsbeutung zu entziehen und auf städtische Rechnung zn� betreiben, auch sind andre Gemeinde-Arbelten(Bau, Pflasterung usw.), soweit angängig. in Gemeinderegie auszuführen. 12. Ausreichende Fürsorge für Arme und Arbeitsunfähige. Er« richtnng von Wohnhäusern für dauernd Bedürftige. Errichtung von Wärmehallen und Asylen ohne polizeiliche Kontrolle. Strenge Ueberwachung des Pflegekinder- und SiechenhauSwesenS. 13. Unentgeltlichleit des Bestattungswesens. Parteiprcsse. In die Redaktion der Chemnitzer»BolkÄ'timine� tritt der Genosse Ernst Kreowski fürs Feuilleton ein. Totcnliste der Partei. Genosse Stephan Gschwind, Nationalrat in Oberwil, ist am Donnerstag im Alter von erst 50 Jahren nach mehr als einjähriger Krankheit an einem Nieren- leiden und nachdem ihm auch eine Operation nicht die erhoffte Wiederherstellung brachte, gestorben. Genosse Gschwind. der in Oberwil(Kanton Baselland) ein Parketteriegeschäft betrieb, war namentlich auf genossenschaftlichem Gebiete in hervorragende-,» Maße thätig. Er gründete mehrere prosperierende genossenschastlichst Unter» nehmungen, so das Elektncitätswerk„Birseck" in Oberw il. Bei seiner Förderimg des Genossenschaftswesens berncksichttgte er be» sonders auch die Interessen des Kleinbauerntums, und durch den von ihm herailsgegcbeiicn„Basellandschaftlichen Bauern- und Arbeiter- birnd" suchte er die Bauern und die Arbeiter einander näher zu bringen. Seit langen Jahren gehörte er dem basellandschaftlichen Landrat(Landtag) an. in dein er sich besonders um die Reform des Hypothekeiiwesens bemühte. Dem Nationalrat gehörte er ßcit 1399 an. Die Partei verliert in dem Genossen Gschwind einen allezeit jreucn, hervorragenden und begeisterten Vorkämpfer. DaS Manifest des italienischen Parteivorstandes zur Mnffeier. Der Partcivorstand veröffentlicht zur Maifeier folgendes Manifest: „Arbeiter! Parteigenossen! Wieder ist ein Jahr vorüber— voll Not. voll Kamps, voller Hoffiillligeu— seit auf dein internationalen socialistischen Kongreß zn Paris der e r st e M a i zum Tag der internationalen Solidarität des Proletariats gewählt lvurde. Wieder ist ein Jahr vorüber, und die socialistische Partei hat ihre wirtschaftliche und politische Thätig» keit fortgesetzt gegen das hundertjährige Bollwerk der kchpitalisti- scheu Ausbeutung, Unter der hartnäckigen und systeniatischen Aktton des als Klassenpartei organisierten Proletariats und unter der Einwirkung seiner eignen technischen Entwicklung reist das kapitalistische System Hera» zu einer Reihe fortschreitender, uuaus» haltsamer Umgestaltungen. Das Verhalten der herrschenden Klasse, der Regierung und der öffentlichen Meinung beginnt sich der organisierten Arbeiterschaft gegenüber umzugestalten, Und es wird sich weiter ändern zum Besten der Gesittung und der Menschlichkeit, wenn die Arbeiter ihrerseits täglich ihre Pflicht als Socialisten zu thun verstehen. Die eigne Befreiiliig als ein Geschenk derer zu erwarte», die Interesse daran haben, sie nicht zu gewähren oder in thatenloser Er» Wartung eines socialen Wunders zu harren, hieße die Sache des italienischen Proletariats, die des iiitcrnationalen Proletariats, ver» raten, das von jedem Volk seine tägliche Beisteuer zum gemeiiisamen Werte erwartet, Darum sollen die italienischen Arbeiter der Werkstätten und der Felder auch an diesem ersten Mai ihre Klasscnsolidarität mit dem internationalen Proletariat betonen, Sie sollen ihren Willen kimd thun, daS Land befreit zu sehen von den unnützen Ausgaben und dem Schmarotzertum jeder Art. das die Quellen der gewerblichen und landwirtschaftlichen Produktion austrocknet und jede ernste Resormarbcit unmöglich macht. Sie sollen ihren Vorsatz kund thun, Hand in Hand mit der socialistischen Partei, an ihrer sittlidien und politischen Erhebung zu arbeiten, ohne die eine wirkliche Verbesserung der traurigen Lage des Einzelnen und der Gesellschaft nicht zu erzielen ist. Und in dem brüderlichen Vorsatz des festen Zusammenhaltens aller Ausgebeuteten nnd Bedrückten gegenüber dem gemeinsamen Feinde mögen die italienischen Arbeiter fortschreiten im Lichte des socialistischen Ideals auf dem geraden Hauptwege des Klassen» kampfes. Mögen die. die seit Jahrhunderten Tag für Tag das Kreuz ihrer socialen Pflichten tragen, endlich vorwärts schreiten zur Er» oberung ihrer menschlichen Rechte, auf daß jeder erste Mai einen neue» Schritt bezeichne zur Verwirklichung der socialen Gerechtigkeit. ES lebe die Internationale der Arbeiter, es lebe der SocialismuS I" Das Wachstum der norwegischen Socialdemokratke. Die liberale Arbeiterbewegung in Norwegen ist im Aussterben begriffen. Eine der ältesten liberalen Arbeitervereinignngen, die von Drammen, hat dieser Tage aus ihrer GeneralversammUmg mit 102 gegen 3 Stimmen beschlossen, der s o c i a l d e IN o k r a t i s ch e Ii Partei beizutreten.„Drammens Arbeitervereinigungs- Anschluß au unsre Partei", schreibt„Socialdemokraten",„ist ein bedeutungsvolles Ereignis. Diese Vereinigung wurde von M a r k u s'T h r a n e am 17. Dezember 1848 gegründet und war die e r st e A r b e i t e r v e r e i n i g n n g. die Throne gründete. Wenn die Vereinigung mm 55 Jahre danach der Partei beitritt, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Thrancs Ideen zu verwirllichen, heißen ivir sie herzlich imlllomnien. Zu jener Zeit. als Thrane unsres Landes kleine Leute aufzurütteln suchte, wagten die meisten ans Furcht vor Polizei»»d Militär nicht, zu den Ver- snmmlungen zu gehen. Und die Mehrzahl der Vereine, die in der Thranczeit gebildet wurden, Ivnrde zur Reaktion hinübergetriebeu. in der viele von ihnen jetzt noch stecke», Nim aber versammeln sich Hunderte und Tausende Arbeiter nm unsre Rednertribünen. Es geht doch vorwärts." Die norwegische Arbeiterpartei wird zu Pfingsten ihren Partei» tag im Saale von Drammens Arbeitervereinignng abhalten. 8PITTELMARKT 16/17 Ecke Leipziger Strasse BELLE ALLI AN C E- STRASSE 1/2 Am BlUcherplaU F&Co GROSSE FRANKFURTER STRASSE t® Ecke Andreas-Strasse Montag Dienstag Soweit der Vorrat reichtl Mittwoch Donnerstag Soweit der Vorrat reichtt Breto n-Faco n mit Q 65 Sammst-Gara. u. Goldknöpf. M. Marquis-Facon Q75 1 Querkopf, in, Bandgarnitnr M. I Bolero mit Band-"1 I M. Garnitur ] Matrosen-Hüte SÄÄfÄ 85ptl�lu Aurikel-Piquet l£�TDet F"ben- 95 pl Mohn piqaet 48) 95p/., Im0 Kdrnblumen-Piquet 26) 45> 65?/. Kamillen-Piquet 25) 35, 48 pt Röschen Rosen Piqnet 6 5 Pt. Piquet 28) 38) 58p/. Frauenhut Ponge- Garnitur u. 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Herren-Schweiss-Socken Pa!LI 35, 60?/ Schürzen Tändelschürze, einfarbig mit buntem Besät* 48 Pf Tändelschürze, mit 48?/ Tändelschürze, gemustert Batist Bit Bplue 65 PL Tändelschürze, Äfef reift Bltlst Mit 65?/. TändelSChÜrZe einfarbig mit bnntem Besät, 65 PL Hausschürze mit Volant nnd Tsschs 95 Pf. Hausschürze TrSeera'"at"bie oder 95 p/. ServierSChÜrze weiss, mit Lat, nad Tragen» Im5 Reform-Damenschürze einfarbig oder gestreift lif Gasselbstzünder mit Stock,'nur solange der Vorrat reicht 23 PL Damen- Wäsche Damenhemden TriÄÄ,zrie8enfon'■* Damenhemden TÄÄt,Aeteeli6hlMe 1,16 Damenhemdejl Achselschluss m. bandgestickter Fasse 1 jp Damenhemden 1�7�' prie8enfonn mlt e,e«,nt®r � Damenhemden He"fonB"" el raton mit stickurei- qc Ansatz PfL Beinkleider Hemdcntucb, Kniefaton, mit Stickerel-VoUat Verantw. Redakteur: Pank Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Smger& Co., Berti« SW, 9t. 102. 21. ZxhtMg. 2.$t\\m Reichstag. 80. SitzUttg. Sonnabend, den 30. April 1904. Am Bundesratstische: Niemand; später v. Stengel. Bei Eröffnung der Sitzung sind IS Abgeordnete im Hause an- wesend. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der e r st e n B e- ratung der Börsengesetz-Novelle. Abg. Dr. Semler(natl.): Der Entwurf geht der rechten Seite des Hauses zu weit, der linken nicht weit genug. Ich halte ihn für wohldurchdacht und zweck- mäßig. Die Vorlage ist ein guter Ausgleich vorhandener Wirtschaft- licher Gegensätze. Sie will nicht das reine Differenzspiel wieder ein- führen. Auch der ernste Kaufmann hat mit solchen Spielen nichts zu schaffen. Sie will nicht, daß unsre Bürger und Bauern an die Börse gehen und dort spielen. Die Entrüstung über den Rechts- zustand, wie er sich infolge der extensiven Auslegung des Reichsgerichts herausgestellt hat, ist in Hamburg genau so groß wie in Berlin. Der Registereinwand gilt einem ehrbaren Kaufmann in ganz Deutschland für verwerflich. Ein sonst ehrbarer Hamburger Kaufmann wurde, weil er den Registereinwand erhoben hatte, von der Hamburger Börse ausgeschlossen. Er legte Berufung beim Berliner Ehrengericht ein. Die Juristen im Ehrengericht waren einstimmig der Ansicht, daß der Mann nicht nnt dieser Ehren- strafe belegt werden dürfe, weil er doch nur von einer Bestimmung, die das Gesetz vorsteht, zu seinen Gunsten Gebrauch gemacht habe. Aber die Kaufleute im Ehrengerichte waren ebenso einstimmig der Ansicht, daß die Strafe des Börsenausschlusses auftecht erhalten bleiben müsse. Und so wurde denn auch erkannt. Durch die Vorlage soll die Vertragstreue wieder als maß- gebender Grundsatz wiederhergestellt werden. Darüber, ob das Getreide-Termingeschäft die Preise drücke, waren Graf Kanitz und Graf Schwerin verschiedener Meinung. Sehr interessant war die graphische Darstellung des Grafen Schwerin über die gleich- mäßige Preisgestaltung an der Berliner Börse nach Aufhebung des Terminhandels. Gerade diesen Zustand, unter dem die Berliner schlvarze Linie des Grafen Schwerin entstanden ist, will meines Er- achtens die Vorlage erhalteit. Ebenso notwendig wie ein stetiger Warenmarkt ist die Stetigkeit im Effektenmarkt. Ich bin der An- ficht, daß die Vorlage geeignet ist, die Achtung vor dem Gesetz zu erzwingen, wenn sie unverkürzt angenommen und von der Regierung mit Energie vertreten wird. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Obgleich fich der Herr Vorredner zuerst principiell für das Ver- bot des Terminhandels aussprach, hat er doch im letzten Teil seiner Rede eine derartig freundliche Stellung zum Terminhandel ein- genommen, daß meine Ausführungen ebensogut von den Herren Kämpf oder Dove gemacht werden konnten. Also sein Versuch, eine mittelbare Linie einzuhalten, ist ihm nicht gelungen. Herr Momsen behauptete, das Börsengesetz treibe die Spekulation ins Ausland. Glaubt Herr Momsen etwa, daß das Publikum sich an dem Minen- spiel in Transvaal und Australien nicht beteiligt hätte, wenn das Börsengesetz nicht bestanden hätte? Herr Momsen bezog sich auf die von dem Staatskommissar der Berliner Börse an den Herrn Minister erstatteten Bericht. Vielleicht vereinigt er sich mit mir in dem Wunsche, daß diese Berichte einmal veröffentlicht werden.— Auffallend ist es, daß die Social- demokratie das Lottcriespiel bekämpft, aber das Börsenspiel nicht. Das erinnert nnch an ein bekanntes Sprichwort: Die kleinen Diebe hängt man, die großen läßt man lausen— ohne damit irgend jemand zu nahe treten zu wollen. Wir sind bereit, das Brauchbare aus dem Gesotz herauszu- schälen. Als solches betrachten wir die Herabsetzung der Verjährungs- srist für den Differenzeinwand und die Ermäßigung der Gebühren für die Eintragung in das Börsenregister. Die Börse ist schlecht informiert über die Stimmung des Volkes, weil fie ihre Jnfor- mationen nur bezieht aus der freisimnaen Presse, die„National- Zeitung" natürlich miteinbegriffen, die unsre Reden nur verstümmelt wiedergiebt.(Lachen links.) Redner hofft, daß die Kommission den Entwurf nur aus dem Juristischen ins Deutsche überträgt. Geschieht das nicht, so müßten wir das Reichsgericht verdoppeln, weil außer- ordentlich viel Prozesse unvermeidlich wären. Hoffentlich bringt die Kommission eine Vorlage zu stände, die den Interessen des deutschen Volkes gerecht wird.(Bravo! rechts.) Staatssekretär Graf PosadowSky: Wie man zu dem Gesetzentwurfe steht, hängt ab von der Volks- wirtschaftlichen Auffassung, ob man die Börse für eine wirtschaftlich notwendige Einrichtung hält oder nicht. Daß die Börse absolut notwendig ist, geht aus der Thatsache hervor, daß sie seit Jahr- Hunderten besteht und an allen großen Handelsplätzen vorhanden tst. Auch der Vorredner hat anerkannt, daß, wenn die Börse heute ab- geschafft würde, wir sie morgen einführen müßten. Unzweifelhaft hat die Börse in diesem hohen Hause wenig Freunde und außerhalb deS Hauses viele Feinde. Daß sich gegen die Börse eine Art Volksstimmung zeigt, hat aber zur Ursache, daß der Börse manches zur Last gelegt wird. >vas auf ganz andren Gründen beruht. Leider hat sich in den letzten Jahren in der Verwaltung mancher Banken ein Maß von Untreue, ein Maß von Leichtsinn, ein Maß von Gewissenlosigkeit gezeigt, das man ftühcr nicht für möglich gehalten hat. Und durch diese zum großen Teil verbrecherischen Vorgänge ist im kaufenden Publikum auch infolge seiner großen Verluste em Gefühl der Unsicherheit entstanden, was auch auf den Stand der Kurse seine Wirkung geübt hat. Als Gesetzgeber muß man diese Fälle persönlicher Untreue vollkommen auseinander- halten von den wirtschaftlichen Aufgaben der Börse. Wenn es in einem Fall richtig ist, daß der Kurs eines Papiers gedrückt wird dadurch, daß sein Handel erschwert wird, so stndet daS auf alle Papiere Anwendung. Nun kann es gar kein Zweifel sein, daß in unsrer Zeit, wo das Reich, die Einzelstaaten, die Kommunen, große wirtschaftliche Verbände aller Art fortgesetzt an den Geldmarkt mit großen Forderungen herantreten, die Böric als das Organ, was diese Forderungen im Publikum unterzubringen hat, nicht entbehrt werden kann. Wir hätten ohne diese Association des Kapitals unsre ganze industrielleEntwicklung nicht durchführen können. Wenn wir die Börsengeschäfte zu sehr erschweren, so folgt zweierlei daraus, erstens eine Verteuerung des Geldes und zweitens ein Druck auf die Kurse der Papiere. Beide Erscheinungen sind für die produktiven Stände unzweifelhaft nachteilig. Ich ftage Sie: kann mein einen Zustand aufrecht erhalten, der das Ternnngeschäft schlechter stellt wie Spiel und Wette? Denn beim Ternringeschäft kann man jetzt auch das schon Gezahlte zurückverlangen, bei Spiel und Wette dagegen nach dem bürgerlichen Recht nicht. Das kann man allerdings in England. Aber sagen Sie mir ein Land der Welt, wo trotzdem mehr gespielt wird als dort!(Sehr richtig I links.) Wer in diesem klassischen Lande der Wette es wagen würde, was er verloren oder was er vielleichtauchschonbezahlthatzurück- zufordern, würde in allen Kreisen der englischen Gesellschaft unmög- sich sein.(Sehr richtig l links.) Uebrigens ist in England nicht das Börsentermingeschäft verboten, sondern nur dasjenige, das aus- drücklich auf Zahlung der Differenz geht. Auf dem gleichen Standpunkt steht die amerikanische Gesetzgebung. Wenn wir in der Beschränkung des Effektenhandels an der Börse zu weit gehen, so ist doch die Befürchtung nicht zu unterdrücken, daß das Kapital angelegt wird in fremden Papieren und daß die Geschäfte im Aus- land gemacht werden. Das hieße dem Ausland wirtschaftliche Kräfte zuführen, die unsren Unternehmungen entzogen werden. Und da im . Ausland die gekauften Papiere ü Geld bezahlt werden-uüffeit, des Jimöitf letli würde uns auch eine Schwächung des deutschen Goldbestandes drohen. Deshalb glaube ich, daß die Vorschläge der verbündeten Regierungen ernstlichste Beachtung von allen Parteien verdienen. Wie von fast allen Rednern ausdrücklich anerkannt worden ist, ist es unumgänglich notwendig, daß die Zustände beseitigt werden, die mit den geschäft- lichen Verhältnissen der Börse und dem allgemeinen Rechtsgefühl unvereinbar sind.(Bravo I links.) Abg. Dr. Wolff(Bd. d. Landw.): Das Börsengesetz ist ja sehr schnell gegangen, alle Minister sind zur Börse gelaufen(Heiterkeit), aber die Militärinvaliden können warten. Zu Herrn Mommsen lockt mich schon seine Zugehörigkeit zu der Partei, deren Zukunft im Schöße der Socialdemokratie liegt. Er hat sich mit den Aus- führungen meines Freundes Reventlow gar nicht beschäftigen wollen. Dadurch werden die nicht besser und nicht schlechter. Aber wenn unsre wirtschaftliche Vereinigung jemals der freisinnigen Vereinigung die Hand reichen könnte, so würde sie sich in eine wahrhaft orientalische Märchenwelt versetzt fühlen.(Große Heiterkeit rechts. Unruhe links.) Jedenfalls sind wir bereit, in der Kommission an der Beseitigung der Mißbräuche mitzuarbeiten. Aber an den Grund- sähen des Börsengesetzes wollen wir nicht rütteln lassen.(Bravo! rechts.) Abg. Dove(frs. Vg.): Es ist eine verhängnisvolle Verwechslung, zu glauben, daß die unreellen Börsenmanipulationen besonders mit dem Terminhandcl zusammenhängen. Davon kann gar nicht die Rede sein. Herr Dr. Arendt behauptete, daß mit der Angabe über die Berliner Stempelsachen-Kontrolle eine Verdächtigung nicht be- absichtigt gewesen sei. Aber was sollten denn diese Zahlen, nachdem wir ausdrücklich beschlossen hatten, die Stempelsteuer später zu be- handeln, dann überhaupt bedeuten? Durch das Börsenregister schrecken Sie nur den soliden Kaufmann, nicht den verwegenen Spieler ab.(Sehr wahr I links.) Der Vorwurf, Manchcstermann zu sein, läßt mich vollkommen kalt, ich bin keiner für wirtschaftlich Schwache. Hier aber handelt es sich nicht um wirtschaftlich, sondern um moralisch Schwache; und die wollen wir nicht schützen.(Leb- hafter Beifall links.) Abg. Dasbach(C.) verteidigt den Professor Ruhland gegen den Vorwurf des Abg. Schmidt-Berlin, mit dem Haussespekulanten Joseph Leiter in Verbindung gestanden zu haben. Herr Ruhland habe als Korrespondenten für seine durchaus objektive Zeitschrift, den „Getreidemarkt", allerdings einen Chikagoer Spekulanten namens Philipps gehabt, dieser habe aber nur auf Grund seiner um- fassenden Sachkenntnis wahrheitsgemäße Marktberichte gesandt. Damit schließt die Besprechung; die Vorlage wird einer Kom- Mission von 21 Mitgliedern überwiesen. Es folgt die Beratung des Gesetzentwurfes wegen Aenderung des Reichs-Stempelgesetzes. Z Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel: Nicht der Kampf für und wider die Börse, auch nicht der Kampf für und wider agrarische Interessen soll sich hier abspielen. Es sind p r a k t i s che Fragen, die freundlich in der Kommission er- örtcrt werden müssen. Da dem Entwurf eine ausführliche Be- gründung beigegeben ist, so hätte ich auf das Wort verzichten können, wenn nicht gewisse Aeußerungen in der Presse, in Versammlungen und Interessentenkreisen mich zu einigen Erwiderungen veranlaßten. In der Zeitung, die einem hervorragenden Mitgliede dieses Hauses nahe steht, heißt es, der Entwurf werde die Interessenten wenig auf- regen, denn wo nichts ist, habe der Kaiser sein Recht verloren. Die Vorschläge des Gesetzentwurfs sind nicht so bedeutungslos; das crgiebt fich schon daraus, daß sie von einer Seite als viel zu weit- gehend bezeichnet sind. Wenn sie dem einen zu viel, dem andern zu wenig bringen, so giebt das eine gewisse Garantie dafür, daß sie eine gewisse mittlere Linie einhalten, auf der, wie ich hoffe, eine Vereinbarung der bestehenden Gegensätze möglich sein wird. Die Vorlage verjolgt ein doppeltes Ziel; sie liegt im Interesse der Reichsfinanzen und will die berechtigten Anforderungen des Verkehrs berücksichtigen. Gegen den ersten Zweck kann wohl, besonders an- gestchts derffchlechten Finanzlage, kein Vorwurf erhoben werden. Was dieErleichterung des Arbitragcgeschäfts mit ausländischen Wertpapieren anbetrifft, so werden wir uns wohl über diese intrikate Frage in der Kommission verständigen. Verbesserungsvorschläge werden die ver- bündeten Regierungen gern acceptieren. Weiter ist die Herabsetzung des UmsatzstcmpelS für Reichs- und Staatsanleihen vorgesehen. Man hat moniert, daß diese Ermäßigung nicht auch auf andre Papiere ausgedehnt ist. In letzter Hinsicht decken sich auffälligerweise die Wünsche der Gegner und Freunde der Vorlage, nur daß die Freunde auch noch bei einer Reihe andrer Tariffätze des Stempelgesetzes eine Herabsetzung wünschen. Auf eine möglichst rasche Verabschiedung der Vorlage in der Kommission legen die verbündeten Regierungen den größten Wert. Ich wiederhole, daß wir alle Anregungen mit Dank und Anerkennung acceptieren werden.(Bravo!) Abg. Rettich(k.): Wir sind in allen wesentlichen Punkten mit der Vorlage einverstanden. Einzelheiten behalten wir uns für die Kommissionsberatung vor und beantragen, die Vorlage der Budget- kommission zu überweisen. Abg. Kampf(fts. Vp.): Graf Posadowsky hat die wirtschaftliche Bedeutung der Börse heute so treffend geschildert, daß ich seine Ausftihrungen Wort für Wort unterschreiben kann. Ergänzend will ich nur noch betonen, daß die Börse den Vermittelungspunkt für die Bedürfnisse des mobilen Kapitals darstellt. Wie groß die An- spräche des Kapitals an die Vermitteluugsthätigleit der Börse find. beweist die Thatsache, daß durchschnittlich jährlich zwei Millionen Mark neuer Werte an der deutschen Börse zugelassen werden. Die Rolle des Börsenhandels besteht darin, die Bedürfnisse des Staates und großer wirtschaftlicher Gebiete so schnell als möglich zu befriedigen. Daraus ergiebt sich, daß eine gewisse Anzahl von Zwischentransaktionen nötig werden, um den endgültigen Verkäufer mit dem endgültigen Käufer des Wertpapieres in Verbindung zu setzen. Die Erhöhung der Stempelsteuer nun hat diese Zwischen- aktionen unmöglich gemacht und daher die Kalamität. Der Zwischen- Handel ist vernichtet, das Geschäft von der Burg- in die Behrenstraße vertrieben, der kleinere und mittlere Bankier- stand zum Schaden des Ganzen ausgeschaltet worden. Die Ermäßigung de? Umsatzstempels für Staatspapiere auf Vio Proz. ist erfreulich, aber man sollte ganze Arbeit machen und den Stempel ganz aufheben. Als man bei der Post das Porto herabsetzte und andre Reformen einführte, da hieß es auch sofort, daß die Posteinnahmen sinken würden. Man schätzt die zu erwartende Mindereinnahme auf 10 Millionen. Statt dessen haben wir eine erhebliche Mchreinnahme(Sehr richtig! links), die ich mit 20 bis 24 Millionen wohl nicht zu hoch ver- anschlage. Auch das Erträgnis der Reichs-Stempelsteuer ist bei den höheren Sätzen heute nicht größer als bei den geringeren Ende der achtziger Jahre. Wir werden nachher wahrscheinlich ebenso große Einnahmen aus ihr ziehen wie jetzt. Aber wenn das auch mit einiger Sicherheit behauptet werden kann, so wird der Wirtschaft des deutschen Landes durch die Wiederherstellung des BörsemnarkteS ein so erheb- licher Dienst geleistet, daß wir die Gefahr selbst einer kleinen Minder- einnähme nicht scheuen sollten, um dieses erstrebenswerte Ziel zu er- reichen.(Bravo! links.) Abg. Dr. Pansche(natl.): Es ist gar nicht wünschenswert, daß eine große Anzahl kleiner Vermittler an der Börse vorhanden sind. Ich möchte bitten, die kleinen Bankiers nicht mit den Coulissen- Händlern auf eine Stufe zu stellen, die häufig nicht mehr als ein paar hundert Mark in der Tasche hatten und damit ihren täglichen Lebensunterhalt erwarben. Es ist gewiß bedauerlich, daß die kleinen Bankiers von den großen Banken aufgesaugt werden, und es läßt fich auch nicht leugnen, daß das' Börsengesetz mit dazu bei- getragen hat. Im allgemeinen aber gilt: Wenn der kleine Bankierstand zurückgedrängt worden ist, so ist das eine Tendenz, die sich in unsrem ganzen wirtschaftlichen Leben zeigt. Das mag in vielen Fällen bedauerlich sein, aber allzusehr möchte ich SMag, 1. Mai 1904 in das Klagelied nicht einstimmen, Redner geht dann kurz auf die Einzelheiten der Vorlage ein und erklärt, daß seine Freunde gerne bereit seien, die Arbitrage leichter zu machen. An eine noch größere Herabsetzung des Stempels ftir Staatspapiere, als die Vorlage sie vorsehe, kann bei der Finanzlage des Staates unter keinen Umständen gedacht werden.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Mommsen(frs. Vg.): Daß es Bankiers giebt, die die Depots zu Spekulationen benutzen, wissen wir alle. Aber wir sind auch alle mit Herrn Paaschs darin einig, daß es nicht gut ist, mit solchen Bankiers Geschäfte zu machen.(Heiterkeit links.) Eine große Börse kann die Coulisse nicht entbehren, und mansolltevon denCouli'ssiers nicht so geringschätzig als von Spekulanten sprechen. Eine Börse und ein Geschäft ohne Spekulation giebt es überhaupt nicht.(Sehr richtig I links.) Nur darf man Spekulation nicht einfach mit Spiel übersetzen. Die kleine Spekulation ist durchaus gesund, natürlich und notwendig, und sie ist durch die letzte Stcmpelsteuer-Gesetzgebung ganz erheblich unterbunden worden. Die Vorlage krankt daran, das sie, wie es in der Begründung heißt, die Entwicklung der Einnahmen und die Entwicklung des Verkehrs gleichzeitig fordern will. Ein ängstlicher fiskalischer Standpunkt verhindert, daß die Entwicklung des Verkehrs Wirklich gründlich gefördert wird. Redner schließt sich in den Einzelheiten seiner Kritik den Ausführungen des Abg. Kämpf an.(Beifall links.) Abg. Dr. Arendt(Rv.): Ich stehe der Vorlage wesentlich kühler gegenüber als der Vorredner. Mit der Herabsetzung des Umsatz» stempels, soweit nicht Staatspapiere in Betracht kommen, bin ich einverstanden; ich hätte mit Herrn Kämpf nichts gegen eine völlige Beseitigung. Anders stehe ich zum Umsatzstempel bei Staatspapieren. Das bedeutete einen ganz ungerechtfertigten Einnahme-Ausfall für die Staatskasse. Wer 1000 M. anlegt, hat 30 Pf. zu zahlen und das macht nichts aus. Abg. Dr. Temmler(natl.): Ich hatte die Absicht, meine Bedenken ? legen die Vorlage auszusprechen. Nachdem aber der Herr Schatz- ekretär erklärt hat, die Bestimmungen der Vorlage seien nicht un- abänderlich, verzichte ich darauf und ich glaube, die 15—20 Herren im Saale werden mir dafür dankbar sein. Damit schließt die Diskussion; die Vorlage geht an die Budget- kommission. Darauf vertagt sich das HauS. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. (Rest der Lesung des Etats.) Schluß b3U Uhr._ Hus Indurtne und Ftandd« Der Stahlwerksvervand und seine Konkurrenten. Bei der bö?- gestrigen Verdingung von Kleineisenzeug(Nachbedarf) der königlichen Eisenbahndirektion in Essen submittwrte der Stahlwerksverband zum erstenmal auf das ausgeschriebene syndizierte Oberbaumateriäl. Die Haken- und Unterlagsplatten bot er, da hierin freie Konkurrenz kaum mehr besteht, fast allein an, dagegen wurden dke beiden Lose Laschen von den Außer-Berbandswerken bestritten und zwar unterboten die Westfälischen Stahlwerke in Bochum bei dem Hauptposten der Gruppe A, 837 000 Kilogramm Laschen 0 6, den Verband derart, daß er jedenfalls keine Aussichten auf Erhalt des Zuschlags hierauf haben wird. Der Verband fordert hierfür 140 bezw. 146 M., die Westfälischen Stahlwerke 125,70 bezw. 134,70 M. Das folgende Los, 23 000 Kilogramm Laschen für Zahnstangen-Oberbau offer bette das Gußstahlwett Witten mit 140 M. pro Tonne gegen 142 M. Pro Tonne Forderung des Verbandes. Man sieht daran, schreibt die „Rhcin.-Westf. Ztg.", wie die außenstehenden Werke, und das mit Erfolg, es versuchen, sich durch Unterbiewngen« Aufträge zu sichern, und auf diese Weise dem Verband unangenehme Konkurrenz machen, Die Konferenz zur ErSrternng der Zcchenstilllegungen im Ruhrkohlen-Revier hat vorgestern im Sitzungssaal des Stadthauses in Dortmund unter Vorsitz des Ober-Berghauptmanns v. Velsen ihren Anfang genommen. An den Verhandlungen, der auch die Ober» Präsidenten der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen bei» wohnten, nahmen als Kommissare des Ministers für Handel und Gewerbe neben dem Ober-Bcrghauptmann v. Velsen der Geheime Ober-Bergrat Meißner und Geheimer Bergrat Renß aus Berlin, ferner als Kommissar des Mnisters des Innern der Geheime Re- gierungsrtt Richter aus Berlin teil. Außerdem beteiligtest sich bei den Verhandlungen das königliche Ober-Bcrgamt zu Dortmund, die Regierungspräsidenten von Arnsberg und Düsseldorf, die königlichen Bergrevierbeamtcn und Landräte der in Betracht kommenden Bezirke. Vertreter des Bergbaulichen Vereins zu Essen, des Kohlensyudttats und der ankaufenden Gesellschaften. Die betrieblichen und Wirt- schaftlichen Verhältnisse der einzelnen Zechen, deren Verkcmf fest- steht, wurden ebenso wie die Fragen, ob und welche Einwirkungen der Verkauf auf die Verhältnisse der Bergarbeiter, der Gewerbe- treibenden und Gemeinden ausüben wird, eingehend erörtert. Im Anschluß an die Konferenz werden auf einer Reihe von Zechen die Verhältnisse an Ort und Stelle geprüft werden. Das Ergebnis dieser Verhandlungen wird, wie es heißt, voraussichtlich schon bei Beratung des Antrages von Savigny und Genossen> zu 8 65 des Allg. Berg-Gesetzes zur Kenntnis des Landtags gebracht werden.,. Gewerkschaft Konstantin der Große» Bochum. Naöhbcm jüngst die Gewerkenversammlung den Ankauf der Bochumer Coaks- und Kohlenwerke zu Wiemelshausen genehmigt hatte, wird nun vom Grubenvorstand offiziell bekannt gegeben, daß die Gewerkschaft Konstantin die betreffenden Werke, darunter die Zechen Berneck und Glückwinkelburg, käuflich erworben hat, und daß der Bettieb seitens der Zeche Ver. Konstantin der Große übernommen worden ist. Der Versuch der Begründung eines internationalen Stahl» kartells wird vom deutschen Stahlwerks-Vcrband ttotz der trüben Ersahrungen, die er in England gemacht hat, fortgesetzt. Da die englischen Stahlwerke nicht mitthun wollen, versucht der Verband es zunächst mit den französischen. Seit gestern finden, wie mmt dem „Bresl. Gcn.-Anz." mitteilt. Verhandlungen der Cxpottkommission des Stahlverbandes mit den Vettreterr der französischen Hüttenwerke in Paris statt, die bis auf ein Werk sämtlich erschienen sind. In der Haupffache handelt es sich um Vereinbarungen, die gemem- samcn Interessen in der Schweiz und in den französischen Kolonien betreffend. Kompliziett werden die Verhandlungen dadurch, baß in Frankreich im Vorjahre eine Reihe neuer Werke etabliert worden sind, deren Produktion bis zu einem gewissen Grade in den Export» guoten mit aufgestellt werden muß. Die Verhandlungen dauern mehrere Tage, denn die Stahlverbands-Kommission verhandelt in bestimmter Reihenfolge jedesmal nur mit einer Gruppe französischer Werke, die sich je nach den verschiedenen Interessen, die obwalten, zusammensetzt. Die Vereinbarungen betreffen den Absatz in Trägern, Schienen und Halbzeug. Der Jahresbericht der Stettin« Maschinenbau-Aktiengesellschaft »Vulkan", die für das Fahr 1903 wieder eine Dividende von 14 Proz. verteilt, konstatiert, daß die Beschäftigung des Wettes im vergangenen Jahre noch zum Teil eine gute gewesen sei, wenn sie auch der allge- meinen Geschäftslage folgend, gegenüber der angespannten Be- schäftigung in den Vorjahren allmählich zurückgegangen wäre. Es konnten deshalb größere Arbeiterentlassungen im Laufe des Jahres auch nicht vermieden werden. Auch gegenwärtig fehlen genügende Aufträge auf größere Schiffs- bauten, doch stehe in Aussicht, daß sich die Verhältnisse bald günstiger gestalten werden. Interessant sind die Mitteilungen des Berichts über die Ausgaben der Gesellschaft für sogenannte Arbeiter-Wohlfahrts- und llnterstützungszivecke, da sich bekanntlich auf diese die„Vulkan"- Verwaltung sehr viel zu Gute thut. An Beiträgen zur Betriebs- .(MtÄ-)KkMtiMK»vurden öl 527 W.--- S.Sö W, prp Kopf bezcchlt, an Beiträgen für die Unfall-Berufsgettossenschaft s6! 834 Mcnck— 28.11 M. pro Kopf, an Beiträgen für die Jnvatiditäts- und Altersversicherung 46 841 M. 8,13 M. pro Kopf(die sociale Gesetzgebung belastete die Gesellschaft daher im Jahre 1303 mit Summa 260 202 M.= 45,19 M. pro Kopf der Arbeiterschaft), an sonstigen freiwilligen Unterstützungen für Beamte und Arbeiter 21 275 BZ. Zur Entwicklung der Textilindustrie in den Bereinigten Staaten vou Amerika. Obgleich das Jahr 1903 infolge der Preistreibereien für Rohbaumwolle auf den Hmiptmärkten von New Dork und New Orleans der amerikanischen Textilindustrie keineswegs günstig war, hat doch die Zahl der Fabriken sich erheblich vermehrt— und zwar weit stärker als in den beiden Jahren 1901 und 1902. Das Fach- blatt„The Tcrtile Word! Rccord gießt folgende Aufstellung: Die Anzahl der neuen Fabriken betrug: Art der Fabrikeir 1900 1901 1902 1903 Baumwolle.... 171 59 68 81 Wolle...... 48 53 46 65 Strickwaren.... 109 93 82 105 Seide...... 43 29 45 58 Verschiedenartige.. 29 21 21 25 405 255 262 334 _ Die höchste Zahl der Neuanlagen zeigen wieder die Baumwoll- Spinnereien und die Strick- und Wirkwaren-Fabriken: doch ist deren Gesamterzeugungsfähigkeit nicht in demselben Verhältnis wie in den Vorjahren gestiegen, da die Zunahme sich mehr auf kleine und mittlere Betriebe als auf Großbetriebe erstreckt. In Wollen- und Seidenwaren-Fabriken hat dagegen die Erzeugungsfähigkeit in gröberem Maße zugenommen als in den Jahren 1901 und 1902. SewefKseKaMiebes. Berlin und Llmgegenck. Achtung, Maifeier! Tie Leiter der Gewerkschaftsversammlungen am heutigen Tage werden gebeten, sofort nach Beendigung der Bcr- sammlung der Redaktion des„Vorwärts", Lindenstraste 69, zwecks Berichterstattung durch Postkarte Mitteilung über die Zahl der Er- fchicnenen, die Person des Referenten und etwaige besondere Zwischen- fälle zu machen._ Vom Kriegsschauplatz im Bäckergewerve. Scharf in acherci der Bäckermeister. Die Bäckermeister lassen in der Tagespreise und in den Jnnungs- blättern keinen Zweifel darüber, das; sie absolut nicht für den Frieden sind. Ten Leutchen ist der Kamin ganz fürchterlich geschwollen. Namentlich sind es jetzt die im Osten domizilierenden Meister, die eine ziemlich drohende Sprache führen. So schreibt die neueste Nummer der„Concordia" sJuuungszeitung), das; die Meister im Osten sich sämtlich ehrenwörtlich verpflichtet hätten, die Forderungen nicht zu unterschreiben. Sie hoffen dadurch den„Bäckereiarbeitcrn eine Niederlage beizubringen", dasi die Bäckermeister dann „wenigstens" 10 Jahre Ruhe hätten. Man sieht, die Bäckermeister sind sehr siegessicher. Aber— im Osten? Wo die prozentual best organisierteste Arbeiterschaft ganz Deutschlands wohnt... Ob wohl wirklich alle Bäckermeister das glauben, was die Jnnuugsschreiber ihnen vorfabelu? Es scheint nicht so, denn auch aus dem Osten haben schon Bäckermeister die Forderungen bewilligt, und es wird sich ja zeigen, ob im Ernstfälle alle Mi e i st e r an das I n n u n g s- E v a n- g e l i u m glauben. Polizei und Bäckerstreik. Der hiesigen Filiale des Bäckerverbandes wurde, wie uns von derselben berichtet ivird, in den letzten Tagen von mehreren mit den „ Gesellen sympathisierenden Bäckermeistern mitgeteilt, daß Polizei- bcauite bei ihnen gewesen seien, die angefragt hätten, ob der Meister Schutz beim Streik brauche.— Wir wissen nun nicht, ob die Beamten von höherer Stelle beauftragt wurden, so eifrig für das Wohl und Wehe der Bäckermeister zu sorgen, aber man mus; dem Referenten der letzten Bäckcrvcrsaimnlung Reckst geben, wenn er sagte, das; dies ein direktes Eingreifen der Polizei in den Wirtschaft- liehen Kampf zu Gunsten der Unternehmer bedeutet. Um so mehr als sich beide Parteien noch im Stadium der Verhandlungen befinden, und die Polizei(vielleicht unbewusit) die Verhandlungen vereitelt, und so faktisch zum Streik treibt. Die Lohnbewegung der Berliner Droschkenkutscher spitzt sich zu. Alle Verhandlungen mit der S ch l i ch t u n g s! o m m i s s i o n als zwecklos abzulehnen, beschlost am Freitagabend in stark besuchter Versammlung die Personen-Lohnfuhrwerks-Jnnung im„Prälaten". Es wurde ausgeführt, die Festlegung eines einheitlichen Minimal- lohnes für alle Fuhrhöfe sei bei deren Verschiedenheit ganz u n- durchführbar. Jedem Fuhrherrn müsse es überlassen bleiben, mit seinen Kutschern Vereinbarungen über den zu zahlenden Lohn zu treffen. Den Fuhrherren wurde anheimgegeben, die Zahlung eines Grundlohnes von einer Mark und 30 Proz. der Einnahmen auf ihren Höfen einzuführen. Das höchste, was gezahlt werden könne, sei zwei Mark Grundlohn bei einer Tageseinnahme von 13 Mark und 25 Proz. bezw. 1,50 M. Grundlohn bei einer Einnahme vou über 10 M. und 30 Proz.; unter dieser Einnahme 25 Proz., also bei der elften Mark ein Zuschlag von 5 Pf.— Demgegenüber haben die Kutscher erklärt, u n b e d i m g t an der Forderung der c i n h e i t- lichen Festlegung eines Minimallohnes von 1,50 M. Grund- lohn und 25 Proz. der Einnahmen, sotme bei einer Einnahme von 10 M. und darüber 30 Proz. und 1,50 M. Lohn f e st z u h a l t e n. Davon abzugehen hätten sie um so tveniger Ursache, als aus freiem Willen der Fuhrherren bereits auf einer grohen Zahl von Fuhrhöfen bei 12 M. Tageseinnahme ein Grundlohn von 2 M. und 25 Proz. der Einnahmen gezahlt werde. Die Kutscher halten das ganze Bor- gehen der Fuhrherren nur'ssür ein Scheinmanöver, um die Bewegung zu verschleppen. Achtung, Bürstenmacher! In der Bürstenfabrik von A. Schächter, Warschauerstr. 88, haben die Kollegen die Arbeit niedergelegt. Sie fordern die Anerkennung des Tarifs von 1900 bei 9stündiger Arbeits- zeit, was eine Aufbesserung der Lohnbedingungen(Accordarbeit) von ungefähr 8— 10 Proz. bedeutet. Wenn mau bedenkt, dast die fortdauernde Einatmung des feinen tierischen Staubes, welcher bei der Verarbeitimg des Materials unvermeidlich ist, für die Gesundheit der Arbeiter von äußerst schädlicher Wirkung ist, so muß man diese geringe Forderung wohl berechtigt nennen. Es wird bei der Firma auch ein Heimarbeiter beschäftigt, der mit einer fünfköpfigcn er- wachsenen Familie es auf einen Verdienst von zusammen 50— 60 M. bringt. Dieser hat sich mit den übrigen Kollegen nicht solidarisch erklärt. Wir bitten unsre Kollegen, hiervon Kenntnis zu nehmen und den Betrieb bis auf weiteres zu meiden, um so die streikenden Kollegen, vier an der Zahl, moralisch zu unterstützen. Die Branchen-Kommission. Oeutlehes Reich. Fortschritte des Bergarbeiterverbaudcs. Der eben veröffentlichte Jahresbericht des sogenannten„alten Verbandes" ergießt eine außergewöhnliche Kräftigung dieser vielvcrfolgteu Arbeiterorganisation. Als im Jähre 1895 durch den Essener Meineidsprozeß dem Verbände seine alten Führer Schröder und M eher auf Jahre hinaus entrissen wurden, besaß er nur noch 4—5000 Mitglieder. In der früheren Zeit, 1890/91, gehörten ihm schon 45 000—50 000 Mit- glieder an. Unglückliche Streiks(Saargebiet und Ruhrgebict 1893), mangelnde Festigkeit der schnell zusammengelaufenen Angehörigen waren die Ursachen des Rückganges. Seit dem Meineidsprozctz datiert der neue Aufschwung. Das Jahr 1902 schloß die Organisation ab mit 48 278 Mitglieder, am Schluß 1903 war ihre Zahl auf 00 028 gestiegen, also Zuwachs in einem Jahre 20750 Mitglieder! Augenblicklich ist der Mitgliederstand ca. 75 000, die Auflage des Verbands- organS, die„Deutsche Beraarbeiter-Zeitung", beträgt 80 000! Dieser große Aufschwung ist der beste Beweis für das wachsende Vertrauen der Bergarbeiter zu ihrem Verbände. Der„christlicheGewerk- verein", dessen Führer, der Landtags-Abgeordnete Brust, sich bekanntlich f ü r das„buddistische"„Koalitionsrecht" aussprach, gab für Ende 1902 an rund 40 000 Mitglieder, Ende 1903 nur noch etwa 39 000, da inzwischen tausende„christliche Mitglieder" im Siegcrlande dem Gewerkverein des Herrn Brust den Rücken kehrten. Vor etwa fünf oder sechs Jahren war die Stärke des„christlichen Gewerkvereins" der des alten Verbandes ziemlich gleich; zur Zeit ist der letztere bald doppelt so stark wie der vom Centrum inspirierte Gelverk- verein. Auch in der fast ausschließlichen Domäne des Brust-Ver- bandcs, im Ruhrgebiet, desitzt heute der Verband ca. 50 000 Mitglieder, ist also auch hier viel stärker geworden wie die be- zeichuenderweife in Arbeiterkreisen„ Z e ch e n g e w e r k v e r e i n" betitelte ultramontane Bergarbciterorganisatiou. Die fernere Ent- Wicklung läßt sich leicht voraussehen. Der Bergarbeiterverband hat sich auch finanziell sehr gut entwickelt. Sein Vermögen betrug 1901 erst 160 000 M., 1902 waren es 260000 M. und 1903 rund 439 000 M. Mitgticderbeiträge kamen im letzten Jahre 445 000 M. ein, im Vorjahr 292 000 M. Die Gesamteinnahme betrug 649 545 M., gegen 462 000 in 1902. Unter den Ausgaben figurieren Streik- und Gemaßregeltcn-Untcrstütznng 32 695 M., Rechtsschutz 20 345, Sterbegelder 34 422, Agitation 18 551 Mark. Der Verband hat auch eine Arbeitslosenunterstützung eingeführt, die ab 1. Januar 1905 in Kraft tritt. Um sich von Scherereien zu befreien, hat der Verband ein großes Grundstück in B o ch u in gekauft, wo ein um- fangreiches Verwaltungsgebäude nebst Druckerei und Wohnhäusern errichtet werden bezw. fertig gestellt sind. Fertig gestellt, wird der Besitz einen Wert von 300 000—400 000 M. repräsentieren. Die Fortschritte dieser Gewerkschaft können den Scharfniachern lehren, daß dem Siegcszug der Arbeiterorganisation sich aus die Dauer leine Macht mit Erfolg entgegenstellen kann. Achtung, Metallarbeiter! Tie Kollegen der Firma Walther u. Co.,„Möve-Wcrke", sind ausgesperrt, weil sie unerhörte' Abzüge abwehren wollten. Wir bitten, Zuzug streng fernzuhalten und dieses in. arbeiterfreundlichen Blättern zu veröffentlichen. Sie Orts- Verwaltung Mühlhausen i. Th. des Metallarbciter-Verbandcs. Zimmerer. Tie Arbeitgeber des Zimmerergciverbes in Salzungen bewilligten den im Streit befindlichen Gesellen eine Lchnzulage von 3 bis 5 Pf. pro Stunde. Die Arbeiter gaben sich damit zufticden und erklärten den Streik für beendet.— In Weißenfels wollen die Arbeitgeber über einen Stundenlohn von 39 Pf. nicht hinausgehen. Bei einer hohen Konventionalstrafe ver- pflichteten sich die Unternehmer auf dies« Bestimmung. Ter Streik dauert fort. Maurer. In Gera stellten die Maurergesellen den Meistern ihre Forderungen, die eine Lohnerhöhung und Verkürzung der Ar- beitszeit enthalten. Bis zum 10. Mai verlangen die Gesellen Antwort auf ihre Eingabe. In Königsberg ist das Lachen verboten! Wer denkt da nicht an Crimmitschau? Einen Maurer, dem der Transport der eingeführten Italiener ein Lächeln ablockte, herrschte ein Schutzmann an:„Sic haben hier nicht zu lachen!"— Im Ausstand befinden sich 314 Mann. Zu neuen Bedingungen arbeiten 327, abgereist sind 439 Niaurcr. Zu den alten Bedingungen arbeiten nur sechs Maurer, die keiner Organisation angehören imd 64 Italiener. Schutzleute bewachen fast alle Bauplätze und das Strcikposleiiitchcn ist sehr erschwert, zum Teil sogar unmöglich. An der alten Gasanstalt wurde ein Maurer verhaftet, weil er sich den Bau ansah, am Tragheimer Thor mußten die ausgestellten Posten ihren Platz verlassen, weil der Beamte es verlangte. Die Maurer Königsbergs werden aber nach wie vor ihre Forderungen hochhalten und sich durch keine Maßregel abschrecken lassen, ihre gerechte Sache ziiin Siege zu führen. Tie Aussperrung an der Untcrwcscr dauert fort. Außer den 36 Italienern, die jetzt in Lehe thütig sind, gelang es den Unter- nehmern noch, eine Anzahl Holländer heranzuziehen. Ucber Nordenham trafen mittels Fischereibootes 28 holländische Maurer und Zimmerer in Bremerhaven ein. Bei der alten Lloydhalle wurden dieselben von einer ganzen Anzahl Meister und vier Bremerhavcner Schutzleuten in Empfang genommen und unter deren„Schutz" dann nach der Lchcr Grenze eskortiert. Hier erwartete bereits ein ganzes Aufgebot Lcher Schutzleute die Ankömmlinge und in deren sicheren Obhut ging es dann die Hafcnstraße hinunter, der irühcren katholischen Schule, dem Masseiiquartier der so„nützlichen Elemente" des Unternehmertums, zu, wo neben den Italienern dann auch die Holländer untergebracht wurden. Die holländischen Arbeiter scheinen übrigens bei weitem weniger „arbeitswillig" zu sein, wie die Italiener. 12 von ihnen wollten bereits heute vormittag wieder abreisen, es wurde ihnen aber i h r Gepäck von dem Unternehmer vorenthalten. Die Leute haben die Hilfe des holländischen Konsuls in Anspruch ge- nommcn. Fetzt heißt es auch wieder, die Werften und der Norddeutsche Lloyd würden den baugewcrblichen Unter- nehmern zu Liebe in den nächsten Tagen größere Aus- perrungen vornehmen. Das würde der Aussperrung einen Umfang geben, daß sie der in Crimmitschau gleichkäme; da sie aber dann nicht nur eine Industrie betrifft, sondern eine ganze Reihe von solchen, würde das wirtschaftliche Leben an den Unterivescrortcn' noch in weit höherem Maße lahmgelegt werden, als dies in Eni» mitschau geschah. Bcrlimv partci-Hngelegenbciten. Tie polnischen Socialistcn halten ihre Maifeier am Sonntag im Lokal von Francke, Scbaftianstr. 39, ab. Anfang 2 Uhr. Konzert. Gesang, lebende Bilder, Tanz. Eintritt 50 Pf. Um 7V- Uhr Fest- rede:„Ucber die Bedeutung der Maifeier". Lichtenberg. Die Zahlabcnde des Wahlvereins werden nicht morgen, Montag, sondern am Mittwoch, den 11. Mai, in den be- kannten Bezirkslokalen abgehalten. Schmargendorf. Heute nachmittag 2 Uhr findet im Restaurant „Sanssouci", Ruhlaerstr. 20/21, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genosse W e tz k e r über die Bedeutung des 1. Mai referieren wird. Ein zwangloses Beisammensein für die Nach- mittags- und Abendstunden schließt sich der Versammlung an. Steglitz. Mittwochabend 8V, Uhr bei Schellhase, Ahornstr. 15a: Mitgliederversammlung des W a h l v e r e i n s. Auf� der Tagesordnung steht ein Vortrag des Schriftstellers Gennossen Baege: „Babel und Bibel". Zchleudorf. Die Genossen versammeln sich heute morgen um 8'/, Uhr bei Giese, Teltowerstraße, nachher Morgensprache bei Bcllrich, Atsenstraße. In der Versammlung, welche Punkt 3 Uhr beginnt, referiert Genosse Fuchs. Nach der Versammliuig Konzert, Kinder- belustigimg und Tanz. Eintritt pro Familie 30 Pfennig. Zahl- reiche Beteiligung erwartet Die Kommission. lokales. Die politische Macht. DaS Grundgesetz der bürgerlichen Gerechtigkeit läßt sich in dem einen Fundamentalsatz zusammenfassen, daß alles, was Augehörige der unterdrückten Vevölkernngsschichten in ihrem Jnieresse gegen die herrschende Klasse unternehmen, unbesehens verdamnrt werden muß, weil es das Recht gegen sich hat. daß hingegen jedes Unternehmen einer bürgerlichen Interessengruppe, wenn es sich gegen Proletarier richtet, gerecht und in der Ordnung ist. Von der„Post", dem tölpel- Haft giftigem Hetzblatt bis zur liberal salbadernden Tante Votz sind sich alle bürgerlichen Zeitungen eimg darin, daß dieser Grundsatz für die Beurteilung der Ereignisse auf social- politischem Gebiet als Richtschnur zu gelten hat. Und der Geschäfts- ausschuß der bürgerlichen Gesellschaft, die sogen. Lenker des Staates, haben sich ebenfalls in ihrem Handeln nach dem erwähnten Grund- gesetz zu richten, wenn anders sie nicht die bürgerliche Gesellschaft gegen sich rebellisch machen und damit den Boden unter ihren Füßen pcrlieren wollen. Mit besonderer Deutlichkeit haben die bedeutsamsten Ereignisse der letzten Zeit, der Streik in Crimmitschau und der Kampf der Aerzte gegen die Krankenkassen die Wahrheit dieses Fimdamentalsatzes bewiesen. In Crimmitschau ist fast da§ ganze Proletariat der Stadt verdammt, elf lange Stunden im nerventötenden Maschinengerassel bei elendem Lohn zu sronden. Um eine einzige Stunde will das Proletariat dies Höllendasein abkürzen. Wenn gegen die Crimmit- schauer Weber ein Vorwurf zu erheben ist, so höchstens der, daß sie sich einer unziemlichen Bescheidenheit befleißigen. Nicht allein jeder Menschenfreund, sondern auch jeder, der den Bestand der heutigen Gesellschaft möglichst lange vor Erschütterungen sichern will, muß sich für einen Kampf erklären, der den Zweck hat, das Dasein im GegenwartSstaat etwas erträglicher zu gestalten, der dem Staat an Stelle ausgemergelter Schwindsuchtskandidaten körperlich kräftige Bürger verschaffen will. Aber dennoch hat dieser wie nur einer auf objektiver Gerechtigkeit auf- gebaute Kampf um den Zehnstundentag fast die ganze bürgerliche Gesellschaft gegen sich. Die bürgerliche Presse hetzt gegen die Weber, die Unternehmer schreien nach Zuchthausgesetzen, die Geistlichkeit am Ort erklärt sich ebenfalls gegen die Kämpfenden, die Orgaue des Staates aber heben für diese Arbeiter das Versammlungs- recht auf und thun auch sonst unter Berufung auf die bürgerliche Gerechtigkeit alles, was die Arbeiter in ihrem Kampfe lahm machen kann. So siegt zum wesentlichen infolge der parteiischen Haltung des Staates der Unternehmer über den Arbeiter und kühlt an ihm dann nach Kräften sein Miitlcin. Ein andres Bild. Die von Arbeitern geleiteten Krankenkassen erklären, daß sie unter der freien Arztwahl nicht bestehen können, daß ihr Zlveck sich unter diesem System in sein Gegenteil verkehren müsse, weil sie aus Hilfsorganisationen für ihre Mitglieder dann zu Versorgungsanstaltcn für die von ihnen beschäftigten Aerzte werden müßten. Die Aerzte streiken darauf, erklären die Kassen, die sich ihrem Willen nicht fügen wollen und ebenso diejenigen ihrer Kollegen, die sich den Kassen zur Verfügung stellen, in aller Form in Verruf. Was thut in diesem Fall die bürgerliche Gesellschaft und der Staat, dem der! streikbrechende Arbeiter als eine mit besonderem Schutz zu umgebende Jdcalgcstalt erscheint? Die bürgerliche Gesellschaft fällt wütend über die Arbeiter- Krankenkassen her, und der Staat, weit entfernt, die Arbeitswilligen zu schützen, niitcrsagt in Köln den Vertragstreuen Aerztcn die Behandlung der Kassenmitglieder und verhilft den Aus- ständigen so durch seine Parteilichkeit zum Siege. Besonders kraß tritt diese Parteilichkeit noch insoweit hervor, als der Staat bei seinen eignen Betriebskassen die Aerzte mit ihren Forderungen zurückweist, jedoch keine Bedenken trägt, die Aerzte als Angehörige der herrschenden Klassen in ihrem Kampfe gegen die von Arbeitern geleiteten und ausschließlich im Interesse der Arbeiter wirkenden Krankenkassen mit der vollen Wucht seiner Macht zu unterstützen. Was lehrt die Gegeiiüberstelliing des Crimmitschauer und des Kölner Falles? Sie lehrt die Bedeutung der politischen Macht einschätzen, sie zeigt, wie diese Macht bedenkenftei und rücksichtslos von den herrschenden Klassen und ihren Organen im vermeintlichen Interesse der bürgerlichen Gesellschaft ausgenutzt wird. Sie giebt damit aber auch dem Proletarier einen Fingerzeig, wie er es zu machen hat. Die gewerkschaftlichen Organisaftonen der Arbeiter sind in den letzten Jahren ganz wesentlich ausgebaut worden, wenn sie auch selbstverständlich nicht so stark sind, daß sie sich allein im Kampf gegen das mit dem Staat verbündete Unternehmertum be- haupten können. Anders dagegen die Organisaftonen, die weseut- lich bestimmt sind, dem Arbeiter zu politischer Macht zu verhelfen, ihn fähig zu machen, so bald als möglich den Platz der heutigen StaatSlenkcr einzunehmen. Diese Organisationen, die Wahlvereine, sind im Verhältnis zu den Gewerkschaftsorgaui- sationen schwach an Mitgliederzahl. Und doch sind sie nicht minder wichftg im proletarischen Befreiungskampfe als die Gewerkschaften. und wenn die heutigen Machthaber, wie Crimmitschau und Köln zeigen, die Gewalt rücksichtslos in ihrem Sinne ausnutzen, so mag das nicht zum wenigsten daran liegen, daß die Arbeiterschaft dieser Gewalt nicht ditrch die Wucht politisch starker und daher einflnß- reicher Organisaftonen begegnen kann. Nur mit dieser vereint wird die gewerkschaftliche Organisation im stände sein, die bürgerliche Gerechtigkeit durch die proletarische zu ersetzen. Möge der heutige e r st e Mai zu fleißiger Propaganda auch für die politische Organisation der Arbeiterschaft ausgenutzt werden. Nur wenn beide Organisationen sich in ihrer Stärke ergänzen, ist das Proletariat im stände, sich in der heutigen Gesellschaft Ellenbogenfteiheit und An- erkeimung zu verschaffen und die Trüger dieser Gesellschaft zu ge- wissen Rücksichten zu zwingen. ES soll kein Mensch wie ein Hund begraben werden. Von der C h a r i t 5 zum Gemeinde-Friedhof fiihrt der Weg, der so manchem müden Erdenwanderer als letzter beschieden ist. Wer ihn im Armensarg zurücklegt, mit dem werden in der Regel keine besonderen Umstände gemacht. Es geht nicht allzu feierlich her, wenn die auf Kosten der Stadt zu beerdigenden Leichen eingesargt und hinausgeschafft werden nach dem großen Totenacker, den die Stadt Berlin da draußen bei Friedrichsfelde für ihre Armen bereit hält. Gleichwohl wird auch der Leiche des Armen, der in schlichtester Form zur letzten Ruhe gebettet wird, ein gewisses Maß von Achtung nicht versagt. Und selbst wenn die Anatomieleichen — verstümmelt und zerstückelt, wie sie sind— unter die Erde ge- bracht werden sollen, soll ja wohl, so wir recht unterrichtet sind, nicht vergessen werden, daß man Leichen von Menschen vor sich hat. Es soll kein Mensch wie ein Hund begraben werden. Ob aber solche Leichen wirklich immer nach diesen Grundsätzen behandelt werden, darüber wird man nach dem folgenden Vor- kommnis sich seine Gedanken niachen. Vor einiger Zeit wurde auf dem Gemeindefriedhofe bei Friedrichsfelde ein Sarg abgeliefert, der nach Angabe des Begleitscheins die Leiche eines in der Charits ver- storbenen Arbeiters Friedrich Henschel bergen sollte. Da das im Begleitschein angegebene Todesdatum schon um acht Wochen zurücklag, so wurde der Friedhofsverwalter stutzig und ließ den Sarg öffnen. Es ergab sich, daß der darin befindlichen Leiche der Kopf abgeschnitten worden war. Neben ihr aber lag— der Kadaver eines großen Hundes! Der Mann, der diesen Hundekadaver neben eine menschliche Leiche bettete, scheint den Satz„Es soll kein Mensch wie ein Hund begraben werden" auf eigne Art ausgelegt zu haben. Er wollte es umgekehrt niachen und einen Hund wie einen Menschen begraben lassen. Das Verfahren, das er dabei einschlug, ist freilich etwas sehr bedenklich. Manchem wird es wie eine Leichenschändung erscheinen, auch hier, wo es sich um eine bereits verstümmelte Leiche handelte. Die Oeffentlichkeit hat ein erhebliches Jntereffe daran, über dieses Borkomnmis eine amtliche Aufklärung zu erhalten. Wer den Weg zum Gcmcindefriedhof im Armensarg zurücklegt, mit dem werden, wie gesagt, in der Regel nicht viele Umstände gemacht, Aber daß ein menschlicher Leichnam mit einem Hundekadaver zusammen zur Beerdigung abgeliefert werden könnte, das dürste wcht leicht einer für möglich gehalten haben. Tie öffentliche Tsinfcktionsanstalt der Ttadt ist im Etatssah'r 1SV2/03 sehr viel weniger als in früheren Jahren in Anspruch genommen worden. In den beiden vorhergehenden Etatsjahren waren noch 7190 und 7212 Aufträge zur Desinfektion eingelaufen, das letzte Etatsjahr dagegen brachte nur 5833 Aufträge. Im be- sonderen gingen die Aufträge zur Desinfektion von Wohnungen in diesen drei Jahren von 3723 und 3511 zurück auf 2226. Die Ursache dieser Erscheinung ist darin zu suchen, daß die Erkrankungen an Diphtherie, die unter den Anlässen zur Desinfektion an erster Stelle stehen und für die Gesamtzahl der Aufträge stark ins Gewicht fallen, im letzten Etatsjahr viel weniger zahlreich als in den vorher- gehenden Jahren gewesen sind. Die Desinfektionen wegen Diphtherie verminderten sich von 3677 und 2785 auf 1663, darunter namentlich die durch Diphtherie veranlatzten Wohnungs- dcsinfektionen von 2712 und 2156 auf 1363. Begonnen hat die Verminderung der Tesinfektionsaufträge als Folge einer Ver- Minderung der Diphtherie-Erkrankungen schon in den neunziger Jahren. Beispielsweise waren noch im Etatsjahr 1895/96 unter 8657 Desinfektionsaufträgen 1936 gewesen, die durch Diphtherie notwendig geworden ivarcn. „Wider die Pfaffenherrschaft", Kulturbilder aus den Rcligions- kämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts. Das dritte Heft dieses neuen Lieferungswerkes, das von dem verstorbenen Genossen Reichstags- Abgeordneten R o s e n o w verfaßt ist, gelangt soeben zur Ausgabe. Es bringt den Schluß des 2. und den Beginn des 3. Kapitels:„Bei den Fürsten, der Armut", aus dessen Inhalt wir hervorheben:„Knecht der Knechte".— Aufstieg zur Macht.— Papstchronologie.— Der Pseudo-Jstdor.— Ein paar Musterpäpste.— Fäulniszeichen.— Stephans VI. Totengericht.— Mcssalinen des Kirchenstaats.— Avignon.— Päpstlicher Finanzschwindel.— Johann XXII. Absolutionstarif.— Johann XXIII.— Paul II.— Der Nero unter den Päpsten und die Fannlie Borgia.— Leo X., der große Ablaßkrämer.— Julius III. und sein Affenwärter.— Die Nachfolger.— Anna Oston, die englische Papstmaitreffe.—„Päpstin" Olympia.— Die Legende der Päpstin Johanna und des päpstlichen Untersuchungs- stuhls.-— Die Wirkung der Papstwirtschaft auf den hohen Klerus: Kardinäle, Bischöfe, Aebte.— Die Simonie.— Das Prunk- und Genußlcben des hohen Klerus. Von den Illustrationen dieses Heftes nennen wir:„Die Tafelrunde des Lasters", eine satirische Dar- srellung des ausschweifenden Lebenswandels der höheren Geistlich- keit, Könige und Fürsten; ferner verschiedene Papsi-Porträts und die Wiedergabe eines Bildes von Lukas Cranach:„Die Enthauptung Johannes des Täufers". Das Werk erscheint in Hesten a 26 Pf. und kann von jeder Parteibuchhandlung bezogen und bei jedem Kolporteur oder auch direkt vom Verlage: Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindcnstr. 69, bestellt werden. Wie der Verlag bereits in der Abonnements-Einladung aus- sprach, kann das Unternehmen nur durchgeführt werden, wenn möglichst alle Parteigenossen bei der Ausbreitung des Werkes lhätig sind. Bei Versammlungen und in Sitzungen, in Fabriken und Werk- stellen, bei Vergnügungen und sonstigen Zusammenkünften, auch bei der Maifeier ist die Agitation leicht und wirksam zu betreiben. Für diesen Zweck hat der Verlag Abonncnten-Sainmellistcn hergestellt. Um diese Agitation wirksam zu unterstützen, hat der Verlag auch ein geschmackvolles kleines Plakat angefertigt, das in Vcrkehrslokalen und Vereinszimmern, in Cigarrengcschäften und andren Verkaufsläden und an den Schaufenstern leicht angebracht werden kann. Genossen, die das neue Partei-Unternehmen durch Sammlung von Abonnenten oder durch zwcckcntspreckicnde Anbringung von Plakaten unterstützen wollen, erhalten Samincllisten und Plakate in allen Partcispeditionen, durch die Partcikolportcure oder auch direkt vom Verlag: Buch- Handlung Vorwärts, Berlin LW. 68, Lindenstr. 69. Der angebliche Millionciibctrng zum Schaden der Viktoriaspeicher- Aktiengesellschaft ist nunmehr in ein Nichts zerfallen. Der stühere Bodcnmcister Jakob Mattes lvar am 4. Jaiinar infolge einer anonymen Anzeige verhaftet worden. Durch einen am 23. April ergangenen Gerichtsbeschluß ist unninchr da-Z Verfahren mangels Beweises eingestellt und MatteS außer Verfolgung gesetzt worden. Er hat drei Monate unschuldig in Untersuchungshaft gesessen. Berliner Adreßbuch. Der zweite Nachtrag zum diesjährigen Adreßbuch gelangt von morgen, Montag, ab zur Ausgabe. Derselbe enthält alle seit Erscheinen der Hauptausgabe angemeldeten Wohnungs- Veränderungen, Gcschäfts-Eröffnungen rmd-Verlegungen, Zuziige, Berichtigungen usw. Außer dem vollständigen Inhalt des ersten Nachtrages sind insbesondere die Ergebnisse des April-Umznges'und die jetzt schon feststehenden inr Laufe des Jahres stattfindenden WohunngS- und sonstigen Veränderungen eingehend berücksichtigt. Auch dieser zweite Nachtrag wird allen Abnehmern deS diesjährigen Adreßbuchs in der Haupt-Expedition des„Berliner Lokal-Anzeiger", 81V. Ziminerstr.'37— 11, und in dessen sämtlichen Filial-Expeditioncn bis Ende Mai er. unentgeltlich verabfolgt. Die FricdrichSbrücke— Seite ivkuseumstraße— wird wegen Auswechslung der Schienen der Großen Berliner Straßenbahn vom 2. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. In drei verschiedenen Rcstauratioiicn suchte in der Nacht zum Sonnabend ein unbekannter Einbrecher vergehlich sein Heil. Zuerst erbrach er die Thür des Nestaurationslokals von Bruno Ziegenhorn in der Schillingstraße 15. doch wurde hier der Dieb dadurch ver- scheucht, daß das elektrische Läutewerk in Thätigkeit trat und den Wirt weckte. Aehnlich erging es ihm im Restaurant von Kaiser in der Schillingstraße 22, wo ebenfalls der Wirt erwachte. Dann ver- suchte der Dieb in das Lokal von Jagow in der Kleinen Frankfurter- straße 21 einzudringen, nachdem er die Thürfüllung ausgeschnitten hatte. Hier kam er auch glücklich in das Gastzimmer, doch traf ihn dort das Unglück, daß der Wirt ihn stellte. Der Einbrecher flüchtete aus den Boden, loo er jedoch ergriffen wurde. Man übergab ihn dann der Polizei. Drei schwere Unfälle bei der Arbeit. An der Ecke des Kurfürsten- damms und der Leibnizstraße werden zwei Neubauten errichtet. Während der eine bis zuyr dritten Stock gediehen ist, wird für den andern noch ausgeschachtet. Als der 23 Fahre alte Kutscher Otto Zimmt aus der Kirchstr. 13 zu Charlottenburg in der Grube stand und Erde auswarf, fiel ihm vom Nebcnbau ein Stein auf den Kopf, so daß er bewußtlos zusammenbrach. Der Verunglückte zog sich eine schwere Schädelverletzung zu und mußte mit einem Koppschen Rettungswagen nach dem stadttschen Krankcnhause gebracht werden. — Im Spandauer Schiffahrtskanal luden inchrere Arbeiter aus einem Kahne Holz aus. Unterdessen wollte der 17jährige Schiffer Otto Zahl den Mastbaum, der umgelegt war, von der Stelle rücken. Der schwere Baum glitt ab und zermalmte ihm das linke Bein.— Der 18 Jahre alte Zimmererlehrling Ernst Haß aus der Bülow- straße 87 schalte in der Kantstraße Dielen aus. Als hierbei ein Laufbrett wegrutschte, fiel er zwei Meter ttef hinab und zog sich einen Beinbruch zu.' Abgejagte Diebesbcute. In der Nacht zum 26. April sah ein Wächter zwei Männer mit großen Bündeln, mit denen sie aus einem Hause der Manteuffelstraße herausgekommen sein sollen, nach dem Mariannenplatze zu davonlaufen. Sie hatten es so eilig, daß er sie nicht einholen konnte. Einer aber warf sein Bündel weg und nun bekam der Wächter wenigstens dieses. Es enthielt einen ganzen Stand Betten, die in eine braune Steppdecke geschnürt waren. Die Sachen liegen jetzt noch herrenlos bei der Kriminalpolizei. Wahr- scheinlich sind sie bei einem Bodeneinbruch gestohlen, ohne daß der Eigentümer bisher seinen Verlust wahrgenonimen hat. Mit durchschnittenem Halse wurde gestern der in den Allgemeinen Elektricitätswerken angestellte Techniker Paul W. in seiner Wohnung in der Wattstraße aufgefunden. Er hatte sich aus unbekannter Ursache mit einem Rasiermesser getötet. W. hinterläßt eine Frau mit zwei Kindern im Alter von IV, und 3 Jahren. Die Leiche wurde dem Se&Maule öMMi? Ein falscher Zigeuner. In Greußen bei Nordhausen wurden zwei Männer festgenommen, die sich für Zigeuner ausgaben und Scherenschleifer sein wollten. Der eine nannte sich Wiegand, der andre Lammberger, Müller, Schröter usw. Dieser hatte alle Ursache, mit seinem wahren Namen hinter dem Berge zu halten. Wegen einer alten Schutzwunde am Auge mußte er nach Nordhausen in das Krankenhaus gebracht werden. Lange Zeit wollte er nicht lvissen, wie er zu der Verletzung gekommen sei. Endlich gestand er, daß er sie bei einem Einbruch erhalten habe und daß er auch kein Zigeuner, sondern der 33 Jahre alte Kutscher Otto Bornkessel ans der Wolgasterstratze 3 zu Berlin sei. Bornkessel, dem das Auge ausgenommen werden mußte, hatte in Potsdam einem Schankwirt Butter, Wurst, Schnaps, ein Messer und einen Revolver gestohlen. In Spandau ivollte er dann bei einem Gastwirt in der Wilhelm- straße einbrechen, aber der Wirt wurde rechtzeitig munter und verwundete den Einbrecher durch einen Revolverschuß am Auge. lim nicht ermittelt zu werden, ging der Verbrecher darauf unter die Zigeuner und trieb sich trotz seiner Verletzung auf der Land- straße umher. Ein Raub der Flammen wurde Freitag die am Wannsee ge- legcne neue Villa des Smdtverordncten Dr. Preuß, die in der nächsten Woche von ihrem Besitzer bezogen werden sollte. Als die Maler, die mit der inneren Ausschmückung der an dem Ostufer des Sees unweit der Wasserwerke gelegenen Villa beschäftigt waren, sich zur Mittagspause zurückgezogen hatten, brach ans einer bis jetzt nicht aufgeklärten Ursache Feuer aus, das so schnell um sich griff, daß bei der Ankunft der Wansecr freiwilligen Feuerwehr der Dach- stuhl und das erste Stockwerk in vollen Flammen standen. Der Feuerwehr, die sehr gut arbeitete, gelang es, die übrigen Teile der Villa, in deren Erdgeschoß bereits der Portier wohnte, vor dem ge- fräßigcn Elemente zu schützen. Der östliche Teil des Tcltow-Kanals zwischen Grünau und Britz ist jetzt schiffbar. Am Freitag hat der der Strombauverwaltung gehörende Dampfer„Mark" als erstes größeres Fahrzeug die Strecke befahren. Auf einem Neubau in der Scharnhorststraße ist, wie wir ge- meldet haben, der Zimmerer Dittclsbach am Donnerstag tödlich ver- unglückt. Einige Zeitungen schieben das Unglück der Unvorsichligkeit des Getöteten zu. Die Verwandten des Zimmerers ersuchen uns, mitzuteilen, daß von einem'Sclbstverschulden keine Rede sein kann, sondern viel eher anzunehmen ist, daß bei dem Aufbau des Ge- rüsteS, von welchem DittelSbach abstürzte, nicht mit der nötigen Sorgfalt verfahren wurde. Die Leiche ist noch nicht freigegeben worden. In der Urania ist gestern ein neuer Vortrag mit farbigen Lichtbildern gehatten worden. Während das wissenschaftliche Tbeater Berlins in seiner ersten Jugendzeit in weite Fernen schweifte und uns das Leben auf Mars und Jupiter mit aller sich durch die Uni- stände bedingenden Genauigkeit vor Augen führte, bestrebt es sich neuerdings in der Nähe weise Maß und Ziel zu halten, Schon mehrfach ist hier die Heimat in hübschen Vorttägen nach Gebühr gewürdigt worden und die Mark Brandenburg, die Östseeküste wurde in Bildern veranschaulicht, bei der zwar der Phantasie sehr enge Grenzen gezogen waren, die aber dafür den Vorzug hatten, daß sie die Wirklichkeit in all ihrer Schönheit wiedergaben. Und diese Realität der Erscheinungen thut sich uns auch in dem neuen Vor- trage auf, der der Insel Rüge n gewidmet ist. Verfasser des gut anderlhalbstündigen Vorttages ist Herr Franz Goerke, auch die zahl- reichen Photographien sind von ihm aufgenommen; die künstlerische Uebermalung der Lichtbilder hat hingegen Herr W. Kranz ausgeführt. Es ist wahrlich nicht wenig, was wir zu sehen bekommen. Von der Stadt Stralsund mit ihren imposanten Kirchenbauten geht die Reise aus und dann werden alle bekannten und nicht wenige unbekannten Orte der Insel in Aufnahmen auf die Leinwand gezaubert, von denen eine immer schöner ist als die andre. Und auch die Menschen auf Rügen lernen wir kennen, sowohl die Einheimischen, die sich sauer ihr Brot im gefahrvollen Fischerberuf verdienen als auch den gräulichen Berliner Schlag, der im Sommer zur Badezeit Herden- ivcise die Insel überflutet. Der Vortrag ist belehrend und unter- haltend zugleich: er wirkte vielleicht noch besser, wenn er von Herrn O. Wagner etwas weniger pointiert gesprochen würde. Wir glauben, daß unsre Leser, die'in ihren verschiedenen Vereinen ja ständige Gäste der Urania sind, auch an der neuen Gabe Gefallen finden. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. Der Unterricht iru Nationalökonomie(Montag) und Gesetzeskunde(Freitag) hat in der vergangenen Woche im Saal 8 begonnen. In dieser Woche können noch Teilnehmer eintreten. Der Unterricht in Geschichte beginnt am Dienstag im Saal 1, ebenso in R e d e- U e b» n g am Freitag. Die Arbeiter und Arbeiterinnen werden nochmals zu zahlreichem Besuch ein- geladen. Nur noch zwei Abende wird der Cirkus Busch den Berlinern zu- gänglich sein. Am Dienstagabend, unmittelbar nach der Vorstellung, erfolgt seine Abreise nach Hamburg. Aber gerade diese zwei letzten Abende werden, die letzten Entschcidnngskämpfe zwischen den Favoriten um die Weltmeisterschaft und die damit verbundene Ver- teilung der Ehrenpreise bringen. Die endgültige Entscheidung liegt jetzt nur noch zwischen den beiden Deutschen Jakob K o ch und Heinrich Eberle, zwei einander durchaus ebenbürtigen Gegnern, von denen der eine, Jakob.Koch, bereits einmal, in London, die Weltmeisterschaft im Ringkampf erstritten hat, und dem Leute vcmuFach auch jetzt wieder den endgültigen Sieg voraussagen. Am heutigen Sonntag finden, wie üblich, zwei Vorstellungen statt, von denen die Nachmittagsvorstellung namentlich dem Geschmack der Kinderwelt Rechnung tragen wird. Jeder Erwachsene ist berechtigt, zu derselben ein Kind frei mit einzuführen. Ter neue Botanische Garten in Dahlem bei Steglitz ist am Sonntag, den 1. Mai d. I., nachmittags von 2— 7 Uhr, für das Publikum geöffnet. In der Victoria, Brauerei, Lützowstr. 111/112, wird heute die Sommersaison durch das Auftreten der Norddeutschen Humoristen und Quartcttsänger eröffnet. Die Gesellschaft besteht cnis acht künstlerisch geschulten Herren. Das Programm ist vielseitig und reichhaltig. Freie Hochschule. Die Vortragsreihe des ziveiten Quartals schließt mit den Vorträgen in der Charlottenschule, Stcglitzerstr. 29, am 3. Mai. Dr. L. Heck: Wie erhalten wir unsre Tiere?, 16. Mai Theodor Kappstein: Was wissen wir über Jesus? rmd 13. Mai Professor Duvcrdier: Oes Otrangers ä Paris. Der Cyklus des Herrn Dr. med. Magnus Hirschfeld über das Geschlechtsleben und seine Gesetze wird an allen Dienstagen vom 3. Mar bis 14. Juni im Köllnischen Gymnasium, Jnselstr. 2, durchgeführt. Liliencron als Dramatiker. Die künstlerische, volkstümliche Veranstaltung als Vorfeier zu Liliencrons 66. Geburtstag am Sonntag, den 1. Mai, abends 7V- Uhr, im Kaiser Friedrich- Gymnasium, Savignyplatz, wird ein vollständiges Bild des Schaffens' dieses Dichters geben. Karten a 6,56 M., einige reservierte Reihen a 1,66 M. sind in allen Charlottenburger Buchhandlungen sowie im Verein zur Förderung der Kunst, Albrechtstr. 11, Dürerhaus. Krvncnstr. 18. und Bloch, Brüderstr. 1, zu haben. DaS Goldene Rad von Friedenau, welches heute nachmittag 4 Uhr im Sportpark Friedenau zur Entscheidung kommt, stellt nun- mehr definitiv folgende Fahrer in Konkurrenz: 1. Das kleine Goldene Rad(Dauerrennen mit Motorführung über eine Stunde) Demke, Buisson, Käser, Heinh, Przyrembel; Favorit desselben ist der Berliner Demke. 2. Das große Goldene Rad(Dauerrennen über 166 Kilo- meter nur Motorführung) Walthour, Robl, Salzmann, Dickentmann und Ryser; den Sieger dieses Rennen zu bestimnien wird äußerst schwierig sein, in die Favoriten-Rolle teilen sich Robl und der Amerikaner Walthour. zwischen denen es z» eiMM äußerst scharfen und intereffgnten Kampf kommen wird. »US den Nachbarorten. AuS der Spandaner Stadtverordneten-Bersauimlung. Hauptsächlich waren es wieder„Verkehrsfragen", mit welchen sich die Versamm- luna zu beschäftigen hatte und bei denen naturgemäß oft die wider- streilendsten Interessen der verschiedenen Jntercssentengruppen in Frage zu kommen Pflegen. Zunächst galt es die Zustimmung zu dem definitiven Abkommen mit den Staatsbehörden betreffend die U m g e st a l t u n g der Eise n bah na n läge innerhalb der Stadt zu geben. Nach dem vorliegenden Vertragsentwurf leistet die Stadt � an den EisenbahnfiskuS einen Kostenbeitrag von 766 666 Mark, in sieben jährlichen Raten, wogegen die Hochlegnng des ganzen Bahn- körpers und die U n t e r f ü h r u n g der F r e i h e i t st r a ß e, der Straße zwischen Stresowplatz und Plantage, der Kloster- und der N a u e n e r st r a ß e in Breiten von 16 bis 16 bis 25 und 15 Meter erfolgt. Die Untcrsührung der verlängerten Breitenstratze wird nur dann bewirkt, wenn sich die Stadt ausdrücklich zum vollen Ersatz der entstehenden Mehrkosten verpflichtet. Endlich wird in dem Vertrage noch festgelegt, daß die Eisenbahnverwaltung einen zweiten(Stadt-) Bahnhof an der Secgefelderstraße, westlich der Militärbahngeleisc, baut und die jetzige Havel- und Schlangengraben- B r ü ck e> im Zuge der jetzigen Güterbahnstrecke, nebst dem nötigsten Terrain für die Zufahrtstraßen der Stadt übereignet. In der Generaldebatte sprach Stadtv. Rieger(Soc.) namens unsrer Genossen gegen die Vorlage; die Gründe, welche unsre Genossen seiner Zeit bei Ablehnung der Liebesgabe von 766 666 Mt. an den Eisenbahnfiskus leiteten, seien auch heute noch dieselben: die Eisenbahn- Verwaltung sei eben verpflichtet, gelegentlich der ohnehin in Aussicht genommenen Hochlegnng der Eisenbahngcteise auch die Straßen zu unterführen, um überhaupt die jetzt bestehenden skanda« lösen und gemeingefährlichen Zustände im Eisenbahnverkehr zu be- seitigen. Die Stadt Spandau sei nicht reich genug und durchaus nicht verpflichtet, dem reichen Eisenbahnfiskus diese seine Pflicht tragen zu helfen. Die Magistratsvorlage wird hierauf mit allen gegen die Stimmen unsrer Genossen und zweier Bürgerlichen genehmigt. Eine Interpellation unsrer Genossen, bett. die seit Jahren projektierte Bahnverbindung Spandaus mit Potsdam und Velten, wird vom Stadtv. Ducksch(Soc.) kurz begründet und vom Oberbürgermeister dahin beantwortet, daß die Projekte erst lvieder aufgenommen werden sollten, wenn die zukünftige Gestalt der Staatsbahn-Anlagen endgültig feststehen würde. In Hohenschönhausen hat die Gemeindevertretung die Wahl' des ersten socialdemokratischen Gemeindeverordneten für ungültig erklärt. Unser Parteigenosse Thiele war mit 44 gegen 42 Stimmen, die auf den bisherigen Vertteter Fischer fielen, gewählt und voni Wahlvor- stand auch für gewählt erklärt worden. Die Gemeindeverttetung hat nun die Wahl deshalb beanstandet, weil der Gemeindediener seine Stimme abgegeben hat, und zwar nicht etwa für den Socialdemo- traten, sondern für den bürgerlichen Kandidaten. Man sieht, daß die bürgerlichen Elemente in der Gemeindevertretung von den Beispielen, die der Reichstag in den Fällen Dr. Braun und Buchlvald gegeben hat, zu profitieren wissen. Bemerkt sei, daß der Herr Fischer sein Mandat noch munter ausübt, trotzdem es bereits am 1. April abgelaufen ist. Unsre Parteigenossen werden Beschwerde er- heben, worauf wohl das Verwaltungsstteitverfahren folgen wird. Pankow. Der erste Jahresbericht über die Organisation und die Geschäftsthätigkeit des Gewerbegerichts ist soeben heraus- gegeben worden. Ueber die Organisation ist zu melden, daß 18 Bei- sitzer(9 Arbeitgeber, 9 Arbeitnehmer) gewählt wurden. Besonders hervorgehoben wird, daß gegen die Wahl des Magistratssekretävs und Photographen Brandt als Arbeitgeberbeisitzer unter Berufung auf die§§ 16 und 17 des Gewerbegerichts-Gefetzes Einspruch er- hoben und daß dieser Einspruch zurückgewiesen wurde.„Nachdem Magistratssekrctär Brandt sein Geschäft verkauft, erfolgte seine Eni- Hebung vom Amte als Arbeitgeberbeisitzer." Zur Abgabe von Gut- achten gemäß§ 75 des Gewergerichts-Gcsetzes ist ein Ausschuß von sechs Mitgliedern eingesetzt worden. Zu bearbeiten waren 214 Ein- gänge, unter denen sich 84 Streitsachen befanden. Davon entfielen auf das Baugewerbe 24, die Fabrikbetriebe 11, die Fuhrwerks- betriebe 11, die Handwerks- und die sonstigen Betriebe 33 Streit- fachen. Die Erledigung der anhängig gemachten Prozesse nahm das Gericht in 39 Sitzungen in Anspruch, in denen 36 mal ohne Beisitzer und 9 mal mit Beisitzern verhandelt wurde. Anhängig waren von den angegebenen Streitsachen auf Klage der Arbeitnehmer 82, auf Klage der Arbeitgeber 2 Sachen. Es wurden hiervon erledigt durch Nichterscheinen der Parteien 3, Klagezurücknahme 1, Vergleich 82, Anerkenntnis 5, Versäumnisurteil 18, andre Urteile 25. Der Wert des Streitgegenstandes betrug bis zu 26 M. in 35 Fällen, von mehr als 26 bis 56 M. in 23 Fällen, von mehr als 56 bis 166 M. in 16 Fällen und über 166 M. in 16 Fällen. Als Einigungscnnt ist das Gewerbegericht nicht in Funktion getreten. In Französisch-Bnchholz ist vorgestern ein großer Scheunenbrand ausgebrochen, der sechste in diesem Jahre. Diesmal traf das Un- glück ein dem Landwirt Torgau in der Hauptstraße 23 gehöriges Gebäude aus Fachwerk. Verschiedene Feuerwehren der Umgegend waren bei der Löschung thätig; während die Wehren aus Nieder- Schöiihmisen und Blankenberg um 11 Uhr wieder abrückten, hatten die übrigen bis Mitternacht zu thun. Vermischtes. Pockenkranke in Hannover. Freitagnachmittag wurden in das städtische Krankenhaus zu Hannover zwei galizische Arbeiterinnen eingeliefert, welche seit einigen Tagen auf der Spargclplantage zu Kleefeld bei Hannover beschäfttgt waren. Die Untersuchung durch den Kreisarzt hat ergeben, daß eine derselben an schwarzen Pocken erkrankt ist; die andre erscheint pockcnvcrdächtig. Umfassende Vor- sichtsmaßregeln sind getroffen worden. KriekKaften der Redaktion. S. C. 15. Die Ferienkolomen Iverdm von einer Privatgesellschaft, dem Komitee für die Ferienkolonien, zum größten Teil aus privaten Mitteln erhalten, doch leistet die Gemeinde Zuschüsse. ■JuriCttfcbcr Ceti. Sie juristische Sprechstunde findet täglich mitSluSuahMedelSoNUaVcNdd von?>/, bis»-/, Mir abends statt. Geöffnet:?»br. Unfallrente SV. Nein. Eine Ka nur in drei Fällen statt: 1. im Witwe KV Proz. des Jahresarbeitsverdienstes des Verunglückten als Ab- sindung; 2. der Ausländer kann, wenn er seinen Wohnsitz in Deutschland ausgicbt, mit dem dreifachen Betrage der Jahresrcnte abgefunden werden: 3. bei einer Rente wegen tcilweiscr ErivcrbSunsähigkcit ist eine Absindung dann zulässig, wenn als Rente 15 oder weniger Prozent der Vollrentc festgestellt ist und zwischen der BerusSgcnossenschaft und dem Entschädigungs- berechtigten eine Einigung über die Abstndungshöhe stattfindet.— e Kavitalabstndung findet bei Unfallrcntcn• Fall der Wiederverhciratung erhält die WitternngSübersicht vom 30. April igvl, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemdc. Hamburg t erlin Franks.a.M. München Wien S 5 »•- 760 760 761 764 766 764 I I B« WSW W S SW Wetter 2 bedeckt 3 bedeckt Sbedeckt 2bcdcckt 2 haw bd Zchalb bd tSK s» »l! §? Hjh 11 11 12 11 19 12 Stationen St s §■£ o 5 83= §.1 Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 752D 748'SS 764SSW Wetter 2bedeckt 2bedeckt heiter » II CK» MS> 0 3 12 BSetter-Prognose für Sonntag, den 1. Mai 1001. Mild, jedoch vorherrschend wolkig mit leichten Regensällen und mäßjam südwestliche» Binden. B c r l i n e r W e t te r.biir eno. ,r Paf i 1D) Kleider-«. Seldeestoffe Voileu. Etamine«inwoii. Mtr. 1.45, 1.70 Etamineu. Voile Nopp. 1-35, 1.95, 2.50 Barege klein gemustert Mtr_ 1.30 Meliert. Stoffe 1.55, 1.80, 2.35 Gemust. Crepelinestoffe 1.95, 2.45 Eiufarbig. reinwolt. Satins 1.45, 1.75 Schantungseide 1.35, 1.95 Gefärbt-Schantungseidelä�Mtr. 1.85 BedrucktSchantungseide 2. 1 0, 2.45 Chine-Seidenstoffe Mtr. 2.65 mh. Gestreifte Seidenstoffe 2.65 mh. Imitiert Waschseide Mtr. ööpr. u.1mie. Damee-Handsclhiihe Imit.Leinen-Handschuhe'42 pr. Zwirn-Handschuhe? rifuckta.''42, 62 pr. Halbhandschuhe �rs�oe�.d.1 7.25 Pf. H a I b h a n d s c h u h e g e w. 2 d c0krkn: 3 8, 60 pr. Glacd-HandschuheSe�'JiJrackkn. 1.25 Glacö-Handschuhejoralkkn. 1.55, 1.80 Glace-Handschuhe Iiib«g?aÄfli8 1.80 Weisse„ 1.25, 1.50, 1,85 Wasch stoffe Bedruckt Madapolam Mtr. 30 u. 40 pr. Gestreift Crepon mit. 55 pt. Bedruckt Rips-Piqu6 Mtr. 50 pn Weiss Batist ä jour Mtr. 55 u. 80 pr. Lawn-tennis Stoffe Mtr. 60 pr. Engl. Zephyr-Stoflfe Mtr. 65 u. 80 pr. Ecru Seidenleinen b?iiCtm 95 pr. u. 1.15 Merzerisiert Panamastoff Mtr. 1.05 Ein Posten Elsasser Woil- Musselin Mtr. 35 pr. xrossv �ustor-LoNimsnts in Ltreifell, TuLiton ua<5 kleinen Arabesken Eleg. Waschstoffe Mtr. 80pr. darunter Noppenstoffe, Etamine m. durchbrochenen Streifen, merzerisierte Satinette Menstag twucl soweit der Vorrat reicht: Konfektion Leinen-Bluse Kragen mit Paspel 4.75mIc. Seid. Japon-Bluse If.'Entredeux 7.90mj£. a D, ein färb. Wolle, m. Ziehe. 0 Voile-Öluse U. Entredeux, gefüttert OMk. 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Wäre dem so, dann bestände wenigstens' die Hoffnung, daß der unselige, unsre Stadt so schwer schädigende Streit noch eine einigermaßen besriedigende Lösung fände. Denn wenn die ausständigen Aerzte zum Wiedereintritt unter Be- dingungen bereit wären, die für die Kasse annehmbar sind, so könnte noch jetzt, sei es durch die Kasse selbst, sei es durch die Auffichts- behörde(auf Grund von§ 56 des Krankenversicherungs-Gesetzes) der Kampf beendet werden. Möchte diese Hoffnung nicht trügen und möchten namentlich die Aerzte bei ruhiger lleberlegung bedenken, daß sie jetzt selbst die vielleicht letzte Gelegenheit in der Hand haben, ohne Iveitcre Schädigung der Stadt und ihrer eignen Interessen einen dauernden Frieden herzustellen. Wenn die Aerzte jetzt Forde- rungen stellen, deren Folgen die Kasse nicht tragen zu können über- zeugt ist und die die Auffichtsbehörde nicht bewilligt, dann könnte auch die Regierung sich genötigt sehen, der Kasse zur weiteren Heran- ziehung auswärtiger Aerzte Zeit zu lassen. Damit aber wäre für die Aerzte der Kampf entweder endgültig verloren oder doch ein Sieg schon wegen der imnrer weiter steigenden Gehaltsbelastung der Kasse in unabsehbare Ferne gerückt." Am 26. April er. fand die Generalversammlung der O r t§- Krankenkasse der Bureau-Ange st eilten zu Berlin »nt der Tagesordnung: Stellungnahme zur Arztfrage(bisher freie Arztwahl) und Vcrwaltungsangelcgenheit(Pensionsbestimmungen für die Kassenangestellten) statt. Nach einem eingehenden Referat zu dem auf die Tagesordnung gestellten Punkt«Aerzte und Krankenkassen" legten die Delegierten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ihre Meinung in folgender einstimmig angenommenen Resolution nieder: Die am 26. April 1904 in den Arminhallen tagende ordent- liche Generalversammlung für die in den Geschäftsbetrieben der Anwalte, Notare und Gerichtsvollzieher, der Krankenkassen, Berufs- genossenschaften und Versicherungsanstalten beschäftigten Personen nimmt Kenntnis von den Mitteilungen des Äassenvorstandcs über seine Stellung in der Arztfrage; sie weist die von Herrn Dr. Mugdan im Rcickstage gegen die Kassenverwaltungen erhobenen Angriffe als unzutreffend und unbegründet zurück und spricht dem Vorstand ihr Vertrauen aus. Mit Rücksicht darauf, daß durch die mit der freien Arztwahl eng verknüpften übertriebenen Forderungen eines Teils der Acrzteschast die Eristenz der Krankenkassen gefährdet erscheint, bevollmächtigt die Generalversammlung de» Kassenvorstand, bezüglich der ärztlichen Be- die Handlung der Kassenmitglieder nach eignem pflichtgemäßen Ermessen einen langfristigen Vertrag, durch welchen die Interessen der Kasse sowohl als der Kassenmitglieder gewahrt werben, eventuell auch mit einer andern Aerztcvereinigung, abzuschließen. Die Versammlung protestiert energisch gegen die den Thatsachen nicht entsprechende Behauptung des Dr. Mugdan. daß die Kassen für socialhygienische Verbesserungen nur Worte besitzen und kenn- zeichnet die Ausführungen des genannten Herrn in der Kasienfrage als unerwiesene Unterstellungen, die geeignet sind, das Selbst- verwaltungsrecht der Kassen zu schädigen. Zum Punkt„Pensionsbe st immun gen für die Kassen- angestellten" wurde nach einem Referat des Herrn Buschold und nach recht lebhafter Diskussion der Delegierten mit überwältigender Majorität beschlossen, ein Ruhegehalt für die Kassenbeamten ein- zuführen. (Es ist dies die erste Kasse in Berlin, die Pensionsbestimmungen für ihre Beamten beschlossen hat.) Arbeitergroschcn. In der Generalversammlung der Orts-Kranken- lasse in Lehrte wurde ein Posten in der Rechnung moniert. In Vertretung der Kasse war ein Herr dreimal nach Burgdorf gefahren (Bahnstation, etwa 19 Kilometer von Lehrte entfernt) und hatte dabei jedesmal höchstens einen halben Tag aufgewendet. Für diese drei Fahrten hatte er nicht weniger wie 56 M. Spesen berechnet. Dieser Herr war— der Bürgermeister von Lehrte. Die Aus- gaben, die dem Herrn Bürgermeister erwachsen sind, können höchstens etwa 5 M. Eisenbahnfahrgeld und drei Mittagsmahlzeiten ge- Wesen sein. Mocken-Spielplan der Berliner Cheater. Königliches Opernhaus. Sonntag: Margarete. Montag: Lohcngrin. (Anfang 7 Uhr.) Dienstag: La Traviata. Mittwoch: Der fliegende Holländer. Donnerstag: Der Barbier von Sevilla. Freitag: 10. Sinsonie-Abcnd. Sonnabend: Samson und Dalila. Sonntag: Der Barbier von Sevilla. Montag: Hansel und Grete!. Iavottc. Neues königl. Opern-Xheater. Sonntag: Narziß. Montag: Weh' dem, der lügt. Dienstag: Die Welt, in der man sich langweilt. Mittwoch: Das große Licht. Donnerstag: Im stillen Gäßchen. Freitag: 1812. Sonnabend: Lydia Mädel sei schlau. Komödie der Irrungen,«onntag: Die Journalisten. Montag: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. Schiller- Theater tt.(Wallner- Theater.) Sonntagnachmittag: Maria Stuart.(Anfang 3 Uhr.) Sonntagabend: Lumpacivagnbundus. Montag: Lumpacivagabundus. Dienstag: Ferrool. Mittwoch: Uriel Acosta. Donnerstag; Haus Roscnhagen. Freitag: Tyrannei der Tyränen. Sonn- abend: Tyrannei der Thronen. Sonntagnachmittag: Die Braut von Mcsstna.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Tyrannei der Thronen. Mon- tag: Tyrannei der Thränen. Schiller-Theater(Friedrich Wilhelmstädtischcs Theater.) Sonntag- nachmittag: Die Stützen der Gesellschaft.(Anfang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Kinder der Eycellcnz. Montag: Haus Rosenhagcn. Dienstag: Haus Rosenhagen. Mittwoch: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Donners. tag: Das grobe Hemd. Freitag; Die Wildente. Sonnabend: DaS grobe Hemd. Sonutaanächmittag: Die Ehre.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Das grobe Hemd. Montag: Ferrsol. Deutsches Theater. Sonntagnachmittag: Monna Vanna.(Ansang 2>/z Uhr.) Sonntagabend: Der Pfarrer von Kirchscld. Montag: Die versunkene Glocke. Dienstag: Novclla d'Andrea. Mittwoch: Rose Bernd. Donnerstag: Der Pfarrer von Kirchfeld. Freitag: Rose Bernd. Sonn« abend: Der Pfarrer von Kirchscld. Sonntagnachmittag: Die versunkene Glocke.(Ansang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Der Pfarrer von Kirchseld. Montag: Rose Bernd. Berliner Theater. Soimtagnachmittag: Wilhelm Tell.(Anfang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Waterkant. Montag: Maria Theresia. Dienstag: Waterkant. Mittwoch: Alt-Heidelbcrg. Donnerstag: Maria Theresia. Freitag: Ali-Hcidewcrg. Sonnabend: Der jüngste Lieutenant. Sonntag- nachmittag: Alt-Heidelberg.(Ansang 2>/. Uhr.) Sonntagabend: Der jüngste Lieutenant. Montag: Der jüngste Lieutenant. Lessing-Theater. Sonntag: Das Wunderkind. Montag: Zapsen- streich. Dienstag: Zapfenstreich. Mittwoch: Das Wunderkind. Donnerstag bis Montag: Zapfenstreich. Neues Theater. Sonntag: Kabale und Liebe. Montag: Minna von Barnhelm. Dienstag: Kabale und Liebe. Mittwoch: Kabale und Liebe. Donnerstag: Pellcas und Melisande. Freitag: Minna van Barn« Helm. Sonnabend: Kabale und Liebe. Sonntag: Kabale und Lieb«. Montag: Minna von Barnhelm. Theater des Westens. Sonntagnachmittag: Mgoletto.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Apajune. Montag: Apajmte. Dienstag: Di« Afrikanerin.(d'Andradc.) Mittwoch: Apajunc. Donnerstag: Der Wild- schütz. Freitag: Don Juan. Sonnabend: Der Wildschütz. Sonntag- nachmittag: Der Troubadour.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Asrikancrin. Luise»- Theater. Geschlossen. Residcnz-Theater. Allabendlich: Die 300 Tage. Kleines Theater. Sonntagnachmittag: Liebesträume. Familienidhll. Don Carlos. Serenissimus.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Nachtasyl. Montag: DeS Paswrs Rieke. Dienstag: Nachtasyl. Mittwoch: Nachtasyl. Donnerstag: Märtyrer. Elcktra. Freitag: Des Paswrs Rieke. Sonnabend: Liebcsträumc. Familienidyll. Don Carlos. Sonntagabend: Nachtasyl. Montag: Des Nachtasyl. Sonntagnachmittag: Serenissimus.(Ansang 3 Uhr.) Paswrs Rieke. Trianon-Theater. Von Sonntag, den 1. Mai, vis aus weiteres täglich: Das eiste Gebot. Der Dieb.(Ansang 8 Uhr.) Thalia- Theater. Sonntagnachmittag: Charlcys Tante.(Ansang 3'/, Uhr.) Sonntagabend: Der Hochtourist. Von Montag ab geschlossen. Belle- Alliance- Theater, sonntagnachmitwg: Othello.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Freut Euch des Lebens. Montag bis Freitag: Der Hochtourist. Sonnabend: Kam'rad Lehmann. Sonntagnachmittag: Charlcys Tante.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Kam'rad Lehmann. Montag: Kam'rad Lehmann.(Anfang 71/. Uhr.) Carl Weift-Thcater. Sonntagnachmittag: Othello.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend bis Sonnabend: Der Totschläger. Sonntagnachmittag: Die Anna-Liesc.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Der Totschläger. Montag: Der Totschläger. Ccntrat-Theater. Sonntagnachmittag: Vineta. Wahrheit.(Ansang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Der Sonncnvogel. Montag bis aus weiteres täglich: Der Sonnenvogcl. Deutsch.ameriraniiches Theater. Allabendlich: Ueber'n großen Teich. Ansang 8 Uhr. Apollo-Thcatcr. Allabendlich: Liebesgötter. Specialitäten. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7'/, Uhr. Metropol- Theater. Sonntags 71/, Uhr. Wintergarten. Täglich: Specialitäten. Casino- Theater. Sonntagnachmittag: s�Uhr.) Allabendlich: Husarenliebe. Zärtliche Sonntags 7'/t Uhr. Passage-Theater. Corradini. Ansang 2 Urania- Theater. Taubensttaße 48/49. Rügen. Ansang 8 Uhr. Allabendlich: Ein tolles Jahr. Ansang 3 Uhr. Ans«» Hotel verwandte? 8 Uhr. dusch.(Ansang Ansang 8 Uhr. Uhr, Sonntags 3 Uhr. Allabendlich: Die Jnjel Marktpreis« von Berlin am 29. April 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln.ncue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch ,, Butter Eier 60 Stück Karpsen 1 kg Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse per Schock * ab Bahn. •s frei Waget« und ab Bahn.' L/öV 1/80 -1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60 2,00, 3,00 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,80 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 Hochschicke Frühjahr-Neuheiten für unsere vornehme, wohlfeile unter Leitung erster Meister und bewährter Sachverständiger. e/z Uhr, im GewcrkschaftShauS(Saal 7): Mitglieder-Versammlung der Sektion der Fliesenleger des Eentrnl- Verbundes der Manrer. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Meyer über:„Die wirtschaftlichen Kämpfe in der Gegenwart!' 2. Diskussion. 3. Wahl einer Kommission zu den Einigungsverhandlungen: Verbands- angclsgcnheiten. 143/6 Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder ist dringend erwünscht."MU Der Sektionsvorstand. iif! si VeH der ta-, Erd- n. geinil. HillsaMr Dciilselil. Dienstag, den 3. Mai 1904, abends 8 Uhr, im Roseuthaler Bercinshans, Roscnthalcrstr. 57: Mttglieder-Rersammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag. Nesercnt: Kollege 0. Bätiodsr 2. Diskussion. 3. Vcrbandsangelcgenheiten. Zahlreiches Erscheinen crsordcrlich. 33/9 Die Ortsverwaltung. Orts- Knulkenkssse der Sattler nnd verwandten Gewerbe zu Berlin.___ ggp- 21 u unsre sämtlichen Mitglieder!-«Ii Mitglieder- Versammlung am Donnerotag. den 5. Mai 1904, abends 81/, Uhr. im großen Saale des OlewerkschaftShauseS, Engel-Ufcr 15. Tages. Ordnung: 1. Protest gegen die Gründung einer Jnniings-llrankenkasse. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen muß jedes Mitglied erscheinen. Der Vorstand. 273/18 A. Tischendork, Vorsitzender. w. Oitlmann, Schriftführer. Achtung! Achtang! Kostiitn-Sohtieider und Sehneiderinnen! Montag, den 2. Mai, abends 81/, Uhr, in de»„2lrminhallen', Kommandantenstraffe Nr. 20: Oeffeutliche Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1- Die am 1. Juli d. I. erfolgende Aus» dehnung der KZ 135—139 der Gcwcrbc-Ordnung(erweiterte Bundesrats- Verordnung vom 3t. März 1897) aus die Maßwcrkstätten der Koslümbranche. Referent: Kollege Rittsr. 2. DiSlussio». 3. Verschiedenes. Die Kolleginnen und Kollegen der Koslümbranche werden ersucht, zahl- reich und pünktlich zu erscheinen. � 162/5»er Elnberufcr. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Donnerstag, den 5. Mai, abends 8'/, Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobftraffc 75: V»N»BMmIuHg. . 2 a ges-Ordnung: 1. Beratung über unsre Beitrags-Einkassierung. 2. VcrbandSangclegcnhciten. Da in dieser Versammlung weittragende Beschlüsse zur Abstimmung kommen,»st es Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. 17'l9* Die Ortsverwaltnng. Kürschner 3 Mittwoch, den 4. Mai, abends 8 Uhr, im Alten Schüffenhause, Linienstrafte Nr. 5: Oeffentiiche Versammlung aller in der Kürschnerbrauche beschäst. Arbeiter nnd Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Kann die Firma iisrpich Söhne ihren Vertrag öffentlich als einen den modernen Arbeitsverhältnissen entsprechenden Arbeitsvertrag rcchtscrtigcn, und welche Stellung nehmen nun endgültig die bei ihr beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen ein? Referent: Kollege A. Reggs. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. NB. Die Firma Herpich Söhne ist brieflich zu dieser Versammlung ein- geladen und wird dem Vertreter unbeschränkte Redefreiheit gewährt. Deutscher Kürschncr-Berband.(Zahlstelle Berlin.) Verband der Kürschner Berlins und Umgegend. I. A.: F r. G r a n d e I._ 102/13 Berliner socialisiische Montagsschau. Beransgeber: Ed« BömStClIl. Die Nummer wird u. a. über die Maifeier in Berlin und einer Reihe von grösseren Städten übenden Ansgang der Pariser Gemeinderatswahlen fnÄL Aus dem sonstigen Inhalt sei hervorgehoben; Mal Gedanken. — Politische GUttei-dämmernng in Rnssland.— Das Bnch der Woche.— Was das Volk von der nenera Sinnst sieht.— Die Musik und die Masse.— Pferderennen nnd Wettschwindel. Zu haben bei allen Zeitungsverkäufern. Preis: 6 Pfennig. Expedition: Sobützenstr. 14. Der Verlag des„Neuen Montagsblatt". . fte/i' Gegründet 1889. Spedalbaus n. Turmstr. 41, Ecke ölflenliiirgerslr. -— e■- Znm Pfingstfest besonders günstige Kanf- gelegenheit• elegant sitzender Garderoben unter Garantie für gnte«lauerhafte Stoffe. Herren-; Anzüge, hochmodern. von 1 2,- Mk. an Zahlstelle Charlottenbnrg. Montag, de« 2. Mai, abends 8'/, Uhr. im Volkshause, Rosincnstr. 3: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die letzte Lohnbewegung. 2. Abrechnung vom ersten Ouartal 3. Gewerlschastliches und Verschiedenes. 83/6 Zahlreiches Erscheinen ist notwendig. _ Die Ortsverwaltnng. Deutscher Holzarbeiter-Verband, i oehrock-Anzüge, zs,- Sommer-Paletots in eleg Ausführ V. 10,- Mk. an Sommer-Paletots, Brsalz Gr Mass, von 20,- blk. an �ünglings-Anzüge.�ue�soduittfo�, 6_ Mk an Knaben-AnZUg6, allorneueste Modelle 3,50 Mk. an Beinkleider in sehr grosser Auswahl von 2,50 Mk. an Anfertigung nach Mass ..... unter faekmilnnischcr Leitung.== rlllCVOF3If5lllf nac'1 beendeter ÄUö* Cl Kam Engros-Saison. KM- Jede Dame spart Geld! Gentraiverband der Brauereiarbeiter Zweigverein Berlin, Sektion IL Laut Beschluß der damit beauftragten Vcrtrauensmänner-Sitzung schließen sich zur Feier des 1. Mai die Mitglieder mit ihren Angehörigen den in ihrem Kreise stattsmdenden Parteiscstlichkeitcn vollzählig an. 41/9 Der Vorstand. An alle Baehdecker Berlins und der Vororte. Der§ 10 unsrcS Tarifvertrages ist nun endgültig geregelt und lautet derselbe jetzt solgendcrmaßeli: 1. Bei Arbeiten nach auswärts, wo die Fern- oder Vorortbahn benutzt werden muß, wird das Fahrgeld für die dritte Wagcnklaffc vergütet, sobald die Fahrt auch dritter Klasse zurückgelegt ist. 2. Eine Fahrgeldvergütung von 60 Ps. pro Woche bczw. 40 Ps. pro Tag wird gewährt: a) für alle Arbeiten, welche innerhalb der Stadt- und Ringbahn Berlins ausgeführt werden ohne Rücksicht aus die Entjernungen vom Comptoir bczw. Lagerplatz des Arbeitgebers; b) für alle Arbeiten, welche außerhalb der Stadt- und Ringbahn aus- geführt werden, �luo die betreffenden Arbeitsstellen in 15 Minuten Laus- zeit von einer Station der Stadt- oder Ringbahn zu erreichen sind; o) für alle Arbeiten, welche innerhalb eines Umkreises von 5 Kilometer vom Comptoir bczw. Lagerplatz des Arbeitgebers entfernt ausgeführt werden, wenn der Arbeitgeber bezw. dessen Coniptoir oder Lagerplatz sich außerhalb der Stadt- und Ringbahn bezw. in den Vororten befindet. 94/9 3. Für alle Arbeiten, welche außerhalb der vorgenannten Orte und zwar biS zu einer Entfernung von 11,25 Kilometer tm Umkreise voni Mittel- punkte Berlins(nämlich dem Dönhoffplatz) entfernt liegen, wird das volle verauslagte Fahrgeld für Hin- und Rücksahrt, jedoch ohne Fahrzeitvcrgütung gewährt. 4. Fahrzeitvcrgütung gemäß des im§ 1 sestgcsctztcn Stundenlohnes wird vom Mittetplinlle Berlins(nämlich dem Dönhoffplatz) wie jotgt jestgesetzt: a) bei Entjernungen von 11,25 bis 20 Kilometer mit'/, Stunde: d).„„ 20. 30„., 1. Die Paragraph tritt mit dem 4. Mai d. I. in Krajt. Anfragen oder Beschwerden sind z« richten an den Vorsitzenden der Darifkommission. Herrn II. 14 tippner, Wilhelmshavenerftr. 57. früherer Preis: 15, 20, 25, 35 M. Mtung! pdersport. Achtung! Der Kerliner Arbeiter-Rndkillertl»„Freiheit" h°t°s sich zur Ausgabe gemacht, der Arbeiterschaft resp. der minderbemittelten Bc- völkerung den gesunden Rudersport zu ermöglichen. Der wöchentliche Beitrag beträgt für Herren 50 Ps., für Damen 35 Ps. Sitzung jeden Freitag im Restaurant„Felsen-Ten-asse", Engel-Ufer 4. 973L Bootshaus: Stralau, Tumielstraße 29,„Sonnenbad'. ___ I. A.: Max llolUngcr, Berlin O., Richthofenstr 25. Wollen Sie sieb zur einen Genuss versebaffen, so Alai Leier SSf rauchen Sic-Wg JUaiinda-Cigarreti! == Erhältlich in Cigarren-Geschäften._ Generalvertreter: S. Rand, Marsiliusstrasse 23. Amt VN, 1934. Personen- Dampfer jeder Größe für Vereine und Gescllschajlen-c., auch Sonntags, cmpsichlt billigst 5072L* Koddig, Seebad Müggo!vycrdoi\ Rahnsdorf. Mühle. Abjährt, neu: Michnelbrücke, Michgelkirchitwtze. 3acke!ts,__ Saecos,ie*t. 3, to, 15,20 � Sluseujacketts, Frauen-Capes M. g-25, Stoff, Spitze, Seide Wert in allen Längen bis 50 M. Glaub- u. GWMWlel M Z-Zij 3in Posten Mdelle diaeeos. Paletots u. Capes Saison■ Neuheiten, plissiert und gezogen in Taft, Etamine, Chiffon, Tuch unter Her- stellnngsprcis! Von2B-25M..Wcrlbisl20M. 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Mai 1904. Hus der frauenbewcguwg. Friedenau. Dienstag, den 3. Mai, abends 8'/z Uhr, hält der Dildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglitz und Um- gegcnd bei Grube, Kaiscr-Allee, eine Wandcrversammlnng ab, in welcher Frau Dr. Hofmann einen Vortrag halten wird. Die Mit- glieder werden gebeten, die Mitgliedsbücher mitzubringen. Gäste haben Zutritt. Pünktlichen und zahlreiche» Besuch erwartet der Vorstand. Steglitz. Am Montag, den S. Mai findet in Steglitz bei Schell- Hase eine öffentliche Versammlung statt. In derselben wird Genosse A. Bernstein einen Vortrag über das freie Vereins- und Versammlungsrecht halten. Genossinnen und Genossen agitiert recht rege für den Bestich der Versammlung. Die Vertrauensperson. ! SodaldemoMscIiep fereiü im. Am 28. April verschied nach längerem Leiden unser treuer Genosse, der Zuschneider LiiÄsv Jungfliann, Ehre seinem Andenken! Die Bestattung findet am Sonntag, t. Mai, nachmittags i'lf Uhr, aus dem Kirchhos der Bartholomäus-Gemeindc, Falken- berger Chaussee, Weitzensee, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 24S/7 Der Borstand. SflcipJileinokpatiscliep WaWerein Schöneberg;. Den Parteigenossen zur Nach- richt, dag am Donnerstag unser Mitglied, der Monteur Sermsnv HofTmann, Sedanstr. 53, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 15/12 Der Vorstand. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Mai, nachmittag» '1,5 Uhr, von der Halle deS Fried- hoscs in der Maxstrage aus Natt. Allen Freunden und Bekannten ,»r Nachricht, daß mein lieber Mann und guter Vater, der Monteur ggsb Hermann Hoffmann, im Alter von 40 Jahren verstorben ist. MImu Hoffmann nebst Tochter. Die Beerdigung findet heute, nachmittags i'L Uhr, von der .-baue des Friedhofs in der Mar- swaße, Schönebcrg, aus statt. Den Freunden und Kollegen zur Nachricht, dag mein lieber Mann und Vater, der Schriftsetzer 0tto MöhHnK, Freitag früh C Uhr, nach langen, schweren Leiden im Alter von 81 Jahren sanft entschlafen ist. Witwe Möhrlng nebst Kindern. Die Beerdigung sindet Sonntag, /,S Uhr. vom Trauerhause, HcnnigSdorfcrstr. 10, auS statt. Dnntcsnkon?- vöbb Sagen hiermit allen Verwandte», Freunden u. Bekannten, dem Central- verband der Maurer Deutschlands, Zweigverein Berlin, dem Socialdcmo« lratifchen Wahlvercin für Schöncberg und dem Lottericvcrcin„Friede und Eintracht- sür die zahlreiche Teilnahnie irnd reichen Kranzspenden bei dem Begräbnis meines lieben Mannes, nnsres guten Vater», des Manrci S ilsri Wolft unfern herzlichsten Dank. Frau Marie Wölfl nebst Kindern. Danksltgung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes .4.d<>If David sage Ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gesang-Vcrein „Deutsche Linde-, meinen innigsten Dank. SSSb Frau David nebst Kindern. öilsnz per 31. Dezember 1803. Aetfva. itn Materialicn-Conto.. 9182,02 , Utensilien-«... 164,85 „ Werkzeug-„... 1719,85 ,. Bank-.... 2193,60 „ Cassa-.... 265,77 . Wechsel.„... L031.M , Conto-Corrent„... 5845,50 (Debitoren)_ Passivs. Per Conto-Corrent-Conto (Creditoren) „ DarlchnS-Conto.. „ GenofienschastSanteil- Conto...... „ RcservefondS-Conto. , Reingewinn... 21405,89 4811,10 14447,92 450,— (#70,62 1226,25 21405,89 Mitgliederzahl am 31. Dezember 1903: 11 Ausgetreten: 4. Eingetreten: 4. Betrag der Haftsumme. 330.- M. , deS GeschastSgul- Habens..-- 330,—, Mithin ist die Haftsumme sowie das GejchäftSguthaben der Genosse» dasselbe gebiieben. 050b Möbelfabrik Union (eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht). Kranter. Grunort. Schlesiseheatr. 48, Ecke Oberbaumstr. Ausschank von vorzügl. Weiß-, Lager. und Haasc-Bier, a GlaS 10 Pfennige, WittagSttsch mit Bier 50 Ps., Kafice und warme Speisen zu jeder TageS- zeit zu kleinen Preisen. 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Zärtliche Verwandte. Specialitäten. Nachm. 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Montag:DiezärUichcn Verwandten. Winter-Gartcn. specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshalleu. Stettiner Sänger. Paftage-Theater. Specialitäten. Urania. Taubenstrahe 4�/49. Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Juvalidenstrahe 57162. Sternwarte. Täglich geössnet von 7 bis l t Uhr. SeMUer Schiller-Theater O. (Wallncr-Thcatcr). Sonntagnachmittag 3 U h r: Maria bitaart. Sonntagabend 8 Uhr: L,iimpaelvasahaa/z Uhr bei halben Preisen: L?harle>» Tante. Abends 7-,, Uhr: Der Hochtourist. Heute nachm. 3 Uhr bei kl. Preisen: Letzte NachmittagSvorst.: Qthell«. Abends 7-, z Uhr: Freut Euch des Lebens. Große Ausst.-Posse m. Gesang u. Tanz in 3 Akten. Schlnss der Saison am 3. Hai. Cirkus Busch. Neues Theater. Schissbauerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe. Anfang VI, Uhr. Morgen: Minna von Barnhelm. Central-Theater. Sonntagnachmittag 2'/, Uhr zu halben Preisen: Zum erstenmal: Wahrheit. 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In beide» Vorstellungen zum letitciimal: > Aus den Alpen.„... ÄSSh™. Nachmittags 4 Uhr ein SViiib frei, sofern es ein Angchöriges ist. Weitere Binder aus allen Sitzplätzen halbe Preise. In beiden Vorstellungen Gala-Programm und Austreten der hervor- ragendsten Künstler und Künstlerinnen I Abends: Fortsetzung der grossen internationale»"ÄS Ringkampf- Konkurrenz unter dem Ehrenprotcttorat des Herrn Professors Dr. Begas. Beginn gegen S3/, Uhr. Dirk Vau den Berg g-gm Sanerer Holland. München. Urania. Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Die Insel Rügen. Montag 8 Uhr: Dies. Vorstellung. Sternwarte ) CASTANS ANOPTICUM. Friodrichstr. 165. Die zusammengewachsenen Schwestern. Der Weltfriede. ?Das delphische Orakel?? Apollo-Theater. Abends VI, Uhr: Hebüts der neuen Mai- SpecialitUten. 8'/, Uhr: Liiehesgötter. Im dritten Bild: Oer Götterzug und die Sensatlons- Apotheose: „Im Tempel der Glückseligkeit." Der Sommergarten ist eröffnet I Von 6 Uhr ab: Gartenkouzert. Kleines Theater. Unter den Linden 44. 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Glocke, Berlin. Druck». Verlag: BorwärtS'Buchdruckerei u. VerlagSanjtalt Paul SiMr& Co.. Berlin SW. Hr. 102. 21. 5. Msp Ks Jorairts" Wim WsM Sonntag, 1. Mai 1904. Gerichts-Teitung. Einbrecher, welche in Klapvhüten nnd Lacksticfcln ihre Ranb- zöge«nternrhmen, beschäftigten gesteni die zweite Strafkammer des Landgerichts I. Im Stadtteile Moabit wurden in den ersten Monaten dieses Jahres viele Einbrüche begangen, deren gleichartige Ausführung auf dieselben Thäter schlichen lieh. Die Diebe wählten stets Wohnungen der ersten und zweiten Etage zu einer Zeit, wenn diese von ihren Bewohnern verlassen waren. Sie benutzten in der Regel den vorderen Treppenaufgang, öffneten die Wohnungsthüren mittels Dietrichs und versicherten sich nach dem Eintritt durch Vor- legen der Kette gegen Ileberraschungen. Ihren Rückzug sicherten sie sich im Notfalle dadurch, dah sie an das Fcnsterkreuz im Berliner Zimmer eine lange Markisenschnur schlangen, und zwar in der Weise, dah beide Enden gleich lang bis auf das Pflaster des Hofes hinabreichten. Wurden sie überrascht, so liehen sie sich an dem Seil hinab, zogen dieses selbst herunter und flüchteten durch die Hofthür auf die Strahe. Die Diebe öffneten die sämtlichen Behälter mittels eines 1(Zentimeter breiten Brecheisens und rafften an sich, was des Mitnehmens wert war. In zwei Fällen muhten sie die zur Flucht benutzten Gurte zurücklassen. Dem Kriminalkommissar v. Baeck- mann wurde mitgeteilt, dah zwei berüchtigte Einbrecher, der Klempner Ernst Bauer und der Artist Richard Fleischer, zu damaliger Zeit häufig in Moabit gesehen worden seien. Es wurde ermittelt, dah sie unangemeldet bei dem Kellner Koch in der Linienstrahe wohnten. Sie wurden wochenlang Tag und Nacht beobachtet. Man stellte fest, dah sie stets in feinster Kleidung, in Lackstiefeln und Klapphüten auftraten und. ohne zu arbeiten, viel Geld ausgaben. Schliehlich schritt man zu einer Durchsuchung der Kochschen Wohnung. Es wurden dort verschiedene Gegenstände, unter anderm eine Brief- tasche, ein Pincenez und dergleichen gesunden, welche von den Bc- swhlenen als ihr Eigentum erkannt wurden. Ferner fand man ein ganzes Paket Diebeswcrkzeug, darunter ein Brecheisen von 1 Centi- meter Breite und schliehlich zwei lange Gurte von genau derselben Art, wie die Diebe in zwei Fällen hatten zurücklassen müssen. Fleischer und Bauer wurden bald darauf verhaftet, erstercr auf der Strahe, letzterer in einem Friseurladen. Als Kommissar v. Baeck- mann den Angeklagten Bauer verhaftete, erklärte dieser, daß er „Pluto, Graf v. Breelow" sei, und als der Beamte sich nicht irre machen lieh, setzte Bauer ingrimmig hinzu:„Schade, dah ich meinen Mantel mit dem Revolver nicht bei mir habe, wir könnten sonst ein kleines Duell aufführen." In dem Mantel Bauers wurde ein wert- boller Revolver gefunden, welcher ebenfalls bei einem Einbruch er- beutet war.— Gestern standen Bauer, Fleischer und Koch vor Ge- richt. Alle drei leugneten mit Entschiedenheit, auch nur in einem der Fälle beteiligt zu sein. Bauer behauptete, dah er von einem hoch- stehenden Gönner unterhalten werde, dessen Namen er nicht nennen wolle. Der Angeklagte Fleischer wollte die bei ihm gefundenen Gegenstände auf einer Auktion in der Schönhauserstrahe gekauft haben. Der dritte Angeklagte, Koch, der vom Rechtsanwalt Dr. Wcrthaucr verteidigt wurde, befand sich in einer bösen körperlichen Beschaffenheit, er hat wiederholt einen Selbstmordversuck) gemacht. Der Staatsanwalt hielt die Angeklagten durch die Beweis- aufnähme, wenn auch nur in je einigen Fällen, für überführt; er beantragte gegen Bauer zweieinhalb, gegen Fleischer vier und gegen Koch zwei Jahre Zuchthaus, während Rechtsanwalt Dr. Werthauer das Belastungsmaterial zu einer Verurteilung nicht für ausreichend erachtete. Der Gerichtshof schied einen Fall, der einer späteren Ver- Handlung vorbehalten bleiben soll, gegen Bauer aus, und verurteilte nur den Angeklagten Fleischer zu drei Jahren Zucht- h a u s, K o ch wegen Hehlerei in einem Falle zu neun Monaten Gefängnis. Bauer wurde wegen Beilegung falschen Namens zu sechs Wochen Haft verurteilt, diese Strafe aber für verbüßt er- achtet. Er bleibt in Haft. Auf Kindesmord lautete die Anklage, welche gestern bor dem Schwurgericht des Landgerichts II gegen die Dienstmagd Amalie Lehmann verhandelt wurde. Die Angeklagte, welche im Dienst eines am Spandaucr Berg in Charlottenburg wohnenden Arztes stand, gab heimlich einem Kinde im Anfang Dezember v. I. das Leben. Um ihren Fehltritt zu verbergen, beging die Angeklagte einen Kindesmord unter den erschwerendsten Umständen. Sie trug das in eine Schürze gewickelte Neugeborene in den Keller und steckte es in einen dort befindlichen Sandhaufen. Aufrecht im Sandhaufen steckend, wurde die Kindesleiche dort gefunden. Es gelang leicht, die Mutter zu ermitteln. Vor den Geschwornen entschuldigte die An- geklagte sich mit der verzweifelten Lage, in der sie sich zur Zeit der Thai befunden habe. Die medizinischen Sachverständigen bs- gutachteten, daß das Kind lebend zur Welt gelornmen sei, bei der im Keller herrschenden Kälte aber elend hätte umkommen müssen. Die Geschworneu gaben ihren Wahrspruch ab auf schuldig des Tot- schlags unter Zubilligung von mildernden Umständen. Das Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten durch die erlittene Untersuchungshaft. Für die Mutter. Eine vom menschlichen Standpunkte aus bc- greifliche Erregung hat den Monteur Wilhelm Dubczinski zu einer JähzornSthat gettieben, die ihn gestern unter der Anklage der gefährlichen 5lörvcrverlctzung vor das Schöffengericht führte. Am 23. Februar d. I. stand die betagte Mutter des Angeklagten vor der dritten Strafkammer des Landgericht I unter der Anklage des Ver- brcchcns gegen das keimende Leben. Sie wurde zu einem Jahre Zuchthaus bei sofortiger Verhaftung verurteilt. Als der im Zu- Hörerraum befindliche Angeklagte das Erkenntnis vernahm, stürzte er zur Thür hinaus und auf dem Korridor auf einen Mann zu, welcher seine Mutter zur Anzeige gebracht hatte. Er versetzte ihm mit der geballten Faust mehrere wuchtige Schläge gegen den Kopf. Der Umstand, daß der Gemißhandelte mehrere blutende Wunden er- litt, ließ darauf schließen, daß der Angreifer«in Instrument zum Schlagen benutzt hatte. Dies wurde von ihm im gestristen Termin in Abrede gestellt. Er sei so erregt gewesen, daß er nicht gewußt habe, was er that. Der Staatsanwalt erkannte an, daß Milderungs- gründe vorlägen, beantragte aber immerhin mit Rücksicht darauf, daß die Ausschreitung im Gerichtsgebäude stattgefunden, eine Ge- fängnisstrafe von zwei Monaten. Der Gerichtshof hielt mit Rücksicht auf die ganze Sachlage eine Gefängnisstrafe von einer Woche für eine ausreichende Sühne._ Eingegangene Druchlchnftcn. Geschäftsbericht der Allgemeinen Orts-�ankenkasse für die vereinigten Gewerbebetriebe Charlottenbnrgs für das Jahr 1303. Charlottcnburg, Buch» druckerci Otto Görke, Wallstr. 09. Die Tocialdcmotrntie in den Landtagen von Coburg und Gotha 1900— lOOt. Handbuch für LandtagSwähIer. Preis 20 Pf. Druck und Verlag Wilh. Bock in Gotha. Jtabfiiter Xonstttn'Vereine Korden: Gwinemiinderstr. Ii. Chorinerstr. 46. Butlmannstr. 19. Willdenowftr. 30. Gartenstr. 3. Moabit: Wiclefstr. 31. Cmdciierstr. 45. Havelbergerstr. 6. Rostockcrstr. Hl. Schlichterei: Wittswckerstr.«. Kordosten: Winsstr. 64. Osten: «»elingsw. 14. Krautstr. 7. Licbigstr. 7. die auf dem Boden des Centralverbandes stehen. Kauft nur in den nachstehenden Verkaufsstellen: Glogauersir. 38. Zorndorferstr. 63. Münchcbergerflr. 33. Osten. Stralauer Allee 30«. Südosten: Sorauerftr. 10. Pücklerftr. 31. Falckciisiciuftr. 6. Forsterstr. 4. Wtichaelskirchplatz i. GrUnkrsrngeschätle: Forsterftr. 30. Glogauersir. 3. Milchgeschäft; Glogauersir. 37. Bäckerelen, Konditoreien, Niederlagen: Liegnttierftr. 33. Forfterftr. 30. Avmiralstr. 37. Reichenbergerstr. 188. Gärliberstr. 68. »gauerstr. Ratiborstr. 3. Falckensteinsir. 31. Schlächtereien: Glogauersir. 38. Falltensteiustr. 18. «iegnitzerstr. 34. Manteuffelstr. SS. Skalihersir. 81. Oppelnersir. 38. Süden: Gräfeftr. 40. 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W wirlschaMichrr»nd rechtlicher Beziehung traurige Zustände der heimindustttcllcn Arbeitcrschost an das Lichl brachte, bat u. o. auch einstimmig den Grundsatz ausgesprochen, dah eS nicht nur Sache der Gesetzgebung und der in dieser Frage interessierten Arbeileroigaiii'ationen sei, die Heimarbeit in ihren Auswüchsen zu bekämpsen, sondern daß es auch Sache der die Helmarbettsproduite lausenden Konsumenten ist, an der Lösung einer Frage mit- zuarbeiten, die in ihrem System einen Krebsschaden für die gesamte Volkswirlschast und Vollsgesundheit darstellt. Arbeiter! Rartelaeaessea! Um so betrübender ist es, wenn Ihr selbst solche Unternehmen unterstützt, die auf diesem verderblichen System ausgebaut, namentlich in der Arbelicrvrcsse eine kolossale Reklame enisaltcn. um damit cvcnt. der Arbeiterschnst glauben zu machen, dah bei ihnen Wcrkslällcn sowie geregelte Lohn- und Arbetlsverhältnisse bestehen. 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Achilles. Gr. Frankjurtcrsw. 16; Bär Sohn, Gr. Frankfurkerstr. 20; Karl Hnstädr, Koppcnstr. 8S: B. Lcwkowih. Aleranderslr. 14»; JulinS Lindenbanm. Gr. Franksurterstr. 141; Wagner» Lichlenbergerstr. 9; Horvaih, Aleranderstr. 8. tkentrnin. Anrden und Nordwesten(Moabit):„Avant!", Rosenthalerstr. Ol; Bär Sohn» Chaustecstr. 24/25; Bernhard Bär» Rosenthalerstr. 5; I. Bär, Badstr. 20; I. Boczek. Wetnmetsterstratze 1; Theodor Büftng, An der Spandauer Brücke 2; Ludwig Engel, Prenzlauerstr. 23; Fürstruzel«. Rosenthaler. strahe 60; E. Freitag. Turmstr. 41; Nioriv Gross, Kastanien-Allee 42; I. Knrzderg, Neue Königstrahe 4?; D. Berleberg, Chausscesw. 54; Hcrm. Schlesinger. Turmstr. SS; Georg Simon, Reinickendorserllrobe 8; Sonnenschein, Chausscesw. 54. Westen und Süd-Wcston: Eeniral-LeihhanS, Jägerstr. 72; Max Kaplan. Friedrichstr. 1; S. Joseph, Schöncberg.Haupistr. 1; Leihhaus. Friedrichstr. 131 d; Sonnenschein, Lindenstr. 95; BersaudhauS Germania. 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