Ur. 103. nbonnementS'Bttllnsaiigen: «ionnementS- Preis pränumerando! vierteljährl. 330 Ml, monall. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. eingetragen in dl« Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungar» 8 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro SRonut. 21. Jahrg. Crtatlot Sgl!»«ußcr ffloata». Derlinev VolksblÄtt. Die TnltrtlonS'GtbOtr Beträgt für die fechSgespaltene Kolonel» geile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» und Bersammlungs-Anzeigen 25 Pfg. „Aleitu Hnreigtn", das erste(fettgedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags i» der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Sefttagen bis 8 Uhr dormAag» geöffnet, Telegramm- Adresse! „SwIaldtuihKr« Btrlla". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfchlande. Redaktion: 8Ll. 68. Lindcnatrassc 69. Uernsprecher: Amt IV. Sir. 1983. Dienstag, den B. Mai 1904. Expedition: SM. 68, Lindcnatraoec 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Zum Hererokrieg. Man schreibt uns: Für die kriegerischen Ereignisse in Deutsch-Südwestaftika giebt es nur eine Oualifikation und diese lautet: Hm. hm! Die beiden preußischen„Strategen", die da unten kommandieren, scheinen die Herrschaft über die Situatton vollkommen verloren zu haben. Der eine, Major von Glasenapp, sitzt nunmehr glücklich in Quarantäne in Otjihaenena, nachdem er, ohne auch nur den ge- ring st en Erfolg aufweisen zu können, mindestens zweihundert Köpfe, also etwa Zweifünftel seiner Streit- macht durch Tod, Verwundung und Krankheit ver- loren hat. Der Herr Major ging übrigens echt preußisch-schneidig ins Zeug. Zunächst forderte er von seinen Unter- gebenen horrende Marschlei st ungen. Jemand, der ihn offenbar in der Presse Portegieren möchte, hat darüber in der«Kreuz- Zeitung" sehr interessant geplaudert. In den LS Tagen, die zwischen dem Abmärsche von Windhuk und der Niederlage des Herrn von Glasenapp bei Owikokorero verstrichen, wurden 600 Kilo- meter zurückgelegt. Dabei mußten die Truppen auch noch stets biwakieren; nachts fiel reichlicher kalter Tau. Für diese Leistung verdienen wohl die Truppen, nicht aber der Herr Major Lob. Im Gegenteil ist er auf das schärfste zu tadeln, denn er ließ seine Leute LS Tage lang durch- schnittlich jeden Tag 24 Kilometer marschieren, obwohl sie noch nicht an daS Klima gewöhnt waren, keine Nacht aus den Kleidern kamen, die feuchten kühlen Tropennächte unter fteiem Himmel zubringen und abwechselungsweise auch noch Vorpostendienst thun mußten. Unter solchen Verhältnissen war ein rapides Empor- schnellen des Kranken st andes unausbleiblich. Und worin bestanden die kriegerischen Erfolge all' der Strapazen, die der Herr Major seiner Abteilung zugemutet hat? Wär's nicht so traurig, müßte man lachen: Zwei Schlappen, eine bei Owikokorero, die andre bei Okaharui, wochenlange Kaltstellung an der Wasser st elle von Oniatu und nunmehr Ouarantaine bei Otjihaenenal Diese„Resultate" hätte Herr v. Glasenapp billiger haben können. Der preußischen Drauflos« gängertaktik entspricht es freilich, die Truppen laufen zu lassen, so- Viel sie im stände sind. Ebenso wie die Kolonne Glasenapp scheint auch die Kolonne Leutwein akttonsunfähig zu sein. Wenigstens hört man seit dem mehr als zweifelhaften„Sieg" von Oviumbo(13. April) nichts mehr davon. Die Operationen Leutweins sind übrigens viel interessanter, als jene GlasenappS. Während des letzteren„Thätigkeit" im Marschierenlassen und Heineingeraten in Hinterhalte bestand, maß Leutwein sich zweimal im offenen Gefecht mit den HereroS. Be- sonders erfreulich für die deutsche Kriegskunst endeten beide Ge- fechte nicht! Im ersten Gefecht konnten die Deutschen den Gegner erst nach achtstündigem harten Kampf aus seiner Positton werfen. Der deutsche„Sieg" imponierte den HereroS so wenig, daß sie 6 Tage später selbst zum Angriff übergingen, nachdem sie die Kolonne Leutwein vorher in ein Gelände gelockt hatten, das ihnen für den Kampf vorteilhast erschien. Erst nach zehn- stündigem schweren Ringen konnten ihre Angriffe endgültig abgewiesen worden. Und Oberst Leutwein fühlte sich so wenig als Sieger, daß er ebenfalls den Rückzug antrat. Nun stelle man sich beide Parteien ungefähr vor. Auf deutscher Seite standen mindestens 1000 Mann, vorzüglich ausgerüstet, nach allen Regeln der Kunst gedrillt, mit modernen Magazingewehren, Maschinengewehren und Feldgeschützen versehen. Sie sind in durch lange Zeit erprobte taktische Verbände gegliedert und von taktisch geschulten und geübten Offizieren geführt. Auf der andern Seite befand sich(den keineswegs einwandfreien Schätzungen Leutweins nach) eine der Zahl nach allerdings dreifache Uebermacht, die aber bezüglich Führung. Bewaffnung und Organisatton den Deutschen weit nachstand. Bon vornherein verfügten die Hereros über kein einziges Geschütz, sie haben keinerlei militärische Ausbildung genossen, Offiziere im deutschen Sinne besitzen sie auch nicht, von einer taktischen Gliederung ihrer Streitmacht kann ebenfalls keine Rede fein, und ihre ganze Bewaffnung besteht nur in Gewehren der verschiedensten Systeme. Kleinkalibrige Magazingewehre werden sie nur wenige haben. Man sollte es eigentlich nicht für möglich halten, daß die erste mit allem Raffinement bewaffnete, gegliederte, sorgfälttg gedrillte und fach- männisch geführte Partei acht Stunden nöttg hatte, um die andre aus einer Stellung zu vertreiben und zehn Stunden brauchte, um ihren Angriff abzuwehren. Ruhmvoll ist die Geschichte nicht, darüber wird sich niemand täuschen! Natürlich sind nach der Meinung der BeschwichttgungShofräte .die besondren Verhältnisse" schuld. Vor allem werden die Dornen- Wälder eifrig als Hindernisse erwähnt. Sind die Dornenwälder aber wirklich so dicht und ausgedehnt, so ist es unbegreiflich. wie die HereroS ihre großen Viehherden hindurchtreiben und ihre Angriffe zum Teil beritten ausführen können. Es ist auch nicht verständlich, warum die deutsche Reiterei in Südwestafrika so sehr vermehrt wird, wenn überall undurchdringliche Dornenwälder anzutreffen sind. In einem solchen Wald kann ein Kavallerist ja gar nichts ausrichten. Die Wahrheit dürfte eben darin bestehen, daß die Unpassierbarkeit der Dornen- Wälder nicht so groß ist. wie sie zur Entschuldigung der Mißerfolge in Südwestafrika gemacht wird. Gut wäre es. wenn die hohe Obrigkeit sich entschließen könnte, etwas Näheres über die Kommandogewalt in Südwestafrika bekannt zu geben. Untersteht resp. unterstand Herr v. Glasenapp dem Oberst Leutwein oder darf er auf eigne Faust Krieg führen 1 1 Es sieht beinahe so au?, als ob letzteres der Fall wäre. Jnter« effant ist auch die Art, wie die in Südwestaftika befehligenden deuffchen„Feldherren" die einfach st en Regeln der Taktik vergessen haben und damit hereinfielen. Ein alter taktischer Grund satz fordert das Zusammenhalten der Kräfte, warnt vor ihrer Zersplitterung und vor weit aus- holenden Umgehungen. Werden die Kräfte zu sehr auseinandergezogen und weitausgreifende Umgehungen ver- sucht, so liegt die Gefahr nahe, daß die ein- z einen Teile zu erfolgreichen Aktionen nicht stark genug sind oder vom Gegner geschlagen werden, ehe ihnen die andern Teile zu Hilfe kommen können. Auch in Südwestafrika wurden die Kräfte nicht zusammengehalten, sondern ein wesentlicher Teil davon, nämlich die Kolonne Glasenapp, zu einem weitaus- holenden Umgehungsmanöver verwendet. Und der„Erfolg"? Er ist genau so, wie ihn die Grundregeln der Taktik beschreiben Leutwein konnte mit seiner Truppenmacht kein Resultat erzielen. Ebenso erging es Glasenapp. Außerdem war eS unmöglich, letzteren zur Unterstützung Leutweins bei Oriumbo heranzuziehen. Und die Hereros sind munterer als je. Hätten sie nicht so große Rücksicht auf ihre Viehherden zu nehmen, so würden sie höchst wahrscheinlich den Deutschen noch viel stärker einheizen als jetzt. Bei allem Mitleid, das man mit den Opfern des Krieges, vor allem jenen empfindet, die einfach zum Kampfe gegen die HereroS kommandiert wurden, ist andrerseits zu betonen, daß die Ereignisse in Südwestaftika der deutschen Armee und den deutschen Ehauvinisten sehr gesund find. Der Krieg 1370 hat den Herrschasten den Kopf völlig verdreht, so daß sie die deutsche Armee für ein kriegerisches Instrument halten, mit dem man auch die schwierigsten Operationen mit Leichttgkeit ausführen kann. Der Umstand, daß gerade in den auSschlagggebenden Schlachten gegen das Kaiser- reich das Glück den Deutschen ausnehmend hold war. wurde einfach vergessen. Nun aber erhalten sie von den Hereros den drastischen Beweis, daß auch die deutsche Armeeherrlichkeit nicht in den Himmel wächst und daß der Deutsche herzlich einfältig ist, wenn er über die englischen Schlappen in Südafrika lacht und sich einbildet, so etwas wie die deutsche Armee gäbe es nicht mehr. Die HereroS werden auch jene belehrt haben, die in dem Wahn leben, ein Krieg gegen Franfteich sei nur eine Promenade k Paris. Schon deswegen sollte man mit den Hereros Frieden schließen, weil sie das rotze Verdienst sich erwarben, unsern Säbelraßlem einen eiskalten opfguß verabreicht zu haben.— Leutwein soll bleiben! In der Presse wird nunmehr mit Bestimmtheit behauptet, daß Oberst Leutwein den Oberbefehl im Hererokriege behalten solle. Der Kaiser, der mit dem Reichskanzler in Karlsruhe die Frage des südwestaftikanischen Oberkommandos erörtert habe, habe Leutwein eine solche Kränkung, wie sie die Uebertragung des OberkonunandoS an einen andren Offizier darstelle, nicht zufügen wollen. Er sei auch überzeugt, daß die bisherigen Mißerfolge ohne Leutweins Verschulden von dessen Unterführern verursacht ivorden seien. Die Ernennung Leutweins zum Generalmajor soll un- mittelbar bevorstehen. Sie wird als ohne zu erwartend bezeichnet, beschleunigt wird die Beförderung natürlich durch das Konimando über eine so starke Truppenabteilung, wie sie nach An- kunst der jetzt wiederum bevorstehenden Verstärkungen in Südwestaftika versammelt sein wird. Denn daß Leutwein das Oberkommando behält, ändert nichts an der Absicht, aber- «als mehrere tausend Mann Verstärkungen nach dem Kriegsschauplatz zu entsenden I Diese Verstärkung soll zudem, wie behauptet wird, keine zeit- weilige sein, sondern dazu dienen, neben der oft asiatischen Brigade den Stamm zu der zu schaffenden Kolonialarmer abzugeben. Dem„Berliner Tageblatt' wird hierzu„von einem Ge- währSmann, der als zuverlässig gelten kann", gemeldet: „Daß Verstärkungen nach Südwestaftika in erforderlicher Höhe hinausgehen, ist selbstverständlich. Sehr bedenklich erscheint es aber, daß, wie wir hören, das KriegSministcrium die Gelegen- heit ergreifen will, nach dem Muster der bereits genugsam im Reichstage angegriffenen ostasiatischen Brigade ein südwest- afrikanisches ExpedittonScorpS neben der Schuhtruppe aufzustellen. Der Zweck dieser Uebung soll sein, in Südwestaftika�den bisher in Ostasien mißglückten Versuch zur Schaffung einer„Kolonialarmce" zu wiederholen. Ostafiatische Brigade, südwestafrikanisches Exprdittons- corps, zu dem womöglich nachher die südwestaftikanische Schutztruppe hinzugeschlagen würde, das wäre die erwünschte und, wie man zugeben muß, recht solide Basis einer neu zu formierenden„Kolonialarmce". Diese Meldung klingt keineswegs unwahrscheinlich. Denn daß uns zu all' dem Schönen, was wir zu Wasser und zu Land auf milita- ristischem Gebiet bereits in so reicher Fülle schon besitzen, auch noch eine Kolonialarmee zugedacht ist, ist längst ein öffentliches Geheimnis. Und die Gelegenheit ist so selten günstig! Natürlich wir man sich hüten, dem Kind sogleich den richtigen Namen zu geben, man wird einfach ein südwestafrikanisches Expeditionscorps zur Erhaltting des Friedens sür notwendig erklären. Später, wenn man sich an den Zustand gewöhnt hat, wird dann auch vor dem Namen „Kolonialarmee" nicht zurückgeschreckt. Die bürgerlichen Parteien ohne Ausnahme denken gar nicht mehr daran, dem kostspieligen Sport der„Weltpolittk" ein energisches Veto entgegenzusetzen. Wir steuern herrlichen Zuständen entgegen!— DaS„Berliner Tageblatt" schreibt in seiner heuttgen Abend- immmer: „Wie wir aus gut unterrichteten militärischen Kreisen hören. werden denmächst 1500 Mann als Vcrstärkungstransport für Deutsch- Südwestaftika abgehen. Dem Transport wird selbst- verständlich auch Kriegsmaterial aller Art mitgegeben werden; unter andcrm soll er zwei Batterien Feldgeschütze mit nach der Kolonie nehmen. Da, wie wft schon meldeten, die Nannschafts- zahl aller weiteren Nachschübe von den Forderungen des Gouverneurs abhängig gemacht wird, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die 1600 Mann und zwei Batterien dasjenige sind, was Leutwein als zur Niederwerfung des AufstandeS noch erforderlich neuerdings be- zeichnet hat. Daß Leutwein den Oberbefehl behält, wird uns nun auch von der erwähnten militärischen Seite bestätigt. In Kreisen, die die Kolonie kennen, ist man überzeugt, daß der Aufstand der Hereros nicht so bald niedergeschlagen sein wird, wie'Oberst Dürr neulich ankündigte; man machMch darauf gefaßt, daß die Nieder» wcrftlng des AufstandeS noch ein ganzes Jahr dauern kann, und man würde es als außerordentlich günstig ansehen, wenn es gelänge, der Hereros bereits binnen einein halben Jahre Herr zu werden. Daß die HereroS früher zur Raison gebracht werden könnten, hält man für so gut wie ausgeschlossen." Der erste japanische Landsieg. Nach ihren großen Erfolgen zur See haben die Japaner nun auch den ersten großen Erfolg zu Lande erfochten: sie haben am Aalu in siegreicher Schlacht die russischen Streitkräfte mit schweren Verlusten zurückgewiesen und den Uebergang über den Grenzfluß erzwilngen. Das Stärkeverhältnis der beiden Heere läßt sich nicht auch nur einigermaßen genau feststellen. Auf japanischer Seite waren Teile der kaiserlichen Garde, der 2. Division und vor allen Dingen die 12. Division engagiert. Welche Truppenkörper auf russischer Seite beteiligt waren und in welchem Umfange, das wird fürs erste schwerlich festgestellt werden, da Rußland aus strategischen und-- finanziellen Gründen alle Ursache hat, seine erste schwere Niederlage zu Lande so unbedeutend wie möglich erscheinen zu lassen. Nach einem Petersburger Briefe standen in der Nähe des Dalu die 3. ostsibirische Schützendivision und die aus Korea zurückgerufene TranSbaikal- Kosaken- Brigade, insgesamt 26 000 Mann. Wieviel von diesen Truppen an den fünf- tägigen Gefechten beteiligt waren, ist unsicher. Doch läßt sich ver« muten, daß die Russen, wenn sie einmal die Absicht hatten, den Japanern den Uebergang über den Dalu so schwer als möglich zu machen— und daß sie diese Absicht hatten, beweist ja die Heftig» keit ihres Wider st andeS und ihr schwerer Verlust— nicht nur eine Avantgarde mit der Verteidigung der galu-Lime be« trauten, sondern ihre ganze Kraft einsetzten. Die Japaner führten ihre auf die Ueberschreiwng des Grenz- fluffes gerichteten Operationen mit Vorsicht und, im entscheidenden Augenblicke, mit der durch die Sachlage gebotenen Energie aus. Ihre Verluste, die sie selbst auf 700 Mann angeben, zeugen von der Heftigkeit des Kampfes und von dem Elan, der auch die japanischen Landtruppen auszeichnet. Die Russen haben sich auf Föng-Wang-Tscheng. ca. 40 Kilometer nordwestlich von der Aalu-Mündung zurückgezogen. Ob sie hier den Japanern abermals eine Schlacht liefem oder sich auf die Bahnlinie Charbin— Mulden— Port Arthur zurückziehen werden, muß abgewartet werden. Südlich von Milden an der Bahnlinie befinden sich nach russisch inspirierter Darstellung sehr starke russische Truppenabteilungen, das erste, zweite und dritte sibirische Armeecorps in einer Stärke von 140000 Mann. Sollte diese Darstellung zutreffen und sollte die japanische JnvafionSarmee ihren Vormarsch fortsetzen, so dürften in nicht zu ferner Zeit neue Zusammenstöße in noch weit größerem Umfange und von ent- scheidenderer Bedeutung zu erwarten sein. Die russische Meldung über die Schlacht am Aal« lautet: Petersburg, 2. Mai. Eine Mitteilung des Generalstabes über die Lage am Dalu am 1. Mai lautet: Am 1. Mai eröffneten japanische Batterien mit Feldgeschützen und 12-Centtmetergeschützen um 4 Uhr morgens ein sehr heftiges Feuer auf die russischen Stellungen bei Tiurentschen und die Truppen bei Potetynzan. In» folge der erdrückenden Ueberlegenheit der ja- panischen Artillerie an Zahl der Geschütze und infolge der großen Verlu st e, die die russischen Truppen in diesen Stellungen erlitten, hielt General Sassulitsch es für unzweckmäßig, die Stellungen bei Tiurentschen weiter zu be- h a u p t e n. Die Truppen erhielten den Befehl, sich zurück« zuziehen und die sich beim Rückzüge bietenden geeigneten Stellungen einzunehmen. Als General Sassulitsch ein Telegramm absandte, hatten sich die Truppen von Tiurentschen und Schachedsa in voller Ordnung auf eine zweite Stellung zurückgezogen, während der Kampf bei Potethzan und Tschingon fortdauerte. Die j a p a n i s ch e Darstellung hat folgenden Wortlaut: Tokio. 2. Mai. Folgender offizieller Bericht ist über den Dahl« Uebergang der Japaner ausgegeben worden: General Kuroki berichtet, daß Abteilungen der kaiserl. Garde und der 2. Division. um Vorbereitungen sür das Brückenschlagen treffen zu können, am LS. April den Feind auf den kleinen Inseln im Dalu an- griffen, verttieben und die Inseln besetzten. Von der Garde wurden 9 Mann leicht und IS schwer verwundet, die 2. Diviston hatte leine Verluste. Der Feind nahm beim Rückzug viele Tote und Verwundete mit nach Km-lien-cheng. Ein gefangener russischer Kavallerist sagte aus, daß das 22., 23. und 27. Infanterieregiment von den Ostsibirischen Scharfschützen die Avantgarde bildeten. Lieutenant Senyoloff, Kommandeur der berittenen Schützen des 22. Regiments, wurde tot aufgeftmden und in Widschu begraben. Auch wurden 96 tote und ö lebende Pferde gefunden. Vom Mittag bis zum 27. feuerte der Feind mit Unterbrechungen auf Widschu, aber das Feuer wurde nicht beantwortet. Am LS. gingen 2 Kanonenbote und 2 Dampfer, die vom Geschwader des Admirals Hosoha detachiert waren, den Dalu aufwärts, wechselten Schüsse mit dem Feind bei Antzushan und brachten sein Feuer zum Schweigen. Diese Abteilung erlitt keinen Schaden. Am 23, April unieriiahmen 2 Infanterie- Kompagnien der Garde eine NekognoZcierung auf Hzishan und eine detachierte Sektion auf Si-tzu-guen, von wo der Feind floh, ö Tote zurücklassend. Der Feind feuerte aus grofzer Entfernung aus der Nachbarschaft von Kiu-licn-chcng auf Widschu ohne viel Erfolg auf unsre vorbereitenden Arbeiten. Am 29. April fing die 12. Division an, bei Sukuchin Brücken zu schlagen und war am frühen Morgen des 39. damit fertig. worauf die Armee mit dem liebergang begann. Von 10 Uhr 40 Min. vormittags bis 1 Uhr 20 Min. nachmittags wurde heftig von allen Seiten geschossen, aber der Feind war bald zum Schweigen gebracht. Unser Ver- lust betrug: 5 Offiziere leicht verwundet und von Unteroffizieren und Mannschaften lvareu 2 getötet und 22 verwundet. U m 3 Uhr abends desselben Tages war die Brücke über den Haupt ström fertig, die Armee- ging hinüber und gegen H u s h a n vor. An demselben Tage ging die Abteilung des Geschwaders des Admirals Hosoya bis unterhalb An-tuug-sien vor und focht mit 400 Mann Infanterie und Kavallerie auf nahe Distanzen. Auch hier wurden sie von Artillerie heftig beschossen, aber nach einer Stunde zog sich der Feind zurück. Auf unsrer Seite hierbei kein Unfall. Mit Tagesanbruch des 1. Mai beschossen wir und brachten zum Schweigen die feindliche Artillerie auf c i n e m H ll g e l i ni N o r d Iv e st e n v o n I u- s h u- k o u. Um 7'M Ithr gingen alle Divisionen zum Angriff vor und besetzten nm Schz'Uhr die Höhen von Kiu-licn-chcng bis nördlich von Ma-kon und Ju-shu-tou. Der Kapitän des„Maya" meldet: Eine Abteilung, bc- stehend aus den Schiffen„Maya",„Uji" und Torpedo- booten ist am 1. dieses Monats den Dalu hinaufgefahren und hat den Feind beschossen. Während sie zurückkehrte, griff die russische Artillerie plötzlich die Torpedoboote an. Letztere brachten jedoch die feindlichen Geschütze nach einem halbstündigen heftigen Feuer zum Schweigen. Die ganze Abteilung ist darauf ohne Verlust nach Jongampho zurückgekehrt. Unsre armierten Barkassen erreichten Autung an demselben Morgen und zwangen die feindliche Infanterie und Artillerie nach einem halbstündigen heftigen Gefecht zum Rückzüge. Man hat gesehen, wie in der Stadt Feuer ausbrach. Ein Eiiigeborcncr berichtet, der Feind sei von Airtung geflohen, nachdem er Feuer angelegt hatte. Tokio, Ä. Mai, morgens 7 Uhr.(Meldung des „Ncutcrschen Bureaus".) General Kuroki berichtet ergänzend: Im Laufe der gestrigen Kämpfe leisteten die Russen an zwei Punkten hartnäckigen Widerstand. Die feindlichen Streitkräfte umfaftten die ganze dritte Division, zwei Regimenter der sechsten Division, eine ttavallerie-Brigade und ungefähr vierzig Schnellfeuer- Geschütze. Wir haben 8 Maschinengewehre, Ä8 Schnell- feuer-Geschntze sowie eine groffe Anzahl Gewehre und viel Munition erobert; ferner haben wir mehr als zwanzig Offiziere und eine groste Anzahl Unteroffiziere und Soldaten gefangen genommen. Ich erfahre, daß die Generale Sassnlitsch und Kaschtalinski verwundet sind. Unsre Verluste betragen ungefähr 700 Mann, die der Nüsse» über 800. poiitilcke(lebersickt. Berlin, den 2. Mai. Unser Maifcst. Mehr als jemals stand die Maifeier diesmal unter dem Zeichen der Verbote; wo sich die Gelegenheit bot, wurden auch scheinbar harmlose, darum aber erst recht charakteristische Gründe für das Verbot entdeckt, wie beispielsweise in Bochum, wo eine kurz zuvor amtlich als erloschen bezeichnete Pockenepidemie den Grund zum Ver- bot abgeben mutzte. Aber das Verbot reizt und so erzählen unsre Berichte von mancher gerade des Verbots wegen doppelt gelungenen Demonstration. Ein kleiner Bürgermeister in einem kleinen thüringischen Staate hat— nnbelvutzt aber trestsicher— in seinem Verbot das richtige Urteil über die Maidemonstration gesprochen: Verboten, weil eS eine Demonstration gegen die bestehende Rechts- ordnung sei. Ja, das soll die Maidemonstration sein und das war sie auch am Sonntag in einem Matze, dah wir IMS dessen freuen können. Was kann der Nachtlvächter mit dem Spieße gegen einen Eisenbahnzng thuu l Was bedeuten polizeiliche Verbote dieser oder jener Versammlung, dieses oder jenes Umzuges gegen die einmütige Willenskundgebung von Millionen Proletariern, gegen die Kundgebung, die, sei es in welcher Form immer, doch erfolgt, daß wir willens sind, diesen„Rechtsordnung" genannten Unrechtszustand zu beseitigen, unter dem die arbeitenden Millionen im Elend dahinsiechen, während die nicht arbeitenden Ausbeuter im Ucberflusse leben I Gegen diese Rechtsordiumg haben wir demonstriert, sie wollen wir beseitigen und sie werden wir beseitigen. Dagegen werden papierne Verbote so wenig ausrichten wie die sonstigen Machtmittel der herrschenden Klasse. Der hanende Säbel sitzt zwar locker m der Scheide, jedoch das Proletariat ist disciplinicrt genug, datz es dem Säbel selber die Verantwortung überlätzt fürs„Losgehen", und gegen die passive Gewalt des millionenfachen Riesenleibes Proletariat ist am Ende auch der Säbel und die Flinte machtlos. Die erhebende Einmütigkeit des Proletariats, die über kleine innere Zwisligkeitcn immer wieder triumphiert, sobald es gilt, sich für das gemeinsame Kulturziel zu erheben, hat an diesem Mai- sonntage aufs neue den Herrschenden ein Zeichen gegeben, datz an unserm Wollen all ihre kleinen und grotzcn Mittel scheitern müsse«. Dem Proletariat gehört die Zukunft; bei ihm liegt die Hoffnung unfrei! Kultur, und es wird diese Hoffnung erfüllen!— Indirekte Stenern. Der Reichstag beschäftigte sich am Montag mit dem Etat der Zölle ilnd Verbraitchs steuern, aus denen das Reich bekanntlich seine weitaus größten Einnahmen zieht. Er ist damit bei dem Teil des Etats angelangt, der allein schon genügen würde, um uns zur Ablehnung des Ganzen zu ver- anlassen. Denn in den Zöllen, der Salzsmicr, der Zucker- steuer usw. werden die Armen und Aermsten höher besteuert wie die besitzenden Klassen. Auch heute erhob unsre Fraktion durch den Genossen Dr. David unsre alte Programm- förderung nach direkten Steuern, vor allem der Reichs- Ein- kommen- und der Neichs-Erbschaftssteiicr. Die Budgetkommission hatte die Einnahmen aus den in Betracht kommenden Etatteilen wesentlich höher veranschlagt als das Reichsschatzamt. Jetzt stellte der Nationalliberale Dr. P a a s ch e den Antrag, die Erträgnisse der Zölle noch Iv Millionen höher zu schätzen, um die Einzelstaaten zu bc- ruhigeii, denen jetzt noch 43 Millionen ungedeckt, d. h. von ihnen zu tragender Matriknlarbciträge drohen. Bezeichnender- weise gebrauchte er die Redewendmig, daß er es nicht über- nommen hätte, diesen Antrag zu stellen, wenn nicht.. Mit andern Worten, die ReichSregiernng selbst hat den dringenden Wünschen derEinzelstaatennachgeben und eineMinde- rung ihrer Zuschüsse zn den ReichsanSgaben vorschlagen müssen. RetHsschatzsekrMr Freiherr v. Stengel und der sächsische Vnudcsrats-Bevolliuächtigte v. Hohenthal gaben sich denn auch alle Mühe, das Haus für diesen Vorschlag zu gewinnen. Aber außer den Nationalliberalen fanden sie bei keiner Partei Gegenliebe. Der rcichsparteiliche Agrarier v. K a r d o r f f und der Ccntrunisagrarier Speck wollen das Risiko der Einzelstaaten nicht vermeiden, weil diese sich nicht genügend um die Kündigung der Handelsverträge bemüht haben. Und unsre Partei hat, wie Genosse Dr. David ausführte, eben- falls, wenn auch aus andren Gründen, alle Ursache, das Interesse der Einzelstaaten an den Reichsfinanzen möglichst rege zu erhalten, da nur so im Bundesrat wenigstens die unsinnigsten Ausgaben für die Weltpolitik, die Flotte und das Heer auf Widerspruch stoßen können. Nur so wird er bielleicht doch einmal für die Einführung direkter Steuern gc- Wonnen werden können. An diese Auseinandersetzungen knüpfte sich ein Disput über das Gesamtgebict der Agrar-, Zoll- und Handelsvertrags- Politik, in dem die Rechte wieder einmal die Kündigung des argentinischen Handelsvertrages verlangte und Genosse Dr. David sowie der Freisinnige Dr. P a ch n i ck e opponierten. Dann wurde der Etat der Zölle, der Tabaksteuer, der Zucker-, Salz-, Branntwein-, Brausteuer usw. nach den Kommissionsanträgen genehmigt. Die Debatten, die dabei gefiihrt wurden, berührten fast ausschließlich Ncbcnpunkte. Bei der Zuckersteuer wurden ganze Stunden ans die Erörterung der Frage verwandt, ob der russische Zucker, der in Danzig gemahlen und wieder ausgeführt würde, zollfrei die Grenze passieren dürfe. Bei der Salzsteuer entdeckten der Antisemit Werner, der Pole K u l e r s k i und der Reichsparteilcr G a ni p ihr volksfreundliches Herz und verlangten ihre Ersetzung durch eine Alttomobilsteuer, die aber nicht so hoch sein soll, daß die „Automobile erdrosselt" werden. Wie wenig ernsthaft sich das Trio selbst in dieser ungewohnten Rolle vorkam, das bewies, daß einer dem andern den Vorrang in dem demagogischen Trick streitig machte. Nachdem sie sich gegenseitig vorgeworfen hatten, daß sie niit diesen Reden nur beim nächsten Wahl- kämpfe in ihrem Kreise Propaganda treiben wollten, beruhigten sich diese echten Volksvertreter und stimmten auch für diese volksfeindlichste Steuer. Schließlich hielt beim Etat der Brausteuer Abgeordneter Dr. P a ch n i ck e einen Monolog über den Erlaß dreier preußischer Minister gegen den Flaschenbierhandel; er forderte den Rcichsschatzsetretär auf. dafür zu sorgen, daß nicht durch Maßnahmen gegen diesen durchaus berechtigten Handelszweig die Ertragnisse der Vraustcuer sänken. Dienstag sollen weitere Etatsreste, beim Reichsschatzamt anfangend, aufgearbeitet werden.— Zur Geschichte der Kanalvorlage. Dienstag beginnt im Landtage die Beratung der eigentlichen Kanalvorlage, nachdem die vorsichtigcrwcise davon getrennten Meliorationsvorlagen bereits einer Kommission überwiesen sind. Es ist angebracht, die Geschichte des Kanals, die eine Periode fort- gesetzter Siege des Junkertums über die Regierung und den König bedeuten, sich kurz ins Gedächtnis zn rufen. Die Thronrede, mit der der Landtag 1999 eröffnet wurde, betonte die Notwendigkeit des unverzüglichen Ausbaues der neuen Wasserstratzen und bezeichnete die Herstellung des Mittellandkanals als eine dringliche Aufgabe. Am 9. März 1899 ging dem Landtage die Kanalborlage zu. In den Verhandlungen, die sich vom 13. April bis zum 19. August hinzogen, und mit der Verwerfung der Vorlage durch die junkcrlickie Mehrheit endeten, erklärte die Regierung wieder- holt, datz es sich um eine wichtige wirtschaftliche und politische Ans- gäbe handele, datz sie entscheidenden Wert auf ihre Erledigung noch in dieser Session lege. Auch an den Patriotismus der Konser- vativcu apcllicrtcu die Minister. Aber alles Buhlen um die Gunst der Junker war vergebens: nicht einmal die bekannte Rede des Kaisers vom 11. August bei der Eröffnung des Dortmuud-Ems- Kanals, vermochte ihren Widerstand zu brechen. Die Junker fühlten sich als Herren der Situation, sie spielten mit der Regierung wie die Katze mit der ManS. Je trotziger die Junker waren, desto schwächer zeigte sich die Regierung. Anstatt den Landtag aufzulösen, beging sie den klein- lichcn Racheakt, die Landräte und Regierungspräsidenten, die in ihrer Eigenschaft als Abgeordnete gegen den Kanal gestimmt hatten. zur Disposition zu stellen. In der Thronrede des Jahres 1900 wurde zwar eine erweiterte Kanalvorlage angekündigt, aber die Regierung brachte sie nicht ei». Erst ein Jahr später, als der alte Hohenlohe durch den Grafen Biilow ersetzt war, ging dem Landtage die neue Vorlage zu. Die Berntnugen im Plcnnm beschränkten sich aus ivenigc Tage, dann wurde der Entwurf einer Kommission überwiesen, aber bevor die Kommission mit ihren Beratungen zu Ende war, gelangte das Ministerium zu der Einsicht, datz es sich eine neue Niederlage holen würde. Ohne das Resultat abzuivarten, schlotz Graf Biilow ganz Plötzlich den Landtag, da die Regierung die Ucbcr- zengUng gewonnen habe, datz die erwartete Verständigung über die Kannlvorlage zur Zeit ausgeschlossen sei. Auch jetzt wieder sah die Regierung von einer Auflösung des Landtags ab, sie nahm auch die neue Niederlage ruhig hin und begnügte sich damit, einige Minister, die Herren v. Miquel. Krefeld und Hammerstein in die Wildnis zu schicken. Die Thronrede des JahreS 1902 war äußerst zurückhaltend; es hietz zwar, datz die Regierung die Ausgestaltung unsrer wasscrwirt- schaftlichen Verhältnisse im Interesse der Landeskultur und des Ver- kehrs fortdauernd als ein dringendes Bedürfnis für alle Teile des Vaterlandes betrachte, aber die neue Vorlage wurde noch nicht an- gekündigt: sie sollte„seiner Zeit" dem Landtage unterbreitet werden. Die Regierung hatte vor den Agrariern den Rückzug angetreten, und gleichsam um ihre Niederlage zn vervollständigen, verzichtete sie im Jahre 1903 überhaupt auf die angekündigte Vor- läge. Auch im Wahlkampfe spielte die Kanalvorlage nicht die geringste Nolle. Die Junker sind wieder in annähernd ebenso starker Anzahl wie in der vergangenen Legislaturperiode in das Ab- geordnetenhans eingezogen! an die Zusammensetznng des Dreiklaffcn- Parlaments hat sich so gut wie nichts geändert und die Junker können ihr Berschleppungsspicl von neuem beginnen. Schon die Debatten der letzten Tage haben dem aufmerksamen Beobachter deutlich gezeigt, datz die Junker heute genau so wenig wie vor fünf Jahren geneigt sein werden, dem Liebcswcrbcn der Regierung nachzugeben: sie betrachten den Kanal als Kompensations- objekt, sie werden nicht eher Beschluß darüber fassen, als bis dee neue Wuchertaris in Kraft getreten ist, und dann werden sie ihn hohnlächclnd ablehnen, um so mehr, da die Regie- rung durch ihre eigne Schwäche den Widerstand der Junker nur noch gestärlt hat. Das Ministerium Bülow zeigt seine Stärke in der Ausbeutung der Arbeiter; vor den Junkern weicht es Schritt für Schritt zurück. Denn einer nur ist Herr, einer nur König: das Junkertum.-- VeutlcbeE Reich. Die Einweihung der neuen Rheinbrücke bei Mainz gab am Sonntag wiederum Anlatz zu nicht wenig eigenartigen Kriegs- anspielmigen. Der preußische Eisenbahnminister Herr Budde wies in seiner Ansprache an den Kaiser und den Grotzherzog von Hessen auf die Bedeutung der Bahnverbmdung von Bischofshcim»ach Kostheim mit der neuen Brücke hin, wodurch das Schlutzstück der ersten Rheinuferbahn: Schweiz bis zu den Niederlanden ge- schaffen werde. Diese Bahnlinie, erklärte er, wird„im Frieden w i e im Kriege von höchster Bedeutung" sein. Nachdem Minister Budde die Bedeutung des neuen Verkehrsweges für das Erwerbsleben besprochen, führte er weiter aus:„Wenn aber Eure Majestät das deutsche Voll zu den Waffen nffen sollte, dann wird die neue Bahnlinie ei» gewaltiges Krirgswerkzeug f e i n". Der Kaiser wünschte in seiner Erwiderung, daß der Friede auch fernerhin erhalten bleiben möge, doch er fügte hinzu:„Ich bin aber der Ueberzeugung, datz diese Brücke, wenn sie zu ernstem Transport benutzt werden sollte, sich dann vollkommen bewähren wird". Bei einem Festessen in Mainz besang Herr Budde nochmals die Brücke und sagte n. a.:„Die gewaltigen Türme deuten an. daß es auch ein Krirgswerkzeug ist". Die zahlreichen Kriegshinweise nahe an der französischen Grenze würden von Diplomaten vermieden worden sein, selbst wenn der Kriegsgedanke ihre Phantasie rege befaßt. Der Kaiser sprach jüngst in Karlsruhe von der Möglichkeit des aktiven Eingriffes in die Weltpolitik, jetzt wird stark die Krieg sb cd eutnng der Brücke, die nach W e st e n führt, betont. Beruhigung bringt d a s n i ch t! Minister Budde ist nach dieser Eisenbahn- und Vrückenwcihe vom Kaiser in de» erbliche» Adelsstand gesetzt worden. Der hohe Lohn gilt vielleicht auch bereits der zukünftigen Leistung für die preußische Kanalvorlage. Wenn der Kaiser reist! Wilhelm ll. hat in der Nacht vom 27. auf den 23. April bei seiner Heimkehr von der Mittelmeerreise die Gotthardbahn von C h i a s s o bis L u z e r n benutzt. Schon am 2S. April hatte das gesamte Bahn-Bewachungspersonal sowie das Fahrpersonal dieser Strecke die gedruckte Fahrordnung des kaiserlichen Extrazuges in Händen. Auf den zwei ersten Seiten sind sämtliche Stationen von Chiasso bis Lnzern aufgeführt; ferner sind angegeben die normale und die kürzeste Fahrzeit, Ankunft, Aufenthalt, Abgang aus jeder Station, die Zugsbegegnungen usw. Die dritte und vierte Seite enthalten in deutscher»nd italienischer Sprache 14 Bestimmungen, die vom Personal zn beachten sind. Da heißt es u. a.: Der Extrazug wird, weil allgemein bekannt gegeben, nicht signalisiert; der Extrazug hat auf allen Stationen das gerade Geleise zu befahren; bei der Durchfahrt des ExtrazuocS sind auf dein Bahngebiete keine dem Bahndieust fremden Personen zn dulden. Sämtliche Wärterhänser mit Telephon- Apparaten sind eine Stunde vor Ankunft des Extrazuges mit einem des Telephonierens kundigen Mann zu besetzen; die Stationen haben die Durchfahrt des Extrazuges den sämtlichen Telephouposten zur nächsten Station zu melden. Sodann werden 11 Züge be- zeichnet, welche an diesem Tage nicht verkehren dürfen, eine ganze Reihe andrer Züge haben die Ankunft beziehentlich Durchfahrt des Extrazuges abzuwarten. Kurz, fast der ganze Fahrplan ans dem Netze der Gotthardbahnen wurde an diesem Tage außer Kurs gesetzt. Die Stationen, so heißt eS am Schluß, haben den Empfang dieses Circnlars sofort telegraphisch der unterzeichneten Stelle zu melden. Diese Stelle ist die Oberbetriebsinspektion der Gotthard» bahn; das Dokument ist gezeichnet A. Bnrri.-- Deutscher Neutralitätsbruch? Im„Stcttiner Volksbotcn� lesen wir: „Wie man uns mitteilt, ist dem„Vulkan" in der vorigen Woche von einer R i g a e r F i r m a der Bau zweier russischer Kriegsschiffe in Auftrag gegeben worden. Die Beamten des„Vulkan" sollen sogar bezüglich dieses Auftrages verpflichtet worden sein, Schweigen zu bewahren. Wir begreifen nicht, warum den Beamten diese Schlvciaepfllcht auferlegt worden ist. Denn der „Vulkan" darf solche Aufträge dreist entgegennehmen. Und ein Ver- stoß gegen die Neutralität in Bezug auf den riissisch-jnpanischen Krieg liegt auch nicht vor. Erst die Ablieferung dieser Schiffe während des Kriegszustandes wäre ein solcher Ncutralitätsbnich, den die Reichs- regirrung zu verhindern hätte.— Etwas anders liegt es aber mit gewissen Arbeiten, die wie Maffenartikel auf dem„Bülkau" z. Z. angefertigt werden. Es sind das Arbeiten, die augcyschcinlich als Einzelteile für de» Bau von Torpedobooten oder Torpcdojögcrn bestimmt sind. Diese sämtlichen Arbeiten werden sehr beeilt und sollen angenscheiiilich als Halbfabrikate" nach Rußland wandern. >v o man die einzelnen Teile dann z u M a s ch i n e n für Torpedoboote zusammenfügt. Werden diese Arbeiten resp.„Hatbsabrikatc" also noch während des Kriegs- z u st a>l d e s zwischen R u tz l a n d und Japan vom „Vulkan" an russische„Privatleute" abgeliefert, so läge darin ein Bruch der Neutralität, der ohne Zweifel von der Rcichsrcgicrniig verhindert werden müßte. Datz aber diese Absicht: schnell zu liefern, vorliegt, geht ans der Eile, mit der die Arbeiten betrieben werden, hervor. Es scheint, datz mit der russischen Arbeit mich gleich die russische Arbeitszeit auf dem„Vulkan" ein- geführt ist. Denn die einzelnen Arbeiterlategorien, die an diesen eiligen Arbeiten beschäftigt sind, arbeiten häufig von morgens 5 Uhr bis abends 9 Uhr. ES wäre ivirklich an der Zeit, datz die deutsche Regierung diesen Vorgängen etwas intensiver ihre Aufmerksamkeit zuwendete! Es wäre ja ein sehr thörichtcs Beginnen, die Sache durch Tot- schweigen vertuschen zu wollen. Denn wenn auch„Reichsanzeiger",„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" und„Lolal-Anzeigcr"»och so beharrlich schweigen— eine Anfrage im Reichstag würde die Regierungsvcrtrcter zum Reden zwingen I— Eine Petersburger Meldung vom 22. April verbreitete die Nach- richt, daß die S ch i ch a u- W e r f t in Danzig acht Torpedo« boote, die sie für die deutsche Regierung baue, an Nutzland verkauft habe, da Deutschland von dem Lieferungsvertrag mit der Werst zurückgetreten sei. Die Schichau-Werft dementiert heute— nach zehn Tagen— diese Nachricht. Ein NcgicrungS- Dementi loäre jedenfalls angebrachter und überzeugender gewesen. Wir hegen deshalb noch immer die Erwartung, datz auch die Rc- giernng noch Veranlassung nehmen wird, sowohl die russische Nachricht wegen der Schichau-Werft als auch die unsreS Partei- Organs wegen des„Vulkan" in völlig zureichender Form zu demen- tirrcii._ Drei Millionen Wohlfahrt gegen den Nmstiirz k Die aus Italien den prcntzischen Ministern infolge des ungarischen AusstandeS tele- graphisch aubcsohleue Bereitstellung von drei Mllioncn für die „Wohlfahrt" der Eisenbahnarbeiter ist nunmehr in einem dem Ab- gcordnetcnhause zugegangenen Nachtragsetat erfolgt. Wir be- richteten schon, datz die drei Millionen dazu dienen sollen, die zu gründenden Krankenzuschutzkassen der Eisenbahnarbeiter staatlich zu subventionieren. AnS der Begründung des plötzlichen Nachtragsetats ersieht man. datz auch diese drei Millionen nicht sowohl das leibliche, als viel- mehr das seelische Heil der Eisenbahnarbeitcr fördern sollen. Die Arbeiter im Reiche des Herrn v. Budde sollen nämlich durch diese Znschntzkasscn den freien Hilfskassen fern gehalten werden. „die unter dem Deckmantel der Fürsorge ordnungS- feindliche Bestrebungen unter dem Eiscnbahnpcrsonal zu verbreiten bemüht sind". Die Begründung der Regierungsvorlage wirst hier fälschlich den (Wn wirklich die Wohls« htt der Llrbkltkr apstrxbevdeoEKgjsen- «inrichtungen bor. was sie selbst versucht: durch Stiftung von drei Millionen Mark.unter dem Deckmantel der Fürsorge kultur- feindliche Bestrebungen unter den: Eisenbahnpersonal zu verbreiten". Immerhin können wir dankend darüber quittieren, daß auch diese kleine Absindungssurmne an die wirtschaftlich ausgebeuteten und politisch unterdrückten Eisenbahner auf die Furcht vor der Social- demokratie zurückzuführen ist.— Die Reichstagscrsabwahl in Frankfurt-Lebus ist nach Zeitungsmeldungcn bereits auf de» 13. Mai, Freitag nächster Woche, angesetzt. Amtlich liegt uns die Meldung noch nicht vor. Es verlautet, daß lvie schon früher in der Presse angedeutet wurde, als gemeinsamer Kandidat aller uns gegnerischen Parteien Herr Bassermann aufgestellt werden soll, der im vorigenJahre inKarls- ruhe unterlag. Die„Deutsche Tageszeitung" hat sich schon früher gegen diese nationalliberale Kandidatur ausgesprochen, die nicht ge- eignet sei, die bäuerlichen Kreise zu gewinnen. Auch der „Konservativen Korrespondenz" will es jetzt„recht fraglich" erscheinen, ob Herr Bassermann der geeignete Kandidat der bürgerlichen Parteien sein könne.— Offiziöse Kricgsdcrichterstattung. Das„Berliner Tageblatt" bc- schwert sich darüber, daß man erst jetzt aus. Privatbriefen erfahrt, daß die Kolonne Glase napp auch ein Maschinengewehr an die Hereros verloren habe. Der„Vorwärts" hat schon vor Wochen berichtet, daß ein oder sogar zwei Maschinengewehre von den Hereros genonunen worden sind. Wenn die Regierung diese bemerkenswerte Thatsache der Oeffentlichkeit nicht mitgeteilt hat, so liegt das nicht etwa an mangelhaften Berichten aus Südwestafrika— die eingeweihten Berliner Kreise waren ja unterrichtet!— sondern an einer in Berlin geübten Nachrichtencensur, wie wir sie früher gern an Franzosen und Engländern verhöhnten. Uebrigens verdient auch beachtet zu werden, daß die Organe August Scherls, die sich mit ihren Spccialtelegrammen brüsten, gleichfalls diese Einzelheiten verschwiegen. Beruht das auf einer Abmachung mit der Regierung oder auf der Unfähigkeit des Bericht- crstatters, der das Charakteristiicheste nicht zu melden versteht, was doch ein nicht mit südwestafrikanischen Specialkorrespondenten gesegnetes socialdem akratisch es Blatt sofort erfahren hat? Zum Präsidenten des statistischen Amtes ist der„Nat.-Ztg." zu- folge Geh. Oberregierungsrat Werner aus dem Neichsamt des Innern ernannt worden.— Druckfehler-Berichtigung. In dem Feuilleton der Mai-Nummer„Maireligion" muß es in der dritten Spalte Zeile 26 heißen:„gleich kreisenden Sternen in irdischen Worten(statt Welten). Kuslanck. Die Gcmeindcwahlc!! in Frankreich haben, soweit sie sich bis jetzt übersehen lassen, den Radikalen Erfolge und den Nationalisten Niederlagen gebracht. Namentlich auch in Paris weisen die nationalistischen Stimmen einen großen Rückgang auf. Der„Vossischcn Zeitung" wird aus Paris gemeldet: Ueber das Ergebnis und die politische Bedeutung der gestrigen Gcmeindewahlen, an denen über 466 666 Gemeindcräte in 36 266 Gemeinden hervorgehen sollten, ist natürlich heute noch kein Urteil möglich, doch ist der erste Eindruck der, daß Süd- und Wcstfrank- reich entschieden regierungsfreundlich, der Norden und ein Teil des Ostens klerikal gewählt haben. Freilich bedeutet das nur, daß die Klerikalen dort ihre Stellung notdürftig behaupten, einen Besitz- zuwachs haben sie trotz der von ihnen behaupteten allgemeinen Empörung über die Aufhebung der Klöster, Schließung der geist- lichen Schulen, und Kreuzabnahme in den GcrichtSsälen nirgendwo errungen. In Marseille wurde die Melinistische Stadtverwaltung mit Bürgermeister C h e n o t hinausgeworfen und der vor vier Jahren durch Ucbcrruinpclung geschlagene Radikale Flaissiere wieder eingesetzt. Die radikale Liste vereinigte 37 866, die melinistische 37 466 Stimmen. In Lyon siegte der radikale Bürgermeister A u g a g n e u r mit seinem ganzen Stadtrat glänzend. In Paris schreiben Nationalisten und Radikale sich beide den Sieg zu, jeder Triumph ist indes verfrüht, da von 86 Wahlen nur S4 ein endgültiges Ergebnis lieferten, während 26 nächsten Sonntag wiederholt werden müssen. Die 54 endgültigen Wahlen lassen den bisherigen Besitzstand beinahe unverändert. Die Stichwahl verspricht einige radikale Gewinne. Bisher zählte der Stadtrat 41 Nationalisten und 39 Radikale, der neue lvird günstigstenfalls 44 Radikale und 36 Nationalisten zählen. Unter allen Um- ständen verlieren aber die Nationalisten die Mehrheit im Stadtregiment. Die gewählten Nationalisten befleißigten sich in ihren Wahlaufrufen einer auffallenden Mäßigung und berührten die Politik fast gar nicht, sondern beschränkten sich vorsichtig auf die Erörterung städtischer Vcrwaltungsfragen. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich stark. In Paris stimmten 467 666 Wähler gegen 372 666 im Jahre 1966; von diesen Stimmen waren gestern 259 666 radikal, 148 666 nationalistisch. Die Ruhe wurde nirgendwo ernstlich gestört. Weitere Telegramme besagen: Paris, 2. Mai. Infolge des Ausfalles der Pariser Ge- meinderatswahlcn glaubt man, daß die N a t i o n a l i st e n bei den Stichwahlen drei bis vier Mandate ver- lieren werden, so daß die jetzige knappe Mehrheit in eine regierungsfreundliche umgeändert wird. Das Resultat der Wahlen lvird als ein Sieg der Ministeriellen gedeutet. Paris, 2. Mai. Die Morgenblätter verzeichnen nach den bisherigen Resultaten der Gemeinderatswahlen einen Sieg der'Republikaner. Im f Departement Doubs ge- wannen die Republikaner in 46 Gemeinden: in Lyon wurden 39 Gemeinderäte gewählt, von denen 37 den Radikal- Socialisten und 2 den Liberalen angehören. In M a r s e i l l e ist die socialistische Liste mit über 1666 Stimmen Mehrheit gegen die liberale gewählt lvordcu. Im N o r d- D e p a r t e m e n t siegten die Republikaner und gewannen eine Anzahl Sitze. In Lille kommt es zu einer S t i ch Iv a h l zwischen K o l l e k t i v i st c n und Radikal- S o c i a I i st e n. In R o n b a i x und Tourcoing haben die S o c i a l i st e n die Mehrheit erlangt.— „Lanterne" schreibt über die gestrigen Wahlen: Die Ergebnisse werden in ganz Frankreich mit großer Freude begrüßt werden, besonders da die Republikaner im Pariser Gemeinderat aller Wahr- scheinlichkeit nach wieder die Majorität erlangen werden.„ A u r o r e" glaubt, daß wie vor vier Jahren die Socialisten wieder die Siegor sein werden.„Radical" verzeichnet das Ergebnis der Pariser Wahlen als einen glänzenden Sieg der Republikaner.— Der bewaffnete Widerstand in der socialdcmokratischen Druckerei in Warschau.— Proklamation des Grneralgonverneurs. Ueber den blutigen Zwischenfall in Warschau am 27. April erhalten wir soeben von unserm Korrespondenten den folgenden Eigenbericht: Warschau, 36. April. Am Mittwoch um 2 Uhr nachmittags ist hier ein Ereignis geschehen, das die ganze Stadt in Atem hält. Die Socialdemokratie Russisch- Polens undLittauens hatte sich gerade eine neue vergrößerte Druckerei in Warschau ein- gerichtet, die bei einem Schuhmacher(Genossen) in der Wohnung untergebracht war. Die Polizei hat offenbar irgendwie Wind davon bekommen, zumal sie vor dem 1. Mai besonders nach Parteidruckereien zu schnüffeln pflegt und in den letzten Tagen in unerhörter Weise aus der Jagd war; sie erschien plötzlich in der angegebenen Tages- stunde vor der Wohnung des Schuhmachers mit ungewöhnlich großem Aufgebot von Gendarmen und Polizisten. In der Wohnung befanden sich damals: der Wirt mit seiner Frau und noch drei Ge- Nossen von der Socialdemokratie. Schnell verbarrikadierten sie sich im zweiten Zimmer der Wohnung und hielten Rat. Der Zorn wegen des Verluste der neueingerichteten Druckerei, die zu erwartenden harten Strafen, endlich der Wunsch, die anwesende Genossin— die Frau des Schuhmachers— vor Polizeihänden zu verteidigen, ließen sie einmütig bewaffneten Wider st and beschließen. Die Polizei drang in das erste Zimmer und begann die Thür zum zweiten ge- waltsam einzubrechen. Sobald die Meute auf der Schwelle erschien, gab die kleine zusammengeschlossene Schar Feuer aus Revolvern. Der Gehilfe des Gendarmeriechefs Wintschuk und der Adjunkt des Polizeikonmnssars Ordanowski fielen. Dann warf sich die Schar, die Frau in die Mitte nehmend, in die Menge der Polizisten und Gendarmen und brach sich, mit dem Revolver in der Hand, Bahn bis auf den Hof, unterwegs noch einen Bezirks- lvachtmeister und drei Schutzleute tödlich verwundend. Den Flücht- lingen jagten dann die übrigen Polizisten nach. Es gelang nicht, die Frau zu retten, sie ist der Polizei in die Hände gefallen, sowie noch ein oder zwei Genossen. Doch sind mindestens zwei Genossen glücklich entkommen. In Warschau herrscht in allen Kreisen infolge des Ereignisses ungeheure Aufregung.—_ Reichstag 81. Sitzung. Montag, den 2. Mai 1904, nach- mittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Frhr. v. Stengel. Bei Eröffnung der Sitzung sind etwa 15 Abgeordnete anwesend. Die zweite Beratung des Etats wird fortgesetzt: Etat der Zölle und Verbrauchs st euer n. Berichterstatter Abg. Arendt(Rp.) begründet die Aenderungen, die die Kommission an den Etatansätzen mit Rücksicht darauf vor- genommen hat, daß nach den Beschlüssen der Budgetkommission über die kleine Finanzreform die Zölle als eigne Einnahmen des Reiches verwendet werden sollen, ebenso wie die Tabakssteuer. Die Einnahmen aus den Zöllen sind um 26 Millionen Mark heraus- gesetzt auf 616 869 666 Mark, aus der Z u ck e r st e u e r um 16 Mil- lionen auf 115 322 666 Mark und aus der Maischbottich- st e u e r um 2 Millionen auf 14 775 666 Mark. Die Ansätze für die Einnahmen sind also insgesamt um 32 Millionen Mark erhöht. Auf eine Anfrage des Abg. Hug(C.) erklärt Reichsschatzsekretär Frhr. o. Stengel, daß die Verhandlungen über eine Revision des Zollvereinsgesetzesim Gange seien, ein Gesetzentwurf aber noch nicht vorliege. Die Aus- arbcitung werde aber thunlichst gefördert werden. Hierbei werde auch eine sachgemäßere Revision der Bestimmungen über den Vercdelungsvcrkehr vorgenommen werden, zu der die Vorarbeiten bereits im Gange seien.— Im übrigen verweist der Redner auf die ausführlichen Erklärungen, die er in der Budgetkommission über diesen Gegenstand abgegeben habe. Abg. Dr. Pansche(natl.): Nachdem wir die Zölle und Verbrauchs- steuern um 26, die Zuckersteuer um 16, die Maischraunisteuer um zwei Millionen erhöht hatten, blieben nur noch 17 Millionen ungedeckte Ausgaben bestehen. Die Budgctkommission beseitigte daher diese Zuschußanleihe und legte diese 17 Millionen zu den 26 Millionen ungedeckter Matrikularbeiträge hinzu. Das hat nun in Süd- und Mitteldeutschland eine berech- tigte Erregung hervorgerufen. Diesen Eindruck werden viele Kollegen nachträglich mit mir geivonncn haben. Es sind ja leider nicht allzu viele hier, die ihn gewonnen haben können.(Heiterkeit.) Namentlich die kleinen thüringischen Staaten empfinden es als schwere Belastung. Den Gedanken der Zuschußanleihe wollen wir natürlich nicht wieder aufnehmen. Dagegen könnten wir eine Be- ruhigung der Einzelstaaten dadurch herbeiführen, daß wir statt 566, 526 Millionen für Zölle und Verbrauchssteuern in den Etat einsetzen. Selbst in den drei Jahren der wirtschaftlichen Depression haben wir ja 25 Millionen Mark mehr eingenommen als veranschlagt lvar. Ich möchte diese Anregung geben und behalte mir einen dahin- gehenden Antrag für die dritte Lesung vor.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) Abg. v. Äardorff(Rp.): Der Vorschlag macht ja dem guten Herzen des Herrn Dr. Paaschs für die kleinen Staaten alle Ehre. Ich kann aber für meine Person schon jetzt sagen, daß ich seiner Anregung unter keinen Umständen folgen werde, weil wir jede Thätigkeit des Bundesrats in Bezug auf die Kündigung der Handels- Verträge, namentlich des argentinischen, vermißt haben.(Aha! links.) Wenn die kleinen Staaten so beunruhigt wären über ihre Finanzen, so brauchten sie ja nur auf die Kündigung der Handelsverträge zu dringen. Redner verbreitet sich dann über das„ZeitungSgerede", daß Deutschland nicht im stände sei, seinen Bedarf an Getreide und Fleisch selbst zu produzieren, und beruft sich zum Beweise des Gegen- teils auf eine Aeußerung seines verstorbenen Freundes Schulz-Lupitz. Seiner Zeit sei auch behauptet worden, Deuffchland könne nicht seinen Bedarf an Eisen selbst produzieren.(Bravo! rechts.) Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel: Zu dem Antrag des Herrn Dr. Paaschs, die Zölle um weitere 16 Millionen zu erhöhen, vermag ich mich heute noch nicht zu äußern. Ich werde in der dritten Lesung dazu Stellung nehmen. Gegen die Vorwürfe des Herrn Vorredners in Aniehung der Förderung des Handels- vcrttagswerks muß ich namens der Verbündeten Regierungen aufs nachdrücklichste protestieren. Seine Vorwürfe wandten sich überdies vollständig an die unrichtige Adresse. Nicht der Bundesrat führt die Handelsvcrtrags-Verhandlungen, sondern der Reichskanzler. lind dieser hat in der Sitzung vom 14. April d. I. in ausführlicher Weise das Verhalten der Reichsleitung mit Bezug auf das HandelsvertragSwcrk gerechtfertigt. Seit dieser Feit hat sich in den Verhältnissen nichts geändert und ich bin hiernach in der Lage, mich auf jene Erklärung zu be- ziehen. Wie man aus dem Verlauf der Handelsvertrags-Verhand- lungen Anlaß nehmen könnte, gewissermaßen ab irato die Einzel st aatcn mit erhöhten Matrikularbeiträgen zu belasten, begreife ich nicht. Ich möchte glauben, daß das Vorhaben des Herrn Vorredners nicht so ernst gemeint war. (Heiterkeit). Mg. Speck(C.): Ich bedaure noch heute, daß seiner Zeit nicht der Autrag angenommen worden ist, für das Inkrafttreten des Zolltarifs einen bestimmten Termin festzusetzen. Was den Antrag des Herrn Paaschs betrifft, so kenne ich natürlich die Stellung meiner politischen Freunde dazu nicht, habe aber das Gefühl, daß sie für diesen Rückzug des Herrn Paaschs nicht zu haben sein werden. Ich entsinne mich, daß in der Kommission die Aeußerung: die Einzelstaaten sollten ihre Haut auch einmal zu Markte tragen, von einem Herrn Paasche sehr nahe stehenden Herrn fiel.(Heiterkeit.) Gehen die mehr veranschlagten 16 Millionen nicht ein, dann fallen sie dem Reich zur Last und wir müssen sie als Fehlbetrag auf den nächsten Etat übernehmen. Wir sind schon in diesem Jahre in der Lage gewesen, 36 Millionen Mark Fehl- betrag auf die Anleihe überweisen zu müssen. Gerade die Anleihe- Wirtschast, die Herr Paasche bekämpft, wird durch seinen Vorschlag gefördert. Die Bundesstaaten müssen für das eintteten, was sie in: Bundesrat beschlossen haben. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Davon kann keine Rede sein, daß etwa die Bundesregierungen, der Bundesrat an Ausgaben, die belvilligt und gestrichen werden, in: Reiche allein schuld ist. Ich habe wiederholt hervorgehoben: im Deutschen Reiche kann nicht eine Mark ausgegeben werden ohne die Zustimmung auch dieses hohen Hauses. Bundesrat und Reichstag sind verpflichtet, dafür zu sorgen, daß die von beiden bewilligten Ausgaben möglichst aus den eignen Einnahmen des Reichs ihre Deckung finden. Sächsischer BundeSratsbcvollmächtigter Gras Hohenthal: Ich kann nnch nur vollständig dem anschließen, was der Herr Schatz- sekretär gesagt hat. Den beantragten Wegfall der Zuschußanleihe und Vermehrung der ungedeckten Matrikularbeiträge um weitere 17 Millionen Mark bedeuten für die Einzelstaaten eine autzerordent- lich schwere Belastung. Der Staat, den ich die Ehre habe zu ver- treten, wird dem kaum zustimmen können. Abg. Dr. Paasche(natl.): Ich halte meinen Vorschlag aufrecht, obgleich ich, als ich vorhin aufhörte, nur ein Bravo vom Bundesrats- tisch erhielt, aber keinerlei Zustimmung im Hause.(Heiterkeit.) Herrn v. Kardorff erwidere ich nur, daß, wenn die Handels« Verträge noch heut gekündigt würden, wir doch keinen Pfennig mehr in den diesjährigen Etat einstellen könnten. Soifft stimme ich Herrn v. Kardorff darin bei, daß bei Erfolglosigkeit der Verhandlungen die Regierung das Mittel der Kündigung nicht abweisen darf. (Bravo I) Abg. Dr. Pachnicke(stf. Vg.): Der Vorschlag des Herrn Dr. Paasche ist wohl erledigt; denn es ist ausgeschlossen, daß die Stimmung des Hauses bis zur dritten Lesung umschlägt. Uebrigens ist die Frage eine rein rechnerisch formale, weil die Bundes- staatcn, wenn die Einnahmen aus Zöllen den Voranschlag wirklich übersteigen, einen entsprechenden Betrag zurückerhalten. Was Herrn v. Kardorff als Sünde gilt, gilt uns als Verdienst. Er scheint gar nicht zu ahnen, welche Erschütterungen des gesamten Wirtschafts- lcbeus, auch der Landwirtschaft, die Kündigung der alten Handels- Verträge zur Folge hätte, wenn nicht vorher neue abgeschlossen sind. Es würde eine Periode der Zollkriege, der Handelskäinpfe bedeuten, die man auch als Landwirtschastler nicht wünschen kann. Ob Deutschlands Landwirtschaft zu unsrer Versorgung mit Getteide aus- reicht, darüber haben wir schon oft genug gesprochen. Heute will ich nur eine matzlose Uebertreibung des Herrn v. Kardorff zurückweisen. Er sprach davon, daß durch die Aufhebung der Eisenzölle Hundert« taufende von Arbeitern in den 76er Jahren brotlos geworden seien. Dabei giebt es jetzt erst 32 606 Arbeiter in der Eisenindustrie Deutschlands. Abg. Dr. David(Soc.): Auch wir Verhalten uns dem An- trag Paasche gegenüber durchaus ablehnend. Wie Sie sich nach dein Austreten des Herrn v. Kardorff denken können, können die Gründe zu einer solchen Haltung sehr verschieden sein. Wir haben gar keinen Grund zu wünschen, daß die Beunruhigung über die Reichsfinanzen in den Einzelstaaten aufhört. Im Gegenteil, die Beunruhigung, die Sorge über die Reichsfinanzen in den Einzelstaaten ist nach zwei Richtungen hin sehr nützlich. Einmal werden die Staaten daran interessiert sein, daß größere Sparsamkeit im Reiche gehandhabt wird nach der Richtung hin, die sich mit Wcltpolitik, Militarismus und Marinismus umschreiben läßt. Ferner werden die Bundesstaaten vielleicht geneigter sein, auf den Weg einzugehen, den wir für einzig richtig halten: Die Einführung direkter Einnahmen für das Reich, direkter Einkommen- und Erbschaftssteuern. Herr v. K a r d o r f f hat heute wieder die großen Handels- politischen Fragen angeschnitten. Er hat ja schon mit sehr anerkennens- werter Offenherzigkeit vor einigen Tagen hier erklärt, daß der deutsche Gctrcidepreis gleich sein müsse dem Weltmarktpreis plus der Zollhöhe, und hat bedauert, daß dies infolge des Termin- Handels nicht ganz der Fall sei. Auch heute hat er die ganze Frage vom rein fiskalischen Standpunkte behandelt, indem er eine erheb- liche Mehreinnahme für das Reich als Wirkung des neuen Zolltarifs in Aussicht gestellt hat. Das kann aber nur dann der Fall sein, wenn die Zollerhöhung eine Erhöhung des Preises der landwirt- schaftlichen Produkte zur Folge hat. Damit ist dargcthan, daß die Erhöhung der Einnahmen des Reiches herrühren wird aus den Taschen der kleinen Lente, dcS Volkes, der Brotkonsnmenten, der Armen und Acrmstc». Ich habe die Frage aufgeworfen, ob die Landwirtschaft im stände wäre, den Inlandsbedarf an Nahrungsmitteln und Rohmaterialien zu decken. Sie hat es bisher nicht gethan, aber könnte sie es, ohne die Produktion dabei zu schädigen, ohne den Preis zu erhöhen, so könnt» nichts hindern, daß sie es thäte. Sie erklärt aber, sie könne sich nur ausdehnen, wenn die Preise erhöht würden, das heißt, wenn sie weniger produktiv arbeitete. Das würde allerdings aus Volks- loirtschastlichen Gesichtspunkten kein großes Glück für uns bedeuten. (Sehr wahr! bei den Socialdemokraten.) Abgesehen von den Nahrungsmitteln hat die Landwirtschaft auch der Industrie bedeutende Rohmaterialen zu liefern. In dieser Beziehung steht Deutschland auf einem dreimal so großen Boden als die landwirtschaftliche Nutznngsflä che des Deutschen Reiches beträgt. Eine Expansion der deutschen Landwirtschaft in dem Maße, daß sie den Industriebedarf befriedigte, könnte nur durch eine bedeutende Aufwendung an Mehr- kosten und Mehrarbeit geschehen. Dann würden sich die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse bedeutend heben, und daß es ihnen darum zu thun ist, daß das der springende Punkt ist, hat Herr Kar- dorff ja offenherzig ausgesprochen. Wir aber können diese Roh- Materialien-, diese Nahrun gsmittel-Verteuerung nicht mitmachen. Wir wünschen andrerseits direkte Reichssteuern und bedürfen des Antrages Paasche nicht.(Bravo! bei den Social- demokraten.) Abg. v. Knrdorff(Rp.): Auf die Reichs-Einkommensteuer will ich mich nicht einlassen. Dem Herrn Vorredner möchte ich nur erwidern: was bedeutet denn eine Brotverteuerung für die arbeitenden Klassen? Sie bedeutet, daß die Landivirtschast 150 Millionen Mark niehr ein- nimmt. Was macht sie damit? Sie verwendet sie für den A n- kauf industrieller Produkte. Was Sie also heute betreiben, ist nichts andres, als daß Sie die Arbeitslöhne. die die deutsche Landwirtschaft zahlen könnte, den ausländischen Arbeitern zuwenden. Abg. Dr. Wolff(wirtschaftl. Vereinig.): Daß die deutscheZLand- Wirtschaft den eigenen Bedarf des Landes nicht decken könne, ist ein altes Märchen. Im übrigen bemerke ich, daß sich David und Schippel gegenscittg aufheben. Abg. Dr. David(Soc.): Herrn v. Kardorff gebe ich gern zu. daß die ländlichen Arbeiter eine weit bessere Bezahlung verdienten. (Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Nur fürchte ich, daß jede Erhöhung der Einnahmen für die Landwirtschaft in die Taschen verschwinden wird, in denen heute schon der Löwenanteil aus den Einnahmen der Landwirtschaft verschwindet, das heißt in den Taschen der großen Gutsbesitzer. Herr v. Kardorff sollte, wenn er eine höhere Bezahlung der Landarbeiter wünscht, mit uns eintreten für das Koalitionsrecht dieser Arbeiter(Sehr richtig I bei den Social- demokraten.), damit sie ihre Rechte gegenüber ihren Arbeitgebern wahrnehmen können.— Herrn Wolff bemerke ich, daß es sich nicht darum handelt, ob die deutsche Landwirtschaft den Bedarf an Getreide decken kann, das wäre wohl möglich, wenn sie ihre andere Produktion einschränkte, es handelt sich aber darum. ob die deutsche Landwirtschaft den Gesamtbedarf sowohl an Nahrungs- mittein wie an Rohmaterialien decken kann. Ein solcher Versuch wäre ein gewagtes Experiment zum Schaden der breiten Masse der Bevölkerung.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Damit schließt die Diskusston. Der Antrag der Kommission wird angenommen. Die Tabak st euer wird ohne Debatte angenommen. Es folgt die Z u ck e r st e u e r. Abg. Mommsen(frs. Vg.) geht auf die Frage der Vermahlung russischen Zuckers in Danzig ein. Durch die Brüsseler Konvention ist auch für den Zuckerhandel die Lage gänzlich verändert. Man sollte auch diesem Handel die gebührende Rücksicht nicht versagen. Der Zuckerexport über Danzig aus Rußland ist eine verhältnismäßig neue Erscheinung. Dadurch, daß der Export statt über Libau über Danzig geht, ist den preußischen Eisenbahnen eine erhebliche Einnahme zu- geflossen. Ebenso hat Danzig und seine Arbeiter davon großen Vorteil gehabt. Der Export dieses russischen Zuckers der größtenteils nach England, zun: kleineren Teil nach Amerika und Kanada geht, ist von 1885 bis 1962 von 146 666 auf 865 666 Centner gestiegen. Ein Verbot des Vernrnhlens russischen Zuckers in Danzig, wie ihn die Zucker- Interessenten forden:, würde diesen gar nichts nützen, da Rußland und Nortvegen nicht zur Zucker- konvention gehören und Rußland dort infolgedessen wesentlich günstiger dasteht als Deutschland. Es würde durch dieses Verbot nur bewirkt, daß der Zucker über Li bau geht und der schwer da- niederliegendc Danziger Handel noch mehr geschädigt würde. Abg. v. Standy(k.): Die ganze Frage hat ja nur geringe Be- deutung, aber wir möchten doch nicht, daß die Danziger Praxis sich verallgemeinert. Die bedrängte Lage der Rübcnzncker-Jndnstrie habe doch auch der Staatssekretär anerkannt. Schon früher habe die Rechte die schwersten Bedenken gegen die Brüsseler Zuckerkonvention gehabt. In der That sei der Preis gesunken, der Konsum nur anscheinend gewachsen, der Export wahrscheinlich zurückgegangen, der Import ganz deutlich und bedeutend gestiegen. Schatzsekretär Frhr. v. Stengel: Es hat sich herausgestellt. daß die Befürchtungen, die an die Brüsseler Kon- vention geknüpft wurden und die in gemildertem Maße auch der Vorredner wiedergegeben hat, den T h a t- fachen, wie sie sich jetzt nach der Uebergangszeit entwickeln, in keiner Weise entsprechen. Ein Rückgang des Exports ist nicht oder doch nur in minimaler Differenz eingetreten. Der Export betrug vom Juli vorigen bis März dieses Jahres 7 455 362 Tonnen, in der korrespondierenden Zeit des Vorjahres 7 507 872 Tonnen Dabei beträgt die ganze deutsche Zuckerproduktion über 20 Millionen Tonnen. Die Einfuhr ist im Januar dieses Jahres bereits auf 715 Doppelceutner zurückgegangen. Ueber alle Zweifel erhaben aber ist die Steigerung des JnlandverbraucheS. Wenn die Produktion in den richtigen Grenzen bleibt, und der iimere Absatz noch weiter gestärkt wird, dann können wir wohl sagen, daß der Abschluß der Brüsseler Konvention eine That des Segens für Deutschland gewesen ist. lBravo l links.) Abg. Speck sC.): Die Einstchrziffern geben heute noch kein richtiges Bild, weil Kuba, daß die Amerikaner mit allen Mitteln fördern wollen, noch in der Entwicklung begriffen ist. Mit dem russischen Zucker in Danzig geht es ähnlich, wie es mit dem ausländischen Hopfen einige Zeit in Bayern ging. Dann mutz ich noch gegen die Behauptung des Herrn Mommsen protestieren, daß die Zucker- industriellen den Handel schädigen wollen. Abg. Gothcin(freif. Vg.): Herr Mommsen hat gerade aus- geführt, daß das Vermählen des rusfischen Zuckers in Danzig der deutschen Industrie keinen Schaden, der Stadt Danzig dagegen große Vorteile bringt. Die Ausführungen des Abg. Herrn v. Staudy beruhten also auf einer falschen Voraussetzung. Wird der Handel und die Veredelung des Zuckers in Danzig unterbunden, so zieht sich dieser Veredelungsverkehr einfach nach Libau. Abg. Holh sRp.): Ich habe berechtigten Zweifel, daß das Wort des Staatssekretärs über die Brüsseler Konvention Wahrheit ist. Der Jnlandskonsum hat sich ja schön gehoben. Aber was nützt uns Export, was nützt uns Jnlandskonsum, wenn sie zu P r e i s e n geschehen inüssen, bei denen wir nicht bestehen können. Unfres Erachtens kommt es— auch bei den Zöllen— gar nicht darauf an, daß.der Konsument am billigsten kauft; auch der Pro- duzent muß auf seine Kosten kommen. Wir wünschen schon als Westpreußen DanzigS Blühen und Gedeihen, müssen uns aber dagegen wehren, daß es einer unter schwerer Krise leidenden In- dustrie noch weiteren Schaden bringt.(Bravo! rechts.) Abg. v. Staudy(l.) macht dem Abg. Gothein den Vorwurf, daß er gewiffe Privatinteressen verfechte, ohne an das Wohlergehen der Landwirtsckiaft zu denken. Die Äbgg. Speck(C.) und Gothel»(fts. Vg.) disputieren darüber, lver von ihnen ein„partikularisnsches Herz" habe und wer des andern Herz kenne. Abg. Dr. Paasche(natl.) betont, daß die Zuckerindustrie keinen Anlaß habe, trübe in die Zukunft: zu sehen. Die jetzigen Preise seien ein llebergangsstadiuni. Wir haben keinen einzigen Zucker- markt durch die Zuckerkonvention verloren, auch nicht Norlvegen. Verloren haben wir den kanadischen und nordamerikanischen Markt aber nicht durch die Konvention. Damit schließt die Debatte. Der Antrag der Kommission wird angenommen. ES folgt die„S a l z st e u e t". Abg. Kulcrski(Pole) erklärt fich gegen alle Verbrauchsabgaben insbesondere der Salzstcuer, die nach Laffalle die Aermsten der Armen bedrücke. Abg. Werner erklärt sich mit dem Vorredner einverstanden und tritt für Erhöhung der Luxusstcuern wie auf Champagner und teure Cigarren und der Warenhaussteuer ein. Abg. Gnmp(Rp.): Es wird gewiß einen sehr guten Eindruck machen, wen» die beiden Herren Vorredner ihre Reden in ihrem Wahlkreise verbreiten lassen.(Beide Vorredner melden sich a tempo zum Wort. Große Heiterkeit.) Nur sind die Herren einige Dezennien zu spät gekommen, meine Freunde haben die Aufhebung der Salz- steuer bereits vor langen Jahren verlangt. Damit, daß die Automobile besteuert werden sollen, bin ich ganz einverstanden. Wenn aber die Automobile durch die Steuer erdrosselt werden(Heiterkeit), dann würde die Steuer auch nichts nützen. Abg. Werner(Antis.) betont, daß auch der Abg. Gainp im Wahl- kämpf seine Reden im Reickstag und Landtag verbreite. Abg. Kulerski(Pole) meint, die Lorbeeren, die er sich mit seiner Rede in seinem Wahlkreise holen werde, ließen dein Abg. Gamp keine R>lhe. Nur so sei dessen Aeußerung zu erklären. Der Titel Salzsteuer wird hierauf bewilligt. Eine Reihe weiterer Steuern werden ohne Debatte bewilligt. Bei der Braust euer bringt Abg. Dr. Pachuicke isrs. Vg.) den preußischen Flaschenbier-Erlaß zur Sprache. Durch diesen Erlaß würde der Reichsfiskus nicht un- erheblich geschädigt werden. Es wird in dem Erlaß behauptet, daß die Flaschenbrerhändler der Bevölkerung geradezu das Bier aufzwängen und daß die Bierflaschen sich auf dem Tische jeder Ärbeiterwohnung fänden. Ja. es wird der Gedanke erwogen, den Flaschenbierhandel zu konzessionieren. Das wäre eine vielleicht zu weit- gehende Maßregel. Der Hausierhandel in Bier ist jetzt schon verboten und die Gewerbe-Ordnung enthält Handhaben genug, um den. Mißbrauch auf diesem Gebiet entgegenzutreten. Würden durch die Einschränkung des Flaschenbierhandels dte Leute gezwungen, in die Restaurationen zu gehen, so würden sie dort mehr genießen, als zu Hanse unter der Oberaufsicht der Frau.(Heiterkeit.) Und zum Bier tritt im Restaurant der noch viel schäd- lichere Branntwein. Ganz kann man den Biergenuß nicht ver- bieten. Irgend eine Reizung verlangen unsre Geschmacksnerven und das Bier ist jedensfalls besser als Branntwein. Auf das Braugewerbe muß ein solcher Erlaß verbitternd wirken. Die deutsche Bierproduttion ist die erste der Welt und die Landwirtschaft hat an dem Gedeihen dieses Gewerbes ein hervorragendes Interesse. Es handelt sich um Her- stellungswerte von mehr als»00 Millionen imJahre. Ich bitte den Herrn ReichSschatzsettetär seine volle Aufmerksamkeit darauf zu richten, daß nicht etwa dem Reichsfiskus durch einen solchen Erlaß Einnahmen entgehen, die er bei der jetzigen Finanzlage am wenigsten entbehren kann.(Bravo l links). Die Brausteuer wird bewilligt. Der Rest des Etats wird debattelos erledigt, ebenso der Etat der Reicks-Stempelabgaben. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr.(Etat des Reichsschatzamts und EtatSreste in zweiter Lesung. Zweite Beratung der Vorlage betr. Entschädigung unschuldig Verhafteter.) Schluß 6 Uhr._ Hua Industrie und Ftandel. Kikeriki! Als vor kurzem fich die Nachricht bestätigte, daß Rußland mit einem französischen Bankenkonfortium über dessen Uebernahme von 800 Millionen Frank russischer Schatzscheine unterhandele, stand für jeden fest, der die bei derartigen Anlcihe-Ausnahmen übliche Stimmungsmache kennt, daß alsbald nicht nur in der französischen, sondern auch in der belgischen und deutschen Presse allerlei Artikel und Notizen über den günstigen Stand der russischen Finanzen, die Fortschritte der russischen Industrie, die ungehobenen Reichtümer des russischen Bodens usw. auftauchen würden. Die Verbindungen der russischen Regierung mit der Presse des faulen Westens waren in dieser Hmsicht immer recht innige, da die Regierung nicht nur in ihren politischen Agenten im Auslande, sondern auch unter den vielen ausländischen Banken und Bankiers, die in starkem Maße an dem öffentlichen Kredit des Zarenreiches interessiert sind, eifrige und zahlungsfähige Vermittler findet. Fraglich konnte nur scheinen, ob sich schon jetzt die Sttmmungsmache auf dem deutschen Markt lohne, da, wie verlautete, offiziell deutsche Banken nicht cm der Aus gäbe der 800 Millionen Frank Schatzscheine beteiligt werden und ferner letztere nicht an der Börse eingeführt, sondern freihändig be- geben werden sollen, um den voraussichtlichen Druck auf den Kurs der früheren Anleihen möglichst abzuschwächen. Ob diese Gerüchte nun nicht zutreffen, oder ob man bereits für angebracht hält, auf dem deutschen Rentenmarkt Vorstimmung für die zu erwartende russische Anleihc-Aufnahme in Deutschland zu machen, die jüngst die„Franks. Zeitung"„für später" ankündigte, jedenfalls tauchen seit einiger Zeit in der deutschen Börsenpresse Notizen über die günstige Finanzlage Rußlands auf, die recht ver- dächtig aussehen. Vorläufig sind diese Notizen allerdings noch recht spärlich; nur in dem„Kleinen Börsen- und Handels-Journal", der Beilage zum„Kleinen Journal", leistet sich Herr Victor Hahn, der von der„National-Zeitung" bekanntlich im Stufengang seiner Ent- Wicklung auf das Blatt des Herrn v. Leipziger gekommen ist, einen größeren Kikeriki-Artikel zu Gunsten der russischen Finanzen oder vielmehr gleich eine Artikelserie; denn der in der gestrigen Nummer enthaltene Artikel„Rußland, Japan und das deutsche Kapital" ist nur die Fortsetzung eines schon vor acht Tagen an gleicher Stelle erschienenen Aufsatzes, und ihm soll, wie angekündigt wird, noch ein dritter Artikel folgen. Was Herr Victor Hahn an thatsächlichen Angaben bietet, ist recht wenig. Ueber einige Elogen auf das System Witte und einige Zahlenangaben aus den offiziellen Denkschriften des russischen Finanzministeriums, über deren Wert heute nach den Kritiken Butmis kaum noch ein Zloeifel besteht, kommt er nicht hinaus; um so mehr schimpft er über die Hetzer und Einfältigen, welche die günstige Finanzlage des heiligen russischen Reichs und seine Kultur- Mission in Ostasien nicht anerkennen wollen. „Das tapfere und entschlossene Vorgehen des deutschen Emissionshauses der russischen Werte." heißt es gleich zu Anfang des Artikels,„ist auch durch die kluge und besonnene Haltung unsrer offiziellen Kreise unterstützt worden. Beide Teile, die Finanzleute und die Diplomaten, hatten es nicht leicht. Denn man bat es mit einer teils von bornierten Borurteilen befangenen, teils systemattsch verhetzten Masse zu ihun. Dieselben Leute, die den Kopf darüber schüttelten, als vor ein paar Jahren der Kaiser absolut nicht zu be- wegen war, Deutschlands junge Flotte gegen England zu mobilisieren, um dem braven Ohm Krüger zu Hilfe zu eilen, dieselben Leute würden es am liebsten sehen, wenn wir ein paar Panzerschiffe nach den ostasiatischen Gewässern mit der stritten Order an die Regierung des Zaren dirigierten, Sr. Majestät dem Mikado, dessen Wohl- ergehen uns so nahe geht, dürfe kein Haar gekrümmt werden. Es fehlt nicht an Stimmen, die behaupten, daß jede Schwächung Ruß- lands von deutscher, wie überhaupt von europäischer Seite nur mit Freuden begrüßt werden könne. Ja, ahnen diese braven Leute, denen die Vorsehung es versagt zu haben scheint, jemals polittsch denken zu lernen, nicht, daß im Interesse des europäischen Friedens einzig und allein die Auftechtcrhaltung des etatus quo liegt? Jede Ver- schiebung der Macht- und Kraftverhältniffe, nach welcher Richtung hin diese auch erfolgen möge, müßte dem Bestände diese? Friedens gefährlich werden, den die europäische Diplomatte im Laufe der letzten Jahrzehnte oft unter schwierigeren Verhältnissen zu wahren verstanden hat, als sich die Schulweisheit manches politischen Bezirks- Vereins träumen läßt." Und nachdem dann das Vorgehen Bismarcks gegen die russischen Werte während der Regierungszeit Alexanders III. als„größter nationalökonomischer Irrtum" bezeichnet worden ist, heißt es weiter: „Der Initiative des Zaren verdankt die Welt das Schiedsgericht im Haag. Dieses Schiedsgericht vermag ja, wie das Exempel lehrt, die Kriege noch nicht auS der Welt zu bannen; aber seine hohe ethische und erzieherische Bedeutung werden objektiv Denkende nicht in Abrede stellen können. Doch der Zar ist ein Tyrann, wendet man immer ein, mag er immerhin ein Friedensfürst seinl Es muß doch seltsam um diese Tyrannis bestellt sein, wenn dieser Friedensfürst trotz seines Absolutismus nicht im stände war, einem Kriege aus dem Wege zu gehen, den er verabscheut. Es ist auch noch nicht das große Problem gelöst worden, alle Völker der Welt nach einer einheitlichen Zlorm zu lenken, und es erscheint mehr als fraglich, ob für die 150 Millionen, die das russische Imperium bevölkern, dieselben Re- gierungsformen sich geeignet erweisen würden, die ettva den West- europäer beglücken können. Wenn jemals einem Volke„des Lichtes Himmelfackel", von der der Dichter singt, gefährlich werden müßte, so wäre es dem russischen." Recht schön gekräht; aber doch etwas allzu deutlich für den be- absichtigten Zweck._ Weitere monopolistische Bestrebungen des Stahlwerksveriandes. Nach und nach streckt der Stahlwerksverband seine Fängen immer weiter aus. Jetzt hat er beschlossen, sich auch eine Schrotteinkaufs- stelle anzugliedern, durch die der Entfall an Schrott bei den Werken des Stahlwerksverbandes dem Handel entzogen werden soll. Die Rheinisch-Westfälische Zeitung", die diese Mitteilung bringt, be- mertt dazu:„Wie das Verhältnis den Händlern gegenüber weiter auszugestalten ist, darüber scheint noch keine Klarheit zu bestehen. Der Handel wird sich kaum ausschalten lassen und eine Vereinigung der Händler unter dem StahlwerkSverbande läßt sick nur so denken, daß man ähnlich wie dies beim Kohlencomptoir der Fall ist. die Händler mit einem bestimmten Anteilquantum an der vom Stahlwerksverbande zu errichtenden Schrotteinkaufsstelle partizipieren läßt und ihnen die Preise vorschreibt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Schrott- preise des letzten FahreS im Verhältnis zur Marktlage zu hohe waren, worunter namentlich die Siemens-Martinwerke, die Haupt-Schrott- Verbraucher, zu leiden hatten. Wenn das bei Hörde und Hösch bereits eingeführte Bertrand-Thielsche Verfahren, wonach S.-M.- Stahl bekanntlich aus dirett aus dem Konverter kommenden flüssigem Roheisen unter bedeutend verringertem Schrottzusatz hergestellt wird. sich bewähren sollte, so dürfte allerdings ein bedeutend geringerer Schrottverbrauch die unausbleibliche Folge sein." Zrchenankäufe. Wie mehrere Blätter zu berichten wissen, soll die Leitung des Kohlensyndikatö die Absicht haben, � weiteren Zechen- stilllegungen vorzubeugen und zu diesem Zwecke eine Aenderung der Paragraphen des Statuts zu empfehlen, die sich auf die Normierung der Beteiligungsziffer beziehen. Nach den kürzlich mitgeteilten Acußerungen des Aufsichtsrats-Vorsitzenden des Kohlensyndikats, des Herrn Geheimen Kommerzienrats Kirdorf, erscheinen diese Mit- teilungen nicht recht glaubwürdig; vielleicht ist es nur auf eine Beruhigung der Gemüter abgesehen. Jedenfalls dauern vorläufig die Zechenankäufe an. Die Sonnabend in Düsseldorf abgehaltene ordentliche Generalversammlung der Bergwerksgesellschast Graf Bismarck genehmigte einstimmig den Ankauf der Zeche Bicke- feld Tiefbau zwecks allmählicher Ucberleitung der Beteiligungsziffer von Bickefeld Tiefbau am Kohlensyndikat an die Beteiligungsziffer von Graf Bismarck. Betreffs der Arbeiterschaft von Bickefeld Tief- bau haben fich, wie der Vorsitzende erklärte, die unmittelbar an Bicke- feld angrenzenden Zechen berett erklärt, etwa 1100 Arbeiter anzunehmen, während Bickefeld Tiefbau nur noch 600 bis 800 Arbeiter beschäftigen wird. Die Amortisation deS Ankaufs soll innerhalb fünf Jahren durchgeführt werden.— Ferner ineldet die„Kölnische Volks- zeitung" den Verkauf der Zeche Freiberg-Holzwickede an die Magde- burger Bergwerks-Gcsellschaft zum Preise von 1 650 000 M. Die Preußische Hypothekenbank, hier, hatte an die Reichsbank das Ersuchen gerichtet, ihre Pfandbriefe für lombardsähig zu erklären, baS heißt sie bei Kreditgewährung als Pfand anzunehmen. Die Direktton der Reichsbank hat aber diesen Anttag abgelehnt mit der Begründung, daß sie die Pfandbriefe solcher Hypothekenbanken, die reorganisiert werden miißten, erst dann als beleihbar ansehen könne, wenn seit der Reorganisation mehrere Jahre verstrichen nnd während dieser durch angemessene Dividendenverteiluug der Nachweis de» Rentabilität erbracht worden sei. Sociales. Für die Amtshauptmannschaft Dresden-NltstadH die den industriereichen Plauenschen Grund in sich schließt, ist die Errichtung eines Gewerbegerichts beschlossen worden, das bereits am 1. Juli er- öffnet werden soll. Der Orts-Krankenkassen-Bervand Stuttgart hat für seine An- gestellten eine Pcnsionskaffe begründet. Die Versicherten zahlen 5 Proz. ihres Gehalts und die Kassen 3 Proz. des Gehalts in die Pensionskasse. Nach Vollendung des 6S. Lebensjahres erhalten die Beamten Pension._ Gewcrhlcbaftlicbcs. Berlin und arngegend. Ter Streik der Bergoldcr Berlins dauert unverändert fort. Die Verhandlungen, die am Freitag, den 29. April, zwecks Bei- legung des Konfliktes zwischen dem Gewerkschaftssekretär Genossen K ö r st e n einerseits nnd dem Vorstande der Goldleistenfabrikanten- Vereinigung andrerseits geführt worden sind, hatten ein fast voll- ständig negatives Resuttat. Bezeichnend war es, daß man mit dem Leiter der Organisation nicht verhandeln mochte und auch in Zu- kunft nicht verhandeln will. Das einzige, was uns zugestanden werden soll, ist ein Schiedsgericht, dem aber gewisse Letter der Organi- sation nicht angehören dürfen I Ebensowenig darf das Schiedsgericht über principielle Fragen entscheiden, wie über die Frage, ob ein Fabrikant anstatt Accord Lohn zahlen darf, auch Wer die Frage der Heimarbeit nicht. Letzteres ist nun gerade für die Vergolder eine entscheidende Frage, um welche sich der ganz« Streit mit dreht. Sic haben bereits die Forderung, daß die bei den Zwischcnmeistern Beschäfttgten denselben Preis wie die bei den Grotzfabrikanten Be« schäftigten erhalten sollen, fallen gelassen, und erklärt, daß sie auch hierin bereit sind, entgegenzukommen, und zwar in der Weise, daß alle zur Zeit bei den Zwischenmeistern hergestellten Sorten Leisten zu den alten Preisen weiter gemacht werden können, und nur bei sämtlichen neuen Sorten, die außer dem Hause zu den Zwischen- meistern gegeben und minderwertig hergestellt werden, ein Preis- abschlag bis zu 10 Proz. gegen den bei den Grotzfabrikanten Wlichen gezahlt werden kann. Aber auch dies wurde rundweg abgelehnt nnd die Fabrikanten erklärten, daß das Zwischenmeistertum für sie eine Lebensfrage sei, mit dem das Geschäft am Orte stehe und falle. und nie und nimmer würden sie sich hierin Vorschriften machen lassen. Es ist also damit ausgesprochen, daß die Berliner Goldleisten- Industrie nur auf der fluchwürdigen Heimindustrie mit ihren miserablen Löhnen und ihrer langen Arbeitszeit florieren kann. Der Bekämpfung dieses Systems gilt nun der Streik der Vergolder. Sie glaWten im Anfang, die Herren Fabrikanten würden soviel Einsicht zeigen und mit ihnen Hand in Hand diesen Ucbelstand einzudämmen suchen, weil jeder einzelne der Fabrikanten selbst unter dieser Schmutzkonkurrenz zu leiden hat. Das Berliner Zwischenmeistertum ist der Schrecken aller Goldleisten-Jndustriellen des In- und Aus- landes, und alles sieht darum mit Spannung auf den Ausgang diese? Kampfes.— Die Herren Fabrikanten thun, als ob sie es bis zu Weihnachten aushalten könnten, weil angeblich die Konjunktur nicht günstig sei. Das ist aber nur leeres Gerede, denn in der Gold- leisteWranche ist im Frühjahr und im Herbst Saison. Auch be- hanptcn sie, daß sie genügend Arbeitswillig« haben und den Betrieb leidlich fortsetzen könnten. Aber auch das können sie nur Nicht- fachleuten weismachen, da nur wenig gelernte Vergolder zur Ver- fügung stehen. Das Gros bilden die Vorarbeiter, Grundiercr usw., aber was nützen ihnen die ganzen vorgearbeiteten Leisten, wenn die Ferttgmacher fehlen? Mit den jungen, frischangelernten Mädchen werden sie nicht weit kommen.— Im Streik, der bereits Wer vier Wochen währt, befinden sich gegenwärtig ca. 600 Personen; 40 sind bereits anderweitig bei ringsrcien Fabrikanten in Arbeit getreten. Der Geist der Streikenden ist ein vorzüglicher, und sie denken noch gar nicht daran, die Arbeit zu den ungünstigen Bedingungen auf-. zunehmen. Wir richten an die gesamte Berliner Arbeiterschaft die Bitte. uns in diesem schweren Kampfe gegen die alles verherende Heim- industrie helfend zur Seite zu stehen. Wir glaWen damit jedenfalls keine Fehlbitte zu thun, da die im Kampf befindlichen Arbeitsbrüder niemals vergeblich bei den Berliner Bcrgoldcrn angeklopft haben, Unser Sieg ist auch der Eure! Darum hoch die Solidarität! Der Hauptvorstand des Verbandes der Bergoldcr. Streitbeschluß der Parkettbodenleger. Bor einigen Wochen waren die Parkettbodenleger mit der Forderung einer neuen Tariftegulierung an ihre Unternehmer herangetreten, da der bisherige Tarff von den meisten Firmen nicht eingehalten worden war. Da die eingeleiteten Verhandlungen resultatlos verlaufen sind, beschloß die gestrige Versammlung der Parkettleger mit allen gegen drei Stimmen, am heutigen Dienstag- morgen den Unternehmern den neuen Tarif zur sofortigen Anerkennung vorzulegen und überall dort, wo die Anerkennung verweigert wird, so» gleich in den Streik einzutreten. veurtebe» Rcid», Steinsetzer. Sämtliche organisierten Steinsetzer in Erfurt legten cm: Sonnabend die Arbeit nieder. Sie verlangen die Erhöhung des Stundenlohnes von 50 auf 55 Pf. in der Stadt und 65 Pf. für Arbeiten auswärts, außerdem freie Rückfahrt nach der Arbeitsstelle. Verschiedene Arbeiten auf Staats- und Kommunal- strecken mußten eingestellt werden. Crimmitschau in Ostpreußen. In Königsberg beginnt man die Straßen, in welchen Italiener arbeiten, mit Brettern zu vernageln! Den An- fang hat man damit auf dem Terrain der alten Gasanstalt gemacht. Hier werden eine Anzahl Neubauten aufgeführt, und auch eine neue Straße wurde vor geraumer Zeit hergestellt und dem Verkehr über- geben. Jetzt hat man diese Straße mit einem Zaun umgeben, so daß niemand diese Straße mehr betreten kann. Damit die Wagen zu den Neubauten gelangen können, hat man Thorwege hergestellt. die nur dann geöffnet werden, wenn ein Wagen Einlaß begehrt. Außerdem befindet sich noch ein Schutzmann dort; der überwacht diese dem öffentlichen Verkehr entzogene Straße. Die Aussperrung an den Unterweser-Orten hat eine Aenderung nicht erfahren. Von den Holländern haben 7 Maurer. 3 Arbeiter und 1 Zimmermann die Arbeit wieder niedergelegt. Unterdessen ist jedoch wieder ein Trupp von 9 Italienern eingetroffen. Letzte JVachncbtcn und Dcpefchett Eiscnbahnunfall. Plattling, 2. Mai.(B. H.) Heute mittag 3 Uhr ist der Schnell- zng Passau-München bei der Einfahrt in den hiesigen Bahnhof ent- gleist. Der Lokomottvführer und der Heizer wurden schwer verletzt und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Lokomotive und der Postwagen wurden zerstört. Tientsi», 2. Mai.(Meldung des„Reuterfchen Bureaus'.) Russische Ingenieure führen unter Verwendung chinesischer Arbeits- fräste am Liaoflusse, drei Meilen von Singminttng Befesttgungs- werke auf. Auch zwei Meilen von Kupangffe, wo fich ein permanentes russisches Lager befindet, sind Befestigungsarbeiten im Gange. Die Eisenbahnlinie wird von 180 Mann abpatrouilliert. Vergiftw. ReWteuri Pg»l Büttner. Berlin. Jnstratenteil veranfw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag t Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstqlt PaulSinger L-Co., Berlin LVV. HierzuZBeilagenu.UnttrhalttmgMatt Nr. 103. 21. IahrMg. 1. frilnp des Jotniitts" Sctliner lolUliitl Dievstag, 3. Mai IM. Das feiernde Berlin. Ms wir uns an, Morgen aus unsrem Vorort nach Verlin auf- machten, die Vilder deS Tage» in uns aufzunehmen, begegnete uns als erstes lebendes Wesen ein radelnder Gendarm. Er sah mürrisch auS, mürrisch wie der Himmel, der seine wolkengraue Kuppel über den Wald spannte und auch nicht e i n lichtes Fleckchen freiließ. Trotzdem sangen die Finken den Feiertag ein; es sproßten und blühten die Büsche, die Bäume grünten in junger Frische und über allem wehte die erquickende Lust des Maien. Der Genbarm hörte und sah nichts von alledem. Wozu auch? Dem revolutionären Wirken der Natur ist mit Strafmandaten doch nicht beizukommen. Auch die behördlichste Tinte der Welt, in Kübeln ausgegossen, löscht die Sonne nicht. Aber der Völkerfrühling? Der Behelmte trug den strikten Befehl unter'm Waffenrock, die Stimme dieses Lenzes nach Kräften zu dämpfen, damit sie nicht allzu laut, nicht allzu übermütig denen in die Ohren klinge, die nun einmal nicht hören wollen. Die Armen! Wären sie mit uns gewandert an diesem Tage offenen Auges, empfänglichen Ohres, hätten sie die Hunderttausende ge- sehen, welche in ernster Versammlung, in freudiger Feier den empor- strebenden Frühlingswillen der Arbeit demonstrierten.— sie hätten bei richtigem Verständnis den streitbaren Degen in die Scheide ge- steckt und sich resigniert gestanden: Es hilft nichts! Die Saat auch dieses Frühlings muß zur Ernte reifen!— Der Hüter der privilegierten Ordnung war eben um die Ecke, da meldeten sich auch schon die ersten Berliner und au§ zwanzig Kehlen klang's:„Wer schafft das Gold zu Tage.. Frühaufsteher, die in Gemeinschaft mit Droffel und Staar den Maitag feierten. Das klang wie kampfftohe Hoffnung.— An dunklen Tannen und hellgrünen Birkenwälchen vorbei rattert der Zug. Auf jeder Station steigen festtäglich gekleidete Arbeiter ein. Die Gewerkschaft ruft und sie kommen, mit ihrer Stimme den fordernden Protest deS Tages zu verstärken. Ein Zug fährt vorüber. An der Lokomotive, halb versteckt, ein grüner Zlveig. Ein berußtes Gesicht blinzelt hindurch. Heiliger Budde l Sollte selbst in Deinem Reiche...? Wir wagen den Gedanken nicht auszudenken. Fabriken rechts, Fabriken links. Schweigend, leer, tot. Sonst, wenn der erste Mai auf einen Wochentag fiel, feierte wohl manche von ihnen. Heute müssen's auch die Herren der andren dulden, daß die ihnen prositschaffenden Hände sich aufheben zum Kampfgelöbnis. Eine Laubenkolonie am Bahndamm. Auch sie schmückte sich zu Ehren des Tages. Rot wehen die Wimpel von den Masten.„Das müßte eigentlich verboten werden." AuS einer Ecke unsreS Coupös kommt's. Erstaunte Blicke. Dann regnet es Gelächter und©polt auf den armen Jüngling, der sich mit einigen, dem Klein-Tschirner Dreschgrafen entlehnten Worten zu verteidigen sucht, bis der Kopf. rot bis zu den Ohren, fast ganz im handbreiten Stehkragen ver- sinkt.— Berlin 1 Auf dem Dahnhofe wimmelt eS schon von Ausffüglern. Rote Nelken glühen hier und dort aus den Knopflöchem. In der Halle, auf den Treppen, in den Vorräumen deS Bahnhofes: überall tritt uns das Signum des Tages entgegen. Dunsttrübe liegt's über den Häusern, äffen, eine einzige Wolke. Besorgt schaut manche Mutter auf das frischgeplätlete, helle Kleid der Tochter und hienauf zum Himmel. Dann vergewissert sie sich, daß niemand das Regendach vergessen. Wer kann wissen, was noch von oben kommt? Unberechenbar sind die höchsten Regionen. Aber sich deshalb die Maifeier verderben lassen?„Nanu! Spaß!"— Je tiefer wir in den Osten hineinkommen, desto charakteristischer wird das Straßenbild. Aus allen Häusern treten fciertagsmäßig gekleidete Arbeiter. Nach links eilt der eine, nach rechts der andre. Viele schlendern gemächlich, in Feststtmmung die seltene Freiheit ge- nießend. Hier findet sich ein kleiner Trupp zusammen und dort. Die Trupps vereinigen sich; größere werden daraus. Am herrlich grünenden Fricdrichshain verdichten sich die Scharen. Vom Königs- thor nach Lipps zieht eS sich in dunkler, selten ununterbrochener Linie entlang. Bebel will in der Brauerei Friedrichshain vor den Bauhilfsarbeitern sprechen. Frohe Erwartung liegt auf den Wetter- braunen Gesichtern, die so oft im wirtschaftlichen Klassenkampfe aus- dauernden Trotz bekundeten. Freude. unsren alten und doch ewig jungen Genossen zu hören. Vor dem Schweizer-Garten sammeln sich schon— zwei Stunden vor Beginn ihrer Versammlung — die ersten Schuhmacher. Hier sprach später Genosse Ritter vor begeisterten Zuhörern. An die Versammlung schloß sich ein gemein- schaftlicher Ausflug nach Stralm,.— Unter den im prächtigen Laubschmuck prangenden Kastanien der Hasenheide wogte in der elften und zwölften Stunde ein Strom von Menschen in der Richtung auf Rixdorf zu. Am Hcrmanuplatz und an den sonst in der Nähe befindlichen Haltestellen lud die Straßenbahn eine lebendige Ladung nach der andern ab. Sie alle fluteten nach der„Neuen Welt", wo sich die Berliner Mitglieder des Holzarbeiter-Vcrbandes ein Stelldichein gaben. Lange vor Eröffnung der Versammlung lvar der hübsch dekorierte Riescnsaal nebst den Galerien bis auf den letzten Platz gefüllt und polizeilich abgesperrt. Die übrigen Tausende nahmen im Garten Platz, der bald einem wogenden Meer von Menschen glich. Es mögen im ganzen an die zwölf- bis sünfzehntausend Demonstranten versäum, elt gewesen sein. In dieser imposantesten aller Vonnittags- Veranstaltungen hielt Genoffe Eduard Bernstein ein Referat über die Bedeutung des TageS. Viele Gewerkschaften sahen in diesem Jahre von Versammlungen ab. verlegten sie nach außerhalb oder fanden sich zu gemeinschaftlichen Ausflügen zusammen, um sich an ihren Zielorten den Parteifeiern anzuschließen. Wo man aber die alte Gepflogenheit beibehielt, brachte sie überfüllte Säle, offenbarte sich der immer ungebrochene Kampfcsnmt der Arbeit, und den Rednern antwortete stürmische Be- geisterung auf ihre Feierworte.— Maisonne! Plötzlich ist sie da, taucht Menschen, Häuser und Straßen in freundliches Licht und flimmert im Grün der Bäume und Rasenplätze.„Kommt!" Sie lockt und lockt mit unwidersteh- sicher Macht, bis auch die letzten, welche noch träge und mürrisch geharrt, herausströmen aus ihren engen Wohnungen und dunklen Hinterhäusern,— die Enterbten dieser Welt, gerufen, Leib und Sinn im leuchtenden Glänze des Maien zu bad-n. Glocken läuten. Eine alte, verwitterte Kirche. AuS dem vorbei- wallenden Menschenstron, löst sich ein dünneS Bächlcin. In schmaler Reihe ziehen die Gläubigen zum NachmittagS-GotteSdienst. Wie Mütterchen meist, die Last eines mühseligen LebenS auf den, krummen Rücken, in den zitternden Händen das Gesangbuch, deffcn Goldschnitt in der Sonne funkelt. Duldende Ergebenheit, stumme Fügung in den verrunzelten Zügen. Repräsentanten einer untergehenden Welt. die ihr Menschenrecht nicht vom Leben zu fordern wagte und es nun vom Tode hofft, sind dort die andern— die„Begehrlichen" l Die kampffroh Aufgerichteten, welche trotzig das Antlitz zur Sonne heben und ihren Anteil fordern von den Bluten und Früchten dieser Welt. Ja I Wir fordern den Lebensgenuß und weisen die duldende Entsagung von unsrer Thür! Das Feuer der Sonne ist reich gemig, unser aller Leben zu erhellen.— Eine Völkerwanderung, wohin wir auch blicken. Ziel sind zu- meist die Maifeier-Lokale. Die im Innern der Stadt wie die vor den Thoren. Nach den letzteren rollen auch mannigfache Gefährte: kleine Kohlenwagen, vom Staub des Alltags gesäubert und mit grünen Zweigen geschmückt, auf vier Rädern dort der wackelnde Kasten eines Gemüsehändlers. Und dort pudelt sogar ein Möbel wagen einher. Im Innern hat man notdürftig Sitzbrctter befestigt. Darauf sitzen sie dichtgedrängt: Männer, Frauen und Kinder und fteuen sich köstlich dieser improvisierten Proletarier-Equipage. Am Kutschersitz flattern rote Fähnchen und die beiden Schimmel tragen Blumensträuße am blankgeputzten Kopfgeschirr.— „Die Menschen soll et schlecht jehn?" Wir blicken uns um. Aus dem Parterrefcnster eines Hauses lehnen breit Schultern und Schädel eines Berliner Hausagrariers. Der echte Typus. Miß günstig, tadelnd betrachtet er mit seinen Froschaugen die unter ihm vorbeiwallende Maifteude. Uns fällt eine Strophe Borangers ein: Im eignen Schleim sich selbst genug Schaut er heraus aus dem Palaste, Er weiß sich so gesetzt und klug Und von der bessern Bürgerkaste. Das sind die Herren der Schneckenzunft Mit einem Haus und viel Vernunft. Ja, diese Vernunft ist von ganz besonderer Güte. Sie steht gleicherweise ratio» und empört vor den materiellen Forderungen der Arbeiter wie vor ihrem idealen Ringen, das sich so ftöhlich im Maifest dokumenttert und eine Welt erobern will. Und noch andre Spötter giebt'S, welche höhnisch die Achseln zucken:„Ach, diese Hann- lose Maifeier l" Die wissen nicht, wie oberflächlich sie urteilen. Wiffen nicht, daß die Kraft unsrer Bewegung gerade auch in der echt n,e»schlichcn Volkstümlichkeit ihrer Veranstaltungen wurzelt. Der sekttererische Fanatismus, der mit einer pathetischen Handbewegung Welten stürzt und sein Uebcrmenschenantlitz stets in eherne Fallen legt, ist uns freilich fremd, weil lächerlich. Fordert die Zeit unfern ganzen Ernst, so sind wir da. Aber wir vergessen nicht, daß auch die Freude ein revolutionärer Faktor sein kann. In den späteren Nachmittagsstnndcn ivurde der Andrang zu den Festlokalen oft beinahe lebensgefährlich. Immer neue Massen drängten heran und überall sah man enttäuschte Gesichter, die nach einem schattigen Platz, einem Stuhle Ausschau hielten. Wir sahen Lokale im Norden, Lokale im Osten— überall bot sich dasselbe bunte Bild. Ein Meer von Hüten, Blumenhauben, hellen, farbigen und dunklen Kleidern. Musik, Lachen, Gläsergeklapper. Die Programms boten Genüsse mannigfacher Art. Neben den vielfach künstlerischen Konzerten sind vor allem die Leistungen der Gesangvereine zu er- wähnen. Wie immer hatte auch heute der Arbeiter-Sängcrbund seine Mitglieder solvohl nach den Vormittagsversammlungen wie zu den Feiern der Partei dirigiert. Auch der Turnverein„Fichte" stellte sich wieder opferfroh in den Dienst der guten Sache und erfreute Tausende durch seine prächttgen Leistungen. Theatervorstellungen, kinematographische Vorführungen, Tanz, Kindcrbelustigungcn aller Art und manches andre sorgten für Abwechslung und gute Laune. Daztvischen diskutierte man natürlich eifrigst die neuen Partei ereignisse. Namentlich der ungünstige Wahlansfall in Sachsen-Alten bürg gab Stoff zu häufigen und sehr ernsten Gesprächen.— Als wir gegen 6 Uhr in der Bockbrauerei auf dem Tcmpelhofer Berg landeten, sahen wir einen Wald von aufgespamtten Schirmen vor uns. Die ersten Tropfen fielen, Vorboten des heraufziehenden Unwetters. Aber man wich und wankte nicht. Säle und Veranden nahmen auch niemand mehr auf. Beängstigend die Fülle. Trotzdem vorzügliche Stimmung überall. Tellerkörbe als Sitze, Tonnen als Tische. Und vor einem der inneren Buffetts hatte ein vergnügtes halbes Dutzend mangels andrer Sitzgelegenheit eine Art von Zigeunerlager auf dem Fußboden improvisiert. Der Berliner weiß sich zu helfen. Das später hereinbrechende Unwetter leerte dann doch die Gärten, während in den Sälen die Redner der Partei vor dichtgedrängten, begeisterten Massen noch einmal die Bedeutung des Tages würdigten, zuweilen unterbrochen von Blitz und Donnerschlag. Hagel prasselte an die Scheiben, wolkenbruchartig brach der Regen nieder... So schloß der Himmel symbolisch den Tag, wie er ihn an- gefangen und sortgesetzt: Aus der grauen Elendstrllbe steigt schließlich die Sonne der Hoffnung. Die Hoffnung aber gebiert den Kampf! Der SocialiSmus tvird seinen Kampf durch alle Unwetter zu Ende führen, bis unser Maitag ein Fest endgültigen Sieges ge- worden.—_ Die JMaifcier der partei. Die Genossen und Genossinnen des ersten Berliner Reichstags- Wahlkreises hatten sich mangels geeigneter Lokale im„vornehmen Viertel" diesmal zu Kliem nach der Hasenhcide begeben. Der Erfolg gab ihnen Recht. Mehr als 5000 Personen füllten Garten und Säle. Für die musikalischen Genüsse sorgten ein Blasorchester und das„Nene Tonkünstler- Orchester" deS Direktor Hollfclder (Streichmusik). Und nicht zu vergessen die„Tyvographia", die neben Freiheitsliedern Ivie„Gruß an den Mai" und„Empor zun: Licht" auch zartwebcnde Frühlingsgcsänge zum besten gab und auch den Humor im Liebe nicht fehlen ließ. Vielerlei ivurde sonst noch geboten. So waren der Radfahrervercin„Vorwärts" und der Turnverein„Fichte" vertreten und hatten ihren Teil am Programm. Die Festrede im großen Saale hielt Dr. Leo A r o n S. Er begründete die internationale Forderung des Achtstundentages und hob wirksam hervor, wie gerade unser Maiscst nach seiner ganzen Bestimmung dazu angethan sei, die Arbeiterschaft in ihrem Streben nach Luft, Licht und Freiheit zu be- stärken. Dazu gehöre aber auch die Verttefung unsrer Grundsätze in den Köpfen derer, die nnS nur los« angehören. Mit einem be- geistert aufgenommenen Hoch auf die internationale. Menschen und Völker befreiende Socialdemokratie schloß Redner. Stürmisch stimmten die Versammelten mit ein. Draußen zuckten die Blitze und ein gewaltiges Donnerrollen verschmolz mit dem Kampfruf. Jm zweiten Reichstags-WahlkreiS war für das Maifest ivieder das Etablissement der Bockbrauerei am Tempelhofcr Berg ausersehcn worden. Trotz seiner Ausdehnung erwies eS sich diesmal als zu klein, um Allen Raum zu bieten, die hierher Pilgerten. Es war übervoll, und es blieb ein ununterbrochenes Kommen und Gehen bis zum Abend. 10 000 Personen mögen die Kassen passiert haben.— DaS kräftige Rot der geschmackvoll verteilten Garten- dekoration harmonierte innig mit dem herrlichen Grün des voll cnt- falteten Laubes von Baum und Strauch. Das Berliner Sinfonie-Orchester unter Herrn M. Fischer spielte, und Mitglieder des Arbeiter-Sänger- bundcs mit ihren Frühlingsliedcrn und proletarischen Kampfgesängen gaben dem Fest die rechte Weihe. Der Bedeutung des Tages ge- dachte dann noch besonders der Abgeordnete des Kreises, Genosse R i ch a r d F i s ch e r. in einer Rede, zu der sich eine zahlreiche Hörerschaft im großen Saal zusammenfand, die begeistert seinen zu lulturförderndem Thun, zur Organisation, Agitation und Belehrung anfeuernden Worten folgte nnd durch stürmischen Applaus ihre Ucber- einstimmung mit dem Redner kundgab. Mit donnernden Hochs auf die Socialdemokratte und den Genossen Fischer schloß dieser Festalt. In den Riesengarten der N e u e n W e l t in der Hasenheide, wo sich der Hauptfestplatz der Genossen des dritten Berliner Reichstags- Wahlkreises befand, ergoß sich schon am frühen Nachmittag, kaum daß die letzten Versammlnngsgäste vom Vormittag verschwunden waren, eine unendliche Schar frohgestimmter Menschen jeg- lichen Alters. Der Zustrom nahm kein Ende, bis selbst die vielen Säle und Sälchen des kolossalen Etablissements nicht mehr genügten, zu fassen, was ihnen von der Ueberfülle des herrlich im Maiengrün prangenden Gartens zufloß. Und immer mehr kamen, während andre wieder gingen, nm unter den Genossen des ersten Wahlkreise» bei Kliems oder im Gcwerkschaftshause einen Ruheplatz sich zu er- ober». 15 000 Teilnehmer sind nicht zu hoch geschätzt. Instrumentalmusik und Gcsangsvorträge unsrer tongewaltiaen Arbeiter« Gesangvereine labten Gemüt und Ohr und turnerische Aufführungen boten dem Auge, was ihm gebührt. Den Höhepunkt des Festes bildete die Rede des Genossen Wolfgan g Heine im großen Saale. Den Maigedanken der strebenden Arbeiterschaft gab er treffenden Ausdruck, was der mehrfach sich wiederholende starke Beifall bewies, der zum Schluß zu einer stürmischen Kundgebung für die ausgesprochenen Ziele sich gestaltete.— Trotz Gewitter und Wolkenbruch gab es später noch ein brillantes Feuerwerk, mit dem des Himmels Blitze sich mischten. Für die Maifeier in, Gewerkschaftshause hatten die Genossen vom dritten Wahlkreis ein sehr gewähltes Programm auf- gestellt, das zwar dadurch, daß die Opernsänger Richard Henkel und Wilhelm Mailberg durch zwingende Umstände verhindert waren, zu erscheinen, in einzelnen Punkten abgeändert werden mußte, aber gleichwohl eine Fülle von Piecen künstlerischen Wertes bot. Namentlich sind hier die Solovorträge der Opernsängerin Fräulein Elsa von Roggenbucke, sowie des Herrn Bourbon und die teilweise humoristischen Vorträge des Herrn Reimann zu erwähnen. Auch der Arbeiter-Sängerbnnd war durch gut geschulte Kräfte vertreten. Die Gesänge wurden mit Begeisterung vorgetragen und ebenso von den Festgenossen aufgenommen. Nicht minder Begeisterung erweckte die Festrede des Abgeordneten Heine, der in lebendigen Worten den die Menschheit umspannenden Idealen der Maifeier Ausdruck gab. Einen überraschend schönen Anblick gewährte im elektrischen Lichte des großen Saales das Reigenfahren der Mitglieder des Arbeiter-Radfahrervereins„Voran", das unt den Klängen der Musik mit staunenswerter Sicherheit ausgeführ, wurde. Für die Ausschmückung des Saales war u. a. durch eine große Reproduktion des Walter Craneschen HauptbildeS der dies- jährigen Mai-Zeitung, das den Hintergrund der Bühne schmückte, Sorge getragen. Die Veranstaltung des 4. Wahlkreises(Südost) im Konzert- haus S a n s s o u c i in der Kottbuserstraße erfreute sich ebenfalls eines zahlreichen Besuchs. DaS Konzert unter Leituim deS Herrn Loppe fand hier im würdig geschmückten Saal statt. Der Gesang- verein„Norddeutsckie Schleife" erfreute durch stimmungsvolle Lieder und begeisternde Gesänge voller Sturm und Drang. Hoffmanns Konzertsänger trugen zur Unterhaltung bei und auch turnerische Auf- führnngen waren vorgesehen. Eine Festrede wurde nicht gehalten. — Der Wolkenbruch brachte ein ztvar nicht gerade angenehmes, aber doch mit gutem Humor aufgenommenes Zivischenspiel: der Saal schtvamm plötzlich, gerade als ein Theaterstück ausgeführt wurde. Eifrige Zuschauer flüchteten auf Stühle und Tische und ließen sich sonst nicht stören. Schließlich mußten aber doch alle auf den breiten Galerien abwarten, bis der drei Censimeter tiefe See im Saal aus» geschöpft war. Zu der von den Genoffcn des vierten Wahlkreises in Joels Victoria Garten nnd Ludwigs Parkrestaurant zu Treptow veranstalteten Maifeier hatte sich eine unabsehbare Menge von Festteilnehmcrn eingefunden. Vom frühen Nachmittag bis zum späten Abend strömten immer mehr Gäste herbei oder wanderten von einem der schönen und großen Gartenlokale zum andern. Die 12 000 Sitzplätze der beiden Lokale waren bei weitem nicht ausreichend, Tausende mußten sich ohne Sitzgelegenheit be- begnügen, was aber im allgemeinen der Feststimmung keinen Eintrag that, die, aus dem gewaltigen Grundgedanken der Maifeier entsprossen, aufs höchste gesteigert wurde durch die IvirknnaSv ollen Gesänge des Arbciter-Sängerbundcs und nicht minder durch die Leistuugeu der Musikkapellen, in dem einem Lokale unter Leitung des Dirigenten O. Hassauer, in dem andern unter der des Dirigenten O. Runge.— In wohlthnendem Gegensatz zu ihrem Verhalten in früheren Jahren war die Treptower Gendarmerie dies- mal nicht auf dem Fcstplatze erschienen und hatte nur für dringende Notfälle ihre Dienste in Aussicht gestellt. Es traten aber keinerlei Umstände cin, um von diesem Angebot Gebrauch zu machen. Die erzieherische Wirkung der Arbeiterbewegung hat dazu geführt, daß auch bei so gewaltigen Menschenansammlungen wie hier die Polizei vollkommen entbehrlich ist. Vierter Wahlkreis(Osten). In MenteS Volksgarten, einem Lokal, welches unweit der Berliner Grenze ans Lichtenberger Gebiet liegt und über einen ausgedehnten Garten verfügt, hatten sich Taufende von Parteigenossen mit ihren Familien eingefunden. Garten und Hallen waren bis auf den letzten Platz besetzt. Den Fesiteilnehinern war ein Programm»msikalischer Aufführungen ge- boten, welche unt Vorträgen von Arbeitcr-Sängern und dem Auf- treten von Arbeiter-Turnern abwechselten. Die Brauerei Friedrichshain gehört schon seit Jahren zu den Festlokalen des vierten Wahlkreises. Auch hier herrschte ein unge- wohnlich starker Andrang der maifeierndcn Partergenossen und Ge- nossinnen. Die Zahl�dcr Anwesenden zu schätzen, ist nicht möglich. Nicht nur der riesige Garten, sondern auch der große Saal sowie die ausgedehnten Nebenräume waren überfüllt. Mnsik- und Gcsangvorträge sowie turnerische Aufführungen bildeten auch in diesem Lokale den unterhaltenden Teil des Programms. Die Festrede hielt Genosse S i n g er. Durch seine wirkungsvollen Ausführungen, die das herrschende Regiment geißelten und die Ideale der Socialdemokratte verherrlichten, entfesselte der Redner einen Sturm des Beifalls bei der nach Tausenden zählenden Zuhörerschaft, die Kopf an Kopf gedrängt den großen Saa füllte. Der Kellersche Saal in der Koppenstraße wies einen weniger starken Besuch auf. weil es hier an einem Garten fehlt und die Festteilnehmer nur auf geschlossene Räume angewiesen waren. Als jedoch in den Abendstunden der Gewitterregen den Aufenthalt im Freien unmöglich machte, fanden sich auch hier noch Besucher, die aus den andern Lokalen kamen, in größerer Zahl ein. Neben den Musik- und Gesangvorträgcn, waren es besonders die Aufführungen der bekannten Gesellschaft Strzelewicz, welche den ungeteilten Beifall der Zuhörer fanden. Fünfter Wahlkreis. Die Genossen hatten bei der diesjährigen Maifeier mit einer Lokalschwierigkeit zu kämpfen. Sie waren durch die Unlonlanz des Wirtes vom„Schweizer-Garten" genöttgt, ihr Maiscst in einem andren Lokal, dem„Elysium" in der Landsberger Allee, abzuhalten, welches sich als nicht groß genng erlvieS, um die Scharen der Festteilnehmer zu fassen. In allen Räumen herrschte ein beängstigendes Gedränge. Der Garten war so dicht besetzt, daß im buchstäblichen Sinne des Wortes keine Stecknadel zur Erde fallen konnte, und denen, die erst in den späteren Nachmittagsstnndcn er- schienen, um an der Feier teilzunehmen, lvar es nicht mehr möglich, ein Plätzchen in dem überfüllten Lokal zu finden. Musik und Gesang sowie Aufführungen des Turnvereins„Fichte" sorgten auch hier für die llntcrhalwng der Gäste.— Die Bedeutung der Maifeier würdigte der ReichStagS-Äbgeordnete deS Kreises, Gen. Robert Schmidt, in einer mit stürmischem Beifall aufgenommenen Festrede. Sechster Wahlkreis. Zwölf der größten Gartenlokale, alle festlich dekoriert, standen den Genosseir zur Verfügung. Der Andrang war vNerwärts ein ganz enormer; Gärten und Säle waren gestaut voll. der Besucher leiht sich auch nicht annähernd bestimmt an- geben z Tausende kamen, Tausende gingen; es war ein fortwährendes Hm- und Herfluten der Masse mit„Kind" und„Kegel" von einem Lokal zum andern. Während des ganzen Nachmittags blieb kein Platzchen unbesetzt. Sobald der eine aufstand, setzte sich der andre an seine Stelle. Die Ordner hatten alle Hände voll zu thun, um den stetigen Zu- und Abstrom der Festteilnehmer zu regeln, soweit sich dies überhaupt ermöglichen lieh. Das Festprogramm war überall ziemlich einheitlich gehalten. Es wechselten Konzert und Gesangsvorträge, theatralische Aufführungen und Dar- bietungen von Turnern und Radfahrern mit einander ab. Dazu kamen die üblichen kleinen Belustigungen für die bewegliche, fröh- liche Kinderschar; in den Sälen aber vergnügte sich die Jugend am Tanze. So gestaltete sich die Feier in den Tagesstunden nickt allein zu einem abwechslungseichen Bild proletarischer Massenfreudigkeit, sondern auch zu einer imposanten Demonstration für den Welt- umfassenden socialistischen Maigedanken. Sämtliche Bewohner der nördlichen Stadtteile standen unter dem unverkennbaren Eindruck der Feier, ganz gleich ob sie nun direkt daran teilnehmen konnten oder wegen Ueberfüllung der Parteilokale anderweitig Unterschlupf fanden. Die Maifeier drückte dem ganzen Norden Berlins ein ausgesprochen socialdemokratisches Gepräge auf.— In den Abend- stunden änderte sich jedoch das Bild. Eine eigenartige Schwüle beherrschte die Temperatur; am Horizont türmten sich drohende Wolken. Bald fielen Regentropfen, erst vereinzelt, nach und nach stärker. Anfänglich glaubten die meisten, es würde nur einen sogenannten„Ueberzng" geben und wehrten die Tropfen mit dem Regenschirm ab. Jedoch nur eine kurze Zeit lang lieh sich das Wetter Trotz bieten, dann aber brach es mit elementarer Gewalt los. Blitz auf Blitz zuckte hernieder, ein Donnerschlag folgte dem andern.— Dem ersten Mai spielte das erste Gewitter des Jahres eine nahkalte Begleitling I Was nicht auf dem Heimwege war, flüchtete vor dem strömenden Regen in die Säle, so dah hier bald eine thatsächlich „drangvoll fürchterliche Enge" entstand. Mancher machte ob solcher unerwarteten Wendung der Dinge zwar ein ziemlich unwirsches Ge- ficht, die Mehrheit aber half sich mit gutem Berliner Humor auch über den eingeregneten Teil der Maifeier hinweg. In den Sälen selbst lauschte die Menge dann den begeisternden Worten der Festredner, die der Situation entsprechend' in kurzen markigen Strichen die Bedeutung des ersten Mai klarlegten. Bei Wernau in der Schwedterstrahe und im„Jägerhaus" in der Schönhauser Allee sprach Genosse Weber; im„Berliner Prater" der Genosse Stadtverordneter H e i m a n n, und in dem vierten Lokal der Schön- hauser Vorstadt, in„Fröbels Allerlei-Thcater", referierte Genosse P ö r s ch. Auf dem Gesundbrunnen sprach bei Ballschmieder Stadt- verordneter Genosse A u g u st i n, und im„Marienbad" sowie in „Weimanns Volksgarten" der Genosse Max Kiesel. In der Norddeutschen Brauerei, Chaussecstrahe, waren etwa 4000 Personen anwesend. An den Vorführungen beteiligten sich u. a. die Arbeiter-Gesangvereine und der Turnverein„Fichte". Abends wurde auch ein Schwank:„In tausend Aengsten", aufgeführt. Die Festrede hielt der Genosse H e y m a n n. Im Garten der Walhalla, Alt-Moabit 104—105, waren etwa 1000 Genossen mit Familien vereinigt. DaS Festprogramm setzte sich auch hier aus Konzert, Gesaug. Spccialitäten- Vor- sühruugen usw. zusammen. Festredner war Genosse Fritz Wille. In der Kronenbrauerei, Alt-Moabit 47/48, war der Garten derart gefüllt, dah es schwierig war, durchzukommen. Bereits um 3 Uhr war kein Sitzplatz mehr zu haben. An den Vorführungen wirkte auch der Gesangverein„Freiheit" mit. Ueber die Bedeutung der Maifeier sprach der Genosse Ledebour. Im weiten Garten des„ F e l d s ch l ö h ch e n" waren die vor- handenen 4000 Sitzplätze schon um 4 Uhr besetzt. Tausende ströniten noch hinzu, so dah die Anzahl der Erschienenen insgesamt 6000 bis 7000 betragen mochte. Der mit roten Fähnchen reichgeschmückte Garten bot ein lebhaftes Bild eines wahren Volksfestes. Die Fest- rede hielt Genosse John. Unter der Direktion des Herrn Kreutzer verschönten die Gesangvereine„Freiheit-Nord",„Maiglöckchen" und „Steinnelke" das Fest. Trotz der Ueberfüllung aller Räume brauchte die anwesende Arbeiter-Sanitätskolonne nicht in Aktion zu treten. In der Brauerei„Patzenhofer", Turmstratze 25/26, waren über 4000 Personen schon nachmittags versammelt. Auch hier wechselten Konzert und Gesang mit andern Vor- führungen. Festredner war der Abgeordnete des Kreises, Genosse Ledebour. Etwa 1000 Polen demonstrierten am Sonntagnachmittag im grohen Kellerschen Saal, Koppenstrahe, gegen den ausnähmegesetz- lichen Ansiedelungsentwnrf der preuhischen Regierung, dessen Haupt- ziel darauf hinausgeht, die Parzellation unter der polnischen Bauernschaft zu verhindern. Das Hauptreferat erstattete der Abg. Kulerski. In der Diskussion sprach unter andern, der Führer des klerikalen Teils der polnischen Kolonie, Herr Berk au, der zur Sparsamkeit aufforderte und behauptete, ein Arbeiter könne heute mir 12 Mark pro Woche auskommen. Herr R u n o w s k t, ein polnischer National-Demokrat, erwiderte hierauf in lebhafter Weise und machte unter st ü r m i s ch e nr Beifall der Versammlung der polnischen Fraktion den Vor- wurf, dah sie an lählich der socialden, akratischen Interpellation über das russische Spitzelwefen und das Fremden recht geschwiegen habe— trotz- dem gerade die polnischen Arbeiter ausländischer Staatsangehörigkeit unter diesen Zu st än den am schwer st en leiden. Der Redakteur der„Dziennik Berlinski", Herr Krysiak sprach in scharfer Weise gegen die polnischen Mitglieder des Herrenhauses, die bis auf einen in der Debatte über das Au- siedelungs-Gesetz schwiegen, während der einzige polnische Redner— KoScielski— in seiner leichten Weise gesprochen habe, die den, Ernst der Lage durchaus nicht entsprach. Jeder Pole, der dieser Diskussion von der Tribüne des Herrenhauses zuhörte, muhte ob dieser Haltung der polnischen Mitglieder des Hauses schamrot loerden. Bezeichnenderweise fand der Abgeordnete Kulerski keine Ant- wort auf den schweren Vorwurf, den ihm Herr Runowski gemacht hatte. Die polnischen Socialisten waren bei Francke, Sevastianstrahe, versammelt. In der Versammlung, die sich an die Feier schloh, sprach der Genosse Georg Haase. Die JVIaifeier der Berliner Gewcrhfcbaften. Der Holzarbeiter-Verband hatte seine Berufsgenossen in der Neuen Welt versammelt. Der riesige Saal war vollständig gestillt und auherhalb des Saales, in den Nebenränmen sowie im Garten weilten noch Hunderte, die bemüht waren, durch geöffnete Fenster und Thören etwas von der Festrede zu hören, die Eduard Bern- st e i n unter lebhaftem Beifall der Zuhörer hielt. Die von der Gewerlschaftskommission aufgesetzte Resolution fand einstimmige An- nähme. Die centralorganisierten Bauarbeiter hatten sich in einer Zahl von 2500 Personen im grohen Saal der Brauerei Friedrichshain versammelt. Der grohe Saal wurde noch vor Beginn der Ver- fammlung polizeilich abgesperrt und immer noch verlangten die Nachströmenden scharenweise Einlast. Der Referent Reichstags- Abgeordneter Genosse August Bebel wurde stürmisch begrüht. Er begründete die auf dem internationalen Kongreh 1839 aufgestellten Forderungen als nicht nur berechtigte, sondern auch als erforderlich zum Wohle des gesamten Volkes. Als er dann einging auf die Socialgesetzgebung. die Frauen- und die Kinderarbeit streifend, kam der überwachende Beamte an den Versammlungsleiter heran mit der Frage, ob das noch keine Polittk sei. Weil er selbst Politik darin witterte, mutzten auf seine Anordnung die ca. 50 erschienenen Frauen den Saal verlassen. Nun erst geitzelte Genosse Bebel die deutsche Gerechtigkeit, welche die Frauen als Menschen zweiter Klasse erscheinen lasse. Durch stürmischen Beifall bezeugten die Versammelten ihr Einverständnis mit dem Referenten. Die von der Gewerkschaftskommission vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen.— Unter stürmischen Hochrufen auf die allgemeine Arbeiterbewegung und auf Bebel gingen die Versammelten auseinander. Die Versammlung der Schuhmacher im Schweizergarten war von 1200 Personen besucht. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach dem vorzüglichen Referat des Genoffen Ritter wurde die Resolution der Gewerkschaftskommission einstimmig angenommen. Gesangsvorttäge des Gesangvereins der Schuhmacher eröffneten und schloffen die Feier. Die Handels-, Transport- und Berkchrsarbeiter hielten ihre Ver- sammlung im grohen Saal bei Buggenhagcn ab, der von 1000 Be- suchern dicht besetzt war. Nachdem der Gesangverein Süd- West, Mitglieder des Centralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter, einige Festlieder vorgetragen, referierte Genosse Litfin, oftmals von grohem Beifall unterbrochen. Die Resolution der Gewerkschaftskommission wurde einstimmig angenommen. Die Holzbearbeitungsmaschinen- Arbeiter hielten bei Stechert, Andreasstrahe, ihre Maifest-Versammlung ab. Der Gesangverein „Sängerhort II" leitete die Feier durch Gesang ein, und hielt dann der Genosse B ö s k e einen mit grohem Beifall aufgenommenen Vorttag.— Die von der Gewerkschaftskommission vorgeschlagene Resolutton wurde in der von ca. 700 Personen bestickten Versamm- lung einstimmig angenommen. Mit einem Schluhgesang und einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung schloh die imposante Versammlung. Die Tabakarbciter und-Arbeitcrinnen waren bei Wille in der Bruuncnstrahe versammelt. Die Festrede hielt Genosse Basner. Verband der Hafenarbeiter. Derselbe war im Königstadt-Kasino ca. 150 Mann stark vertreten. Nach einem zündenden Vorwage des Genossen Paul Hirsch- Charlottenburg wurde die Resolution der Gewerkschaftskommission einstimmig angenommen. Mit einem Hoch auf die Socialdemokratie wurde die Versammlung geschloffen. Die Gruppe der Ccmcnticrcr hielt ihre Maiversammlung ver- bunden mit einer Mitgliederversammlung in Wittes Lokal, Brunnen- strahe 183, ab. Die Versammlung war von 250— 300 Personen besucht. Nach dem Referat Fülles verzichtete die Versammlung auf den gewerkschaftlichen Teil und erfolgte Schlutz mit einem kräftigen Hoch auf den ersten Mai, den Achtswndentag und die völkerbefreiende Socialdemokratie. Der Centralverband der Schmiede hielt seine öffentliche Mai- Versammlung mittags 1 Uhr im„Englischen Garten" ab. Kollege Basner referierte über:„Die Bedeutung des 1. Mai für die arbeitende Klaffe". Folgende Resolution wurde von den circa 600 Erschienenen einstimmig angenommen: Die heute am 1. Mai im „Englischen Garten" tagende öffentliche Versammlung der Schmiede Berlins und Umgegend erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verpflichten sich die Anwesenden, dafür einzutreten, dah alle unorganisierten Schmiede sich der Organisation ansckliehen, um zu beweisen, dah auch sie teilnehmen an dem Kampfe zur Befreiung der Arbeiterklasse.— Mit einem Hoch auf die inter- nattonale völkerbefreiende Socialdemokratie schloh Siernig nach- mittags 3 Uhr die imposante Versammlung. Die Porzcllanarbeitcr waren, 250 an der Zahl, im G e- Werkschaftshause versammelt. Genosse S ch.n e i d e r- Char- lottenburg hielt das Referat. Die Stukkateure waren um 12 Uhr bei Franke, Sebastianstr. 39, zu ihrer öffenllichen Maifest-Versammlung erschienen, um ein Referat des Genossen Dr. Herzfeld über„Die Bedeutung des 1. Mai" entgegenzunehmen. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde von einigen Nichtstukkateuren die ihnen gewährte Gastfteundschaft miß- braucht, um gegen die Leitung der Versammlung durch den Ein- berufer Genossen Krebs zu protestieren. Die Eindringlinge sAnarchisten? verlangten Bureauwahl, weil ihnen ein Versammeln durch die Polizei im Luisenstädtischen Konzerthaus verboten war. Sie beanspruchten aus„Solidarität" von den anwesenden Stukkateuren Platz im Bureau, weil es doch so üblich sei! Die grohe Mehrzahl der Versammelten lehnte dieses ab und nun störten diese Gäste in unschöner Weise die Versammlung und den Referenten durch Zwischen- rufe. Obgleich eine Diskussion nicht auf der Tagesordnung der Festversammlung stand, brach während und nach der Abstimmung über die Resolution der Gewerkschaftskommission ein solcher Tumnlt loS, dah die Teilnehmer der Versammlung sich mit unschönen Er- iimerungen entfernten. Die Gewerkschaft wird zu beraten haben, wie sie solche Störenfriede einer Maifest-Versammlung in Zukunft fern hält. Die Festversammlung der Lithographen und Steindrucker im grohen Saale der Bockbrauerei war sehr gut besucht. Genosse Albrccht Fülle referierte unter grohem Beifall. Die Resolution wurde ein- stimmig angenommen. Gesang eröffnete und schloh die Feier. Die Versammlung der städtischen Arbeiter, welche in den Armin- hallen stattfand und in welcher der Verbandsvorsitzende P o e r s ch referierte, war gut besucht. Die Resolution der Gewerkschaftskommission fand einstimmig Annahme. Der Kiirschncrvcrbaild war im Schützenhause, Linienstrahe 5, ver- sammelt. Nachdem die Feier durch Gesangsvorttäge eingeleitet Ivar, sprach Frau Emma Ihrer über die Bedeutung der Maifeier. Dann fand die Resolution des Kartells Annahme. Am Nachmittag fand im Verkehrslokal eine Familienfeier statt. Der Verein der Maurer Berlins und Umgegend hielt seine Mai- feier im Paradiesgarten zu Birkenwerder ab. Es waren annähernd 3000 Personen anwesend. Um 3 Uhr fand eine Versammlung statt. Der Referent Julius Gehl erläuterte in seinem Vorttage den Zweck der Maifeier. Die Ausführungen wurden mit grohem Beifall auf- genommen. Mit Absingen der Arbeitermarseillaff'e wurde die Ver- sammlung geschlossen. Des weiteren vergnügten sich die Anwesenden bei Konzert, Tanz und Kinderbelustignngen bis in den späten Abend. Der Verein der Zimmerer hatte eine Versammlung nach dem Böhmischen Brauhause einberufen. Auch hier war der Besuch ein ungewöhnlich zahlreicher. Nach einem einleitenden Gesangsvorttäge des Gesangvereins der Zimmerer hielt Genosse Kotzke die mit lebhaftem Beifall aufgenommene Festrede, wonach die Resolution des Gewcrkschaftskartells angenomnien wurde. Die Gewerkschaft der Maler hielt ihre Maiversammluna bei Feuerstein ab. Der Besuch bettug 500—600 Personen. Referent war Genosse Dr. W oll heim. Die vom Gewerkschaftskartell vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen. Der Gesangverein„Gewerkschaft der Maler" brachte einige vorzüglich gesungene und der Bedeutung des TageS entsprechende Lieder zum Vortrag. Die Versammlung der Möbclpolierer tagte im Lokal Königs- bank und war von ca. 1200 Personen besucht. Mitglieder leiteten die Feier durch Gesang ein. Dann hielt Kollege Reuter das Referat über den 1. Mai, welches sehr beifällig ausgenommen wurde. Hierauf wurde die Resolution des Gewerkschaftskartells angenommen und Gesang beschloh die imposante Feier. Kollege Bollfrah machte noch auf die nachmittags stattfindenden Feiern der Wahlvereine aufmerksam. Die Musikinstrumenten-Arbeiter des Fachvereins hielten eine auherordentlich gut besuchte Versammlung in dem geräumigen Saal von Graumann. Raunynstr. 27, ab. Nach einem begeisternden Vortrag des Genossen Fritz Kater wurde die Resolution des GeWerl- schäftskartclls einstimmig angenommen. Der Sängerkreis des Vereins trug zum Beginn und Schlutz der Bersaniinluiig stimmungsvolle Lieder vor. Die Metallarbeiter-Gewerkschast hatte einen Ausflug arrangiert, der sehr gut verlief. Es beteiligten sich ca. 100 Personen ohne die- jenigen, die sich noch später im Moabiter Schützenhause eingefunden hatten. Die Mai-Resolutton des Kartells wurde angenornmen. Gesang, Recitatton, Spiel und Tanz machten die Feier zu einer rechten Maifeier. Die Tour ging ab: ftüh Sll2 Uhr vom Bureau. Rosenthalerstr. 57 nach der Jungfernheide, wo die ersten Nachzügler eingetroffen waren, dann über Haselhorst-Saatwinkel nach Tegel, von dort nach dem Moabiter Schützenhause. An der Fuhtour nahmen auch zahlreich die Damen teil. Leider machte das Unwetter der Feier ein jähes Ende. Die Maifeier in den Vororten. Rixdorf. Bei Heikhaus in der Karlsgartensttahe tagte eine vom Gewerkschaftskartell einberufene Versammlung, die von 400 Teil- nehmern besucht war. Nachdem ein Mailicd vorgettagen war. hielt Genosse Kiesel eine packende Rede. Die Resolution der GeWerk- schaftskommission fand einstimmige Annahme. Rixdorf. In den drei vom Gewerkschaftskartell zum Vormittag einberufenen Versammlungen sprachen Dittmer, Hildebrandt und Frau Kiesel. Etwa 2000 Personen mochten im ganzen an- wesend sein. Am Nachnuttag waren die drei von den Wahlvereinen gemieteten Lokale gedrängt voll; im grohen Garten der Vereins- brauerei mochten sich an 10 000 Personen befinden. Die Feier ver- lief in der würdigsten Weise. In Britz fand am Vormittag 11'/i Uhr eine gut besuchte Ver- sammlung im Buschkrug statt; 350 Personen mochten zugegen sein. Nach einem Referat des Genossen Dr. Borchardt wurde die Re- solution der Gewerkschaftskommission einstiminig angenommen. Das am Nachmittag bei Bethge abgehaltene Vergnügen wies eine sehr starke Beteiligung auf. Die Maiversammlung in RummelSburg, vormittags 11 Uhr, war von 600 Personen besucht. Genosse Karl Kahler hielt ein packendes Referat. Wcißcnsee. Die Versammlung wies einen Besuch von 1000 Per- sonen auf. Das Referat des Gemeindeverordneten Schumann wurde mit Begeisterung entgegengenommen. Lichtenberg. In dem überfüllten Saale von Höflich hielt Genosse K a tz e n st e i u eine zündende Rede. Die Feier verlief glänzend, Aufsehen erregte der Kinderfestzug und daS von den Kindern ge- sungene Mailied. In Obcr-Schöncweide nahm die Maifeier einen schönen Verlauf. In den weiten Räumen des„Wilhclmineuhof" waren an 2500 Personen anwesend. Die Festrede hielt Genosse Sownenburg- Friedrichshagcn. In Grünau waren bei Duchauffour etwa 120 Personen in der Gewerkschaftsversammlung anwesend. Stadtverordneter Gründet- Berliu sprach über die Bedeutung des Tages. Der Vorsitzende teilte mit, dah die C h e m i s ch e Fabrik, Grünau, den ganzen Somrtag- vormittag und noch darüber hinaus hat arbeiten lassen und auch ihren Arbeitern nnt dem dreisten Verbot gekommen ist, ein für die Arbeiterschaft freies Lokal zu besuchen. Dieser anmaßende Sklaven- Halter-Ukas wurde entsprechend gebrandmarkt. In Erkner schloh sich der von 250 Personen besuchten Ver- sammlung ein Gartenfest an. In Rüdersdorf referierte Genosse Kater- Berlin über die Be- deuttmg des Tages. Alles verlief in bester Stimmung. Die Resolution des Gewerkschaftskartells wurde angenommen. Rcinickendorf-Wcst. Hier verlief die Feier ausgezeichnet, ttotz- dem der Gendarm im Fcstsaale keine Kinder dulden wollte. Die Rede des Genossen O h l fand begeisterte Zustimmung. Die Reso- lution der Gewerkschaftskommission wurde von den 350 anwesenden Personen einstiminig angenomnien. In Oraiiieniurg war das Lokal für den starken Andrang zur Versammlung zu klein; nachdem die Feier durch Gesangsvortrag stimmungsvoll eingeleitet worden war, hielt Genosse F r e i w a l d t- Pankow einen zündenden Vortrag. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. In Tegel war die Maiversammlung von etwa 800 Personen besucht. In Spandau hielt im Lokal von Kumke Dr. Schütte das Referat, im Lokal von Köpnick Engelbert. Die Versammlungen waren von 240 und 270 Personen besticht. Die Nachmittagsfeier verlief in jeder Hinsicht anregend. Nachmittags hatte die Partei im Tehnowjchen Lokale ein Volks- fest arrangiert, welches bei dem guten Wetter eine wahrhaft groß- artige Beteiligung fand. Das geräumige Gartenlokal nebst Saal crlvieseu sich für den Massenandrang viel zu klein; mehr als 3500 Personen nahmen an dein Fest teil, eine Ziffer, welche diejenige der Vorjahre weit in den Schatten stellt. Das Fest selbst nahm seinen programmmähigen Verlauf. In Hcrzfclde sprach Genosse Grauer- Lichtenberg vor 200 Personen. Die Resolution des Gewerkschaftskartells fand Annahme. Herzfelde ist ein von polnischen und galizischen Arbeitern überschwemmtes Zieglerdorf. In Zernsdorf sprach in der vom Wahlverein bei Knore ver- anstalteten Versammlung Genosse Davidsohn über die Be- deutung des Tages. Etwa 500 Personen waren anwesend. Die Feier mit Kindcrfackelzug ic. nahm den besten Verlauf. In Stolpe an der Nordbahn war die Versannnlung von 350, das Fest von etwa 500 Personen besucht. Genosse Stadthageu hielt den Vortrag über die Bedeutung des Tages. In Schenkendorf waren in der WahlvercinSversammlung 150 Personen anwesend. Genosse Walther- Oberschöneweide sprach über die Bedeutung des Tages. Das Nachmittagsvergnllgen hielt die Parteigenossen lauge beisammen. In Charlottenburg sprachen die Parteigenossen Georg Bernhard und Otto Antrick unter großem Beifall. Mit Gesang wurde die Versammlung eingeleitet und geschlossen. Die Resolutton der Gewerkschaftskommission fand einstimmig Annahme. In Schöncbcrg fand die Maifeier in den völlig überfüllten Obstschen Lokalitäten statt. Weit über tausend Personen hatten sich im Garten und in den Sälen eingeftmden, um in gemütlicher und würdiger Weise den ersten Mai zu begehen. Genosse Küter- Schöneberg hielt die Festrede. Im„Interesse der Ruhe und Ordnung" hatte die vorsorgliche Polizei auch bei uns ttotz schrist- sicher und mündlicher Eingabe den Tanz verboten. In Wilmersdorf sprach Redakteur John in der mittags 12 Uhr in Salamons Volksgarten abgehalteneu Versammlung. War diese Versammlung schon stark besucht, so war am Nachmittag das Garten- lokal überfüllt. Die Harmonie des Festes wurde auch durch das Gewitter am Abend nicht gestört. Zchlcudorf. Während die Versammlung am Vormittag leidlich besucht war, hatte die Feier ain Nachmittag 600 Personen vereinigt. Genosse Fuchs hielt einen zündenden Vortrag. In Kaputh bei Potsdam tagte eine von den dorttgen G e- w e r k s ch a f t e n arrangierte Versammlung, an der sich auch zahl- reiche Steinsetzer und Berufsgenossen aus den Filialen Berlin I und II, Charlottenburg, Schöneberg, Rixdorf, Potsdam I und II, Bergholz und Saarmund beteiligten. Referent K n o l l- Berlin sprach unter stürmischem Beifall. Die Berliner Resolution wurde eiustimmig angenommen. In Maricndorf hielt Genossin Frau Thiede vor einer über- füllten öffentlichen Gewerkschaftsversammlung eine vortreffliche, mit Beifall aufgenommene Rede. In Marienfelde sprach bei Diekmann Genoffe Fülle. Die Versammlung spendete dem Redner wohlverdienten Beifall und nahm beide Resolutionen einstimmig an. In Saarmiliid sprach Genosse Kiesel- Berlin vor einer von 150 Personen besuchten Versammlung. In einer Resolution pro- testierte die Versammlung gegen die dem Volk schädliche Polittk des Klassenstaates. Die JMaifeicr im Reiche. Provinz Brandenburg. Frankfurt-LebuS �Wahlkreis). Die Feier steht unter dem Zeichen des beginnenden Wahlkampfcs. Von„Ruhe" keine Idee. Am Morgen des 1. Mai wurden im ganzen Wahlkreise 40 000 Exemplare des ersten Wahlflugblatts verbreitet. Die Stimmung ist vorzüglich und zu den besten Hoffnungen berechtigend. In F r a n k f u r t a. O. Vormittagsversammlung in Rücksicht auf daS kirchliche Empfinden der Einwohner verboten. An Stelle der verbotenen Versammlung setzten unsre Genossen„der Behörde zum Trutz, den Volksrechten zum Schutz" eine intensive Agitatton für den bevorstehenden Wahlkampf. Nachniittags-Veransraltungen im„Eldorado" überfüllt. Nach drei- viertelstündiger Festrede der Genossin L i l y B r a u n wurde eine Resolution einstimmig angenommen, die neben den Federungen des ersten Mai Kampf bis aufs letzte den bürgerlichen Parteien ansagt.— Gleiche Veranstaltungen fanden statt und wurden unter begeistertem Jubel gleichlautende Resolutionen angenommen in Neu-Harden- berg, Gusow, Platkow, Fürstenwalde und Buckow. Fiusterwaldc. Das Maifest gestaltete sich in diesem Jahre zu einer großartigen Demonstration. An dem Morgenspaziergange be- teiligtcn sich gegen 600 Personen. Die um 10 Uhr im' Victoria- Hotel stattgehabte Versammlung, in welcher Genosse Redakteur Bürger-Berlin einen beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Die Bedeutung des 1. Mai" hielt, war von nahezu 1000 Personen be- sucht. Am Nachmittage fand im Victoria-Hotel und im Gesellschafts- hause Naundorf Konzert mit darauf folgendem Ball statt! beide Lokale waren überfüllt. Während uns in den Vorjahren bei dem Morgenspaziergange ein starkes Polizei-Aufgebot begleitet hatte, hat man in diesem Jahre von einer solchen Maßnahme Abstand ge- nommen. Jedenfalls hat man eingesehen, daß es bei Arbeiterfesten einen Grund zum Einschreiten nicht giebt. Sprcmbcrg. Bei herrlichem Wetter beging heute die Arbeiter- schaft im Gcsellschaftshausc den Wcltfeiertag. Nachmittags 3 Uhr wurde das Fest durch eine Versammlung eröffnet. Die Festtede hielt Genosse K i e ß l i ch- Slamen; eine entsprechende Resolution wurde angenommen. Konzert und zahlreiche Belustigungen dauerten bis 12 Uhr nachts. Der Umzug sowie die Tanzlustbarkeit wurde uns verboten. Trotzdem war die Stimmung eine ausgezeichnete. Die Zahl der Festteilnehmer betrug 2000, so daß die Maifeier in diesen, Jahre alle bisherigen Erwartungen übertraf. Lmidsberg lWarthe). Vormittags 11 Uhr eine außerordentlich stark besuchte Versaminlung. Referent W. P ä tz e l- Berlin. Nachmittags unter zahlreicher Beteiligung Ausflug nnt Familie und drei Gendarmen nach dem benachbarten Dühringshof. Die Gendarmen sehen auf st r i k t e A r b e i t s r u h e, denn selbst der Musikautomat in dem von den Genossen besuchten Lokale durste gegen den üblichen Nickel seine Weisen nicht ertönen lassen. Da somit für die„Ordnung" hinreichend gesorgt war. vergnügten sich die Festteiluehmer bis 8 Uhr abends, als die Rückkehr angetreten wurde. In Soran und Gassen sprach in glänzend besuchten Versamm- lungen Genosse G r e m p e- Berlin. Redner ging bei seiner Be- griindung der Forderung des Achtstundentages darauf ein, daß der bei der letzten Wahl im Kreise Sorau-Forst gewählte Kommerzienrat Bahn ein entschiedener Gegner dieses in jeder Hinsicht berechtigten Verlangens sei, da er ja gelegentlich des Streiks in Crimmitschau für die Beibehaltung der elfftüudigen Arbeitszeit eingetreten ist. Diese reaktionäre Stellung des Abgeordneten Bahn könne auch kein uuiudcruchmen, da dieser Herr den Arbeitern den Rat gegeben hat, für 13 Pfennig Knochen, Kartoffeln und Mehl-c. tägliche Nahrung zu wählen, um mit den geringen Löhnen auszukommen. Es ist mit- hin Ehrenpflicht des Kreises Sorau-Forst, dafür zu sorgen, daß der Abgeordnete Bahn, der entschiedene Gegner des Achtstundentages, nicht wieder gewählt, sondern daß der Kreis der Socialdemokratie zurückerobert wird. Fürstcuwaldc sSpree). Die heutige Maifeier ist glänzend ber- laufen. 1200—1500 Personen beteiligten sich daran. Am frühen Morgen fand die Verbreitung des ersten Flugblattes zur bevor- stehenden Reichstagswahl statt, welches in äußerst scharfer Weise die Kassation der Wahl geißelt. In Nathcnom verlief die Maifeier in würdigster Weise. Die Festbersammlung. welche bereits am Sonnabendabend tagte und in der Redakteur Meyer-Brandenburg referierte, war sehr zahlreich besucht. Am Nachmittage des 1. Mai fand ein Waldfcst statt, an dem mehrere taujend Personen in festlich begeisterter Stimmung teilnahnren. Eulo bei Forst i. L. Vormittags 45 Genossen zur Demonstration in Forst! nachmittags Ausflug, ca. 50 Genossen nebst Weiblein und Kindleiu. Abends Kränzchen im Parteilokal. Es war das erste Mal, daß in Eulo eine Maifeier stattfand. Im Kreise Friedeberg-ArnSwalde war ein Ausflug nach Arhorst geplant worden, wo auch eine Volksversamlung stattfinden sollte, in der Gen. Paul Voigt das Referat zugesagt hatte. Die Versammlung wurde jedoch in letzter Stunde verboten. In Soimucrfcld tagte in den„Kurfürstenhallen" eine gut be- suchte Volksversammlung, in der Gen. Kunze- Berlin sprach. Die Resolution fand einstimmige Annahme! die Festlichkeit verlief harmonisch. Schwedt a. O. Die Maifest-Versammlung war vormittags von 250 Personen besucht. Nachmittags von 3 Uhr ab fand Konzert statt, vom herrlichsten Wetter begünstigt. Beteiligung 600 Personen. Ein Tanz hielt die Teilnehmer bis gegen Morgen in bester Harmonie zusammen. Die Bewohner der Wcstprignitz waren zu vielen Tausenden nach Wentdorf, einen, 5 Kilometer von Wittenberge entfernten Flecken, geeilt, um der Festansprache des Stadtverordneten Dr. Wehl aus Berlin zu lauschen. Es herrschte große Begeisterung. SchwiebuS. An dem Sountagmorgen stattgefundcncn Ausflug nach Merzdorf nahmen 300 Personen teil. Nachmittags war die Versammlung von über 300 Personen besucht. Das Referat hatte Genosse W. Schulz- Posen übernommen an Stelle des Genossen Kohn-Berlin. Kirchhain. Der Verlauf der Feier war großartig. Früh Aus- flug, Beteiligung 200 Pcrsoucn; nachmittags Gartenkouzert im Schützenhause, 400 Besucher! abends Versammlung und Konzert, 600 Personen. Referent: Bürger- Berlin. Tanz verboten. Schlesien. Die BreSlaner Genossen hatten am 1. Mai morgens um 7 Uhr eine Versammlung geplant, die jedoch von der löblichen Polizei wegen Störung der Sonntagsruhe inhibiert wurde. Die Versammlung fand infolgedessen»ach den, Hauptgottesdienst im Gcwcrkschaftshause statt. Vor 1600 Personen sprach Reichstags- Abgeordneter Franz Tutzauer über die Maifeier und das Proletariat im polizeilich abgesperrten Saale. Redner fand leb- hasten Beifall. Nachmittags beteiligten sich an dem Feste inehr als 3000 Personen. Am Vormittag hatten verschiedene Gewerk- schaften Ausflüge unternommen. 800 Maurer unternahmen eine Dampferpartie. Alle Veranstaltungen, besonders die Versammlung. waren von großartigen Polizei-Aufgeboten beschützt. Die Genossen von Ohlau feierten den 1. Mai durch eine Volks- Versammlung am Vorabend des Weltfeiertages. Die Versau, mluug wies einen großen Zudrang aus: Genosse Schütz hielt einen Vorttag über die Bedeutung des Maitages und fand lebhaften Beifall. Vor und nach der Versammlung brachte der Arbeitergesangverein je ein Lied zum Vortrag. In Strehlen fand in Ermangelung eines Versammlungslokals ein Ausflug statt, an welchem sich be- sonders die Arbeiter aus den Steinbrüchen zahlreich beteiligten. In Brieg begann die Maifeier mit einer Volksversammlung, in welcher Reichstagsabgeordneter Franz Tutzauer das Referat über die Bedeutung des 1. Mai übernommen hatte. Schon lange vor Eröffnung der Versammlung war das von 400 Personen besetzte Lokal polizeilich abgesperrt, viele mußten sich vom Garten aus den Bortrag anhören. T u tz a u e r S Rede fand stürmischen Beifall. An die Versammlung schieß sich ein Ggrtevsest. Sfl welchem HMeöe teilnahmen, die in der Versammlung keinen Platz gefunden hatten.— In Schniiedeberg im Riesengebirge sollte die Maifeier durch eine Volks- Versammlung und anschließendes Gartenfest gefeiert werden. Die Versammlung wurde verboten, weil in dem Lokal, in welchem alle paar Wochen Tanzmusik stattfindet, zu wenig Aborte vorhanden sind! Trotzden, feierten die Genossen aus dem Riesen- gcbirge ihr Maifest ohne die geplante Rede des Genossen Löbe durch ein nichtstaatSgefährliches Beisammensein. Auch im benachbarten Hirsch berg fanden sich hunderte von Ge- nossen zusammen und begingen durch Fest und Gesaug den Weltfeiertag. In Liegnitz begann die Maifeier mit einem Ausflug am Sonntag- morgen. Zu der Versammlung am Nachmittag, in welcher Genosse K l ü h s- Breslau referierte, erschienen etwa 400 Personen. Die Ausführungen des Festredners fanden lebhaften Beifall.— Gold- berg feierte den Tag des internationalen Proletariats ebenfalls durch Ausflug und Gartenfest.— Im Steiurevier von Alt- W a r t h a u im Kreise Bünzlau beteiligten sich alle Industriearbeiter an der Maifeier. Die Festrede hielt Genosse Mshrlein-Breslau unter starke», Beifall. Ueber 200 Teilnehmer fanden sich zur Versammlung ein. In Bunzlnu fanden am 1. Mai zwei Versammlungen statt, in welchen die Genossen S ch e b s und N i t s ch k e referierten. Beide Versam», lungen waten zahlreich besucht. An die Versammlungen schloß sich ein Gartenfest. In Ncustndt-Oberschlesien versainmelten sich die Parteigenossen an, Vorabend des Maitages in, Arbeiterkasino. Sonntagmorgen unternahmen sie einen Ausflug in die Ilmgegend. Kattowitz. An, Sonnabendabend fand für die deutschen Genossen eine stark besuchte Versammlung statt, in der Genosse B r u h n s über„Die Arbeiter und den ersten Mai" referierte. Der über- wachende Beamte ließ— echt oberschlesisch— die anwesenden Frauen aus dem Saale entfernen. Am Souutagvormittag sprach in einer überfüllten Versammlung Genosse Trabalski vor den polnischen Arbeitern. Am Nachmittag zogen friedlich vereint viele hunderte polnischer und deutscher Arbeiter mit ihren Familien von Kattowitz nach Ochojctz im Kreise Pleß. Der Amtsvorsteher hatte dem Wirte jede festliche Veranstaltung untersagt, es ging aber auch so vortrefflich. Nach mehreren Stunden des fröhlichen Bei- saniiucnscins zog alles in bester Ordnung wieder heim. Beuthen O.-Schl. Hier wurde die Maifeier durch einen Spazier- gang nach den, Forst von Dombrowa abgehalten, an welchem 150 Genossen teilnahmen. Trotz starken Polizei-Aufgebots verlief alles ernst und würdevoll. Im schlesischcn Rom, in Neissc, feierten zum erstenmal aufgeklärte Arbeiter den Maitag. Zwar ist es bei dem Terrorismus der Schwarzen nicht möglich, ein Versammlungslokal zu erhalten, aber ein gemeinsamer Ausflug von etwa 100 Genossen nebst. Frauen vereinte die Neisser im Gedenken an den Weltfeiertag. In Strirga» sprach Genosse Fcldmaun-Langcnbiclau in der gut besuchten Maivcrsammlung. Das vom Wetter begünstigte Gartenfest fand unter der Teilnahme von vielen Hunderten statt und endete mit einen, Fackelzug. Provinz Ostprentzen. In Königsberg fanden mittags zwei Versammlungen statt, die beide überfüllt waren. Der Reichstags-Abgeordnete Genosse H a a s e und der Genosse G o t t s ch a l l sprachen unter jubelnden, Beifall über die Bedeutung des 1. Mai. Leider mußten auch in diesem Jahre die meisten Genossinnen und Genossen den Versanm, lungen fernbleiben, da hier immer„och den Genossen rein großer Saal zur Verfügung steht. Das wurde am 1. Mai wieder so recht schmerzlich empfunden. Nachmittags wurde ein Ausflug nach den, Stadlpark Judillen veranstaltet. Trotz des nicht sehr günsiigen Wetters hatte sich eine ungeheuere Zahl von Ge- uossinnen und Genossen eingefunden, die sich an Gesaug und andern Vergnügungen erfreuten. Abends ging es dann unter starker Gendarmeriebegleitung in geschlossenem Zuge nach der Stadt. Viele Tauseude nahmen daran teil. Noch in keinem Jahr ist die Zahl der Maifestteilnehmer so groß gewesen wie in diesem Jahre. Ferner fanden„och in der Provinz in verschiedenen Städten Versammlungen statt, in denen über die Bedeutung des 1. Mai gesprochen wurde. So in Tilsit, Meuiel, Gumbiuueu, Rastenburg und Tapiau. In den zwei letzteren Städten fanden zum erstenmal Mai« Ver- sammlungen statt. In Tapiau hatten sich besonders viele Landarbeiter eingefunden. Auch Frauen vom Laude waren gekommen. Diese mußte» jedoch die Bcrsannnluug verlassen, da der Polizist mit Auflösung drohte. Und dazu wollten die Genossen es nicht kommen lassen, da viele Landarbeiter die Bedeutung des 1. Mai noch nicht kannten. Der Polizist hatte den Auftrag vom Bürger m ei st er von Tapiau erhalten, keine Frauen in einer öffentlichen Volks-Bersamni- lung zu dulden, andernfalls die Versammlung aufzulösen. Der Redner in dieser Versammlung, Genosse Marchiouiui aus Königsberg, geißelte scharf das vollständig ungesetzliche Vorgehen des Bürgermeisters. Unter jubelndem Beifall der Landarbeiter wies er darckus hin, daß man an diesem Beispiele wieder sehen kann, wie man bemüht ist, dem armen Mann selbst auf ungesetzlichem Wege die letzten winzigen Rechte zu nehme,,. Die Frauen waren weit von, Lande gekommen, um sich den Vortrag anzuhören, und nun mußten sie wieder unverrichteter Sache nach Hause gehen, weil das Stadtober- Haupt nicht das preußische Vereinsgesetz kannte. Bisher sind noch niemals in Tapiau in unsren Versammlungen Frauen geduldet worden. Es wird natürlich Beschwerde eingelegt werden. Provinz Sachsen»nd Thüringe». In Magdeburg wurden schon am Sonnabendabend eine Anzahl meist starkbesuchter Versammlungen abgehalten. Das gelungenste an der Magdeburgischcn Maifeier war der Morgenspaziergang am Sonntag.„Umzüge" waren verboten. Die Socialdemokraten waren deshalb, ohne daß irgend eine Umzugszeit bekannt geworden war, einfach früh um 6 Uhr auf die Sttaße gegangen, wo einer dem andern nachging. Und nicht lange dauerte es, da fanden alle die Tauseude den richtigen Weg zum„Alten Markte". Auch dort blieb jedoch niemand stehen, aber es ging jetzt in einer Richtung! an zehntausend Menschen wanderten in einen, Strome nach dem Herrcnkruge, dem Ausflugsorte der Magdeburgischcn Bourgeoisie. Dort entwickelte sich dann unter der Aufsicht eines großen Polizeiaufgebots für einige Stunden ein festliches Treiben. Um sthr wurde der Rückmarsch augetreten. Die Polizei versperrte jedoch den Riickkehrcnden den Weg. den sie hinausgezogen waren und dirigierte sie so, daß sie auch das MillionärSviertcl der Stadt noch durchwandern mußten. Im Luiseupark sammelte sich dann die Menge nochmals. Am Nach- nnttage und Abend waren in fünf Lokalen festliche Veranstaltungen mit Ansprachen. Aus der näheren und weiteren Umgebung Magdeburgs liegen gleichfalls zahlreiche Meldungen über vortrefflich verlaufene Demonstrationen unter zahlreicher Beteiligung vor, so aus Barlebcn, Bracur, Diesdorf, Fermersleben, Olvenstedt, Groß-Ottersleben, Burg, Kalbe, Thale, Schönebeck usw. Halle. Von dort berichtet man: Hier ist es der Besonnenheit und Ruhe, man möchte sagen der Laugmut der Arbeiterschaft zu verdanken, daß es zu keinem groben Exceß gekommen ist. Während die Polizei im Gegensatz zu früheren Jahren sich bescheiden zurück- hielt, trat die Gendarmerie diesmal äußerst schneidig auf. In Ermangelung größrer Lokale, Ivar, um die Festteilnehmer unterbringen zu können, eine etwa 11 Morgen große Wiese in der Nähe des Dprfes Schlettau— eine Stunde von Halle entfernt— gepachtet worden. Männer, Frauen und Kinder ließen es sich nicht verdrießen, den etwas langen Weg— das Betreten einiger Privatwege war verboten worden— zurückzulegen. Die Wiese wurde von etwa 10 000 bis 12 000 Per- sonen besucht, woran die Gendarmen, die zuweilen in einer Stärke von 20 Mann unser Grundstück umkreisten, keine Freude zu haben schienen. Die stockkonscrvative„Hallesche Zeitung" hatte schon vorher scharf gemacht und in denunziatorischer Weise die Frage aufgeworfen:„Wer ist denn der Grundbesitzer, der seine Wiese zu solcher traurigen Demonstratton hergicbt?" An einem Wege, der sonst für alle Geschirre frei war. und nach unsrer Wiese führte, wurde am Sonnabend in später Abendstunde noch ein Schild Wgchxgcht, Vit idxx Ällsschrijt, daß das Bksahrk» des Kkges dsi 60 M. Strafe verboten fei. Die schweren Bierwagen konnten nun natürlich nach unsrer Wiese nicht hinfliegen, und so waren denn die Gendarmen schon in aller Frühe thätig, jeden Bierkuffcher, jeden Radfahrer und jeden Händler zu notieren. Diese kleinen Nadelstiche wurden hingenommen. Die Gendannen wurden aber schließlich so frei, auch die Bierzapfer zu notieren. Der Pächter der Wiese, der Vertrauensmann Genosse Reimond, mutzte die eifrigen Beamten deshalb früh schon wiederholt von seinem Grundstück herunter- bringen. In später Nachmittagsstunde verlangten die Gesetzes- Wächter mit Gewalt das Betreten der Wiese und einige Festteilnehmer ersuchten die berittenen und unberitteuen Gendarmen, die Wiese zu verlassen. Es kam zu einer kleinen Attacke, bei der die stark bewaffneten Männer nach den Säbeln griffen. Die allerdings stark aufgeregten Festteiluehmer waren besonnen genug, auf die Provokation nicht einzugehen, und nur so kam es, daß ein grober Exceß vermieden wurde. Sonst verlief die vom schönsten Wetter begünstigte Feier programmmäßig. Als die Festteilnehmer heinigegangen waren und alles, was demonstriert hatte, sich unter Dach und Fach befand, brach ein heftiges Gewitter aus. Am Abend vor der Feier fanden zwei gut besuchte Versammlungen statt, in denen die Abgeordneten Rechtsanwalt Herzfeld und Redakteur Thiele referierten. In der Umgebung Halles verlief die Feier allgemein bei starker Beteiligung ohne störende Zwischenfälle. In Delitzsch und Bitter- fcld erfreuten sich die Versammlungen, in denen die Redakteure W e i ß m a n n und Fette- Halle referierten, eines starken Be- suches. In Eileuburg beteiligten sich 500 Personen an der Demonstration. In Naumburg, WeißenfelS, Zeitz hielten die Abgeordneten Thiele, Schöpflin und B a u d e r t die Festreden. In Hohenmölsen beteiligten sich rund 1000 Personen an dem Ausfluge. Auch im Kreise Merseburg verlief die Feier in würdiger, der Bedeutung des Tages entsprechenden Weise. In der Stadt Mcrse- bürg sprach Genosse Mittag in einer gut besuchten Versammlung. In Schwachwitz, einem Dorfe bei Lützen, beteiligten sich 200 Teil- nehmer an dem Aüsfluge. Dort wurde der Maitag zum ersteumale festlich begangen. Im Kreise Eislcben konnte man aus Mangel an Lokalen Ver- sammlungen nicht abhalten. Nur in der Stadt Eisleben fand eine gut besucht gewesene Versammlung statt. Erfurt. Glänzende Beteiligung— weil die Polizei i. den Umzug, 2. den gemeinsamen Ausflug, 3. eine Volksversammlung früh 6 Uhr und 4. eine Gewerkschaftsversanimlung zur selben Zeit verboten hatte. Die Arbeiterschaft sammelte sich trotzdem früh 6 Uhr im Tivoli und über 2000 Personen spazierten durch die Stadt nach dem Aktieukeller, wo Konzert stattfand. Nachmittags mehr als 4000 Personen im Tivoli bei Konzert und Volksunterhaltungen. Herrliches Wetter bis abends zur Festversammlung. Mehr als 2000 Personen jubelten der Festrede des Redakteurs Genossen Hennig zu, die besonders lebhaften Wiederhall bei der Geißelung der vielen Verbote fand. Im ganzen eine glänzende und muster- gültig verlaufene Feier. Halberstadt. Die Maifeier hatte einen starken Zuspruch. Die Vornnttagsversammlung war von ca. 500 Personen besucht. An der Nachmittagfeier nahmen über 2000 Personen teil. Gegen 3 Uhr setzte ein Gewitterregen ein, welcher viele auswärtige Landarbeiter von der Feier abhielt. Staßfurt. Am 30. April abends zur Vorfeier öffentliche Ver« sammlung, in der Genosse Albert-Magdeburg referierte. Am 1. Mai vormittags Ausflug nach Hecklingen unter zahlreicher Beteiligung auch von der Umgebung. Am Nachmittag und Abend großes Fest der Gewerkschaften mit sehr starker Beteiligung. Weimar. Bei prächtigstem Wetter beging die Arbeiterschaft Weimars in Ehringsdorf die Maifeier. Die Teilnehmerzahl betrug circa 1200. Genosse Henn- Erfurt verstand es, in trefflichen Aus- fllhrungen der zahlreichen Zuhörerschaft die Maifest-Gcdanlen ins Herz zu reden. Ein solenner Ball beschloß das Fest. Jena, 1. Mai. Was man den Arbeitern verbietet, ist den Studenten erlaubt. Der Anbruch des 1. Mai wurde um die Mitternachtsstunde von den Burschenschaftern mit einem Umzug be- grüßt, wobei es natürlich ohne Radau nicht abging. Aber der Jenaer Philister ist daran gewöhnt und die Polizei bahnte den Um- züglern fürsorglich den Weg. Der junge Morgen lockte die mai- feiernden Arbeiter in die freie Natur. Einzelne Gewerkschafts- organisationen hatten Ausflüge angesetzt. Da es dem Herrn Staats- minister v. Wurmb nicht gefiel, mußte der für den Nachmittag ge- plante Umzug unterbleiben. Mißtrauisch, wie die Polizei einmal ist, fanden sich auf dem Platz, wo der Zug formiert werden sollte, mit„Wehr und Waffen" vier Sichutzleute und ein Wachtmeister ein. Sie mußten jedoch bald die Wahrnehmung machen, daß es für sie nichts zu thun gab. Die Arbeiter verzichteten darauf, sich forttreiben zu lassen. In hellen Scharen wanderten sie am Nach- mittag nach dem Gemeindelokal„Ratskeller" in Wenigenjena, wo in dem schattigen Garten bei Konzertmusik der Seidelschen Stadtkapelle hunderte zusammenströmten. Die Sonne lachte durch die Baum- krönen. Am Abende fand Kommers im großen Saale des Volks- Hauses statt, woran 1200 Personen teilnahmen. Im ganzen Herzogtum Gotha ist, so weit die Berichte borliegen, die Maiseier gut verlaufen. Königreich Sachsen. Leipzig. Am Sonnabendabend fanden 23 gut besuchte Ver- sammlungen in Leipzig und den Vororten statt. Nach den Referaten wurde eiiie gleichlautende Resolution gefaßt, die entschieden Stellung zum sächsischen LandtagSwahlrecht nimmt und die Einführung des allgemeinen gleichen direkten und geheimen Wahlrechts für den sächsischen Landtag fordert. Jnsgefamt mochten sich 18 000 Per- fönen an den Versammlungen beteiligt haben. Nach dem offiziellen Teil fanden Kommerse statt. In der Amts- hauptmannschaft Leipzig wurden aber die Gesangsdarbietungen und die Prologe verboten. Am Sonutagmittag sammelten sich die einzelnen Gewerkschaften in besonderen Lokalen und trafen um Mittag in dem im Westen gelegenen Etablissement„Sanssouci" zu- sammen, ivohin auch die einzelnen Vereine der Vorstädte die Genossen dirigiert hatten. Von hier zog man nach dem Johanna- park und durch die innere Stadt, über Meßplätze und Promenade weg nach dem im Südosten gelegenen Stötteritz. An diesem zwanglosen Zuge mochten sich etwa 13—15 000 Personen beteiligen. Die Mittagsstunde war nicht besonders güus'.ig gewählt. Es zogen deshalb später noch tauseude nach Stötteritz, so daß in der geräumigen Festhalle insgesamt 30—40 000 Personen versanimelt waren. Reichs- tagS-Abgeordueter Scheide mann referierte und dann wurde ebenfalls die erwähnte Resolution angenommen. Die Gesangs- darbietungen waren auch hier verboten worden. Alles verlief begünstigt vom fchönen Wetter ruhig, der Tagesfeier an- gepaßt. In O f ch a tz nahmen am Sonnabend ca. 300 Personen an der Verfammluug teil. Am Sonntag war Ausflug und Kommers. In Zwickau und Umgebung und zwar Pöhla«, Steinpleis und Neudörfel fanden vier gut besuchte Versammlungen statt. Dr. D u n ck e r und L i p i n s k i- Leipzig und P o k o r n y-Zwickau referierten. Auch fanden entsprechende Resolutionen Annahme. Nach- dem fanden Kommerse statt. Aus Schncebcrg und Netzschkau liegen Berichte über guten Verlauf und rege Beteiligung vor. Mittweida. Der vom socialdemokratischen Verein für Sonn« abend den 30. April veranstaltete Kommers war von etwa 1000 Per« sonen besucht. Derselbe wurde durch ein vorzügliches Jnstrumentalkouzert der Stadtkapelle sowie gesaugliche und turnerische Darbietungen ausgefüllt. Der Genosse Stückten erhielt für seine in flammenden Worten gehaltene Festrede lebhaften Beifall. An dem vormittags stattgefundeneu Maiausfluge beteiligten sich circa 200 Personen. Für den Nachmittag fanden die Genossen eine durch gesangliche und humoristische Vorträge gewürzte Unterhaltung im Parteilokal. Im allgemeinen war eine rege Beteiligung. In Crimmitscha» waren in vier Sälen 4500 Persxuen ver« Dresden. Bormittags 11 Uhr fanden in der inneren Stadt zehn Versammlungen statt, die alle überfüllt waren; im„Trianon", wo Genosse Gradnauer sprach, mußte»och vor Beginn abgesperrt werden, auch im Volkshause war der Andrang so groß, daß Ab sperrung nötig wurde. Für den Nachmittag war der jetzt im Herr- lichsten Blütenschmucke stehende große Garlen zum Rendezvous platze bestimmt worden. Hier waren wohl mehr als 20 000 Arbeiter zusammengekommen, die die Alleen und Gänge bis in die späten Abendstunden belebten. Die zahlreichen Gartenlokale waren überfüllt. Gegen Abend zogen die Genossen nach den größeren Lokalen in der Stadt und der Umgebung, wo Kommers veranstaltet war. Hier war zum Teil eine große Uebcrfüllung zu verzeichnen.— Auch in der Umgebung Dresdens ist die Feier eben- falls als gelungen zu bezeichnen. Die Versammlungen waren durchs weg gut besucht, zum Teil überfüllt. An den Nachmittagen haben die Genossen der meisten Orte Ausflüge veranstaltet, an denen in einzelnen Fällen mehr als 1000 Personen teilnahmen.— Besonders imposant war die Feier in M e i h e n, wo die Arbeiter die Genehmigung zu einem Umzüge erhalten haben. Es zogen am Nachmittag 4000 Arbeiter aus Meißen und der Umgebung unter Beteiligung von drei Musikkapellen, darunter die Stadtkapelle, durch einige Straßen der Stadt und dann nach einem zwei Stunden entfernt liegenden Ausflugsorte, der PreiSkermühle.— Die Polizei hat sich reserviert gehalten; selbst im großen Garten waren nur wenig Gendarmen zu bemerken. Zwischenfälle haben sich, soweit jetzt bekannt geworden ist, nicht ereignet.— Auch in O st- S a ch s en ist die Feier überall aufs beste verlaufen: In Zittau war die Versammlung von 1200 Personen besucht, in Nieder- neukirch deinoustrierten 800 Arbeiter, in Kamenz hatten sich in der Vormittagsversainnilung b 00 Personen eingefunden, der Aus flug am Nachmittag war zahlreich besucht. In Cunewalde harten sich 3000 Personen aus dem Orte und der Umgegend zu der Veranstaltung am Nachmittag eingefunden, in Löbau war die Vor- mittagsversammlung von 800 Personen besucht; an den Ausflügen nahmen über 1000 Personen teil. Auch in Mügeln, Pirna, Neugers dorf, Freiberg und andren Orten ist die Maifeier unter zahlreicher Beteiligung aufs beste verlaufen. Norddeutschland. Die Maifeier in Hamburg konzentrierte sich in diesem Jahre auf den imposanten Festzug und ein großes Volksfest auf dem Mühlenkamp. Versammlungen fanden im Stadtgebiet nicht statt, nur in Bergedorf, Cuxhaven und den verschiedenen Orten des Land- gebiets. Trotz der Petition der Jnnungsverbände, keinen Mai-Um» zug wieder gestatten zu wollen, hatte die Polizeibehörde den ge� wohnten Festzug auch in diesem Jahre wieder freigegeben und hatte sie die Bedingung gestellt, daß der Zug von dem Aufstellungsplatz. An der Koppel, schon um llS/4 Uhr abmarschieren müsse, weil an diesem Tage das FrühjahrSrennen in Horn war und erfahrungs gemäß ein großer Wagenziig auf dein Wege dahin auch die Straßen kreuzt, die der Festzug passieren mutzte. Trotzdem diese Bedingung innegehalten wurde, kollidierte der Festzug in seinem letzten Teil doch mit der Wagenreihe. Jedoch wurde die Ordnung des Zuges, die ganz allein von den bestellten Ordnern aufrechterhalten wurde, nicht gestört. Der Zug war in diesem Jahre imposanter denn je. Das Wetter war günstig, so daß die Arbeiterschaft Hamburgs, Männer, Frauen und auch die Kinder, vollzählich zur Stelle waren. Schon stundenlang vorher waren alle Straßenbahnen, die aus den verschiedenen Nichtungen nach der Gegend des Aufftellungsplatzes fuhren, gedrängt voll. Und Scharen um Scharen wanderten zu Fuß dorthin. Die Aufstellung ging außerordentlich schnell von statten. Punkt 11°/j Uhr setzte sich die Spitze unter den Klängen des Socialistenmaksches in Bewegung. Vorauf die alte rote Parteifahne. Hinter ihr in sechs- gliedriger mächtiger Reihe der socialdemokratische Verein für den dritten Hamburger Wahlkreis. Und dann in endlosem Zuge die weiteren ungeheuren Massen der Arbeiterschaft, gegliedert in drei große Abteilungen, in denen außer den drei politischen Vereinen neunundzwanzig gewerkschaftliche Organisattonen und viele, viele Liedertafeln, Klubs und sonstige Vereine marschierten. Ueber hundert Fahnen und Banner und 25 Musikcorps bewegten sich im Zuge, der eine so ungeheure Länge hatte, daß der Vorbeimarsch auf der Mitte des Weges, wo er sich ohne jegliche Stockung bewegte, gut 2'/, Stunden dauerte. Eine Auszählung der Teilnehmer am Festzuge war natürlich nicht möglich, doch dürfte die auf Grund von Stichproben aufgestellte Schätzung auf S0 000— 60 000 Personen, die sich in dem überall sechSgliederigen Zuge bewegten, nicht übertrieben fein. Dazu kämen noch etwa 600 Radfahrer und Radfahrerinnen, die auf blumen- geschmückten Rädern dem Zuge vorauffuhren, und die vielen, vielen Tausende, namentlich Frauen und Kinder, die direkt nach dem Fest- platze geeilt waren. Insgesamt darf die Zahl der Festteilnehmer an die 100 000 geschätzt werden. An drei Stellen wurden Festreden ge- halten. Es sprachen die BürgerschaftSmitglieder Emil Fischer, Schaum bürg und Grünwald, die unter stürmischer Zu- stimmung der Hörer kampfesfrohe Worte fanden. Auf dem Fest- platze, zu dem das große Garteuetablissemcnt GertigS Mühlenkamp und die darangrenzende Traberrennbahn vereinigt waren, entwickelte sich sodann das bunte Bild eines echten Volksfestes, daS die Teil- nehmer noch viele Stunden zusammenhiekt. Die diesjährige Maifeier in Hamburg dürfte dem Scharfmacher- tum, das neugierigen Blickes von den Ballonen seiner prächtigen Villen am Alsterufer auf das vorbei, unrschierende Proletariat herab- sah. recht schwer in die Glieder gefahren sein. Schon lange hofft man und faselt man in den bürgerlichen Hamburger Waschblättern von Differenzen in der Hamburger Arbeiterschaft, von denen man daim profitieren möchte. Der riesige Festzug ließ vor ihren Augen die hofftnlngsfrohen Schlachtreiheu aufniarschieren, die gewiß keine angenehmen Gefühle in ihnen erweckten. Von der Hamburger Parteileitung waren gestern im ganzen 45 Referenten für Maifestlichkeiten in die angrenzenden holsteinischen. hannoverschen, mecklenburgischen Gebiete entsandt worden. In Bremen war ein Festzug nicht erlaubr worden, doch sammelten sich, wie in den Vorjahren, taufende von Genossen und Genossinnen mit ihren Kindern früh in der Nähe des Bahnhofs und zogen dann von dort aus in gewaltiger Säule durch den herrlichen Vürgerpark. Die Beteiligung wurde auf doppelt so hoch als sonst geschätzt. Das Wetter war herrlich. Nach kurzer Rast im Vürgerpark ging es zurück in die Stadt, wo iin Kasino die Vornnttagsversanrmluna stattfand. Genosse E b e r t hielt hier die Festtede. Nachmittags und abends waren in einer Reihe von Lokalen Volksbelustigungen und Tanz. Im Casino wurde der im vorigen Jahre mit grotzem Erfolge zum ersten, nal gemachte Versuch wiederholt, vom Tanz abzusehen und statt dessen ein gediegenes künstlerisches Programm zu bieten. Der Besuch dieser Veranstaltung war ein gewaltiger und die Vorträge fanden durchweg stürmischen Beifall. Sie bestanden aus Recitationen, die von einer ersten schauspielerischen Kraft Bremen« ausgeführt wurden, aus Lieder- Vorträgen eines Männerchors. aus ganz reizvollen Kinderreigen; ferner gelangte der zweite Akt von Hauptmanns„Weber" zur Aufführung; da Borufsschauspieler in den Hauptrollen wirkten und auch eine fach- männische Regie ihres Amtes waliete, so gelang die Aufflihrung vorzüglich Als lebendes Bild wurde Walter Cranes Bild aus der diesjährigen Mainummer dargestellt. Die Festrede hielt hier Genosse Heinrich Schulz. Die Beteiligung an allen Veranstaltungen war eine enorme.„ � � In Hemelingen und Verden refenerte unter stürmischem Beifall der Reichstagskandidat dieses Kreises, Genosse H e n k e- Bremen.„.,.„. In D e l m e n h o r st war früh um 5 Uhr Weckruf durch e,n Tambourcorps und eine Kapelle. Darauf folgte ein Ausflug; nach- mittags bewegte sich ein schöner Festzug durch die Hauptstraßen der Stadt, der in Menkens Hotel endigte. Hier entwickelte sich ein leb- hafteS, fröhliches Treiben. Die Festrede hielt nachmittags Genosse Heinrich Schulz- Bremen. Westfalen und Rheinland. Die Maifeier im Wahlkreise Dortimmd-Hörde war für den ganzen Kreis eine einheitliche und fand in der Stadt Hörde statt. Die Beteiligung überstteg alle Erwartungen. Mit den Mittagzügen trafen die Genossen der westlich gelegenen Ortschaften in Dortmund ein, um sich den Genossen dieser Stadt anzuschließen. Kurz nach 1 Uhr mittags setzten vom Körnerplatz und den nächst gelegenen Straßen und Lokalen aus die Massen, zwar nicht in Marschordnung aber doch in geschlossenem Zuge, sich in Bewegung, um über den Wall, dann durch die innere Stadt nach Hörde zu marschieren. Die Zahl der in diesem Zuge befind� lichen Personen wurde auf über 8000 geschätzt. Außer dem bewegten sich die Genossen aus den südlich und östlich gelegenen Ortschaften des Wahlkreises in besonderen Kolonnen der Stadt Hörde zu. Die südlich gelegenen Ortschaften stellten etwa 3000 Mann, die östlichen ungefähr dieselbe Anzahl. Außerdem be nutzten Tausende die Straßenbahn, da plötzlich Regenwetter drohte Die Gesamtzahl der Fe st teil nehmer wird au� mindestens 18000 geschätzt. Einer solchen Teilnahme hatte sich das Maifeier-Komitee nicht versehen; so waren die zwei eigent lichen, wenn auch ziemlich großen Festlokale schon über füllt, ehe das Gros der Festteilnehmer eingetroffen war. Infolgedessen zeigten den Nachmittag über die Straßen der Stadt ein buntes Gewoge, und sämtliche Wirte, weit sie Abonnenten der„Arbeiter-Zeitung" sind, hatten ein volles Haus. Die eigentliche Feier fand statt in Form eines großen Volksfestes: Mehrere Arbeitergesangvereine brachten prächtige Lieder zum Vortrag, ebenso erfreuten Arbeiter-Turnvereine durch ihre Mit Wirkung die Festteilnehmer. Auf der Festwiese waren Kinder belustigungen arrangiert, anch fand eine Verlosung statt. Festreden wurden gehalten von den Genossen Reichsrags-Abgeordneten Bömelburg und Landesvertrauensmann König. Irgend' welche Zwischenfälle sind nicht bekannt geworden, die Polizei war im allgemeinen sehr zurückhaltend und ließ sich nur wenig blicken. Nur in Dortmund stellte sich ein Kommissar mitten auf die Straße zwischen die Demo» stranten, während er ein Polizei-Aufgebot hinter einer Mauer verborgen hielt. Dem Herrn wurde aber keine Gelegenheit gegeben, seine aus früheren Anlässen bekannt gewordene Schneidigkeit neuer- dingS zu beweisen. Im Wahlkreise Hamm-Soest fanden in den Städten Hamm und Soest Maifeiern statt, ferner in Messen, einem bedeutenden Ort mit Bergarbeiter-Bevölkerung. In letztgenantem Ort, in dem wir seit einiger Zeit eine bedeutende Parteibewegung konstatteren können. fand eine von über 1200 Personen besuchte Festversammlung statt. in welcher der Reichstagskandidat Genosse Becker- Dortmund die Festtede hielt. Köln a. Rh. Die Maifeier in Köln hatte in allen Teilen einen glänzenden Verlauf. Bei der Versammlung am Vormittag waren alle Räume des Gewerkschastshauses einschließlich des Gartens überfüllt. Zunächst stellte der Arbeiter-Turnverein ein lebendes Bild auf der Bühne des Saales, das eine Huldigung auf unfern toten Vorkämpfer Liebknecht darstellte. Die Rede über die Bedeutung des Tages hielt Arbeitersekretär Hofrichter. Er betonte die Kultur- Notwendigkeit der Forderungen des Proletariats: Achtstundentag und Weltfrieden und forderte auf zum entschiedensten Protest gegen das gegenwärtige liebedienerische Verhältnis Deutschlands zu Rußland, gegen die Russenschmach. Den beabsichtigten Demonsttattonszug durch die Stadt hatte die Polizei nicht genehmigt. So mußte mau sich mit einem Spaziergang begnügen. Trotzdem es bis zur angesetzten Zeit regnete, beteiligten sich an demZuge, der sich in l'/zstündigem Gangedurch die Stadt bewegte, an die 6000 Personen, die sich dann in den großen Etablissements in, Norden am Rhein vergnügten. Zu der llung am Abend hätte kaum ein dreimal so großes as Gewerkschaftshaus genügt. Viele Hunderte mußten umkehren. Die Festrede hielt Maurer Muth. Er betonte vor allem die Notwendigkeit der Verkürzung der heutigen, Gesundheit und -amilienleben zerstörenden langen Arbeitszeit. Alles in allem hatte ie Kölner Maifeier einen überaus eindrucksvollen Verlauf. Krefeld. Die Vormittags-Versammlung, welche im zrößten Saale Krefelds stattfand, war von über 1000 Personen be „cht. Nach einem Referate des Genossen Christian Lenz-Remscheid wurde eine der Bedeutung des Tages entsprechende Resolutton an- genommen. Stachmittags war ein Volksfest arrangiert, woran ca. 2000 Per önen teilnahmen. Herford. Unser Maifest gestaltete sich in diesem Jahre zu einem in Herford noch nie gesehenen. Der Ausflug hatte eine Beteiligung von über 200 Personen. Die Versammlung am Vormittag war bis auf den letzten Platz besetzt. Das Fest am Nachmittag, Konzert und Theater war auch sehr gut besucht. Die JMaifcicr im Huöland. Ans Wien wird uns vom 1. Mai telegraphiert: Der Sonntag hat der diesjährigen Maifeier einen kolossalen Umfang gegeben. Die Zahl der für heute anberaumten Versammlungen ist nicht zu zählen; in Niederöstreich allein 110. In Wien fanden 17 deutsche VolkS- und 33 Branchenversammlungen statt; nebstdem, der Hauptstadt des vielsprachigen Oestreich entsprechend,„och zehn czechische Versamm- langen und je eine polnische, ruthenische, slovenifche und ungarische Versammlung. Die Lokale waren überall ganz abnorm überftillt; es war, als ob die Arbeiter an diesem Tage, da sie nicht durch Arbeits- ruhe deinonstrieren konnten, das Bedürfnis gehabt hätten, ihre Treue zu diesem herrlichen Festtag anders zu bezeugenen. Nachmittags gab es in dem traditionellen Zusammenkunftsorte, in dem Prater, eine wahre Völkerwanderung. Die langgestteckte Praterstraße war schwarz von Menschen; es wird über eine Viertel- Million Wiener heute ihren Prater aufgesucht haben, worunter mindestens 80000 Socialdemokraten; die rote Nelke und daS Mai- zeichen gaben dem Prater das Gepräge. Das Hochrufen Menschen- aufgebot wickelte sich ohne Störung ab; im Gegensatz zu den Festen andrer Jahre sah man wenig Polizisten. Das Verkaufen und Singen von Arbeiterliedern begann schon in der Stadt; auch sah man viele Standarten mit Aufschriften; die Wiener Polizei nimmt endlich Raison an und behandelt die marschierenden Social- demokraten nicht anders wie andre Passanten.— Von der Provinz liegen bisher nur spärlich Berichte vor; doch dürfte ich wohl nirgends ein Zwischenfall ereignet haben. Wohlthuend be- rühren die Besttebungen, der Maifeier überall auch einen künstlerischen Charakter zu verleihen. Da wirken die Zeitungen mit, die in Fest- nummern ganz Beträchtliches bringen; aber auch sonst verleihen Konzerte. Theatervorstellungen und andre Darbietungen der Feier in der Provinz ein höheres Gepräge. Zürich, 2. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Mai- feier verlief bei prachtvollem Wetter in der ganzen Schweiz groß- artig. In Zürich waren 10 000 Menschen im Festzuge, 20000 auf dem Festplatze. In Winterthnr nahmen 1000 bis 1500, in Ölten 500 bis 800 Personen an der Feier teil. Amsterdam, 1. Mai. Die Maifeier nimmt in Holland bei echtem, herrlichem Maiwetter und ausgezeichneter Stimmung einen prächtigen, eindrucksvollen Verlauf. Ueberall volle Säle, an vielen Plätzen Aufzüge von Demonstrierenden für den Achtstundentag und allgemeines Wahlrecht. Zu Amsterdam setzte die Maifeier gestern, Sonnabendabend, mit einem prachtvoll arrangierten Ilmzug durch die Stadt ein, welcher vom Amsterdamer Vorständebund organisiert war und woran sich 5000 organisierte Arbeiter beteiligten. Bekannte Künstler hatten die 44 Transparente und Fahnen entworfen, welche mit den häufig tteffcnden Sinnsprüchen den Eindruck auf die zu Tausenden zählenden Zuschauer, die längs des ganzen Weges die Straßen füllten, erhöhten. Nicht die mindeste Unordnung herrschte. Heute, am 1. Maitag, sind 1 Uhr nachmittags der große Saal und Garten des Palais vom VolkSvlyt mit Tausenden gefüllt. Wiederum ausgezeichnete Stimmung. Die Festrede hält van Kol, Gesangs- und Musiknummern tragen das ihre zur Festfteude bei.— Heute abend im selben Saale wiederum Konzert, wobei T r o e Ist r a als Festtedner austritt und der Garten festlich erleuchtet ist.— Der ganze Verlauf der Maifeier zeigt wiederum, daß der„Sieg" unsrer „christlichen" Regierung vor einem Jahre nur ein scheinbarer war. Auch die„Freien Socialisten" und Anarchisten feiern den Maitag unter dem Sinnspruch:.Generalstreik" in drei kleineren Sälen Amsterdams. Rom, 2. Mai. Die Maifeier wurde überall festlich begangen. In allen größeren Orten Italiens ruhte der Tramwahverkehr. der Zeitungsdruck und die Brotfabrikatton. In Turin und Florenz waren die Straßenumzüge verboten. Große Straßendemonstrationen fanden statt in Genua, Mantua, Bologne, Terni und einigen fünfzig an andren Orten. In Mailand und Turin wurden die Maiversamm- lungen aufgelöst. In Ciosta Castcllana versuchte die Polizei den Demonstranten die rote Fahne zu entteißen. Es kam dabei zu einem Bajonnettangriff, bei dem drei Landarbeiter Vettvundet wurden. London, 2. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Mai- feier in London nahm, durch prachtvolles Wetter begünfttgt, einen glänzenden Verlauf. Zehntausend Socialisten und Gewerkschaftler zogen mit Musik und Fahnen nach dem Hyde-Park, wo von sieben Tribünen herab Redner zu den versammelten großen Menschenmassen sprachen. Eine Resolutton, die die Socialisierung der Produktions- mittel, den Achtsttmdentag und den Ausbau der englischen Demokratie forderte, fand jubelnde Zustimmung. B Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber, guter, unvergeßlicher Mann HemrieK Dittelbaeli infolge eines Unfalles plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. Mai, nachm. 5'/, Uhr, von der Halle des Schöne- berger Friedhofes, Maxftraße, aus statt. Die trauernde Witwe 10316 Marie Dfttelbach. SociaMeniükratiscIier Wablverein tllr Schöneberg. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Zimmerer Heinridi Dittelbaeli infolge eines Unfalles plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. Mai, nachmittags 51/, Uhr, von der Leichenhalle des! Schöneberger Friedhofes(Max- 1 sttatze) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht I 15/13 Der Vorstand. I Zentral-Verband d. Zimmerer Deutschlands Zahlstelle Berlin«. Umgegend Am Donnerstag, den 28. April, verstarb nach wenigen Stunden infolge Absturzes unser ttcueS Mitglied Helnrleii Dittelbaeli. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. Mai, nachmittags 5'/, Uhr, von der Halle des Schönebcracr Kirchhofes, Max- straße aus statt. Ilm rege Beteiligung bittet >Tode«..4.n»«Ix«. Allen Freunden und Genossen die traurige Mitteilung, daß unser lieber Sohn und Bruder Otto Wonner nach langjährigen Leiden im 23. Lebensjahre verstorben ist. Die Beerdigung findet Mitt- woch, den 4. Mai, mittags 1 Uhr, I von der Leichenhalle des Centtal- Fricdhoscs in Frledttchsjelde aus| Die trauernden Eltern und Geschwister Wörner. . Freitagabend 9>/, Uhr enttchlies nach langjährigem, mit unendlicher Geduld erttagcnen schweren Leiden mem lieber, unvergeßlicher Mann, unser guter, tteusorgender Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Tischler Vllbelm Koppe im säst vollendeten 49. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten im ttessten Schmerz 1025b louiee Koppe nebst Kindern. Die Beerdigung findet Dienstag- Nachmittag ö1/. Uhr von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes, Herrmannstraßc, aus fiatt. 254/14 Der Borstand. £. II. Wo. 80. Unser Mitglied Herr 0. Güntiiermann ist am Freitag gestorben. Ehre seinem Rndenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. Mai, nach. mittags 4 Uhr. vom Kranken- haus am Urban aus nach dem Thomas-Kirchhos jn Rixdors statt. Um rege Beteiligung ersucht 198/13 vor Vorstand. Tüchtige Maurer und Zimmerpoliere können von mir vorteilhast Baustellen allen Stadtgegendcn erwerben. Gebe Baugeld. Offerten sud H. O an die Exped. d. Bl. 10lkb Glucken, Hühner, festsitzend, kaufe oder tausch- >cgeu gutlegcnde Hühner zc. ein. Gc- lügelzuchl 80., Mariannenstt. 34. 1/13 Dentaeber Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Rixdorf.) Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege Williölm Koppe nach langen Leiden am 30. April verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. Mai, nachmittags o'/j Uhr von der Leichenhalle des neuen Jakobi-KirchhofeS aus statt. Um zahlreiche Bclciligung ersucht 83/9 Die Ortsverwaitung. Danksagung. Hiermit allen Verwandten.�, runden und Bekannten sowie dem Gesang- verein„Südost II" für die zahlreiche Teilnahme und reichen Kranzspenden bei dem Begräbnis meiner lieben Frau und guten Mutter unfern herz. lichsten Dank. 50926 cm»t FISter nebst Kindern. Danksagung. Allen Freunden und Äekannicn für die rege Teilnahme bei der Bccrdi- gung meines lieben Mannes, des Zu- schneiderS«natav Junpmann, inSbetondere den Herren Gutmann & Meyer, den Kollegen von Gut- mann u. Meyer, Jacobsohn und den Genossen vom 5. Berliner Wahtlrcis meinen besten Dank. lOOßb Die tiefbetrübte Witwe. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManncS und Vaters, dcS Monteurs Ilorniann Moflniann sage allen, insbesondere dem social- dcmottatischen Wahlvcrein sowie den Kollegen der Elcktricitätswcrke Süd- West, Altiengesellschast, meinen ver- bindlichsten Dank. 1008b Die trauernde Witwe nebst Tochter. GesaiullieitsstiUte£rcleiigiiiek 6« Franendorf(B-M L-ipzig). Paradiesisches Erholungsheim für naturgemäße Lebensweise. Licht- lufthäuschen am Walde. Barfußgehen auf weichen Nascnwcgcn, Lust-. Sonnen-, Fluß-, Regen-, Wannen- und Schwitzbäder. Schöne reine und staubfreie Waldlust. Große Sonnenbadeanlagc»(Herren- und Damen- Abteilungen) am Flusse, Wiesen und Walde, verbunden mit Kegelbahn, Turngeraten usw. Aus unserm landwirlschastlichen und gärtnerischen Betrieb die beste Gelegenheit zur gesunden körperlichen Ausarbeitung und zum Reiten und Fahren. Ausenthallsprci« wkl. voller Pension von 21 M. wöchentlich an. Man verlange Prospekte unsrer GesundheitSstätte und Verlagsschttsten, die Land- siedclung und alle menschlichen Leiden und Krankheilsartcn betteffend, frei und gratis. Odstkan-liolonI« Erdcnirlttck 1/10" bei Post- und Bahnstation Franendorf(Bezirk Leipzig). Für den Haushalt. Citronensaft garantiert aus frischen Frfichten, zur Kur und litt den Haushalt, Ltr. 75 Ffg.,>/, Ltr. Hk. 1,36,>/, Ltr. Mk. 2,50. Suppen- u. Speisewürze Mk. 1,—,'/, Ltr. Mk. 4,50, titt Suppen, Saucen, Gemils., Fleichs- speisen etc. und zur schnellen Bereitung einer(einen Bouillon. PCCifl.PcCDIIT zur sofortigen Herstellung eines haltbaren Eiooiy CiOdCUX u. gut. Speise- u.Einmaohe-Easig. FlascheSO Pf. für 12'/, Ltr., Fl. Mk. 1,— für 25 Ltr.,'/, Ltr. Mk. 1,75 für 50 Ltr. Essig reichend. Berlin u. Rixdorf frei ins Haus. Preise inkl. Flasche. Hans Reges, Rixdorf-Berlin, Schinkestr. 2. fffrantto. Redakteur: Paul' vifttnrr, Berlin. Für d«, Inseratenteil verantw.. Th. Glocke, Berlm. Druck«.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Kaul Nutzer&(Ee.,©tdin SW.' Nr. 103. 21. Jahrgang. 2. KtilUt te Jornäris" Intel IoIWIüH Wml-g. Z. Mai mi. Das Unwetter am Sonntag. Der erste Mai hat in diesem Jahre Berlin und seine Vororte mit einer Ueberschwemmung überrascht, die an die am 14. April 1602 heranreicht. Wenn das gestrige Unwetter nicht ganz so verheerend wirkte, so liegt dies in der Hauptsache daran, daß inzwischen die Notauslässe erweitert, und zwei neue in der Jnvalidenstratze und Kaiser Wilhelmstraße für die nördliche Hochstadt gebaut worden sind — Wertcutsende, die von dem Unwetter überrascht wurden, haben ihre neue Sommergarderobe eingebüßt, nur die wenigsten hatten sich mit Schirmen ausgerüstet. Dieter Schaden ist aber nicht so groß als der, welcher durch die Ueberschwemmung und durch den starken Hagelschlag entstanden ist. Die Verwüstungen an den Fluren sind heute noch gar nicht zu übersehen. Der Regen goß mit solcher Gewalt, daß in kurzer Zeit alle Straßen überschwemmt waren. In unzähligen Kellern, die nicht geschützt werden konnten, stand das Wasser bald in einer Höhe, daß den Hausbewohnern angst und bange dabei wurde. Viele mußten es erleben, daß es in ihrer Abwesenheit in die Fenster hineingeregnet hatte. An verschiedenen Stellen stockte der Verkehr vollständig, besonders da, wo das Wasser nicht gleich abfließen konnte, wie z. B. in der Norkstraße. Die K a tz b a ch straße glich um 10 Uhr einem reißenden Strome. Die Feuer- wehr wurde während kurzer Zeit etwa fünfzigmal alarmiert. Die Alarme folgten ans allen Siadtvierteln in so schneller Reihenfolge, daß die Apparate in ununterbrochener Be wegung waren. Da es unmöglich war, in allen Fällen Hilfe zu leisten, wurde nur in ganz dringenden Fällen das Wasser entfernt, u. a. aus dem Restaurant Hohenzollern in der Köpnickerstraße 3, wo es wüst aussah. Die einzelnen Löschzüge fuhren von einem Feuer meider gleich zu mehreren Unfallstellen, machten dann Kehrt und fuhren zum nächsten Feuermelder oder zur Wache, um sofort eine neue Rundfahrt bei dem strömenden Regen zu machen. Ueberau das selbe Bild, Kellerüberschwemmungen und Jammer über den Schaden. U. a. erfolgten Alarme nach dem Central-Theater in der Jakobstraße, nach dem Königs-Cafö in der Münzstr. 14. Durch Unterspülung des Bahndammes in der G e n e r a l Papestraße ist der Bürgersteig sowie die Hälfte des Fahrdamms dieses Straßenzuges hinter der Kolonnenbrücke gänzlich fortgerissen. Die Sandmassen wurden auf den Bahnkörper der Anhalter Bahn ge schwenmlt, dessen Schienen meterhoch mit den Erdmassen bedeckt wurden. Die Straßenbahngeleise in der General Papestraße schwebten frei in der Luft und ist der Verkehr hier für mehrere Tage gesperrt. Die sämtlichen in Frage kommenden Linien müssen ent- sprechend verkürzt werden. Die Linie HI der Südlichen Vorortbahn ist bis zur Wiederherstellung des Fahrdammes gänzlich eingezogen, dafür wird die Linie 41 vorläufig bis zur Eichhornstraße geleitet.— Der Verkehr in der Unterleitungsstrecke zwischen Potsdamer platz und Königsplatz mußte wiederholt unterbrochen werden, weil die Kanalleiwiig bis zur Schienenhöhe unter Wasser stand und der Strom infolge dessen abgeleitet wurde.— Auch nicht ein Stadtviertel ist verschont geblieben. Um 6 Uhr SO Minuten wurde die Feuerwehr nach Trift straße 10 gerufen, wo durch Blitzschlag auf dem Grundstück des Fuhrunternehmers C. H a u ck ein etwa 00 Meter langer und IS Meter breiter ein- stöckiger Schuppen mit großen Vorräten an Hen und Stroh in ganzer Ausdehnung in F l a in m e n st a n d. In dem Schuppen waren etwa 00 Pferde), die sHauck als Bespannung für die städtischen Sprengwagen benutzt, untergebracht. Es gelang, die Tiere in Sicherheit zu bringen. Um die Flammen zn löschen, die immer von neuem emporloderten, war der 10. Zug bis gestern mittag an der Brandstelle thätig. Es war nicht möglich gewesen, den Schuppen zu retten, doch gelang es, die übrigen Gebäude und die angrenzenden großen Lagerräume für Petroleum zu schützen und das Feuer auf den alten Schuppen zu beschränken. Die Vorräte sind total vernichtet sowie Ackergeräte stark beschädigt. Bei dem Brande find 7 städtische Sprengwagen verbrannt. Die Wagen Ivaren mit 6425 M. bei der Aachen-Münchener Fenerverficherungs Gesellschaft versichert. Da sie notwendig gebraucht werden, mutzten unverzüglich Ersatzwagen beschafft werden.— In der S a m a r i t e r- st r a ß e 20 stand nachmittags der Dachstuhl des Hauses in großer Aus- dehnung in Flammen. Um diese zu löschen, mußte längere Zeit mit mehreren Schlauchleitungen Wasser gegeben werden.— In den Vororten sind die Feuerwehren ebenfalls in vielen Fällen in Anspruch genommen worden. Der Verkehr war an vielen Orten vollständig unterbunden, Maifeiernden war es in zahlreichen Fällen nicht möglich, nach den Bahnhöfen zu gelangen. Gestern früh mit den ersten Zügen kamen sie erst, ordentlich durchnäßt, zurück. An einigen Stellen hatte das Wasser die Wege unpassierbar gemacht. Die Spree führt heute soviel Wasser, daß die Schleusen ge- öffnet werden mußten. Eine Menge toter Fische schwimmen an der Oberfläche der schmutzig gelben Fluten.— In zahlreichen Fällen schlugen Blitzstrahlen in C h ar l o t t e n b u r g, Schöneberg, Lankwitz und Berlin in die Sekttonskästen, so daß der Verkehr vorübergehend, bis die Zuschaltung wieder erfolgte, unterbrochen war.— Im Grunewald traf ein Blitzstrahl einen Straßenbahnmast, die Krone desselben wurde geschmolzen, der Mast selbst halb um- gelegt, so daß er umzustürzen drohte. Der Verkehr mußte hier unterbrochen werden.— Infolge Hochwassers war der Straßenbahn- Verkehr in Schöneberg und Charlottenburg für längere Zeit teilweise gestört. Gewitters ch'ä den aus den Vororten iverden in ganz gewalttgem Umfange genieldet. In Boxhagen, Karlshorst und Rummelsburg standen die meisten Straßenzüge unter Wasser, welches in die Kellerräume drang und das Einschreiten der freiwilligen Feuerwehr notwendig machte. In der Ortschaft NummelSburg schlug der Blitz dreimal ein, jedoch glücklicher« weise ohne zu zünden. In Schöneberg war die Wassergefahr eine außerordentlich große. Das ganze Häuser-Geviert zwischen Koburger-, Max-, Tempelhofer-, Mühlen- und Eiscnacherstraße war vollständig von jeglichem Verkehr stundenlang� abgeschnitten. Die sämtlichen Kellerräume wurden überflutet, und in den Straßen stand das Wasser bis zu 00 Centimcter hoch. Die Schöncberger Feuerwehr bemühte sich unter Aufgebot fast ihrer gesamten Mannschaft lange Zeit vergeblich, die Wassermassen abzuleiten. Die Spritzen waren ununterbrochen bis heute mittag thättg. In Groß-Lichter- f e I d e wurde durch einen Blitzschlag ein Gerätschaftsschuppen teil- weise demoliert, jedoch zündete der elektrische Funke nicht. � Auch die Ortschaften Halensce, Schmargendorf und Friedenau waren teilweise unter Wasser gesetzt. Von der Kgl. Eijenbahndirektion Berlin wird halbamtlich gemeldet: Die in der Nacht und am Vormittag im Stadt-, Ring- bahn- und Vorort-Verkehr eingetretenen erheblichen Störungen sind hauptsächlich durch das Unwetter hervorgerufen und im Laufe des TageS bereits wieder beseitigt worden. Bahnhof Grunewald wurde am Abend durch den wolkcnbruchartigen Regen so überschwemmt, daß die im Sonntagsverkehr zahl- reich dort wendenden Züge nicht ein- nnd ausfahren konnten. Auch auf vielen anderen Stationen wurde die pünkt- liche Ausführung des Betriebes durch das Unwetter unmöglich. Die Fernsprech- und elektrischen Blockeinrichtungen waren infolge des Gewitters an vielen Stellen gestört. lokales. Friedenau. Erster Mai. Fünfzehn, zwanzig Personen dicht gedrängt in einem Ringbahncoupö: alle Straßenbahnwagen üb''iillt und vor dem Festplatz selber schon in der zweiten Nachmitlagsswnde ein lebensgefährliches Gedränge, das von Viertelst, inde zu Viertelstunde beängstigender wird und von den zahlreichen Sicherheitsbeamten kaum in Schranken gehalten werden kann. Aber auch die Nachbav schast rings umher bereitet sich auf das Ereignis vor; alle Fenster der großen Mietskasernen in der Runde sind besetzt und oben auf den Dächern stehen zu Hunderten Männer und Frauen mit Opern gläsern, unbekümmert um die Gefahren des lufttgen AussichtS- Platzes. Bis in die achte Abendstunde harren die Zehn tausende aus und selbst das Gewitter, daS sich dann drohend zusammenzieht, vermag sie nicht vom Platze zu ver- scheuchen. Auch wer unbekümmert um das GeWoge still beim Sonntagsnachmittags-Kaffce in seinem Heim sitzt, wird wider Willen aus der beschaulichen Ruhe herausgerissen, denn alle Augenblicke erzittert die Luft von den brausenden Hurrarufen der fieberhaft erregten Menge. Die Menschheit hat in der Geschichte ihrer Thorheiten heiße Erörterungen erlebt über die Frage, wieviel Engel auf eine Nadelspitze gehen, sie hat, wie zu ihrem Ruhm gesagt werden muß, auch für ernste Lebensideale sich zu begistern gewußt, und der erste Mai auch dieses Jahres giebt wieder Zeugnis davon, daß die Sehnsucht nach einem menschenwürdigen Dasein das Proletariat der ganzen Kulturwelt zu einem heißerstrebten Ziele vereinigt. Aber ob wohl irgendwo auf der Welt um dies Ziel so geräuschvoll gestritten und debattiert wurde, wie draußen im Friedcnauer Sportpark um die große Frage, wer wohl im Dauerrennen um das große und kleine goldene Rad Sieger sein werde? Wer mit seinem Dichten und Trachten im Proletariat steht und nun verurteilt ist, einige Stunden des Nachmittags im Jnnenraum des Sportparks zu zubringen, der faßt sich an den Kopf und ftagt erschreckt, wo bei einem beträchtlichen Theile des Volkes denn das Interesse für die hohen Menschheitsftagen geblieben ist. Man komme nicht mit dem Einwand, daß nur das Bürgertum dem Sport mit fanatischer Begeisterung huldige. Dort tragen Samariter einen Mann vom wohlfeilsten Platz herbei. Er ist in dem gräßlichen Gedränge ohnmächtig geworden, sein Sonntagsstaat, seine ganze Erscheinung läßt vermuten, daß wir eS etwa mit einem Metallarbeiter zu thun haben. Und gerade hier, auf dem zweiten Platz zittert und fiebert es im stärksten Ungestüm. Auf dem Sattel platz und den Tribünen behauptet der Cylinder und die elegante Damen garderobe natürlich den Vorrang, im Jnnenraum aber, dernnr gegen Er lcgung von zehn Mark Eintrittsgeld zugänglich ist, tauchen geradezu abenteuerliche Erscheinungen auf. Damen im raffiniert erklügelten Frühlingskostüm und trotz der Hitze mit ellenlangen Pelzboas be hangen, etliche Herren aber in Ueberziehern von ganz undesinier barer bunter Farbe, die nach unten hin wie Reifröcke schräg ab' fallen und ihren Trägern das Ansehen wandelnder Zuckerhüte geben. Und sie alle, die hier versammelt sind, vom hochgeborenen Grafen bis zum ordinären Proletarier, bringen ihrer Sache Opfer. Auch auf den besseren Plätzen niangelt es an Bequemlichkeit, kaum daß man vor Sonnenschein und Regenschauern geschützt ist; im Jnnenraum aber sind selbst die elegantesten Dämchen gezwungen, den scheußlichen Dust der Benzinmotore vier Stunden hiir durch stehend einzuattnen. Und hier kommt man auch zu der Erkennwis, daß der Jammer über die Nervenschwäche unsreS Zeitalters nichts als müsfiges Gerede ist. Diese Eleganz, der es zu Hause beim Anblick eines Blutstropfens gewiß schwindlich wird, der das Knarren einer Flügelthür arg auf die Nerven fällt, sie hört hier vier geschlagene Stunden nichts andres als das an den Lärm einer Feldschlacht erinnernde Geknatter der Motore, das sich nicht eimnal von dem Hurra aus zehntausend Kehlen, geschloeige denn von dem Lärm der dann und wann einsetzenden Militärinusik übertönen läßt. Von dem schauerlichen Anblick der mit Schnellzugs- geschwindigkeit hinter den Schrittmachern einherrasendcn„Steher" gar nicht zu reden. Um aber diejenigen unsrer Leser, die selber mit Begeisterung dem Rennsport ergeben sind, nicht länger durch fruchtloses Klagen auf die Folter zu spannen, teilen wir mit, daß in dem eine Stunde langen Dauerrennen um das Kleine goldene Rad Bruno Demke siegte, in dem Hundertkilometer-Rennen um das Große goldene Rad hingegen Thaddäus R o b l, der Unerreichte. Nach errungenem Siege machten die beiden Helden des Tages ihre Ehrenrunde, wobei sich zeigte, daß der feierlich gemessene Schritt niajeftätischen Selbstbewußt- 'eins auch auf dem Atade gut nachzuahmen ist. SttmmungSvoll intonierte die Militärkapelle hierbei das sonst dem Monarchen reservierte„Heil Dir im Sicgcrkranz", stimmungsvoll wand sich auch der metergroße Lorbeerkranz um die Schulter der beiden Helden, die dem Tücherschwenken der Damen, den ehrfurchtsvoll entblößten Häuptern der hurrarufenden Männer gern ein gnädiges Lächeln zollten. Auch wir lächelten ob des Mainachmittags im Sportpark Friedenau. Die Nichtanerkennung der MagistratZ-HilfSarbeiter kostet der Stadtgcmeinde viel Geld. Einer der ersten Bureauhilfsarbeiter, die auf Anerkennung der Beamten-Eigenschaft gegen den Magistrat klagten und ein obsiegendes Erkenntnis erstritten, war der seiner Zeit vielgenannte Bureaudiätar Korth. Ihm mußten auf Grund des Rcichsgerichts-Erkenntnisses vom 31. März 1868 zusammen 8423 Ma r k G eh a lt n a ch g ez ah lt werden! K. erhob später nochmals Klage wegen rückständiger Diäten für ca. VU Jahre und orderte zugleich denjenigen Geldbetrag, welchen er erhalten haben würde, wenn er im Dienst hätte verbleiben können und in den fest- gesetzten Zeittäumen in höhere Gehaltsklassen aufgestiegen wäre. Auch in diesem Prozesse erklärte das Reichsgericht den Klage- anfpruch in der Hauptsache für begründet und so mußten dem Kläger weitere 3198 Mark von der Stadtgemeinde ausgezahlt werden. Die Stadtverordneten-Versammlung hat in ihrer letzten geheimen Sitzung genehmigt, daß dieser aus dem Borschußconto gezahlte Betrag erstattet werde. Der Spreetunnel zwischen Stralau und Treptow reicht bei leb- haften, Verkehr nicht mehr aus. Er ist bekanntlich nur ein- g e l e i s i g gebaut, so daß nur imnrer ein elektrischer Straßenbahnzug hinüber oder herüber geleitet werde» kann. Die Gesellschaft ür elektrische Untergrundbahnen hat sich daher an das Polizei- Präsidium mit dem Ersuchen gewandt, zu gestatten, daß aushilfsweise zum Transport ihrer Fahrgäste von Stralau nach Treptow und zurück auch Motorboote in Betrieb eingestellt werden dürfen. Im Verkehrsinteresse dürfte dies wohl gestattet werden: das Publikum wird davon aber nicht sonderlich erbaut sein, denn es fährt sich ja so gemütlich auf der Straßenbahn— iin Sprcetunnel. Gebildete Büchcrdiebe. In Nr. 101 berichteten wir über Bücher- diebstähle, deren sich Studierende in einer öffentlichen Bibliothek zu Jena schuldig gemacht hätten. Auch aus der hiesigen königlichen Universitätsbibliothek in der Dorotheenstraße wird uns gemeldet, daß dort wiederholt in letzter Zeit Bücher gestohlen worden sind. An der Thür des großen Lesesaales prangt ein Plakat des Direktors, das die vermißten Bücher aufzählt. Die kgl. Universitäts- bibliothek in der Dorotheenstraße wird ausschließlich von Gebildeten aufgesucht. Einen Revolveranschlag auf seine Frau nnd seinen Schwager niachte Sonntagabend der 43 Jahre alte Arbeitsinvalide Wilhelm Kleiber aus der Graunstr. 10 in dein Hause Rügenerstr. 25. Kleiber erhält monatlich 13,25 M. Invalidenrente Obwohl er körperlich imstande wäre, noch etwas zu verdienen, arbeitet er nicht, überläßt die Sorge für den Haushalt seiner Frau und trinkt. In der vorigen Woche machte sein Schwager, Arbeiter Schreiber, ihm deshalb Vor« würfe. Darauf verbot Kl. seiner Frau, den Schreiber zu besuchen. Diesem Verbot zuwider ging Frau Kleiber Sonntagabend zn Schreiber, als ihr Mann die Wohnung verlassen hatte. Als Kleiber zurückkehrte, nahm er seinen mit Schrot geladenen Revolver und lief nach der Rügenerstraße, wo er seine Frau beim Schwager ver« mutete. Auf sein Klopfen öffnete ihm Schreiber. Sofort rief Kleiber, den Revolver erhebend:„Ist meine Frau hier? Wenn sie hier ist, schieß ich Euch alle beide tot!" Frau Kleiber eilte aus der Hinter« stube herbei und wollte ihm die Waffe aus der Hand schlagen. Da drückte er zweimal ab. Der erste Schuß traf den Schreiber in die rechte Wange, der zweite die Frau in die linke Brust. Während die Getroffenen um Hilfe riefen, lief Kleiber davon. Ein Schutzmann brachte die Verwundeten nach der Retdmgswache, ein andrer nahm den Thäter in seiner Wohnung fest. Zu dem Revolveranschlag in der Rügenerstraße wird noch mit« geteilt, daß der Verhastete Kleiber seine Frau und seinen Schwager nicht mit Schrot, sondern, wie die neueren Ermittelungen fest- stellten, mit Schuhsohlenstiften angeschossen hat. Er benutzte eine alte Doppelpistole, deren Läufe er mit diesen Sttften vollgestopft hatte. Erschossen hat sich am Montagvormittag am Spandauer Wege in Reinickendorf-West der 40 Jahre alte invalide Arbeiter Heew, nachdem er kurz zuvor im Lokale von Wilhelm Reichert in der Müllerstratze eine kleine Weiße getrunken und dem Wirte gegenüber die Absicht, sich das Leben zu nehmen, kundgegeben hatte. Der Wirt legte aber der Aeußerung des ihm bekannten Manne? keine Bedeutung bei. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben Nahrungssorgen dem Lebens- müden die Waffe in die Hand gedrückt. Unthat ans Not. Der Arbeiter Paul Sonntag aus Breslau. ein Mann von ungefähr 30 Jahren, der sich hier ohne Wohnung aufhielt, schlug am Sonntagabend um 6'/« Uhr an dem Juwelen- laden von Gustav Schober in der Oranienstr. 155 mit einer Bier- flasche eine Schaufensterscheibe im Werte von einigen hundert Mark ein, blieb dann ruhig stehen und ließ sich festnehmen. Er erklärte, daß er seine Verhaftung gesucht habe, weil er kein Obdach und nichts zu esien habe. Eine harte Strafe wird den Obdachlosen darüber belehren, daß man in der heutigen Gesellschaft still und ohne zu mucksen Hungers zu sterben hat. Am Schauhause erschossen hat sich gestern, Montagnachmittag gegen 3 Uhr, der Gastwirt Franz Fichtel aus Rixdorf. Fichtel bewirb seit drei Jahren in der Kaiser Friedrichstr. 10, an der Ecke der Pannierstratze, eine feine Gastwirtschaft„Zur Weltkugel", die auf den Namen seiner Frau ging. Seit einem Jahre war er magen« leidend. Ende vorigen Jahres mußte er sich einer schweren Operation unterziehen und längere Zeit in einer Klinik liegen. Seit Weihnachten war er wieder zu Hause, sein Leiden aber war noch nicht geheilt. Gestern nachmittag fuhr er, von einem Bekannten begleitet, mit einer Droschke erster Klasse spazieren. Auf der längeren Fahrt kam man auch durch die Hannoverschestraße. Als der Wagen das Schau- Haus erreicht hatte, ließ Fichtel halten und stieg aus, indem er zu seinem Begleiter sagte:„Einen Augenblick I Ich komme gleich wieder!" Kaum hatte er den Vorgarten des Hauses betreten, da zog er einen Revolver aus der Taiche und tötete sich durch einen Schuß in den Kopf. Der Tod trat sofort ein. Angestellte des Schauhauscs brachten den Verstorbenen in die Leichenkammer. Es wird angenommen, daß Fichtel lediglich durch seine Krankheit ver- anlaßt wurde, Hand an sich zu legen. Sein Selbstmord ist der zweite dieser Art. Den Anfang machte vor etwa einem halben ' ahre ein Schriftsetzer, der nach einem Spaziergange durch den iergarten das SchauhauS aufsuchte, um sich zu erschießen, weil er der Polizei mit der Wegschaffung seiner Leiche nicht viel Mühe machen wollte. Zeuge gesucht. Der Arbeiter, der am Nachmittag des 11. März, einem Sonntag, zwischen 3 und 4 Uhr, der Zwisttgkeit beigewohnt hat. die ein Fahrgast mit einem Fahrkartenverkäufer am Bahnhof Gesundbrunnen hatte, wird gebeten, sich gegen Erstattung der Unkosten bei Sttehler, Brunnensw. 08, zu melden. Schadenfeuer. Gestern(Montag) entstand ein gefährlicher Brand in der Krausenstraße 01 im Erdgeschoß des linken Seitenflügels bei Schröder und Westphal. Dort brannte bei Ankmfft der Feuerwehr der Inhalt einer Tapezierwerkstatt, eines Lagerraumes, einer Bau- flaserei, Stoffe, Stroh, Bretter, die Decke, Regale, Thüren und senster-c. Brandnuister Leybold ließ sofort mit einer GaSspritze räfttg Wasser geben, und es gelang, die Flammen auf das Erd« geschoß zu beschränken. Bei der Maifeier in der„Neuen Welt". Hascnheide, sind gefunden worden ein Herren-Regenschirm mit Holz-(Kongo«) Griff, jedenfalls einem der Genossen gehörig, welche früh bei der Dekoration behilflich wa�n. Ferner wurde gefunden ein Porte- monnaie ohne Geld, enthaltend ein Blocbtllet für die«Neue Welt" und ein LoS. Verloren wurde ein Portemonnaie mit 0,05 M. Inhalt ferner ein schwarz-feidener Herren-Regenschirm mit rotbraunem Griff. Die Gegenstände köimen bei Hoch, Admiralsw. 7, IV, abgeholt resp. abgeliefert werden. Der Holländer van den Bcrgh besiegt den Franzosen de ka Calmette. Im Cirkus Busch drängt die Fülle großer Thaten zur Entscheidung. Durch einen technisch famos durchgeführten Aufbau der seit dem 17. März währenden Ringkämpfe ist die Spannung des Publikums von Tag zu Tag gesteigert worden: und auch gestern, wo zwischen dem Holländer Dirk van de» B e r g h und dem Franzosen Aimable de la Calmette der Eutscheidungs« kämpf anstand, waren alle Plätze des weiten Raumes be« setzt. Lange 20 Minuten dauerte diesmal das Ringen, bis der Holländer über seinen ihm durchaus ebenbürtigen Gegner den Sieg davontrug. Heute, Dienstag, wo zugleich die AbschiedS-Borstellung des Cirkus stattfindet, soll der mit Spannung erwartete Entscheidungskampf zwischen den beiden Deutschen Jacob Koch und Heinrich E b e r l e erfolgen. Damit chließt für den Cirkus Busch eine Saison, die an Erfolgen so reich war, wie wohl keine der vorhergegangenen. Radrennen zu Friedenau. DaS Kleine Goldene Rad von Friedenau. Dauerrennen über eine Stunde mit Motor-Schritt« machern. Dem Sieger das Kleine goldene Rad von Friedenau(eine goldene Medaille im Werte von 300 M.) und 500 M. bar, ferner ?em Zweiten 300, dem Dritten 200 M.. dem Vierten 150 M.. dem Fünften 100 M. 1. Bruno Demke, 70 Kilometer 240 Meter; 2. Karl Käser, 07 Kilometer, 400 Meter; 3. H. Pozyrembel, 00 Kilometer 830 Meter; 4. Heiny, 03 Kilometer 40 Meter: R. Buisfon aufgegeben. Demke führt und hat nach 10 Kilometern schon alle andern über- rundet; mn besten hält sich Käser. Nach 20 Kilometern hat Demke Kettenbruch und muß das Rad wechseln, wodurch er einige Runden verliert, so daß Käser die Spitze nehmen kann. Mit großer Bravour holt Demke wieder auf und ist beim 00. Kilometer wieder Erster, bis zum Schluß gegen Käser fast zwei Runden gewinnend.— Das Große Goldene Rad von Friedenau. Rennen über 100 Kilo- meter mit Motor-Schrittmachern. Dem Sieger das Große Goldene Rad, Medaille im Werte von 600 M. und 2000 M. bar, dem Zweiten 1200 M., dem Dritten 800 M., dem Vierten 500 M., dem Fünften 300 M. 1. Th. Robl in 1 Std. 25 Min. 47% Sek.; 2. P. Dickentmann 1 Std. 29 Min. 54 Sek.; 3. Br. Salzmann, 3 Runden; 4. Fr. Ryser noch 6 Runden; R. Walthour aufgegeben. Walthour führt, dann Dickentmann. Robl, Salzmann, Ryser. Der Amerikaner ver- liert bald den Anschluß; Dickenttnann wird dadurch Erster; Robl dicht dahinter. Harter Kampf zwischen beiden, der durch 15 Kilo« nieter geht, wo Robl endlich die Spitze nimmt, die er nicht wieder abgichtz Im Apollo-Thcater tritt jetzt ein Artist auf, der mit Recht den ..• cford in der Tierdressur für sich in Anspruch nehmen kann. Bevor die Ringkämpfer ihren Mann standen, war es wesentlich das Raubtier- voll, welches das Publikum an den Cirkus fesselte, und vom arktischen Eisbären bis zum nubischen Löwen fehlte fast keine wilde Bestie im Kranz der gemütvoll brüllenden Künstler. Aber auf den Gedanken, leibhaftige Klapperstörche zu dressieren, kam erst Clown Joso, der sich jetzt mit feiner Gesellschaft im Apollo-Theater zeigt. Alle Achtung vor dem Talent dieser Vögel und der Geduld ihres Herrn, unter dessen kundiger Leitung es übrigens auch die als dumm verschriene Gans zu sehr respektablen Leistungen bringt. Vortreffliche Akrobaten find die beiden Hilgert, die Kopf auf Kopf die waghalsigsten Posituren einnehmen. Als Humorist tritt Herr Max Hildebraud auf. als Drahtseilkünstlerin entwickelt Fräulein Theresita eine Fertigkeit, welche die alte Kunst wieder beachtenswert macht. Erwähnt sei ferner noch das vortreffliche Boston-Bnll-Tanz-Ensemble.— Die Aus- stattun�soperette„Liebesgötter" ist jetzt anders besetzt worden, indem Fräulein Gusti Mack die Rolle der Peppi übernommen hat. Herr Kettner wartet mit einem neuen amüsanten Couplet auf„AlleS übrige wird sich finden". Die Musik ist von dem Komponisten Kapeller, der Text von Georg Barsch. Theater. Im Bürgerlichen Schauspielbaus sOstend-Theater i ist die dramasische Bearbeitung von Zolas„Totschläger" am Sonnabend in sehr realistischer Darstellung gegeben und vom Publikum mit vielem Beifall aufgenommen worden.— Das Lustspiel „Die Tyrannei der Thränen" von C. Haddon Chambers, deutsch von Bertha Pogson, das von der Direktion des Schiller- Theaters zur Erstaufführung in Berlin erworben wurde, geht nächsten Freitag, den 6. d.M., zum erstenmal im Schiller-Theattr 0 sWalluer-Theater) in Scene und wird Sonnabend und Sonntagabend wiederholt.—„Kamerad Lehmann" heißt die Ausstattungs- posse mit Gesang und Tanz, mit welcher das B e I l e- A l l i a n c e- Theater sKren u. Schönfeld) am Sonnabend, den 7. Mai, mit dem vereinigten Ensemble beider Theater(Thalia- und Belle-Alliance Theater) die Soinmer-Saison eröffnet. Hua den Nachbarorten. Nowawes. Die nächste Versammlung des Wahlvereins findet am Mittwochabend il.ß Uhr imLokale von Otto Hiemke, Wall' straße, statt. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Heinrich P e u s: Aus Lassalles Schriften und Reden. 3. Kommunale Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Hohen-Schönhauscn. Zur Kassierring der Wahl unsreS Genoffen Thiele in die Gemeindevertretung wird uns berichtigend mitgeteilt, daß Thiele nicht mit 44 sondern mit 49 gegen 42 Stimmen gewählt wurde. Die gesetzwidrige und rechtswidrige Ungültigkeitserklärung dieser Wahl fällt umsomehr auf, als dieselbe Gemeindevertretung die Wahl des Gegners unsres Genossen Thiele, des Herrn Fischer. erst vor wenigen Wochen für ungültig erklären mußte, weil die Wahlmacher sich von abhängigen Personen(Arbeitern, Geschäfts- leuten) unter dem Vorgeben,„man wolle ihnen den Zeitverlust ersparen", Unterschriften geben ließen undfcdiese dann als„Forensen Vollmachten" zur Stimmenabgabe benutzten. Trotzdem und alledem übt Herr Fischer noch heute Sitz und Stimme in der Gemeinde- Vertretung aus. Das geschieht im Reiche des Herrn v. Tresckow, eine halbe Stunde von Berlin entfernt. Es ist dies derselbe Ort, den Herr v. Tresckow zur Wiederanstellung des wegen hochgradiger Nervosität pensionierten Amtsvorstehers v. Charmia aussuchte. Man wird sich der Entfernung eines Blattes aus dem Standesamtsregister erinnern, die diesem Herrn zur Last zu legen ist. Schwere Brandwunden erlitt am Montagnachmittag um 4 Uhr ein Arbeiter in der Fabrik von L. Braune u. Co., Prinzen-Allee 83. Dort waren Arbeiter mit dem Transport von Schwefelkohlenstoff. der zur Herstellung von Mitteln zur Vertilgung schädlicher Lebewesen in der Landwirtschaft und den Forsten ze. dient, beschäftigt, als drei große Ballons platzten. Einer der Arbeiter wurde so schwer durch die Säure verletzt, daß er unverzüglich nach der nächsten Unfall- station gebracht werden mußte. Die Feuerwehr beseitigte dann durch geeignete Maßnahmen die Gefahr. Wegen Mordes wurde auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft der Schuhmacher Kasimir G a c z e l aus Bratocia in Galizien ver- haftet. Am 8. November v. I. wurde der beim Teltower Kanalbau beschäftigt gewesene Arbeiter Johann Bujack aus Bratocia im Osdorfer Wäldchen ermordert aufgefunden. Die Ermittelungen nach dem Thäter blieben längere Zeit ergebnislos, bis sich schließlich der Verdacht gegen den erwähnten Gaczel richtete, der, ein Landsmann des Ermordeten, mit diesem zusammen beim Teltower Kanalbau be- schäftigt gewesen und wenige Tage, nachdem das Verbrechen verübt wurde, nach der Heimat zurückgekehrt war. Es wurde festgestellt, daß Gaczel mit der Frau des Bujack in intimem Verkehr stand. Es meldeten sich Zeugen, welche G. in der Nähe des Osdorfer Wäldchens gesehen haben wollen, außerdem wurde nach der Abreise des Ver- dächtigen in dessen in Giesendorf bei Groß-Lichterselde innegehabten Wohnung ein blutbesudeltes Stück Papier vorgefunden. Auch hat sich G. seinen Wirtsleutcn gegenüber verdächtig gemacht. Nachdem am vorigen Donnerstag eine Gerichtskommission des Land- gerichts II einen Lokaltermin abgehalten hatte, sind am Sonnabend die in Betracht kommenden Zeugen von dem Untersuchungsrichter in Moabit eidesstattlich vernommen worden. Die Aburteilung deS Gaczel findet, dem östreichischen Gesetz entsprechend, in Krakau statt. wohin das erforderliche Beweismaterial von der hiesigen Behörde geliefert werden muß._ Gerichts-Zeitung Rabatt-Sparvercin— Rabatt-Sparanstalt. Unter starkem Andränge von Kaufleuten und Gewerbetreibenden des Nordens fand gestern vor der dritten Strafkammer des Land- gerichts I eine Anklage wegen Betruges statt, die sich gegen den Kaufmann Albert L a d z i n s k i, den Provisionsreisenden Ernst Böhm, den Kolonialwarcnhändler Georg Liebermann und den früheren Kolonialwarenhändler Wilhelm L o r u s richtete. Böhm war außerdem wegen Urkundenfälschung angeklagt. Den Angeklagten stand Rechtsanwalt Ulrich als Verteidiger zur Seite. — Seit dem Jahre 1892 besteht in Berlin, der„R a b a t t- S p a r- verein Norden, G. m. b. H." Nach den Statuten verfolgt der Verein den Zweck, seinen Mitgliedern bei Einkauf von Waren einen Rabatt zu verschaffen und denselben zu sparen. Um diesen Zweck zu erreichen, schließt der Verein mit Handels- und Gewerbe- treibenden Verträge, durch welche diese sich verpflichten, ihre Waren- und Handelsartikel gegen Gewährung eines Rabatts zu liefern. Der Rabatt wird den kaufenden Vereinsmitgliedern in Gestalt von Ouittungskartcn gewährt, die die Handels- und Gewerbetreibenden vom Verein beziehen und die von den Käufern gesammelt und bei Erreichung eines bestimmten Betrages gegen Rabattmarken um- getauscht werden. Letztere werden monatlich an den Vorstand ab- geliefert, sie werden von diesem in das Sparbuch des Mitgliedes eingetragen und am Jahresschlüsse wird der Betrag nach Abzug der anteiligen Vcrcinsunkosten bar ausgezahlt. Der Verein zählte im Jahre 1993 79 999 Mitglieder.— Gegen das Grundprincip des Vereins„Norden", wie aller derartiger Rabatt-Sparvcreine, erhob sich bald eine große Gegnerschaft, die ihren Zusammenschluß in dem „Allgemeinen Verein der Gewerbetreibenden" gefunden hat imd das Prineip als ein volkswirtschaftlich völlig ungesundes bekämpft. Diese Gegnerschaft behauptet insbesondere auch, daß den wenigen Vor- standsmitgliedern immense Vorteile aus der Sache zufließen.— Auf Betreiben des Angeklagten Böhm gründeten die vier Angeklagten gegen den„Rabatt-Sparvercin Norden" ein Konkurrenz- unternehmen, welches den Namen„Nabatt-Spar a n st a I t Norden" erhielt. Der Zweck dieser Gründung sollte sein, die hauptsächlichsten Schäden des bestehenden Systems zu mildern, die Stellung der Ge- werbctreibenden, die nun einmal Marken führen müssen, zu bessern -und die mißcrordentlich großen Verdienste, die sich aus der Ver- Mupg und der AichteiMsung pjjn Mrkeg ergeben nW- in die Tasche der Vorstandsmitglieder fließen, sondem der Hauptsache nach den Gewerbetreibenden und den Konsumenten zu gute komme» zu lassen.— Im Frühjahr 1993 wurden nun bei den Umtauschstcllen des Rabatt-Spar Vereins wiederholt Quittungskarteiv oorgelegt, welche in Form, Farbe und Anordnung den vom Verein ausgegebenen täuschend ähnlich sahen. Bei genauerem Vergleich fand man, daß die Marken den Aufdruck„Rabatt-Spar-Anstalt Norden" trugen. Dieser Unterschied des Aufdruckes wurde zunächst häufig von den Lieferanten und auch an den Umtauschstellen nicht bemerkt und die Marken sind zum großen Teile eingelöst worden.— Der Norden- Verein ergriff dagegen seine Schritte. Er ging zunächst civil- gerichtlich gegen die Norden- A n st a l t vor und erzielte einen Ein- stellungsbeschluß des Gerichts. Demnächst wurde die Anklage wegen Betruges erhoben, indem behauptet wurde, daß die Aehnlichkeit der Marken nur den Ziveck gehabt habe, das Publikum zu täuschen und eine Verwechselung mit den Vereins--Marken hervorzurufen. Von feiten der Angeklagten wurde dies entschieden bestritten und behauptet, daß beim Verkauf der Marken an die Gewerbetreibenden diesen nicht nur die Vorteile des neuen Systems auseinandergesetzt, semdern ihnen auch zur Pflicht gemacht worden sei, die Kundschaft darauf aufmerksam zu machen, daß es sich um einen neubegründeten Verein handle.— Der Verein Norden begann im August 1993, um Verwechselungen mit der Anstalt fernerhin vorzubeugen, mit der Ausgabe von Klebcmarken. Im November 1993 wurde bei einer llmtauschstelle des Vereins festgestellt, daß Fälschungen dieser Klebcmarken in großer Zahl in Ilmlauf waren. Die Ermittelungen wiesen auf Böhm als den Verbreiter dieser Marken hin und in seinem Besitze wurden denn auch gefälschte Marken im Nennwerte von 1599 M.(Rabattwert 75 M.) vorgesunden. Er halte erst die Fälschungen bestritten, schließlich aber eingeräumt, die gefälschten Marken in Kenntnis von ihrer Fälschung betrieben zu haben. Er will dazu von dritter Seite, die er nicht nennen will, bestimmt worden sein.— Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt gegen Böhm 1 Jahr 3 Monate, gegen die übrigen drei Angeklagten wegen Betruges je3Monate Gefängnis. Rechtsanwalt Ulrich, der die volkswirtschaftlichen Schäden dieser Rabatt-Sparvereine beleuchtete, führte dagegen aus, daß die Gründung der Spar-Anstalt gegen den Spar-Verein Norden" auf einer vollkommen reellen Unterlage beruhte und mit einem Betrüge auch nicht das geringste zu thun habe. Es müsse sogar als ein Verdienst der vier Angeklagten angesehen werden, sich zu einem Vereine mit einer wirklich socialwohlthätigen Tendenz zu- sammengefunden zu haben. Für die dem Böhm zur Last fallende Urkundenfälschung beantragte der Verteidiger ein geringes Strafmaß. Der Gerichtshof sprach die Angeklagten vom Betrüge frei, da nicht das geringste dafür erwiesen sei, daß irgend jemand falsche That- 'achen vorgespiegelt sind oder ein Vermögensnachteil zugefügt worden ist. Böhm wurde zu 6 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshaft verurteilt. Eine rätselhafte Geschichte beschäftigte im Oktober v. I. die zehnte Strafkammer des Landgerichts I. Auf der Anllageban! befand 'ich der etwa 69jährige mehrfache Hausbesitzer, praktische Arzt Dr. med. Constantin S ch a n tz aus Moabit. Er war beschuldigt, mehrfache schlvere Beschädigungen auf dem Flur und den Treppen des Hauses Brücken-Allce 31, dem Rentier Röhrecke gehörig, bc- gangen zu haben. Als Beweggrund zu der Tat wurde Rache an- genommen, weil Dr. Sch. vor einigen Jahren gegen Röhrecke in einem Civilprozeß unterlegen war. In der Hauptverhandlung be- stritt der Angeklagte trotz seines früheren Bekenntnisses seine Schuld, wurde aber für überführt erachtet und zu 399 M. Geldstrafe ver- urteilt. Das Erkenntnis ist rechtskräftig geworden. Drei Monat, päter, im Dezember v. I.. fingen, die Sachbeschädigungen iin Röhreckcschen Hause wieder mr. Am 14. Dezember wurden die Treppenläufer mit Tinte begossen. Dies wiederholte sich am 23. Dezember gegen 4 Uhr nachmittags. Tie Pförtnersleute hatten kurz vorher einen Herrn hineingelassen, in welchem sie den Dr. Schantz zu erkennen glaubten. Nach wenigen Minuten hatte er sich wieder entfernt. Ter Pförtner fand auf dem Treppenabsatz eine geleerte Tintenflasche. Es wurde ermittelt, daß der verdächtige Herr vor dem Hause Brücken-Allee 31 in einer Droschke davongefahren war. Herr Röhrccke setzte sofort durch Säulenanschlag eine Be- lohnung von 39 M. aus, wenn der betreffende Droschkenkutscher sich melden würde. Dies hatte Erfolg, es wurde festgestellt, daß Dr.- Schantz der Fahrgast gewesen war. Nun stand er gestern wegen wiederholter Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs vor der- elben Strafkammer. Der Angeklagte bestritt mit Entschiedenheit, daß er der Thäter sei. Der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Höppke verkündete das Urteil dahin, daß zwar ein schwerer Verdacht gegen den Angesagten vorliege, dieser aber doch nicht ausreichend sei. um daraufhin das Schuldig gegen den Angeklagten auszusprechen. Es habe deshalb ein fr ei sprechendes Urteil gefällt werden müssen. Abermalige Vertagung des Pommernbank-ProzesseS? Vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I stand gestern Termin zur neuen Hauptverhandlung des Pommernbank-Prozesses an. Das Gericht tagte im kleinen Schwurgerichtssaal unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors H e i d r i ch. Die Anklagcbehörde wurde durch Staatsanwaltschaftsrat Beeck vertreten, am Verteidigertisch hatten die Justizräte W r o n k e r und S e ll o, die Rechtsanwälte Chodziesner, Dr. Werthauer, Leonh. Friedmann und M u n ck e l Platz genommen. Von den Angeklagten waren Kemnierzienrat Johann Wilhelm Schultz, Bankdirektor Carl Friedrich R o m e i ck und der königliche Baurat Hermmrn Bohl zur Stelle. Der vierte Angeklagte, der 72jährige Stadtbauinspektor mißer Dienst Arnold Hanel, früher zu Köln-Lindenthal, jetzt zu tralsund, fehlte. Wie Landgcrichtsdirektor H e i d r i ch mitteilte, hat Herr Hanel schon vor acht Tagen angezeigt, daß er erkrankt sei und der Verhandlung nicht werde beiwohnen können. Es sei ihm darauf nahegelegt worden, im Interesse der Mitangeklagten und um eine Störung der Verhandlung zu vermeiden, zum Termin zu er- 'cheinen, wenn es ihm nur irgend möglich sei. Nun sei aber ein ärztliches Attest eingegangen, wonach die Krankheit des Angeklagten eine Reise nach Berlin- und eine Teilnahme an der Verhandlung vorläufig gänzlich ausgeschlossen erscheinen lasse. Staatsanwaltschaftsrat Beeck beantragte, zunächst ein Physikatsattest einzufordern und für den Fall, daß Herr Hanel in absehbarer Zeit nicht verhandlungsfähig werden sollte, ihn kommissarisch zu vernehmen. Einer Vertagung des ganzen Prozesses würde er entschieden widersprechen, denn das öffentliche Interesse erheische, daß der Prozeß seinem Ende entgegen- geführt werde.— Dem Gedanken einer kommissarischen Vernehmung des Angeklagten Hanel widersprach Juftizrat Dr. S e l l o als Ver- trcter desselben, ebenso Justizrat W r o n k e r. Sie wiesen darauf hin. daß eine Verhandlung ohne Herrn Hanels Anwesenheit an Gerichtsstelle unendliche Schwierigkeiten bereiten würde. Der An- geklagte Hanel habe die Taxen aufgestellt, die für die beiden ehe- maligen Direktoren der Pommernbank die Grundlage für die Be- leihungen bildeten; seine Bekundungen seien- somit von der erheb- lichsten Wichtigkeit und könnten durch kommissarische Vernehmungen nicht ersetzt werden. Herr Hanel müßte bei jedem Punkte, wo es sich um die Taxen handelt, gehört werden, es sei gar nicht abzusehen, wie dies ohne seine persönliche Anwesenheit durchgeführt werden könnte. Auch die Aussagen des Angeklagten in der vorigen Verhandlung könnten nicht als so feststehend angesehen werden, daß sie die neue Vernehmung ersetzten könnten. Dazu komme aber noch der Um- stand, daß die Anklagcbchörde während des ganzen letzten Jahres neue Vorbereitungen für diese Verhandlung getroffen habe, Ac Ver- teidigung und die Angeklagten aber erst am 29. März Kenntnis von dein neuen Gutachten erhielten und trotz angestrengtester Arbeit das .Material in. dieser kurzen Zeit noch nicht zu bewältigen vermochte». So wenig eine Vertagung im Interesse der Angeklagten liege, so werde man um eine solche doch nicht herum können.— Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes verkündete der Vorsitzende: Daß Herr Hanel krank ist. ist zweifellos; er ist auch vor nicht langer Zeit schon in leidendem Zustande in Berlin gesehen worden. Der Gerichtshof hat auch keinerlei Mißtrauen gegen das ärztliche Attest, bei der WMMt der Zgchs pgrf aber, auch Vicht toz flsivstg TipfMen verabsäumt«verdeck und deshalb so? teleMphisch der Kreisa?z? te Stralsund um Auskunft darüber ersucht werden, ob Herr Hanel reise» und verhandlungsfähig ist und ob in absehbarer Zeit seme Ver- Handlungsfähigkeit zu erwarten ist. Demgemäß hat der Gerichts- hos beschlossen, die Verhandlung zunächst auf morgen vornmtag 9 Uhr zu vertagen. Die Schönheit der weiblichen Büste. Sarolta Gold-Mann heißt die„Verschönerin des weiblichen Körpers", die sich gestern wegen unlauteren Wettbewerbes vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatte. Die Angeklagte ist eine Ungarin, die zehn Jahre in Paris gelebt und mit dem Vertrieb von allerlei kosmetischen Mitteln ihren Lebensunterhalt sich verdient hat. Dann ist sie nach Berlin gekommen und legte sich hier auf die Ver- besserung weiblicher Sckiönheitslinicn. Sie versprach allen Frauen und Mädchen, denen die Natur dies Geschenk versagt hatte, eine schöne, volle B ü st e. sobald sie sich der von chr vertriebenen Essenz bedienten, die sie„Cosmetique Orientale Zibai" nannte. Die Essenz wurde in Flaschen in verschiedenen Größen zum Preise von 6. 12 und 29 M. verkauft. In den Prospekten wurde in sinniger Weise ausgeführt, daß eine volle Büste ein Hauptbestandteil weiblicher Schönheit sei und alle diejenigen, die in dieser Beziehung einen be- dauerlichen Defekt zu beklagen hätten, durch Anwendung der Essenz einen zweifellosen Erfolg erzielen würden. Im Orient kenne man die Essenz schon seit langer Zeit und die Damen des Harems wenden sie vorzugsweise an, um anmutige Körperformen zu erhallen und in größerer Schönheit zu prangen. Die Essenz habe auch sonst medi- zinische Vorzüge und«verde von vielen Aerzten als zweck- entsprechend empfohlen usw. usw.— Die Angeklagte behauptete, daß sie an sich selbst und an vielen Frauen und Mädchen die sichere Wirkung der Essenz auf die weibliche Busse ausprobiert habe und felsenfest von der Richtigkeit ihrer Behauptung überzeugt s?1. Ihr trat eine junge Technikerfrau entgegen, die auf den Wunsch ihres Mannes zu der wunderthätigen Essenz ihre Zuflucht genommen hatte, aber als Zeugin vor Gericht bekundete, daß chre schöne Hoffnung arg getäuscht worden sei, da das Mittel gar nichts geholfen habe, Andrer Ansicht war eine junge Dame, die sich der Angeklagten ge- wiffermaßen als Versuchskaninchen zur Verfügung gestellt hatte und glaubt, daß sie nach mehrmaliger Behandlung mit der Essenz eine Veränderung ihrer Büste wahrgenommen habe. Sie habe von«veiterer Verfolgung der Sache abgesehen,„tveil sie es an und für sich nicht nötig hätte".— Der Sachverständige Gerichtsarzt Dr. Stürmer bekundete, daß die in diesem Punkte von der Natur stiefmütterlich bedachten Frauen und Mädchen weder durch das Mittel der Angeklagten noch durch andre kosmetische Mittel Beseitigung dieses Mangels erhoffen können. Die„Essenz" der Angeklagten sei nichts Iveiter als Benzoe-Tinttur, versetzt mit etwas Spiritus. Der Inhalt der Flaschen stelle einen Wert von wenigen Pfennigen dar, es handle sich hier also um eine kolossale Ueberteuerung und um eine DIpierung des Publikums. Von einer medikamentösen Wirkung der Essenz sei gar keine Rede und er könne wohl sagen, daß ihm selten eine so plumpe, schtvindelhafte Anpreisung vorgekommen.— Der Strafantrag ist in diesem Falle von dem Vorsitzenden des Bundes der Handels- und Gewerbetreibenden, Kommerzienrat Lissauer gestellt worden, nach, dem der Verein der Drougisten und die Aerztekammer einen der- artigen Antrag abgelehnt hatten.— Der Gerichtshof sprach die An- geklagte des unlauteren Wettbewerbes schuldig und verurteilte sie zu 159 M. G e l d st r a f e._ Verein der Buchdrucker und Schriftgiester für Rixdorf.Britz. Sonntag, den S. Mai, nachmittags 2 Uhr: Versammlung in der Bcrews« brauerei, Hermannstraße._ Vermischtes. Sei Tangermünde ist gestern mittag kurz nach 12 Uhr die hiesige Fähre auf der Elbe untergegangen. ES befanden sich sieben Personen und zivei beladene Wagen mit vier Pferden darauf. Die Pferde er- tranken, dagegen gelang es. die Menschen zu retten. In Nürnberg erregt, wie uns von dort geschrieben wird, ein dieser Tage vor der Strafkammer verhandelter Kuppelei- Prozeß Äufsehen, in welchem sich der Weinhändler Sonn und dessen Frau zu verantworten hatten. Der Ehemann wurde frei- gesprochen, die 29mal wegen gewerbsmäßiger Unzucht vorbestrafte Frau jedoch zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. In der Animier- meipe der Angellagten hatten stadtbekannte Unternehmer tolle Orgien gefeiert. Besonders pikant verlief die Angelegenheit durch den Um- stand, daß auch eine sehr bekannte Tänzerin als Freundin der lebens- lustigen Herren genannt wurde. Vom Blitz getötet. AuS Würzburg wird berichtet: Während eine? heftigen Gewitters fuhr Sonntag ein Blitz in die Gartenlaube eines Wirtschaftsgartens, in der acht Studenten saßen. Einer der Studenten, Dr. Andre, der Sohn eines Weingutsbesitzers in Neustadt a. d. Haardt, wurde getötet, ein andrer, Freiherr v. Schirn- dinger, der Sohn eines Majors in München, wurde gelähmt. Die übrigen Studenten«varen betäubt worden und erlitten leichte Brand- ivunden. Sechs Automobilisten vom Schnellzug getötet. Ein furchtbares Unglück ereignete sich, wie man dem„Berl. Tgbl." aus Paris meldet, am Sonntag bei Roisiy en Brie, in der Nähe von Paris. Der Direktor einer FeuerversicherungS-Gesellschaft Pretavoine unternahm mit seiner Gattin, einem Freunde Ramens Dietsch, einer befreundeten Frau Morin mit ihrem zehnjährigen Söhnchen und dem Mechaniker eine Spazierfahrt in einem Automobil. Bei Roissy wollte Pretavoine über das Eisenbahngeleise fahren, oblvohl inZeiniger Entfernung der Expreßzug Basel— Paris heransauste. Der Bahnwächter hatte die Barriere nicht geschlossen und Pretavoine glaubte, noch rechtzeitig über das Geleise zu kommen. Es war indessen zu spät. Die Lokomottve erfaßte das Automobil, das mtt ungeheurer Wucht in die Luft geschleudert wurde. Der Zug hielt und man eilte den Verunglückten zu Hilfe, fand aber nur noch Leichen. Die sämtlichen sechs Insassen des Automobils waren aus d�er Stelle getötet lvorden. Ein Familiendrama spielte sich, wie aus Magdeburg gemeldet wird, Sonntagmorgen gegen 4'/z Uhr in dem Dorfe Gübs bei Gommern ab. Der Ortsvorsteher Sachs ermordete seine drei Kinder, einen 12 jährigen Knaben und zwei Töchter im Alter von 17 und 18 Jahren, danach seine Frau und verübte schließlich Selbstmord. Ob der älteste, 23 jährige Sohn Selbstmord versuchte. oder ob der Vater auch ihn zu ermorden beabsichttgie, steht noch nicht fest. Er ist durch drei Revolverschüsse lebensgefährlich verletzt. Als Grund für das Drama wird Vermögensverfall angegeben. eingegangene Drudtfchriften. Von der„Reuen Zeit"(Stuttgart, Dich' Verlag) ist soeben da» 3t. Hest des 22. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben mir hervor: Kohlenwucher.— Historischer Materialismus und Religion Von Anton Pannekoek(Leiden, Holland).— Der politische Streik aus dem zehnten Parteitag der niederländischen Soeialdemokratie. Von Henriette Roland- ' ölst.— Di« neueste Phase in der Entwicklung der Arbeitgeberorganisation. lon Emil Fischer(Hamburg).— Die Soeialdemokratie in den Balkan» ländern und die Türlei. Von Milorad Popowiffch.— Literarische Rund« schau: Paul Ernst, Der schmale Weg zum Glück. Von K. K. Dr. R. Fuchs. großherzoglich badischer Fabrikinspektor. Dr. Friedrich Wörishoffer, Vorstand der großherzoglich badischen Fabrikinspeltion von 1879—1992. Von»ck. dr. Die„Neue Zeit" ericheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25?)t. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. LHetkaften der Redafttfoit 8. C. 100. Wiederholen Sie Ihre Anfrage, damit festgestellt mird. «.?.-J1"15 ei i'ch hauhiit. Adrejst: Redaltio».BorwärtS", Biikstgites- AWktztMg. VI. Wahlkreis. Dienstag, 3. Mai, abends 8�2 Uhr, im Saale des Herrn Wbroöl, Miillerstr. 7: Ocffentlid)« Versammlung. IW TageZ-Ordnung: 219/13* 1. Bortrag des Genossen heo Arons über:„Die Aufgaben der Socialdemokratie im roten Hause." 2. Diskussion. 3. Aufstellung des Kandidaten für den 40. Konnnunal-Wahlbezirk. Um recht regen Besuch bittet_ Der Vertrauensmann. THcsenkger! DienStag, 3. Mai, abends Ns/z Uhr, im GcwerkschaftShaus(Saal 7): Mitglieder-Versammlung der Sektion der Fliesenleger des Central-Verbandes der Maurer. „Die wirtschaftlichen Tages-Ordnung: t. Vortrag deS Genossen Zlvz�er über: Kämpfe in der Gegenwart!" 2. Diskussion. 3. Wahl einer Kommission zu den Einigungsverhandlungen: Verbands» angelegcnheiten. 143/S Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder ist dringend erwünscht. fWl Der Sektionsvorstand. Zahlstelle Berlin. Bureau: SO., Engel-User 15.— Fernsprecher: IV, 3578. Mittwoch, den 4. Mai 1904, abends 8'/z Uhr: t- Sttdeil I bei Doberstein, Wasserthorstr. 68. Tagesordnung: 1. Bericht des ObmannS und der Vertrauensleute. 2. Verbands-Angclegenheiten. 3. Verschiedenes. Westen und Söd-Weslen: Tagesordnung: Bericht der Kommission, der Vertrauensleute, Verbands- Angelcgenheiten und Verschiedenes. UllSbit bei Jocksch, Turmstr. 84. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauens- Männer. 2. Verbands-Angelcgenheiten. 3. Verschiedenes. Uedding und Gesundbrunnen: Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauensmänner. Ä. Verbands- und Werkstatt-Angelegenheitcn. 3. Verschiedenes. Die Kommlssionsmitglieder erscheinen pünktlich um 7 Uhr. Rvsentliuler und Schönhauser Vorstadt: bei Werna«, Sehwedterftr. 23/84. Tagesordnung: 1. Bericht der Werlstatt-Kontrollkommission. 2. Ver- bands-Angelegenheiten. 3. Werkstatt-Angelegenheitcn. 4. Verschiedenes. Osten U. Nordosten: 6ci Mann, Strausibergerstr. 3. Tagesordnung: 1. Bericht der Obleute. 2. Werkstatt-Angelegenheiten. S. VerbandS-Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Buch und Karte legitimiert. Südosten: bei v.»ebrens, Manteuffelstr. 93. Tagesordnung: 1. Verbands- und Werkstatt-Angelegenheiten. 2. Ver- schiedenes. Drechsler. Osten: bei mattbe«, Koppenstrasie 41. NOrden: bei I-iet»Iie, Brunncnftraste 41. Südosten und Uesten: bei Strani«,, Ritterstrasie 183. Tagesordnung: l. Bericht der Kommission. 2. Werkstatt- Differenzen. S. Verbands-Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Jede Werkstatt mus; vertreten sein: auch die in Tischlereien beschäftigten Drechsler haben einen Delegierten zu entsenden. Branche der Modell-sabriktischler bei Dleke, Ackcrftraffe 123. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauens- leute. 3. Verschiedenes. Jede Werkstatt muff vertreten sein. Bezirk Friedrichsberg � Tagesordnung: 1. Bericht der Kontrollkommission. 2. Werkstatt-An- gelegenheiten. 3. Verbands-Angelegenheiten und Verschiedenes. Musikinstrumenten-irbeiter Im Cfewerkschaftshanse, Engel-Ufer Nr. 15(Saal V). Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauensmänner. 2. vranchen-Angclcgenhciten und Verschiedenes. Jede Werkstatt mutz einen Vertreter in diese Versammlung senden. Hie Brauchcnkommlsslon. Stock' und Cdluloid'IIrbeiter. Mittwoch, de» 4. Mai 1904, abends 8*1, Uhr: T ertr anensinäimer-Sitzimg bei Barelnzs, Brückenstrasie 7. Bilderrahmeumacher bei Aalst, Rittcrstraffe 75. Jede Berkstatt muß vertreten sein. 83/10 Arbkitenitckktkr-Dkrkl» Kerlin. Donnerstag, den 5. Mai 1904. abends 8'/- Uhr: MW Versammlmig"WD im Gewcrkschaftshause. Engel-Ufer 15. Tages-Ordnuna: l. Ueber daS Wesen und Wirken des Vereins für Unfallverletzte. 1. Wie stellen sich die SchiedSgerichtS-Beisihcr zu der vom Vor- sitzenden deS Schiedsgerichts geplanten Auskunftsstclle betreffs Raterteilung an die Verletzten? 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Gäste willkommen. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht S3/S Ber Vorstand. I. A.: F. Pieschel, Gartcnslr. 51. Dr. Schünemann Specialarzt für Haut-, Harn- und Arauenleidcn, 8e>delstr. O. WvchlNtags'/.W-'/i»,'/.O-'/�- Dr.Simmel, sirrnT, Specialarzt für[1/3' Hanl, and Harnleiden. 10— S, 5—7.«»nntags 10—13, 3—4. XIII. Abänderung zum Statut der OrtS-Krankeukasse des Gewerbes der Lackierer z» Berlin. Auf Grund der KH 23 und 36 des Krankenverfichcrungs- Gesetzes vom 10. April 1892 sRcichs-Gesetzblatt von 1892, Seite 417) und der Artikel I, III und IV des Gesetzes betreffend weitere Abänderungen des Kranken versicherungs- Gesetzes vom 25. Mai 1903 sRcichs-Gesetzblatt Seite 233), werden, da das Statut der Orts Krankenkasse des Gelvcrbes der Lackierer die nach letzterem Gesetze crsorderlichen Abänderungen auf andrem Wege bisher nicht erführen hat, diese Abänderungen durch mich als Aussichtsbchörde von Amtswegen mit rechtsverbindlicher Wirkung vom 1. Januar 1901 ab und mit der Maß gäbe vollzogen, daß in Unterstützungs- fällen, bei welchen am genannte:: Tage die Dauer der Unterstützung nach den bisher geltenden Vorschrift noch nicht beendet war, von diesem Zeitpunkte ab die neuen Bestimmungen Anwendung finden, sofern sie sür den Unterstützungsberechtigten günstiger sind. 1. fj 10, Absatz 2 wird gestrichen. f2.§ 15, Absatz 2 werden die Worte „durch Tnmksälligkeit oder gc schlcchtlche Ausschweifungen" ersetzt durch die Worte„oder durch Trunk fülligkeit". 3. S 17 werden die Worte„auf die Dauer von 4 Wochen" bis„sür diese Zeit" gestrichen und durch die Worte„auf die Dauer von 6 Wochen nach ihrer Niederkunft ersetzt. 4.§ 22, letzter Satz lautet fortan: �Zuwiderhandlungen gegen diese Verpflichtung ziehen Ordnungs- strafen bis zum dreifachen Betrage des täglichen Krankengeldes sür jeden einzelnen Uebertrctungsfall nach sich".! 5. Z 27. Absatz 2, Ziffer 1 wird statt „13 Wochen" gesetzt„26 Wochen' 6.§ 37, Absatz 4, Zeile 2 wird hinter dem Worte„aus" eingeschaltet „oder ist ein Vorstandsmitglied gemäß§ 42, Absatz 4 ff. deS Krankenvcrstchcrungsgesetzes seines Amtes enthoben worden". Zelle 5 daselbst wird hinter dem Worte „ausgeschiedenen" eingeschaltet „oder deS AmteS enthobenen". 7.§ 51, Absatz la wird statt„3 Proz." gesetzt„i'l, Proz.";: daselbst unter b statt„4>/, Proz."„6 Proz." 8. Der letzte Absatz der Verhaltungs- regeln lautet fortan:„Zuwider- Handlungen gegen vorstehende Be- stimmungen von 1 bis 7 ziehen Ordnungsstrafen bis zum drei- fachen Betrage des täglichen Krankengeldes sür jeden einzelnen Ucbcrtrctungssall nach sich. Berlin, den 20. April 1904. (L. S.) Der Magistrats-Kommissar fllrdieOiis-u.Betriebs-Krankenkassen. 10056 Friedet. Zu J.-Nr. 12372 Gew. II. 04. Zlerrenpsrtie Mi Damen) _ Mlmno!' Nfslirtstsg nach Neue Möhle Abf. d. Dampf, v. St. Kahnt 4 Herzer a. d. Stralauer Brücke 8— OTJhrfrüh. Fahrpr. hin u. zur. 50 Pf. Vereine u. Gesellsoh. bitte u. vorh. Anmeld. b. Gastwirt Krause, Alexanderstr. 13. Kurbad Sandbaus Sberswalde(Mark). Wasserkur, System Kneipp; Luft- und Sonnenbäder. Streng ärztliche individuelle Behandlung. Gute Ersolge bei Nerven- und den meisten chronischen Erkrankungen. 12 Morgen Park, an ausgedehnten köniql. Eichen- u. Buchen- ivaldungen. Herrlichste Sommersrische sür Erholungsbedürftige. Prospekt und Auskunst srei._ 113/7* Aehtung! Achtung! Mittwoch, den 4. Mai. abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstrahe Ä7e: Seffentliebe Versammlung der Ideclisiies und verwandten Berufsgenossen. T a g e s- O r d n.u n g: Der Streik bei der Firma„Regina" und wie stellen sich die Kollegen dazu? 280/10 Ble Kommission. Uertmud der Fabrik-, Fand-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. �ablstelle Berlin. Sonntag, den 8. Mai, vormittags 9'/, Uhr, im Englische» Garten, Alexanderstraße 27o: General-Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassierers. 64/4 3. Vcrbandsangelegenhciten und Verschiedenes. XB. Mitgliedsbuch mitbringen, ohne dasselbe lein Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Von äer Bellealliancestrasse 98 verzöge Stettin. Filialen Berlin. 4923L* Mass-Anzüge Mass-Paletots Ä4 und 30 Mark. Unter Garantie des tadellosen Sitzes bei peinlichst gewissenhafter Anprobe liefere ich von prima Partie-StolTresten mit guten Zuthaten Anzüge nach Mass zu obigen Preisen. Indem gewesene Angestellte sich speciell auf mein gutes Renommee stützen, mache ich darauf aufmerksam im Interesse des werten Publikums sich direkt zu wenden an 46821/* Sonnenschein5}ieü,Äde!1 Chausseestr. 54 1— Ländenstr. 95 I. �toi�e�lleliealiiancestrasse��erzeHen� A. Pergande Dampf-Färberei u. ehem. Waschanstalt färbt in allen Farben: Damenlleider... 3,00 Mark. Herrenanzug... 4,50. Ueberzieher... 3,00. Bettdecken.... 1,25. Tischdecken.... 1,25—1,50. Steppdecken... 2,50. Plüsch- u. Möbelstoffe a Kilo 1-1 ,50. reinigt Damenkleider... 2,50—3,00. Röcke...... 1,50—2,00. Jacketts..... 1,25—1,50, Blusen Sonnenschirme Herrenanzüge. Ueberzieher. 0,75-1,25. 0,50. 3,00. 2,00-2,25. Fabrik: I?ol2mavktftrake zu Hauptgeschäft: WaSdemarstr. 52. Bitte genau aus die Firma zu achten l ' vis-a-vis Bethanien.' Filialen: KklMtamlstrüße 37, Wllldemarstraße 62. Annahmestellen: IWaxstr. 15. Boabit, Kloppstockstr. O. Telephon: Amt VlI Nr. 8048. 49652* €chte atzenhof er Ziere }30 Fl.| 3M.\ atzenhofer Hell �, v« T. M. 3.oo atzenhofer Marine J 30 Fl. I y9 T M 3 25 aizenhofer Dunkel J 3 M- l»/, T. M. 3.50 atzenhofer Crystall 28 Fl. 3 M. V» Hl. M. 3.00 GefllHge Bestellungen an Patzenhofer Brauerei NO. Landsberger Allee 24/27 Telephon VII, 2300 u. WS. NW. Strom-Strasse 11/16 Telephon II, 127 und 878. Schutzmarke W Pfand pro Flasch« 10 Pf. Soeben erschienen: st VerUg von©reiner& Pfeiffer In Stattsart. m dei Zadre« ,S7S-I>7i von Nan$ v. llrettebma«. weil. General der Infanterie. ' yetauegeg. von HW Bruua, geb. v. Kretschmin.• 2. Null. 5 M.. geb. 6 Mit. .... Das ist ein Stadt(Uifklichkeif aus dem Soldatenleben, wogegen die Schilderungen des KuW. Beyerlein, Bilse, ffatlleben usw. doch noch»et- blassen müssen." Berlintr Ztilttng. Die erste Auflage war in wenigen Wochen nach erscheinen vergriffen.== Zv ftaiefte» dnren du BucbMiidiNiidtM. 50932+ gardinen- Specialhalls Ora�enst'lSB, Elllll UM. Wunderbare Xonheiten, Gardinen, Stores, Vitrage s in Secession- und Jugend-Stil. Qocfhaofönilo 2 bis 5 Fenster, MMMM, spottbillig! gratis und franco. Charlottenburs:. Allen Parteigenossen sowie Fr und Bekannten hiermit zur Nachricht, daß ich Wallstraffe 93, Ecke Kirch. straße. eine 50S6L Restauration eröffnet habe, und bitte um geneigten Zuspruch. Barl Keye, Restaurateur. Kohtabak en gros, en detail. Qrösste Auswaiil, billigste Preise. 7rieckr. Wim. Kose, Bremen. 1/12 Bruch-Pollmann empfiehlt sein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen. Suspensors, sowie sümtiiehe Artikel zur Krankenpflege. : Werkstatt. Hilss-Krankenkass en lin C., 30. Finikn-Straße 30. KB. Alle Bruchbänder mit elasti« schen Pelotten, angenehm und weich am Körper. 47112* __ Eigne Liejerants. Orts-u.. Berll Sohtannin-, russisch- römische, Kasteit- und elektrische Licht-Bäder.» IVs»«' Wasser-, Licht-, Luft-, Perl-Bad, sowie alle Medizinischen und Wannen-elldar. Lieferant sämtlicher Krankenkaffen. Bekbrrnbad Wlenevstr.«5. vsmcn-linniclilinn ülköltl ou- 6er — Kein Laden.~ Jetzt nach beendeter EngroS- Saison klUAl- VMsnf enorm diMg. ?»I«t»ts, 3laeketts, Capes, Kostüme, MMmM, __ Gegen Vorzeigung dieses Inserats an der Kasse werden 5°l„ extra vergütet. 49752* Robert Baumgarten Hansvogtelplatsr. 11, II. Et. (Ecke der Jerusalemerstraße.) Auch Sonntags geöffnet! lkude um! Lrdoluug! nach gsthancr Arbeit bietst der Ankauf idzdlisch in herrlichem Laubwald, 5 Min. von Balmstation gelegener Parzellen. Bequeme Verbind., 35 Min. Bahnfahrt. Offerten unter G. B. 447 au Rudolf Hosse, Leipzlgerstr. 103. 53 I Pfund Brot � f. Allireehls Bäckereien: Wrangelstr. 135, Krautstraffe 19. Falckensteinstr. 88, Lausitzerstr. 8. SNarkthalle Pücklerstr., Stand 222/23. Markthalle Andreasstr., Stand 16/18. l.ani>psnUvIIsi, (Baustellen) 443/19" in herrlicher, waldiger Lage, gute Verbind, westl. Vorortverk., 35 M. Bahnfahrt, in aufbl. Kolonie, zum Villen- und Häuserbau wie f. Gärtnereien und Sanatorien geeignet, in allen Preislagen mit kl. Anz. zu verk. Offerten unter G. 0. 449 an Rudolf Messe, Leipzigerstr.>03. So Ig. Vor. frei g. Nchn. v. 3'/, M. 8 echte D««« r>f«ale, ca. 45— Kieler 5«Brathr. n. marinierte I 1 Ds. Oelsard., Pfd. Lachs u. 30 Goldspbükl. Fischerei» Exp. E. Degener, Swinemlinde. E. 71. Gröne Weidt« u. Stöcke. ebenso Krauzbügel bei billigsten Preisen. Berlin Q.. Litlhauerstr. 16. »vb«rt»oU. Knnlsdorf. LüsberliGh!! � billig verknusen wir unsre eleganten tferrett-Mge, Trühjahrs-paletots, Kosen-«nen.gcKene Garderobe zu Preisen von ö.-, 10.-, 12.- bis 25 SRI Monats-Abonneinsntssaclien (an feinste Herpschaften verliehen), für jede Mtgnr((pcc. Bauch) passend, zu spottbillige» Preisen. IFgglj«N.». Jl 15 UHU. Q j) Wasserthorstr. 2.®cfch. Gr-Frankfurterstr. 116. Sonntag« 7— tO, 12—2 Uhr. Primilert auf der III. Kochkunst- Aasstellung Berlin 1904. Kätir Malzkaffee bestes und Sahrangs��l Qenussmltfel Ceyloa 101t« mafikaff«© »'SurrogatfabrilG Etührsdorf-Chenmitz. Vertretung und Engros-Lager bei E. Borarmnnn, Berlin. Fernspreeher IX 7054Pariserstr. 2. Brauerei�ermama Aktien-Geseifschaft Frankfurter Allee 58. Tafelbler(goldg) 1 8 ca.«/„ Ltrfl do. 15 ca.'/,„ Tcraand(dunkel) ISoa.'/,,„ PllBencr{hellgelb)15ca.'/,0„ Kl. dopp. Weissen. 20 Fl Kl. OO„. 15 Ilalzbler, pasteurisiert, alkohol arm, nahrhaft, 18 ca. Vit Ltrfl. Uhren-Spetial-ftans Berlin SW. 10, Leipzigerstr.66 Inhaber: Jvanz Sohn. Fabrik-Lager aller Arten Uhren. Herrcu-Uhren 4,75 Mk.. echt silberne 9 ML, Damenuhren, echt silberne v Mk., goldene von 15 Mk. an. Negulateure 11 Üage Tchlagwerk, ca. 1 Meter lang, 12 Mk. Schlas-, Wohn-, Speisezimmer-Uhren, moderne Freischnnnger 15 Mk. Hau«- oder Salonuhren(flämisch von 185 Mk.) Comptoir- und Zküchenuhren 2,5» Mk. Weder in größter Auswahl 1,75 Mk. Ketten. Bedeutende Reparatur» Werkstatt. Reelle Garantie. Kein Laden. Hos parterre geradezu. ZteNiner Lose Zl.tuwc: 10. Mal or. dJiaaeannne i. W. von Mk. 135,000 Los« t 1 U.— 11 Stück 10 H. (Porto and Liste OO Pfg.) Harienbur�er Eoae k 1 U.- 11 Stack 10 IL (Porto und Liat. SO Pfg.) llscar0riDiriCo.N8chf. Q. m. b. H. Bank-Oasobaft, BerllnW-.Friedrlohstr.lSl, Filialen: MW., Wll.naek eratraaae 0». O., Andreasatraase 46a. . SO., Oranlenstraa.et??. J. Georg Simon 8. Reinickendorferstrasse 8, Ecke Raven�straese. des Nonlens Serlii. Am Bahnhof Wedding. '00 etc. -HW" Arbeiter- und Berufskleidung für jedes Gewerbe."WW Anfertigung nach Mass unter Leitung erster Zuschneider zu massigen Preisen und übernehme für guten Sitz und saubere Verarbeitung volle Garantie! Seltene Gelegenheit! STnr knrze Zeit! Kämmmgs-VerkattJ der ans der 145/2« KotiUtirsmasse iseiMr. SO Avant! I. Etage von A. Leiry, Goidsebmidt& Co. stammenden und andrer Waren. BnlMM. GS 1. Etage Avant! Ein Posten Herren-Anzüge in Jackeit-FassonS soll nunmehr ab- gegeben werden für den billige« Preis........ Ei« großer Posten, bestehend in Herren-Hosen, jetzt herabgesetzt. Eine große Partie, bestchrud iu FrühjahrS-Nederzieheru» jetzt herab- oefa"" von M. 6 an«. h. von M. IVa an n. h. 6 an u. h. gesetzte Preise................ vo»M. Ei» Caveling, bestehend in Herren-Rock-Anzügen, zu dem jetzt herabgesetzten billigen Preis........... von M. 12 an u. h. Ei« Posten Herren-Joppe« und Jacketts aller Sorten zu« herab- gesetzten Preis.............. jetzt VonM. 1 an u. h. Eine große Partie Jünglings- und Burschcn-Anzüge zu dem bedeutend herabgesetzten Preis.............. von M. 4 an n. h. Ein Posten Knaben-Anzügc zu den noch nie dagewesenen Preisen. von M. l'/z an u. h. wöchentliche Teilzahlung liesere eiffljjj Hemn-iöci!. Bestellungen n. Matz, tadell. Zluss. Werkstatt im Hause. 1k«Mg,!iMkWti'.i?. GWWVireki am Aleranderplatr. »kvsAv Ohe vi« t« Paleiotslofte apotthllllgk Ti'' Hrrren-Anzugstoffe, Reste, empfiehlt spottbillig 49442' suediisiidiW fen!. kMi, Reinickendorf-West, klchhornstr. 64. Stempel< Fabrik von(4370!)' Robert Hooiit, Berlin G», Oranienstr. 142, liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester AuSsährung. Kautschuk- Typen„Perfekt" zum Zusammensetzen einzelner Wörter sowie ganzer Sätze von 1.5(1 > M.an. UtigeuiiHers Kautabak ist als bester seit 40 Jahren in Berlin bekannt und gern gekaust. V-riangt Iii, gvHNssiUv rs KsuAsbsK. Zu haben in Cigarren-Speelalgeschäften. 4470L' Frilz Hämmerer, Beriit, Fra«Biirter w° II. Schmöckwitz SÄ« Hermann Peter. Telephon: BrHnau kto. 39. Empfehle mein allbekanntes, herrlich am Wald und Wasser belegenes Lokal den geehrten Vereinen und Gesellschasien zu Ausflügen. Ausspannung und Dampserstege, Kegelbahnen, grotze Kafieetüche. Säle, Halle», groster schattiger Garten, S0O0 Personen fassend. '-•idr., Juchlager Molkenmarkt 12-13. 143/16» Karl Engel. Ecke zur Rippe.____________ £««njtte. MoftHJc; Po»s»öttnwt Birlm. gtit den Lnferatenteil verant!v.:Th. Gleckee Berlin. Zruck u. Verlag: BsrtvgrtZ BuSdruckerei u. BrrlagsavMl Zaul Snger&£s„ Berlin SW. Sohaie empfehlen 80ÜL« Grosse Posten POrZelllll'TESSGn 10, 15,»O bis 88 Pf. Grosse Posten POrZCllRU'TßllGr 8. 10, 15, SO bis 30 Pf. Grosse Posten korZMN-AMelwNNell für 2, 4, 6, 8, 10 u. 12 Tassen, von 0,80 bis 1,S0 Grosse Posten AskleölllUUle» für Kaffeekflclisn Grosse Posten MllehtÖpfC,""p�en�� Grosse Posten Ensil-KsITeeARiineD u. Milchtöpfe Grosse Posten KRlTBClÖffCl,«,? bis 15 Pf. Grosse Posten TablGt(6S,«». 15,»5 Pf. bis 8,50 Grosse Posten M6SS6r Utld GftbSlO, Paar SM»,«5, 85 bis SO Pf. Grosse Posten BlCrSeidGl'U � Grosse Posten BiCFbCChCF von 6 Pf. aa Grosse Posten WäSSSFRläSCF von 5 Pf. an, Grosse Posten W6iSSbi6F|lläS6F K8 und 30 Pf. Grosse Posten LlQQCHFIjIASCF von 5 Pf. an. Unsre Specialmarke Kronenglas Seidel, Pokale etc. in allen Grössen und Formen grosses Lager. £. Xatz$ Co. Spandauer-Str. 45,««11 a • A 1» 0}*C Oaishmlgt dnreh Wniiterial-Krlaa f. d. ganze Preun. Monarchie. 17. Lott, z. Hebung 4. Fferdezucbt. Stettiner Lose 4 1�-- fFerto» liefe SO ffj Gewinne können nach Ziehung /uaiMndig oder zuf Auo«iont'(»erkauft«erden gegen .' Baar-Geld. 4114 Gewinne 135.000� davon MO Reit- und Wegenpferde mit 7 Equipagen: i JLiSB.OOO � 4MO Sflbergewinna mit SRSOO und noch 10 elegante Fahnider UM A StettUer I�se versendet der General-Deklt i Lud. Müller& Co. BerliJ!« Breitettr. 5. Nr. 103. 21. laljrgang. 3. Scilagt des.HmSrls" Kerlim WsM 3. Huq der Frauenbewegung. An die Genossinnen! Genossinnen! Von« 14. bis 20. August d. I. wird der Jnter- Nationale Socialistische Arbeiterlongresi iii Amsterdam stattfinden. Da seine Verhandlungen und Beschlüsse auch für die Genossinnen von grotzer Wichtigkeit sind, so erachtet es die Unterzeichnete für selbstverständlich, daß dieselben, wie die früheren internationalen Kongresse, so auch diesen durch Delegierte beschicken. Im Hinblick auf unsre bescheidenen Mittel und die immerhin beträchtlichen Kosten genügt es sicher, wenn die Genossinnen Deutsch- lmids durch zwei Delegierte vertreten werden. Die Genossinnen von Berlin. Hamburg. Mtona und Ottensen schlagen vor, die Genossinnen Zetkin und Zietz mit der Vertretung zu betrauen. Die Unterzeichnete ersucht die Genossinnen Deutschlands, ihre Meinung über diese Vorschläge recht bald an sie gelangen zu lassen. Mit socialdemokratischem Gruße Ottilie Baader Bertrauensperson der socialdemokratischen Frauen Deutschlands Berlin. S. 53, Blüchcrstr. 49, Hof II. Marktpreise von Berlin am 30. April 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. »Weizen, gut D.-Ctr. mittel gering »Roggen, gut , mittel gering f(Seifte, gut . mittel genug fHaser, gut „ mittel gering Richtstroh Heu Erbsen Spcisebohnen Linsen » ab Bahn. f frei Wagen und ab Bahn. 17.25 17,19 17,13 13,05 13,01 12,97 14,20 13,00 11,80 15,00 14,00 13,00 4.16 7,50 40,00 50,00 60.00 17,22 17,16 17,10 13,03 12,99 12,95 13,10 11,90 10,80 14,10 13,10 12,10 3.82 5,00 28,00 26,00 25.00 Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindflcifch, Keule 1 leg do. Bauch. Schweinefleisch„ Kalbfleisch tammelfleisch utter Eier Karpfen Zlale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock 8.00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60 2,00 3,00 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,80 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 Wetter-Prognose für DirnStag, den Z. Mai 1904. Etwas kühler, zeitweife heiter, aber veränderlich mit Regensällen und ziemlich frischen südwestlichen Winden. Wttterungsüberficht vom S. Mai 1904. morgen» S Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franlf.a.M. München Wien 759 758 760 763 766 704 S S Sf S S SW SW Sttll Letter dä «•» 5 es H& Stationen o-S c ö e>— Ä- ? 5 i« 2bedeckt 4Gcwitt. 2 heiter 3 bedeckt 5beitcr -jDunst Saparanda etersburg Cork Aberdeen Pari» 759SSW 743O 76ÄSW Weller bedeckt Regen 4bedcckt essi cS. ä il gö Wfo 7 10 eingegangene Druchrchnftcn. Max Schlichting, Staat und Straft in Prelchen. Preis 69 Pf Stuttgart 1904. Union Deutsche Verlaasanstalt. Geschäftsbericht der Orts-Kranken lasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker zu Berlin für das Jahr 1903. 43 Seiten. Eugen Kah, Doktor der Staatswissenschast, Landarbeiter und Land» wirtschast m Obcrhessen. Preis 4M. I. G. Cottasche Buchhandlung Nachflg., Stuttgart. Nur den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiucrlei Verantwortung. Theater. tat Dienstag, den 3. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. La Traviata. Neues Operntheater. Die Well, in der man sich langweilt. �deutsches. Novella dÄndrea. Berliner. Waterkant. Lessing. Zapfenstreich. Westen. Die Astikanerw. Central. Der Sonnenvogel. Belle-Alliance. Der Hochtourist. Neues. Kabale und Liebe. Ansang 8 Uhr: Kleines. Nachtasyl. Residenz. Die 300 Tage. Schiller O.(Wallner- Theater.) Ferröol. Schiller X. kFriedrich.Wilhelmstädt.) Haus Rosenhaaen. Trianon. Das eiste Gebot. Hieraus: Der Dieb. Carl Weist. Der Totschläger. Deutsch. Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Metropol. Ein tolle» Jahr. Easino. Zärtliche Verwandte. Specialitäten. Winter-Garten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshallen. Stettincr Sänger. Passage-Dheater. Specialitäten. Urania. Danbenftraste 48/49. 4 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmarm. Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. Jnvalideuftrasie S7/6S. Stern warte. Täglich geöffnet von' bis 11 Uhr. lieus8 Theater. Schisfbanerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe. Ansang VI, Uhr. Morgen: lladal» uns Liebe. Central-Theater. Heute VI, Uhr: Der Sonnenvogel. Operette in 3 Akten v. B. Holländer. Paula Worni a. G. Morgen und folgende Tage:»er SonnenvoKel. Soratagnachmittag 3 Uhr: Trilbjr. Abends Vj, Uhr: Der Scnncnvogel Rksldtilj-Thealkr Heute und folgende Tage: Llbends 8 Uhr: Die ZÜl! laxe. (L'snkant du iniraclo.) Schwank in 3 Akten von Paul Gavault und R. Charey. Deutsch von Atfred Halm. Idelropollbeater llef grßsste Erlelg dieses Jahres: Gr. dramatdsch-satirisohe Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Zum 350. Mal«: Hscktaszfl. S9W Ansang 8 Uhr.'90 _ Morgen: Xwditaayl._ Sanssouci. Kollbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Nottmanas I�vrääeutscde LSiixer. Nach jeder Soiree: L'ans. Sdtlllcr-l'lKcatcK'. SvI»llIei-.A'livut«i? v (Wallner-Theater). Dienstagabend 8 Uhr: Pewöol. Schauspiel in 4 Aufzügen von Victorien Sardou. Mittwochabend 8 Uhr: tzii-Ivl Donnerstagabend 8 Uhr: IIuu», Itoavnkascu. Golilllvr Dllentei» ÄT. (Friedrich-Wllhclmstädtijches Theater). Dienstagabend 8 Uhr: Huu« Roscnliagen. Drama in 3 Aufzügen v. Mnx Halbe. Atittwochobcnd 8 Uhr: Der- GelElfre. Hieraus: Der eingeb. Kranke. Donnerstagabend 8 Uhr: Das grobe Hemd. Cirkus Busch. SlbendS VI, Uhr: Hbsehieds-Gala-abend zum Besten der unter dem allerhöchste» Protektorate Ihrer! Majestät der Kaiserin und Königin stehenden Armen-Krankeu- pflege in Berlin»nd Vororte» mit ausgewähllestem Gala-Sport-Programm. Ferner: Schlust der grossen internationale» giiiigkampf-Koukurrenz. UntscZKClclimKslioinpl'' zwischen Jakob Koch und Hciiirick Ebcrle. Der Kampf beginnt ca.'/49 Uhr. FphHIlfO PfDICO*"°lle 10 M., Sperrsitz 6 M., Balkon 4 M.,! Ql llvlltv rrvlsv. 1 PI 2,50 M., 2. Pl. 1,50 M.. Galerie 1 M. Sämtliche Ermässigungen sind aufgehoben! Sranerei Triedriehshain stühcr Lilpps ODctonom: E. Niemann) am Königsthor. |= GrUsster Konzertsaal und Harten Borlinz.: Heute Dienstag: Alener aalzcr-Hbcnd veranstaltet von Johann Strauss Wien! Dirigent der k. u. k. Bstreichlschen Hofballmusik mit seiner gesamten Kapelle. Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Reserv. Pl. t,00. >: P«""'- 50892» Morgen: Populäres Konzert von Johann Stranss. Urania. Taubenstr. 48/49. Um 4 Uhr im Theater(kl. Preise): Von der Zugspitze zum Watzmann. 8 Uhr: Die Insel Rügen. Sternwarte K",«: J CASTANS AN OP TIC UM. Friedriohstr. 165. Die zusammengewachsenen Schwestern. Der Weltfrieds. ?Das delphische Orakel?? Trianon-Theater. Georgenstrahc, zwischen Friedrich. und UniversitätSstraße. KM- Abends 8 Uhr:"MW Das elfte Gebot. Hierauf- Der Dieb. Apollo-Theater. Abends 8 Uhr: Debüts der neuen Mal Spcclalltttten. 9 Uhr: liiehesgötter. Im dritten Bild: Der GStterzug und die Sensation«- Apotheose: „Im Tempel der Glückseligkeit". Der Sommergarten ist eröffnet! Von 6 Uhr ob; Gartenkonzert. Casino-Theater. Lothringerftr. 37. Auf. S, Semit. VI,. Das neue glänzende Mai-Programm. Neu I Los Aleros— Satanella-Trio. Kern mit seinem Hund als Mimiker. s'/.uhr: Ziirtlicht verwandte. Sonntagnachm. 4 Uhr: Zärtliche Verwandte. Cm! Weiss-Theater. Buraerticbcs Schauspielhaus. Grosie Frankfurterstr. 132. Der Totschläger. Pariser Volksstäck in 5 Akten von Emile Zola. DM- Ansang 8 Uhr."Mg Morgen: 0er TetscdlSger. Sonntagnachm. 3 Uhr: Anna Liese. Königstadt-Kasino Holzmarltstr. 72, Ecke Sllexanderstrasie. Täglich: Grosse Lpeclalitäten- Vorstellung. Pnpns Inhnsdjmeqeu Schwank mit Gesang. Nach der Vorstellung: Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Vanz. Gebrüder Herrnfeld- ?. Mai. Theater.?. Ma«. Die in München und Wien mtt�sensattonellem Erfolge ausgeführte Novität:„Der Dochlnm".R°Ut°ir- der Tegernseer(L. Köhlers Baueni- theater). Vorverkauf d.BilletS ab heute. Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Heute Dienstag, den 3. Mal: Xovltllt t STovltttt Z Susch-LitS'l ober: Die Muhle im Ehtlgrund. Volk§stück> mit Gesang in 4 Akten von I. Willhardt. SM- Ansang 8 Uhr"MW Entree 30 Ps. Numerierter PI. 50 Ps. Donnerstag, den 5. Mai er.: Die oberen Zehntansend._ JEötzowstr. 111/112. Täglich Im Garten oder Saal: Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Koos haben oaitigkelt. Belle-Alliance-Theater. Belle-Allianeestr. 7/8. Auf 7'/, Uhr. lean Kren und Alfred Schönfeld. Heute bis inkl. Freitag: Der Hochtourist. Sonnabend z. erstenmal: Kam'rad Lehmann. Sonntagnachm. 3'/, Uhr: Charleys Tante. Fröbeis Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Mittwoch: Führmann, Horst und Walde-Sänger. Nach der Vorstellung: Frel-Xanz. I. « iiwssvjut# aitwusvi. Direktion: Robert Dill. Brnnnenstrasse 10. Heule: Geschlossen. Sonnabend, den 7. Mai: Letzte WochentagS-Bor- flellrag vor Pfingsten: Minna von Larnbelm. Ehren- und Vorzugs« karten haben z. letztemnal Gültigkeit. Passage-Theater. Anlang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Pas Meick Mai-Propoim: Paul Coradini Tanz-Komiker. John Siems Münzen- und Karten- Manipulator. 14 erstklassige Nnnmern. Tortaiada epÄIÄ™ De"Vry's Phantasmagorien. Hansi Reichsberg Soeurs Saloane Gebrimer Schwarz Parodisten. Kiners Moulin Equilibrist. Leone. De Xohry Pariser Sängerin. Die Blumenkönigin Tanzdivertissem. Die Wotperts Akrobaten. Robinson Baker-Trio Springer. Paul Conehas Biograph. Pas de den* Sgra. Cavini u. Sgr. Cerutti. Reichs liallen Stettiner Sänger Zum Schlich: R e ul Cirkus Lenz und CirkuS Pufch. GänMeril 60 prMofund(gröber, zum Retzen). Schkachtfedrr», wie sie s. d.«ans fallen, mit allen Daunen m. 1.59, fällfeniger«önfttupf IN. 2.00, btffer» Säirf'balddaunen M. 2.50, 9.00. best, fchneeweitz» M. S.SO, rnfstsch« Daunen M. Z.SO, weiß. b-ihm. Daunen m. 5.00, g«. riffene Sedern M. 1.50, 2.00, 2.5«, Prima gerissen« M.».00, Z.50, Versand gegen Nachnehm«. «lurts* leitig, pri�n�V«.. �rste Bettfedernfabrik m. electr. .Betriebe. Viele Anerkennungsschreiben Kranz- und Klnrntllbiudtm von koherl Nexer,. nur Manannen-Ztraßt 2. Vereins'Kränze, Palmen« u. Blumen» Arrangements, Bouquct», Guirlanden usw. werden lein u. preiswert getlefert Meiler'Sllllnilgs- Schule. Gewcrkschaftsbaus, Engel-Ufer 15. Sehrplan für das II. Quartal 1904. Unter- I richtsfaohj Behandelter Lehrstoff Nationalökonomie Geschichte Geschichte der Urvölker und des Altertums von den Perserkriegen bis zumUntergang derKömerherrschaft*) Gesetzeskunde Rede- üebung Entwicklung und Bedeutung des KartoUwesens. Wesen und Aufgaben des Strafreohts üebungen in mündlicher Rede und im schriftlichen Aufsatz. Lehrer Schriftst Max Grunwald Sohriffc- steller Dr. Rudolf Steiner Schriftsteller Simon Katzenstein Schriftsteller Dr.Rudolf Steiner Unterrichts- Abend Monteg Dienstag Donnerstag Freitag Der Unterricht begann in FfattonalOkonomle Montag, den 25. April; Geschichte Dienstag, den 3. Mai; Gesetzes kande Donnerstag, den 28. Aprü; Rede-Pebnng Freitag. den 5. Mai. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pünktlich um'/»II Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8 bis 9 Vhp geöffnet.— Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgold für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist am zweiten Abend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kursus steht jedermann zum unentgeltlichen Besuch frei. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Sohullokal Gewevkschaftshaas, Kngel- Ufer 15, Hof links 2 Tr,, and in nachstehenden Zahlstellen: Gottn*. Schulz, Admiralstr. 40a; Beul, Barnim- strasse 42; Togcl, Demminerstrasse 32; Krause, Müllerstr. 7a; Borsch, Engel-Ufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann Lamme, Berlin SW. 47, Homstr. 20, Quserg. U, Geldsendungen an den Kassierer H. KDnitrs, Berlin S. 59, Hasenheide 50, zu senden. 4/14 Der Torstand. *) Dieses Thema ist die zweite Abtailnng 1 B Welt- bestehenden Kursus geschichte". über allgemeine eines ans und 5 Cyclen Kultur- II Eigene Fabrikation prima Verarbeitung, fadelloscr Sitz; vorzOgJicberfSdnfflL in allen Längen und Weiten, auch für ganz«tarke Damen vorrätig, schwarz und farbig; in.den modernsten glatten und Phantasiestoffen..... 3.75» 5, 7, 10, 15 Alk. in Leidendamast.......... 20 u. 25 Mk. Amerikan. fussfreie Stmsenröcke. regenecht 5, 6, 9, 10 Mk. Degante Frflhjabrs-Paletots, Jacketts, Sakkos, in Tuch, Rips. und Phantasiestoffen.... 10, 12, 13, 20, 25 Mk. Degante Phantasie-Paletots in Seide, Rips u. Tuch, weife Sackform, mit gezogenem Rücken... 20, 30 Mk. Havelocks u. Paletote in hellen Stoffen.,. 15, 20 Mlc., Blusen-Jacketts, elegant verschnürt.., 10, 12, 15 Mlc. letzte Neuheit, kleidsamste Form für junge Atidchen. Schwarze bestickte Frauen-Capes... 12, 15, 20 Mk. Reise- und Qolf-Capes....... 9, 12, 15 Mk. Gummimäntel, Reisemäntel, Regenmäntel. 10, 12, 15 Mk, Frühjahrs-Costüm© Moderne Formen Elegante Ausführung Jacken und Blusen-Costüme in neuesten Stoffen 12, 15, 20 Mk. DeganteStrassenkleiderfn B1 usen- u. jac kettform 25,30, 40Mk. est 15, 20 Mk. „. 18, 20, 25 Mk. — �--------------------, Satintnch und in den neuesten Phantasiestoffen..... 20, 25, 30 Mk. Seidenbluaen, elegante Fascons 5.50, 7JS0, 10 Mk. WoU- und Waschblusen.... 1.50, 2, 3, 5, 6 Mk.. Fussfreies amerik. Jackenkleid, letzte Neuheit Trauerkieider in eleganter Ausführung Degant garnierte Kleider in Voile; Morgenröcke, Matinees und Unterröcke. Sieltnann$ Kosenberg Kommandanfenatr� Ecke Undenstr. , Massanfertigung QeseteL gMObatzt. HOPDGÄM-TÄBLETTSNoo PULVER mal. bwhptoz Vaguenlomiapcroxyd vonAntorl taten coprtltt, vollkommen unschädlich. Vielfach ärztlich empfohlen bot • AU EH STOFF» PRÄPARAT mit hob. Prosen t�cbtl tan aktivem Saoerstoff— Till. M. 1,50 b, Pslecr IC. 2,— Inden Apotheken«rklUttioh. Man achte auf cüa Sohutzwarkcl Ichsucht, AnSmle, Schvräche- ust&ndon, Verdauungsstörungen HERVORRAGENDES "' EH- DARM. ANTISEPTICUM lert den Appstlt, rexclt die Ver- .onf.!» d. Apotheken erhiltUeh. AUelnlae Fabrikanten: Ueinlce KIBOWHOFF A 2ISZSATH Hedlatnieeba&ajK.rozydd - BERLIN>4.24.—-— Meine nachfolgend im Original abgebildeten Cigarrensorten, die sich durch"Wohlgeschmack infolge sachkundiger Tabakmischung und durch gleichmässig guten Brand Infolge solider Arbeit auszeichnen, empfehle ich allen Bauchem und Händlern, welche Wert darauf legen, streng reelle Fabrikate zu denkbar billigsten Preisen zu kaufen: 100 St. 11.4,00. 100 St. «4, SO. 100 St. Mi, 00. 100 St. M.0,00. In gleicher Vollkommenheit und Preiswürdigkeit empfehle ich noch graue Mexikos von M. 4,50 an. Felix Brasils zu M. 4,50, 5,00. 600. ff."Vorstenlanden von M. 5,00 an sowie alle Arten von Tabakmischungen in den modernsten Faijons und allen Preislagen bis zu Mk. 300,00 per Mille.— Erprobte Qualitüten für Händler und Gastwirte von M. 23,— per Mille an.— Versand nach auswärts gegen Nachnahme, jedoch nicht unter 100 Stück von einer Sorte. Reinhard Helimich, Enps-Lager, Berlin W. 64, Behrenstr. 52, Kein Baden, Eingang im Flur rechts. Kur IS jede Uhr � bei mir zu reparieren u. reinigen unter Garantie des Gut- gm. gehens(ohne Bruch), kleine Reparaturen billiger. Grosse Auswahl in Uhren u. Goldwaren zu billigsten Preisen. Goldene »Ja Damon-Remonfoir, 10 Steine, v. 18,—, Goldene Herren-Doppel- «iM kapsel-Romontoir v. SO,—, Silberne Remontoir v. 9,—, Regu- lateure, Freischwinger, Wecker- u. Wanduhren. Goldene Herren- u. Damen-Ketten, Ringe, Schmucksachen in modernsten Fapons ß für jeden Geschmack. Für jede bei mir gekaufte Uhr | f' leiste 3 Jahre Garantie. SSOTL* , wacher, LhsuZZSkstr. 34. spicfau Steppdeekenfabrik VON Ph. Bernfeld, jc(jt nur Andreasstr. SS I. Gr. Auswahl eleganter Handarbett-Decken zu spottbilligen Preisen. Me Decken werden ausgearbeitet. 43602' Apollinaris KOHLENSAURES MINERALWASSER. „EIN WELT TAFELGETRiNK" (Kölnische Zeitung, y*'" Ohl., tqog), Jährliche Füllungen: 30000 000 Flaschen und Krüge. 20 RaucBifBundern, ilrRÄkchr0* 1 Dose Ocl-Sardinen, und 1 Pfunddose beste Sardellen, alles nnr tür S'/z 91. Ernst Kapp Kachf. Swinemöndc No. 56. Fischerei-Imp. H.& P. Uder, InÄI: Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. eiiäl; Nordhäuser Kautabak stets frisch zu billigsten Engros-Preisen. 4794L* Amt 4, 3914. Jede l!hr zu reinigen kostet bei mir unter Garantie nnr 9, SV 91k., außer Bruch. Kleine Repara- turen billiger. Tram-Inge in jedem Gold und Double zu billigsten Faccnpreiscn in jeder Preislage und Nummern stelS am Lager. Großes Ketten-Lager zu allen Preisen. 471M' Emil Rothert, Uhrmacher und Goldarbeiter, Andrcas-Strasse VS.— Frankfurter Allee 114. Jedes£* Pfennig. Wort: mw Das erste r" tettgedruckte Wort 10 Ptg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. fCIeine ßnzeigen. 'Anzeigen}�e0Täcbste werden in den Annahmestellen für Berlin bis/ Uhr t für die Vororte bis 1 2 Uhr, in der Hauptexpedition Linden- Strasse 69 bis S Uhr angenommen. Kleinwohnungen, sofort, helle, gesunde, billige, Lhnarstratze 11(Wed- ding)._ 144/10* :hste A Verden AB ■rUn ASS M Verkäufe. Restauration billig verkäuflich, voller Schank. Zahlstelle, Verein. Auskunft 5trause, Cigarrengeschäst, Bicsenth alerstratze 11._ fllO* Restanraut mit Vorgarten umständehalber zu verkaufen Hasen- Heide 11._ 1119* Gardinenhaus Große Frankfurter- strotze 9, parterre._ t37* Hochvornehme Herren- Anzüge, Sonnnerpaletots, vorjährig, aus seinsten Matzstoffen, 18—38,00. Bein- kleider 7—11,—. Täglich, auch Sonn- tagS-Berkaus. Deutsches Versandhaus, Jägerslratze 63, I._ 2254K* Herren- Garderobe nach Matz, saubere Arbeit, großes Stofflager. Paletot, Anzug 36 Mark an. Kaust beim Handwerker, lasset den Hand- werker verdienen. Teilzahlung ge- stattet. F. Dörge, Dresdenerstratze 109. Resterhandlung, Capesstoffe, Seibenreste, Sammetreste, Reste zu Mädchcnjacken, Reste zu Knaben- anzügen, Kostümstoffe enorme Slus- wähl, spottbillige Preise, Zuschnitt gratis. Rosenberg, Kottbuserdamm 98 Ausgemietet. Resterhandlung Grüner Weg, Hausflur, jetzt Kleine Andrcasstratze 5. Grotzer Posten Reste Kostüme, Zlnzugstoffe, Knabenhosen, billig. Scholz.___+143* Abzahlung 0,50, Wäsche. Gardinen, Kleiderstoffe. Kadach, Mariannen. stratze 24.(Postkarted_+119* Weiche Herrenhüte, gute Qualität, Stück 95 Pfennige. Bessere Sachen enorm billig. Hutfabrik, Comptoir Neue Friedrichsttatze 81 1, Ecke König- stratze, und Holzmarkistratze 37 a parterre, früher Kaiserstraße 25 A. Sonntags geöffnet._ 2339K* StePPdeden, großer Posten, sollen zu jedem Preis verkaust werden. Köpnickerstratze 62._ 6916 Betten, Gardinen, anerkannt spott- billigste Bezugsquelle Psandleihhaus Weidenweg 19._+55 Bettinlette, Bettbezüge, Bettlaken spottbillig Psandleihhaus Weiden- weg 19._+55* Regulatore», Freischwinger, Spiegel, Küchenrahmen spottbillig Psandleihhaus Wcidenweg 19.+55* Gaskocherhans! Einloch-GaS- lochcr I 0,80. Zweilochgaskocher I 2'/,. Dreilochgaslocher! GaS- Bratösen 6.00 1 Gas- Bügelapparate! Gas- Plätteise» 2>/,I Gaslhren! Gas- Wandarme l'/z l Wohlauer. Wallner- Theaterstratze 32.(Schiller-Thcatcr),* Gassparkocher, Gasp lätteisen, Bügelapparate, Bronzekronen. Ge- legenhestskäuse, spottbillig. Schröder, Hochstraße 43._ 8146 Abessinierpnmpen, Sauger, Rohre, Gartenspritzen, Gartenschläuche, ge- brauchte, neue. Reparaturen. Pumpen- sabrik Schröder, Hochstraße 43. 815b' Kochmaschinc», transportable, 14,00 an. Hochstraße 43. 816b* Polierlappen, saubere, Psund 45 Pfennige, verkaust Handtuch- Verlcihgeschäst Rosenthal, Spandauer- stratze 47/48. Fernsprecher 1, 3614.* Vorjährige hochelegante Herrenanzüge und Paletots aus seinsten Matzstoffen, 26 bis 40 Mark, Zurück- gesetzte Anzüge, Paletots, Beinkleider, Havelocks, Guimnimäntel, Joppen werden für die Hälfte der bisherigen Preise verkaust. Versandhaus Ger- jjumio, Unter den Linden 21. 2166K* Teppiche l(fehlerhafte) in allen Größen für die Hälfte des Wertes im Teppichlager Brünn, Hackeschcr Markt 4, Bahnhos Börse. 93/22* Teppiche, Betten, Gardinen, Portieren, Steppdecken, Wäsche, Tisch- decken, Regulatoren, Anzüge, Pommer- Paletots, Remontoiruhren, Uhrketten, Spiegel, Bilder, Möbel spottbillig Leihhaus, Neanderstratze 6. Teil- Zahlungen gestattet_ 144/4* Steppdecken, Tischdecken, Tcppiche spottbillig Psandleihhaus Weidcnwcg Nr, 19._+55* Taschenuhren» Hcrrenkctten, Damenketten, Schmucksachen spott- billig Psandleihhaus Weidenweg 19. Trauringe, Aussteuerwäsche spott- billig Psandleihhaus Weidenweg 19.* Sommerpaletots, Jackettanzüge, Herrenhosen, Damensachen, Riesen- äuswahl, spottbillig, Psandleihhaus Weidenweg 19. Verkaufszeit bis 9 Uhr abends._+55* Möbelsucheudc empfehle meine Möbeltischlerei für WohnungS-Ein- richtungen. Moderne Küchen. Wunder- bare Farben. Reell, billig. Teil- Zahlung. Garantte. tzarnack, Dres- denerstratze 124._ 2223K* Sofas, größte Auswahl, von 21 Mark an, direkt in der Fabrik Blumenstratze 35 b. 2174K* Sportwagen, Kinderwagen, Kin- derbettstellcn, gebrauchte, zurückgesetzte, spottbillig. Schneider, Kurfürsten- stratze 172. 947b Teppiche mit Farbensehlern Fabrik. mederlage Große Franksurterjtratze 9, parterre.__ tü7* Fahrräder, Teilzahlungen, hundert« fünfzehn Mark, Jnvalidenstratze 148 (Eingang Bergstraße), Skalitzer- stratze 40, Große Franksurterstratze 56. Nähmaschinen,«chnellnäher, Ring- schiff. Bobbin, Langschiff, ohne An- Zahlung, Woche 1,00, grotzes Lager von gebrauchten Ring- und Lang- schiffmaschincn von 10 Mark an. Post- karte genügt. Frankfurter Allee 10, am Ringbahnhos_+192* Nähmaschinen. Vergüte bis 10,00 wer Teilzahlung Nähmaschine kaust oder nachweist. Alle Systeme. Woche 1,00. Postkarte erbeten. Borchers Zorndorscrstratze 50. 148/12* Nähmaschinen ohne Anzahlung, bis 10,00 Vergütung. Postkarte. Breit- holz, Rodenbcrgstratze 39. S93b* Zinkwaschfäffer, Sitzwannen, Zober, in nur bester Ware. Teil- Zahlungen gestaltet. Kottloff, Skalitzer- stratze 108. 2242K* Bronzegaskronen! dreiflammig! 6,00. Gaslhren!>/,. Zweilochgas- kocher 2'/z. Wohlauer, Wallnerthcater- stratze 32(Schillertheater). Gaskocher- Haus!_ 22575t* Vorjährige hochvornchme Herrenhosen aus feinsten Matzstoffen, 9—12 Mark. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. 2169K* Steppdecken billigst Fabrik Grotze Franksurterstratze 9, parterre.+37» Säulentrumeau, geschliffen, vierzig Mark, elegantes Paneclbrett sechs Mark, Strausbergerstratze 6a I. 1/16* Malztraftbier, blutbildend, für Blutarme, Brustkranke, Schwächliche, Gewichtszunahme, bessere Gesichts- sarbe, überraschend, 14 Flaschen 3 Mark,'/,, Tonne 3,50 exklusive. Nicht Flaschenzahl, Qualität ent- scheidet. Porter- Kellerei Ringler, Bernauerstratze 119. 140/6* Reisemuster. Herrenanzüge, Pracht- modelte, spottbillig, Schönhauser Allee 72b vorn III links.(140/4' Leihhaus Neue Schönhauser« stratze 11. �(Kein Eckhaus.) Größtes, ältestes Specialgeschäst für Fahr- räder, bietet ungeheuer billig Räder sämtlicher Marken an. Feinste Luxus- räder. Nickelrüder, enorm billig. Brennaborräder, Adlersahrräder, Dür- loppräder, Pantherräder, Rennräder, Tandems, Damenräder. Riescnaus- wähl in kleinsten Preislage». Jeder- mann interessiere sich für unsre Lager- bestände, dadurch unbedingt Zeit- und Geldersparnis. Leihhaus Neue Schön- hauserslratze 11(kein Eckhaus). 140/5 Abeffynierpumpen, Sauger billig verkaust Beschoro, Kastanien- Allee Nr. 85 IV.+56 Grammophon mit Platten billig. Grätz, Gerichtttratze 8._+87 Nähmaschine. 12,00, Garantie Münchebergerstratze 11(Schlesischer Bahnhos). fl27 Nähmaschinen sämtlicher Systeme ohne Anzahlung, wöchentlich 1,00. Fünf Jahre Garantie. Unterricht im Sticken, Stopfen gratis. Postkarte genügt. Wienerstratze 6, Ackerstr. 113, Bcllealliancestratze 78. 1032b Fahrrad, elegante, tadellos leicht- lausende Ä/aschine, fehlerfrei, schneidig ausgestattet, sofort wegen Sport- ausgäbe zu verlausen. Preis sehr mätzig. Rixdors, Allerstratze 6, II rechts. Taschensofas, 46,00, jede Farbe, Bergstraße 22 Hos, Tapeziererei. Schlafsofa umständehalber billig. Fräulein Gehler, Prinzenstratze 64. Hos I. 1022b Nähmaschine, tadellos, Garantie, 12,00, Langestratze 25 vorn HI. Göke, Mechaniker. 1028b Restauration wegen Krankheit billig verkäuflich, Umsatz 27 halbe, billige Miete. Auskunst Lindener, Korbgcschäst, Wicncrstratze 29. 1031b Schlassosa 20,00, wie neu, Palli- sadenstratze 23, Tapezierer,_ 1/14 Teppiche, Gardinen, Plüsch- portteren, Diwandeckcn, Stores, Steppdecken, Tischdecken, Läuserstoffe wegen Umbau spottbillig Potsdamer- stratze 100, Conrad Fischer. 2265K* Gelegenheitskäufe: Paletots, An- zügc, Hosen, Kessel, Betten, Teppiche, Schirme spottbillig. Lücke, Qranien- stratze 131. 1003b Reisegläser, Operngläser, Koffer, Revolver, Teschings, Reißzeuge, Zithern, Harmonikas, Geigen spott- billig Lücke, Oranienstraße 131. 1003b Uhren, Ketten, Ringe, Brillanten, Goldsachen, Regulatoren, spottbillig. Lücke, Oranienstraße 131. 1003b Steppdecken, Teppiche, Gardinen, Knabenanzüge spottbillig. Lücke, Oranienstraße 131.__ 10036 Staunend billig verlausen Ge- schwister komplette Muschelbettstellen 30,00, noch neu, geschliffener Tru- meau 33,00, Paneelsosa 55,00, ge- diegene sournierte Muschelschränke 38,00, Ausziehtisch, Salontisch 15,00, Taschensosa 45,—, Stores, Gardinen, Steppdecken, Plüschdecke, Verschiedenes jeden Preis Köpnickerstratze 126 a, I. Abcssinier-Pumpcn von 8 Mark an, Druckpumpen, Einzelteile, Filter, Erdbohrer umsonst leihweise. Bis 9 geöffnet. Wolff, Pumpcnsabrik, Acker- stratze 113. 2271K* Krawattcnftosse, größte Auswahl, Wallnerthealerstratze 30. 10096 Zwei Cigarren-Preffen, eine An- zahl Formen billig zu verlausen Kopischsttatzes, Cigarrengeschäst 1004b Bier- Ausschank- Säule, 2 leitig, komplett, billig. E. G. 100, Postamt 18. Ringschisschen, Bobbin. Schnellnäher, ohne Anzahlung, Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Köpnickerstratze 60/61, Prenzlauerswatze 59/60 und Grotze Franksurterstratze 43._+98* Betten, prachtvolle, 18,00, Michel, Dresdenerstratze 38. 1018b Fahrrad 40, Küchenspind 11, ver- käuflich, Wege, Charlottenburg, Nehring- stratze 23._ 10176 Pianino 140,00(braunes) Turm- stratze 6, parterre, 1021b Versckieäenes. Stellungsuchende Lesehalle, Holz marltstratze 73.__ 9926* Rechtsbureau. Klagen, Jnter ventionen, Eingabengesuche fertigt an Oranienstraße 109, I. 2250K* Patentanwalt Dammann. Ora nicnstratze 57, Moritzplatz. Rat in Patcntsachen bis abends neun.[835fi! Kunststopferei von Frau Kokosty, Steinmetzstratze 48, Ouergebäude hoch- parterre._' Aufpolsterung kSosa5,00,Matratze 4,00, auch autzerm Hause, Bachmann, Blumenstratze 35 b._ 2173K* Nähmaschinenreparaturen werden schnell und billig in meiner eignen Wertstatt ausgeführt. Bell- mann, Gollnowstratze 26, nahe der Landsbergerstratze._ 21 1-1 K* Pfandleihe Schönhauser Allee 35 Fransecki-Eckc._+56 Fahrräder kaust, beleiht Ratzlaff, Schönhauser Allee 163a. 108/9' Bandwurmer mit Kops, frisch in Spiritus eventuell Wasser, kausei: a 2 Mark, Linnaea, Jnvalidenstratze 105, Bücher kaust, beleiht Antiquariat Kochstraße 56, I. Amt 1, 8831.* Tarlehen vergiebt Selbstgcber, diskret. Tietze, Pojenerstratze 23. Rück- porto._ 1/15* Rechtsbureau Brunnen strage vierzig. Langjähriger Prozeßbcistand, Eingabengesuche, Raterteilung(aller- billigst)._ 10266 Rcchtsbureau(Alexander-Platz), Kurzestraße achtzehn! Gerichtsbeistand, Klagesachen! Strafsachen! Rater- teilung! Eingabengesuche I 110/1* Jnterventions-, Ehescheidungs-, Alimentensachen, Klagen, Eingaben. Hentschel, Forsterstraße 10, III. 10306 Pfandleihe, Prinzenstratze 63, Ecke Annenstratze, täglich 8—8, Sonn- tags bis 2 Uhr geöffnet. 2272K' Rechtsburcau. Vorsteher, früherer. Pücklerstratze 15.(Lausitzer-Platz).+1 ""RechtSbnreau!(Andreasplatz), Grünerweg vierundneunzig. Lang- jähriger Gerichtsbeistand! Rat- ertcilung I Ewgabengesuchc! Steuer- berusung I_ 1013b* Strassachen.Unsallsachen, Gnadengesuche, Ehebewilligungs-Gesuche er- solgreich. Mark 0,75 an.— Rechtsbureau Elsassersttatze 96(Rosenlhaler- thor). 1010b* Rcchtsbureau. Gcrichlöklagen, Strafsachen, Eingabengesuche, Rat- erteilungen. Petsch, Brunnenstr. 97, Vermietungen. �Vodouaxen. Zwctzimmcr-Wohnungen. sofort, herrliche, spottbillig, Rixdors, Wanzlick- stratze 12. 144/11* Zimmer. Kleines möbliertes Zimmer, mit Kaffee 17,00, Mittag, Dresdener- stratze 79, Seitenflügel III. 953b* Möbliertes Zimmer, ein, auch zwei Herren, Slalitzersttatze 12, in, Zuschke.+70 Arbeitsmarkt. Stellengesuctae. Komiker Eisholz, Gropius stratze 7. Genosse, 25, durchaus zuverlässig, gute Handschrift, gewandter Stilist, litterarisch befähigt, wünscht bei be- scheidenen Ansprüchen Sncllung. U W. Postamt NW. 87. 9742 Flickschneider, spottbillig, gutsitzend, schnell, geübt, Aendcrungcn, Reparaturen, Gardcrobenreinigung sucht Kundschaft. Eberl, Fruchtstr. 46. Journalist, redaktionell thätig ge- Wesen, sucht Stellung. Offerten unier G. 6 an die Expedition dieser Zeitung._ 10206 Stellenangebote. Schlosser, tüchtige, für Kunstschmiede verlangt Panzer A.-G., Berlin N., Badstraße 59. Tüchtigen Bildcrrahmenmacher verlangt Hans Gost, Kurfürsten- stratze 45. 10156 Tüchtigen Formenciscleur verlangt Reinhold Hirschscld, Alexandrincu- stratze 24 Iii. 10l2b Blusenarbeiterin verlangt Ringer, Wrangelstraße 136 II._ fl Lehrmädchen mit guter Schul- bildung bei monatticher Pergüttgung sofort oder später gesucht. Persönliche Vorstellung in Begleitung der Eltern oder des Vormundes mittags 1—2 oder abends 8—9 Uhr. A. Jandors u. Co., Bellc-Alliancestraße 1/2.' Poiamentier-Handarbeiterin vcr- langt Nictncr, GreisenhagenerslraßesS. ""Tüchtige Taillen- und Rockarbeiterin verlangen Geschwister «chusteriuS, Blücherstraße 29. 1014b Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehoben« «»zeige» koste» 40 Pf. pro Zeil«. Ein tüchtiger, solider, selbständig arbeitender 144/5* Linoleumleger für Frankfurt a. 31 in ein grosses Linoleumgeschäft gesucht bei hoh«Mn Lohn und dauernder Stellung. Schriftliche Offerten unter F. J. X. 032 an Rudolf Mossc, Frank Dirt a. M. Bei Konvenienz wird die Reise rückvergütet._ Acht. SlnkkDtcnrf für Festsetzung und Ziehung von Dachleisten erhalten sofort Arbeit. Skanska Cenicntgjuterlet, Malniö. Schweden. 1/11* ! Kürschner I Durch Maßregelung von � Kollegen beider Organisationen wegen Per» Weigerung der Unterschrist eines ein- seitigen Kontraktes ist die Werkstatt der Firma 102/12 C A. Herpich Söhne Leipzigerstr. 11 bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Kürschner- Verband (Zahlstelle Berlin). Verband d. Kürschner Berlins u. Umg, I. A.: Fr. Grandel. Aektnng! Ächtangl Wegen vorliegender Differenzen bei der Firma Funk«. Co.(Altmanu)» Charlottenburg, ist laut Versamm- lungsbeschluß Zuzug nach dort strengstens fern zu halten. 67/20* Die Sektlonsleltnng. Achtung, Holzarbeiter! Zuzug ist streng fern zu halten v«. Kautifchleru, Emfetzem »ach Steglitz, Groß-Lichter- ftlde,Lauhlvitz und Friedenau. Vergotder u.Beritjsgenossen! AHM- Der Streik bei den Ring» sabrilantcn und deren Zwischenmeistcv dauert unverändert fort. 225/15 Euzng nach 8erlin ist streng fcrnzuhaltsn. Auskunft erteilt Unterzeichneter. Die Ortsverwaltung. I. A.: Emil Gehlert, Langestr. 38 II. »Ä* Köpenick. Der Lau der Wasch- Anstalt von Bayer, Freiheit 80b, ist sür organi- sierte Kollegen gesperrt, da dort Accordmaurer beschäftigt werden. Der Bau wird ausgeführt von der Firma Richter& Schmidt, Berlin O-, Stralauerplatz 18/19. 143/5 Die Ortsverwaltung. Achtung! Wir geben hiermit bekannt, daß In Ramhnrg im Leitcrgerüftbau- Gewerbe Lohndifferenzen ausgc« brachen sind.— Wir bitten Zuzug nach dorthin fernzuhalten und bis aus weiteres Arbeit dort nicht anzu- nehmen. 68/2 Ebenso ist Zuzug nach Ehar- lottenburg bei Funk u. Co.(Alt» mann) fernzuhalten. Die Orisverwaltung Berlin I. des Centralverbandesder Handels-, Trans. port- u. Verkehrsarbeiter Deulschlds. KkdMsix- Lgul Sßttotr,. BerM. Sur feil Lvlmztxiiwl msni&s ZH. Q>!fic(ee Berlin. Druck u. Perlag: Kerwgrts BuHfeuÄrei u. VerlassgnLait gfoul Mm& Sa, Berim SW.