Nr. 104. Nbsnnemenk-SeSIngllngea s Wonncments> Preis pränumerando: Liertegährl. S.Z0 Rt, Mona«. 1,10 ZA., wöchentlich 28 Pfg. frei ws Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeitungS. Preislifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Mark, für das übrige Ausland 3 Mar! pro Monat. 21. Jahrg. Crfditlnt Kgllch außer Hlontagt. Sevlinev VolksblAkk. Die Insertion!-Ledilhr beträgt sür die scchsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins. und Persammlungs-Anzeigen 25 Pfg. „Kleine Hnrcigen", das erste(fettgedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zivei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Iclegramm-Wrefle: „Soalaliltiiisllnt RcrllD". Zentralorgan der fozialdemokrati leben parte» Deutfcblande. Redaktion: 8M. 68, Llndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Mittwoch, den 4. Mai 1004. Expedition: 8M. 68, Llndenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Krankenpflege" in Plötzensee. Nach langem Zögem haben einige der leitenden bürgerlichen Blätter sich entschlossen, die Greuel des preußischen Strafvollzuges, die in unserm Blatte aufgedeckt wurden, zu besprechen. Da die Angelegenheit den Reichstag beschäftigen wird, sind die hartnäckig geübten Schweigeversuche doch aussichtslos geworden, und die Furchtbarkeit der Thatsachen erschüttert schließlich auch verhärtete Gemüter. Freilich, die konservative„Leipziger Zeitung", das Blatt der sächsischen Regierung, zeigt bereits, wie die freund' nachbarliche preußische Regierung es anstellen mag, um das Ent setzensvolle glinipflich zu überstehen. Von niemand, wird in der „Leipziger Zeitung" geredet, werde geleugnet,„daß unser Straf Vollzugswesen manches zu wünschen übrig läßt und daß, wie bei allen n, enschlichen Einrichtungen, so auch in Gefängnissen Miß' stände vorhanden sind". Aber diese Zustände seien«nicht zum zehnten Teil so schlimm, wie dies die Socialdemokratte aus einzelnen Fällen konstruieren möchte". So ist der Weg ge- funden, um die erschütternden Geschehnisse in den Gefängnissen und Strafanstalten umzuwandeln in eine Anklage gegen— socialdemo- kratische„Preßmanöver". l Sonst ist. soweit bisher Zeitungs- äußerungen vorliegen, so widerwärttgeS Sichabfinden mit Zuständen, die selbst vom konservativsten Standpunkte aus unerttäglich sind, nicht versucht worden. Vielmehr vermögen liberale wie CentrumS- blätter nicht umhin, die Bedeutsamkeit unsrer Mitteilungen anzu- erkennen und Abhilfe zu fordern. So sagt die„Kölnische Zeitung", nachdem sie aus unfern Veröffentlichungen citiert: „Die Frage ist also, was soll, was kann unter diesen be- klagenswcrten Umständen geschehen. Denn Abhilfe muß da ge- schaffen werden, und zwar bald. Die Gerechtigkeit und vor allem die Menschlichkeit verlangen es. Die traurigen Erfahrungen, die wir mit den Reformen der Justizgesetzgebung nun seit Jahren machen, geben uns keine Aussicht, daß loir auf dem normalen Wege der Gesetzgebung in absehbarer Zeit zu einem LieichS-Straf- vollzugsaesetz gelangen werden. Wir haben vor kurzem mit großem Bedauern feststellen müssen, daß gewissermaßen eine Versumpfung der Strafprozeßreform eingetreten ist. Daß ferner noch nicht die ersten Vorarbeiten der SttafrechtSreform vollendet sind, ist bekannt. Und doch ist erst an ein Strafvollzugsgefetz zu denken, wenn diese Gesetze erlassen sind. Unter diesen Umständen ist mit allem Nachdruck zu fordern, daß die schon bestehenden Vorschriften aufs strengste beobachtet werden und daß gegen Zuwiderhandlungen rücksichtslos eingeschritten wird. Wem die Machtvollkommenheit zusteht, über Verhältniffe zu entscheiden, die ein solches Elend im Gefolge haben können, dem liegt auch die Pflicht ob. mit pein- licher Vorsicht über die Ausübung dieser Machtvollkommenheit zu wachen, und wir zweifeln nicht, daß das nunmehr auch ge- schehen wird." Weiter giebt die„K. Z." den dankenswerten Hinweis auf die Bestimmung der Strafprozetz-Ordnung, daß die Vollstreckung von Freiheitsstrafen aufzuschieben ist, wenn der Verurteilte in Geistes- krankheit verfällt oder wenn nahe Lebensgefahr zu besorgen ist. Statt von dieser Bestimmung den nötigen Gebranch zu machen, läßt man Menschen unter furchtbaren Leiden traurig zu Grunde gehen, wofür der nachfolgend erzählte Fall ein weiteres Beispiel giebt. Karl Rudolph war im Juli 1902 in Plötzensee eingeliefert und hatte wegen Diebstahl ein Jahr zu verbüßen. Der Mann war 40 Jahre alt, Familienvater und nicht vorbestraft. Einige Monate bor dem Ende der Strafzeit befiel ihn ein O h r e n l e i d e n. Er meldete sich zum Arzt, Medizinalrat Dr. Pfleger besah das eitenide Ohr und überließ die weitere Behandlung dem Lazarett- aufseher Heine. Obschon der Erkrankte sich an jedem Arzttage vormerken ließ, war es immer dieser Lazarettauffeher, der das Ohr durch Ausspülung zu kurieren suchte. Gründliche medizinische Kenntnisse gehen einem solchen Aufseher ab. Der Aufseher Heine hat daftlr große Routine im Anlegen von Zwangsjacken und in der Applikation solcher Mittel, die ein mehr oder minder starkes Hilfegeschrei der Pattenten zu bewirken pflegen. In derselben massiven Form wurde denn auch der bedaueniSwerte Rudolph durch mehrere Wochen behandelt. Der wußte vor Schmerzen nicht aus und ein und klagte seinen Mitgefangenen be- ständig, daß ihm beim Ausspülen des Ohres durch plumpes Hinein- stoßen der harten Gummispitze jedesmal neue Verletzungen zugefügt würden. DaS Leiden wurde immer schlimmer, und erst am 16. Juni 1903 erfolgte die Aufnahme des Rudolph in das Anstalts- lazarett. Ob die Plötzenseer Mcdizinalräte zuvor den Kranken gar nicht angesehen hatten oder die Schwere des Leidens nicht zu ahnen vermochten, steht dahin. Rudolph verlangte nun aber seine Vor- führung in der Charitö, da die Lazarettbehandlung ihm Vertrauen nicht einflößen konnte. Den weiteren Verlauf deS Falles zeigen diese Altenvermerke: (Sltts dem ärztlichen Verordnungsbuche: Rudolph, Karl, ist an einem Ohrenleiden erkrankt und muß einmal in die Charitü vorgeführt werden. Plötzensee, den IS. 0. 03. gez. Dr. Pfleger. An die königliche Direktion der Charits zu Berlin. Plötzensee, den 19. 6. 03. Der Gefangene Karl Rudolph wird der Charits-Direktion, Ab- teilung für Ohrenllinik, mit der ergebensten Bitte vorgeführt, den- selben auf sein Ohrenleiden untersuchen und gefl. mitteilen lassen zu wollen, ob bezw. welche BeHandlungsweise angezeigt erscheint. Die Direktion. I- V. gez. Denzner. Rudolph. Karl, bedarf der Aufnahme in die Ohreuklinik. U n- avweiSbarl CharitS, 20. S. 03. gez. Dr. Lange. Poliklinik für Ohrenkranke der königl. CharitS. Berlin, den 20. Juni 1903. An die königliche Direktton des Strafgefängnisses Plötzensee. Der p. Rudolph leidet an schwerer Mittelohr-Eitcnmg(rechts), die zur Erkrankung des Warzenfortsatzes und zu äußerst bedrohlichen Allgemeincrfcheinungen geführt hat. Die Vornahme einer größeren Operation ist unabweisbar. (Unterschrift unleserlich.) Die Bemühungen der Charitö-Aerzte waren erfolglos; Rudolph starb bereits am 25, Juni. Das ist Krankenbehandlung, wie sie in Plötzensee verstanden und geübt wird. Man begreift, daß die Gefangenen, welche er- kranken, alles aufbieten, um eine Vorführung in die Charitü und dort Rat und Hilfe zu erlangen. Die ärztliche Hilfeleistung in den Gefängnissen und Strafanstalten bedarf einer gründlichen Prüfung durch die Fachmänner und schleunig st er Verbesserung. Zu beachten ist auch die lange Frist, die zwischen der Anordnung des Arztes und der wirklichen Vorführung des kranken Rudolph in die Charit« lag. Am 13. wurde die Vorführung vom Arzt an- geordnet, am 19. wird erst das Schreiben der Direttion ausgefertigt, am 20. wird erst die Aufnahme in die Ohrenklinik bewirkt; zwei mal vierundzwanzig Stunden verstteichen, ehe der schwer Kranke überhaupt vor den Specialarzt gelangt. Eine unverzögerte Uebersührung in die Charitö hätte ihn vielleicht noch retten können, aber was die Vernachlässigungen durch den Arzt herbeigeführt, das wurde durch den schleppenden Gang des bureaukratischen Verfahrens vollendet._ Ueber die Schlacht am Dalu liegen noch folgend« Meldungen vor: Tokio, 2. Mai.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Als die Japaner sich gestern morgen der zwischen Kiulientscheng und Joschoko am rechten Jho-User sich hinziehenden Hügelreihe be mächttoten, leisteten die Russen zum zweitenmal auf einem Hügel nordöstlich Kiulientscheng Widerstand. Die Japaner gingen auf drei Wegen vor und besetzten die Linie zwischen Antung u n d L u i s ch u k a r l(?). Die japanische kaiserliche Garde umfaßte die Russen von drei Seiten und nahm gegen 8 Uhr abends nach erbittertem Kampfe Mann gegen Mann die russische Stellung. Die Japaner erbeuteten 20 Geschütze mit Bespannung und Munitton und nahmen über 20 Offiziere sowie eine große Anzahl Soldaten gefangen. Die Russen zogen sich nach Föngwangtscheng zurück. Söul, 2. Mai.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Nach der Schlacht bei Kialientse verfolgte die japanische Kavallerie und Infanterie die Russen über die Hügel m der Richtung auf Föngwangtscheng. Es scheint, daß während ber Ver- folgung Mannschaften gesangen genommenund Kanonen erbeutet wurden. Diese Nachrichten beziehen sich offenbar nicht auf eine zweite Schlacht, sondern auf die entscheidenden Schlußattacken jener Kämpfe, über die die gestrigen Nachrichten bereits berichtet hatten. Eine Schlacht bei Gensan? London, 3. Mai.(„Bureau Laffan.') Aus Petersburg meldet„Standard": 3000 Russen näherten sich am Sonntag Gensan; eine gleich starke japanische Streitmacht trat ihnen entgegen. Es entspann sich ein heftiges Gefecht, in welchem beide Parteien erhebliche Verluste erlitten. Die Japaner zogen sich schließlich nach Gensan zurück. Zwei hohe russische Offiziere wurden verwundet.— In London nimmt man an, daß diese Meldung, falls sie den Thatsachen entspricht, sich auf die Operation der Kavallerie des Generals Rennenkampf bezieht, der einen Flankenangriff auf die Japaner beabsichtigt haben soll. Die Nachricht stammt aus russischer Quelle und entbehrt noch völlig der Bestättgung durch Japan. Sie ist deshalb unglaubhaft, aber auch schon deshalb, weil es rätselhust wäre, wie von Gensan aus so rasch gerade nach Petersburg Nachricht über ein solches Gefecht gelangen sollte. Auf dem Landweg ließe sich die Nachricht unter keinen Umständen so rasch melden, Nachrichten zur See müßten aber erst die japanische Censur passiert haben. Diese offenbar erfundene Meldung soll also jedenfalls nur dem Zwecke dienen, die Nachricht von dem japanischen Siege am Zalu abzuschwächen und einen Kurssturz zu verhindern. Minder unwahrscheinlich klingen folgende russische Nachrichten über einen mißlungenen „Brander"- Angriff auf Port Arthur: Petersburg, 3. Mai. Hier verlautet aus Port Arthur, daß 8 japanische Brander und 2 Torpedoboote, als sie in der vergangenen Nacht herankamen, um Minen zu legen, sämtlich in den Grund gebohrt wurden. Eine amtliche Bestätigung liegt jedoch nicht vor. Tientsin, 3. Mai.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die russischen Behörden erhielten heute nachmittag die Nachricht, daß neun japanische Handelsschiffe mit äußer st er Kraft auf die Hafeneinfahrt von Port Arthur losaedampft wären mit der Absicht, dieEinfahrt zu sperre nl Sie wären durch die russischen Forts zum Sinken gebracht worden. Die Einfahrt ist frei. Auch hier bleibt eine japanische Bestättgung abzuwarten, so be- greiflich es ja wäre, daß Japan abermals versucht hätte, die Hafen- einfahrt von Port Arthur zu sperren.— politische(Zebersicdt. Berlin, den 3. Mai. In der Zange der Agrarier. An demselben Tage, da die Junker im Landtage gnädigen Sinnes die„Kompensationen" schluckten und hohnlächelnd die Gegenleistung des Kanals verweigerten, wollten sie im Reichstage durch ein drastisches Mittel die Regierung zur Erfüllung ihrer handelspolitischen Wünsche zwingen. Schon beim Etat des Reichsschatzamtes gab es ein kleines Vorspiel. Herr Dr. D rösch er, der von der Wahlprüfungs- Kommission heute verabschiedete konservative Vcrtteter von Schwerin, forderte eine Zollakademie, die die„Zöllner" in die Geheimnisse des neuen Tarifs einweihen sollte. Freisinnige Abgeordnete hatten seiner Zeil diesen Vorschlag in der Budgetkommission als Verulkung des Zolltarifs eingebracht; aber weil er«zu dumm" ist, soll er jetzt, tvcnn es nach den Wünschen der Konservativen geht, ausgeführt werden. Die Hauptschlacht wurde aber bei der Zuschuß anleih e geschlagen. Von den 69Vz Millionen, die durch sie gedeckt werden sollten, hat die Budget- Kommission 42 Millionen durch Erhöhung der Einnahmen abgestrichen. Die iibrigen 17>/s Mllioncn werden zusammen mit den schon(nach dem Etatsentwurf der Re- gierung vorhandenen 26 Millionen in ungedeckte Matrikularbeittäge umgewandelt d. h. den Einzelstaaten als Zuschuß zu den Reichs- ausgaben auferlegt. Natürlich sträuben sich die Regierungen mit allen Mitteln gegen diese unangenehme Notwendigkeit. Der Schatzsekretär suchte die Rechte durch die schönsten Argumente zur nachttäglichen Bewilligung der Zuschuß- anleihen zu veranlassen. Er versprach ihnen, daß beim nächsten Etat schon, wenn möglich, der Zolltarif in Kraft sein solle, appellierte an ihr Reichsgefiihl, daß sie nicht durch weitere Belastung der Einzelstaaten die Reichsvcrdrosseuheit in diesen züchten sollten, suchte sie dadurch zu rühren, daß er auf die durch die neu beschlossene KriegSinvaliden-Pcnsion entstandene bedeutende Mehrbelastung des Reichsetats hinwies und malte schließlich den roten Teufel an die Wand: Die Socialdemokratte wolle den bundesstaatlichen Charakter des Reiches zerstören und einen wirklichen Einheitsstaat aus Deutschland machen, und die bürgerlichen Parteien möchten ihr in diesem— natürlich vaterlandsfeindlichen— Stteben nicht Vorschub leisten. Nach dem Reichsschatzsekretär traten dieBundesratsbevollmächtigten für Bayern, Baden, Württemberg und Sachsen« Weimar auf den Plan, um teils ttotzig mit Verminderung der Ausgaben für die Landwirtschaft zu drohen, teils durch weh- mütige Bitten den tieferen Griff in die bundesstaatlichen Kassen abzuwehren. Die Rechte blieb unerbittlich. Graf Schwerin- Läwitz, Herr von Kardorsf und Herr G a m p sagten, daß sie auf die Regierung einen Druck ausüben wollten. und daß, wenn der Reichskanzler nicht bis zur dritten Lesung eine bindende Erklärung über das Inkrafttreten des neuen Zolltarifs ob« gäbe, sie auch in der dritten Lesung bei ihrer jetzigen Stellung be- harren würden. Der Reichsschatzsekretär bat und flehte, aber nur ein weißer Rabe fand sich; Herr Rettich, der das Land des OchsenkopfeS mehr liebt als selbst den Fünf-Mark-Zoll, ttat ihm bei. die übrigen Agrarier blieben fest und wollen an Zöllen nichts zahlen. Daneben gab es eine ganz scherzhaste Debatte?zwischen Herrn Gotheinvon derFreisinnigenVereinigung und den genannten Agrariern, denen Herr Dr. Arendt mit seinem„Witz" und„seiner Sach- kenntniS" zn Hilfe eilte, über die Beziehungen der„Socialliberalen" zur Socialdemokratte, über die Obstruktton und über eine Landtags- rede des Abg. Gothein, bei der Herr G a m p als Schiedsrichter den Genossen Bebel vorschlug. DaS Centtum schwieg, und der nationalliberale Abg. Dr. Paaschs sprach die Sehnsucht nach dem rettenden Cylinder des Herrn Dr. Spahn aus. Für heute aber wurden die Bcschlüffe der Budgetkommission aufrecht erhalten und die Zuschußanleihe beseitigt.— Der Rest deS Etats wurde ohne wesentliche Debatte beendet. Mit Annahme deS Etats- gesetzes war die zweite Lesung erledigt. Am Mittwoch will das HauS die Totalisatorsteuervorlage und das Gesetz zur Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshast beraten. Der Kanalposse dritte Auflage. Der Gegensatz zwischen der westlichen Jndusttie und der oft« lichen Landwirtschaft ist für die Wege der preußischen Politik entscheidend, wenn er einstweilen auch immer wieder durch das gemeinsame Bündnis gegen das Proletariai verdeckt wird. Die gegenteiligen Interessen der Industrie und Landwirtschaft werden einmal dadurch„versöhnt", daß die Herrschenden sich gegenseitig Vorteile auf Kosten der Arbeiter zuschanzen. Und was die Politik der Benteverteilung noch an Gegensätzlichem übrig läßt, wird durch die Solidarität gegenüber der Socialdemokratte nach Möglichkeit beseitigt. Dennoch wirken unter der Oberfläche die gegenteiligen wirffchastlichen Tendenzen fort und ringen immer wieder zum Ausdruck. Die Posse der großen preußischen Kanalvorlage erklärt sich aus diesem Zwiespalt. Sie zeigt eine Regierung, die mit der Industrie wirtschaftlich gehen möchte und doch nicht von der Junkermacht loskommen kann. Sie zeigt eine Bourgeoisie, die politisch nicht zur Macht gekommen ist, während sie wirtschaftlich dem Junkertum weit überlegen ist. Diese Widersprüche bildeten die Geschichte der Kanalvorlage, die seit 1899 spielt und jetzt abermals aus der Versenkung emportaucht. Im preußischen Abgeordneten- hause, wo der gemeinsame Gegner, das Proletariat, nicht anwesend ist, fühlen sich die beiden Interessenten unter sich und markieren deshalb ihren Gegensatz mit größerer Offenherzigkeit als sonst. Man erwartete am Dienstag beim Beginn der Beratung der Kanalvorlage im preußischen Abgeordnetenhause Sensattonen. Die Tribünen waren übervoll, im Hause schwirrte es höchst beschlußfähig. Aber Graf Bülow war nicht erschienen, um die Einleitungsrede zu halten; man sagt, weil er Geburtstag und den Kaiser zum Gaste hatte. Also mußte Herr v. Budde, der soeben zum„Ahnherrn" eines erlauchten Geschlechts Beförderte, beginnen. Herr v. Budde hatte schon in seiner bürgerlichen Vorzeit die erste Kanalvorlage verteidigt. Seit- f fccm hat sie sich sto� verändert. Sie ist völlig verjunkert.� Die Kanalrevcllcn Häven einen Haufen Kompensationen durchgesetzt, der Mittelland-Kanal selbst ist auf das Fragment eines Nhein-Hannover- Kanals zusammengeschrumpft, und auch dieses Fraginent kann leicht ans dem nur äußerlichen Zusammenhang mit den andren Entwürfen herausgelöst werden. Auch die Tonart der Regierung ist seit Buddes erster, damals strategisch arbeitenden Kanalrede durchaus anders geworden. Nichts mehr von Fordern, Befehlen. Drohen. Die Junker haben die Regierung gelehrt, wie sie mit ihnen zu reden habe. Heute verlegte sich folglich der Herr v. Budde auf demütiges Bitten und Betteln. Im übrigen redete er l'/i Stunden„sachlich", das heißt trostlos langweilig. Um so munterer war die Opposition. Im Hause hat sich seit 1899 kaum etwas geändert. Centrum und Konservative reden natürlich auch ein wenig milder als früher, sie versprechen zw prüfen, nach einer Einigung zu streben, aber diese Einigung besteht— das scheint schon jetzt klar— darin, daß die Regierung erstens noch mehr Konzessionen macht und zweitens auf den Nhcin-Hannovcr-Kanal abermals verzichtet. In dieser„einigenden" Tendenz sprachen sowohl der Centruinsmann, der Kölner Rechtsanwalt Zehnhoff (Bormund des Prinzen Arcnvcra) als auch der alte Führer der konservativen Fronde Graf Limburg- Stimm. Der crstcre hielt eine sehr lange, scheinbar rein sachlich-tcchnische Rede, der letztere begnügte sich mit einer kürzeren Erklärung, beide aber ließen keinen Zweifel darüber bestehen, daß sie den Kanal weiter alö Faustpfand in der Hand behalten wollen. Herr Zehnhoff begann sogar schon wieder das alte Spiel, weitere Kompensationen zu verlangen, dies- mal für Schlesien. Die Mehrheit diktierte zunächst ihre Minimal-Vediugnngen, die erst erfüllt werden müssen, ehe man sich überlegen will, ob der Rhcin- Hannover-Kanal überhaupt in Erwägung gezogen werden könnte. Kündigung der Handelsverträge, das ist die erste Forderung— kein Kanitz, kein Kanal I Sodann verlangt man noch etliche andre Geschenke, wie die Flnß-Abgaben. Abgesehen davon, daß der klerikal-konscrvativ-agrarischen Mehr- heit da- Kanalprojekt dazu dient, um auf die Reichsregiernng in handelspolitischer Hinsicht einen Druck auszuüben, ist sie auch wirklich Gegner des Kanals aus antiindnstricllcr Verkehrsfeindlichkeit. Es war höchst charakteristisch, daß der CentrumSredner erklärte, der Entwurf sei überhaupt nur deshalb diskutabel geworden, weil die in den früheren Entwürfen geforderte Verbindung zwischen Weser und Elbe fehle; der Vorzug dieses Projekts vor dem früheren bestehe gerade darin, daß es keine Wasscrvcrbindung zwischen dem Westen und dem Osten herstelle. Für die reaktionäre Mehrheit ist jeder Kanal ein Einfallsthor für konkurrierendes Getreide, sodann ist er deshalb Teufelswerk, weil er direkt und indirekt die Industrie fördert. Förderung der Industrie aber bedeutet: Abzug der Arbeiter vom Lande, Leutenot, höhere Löhne,— Socialdemokratie. Indem Centruin und Konser- vative aus diesen Motiven ihrer Abneigung gegen Wasserstraßen kein Hehl machen, zeigen sie mit aller wünschenswerten Deutlichkeit, daß es keine stärkere HenrmungScrscheinung der Entlvickluug von Preußen-Deutschland gießt, als dieses klerikal-konservative Agrar- syndikat. Wie fröhlich wieder die Kanalrcbcllcn sind, zeigte sich übrigens an einem kleinen Zwischenfall. Nachdem Graf Limburg-Stirum unter gespannter Aufmerksamkeit gesprochen, nahm ein RcgierungS- kommiffar das Wort. Sofort verließ ein großer Teil der Mitglieder lärmend den Saal; die Zurückbleibenden aber plauderten laut in Gruppen, lachten und scherzten. Der unglückliche Kanal-Kommissar sah sich vergebens hilfeflchcnd nach dem Präsidenten um, damit er ihm Ruhe verschaffe. Herr v. K r ö ch e r aber rührte sich nicht und der Kommissar gab schnell den Kampf mit der Unruhe auf, indci» er seinen Widerlegungsversuch abbrach. Die heutige Debatte schloß mit einem„wohlwollenden" Tanz zwischen Ja und Nein, den der Freikonservative Ncwoldt auS- führte. Am Mittwoch wird die Beratung fortgesetzt.— Die französischen Gcmcindcratsivahlcn., Paris, 2. Mai.(Eig. Ber.) Die Ergebnisse des ersten Wahlganges liegen zur Stunde noch nicht vollständig vor. Und bei den zahlreichen Stichwahlen wird eine genaue Beurteilung des Gesamt- ergcbnisseS selbst in den Städten erst nach dem zweiten Wahlgmig, der am nächsten Sonntag stattfindet, möglich sein. Doch läßt sich bereits im großen ganzen sagen, daß der RegicrungZbloc gut ab- geschnitten hat. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf Paris, auf den Kampf der Socialisten und Radikalen gegen die nationalistische Genwinderatsmehrheit. Resultat des ersten Wahlganges: 27 Ratio» nalistcn aller Farben, 27 Socialisten und Radikale, 26 Stichwahlen. Die endgültigen Ergebnisse zeigen auf beiden Seiten keinen Gewinn und keinen Verlust. Sänitliche 51 Erwählte sind bisherige Gemeinde- ratS-Mitglieder. Erst die Stichwahlen ivcrden über den Sieg ent- scheiden. Immerhin dürfen die linksstehenden Zeitungen mit größerem Rechte auf den Sieg hoffen bezw.(wie einige Organe bereits thun) de» Sieg verkünden, als die nationalistische Presse, deren Siegcsfanfaren übrigens recht unsicher klingen. Eine, wenn auch geringe Mehrheit der Stichwahlen und damit des GemeinderatcS scheint dem socialistisch-radikalen Kartell sicher zu sein. Es ver- steht sich nämlich von selbst, daß die Socialisten Und Radikalen in, ziveitc» Wahlgang gegenseitig straffe Disciplin halten werden. Einige Vcrzichtleistnngen radikaler Kandidaten zu Gunsten von in der Hauptwahl meistbegünstigten Socialisten und umgekehrt sind bereits perfekt geworden. In Frankreich ist nämlich die Zahl der Kandidaten in der Stichwahl ebenso unbeschränkt wie in der Haupt- wähl.) Ebenso lverdci, die Socialisten verschiedener Richtungen einander begünstigen. So hat bereits der jaurssistische Kandidat Fouruidre seinem glücklichere» Rivalen Le Grandais, der den revolutionären Socialisten mehr oder minder nahesteht, nebst der Vcrzichtleistung auch seine aktive agitatorische Unterstützung zur Ver- fügung gestellt. Letzteres hat auch der janrvsistische Abgeordnete des Wahlkreises Rouanet gcthau, der iin ersten Wahlgang für seinen Freund Fonrnisrc kämpfte. Die Niederlage der nationalistischen Gemeinderatsmehrheit, die an einigen wenigen Mandaten hängt, ist also wahrscheinlich, trotzdem der nationalistische Mischmach sich ebenfalls anschickt, im zweiten Wahlgang geschlossen vorzugehen. Was die S t i m in e n z a h l betrifft, so wäre die nationalistische Mehrheit bereits zertriinnnert worden, wenn die empörende Un- gleichheit der Pariser Wahlbezirke nicht die großbürgerlichen Wähler mit eine», ungeheuerlichen Plnralvotnur ausstattete. Schon 1909 vertrat die nationalistische Gemeinderats- Mehrheit eine Minderheit der Wähler: Jetzt hat sich die Stimmenzahl Iveiter zu Gunsten der Linksparteien verschoben. 1900 musterten diese letzteren 226 257 gegen 153 571 nationalistische Stimmen, jetzt aber 267 930 gegen 192 368 Stünmeu. Die Stiinmemnehrheit zu Gunsten der Linken stieg also von 67 683 auf 75 562. Gleichzeitig stieg die Zahl der eingeschriebenen PZähler gegenüber 1900 von 519 312 auf 595 078 und die Zahl der Abstimmenden von 113 590 aus 171 083. Der Prozentsatz der?1bstimmendcn ist demnach selbst im Vergleich mit der hohen Stimmbctcilignng von 1900 lvcitcr gewachsen. Von dieser absoluten und relativen Zunahme der abgegebenen Stimmen, die am besten die Heftigkeit der Schlacht verdeutlicht, haben aber die Linksparteien am meisten profitiert. Sie haben an die Urne 11 673 Wähler mehr als 1900 geschickt gegen ein nationa- listisches Mehr von 33 791 Wählen,. Innerhalb der Linksparteien sind eZ die S o c i a l i st e n, die in Bezug auf Stimmen wie auf Mandate an der Spitze des An- stur», es gegen die Nationalisten stehen, wie sie 1900 in der Defensive sich am stärksten gezeigt haben. Von den 27 Links- Mandaten gehören 16 oder 17 den Socialisten und nur 11 oder 10 den Radikalen oder Linksradikalen. Das„oder" erklärt sich daraus, daß einer der Gewählten, Pipcraud, bald als(un- abhängiger) Socialist, bald als Linksradikaler bezeichnet wird. Von den gewählten Socialisten kommen 8 auf die P. S. F.(Jaurssisten), 3 oder(mit Pipcraud) 1 ans die Unabhängigen(keiner Partei an- gehörenden). 3 auf die Alemanisten und 2 ans die P. S. de F. (revolutionäre Socialisten, deren es nur eben so viel im früheren Gcmeindcrat gab). Da die Socialisten insgesamt 19 Mandate zu behaupten hatten, so sind für sie einige MaudatSgewinne wohl zu erwarten. In der Provinz kündigt sich der Erfolg deS BlocS erheblich glänzender an, als in der Hauptstadt. In Lyon behauptet sich mit gestiegener Mehrheit der radikale Gcmeindcrat mit de», jaurösistischen Bürgermeister, Prof. Augognenr, an der Spitze. Marseille wird vom ministeriellen Socialismus zurückerobert, T o u l o n wird in der Stichwahl für den Bloc zurückgewonnen werden(bis 1900 war es socialistisch). Lens, Roanne, Carmaux, Narbonne bleiben ministeriell- socialistisch. Dagegen kommt der jaurösistische Gcmeinderat von Saint-Eticnne in eine nicht ganz sichere Stichlvahl. Tie Guesdisten kommen in Lille in eine ungünstige Stich- Wahl, nachdem sie seit 1396 den dortigen Gemeiuderat besessen haben. Nach den vorläufigen Angaben haben sie einen Stimmen- Verlust erlitten. In R o u b a i x hat Tcxtilkönig Motte bereits 15 Kandidaten seiner Liste, darunter er selbst, durchgebracht, und es stehen noch 21 Stichwahlen bevor. Im übrigen loerde ich auf die Ergebnisse der Provinzwahlen zurückkommen, da die bisherigen Meldungen ganz unvollständig sind. Insbesondere stehen noch aus die Nachrichten aus zahlreichen Orten, Ivo bisher die P. S. de F.(Guesdisten und Blanquisten) den Ge- meinderat beherrschten.— Veutfcben Reich. Es gleit noch Wunder. Vor Beginn der Tagesordnung nahm am Dienstag Herr v. B u d d e, der Eisenbahnminister, ,m Ab- geordnctenhauS das Wort, un, cS als eine aus den Fingern gesogene Legende zu bezeichnen, daß die plötzliche Dreimillioncn-Gabe für die Eisenbahner mit de», Streik in Ungarn zusammenhinge. Vielmehr sei die Sache längst erwogen gewesen. Am 18.(!) April sei bereits die Vorlage dem Kaiser zur Genehmigung gesandt worden und erst am 19. sei der Streik unvermutet ausgebrochen. Wie wunderbar der Zufall spielt! Welch Glück, daß— wie Herr v. Budde versichert— ausgerechnet'ein paar Stunden vor dem Streik die Vorlage abgesandt worden ist! Sonst wäre der„Alibi- beweis" unmöglich gewesen. Immerhin unterließ es Herr v. Budde das allein zwingende Beweismittel anzuwendc», nämlich den Wortlaut der tele- graphischen Ermächtigung Wilhelms II. mitzuteilen. Und ebenso klärte er nicht genügend auf. warum er gelegentlich der dritten Etatslesung in so sensationeller Weise auf das kaiserliche Telegramm hinwies, das doch gar keine Bedeutung gehabt hätte, wenn es sich nur um eine gewöhnliche Unterzeichnung eines Rcgierungsentwurfs gehandelt haben soll. Unter allen Umständen ist Herr v. Budde selbst der Anstifter der Legende,— wenn es eine Legende ist. Dem LandtagS-Abgeordnetcn Mcnck, der allzu offen die Ab- ncigung gegen das gleiche und geheime Wahlrecht ausgesprochen hatte, hat die nationallibcrale Fraktion des Abgeordnetenhauses nahegelegt, seinen Austritt aus der Fraktion erklären zn wollen. Und wie ist es mit der nationalliberalen Partei- Zugehörigkeit deS erklärten Wahlrechtsfeindes?— Iin Wahlkreise Frankfnrt-LebuS loird in der kurzen Frist bis zu dem ausfällig früh festgesetzten Wahltermin am 13. d. M. ein sehr lebhafter Wahlkampf entbrennen. Seitens der bürgerlichen Parteien ist Herr Basser mann that- 'ächlich aufgestellt worden und hat die Kandidatur bereits an- genommen. Herr Basserniann, der im vorigen Jahre aus seine», früheren Wahlkreise Jena flüchten mußte und dann durch unser,, Genossen Geck in Karlsruhe besiegt wurde, will sein Heil einmal an der Oder versuche»; in der eifrigen Suche nach einem Wahlkreis nomadisiert Herr Bassermann bald durch das ganze Reich. Die konservative Presse außerhalb des Wahlkreises ist sehr tvenig erbaut von der Kandidatur des Herrn Basscrmanii. Da die Konservativen im vorigen Jahre eine größere Stimmenzahl als die Nationalliberalen hatten und da der Kreis seit langen Jahren konservativer Besitz war, ist es begreiflich, daß der konservativen Führerschaft die Zustimmung der örtlichen Parteileitung zur Kan- didatnr Basscrmanns nichö behagt. Die„Deutsche Tageszeitung" erklärt übrigens, daß die Zustimmung nur von den städtischen Konservativen des Kreises gegeben sei, der Bund der Landwirte habe sich seine Stellung noch vorbehalten; sie bedauert den Be- fchlnb und bleibt der Ilebcrzcugung,„daß die Konservativen damit der Partei und ihren Grundsätzen keinen guten Dienst gethan haben", habe doch Herr Basscrmann in seinen, früheren Wahlkreise e i n ausdrückliches Mißtraue„Svotun, von den Vertrauens- männern des Bundes der Landwirte erhalten;„für eine Basser- mannsche Kandidatur werden die Bündler, die Bauern und Hand- wcrker kaum zu erwärmen sein". Auch die„StaalSbürgcr-Zcitnng" ist unzufrieden mit der Kandidatur Vassermann.— Tic„Krcuz-Zeitiing" und die Proklamation der japanisch- socinlistischen Arbeiterpartei. Das einst vom Freiherr» v. Hammer- stein geleitete Organ für Gott, König, Bigotterie und Brvtwncher fiihlt sich in seiner Seclenharmonie mit der russischen Zarenherrschaft durch die in der letzten Mai-Nummcr des„Vorwärts" abgedruckte Proklamation der japanischen an die russischen Socialdcmokraten tief verletzt. Es bezeichnet die japanische Erklärung als ein Schrift- stück durch und durch inarchiavcllistischer Natur, das lediglich den Zweck verfolge, mit„heuchlerischen und gleisnerischen Phrasen" die russischen Socialisten zum Kampf gegen die russische Regierung zu, Hetzen.„Ans welche Weise," heißt es in den, schönen Leitartikel, den die„Kreuz-Zeiliing" der Proklamation tvidmet.„die biederen japani- chen Genossen den Kampf gegen den heimischen Militarismus und Patttotismus sührcn wollen, ist eine offene und für die Japaner recht nebensächliche Frage. Daß sie sich zu einem Protest gcacn die japanische Kttegsführnng verstehen und gegen den japanischen „Imperialismus" mit entsprechender Schärfe Front machen werden, ist ja ans keinen Fall anzunehmen. Die japanischen Genossen werden bei ihrem angeblichen Versuch, das Beste z» thun stehen bleiben; denn sie glaube» jedenfalls, bereits das Beste insofern gethan zu haben, als sie den russischen Genoiicn den Weg wiesen, aus dem sie bei der jetzigen Gelegenheit dein„despotischen Regiment" dcs Zarcm- tums einen kräftigen Stoß versetzen und dadurch. den Japanern zu Hilfe kommen könnten." Diese Auffassung der„Kreuz-Zcituug" ist leicht begreiflich. „Man sticht niemand hinter dem Ofen", sagt ein alles Sprichwort, .wenn man nicht selbst dahinter gesessen hat." Da unter den Motiven des ehrsamen Blattes Humanität und Gesittung nicht zn inden sind, nimmt es einfach an, daß auch bei den japanischen Gc- Nossen diese unnützen Requisiten nicht zu finden siyd. Seine Auf- faffung ist also nur eine Beurteilung der japanischen Socialisten nachj dem eignen Ich. Wie genau kannte doch Flora Gaß ihre Leute» als sie Herrn v. Hammerstein schrieb:.Kommödianten seid Ihr alle!" Das amtliche Wahlresultat in Altenburg ergiebt für P o r z i g(!.) 18 083, für Buchwald(Soc.) 17127 Stimmen. 1903 erhielt unser Genosse 18 695, v. Blödau(Bd. d. Ldw.) 14 193, Hartmann(frs. Vp.) 2993 Stimmen. Wir verloren sonach 1263 Stimmen, während die Gegner 592 Stimmen gewannen. Daß die Freisinnigen für den Konserva- tiven gestimmt haben, wird allseitig bestätigt. Etliche„demokratische" Organe regen sich darüber auf. Wir halten das für selbstverständ» lich. 1903 haben die Freisinnigen bei den Stichwahlen mehr als zwei Dutzend Mandate an die äußerste Reaktton ausgeliefert. Da ist es schon einfacher, wenn sie gleich in der Hauptwahl für den Agrarier stimmen. Eine Zusammenstellung von Urteilen der Parteipresse werden >oir morgen bringen.— Die„Germania" und die Freiheit. Zu den hübschesten Vorfällen menschlicher Dummheit gehört es, wenn die„Germania" sich im Namen der Meinungsfreiheit gegen die Socialdemokratie ereifert. Als Centralorgan des Centrums, dieser politischen Organisation der katholischen Kirche, muß sie p r i n e i p i e l l fiir die U n f r ei« heit der Meinung eintreten. Die katholische Kirche duldet nur die von ihr selbst approbietten Uebcrzcugungen, weshalb beispielsweise so zicinlich sämtliche großen Denker und Dichter bis zu», heutigen Tage fiir die Gläubigen verboten find. Das Centrnm be« anjprucht nicht nur, was selbstverständlich ist, daß die ihm aiihängenden Parteigenossen klerikale Anschauungen haben. es verlangt auch, daß die Zwangsorganisation des Staates, aus der niemand austtctcn kann, mit der Ge« walt ausgerüstet wird, bestimmte Ideen, Lehren, Kunstschöpfungen zu verbieten. Trotzdem entrüstet sich die„Germania" in einem ihrer berühmten Leitartikel über die Unduldsamkeit der Socialdemokratie, weil die Leitung des vietteu Berliner Wahlkreises einen Boykott-Beschlutz gegen die„Montagszeiwng" Bernsteins gefaßt hat. An sich hat natürlich jede Parte, das Recht und die Pflicht, Unternehmnngen abzuweisen, die ihr schädlich scheinen. Wir wissen nicht, ob die„Germania" beispielsweise ihre Anhänger zur Lektüre eines Blattes auffordern würde, das gegen die katholische Kirche austritt. Das würde man ihr gar nicht übelnehmen, denn eine Partei besteht eben aus einer freiwilligen Organisation Gleilbdenkender und Gleichhandelnder. Die Geineingefährlichkeit des Klerikalismus besteht nur darin, daß er die Staa tsgewall zum Vollstrecker seiner dogmatischen Eng- stirnigkeit zwingen will. Seine feige Lächerlichkeit aber bewährt sich darin, daß er seinen Gläubigen sogar verbietet, gegnerische Schriften zu lesen, im Gegensatz zur Socialdemokratie, die seit jeher der Meinung ist, daß die Menschen um so überzeugtere Socialdcmokraten werden, je mehr sie unsre Gegner studieren. Die„Germania" also hätte am wenigsten das Recht, die Social« deinokratie anzuklagen, wenn der Beschluß der Leitung des vierten Berliner Wahlkreises selbst allgemeiner Parteibeschluß wäre. In diesem Falle aber ist dos ganze Gerede schon deshalb überflüssig, weil der Beschluß bisher keine Billigung, wohl aber Widerspruch gesunden hat. Bernsteins„Montags-Zeitung" ist weder vom Partcivorstand noch von den Berliner Vertrauensleuten boykottiert worden, sondern es ist lediglich festgestellt worden— schon um der Verantwortlichkeit der Partei willen— daß das Blatt ein Privattinternehmen des Herausgebers ist, wie es deren in der: Partei mehrere gegeben hat und noch giebt. Die„Germania" sollte doch wahrhaftig ihren kümmerlichen Per- stand dazu verwenden, sich aus der Affaire des Leo-HospizeS mit größerem Geschick herauszulügen, als ihr bisher gelungen ist. Zu geschickten, Lügen gehört eben immer noch mehr Verstand als zum Schimpfen.— „Der ZcitungS-Verlag", Organ des Vereins deutscher ZeitnngS« Verleger, dessen Vorsitzender Dr. Max Jänecke ist, veröffentlicht eine Zuschttft deS Rostockcr ZeitungSverlcgers Boldt. Ans dieser Zu« schrift geht hervor, daß Herr Boldt auf allen Gebieten den. Zwei- Seclen-System huldigt. Er giebt nicht mir ein konservatives und ein liberales Organ— wenn auch zu verschiedenen Tageszeiten— heraus, sondern er beansprucht auch als Vorsitzender eines U eicht- klubs thun z» dürfen, was er als Zeitnngsvcrleger„ach den Grund» sätzcn seiner Standesorganisation als ehrlos brandmarken muß. Herr Boldt giebt nämlich zu, daß er gegen unseri, Genoflen Groth sowie den Drucker und Metteur der„Mecklenburgischen Volks- zeitung" ein ZeugiiiszwangSvcrfahrei, veranlaßt hat, damit diese das NedaltioiiSgeheimnis verletzen iiud über die Verfasserschaft eines Artikels Auskunft geben könnten. Aber Herr Boldt will das ledig- lich als Privatmann, als Vorsitzender des Jacht- K l u b s gethan haben. Sehr charakteristisch für den StandeSbcgriff der Standesorganisation ist es„nn, daß der„ZcitlmgS-Verlag" zu dieser Haltung anscheinend höchst befriedigt äußert: „Der Zeit« n gs Verleger Boldt steht also in Sachen des ZeugniSzwangS gegen Redakteure usw. auf dem Boden der An- schnmmgcn des V. D. Z.-V. und der AuSfühnuigen seines Vorsitzenden in der Reichstagssitzung vom 15. Januar". Selbst wenn das blutiger Hohn sein sollte, wäre es eine unzu- lässige Duldung des schweren Bruchs der Principien des Vereins deutscher ZcituugS-Verlegcr. Es scheint, daß die Organisation in Ehrensachen nicht so empfindlich ist, wie in materiellen Fragen. Herr Boldt, der Zeitungsverleger, aber müßte nun auch seiner Z e i t n» g s scele Geltung verschaffen und sich in seinen Blättern dagegen empören, daß der Vorsitzende eines Jachtklubs anständige Redatteure, Drucker und Mettcure zun, Vertrauensbruch zn zwingen llnternonmren habe. Wenn man denn schon zwei Seelen hat, sollte man doch wenigstens nicht die eine an die andre verraten sondern beide gleichmäßig zu ihre», Rechte kommen lassen.— Dir Nachschübe nach Siidwestafrika sollen, wie halboffiziös mitgeteilt wird, 1500 Man» betragen. Und zwar sollen entsandt werden: 500 berittene und 500 un- berittene Mann, zwei bespannte Feld-Batterien mit zugehöriger Mannschaft, sowie 150 Mann zur stärkeren Besatzung der Stationen im Süden deS Schutzgebietes. Wenn man hierzu noch einigen Ersatz für die bereits vorhandenen Truppenteile rechnet, so wird die Kopfstärke des gesamten„ciicn Transportes auf rund 1500 Mann konimc». Es sei mizunehmen, daß diese Iveiteren Macht- mittel von, Gouverneur L e u t w e i n als erforderlich für die baldige Niederwerfung des Hcrero-Aufftandes bezeichnet und erbeten wurden. Ob dieser Nachschub, mit dem die Zahl der nach Siidlveftafrika entsandten Truppen 4500 Mann betragen wird, der letzte sein wird, ist fraglich. Da man in unterrichteten Kreisen— wie gestern das „Verl. Tageblatt" meldete— auf eine Kttcgsdnucr von(mindestens) 0 bis(wahrscheinlich) 12 Monatci, rechnet, gehörte die Ent- sendnng eines weiteren Truppennachschubes keineswegs zu den llumöglichkeiteii. Auch ohne solche weiteren Verstärkungen wird uns da» Kolonialabcntener eine ganz enorme Summe kosten!— Offiziosus Scherl. Wie bei allen unsrci, weltpolitischen Abenteuern, wie bei dem China-Kricg, der Venczucla-Blockade, so ist auch bei dem snddwest- afttkamschen Krieg der offizielle Nachrichtendienst ein pcebliiffciid langsamer uud schneckenhafter. Ueber die Kriegsoperattonen. spcciell den Verlauf der Gefechte, erfährt man nur das aller- dürftigste. In manchen Fällen werde» interessante Vorkommnisse überhaupt nntcrschlagcn, so zum Beispiel der Verlust des Maschinengewehrs der Kolonne Glasenapp bei Okaharui. In diesem Fall war der„Vorwärts" in der Lage, diesen Verlust mehrere Woche» früher»nitteilen zn können, als— nicht nur die offiziösen Organ«, sondern auch als die Regierungspresfe. Was aber besonder? auffällt, ist, daß die offiziösen Organe ihre Nachrichten gewöhnlich dem— Blatte des Herrn August Scherl entnehmen müssen! So erfährt heute wieder die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" das Neueste über den Ge- sundheitszustand der unter Quarantäne gestellten Kolonne Glasenapp aus dem„Lokal- Anzeiger" I Brächte der„Lokal-Anzeiger" nicht die Nachricht, daß die T y P h u s- E p i d e m i e in Otjihaenena zwar noch nicht zum Still st and gekommen sei, aber doch infolge der günstigen Verpflegungsmöglichkeit der Kranken— von denen zur Zeit 40 in Windhur und 45 in Otjihauena liegen— einen günstigen Verlauf nehme, so würde die Oeffentlichkeit hiervon überhaupt nichts erfahren haben I Das ist denn doch ein bei aller Lächerlichkeit empörender Zu- stand I Wenn man dem Volke derartige Riesenopfer für die so traurigen Kriegsabenteuer zumutet, dann sollte die Regierung wenigstens alle Nachrichten prompt in amtlicher Form der Oeffentlichkeit mitteilen. Statt dessen verschafft man mehr und mehr einem berüchtigten Zeitungsindustriellen das Monopol des offiziellen Nachrichtendienstes! Ob man ohne die Billigung August Scherls keine„Weltpolitik" machen kann?I— Liberale Wahlrechtsverschlechtercr. Aus Königsberg wird UNS geschrieben: Der Magistrat, der aus fast lauter„liberalen" Herren besteht, hat beschlossen, den Arbeitern das Stadtverordneten- Wahlrecht noch mehr zu verschlechten:. Es sollen alle diejenigen in die Wählerliste nicht mehr aufgenommen werden, die zwar ein Einkommen von 660—000 M. haben, aber infolge einer großen An- zahl Kinder oder aus andren Gründen keine Steuer zu zahlen brauchen. Dadurch würde Tausenden von Familienvätern das Wahlrecht genommen werden. Seit Jahren verlangt die Arbeiterschaft, daß der Magistrat, so- weit es gesetzlich zulässig ist, den Arbeitern das Wahlrecht verbessert, und nun kommt dieser Beschluß I In Königsberg ist es den Ar- beitern ohnehin schon sehr erschwert, sich einen Einfluß im Stadt- Parlament zu verschaffen. 19 000 Reichstagswähler haben nicht das Stadtverordneten-Wahlrccht, weil sie ein Einkommen von weniger als 660 Mark haben. Außerdem hat man eine famose Bezirkseinteilung gcswaffcn. In den einzelnen Bezirken sind 2—3 Stadtverordnete zu wählen. Die Straßen sind so geschickt zusammengesetzt, daß die Arbeiter stets von den Stimmen der Wohlhabenden überstimmt werden können. Wenn man dagegen kleinere Bezirke, so daß jeder Bezirk einen Stadtverordneten zu wählen hätte, schaffen würde, dann würden auch einige fast reine Arbeiterbezirke entstehen und die Arbeiter hätten mehr Einfluß. Seit Jahren hat die Parteipresse in Königsberg diese Forderung der Gerechtigkeit wegen erhoben, doch der„liberale" Magistrat hat sie anscheinend kaum beachtet. Dagegen hat der Magistrat der„Gerechtigkeit wegen" den Stadt- verordneten ferner eine Vorlage gemacht betreffs Aenderung des Ortsstatuts für die G e w e r b e g e r i ch t s- W a h l e n. Es soll das Proportional-Wahlsystem eingeführt werden. Der Magistrat ist vom„Gerechtigkeitsgefühl" so durchdrungen, daß er es nicht mehr länger mit ruhigem Gewissen ansehen kann, daß die paar„Hirsche" und„Christlichen" ohne Mandate sind. Dein letzteren Vorgehen des Magistrats steht die Arbeiterschaft ziemlich kühl gegenüber. Sie fürchtet auch die paar„Hirsche" nicht. Dagegen wird die Arbeiterschaft die kommunale Wahl- entr ech tu ng nicht so ruhig hinnehmen. Sie wird dagegen mit allen Mitteln protestieren. /Zuslanck. LoubetS Romrcise und die Parteien. Paris, 30. April.vi� er es that, dann sei das thatsächlichcr Natur, und es sei vom Revision- gericht nur darauf zu sehen, ob ein Rechtsirrtum bei dieser 0- legung unterlaufen sei. Das sei aber nicht der Fall. Da*,-ie Waschvorrichtung der Frauen gesondert und nicht mit der der Nd nner verbunden sein sollte, sei selbstverständlich.— Gegen die H j oar- machung aller drei Fumeninhaber sei deshalb nichts eixzu.x ndez?. Weil U sich bei der polizeilichen Verfügung nur um die Ausführung einer bestimmten Maßnahme und nicht um die dauernde Ueberwachung des Betriebes handelt«. Ungültige Bestimmung einer Arbeitsordnung. Der Unter- Nehmer Matthes hat in seiner Arbeitsordnung folgende eigenartige Bestimmung:„Irgend tvclcke Kündigungsfrist existiert nicht. Die Auflösmg des Arbeitsverhältnisses kann nur Sonnabends erfolgen, doch ist seitens des Arbeiters dem Arbeitgeber oder dessen Stell- Vertreter, und seitens des Arbeitgebers bezw. seines Stellvertreters dem Arbeiter vorher davon Kenntnis zu geben. Der Arbeiter, der rechtswidrig sein Arbeitsverhältnis auflöst, geht seines Lohnes für eine Woche verlustig." Anläßlich eines Rechtsstreits gegen Herrn Matthes, der durch Klagcrücknahme seine Erledigung fand, beschäftigte sich die Kammer VIII des Berliner Gewerbegerichts auch mit den obigen Bestimmungen der Arbeitsordnung. Ueber die Stellung der Kammer dazu sagte nach Erledigung des Streitfalles der Gewerbe- richter Dr. Meier etwa folgendes: Daß der den Vertrag lösende Teil der Parteien dem andern vorher Kenntnis davon zu geben habe, sei eine Kautschurvorfchrift, die am besten aus der Arbeitsordnung verschwände. Sie sei auch überflüssig, da auch bei Kündigungs- ausschluß unzweifelhaft Kontraktbnich vorläge, wenn der Arbeiter abends stillschweigend fortginge und am nächsten Tage käme, um sich Bücher und Geld oder auch nur die Bücher zu fordern, oder lvenn er dann gar nicht wiederkäme. Die Arbeitseinheit sei der Arbeitstag. Auch bei Kündigungsausschluß ende das Arbeits- Verhältnis erst mit dem Ablauf des Arbeitstages, an dem die Lösung erfolge. Die Lösung müsse aber ausgesprochen werden und die Absicht der Lösung klar sein. Somit sei. wer nach stillschweigender Entfernung der Absicht erst am nächsten Tage deutlich mache, indem er etwa nach seinen Büchern konnne usw. usw., noch für diesen Tag gebunden, trotz des Kündigungsausschlusses. Und arbeite er nicht an dem eigentlichen Lösungstage zu Ende, dann liege eben Kontraktbruch vor.— Nun liege aber auch die Bestimmung der Arbeitsordnung vor, wonach seines Lohnes für eine Woche der Arbeiter verlustig gehe, der das Arbeitsverhältnis rechtswidrig löse. Diese Bestimmung sei ungültig, da bei Kündigungsausschluß als f e sl e B u.ß e gemäß Z 124 b der Gewerbeordnung höchstens der ortsübliche Tage- lohn für einen Tag in Frage kommen könne. Der Anspruch auf größeren Schaden müßte von dem, der ihn erhebt, aber genau nach- gewiesen werden. Auf jeden Fall sei diese Bußcbestimmung der Arbeitsordnung rechtlich unhaltbar. Sericdts-Deining. Eine Familientragödie unter Erstklassigen. In Düsseldorf machte vor einem Jahre eine„Skandalaffaire" von sich reden. Der Ulanenoffizier Freiherr v. L ö w hatte mit der Frau deS Ingenieurs E ck ein Liebesverhältnis unterhalten, das von beiden in einer Privat- beleidigungsklage eidlich in Abrede gestellt wurde. Als es dann aus diesem Anlaß zum Meineidsprozeß kam, vergiftete sich Frau Eck, während der Offizier zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Der Schwager der Selbstmörderin, ein Arzt Dr. Guörard, hatte der Behörde eine Bescheinigung ausgestellt, wonach die Frau an Hcrzlähmung verstorben wäre. In diesen Tagen stand Dr. Guorard nun vor Gericht unter der Anklage, ein falsches amtliches Attest ausgestellt und seiner Schwägerin die Mittel zum Selbstmord verschafft zu haben. Das Gericht fällte jedoch einen Freispruch. Ans der Verhandlung seien einige Einzelheiten Hervorgehoben. Der ehemalige Ulanenlieutenant, der aus dem Zuchthause vorgeführt wurde, trat als Zeuge auf. Als der Vorsitzende daraus hinwies, daß der Mann nicht vereidigt werden könne, erklärte der Staatsanwalt, daß dem Freiherrn bei seiner Verurteilung wegen Meineids die Eidcsfähigkeit nicht abgesprochen worden sei, und daraufhin wurde der Zeuge auch vereidigt. Dann weiter trug der Staatsanwalt gegen den Arzt auf 1 Woche Gefängnis an, obwohl gegebenen Falls bei diesem Delikt die Mindeststrafe i Monat Gefängnis beträgt. Auf diesen Irrtum vom Vorsitzenden aufmerksam gemacht, bedauerte der Staatsanwalt eine so hohe Strafe beantragen zu müssen. Wir sind die letzten, die sich nicht vor der erschütternden Tragik dieser Tragödie beugen und wir finden daher auch des Bedauern des Staatsanwalts vollauf begreiflich. Möchten die Kollegen dieses Herrn im allgemeinen solche Konflikte auch dann menschlich zu würdigen wissen, wenn einmal Prozesse mit politischem Anstrich in Betracht kommen. Haben wir's u. a. doch schon erlebt, daß Staats- anwalte die beschworenen Aussagen ehrenwerter Zeugen aus keinem andren Grunde in Zweifel zogen, als weil diese Zerigen Social- demok raten waren. Wegen Beleidigung des Borstaudes der Aerztekammer der Provinz Brandenburg stand gestern der praktische Arzt Dr. Ferdinand Gold st ein vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I. Dr. Goldstein vertrat im September 1ö02 den erkrankten praktischen Arzt Dr. K e m p e zu Oderberg i. M. Er fand sich in einem Falle. in welchem er zu einer erkrankten Frau gerufen worden war, durch ein nach seiner Meinung unkollegiales Verhalten des praktischen Arztes Dr. Podlewski verletzt, und als Dr. Kempe von dem Vor- lommnis erfuhr, wandte er sich an das Ehrengericht der Aerzte- kcnnmer, welches zunächst nach gesetzlicher Vorschrift ein Ver- mittelungsverfahren anordnete und den Sanitätsrat Dr. K ä h l e r zu Charlottenburg damit betraute. Dieses Ver mittelungsvcrfahren war erfolglos, daran knüpfte sich dann das E r mittelungsversahren, welches gleichfalls resultatlos blieb und mit Einstellung des Ver- fahrens gegen Dr. Podlewski endete. Der Angeklagte veröffentlichte darauf eine Broschüre unter dem Titel:„Ein Beitrag zur ärztlichen Ehrengerichtsbarkeit in Berlin", in welchem er den Nachweis unternahm, daß das erste Erkenntnis sich aus einer Reihe schwerer Rechtsirrtümer zusammensetze, und in dem zweiten Erkenntnisse geradezu unglaubliche Verletzungen von Recht -und Gesetz vorlägen. Die Broschüre kam zu dem Schlüsse, daß eine Revision des Gesetzes betreffend die ärztlichen Ehrengerichte im Sinne einer Beschränkung der richterlichen Befugnisie der Aerzte notwendig sei.— Durch den Inhalt der Broschüre fühlten sich die Mitglieder der Aerztekammer beleidigt. Ein früherer Tennin in dieser An- gelegenheit schloß damit, daß versucht werden sollte, durch Ver- mittelung des Verteidigers des Angeklagten, Rechtsanwalts Morris, versucht werden sollte, eine Zurücknahme des Straf- antrages herbeizuführen. Dies ist � nicht geglückt. Im gestrigen Termin trat Sanitätsrat Dr. Kahler als Nebenkläger auf; Sanitätsrat Dr. Wiesenthal und Dr. Kempe waren als Zeugen geladen. Der Angeklagte bestritt jede beleidigende Absicht und versicherte, daß er mit der Broschüre nur bezweckt habe, auf die Abstellung eines offenbaren Mißstandes hinzuwirken.— Der Staatsanwalt beantragte 500 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof schloß sich den Ausführungen des Rechtsanwalts Morris dahin an, daß dem Angeklagten an sich der Schutz des§ 193 zur Seite stehe, er hielt aber die Schntzgrenzen für überschatten und verurteilte den An- geklagten zu 300 M. Geldstrafe. Fürsorge. Ein eigenartiger Sachverhalt lag der Anklage wegen Vergehens gegen das Fürsorgegesetz zu Grunde, welche gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I verhandelt wurde. Zu verantworten hatten sich der Kaufmann Karl Geyer und die Schreiber Blühe scheu Eheleute. Geyer hatte vor etwa einem Jahre die 17jährige Martha N. kennen gelernt und hatte ein Liebes- Verhältnis mit ihr angeknüpft. Das Mädchen beging eine Strafthat und führte außerdem einen Lebenslvandel, daß die Behörde es einer Erziehungsanstalt übergab. Die N. war dem Angeklagten Geyer mit so leidenschaftlicher Liebe zugcthan, daß sie es in der Anstalt nicht aushalten konnte, sie flüchtete und stellte sich bei dem Geliebten ew. Dieser weigerte sich anfangs, sie anfzunchmen; als die N. aber erklärte, daß ihr dann weiter nicht? übrig bleibe, als sich einem sittenlosen Lebenswandel zu ergeben, da sie sonst keine Zuflucht habe. ließ G. sich bewegen» sie mit Zustimmung seiner Wirtslentc, der Mitangeklagten Blüheschen Eheleute, bei sich zu behalten. Dies wiederholte sich später noch einmal, nachdem der Aufenthalt der N. ermittelt und sie der Anstalt wieder überwiesen worden war. Der Staatsanwalt wies auf die häufigen Vergehen gegen das Fürsorge- gesetz hin, wodurch den Behörden so außerordentliche Schwierig- ketten hereitet würden. Er beantragte gegen Geyer zwei Monate Gefängnis, gegen die beiden Mitangeklagten je 50 M. Geldstrafe. Ter Verteidiger, Justizrat Wronker, führte aus, daß der Angeklagte sich in einer Art Zwangslage befunden habe. Er mußte befürchten, daß das Mädchen, welches er später zu heiraten die Absicht hatte, die Drohung wahr machen und sich dem Laster in die Arme werfen würde, wenn er es von sich stoße. Außerdem sei das Fürsorgcgesetz noch so neu, daß es in die breiten Schichten des Volkes noch nicht hineingedrungen sei, man habe dafür noch kein rechtes Verständnis. Der Gerichtshof trat diesen Ausführungen bei und verurteilte Geyer zu 150 M., die beiden Mitangeklagten zu je 20 M. Geld- strafe. Der Ulmer Bilse-Prozeß. Vor dem Ulmer Schöffengericht fand heute der Beleidigungsprozeß statt, den der O b e r st a. D. H ü g e r, jetziger Badekommissar von Bad KönigSborn bei Unna i. W. gegen den früheren Lokalredakteur der„Ulmer Zeitung", Richard Schönfelder, angestrengt hatte. Die Vertretung des Klägers führt Rechtsanwalt Dr. Hartincmn-Ulm. Der Klage liegt ein Artikel der„Ulmer Zeitung" zu Grunde, die den Oberst a. D. Hüger, der bei Gelegenheit des Bikse-Prozesses mit seinen Beschwerden über ihm widerfahrene angebliche Rechtsbeugungen der militärischen Ge- richte und Ehrengerichte wiederum an die Oeffenklichkeit getreten war, einen„Ulmer Bilse" und„eine Oueailantenseele" nannte. Seine Beschwerden hatte Oberst a. D. Hüger in einer im Jahre 1902 er- schiencnen sensationellen Broschüre niedergelegt, betitelt:„Meine Erlebnisse in der Militärrechts- und Offizier- Ehrengerichs- Pfleg e". Darin schildert Häger anschaulich den mehrjährigen Kampf, den er als Kommandeur des erwähnten Regiments teils mit feinen Untergebenen, teils gegen seine Bor- gesetzten und gegen militärische Gerichtsbarkeit hat führen müssen. In der heutigen Verhandlung, der weder Oberst Hüger. noch der beklagte Redakteur Schönfelder beiwohnten, erklärte der Rechts- beistand des Beklagten, daß dieser den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen, daß Oberst Häger eine„Querulantenscele" und ein zweiter Bilse sei, antreten wolle. Das Gericht beschloß nach längerer Erörterung, zunächst zu seiner Orientierung die erwähnte Broschüre des Obersten Hüger zu studieren und zu diesem Zweck wurde die Verhandlung auf u n- bestimmte Zeit vertagt. Versammlungen. Holzmveiter-Vcrbnnd. Am Mittwoch hielt die Zahlstelle Berlin eine Generalversammlung ab. Zunächst wurde der Kossenbericht für das 1. Ouartal erstattet, aus dem folgendes erwähnenswert ist: Die Hauptkasse verzeichnet eine Einnahme von 03 748,10 M., eine Ausgabe von 02 104,84 M. und einen Bestand von 1533,20 M.— Die Lokalkasse hatte eine Einnahme von 325 892,39 M./z Millionen, sondern dazu kommen die ohnehin zu deckenden'24 Millionen, also ins- gesamt 41'/z Millionen Matrikularbeiträge. Außerdem sind die Einnahmen aus den Zöllen von der Kommisston so erhöht worden, daß gar keine Aussicht mehr auf irgend welche Mehreinnahmen bleibt. Int wesentlichen handelt es sich bei den 17'/» Millionen um die Vcteranenbeihilsen, die der Reichstag in patriotischer Begeisterung auf den allgemeinen Reichsfond übernommen hat, weil der Invaliden- fondS diese Belastung nicht inehr zu tragen vennochte. Ich hoffe, daß jener patriotische Beschluß jetztnicht in einen jähen Mißklang ausklingt. Der Be- schluß derKommission ist außerdem auch von hoher politischer Bedeutung. Und da komme ich auf den Standpunkt, den die S o c i a l d e m o- k r a t i e in der Frage der Belastung der Einzelstaaten mit Matrikular- beitrügen stets eingenommen hat. Ich erinnere an die programmatische Rede des Herrn Abg. Bebel in der Reichötagssitzung vom 11. De- zeinber 1900, wo er anZ einem verwandten Anlaß folgendes erklärte: „Ich würde es wegen der Vereinfachung der Geschäfte nur als einen großen Fortschritt betrachten, wenn der Bundesrat nicht existierte. das heißt, wenn statt vieler kleiner Staaten ein einziges Reich, eine große Centralorganisation b e st ä n d e." Das also ist das Ziel, wohin die Fahrt geht. Zerstörung der föderativen Grundlagen, aus denen das Reich.und seine Verfassung beruht. Ich muß anerkennen, daß die Socialdemokratie nur zielbewußt vorgeht, wenn sie keine Gelegenheit vorüberläßt, die sich ihr darbietet, die Belastung der Einzelstaaten mit Matrikularbeiträge» zu steigern. Aber an die Mehrheit des hohen Hauses� möchte ich jetzt noch die dringende Bitte richten, nochmals zu erwägen, ob sie nicht dem KonimissionSbeschliiß die Zustimmung versagt. Wenigstens bitte ich Sie, durch Ihren heutigen Beschluß mcht etwa einer ander- weitigen Regelung und einer Verständigung bis zur dritten Lesung Hindernisse m den Weg zu legen. Bayrischer Bundcsbevollmächtigter Ritter v. Burkhard: Der Beschluß der Kommission ist nahezu unheilvoll für die Bundesstaaten. DaS Budget der Einzclstaaten ist darauf basiert, daß sie 24 Millionen Matrikularbeiträge aufzubringen haben. Das bayrische Budget ist auf zwei Jahre fertig. Run sollen plötzlich 17 Millionen mehr aufgebracht werden. Wie sollen diese gedeckt werden? Ein solches Vorgehen kann die ReichSverdrostenheit ver- mehren.(Unruhe.) Der Betrag könnte ja allerdings durch größere Sparsamkeit ausgebracht werden. Die Gehälter der Beamten könnten gekürzt werden oder«vir müßten die Ausgaben für die Landwirt- schaft einschränken.(Heiterkeit.) Ich habe ja keine Hoffnung, daß heute schon eine befriedigende Lösung der Frage gefunden wird, glaube aber doch nicht, daß dieser Beschluß der Kommission auch in der dritten Lesung vom Reichstage angenommen werden kann. Württembergischer Bevollmächtigter Ministerialdirektor V.Schneider: Die Einzelstaatcn erkennen wohl ihre Zuschußpflicht fiir Fchlbettäge des Reiches unbedingt an, aber man darf Finanzgrundsätze nicht schcmatisch anwenden, die gebotene Rücksicht auf die Leistungs- sähigkeit der Einzclstaaten darf nicht außer acht gelassen werden. Die Mehrbelastung von17Millionen übersteigt das erttägliche Maß. Die Budgets der Einzelstantcu müssen in Verwirrung geraten. Redner ver- Iveist auf die Finanzlage Württembergs, die.eine neue Belastung von 600 000 Vi. nicht ertragen könne. Der Sinn der Finanzreform ist doch, daß das Risiko der Einzelstaaten gemildert wird. Hier ge- schieht das gerade Gegenteil. Die Einze'lstaaten haben jetzt schon bei den Stempelabgabcn ein hohes Risiko, dem keine Möglichkeit eines Gewinnes gegenübersteht. Die Vermehrung der Matrikular- beitrage verhindert in den Einzelstaaten die Befriedigung dringender kultureller Bedürfnisse. Badischer Bevollmächtigter Ministerialdirektor Scherer schließt sich diesen Ausführungen an. Grotzherzoglich Sächsischer Bevollmächtigter Dr. v. Paulsen hofft ebenfalls, daß sich bis zur dritten Lesung eine andre Regelung in Bezug auf die Gestaltung der Matrikularbeiträge finden wird. Abg. Dr. Pansche(natl.): Nachdem ich gestern für die Bundes- staaten gesprochen habe, fällt es mir schwer, nach den beweg- tichen Klagen der Herren Vertreter der Einzelstaaten doch für den KommissionSbcschluß eintreten zu müssen. Es bleibt uns aber nichts übrig, als vorläufig diesen Beschluß anzunehmen.(Zuruf: Vor- läufig?) Gewiß, ich hoffe allerdings, daß sich vielleicht noch ein besserer Weg finden wird, um von diesem Schritt, der für die Einzel- staaten hart ist, in irgend einer Form loszukommen und einen andern weniger harten und unfern Zivecken doch ebenso entsprechenden Weg zu finden. Ich Ivundere mich nur, daß der am»leisten beteiligte Staat, Preußen, sich bisher gar nicht geäußert hat. (Heiterkeit.)— Vor allem möchte ich mich dagegen wenden, daß der Grundsatz:„Keine Regel ohne Ausnahme" auch da vorgebracht wird, wo es sich um Vcrfassungsbestimmungcn handelt. Die Zuschuß- anleihe widerspricht dem Sinne und dem klaren Wortlaut der Ver- faffung. Ich bedauere, daß wir sie einmal in der Not belvilligt haben, aber wir dürfen daraus keine dauernde Einrichtung machen. Ich hatte gestern gesagt. daß sich siebzehn Millionen all» den Zöllen als Mehreiilnahme ergeben würden. Heute hat aber der Reichsschatzsekretär erklärt, die Kommission habe diese Mehreinnahmen bereits so hoch angesetzt, daß darüber hinaus nichts zu erwarten sei. So weiß ich augenblicklich kein andres Mittel, wenn ich auch zugeben muß, daß die Einzelstaaten schwer be- lastet sind und daß die Ncichsfrcudigkeit dadurch nicht geweckt werden kann. Jedenfalls kann aber nur durch eine Beseitigung der Zuschuß- anleihe Klarheit in unsre Finanzen gebracht werden. Abg. Graf Schwerin-Löwitz(k.): Es ist ja bedauerlich, daß der Kommissionsbeschluß notwendig geworden ist, aber die verbündeten Regierungen tragen selbst die Schuld an der Finanzlage, da sie nicht rechtzeitig für die nötige Deckung durch das Jnkraftietzen des Zolltarifs gesorgt haben. Der Herr Reichsschatzsekretär hat zwar ausgeführt, daß die HandelSvertrags-Vcrhaudlungcn Sache des Reichskanzlers seien, aber dieser wird sich doch jedenfalls in seinen Entschlietznngen nach der Stellungnahme der Einzclregierungeu richten. Ich weiß, daß gerade von einigen Bundesstaaten, deren Vertreter hier eben gesprochen haben, beim Herni Reichskanzler Bedenken dagegen ausgesprochen sind, daß eine Kündigung der Handelsverträge erfolge, ehe neue Ver- träge zum Abschluß gebracht werden.(HörtI hört! rechts.) Es scheint, daß hinter den Coulissen eine Obstruktion gegen das Inkrafttreten des Zolltarifs getrieben wird, die zwar weniger geräuschvoll als die socialdcmokrattsche, aber erfolgreicher ist.(Sehr richtig! rechts.) Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Ich kann erklären, daß die möglichste Beschleunigung des Inkrafttretens des neuen Zolltarifs dringend im Interesse der Reichs- finanzen liegt, und ich kann die Hoffnung aussprechen, daß loir den Etat des n ä ch st e n Jahres ja wohl werden abschließen können unter den Auspizien der Einführung des neuen Zolltarifs. Abg. Gothein(frs. Vg.): Meine Freunde werden flir den Kommissionsbeschluß stimmen, weil die Zuschußauleihe gegen die Reichsverfassung verstößt. Eine Besserung der Verhältnisse ist nur zu erzielen durch einheitliche Reichs-Einkommensteuern, zu denen dann die Bundesstaaten Zuschläge erheben können, wobei die LeistnngS- sähigkeit der einzelnen Bundesstaaten bcrücksichttgt werden würde. Die Herren Agrarier wollen jetzt einen Druck ausüben auf die Regierung, ihre Haltung ist diktiert auS ihrer politischen Verstimmung heraus. Wir haben ganz andre Ursache zu polittscher Verstiimnung, lassen uns aber dadurch in unsrer Haltung nicht beeinflussen.(Zuruf rechts: Kanal!) Sie glauben doch nicht, daß uns die Kanalvorlage, die doch lediglich eine Verbeugung vor den Agrariern ist(Lachen rechts), geneigt machen könnte, der Re- gierung dankbar zu sein. Ich kann diesen traurigen Torso nur als einen Schlag ins Gesicht der liberalen Parteien an- sehen und verstehe es nicht, wie eine solche Vorlage überhaupt eingebracht werden konnte.(Sehr richtig! links.) Herr Graf Schwerin-Löwitz mag seiner Phantasie Zügel anlegen; lvir denken gar nicht daran, hinter den Coulissen gegen die Handels- Verträge zu arbeiten, wir wollen allerdings nicht, daß ganz un- brauchbare zu stände kommen.(Aha! rechts.— Große Unruhe.) Wir hätten auch gar nicht die Macht, ihren Abschluß zu verhindem, ich kann nur mit dem alten Wrangel sagen:„Majestät überschätzen mir."(Große Heiterkeit.) Sie haben allerdings Ursache, das Märchen von der Obstruktion aufzuwärmen, denn dadurch, daß Sie alle möglichen Sachen, die mit dem Etat gar nichts zu thun haben, jetzt heranziehen(Große Unruhe rechts.), verschieben Sie sein Zustandekommen ins Unabsehbare. Sie wollen die Notlage der verbündeten Negierungen ausnutzen(Andauernde große Unruhe und lebhafte Zwischenrufe rechts.), aber der Reichskanzler wird vielleicht endlich erkennen, welchen Dankj er bei Ihnen erntet dafür, daß er den Antrag Kardorff sanktioniert hat. der auf g e- schäftsunordnungs mäßigem Wege zu stände gekommen ist. (Lebhafter Beifall links.— Große Unruhe rechts.) Präsident Graf Ballestrcm: Sie dürfen nicht sagen, daß ein Beschluß des Hauses auf aeschäftSimordnungsmäßigem Wege zu stände gekommen ist.(Zuruf bei den Socialocmokraten: Es ist aber sehr Ivahrl) Präsident Graf Ballcstrem: Die Herren, die das rufen, machen sich mitschuldig.(Lebhaftes Sehr wahr! rechts.— Heiterkeit.) Abg. Rettich(k.): Ich bin sonst mit meinem Kollegen v. Kardorff a einverstanden; aber ein so armes Land, wie meine Heimat lenburg. kann höhere Matrikularbeiträge nicht tragen, deshalb werde ich im Gegensatze zu meinen Freunden gegen die Konimissions- antrüge stimmen. Abg. v. Kardorff(Rp.): Zwei Drittel aller Reden, die hier gehalten iverden, entfallen doch auf die Linke. Ein so unterrichteter Mann, wie Herr Gothein(Lochen rechts.), könnte doch wirklich wissen, daß die Not gerade in bäuerlichen Besitzungen seit der Aera Caprivi ungeheuer gestiegen ist. Wenn wir die Kündigung der Meist- begünstigungsverträge verlangen, so thun wir es im Interesse des Deutschen Reiches, das abhängt von dem Blühen und Gedeihen der deutschen Landwirtschaft. Herr Gothein leugnet die Arbeit hinter den Coulissen: aber nicht der Handels- Vertragsverein, sondern große Schiffsreeder, die seine Tendenz verfolgen, haben großen Einfluß auf gewisse maßgebende Stellen, und dem ist es zu verdanken, daß die Handelsverträge noch nicht gekündigt sind. Herr Gochein verttat wieder den konsequenten Standpunkt. Da lesen Sie nur, was Ihr Freund Jaures(Wider- spruch des Abg. Gothein)... Er steht Ihnen ja als Socialdemokrat sehr nahe.(Große Heiterkeit rechts.) Jaurös sagt, daß jeder Scheffel Weizen aus dem Auslande bedeute, daß den einheimischen Arbeiten: der Lohn dafür entgangen ist. Die Freihandelstheorie ist ja gänzlich veraltet.(Lachen links.) Wir haben ja kein andres Mittel, auf die Regierungen einzuwirken, daß sie Taufende vom wirtschaftlichen Verderben erretten, als daß wir die Matrikular- Beiträge erhöhen; und wenn die Regierung uns nicht positive Mit- teilling machen kann, wie weit sie mit den Handelsverträgen ist, werden wir auch in der dritten Lesung bei diesem Standpunkt bleiben.(Unruhe links.) Wir wollen einen Druck auf die Einzel- staaten ausüben.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Gamp(Rp.): Der geringe sachliche Inhalt der Gotheinschen Rede ist ja offensichtlich. Ich weiß gar nicht, ob ich ihn noch Ernst nehmen soll. Er leugnet, daß er Obstruktion getrieben hat. Aber im Wahlkampf wurde das als fein hauptsächlichstes Ver- dienst gerühmt, daß, wenn man seine Reden zusammenrechnet, er mehrere Tage allein gesprochen hat(Große Heiterkeit rechrs) und daß er 200 Anträge gestellt hat.(Erneute Heiterkeit.) Er hat sich auch an allen von den Socialdemokraten beantragten namentlichen Abstimmungen beteiligt.(Widerspruch des Abg. Gothein.) Ach so, Sie meinen, daß Sie öfters nicht da waren.(Große Heiterkeit rechts.) Sie bleiben doch einer der energischten Mitlaufer der Socialdemokratie und wenn Sie auch das Pech haben, daß die Socialdemokratie Sie nicht anerkennt, so be- steht doch im Grunde zwischen Herrn Barth und den Socialdemo- kraten nur der Unterschied, daß die Socialdemokraten den Mut haben, auszusprechen, was sie wollen, aber Herr Barth und Sie nicht!(Große Unruhe links.) Herr Gothein nennt keine Namen mehr: daran thut er sehr klug, denn als er einmal ein Dutzend Parteigenossen namhaft»lachte, die 4— 4>/z Proz. aus ihren Gütern herauswirtschaften, wollte es keiner wahr haben.(Große Heiterkeit und Beifall rechts.) Abg. Gothel»(frs. Vg.): Ich soll also Socialdemokrat sein?! Mir ist vieles schon passiert, aber so etwas noch nie! (Heiterkeit.) Ich bin principieller Monarchist, halte die kapitalistische Wirtschaftsordnung für unbedingt notwendig; ich bekämpfe die Social- demokratie principiell.(Lautes Lachen rechts.) Unsre Anschauungen sind principiell verschieden.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Herr Gamp hat uns Mangel an Mut vorgeworfen. Wir haben zur Genüge bewiesen, daß wir den Mut der Ucberzcuguug haben, mochte es den Herren nun angenehm sein oder nicht. Mit meinen Parteigenossen, die Gutsbesitzer sind, liegt die Sache doch etwas anders, wie Herr Gamp hier erzählt hat. Er hatte einen Brief an diese Herren geschrieben, als Reichstags-Abgeordüeter, Landtags-Abgeordneter und Geheimer OberregicrungSrat unter- zeichnet. Diese Herren sind ganz starr gewesen über die Behauptungen. Sie haben sich gar nicht denken können, daß ein Reichstags- Abgeordneter. Landtags- Abgeordneter und Geheimer Ober- rcgierungsrat(Heiterkeit) mir etwas unterschieben konnte. was ich nie gesagt habe. Als ich den Herren das Stenogramm meiner Rede schickte, waren sie ganz baff, wie Herr Gamp so etwas hatte behaupten können, daß Herr Gothein fo etwas behauptet hätte.(Heiterkeit.) Herr Gamp hat in dieser Sache wieder einmal Fiasko gemacht. Ich soll Namen nennen, wenn aber Herr v. Kardorff dunkle Andeutungen macht übeff Personen, die ihren Einfluß an höchster Stelle gegen das Inkrafttreten des Zolltarifs geltend machen sollen, so ist das durchaus ksär.(Sehr gut! links.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Ich finde es sehr erklärlich, daß Herr Gamp die Grenzlinie zwischen der Socialdemokratte und der Frei- sinnigen Vereinigung etwas verwischt hat, in den Abstimmungen hier im Hause finden sich die beiden Parteien fast stets zusammen. Auch in seinen heutigen Bemerkungen über die Reichs-Einkommen- stener hat sich Herr Gothein wieder als Schrittmacher der Social- demokratie erwiesen. Interessant war es mir, daß Herr Gothein die ihm in den Mund gelegte Aeußcrung, es gäbe Landwirte, die vier bis ftmf Prozent herauswirtschasteten, für ganz unglaublich erklärte. Damit hat er doch die Notlage der Landwirtschaft zugegeben.(Sehr gut! rechts.) Herr Gothein hat die Kanalvorlage einen traurigen Torso genannt. Seine Freunde im Landtage aber werden zweifellos für diesen traurigen Torso stimmen.— Dem Herrn Reichsschatzsekretär möchte ich erwidern, wir wünschen, daß der neue Etat bereits aufgestellt werden möchte unter den Auspizien des neuen Zolltarifs. Abg. Gamp(Rp.): Ich will auf meine Kontroverse mit Herrn Gothein bei der Geschäftslage heute nicht eingehen(Lachen links), bin aber bereit, das gesamte Material einem dritten Herrn, zu den: auch Herr Gothein volles Vertrauen hat, zur Prüfung zu übergeben. Ich schlage für diesen Zweck Herrn Bebel vor.(Heiterkeit.) Abg. Gothein(frs. Vg): Die Sache mit dem Stenogramm meiner Rede lag doch anders als Herr Gamp es darstellte. Ich hatte damals viel citiert, aber aus dem Kopf, und die Steno- araphen, die übermäßig angestrengt Ivaren, hatten in der Annahme, ich hätte vorgelesen, viele Lücken gelassen. Was unsre Stellung zur Socialdemokratie betrifft, so erinnere ich nur an unsre Haltung in Kolonial-, Militär- und Marinefragen.(Ab- geordneter Bebel: Sehr richtig!) Mit dem letzten Vor- schlag des Herrn Gamp bin ich einverstanden, es ist mir nur interessant, daß Herr Gamp, der mir nahe Beziehungen zur Socialdemokratie zum Vorwurf»incht, gerade ein Mitglied dieser Partei für besonders geeignet als Schiedsrichter hält. (Heiterkeit.) Damit schließt die Debatte. Der Kommissionsbeschluß in Bezug auf die Zuschußanleihe wird angenommen. ES folgt der Etat des Bankwesens. Abg. Dr. Arendt(Rp.) tritt für höhere Besoldung der Reichs- Bankbeamten ein, damit nicht alle intelligenten Kräfte in die Privat- Banken übergingen. Redner wiederholt feine bekannten Wünsche auf Erhöhung des Kapitals der Reichsbank. Damit schließt die Debatte. Der Berichterstatter Abg. v. Staiidy Marmeladenindustrie von der Verwendung von Zuckcrsurrogatcn abgeschreckt; ihr Produkt würde dadurch besser und der Konsum gehoben werden. Durch die bisherige Steuerfreiheit der Rübensäfte(Sirupe) würden die Reichsfinanzen erheblich ge schädigt. Schadsekretär v. Stengel betonte, daß man hier einem Kampfe der Rübe und der Liartoffel gegenüberstehe. Da es sich um zwei agrarische Interessen handelt, so kann man sich denken, daß der Regierung nicht leicht fällt, sich für eine der beiden Interessen- gruppen zu entscheiden. Sic behielt sich denn auch die Stellung- nähme vor. Unterstaatssekretär v. Fischer legte dar. daß der Zuckersaft nur wenig zu Süßzweckcn, dagegen hauptsächlich von der armen Bevölkerung zum Ersatz von Butter und Schmalz verwendet lverde. Wolle man die Produktion unter Steuerkontrolle stellen, dann koste das ungefähr soviel wie einkomme. An sich werde aller dings die Besteuerung der Süßstoffe wohl mit Recht gefordert. Die Regierungen würden der Frage nochmals„nähertreten". Die Nationallibcralen wünschen ebenfalls eine erneute Prüfung der Frage; Mg. Beumer erhofft von der Besteuerung der Zuckersäste einen Aufschwung der deutschen Marmcladcfabrikation, die jetzt des halb der englischen noch nachstehe, weil das Publikum meine, sie verwende schlechteren Süßstoff. Eine Besteuerung der Surrogate würde sie zur Verwendung von Zucker zloingen.(Einfacher scheint uns die Aufhebung der Zucker steuer zu sein, dann wird die Ver- Wendung von Surrogaten schon aufhören I Red.) Die Hauptsätze der Resolution Götz-Richthofen wurden angenommen gegen die Stimmen der Socialdemokraten und Fressinnigen. Die Centrumsabgeordneten Speck und Müller wollten durch eine Resolution die Härten des Saccharingesetzes mildern. Eine Anzahl von Süßstoffoesitzern habe ihn nicht loswerden können; der Reichskanzler solle jetzt dafür sorgen, daß sie das Saccharin an Apotheker oder an die konzessionierte Fabrik vorm. Fahlberg u. List absetzen könnten. Der Unterstaatssekretär v. F i s ch e l machte Bedenken dagegen geltend. Danach wurde die Beratung bis zum Mittwoch vertagt. WahlprüfungS-Kommisfion. Die Kommission prüfte am 3. Mai die Wahl des Abg. D rösch er, 2. mecklenburgischer Wahlkreis. S ch w e r i n- W i s n, a r. Bei der Hauptwahl wurden 23 373 Stimmen abgegeben, davon erhielten Groth(Soc.) 10 380, D r ö s ch e r(k.) 6732, B ü s i n g(natl.) 6704, zersplittert 62; bei der Stichwahl erhielt D rösch er 11730, Groth 11 607 Stimmen. Gegen die Wahl Dröschers richtete sich ein Wahlprotest von social demokratischer und nationalliberaler Seite, und zwar wendete sich der socialdcm akratische Protest sowohl gegen die Hauptwahl als gegen die Stichwahl, der nationalliberale nur gegen die Hauptwahl. Außerdem lag ein konservativer Gegcnprotest vor. Beide Proteste bezogen sich zum Teil auf Verstöße bei der Hauptwahl, die auch chcr Wahlkommissar zum Gegenstand seiner amtlichen Den, erklingen über die Wahl gen, acht hatte. Vo» den 144 als ungültig erklärten Stimmzetteln mußten zunächst eine Anzahl für gültig erklärt werden; allein das genügte nicht, die Stiinmenzahl Büsings so zu erhöhen, daß er statt Dröscher in die Stichwahl gekommen wäre. Aber in zehn Ortschaften waren die Wählerlisten später als eS§ 8 d e S Wahlgesetzes vorschreibt, ausgelegt worden, in einigen Orten sogar kaum 14 Tage vor der Wahl. Die Kommission beschloß nach längerer Debatte, die einen principiellen Charakter an- liahm, die Wahl in diesen Orten zu kassieren. Dadurch erhöhte sich die Stiinmenzahl für Büsing, während sie sich für Dröschcr um circa ISO Stimmen verminderte. Sonach hätte nicht Dröscher, sondern Büsing mit den, socialdemokratischen Kandi- daten in die Stichwahl gelangen müssen. Aus diesem Grunde beschloß die Kommission einstimmig, die Wahl für ungültig z» er- klären. Sie unterließ eS daher, die vorliegenden Proteste, die sich eben zum Teil ans. die Bedenken des Wahlkommissars bezogen, weiter zu prüfen, da sie als sicher annahm, daß das Plenum sich den, Beschlüsse der Kommission anschließen werde. Nächste Sitzung Mittwoch, 4. Mai. Sevperkscdaftlickes- Oberschlesien im Rhcinlaud. Wir hatten in Nr. 83 des �Vorwärts" eine Acußenmg des Aachener Delegierten aus dem rheiiiisch-westsälsschcn VcrbandStag der Hirsch-DunckerscheuGewerkvereiue wiedergegeben, wonach der katholische Pfarrer in Weiden aus Anlaß der Gründung eines Ortsvereins in der Kirche bei der Predigt gesagt hatte:„Die Pest ist in Weiden eingebrochen; wer ihr anheimfällt, ist verloren I" Darauf hat der Pfarrer Westenbcrg in einer durch die gesamte Centrumspresse gehenden Erklärung erwidert, daß an der Notiz „nichts, aber auch gar nichts wahr" sei; der Delegierte habe„seine Behauptung entweder ganz frei erfunden, oder allenfalls sich eins auf- binden lasscu". Die Centrnmsblätter meinen dazu:„ES ist also nichts mit „Oberschlesien im Rheinland"."— Das riskieren diese Blätter zur nämlichen Stunde zu schreiben, wo die in der Mandntsprüsungs- Kommission bezüglich der Wahl des Ceiitrnmsabge ordneten Eduard FnchS in, rheinischen Wahlkreise Ottweiler-St. Wendel festgestellten skandalösen geistlichen Wahlbcciilflussungen durch die deutsche Presse gehen. Daß es ein Oberschlesien im Rheinland giebt, ist vor„Ober- schlesicn" huudertfällig nachgewiesen worden. Was„ach den Reich?- tagSwahlen jedesmal an unglaublichen Thaten der katholischen Geistlichkeit berichtet werden mußte, bleibt hinter den Vorkommnissen in Kopps Reich um nichts zurück. Zum Ueberfkuß aber ist der Aachener Gcwcrlvercinler in der Lage, seine eingaben völlig anstecht zu erhalten. Er erklärt in einer Zuschrift an den ultramontanen Aachener„Volkssteund", daß ihm „eine ziemliche Anzahl Personen, welche dem betreffenden Gottes- dienst, beigewohnt haben", seine Mitteilung bezeugen. Richtig sei (was der Delegierte auch nicht behauptet hatte), daß die Hirsch- Dnnckerschen Gewerkvereine nicht direkt genannt worden sind; aber aus den U», ständen, wie sie damals in Weiden lagen, habe jeder das Gefühl gehabt, daß mit dem Ausdruck„Pest" nur diese Gewerkvercine gemeint sein konnten,„zumal, da anschließend an die Aeußerung für die christliche Organisation Propaganda gen, acht wurde und nur diese beiden Organi- sationcn am Orte in Betracht kamen." Berlin und amgegcnd. Zur Lohnbewegung der Parkettleger. Die Parkettleger haben in Ausführung ihres am Montag gefaßten Vcrsammlungbeschlusses gestern früh die Arbeitgeber um Antwort auf die vorher schon ge- schehene Tarifein reichung ersucht. Im Laufe des gestrigen Vor- mirtags wurde der Kommission von 18 Firmen nnt 203 beschäftigten Parkettlegern gemeldet, daß die Inhaber ohne weitere Verständigung mit den andren Firmen eine Zusage nicht geben könnten. Unter diesen Umständen ist es notwendig, den Zuzug von Parkettlegern von Berlin fernzuhalten.— Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten._ Stukkateure! Am 29. April wurde folgendes Cirkular an die Arbeitgeber versandt: Laut Tarifvertrag vom IS. Mai 1903 treten mit dem I. Mai d. I. einige Preiserhöhungen ein. Nämlich: 1. In Pos. 2 Abs. 2, laut welchem das Meter GesimS nicht unter 37,6 Pf. anzusetzen ist. 2. In Pos. 21 Abs. 2. laut welchem das Meter Leiste nicht unter SS Pf. zu ziehen ist. 3. Bei Mschnitt Werkstattarbeiten' beträgt der Mindestlohn für Gießer 4,7S Vi., für Former und Ziehcr S,2S M. Hiervon geben wir den Herren Arbeitgebern ergebcnst Kenntnis. Die Schlichtlingskommission. gez. Wölbling. Die Kollegen sind also verpflichtet, bei der kon, wenden Lohn- berechnung darauf zu achten, daß diese minin, alen Lohnerhöhungen eingehalten werden. Wir ersuchen nun sämtliche Stukkateure Berlins, in allen Be- trieben am Sonnabend, den?. Mai nach der Lohnzahlung Werkstattbesprechung und Organisationskon trolle vorzunehmen, um über die Einhaltung des Tarifvertrages Rück- spräche besonders mit den Werkstattarbeitern zu pflegen I Wo der Vertrag nicht eingehalten wird und wo sich die Kollegen des einzelnen Betriebes darüber einig geworden sind, da ist sofort der Ortsverwaltung Mitteilung zu machen, um geschlossen für den Tarif einzutreten! Geniein schaftlich muß die SchlichtnngSkomn, isston angerufen werden und gemeinschaftlich hat die Arbeit dann so lange zu ruhe», bis die Kommission gesprochen hat. Die Ortsverwaltung des CentralverbandeS der Stukkateure. Filiale Berlin. Tel. Amt III. 1447. veutkcbe» Reich. Metallarbeiter. Der Ausstand in der Walterschen Fabrik in Mühlhausen(Thür.) ist zu Gunsten der Arbeiter entschieden und damit beendet. Die Beibehaltung der alten Accordsätze und die Entlassung eines Meisters ist zugestanden worden. Maurer. Sämtliche Maurer in Mühlhausen(Thür.) überreichten den Meistern ihre Kündigung, locil letztere eine Ver- kürzung der Arbeitszeit und eine minimale Lohnerhöhung ablehnten. Sollten sich die Meister entschließen, im Durchschnitt allen Maurern 2 Pf. pro Stunde zuzulegen, so soll die Kündigung zurückgenommen werden. Andernfalls nimmt im Laufe der nächsten Woche der Streik seinen Anfang. Stadtverwaltung und Koalitionsrccht. Unserm Parteiblatt in Aachen wird berichtet, daß den städtischen Straßenbau-Arbeitern bei Strafe der Entlassung die Mitgliedschaft zum Verbände der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter sowie jede Agitation für den Verband untersagt worden ist. Ausdrücklich wurde betont, daß diese Anordnung voin Bürgermeisteramt ausgehe.— Im Aachener Stadtverordnetenkollegium hat das C e n t r u», die Mehrheit. Man wird abzuwarten haben, wie sich die vorgeblich arbeiter- und koalitionsfreundliche Partei dieser Gcwaltmaßregel und Gesetzwidrig- keit ihres Oberbürgermeisters gegenüber verhält. Zur Lohnbewegung im Baugewerbe zu Königsberg. Die Lage der Bauhilfsarbeiter ist ungünstig. Es haben erst 22 Firmen die Forderungen bewilligt. Zu den alten Bedingungen arbeiten noch 600 Arbeiter: zu den neuen arbeiten 2S0 und im Streik befinden sich 300. Es soll noch einmal eine Einigung mit den Arbeitgebern herbeizuführen versucht werden. Dagegen ist die Lage der Maurer sehr günstig. Bewilligt haben 43 Firmen. Zu den neuen Bedingungen arbeiten 327 Maurer. Im Streik befinden sich 314 und abgereist sind S00 Maurer. Der erste Trupp der Italiener. 26 Maun stark, ist a b g e r e i st. Dagegen arbeitet der zweite Trupp. 64 Mann an der Zahl. Die Polizei trifft die um- fassendsten Vorsichtsmaßregeln, damit niemand mit den Italienern in Berührung kommen soll. Maurer, die versucht haben, sich den Italienern zu nähern, sind verhaftet worden. Von und nach der Arbeit werden die Italiener unter starker polizeilicher Bedeckung in Journalieren transportiert. Dabei werden ganze Teile der Straßen für den Verkehr abgesperrt. Ja. man hat sogar, wie schon gemeldet, eine öffentliche Straße, in der sich einige Neubauten befinden, auf denen Italiener arbeiten, mittels eines Bretterzaunes dem öffent- lichen Verkehr entzogen. Die Maurer befinden sich außerdem noch in Marienburg, Lützen und Jnsterburg im Streik. Auch in Tapiau droht ein Lohukampf auszubrechen._ Schwarze Listen. Wie unser Kölner Parteiblatt berichtet, hat auch der dortige Arbeitgebcrverband für das Baugewerbe aus Anlaß des Streiks der Erd- und Abbrucharbeiter schwarze Listen versandt. Das an die Mitglieder des Verbandes gerichtete Cirkular beginnt folgender- maßen:„Der Streik der Erd- und Abbruchärbeiter nimmt immer größere Dimensionen an. auch werden dieselben von den übrigen Arbeiterkatcgoricn unterstützt. Wir richten deshalb an alle Arbeit- gebcr die dringende Bitte, bei jeder Neucinstellung darauf zu achten. daß kein« streikenden Arbeiter eingestellt werden, und ersuchen höflich, sich hierbei der zugeschickten Listen bedienen zu wollen; wenn keine Listen vorhanden, wolle man vor der Ein- stellung eine genaue Prüfung des Arbeitsuchenden vornehmen. Ferner möchten wir höflich bitten, überhaupt keine Arbeiter ohne Entlassungsschein einstellen z u wollen. Nachstehend ein Verzeichnis der Städte, wo zur Zeit gestreikt wird resp. Sperren über Arbeitnehmer verhängt worden sind."— Bei der Eigenart der Verhältnisse im Baugewerbe sind die erwähnten Ent- laffungsscheine, wenn den Unternehmern ihre Einführung gelingen sollte, weit schlimmere Waffen in den Händen der Scharfmacher, als die schwarzen Listen. Die Einführung dieser Entlassungsscheine zu hintertreiben, mutz deswegen eine Hauptaufgabe der baugewerblichen Arbeiter sein._ Irrtümlich berichteten wir gestern über einen Steinsetzerstreik in E: f u r t. Es handelt sich dabei um eine Ortsverwcchselung. ' er Streik ist nicht in Erfurt, sondern in Bernburg ausgebrochen und haben»vir davon bereits kurz Notiz genonunen. Hustand. Die Aussperrung in der Diamantindustrie. Der socialdemokratische Abgeordnete von Antwerpen, Ter» w a g n e, richtete am Freitag in der belgischen Kammer eine Jnter- pcllation über den Kampf in der Diamantindustrie an die Regierung. Er schilderte die Ursachen und das Entstehen des Streiks und wies auf das parteiische Verhalten der Polizei hin, die einen streikenden Holländer, weil er gepfiffen hatte, wegen Schändung der Arbeits- freibcit festnehmen ließ, während sie nichts unternimmt gegen jene Arbeitgeber, die andre Arbeitgeber, welche zu Verbands- bedingungen arbeiten lassen, arg mißhandelten. Terwagne schloß mit der Aufforderung an den Minister Jrancotte, zwischen den streiten- den Parteien zu intervenieren. Biis der fraucnbewegimg. Ncu-Wcistensce. Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse feiert sein erstes Stiftungsfest am Sonnabend, den 7. Mai, im Lokal„Zum Prälaten" durch Konzert, Theater und Ge- sang, nachher Tanz. Billets ä 30 Ps. sind zu haben bei Frau Demmig, Friedrichstr. 1, und Frau Meinecke, Schönstr. 10. Gäste. durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Abendkasse findet nicht statt. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Borstand. Ripdorf. Verein gewerblich thätiger Frauen und Mädchen von Rixdors und Umgegend. Versammlung sindet statt am 4. d. M. im Lokale von Thiel, Bergstr. 151. Referent Genosse Joh. Rein: Die Arbeiterlvohnung. Uni zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Landsmannschaft der Schleswlg-Holstelner. Mittwoch. 4. Mal, abends S'l, Uhr: Versammlung der«chieswig-Holsteiner und Schleswig- Holsteinerinncn in G. Feuersteins Festsälcn, Alte Jakobstr. 75. Centralveretn der Bnrcau-Angestrllten Deutschlands(Mitglied- schast Berlin). Mittwoch, den 4. Mai, abends S'/j Uhr in Wcndts Klubhaus, Königsgrabcn IIa: Mitglieder-Vcrsammlung. Berliner Fraueuverei». Donnerstag, den 5. Mai, abends 7'/. Uhr: Sitzung im Victoria-Lyccum, Potsdamerstr. 39. Tagesordnung: 1. Der Internationale Frauenkongreß. Referat von Frau Marie Stritt. 2. Geschäst- liches. Gäste willkommen. Der Vorstand. Achtung! Schlächtergcsellen! Mittwoch, den 4. Mai er., abends 8flz Uhr: Große Versammlung des CentrawerbandcS der Fleischer und Dcrussgcnolsen Deutschlands(Verwaltungsstelle Berlin) im Lokale dcS Herrn Pfeffer, Roseiithalerstr. 57. Tagesordnung: 1. Warum schließt die Berliner Brüdeiffchast Verbandskollegen auS? Welche Stellung nehmen wir diesem Beschluß gegenüber ein? Referent: Kollege P. Hcusel. 2. Neuwahl des Hauptvorstandes. 3. Die Lohnbewegung der Berliner Bäckergesellen und Gcwcrkschaslliches._ Eingegangene Druckrchnften. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dictz' Verlag), ist uns soeben die Nr. 16 des 14. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Ausrus des Internationalen Bureaus.— Ausruf der Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands. Die Thätigkeit der badischen Fabrikinspcktoren. Von E. E.— Agitation in den Doinäuen dcS CcntrumS. Von Louise Zictz.— Aus der Bewegung.— Feuilleton: Der Achtstundentag. Von Karl Ewald.— Notizenteil: Sociale Gesetzgebung.— Socialistische Frauen- belvcgung im Ausland.— Gewerckschastliche Arbeiterinnenorganisalion.— Nachklänge zum Crlmmitschaucr Kamps.— Fraulmvcwcgung.— Literarisches. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonncmentsprcls vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps., unter Kreuzband 85 Pf. Der„Wahre Jakob" hat soeben die zehnte Nummer seines 21. Jahr- ganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Wo ist der Admiral des Stillen Occans?" und„Der Herr ans seiner Scholle", sowie die Illustrationen„Die arbeitcrfreundlichcn Kohlen- barone",„Bei den Hereros",„Der Ostelbier",„Der Zweck heiligt die Mittel", „Preußisch-deutsche Frcmdenpolitik",„Alis Ambrosius Knödelkopfs Tagebuch" und„Maicnsteiwcn"(mit dazu�gehöriaem Gedicht). Außerdem enthält die Nummer die Fortsetzung der Serie„BourgeoiS-ThPen" von Edmund Edel. Der texlliche Teil bringt die Gedichte„Das Kohlensyndikat",„Klage der Abgelegten",„Seeschlacht",„DaS Recht aus Genuß",„Deutsche Schnorrer und Verschwörer",„Wildes Werben", und außer zablrcichen kleineren Bei- trägen noch die größeren Feuilletons„Bruder Stanislaus UltramontinSki in Oberschlesien an den Bruder Liborius Gerstensastl in Bayern",„Wer wagt, gewinnt l"(Eine Mai-HumoreSke).„Stainmtsschrede des Metzgermciftcrs a. D. Wurstler in München" und ein„Vorschlag in Güte"(illustriert). Der PrciS der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Ps. „Das Gewerbcgericht", Monatsschrift des Verbandes Deutscher Ge» wcrbegcrichte. Herausgeber.�Dr. Jastrow(Privatdocent, Stadtrat), Char« lottcnburg-Bcrlin, Dr. Flesch(«tadtrat), Frauksurt a. M.(Verlag von Georg Renner in Berlin). Die Zeitschrist enthält in Nr. 8 des 9. Jahrganges außer der Rechtsprechung in deutschen Gewerbe- und Bcrusungsgerichtcn (Zittau. Rixdors, Roßlau a. E., Frankfurt a. M.), andren deutschen Gerichten (Amtsgericht I Berlin), u. a.: Der Kommissionsbcricht über die Kaufmanns» gcrichtc. Von Stadtrat Dr. Flesch.— Versassung und Verfahren: Die bis» hcrigcn Ersahrungen mit der Verhältniswahl.— Resultate der Zwangs- Vollstreckung aus Gcwcrbcgcrichts-UvtcUcu gegen Arbeiter.— EinigungS» ämtcr: Das Gcwcrbcgericht München als Einigungsamt im März 1904.— Allgemeines: Petitionen zum Gesetzentwurf betr. Kausniannsgerichte. „Der ArbeitSmarkt", HalbmonatSschrfft der Centralstelle für Arbeits- mnrkt-Bcrichte(Herausgeber Dr. I. Jastrow, Berlin, Verlag von G. Reimer). Die als Organ des„Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeitschrisl enthält in Nr. 15 dcS 7. Jahrganges unter andcrm: Arbeitgeber- biind und Arbeitsnachweis. Von Privatdocent Dr. I. Jastrow.— All» gemeines: Internationaler SlrbcitSmarlt.— Gewcrkschastliche Kongresse.— Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. Anträge im Reichstage.— Situalianoberichte aus eilizelnen Gewerben: Bergbau(Aussichten dcS Arbeitsmarktes im Ruhr-Kohlengebiet und Oberschlesien): Steine und Erden (Marktlage im Eementgewcrbc): Textilgcwerbe(Ungunst des Geschästs. ganges in Webereien. Günstige Folgen der Baumwollhaussc für die Spinnereien. Nachfrage nach Arbeitskräften im Chemnitzer Bezirk).— Statistisches MonatSinatcrial: Internationale Strcikstatistik.- Börsen» lursc.— Markcnerlös der LandcSversichcrungsanstalten Januar bis März.— Haushaltskosten. Konsum: Lebensmittelpreise i,n April.— Verwaltung der Arbeitsnachweise: Ergebnisse der landwirtschastlichcn ArbeitSvermittelung. Krause Malcnnck. Der Kulturkrach. Betrat rtimgen eines ZukunstS» menschen über die Erde und das Treiben der Menschen. IIS Seilen. Berlin 1904. Druck und Verlag: F. Schlosser, Berlin SW., Alexandrinen» straße 105/106. I. Litt, Mainthal. Main und Mainschiffahrt. Ein Führer ans den einschlägigen Gebieten. Preis IM.— Dr. Moritz Wagner, Beiträge zur Frage der ArbeitSlosensürsorge in Deutschland. Preis TM.— Wilhelm Maas-, Handbuch zur Durchführung des JiwalidcnversichcrungS- Gesetzes vom 13. Juli 1899. 2. Auflage. Preis 2 M. Sämilich zu beziehen durch den Verlag der Arbeilerversorgung A. Troschel, Gruneivald-Bcrlin, Gillstr. S. Marktpreise vo» Berlin am 2. Mai 1904 nach Ermiitelungen deS kgk. Polizeipräsidiums. "Weizen, gut D.-Ctt. 17,25 17.22 mittel„ 17,19 17,16 gering. 17,13 17,10 "Roggen, gut. 13,00 12,99 mittel. 12,98 12,97 gering. 12.96 12,95 ffGerste, gut. 14.20 13.10 mittel. 13,00 11,90 gering, 11,80 10,80 pHaser, gut. 15,00 14.10 mittel. 14,00 13,10 gering. 13,00 12,10 Richtstroh. 4,16 3,82 Heu„ 7,50 5,00 Erbsen. 40,00 28,00 Spciscbohnen„ 60,00 26,00 injen. 60,00 25,00 • ab Bahn. t jici Wagen und ab Bah»., Kartoffeln, neue D.-Ctr. Nindsicisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch„ Kalbfleisch Hammelfleisch„ aittcr Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche «chleie Bleie Krebse 60 Stück 1 stg per Schock 8,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60 2,00 3,00 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,60 1,20 1,40 1,30 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 A.JANDORF&CQ SPITTELMARKI 16/17 Ecke Leipziger Strasse BELLE ALLIANCE-STRASSE 1/2 Am BlUcherplatz GROSSE FRANKFURTER STRASSE TO Ecke Andreas Strasse Soweit der Vorrat reicht) Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend Soweit dsr Vorrat reicht! Eiserne Möbel Gartenstühle 18m. Gartenbänke o». t» cm. ung 4m5. Fussbänke 68 pr. GartentiSChe viereckig, CS. 68X85 cm 65M0. Gartentische r°°a Feldstuhl 325 U. Congo-Möbel Stühle Hocker Fussbänke Tische ca. ÖX7S cm. Tische ca. 40XSS cm 2*1 Im5 26m5. 85 Pf. 550 M. 4m! Sommerspielwaren Botanisiertrommel 25, 35, 43pf. Ftlan�enstecher 5> 8pf. Spaten 9, 15. 25 pr. Rechen 9, 15, 25 pr. 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Gemüseschüsseln wei» MÜChtöpfe dekoriert Kaffeeservice otemg Kaffeeservice 9 telllg, fein dekoriert Emaille Eimer ca. s cm Wannen> Schmortöpfe ohne Bing 38, Schmortöpfe mit sing 43, Casserollen ohne Bing 33, Casserollen mit sing 43, Milchtöpfe 48, Durchschläge 33, Wasserkessel 65, Pfannen nmd 25, Brühsiebe 33, Müllschaufeln Waschbecken Waschtöpfe Wasserkessel dekoriert Wasserkannen Toiletten-Eimer Spucknäpfe Deckelhalter Brotkapseln Suppenterinen Wasserleitungs-Schoner 5 i Stade 8 Tt Stack 15 K stach 12 Pt Stack 6 Pt Stack 15 Pt Stack 45 Pt Stack 60 Pt Stack 23 Pt komplet 1 komplet 3 M 6 5 Pf. 9 3 pf. 48, 55pt 60. 70 pl 33, 48pt 60. 75 pf 60, 80 pt 43, 60pt 85, 98pt 30, 33pt 48, 60pt 33, 48 pt 48, 60pt 75, 95pt 1« 95pt 3m 22 pt 5 5 pt l9� 98pt 135 Stack I M. Kindersportwagen SJerontto. Redakteur: Paul Biittner. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tli. Glocke. Berlin. Dnick n. Verlag: Vorwärts Buchdrnckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.» Berlm H.V St. 104. A. ZchMg. 3. Dttlkßt Die Maifeier. lieber den Verlauf der Maifeier gehen uns noch zahlreiche Nach- richten zu, die alle erkennen lassen, dah die Feier allenthalben einen bedeutsamen Charakter trug und überall würdig verlaufen ist. Wir lassen nachstehend aus der Fülle der Berichte noch einiges folgen. Provinz Brandenburg. Treptow-Baumfchulenwcg. Die hiesigen Parteigenossen hatten ihre Maifeier in den Lokalitäten Neu-Tivoli, Inhaber Preuh, Neue Krug-Allee 59, veranstaltet. Dieselbe war gut besucht und verlief in ruhiger würdiger Weise. Anwesend waren ca. 500 Personen. Nowawes. Die Maifeier verlief in würdiger und harmonischer Weise. An dem Morgenspaziergang nach Drewitz beteiligten sich ca. 300 Personen. Der Nachmittag vereinigte die Genossinnen und Genossen in Bernhardts Volksgarten, wo alle Plätze vollständig be- setzt waren. Genoffe Redakteur Albert Meyer-Braildenbnrg hielt eine der Bedeutung des Tages entsprechende Festrede, welche von den Erschienenen mit brausendem Beifall aufgenommen wurde. Auch der Arbeiter-Turnverein sowie der Gesangverein Maibund erfreuten die Anwesenden mit trefflichen Darbietungen. Mit dein üblichen Ball schloß die erhebende Feier, welche hoffentlich dazu beitragen wird, unsrer Idee zu neuen Fortschritten zu verhelfen. Alt-Glicnicke. Am 1. Mai hielt der socialdemokratische Wahl- verein eine Versammlung ab. Genosse Philipp Bernstein aus Berlin hielt einen Vortrag über die Bedeutung des 1. Mai. Leb- haster Beifall lohnte den Redner. Angenommen wurde die Resolution der Gewerkschaftskonunission. Anwesend waren über 100 Personen, darunter auch Frauen. Nach dem Vortrage blieben dann die Genossen bei musikalischer Unterhaltung noch mehrere Stunden gemütlich bei- sammeit. Köiiigs-Wustcrhauscn. Bei der heusigen Maifeier waren an 500 Personen anwesend, als Referent war Breslauer aus Ripdorf erschienen. Dann wurde die Mairesolution der Arbeiter- schaft vorgelesen und durch Handcrheben einssimmig angenommen. Miihlenbrck, Bez. Berlin. Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich die Feier am hiesigen Ort. Trotzdem der Umzug polizeilich verboten war, verstanden es die Genossen doch, in ge- schickter Weise zu demonstrieren. Des Abends nahmen ca. 600 Per- soncn im Bärschen Lokal an der Festlichkeit teil. Heilstätte Grabowsce. Trotzdem Gendarmerie und Förster den Wald abpatrouillierten, gelang es uns doch, singend und geschlossen den Ort unsrer Zusammenkunft ohne jede Störung zu erreichen. Ansprachen wurden gehalten und die Resolution der Berliner Partei- genossen einstimmig angenommen. Mit einem dreifachen donnernden Hoch auf die internationale völkcrbefreiende Socialdemokratie schloß die Feier. Zossen. Die von den hiesigen Gewerkschaften arrangierte Mai- feier, bestehend in Vortrag von Frau Kiesel, Konzert, Deklamation und Theater im Rüfferschcn Lokale, welches der Feier entsprechend geschmackvoll dekoriert war. verlief in bester Weise. Die Zahl der Teilnehmer, an 400 Personen, bewies, ivclche Fortschritte unsrc Ideen in diesem wohl bisher schwärzesten Städtchen des Kreises gemacht haben. Die Maifeier in Neueuhagen sOftbahn) gestaltete sich großartig. gegen 400 Personen nahmen daran teil. Die Festrede hielt Genosse Schmidt-Berlin. Oderierg(i. d. Mary. Vormittags hatten die Zimmerer eine öffentliche Versammlung, in welcher Genosse K ü n e k e daselbst über die Bedeutung des Tages referierte. Am Nachntittag des Tages hatten die Parteigenossen eine Feier im Schützenhause, ivelches ihnen zugesagt war, geplant. Da der Wirt aber kurz vorher sein Lokal zurückgezogen hatte, so fand nur ein Ausflug statt. Die Parteigenossen, welche sich in einem bestimmten Lokal mit Familie zahlreich versammelt hatten, gingen, da die Gen- darmerie von Angermünde zur Stelle war, in vereinzelten Trupps aus der Stadt. Außerhalb der Stadt schlössen sie sich in eoigoors zusammen und gingen dem circa eine Stunde entlegenen Dorfe Liepe zu. wo sie in der Waldschenke einkehrten. Während der AuSmarsch von drei Gendarmen begleitet war, fand der Einmarsch unter Bc- gleitung von vier Gendarmen statt, jedoch ohne jegliche Störung. Bernau. Vormittag Spaziergang der Gewerkschaften durch die Stadt nach dem Schützenhause; Beteiligung 400 Personen. Um 1 Uhr gntbesuchte Gewerkschaftsversammlung(500 Personen) im„Elysium". Referent: Genosse Vierreuther- Pankow. Nachmittags Konzert und abends Ball. Beteiligung ca. 000 Personen. KottbuS. Früh 6 Uhr Spaziergang in die umliegenden Ort- schasten; Beteiligung 600 Personen. Vormittags 11 Uhr Volksversammlung t Beteiligung ca. 600 Personen. Nach ausgezeichnetem Referat des Genossen O. Schumann- Berlin Annahme der Re- solution, welche von der Berliner Gewerkschaftskommission aufgestellt ist. Nachmittags unter großartiger Beteiligung Gartenfest. Neudamm. Auch hier, wo uns kein Lokal zur Verfügung steht, hatten sich gegen hundert Genossen mit Familie in dem S/« Stunden entfernt liegenden Dorfe Kerstenbrügge zur Maifeier eingefunden. Bei Gesang einiger Lieder und amerikanischer Auktion des Gruppen- bildes der socialdemokratischen Fraktion vergingen die Stuudcn schnell. Natürlich ging es auch unter polizeilicher Kontrolle nicht ab. denn man hatte gleich zwei Gendarmen herbeordert. Dieselben müssen sich äußerst gclangweilt haben, denn Arbeit bekamen sie nicht. Adlershof. Die Maifeier verlief hier in würdevollster Weise. Zwei vom Gewerkschaftskartell einbenifene Versammlungen, an ivclchen ca. 300 Personen teilnahmen, verliefen ohne jegliche Störung. An der Abendfeier, welche in vier Lokalen stattfand, beteiligten sich ca. 2000 Personen. Besonders verdient das ruhige Verhalten unsrer Polizei hervorgehoben zu werden, so daß die Meinung vorherrscht. endlich aus der Oppenschen Aera heraus zu sein. Provinz Pommern. Im Wahlkreise Randow-Greifenhagen fand die Maifeier statt in den Ortschaften Grabow. Bredow. Züllichow. Nemitz, Podejuch und Jeseritz. Es beteiligten sich insgesamt 2000 Personen. Reterenten ivaren Reichstags-Abgeordneter A. Körsten-Bcrlin und Stadtver- ordncter A. Hamsch-Grabow. Ucckcrmünde. Es fand hier um 11 Uhr vormittags eine öffent- liche Versammlung statt, die von ca. 300 Personen besucht war. Referent Genosse Alb. Appel-Stettin. Provinz Posen. Posen. Um 12 Uhr mittags fand eine öffentliche Versammlung im Sommerschen Lokale statt,' in der Genosse Mletzko über die Bedeutung des 1. Mai sprach. Die Versammlung war gut besucht. Redner ging zuerst auf die erste Maifeier vor 15 Jahren ein und schilderte, welche Furcht und Schrecken sich der Bourgeoisie seiner Zeit bemächtigte. Die Feier sei eine Demonstration gegen die kapitalistische Weltordnung und den Militarismus; allgemeine Ab- rüstung und der Achtstundeittag seien die Hauptforderungen der Socialdemokraten. auch verdamme er die Kolonialpolitik. Lebhaften Beifall erntete der Redner für seine vortrefflichen Ausführungen, desgleichen Genosse Sremski, der alsdann polnisch referierte. Eine Resolution gegen den Zarismus, die den russischen Freihcits- kämpfern volle Sympathie aussprach und für den Achtstundentag ein- trat, fand einstimmige Annahme. In Nawitsch versammelten sich die Parteigenossen im Partei- lokal und hörten euren Vortrag des Genossen Lobe über die Be- deutnng des l. Mai an. des Jonrnife" Provinz Sachsen und Thüringen. In Ilversgehofen bei Erfurt feierten diesmal die Genossen selbständig ihr Fest. Morgens gemeinsamer Spaziergang bei starker Beteiligung. Nachmittags Festversammlnng. Referent Genosse Kiesewetter- Ilversgehofen. In Langensalza fand ain Abend eine gutbesuchte Volksver- sammlung statt, in der Genosse Rand- Erfurt daS Referat über- nomrnen hatte. Bei Unterhaltung blieben die. Festteilnehmer dann noch lange beisammen. Die Mühlhäuser Genossen fuhren morgens in einer Anzahl Wagen der elekttischen Straßenbahn nach einem im Walde gelegenen Vergnügungslolal, um sich bei Konzert zu amüsieren. Am Abend fanden sich die Genossen mit Familien im Gewerkschaftshause zusammen. Die Festrede hatte Genosse Aeustergerling- Mühl- Hausen überitommen. An der Feier in Suhl beteiligten sich mehrere hundert Personen. Vormittags fand eine stark besuchte Versammlung statt, in der Ge- nosse M i ch a e l i S- Erfurt das Referat hielt. Nachmittags Konzert und Ball bei überfülltem Lokal, 500 Personen. Die Genossen in Albrcchts bei Suhl machten nachmittags einen Ausflug in die Berge, um mit den Genossen von Beushausen, Viernau usw. auf dem„Aschcnhof" zusammenzutreffen. Abends Konzert, Festrede vom Genossen Michaelis- Erfurt und Ball in Albrechts bei imposanter Beteiligung, 400 Personen. Goldlmitcr und Heidersbach, zwei in höchster Lage des Thüringer Waldes belegene Dörfer, feierten gemeinsam ihre Maifeier. Im wahren Sinne des Wortes kann man von hier sagen, alles was Beine hatte, war am Platze. Die Nachmittagsfeier bei Konzert und Ansprache fand in Goldlauter statt und die Abendfeier bei Konzert, Theater und Ball in Heidersbach. Die Lokalitäton konnten die Arbeitermassen kaum fassen. In Schmalkalden fand die Feier unter starker Beteiligung der Arbeiterschaft statt. Die Festrede hielt der Genosse Schnell- Erftlrt. Die Teilnehmerzahl bettug gegen 500. Die Genossen von Weimar hielten ihr Fest in Ehringsdorf ab. Die Teilnehmerzahl betrug 1200. Festredner war Genosse H e n n- Erfurt. Ein froher Ball schloß die imposante Feier. In Apolda fand die VormittagSfeier im Gewerkschastshause statt. Eine große Anzahl Genossen aus Buttstädt beteiligten sich mit am Fest. Festredner war Genosse Adolf Thiele- Halle. Im „Bürgervercin" war die Abendveranstaltung. In Eisenach waren 1800 Festteilnehmer anwesend. Genosie Leber- Jena hielt die Festrede. Im übrigen fanden Volks- belustigungcn aller Art statt. Und alles trotz des Verbotes des Umzuges. Mehrere hundert Genossen aus Bürgel fanden sich in der .Sonne" zusammen, um das Maifest zu begehen. Die Jlmenaucr Genossen hatten gleichfalls mit Verboten zu kämpfen, trotzdem gestaltete sich die Feier zu einer imposanten. Spaziergang ins Ausland, Konzert und Volksbelnftigung bildeten das Programm. Die Festrede des Genossen A u g. B a u d e r t- Apolda fand begeisterten Beifall. 1500 Personen nahmen an der Feier teil. In Roda bei Elgersburg fanden sich am Abend die Genossen und Genossinnen zu einer' Festversatnmlimg zusammen, in der Genosse W i e h l e- Erfurt das Referat überuontnten hatte. Gegen 200 Personen waren anwesend. Auch die Genosien von Ichtershausen hatten wie alljährlich eine größere Feier veranstaltet. Festzug, Vollsuuterhalwngen und Ball. Die Festrede hielt Genosse Kiese weiter- Ilversgehofen. 500 bis 600 Festteilnehmer waren anwesend. Die Genossen aus Geschwenda, die in ihrem Heimatsorte als schwarzburgische Staatsangehörige keinen Saal zur Verfügung haben. müssen, wenn sie zu politischem oder gewerkichaftlichem Thun zu- sammenkommcn, nach dem„Ausland", dem gothaischen Orte Grafen- roda, gehen. Auch die Maifeier begingen sie aus dem Grunde mit den gothaischen Genossen gemeinsam. Mittags fand unter zahl- reicher Beteiligung der Arbeiter beider Orte ein Auszug nach dem „Felsenkeller" statt, woselbst bei Konzert, Gesang und Festrede die so sehr verfemte Jnternattonalität gefeiert wurde. Gen. Heb big- Erfurt sprach über den Wert der Maifeier unter großem Beifall. In Arnstadt beteiligten sich am Morgenspaziergang 450 Per- fönen. Am Nachmittag und Abend fanden die Festteilnehmer in den zur Verfügung stehenden Lokalen nicht alle Platz. Die Festrede hielt der Kandidat Genosse I. JooS-Gotha. In Königs« hatten sich 300 Genossen im„Grünen Grund" zu- sammcngefunden, um daS Maifest zu begehen. Gesang, Konzert und die Festrede des Genossen Pappe-Erfurt verschönten die Feier. Die Genossen der beiden Schwesterorte Zella und Mehlis be- gingen eine geineinsame Feier bei äußerst starler Beteiligung durch Konzert, Unterhaltung und Festrede. Gera und Umgegeud hielt in sieben sehr stark besuchten Ver- santmlungen seine Maifeier ab. Am Nachmittag wurde tu fest- lichster begeisterter Sttmmmig daS eigentliche Fest abgehalten. Der Festplatz in Zwötzen bei Gera konnte die Menschenmassen kaum fassen. Mehr als 12000 Genossen lauschten dem Festredner Reichs- lags-Abgeordnetcn E m a n u e I Wurm. Pößneck, Sachsen-Meiningen. Verlauf der Maifeier großartig! Von mittag ab herrliches Sommerwetter. Maifestzug viel grüßer wie frühere Jahre. Starker Zuzug, auch aus benachbarten außer- meiningenschen Dörfern. Rote und weiße Fahnen, Standarten und Gewerkschafts-Embleme, sowie Kinder. Mädchen und Frauen im Festzuge. Andrang im großen Garten-Etablissement„Vereins- garten" enorm. Abends Theater, Gesangsvorträge.— Festrede des Genossen Landtags-Abgeordneten Paul Seige mit stürmischem Beifall aufgenommen. Zudrang auch abends riesig.„Wir marschieren I" Norddeutschland. Kiel, 2. Mai. Die gestrige Maifeier in Kiel und der Umgegend gestaltete sich wieder zu einer imposanten Kundgebung der hiesigen Arbeiterschaft. Begünstigt von einem herrlichen Wetter, das sich nach langen Regentagen unverhofft eingestellt hatte, wurden schon m aller Frühe von Vereinen und Gewerkschaften Ausflüge unternommen. In Kiel versammelten fich die Genosien alsdann mittags im„Englischen Garten" und„Elysium", woselbst die Ge- nosse» Otto Stalten und K a s ch, beide vom„Hamburger Echo". über die Bedeutung des 1. Mai referierten. Die Versammlung im „Englischen Garten" war geradezu überfüllt. Am Schluß wurde eine der Bedeuttmg des TageS entsprechende Resolution mit großem Enthusiasmus angenommen. Am Abend wurden in 3 Lokalen, im„Englischen Garten".„Colosfenm" und„Elysium" Fcstversammlnngen abgehalten, die sich eines ganz enormen Besuches erfreuten. Die Zahl der erschienenen Genossinnen und Genossen muß nach dem Markenverkauf auf 7 bis 8000 geschätzt werden. Die Referate wurden von den Genossen K a s ch, Dr. Weiß und P o l l e r aus- geführt. Die Veranstaltungen zeigten einen unsrer Parteibewegung entsprechenden Verlauf. Versammlungen sowie sonstige Ver- anstalttingeit fanden ferner statt in Gaarden, Diedrichs- dorf-W ellingdorf-Neumühlen und Friedrichs ort. Letzterer Ort besitzt erst seit der vorigen Wahlbcwegung eine Partei- Organisation. Als Referenten waren die Genossin Z i e tz, ferner die Genossen Wissel aus Lübeck und Paul Hoff mann aus ta m b u r g anwesend. Der Verlauf der Feier war überall, seinem �weck entsprechend, ein enthusiastischer und dcntonstrativer. Lübeck. Die Maifeier nahm hier einen außerordentlich günstigen Verlauf. In einer am Sonnabendabend im Vereinshause abgehaltenen Utttodlh, 4. Mai 1904. Volksversammlung referierte der Genosse Th. Meyer- Hamburg. Sonntagnachmittag wurde ein Demonstrationszug, an dem sich 39 Gewerkschaften und Vereine beteiligten, nach dem Walddorse Jsraelsdorf unternommen. Trotz des gerade nicht sehr günstigen Wetters hatten sich 6000—7000 Personen auf der Festwiese ein- gefunden. Hier hielt Genosse S ch w a r tz eine Ansprache. Sämtliche Fahnen ec., mit Ausnahme der Parteifahne, deren Rot nach Meinung des Polizei- Amts die„freie" Republik Lübeck gefährdet, wurden mitgeführt. Hannover. In vier Lokalen fand unsre Maifeier statt. DaS Wetter, welches bis 4 Uhr wunderschön war, schlug dann in ein Gewitter mit zweistündigem Regen um. konnte aber trotzdem die Stimmung nicht stören. Circa 30 000 Personen nahmen teil an der Feier. Der Verlauf des Festes war großarttg. Hessen. Die Maifeier in Mainz hatte in diesem Jahre eine besondere Bedeutung insofern, als an diesem Tage die Einweihung der neuen Rheinbrücke stattfand, zu welcher der Kaiser, der hessische Großherzog, sowie Bülow, v. Einem, Budde usw. nach Mainz ge- konmien waren. Auf dem Rheine wurde eine große Flottenparade arrangiert, durch welche man. wie ein Mainzer Bürgermeisterei- Abgeordneter berechnend erklärte, Wilhelm II. zum Gegner des junkerlichen Rheinzoll-ProjelteS machen wollte. Außerdem wollte die Stadt Mainz— nach Angaben der Bürgermeisterei— Wilhelm II. „Huldigungs- und Dankgrüße" um deswillen zujubeln, weil er durch Kabinettsordre verfügt hatte, daß die längst überflüssigen Fcsttmgswälle der Stadt endlich beseittgt würden. Um in diesen „Jubel" keinen Mißton hineiitklingen zu lassen, mutzte man sich natürlich auch preußischer Gepflogenheiten bedienen. Und letzteres haben die Mainzer Behörden vortrefflich verstanden. Zunächst wurde, entgegen altem Brauch, den organisierten Arbeitern die Stadthalle zur Abhalttmg ihrer Maifeier verweigert. Dann kratzte die Polizei die Maiplakate von den Anschlagtafeln der Stadt und schließlich wurde den Arbeitern der Maiumzug verboten. Aber dieses Agitattons« mittels hatte es nur bedurft, um die Feier imposanter zu gestalten wie in irgend einem Vorjahre.MorgenS um 7'/, Uhr zogen ca. 1000 Genossen aus den Thoren der Stadt in dennahegelegenen schönen Gonsenheimer Wald. Nach einem herrlichen Marsch lagerte sich die Schar, welche sich in- zwischen dadurch bedeutend vergrößert hatte, daß eine Anzahl Genossen aus den benachbarten Orten Gonsenheim, Bretzenheim, Finthen, Budenheim, Heidesheiin und Mombach zu ihr gestoßen waren, in einer Waldniederung. Ein Parteiwirt aus Gonsenheim hatte per Wagen einige Fässer Bier und einen kleinen Imbiß zur Stelle gebracht und bei fröhlichen Liedern und Spielen verlebten die Genossen einige vergnügte Stunde». Genosse Landtags-Abgeordneter Adelung wies in kernige» Worten auf die Bedeutung'des MaifesteS hin und ein Chor des Gesangvereins„Harmonie" schloß die schöne Feier. In Gießen veranstalteten die Gewerkschaften einen Festzug durch die Stadt, der außerordentlich große Beteiligung aufwies. 600 bis 800 Personen nahmen daran teil; für Gießen, wo die meisten Arbeiter außerhalb wohnen, eine große Zahl. In den Orten der Umgebung fanden Versammlungen statt. In Wirges(Westerwald) fand eine von circa 200 Personen be- suchte Versammlung statt, in der Genoffe Vetters über die Bedeutttng der Maifeier sprach. Das Maifest war dort von einer großen Menschenmenge trotz des Regenwetters besucht; von den Orten der Umgebung hatten sich zahlreiche Teilnehmer eingefunden. In Limburg a. d. Lahn war an einem Aussichtsturm eine rote Fahne gehißt. In dem schwarzen Orte l In Großgcrau nahmen 1500 Personen an der Maifeier teil. In Bürgel wurde dieses Jahr zum erstenmal eine Maifeier ab- geHallen. 400 Personen beteiligten sich an dem Umzüge. Die Maifeier im Maingau ist, soweit sich bis jetzt übersehen läßt, überall in der schönsten und friedlichsten Weise verlaufen. In Frankfurt a. Main- Bockenheim fanden am Sonnabendabend sieben große, zahlreich besuchte Versammlungen statt, in denen ftir die Mai-Jdee demonstriert und eine gleichlautende Resolutton zu Gunsten des Achtstundentages und unsrer sonsttgen Bestrebimgen angcnoinmen wurde. Am Sonntagnachmittag fand im Stadtwald ein großes Volksfest statt, an dem mindestens 30 bis 40 000 Menschen Teil nahmen. Leider wurde es gegen 6 Uhr durch ein schweres Gewitter, das in der Mainebne niederging, stark beeinträchttgt. Auch in Hanau und Wiesbade ir fanden stark besuchte Volksversammlungen mit daran schließenden Volksfesten statt. In den um Frankfurt liegenden Orten Rödelheim, Ecken- heim. Oberursel. Homburg v. d. H.. Oberhöchstadt. Stein bach i. T., Schneidheim fanden überall Sonntag- nachmittag Volksversaminlungen mit Volksfesten statt, die sich alle eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatten. In einigen Orten waren auf verschiedenen Punkten rote Fahnen gehißt. In Bocken- hausen i. Taunus wurde in diesem Jahre zum erstenmal eine Mai- feier abgehalten, an der sich die Genossen von Eppstein, Eppenhain, Niedernhausen ec. beteiligten, so daß der Saal in Vockenhausen die Festbesucher kaum fassen konnte. Ueberhaupt ist das Interesse der Genossen der Hinteren Orte des Taunus an der Maifeier in diesem Jahre ein weit größeres gewesen als in früheren Jahren. Die umliegenden Orte von Hanau beteiligten sich zumeist an der Maifeier in Hanau; die Orte im Wiesbadener Wahlkreise ver- anstalteten aus Mangel an Sälen MaiauSflüge. Im Höchster Kreise wurde die Maifeier zumeist bezirksweise gefeiert. Dadurch gewannen die Demonstrationen an Stärke und Bedeutung. Besonders schön und imposant werden jedes Jahr die Maifeiern in den benachbarten hessischen Orten gefeiert, wo die Polizei nicht die Aengstlichkeit bekundet vor den Maidemonstrationen, wie in Preußen, obwohl sie sich auch hier überall sehr zurückhaliend be- nommen hat. JnOfsenbach, Vilbel, Steinbach im Taunus (hessische Enklave) fanden große Umzüge mit Musik und Fahnen statt. Und nirgends wurde die Ordnmig dieser Umzüge gestört. In Vilbel war noch nicht einmal ein Gendarm zu sehen, weder auf der Sttatze während des Umzuges, noch in der Festversammlung. Dort nimmt fast die ganze Einwohnerschaft, mit Ausnahme einiger „Honoratioren", an der Maifeier teil. In der Wettcrau fände» außerdem Bezirksmaifeste statt in F r i e d b e r g, R o d h e i m v. d. H., Büdingen. Alles in allem darf gesagt werden, daß im ganzen Mainthal die Maifeier in diesem Jahre imposanter verlaufen ist, als wie in irgend einem Jahre vorher. Bayern. München. Da dieses Jahr das Weltfest auf einen Sonntag fällt, so kann leider nicht festgestellt werden, ob auch in München der Fortschritt der Arbeitsruhe in Einklang steht mit der stetig fort- schreitenden Erstarkung der gewerkschaftlichen und polittschen Organi- sation. Jedenfalls aber waren die 9 Volksversammlungen, mit denen am gestrigen Vorabend die Maifeier eingeleitet wurde, außer- ordentlich stark besucht, ja überstillt und in allen herrschte eine freudige, begeisterte Feststimmung. Das war auch der Fall in der, wie alljährltch von der Organisation der Schneider heute vormittag veranstalteten besonderen Versammlung, die sich ebenfalls eines außerordentlich starken Andranges zu erfreuen hatte. Das eigentliche Maifest fand dann heute nachmittag statt und war von dem herrlichsten Wetter begünstigt. Verschiedene Umstände haben die hiesige Parteileitung veranlaßt, dieses Jahr einen neuen �estplatz zu wählen, der in dem herrlich bei Boyenhausen am Ufer der Isar gelegenen riesigen Herzogpark gefunden wurde. Der alte Park gehörte einstmals dem Grafen v. Montgelas, dem bekannten bayrischen Staatsmann, und ging dann später in den Besitz der herzoglichen Linie der WittclSbachcr über. Herzog Karl Theodor verkaufte die Anlage vor einigen Jahren an eine Terraingesellschaft, die, da die Zeit zur Ausschließung der Grund- stücke noch nicht gekommen ist, den Park an eine Brauerei verpachtete. Mit dein Weltfest der Arbeit wurde nun der ehemalige fürstliche Park dem öffentlichen Verkehr übergeben. Der Besuch des Festes war geradezu riesenhaft; die Zahl der Festgäste, die sich aus allen Kreisen der Miiuchener Bevölkerung rekrutierten, ist bei der enormen Ausdehnung des Parkes auch nicht annähernd zu schätzen, läßt aber die aller früheren Jahre weit hinter sich. Auf dem Fest- platz herrschte selbstverständlich musterhafte Ordnung und Disciplin. Bei dem Zusammenbruch eines etwas gar zu leicht gebauten Karussells, auf dem sich etwa M Personen— meist Frauen und Kinder— befanden, ist glücklicherweise keine nennenswerte Verletzung vor- gekommen. Die Maifeier in Niirnierg verlief wieder in der glänzendsten Weise. Vormittags fanden fünf große Volksversammlungen statt, die sich eines massenhaften Besuches zu erfreuen hatten und in denen eine gleich lautende Resolution mit den bekannten Maiforderungen einstimmig angenommen wurde. Außer den, Protest gegen den Kapitalismus und seine Auswüchse, gegen Militarismus ufto. wurde Stellung dagegen genommen, daß durch die in Nürnberg beliebte Hand- habung des Vereins- und Versammlungsrechtes es den Arbeiterinnen verwehrt ist, an den Versammlungen teilzunehmen. Wie man hört, hatten die Civil- und Militärbehörden wieder großartige Vor- bereitungen gewoffen, um die etwa ausbrechende Revolution nieder- zuschlagen, aber zum großen Schmerz aller Scharfmacher kam nicht die geringste Unordnung vor und die Demonstration ging würdig vor sich. Nachmittags fanden in zwei Gartenlokalen Maifeste statt, die ebenfalls massenhaft besucht und wie die Versammlungen vom besten Geiste getragen waren. Zu einer großartigen Kundgebung gestaltete sich auch die Mai- feier der Fürthcr Arbeiterschaft. Die Versammlung machte sowohl durch ihren zahlreichen Besuch als durch ihren imposanten Verlan den erhebendsten Eindruck, ebenso das nachmittägige'Maifest. Gegen das vom Bezirksamt erlassene Verbot des vom Magistrat genehmigten Maifestzuges wurde scharf protestiert. Auch hier verhielten sich die Demonstranten würdig und besonnen und die staatsrettenden Mächte brauchten nicht in Aktion zu treten. Die Feier im übrigen Rordbahern nahm ebenfalls, soweit bis jetzt Berichts vorliegen, einen glänzenden Verlauf. Besonders kolossaler Beteiligung erfreuten sich die Feste in den Städten Bayreuth, Bamberg. Würzburg. Heidingsfeld und Schweinfurt, In Schweinfurt hatte der Magistrat den Festzug gestattet, während anderwärts überall die Behörden den Umsturz des Staates be- fürchteten, wenn die Arbeiter in geschlossenem Zuge zum Festplatze inarschieren würden. Der Schweinfurter Fcstziig hatte auf die Landbewohner so starke Anziehungskraft ausgeübt, daß sie sich scharen- weise einfanden. Mancher neue Anhänger wurde unsrer Partei da- durch gewonnen. In Heidingsfeld war der Festzug zwar auch verboten, aber unsre Genossen verstanden es doch so einzurichten, daß er thatsächlich stattfand. Als der Referent, Genosse Franz Schmitt- München, um 2 Uhr mit dem Zuge am Bahnhof ankam, wurde er von den Parteigenossen, die alle rote Abzeichen trugen, abgeholt, und unter Voranfahrt von Radfahrern marschierten sie in geschlossenem Zuge durch alle Straßen der Stadt, Aus allen Fenstern, mit Ausnahme der an den Häusern der Magistratsherren, sckmute olles riesig belustigt dem Zuge zu. Vor dem Hause des Bürgermeisters wurde Halt gemacht und ein schönes Lied gesungen. Der einzige Polizist, der sich unterwegs blicken ließ, schlug sich als- bald seitwärts in die Busche. Die Frauen, die in ziemlich allen Versammlungen zahlreich vertreten waren, wurden überall von der Polizei ausgewiesen, weil die Handhabung des Vereins- und Versammlungsrechts in Bayern so spitzfindig prakttzicrt wird, daß die Maifeste einfach als Ver- anstaltungen eines politischen Vereins— hier der socialdemokratischen Partei,— an denen Frauen und Minderjährige nicht teilnehmen dürfen, betrachtet werden. Auch in zahlreichen Landorten wurden Feste veranstaltet, die sämtlich den schönsten Verlauf nahmen. Aus der Pfalz wird berichtet: Die Maifeier nahm, vom Herr- lichsten Wetter begünstigt, allerorts einen prachtvollen Verlauf. Die Versammlungen in Ludwigshafen, Frankenthal, Neustadt, Speier, Kaiserslautern, Pirmasens, um nur die Hauptorte zu nennen, waren außerordentlich stark besucht. Die Festlichkeiten, die meistens im Freien stattfanden, hatten einen unerwarteten Zulauf zu verzeichne». So fanden sich beispielsweise auf der Nachmittagsfeier der Ludwigs- hafener Arbeiterschaft, die auf einer Wiese in dem nahegelegenen Rheingönnheim stattfand, über 10 000 Arbeiter nnt ihren Angehörigen ein. Die Polizei hatte sämtliche Auf- und Umzüge, die für den Tag in den pfälzischen Städten geplant waren, verboten. Geschadet hat uns das Verbot nicht und den Oberen nützt es nicht. Württemberg. lPrivatdepesche des„Vorioärts".) In Stuttgart fand nachmittags unter Vorwitt berittener Schutzleute ein Umzug statt, an dem sich etlva 4000 Personen beteiligten. Die GeWerk- schaften führten ihre Fahnen und Standarten mit. Eine rote Fahne wurde dem Zuge vornngetragen. Gegen das vorige Jahr hatte die Polizei den Umzugsweg erheblich eingeschränkt und ihn vornehmlich an die Peripherie der Stadt gedrängt. Ein Gewitter unterbrach den Umzug. Abends fanden vier Versammlungen statt, die von mindestens 8000 Menschen besucht waren. In Cannstatt veranstalteten 2000 Personen einen Umzug mit Fahnen und Standarten, Die einzelnen Branchen hatten entsprechende Kostüme angelegt. Umzüge und Versammlungen wurden auch abgehalten in Halbroim, Reutlingen und Eßlingen. In Ulm war der Umzug polizeilich verboten worden. In ganz Württemberg wurden etwa 70 Versammlungen abgehalten. Die Beteiligung hat gegen ftüher erheblich zugenommen, was besonders in den Schwarzwalddörfern bemerkt wurde. Baden. Maunheim, 1. Mai. Die Entrechtungs- und Vergewaltigungs- Politik des„Ministeriums der Freiheit und Gerechtigkeit" hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Wie kaum jemals zuvor, war die heurige Maifeier eine imposante Demonstration unsrer lverkthätigen Be- völkeruug gegen die politischen und socialen Zustände des Klassen- staateS. Im ganzen„liberalen" Musterländle, von Konstanz bis herab an die Neckarinüudung, hatte die Karlsruher Regierung, wohl einem allgemein gültigen Wink von Berlin aus folgend, ohne jede Ausnahme jede öffentliche D e m o n st r a t i o Ii der Arbeiterschaft am 1, Mai verboten, selbst hannlose Familienausflüge ohne jede ausgesprochen propagandistische Tendenz Ivaren dem chikauösen Verbot zum Opfer gefallen. Hier in Mannheim, der Jndustriemetropole des vadisches Landes, wo man sich einer be- sonders fürsorglichen Polizei-Aiifsicht erfreut, war der Arbeiterschaft nicht eimnal gestattet worden, dem offiziellen Teil des Mai- festes ein Tanzvergnügen folgen zu lassen, obwohl in den früheren Jahren die ähnlichen Veranstaltungen stets ohne jede Stönnig oder Ordnungswidrigkeit verlaufen waren. Diese offenkundige Entrechtung der aufgeklärten Arbeiterschaft wng so offen den Stempel einer vexatoristhe» Scharfmachermaßregel, daß selbst in bürgerlichen Kreisen lebhaftes Mißfalle» darüber geäußert wurde. Kein Wunder, wenn sie dann erst die betroffene Arbeiterklasse zu flammendem Protest auf die Beine rief. Die heutige Massenversammlung war ein lebendiges Zeichen dafür, wie sehr alle derartigen Polizeimaßnahmen in ihrer Wirkung genau ins Gegenteil umschlage». Wohl 7000 Menschen, Frauen und Männer, füllten den Riesensaal des städttschen„Rosengarten", des größten Saaletablisseinents des Reiches, als nin 3 Uhr die Maifeier der Arbeiterschaft des 11. badischen Reichstagswahlkreises er- öffnet wurde. Alle Organisationen der Arbeiterbevölkeruug, Arbeitergesang-, Turn- und Musikvereine wirkten zusammen, um dem Feste die Weihe zu verleihen, Mossengesänge und Solovorttäge nuifikalisch veranlagter Genossen Ivechselten in bunter Folge ab, Den Mittelpunkt der Feier bildete die etlva �ständige Festrede unsres Reichstags-Abgeordneten D r e e s b a ch, der in kurzen, markigen Zügen die Bedeutung der internationalen Maidemonstration des Proletariates darlegte, dabei einen Rückblick auf das verflossene Jahr deZ Wahlkampfes warf und mit dem Hinweis auf die sieghafte Zukunft des socialistischen Gedankens die Riesenbersammlung zu stiirmijchem, begeistertem Beifall hinriß. Mit dem Absingen der Arbeitermarseillaise und einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die völkcrbefteiende Socialdemokratie schloß die imposante und eindrucks- voll verlaufene Massenversammlung. Das Ministerium Schenkel wird am Verlauf der Maifeier wie ohne Zweifel auch der übrigen Feiern im Lande gesehen haben, wie sehr eS mit der Auffassung aU dem Holzweg ist, als könnte mit polizeilichen Machtgeboten eine Be- wegung wie die socialistische unterdrückt werden, Außerdem fanden im 11. Badischen Reichstags-Wahlkreise in Rheinau und Ladcnburg Maifeiern statt. Zu diesen wie zu den Feiern in Lahr, wo Expedient Pfeiffle, und in Lörrach, wo Dr. Frank sprach, hatte Mannheim die Referenten gestellt. Ausland. In Schweden war die Beteiligung an der Maifeier stärker als je zuvor. Die gewaltigste und umfangreichste Demonstration war selbltverständlich die in Stockholm. Hier marschierten im Demon- strationszuge mit seinen 37 Musikkapellen 25 000 Menschen, darunter sehr viele Frauen, der Fahne des Allgemeinen Frauenklubs folgten allein 500 Frauen. Auf dem Sammelplatz, wo drei Redner- ttibünen errichtet waren, stieg die Zahl der Teilnehmer auf 40 000. Dort wurde eine Resolution angenommen, in der die Arbeiter Stockholms sich solidarisch erklären mit den Arbeitern aller andren Nationen im Kampf für eine wirksame Arbeiterschutz- Gesetzgebung und für den gesetzlichen Achtstundentag, ferner aber protestieren gegen die politische Unmündigkeit, in der die Arbeiter- schast Schwedens noch immer künstlich erhalten wird, und gegen die daraus folgende Klassenpolittk, und von neuem die Forderung an ein wirklich allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht erheben.— Die ganze Demonstration verlie in musterhafter Ordnung. Auch in allen andren Städten Schwedens war, soweit bis jetzt Berichte vorliegen, die Teilnahme außergewöhnlich stark. So nahmen z. B, in Göteborg 10 000, in Malmö ebenfalls 10 000 Personen an der Demonstration teil. Es liegen außerdem bis jetzt aus 40 Städten und Orten Nachrichten über die Maifeier vor. Sogar jenseits des Polarkreises hat sich die Idee der Maifeier schon Bahn gebrochen: in G a l liw ar e demonstrierten 900 Personen, in K i r u n a, 20 Meilen über dem Polarkreis, sprach Frau Kate Dalström aus Stockholm vor 1200 Personen, Dort im äußersten Norden wurde ebenso wie in den übrigen Städten die oben erwähnte Resolution angenommen. Lohales. Vom Berliner Wohnungselcnd. In den Berliner Mietshäusern birgt sich, oft hinter einer Außen- seite, die nichts weniger als abstoßend ist, eine Fülle des krassesten Elends, hervorgerufen durch erbärmliche, in jeder Hinsicht un- genügende Räume, die den Namen einer Wohnung nicht verdienen, trotzdem aber als Wohnstätten benutzt werden. Den Proletariern. die in solchen jämmerlichen Räumen hausen müssen, kommt das Elend, welches ihnen die kapitalistische Ausbeutung des Wohnungs- Wesens bereitet, oft gar nicht zum Bewußtsein, weil sie leider nie bessere Verhältnisse gekannt haben, und auch die Oeffentlichkeit er- fährt nur selten einmal an der Hand besonders krasser Einzelfälle etwas von der fürchterlichen Misere des großstädtischen Wohnungs- elends. Der Vorstand der Orts- Krankenkasse für den Gewerbebettieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker hat sich ein Verdienst im Interesse-der öffentlichen Wohlfahrt erworben, indem er seit einigen Jahren die Wohnungsverhältnisse der erkrankten Kassen- Mitglieder durch seine Krankenkontrollcure feststellen läßt. Es ist jetzt das dritte Mal, daß der genannte Vorstand die Ergebnisse seiner Er- Hebung in sorgfältiger Bearbeitung der Oeffentlichkeit übergiebt. Die soeben erschienene, von Albert K o h n bearbeitete Wohnungs- Enquete für das Jahr 1903 bildet eine anschauliche Illustration zu dem Kapitel: Berliner Wohnungselend. Sie zeigt, daß der weitaus größte Teil der erkrankten Kassenmitglieder sich mit Wohnungen be- helfen mutz, die weit zurückstehen hinter den Anforderungen, welche die Hygiene an menschliche Wohnungen stellt, Von den 12 934 Patienten(7124 männliche und 5810 weibliche) sind eS 4809 Männer und 3944 Frauen, bei denen die von an- erkannten Hygienilern aufgestellte Forderung: 16—20 Ouadrattneter Bodenfläche für den Wohnraum, 20—25 Quadratmeter ftir einen Wohn- und Schlafraum nicht erfüllt ist.— Die Berliner Baupolizei- Ordnung schreibt als Mindesthöhe für Räume, die dem dauernden Aufenthalte von Menschen dienen, 2,80 Meter vor. 2453 männliche und 1779 weibliche Kranke bewohnten Zimmer, welche niedriger sind als 2,80 Meter, ja 845 Männer und 660 Frauen bewohnten Räume, die noch nicht einmal 2,50 Meter hoch sind, und wir finden sogar Wohnräume, deren Höhe nur 1,60 Meter beträgt, in denen also ein Mann von mittlerer Größe nicht aufrecht stehen kann.— Mindestens 20 Kubikmeter Luftraum für die Person ist eine anerkannte hygienische Forderung, die jedoch bei 4122 männlichen und 3137 weiblichen Patienten nicht erfüllt ist. 1420 Männer und 910 Frauen hatten noch weniger tvie 10 Kubikmeter Luftraum zur Verfügung. Das Elend, welches in diesen Zahlen zum Ausdruck kommt, erscheint noch krasser, Ivenn man bedenkt, daß es sich hier um leidende, oft mit ansteckenden Krankheiten behaftete Personen handelt, die solche elenden Räume noch mit andern Bewohnern teilen müssen, wodurch diese der Gefahr einer Ansteckung ausgesetzt sind. Ein Bild entsetzlichen Elends entrollt sich vor unfern Augen, wenn wir erfahren, daß 263 kranke Männer und 148 kranke Frauen im Winter keinen heizbaren Aufenthaltsraum zur Verfügung hatten, daß 1062 männliche und 769 weibliche Kranke auf Räume angewiesen ivaren. in die das Tages- licht nur ungenügend Eingang findet, während 76 Männer und 36 Frauen sogar in f e n st e r l o s e n Löchern hausten und 535 Männer und 312 Frauen in feuchten Räumen angetroffen wurden.— Recht bedenklich ist es vom hygienischen Standpunkt aus, daß ein gemeinsames Klosett in 2432 Fällen von 11—40 Personen, und in 79 sogar von mehr als 40 Per- onen benutzt wurde. Die angeführten Zahlen geben ein betrübendes Bild von den ttaurigen Wohnungsverhältnissen der Proletarier des Handels- gewerbes, die Schattenseiten dieses Elendsbildes erscheinen aber noch dunkler durch eine Reihe von Einzelmitteilungen, die durch statistische Zahlen nicht ausgedrückt werden können. Wir führen hier nur einzelne, ohne Wahl herausgegriffene Beispiele an: Ein lungen- kranker Patient liegt in einem Raum, in den weder Licht noch Luft gelangt, da das kleine Fenster durch eine Mauer fast ganz eingebaut ist.— Ein Nervenleidender bewohnt eine schmutzige Kammer, durch Scheiben in der Thür dringt kein Lichtstrahl, der Raum gleicht einem Kerker,— Ein an Mandelentzündung erkranktes Mitglied wohnt in der Wölbung des Thorwegs. Der Raum ist nur 1,75 Meter hoch und hat keine Heizgelegenheit, der als Küche benutzte Nebenraum ist noch niedriger.— Dem Bericht sind einige Wiedergaben photographischer Auf- nahnien von Wohnräumen der Kassenmitglieder beigefügt. Deutlicher als es Worte vermögen, geben diese Bilder den Eindruck menschen- unwürdiger Wohnungen wieder. Der Bearbeiter der Statistik be- tont, daß bei der Auswahl dieser Elendsdarstellnngen in Worten und Bildern keine Tendenz bestimmend war. Es sind nicht etwa besonders schlecht beschaffene Straßen- oder Stadtteile heraus- gegriffen; sowohl der Westen wie der Osten, die Peripherie wie das Centrum der Stadt sind berücksichtigt, und überall zeigt sich dasselbe Bild des Elends. Was uns die Statistik der Orts-Krankenkasse der Kaufleute vor« führt, ist nur ein kleiner Teil der menschenunwürdigen Wohnungs- Verhältnisse, welche in Berlin herrschen. Die Angehörigen andrer Berufe wohnen womöglich noch schlechter, sicher nicht besser, wie die im Handelsgewerbe Beschästtgten. Es wird noch manche Arbeit und mancher harte Kampf erforderlich werden, ehe Staat und Gemeinde ihre socialen Aufgaben auf dem Gebiete des Wohnungswesens er- füllen._ Die Stadtverordneten-Versammlung hat sich in ihrer Sitzung am Donnerstagnachmittaa 5 Uhr u. a. mit folgenden Gegenständen der Tagesordnung zu befassen: Wahl je eines Mitgliedes in den Aus- schuß für die Wahlen von unbesoldeten Genreindebeamten.— Beschlußfassung über den Beginn und die Dauer der Sommerferien der Versainnrlung,— Berichterstattung über die Vorlagen, betteffend: die Erwerbung von Straßenland vor dem Grundstück Lothringer- straße 1/7 und Prenzlauer-Allee 249,— den Neubau der Oranien- brücke— und die Uebernahme der Grundstücks-Bc- und Eni- wässernngspolizei durch die S t a d t g e m e i n d e.— Vorlagen, betreffend: die Vornahme von Ersatzwahlen für die Einkommen- steuer-Veranlagungskommission,— das Dankschreiben des Magistrats in Aalesund für die Spende der Stadt Berlin,— den Verkauf einer Baumaske an der Großgörschenstraße— und den Abschluß eines Tauschvertrages über ein Grundstück in Kalkberge.— Bericht- erstattung betteffend die Wahl eines Bürgerdeputicrten für die Gewerbedeputation und eines bürgerlichen Mitgliedes für die Ersatz- kommission II-— Vorlagen, betteffend die Gewährung eines Ehrengeschenks,— die Erledigung des Mandats des Stadtv. Leid. Rrbeitcrschutz in Theatern? Anscheinend veranlaßt durch interne Vorkommnisse in einem hiesigen Theater ist in der verflossenen Woche sämtlichen Theatern und großen Specialitätenbühnen Berlins der folgende Fragebogen des königlichen Polizeipräsidiums, Abteilung I (Theater) zugegangen: Die Direktion ersuche ich ergebenst, mir über die nachstehend aufgeführten Fragen unter thunlichster Beschleunigung Auskunft zu geben. 1, Sind in dem dortseittgen Theater Gehaltsabzüge als Strafen für dienstliche Verfehlungen des künstlerischen und technischen Personals vorgesehen? Bejahendenfalls: Stehen die Sttafen in einem bestimmten Verhältnis zur Gage und in welchem? Werden die Sttafen von der Direktton allein oder von einer Kommission von Bühnenangehörigen bezw. unter Mitwirkung einer solchen verhängt? Welches ist der Verivendungszweck der eingegangenen Sttaf- gelder? 2. Ist das Beschreiten des Rechtsweges in Stteitfällen untersagt? 3. Werden den Bühnenangehörigen, event. den Chormitgliedern die Kostüme geliefett? 4. Befindeit sich in den von Ihnen abgeschlossenen Verträgen Bestimmungen, welche ein Mitmachen von Proben vor dem Vertrags- Zeitpunkt ohne Entschädigung verlangen? 5. Für wie lange tvird Ihren Bühnenmitgliedern für den Fall einer Krankheit die verttagsmäßig festgesetzte Gage ganz oder teilweise fortgezahlt? Der Beaittwortting der Frage 1 bitte ich ein Verzeichnis der in den Monaten Januar bis 1. März d. I. einschließlich verhängten Strafen beiziifügen, in welchem anzugeben sind die Namen der Be- straften, die Höhe und der Gnind der Bestrafung. Jin Aufttage: v, Glasenapp. Wenn die Behörde sich ernsthast der Zustände in hiesigen Theatern annehmen will, so wird sie schlimme Dinge zu beseitigen haben. Zu wünschen wäre, daß sie nicht allein die Theaterdirektoren, sondern auch die Organisationen der Künstler und der Theater- arbeiter beftagte. Polizei und Sttaßcnhändlcr. Ucber den neuen Entwurf der Polizeiverordnung betreffend die Beschränkungen in der Ausübung des S t r a ß e n h a n d e l s ist die„Reichshauptstädtische Korrespon- denz" in der Lage, jetzt nähere Mitteilungen machen zu können. In der beigegebenen Begründung geht der Polizeipräsident gründlich auf die Vorgeschichte dieser seit länger als drei Jahren schwebenden Angelegenheit ein und spricht sich ziemlich naiv über den Zweck aus, der mit den zahllosen Strafverfügungen gegen Straßenhändler herbeigcftihrt werden sollte. Der betteffende Satz lautet:„Auch noch so zahlreiche Bestra f u n g e n aus Z 86 der Straßen- Ordnung sind, wie die hiesigen Akten unzweifelhaft ergeben, nicht imstande, die Straßenhändler zur Aufgabe ihres Gewerbes zu bewegen, und die Höhe der anstandslos bezahlten Strafsummen ergiebt am besten, wie lohnend das Geschäft(trotz gelegentlicher Einschränkungen durch die Exekutivbeamten im Verkehrsinteresse) immer noch ist; dazu kommt, daß zahlreiche Händler von Unter- n e h m e r n auf Provision zum Verttiebe von Waren im Sttaßen- Handel angenommen und hierbei mehr oder minder ausgebeutet werden, und daß in immer steigendem Maße die Besitzer fester Verkaufs st eilen sich genötigt glauben, ebenfalls ihre Waren auf Wagen zu laden und feilzubieten, um der Konkurrenz des Straßenhandels die Spitze bieten zu können.— Danach sieht es so aus, als ob man am Alexanderplatz den Straßenhandel an sich schon ur ein Verbrechen hält, das ebenso wie Mord und Totschlag durch hatte Strafen ausgerottet werden müsse. Das Unwetter in der Nacht vom letzten Sonntag zum Montag hat eine weit größere Ausdehnung gehabt als jenes vom 14. Apttl 1902, das nur Teile von Berlin traf und in der nächsten Umgegend von Berlin nur gcttngfügigen Schaden verursachte. Wie jetzt bekannt wird, hat die Gegend von Werder, Potsdam und Brandenburg an der Havel durch Hagelschlag sttichweise großen Schaden erlitten. In Tinckow bei Brandenburg schlug der Blitz spät abends in ein Stallgebäude ein, das dadurch eingeäschert wurde. Das Wohnhaus des Büdners B. konnte nur mit Mühe gerettet werden. Schließlich kam der Wolkenbnich der Feuerwehr zur Hilfe. Auch im Süden und Osten von Berlin haben die Gewitter großen Schaden, namentlich an blühenden Bäumen verursacht. Am Montag war der Boden in den Gärten mit Blüten förmlich bedeckt. Da, wo es gehagelt hatte, waren nicht nur die jungen Blätter der Bäume, sondern auch die Saaten hart betroffen lvorden. Das Gottesgericht. Eine sehr stimmungsvolle Einsendung bringt die„Deutsche Zeitung" des alldeuffchen Welteroberers Dr. Lange über die Maifeier vom Sonntag: „Von der„Maifeier"— ein viel zu poettscher Name für das was er bezeichnet— habe ich nur wenig gesehen, nämlich nur den Schluß, Das wenige aber genügte vollkommen, um mein Innerstes zu empören: Kinder jeden Alters mit roten Laternen(sogar die Kerzen waren von dieser Farbe), auf denen in großen, geschmacklosen Lettern stand:„Proletarier aller Länder vereinigt Euch! Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit!" Ja sogar das Bild irgend eines„roten" Helden oder„Märtyrers" war darauf zu sehen. Mit solchen unreifen Menschen, die sich nicht scheuen, eine reine Kinderseele zu vergiften, wird als mit Gleichberechtigten verhandelt!— Wie ein Gottes- g e r i ch t schien mir da das reinigende Gewitter, vor dessen Gewalt jener Firlefanz(ein Erzeugnis von Dummheit und Gemeinheit) keinen Bestand hatte, vielmehr in der Gosse sein verdientes Ende fand." Bei dem Manne, der diesen Blödsinn seinem Leibblatt serviert, hat's offenbar am Sonntag eingeschlagen. Es zeugt aber von einer sträflichen Oberflächlichkeit in der RedaktionSleituug, daß Herr Dr. Lange' nicht gemerkt hat, mit welchem bedauerlichen Opfer des „Gottesgerichts" er es zu thun hatte. Sommcr.Soudcrzüze werden, wie schon kurz mitgeteilt, auch in diesem Jahre zu ermäßigten Fahrpreisen zur Beförderung gelangen. Von zuständiger Seite tvird uns über die Abfahrtstage und Abfahrts- zeitcn, soweit dieselben bereits annähernd feststehen, folgendes mit- geteilt: Pfingst- und Ferien-Sonderzüge werden abgelassen: 1. nach Hamburg. 5fiel. Helgoland zc. am 21, Mi, 9. und 16. Juli sowie am 13. August sav Lehrter Hauptvahnhof am 21. Mai, 16. Juli und 13. August 3,20 Uhr nachmittags und 10,26 abends, am 9. Juli 11,28 vorm. und 10,26 abends); 2. nach dem Niese n- gebirge am 21. Mai, 9. und 16. Juli sowie am 15. August sab «Sörlitzer Bahnhof ungefähr 8,12 vorm.); 3. nach Dresden und Schandau an, 21. Mai. 10. und 16. Juli solvie 14. August sab Anhalter Bahnhof am 21. Mai, 16. Juli und 14. August 2,10 nachm.. am 10. Juli 7,15 vorm.); 4. nach W i e n- Nordbahnhof über BreSlau-Oderberg in der Nacht vom 8. zum 9. Juli< Abfahrt Bahn- Hof Friedrichstratze 12,03 Mitternacht); 5. nach Wien- Nordwest- bahnhof über Dresden-Tetschen am 16. Juli sab Anhalter Bahnhof 2,10 nachm.); 6. nach München, Lindau, Kuf st ein, Salz- bürg, Bad Reichenhall, Frankfurt a. M., Straßburg. Basel, Triberg zc. zu Beginn der großen Sommerferien sowie des ersten und zweiten Teils der Gerichtsferien sAbfahrtszeiten stehen noch nicht fest); endlich 7. nach Stuttgart, Ulm und Friedrichs- Hafen in der zweiten Hälfte des Juli sAbfahrtstag steht noch nicht fest). Jeder Sonderzug wird von der kgl. Eisenbahndirektion recht- zeitig vorher bekannt gemacht werden. Die neueste Denkmals-Eitthiillung im Tiergarten erfolgte gestern in Gegenwart des Kaisers. Ein„Juiig-Wilhelms-Denkmal". wie im angenehmen Deutsch ein Standbild genannt wird, das Wilhelm I. als Jüngling darstellt, ist auf der Luisen-Jnsel errichtet worden. Gefunden wurde am Sonntag auf der Maifeier in der„Neuen Welt" ein Geldtäschchen mit kleinem Geldbetrag. Abzuholen in der Speditton Prinzenstr. 31. An den Folgen von Unfällen sind wieder zwei Kinder gestorben. Der Kaufmann Freidank, der mit seiner Frau und drei Kindern bis zu 6 Jahren im vierten Stock des Hauses Raschdorfstr. 105 zu Reinickendorf wohnt, holte am Sonntag das Mittagessen für seine Familie aus einer Gastwirtschast, da seine Frau krank im Bett lag. Als er weggegangen war, stieg sein 3 Jahre altes Töchterchen Margarete auf das Fensterbrett, um einem Gärtner zuzusehen, der auf dem Hinterlande des Grundstücks an der Anlage eines Gartens arbeitete. Das Kind verlor das Gleichgewicht und stürzte, während sich seine Geschwister bei der Mittler im Krankenzimmer befanden, in die Tiefe. Es zog sich einen Schädelbruch zu und starb, obwohl Freidank es sofort mit einer Droschke nach dem Kaiser und Kaiserin Friedrich-Krankenhause brachte.— Die Frau des Schriftsetzers König aus der Matternstr. 16 kochte vor einigen Tagen Milch, während sich_ ihr ungefähr 2 Jahre altes Töchterchen Gertrud bei ihr in der Küche aufhielt, und stellte dann den Topf auf den Tisch. Als sie nun an der Kochmaschine zu thun hatte, tastete die Kleine hinter ihrem Rücken nach dem Topfe und riß ihn um. Die heiße Milch ergoß sich iiber das Gesicht und die Arme und verbrühte sie so schwer, daß sie nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden mußte. Dort starb sie jetzt an den Folgen der Ver- brühungen. Selbstmord eine» Sftidentc». Der 23 Jahre alte Student der Chemie Rudolf Wittgenstein aus der Uhlandstr. 170, der Sohn eines Kaufmanns ans Wien, kam gestern abend um 93/4 Uhr in die Gast- Wirtschaft von Oehrberg in der Brandenburgstr. 13, wo er in den letzten vierzehn Tagen zwei Mal gewesen war, und bestellte Milch mitt zwei Gläsern. Nachdem er eine Weile sehr verstört dagesessen hatte, lieh er dem Klavierspieler eine Flasche Selters und einen Kognak geben und erbat sich dafiir sein LieblingSIied„Verlassen bin ich". Während der junge Mann dieses spielte, nahm der SKident Cyankali und sank röchelnd auf seinem Sttihl zusammen. Der Wirt holte drei Aerzte aus der Nachbarschaft, aber sie konnten nicht mehr helfen, der Vergiftete starb unter ihren Händen. Wittgenstein hinter- ließ zehn Abschiedsbriefe. Seinen Eltern schrieb er, daß er sich das Leben genommen habe, weil ein Freund von ihm gestorben sei. Ohne dem wolle er nicht länger aus der Welt sein. Ein trauriges Nachspiel hat eine Liebesgeschichte gehabt, über die wir bor längerer Zeit berichteten. Der Bnchhandlungsreisende Gustav Markgraf, ein Lehrerssohn aus Königsberg, hatte ein Ver- hältnis minder Goldschmiedstochter Maria Mittelstedt aus der Wörtherstr. 42. Der junge Mann war verbmnmelt. Er war erst Handlungsgehilfe, dann Speisen- und Geschirrzuträger bei Aschinger, hierauf Briefkastenleerer und endlich Buchhandlungs- reisender. Als solcher unterschlug er 60 M. Aus Furcht vor Strafe wollte er sich das Leben nehmen und beredete das Mädchen mit ihm zu sterben. Nachdem er sich von dem Wochenlohn seiner Geliebten einen Revolver gekauft hatte, ging er mit ihr in ein Hotel in der Breslauerstraße und verletzte dort sie und sich selbst durch mehrere Revolberschüsse. Das Mädchen starb im Krankenhaus, Markgraf dagegen blieb am Leben, verlor aber durch einen Schuß in den Mund die Sprache. Nachdem er nach der Entlassung aus dem Krankenhause eine Zeit lang auf der Jrrenstation in der Charit« beobachtet worden war, wurde er in Untersuchungshaft gesetzt. Das traurige Geschick seiner Tochter ging Mittelstedt so nahe, daß das Leben keinen Wert mehr für ihn hatte. Von Tqg zu Tag grämte er sich mehr, auch die Zeit heilte seine Wunde nicht. Gestern niorgen machte er in seiner Wohnung durch Gift seinem Leben ein Ende. Neber den Verbleib des seit mehreren Tagen vermißten Fräulein Germaine Burdo-Nothomb fehlt trotz eifrigster Nachforichungen der Behörden bisher jede Spur.— Die trostlose Mutter) welche der Ueberzeugung ist, daß ihre Tochter in einem Anfalle von Schwer- mut planlos umherirrt, bittet dringend, von jedem, auch dem ge- ringsten Anhalt, der zur Ermittelung der jungen Dame führen könnte, nach ihrer Wohnung— Motzstraße 56— Nachricht zu geben. Fräulein Burdo-Nothomb, eine schlanke Erscheinung mit dunklem Haar und schwarzen Augen war mir einem kurzen, braunen Paletot, gelbem Strohhut mit schwarzem Sammtband, schwarzem Rock und grau und schwarz gestreifter Bluse bekleidet. Demjenigen, der den Anfenthaltsort der Verschwundenen so nachweist, daß sie in Empfang genommen werden kann, wird eine Belohnung von 200 M. zugesichert. Im Berliner Buchgewerbcsaal, Friedrichstt. 231. ist zur Zeit eine Sammlung modern ausgestatteter Buchseiten, sowie Arbeiten der Steglitzer Werkstatt und moderner Buchschmuck von Walter Ortlieb und Lucian Benihard ausgestellt. Der Buchgewerbesaal ist täglich von 11—2 Uhr mittags geöffnet; es stehen den Besuchern die Fach- zeitschriften und die Bibliothek der Berliner Typographischen Gesell- schaft zur Benutzung frei.__ Theater. Die erste Aufführung des Lustspiels„Die Tyrannei der Thränen" im S ch i l l e r- T h e a t e r 0. mußte wegen Er- krankung des Herrn Erich Ziegel, der eine der Hauptrollen spielen sollte, um einige Tage hinausgeschoben werden. Freitag und Sonn- abend wird daher„Ein Duell" und„Ein Sonnenstrahl" wieder- holt.— Im Belle-Alliancc-Theater finden nur noch drei Vorstellunaen vom„Hochtourist" statt. Die Eröffnung der Sommersaison für das Theater erfolgt Sonnabend, den 7. Mai, mit der Posse„Kamttad Lehmann", die nach einem älteren� französischen Stoffe von Jean Kren und Leopold Ely verfaßt ist. Sänitliche Gesangstexte zu den Couplets und Liedern rühren von Alfted Schön- feld her; Julius Einödshofer hat die Musik koniponiert. Die nächste Auf- führung von„Charleys Tante" findetSomttagnachmitlagllffzUhr statt.— Hedwig Mangel, die seit mehreren Tagen durch Jndispositton an der Ausübung ihrer künstlerischen Thätigkeit behindert war, tritt heute wieder im Neuen Theater als Millerin in„Kabale und Liebe" auf und wird am Freitag im Kleinen Theater wieder die Titelrolle in Erich Schlaikjers Komödie.. Des Pastors Rieke" spielen. — Im Central- Theater gelangt am nächsten Sonntag- nachmittag das bekannte Schauspiel„Trilby" mit Frl. Paula Worin in der Titelrolle zur Aufführimg. Die Regie führt Herr Ferdinand Worm. Heute und folgende Tage 7>/z Uhr wird„Der Sonnenvogel" gegeben. Cirkus Vnsch. Nun kann„der Berliner" in die Sommerftische— sofern er Zeit und Geld dazu bat, denn jetzt hält ihn keine Pflicht mehr. Die große Frage, die. auf der Hochbahn, der Elektrischen und auch im Omnibus seit Wochen die Gemüter von„ganz Berlin" beschäftigte, ist gestern abend entschieden worden. Sieger in den Ringkämpfen ist nach 3/.stllndigem Kampfe Koch geblieben. Und da der Sieger in diesem Kampfe ein Deutscher ist, ist ja wohl auch die„nationale Ehre" gerettet. Freilich— auch sein Gegner Eberl e war ein Deutscher, so daß nach der Seite hin die Gefahr nicht allzu groß Ivar. Auf alle Fälle zeigte die Periode der Ringkämpfe, welch' tüchttger— Geschäftsmann Herr Direktor Busch ist und wie gut er seine Berliner kennt I Buq den Nachbarorten« Regelung des städtischen Submisfionswesens in Charlottenvurg. Der Charlottenburger Magistrat teilte der Stadtverordneten- Versammlung einen Beschluß betr. die Regelung des Submissions- Wesens mit. Als Grundsatz für die Verdingrmg ist die ö f f e n t- liche Ausschreibung nach wie vor als Regel an die Spitze gestellt. Daneben ist die engere, sich nur an gewisse Unternehnier tvendende Ausschreibung sowie die freihändige Vergebung zugelassen. Als für engere Ausschreibungen geeignet sind Vergebungen kleineren Umfangs bis zu 3000 M. und solche in eiligen, dringlichen Fällen an- zusehen. Doch soll hierbei auf einen Wechsel der Aufzufordernden und auf eine angemessene Beteiligung von Charlottenburger Unter- nchmern Bedacht genommen werden. Für die Zuschlags- erteil ung gilt der Grundsatz, daß den Zuschlag derjenige Unter- nehmer erhält, dessen Angebot das wirtschaftlich vorteilhafteste ist; unter sonst gleichartigen Angeboten soll dem eines Charlottenburger Unternehmers vor dem auswärtigen Unternehmer der Vorzug ge- geben werden. Ausscheiden müssen alle diejenigen Unternehmer, denen es entweder an der erforderlichen Erfahrung und Sachkenntnis fehlt oder die sich in unlauterem Wettbewerb über, die gesetzlich verbürgten Rechte ihrer Berufsgenossen hinwegsetzen bezw. in schrankenloser Aus- Nutzung der Arbeitskraft die Preise derart drücken, daß ihre Preis- sorderung in offenbarem Mißverhältnis zu Arbeit und Lieferung steht. Zu dieser Art von Unternehmern sind solche zu rechnen, bei denen ein genügender Anlaß zu der Annahme vorliegt, daß die von ihnen in ihrem Betriebe gezahlten Löhne hinter den üblichen Löhnen zurückbleiben. Einfacher wäre es geivesen, der Magisttat hätte in alle Vcrttäge die anständige Lohnklausel aufgenommen, so daß nur diejenigen Unternehmer berücksichttgt würden, die die zwischer» den Arbeiterorganisationen und den Unternehmerorganisationen ihres Gewerbes vereinbarten Arbeitsbedingungen erfüllen. Deputationsmitglieder sind von der Beteiligung an solchen Arbeiten und Lieferungen, welche die betteffenden Deputationen vergeben, ausgeschlossen. Nach wie vor aber ist es zulässig, daß Mitglieder der Verwaltung, seien es Magistrats- Mitglieder, seien es Stadtverordnete, städtische Arbeiten übernehmen. Die Vorschläge bleiben in dieser Beziehung also hinter denen andrer Gemeinden zurück. Aus den Vorschriften über die Erfüllung, sowohl über die Abnahme als über die Zahlung, heben wir die Streikklausel heraus. Ter Magistrat nimmt hier anscheinend einen neuttalen Standpunkt ein; in Wirklichkeit aber hält er es mit den Unter- nehmern. Statt die Stteikklausel einfach zu vertverfen, behält sich die Verwaltung, falls während der vertraglich festgesetzten Ausführungs- ftisten ein Streik eintritt, vor— abgesehen von den Fällen höherer Gewalt— darüber zu entscheiden, ob bezw. inwieweit eine Ver- längerung der festgesetzten Fristen nach Lage der jeweiligen Ver- Hältnisse erfolgen soll. Zur Begründung wird geltend gemacht, daß, soweit der Stteik ini Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs sich als höhere Gewalt darstellt, die Folgen desselben lediglich nach den diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen zu beurteilen seien. Solveit das nicht der Fall sei, bestehe darüber in den verschiedenen Gruppen der interessierten wirtschaftlichen Vereinigungen und Interessenten ein lebhafter Streit. Während die Arbeitgeber weitgehende Kon- Zessionen hinsichtlich der Einhaltung der Lieferfristen und sonstigen Verttagsbedingungen bei jedem Stteik verlangen, welcher das Ge- loerbe des betreffenden Unternehmers betroffen habe, protestierten die Arbeiter und deren Vertteter umgekehrt gegen jedes derartige Ent- gegenkommen der Behörde als eine Begünstigung des Unternehmer- tums. Ter Magistrat halte es für richtig, in diesem Streit keinerlei gniudsätzliche Stellung zu nehmen, sich vielmehr für jeden einzelnen Fall— unter objektiver Würdigung der mannigfachen Entwicklungs- Vorgänge derartiger Zustände und nach Maßgabe des Interesses der Stadtgemeinde als Vertragspartei— seine Entscheidung vorzubehalten. Das kommt, wie gesagt, in der Praxis auf eine Be- günstigung des Unternehmertums hinaus, wie denn überhaupt die Vorschläge jeden Arbeiterschutz vermissen lassen und weit hinter dem zurückbleiben, was von den Arbeiterklassen gefordert wird und in andern Gemeinden längst belvilligt ist. Die Schöneberger Stadtverordneten- Versammlung wählte am Montag in gemeinschaftlicher Sitzung mit dem Magistrat den Stadt- verordneten-Vorsteher Heyne zum Provinziallandiags-Abgeordneten und überwies sodann eine Eingabe der„Turnerschaft Schöneberg" um Ueberlassung einer Turnhalle gegen Entschädigung dem Petttions- ausschuß.— Die bereits auch von uns erlvühnte Angelegenheit bett. die Erbauung einer breiteren Unterführung der Hauptstraße unter der Ringbahn wurde nochmals an den Ausschuß zurückverwiesen. — Unsre Ho h enz o l ler n- S ch ule, die schon seit langem ein Schmerzenskind der Verwaltung ist, soll wiederum einer Reorgani- sation unterzogen werden. Die Leitung soll künftig nicht mehr von einem, sondern von zwei selbständigen Direktoren geführt werden. Wir haben selbstverständlich nichts dagegen, wenn dadurch die Aufgaben einer höheren Schule leichter und besser gelöst werden. Der Zuschuß für die geringe Schlllerzahl der Hohenzollernschule ist aber bereits ziemlich hoch; er bettägt für diesen Etat fast 72 000 M., 13 000 M. mehr als im Vorjahre. Der Magisttatsantrag wurde ohne Diskussion angenonimen, doch soll ein Programm über die äußere Gestaltung vorgelegt werden.— Allmählich kommen auch bürgerliche Vertreter, sobald es sie selbst berührt, dahinter, wenn die Festsetzung einer Wahlzeit nicht ihren Interessen entspricht. Auf der Tagesordnung stand nämlich noch die Wahl von Beisitzern für einige erledigte Mandate der ersten und zweiten Abteilung. Die Wahltennine sind bereits zum 5. Mai festgesetzt. Stadtv. L e s s i g beantragte plötzlich, da die Wahlzeit von 11—2 Uhr nicht genüge, dieselbe zu verlegen oder auszudehnen, um den Beamten dieser Abteilung eine Wahlbeteiligung zu ermöglichen. Ter Antragsteller monierte auch, warum hier nicht sin der I. Abteilung) eine Teilung in zwei Bezirke vorgenommen sei, da die erforderliche Anzahl Wähler vorhanden wäre. Unsre Parteigenossen waren selbstverständlich für eine Erweiterung der Wahlzeit im angegebenen Sinne, und Genosse K ü t e r verlangte mit Recht eine solche für alle Abteilungen. Der Antrag Lessig wurde freilich gegen unsre fünf und zwei bürgerliche Stimmen abgelehnt, nachdem der Bürgermeister(zum wievieltenmal?) eine Berücksichtigung für spätere Wahlen zugesagt hatte.— In die Tiefbau- und Kanalisations- Deputatton, in der wir bisher unvertreten waren, wurde zum erstenmal Genosse Bäum ler gewählt, nachdem auf unsren Einspruch gegen eine weitere Vermehrung durch einen bürgerlichen Stadtverordneten und Vorschlag eines Socialdemoftaten in die Feuerlösch-Deputation unser Parteigenosse Küter in der Minderheit blieb.— Die Sommer- ferien wurden wieder für die Monate Juli und August festgelegt. Der Stadtverordnete Dr. R i ch t e r hat nun definitiv sein Mandat für den neunten Bezirk niedergelegt. Unter Führung gewisser Kreise hatte sich im vorigen Jahre das Bestreben geltend gemacht, für das Ga st wirtsgew erbe am Orte eine besondere Krankenkasse zu gründen. Zu verschiedenen Malen hatten sich auch die hiefige» kommunalen Körperschaften mit der Angelegenheit zu befassen, ohne indes zu einem für die„Gründer" befriedigenden Resultat zu gelangen. Der Magistrat hatte vielmehr den Ausschuß des Gewerbegerichts zu einem Gutachten über die Er- richtung einer solchen Kasse aufgefordert, die nur_ einer Animosität gegen die hiesige gemeinsame Orts-Krankenkasse zu entspringen schien. Der Ausschuß sprach sich seiner Zeit, wobei die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag gab, f ü r Errichtung aus, und auf Grund dieses Gutachtens glaubten die Leiter der Bewegung ihre Absicht erreicht zu haben. Die Regierung hat jedoch zum Leid- Wesen der bürgerlichen Herren Gastwirte dem Antrag derselben M«' Genehmigung versagt. Eine Zersplitterung der Kranlenkassen kann auch nicht im Interesse der Versicherten liegen. Schöneberg. Eine Stadtverordneten-Neuwahl für die dritte Abteilung hat mm doch im neunten Bezirk � statt- zufinden. Wie wir feiner Zeit mitteilten, hat der bisherige bürger« liche Inhaber des Mandats, Dr. Richter, die Stellung eines Leiters der städttschen Volksbücherei übernommen und muß dem» zufolge eine Nachwahl erfolgen. Selbstverständlich werden nun, um einen der ihrigen durchzubri'ngen, unsre Gegner den von ihnen knapp behaupteten Bezirk mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln für sich zu sichern suchen. Bei den Ergänzungswahlen im Jahre 1901 hatten wir infolge von Doppeltandidaturen den Bezirk mit nur einer Sttmme Minorität verloren, und das Resultat wäre damals schon zu unsren Gunsten aus- gefallen, wenn es nicht durch Ungülttgkeitserklärung von gegen vierzig Sttmmen, hervorgerufen durch Mißverständnisse in der Sttmm« abgäbe, uns verlustig gegangen wäre. Da nun die im vorigen Jahre aufgestellten Wählerlisten zur Benutzung gelangen, inzwischen aber durch Umzüge verschiedene Aenderungen eingetteten sein werden. so möchten wir die Parteigenossen schon jetzt darauf aufmerksam machen, bald nach Ausschreibung des Wahlternttns die Wählerliste nachzusehen, damit uns diesmal keine Sttmme verloren geht. Zum neunten Bezirk gehören folgende Straßen: Albert-, Ebers-, Feurig-, Fritz Reuter-, Gustav Freytag-, Gutzkow-, Herbert-, Max-, Prinz Georg-, Tempelhofersttatze und Kaiser Wilhelmplatz. Köpenick. In der letzten Stadtverordneten-Sitzung wurde end» gültig beschlossen, die Kanalisation nach dem Trennsystem ein- zuführen. Die Baukosten in Höhe von 1 132 050 M. sollen durch eine Anleihe aufgebracht werden. Durch Ortsstatut soll für die bebauten Grundstücke Anschlutzzwang an die städtische Kanalisatton angeordnet werden, auch soll der Magistrat berechtigt sein, einem Getverbebettieb den Anschluß an die Kanalisatton ganz oder teil- weise zu verweigern oder Vorreinigung vorzuschreiben, wenn durch die Aufnahme des Gewerbewasiers der Betrieb oder Klär» erfolg gestört wird. Die Unterhaltungs- und Betriebskosten der Kanalisation sollen zu einem Drittel durch die Hausbesitzer nach dem kubischen Inhalt ihrer Wohngebäude, zu einem Drittel durch Kommunalsteuern und zu einem Drittel durch die Gewerbetreibenden nach der Masse der Ablvässer aufgebracht werden. Auch wurde be- schloffen, die Regenentwäsjerung unterirdisch durchzuführen. Ein Anttag unsrer Genossen wollte für diejenigen Gemeinde» schulkinder, die durch Beschluß der städtischen Behörden der Seminar- Uebungsschule überwiesen wurden, die durch die Unischulung er- forderlich gewordenen Schulbücher auf Kosten der Stavt an» geschafft wissen. Dieser Anttag wurde gegen die Stimmen unsrer Genossen, denen sich noch zwei bürgerliche zugesellten, abgelehnt. Beim Berkauf der Schönhvlzer Heide ist die Gemeinde Nieder» Schönhausen um die Umsatzsteuer gekommen. Der Fall kam in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung von Nieder» Schönhausen anläßlich der geplanten Einführung einer Grund- wcrtsteuer zur Sprache. Es wurde lebhaft darüber geklagt, daß die Vororte neuerdings nur wenig an Umsatzsteuer einnehmen, obwohl umfangreiche Gelände ihre Besitzer wechseln und der Bebauung er- schlössen werden. Die Verkäufe erfolgten nämlich nicht mehr direkt, sondern durch Abttetung eines Schlutzscheines oder die Erwerber ließen sich von dem Verkäufer als Verkaufsvermittler bezw. General- Verkäufer anstellen und brächten auf diese Art die Gemeinden um ihre Umsatzsteuer. Leider habe auch der Forstfiskus die Schön- holzer Heide nicht direkt an Worch u. Co. verkauft. Trotzdem die Firma in Wahrheit das Terrain gekaust habe, bleibe der ForstfiskuS formell Eigentümer des großen Geländes. Dadurch sei die Gemeinde Nieder-Schönhausen um die ihr zukommende Umsatzsteuer sl Proz. von 6 Millionen) von 60 000 M. gebracht worden. Dagegen müßten unbedingt entschiedene Maßnahmen ergriffen werden. Die Bauspekulanten ließen jahrelang Gemeindeland tot liegen, um später damit gute Geschäfte zu machen. Auch dabei habe die Gemeinde das Nachsehen. Nur die Einführung einer Grundwert st euer als regelmäßige Terrainsteuer könnte hier Abhilfe bringen. Wiewohl dann nach dem Gesetz die Grund- und Gebäudesteuer wegfallen müßte, hätte dann die Gemeinde noch eine jährliche Mehreinnahme von über 20 000 M. Der Antrag wurde einem Ausschuß zur Vor- beratung überwiesen. In Wilmersdorf hielt die Gemeindeverttetung nach den Neu» wählen ihre erste Sitzung ab. Die neu- und wiedergewählten Gemeindeverordneten wurden durch den Gemeindevorsteher in ihr Amt eingeführt; bei dieser Gelegenheit wies das Oberhaupt des Ortes von neuem auf die Stadtwerdungsfrage hin. Dann wurde die Regulierung des Ludwig-Kirchplatzcs beschlossen, bei dem ein Enteignungsverfahren in Betracht kommt, ferner soll die Branden- burgische Straße vom Fehrbelliner Platz bis zur-tautnerstraße reguliert werden. Den Nikolsburger Platz loill man als Schmuckplatz Herrichten. Für den Neubau des Kinderheims und der Leichenhalls wurden insgesamt 2680,72 M. bewilligt, die„Wilmersdorfer Nach» richten" sollen mit einem Zuschuß von 200 M. unterstützt werden. Wilmersdorf. Die heute fällige B e r f a ni m l u n g des Wahl« Vereins fällt aus und wird an einem noch bekannt zu gebenden Tage abgehalten. Vermiscktes. Die Pocken. Im Dorfe Bronsko bei Schmiegel sind in der Familie eines Bergarbeiters, der vor vier Wochen aus Westfalen zurückgekehrt war, die schwarzen Pocken ausgebrochen. Bisher find zwei Personen gestorben. Zwei andre Personen sind erkrankt. Die mit den Kranken in Berührung gekommenen Personen sind sämtlich isoliert. Ter 10. Internationale Kongreß gegen den Alkoholismus wird im nächsten Jahre in Budapest abgehalten werden. Das Organi- sationskomitee, das unlängst unter dem Vorsitz des Bürgermeisters der Haupt- und Residenzstadt Budapest, Johann Haimos, seine erste Sitzung abhielt, hat eine besondere Vorbereittingskommission ge- wählt, deren Präsident Hofrctt Dr. Otto Schwartzer de Babercz und deren Sekretär Dr. Philipp Stein ist. Die Vorbereitungskommission ist bereits mit den hervorragendsten Verttetern der Wissenschaft in Verbindung getreten. Für das Bureau des Kongresses wurde eine geeignete Räumlichkeit im Central-Rathause zur Verfügung gestellt; alle Zuschriften sind zu richten an das„Bureau des 10. Jnter- nationalen Kongresses gegen den Alkoholismus, Budapest IV. Xoeponti varashäza". Ein furchtbarer Hagelsturm hat die Stadt Fiskville in Texas verwüstet. Die Schloffen, die bis zu zehn Zoll Umfang Fitten, durchschlugen die Dächer der Häuser. Die Obst- und Maisernte ist völlig vernichtet._ ßriefhaften der Redafttfon. Maifeier. Vom deutschen Mai gilt, was Heinrich Heine vom deutschen Sommer sagt: Er ist ein grün angestrichener Winter; das einzige reife Obst, das wir haben, sind gebratene Aepsel.— U. 101. New.— Sri). 100.„Der Holzmarkt" erscheint in Biinzlau,„Das Holz" in Berlin, Spichernstr. 22, im Verlag von E. Hotop n. Co.— W. 10. 1. New. 2. Ja.— H. 1. Eine solche„Formel" gicbt es leider nicht. Die Berechnung mutz Fall für Fall vorgenommen werden. 2. Antwort im juristischen Teil. — Tiergarten. Jedensalls ein privates Zeichen der Pietät. Uns nichts Näheres darüber bekannt.— Frohse. Die Werke beider Autoren können Sie in jeder größeren Buchhandlung, z. B. in Magdeburg bestellen. Ueber F. beschaffen Sie sich vorher eine Biographie, damit Sie wissen, was Sie lesen oder kaufen wollen. lieber W. lesen Sie den Artikel dlrcowskis w Nr. 24 der„Neuen Zeit" nach.— St. 1000. Häusig. �urCltsfcher Cell. Tie jueiftische Sprechstunde findet täglich mitSliiSuahm« deS Sonnabend» vo» 7'k bis O'/j»hr abends statt, tfieiifinet- 7 Uhr. B. 100. Nein.— Gewerkschaftshaus Stralsund. 1. War die Ver- käuscri» fest engagiert und über die Kündigungssrist nichts vereinbart, so steht ihr eine' sechstvöchentliche Kündigungssrist zum Ouartalsersten zu. Nach allerdings bestrittener, aber zulrcffender Ansicht kann bereits vor An- tritt der Stellung gekündigt werden. Der Verkäuscrm steht demnach ein Anspruch aus Gehalt bis zum 1. Oktober zu, 2. Wenn diese Zeit die polizeilich dort gestattete Sonntags-ArbcilSzcit ist: ja, sonst nein.— — Veteranen. Ihre Ansrage ist im Bricskastcn vom 14, April dahin bo- antwortet, das; nach dem Gesetz an bcdürstige Kriegsteilnehnicr eine Bei- hilse von jährlich 120 Mark zu zahlen ist.— I. K. B.. Gladbach. Der Inhalt des Testaments ist nach Ihrer Darstellung nicht anscchtbar,— B. I. 7K. 1. Ja, 2. Nein, 3. Strajanträge und Strasanzcigcn können sowohl an die StaatZanwaltschast wie an die Polizei gerichtet werden.— Ida 100. Nein, die einfache Anzeige ist aber ratsam,— R. Z. 63. Nein, — P. B. 46. Bis am 19. Mai kann die sechswöchcntliche Kündigung er- solgen,— K. I. In beiden Fällen empfiehlt sich die Angabe«nrcr Dar- legung des Sachverhalts,— P. R. Nachteile erwachsen der Frau nicht, Sie hätte den Vorteil leichterer Legitimation zur Führung der gemelnschasilicheii Angelegenheiten — K. 49. Im St reilsalle hätte! und zur Vertretung ihrer Kinder, Im Slreitsallc hätte der Nichter zu entscheiden, was unter Beobachtung von Treu und Glauben unter„Umgebung" zu verstehen sei, Können Sie noch den Bertrag ändern, so sehen Sie eine bestimmte Eni- seming in dem Vertrag vor.— K. Sch. 10. Ohne Kenntnis Ihres Vcr- träges und des genauen Inhalts der mündlichen Abrede ist Ihre Ansrage nicht zu beantworten,— Max 004. Eine Begnadigung ist auch zu lebcns- länglichem Zuchthaus Verurteilten gegenüber möglich,— A. B. l. Nein, 2. Ja, Kr. Busse. Sie müssen schleunigst gegen die zweite Veranlagung unter Darlegung, daß Sic an Ihrem Wohnsitz bereits steuern, reklamieren,— 000. Zu einer Antwort verpflichtet ist die Stistnngsdeputation nicht, Im Kuratorium befinden sich von den Stadtverordneten nur Langerhans, Liebcnow, Sachs und Sccgcr.— W. W. Nein, — I.?. 100. Eine Bureaurrinigcrin gilt als Gewcrbegchilfin, Wird sie grundlos entlassen, so steht ihr eine Entschädigung sür 14 Tage zu,— bei der GesängniS- ng besteht. 9. 24. 1 und 2: Nein, Beschweren Sie fich Nl direktion,— H. P. 39. 1. Die Verpflichtung' zur Mietszahlung 2. Das Geschenk brauchen Sie nicht zurückzugeben,— P. B. 79.'DaS jonnclle Siecht der Beschwerde(beim Bczirkslommando) steht Ihnen zu. Indes ist es sraglich, ob die Scherereien lohnen, zunial nicht ersichtlich ist, ob Ihnen an Lohnung und Gebührnissen in der That 39 Pfennig weniger ausgezahlt ist, als Ihnen zusteht.— Zwei Wettende. Wähler sür den deutschen Reichstag ist jeder Deutsche, welcher das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat. in dem Bundesstaate, wo er seinen Wohnfitz hat.— B. F. 24. Lassen Sie sich nicht durch die Frau Direktor hinhalten. Klagen Sie beim Amts- gericht schleunigst aus Zahlung ihrer Forderung,— W. 9. Die Lustlmie dürfe zwcisellos 5 Kilometer bei zweitem übersteigen. Der gröhte Durch- mcjser Berlins von Norden nach Süden ist 9,26 Kilometer, von Westen nach Osten 10,05 Kilometer,— Th. Pohl. 1. Zwischen 40 und 60 M, monatlich. 2. Ist nicht pfändbar. 3, Bei der vereinigten Ministerial-, Militär- und Baulasse. Fiitv den Inhalt der Jnserare übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortuug. Zhcatcr. Mittwoch, den 4. Mal Ansang V/t Uhr: OPeruhauS. Der slicgende Holländer Neues Opcrutheater. Das grosic Licht, Deutsches. Rose Bernd. Berliner. Sllt-Hcidelberg. Lessiiig. DaS Wunderkind. Westen. Apajune. (kentral. Der Sonnenvogel. Belle-tkllliance. Der Hochtomist. Neues. Kabale tmd Liebe. Anfang 8 Uhr: Kleines. Nachtasyl. Residenz. Die 300 Tage. Schiller<1.(Wallner- Theater.) Uriel Acosta. Schiller X.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Der Geizige. Eingeb. Kranke. Driano». Das eiste Gebot. Hierauf: Der Dieb. Carl Weist. Der Totschläger. Dentsch. Zlmertkanischeö. lieber'» großen Teich. Metropol. Ein tolles Jahr. Casino. Zärtliche Verwandte. Spccialitären. Wintcr-Garte». Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Reichshalle». Stetttncr«änger. Paflage-Theater. Specialitäten. Nrania. Taubenstrastc 4K/49. 4 Uhr: Von der Zugspitze zum W atzmann. Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. Jnvalidcnstraste 27/62. Stent- warte. Täglich gcössnet von 7 bis 11 Uhr. Ceitfral-Theater. Hellte 7V, Uhr: Der Sonttenvogel. Operette in 3 Akten v. V. Holländer. Paula Worin a. G, Morgen und solgende Tage: vor SonncnvoM«! Somttagnachmittag 3 Uhr Abends VI, Uhr: Der Trilby. Sonnenvogel. Neues Theater. Schiftbauerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe. Ansang l1/, Uhr. Morgen: Pelleas und Melisnnde. ROtnMhtickr Heute und folgende Tage: Abends 8 Uhr: Die 300 Tage. (L'cnfant du miracleI Schwank in 3 Akten von Paul Gavault und R. Eharey. Deutsch von tflsreb Halm. Meiropol-Theater Oer grösste Erfolg dieses Jahres: ii Or. dramatisch- satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. Abends 8 Uhr: Debüts der neuen Mal- 8peclalltUtcn. 9 Uhr; liiebesgötter. Im dritten Bild: Der Gotterzug und die Sensatlons- Apotheose: Im Tempel der Glückseligkeit" Per Sommer� Von 6 Uhr a in ist eröfinet! Gartenkonzert. Trianon-Theater. Georgen strafie, zwischen Friedrich- und Universitätsstratze. Msti- Abends 8 Uhr:-MS Vas elfte Gebot. Hieraus: Der Dieb. tsr! Velss-Ikeatör. Siirgerliclies Schauspielhaus. Grosie isrankjurierstt. 132. Der Totschläger. Pariser Vollsstück in 5 Attc» von Emile Zola. Ansang 8 Uhr.-MM Morgen: Der Telseliliger. Sonnabendabend: Voltsoorstellung, halbe Preise:?vel Prauen. SoblNer-'rbeater v. (Wallncr-Theater). Mittwochabend 8 ll h r: IJplel Acosta. Tranerspiel in 5 Auszügen von Karl Gutzkow. Donnerstagabend 3 Uhr: Hans UosenhitKci;. Freitagabend 8 Uhr: Iii» Duell» Vorher: Diu Konnenstrabl. Ächlllcr-Theater BT. (Fricdrich.Diiheimstädtisches Theater), Mittwochabend 3 Uhr: Der«ZeZ�izie. Lufispicl in 5 Auszügen von Molierc, Hieränf: Der etj>£eb.Kra«Ire. Lns, spiel in 3 Akten von Moiiere, Donnerstagabend 8 Uhr: Das Krede llenxt. Freitagabend 8 Uhr: Das grobe Hemd. ZrZMErsi friedrlelisham i früher Lipps(Oekonom: E. Niemann), am Königslhor. Grösster Konzert-Saal und Garten Kerlins. Hente sowie solgende Tage aus kurze Zeit: Konzert von i Johann Stranss-°i Wien Dirigent der k. und k. östreichischen.Hofbalimusik mit seiner gesamten Kapelle. 50902*] Ansang 8 Uhr. Cutree 50 Pf. Reservierter Platz 1 Mark. rams. Taubensir. 48/49. Um 4 Uhr im Theater(kl. Preise): Voa der Zugspitze zum Watzmann. 8 Uhr: WZS KnseB Sternwarte SlaS: CASTAN'S Friedrichstr. 165. Die zosammengewaGhsenen Schwestern. Ssr Weltfriede. ? Das delphische Orakel?? Casino-Theater. Sothringerftr, 37. Auf. 8, Sonnt. 7'/» Das neue glänzende Mai-Proaramm. Neu l les Aleros— Sataneila-Trlo. Kern mit seinem Hund als Mimiker. g'/Mr- Ziirtlilhe Ntwaudte. Sonntagnachm. 4 Uhr: Zärtliche Verwandte. Gebrüder Herrnfeld- ?. Mai. Theater. 7. Ma,. Die in München und HVlen mit sensationellem Erfolg« nusgesührte Novität:..PL?g0ch!ai7ek".R°pfwir. der Tegernscer(S. Köhlers Bauern- theater). Vorverkaus d. Billets ab heute. sseüe-züisvee-fkeslei'. Belle-Allianeestr. 7/8. Ans. 7'/, Uhr. Jean Kren und Alfred Schünfeld. Heute bis inkl. Freitag: Der Hochtourist. Sonnabend z. erstenmal: Kam'rad Lehmann. Sonntagnachm. 3'/, Uhr: Charley» Tante. I. . HWUVIIU lUWM.Vt. Pirelrtion; Robert Dill. Hrnnncnstrasse IG. Heute: Geschlossen. Sonnabend, den 7. Mai: Letzte Wochentags-Lor« stellung vor Pfingsten: Minna von Barnhelm. Ehren- und Vorzugs. karten haben z. letztenmal Gültigkeit. tage-MA. Anfang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Das glämle Mai-Progpam: Paul Coradini Tanz-Komiker. John Siems MDnzen- und Karten- Manipulator. 14 erstklassige Nummern. Reichs hallen Stettiner Sänpr Zum Schlich: Reu! CirkuS Lenz und LirknS Pnsch. Igiiies Theater. Unter den Linden 44. Nachtasyl. VZx- Anfnng 8 Mr. Morgen: Eiekira. Müriyrer. FrFbeTs ÄUerlei-Tlieater sr. Puhlmnnn, Schönhauser Allee 148. Mittwoch, den 4. Mai: Humoristischer Abend. Führmann, Horst und Walde-Sänger. Nach der Vorstellung: Vrcl-Tanz. Anfang 8 Uhr. Einiriti 50 Pf, Sämtliche Bon« haben Gültigleit, Mligsl! Kose-Mssös veaunddrunnsn, Badstr. SS. Heute Mittwoch, den 4. Mai: Xo vitüt! Xovitüt! Zum erstenmal: Sie öderen Hehntausend. SensattonclleS Volkssttick in 3 Akten von H. Müller. BttT" Ansang 8 Uhr."-WA Nach der'Vorstellung: Grosser Ball. Sonntag, den 8. Mai: Die oberen Zehntausend. MM 8t,Ä!Srta De Vry's Phantasma gorien. Hansi Reichsberg Soeurs SalöBDe Gebrüder Schwarz parodisten. Kiners Moniin Equilibrist. Scene. De Iffohry Pariser Sängerin. Die Binmenkänigin Tanzdivortissem. Die Wotpert« Akrobaten. Robinson Bnkor-Tfio springet Paul Conchas"SÄ" Biograph. Pas ue deux Sgra. Cavini u. Sgr. Cerutti. fSanssonci. Koitbnser Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag. Montag und Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Nach jeder Soiree: Tan«. üützorustr. 111/112. Tttgllch Im©arten oder Baal: HeiUe«mW Koche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Boos haben Gültigkeit. Dr. Schünemann Specialarzt für Hanl-. Harn- nnd Kiraueuleiden. hte.vdelatr. ü. ochcntags-/.l»-'/,»,'/.S-'/�, ?erM der Tapezierer. Filiale Berlin. Donnerstag, den 5. Mai, abends 8'J, Uhr, bei F e u e r st e i n, Alte Jakobstrastc 73: 'DM' Vsi-ssiHinIung.-Wk 1. Beratung über unsre Bcitrags-Einlassierung. TageS-Ordnung: 2. Verbandsangelegcnhciten, Da in dieser Versammlung kommen, ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. ------ Die O 177/9* weittragende Beschlüsse zur Wstimmilng rtsverwaltung. Deutscher Buchbinder-Verband. Heute, Mittivoch, Zahlstelle Berlin. 4. Mai, abends 81/, Uhr, im GcwcrkschafShanse, ZSIUI, liUV 11(1 v 07«»Vi/Vp 1 Engel- Ufer lö(Saat I): Mitglieder Uersammlung TageS-Ordnung: 1. Vortrag des»citn Dr. Zadck über:„Arbeitszeit und Gesimdheit". 2. VerbandSangelegenheiten und Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht 23/18' Tic Ortsverlvaltung. IHIVI. UUVUSV1 W1 f UUWtl Filiale Berlin. DonuerStag, den 5. Mai. abends 81;, Uhr. in den Industrie- Fefisäle», Vcnthstr. 19/26: Mtgldecksr- TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom ersten Quartal. 2. Bericht und Neuwahl der Delegierten zur Gewerkschastskommission, 3. Vercinsangelegenheiten. Regen Besuch erwartet[107/171 Die OrtSv Die OrtSverwaltung. Mittwoch, den 4. Mai, vormittags 16 Uhr, im©ewerkeclmfts- hause, Cngel-ttfer 15: Kravlhkll-Vechlumluug der Parkettleger Berlins und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Berichtcrftatwng der Vertrauensleute über den Stand unsrer Bewegung. 2. Verschiedenes. 83/12 Um vollzähliges Erscheinen ersucht_ Die Kommission. Verband der Sehneider u. Sehneiderinnen TUiale Berlin. mm gCT Mittwoch, den 4. Mai 1964, abendS 8'/. Uhr: Mitglieder Uersammlung in der Berliner Bcssonrce, Kommandaatenstr. 57. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des ArbeitersekretärS l-lnst über:»Zluö der Arbeiter- verflchernngs-GeieNgebnng*. 2. Abrechnung vom ersten Quartal 1904. 3. Mitteilungen der Ortsverwaltung, Die Mitglieder aller Branchen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen,— DaS Mitgliedsbuch legittmtert. Angenehmer Erwerb für Damen. In allen Orten Dame» gesucht, welche ein Atelier sür praktische Damenschnetderet, Schnittz. u. Zuschneidekunst nach der neuen leicht saßlichen gesetzt, geschützten Triumph-Methodc eröffnen wollen. Unterricht und Anleitung hierzu gratis, Margar. Ifeagcbaner. Dresden, Undenaustr. 14, I. Tel, 33. GröstteS Atelier in Dresden. 100/2 Nntnrhetlverein Reform, Kuranstalt tssöpniderftr. 72. 11— 1, S— 7, + �Mver-Vvrtrsg morg. Donnerst. Ale�anderstr. 27 c, Engl, Gart., 8'/, Ursachen nnd Folgen der Xenrnsthenic"" Lichtbildern v, prakt. Noinrheilk, Xönigstaät-Xssino Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Täglich: Grosse Speclolltäten- Vorstellung. 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Mts,. nachm. 3 Uhr vom Moabiter Krankenhause nach dem Helland-Kirchhos in Plötzensee statt, Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Filialvorstand. llei' Timm Deulsehlansls. Oertlicho Verwaltungsstelle Berlin. Am Donnerstag, den 28. April, starb infolge Unfalles unser treues Mitglied Hemried Dittelbach. Ehre seinem Andenken! Die veerdigimg findet am I Mittwoch, den 4, Mai, nachmittags 1 51/, Uhr von der Halle des I Schöncberger Friedhofes, Max- ( straße, aus statt, Um rege Beteiligung bittet � Vor» 239/8 Der Vor»tand. Allen Freunden und Bekannten l die traurige Nachricht, daß meine I liebe unvergeßliche Frau und misre I inniggeliebte Schwester IMe HaHstock, geb. Ganschow, nach kurzen schweren Leiden am> 1, Mai im Krankenhause Urbans verstorben ist, Der tieftrauernde Gatto 10356 und Geschwister. Die Beerdigung findet am 5, Ma! s von der Leichenhalle des Heilig- Kreuz-Kirchhoscs aus statt. Allen Freunden und Bekannten sowie den Kollogen der A. E,-G,, Mslr. Binder und dem Arbeiter. Gesangverein„Nord" sage ich hier- durch meinen herzlichsten Dank sür die Aufmerksamkeit und rege Be- teiligung bei der Beerdigung meiner lieben Frau, am Sonntag, den l, Mai. Der trauernde Gatte Dtto Nefalung. Danksagung. Für die liebevolle und herzliche Teilnahme be! der Beerdigung unsrcs lieben Sohnes und Bruders saget» wir allen Freunden, Bekannten, seinen Kollegen aus der Fabrik, besonders dem Verein Fröhlichkeit sür die Kranz- spenden unsren herzlichsten Dank, Tie Familie Reinbrecht. 10396 Steppen. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung nnsres lieben Sohnes und Bruders, des Brauers 1034b Max Elchler sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere dem Central- Verband deusscher Brauerei-Arbeiter, Zweigverein Berlin, Sektion I unseri» innigsten Dank, Die trauernden stinterhliebenen. S tephdecken fuuft man am preis. wenesten nur»inkS w der Fabrik, 72 Wall. ftrnfjr 72, wo auch alt, Steppdecken aufgeaebtitet werden. «. Steobmandel, Berit» la. Illustrierter Preiskatalog gratis. feDödeekec Gelegenheitskauf. 4* , buntfarbig alle Farben alle S„ , Farben D,fl Xormal- n n Selilaltleekea Z,oo, ü.oo Speelal- Haus M. Be».!in üranieDstrasse 18B. Pcrmriw, Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Fiir den Jns:ratentetl veranfw,:TH. Glocke. Berlin. Dnick n, Verlag: Vorwärts Bnckidruckerei n. Verlagsanstalt Paul Singer S- Co.. Berlm SM Nr. 104. 21. Iahrgaug. 3. Itilnjf des Joraittf fttlinft öoüioliliitf. Mmch. 4. Bt«i 1904. Der Pommcrnbank-Prozch. Nach Eröffnung der gestrigen Sitzung teilte Landgerichts-Direltor H e i d r i ch die aus Stralsund vom dortigen Kreisarzt eingegangene Depesche mit. Sie geht dahin:„Angeklagter Hanel ist augenblicklich nicht reise-verhaudlungsfähig, nach etwa zwei bis drei Wochen wird er wieder soweit hergestellt sein." Staatsauwaltschaftsrat Beeck: Ich bitte in die Verhandlung einzutreten und die Verhandlung gegen Hanel abzuzweigen. Es ist gestern darauf hingewiesen worden, dost auf zahlreiche an Herrn Hanel zu richtende Fragen nicht verzichtet werden kann. Dann mögen die Fragen genau fixiert und Herr Hanel darüber kom- missarisch vernommen werden. Justizrat W r o n k e r: Es ist nicht einzusehen, welchen Zweck das vom Staatsanwalt vorgeschlagene Verfahren haben sollte. Der Gerichtshof würde ja den ganzen Ponmrernbank-Prozest noch einmal ganz aufrollen müssen, wenn gegen Hanel allein verhandelt werden mutz. Namens der gesamten Verteidigung muh ich betonen, dah es uns ganz ausgeschlossen erscheint, ohne Herrn Hanel zu verhandeln. Es mühte demi ein Schnellbahnverkehr mit Stralsund mit 210 Kilo- meter-Geschwindigkeit eingerichtet werden und dies würde auch nicht ausreichen. Gerade der Verlauf der vorigen Verhandlung hat gezeigt, dast ohne Hanel absolut nicht verhandelt werden kann. Rechtsanwalt Chodziesner: Es liegt doch auch noch die Thatsache vor, dast der Staatsanwalt eine 30 Blatt starke Nachtragsanklage angefertigt hat, die dem Angeklagten Schulz erst am vorigen Sonn- abend zugegangen ist. Darin sind mancherlei ganz neue Dinge berührt und auch ein Gutachten der Handelskammer über die An- gemcsscuheit der Entschädigung der Sanierungskoinmission enthalten. Auch in dieser Nachtragsauklage spielt Herr Hanel eine Nolle. Vorsitzender Landgcrichts-Direktor H e i d r i ch: Die Nachtrags- anklage zerfällt in zwei Teile, der erste Teil enthält neue That- fachen und es wird sich darum handeln, ob darüber sofort zu ver- handeln sein wird. Rechtsanwalt Chodziesner: Wir können eine Erklärung darüber nur abgeben, wenn wir die Nachtragsanklage genau geprüft haben werden. Justizrat Dr. S e l I o: Meinem Klienten Herrn Baurat Bohl ist die Nachtragsanklage bis jetzt überhaupt noch nicht zugegangen. Der Herr Staatsanwalt hat sie bisher nur einigen Angeklagten und Verteidigern zugestellt. Den Angeklagten'must loyalerweise ein aus- reichendes Spatium gewährt werden, um sich auf die Nachtrags- anklage vorzubereiten. Rechtsanwalt Dr. Werthauer bittet die Frage, ob die An- klage gegen Herrn Hanel zu trennen ist, nicht nach der Frage der formalen Zulässigkeit zu entscheiden, sondern fich davon leiten zu lasten, dast man materiell die Wahrheit erforschen sollte. Wenn nmn einen unbestraften Mann, der gerichtlicher Sachverständiger war, anklagen will, so muh man im Interesse der Rechts- pflege wie der Angeklagten, die sich auf die Taxen dieses gericht- licheir Sachverständigen gestützt haben, doch dem letzteren Gelegen- heit geben, seine Taxen vor Gericht zu verteidigen und zu recht- fertigen. StaatSanwaltSrat Beeck: Dast die Nachtragsanklage den An- geklagten Bohl und Hanel nicht zugegangen ist, hat darin seinen Grund, dast noch nicht genügend viel Exemplare fertig gestellt waren. Die Zustellung an die Angeklagten Bohl und Hanel ist sofort am Sonnabend verfügt worden. Aus den Sachen, die in der Nachtrags- Anklage stehen, soll übrigens gegen die Angeklagten Bohl und Hanel ein Vorwurf der Strafbarkeit mcht hergeleitet werden, es soll nur ein Schlaglicht darauf geworfen werden, wie die Taxen angefertigt worden sind. Es bleibt doch bestehen, dast Herr Hanel in ein ge- Wistes Siechtum verfallen zu sein scheint, es ist doch zweifelhaft, ob er in drei Wochen ivieder hergestellt sein wird, und so würde eine Vertagung einer solchen aa oalsnäss graeoas gleichkommen. Justizrat Dr. Sello: Wir ftirchten nicht so sehr wirkliche Thatsacheu. sondern gerade die Schlaglichter, und gerade dagegen sich intensiv zu verteidigen ist das vitalste Interesse der An- geklagten. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende: Der Ge- richtshof ist vollständig davon durchdrungen, dast er boi,_ der materiellen Verhandlung der Sache nicht einen Augenblick absehen will. Wenn wir vor einer ganz neuen Verhandlung stehen würden, würde es incht ziveifelhaft fein, dah lvir vertagen. Da wir aber eine zweite Verhandlung haben und die in Frage kommenden That- fachen in der vorigen Verhandlung in aller Ausführlichkeit schon be- handelt sind, so müssen wir abwarten, ob ein zwingender Grund zur Vertagung sich herausstellt. Mastgebend müssen die ärztlichen Atteste sein, dah Herr Hanel sehr krank und nicht abzusehen ist, wann er wieder hergestellt ist. Mit dem„Vielleicht" dürfen wir nicht rechnen. Wir müssen abwarten, ob uns ein bestimmter, zwingender Fall zur Vertagung nötigt. Ein solcher liegt bis jetzt nicht vor. Der Gerichtshof hat daher beschlossen. in die Verhandlung einzutreten und die Verhandlung gegen Herrn Hanel völlig abzutrennen. Was die Nachtrags- Anklage anbetnfir, so wird abzuwarten sein, was in dieser Beziehung geschehen soll; dabei ist doch zu erwägen, dah diese Verhandlung nicht zwischen heute und morgen beendet sein wird. Beschränkt soll die Verteidigung keinesfalls werden. Vor dem beleuchtenden Material braucht sich die Verteidigung nicht zu sehr zu fürchten. Es ist bekannt, in welch' umfangreichem Matze die« in der vorigen Verhandlung ins Feld geführt worden ist und der Gerichtshof hat doch im Widerspruch mit aller Welt den Beschlust gefastt, der die vorige Verhandlung beendete. Der Gerichtshof hatte damit gezeigt, dast ihn das Beleuchtungsinnterial nicht irgendwie bestimmt hat. Im allgemeinen mögen die Angeklagten folgendes beachten: Bei den in Frage stehenden Taxen handelt es sich der Hauptsache nach dämm, welchen Wert die Grundstücke zur Zeit der Bclcihung gehabt haben. Wenn die Anklage Ihnen vorwirft, dast Sie„spekuliert" haben so ist dies nur dahin zu verstehen. dast Sie dre Gmndstücke mit Rückficht auf eine von Ihnen zu erwartende spätere Wertssteigerimg zu hoch beliehen haben. Sie dagegen wollen nachweisen, dah d,e Grundstucke einen höheren Wert gehabt haben, als die späteren Taxatoren be- Haupte«. Nun mutz ja eine Aktiengesellschaft verdienen, eme Hypothekenbank hat aber ganz besondere Vorschriften zu beachten. ES scheint doch, dast die Sachverständigen der Schutzschrift diesen Standpunkt nicht immer strikte beachtet, sondern immer ein spekulatives Moment hineingetragen und damit gerechnet haben, dast es mit der Zeit diesen und jenen Ertrag bringen werde. Wir können nun mcht vielleicht zwanzig Jahre warten, um zu sehen, ob die Grundstücke wirklich so viel wert sein werden. Es erübrigt sich also vielfach eines Nachweises, dast Sie nach Ihrer Meinung richtig spekuliert" haben, und in dieser Beziehung könnte die Beweisführung abgekürzt werden. Es handelt sich im wesentlichen dämm: ob S i e durch Ihre Beleihungen den Stand der Bank gefährdet haben, die Kosten der Saniemng u. dergl. kommen dabei nicht in Betracht. Ihr Fall liegt doch anders als der Sandensche Fall, und es würde sich empfehlen, nicht unnütze Weiterungen zu machen. Dast das Gericht nicht voll auf dem Umfang der Anklage gestanden hat. hat es doch schon in der vorigen Verhandlung gezeigt. Bei der hierauf folgenden Erörterung der persönlichen Ver- Hältnisse der Angeklagten, die schon in der vorigen Verhandlung ausführlich behandelt worden find, betont der Angeklagte Schulz, daß er sein �__ gesamtes Vermögen der Bank verpfändet habe, mit Ausnahme einiger Gebrauchsgegenstände. Einen Offen- barungseid habe er nicht geleistet, seine Ehefrau, gegen die die Bank mit allerlei unberechtigten ZwangSmastregeln vorgegangen sei und noch immer vorgehe, habe er ,nS Ausland gebracht, um sie vor diesen Unannehmlichkeiten zu bewahren. Grundfalsch sei es, wenn behauptet werde, er habe seiner Frau eine graste Vermögenssumme mitgegeben.— Präs.: Es wird vennutet, dah Sie noch ein grostes Vermögen hinter sich haben?— Augekl. Schulz: Das ist absolut unwahr. Ich habe den Prozetz bisher nur durch die Unterstützung von Verwandten führen können. Von einer Seite, die ich nicht nennen darf, ist mir eine graste Summe zur Verfügung gestellt worden, die inzwischen durch den Prozest aufgefressen worden ist. Neuerdings hat meine Frau gegen Verpfändung von Policen zc. ein Darlehen von 130 000 Vi. aufgenommen, welche Summe auch schon zum grasten Teil für diesen Prozetz aufgewendet Ivorden ist. Rechtsanwalt Chodziesner»rächt darauf aufmerksam, dast bis jetzt noch keinerlei civilgerichtliches Urteil vorliegt, welches den Augekl. Schulz zu irgend einer Zahlung verurteilt. Alle Zwangs- maßregeln, die seitens der Bank gegen Herrn Schulz und seine Ehefrau unternommen worden sind, beziehen sich lediglich auf Sicherheitsansprüche. Staatsanwalt Beecks Andrerseits sind aber einige Klagen des Angeklagten Schulz gegen die Pommernbank abgewiesen worden. Nach meinen Informationen ist übrigens Frau Kommerzienrat Schulz inzwischen hier in Berlin gewesen. Angeklagter Schulz: Das wäre eine ganz infame Lüge, wenn irgend einer behauptete, dast meine Frau hier gewesen sei. Staatsanwalt Beeck: Ich habe meine Nachrichten natürlich aus einer amtlichen Quelle und ich bitte den Herrn Vorsitzenden, dem Angeklagten klar zu machen, dast er mit seinen Ausdrücken nicht über daL zulassige Mast hinausgehen darf. Präs.: Der Augeklagte ist wohl davon ausgegangen, dast es sich um eine Privatguelle handele. Angeklagter Schulz: So ist eSl Der Vorsitzende geht mit den' Angeklagten nun kursorisch die einzelnen Abteilungen der Anklage, die Verhältnisse bei der Pommern- bank, die Geschäftssührung, die Bilanzen, die Verhältnisse zur Mecklenburg-Strelitzschen Hypothekenbank, zur Jmmobilien-Lerkehrs- bank, zur Firma Schumacher u. Co. zc. zc. durch, wobei die An- geklagten ganz kurze, mit ihren Bekundungen in der vorigen Ver- Handlung im ganzen übereinstimmende Angaben machen und sich weitere Auslassungen für später vorbehalten. Es werden bei dieser Gelegenheit auch die„Sekreten Ausgaben" berührt, und es wird hervorgehoben, dah in der vorigen Verhandlung die Bücherrevisoren festgestellt haben, dast für einen Teil der ge- buchten sekreten Ausgaben die Belege fehlen.— Augekl. Schulz bemerkt hierzu, dast die Belege verloren gegangen sein müssen. Er könne aber nach seinen aufgesimdenen Notizen ganz genaue Angaben über jeden einzelnen Posten machen, würde dies aber ungern thun, um nicht unnütz Personen blostzustellen. Er behalte sich seine Ent- schlüsse in dieser Beziehung vor. Auch die Erwerbung und Ausstattung des DirektorialgebändeS wird gestreift.— Rechtsanwalt Chodziesner: Es ist absolut nichts Ungelvöhnlichcs, dast grotze Banken vornehme RcpräseutationS- und Geschäftshäuser erwerben resp. errichten. Neuerdings hat die Preuhische Pfandbrief- Bank bekanntlich das teuere Borsigsche PalaiS als Geschäftshaus erworben.— Staatsanwalt Beeck: Die Preuhische Psandbriefbank kann das jedenfalls auch. Bei der Pommernbauk lam es aber nur darauf an, dem Publikum Sand in die Augen zu streuen.— Rngekl. Schulz: Das trifft nicht zu. Das Bankgebäude stand sehr billig zu Buch. Die Vernehmungen der Angeklagten dauern fort. Wir werden auf die Verhandlungen im allgemeinen nur summarisch und insoweit zurückkommen, als daS öffentliche Interesse es erfordert. Am Mittwoch findet eine Sitzung nicht statt, um der Ver- teidigung und den Angeklagten Zeit zu noch erforderlichen Arbeiten zu lassen, die Verhandlung wurde auf Donnerstag ä Uhr vertagt. Huö Xndurtnc und Handel Der Stahlwerks-Bcrband und die„Rhcinisch-Westfälische Zeitung". Die Leiter des Stahlwerks-VerbandeS scheint die Aufiiahme, die ihre internationalen Kartellierungsbestrebungen in England und den Vereinigten Staaten von Amerika finden, arg verschnupft zu haben. Besonders ärgert sie allem Anschein nach die von englischen Blättern aufgestellte Behauptung, in der englischen Geschäftswelt sei cS ein offenes Geheimnis, dast der deutsche einheimische Eisenmarft sich keineswegs in gesunder Lage befinde. Gerade jetzt, wo die grasten Jndustriegesellschaften Rheinland-Westfalen und die hinter ihnen stehen- den Großbanken in Rücksicht auf allerlei geplante geschäftliche Trans- akttonen ein verstärktes Interesse daran haben, dast vorläufig gutes Börscn- wetter bleibt, sind derartige Behaupttingen doppelt unangenehm. So wird denn die unter dem Einfluß der Syndikatsleiter stehende Presse vorgeschickt, nicht nur um die widerspenstigen englischen und amerikanischen Stahlproduzenten abzurüffcln, die so wenig Ver- ständnis für das LiebeSwerben des Stahlwerks-VerbandeS haben. sondern um zugleich die belebende Wirkung des Stahlwerks-Verbandes auf den deutschen Eisenmarkt in den rosigsten Farben zu schildern. Früher war es die„Kölnische Zeitung", die meist zu solchen Veröffentlichungen auSersehen wurde; neuerdings wird ihr aber von der„Rheim-Westf. Ztg." mehr und mehr der Rang abgelaufen, die bald Anspruch darauf haben wird, nicht nur mehr bloß als specielles Vertrauensorgan der Kohlenzechen zu gelten, sondern zugleich auch als offizielles Vereinsblatt des Stahlsyndikats. In einem„Vom rheinisch-westfälischen Eisenmarft" betitelten Artikel beginnt das Blatt mit folgender schönen Einleitung: Die Hoffnungen, die man allenthalben auf den guten Einfluß gesetzt hatte, den der Stahlwerksverband auf dem Eisenmarkt ausüben würde, haben sich in hohem Maße erfüllt. Der letzte Rest von Mist- trauen, den das Fernbleiben des„Phönix" vom Verbände bei ver- einzelten Interessenten hervorrief, ist geschwunden und Zuversichtlichkeit in eine nunmehrige stetige Entwicklung unsres heimischen Marktes bricht sich immer mehr Bahn. Die unmittelbare Folge ist ein leb- hafteres Geschäft auf fast allen Gebieten und namentlich in Halb- zeug, ein Umstand, der seinerseits wiederum auf einen stärker hervor- tretendcnden Inlandsbedarf zurückzuführen ist. Die glückliche Lösung der noch schwebenden Verbandsfragen für Bleche und Walz- draht dürfte jetzt nur noch eine Frage der Zeit sein und der Um- stand, dast auch in diesen Fabrikaten das Geschäft fich wesentlich ge- bessert hat, spricht dafür, daß man in den beteiligten Kreisen mit einer befriedigenden Lösung rechnet. Mit störenden Momenten hat man also kaum noch zu rechnen und die Marktlage hat denn heute auch ein recht günstiges Aussehen. Ueberall greift der Stahlwerks- verband bereits fördend und ausgleichend ein, um die Interessen- gegensätze nach Möglichkeit zu mildern und durch seine Organisation keine Störungen in den Beziehungen zwischen Werken, Händlern und Verbrauchern hervorzurufen." Dann heißt es weiter nach einem Citat aus der»St. James Gazette": „Man sollte meinen, daß bei solcher Sachlage und der mächtigen Konkurrenz der deutschen geeinigten Werke gerade die Engländer ein Interesse daran haben müßten, sich mit ocn Deutschen zu ver- ständigen. Jedenfalls hat der deutsche Stahlwerksverband, wenn es für ihn auch erwünscht lväre, für gewisse Ausstchrariikel eine internationale Verständigung herbeizuführen, keine Veranlassung, den englischen oder gar den amerikanischen Werken nachzulaufen, wie daS englische Blatt anzunehmen scheint. Die deutschen im Stahl- werksverbande gecinigten Werke bilden einen viel bedeutenderen Machtfaktor auf dem internationalen Markte als die nicht geeintgtcn englischen Werke, zumal England seine Stellung im Weltmarkte immer mehr an Deutschland abgetreten hat und heute eigentlich nur noch in der RoheiscnauSstihr eine führende Rolle spielt. Dem amerikanischen Stahltrust nachzulaufen, hat der Stahlwerks-Verband aber erst recht kein Interesse, denn der amerikanische Markt hat heute schon die Bedeutung verloren, die ihm ängstliche Gemüter noch Ende vorigen und Anfang dieses Jahres glaubten beimessen zu müssen..." Thatsächlich hat der Konsum des deutschen Inlandsmarktes an Eisen- und Stahlprodukten in den letzten Monaten im Vergleich zu demselben Zeitraum des Borjahres nicht unbeträchtlich zugenommen, wenn auch der Stahlwerks-Verband mit dieser Erscheinung nur recht wenig zu thun hat. Soweit also die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" von einem lebhafteren Geschäft auf dem Inlandsmarkte spricht, hat sie nicht ganz unrecht; sie ver- gißt nur hinzuzufügen, dast dafür der Export ständig abnimmt. Nach der AuSsuhrstatistik des letzten Quartals hat zum Beispiel der Roheisenexport nach England nur 42, nach Amerika nur 501 und nach Belgien nur 27 811 Tonnen bettagen gegen 82(35 resp. 29 355 und 39 163 Tonnen im ersten Quartal dcS Vor- jahres. An Eck- und Winkeleisen gingen in den Monaten Januar- März dieses Jahres nach Belgien 57,15<127,44), nach England 208,24 <334,74), nach Amerika 12,74<35,57) Tonnen. In Eisenbahnschienen sank die Ausfuhr nach Belgien auf 13,63<54,00), nach England auf 83,89<137,72), nach Amerika auf 24,38<240,94) Tonnen. An Luppen- eisen, Rohschienen wurden ausgeführt nach Belgien 233,67<337,18), nach England 593,61<1 091.66). nach Amerika 126,14<179,80) Tonnen. Recht interessant ist aber daS Zugeständnis, dast die vereinigten deutschen Werke auf dem internationalen Markt den englischen und amerikanischen Werken überlegen sind. Zur Zeit der Zolldebatten im Reichstage las man in der Syndikatspresse andre Behauptungen. Damals wurde heilig und teuer versichert, die deutsche Eisen- und Stahlindustrie werde von der amerikanischen und englischen Industrie vernichtet werden, wenn sie nicht in ihrem Bestände fürsorglich durch hohe Zölle geschützt werde. Und zu den„ängstlichen Gemütern", die damals in erster Reihe mit der„amerikanischen Gefahr" mantpu- lierten, gehörte neben der„Post" und den„Berliner Neuesten Nach- richten", die ehrsame„Rheinisch-Westfälische Zeittmg". Verlockung zur Spekulation in südafrikanischen Minenanteilen. Seitdem� die englische Regierung der Einfuhr chinesischer Kulis in die südafrikanischen Mineugebiete zugestimmt hat, versuchen einzelne englische Spekulationsfirmen und rhre deutschen Agenten unter Hin- weis auf diese Thatsache, das deutsche Publikum zum Ankauf von südafrikanischen Minenpapieren zu verlocken. Da bei der Gering- fügigkeit der Summen, auf welche meist diese Papiere lauten, die Gefahr besteht, dast auch besser gestellte Arbeiter, die sich ein kleines Vermögen erworben haben, durch die schönen Versprechungen zum Ankauf solcher Werte verleite» lassen könnten, möchten wir hiermit raten, die Hände von derarttgen Sachen zu lassen. Meist sind eS nicht die besseren, sondern die geringwertigsten Miuenanteile, die in dieser Weise angeboten werden. Die Minen, auf die sie lauten, sind oft noch gar nicht angebaut und es mutz erst noch viel Geld in sie hineingesteckt werden, ehe sie Erträge abwerfen. Der Ankauf deS Bergwerksbesitzes der Aktiengesellschaft„Alstaden" durch die.Hibernia" bildete den Gegenstand einer vorgestern ab- gehaltenen Hauptversammlung der letztgenannten Gesellschaft, in der 27 Aktionäre mit einem Aktienkapital von 16 874 000 M. vertreten waren. Der Ankauf von„Alstaden" wurde einstimmig genehmigt und die vom Vorstand der„Hibernia" zu diesem Ziveck beantragte Er- höhung des Aktienkapitals um nominell 2'/a Millionen Mark auf 53l/z Millionen Mark gutgeheißen. Von den neuen Aktien werden der Aktiengesellschaft„Alstaden" 1 500 000 M. überlassen, die vom 1. Januar 1905 in vollem Umfange dividendeu- berechttgt sind. An Stelle der Verzinsung für 1904 wird von der Bergwerksgesellschaft„Hibernia" ein fester Betrag von 30 000 M. an die Aktiengesellschaft„Alstaden" gezahlt. Die übrigen 1 000 000 M., welche für das Jahr 1904 nur bis zu 4 Proz. Divi- dende erhalten und vom 1. Januar 1905 ab voll oividenden- berechtigt sind, werden von dem Bankhause S. Bleichrödcr und der Berliner Handelsgesellschaft zu Berlin zum Kurse von 175 Proz. unter Ausschluß des gesetzlichen Bezugsrechtes der Aktionäre übernommen. Die Beteiligung„Alstadens" beim Kohlensyndikat beträgt 350 000 Tonnen, die lctztjährige Förderung 277 673 Tonnen. Durch ihren An- kauf steigt die Beteiligungsziffer der„Hibernia" auf 5 416 500 Tonnen. Von den beiden Schachtanlagen„Alstadens" soll der eine Schacht sofort stillgelegt werden, der andre aber einstweilen noch in Betrieb bleiben.» Mosel-Kanalisiening. Der Vorstand des Verbandes für Kanall- siernng der Mosel und Saar hat an das preußische Abgeordneten- haus die telegraphische Bitte gerichtet, zu beschliestcn, die königliche Staatsregierung zu ersuchen, einen Gesetzcutwurf betreffend die Kanalisierung der Mosel und Saar dem Landtage so bald vorzu- legen, daß die Vollendung der Mosel- und Saar-Kanalisation gleich- zeitig ,nit der Ferttgstellung des Hannover-Rhein-Kanals gewährleistet wird. Englische BalimwollcmSim- Versuche in Westafrika. Die Vor- gange auf dem amerikanischen Baumwollenmarkte und die dadurch verursachte Erschütterung der Vaumwollenindustrie von Lancashire haben in England zu Erwägungen geführt, wie man sich mehr als bisher von der amerikanischen Produktion emanzipieren könne. Wie die„Frankfurter Zeitung" berichtet, ist zwischen dem Kolonialamt und dem„Verein für englischen Baumwollanbau ans drei Jahre ein Ab- koinmen geschlossen worden, wonach der Verein jährlich 30 000 Pfund Sterling für die Entwicklung des Baumwollanbaues in Westafrika zahlt. Die Kolonien Lagos, Südnigcria und Sierra Leone erhalten je 10 000 Pfund Sterling. Die drei Kolonien ihrerseits steuern zu diesem Kapital jährlich zusammen 6500 Pfund Sterling bei. Die Regierung stellt dafür dem Verein Landgebiet zu günstigen Be- dingungen zur Verfügung. Der Eisenbahnverkehr wird in der ersten Zeit frei sein, und die Dampfschiffahrtsgescllschaft Edler, Dcmpster u. Co. hat sich erboren, vorläufig eine gewisse Quantität Baumwolle frei zu transportieren. Der Verein für Baumwollbau verwendet ferner in den ersten fünf Jahren jeden etwaigen Profit auf die Weiter- entwicklung des Anbans._ WitteruugSüdersicht vom 3. Mai 1904. morgen» S»Hr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Fwnks.a.M. München Wien L 3 ~ E i| 755 757 758 763 765 762 11 a« WSW. W Setter 6wol!ig 7 wolkig 4hede-kt Swoltig 4Meaen Zhalb bd. «i* «-?- 1» W Tn 10 8 10 10 12 17 Stattonen s e II Ii Haparanda Petersburg Cork Aberdem Paris Ii 750 D 754 SO 754 765 NW Seiter »bedeckt GiRegcn Heiter Lheiter #"• H ft. 6 7 ~7 11 Wetter.Prognoi« für Mittwoch, de» 4. Mai 1SV4. Ziemlich kühl, vielsach heiter, jedoch unbeständig mit einzelnen Regen- schauern und teilweise Irischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Verkauf mv gegen dar zw niedrigen, festen preisen. 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