Ur. 105. n bonnemcntS'Bedingungcn- Monnements- Preis pränumerando! Liertsljährl. 3, ZV mt., monaü. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Hau». Einzelne Nummer k Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntag». Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband fSr Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland Z Marl pro Monat. S1. Jahrg. CridKlDt tüslld) außer tncnta». Verlinev VolksblAtt. Die Insertion!-Lebühr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschasllichc Vereins. und VersammlungS-Anzeigen 25 Pjg. „Aleine Sn-e!g-n", das erste ssett. gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöfsnet. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdcmokratsrcbcn partel Deutfcblands. Redaktion: SAl. 68» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 19S3. Expedition: 8M. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Strafvollzug gegen Geisteskranke. Wir haben früher den Fall des Willy Grosse erzählt, der bei der Ausführung der Unthat gegen den Justizrat Levy offenbar bereits geistesschwach war, der im Laufe der Gefäugniszeit völlig verblödet ist, nichtsdestoweniger aber im Gefängnis fortvegetiert. Der Fall war kein Ausnahmegeschehnis, wie leichtfertige Ausrede zu behaupten versucht hat, sondern typisch für die entsetzliche Verbrcchergruppe der jugendlichen Mörder. Wir sind heute in der Lage, den Lebenslauf eines andren jugendlichen Ver- brechers zu zeichnen, der noch schärfer die Heillosigkeit der heutigen socialen Zustände im allgemeinen und des Strafvollzuges im be- sonderen kennzeichnet. Am 1. Februar 1893 hatte der Laufbursche Paul Schmidt die in der Gerichtstratze wohnende Frau Leschowsky und deren unmündigen Sohn mit einem Rollholz erschlagen. Hunger oder Habsucht hatten den Schmidt, der bei der Begehung der That 1S'/z Jahre alt war, zum Doppelraubmörder gemacht. Als er ver- urteilt wurde, hat es nur wenig Leute gegeben, welche ihn als geeignetes Objekt für gesetzliche Milde betrachteten und man hätte allgemein lieber gehört, daß er auf dem Schafott verblutet wäre. Die Zurechnungsfähigkeit des Schmidt ist bei seiner Ver- urteilung kaum in Frage gekommen, sein Benehmen während der Untersuchung schien keinen Anlaß zur Forschung in dieser Richtung zu geben. Er wurde auch als„gesund und arbeitsfähig" in Plötzensee aufgenommen. Wie eS dem Schmidt während der ersten drei Jahre seiner Haft erging, kann man nur ahnen. Er hat seine Arbeitspensa geliefert, hat sich disciplinarisch nichts zu Schulden kommen lassen, hat mit einem Wort, bis dahin reine Akten: Da schreibt er am 19. März 1396 folgenden Brief: Geliebte Schwester Louise! Dem durglaute nach des vor einer Zeit in Epfamg genommenen Brifes habe ich es dem Antribe deiner Hand zu Zuschreiben, welche mir einen so crgötzctenden Grus aus- gckrauu hat; inwiefern ich mir auch veranlaßt fühle, dir meine sont auch wohl nur unnütze Interesse zuzuführen. Obgleich ich nun sehr gespannt bin. Will ich mir'ä auch nicht mehmen lasten, dir sogar meine ganz besondere Aufmerksamkeit zu ertheilen; denn du scheinst mir ja ganz und gar in das Vergißmeinnicht verwachsen zu sein. Hattest du mir in meine Geschäftigkeit auch nich wenig in Verlegenheit ge- bracht, wenn anderseits nicht aber auch gleich bis über alle Manschetten in Brand gerathen wäre. Den Datum nun; an welchem diese Blume gebliit hat; hätte ich in meiner Einsamkeit ser bald entziffert; doch! patz solche Blumen nie dagewesen ist und doch geblüt hat, ist nun schon gar nicht mer für Physiologie. Solte ich nun eine andere art von Unkraut in bctracht nehmen, so wäre es nichts zusammenhängig, und sonst nichts für Philosophen l Solte ich mir jedoch veranlaßt fühlen ein Gewächs aus der eilfundneunzigsten Klasse zu n?hmen, so müßte ich aus bestem Grunde ihre übcrvegetabilischen Kräfte, ebenso einer übernatürlichen Eccicstens zuschreiben und leicht auf den Gedanken kommen:„Ter Datum ist um der darin liegenden Ge- sinnung halber der Centrum deines Herzens selber:" Was solte ich mir nun mit� einem so denkenden Menschen und dero ja doch nur fast hypogynischen Ansichtcr einlassen, wo ich weiß, daß zur Bei- stimmung für die Individuen(Welches zumeist nicht die Ergöstenstcn sind; zumeist ja aber auch nie für eigensinnige) ein klaresVerständniß gehört. Wenn du ja nun meinst ich hätte solch Verständnis nicht, dan irrst dir ja doch sehr. Schreibe euch auch sollt mir Tinte mitbringen da flakst du mun schnell:„das Wortchen Tinte ist ausgestrichen:" Wer wird dir das glauben? haben mir hir doch selber Papier Federn und Federhalter verkauft und gesagt:„Tinte können sich schieben I ---- 1 Also auch hirrin wider nichts weiter als deine un- ermesliche Unverschämtheit! dein Geiz! deine Rafenirtheit mit der du mir entgegen trittst. Wollte nun nicht noch mer Afterreden und bösen. Leumund machen sonst schrib ich wol das ganze Blatt voll. Dein Bruder Paul Schmidt. Der Brief geht zu den Akten. gez. Schmidt, Gef.-Inspektor. Der Brief spricht eine beredte Sprache. Er zeigt, daß Schmidt in Plötzensee von den Faktoren umgeben war, welche, wenn er auch bei Begehung der That selbst noch geistesgesund gewesen ist, zu seiner geistigen Zerrüttung führen mußten. Die Verblödung schritt dauernd vor, ohne daß derPsychiater eingriff. Den völligen Jrrsinnzeigt dann ein Brief an die Eltern, den Schmidt am 20. August 1898 schrieb: An die Eltern. Ihr müßt mir nun schon einmal etlvas und ein wenig zugute, rechnen wenn ich vor begin eincns Schreibens an euch meine Cltcrn wie die Katze um den heißen brei in der Zelle umher- laufe; doch bedarf es einer Euseren ja nicht denn Jeder mag wissen woran er sich hallt und darum ja auch wohl wieder Basta. Ich wollte mich nun im kurzen über euern Etschluß abfassen; demnach ihr meine Euch anvertraute Erfindung mit Patent belegen Ivoltet;— was aber würde ich damit gethan haben--- nichts davon! Käufer welche ohne Eigennutz die Welt damit überflüglen kann ich nicht suchen; da bin ich der erste Mann. Welche Ruhe aber gewährt mir das Geld; wenn ich es als irgend wie eine Karte auf dem Rücken umhcrtragc.�—— durch einen verkauf würde ich die Welt in ihrem Vortschritt nur aufhalten diese meine Erfindung gcwärt mer Nutzen als Materiellen Vorsprung—— darum macht mit den Maschinenbauern ganz einfach Kumune; laßt den Arbeitern nur erst etwas daran verdienen und der Welt den rechten Werth schätzen lernen. Doch will ich ein denkungsfehlger Mensch sein so bin ich nit nur Erfinder dieser Wenigkeiten sondern auch ein rechter großer Luftikus der sich in der Welt gar bald zurccht findet wen Er nur mit sich selbst einig ist und sein klares Selbstbewuhtsein hat; aber wo soll ich solches herncmen? Etwas klügeres steht für Euch im Jakobi- brief Kap. I v. 27--- d. h. nach meiner besten übersichtigen und durchsichtigen Erfindungskunst beurteilt.„Sich nicht über der- gleichen aufhalten was aber soll mir Eure Geistlichkeit hier?-- giebt es deren hir nicht genug?— Oder sollen sie etwa crzagt sein? Gebt ihnen den Galater 3 durchzulesen Palm 351-- und hiermit verbleibe ich P. Schmidt. Zu den Akten. gez. Brümmerstädt, Inspektor. Völlig närrisch, wie der Inhalt dieses Briefes, war auch das persönliche Benehmen des Schmidt geworden. Er kam nicht einmal in den Verdacht der Simulation, und wenige Monate später heißt es in seinen Akten: Plötzensee, den 15. März 1899. Schmidt ist geistig in einem Zustande, daß er nicht mehr in der strengen Einzelhaft gehalten werden kann. Er soll auf Ver- fügung der Direktion versuchsweise als Kalefaktor beschäftigt werden. gez. Schmidt, Gef.-Jnspektor. Gemäß der Bestimmung der Direktion wurde verfahren. Schmidt trat sein Amt als Kalefaktor an und that seine Arbeiten) so gut er konnte. Daß ihm hier und da ein wenig geholfen werden mußte, versteht sich, weil seine Verblödung sich nicht verringerte, sondern stetig zunahm. So vergingen mehr als drei Jahre. Da, eines Tages, ging es wie ein Lauffeuer durch die Anstalt: Schmidt hat einen totgeschlagen und ist entwichen. Thatsächlich hatte er einen andren Kalefaktor mit dem er auf dem Dachboden des dritten Gefängnisses arbeitete, veranlaßt, sich zu bücken, und dem Ahnungslosen dann mit einem Knüppel vor den Kopf geschlagen. Der Uebcrfallene war noch im stände, sich schnell davonzumachen und die Anstalt zu alarmieren. Als man Schmidt suchte, saß er oben auf dem Dache der Anstalt, wo er eine Leiter zum Hinab- klettern(I) zu finden gewähnt hatte. Schwere und dauernde Ver- letzungen hatte das Opfer nicht davongetragen, gleichwohl lautete die Anklage gegen Schmidt auf versuchten Mord. Schmidt wurde zu zusätzlich fünfzehn JahrenZuchthaus verurteilt. In den Akten findet sich kein Vermerk, daß sein Geisteszustand gründlich geprüft worden ist! Von den übrigen jugendlichen Mördern, die in Plötzensee büßten, ist, bei einem Durchschnittsbestande von neun Köpfen, seit Bestehen der Anstalt(1872) bisher nur ein einziger nach Strafvcrbiißung zur Entlassung gekommen. Die andern sind während der Haft gestorben oder mußten als unheilbar verrückt Irren- an st alten überwiesen werden. Kaum irgend eine Erscheinung kann grausiger entsetzen, als der Jugendliche, der Mordthat begeht; keine Erscheinung muß aber auch mehr die Prüfung nach den socialen Urgründen des Ver- brechens herausfordern!_ Der japanische Sieg in russischer Darstellung. Petersburg, 4. Mai. Ein Telegramm des General- adjuta nten Kuropatkin von gestern meldet: Nach den Berichten des Generals Saffulitsch vom 3. d. M. fand der Kampf bei Tiurentschen am 1. Mai unter folgenden Umständen statt. An dem Kampf nahmen teil das 12. und 22. Regiment sowie die 2. und 3. Batterie der 6. Artilleriebrigade. Ter Kampf begann mit einer heftigen Beschießung des russischen rechten Flügels durch eine Batterie mit Belagerungsgeschützen von Jvidschu und durch Feldbatterien auf den Inseln. Nach einer kurzen Pause wurde das Feuer mit außer- ordentlicher Stärke gegen den russischen linken Flügel der Haupt- stellung bei Tiurentschen und gegen die Stellung bei Potetynza er- ncuert. Es begann ein Gcwehrfeuer. Die Japaner rückten durch den Fluß Aiho zum Angriff vor. Die Lage der Verteidiger der Stellungen, besonders derjenigen bei Potetynza, die von der Front und den Flügeln aus beschossen wurden, wurde immer schwieriger gegen die russische Batterie, bei Potetynza waren 39 Geschütze auf gefahren. Die russisebe Batterie richtete, nachdem sie die feindliche Gebirgsbatterie zum Schweigen gebracht hatte, das Feuer auf die Infanterie und hatte wenig Verluste, bis sie gezwungen wurde, eine neue Stellung einzunehmen. Infolge des Abzugs der russischen In- fanterie vom Ufer machten die Japaner, die durch das Feuer der Gegner stark gelitten hatten, ununterbrochen neue Angriffe mit immer neuen Truppen, entschlossen sich aber nicht, zum Vajoncttkampf über- zugehen. Bei den Flutzübergängen bildete sich gleichsam ein Wall von gefallenen Japanern. Gleichzeitig mit dem Angriff auf Pote tynza wurde auch ei» solcher auf den russischen linken Flügel bei Tiurentschen unternommen. Hierbei mußten die russischen unteren Schanzen, die durch ein Frontfeuer die japanischen Batterien bc- schössen, verlassen werden. Die russischen Reserven ermöglichten durch Iviederholtes Eingreifen in die vorderen Reihen ein längeres Stand- halten. Die Hauptreserve konnte aber der großen Entfernung wegen nicht rechtzeitig Unterstützung leisten. Die russischen Truppen ver- tauschten dann die Hauptstellung mit einer neuen in ihrem Rücken gelegenen. Ivobei sie ein starkes Feuer der Japaner auszuhaltcn hatten. Der Feind entschloß sich nicht, die Höhen zu verlassen und begann unter dem Feuer der russischen Batterien und Maschinen- aewehre sich zu verschanzen. Der Feind eröffnete hierauf ein starkes Artilleriefeuer auf die neue Stellung der Russen und begann den linken Flügel in der Richtung auf Tscliingou zu umgehen. Auf Laefangou wurden von der Hauptreserve 2 Bataillone des 1. Regiments und die 3. Batterie der 3. Artilleriebrigade vorgeschoben. Äese nahmen Stellungen ein, die sie nötigten, nach zwei Fronten hin zu feuern, ermöglichten es aber dadurch den ersten Reihen, die stark gelitten hatten, sowie den Verwundeten, sich zurückzuziehen. Ein Bataillon des 11. Regiments, welches von dem Gegner auf bkidcn Seiten um- gangen worden war, ging mehrmals, um durchzubrechen, unter Musik zum Vajonettkampf über; die Japaner hielten dem Bajonettkampf nicht stand und flohen. Dem Regiment voran schritt der Regiincnts- geistliche mit dem Kreuz in der Hand, obgleich er durch zwei Kugeln verwundet worden war. Nur der Vajonettkampf ermöglichte es dem 11. Regiment, durchzubrechen, bevor ein Bataillon des 19. Regiments eingetroffen war; unter dem Schutze desselben zogen sich alle Truppen- teile zurück. Die Verluste des 11. und 12. Regiments sind sehr groß und bis jetzt noch nicht genau festgestellt. Vom 11. Regiment sind gefallen der Regimentskommandeur Oberst Laining und zwei BataillonSkonunandeure, die Obcrstlieutenants Domcti und Rajcwski. Vom 12. Regiment sind 9 Compagniechess verwundet. Die 2. und 3. Batterie der 6. Brigade tonnten, da sie einen großen Teil der Pferde und Mannschaften eingebüßt hatten, die Geschütze nicht mitnehmen und ließen sie auf dem Kampfplatz zurück, nachdem sie sie unbrauchbar gemacht hatten. Aus demselben Grunde konnten 6 Geschütze der 3. Batterie der 3. Brigade und 8 Maschinengewehre, die ebenfalls unbrauchbar gemacht waren, nicht vom Kampfplatze mit- genommen werden. Die bergige Gegend gestattete es nicht, die Geschütze zu retten. In das Hospital in Föngwang- tschöng sind bisher 899 Verwundete eingebracht worden, darunter 14 Offiziere. Die Verwundeten wurden mit großen Schwierigkeiten von gedungenen chinesischen Kulis auf Karren nach Föngwangtschöng gebracht, die Mehrzahl jedoch ging, von Kameraden gestützt, zu Fuß und gelangte im Verlaufe von 24 Stunden nach Föngwangtschöng. General Sassulitsch bezeugt, daß die Truppen trotz der großen Verluste nicht mutlos geworden und bereit sind, weiter zu kämpfen. Die Verluste der Japaner sind sehr schwer.— Bei den Uebergängen am Aiho und auf der Höhe, wo zwei Bataillone des 11. Regiments standen, lagen nach den Aussagen der Teilnehmer am Kampfe nicht weniger als 3999 bis 4999 Leichen.(?) Die Mitteilungen der Russen über die japanischen Verluste sind offenbar gewaltig' übertrieben. Dagegen zeugt die Nachricht, daß „bisher" 899 Verwundete in Föngwangtscheng eingetroffen sind, von der Größe der russischen Verluste, die kaum ivcniger als 2999 Mann betragen werden und die der Japaner jedenfalls erheblich über- steigen. Der Chefarzt der er st en japanischen Armee giebt die Zahl der Gefallenen und Verwundeten auf 798 an. Besetzung Nintschwangs durch die Japaner? Dem„Daily Chronicle" wird aus Tschifu gemeldet, die Japaner hätten am Sonntag Truppen bei Jnkau gelandet und darauf Niut schwang angegriffen und am Montag- abend erobert. Die Russen zogen sich zurück, um die Eisen- bahn zu decken. Solange die offizielle japanische Bestätigung fehlt, muß die Nachricht als unzuverlässig gelten. Flottenrüstnngen Ruhlands. Petersburg, 4. Mai. Auf Befehl des Kaisers erhielt das im Stillen Ocean befindliche Geschwader die Benennung erstes Ge- schwader der Flotte im Stillen Ocean; ans den zur Entsendung dorthin bestimmten Schiffen wird ein zweites Geschwader der Flotte im Stillen Ocean formiert. Konteradmiral Roschdestwenski, der mit der Formierung betraut ist. wird zeitweilig im Hauptmarinestab durch Konteradmiral WireniuS vertreten. Bis zur Abfahrt dieses Geschwaders wird noch einige Zeit vergehen! Die Räumung Dalnys? Ein Telegramm aus Tschifu besagt, daß die Russen die offen- sichtliche Absicht haben, Dalny zu räumen; die dahinftihrenden Bahnlinien seien zerstört und das rollende Material nach Mulden gebracht worden. Die wertvollen Schriftstücke seien gleichfalls dorthin abgegangen, während die Kohlen nach Port Arthur ge» schickt worden seien. Eine japanische Landung in der Bucht von Dalny würde den Japanern die Inangriffnahme der Landoperationcn gegen Port Arthur wesentlich erleichtern. politiscke vleberficbt. Berlin, den 4. Mai. Der Reichstag beschäftigte sich heute zunächst mit der Totalisatorvorlage. Danach erhalten die staatlich genehmigten Rennvereine 19 Proz. der 29 Proz. betragenden Totalisatorsteuer, wenn sie die Sicherheit dafür bieten, daß sie ihre Einnahmen ausschließlich im Interesse der Landes- Pferdezucht verwenden. Außerdem wird jede geschäftsmäßige private Wettvermittelung unter Strafe gestellt. Die Idee des Gesetzes ist, alle Wettenden zum Totalisator und damit zur Versteuerung ihrer Wettsätze zu zwingen. Die dadurch entstehenden Mehreinnahmen ermöglichen eS der Regierung, den aus den reichsten Großgrundbesitzern und der haute flnanoe bestehenden Rcnnvereinen die Hälfte des Steuercrtrages überhaupt zu schenken. Der angebliche Zweck der Vorlage ist, die Landes-Pferdezucht besonders für militärische Zwecke zu stärken. Damit auch der sociale Charakter der Vorlage nicht fehlt, wird darin aus die schädliche Wirkung der Weit- bureaus insbesondere für die weniger bemittelten Klassen der Be- völkerung hingewiesen. In Wirklichkeit handelt es sich um zweierlei. Der Staat ist aus fiskalischen Gründen neidisch auf die fetten Steuerbissen, die ihm durch die Konkurrenz der privaten Wcttbureaus entgehen, und ist andrerseits darauf bedacht, den vornehmen Herren in den Renn- vereinen und den Nennstallbesitzern eine Liebesgabe zuzuwenden. Das ist das wirkliche Bild reichsdeutscher Fürsorge für die Schwachen. Genosse Singer würdigte diesen Charakter der Vorlage in eingehender Rede und wies mit Recht darauf hin, daß die Regierung hier Einnahmen aus einem unsittlichen Gewerbe, der Förderung des Spieltriebes, ziehe. Der Landwirtschaftsminister v. P 0 d b i e l s k i, der wegen seiner Gicht nicht stehen konnte, erwiderte in seiner bekannten schnurrigen Weise vom Platze aus; in seiner Sprache würde er wahrscheinlich sagen, er saß auf dem delfinischen Dreifuß. Er entdeckte, daß auch der Versicherungsvertrag eine Art Wette sei, was ungefähr so richtig ist, wie man sagen könnte, daß der Kauf eine Art des Diebstahls darstellt—, und gab im übrigen Intimitäten aus dem Wettbetriebe, den er sehr genau kannte, zum besten, lud auch den Genossen Singer ein, mit ihm öfter die Rennplätze zu besuchen. Die Rechte, zu der auch das Eentrum und die Nationallibcralen gehörten, ist natürlich für die Vorlage. Ein halbes Dutzend ihrer Redner versicherten, daß sie nur im Interesse der Vaterlandsvcr- teidigung handelten, bis sich schließlich der Abg. Graf Bernstorff ver- Klapperte, unb dcih es der Rechten zum Bewufjtsem kain, von den Interessen der Landwirtschaft sprach, die hier zu wahren seien. Die Vorlage ging schließlich zur Beratung an die Budget- kommissiou. Es folgte die zweite Lesung deS Gesetzes zur Entschädigung für unschuldig Verhaftete. Die Konnnission ist in zweiter Lesung umgefallen, da die Rc- gicrung drohte, sonst die ganze Vorlage scheitern zu lassen, und hat alle in der ersten Lesung angenommenen Verbcsserungen wieder fallen lassen. Auch im Plenum erklärten alle Parteien nnt Ausnahme der Socialdemokratie und der Freisinnigen Volkspartei, sich der Drohung der Regierung, die heute der Staatssekretär Dr. Nicberding wiederholte, fügen zu wollen. Daneben gab es eine ausgedehnte Er- vrtcrung zwischen dem Abg. Dr. Müller- Meiningen und dem BundcSratSbevollmächtigtcn für Sachscn-Wcimar, Dr. Paulssen, über den Fall des Gerbermeisters Brehm in Pößneck, der durch im- gerechte Verurteilung. Zuchthausarbcit und Verweigerung jeder an- gemessenen Entschädigung in den Wahnsinn getrieben worden ist. Die Regierung hat über die Mitteilung, die der Abg. Müller- Mciningcn bei der ersten Lesung des Gesetzes im Reichstage machte, dadurch quittiert, daß sie gegen seineu Gewährsmann, den ideal ge- sinnten Verteidiger deS Unglücklichen, ein DiSciplinarverfahren ein- geleitet hat. Unsre Partei wird erst morgen zn Wort kommen, um die von ihr gestellten Abänderungsanträge zu begründen.— Der Wert militärischer Gutachten; Während am Dienstag die Kanalrebellen in? preußischen Ab- geordnetenhause laut das Lied von den handelspolitischen Kompcn- sationen für die K a n a l v o r l a g e pfiffen, vollzieht sich heute in der konservativen Presse eine gewisse Schwenkung. Sowohl die„Deutsche Tageszeitung" wie die„Kreuz-Zeitung" warnen dringend, die Kanal- Vorlage mit solchen partcitaktischcn Erpressungen zu bekämpfen i man solle lediglich sachlich kämpfen. So schreibt die„Deutsche TageS- zeitung": „Die beiden Fragen, die Kanalfrage einerseits und die Handels- Vertragsfrage andrerseits, taktisch unter politischen Gesichtspunkten miteinander zu verquicken, ist weder innerlich berechtigt noch zweck- mäßig". Und die„Kreuz-Zeitung" hält es sogar„nicht für unmöglich", „daß die leidige Kanalangelcgcnheit schließlich durch einen Kompromiß zu einem definitiven Ende geführt wird. Vielleicht einigt man sich hinsichtlich deS westlichen Kanals auf den End- Punkt an der Weser. DaS Schicksal der andren, östlichen Kanäle dürfte, so dünkt uns, mit der Entscheidung über die westlichen verknüpft bleiben." Diese Friedensrufe sind nicht ernst gemeint. Die Junker schwören nach wie vor ans das Princip des reellen Kuhhandels, aber es scheint, als ob sie augenblicklich es für geraten halten, nicht allzu stark zu provozieren. Ihren Willen werden sie natürlich doch durch- setzen, da sie ja ohnehin im wesentlichen alles erreicht haben, was sie nur hoffen konnten. In der Fortsetzung der Beratung im Abgcordnetenhause— zu der sich'so ziemlich ein Fünftel aller Mitglieder zum Worte ge- meldet hat— kamen am Mittwoch mit Ausnahme des Polen v. G r a b s k i, der bewies, daß die Agrarier keine nationale Scheidung kennen, nur Freunde der Borlage zum Worte. Graf B ü l o w war abermals abwesend. Dafür verteidigte diesmal bft Finanzminister v. Rheinbaben die Vorlage und quälte sich scheinbar sehr ernsthaft ab, eine Verständigung erhoffend, die vor- gebrachten Bedenken zu entkräften. Alle diese sachlichen Argumente sind wertlos, denn die technisch-finanziellen Bedenken der Mehrheit sind ja nur vorgeschoben. In Wahrheit ist die Kanalvorlage seit jeher eine Machtfrage der Agrarier gewesen. Darum ist es auch gleich- gültig, mit welchen Beweisgründen die Herren Wiemer sfrs. Vp.), v. E h n e r n snatl.), B r ö m e l sfrs. Vg.) die Einwände derKaizalrebellen widerlegte»! an diese Einwände glauben ja die Junker selber nicht, sie sind auch in der Mehrzahl albern genug und sehen fast wie eine Verhöhnung der Regierung aus. Rur eine Episode verdient beachtet zu werden. Als Herr v. Budde daran erinnert wurde, daß er 1809 den Mittellandkanal als absolute militärische Notwendigkeit und als teures Vcr- mächtuis Moltkes bezeichnet habe, während der Mittellandkanal jetzt preisgegeben sei, da erhob sich der Verkehrsminister munter und er- klärte, der Ansicht sei er auch heute, auch der— Rhein-Hannover- Kanal sei strategisch unbedingt notwendig. Ob Herr v. Budde das Bewußtsein gehabt hat, wie sehr er mit dieser Erklärung die ganzen Gutachten militärischer Sachverständiger verhöhnt hat? Denn wenn der Mittellandkanal eine unbedingte strategische Notwendigkeit ist, dann kann eben der Torso nicht ge- niigen. Eine unbedingte militärische Notwendigkeit in Abschlags- Zahlungen ist ein Unding. Man wird im Reichstage an diese Genügsamkeit der militärischen Sachverständigen denken, wenn sie mit neuen Marine- und Militärvorlagen kommen. Motto: Wenn nicht, denn nicht; es geht auch so I Am Donnerstag wird die Debatte fortgesetzt.— Der neue südwcstafritanische GeucralissimuS. Gestern noch meldete sogar daS Schcrl-Blatt, daß Leutwein das Oberkommando im Hererokricg behalten werde, nachdem einen Tag vorher Generallieutenant v. Trotha selbst seine Ernennung zum Oberstkommandierenden durch die Presse dementiert hatte— und heute wird offiziös mitgeteilt, daß Gcnerallieutcnant v. T r o t h a, bisher Divisionskommandeur in Trier, thatsächlich das Oberkommando für Südwestafrika übertragen worden sei. Das„W. T. B." meldet: Berlin, 4. Mai. Ueber das Ergebnis der Konferenz, die der Kaiser gestern mit dem Reichskanzler, dem Chef des General st abes, dem Kriegsminister und dem Direktor der Kolonialabteilung hatte, erfahren wir, daß beschlossen worden ist. die von Ober st Leutwein er- betenen Verstärkungen nach Südwestafrika zu schicken. Die Leitung der militärischen Operationen in Südwestafrika soll an G e n er a l l i e u t e n a n t v. Trotha übertragen werden, während Oberst Leutwein die Be- sugnisse als Gouverneur beibehält. Die Ernennung Trothas zum Kommandeur der südwestafrika- nischen Streitkräfte beweist, wie wenig optimistisch man die gegenwärtige Kriegslage in den leitenden Kreisen beurteilt. Denn wenn man nicht glaubte, daß ganz besonders schwierige strategische Aufgaben zu lösen wären, würde man ja wohl schwerlich einen Divisionskommandeur gegen die Hereros ins Feld schicke». Und aller Voraussicht wird sich ja auch die lächerliche Situation in Süd- westafrika nicht wiederholen, in die Waldersee in Ostasien geriet, der ankam, als die entscheidenden Aktionen, alle wirklichen Kämpfe längst vorüber waren. Im Gegenteil, Trotha wird in Afrika wahrscheinlich mehr zu thun bekonmien, als er sich träumen läßt. Die Ernennung Trothas bedeutet zweifellos eiu Mißtrauens- Votum für Leutwein, dem man trotz feiner früheren militärischen Erfolge und seiner großen Erfahrungen in der Krieg- führung mit den Eingeborenen der Kolonie die Oberleitung nicht übertragen hat. Ob Leutwein danach noch lange Gouverneur bleiben wird, ist sehr fraglich. Denn wenn Leutlvein auf daS Altenteil der Civilverwaltung gesetzt wird, so hat er in der Kolonie nicht mehr allzuviel zn sagen. Hinzu kommt noch, daß man aller Wahrscheinlich- keit ein„neues System" der Kolonialverwaltung einführen will, durch das die Militärverwaltung von der Civilverwaltung auch in normalen Zeiten getrennt werden wird. Die Uusinnigkeit eines solchen Systems liegt auf der Hand, wahrscheinlich wird auch Leutwein dafür danken, sich durch preußische Licutcnantsschneidigkeit sein Konzept verderben zu lassen. Der neue Mann aber, der an Lentwcins Stelle tritt, wird jedenfalls den Wünschen der Ansiedler und Händler mehr entsprechen als Leutwein. Der Kürassierstiefcl und die gepanzerte Faust werden fortan zur Freude aller kolonialen Herrenmenschen die Eingeborenen niederdrücken! Die Nachschübe werden auch heute noch auf„nur" 1500 Mann beziffert, doch heißt es bereits, daß auch eine Abteilung Jäger und Train den Transport begleiten sollten. Ferner hält man es nicht für ausgeschlossen, daß der neue Obcrstkonimandicrcnde noch Special wünsche äußern könne. Der Reichstag wird ja dem- nächst näheres darüber erfahren.— Dcutfche» Reich. Für alle Fälle! Die ReichstagSmehrheit hat die Wahl unsrcs Genossen Buch- Wald für ungültig erklärt, weil der Altcnburgische Staatsminister v. H e l l d o r f in einer Vorbesprechung sich gegen die Aufstellung eines extremen bündlerischen Kandidaten ausgesprochen hatte. Die- selbe Mehrheit kassierte das Mandat unsres Genossen Braun, weil der Regierungspräsident einen Wahlaufruf gegen die Socialdemokratie unterschrieben hatte. Wir haben dieser unsinnigen und perfiden Praxis der Reichstags- Mehrheit gegenüber sofort betont, daß es danach möglich wäre, jede Wahl eines Socialdemokraten für ungültig zu erklären. Man brauchte nur die Vorsicht zu gebrauchen, rechtzeitig für eine amtliche Wahlbeeinflusjung gegen die Socialdemokraten zn sorgen. Kanin hat die Wahlbcweguitg in Frankfurt a. O. begonnen, so verfährt man schon nach diesen, Rezept. Bei der Besprechung über den gemeinsamen staatserhaltenden Kandidaten führte nach einem Bericht der nationalliberalen„Oderzeitung" der Landrnt v. d. Marwitz aus: Er gebe noch zu erwägen, daß diesmal zum erstenmal ein antisemitischer Kandidat hervorgetreten sei, der sich selbst aufgestellt hat und für den in»iwerantwortlichcr und skrupelloser Weise agitiert werde. Es sei zu bedenken, daß die Antisemiten den Konservativen Abbruch thun könnten. Es braucht also jetzt nur thatsächlich neben Basscrmann ein antisemitischer Kandidat aufgestellt werden und der Fall Buch- w a l d ist wieder gegeben. Es scheint, als ob man sich für alle Fälle sichern will.— Die bestrafte Hiissencr-Satirc. Als das Kieler Ober-Kricgsgericht die gegen den Fähnrich zur See H ü s s e n e r verhängte Gefängnisstrafe von vier Jahren in zwei Jahre Festung umwandelte, veröffentlichte die klerikale „Essener V o l k s z e i t u n g" eine Satire. in der geschildert wurde, wie Hüsscner von den Offizieren beglückwünscht und gefeiert wurde. Wegen dieser Satire hatte sich der Redakteur K a p p e r t am Mittwoch vor dem Essener Landgericht zu verantworten: er soll das Kieler Ofsiziercorps und das Kieler Ober-Kriegsgericht beleidigt haben. Für seine Satire hatte der Verfasser einen thatsächlichen Vor- gang aufgegriffen, daß nämlich zwei frühere Jnslruktionsosfizicre Hüsseners ihn nach dem Urteil die Hand reichten. Diese Thatsache hatte ein nach Kiel entsandter Berichterstatter in der Weise mit- geteilt, daß die Offiziere sich in Kiel glückwnnschend um Hüssener gedrängt hätten. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß jenes Hände- schütteln seitens zweier Offiziere erfolgt sei. Dagegen bestritten die Mitglieder des Kriegsgerichts, daß sie den Angeklagten beglückwünscht oder ihm die Hand gereicht hätten. Der Staatsanwalt beantragte 3lX> M. Geldstrafe. Das Urteil lautete auf 209 Mark G e l d st r a f e. In der Begründung heißt es: „Der Artikel des Angeklagten enthält eine Beleidigung sowohl des See- Offizier- Corps als auch des Ober-Kriegsgerichts in Kiel. Von diesem wird die Thatsache behauptet, daß es gegen Recht und Gerechtigkeit ein Urteil gegen Hüssener gefällt hätte, und von den andern Beleidigten wird behauptet, daß sie über dieses Urteil Freude empfunden und Hüssener noch dazu beglückwünscht hätten. Diese Bc- Häuptlingen seien geeignet, die Betroffenen in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Der Beweis dafür, daß die Richter und Offiziere so gehandelt hätten, wie es in dem Artikel heißt, sei dem Angeklagten nicht in vollem Umfange gelungen, und daß er von der Absicht geleitet gewesen'sei, zu beleidigen, gehe aus der Form des Artikels hervor. Von einer Wahrung berechtigter Interessen kann keine Rede sein, denn es kann der Presse nicht g c st a t t e t sein, eine derartige Kritik an einen, richterlichen Urteil zu üben, wie es der Angeklagte gethan. Bei der Bc- Messung der Strafe sei einerseits die Schwere der Beleidigung, andrerseits aber die bisherige Unbescholtenheit deS Angeklagten nnd die fcuilletonistische Form seines Artikels in Betracht gezogen worden. Schließlich habe zu seinen Gunsten gesprochen, daß der Artikel in einer Stadt geschrieben ist, wo die Wogen der Erregung in der Hüssener Affaire sehr hoch gingen.— Der StaatSainvalt als Schützer des Landtags. Die Geschäfts- ordnungs-Koiinnission des Abgeordnetenhauses beschäftigte sich mit de», Ersuchen des Ersten Staatsanwalts am Landgericht Licgnitz. die Genehmigung zur Strafverfolgung wegen Beleidigung deS Landtags gegen den socialdemokratischen Redakteur Mehr- lein zu erteilen. Mehrlein ist Redakteur des socialdemokratischen Blattes„Volkswacht" in Breslau und soll in einer Versammlung in Liegnitz von dem„elenden preußischen Landtag" ge- sprochen haben. Er selbst behauptet, mir von dem„elenden preußischen LandtagS-WaHlrecht" gesprochen zu haben. Die Kommission empfahl dem Plenum, die nachgesuchte Genehmigung zur Strafverfolgung nicht zu erteilen. Als seiner Zeit, als der Reichstag die Bismarckehrung ablehnte, dies Parlanicnt in unslätigster Weise beschimpft wurde, da rührte sich kein Staatsanwalt! Masircgeluiig eincS Post-Nuterbeamten. Die PetitionSkommission deS Reichstags verhandelte in ihrer an, Mittwoch abgehaltenen Sitzung über eine Petition des früheren Post-Unterbcamten Kratofiel in München. Der Petent bittet um Wicdcrcinstcllung in den Post- dienst oder Gewährung von Ruhegehalt. Er hat mehrere Artikel für den„Postboten" geschrieben, in denen auf Mißstände hingewiesen wurde, unter denen die Post-Unterbcamten zu leiden haben. Obwohl diese Artikel ruhig und sachlich gehalten waren, erregten sie doch daS Mißfallen der Postbehörde, welche das Disciplinarverfahren gegen den Petenten eröffnete; es führte zur Entlassung aus dem Postdienste. Der zur Beratung zugezogene Regier,,, igSkomnnssar, Wirklicher Geheimer Ober-Postras Dr. Spilling, suchte die Entlassung Kratoficls zn rechtfertigen, da die Postverwaltuiig nicht dulden könne, daß ein Beamter in der Weise, wie es der Petent gethan, agitatorisch wirke und die Unzufriedenheit unter de» Post-Untcrbeamtcn schüre. Die Pctitionskommission konnte sich zur Ansicht des Herrn Wirk- lichcn Geheimen Ober-PostratS nicht bekennen, war vielmehr der Meinung, daß gegen de» Verfasser des betreffende» Artikels zu schroff vorgegangen worden sei, indem gleich die strengste Strafe, die Dienst- entlassung über ihn verhängt worden sei. Der Beschluß der Kommission ging dahin, beim Plenum zu be« antragen, die Petition dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen. Hoffentlich führt diese Erwägung zur Wiedereinstellung des ge- maßregelten Beamten.—_ Zur Naturgeschichte deutscher Kolonialpolitik veröffentlicht der bekannte Kolonialpolitiker Waldemar Schütze- Hamburg im neuesten Heft des offiziellen Organs der„Deutschen Kolonial-Eesellschaft" wieder einige bemerkenswerte Urteile und Thatsache,,, die tvcitere Verbreitung verdienen. Schütze will über den„Neger und seine Behand- l u n g" belehren und giebt nebenbei einiges für die Naturgeschichte unsrer Kolonialpolitik ganz allgemein, das gerade jetzt anläßlich der Vcrgänge in Südwestafrika sehr illustraliv wirkt. So zum Beispiel. ivcnn er von den jungen Leutchen spricht, die von hier aus in die Kolonien gehen, um dort den Herrn und Helden zu spielen. Er berichtet von ihnen: „Zu Hause waren sie ein Nichts, bedeutungslos in der großen Menge verschwindend, gezwungen zu gehorchen. Drüben will der junge Mann als Gentleman behandelt werden, auch wenn er es zu Hause nicht war, bekommt eine viel freiere und selbständigere Stellung, als er zu Hause selbst in reiferem Alter hätte erreichen können, und soll nicht nur gehorchen, sondern be- fehlen. Das steigt vielen jungen Leuten zu Kopfe. Es werden einmal unrichtige Befehle erteilt; die Neger» die die Arbeit besser kennen als er, fangen m, zu lachen, der junge Mann sieht sich in seiner Würde gekränkt, das durch das Klima stark beeinflußte Blut kocht, er läßt sich zu Mißhandlungen der ihm untergebenen Neger hinreißen und— der Tropenkoller ist fertig! Gegen nichts ist der Neger empfindlicher als gegen Ungerechtigkeit. Hat er wirklich etwas verbrochen, so nimmt er willig sogar eine grausame Bestrafung hin; ist er dagegen unschuldig, so verzeiht er nicht einmal einen leichten Schlag. Noch schlimmer als junge Kaufleute sind die jungen Beamten nnd Offiziere daran, die draußen im Vergleich mit der Heimat mit einer ungeheuren Macht- fülle ausgestattet nnd nur zu leicht geneigt sind, diese zu miß- brauchen, zumal da gewöhnlich die Kontrolle seitens der Vorgesetzten keine strenge ist." Wer zu lesen weiß begreift, was alles hinter diesen noch gesucht milden Ausdrücken eines alten Kolonialmannes steckt. Die Bemer- kungen enthalten ja auch nicht wesentlich Neues, und sie find besonders nur um deswegen lehrreich und merkenswert, Iveil sie von einem begeisterten Kvlonialschwärmcr stammen, der die bei solchen seltene Eigenschaft der Ehrlichkeit gegenüber seinen Kollegen besitzt. Eine furchtbare Anklage erhebt schließlich der Verfasse« gegen eine M i s s i o n s a n st a l t, indem er berichtet: „Tie Missionen selbst haben viel verschuldet durch ihre U n- duldsam keit gegen Andersdenkende. Ein schreck- licheS Beispiel sah ich noch im vorigen Jahre. Kam da zur Zeit einer Hungersnot ein alter Neger mit seiner ganzen Familie an die Thorr einer Missionsslation und bat um Nahrung für sich und die Seinigen. Als ihm aber die Bedingung gestellt wurde, daß er für die Mission arbeiten und zwei seiner Kinder der Mission zur Erziehung übergeben sollte, lehnte er ab und— erhielt nichts. A m folgen- den Tage fand man den Alten auf der Straße verhungert!" Es ist nicht daran zu zweifeln, daß auch hier jedes Wort auf Wahrheit beruht. Die Missionare haben in letzter Zeit durch ihre verhältnismäßig gerechte Kritik gegenüber dem Herero-Aufstande in der öffentlühe» Achtung stark gewonnen, das vorstehend erzählte Beispiel lehrt aber wieder, in wie notwendig engen Grenzen diese Achtung bleiben muß. Eiu prügelnder Stabshoboist. Seit längerer Zeit schwirrten in Gotha über das Thun und Treiben des Kapellmeisters Schreiber vom Jnfanterie-Regiment Nr. 95 in Gotha die verschiedensten Gerüchte in der Luft herum. Daß die Behandlung, die er seinen Untergebenen zu Teil werden ließ, sehr viel zu wünschen übrig ließ, wußte man allgemein, daß dieser Kapellmeister aber seineUntergebenen auch prügelte, ivutzten nur die Geprügelten selbst und die im Corps befindlichen Chargierten, die aber ans Furcht vor der Konsequenz sehr ver- s ch lv i e g e n wäre n. Mit einer gewissen Genngthuung nahm man denn auch Kenntnis davon, daß das Kriegsgericht sich mit dem prügelirden Kapelim ei st er beschäftigte mrd seine B e st r a f u n g und die Aufdeckung aller seiner Schau dthaten nahe bevorstand. Einigcmale sollte schon der Tag der Verhandlungen festgesetzt sein, aber immer iviedcr hieß es, der Termin sei vertagt, weil die V o r u n t e r- s n ch u n g noch nicht abgeschlossen sei. Jetzt endlich, nach- dem man diese Verhairdlung in aller Ruhe vor- bereitet hatte, fand am Sonnabend, so muß man wenigstens annehmen, vor dein K r i c g s g e r i ch t der 38. Division in Erfurt die Verhandlung statt. Die Vertreter der Presse waren nicht vertreten, weil die zuständigen Organe von dem Termine nichts zu wisse» vorgaben. Alles Befragen war vergeblich. Bestimmte Gerichtstage giebt es nicht, und nur durch einen Zufall erfahren die Prcßvertrcter überhaupt nur das Statt- finden voil Terminen. So viel ist bis jetzt aber bekannt, daß skandalöse Fälle zum Vorschein gekommen sind, die das Licht der Oeffentlichkeit nicht vertragen konnten. Nur durch ein abgehorchtes oder abgelauschtes Telegramm erfuhr man, daß dieser„Held" seine Strafe erhalten hatte. Wegen 22 Fällen von Mißhandlung wurde dieser rücksichtslose Mensch zu 4 Monate» Festung verurteilt. Von einer Degradation lvurde Abstand genommen. Unsres Erachtens haben die Kriegs- gcrichte das Bestreben, die Presse in derartige» Fällen möglichst fernzuhalten. Dasselbe Verfahren, wie es in diesem Falle geübt wurde, beliebte man, als eS sich um einen Lieutenant aus Effenach handelte. Unsre Vertreter im Reichstage iverdcn dafür sorgen müssen, daß daS öffentliche Verfahren, wie es das Gesetz bestimmt, auch geübt wird, und daß Bestimmungen über die Abhaltung der Termine getroffen werden, lvie sie beim ordentlichen Gerichtsversahren geübt iverdcn. Das Bertuschungssystem muß beseitigt werden, wenn die Eiterbeulen am Körper des Militarismus beseitigt werden sollen. Das Volk hat ein Recht, auch zu erfahren, wie seine Söhne von Offizieren und Leuten k la Schreiber behandelt werden. �___ Ei» Wnhlprozeß spielte sich am 3. Mai vor dem Offenbacher Schöffengericht ab. Der nationalliberale Stadtverordnete Th. Böhm fühlte sich beleidigt durch einige Artikel, die der Vorsitzende des Offenbacher Kreiswahlvereins Orb im„Offenbacher Abendblatt" mit seiner Namensunterschrift veröffentlicht hatte. Es wurde in diesen Artikeln dem Böhm vorgeworsen, er habe Geld zum Stimmen- kauf bei der letzten ReichstagSwahl hergegeben. Die Beweisaufnahme ergab, daß der ultramontane Stadtrechner Ucbel in Dieburg, der bei der Hauptwahl ausgefallene Ccntrumskandidat, Maurermeister in Dieburg und einen Maurerpolier in Karlsruhe vor der Stich» Wahl ersuchte, ihre c e n t r u m s s i ch e r e n Arbeiter zur Wahl zu schicken, der entgehende Arbeitslohn und das Fahrgeld sollten ersetzt werden. Jedoch sollten sie unter leinen Ilmständen den Ein- druck erwecken, als sollte ein Einfluß auf sie ausgeübt werden. Thatsächlich ist den betreffenden Arbeitern nach der Wahl eine Gcldcntschädigniig gezahlt worden. Ebenso wurde erwiesen, daß am Stichwahltage getrunkenes Freibier später bezahlt worden ist. Ar- bcitcr, die nicht bereit waren, die Geldcntschädigung anzunehmen. wurden dazu schließlich doch bestimmt, nachdem man ihnen gesagt hatte, sie könnten das Geld ja für einen„guten Zweck", z. B. zum K a p e l l e n b a u/, bis»'/j Uhr abends statt. Gcöisiiet! 7 Nbr. R. H. 50. Die Kontrollveriammlungszeit ist zu zahlen, falls nicht'eine entgegenstehende ausdrückliche Vereinbarung getroffen ist.§ 616 B. G.-B., der dies vorschreibt, bezieht sich aus alle Lohnartcn, auch aus Accordlohit. 2. Uns ist nicht erinnerlich, was Sie meinen. Die zuverlässigste Auskunst erhalten Sie im Sekretariat des Verbandes der im Gcmcindcbctricbe be- schästigten Arbeiter, Bülowstraße 21.— R. SS. 1875. 1. Falls keine Psändung crsolgt ist: nein. 2. Nein, es müßte erst gellagt werden. Friedrichsberg, E. R. 1. Es kann vor der Entbindung aus Hinter- legung der Entbindungskosten und eines Quartals Alimente geklagt werden. Ein Beispiel sür solchen Antrag finden Sic Seite 210 Nr. 10 des dem „Arbeiterrecht" beigcsügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus. Ueberdies gebührt, soweit Ihre Sachdarstcllung erkennen läßt, der verlassenen Braut eine Entschädigungsgebühr(Seite 220 Nr. 11 des Führers). Swajbarkeit liegt, soweit ersichtlich, nicht vor. 2. Das Gesuch um Bewilligung des Armcnrcchls ist bei dem Prozeßgericht zu stellen. — W. S. 8. 1. Ja. 2. Zunächst klagen Sie bei der Aussichtsbehörde (Landrat), gegen deren Entscheid eventuell beim Amtsgericht.— A. N. 20. 1. Ihr Eigentum hastet nicht sür die Schulden Ihres Mannes. 2. Ja, unter Darlegung des Sachverhalts. 3. Die notwendigen Bettstellen und Betten sind unpsändbar.— O. B. 11. 1. Ja. 2. Nein. 3. Mit einer Klage Ivürden Sie bei dem eigentümlichen Sachverhalt kaum durch« dringen. Die Verjährungszeit beträgt vier Jahre. 4. Falls Sie nicht eine Versügung des Vormundschaftsgerichts erwirken, müssen Sie das Kind herausgeben.— W. S. Warschauerftraste. Sie müssen bezahlen. — M. M. 49. 1. Ja. 2, Es wird nicht der volle Bewag gepfändet.— — Schsch. S. 4. Sie hasten nicht für die vorehelichen Schulden Ihrer Frau.— A. K. 42. Es muß voller Schadensersatz geleistet, also die Scheibe, wie sie war, indes nur eine einfache, ersetzt werden.— P. K. An sich � hat der Arbeitgeber sür die durch Wahrnehmung einer Konwoll-Ver« sammlung versäumte Zeit Lohn zu zahlen, soweit Ihre Darlegung ersehen läßt, ist aber in Ihrem VerWage diese Ersatzpflicht ausdrücklich ausgeschlossen. Ein solcher Ausschluß ist zulässig.— R. 21904. Swasbarkeit wegen cwcS im Auslände erschienenen Artikels liegt vor, wenn die Voraussetzungen der 4 bis 6 Swasgesetzbuchs zuwcffcn oder wenn das Gericht annimmt, mit Absendung des Manuskripts sei die Strasthat bereits vollendet. Die Möglich- keit solcher Annahme liegt im Gegensatz zu der in Theorie und Recht- sprkchung früher herrschenden Ansicht nach Urteilen des Reichsgerichts vor. — H. 2. Festgesetzte Kosten verjähren in 30, nicht festgesetzte Kosten des Gegners in vier Jahren.— D. R. 1000. Nein. — Alte Abonnentin. Das Guthaben steht Ihnen zu. Jedoch ist es praktischer und ratsam, eS allein aus Ihren Namen(nicht auch aus den des Vaters) umschreiben zu lassen. Hierzu wäre die Genehmigung des Vaters oder volle Abhebung und neue Einwägung erforderlich.— B. H. 30. Hunde, welche in Berlin zur Bewachung von Gebäuden, Geschäften und Plätzen, Ladcnräumen und Warenvorräten notwendig sind, sind unter der Voraussetzung steuerfrei, daß sie bei Tage an der Kette liegen oder in einem Hundezwinger gehalten werden. Wer die Steuerfreiheit beansprucht, hat dieselbe aber bei der Steuerbehörde innerhalb acht Tagen nach der An- schaffung schriftlich nachzusuchen. HAf WWttM ■Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: SO., Engel-User 15. Fernsprecher: Amt IV. 3358. Freitag, den 6. Mai. abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause. Engel-User 15(großer Saal): Allgemeine lilempner-llersammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht vom Einigungsamt bewcffend Fahrzcit-Entschädlgung. 2. Er- satzwahl des Branchenvertreters und der Agitationskommission. 3. Vcr« bandsangclegenheitcn. Kollegen! Da eS in dieser Versammlung ficher zu wichtigen Beschlüssen, unfern Tarif bewcffend, kommt, ist die Anwesenheit jedes Kollegen notwendig. Am 6. Mai sind die Verhandlungen vor dem Einigungsamt und werden wir an dem Abend uns darüber zu entscheiden haben, ob«vir den Spruch des Einigungsamtes annehmen oder nicht. Am Sonntag, den 5. und 12. Juni, vormittags 9 Uhr, findet je eine Sondervorstellung in der TIrania statt. Zur Darstellung gelangt: „Die Insel Rügen«. Billets a 60 Ps. inkl. Garderobe sind bei den BczirkStassierenl und im Bureau erhältlich. 115/2 _ Die Ortsverwaitnng. Centrai-Krankenkasse der Maurer Brnndsteln znr Einigkeit etc. Sonntag, den 8. Mai. vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-User 15(Saal 5): Mtglieckev» Vevtammlung. Tages-Ordnung: 1. Kassen- und Revisionsbericht. 2. Verschiedenes. 149/2 Zahlreichen Besuch erwartet Die örtliche Verwaltung. o O Q BlMseolhemdeo Soiiakii soweit der Vorrat reicht: ©mnieinsclliilrme Blusenhemd™sJter1i mit Fal(en 2. 1 0 Blusenhemd 3. 1 5 m*. Blusenhemd 4. 1 0 m*. Blusenhemd mii>te„emus,crt 4.25 Mk. Blusenhemd ,ckcrei'3.75 Mk. Blusenhemd gepasr,'"t 5.50 Mk. Blmseinheimdl k weiss Mull, Vorderteil reich gestickt, m.Falten o J& Bluseohemd© weiss Leinen, mit imit. kroatisch. Stickerei // O Waschschlrm weiss/sehwara gestnift 1,15 Mk. Creponschirm rÄ?" farbig'n 2.90 Mk. Entoutcas reinseiden, mit Futteral 3.90 Mk. Halbseid. Schirm Än.vouni?sate u"4.60 Mk. Chineschirm �swue.®83'1'1"' 4.90«k. Schwarz.Schirm SSdbÄnÄsau7.25«k. Damemst r iß m pfe chuhwareini passend für ca. J-2 2-3 3-i_ i-s_ 6�7 7�8 8-10 10-12 12-15 Jahre 22 25 28 32 35 40 45 50 55 60 pr. ÄUtScw' 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 pr. Damen- Schnür- u. Knopfstiefel braun Chaerinledet 6 50, Box�Calf 10 Kk. Schnür- u. Knopfstiefel"ackdesaw 1 0.80 Mk. Schnür-, Knopf- u. Spangenschuhe traun chagrimed« 3.60 Schnürschuhe|£Sluch 2.25, �ämch 3.40, 4.10, sämi8eh.i,edet5.20 Graue Schnürstiefel segeitucu 4.50, 5.20 mh.» 7.45 Herren- Schnür- u. Zugstiefel wüdrossieaer 10»».. soxcair 1 1.75»». Schnür- u. Zugstiefel Chevreauleder 1 2 Mk., Wichskalbleder 1 2.50»». chagrimedet Schnürschuhe 5.65«k., Schnürstiefel 7.25»». Segeltuch-Schnürschuhe braun 2.95 Mk., grau 4.50»». Kinder- Nr. 18-22 21—24 25—26 27—30 31—35 Schnür- u. Knopfstiefel ch#a°nnieder 1.70 3.1 5 3.75 4.50 5.30 Schnür- u. Knopfstiefel Bcoh*caS— 3.40 4.10 5.40 6.30 Graue Schnürstiefel segeimch 3.85, 4.50»». Schnürschuhe s�efmch 1.80, 2 ßAuu-h 2.70, 3.25»». Baumwoll. Strümpfe 25 pr. Baumwoll. Strümpfe S��hiÄ�M� 35, 45, 65 w. Baumwoll. Strümpfe sehwa,z 60 pr. Ein Posten Eflgl. WOllOneP Ltpümpfo 70 Pf. Korsettschoner mit Band 22 u. 38 Pf. Ein Posten HePPenSOCken farbig gemustert 50 Pf. Engl. Merinosocken Fuss ohne Naht 38 Ff. Kinderst r 0 m pf e Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Ptidlitum gegenüber keinerlei Verantwortung. ammmsK-smmwmsuBa Theater» Donnerstag, den 5. Mai. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. DerBnrkncrvon Sevilla, Neues Operntheater. Im stillen Gänchen, sOu�Iitv-Ltroots, Deutsches. DcrPsarrer vonKirchseld. Berliner. Maria Theresia, Lcssing. Zapsenstreich. ÜÄesten. ripasunc, Zentral. Der Sonnenvogel, Belle-Alliance. Der Hochtourist. Neues. Pelleas und Mclisande, Ansang 8 Uhr: Kleines. Märtyrer, Elcktra, Residenz. Die AX1 Tage. Schiller O.(Wallner- Theater) Haus Nosenhagcn, Schiller Äi.(Friedrich-Wilhclmstädt.) Da» grobe Hemd. Sriano». DaZ eiste Gebot. Hieraus: Der Dieb. «arl Weis,. Der Totschläger. Deutsch.Slnicrilanisches. Uebcr'n großen Teich, Metropol. Ein tolles Jahr. Easino. Zärtliche Verwandte, Speeialitätcn, Winter-Gartc». Speeialitätcn, Apollo. Liebesgötter, Specialitäten. Rcichshalle«. Stettiner Säuger. Passage-Theater. Specialitäten. Urania. Tanbenstrassc 4fili9. Um 8 Uhr: Die Insel Rügen, Jnvalidenstrahe S7<«£. Sternwarte, Täglich geösstlct von 7 bis 11 Uhr, Neues Tiieater. Schissbauerdamm la— 5. Pelleas und Melisande. Ansang VI, Uhr. Morgen: Minna von Barnhelm. Scliillei,-Tlaeatei% Central-Theaftet. Heule VI, Uhr: Der Sonnenvogel. Operette in L Akte» v, B. Holländer, Vb'ai»«, a, G, Morgen und solgendc Tage: ver di«i>nei>v«»:i?l. Sonntagnachmiitng 3 Uhr: Trilby. McndS V/, Uhr: Der Sonnenvogel. RkjlÄenz-Thklitkr Heute und solgende Tage: Abends 8 Uhr: vis ZW luxe. Hj enkont du miraclo.) Schwank in 3 Slktcn von Paul Gerault und R, Charvey. Deutsch von Aljrcd Halm, Selie-älZiavee-Itiesler. Bellc-Alliancestr. 7/8. Am, 7'/, Uhr. Jean Kren und Alfred Schönfold. Heute Donnerstag: Letzte Vorstellung, Der Hochtourist. Freitag der Generalprobe wegen: CrC«cIlI«»Hvn. Sonnabend zum erstenmal: Kamerad Lehmann. Sonntagnachm, 3'/, Uhr: Cbarleye Tante. Apollo-Theater. _ Abends 7 Uhr: SMF" darten-Konxert.-7WE Abends 8 Uhr; Da« neue Hai- Speclalitäten- Programm. 8*1, Uhr: I�tebesgötter. 2. Bild; Pann S.lobesnacht. Grosses Ballett. Im dritten Bild: Der Dotterzug und die Sensation«- Apotheose: „Im Tempel der Glückseligkeit". Metropol-Theater Der grüsste Erlolg dieses Jahres: il Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang; 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Eiektpa. Vorher: Märtyrer. VM- Ansang 8 Uhr."WiZ Morgen: Des Pastors Rieke._ Scbillcr- Theater O. (Wallner-Theatcr). Donnerstagabend 8 Uhr: Man« Nosenhagen. Freitagabend 8 Uhr: Pin Dnell. Hieraus: Ein Sonueustrnhl. Sonnabendabend 8 Uhr: Der Oeizlge. Hieraus: Der eingeh. Kranke Schiller-Theater BT. (gricdrich-Wilhelmitädtijchcs Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Das grobe Hemd. Freitagabend 8 Uhr: Das grobe Hemd. Sonnabendabend 8 U h r: __ Das grobe Hemd. Sonntagnachmittag 3 U h r: Die Ehre. KeisVolksdükns Sonntag, den 8. Mai, nachmittags 2'/, Uhr: Metropol-Theater I Eessiag-Thcater 13,/ 14, Abteilung:( 16. Abteilung: Frau Warrens Gewerbe. Zapfenstreich. Donnerstag, den IS. Mal(Himmelfshrtstag): 1. Abteilung im Eessing-Thcatcr: Die Schmetterlingsschlacht Komödie in 4 Akten von Hermann Sudermann. 13./16. Abteilung im Mctropol-Thcatcr: Frau Warrens Gewerbe. 228/19 Der Vorstand. I.A.: G. Winkler. Brauerei frisdrlehshak sricher Lipps(Ccfouom: E. Micmatin», am Königslhor. Grösstcr Kontiert Saal und Garten Berlins. Heute sowie folgende Tage aus kurze Zeit: von Kömgstadt-Kasino Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstrasje, Täglich: tirosse Specislltiteo- Vorstellung. Nltpas Zahnschmerzeu Schwant mit Gesang, Nach der Vorstellung: Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Tann. Ansang der Vorstellung: Wochen tag« 8 Uhr, Sonntags 6'/. Uhr, Bei günstiger Witterung finden die Vorstellungen im Garten, bei un» günstiger im Saale statt. Ioksnu iirauss aasWkii! Dirigent der f. und k. ösitreichisehen.Hofballmusik mit seinev. gesamte» Kapelle. 50902- Ansang 8 Uhr. Entree SÖ Pf. Reservierter Platz l Mark. Urania. Tauhon str. 48/49. 8 Uhr; Die Insel iliigen- Sternwarte äÄ CASTANS ANOPTICUM: ■*r-• w...O.■: � � Friedriohstr. 105. Die zusammengewachsenen Schwestern. Der Weltftfiede. ? Das delphische Orakel?? Direktion: Robert Di!!. Itrnnne n strasac IG. Heute;«leschlosien. Sonnabend, den 7, Mai: Letzte Wochentags-Vor- stelluug vor Pfingsten: Minna von Barnhoim. Ehren- und Vor�ugs- karten haben z. letztenmal Gültigkeit. GasZn«-IfheÄter. Lothringerflr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/,. Heute Beuesiz Ed. Wendt. 91/. zum letztenmal: Zärtliche Verwandte. morgen: BerlMCr Sonntag und Himmelfahrtstag 4 Uhr: Zärtliche Verwandte. Gebrüder Herrnfeid- 7. Mai. Ttiririrr. 7, Mai. Die Togernseev führen in ihrer groben Novität „Der Dort'pfimper", Bauemkomödie in4?lkt,v.MaxSchmidt, ihre ernten KrHfte ins Treffen, Premiere: Sonnabend. Oeutseh-ADierikaniselies Theater, Köpnickerstr, 67, Stat, Jamiowitzbrücke, Leben Abend 8 Uhr: „M» MI Ende 10 Uhr 30 Min, friilllon-Idester. Georgenstraffe, zwischen Friedrich- und UniversitätSstratze, AM- Abends 8 Uhr: Das elfte Gebot. Hieraus: Det' DtcO. Carl Weiss-Theater. Bürgerliches Schauspielhaus. Große Frau ksurterftr, 132. Der Totschläger. Pariser VolkSstück in 5 Alten von Emile Zola, gM- Anfangs Uhr.-Mß Morgen: Vollsvorstellmig zuhalvcn Preisen, z. letztenmal: �Zwoi Frauen. Sonnabend: Faust. Sonntag: Oer Totschläger. Passage-Theater. Anfang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Das glänzende Mäi-Program; Paul Goradini Tanz-Komiker. John Siems MUnzen- und Karten-Manipulator. 14 erstklassige Nummern. FrSbels Illerlei-Tlieater sr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Sonnlag, den 8. Mai: Erstes grosses Garten-Konzert. Theater- und Specialitäten. Im Saal: Grosser Extra-Tanz. Ansang 5 Uhr, Eintritt 30 Ps. Bei ungünstigem Wetter Konzert und Voritcllimg im Saal. MlÜ-Healer Vesdil Alt-Moabit 47/49. Heute Donnerstag, den 5. Mai: Berntiarii Rose-Tlicater-Easeinlile. Xoslt Sit! Xovltüt! Sie oberen Zeimtansend. Sensationelles Volksstück in 3 Aklen von tz. Müller,_ fflÄT* Ansang 8 Uhr, Nach der Vorstellung: CTrosser Ball. Sonntag, den 8, Mai: Die Mühle im Edelgriind. Toilajaia-SÄSe- De Vry's Phantasmagorien. Hansi Reichsberg 0J�£Z: Soenrs Sinne kJEn«. Gebrüder Schwarz Paxodisten. Kiners Moulin Äquilibrist. Leons. De ÄTohry Pariser Sängerin. Dia Glumonkönigin Tanzdivertissem. Die Wotperts Akrobaten. Robinson Baker-Trio Springer. Paul Conchas �Ä0" Biograph. Pas de doux Sgra. Cavini u. Sgr. Cerutti. lleielislialleii StettinerSänger Zum Schluß: N c u 1 Cirkub Lenz und Cirkits Pusch. Löttowstr. i\\/\\2. T ft g 1 1 c h Im Karten oder 8unl: Mdeitt Hiorislei r. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Bons haben Gültigkeit. W ift nspt ABIe Waaizen werden nebst Brut durch mein Mittel vollständig vertilgt.— Fl. 50 Ps. u, 1,00.— Ebenso Schwaben. Russen, Franzosen, Blattiäuic:c. Schti, 30 Ps,, «0 Ps, u, I.Ol), SM>6L* —■ Zahlreiche Anerkennungen—" 1009 Mark BeloliDUiig zahle demjenigen, der mir einen Nicht- erfolg nachweist. Nur allein echt bei Hugo Barth, Drogerie, jetzt Bimmen- straße 14, früher Nr, 18. Dr. Simmel. Nstl Spccialarzt jür sl/3» Hant- und Harnleiden. 10—2.5—7, Sonntags 10—12 2—1. Branemdermama Aktien-Gesellschaft Frankfnrtcr Allee 58. Tnfelbler(goldg) 18ca. 4/,0 Urll do. 15 ca.'I,„ Versand(dunkel) 15 ca.„ PlluenerfhellgeiyiSca.'im ,, Ki. dopp. Weissen. 20 Fl. Kl. OO„. 15.. Malzbier, pasteurisiert, alkohof Goluser Korn i. Gobindcnu. Flaschen empfiehlt ösiliricli Xulul Kornbranntwein- Brennerei ZM' Gegründet 1863, SSF"* Am sonntag, den 1. Mai, nach- 1 mittags 2 Ubr, entschlics nach\ einem schmerzenreichen Kranken-\ lagcr meine inniggcliebte Frau und unsre gute Mutter Olga krevi g-s � im Alter von 27 Jahren. Um stilles Beileid bitten Fritz Krenz nebst Kindern. Blumenstr. 32. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. Mai, mittags 1 Uhr, von der Leichenhalle des Ccntralsriedhoss in Friedrichsseldc aus statt. 1075b Danksagung. Für all- unserm lieben Entschlafenen erwiesenen Ehrungen und uns bc- zeugte Teilnahme sagen wir den tief- gesühltestcn Dank. 1032b Rixdors, den 4. Mai 1904. teli KOPPS nebst Kindern. Für die vielen Beweise der Teil- nähme nnd den zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines Mannes, dcS Schandvirts Hermann Zimmermann, sage allen Freunden und Bekannten, sowie dem social- demokratischen Wahlverein meinen besten Dank. Witwe Zimiueriuanu 10726 nebst Kindern. Dr. Schünematm Specialarzt für Haut-, Harn- und Ztzraueiileidcn, Gezulelstr. 9. Wochentags-/,4L-',-S. umsonst erhält jeder eine Yergrösserung seines eigenen Bildes in Bromsilber, Grösse 30 X 36, mit eleganter Aufnahme, der sich in der Zeit vom 5. Mai bis 20. Mai d. J. eine Aufnahme in meinen Ateliers bestellt. {Sanssouci. Koitbnier Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Moniag und Donnerstag: hokhnanns Norddeutsche Säuger. Nach jeder Soiree: Tanz, 12 Uisites 1.80, 12 KabliKt$4.80. Photographisehes Atelier J. Fuchs, Berlin; Fl*lfiflriChstrflSS6 108, gegenüber der Karlstrasse. „ Königstrasse 529 gegenüber dem Rathaus. Charlollenburg: Wilmersdorferstrasse 57. Neu eröffnet. ♦ Neu eröffnet. Berlin, Friedriehstr. 118, an der Weidendamnier Brücke. Fahrstuhlbenutzung. (Seltene Gelegenheit!"WA S ftänwuttsjs-Verhaitf Nur kurze Zeit! der aus der 146/2* Xowkursmasse HhaM. SO I. levy, Goidschmidl& Co. WMM. SO Avant! I. Etage stammenden nnd andrer Waren. l- Etage Avant! Ein Posten Herren-Anzüge in Jackett-Fassons soll nnnmehr ab- gegeben werden sür den billigen Preis........... M. 6 an u. h. Ein großer Posten, bestehend in Herren-Hosr», jetzt herabgesetzt. von M. G/z an u. h. Eine große Partie, beftrhend in Frühjahrs-Ueberziehern, jetzt herab- gesetzte Preise...............• b»u Vi. 6 an u, h. Ein Caveling, bestehend in Herreu-Rock-Anzügen, z« dem zetzt herabgesetzten billigen Preis........... von M. 13 an u. h. Ein Posten Herren-Joppen nnd Jacketts aller Sorten zum herab- gesetzten Preis.............. jetzt von M. 1 an u. h. Eine große Partie Jünglings- und Burschen-Anzüge zu dem bedeutend � herabgesetzte» Preis.............. von M. 4 an n. h. Ein Posten Knaben-Auzüge zu den noch nie dagewesenen Preisen. von M. 1'/, an u. h. - � Fi...< w.: I• Kr. 105. 21. Jahrgang. 2. Keilize des JonM" Intet loMttt. Donnerstag, 5. Mai 1901 Die Altenburger Wahl und die Parteipresse. Der Verlust des Altenburger Mandats wird in der Parteipresse erklärlicherweise lebhaft besprochen, wen» auch die Besprechung nicht so erregt ist, wie bei der Zschopauer Wahl. Ein großer Teil der Parteipresse begnügt fich mit der Registrierung der äußeren Um- stände, die den Rückgang unsrer Stimmen mit verursacht habein Doch sind auch Stimmen genug zu verzeichnen, die auf innere Ursachen hinweisen. Wir stellen einige charakteristische Auslassungen zur Orientierung der Leser hier Mammen. Aus der„Altenburger Volkszeitung" citieren wir, weil sie als nächstbeteiligres Blatt zu hören ist. diese Auslassung:_ „Für uns besteht kein Anlaß, den Kopf hängen zu lassen. Im Gegenteil I In andren Wahlkreisen, die seit den, 16..Juni 1V03 eine Nachwahl vorzunehmen hatten, war unser Stiiimreuverlust ein er- heblicher. Hier aber, wo ein Jahr seit der Aufstellung der an- gewandten Wählerlisten verstrichen ist, haben wir unsre Stimmen- zahl so ziemlich behauptet. Unsre Einbuße besteht lediglich in den verstorbenen und äußer Landes verzogenen Wählern. Von Mit- läufern kann bei uns tvohl kaum die Rede sein, von einer Unter- stützung seitens der Liberalen erst recht nicht, so daß wir unsre Stimmen, vielleicht zwei oder drei Dutzend abgerechnet, als Partei stimmen ansehen dürfen. Das bietet aber auch die Gewißheil, daß die Gegner nie wieder siegen werden, sobald eine neue Wahl unter neuen Wählerlisten vorzunehmen ist. Und bei der trostlosen Lage im Reiche kann dieser Fall schon recht bald eintreten. Kein Augen- blick darf nun aber gesäumt werden, schon jetzt muß die AuftlärungS- arbeit wieder mit vollem Eifer fortgesetzt werden. Man kann uns momentan einen kleinen Stoß versetzen, aber man kann uns in unsrem Weiterschreiten nicht aufhalten." D,e„Leipziger V o l k s, e i t un g" beschränkt sich auch auf Erwähnung der äußeren Umstände und sagt dann über den Ausfall: „Die Stellung der Socialdemokratie zum Parlamentarismus ist bekanntlich eine ganz andre wie die der bürgerlichen Parteien. Wir beteiligen uns an den Wahlen, weil sie uns eine sonst nie gebotene Gelegenheit zur Agitation geben, und zwar zu einer Agitation, die in die entlegensten Winkel des Reiches dringt. Fällt uns bei dieser Agitation das Mandat zu, so betrachten wir das als einen ebenso angenehmen wie nützlichen Erfolg, den wir in, Interesse der Arbeiter- klasie weiter auszunutzen suchen. Aber das Mandat ist uns nicht Selbstzweck. Für uns haben die Wahlen, wie Friedrich Engels ein- mal ausführt, deshalb Wert, weil wir uns bei ihnen zählen können, weil sie das beste Mittel sind, unsre Stärke mit der unsrer Gegner zu vergleichen. Den ParlamentansmuS als Selbstzweck hat die Socialdemokratie niemals anerkannt. Und in diesem Sinne enthält der Aussall der Altenburger Wahl nichts, was uns entmutigen konnte." In der„Chemnitzer V o l k s st i in m e" schreibt Genosse dl.: „Der Rückgang an Stimmen bei den ersten Nachwahlen wurde mit Gleichmut aufgenommen. Sie fielen nicht ins Gewicht gegen- über dem Riesenerfolge vom 16. Juni 1903. Der Verlust von Zschopau-Marienberg rief aber lebhafte Beunruhigung, ja sogar Ver- blüffung hervor. Daß bei den bekannten unliebsamen Vorkomm- tlissen Stimmen verloren gingen, konnte nicht auffallen. Aber daß es den Gegnern gelang, eine bedeutende Anzahl von�Stimmcn hinzu- zugewinuen, mußte zu denken geben. . Statt den Dingen auf den Grund zu gehen, glaubten damals einige Partciblätter, darunter solche, in deren Bezirken kurz vorher und nachher ebenfalls eine bedeutende Auzahl socialdemokratischer Stimnien iveniger als bei der Hauptwahl abgegeben worden waren, auf die«Volksstimme" lospaukcn zu dürfen. Die Tadler glauben doch sicherlich. nichts bei der Wahlarbeit vernachlässigt zu haben. Daß sie den Rückgang nicht verhindern konnten, mußte ihnen lehren. daß mit andern Ursache» zu rechnen ist als damit, ob ein paar Zeitungsartikel mehr oder weniger geschrieben werden. In Altenburg ist bei der nun ebenfalls für uns erfolglosen Nach- wähl nichts an Arbeit versäumt worden. Die Agitation ist in der nachdrücklichsten Weise betrieben worden. Eine ganze Anzahl der bekanntesten und tüchtigsten Redner sind im Krerse thätig gewesen. im Gegensatz zum 20. sächsischen Kreise, wo eS an tüchtigen Rednern gemangelt hat. � Erst zur Stichwahl versuchte man das Versäumte nachzuholen. Bei der kurzen verfügbaren Zeit konnte der Verlust des Mandats leider nicht mehr verhütet werdeil. Es ist ziemlich müßig, Betrachtungen darüber anzustellen, was geschehen wäre, ivenn man dies oder jenes gethan hätte. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß der 20. Kreis bei der Nachwahl im ersten Wahlgange behauptet worden wäre, wenn so viele Redner thätig gewesen wären, wie jetzt in Altenburg. Auch die„Menburger Volkszeitung" hat nicht verhindern können, daß die Gegner uns oas Mandat abnahmen. Wir find die letzten, deshalb auch nur ein einziges Wort des Tadels auszusprechen. Es ist mit erstaunlichem Eifer von der Redaktion gearbeitet worden. Und der politische Inhalt deS Blattes wird ja von der radikalsten Quelle bezogen. Unsre Altenburger Parteigenossen haben keine Veranlaffung. sich de? Wahlausfalles zu schämen. Ihre Position war ungünstiger als die der Gegner, weil noch auf Grund der alten Listen gewählt wurde. Besser waren unsre Altenburger Wähler allerdings daran, als die Genossen in Zschopau-Marienberg, weil sie keinen Kandidatenstreit hatten, sofort nach Annullierung der Wahl Buch- walds an die Arbeit gehen konnten und weil ferner— und das ist von wesentlicher Bedeutung � solche Wähler nicht von der Urne zurückgewiesen wurden, die seit der Hautwahl im vorigen Jahre aus dem damaligen Wahlbezirk verzogen sind. Hält man das alle? zu- sannnen, braucht sich Zschopau-Marienberg hinter Altcnburg nicht zu verstecken. In beiden Kreisen haben die Gegner Stimmen gewonnen. Um ; mcialdemokratischen Verluste zu erklären, ist gesagt worden, die rm Sommer 1903 ungewöhnlich große Erregung der Wähler sei �« Wir wollen das gelten lassen. Die Gegner haben aber Ä™!,-li Stinunung bei ihren Wählern nicht zu klagen. Mit den �„iJI c«I niederträchtige und gemeine Agitation der Gegner ,st ebenfalls nichts gethan. Unsre Gegner sind nie säuberlich mit uns verfahren und schließlich bleiben wir ihnen doch die Antworten auf'hre Anwürfe nicht schuldig. Wir uaben uns eben wieder einmal getäuscht, als wir meinten. die Gegner hatten bei der Hauptwahl 1903 alle Wähler an die Urne gebracht. Es sind, wie die Nachwahlen beweisen, doch noch bürgerliche Reserven vorhanden. Der Ausfall der Wahl von 1903 hat die Gegner ,m ersten Augenblick aufs äußerste verblüfft und er- schreckt. Sie denken aber nicht daran, die Flinte ins Korn zu werfen. sondern raffen sich zu neuen, stärkeren Angriffen auf die Social- demokratie auf. und wie man sieht, nicht erfolglos. Die für die günstigen Resultate in Zschopau-Marienberg und Ottenburg werden sie zu noch größeren Anstrengungen bei den folgenden Nachwahlen anspornen. Das kann uns nicht im ge- rmgsten beminihigen. Freilich haben wir in sehr vielen Kreisen mehr zu arbeiten wie bisher, wenn wir uns vor Ueberraschuiigen sichern wollen. - ��.„ullem muß dafür Sorge getragen werden, daß die proletarischen Volksmasscn dem Emfluffe der bürgerlichen Zeitungen entzogen werden. Mögen die Angriffe der Gegner auf unsre Partei noch so thöricht sein, sie müssen Wirkung ausüben, wenn die Wähler sie jeden Tag lesen und die socialdemokratischen Antworten nicht kennen lernen. Ferner ist ganz mit Recht schon nach dem Verluste von Zschopau-Marienberg auf die Mangelhaftigkeit unsrer Organisation hingewiesen worden. Selbst in den besten Kreisen ist dieselbe un- genügend. i Wie schnell lvir vor Neuwahlen stehen werden, läßt sich nicht absehen. Die Neichstagsauflösung kann im nächsten Jahre schon erfolgen. Lassen wir uns nicht überraschen. Wir schätzen den Gewinn eines jeden Mandates zwar hoch ein und beklagen die erlittenen Verluste lief. Es ist uns aber nicht zu teuer bezahlt, wenn die Niederlagen zur Folge haben, daß jede Spur von Sorglosigkeit und Nachlässigkeit, durch unangebrachte Sieges- gewitzheit hervorgerufen, verschwindet und die Parteigenossen zur größten Thatkraft und Arbeitsfrcudigkeit angespornt werden." Das„V o l k s b l a t t für Halle" schreibt: „Die Werbekraft unsrer Partei hat sich bei der Altenburger Wahl nicht gezeigt. Wer ist daran schuld? Waren die gegnerischen Ein- flüsse zu mächtig, oder hat unsre Partei im letzten Jahre Episoden zu durchleben gehabt, die unser Ansehen und damit unsre Werbekraft der- minderten. Das letztere ist leider zu bejahen. Bis zu welchem Grade dieser Thatsache der Wahlausfall in Zschopau und in Altenburg zuzuschreiben ist, läßt sich ziffernmäßig nicht feststellen. Die eine Lehre müssen unsre Parteigenossen jedoch daraus ziehen, daß bei aller rückhalt- losen Offenheit, mit der wir Fragen der Taktik zu erörtern und per- sönliche Streitigkeiten zu schlichten suchen, wir in den Debatten die Formen einzuhalten haben, welche bei Differenzen unter Gleich- gesinnten und Gleichstrebenden als sechstverständlich zu gelten haben. Nicht daß in unsrer Partei differierende Meinungen taktischer oder principieller Natur bestanden, hat unser Ansehen geschmälert, sondern wie diese Differenzen zum Ausdruck gebracht worden sind, mußte uns schaden iind hat uns geschadet. In mehr als einem Falle Ivurde in den Polemiken in und nach Dresden mit Mitteln gearbeitet, als ob eS nicht gelte, einen Freund zu bekehren, sondern eine» Feind tödlich zu verwunden. Der Nachweis, daß die Art, wie die Parteidebatten im letzten Jahre geführt wurden, uns nach innen und außen ge- schadet hat, läßt siw nicht ziffernmäßig erbringen. Daß aber diese Schädigung beim Rückgang unsrer Stimmen mitgewirkt hat, wird niemand ernstlich bestreiten wollen. So mögen von allen unsren Parteigenossen die Wahlschlappen zum Anlaß einer gewissen Selbst- Zügelung genommen werden, die uns wahrlich nicht schaden kann. Das Frohlocken unsrer Gegner über ihren Wahlsieg soll uns wenig kümmern. Nur die Erwägung, daß wir selbst nicht ohne Schuld waren an der Niederlage, hat für uns Wert. Daß die Gegner ihrer vorübergehenden Erfolge nicht froh werden, dafür werden die nächsten allgemeinen Wahlen sorgen." In Rücksicht auf den Raum müssen wir hier die Citate vor- läufig abbrechen. Einige andre geben wir morgen. partei-I�acKncbten. In der„Chemnitzer Volksstimme" sNr. 101 vom 3. Mai) beginnt Schippe! mit der angekündigten Darlegung seiner handelspolitischen Ansichten unter der Ueberschrist:„Arbeiterklasse u n d Handelspolitik". In einer„persönlichen Vorbemerkung" be- zeichnet es Schippe! als beschämend, daß er jetzt mit einemmal ge- zwungen werde, von neuem einen Standpunkt darzulegen, den er vor sechs oder sieben Jahren viel häufiger und nachdrucklicher ver- treten habe wie heute. Jetzt sei er viel zurückhaltender gewesen, obwohl er sogar glaube, daß etwas weniger Reserve seinerseits „für die parlamentarische und politische Stellung der Partei und der Reichstagsfraktion dienlicher gewesen wäre— sobeim ersten Auf- treten der Obstruktionsempfehlungen und ihrer Begründung." „Die Verantwortlichkeit für etwaige unzeitgemäße Wirkungen" der Auseinandersetzung überläßt Schippe! zum Schluß der Vorbemer- kung den andern, die es„anders gewollt" haben. Im sachlichen Teil beschäftigt sich Schippe! dann in Anknüpfung an die handelspolitische Resolution des Londoner Kongresses von 1896 mit der Frage Schutzzoll oder Freihandel im allgememen. Wir kommen aus die Artikel noch zurück. Zur Nachahmung empfohlen! Der Landrat des Kreises Templin hatte, wie man dem„Hamburger Echo" schreibt, schon wiederholt versucht, die dem.Kriegerverein.in Kurtschlag angehörenden Maurer dem Centralverband der Mmirer Deutschlands abtrünnig zu machen. Auch mit dem Ausschluß aus dem Kriegerverein war gedroht worden. Als dann bei der letzten Reichstagswahl die socialdemokratischen Stimmen ganz„bedenklich" angewachsen waren, sollte nun endlich Ernst gemacht werden mit dem Ausschluß einiger besonders„an- rüchiger" Socialdemokraten. In der hierzu angesetzten Versammlung kamen unsre Genoffen aber dem Herrn Hauptmann zuvor. Einer von ihnen nahm das Wort für alle, und mit ihren Partei- karten in der Hand erklärter« alle dreizehn ihren Austritt mit der kurzen Motivierung, daß die Tendenz des Kriegervereins nicht vereinbar sei mit ihrer Gesinnung. Sie seien Socialdemokraten und wollten es auch bleiben.— Nun war der Vorsitzende des Krieger- Vereins ganz erschrocken und er bat die Maurer, sie sollten doch nicht alle ausscheiden, denn den Maurern würden die Arbeiter folgen und dmm blieben nur drei Bauern übrig.— Die Msiurer liehen sich aber mif nichts ein. Äsirz entschlossen kehrten sie den„Kriegern" den Rücken. Parteiprcffe. Im Druckereibetriebe der„Arbeiter-Zeitung" in Dortmund ist der achtstündige Arbeitstag eingeführt worden. Außer- dem werden 8 Tage Ferien unter Fortzahlung des Lohnes gewährt. „Die verschiedenen Formen des Wirtschaftslebens". Ein Vor- trag, gehalten vor Berliner Arbeitern von Eduard Bernstein. In gemeinverständlicher Weise giebt der Verfasser ein Gesamtbild der Wirtschaftsgeschichte der Menschheit. Er stellt dar: Die Wirtschaft der Urvölker.— Die Wirtschaft der Nomaden Völker.— Das Aufkommen der Stadt.— Die Wirtschaft der alten Kulturnatione»!—, der Feudalzeit—, des aufkommenden Kapitalis- mus—, des entwickelten Kapitalismus.— Die Keime der socialisti- scheu Wirtschaft.— Die Broschüre schildert, wie mit der raschen Entwicklung deS modernen Kapitalismus auch die Zahl der Arbeiter beständig wächst, die sich zu Gewerkschaften zusammenschließen, um ihre Jutercssen im modernen Wirtschaftsleben zu wahren. Der Vortrag ist daher geeignet, die Aufklärungs- und Organisationsbestrcbungcn unsrer Gewerkschaften wesentlich zu fördern und zu unterstützen. Der Preis ist 50 Pf. Zur Verbreitung in Gewerkschafts- und Partei- kreisen hat der Verlag eine Agitationsausgabe zu 20 Pf. hergestellt. Unsre Parteibuchhandlungen und Parteikolporteure liefern die Broschüre. poU-elUebeo» OcriditUcheo ukw. Das Wahlplakat. Der Parteigenosse Ohsik im Wahlkreise Dortmund hatte an einer straßenseits gelegenen Brandmauer in der Wahlzeit einen Zettel an- geheftet, der die Aufschrift trug:„Wählt nur Bömelburg!" Eine polizeiliche Erlaubnis hatte er nicht nachgesucht. Er hielt sich dazu nicht für verpflichtet, weil das Plakat Wahlzivecken diente und nach der amtlichen Bekanntgabe deS WahlterminS an- geklebt worden war. Er wurde jedoch in zweiter Instanz vom Landgericht Dortnmnd wegen Uebcrtretung der§§ 10 und 41 des preußischen PreßgeseyeS zu einer Geldstrafe ver- urteilt. Danach hätte er für das öffentliche Anschlagen des Plakats die Erlaubnis der Polizei nachsuchen müssen, und zwar auch in der Wahlzeit.— Der Straffenat des Kammergerichts verwarf die hier- gegen eingelegte Revision, indem er von folgenden Erwägungen ausging: Durch§ 80 Nummer 2 des Reichs• Preßgesetzes sei der 8 10 des preußischen Preßgesetzes soweit aufrecht er- halten worden, als in Frage komme das öffentliche An- schlagen, Anheften, Ausstellen sowie die öffentliche, unentgeltliche Verteilung von Bekanntmachungen, Plakaten und Aufrufen.. Also wäre O. verpflichtet gewesen, die polizeiliche Erlaubnis zum öffent- lichen Anheften des Plakats, das zugleich ein Aufruf ist, nachzusuchen. Unerheblich sei, daß es sich um die Wahlzett und um ein Plakat zu Wahlzwecken handelte, denn das„Anschlagen" und»Anheften" von Wahlschriften sei kein„Verteilen" im Sinne des§43 der Gewerbe- Ordnung und es treffe darauf somit auch nicht dieBefteiung von der polizeilichen Erlaubnis zu. die§ 43 der Gewerbe-Ordnung für das Verteilen von„Druckschriften zu Wahlzwecken" während der Wahlzeit(nach Bekanntgabe des Wahltermins) ausspreche. An- geklagter habe darum verurteilt werden müssen. Sociales. Centralisierung von Krankenkassen. Eine atsse Zersplitterung im Krankenkaffenwcsen herrscht in Krefeld; man zählt dort au- nähernd 33 000 Versicherte in S3 Kassen. Die Zersplitterung ist, abgesehen von den Vorteilen, die eine Centratkasse für eine billige. einheitliche Verwaltung sonst bietet, mit vielen Uuzuträglichkeitcn für die Versicherten verknüpft. Beinahe jeder Wechsel der Arbeits- stelle bedingt den Uebcrtritt in eine andre Kasse mit andern Bei- träge» und andern Leistungen, ist hier z. B. die Familienversicheruug eingesührt. so fehlt sie dort. Diese Zersplitterung aus der Welt zu schaffen hatten sich die organisierten Arbeiter zum Ziel gesetzt, doch türmten sich immer neue Schwierigkeiten auf. besonders war es der Vorstand einer der größten Kassen, der aus lauter Centrumsleuten bestand, der sich hindernd in den Weg stellte. Eine Eingabe, die die Anhänger der Ccutralisation an die Stadiverivaltimg machten, hatte den Erfolg, daß die Verwaltung eine Kommission nach verschiedenen größeren Städten sandte, um dort in den Ceutralkassm Studien zu machen. Das Resultat dieser Studienreise ist nun, daß die Ver- waltung für eine Centralisierung der Kassen eintritt, wenn die Pro- portionalwahl statutarisch festgelegt wird rmd wenn die Versicherten sich einen städtischen Beamten als Direktor der Centralkasse gefallen lassen. Die Einführung der Proportionalwahl verlangt die Behörde, weil sonst die Minderheiten nicht.in den Generalversammlungen und im Vorstand vertreten sind, in Wahrheit Ivürde sie sich leinen Deut um die Vertretung der Minderheit kümmern, wenn diese Minderheit Socialdemokraten wären. Aber weil sie weiß, daß bei einer Wahl nach dem einfachen Mehrhettsprincip die organisierten Arbeiter die ganzen Vertreter stellen werden, fühlt sie ptötzlich ein derartiges Gerechtigkeitsgefühl in sich, daß sie darauf besteht, daß auch die Minderheit vertreten sein muß. Interessant ist die Begründung für die Anstellung eines städti- schon Beamten als Direktor der Centralkasse. Die Einrichtungen einer centralisierten Kasse und deren Angestellte würden gelegentlich zu Zwecken und Dienstleistungen benutzt, welche außerhalb der Aufgaben der Krankenversicherung liegen, behauptet die Behörde. Mit andern Worten, will sie sagen, die Socialdemokratie benutzt diese Kassen zu ihren Parteizweckel,, eine Behauptung, die jeder Be- grüudung entbehrt. Ob die organisierten Arbeiter fich unter diesen Umständen noch für die Centralisierung der Kassen erwärmen, ist mehr als fraglich, der Einführung der Verhältniswahl würden sie wohl zustimmen. Aber einen großen Teil der Selbstverwaltung preisgeben, indem sie sich einen Beamten als Direktor hinsetzen lassen, das werden sie nicht wollen._ Die internationale Ardeiterschuh-Konfereuz. Deutsche Blätter meldeten letzter Tage, der schtveizerische Bundesrat habe vertraulich nicht bloß von Deutschland, Oestreich, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlanden, sondern nunmehr auch von Belgien die Zusicherung erhalten, daß eine von ihm aus- gehende Einladung zu einer internationalen Arbeiterschutz-Konferenz Anklang finden würde. Der„B u ,« d" ist auf Grund von Informationen an zuständiger Stelle in der Lage, diese Meldungen als unrichtig zu bezeichnen. Die Sache sei noch nicht so weit gediehen. Natürlich sei auch noch keine Einladung an die Regierungen ergangen. Immerhin sei richtig. daß die Konferenz auf den Monat Mai 1905 in Aussicht genommen sei._ Der ungarische Eiseilbahii erstreit wurde von den P a s s a u e r Metzgern als Vorwand benutzt, um dem konsumierenden Publikum eine Preissteigerung für Ochsenfleisch um 4 Pf. pro Pfimd plausibel zu machen. Der Magistrat nahm zu diessr Frage Stellung und erklärte, daß die Maßregel ungerechtfertigt fei. Passau bezieht zwar den größten Teil seines Schlachtvichbedarss aus Oestreich, aber der Streik hat auf die Fleischversorgung gar leinen Einfluß gehabt. Die Metzger wurden aufgefordert, die Maßregel alsbald wieder rückgängig zu machen, sonst werde die Stadt die Errichttmg einer Rcgic- schlächterei in Erwägung ziehen. Der Bürgermeister von Mittenwalde. Eine ganze Anzahl von Bürgern aus dem Städtchen Mitten- Walde ivar zu gestern vor die erste Strafkammer des Landgerichts I geladen, um Zeugnis abzulegen über die Art, in welcher der ver« storbene Bürgermeister Daur das Stadtregiment geführt hat. Wegen Beleidigung des Bürgermeisters hatte sich der Redakteur der „Berliner Morgenpost", Erdmann Gräser, zu vermitlvorten. Die Angelegenheit hat, wie erinnerlich sein wird, schon einmal die Sttas- kaminer beschäftigt, die Verhandlung wurde damals vertagt und sie erhielt ein tragisches Nachspiel durch den Umstand, daß der als Zeuge vernommene Bürgermeister Daur wenige Stunden nach seiner Ver- nehmung hier in Berlin ans der Straße plötzlich tot zusammenbrach. — Den Vorsitz im Gerichtshofe führte auch diesmal Landgerichts- Direktor Oppermann II, die Anklage vertrat StaatsanlvaU Ehrecke, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Thiele. In- kriminiert ist ein Artikel ui Nr. 8 der„Morgenpost" vom 10. Januar dieses Jahres unter der Ueberschrist„Die Zwickmühle in Mittenwalde, der seßhafte Bürgermeister". Es wurde darin ausgeführt, daß Mittenwalde unter dem Regiment des Bürgermeisters Daur nicht vorwärts gekommen, sondern ihm eigentlich nur die Anlage der Müllabladestelle zu verdanken habe. Es wurde weiter mit- geteilt, daß der Bürgermeister, dessen zwölfjährige Dienstzeit„un- mehr ablief, zahlreiche Gegner in der Bürgerschaft habe; er sei aber sehr seßhaft, namentlich auch in solchen Lokalen, die dazu bestimmt seien, nach des Tages Last und Mühe der Erholung und Labung zu dienen, die aber der Bürgermeister häufig während der Dienststunden auffuche. Da die Wiederwahl des Bürgermeisters mehr als zweifel- Haft sei, habe dieser einen schlauen Schachzug ausfindig gemacht. nämlich eine Obstruktion von oben: die Freunde des Bürgermeisters in der Stadtverordneten- Versammlung hätten in einer bestimmten Anzahl ihre Mandate niedergelegt und dadurch sei die Versammlung überhaupt beschlußunfähig und unfähig geworden, zur Wahl eines Bürgermeisters zu schreiten. DaS sei ein in der Geschichte der Städtepolitik wohl noch nicht dagewesenes Ereignis. Der Artikel schließt mit der Hoffnung, daß der Regiermigspräsident de» gordi- scheu Knoten durchhaut und dafür sorgt, daß der mißliebige und un- geeignete Bürgermeister„fliegt".— Der Angeklagte hatte für die in dem Artikel aufgestellten Behauptungen den Wahrheitsbeweis an- getreten.— Erster Zeuge ist der Bäckermeister Otto I u ck w e r. der kurze Zeit Stadtverordneten« Vorsteher war und jetzt nicht wieder- gewählt ist. da jetzt die Anhängerschaft deS Bürgermeisters wieder am Ruder ist. Er erklärt sich für einen Gegner deö Bürgermeisters, der oftmals während der Dienststunden in das Fuhrmannsche Lokal hinübergegangen sei. Der Zeuge selbst hat zur Erledigung einer standesamtlichen Angelegenheit den Bürgermeister in emem Falle zweimal vergeblich während der Dienststunden aufgesucht und ihm dann sagen lassen, daß. wenn er ihn das dritte Mal nicht träfe, er sich anderswohin wenden würde. Der Bürgermeister sei leicht aus- brausend und bei Vergnügungen oft in einem Zustande gewesen, daß man nicht wußte, was man von ihm halten sollte. Er JjnSe viel getrunken, für die Stadt gar nichts gethan, sei selten in der Stadvcrordneten- Versammlung gewesen, unter seinem Regiment seien die Zuschläge zu den Staatsstcuern auf 200 Proz. enuwrgeschnellt, die Armenlast fei riesig gestiegen, da aller Pöbel liebevoll und ohne polizeiliche Schwierigleiten sts aufgenommen ivurde. Die plötzliche Anlage einer Müllabladestelle für Berlin, etwa 500 Meter von der Stadt, habe dieser natürlich auch viel Schaden zugefügt In dieser Angelegenheit habe der Magistrat offenbar hinter dein Rücken der Stadtverordneten- Versammlung operiert, denn niemand habe davon etwas gewustt. Der Zeuge ist davon überzeugt, dast die Niederlegung von sieben Stadtverordneten-Mnndaten vom Bürgenneister deranlasit worden ist.— Rechtsanwalt Dr. Thiele: Ist der Artikel nicht im wesent- lichen als Entgegnung auf einige im„Teltower Kreisblatt" er- schienene Artikel zu betrachten?— Zeuge: Ja.— V e r- teidiger: Sind denn nicht zahlreiche Mittenwalder Bürger der Meinung, daß der Artikel das Richtige traf?— Zeuge: Wenn die Leute offen sprechen dürsten, dann ja.— Zeuge Schlächtermeister Schlegel schlietzt sich deni Vorzeugen durchaus an, ebenso einige andre Zeugen. V* Prakt. Arzt Dr. Arthur B e r n st e i n- Charlottenbnrg war bis zum Jahre 1895 in Mittenwalde. Er weist, dast der Bürgermeister als mastloscr Trinker bekannt war. Es habe als unbestrittene That- fache bei jedermann gegolten, dast der Bürgermeister mehr, als ziemlich sei, trinke. Er selbst hat ihn einmal sehr betrunken gesehen; aus dem Fuhrmannschen Lokal heraus ist bei offenem Feiyter oft seine laute Stinnne gehört worden.— Rechtsanwalt Dr. Thiele: Hat sich der Bürgermeister nicht auch bei öffentlichen Anlässen bc- trunken, so dast man sagte, dast dies sein Ansehen schädige?— Zeuge: Gesagt ist dies immer. Staatsanwalt Ehrccke beantragte gegen den Angeklagten 300 M. Geldstrafe event. 30 Tage Gefängnis. Er hielt dafür, dast nur ein einziger Punkt des Wahrheitsbeweises gelungen sei. Die Strafe dürfe nicht niedrig aussallen, denn der Angeklagte habe aus reiner Sensationslust ge- handelt und sein Blatt zur Abladestelle kleinlichen Klatsches von Mittenwalde gemacht. Es müsse dem jetzt überhand nehmenden Verfahren ein Riegel vorgeschoben werden, wonach Verhältnisse ganz andrer Orte,'die gar kein allgemeines Interesse haben, dem ordent- lichen Forum entzogen und der Kritik großer Berliner Zeitungen unterworfen werden. Rechtsanwalt Dr. Thiele trat den Ausführungen des Staats- anwalts, namentlich in den auf die Presse bezüglichen Punkten. scharf entgegen und führte aus, dast der Wahrheitsbeweis weit mehr gelungen sei.«ls der Staatsanwalt zugeben wolle. Er machte auch den Schutz des Z 193 für den Angeklagten geltend und führte aus, dast der bekannte Standpunkt des Reichsgerichts, wonach ein Redakteur die Wahrnehmung allgenieiner Interessen nicht für die Anwendung des 8 193 geltend machen könne, nicht V e r- e i n b a r sei mit der modernen EntWickelung der Presse. Er müsse sich, gerade mit Rücksicht auf andre scharfe Ausführungen über die Presse, die kürzlich in diesem Gebäude ge- macht worden, gegen die scharfen Bemerkungen des Staatsanwalts über die Prcffe wenden. Man werde es nicht mehr aus der Welt schaffen können, dast bei offenbaren Miststände» sich die Leute immer wieder an die Presse wenden, denn die Presse sei ein kräftiger Resonnanzboden, der weithin ins Land tönt. DaS Gute, was die Presse in solchen Dingen gewirkt, überwiege bei weitem das, was etwa in einzelnen Fällen auszusetzen sei. Die Presse stelle in vielen Fällen das öffentliche Gewissen dar und deshalb möchte er die Presse gegen derartige scharfe Worte in Schutz nehme». Der Angeklagte habe nicht aus Sensationslust und kleinlichem Klatsch gehandelt, sondern er habe sich zum Sprachrohr der Anti- Bürger- meisterpartei in ihren berechtigten Beschwerden gemacht und weite Kreise Mittenwaldes sympathisieren mit dem Artikel. Er beantrage daher Freisprechung event. eine viel niedrigere Strafe. Der Staatsanwalt erwiderte, dast er hier im Gerichtssaale„eine Presse" überhaupt nicht anerkenne, sondern nur die einzelne Person des Angeklagten und die einzelne Zeitung im Auge gehabt und nicht im allgemeinen von der Presse gesprochen habe. Der Gerichtshof hielt den Beweis der Wahrheit nur für die Behauptung, dast der Bürgermeister allzu häufig in Restaurants sich aufhielt, für erbracht. Die Behauptung bezüglich der Müll- abladestclle hielt er nicht für eine Thatsache, die geeignet sei, den Bürgermeister in der öffentlichen Memnng herabzuwürdigen, wohl ober die Behauptung, dast die Mandatsniederlegung der 7 Herren ein schlauer Schachzug des Bürgermeisters war. Diese Behauptung sei nicht bewiesen, viel eher das Gegenteil. Der Schutz des§ 193 ist dem Angeklagten nicht zugebilligt worden, der Gerichtshof erblickte in der ganzen Form des Artikels die Absicht der Beleidigung, hielt aber eine Geldstrafe von 150 M. event. 15 Tage Gefängnis für ausreichend und erkannte demgemäß. Lobalce. Klingel-Bolles Maigcschenk.j Eine schöne Ueberraschung brachte der I.Mai den Bahn- k u t s ch e r n der bekannten Riilchfirma Bolle. Diese Kutscher wurden früher mit einem Wochenlohn von 24 M. eingestellt; in letzter Zeit ist nach Volles unerforschlichcm Ratschlust der Anfangs- lohn jedoch ans nur 2t M. bemessen worden, geschmälert durch die üblichen Strafen. Dafür haben die Leute etwa folgenden Dienst zu verrichten: Um 1 Uhr nachts mutz bereits der erste Wagen vom Hofe fahren; Iver zu spät kommt, wird bestraft, und zwar im Minimum mit 20 Pf., im Maximum mit 1,20 M. Ungefähr um t> Uhr früh ist dann die Nachttour lAbholen der Milchkannen von den Bahnhöfens beendet; um 7 Uhr beginnt schon wieder die Tagestour mit Pferdepntzeu, Wagenwäschen sc. Dann müssen etwa 2000 leere Kannen aufgeladen und bis 9 Uhr auf dem Hamburger Eilgut-Bahnhof wieder eingeladen werden. Diese Arbeit ist in knapper Zeit von nur acht Personen zu bewältigen. Nachdem höchstens 20 Minuten Zeit zum Frühstücken geblieben, fährt schon wieder der Zug mit der frischen Ladung ein. Die Plackerei geht von neuem los und lvährt bis in die zweite Nachmittagsstunde. Nach dem Stettiuer Bahnhof gehen zehn Wagen, bei denen zehn Kutscher und drei Auflader das Auf- und Abladen besorgen; die Äaimcnzahl beträgt 3300—3500. Bei dieser Arbeit sind die Pausen noch knapper bemessen als bei der ersterwähnten. Mit dein Fahren nach dem Stettiner resp. Hamburger Bahnhof wird abgewechselt. Die Ruhetage sind gekürzt worden; während Bolle früher siir zwei Wochen den siebenten und in der dritten Woche den achten Tag freigab, giebt er jetzt immer nur den neunten Tag frei. In Anbetracht der harten Arbeit, der Verminderung der Ruhe- tage und der Reduzierung des Anfangslohnes schlosicn sich die Bolleschen Bahnkutscher dem Handels- und Transport- arbeiter-Verbaude an; auch wurden die Verhältnisse in Volles Reich einer kritischen Besprechung in dem Verbandsorgan wie auch im„Vorwärts" unterzogen. Hierüber war Herr Bolle junior indessen so erbost, dast er schon damals einen Kutscher, der sich zwar mistfällig über das Arbeitsverhältnis geäußert, mit den Veröffent- lichungen jedoch nicht das mindeste zu thun hatte, Knall und Fall entliest. Bor einigen Tagen nun berieten die Kutscher über geeignete Mittel und Wege zur Erreichung einer Lohnaufbesserung. Sie glaubten am besten zum Zrele zu kommen, wenn sie sich mit einer schriftlichen Eingabe an den alten Kommerzienrat Bolle, der sich zur Zeit auf seinem Landsitze in Köpenick aufhielt. wenden würden; gewitz das denkbar loyalste Verfahren. Da aber an jenem Abend nicht alle Kutscher beisammen waren, wurde die Absendung der Eingabe noch vertagt. Inzwischen war die Absicht der Kutscher aber durch irgend einen feilen Zwischenträger zu Ohren des Dr. Bolle jun. gekommen, und dieser traf denn auch unverzüglich die traditionell-patriarchalischcn Mastnahmen, um den Kutschern ihre von umstürzlerischer Unzufriedenheit zeugende» disciplinwidtisen Petitionsgelüste auszutreiben. Am 1. Mai, zur höheren Feier des Tage?, wurde nämlich den Kutschern von dem Inspektor folgende frohe Botschaft verkündet: „Die Bahnkntscher treten mit einem Anfangsgehalt von 22,50 M. ein und erhalten nach dreijähriger Thätigkeit 25 M., nach acht Jahren steigend bis 27 M., außerdem einen Liter Milch pro Tag. Die Neuregelung des Lohnes tritt mit dieser Woche in Kraft." Alles hörte die Botschaft befriedigt an, wenn auch der Anfangs- lohn noch um 1,50 M. hinter der früheren Höhe zurückblieb und die Aussicht, erst nach acht Fahren den Höchstlohn zu erreichen, nur wenig verlockend war. Dann aber kam der Effekt des Malgeschen kS. Der Inspektor teilte nämlich weiter mit, dast gleichzeitig fünf Kutscher entlassen seien; Ursache unbekannt! Als sich einer der Entlassenen hierauf in das Comptoir des Herrn Dr. Bolle begab, um die Ursache der Entlassung zu erfahren, wurde ihm dort zur Antwort: Leute, die dem Verbände der Handels- und Transport- arbcitcr angehören, werden in de», Betriebe nicht geduldet. Der Arbeiter erwiderte ruhig, es sei doch ein gesetzlich gewährleistetes Recht, sich einer Berufsorganisation anzuschließen. Darauf tönte es ihm entgegen, er solle machen, daß er hiuauskommc; et wisse doch wohl, was auf Hausfriedensbruch folge! Der Arbeiter ging und mit ihm seine vier Kollegen. Auf der Maifeier erzählten die Entlassenen dann von den Herrlichkeiten in Klingel-Bolles Musterbetrieb. Vielleicht wird Herrn Bolle bald ein Licht darüber aufgehen, dast es von ihm geschäftlich sehr wenig gescheit war, mit dem preußischen Buddeis mus seincin Christentum Konkurrenz zu machen. Von der Ordnung, die in den Bureaus der Gemeindeverwaltung herrscht, haben lvir kürzlich eine Probe gegeben. Ein Mann, der seine Frau dem städtischen Krankenhaus Friedrichshain überwiesen hatte, wurde 14 Tage nach den, dort erfolgten Tode der Frau durch das städtische K o st e n e i n z i e h u n g S- B u r e a u benachrich t, dast „eine Fortsetzung der Verpflegung notwendig geworden" sei. Er hatte auf den Kostenvorschust, den er dem Krankenhaus bei der Aufnahme seiner Frau gezahlt hatte, noch einen nicht verbrauchten Rest zurückerhalten, das Kosteneinziehungs-Bureau aber forderte ihn auf, einen weiteren Vorschuß zu leisten, da der erste Vorschuß nun aufgebraucht sei. Andernfalls, so tvurde dem Mann angekündigt. müsse Armenpflege eingeleitet werden. Es handelt sich hier um ein Versehen, das schliestlich mal vorkommen kann. Schlimmer aber liegt der folgende Fall, den man uns heute mitteilt. Ein nervenkranker K a s s e n b o t e St. hatte sich in einem Anfall von geistiger Verwirrung aus seiner Wohnung entfernt und war einige Zeit planlos in der Stadt umhergeirrt. Man hatte ihn schliestlich aufgegriffen, nach der Charits gebracht und dann der städtischen Irre nanst alt Dalldorf zugewiesen. Nachdem er dort sechs Monate hindurch sür Rechnung einer Krankenkasse behandelt worden war, wurde er als gebessert zu seinen Angehörigen entlassen. Bei der Einlieferung in die Charitö hatte er 1,77 M. bei sich gehabt. Bei der Entlassung aus der Anstalt Dalldorf sagte man ihm in dem dortigen Bureau, wegen dieses Geldes solle er bei der städtischen A r m e n d i r e k t i o n anfragen. Als St. das that, wurde ihm von der Armendirektion erwidert, ihr sei„von den beregten 1,77 M. nichts bekannt� geworden", St. möge sich an die Charits- direktion wenden. St. that auch das, und alsbald kam von der Charitsdirektion der Bescheid:„Die bei Ihnen seiner Zeit vorgefundenen 1,77 M. sind bei Ihrer Ueberführung nach Dalldorf an die dortige Anstalt abgeführt worden." Hierauf wandte sich St. wieder an die Direktion der Anstalt Dalldorf, und diese antwortete ihm jetzt, die von St. mit in die Anstalt gebrachten 1,77 Mark habe bereits damals die E i n z i e h n n g s a b t e i l u n g der Stadthauptkasse erhalten. Die Direktion der Anstalt Dalldorf habe die Armendirektion hiervon in Kenntnis gesetzt, es werde daher Anrechnung aus die Kurkosten erfolgen. Run wäre also wieder die Armendircktion an der Reihe gewesen, aber St. ver- zichtete zunächst darauf, dem ihm abgenommenen Gelbe noch iveiter nachziilauseii. Erst als er vier Wochen später in einer andren Sache eine Beschwerde an die Armendirettion zu richten hatte, erwähnte er hierbei noch einmal die 1,77 Mark. In der Antivort, die ihm darauf erteilt ivurde, erklärte die Armendirektion, dast sie bezüglich dieses Geldes ihrem früheren Bescheid„nichts hinzufügen könne". Die Arniendirektion blieb also dabei, dast ihr„von den veregten 1.77 M. nichts bekannt geworden" fei, obwohl inzwischen die Anstalt Dalldorf dem Beschwerdeführer mitgeteilt hatte, daß s i e die Armendircktion über den Verbleib des Geldes benachrichtigt habe. Die oben erwähnte andre Sache, die Herrn St. nötigte, sich bei der A r m e n d i r e k t i o n zu beschweren, erscheint gleichfalls recht verwunderlich. St. hatte von der Landesversicherungs-Anstalt Berlin eine Invalidenrente von monatlich 12,95 M. zugebilligt erhalten. Die Rente wurde eine Zeit hierdurch gezahlt, an einem Monatsersten aber wurde plötzlich die Zahlung ver- weigert. Ein paar Tage später brachte ein Schreiben der Landes- versichernngs-Anstalt Aufklärung. Von den 12,95 M. waren 11,70 M. an die Armendircktion abgeführt worden, die übrigen 1,25 M. wurde dem Jnvalidcnrentner zur Verfügung ge- stellt. 1.25 M. für den ganzen Monat! Außerdem wurde ihm eröffnet, daß auch die nächsten Monatsrentcn bereits der Armen- direktion zugesprochen seien. St. fragte bei der Versicherungs- anstatt und zugleich bei der Armendirektion an. wofür man diese Abzüge mache, die Kosten seiner Lcrpflcgnng seien doch von der Kasse ersetzt worden. Nach sechs Wochen antwortete die Armendircktion, sie habe die Rente wieder freigegeben. Weitere 14 Tage später kam von der Versicherungsanstalt derselbe Bescheid, mit dem Zusatz, die Nachzahlung der beschlagnahmten Rcntenbeträge sei angewiesen. Die Nachzahlung erfolgte dann, und seitdem erhält St. seine Rente wie früher. Ueber die Scherereien, die ihm die Armen- direktion mit dieser Rente gemacht hat, obtvohl sie kein Anrecht darauf hatte, wundert St. sich ebenso wie über das Schicksal der 1,7? M., von denen der Armendirettion„nichts bekannt geworden" ist. Die Berliner Geburten hatten sich in den Jahren 1902 und 1903 besonders stark vermindert. In 1901, 1902, 1903 waren in Berlin 52 251, 51 202, 49 550 Kinder geboren worden feinschliestlich Totgeborenen>, die Zahl der Geburten war also sogar an sich ge- ringer geworden. Im Jahre 1904 scheint nun in dieser Hinsicht wieder ein Umschwung eintreten zu sollen. Im ersten Viertel dieses Jahres wurden 12 827 Kinder geboren, während das erste Viertel- jähr von 1903 nur 12718 Geburten gebracht hatte< immer einschließlich Totgeburten). Das Mehr ist noch nicht be- deutend und bleibt zurück hinter der gleichzeitigen Zunahme der Gesamtbevölkerung Berlins. Es darf aber nach diesen Zahlen angenommen werden, daß das Jahr 1904 wenigstens mit einer Erhöhung der Geburtenzahl an sich abschließen wird, falls nicht die andern drei Vierteljahre einen erneuten Rückgang bringen. Eine der größten Mietskasernen von Berlin- Nord, das HauS Gartenstraste Nr. 9(Nr. 13 vor der Umnummerierung), wird jetzt abgebrochen. DaS Gebäude war dadurch bemerkenswert, daß eS sieben bewohnte Stockwerke übereinander hatte. DaS unterste Stock- werk war der Keller, die beiden obersten lagen in dein ganz im- gewöhnlich hohen Dachgeschoß. In diesen sieben Stockwerken hausten nicht viel ivcniger als hundert Familien, die meist mit Kindern recht reichlich gesegnet waren. Den Bauplatz für eine Urncnhalle wollte der hiesige Verein für Feuerbestattung von der Stadtgemeinde unentgeltlich haben. Der Magistrat hat das Gesuch aber ablehnend mit der Begründung befcheiden lassen, dast die Stadt sicki hierzu nicht veranlastt sehe: da der Verein für die Halle selbst größere Mittel aufzuwenden gedenke, so könne doch auch der Preis des Platzes auf die B a u k o st e n geschlagen werden. Auf dem städtischen Friedhofe zu Friedrichsfelde solle dem Verein ein geeigneter Platz gegen Zahlung der üblichen Gebühr überlasten werden... Dieser Bescheid ist in der letzten Vorstandssitzung des Vereins, an welcher auch der Abgeordnete Kreitling teilnahm, Gegenstand einer lebhaften Debatte gewesen; man sprach sein Bedauern darüber aus, dast die„Stadt Berlin" sich rein mit der theoretischen Förderung der Feuerbestattung be- gliüge, irgendwelche materielle Unterstützung ihr aber nicht an« gedeihen lasse— in sehr bemerkenswertem Gegensatze zu andren, kleineren Städten. Wiesbaden z. B. habe auf städtische Kosten für 30 000 M. eine Urnenhalle bauen lassen, Kaiserslautern habe sogar 40 000 M. bewilligt, und Baustellen für Hallen hätten viele Städte: Hannover, Bremen, Leipzig, Chemnitz, Stuttgart zc. unentgeltlich hergegeben. Zu den Ringkämpfen im Cirkus Busch erhält das„Berliner Tageblatt" eine Zuschrift, die einiges Aufsehen erregen wird: „Die unter der Leitung Jakob Kochs stehende Truppe war gegen ein Abendhonorar von 850 M. durch die Varivte-Agentur D. engagiert worden. Vorerst auf einen Monat, und da der Erfolg ein ungeahnt großer war, wurde das Engagement bis zum Schluß der Saison verlängert. Heinrich Eberle, der vom ersten Moment an der Liebling des Publikums war, hatte das Engagement nur unter der Bedingung angenommen, dast er, der noch nicht im Besitz einer sogenannten Weltmeisterschaft war. diesmal diesen Titel erhalten sollte. Von Jakob Koch war ihm dies durch Handschlag zugesichert worden, und Eberle unterliest eS daher, sich richtig zu trainieren. Kolossale Wetten Wurden in Berlin und Hamburg auf Eberle gelegt, und bis gestern nachmittag um 5 Uhr galt in den beteiligten Kreisen Eberle als Sieger. Am 1. und 2. Mai hatte Eberle in Halle gerungen, er kam erst am 3. nachmittags hier an. Nach einer halbstündigen Unterredung zwischen Eberle und Koch war es beschlossene Sache, daß Eberle fallen mußte, ebenso wie mancher Sieger der vorangegangenen Kämpfe vorher bestimmt wurde(siehe Bouillon und van den Bergt Wie ein Blitz hatte sich gestern die Nachricht von der neuen Vereinbarung in den Kreisen der Buch- macher verbreitet, jeder Betrug(boshafter Druckfehler; es soll natürlich Betrag heißen) wurde noch zu langen Odds auf Eberle eingenommen. Vorschriftsmäßig fiel Eberle. In Halle, wo keine Wetten gelegt werden und wo kein Buchmacherring in die Lage kommt, geleistete Dienste entsprechend zu honorieren, wird Eberle wohl als Sieger aus dem»lanipf mir Jakob Koch hervorgehen. Uebrigens hat Direktor Busch von diesen Machenschaften nichts gewußt." Dast es sich in diesem Fall um eine Artistentruppe handelt, ist nichts neues und ging wohl aus dem ganzen Arrangement der Sache hervor. Uns scheint die Anschauung, daß ein völlig abgekartetes Spiel getrieben und das Publikum plump gefoppt wurde.�aber doch bedenklich, denn die Ringkämpfer würden, sobald dies Spiel durch einen Zufall ans Licht käme, fowohl in der Oestentlichkeit wie bei ihren„Arbeitgebern" allen Kredit verlieren. Dast bei den Ring- kämpfereien früherer Jahre arger Mumpitz im Spiel war. haben wir in unsrer Nummer vom 19. März des längeren auseinander- gesetzt. Krankenversichennig der HanSmniger. Nach einer Entscheidung de? Magistrats sind Hausreinigungsleute, Männer und Frauen, auch dann versicherungspflichtig, wenn diese den größten Teil der Arbeiten nicht dirett vom Hauswirt, sondern im Auftrage des Hauswarts oder eines Dritten übernommen haben und ausführen, d. h. also auch solche Personen, die nur zur Unterstützung des Hauswarts von diesem angenomnien werden, sind versicherungspflichtig. Ein Arbeiter als Erfinder. Eine seltsame Geschichte weist das „Oberschlesische Tageblatt" in Kattowitz zu erzählen. Am Freitag voriger Woche erschien auf dem Bureau des Richthofenschachtcs, der sich im Besitz der Georg v. Giescheschen Erben befindet, ein ein- facher Bergmann, Schlepper seines Zeichens, um sich Urlaub für Berlin und einen Vorschuß zu dieser Reise ausznbitten, weil er zur Vorstellung ins Kricgsnnnisterium geladen sei. Der Mann, der zwar den guten deutschen Namen Albert Ludwig führt und aus Schoppinitz stammt, ist ein Stockpole, der kein Wort deutsch versteht. Um so berechtigter war der Bureaubeamte. Zweifel in die Richtigkeit seiner Angabe zu setzen, und ihn für einen Schwindler zu hatten. Doch Albert Ludwig vermochte die Richtigkeit seiner Angabe durch zwei Dokumente zu belegen und folgendes anzugeben. In seinen iviustestunden hat er sich mit waffcntechiiischen Studien befaßt. Dabei ist es ihm gelungen, eine eigne Art von Maschinen« Kanonen und zwei neue Gewehr-Konstrnktionen ZU erfinden. Er liest sich von einem hiesigen technischen Bureau die dazu nötigen Zeichnungen anfertigen und sandte sie dem Kriegsministerium ein. Alsbald bekam er von diesem ein Schreiben, wonach seine Zeich- nungen der geheimen Prüfungskommission für Armatur-Konftruküoiien überwiesen seien, dir ihm weitere Mineilungen über seine Einreichung machen werde. Am Freitag voriger Woche erhielr er von dieser Kom- Mission ein Schreiben: er möge sich ihr sofort in Berlin zur Verfügung stellen. DaS Ganze ist um so wunderbarer, als Albert Ludwig erst circa 20 Jahre alt ist, noch nicht Soldat gewesen ist und nie ein Militärgewehr in der Hand gehabt hat. Man konnte diese Angaben für einen ver- spätsten Aprilicherz hatten. Doch unser Gewährsmann, jener Bureau- beamte, hat die beiden Schreiben des Ministeriums selbst in Augen- schein genommen und sich somit von der Richtigkeit der An» gaben deS Mannes überzeugt. Er giebt an, das technische Bureau habe ihm sofort für seine Erfindung die Summe von 30000 Mark geboten, sie fei ihm dafiir aber nicht feil gewesen. Albert Ludwig ist jetzt nach Berlin gereist und von dort noch nicht zurück- gekommen. Dem Bureaubeamten der Grube hat er ferner mitgeteilt, daß er sich auch mit der Lösung der Frage beschäftigt habe, wie das Sinken eines schwer getroffenen Kriegsschiffes erheblich erschwert werden könne. Auch dies Problem will er so gut wie gelöst haben. Ein alberner Unfug. Kürzlich berichteten wir, dast ein junges Ehepaar nach der Hochzeitsnacht dadurch gefoppt wurde, daß gute Freunde ein gefälschtes Stellenangebot in ein hiesiges Blatt einrückten und dadurch bewirkten, daß Arbeitsuchende den ganzen Tag bei den Neuvermählten anklopften. Dieser Unfug scheint in Berlin Gewöhn- heit werden zu sollen. Auch ein Kausniaun B. in der Gneiscnau- straste wurde vorgestern dadurch unangenehm überrascht, dast am zweiien Tage seiner Ehe sich eine große Anzahl Hausdiener bei ihm meldeten. Die Arbeitslosen wiesen ein Inserat aus der „Morgenpost" vor, wonach der Kaufmann gegen guten Lohn einen Hausdiener suchte. In diesem Falle hatte der junge Ehemamr ein Einsehen mit den Arbeitsuchenden und verteilte eine kleine Geld- summe unter sie, um ihnen so wenigstens ihre Unkosten zu ersetzen. Es wäre zu wünschen, dast dieser unanständige und alberne Unsiig weiter keine Nachahmung fände. Wer nicht ganz verroht ist, solllc einsehen, dast Arbeitslose kein Schcrzartikel sind. Ein überraschendes Ergebnis brachten die Ermittelungen der Kriminalpolizei, die durch einen in der Nacht vom ersten zum zweiten Weihnachtsfeiertage verübten Straßenraub im Scheunenviertcl ver- anlaßt wurden. Damals wurde ein Kaufniann in ein berüchtigtes Quartier geschleppt, beraubt und so schwer misthandelt, dast er eine Zeitlang besinnungslos aus der Sttaste liegen blieb. Das Quartier der Zuhälter Stöcke und Becker und ihrer Freundin Schultz, die sich setzt in Untersuchungshaft befinden, lag in einem Keller in der Wadzeckstratze. Die beiden Zuhälter hatten eine Anzahl Mädchen vollständig in ihrer Gewalt. Jeden Mann, der sich verleiten liest, ihnen zu folgen, mußten sie ihnen zuschleppen. Acht Stufen führten in den Keller hinab. Schwere wollene Vorhänge dämpften jedes Geräusch und ließen keinen Lichtstrahl nach außen durchdringen. Vor der Thüre standen nachts die beiden Zuhälter und nahmen die „Stubben" in Empfang. die die Mädchen brachten. Scheuten sie sich,. in den unheimlichen Keller hinabzusteigen, so knöpften ihnen Stöcke und Becker schon vor der Thür Uhr und Portemonnaie ab und gaben ihnen darauf den guten Rat. sich ja recht ruhig zu entfernen, wenn sie eine ordentliche Reinigung der- meiden wollten. Bei dem geringsten Widerstand schlugen die Räuber unbarmherzig auf ihr Opfer ein, namentlich, wenn sie es erst unten im Kell« hatten. Die Beraubten und Misthandelten unterließen aus falscher Scham die Anzeige und unterstütz len so das Treiben. Auch die Mädchen hüteten sich, von ihren Erlebnissen zu erzählen. Erst jetzt, nach der Verhaftung der Bande, kamen sie nach und nach mit der Sprache heraus. Bis jetzt hat die Kriminalpolizei zwanzig geraubte Uhren ermittelt, die die Zuhälter zum Teil mit gefälschten Papieren bei Trödlern versetzt hatten. Die Eigentümer, die sie in Stich ließen und wohl froh waren, mit dem Leben davongekommen zu sein, sind noch nicht bekannt. Die Untersuchung ist aber noch nicht abgeschlossen, sondern nimmt einen immer größeren Umfang an. Rechtsanwalt Dr. Benscher, dessen plötzliche Abreise bor einiger Zeit Aufsehen erregte, ist einein hiesigen Blatt zufolge aus New Uork in Berlin wieder eingetroffen. Die Aufhebung der Abwesenhcits- Pflegschaft wird schleunigst erfolgen. Angeblich hatte Dr. Benscher zuerst nur kurze Zeit in Patentsachen fortbleiben wollen und deshalb nicht für Vertretung gesorgt. Nn Pilzvergiftnng ist wieder ein Mädchen verstorben. Der Förster a. D. Specht, der mit seiner Frau und zwei Töchtern im Alter von 21 und iö Jahren Adolfstr. 6 wohnt, erhielt am Sonn- abend von seinem Bruder, einem Förster in der Lausitz, eine Kiste Morcheln zugesandt. Frau Specht kochte die Pilze am Sonntag in Wasser mit einer Zwiebel ab und briet sie dann in Butter. Um 2 Uhr nachmittags atz die ganze Familie davon. Den Nachmittag über fühlte niemand Beschwerden. Als man sich aber um g Uhr abends zu Bett legen wollte, fiel die älteste Tochter Elfriede beim Auskleiden plötzlich um. Fünf Minuten später bekam ihre Schwester Luci Erbrechen. Die Eltern blieben gesund. Sie holten zwei Aerzte, die den Mädchen den Magen auspumpten und noch andre Matz- nahmen trafen. Montagmorgen fühlten sich beide Mädchen viel besser. Bei Elfriede hielt die Besserung auch an. Bei Lucie trat dagegen Dienstagnachinittag ein Rückschlag ein; um 3 Uhr mutzte sie wieder brechen und wurde dann ganz tcilnahmloS und schwach. Der Arzt Uetz sie nun mit einem Äoppschen Wagen nach der Charits bringen. Als sie dort ankam, war sie schon besinnungslos. Gestern morgen um 5 Uhr trat der Tod ein. Verschüttet wurde gestern, Mittwoch, mittag der 53 Jahre alte Arbeiter Emil K u p s ch aus der Grünauerstr. 9. Auf dem Güter- bahnhofe der Görlitzcr Bahn wird ein neues Comptoir für die Holz- und Kohlenhandlung von Eger gebaut. An den Ausschachtungen arbeitete gestern vormittag Kupsch allein. Während er in einer zwei Meter tiefen Grube stand, stürzte das nach Bekundungen von Augenzeugen nicht abgesteifte Erdreich zusammen und begrub den Mann. Der Verunglückte wurde von andren Arbeitern sofort aus- gegraben und kam mit dem Leben davon. Er hatte sich aber inehrere Rippenbrüche und innere Verletzungen zugezogen und wurde nach der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof und von dort mit einem Runzelschen Wagen nach dem Krankenhause am Urban gebracht. Kindesmord. Am 29. v. Mts., nachmittags gegen 3 Uhr, wurde ttl der untersten Halle des Bahnhofes Aleranderplatz hinter der Thür des an der Dirkscnstratze belegenen Frauenklosetts die Leiche emes neugeborenen, ausgetragencn Kindes männlichen Geschlechtes ge- fundcn. Dieselbe war eingewickelt in mehrere Bogen grauen Pack- Papiers und mit einem Bindfaden umschnürt. Außerdem wurden dabei gefunden: zwei Stück blaues Packpavier. drei Stück rotes Tuch. ein Stück weißes Leinen, anscheinend von einem Unterrock herrührend, und ein Stück Bettlaken, welches in der Mitte zusammengeflickt war und halb aus weißem und halb aus blaukariertcm Stoff bestand.— Mitteilung über die Person der Mutter oder desjenigen, welcher die Lerche an den bezeichneten Ort gelegt hat, nimmt die hiesige Kriminal- Polizei zu 3554 IV. 27. 04 entgegen. Vermißt. Am 28. Februar d. I. hat der Schlosser Rudolf �Lever, am 4. April 1879 zu Leipzig geboren, seine Wohnung in Lver-Schöneweide. Wilhelminenhofstr. 24, verlassen und ist bisher lun! ermittelt worden. Es wird vermutet, daß Weber, der früher genieskrank war, sich das Leben genommen hat. Es ist etwa 1,70 Mc wr groß, schlank, hat schwarzes Haar, hohe Stirn, braune Augen, längliche, spitze Nase, vollständige Zähne, längliches, blasses Gesicht. kleinen Ichwarzcn Schnurrbart; er trug zuletzt dunkelbraunen Anzug. schwarzen weichen Hut, Zugsttefcl, schwarzen Pelerinciiinantel.— Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei und jedes Polizeirevier zu 2957 IV. 24. 04. entgegen. Feuerbericht. Nur wenig Alarmierungen hatte die Wehr in de« letzten 24 Stunden zu verzeichnen. Mittwochvormittag wurde sie nach der Friedrichstratze 225 gerufen, weil hier unter dem Treppen- aufgange des linken Seitenflügels Papierballen der Buchdruckerei von E. Dreher auf nicht ermittelte Weise in Brand geraten waren. Der 19. Löschzug erstickte die Flammen m kurzer Zeit, noch bevor sie die Treppen ergriffen hatten. Kurz vorher nmtzte am Grünen Weg 97 im zweiten Stock ein Feuer beseitigt iverden, das die Schal- decke und die Balkenlage ergriffen hatte. Autzerdem liefen während der Nacht nur noch zwei Alarinicrungen eiu und zwar von der Pllcklerstratze 23 und von der Forsterstratze 36, doch handelte es sich in beiden Fällen nur um ganz unbedentende Brände, die ein sonder- liches Eingreifen der Wehr nicht erforderten. Funde bei der Maifeier. In der Bockbrauerei, Abteilung II sfriiher Norddeutsche Brauerei), Chaussecstr. 58. sind am 1. Mai ge- funden: Ein Metermaß, ein Krankcnkassen-OuittnngSbuch mit dem Namen Emma Kr. und eine Cigarrentafche mit dein Monogramm B. B. Die Eigentümer können diese Gegenstände abends nach 7 Uhr in Empfang nehmen beim Genossen Arendsee, Boyenstr. 9, I. Das Berliner BerkehrSlexikon ist im Verlage von Mor Schild- verger soeben erschienen und zum Preise von 40 Pf. käuflich. Die Vorzüge des Buches sind bekannt; es enthält über die Straßen der Reichshauptstadt und ihre öffentlichen Einrichtungen eine Fülle von Angaben und bringt ferner übersichtliche Eisenbahn-, Sttatzenbahn- und Danrpfschiffs-Fahrpläne. Im Zoologischen Garten sind seit kurzem vier rote Rhesus- äffen ausgestellt, welche eine Abteilung de? alten Affenhauses be- wohnen. Die Tiere ähneln im allgemeinen dem gewöhnlichen Rhesus, der eine der häufigsten Erscheinungen unter den Affen ist. haben jedoch ein intensiv rotes Geficht und auch ihre Rückseite zeigt dieselbe Färbung in hohem Grade, so daß-'S dem Nichtkenner leickit den Anschein hat. als litten die Tiere an einer entzündlichen Erkrankung. In der That handelt es sich aber um Pracht- oder Jmponiersarbe; die kräftigsten Stücke weisen die größte Intensität auf. und bei der Begrüßung unter- cinander spielt die Kehrseite der Tiere eine bedeutsame Rolle. Diese Europa sehr seltene Art bewohnt Assam, worauf auch die wissen- schaftliche Benennung hinweist. ■�'e'm berliner Aquarium neu eingelaufenen Sendungen von Ichwlimneiiden. laufenden, kriechenden und sestsitzcnden Belvohnern .licheii Meere brachten für einige Gruppen der Tierbestände I.. Ä n. uzung en, daß der Besucher die interessantesten Vergleiche rn»- Eine der wichtigsten Fischfamilien ist die der Lipp- Mr die Haus- und Volkswirtschaft, denn in � � wegen des meist wenig geachteten Fleisches eine �?bcr für den Raturhaushalt. Die Lippfische. towt?"f°kge der dicken fleischigen Lippen des vor- streckbaren Maulesbeigelegt erhielten, bilden eine der zahlreichsten. in mehr als 400 � �_______________________ zahlreichsten Arten über alle Meere der gemäßigten V Ort«-.'" UUCL UUC UCI, UCJUiiD'y�" und tro�skhen Zone verbreiteten Familien und beleben in Sckiwärmen vorzugsweise �e festigen, korallenreichen Küstenstriche, stillen Seegras- wiesen u. a''-'lC 2" �rer Ernährung hartschalige Schnecken und Muscheln auflesen und losreißen und zermalmen, denn auch die hariesteii GeHause vermögen ihrem festzahnigen Gebiß nicht zu widerstehen. Dabei gehören sie, und das ist für eine Wissenschaft- 'che Schailanstalt ganz wesentlich, z» den farbenschöiisten Fischen, die m der Pracht und Manmgfaltigkeit des Farbenkleides kaum von andern ubertrosten werden. fi..r J!?, blr Gartcnbau-Aussicllniig in der Philharmonie. Bcrnbnrger- ab 50 Pf' 9 EmtnttSpreis jetzt von abends 7 Uhr >in CastanS Panoptikum siad einige neue Sehenswürdigkeiten eingekehrt. Herr Hopkins fuhrt eine Gesellschaft gelehriger Tiere dem Pittilikum vor. Hunde, Katzen. Affen. Mäuse, Ratten, Meer- schwcinchen, Kaninchen, Tauben. Hühner, Raben, Kanarien- Vögel und zwei Füchse wimmeln bunt durcheinander, machen ihre Kunststücke und betragen sick untereinander so ftiedlich. daß die Bezeichnung„Der Weltsriede" für dies kleine Idyll wohl angebracht ist.— Eine Dame tritt als„Hellseherin Kassa ndra" auf. Das Hellsehen ist cm dem Zuschauer unangenehmes Handwerk, da das weibliche Orakel den Inhalt von unbezahlten Schneiderrechnungen und ähnlichen sekreten Dingen mit verbundenen Augen zu ergründen weiß. Viele Leute wird es interessieren, daß auch die zusammen- gewachsenen Schwestern Rosa und Josepha Blazek wieder bei Castan ihre Künste üben. Auch verschiedene andre Ncnheiten, wie Kinemato- graph und Grammophon, werden dort vorgeführt. Theater. Im Schiller-Theater befindet sich gegenwärtig der Schwank„Pension S ch ö l l e r" von Laufs in Vorbereitung, der Anfang nächster Woche zuerst im Schiller-Theater 17«Friedrich- Wilhelinst.-Theater) zur Aufführung gelangt.— Im Carl Weiß- Theater �Bürgerliches Schauspielhaus) findet am Freitag wiederum eine Volksvorstellling statt. Zur Aufführung gelangt „Zwei Frauen". Die Vorstellung dürfte dadurch an Interesse ge- Winnen, daß Frau Direktor Fischer die Rolle der Elisabeth zum erstenmal giebt. Die Preise sind aus die Hälfte ermäßigt.— U ran i a. Der Epperimental-Vortrag über das„Radium" wird von Herrn Dr. Donath am Sonnabend, den 7. d. M., abends 8 Uhr, im Hörsaal des Instituts in der Taubenslr. 48/49 wiederholt, also nicht, wie bisher, in der Jnvalidensiraße. Karten im Vorverkauf sür diesen Vortrag ebenfalls in der Taubenstraßo.— Das Köhlersche Bauern- Theater aus Tegernsee trifft morgen, von Wien koniniend, hier ein und wird, wie wir bereits mitteilten, ain Sonnabend seine erste Ailfführuiig niit der Novität„Der Dorfpfarrer" iin H e r r n f e l d- Theater beginnen. Das Ensemble setzt sich aus mehr als 30 Banernkünstler und-Künstlerimien zusammen. Hue den Nachbarorten. Reinickendorf. Mittwoch, den 11. Mai, abends V'/a Uhr, findet im Schiitzenhause, Residenzstr. 1/2. eine öffentliche Versammlung statt. Herr Albert Cohn spricht über das Krankenversicherungs-Gesetz; ein reger Besuch wird erivartet.— Sonntag früh 7 Uhr findet von den bekannten Lokalen aus eine Flugblattverbreitung statt Wilmersdorf. Zur baulichen Erschließung des südlich der Ring- bahii gelegenen umfangreichen Geländes von Wilmersdorf, das an die Gemarkungen Friedenau, Steglitz, Dahlem und Schmargendorf stößt, hat die Versammlung der Gemeindevertreter in ihrer nicht- öffentlichen Sitzung am Montagabend die Fluchtlinienpläne ge- nehmigt. Hiernach werden zwei große Diagonalstraßen zur Aus- führinig gelangen. Die eine von ihnen, welche die Bezeichnung „Südwest-Korfo" erhalten hat, zieht sich vom Südende der Augusta- straße, dein Hansaplatz, in einer Breite von 40 Meter bis zum Rastatter Platz an der Dahlemer Grenze hin und soll als vornehme Promenaden straße ausgebaut werden. Die andre Diagonalstraße geht von dem am Bahnhof Schmargendorf gelegenen Heidelberger Platz aus und durchquert das Gelände in einer Breite von 34 Meter bis zum Aachener Platz an der Steglitz-Friedenauer Grenze. Den Schiiittpiilikt der beiden Straßen wird ein großer Schmuckplatz mit tiefen Vorgärten bilden. Ein folgenschwerer Baunnfall ereignete sich gestern Mittwoch- nachmittag auf dem Neubau Victoria- und Kaiserstraße- Ecke zu Friedrichshagen. An dem Bau, ioelcher erst bis zum ersten Stock hochgemauert ist, stürzte der Bogenpfciler der Mittelwand, auf welcher zuvor die Balkenlage gelegt ivar, zusammen, die beiden Stcinttäger Bartsch und Langfeldt aus Friedrichshagen mit sich in das Keller- geschoß hiliabreißend, wo sie imter den nachstürzenden Mauersteinen und Balken verschüttet wurden. Iii bedenklichem Zustande wurden sie von den Bauarbeitern unter den Trümmerhaufen hervorgezogen iuid ins Krankenhaus gebracht. Wen die Schuld an dem Unfall trifft, konnte noch nicht festgestellt werden. Sericbts-Leitung. Der fromme Bruder. Er war der beste Bruder auch nicht, der junge Mann, welcher sich an einem Junitage des vorigen Jahres dem Diakon Kntzner als„Bruder Paul Schneider von der Rettungsanstalt Reinstetten" vorstellte und die Bitte an ihn richtete, ihm den Geineindcsaal in der Herberge zur Heimat in der August- straße für einige Tage kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Er wollte dort Vorträge religiösen Inhalts halten, deren Reinertrag der vor- genailiiten Rettungsanstalt zufließen solle. Der Diakon verlangte vom Bittsteller einen Auslveis, worauf dieser ihm ein angeblich vom Direktor der Retwngsanstalt ausgestelltes Schreiben vorlegte, kraft dessen er zum Halten von Vorträgen ermächtigte. Der Diakon der- sprach jetzt, das Gesuch beim Superintendenten Wuttke, unter dessen Leitung die Herberge zur Heimat stand, befürworten zu wollen. Die Erlaubnis wurde auch erwirkt. Schneider hielt zwei Vorträge, die aber nur von einigen Kindern besucht waren und eine kaum nennenswerte Einnahme brachten. Die Art der Vorträge war eine solche, daß der Diakon Verdacht schöpfte. Auf eine an den Direktor der Rettungsanstalt gerichtete Anfrage erfolgte die Auskunft, daß Schneider ein ehemaliger, vielfach vorbestrasler Lehrer sei, welcher schon in mehreren Anstalten Ausnahme gefunden habe, aber überall gänzlicher Unfähigkeit wegen entlassen worden sei. DaS von ihm vorgelegte Schreiben sei gefälscht. Der Angeklagte gab an, daß er die erzielten Einnahmen der Rcttuiigsanstalt zugeführt haben würde. Er habe sich mit der Hoffnung getragen, daß er dmin wieder in der Anstalt Anfnahme finden würde. Da diese Behauptung nicht zu widerlegen war, per- urteilte der Gerichtshof den Angeklagten wegen einfacher Urkunde» fälschung zu drei Monaten Gefängnis. Die hungrige Gefniigeneu-Aufseheru, Auf die sociale Lage der Gefängnisbeaniten wirft folgender Gerichtsfall ein Helles Licht: Wegen Unterschlagung im Amte ist am 24. November v. I. vom Landgerichte Breslau die Gefangenen-Aufseherin Martha Krzak zu der Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Sie war im Untersuchungsgefängnis angestellt und hatte 20—25 wcib- liche Gefangene zu beaufsichttgen und zu verpflegen. Die Kost für die Gefangenen wurde ihr zur Verteilung übergeben. Brot und Fleisch erhielt sie in abgeteilten Portionen, die übrigen Speisen wurden ihr in einem Kessel vom Küchenmeister ausgehändigt. Längere Zeit hindurch hat sich nun die Angeklagte Brot und Fleisch angeeignet, welches für die Gefangenen bestimmt war, aber auch von dem sonstigen Essen hat sie genommen, sofern es sich um besser schmeckende Speisen handelte. Endlich hat sie sich auch von der Milch genommen, die»ur den schwächlicheren Gcfangeileil gewährt wurde. Als Eni- schuldigung gab die Angeklagte an, sie habe zu wenig Lohn und zu viel Hunger gehabt.— Ihre Revision wurde gestern vom Reichs- gerichte verworfen. Potriarchalische„Erziehung" durch Pritschenhiebe»nd Einsperrung. Der Rittergutsbesitzer und Amtsvorsteher Jäger auf Kleinhof bei Kirchhain in der Niederlausitz nahm ein Waisenmädchen ins HanS, um es später zur Wirtschafterin heranzubilden. Nachdem das Kind konfirmiert war, mußte es in der Küche unter Aufsicht der Wirt- schafterin Lehmann arbeilen. Das Kind soll nach der Behauptung Jägers verlogen und widerspenstig gewesen sein, und der Herr Amts- Vorsteher hielt nach echt patriarchalficher Anschauungsweise Prügel für das beste Mittel, uin seinen erzieherischen Einfluß auf das Kino aus- zuüben. Er traktierte das Mädchen nicht nur mit Ohrseigen, sondern er wandte auch die junkerliche Reitpeitsche an, die er zu lviederholten Malen mit dem nackten Gesäß des Kindes in empfindliche Be- rührung brachte. Eines Tages soll das Mädchen sich wieder der Lüge gegenüber der Wirtschafterin schuldig gemacht haben. Jäger forderte das Mädchen zur Abbitte ans und als es diesem Verlangen nicht nachkam, schloß er es in die Rollkammer ein, wo es bis zum nächsten Morgen verweilen mußte. Dem Mädchen erschienen die patriarchalischen Erziehungsmittel, welche der Herr Amtsvorsteher anwandte, so unerträglich. daß es gleich nach seiner Freilassung anS der Rollkammer dem Hause des Rittergutsbesitzers den Rücken kehrte, in der Absicht,. bei einer Bekannten in Berlin Zuflucht zu suchen. Ein Einwohner von Ltirchhain, der das Mädchen auf dem Bahnhofe traf, führte es dem Lberprediger zu, und dessen Frau nahm das Mädchen,_ welches viele sichtbare Spuren der Peitschenhiebe am Körper aufwies, ins Haus. Die Frau Oberpredigcr, bei der sich das Madchen drei, Monate im Dienst befand, kann über deren Betragen nicht klage«. iiamciitllch hält sie es nicht für verlogen.— Das ist der That- bestand, der am 1. d. Mts. vor der Sttafkaminer in Kottbus fest- gestellt wurde, wo sich der Rittergutsbesitzer und Amtsvorsteher Jäger wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheits- bcrailbiliig zu verantworten hatte. Mitangeklagt war die Wirt- schafterin Lehmann, die der Teilnahme an den Strafthaten be- schuldigt ist. Die Lehmanii wurde freigesprochen, Jäger wurde der Freiheitsberanbung nicht schuldig erkannt und wegen Körper- Verletzung in drei Fällen zu einer Geldstrafe von nur 150 Mark verurteilt._ Huö der frauenden>egung. Verein für Frauen>i»d Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 9. Mai, abends 8'/z Uhr, in den„Arminhallen", Kommandaiiten- straße 20: Vereinsversammlung. Referent: Herr Dr. Hilden- b r a n d t:„Verstandeskultur und Gemütsleben". Der Vorstand. Johanilisthal. In einer öffentlichen Versammlung sprach hier Herr Dr. Röder über„Wirbelsänlellverkrünmiungen". Der lehr- reiche Vortrag wurde beifällig aufgenommen. Im Anschluß hieran wurde die Gründung eines Vereins für Frauen und Mädchen be« schlössen. Versammlungen. Kommuiialwahl im 40. Bezirk. Da unser Genosse Dr. Freudenberg sein Stadtverordneten» Mandat für den 40. Bezirk medergelegt hat, weil sein Gesundheits- zustand ihn zwingt, im Süden zu weilen, so ist für diesen Bezirk eine Neuwahl borzunehmen, die am 31. Mai stattfindet. Um einen Kandidaten für den freigewordenen Sitz in der Stadtverordneten- Versammlung aufzustellen, hielten die Parteigenossen ani Dienstag bei Milbrodt in der Müllerstraße eine Versammlung ab, die gut be- sucht war. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Genossen Dr. A r o n s über die Aufgaben der Socialdcmokratie im roten Hause. Der Redner besprach die Aufgaben, welche der städtischen Verwaltung zu- gewiesen sind. Er zeigte an der Hand von Thatsachen, daß die liberale Mehrheit der Stadtverordneten-Versammlung diese Aufgaben nicht so erfüllt, ivie es das Interesse der Allgemeinheil erheischt, und daß feige Rücksichtnahme auf die in Regierungskreisen herrschende Stimmung die Kominunalpolitik der Liberalen beeinflußt. Ferner zeigte der Redner, was die städtische Verwaltung innerhalb des Rahmens ihrer Befugnisse auf dem Gebiet der Schule, des Steuer- Wesens, der Gemeindebetriebe, des Verkehrswesens leisten könnte, wenn die Forderungen erfüllt werden, welche die Socialdemokratie an die Verwalttnig der Gemeinde stellt.— Die Zuhörer folgten den fesselnden Ausführungen des Vortragenden mit regem Interesse und spendeten ihm lebhaften Beifall. Hierauf übermittelte der Vorsitzende Ernst der Versammlung die Grüße des Genossen Freudenberg, der bedauert, daß er mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand das ihm übertragene Mandat nicht mehr ausüben kann. Dann teilte Ernst mit, daß die BczirkSführer den Genossen A r o n s als Kandidateil sür den 40. Bezirk vorschlagen. Weitere Vorschläge wurden nicht gemacht und Dr. Arons wurde einstimmig als Kandidat proklamiert. Er nahm die Kandidatur an und bemerkte, er setze voraus, daß das Mandat unsrer Partei erhalten bleibe, er werde versuchen, es so auszuüben, daß die Wähler mit ihm zufrieden sind.— Zum Schluß ersuchte Ernst die Parteigenossen, eine rege Agitation für die Wahl unsres Kandidaten zu betreiben. Da wir den Bezirk bei der letzten Wahl zum erstenmal erobert haben, so sei der Sieg nicht unter allen Umständen sicher. Weull aber jeder Parteigenosse seine Pflicht in der Agitation thut, dann werde uns das Mandat wieder zufallen. Darum möge jeder für sein Teil dazu beitragen, daß wir am 31. Mai den Sieg erringen. Ter focialdemokratische Walilvemu für Adlershof hielt am 21. April im Lokal von Fechner seine stälidige Mitgliederversanim- liing ab, in der Genosse Dr. B o r ch a r d t einen cmderthalbstündigen gut aufgenommenen Vortrag über„Die Verwirklichung des Socio- lismus" hielt. Zum Punkt 4 der Tagesordnung:„Das Urteil des Ober-Verwalwngsgerichts gegen den Wahlverein" erhielt Genosse T o st das Wort zur Berichterstattung. Der Sachverhalt war kurz folgender: Am 19. März v. I. löste der diensthabende Gendarm bei Eintritt der Polizeistunde um 19 Uhr die Mitgliederversammlung des Wahlvereins auf, da er die Versammlung als eine öffentliche ansah, obgleich er Kenntnis davon hatte, daß durch Kontrolle fest- gestellt war, daß nur Mitglieder und durch diese eingeführte Gäste anwesend waren. Daraufhin wurde der Beschwerdeweg beschritten und schließlich Klage beim Obcr-Vcrwaltullgsgcricht gegen den Re- gierungspräsidenten zu Potsdam angestrengt. Jedoch wurde der Berein kosteiipflichtig abgewiesen. Den Wahrheitsbeweis zu führen, daß nur durch Mitglieder eingeführte Gäste anwesend waren, wurde dadurch unmöglich gemacht, daß das Ober-Vcrwaltungsgericht die vorgeschlagenen Zeugen einfach nicht geladen hatte. Genosse Tost verlas die Schriftstücke, und geht aus dem Urteil klar und deutlich hervor, daß die Bevölkerung von Adlershof mit zweierlei Maß ge- messen wird, da es in demselben ausdrücklich heißt, daß für die Lokale, in welchen die Soeialdemokraten verkehren, um 10 Uhr die Polizei- stunde eintritt. Genosse Tost teilt mit, daß der Vorstand beschlossen hat, jeden zweiten Monat im Quartal eine vsfelitliche Mitglieder- Versammlung abzuhalten, und Iverden dieselben jedenfalls so agitatorisch wirken, daß das Gegenteil von dem erreicht wird, Wa-Z die polizeilichen Maßnahmen bezweckten. Hierauf gaben der Kassierer und der Zeitungssprditcur ihre Berichte. Die Mitgliedcrzahl betrug am Anfang des Quartals 217, am Ende 227. Es wurden die Genosscii Neuinani, als Revisor und Bonius als Hilfskassierer ge- wählt. Nachdem Tost noch bekamit gemacht hatte, daß am 15. Mai in Rauchsangwerder eine össentliciie Versammlung stattfindet, erfolgte um V.1 Uhr Schluß der Versammlung. Verband der Friseurgehilfcn Deutschlands(Zwcigvcreiu R i x d o r j). Donnerstag, den 5. Mai, abends 19 Uhr, im Lokal von Fr. Hoppe, Berlinerstr. 14, Miiglieder-Versammlulig. Vermilcktes. Ueber ein Eisenbahnunglück wird aus Artern, Provinz Sachsen, berichtet: Beim Vorziehen eines Rangierzilges aus Geleise 3 nach dem Ausziehgeleise, entgleisten bei Weiche 3 c. d. die drei vorletzten Wagen, während der letzte auf dem Geleise stehen blieb. Das Hauptgeleise blieb infolgedessen drei Stunden gesperrt, der Personenverkehr wurde durch Umsteigen an der Unfallstelle aufrecht- erhalten._ WttterungSnbersicht vom 4. Mai 1904, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg erlin ! g 760 SW 750:85® 760@8 Frankf.a.M. 761, München>762, SW Wien 760«W Setter X tSK s S, t9 WS, Stationen § S— Haparanda Petersburg Cork Werdecn Paris 765 NW 761 NNW 7 19 3 heiter 3 Regen Ikicdeckt 2 Regen llbedeckt 2, wollig Wettcr-Proguoie für Donnerstag, den 5. Mai 1904. Ziemlich kühl, vorheittchend wolkig mit leichten Negensällen Mb mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. 715 751 n J 8« OSO SSW Setter 2'bedeckt 4Regen 3 Oed eckt Schall) bb. tfsi C% f". g» WS, wigsen wir, denn eine Qual ohne gleichen, ein Tanz auf Domen ist ein Stiefel, dessen Sohle auf den Pussballcn drückt. Wenn der Schwerpunkt im Stiefel nicht richtig, der Stiefel ein falsches Gefälle hat, wird in der Dauer nicht nur der Fuss örtlich gequält, sondern auch das Räckgrat erschüttert. Wer einen „Salamander-Stiefel" getragen, hat die Wchlthat, das Behagen eines mollig sitzenden Stiefels mit Dank empfunden; wer „Salamander-Stiefel" trägt, spart bei dem Einheitspreis von H. 12, SO viel Geld. Wir wollen bei diesem Preis von M. 12,50 eine Reform der Fussbekleidung einleiten. Kommen Sie einmal zu sehen, ob wir zu viel behaupten. Verlangen Sie Preisliste. Rudolf Moos, Berlin C., Königstr. 47, Ecke Hoher Steinweg. Stammhaus SW., Friedrichstrasse 221. Restaurant„Torsthans" Hermsdorf an der Nordbahn, rechter Bahnanfganje. Inhaber: Karl Dimke. 48068" lerrlicher Garten und Saal, 5kegelbahn, Ausspannung, Station für Radfahrer. amilien-Kassceküche.— Für gute Speisen u. Getränke wird bestens gesorgt. - Fernsprecher: Amt Tegel Rr. IVO.■— Fortuna lächelt noch!!! Mariendorfer Hochbanterrain! 800 Baustellen von M. 3000.— an, prachtvoll geschnitten M. 3.— «. 4.— pro Quadratmeter netto Bauland, zur Straße nichts mehr abzutreten. Kanalisation, Gas, Wasserleitung, elektrisches Licht, 3 Minuten vom Endpunkt der elektrische» Bahn Behreiislraize— Mariendors. Berkäuser, auch Sonntags, von 3—3 Uhr aus dem Terrain. Eigentümer A. Lowrek, Berlin, 347b Gneisenanstr. 52. Stettiner Lose, Ziehung sehon 10. Mal. 4114 Gewinne i, W. v. 135,000 Mark. Lose ä 1 Mm 11 Stück 10 Hark. (Porto und Liste 20 Pf.) Oscar Bräuer& Co. Nachf. Friedriclislr, 181. Filialen; NW., Wllsnackerstr. 63. O., Andrcasstr. 46a. SO., Oranienstr. 177. Klosterbrauerei Gtiarlottenburg HhtiengcicUacbaft Bisniarckstr.22a empfiehlt ihr vorzügliches, aus bestem Malz und Hopfen eingebrautes hell nach Pilsencr Art dunkel, nach Münchener Art sowie ihr anerkannt gutes —= Berliner Welssbier=— in grostcn und kleinen Gebinde». Solventen Abnehmern stehen wir mit Restaurations- und Garten- Mobiliar, eventl. auch mit baren Darlehen zur Verfügung. Die Direktion. Glirtsbaus„schlols Gloltcrsdorf". Neu erbaut, vis-a-vis der Schleuse, herrlich am Flakensee gelegen. Von Bahnstation Erkner in 15 Minuten aus wundervoller Waldpromcnade zu erreichen; mit Dauchsersteg, Terrassen, uraltem Part, großem Tanzsaal, geräumigen Hallen, Famiucn-Kaffeeküche, eignen Spielplätzen im Walde, Ruderbooten Zc.— Etwa 2000 Personen sasscnd. Den geehrten Gmerk- schalten, Vereinen, Fabriken usw. zu Ausflügen angelegentlichst cmpsohlen. Achtungsvoll Friedrich Sacsvcrt. Fernsprecher Amt Erkner Mo. 49. Herrn. Ramlows Weiss- u. Bayrisohbier-Lokal Schönhauser- AUec 135. Empfehle mein großes Vereinszimmer für Zahlstellen, Gewerkschasts- und Werkstattsitzungen._ 48808* jgeg- Zwei nenrenovlertc Kegelbahnen.-MK Großer Mittagtisch sowie gut gepflegtes Weiß- und Bayrisch Bier. H. Ramlow. i�-Ciue Usrlc wöchentliche Teilzahlung liesere Bestellungen n. Maß, tadell. Auss.\ Werkstatt im Hanse. IKiirzlierg, Hese Königstr. 47.1 HIH Direkt am Alexanderplatz, t Herren-AnWstoffe, Reste, empfiehlt spottbillig 49448" fMMlltig fenl. Mtl. Reinilkendorf-West, Eichbornstr. 64. «uchhanUIung Vonvärts ------- Berlin Liv.bS-------- Soeben erschien: Die verschttdenen Forma ::des Wirtschastsledevs:: Sin Vortrag gehalten vor Berliner Arbeitern von Cduaiil Bernstein 50 Pf. Porto 3 Pf. igitations- Ausgabe 20 Pf. er gibt in gemein- er Weise ein Bild Preis Agitai ...zu der'____ fchastsweise des entwickelten Kapitalismus. Die Broschüre schildert in ihren letzten Ka- ptleln, wie mit der rasche» Entwicklung des modernen Kapitalismus auch die Iaht oaa" achst, . asten um ihre derArbeiter beständiq wächst die sich zu Sewerrscha' zusammenschließen. Interessen im moderneu Wirtschaftsleben zu wahren. Der Vortrag ist daher geeignet, die Auf- Närungs» und Organs- sationS» Bestrebungen unster Gewerkschaften wesentlich zu fördern. Knaben- und �ünxlinxs- Garderobe s. d. Alter v. 2-20Fahr. in reichhaltigster Auswahl am billig- ften und reellsten direkt in der Fabrik vonKarlSuslSöl 0.. Koppenstr. 85, pt. 2 Min. v. Schief Bahnh. Herren< Garderobe nach Maß.» Großes Lager in- und ausländischer Stoffe. 111* bestes Ww%' Kleine Anzeiaen. W J&r die nächste Nummer werden den Annahmestellen für Berlin CslJVhr, Anzeigen bisHJhr,fUrdie Vororte bi_____ > der Hauptexpeditton /.Mcken- Strasse 69 bis S Ubr angenommen. :bste terden ■rlin 'M Verkäufe. Bette», Bettstüde, Steppdecken, Tischdecken, Teppiche staunenerregend Psandleihhaus Weidenweg 19. f31" Spottbillig BeMnIette, Bettbezüge, Bettlaken, Aussteuerwäsche, Braut- leuten enipsehlenSwert, Psandleihhaus Weidenweg 19._ M* Herrenuhren, Damenuhren, Ketten, Regulatoren, Freischwinger, Schmucksachen, Trauringe, Spiegel, anerkannt spottbillig Psandleihhaus Weidenweg 19._ f31' Bekanntmachung. Sommerpaletots, Jackettanzüge, Gehrock- anzöge, empfehlenswerte Einkaufs- nuelle, mir Centtal- Pfandleihe Weidenweg 19. Verkaufszeit bis neun abends._ t31* Restauration, altes Geschäft, villi,, verkäuflich. Näheres Barntmsttaße 12. Tonkmann, 1037d Gardinenhaus GroßeFranksurter- straße 9, parterre._ t37* Hochvornehme Herren- Anzüge. Soinmerpaletots, vorjährig, aus seinften Maßstofsen, 18— S8,/,| Gaslyren I Gas- Wandarme 18/1 Wohlaucr, Wallner- Theatersttaße 32.(Schiller-Thcater).* Abessinier-Pumpen von 8 Mark an, Druckpumpen, Einzelteile, Filter, Erdbohrer umsonst leihweise. Bis 9 "" et. Wolff, Pumpensabrik, Acker- 113. 2271K* tst Malzkraftbier. blutblldenb. Blutarme, Brustttanke. Schwä. Gewichtszunahme, bessere sarbc, überraschend, 14 w,, 3 Mark,'/,« Tonne 3F0 exklusive. Nicht Flaschcnzahl, Oimlität ent- scheidet. Porter- Kellerei Rmgler, Vernauersttaße 119._ 140/6* ltbildenb, für Schwächliche, sere Gesichts- 14 Flaschen Vorjährige hochvornehme H hosen aus seinften Maßftoffen, Mark. Versandhaus Germmria, Herren. . 9-12 Versandhaus Germmria, Unter den Linden 21. 31698* Ringschtffchen, Bobbin. Schnell- näher, ohne Anzahlung, Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Köpnickerstraße 60/61, Prcnzlaucrstraße 59/60 und Große Franksurtersttaße 43._ t98* Steppdecken billigst Fabrik Große Franksurtersttaße 9, parterre. i-37* Paneel- oder Schlassosa umstände- halber spottbillig. Fräulein Gehler, Prinzensttaße 64, Hof 1. 1080b Nähmaschinen sämtlicher Systeme ohne Anzahlung, wöchentlich 1,00. Fünf Jahre Garantie. Unterricht im Sticken, Stopsen gratis. Postkarte trügt Wienerstraßc 6, Ackcrstr. 113, lleaVancestraße 78. 10796 Betten, prachtvolle, 18,00, Wchel, Dresden ersttatze 38._ 10696 Herrenfahrrad, guierh alten, modern, sofort, 38,00, komplett, Große Franksurtcrstraße 14, Hos geradezu. De» en vom Hansaviertel ür pünktliche Lieferung von Milch uno Backware Paul Bartsch, Lesfirigstratze 32. 2269K* empfiehlt sich von Milch rmd Staunend billig verlausen Ge- schwister komplette Muschelbcttstellen 30,00, noch neu, geschliffener Tru- meau 83,00, Paneeljosa 55,00, gediegene sournicrte Muschelschränk« 38,00, Ansziehttsch, Salontisch 15,00, Taschensosa 45,—, Stores, Gardinen, Steppdecken, Plüschdecke, Verschiedenes jeden Preis. Köpnickersttaße 126», I. Landparzelle, 8 Mark, verkaust sttaße 151._ Oftvorort, Rute Crah«, Brunnen- 1064b* inwäscherei, Norden. Em- fehle meine Dampf-Wasch- und Plättanstalt. Sdecialität: Oberhemden, Kragen und Manschetten. Wilhelm Sprenger, Anklamerstratz« 47. Kosten- lose Abholung und Zusendung.+100 Gebrauchtes billig Kainer, Lortzwgsttaße 2, III. Fahrrad verkaust Fahrrad, gut erhätten, 40,00, nettaust Schultz. Josesstraße 11. 10736* Adlerrad, fast neu, 60,00. Na: straße 38, Barbierladen._ 10896* Restaurant— ausgezeichnelc Lage — nahe Görlitz er Bahnhos, sosort billig zu verkaufen Grünauerfttaße40. Billige Stoffreste zu allen Zwecken, sowie Ärbettssachen, Resterhandlung Zaune, Moabit, Turmsttaße84, zweites Geschäft Fleusburgersttatze, Ecke Klop- swckstraße, Stadtbahnbogcn. 2/8* Restauration, Miete l300, um- ständehalber billig zu verlausen Bändel- straße, Ecke Turmstraße, bei Götz. Nähmaschine, tadellos, 12,00, Garantie. Lcmgestraße 25, vorn III, Göke. 1034b Schlassosa 30,00, Bettstelle, Ma> Katze 15,00, wie neu, Tapezierer, Pallisadcnsttaße 23._ 2/4 Russbaummäbel, 4 Zimmer(komplett) auch emzeln, sosort billig. Braut- leuten Gelegenheit, Händler'verbeten, Lunensttaße 107/103 I links. 2/6 Aquarium mit Ständer besetzt mit einjährigen Macropodcn verkaus Koerber, Mariannclchlatz 25. kaust 2/7 VersLdieäenes. Stechtsbureau. Klage». Jnter- oenttonen, Eingabengcsuche fertigt an Orauiensttaße 109, I._ 2250K* Rechtsburea«!(Andreasplatz), Grünerweg oierundnennzig. Lang- jähriger Gerichtsbeistand I Rat- ertellung I Nngabengesuche! Steuer- berusnilg k_ 10136* Rechtsbureau Brunnenstraße vierzig. Langjähriger Prozcßbcistand, Eingabcngesuche, Raterteilung(aller- billigst).__ 10265 Rechtsbnreau(Alexander-Platz), Krnzestraße achtzehn I Gerichtsbeistand, Magesachen! Sttafiachenl Ratcr- teilungl Eingabcngesuche I 110/1* Rechtsbnreau. Gerichts klagen, Straffachen. Eingabengesuche, Rat- crteilungen. Peffch, Brnimenstt. 97. Strafsachen.Unsallsachen, Gnaden- gesuche, Ehebewilligungs-Gcsuche er- solgreich. Mark 0,75 an.— Rcchts- bureau Elsassersttaße 96(Rosenthaler- thor).__ 10106* Damman», Ora- Rat in neun. s1029b» Patentanwalt »icnsttaße 57, Moritzplatz. Patcntsachen bis abends nei Uhren repariert Flade, Putbuscr- sttaße 20._ tl37* Kunststopferei von Frau Kokoskh, Stcinmetzstraß« 48, Oucrgebäude hoch- parterre. Anfpo lfternng! Sosa 5,00, Mattatze 4,00, auch außerm Hause. Bachmann, Blumensttatze 35 h._ 2173K* Darlehen vcrgiebt Selbstgebcr, disttet. Tietze, Posenersttaße 23. Rück- porto. 1/15* beleiht Ratzlaff. Fahrräder kaust, Schönhauser Allee 163». mit Kopf, 108/9' frisch in Bandwiirmer...... Spiritus eventuell Wasser, lausen a 2 Mark, Lmnaea, Jnvalidensttaße 105. Bücher kaust, beleiht Antiquariat Kochsttaße 56. I. Amt I. 8831.* Jnterbeutions-, Alimentcnsachen, Klagen. Eingaben Heittschcl, Forsterstraße 10, DI. sl078b Waschanstalt. Garanttert keinen Chlor. Leibwäsche, Bettwäsche 0,10, vier Handtücher 0,10. Otto Bathe, Köpenick, Müggelheimersttaße 22. Abholung Sonnabends._ 2278K Waschanstalt von Frau Barthold, Köpenick, Elisabethsttaße 3, wäscht ohne scharfe Mittel, ttocknet im Freien. Bettwäsche, Leibwäsche, drei Hand- tücher 0,10. Abholung Sonnabends. Stenographie stolze- Schrcy, Einzelunterricht, auch abends und Sonntags. Hcntschel. Forftcrstraße 10. Wäsche wird sauber gewaschen, im Freien gettocknet. Großer Bezug 0,15, Laken, Leibwäsche 0,10. Ab- hutung sonnabends. Emil Pankrath, Köpenick, Müggelheimersttaße 40. Vermietungen. Wobnangeii. Kleinwohnungen, sosort, helle, ge- sunde. billige, Lynarstraße 11(Wed- ding). 144/10* Zweizimmer-Wohnungen, sosort, herrliche, spottbillig, Rixdors, Wanzlick- sttaße 12. 144,11* SedlnfstelleiK. Schuhmacher-Geselle aus Platz und Schlafstelle, der auch etwas mit /Th machen kann. Hupe, vorn parterre. aerfttaße 17, +31 Möblierte Schlafstelle, Flur- eingang, Dame. Wallsttaße 35, vorn III. 1066b �rdeitsmarkt. und Stellenangebote. Sattler auf Lcdergürtel, in außer dem Hanse, finden lohnende Beschästtgung. Heinrich Lcwh, Ritter- sttaße 45. 1040b* Ein guter Schristhauer und ein Sandftemmetz aus Denkmäler wttd sosort verlangt. Julius Adam, Königsbergersttatze 18.____+31 arbeitende aus Gitter finden dauernde B«schä aung. Peters, sophie-Charlottcn- iwaße 108._ 10836* �Schlofferlehrttng verlangt Joseph. sttaße 11._ 10745* Laufbursche. Wegcleben, Andreas- stratze 32. 1067b Gin Geselle aus, Schablonen verlangt 8. kirchplatz 2, ckert. Zions- 10716 Mädchen für kleine Attisch cht findet angenehme Stellung. Butziger. Landwehrsttaße 41.-{-gg ."S" *"+100 Feinw. Änklamersttaße 47. "Geübte Näherinnen au, Kleidchen verlangt Schönboiz u. FrtedrichSberg.+-140* en. Lehrmädchen mit guter Schulbildung bei monatlicher Vergnttgnng. sosort oder später gesucht. Persönlich« Vorstellung in Begleitung der Eltern oder des Vormundes mittags 1— T oder abends 8—9 Uhr. A. Jandors u. Co., Bellc-Alliancesttaße 1/2.* TW. Mdkitcurc Ziehung zrt Arbeit für Festsetzung und_ Dachlcisten erholten sosort Skan«ka Cementgjntcrlct, Malmö. Schwede». 1/11* trdeiterimleil aus Sttumpsdänder außer dem Hause sosort gesucht. Meldungen 7—8 Uhr abends im Hauptcomptott. A. Zsnckorj 9t Co., Bcllealliancrsttaße 1—2. Aeuberitme» für unsre Damenlonsektion sofort gesucht. Meldungen 1—2 Uhr mittags, 8—9 Uhr abends. A. Zanüorj 9t Co.» Belleallianeestraße 1—2., Aefatnng! Achtung! KitttgerMmer! Wegen vorliegender Differenzen bei der Firma Funk n. Co.(Altmann), Chärlotteuburg, ist laut Versamm- lungsbeschluß Zuzug nach dort strengstens fern zu halten. «7/20* Ple Sekttonalettnng. Achtung, Holzarbeiter! Zuzug ist streng fern zu halten von KMschlttv, EiOtzeru n°ch Steglitz, Sratz-Kchter- ftlde, Lankwitz-n-d Kedemw. Achtung'.Uamer! VtüpvnSvk. Bau de er, Freihei Kollegen Der Bau der Wasch- Anstatt von Bayer, Freiheit 80b, ist für organisierte Kollegen g e s p er r4, da dort Aecordmaurrr beschästigt weckien. Der Bau wird aoSaesührt von der Firma«tchtcr& Sciunld«, Berlm O, Sttat-mAlatz 18,19. 143/5 Die Ortsverwaltnng. • Da bei'der Firma THe>ier in Kftla sich die Kollegen im Stteik befinden, wird jedenfalls versucht werden, unter irgend einer Deck- adreffe Berfilberer nach Kö-ln zu locken. Wir ersuchen alle Kollegen, bis auf wetteres Xmsug fern- ■■halten. 226/16 Der Hanptvorstand des Verbandes der Bergolder. Berailtw. Redatteur: Paul Büttner, Berlin. Wr den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Smger& Co., Berlin S