Nr. 107. H bonnemenfs-Bedlngungen: Wonnements- Preis pränumerando i LierteijähÄl. SL0 Mk., monatl. l,I0 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage»Die Neue Welt» lv Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Mari, für das übrige Ausland g Mari pro Monat. 21. Jahrg. Crrotlot täglld auBtr lstSülZg». Derlinev VolktSblerkk. vle Inlertlonz-eedilhr leträgt für die fechsgespaltenc Kolon el. zcilc oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche BereinS- und Bersammlungs-Anzeigen 2S Pfg. �Aleine Sn-eigen", das erste(fett- gedruilte) Wort 10 Pfg., jedes weiter« Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-Adresse: uS»zialil(iD»knt Bsrlln". Zentralorgan der fozialdemokrati f eben partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. ISSZ. Sonnabend, den 7. Mai 1004. Expedition: SM. 68» Lindcnatraaae 69. Ffcrnsprecher: Amt IV. Nr. IS8I. Um die Gemeindewahl-Ergebnisse. Paris» 8. Mai.(Eig. Ber.) Talleyrand sagte:.Man schafft eine Thatsache, indem man sie behauptet."' Nach diesem pfiffigen Wort richten sich die Kommentare der beiden Kampflager, des Blocs und des Gegenblocs, zu den Ergebnissen der Hauptwahl. Hüben wie drüben schreibt man sich den Sieg zu. Diese Erscheinung wieder holt sich hier so ziemlich nach jeder Wahl. Denn nur die Regierung verfügt über umfassende Informationen. Die Oppositton aber ver- dächtigt die amtlichen Angaben, besonders in der gefährlichen UebergangSzeit zwischen Haupt- und Stichwahl, wo der Eindruck der Hauptwahl von großen: Einfluß auf das endgültige Ergebnis werden kann wegen seines stimmungmachenden Wertes. In den Kommunalwahlen ist zudem der eigenartige Kampf um den Eindruck der Wahlergebniffe ungemein erleichtert durch die unübersehbare Zersplitterung des KampsterrainS und die jeder politischen Berechnung spottenden lokalen und persönlichen Einflüsse, die in den kleinen und kleinsten Gemeinden über die Wahl ent- scheiden. Waren doch am 1. Mai in 36170 Gemeinden 430 120 GemeinderatS-Mtglieder zu wählen, wobei die Hälfte sämtlicher Gemeinden, 18 054 an der Zahl, mit 180 540 Kommunal- Vertretern weniger als 500 Einwohner zählen und weitere 13 556 Gemeinden mit 162 672 Vertretern eine Bevölkerung von nur 501 bis 1500 Einwohnern aufweisen. Die wahre polittsche Bedeutung der Gemeindewahlen in ihrer Gesamtheit zeigt sich erst mehrere Jahre später, bei der nächsten Senatswahl. So haben die Drittels-Erneuerungswahlen zum Senat von 1897. 1900 und 1903 den seit 1896 bezw. 1892 in den Kommunalwahlen stetig vor sich gegangenen Ruck nach links un- zweifelhaft offenbart. Unmittelbar nach den Gemeindewahlen von 1896 konnte das damals regierende Kabinett Mölme den Sieg des Ordnungskartells„statistisch", amtlich-stattstisch verkünden, ohne sich zu blamieren: bis das Dementi der Senatswahlen kam, hatte man das amtlich-statistische Kunststück vergessen. Auch die amtlichen Angaben des Kabinetts EombeS müssen natürlich mit einem Körnchen Salz aufgenommen werden. Sie be- ruhen ja auf den Berichten der Unterpräfekten und Präfekten, die persönlich für„gute Wahlen" zu haften haben. Sie verdienen daher keineswegs dasselbe Vertrauen wie eine aus eignem Wiffen gemachte Angabe des Herrn Combes. Indes spricht die allgemeine Wahlsituation, sowie insbesondere das erwähnte absolut feststehende Resultat der Gemeindcwahlen seit 10 Jahren dafür, daß die amtlich behaupteten Er- folge den Thatsachen entsprechen. Die amtliche Statistik erstreckt sich nun auf 360 Hauptorte(Departements- und Bezirksstädte) mit definitiven Ergebnissen, unter Ausschluß des Seine-Departements, wobei 18 Hauptort-Ergebnisse noch ausstehen. In jenen Haupt- orten gewinnen die.ministeriellen Republikaner", d. h. alle Parteien des BlocS zusammen, die Mehrheit in 201 Gemeinderäten, was einen Gewinn von 10 Hauptorten bedeutet. Stichwahlen stehen bevor für 2214 Mandate, davon sind den Ministeriellen 1234 Stich- Wahlen günsttg. 349 ungünstig und 631 zweifelhaft. Auf feiten der Oppositton ist es der mölinistische National- berein, der umfassende Ergebnisse centralisiert haben will und in einer Reihe von größeren Städten und ganzen Departements ministerielle Verluste, definittve und voraussichtliche, herausrechnet. An der amtlichen Stattstik ist allerdings auffallend, daß sie nur die N e t t 0- Gewinne gegenüber früher angiebt, anstatt eine regelrechte Gewinn- und Verlustrechnung aufzustellen. Zu den s 0 c i a l i st i s ch e n Ergebnissen ist folgendes nachzu- tragen. In D i j 0 n stehen die Jaurösisten in einer günstigen Stich- Wahl, so daß sie die Stadt, die 1896—1900 schon einen socialistischen Gemeinderat hatte, wohl erobern dürften. In Toulouse dürste die Zahl der socialistischen Mandate im bisher socialiftisch-radikalen Gcmeinderat sich vermehren. In R 0 u b a i x sind die 21 Stich- Wahlen den Socialistcn(Guesdisten) günstig. Bemerkenswert ist ferner die Zunahme der socialistischen Stinnnen und Mandate im dunkelsten Frankreich, in der verpfafften B r e t a g n e. In M o r- seille ist die Stimmenzahl des ehemaligen socialistischen Maires, F I a i s s i ö r e S, der nebst drei Kandidaten seiner Liste bereits gewählt wurde, von 23 723 Stimmen in der Wahl von 1902(socialisttsche Niederlage) auf 40 040 ge- stiegen, während der bisherige Maire, C h a n 0 t, ein verkappter Melinist, es von 29 556 auf 39 002 Stimmen gebracht hat. lieber» dies werden aus Marseille betrügerische Manöver bei der Auszählung der Sttmmen gemeldet, die allein den socialistischen Sieg gleich in der Hauptwahl vereitelt hätten. Die Stimmenverteilung in Paris wird von JauröS' Zeitung.L'Hmnanits" also berechnet: S 0 c i a l i st e n 144 719, Radikale 92 935, zusammen 237 654 Stimmen der Linken. Nationalisten und Monarchisten 152 320, Melinisten und Klerikale 16 916, zusammen 169 236 Stimmen der Rechten. Danach eine Mehrheit von 68 418 Stimmen zu Gunsten der Linken. Die socialistischen Sttmmen verteilen sich ihrerseits wie folgt: P. S. F.(Jaurösisten): 51 653. „Unabhängige", von der P. S. F. unterstützte bisherige Ratsmitglieder: 21436, ANemanisten: 26983, P. S. de F.(antiministerielle Socialisten): 24 546, endlich Kandidaten autonomer socialistischer Gruppen: 22 102 Stimmen. Die Pariser Stichwahlen kündigen sich für die Nationa- listen immer böser an. Die kommende nationalistische Niederlage scheint ihre Schatten bereits vorauszuwerfen in der Form mehr- facher schwerer DiSciplinbrüche. Der Nationalist Caplain, ein Bisheriger, in der Hauptwahl von einem noch reaktionäreren Marquis überholt, zieht sich vcrdrosicn zurück, ohne seinen Bruder in der Vaterlandsrettung den Wählen: zu empfehlen. Der Nationalist Fortin. ein Bisheriger, hält seine Kandidatur aufrecht gegen den meist- begünstigten bonapartistischen Mitnationalistcn. Das gleichfalls bisherige nationalisttsche Ratsmitglied Balliöre, der wegen seines Abfalls von der reaktionären Ratsmehrheit durch einen Gegen- kandidaten mit Erfolg bekämpft worden war, zieht sich zurück, aber sein Wahlkomitee nimmt Stellung zu Gunsten des S 0 cialisten Le Grandois, um so den nationalistischen Rivalen sicher zu Falle zu bringen! Die Ratten Verlaffen das sinkende Schiff... Dagegen herrscht im Lager der Linken musterhafte Disciplin. Auch die Seine-Föderation der P. S. de F.(Guesdisten und Blanquisten) hat beschlossen, in Paris ihre Kandidaten zurückzuziehen überall dort,„wo sie, ohne die Aussicht zu haben, gewählt zu werden, durch die Aufrechterhaltung der Kandidaten die nationalisttsche Reaktion begünstigen könnten, die sich stets als der wütendste Feind der Arbeiterllasse und des Socialismus gezeigt hat".— politifcke(leberlxekt. Berlin, den 6. Mai. Der Reichstag beriet heute zunächst eine Resolutton Gröber(C.), die eine Herab- setzung der Mindeststrafe im Militär-Strafgesetzbuche forderte. Sie war zum Marine-Etat gestellt worden, da sich aber Bedenken gegen ihre Fassung erhoben hatten, in die Kommission verwiesen worden; dort war sie daraus beschränkt worden, daß sie für einen einzigen Paragraphen, der von Vergehen der Mannschaften gegen untere Vorgesetzte handelt, eine solche Herabsetzung der Mindeststrafei: wünscht. Selbst hiergegen äußerten die Vertreter der konservativen Parteien, die Abgg. v. Normann und v. Kardorsf, noch aller- Hand Bedenken„aus Rücksicht auf die Disciplin" und Staats- sekretär v. Tirpitz orakelte über ungünstige Schlüsse, die mai: aus der Annahme einer solchen Resolution ziehen könnte. Die andren Parteien waren sich darüber einig, daß der Kommissions- beschluß eine überaus bescheidene Forderung sei. Selbst das Centrum und die Freisumigen mußten aus Vorhalten unsreS Genossen Singer zugeben, daß sie zu bescheiden sei. Trotzdem sah sich der bayrische Bundesrats-Bevollmächttgte General- lieutenant v. Endres veranlaßt, in sonderbar erregter Weise gegen den Antrag Stellung zu nehmen. Er wärmte das uralteMärchen auf, daß die Socialdemokratie die Disciplin im Heere untergrabe, erklärte den Offizier für den einzigen natürlichen Anwalt des Soldaten und nannte die, welche im Reichstage von Soldatenmißhandlungcn sprechen, Verleumder des Offiziercorps. Das trug ihm selbst unter dem Präsidium des Grafen Ballesttem einen Ordnungsruf ein. Auch mußte sich der Ritter v. Endres gefallen lassen, daß ihm sowohl vom Genoffen Singer wie von den Vertretern der bürgerlichen Parteien bis zum Führer der regierenden und Regierungspartei, dem CentrumS-Abg. Dr. Spahn, gründlich der Standpunkt klar- gemacht wurde. Herr v. Endres suchte seine Aeußerung zu er- klären und richtigzustellen, machte aber die Sache dadurch nur schlimmer. Der Kommissionsantrag wurde schließlich gegen die Sttmmen der Rechten angenommen. Dann fand das Haus endlich einmal Zeit zur Erledigung der zahlreich vorliegenden Petittonen. Eine große Anzahl davon fordern Gesetzesänderungen, über deren Notwendigkeit sich alle Parteien einig sind, z. B. Regelung des Apothekenwesens. Sie wurden debattelos der Regierung zur Er- wägung und Berllcksichttgung überwiesen. Andre enthalten so unerhörte Forderungen des Unternehmer- tumS, zeigen eine so unglaubliche sociale Rückständigkeit, daß sich selbst aus den bürgerlichen Parteien keine Stimme für sie erhob. So verlangen die einen Ausdehnung der Erlaubnis zur Beschlag- nähme des Arbeitslohnes, andre gänzliches Verbot des Streikposten- stehens usw. Bei einer dieser Petitionen, die sich jetzt, wo kaum der Plan aufgetaucht ist, gegen die Einführung der Reichs-Arbeitslosen- Versicherung wendet oder Uebertragung der Kosten derselben auf die Arbeiter fordert, übte Genosse Molkenbuhr die nötige Kritik an den Petenten, ihrer Gesinnuilg und ihren Gründen. Da beantragen wackere Jnnungsbrüder, Bäckermeister, die selbst durch Lehrlingszüchterei die Arbeitslosigkeit in ihrem Gewerbe hervor- rufen oder vergrößern, sie mit Rücksicht auf die Konkurrenz des Aus- landes nicht stärker zu belasten. Oder ein Arbeitgeberverband, der sich die Aufgabe gestellt hat, die Arbeiterorganisationen zu zerstören, bittet, die ArbeitSlosen-Versicherung den Arbeitern und ihren Ver- bänden zu überlassen. Trotzdem überwies der Reichstag diese wohl begründete Anregung dem Reichskanzler als„Material". So ungefähr soll also das„Material" aussehen, auf das die Regierung nach dem Wunsche der bürgerlichen Mehrheit— ihre Vorlagen stützen soll. Sie stellte diese Petttion damit ungefähr einer vom Central- verband der Maler ausgegangenen gleich, die Verbot des Gebrauches der Bleifarben fordert. Obwohl diese Petition auf Grund der reichsten Thatsachen- wie Gesetzessammlung die Schädlichkeit des Bleiweiß für Gesundheit und Leben der Arbeiter nachweist, hatte die Kommission sie nur zur„Erwägung" überwiesen und ihr Gewissen durch eine Resolution salviert, die Schutzmaßregeln gegen die Gefahren der Verwendung dieser Bleifarben fordert. Vergebens wies Genosse Wurm nach, daß eS ausreichende Schutzvorrichtungen gegen diese Gefahren nicht gäbe, daß selbst die deutsche Militärverwaltung, der oberste französische Gesundheitsrat und viele andre ausländische Behörden die Gefahren der Bleiweißverwendung anerkannt hätten. Ver- gebens erinnerte er das Centrum daran, daß auch der katholische Arbeiterverein sich ganz auf den Boden der Petition des Central- Verbandes gestellt habe. Das Centruin, für das der Abgeordnete Erzberger sprach, ebenso wie der konservative Abgeordnete Meyer und der Liberale Gothein blieben dabei, daß man im Interesse der Industrie ein solches Verbot nicht erlassen dürfe, und lehnten unsren Antrag auf Ueberweisung zur Berücksichtigung ab. Bei der letzten Petition, die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine forderte, gelang es endlich der Linken, einei: kleinen Erfolg davon- zutragen. Obwohl außer unsrer Fraktion nur die Freisinnigen und zwei andre bürgerliche Abgeordnete für Ueberweisung zur Berücksichtigung stimmten, wurde der Anttag, da sie stärker vertreten waren als die Rechte, angenommen. Morgen steht außer Rechnungssachen die zweite Lesung der kleinen Finanzrcform(lex Stengel) auf der Tagesordnung.— Preußisches Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus hat am Freitag die Kanaivorlage, nachdem noch einige Redner SpezialWünsche der von ihnen vertretenen Landesteile vorgebracht hatten, derselben Kommission überwiesen, der auch die Meliorationsvorlagcn überwiesen sind. Der Kommission gehört u. a. auch der VerschleppungS- Geheimrat Frhr. v. Zedlitz an, das Spiel hinter den Coulissen kann also beginnen. Hierauf gönnte sich das HauS den Scherz, eine Viertel- stunde in„Socialpolitik" zu niachen. Zur Beratung stand die auf telcgrap�ische Anweisung eingebrachte Trcimilltouengabe für nichtsocialdemokratische Eisenbahnarbeitcr. Während die Vorlage den Vertretern der Rechten, des Centrums und der Nationalliberalen äußerst sympathisch ist, erhoben die Redner der beiden fteisinnigcn Parteien, die Abgg. Fisch- b e ck(frs. Vp.) und B r ö m e l(frs. Vg.) Bedenken dagegen, daß man Maßnahmen für Wohlfahrtszwccke mit politi- scheu Tendenzen verknüpft. Minister von Budde brachte es fertig, trotzdem in der Begründung der Vorlage ausdrück- lich hervorgehoben ist, daß die Vereine, denen die Wohlthat zu teil werden soll, auf dem Boden der bestehenden Staats- ordnung stehen, und obwohl wörtlich gesagt ist, daß die Ver- anstaltungen dieser Vereine dazu dienen werden,„namentlich die im Staatsciscnbahndienstc thätigen Arbeiter und unteren Bediensteten von solchen Kassencinrichtungen fernzuhalten, die unter dem Deckmantel der Fürsorge ordnungsfeindliche Be- strebungen unter dem Eiscnbahnpersonale zu verbreiten be- müht sind", dennoch zu bestreiten, daß die Zuwendungen an Eisenbahner von der politischen Gesinnung abhängig gemacht werden. Daß er einige Minuten später es als selbstverständ- lich bezeichnete, daß unter den Eisenbahnern keine Social» demokraten sein dürfen, verrät einen Mangel an Logik, in dem anscheinend jetzt der ministerielle Befähigungsnachweis besteht. Die Vorlage wurde der Budgetkontmission überwiesen. Nachdem so die Socialdemokratie glücklich mit drei Millionen Mark vernichtet war, ging es zur Abwechselung an die Erdrosselung der Polen— diesmal ohne Unkosten. Dem genannten Zweck soll ein Gesetzentwurf dienen, der dem Staat ein größeres Recht auf den Kreistagen und bei den Wahlen zum Provinziallandtag der Provinz Posen einräumt und der. wie der Minister des Innern Freiherr v. Hammerstein stolz hervorhob, ein neues Glied in der großen Kette von Maßnahmen bilden soll, um das deutsche Element in den pol- nischcn Landcsteilcn wirtschaftlich und polittsch zu stärken. Auch dieser Entwurf wurde zugleich mit einem freisinnigen Antrag, der den Städten und Landgemeinden der Provinz Posen eine ihrer Einwohnerzahl und ihrer Stcucrleistung ent- sprechende Vertretung auf den Kreistagen einräumen will, einer Kommission überwiesen. Am Sonnabend stehen nur kleinere Vorlagen auf der Tagesordnung._ Bergwcrksmiuistcr Möller und die Grubenbesitzer. Aus Dortmund wird uns geschrieben: Herr Theodor Möller, weiland Reichstags-Abgeordneter für nnsren Wahlkreis, ist nicht zu der von ihm veranlaßten, wegen der Grubenstilllegung im hiesigen Stadtsaale tagenden Konferenz er- schienen. Schade, Theodor Möller hätte sonst prächtige Gelegenheit gehabt, sich über die Stimmung seiner ehemaligen Wähler über seine Landtagsrede zu unterrichten. Er kennt ja die Westfälinacr und ihre sinnige Manier, sich auszusprechen, weni: ihnen eine Laus über die Leber läuft. Mag Herr Möller herkommen und vernehmen, ivie die Einwohner von Schüren, Aplerbeck, Berghofen, Hörde, Holz- Wickede, Sölde ec. urteilen über die Stellungnahme ihres ehemaligen Abgeordneten gegen das Kohlensyndikat. Das können wir der Exccllenz Möller verraten:.Ehrenpforten" werden ihm hier die Bürger nicht errichten. Angesichts der bitterbösen Stimmung gerade der ehemaligen Wähler Müllers, gebietet eS aber doch die Gerechtigkeit, auch das was zu Gunsten des Angeklagten spricht, hervorzuheben. Niemand kann aus seiner Haut. Als Herr Möller Minister wurde, begrüßten ihn die rheinisch-westfälischen Unternehmer als einen der Ihrigen. Mit Recht. Kommerzienrat Theodor Möller war damals Vorsitzender des Aufsichtsrates der Aktien- gesellschaft für Kohlende st illation in Bulmke. Diese Ge« sellschaft erzeugt CoakS, Ammoniak, Theer, Benzol und andre Nebenprodukte aus Kohle. Sie stand und steht in intimster Geschäftsverbindung mit der Aktiengesellschaft A r e n b e r g, dem Kölner Bergwerksverein und der Gewerkschaft Viktor, auf diesen Werken errichtete die Aktiengesellschaft für Kohlendestillatton Coaksöfen zur Gewinnung von Nebenprodukten. Dadurch kam Herr Möller ü: ständigen Berkehr mit den hervorragendsten Werksherren und Syndikats Mitgliedern Waldhausen, H u y s s e n, Kravehl, Middendorf, Hage mann. Krabler, Camp» hausen, Wey land- Siegen(Roheisenshndikat), T y s s e n u. a. m. Vielleicht entstand auch persönliche Freundschaft sicherlich lernte der Kommerzienrat Theodor Möller die Grubenfürsten an der Ruhr von ihrer besten Seite kennen. Soll man sich da wundern,' wenn nun der Mini st e r Möller als Mensch menschlich empfindet und feine Freunde und ehemaligen Gcschäft-Zgcnossen vor aller Welt in Schuh nimmt? Ware dies nicht geschehen, dann wäre Erstaunen am Platze. Es kommt aber noch hinzu, dah zwar Minister Möller aus Brackwede b. Bielefeld nicht mehr iin Aufsichtsrat der Aktien-Gesell- schaft für Kohlcndcstillation sitzt, aber statt seiner sein naher Vcr- wandter Gerhardt Möller aus Brackwede b. Bielefeld. Die Familie Möller ist also noch im höchsten Matze an dem Florieren der Kohlendestillation interessiert. Und da die Gesellschaft in den letzten drei Jahren 15, 15 und 16 Proz. Dividende(Prioritätsaktien) geben konnte, mutz sie günstige Lieferungsbedingungen von den Kohlenzechen bewilligt erhalten haben. Dieses kollegiale Ver- hältnis der ShndikatSleute zu der Kohlcndestillation kann den mit den Verhältnissen gewitz genau vertrauten prcutzischcn Bergwerks- minister auch nicht veranlassen, übles von den ZechenstiMcgern zu denken oder zu sprechen. Man mutz das Menschliche nicht zu vergewaltigen suchen. Nur dann erklären sich Ausdrücke wie:„Es ist eine Thcatcrpanik"—„die Werksbesitzer zeichnen sich durch Ge- meinsinn aus"—„wir niarschieren an der Spitze aller Nationen im Bergarbciterschutz", auf die natürlichste Weise von der Welt. Hat man doch dem Reichskanzler E a p r i v i jedes Verständnis. für das Agrarwesen abgesprochen, weil er selbst„keinen Aar und keinen Halm" besaß. Wir glauben als gerechte Richter zu handeln, wenn wir auch das den Angeklagten entlastende Material vorbringen. Ja, wir gehen sogar weiter. Wir erweisen als Richter dem Angeklagten die Gunst, ihn als— befangen abzulehnen. Herr Möller hat also das Recht, alsbald von der ministeriellen Anklage- Sank zu verschwinden I—_ Der südwestafrikanische Waldersee. Es schwirren zur Zeit allerhand Gerüchte über eine große Aktion umher, die in der südwestafrikanischen Angelegenheit bevorstehen soll. Der Artikel der„Köln. Volksztg." verdankt diesen Gerüchten offenbar seine Entstehung. Auch andre Blätter machen allerhand Andeutungen über jene bevorstehende Aktion, die offenbar darin bestehen wird, daß man den Reichstag mit einem unerwartet großen Truppen- Nachschub überraschen wird. So wird auch dem„H a m b u r g i sch en Korrespondent" aus Berlin geschrieben: „All die Ernennung des Gcucrallieutenants von Trotha zum Höchstkommaudiercnden iu Dcutsch-Südwcstafrika knüpfen sich allerlei Gerüchte. ES wird uns bestätigt, daß die Ernennung v. Trothas auf persönliche Initiative des Kaisers zurückzuführen ist. Der Kaiser hat dein General v. Trotha bei jeder Gelegen- heit sein besonderes Wohlwollen zu erkennen gegeben. Herrn v. Trothas Ernennung zum Obcrkvmmandiercndcn in Südwest- afrika stand bereits am 2. Mai, also vor jener Konferenz, die sich mit dem Schicksal unsrer Kolonie, be- schästigte, f e st. Der Kaiser hat die Bedenken, die Herr v. Trotha bezüglich seiner Stellung geltend machte, zerstreut; Herr v. Trotha hat nach jeder Richtung hin voll st e Selbständigkeit und Aktionsfreiheit in Süwestafrika; das Kolonialamt ist aus- geschaltet; es hat keine Machtbefugnisse über den Höchstkommandicrcndcn. Wir wissen, daß. als der Aufstand der Hereros ausbrach. Generallieutenant v. T r o t h a, der auch damals nach Berlin berufen war, als Höch st kommandierender nach Süd we st afrika gehen sollte; aber schon damals traten Kompetenzstreitigkeiten hervor; die Stellung des General- lieutenants v. Trotha sollte nicht die Selbständigkeit erhalten, die ihm jetzt zugestanden ist. Als dann später die ungünstigen Nachrichten auS Südwestafrika einliefen, spcciell von der Kolonne des Majors Glascnapp, schlug das Kriegsministerium Generallieutenant v. G a h l vor; aber der Kaiser weilte außerhalb Deutschlands und auch damals sollen die jetzt glücklich be- seitigtcn Umstimmigkeiten geherrscht haben. Jetzt darf wohl als sicher angenommen werden, daß ein frischer Zug in die Aktion kommt. Der Kaiser war nicht gerade sehr erbaut von jener paketweisen Hinaussendiuig von Mannschaften; und cS werden sicherlich jetzt noch mehr als 150V Mann nach Südwcstasrika gc- sendet werden." Nach diesen Mitteilungen ist allerdings Trotha eine ähnliche Stellung zugedacht, wie seiner Zeit dem Grafen Waldersee in China. Nur die Verbündeten werden eine andre Rolle spielen. Während sie in China dem Weltgeneralissimus ein Schnippchen nach dem andern schlugen und seinem„Oberbefehl" direkten Hohn cnt- gegensetzten, sind die südwestafkrikanischeu Verbündeten, dic Witbois, so verblendet, für die deutschen Truppen durch schwierigen Aufklärungsdienst die Kastanien aus dem Feuer zu holen, genau so wie sie bei der Campagne gegen die Bondelz warts die gefährlichsten Gegner ihrer Stanimesverwandten waren. Sobald der Herero-Aufstand niedergeworfen sein wird, wird man ihnen ihre guten Dienste damit lohnen, daß man sie gleichfalls ent- wasfnen und unter den Korporalstock stellen wird! Nichts als Sand und Dornen. „Unter Südwest afrika habe ich mir etwas andres vorgestellt." so heißt es in einem der„Post" zur Verfügung gestellten Privatbrief eine? Einjahrig-Freiwilligen der 1. Compagnie des Expeditionscorps: „Sand und Dornen bilden den Hauptbestandteil de? Landes, Bäume kommen selten über zwei Meter hinaus. Die Wasserverhältnisse sind hier traurig. Wasser, in dem man sich in Deutschland nicht die Hände zu waschen getraut, müssen wir zum Abkochen benutzen, und wir sind froh. wenn wir solches mit großer Mühe schöpfen können.(Und das während der Regenzeit! Red.) Der Proviant wird auf Ochsenwag ejn nachgefahren; nnsre tägliche Speise- karte lautet: Mehlsuppe; mittags: aufgekochter Reis. Brot backen wir selbst aus Roggcnmehl; ob das Brot gar ist oder nicht, danach fragt der Feldsoldat nicht. Deshalb haben wir auch alle mit Magenbeschwerden zu thun. Was den Feldzug nun selbst betrifft, so macht uns der Gegner insofern viel zu schaffen, als er sich nie stellt; glauben wir ihn fest zu haben, so ist er schon wieder fort, und deshalb folgt ein Gewaltmarsch auf den andern. Was ein Gewaltmarsch(Tag und Nacht 70—80 Kilometer) in diesem Lande bedeutet, kann nur der verstehen, der bei glühender Hitze, von unzähligenStech fliegen verfolgt, mit Patronen und Wasserbehälter beschwert, in fuß- tiefem Sande einige Stunden marschiert ist. Dazu kommt noch der Staub, den die Ochsenwagcn aufwirbeln. Von der Kleidung will ich gar nicht sprechen. Wie schon gesagt, giebt es hier nur Sand und Dornensträucher; sollen wir nun täglich mit dem leichten Khaki-Anzug Sträucher passieren, so können Sie fich nicht vorstellen, aus wieviel Flicken und Löchern� sich unser Anzug zusammensetzt. Der Körper hat sich an Dornenstiche gewohnt; Hände, Arme und Beine sind von alten und frischen Wunden bedeckt. Heute sind eS ge- rade 17 Tage her, datz ich mich mal richtig gewaschen habe. Tag und Nacht müssen wir stets fcldmarsch- mätzig sein. AbcudS wird ein Zelt für 30 Mann aufgeschlagen; jeder bekömmt eine wollene Decke, und dann wird auf feuchter Erde in der kühlen Nacht„geschlafen", mit Gewehr im Arm. Anfangs war ich morgens müder als abends; doch der Mensch kann mehr vertragen als man glaubt, so datz ich die ungeheuren Anforderungen, die an uns gestellt werden, jetzt weiter ertragen kann. Von sämtlichen acht Einjährigen der ersten Conipaguie bin ich der e i n z i g e gewesen, der für die Gewalt- Märsche für kräftig befunden wurde; die übrigen blieben als Bedeckung der Bagage zurück." Auch dieser Brief verrät wieder die enormen Schwierigkeiten der Kriegsführung in der südwestafrikanischen Sand- und Dornen- wüste. Wie wenig durch die bisherigen Aktionen auch selbst nur die- jenigen Bezirke vom Feinde gesäubert sind, die in un mittel- barer Nähe solcher Orte liegen, in denen sich starke Bewachungen befinden, beweist folgender Brief auS W'mdhuk, der der„Deutschen Kolonialzeitung" zur Verfügung gestellt wird: „Es kann heute noch niemand ungefährdet den Häuserkreis vonWindhuk verlassen, geschweige denn wieder auf die Farm ziehen. Wenn auch für die Farmer noch kein Vieh wieder zur Stelle ist, so würden diese doch wenigstens gern mit den AufräumuugSarbeiten beginnen, aber das ist zur Zeit noch nicht möglich. So unglaublich eS klingen mag. so ist es doch Thatsache, daß aus der nächsten Nähe der Häuser von Windhuk alle paar Tage mal, zuweilen am hellen Tage Vieh gestohlen und weggetrieben wird, während es kaum jemals gelingt, der Viehdiebe mit ihrer Beute habhaft zu werden. Ehe die be- treffende Meldung erfolgt, eine Patrouille beritten gemacht und abgeschickt werden kann, hat die Bande gewöhnlich einen derartigen Vorsprung, datz sie in dem bergigen und steinigen Gelände, an dem mit Pferden an sich nur langsam vorwärts zu kommen ist. besonders wenn man dabei eine sehr schwer erkennbare Spur halten mutz, bis zu Sonnenuntergang nicht mehr eingeholt werden können. Der Vorsprung einer Nacht aber, während deren die Spur nicht verfolgt werden kann, macht die Jagd am nächsten Tage so ziein- lich sicher aussichtslos. Meistens sind es kleinere bewaff- nete Trupps, die beim Anschleichen sich vor unfern Patrouillen leichter in dem wilden Gelände v e r- stecken können und darum seltener lvischttv erden." Genau ebenso steht es um die Umgebung Okahandjas, wo ja noch kürzlich infolge VersagenS des Heliographen die Ver- bindung mit Leutwein mehrere Tage unterbrochen war, trotzdem die Entfernung des Leutweinschcn Lagers von Okahandja nur 20 Kilometer betrug! Wie mag das erst im Verlaufe des Feldzuges werden!— ' Deutsches Reich. Die deutsche Einheit der— Reaktion. AuS Baden wird unS geschrieben: Am Donnerstag kamen die beiden Interpellationen der social- demokratischen Fraktion über die Verfolgung russischer Studierender und die Verbote»nsrer Maifeier- Umzüge im badischen Landtag zur Verhandlung. Die Ausführungen, die hierbei von dem Minister Schenkel gemacht wurden, gestatten, ihn ruhig als würdigen Kollegen der Richthofen, Hammerstein, Schönstedt und Bülow anzusprechen und Baden an die Seite des preußischen Junkerstaates zu stellen. Die unwürdige Kriecherei vor dem russischen Knutenrcgiment, die in den AusweisungSerlassen und in den damit verbundenen Steckbriefen gegen in Preußen ausgewiesene russische Staatsangehörige liegt, wurde von dem Minister mit dreister Stirn verteidigt. Dabei wurde noch mehr offenbart als man wutzte und annehmen konnte. Genosse Eichhorn begründete die Interpellation wegen der Ausweisungen; er gab der Meinung Ausdruck, datz sich Baden mit seinen skandalösen Maßregeln dem Druck Preußens habe fügen müssen. Mit dieser Vermutung hatte er aber die badische Politik zu hoch eingeschätzt. Der Minister Schenkel teilte mit, datz schon im Jahre 1002, als an der Berliner Universität Polen, die sich nicht von Professor Schiemann beleidigen lassen wollten, weggewiesen wurden und die Berliner Universität dies»ach Bade» berichtet habe, Weisung ergangen sei, diese Studenten an bndischen Universitäten nicht auf- zunehmen. Solche Mitteilungen, ergänzt durch polizeiliche Berichte über die Ausweisung, haben sich jetzt wiederholt und darauf sind in Baden die Ministerien des Aeutzern, des Kultus und des Innern zusammengetreten und haben beschlossen, von vornherein anzuordnen, daß jeder in Preußen ausgewiesene Russe, der nach Baden kommt, hier sofort wieder ausgewiesen wird. Ein Druck von Preuße» i in dieser Hinsicht nicht erfolgt! Die musterländische Regierung küßte also freiwillig den Stiefel des russischen Selbstherrschers. Und freiwillige Entschließung des Ministeriums des„geniätzigten Fortschritts" war eö offenbar auch, datz gegen die tapferen russischen Studenten hier im badischen Landtag genau mit denselben Mitteln gekämpft wurde, wie sie die Hammerstcin, Bülow, Richthofen im Reichstag anwandten. So weit ist das„liberale Musterläudchen" schon gesunken, datz politische Moral nichts mehr gilt, datz man Ausweisungen anwendet, ohne zu wissen, was die Ausgewiesenen für Leute sind und wie sie sich im Lande vcr- halten werden. Nur eins erregte den Zorn de? Ministers: daß seine eignen Beamte» diese Gehcimerlassc den Sorialdemokraten zum Zwecke de» öffentlichen Kritik zugängig macheu. Er will die Schuldigen hart bestrafen, wenn er sie entdeckt, was indes völlig ausgeschlossen ist. Vielleicht erbarmt sich die russische Spitzelgesellschaft in Berlin seiner und stellt sich ihm eine Zeit lang zur Verfügung. Ebenbürtig der preußischen Reaktion erwies sich die badische Regierung auch in der Frage der Maifeicr-Verbotc. Im Vereins- und Versammlungsrecht bestehen im Süden noch einige Freiheiten; man durfte daher gespannt sein, wie die Verbote gerechtfertigt werden sollten. Der Minister verlas eine Erklärung, wonach das Ministerium des Innern schon seit 1800 die Bezirksämter angewiesen habe, solche Ilmzüge auf Grund des Z 63 des badischen Polizei-Strafgesetzbuches und des ß 10 des Vereinsgesetzes zu untersagen. Man begreift erst, welcher Mut zu dieser Erklärung gehört, wenn man weiß, datz§ 63 des Polizei-Strafgesetzbuchs von öffentlichen Schau- und Vorstellungen und§ 10 deS Vcrein'gesctzes von der Anzeigepflicht der Versa m m l u n g e n spricht, die unter freiem Himmel abgehalten werden. Diese gcsetz- lichen Bestimmungen bieten absolut keine Handhabe zu dem Verbot. Der Minister führte im Anschlutz an die Verlesung der Erklärung aus, datz die Socialdemokralie staatsfeindlich sei, daß sie die Mon- archie und das kapitalistische Privateigentum abschaffen und zu diesem Behufe eventuell Revolution machen wolle und darum müsse sie anders behandelt werden als die übrigen Parteien. Ein Ausnahme- gesctz besteht zwar nicht mehr, aber da mutz man eben das gc- meine Recht beugen!— Das letztere sagte der badische Köller nicht. eS bleibt aber nach seinen AnSführungen gar kein andrer Schluß übrig. Und die Verbote zeigen ja auch diese Anschauung in der Praxis. Das Traurige und Beschämende an der Sache war, datz Nationalliberale und Centrum nichts gegen solche Politik einzuwenden haben. Mit dem schn, achvollen Verhalten gegen die Russen erklärten sich beide Parteien ausdrücklich ein« verstanden und im Hinblick auf die Maifeier-Verbote wagte nur der Ccntrumsführer einen schwachen Tadel. Der badische Liberalismus ist schon so verkommen, datz er auch hier dem von social- demokratischer und demokratischer Seite heftig angegriffenen Minister bei sprang.— Frankfurt- Lcblis. In der Stichwahl wollen sie alle, alle einig sein: die Konservativen und Nationalliberalen, die Bündler und Freihändler, die Freisinnigen und Antisemiten. Vorläufig hadern sie lustig wider einander, wie diese Polemik der„Deutschen Tages- zeitung" gegen die»ationalliberale„Frankfurter Oderzeitung" zeigt: „Im übrigen enthält der Artikel der„Franks. Oderztg." d i e gehässig st en und niedrig st en Angriffe gegen Herrn v. Jagwitz und Dr. Hahn. Es wird u. a. darin gesagt, es sei be« schämend, datz sich ein preußischer Offizier dazu bewegen lassen könne, die Aussichten der Socialdemokratie im Wahl- kreise zu verbessern. Dem Dr. Hahn wird Hintertreppen- Politik, plumper, auf Täuschung der Wähler geeigneter Wahlschwindel, persönliche Sonderinteressen, an G e w i s s e n- l o s i g k e i t grenzende Rücksichtslosigkeit, persönliches Rache« gefühl, niedrigste Motive, unwürdige Bevormundung ec. vorgeworfen. Dem Dr. Ocrtel, von dem fälschlich angenommen wird, datz er an der Agitation sich beteiligen werde, wird geraten, er möge sich hüten, datz er seine weiße Weste nicht schmutzig wieder nach Berlin bringe. Unsre Leser werden nicht erwarten, daß wir aus derartige schmutzige Anwürfe auch nur ein Wort erwidern. Es genügt vollkommen, daß sie niedriger gehängt werden. Datz durch eine derartige, an die Gepflogen- heiten der Gosse erinnernde Kampfweise die Einigkeit bei der etwaigen Stichwahl nicht gefördert wird, liegt auf der Hand. Sollte die Socialdemokratie wider Erwarten siegen, so würde sie der„Frankfurter Oderzeitung" das Hanptverdienst nicht streifig machen dürfen." Jetzt leistet man„schmutzige Anwürfe" wider einander. Wenn es zu einer Stichwahl kommen sollte, so will man sich in dem durch vereinte Kräfte hochgchäusten Schmutz zusammenfinden. In wundervoller Charakteristik des Herrn Bassermann giebt, wie uns aus Baden berichtet wird, die ihm nahestehende nationallibcrale„Badische Landeszeitung" ihrem Helden dieses Führungsattest: „Mit Basscrmanns wirtschaftspolitischem Programm können die Konservativen zufrieden sein; es besteht also sür sie kein Grund, ihn nicht zu wählen." Herr Bassermann hat sich allerdings um den Zolltarif und die Vergewaltigung der Zollwucheropposition so bedeutende Verdienste erworben, datz Liberale ihn nicht wählen können.— Die Konzentration deS ZcitnngSkaPitalismuS. Vor schon längerer Zeit ist die freisinnig-dcmokratische Berliner„Volks-Zeitung" in den Besitz von Rudolf Masse übergegangen. Das„Berliner Tageblatt" teilt das jetzt offiziell mit. Die Redaktion ivird bei- behalten. Damit vollzieht sich in der kapitalistischen Konzentration des bürgerlichen MeimuigsgeschäfteS ein bemerkenswerter„Fortschritt". Die„Volks-Zeitung" gehörte zu den wenigen bürgerlichen Organen, die ihre Selbständigkeit bewahrt hatten und eine ehrliche demo« kratische Gesinnung vertreten. Ob dieser Charakter dem Blatt er- halten werden wird, nachdem es in den Bannkreis der Mosseschen Jnseratenfirma geraten ist, scheint einigermaßen fraglich. Gegenüber dem Scherl-Ullsteinschen Riesenpolypcn versucht sich nun Rudolf Masse als Monopolist. Wie lange Ivird es dauern und die beiden Polypen wachsen zusammen und e i n Millionensyudikat für bedruckicS Zeitungspapier verlaust öffentliche Meinung jeder Richtung und jeder Färbung, soweit sie geschästlich rentieren. Der Prosit wird der einzige Matzstab der Ilebcrzcugung.— Eine kapitalistische Entlastung des RcichSgcrichtS. Der an- gekündigte Gesetzentwurf zur Entlastung deS Reichsgerichts ist am Freitag erschienen. Er bestimmt im wesentlichen, wie bereits bekannt, datz in Civilprozessen die„Revisionssumme" von 2000 auf 3000 M. erhöht wird. DaS ist der unzweckmäßigste Weg, das Reichsgericht zu entlasten. Ein Verlust von 2000 M. ist sür die Besitzlosen und kleinen Leute empfindlicher, als eine Einbuße von 100 000 M. für Millionäre. ES ist ein durchaus falsches Princip, sür die kleineren Summen die Rechtsgarantien zu beschränke».— Demokratie und KoalitionSrccht. Man schreibt unS auS Frankfurt a. M.: Herr Marx, der Obermeister der Frankfurter Mesgerinnung und Mitglied der dentolratischen Ttadlverordnetenfralfion, halte unfern Genossen Zervas auf die schwarze Liste gesetzt, weil derselbe es fertig brachte, die Frankfurter Metzgergesellen zu organisieren. Als dann trotzdem ein Meister den Zervas, der seiuen Zeugnissen nach ein guter Arbeiter sein mutz, einstellte, schickte dieser„Demokrat" Marx an den Meister Hetz einen Utas, in welchem er den Meister auf- forderte, Zervas sofort zu entlassen, weil er mit der Einstellung des- selben gegen die Regeln der Innung verstoßen habe. Der Meister Hetz blieb fest und entließ den Zervas nicht. Darauf wurde er von dem großen„Temolraten" zu einer Geldstrafe vcr- urteilt und aus der Innung ausgeschlossen. Nun wandten sich die organisierten Metzgcrgesellcn an den Staatsanwalt und den Vorstand der demokratischen Partei. Ersterer erklärte natürlich, er könne eine Nötigung und Verrufserklärimg in dem Vorgehen des Marx nicht finden. Was that aber der Vorstand der Demokraten? Er gab erst überhaupt keine Antwort. Auf nochmalige Erinnerung lief dann schließlich die Ant- wort ein, datz man nicht Stellung nehmen könne,„weil dies nicht innerhalb der uns von uuserm Verein zugewiesenen Befugnisse liegt." Herr Marx bleibt nach wie vor Stadtverordneter und Vcr- trauensmann der sogenannten demokratischen Partei, trotz seiner Vcrrufscrklärung. Das ist die demokratische Praxis.... Hueland. Belgien. Klerikale Intoleranz. Im Gemeindcrat deS bekannten Bade- ortes Blankenberghe haben die Klerikalen die Mehrheit er- langt; ihr erstes Werk war die Entlassung des Direktors der Ge- meindeschulen, eines als tüchlig bekannten Pädagogen. Herr S t a e l e n s. so heißt der Entlassene, ist Präsident des belgischen Lehrcrverbandes; unter seiner Leitung hat die Gemeiiidcschnle von Blankenberghe wesentliche Verbesserungen erfahren. Sein Verbrechen ist, die Schule nicht zu einem Werkzeug klerikaler Vcrdmnmung ge- macht zu haben; darum wurde er ohne Angabe von Gründen ent- lassen, sobald die christliche Gesellschaft die Mehrheit im Stadthanse erlangt hatte.— Italien. Prügelei infolge des Kaiscrvcsuchs. Der„Deutschen Tageszeitung" wird gemeldet: Venedig. 6. Mai. Der Redakteur des„Secolo Nnovo" wurde wegen eines Artikels über den Besuch des deutschen Kaisers bei der Gräfin Morosini von deren Freunden thät- lich angegriffen. Auf dem Markusplatze kam es zu einer G e g e n d e m o n st r a t i o n. wobei Militär einschreiten mutzte und die Absperrung des Platzes vornahm.— Nasi geflohen! Bekanntlich war vor längerer Zeit zur Prüfung der Amtsführung des ehemaligen italienischen UnterrichtsministerS eine Kommission eingesetzt worden. Diese hat nun in ihrem Berichte festgestellt, daß „Nnregelinätzigkeiten" vorgekommen seien, für welche Nasi nicht nur die moralische, sondern auch die st r a f r e ch t l i ch e Ver- a n t w o r t u n g zufalle. Demgemäß schlägt der Bericht vor, die Angelegenheit der Justizbehörde zu überweise«, die aUcht zuständig sei. die Angelegenheit zu prüfen.— Nach einem Beschlutz der italienischen Deputiertenkainmer, der am Donnerstag auf Antrag des Präsidenten gefatzt wurde, sollte über den Bericht betreffend den Antrag auf Genehmigung zur g e r i ch t- lichen Verfolgung Nasis sowie über den Bericht der Unter- suchungs-Kommission über die Angelegenheit Nasi selb st in der Sitzung am 7. d. M. beraten werden. Der Unterrichtsminister a. D. hat nun den Ausgang der Ver- Handlungen und der ihn erwartenden, ihm begreiflicherweise höchst unangenehmen gerichtlichen Untersuchung nicht abgewartet, sondern ist nach Flüssigmachung beträchtlicher Geldmittel flüchtig g e- worden. Ein nettes Skandälchen!— parlamentarifckes. Die Budgctkommission des Reichstags setzte am Freitag die Be- ratung der Togobahnanleihe fort, ohne zu wesentlich neuen Gesichtspunkten zu gelangen. Bei der zweiten Frage der Generaldiskussion, ob die Togo- bahn überhaupt gebaut lv erden solle, trat der Referent Abg. Graf O r i o l a lebhaft für den Bau ein. Abgeordneter R i ch t e r wies darauf hin, datz für die Finanzierung der Aiii- leihe auf die Erhöhung der Zölle gerechnet werde; diese Einnahmen seien aber sehr unsicher, ebenso lrie der angebliche Aufschwung der Baumwollpflanzung. Der Preis schwanke nach der Konjunktur ganz auherordentlich. Ein neues Baumwollgebiet müsse darunter immer leiden. Wenn der jetzige Baumwollpreis bleibe, dann spiele die Er- sparnis an Fracht durch den Bau einer Eisenbahn gar keine Rolle. Die Transportverhältnisse könnten auch ohne Bahn sehr erheblich verbessert werden». In andern Ländern gäben die Baumwollinter- essenten grosse Summen für die Versuche und die Verbesserung der Transportverhältnisseher; warum denn das nun die deutschen nicht auch so machten, sondern die Kosten immer dem Reiche aufbürden wollten? Der Kolonialdirektor Dr. S t ü b e l wies auf die Steigerung der Zolleinnahmen in Togo hin. Die für die Verzinsung der Anleihe notwendige Erhöhung der Zölle um ö— 600 000 M. sei im Ein- Verständnis mit den Interessenten geplant worden. Die Ersparnisse an den Verwaltungskosten durch Kolonialbahnen müsste die eigne Rentabilität, die erst an zweiter Stelle stehe, ersetzen. Sämtliche Kolonialbahnen hätten_ die Tendenz, einer Rentabilität entgegen- zuwachsen. Auf der Usambarabahn habe sich der Umsatz schon sehr gut gehoben; 1003 seien in zwei Quartalen schon 37 000 Centner Güter transportiert.(Macht ungefähr 180 Waggons, 8 normale Güterzüge im halben Jahre! Red. d.„Vorw.".) Die neue Bahn solle Togo als Baumtvollland erschliessen. Aber in einer gewissen Weise sei sie auch Ausbeutungsbahn, nämlich für Oel- Produkte. Jetzt verfaulten vielfach die Früchte der Oel- Palmen. Mit einem Betriebsdeficit werde die Bahn entweder gar nicht zu rechnen haben oder nur kurze Zeit, auch dann werde es durch die eignen Einnahmen der Kolonie gedeckt werden. Abgeordneter Dr. B e u m e r vertrat die Auffassung, es sei wünschenswert. Deutsch- land von der amerikanischen Baumivollproduktion allmählich unab- hängig zu machen. Die deutschen Baumwollspinner hätten für die Kultur in Togo erhebliche Beträge ausgegeben, weil sie Vertrauen zu der Sache hätten. Abg. Graf v. A r n i m empfahl eine Emanzi- pation von dem unsicheren amerikanischen Baumwollmarkt. Abg. Müll er-Fulda sprach sich sehr günstig über die Aus- sichten der Bahn aus. Die Anlage der Bahn müsse man von der Frage der Finanzierung der Anleihe ganz trennen. Die Togobahn habe noch am ehesten Aussicht auf Rentabilität. Bedenken habe er nur wegen des Kostenanschlags; der Preis des Bodens sei sehr hoch mit 300 M. pro Hektar angesetzt worden, während Sholto Douglas den Hektar durchschnittlich mit 1 Pfennig bezahlt habe. Der Vertrag der Togogesellschaft mit den Negern werde für die Kolonie verderblich werden; die Baumwoll f a r m kultur werde er geradezu unmöglich machen. Man solle dem Treiben der grossen Spekulantengesellschaftsn entgegentreten. Die Verhandlungen wurden noch nicht zu Ende geführt und auf Dienstag vertagt. Börsengesch-Koiilmission. Zu Beginn der heutigen Sitzung kommt eine Eingabe des Vorstandes des Vereins Berliner Getreide- und Produktcuhändlcr zur Verlesung, in welcher die Form der an der hiesigen Börse abgeschlossenen Zeitgeschäfte in Getreide unter B?k- fügung von zahlreichen Schlussscheinen dargelegt wird. Unter den abgeschlossenen Geschäften sind zahlreiche von landwirtschaft- lichen Genossenschaften ausgehende Verkäufe ins Ausland mit nachfolgenden Sicherhcitsankäufen.— Im Verfolg der gestrigen Debatte ersucht Oberregicrungsrat Wendel st adt, den Antrag des Grafen Schwerin- Läwitz abzulehnen. Die Vorlage sei die Folge der schweren Besorgnisse, die im Händlerstand infolge der Rechtsprechung des Reichsgerichts platzgegriffen habe. Diese Kreise nach dem Antrag Sckpverin-Löwitz bei der Gewährung grösserer Rechtssicherheit zu übergeben, sei geradezu eine Verhöhnung der Kauflcute. Ein andrer Regicrungsvertreter weist darauf hin, dass es in zahlreichen Fällen ganz unmöglich sein würde, zu kontrollieren, ob der Verkäufer auch wirklich der Erzeuger der Ware, und der Käufer ihr wirklicher Verbraucher sei.— Abg. Sc ml er: Die Eingabe der Börsenhändler beweist klar, dass die Landwirte und Müller die Vermittelung der Händler gar nicht entbehren können. Die Be- denken der Gegner der Vorlage mützten schwinden, wenn man in einem Zusatz die Wahrung einer angemessenen Nachfrist beim Zeit- geschäft im Getreide als Bedingung gesetzlich festlegte.— Abgeordneter Schwarze- Lippstadt meint, das effektive Liefcrungsgeschäft, wie es nach der Berliner Schlussnote abgeschlossen werde, sei unbedenklich und durch die Judikatur nicht bedroht, die Vorlage darum über- flüssig. Oberregierungsrat Wendel st adt bestreitet das nochmals entschieden. Abg. B e r n st e i n unterzieht den Antrag des Gräser, Schwerin-Löwitz einer scharfen Kritik. Er ziele darauf ab. den grossen Agrarier die Freiheit des Spielgeschäfts zu sichern. Es fehle nur noch eine Ergänzung dahingehend, datz eine bestimmte Bcsitzgröhe, etwa 600 Hektar, als Vorbedingung für das Eingehen„erlaubter Differenz- geschäfte" verlangt werde. Aller Handel gehe seiner Natur nach auf Ausgleich von Preisdifferenzen. Diese Funktion zu unterbinden sei unmöglich und müsse zu schweren Schädigungen führen. Wolle man den Handel beseitigen, so könne das nur durch Einführung socialisti- scher Austauscheinrichtungen geschehen. Abg. D r ö s ch e r erklärt, das; die konservative Partei den Antrag deS Grafen Schwerin nicht mitmache, da er dem Blankogefchäft freie Bahn gewähre. Vielleicht werde der Antragsteller, der heute am Erscheinen verhindert sei. ihn zurückziehen.— Abg. G a m p regt an, das Berliner Schlutzscheinformular als Anhang in das Gesetz aus- zunehmen mit der Bestimmung, dass in dieser Form abgeschlossene Ge- schäfte zulässig seien.— Abg. K a e m p f fürchtet, dass eine solche detaillierte Festlegung, die nur auf gesetzlichem Wege geändert werden könne, schwere Missstände zur Folge habe, da der Apparat zu schwer- fällig werde, um den möglichen Veränderungen der geschäftlichen Ver- Hältnisse Rechnung tragen zu können.— Abg. Herold schlägt vor, durch einen Zusatz, der nur die wesentlichsten Bestimmungen der Schlussnote enthalte, die nötige Sicherheit für das effektive Geschäft zu schaffen. Auf dieser Basis erscheine ihm eine Einigung nicht schwer. — Oberregierungsrat W e n d e Ist a d t deutet an. dass auch die Regierung sich eventuell auf diesen Boden stellen könne.— Abgeordneter Reventlow würde auch gegen die so umgestaltete Regierungsvorlage stimmen.— Abg. S e m l e r spricht für den An- trag Gamp. der schon die wichtigsten Bestimmungen der Schlussnote enthalte. Abg. Singer ist gegen die Aufnahme der Schlussnote ins Gesetz. Durch eine solche Hervorhebung einer bestimmten Geschäfts- form als zulässig, entstehe die Gefahr, andre Formen von vornherein als ungesetzliche zu stigmatisieren. Unannehmbar bleibe im Antrag Gamp jedenfalls die Ersetzung des Bundesrats als regulierende Instanz durch die Landesregierungen. Neben der Gefährdung der Kstcheulichkeit im Perfahren sei auch zu befürchten, dass die Landes- regierungen den Einflüssen der Agrarier noch weniger Widerstand leisteten wie die Bundesregierung. Tarauf wird die Debatte vertagt. Nächste Sitzung Mittwoch- vormittag 10 Uhr._ Neue japanische Truppenlandungen. Tokio, a. Mai, mittags. Amtlich wird bekannt- gegeben, daft die Japaner gestern auf der Halb- i n s e l L i a ü t u n g zu landen begonnen haben. Der Ort der Landung und die Truppenstärke werden geheim- gehalten. Tschif», 6. Mai.(Meldung des„Reuterschen Bureaus.) Die Japaner begannen gestern an der Ostküste der Halbinsel Liauwng, gegenüber den Elliotinseln, Truppen zu landen. Eine Rekognoscierung zur See soll gezeigt haben, dass die Ostküste von Ta-ku-shan gegen Süden hin Ende April von verhältnismässig schwachen Kavallerie-Abteilungen bewacht war. Wahrscheinlich dienen diese Truppenlandungen einem Land- angriff gegen Port Arthur, wo sich 16 060 Mann russischer Truppen befinden sollen. Weitere 6060 Mann sollen bei D o l n y stehen. Auch in der Nähe von Niutschwang sollen japanische Truppen- landnngen bevorstehen. Ein Gefecht zwischen zwei russischen Abteilungen. Die Russen haben sich nicht nur zur See durch ihre eignen Waffen schwere Verluste beigebracht, auch zu Land liefern sie sich selbst blutige Gefechte! lieber ein solch wundersames Gefecht wird gemeldet: Tokio, 6. Mai. Die Depesche des Generals K u r o k i über einen Zusammen st otz zwischen zwei russischen Ab- t eilungen besagt: Nach der Aussage von Eingeborenen hielt eine 2000 Manu starke russische Infanterie-Abteilung, die einen Hügel bei Teng-schang-hong besetzt hatte, eine andre russische Infanterie- Abteilung von 200 Man», die auf dem Rückzug vor den andringenden Japanern begriffen war, für eine japanische Truppe und eröffnete das Feuer auf dieselbe. Die kleinere Abteilung erwiderte das Feuer. Dabei wurden 1 10 Mann getötet und 70 verwundet. Der russische Train geriet in völlige Unordnung. Die Ladungen wurden im Stich gelassen. Kuroki meldet weiter: Ein Offizier, der in der Schlacht am Sonntag gefangen genommen war, sagt aus, datz nur fünf oder sechs Bataillone Infanterie und zwei Batterien einen geordneten Rückzug hätten ausführen können. Die übrigen Truppen seien in äntzerster Verwirrung geflohen. Ein Vorpostcngefecht. Tokio, 6. Mai. Eine Tepesche des Generals Kuroki be- richtet: Eine 14 Mann starke japanische Patrouille kam am 3. Mai nach Teng-schang-hong; sie wurde alsbald von einer russischen Patrouille angegriffen, die auf einem südlich des Dorfes gelegenen Hügel aufgestellt war. Die japanische Patrouille umging die Russen und griff sie ihrerseits an. Nach einem erbitterten Handgemenge wurde der Feind in der Richtung auf Föngf- hwang- tscheng zurückgeworfen. Die Japaner verfolgten den Feind bis an den Strom zu einem drei Meilen südöstlich von Kaolinen gelegenen Punkte. Hier sahen sie, datz russische Schild- wachen auf den Hügeln zu beiden Seiten der Strasse standen und gaben die Verfolgung auf. Die Stärke der Japaner am Ualu. Petersburg, 5. Mai.(„Laffan'-Meldung.) Meldunzen aus dem Hauptquartier des Generals Kuropatkin schätzen die Armee des Generals Kuroki auf dem rechten Daluufer auf 65 000 Mann mit 234 Feld-, 70 Bclagerungs- und 12 Schnellfeuer-Geschützen. Russische Siegesmärchen. London, 6. Mai. Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen ein Telegramm aus Petersburg, das noch der Bestätigung bedarf. Nach demselben soll eine zweite Schlacht gestern bei Chung-hia-lieng statt- gefunden haben. 7000 Russen und 10 000 Japaner sollen teils tot oder verwundet sein. Der Rückzug der japanischen Armee soll ein fluchtartiger gewesen sein. Es handelt sich, da jede Bestätigung dieser Meldung aus- geblieben ist, natürlich wieder nur um eine völlig erfundene Nachricht._ partci-J�achncbten. An die Parteigenosse». Einige Parteiblätter haben aulätzlich des Wahlkampfes im Wahl- kreise Frankfurt a. O.- Lebus Kritiken geübt, die notwendigerweise unsren Parteigenossen im dortigen Wahlkreise den Wahlkampf er- schweren müssen. Wir ersuchen dringend die betreffenden Partei- blätter, sich ihrer Verantwortlichkeit bcwutzt sein zu wollen und ihre Kritiken während des Wahlkampfes einzustellen. Was die Aufstellung der Kandidatur des Genossen H. Braun betrifft, so hatten wir keinen Grund, uns in diese Angelegenheit ein- zumischen._ Der Parteivorstand. Zur Angelegenheit der Montagszeitimg des Genossen Bernstein bringt die„Münchner Post" eine längere Zuschrift eines Parteigenossen und erklärt gleichzeitig ihr Einverständnis mit dem Inhalte der Zuschrift. Uni mützigen Vermutungen von vornherein entgegenzutreten, erklärt die„Münchner Post" noch aus- drücklich, datz die Zuschrift weder von Bernstein noch von Wollmar stammt. Der Artikel, der„Die Intoleranz im Princip" überschrieben ist, polemisiert gegen die Erklärungen des Partei- Vorstandes und der Berliner Vertrauensleute sowie insbesondere gegen die Erklärung der Funktionäre des vierten Kreises Ost über Bernsteins Unternehmen. Er bezeichnet den Boykott der Bernstein- scheu Zeitung als unberechtigt und verlangt, datz er wieder zurück- genommen werde. Soweit sich der Artikel mit dem vierten Kreise Ost beschäftigt, erledigt er sich durch die hierunter folgende neue Erklärung der Berliner Vertrauensleute, die, wie wir gleichfalls zur Verhütung von Legendenbildungen von vornherein mitteilen, beschlossen worden ist, bevor der Artikel der„Münchner Post" bekaimt wurde. Wenn aber der Artikel gegen den Partei- v o r st a u d den Vorwurf erhebt, datz er in seiner Erklärung den Boykott gegen die Bernsteinsche Zeitung eingeleitet habe und nur nicht gewagt habe, diese Absicht direkt zu äutzeru, so bedeutet dieser Vorwurf eine ebenso unbegründete wie gehässige Unterstellung. In dem Artikel wird dann der Beschlutz des vierten Kreises noch in Zusammenhang gebracht mit dem Verhältnis Bernsteins zur Redaktion des„Vorwärts". Es wird gesagt, datz man Bernstein seine bisherige Existenz am„Vorwärts" unmöglich gemacht habe, indem man ihn aus dem Mitarbeiter-Verbande der Redaktion ent- lassen Hahe. Im Zusammenhang mit diesen Angaben wird die Bohkottierung des neuen Unternehmens so dargestellt, als ob Bernstein ausgehungert werden sollte. Auch der Zusammenhang. der hier zwischen zwei verschiedenen Dingen konstruiert wird, und demnach auch die Schlutzfolgcrung daraus werden hinfällig durch die schon erwähnte, hier nachfolgende Erklärung. Materiell ist zu der Angelegenheit der Mitarbeiterschast Bern- steins am„Vorwärts" noch zu bemerken, datz zwar Bernstein nicht mehr. lvie früher in London, in einem festen Verhältnis zum „Vorwärts" steht, datz wir ihn aber nach wie vor als unfern Mit- arbeiter schätzen und ihn erst in der jüngsten Zeit mehrmals um Beiträge ersucht haben. « Zu der Erklärung des 4. Kreises Ost in Nr. 101 des„Vor- wärts" bemerken wir folgendes: Bei Anwesenheit eines Vertrauensmannes des 4. Kreises Ost(der zweite Pcrtrauensmann fehlte) wurde in der Sitzung der Vertrauensleute Berlins irnd der Vororte einstimmig beschlossen, uns der Erklärung des Parteivorstandes— die den Abend zum Druck gegeben wurde— anzuschlietzen. Das Blatt des Genossen Bernstein ist eine private Gründung und kein Konkurrenz-Unternehmen gegen ein Partei- Organ. Damit war unsre neutrale Haltung demselben gegenüber selbstverständlich. Ob ein Parteigenosse das Blatt durch Kauf oder Abonnement unterstützt, ist seine Privatangelegenheit, über die nie« mand zu bestimmen hat. Sollte sich die Sachlage ändern, so würden wir von neuem Stellung nehmen, haben aber zur Zeit keine Ver- anlassung,„Befürchtungen" oder„Vermutungen" Rechnung zu tragen., Wollte der 4. Kreis O st eine anderweite Regelung der Frage, so hätte er diesen Wunsch der Vertretung der Berliner Genossen unterbreiten sollen, damit die Genossen ihre Meinung hierzu äutzeru konnten, nicht aber eine Erklärung abgeben, welche einen Gegensatz zu dem einstimmig über Berlin gefahten Beschlüsse darstellt. Mit dieser unsrer Erklärung hoffen wir auch allen Schluß- folgerungen, welche bereits in langen Artikeln in gewohnter liebens« würdiger Weise über die- Berliner Genossen gezogen wurden, ein Ende bereitet zu haben. Berlin, den 6. Mai 1904. Die Vertrauensleute von Berlin I, II, HI, IV-Südost, V, VI und Teltow-Beeskow. Die Vertrauenspersonen der Frauen von Berlin und Umgegend. Die„Leipziger Bolkszeitung" als Hüterin der Parteisitten, da? ist das neueste Ereignis in der Parteigeschichte. Diese elegische Wendung hat nämlich jetzt die Klischeegeschichte genommen. Wenn die„Leipziger Volkszeitung" dieses Feldzeichen auffteckr, dann er- klären wir uns für besiegt. Im übrigen glauben wir der„Leipziger Volkszeitung" nach ihrer jetzigen Erklärung ernsthaft und ohne Vorbehalt, datz ihr die Klischee- beschreibung vor der Aufnahme genau so wissenschaftlich erschienen ist wie nachher, wissen wir doch zu genau, datz sich die Dinge in ver- schiedenen Köpfen verschieden malen. Nur das eine sei uns gestattet zu bezweifeln, nämlich datz der historische Materialismus mit dieser Klischeewissenschaft etwas zu thun hat. Totenliste der Partei. Man schreibt uns: In Offen bürg (Baden) starb am Donnerstag die Kaufmannswitwe Fanny Zwick geb. Henco im Alter von 52 Jahren an einem Leberleiden. Wer das im Jahre 1890 erschienene Buch„Socialistengesetz und Rechtspflege(Rechtsanwalt O. Muser) gelesen hat, bewunderte auch den Heroismus dieser der bürgerlichen Klasse angehörenden Frau, welche das Opfer jener schandgesetzlichen Zeit geworden ist, die mit wachsender Ungenierheit die eklatantesten Rechtsverletzungen vornahm oder sanktionierte. Frau Fanny Zwick war unter den 15 An« geklagten, welche im grossen Freiburger Socialistenprozetz im No- vember 1889 nach dreitägiger Verhandlung von der Strafkammer zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden wegen Teilnahme an einer verbotenen Verbindung. Frau Z. wurde am 10. September in Offenburg ver- haftet, weil von der socialdemokratischen Partei in Basel an ihre Adresse irrtümlicherweise ein Brief gesandt wurde, der für einen im gleichen Hause wohnenden Parteigenossen bestimmt war und einen Gepäckschein enthielt. Die Adressatin gab den Brief uneröffnet ab; sie hatte vom Inhalt keine Ahnung. Nach einer grausam schweren Untersuchungshaft in den Gefängnissen zu Offenburg, Emmendingen und Freiburg verbüßte die edle Frau mit heldenartiger Duldsamkeit den Rest der Strafe im Landesgefängnis Bruchsal, wo ihr eine schlechte Behandlung zu teil wurde. Den Anfang ihrer Krankheit führt man auf jene Zeit zurück. Wird einmal die Geschichte der badischen Socialdcmolratte geschrieben, so verdient diese Dulderin, die sonst ein stilles Leben führte, ehrenvoll genannt zu werden. Die Arbeiter ihrer Heimat werden ihr ein dankbares Andenken be- wahren. pollzelllcbes. OcricbtUcbts ukw. — Politische Arbeit. In der unter dieser Ueberschrift gestern veröffentlichten Notiz befindet sich in der 19. Zeile ein sinnentstellender Druckfehler. Anstatt der Worte„die nicht zutreffend wären" mutz es heißen: die nicht zu treffen wären. Nämlich, lvie aus dem Nach- satze hervorgeht, nicht zu treffen mit einer reinen Begriffsdefinition, Soziales. Aerzte und Krankenkassen. In L e i p z i g dauern die Verhandlungen fort; über ihren Stand wird nichts Zuverlässiges bekaimt. Die den Aerzten zu Veröffent- lichnugen dienenden„Leipziger Neuesten Nachrichten" bringen folgende Notiz; „Die Verhandlungen zwischen den Aerzten und der Orts- Krankenkasse nehmen ihren Fortgang, und zwar auf der Basis, datz die Familienbehandlung zunächst nicht wieder eingeführt wird, weshalb denn auch die für den 6. Mai einberufene General- Versammlung wieder abbestellt worden ist. Entgegen andern Meldungen beharren die Aerzte nicht allein auf der Beseitignng des Distriktsarztsystems, sondern auch auf der fteien Arztwahl. Verträge sollen abgeschlossen werden mit 375 Aerzten, die Distriktsärzte also nicht eingerechnet, da sie wieder eliminiert(aus- gestotzen) werden sollen. Diese 375 Aerzte würden alle gegenwärtig in Leipzig praktizierenden Aerzte umfassen, soweit sich diese über- Haupt an der Behandlung der Mitglieder der Orts-Krankenkasse be- teiligcn wollen. Solange die Familienbehandlung ausgeschlossen bleibt, fordern die Aerzte, daß die Kasse pro Jahr fünf Mark für jedes ihret Mitglieder aufwendet, und würden dies also bei 140 000 Mit. glieder 700 000 Mark sein. Wird die Familienbehandlung wieder eingerichtet, so soll im Durchschnitt die Familie zu vier Köpfen gerechnet und pro Kopf drei Mark ausgeworfen werden, ebenso würden dann für jede« unverheiratete Mitglied drei Mark be- rechnet werden. Man nimmt an, datz etwa die Hälfte der Mit- glieder, also 70 000, verheiratet sind. Es würde dies dann bei der Berechnung eine Pauschale von 1 050 000 M. ergeben. Im wesent- lichen handelt es sich gegenwärtig nicht mehr um die Honorarfrage. sondern um die Art der Elimierung der Distriktsärzte bezw. um den Kostenpunkt dieser Prozedur." Die Richtigkeit dieser Meldung läßt sich nicht nachprüfen, sehr wahrscheinlich klingt sie jedoch nicht, da sie dem Vorstände der Kasse ein fast vollständiges Aufgeben seiner bisherigen Stellung unter- legt. Wir verzeichnen sie nur als den vermutlichen Ausdruck ärzt- licher Wünsche._ Oberschlesische Bolksschulverhältnissc. Im Orte Ellguth bei Kattowitz wirken an der dortigen Volks- schule, die 340 Schüler hat. nur zwei Lehrer. Da die Arbeit dieser »beiden Volkserzieher erklärlicherweise eine überaus harte ist— die Schüler sind meistens polnischer Nationalität—, ist fast immer einer der beiden wegen Krankheit beurlaubt und während dieser Zeit mutz der andre Lehrer sämtliche Kinder unterrichten. Gegenwärtig hat nach dem„Oberschl. Tageblatt" der zweite Lehrer dies Ver- gnügen, da der erste wegen Krankheit auf sechs Wochen beurlaubt ist. Nach Ablauf dieser Zeit wird natürlich der jetzt amtierende Lehrer genötigt sein, auszuspannen und dann hat der alsdann Genesene das Vergnügen, wochenlang die 340 Kinder zu unterrichten. Das Schullokal, das einzige für sämtliche Kinder, hal einen Flächen- räum von 54 Quadratmetern. Die Kinder werden täglich in drei Abteilungen von je etwa 115 Schülern in diesem Räume unter- richtet. Da zum Sitzen kein Platz ist, so st e h e n d i e K i n d e r eng aneinander im Schulzimmer. Dieser Raumvcrhält- nisie wegen mutz auch auf die Anfertigung schriftlicher Arbeiten während der Schulstunden� verzichtet werden. Da die Kinder von den schlechten Wegen viel Erde an den Füssen mit in die Schulstube tragen, die sich dort bald in Staub verwandelt, die Ausdünstung der eng zusammengepferchten Kinder natürlich auch nicht gering ist, fatltt man sich ungefähr vorstelle», welche Lust im Schulzimmer herrscht. Angesichts solcher schier unglaublichen Schulverhältnisse im Kultur� staate Preußen erscheint die enthusiastische Lobrede des„liberalen' Abgeordneten Dr. Voltz-Kattowitz über die Volksschulzustände in Oberschlesien und insbesondere im Jndustriebezirk, die dieser Ver- treter der Grubcnbarone kürzlich im preußischen Landtage vom Stapel ließ, besonders bezeichnend. Der genannte„Volksvertreter" zog in seiner Rede besonders über die Schrift eines oberschlesischen Rektors Urbane! her, in der der sachkundige und übrigens ganz Hakatistisch begeisterte Verfasser ziemlich scharf die skandalösen Volks' schulverhältnisse Oberschlesiens kritisiert. Herr Voltz wies demgegenüber mit großem Stolze darauf hin, daß in den letzen fünf Jahren die Zahl der Volksschullehrer im oberschlesischen Jndustriebezirk von 1373 auf 1753 gestiegen sei. während die Zahl der Volksschüler im gleichen Zeitraum von 107 002 auf nur 130 732 gewachsen wäre. Auf einen Lehrer kamen danach in, Jahre 1899 durchschnittlich 78 Schüler, 1903 nur noch— 75 Schüler! Ein bewundernswerter Fortschritt I Während in manchen städtischen Volksschulen diese durchschnittliche Schülerzahl für je einen Lehrer nicht erreicht wird, giebt es dagegen hunderte von Schulklassen, besonders in den Jndustriedörfern. in welchen die Durchschnittsziffer 100 erreicht wird, ja in vielen Fällen 150 erreicht und übersteigt. Bei der auch für ganz Oberschlesien geltenden Durchschnittsziffer von 75 Schülern für einen Lehrer fehlten aber im vergangenen Jahre gar noch die Lehrer für 772 Schul klaffen. Bei einer Durchschnittszahl von 50 Schülern auf eine Lehr- kraft— gewiß eine bescheidene Forderung!— würden in Oberschlesien gegenwärtig rund 2500 Lehrer fehlen I C3e\verKfd)aft:UcKes. Streikposten sind ans Gesetz gebunden! Diese Selbstverständlichkeit, an der wohl wahrhaftig noch kein Mensch bisher gezweifelt hat, tischt das Kammergericht in einer jüngst gefällten Entscheidung der Welt als neueste Weisheit auf. Die Streikposten H. und Genossen waren polizeilich aus der Gegend einer Fabrik in der Schillingstraße fortgewiesen worden, wo Metall- arbeiter streikten. Sie gingen, empfahlen sich aber nicht auf die Dauer. Es gab deshalb Anklagen wegen Ueber- tretung der berühmten ßZ 132 uud 133 der Berliner Straßen- Polizeiverordnung, weil die Widerspenstigen„einer zur Aufrechterhaltung der Ruhe, Ordnung. Sicherheit und Bequemlichkeit des Verkehrs auf der öffentlichen Straße ergangenen Anordnung eines Aufsichtsbeamten nicht gefolgt seien. Das Landgericht als Berufungsinstanz sprach jedoch die Angeklagten mit folgender Be- gründung frei: Der Polizeibehörde sei zur Kenntnis gekommen, daß Ausschreitungen von Streikenden in jener Gegend borgekommen sein sollen. Deshalb habe der Polizeilieutenant den ihm unter- stellten Beamten aufgegeben, die Streikposten fortzuweisen. Es stehe aber nicht fest, daß thatsächlich dort an den Tagen vorher Aus- schreitungen vorgekommen wären. Es müsse angenommen werden, daß die Streikposten als solche weggewiesen seien, was nicht thunlich sei. Darum müsse Freisprechung erfolgen. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob jedoch das Kammer- gericht das landgerichtliche Urteil wieder auf und vertvieS die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Begründend wurde ausgefiihrt: Es erhelle nicht klar aus der Vorentscheidung, ob der Vorderrichter meine, daß die An- geklagten nur als Streikposten weggewiesen seien oder ob die Wegweisuug erfolgte, weil die Polizei infolge einer Nachricht über angebliche Ausschreitungen neue Ausschreitimgen befürchtete und durch die Anordnung der Wegweisung diesen vor- beugen wollte. Nur weil sie Streikposten seien, könnten Streikposten allerdings nicht weggewiesen werden. Dagegen könne es geschehen, wenn der Ztveck die Aufrechterhaltung der Ruhe, Sicherheit und Bequemlichkeit des Verkehrs sei, daß die Wegweisung zu diesem Zwecke erfolge. Denn Streikposten seien nicht etwa deshalb, weil sie Streikposten seien, als vom Gesetze losgelöst anzusehen; sie unterständen auch als Streikposten den allgemeinen, für jedermann geltenden Bestimmungen. Sehr richtig I Aber diese Bestimmungen dürfen auch andrer- seits nicht nur auf Streikposten angewandt werden und sie dürfen nicht nur gelten, wenn irgendwo ein Streik ist, sondern müssen überall und gegen jedermann angewendet werden. Nur wenn die Polizei das Recht hat, wegen der„Befürchtung" von Ausschreitungen den Tiergarten oder die Leipzigerstraße zu sperren, darf sie auch die Schillingstraße und mutz sie diese dann auch gegen alle sperren. Das Kammergericht hat Recht: Streikposten sind nicht als vom Gesetze losgelöst anzusehen; sie haben kein größeres Recht als andre Leute, sie sind aber auch nicht minderen Rechtes. Nachdem das Kammergericht festgestellt hat, daß Streikposten nicht deshalb, weil sie Streikposten sind, als vom Gesetze losgelöst anzusehen sind, werden vermutlich die Verteidiger derselben die Beamten, welche gegen sie vorgingen, fragen, ob sie gegen alle Passanten oder nur gegen Streikposten einschreiten. Ist das letztere der Fall, dann sind die Streik- Posten allerdings als Streikposten nicht wegen der allgemeinen Be- fürchtnngen der Polizei fortgewiesen, und das giebt auch das Kammer- gericht nicht zu._ Berlin unA Qmgegend. Ernste Differenzen im Banklempner-Gcwerve drohen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auszubrechen. Es handelt sich um die Nichtanerkennung eines von der gemischten Schlichtunaskommission einstimmig gefaßten Abänderungsbeschlnsses eines Tarifparagraphen seitens der Arbeitgeber und deren absichtliche Verschleppung der in dieser Sache anberaumten EinigungS-Verhandlnngen. Eine gestern abend im Gewerkschastshause tagende stark besuchte Banklempner- Versammlung nahm unter entschiedenster Mißbilligung des Ver- Haltens der Meister folgende Resolution an: Die Versammlung beschließt: Nachdem die Kle>npnermeister auch die für den 6. Mai an- gesetzte Verhandlung des Einigungsamts verhindert haben, soll am Montag den 9. d. Mts. eine Konferenz der Vertrauens- leute die schriftlich formulierten Forderungen betreffend Fahrzeit- entschädigung in Empfang nehmen, diese Forderungen Dienstag früh den Meistern unterbreiten und bis Mittwochabend Antwort verlangen. Mittwochabend soll eine weitere Versammlung der Bauklempner stattfinden, die dann auf Grund des dann vorliegenden Resultats über die weiteren Maßnahmen endgültig Beschluß zu fassen hat. Achtung, Einsetzer! Der Zuzug nach dem Bau in Schmargendorf, Zoppotterstr. 15(Tischlermeister Goertzig) ist streng fernzuhalten. Der Gauvorstand des Deutschen Holzarbeiter-VerbandeS. Dcutfcbcs Reich. Breslancr Terroristeuprozesse. Neue Folge. Unter einer ganz ausfälligen Begründung wurde am Donnerstag der Verbandssekretär der Breslauer Maurer, Genosse Widern, wegen Streikvergehen zu einem Monat Gefängnis ver- urteilt. Die organisierten Maurer und Bauarbeiter eines bestimmten Baues waren mit einem Polier in fortgesetzten Streit geraten, der schließlich zu einer Lluseinandersetzung führte, als der Polier einen Maurer entließ. Die Organisierten legten daraus die Arbeit nieder und verhängten die Sperre über den Bau. Als diese Sperre auch über andre Bauten desselben Unternehmers verhängt wurde, nahm der Polier seine Entlastung. Jetzt verhandelte der Unter- nehmer mit dem Maurerverbande und dabei gab der Vorsitzende Widera an, die Sperre würde nicht eher aufgehoben, bis der Polier entlassen sei. I» diesen Worten liegt nach Ansicht des Gerichts eine Bedrohung, denn: die Bedrohung ist s ch o n in d e r A n- k ü n d i g u n g eines U e b e l s zu erblicken, die die freie Entschließung des Bedrohten beeinflußt, wenn mich die Drohung nichts strafrechtlich BcrfolgbarcS enthüllt. Damit stellte sich das Gericht auf den Boden eines Hamburger Oberverwaltungsgerichts- Erkenntnisses und verurteilte Widera zu einem Monat Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte zwei Monate beantragt. Ein weiterer Prozeß gegen vier Breslauer Maurer, die einem Nichtverbändler einen Stiefel versteckt haben sollen, ist im Gange. Versammlungen. Berliner Gewcrkschqftskommission. Am Donnerstag fand eine Versammlung der Delegierten statt, in der zuerst der Ausschuß neu gewählt wurde. Die Wahl fiel auf folgende Mitglieder: Metall- arbeiter Wiesenthal, Holzarbeiter M a a ß, Maurer F r i tz s ch, Handelshilfsarbeiter Schumann, Buchbinder Brückner, Schneider Ritter, Bauarbeiter Heidemann.— Auf Antrag Tischendörfers wurde beschlossen, die Wahl künftig durch Stimmzettel vorzunehmen, nachdem die Kandidaten in einer vorhergehenden Ver- sammlung vorgeschlagen worden sind.— Als Revisoren wurden ge- wählt: Buchdrucker Teske, Bäcker Hetzschold, Buchdruckerei- Hilfsarbeiterin Frau Thiede. Als zweiter Punkt stand auf der Tagesordnung: Antrag auf Erhöhung der Beiträge und Anstellung eines dritten Beamten.— K ö r st e n, der den Antrag begründete, wies an den Einnahmen und Ausgaben der letzten drei Jahre nach, daß, wenn man nur mit den regelmäßigen Einnahmen rechne, diese nicht ausgereicht haben, um die Kosten des Bureaus zu decken. Man habe deshalb auf die außerordentlichen Einnahmen zurückgreifen und aus diesen das rechnungsmäßige Deficit decken müssen. Zwa? sei noch Geld genug vorhanden, um das Deficit auch serner in derselben Weise auszugleichen, aber es empfehle sich doch, die regelmäßigen Einnahmen so zu gestalten, daß sie die laufenden Ausgaben decken. Der Ausschuß beantragt deshalb, den Beitrag der Gewerkschaften von 10 Pf. pro Jahr und Mitglied auf 12 Pf. zu erhöhen. Keine Gewerkschaftskommission im ganzen Reiche erhebe so geringe Beiträge wie die Berliner. In andern Orten würden durchschnittlich 50 Pf., im Marimum sogar 1,20 M. pro Mitglied und Jahr erhoben.— Die Anstellung eines dritten Beamten für das Bureau der Kommission sei eine unabweisbare Notwendigkeit geworden, denn die Arbeiten der beiden Sekretäre hätten sich so vermehrt, daß während des vergangenen Jahres ständig eine, zeitweise sogar mehrere Hilfskräfte beschäftigt werden mußten. Die beiden Sekretäre seien oft außerhalb des Bureaus beschäftigt, am Gewerbegericht, Schiedsgericht, Reichs-Ver- sicherungsamt, Verhandlungen bei Lohnbewegungen usw., so daß manchmal nur der Hilfsarbeiter im Bureau anwesend war. Das sei ein unhaltbarer Zustand, den man auf die Dauer nicht beibehalten könne. Es werde beabsichtigt, die Geschäfte in der Weise zu verteilen, daß die beiden jetzigen Sekretäre in erster Linie die aus der Arbeiter- Versicherung resultierenden Arbeiten erledigen, während dem neu- anzustellenden dritten Beamten die Besorgung der laufenden Ge- chäfte der Kommission zufallen soll. In der Diskussion zeigte sich, daß für die Erhöhung der Beiträge wenig Neigung vorhanden ist, während die Anstellung eines dritten Beamten nur auf geringeren Widerstand stieß. Gegen die Beitrags- crhöhung wurde eingewandt, daß das rechnungsmäßige Deficit ja nur gering sei, die regelmäßigen Beiträge würden sich erhöhen, weil die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften gewachsen sind, übrigens könne man den vorhandenen Fonds auch ferner zur Deckung der laufenden Ausgaben, soweit es nötig ist, heranziehen. Gegen die Anstellung eines dritten Beamten bemerkte Döblin: Man werde vielleicht mit zwei Sekretären auskommen, wenn diese sich hinsichtlich des Feldes ihrer Thätigkeit eine weise Beschränkung auferlegen. Namentlich könne die Ue bernahme von Vertretungen am Reichs- Versicherungsamt eingeschränkt werden, da ja für diese Thätigkeit das Eentral-Arbeitersekretariat eingerichtet sei. Je stärker das Personal ei, desto mehr werde sich das Bedürfnis, sich zu bethätigen, bemerkbar machen, und schließlich würden auch drei Beamte nicht ausreichen, um die vermehrten Arbeiten zu bewältigen. Manche Arbeiter- sckretariate hätten sich ein sehr weites Arbeitsfeld gesteckt. Wenn die beiden Sekretäre der Berliner Gewerkschaftskommission sich auf die Arbeiten beschränken, welche das eigentliche Gebiet des Sekretariats mit sich bringen, und Ivenn sich dann herausstelle, daß sie diese Arbeiten nicht bewältigen können, dann möge man einen dritten Beamten anstellen. Vorläufig könne man wohl von der festen Anstellung eines dritten Beamten absehen, aber die Erhöhung des Gehalts der gegen- wältigen Sekretäre in Erwägung ziehen.— Gegen diese Ansicht wurde von andren Rednern ausgeführt, daß, selbst wenn die von Döblin gewünschte weise Einschränkung stattfinde, doch ein dritter Beamter eingestellt werden müsse, denn die Arbeiten hätten sich so stark vermehrt, daß sie von den beiden Sekretären nicht bewältigt werden können. Wenn die Arbeiten sich weiter so vermehren wie bisher, so werde wohl außer den drei Beamten noch eine ständige Hilfskraft für Schreibarbeit eingestellt werden müssen.— Link bemerkte: Es sei ein Irrtum, wenn man glaube, durch das Eentral-Arbeiter- fekretariat werde das Berliner Sekretariat erheblich entlastet, denn es sei natürlich, daß Sachen, die die Berliner Sekretäre vor dem Schiedsgericht geführt haben, von ihnen auch vor dem Reichs-Ver- sicherungsamt geführt werden müssen. Wenn die focialpolitifche Thätigkeit des Berliner Sekretariats beibehalten werden soll, dann sei ein dritter Beamter notwendig. Andernfalls müßten sich die beiden Sekretäre nur auf die rein gewerkschaftlichen Arbeiten des Bureaus beschränken.— Döblin erwiderte hierauf, er wolle die socialpolitische Thätigkeit des Sekretariats nicht eingefchränkt wissen. fondcrn nur die Vertretung beim Reichs-Versicherungsamt, wofür ja das Eentral-Arbeitersekretariat da sei. Auch meine er, nach Schluß des Reichstags werde Körstcn mehr Zeit haben wie jetzt, wo er als Abgeordneter in Anspruch genommen ist.— Im Laufe der Debatte liefen mehrere Anträge auf Erhöhung des Gehalts der beiden Sekretäre, sowie auf Festsetzung einer Gchaltsskala ein. Gegen die Gehaltserhöhung sprach O l b r i ch, der Vertreter der Schuh- macher. Die Abstimmung hatte folgendes Ergebnis: Die Erhöhung der Beiträge wurde abgelehnt, die Anstellung eines dritten Beamten gegen eine Stimme an- genommen. Tie Stelle soll ausgeschrieben und aus der Zahl der Bewerber der geeignete ausgewählt werden.— Auf Antrag Brückners wurde beschlossen, das Gehalt der beiden Sekretäre von, 2200 auf 2100 M zu erhöhen.— Ferner wurde ein von K n o l l gestellter Antrag angenommen, welcher den Ausschuß beauftragt, der nächsten Versammlung eine Gehaltsflala vorzulegen, welche die Gehälter ein für allemal regelt und zwar im Sinne der Anregungen des Stuttgarter Gewerkschaftskongresses. Als dritter Punkt der Tagesordnung folgte die Berichterstattung über die beim Ausschuß angemeldeten Streiks. K ö r st e n berichtete über den Streik der Vergolder. Derselbe währt bereits sechs Wochen. Man hätte nicht annehmen können, daß dieser Streik sich so lange hinziehen würde, denn es handelt sich nicht um materielle, sondern nur um Prinnpielle Forderungen, in der Hauptsache um die Einsetzung einer Schlichtungskommission und die Regelung der Heimarbeit. Tie Einsetzung einer Kommission ist eine Notwendigkeit, um eine Instanz zu schaffen, welche die Differenzen regelt, die durch die fortgesetzten Lohnabzüge entstehen. Redner hat bereits sechsmal mit den Unternehmern und deren Ver- trctern verhandelt, ohne daß bis jetzt das geringste Resultat erzielt wurde. Die Einsetzung der Kommission, die sonst bei Streiks als etwas selbstverständliches sozusagen nebenbei bewilligt wird, stößt I in diesem Falle auf ungeahnte Schwierigkeiten. Nicht das geringste Entgegenkommen haben die Unternehmer gezeigt, sie wollten auch nicht vor dem Einigungsamt verhandeln. So"wie die Dinge jetzt liegen, kann man den Vergoldern nicht raten, den Streik aufzugeben. Die Gewerkschaften lverden ersucht, den Streik nach Kräften zu unter- stützen. S p ä t h e, der Vertreter der Vergolder, wies darauf hin, wie notwendig die Regelung der Heimarbeit in der Goldleistenfabrikation sei. Durch die Heimarbeit werde eine Schundkonkurrenz geschaffen, die der Schrecken aller Berufsangehörigen sei. Der Führer der Unter- nehmer, der bekannte freisinnige Stadtverordnete und Landtags- abgeordnete Rosenow stelle sich den Forderungen der Arbeiter so schroff gegenüber wie es die ärgsten Reaktionäre thun. Tic aus- wärtigen Kollegen warten darauf, daß das Unwesen der Berliner Hausindustrie eingedämmt werde, und deshalb werden auch die Berliner Vergolder ihren Streik durchführen.— Weiter wurd- mitgeteilt. daß 000 Streikende zu verzeichnen sind, und daß auch der Verband der Handels- und Transportarbeiter mit 66 Packern am Ausstand beteiligt ist. Hetzschold berichtete über die Ursachen und den Verlauf der Lohnbewegung der Bäcker. Tieselbe war geplant als eine Be- weguüg zur Einführung einer Tarifgemeinschast. Nachdem aber die Meister jede Verhandlung nach dieser Richtung abgelehnt haben, ist die Bewegung eine ernste geworden und der Kampf ist unvermeidlich. Es muß jetzt etwas geschehen, um die Lage der Bäckergesellen zu verbessern, die wegen ihrer schlechten Löhne— sie gehen herunter bis zu 5.35 M. wöchentlich bei halber Kost— in andern Berufen Arbeit suchen und hier nicht selten als Lohndrücker auftreten. Die Organisation der Bäcker ist in letzter Zeit von 121 auf 1000 Mit- glieder gewachsen, und während der kurzen Zeit dieser Lohnbewegung ist die Mitglicderzahl schon auf 2700 gestiegen. Es sind das nicht nur Kollegen, die sich wegen des Streiks aufnehmen ließen, sondern. die gekommen sind, weil sich daS Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Organisation gehoben hat. Ter so gestärkte Verband kann mit den besten Hoffnungen dem Streik entgegensehen. Materielle Unter- stützung der Gewerkschaften wird einstweilen nicht nachgesucht, denn der Verband verfügt über ausreia?ende Mittel, aber es wird er- wartet, daß die Gewerkschaften dem Streik der Bäcker ihre moralische Unterstützung zu teil werden lassen. Hierauf gab P i g u s ch einen kurzen Bericht über die Be- wegung der Konditoren, die sich, soweit sie in Bäckereien arbeiten, dem Bäckerstreik anschließen. Ter Redner empfahl auch diesen Streik der wohlwollenden Berücksichtigung der Gewerkschaften. Damit war die Tagesordnung erledigt. In der Versammlung fehlten die Vertreter der Asphalteure, Barbiere, Böttcher, Bureau- angestellten, Glaser, Marmorarbeiter, Masseure. Mühlenarbeiter, Musiker. Schmiede. Steinarbeiter. Stereotypeure, Bühnenarbeiter. Dylographen. Der Arbeiter-Sängerdund hielt am 10. April in der Brauerei Friedrichshain eine Ausschußfitzung ab. Ehe in die Tagesordnung eingetreten wurde, gab die zum Fall„Libertv" kontra Meyer gewählte Kommission ihren Bericht. AuS demselben ging Meyer als gerecht- fertigt hervor. Dem Verein„Liberts" sprach die Kommission einen Tadel dahingehend aus. die Sache ohne vorherige eingehende Unter- suchung der Oeffentlichkeit unterbreitet zu haben. Zur Aufnahme in den Bund hatte sich das Pahlsche Doppelquartett gemeldet. Nach längerer Diskussion wurde die Aufnahme mit 66 gegen 55 Stimmen abgelehnt. Zum Delegiertentag der Liedergemeinschaft in Dresden werden auf Antrag zwei Delegiere entsendet. Gewählt wurden der Kassierer A. Seiknt und der Bundesdirigent R. Blobel. In Sachen der beiden Vereine„Sangeslust Hl". Tempelhof und.Liederzweig". Hermsdorf, welche beide die Lokallifte nicht beachtet haben, wird letzterem Verein eine Rüge erteilt, im Wiederholungsfall Ausschluß angedroht. Beim Verein Tempelhof ist die Sache nicht richtig ausgeklärt und wird die Sache zur weiteren Erledigung dem Bor- stand überwiesen. Das Provinzial-Sängerfest findet in diesem Jahre am Sonntag, den 26. Juni in Zehdenick statt. Dem Komitee zur Errichtung eines Georg Herwegh-DenkmalS in Liestal(Schweiz) wurden 150 M. bewilligt._ Letzte Nacbnchtcn und Depcrcben. Vom russisch-japanischen Kriegsschauplatz. Paris. 6. Mai.(B. H.) Nachrichten aus Petersburg zufolge soll Kuropatkin an den Zaren telegraphiert haben, es sei unmöglich, das Vordringen der Japaner bis zu einer Entfernung von 1.10 Kilo- meter angesichts der numerischen Schwäche der russischen Streitkräfte zu verhindern. Petersburg, 6. Mai.(B. H.) Hier erwartet man stündlich die offizielle Bestätigung einer seit dem frühen Vonnittag in den leitenden Kreisen Petersburg? cirkulierenden Nachricht, wonach die Japaner bei Pilsowo landeten und dadurch die Verbindung vom Lande ans mit Port Arthur abschnitten. Paris, 6. Mai.(B. H). Der„TempS" berichtet aus Peters- bürg: Obwohl man noch offizielle Bestätigung abwartet, wird doch an kompetenter Stelle als zweifellose Thatsache versichert, daß die Japaner im Norden von Port Arthur und zwar in Pitsowo gelandet sind und die Landverbindung mit Port Arthur abgeschnitten haben. Paris, 6. Mai.(B. H.)„Echo de Paris" berichtet aus Petersburg, Kapitän Kurakino, Offizier des Generalstabes, versuchte, ob- gleich verwundet, den linken Flügel des Generals Sassulitsch schwimmend zu.rreichen, er ging jedoch unter und seine Leiche wurde von Kosaken geborgen. Weiter meldet daS genannte Blatt, man glaube in russischen Militärkreisen, daß sich jetzt die Ereignisse auf dem Kriegsschauplätze überstürzen werden.____ Washington, 6. Mai.(Meldung des Reuterschen BureauS.) Der Gesandte in Tokio Griscom übermittelte dem Staatsdepartement ein Telegramm, in welchem er die Landung der Japaner auf der Halbinsel Liautung ungefähr 40 Meilen oberhalb von Port Arthur bestätigte. Man sagt, der Ort sei Kintschau, der an dem schmälsten Punkte der Halbinsel liegt. Infolgedessen sei der Betrieb auf der Osteisenbahn eingestellt und die Belagerung von Port Arthur nehme ihren Anfang._ Abschluß der Gemeinderatswahlen in Wien. Wien, 6. Mai.(W. T. B.) Mit dem heutigen Tage sind die Ersatzwahlen zum Gemeinderat abgeschlossen. Der Gemeinderat setzt sich nunmehr zusammen auS 136 Christlichsocialen, 20 Fortschritt- liche» und 2 Socialdemokraten. Die Russen räumen Port Arthur. London, 6. Mai.ch kann namens meiner Freunde erklären, daß wir dem An- trage der Kommission zustimmen werden, wenngleich auch wir lebhaft bedauern, datz der Inhalt der Resolution derart beschränkt lvorden ist. Wir sind mit dem Vorredner der Meinung, datz die Revision deS Militär-Strafgesetzbuches nach verschiedenen Richtungen eine dringende Notwendigkeit ist. Die Kommission hätte nicht nur eine Herabsetzung des Strafminimums für Verfehlungen gegen untere Vorgesetzte, sondern auch gegen das Strafminimum für Verfehlungen gegen höhere Vorgesetzte empfehlen sollen. Die Kommission ist dem ablehnenden Standpunkt der Regierung viel zu weit entgegen- gekommen. Den Forderungen, die die große Masse der Be- völkerung auf dieiem Gebiete erhebt, entspricht die Resolution bei weitem nicht. Nur unter dem Zivange, datz die Resolution nun einmal vorliegt, und im Augenblicke nichts Besseres erreicht werden kann, sind auch wir bereit, der Resolution zuzustimmen, ohne auch nur im entferntesten damit ausdrücken zu wollen, daß sie uns genügt. Herr v. Normann befürchtet eine Schädigung der Disciplin durch die Herabsetzung des Strafminimlims. Was verteidigt »ii an nicht alles mit Gründen der Disciplin! Daniit haben auch die Anhänger der Prügelstrafe und des SpiesirutenlaufcnS operiert. sSehr wahr! bei den Socialdemokraten.) Die Herren sollten sich bewußt werden, datz durch eine Disciplin, die durch rohe, brntale Behandlung erzwungen ist, nicht die freudige Be- thätigung auf dem betreffenden Gebiete erzielt lvird, die Disciplin, die auch wir wollen, mutz hervorgerufen werden durch humane Behandlung der Untergebenen.(Bravo I bei den Social- demokraten.) Abg. Dasbach(C.): Ich bedaure, daß Herr v. Tirpitz nicht gesagt hat, welche Schlüsse er bei der Annahme der Resolution befürchtet. Wir wüiischen gerade, datz ein bestiminter Schluß daraus gezogen werde, nämlich der, datz das deutsche Volk sieht: die armen, geplagten Soldaten haben im Reichstage einen Anwalt. In der Regel vergeht sich ein Untergebener gegen einen Vorgesetzten nur dann, wenn er angeheitert, oder wenn er fortwährend gequält worden ist. Mir ist kein Fall begegnet, ivo ein Soldat sich einem wirklichen Dienstbefehl eines Vorgesetzten widersetzt hätte. Jüngst ist ein Unteroffizier, der einen Mann fcnndenlang am Ouerbaum hängen lietz, bloß zu fünf Wochen Mittelarrest venirteilt worden. In welchem Ber- Hältiiis steht hierzu die Bestrafung mit zehn Jahren Gefängnis, die in Heidelberg die Reservisten getroffen hat. Die Fortdauer des Mißverhältnisses in der Bestrafung von Vorgesetzten und Unter- gcbenen erschüttert die Disciplin. Die Leute empfinden, datz sie ungerecht behandelt werden, und jeder Mensch, der ungerecht be- handelt wird, e m p ö r t s i ch. Abg. v. Kardorff(Rp.j: Auch meine polittschen Freunde wünschen dringend, datz die Militärmitzhandlungen beseitigt werden. Aber de» Weg, den die Resolution vorschlägt, halten wir für , a l s ch. Wir können nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dos-, die Disciplin im Heere aufrecht erhalten wird, wenn diese Resolution Gesetz wird. Bayrischer Bundesrats- Bevollmächtigter General- Llentenant v. EndreS; Herr Dasbach hat gesagt, die Resolution solle im Lande die lleberzeugung hervorrufen, daß den armen mißhandelten Soldaten im Reichstage ein Anwalt erwachse. Im Namen des bayrischen Offiziercorps mutz ich hier konstatieren, datz der Anwalt der Soldaten auch heute noch der O f f i z i e r i st. und diese hohe Aufgabe wird er sich dadurch nicht aus der Hand nehmen lassen, datz ihm die schlimnistcn Vorwürfe und V e r l e ii m d u n g e n in diesem Hanse gemacht werden.(Grotze Unruhe links.) Präsident Graf Ballestrem: Herr Bevollmächtigter des Bundes- ralS, Sie dürfen hier in diesem Hause nicht sagen, datz durch Mit- glieder dieses Verleumdungen ausgesprochen werden.(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Das ist gegen die Ordnung des Hauses. Gencrallieutenant v. Endres: Ich nehme den Ausdruck sofort zurück. Er war nicht so gemeint. Ich meinte, der Offiziersstand wird sich die Aufgabe, Anwalt deS Soldaten zu sein, nicht durch die vielen Verleumdungen, die heute gegen ihn ausgesprochen werden, aus der Hand nehmen lassen. Er lvird sich diese Aufgabe auch dadurch nicht aus der Hand nehmen lassen, daß' hier im Hause vom Herrn Abgeordneten v. Dasbach behauptet worden ist, die Anwaltschaft für den armen mißhandelten Soldaten liege hier iin Hause. Herr Abg. Singer wies darauf hin, datz gerade heute bei der fortgeschrittenen Entwicklung und den humanen Anschauungen cS nicht abzusehen sei, wie die Disciplin geschädigt werden sollte durch Annahme der Resolution. Ich möchte nur kon- statieren, datz es nicht leicht eine Zeit in der Armee gegeben hat, w o die DiSciplin so gefährdet war, wie sie es heutzutage ist.(HörtI hört! bei den Socialdemokraten.) Es ist das lelbstverständlich. wenn, lvie heilte, die politischen Strömungen ihre Anschauungen durch Rekruten in die Armee hineinsenden, und wenn vieles über Vorgänge in der Armee mit Recht oder Unrecht im Volke erzählt lvird, das nicht gerade geeignet ist, die Disciplin zu fördern. Es ist also die Frage, ob gerade heute der richtige Moment gegeben ist, einige An- ordnungen zu treffen, die, man mag sagen, was man will, die Handhabung der Disciplin erschweren. Abg. Dr. Spahn(C.>: Unsre Resolution ist dadurch begründet, daß das Militär-Strafgescybiich kemc mildernden Umstände kennt. Es giebt aber Fälle, wo der Richrer in der Lage sein mutz, unter die Mi n de st ft rasen des Militär-Strafgesetzbuches herunterzugehen, wenn er ein gerechtes Urteil fällen will. Wenn man jetzt den Standpunkt der Disciplin betont, so ist das ganz f a l s ch. Ich behaupte, Disciplin und Gerechtigkeit können nicht im Widerspruch stehen, wenn sie es aber könnten, s o st cht jedenfalls die Gerechtigkeit höher als die Disciplin.(Lebhaftes Bravo! im Centrnm und links.) Wenn das Militär-Strafgesetzbuch Bestiinmnngcil enthält, die es dem Richter unmöglich machen ein Vergehen mit der entsprechenden gerechien Strafe zu belegen, dann giebt es gar kein Zögern, dann mutz sofort das Gesetz geändert werden.(Bravo! im Centrum und links.) Abg. Gothcin(fts. Vg.): Meine Freunde stehen auf dem Stand- Punkt, den Herr Müller-Meiningen vertreten hat.— Ich hätte nicht das Wort ergriffen, aber die Ausführungen des Herrn v. Endres machen eine Erwiderung notlvendig. Wir erkennen an, datz es Aufgabe des Offiziercorps ist, Anwalt ihrer Untergebenen zu sein, aber es hat nach dieser Richtung kein Mono- pol. Es ist auch Aufgabe des R e i ch S t a g e s, wo er Mitzständc in der Armee kennen lernt, seine Stimme zu erheben und in solchen Fällen den Anwalt des geineinen Mannes abzugeben. Das ist u m so notwendiger, als das Offiziercorps in sehr vielen Fällen nicht bloß Anwalt, sondern auch Ankläger und Richter ist, wodurch ihm seine Rolle als Anwalt ivesentlich erschwert wird. — Wenn wir, wie Herr v. Kardorff will, uns einfach damit zu- frieden geben wollten, datz nach Ansicht der Militärverwaltung durch die Resolution die DiSciplin geschädigt wird, so hieße das. alles selbständige Denken und Handeln in solchen Fragen aufgeben. (Sehr richtig I iinks.) Abg. Dr. Müllcr-Sagan(frs. Vp.): Die Worte des Herrn von Endres klangen gerode so, als ob der Offizierstand der allein berufene Vertreter des Soldaten sei. Eine solche Anffaff'nng mag zur Zeit des ancisu rsxims gegolten haben, heute protestieren wir gegen sie mit allem Nachdruck. Wir sind der Meinung, datz wir das ganze Volk, auch das Volk in Waffe ii hier zu V e r- treten haben.(Lebhafter Beifall.) Nichts erschüttert die Disciplin mehr, als ungerechte Bestrafungen. Wir erblicken in der U e b e r- e i n st i m ni u n g des Militär-Strafgesetzbuches ni i t dem Rechtsbewutztsein des Volkes die beste und wirksamste Sicherung der Disciplin.(Bravo! links.) Bayrischer Generallieutenant v. Endres: Ich sehe immer mehr ei», datz man ini Reichstage mit autzerordentlichcr Sorgfalt auftreten mutz.(Lebhafte Zustimmung und Heiterkeit links.) Ich habe von den Ausführungen des Herrn Das- bach denselben exklusiven Eindruck gehabt, den Herr Dr. Müller- Sagau von meinen Ausführungen gehabt hat. Ich hatte den Ein- druck, datz Herr Dr. Müller-Dasbach(Heiterkeit) ausschließlich den Reichstag für den berufenen Vertreter der Soldaten halte. Dem- gegenüber hob ich hervor, datz die natürliche Anwaltschaft für den Soldaten in den Händen des Offiziercorps liege. Diese Behauptung mutz ich aufrechterhalte»: es ist nur aber nicht entfernt eingefallen zu sagen, datz der Reichstag ausgeschlossen seür solle von der Ver- tretung der Angelegenheiten des Soldaten. Abg. Singer(Soc.s: Herr v. Kardorff berief sich auf die unbedingte Autorität der Reichöverwaltung,_ aber wie oft hat er schon früher Opposition gegen die Regierung getrieben! Er legt sich daS danach zurecht, wie er die Sache im Augenblick ansieht.(Sehr richtig! links.) Im übrigen habe ich gar keine Vorschriften darüber gemacht, wie die Disciplin gehandhabt werden soll; ich habe nur gesagt, ich halte es für möglich, daß sie ohne schwere Strafen auf- rechterhalten wird. Hauptsächlich»nöchte ich mich aber gegen den Herrn Bundesratsbevollinächtigten wenden. Er hat seine Ausführu'ngen ja auf eine andre Grundlage gestellt, aber bester hat er eZ damit nicht gemacht. Er hat ge- sagt, der natürliche Anwalt des Soldaten sei der Offizier. Er scheint zu glauben, datz andre Stellen unnatürliche Anwalte sind. (Heiterkeit.) Es sollte ja so sein, datz der Offizier der Anwalt des Soldaten ist, loenn auch dadurch nicht ausgeschlossen ist, datz andre Stellen ebenfalls seine Anivalte sind. Als unparteiischer An- w»lt kann jedenfalls der Offizier nicht angesehen werden, weil in seiner Stellung Umstände liegen, die ihn parteiisch machen. Ein Beispiel aus der letzten Zeit niag Zeugnis dafür sein, was Anwalts- offiziere sein können. In einer Militär gerichtsverhandlung der letzten Zeit beantragtederAnklägerFreisprechung. Der Anwalt, der Offizier als Verteidiger, plaidicrtr für Bestrafung uiid das Militärgericht hat freigesprochen. Das sind jeden- falls komische Anwalte. Der Bimdesratsbevollmächtigte hat behauptet, datz gerade jetzt die Disciplin hcsonderS gefährdet sei, und dabei deutlich auf meine Partei hingewiesen. Dem gegenüber berufe ich mich auf militärische Autoritäten, die allgemein die Socialdemokraten als gute, brauchbare und pfiichttreur Soldaten ansehen und meinen, daß gerade w i r die jungen Leute warnen davor, im Heere politische Agitation zu treiben. Wenn aber Herr v. Endres auf die Abneigung gegen die Disciplin und die militärischen Sitten hinwies, die durch unsre Agitation ent- stehen soll, so kann ich ihm nur raten, die Ursache dieser Abneigung zu beseitigen. Verschwinden die Mißhandlungen, so wird er mit der Abneigung nicht mehr zu kämpfen haben.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Bayrischer Bundesbevollmächtigter v. EndreS: Der letzte Punkt ist oft genug erörtert worden. Die Verschiedenheit der Anschauungen wird h,er durch eine Verschiedenheit der grundlegenden Auffastungen hervorgerufen, so datz ich nicht glaubte, daß ich noch darüber dis- kutieren mutz. Stur auf eine Aeutzerung des Vorredners möchte ich erwidern. Der Gegensatz von natürlich ist künstlich, und ich halte allerdings den Abg. Singer für einen künstlichen Anwalt der Soldaten. (Heiterkeit.) Abg. Hagemann(natl.): Die Debatte ist in ganz schiefe Bahnen gekommen. Was hat denn die Herabsetzung der Mindeststrafcn für Vergehen gegen Vorgesetzte mit den Militärmitzhandlungen zu thun? Zahlreiche Gerichte haben in ihren Urteilen ja aus« gesprochen, datz sie die M i n d e st st r a f e n für z u h o ch halten. Das Gericht erhält ja auch jetzt volle Freiheit, beliebig hohe Strafen zu verhängen. Deshalb verstehe ich den Widerstand ves Abg. v. Kardorff gar nicht.(Sehr richtig! bei den Nattonal- liberalen.) Abg. v. Kardorff(Rp.): Herr Singer meinte, ich hätte doch sonst meine eigne Meinung. Aber gerade die Armee ist der Punkt, wo ich mich sehr hüte, eine eigne Meinung zu haben, die von der Armee- leitung abweicht. Denn die Armee hat das Deutsche Reich zusammen- geschweißt und erhält es. Zur Remedur einer zu hohen Strafe ist immer die Gnade des höchsten Kriegsherrn da.(Bravo! rechts.) Damit schlietzt die Diskussion. Abg. Gröber(C.) betont in seinein Schlußwort, datz es für den Richter eine»natzlose Härte sei, wenn er für eine minünale Per- fehlung auf ein Jahr Gefängnis erkennen müsse. Unser heutiges bürgerliches Strafgesetzbuch st cht nicht mehr auf der Höhe der Zeit, aber daS Militär-Strafgesetzbuch ist noch viel weiter zurück.(Lebhafte Zustimmung links und im Centrwn.) Der Antrag der Kommission wird hierauf gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Es folgen Petitionen. Die Petittonen einer grotzen Anzahl von Beamten, welche bor dem I.April 1897 in den Ruhestand getreten sind, um Pensions- e r h ö h u n g werden dem Reichskanzler als Material überwiesen. Eine Petttion des Kaufmanns Scharnberger in RegenSburg verlangt eine AbänderungdesSützstoff-Gesetzes dahin, datz ihm gestattet wird, als Generalvertreter der chemischen Fabrik vorm. Sandoz in Basel Sühstoff von dort einzustihren und zu verkaufen. Die Kommission beantragt Ueberweisung der Petition als Material. Abg. Rimpau(natl.) beantragt, über die Petitton zur TageS- ordnung überzugehen. Im Interesse der Zuckerindustrie müsse jedem Versuche, ausländische Sützstoffe über die Grenze zu bringen, aufs schärffte entgegengetreten werden. Abg. Speck(C.) niacht auf die schweren Nachteile aufmerksam, die das Sühstoffgesetz für die kleinen Zwischenhändler im Gefolge gehabt hat und tritt für den Kommissionsantrag ein. Abg. Gothcin(srf. Vg.): Das Sützstoffgcsetz gehört zu den am wenigsten schönen Gesetze», die wir in Deutschland haben: es ist ein ganz übereiltes Gesetz. Als ich seiner Zeil einen Antrag, das Sützstoffgesetz zu einem späteren Termin in Kraft treten zu lassen, begründen ivollte, sagte Graf Limbnrg-Stiruni zu mir, stürzen Sie sich nicht erst in rednerische Unkoftcir. ihr Antrag wird angenommen, meine Fraktion stiinmt dafür. Trotz dieser Zusage stimmten ini ganzen drei Konservative für meinen Antrag.(Heiterkeit und Rufe: Hört! hört!) Wenn Sie damals den Versicherungen des Grafen Limburg entsprochen hätten, wäre die schloere Schädigung für die Zwischenhändler nicht herbei- geführt worden, sie hätten dann bis zum 1. September Vorräte ab- zustoßen vermocht und hätten sie nicht in Zollverschluß zu geben brauchen. Wir müssen die Petition zum allermindestcu als Material überweisen für eine Revision des ganz übereilt zu stände gekommenen Siitzstoffgesetzes.(Sehr richtig! links.) Abg. v. Rchthofen(k.) erklärt, datz ihin Graf Limburg keine Mit- teilung gemacht hätte. Vermutlich habe er nicht für die Fraktion, sondern nur für einzelne Mitglieder eine Erklärung abgegeben, die dann mitzverständlich von Herrn Gothein ausgelegt worden sei. Das Saccharingesetz sei keineswegs übereilt zu stände gekommen. An dem Sützstoffgesetz darf nicht gerüttelt werden, seine Annahme war für einen Teil dieses Haufes die Vorbedingung der Zustimlnung zur Brüsseler Zuckerkonvention.(Sehr richtig I rechts.) Unterstaatssekretär v. Fischer wendet siw gegcir die Positton. DaS Verlangen des Petenten steht dem Sützstoffgesetz direkt entgegen, nach§ 3 dieses Gesetzes wäre der Petent schon strafbar, wenn Süß- stoff in einer Menge von mehr alö SO Gramm bei ihm vorgefunden würde. Abg. Dr. Paasche(natl.): Wir werden dem Antrag Rimpau zustimnien. Von einein überstürzten Inkrafttreten des Süßstoff« Gesetzes, von der Herr Gothein sprach, kann keine Rede sein. Die Händler haben durch die Veröffentlichung des Gesetzes 3/, Jahre lang vorher gewußt, datz sie sick nach dem 1. April 1903 strafbar »nachten, wenn sie mehr als SO Granun Süßstoff in ihrem Besitz hätten. Abg. Gothcii»(fts. Vg.): Für mich sind die Sützstoffe kein Surrogat, sie haben gar keinen Nährwert, sondern sind nur ein Gewürz. Herrn Paasche erwidere ich, datz das Gesetz an sich wohl vorbereitet war, aber daS Verbot des Saccharins ist erst ganz zuletzt auf das Betreiben der Zuckerintercssenten in das Gesetz gekonimen, in der Vorlage war es nicht enthalten. Dainit schlietzt die Debatte. Der Antrag Rimpau auf Ueber- gang zur Tagesordnung wird gegen die Stimmen der Rechten und der Nattonalliberalen abgelehnt, der Antrag der Kominission a n g e n o ni m e n. ES folgen Petitionen betreffend die Deckung der Kosten bei etwaiger Einführung einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Die Kommission beantragt, die Petitionen dem Reichskanzler als Material zu überweisen. Abg. Molkenbuhr(Soc.) Es ist nöttg, einige Bemerkungen zu den Petitionen zu machen und darauf hinzuweisen,»velcher Art das Material ist, das der Herr Reichskanzler in diesen Petitionen erhält. Zunächst»venden sich die Bäckermeister gegen eine Belastung zu Gunsten einer staatlichen Arbeitslosen-Versicherung,„weil dadurch die Existenz- und Konkurrenzfähigkeit des Handwerkerstandes vollständig untergraben werde". Für einen Bäckermeister kann doch der Konkurrent nur ein andrer Bäckermeister sein, und da alle Arbeitgeber gleichinätzig zu den Kosten für die Arbeitslosen-Versicherung herangezogen werden sollen, so ist nicht einzusehen, wie die Konkurrenzfähigkeit der Bäckermeister durch eine solche Versicherung leiden kann. In Betracht kommt weiter, daß das Bäckereigewerbe zu den Geiverben gehört, welche am m e i st e n dazu beitragen, die Arbeitslosigkeit zu st eigern. In keinem Berufe ist die Zahl der Lehrlinge eine so kolossale, wie gerade im Bäckereigewerbe. Autzerdcm werden in diesem Gewerbe sehr niedrige Löhne bei sehr langer Arbeitszeit gezahlt, wodurch die Leistungs- fähigkcit der Arbeiter herabgemindert und die Arbeitslosigkeit erhöht lvird. Weiter petitioniert die Vereinigung.Schlesivigfcher Arbeitgeber-Lerbände" dahin,„in erster Linie die Ein- führung einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit den Arbeitern und ihre n Organisationen selbst zu überlassen". Es ist andrerseits bekannt. datz gerade die Arbeitgeber- Verbände ihr vornehmstes Ziel darin erblicken, den Arbeitern die Organisation nach Möglichkeit zu erschweren. Der FiskuS verbietet ja seinen Arbeitern, sich zu organisieren. An- geblich im Interesse der Disciplin. in Wahrheit im Interesse der eignen Kasse. Er hat seine Stellung dazu benutzt, die Löhne z. B. im Kohlenbergbau ständig herabzudrücken. Vorteil hat der Staat von diese»» Vorgehen nicht. Denn wenn die Arbeiter sich nicht satt essen können, leidet ihre Leistungsfähigkeit und sinkt die Qualität der Arbeit. Nun hat ja gewiß in erster Linie der Arbeiter Interesse an der Vermeidung der Arbeitslosigkeit. Aber auch der Arbeitgeber sollte Interesse daran haben, die Arbeitskraft zu erhalten. Und der Staat ivürde, was er für die Arbeitslosen ausgiebt, schon an dein lviedcr ausbringen,»vas er für die a»lS der Arbeitslosigkeit entstehende Not und das Verbrechen ausgeben mutz. Nun wendet man immer ein. die Industrie könne die steigenden Lasten nicht tragen. Aber da müßte man doch erst nachweisen, datz die bisherige„Belastung" etwa seit dem Jahre 1880 der Industrie geschadet hat. Die Beiträge für die Arbeiterversicherung sind ja nichts weiter als der feststehende Teil des Arbeitslohnes. Trotzdem laufen sofort beim Auftmichen des Projekts einer Arbeits- losen-Verficherung diese merkwürdigen Petitionen ein. Da können wir uns nicht dem KominissionSantrag anschlietzen, sondern müssen U ebergang zur Tagesordnung beantragen.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Damit schlietzt die Diskussion. Der Kommissionsantrag wird gegen die Stiinmen der Socialdemokraten angenommen. Es folgt die Petition betreffend Abänderung de? 8 199k der Gewerbe-Ordnung. Sie verlangt genaue Begriffsbestimmung der Ausdrücke„Fabrik" und„Werkstatt". Die Kommission beantragt Ueberweisuilg zur Erwägung. Auf eine motivierte Anfrage des Abgeordneten Dr. Pachnickc sfrs. Vg.) teilt Geheimrat Spielhagen mit, daß vom preutzischen Handels- Ministerium eine Denkschrift über diese Frage ausgearbeitet Ivorden sei, um der jetzt möglichen Doppelbesteuerung als Fabrik- und Handwerksbetrieb gegenüberzutreten. Die Handwerker einerseits und die Handelskammern andrerseits seien dazu herangezogen worden, und die Denkschrift sei entsprechend der Schwierigkeit der Materie sehr eingehend. Jetzt schwebten kommissarische Verhandlungen zwischen den zunächst beteiligten Ressorts, über deren Stand er vorläufig nichts niitteilen könne. Abg. Thiele sSoc., der stellvertretender Referent ist, aber als Abgeordneter spricht): Ich will nur erklären, daß wir, und ich glaube auch die Freisinnige Volkspartei, in der Kommission gegen die Uebcrweisnng gestimmt haben, weil wir uns nicht für den Wunsch der Innungen nach Befreiung von der Leistungspflicht engagieren wollen. Dannt schließt die Diskussion. Der Kommissionsantrag wird gegen die Stimmen der Socialdemokraten und Freisinnigen Volkspartei angenomme n. Die Petitionen betr. Aenderung des Gesetzes über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau werden auf Antrag des Abg. Erzberger sC.) von der Tagesordnung abgesetzt, weil eine Resolution Müller-Fulda iE.) über diesen Gegenstand zum Etat des Reichsaints des Innern vorliegt, dieser Gegenstand also zweimal beraten werden lvürde. Die Petitionen betreffend Einführung des B e- sähig ungsir achweises sowie betreffend Unterdrückung schlechter Litterat nr- und Kunst erzeug nisse werden ans Antrag des Abg. Müller-Sagan(fiff. Vp.) ebenfalls von der Tagesordnung abgesetzt, um sie vor besser besetztem Hause zu beraten. Es folgt die Petition betreffend Erlaß eines Verbots der Verwendung von Bleifarben. Die Kommission hat Ueberweisung zur Erwägung beschlossen und folgende Resolution angenommen:„Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, sofort dahin zu wirken, daß durch eine Verordnung des Bundesrats ausreichende Schutzvorschriftcn gegen die Gefahren der Bleiweißverwendung getroffen werden." Berichterstatter ist Abg. Tuhmicr sSoc.l Abg. Mcher(!.): Die Gefahren der Bleiwcißvcrwcndungen sind unleugbar, es sollten Bestimmungen erlassen werden, daß das Blei- weiß nur in gebundener Form in den Handel gebracht werden darf. Geschieht das, dann ist die Gefahr der Vergiftung durch Bleiweiß keine große. Einen wirklichen Ersatz für Bleiweiß giebt es noch nicht. Bedauerlich sind die verletzenden Ausdrücke in der Petition gegenüber der Malerinnung. Abg. Wurm lSoc.): Die verletzenden Ausdrücke gegen die Malerinnrmg, die der Vor- redner bedauerte, sind durchaus erklärlich. Die Malerimning war es, die durch subjektiv unwahre Gutachten über die Gefährlichkeit des Blei weißes den Arbeiterschutz hintertrieben hat. In dem Gutachten wird von einer Malerinnung in Straß- bnrg gesprochen, in der die Fabrikanten für Unschädlichkeit des Blciweißes plädiert hätten, während eine solche Maler- i n n u n g in S t r a ß b u r g gar nicht existiert. Es wird ferner in dem Gutachten mitgeteilt, daß bei der Krankenkasse der Innung keine Bleiweißcrkrankung angemeldet sei, während in der That eine ganze Anzahl von direkten Blei-Erkrankungcn bei der Kranken- lasse angezeigt waren.(Hört I hört!) Das ist allerdings genug, um gegen eine solche Innung Protest zu er- heben. Ich begrüße es, daß der Herr Vorredner angeregt hat, die Regierung möchte wenigstens den Versuch inachen, in ihren Betrieben die Verwendung von bleifreien Farben anzuordnen. In Frankreich geschieht das seit einigen Jahren, und seit diesem Jahre auch im Kanton Zürich. Der Staat sollte aber auch bei den S n b- m i s s. i o n e ir die Bedingung stellen, daß nur bleifrcie Farben verwendet werden. Wir beantragen die Petition dem Reichskanzler nicht zur Erwägung, sondern zur Berücksichtigung zu über- weisen. Wir verlangen das vollständige Verbot der Verwendung von bleihaltigen Farben. Vor allem haben die Maler unter den Ge- fahren der Bleiweißvergiftung zu leide», bei ihnen sind Schutz- Vorschriften am schwersten durchführbar, weil sie ein W a n d e r- g e w e r b e betreiben. Zum wirklichen Reinigen von Oelfarben gehört bekanntlich warmes Wasser, auch solches ist für die Maler auf den Bauten gar nicht und in fremden Wohnungen fast nie zu er- halten. Die Erkrankungen durch Bleivergiftung sind auch größer, als die Statistik aufweist,"weil die große Masse der Aerztc nicht beurteilen kann, ob in der That eine Blei- Vergiftung vorliegt. Die Aerzte merken dies erst, Ivenn sich die Krankheit im vorgeschrittenen Stadium befindet, wo Hilfe meist zu spät ist. Gerade für das Maler- g e w e r b e sind noch gar keine Schutzvorschriften erlassen. Wenn aber die S ch u tz v o r s ch r i f t e n undurchführbar sind, dann liegt die Notwendigkeit vor, die V e r w e n d ustt g von Bleiweiß gesetzlich zu verbieten. Das ist der Kernpunkt der ganzen Frage. Ob ein billiger Ersatz vorhanden ist, ob die Bleibergwerke geschädigt werden, ob selbst die Arbeiter in diesen ihren Beruf wechseln müssen, kann daneben gar nicht in Betracht kommen: denn es gehen Tau sende von Menschen- leben sonst zu Grunde. Eine Industrie, die nur auf Kosten der Gesundheit und des Lebens ihrer Arbeiter bestehen kann, hat kein Recht zu bestehen.(Sehr wahr! bei den Socialdemokraten.) Ein Ersatz ist übrigens sicher möglich. Er kann schlimmstenfalls mehr Geld kosten. Denn einen weißen Anstrich, mag er auch teuer und weniger dauerhaft sein, kann man immer mit andren Mitteln herstellen. Die Malerinnung in Köln hat durch Entsendung von Fragebogen ein Gutachten zu stände gebracht, das behauptet. es sei gar nicht so schlimm mit den Krankheiten, aber sie hat gleich eine Information mitgeschickt, nach der die befragten Innungen die Anfrage beantworten sollten. Nun will der Reichstag die Petition zur Erwägung überweisen, das heißt ins ge- wöhnliche Deutsch übersetzt, er legt wenig Wert darauf, „Berücksichtigung" hieße, daß er viel Wert darauf legt. Das Centrum sucht seine Seele dadurch zu retten, daß es eine Resolution hinzufügt, aber auch in dieser wird das Verbot der Bleifarben nicht gefordert. Die Militärverwaltung hat in einem Gutachten für die Bleiweiß verwendenden Maler als notwendige Schutzmittel ge- fordert: täglich einen Liter Milch, wöchentlich zwei warme Bäder, monatlich eine zwangsweise ärztliche Untersuchung. Will mein Vorredner, Herr Me her, mir die Innung nennen, die bereit ist, die Kosten dafür zu übernehmen. (Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Trotz alledem empfiehlt die Militärverwaltung mit ihrer strengen Disciplin, ihrer durch- geführten Organisation, ihren guten hygienischen Einrichtungen und ihrem Heer von Aerzten die Verwendung von Ersatzmitteln. Kann es ein besseres Plaidoyer für das Verbot der Bleifarben geben? Die Zeitung des christlichen Verbandes,„Der Maler", schreibt, daß sie sich der Petition nur voll anschließen könne. Da mag es den einzelnen oder mehreren kosten, was es will, das ist ganz gleichgültig: Der Reichstag erfüllt nur eine sittliche Pflicht, wenn er das Verbot der Bleifarben fordert. Wir beantragen, die Petition zur Berücksichtigung zu überweisen. (Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Geheimrat Sprenger: Ich will Ihnen nur mitteilen, daß in nach st er Zeit de in Bundesrat eine Vorlage zu- gehen wird, welche den Zweck hat, diese Gewerbe- Irankheit zu bekämpfen, lieber ihren Inhalt und die Stellmig des Bundesrats kann ich jetzt natürlich noch nichts sagen. (Bravo!) Abg. Erzberger(C.): Die V l e i e r k r a n k u n g e n können durch das Verbot des Blei weißes nicht verhütet werden. Wenn die Herren konsequent sein ivollten, müßten sie die Verwendung von Blei bei Accum ulatoren. sie müßten die ganze Buchdrnckerei verbieten, so daß der„Vorwärts" nicht einmal erscheinen könnte.(Heiterkeit.) Im Buchdruckgewerbe werden die Blcierkrankungen nur durch die große Reinlichkeit der Buchdrucker vermieden. Wir halten die Zeit noch nicht für gekommen, um mit einem so radikalen Mittel wie dem Verbot der Bleiweißverwendung vorzugehen. Abg. Dr. Bcumcr(natl.): Wir alle sind darin einig, daß alles geschehen muß, um die Bleiwcißerkranrungen zu vermindern. Daher werden wir für die Resolution der Kommission stimmen. Die ge- ringe Zahl der Erkrankungen in den Bleiweißfabriken beweist aber. daß sehr viel mit hygienischen Maßregeln auf diesem Gebiete zu er- reichen ist._ Ein Verbot der Bleiweißverwendung würde eine schwere wirtschaftliche Schädigung weiter Arbeiterschichten bedeuten. Abg. Wurm(Soc.): Herrn Erzberger gegenüber betone ich, daß ich ausdrücklich darauf hingewiesen habe, daß Schutzvorrichtungen für die Maler sehr wohl in W e r k st ä t t e n, nicht aber auf Bauten durchführbar sind. Also der Hinweis auf Buchdruckereien und Accumulatorenwerkstätten traf nicht zu. Daß für die Buch- druckercien sehr gute Schutzvorrichtungen bestehen, haben wir stets anerkannt, die Schutzvorrichtungen für Accumulatorenwerkstätten reichen dagegen nicht aus. Gegenüber Herrn Beumer bemerke ich, daß der Bleierz- Bergbau noch lange nicht zu Grunde geht, wenn auch die Bleiweiß- Verwendung eingeschränkt wird. Wenn die Regierung jetzt endlich Schutzmaßregeln für die Maler einführen will, so ist das ja an- erkennenswert, aber um so ratsamer ist es. daß wir die Petition dem Herrn Reichskanzler zur Berücksichtigung übertveisen, damit er bei dem zu erwartenden Gesetzentwurfe auf das. was in der Petition enthalten ist, eingehend Bezug nimmt.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Abg. Gothein(frs. Vg.): Wir sind wohl alle der Ansicht, daß die Verwendung von Bleifarben gesundheitsschädlich ist. Nun kann ich zwar Herrn Dr. Beumer bestätigen, daß durch die Einrichtungen in den Fabriken Zahl und Schwere der Erkrankungen auf ein Mindest- maß zurückgeführt worden sind. Andrerseits kann ich nicht leugnen, daß die Verwendung der Bleifarben im ambulanten Betrieb, bei Lackierern und Anstreichern, ä u tz e r st gefährlich ist. Wir hätten also nichts gegen ein Verbot der Verwendung auf Bauten. Aber ein vollständiges Verbot können wir im Juteresse des Schiffsbaues z. B. nicht wünschen. Damit schließt die Diskussion. Das HauK beschließt gegen die Stimmen der Freisinnigen Volkspartei und oer Socialdemokraten nach den Anträgen der Kommission. Eine Petition betr. Regelung des Apothekenwesens wird dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Eine weitere Petition betr. Äenderung des Gesetze? über Beschlagnahme des Arbeits- oder Dienstlohnes wird— ebenfalls debattelos— durch Uebcrgang zur Tagesordnung erledigt. Eine Petition betreffend Verbot des Streikposten- st e h e n s wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Eine andre betreffend Anerkennung der Berussvereine be- antragt die Kommission zur Erwägung zu überweisen. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Der Antrag widerspricht allem, was wir bisher über die Berufsvereine beschlossen haben. Ich bc- antrage Ueberweisung zur Berücksichtigung. Abg. Erzberger(C.); Die Kommission hat ihren Beschluß ein- stimmig gefaßt, in der Sache waren wir einig, wir wollten uns nur nicht an den Wortlaut des Petitums binden. Danach wird der Antrag Pachnicke mit den Stimmen der Socialdemokraten, Freisinnigen sowie der Abgg. Dasbach(C.) und Böckler(Ant.) angenommen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Sonnabend 1 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Rechnungssachen. 2. Zweite Lesung des Gesetzes zur Aenderung des Reichs-Finanzwesens(lex Stengel). Em Induftnc und fiandel. Der Pommernbank-Prozcß hat bisher wenig Interessantes ge- boten, gestern aber traten doch in den Verhandlungen einige Momente hervor, die Beachtung verdienen. In seinem Bemühen, den Zu- sammenbruch der Pommcmbank als die Folge einer Konkurrenzhctze hinzustellen, hatte der Angeklagte Schultz auch behauptet, daß die Ernennung der Pommernbank zur Hofbank den Neid andrer Banken herausgefordert habe, und er schien dabei Lust zu verspüren, auf die Umstände näher einzugehen, unter welchen dieVcrleihung dieser Aus- Zeichnung im Jahre 1900 erfolgte. Doch der Vorsitzende unterbrach ihn schnell mit den Wortene„Ja, Herr Schultz, Ihre Bank war zur Hofbank ernannt; wann war das?"— Schultz:„Im Oktober 1900." — Vorsitzender, mit scharfer Betonung:„Können Sie uns hierfür auch die Gründe sagen?" Anfangs schien es, als hätte Schultz nicht übel Lust, ein lvenig— auf Grund seiner Erfahrung— die Frage zu erörtern, wie man Hofbnnkicr wird; dann aber besann er sich schnell und entgegnete kurzweg:„Nein!", assistiert von seinem Mit- angeklagten, Herrn Romeick, der rasch, ohne gefragt worden zu sein, hineinwarf:„Die sind uns nicht bekannt."— Worauf der Vorsitzende befriedigt erklärte:„Nun, dann verlassen wir diesen Punkt." Auch die Aussagen des Prokuristen, Herrn Horwege, waren recht interessant. Er erklärte, daß er keine Belege über 83 000 M. ge- funden hätte, die in zwei Jahren aus dem sekreten Fonds aus- gegeben worden seien, und weiter, daß, wenn der Aufsichtsrat von diesem Fonds nichts gewußt haben sollte, er jedenfalls leicht in der Lage gewesen wäre, ihn zu entdecken. Die japanische Anleihe. Neuere Nachrichten bestätigen die Meldung der„Frankfurter Zeitung", daß die Aufnahme einer neuen japanischen Anleihe im Betrage von 10 Millionen Pfund Sterling bevorsteht. Wie das Reutcrsche Bureau erfährt, sollen für sieben Millionen Pfund der 6 p r o z c n t i g e n S ch a tz s ch e i n e, die zur Ausgabe gelangen, in London emittiert werden, die übrigen drei Millionen Pfund in Netv Dork: während von andrer Seite behauptet wird, die Ausgabe werde in beiden Plätzen zu gleichen Teilen er- folgen. Tie Anleihe ist in 7 Jahren rückzahlbar und wird mit 0 Proz. verzinst. Ter EmissionSkurs ist voraussichtlich 93'/- Proz. Als Sicherheit gelten die japanischen Zolleinnahmen. Das Geld soll in England bleiben und zur Zahlung der japanischen VerbindlichkckM an das Ausland verwendet werden. Wie in den Ankündigungen, versichert loird, habe Japan die Absicht, vor Beendigung seines Krieges mit Rußland keine neue An- leihe mehr aufzunehmen. Eine übel angebrachte Großsprecherei. Zur Lage der Textilindustrie. Das Maß der Beschäftigung in den verschiedenen Zweigen des deutschen Textilgewerbcs ist zur Zeit ein ziemlich ungleichmäßiges. Am unbefriedigendsten steht es um das S e i d e n g e lv e r b e. Die meisten Betriebe sind nicht voll beschäftigt, da der Absatz nicht nur im Jnlande, sondern ganz be- sonders auch im Auslande zu wünschen übrig läßt. Die Ausfuhr von seidenen Zeugen, Tüchern, Shawls ist von 8412 Doppelcentncrn im ersten Quartal 1903 auf 741-1 im nämlichen Zeitraum des laufenden Jahres zurückgegangen. Besonders stark ist der Rückgang der Aus- fuhr nach Großbritannien, nach der Schweiz, Spanien, den Vereinigten Staaten von Amerika und Belgien, während nur den vielen und starken Abnahmen wenige und geringe Steigerungen gegenüberstehen. Auch im Wollgelverbe sind die Betriebe zur Zeit keineswegs normal beschäftigt. Freilich gilt dieses Urteil nicht für jeden einzelne» Bezirk, sondern trifft nur im allgemeinen zu. Tie Versorgung mit Rohmaterial in diesem Jahr bleibt hinter dem Vorjahre zienilich zurück. Während nämlich in den ersten drei Monaten des Vor- jahres die Einfuhr von Schwcißwolle und Rückenwäsche 586 443 Doppelccntner betrug, waren cs in diesem Jahre erst 531 424 Dopvcl- centner. Auch die Einfuhr von Fabrikwäsche, von Kunstwolle und Wollabfällen, von Kämmlingen bleibt hinter dem Vorjahre zurück, nur in gekämmter Wolle Hai eine kleine Steigerung stattgefunden. Verhältnismäßig am befriedigendsten ist die Lage immer noch im B a n m w o l l g e w c r b e. In den meisten Bezirken sind die Webereien mit ausreicticnden Aufträgen versehen, cs treffen auch noch Nachvcjtcllungen für Sommerware ein, die für eine erfreuliche Zu- nähme des Verbrauchs sprechen. Doch befriedigt auch hier nicht übe?« all die Ausfuhr. Sie ist für Wirkware besser als im Vorjahre, während bei Geweben im allgemeinen eine Zlbnahme während der ersten drei Monate des laufenden Jahres festzustellen ist. Doch ist der inlän- dischc Markt so aufnahmefähig, daß viele Fabriken ihren Betrieb durch Aufstellung neuer Stühle erweitern. Die Beschäftigung in den Spinnereien ist ziemlich lebhaft und für solche Betriebe auch finanziell befriedigend, die das Rohmaterial billig eingekauft haben. Trotz der widrigen Preisverhältnisse von Rohbaumwolle waren die Zufuhren im ersten Quartal des laufenden Jahres erheblich stärker als in den beiden letzten Jahren. Die Einftchr von roher Baumwolle stellte sich in den ersten drei Monaten 1904 auf 1 438 851 Doppelcentner gegen 1 295 846 im Jahre 1903 und 1 071 184 im Jahre 1902. Dabei stiegen nicht nur die Bezüge aus Aegypten, sondern noch stärker die aus den Vereinigten Staaten von Amerika, dessen Baumwolle am meisten den Prcisspekulationen ausgesetzt war. Die Bezüge aus Britisch-Jndicn und aus China haben dagegen dem Vorjahre gegen- über beträchtlich abgenommen. Das Gas- und Siederohr- Syndikat, das zugleich mit dem Stahl- Werksverband versucht hatte, ein internationales Preiskartell zwischen den deutschen, englischen, östreichischen und amerikanischen. Rohrwalz- werken zu stände zu bringen, sieht sich jetzt zu dem Zugeständnis ge- nötigt, daß seine Bemühungen gescheitert sind. Nachdem die Konferenz in London zu keiner Einigung geführt hatte, haben in den letzten Tagen hier in Berlin nachmals Vertreter der verschiedenen in- und ausländischen Werke getagt, aber wiederum ohne zu einer Ver- ständigung zu gelangen. Für die Mitglieder des Syndikats ein ärgerlicher Ausgang ihrer Bestrebungen, für die Käufer aber ein um so erfreulicherer> denn die Folge des Mißlingens der Kartellierung ist, daß das Syndikat sich gezwungen sieht, baldigst seine Preise zu ermäßigen. Rcal-Kreditbank, Berlin. Nach dem Geschäftsbericht erzielte die Bank in 1903 eine Einnahme von 61 632 M. Die Unkosten er- forderten 33 786 M., die Zinsen 49 410 M. und die Abschreibungen stellen sich auf 22 820 M., so daß ein Reingewinn von 77 M. übrig bleibt, welcher der Specialrcscrve zugewiesen wird, die sich dadurch auf 496 619 M. erhöht. Bahnamtliche An- nnd Abrollung der Stückgüter in Berlin. Wie die königliche Eiscnbahndirektion der Handelskammer mitteilt, ist für die An- und Abrollung der Stückgüter in Berlin, Schöneberg und Charlottenburg zur Belehrung der Verfrachter ein Auskunfts- blatt hergestellt worden, das dem Publikum von den Güter- abfcrtigungssrelleu und Fahrkartenausgabestellcn auf Anfrage kosten- frei abgegeben wird. TaS Blatt enthält neben den Bestimmungen über die Zuführung und Abholung der Stückgüter die Rollgcbühren und die Namen der amtlichen Bahnspediteure. Interessenten erteilt das Berkehrsburcau der Handelskammer hierüber nähere Auskunft; daselbst können auch Abdrücke des Auskunftsblattes unentgeltlich abverlangt werden. Dortmunder Bankverein, Dortmund. In der vorgestern in Dortmund abgehaltenen Generalversammlung, in der etwa 300 Aktionäre mit 18 292 Stimmen vertreten waren, wurde der vom Vor- stand gemachte Vorschlag einer Verschmelzung des Dortmunder mit dem Banner Bankverein nach längerer Debatte genehmigt. Ver- schiedene Aktionäre sprachen für Ablehnung des Antrages, schließlich wurde dieser aber doch, da sich der Vorstand die llntcrstützung der Großaktionäre gesichert hatte, mit 14 800 gegen ungefähr 3400 Stimmen genehmigt. Auswanderung aus Grosibritamiien. Die ungünstigere Ge- staltung des englischen Arbeitsmarktes im letzten Jahr ist nicht ohne Einfluß auf die Auswanderung geblieben. Nach einem Bericht des amerikanischen Generalkonsuls in Liverpool betrug die Zahl der Auswanderer, die im Jahre 1903 aus Großbritannien nach den Bereinigten Staaten gingen, 68 947, und zwar kamen 35 300 aus Irland, 26 219 ans England, 6153 aus Schottland nnd 1275 aus Wales. Bei allen vier Ländern ist die Auswanderung gegen das vorhergehende Jahr gestiegen. Die jährliche englische Auswanderung nach den Vcremigten Staaten schwankte im letzten Jahrzehnt zwischen 46 500 lim Fahre 1893) nnd ca. 9900(in den Jahren 1897, 1898 nnd 1900); sie bezifferte sich im Jahre 1902 auf 13 575 Personen. Die irländische Ans- Wanderung nach den Vereinigten Staaten, die während dieser ganzen Zeit gleichmäßiger und meist auch erheblich höher gewesen ist als die englische, betrug im Maximum 49 200 Auswanderer im Jahr« 1893, ca. 25 000 in den Jahren 1397 und 1898 und 29138 im Jahre 1902. Schottland gab 1893 insgesamt 12 100 Auswanderer an die Vereinigten Staaten ab, 1897 und 1893 annähernd 2000, 1902 2560. Die meisten aller dieser Auswanderer gingen über Liverpool. Der KonsnlatSbericht behauptet, daß der britische Arbeiter in der Regel nicht den hohen Standpunkt wie der amerikanische oder kontinentale Arbeiter einnimmt, was Nüchternheit. Sparsamkeit, die Ansammlung von etwa? Vermögen ze. angeht, daß er in Amerika aber bald die Nüchternheit nnd die Betriebsamkeit des in Amerika geborenen Arbeiters annimmt. Gerickts-Leitung. Von großem Interesse für Zcitungsverlcgcr, so berichtet man uns, ist ein nicht ungeschickt insceniert gewesenes Manöver, das den Agenten Franz R i s ch in Halle wegen Betruges vor die Strafkammer brachte. R., der sich mit dem An- und Verkauf von Grundstücken zc. beschäftigt, hatte in einer ganzen Reihe Zeitungen aus dein Reiche Inserate aufgegeben und die Verleger ersucht, die Jnsertions- gebühren per Nachnahme zu erheben. Ms die Nachuahmeforderungen — cs handelte sich um Beträge von 5—60 M.— eingingen, hatte er kein Geld zum Bezahlen. Er bestreitet, die betrügerische Absicht gehabt zu haben, da er die Inserate bezahlen wollte; das könne jedem passieren, daß er mal kein Geld habe. Da dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden konnte, daß er die Inserate in der Absicht. diese nicht zu bezahlen aufgegeben habe, mußte seine Freisprechung erfolgen. Ein weiblicher Dippold. Aus Greifs Wald wird berichtet: Ein entsetzliches Verbrechen, das lebhaft an den Fall Dippold er- innert, beschäftigt jetzt das Schwurgericht des hiesigen königlichen Landgerichts. In dem im hiesigen Landgerichtsbezirk belegenen Landftädtchcn A n k l a m hatte ein Dienstmädchen ihre zwei un- ehelichen Kinder der Arbeitcrwitwe Kluß in Pflege gegeben. Die Pflegemutter scheint der Meinung gewesen zu sein, es liege im Interesse des Dienstmädchens, wenn sie die Kinder so schnell als möglich ins Jenseits befördere. Anders läßt sich die Handlungs« weise des unmenschlichen Weibes_ kaum erklären, denn sie mißhandelte die armen kleinen Wesen in so unbarmherziger Weise, daß die Nachbarn in Empörung gerieten. Ganz besonders hatte es die Megäre auf das ältere funsjährige Mädchen abgesehen. Dies hörte man täglich laut schreien und jammern. Gleichzeitig vernahm man heftige Schläge, ja die Nachbarn behaupteten, das Kind müsse oftmals mit' dem Kops an die Tischkante gestoßen worden sein. Die Wunden am Kopfe des Kindes ließen wenigstens darauf schließen. Leider machte niemand von der unmenschlichen Behandkimg der Behörde Anzeige. " Erst als das bedauernswerte kleine Geschöpf infolge der uner- hörten Mißhandlungen starb, wurde von dem Arzt, der den Toten- schein ausstellen sollte, Anzeige erstattet. Das Weib soll, nach Ansicht des Arztes, das arme Kind, als es bereits in den letzten Zügen lag, noch unmenschlich geschlagen haben. Der Kopf der Leiche zeigte schwere Verwnndungen. das Gesicht war vollständig wund geschlagen, das Fleisch unter dem Kinn gespalten, der ganze Körper mit eiternden Wunden bedeckt. Als die Mutter des Kindes weinend nnd weh- klagend herbeieilte nnd die Bettdecke in die Höhe heben wollte, um ihren Liebling noch einmal zu sehen, verwehrte ihr daS die Bestie mit den Worten:„Wat, wißt den Düwel noch mal sehen, wästman froh, dat sei dot iS." Als die Gendarmen zu der Verhaftung des entmenschten WeibeS schritten, gebärdete sich dasselbe derartig, daß cs gefesselt Iverden mußte. Die Frau hat sich nun wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit tötlichem Ausgange, auf Gruna der 8s 223. 223s und 228 des Strafgesetzbuchs vor Eingangs be- zeichnete!» Gerichtshöfe zu verantworten. Billigste, beste Stroh»Hüte Einsen-Hüte DickM-Hite Beulen-Hüte Beulen-Hüte •.... Kniff-Hüte Strand-Hüte Oelblichfarbenes Binsen-Oeflecht mit schwarzem Band 1.50' Cremefarbenes dickes Strohgeflecht mit schwarzem Band 1.95, 1.25 M. Neuste Formen Schick und leicht 1.75, 1,25 M. Sehr feine, moderne Formen u. Geflechte 4,25, 3.25 Viele neue Farben 5.—, 3.50, 1.75 1.— M. Weisser Pikee mit gesteppter Krempe, kleidsame Form Pf. Pf. Pf. i25 i M. 1 Pf. 1 Pf. BaerSohn Spezial-Haus grossfen Massstabes für Herren- und Knaben-Kleidung Chäusleestrasse 24a-25 11, Brückenstrasle 11 Gr. Frankfurter Str. 20 Sie 23. 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Im weiteren Verlans der Verhandlungen des P o in m e r n ö a n k- Prozesses kam Staatsanwaltschaftsrat Beeck auf die Bc- Häuptling des Angeklagten Schultz zurück, dah die Bank ein Opfer von Umtrieben geworden sei, die planmäßig den Sturz der Bank hätten herbeiführen wollen. Der Staatsanwalt fragte, ob der An- geklagte diese Anführung aufrecht erhalte.— Angeklagter Schultz führte dagsgen aus, daß die Bank die Kurse erst sehr spät habe strieichcn lassen und einen Ansturm zu- nächst siegreich ausgehalten habe, der so stark gewesen, daß 20 Millionen Pfandbriefe von der Bank zurückgekauft seien.— Vorsitzender Landgerichk-direktor H e i d r i ch: Ja, aber Herr Schultz. warum hat maii denn gerade gegen Ihre Bank so Schlimmes beabsichtigt:?— Angekl. Schultz: Das sind der- schiedene Gründe: wir standen eben für uns allein.— Vors.: Wollen Sie uns die Gründe nicht angeben?— Angekl. Schultz: Wir hatten uns selbst den Vertrieb unsrer Pfandbriefe eingerichtet unter möglichster llebcrgehung des Zwischenhandels. Wir hatten kein großes Finanzinstitut hinter uns, wir standen aus eigner Kraft allein. Die andren Banken, auch die Central- Bodenkreditbank, lehnen sich stets an ein großes Finanzinstitut an oder stehen doch wenigstens in engeren Beziehungen zu einem solchen. Unsre Bank war zur Hofbank ernannt worden, wir...— Vors.(unterbrechend): Ja, Herr Schultz, Ihre Bank war zur H o f b a n k ernannt. Wann war das?— Schultz: Im Oktober 1900.— Vors.: Können Sie uns hierfür auch die Gründe sagen?— Angekl.(nach einigem Besinnen): Nein.— Angekl. R o»i e i ck: Die sind uns nicht bekannt.— Prä s.: Nun, dann verlassen wir diesen Punkt.— Staatsanwaltschaftsrat Beeck: Ich behaupte, daß, selbst wenn eine gewisse Stinimung gegen die Bank bestand, diese dock mit dem Sturz nichts zn lhun hatte. Die Beweisaufnahme, zu welcher eine Anzahl Zeugen geladen ist, erstreckte sich zunächst auf den allgemeinen Teil der Anklage. Hierzu wurde Prokurist H o r w e g e eingehender vernommen. Bezüglich der sekretcn Ausgaben gab er an, daß er die Belege für diese sekreten Ausgaben für zwei Jahre in Höhe von 83 000 Mark nicht gefunden habe. Zu den sekreten Ausgaben gehörten die Gehaltszahlung an Herrn Wittenberg, Tantiemen für einzelne Angestellte, die den übrigen Angestellten nicht bekannt werden sollten und dergl. Ob der Aufsichtsrat von diesen sekreten Ausgaben Kenntnis gehabt, wisse er nicht; er hätte sie aber finden können. Der Zeuge ließ sich darüber aus, lvie die Beleihungen zu stände kamen. ES fanden sorgfältige Vorprüfungen statt, dann erstatteten die Herren Bohl uiid Hanel ihre Nachtaxen. Die Valuta war dann vielfach schon bezahlt, so daß die Bohl u. Hanclschen Taxen im wesentlichen nur eine f�orm waren. Hanel erhielt ein Jahresfixum, ihm wurden etwa 20 bis 80 Stück Taxen auf einmal überwiesen, die er in sieben bis neun Tagen erledigte. Auch über das Verhältnis der Angeklagten zur Strclitzbank läßt sich der Zeuge auS, wobei er die meisten Behauptungen des Augeklagten Schulz auf dessen Vorhalt bestätigt. Das ganze Gründungstapital für die Strelitzbank in Höhe von 6 300 000 M. ist von der Pommernbant hergegeben worden. Die Anklage behauptet, daß diese 6 300 000 M. mir vorgezeigt und dann sofort wieder an die Pommernbank zurück- geflossen seien. Nach der Bekundung des Zeugen ist das Geld in die Kasse der Strelitzbank geflossen, nach der Anklage ist aber nichts zu ermitteln, wie eS die nächste Zeit nach der Gründung angelegt worden ist.— Angekl. Schultz: Sind die Geschäfte nicht immer auf Gnmd der durch die Taxen gclvährten Unterlagen abgeschlossen worden?— Zeuge: Ja. Geheimrnt Budde, Direktor der reorganisierten Ponmiernbank, gab einen kurzen Neber- blick über die Entwickclung dieser seit seiner Amtsführung. Er habe mit der Reorganisation selbst gar nichts zu thun gehabt. Was die Regresse anbetrifft, so waren diese gegen die Direktoren bereits fest- gestellt, das Material ivar aber nicht genügend gesichtet. Ich habe, so äußert sich der Zeuge weiter, in monatelager Arbeit ein längeres Exposä ausgearbeitet; dieses schloß damit, daß ich beantragte, die Prozesse mit aller Energie fortzusetzen, und auch die Prozesse gegen die Auffichtsratsmitglieder anzustrengen. Dieses Expose habe ich dem Auffichtsrat im September 1002 eingereicht, noch früher, als der Staatsanwalt mit der Anklage fertig war. In dem Expose war ausgeführt worden: Die Direktoren haben aus dem ihrer Verwaltung unterstellten Hypothekenbank-Geschäft ein Spekulationsgeschäft gc- macht, sie sind nicht verantwortlich, weil sie unglücklich spekuliert haben, sondern weil sie überhaupt spekuliert haben. Sie haben wider die Pflichten eines ordentlichen Kaufmanns gehandelt. Sie find um so mehr verantwortlich, weil sie zu eigen- nlltzigen Zwecken spekuliert haben. Ich drang darauf. mit den Regreßklagen nicht bis zum Austrag dieses Strafprozesses zu warten. Das ist geschehen. Wir hatten aber keinen Erfolg, der Civilrichter vertagte die Sache bis nach Erledigung des Strafprozesses und das Kammergericht hat die hiergegen erhobene Beschwerde zurückgewiesen. Dann haben die Angeklagten selbst Schritte gegen uns unternommen. Nach dem Ausgange der vorigen Verhandlung haben sie eine Feststellungstlage dahin angestellt: Wir sollten anerkennen, daß ein Schade nicht entstanden sei. Ich beauftragte unfern Syndikus, den Prozeß aufzunehmen, mit allen Mitteln zu beweiben und eine Widerklage anzustrengen. In diesem Prozeß hat auch schon eine Beweisausnahme stattgefunden. Wir haben unsren Schaden darin beschränkt auf ganz eklatante Fälle, auf eine Reihe von Häusern, die weit über den Wert taxiert und weit über den Wert beliehen sind. Daraus erwächst uns ein Schaden von etwa 2V$ Millionen Mark. Ein großer Teil der Häuser ist von uns verkauft und wir konnten daran die Größe des Schadens berechnen. Diesen Schaden haben wir geltend gemacht und der Richter hat zunächst eine Beweiserhebung veranlaßt über das Ver- hältnis der Pommernbank zur Jmmobilien-Verkehrsbank und hat serner beschlossen, in eine Beweisaufnahme darüber einzutreten, wie hoch die Grundstücke von der gerichtlichen Kommission geschätzt sind und ob bei der kolossalen Differenz, die in den verschiedenen Taxen, a. der Reorganisationskommission, sich zeigen, die Angeklagten hätten wissen müssen, daß sie die Grundstücke viel zu hoch beliehen. Mitte Mai werden nun die Sachverständigen darüber vernommen werden. Nach der Mittagspause trat Angekl. Schultz den Ausführungen des Geh. Rat Budde in verschiedenen Punkten entgegen. Die von Geh. Rat Budde vorgetragenen Verluste könne er als richtig absolut nicht anerkennen und werde den entsprechenden Gegenbeweis fiihren. Die Pommernbank habe bei der Jmmobilicubank keine Verluste er- litten, die behaupteten Verluste seien nur rechnerischer Natur und bestehen nur auf dem Papier. Die Verluste, die die Reorganisattons-Verwaltung herausgerechnet habe, seien nur dadurch entstanden, daß man 12«00000 M. Werte einfach habe unter den Tisch fallen lassen. Sie seien in einen all- gemeinen Topf geworfen worden, während sie hätten aufgerechnet werden müssen. Reg.-Rat Guttmann, Direktor der reorganisierten S t r e l itz- b a n k. schildert die Entwicklung dieser Bank seit der Katastrophe und die Verluste, die diese erlitten hat. Nach dem aufgemachten Status hat der Verlust 10 Millionen Bkark betragen, er ist damit aber noch lange nicht erschöpft. Dabei sei nian von der Bewertung der Aktiva ausgegangen, die er selbst im Verein mit Sachverständigen sorgfältig berechnet habe. Die Bank sei auch heute noch nicht im stände, mehr als'/? auf die Pfandbriefzinsen zahlen zn können.— des Jsrwls" ßerlinet| Justizrat Dr. S e l l o: Da man bei diesem Herrn Zeugen nicht genau unterscheiden kann, inwieweit er Zeuge und inwieweit er Sachverständiger ist, frage ich ihn: ist es richtig, daß er im vorigen Jahre in den Zeittmgen, z. B. in der„Ostsee- Zeitung", in Artikeln sich über den Prozeß und die Verschuldung der Angeklagten in sehr eingehender und stark subjektiver Weise ausgesprochen hat? — Zeuge: Ich habe über den Gang des Prozesses oder die Verschuldung der Angeklagten nie für eine Zeitung derartige Artikel geschrieben, sondern nur einmal unter meineni vollen Namen einen Artikel über die Hanelsche Taxmethode in der„Ostsee- Zeitung" veröffentlicht. Die nächste Sitzung soll Montag 0 Uhr abgehalten und in dieser sollen die Bücher-Sachverständigen gehört werden. ßerlimr partei-Mngekcfenhcitcn. Fünfter Wahlkreis. Da der Wahlverein eine neue Mitglieder- liste aufstellt, werden alle Mitglieder gebeten, soweit dies noch nicht geschehen, eine Postkarte(2 Pf. Porto) mit Nummer d e s M i t- gliedbuches, Name, Stand und genauer WohnungS- a u g a b e an den Genossen Leopold Licpmanu, Berlin KO. 43. L i n i e n st r. 242 I, sofort gelangen zu lassen. Auf Wunsch sind solche Karten auf de» Zahlstellen zu haben. Die Zahlstellen befinden sich: Wendland, Cigarrengeschäft, Marien- burgerstr. 32; Reul, Cigarrengeschäft, Baruimstr.'42; Richter, Pantoffelfabrik. Neue Königstr. 00; Knötzsch, Restaurant, Hirten- straße 10; Pfeffer, Restaurant, Rosenthalerstr. 57; Wirth, Restaurant, Auguststr. 61; Wittchow, Restaurant, Kl. Samburgerstr. 27, Ecke Elsasserstraße; Wiese, Hutmacher, Luisenstr. 20. Der Vorstand. Achtimg! Sechster Wahlkreis! Am Sonntag ftüh 8 Uhr findet im 32. und 40. Äonimunal-Wahlbezirk eine Flugblatt-Ver- b r e i t u n g statt und ersuchen wir die Genossen, sich möglichst zahlreich daran zu beteiligen. Die Genossen der Rosenthaler Vorstadt und vom Gesundbrunnen treffen sich in den ihnen bekannten Lokalen. die Oranienburger Vorstadt im Lokale von Fritz Zietz, Pflugstr. 0, der Wcdding bei Krause, Müllerstr. 7 a. Pankow. Am Sonntag, den 8. und am 15. d. Mts. wird hier ein Flugblatt verbreitet, in dem zum Beitritt zum Wahlverein auf- gefordert wird. Die Genossen wollen sich morgen früh 7'/a Uhr bei Mierke, Berlinerstr. 54, zur Flugblattverbreitung recht' zahlreich einfinden. Pankow-Nieder-Schönhausen. Die Versammlung des Wahlvereins am Dienstag findet nicht statt; über die dafür stattfindende öffent- liche Versammlung folgt demnächst die Bekanntmachung. Steglitz. Die Genossen werden ersucht, sich an der Flugblatt- Verbreitung Sonntagmorgen ffz8 Uhr von Wahrendorf, Schloß- straße 117 aus, recht zahlreich zu beteiligen. Lokales. Der Hundekadaver im Armensarg. Wir hatten in Nr. 102 des„Vorwärts"(1. Mai) mitgeteilt, daß vor einiger Zeit aus dem Berliner Gemeindefriedhof zu Friedrichsfelde ein auS der Charite stammender Sarg ab- geliefert worden sei, in dem neben der kopflosen Leiche eines Arbeiters Friedrich H e n s ch e l der Kadaver eines großen HundeS lag. Diese Mitteilung ist, so viel wir gesehen haben, von keinem einzigen der bürgerlichen Blätter wiedergegeben worden, und auch auf die amtliche Aufklärung, die wir als notwendig bezeichneten, haben wir bisher vergeblich gewartet. Da wir nicht wünschen, daß die skandalöse Angelegenheit durch Totschweigen erledigt wird, so wieder- holen wir hiermit unsre Forderung, daß irgend eine der in Betracht komnienden amtlichen Stellen sich äußert. Am unbedenklichsten wäre das vielleicht für das Kuratorium des städtischen Bestattungs Wesens, dessen Angestellte ja lediglich den eingelieferten Sarg nebst Inhalt in Empfang zu nehmen und der Erde zu übergeben hatten. Das Kuratorium, dem übrigens kein socialdemokratischer Stadtverordneter an- gehört, ist über den Vorfall längst unterrichtet; es ist wenige Tage nach der Ablieferung jenes Sarges durch einen Bericht des Friedhofs- Verwalters Protz von dem Sachverhalt in Kenntnis gesetzt worden. Die Oeffentlichkeit hat ein Anrecht darauf, zu erfahren, welche Schritte das Kuratorium des städtffchen BestattnngswesenS unternommen fiat, um den Urheber dieses Streiche?, den viele wie eine Leichen- chändung empfinden werden, zu ermittel» und den Gemeindefriedhof der Stadt Berlin gegen eine Wiederholung solcher Vor- kommnisse zu sicheni. Wir empfehlen dem Kuratorium, sreilvillig und beizeiten auch darüber Auskunft zu geben, wo der Hundekadaver denn nun geblieben ist. Wenn noch Angehörige des Arbeiters Friedrich Henschel vor- handeu sind, so kann ihnen mir geraten werden. Antwort von dem Kuratorium zu forden:. Das Kuratorium ist aber Rechenschaft auch allen andern schuldig, die einen Angehörigen auf dem Genieinde- fricdhof siegen haben. Der Gcmeindefriedhof ist kein Schindanger, auf dem man Hundekadaver ablädt, sondern eine Begräbnisstätte so ehrlich und so würdig, wie nur irgend ein konfessioneller Friedhof. Geschähe AehnlicheS auf dem Friedhof einer Kirchcngeineinde, so brauchten wir nicht einen Augenblick daran zu zweifeln, daß der Kirchenrat der betreffenden Gemeinde es für seine Pflicht halten ivürde, nicht nur mit aller Energie eine Aufklärung des Vorkomm- niffes herbeizuführen, sondern auch den Gemeindemitglicdern offen den Sachverhalt mitzuteilen. Kein Mensch, der etwas auf sich hält, will den Ruheplatz seiner Toten beschinutzen lassen. Reform der Wasserversorgung Berlins. Der Magistrat beschäftigte sich am Freitag nach einem Aortrage des Stadtrats Haack mit den Entwürfen und Kostenanschlägen für den Unibau des städtischen Wasserwerks Müggelsee in Friedrichshagen zur Grundwasser- Versorgung Berlins sowie mit dem Erwerb von forstfiskalischen Grundstücken für diese Zwecke. An der Hand einer aussührlichen Denkschrift, die mit den Plänen allen Stadtverordneten zugehen wird, ttat Stadttat Haack für die Versorgung der Stadt Berlin mit Grundwasser und Tiefbrunnen ein. Zur Anlage von 360 Tiefbrunnen ist der Erwerb von etwa 22ff- Hektar Wald- fläche vom Forstfiskus für 1 Million Mark erforderlich. Die Kosten für die Anlage der Tiefbriinnen, der Saugelcitungen, der Neubau der Enteisenungsanlagen, der Maschinen und Pumpen, der Saminelbrunncn usw. sind mit rund 6 866 000 M. veranschlagt, so daß rund 73/4 Millionen Mark erforderlich sind und der Umbau beider Werke, der Tegeler- und Müggelwerke zusammen etiva 10 Millionen Mark kosten würde, wobei aber zu berücksichtigen ist, daß ohne dem Umbau eine Vergrößerung der Werke, d. h. der Neubau eines besonderen vierten Viertels des MüggelwerkeS. der rund 2,/i Millionen Mark kosten würde. Um diese Summen würden sich eventuell die Kosten verringern können, wenn man bei der jetzigen Anlage verbleiben wollte, was aber für die Dauer aus- geschlossen erscheint. Der Magistrat genehmigte die Kosten des Um- baues und wird der Stadtverordneten-Bersammlung eine ausführ- liche Vorlage machen. Berliner Lateruenwarter. Uns wird geschrieben: Berlin gilt in den Augen vieler Fremden nicht nur als eine der reinlichsten, sondern auch als eine der bestbeleuchtesten Städte. Und man muß sagen, daß die städtischen Körperschaften bemüht sind, in dieser Richtung sich jede Verbefferung zu eigen zn machen. Taucht eine neue Erfindung auf. die eine Verstärkung des Lichtcffekts verspricht, so wird sie probiert und im Bewährungsfall eingeführt. Auf die Behmidlung der Glüh- körper. Laternen usw. wird die peinlichste Sorgfalt verwendet. Und so kömte man der Beleuchtungsverwaltung das Lob spenden- daß sie Zomiilbend, 7. Mai IM. nach vielen Richtungen hin ihren Zweck erfüllt, wenn nicht noch eine immerhin wichtige Frage der Erörterung unterläge, die nicht der Stadt Berlin zum Ruhme gereicht; wir meinen das Arbeitsverhältnis der Bedienungsmannschaft bei der Beleuchtung selbst, der La ternenioärter. Diese Leute rekrutieren sich infolge der nicht vollen Beschäftigung fast ausnahmslos aus den Kreisen der Ileinen Handwerksmeister. Ihre Thätigkeit besieht darin. das; sie der Tageszeit entsprechend zu einem bestimmten Zeitpunkt die ihnen zugewiesenen Laternen anzünden und auslöschen, die Scheiben piitzen und in Ordnung halten. Dafür erhalten sie eine tägliche Entschädigung von 2,30 bis 2,70 M. Daß eine solche nicht ausreicht, uin eine Familie zu ernähren, erscheint llar und daher müssen die Lattrnenwärter noch einen Nebenverdienst haben, so daß sie dadurch häufig gezwungen sind, 14— 16 Stunden täglich zu arbeiten. Kann dieser Zustand schon als ungesund bezeichnet werden, so ist die Art, wie man die kleinsten Fehler der Leute mit schweren Strafen ahndet, als bedauerlich zu bezeichnen. Kommt z. B. der Mann wenige Minuten zu spät nach dem Sammelplatz, setzt es 25 Pf. Strafe; verschläft er infolge großer körperlicher Anstrengung die Zeit: 50 Pf., wer dieses Verschlafen nicht selbst meldet, extra 25 Pf.; wer nachts die Patrouille versäumt, 1 M.; wer sie halb ver- säumt 50 Pf.; wer den Lohn nicht rechtzeitig erhebt, 25 Pf. usto., und dies alles bei einem täglichen Verdienst von 2,5'0 M. Dabei wird diese Sttafexpedition so rigoros geübt, daß ein im Monat nnbestrafter LateriuniwärtA von den übrigen Kollegen wie ein Wunder angestaunt wird. Fast hat eS den Anschein, als ob die Kontrolleure dazu angehalten werden, ihren Befähigungsnachweis durch recht viele Meldungen zu erbringen. Dabei wissen die Be- straften nicht einmal, was mit den Strafgeldern geschieht. Wohl ist in der umfangreichen, aber unmöglich einzuhattcndcn Arbeits- ordnung auch etwas über den Zweck der Strafen gesagt, aber Auf- klärung darüber, zu welchen Zwecken jene Summen verwendet werden, erhalten nicht einmal die berufenen Vertreter der Leute, die Arbeiterausschuß-Mitglicdcr. Daß ein solches Verfahren der Mißdeutimg Wer den wirklichen Zweck Thor und Thür öffnet, sallie man sich doch auch sagen. Und selbst wenn der gesetzlichen Vorschrisr dadurch genügt wird, woran wir noch zweifeln, sollte man dem BureaukratismuS zur Liebe nicht einen solchen reaktionären Stand- Punkt beibehalten. Weiter ist eine große Erbitterung darüber vor- Händen, daß man bezüglich der Gesundheil der Leute auch die be- schcidensten hygiemschen Forderungen außer acht läßt. Der Sammelpunkt der Lattrnenwärter befindet sich meist aiif einem freien Platz. Der Wind fegt eisig darüber hin; ob es regnet oder schneit, ganz gleich, die Leute muffen warten, bis sie das Zeichen zum Aufbruch erhalten. Daß da Rheumatismus, Gicht und die durch Erkältung hervorgerufene Nierenentzündung ständige Krankheiten unter den Anzündern sind, ist klar. Wem nimmts Wunder, wenn da häufig der Gedanke sich hcrvorwagt, daß so etwas den Vorgesetzten passieren müßte, dann würde Wohl Wandel geschaffen werden. Es soll nicht verschwiegen werden, daß die Gasverwaltung schon einmal den Ver- such unternommen hatte, Unterkunftsräume zu beschaffen. Aber die in Frage kommenden Berivaltungen, wie Park- und Schul- dcputatiou, lehnten es aus ästhetischen Gründen ab, solche Räume herzugeben oder Buden auf Plätzen errichten zu lassen. Jedenfalls fürchtete man die Krittk, da ja der Schönheitssinn der Fremden daran Anstoß nehmen könnte. Den siechen und kranken Laternenwärttr in seiner Behausung bekommt man ja nicht zn sehen. Wenn die Laternenwärttr die Unterstützung der Presse erbitten, so geschieht es aus der Erfahrung, daß bisher ihre berechtigten Wünsche wenig oder gar nicht berücksichtigt worden sind. Die Hiindestcuermnrkeil für das am 31. März zu Ende gegangene Steuerjahr 1003 verlieren mit dem 31. Mai d. I. ihre Gültigkeit. Von diesem Tage ab sind die mit solchen Marken versehenen Hunde durch das Anfgreifen durch die Fangbeamten deS Deutschen Tier- schutzvereinS nicht mehr geschützt. Besitzer steuerpflichtiger Hunde, welchen bisher die Sttnerquittungen und Marken für das Steuer- jähr 1004 noch nicht zur Zahlung vorgelegt wurden, haben sich recht- zeitig an die Stcuerannahmestelle ihres Bezirks zur Empfangnahme der Marken gegen Zahlung der Steuer zn wenden. Ans der gestrigen Magistrats-Sitzung. Der Entwurf einer neuen Polizeivcrordnung über die Beschränkung des Straßen Handels beschäftigte heute wiederum den Magistrat. Da verschiedene Punkte, die in dem ersten Entwurf, der die Zilstimmuiig der Gemeinde- behörde nicht gefunden hatte, aus dem neuen Entwurf entfernt worden sind, wird der Magistrat in Erwägung darüber eintreten, zunächst aber den Entwurf der Stadtverordnettu- Versanmilung zur Begutachtung unterbreiten. Infolge von Krankheit hat der Stadt- kämmerer Maas; einen dreimonatlichen Urlaub augetteten. Die Vertretung desselben hat der Stadttat Hübner, der ihn alljähr- lich vertteten hat. übernommen. In der Fürsorge- bezw. Zwinigscrziehnng der Stadt Berlin befanden sich am 3l. März dieses Jahres 1334 Knaben, 614 Mädchen, zilsammei, 1948 Zöglinge, eingerechnet die widerruflich der eignen Familie überwiesenen und die widerruflich aus der Fürsorge- bezw. Zwangserziehung eutlasienen Zöglinge. An der Gesamtzahl war die Zwangserziehung noch mit 473.Knaben, 50 Mädchen, zusammen 523 Zöglingen beteiligt, die Fürsorge-Erziehnng bereits init 861 Knaben, 564 Mädchen, zusammen 1425 Zöglingen. Seit Inkrafttreten des Fürsorge-ErziehungS-GesetzeS(am 1. April 1001) sind nun drei Jahre verflossen. Die Ucberweisungen zur Fürsorge- Erziehung waren anfangs sehr zahlreich gewesen, hatten dann aber allmählich nachzulassen begonnen. Doch ist der Bestand an Fürsorge- zöglingen auch jetzt noch sin Steigen, weil den Ueberweisimgcn vor- läufig erst wenig Entlassungen gegenüberstehen. Er hat sich im Etatjahr 1003/1004 noch um 346 erhöht. Dagegen geht bei den Zöglingen der Zwangserziehung der Bestand immer mehr— wenn auch langsam— zurück, weil hier keine Ueberweisungen mehr, sondern nur noch Entlassungen erfolgen. Im Etatjahr 1003/1004 hat er sich um 28 verringert. Z» den angeblichen Schicbmigen bei den Ringkämpfen im CirkuS Busch sendet uns Herr Eberle eine Zuschrift, in der er die indem „Berliner Tageblatt" aufgestellten Behauptungen zurückweist. Er er- klärt, daß er mit Jakob Koch keinerlei Unterredung vor dem End- ringkampf mit Bezug auf diesen hatte. Er sei von Koch ehrlich be- siegt und weise die Verdächtigung, daß er von Buchmachern oder andren Leuten bestochen ivorden sei, als Verleumdung aufS energischte zurück. Die Herausforderung von Lurich nimmt Herr Eberle an, behält sich aber vor. Ort und Zeit zu Sestimnieu.— Herr Koch schreibt dem„Berliner Tageblatt": Ich versichere ans Ehrenwort, daß icki mit Eberle durchaus seriös gerungen habe. Ich habe weiter mit Eberle keinerlei Abmachungen getroffen, ans Grund deren Eberle freiwillig sich hätte besiegen lassen müssen. Ich bin bereit, mit Eberle von neuem in die Schranken zu treten uiid zwar vor einem Richterkollegium, dessen Zusammeu- stelliing ich der Sportredaktion des„Berliner Tageblatts" überlasse. Ich bin, wie ich nochmals erwähnen mutz, ferner bereit, mit Herrn Lurich zu ringen und zwar gegen jeden von diesem geforderten Einsatz. Es liegt mir fern, bei diesen Kämpfe» irgend ein geschäftliches Interesse obwalten zn lassen, ich würde also selbstverständlich ebenso gern vor einem geladenen Publiklinl ringen. Jeder, der bei dem Entscheidungskampf anivcsend war, wird erklären müssen, daß ich derartig in Form war. daß es Eberle unmöglich gewesen ist, mich z» werfen. Ich bedauere, daß die Wettleidenschaft auch in den Ring- kampffport hineingezogen worden ist. denn nur dadurch, daß aus Eberle hohe Summen gelegen haben, und daß diese verloren worden find, ist es verständlich, wenn heute mein ehrlich errungener Sieg angefochten wird. Mir liegt selbstverständlich daran, den Kampf mit Lurich so schnell wie irgend möglich auSzufechten. und dürfte es ja für Herrn Lurich. der in London ist. eine Kleinigkeit sein, sofort nach Berlin zu komme». „Wider die Pfaffeuherrschaft", Kuliurbilder aus den Religions- kämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts. Von Emil Rosenow. Das 4. Heft ist soeben erschienen. Es enthält die Fortsetzung des dritten Kapitels:„Bei den Fürsten der Armut". In trefflicher Weise schildert der Verfasser das Lotterleben am Hofe der Nachfolger Christi, und die Korruption und Sittenverderbnis des damaligen hohen Klerus. Die Prachtliebe des päpstlichen Hofes bringt auch eine Illustration zur Darstellung, die nach einem italienischen Kupfer- stich aus dein Jahre 1566 wiedergegeben ist.— Das Werk soll ein lvertvolles Bildungsmittcl für die Arbeiterllasse sein. Es soll den Schleier zerreißen, den die Geschichtsklitterer um jene Zeit gewoben haben, und es soll dadurch die Erkenntnis von dem geschichtlichen Werdegang der menschlichen Gesellschaft in der Arbeiterbevölkerung verbreitet werden. Die Arbeiter sind deshalb berufen, das Unter- nehmen nach Kräften zu unterstützen und Abonnenten darauf zu werben. Jede Parteibuchhaudluug, jeder Partcikolportcur und die Austräger unsrcr Parteizeitungeu, in Berlin die Parteispcditionen sowie der Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin 8 IV. 68, Linden- straße 66, nehmen Bestellungen entgegen. Das Heft kostet 26 Pf. Die akademische Ehrenkränkiulg. Der Prozeß gegen Dr. Hirsch- seid aus Charlottenburg, chcr heute die vierte Strafkammer des Landgerichts I beschäftigen wird, hat eine interessante Vorgeschichte. Der seit dem Jahre 1896 in Charlottcnburg praktizierende An- geklagte schrieb im Jahre 1896, durch den Selbstmord eines Patienten — eines homosexuellen Offiziers— veranlaßt, seine erste Schrift über die Ursachen der Homosexualität. Nachdem er infolge dieser Schrift eine größere Reihe homosexuell veranlagter Personen kennen gelernt hatte, stellte er in einer Petition an die gesetzgebenden Körperschaften die medizinischen und juristischen Gründe zusammen, welche für die Abänderung des§ 175 des Strafgesetzbuches sprechen. Diese Petition wurde nicht nur von ärztlichen und juristischen Autoritäten, wie v. Krafft-Ebing, Rubner, Mendel, Eulenburg, Neißer, v. Liszt, b. Lilicnthal unterschrieben, sondern auch von zahlreichen bekannten Persönlichkeiten aller Gebiete, wie Bebel, Gerhard Hauptmann, Ernst von Wildenbruch, v. Liliencron, Hartleben, Hermann Kaulbach, Max Lieberinann, Weingartner. v. Sonnenthal, Tepper-Lasli, v. Oppenheim. Neuerdings haben über 2466 praktische Aerzte diese Petition unterschrieben. Ucber die Zustimmungen und Gegenäußerungen zu der Petition verfaßte Dr. H. eine Broschüre, die den Titel führte:„Die homosexuelle Frage im Urteil der Zeil- genossen." Jnzlvischen hatte sich im Jahre 1897 ein Ausschuß von Männern als lvisicnfchaftlich-humanitärcs Komitee konstituiert, welches sich die weitere Erforschung der zwischen dem männlichen und Weib- lichen Geschlecht liegenden Uebergänge zur Aufgabe setzte. Dieses Komitee gab eine größere Reihe von Schriften heraus und entfaltete eine rege Propaganda, um eine Aenderung der über die Homosexuellen vielfach herrschenden Anschauungen herbeizuführen. Nachdem Dr. Hirsch- seid die zwölf Broschüren von Ulrichs neu herausgegeben hatte, der in den sechziger Jahren als einer der Ersten die homosexuelle Frage wissenschaftlich erörtert hatte, begründete er 1899 das Jahr- buch für sexuelle Zwischenstufen, ein umsangrciches Werk, an dem Gelehrte aller vier Fakultäten mitarbeiten. Unter den in dieser Enchklopädie erschienenen Arbeiten ist eine unter dem Titel„Der urnische Mensch" als separates Buch erschienen, welches zur Zeit auch in holländischer, englischer und französischer Sprache erscheint. Auf der im letzten Sommer tagenden Konferenz hatte das wissen- schaftlich-humanitäre Komitee infolge vielfacher Anregungen in der Fachpresse beschlossen, eine st atisti' ch e K o m m i s s i o n zu ernennen, welche über die Verbreitung der Homosexuellen Erhebungen anstellen sollte. Es wurden zu diesem Zwecke u. a. größere Enqueten in der Weise veranstaltet, daß die Befragten— nachdem ihnen die Bedeutung der Umfrage auseinander gesetzt war— aufgefordert wurden. auf einer Postkarte, die ohne Unterschrift und Schriftzeichen abgesandt werden sollte, Buchstaben zu unterstreichen, welche dem Komitee zu statistischen Zwecken ihre sexuelle Anlage ersichtlich machten. Die Resultate sind von Dr. Hirschfeld in einer Schrift:„Das Ergebnis der statistischen Untersuchungen über den Prozentsatz der Honiosexuellen" bearbeitet tvorden. Darin wird die Zahl der Homosexuellen in Deutschland auf 1266 666 Personen berechnet. Von den 8666 Beftagten haben sich sechs Studenten trotz des diskreten Charakters der Anfrage be- leidigt gefühlt und Strafantrag gestellt, von denen jedoch zwei den Strafanrrag wieder zurückgenoumien haben. In dieser eigenartigen Strafsache steht nun heute Termin zur Hauptverhandlung an.— Von den Verteidigern Justizrat W r o n k e r und Rechtsanwalt Chodziesner sind verschiedene Sachverständige und Zeugen geladen worden, darunter als Sachverständige: Sanitätsrat Dr. Konrad K ü st e r, Herausgeber der„Allgemeinen Universitätszeitung", Medizinalrat Dr. Leppmann und Spezialarzt Dr. med. M e r z- find); als Zeugen: außer verschiedene» Assistenten und Studenten der Technischen Hochschule als Obmänner und Mitglieder des wissen- schaftlichen Komitees: Günther, Reichsgraf v. d. S ch u l e n b u r g, päpstlicher Kammerherr. Freiherr Hermann v. Teschenberg, Dr. Benedict Friedländcr, Dr. med. Ernst Burchard 2C. zc. Die Scheu vor dem Unwillen der OnmibuSangrstellten scheint der Allgemeinen OmnibuSgesellschaft Vernunft beigehracht zu haben. Wenigstens teilt die„Voss. Ztg." mit: Die Allgemeine Omnibus- gcsellschaft hat eine neue gemeinsame Dienstanweisung für ihre Schaffner und Kutscher erlassen. Sie dient gleichzeitig als Dicnstvertrag. Durch die neue Anweisung sind eine Reihe von lästigen Bestimmungen für die Beamten der Omnibusgesellschaft gefallen. In der alten Dienstinstruktion loar u. a. das Sitzen sowie das Essen in den Wagen nicht gestattet. Wer ferner der Pflicht, abends nur im Schritt nach Hause zu fahren, nicht nachkam oder auch alle zu seiner Kenntnis gelangten Ungehörigkeitcn der Kameraden oder andrer Dienstleute nicht„ungetreulich" anzeigte, hatte nach den alten Bestimmungen die sofortige Entlassung und den Verlust des noch zu zahlenden Lohnes als Konventionalstrafe zu gewärtigen. Bei einer Veruntreuung war der ganze Lohn ohne Rücksicht auf dessen Höhe verfallen. Besonders dankbar wird von den Beamten die Abschaffung der Strafen empfunden. Eine Skala von 26 verschiedenen Strafbestimmungen regelte das Verhalten der Beamten. So wurde z. B. mit einer Strafe von 1 M. bedroht, wer beim Abreißen der Fahrscheine die Finger beleckt. 56 Pf. hatte zu zahlen, wer Fahrgäste über die Teilstrecke fahren läßt, wer nicht die richtige Stellung bei der Fahrt einnimmt, wer eine unsaubere Uniform trägt' usw. Die Ordnungsstrafen stiegen mit der Wiederholung bis zu 3 M. und wurden von der Kaution oder vom Lohne abgezogen. Ein Rechtsweg dagegen war durch den Vertrag ausgeschlossen.� Alle diese Strafen sind, mit Ausnahme von Veruntreuungen, abgeschafft. Die neue Anweisung macht den Schaffnern und Kutschern lediglich ein bescheidenes, sittliches und dienstwilliges Betragen, insbesondere gegen den Fahrgast zur Pflicht. Ein Irrsinniger atff dem Dache der Chnritö. Gestern ge�en mittag lief bei der Feuerwehr Alarm nach der Charits ein und da in solchem Falle immer„Mittelfeuer" angenommen wird, so rückten sofort mehrere Dampfspritzen- und Handdruckspritzenzüge aus. Diese konnten aber nach wenigen Minuten wieder abrücken, da dort keinerlei Feuersgesahr vorlag. Ein eigenartiger Anlaß lag der Alarmierung zu Grunde. Ein in der Jrrenabteilung untergebrachter Maurer N. hatte in einem unbeobachteten Allgenblicke eine all der Außenseite des alten Charitegebäudes allgebrachte Rettungsleiter erstiegen und war auf das Dach geklettert, wo er gemütlich eine Promenade machte. Die Aufsichtswärter schlugen Lärm und bald hatte sich ein großer Menschenauflauf gebildet, der nun daS Treiben des Irrsinnigen genau beobachtete. Bald setzte sich dieser ermüdet an den Giebel des Hauses, bald wollte er siäi herunterstürzen. Da nun alles Zureden der Wärter keinen Erfolg hatte, so verstand man sich darauf, die Feuerwehr, das Mädchen für alles, zu alarmieren. Als lmn einige Feuerwehrmänner eiligst auf das Dach gestiegen kamen, überlegte sich der Irrsinnige die Sache und folgte sofort gutwillig den Mannschaften. Er konnte sich also nur kurze Zeit der goldenen Freiheit erfreuen. Aus Bcrlln flüchtig geworden ist ein, namentlich in Artistenkreisen bekannter Schriftsteller, der Heransgeber des„Bergnügungs-Anzeigers" Ottomar F. Der Durchbreimer soll sich mancherlei Unregelmäßig- leiten haben zu Schulden kommen lassen. Man wirst ihm vor, baß er vor seiner plötzlichen Abreise für seinen Verleger Gelder einkassiert habe. ohne sie abzuliefern, daß er es ferner verstanden, unmittelbar vor seinein Verschwinden bei Bekannten und Freunden eine größere Summe zu entleihen, auf deren Wiedererstattung diese nun wohl oder übel werden verzichten müssen. Auf Anregung des Flüchtigen wurde kürzlich in Artistenkreiscn eine Geldsammlung veranstaltet, um dem aus Berlin scheidenden Redakteur eines ArtistenfachblatteS, Herrn P. einen Lehnstuhl als„Ehrengabe" zu stiften. F. hat auch die für diesen Zweck gesammelten Gelder mit auf die Reise genommen, so daß die geplante Ehrung zu Wasser wurde. Wie verlautet soll sich der Flüchtige, als ihm hier der Boden zu heiß wurde, ins Ausland begeben haben. Ter nervöse Herr Schiffmann. Einige Blätter berichteten, daß der Vorsitzende der Berliner Spar- und Diskontoban! in der Auguststr. 41. Namens Ulrich Schiffmann, nach Unterschlagung von 1566 M. flüchtig geworden sei. Diese Meldung wird durch folgende Mitteilung für unrichtig erklärt: Eine harmlose Aufklärung hat die vermeintliche Flucht des Vorsitzenden der Spar- und Dis- kontobank, Ulrich Schiffmann, gefunden. Die vom Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaftsbank vorgenommenen Prüfungen er- gaben, daß außer den 1566 M. nichts fehlt. Auch über deren Ver- bleib traf gestern nachmittag eine beruhigende Mitteilung ein Schiffmann depeschierte nämlich ans Stettin, daß er abends nach Berlin zurückkehren werde. Der Mann ist Hauseigentümer und so gut gestellt, daß 1566 M. für ihn keine Rolle spielen. Er fuhr auch nicht weg, um sie sich anzueignen, sondern reiste gedankenlos nach Stettin zu einem Onkel, den er schon früher besuchen wollte Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstande der Bank hatten ihn nervös gemacht, und so kam er plötzlich auf den Einfall, nach Stettin zu fahren, ohne eine Mitteilung über seine Absicht zu hinterlassen. In einem gemeinsamen Sarge beerdigt wurde am Donnerstag- nachmittag auf dem Elisabeth-Fricdhof in der Prinzen-Allce der Schneidermeister Gustav I a h n k e aus der Elsasserstraße und sein neun Monate alter Sohn Willi, mit dem er sich am Sonnabend voriger Woche aus dein dritten Stock auf den Hof hinabstürzte. Bei der Maifeier in der Bockbrauerei, Tempelhofer Berg, ist eine graublaue Pelerine und ein anscheinend goldenes Kreuz ge- sundcn worden. Diese Gegenstände können bei H. Werner, Mitten- waldcrstraße, abgeholt werden. Straßensperrungen. Die Ramlerstraße von Graun- bis Swine- münderstraße bczlv. die Nanilcrslraße von Swincmünder- bis Brunnenstraße wird zwecks Herstellung von Rampenanlagcn vom 9. Mai bis 11. Juni bezw. vom 6. bis 13. Juni d. F. für Fuhr- werke, Radfahrer und Reiter gesperrt, ebenso die Straße Hasenheide von Fichte- bis Jahnstraße behufs UmPflasterung— Asphaltierung— vom 9. d. M. ab bis ans weiteres. Die frühere Kellnerin Elise Krämer, die von dem Postkarten- Händler und Zuhälter Willi Grcubel in der Fricdrichstraße durch zwei Revolvcrschüsse verwundet und nach der Charits gebracht lvorden war, wurde gestern als geheilt aus dem Krankenhause cm- lassen._ Orgelkonzert. Frau Adelina Sandow-HermS wird mit einigen ihrer Schülerinnen(Frl. Ritter, Ochlmann, Voigt. Förste. Diercke, Wilke und Vogler) den Orgclvortrag des Musikdirektors Otto Dienel in der Marienkirche am Montag, den 9. Mai. abends 7>/, Uhr, unterstützen. Außerdem wirken mit die Cellisten Miß Nettie, Neß- Walker und Herr Organist Artur Mönch. Der Eintritt ist frei. Der Verband für erste Hilfe(Sanitätswachen, Unfallstationen vom Roten Kreuz und RettungsgesellschaftZ hat die bislang in der Steglitzerstr. 66 belegene,»nt SanitätSwachc Nr. 12 verbundene Unfallstation XV zu einer gemeinsamen Hilfsstelle des Verbandes eingerichtet. Dieselbe wird and) ferner bei Tage und bei Nacht für Unfälle und plötzliche Erkrankungen dem hilfesuchenden Publikum geöffnet sein. Der Dienst bei Tage steht unter der Leitung des voni Verbände gewählten Verbandsarztes, Herrn Generalarzt a. D. Dr. Kleffel. Der Nachtdienst wird, wie bisher, von der Sanitäts- lvache versehen. Der neue Komet hat sich aus dem Sternbilde des„Herkules" bereits zum„Drachen" fortbewegt und bietet im großen Refraktor der Treptow- Stern warte einen interessanten Anblick dar. Er wird jetzt allabendlich den Besuchern gezeigt. Am Sonntag, den 8. Mai spricht Herr Direktor Archenhold nachmittags 5 Uhr über„Das Geheimnis des Weltenbalies" unter Berücksichtigung der Herkunft der Kometen, und um 7 Uhr abends über„Kometen und Sternschuppen". In der von der Treptow-Sternwarte heraus- gegebenen illustrierten Zeitschrift„Das Weltall" ist der Lauf der Kometen unter den Sternen kartographisd) hergestellt. Am Tage werden mit dem großen Fernrohr Sonnenfleckc gezeigt und im „Astronomischen Museum", durch das alle Viertelstunden Führungen stattfinden, die Wiener Meteorsteinsammlung nock) weiter ausgestellt. DaS Thema für den 7 Uhr-Vortrag am Memg, den 9. d. M. lautet: „lieber planetenartige Begleiter im Kosmos". Die große Gartenbau-Ausstellung in der Philharmonie, Bern- burgerstr. 22a, ist heute und morgen, Sonntag, noch geöffnet: das Eintrittsgeld ist auf 56 Pf. herabgesetzt; von 4 Uhr ab ist Prome- naden-Konzert. Arbeitcr-BildungSschule Berlin, Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15. Der Unterricht in R e d e- U e b u n g für F o r t g e s d) r i t t e n e wird am Sonntag, den 17. Mai, in Saal II fortgesetzt. Der Unter- richt in G e s ch i d) t e fällt am nächsten Dienstag aus. Der Unter- richt in G e f e tz e S k u n d e findet am nächsten Mittwoch, nickst Donnerstag,(des Feiertages wegen) statt. Hm den Nachbarorten. Die Herrschast des Grundbesitzes in Lichtenberg. Einer der hiesigen drei Grundbesitzervereine verlangte die Errichtung einer besonderen Polizeiwache in Neu-Lichtenberg. Da nun die Gemeindevertretung dies Verlangen nicht erfüllen wollte, wurde eine Art besonderer Ob- struktion ins Werk gesetzt: der Vorsitzende empfahl nämlich eine rege Benutzung des telephonischen Anrufes von Polizeischutz aus dem Rat- hause, damit sick) der Amtsvorsteher so von der Notwendigkeit der Forderung überzeugen könne. Der Vertreter des Verein? in der Gemeindevertretung erhielt eines Tages den Auftrag zu der Anfrage, ob die Gemeinde nicht die Bürgersteige auf Kosten der Gemeinde pflastern lassen wolle. Der Bote mußte diesmal noch eine verneinende Antwort überbringen. Ein andrer Grundbesitzerverein nahm mit Genugthuung Kenntnis davon, daß die Erhöhung der Grundwertsteuer nur gering ist und daß die Kanalifationsabgabe für den an Berlin grenzenden Ortsteil von 2'/z Proz. ans 2 Proz. und für den Teil östlich der Ringbahn auf l'/z Proz. herabgesetzt ist. Man hofft auf eine weitere baldige Herab- fetzung. Die Parochialgemeinde soll ausgefordert werden, den Preis ihres Grundstückes dem Grundbesitzerverein mitzuteilen, weiter soll die Kirckiengemeinde den an der Straße belegenen Teil ihres Ge- ländes nicht mehr als Lagerplatz vermieten. Ein andrer Vertreter eines Grundbesitzervereins in der Gemeinde- Vertretung. Herr Thiedke, beklagte sich wiederholt darüber, daß die Polizeibeamten nach einer feckis Monate währenden BeobachtungS- zeit beim Straßenhandel noch nicht soviel Mißstände feststellen konnten, daß das Verbot dieses Handels sich rechtfertigen lasse. In der Frage der Zerstückelung der Gemeinden Lichtenberg und Rummelsburg durch Lostrenuung der westlich der Ringbahn be- legenen Ortsteile wollen die Grundbesitzer nicht nadstassen; vorher aber sollen einigen in bedrängter Lage befindlichen Grundbesitzern noch Grundstücke durch die Gemeinde zu dem„angemessenen" Preise von 1666 M. für die Ouadratmte abgekauft werden. Bescheidenheit ist eine Zier.... In der Osdorfcr Mordaffaire haben bis zum gestrigen Tage kommissarische Vernehmungen vor dem Untersuchungsrichter des hiesigen Landgerichts II stattgefunden. Räch den Ergeonifsen dieser Vernehmungen ist der Kaualarbeiter Bujack bereits am Sonnabend, den 3l. Oktober 1963, ermordet worden. Der Schuhmacher Gaezel hat sich dadurcki auffällig gemacht, daß er»von dem Verschwinden des B. nicht gesprochen, dieses vielmehr verheimlicht hat. Am Mitt- wodi. den 4. November, ist Gaezel mit verschiedenen ebenfalls aus Galizien stammenden Kollegen abgereist, wie wir im Gegensatz zu einer anderen Meldung mitteilen können. Er war, als die Leiche am 8. November aufgefunden lvnrde, bereits in seiner Heimat und hat dort das Ausbleiben des Bujack zunädstt verheimlicht. Später behauptete G. dann, daß der Vermißte sthon vor ihm abgereist sei und daß er den Arbeiter fast gar nicht an der Arbeitsstätte gesehen habe. Diese Umstände tvie auch die immer stärker austretenden Ge- rächte vcranlaßten die Staatsanwaltschaft in Krakau einzuschreiten und die Verhaftung des Gaezel zu bewirken. Vermischtes. Explosion. Die Direktion der Oberschlesischen CoakSwerke und Chemischen Fabriken Aklien-Gesellschaft teilt mit: Heute nacht brannte auf der in Zaborze belegenen Coaksanstalt Poremba infolge einer Explosion ein Lagerhaus aus. Dadurck) ist die Destillation des Teers für zwei bis drei Tage gestört, während der sonstige Betrieb durch den Brand volländig unberührt bleibt. Bei der Explosion sind zwei Personen t ö d l i d) und eine dritte schwer ver- unglückt. Ein Sargsdstff? Im Stettiner„Volksboten" lesen wir: Der Raddanipfer„Misdroy", der Reederei Knnstmann gehörend, welcher zu Fahrten zwischen Karnin und Zinnowitz benntzl iverden soll, wird gegenwärtig auf den Oderloerken eingedockt. Das Schiff, ein„alter Kasten", ist im Jahre 1857 auf dem Vulkan erbaut worden und soll nun gereinigt und gestrichen werden. Zu diesem Zweck wurde das Sdstss ins Dock gebracht. Beim Abkratzen und Abklopfen der Farbe und des Rostes von den Platten stellte sid) heraus, daß eine Anzahl der Außenplatten des Dampfers fast völlig vom Rost durchfressen waren, so daß man mit einem kleinen Hammer Löd)er in die Außenhaut des Schiffes schlagen konnte. Auch im vorigen Jahre zeigten sich bei der Reinigung des Schiffes solche verrosteten Stellen. Diese Platten wurden damals durch neue ersetzt. Auch jetzt soll das Schiff wieder ein paar neue Platten in der Außenhaut bekommen. Bis jetzt hat das Schiff ganz gut gefahren, d. h. ein Unfall rei'p.� eine Kollision ist bisher vermieden. Wie aber, wenn einmal selbst ein nur leichter Zusammenstoß mit einem andern Schiffe erfolgt? Ob die morschen und verrosteten Platten auch noch so viel Farben er- halten, vor einem schweren Unglück würde das Schiff nicht bewahrt sein! Der Dampfer soll auf Flüssen 296, ans dem Haff 266 Per- fönen fassen. Man kann sick) leickst die Folgen eines auch nur sthlvachen Zusammenstoßes ausmalen, denn die verrosteten Platten bieten bei einem solchen fast gar keinen Wider- stand.— Inzwischen sind die Rostlöcher in der Außenhaut des Schiffes gedichtet worden und das Schiff mußte das Dock verlassen, weil ein andrer Dampfer gedockt werde» sollte. Heute, Donnerstag, geht„Misdroy" wieder ins Dock. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Wasserbaupolizei sick, den Dampfer„Misdroy" mal genau ansieht, damit event. gründliche Reparaturen an der Außenhaut an- geordnet resp. vorgenommen werden, ehe er zu weiteren Fahrten Verwendung findet. Die„Misdroy" Pflegt auch mit zu den in Berlin inserierten P f i n g st- E x t r a s a h'r t e n zwischen Stettin und Misdroy resp. Swinemünde zu dienen._ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 8. Mai, vorm. S'l, Uhr, in der Schul-Aula der 69. Gemeindeschule. Kleine Franksurterstr. 6: Ver« jammlung. Freireligiöse Vorlesung. Um 10'/. Uhr, vorm., ebendaselbst: Vortrag"des Herrn E. Voglherr-Stettin:„Die Forderungen der socialen Ethik". Gäste/ Damen und Herren, sehr willkommen.— Montag, den 9. Mai, abends Ky, Uhr pünktlich. Sebastianstr. 89: Beschließende Ber- sammlung. Tagesordnung: Berichte, Wahlen. Weiße Quittung legitimiert. Verein zur Vekämpfung der Tuberkulose(Berein ehemaliger Belzigcr). Sitzung Sonnabend, den 7. Mai er., abends 8'/, Uhr, in den Königssälen, Neue Kouigstr. 26. Nach derselben Rccitationen und Vortrag des Herrn Karl Albert über:„Adalbert v. Ehamisso". Gäste willkommen. Eintritt srei. Verein ehem. Gütcrgotier zur Bekämpfung der Tuberkulose. Sitzung Sonnabend, den 7. Mai, abends 9 Uhr, im Musikerhause, Kaiser Wilhelmstr. 18 m. Gäste willlommen. Marktpreise vou Berlin am 5. Mai 1964 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. »Weizen, gut D.-Ctr. mittel gering. 'Roggen, gut mittel gering„ sGcrste, gut „ mittel„ gering sHaser, gut »ntlcl .. gering Richtstroh„ Heu Erbsen pcisebohnen k'tllscn« ' ab Bahn. f srei Wagen und ab Bahn. 17,80 17,26 17,22 18,00 12.98 12,96 14,20 13,00 11,80 15,00 13,90 12,90 4,00 7,00 40,00 50,00 60,00 17,28 17,24 17,20 12,99 12,97 12,95 13,10 11,90 10,80 14,00 13,00 12,00 3,66 4,60 28,00 26,00 25,00 .Nartosseln, neue D.-Ctr. Rindsleisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinefleisch Kalbfleisch, Hammclsleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock 8.00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,60 2,00 2,80 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,60 1,20 1,40 1,00 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 WitterungSübersickst vom 6. Mai 1904. morgenS 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. E � 5-2 c= »=■ 759 757 759 •C c - a S« 758!S WSW SO SW München>76l!SO Wien j 762. NO S Letter i t kalb bd 2Rcgen 1 wolkig 2 halb bd. 2 halb bd. e-s; s H?a t woltcnb 10 Stationen Haparanda 762N Petersburg 757 ONO Cork Aberdeen Paris 753D ; 758.N Wetter 2 heiler 1 Dunst 6 Regen 3, Regen i-oi ü"il H?a -1 4 6 7 Wetier-Proguose für Sonnabend, de» 7. Mai 1904. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe und regnerisch bei ziemlich lebhaften westlichen Winden: später aufNarend, aber etwas lühlcr. Berliner Wette rbnreau. Eingegangene Druckschriften. „Kommnnale Praxis". Zeitschrift sür Kommunaldolitik und Gemeinde-SoeialiSmus. Herausgeber Dr. Albert S ü d e tu m- Berlin W. 15. Aus dem Inhalt der„Kommunalen Praxis", welche soeben die Mainnmmcr ihres vierten Jahrganges hat erscheinen lassen, heben wir hervor: Eine Abhandlung von Gustav Brvckhaus über die Gemeinden im Ruhrgebict.— Einen Artikel über das Frankfurter Witwcrhcim.— Dr. Lindcmann bespricht in einem Artikel die einfache Gemeindeverwaltung. Neben einem reichen Notizenteil enthält die Nummer einen juristischcn Sprechiaal, in dem alle Rechtsfragen aus dem Gebiete des Gemcindclebens beantwortet werden. In ihrer technischen Beilage befindet sich cu, illustrierter Beitrag von P. M. Grempe über die Kosten eines automobilen Löschzuges der Feuerwehr. Die„Kommunale Praxis" erscheint am 1. und 15. jeden Monats, kostet vierteljährlich 1,50 M. Probenummern werden vom Verlag Berlin W 15 gratis und franko versendet. Zlnnalen des Deutschen Reiches sür Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft. Hest Nr. 5. Inhalt: Die Oldenburger Thronsolgesrage. Dr. Hermann Rehm, Strasjburg: Kommunalpolitik und Kommunalstatistik. Dr. Georg v. Mahr, München: Die Organisation der Bank von Frankreich, Dr. HanS Lefsing. München. Aus den Gesetzblätter, Misccllen. Vertag I. Schlveitzer(Arthur Scllicr) München. G. Weber. Irreführung des protestantischen Volkes. Preis 1,20 M. Mainz 1904. Druckerei LchrlingShauS. A. Jänicke. Au» der Mark. 12 Guachc-Postkarten ans der Umgebung Berlins. Friedrich Martin, Kunstverlag, Erfurt. ßnefhaften der Redaktion. I. T.©vij. Ist eingetroffen, aber aus Versehen nicht verwendet worden. �ftmftifcher Ceil. Die inristische Evrechstuiide findet täglich mitZliisiiahme deS Tonnabendi doli 7'ls bis O'/j Nhr abends statt. Geöffnet: 7 Nbr. H. F. k. I. Ja. 2. Die Möglichkeit, nicht aber eine Verpflichtung besteht.— Wahlrecht. Erhalten von Schulbüchern ist keine Armen- linterftützung.— Wilhelm P. 3000. Wegen Ehebruchs Geschiedene können den Teil, mit dem Ehebruch getrieben ist, nur mit Dispens heiraten. lieber das Erzichungsrccht entscheidet in Ihrem Fall der Vormundschasts- richter.— L. G. i>9. Sie finden Anleitung und Beispiele für Testamente am Ende des dem„Zlrbeiterrcch!" beigesügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehalle» aus.— W. W. Niemals. — L./,— S und 4-8 Uhr. Telephon III ILst«. Sonntag, den 8. Mai, vormittags 9 Uhr, im„Englischen Garten"(oberer Saal), 2llexaliderstr. 5J~ o: General Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Ortsvcrwaltung. 2. Bericht des Kassierers und der Revisoren. 3. Neuwahlen, a) Nordenkassicrer; b) II. Bevollmächtigter; c) Kartcll- delegiertcn; d) Rechtsschutzkommission. 4. Einigungsverhandlung«Resultat). Referent: P. Edelma'un. 5. Kartellbcricht(Kollege S ch o n h e i m). 6. Verschiedenes. _ Mitgliedsbuch legitimiert.— Pünktliches Erscheinen aller ist notwendig. lt5/4____ Die Ortavorwaltnng. Verband der MdelpMerer. Montag, den 9. Mai, abends H'l, Uhr, Hussitenstr. 40: Pf Versammlung. Tages- Ordnung: l. Vortrag des Genossen HI. Schütte über R. S. Relnders. 2. Diskussion. 3. Vcrbauds-Angelegcnhciten und Bericht vom Dclegiertcntag. 4. Verschiedenes. i4g/7 Der Vorstand. vor Vorstand. Jos. Qrcmmer's V)we. Landshut, Bayern. Erste und Ultcste BrasiirabakfabriR Brseüechnupfbabzik per Pfd. Mk. 170, Mk. 1.50 usd Mk 130. Von 0 Pfd. an franco. 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' 211[500] 92 388 521[1000] 33 819 29 59 926 1193 S31[SOOOl 606 15001 723 39 72 993 2125 539 55 644 779 943 3044 287 453 93 585 662 76 913 4069 103 277 324 72 426[1000] 42 633 48 842 47 98 5013 87[500] 146[1000] 74 377[5001 86[500] 537 629[1000] 35 780 _ 84 85 92 808 6058 85 229 403 86 703 7047 212 384 447 58 77 872 906 22 96 8123[3000] 294 439 514 73 947 »149 396 531 829 10052 168 223 550 53[500] 719[3000] 32 806 18 44 11127 77 638 969 1 2038 258 321 86 1500] 468 518 113055 325 90 400 37 48 56 73 524 682 921 14005 28 123 13000] 223 314 79 528 756[500] 822 35 975 1 5014 61 1� 210 UOOÜ] 325 58 78 81 456 564 88 681 798 16026 238 310 470 650 882 999 17002 19 233 377 595 656 62 932 1 8172 86 563 661[500] 87[5001 994 19009 25[5001 109 64 13000] 286 359 63 432 54 555 87 631 784 841[500] 942 20 106 1500] 432 704 21062 102[1000] 229 372 410 ul8 8o0 927 2 2027 258 360 86 544 71 646 63 806 939 23022 45 149 1500] 314 79 506 57 613 740 80 818 24043 188 217 52 303 1500) 540 600 773[500] 836 67 915 25085 97 209[500] 25 70{500] 390 608[1000] 807 1500] 96 964 26065[600] 68 III 307 54 426 520 670 ISO[500] 27198 256 67 359 405 12[1000] 14[500] 19 28000 411 51 542 94 713 903 23 29168 339 73 431 42 46 80 515 71 79 766 . 30202[30001 7[500] 597 3 1 349 50 88 558 94 643 941 88 32148 227 467 568 603[3000] 11 813 33082 174 78 276 320 403[1000] 735 42 34089 201 20 36 88 470 558 857 912 33 41 55 3 5091 291 304 86 457 582 008 70 88[3000] 91 755 863 3 6029 91 261 86 324 30 1500] 402 19 59 76 82 578 979 37194 200 80 315 529 71 653 84[1000] 715 806 11 909 38067 73[500J 86[500] 155 474 511 40 93 628 804 3 9035 214 44 558 65 092 730[500] 45 55 880 86 40072 85 91 162[1000] 260 93 313 430 77 879 903 34 41 132 49 57 324 478 85 526 617 40 724 945 4 2203 306 93 421 618 32 780 936[5001 43221[500] 22 86 469 15001 91 527 616 94 786 848 64 93 4 4004 286 424 25 27 638 49[1000] 715 29 50 59 897 45123 330 30 458 518[3000] 80 95 997 46087 170 231 47 302[30001 406 605 7 67 849 907 47 4 7005 77 792 848[500] 58 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Nachdruck verbaten. 356 451 84 608[600] 28 96 719 909 30 SS 1141 50 346 96 467 86 520 626 72 849 2016 55 89 255 IIS 507 48 684 758 860 981[5001 3000 43 69 70 144 [5001 297 352[500] 92 563 81 731 811 51 4084 129 224 333 451 69 79 99 701 827 3009 24 289 427 48 750 58 994 6130 SO 150001 60 80 99 288 414 7069 83 490 693 712 78 86 863 927 61 8072 75 223 350 411 619[5001 37 07[5001 9221 63 345 66 446 98 305 617 91 10066 112 349 456 58 520 705 22 822 933 51 11012 70 349[500] 700 1 2063[5001 65 209 306 28 430 560[5001 626 762 1 3105 63 534[500] 48 I 500J 023 711 14263 80 330 421[10001 32 524 63 l 30001 668 842 1 5189 264 65 380 902 1 6045 64 68 172 93 202 5 77 302 22 406 28 529 930 75[500] 17008 38 88 197 221 42 99 328 92 432 545 772 852 53 1 8224 309 423 587 679 741 904 31 89 1 9138 67 273 328 84 [580) 490 546[500] 615 50 85[500] 740 853 903 34 20024 307 483 639 769 853 62 973 21058 125 [3000] 207 513 80 629 69 882 98 22134 233 444 66 672 729 50[30001 71 78 893 952 2 3072 180 214 07 346 53 66 419 623 24187 241 56 350 637 94 784 rioooi_________________ 153 65 243 66 74[1000] 307 433 37 775 811 14 940 83 29015 104[500] 91 253 468 94[5001 693 711 806 905 94 30027 136[500] 511 775 837 46 58 93 31118 35 43[1000] 93 249 489 664 703 993 1500] 32250 544[500] 744 58 60 3 3035 46 137 52 273 416 633 791 809 929 71[500] 34087[500] 116 207 44 320 587 600 768 924 30 35033 53 104[5001 213 325 28 65 431 587 904 11000] 55 36069 298 447 52[5001 544[5001 858[5001 904 3 7005 119 295 387 517 60 [500] 654[500] 723 915 24 38003 34 56 61 146 348 56 411 48 896 935 39160[30001 237 50 67 81 333[30001 408 548 872 913 40427 524[1000] 652 71 93 746 838[1000] 41074 [1000] 231 420 23 97 548 631 33 70 816 28 48 966 42083 117 56 01 233 44 321 475 89 500 600 67 707 94 43021[500] 93[1000] 99 182[500] 200 87 365 735 819[10001 35 56 44127 216 41 50 307 484[500] 942 80 45297 383 441 722[500] 992 98 46117 314 419 44 906 725 938 47061 220[500] 47 75 309 438 595 683 721 80 96 858 48435 524 53 707 61 943 49121 42 231 54 332[SOO] 451 Kg[509] 659 740 71 92 822 -0031 40 136 226 342[10001 72 88 98 99 452 551 51018 64 1500] 291[5001 342 63 4SI 30021 851 1300] 976 531 78 701 21 751 831 906________. 64 71 54240 372 HS 83 782 994 52106 259 321 31 582 99 649 51 I056_103J33 1500] 97 007 749 68 915 55054 83 141 90 210 787 876 79 89 97 59404 flOOO] 60 696 798 927 43 60040 102 289 497 130001 835 49 61036 83 350 579-613[1000] 730 81 86 846 6 2028 347 450 514(10001 40 802 63191 260 331 436 512 29 651 760 802 82 64234 356 97 402 673 74 804 52 81 904 33[10001 65226 321 45 684 772 910 6 6010 50 77 162 73 295 1 1000] 728 926 67101 47 284 376 Sil 35 69 614 748 68170 72 530 711 887 941 69064 104 58[1000] 341 420 42 611 59 /D tDl öOö loOOJ 70104 322 70 459[5001 888 712 847 7 1464 731 918[3000] 72194 265 94 398 519 719 71 820 39"" (5001 80 82 97 7 3077 127 509 32[1000] 690 75[1000 719 931(5001 74091 130 242[lO OOO] 563 66 60i [30001 55 989 75149 286 660[500] 77[10001 898 Oft) 83 7 6014 67 276 333[500] 585 713 895 970 7 723« 47�80�92 791 804 68 911 54 79093[1000] 531 738 53 ' 80098 182 404[ 500) 20 49 72 583 647[500] 88 735 804 986 81032 198 287 555 1 3000) 82096 190 321 52, 644[10001 714 8 3099 215 57 540 664 823 ( 5001 932 45 84100 222[5001 41 310 571 767 801 921 85010 24 44 160 237 41[500] 313 729 817[500] 31 86057 1500] 112 210 44 63 65 344 476 90 644 64 734 852 87051 135 237 53[3000] 302 527 759 954 8 8003 185 580 98 706 21 36 55 66 86 94 956 8 9044 298 325 498 744 869 88 9O430 42 89 526 33 647 765 810 40 973 91133 339 60 553 612 0 2027 75 III 73[10001 213 349 55 459 98 572 rai 49 833 980 93:544[1000] 78 403 34(5001 637 51 778[1000] 892 94069[500] 139 33 93 282 94 069 82 778 832 13000] 82 9 5304 55 617 18 744 810 904 l« 62 406 561 65 89 606[3000] 703 90« 77 97213 328 451 637 88 96 773 81 985 98)23 38 fsOO? 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M zu»SOO Sit, 1834 jn 3000 Mk.»41? JS iaaa ui»# oalh Horst, Walde. Schiller-Theater O. (Wallncr-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Der Geizige. Hierauf: Der eingeb. Kranke. So nntagnach mittag 3 U h r; Die Brant von ZIe««ina. Sonntagabend 8 Übt: Die Kinder der Bxcollenz. Montagabend 8 Uhr: Das grobe Hemd. Schiller-Theater Äl. (Friedrich-Wilhelmitädtischcs Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Das xrobe Hemd. Sonntagnachmittag 3 U h r: Die Ehre. Sonntagabend 8 Uhr: Da« grobe Hemd. Montagabend 8 Uhr: Ein Duell. Vorher: Ein Sonnenstrahl. Brauerei?riedrichshain srüher Lipps(Oelonom: E. Niemann), am Königsthor. Grösstcr Konzert-Saal und Garten Berlins. Heute sowie folgende Tage aus kurze Zeit: Konzert v°n Johann Stranss ans Wien! Dirigent der k. und k. öftreichischen Hofballmusik mit seiner gesamten Kapelle. S090L' Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Reservierter Platz 1 Mark. UraBila. Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Die InseB RISgen. Um 4 Uhr(kleine Preise): Von der Zugspitze zum Watzmann. Im Hörsaal: Dr. B. Donath: „Radium''. Sternwarte Friedrichstr. 165. Die zusanunengewachsenen Schwestern. Der Weltfriede. ? Das delphische Orakel?? Apollo-Theater. Abends 7 Uhr: Garten-Konzert."vE Abends 8 Uhr: Da» neue Mal- Speclalitiltcn- Programm. 8-/. Uhr: liiebesgötter. 2. Bild: Pan» l.iebcsnaclit. Grosses Ballett. Im dritten Bild: Der Gotierzug und die Sensatlons-Apotheose: „Im Tempel der Gli Passage-Theater. Anfang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 5 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Das glMeMai-Proptnin: Paul Goradini Tanz-Komiker. John Siems Münzen- und Karten-Manipulator. 14 erstklassige Nummern. Melropol-Theater Der grosste Erfolg dieses Jahres: Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Trianon-Theater. Kcorgenstraße, zwischen Friedrich. und Universitätsswatzc. 5K?- Abends 8 Uhr: Das elfte Gebot Hieraus: Der Dieb. Belle-AIIiAiicö-IjieAlek'. Bellc-Allianccstr. 7/8. Ans. VI, Uhr. Heute Sonnabend zum erstenmal: Kamerad Lehmann. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Akten. Morgen u. solg. Tage: Dies. Vorstcll. Sonntagnachm. 3'/,: Charleys Tante. Caii Weiss-Theater. Bürgerliches Schauspielhaus. Große Frankfurterstr. 132. �aust. Tragödie in 5 Akt. v. Wolfg. v. Goethe. Ans. 8 Uhr. Morgen nachmittag 3 Uhr Parkett 60 Pf.: Zwischen zwei Herzen. Abends 8 Uhr zum letztenmal: Der Totschläger Im Garten(Sonntag): Specialitätenvorstellung. 4 Uhr. I Direktion: Robert Oill. Brnnnenstraaae 16. Letzte Wochentags-Vorstellung I Ehren- u. VorzugSkarlen z. letztenmal gülttg. Minna von Barnhelm. Ans. 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ball. Torlajada De Vry's Phantasmagorien. Hans! P.eichsberg �Hn." Soetirs Salöfine künÄnon, Gebrüder Schwarz Parodisten. Kiners Moulln Equilibrist. Scene. De Kohry Pariser Sängerin. Die Blumenkönigin Tanzdivertissem. Die Wotperts Akrobaten. Robinson Baker-Trio Springer. Paul Conehas DHcÄe" Biograph. Pas de deux Sgra. Cavini u. Sgr. Cerutti. Konigstadf-Kasino tolzmarktstr. 72, Ecke Alcxandcrstraße. äglich: Austreten v. Carl Stephan, die sesche Nanon, Herm. Hcmpcl, Geschw. Lederer, C. u. E. Bcrnhardy, Rose Brandt, Paul Rcvöe. Neu! Die Dante aus Polzi». Posse mit Gesang in 1 Akt. Nach der Vorstcll.: Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Tanz. Ans. Wochen». 8 Uhr, Sonntags S Uhr. Deutsel-ÄnierikaBiselies Theater, Köpnickerstr.67.«tat. Jannowitzbrückc. Jeden Abend 8 Uhr: Ende l0 Uhr 30 Min. Lasino-'Theater. Lotbringerftr. 37. Ans. 8, Sonnt. VI,. 8 Uhr: Durch Klippen und Wellen. 8'/,: Kern und Bobzen als Mimiker. Santanella— les Aleros. 9'/.: Berliner Herzen. Sonntag und Himmelsahrtstag 4 Uhr: Zärtliche Verwandte. Schlutzvorstellung: Montag, den 1«. Mai. Kioinos Theater. Unter den Linden 44. nksckisszfl. ffißf- Ansang 8 Uhr.-7W3 Morgen: Xachtnwyl._ Gebrüder Herrnfrld- 8'uhr. �l/rnTer. giifr. Heute Sonnabend: Premiere der Tegernsee'!'. (2. Köhlers Bauernlheater.) Erste Ausführung in Berlin der Maximilian Schmidtschen Novität: Der Dorfpfarrer. Bauernkomödie mit Gesang u. Tanz in 4 Akten. Borverkaus 11—2. Kgjsenössnung 7 Uhr. Röbels Ällerlei-Tiieater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Sonntag, den 8. Mai: Erstes grosses Garten-Konzert. � Theater- und Specialitäten. Im Saal: Grosser Extra-Tanz. Ansang 5 Uhr. Eintritt 30 Pf. Bei ungünstigem Wetter Konzert und Vorstellung im Saal._ Sanssouci. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: ttokfmgnns �orcläeutscde 8Saxer. Nach jeder Soiree: Tanz. Kelelis hallen Stettiner Sänger Zum Schluß: Neu! . Cirkus Lenz und CirkuS Pusch. Jeder Arbeiter, Jeder Handwerker sollte zur Hrbdt die Lcdcrhose ISerltnlcs tragen. Nllein-Verkans. Sehr starkes Leder in praktischen grauen u. braunen Streifen, auch einsarbig. Am Bund aus einem Stück gearbeitet. Sehr feste Kapp- nähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Große Flicken umsonst. 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I. in Berlin wirtschaftlicher und rechtlicher Beziehung trau hat u. a. auch einstimmig den Grundsatz ausgesprochen, daß es nicht dieser Frage mteressiertcn Arbeiterorganisationen sei, die Heimarbeit in ihren Auswüchsen zu bekämpfen, sondern dasi es auch Sache der die Heimarocitsprodukte kausenden Konsumenten ist, an der Lösung einer Frage mit- zuarbeiten, die in ihrem System einen Krebsschaden sür die gesamte Volkswirtschaft und Volksgesundheit darstellt. Arbeiter k Harteigenessen l Ilm so betrübender ist es, wenn Ihr selbst solche Unternehmen unterstützt, die aus diesem verderblichen System ausgebaut, namentlich in der Arbeiterpresse eine kolossale Reklame entsalten, um damit event. der Arbeiterschast glauben zu machen, daß bei ihnen Werkstätten sowie geregelte Lohn- und Arbeitsverhältnisse bestehen. Nachstehende Firmen lassen fast ausnahmslos ihre Waren in der Heimarbeit herstellen, keine einzige aber von ihnen zahlt Löhne, wie sie seitens der unterzeichneten Organisation in andern Geschäften eingeführt sind. Arbeiter k Harteigenessen! Ist es Euch etwas Ernst mit einem kleinen Anfang wahr- haften«nd wirklichen Heimarbeiterschutzes, so haltet beim Einkauf bei Giesen Unternehmern Na# frage nach Betriebswerkstütten«nd nach den Lohntarifeu der Tchneider-Organisation. I Die in Betracht kommenden Firmen find folgende: Süden und Süd-Osten: Heitinger«. Co., Oranienstr. 40/4l: Aua. Löther, Prinzensw. 38; Alexander Schmidt, Wienerstr. 1—6; Karl Stier, Oranienstr. 166; S. Piket, Prinzenstr. 44: M. Schul. meistrr, Dresdencrftr. 4: I. Zfomporowski, Prinzenstr. 55; I. Wand, Prinzenstr. 17; Nathan Wand, Skalitzerstr. 129; Centrale für Herren-Moden, Oranienstr. 2; W. Zimmermann, Rixdors, Knejebeckstr. 106; Karl Zobel, Köpnickerstr. 121; Baer Sohn. Brückcnslr. 11. Osten- Aug. Achilles, Gr. Franlsurtersir. 16: Bär Sohn, Gr. Franlfurterstr. 20; Karl Hustadt. Koppenstr. 85; B. Lewkowitz, Mexandcrstr. 14a; Julius Lindenbaum, Gr. Franksurterftr. 141; Wagner, Lichtenbergersw. 9; Horvath, Mcxanderftr. 8. Centrnm. Zierden und Nordwesten(Moabit):„Avanti*, Rosenthalerstr. 61; Bär Sah», Chausfecstr. 24/25; Bernhard Bär, Rosenthalerstr. 5; I. Bär, Badstr. 26; I. Boczek, Weinmeisterstrafie t; Theodor Büsing. An der Spandauer Brücke 2; Ludwig Engel, Prenzlauerstr. 23; Fürsteuzelt, Rosenthaler- stratze 60; E. Freitag, Turmsw. 41; Moritz Groß, Kastanicn-Allee 42; I. Kurzberg, Neue Köniastraße 47; D. Perleberg, Chausseestr. 54; Herm. Schlesinger, Turmstr. 85; Georg Simon, Reinickendorfufttabe 8; Sonnenschein, Chausseestr. 54. tVesten und Süd-Westen: Central-LeihhauS, S. Joseph. Schöneberg, Hauptstr. 1; Leihh ans, F..... 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