Nr. 108. HbonnementS'Bedlmunsffl: HSonnementS- Preis tiränumctonStf'! Nerteljährl. 8P0 Mk, monatl. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Poft- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Poft-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich> Ungarn L Mark, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Tl. Jahrg. Criditlot tsgiid» auStr lllsnlag». Devlinev Volksbl�kk. VIe InseMonz-ciebayr betrügt für die sechsgespaltene Kolonel« zeilc oder deren Raum SO Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins. und VersammlungS-AnzeiAen 25 Pfg. „Klein« Hnzelgen", das erste(sett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zühlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nunimcr müssen bis 5 Uhr nachmittag? in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» tagen biS 1 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöftnet. Telegramm-Adreffe: „SoalaliKiiisknt Btrlln". Zentralorgfan der roztaldemokrattfchen Partei Deutfchlands. Redaktion t 8M. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonntag, den 8. Mai 1904. Expedition: 8(ill. 68, Lindendtrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Bolksentrechtung— Bolksbelastnng. „Sie mögen den ß 3 annehmen oder ablehnen— um die Be- tvilligung neuer Einnahmen kommen Sie darum doch nicht herum' und„Ich habe nicht die Absicht, über die Einführung direkter Reichs� steuern zu diskutieren", diese beiden Aeußerungen, die der Reichs� schatzsekretär Frhr. v. Stengel am Freitag anläßlich der zweiten Beratung der Finanzreform im Reichstage that, kennzeichnen deutlich genug eine finanzpolitische Situation, die durch die Annahme der Kommissionsbeschlüsse wohl nicht geschaffen, aber doch ernstlich der- schärst worden ist. Die formelle Aenderung de? Reichsfinanzwesens ist nur das Vorspiel seiner materiellen AnsgestaRung durch neue indirekte volksbelastende SteuernI In der Form, in der sich der Finanzreform-Entwurf nach den Beschlüssen der zweiten Lesung präsentiert, besteht er nur aus zwei Paragraphen. Der erste von beiden bestimmt, daß die Ein- nahmen aus den Zöllen und der Tabaksteuer nicht mehr zum Teile den Einzelstaaten überwiesen, sondem in ihrem vollen Betrage unmittelbare Einnahmen des Reiches werden sollen. Nur der Ertrag der Stempelabgaben, der Branntwein-Materialsteuer und der Maisch- bottichsteuer soll den Einzelstaaten überwiesen werden. Die Regie- rungsvorlage war noch einen Schritt toeiter gegangen: sie hatte auch die Stempelabgaben aus der Reihe der Ueberweisungssteuern aus- geschaltet. Die Bedeuwng dieser Reform liegt im wesentlichen auf ver- faffnngsrechtlichem Gebiete. Finanztechnisch soll dadurch der .Gewinn erzielt werden, daß nicht mehr so große Summen wie bisher zwischen dem Reiche und den Einzelftaaten„hin- und hergeschoben", richtiger gesagt, verrechnet werden müssen. Dieser finanztechnische Vorteil wird aber dadurch erkauft, daß der Reichstag seine verfassungsmäßigen Rechte auf das Empfindlichste beschränkt. Die Erträge der Zölle und der'.Tabaksteuer werden bisher zum größten Teile den Einzelstaaten zugeschrieben. Eine diesen Beträgen ziemlich entsprechende, sie bald übersteigende, bald hinter ihr zurückbleibende Summe mutz aber von den Einzelstaaten in Form von Matrikularbeiträgen wieder zurückgezahlt werden. Während nun der Reichstag auf die Erhebung der Zölle keinen budgetrechtlichen Einfluß übt, diese vielmehr fortlaufend, ohne daß eine alljährliche Genehmigung des Reichstags notwendig wäre, er- folgt, können die Matrikularbeiträge nur in der Höhe des budget- mäßigen, das heißt vom Reichstage beschlossenen Betrags erhoben werden. Die finanztechnische Bedeutung des neuen§ 1 besteht in der Verminderung kalkulatorischer Schwierigkeiten, die ein Vierteljahr- hundert ertragen worden sind; ihre verfassungsrechtliche Bedeutung besteht aber darin, daß in Zukunft nur etwa ein Zehntel des Gesamtetats, statt wie bisher etwa ein Drittel unter das Einnahme- bewilligungSrccht des Reichstags gestellt werden soll. Herr v. Stengel eröffnete die Debatte mit einer neuen ErgebenheitSadresse an das Centrum, die freilich durch einen falschen Zungenschlag ein etwas seltsames Aussehen gewann. Der Reichs- schatzsekretär meinte nämlich, das Centrum hätte als Vater der clausula Franckenstein und Urheber des bestehenden Zustandcs Empfindungen zu überwinden gehabt, die ihm alle Ehre machten. Damit hatte Herr von Stengel allerdings so von ungefähr den Nagel auf den Kopf getroffen. Das Centrum ist in der That daran, alle Empfindungen, die ihm Ehre machen, zu überwinden und so kam Herr Fritzen auch dazu, in die Minderung der Reichstags- rechte aus„finanztechnischen Gründen" einzulvilligen. Desgleichen that Herr Sattler im Namen der Nationalliberalen; er scheint ganz vergessen zu haben, welche Bedeuwng seine Partei einst den sogen,„konstiwtionellen Garantien"Abeimaß. Herr v. NichtHofen, der namens der Konservativen sprach, leistete das ehrliche Ge- ständnis, seme Partei würde nicht geneigt sein. ein Einnahme- bewilligungSrecht des Reichstages principiell einzuführen, ließ sich aber dazu herbei,„vorhandene VollSrcchte zu wahren"— durch Annahme des 8 1 in der Fassung der Kommission. Den Standpunkt der Opposition vertraten der Abg. Eugen Richter in einer kurzen Rede, die einige historische Ausführungen des Reichsschatzsekretärs richtigstellte, und Genosse Dr. Südekum, der den Reichstag vergebens mahnte, auf die Wahrung seiner Rechte bedacht zu fem in einer Zeit, da von der deutschen VolkSvertrewng als von den„Kerls" und der„Bande" gesprochen würde. Der§ 1 wurde angenommen und wird auch nach den Erklärungen deS Reichs- schatzsekretärs in dieser Fassung auf keine Schwierigkeiten im Bundes- rate stoßen, obwohl ihm die Beseitigung der Stempclabgabcn als Ueberweisungssteuer lieber gewesen wäre. Herr v. Stengel nieint nämlich, in der Aufrechterhalwng der Stempelabgabe als Ucber- weisungSsteuer liege eine Benachteiligung der Bundesstaaten, da die Ueberschüsse dann zur Tilgung der Zuschutzanleihen verwendet werden würden. Die Zuschußanleihen sind aber verfassungswidrige Entlastungen der Einzelstaaten, und es wäre nicht mehr als billig, wenn die Last ihrer Tilgung auf die Einzelstaaten wieder zurückfiele. Der ß S der Finanzreform bestimmt in Abänderung des Artikel 70 der Verfassung, daß ungedeckte Matrikularbeiträge, daS heißt die Summen, die thatsächlich. nicht bloß rechnerisch, von den Einzel- staaten zu Reichszwecken bezahlt werden, am Jahresabschlutz in dem Matze zurückzuerstatten seien, als die übrigen ordentlichen Einnahmen deS Reiches dessen Bedarf übersteigen. Vergebens bekämpften die Ab gg. Richter und Südeknm diese Neuerung, die etwaige lieber- schüsse der Reichswirtschast dem notwendigsten Zweck, der Schulden- tilgung, entzieht und zu dem folgenden Passus, wonach„etwaige Ueberschüsse aus den Vorjahren zur Deckung außerordentlicher Reichs- ausgaben dienen sollen, wie die Faust aufs Auge paßt, und die überdies weder geeignet ist. den Etat durchsichtiger. noch die Wirtschaft der Einzelstaaten stabiler zu gestalten, in« dem sie ihr unverhoffte Einnahmen in den Schoß wirft. Auch der 8 2 fand die Billigung der Mehrheit, und auch er wird, da sich die Aenderungen der Kommission auf das Redaktionelle be schränken, Annahme im Bundesrate finden. Gestrichen wurde der einst vielbesprochene und vielumstrittene Passus des Artikels 70, daß Matrikularbeiträge von den Einzelstaaten zu bezahlen seien.... so- lange die erforderlichen Deckungsmittel nicht auf andre Weise, ins- besondere durch Einführung weiterer Reichs st euern beschafft werden".— eine lästige Erinnerung an eine Zeit, da man noch daran dachte, die Reichswirtschaft durch Einführung direkter Steuern auf eigne Füße zu stellen. Ein dritter Paragraph, der in der Kommission mit allen gegen die Stimme des Abg. Arendt verworfen worden war, wurde ein- stimmig abgelehnt. Er besagte, daß der budgetmäßige Betrag der von den Bundesstaaten aufzubringenden Matrikularbeittäge in der Regel den Betrag der von ihnen in den fünf Vor- jähren empfangenen Ueberweisungen nicht übersteigen solle. Die Ablehnung dieses Paragraphen, für den sich im ganzen Hause fkein Mann erhob, bedeutet aber in Wahrheit die offene Bankrotterklärung der Stengelschen Finanzreform. In ihr drückte sich die ganze Tendenz des Werkes aus, die darauf hinausging, die niaterielle Beitragspflicht der Einzelstaaten„in der Regel" auf eine bloße Vor schutzpflicht zu beschränken und zu verhindern, daß die Einzelstaaten dauernd durch das Reich belastet werden könnten. Durch dieses vor- sichtig-schüchterne„in der Regel" hatte der Reichsschatzsekretär wohl seine eigentliche Absicht verraten, gleichzeitig aber zu verstehen ge geben, daß sie durch die gesetzlichen Mittel seines RcförmchenS nicht unbedingt erreichbar sei. Indes scheint sich Herr v. Stengel mit geretteten Trümmern begnügen zu wollen; seine Ankündigung, er behalte sich die definitive Stellungnahme für die dritte Lesung vor, klang mehr wie ein Rückzug, denn wie eine Kriegserklärung. Am Montag wird die dritte Lesung vorgenommen. Bestätigt sie, wie kaum anders anzunehmen, die Beschlüsse der zweiten Lesung, dann ist für die Klarheit und Ordnung der Reichsfinanzen zwar nichts gewonnen, aber ein verfassungsmäßiges Recht des Reichstags eingeengt, die Beitragspflicht der Einzelstaaten durch die eventuelle Rückzahlungspflicht des Reiches beschränkt und— was die Hauptsache ist— die Bahn frei fürBiersteuerundTabak- st e u e r I Der großen Debatte des Tages folgte ein niedliches Sathrspiel. Man unterhielt sich nämlich über Maischbottichsteuer-Rückvergütung und Anstandsgefühl. Die Erträge der Maischbotttchsteuer sind arg zurückgegangen, hauptsächlich aus dem Grunde, weil die Brenner für 13 M. Steuer, die sie pro Hektoliter bezahlen, 16 M.„Rückvergütung" bekommen. Es stand eine Resolution zur Beratung, der Reichskanzler sei um Vorlage eines Gesetz- entwurfeS zu ersuchen, durch welchen die Maischbotttchsteuer-Rück- Vergütung auf eine der thatsächlichen Ausbeute möglichst entsprechende Höhe herabgesetzt würde. Der Abg. Müller- Fulda vom Centrum meinte, daß die Annahme dieser Resolution Sache des Anstands- gefühls sei, und Genosse Wurm bezeichnete den gegenwärtigen Zustand treffend und kurz als ein System des D i e b st a h l s. Dagegen stimmten die Abgg. H 0 l tz und v. Kardorff von der Rechten bewegliche Klagen über die Notlage der Branntwein- brenner an, die man nicht durch neue Gesetze„beunruhigen" sollte und meinten, es sei Sache des Anstandsgefühls, die Resolutton abzulehnen. Ja, Herr Holtz verstieg sich sogar zu dem Wunsche, die Regierung möge auf den Beschluß des Reichstags, wenn er wirklich gefaßt würde, pfeifen und die Resolutton unausgeführt lassen. Damit fand er scheinbar in Herrn v. Stengel ein verständnisvolles Publikum, der so viel von„Bedenken" und „Erwägungen" sprach, daß man wohl annehmen darf, mit der befürchteten„Beunruhigung" der Schnapsbrenner werde es noch seine gute Weile haben. Gegen die Resolution stimmte die Rechte und die nationalliberale Partei, für sie eine auS Centrum, Freisinn und Socialdemokratte bestehende Mehrheit. Montag: Dritte Lesung der Finanzreform und dritte Lesung deS Etats. � Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Durch den Sieg am Aalufluß, die Sperrung des Hafens von Port Arthur und die Landung der Japaner bei Pitzewo auf der Halbinsel Liaowng haben die Japaner in der letzten Woche Schlag auf Schlag eine Reihe wichttger Erfolge errungen. Wenn man trotzdem mit Prophezeiungen über den vermutlichen ferneren Verlauf des Krieges noch zurückhalten mutz, so liegt das daran, daß über die w ichtig st e Grundlage der bevorstehenden Operationen, über die Stärke der auf beiden Seiten zur Verfügung stehenden Truppen jede zuverlässige Mitteilung fehlt. Wieviel Truppen die Japaner in Korea gelandet haben und über den Dalu vorzuschieben im stände sind, weiß kein Mensch. Die Schätzungen schwanken zwischen 100 000 und 200 000 Mann. Ebensowenig weiß man, wie viel Truppen man jetzt auf der Halbinsel Liaotung gelandet hat resp. noch landen wird. Genau ebenso steht es mit den russischen Streitkräften. Die Japaner haben— vernünftigerweise— alle ihre Truppenverschiffungcn in völliges Dunkel zu hüllen verstanden. Ueber ihren KriegSplan hat man daher immer nur vage Vermutungen zu hegen vermocht. Die zahllosen Kriegskorrespondenten hat man in Japan zurückbehalten und obendrein durch strengste Censur dafür gesorgt, daß keinerlei Nachrichten durchsickerten. Ein großer Teil der Kriegskorrespondenten hat angesichts dieser Haltung Japans denn auch bereits die Heinireise angetreten. Rußland ist nicht ganz so zugeknöpft gewesen, wenigstens dem Anscheine nach. Es hat den Korrespondenten alle möglichen AuS- künfte über die Stärke und den Standort seiner Truppen in der Mandschurei gegeben. Doch hat es vorsichtigerweffe bis jetzt alle Kriegsberichterstatter in C h a r b i n zurückbehalten, wo sie sich bereits fürchterlich zu langweilen beginnen. Ob man sie demnächst nach dem wirklichen Kriegsschauplatz abgehen lassen wird, ist mehr als fraglich. Denn allem Anschein nach steht ein großer Teil jener Truppen, die sich in der Mandschurei befinden sollen, nur auf dem Papier jener Blätter, die die russischen Diktate gläubig verbreitet haben. Daß die russischen Truppen südlich von Mulden weit weniger zahlreich sind, als von Rußland prahlend verkündet wurde, beweist das japanische Vorgehen. Die Japaner sind zweifellos über die fakttsche Stärke der Russen durch ihr ausgedehntes Spionage- system ausgezeichnet unterrichtet. Daß sie trotzdem den Vorstotz über den galu und jetzt gegen Föngwangtscheng gewagt haben, deutet darauf hin, daß sie fürs erste die russischen Streitkräfte nicht fürchten zu sollen glauben. Ob die Japaner ihren Vormarsch aber gegen Mulden fortsetzen und baldigst entscheidende Schlachten annehmen werden, das bleibt abzuwarten. Der nächste Angriff der Japaner wird vermutlich Port Arthur gelten, das zur See gesperrt und zu Land ebenfalls bereits eingeschlossen ist. Alexejew soll sich in letzter Stunde mit der Bahn geflüchtet haben. Der zurückgebliebene General Stößel hat nun zwar einen pathettschen Armeebefehl an die Mannschaften in Port Arthur erlassen, in dem er der Zu- verficht Ausdruck giebt, daß er„Rußlands Schutzwehr im fernen Osten" werde halten können— allein auch das hängt von der Stärle der Landforttfikationcn und dem japanischen Belagerungsgeschütz ab. Voraussagen sind hier ebenso unangebracht, wie der ganzen Kriegs- läge gegenüber. Nur das läßt sich bereits sagen: Die Japaner haben sich bis jetzt zur See wie zu Lande als treffliche Strategen bewiesen, sie haben zur Genüge gezeigt, daß ihre Marine sowohl wie ihre Land- armee, in Führung sowohl wie in der Leistungsfähigkeit der Mann- schasten, den russischen Streitkräften mindestens gewachsen ist. Es kommt nur darauf an, wieviel Truppen die beiden Mächte auf den Kriegsschauplatz werfen können, wie sich die transsibirische Eisenbahn bewährt, wie sich die Verpflegungs-Möglichkeiten gestalten und— wessen Kredit am längsten aushält. Unvorhergesehene Zwischenfälle, wie ein Neutralitätsbruch Chinas, können zu weiteren Komplikationen führen. Ein neuer japanischer Sieg? AuS Paris wird gemeldet: „In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ordnete General Knroki den Marsch des Gros seiner Truppen gegen Tangchan g- t s ch e n g an, wo mörderische Kämpfe um eine HLgrlstclluiig enorme Opfer auf beiden Seiten forderten. Nach de» letzten Nachrichten aus Söul soll das russische Haupt- quartier von Föngwangtscheng am Donnerstag- morgen rückwärts verlegt worden und K u r 0 k i s Bortruppen um dieselbe Zeit nur wenige Kilometer von Föngwangtscheng entfernt gewesen sei n." Die Hafeneinfahrt von Port Arthur gesperrt. Tokio, 7. Mai.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Admiral Toga berichtet: Die Einfahrt in den Hafen von Port Arthur ist vollständig gesperrt, ausgenommen für kleine Schiffe. Die Japaner verloren keine Kriegsschiffe, obwohl der Angriff viel Leute kostete. Ein Tagesbefehl Stöstels. Port Arthur, 6. Mai.(Meldung der Russischen Telegraphen» Agentur.) General Stößel hat heute nachmittag folgenden Tagesbefehl erlassen: Am 30. April und 1. Mai überschritt der Feind den Ualu in großer Stärke; die unsrigen zogen sich auf vorher ausgewählte(!) Stellungen zurück. Gestern bewerkstelligte der Feind eine Landung in großem Maßstabe südlich Pi-tse«wo und in der Nähe der Kin- tshoubucht. Nun beginnt für uns die Arbeit. Natürlich wird der Gegner den Bahnvcrkrhr unterbrechen und sich bemühen. unsre Truppen bis Port Arthur zurückzudrängen und diese Festung, Rußlands Schutzwehr im fernen Osten, zu be- lagern. Verteidigt sie bis zum Eintreffen der Truppen, welche uns zu entsetzen kommen. Ich halte es für meine Pflicht, darauf hinzuweisen, daß Ihr unablässig wach- sam, umsichtig und bereit sein müßt, dem Gegner überall in einer der ruhmvollen russischen Truppen würdigen Orb- nung entgegenzutreten und. welche Zwischenfälle auch eintteten, den Kopf nicht verlieren dürft. Seid eingedenk, daß im Kriege alles möglich ist und daß wir mit GotteS Hilfe im stände sein werden, die uns auferlegte schwierige Aufgabe zu erfüllen. Die Schlacht am Ualit, London, 5. Mai.(Eig. Ver.) Aus unfern früheren Korrespondenzen sind die englischen Ansichten über den japanisch- russischen Krieg be- reitS bekannt. Man war hier von Anfang an der Meinung, daß Japan sowohl eine Seemacht wie eine Landmacht ersten Ranges ist. Diese in England vorherrschende Meinung ist selbstredend auf ge- nauen Untersuchungen begründet. Ohne diese Untersuchungen wäre die englisch- japanische Allianz nicht zustande gekommen. Nur weil die englische Regierung die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß sie an Japan eine militärische Großmacht gegen Rußland gewinnen kann, schloß sie den Vertrag ab. Die bisherigen Ereignisse haben der englischen Auffassung Recht gegeben. KurokiS Sieg, der nach dem heute veröffentlichten Bericht Kaschtalinslis recht blutig war, wird hier zwar nicht überschätzt, aber er wird als eine Bestätigung der Ansicht aufgefaßt, daß Rußland im besten Falle sich zu Tode siegen wird. Ueber die Vorgänge am Vorabend der Schlacht brachte gestern der„Standgrd'f von seinem mit der ersten japanischen Armee marschierenden Korrespondenten eine Depesche, die am Abend des 30. April beim Beginn de-Z Ualu-lleberganges auf- gegeben wurde. Der Korrespondent sagt':„... Indem ich die Sccne überblicke, werde ich unwillkürlich au das Schlachtfeld beim Tugelafluß(Südafrika) erinnert. Wie in jenem unglücklichen Monat Dezember 1899 die Vorteile(bei den Boeren lagen, so sind sie jetzt bei den Russen. Unsre Feinde lagen damals in aller Ruhe und Sicherheit in den Bergen und warteten auf Bullers Armee. Die Russen warten in gleicher Sicherheit auf Kuroki.... Kraft meiner Erfahrungen in modernen Kriegen zaudere ich nicht, die Ueberzeugung auszusprechen, daß, wenn die Japaner diese Barriere von Hügeln nehmen können, sie mit ihrem Siege beweisen werden, daß ihre Armee zu den ersten Armeen der Welt gehört." Diese Ansicht wird hier nach den Ereignissen des 1. Mai all- gemein geteilt. Politische deberlicht. Berlin, den 7. Mai. Gesetzlich erzwungene Berrnfserklörung. Dem preußischen Abgeordneten hause ist der an- gekündigte Gesetzentwurf betreffend die„Erschwerung des Vertragsbruchs landwirtschaftlicher Arbeiter und des Gesindes" zugegangen. Derselbe lautet: Z 1: Mit Geldstrafe bis zu 15(1 M. oder mit Haft wird bestraft: 1. wer Dienstboten(Gesinde) oder landwirtschaftliche Arbeiter, von denen er weiß oder bei Anwendung der erforderliche» Sorgfalt wiffen muß, daß sie einem andren Arbeitgeber zur landwirtschaftlichen Arbeit oder zum Gesindedienst noch verpflichtet sind, in Dienst nimmt, 2. wer in gewinnsüchtiger Absicht für die unter 1 bezeichneten Arbeitnehnier ein neues Dienstverhältnis vermittelt, obwohl er weiß oder bei Auwendung der erforderlichen Sorgfalt wissen mutz, daß sie einen andren Arbeitgeber zur landwirtschaftlichen Arbeit oder zum Gesindedienste noch verpflichtet sind, 3. loer die unter 1 bezeichneten Arbeitsnehmer verleitet oder zu verleiten übernimmt, widenechtlich den Dienst nicht anzutreten oder zu verlasse». Im Falle der Ziffer 1 tritt die Strafverfolgung nur auf Antrag des früheren Arbeitgebers ein. Die Zurücknahme des Antrages ist zulässig. § 2: Mit Geldstrafe von 2 bis 600 M. und mit Haft wird bestrast, wer, nachdem er auf Grund des§ 1 Ziffer 2 oder 3 rechts- kräftig verurteilt ist, innerhalb der nächsten drei Jahre abermals eine nach diese» Vorschriften strafbare Handlung begeht. Eine nicht bcizu- treibende Geldstrafe ist in Haft umzuwandeln. § 3: Mit Geldstrafe bis zu 159 M. oder mit Haft wird bestraft, wer die ihn: obliegende Verpflichtung zur Ausstellung eines schrift- lichen Zeugnisses bei Beendigung des Dienstverhältnisses eines Dienst- boten oder landwirtschaftlichen Arbeiters in rechtswidriger Absicht nicht erfüllt. § 4: Die Ortspolizeibehörde hat das einem landwirtschaftlichen Arbeiter gemäß§ 630 des Bürgerlichen Gesetzbuches ausgestellte Zeugnis auf Antrag kosten- und stempelfrei zu beglaubigen.— Preichisches Abgeordnetelthaus. Dem preußischen Abgeordnetenhanse ist, wie der Präsident bei Beginn der Sonnabendsitzung mitteilte, der bereits vor längerer Zeit augekündigte, von den Agrariern aller Schattierungen sehn- süchtig erwartete Gesetzentwurf gegen den Kontraktbruch ländlicher Arbeiter zugegangen. Der Entwurf, der sich auf die ganze Monarchie mit Ausnahme des Hohenzollernschen Landes erstrecken soll, entspricht in jeder Hinsicht den von agrarischer Seite geäußerten Wünschen. Unter der heuchlerischen Maske der Bestrafung von Arbeitgebern, die kontrakt- brüchige Arbeiter in Dienst nehmen, bedeutet er in Wirklichkeit ein Ausnahmegesetz für die ohnehin schon den Industriearbeitern gegen- über benachteiligten ländlichen Arbeiter und des Gesindes, deren Bestrebungen zur Herbeiführung besserer Lohn- und Arbeits- bcdingungen dadurch einfach unmöglich gemacht werden. Daß das Gesetz die Reichsgesctze verletzt, ist den heutigen Machthabern, die entgegen der Verfassung den Polen verbieten, sich anzusiedeln, die in Bezug auf die Ausübung des Wahlrechts, des Vereins- rechts und andrer Grundrechte des Volkes sich die dreistesten Uebergriffe erlauben, gleichgültig. Die vorgeschlagene laudes- gesetzliche Regelung wird einfach durch ininisteriellen Macht« spruch der Herren v. Podbielski und v. Hammerstein für zulässig er- klärt, unter der Motivierung, daß es sich nicht um Materien handelt, welche Gegenstand des Strafgesetzbuchs für das deutsche Reich sind. Zwar hat die preußische Regierum} noch vor lvenig Jahren den ent- gegengesetzten Standpunkt eingenommen, aber das macht iveiter nichts aus. Der Minister des Innern wird, wenn er auf diesen Widerspruch aufmerksam gemacht wird, nach der in seinem Ressort neuerdings geltenden Manier sich dadurch aus der Affaire ziehen, daß er sagt, sein Kollege, der damals den Rechtsstandpunkt vertreten hat, habe den Ministerpräsidenten nicht vorher gefragt, welche An- sichten er vertreten solle. Die Schändlichkeit dieses neuen Ausnahmegesetzes tritt kraß hervor, wenn man sich die einzelnen Bestimmungen veranschaulicht. Der Entwurf ist der Tendenz nach schlimmer als die verscharrte ZuchthauSvorlage, und wenn hier nicht mit Jahre langen Ge- fäirgnis- und Zuchthausstrafen gearbeitet wird, so nur deshaw, weil auf dem Wege der LandeSgesetzgebuug keine höheren Strafen verhängt werden können. Wenn die erste Bestimmung des Z 1 die Arbeitgeber bestrast. die kontraktbrüchige Landarbeiter in Dienst nehmen, so ist das dem Geiste nach eine durch Gesetz erzlvungene Verrufserkläruug, die im Bereich der Gewerbc-Ordnung auf Grund des Z 153 strafbar wäre. WnS das deutsche Reichsrecht mit Recht als strafbare Handlung vcr- urteilt, wird in Preußen durch Gesetz erzwungen. Es ist allgemein geltende Auffassung, daß der Kontraktbruch nur civilrechtlich geahndet werden kann. Auch der Großgrundbesitzer darf kontraktbrüchig werden, indem er etwa seinen Arbeitern gegen- über nicht die eingegangenen Bedingungen erfüllt— er wird nicht bestraft. Der Landarbeiter aber wird nicht nur— nach dem schon heute geltenden preußischen Gesetz— bestraft, wenn er einen unerträglichen Dienst verläßt, er soll auch ausgehungert werden. Das ist die Rückkehr zur Leibeigenschaft. Das ist ein Entivurf der Kulturschmach. Ungeheuerlich sind die Strafen für„rückfällige" Kontraktbruch- vergehen, ungeheuerlich die Bestimmung, daß bestraft wird, wer einem andren auch nur den Rat giebt, den Dienst zu verlassen, vielleicht tveil er von seinem Dienstherrn geprügelt worden ist. Daß der Entwurf Gesetzeskraft erlangt, ist bei der Zusammen- setzung des Landtages so gut wie sicher. Wir haben nicht die Möglichkeit, von der Tribüne des Dreiklassen-Parlaments dagegen anzukämpfen. Um so eifriger aber werden unsre Genossen im Lande die ländlichen Arbeiter iiber die ihnen drohende Gefahr aufzuklären suchen. Es wird sich, wie so oft, so auch hier zeigen, daß unsre Gegner nur für uns arbeiten. Und auch der Reichstag wird über diese Zuchthausvorlage gegen Landpryletarier Gericht halten I. Die Sitzung zog sich, obwohl nur kleinere Vorlagen auf der Tagesordnung standen, ungewöhnlich lang hin. Kein Wunder! Bc- trafen doch diese Gesetzentwürfe Fragen, an denen die Junker ein ganz besonderes Interesse haben. Vor allem waren es die Entwürfe betreffend die Verwaltung gemeinschaftlicher Jagd- bezirke und betreffend ein W i l d s ch o n g e s e tz, die eine über- mäßige Debatte hervorriefen. Jede dieser Vorlagen ging an eine besondere Kommission. Ohne Debatte genehmigte das Haus sodann in zweiter Lesung den Gesetzentwurf betreffend die Ausdehnung einiger Bestim- münzen des allgeni einen Berggesetzes auf die Aufsuchung und Gewinnung von Erdöl. Nach Erledigung einiger andren Vorlagen ohne Bedeutung trat das Haus in die erste Beratung des Gesetzentwurfs betreffend Er- richtung eines O b e r l a n d e s g e r i ch t s in Düsseldorf. Die Debatte hierüber wird am Montag fortgesetzt.(Außerdem kleinere Vorlagen und er sie Lesung des Lottert egesetzes.) Der Herero-Krieg. lieber die Pläne der Regierung bei der Entsendung des neuen Afrika-Generalissimus herrscht noch völlige Unklarheit. Einerseits wird gemeldet, daß Generallieutenant v. Trotha am 20. Mai seine Abreise mit fcinein Generalstab einstweilen allein antreten werde, um sich erst au Ort und Stelle über die Größe der notwendig werdenden neuen Nachschübe schlüssig zu werden. Der Rückzug der Hercros auS den Onjalibergen bedeute eine g ü n st i g e W e n d u n g des Krieges, so daß es keineswegs ausgeschlossen sei, daß der Haupt- widerstand der Hereros gebrochen sein werde, bevor Trotha auf afrikanischem Boden gelandet sei. Andre Blätter, z. B. die„Kreuz- Zeitung" erblicken in der Rückioärtsbewcgung der Hereros eher eine Verschlimmerung der Situation, weil durch sie die Gefähr der Wiedervereinigung der getrennten Haufen bei Waterberg und Grootfontein nahe gerückt sei. Es sei deshalb notwendig, ungesäumt weitere st a r k e Nachschübe nachzusenden, da mit dem vorhandenen paar tausend Mann die Kolonie unmöglich pazifiziert werden könne. Dafür, wie die„leitenden" Kreise die Lage be- urteilen, liegen keinerlei sichere Anzeichen vor. Wahrscheinlich hat man aber in diesen Kreisen überhaupt keine Meinung, da der Kaiser sich nach seiner Rückkehr offenbar selbst jede Ivcitere Maßnahme vor- behalten haben wird. Erst der Hcrero-Kredit wird uns einige Auf- schlüsse geben. Möglicherweise aber kommt, gerade wie bei den China-Abenteuer, das dicke Ende während der Reichstags- f e r i e n nach! Bon der Kolonne Estorff meldet Gouverneur Leutwein vom 7. Mai folgendes: Nach Meldungen steht der Feind bei Q n j a t u; Estorff wird bis O t j i k u o k o vorgehen. Die Postierungen im Distrikt Gobabis werden durch eine fliegen deKolonne unter Oberlieutenant Winkler von der Kolonne Glasenapp verstärkt. Eine ähnliche, nur ausführlichere Meldung erhielt natürlich wieder die Firma Scherl aus Win d h u k: „In der Stacht zum 6. Mai lief im Hauptquartier eine Meldung des Majors v. Estorff ein, aus der hervorgeht, daß seine Abteilung anscheinend nordöstlich von Katapia steht; die Ortsangabe war in dem über Otjosasn hergelangten Hclio- gramm nicht enthalten. Nach Aussagen von Ueberläufern sowie nach persönlich beobachteten Staubwolken glaubt Major v. Estorff, daß der Feind die Gegend von Onjatu möglicher- weise stark besetzt hat. Der Major beabsichtigt daher zu- nächst, unter sorgfältigerAufklärung bis Otj ku o k o vorzugehen: seine weiteren Maßnahmen werden von dcni Ergebnis dieser Erkundung abhängen. Da die Ostabteilung des Majors v. Glasenapp noch täglich TyPhuS, Zugänge hat, bleibt sie einstweilen weiter in Ouarantäue in Otjihaenena. Die Hauptabteilung unter Ober st Leutwein dürfte voraussichtlich Ende Mai marschbereit sein." Große Aktionen sind danach in den nächsten drei Wochen nicht zu erwarten. E st o r f f wird sich aufs Observieren verlegen, da die Hauptkolonne Leutwein erst Ende Mai marschfertig sein wird. Unter G l a s e n a p P s Abteilung wütet aber noch immer der TnphuS!— Dcutfcbco Reich. Der Kaiser hat in Berlin mit dem Grafen Bülow die nene Herero-Expedition großen Stils fertiggestellt. Darauf ist er nach Schlitz gefahren, wo er mit der Familie des Grafen Görtz Tennis spielte. Von Schlitz begiebt er sich nach Donaueschingen.— Frankfurt-Lebus. Die Vertrauensmänner des Bundes der Land- Wirte im Wahlkreise Frankfurt-Lebus haben am Freitag endgültig die Kandidatur des Generalmajors a. D. v. I a g w i tz beschlossen: eine Minorität, die für den Anschluß an die Kandidatur Basscrmann sprach, fand kein Gehör. Die Bündlcr erklärten in einer Resolution Herrn Bassermann„nach seiner politischen Vergangenheit für völlig ungeeignet", als Kandidat des Bundes zu gelten: sie hoffen, daß durch ihre Sonderbündelei mancher Wähler, der sonst zu Hause bleiben an die Wahlurne gebracht ivcrden könne und so der socialdcmokratische Sieg im ersten Wahlgange verhindert werde. In der Stichwahl wollen sie natürlich mit allen andern„Anhängern der Ordnung" einig sein. So reizvoll der Anblick wäre, die Leute. die sich soeben gegenseitig schmähen und„brandmarken", dann im Bruderschmatz vereint zu sehen, so dürfen sie doch hoffen, daß uttfte Parteigenossen im Wahlkreise ihnen diese Würdelosigkeit er- sparen.— Bossischcr Gram. Die„ V o s s i s ch e Zeitung" widmet der Socialdemokratie eine längere schmerzcnreiche Betrachtung. Sie betrauert, daß die Socialdemokratie nicht gegen die Kandidatur Brauns Einspruch erhebt. Sie ist auch betrübt, daß die Sozial- demokratie den Genossen Bernstein nicht boykottieren will. Die Socialdemokratie hat Mitleid mit den königlich privilegierten Vossischen Qualen, aber sie muß schon deshalb darauf verzichten, das Blatt zu trösten, iveil es, wenn wir entgegengesetzt handelten, gleichfalls sittlichen Seclenstörungen verfallen würde. Wir können unmöglich, der Vossin zuliebe, Dummheiten begehen.— Rrichsschulden und Landesfinanzen. Aus Dresden wird uns geschrieben; Bei den Verhandlungen des s ä ch s i s ch c n L a n d t a g S über den Eisenbahnetat äußerte sich der � Finanzminister Dr. Stöger auch über die Wünsche auf Errichtung neuer Eisenbahn- linien. Dabei bemerkte er u. a.: Ich bin ganz damit ein- verstanden, daß der Eisenbahnbau nicht zum Stillstand kommen darf; wir werden aber jenen Wünschen erst dann gerecht werden können, wenn das unhaltbar gelvordcue finanzielle Verhältnis Sachsens zum Reiche ein andres geworden i st. Wenn wir vom Reiche immer wieder mit Millionen belastet werden. müssen wir entweder die direkten Steuern erhöhen oder Schulden machen, um die Matrikularbeitrgge aufzubringen. Ich würde es aber für völlig verkehrt halten, wenn der sächsische Staat Schulden machen müßte, um für die Schulden des Reiches aufkomnien zu können. Wollen wir keinen dieser Wege beschreiten, dann bleibe nur übrig, die Kulturaufgaben zu Gunsten der Matrikularbeiträge zurück- zustellen. Wir werden also erst, wenn es gelungen ist, ein crträg- licheS finanzielles Verhältnis mit dem Reiche herzustellen, die Wünsche auf den Ausbau unsres Eisenbahnnetzes befriedigen können.— Militärisches Beschwerde«„Recht". Der„Berk. Ztg." wird ein recht charakteristischer Beitrag zu dem Beschwerderecht in der Armee gemeldet. Der Sergeant Paul Koglin vom Fnßartillerie-Regiment Nr. 2 in Ne u fa h rtv a sser versieht den Dienst eines Kammer- Unteroffiziers bei der sechsten Eompagnie und hat wie sehr viele Kainmer-Unterpffiziere die Manier, den Leuten bd jeder Gelegenheit die B e k l e i d u n g S- und A n s r ü st u n g s st ü ck e um die Ohren zu schlagen. Einem Manne Namens L i n ck gab er ein Paar z n enge Stiefeln und als der Kanonier, ohne die Stiefeln verpaßt zu haben, erklärte, sie wären ihm viel zu klein, schimpfte er ihn ein„dickfelliges Luder" und gab ihm ein paar Ohrfeigen, Einem andren Kanonier Namens Spiel- mann gab Koglin eine falsche Mütze, in welcher der Mann lächerlich aussah. Als der Feldlvebel den Mann mit der unmöglichen Kopf- bedecknng zu Gesicht bekam, befahl er ihm, sich von dem Kammer- Sergeanten eine andre Mütze geben zu lassen. Der Sergeant sagte: „Warum kommst Du Sau«icht früher", schlug ihn mit dem Hand- schuh und dann mit der Faust ins Gesicht und gab ihm eine Anzahl Ohrfeigen. Nachdem er ihn noch bis zun: Erschlaffen hatte Gewehr strecken lassen, gab er ihm eine andre Mütze. Die beiden Mißhandelten beschwerten sich über die ihnen angethanen Beleidigungen. Resultat: Linck bekam drei Tage Mittelarrcst, weil cr die Stiefel nicht gleich angepaßt hatte. Spiel- mann Bekam eiieufalls drei Tage Mittelarrest, weil er die Mühe nicht sofort umgetauscht hatte. Herr Koglin bekam sechs Wochen Mittel- arreft. Es waren vor dein Kriegsgericht vier Monate gegen ihn beantragt worden, aber da„minder schwere Fälle" angenommen wurden, so kam er mit sechs Wochen davon. Eines hat aber der Herr Hauptmann erreicht: bei seiner Eompagnie beschwert sich niemand in e h r. Wenn selbst die bercchtigste und nötigste Bcschwerdeführnng die Gefahr herbeiführt, daß dem Beschwerdeführer selbst der Strick gedreht wird, so ist die selbstverständliche Folge, daß das Beschwerderecht unbenutzt bleibt und daß Soldatenquäler in ihren schändlichen Neigungen gestärkt werden.— Der prügelnde Stntshoboist wurde, wie nunmehr feststeht, nicht am Sitze des Gerichts in Erfurt, sondern in seinem Garnisonorte Gotha zur Aburteilung gebracht. Zwei Gerichtsherren reisten nach dort. Jedenfalls, weil es billiger war, als wenn der Soldaten quäler und eine große Anzah l Zeugen nach Erfurt r e i s e n in u ß t e n. Nennt man das Sparsamkeit oder was sonst?— Die Siesorm des hessischen Wahlrechts scheint, so wird uns ans Hessen geschrieben, endlich gelingen zu wollen. In der am Mittwoch abgehaltenen Sitzung des Wahlrechtsausschusses wurde eine prin- cipielle Ucbereinstimmnng erzielt iiber den Kardinalpnnkt: Ersatz des indirekten durch das d i r e k t e W a h! r e ch t. Freilich müssen allerlei„Kautelen" mit in Kauf genommen werden. Bisher konnte jeder 25 Jahre alte„Hesse", auch wenn er erst seit 24 Stunden naturalisiert war, zum Landtag wählen, wenn er mindestens drei Jahre im Lande wohnte und zur Staats- oder Kommunal- stener herangezogen war. Außerdem war Bedingung, daß der Wähler nicht mehr als zwei Monate(ein Steuerziel in Hesse») mit seinen Steuern im Stückstande war. Im übrigen kamen noch die wohl überall gültigen Bestimmungen in Betracht in Bezug auf den Verlust des Wahlrechts bei eingetretenem Konkurs, bei Ehr- Verlust und bezogener Armenunterstützung. Nach der Einführung der direkten Wahlen soll nur der wählen können, der am Wahltage nicht nur drei Jahre in Hessen wohnt, sondern auch seit drei Jahren die hessische Staatszuge- Hörigkeit besitzt; das ist eine wesentliche Verschlechterung des bisherigen Zustandes. Außerdem wird für die arbeitende Bevölkerung das Wahlrecht noch dadurch erschwert, daß der Wähler am Wahltage keinerlei' Steuerreste haben darf. So schlimm auch diese„Kautelen" sein mögen, über sie wurde doch immerhin viel schneller eine Verständigung erzielt, als über die von der Regierung geforderte Vermehrung der Mandate. Bisher zählte die Zweite Kammer 50 Abgeordnere. davon waren 40 Vertreter ländlicher und 10 Vertreter städtischer Kreise. Mit der immer größer werdenden Unverschämtheit der Agrarier im Reiche ist wohl auch die Ueberzeugung der Regierung unerschütterlicher geworden, daß auf die Dauer eine agrarische Mehrheit unvereinbar ist mit den Landes- interessen, und so bestand die Stegiernng auf einer Vermehrung der städtischen Mandate. Das wollten jedoch die ländlichen Abgeordneten unter keinen Umständen zugeben und lieber zum zweitenmal die Wahlgesetzreform scheitern lassen. In der jüngsten Ausschußfitzung ist es nun doch dem Abg. Dr. Gutfleisch gelungen, einen Kompromiß durchzusetzen, der dahin geht, daß die Zahl der Mandate um 10 vermehrt wird und daß davon 5 auf die Städte und 5 auf das Land verteilt werde» sollen. Wenn sich das Plenum ebenfalls zu diesem Abkommen verstehen wird, dürfte es doch noch gelingen, diesmal ein neues Wahlgesetz unter Dach und Fach zu bringen.— Huetand. Italien. Veuedig, 7. Mai. Gestern abend wiederholten sich s o c i a« listische Kundgebung en auf dem Markusplatz aus Anlaß des thätlichen Angriffs des Grafen Brandolin gegen den Herausgeber des„Secolo Nuovo" Marangoni. Tie Menge rief„�.dasso Is Comtesso": es kam zu wiederholten Zusammenstöße» mit den Karabinieri, wobei wiederum zahlreiche Verhaftungen vor- genommen wurden.— Spanien. Der SocialismuS unter den spanischen Landarbeitern. Seit einem Jahre ist, wie der„Soeialista" berichtet, die Zahl der von Landarbeitern gebildeten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen ganz erstaunlich gewachsen. In A n d a l u s i e n. in E st r e m a d u r a, in beiden Kastilien und ganz besonders i» den Provinzen Valladolid, Zamora. Leon und Palencia haben die Landarbeiter- Organisationen den größten Aufschwung genommen. In ihrem Oberherrn, sei er Monarchist oder Republikaner, Karlist oder Kon- servativer, Liberaler, Demokrat oder Radikaler, sehen die Landarbeiter vor allen Dingen nur den Bourgeois und ihren Ausbeuter: immer mehr ringt sich bei ihnen die Erkenntnis durch, daß alle andern Parteien Verteidiger des kapitalistischen Systems sind und daß sie in den Reihen der Partei kämpfen müssen, welche allen bürgerlichen Parteien gegenüber steht, nämlich in der socia« listischen Arbeiterpartei. Die politisch noch vollkommen unberührten Elemente der Landarbeiter sind viel leichter zur soeialistischen Auf- fasiung und Taktik zu erziehen als die industriellen Arbeiter der spanischen Städte, die vielfach noch in der anarchistischen Denkweise befangen sind.— � Niederlande. Protest gegen den Zolltarifentwnrf. Unter den niederländische« Kaufleuten und Industriellen findet die Regierungsvorlage zur Er« höhung bestehender und Einführung neuer Einftihrzölle wenig Anklang. Die Rotterdamer Handelskammer hat dieser Tage ein sehr unifangreiches Schriftstück an die Zweite Kammer gerichtet. worin aus Schädigungen, die der Tarif- entwurs dem Handelsverkehr sowohl wie der großen Masse der Bevölkermig bereiten würde, sehr ausführlich hingewiesen wird und die Hauptpositionen des Tarifs in dieser Hinsicht geprüft werden. Es wird auch darauf aufmerksam gemacht, daß die An« nähme des neuen Tarifs es notwendig macben würde, in Rotterdam ein großes Freihafengebiet für den ausländischen Handel anzulegen, wie seiner Zeit in Hamburg und Bremen, als diese Städte in den deutschen Zollvcrband aufgenommen wurden. Bei der ungünstigen Finanzlage der großen Gemeinden wäre es nicht mehr als billig. wenn das Reich die Kosten für derartige Fmhafenanlagen tragen würde.— Ferner haben die M a n u f a k t u r- K a n f l e n t e von Rotterdam und Amsterdam Protest gegen den Tarifentwurf erhoben, der, wie sie erklären, nicbt nur ihre besonderen Interessen. sondern auch die allgemeinen Interessen der Bevölkerung bedroht. Die künstliche Verteuerung aller Verbrauchsartikel, die durch Annahme des Entlvurses herbeigeführt werden würde, müsse höchst schädlich auf die Wohlfahrt und Kaufkraft des Volkes zurückwirken. Nuherdem tverds durch die Erhöhung der Zölle die Bildung von Trusts und Syndikaten begünstigt, die zur Bereicherung einzelner aus Kosten des ganzen Landes führten. Schweden. Die Reform des höheren Schulwesens ist, im wesentlichen der Regierungsvorlage entsprechend, am Mittwoch von beiden Kammern des Reichstages beschlossen worden. Der Lehrplan dieser Schulen, die nun in Realschulen und Gymnasien eingeteilt werden, ist ge- Wissermap en den modernen Anforderungen angepaßt. Latein wird nur in den Gymnasien gelehrt. Ein erster Schritt zur VerWelt- lichung des Unterrichtswesens wurde dadurch gcthan, daß an Stelle der bisherigen geistlichen Aufsicht eine besondere Lber- Verwaltungsbehörde für diese Lehransialten eingeführt wird. Wichtige deniokratische und liberale Reformen, wie die Schaffung, einer Einheitsschule oder die Forderung, den Natur- Wissenschaften einen gebührenden Raum im Unterrichtsplan anzu- weisen,, waren leider weit davon entfernt, eine Mehrheit im schwedischen Klassenparlament zu finden. Ueber die Vorteile, die erreicht wurden, sagte Genosse B r a n t i n g in der'Zweiten Kannner: „Sie wurden mit der versäumten und nicht sobald wiederkehrenden Gelegenheit, die Volksschule näher an die höhere Bildungsschule onzuichließen, erkauft und erkauft mit dem Aufgeben des alten Reformprogramms der Zweiten Kaminer.' Asien. . Ein neues Gefecht in Tibet. London. 7. Mai. Amtlich wird bestätigt, daß 7'g abgelehnt. Achtung, Bildhauer! Wir verweisen sämtliche Kollegen, die im Osten oder N o r d o st e n sowie in den, betreffenden Vororten Berlins beschäftigt oder wohnhaft sind, auf das Inserat in der gestrigen und heutigen Nummer. Desgleichen ersuchen wir Tischler und Drechsler, die in denselben Betrieben mit unfern Kollegen arbeiten, diese auf die morgen stattfindende Versammlung aufmerksam zu machen und für einen guten Besuch derselben zu agitiere». Tic Agitationskommission der Bildhauer Bcrlir.S. Deutsches Retef). Eine neue Baiiarbciter-Aussperning. Aus Halle meldet uns eine Privatdepesche:' Halle, 7. Mai. In W e i ß e n f e l s wurden 450 Maur« und Bauarbeiter infolge des Zimmererstreiks ausgesperrt. Die EinigungSvrrsuche des Vorsitzenden des GewerbegerichtS in Königsberg hat der Arbeitgeberbund für das Baugewerbe nun zum drittenmal abgelehnt. Der Kampf im Baugewerbe geht nun weiter; er wird nur noch erbitterter geführt. 100 Italiener arbeiten bereits und zwei Trupps von 60 und 26 Mann sollen noch kommen. Mit diesen Kräften sollen dann die notwendigsten Arbeiten ausgeführt werden. Es soll die Organisation der Maurer zertrümmert werden. Diese stehen dagegen wie ein Mann geschlossen den Arbeit» gebern gegenüber. Mit was für Protzen sie zu thnn haben, zeigt die Antwort, die diese dem Einignugsamte am Dienstag zu teil werden ließen. Dieselbe lautet:„Der Ardeitgebcr-Vcrdand lehnt es ab, milden Gesellen vor dem Einigungsamt in Verhandlungen zu wcten und verbleibt bei seinem den Gesellen bereits vor Monaten mitgeteilten Beschluß bestehen." Bezeichnend ist es, daß dieser Beschluß selbst dem Leib- und Magenblatt der Königsberger Baulöwen, der„Hartnngschen Zeitung", über die Hutschnur ging. Sie schrieb, daß sie den Be- schlutz,„ohne Partei zu ergreifen", bedauere und wünsche, man möchte ihn nochmals einer Prüfung unterziehen, damit dir Differenzen friedlich gelöst werden. Die Maurer haben trotz dieses Beschlusses am Mittwoch beschlossen, jederzeit, wenn di» Arbeitgeber bereit seien, in Verhandlungen einzutreten. Man sieht. also deutlich, von welcher Seite die Machtprobe ausgeht. Die Jtaliene» haben sich geäußert, sie möchten lieber abfahren, der Verband der Maurer soll aber da» Reisegeld dazu geben. Dieser giebt dazu aber nicht einen Pfennig. Mögen sie mir die Unternehmer, die sie nach Königsberg geschleppt haben, auffordern, das Reisegeld zu geben Die Maurer fürchten die Konkurrenz der Italiener nicht, denn diese sind lange nicht so leistungsfähig wie die Königsberger Maurer. Die Bauhilfsarbeiter, deren Lage nicht so günstig ist, haben aber trotzdem am Mittwoch beschlossen, weiter ini Kampfe auszuharren. Die Maler i» Danzig sind in eine Lohnbewegung eingetreten Ain Dienstag haben sie einen neuen Lohn- und Arbeitstarif auf. gestellt, der demnächst den Arbeitgebern unterbreitet werden soll. Du wesentlichsten Forderungen sind folgende: 1. Die Arbeitszeit in den Sommermonalen. das heißt bis zum 30. September betrögt 10 Stunden: vom 1. April 1005 bis 31. März 1907 9Vz Stunden. Die Frühstückspause währt Vz Stunde und die Mittagspause 11'., Stunden. Im Winter wird die Arbeitszeit nach Vereinbarung geregelt. Kürzer als sieben Stunden darf sie jedoch nicht fein. Am Sonnabend in den sechs Sommermonaten soll eine Stunde früher Feierabend ohne Lohnabzug sein. Der Minimallohn soll bis zun, 1. März 1905 40 Pf. pro Stunde, von da ab bis zum 31. März 1907 45 Pf. betragen. Je nach der Leistung soll aber mehr gezahlt werden. Der letzte Streik der Vialer in Danzig War im Jahre 1900. Er endete siegreich für die Arbeiter. Huslnitd. Das AiiSsperningSfieber fängt auch in Oestteich an zu grassieren. Ein Telegraimn meldet aus Wien: Wien, 7. Mai. Die hiesigen Bau- und Steinmetzmeister werden heilte nachmittag 5 Uhr alle Bauarbeiten ohne Unterschied einstellen und sämtliche Bauarbeiter und Tagelöhner entlassen. Die Arbeit soll erst wieder aufgenommen Iverden, wenn die Gehilfen er- klären, die Bedingungen der Genossenschaft der Arbeitgeber bezüglich der Lohntarife anzunehmen. Bon der Aussperrung werden 4—5000 Arbeiter betroffen. Tie Aussperrung der dänischen Buchbinder besteht unveränder» lveiter und es scheint auch vorläufig keinerlei Aussicht zur Beilegung des Konflikts vorhanden zu sein. Die Arbeitgeber suchen durch zahlreiche Zeitungsaimoncen allerlei Arbeitskräfte heranzuziehen. Sie verlangen Buchbinderinnen, die der Gewerkschaft nicht ange- hören, weibliche Lehrlinge und junge Mädchen zu ausgezeichneten Bedingungen, ferner Lehrlinge und intelligente junge Leute von ca. 20 Jahren, die sich für eine dreijährige Lehrzeit verpflichter. sollen.— Seitens des dänischen Buchbin der-Ver. Bandes wird vor Zuzug geluarnt.— Bei der Maifeier in Kopenhagen beabsichtigten die ausgesperrten Buchbinder eine kleine im Betrieb bcsindliche Buchbinderei auf einem mit Pferden bespannten Wagen im Festzuge vorzuführen: der Plan lvurde aber von der Polizei au?„Verkehrsrücksichten" nicht genehmigt, Da bei andren Gelegenheiten selbst in verkehrsreichen Straßen solchen Veranstaltungen keine Hindernisse bereitet wurden, ist das Verhalten der Behörde in diese», Falle sonderbar. Ter Tischlerstreit auf der HclsingSrS Schiffswerft, der un- verändert fortdauert, hat die Arbeitgeber der Eisenindustrie ver- anlaßt, mit einer allgemeinen Aussperrung zu drohen. Am Donnerstag teilte die dänische Arbeitgebcrvcreinigung dem Ver- band der Gewerkschaften mit, daß, falls die Tischler die Arbeit nicht bis zun, 20. Mai wieder aufgenommen hätten, sämtliche Arbeiter der Helsingörs Schiffswerft aus» gesperrt würden: führe das nicht zum Ziel, so sollten am 5. Juni die Arbeiter der Set)isfswersten Burmeister u. Main,„KöbenhavnS Flydedok" und„Vulkan" in Merribo, sowie sämtlicher Eisenfabrikaarten Dänemarks ausgesperrt werden; mid wenn auch daS nicht helfe, solle die Aussperrung auf die Arbeiter der kleinen Schlosser- und Schmicdewcrtslätten Äopen- Hagens und Umgebung ausgedehnt werden. Es sind»ngcfähr 10 000 Arbeiter, die die Unternehmer somit wegen des 30 Mann umfassen- den Streits in Helsingör auf die Straße werfen wollen.— Die Arbeitgebervereinigung hat sich jedofli bereit erklärt, mit dem Aus- schuß des Verbandes der Gelverkschaften zu verhandeln. Man kann also amiehmcn, daß die Unternehmer sich die Sache„och einmal über« legen werden.— Uebrigenö sucht jetzt die Helsingörs Schiffswerft Arbeitswillge auf Umwegen heranzuziehen; so mittels der schwedischen Firma P e r s s o n u. P a u l s s o n i n H e l s i n g b o r g, die durch Zeitungsannoncen mitteilt, daß„einige tüchtige Tischler, am liebsten solche, die an Schiffsarbeit gewöhnt sind, dauernd Arbeit zu einem Stundenlohn von 37 Lere, doch Aceordarbeit bis zu 50 Proz.. er- halten können."— That sächlich ist der Lohn nicht 37 sondern 36 Ocre und 1 Oere Ersatz dafür, daß der Tischler selbst für Werkzeug sorgt. Schuhmacherstrciks in Schweden. In Jöngköping und in Lands» krona befinden sich die Schuhmacher im Streik. In beiden Städte» hagtze.lt eS sich um EinMrung eines neuen Lvhntarifs. Dr. Hirschfeld verurteilt! • Die schon erlvähnte Anklage tvezen Beleidigung und Verbreitung iiuZv unzilchtigen Schrift, die sich gegen den praktischen Arzt Dr. M. H i r s ch f e I d ttu Charlottenburg richtete, wurde gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I unter Ausschluß der Ocffent- lichkeit verhandelt. Als Sachverständige waren Geh. Sanitätsrat Dr. Küster, Medizinalrat Dr. Leppmann und praktischer Arzt Dr. M e r z b a ch geladen. Es handelt sich um eine von dem An- geklagten im Auftrage des„Wissenschaftlich-Humanitären Komitees" veranstaltete Enquete über die Verbreitung der Homosexualität und die zur Herbcischaffung des statistischen Materials versandten An fragen. Durch letztere haben sich sechs Studenten der Technischen Hochschule beleidigt gefühlt und den Strafantrag gestellt, der von zweien wieder zurückgezogen worden ist. Dem Vernehmen nach haben die Sachverständigen übereinstimmend bekundet, daß es sich hier um ein absolut rein wissenschaftliches Unternehmen handle und der durch die Enquete eingeschlagene Weg der einzig mögliche sei. um zum Resultat zu gelangen. Die vernommenen Assistenten der Technischen Hochschule sagten unter anderm aus, daß die Studentenschaft im allgemeinen von der wissenschaftlichen Bedeutung der Umfrage informiert war.— Staatsanwalt H e l l w i g, der die Anklage zu vertreten hatte, verkannte nicht den sittlichen Ernst, der bei dem Angeklagten zweifellos vorliege, glaubte aber doch, daß es sich um Verbreitung einer unsittlichen Schrift und Beleidigung handle und beantragte 500 M. Geldstrafe.— Justizrat W r o n ke'r und Rechtsanwalt Chodziesner beantragten dagegen die Frei- sprechung. Ersterer erklärte, daß er es anfänglich für u n g l a u b- l i ch gehalten habe, daß eine Anklage erhoben werden könne und daß er es mindestens für selbstverständlich erachtet habe, daß die An- ' Rechtsanwalts Dr. Liebknecht beschlossen, die Verhandlung zu ver- tagen und den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Neber den Ausgang des Prozesses gegen den.weiblichen' Dippold wird aus Greifswald berichtet: Die Geschwornen sprachen die Angeklagte. Arbeiterwitwe Kluß, schuldig, die kleine Hedwig Becker derart mißhandelt zu haben, daß der Tod des Kindes verursacht wurde, worauf der Gerickitshof die Angeklagte zu sieben Jahren zwei Monaten Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust ver- urteilte. Zwei Monate wurden auf die Untersuchungshast au- gerechnet._ Versammlungen. Das Gewerkschaftskartell für Berlin und Umgegend hat soeben seinen Jahresbericht fiir 1903 herausgegeben, den: wir nachstehende Einzelheiten entnehmen: Dem Kartell gehören 25 Gewerkschaften an, die am Schluß des Berichtsjahres zusammen 11 545 Mitglieder hatten(im Vorjahre 9568). Die stärsste Mitgliederzahl haben die Maurer, nämlich 3000(gegen 2635 im Vorjahre), dann folgen die Zimmerer mit 1639(1515), die Möbelpolierer mit 1300(930), Metall» arbeiter 980(895), Musikinstrumenten-Arbeiter 683(451), Bau- arbeiter(600(600), Portefeuiller 463(494), Kürschner 423(127), Hausdiener 414(280), Tischler 356(325), Töpfer 283(163). Kisten- macher 255(253), Maler 200(250). Rohrer 120(80). Markthallen- Arbeiter 138, Bleiglaser 117(100). Die Mitgliederzahlen der übrigen 9 Gewerkschaften bewegen sich zwischen 40 und 99. Die 23 Gewerkschaften hatten am Jahresschluß einen Vermögens- bestand von 158 033 M. Davon entfallen auf die Maurer 74 533,06 M., klage wisder zurückgenommen werden müßte, denn es handle sich doch Zimmerer 35 000,74 M., Möbelpolierer 23 143,20 M., Musik. hier nimmermehr um ein unsittliches Werk, sondern um eine aus instrumenteu-Arbciter 4520,71 M., Metallarbeiter 3570,14 M., Töpfer tiefem Herzen unternommene und mit sittlicher Strenge durchgeführte 3521,85 M., Kürschner 3471,93 M., Bauarbeiter 1775 M.. Fliesen. ____ irii'„.je I Ttnmr 1 QNF;"—.........."—-----------— Arbeit.— Rechtsanwalt Chodziesner wies namentlich noch darauf hin, daß von 3000 Personen, an die die Anfrage gerichtet worden, sich mühsam zehn gefunden haben, die Anstoß daran ge- nommen und daß diese Zahl auch noch auf vier zusammengeschmolzen sei.— Der Angeklagte selbst hob noch hervor, daß die von ihm und dem Komitee betriebene Arbeit eine hochernste und überaus wichtige sei. Erst zu Beginn dieser Woche habe sich ein ihm bekannter Student der Technischen Hochschule vergiftet, weil er homosexuell ver- anlagt war. In seiner ärztlichen Behandlung befinde sich äugen- blicklich ein Student derselben Hochschule, der sich wegen Homo- sexualität durch die Brust geschossen habe. Er habe diese Um- frage im wissenschaftlichen Interesse ausführen müssen, um die Menschheit von einem Makel zu befreien, an den sie einst mit tiefer Beschämung zurückdenken werde. Nach langer Beratung verkündete der Vorsitzende. Landgerichts- Direktor Oppermann I das Urteil des Gerichts dahin: Dem Gerichtshof ist nicht zweifelhaft, daß die Grundlage, aus der heraus 1125 M. usw. das Rundschreiben erlassen worden, eine rein streng wissen- schalt Ii che ist, sowohl vom juristischen wie vom medizinischen Standpunkte aus und der Angeklagte im Interesse der Wissenschast thättg gewesen ist. Es kann daher auch nicht, wie der Angeklagte meint, aus dem Urteil eine Anerkennung odev aber eine Verurteilung seiner Thätigkeit geschlossen werden. Das Gericht hat lediglich vom juristischen Standpunkte aus zu prüfen, ob der Inhalt des Rund- schreibens objektiv e h r e n k r ä n k e n d ist. es hat daher das objektive und subjektive Moment genau auseinander halten müssen. Die Qualität einer Schrift als einer unzüchtigen ist von Fall zu �all zu beurteilen, und hier in diesem Falle hat das Gericht geglaubt. unter den obwaltenden Umständen den Begriff der unzüchtigen Schrift als ausgeschlossen erachten zu sollen. In Theorie und Praxis ist es unbestritten, daß Publikattonen, die einem wissen- schaftlichen Zweck dienen, als unzüchttge Schriften nicht an- zusehen sind. Wo sollte auch die Wissenschaft bleiben, wenn sie zum Beispiel sexuelle Verhältnisse nicht zum Gegenstande ihrer Erörterung sollte machen dürfen? Dann wäre es für sie ausgeschlossen, zu lehren "">> sich zum Nutzen der Menschheit fortzubilden. Da hier ein leger 1305,19 M.. Kistenmacher 1443,43 M.. Tischler 1318,68 M.. die übrigen Gewerkschaften haben geringere Vermögensbestände. Streiks wurden von 16 Gewerkschaften geführt, und zwar 7 Abwehr- und 9 AngnssSstreiks, außerdem sind 7 Sperren und Aussperrungen verzeichnet. Soweit die Resultate der Streiks angegeben sind, endeten 6 mit Erfolg und 2 verliefen erfolglos. 18 Gewerkschaften gaben für Streiks und Sperren im eignen Beruf die Summe von 38 040,91 M. aus, darunter die Zimmerer 8119,45 M., die Metallarbeiter 3081,70 M., die Maurer 6355,50 M., die Töpfer 2213 M., die Zinkgießer 2043 M., die Musikinstrumenten- Arbeiter 2111 M., die Mobelpolierer 1721 M., die Kürschner 1691 M.. die Bauarbeiter 1606 M.. die Tischler 1090 M.. die Fliesenleger 1077 M. usw. Für Streiks in andren Berufen brachten 20 Gewerkschaften 13 710,40 M. auf, davon kommen auf die Maurer 6118,20 M., die Zimmerer 1750 M., die Rohrer 1801 M., die Möbelpolierer und.________ wissenschaftlicher Zweck verfolgt wurde, kann'schön' obftktiv von der Anwendung des 8 134 nicht die Rede sein. ~ � �§ 183 betrifft, so ist nach Ansicht des Gerichts der Inhalt des Rundschreibens objektiv ehrenkränkend, denn der Die Kassenabrechnung deS Kartells zeigt eine Eiimahme von 4816,55 M., eine Ausgabe von 3816,72 M. und einen Bestand von 999,83 an. Der Ausschuß Berichtet über seine Thätigkeit unter andrem In dem Berichtsjahre schlössen sich die Bürsten- und Pinselmacher, sowie die Markthallenarbeiter dem Kartell an, während die Holz und Bretterttäger austraten und der Lokalverein der Bäcker einging. Der nachgesuchte Anschluß der lokalorganisiertcn Barbiergehilfen wurde abgelehnt, weil seine Satzungen der Auffassung aller übrigen im Kartell verttetenen Gewerkschaften nicht entsprechen. Die Gewerkschaften, welche kein eignes Bureau haben, erhalten an zwei Wochentagsabenden im Bureau des Ausschusses Auskunft in Bezug auf die Arbeiterversicherung. Derarttge Auskünfte wurden in 24 Fällen erteilt. Am Freitag fand eine Delegiertenversammlung des Kartells statt, in der Hinrichsen als Obmann des Ausschusses den Jahres Bericht erstattete. Er fiigte dem gedruckten Bericht einige Er läuterungen hinzu und bemerkte, daß das vergangene Jahr unter dem Einfluß der vom Parteivorstand eingeleiteten resultatlos ver- laufenen Einigungsverhandlungen gestanden habe. Nach diesem Ver- laus der Verhandlungen, und da von der andern Seite der Ucbertritt in die Verbände verlangt wurde, würde es wohl nicht wieder z» solchen Verhandlungen kommen. Bei der Erwähnung der be Angeklagte mutet Leuten, die er nicht kennt und von deren sittlicher I kannten Zlvistigkeiten anläßlich der Gewerbegerichts« Wahlen �lnschauung er nichts weiß, zu, ihre geschlechtlichen Neigungen kund I meinte der Redner, wenn bei den vorstehenden Wahlen die andre -f n i» S»*«» Y, s-.r. fk-_ j_i___ � i v___._-vi I<.* cy\.juj_____«s\___ i w,, yyi v- w r,•«■», M thun und eventuell zu bekennen, daß sie etwas thun, was nicht nur Sitte und Anstand verbieten, sondern was auch zur Zeit noch .strafbar ist. Es fragt sich nun weiter: Kann dieser objektive ehren kränkende Charakter dadurch beseittgt werden, daß Wissenschaft liche Zwecke damit verbunden sind? Dies hat der Gerichtshof ver- neiivt. denn die Wissenschaft hat auch die Bervflichtung, vor dem Gesetz Halt zu machen! Mit diesem Satz würden nicht der Wissen- schaft die Quellen unterbunden oder ein Attentat auf sie und die freie Forschung verübt. Es würde gewiß bielleicht wünschenswert sein, daß die medizinische Wissenschast am lebenden Körper ihre- Studien machen könnte, aber das Gesetz verbietet den Mord und de» Eingriff in die körperliche Integrität eines andern und soweit das Gesetz ent- gegensteht, dürfen Wege auch im Interesse der Wissenschaft nicht beschritten werden. Objektiv liegt also ein ehrenkränkender Charakter Seite die Rechte der im Kartell verttetenen Gewerkschaften nicht an- erkennen, dann würden diese eigne Kandidaten ausstellen und deren Wahl betteiben.— Nachdem PieSker den Rechenschaftsbericht erstattet hatte, folgte eine Diskussion, die sich auf Einzelheiten des Berichts erstteckte. Damr wurde der Ausschuß entlastet und ferner beschlossen, ein Darlehen des gewerkschaftlichen FrauenvereinS fzu streichen und eine Summe, die von den Sammlungen für den Crimmitschauer Streik noch in Händen des Ausschusses ist, nach Crimmitschau zu senden. 1 In den Ausschutz wurden gewählt: Gehl. Hinrichsen. PieSker, Schröder, Uessem. Zu Revisoren bestimmte man: Huber, Genz, Kluge. Eine öffentliche Kürschnervcrsammlung, von der centralen und lokalen Kürschnerorganisation gemeinsam einberufen, tagte am Witt- woch im Alten Schützenhaus und befaßte sich mit dem Arbeitsvertrag un d der Arbeitsordnung der Firma vor und subjektiv muß sich der Angeklagte dessen auch bewußt ge- s j, ick, Söbne L.iv,ioerstrake' Di- W lucfcn fern, Er�hÄ s'� antuen belogen Mtts junger Männer| Kreits im vorigen Jahre bei!e�Ne°unstundenbewegung dl SchS mit ihren Arbeitern einen besonderen Arbeitsverttag abgeschlossen, gewendet, von denen er nicht wußte, wie sie hinsichtlich des allgemeinen Scham- und Sittlichkeitsgefühls denken. Er mußte sich sagen, daß diese Fragen auch in die Hände von Leuten gelangen können, die daran Llnstoß nehmen. Den 8 193 hat der Gerichtshof dem Angeklagten nicht zugebilligt, da dieser Para- graph hier überhaupt nicht in Anwendung kommen kann. Der An- geklagte hat gesagt, daß er im wissenschaftlichen Jnter- e s s ei dieses Rundschreiben erlassen habe, die Wissenschaft kann aber nicht als das angesehen werden, welches für ihn berechtigte Jnter- essen auslösen kann. Das Gesetz stellt eine derartige wissenschaftliche Bethätigung nicht höher alsdasRechtaufAchtungvor der Person. Das ist auch berechtigt, denn sonst würde man zu unHalt- baren Konsequenzen kommen. Ickutatis mutsnckis würden sonst solche Anfragen auch an Mädchenpensionate erlaubt sein, oder jemand würde berechtigt sein, einen ihm Unbekannten auf der Straße anzusprechen und einer derartige Frage in drastischer Form an ihn zu richten. Ein solcher Rechtszustand wäre nicht zu halten. Aus dem 8 900 des Straf-Gesetzbuchs ist auch deutlich zu erkennen, daß der Gesetzgeber der Wissenschast gegenüber dem Recht auf Achtung vor der Person Schranken zieht und letzteres höher stellt, als das rein wissenschaftliche Interesse.— Mit Rücksicht darauf, daß der An- geklagte aus edlen und anerkennenswerten Motiven gehandelt hat und nirgends niedrige Gesichtspunkte sich gezeigt haben, mit Rücksicht andrerseits darauf, daß durch derartige Mittel, selbst wenn sie in den Dienst der Wissenschaft gestellt werden, jungen Leuten doch leicht sittlicher Schaden zugefügt werden kann, hat der Gerichtshof den Angeklagten zu 200 M. Geldstrafe eventuell 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Nach dieser Begründung erhält man auch für den seiner Zeit istM Galilei geführten Jnquisitionsprozeß einiges Verständnis. Gembts-Leitung. An den vor fünf Jahren erfolgten Tod eines Soldaten hat sich! ein Strafverfahren geschlossen, das gestern den Schuhmachermeisterz Hermann Röhl aus Rixdorf unter der Anklage der Versuchtenz Nötigung und Beleidigung vor die zweite Sttaflammer deS Land- gerichts II führte. Der Sohn des Angeklagten hatte in Bromberg beim 129. Jnfanterie-Regiment gedient und ist dort am 14. Juni 1899 infolge eines Unglücksfalls gestorben. Aus Anlaß dieses traurigen Vorfalles'hat Herr Röhl vier Jahre später einen Brief an den Regimentskommandeur gerichtet, der schwere Beleidigungen enthielt z und den Kommandeur zu einem Sttafantrag veranlaßte. Nach längerer Verhandlung wurde gestern auf Anttag des Verteidigers Arbeitsverttag W| und dieser ist nun am 1. April erneuert worden. Um eine ösfentliche Aussprache über diesen Vertrag herbeizuführen, waren soloohl die Firma, und zwar durch Einschreibebrief, als auch ihre Arbeiter und Arbeiterinnen eingeladen worden. Beide Teile hatten es jedoch vor- gezogen, nicht zur Versammlung zu erscheinen, und offenbar nicht ohne Grund, denn der Vertrag ist derartig, daß weder die Arbeiter, die ihn unterschrieben, noch die Firma stolz darauf sein können. Da außerdem einzelne seiner Bestimmungen gegen die Gewerbeordnung verstoßen, ist es nicht verwunderlich, daß die Firma den Berttag nur vorlesen läßt, ihn im übrigen aber stteng geheim zu halten sucht und keinem Arbeiter gestattet, ihn genau durchzulesen, geschweige denn abzuschreiben. Dennoch ist einiges davon über den engen Kreis der Eingeweihten hinaus bekannt geworden. Der Vertrag enthält unter anderm die Bestimmung, daß den Arbeitern die Teilnahme an Lohnbewegungen und Streiks verboten ist. also ge- wissermaßen eine Aufhebung des§ 152 der Gewerbc-Ordnung. Außerdem hat die Firma ihre Arbeiter mit einer Grattfikation von wöchentlich 2 M., ihre Arbeiterinnen mit einer solchen von 1 M. beglückt, dabei aber zugleich die Bestimmung getroffen, daß ein- schließlich dieser Gratifikation den Arbeitern jede Woche 4 Vi., den Arbeiterinnen 2 M. vom Lohn einbehalten werden und dieses Geld dann erst am 23. Dezember, allerdings mit 4 Proz. Zinsen, aus- bezahlt wird. Wer vor der Zeit entlassen wird, kann jedoch unter Umständen dieses Geld einbüßen. Da der 8 l*9 a der Gewerbe- Ordnung bestimmt, daß die Gesamtsumme der in dieser Form zulässigen Lohnabzüge die Höhe eines Wochenlohnes nicht ubersteigen darf, so steht jene Bestimmung, selbst abgesehen von der zweifelhaften �Gratifikation", mit dem Gesetz im Widerspruch. Auch von ihrer Arbeitsordnung oder«Geschäftsordnung" wünscht die Finna, daß sie st r e n g g e h e i m gehalten werde, und auch in diesem Puntt ist ihre Scheu vor der Oefsentlichkett nicht ganz unbegründet. Die Geschäftsordnung, wovon dem Bureau der Äersammlung ein Exemplar vorlag, erstreckt sich sogar über das Geschäft hinaus und griiietet den Arbeitern, auch auf der Straße den größten An st andzu wahren. In der Werkstube aber ist jedes laute Sprechen, Rufen und jegliche Privatunterhaltung strengstens verboten.„Zuwiderhandlungen und Ueber- ttetungen gegen die Geschäftsordnung," so besagt ein andrer Para- graph,„geben uns nach zweimaliger Vermcchnung das Recht zu sofortiger Entlassung." Von derselben einseitigen Stechts- auffassnng. die dem Unternehmer alle möglichen Rechte einräumt. dem Arbetter aber nur Verbote und Pflichten auferlegt, zeugen noch mehrere andre Bestimmungen dieser Geschäftsordnung. Im übrigen soll auch die Behandlung, die den Arbeitern bei Herpich Söhne zu teil wird, viel zu wünschen übrig lassen.-»- NciMem R e g g s diesck Verhältnisse scharf kritisiert und sich mehrere Diskussionsredner im selben Sinne geäußert hatten, wurde folgende Resolution ern» stimmig angenommen: „Dadurch, daß zur heutigen Versammlung weder die Firma Herpig Söhne noch deren Arbeiter und Arbeiterinnen erschienen sind, ist der Beweis erbracht, daß die Firma sich scheut, ihren Vertrag der Oeffentlichkeit zu unterbreiten, resp. ihn zu rechtfertigen. Die Versammelten erklären es unter ihrer Würde, bei Herpich Söhne in Arbeit zu treten solange die Sperre besteht. Ferner erklärt die Bersanimlung, daß die dort beschäftigten Kollegen und Kolleginnen, soweit sie der Organisation angehören, ausgeschlossen werden und keiner der Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma in Zukunft irt die Organisation aufgenommen wird." Die Versammlung befaßte sich außerdem mit den Differenzen bei der Firma H. Wolf und beschloß, daß in dieser Sache noch- mals eine Untersuchung stattfinden soll, bevor weitere Maßnahme» getroffen werden. Rixdorf. Am 19. v. Mts. hielt der Socialdemokratische Wahl- verein Rixdorf seine Generalversammlung in den Victoriasälen ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das An- denken der verstorbenen Genossen Wilsoet und Karl Keller. Daraus hielt Genosse Dr. Südckum einen Vortrag über:„Die Ziele unsrer Kommunalpolitik". Der Vortrag wurde mit regem Interesse verfolgt und am Schluß mit lebhaftem Beifall belohnt. In der darauf folgenden Diskussion gab Genosse Dr. Silber st ein eine Erklärung der Gründe, welche die socialdemokratische Fraktion im Gegensatz zu den Berliner Genossen veranlaßte, für die Erhöhung der Umsatzsteuer zu stimmen. Vor allem erhoffte er damit dem Grund- und Bodenwucher, welcher besonders in Rixdorf in großer Blüte steht, Einhalt zu thun, und sei vor allem nicht die Möglichkeit vorhanden, diese Steuer ohne weiteres auf die Masse der Einwohner abzuwälzen. Ein besonders schwieriges Arbeiten im Rirdorfcr Stadtparlament verursache der Umstand, daß wir am Ort nicht mit politischen Gegnern, sondern nur mit einer Grundbcfitzerparkci zu kämpfen haben, welche alles, was nicht ihren Interessen entspricht. einfach niederstimmt, ohne sich lange auf Erwiderungen einzulassen. Sei doch die Versicherungspflicht der Heimarbeiter mit der Motivierung abgelehnt worden, daß durch die VersicherungsPslicht sich einzelne Zwischcnmeister veranlaßt fühlen könnten, nach andren Vororten überzusiedeln, wodurch den Rirdorfer Hausbesitzern schließlich hier und da«in paar Wohnungen leer bleiben könnten. Auch der Geist des Rixdorfer Magistrats charakterisiere sich aus der auf die Frage der Regierung über die Stellung zu einem Reichs-Wohnungsgesetz erteilten Antwort, daß er ein solches Gesetz nickt brauche. Leider müsse er jedoch auch betonen, daß auf der Dresdener Städte-Aus- stellung statistisch nachgewiesen worden, daß Rixdorf die schwächste Wahlbeteiligung aufzuweisen habe. Das sei beschämend für die Rirdorfer Arbeiterschaft und auf unsre Stadtverordneten wirke es niederschlagend, daß sie sich eventuell sagen lassen müssen, daß sie gar nicht die Mehrheit der Einwohner vcrtteten. Er wünsche, daß bei den bevorstehenden Ersatzivahlcn die Arbeiter mehr als bisher ihrer Wahlpflichr genügen. Daß die Mandate gewonnen werden. sei ja zweifellos: aber dies müsse mit einer überwältigenden Majorität geschehen. Genosse K l o h r bemängelte, daß bei dem projektierten SchulhauSbau auf dem Gelände zwischen Fontane- und Weisestraße wiederum von der Errichtung einer Turnhalle Abstand genommen worden ist. Gegen eine solche mangelhafte Einrichtung der Schulgebäude müsse energisch protestiert Iverdeu. Den Arbeiter- lindern müsse zum mindesten in dieser Beziehung dasselbe geboten werden, wie den Kindern derjenigen, welche in der Lage sind, das Schulgeld für den Gymnasialunterricht auszubringen. Stadtv. Conrad hob noch die Umstände hervor, welche das Arbeiten in armen Gemeinden wie Rixdorf besonders erschweren und erachtete die Ucbernahme der Schullastcn auf das Reich für notwendig.— Hierauf erfolgte der Geschäftsbericht deS Vorstandes, welchen Ge- nosse Jäger erstattete. Danach haben stattgefunden im letzten Quartal 11 VorstandSsitzungcn, 1 Generalversammlung, 2 Mit- glicdervcrsanUnlungen. wovon 1 der polizeilichen Auflösung verfiel, und 2 Volksversammlungen. Der Mitgliederbestand betrug am Schluß des vorigen Quartals 3015. Neu aufgenommen wurden 296, gestrichen wurden 54, so daß der Mitgliederbestand 3257 beträgt. Den Kassenbericht erstattete Stiebr. Die Einnahmen betrugen inkl. 357,00 M. für Bons 4674,41 M. Die Ausgaben am Ort be- trugen 1191,69 M., an den Eentralvorstand wurden 3235,28 M. abgeliefert, so daß ein Kassenbeftand von 247,44 M. am Orte ver- bleibt. Aus dem Bericht des Bibliothekars ging hervor, daß im letzten Quartal 752 Bände ausgeliehen wurden. Die Bibliothek, welche im letzten Quartal bedeutend vergrößert wurde, besteht zur Zeit ans 570 Bänden. Neu aufgenommen wurden noch 2 8 3 Mitglieder. 2 Mitglieder, Lorenz und Wenzel, wurden aus- geschlossen und 2 Aufnahmen beanstandet: somit ist die Mitglieder- zahl auf 3 5 2 0 gestiegen, da 20 Abmeldungen zu erfolgen haben. Letzte JVaebriebten und Dcpcfcbcn. Leipzig, 7. Mai.cs„NmiiÄ" Kerlim NxIiisM > 8. Kc\d>QtA$. 86, Sitzung. Sonnabend, den 7. Mai 1964, nach- mittags 1 Uhr. Am BundesratZtische: Frhr. v. Stengel. Zunächst werden einige Rechnungssachen debattelos er- ledigr Bei dem Bericht der Rechnungskommission über die allgemeine Rechnung des Etats von 1899 findet Abg. Dr. Sattler snatl.) die Praxis der Kommission zu lax. So hat sie sich in dem Specialfall einer Etatsüberschreitung nicht an den Reichskanzler, sondern an den Direktor der Kolonialabteilung um Auskunst gewandt. Dadurch wird die Stellung des Reichs- schatzsekretärs noch mehr herabgedrückt, während sie gestärkt werden müsse mit dem Endziel der Schaffung eines Reichsfinanzmiuisters. Der Hauptgrund für die Finanzkalamität des Reichs liege im Mangel eines Verantwortlichen Finanzministers. Preußens gesunde Finanzen beruhten mit auf den Machtbefugnissen des Finanz- Ministers, der nicht überstimmt werden könne und ohne dessen Zu- stimmung Reffortüberschreitungen unmöglich wären. Abg. Gröber iE.) wünscht, daß die'Nationalliberalen, die immer auf den Einheitsstaat hinarbeiten, einen formulierten Antrag auf Aenderung der Reichsverfassung vorlegen möchten, wenn ihnen die Stellung de? Reichs-Schatzsekretärs nicht genüge. Die Schaffung eines verantwortlichen Reichs- Finanzministers sei nur in einem Einheitsstaate möglich. Seine Partei aber stände auf dem Boden der föderalistischen Reichsverfassung. Abg. Schillert(k.) erklärt, daß die Rechnungskommission bloß nach der bisherigen Praxis verfahren sei.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Sattler(natl.): Ich habe nicht eine Verfassungs- änderung in die Erörterung werfen wollen, sondern nur betont, daß die Stellung des Staatssekretärs gekräftigt werden mutz. Abg. Singer(Soc.): Ich begreife gar nicht, weshalb sich Herr Sattler vor Herrn Gröber sozusagen entschuldigt. (Widerspruch des Abg. Sattler.) Das hat er doch gar nicht nötig. Es ist doch hoffentlich noch nicht verboten, hier im Reichstage centralistische Anschauungen zu ver- treten.(Heiterkeit.) Der gegenwärtige Zustand wird immer unhaltbarer. Es ist die höchste Zeit, daß den eigentümlichen An- schauungen und Gewohnheiten der Kolonialverwalwng in Etats- angelegenhetten ein Ende gemacht wird.(Lebhaste Zusttmmung bei den Socialdemokraten.) Damit schließt die Erörterung. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betreffend Aenderungen im Finanzwesen des Reiches(kleine Finanzreform). Durch§ 1 wird die oluusuk Franckenstein(Ueberweisung des den Betrag von 130 Millionen Mark übersteigenden Erttages der Zölle, der Tabaksteuer und der Stempelabgäben an die Einzel- stallten) insofern eingeschränkt, als künstig nur noch die Erwäge der Stempelabgaben, der Maischbottichsteuer und der Branntweinmaterial- steuer den Einzelstaaten überwiesen werden sollen. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Der 8 1 des vorliegenden Gesetzes verfolgt das Ziel, durch Ein- schränkung der weit über ihren ursprünglichen Zweck hinausgewachsenen Ueberweisungen auf ein vernünftiges Maß einmal die Verworrenheit und Verdunkelung des Reichshaushalts zu beseittgen und ihn durch- sichttger und klarer zu gestalten. Sodann verfolgt der Paragraph das Ziel, dem Reiche in Ansehung der wichttgsten Einnahmequellen wiederum die Bewegungsfreiheit für die etatsrechtliche Veranschlagung zu gewähren. Bezuglich der Zölle ist dies im gegenwärttgen Augen- blicke um so wichtiger, als wir vor der Einführung des neuen Zolltarifs stehen, dessen finanzielle Wirkungen sich nur schätzen lassen. Sodann verfolgt 8 1 das weitere Ziel, die H a u S- Haltung der Einzel st aaten von einem Risiko zu entlasten, das ihnen entgegen der ausdrücklichen Ansicht der Reichsverfassung eine halbwegs verläßliche Etats- aufstellung kaum mehr ermöglicht. Und weiter wird die Verminderung der Reichsschuld erswebt. Die Absicht, das Budget- recht des Reichstags anzutasten, hat der Regierung vollkommen fem- gelegen. Bei dieser Sachlage war eS nicht leicht, gerade das Eentrum für diese Vorlage zu gewinnen, speziell für die Beseittgung der Franckensteinschen Klausel. In Ansehung der Zölle habe ich von Anfang an nichts anderes erwartet. Ueberraschender war mir die Stellung der freisinnigen Fraktion und der Social- demokratie. Diese Stellungnahme hatte ich offen gestanden nicht er- wartet. Mann für Mann sind diese Fraktionen seiner Zeit, als es sich um die Einführung der Franckensteinschen Klausel handelte, gegen diesen Plan zu Felde gezogen. Mann für Mann haben sie in namentlicher Abstimmung dagegen gestimmt, und heute, wo es sich darum handelt, die Franckenstein'sche Klausel nicht einmal ganz aufzuheben, sondem nur einigermaßen einzuschränken, er- leben wir das Schauspiel, daß sie eintreten für die volle Aufrechterhaltung der ckusula. Franckenstein. Sie verteidigen den 8 3 des Zolltarifs von 1379 sozusagen, wie die Löwm ihre Jungen. Die einzige psychologische Erklärung liegt für mich in dem Umstände, daß die Wirkungen der Franckensteinschen Klausel sich seit ihrer Einfühmng allmählich w ihr Gegenteil ver- kehrt haben. Nur auf diesem Wege kommt man zu einer mit der Logik zu vereinbarenden Erklärung. Die Kommission hat nun in Bezug auf die Zölle der Vorlage ihre Zusttmmung erteilt. Im übrigen hat sie injBezug auf die Einschränkung der Francken- sieinschen Klausel nicht soweit gehen zu dürfen geglaubt, als es von der Regierung in Aussicht genommen war. Sie hat insbesondere beschlossen, die Stempelabgaben als UeberweisungS- steuer beizubehalten und den Ueberweisungssteuern den Ertrag der Maischbottichsteuer hinzuzufügen. Den letzteren Vorschlag halte ich für unbedenklich. Denn diese Steuer steht in innerem Zusammenhange mit der Branntweinsteuer. Bedenk- licher ist die Aufrechtcrhaltung der Stempelabgaben als UeberweisungS« steuer, weil diese Steuer bisweilen recht erheblichen Schwankungen unterliegt. Die Sache liegt jetzt so: Wenn die Konjunktur günsttg ist und die Stempelsteuer einen Mehrerwag gegenüber den Matnkular- beiträgen abwirst, dann wird dieser Mehrerwag von der Reichskasse zurückbehalten und, was ja ganz zweckmäßig sein mag, zur Ver- Minderung der Zuschufianleihe verwendet. Tritt eine ungünstige Konjunktur ein und bleiben die Stempelerwäge erheblich zurück hinter den Mawikularbeiwägen, dann ist das Manko ihrerseits von den Einzelstaaten zu übernehmen.— Jedenfalls bedeutet§ 1 auch in der Fassung, wie er aus der Kommission hervorgegangen ist, einen recht wesentlichen Fortschritt. Und wenn die Regierung zu den Aenderungen der Vorlage erst nach Beendigung der zweiten Lesung Stellung nehmen kann, so glaube ich doch schon heute er- klären zu können, daß die verbündeten Regierungen kaum an den Aenderungen, die die Kominisston im§ 1 vorgenommen hat. die Vorlage scheitern lassen werden. Abg. Richter(stf. Vp.): Der Herr Staatssekretär hat seine VerwuiidcrilNg darüber geäußert, daß wir für die Franckensteinsche Klausel eintreten, oblvohl wir seiner Zeit Mann für Mann dagegen gestimmt haben. Dieses Citat war nicht besonders loyal. Der Herr Staatssekretär weiß sehr wohl, wie die Sache 1879 stand. Die Franckensteinsche Klausel war damals die Brücke, um dem Zolltarif eine Mehrheit zu verschaffen. Wer den neuen schutzzöllnerischen Tarif nicht wollte, mußte sich hüten, an diesem Brückenschlagen sich zu beteiligen.(Sehr richtig! links.) Das war der Grund, weshalb wir damals gegen die Franckensteinsche Klausel stimmten. Der Schatzsekretär meinte, wir hätten für diese Klausel gekämpft wie die Löwin um ihre Jungen. So afrikanisch ging es in der Kommission nicht zu.(Sehr gut! links und Heiterkeit.) Die Suche war vielmehr recht nüchtern. Der einzige fast tragische Moment war vorhanden, als der Herr Staatssekretär mit bewegter Stimme erklärte, daß die Frage, ob die Zölle ausschieden oder nicht, über Sein oder Nichtsein seines Mini- steriums entschiede. Er stellte die Kabinettsfrage, er sagte, wenn das Centrum, insbesondere seine bayrischen Landsleute ihm nicht zustimmten, dann könne er überhaupt sein Amt nicht weiterführen. Nach diesen bewegten Klagen wurde mit 14 gegen 13 Stimmen der Antrag angenommen, die Zölle aus den Ueberlvcisungssteuern herauszunehmen. Im übrigen kann ich erklären, daß meine Freunde dem§ 1 nicht zustimmen können, weil er den Hauptbestandteil der bisherigen Ueber- weisimgssteuern, die Zolleinnahmen, den ursprünglichen Mittelpunkt der lex Franckenstein, dem Reiche überweist. Das ist gegen- wärtig um so weniger angezeigt, als nie n, and den Ertrag der demnächstigen Zolleinnahmen zu schätzen im stände ist, weil der neue Zolltarif und seine Wirkungen_ noch unbekannt sind. Man kann auch nicht sagen, daß die Mehreinnahmen jedenfalls in Anspruch ge- nommen werden würden durch die Mehrausgaben, die für die nächsten Jahre für Marine-, Militär-, Kolonialzwecke usw. in Frage kommen. Einmal kann doch auch die natürliche Steigerung der Einnahmequellen des Reiches in ihrem Erwäge Deckungsmittel ge- währen, sodann aber ist es überhaupt falsch, für Ein- nahmen zu sorgen zur Deckung unbekannterMehr- ausgaben der Zukunft.(Bravo! links.) Die Verhandlung über das Gesetz und über die voraussichtliche Gestaltung der Reichsfinanzen in den nächsten S Jahren sind ja in der Kommission sehr weitschweifig gewesen, haben aber nur bewiesen, daß sich die Finanzlage für die nächsten 5 Jahre mit einiger Sicher- heit überhaupt nicht übersehen läßt. Bei dieser Lage scheint mir der gegenwärtige Moment der ungeeignetste, in unsrem Verhältnis zu den Einzelstaaten so grundlegende Äenderungeu herbeizuführen, wie sie§ 1 enthält. Wir werden deshalb gegen ihn stimmen.(Bravo I links.) Abg. Frhr. v. NichtHofen(k.): Gegen die jetzige Vorlage werden hauptsächlich zwei Einwendungen erhoben: zunächst die, daß das Einnahme-Bewilligungsrecht dem Reichstage geschmälert werde. Das Einnahme-Bewilligungsrecht hat in allen konstitutionellen Bewegungen eine große Rolle gespielt. Aber in dem grösttenTeilvonDeutsch- land ist es nicht anerkannt und wir sind auch nicht geneigt, es grundsätzlich einzuführen. In der Reichsverfassung bewirken die Matrikularbeiträge im Effekt dasselbe. Da dieses Recht dem Volke einmal gegeben ist, denken wir auch nicht daran, es ihm zu nehmen; auch von seiner Verminderung kann nicht die Rede sein. Denn wenn man sehr hoch rechnet, dah die Neu-Einnahme auf Grund des Zolltarifs 199 Millionen erreichte, ist in der Kommission gezeigt worden, daß 50 Millionen zur Deckung des Fehlbetrages, weitere 59 für notwendige, demnächst zu beschließende Ausgaben ge- braucht werden. Es wird also durch die Vorlage nicht das mindeste geändert; noch vielmehr bleibt nach den Kommissionsbeschlüssen alles beim alten. Das budgetäre Recht des Reichstags wird nicht im mindesten geschmälert. Nun wird immer behauptet, nur durch die Drohung erhöhter Matrikularbeiwäge könnte auf die Bundesstaaten ein Druck ausgeübt werden, für Sparsamkeit im Reiche zu sorgen.(Sehr richtta l links.) Wäre das wahr, könnte es nur die Folgerung hervorrufen, daß die Stellung des Reichsschatzsekretärs geändert werden müsse, etwa nach den Anregungen des Abg. Sattler. Aber diese Frage kann im Laufe dieser Debatte weder erörtert noch gefördert werden. In erster Linie wären wir am liebsten weiter gegangen wie die Regierungsvorlage, in zweiter traten wir für unveränderte An- nähme ihres Kl ein; in dritter Linie werden ich und meine,'Freunde auch dem Kommissionsantrag zustimmen.(Bravo I rechts.) Abg. Dr. Südckm»(Soc.): Nach den ausführlichen Darlegungen, die mein Parteifreund Bebel bei der ersten Lesung dieser Vorlage im Dezember gemacht hat, hätte ich mich auf die Darlegungen einiger mehr finanztechnischer Bedenken beschränken können, wenn nicht der Staatssekretär uns zu einer politischen Auseinandersetzung provoziert hätte. Der Abg. Richter hat dem Staatssekretär schon ganz richtig entgegnet, daß dieser die Genesis der oluusula Francken st ein v erschwiegen habe. Der Staatssekretär hat gesagt, die veränderte Stellung der Linken ließe sich nur daraus erklären, daß ihre Wirkungen sich seit ihrer Einführung immer mehr ins Gegenteil ver- kehrt haben. In gewissen Beziehungen hat der Schatzselretär damit ganz recht. Bei ihrer Einführung befürchteten wir eine Stärkung des Partikularismus. Heute ist diese Gefahr gleich Null. Heute erblicken wir in der clausula. Franckenstein ein Sicherungsmittel-gegen die immer weitere Ausbreitung des persönlichen Regiments mit allen seinen Gefahren. Aus diesem Grunde stehen wir den Kommissionsbeschlüssen genau so gegenüber wie der Vor- läge. Wie mein Frakttonsführer Bebel schon stüher ausführte, würde der Reichstag nur noch einen Schatten seines Einnahme-Bewilligungs- rechtes haben, wenn durch Aufhebung der Matrikularbeiträge die Einzelstaaten unabhängig vom Reiche würden. Diese Stellung be- halten wir bei— auch wenn der Schatzselretär erklärt hat, daß, wenn die Mehrheit diese Stellung einnähme, er sein Amt niederlegen würde. Ich steue mich ja, daß ein Minister in Deutschland so viel konstitutionelles Gefühl hat, daß er sein Amt aufgeben will, wenn er von der Mehrheit der gesetzgebenden Körperschaft im Stiche gelassen wird. Das ist ein er- freulichcs Zeichen in einem Ministerium Bülow, das in der Kanalvorlage unzählige Schläge erlitten hat, die es nur mit der Rnckseite pariert, oder gar nicht mehr auf dem Schauplatze der Niederlage» erscheint. Wir erkennen das Bedürfnis nach einer Reichsfinanzreform durchaus an, haben sie sogar in unserm Pro- gramm gefordert, aber in dem Rcgierungsentwurf und in den Kommissionsbeschlüssen erblicken wir kerne Finanzreform, die diesen Namen verdient. Denn daß durch die Vorlage keine Balanzierung in Ausgaben und Einnahmen erreicht wird, hat der Schatzsekretär und soeben Herr von Richthofen zugegeben. Herr v. Richthofen deutete an, daß diese B e s ch l ü s s e der Schrittmacher zu etwas andrem sein sollten; was dieses andre ist, sagte er nicht. Wir wissen, daß das eine neue Belastung der Massen m dem Augenblicke sein wird, wo wir das Risiko der Matrikularbeiträge aufgeben. Darum können wir unter keinen Umständen zugeben, daß die Zölle aus den Ueberweisungssteuern herausgenommen werden und die damit eng zusammenhängende Gestaltung der Matrikularbeiträge aufgehoben wird. Diese Aenderung hat auch in der Kommission der Staatssekretär hauptsächlich mit der Rücksicht auf Klarheit und Durchsichtigkeit deS Etats begründet. Was, glaubt man wohl, gewinnt das Budget an Uebersichtlichkeit, wenn immer noch ziemlich erhebliche Beträge zwischen Reich und Einzel st aaten hin- und hergeschoben werden! Zudem verbleibt bei den Ueberweisungen eine Steuer, deren Reformbedürftigkeit Sie selbst jüngst in einer Resolution an- erkannt haben. Ueberhaupt wird die Schwierigkeit der Finanz- gebahrung im Haus und in der Presse absichtlich aufgebauscht. Diese kalkulatorische Arbeit des Hin- und Herschicbens von 690 bis 700 Millionen macht in der That nicht die mindesten Schwierig- leiten. Man will nur mit diesen angeblichen Schwierigkeiten die Notwendigkeit einer Finanzreform, wie sie hier gemacht wird, beweisen. Gerade jetzt nimmt man die Zölle ans den Ueberweisungssteuern heraus, wo wir über ihre Gestaltung noch gar nicht im Klaren sein können. Wir haben es ja stets bedauert, daß die Finanzen des Reiches auf so unsicherer Grundlage ruhen, wie es die Zölle sind. Wir sind gern bereit, eine wirkliche Reform mitzumachen. Aendern Sie materiell, wir werden Sie dabei nicht im Sttche lassen und dem Staatssekretär soll unsre Unterstützung nicht fehlen. nur als subsidiäre eine Zeit kommen, die wir künftighin Sie werden sie ganz Die Frage, die 1879 ganz Deutschland erregt hat, wird jetzt nur ganz beiläufig gestreist. Man tröstet sich damit, daß am kon- stitutionellen Recht des Reichstages nichts geändert werde, weil noch Ueberweisungssteuern bestehen bleiben. Dagegen ist zu bedenken, daß das Einnahmebewilligungsrecht kein formales, sondern ein materielles Recht ist und um so höher steht, je höhere Beträge be- willigt werden können. Wir sind uin so weniger bereit, das' wirk« same EinnahmebewilligungSrecht, das wir haben, aufzugeben. als die Möglichkeit eipes künftigen Konfliktes zwischen Reichs- tag und Regierung besteht. Sie gehen von der Anschauung aus. daß die Zusammensetzung des Reichstags in absehbarer Zeit dieselbe bleiben wird. Wir können diese Anschauung nicht teilen, sondern hoffen, daß sich die Zusammensetzung sehr wesentlich ändern wird, nnd dann ist die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit von Kon- flikten vorauszusehen. Wir können das konstitutionelle Recht des Reichstags um so weniger preisgeben in den jetzigen Zeiten des persönliche» Regiments, die uns sehr krttisch machen müssen. In den letzten Tagen sind Ausdrücke kon- statiert worden, die zeigen, daß wir sehr vorsichtig sein müssen; wenn man die Frage der Diätenbewilligung, der Vertagung des Reichstages an gewissen Stellen mit den Worten .Kerls" und„Bande" in Verbindung bringt, da hat der Reichstag das Recht und die Pflicht, feine Stellung aufs schärfste zu wahren. Wir dürfen uns auch nicht darüber täuschen, daß wir in diese Finanzkalamitäten nicht hineingeraten sind durch das natürliche Anwackssen der Reichsausgaben, sondern nur durch die Folgen dieses persönlichen Regiments. Nehmen Sie von diesem Etat das weg, was sich ungünstig gestaltet hat durch kolonialpolitische und das China-Abentcuer, ziehen Sie die 599 bis 690 Millionen ab, die in dem letzten Jahre in solchen überseeischen Abenteuern verpulvert worden sind, und Sie ständen nicht vor der Schwierigkeit, eine verfassungswidrige Zuschußanleihe zur Deckung des DeficitS belvilligen zu müssen. Vergegenwärtigen Sie sich diese unsinnigen Ausgaben einerseits,' die Gewährung von Liebesgaben an die Stipendiaten des Reichs andrerseits, dann werden Sie einsehen, daß das nur geändert werden kann, wenn das Recht des Reichstags voll gewahrt bleibt und er die Einzelstaaten die Verantwortlichkeit fühlen läßt, wenn sie am eignen Leibe spüren, wohin das führt. Deshalb lehnen wir den 8 1 in der Form der Regierungs- wie der Kommissionsvorlage ab. Es ist unmöglich, mit kalkulatorischen Maßnahmen die Zustände der Reichsfinanzen zu bessern.(Lebhafter Beifall bei den Socialdemo» xraten.) Abg. Fritzen(C.): Wir fahren mit Annahme dieser Vorlage nicht in den Hafen der Finanzreform ein. Im Gegenteil, sie erfüllt in wesentlichen Punkten dasjenige, was wir immer verfochten haben. Miquels Gedanke bestand darin, die ungedeckten Matrikularbeiträge aufzugeben oder wesentlich zu beschränken. Es sollte ein großer Strich zwischen Reichs- und einzelstaatlichen Finanzen gemacht tverden dergestalt, daß die Einzelstaaten stets gedeckt sein sollten vor den Anforderungen des Reiches. Diese Idee ist heute völlig verschwunden; die ungedeckten Mawikularbeiträge bleiben stehen; sie werden noch schärfer ausgedrückt, indenr sie nicht Mittel hingestellt werden. Es wird me wo die Ernzelstaaten die 299 Millionen, überweisen werden, für sich behalten können. oder teilweise zurückgeben, und wenn wir die jetzigen 699 Millionen belassen, so geben sie auch diese zurück. Der einzige Unterschied ist, daß nicht 6, sondern 299 Millionen hin und her geschoben werden. Das scheint uns eine Vereinfachung, und wir sttmmen deshalb den Kommiffionsbeschlüssen zu.(Bravo 1 im Centrum.) Abg. Dr. Sattler(natl.): Wir werden den Beschlüssen der Kommission zustimmen, um überhaupt etwas zu erreichen. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Meine Freunde haben schon in der ersten Lesung dem Gesetzentwurf, in dem wir allerdings nur den ersten Schritt einer Finnnzreform erblicken, z u g e st i m m t. Abg. Dr. Pachnicke(fts. Bg.): Man hat von einem Verzicht auf parlamentarische Rechte gesprochen, der in der Vorlage enthalten sei. Das wäre zutreffend, wenn es sich um die Regierungsvorlage und nicht um die Kommissionsbeschlüsse handeln würde. Durch die Ablehnung des Kerns der Vorlage des Herrn v. Stengel, des 8 3, ist diese Gefahr beseitigt.— Die Matrikularbeiträge wollen wir nicht beseitigt wissen. Die Einzelstaaten sollen es an ihrer eignen Kasse spüren, wenn im Reiche nicht sparsam gewirtschaftet wird. Ferner wäre eine Beseitigung der Matrikularbeiträge auch ein direkter Zwang zur Einführung neuer Steuern.(Sehr richtig I links.) Abg. Dr. W-lff(Wirtsch. Vg.) erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu der Vorlage. Damit schließt die Diskussion. 8 1 wird gegen die Sttmmen der Socialdemokraten und der freisinnigen Vereinigung angenommen. 8 2 bestimmt in der Kommissionsfassung: Art. 70 der Verfassung erhält folgende Fassung: Zur Besweitung aller gemeinschaftlichen Ausgaben dienen zu- nächst die aus den Zöllen und gemeinsamen Steuern und auS den Verwaltungszweigen fließenden gemeinschaftlichen Einnahmen. Insoweit die Ausgaben durch diese Einnahmen nicht gedeckt werden, sind sie durch Beiträge der einzelnen Bundesstaaten nach Maßgabe ihrer Bevölkerung aufzubringen. Insoweit diese Beiträge in den Ueberweisungen keine Deckung finden, sind sie den Bundesstaaten am Jahresschlüsse in dem Maße zu erstatten, als die übrigen ordentlichen Einnahmen des Reiches dessen Bedarf übersteigen. Etwaige Ueberschüsse aus den Vorjahren' dienen zur Deckung gemeinschaftlicher außerordentlicher Ausgaben. Frhr. v. Stengel: Der vorliegende Paragraph hat in der Kommission eine sehr wohlwollende Beurteilung gestmden. Er will die bisherigen Schwankungen im Ordinarium des Etats möglichst vermeiden und mit dem für jeden Finanzminister verderblichen Princip, dauernde Ausgaben auf zufällige Einnahmen zu stützen, ein für allemal brechen. Ferner macht er der irrationellcn Aerkoppelung zweier Wirtschaftsjahre im Ordinarium des Reiches ein Ende. Die Aenderung, die die Kommission an dem Paragraphen vorgenommen hat, sind nicht von solcher Bedeutung, daß die Regierung erhebliche Bedenken dagegen haben könnte. Abg. Richter(frs. Vp.): Wir haben gegen diesen Paragraphen noch schwerere Bedenken als gegen den 8 t- Der letzte Absatz ist ja eine Verbesserung des bisherigen Zustandes. aber sein Wert wird aufgehoben durch den letzten Satz des ersten Absatzes:„Insoweit die Matrikularbeiträge in den Ueberweisungen keine Deckung finden. sind sie den Bundesstaaten am Jahresschluß in dem Maße zu erstatten, als die übrigen ordentlichen Einnahmen des Reiches dessen Bedarf über- steigen." Dadurch wird gewissermaßen die erste Hypothek auf Ueberschüsse im Reiche den Einzel st aaten über« wiesen. Erst wenn diese befriedigt sind, können etwaige weitere Ueberschüsse zur Tilgung der Reichsschuld verwandt werden. Wenn anch die Einzelstaaten solche Ueberschüsse zur Tilgung ihrer Schulden verwenden würden, so ist doch die Tilgung der Reichsschulden wichtiger, als die der Landes« schulden. Diese Bestimmung läßt sich paralysieren dadurch, daß das Reich bemüht ist, keine Ueberschüsse zu erzielen, und wirkt so der Sparsamkeit im Reiche entgegen. Die ganze Bestimmimg ist auch einseitig parttkularistisch. Wenn die Matrikular- beitrüge den Ueberweisungssteuern von vornherein gleich sind und die Ueberweisungssteuern geben Mehrerträae, während der Etat mit einem Deficit abschließt, dann werden diese Mehrerwäge nicht dem Reiche zugeführt trotz des Deficits, sondern verbleiben den Einzel- staaten. Ich beantrage gesonderte Abstimmung über diesen Satz. Wird er angenommen, so könnm wir dem Paragraph«» nicht zu- stimme»,(Bravo i links.) SchatzselretLr Freiherr v. Stengel: Auf die Einfiihruug direkter Neichsfteuern will ich nicht näher eingehen /z Uhr. Vez'em für f rawew w. Mackeben der Hrlbdterhtassc. Montag, den 9. d. M., abends 8'/, Uhr. in den Armiuhallen, Kommandantenstraste 20: Vortrag des Schriftstellers Herrn Gerhard Hauptmann über: ,,Ver«tnndesknltnr und Crciniitsleben4'. 55/11 Gäste willkommen. Der Vorstand. Delegierten-Versammlung Montag, den 9. Mai, abends 8'/z Uhr, bei Herrn Kraumann, Nauuhnftraste 27. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenhelten. Den Kollegen zur Mitteilung, daß die Bibliothek jetzt Donnerstags von 8 bis'/jlO Uhr geöffnet ist in der Naunhnstr. 78 bei Herrn Franz Krüger. 141/11___ Der Achtung! Stukkateure! Achtung! Die Kollegen der Firma Oskar TSliele, Friedenau, werden hiermit ersucht, zu einer Werkstattbesprechung am Montagabend 6 Uhr zu �eUmsvkt, Grünstr. 21, zu kommen. Das Erscheinen aller dort Beschäftigten ist Ehrenpflicht. 173/9 Her Einbernfer. Arbeiter- Samapiter---G» Kolonne. Morgen, Montagabend 9 Uhr, beginnt ein«euer Kursus in der Filiale, Brunnenstr. 154. Der erste Vortrag lautet: Ueber Anatomie (Bau des menschlichen Körpers) mit Erklärungen an Bildern und Präpa- raten. Einschreibegeld sowie Monatsbeitrag 25 Pf. Gäste haben einmalig freien Zutritt. Bibliothek steht zur Verfügung. 261/4 Heute nachmittag- Ausflug nach Fmdvichsfeide. Spiele Im Schlosspark. Tresspunkt bei Bube, Prinzen«Allee Nr. 30. TC_ Bekanntmachung der Orts-Kranhtllhllsse für das Töpftrgelverbe zu Kertiu. Laut Verfügung des Herrn Oberpräsidenien der Provinz Brandenburg berechnen sich die Beiträge gemäß S 33 Absatz 4 des Kranken-Versichcrungs- Oesedes aus Antrag der Aufsichtsbehörde vom 23. Mai d. I. ab wie folgt: 0,81 M. wöchentlich für die I. Klasse 0.66„„„ ,. ü.„ 0,51„„.„IN.. 0.42..„... IV.. 0,33,„„„ V.„ Ferner wird das Krankengeld im Betrage der Hälfte deS durchschnitt« lichen Tagelohns unter Berechnung dreier Karenztage für jeden Arbeitstag einschließlich der aus einen solchen sollenden Festtage gewährt. 1147b_ Der Borftand. Brot- und Kuchen-Bäckerei Otto Schumann, Ackerjlr. 153. Taglieh tlreimal Irische Baekware. FrMek sende Irei ins Hans, Ca. 33'1» 1« billiger verlause bis MlttUwdj, 11. Mkl, Utf wieder eine Partie"VQ Stoffe zn Herren- and Knaben- I TuebnieiierlaneVeiDhergsweglla A. Storbeck. Sonntags geöffnet von 3—10 und 12-2 Uhr. 49992 Arbeiter-Sängerbund Berlins nnd Umgegend. Sonntag, den 15. sVlai, vorm. u Uhr, in der Brauerei fnednehöhain: Uebiing�-�timtle. Lieder:„Stolz und kühn".„Herbstseier"..Zukunstsblüten".„Liedeslust". � Pünktlich und vollzählig erscheinen k BuudcSkarte legitimiert. Im Kcbensaale vormittags priiclse 10 WM- Ausschnss- Sitzung."HC TageS-Äduungi 1. Ausnahme von Vereinen. 2. BundeSangelegenheiten. 18/5 KB. Die Vereine werden ersucht, bis zur AuSschußsitzung ihre Uebungsiokale bei G.«chonlhal, Anuen- straße 10, anzuzeigen, wegen Aufstellung emeS neuen Vereinslalenders. Der Borstan». Soeialdemokratiseher fahlverein für den 4. Berl. Reiehstags-Wahlkreis(Ost), Dienstag, den 10, Mai, abends 8V2 Uhr: WR� Versammlunx in der Ziünigslisnk. Trosse 7rsnkfurterstr. 117. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedeues. 243/5« Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Am Donnerstag, den 12. Mai 1904(Himmelfahrt): Herpenpartie nach den Plchels- bergcn nnd Schildhorn. Treffpunkt morgens 7 Uhr, in den Lokalen von Golz, Madaistr. 6 und Felsmann, Madaistr. 11. Abmarsch von Bahnhof Grunewald morgens 8'/, Uhr. Treffpunkt sür Nachzügler in Pichelswerder beim„Alten Freund". _ Um rege Beteiligung ersucht__ Der Vorstand. Mitling! VI. Wahlkreis! ZW" Vienstsg, den 10. Jfiai, abends Lv- Uhr: Zwei öffentliche Versammlungen Fils® den 32n ICommunal-WahBbezirk Im Saale des Herrn Hensel, Invalidcnstrasse 1 a. TageS-Ordnung: 1� Vortrag des Reichstags-Wgeordneten Genossen über:„Das Gerichtsurteil gegen den Genossen Karl Feld nnd die Kkdeutnng der Ktmahl im 32. Koinmuual-Uahlbessrk�. 2. Fr-i- Diskussion. 247/5. Fun den 49. gCosinmunaB»Wahlbezir>k ■ im Saale des Herrn Meyer, Boyenstrasse 18.———• Tagesordnung: 1. Vortrag dcS Stadtverordneten Genossen über: �JEHf Zünden des Freisinns in der Ztadtoermaltiing". s, Fr°i- Diskussion. Um zahlreichen Besuch bittet Da«««cialdemahratl.che IVahlheinltee. Biliauer des Osten Berlins! Montag, den 9. Mai, abends 8 NHr, bei Habrecht, Gr. Frankfurterstr. SO: HP Oeffenftliche Versammlung. HI TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Kollegen Bethhe über: Was können die Bildhauer des Ostens zur Verbesserung ihrer beruflichen Verhältnisse thun? 3. Verschiedenes. 20/18 Unbedingtes Erscheinen eines jeden Kollegen, ob Stein-, Gips- oder Holzbildhauer, ob organisiert oder nicht organisiert, erwartet in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung Der Finberufer. Central-Verband der Haurer Dentsetdands. Zweigverein Berlin. =r Sektion der Gips- und Ccmentbranchc.- Montag, den 9. Mai 1994, abends 8% Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15 (großer Saal): General- Mitglieder- Vers ammlnnq der Gruppen der Rabitzputzer, Rabitzspanner, Eementierer und Hilfsarbeiter. Tages-Ordnung: 1..Das Ergebnis der letzten Bauten-Koutrolle«. Neserent: W. Frltzsch. 2. Abrechnung vom I. Quartal 1904. 3. Bericht von der letzten Baukonferenz. 4. Ausgestaltung unsres Bureaus, eventuell Wahl eines zweiten Angestellten. 143/7 Die Wichtigkeit der Tages-Ordnung ersordert das Erscheinen aller Atitglieder. Der Torstand. Verband der Sattler. Ortsverwaltnng Berlin. Achtung! Militär-Sattler Berlins! Achtung! Oeffenttiebe Versammlung Mittwoch, den 11. Mai, abends S1/« Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- User 13, Saal 1. Tages-Ordnung: i. Unsre neuen Tarif-Vorschläge» die Antworten der Herren Fabrikanten und unsre weitere Stellungnahme dazu. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! Seit langem sind wir bemüht, die in der That in jeder Beziehung elenden und unhaltbaren Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Militär-Effekten- Branche zu bessern. Tie für den Staat bestimmten Militär-Ausrüstungsgegenstände werden zu Preisen angefertigt, die jeglicher Beschreibung spotten. Wir haben, um eine Besserung der Verhältnisse herbei zu führe», um einen einigermasten menschen- würdigen Lohn erzielen zu können, den Herren Militär-Effekten-Fabrikanten einen durchaus bescheidenen Tarif unterbreitet. Es handelt sich in dieser Versammlung darum, die Antworten der Herren Fabrikanten auf unsre bescheidenen Wünsche entgegen zu nehmen, um danach unsre weitere Stellungnahme einzurichten. Kollegen! Es ist einfach Ehrenpflicht eines jeden Militär-Sattlers, in dieser Versammlung an- wesend zu sein. 15K/1S Ble Branchen-Leitung. Centrat-Kranken- n. Sterbe» Kasse der Tischler etc. (E. H. Nr. 3, Hamburg.) Filiale Berlin«. Montag, 9. Mai, abends 8 Uhr, in Liechs Festjälcn, Fruchtsir. 36 a: iglielr-Mmmlig. TageS-Ordnung: I. Kassenbericht vom 1. Quartal 1904. S. Regelung der Gehälter sür das nächste Verivalwngsjahr. 3. Ver- schicdene Kasscnangelegenheiten. Die Sprechstunden des Bevollmächtigten und Kassierers fallen an diesem Abend aus.— Beiträge werden in der Versammlung vom Kassierer entgegengenommen. Um recht zahlreiches u. pünktliches Erscheinen ersucht 2576 Die Ortsverwallung. AM" Mitgliedsbuch legitimiert. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3353. Dienstag, den 10. Mai, abends 8'l, Uhr, im Lokale von Richter, Grost-Lichterfelde, Chauffeeftraste 104: Keiirks-Uersammlung für Steglitz und Umgebung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Max Schütte über:.Der Krieg und seine Lehren". 2. VerbandSangelegeiiheite» und Verschiedenes. Ä5Vcrtss»«<* t Da bis heute der„Vorwärts- einen Bericht unsrer * Generalversammlung nicht gebracht hat, bringen wir aus diesem Wege den Aussall der Wahl unser» Kollegen zur KennwiS: Nachdem die Generalversammlung fast einstimmig die An- hatte, wurde» gewählt die stellung von zwei Beamten beschloffe» Kollegen Waschlck und WUcke. OeffenfL Versammlung r sämfliehe in Berlin arbeitende n. nach Berlin verzogene Wähler« Frankturt-Lebus Montag, O. Mai, abends 8 Uhr, bei Stecherl,„Undreas- Testsäle", Andreasstr.£1. Tages-Ordnung: 1. Die politische 5llge und die KeichstllgglWht in Ifbno am 13. Mai. Referent: Reichstags-Abgeordneter �duaird �GkNIt�iZF» 2. Ansprache des Kandidaten Dr. M&lliriCtl Bl*atll1o 3. Diskussion. 11826 Pflicht jedes Wählers aus Fraulfurt-Lebus ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen; Agitiere und werbe jeder für maffenhaftcn Besuch.__ Der Einl,er«fer. tnr m 116/5 Die Ortsverwaltnng. Bureau: SO., Engel-User 15.— Fernsprecher: IV, 3578. Montag, den 9. Mai 1904, abends 8'/- Uhr: Bezirks-Versammlungen: Veaten und Süd-Westen:'"ÄÄ-!?.6'' Tagesordnung: 1. Vortrag des Arbeitcrsclretärs G. I-lnk über: „TaS UnfallversicherungS- Gesetz und seine Berufung für die Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Verbands-Angelegenheiteil und Verschiedenes. AtzM Auch Nichtmitglicdcr und Frauen lmbcu Zutritt. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Weddlng und Gesundbrunnen: Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen A. Stripp '",------ 3. Wo' leiters. 4. Vcrbands-Angelegenheitcn. Anzengrnber-, mit Rccitatton. 2. Diskussion. 3. Wahl bei Herrn Raahc, Kolbergerstr. 23 über:-Si Rosentbaler und Schönhauser Torstadt: bei Wernan, Schwedterstr. 23/24. Tagesordnung: 1. Vortrag des Asrika-Rcisenden.Herrn Oarl Heitmann über:„Meine lOjährigcn Reisen iu Afrika-. Unter Vor- sührung von grosien Lichtbildern. 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegen- Helten. 4. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Stock- und Gellulold-Hrbeltcr. Montag, den 9. Mai 1904, abcndS 81/« Uhr: Kominissions- t�itznng __ bei Barcinz, Bruckenstrasie 7. Verein deutscher Schuhmacher. Bureau letzt Wastmannstr. 32 A, Hof Part. Uontag, 9. Mai, abends 8'/, Uhr, in den Rasidanr-Sälan, Landsbergerstr. 31: Versammlung aller In mechanischen u. Filzschuhfabriken beschätt. Personen. TageS-Ordnung: 1. Bericht vom Heimarbeiterschutz- Kongreß. 2. Das Uebcrstunden- unwesen. 3. Verschiedenes. 170/2_ Die Ortuverwaltnng. Steinbildhauer! Montag, den 9. d. M., abends 7 Uhr(gleich nach Feierabend), im Gcwerkschaftshanse, Engel-fiter RS(Saal V): ßeffentl SteinMIdhauer- Versammlnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Lobnkommission. 2. Diskussion. 20/19 gy Das Erscheinen eines jeden Kollegen ist unbedingt erforderlich. Der Einberufer. Verband der an Hnlzbearbeitungs- Maschinen beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, de» 9. Mai 1904, adcndS S'/a Uhr: Mitglieder Uersammlung im Gewcrkschaftshause, Engel-Ufer 15„ Saal L TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen llugon Brüesinor über: Gewerkschafts- bcwegung einst und jetzt. 2. Diskussion. 3. Mitteilungen und GewerkschastlicheS. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen aller Kollegen erwartet 75/12 Bcr Vorstand. Sehöneberg. Soeialdemokratiseher Wahlverein. Dienstag, den 10. Mai, abends 8'/. Uhr, im Obstschen Saale, Meiningerstr. 8: Vereins-V epsammlungi TageS-Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über:„Krankenkasse» und Aerzte- ftreiks». 2. Vereinsangelegenheiten. Gäste— auch Frauen— haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aus- genommen. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein 15/14 Her Vorstand. Ktems K�pitaiisten machen gr.linzcndc». Geschürt, weT,n s;e baurnifo Baustellen nah i Bahnhof in ivostl. Vorortkolr,nie erwerben. Grosso Zukunft infolge umfangreicher, unmittq."(baj- bevorstehender, staatlicher Anlage, welche mit regem V erkehr grossen Aufschwung gewährleistet. Offerten K. 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T aghemden Cl�SÄuch 2.40, Beinkleider Säend 2.75 mk. Taghemden mit handgestickten Madeira-Passen 2.50, 3 Mh- Nachljacken Renrore« m» spitz« 1.60 i Barchent-Röcke lane-n.-rt 1.65 Nachijacken S'ÄÄ 1.90,2.45 Barchent-Röcke �„«i 2.15. 2.70 Weisse Röcke�ä.!�er,4, 6.75,8.50 1 Renforce-Röcke m« suck«r.i 2.20 Bettwäsche Deckbettbezüge»-md«ntu-k 3.25 Mk. Kissenbezüge Hemd«ntucb 00 pr. Deckbettbezüge Louiziai>atucb3.85 Mk. Kissenbezüge Louisianatueb; 1.15 Mk. Deckbettbezüge 5.65 Mk. Kissenbezüge �|i,n,genäh,en 1.60 Mk. Überlaken iS�a,uespsÄnBosen 4Mk. Damast-Garnitur 6.75 Dowlas-Bettlaken 1.80, 2, 2.35 lastag UiMacd soweit der Vorrat reicht: oo Damenhöte Matrosen hut mit Sammetband garniert 65 Pf. B retonn ef o r m giÄITnd�miert 1.45 � Matrosen hut lÄÄ 2 � Mädchenhut mod�gemÄ�a�"� 3.50 m. Bretonneform E,ändd,0uknedmAÄammet-4 Schottisch. Matrosenhut undSÄW W. Waschstoffe Bulgarenstoffe ca. 70 cm breit Mtr. 30 Pf. Gestreift Zephyr Mtr.35, 50pf. Waschstoffe weiss, durchbrochen� 45 SO 85 Pf. 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EntrüstungZkomLdie.— Der Rhein-Leine-Kanal und die Bedenken der Agrarkonservativen.— Kanalbau und Leutenot.— Die konservative Sorge um den Eisenbahnfiskus.— Herrn Buddes Kamps gegen Windmühlen.— Eisenbahntaris-Politik.— Kompensationen für den Osten. Der Börsendebatte im Reichstage ist alsbald im Abgeordneten� Hause die Diskussion der Kanalvorlage gefolgt: ein hübsches Seiten stück zu der Komödie, die in der Entrüstung ihres durch die Börsen svekulation in seinen heiligsten Empfindungen verletzten Gemüts die Agrarier voriger Woche unter der Regie Kanitz-Kardorff im Reichstag aufführten. Wie bei der Börsengesetzreform handelt es sich auch bei der Kanaldebatte im preußischen Abgeordnetenhaus um nichts andres, als um den Gegensatz rein materieller Interessen verschiedener Wirtschastsgruppen; gestritten wird aber wiederum mit denselben Brusttönen zärtlichster Besorgtheit um des Vater- landeZ Wohl, wie bei der Börsengesetz-Debatte im Reichstage. nur daß infolge der stärkeren Vertretung des ostelbischen Feudalismus im Landratsparlament der Prinz Albrechtstraße die gespreizte Standeswürde noch um einige Grade stärker zur Geltung kommt. Zu der Bemerkung des letzten Wochenberichts, daß eS sich bei der Börsengesetz-Reform im Grunde genommen um nichts andres handele als um einen bloßen internen Profit- und Machtstreit zwischen dem feudalen Agrar- und dem modernen Finanz- und Handelskapital, hat nachträglich die am Mittwoch slattgefundene Verhandlung über die Totalisatorfrage noch einige hübsche Belege geliefert. Dieselben Herren, die in sittlicher Aufwallung über- schäumten über die Frivolität deS Differenzspiels und seine Auf- stachelung der Spielleidenschaft, fanden absolut nichts Ver- fängliches in den hohen Rennwetten und in dem Einfluß der Rennveranstaltungen mit ihrer internattonalen Gefolgschaft von Buchmachern. Hochstaplern, leichtlebigen Sports- leuten, Demimondainen und Zuhältern auf die vielgepriesene Volkssittlichkeit. Während einsichtige Engländer die verheerende Wirkung der Pferderennen mit ihrer Entfachnng der Wettleidenschaft auf die Sittlichkeit der mittleren und unteren englischen Volks- schichten rückhaltlos zugeben und offen erklären, daß die Schilderungen von George Moore in seiner„Esther WaterS" hinter der Wirklichkeit noch weit zurückbleiben, pries Herr von Podbielski als Vertreter des notleidenden Agrarismus und seiner Ethik die Konsolidatton des Wettmarktes durch den Totalisator und die sittlichen Stimulationen deS Pariser Grand Prix auf die Volksseele. Noch mehr aber als seine Wett-Asthettk enthüllen die Vorschläge der konservativen Vertreter in der Börsengesetz-Kommission die Motive der konservativen Enttüstung. Hatte Herr v. Äardorff als Interpret freikonservativer Moralbegriffe bereits vorher in, Reichstage erklärt, daß er gegen den Getreideterminhandel sei, weil dieser verhindere, daß auf dem Berliner Getteidemarkt sich die Preise so hoch stellten, daß sie dem Weltmarktpreis pluS Zoll entsprächen, so gestand vorgestern Graf v. Schwerin-Löwitz in der Kommission ein, daß er gegen Differenzgeschäfte zwischen den Getreideproduzenten, d. h. den Großgrundbesitzern und Verbrauchern(Mühlenbesitzern zc.) nichts einzuwenden habe. Verwerflich wird nach seinen Sittlichkeits- begriffen das Spiel erst dann, wenn es von Gctreidehändlern be- trieben wird. Genau denselben Charakter hat die Kanaldebatte im Ab- geordnetenhause. Auch hier handelt es sich um nichts andres, als um den Jnteressenstreit zweier verschiedener Wirtschaftskomplexe. Wollten die Agrarier ehrlich sein, müßten sie erklären:„Der Rhein- Leine-Kanal fördert die Interessen der westlichen Jndustriereviere, und da diese wirtschaftliche Förderung auch bis zu einem gewissen Grade die polittsche Bedeutung jener Gegenden hebt, also die relative Bedeutung der östlichen landwirtschaftlichen Gebiete vermindert, so wollen wir von ihm nichts wissen. Wir sind nur für solche Kanäle, die unsren landwirffchastlichen Absatz nach den konsumfähigen öst- lichen Städten erleichtern und doch nicht oder möglichst wenig das Eindringen der Großindustrie in unsre polittschen Domänen erleichtern; denn erstens steigt durch den Arbeiterbedarf der Industrie die Nach- frage nach Arbeitern und damit das Arbeitslohnniveau, zweitens aber ist die industrielle Arbeiterschaft den socialdemokrattschen Wer- bungen zugänglicher, als die auf unsren Gütern ansässige Land- arbeiterbevölkermlg." Es ist vor einiger Zeit viel bespöttelt worden, daß Graf Kanitz als eine der Kompensationen für den Bau des Rhein-Elbc-Kanals die Wiedereinbringnng der sogenannten Zuchthausvorlaae gefordert hat. Das Verlangen wurde von einem Teil der Presse als bloße Remonstration gegen die Kanalvorlage hingestellt; thatsächlich aber enthüllte der Stratege von Podangen mit jener Forderung nur vor- eilig eine Auffassung, die überall auf der Rechten zu finden ist und während der letzttägigen Kanaldebatte auch vom Grafen v. Limburg-Stirum mit den Worten verkündet wurde: „Ich komme zu der wesentlichsten Frage, das ist die Ver- schiebung der wirtschaftlichen Lage. Es wird in den Motiven so dargestellt, als ob die Decentralisation der Industrie quasi ein andres Gepräge aufdrücken würde. Ich meine, die Verhältnisse der Großindustrie würden dadurch nur in ländliche Bezirke hinein- getragen werden, wo sie bisher nicht waren. Es wird gesagt, die Industrie würde weit billigere Arbeitskräfte bekommen. Ja, das würde sie wohl, aber die Löhne würden sich gegen- über den jetzigen Verhältnissen trotzdem steigern und die Nachfrage nach Arbeitern würde viel größer werden und die Arbeiter, welche einmal von der Landwirtschaft weggegangen sind, würden nie mehr für sie arbeiten.(Sehr richtig! rechts.) Mt der Motivierung, daß man die geforderten westlichen Kanalanlagen nicht will, weil dadurch die wirtschaftliche und politische Machtstellung des Großgrundbesitzes in seinem Verhältnis zur In- dustrie beeinträchtigt wird, läßt sich jedoch die Ablehnung nicht be- gründen, besonders nicht gegenüber den gewerblichen Schichten der Klein- und Mittelstädte des Ostens und außerdem gebietet die Rücksicht auf die parlamentarische Wohlanständigkeit einen gewissen idealen Auf- putz. Solchen Anforderungen mußte Rechnung getragen werden, und so hat denn das Junkertum evangelischen und katholischen Bekenntnisses zwei.vaterländische' Bedenken entdeckt, die es zwingen— natürlich nur vorläufig, so lange als diese Bedenken nicht durch einige materielle Zugeständnisse an die Interessen der Agrarier zerstört werden— den Rhein-Hannover-Kanal abzulehnen: nämlich erstens die Schädigung deS preußischen Eisenbahnfiskus infolge der Per- Minderung der jetzigen Eisenbahnfrachten, und zweiteus die Schädi- gung der Staatsfinanzen durch den jährlichen staatlichen Zuschuß zu den Unterhalttlngskosten d-S Kanals. Zwei recht plausible Gründe, zumal wenn man in Betrocht zieht, wie außerordentlich freigebig die Herren sein können, wenn eS sich um den Bau landwirtschaftlicher Bahnen im dunklen Osten bandelt. Wird dann nachgewiesen, daß jene Bahnen sich nicht rcntteren, so haben die Herren stets den Einwand zur Hand, daß eine nur nach fiskalischen Gesichtspunkten geleitete Eisenbahnpolitik total verkehrt sei. nicht nur das fiskalische, sondern nicht minder das tvirt- schastliche Interesse der von der geplanten Bahn durchzogenen Gebiete müsse berücksichtigt werden. Noch komischer aber erscheint daS Bedenken gegen die jährlichen staatlichen Aufwendungen für den Kanal. Nach der Denkschrift wird sich der jährliche Staatsbeitrag zu den Kosten des Rhein-Hannover- Kanals auf ungefähr 4>/z Millionen Mark belaufen. Selbst wenn diese Summe nicht ganz"ausreichen sollte, kommt sie im Vergleich zu den unproduktiven Ausgaben für allerlei überflüssigen militärischen Firleftii-z, die stets ohne irgendivelche Rücksichtnahme auf die Finanz- läge widerspruchslos von den Agrariern bewilligt werden, kaum in Betracht. Es sind reine Verlegenheitsmotibe, mit denen die Herren operieren. Um so selffamer nahm sich aus, als bei der Eröffnung der Debatte am Dienstag der nengeadelte Minister der öffentlichen Arbeiten als Epigone des Don Ouixote in einer ellenlangen Rede die Besorgtheit der Agrarkonservativen um die Ueberschüsse des Eisenbahnfiskus mit langen Auseinandersetzungen über die Eisenbahn- entwicklung und den Nachweis, daß die Eisenbahnerttäge durch den geplanten'Wasserstraßenausbau nicht beeinttächtigt tvürden, zu zer- streuen suchte. Allerdings, was sollte er in seiner Stellung sonst noch machen? Den Herren von der Rechten und dem Centrum zu erklären, daß sie ihre Gründe selbst nicht für begründet halten, wäre bei der Machtstellung des konservativ- klerikalen Großgrundbesitzes im Abgevrdnetenhause gefährlich. Im Gegenteil, es mutz auf diese Machtstellung, die sich bei den früheren Verhandlungen über die Kanalvorlage dem Ministerium so fühlbar ad oculos demonstriert hat, pflichtschuldigst Rücksicht genommen werden, und so redete denn Herr v. Budde stundenlang gegen Gründe, die niemand ernst nimmt. Nicht gerade eine beneidenswerte Aufgabe. Gewisse Befürchtungen haben allerdings thatsächlich die Agrarier hinsichtlich des Einflnsies der Wasserstraßen auf die Eisenbahn- Politik, nur sind diese Befürchtungen andrer Natur als jene, die sie öffentlich geltend machen. Erstlich fürchten sie, daß durch die Kanalbanten ihr bisheriger Einfluß auf die Eisenbahntarif-Politik ver- mindert werden könnte; und zweitens, daß die Eisenbahnverwaltung sich später vielleicht zur Verbilligung der Frachtsätze für aus dem Ausland eingeführte Bodenprodukte drängen lassen könnte. Der Centrums- redner Dr. am Zehnhoff, der ttotz aller rabulistischen Begabung doch an einigen Stellen seiner Rede etwas zu deutlich wurde, gestand dies offen mit den Worten zu: „Die Transportkostenfrage ist in der That die Seele der Großindustrie, und diese Seele wird durch den Gesetzentwurf wesentlich gestärkt werden. Die Stärkung erstreckt sich natürlich nur auf diejenigen Industrien, die an den zu errichtenden Wasser- straßen liegen oder die dort ihre Abnehmer haben. Es ist deshalb mit Sicherheit zu erwarten, daß diejenigen Industrien, die nicht diese günstige Lage haben, alsbald herankommen und sagen werden: wenn der in der Kanalvorlage proklamierte Grundsatz, daß der In- dustrie durch Verbilligung der Frachten geholfen werden müsse, richttg ist,, dann ist auch recht und billig, daß dieser Grundsatz da, wo er durch die Anlage von Kanälen nicht verwirklicht werden kann, verwirklicht werden muß durch Eisenbahn-Tarifermäßigungen, (Sehr richttg I rechts.) Die Regierung wird sehr stark seinmüssen, wenn sie dem Drängen auf Tarifermäßiguna, das von allen Seiten an sie herantreten wird, widerstehen will.(Sehr richttg I rechts.) Durch die Verbilligung des Transports wird nun aber auch die Einfuhr ausländischen Getteides gefördert werden. Es ist deshalb im Interesse der inländischen Landwirtschaft mit aller Entschiedenheit zu verlangen, daß sie gegen das Eindringen ausländiichcn Ge- tteides durch entsprechende Schutzmaßnahmen gesichert wird.(Leb- hafte Zustimmung rechts.) Es muß verlangt werden, daß endlich ernst damit gemacht wird, daß ent- weder durch den Abschluß von der Landwirtschaft günstigen Handelsverträgen oder durch die Auf- kündigung ungünstiger Handelsverträge die Lage der Landwirtschaft gebessert wird.(Leb- haster Beifall rechts.)" Werden deshalb den Herren aus den Ostprovinzen die von ihnen gewünschten Kompensationen bewilligt, so werden sich nicht nur bald ihre Beftirchtungen über die Tarifpolitik vermindern, sondern auch ihre zärtliche Besorgthcit um den Eiscnbahnfiskus. Daß sie durch entsprechende materielle Entschädigungen sich von ihren patriotischen Bedenken bekehren lasten möchten, haben sämtliche Redner der Rechten und des Zentrums bereits angekündigt. Meinte doch z. B. Herr am Zehnhoff: „Daher können die fchlesischen Abgeordneten den Groß- schiffahrtsweg nur bewilligen, wenn Schlesien ausreichende Kompensationen erhält.(Heiterkeit.) Schlesien verlangt eine ausreichende Regulierung der Oder bis nach Fürstenberg, so daß der niedrigste Wasserstand dort 1,4 Meter beträgt, oder wenn nicht das, so eine Ermäßigung der Eiscnbahnftacht bis Berlin, so daß eine Frachtenparität für die schlesische Kohle gegenüber der englischen geschaffen wird. Und noch deutlicher wurde Herr Dr. Rewoldt von den Frei- konservativen: „Man darf aber die Bedenken Schlesiens gegen den Groß- schiffahrtsweg Bcrlin-Stetttn auch nicht außer acht lasten und wird dieser Provinz einen Ausgleich durch Tarifermäßi- gungen gewähren müssen. Wenn das geschieht, dann ist die beste Aussicht vorhanden, daß bezüglich dieses Kanals auch in unsrer Fraktion eine Verständigung herbeigeführt werden wird. Der gute Wille, zu einer Ver st ändigung zu ge- langen, ist bei uns überhaupt Vorhände n." Die Neigung zur Bekehrung ist also da; es kommt nur auf den Preis an. Allzuwenig darf es nicht sein, was die Regierung bietet; denn kleinen„Gründen" sind die agrarischen Ueberzeugungen er- fahrungsgemäß nicht zugänglich. Tat. BerUner partd-Hnge!ec|enbciten. Die Wahlvereine sämtlicher Berliner Wahlkreise halten am Mittwoch, den 4t. Mai in den bekannten Lokalen ihre Zahlabende ab. Zur Lokal-Liste. In folgenden Ortschaften stehen der Arbeiterschaft nachstehende Lokale zu Versammlungen zc. zur Ver- fügung: Wanusre. Restaurant„Wirtshaus Wannsce", Jnh. Otto Rehmer, Königstr. 24. Wilhelmsruh bei Spandau. Restaurant Kieker. Papenberge bei Heiligensee. Restaurant Emil Lemke. Charlotten- l»irg. Sämtliche Lokale am Spandauer SchiffahrtS-Kanal sind als frei zu bezeichnen. Nachstehende Lokale stehen der Arbeiterschaft zu V e r s a m m- l u n g e n nicht mehr zur Verfügung, sind daher von der Lokal-Liste von,'17. April zu streichen: Franz. Bnchholz.„Park- Restaurant" von Sick, früher Lambeck. Zeuthen. Restaurant„Zeuthener See", Inhaber Künzel; Restaurant zur„Dorf-Aue". Ww. Barnack. Die Lokal-Kommission.V! Der Wahlvcrei» für den vierten RcichötagS-Wahlkreis(Oft) hält am Dienstagabend 8>/z Uhr in der K ö n i g s b a n k, Große Frank- furtcrstraße 117, eine V e r s am m l u n g ab, in der Vortrag und Diskussion auf Tagesordnung steht. Am Donnerstag wird eine Herrenpartie nach Pichelswerder und Schildhorn unternommen. Treffpunkt früh 7 Uhr bei Golz, Madaistt. 6, und Felsmann, Akadai- straße 11. Abmarsch vom Bahnhof Grunewald morgens 8'/, Uhr. Treffpunkt für Nachzügler beim alten Freund in Pichelswerder. Vierter Wahlkreis, Südost. Den Parteigenossen zur Kenntnis- nähme, daß am Donnerstag(Himmelfahrt) vom Wahlverein eine F u tz p a r t i e nach Hundekehle. Jagdschloß Grunewald, Krumme Lanke usw. unternommen wird. Die Abfahrt beginnt morgens 7 Uhr vom Schlesischen Bahnhof bis Statton Grunewald. Station Grüne- wald ist endgülttger Sammelpunkt und erfolgt von dort der Abmarsch rm 8Vz Uhr. Rege Beteiligung ist erwünscht. Achtung! Sechster Wahlkreis! Am Somttag früh 8 Uhr findet im 82. und 40. Kommnnal-Wahlbezirk eine F l u g b l a tt- V er- breitung statt und ersuchen wir die Genossen, sich möglichst zahl- reich daran zu beteiligen. Die Genosten der Rosenthaler Vorstadt und vom Gesundbrunnen treffen sich in den ihnen bekannten Lokalen. der Oranienburger Vorstadt im Lokale von Fritz Zietz, Pflngstr. 6, des Weddings bei Krause, Mftllerstt. 7 b Sechster Wahlkreis. Dienstag, den 10. Mai, abends 8% Uhr. finden 2 öffentliche Versammlungen statt. Bei Hensek, Invaliden- straße 1a, spricht Genosse Stadthagen und bei Meyer, Boyenstr. 12, Genosse Heimann. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Das socialdemokratische Wahlkomitee. Eine polnische Volksversammlung findet am heutigen Sonntag, nachmittags 2 Uhr im Volkshaus zu Charlottenburg. Rosinen- straße 3 statt. Tagesordnung: 1.„Die polnischen Auswanderer und deren Aufgaben." 2. Die Notwendigkeit der polnischen Organisation. 3. Diskussion. Die zahlreichen Arbeiter werden gebeten, zahlreich zu erscheinen. Der Einberufer. Die in Berlin arbeitenden Wähler aus dem Wahlkreise Frank- furt-Lebus und die aus diesem Wahlkreise nach Berlin ver- zogenen Wähler werden darauf aufmerksam gemacht, daß morgen, Montagabend 8 Uhr in den Andreas-Festsälen, Andreas- straße 21, eine Volksversammlung stattfindet, in der Reichs- tags-Abgeordneter Genosse Ed. B e r n st e i n über die polittsche Lage und die W a h l in Frankstirt-Lebus referieren wird. Außerdem wird der Reichstags-Kandidat dieses Wahlkreises, Genosse Dr. Heinrich Braun eine Ansprache halten. Zahlreiches Erscheinen wird er- wartet. Achtung, Arbeitcr-Radfahrer! Alle Sportsgenossen, welche bereit sind, bei der Wahlarbeit im Kreise Franksurt-Lebus am Donnerstag, den 12.(Himmelfahrtstag), und Freitag, den 13. d. M.(Wahltag), zu helfen, wollen sich zur weiteren Besprechung und Einteilung am Dienstag, den 10. d. M., abends S'/a Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, einfinden. Ganz besonders ersuche ich die arbeitslosen sowie diejenigen Genossen, welche am Wahltage Zeit haben, sich vollzählig zur Verfügung zu stellen. Der Vertrauensmann der Arbeiter-Radsahrer der Provinz Brandenburg. Johannisthal. In der Wahlvfereius-Versammlung. die am Dienstag bei Krause, Friedrichstr. 1, abgehalten wird, spricht Reichstags-Abgeordneter Sindermann über Fragen des poli- ttschen Kampfes. Weiter diene den Genossen zur Nachricht, daß die am Donnerstag verstorbene Parteigenossin Frau Ebel in Rudow Sonntagnachmittag 3 Uhr beerdigt wird. Treffpunkt 2Va Uhr bri Reime in Nudow. Mariendorf und Umgegend. Dienstagabend 8 Uhr ist im Lokale von Hermann Reichardt, Chausseestr. 10, die W a h l v e r e i n S- Versammlung. RcichStags-Abgeordneter Fritz Z u b e i l spricht über die Werbekraft des Socialismus. Die Bibliothek ist eine Stunde vor Beginn der Versammlung geöffnet. Paukow-Niederschönhausen. An Stelle der Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 10. d. M., abend 8l/s Uhr eine öffentliche Versammlung bei Roczycki, Pankow, Kreuz- straße 3/4 statt. Tagesordnung: Vorttag � des Genossen M a s s i n i- Berlin:„Wie berücksichtigt die Gemeinde bei Vergebung ihrer Arbeiten die Forderungen der Arbeiter?" Diskussion. Verschiedenes. Die Genossen wollen für zahlreichen Besuch der Versammlung Sorge tragen. Rauchfangwerder. Am Sonntag, den IS. Mai, nachmittags 4 Uhr. findet im Lokal von Rutkowski eine Versammlung für Männer und Frauen statt. DaS Referat hat Genosse Zubeil übernommen. Die in der Umgegend wohnenden Genossen werden ersucht, für regen Besuch zu agitieren. Schöncbcrg. Die nächste Versammlung des Wahlvereins findet diesmal ausnahmsweise schon am Dienstag, den 10. Mai statt. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Diskussion über Krankenkassen und AerztestreikS. — Am Himmelfahrtstage veranstaltet der Wahlverein eine Herrenpartte nach Pichelswerder und von dort nach Restaurant„Sanssouci" in Schmargendorf. Abfahrt vom Bahnhof Ebersstraße. Treffpunkt 7a/t Uhr. Schmargendorf. Die nächste Versammlung des Wahlvereins findet am Dienstagabend 8l/3 Uhr bei Loeuhardt,„Wirtshaus Schmargendorf" statt. Genosse Stiibling spricht über die Frage: „Warum bleiben den politischen Organisationen jene Genossen fern, die selbst bei nichtöffentlichen Wahlen dem socialdemokrattschen Kandidaten ihre Stimme geben?" Zahlreicher Besuch wird erwartet. Gäste willkommen._ Lokalem Bon den Beziehungen zwischen Schule lind Familie. Die Schule vermag ohne die Familie wenig oder nichts. Wir haben diese Weisheit oft in der pädagogischen Fachpresse gelesen, oft aus dem Munde von Lehrern gehört. Aber gerade von feiten der Schule wird nur selten der Versuch gemacht, Beziehungen zur Familie anzubahnen und zu pflegen und sich ihre Teilnahme und Mithilfe zu sichem. Es ist erschreckend, wie fremd in Berlin Schule und Familie einander gegenüberstehe«. Es kann einem passieren, daß man acht Jahre hindurch sein Kind in ein und die- selbe Schule schickt und daß vom Rektor oder den Lehrern in dieser ganzen Zeit nicht ein einziges Mal eine Annäherung verflicht wird. Müßten nicht alle Halbjahre die Censuren unterschrieben werden, so könnte man auf den Gedanken kommen, daß die Schule die Eltern als gar nicht vorhanden betrachtet. Ebenso und oft noch schlimmer stellen sich die Eltern zur Schule. Die meisten Eltern verspüren nie das Bedürfnis, den Lehrer kennen zu lernen, dem sie ihr Kind, anvertrauen, die Schul- räume zu sehen, in denen es tagtäglich 4 bis 5 Stunden zubringt. Ein Lebenszeichen geben sie höchstens dann von sich, wenn sie ihr Kind ungerecht behandelt glauben. Dann bekunden sie ihre Teilnahme und ihr Interesse dadurch, daß sie entweder eine Beschwerde einreichen oder aber— je nach dem Temperament— dem Lehrer ein Aufgebot machen, daS manchmal vor Gericht seine Sühne finden muß. Da schlägt dann die Gleichgültigkeit m offenen Haß um. Der größere Teil der Schuld an diesen nnerqnicklichen Zuständen trifft die Schule. Die Einsicht, daß die Schule, zum mindesten in ihrer jetzigen Gestalt, der Mitwirkung der Familie bedarf, ist ja zuerst den Lehrern gekommen, während sie den ineisten Eltern leider noch fehlt. Es wäre richtig, daß da auch zuerst die Lehrer an die Eltern heranträten, und nicht warteten, bis die Eltern mit ihnen anknüpfen wollen. Man wird uns aber bestätigen, daß selbst dann,»venn die Eltern zum Lehrer gehen und ihm durchaus höflich entgegentreten, der kühle Empfang manchmal nicht zu einer Wieder- holung des Besuches ermutigt. Die Lehrer unsrer Berliner Ge- meindeschule haben im großen ganzen keinerlei Fühlung mit der Bevölkernngsschicht, deren Kinder sie unterrichten sollen. Natürlich fehlt dann auch das Verständnis für die Denkart der Eltern aus dieser Bevölkerungsschicht. Anlaß zu diesen Betrachttingen gievt uns eine Beschwerde, die uns von einem unsrer Leser zugeht. Der Mann hat bei seinen Ver- suchen sich mit der Schule in Verbindung zu setzen, ga»! eigenartige Erfahrungen gemacht. Sie sind so lehrreich, daß sie weiteren Kreisen bekannt zu werden verdienen. Ein Schüler, der die 1 40. G e m e i n d e» schule in derHannoverschenStraße besucht, war in letzter Zeit von dem Lehrer Knebel wiederholt bestrast worden. Der Vater Ichrieb hierzu einen Brief an Herrn Knebel und gab ihn dem Jungen mit in die Schule, Herr Knebel aber reichte dem Jungen das Schreiben unerösfnet zurück und ließ dem Vater sagen, er sei in der Schule zu sprechen. Der Vater schickte nun den Brief mit der Post in die Wohnung des Lehrers, Herr K. aber brachte ihn am andren Tage un- eröffnet mit nach der Schule und händigte ihn wieder dem Jungen ein. Auf der Rückseite stand zu lesen:„Herrn Sch. Bin täglich für Sie nur amtlich im Amtszimmer des Herrn Rektors der 146. Gemeinde- schule von 11— 12 Uhr zu sprechen. K." Nunmehr wandte sich Herr Sch. an die Redaktion des„Vorwärts". Nachdem wir ihn angehört hatten, rieten wir ihm, zunächst noch einmal eine gütliche Erledigung zu versuchen und sich zu diesem Zweck mit dem Rektor in Verl bindung zu setzen. Sch. that das, und Herr K. wurde zu der Unterl redung zugezogen. Es wurde aber keine Verständigung darüber er- zielt, ob die Prügel, die K. dem kleinen Sch. verabreicht hatte, berechtigt waren und ob sie sich innerhalb der zulässigen Grenzen ge- halten hatten. Wir wollen uns über diesen Punkt jeder Meinungs- äußerung enthalten, ehe die Sache von der Behörde, die Herr Sch. anrufen will, untersucht und beurteilt worden ist. Ein paar andre Bemerkungen aber wolle man uns schon jetzt gestatten. Der geschilderte Fall ist lehrreich für die Eltern und auch für die Schule. Er zeigt den Eltern, wessen sie sich unter Umständen zu versehen haben, wenn sie sich an die Schule wenden, und er zeigt der Schule, wo die Leute zu suchen sind, die bei den Eltern das Vertrauen zu ihr untergraben. Der„Vorwärts" wird sehr oft von Eltern in Anspruch genommen, die das Vertrauen zur Schule verloren haben. Wenn wir aus der großen Zahl ihrer Beschwerden einmal eine der Oeffentlichkeit übergeben, dann wird im andren Lager gezetert über die raschbereiten„Hetzereien" des „Vorwärts" gegen die Schule. Die Herrschaften halten es nicht für nötig. ,ich zu informieren, ehe sie über uns urteilen. Auch der Leiter der 146. Schule, Herr Rektor Kühn, hat in der erwähnten Beschwerde- fache gezeigt, daß er keine Ahnung davon hat. wie wir uns zur Schule und zu den über die Schule klagenden Eltern stellen. Als ihm Herr Sch. sagte, er sei bereits beim„Vorwärts" gewesen, äußerte Herr Kühn Erstaunen und Unwillen. Der Herr Rektor urteilte sofort, daß wir Unwahres berichten würden, und er gab zu verstehen, daß nun eigentlich schwer weiterzuverhandeln sei. Er wurde dann darüber belehrt, daß diese Unterredung mit ihm erst durch Vermittelung des„Vorwärts" zu stände ge- kommen war. Wir wollen bei dieser Gelegenheit dem Herrn Rektor und seinen Gleichgesinnten verraten, daß gerade die Redaktion des„Vorwärts" vielfach die ihr zugegangenen Klagen über Schule und Lehrer zum Anlaß genommen hat, auf die Eltern dahin einzuwirken, daß sie um ihrer Kinder willen die fehlende, aber notwendige Verbindung mit der Schule herstellten. Die Eltern haben uns diesen Rat stets ge- dankt und ihn, wie wir nach einzelnen Stichproben annehmen zu dürfen glauben, wohl auch meist befolgt. Mancher Knebel und mancher Kühn niag sich gewundert haben, daß hier ein Vater und dort eine Mutter, die sich bisher nie hatten sehen lassen plötzlich alle vier oder sechs Wochen gelaufen kamen und sich über ihr Kind erkundigten. Sie ahnten nicht, daß das socialdemokratische „Hetzblatt" dahintersteckte. Es soll uns weing kümmern, ob die Kühns und die Knebels uns gleichfalls unsre Vermittlerthätigkeit danken werden. Wir werden in diesem Punkte nach wie vor das thun, was wir für zweckdienlich halten. Auch das soll uns nicht abschrecken, daß einmal einer, der unserm Rat folgt, üble Erfahrungen macht. Auf der andern Seite aber werden wir uns ebensowenig durch irgendwelches Geschimpfe darin beirren lassen, Mißstände der Schule und Ueber- griffe einzelner Lehrer öffentlich zu besprechen, sobald uns das zweckdienlicher erscheint._ Unterstützung des Kindcrasyls. Der hier verstorbene Rentner, frühere Kaufmann Karl Eduard Julius Müller hat in seinem Testament den Magistrat der Stadt Berlin zum Erben seines zur Gründung eines Findelhauses bestimmten Nachlasses eingesetzt. Die landesherrliche Genehmigung zur Annahme der Erbschaft zur 8 gründung bezw. zur Errichtung eines„Kinderasyls" ist erteilt worden. Die Gemeindebehörden haben beschlossen, den Nachlaß zur Vermehrung der Erbschaftsfonds und zum Besten des Kinderasyls in der Kürassierstraße zu verwenden. Zu dem Nachlaß gehören Effekten im Wert von rund 82 600 M., ferner das Grundstück Bremerstr. 41 sMoabit), ein zweites in Gr.-Lichterfelde, Bergstr. 1, und ein drittes in Friedrichshagen, Seestr. 48, im Gesamtwert von über 2LOOOO M., die mit Hypotheken in Höhe von 100 000 M. belastet sind. Die Schwestern des Erblassers erhalten bis an ihr Lebensende eine kleine Rente. Der Ueberschuß von rund 3000 M. ist zu Gunsten des Kinderasyls der Schmidtschen Stiftung verwandt worden. Wie die Grundstückspreise steigen. Die Stadtgemeinde Berlin hat im Jahre 1877 in Friedenau zwei Grundstücke erworben, um dort eine Gasanstalt zu errichten. Diese Absicht konnte nicht aus geführt werden, weil infolge eines Widerspruchs der Gemeinde Eriedenau vom damaligen Minister für Handel und Gewerbe die onzession versagt wurde. Der Magistrat errichtete sodann die Gas anstalt auf Schmargendorfer Gebiet und verpachtete die beiden Grundstücke. Das kleinere wurde später an die Gemeinde Friedenau zum Bau eines Gymnasiums für 263 631 M. verkauft, d. h. eS wurde ein Preis von etwa achtzehn Mark pro Ouadratnietcr erzielt. Das größere Restgrundstück ist seit dem Jahre 1897 an die Berliner Sportpark-Gesellschaft für eine Jahresniiete von 4000 M. vermietet. Auf diesem Grundstück wurde von der Gesellschaft der sog. Sportpark errichtet. Jetzt sind für dieses Grundstück mehrere Gebote gemacht worden, darunter eins in Höhe von über L'/z Millionen Mark, d. h. etwa 31 M. pro Quadratmeter. Das Geld soll am Tage der Auflassung bar gezahlt werden. Da die städtischen Gaswerke seiner Zeit nur 3 M. pro Quadratmeter gezahlt haben, so kann man den Wertzuwachs ermessen. Die Gaswerke haben jedenfalls hierbei ein glänzendes Geschäft gemacht. Der Magistrat hat schon seine Zustimmung zum Verkauf gegeben und an die Stadtverordneten-Versammlung das Ersuchen gerichtet,_ ebenfalls den Verkauf zu bewilligen. Da hieran nicht zu zweifeln ist, so sind die Tage des Sportparks gezählt. Das Terrain soll aufgeteilt und so schnell wie möglich bebaut werden. Käufer ist ein Bankier Fränkel-Berlin. Wegen Zechprellerei ist ein junger Mann Namens Felix W e i n e r, der sich Jnseratenacquisiteur nannte und von Wien hierher kam, vcr- haftet worden. Weiner hält sich seit Juli v. I. in Berlin auf. wohnt in den besten Pensionaten und pflegte die vornehmsten Wirtschaften in der Friedrichstadt zu besuchen, ohne einen Pfennig Geld zu be- sitzen. Wenn er bezahlen sollte, so gab er jedesmal an, daß er sein Portemonnaie vergessen habe, und versprach, den Betrag bei seinem nächsten Besuche mitbringen zu wollen. Dann ließ er sich aber nicht mehr sehen und suchte ein andres Lokal auf. Während die Kriminal- Polizei auf ihn fahndete, kam er gestern in ein Lokal, in dem er schon einmal den Kellner geprellt hatte. Man erkannte ihn wieder und ließ ihn festnehmen. Fräulein Germaine Burdo-Nothomb aufgefunden. Das seit etwa zehn Tagen vermißte Fräulein Germaine Burdo-Nothomb ist in Görlitz lebend aufgefunden worden. Die junge Dame hatte sich in einem Anfall von Geistesstörung aus der Wohnung ihrer Mutter entfernt und blieb seitdem allen Nachforschungen zum Trotze verschwunden. Wie die junge Dame nach Görlitz gekommen ist, darüber fehlt noch jede Nachricht. Frau Burdo-Nothomb hat sich in Begleitung eines Arztes sofort dorthin begeben, um ihr Kind abzuholen. Wegen fortgesetzter Ladenkassendiebstähle ist ein Mädchen Namens Nasenband aus Rixdorf festgenommen worden. Es suchte mit Vorliebe Droguenhandlungen auf, verlangte eine große Flasche Himbeersaft oder sonst etwas, was aus dem Keller oder dem Vorrats- räum hinter dem Laden geholt werden mußte, und benutzte dann die Gelegenheit die Kasse zu plündern. Gestern wurde die Diebin in einem Geschäft in der Wilhelmstraße ertappt. Bei der Arbeit ist am Sonnabendnachmittag 4'/z Uhr der Putzer Heinrich May aus Charlottenburg plötzlich gestorben. Er war auf dem Bau Mommsenstraße 1 beschäftigt, als er. vom Herzschlage ge- troffen, tot umfiel. Nachdem die Polizeibehörde von dem Vorfall benachrichtigt worden war, erschien nach einer Weile ein verdeckter Wagen mit einem Sarg, der den Toten aufnehmen sollte. Als der Sarg geöffnet wurde, bot sich den Arbeitern des Baues ein entsetzlicher Anblick. Der Sarg war mit Leinen ausgelegt, doch war dies Tuch voller Blutflecke und so schmutzig, daß alle Zeugen des traurigen Vorfalles von Ekel gepackt wurden. Sollte es, wenn auch nicht in Rücksicht auf die Toten, die aus solche Weise befördert werden, doch in Rücksicht auf die öffentliche Gesundheit nicht möglich sein auch beim Leichentransport die Gesetze der Reinlichkeit zu beobachten Auf einen alten Schwindel ist ein Mädchen zurückgekommen, das jetzt im Norden der Stadt die Geschäftsleute heimsucht. Das etwa 17 Jahre alte, vielleicht auch etwas ältere Mädchen geht in einen beliebigen Laden, begrüßt den Geschäftsinhaber mit seinem Namen, nach dem es sich erkundigt hat, und stellt sich vor als Frau soundso aus dem Seitenflügel des Hauses, die der Geschäftsmann ja kenne Die angebliche Hausgenossin erzählt dann, daß ihr der Wind die Thür zugeschlagen habe und daß sie nun ohne Schlüssel draußen stehe. Da ihr Mann gleich nach Hause komme, so wolle sie nicht erst einen Schlosser holen, aber der Geschäftsmann würde ihr einen großen Gefallen thun, wenn er ihr drei bis vier Mark auf einen Augenblick leihen wollte, damit sie unterdessen einholen könne. Zum Pfände läßt sie ihren«Trauring". Wer ihr Geld giebt, erfährt bald, daß er beschwindelt ist. Die Ringe kaust die Gaunerin eigens für diesen unlauteren Zweck; sie kosten 60 Pf. das Stück. Am I. Mai ist in Kliems Garten ein brauner Stock mit schwarzer Hornkrücke verloren worden. Es wird gebeten, den Stock bei Weihnacht, Grünstraße 21, abzugeben. Die Gartenbau-Ausstcllnng in der Philharmonie, Bernburger straße 22s, ist heute bei' 60 Pf. Eintrittsgeld geöffnet. Von 4 Uhr ab ist Promenadenkonzert. Hua clen Nachbarorten. Der Groß-Lichtcrfelder Gemeindcrat und das Bersammkullgs recht. Die beiden großen öffentlichen Versammlungen mit dem Thema:„Ist Religion Privatsache?", welche von unsren Partei genossen einberufen und beide Male wegen der Polizeistunde aufgelöst wurden, führten zu einer Interpellation in der letzten Gemeinde vertreter-Sitzung. Solange nur ausschließlich Socialdemokraten durch diese fort gesetzten Auflösungen drangsaliert wurden, krähte kein Hahn danach, Erst nachdem auch einigen hürgerlichen Rednern in jenen Versamm lungen das Recht, ihre Meinung frei zu äußern, illusorisch gemacht worden war, empfanden sie diese Polizeimaßregel äußerst unangenehm, Graf Hoensbroech fragte daher in der Gemeindevertretung, warum bei Richter, wo die Socialdemokraten ihre Versammlungen abhielten, die Polizeistunde schon auf 11 Uhr festgesetzt sei, während er wisse, daß Versammlungen, die nicht bei Richter stckttfänden, bis morgens IV- Uhr dauerrcn, ohne aufgelöst zu werden. Die Beantwortung der Interpellation übernahm der Gemeinde schösse Lange. Wir wissen ja. daß sich nicht aus jedem Holz eine Minerva schnitzen läßt; aber eine etwas geschicktere Verteidigung der Polizeiwillkür hätten seine Freunde schließlich erwarten dürfen. Er führte aus, daß im allgemeinen die Polizeistunde im Winter au: 10 Uhr, im Sommer auf 11 Uhr festgesetzt sei. Natürlich würden auch Ausnahmen gemacht. Für das Richtersche Lokal sei um 11 Uhr Polizeistunde und die Versammlung mit Recht aufgelöst worden. Es würde dies auch mit einer konservativen oder nationaUiberalen Versammlung, wenn sie dort stattgefunden hätte, geschehen sein. Den Beweis dürfte der Herr Schöffe wohl schuldig bleiben Schließlich gab ex den Socialdemokraten den Rat, ihre Versammlungen dom im„Pavillon"— dem Heim der hiesigen Konservativen— abzuhalten, d a würden sie durch keine Polizei st unde g e st ö t. Also dort gicbts keine. Abgesehen von diesem netten Eingeständnis, wird der Rat bei unfern Genossen stürmische Heiterkeit hervorrufen. Denn sie be- kommen eben deshalb weder den„Pavillon" noch andre Säle, weil nach alter Polizeisitte alle Wirte, die chre Lokale Socialdemo- k r a t e n zu Versammlungen überlassen, eben mit der Herab- setzung der Polizei st unde bestraft werden. Eine Diskussion über diese wichtige Angelegenheit gab es nicht; ganz im Gegenteil: einige Gemeivdevertreter beantragten Ueber- gang zur Tagesordnung, die Sache gehe die Gemeindevertretung nichts an. Und so geschah es auch. Als Graf Hoensbroech verschämt etwas von„socialpolitischcn Aufgaben" zu sagen wagte, bemächtigte sich der Herren Gemeindevertreter vom Geheimen Regi�rungsrat bis zum Gevatter Schmied eine große Unruhe. Diese illustre Gesellschaft ist von den Arbeitern stets richtig etin geschätzt worden. Schönederg. Im städtischen Arbeitsnachweis über wog im März das Arbeitsangebot die Nachfrage. Natürlich war hierbei das weibliche Personal sGesinde) ausschlaggebend. Angebote waren gemeldet 264 männliche und 1331 weibliche; Gesuche lagen vor 661 männliche und 669 weibliche. Die städtische Volksbücherei mit einem Biichermaterial von 18 600 Stück wies im März 3348 Leser auf mit 8946 ent liehenen Büchern. Der Durchschnittsbesuch pro Tag betrug 129, ausgeliehen wurden durchschnittlich täglich 344 Bücher. Im Rechnungsjahre 1904 werden folgende Steuerzuschläge er- hoben: 100 Proz. zur Staatseinkomniensteuer, 2/io Proz. vom gemeinen Wert der Grundstücke, 160 Proz. zur Gewerbesteuer der Klassen I und II und 100 Proz. der Klassen III und IV, 60 Proz. Gemeindezuschlag zur Betriebssteuer. Fricdrichsfelde. Bei der Ersatzwahl in der dritten Abteilung wurde der bürgerliche Hausbesitzer Bube aus Friedrichsfelde mit 330 Stimmen gewählt; sein bürgerlicher Gegner aus Karlshorst er- hielt 227 Stimmen. Trotzdem von uns offiziell Wahlenthaltung proklamiert wurde, wählten doch auf beiden Seiten manche Arbeiter. Unsre Vertreter sind bis jetzt noch nicht in ihr Amt eingeführt Ivorden.— Der wolkenbruchartige Regen am 1. Mai hat hier am Orte so recht gezeigt, wie notwendig eine Entwässerung ist. Die Wassermassen setzten einzelne Häuser geradezu unter Wasser. Es sind auch eine Anzahl Besitzender geschädigt, die nun über die UnHaltbarkeit der jetzigen Zustände schreien. Vielleicht hilft das.— Der am 1. Mai in Kraft getretene neue Fahrplan hat für den hiesigen Ort eine bedeutende Verschlechterung der Fahrgelegenheit gebracht. Zu den Hauptverkehrszeiten verkehren stündlich vier Züge gegen sechs in früherer Zeit. Geradezu lebensgefährlich ist der An- drang zu den Zügen, die morgens um 62b und 726 abgehen. 20 Personen in einem Abteil ist nichts Neues. Socialdemokratischer Agitatlons-Berein für den RcichstaaS- Wahlkreis Stralsund- Franzburg-Rügen. Sonntag, den 8. Mai, vormittags 10 Uhr, bei Ramlow, Schönl, auser Allee 135: Versammlung. Neue Mitglieder werden ausgenommen. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht der Vorstand. Socialdemokratischcr Agitations- Verein für den Reichstags- Wahlkreis Züllichau< Tchwiebus- Krassen- Sommerfeld. Dienstag, den 10. Mai, abends 8'/, Uhr, bei Grosser, Dircksenslr. 39, vorn 1 Treppe: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vorttag über die moderne Mloholfrage. 2. Diskussion. 3. Anttäge. 4. Vcreinsangelegcnheiten und Ausnahme neuer Mitglieder. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu erscheinen. Allgemeine Familien-Sterbckasse. Heute Zahltag: Ackersttaße 123 bei Dieke von 3— S Uhr. VennHebtea. Unterstützungen in Aalcsund. Die Gemeindevertretung von Aalesund hat beschlossen, an Personen, die vom Brandunglück be- troffen sind und eine Unterstützung nachsuchen, Geldbeträge zu der- teilen, und zwar an je eine erwachsene Person 60 Kronen, an je ein unkonfirmiertes Kind 30 Kronen. Personen, deren Vermögen über 10 000 Kronen oder deren Einnahme über 2000 Kronen beträgt, so- wie deren Hausftauen und Kinder sind ausgeschlossen. Weiter kommen nur solche Personen in Bettacht, welche wesentliche Verluste erlitten haben. Der Betrieb der Volksküche wird fortgesetzt. Mochen-Sptelplan der Berliner Cbeater. Königliches Opernhaus. Sonntag: Der Barbier von Sevilla. Montag: Hänsel und Grete!. Javotte. Dienstag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Anfang 7 Uhr.) Mittwoch: Manon. Donnerstag: Hänsel und Grete!. Freitag: Der Barbier von Sevilla. Sonnabend: Tristan und Isolde.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Mignon. Montag: Der Rmg des Nibelung. Das Rheingold. Neues köuigl. Opern-fThcater. Sonntag: Die Journalisten. Montag: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. Dienstag: Des Meeres und der Liebe Wellen. Mittwoch: Othello. Donnerstag: Lydia Mädel sei schlau. Der eingebildete Kranke. Freitag: Wilhelm Tell.«onn abend: Wie die Alten sungen. Sonntag: Romeo und Julia. Montag: Im stillen Gäßchen. Schiller- Theater O.(Wallner- Theater.) Sonntagnachmittag: Die Braut von Messina.(Anfang 3 Uhr.) Sonntagabend: Die Kinder der Exzellenz. Montag: Das grobe Hemd. Dienstag: Ein Duell. Ein Sonnensttahl. Mittwoch: Lumpacivagabundus. Donnerstag: Kollege Crampton. Freitag: Haus Rosenhagen. Sonnabend: Das grobe Hemd. Sonnlagnachmittag: Die Kinder der Exzellenz.(Anfang 3 Uhr.) Sonntag- abend: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Montag: Das grobe Hemd. Schiller-Theäter X.(Friedrich Wilhelmstädttsches Theater.) Sonntag- nachmtttag: Die Ehre.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Das grobe Hemd. Montag: Ein Duell. Ein Sonnensttahl. Dienstag: Pension Schöller. Mittwoch: Pauline. Donnerstag: Pension Schöller. Freitag: Pension Schöller. Sonnabend: Pauline. Sonntagnachmittag: Der Pfarrer von Kirchscld.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Pension Schöller. Montag: Pauline. Deutsches Theater. Sonntagnachmittag: Die versunkene Glocke. (Ansang 2'l2 Uhr.) Sonntagabend: Der Pfarrer von Kirchseld. Montag: Rose Bernd. Dienstag: Rosenmontag. Mittwoch: Der Pfarrer von Kirch- seid. Donnerstag: Novclla d'Andrea. Freitag: Rose Bernd. Sonnabend: Der Pfarrer von Kirchseld. Sonntagnachmittag: Rosenmontag.(Ansang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Rose Bernd. Montag: Faust. Berliner Theater. Sonntagnachmittag: Mt-Heidewerg.(Anfang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Der jüngste Lieutenant. Montag: Der jüngste Lieutenant. Dienstag: Waterlant. Mittwoch: Der jüngste Lieutenant. Donnerstag: Der jüngste Lieutenant. Freitag: Maria Theresia. Sonn- abend: Der jüngste Lieutenant. Sonntagnachmittag: Alt- Heidelberg. (Anfang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Der jüngste Lieutenant. Montag: Waterkant. Lessing-Theater. Allabendlich T1/- Uhr: Zapfenstreich. Neues Theater. Sonntag: Kabale und Liebe. Montag: Mnna von Barnhelm. Dienstag: Kabale und Liebe. Mittwoch: Kabale und Liebe. Donnerstag: Logik des Herzens. Salome. Freitag: Kabale und Liebe. Sonnabend: Kabale und Liebe. Sonntag: Kabale und Liebe. Montag: Pelleas und Mclisande. Theater des Westens. Sonntagnachmittag: Der Troubadour. (Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Slpajune. Montag: Der Wildschütz. Dienstag: Zlpajunc. Mittwoch: Apajune. Donnerstag: Der Waffenschmied. Freitag: Die Stumme von Porttci. Sonnabend: Gasparone. Sonntag» nachmittag: Der Postillon von Lonjumcau.(Ansang 3 Uhr.) Sonntag- abend: Don Juan. Montag. Don Juan. Luisen- Theater. Geschlossen. Residcnz-Thcatcr. Allabendlich: Die 300 Tage. Kleines Theater. Sonntagnachmittag: Licbesträume. Familienidhll. Don Carlos. Serenisstinus. filnsang 3 Uhr.) Sonntagabend: Nachtasyl. Montag: Des Pastors Riere. Dienstag: Fräulein Julia. Mittwoch: Fräulein Julia. Donnerstag: Nachtasyl. Freitag: Fräulein Julia. Sonn- abend: Nachtasyl. Sonntagnachmittag: Liebesttäume. Familienidyll Don Carlos. Serenissimus.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Fräulein Julia. Montag: Nachtasyl. Trianon-Thcater. Von Sonntag, den 3. Mai, bis aus weiteres täglich: Das elfte Gebot. Der Dieb.(Ansang 8 Uhr.) Belle- Alliance- Theater. Sonntagnachmittag: CharleyS Tante. (Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend, Montag bis Sonnabend: Kam'rad Leh- mann. Sonntagnachmittag: CharleyS Tante. Sonntagabend und Montag: Kam'rad Lehmann. Carl Weist-Theater. Sonntagnachmittag: Zwei Herzen. Sonntag- abend: Der Totschläger. Montag: Faust. Dienstag und Mittwoch: Muttersegen. Donnerstag: Faust. Freitag und Sonnabend: Unbestimmt. Sonntagnachmittag: Faust.(Ansang 3 Uhr.) Montag: Unbesttmmt. Central-Theater. Sonntagnachmittag: Trilby.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend und Montag bis aus weiteres täglich: Der Sonnenvogel. Deutsch-amcrikanisches Theater. Allabendlich: Ueber'n großen Teich. Ansang 8 Ukr. Apollo-Theater. Allabendlich: Liebesgötter. Specialitäten. Anfang 3 Uhr, Sonntags 7ff, Uhr. Nictropol- Theater. Allabendlich: Ein tolles Jahr. Anfang 8 Uhr. Sonntags VI, Uhr. Wintergarten. Täglich: Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Casino- Theater. Sonntagnachmittag: Zärtliche Verwandte.(An- sang 4 Uhr.) Allabendlich: Durch Klippen und Wellen. Unsre Berliner. Paffage-Theater. Corradini. Ansang 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Urania> Theater. Taubenstraße 48/49. Allahendlich: Die Insel Rügen. Anfang 3 Uhr. "Weizen, gut D mittel gering "Roggen, gut mittel gering fGerste, gut , mittel gering fHafer, gut mittel gering Richtsiroh Heu Erbsen Spcisebohnen Linsen " ab Bahn. Marktpreise von Berlin am 6. Mai 1904 nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. -Ctr. Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 ig do. Bauch, Schweinefleisch, Kalbfleisch„ Hammelfleisch„ Butter Eier 60 Stück Karpfen 1 kg Aale Zander, Hechte Barsche Schleie. Bleie Krebse per Schock + frei Wagen und ab Bahn. 7.00 1,80 1,40 1.60 1,80 1,80 2,60 3,60 2,00 2,80 3,00 2,20 2,80 3,00 1,40 15,00 5,00 1,20 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,60 1,20 1,40 1,00 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 Wetter-Prognose für Sonntag, den 8. Mai 1904. Ziemlich kühl, zeitweise aufklarend, ziemlich trübe und regnerisch bei mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Max Otto, Filiale: 46832* S23numenstr.1S2. 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Wenn sich nach einem Jahre dieses Honorar als zu niedrig erweist, dann sollen die ärztlichen Bezirks- vereine berechtigt sein, eine Erhöhung zu beantragen, über die, wenn der Kassenvorstand es ablehnt, die Erhöhung zu gewähren, ein Schiedsgericht endgültig entscheiden soll. Soweit noch festangestellte Aerzte verbleiben, soll deren festes Gehalt aus dem Pauschale be- zahlt werden, darüber hinaus sollen diese jedoch nichts erhalten, auch wenn sie bei der Berechnung ihrer Points mehr zu beanspruchen hätten. Das Fortbestehen der Beratungsanstalten soll Gegenstand der Vereinbarung zwischen den ärztlichen Bezirksvereinen und der Kasse fein. Auch hier soll beim Scheitern der Vereinbarung das Schiedsgericht endgültig entscheiden. Der neue Vertrag soll bis 1310 in Geltung bleiben und dann der Kündigung mit einer Frist von drei Monaten unterliegen. Der Kasie soll es jedoch verboten sein, während des Bestehens des Vertrages andre Anstellungsverträge abzuschließen, so daß sie tyatsächlich niemals im stände wäre, den Vertrag zu kündigen. Der finanzielle Effekt der ärztlichen Forderungen wäre eine Erhöhung der Ausgaben für Arzthonorar von 843 003 M. auf 1225 000 M.(mit Familienbehandlung), während die General« Versammlung dem Kassenvorstande aufgegeben hatte, über eine Er- höhung um 140 000 M. nicht hinauszugehen. Der Kassenvorstand will trotzdem auf der Grundlage der ärzt- lichen Fordcnmgen verhandeln. Nur will er das Pauschale auf 2,50 M. per Kopf der zur Behandlung Berechtigten(bei Familien- behandlung) festgesetzt wissen. Die Gesamtausgabe für ärztliche Behandlung würde sich bannt auf 1050 000 M. belaufen, also um 207 000 M. mehr als früher, sonach um 67 000 M. über das bis« herige Angebot der Kasse. Außerdem will er nicht mehr als 300 Aerzte zulassen, die jetzt amtierenden 83 festbesoldeten Aerzte beibehalten und beim Ausscheiden solcher deren Zahl immer wieder auf 83 ergänzen und schließlich sollen die drei jetzt bestehenden Be« ratungSanstalten ohne weirereS anerkannt werden. Unter diesen Bedingungen will der Kasienvorstand kapitulieren Er würde damit thatsächlich den Kampf aufgeben. Die festbesoldeten Aerzte würden schwerlich noch lange unter diesen Umständen in den Stellungen verbleiben, neue würde die Kasse wohl kaum für die ausscheidenden noch bekommen da sie ja vom Wettbewerbe mit den.frei gewählten' vollständig ausgeschlossen sind. Der Ausschluß des Wettbewerbes um die Gunst der Kassenpatienten ist eines der erfreulichsten Ergebnisse des Distriktsarzt-Systems; läßt man den Wettbewerb aber zu, dann fallen für die Festangestellten die Vorteile des Distriktsarzt-Systems weg, sie werden auch unter die Wirkungen des Wettbewerbes gestellt, haben aber nicht den Vorteil der ver« mehrten Einnahmen von vermehrten Leistungen. Neben der freien Ar�ttvab�ann�voh�in���i��sihr hoch bezahlte Vertrauens ärzte haben, nicht aber eine große Zahl festbesoldeter Aerzte mit einem Honorar, das von solchen, die sich auf das Geschäft verstehen, erheblich überschritten werden kann. Das würde der Leipziger Kassenvorstand sehr bald erfahren, wenn er sich auf solche Halbheit emläßt._ Die Zentralkommission der Krankenkassen hatte am Freitag eine Versammlung der Kassenvorstände und Verwaltungsbeamten ein- berufen, in der 73 Krankenkassen vertreten waren. Lehrer A g a h d hielt einen Vorttag über die Beziehungen zwischen Kinderschutzgesetz und Krankenlassen. Seine Aus- führungen, welche die großen Gefahren der Kinderarbeit veranschau- lichten, hatten den Zweck, die Vertteter der Krankenkassen anzuregen, daß sie, soweit es an ihnen liegt, für die Durchführung der Be- stimmungen des Kinderschutzgesetzes Sorge tragen, indem sie die ihnen bekannt werdenden Ueberttetunaen des Gesetzes zur Anzeige bringen. Der zweite Steferent, Gewervegerichts-Direktor V.Schulz erläuterte das Kinderschutzgesetz vom 30. März 1303 und forderte gleichfalls die Kraukenkasscnvertreter zur Mitwirkung bei der Durch- führung des Gesetzes auf. In der regen Aussprache, die den Vorträgen folgte, wurde be- sonder? ein Punkt aus dem Referat des Herrn Agahd diskutiert, nämlich der, daß die Bäckermeister, da sie Kinder mit dem Austragen von Frühstück nicht mehr beschäftigen dürfen, jetzt an Frauen diese Arbeit übertragen, die nun ihrerseits die Hilfe ihrer eignen Kinder in Anspruch nehmen. Auf diese Weise wird das Gesetz umgangen und die Kinder, welche geschützt werden sollen, werden nach wie vor am frühen Morgen mit dem Austragen von Backware beschäftigt. ES fragt sich nur, wer fiir einen Unfall eintritt, den ein Kind etwa bei dieser Arbeit erleidet. Es wurde angeregt, man solle den Versuch machen, solche Kinder als kraukenversicherungspflichtig zu behandeln und den betreffenden Bäckermeister als den mittelbaren Arbeitgeber zu den Beiträgen heranziehen, damit wenigstens die Krankenfürsorge diesen Kindern gesichert werde, so lange man sie nicht vor der'Erwerbsarbeit überhaupt schützen kann. Weiter wurde im Anschluß an diesen Punkt auf eine Lücke deS Atters- und Jn- validenversicherungs-Gesetzes hingewiesen und gefordert, daß die Ver- sicherungspflicht nicht erst mit dem 17. Lebensjahr beginnen, sondern mit dem Eintritt jeder Lohnarbeit ohne Rücksicht aus das Alter.— Hinsichtlich der Kinderarbeit beim Frühstückaustragcn wurde von einer Seite bemerkt, daß an den thatsächlichen Ver- Hältnissen durch das Gesetz fast nichts geändert sei. Man könne jeden Morgen Kinder von ö— 7 Jahren in großer Zahl beim Frühstückaustragen antreffen. Das Gesetz werde dadurch umgangen, daß die Bäcker Frauen annehmen, denen sie zwar etwas mehr zahlen wie sie früher den Kindern zahlten, aber dafür würde den betreffenden Frauen soviel Arbeit aufgebürdet, daß sie allein mit derselben gar nicht fertig werden können und sich deshalb von ihren Kindern helfen lassen. Dieser Mßstand könne am besten dadurch beseitigt werden, daß niemand Backware kaufe, die ihm von Kindern ins Haus ge« bracht wird. In diesem Sinne müsse in den Arbeiterversaminlungen agitiert werden. Was das Verhältnis der Krankenkassen zur Durchführung des Kinderschutzes betrifft, so wurde es als wünschenswert bezeichnet, daß den Kassen bei der Konttolle der Jnnehaltung des Gesetzes eine Mitwirkung nach Art der Befugnisse der Fabrikinspektoren zu- erkannt werde. Besonderes Gewicht lvurde auch darauf gelegt, daß die Krankenkontrolleure bei ihren Krankenbesuchen sich darum kümmern sollen, ob in der Familie des Kranken Kinder ge- werblich beschäftigt werden, und daß dann etwaige Uebertretungen des Gesetzes zur Anzeige gebracht werden. Andrerseits wurde darauf hingewiesen, daß in Arbeiterkreisen noch oft das Verständnis für die schweren Schäden, welche die Kinderarbeit mit sich bringt, fehlt, und daß�lufklärun�iack�iese��i�tun�iotwentn�ei��in�e�rti� Belehrung würde eine bessere Wirkung haben, wie die Kontrolle durch die Krankenbesucher, die doch nur einen kleinen Teil der Ueber- tretungen auffinden könnten. Der folgende Punkt der Tagesordnung bettaf die A b- schließung eines Vertrages mit d en Ba d eanst altS- Besitzern. Hierzu führte Simanowski aus, die Central- kommission habe, um ein einheitliches Verhältnis der Krankenkassen zu den Badeanstalts-Besitzern zu schaffen, auf Wunsch einen Vertrag ausgearbeitet, der für alle Kassen und alle Badeanstalten gelten sollte. Die Beratung über den Vertragsentwurf sei noch nicht beendet. Die Vereinigung der Krankenkasien mit freier Arztwahl habe sich mm auf den Standpunkt gestellt, daß der Abschluß von Verttägen nicht Sache der Centraikommission sei. So sei durch die Quertreiberei der Vereinigung die Absicht der Centralkommission beeinträchtigt worden. An diese Darlegung knüpfte sich eine längere Diskussion, in der einige Vertreter von Kassen, die der Vereinigung angeschlossen sind, das Verhalten derselben zu rechtfertigen suchten. Andre Redner da- gegen verurteilten den Sonderstandpuntt der Vereinigung sehr scharf, es wurde auch hervorgehoben, daß die Vereinigung schon bei dem Streit mit den Apothekern in mancher Hinsicht einen Sonderstand- Punkt eingenommen habe. Derartige Quertreibereien schädigen die gemeinsamen Interessen der Krankenkassen, deren Verttetung sich die Centralkommission angelegen sein lasse. Die Versammlung erteilte der Eenttalkommission den Aufttaa, die Abschließung von Verträgen mit den BadeanstaltS-Besitzern für alle Krankenkassen weiter zu betreiben. Simanowski ersuchte die Vertreter der Kassen, daß an den Freitagen weder Vorstandssitzungen noch Generalversammlungen ab- gehalten werden, damit der Freitag für die Sitzungen der Central- kommission und für die von ihr veranstalteten Versammlungen frei bleibt.— Weiter ersuchte der Redner, zu beachten, daß die auf gelben Rezepten verschriebenen Medikamente von den Droguisten entnommen werden._ Was bleibt ihr übrig! Der Oberlandesgerichtsrat Schmölder in Hamm, ein Jurist, der sich mit Fragen der Strafrechtsreform beschäfttgt, schreibt im„Tag" über Prostitution. Dabei erzählt er folgendes charakteristische Er- lebnis aus seiner Praxis:„In Köln, als Vorführungsrichter, lvurde mir einmal von einer Prostituierten, die nach Ablauf der durch das dortige Reglement gesetzten Abendstunde in Zirkulation betroffen war, eine verblüffende Antwort: „Schauen Sie mich nur an, ich bin so häßlich, daß mich ein Mann mir im Dunklen mitnimmt. Nun finde ich jetzt, nachdem ich eingeschrieben bin, keine ehrliche Arbeit mehr. Was bleibt mir andres übrig, wenn ich nicht verhungern will Z" Schämige AuSstellungs-Socialpolitik. Zur Weltausstellung in St. Louis schickt das ReichS-Verficherungsamt wieder eine Dar» stellung der deutschen Arbeiterversicherung. Im statistischen Teile dieser Darstellung, der uns gerade vorliegt, wird an zwei Beispielen die Krankenversicherung erläutert. Beittäge und Unterstützung im Verhältnis zum Lohne. Da wird als Beispiel eines männlichen Versicherten ein Arbeiter mit 24 M, Wochenlohn aufgeführt. Ist das schon schamhaft hoch gegriffen, da die Arbeiter mit 24 M. Wochenlohn im Deutschen Reiche leider noch recht dünn gesät sind, so ist das Beispiel der weiblichen Arbeiterin, die mit 16 M. Wochenlohn aufmarschiert, eigentlich schon nicht mehr schäm- Haft zu nennen. Außerdeutsche Besucher der Weltausstellung, die das Heft in die Hand nehmen, können dadurch wirklich zu dem Glauben kommen. 16 M. Wochenlohn für eine Arbeiterin ist ettvas ganz alltägliches im Deuffchen Reiche. In Wahrheit kann man Arbeiterinnen mit solchen Löhnen bei unS beinahe selbst als AuS- CViSliiafir. 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Kür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berautivortung. Zhcatcr. Sonntag, den 8. Mai. Jfrrie Volksbühne. Nachmittags L'/. Uhr: 13�/14. Abteil.: Metropol-Theater: Frau Warrens Gewerbe. 16. Wt.: Lessing-Theater: Zapfen- streich. Anfang VI, Uhr: Opernhaus. Der Barbier von Sevilla. Montag: Hanfe! und Grete!. Neues Operntheater. Die Jour- nalistcn. Montag: Die Verschwörung des Ficsco zu Genua. Deutsches. Der Pfarrer von Kirch- seid. Nachm. 2'U Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Rose Bernd. Berliner. Der jüngste Lieutenant. Nachm. 2'/. Uhr: Alt-Heidclberg. Montag: Der jüngste Lieutenant. Lessing. Zapfenstreich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Weste». Apajune. Nachm. 3 Uhr: Der Troubadour. Montag: Der Wildschütz. kkeutral. Der Sonnenvogel. Nachm. 3 Uhr: Trilby. Montag: Der Sonncnvogel. Belle-Alliance. Kain'rad Lehmann. Nachm. S'/j Uhr: Charlchs Tante. Montag: Kam'rad Lehmann. Neues. Kabale und Liebe. Montag: Minna von Barnhelm. Ansang 3 Uhr: Schiller O.(Wallner- Theater.) Die Kinder der Erccllcnz. Nachm. 3 Uhr: Die Braut von Messina. Montag: Das grobe Hemd. Schiller(Friedrich-Wilhelmstädt.) Das grobe Hemd. Nachm. 3 Uhr: Die Ehre. Montag: Ein Duell. Vorher: Ein Sonnenstrahl. Aleines. Nachtasyl. Nachmittags 3 Uhr: Licbesttäume. Familienidhll. Don Carlos. Sere« nisfimus. Montag: Des Pastors Ricke. Residenz. Die 300 Tage. Montag: Dieselbe Vorstellung. Srinuou. DaS elfte Gebot. Hierauf: Der Dieb. Montag: Dieselbe Vorstellung. Carl Weift. Der Totschläger. Nachm. 3 Uhr: Zwischen zwei Herzen. Montag: Faust. Deutsch. Amerikanisches. Ueber'u großen Teich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Mtetropol. Ein tolles Jahr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Casino. Durch Klippen und Wellen. Berliner Herzen. Nachm. 4 Uhr: Zärtliche Ver- wandte. Montag: Durch Klippen und Wellen.— Berliner Herzen. Winter-Gnrten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gebr. Herrnfeld. Gastspiel der Tegernseer. Der Dorspsarrcr. Montag: Diesewe Vorstellung. Reichshallen. Stettiner Sänger. Bassage-Dheater. Specialitäten. Urania. Taubenstrasie 48/4». Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Jnbalidrnstrafte S7/KS. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. iKeMUHZ" Schlllcv- Theater O. (Wallner-Theater). Sonntagnachmittag 3 U h r: Die Braut von Bessina. Sonntagabend 8 U b r: Die Biatter der lElxcellenz. Montagabend 8 Uhr: Das Rrohe Hemd. Dienstagabend 8 Uhr: Ein Duell. Vorher: Ein Sonnenstrahl. i'-TIieater. Schlllcr-Thcater fi. (Friedrich-WilhelmftädtischeS Theater). Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Sonntagabend 8 Uhr: Das«frohe Hemd. Montagabend 8 Uhr: Ein Duell. Vorher: Bin Sonnenstrahl. Dienstagabend 8 U h r: Z. erstenmal: Eension Schöller. Neues Theater. Schifsbauerdamm 4a— 5. Rabale und Liebe. Ansang VI, Uhr. Morgen: Minna von Barnhelm. Central-Theater. Heute Sonntagnachm. 3 Uhr halbe Preise: Gastspiel Paula Vorm: Trilby, Schauspiel in 4 Akten von Paul Potter. klbends VI, Uhr: Gastsp. Paula Worm: Der Sonnenvogel. Operette in 3 Akten v. B. Holländer. Morgen und folgende Tage: Der Sonnenvoxel._ Rkfidtilj Theatkl Heute und folgende Tage: Abends 8 Uhr: Die 800 Tage. Schwank in 3 Akten von Paul Gavault und R. Charvcy. Deutsch von Alfred Halm. Selle-äHiiuiee-IiieiUö!'. Belle-Alliancestr. 7/8. Tel. Amt 6, 283. Heute! nachm. 3'/,: Charloys Tante. Täglich abends 7'/, Uhr: Kam rad Lehmann. Donnerstag(Himmelfahrtstag) bei günstiger Witterung Eröffining des i-rachtbollen Sommer- Gartens. tiirosses Konzert. Kleines Theater. Unter den Linden 44. Nachmittags 3 Uhr, bei bedeutend ermäßigten Preisen: Liebesträume. X Familienidyll. Don Carlos-Parodie. Serenissimus-Zwischenspiele. Abends 8 Uhr: Nachtasyl. Morgen: 0«» Pastors Rioke. Brauerei Triednehshmu<üi früher Lipps(Ockonom: E. Niemann/, am Königslhor. Grösster Konzert-Saal und Garten Berlins. Heute Sonntag sowie nur noch einige Tage: ]£e lv. Miuua von Barnhclm oder: Das Soldatcnglück. Ans. 8 Uhr. Entree 30 Ps. Ball. Montag bis Mittwoch: Geschlossen. IlönigstsSt-Xssino Holzinarltstr. 72, Ecke Alexandershasie. Däglich: Aushctcn v. Earl Stephan, die fesche Nauen. Hcrm. Hempcl, Geschw. Lederer, C. u. E. Bernhardy, Rose Brandt, Paul Zievee. Neu! Die Dante aus Polzin. Posse mit Gesang in 1 Alt. Nach der Vorstell.: Mittwoch, Sonnabend,«onntag: Tanz. Ans. Wochent. 8 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Fröbels Ällerlei-Tlieater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Sonntag, den 8. Mai: Erstes grosses ßarten-Konzert. Theater- und Specialitäten. Im Saal: Drösser Extra-Tanz. Ansang 5 Uhr. Eintritt 30 Pf. Bei ungünstigem Wetter Konzert und Vorstellung im Saal._ BernhaidRose-Thealer Gesundbrunnen. Badstr. 58. Heute Sonntag, den 8. Mai 1904: Ao vi täten- Abend J Sie oberen Hehntausend. sensationelles Volksstnck in 3 Ztktcn von H. Müller. Nach der Vorstellung: Walt. Bei günstiger Witterung findet die Vorstellung im Garten statt. Aus- treten erstllassiger Specialitäten. Sladt-Tlieater Moabit Alt-Moabit 47/49. Heute Sonntag, den 8. Mal: ImM Bose-Theatfir-Ensenihle. Kusch-5iks1-der- pir Mühle im Edelgruud. Volksstück mit Gesang in 4 Allen von I. Willhardt. Ansang 6 Uhr. Vorstellung- �«1*» Belli. Gebrüder Herrnfeld- Heute und Slnfang täglich:«byeneer. 8 Uhr. Das lveitberühinte Bauern-Theatcrn. IM« Tegernseer mit der sensationellen Novität: „Der Dorfplarrer", Bauernkomödie in 4 Akt.v.MarSchmidt mit Lrig.-Zitherspiel und prämiierten Schuhplattler. RIpHHi». �VranxelstraAse Rv/Il. Jeden Sonntag- Grosser Ball. 'Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. Empfehle mein Lokal zu Fest- lichkeiten und Versammlungen. 46992* C. E. Walter. TortasaJa De Vry's Phantasmagorien. Hans! Reiöhsberg Soeurs Saionoe kunÄen. Geörüder Schwarz parodisten. Kiners Moulin Equilibrist. Leons. De Xohry Pariser Sängerin. Die Blunienkönigin Tanzdivertissom. Die Wotperts Akrobaten. 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Blusen-, Schürzen-, Hemden-, Hemden-, Ncgligee-, Krawatten- und Korsett-Arbciterinnen. Montag, den 9. Mai 4904, abends S'/z Uhr, findet im Lokal„Altes Plätteisen", Schillingstr. 36, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über Frauenarbeit und Fraucnentlohnung. Ref.: Frau Thiede. 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes. Im Interesse einer jeden Arbeiterin liegt es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Einberuferin. Adlcrshof. Der Verein für Frauen und Mädchen hält im Lokale von Oskar Wöllstein, Bismarckstraße 24, Montag, den 9. d. MtS., abends 8 Uhr, seine Mitgliederversammlmig ab. Auf der Tages- ordnung steht ein Vortrag der Frau Zeetze über Kinderarbeit. Zahl- reiches Erscheinen erwartet. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Schöncberg. Der Verein für Frauen und Mädchen Schönebergs und Umgegend hält Montag, den 0. Mai, abends 8'/� Uhr, seine regelmäßige Mitgliederversammlung im Lokal Wilhelmshof, Ebers- straße 80, ab. In derselben wird Herr Dr. Roeder den dritten Vortrag über Frauenkrankheiten halten. Da der Vortrag ein sehr lehrreicher zu werden verspricht, so ist es erwünscht, daß sämtliche Frauen und Mädchen, welche ein Interesse daran haben, in dieser Versammlung erscheinen. Damen als Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Steglitz-Friedenau. Montag, den v. Mai, findet bei Schellhase in Steglitz, Ahornstr. Iba, eine öffentliche Versammlung für Frauen und Männer statt. In derselben wird Genosse A. Bernstein einen Vortrag über„freies Vereins- und Versammlungsrecht der Frauen" halten/ Genossinnen und Genossen, es ist Eure Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen, auch für dieselbe recht rege zu agitieren versäume niemand. Die Vertrauensperson. A.JANDORF&GQ SPITTELMARKT 16/17 Ecko Leipziger S trage« BELLE ALLIANCE-STRASSE 1/2 Arn BlUcherplatz GROSSE FRANKFURTER STRASSE 113 Ecke Andreas Strasse Montag Dienstag Mittwoch 6500 Soweit der Vorrat reicht! ca. DüUU ital. Punta- u fUr Damen und Kinder 75« 95« i Apfelblüten-Plquet stemgmitum» Röschen-Piquet«temgmituab Rosen-Piquet«wm« 15 M. Florentiner-Hüte für Damen und Kinder T.0 2 50 M. Ein grosser Posten Garnierte Damenhüte 37«8 in neuen Formen und Farben zum Aussuchen .............. regulärer Wert bis Louisine- Band „Eeine Seide" ca. 12 cm breit in grossem Farbensortiment Meter 38 pf. Tausendschönchen 6 Dotzens im Fsicet 58 pt Vergissmeinnicht vaw«-- 10 pt Kirschen 12 rr. Damen-Confection Blusen- oder Eaton-Fatzon Wert bis M. 14,50 21,00 27,50 Jacket-Fagon Wert bis M. 24,50, 27,50, 32,00 KpstQme Kostüme KOStÜme welM Piquö, moderne Facons Kostüme Jackets grau, loae und annagend Jackets Unterröcke Leinen imitiert Blusen-Fasson, hUbsch garniert 975 lO50 Iß50 M. 10 M.(UM. 16'»° 21 m0 24»° 8»° 10» 14»° 975 1050 1075 M.|£m. 10 M. A95 Wert bis M. 12.50«+ M. schwarz,(ose und anliegend Wert bis M. 10.50, 12.60, 15.50 67m5 85m0 11 50 M. Wasch-Kleider hübsch garniert 7 M0 9m5 13m0 ITm! 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