SbcmnmeirtS'BrtM�ongtn: Abonnements- Prets pränumerando: Nerteljährt. Z�S Mk, mona«> l.lv Mb. wöchentlich 2K Pfg. frei WS Haus. Einzelne Nummer h Pfz. Sonntags» mnraiter mit illustrierter Sonntag*» Beilage.Die Neue Welt" lv Psg. Post. Abonnement: 1,W Mark pro Monat Angetragen in die Poft-ZeitungS- PreiSKste. Unter Kreuzband fSr Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland S Mark pro Monat «»«i«««II» MBtr Hlcntag». Serliner VolksblÄkk. Bfc Tftlcrttons' Gebühr beträgt für dt« fechSgefpaltene Kolonel» geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschasUiche BereinS» und BersanunlungS. Anzeigen 2S Pfg. „KMnc Anreigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür dte nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags w der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und gestsagen bis s Uhr vormittags geöffnet Telegramm»Adresse: „sotffliitmsknt Bsrlin". Zentralorgan der fozialdemohrati fchen Partei DeutfchUmde. Ar. 110. 21. Jahrg. Redahtion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr.!38a. (Quittung. Im Monat April gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein:, Arnstadt i Thüringen) Wahlverein 20,—. Berlin, Beiträge der Wahllreise: 2. Kreis 2100,— sdarunter Gesangverein„Gerechtigkeit" W. SO,—). 3. Kreis 2500,—(darunter Uebersch. d. Kranzsp. durch R. M. 1,95, Tischler v. Wusterbarth durch Gehrmann 3,—, Bons-» lasse der Arbeiter von Pardcmann u. To. durch R. Heinrich 25,—). i. Kreis Südost 2000,—(dar. Lese- u. Diskutierklub„Südost" 100,—, Tischlerei v. Wolf, Waldemarstr. 27, 30,—, Kranzübersch. v. d. Arb. der Möbelsabr. Mnuff 2,85, Stadtbez. 113a, Sparagnes 10,—, Kranzübersch. v. d. Arb. der Firma Werner 9,65, Strafgelder v. d. Arbeitern der Finna Mechnig 36,10, Stadtbezirk 102 30,—). 4. Kreis(Ost) 3000,—(darunter Möbelfabrik Groschkns, Landsbergersir. 25/26, 2 Raten 49,50, Genossen de? 160. Stadtbezirks und Flöterschcr Gesangverein 58,50, von den Arbeitern der Möbelfabrik Aug. Scheffler 20,—, Zietherklub„Edelweih", Zorndorferstrahe 6 10,—, Tischlerei Netzbrand u. Ramlow, Weidenivcg 6,—, von den Arbeitern der Möbelfabrik W. Kümmel. Frankfurter Allee 40,—, Stiftüberschutz von Herrmami u. Co., Grüner Weg 3,—.) 6. Kreis 10 000,—(darunter Kranzübersch. v. d. Arbeitern der Firma Breest u. Co. 5,—, Kranzübersch. b. 594. Bezirk 4,75. vom„alten Freund" 10,—. alter Parteigenosse, früher 6. Kreis, durch Franz Walther 5,—; Moabit: Uebersch. der Kranzspende V. d. Arb. der Firma Siemens u. Schuckert, Kabelwerk 8,50, desgleichen Siemens u. Schuckert, Franklinstr. 140,25, desgleichen Deutsche Waffenfabrik 56,55, Gesangverein Liederlust II 20,—, Uebersch. v. Märzkranz der Firma Zimmermann u. Buchlich durch C. K. 26.—, A. B. Mister 1,—, Kleinmotorenbetrieb A. E.- G. für März 1,60). Berlin, diverse Beiträge: Bierprozente von den Arbeitern der Firma Gebr. Bolzani 51,63. Machetes 5,—. C. D. Guhrau, zwei Raten 2,—. Bon den Arbeitern der Neuen Berliner Genossenschaftsbäckerei 52,—. Ueberschuß der Kranzspende sür die Märzgefallenen von den Arbeitern der A. E.- G. 1127,20. Gesellenfeier Pianofabrik Hirsch- feld, Eisenbahnstr. 19 6,65. Amerik. Aukt. Neue Fricdrichsrr. 20 9,50. Cigarrenfabr. R. Schulze. Friedrichsfelderstr. 21 7,30. L. u. H. B. 20,—. Zur Wiedererwerbung verlorener Rechte 10.—. Dr. L. A. 100,—. Von Arbeitern und Arbeiterinnen d. Buchbinderei„Vorwärts" 20,—. Uebersch. v. Märzkranz der Arbeiter von Kehlina u. Thomas 32,25, Sechs Hutmacher Königstr. 25 10,—. Baumschulenweg, Bierprozente Tischlerei Gadegast 6,—. Die Contobucharbeiter vom Wedding 5.—. Bierprozente der Schloffer der Firma Flatoio 27,70. P. S. 50,—. A. V. 50,—. Neun Maurer aus dem Gewertschastshause 30,—. Munition zum Kampfe für Wahrheit und Recht 5.—. Patienten aus Grabowsee 3,—. Mitglieder der U.-Dr. 4,30. Von Mitgliedern des Verbandes deutscher Buchdrucker im„Vorwärts" 150,—. Ueberschuß vom Märzkranz von den Arbeitern der Maschinen- fabrik Manoline 6,25. Strafgelder H. u. V. 1.70. Grabowsee, Ueberschuß von der Maifestzeitung 2,20. Ueberschuß der Bierkaffe der W. Wöllmerscheu Schriftgießerel 50,—. Plttzerkolonne Günther- straße 4,—. Bleisteg 1,—. Kulkc, LiSbonfalls 1,—. Bürger Pangau —.85. Gutenberg 46,40. Arbeiter der Firma P. Hardegen. Luisen- Ufer 44 10,—. Bern 50,—. Butzbach 4,—.' Breslau, socialdemo- kratischer Berein 100,—. Beuthen(Oherschl.), v. Parteigenossen 5,—. Bremen, vom Maschinenpersonal d.„Bremer Bürgerzeitung" 20,80. Cöln a. Rh., socialdemokr. Verein 1. Orartal 1904 67.—. Donau- eschingen, 2.. badischer Wahlkreis 5,—. Falkenberg(Oberschl.) 2,—. Fürth 20,—. Gotha, von den Parteigenossen d. d. Vertr. 30,—. Gera(Reuß), socialdemokratischer Verein Reuß j. L. 150,—. Gera(Reuß), für den Wolf eines Leipziger Weber? 1,63. Hamburg, von den Hamburger Genossinnen durch L. Zieh 100,—. Hamburg, Ueberschuß v. d. Reichstagswahl 1903 8068.27. Hamburg. von der Auflösung des Unterstützungsvereins„Gleichheit" von 1901 100,—. Hamburg, im Monat April in der Expedition des„Echo" eingegangen 161,79. Hamburg, 3. Wahlkreis 3000,—. Heidelberg, M. G. 4,—. Krefeld, Beitrag vom socialdemokr. Volksverein 100,—. Kattowitz(Oberschl.), Wahlverein 5,—. Luckenwalde, v. socialdemokr. Wahlvercin 100,—. Luckenwalde, RufuS 5,—. München, Gau Süd- Bayern 1. Quartal 1904 127,—. Magdeburg, von den Parteigenossen 300,—. München, Waldläufer Januar— April 20,—. Nürnberg, S. 4,—. Niederzwönitz. 19. sächs. Reichstags- Wahlkreis 50,—. Nordische Wasserkante 50 000,—. Oberstem a. Nahe, Volksverein 1. Quartal 1904 9,60. Oelsnitz i. V., von den Partei- genoffen durch A. G. 20,—. Ronsdorf, allgemeiner Ar- beiterverein 25,—. Straßburg i. E, Altvater 6,—. Stuttgart, G. U. 10,—. Solingen, durch das Kreiskomitee 50,—. Trioerg, Arbeiter-Wahlverein 5,—. Teltow-Beeskow-Charlottenburg, Central- Wahlverein 100,—. Vetschau, vom aufgelösten VollSverein 15,—. „Vorwärts", 1. Quartal 1904, 12 061,90.„Wahrer Jakob", nach Abzug der Ausgabe für„Neue Zeit" 6119,45. Württemberg 100,—. Berlin, den 9. Mai 1904. Für den Parteivorstand: A. Gerisch, Kreuzbergstr. 30. Verrnfserklärung der Landarbeiter. Seit Jahren hat das preußische Abgeordnetenhaus das Ausnahmegesetz verlangt, das es jetzt erreicht hat.„Erschwerung des Vertragsbruchs der Arbeiter" forderte man— Erleichterung des Vertragsbruchs der Arbeitgeber, Knechtung, Fesselung der Arbeiter an die Scholle meinte man. Am 1. Mai 1889, dann am 16. Mai 1900 verlangte das Abgeordnetenhaus gegen den Kontrakt- bmch ländlicher Arbeiter solvie gegen die Verleitung zu demselben gerichtete Gesetzentwürfe, zuletzt wiederholte eS sein Verlangen am 10. Februar dieses Jahres. Da gelangte der auch durch seine Sprache den Geist der Unterdrückung und des Hasses gegen die länd- lichen Arbeiter atmende Antrag der Abgeordneten Dr. Arendt und Genoffen zur Annahme, der dahin' lautete: „Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die königliche Staatsregierung aufzufordern, dem Landtage noch in dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen dahin, 1. daß auch derjenige Arbeitgeber bestrast wird, welcher Gefinde oder landwirtschaftliche Arbeiter, von denen er Mittwoch, de« 11. Mai 1904. weiß oder annehmen muß, daß sie noch einem andern Arbeit- geber verpflichtet find, - a) in Dienst nimmt, b) während der Dauer dieser Verpflichtung in Dienst behält, sofern nicht vier Wochen seit der unrechtmäßigen Lösung des Dienstverhältnisses verstrichen sind, 2. fertier derjenige bestraft wird, der dte Arbeitsvermittelung fiir solche Arbeiter oder Gefinde(Nr. 1) übernimmt, 8. endlich derjenige bestraft wird, der Gesinde oder einen land- wirtschaftlichen Arbeiter verleitet, widerrechtlich einen Dienst nicht anzutreten, vorzeitig zu verlassen oder die Vertrags- mäßige Arbeit niederzulegen." In der Diskussion stimmten die Abgeordneten der konservativen, der freikonservativen, der nationalliberalen Partei und des Centrums diesem Antrag zu. Vom CentrumSrcdner Klose wurde ausdrücklich hervorgehoben, es sei erforderlich, nicht nur den Arbeitgeber, sondern auch den Arbeiter zu strafen. Der Landwirtschaftsminister v. P o d- bielski schloß seine Rede wie folgt: „Meine Herren, ich kann zu den: Vorliegendelt Initiativanträge nur die Stellung nehmen: daß, nachdem mit Ausnahme der Vertreter der beiden Linken, das ganze Haus, die Konservativen, das Centrum und die Natioualliberalen einen solchen Gesetzentwurf für notwendig und wünschenswert erachten, ich versuchen werde, ihn noch in diesem Jahre dem hohen Hause zu unterbreiten und da- mit. wie ich hoffe, sehr berechtigten Wünschen der Landwirtschaft zu entsprechen." Genau vier Jahre vordem, am 10. Februar 1900, hatte der Minister v. Miguel im Abgeordnetcnhause erklärt, daß dir Materie ausschließlich der Reichskompetenz gehört. v. Podbielski hat Wort gehalten. Der in der SonntagSnumnier von uns mitgeteilte Gesetzentwurf gehorcht der Resolution des Abgeordnetenhauses. Ohne eine Spur statistischen Materials sagt die Begründung kurzweg, der Entwurf gehöre zur Kompetenz des Landtages, da er keine Materie betreffe, welche Gegenstand des Reichs-Strafgesetzbuches sei. Diese Behauptung ist falsch: es widerspricht der im Landtage vorgelegte Gesetzentwurf dem Reichsrecht, und zwar sowohl dem Strafrecht wie dem Bürgerlichen Gesetzbuch und dem Freizügigkeits- Gesetz. Es gehört der preußische Entwurf zu dem Netz einzelstaat- licher Gesetze, mit dem der deutsche Landwirtschastsrat unter Um- gehung der allein zuständigen Reichsgesetzgebung die deutschen Einzelstaaten seit dem Jahre 1894 zu umspannen sucht. Es ist der Entwurf ein Glied in der Kette rechtswidriger einzelstaatlicher Gesetze, wie sie seit 1899 in Anhalt, Reuß j. L., Braunschweig und andren Kleinstaaten erlassen sind. Daß derartige Gesetze der Reichs- gesetzgebnng widersprechen, ist nicht nur von Miquel als preußischen Minister anerkannt, sondern seit Jahrzehnten auch von der Reichs- gesetzgebnng und den verschiedensten Parteien. So verlangten die konservativen Abgeordneten v. Barnim, v. Minnigerode, v. Helldorf unter dem 4. Mai 1873 im Reichstag einen Gesetzentwurf gegen den Vertragsbruch auch landwirtschaftlicher Arbeiter. Unter dem 18. Juni 1873 legte v. Bismarck dem Reichstag den„Eni- Wurf eines Gesetzes, betreffend die Bestrastmg der Kontraktbrüchigkeit der land- und for st wirtschaftlichen Arbeit- geber und Arbeitnehmer" vor. In ähnlicher Weise er- klärten in den siebziger Jahren der Landwirtschastsministcr Graf Königsmark und eine Denkschrift des preußischen Landwirtschafts- Ministeriums: „daß Strafbestimmungen gegen den widerrechtlichen Kontrakt- bruch an dieser Stelle(d. h. in einem Landesgesetz) keine Auf- nähme finden können, wird einer weiteren Aus- führung nicht bedürfen; denn dieser Gegenstand ist sozu- sagen rechtshängig bei den zur Reichsgesetzgebung kompetenten Instanzen, und es wird schon um deswillen die Partikulargesetzgebung darauf verzichten müssen, der Reichs- legiSlatnr zu präjudizieren." Darüber„kau n" in der That kein Zweifel bestehen, daß die dem preußischen Abgeordnetenhaus vorgelegte Materie allein und ausschließlich der Reichs kompetenz untersteht. Es hat das Reichs-Strafgesetzbuch Bestimmungen darüber getroffen, o b und inwieweit Verletzungen von Vertragspflichten straf- gesetzlich gefaßt werden dürfen, so im§ 329(Strafbestimmung bei Lieferungsverträgen),§ 228(Strafbestimmungen des Arbeitsvertrages der Schiffer), ferner in den Vorschriften über Untreue, Betrug, Bankrott usw. Auch andre Reichs gesetze befaffen sich mit dieser Materie der Bestrafung des Vertragsbruchs, so die Seeiitanns- Ordnung, die Gewerbe-Ordnung und das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb. Der ländliche Arbeitsvertrag ist ferner er- schöpfend durch das Bürgerliche Gesetzbuch geregelt: die Landesgesetzgebung hat hier keinen Raum. Dem Freizügigkeits- g e s e tz und der Reichsverfaffung widerspricht ein Landesgesetz, das wie der vorgelegte Entwurf einen Arbeiter hindert, seine Arbeits- kraft zu verwerten. Die Gewerbe-Orduung ferner hat die Gesinde- vermittelung auch strafrechtlich geregelt. Warum legt die Regierung, wenn sie ein Gesetz in der von ihr gewünschten Richtung sür erforderlich hält, ein solches nicht dem Reichstag vor? Weil sie weiß, daß selbst der gegenwärttge reaktionäre Reichstag solches Gesetz wegen seiner knlturwidrigen Ungerechtigkeit und die Landarbeiter aufs tiefste schädigenden Ausnahmegesetznatur ablehnen würde. Im Reichstag wirkt bei den CentrumSleuten noch der Ausspruch eines Windthorst nach: Für alle Arbeiter ist die Freiheit der Person notwendig und die Bestrafung eines Kontraktbruchs der Arbeiter widersprich! der bestehenden Gesellschaftsordnung und der persönlichen Freiheit der Arbeiter. Im Landtag forderten auch die Centrumsleute ein derartiges Gesetz, welches den ländlichen Arbeiter schlechter stellt, als das russische Strafgesetzbuch vom Juni 1386 seine Landarbeiter stellt, und welche? die Landarbeiter schlimmer stellt, als Leibeigene und Hörige in Preußen in früheren Jahrhunderten standen. Nach dem Gesetzentwurf soll, wie die Konservativen sagen, nur der Arbeitgeber besttaft werden. Welch' einfältiger Einlvand. Expedition: GM. 68» Undcnstraose 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Der Arbeiter wird nach dem Gesetz von 1854 mit Strafe wegen Vertragsbruches bedroht, nicht der Arbeitgeber. Und der Arbeit- geber, der seinen Vertrag gegenüber dem Arbeiter verletzt, soll auch fürderhin straffrei bleiben. Nicht der Arbeitgeber, sondern der Arbeiter soll durch den Gesetz- entwurf getroffen werden. Durch die Strafbestimmung soll es ihm unmöglich gemacht werden, andre Arbeit zu erhalten, wenn er aus einem nach seiner Ansicht berechttgten Grunde die Arbeit verläßt. Er soll vogelfrei werden, und wer sich der Verrufs� erklärung gegen den Arbeiter nicht anschließt, sondern ihn in Arbeit nimmt, soll bestrast werden, um den Arbeiter zu treffen. Der ländliche Arbeiter kann ohne Einhaltung der Kündigungsfrist den Vertrag nach K 626 des Bürgerlichen Gesetzbuchs aufheben, „wenn ein wichtiger Grund vorliegt". Aber darüber, 0 b ein wichtiger Grund vorliegt, entscheiden gelehrte Richter nach monatelangen Ver- Handlungen. Niemand kann im voraus wissen, wie ein richterliches Urteil ausfällt. Und dennoch soll der Arbeitgeber bestrast werden, der„bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt wissen mußte", daß kein wichtiger Grund zur Aushebung des Vertragsverhältnisses nach Ansicht des Richters vorlag, wiewohl bielleicht der Arbeiter gemiß- handelt, seine Frau oder Töchter vom Gutsbesitzer oder vom Guts- inspettor geschlechtlich gemißbraucht sind l Das soll neu- preußisches Recht werden. Für daS ländliche und städtische Gesinde gelten noch heute allein die Aufhebungsgründe der Gesinde- Ordnung von 1810. Danach darf beispielsweise bei Mißhandlungen ein Gesinde erst dann ohne Aufkündigung den Dienst verlassen,„wenn es durch die Miß- Handlungen von der Herrschaft m Gefahr des Lebens oder der Ge- sundheit versetzt worden oder wenn die Herrschast dasselbe auch ohne solche Gefahr, jedoch mit ausschweifender und ungewöhn- licher Härte behandelt hat". Auf Grund dieser Vorschriften haben gelehrte Gerichte, die nach Anficht des Ministers Snarez sich ja stets in der Rechtsprechung der Herrschast zuneigen, erkannt, daß ein Gesinde, das mit Peitschenhieben geschlagen ist, noch nicht mit„ungewöhnlicher Härte" behandelt sei und deshalb den Dienst nicht verlassen dürfe. So hat auch wiederholt das preußische Ober- Verwaltungsgericht erkannt! Nimmtsich jemand eines mißhandelten Dienstmädchens oder Knechts an, ja. rät er ihm nur, den Dienst zu verlassen, so soll er— nach dem Gesetzentwurf— bestrast werden. Der Gesetzentwurf ruft dreifach dem ländlichen Arbeiter und dem Gesinde zu, keinen Vertrag zu schließen, durch den nicht das jederzeitige Kündigungsrecht dem Gesinde und ländlichen Arbeiter zugebilligt wird. Er ruft noch stärker die Pflicht deS ländlichen Arbeiters auf, sich zu organisieren! Ein weit verbreiteter Irrtum geht dahin: durch das Gesetz vom 24. April 1854 sei den ländlichen Arbeitern und dem Gesinde in Preußen das Koalitionsrecht überhaupt genominen. Dem ist nicht so. Sie haben das Recht, Versammlungen abzuhalten und Vereine zu bilden, um bessere Lohn- luid Arbeitsbedingungen zu erringen. Artikel 29 und 30 der preußischen Ver- faffung, welche Vereins- und Versammlungsrecht den Preußen gewährleisten, haben auch für alle ländlichen Arbeiter Geltung. Nur ist allerdings das wirksmnste und oft ehizige Mittel zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen— das der Verabredung, ja schon das der Aufforderung zum Streik— unter hohe Strafen gestellt und dadurch eine gewerkschaftliche Bethätignug der ländlichen Arbeiter in den durch das Gesetz vom 24. April 1854 betroffenen preußischen Provinzen(Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen, Schlesien, Brandenburg nebst Berlin, Sachsen, Westfalen, die Rheinprovinz) sehr erschwert. Auch von diesem schmalen Koalitions« recht muß der ländliche Arbeiter Gebrauch machen. Und der neue AuSnahine-Gesetzentwnrf hat das eine Gute, daß er auf den ländlichen Arbeiter revolutionierend, aufpeitschend wirkt; ihm zeigt: der Junker, die bürgerlichen Parteien sind deine Feinde, sie machen Gesetze, um dich noch mehr zu drücken. Wehre dich gegen deinen Feind, schließe dich mit deinen Leidensgcnossen und allen andren Arbeitern zusainmen, tritt Organisationen bei und schließe dich der Socialdemokratie an! politische deb er ficht. Berlin, den 10. Mai. Der Reichstag erledigte am Dienstag den Etat des Retchsamts des Innern in dritter Lesung. General- und Specialdcbatte dienten vielfach nur dazu, die Irrtümer, die in den Reden zur zweiten Lesung untergelaiifen waren, richtig zu stellen oder die Behauptungen, die damals aufgestellt worden waren, gegenüber Angriffen, die inzwischen innerhalb oder außerhalb des Hauses erhoben waren, aufrecht zu erhalten. Nur bei einem Titel fand eine wirkliche Debatte unter Beteiligung aller Parteien statt. Angehörige aller Fraktionen, mit Ausnahme des Centrums und der Socialdemokratie, hatten zu dem Neichsfonds für Kunstzwecke eine Resolutton eingebracht, die gleichmäßige Berücksichtigung der beiden Central- organisationen der Künstler fordert. Dieser Antrag sollte das Facit darstellen aus der Kunstdebatte vom 16. Februar, in der an der einseittgen Bevorzugung der Anton v. Weruerschen Clique von allen Seiten scharfeKrittk geübt worden war. Dahaben die Herren Freisinnigen, Nationalliberalen und Konservativen den Sinn ihrer eignen Reden sehr mißverstanden. Nicht darum handelte es sich, daß von Staats tvegen die Kunst anderweitig reglementiert werden soll, sondern um völlige Freiheit der Kunst und um ihre Uutersiützung durch Ankauf oder Entsendung von Bildern auf internationale Aus- stellungen je nach dem Wert des einzelnen Werkes. Diesen Standpunkt vertrat namens unsrer Fraktion heute auch in witziger Rede Genosse S ü d e k u m. Der Centrunrs- abgeordnete Kirsch stellte den Antrag, die Resolution indem Sinne umzuändern, daß alle Künstler ohne Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit zu einzelnen Richtungen aus Reichsmitteln unter- stützt werden sollten; und dieser Antrag wurde dann auch fast einstimmig angenommen. Aus dem Vielerlei der socialpolitischen Debatte sind die Beschwerden des Genossen Horn wegen ungenügender Beaufsichtigung der Glashütten durch die Gewerbe-Jnspektoren sowie die Forderungen hervorzuheben, die Genosse L i p i n s k i für die Handelsangestellten erhob. Die Antwort des Staats- stffretärs Graf Posadowsky lautete wenig entgegen- kommend. Es scheint, als ob die Regierung auf Jahre hinaus nichts für die Handlungsgehilfen thun will. Hingegen konnte aus eine Anfrage unsres Genossen Schmidt- Frankfurt der Staatssekretär erklären, daß geheime polizeiliche Erhebungen über eine Verschärfung des§ 123 der Gewerbe- Ordnung nicht stattfänden. Es handelt sich da um eine Forderung der Scharfmacher, daß auch Streitigkeiten zwischen den Arbeitern dem Unternehmer Grund zur sofortigen Ent- lassung geben sollen. Der konservative Abg. v. Riepenhausen erzählte eine wundervolle Geschichte vom Maurer-Terrorismus, die er schon einmal erzählt hat, von neuem, las ein Maiflugblatt der hannoverschen Socialdemokraten vor und hielt schließlich einen Vortrag über Bebels Stellung zur schwarzen und gelben Rasse. Graf Balle st rem erhöhte die Komik der komischen Rede durch erheiternde Unterbrechungen. Ferner hielt der polnische Abgeordnete K u l e r s k i eine längere Vorlesung über die Grundlagen der Pädagogik unter besonderer Berücksichtigung von Comenius im Verhältnis zu den Volksschulen der Provinz Posen, und der nationallibcrale Graf O r i o l a bemühte sich in verspäteter Kunstrede, die Er- folge des Herrn v. Riepenhausen zu erringen. Die dritte Lesung des Etats wird am Mittwoch kaum zu Ende geführt werden können, da bei dem Militär- wie Justiz- Etat noch längere wertvolle Erörterungen zu erwarten sind.— Reichskontraktbrüchig. Am Dienstag begann das preußische Abgeordnetenhaus nach Erledigung einiger kleinerer Vorlagen die erste Beratung des Gesetz- entwurfs betreffend die Gründung neuer Ansiedelungen in den Pro- vinzen Ostpreußeu, Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien, Sachsen und Westfalen. Von bornhereii« ist diesem Aus- nahmegesetze eine große Mehrheit, bestehend aus den beiden kon- servativen Parteien und den Nationalliberalen, sicher. Von Interesse war es nur, wie die Freunde der Vorlage im Hanse und am Ministertische den offenbaren Verfassungsbruch motivieren würden. Vor allem war es der Minister des Innern, Freiherr v. H a m in e r st e i n, der sich spielend über die Verfassung hinweg- setzte. Herrn v. Hammersteins Intelligenz berechtigt zu der Annahme, daß er vielleicht den juristischen Unsinn glaubt, den er vorträgt. Die Macher des Ostmarkenvereins und der Deutschen Landbank schicken offenbar die Hammerstein und Podbielski vor, weil ihr mangelhaft ausgebildetes Unterscheidungsvermögen sie befähigt, auch an der hellsten Tollheit keinen Anstoß zu nehmen. Herr v. Hammerstein übertraf sich diesmal selbst so sehr, daß es ihm gelang, einen Sturm von Pfui- Rufen sogar seitens der regierenden Partei, des Centrums, zu ernten. Er suchte sich über den Mangel an Gründen durch Grobheit hinüberzuretten. Und Gründe hatte Herr v. Hammerstein nicht ins Feld zu führen. So legte er sich denn aufs Schimpfen, warf dem Centrums-Abgcordueten Rören vor, daß er den Mund voll genommen habe, sprach von polnischer Un- Verschämtheit und was dergleichen Plumpheiten mehr sind, so daß er fortgesetzt große Unruhe hervorrief. Hammerstein verteidigte das„Kampfgesetz", wie er es nannte. mit einer Schilderung der großpolnischen Gefahr, daß alten Weibern wirklich angst und bange werden konnte. Durch seine ewigen Ger- manisations-Reden hat sich bei ihm die fixe Idee entwickelt, daß es schon morgen zum blutigen Kampf zwischen den Polen und Preußen kommt, wenn er nicht auf der Hut ist. Er erzählte allen Ernstes als ganz sicher, daß in C h i c a g o sich eine polnische Armee von Offizieren und Unteroffizieren ausbilde. Diese Armee wird dann vermutlich in der Entscheidungsstunde zunächst Hamburg oder Kiel einnehmen, um dann den Polen zu Hilfe zu eilen. Das war aber auch die einzige Idee, die in seiner Rede zum Ausdruck kam. In seine Kriegervereinsrede flocht er einige staatsrechtliche Betrachtungen, durch die er sich offenbar den Anspruch auf juristische Unsterblichkeit sichern wollte. Daß nach der Verfassung alle Preußen vor dem Gesetz gleich sind, konnte er nicht bestreiten, aber diese Gesetzesgleichhcit, meinte er, bezieht sich nur darauf, daß jeder Preuße den bestehenden Gesetzen unterworfen ist, nicht aber darauf, daß jeder Preuße das gleiche Recht hat. Daß es sich bei dem Gesetz um ein Ausnahmegesetz handelt. mußte auch Minister v. Podbielski zugeben, der sich im übrigen sehr zurückhaltend zeigte. Er mochte wohl eingesehen haben, daß er es mit seinem Kollegen v. Hammerstein an staatsrechtlichem und juristischem Wissen doch nicht aufnehmen kann. Bekämpft wurde die Vorlage von den Abgg. Rören sC.). Dr. v. Skarzynski sPole) und Peltasohn sfrs. Vg.). Herr Rören sprach, wie man anerkennen muß, sehr scharf und energisch. Aber mit solchem Oppositionsdonuer ist es nicht mehr gethan. Preußen verfolgt jetzt systematisch das Ziel, alles, was durch Reichsgesetz unmöglich gemacht ist, ffr Preußen durchzusetzen. Es wird Zeit, daß endlich gegen diese fortgesetzten Reichs- kontraktbrüche. die nachgerade eine Art p a r t i k u l a ristisch e n Hochverrats darstellen, eingeschritten wird. Das Centrum hat die Macht, diese preußische Politik zu verhindern, wenn es will, da ja im Reichstage nichts ohne sewe Mithilfe geschehen kann. Gebraucht es diese Macht nicht, sondern begniigt sich mit ein paar kräftigen Worten, so zeigt es damit, daß es ihm nicht Ernst damit ist, den immer gemeingefährlicher werdenden preußischen Partikularismus zu bekämpfen. Mittwoch: Fortsetzung und kleinere Vorlagen. Außerdem ein Antrag auf Einleitung eines Verfahrens wegen Beleidigung des Abgeordnetenhauses. Das Herrenhaus beriet am Dienstag nur kleinere Vorlagen und Petitionen, darunter eine um Abänderung des Einkommensteuer-Gcsctzes behufs Abzugsfähigkeit der von dem zum Gewerbe- oder Bergwerksbetrieb dienenden Grundeigentum zu entrichtenden Komntunalsteuern vom Einkommen. Die Petition hat das aus schon wiederholt beschäftigt; sie wurde auch diesmal der egieruyg, trotz ihres Widerspruchs, zur Berücksichtigung über- wiesen. Am Mittivoch beginnt die Etatsbcratung. Zum Rücktritt Leutlveins. Unsre Bemerkungen zu der Sensationsnachricht der Scherl-Presse über den bevorstehenden Rücktritt Leutweins und seine unausbleib- lichen verhängnisvollen Folgen haben— ein Novum in der publi- zistischen Praxis August Scherls!— den„Loknl-Anzeiger" zu folgender in unverfälschtem Kanzlerjargon gehaltenen Polemik gegen den„Vorwärts" veranlaßt: ...„Hauptmann Dann Hauer erfüllte nur seine publizistische Pflicht, als er uns von der gegenwärtigen Stimmung dortiger alter Aftikaner rechtzeitig Kenntnis und dadurch Gelegenheit gab, alle Hindernisse für ein ferneres Verbleiben Leutweins auf seinem Posten aus deni Wege zu räumen. Er hat uns sogar seine Quellen ftir die uns übermittelte Nachricht— die nebenbei bemerkt nicht mit demGouverneur Leutwein selb st identisch sind— in einem Zusatz zu seiner Depesche, der von uns nicht veröffentlicht wurde, näher charakterisiert, um jeden Verdacht von sich zu weisen, als ob etwa sein Telegramm Mittel zu einer in Südwestafrika ängezettelten Jntrigue sei. Der„Vorwärts" weiß alles ganz genau und verlegt heute schon den Sitz dieser angeblichen Jntrigue nach Berlin. Er leistet sich bei der Ausmalung dieses Gedankens ein noch tolleres Phantasie- stück, als die„Staatsbürger-Zeitung", das in seiner Drolligkeit sogar das Märchen von der„Kaiserinsel" übertrumpft. Wir haben im übrigen gestern schon unsrer Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß O b e r st Leutwein ein viel zu guter Patriot und Soldat ist, um nicht schließlich wieder Herr seiner Ver- stimmungen zu werden. Wir würden uns daher nicht wundern, wenn in allernächster Zeit bereits eine definitive Erklärung Leutweins an amtlicher Stelle einträfe, daß er auf seinem Posten verharre." ES ist uns natürlich gar nicht eingefallen zu behaupten, daß das Windhuker Telegramm August Scherls in Berlin aufgegeben worden sei. Wir haben lediglich bemerkt, daß ein solches Telegramm, das sich in schärfster Form gegen die neueste Südwestafrika- Politik— nicht der verantwortlichen Regierung— wendete, un- möglich ohne Sondierung an gewissen Stellen in Berlin veröffentlicht worden sein könne. Die Zwischen- träger Scherls brauchen deshalb ebensowenig bei dem Reichs- kanzler selbst antichambriert zu haben, wie es wahrscheinlich war, daß der Scherl- Korrespondent in Windhuk direkt von Leutwein inspiziert worden ist. So plump werden diplomatische Jntriguen ja wohl schwerlich eingefädelt. Aber die „Quellen", die Herrn Dannhauer seine„absolut sicheren" In- formationen zuraunten, werden wohl auch wieder von unsichtbaren Adern gespeist worden sein! Eine solche Kombination erfordert so wenig Scharfsinn, daß sogar die„Staatsbürger-Zeitung" eine„Flucht in die Oeffentlichkeit" dahinter witterte. Wir wollten denn auch bei- leibe keine scharffinnige Konjektur zu Markte bringen, sondern ein- fach die heillose Wirrnis unsrer Weltpolitik beleuchten. Die„Norddeutsche Reichskorrespondenz" schreibt ebenfalls über die Angelegenheit: „Aus Afrika kommt die Kunde, daß Ober st Leutwein nur die Ankunft des neuen Oberkommandierenden, General- licutenant v. Trotha, die am 7. Juli erfolgen wird, abwarten will, um dann nach Deutschland zurückzukehren. Trotz aller Beschönigungsversuche wäre damit eingetroffen, was zu erwarten war. Der hinter den Coulissen ge- führte Kleinkrieg verschiedener Gruppen drängt geradezu dahin, einmal vor breitester Oeffentlichkeit eine laute und deutliche Sprache zu reden. Leutwein galt und gilt noch heute bei allen Kennern der Verhältnisse als ein Kolonialmann von großer Praxis und ebenso großer Tüchtigkeit. Die Schuld an den wenig erfreulichen Ereignissen in Südwest trifft ihn sicherlich nicht. Wer die Verantwortung zu tragen hat, das ergiebt hoffentlich die vom Kaiser gewünschte Untersuchung. Von Anbeginn aber richtete sich gegen Leutwein eine Hetze, die seinen Sturz als Ziel betrachtete. Erkundigte man sich damals an Stellen, die es hätten wissen müssen, so erfuhr man mit größter Be- stimmtheit: Leutwein bleibt selbstverständlich; es liegt nicht der gering st e Anlaß vor. seine Demission zu wünschen. Wenige Tage später nannte ein Teil der Presse den Namen des Herrn v. Trotha in Verbindung mit dem Ober- kommando in Südloestasrika; darunter Blätter, deren Informationen verläßlich sind. Gleich darauf erfuhr man an berufener Stelle abermals: es denkt kein Mensch daran, eine Aenderung in die Wege zu leiten. Und wieder einige Tage später— war Generallieutenant v. Trotha Oberkommandierender für Südwestafrika. Die Ueber- raschung war selbst an aller maßgeblich st er Stelle eine vollkommene. Um den schlechten Eindruck, den das unsichere Tasten hin und her in der Oeffentlichkeit gemacht hatte, zu ver- wischen, hieß es: Leutwein bleibt doch; nicht Oberkommandierender zwar, aber Gouverneur; er hat die Entbindung von den mili- tärischen Geschäften selbst gewünscht und denkt nicht daran, sie als Kränkung aufzufassen. Und nun kommt abermals einNovum: Leutwein kehrt in die Heimat zurück. Es ist kein Wunder, daß das Ver- trauen zu unsrer Kolonialpolitik unter solchen Umständen schwer erschüttert wird. Selbst der Laie wird hier Zeuge eines Ränke- spieles sondergleichen. Auswärtiges Amt(Kolonialamt), Reichs-Marineamt und Militärkabinett— jedes treibt seine be- sondere Politik, jedes hat seine eigne Neigimgen und eigne Wünsche. Dazu kommt eine ganze Schar von nichtbcamteten Kolonial- Politikern mit einer ebensolchen Schar von Sonderinteressen. Seit Jahr und Tag wird die Forderung erhoben, das Kolonialamt mit selbständigeren Beftignissen auszustatten und ihm die Verant- Wartung für sein Ressort zu übertragen. Wer hat heute die Ver- antwortung an dem, was in Südwestafrika geschehen ist und noch geschieht, zu tragen? Nach der Verfassung: der Reichskanzler. Gewiß, aber trifft ihn auch die moralische Verschuldung an Vorgängen, denen er machtlos gegenübersteht? Freiherr v. Marschall flüchtete sich seiner Zeit in die Oeffentlichkeit, um endlich einmal die geheimnisvollen Fäden bloßzulegen, die u n- Verantwortliche„Minister" gesponnen hatte». ES wäre an der Zeit, daß Graf Bülow diese m. Beispiele folgte und rückhaltlos�die Vorgänge ent- schleierte, die Leutweins Sturz zur Folge hatten. Der verantwortliche Leiter der deutschen Politik war noch am Tage der Afrika-Konferenz der fe st en Meinung, daß Leutwein unter allen Umständen bleiben müsse. DiefeS Rätsel harrt noch heute der Lösung." „Etwa" 2000 Mann Nachschub? Der„Tag" meldet:„In gut unterrichteten militärischen Kreise» nimmt man an, daß die Zahl der berittenen Truppen in S ü d w e st a f r i k a um etwa 2000 Mann erhöht werden wird. Das Pferdcmaterial soll ausschließlich aus Ost- preußen bezogen werden." Sollen nun überhaupt nur 2000 Mann nachgeschickt werden, oder außer 2000 Berittene» auch noch Fußtruppen?!— HmidertsiinsmidsUbzig Typhuskranke. Nach privaten Meldungen auS Windhuk beträgt die Zahl der TyphuSkranken in Otjihasnena 2 Offiziere und 05 Mann, in Windhuk 40 Mann, in Okahandja 42 Mann, in Karibik 20 Mann. In Ab- babis ist ein Erholungsheim eingerichtet worden, wo sich die Typhus- und Malaria-Rekonvaleszenten wieder kräftigen können. Die Zahl der Typhuskranken ist zwar noch nicht wesentlich zurückgegangen, aber dank den getroffenen Borbeugungsmaßrcgeln ist das weitere Umsichgreifen der Epidemie verhindert worden. Die„Norddeutsche Allgemeine" gegen Leutwein. Das offiziöse Blatt bringt an der Spitze seiner letzten Nummer folgende Erklärung: „Ein in Südwestaftika befindlicher Berichterstatter hat unterm 8. d. M. aus Windhuk gemeldet, der Gouverneur Oberst Leutwein sei entschlossen, sogleich nach Uebergabe der Geschäfte an den Generallieutenant v. Trotha nach Deutschland zurückzukehren. Wir halten diese Meldung für durchaus falsch; denn sie steht in unlösbarem Widerspruch mit Erklärungen, die Ober st Leutwein aus freien Stücken seinen vorgesetzten Behörden abgegeben hat." Dies Dementi klingt ungewöhnlich gereizt. Es liefert einen neuen Beweis für die unglaubliche Verwirrung in den Regierungs- kreisen. Warum hat man denn nicht Leutwein selbst zu einer tele- graphischen Erklärung veranlaßt, statt ihm indirekt Wankelmüiigkeit vorzuwerfen?!—_ Ein Pionier kolonialer Brutalität ist heute morgen in der Person des bekannten Afrikareisenden Henry Stanley in London dahingegangen. Als Todesursache wird Wassersucht genannt. Stanley hat sich— vom geographischen und kolonialausbeute- rischen Standpunkte aus— große Verdienste um die Erforschung und Erschließung des vor seiner Zeit in Wirklichkeit noch ziemlich „dunklen", das heißt unbekannten Erdteils erworben. Stanley wurde 1871 von der Zeitung„New Jork Herald" nach Afrika ent- sandt, um Livingstone aufzusuchen. 1874 unternahm er eine zweite afrikanische Reise, auf der er den von Livingstone entdeckten Lualaba als Ouellfluß des' Congo nachwies. 1377 fuhr er dann, von der Ostküste kommend, den Congo bis zu seiner Mündung hinab, eine Durchquerung Afrikas, die großes Aufsehen erregte. 1879—34 legte er im Auftrag des belgischen Königs Stationen am mittleren Congo an, 1887 leitete er die Expedition vom Congo zum ägyptischen Sudan, um den durch die Mahdistenbewegung von allem Verkehr mit Europa abgeschnittenen Emin Pascha zu entsetzen, jedenfalls auch, um Englands politischen Einfluß im Sudan zu stärken. Er fand Emin Pascha am Albert Nyanza und zwang ihn und Casali zum Auf- bruch nach Sansibar. Stanley, eine rücksichtslose, brutale Natur, führte ein neues System in die Afrikareisen ein, das leider später vielfach Nach- ahmung gefunden hat. Statt, wie Livingstone, seine Reisen nur mit einer kleineren Begleitmannschaft zu untenrehmen und sich friedlich mit den Eingeborenen über den Durchmarsch zu verständigen, was dank der Gutmütigkeit der Eingeborenen auch immer geglückt ist, rüstete Stanley förmlich eine kleine Armee aus, mit der er sich ein- fach überall den Durchmarsch erzwang. Der Pfad seiner Expeditionen war denn auch stets mit Leichen besät. Auch seine eignen Leute wurden mit dem Revolver terrorisiert und einfach niedergeschossen, wenn sie sich den Strapazen nicht länger unterwerfen wollten oder sie vor drohenden Gefahren zurückschreckten. Stanleys wichtigste Entdeckung, die Erforschung des Congos und die Anpreisung des Reichtums der Eingeborenen an Elfenbein, führte zur Gründung des Congostaates unter dem Protektorat des industriösen Königs von Belgien und jenen himmelschreienden Grau- samkeiten bei der Ausplünderung der unglücklichen Eingeborenen, die mehr als einmal— freilich ohne Erfolg!— von der Presse der ganzen Welt gebrandmarkt worden sind.— Deutfches Reich. Der Seniorenkonvent des Reichstages hat sich am Dienstag unter Vorsitz des Präsidenten über die Dauer der Pfingstferien ver- ständigt. Ueber den Beginn der Pfingstferien war man geteilter Meinung. Der Vorschlag des Präsidenten ging dahin, nach Er- ledigung des Etats in dritter Lesung vor den Ferien nur noch die dritte Beratung des Gesetzes betr. die unschuldig Verhafteten sowie die erste Lesung des Gesetzes betr. die Entlastung des Reichsgerichts fertig zu stellen. Von nationalliberaler und konservativer Seite wurde verlangt, daß das Plenum noch einige Tage der nächsten Woche tagen' solle, damit die Budgetkommission namentlich die Afrikabahnen fördern und zur Beratung im Plenum bringen könnte. Die Vertreter des Centrums, der Socialdcmokratie und der Freisinnigen traten der Ansicht des Präsidenten bei, da für das Plenum nach Pfingsten so viel Arbeitsstoff bereit liegt, daß die Budgetkommission ebenfalls nächste Woche nicht mehr thätig zu sein braucht. Da eine Verständigung darüber nicht zu erzielen war, wird das Plenum am Sonnabend über diese Frage entscheiden. Der Wiederbeginn der Sitzungen nach Pfingsten ist auf deu 7. Juni festgesetzt. Ob eine längere Vertagung bis zum Herbst stattfindet, ist noch nicht festzustellen. Der Reichskanzler ist der Vertagung nicht ab- geneigt, mutz jedoch erst die Entschließung des Kaisers einholen. Da der Kaiser zur Zeit nicht in Berlin ist, nach Ansicht des Grafen v. Bülow aber eine schriftliche Erledigung dieser Angelegenheit nicht ratsam erscheint, wird die endgültige Entscheidung, ob nach einer kurzen Tagung nach Pfingsten die Sitzungen bis Anfang November vertagt werden, erst nach Pfingsten erfolgen. Vor Beginn der Verhandlungen war dem Seniorenkonvent vom Präsidenten mitgeteilt worden, daß von der Hainburg- Amerika Paketfahrt Aktiengesellschaft 33 Einladungskarten zu einer Nord- landsfahrt vom 3. bis zum 10. Juni eingegangen sind. Die Togo-sgescllschafts-ZBahn. In der B u d g e t k o m m i s s i o n des Reichstags, die sich noch immer mit der Vorlage für die T o g o b a h n zu beschäftigen hat, geißelte Dienstag Abg. Ledebour in der schärfften Weise die so- genannten„Landkäufe" der Togogesellschaft lind ihres Vorgängers, des Herrn Sholto Douglas; die„Erwerbung" von ca. 50 000 Hektar für ungefähr 400 Mark bezeichnete er als eine B e g a u n e r u n g der Eingeborenen und fragte den Kolonialdirektor, ob in der That das Gouvernement in Togo zunächst abgelehnt habe, den berühmten „Kanfkoutrakt" zu genehmigen' und ob die Beyauptung richtig sei, daß die Genehmigung erst direkt vom Kolouialamte gegeben worden sei? Die geplante Bahn liege allein ini Interesse der Togogesellschaft und werde letzterer eine bedeutende Wertsteigerung bringen. DerKolonial- dircltor Dr. S t ü b e l bestritt, daß zwischen dem Bahnbau und dem Landbesitz der Togogesellschaft ein Zusammenhang bestehe. Die 400 M. seien nur ein Teil des Gefamtkaufpreises, der zusammen 2 7 9 5 Mark für 45 000 Hektar betragen habe. Die Eingeborenen seien nicht geschädigt worden. Der Gouverneur habe aller- dings die Verkäufe nicht genehmigen wollen, es sei das durch das Kolonialamt geschehen. Zur Zeit der Genehmigung bestand noch die Ansicht, daß man größere Landgesellschaften in den Kolonien begünstigen müsse: jetzt hege man diese Ansicht nicht mehr..in diesem Umfange". Die Verträge seien vor fünf bis sechs Jahren ab- geschlossen worden, da könne man also nicht mehr eingreifen. Die Gesellschaft habe großes Entgegenkommen für die Bahn gezeigt, sie wolle alles zum Bahnbau nötige Land abtreten, dazu noch 4000 Hektar Land an die Regierung zu Gunsten der Eingeborenen und auch auf ihre sogenannten Verkaufsrechte verzichten. Das habe allerdings sehr geringen Wert, da die Regierung entschlossen sei, die Laudkänfe nicht mehr zu dulden I Abg. Speck n, einte, die Sache liege so, daß man am ehesten noch ftir die Bahn in Togo eintreten könne. Die Togo-Gesellschaft rechne offenbar mit sehr erheblichen Gewinnen aus dem Bahnbau; deshalb müßte doch auch diefe Gesellschaft zu den Kosten heran- gezogen werden. Der Kolonialdirektor meinte, es sei natürlich sehr an- genehm, wenn die Togo- Gesellschaft etwas beisteuerte, er werde es auch versuchen, sie dazu zu bewegen— aber die Togo- Gesellschaft sei doch auch erst noch eine junge Gesellschaft, die erst verdienen wolle. Die Togo-Gesellschaft sei doch nicht die einzige Jnteressentin, sondern für den ganzen Handel wolle man die Bahn bauen. Wenn in den Kostenanschlägen der Hektar mit 300 Mark eingesetzt sei, während die Togo- Gesellschaft nur 6 Pfennige bezahlt habe, so handelte es sich dabei um Eingeborenenland mit Oelpalmen. Die Landpolitik solle man nicht mit der Vorlage für die Bahn verquicken. Abg. S ü d e k u m wies an der Hand eines Prospektes der Togo- Gesellschaft nach, daß diese erhebliche Gewinne aus dem Bahnbau bereits eskomptiert. Wenn man nicht annehmen wolle, daß die Togo- Gesellschaft betrügerische und gaunerhafte Vor- spiegelungen in ihrem Prospette gemacht habe, dann sei doch ihr Interesse an der Bahn erwiesen und es rechtfertige sich die Heran- ziehung zu deren Kosten. Abg. Ledebour wies darauf hin, daß durch den schon jetzt in Aussicht genommenen Weiterbau der Bahn von Lome nach Atak- Powe später die Togo- Gesellschaft nochmals werde begünstigt werden. Die dichte Bevölkerung der Gebiete schaffe zweifellos die Gefahr eines Aufstandes. Der Kolonialdirektor be- hauptete, daß das Ziel der Landpolitik wesentlich der Schutz der Eingeborenen sei. Was ftüher geschehen sei, habe er nicht zu verantworten. Das Land sei für die Eingeborenen überflüssig und zum Teil unbewohnt. Abg. Graf v. A r n i m erklärte sich gegen die großen Landkonzessionen, weil man den Gesellschaften Rechte ohne Pflichten überwagen habe. Die Togo-Gesellschaft habe aber immerhin Aufwendungen gemacht. Von dem Bahnbau habe sie keinen außergewöhnlichen Nutzen. Von einer Uebervorteilung der Eingeborenen könne keine Rede sein. Abg. Dr. S�p ahn regte eine Verstärkgung des Kolonialrates an, in denr die parlamentarischen Parteien vertreten sein müßten. Da das Land der Togo-Gesellschaft nur in geringem Umfange be- rührt werde, so brauche sie auch nichts zuzuzahlen. Die Bahn sei ein gutes Experiment. Wenn noch einige Auskünfte geliefert würden, dann solle man der Vorlage zustimmen. Abg. v. Richthofen trat für die Vorlage ein; gegen ihn polemisierte Abg. Müller- Fulda, der besonders darauf hinwies, daß bei den Kleinbahnen in Deutschland eine namhafte Kapitalbeteiligung der Interessenten neben der Hergabe des Grund und Bodens die Regel sei. Die Togo-Gesell- schaft wolle so gut wie gar nichts leisten; sie biete ca. 13 Hektar an, die ihr 80—90 Pfennig gekostet hätten. Man müsse darauf bestehen, daß die Interessenten andre Zugeständnisse machten als diese. Die Erhöhung der Zölle treffe die arme eingeborene Be- völkerung, keineswegs aber etwa die große Spekulationsgesellschaft. Abg. Richter meinte, die Volksstimmung sei der Kolonialpolitik mehr als je abgeneigt; man habe es satt, für das gott- verfluchte Land Menschen und Millionen zu opfern. Der Kolonialrat sei nur ein Kloß auf der Suppe, lediglich eine Kulisse. Es sei eine Gruppe von Kolonialphantasten, die keinerlei persönliches Risiko trügen. Eine Beschleunigung des Bahnbaues sei gar nicht wünschenswert. Ein� enger Zusammenhang zwischen der Bahn und der Togogesellschaft sei nicht zu leugnen. Von allen Seiten sei der Prospekt der Togogesellschaft als eine V e r l o ck u n g auf Grund falscher Thatsachen hingestellt worden, auch vom Kolonialdirektor: aber solle man denn dann den Schwindel ohne Schranken lassen? Das wichtigste sei. die Interessenten heranzuziehen. Der Grund und Boden gewinne an Wert und diese Werffteigcrung müsse zur Deckung des Risikos herangezogen werden. Die Zollerhöhung garantiere doch keine höhere Einnahmen, schon wegen der erhöhten Gefahr des Schmuggels. Jede Erwagsschätzung habe man vermieden. Die Haupteinfuhr sei für 1 Million Schnapsl Auch den Bauvertrag müßte man doch kennen, ebenso den Tarifplan. Der Kolonialdirektor legte„Einspruch ein" gegen die verächtliche Kritik des Abg. Richter an den Arbeiten des Kolonialrates. Ob es empfehlenswert sei. den Kolonialrat durch Parlamentarier zu ergänzen, könne ernstlich er- wogen werden. Der Bauverwag werde wahrscheinlich mit einem zahlungsfähigen Hause abgeschlossen werden. Die Interessenten würden zum Bahnbau durch die Erhöhung der Zölle herangezogen. Die Kultur und die„Freiheitsverhältnisse" der Eingeborenen würden durch die Bahn sehr erheblich gefördert werden. Eine Rentavilitäts- rechnung unterlasse man besser, weil sie doch rücksichtslos im Reichs- tage zerrissen werde. Abg. Ledebour wies zunächst einmal die Insinuation des Grafen Arnim zurück, wir wollten die Debatten verschleppen. Seine eignen Ausführungen hätten aber den Beweis für die Notwendigkeit einer gründlichen Diskussion des Gegenstandes erbracht. Die Verhandlungen wurden dann auf Mittwoch vertagt.— Bosfische Diplomatie. Während die gegnerische Presse im allgemeinen nicht umhin kann, der Rede unsres Genossen Bebel'über die politische Gesamt- läge— abgesehen natürlich von Abweichungen in der Sache— hohe Bedeutung beizumessen, versucht die„Vossische Zeitung" das nachzuholen, was anscheinend nach ihrer Meinung Graf Bülow der- säuinte, dem socialdemokratischen Redner zu erwidern. Die Vossin ist mit Bebels Diplomatte durchaus unzufrieden, ihr besagt offenbar allein die Politik der Liberalen im Reichstage, welche die bedrohlichen Wandlungen in der Stellung Deutschlands im stumpfen Schweigen der Nichtsschenden und Nichtswissenden geschehen lassen. Die höchste Weisheit der„Vossin" in der auswärtigen Politik ist die Selbst- entmündigung des Volkes und des Parlaments; alles, was sie sagt, ist, daß man nichts sagen soll. Die Höhe seiner auswärtigen Weis- heit erreicht das Organ für liberale Schweigsamkeit in diesen Aus- führungen: „... Am wenigsten aber hätte Anlaß, sich in lauten Wünschen, daß Rußland ein Jena erleide, ein Politiker zu ergehen, der öffentlich behauptet, daß Deutschland unter dem Neid und der Mißgunst aller übrigen Staaten allgemach gänzlich isoliert dastehe. Angenommen, diese Isolierung wäre Thatsache, so steße sich schwer absehen, welchen Vorteil es bringen soll, sie in alle Welt hinauszurufen. Wird sie damit beseitigt? Wird das Reich dadurch gestärkt? Wenn sonst die Regierung eine Ver- stärkung der Wehrkraft forderte, wenn sie auf die Armeen und Flotten der andren Staaten hinwies, wenn sie von dem Krieg mit zweien Fronten redete, immer wurde ihr von der Opposition entgegengehalten, daß Deutschland doch im äußersten Fall auch mit Bundcsgeuoffen zu rechnen habe.. Jetzt aber ist Deutschland nach Herrn Bebels Darstellung vereinsam:, es hat keinen Freund, keinen Verbündeten. Soll das wahr sein, so wird man der Schluß- folgerung des Grafen Bülow die Bündigkeit nicht absprechen können: also muß das deutsche Volk dafür sorgen, sein Schwert scharf zu er- halten. Für die auswärttge Politik kann die Rede des Herrn Bebel die Stellung Deutschlands nicht verbessern: für die innere Politik giebt er der Regierung die schönsten Gründe zur Rechtfertigung neuer Armee- und Marine-Forderungen. Das ist das Ergebnis seiner diplomatischen Kunst." Das ist der Sinn der Vossischen Diplomatte, daß daS Parlament alles gehen und geschehen lasse, was die Weisheit der Regierung beschließt, mag diese Weisheit auch in bedrohlichste Situationen führen. Nur nicht aussprechen, was ist! Nur immer den Kopf im Sande I Die„Vossische Zeitung" folgert aus der Annahme der Isolierung Deutschlands, daß Deutschland sich mit Rußland vertragen soll. Die„Voss. Ztg." hat ihre Bülowschen Russenneigungen bereits bei den Stndentenausweisungen herrlich bewiesen und ist bereit, alle Russi- sizierung zu dulden. Schon bekennt sie sich zu dem Wort: Russische Trauer ist deuffche Trauer. Diese Resignatton in die Alleinweisheit der Regierung teilt allerdings die Socialdemokratie nicht � im mindesten. Je weniger wir Neigung haben, in der russischen Annäherung dem Vossischen Liberalismus zu folgen, u m so nötiger ist es, die bedauerlichen Fehler der Rcichsdiplomatie aufzuweisen, die uns in die Isolierung führen. Hier gilt es nicht zu schweigen, hier ist es h ö ch st e Notwendig- k e i t, laut das Wort zu erheben, die Oeffentlichkeit aufzuklären und Einhalt der verderblichen Polittk zu fordern. Die„Vossische Zeitung" leistet schließlich das kindische Gerede, als ob Ausführungen, wie sie Bebel gemacht hat, Armee- und Marineforderungen begünstigen. Nicht daher kommen neue Armee- und Marineforderungcn, daß Bebel feststellt, wohin die deutsche Diploinatie führt, sie entspringen aus dieser Diplomatie selbst. Wer diese falsche Diplomatie fördert, wie die„Vossische Zeitung" befür- wortet, fördert zugleich die Ansprüche des Militarismus und Mari- nismus. Wer diese Diplomatie offen bekämpft, wer zur Rückkehr in heilsamere Wege mahnt, der entzieht dem Militarismus und Marinismus den Grund zu neuen Ansprüchen.— Der„Rcichsverband gegen die Socialdemokratie", dessen glück- liche Geburt wir gestern meldeten, tritt, wie heute mitgeteilt wird, mit einem Jahresvermögen von 30 000 M. in die Welt: nur 18 000 M. sind durch Mitgliederbeiträge zu erwarten— vorausgesetzt, daß sie pünktlich eingehen— den größeren Teil hat ein großer Unbekannter der guten Sache zugesichert. Der Zweck des Verbandes ist statutarisch also festgelegt: „Der Reichsverband gegen die Socialdemokratie hat die Be- stimmung, alle in Treue zu Kaiser und Reich stehenden Deuffchen ohne Unterschied ihrer religiösen und politischen Stellung zum Kampf gegen die antimonarchischen und revoluttonären Be- strebungen der Socialdemokratte zu einigen. Er erkennt es ins- besondere als seine Aufgabe an, zu diesem BeHufe— unter- voller Anerkennung der berechtigten Bestrebungen der Arbeiter auf Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage swas wohl„berech- tigt" sein mag? Red.)— 1. an hierzu geeigneten Orten feste Organisationen gegen die Socialdemokraten zu schaffen: 2. der auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesell- schastsordnung gerichteten Thätigkeit der Socialdemokratte durch Wort und Schrift entgegenzutreten; 3. bei Wahlen aller Art in den durch die Socialdemokratie gefährdeten Bezirken und Orten auf ein gemeinsames Vorgehen aller bürgerlichen Parteien hinzuwirken; 4. den durch focialdemokrattschen Terrorismus bedrängten Arbeitern und Gewerbetreibenden nach Möglichkeit Hilfe zu ge- währen; 3. zwischen allen gleiche und ähnliche Ziele verfolgenden Ver- einigungen und Veranstaltungen einen festen Zusaminenhang her- zustellen." Unter den Männern, die den Ausschuß des Verbandes bilden, finden sich ungefähr alle altbekannten Vertteter des einseitigen Unternehmerstandpunktes, konservative und nattonalliberale Wahl- und Koalitionsrechtsfeinde. Die Arbeiterschaft empfängt den neuen Gegner, indem sie ihre» Opfermut und ihre Kampfeslust erhöht. Weun dieser Reichsverband, was noch zu bezweifeln, eine Kraft wird, so eine Kraft zur Auf- rüttelung der Arbeiter, zun? Nutzen der Socialdemokratie.— Husland. Frankreich. Auf Befehl des Zaren! Paris, 7. Mai.(Eig. Ber.) Die vor vier Monaten aus der Schweiz ausgewiesenen russischen Revolutionäre Bourtzew und Krakow hatten sich nach Paris gewandt im Vertrauen auf das vom Ministerpräsidenten dem revoluttonär-socialisttschen Abgeordneten Sembat gegebene Wort, sie hier unbehelligt zu lassen. Seither haben sie die ftanzösische Gastfteundschaft nicht im mindesten mißbraucht. Thut nichts! Der russische Botschafter Nelidoff verlangte und erhielt ihre Ausweisung. In dem ihnen zugestellten Ausweisungsdekret, gezeichnet Coinbes, fehlt jegliche Motivierung des Willküraktes. Der ftanzösische Regierungschef vorspricht und die Zarenregierung nöttgt ihn, sein verpfändetes Wort mit dem Asylrecht zugleich zu brechen! Nelidoff ist der ftühere russische Botschafter in Rom, der sich und seine Regierung so tief blamiert hat durch die an die italienische Regierung gestellte Zumutung, den russischen Revolutionär Götz aus- zuliefern. Die Folge dieser Blamage war bekanntlich die Verhinde- rung der Zarenreise nach Italien dank der Energie der italienischen Genossen. Im verbündeten Franfteich aber war Nelidoff glücklicher. Angesichts der doppelten Ausweisung haben die Pariser Ver- treter sämtlicher socialistischer Parteien und Organisattonen des Zarenreiches— der socialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands, der Partei der Socialisten-Revoluttonäre, des jüdischen Arbeiterbundes, der polirischen socialistischen Partei sP. P. S.), der focialdemokrattschen Partei Polens und Littauens, der socialistischen Partei Grusiens und der armenischen revolutionären Föderatton Droschak— ein Komitee zur Verteidigung der politischen Flüchtlinge organisiert, das in der Presse — nebst Darlegung des Sachverhalts— folgende P r o t e st- resolution veröffentlicht: „Das Komitee konstatiert die Umftiebe der russischen Regierung, die darauf abzielen, ihre Gegner selbst in deir Ländern zu verfolgen, wo ein verfassungsmäßiges Regime jedem Bürger die Meinungs- llnd Gewissensfreiheit sichert; lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit auf die immer wachsende Zahl der Ausweisungen von russischen Socialisten aus Italien, der Schweiz. Deutschland und Frankreich; verweist auf die Gefahr, die das Beschreiten des WegeS administrativer Unterdrückungsmaßregeln für eine Demokratie bedeutet; bedauert, daß das republikanische Frankreich sich so zum Mitschuldigen der Verbrechen des russischen Zarismus macht; und ruft die öffentliche Meinung auf zu einex? energischen Protest gegen die Versuche der Agenten des Zarismus, nach Frank- reich die Prattiken zu verpflanzen, unter denen Millionen uud Aber- Millionen russischer Unterthanen seufzen." Die beiden Ausgewiesenen haben eine Frist von sieben Tagen für das Verlassen Frankreichs erhalten, die heute oder morgen abläuft.—_ Ergebnisse des Textilstreiks. Paris, 7. Mai. sEig. Ber.) Nur die Weber von Lille, die nach wie vor auf den trotzigen Widerstand der Unternehmer stoßen, und sodann einige Arbeitergruppen in einzelnen Orten und Betrieben verharren im Streik. Sonst haben die Arbeiter überall den Streik eingestellt. Umfassende und genaue Angaben über die Ergebnisse fehlen jedoch noch immer, auch in der gewerkschaftlichen Fachpresse. Eine summarische Zusammenfassung der Ergebnisse findet man in der neuesten Nummer des„Texrilarbeiters", des Organs der Landes- föderatton der Texttlarbeiter. Danach haben sich am Streik beteiligt etwa 80 000 Personen in den Departeinents Untere Seine, Somme, Nord, Ardeimes, Vogcsen und Rhone. Die materielle Lohnforderung wurde„so ziemlich überall" durchgesetzt. Der Lohn wurde um 3 bis 12 Proz. erhöht, so daß die Einführung des Zehnstundentages unter Aufrcchterhaltung der früheren Löhne vor sich gegangen ist bezw. für einzelne Kategorien eine absolute Lohnerhöhung erzielt wurde. Andrerseits aber ist es nicht gelungen, diese materielle Verbesserung durch Vermittelung der Gewerkschaften zu erlangen: die Unternehmer haben bis zuletzt diese Vermittelung ab- gelehnt. Ferner betont das Gewerkschaftsorgan die anspornende Wirkung, welche die noch junge Textilföderation auf die Massenbewegung der bis dahin von einander isolierten Arbeiter der einzelnen Orte und selbst der einzelnen Betriebe desselben Ortes ausgeübt hätte... Die Föderation als solche hat aber doch keine effektiv leitende Rolle gespielt. Es war keineswegs ein Generalstreik, sondern viel- mehr eine Reihe einzelner, von einander unabhängiger Streiks, die vielfach nach einander ausbrachen, wie sie auch ohne jede Rücksicht auf einander zu verschiedenen Zeiten wieder eingestellt lvurden. Da- her erscheint die Hoffnung des generalstreiterischen Organs auf einen erfolgreichen Geircralstreik aller Berufe zwecks Erzielung des Achtstundentages nebst einem Lohnminimum, der Alters- und Arbeitslosigkeits-Versicherung— gänzlich haltlos. Bei dem bet* zeitigen Zustand der gewerkschaftlichen Organisatton ist es tmt Illusion, die in dem blinden Generalftreik-Glauben wurzelt.— Die Gemeinde-Wahlen. Das Ministerium des Innern veröffentlicht folgende statistische Angaben über die Gemeinderats-Wahlen. Vor den Wahlen gab es in 37g Departements- und Kreishauptstädten 230 ministerielle, 131 antiminffterielle und 18 Gemeinderäte ohne ausgesprochene Richtung. Nach zwei Wahlgängen zählt man jetzt 260 ministerielle, 102 antiministerielle und 17 Gemeinderäte ohne besondere Partei- Zugehörigkeit. Paris, 10. Mai.(B. H.) In Valenciennes fand gestern, anläßlich des Wahlsieges der Progressisten eine Krindgebung gegen die Socialisten statt. Die Progressisten veranstalteten einen Umzug, nach welchem ein im Zuge getragener Strohmann, welcher die nicht wiedergewählten Socialisten darstellen sollte, ver- brannt werden sollte. Dies wollten die Socialisten verhindern. Es kam zu einem Handgemenge, wobei Messerstiche und Stock- hiebe ausgeteilt wurden; hierbei wurde ein socia- listischer Kandidat schwer verletzt, mehrere andre Personen erlitten leichtere Verwundungen. Eine große Anzahl Verhafttingen wurde vorgenommen, jedoch nicht auftechterhalteu.— Auch in Marseille fand zwischen Kollektivisten und Antikollektivisten ein Zusammenstoß statt. Be? einein von den ersteten veranstalteten Straßeunmzuge entstand auch hier ein Handgemenge, wobei zahreiche Personen Ver- letzungen davontrugen. Frauen und Kinder gerieten unter die Füße der Demonstranten, die Polizei mußte einschreiten, die Ladenbesitzer hatten ihre Geschäfte geschloffen.— In Ronen fanden gleichfalls Straßendemonstrationen statt, wobei gleichfalls mehrere Personen verletzt wurden. Belgien. Die Beseitiguni, des Plural-Wahlfystems, welches es dem Be- sitz ermöglicht, zwei und drei Stimnun? abzugeben, ist das Ziel der Socialisten und der bürgerlich-liberalen Gruppen. Emil F e r o n, der radikale Deputierte für Brüssel und unser Genosse Hector Denis hatten deswege?? einen Anttag auf Revision des Artikels 47 der Verfassung eingebracht. Bei der Frage, ob dieser Antrag zur Verhandlung konunen solle oder nicht, kam es zwischen der Rechten und den Parteien der Link«?? zu einer lebhaften Auseinandersetzung. Hierbei erklärte?? die Führer der liberale?? Gruppen, daß sie in dieser Frage sich nicht von den Socialisten trennen würden. Ferner w?irde die Erklärung abgegeben, daß, sobald die Linke die Majorität habe, sie sofort den obligatorischen Unterricht, die Militär reform und die Arbeiter- Versicherungsgesetze durchführen tverde. Hierauf!tn?rde mit 70 gegen 55 Stimmen beschlossen, den Antrag auf Verfassung»- «Vision nicht zur Diskllssion zu stellen.— England. Die Selbstlosigkeit eines Arbeiter-Abgeordneten. London, 7. Mai..Gl»cke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstalt Ein während der Versammlung eingelaufenes Telegramm der Hamburger Mtglieder. welches der Berliner Bewegung Erfolg wünscht, wurde mit Enthusiasmus aufgenommen. Der Referent Hetzschold besprach nochmals den seitherigen Verlauf der Bewegung und teilte unter anderm mit, daß auf die an die Bäckermeister gestellten Forderungen 126 Antworten erfolgt sind. Von diesen enthalten 13 Ablehnungen) die zum Teil von un- anständigen, ja unflätigen Aeußerungen begleitet sind. 16 Meister wollen die Forderungen mit gewissen Einschränkungen bewilligen und 95 Betriebe, darunter die allergröfften, haben die Forderunge» ohne Vorbehalt anerkannt. Ein Großbetrieb, nämlich der von Kortz. hat nicht bewilligt. Die Verlesung eines Teils der ablehnenden Antwortschreiben der Bäckermeister gestattete einen recht lehrreichen Einblick in die Denk- weise und die Umgangsformen mancher Bäckermeister. Die Schrift- stücke strotzen meist von so unflätigen, gemeinen und rohen Aus- drücken, daß es mit Rücksicht auf den Anstand unmöglich ist, diese auch nur teiltveise wiederzugeben. Die Bäckermeister, welche solche Unflätigkeiten verübten, verschwiegen allerdings ihre Namein aber es waren Aorkehrungsn getroffen, die eine Feststellung der Namen dieser Rüpel ermöglichten. Tie denkbar größte Gemeinheit leistete sich der Bäckermeister Wienecke in Pankow, Kaiser Friedrichstr. 67, der den Bogen mit den Forderungen der Gesellen mit Kot beschmiert zurücksandte. Nach den geschilderten Umständen bedurste es keiner Aufforde- rung mehr, den beschlossenen Streik auch sofort zu beginnen. Mit großer Begeisterung stimmte die Versammlung dem Vorschlage zu, die Arbeit sogleich niederzulegen. Während die Gesellen derjenigen Meister, welche die Forderungen bereits bewilligt haben, zur Arbeit gingen, blieben die übrigen im Versammlungssaal und überließen es ihren hartnäckigen Meistern, die Arbeit, so gut oder so schlecht es gehen mag, selber zu verrichten. Es war Vorsorge getroffen, daß Be- willigungen, die noch in letzter Stunde erfolgten, schnellstens an die Streikleitung gelangten, so daß auch den Meistern, die sich erst etwas spät darauf besannen, daß es den Bäckergesellen bitterer Ernst mit dem Streik ist, noch rechtzeitig die erforderlichen Arbeitskräfte zu- geschickt werden konnten. Während der Versammlung liefen denn auch noch eine Anzahl neuer Bewilligungen ein und konnte festgestellt werden, daß bis jetzt mehr als 499 Gesellen unter den geforderten Bedingungen arbeiten.— An der Abstimmung über den Streik hatten sich� noch viele später Erschienene beteiligt, so daß schließlich als Endresultat 2863 Stimmen für und 192 gegen den Streit festgestellt werden konnten. Die Stimmung der Streikenden ist eine äußerst zuversichtliche und kampfessrohe. Tie Konditoren haben ihrem bereits vor vierzehn Tagen gefaßten Beschluß entsprechend. soweit sie in Bäckereien thätig sind, ebenfalls die Arbeic niedergelegt. Ihre gestrige Versammlung, die bei Feuerstein statt- fand, befaßte sich hauptsächlich mit der Regelung der Arbefts- einstellung. Heute ftüh sollen allen Arbeitgebern, die nicht bewilligt haben, die Forderungen nochmals vorgelegt werden. Wo sie dann nicht unterschriftlich betvilligt werden, wird die Arbeit eingestellt. In jedem Fall, ob bewilligt oder nicht bewilligt, soll dem Bureau des Konditorvrnverbandes, Brunnenstratze 188, sofort Mitteilung gemacht werden. Täglich von S— 10 Uhr und von 4— 5 Uhr findet daselbst die Streikkontrolle statt.— Am Freitagabend findet bei Feuerstein eine öffentliche Konditorenversmnmlnng statt, wo über den Stand der Bewegung berichtet wird. Bis gestern abend hatten 6 Arbeitgeber, darunter einige Groß- betriebe, die Forderungen der Konditoren bewilligt. Versand worden sind die Forderungen an ca. 799 Arbeitgeber, von denen einige recht flegelhafte und geineine Antworten geschickt haben. Eines dieser Schreiben beginnt z.B. mit den gewählten Worten:«Ihr könnt mir im M... lecken". So manchem Meister, der die vergangene Nacht mutterseelen- allein am Backtrog stand, mag wohl die Erkenntnis gekommen sein. daß die Zeit vorbei ist, wo sich die Bäckergesellen mit leeren Ver» heißungen abspeisen ließen. Bei einigem guten Willen auf feiten der Meister konnte dieser Kamps vermieden werden. Nun er ohne Verschulden der lange Zeit nur allzu geduldig gewesenen Bäckerei- arbeiter ausgebrochen ist. steht die Sympathie der Arbeiterschaft Berlins ohne Rückhalt auf der Seite der kämpfenden Bäckergesellen und wünscht ihnen, die zu den ain meisten gedrückten Proletariern gehören, einen vollen Erfolg. Zur Erreichung dieses Erfolges kann das konsumierende Publikum insofern beitragen, als es seinen Bedarf an Backwaren nur da einkauft, wo die berechtigten Forde- rungen der Bäckergesellen bewilligt sind. Wer heute seine Backware zu spöt»der in schlechter Beschaffenheit erhält, der kann darauf rechnen, daß sie aus einer Bäckerei stammt, w» die Forderungen der Arbeiter nicht bewilligt sind. Heute nachmittag findet wieder eine öffentliche Bäcker-Versamm- lung bei Keller in der Koppenstraße statt. Letzte IVaebnebten und DcpcFcbcn. Berkauf deutscher Schiffe an Rußland. Hamburg, 19. Mai.(B. H.) Die hiesigen Dampfer„Augusta Viktoria" und„Columbia" wurden an russische Unterhändler verkauft. Budapest, 19. Mai.(B. H.) Der Rücktritt des Finanzministers Lucacs soll gleich nach Beendigung der Budgetdebatte im Abgcord- netenhause erfolgen._ Gefecht bei Liaujang und weiterer Rückzug der Russen. Schanhaikwan, 19. Mai.(Meldung des„Reuterschen Bureaus.) Hier eingegangene Nachrichten besage,» das erste japanische Corps, das den auf dem Rückzug vom Halu begriffenen Russen gefolgt sei, habe dieselben gestern zwanzig Meilen südlich von Liaujang eingeholt. Es habe sich ein schweres Gefecht entsponnen, bei dem die Japaner Geschütze auf Hügel hinauffchleppten, die man für unübersteiglich hielt. Danach hätten die Russen den Rückzug nach Norden zu fortgesetzt. Eine Division des japnisisien ersten Corps nähere sich jetzt Niutschwang, in welchem gegenwärtig nur eme �anz geringe Zahl Ruffen seien; japanische Vorposten seien bereits in einer Entfernung von sechs Meilen von der Stadt gesehen worden. Aus Niutschwang hier«ingetroffene Frauen bestätigen, daß der Platz von den Russen geräumt ist._ Tüffeld-rf, 10. Mai.(B. H.) Bei den Kanalarbeiten im Benrather Hafen stürzte gestern ein Schacht ein und begrub 7 Ar- beiter unter sich. 3 derselben wurden schwer, d,e übrigen leicht verletzt. FranzenSbad, 19. Mai.(B. H.) Heute ist der große Konzert- saal des Kurhauses völlig durch FeuerSbrunft vernichtet worden. Botzdorf, 10. Mai.(95. H.) In einem gestern nachmittag nieder- gegangenen Gewftter wurden in dem benachbarten Herdorf 3 Kinder von, Blitze erschlagen. Bclgrnd, 19. Mai.(W. T. B.) Der Korrespondent der Wiener „Zeit" ist heute von hier ausgewiesen wordein__ aul Singer LeCo.. Berlin SW. Hierzu SBrilugen u. Unterhattm�sblatt Kr. 110. 21. Jahrgang. 1. f tilBjf Ks Jofflütls" Strlinct NslksM WiNmch, Ii. M«i<904. SZ£3SSSSfi Reichstag* C8. Sitzung. Dienstag, den 10. Mai 1SY4. nachmittag s>1 Uhr. Am Bundesratstische: Graf Posadowsky. Die dritte Lesung des Etats wird fortgesetzt. Die Beratung beginnt mit dem Etat für das Neichsamt des Innern. Abg. Trimborn(C.) teilt berichtigend mit, daß die Westdeutsche Binnenschiffahrts- Berufsgenossenschast in ihrer Dienstordnung die PensionsverhÄtnisse und die Reliktenfiirsorge ihrer Beamten geregelt habe. Seine gegenteilige Angabe bei der ersten Lesung beruhe auf einer falschen Information. » Abg. Lipinski(Soc.): Seit den Erhebungen über die Lage der Handlungs- ange st eilten ist nichts für fie geschehen, auch nicht bei der Revision des Handelsgesetzbuches. Die an den Neunuhr-Ladenschluß geknüpften Befürchtungen, die Schlagworte von Verleitimg zum Bumnieln, zum Diebstahl, vom Zugrunderichten der kleinen Geschäftsleute und so weiter haben sich sämtlich als unbegründet erwiesen. Die Bestimmung, daß die Ortsbehörden den Achwhr-Ladenschluß verfügen können, war vielleicht ganz gut gemeint, ist aber praktisch angesichts des Widerstandes, der Rück- ständigkeit der Behörden ganz wertlos. Sagt doch ein Führer des Dcutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, der sich stets als Swrmbock gegen die Socialdemokratie hat brauchen lassen, fie seien seit Ausstellung dieser„socialdemokratischen" Forderung schlimmer behandelt worden wie wir selb st. Ich möchte also die Bitte aussprechen, daß die Behörden mehr sociale Gesinnung beweisen. Auch die Durchführung der Bestimmungen über den Achtuhr- Ladenschlutz, die Mittagspausen, läßt viel zu wünschen übrig. Die hierfür angestellten Polizei Mannschaften reichen nicht aus, der Selbsthilfe der Handlungsgehilfen, den von ihnen ein- gesetzten Schutzkommissionen sucht man auf jede mögliche Weise Schwierigkeiten zu machen. Die Äusnahnletage, die von der Lokal- beHördt festgesetzt werden können, sind doch vom Reichstag nicht in dem Sinne beschlossen worden, daß sie auch an kleineren Orten unbedingt erschöpft werden müssen. All das trägt doch gewiß nicht dazu bei, die Wirksamkeit der vom Reichstag beschlossenen Schutz- maßregeln zu erhöhen. Die im September 1901 veranstalteten Erhebungen über die Arbeitszeit in Comptoiren usw. hat gezeigt,' wie dringend notwendig auch hier eine gesetzliche Begrenzung der Arbeitszeit ist. In einigen Geschäften wird gewohnheitsmäßig die Arbeit vis tief in die Nacht hinaus ausgedehnt. Viele Prinzipale würden froh sein, wenn allgemein eine entsprechende Verkürzung der Arbeitszeit der Handelsangestellten einträte. Die Sonntagsruhe besteht thatsächlich an vielen Orten nicht. Denn die Arbeitszeit wird so ungünstig verteilt, daß die Gehilfen bis abends 8 Uhr festgehalten sind. Die Ermächtigung, die Sonntags- ruhe durch Ortsstatut auszudehnen, ist kaum irgendwo benutzt worden. Das hängt zum großen Teile damit zusammen, daß die Gehilfen keinerlei Vertretung gegenüber den Behörden haben und daß die Gewerbepolizei sich in vielen Fällen als ohnmächtig erweist. Eine weitere schlimme Beeinträchtigung der Handlungsgehilfen stellt die Konkurrenzklausel dar; sie ist angesichts der oft unerhörten Ausbeutung in den Verträgen ein Ausnahnicgesetz schlimmster Art. Femer verlangen die Gehilfen einen weiteren Ausbau aller Versicherungszweige, die namentlich durch die immer weitere Ausbreitung der Warenhäuser geboten erscheint. Wir bitten Sie bringend, diese billigen Forderungen der Handlungsangestellten zu berücksichtigen und gesetzgeberische Maß- nahmen zu ihren Gunsten zu ergreifen.(Bravo! bei den Social- demokraten.) Abg. v. Riepenhausen(!.); Die Maurer an einem BahnhofSvau stellten vier Tage vor Ablauf deS Kontraktes plötzlich die Arbeit ein. Sie wußten, daß der Unternehmer den Bau bis zu einer bestimmten Zeit vollenden mußte.(Redner trägt nun mit donnernder Stimme, die Arme über der Brust gekreuzt, den Fall vor. den er vor etwa vier Wochen bereits einmal mit denselben Worten erzählt hatte.) Sie verlangten nicht nur höheren Lohn, sie gingen viel weiter, sie verlangten Beseitigung der Accordarbeit. Heiterkeit links, Zuruf bei den Socialdemokraten: Sehr gut!) Das hat natürlich unwillkürlich zur Folge gehabt, daß immer weniger gearbeitet wird. (Lachen bei den Socialdemokraten. Zuruf: Arbeiten Sie im Accord?!) Das geht Sie gar nichts an; ich behandle hier nur große politische Fragen.(Heiterkeit.) Was für Dinge Sie im Lande verbreiten, geht aus dem Mai-Aufruf der hannoverschen Social- demokraten hervor. Da heißt es, daß jeder Arbeiter imZukunftsstaat im eignenLuftschiffe durch die Lüfte fahren wird, daß kein irdischer Genuß ihnen je versagt bleiben wird.(Zuruf bei den Socialdemokraten.) Präsident Gras Ballcstrem: Meine Herren, wenn schon einzelne Redner glauben, die dritte Lesung des Etats des Reichsamtes des Innern zu längeren Vorträgen benutzen zu müssen, so seien Sie doch wenigstens still.(Stürmische Heiterkeit.) Mg. v. Riepenhausrn(fortf.): Wir stehen nicht auf dem Stand- punkte besonderer Vorliebe für die gelbe und schwarze Rasse, den Herr Bebel gestern eingenommen hat. Präsident Graf Ballcstrem unterbrechend: Die schwarze und gelbe Rasse gehört nicht zum Reichsamt des Innern.(Stürmische Heiterkeit.) Abg. v. Riepcnhausen(fortf.): UnsreSympathien st ehe n auf feiten Rußlands. Hiermit will ich schließen.(Zuruf links: Oh I oh! Schade, so schnell!) Aber Ihnen, meine Herren Socialdemokraten, rufe ich zu, überlegen Sie sich, wa§ Sie weiter thun, wenn Sie darauf hinarbeiten, kontraktbrüchige Ver- bältnisse zu schaffen.(Stürmische Heiterkeit.— Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Abg. v. Dircksen(Rp.) bittet die Regierung, die Maßnahmen zur Unterdrückung des Mädchenhandels kräftig zu unterstützen und fragt an, ob zwei von der Reichsregierung beschickte Mittelstands- kongresse in Stuttgart und Brüssel zu irgend welchen praktischen Er- gebinssen geführt hätten. Mg. Brejski(Pole) beklagt die zahlreichen ungenügend be st rasten Uebertretungen der Sonntagsruhe. Zu- dem werde der ganz scharf und bestimmt gefaßte 8 IVSa der Gewerbe- Ordnung dazu benutzt, ohne jeden ausreichenden Grund Befreiungen von der Sonntagsruhe zu bewilligen. So genügen als Gründe„günstige Jahreszeit",„gute Exportgelegenheit' und meinem Falle sogar„die bevorstehende Krönungsfeierlichkeit in London". Selbst die Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung werden zu einer Politik der Nadelstiche gegen die Polen benutzt. Selbst Witwen werden wirtschaftlich geschädigt, daß sie in die größte Not geraten. Die gewerkschaftlichen Organisattonen werden von der Behörde mit Mißgunst angesehen, währrnd sie für die Kontrolle der socialen Gesetzgebung sehr nötig sind. Die Gewerbegerichte müssen vermehrt werden. Wg. Nacken(C.) spricht Graf Posadowsky seinen Dank aus dafür, daß er vor 14 Tagen seine Hilf« zugesagt hat für die Ver- sichern na der Priv<,tbeamten. In der nächsten Gewerbe- zählung sollen besondre Fragen gestellt werden zur Vorarbeit für diese Versicherung. Diese Versicherung wird eine ungemeine Be- deutung haben, denn diese zu versichernde Gruppe hat eine immer größere sociale Bedeutung. Sie ist sehr stark im Wachsen sowohl im Handel wie in der Industrie. Der Pensionsausschuß dieser Privat« beamten verdient ftir seine geschickte Handhabung und Mäßigung bei der Aufstellung seiner Forderungen den Beifall aller Mittel- stands-Freuude.(Bravo! im Centrum und bei den Natjonalliberalcn.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Auf die mannigfachen Be- schwerden der Herren Vorredner erlvidre ich zunächst, daß wir mit dem gesetzlichen Achtuhr-Ladenschluß zur Zeit noch n i cki t vorgehen können, weil die Einführung des Neun- stundentages uns noch nicht genügend Material verschafft hat zur Konttolle der gesamten Ladenschluß- frage. Wir müffen darum erst noch länger abwarten, in welcher Weise der Neunuhr-Ladenschluß sich bewährt hat. In Bezug auf den Mädchenhandel.ist beim Berliner Polizei- Präsidium eine Centtalstation eingerichtet worden zur Kontrolle der von der Pariser Konferenz aufgestellten Forderungen. Wir sind an die verschiedenen Bundesstaaten herangetteten, daß sie sich mit dieser Centtalstation in Verbindung setzen sollen. Zu den Verhandlungen des internationalen Kongresses für den Mittelstand in Brüssel sind wir nicht eingeladen worden, wir haben aber die Fragen, die dort aufgestellten Wünsche und Forderungen mit Interesse verfolgt und werden unsre weitere Stellungnahme abhängig machen von der Fest- legung des Programms, das diese Bewegung aufstellen wird. Bezug- lich der Handwerkerversicherung sollen im Sommer dieses Jahres eine Anzahl Fragebogen versandt werden, die uns Material bringen sollen für die weitere Behandlung dieses Gegenstandes. Von dem Ausfall dieses Materials wird es abhängen, ob wir in die praktische Gesetz- gebung der Handwerkerversicherung eintteten können. Jedenfalls wird in den nächsten Etat eine Summe eingesetzt werden, um die nötigen Vorarbeiten zu beschaffen. Die Klagen deS Abg. LipinSki bezüglich der S o n n t a g s r u h e müssen entschieden übertrieben sein. Im Gesetz ist für den Sonntag nur eine dreistündige Arbeits- zeit vorgesehen für die Reinigung der Maschinen und ähnliche Nebenarbeiten. Wenn diese ausnahmsweise länger dauern, so sollen an jedem dritten Sonntage 36 Stunden vollständig frei sein, oder an jedem zweiten Sonntage soll eine größere Ruhezeit gewährt werden. Die Unternehmer, die diese Bestimnurngen übertreten, müssen entschieden bestraft werden, und ich muß deshalb den Abgeordneten Lipinski ersuchen, die betreffenden Unter- nehmer den vorgeschriebenen Instanzen namhaft zu machen. Die Beschwerden des Abg. Brejski über die Zurücksetzung und un- g e r echte Behandlung der Polen gehören zum größten Teil vor das Forum des preußischen Landtages. Soweit er Reichsangelegenheiten vorgebracht und ausgeführt hat, daß die polnischen Arbeiter bei der Zubilligung von Alters- invaliden- und Unfallrenten in ungesetzlicher Weise benachteiligt worden seien, so kann ich mir unmöglich denken, daß die Beschwerden des Herrn Ab- geordneten begründet sind. In Westpreußen ist die dortige VersicherungS- anstatt von meinen Beamten ausdrücklich kontrolliert worden. Da hat sich in keiner Weise herausgestellt, daß bei der Festsetzung der Renten irgendwelche Ungerechtigkeiten aus nationalen Interessen vor- gekommen sind. In der Provinz Posen sind die betreffenden Ver- stcherunasanstalien noch nicht kontrolliert, aber auch dort wird sich zeigen bei der nächsten Kontrolle, daß von einer Zurücksetzung der polnischen Arbeiter bei der Bemessung der Renten keine Rede sein kann. Aber eine große Gefahr für die ganze socialpolittsche Gesetzgebung ist die Simulation, die manchmal von sehr unlauteren Elementen geradezu gewerbsmäßig betrieben wird. So hat sich in Posen und Westpreußen in den Jahren 1897—1900 die Zahl der Renten mit ungeheurem Sprunge verdoppelt. Wie wenig das Reichs- Versicherungsamt geneigt ist, den Arbeiter» ihre Rente zu nehmen, geht daraus hervor, daß es auf die Berufsgenossenschaften einwirkt, bei Fristversäumungen keinen Gebrauch von ihrem formalen Recht zu machen, sondern einen neuen Bescheid zu erlangen, damit die Arbeiter Berufung einlegen können.(Bravo! rechts.)— Ueber die Zahl der Privatbeamten wird die Berufszählung Auskunft geben. Wir sind auch bereit, das von ihren Organisationen gesammelte Material von Reichsloegen zu bearbeiten. Aber es handelt sich nur um statistische Arbeiten, über die wir eventuell eine Denkschrift vorlegen, nicht um gesetzgeberische Entscheidungen, die wir uns nach jeder Richtung hin vorbehalten müssen. Wg. Schmidt-Frankfurt(Soc.): Ich will mich nicht des längeren auf die kontraktbrüchigen Verhältniffe des Herrn von Riepenhausen einlassen.(Stürmische, anhaltende Heiterkeit.) Daß er für die Accordarbeit eintritt, zeugt von seinem socialpolitischen Verständnis. Hauptsächlich habe ich mich zun, Wort gemeldet, um den Herrn Staatssekrektär zu fragen, ob eS wahr ist, daß auf Grund einer Eingabe des deutschen Arbeitgeber-BundeS für das Baugewerbe eine geheime, durch die Polizei-Organe geleitete Enquete darüber statt- findet, ob es sich empfiehlt, einen sofortigen Ent- l ass ung s g run d aus Prügeleien o d er Beschimpfungen der Arbeiter untereinander zu machen. Die„Frank- furter Zeitung", die diese Nachricht brachte, fügte hinzu, ob man dabei wohl auch die Arbeiter fragt? Bisher hat man sie nicht ge- fragt, und wir haben ja bei der Zuchthausvorlage gesehen, was aus solchen Polizei-Enqueten herauskommt. Wir warnen die Regierung, dem Wunsche der Scharfmacher nachzugeben, die jetzt mit der Hungerpeitsche, der Drohung der Entlastung gegen die Arbeiter bor- gehen wollen.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Staatssekretär Graf Posadowsky: An den Bundesrat werden unzählige Eingaben gerichtet. Darunter befand sich auch die vom Vorredner hier erwähnte. Natürlich heben wir alle diese Petitionen auf, um sie bei einer etwaigen Revision der Gewerbe-Ordnung auf ihre Berechtigung zu prüfen. Aber Erhebungen irgend- welcher Art darüber, wieviel Arbeiter sich m den deutschen Fabriken in den letzten Jahren geprügelt haben(Heiterkeit), haben wir nicht veranstaltet. Die ganze Geschichte ist eine absolute Ente. Abg. Lattmann(Antis.): Bei der zweiten Lesung des Etats be- hauptete Staatssekretär Graf Posadowsky, daß es nicht möglich sei, daß ein Handwerksmeister tausend Mark jährliih für die sociale Arbeiterversicherung ausgäbe. Ich lege ihnen hier den Jahresabschluß eines Tischlermeisters vor, der achtzehn Gesellen und zwei Lehrlinge beschäftigte, tausend Mark jährlich Ausgaben für die Arbeiter- wohlfahrts-Einrichtungen hatte und selbst nicht mehr als 4000 Mark jährlich verdiente. Ich würde mich freuen, wenn der Staatssekretär es über sich gewönne, zu erklären, daß er sich geirrt hat. Er könnte dann das Verttauen wieder gewinnen, das er durch gewisse Aeuße- rungcn im Handwerkerstand verloren hat. Staatssekretär Graf v. Posadowsky: Der Vorredner hat wieder auf die viel kolportierte Aeußerung angespielt, dem Handwerkerstand sei nicht zu helfen. Ich erkläre nochmals, daß ich nicht eine Silbe davon gesagt habe, sondern nur erklärt habe, daß an die Wiedereinführung des Befähigungsnachweises als öffentlich-rechtliche Einrichtung nicht zu denken sei. Auf diesem Standpunkt steht Preußen seit 20 Jahren. I m Bundesrat würde sich nie eine Mehrheit für den Befähigungsnachweis finden: und die meisten Hand- werker haben sich längst damit abgefunden. lieber die Be- lastung der Handwerker durch die sociale Gesetzgebung habe ich eingehende Erhebungen veranstaltet. Wenn mir ihre Resultate vorliegen, werde ich aus meinem Herzen keine Mördergrube machen. Ich finde es nur sehr merkwürdig, daß der Reichstag die Regierung immer zur Einführung neuer VersicherungS« zweige drängt und dann ständig über die socialpolitischen Lasten klagt. Bei der socialen Versicherung geht es doch unmöglich so, wie in der Heineschen Dichtung: Einer muß es schließlich bezahlen. (Heiterkeit und Bravo l) Abg. Horn-Sachsen(Soc) � führt Beschwerde über die un- genügende Beaufsichtigung der Glashütten durch die Gewerbebeamten. Die Sonntagsruhe, von der für die Glashütten so wie so nur ein kläglicher Teil übrig fei, müsse ausgedehnt werden und die Regierung könnte eine große Beruhigung unter die Arbeiter dieses Gewerbes tragen, wenn sie schon jetzt eine verpflichtende Erklärung darüber abgeben Ivollte, daß sie bereit sei. die Sonntagsruhe aus- zudehnen,'lieber die Beschäftigung der Kinder in Glashütten habe die Regierung bei der zweiten Lesung des Etats vollkommen falsche Zahlenangaben gemacht, die ein völlig irriges Bild ergeben hätten. In einem einzigen Fabrikort seien mehr Kinder beschäftigt als nach Graf Posadowsky in der ganzen Glasin du st rie. Dabei würden nicht einmal die Schutzbestimmungen für die Kinder innegehalten. Der Central- verband der Glasarbeiter habe eine Denkschrift darüber anSgearbeitot, die er der Regierung zur Verfügung stelle.(Bravo! bei den Social- demokraten.) Abg. Erzberger(C.) erklärt, daß auch seine Partei für Er- Weiterung der Sonntagsruhe eintrete. Abg. Prinz zu Schönaich-Carolath(natl.) spricht der Regierung seine lebhafte Anerkennung und Befriedigung über die Fortschritte der Gewerbe-Jnspektton aus; er bittet nur, mehr weibliche HilfK- kräfte als bisher einzustellen. Abg. Brefski(Pole) hält dem Staatssekretär gegenüber alle seine Angaben über die Durchbrechung der Sonntagsruhe, über das mangelnde Entgegenkommen der Beamten gegenüber polnischen rentenberechtigten Arbeitern aufrecht. Besonders teilt er mit, daß italienische Arbeiter im Regierungsbezirk Düsseldorf 30 Sonntage hinter einander gearbeitet hätten, ferner daß auf dem Landratsamt in Prenhisch-Stargard die Eingabe eines Arbeiters einfach unter- schlagen worden sei. Abg. Schmidt- Frankfurt(Soc.): Ich danke dem Staatssekretär für seine Erklärung. Ich hatte meine Mitteilungen auf Grund einer Nachricht der sonst gut unterrichteten„Frankfurter Zeitung" ge- macht. Ich hoffe jedenfalls, daß auch, wenn in Zukunft eine Unter- suchung angestellt wird, nicht einseitig nur die Unternehmer beftagt werden. Staatssekretär Graf Posadvwysky: Ueber die Sonntagsruhe habe ich bereits erklärt, daß wir mit einer allgemeinen Prüfung beschäftigt sind und daß die Sonntagsruhe tu den Glashütten Gegenstand eist- gehender Erhebungen sein wird. Wenn die vom Abgeordneten Horn mitgeteilten Verletzungen der Sonntagsruhe wirklich statigefimdcu haben, so bitte ich, den zuständigen polizeilichen oder gewerblichen Au f s i ch t s b e a m t e n Mitteilung z>v e cks B e st r a f u n g zumachen. Herr Brejski hat behauptet, ein Bs- antter des Landratsamtes hätte eine Eingabe unterschlagen: das wäre ein Amtsverbrechen, und ich würde Herrn Brejski dringend bitten, die Sache der Staatßauwaltschast anzuzeigen. Ich muß es aber für außerordentlich bedenklich erklären, wenn Herr Brejski unter dem Schutze seiner Immunität so schwere Angriffe gegen einen be- stimmten Beamten erhebt. Abg. Brejski(Pole, mit Unruhe auf der Rechten empfangen): Ich kann keineswegs anerkennen, daß die Abgeordneten die Ver- pflichtung haben, den lokalen Behörden die einzelnen Fälle zwecks Bestrafung mitzuteilen. Ich habe das in einem besonderen Falle einmal g e t b a n und bin sofort wegen Beleidigung zu einem Monat Gefängnis verurteilt iv o r d e n. (Lachen rechts.) Zufällig mußte in der R e v i s i o n s i n st a n z das Urteil aufgehoben werden und bei der erneuten V e r- Handlung beanttagte der Staatsanwalt selbst Frei- sprechuna und erklärte, das frühere Urteil sei nur in der Anfrcguug des Wahlkampfes zu stände gekommen.(Hört! hört! links.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich wollte auch nur sagen, daß in ganz besonders flagranten Fällen die Verpflichtung vorliegt, die Sache selbst oder durch Vertrauenspersonen in die Hand zu nehmen. Abg. BrejSIi(Pole, mit langanhaltender Unruhe auf der Rechten empfangen): Ich kann den Herrn Staatssekretär beruhigen, der Fall wird von dem Bettoffenen zur Anzeige gebracht, allerdings wird er sich zur Vorsicht einen Rechtsanwalt'zur Hilfe nehmen müssen. (Heiterkeit links.) Damit schließt die Geueraldiskussion. Bei dem Reichsfonds für Kunstzwecke liegt folgende Resolution der Abgeordneten Dr. Pachnicke(fcs. Vg.), Dr. Müllcr-Meiningcn (frs. Vp.), Graf Oriola(natl.), Henning(k.) vor: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, bei der Verteilung des Fonds zur Unterstützung der deutschen Kunst beide Central- organisatiouen der deutschen Künstlerschast zu berücksichtigen. Dazu beantragt Mg. Kirsch(C.) folgende Acuderung: statt der Worte beide Centralorganisationen der deutschen Kiiiistlerschoft zu be- rücksichttgen, zu fetzen: die verschiedenen Richtungen der deutschen Kunst auf dem Gebiete der Malerei und Skulptur nach berechtigten Grundsätzen zu unterstützen. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Ich will keine Wiederholung der Kunstdeoatte vom 16. Februar herausführen. Ich will nur daS Facit aus jener Debatte ziehen. Auf der Ausstellung inSt.Lonis werden j a nun die klingenden Namen der deutschen K ü n st l e r s ch a f t fehlen. Das ist nicht nur aus künstlerifchem, sondern auch aus wirtschaftlichem Grunde bedauernswert, da es so immer schwerer wird, der Konkurrenz der französischen Kunst auf dem amerikanischen Markte zu begegnen. Aber das liegt hinter uns und ist nicht mehr zu ändern. Wir wollen nun für die Zukunft ähnliche unliebsame Vorgänge vermieden sehen. In jener Debatte sind alle Parteien für die volle Freiheit der Kunst eingetreten, und die Künstlerschaft ist, von Vereinzelten abgesehen, mit dieser Er- llärung zufrieden gewesen. Wir haben jetzt die Konsequenz gezogen, um dem Reichstage Gelegenheit zu einem bindenden Beschluß zu geben. Wir wollen keine Bevorzugung und leine Benachteiligung der Seeession. Wenn die Staatsregierung uns in diesem Sinne schon heute eine bindende Zusage machen kann, um so besser. Ich bitte Sie. die Resolution anzunehmen. Ich wäre auch mit der Abänderung des Centrums einverstanden und würde mich freuen, wenn die Re- gierung recht bald in dieser Richtung praktisch vorginge.(Brabo! links.) Abg. Kirsch(C.): Der Fonds gilt nur für deutsche Kunst- ausstellungen im Auslände. Es muß da die Möglichkeit sein, auch mal ein großes Kunsttverk, das keiner der centralisiertcn Richttliigen angehört, hinauszuschicken. Dies zu ermöglichen ist der Zweck meines Antrages. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Ich habe gewiß keine secessionistischen Neigungen, aber ich hatte es doch für eine zu schwere Strafe für die Seeession, daß das Stucksche Bild aus dem Reichstage jetzt nach St. Louis geschickt ist. Sehr erwünscht wäre es mir, wenn das Wartburgbild aus der Bibliothek des Reichstages, das alles lveniger als ein Kunstwerk ist, entfernt würde. Staatssekretär Graf Posadowsky: Was den Antrag Pachnicke be- trifft, so bemerke ich: In Frankreich bestehen zwei Künstlerorgani- sationen, beide aber haben in St. Louis gemeinschaftlich aus- gestellt als Vertreter der französischen Kunst. Es wäre, scheint mir, ein bedenklicher Zustand, wenn die deutsche Kunst bei ausländischen Kunst- Ausstellungen durch zwei verschiedene Richtungen vertreten wäre; alle unsre Bestrebungen müssen bielmehr dahin gehen, daß sich die deutschen Künstler wieder einigen. Wenn darauf hingewiesen ist, daß das Stucksche Gemälde nach St. Louis gesandt ist, so bemerke ich, daß es dem Reiche doch ziemlich teuer gewesen ist, und da der Reichstag abgelehnt hat, daß es hier auf- gehängt wird, so habe ich den Versuch gemacht, ob ich nicht einen andern Käufer finden könnte. Aller Bemühungen ungeachtet ist das nicht gelungen(Heiterkeit im Centrum) und so dachte ich mir, vielleicht ist es möglich, daß man in Amerika dem Bilde freund- licheres Verständnis entgegenbringt.(Heiterkeit.) Mg. Dr. Südekum(Soc.): Die ganze Misere der Unterstützung von Staats- wegen, die' die Kunst in Dentschland findet, offenbart sich in der Notwendigkeit, daß überhaupt ein solcher Antrag, wie der des Herrn Pachnicke und des Herrn Kirsch, gestellt werden muß.(Sehr richtig! links.) In Deutschland muß eben alles offenbar Richtungen oder Organisationen haben, auch die Kunst, die das ganz und gar nicht verträgt. Der Antrag mag Zeugnis ablegen von den guten Herzen der Antragsteller, aber von einem Verständnis dafür, was der Kunst dienlich ist, zeigt er nichts. Denn auch er schablonisiert genau so wie die Regierung schablonisiert hat. Es ist in ihm die Rede von beiden Central organisationen. Was machen denn aber die Künstler, die keiner an- gehören? Herr Kirsch hat den gründlichen Fehlem des Antrages Pachnicke dadurch wenigstens ein klein wenig abgeholfen, daß er nur noch von verschiedenen Richtungen statt von den Centralorganisationen spricht. Aber auch diese verschiedenen Richtungen sind immer noch zu specialisiert. Herr Arendt gab uns den besten Beweis dafür, um was es sich eigentlich am 16. Februar gedreht hat. Er sprach davon, es habe nach außen den Eindruck gemacht, als ob im Reichstag die secessionistische Richtung protegiert werde. Bon mir aus wenigstens kann ich sagen, daß ich weder die eine, noch die andre Richtung protegiere, sondern mir kommt es darauf an, die Freiheit der künstlerischen Persönlichkeit zu garantieren. Ob jemand secessionistisch oder anders malt, hat für die künstlerische Qualität seiner Werke gar keine Bedeutung. Wir wenden uns nur gegen die officielle B egünstigung der Nachwuchs- und Werner-Kunst. Auch die Secession teilt sich in so viele Richtungen wie sie Persönlichkeiten in ihren Reihen zählt. Herr Dr. Arendt sagte, die Kunst sei nicht für die Künstler da, sondern die Künstler für die Kunst. Ich möchte wissen, was er sich darunter eigentlich gedacht haben mag.(Heiterkeit links.) Es existiert für ihn scheinbar irgendwo eine Kunst, und dafür sind die Künstler da. Er weiß nicht, daß die Kunst nichts ist als eine Emanation der Künstler, weil Kunst und Künstler innerlich ihreni Wesen nach nicht einmal begrifflich zu trennen sind. Von diesem Standpunkte aus können wir natürlich für die Resolution Pachnicke nicht stimmen, höchstens für die des Herrn Kirsch. Graf Posadowsky sagte sehr richtig: von Fall zu Fall soll man urteilen. Das ist in der That der richtige Weg, nur ist festzustellen, daß die Praxis bisher das gerade Gegenteil gezeigt hat (Sehr richtig I links), da ja nur eine bestimmte Richtung protegiert wurde. Noch zwei Worte zu dem Nachklang, den unsre Debatte vom 16. Februar gefunden hat. Anton v. Werner hat sich in einer großen Broschüre mit der Debatte beschäftigt, er hat sich darüber aufgehalten, daß ich die Frage aufgeworfen habe: Wer ist Anton v. Werner? Er sollte froh sein, daß ich diese Frage nicht auch beantwortet habe. (Große Heiterkeit links.) Er hat in melancholischem Anklang an die Worte von„oircü io sono pittare" gesagt:„Ich bin ein Maler und werde es bleiben". Es hätte zur Beruhigung des wirklich kunst- liebenden Publikums mehr beigetragen, wenn er den Satz noch etwas fortgesetzt und gesagt hätte: ich bin ein Maler und werde es bleiben l a s s e n I(Große Heiterkeit links. Oh!— Oh! rechts.) Abg. Henning(k.) erklärt, daß er den Antrag unterschrieben habe, obwohl er nicht auf dem Boden der secessionistischen Kunstrichtung stehe. Es sei aber zu verlangen, daß die Regierung beide Richtungen gleichmäßig berücksichtige. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Es muß den Riß unter der Künstlerschast nur erweitern, wenn die Regierung künstlich zwischen den einzelnen Richtungen unterscheidet. Wollen wir diese Streitigkeiten unter den Künstlern beseitigen und ein inniges Zusammenwirken herbei- führen, dann müssen wir darauf hinwirken, daß nicht von oben herab eine Richtung begünstigt und die andre zurückgesetzt wird. Wenn ich in meinem Antrag von den beiden Centralorganisationen spreche, so mit Rückficht auf die thatsächlichen Verhältnisse. Wir haben eben nur zwei centralifierte Repräsentationen der deutschen Künstler. Da in der Debatte aber eine größere Neigung für die dehnbarere Fassung aufgetreten ist, wie sie das Amendement Kirsch aufweist, so ziehe ich den Teil meines Antrages, der durch dieses Amendement ersetzt wiro, zu dessen Gunsten zurück.(Zustimmung.) Hierauf wird die Resolution Pachnicke mit dem Amendement Kirsch angenommen.(Vielfache Rufe: Einstimm ig I) Präftdent Graf Ballestrcm konstatiert, daß der Beschluß mit außerordentlich großer Majorität angenommen worden ist.(Beifall.) Bei einem weiteren Kapitel des Etats dankt Abg.». Böhlendorff(k.) im Austrage der Interessenten dem Staatssekretär für dir sachgemäße und gerechte Verwendung des Fonds„zur Förderung des Absatzes landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Auslande und zur Förderung technischer und wissenschaftlicher Be- strebungen auf landwirtschaftlichem Gebiet." Redner bedauert aber, daß von den 7 Millionen, die dem Reichsamt des Innern zur Verfügung stehen, zur Unterstützung wirtschaftlicher Zwecke nur 75 000 M. der Landwirtschaft zugute kommen. Abg. Kulcrski(Pole) wünscht Ausdehnung der Kom- petenz der Reichs-Schulkom Mission. Man hält ge- meinhin die mecklenburgischen Schulverhältnisse für rück- ständig, aber sie seien denen in andren Staaten z. B. Preußen noch weit voraus. Früher sind preußische Volksschullehrer nach dem Auslande berufen, weil die preußischen Volksschulen Muster- schulen gewesen sind. Heute ist das Gegenteil der Fall. Am fchkimmsten liegen die Verhältnisse in den polnischen Landesteilen. Wir haben heute eine Volksschule ohne Volkssprache. Abg. Scheideman«(Soc.): In der zweiten Lesung wies ich auf die fortschreitende Verschmutzung der deutschenFlüsse und die daraus entstehende Gefahr für die Volksgesundheit hin. Ich hakte auch die Genugthuung, daß der Staatssekretär die Mißstände anerkannte und Maßregeln zu ihrer Beseisigung an- kündigte. Ich bezog mich besonders auf die Wupper und den Rhein.— Mir ist nun von emem Verein von Interessenten eine Berichtigung zugegangen, die behauptet, daß meine Darstellung hinsichtlich der Wupper unrichtig sei. Aber die Herren haben sich auf falsche Zeitungsberichte verlassen. Was sie mir mitgeteilt haben, bestätigt nur, was ich ausgeführt habe. Und ich glaube, daß ich der Wupper keine bessere Ehrenrettung geben kann, als wenn ich die Reichsregierung bitte, recht bald diese Uebel- stände zu beseitigen. Der Rest des Etats des Reichsamts des Innern wird debatteloS genehmigt. Darauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch 1 Uhr. Schluß 6-/3 Uhr._ Hbcfcordnctenbaiiö* 71. Sitzung vom Dienstag, den 16. Mai 1964, vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: v. Hamm er st ein. später Frhr. v. R h e i n b a b e n. Zunächst werden in dritter Lesung unverändert angenommen: 1. Das Gesetz betreffend Ausdehnung einiger Bestimmungen des Berggesetzes auf die Gewinnung von Erdöl. 2. Der Nachtragsetat von 3 Millionen zur Unterstützung der Eisenbahnarbeiter-Hilfskassen. 3. Das Gesetz betreffend Bochum. folgt die erste Lesung die Erweiterung des Stadtkreises des schon vom Herrenhause ange- nommenen Änfiedelungsgesetzes''(betreffend die Gründung neuer An- siedelnngen in den Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Branden- bürg, Pommern, Posen, Schlesien, Sachsen und Westfalen). Abg. v. Conrad(frk.) bestreitet, daß die Thätigkeit der Ansiedelungskommission zur Ver- mehrung des polnischen Grundbesitzes geführt habe, erklärt, eine allmähliche Vermehrung der deutschen Bauernstellen für wünschens- wert, ohne deshalb principieller Gegner des Großgrundbesitzes zu sein, und sieht in dem vorliegenden Gesetzentwurf ein nützliches Mittel zur Erreichung dieses Zieles. Abg. Glatzel(natl.) erklärt das principielle Einverständnis feiner Fraktion mit dem Gesetz- entwurf und beantragt zwecks Beratung der Einzelheiten Einsetzung einer Kommission von 21 Mitgliedern. Die schwerste Gefahr erkennt Redner in der drohenden Entvölkerung des Ostens; er verlangt Bereitstellung von Mitteln im Etat, die zur Vorbereitung der Gründung neuer Gemeinden dienen sollen. Er behält sich entsprechende Anträge fiir die zwette Lesung vor. Abg. Rören(C.): Selten oder nie haben wir gegen eine Vorlage so schwere und ernste Bedenken gehabt. Durch den Z 13 b, der in Posen und West- Preußen jede Ansiedelung untersagt, so lange nicht eine Be- fcheinigung des Regierungspräsidenten vorliegt, daß die Ansiedelung mit den Zielen des Ansiedelungsgesetzes nicht in Widerspruch steht, charakterisiert sich das Gesetz als die weitestgehende Vorlage gegen die Polen.(Sehr wahr! im Centrum und bei den Polen.) Im Herrenhause hat kein Redner nicht die schwersten Bedenken ge habt, daß es den Polen unmöglich gemacht werden soll, Grundbesitz zu erwerben.— Die Vorredner sind auf die verfassungsrechtlichen Bedenken gar nicht eingegangen. Wir aber lehnen gerade deshalb den Entwurf ab, weil wir glauben, daß er im Wideripruch steht mit der preußische» Verfassung und der Reichsgcsetzgebung, und schädlich sein wird für das Wohl des gesamten Volkes.(Lebhafte Zw stimmung bei den Polen.) Ich hoffe, daß Sie uns so wenig wie der Minorität des Herrenhaufes vorwerfen werden, daß wir dem Gesetz aus Mangel an nationalem Sinn und Vorliebe für das Großpolentum widersprechen. Aber selbst der Referent der Herrenhaus-Konunission erklärte diesen Paragraphen für eine un- gerechtfertigte Härte, deren Folgen weder für das deutsche noch für das polnische Volk erfreulich sein könnten.(Hört! hört! bei den Polen.) Wenn man sich nicht an den Wortlaut klammert, sondern auf den Sinn der Verfassung sieht, so bestätigt alles, was zur Ent- schuldigung vorgebracht wird, nur den Vorwurf der Berfassungs Widrigkeit. Durch das Gesetz soll es den Polen unmöglich gemacht werde», in ihrer Heimat Grund und Boden zu erwerbe». Denn jede polnische Ansiedlung widerspricht den Zwecken des Ansiedlungs- gesetzes! Wie stimmt das mit dem Artikel 4 der preußischen Ver fassung, daß alle Preußen vor dem Gesetz gleich sind, wie mit Artikel 3 der Reichsverfassung, daß kein Deutscher in der Befugnis, Grundbesitz zu erwerben, durch die Obrigkeit beschränkt werden darf, und daß er sich überall niederlassen kann, wo er nicht der Gemeinde zur Last fällt. Man sagt, daß der Erwerb von Grundbesitz den Polen gar nicht beschränkt werde: sie sollten sich nur nicht ansiedeln dürfen, d. h.: man erlaubt ihnen, sich zu Tisch zu setzen, aber sie dürfen nicht mitessen.(Heiterkeit.) So halsbrecherische Jnter- nretationen müßten das ganze Hans veranlassen, einmütig die ganze Vorlage abzulehnen.(Lehafter Beifall bei den Polen.) Gegen die polnischen Volksbanken kann man doch deutsche errichten; dazu braucht man doch dieses Gesetz nicht. Aber, so erklärt die Re- gierung, die Reichsgesetzgebung erlaube Auflösung von Genossen- fchaften nur dann, wenn diese ungesetzliche Handlungen begingen. Damit giebt sie also zu, daß die polnsichen Volksbanken nichts Un- esetzliches thun I Vor allem aber ist das eine Umgehung des Äicichsrechts, hinten herum zu nehmen, was die Reichsverfassung gegeben hat. Wir verwerfen den Gesetzentwurf aber auch wegen der ungerecht- fertigten Härte. Der Minister hat ihn als schneidiges Schwert gerühmt. Ich kenne noch ein schneidigeres: Die polnische Bevölkerung ist innerhalb des preußische» Staatsgebietes rechtlos!(Stünnischer Beifall und Händeklatschen bei den Polen.) Was aber kann die Folge des Gesetzes sein? Ein Teil der vom Lande vertriebenen Bauern wird in der Stadt als erdrückender Konkurrent der deutschen Handwerker auftreten. Der andre größere Teil aber wird ins Jndustrieproletariat hinabsinken, und aus Er- bitterung über seine elende Lage zur Socialdcmokratie kommen. Wir können um so weniger dem Gesetz zustimmen, als es that- sächlich unsre Glaubensgenossen zu Gunsten Andersgläubiger ver- treibt.(Lebhafter Beifall bei den Polen.) Minister Frhr. v. Hammerstein: Es wäre vielleicht richtiger gewesen, wenn der Vorredner den Mund nicht so voll genommen hätte.(Minutenlange Unterbrechung bei den Polen und beim Centrum. Pfuirufe.) Meine Herren! Wenn der Ausdruck zu scharf ist, nehme ich ihn zurück.(Bravo!) Aber der Vorredner hat von halsbrecherischen Interpretationen gesprochen. Wenn ein Jurist in hohem Amte die Ausführungen höherer juristischer Beamter(Widerspruch bei den Polen) so nennt, so ist das auch nicht richtig. Ich meinerseits habe eine ganz andre juristische Auf- fassung.(Stürmische Heiterkeit bei den Polen.) Arttkel 3 der Reichs- Verfassung sagt nur, daß jeder Deutsche berechtigt ist, Grundbesitz zu erwerben, sagt aber nicht, auf welche Weise der Wohnsitz zu erwerben sei.(Lachen bei den Polen.) Die Bestimmung, die vorliegt, be- fchränkt auch in keiner Weise das Recht, Grundbesitz zu erwerben. (Lautes Lachen bei den Polen.) Nach den Deduftionen des Vor- redners dürfte sich ja überhaupt kein Gesetz auf einzelne Gegenden oder Berufszweige beschränken, llebrigens bestimmt K III des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch, daß die landes- gesetzlichen Vorschriften unberührt bleiben, die im öffentlichen Interesse das Eigentum beschränken. Ich erkenne an, daß dieses Gesetz eine gewisse Beschrankung des Eigentums mit sich führt. Aber das öffentliche Interesse verlangt das gebieterisch. Hat denn jemand das Recht, sich mitten ans dem Pariser Platz anznfiedeln!(Lachen bei den Polen.) Das Ansiedelungsgesetz fagt auch nicht ein Wort gegen die Polen; es ist nur zur Stärkung des Deutschtums geschaffen. Auch nach diesem Gesetz soll die Gründung von polnischen Kolonien gar nicht verboten, sie soll nur unter eine gewisse Kontrolle gestellt und dort untersagt werden, wo sie allgemeinen Interessen des Deutsch- tums zuwiderläuft. Es soll verhindert werden, daß die ungesunde Konkurrenz der Polen die Preise der Güter in den östlichen Provinzen noch höher treibt und das Deutschtum dadurch noch weiter schädigt. Wir verlangen Opfer von den Polen, aber sie müssen sie bringen im Interesse der Gesamtheit, der sie angehören, des preußischen Staates. Sie miiffen lernen, sich unter den prcußi- schen Staat zn beugen. Ihr Hauptmittel gegen die Deutschen ist der Boykott. Sie verlangen zum Beispiel von der Aerztekammer in Posen, daß alle Aerzte fiir standesunwürdig erklärt werden, die jemals von der Regierung eine Unterstützung angenommen haben. (Sehr wahr I bei den Polen.) Das ist geradezu eine Unverschämtheit! (Lebhafte Zustimmung rechts.) Redner verliest dann mehrere von einem National-Komitee in Rnssisch-Polen verbreitete Aufrufe, die auffordern, das Zarentum zu stnrzen und den größeren Haß gegen das Prcnßentinn zurückzudrängen. Einer dieser Aufrufe schließt mit den Worten: Vorwärts zur Erringung der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit!— Redner fährt dann fort: In Chicago wird der Kern einer polnischen Armee ausgebildet, um als Offiziere und Unteroffiziere bei dem kiinftigen Aufstand zu dienen. (Lautes Lachen bei den Polen.) Sie lachen darüber, aber Sie wissen selbst ganz genau, daß es wahr ist. Gewiß sind alles Phantasie», aber sie sind gefährlich. Ich gebe zu, daß das Gesetz indirekt ein Kampfgesetz gegen die Polen ist, aber wir müssen nach dem Grundsatz verfahren: Viäsnnt. oonsulss, no guiä ckstrimsnti cnpiat res publica.(Lebhafter Beifall rechts. Zischen bei den Polen.) Abg. Dr. v. Skarzynski(Pole): Der Titel des Gesetzes müßte lauten: Gesetz betreffend Er- schwerung resp. vollständige Verhinderung der privaten Ansiedelungen in den polnischen Provinzen unter Gewährung eines Ankaufs- und Ansiedelungsmonopols für die Ansiedelungskommission. Das ist keine Parodie, sondern nennt nur das Kind beim richtigen Namen.(Sehr richtig! bei den Polen.) Das Gesetz ist ein historisches Dokument dafür, in welche logischen und moralischen Widersprüche man ver- wickelt wird, wenn man ein Gesetz konstruieren will, das dem Grundsatz justitia fundamenturn regnorum direkt widerspricht. (Sehr richtig! bei den Polen.) Die Landwirtschaft kann in Posen nur bestehen, wenn die großen Güter parzelliert werden. Daher sind die Großgrundbesitzer angewiesen auf sparsame anspruchslose und ehrliche Bauern, ganz gleich ob es Polen oder Deutsche sind. Dieses große Parzellierungswerk kann nicht gelöst werden durch einseitige Bevorzugung der königlich preußischen Ansiedelungskommission. Durch dieses Gesetz will man die Polen verhindern, eine Scholle da zu er- werben, wo die Gebeine ihrer Eltern und Ureltern liegen.(Sehr wahr! bei den Polen.) Wenn Sie dies Gesetz annehmen, so Leweisen Sie damit, daß Sie die Ideale der Gerechtigkeit und des Wohlwollens unter den einzelnen Nationen eben stur als Ideale betrachten und in der Praxis brutale Gewalt anwenden. Wir lassen uns nicht schrecken. (Bravo! bei den Polen.) Landwirtschastsminister v. Podbielski: Ich habe bereits im Herrenhause erklärt, daß eine wesentliche Erschwerung für die Begründung neuer Ansiedelungen in dem vom Herrenhause beschlossenen§ 17 liegt, wonach in jedem Ansiedelungsfalle Kirchen- und Schulvorstände zu hören sind. Wir werden uns ja darüber in der Kommission noch verständigen müssen. Nachdem der Staat das große Parzellierungswerk in den Ostprovinzen begonnen hat, ist er natürlich ein Konkurrent für die Parzellierungsbanken geworden. Diese Banken sind bisher rein geschäftlich vorgegangen und haben sich um das Schicksal des einzelnen Ansiedlers nicht im geringsten gekümmert, ihnen vielmehr die unwürdigsten Bedingungen gestellt. Wir müssen verlangen, daß die Banken, ehe sie besiedeln, erst ordentliche Verhältnisse schaffen. Die Polen haben die Ansiedler zu ihren Heloten gemacht(Unruhe bei den Polen) und ihre materielle Abhängigkeit politisch ausgenutzt. Die Kontrakte der Anfiedelungs- banken sind häufig sehr rigoros. In einem Falle wurden 1200 Maok pro Hektar verlangt.(Hört! hört!) Ich bin bereit, Ihnen die einzelnen Kontratte zur Verfügung zu stellen. In den Kontratten findet sich durchgängig niedrige Anzahlung, hohe Verzinsung des Restkaufgeldes, Verlust aller aufgewendeten Mühe. Der einzige Zweck des Gesetzes ist, dieser ungesunden Parzellierung entgegenzutreten, durch welche die Leute in Hörigkeit kommen von politischen Parteien. Ich wäre gern bereit, das Gesetz auf alle Provinzen auszudehnen. Es handelt sich in der That um ein Ausnahmegesetz, aber Sie werden zugeben müssen, daß es berechtigt ist. Der Tag ist leider noch sehr fern, wo die Polen ihre Aspirationen auf die Trennung von Preußen aufgeben werden. Mögen die Herren heute noch für. die Polen stimmen, es kommt für Sie alle der Tag(Heiterkeit), wo Sie einsehen werden, daß mit dieser Staatsraison, die die Polen aufftellen, ein deutsches Preuße» nie und nimmer zu erhalten ist. Ich gebe offen zu, daß es sich um ein Ausnahmegesetz handelt. Mögen die Polen ebenso offen aussprechen, daß sie sich nur im Interesse des Polentums ansiedeln wollen. Aber Sie gehen herum wie die Katze um den heißen Brei. Im Innersten Ihres Herzens kennen Sie nur den Ruf: Los von Preußen, frei, ein Reich!— ich weiß nicht, wo die Grenzen sein sollen(Heiterkeit) Ich hoffe auf die Unterstützung des hohen Hauses, damit wir thatsächlich fähig find, das Deutschtum in den Ostmarken allezeit hoch zu halten.(Leb- Haftes Bravo I rechts.) Abg. Peltasohn(frs. Vg.): Wir haben verschiedene Bedenken gegen die Vorlage, die in der Kommission zu prüfe» sein werden. Die Bestimmungen des§ 13 a sind für uns unannehmbar. Das Unwesen der Ansiedelungsbanken. foweit es besteht, zu bekämpfen, sind wir bereit, aber nicht durch Ausnahmegesetze. Daß es sich hier um ein Ausnahmegesetz handelt, wird jetzt allseitig zugegeben, und für Ausnahmegesetze sind wir nicht zu haben. Der Erfolg des Gesetzes ist außerdem nach jeder Richtung hin illusorisch. Den Polen ist es nicht verwehrt, von dem deutschen Erwerber das Gut zu kaufen. Die Konsequenz wird auch sein. daß die Polen noch mehr wie bisher in die Städte eindringen, und in diesen liegt der Sitz der Kultur. Durch ein solches Ausnahmegesetz wird der polnischen Agitation, die wir alle verurteilen, nur neue Nahrung zugeführt. Ich bin sonst ein sehr ruhiger Mensch; wenn ich heute etwas lebhafter geworden bin, fo können Sie daraus entnehmen, ftir wie schädlich ich diese Be- stimmung halte. Ich kann Ihnen nur zurufen: Lehnen Sie den 13 b ab!(Bravo! links.) Präsident v. Kröcher schlägt vor, die Debatte abzubrechen und die Sitzung zu vertagen. Persönlich bemerkt Abg. Rören(C.): Der Herr Minister Freiherr v. Hammerstein hat seine Rede damit begonnen, daß er erklärte, ich habe den Mund sehr voll genommen. Obgleich es bisher den Gepflogenheiten der Herren Minister nicht entsprach, einem Abgeordneten, der in Er« füllung seiner parlamentarischen Pflichten einen abweichenden Standpunkt einnimmt, vorzuwerfen, daß er den Mund sehr voll nimmt, so hat es mich doch beim Minister Frhrn. v. Hammerstein nicht gewundert, daß er auch heute wieder diese Gepflogenheit un- berücknchtigt ließ. Was mich betrifft, so würde mich, wenn ich auch von seiner Rede den Eindruck gewonnen hätte, daß er den Mund sehr voll genommen hat— Präsident v. Kröchcr: Was Sie jetzt sagen, ist nicht persönlich. Abg. Rören(fortfahrend)— mein Tattgefühl hindern, auszu- sprechen, daß der Minister den Mund voll genommen habe. Der Minister hat mir dann weiter vorgeworfen, daß ich als Staatsbeamter den Mund vollgenommen habe. Ist er wirklich parlamentarisch so un- erfahren, daß er noch nicht weiß, daß wir hier nicht als Staats« bcamte, sondern als Abgeordnete spreche»? Präsident v. Kröchcr: Auch diese Bemerkung ist im Rahmen einer persönlichen Bemerkung unzulässig. Nächste Sitzung: Mittwoch 11 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Beratung, erste Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Dienstbezüge der Kreis-Tierärzte, kleinere Vorlagen.) Schluß gegen 4 Uhr. parlamentarisches. Wahlprüfungskommifsion. Die Kommission prüfte zunächst die Wahl des Abg. Meier-Jobst(fts. Vp.) Wahlkreis Lippe-Detmold. In der Stichwahl erhielt Meier-Jobst 8672 Sttmmen, Becker(Soc.) 4199. Ein gegen die Wahl gerichteter socialdemottatischer Protest behauptete, die Auslegung und endgülttge Vollziehung der Wähler- listen sei nicht, wie H 3 des Reglements zum Wahlgesetz dies vor- schreibe, von den Gemeindebehörden, sondern durch die fürstlichen Verwaltungsämter erfolgt. Das Aktenmaterial ist in dieser Be« ziehung unvollständig und ergiebt keinen Aufschloß. Die Kommission beschließt daher, zunächst das fehlende Aktenmaterial, sowie eine Auskunft von der Lippeschen Regierung über die Kompetenzen der Gemeindebehörden beziehungsweise deren Funttionen mit Bezug auf§ 3 des Reglements' zum Wahlgesetz einzufordern. Die Beratung über die Wahl wird bis zum Eingang des Materials ausgesetzl. Dann trat die Kommission in die Prüfung der Wahl des Abg. Horn(natl.), Wahlkreis Goslar-Zellerfeld, ein. In der Stichwahl erhielt Horn 11 4ö0, Leincrt(Soc.) 9170 Stimmen. Ein gegen die Wahl gerichteter Protest ging am 11. Dezember beim Reichstage ein, behauptete im allgemeinen, es seien Wählerversammlungen verboten worden; ferner betonte er, es sei Mißbrauch des amt« lichen Einflusses, ungesetzliche Wahlkontrolle, Ausweisung von Wählern aus Wahllokalen vorgekommen und rügte mangelhafte Wahlurnen. Für das Beweismaterial für diese allgemeinen Behauptungen kündigte der Protest einen Nachtragsprotest an, der aber erst am 11. Januar 1904 beim Reichstage einging. Nach längerer Debatte über die principielle Frage, ob solche Nachträge als Ergänzungen anzusehen seien, war die Kommission der Meinung, daß Ergänzungen nur auf posittve Protestangaben Bezug haben dürften. Der Nachtragsprotest vom 11. Januar ent« halte aber posittve Angaben, die im Hauptprotest nicht enthalten seien; daher hätte dieser Protest bis spätestens am 13. Dezember 1903 beim Reichstag eingehen müssen. Da der spätere Eingang nicht den Bestimmungen des§ 4 der Geschäftsordnung des Reichs- tags entspreche, lehne es die Kommission ab, den Protest als zu Recht bestehend anzusehen. Der erste Protest ist nicht genügend sub- stanttiert, deshalb wurde die Wahl Horns darauf für gültig erklärt Nächste Sitzung Mittwoch, 11. Mai. Die Reblansgcscü- Kommission erledigte am Dienstag ihre Ar- Veiten. Die Kommission stellte sich einmüttg auf den Boden de- Vorlage, die eine schärfere Bekämpfung der immer bedrohlicher werdenden Reblausgefahr vorsieht. Der einzige strittige Punkt von größerer Bedeutung betrifft die Frage der Entschädigung für die im Interesse der Seuchenbekämpfung vernichteten Rebpflanzen und er- lasienen Anbauverbote. Die Vorlage will den Bundesstaaten die Möglichkeit offen lassen, eventuell die Gemeinden oder Interessenten- verbände zur Entschädigung heranzuziehen. Dem entgegen war die Mehrheit der Kommission der Ansicht, daß bei der schweren Existenz- erschütterung, die die Reblausseuche ftir die betroffenen Bezirke be- deute, die Gesamtheit helfend eintreten müsse. Principiell kann man diesem Standpunkt zustimmen, soweit es sich dabei um wirtschaftlich schwache Existenzen handelt. Gegenüber einem Antrage des Centrums aber, der innerhalb der verschiedenen Arten der Entschädigungen komplizierte Unterscheidungen trifft und nur für einen Teil derselben die Landeskassen reichsgesetzlich verpflichten will, ist die Regierungs- vorläge entschieden vorzuziehen, die den Einzelstaaten die Regelung der g a n z e n im Detail sehr fchwierigen EntschädigungSftage überläßt. Aus diesem Grunde haben unsre Vertreter den von der Mehr- heit angenommenen Centrumsantrag abgelehnt. Zechen-Kommissio». Im Abgeordnetenhause tagte heute die Kommission zur Vorbereitung gesetzgeberischer Maßnahmen gegen das Stilllegen von Kohlenbergwerken. Der Ober- Berghauptmann gab ein Bild der Verhältnisse, welche zum Aufgeben des Abbaues verschiedener Zechen geführt haben. Unverständlich sei ihm das Aufgeben der Zeche.Eiberg", welche unter durchaus günstigen Verhältnissen gearbeitet hat. Die Einstellung der Arbeit sei bisher noch nicht erfolgt, sie werde aber in etwa zwei Jahren erwartet und voraussichtlich eine Schädigung der verschiedenen Jnter- essenten»ach sich ziehen. Mit Ausnahme von.Eiberg" handele es sich um Gruben, die nicht unter günstigen Verhältnissen gearbeitet haben. Nicht das, was geschehen sei, sondern was in der Zukunft zu er- warten sei, gebe Anlaß zur Beunruhigung. Wenn das Ssilllegen von Zechen nicht weiter um sich greife, werde von einer bedeutenden Schädigung keine Rede sein können, jedenfalls werde die ent- standene Auflegung und Entrüstung die gute Folge haben, daß man in Zukunft mit dem Ssilllegen von Zechen vorsichttger vor- gehen werde. Ein Mitglied der Kommisston wünscht die Anschauung des Ministeriums des Innern zu kennen über den Einfluß der Arbeits- einstellung auf die G e m e i n d e n. Ein Vertreter des betr. Mini- steriuins sagt eine schriftliche Darlegung des Materials zu. Ein andres Mitglied der Kommission wünscht ebenfalls eine Darlegung der voraussichtlichen Gestaltung der Verhältnisse und der Schritte. welche die Regierung m dorsiger Gegend zu thun gedenkt. Der Minister erklärt, es sei jetzt noch verfrüht, anernste Maßnahmen zu denken, sollte sich das aber als nötig er- weisen, so werde die Regierung nicht zögern, mit den Bestimmungen des Berggesetzes zu brechen und neue Bestimmungen zu treffen. Ein Mitglied schlug vor, vor der Weiterberatung zunächst die von der Regierung in Aussicht gestellten Materialien abzuwarten. Dementsprechend wurde beschlossen. Die nächste Sitzung soll nach Pfingsten stattfinden._ Hiid Induftrie und Handel. DaS Ende der Berliner Bank. Die Uebernahme der Berliner Bank durch die Deutsche Bank vird fast von der gesamten Presse als eine Transaktton bezeichnet, die sowohl im Interesse der Deutschen Bank als der Aksionäre der Berliner Bank liegt. Die Deutsche Bank gewinnt eine nicht un- bettächtliche Erweiterung ihres Kundenkreises und dringt in die Schichten des Berliner mittleren Handels ein, in welchem sie bisher nur wenig Boden besaß, während für die Berliner Bank der Anschluß an die Deittsche Bank eine Lösung so mancher Schwierigkeiten bedelltet, die sich seit dem Ausbruch der Krisen entwickelt hatten und ein gedeihliches Wirken des Jnstttuts gegenüber den sich immer mehr ausdehnenden, alle profitableren Geschäfte an sich reißenden Riesen- banken erschwerten. Dazu kam in letzter Zeit noch die Helios-Affaire, die dem Renommee der Berliner Bank einen weiteren harten Schlag versetzte. Entstanden ist die Berliner Bank im Jahre 1389, als nach der Depression der Jahre 1886/87 sich die geschäftliche Lage wieder günstiger gestaltete. Die Gründung erfolgte damals unter Ueber- nähme der Berliner Handelsbank, einer kleinen Genossenschaftsbank mit einem Kapital von einer Million Mark. Die Berliner Bank begann ihre Thätigkeit mit einem Aksienkapital von fünf Mllionen Mark, und die Flutwelle der damaligen Prosperität brachte sie schnell empor, so daß sie bereits im Jahre 1891 ihr Aksienkapital auf Tfls Millionen Mark erhöhen konnte. Die nachfolgenden Jahre des wirtschaftlichen Niederganges blieben auch auf sie nicht ohne Einfluß, schädigten sie aber doch im ganzen nur wenig, da sie sich hauptsächlich im Anschluß an die Tradisionen der Handelsbank der Pflege des Kreditgeschäfts in den mittleren und kleineren Handelskreisen gewidmet hatte. Und als dann die letzte Auffchwungsperiode in sonnigem Glänze aufstteg, verspürte auch sie erneute Lust, sich zu recken und dehnen, um an dem herabfallenden Gold- fegen teilzunehmen. Im Jahre 1397 erfolgte die Erhöhung des Aktien- kapitalS auf 20, 1898 auf 30 und im nächsten Jahre auf 42 Millionen Mark. Aber die Kapitakserhöhungen waren zu schnell auf einander gefolgt, die Verwaltung hatte allzu optimistisch auf die Fortdauer der Hochkonjunktur gerechnet. Als in 1900 die Krise hereinbrach, da zeigte sich, daß die Bank doch nicht genügend sicheres Terrain für die sich überstürzenden Kapitalsvermehrungen zu erobern ver- mocht hatte; sie hatte sich vielmehr stark an riskanten industriellen Unternehmungen beteiligt. Die Folge war. daß sie schlvere Schläge durch die Krise erlitt. In 1901 muhte sie 1 352 014 M.. in 1902 788 084 M. und in 1903 594 121 M. für außerordentliche Ab- schreibungen auswenden, und die Dividende, die in den Jahren 1898 und 1399 auf je 7 Proz. gestiegen war, ging in 1900 auf 5 Proz. und in 1901 auf 2 Proz. zurück, während sie sich in 1902 auf 3V2 Proz. und in 1903 auf 4 Proz. stellte. Weniger zuflieden mit dem Uebergang an die Deutsche Bank als die Aktionäre dürften die ungefähr 300 Angestellten der Berliner Bank sein; denn die Verwaltung hat eS unterlassen, die Bedingung zu stellen, daß sie von der Deutschen Bank übernommen werden. Einen Teil wird wohl die Deutsche Bank in ihren Betrieb über- nehmen, zumal ein großer Teil der Depositenkassen der Berliner Bank erhalten bleiben soll; die große Mehrzahl der Beamten aber wird sich anderswo Unterkunft suchen müffen. Dieses Abtreten der Berliner Bank wirst ein trübes Licht auf die Verwaltung, um so mehr, als sie mit sehr geringen Opfern den Angestellten weitere Beschäftigung hätte sichern können, im eignen pekuniären Interesse aber darauf verzichtete. Die.Morgenpost" erfährt nämlich (allem Anschein nach aus den Kreisen der Bankbeamten selbst), daß die Verhandlungen mit der Kommerz- und Diskontobank fchon so gut wie perfekt Ivaren, als die Deutsche Bank ein höheres Gebot machte und den Zuschlag erhielt. Die Kommerzbank wollte nicht die Auflösung der Berliner Bank, sondern hatte sich sogar ver- pflichtet, sämtliche Beamte zu übernehmen. Aber der Auffichtsrat konnte diese Offerte, die auf 90 Proz. lautete, so nützlich sie für die Angestellten gewesen wäre, nicht annehmen. Denn— man höre und staune— die im AuffichtSrat vertteteneu Großaksionäre hätten insgesamt 1,85 Proz. weniger, d. h. auf das ganze Aksienkapital 777 000 M. weniger erhalten. Für diese Silberlinge wurden die Angestellten dem traurigen Lose preisgegeben. Wie gelebt, so geendet._ Zur Entwicklung der deutschen Zuckerindustrie. Die Tagung des Vereins der deutschen Zuckerindustrie hier in Berlin und die am Sonntag vom Finanzmlnister v. Rheinbaben vorgenommene Ein« weihung des neuen„Instituts für Zuckerindustrie" in der Amrumer- straße giebt Veranlassung zu der Frage, wie sich seit dem Jnkrast- treten der Brüsseler Konvension die Produktton, fowie die Ein- und Ausftthrverhälsiiisse der deutschen Znckerindustrie entwickelt haben. Ist auch die Zeit, die seit dem September vorigen Jahres verflossen ist, noch zu kurz, um schon jetzt ein Urteil über die Wirkungen der Konventton zu erstatten, so liefert doch der bisherige Enttmcklungsverlauf immerhin einen Anhalt dafür, wie sich voraus- sichtlich die nächste Zukunft der deutschen Zuckerindusttie gestalten wird. Nach der Statistik hat zwar die Ausfuhr abgenommen, dafür aber der Verbrauch des deutschen Inlandsmarktes nicht unbeträcht- sich zugenommen, so daß sich als Endresultat eine ansehnliche Produktionssteigerung der deutschen Zuckerindusttie seit dem Jnkraft- treten der Konvension ergiebt. Auf Rohzucker reduziert betrug die Gesamtausfuhr vom September/März 1903/04— 4 880 061 Doppel- centner gegen 5 409 130 Doppelcentner im gleichen Zeitraum 1902/03, so daß die Ausfuhr um 529 069 Doppelcentner abgenommen hat. Dagegen war der Verbrauch für September/März 1903/04 in Roh- zuckerwert 6 694 349 Doppelcentner gegen 4 826 319 Doppelcentner, die in den gleichen Monaten 1902/03 abgeliefert worden sind. Der Verbrauch hat also um 1865 030 Doppeicentner zugenommen, so daß der Fehlbetrag der Ausfuhr durch den Mehrverbrauch im Jnlande voll gedeckt wird. Zieht man die Verminderung der Ausfuhr von dem vermehrten Verbrauch ab, so ergiebt sich noch immer eine Mehr- Verwendung von 1 335 961 Doppelcentner. In welcher Weise sich der Konsum der deutschen Bevölkerung gehoben hat, zeigt folgende Berechnung. Mitte des Jahres 1902 stellte sich, unter Berücksichsigung der durchschnittlichen Vermehrung die Bevölkerung des deutschen Zollgebiets auf 57.93 Millionen Personen, die in der Zeit von, September 1902 bis Ende März 1903 4 826 319 Doppelcentner Zucker verbrauchten oder pro Kopf 8,33 Kilo- gramm. Mitte 1903 betrug die Bevölkerung 53,78 Millionen Menschen, der Konsum von September 1903 bis März 1904 6 694 349 Doppelcentner, der Verbrauch pro Kopf in diesem Zeit- räum also 11,3!Psilogramm. Die genaue wirkliche Zunahme des Konsums weist diese Rechnung nicht nach; sie liefert nur ein annähernd richtiges Resultat, zeigt aber doch, wie sehr der Zuckerkonsum durch den ein- getretenen Preisfall gefördert worden ist. Seehandlung. Fast zugleich mit dem Beschluß der Deutschen Bank, ihr Aksienkapital auf 180 Millionen Mark zu erhöhen, ist dem preußischen Abgeordnetenhaus eine Regierungsvorlage zugegangen, die eine Erhöhung des Grundkapitals der kömglichen Seehandlungs- Societät um 65 Millionen Mark, also auf beinahe 100 Millionen Mark fordert. Schon bei der Beratung des diesjährigen Etats des Finanzministeriums im Abgeordnetenhaus hatte Herr V. Rheinbaben einen solchen Antrag angekündigt und im Voraus damit mosiviert, daß die Erhöhung des Kapitals zu dem Zweck« erfolge, die Seehand- lung in den Stand zu setzen, regulierend auf die Kurse der Staatsanleihen einzuwirken. Die jetzt eingelaufene Gesetzesvorlage hat folgenden Wortlaut: § 1. Das eigne Kapital der Seehandlung wird um 65 Millionen Marl erhöht.§ 2. Der Finanzminister wird ermächtigt, zur Bereit stellung des Erhöhungskapitals Staatsschuldverschreibungen auszu geben. An Stelle der Schuldverschreibungen können vorübergehend Schatzanweisungen ausgegeben werde». Der Fälligkeitstermin ist in den Schatzanweisungen anzugeben. Der Finanzminister wird ermächtigt, die Mittel zur Einlösung dieser Schatzanweisungen durch Ausgabe von neuen Schatzanweisungen und von Schuldverschreibungen im erforderlichen Nennbetrage zu beschaffen. Die Schatzanweisungen können wiederholt ausgegeben werden. Schatzanweisungen oder Schuldverschreibungen, die zur Einlösiing von fällig werdenden Schatzanweisungen bestimmt sind, hat die Hauptverwaltung der Staatsschulden auf Anordnung des Finanzministers 14 Tage vor dem Fälligkeitstermin zur Verfügung zu halten. Die Verzinsung der neuen Schuldpapiere darf nicht vor dem Zeitpunkt beginnen, mit dem die Verzinsung der einzulösenden Schatzanweisungen aufhört. Wann, durch welche Stelle und in welchen Beträgen, zu welchem Zinsfuße, zu welchen Bedingungen der Kündigung und zu welchen Kursen die Schatzanweisungen und die Schuldverschreibungen ver- ausgabt werden sollen, bestimmt der Finanzminister. gut GewerKscKaftlicdes. Bertin unü tlmgegenck. Von der Lohnbewegung der Steinbildhauer. In einer besuchten Steinbildhauer- Versammlung, die am Montag im werkschaftshause tagte, erstattete die Löhnkommission Bericht über die bisherigen Verhandlungen mit den Chefs. Umfassend konnte der Bericht noch nicht sein. Einige Bildhauermeister haben teils die Forderungen anerkannt, teils die Anerkenmiirg in Aussicht gestellt mit der Maßgabe, erst sehen zu wollen, wie die Verhandlungen mit der Steinmetz-Jnuung ausgingen. Der Bildhauer Küchele, der zum Teil schon höhere Löhne zahlt, wehrt sich zunächst noch gegen die Anerkennung deS Minimallohns von 7,50 M. Eine Unterredung mit dem Jnnungsvorsitzenden, Herrn Dittmer, ergab noch kein Resultat. Die Innung will diese Woche erst eine Versammlung ab halten. Herr Dittmer stellte der Kommission anheim, zunächst einmal mit den einzelnen Steinmetzmeistern zu verhandeln. Herr Dittiner selber machte Bedenken namentlich gegen die allgemeine Durchführung des Siebenuhr- Geschäftsschlusses geltend, obwohl dieser nur auf zwei Steinmetzplätzen noch nicht ein- geführt ist und aus der allgemeinen Durchführung den Meistern keinerlei Kosten daraus erwachsen würden. Auch der Durchführung einer allgemeinen Lohnerhöhung steht er abwehrend gegenüber. Das letzte Wort, meinte er. brauche aber noch nicht gesprochen sein.— Verhandlungen mir weiteren Unternehmern schweben noch. Die Lohnkommission schlägt vor, noch eine Woche zu warten, bevor endgülttge Beschlüsse gefaßt werden, damit den Gehilfen nicht vor- eiliges Vorgehen vorgeworfen werden könne. Man möge der Kommission erst weitere Verhandlungen ermöglichen. Nach einer lebhafteil Diskussion wurde folgender Antrag an- genonimen:„Die Versammlung ist dafür, der Kommission das volle Vertrauen zu schenken und im Sinne derselben zu beschließen, die letzte Frist auf den nächsten Montag festzusetzen. Montag sollen in der Versammlung bestimmte Beschlüsse gefaßt werden." Achtung! Buchbinder und verwandte Berufsgenosse»! Wie bekannt sind unsre Kollegen in Dänemark längere Zeit von den dortigen Unternehmer» ausgesperrt; ein Ende des Kampfes ist noch nicht abzusehen. Die Unternehmer versuchen jetzt in Deutsch- land und auch hier in Berlin Streikbrecher an- zuwerben. Die Firma Arn, in Kräh, Alexandrinen- straße 95/9 6, hat die Vermittlerrolle über- n 0 m m e n. Die Kollegen werden wissen, daß derarttgen Angeboten nicht stattgegeben werden kann. Sorge jeder dafür, daß sich kein Kollege als Streikbrecher nach Dänemark anwerben läßt! Haltet den Zuzug fern! Etloaige in den Werkstube» gesammelte Gelder wolle man zur weiteren Uebernrittelung auf unserm Bureau, Engel-Ufer 15, ab- liefern. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Buchbinderverbandes. Oeutkebes Reich. Der Streik im Brancrci- Gewerbe zn Hamburg umfaßt etwa 1400 Personen. Schon seit längerer Zeit unterhandelten die Brauerei-Arbeiter mit dem Brauerei-Ring um eine zeitgemäße Aufbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die Ring- brauereien verhielten sich jedoch ablehnend und machten gegenüber den Forderungen der Arbeiter sogar ein Angebot, das gegen die jetzigen Verhältnisse eine Verschlechterung' bedeutete. Um des lieben Friedens willen reduzierten nun die Arbeiter ihre Forde- rungen, fanden aber trotzdem bei den Brauereien, denen der Tarif in der neuen Form am Montag früh einzeln vorgelegt wurde, kein Entgegenkomme». Nur die Brauerei Bostelmann in Eimsbüttel, wo 21 Personen in Bettacht kommen, bewilligte die Forderungen. Verlangt wird eine effektive Arbeitszeit von 9>/z Stunden in einer Arbcitsperiode von llflz Stunden täglich, für Stallleute eine 10stündige Arbeitszeit, für Kuffcher eine Ueberzeit-Vergütung, wenn ihre Tour die Daner von 12 Stunden überschreitet. An Löhnen sollen erhalten: Brauer: Einheitslohn von 32 M. pro Woche.— Küper: Einheitslohn von 32 M. pro Woche.— Hilfsarbeiter und Stallleute, Anfangslohn 24 M. pro Woche, nach einem Viertel- jähr 25 M, nach einem Jahr 26 M. pro Woche. Der Lohn für sechs Arbeitstage.— Flaschenkeller-Arbeiter: Anfangslohn 20 M. pro Woche, halbjährlich 1 M. mehr bis zum Höchstlohn von 24 M.— Maschinisten, Heizer: Einheitslohn von 30 M. pro Woche.— Flaschenbierkutscher: Wochenlohn 30 M.(inklusive Zehrgeld). — Faßbierkutscher: Wochenlohn 28 M. und 2 M. Zehrgeld pro Tag. Bei sämtlichen vorgenannten Kategorien ist dieses der Minimallohn für sechs Wochentage.— Der vorgelegte Vertrag enthält dann noch eine Reihe von Specialbestimmungen und sollte Giltigkeit haben bis zum 31. März 1907. In einigen Brauereien stockt der Bettieb völlig, da auch die Maschinisten und Heizer ihre Posten verließen. In der Bavaria- Brauerei streikt sogar der Portier, der durch Angestellte der Wach- und Schließgelellschaft ersetzt wurde. Bier- reisende, Dienstnrädchen und Comptoirpersonal werden mit Flaschen- spülen beschäftigt und die Herren Kaufleute fahren auch Bier aus. — Da die Herren Rausreißer sich im Fahren so ungeschickt erweisen, daß deswegen bereits Sistierungen erfolgen mußten, werden sie den Karren der Ringbrauereien schwerlich aus dem Dreck heraus- bekommen I_ Eine Bergarbeiter-Konferenz für das Ruhrgebict ist auf den Himmelfahrtstag nach Essen einberufen. Zur Beratung steht: Die Stillegungen der Ruhrgruben und die Berg- leute. Diese Konferenz wird zweifellos sehr stark beschickt werden und auch für die Oeffentlichkeit interessant sein, da dort Fachleute über die behauptete„Unrentabilität" der Zechen und die Rot- wendigkcit der hohen Kohlenpreise sprechen.— In Stiegel Ivird am Sonntag eine Bürgerversammlung für das ganze süd- liche Ruhrgebiet tagen zwecks Gründung eines Abwehr- und Schutz- Verbandes. Zur Bauarbciter-Bewcgung in Nürnberg-Fürth. In Fürth sind die Verhandlungen mit dem Arbettgeber-Verband des Bau- gewerbeS lvegen der früher schon mitgeteilten Forderungen ge- scheitert. Die Unternehmer wollen sich nicht an einen bestiinmten Lohnsatz binden und die verlangte Verkürzung der Arbeitszeit nicht zugestehen, weil sonst auch andre Berufe solche Forderungen stellen würden. Sie stellten eine kleine Lohnerhöhung in Aussicht, die sie nach Gutdünken festsetze» wollen; ferner wollen sie vom nächste» Oktober oder 1. Januar 1905 die 58 stündige Arbeitszeit einführen. Eine Versammlung der Maurer und Steinhauer lehnte dies ein- stimmig ab, so daß es wohl zum Kampfe Rommen wird. Einzelne Unternehmer haben die Forderungen ohne weiteres belvilligt. Ein Maurerstreik ist in S ch w e i n f u r t ausgebrochen und in Bayreuth stehen die Stukkateure in einer Lohnbewegung. Die Brauer der Kitzingerschen Brauerei in Erlangen ttaten in den Ausstand.» Huatand. Zwischen de» Coiffeur-Principalcn und den Gehilfen in Bern sind Vereinbarungen festgelegt worden, wonach die Prinzipale den Elfuhr-Ladenschluß an Sonntagen und ztvar für das ganze Jahr bewilligen. Außerdem wird jedem Gehilfen ein freier Tag pro Woche gewährt._ Die Aussperrung in der Diamantindnstrie. Im Palais des Gouverneurs der Provinz Antwerpen fand am Sonnabend die bereits erwähnte Zusammenkunft der Kammer» Vertreter der Stadt Antwerpen statt. Es nahmen daran teil: vier katholische Abgeordnete, ein liberaler und der socialdcmokratische Abgeordnete Tarvagne; außerdem waren vier Vertreter der Arbeit« geber und drei der Arbeiter: Bartels, Romer und de Man, an- wesend. Nach ungefähr vierstündiger Beratung legten die Ab- geordneten den Vertretern der Parteien ihre Vorschläge vor, die darauf hinausgehen, daß 300 Lehrlinge direkt zugelassen werden und in den folgenden Jahren die Zahl der Lehrlinge durch eine gemeinsame Kommission festgesetzt ivird, ferner, daß vom 1. Januar 1905 der Neunstundcutag emgeführt wird und schließlich, daß keine Matzregelungen vorgenommen werden und der Dianrantarbeiter-Verband solche ÄrbeitSniederlegungen nicht unter- stützt, die etlva dadurch entstehen, daß Organisierte nicht mit Unorganisierten zusammenarbeiten wollen. Die Vertreter der Parteien werden diese Vorschläge am Mittwoch den Versammlungen ihrer Organisasionen unterbreiten. Am Donnerstag findet eine neue Zu« sammenkuuft der Abgeordneten statt, die sich mit der Antwort der Parteien befassen soll.— Die Zahl der Mühlen, an denen unter Vcrbandsbediugungen gearbeitet wird, wurde Ende voriger Woche für Antwerpen auf 1623 angegeben._ Huö der frauenbewegung. Eine Delegiertenvcrsammlung des schweizerische» Ardeiterinnen- Vereins, die am Sonntag in Zürich tagte, sprach sich durch An- nähme einer Resolution für die Freigabe des Sonnabendnachmittags aus. Ein andrer Beschluß verlangt die Anstellung weiblicher Fabrik- und Gewerbe-Jnspektorinnen. Ferner wurde noch beschlossen, Hand in Hand mit den bürgerlichen Frauen das Stimnirecht für Kirche und Schule zu fordern. Endlich wurde der Beschluß gefaßt, daß der Arbeiterinnen-Centralverband den, allgemeinen Gewerlschafts- bund beitrete. Marktpreise von Berlin am i). Mai 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. 'Weizen, gut D.-Ctt. . mittel gering -Roggen, gut mittel gering f Gerste, gut »Uttel gering fHaser, gut mittel . gering Richtsttoh Heu Erbsen Speiscbohnen Linsen ' ab Bahn, f frei Wagen und ab Bah». 17.30 17,2« 17,22 13,00 14,20 13,00 11,80 14,80 13,80 12,80 40,00 50,00 60,00 17,28 17,24 17,20 13,10 11,90 10,80 13,90 12,90 11,90 28,00 26,00 25,00 Kartoffeln, ueueD.-lltr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch Kalbfleifch tammelfleisch utter Eier Karpfen Aal- Zander t echte arsche Schleie Blei- Krebse «0 Stück 1 kg per Schock 7.00 1,8« 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,40 2,00 2,80 3,00 2,20 2,00 3,00 1,40 15,00 «,00 1.2» 1,10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,40 1,20 1,40 1,00 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 Witterungsübersicht vom 10. Mai 1SV4, morgens» Uhr. Stationen Swinenide. Hamburg Berlin LS L g Ii Si- 757 756 [759 ö~ S H a«■ Frankf.a.M.762 München|765 Wien|766 SSW WSW SW SW SO Vetter big 4(1 -A H& Stationen NNO 4 bedeckt 8 Haparanda 755 S 5 Regen 7 Petersburg 759WSW 3Regen 9 Cork «bedeckt 9 Aberdeen 761 3 halb bd. 9 Pari» 760 3 wölken! II Wetter-Progiiose für Mittwoch, de» II. Mai l»V4. Etwas wärmer, vielfach heiter, aber veränderlich mit leichten Regen- fallen und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner vetterburea«. •=-5. « e c Vetter 2 Schnee «bedeckt «bedeckt «bedeckt *« 4 R. gt» eelk 1 8 6 12 Kür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiuerlei Berautwortuug. Theater. Mittwoch, den 11. Mai. Aiijang T'/j Uhr: Opernhaus. Manon. Reues Operntheatcr. Othello, der Mohr von Venedig. Deutsches. Der Pfarrer von Kirch- seid. Berliner. Der jüngste Lieutenant. Lessing. Zapfenstreich. Weste». Apajune. Eentral. Der Sonnenvogel. Belle-Alliance. Kam'rad Lehmann. Neues. Kabale und Liebe. Ansang 8 Uhr: Ech iiier v.(Wallner- Theater.) Lumpacwagabundus. Schiller M.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Pauline. Kleines. Fräulein Julie. Residenz. Die 300 Tage. Drtanou. Das elfte Gebot. Hieraus Der Dieb. Carl Weift. Muttersegen. Deutsch> Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Metropol. Ein tolles Jabr. Cafino. Durch Klippen und Wellen. Berliner Herzen. Winter-Garten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Gebr. Herrnfeld. Gastspiel der Tegernseer. Der Dorfpfarrer. Reichshallen. Stettiner Sänger. Pnssage-Dheater. Specialitäten. llrauia. Xmibenstrafte 48/49. Um 4 Uhr: Aus dem Haushalt der freien Natur. Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. Jubaltdenstrafte 57/63. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe. Anfang VI, M/r. Centrai-Theater. Abends 7'/, Uhr: Gaftsp. Pauia Worm; Der Sonnenvogel. Operette in 3 Akten v. B. Holländer. Morgen und folgende Tag«: Der Sonnenvogel. Sonnlagnaa�ittag 3 Uhr halbe Preis«: /ledermMie. RkßilkiljThtuter Heute und folgende Tage: Zlbends 8 Uhr: vie ZW laxe. Schwank in 3 Akten von Paul Gavault und R. Cbarvev. Deutsch von Msrcd Halm. jSeIIe-z!!jsllee-7!lö»ter. (Jean Kren und Alfted Schönseld.) Im Theater 7'/, Uhr: Kam rad Lehmann. Große militärische AnsstattungSposse mit Guido Thielscher in der Titelrolle. Im Garte«: Nur dreimaliges Gastspiel der IVlavine-Iugencl-I�apelle in Original Kieler Matrosen-Uniform. Himmelsahrtstag Ansang S Uhr. Freitag, Sonnabend Ansang 6 Uhr. Enftee 20 Pf., reserv. Platz 40,, Saisonkart. u. Dutzendhcstc a. d. Kasse. Apollo-Theater. _ Abends 7 Uhr: gM- Garten-Konzert."MM Abends 8 Uhr: Das neue kl»4 Speclalitiitcn- Programm. 6'U Uhr: Llebesgöäter« Bild; Pans lilebesnacht. Grosses BaUebt. Im dritten Bild: Der Götterzug und die Sensations-Apotheose: „Im Tempel der Olflckseltflkelt". e. Metropol-Theater Der Me Erfolg dieses Jahres: ii Gr. dramatisch-satirische Revue in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Casino-Theater. Lolhringerstr. 37. Ans. 8, Sonnt. 7'/. 8 Uhr: Durch Klippen und Wellen. 8'/,: Kern und Bohren alc Mlmlker. Santanella— Les Aleros. Berliner Herzen. Himmelsahrtstag 4 Uhr: Zärtliche Verwandte-c. Schlußvorftellung: Montag, den 16. Mat. Kleines Theater. Unter den Linden 44. frauleiitiJuHe. Ansang 8 Uhr. Morgen: M achtasy I. Urania« Taubönstr. 48/49. Um 4 Uhr im Theater(kl. Preise); Aus dem Hauehalt der freien Natur. Um 8 Uhr im Theater: Die Bnsel iiiigen. Sternwarte Twll I CAS TAN- S ANOPTICUM. Friodrichstr. 165. Die zusammengewachsenen Schwestern. Der Weltfriede. __ Kassanura, das delphische Orakel? Passage-Theater. Anfang: Sonntags 3 Uhr. Wochentags 3 Uhr.— Anfang der Abendvorstellung 8 Uhr. Das ylänzentle Mai-Programm: Paul Gorradini Tanz-Komiker. John Siems Karten- und MUnzen- Manipulator. 14 erstklassige Nummern. Trianon-Theater. Georgenstrahe, zwischen Friedrich- und Universitärsstraszc. DM" Abends 8 Uhr:-MU Vas elfte Gebot. Hieraus: Dev Dieb. Ve!88'7tle»ler. Kürgerlicbcs Scbauspielbaus. Große Franlsurterstr. 132. Muttersege«. Schauspiel in 5 Akten von Friedrich. Ansang 8 Uhr. Morg. nachm. 3 Uhr: Der Totschläger. Abends: Kaust. Im Garten: Grofte Specialitäten- Vorstellung, i'l, Uhr.__ f. Direktion; Robert Dill. Brannensti'asse 16. Heute geschlsssen! Donnerstag(Himmelsahrtstag): Der Nasenstüber. XönlgLtsdt-Xssliio Holzmarktstr. 72, Ecke Mexanderstraße. Täglich: Ausfteten v. Carl Stephan, die sesche Nanon, Herm. Hempel, Geschw. Ledcrer, C. u. E. Bernhardt), Rose Brandt, Paul Revse. Reu I Die Tante a«S Polzin. Poffe mit Gesang in IM. Nach der Vorstell.: Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Tanz. »Ins. Wochent. 8 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Kanssoiiot. Kottbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Hottmaims Norddeutsche Sänger. Nach jeder Soiree: Tanz, Jßützoiöstr. 111/112. T ttg 1 1 e h Im Clarten oder Saal: Hentt inten r. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Bons baben Gültigkeit. Achtung, Säekerstreik! Bürger! Arbeiter! und besonders Ihr Hausfrauen! Unterstützt die streikenden Bäckerei-Arbeiter in ihrem schweren Kantpfe zur Erringung menschenwürdiger Lohn- und Arbeitsbedingungen! Kaust nur Brot aus den Bäckereien, in denen unsre bescheidenen Forderungen erfüllt werden I Folgende Bäckereien find geregelt und werden in diesen die gesorderien Bedingungen erfüllt: Berliner Genossenschafts-Bäckerei, Neue Hochstr. 18. Neue Berl. Genossenschafts-Bäckerei, Demminerstr. 18. Paul Möller, Marienbnrgerstr. 48. Ernst Pfeiffer, Pappel-Allee 24. Johann Thiel, Frans eck! str. 45. Alb. Wolff, Graunstr. 28. Max Lorenz, Rheinsberg crstr. 28. Gessner, Swincmünderstr. 80. Fr. Riebenstahl, Wattstraße. Oswald Grossmann, Swinemünderstraße 27. M. Mannel, Swinemünderstr. 82. M. Höselbarth, Fehrbellinerstr. 27. da. Plwpet-Allee 14. F. Mittelbach, SchönHolzerstr. 5. F. Baake, Ruppinerstr. 8. Dolima, Heinersdorserstr. 12. H. Schmidt, Prinzen-Allee 53. A. Danelzik, W ilheimshav en ersft. 16. R. Starasta, Koppenstr. 43. Paul Helnzelmann, Muskauerstr. 28, ft. 35. H. Proe», Charwitenburg, Sophie- Charlottenstr. 80. 01to Minuth, Steinstr. 18. G. Schulz, Charlottenbmg, Tauerstr.17. W. Köppke, Friedrichsberg, Scharm» weberstr. 37. P. Torgeler, Charlottenburg, Guerscke- straße 40. Georg Schott, CHarlottenburg. Goethe- straße 25. H. Bauengöriel, Reinickendors, Provinz straße 51. A. Hühner, Schwedterstr. 52. Wilhelma-Brotfabrik, AndreaSsft. 32. Jakob Berkllck, Brunnensw. 161. G. Heinig. Gräsestr. 14». K. Keil, Markusstr. 9, E. Engel, Reu- Weißens e«, Gustav Adolsstr. 7. Robert Sediert, Pankow, Schönholzer- straße 7, j. Köllner, Amalienstr. 7. Oskar Hanke, dlG., Greifswalder- straße 12. Fritz Hanke, N., Hanauerstr. 1». Diw Samäriterfw. 11. A. Zapp, Friedrich-Wilhelmsw. 20. J. Czerwenke, Dunckerjtr. 2. B. Sehneri, Görlitzerstr. 36. 0. Kohers, Neue Hochstr. 28. A. Genwich, Blumenthalstr. 6. A. Voigtländer, Rixdors, Bertinerstr. 20. R. Richter, Rixdors, Knesebeckstr. 68. C. Schönherr, Oderbergerftr. 46. R. Senftieben, Rixdors/Steinmetzstr. 39. L. Schwanz, Tegel, Schlieperstr. 69. 0. Mörbe, Charlcttenburg, Leibnizstr,3S. A. Fach, Claudiusstr. 10. A. Mattes, Wilhelmshavenerftr. 17. Rabatt-Sparverein Süd-Ost, Kottbuser User 44. W. Polenz, SW., Bergmannstr. 14 a. F. Barlel, NW., Jagoroftr. 10. Gebr. Hagen Nachiolg., Dalldorser- straße 16. F. Jonscher, N., Schulstr. 37. K, Graul, N., Anllamerstr. 36. G. Seidel, N., Ramlerstr. 24. M. Herrmann, Prenzlauer Allee 203. 0. Schaper, SW., Steglitzerstr. 71. R. Hoffmann, Schöneberg, Ziethenstr. 3. Heise, Wriezenerstr. 8. F. Kirschen, Angermünderstr. 3. Brotfabrik„Vorwärts", Kopernikus- stratze 3. P. Friedrich, Friedrichsberg, Warten- bergstr. 2. H. Höhngo, Neu- Weißensee, Straß- burgstr. 20. R. Preuss, SW., Fidieinstr. 14. Neue Berliner Genossenschaft, N., Bernauerstr. 47 c. E. Siepke, O., Tiksiterstr. 91. H. Knattes, Steglitz, Schützenstr. 11. L. Mägdefrau, Neu-Weißensee, Gustav Adolsstr. 156. Vlilli Seemann, N., Marienburger- straße 7. A. Manthei, SO., Falckensteinstr. 37. St. Pultnski, SO., Falckensteinstr. 20. 0. Lehmann, SW., Teltowerstr. 38 a. J. Wagner, Schöneberg, Siegfried- straße 4. Fr. Templin, Schöneberg, Hohensried- bergstr. 21. H. Haff, NO., Elbingersw. Wir appellieren an da? Rechtsgefühl des konsumierenden Publikums und bitten, nur Brot und Backware aus den Bäckereien, Milchgeschäften und von sonstigen Wiederverkäufern zu beziehen, wo die mit nnsrem Verbands• Stempel versehenen Plakate anshängen(weiss mit rotem Rand). Den Landbrotbäckern und Arühstücksansträaern verlange man die I-egltlmatlonskarte(rot) ab. «...~"" und Wiederverkäufer, deren �Ware von«Ackern. � deren Ware von«Ackern, die nenen wird, erhalten Plakate Dir Ihre Geschürte und Brotkntscher und Frühstücksausträger in unsrem unterzeichneten Die Herren Bäckermeister Dedlngnngcn arbeiten, hergestellt liegltlmatlonskarten für die— Bnrean. Die Streikleitung. „Bosenthaler Hof", Rosenthalerstr. II/IS, Sprechzeit von morgens 16 bis abends 8 Uhr. Hnrean: Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen. Badstr. 58. Heute Mittwoch, den 11. Mat 1904: Keine Borstellung. Morgen Himmelsahrtstag: Kresse Dartenvorstellang. Der Denunziant. Volksstück mit Gesang m 2 Bildern von H. Müller. Auftreten erstklassiger Specialitäten. ■wpWwwwwww' IPraler-Thealerl . Kastanien-Allee 7/9. Morgen am Hinnnelsahrtstage: Gr. Eilra-Mellig. i Konzert, Theater, Kall. I Ansang i'l, Uhr. Eintritt 30, nnm. Platz 50 Ps. I Siehe Säulenanschlag. Tortajada De Try's Hansi Spanische Sängerin und Tänaerin. Fhantasmagorien. Operettensängerin. Trapezkünstlerinnen. Gebrüder Schwarz parodisten. Kiners Moulin Bquillbrist. Scene. De lüobry Pariser Sängefin. Die Blumenkönigin Tanzdivertissem. Die Wetperts Akrobaten. Robinson Baker-Trio Springer. Paul Conchas Biograph. de deux Pas i Cerntii. Sgra. Oavini u. Sgr, Lose kgl. preussiscnerijotterie zahlt mF" sofort aus . Hosenberg;, Bank-«. Lotterie-Geschäft, Kommandantenstr. 51. Gewinn reussis ober Lotterie Scliiller-Tlieater. Schiller-Theater S(. (Friedrich-Wilhelmstädiisches Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Panline. Berlwer Komödie in drei ANen von Georg Hirschseid. Donnerstagabend 8 Uhr: Peitslon Schöller. Freitagabend 8 Uhr: Pension Setaöller. Schiller-Theater O. (Wallner-Theater). Mittwochabend 8 Uhr: I-ampacivagabandus. Zauberposse mit Gesang in 3 Auszügen v. Johann Nestroh. Musik v. A.Müller. Donnerstagabend 8 Uhr: Oollege Orampton. Freitagabend 8 Uhr: Hans Rosenhagen. Brauerei THedrichshain Lipps(Oelonom: E. Niemann), am Königstho r Konzert-Saal nnd Garten Berlins. Heute sowie nur noch einige Tage: Konzert°°n Sohanti Strauss ans Wien Dirigent der k. und k. ostreichische« Hosballmusik mit seiner gesamten Kapell«. 5090L� Anfang 8 Uhr. Eutree!;6 Pf. Reservierter Platz l Mark. TrobelZlllRrlel-TliLilteT Schönhauser Allee 148. Mittwoch, den 11. Mai: Führmann, Horst, Waide-Sänger. Nach der Vorst.: Frei-Tanz. Ans. 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Bons sind gttltlg. Reichs hallen StettinerSänger Zum Schluß: Neul Cirkus Lenz und Cirkus Pusch. WissenSieessdioK JassMonajahrrader-L ■fie besten ibilligVten sind• Wo ec 8» 60--100 MX.«pareu,„ (aoier Emit Machnow1. Arcons. Rad! Wollen Sie jährlich m, Lelchtie- «eii eiele 100 Mk. eerdienen, ap empfehlen nnd rerkanfen Sie Im Kreise Ihrer Freunde nnd Bekannten Ems« Machnow'» Arcona-Fahrrider. Ver- langen Sie zu Ihrer Orientierung m. neuen reich illostrirt. Hauptkatalog für Wiederrerkäufer. Derselbe wird Urnen gratis und franko ngesandb Ernst Machnow, Berlin N. Arsonaplats 1. JVathan 1126 Skalifterstr. 129. Die schönsten 51182* Herren-Sommer-Paletots und Anzöge Monats-Garderobe von Kavalieren geftagene Sachen, fast neu, für jede Figur paffend, peeiell Bauchanzüge find in j großer Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu haben. [athan Man 129 Skalifterstr. 129. 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Mts., nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle des Kirchhoses der Kreuzgemeinde in Mariendors, Feldstrahe, aus ftatt. Um zahlreiche Beteiligung aller Kollegen ersucht 143/9 Die Verbandsleitung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Bruder, Schwager und Onkel, der Maurer Julius Häusler im Alter von 48 Jahren nach kurzem, schwerem Leiden am 8. Mai verstorben ist. Die Leerdi- guna findet am Mittwoch, den 11. Mai, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen-Kirch- Hofs in Charlottenburg, Fürsten- brunner Weg, aus statt. fllb JmNamen der kauernden Hinter- bliebenen Ferdinand Häusler. SoeisWeiM Wscdei' Walifoereiii CharloUeoburg. Den Genossen hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maurer -iulius Häusler verstorben ist Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Btittwoch, den 11. Mai, nachmittags 6 Uhr, von der Halle des Neuen Luifen-Kirchhoss aus statt. 250/8_ Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anselge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zinngießer Molk Kossmann am 7. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken I -alle des Mariendors aus uz-» ! statt. Kirchhoses w I Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer Kart Standtke am 8. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am l Mittwoch, den ll. Mai, nachmittags! 4'/, Uhr, von der Leichenhalle tn| den Süffeln in Spandau aus statt. Rege Beteiligung erwartet 115/8 Die Ortsverwattung. ZaWstelle Charlcttenburg. Am Sonntag, den 3. d. Mi«. verstarb an Hirnhautentzündung unser Mtgficd 143/10 Ms Häusler im Alter von 47 Jahren. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den kl. d. MtS., nach mittag« 6 Uhr, von der Leichen- halle des Luisen-Skirchhoses, lollenbnrg, Fürstenbrunner aus statt. Um zahlreiche Beteiligung aller Kollegen ersucht Dw örttiche Verwaltmg. ffi. H. Str. 2, Hamburg. OartUche Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß daS Mitglied, der Zimmerer Fritz Auer am 8. Mai versterben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Domiersiagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des St. Johannes- Kirchhofes, Pkötzensee, an« statt. Hm rege Bel, jung bittet 259/8 Der Vorstand. ■ST Vereia der Zimmerer Berlins und Umgegend. Todes- Anselge. Am Sonntag, den 8. d, Mi«., oerstarb unser langjähriges Mit- glied Fritz Auer (Zahltlelle Moabit). Ehre seinem Anbenkcnl Di« Beerdigung findet am Donnerstag, den 12. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des neuen JohanneS-Kirch- Hofes In Plötzensee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 257/8 Der Borstand. tatlieh »- 10 Mark- liefere Anzüge Paletots nach Maß. Per Kasse auch billigste Preise. 1. Tompopowski. ÄSä Mermstw. RetzMeur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Bruck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Paradiesgarten Birkenwerdor am Vntermtthlensee. Empfehle meine herrlich an Bald und Wasser gelegenen Lokalitäten. Vergebe auch«onntag» und Fest- tags meine Säle an Vereine und Gesellschasien. 1200b* H.«»dicke. Telephon: Amt Bttkenwerder Nr. 61. Singer& Co., Berlin SW Nr. 110. 21. Iahrgavg. 2. Kcilm Ks, Amiirls" Knlm vsiksM MMoch, 11. Mai IM. Die Vertrauensämter der Berliner Soeialdemokratie. A. Vertranenspersonen: 1. Wahlkreis: Georg Oppel. Rosenthalerstr. 50, HI. Georg Weih ir acht, Grünstr. 21 Part. 2. Wahlkreis: Herm. Werner, Mittenwalderstr. 30 Part. E r n st Schneider, Fiirdringerstr. 21, Hof links m. 3. Wahlkreis: Franz Hoch, Admiralstr. 7, vorn IV. Aug. Pohl, Naunynstr. 30, vorn IV. 4. Wahlkreis(Ost); Otto Franke, Zorndorferstr. 8, vorn Part. Albert Wasewitz, Friedrichsbergerstr. 19. 4. Wahlkreis(Südost): R i ch. H a ck e l b u s ch, Wrangelstr. 69, Quergeb. IV. Wilhelm I ö ch e l. Köpnickerstr. 190. 5. Wahlkreis: Leopold Liepmann, Linienstr. 242 I. Leo Zucht, Lietzmannstr. 13, von? II. S. Wahlkreis(Moabit): il n r l Fischer, Waldstr. 8. (Wedding und Oranienburger Vorstadt): Eugen Ernst, Ackerstr. 02. IL (Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen): Adam Vitt- darf, Fehrbellinerstr. 23. (Schönhauser Vorstadt): Karl Mars, Kastanien-Allee 90. Niedrr-Barnim: Georg Freiivaldt, Pa??ko>v, Florastr. 30. Teltow-Bccskow: Panl Hirsch, Charlottenburg, Rosineilstr. 3. Emil Boeske, Rirdorf, Kopfftr. 28. Für die Frauen Berlins: Fra?? SW. W e n g e l s, Gr. Frankfurterstraße 133. Frau Lutz, Waterloo-Ufer 9, Laden. Frau B a n s ch k e, Rostockerstr. 43, Quergebäude I. Frau W?? l f f, Rostockcrstr. 9, Hof parterre. Ottilie Baader, Blücher» straße 49, Hof II. Nieder-Barnim: Frau Jung, Ober-Schöneweide, Frischei?str. 10. Tcltow-Beeskow: Fran Marie Thiel, Ternpelhof, Friedrich Wilhelm- straße 17. v. Preßkomnlission: I. Wahlkreis: Fritz Kubat, Jakobikirchstr. 2. Rich. Strehl, Swinemüllderstr. 113 I. 2. Wahlkreis: Julius Meyer, Urbanstr. 131, vorn IV. 3. Wahlkreis: AdolfWuschick, Orai?icnstr. 177, vorn III bei Benko. Karl Gehrmann, Nailnynstr. 22. 4. Wahlkreis(Osten): Otto Büchner, Andreasstr. 76, vorn IV. 4. Wahlkreis(Südosten): Karl Wer?nuth, Sorauerstr. 21. 5. Wahlkreis: Willy Friedlä?? der, Elsasserstr. 23 II. Otto Wels, Greifswalderstr. 43 IV. 0. Wahlkreis: Richard Klose, Fürstenbergstr. 3/7. Hans Weber, Rodenburgstr. 40. Nieder-Barniu?: Oswald Grauer, Friedrichsberg, Frankfurter Allee 197. Emil Schllmann, Weißensee, Lehderstr. 5. Tcltow-Beeskow: Fritz Hoppe, Rirdorf, Berlinerstr. 14. Karl Boxheimer, Groß-Lichterfelde-Lankwitz, Siemens- straße 31. c. Lokalkommisfion: 1. Wahltreis- Jakob Eg e, Roßstr. 23. Karl Woldt, Kanonierstr. 13. 2. Wahlkreis: Heinrich Schröder, Kreuzbergstr. 13. Albert Eisenhalter, Kottbuser Damn? 36/37. 3. Wahlkreis: Wilh el?n Hinz, Prinzenstr. 00, vorn IV. Karl Heise, Josefstr. 11, Hof IV. 4. Wahlkreis(Osten): F r i tz Z i m m e r m a n'n, Zorndorferstr. 47. Theodor R a h n, Zorndorferstr. 38. 4. Wahlkreis(Südoste??): Wilh. Sedler, Lausitzerstr. 14 Hl. W i l h. H a n s ch i l d t, Falckensteinstr. 6 I. 5. Wahlkreis: Friedrich Rausch, Winsstr. 12. Julius Stallge, Kastanien-Allee 23. 6. Wahlkreis: Adalbert Schütz, Beusselstr. 23.(Moabit.) Richard Thiel, Chaufseestr. 68/69,(für Oranienburger Vorstadt und Wedding). Fürstenberg. Putbu)crstr. 16(für Rosenthaler Vorstadt uild Gesundorllllnen). Wenzel, Schlielnaitnstr. 43,(für Schönhauser Vorstadt). Kicdcr-Baruim: Robert Riek, Rum?nelsburg, Kantstr. 22. Tcltow-Beeskow: Hern?. S ch l i e b i tz, Britz, Jahnstr. 3. Alle Zuseildllngen in Lolalangelegenheiten sind an Wilh eltn Hinz, 8. 14, Prinzenstr. 60, vorn IV, zu richten. 0. Agitationskoinmisfion für die Provinz Brandenburg: I. Wahltreis: Albin Schuster, Straßmam?str. 2. 2. Wahlkreis: Fritz Zinke, Reichenbergerstr. 123. 3. Wahlkreis: Karl Dimmick, Luisen-Ufer 11. 4. Wahltreis(Osten): Jea?? Jansen, Landsberger Allee 143, linker Seitenflügel IV. 4. Wahlkreis(Südosten): Karl Scholz, Wrangelstr. 110. 5. Wahlkreis: Georg Davidsohn, Heinersdorferstr. 3 IV. 6. Wahlkreis: Gustav La i? kaut, Voltastr. 45. Paul D o b r o l a w. Oderbergerstr. 27. Nieder-Barnim: A. Taub mann, Nell-Weißensee, Elsaßstr. 13. Teltow-Beeskow: Karl Fischer, Schöneberg, Gothellstr. 30. E. Borsitzende der Wahlvereine: I. Wahlkreis: Gustav Seiler, Reichenbergerstr. 72a. 2. Wahlkreis: Herm. Werner, Mittenwalderstr. 30. 3. Wahlkreis: Stephan Fritz. Oranie??str. 137, IV. 4. Wahlkreis(Osten): Paul Litfin, Warschauerstr. 61, v. Part. 4. Wahlkreis(Südosten): Paul Hoffmann, Oppelnerstr. 21. 3. Wahlkreis: Leo Z l? ch t, Lietzmannstr. 13, vorn II. 6. Wahlkreis: Wilh. Frey thaler, Gartenplatz 1. CcntralWahlverein für Teltow-Beeskow: Paul Hirsch, Char- lottenburg. Rosinenstr. 3. 5. Verbandstag des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes. Leipzig, 9. Mai 1904. VormittagS-Sitzung. Auf Antrag der MandatSprüsirngs-Kommission werden sämtliche Mandate für gilltig erklärt, wobei jedoch die agitatorischen Maß- nahmen der Zahlstelle Erfurt zu Gunsten des dortigen Delegierten verurteilt werden. An Stelle des erkrankten Exncr wird Leopold- Berlin mit 33 gegen 26 Stimmen als Ersatzmann zugezogen. Der Antrag Leipzig, die Stellungnahme zur Malfeier auf die Tagesordnung zu setze??, wird mit 39 gegen 33 Stiminen an- genomlnen ul?d ferner einstimmig der Antrag R a i t h» München, als Punkt 6:„Uilsre Taktik bei Streiks" zu behandeln und zwar i n geschlossener Sitzung. Zur Erleichterung der Geschäftsordnung wird auch eine neun» gliedrige Kommission zur Vorberatung der Anträge gewählt, welch letztere schon in der Vorlage die Zahl von 317 erreichten. Der Vorsitzende teilt nunmehr mit, daß der Vorstand an mehrere ausländische Bruderorganisationen eine Einladung zum Besuche des Vcrvandstages gerichtet habe, die seitens des dänischen Holzarbeiter- Verbandes durch eine brüderlich gehaltene Antwort quittiert sei, in welcher die herzlichsten Glückwünsche zuin segensreichen Gedeihen der Verhandlungen ausgesprochen werden. Daran anknüpfend begrüßt er die bereits gestern namhaft gemachten Delegierten der stemd- ländischen Bruderorganisationen auf das freundlichste. Die Er- schienen danken dafür in längeren Ausführungen, in denen sie auch die Orgaiiisationsverhälinisse der eignen Länder schildern. K i o ß- Stuttgart meint, die Ausführungen der Gäste erinnerten an die Zeiten des Socialistengesetzes, wo eS nur ein Mittel zum Kampfe gab: daS zähe Ausharren nach dem einmal gesteckten Ziel Daß die Zahl der ausländischen Streilbrecher erfreulich zurück gegangen, sei mit Recht als schöner Erfolg der Organisationsarbeit zu bezeichnen und er hoffe, daß diese zähe Ausdauer von endlichem Erfolge gekrönt sein möge. Sodann gedenkt Redner der Toten des Verbandes, die känipfend ihre Pflicht gethan, und specicll widmet er dein kürzlich verstorbenen Vorsitzenden der Preßlonimission, Jakobs- Hamburg, einen warmen Nachruf. Zu Ehren des Verblichenen erhebt sich der Verbandstag von den Sitzen. An Stelle des erkrankten Redakteurs Deinhardt ist Röske- Hamburg erschienen. Nachmittags-Sitzung. Kloß- Stuttgart giebt ininmehr den Vorstandsbericht, wobei er auf die gedruckt vorliegenden Mitteilungen verweist. Danach sind die Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung von 33 im Jahre 1902 auf 232 im Jahre 1903 gestiegen, die Zahl der Angriffsstreiks von 16 auf III, während die Abwehrstreiks von 108 auf 96 sanken. An den 285 ohne Arbeitseinstellung erledigten Fällen waren 12 223 Kollegen aus 817 Betrieben beteiligt, an den 127 Angriffs- streiks 4863, an den 204 Abtvehrstreiks 4841 Kollegen. Verloren gingen 31 Angriffs- und 82 Abwehrstreiks, erfolgreich waren 78 Angriffs- und 91 Abwehrstreiks, die andren hatten einen teilweisen Erfolg. Die Augriffsstreiks brachten 2010 Kollegen eine durchschnittliche Arbeitszeitverkürzung von durchschnittlich 4,7 Wochen stunden und stir 6407 eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 8,3 Proz. Daneben wurden natürlich auch sonstige Forderungen verschiedenster Art durchgesetzt. Die Gesamtkostei? aller Streiks betrugen 491 294,23 M. Der Verband zählte 1901 67 341 Mitglieder in 591 Zahlstellen. 1903 83 662 in 629 Zahlstellen, darunter 511 weibliche. Wegen Streikvergchens wurden 197 Mitglieder angeklagt und 68 mit Strasinandaten bedacht. 103 Angeklagte wurden jedoch steigesprochen und die andren insgesamt mit 63 Monaten, 33 Wochen und 96 Tagen Gefängnis, 27 Wochen Hast und 1104 M. Geldstrafe belegt. 10 Strafniandate wurden aufgehoben beziv. zurückgezogen. Die Kosten für Rechtsschutz betrugen 1902 7415, 1903 10 300 M. Die Gcsamtkosten für Statistik belaufen sich auf 17 068 M. Redner betont und weist nach, daß die alte Klage, der Vorstand berücksichtige bei Streiks nicht genügend die kleineren Zahlstellen, total un- begründet ist. Auch bein? Kasseler Streik habe der Vorstand ab gemahnt, leider vergebens. Man soll lieber den Streik rechtzeitig abbrechen, als der Verbandskasse unnötige Kosten aufbürden. Die schwersten Lohnkämpfe stehen uns noch bevor, die Arbeit geber bilden mehr und mehr eine kompakte Masse und sind besser organisiert wie früher. Miete und Lebensmittel- preise sind bedeutend gestiegen, die Gesetzgebung sucht uns stets weitere Fesseln anzulegen und die Gesellschaft stellt heute an jeden Einzelnen höhere Ansorderungen als früher. Die Unternehmer aber stellen sich auf den Standpunkt: wir Ivollen Herr im Hause seinl Man muß es ihnen im Gegenteil klar machen, daß der Arbeitsvertrag ein GegeuseitigkeitsUerhältuis bedingt, das auch dem Arbeiter Rechte einräumt. Jedes Einzelglied des Verbandes ist daher kräftig und widerstandsfähig zu gestalten. Auch die Beschlüsse des Verbandstages müssen in Zukunft besser respektiert werden und es kommt hoffentlich nicht mehr zu den? beschämenden Schauspiel solcher Protestbclveguiig, wie sie nach Mainz zuin Schaden des Ver- bandes insceniert wurde und sein Ansehen schwächte. Eine ähnliche Erscheinung ist in Unternehmerkreisen ganz unmöglich! Bohne- Stuttgart verlveist gleichfalls bei Erstattung deS KaffenberichtS zunächst auf die gedruckte Vorlage. Danach werden in der Berichtszeit als Einnahme zuzüglich des Bestandes von 274 568,34 M. aufgeführt 1 387 850,13 M.. als Ausgabe inklusive eines Bestandes von 734 449,03 M. fungierte nattirlich die gleiche Summen in der Hauptkassc. Die Einnahmen und Ausgaben der Zahlstellen bilanzieren mit 2 443 934,01 M. inklusive eines über nommenen Bestandes von 68 833,04 M. und eines hinterlaffenen Bestandes von 92 683,34 M. Der Gesamtabschlutz stellt sich wie folgt: Gesamt-Einnahme exkl. Bestand voin 31. Dez. 1901 M. 2 175 153,04 „-Ausgabe„„„ 1. Jan. 1904„ 1 681 442,05 Somit Mehr-Einnahme M. 493 710,99 Dazu erklärt Redner, daß gegenüber den vor zwei Jahren in Wertpapieren angelegten 129 000 M. bei Rechnungsabschluß 567 000 M. und zur Zeit gar 707 800 M. in mündelsicheren Papieren angelegt sind, ivährend bar 188 000 M. vorhanden sind, wovon das meiste auf der Bank. Hoffentlich werden in Zukunft die Ausgaben sich verringern, so daß die Million bald voll wird.(Heiterkeit.) Schmidt- Berlin erstattet sodann den Bericht, des Ausschusses. Er verbreitet sich zunächst über die Opposittonsbewegung gegen die Beschlüsse des Mainzer Verbandstagcs, und zwar betreffs der Ge Haltsregulierung der Beamten, der Diätenfestsetzung für die Dele- gierten sowie der Beitragserhöhung. Bezüglich der letzten Frage ist sogar die Thatsache zu verzeichnen, daß einzelne Vorstandsmitglieder gegen die Verbandstags-Beschlüsse konspirierten.(Es handelt sich mn die unbesoldeten fünf Beisitzer.) Wo kommen Ivir dabei aber hin? Durch die„Holzarbeiter-Zeitung" wurde der Ausschuß auf- gefordert, diese Borstandsinitglieder abzusetzen. Das ging aber nicht, denn damit wäre der Ausschuß wahrscheinlich vom Regen in die Traufe gekommen. Die Stuttgarter Kollegen hätten sicherlich fünf andre von der gleichen Farbe gewählt. Das ivar nicht der erste Schwabenstreich! Ebenso unberechtigt war die Oppositton gegen die Gehaltserhöhung. Man denke: die besoldeten Vorstandsmitglieder beziehen nur 1,01 Proz. der Einnahmen, bei 33 000 Mitgliedern trägt das einzelne zu diesen Gehältern ganze 2 Pfennige bei I Und deshalb wird Zeter und Mordio geschrien! Mit den Gau- und Lokalbeamten werden 6,22 Proz. der Einnahmen für Gehälter aufgewandt, also nur wenig mehr, alö dieser Posten stir Krankenkassen bettägt, die keine Agltation zu treiben und für Organisationsbestrebungen nichts aufzuwenden brauchen I Was diese Arbeit aber dem Verbände genutzt hat, läßt sich ziffermäßig nicht nachweisen. Es ist erfreulich, daß eine große Reihe von Zahlstellen sich dieser odiosen Protestbewegung nicht angeschlossen hat. Die Vorstandsniitglieder müssen künftighin allerorts den Mut besitzen, derartigen Machenschaften von vornherein durch Aufklärung und Be- lehrung entgegenzutreten und sich nicht vom Strome treiben zu lassen. Es ist alles zurückzuweisen, was Unzufriedenheit und Un- einigkeit schafft I(Beifall.) L ü t h- Hamburg erstattet den Bericht der Preßkommission, in welchem gleichfalls die Folgeerscheinungen der Protestbewegung sich widerspiegeln. Seit dem vorigen Verbandstage sind eine ganze Reihe Beschwerden wegen der Protestbewegung ein- gegangen. Als erste stingierte eine solche der Stuttgarter „Protestkommission". Eine solche Jnstittition, an deren Spitze übrigens die opponierenden Vorstandsniitglieder standen, war weder dem Redakteur noch dem Ausschuß bekannt. Bei einem von diesen Vorstandsmitgliedern unterzeichneten Artikel, der Auf- nähme fand, hatte Röske in einer Anmerkung von„ungezogenen Bübles" gesprochen. Das wurde vom Ausschuß verurteilt, desgleichen eine Erklärung RöSkes, die so gehalten war, daß die Genannren sich abermals verletzt fühlten. Endlich wurde dieser Zivischenfall ge- schlichtet. Andre Beschwerden betrafen gleichfalls die Proteftbeivegung. Eine solche des Kollegen Berginann-Breslau wurde als unbegründet erachtet. Die Auflage der„Holzarbeiter-Zeitung" ist 1992 auf 71300 und gegenivärtig auf 90 500 gestiegen. 1902 wurden von den Ueber- fchüssen 6000 und 1903 10 000 M. der Verbandskasse zugeführt. Hoffentlich wird das 100 000 bald voll! Die Diskussion über die Lohnbewegung wird zu der geschloffenen Sitzung zurückgestellt und die emzelnen Punkte des Vorstandsberichts gesondert diskutiert. Dabei kommen naturgemäß eine ganze Reihe von Wünschen und häufig genug auch Ansichten zum Bortrag, die sich diametral gegenüber stehen, je nachdem der jeweilige Redner einer großen oder kleinen Zahlstelle angehört. Jin ganzen sieht man den Nutzen der besoldeten Beamten ein und versteht auch die einzelnen Maßnahmen des Vorstandes trotz mancher Kritik im einzelnen. Speziell ivünscht man die moralische Eroberung des dunklen Rheinland-Westfalens. Beschlüsse werden nicht gefaßt. Soziales. Der Untcrverbandstag der Konsumvereine der Provinz Brandenburg und der angrenzenden Provinzen und Staaten tvurde am Sonnabend und Sonntag in Rathenow abgehalten. Auch dieser Unterverband gehört zu denjenigen, die nach der Tagung von Kreuznach dem Allgemeinen Verbände den Rücken gekehrt haben. Seitdem scheint sich der äußere Anblick, den die Tagungen bieten, in doppelter Richtung verändert haben. Zunächst fehlen die Ver- treter der Behörden, die sonst den Unterverband mit freundlichen Worten begrüßten; der Bürgermeister von Rathenow erwiderte dem Geschäftsführer des dortigen Konsumvereins, der ihn zur Tagung einlud, er könne nicht erscheinen, lveil nach den Vorgängen von Kreuznach unumstößlich fe st st ehe. daß es sich um socialde in akratische Vereine handele. Die Bemerkung zeigt, daß dem Herrn das Verständnis für das Wesen und die wirtschaftliche Bedeutung der Konsumvereine sowohl wie für die socialdemokratische Bewegung völlig abgeht. Die andre Aenderung, die sich schon im äußeren Anblick der Tagung kuudgiebt, iit die Wiederspiegelung des frischeren Lebens, das nach der Trennung von der unnatürlichen Verbindung mit den Kredit- vereinen ganz offensichtlich in den Konsumvereinen und ihren Unter- verbänden pulsiert. Zur Zeit der Trennung gehörten dem Unterverbande 28 Vereine an, von denen 12 bis 16 auf den Unterverbandstagen erschienen. Neun dieser Vereine traten aus dein Unterverbande aus, um auch ferner noch Statisten des Herrn Dr. Crüger und seiner Kreditvereine abgeben zu können; trotzdem zählte der Unterverband ain 31. März d. I. bereits 41 Vereine und seitdem sind drei weitere hinzugekommen. Auf dem BerbandStage waren 25 Vereine durch 30 Delegierte vertreten. Der Centralverband war durch seinen Vorsitzenden, Herrn R a d c st o ck, die Großeinkaufsgescllschaft durch den Geschäftsführer Lorenz- Hamburg vertteten. Auch Ivar der Sekretär des Centtalverbandes, K aufin ann- Hamburg, au- wesend. Von 36 dem Verbände angehörigen Vereinen lagen der Ver- bandSleitung nähere Geschäftsberichte vor. Diese Vereine haben etwa 60 000 Mitglieder. In 141 Berkaufsstellen und 7 Central- lagern wurde bei einem Personal von 350 Personen ein Umsatz von über 9Vz Millionen Mark erzielt, wozu noch 336 000 M. im Lieserantengefchäft kommen, das allerdings dem in Händlerkreisen üblichen Rabattshstem verwandt und dem Wesen eines genosfenschaft- lichen Betriebes durchaus entgegengesetzt ist; die Genossenschaften suchen denn auch mit wenigen Ausnahmen diesen Geschäftszweig beständig einzuschränken. Den Mitgliedern konnten von dem erzielten Geschäftsgewinn 730 000 M. als sogen. Dividende zurückvergütct tverden. In Prozent- sätzen des Umsatzes ivar dieselbe sehr verschieden, sie beivegte sich von 2V« Proz.(Berlin und Kolberg) bis zu 11 Proz.(Dahme und Forst). Zum Teil hat dies in befonderen örtlichen Schwierigkeiten resp. günstigen Umständen seinen Grund, zum Teil auch in örtlich verschiedenen Gewohnheiten der Mitglieder, die an einem Orte gute Ware bei möglichst billigem Preise haben wollen, an einem andern lieber einen kleinen Aufschlag bezahlen, um zu Weihnachten eine» Sparpfennig zu haben. In der Eigenproduktion werden 49 Personen beschäftigt, und zwar wird in Brandenburg Wäschefabrikation und eine Bäckerei be- trieben, auch KottbuS und Forst haben Bäckereibettieb, und Bernau hat Destillationsbetrieb. Am ersten Tage, Sonnabend, berichteten die einzelnen Vereine über ihre Entwicklung; unter den hierbei angeregten Fragen kain auch zur Sprache, daß in einzelnen Vereinen ein nicht zu billigendes Ausbeutungssystem gegen die Angestellten herrsche, indem der Verein sich un? das Verhältnis der Lagerhalter dein übrigen Personal gegen- über nicht kümmere, die Lagerhalter also geradezu zu Schwitzmeistcrn der Verkäufer und Verkäuferinnen erziehe. Es wurde beschlossen, iin nächsten Jahre die Aussprache über diesen Gegenstand zu einem besonderen Punkt der Tagesordnung zu inachen und man gab der Hoffnung Ausdruck, vielleicht zu gleichmäßigen Normen für alle Ver- eine kominen zu können. Am zweiten Tage, Sonntag, stand ein Vorttag von Herrn K a u f ni a n n, dem Sekretär des Centralverbandes„Ueber genossen- schaftliche Agitation und Presse" auf der Tagesordnung. Die leitenden Gesichtspuntte des Vortrages, daß die Genossenschaftsbewegung als Massenbewegung die andauernde Agitation notwendig habe, die auch als Gegengewicht gegen die beständigen Anfeindungen not- wendig sei, fanden allgemeine Zustimmung. I» einer Resolution wurde das in Hamburg erscheinende„Frauen-Genossenschastsblatt" sowie die„Konsumgenoffenschaftliche Rundschau" einer stärkeren Be- achtung empfohlen. Der Berichterstatter der Einkaufskommission, Breslau er- Rixdorf, rügte die Usance(geschäftliche Gewohnheiten) der Zucker- fabriken, stets 3 bis 4 Prozent Mindergewicht zu geben. Der an- wesende Geschäftsführer der Großeinkaufs-Gesellschaft, Lorenz, konnte nur wenig Hoffnung auf Ueberwindung dieser Usance(wir möchten es eher Bcttug nennen) machen, da die Organisatton des Konsums leider noch in den Anfängen stecke. Vom Geschäftsführer der Konsum- Genossenschast Berlin u. II, Müller, wurde auf den großen ButterfälschungS- Prozeß hin- gewiesen, der am 16. Mai vor dem Landgericht i in Berlin beginnen wird; wenn man bedenke, was stir kolossale Mengen von Surrogaten zu sogenannter echter Naturbutter verarbeitet würden, werde man sich über die billigen Preise niancher Händler nicht wundern können. Eine längere Diskussion rief der Antrag des Rabatt-Spar- Vereins„Berlin Süd-Ost" uni Aufnahme in den Unterverband und damit um Aufnahme in den Centralverband deutscher Konsum- vereine hervor. Der Vorstand des Unterverbandes hat das bereits ini Juni 1903 gestellte Aufnahmegesuch abschlägig beschieden, weil er glaubt, der Verein beruhe auf dem verwerflichen, das Publikum täuschenden Grundsatz des sogenannten kaufmännischen Rabatts, der dem auf reellen Geschäftsgewinn gerichteten Grundsatz der Konsum- vereine direkt entgegengesetzt sei. Der als Gast anwesende Vertreter deS Vereins, Herr Kunze, führte aus, man möge sich an den Namen nicht stoßen, in Wirklichkeit sei der Verein jetzt bereits ein Konsumverein, der bereits 26 eigne Verkaufsstellen habe und das Lieferantengeschäft beständig weiter zurückdränge. Gerade im Interesse eines einträchtigen Zusammenwirkens mit den übrigen Berliner Konsunivereinen, das seit einiger Zeit nnt gutem Erfolge eingeleitet sei, läge die Aufnahme in den Verband. Befürwortet wurde die Aufnahme vom Berliner Konsumverein und vom Konsuniverein„Rixdorf", bekämpft dagegen ans prin- cipiellen Gründen von dem Centralverbands-Vorsitzenden Rade- st o ck und Dr. Borchardt- Charlottenbnrg, aus geschäftlichen Gründen auch von Herrn Kaufmann. Nach Schluß der Debatte wurde einstimmig folgende von Borchardt- Charlottenburg be- antragte Resolution angenommen: „Der Unterverbandstag empfiehlt dem Rabatt-Sparvcrein Südost, seine von ihm behauptete konsumgenossenschafiliche Thätig- keit auch in seinem Statut als Hauptzweck der Vereinsthätigkeit zum Ausdruck zu bringen. Seiner Aufnahme in den Unterverband würde dann nichts im Wege stehen." Der vom Verbandsvorstand aufgestellte Kostenanschlag für das Jahr 1904—1903 bettägt 1475,13 M.; derselbe wurde genehmigt. Die Verbandsleitung wurde einstimmig wiedergewählt, und zwar erster Vorsitzender N e u d e ck- Brandenburg, zweiter Vorsitzender Müller- Berlin, Schriftführer H u ch- Brandenburg. Als Ort des nächsten Verbandstages wurde Berlin bestimmt. Die Anzeigepflicht der Aerzte bei Typhus. Ein Hospitalarzt K. war in zweiter Instanz wegen Ueber- tretung einer Polizeiverordnung des Regierungspräsidenten zu Arns berg zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er nicht binnen 24 Stunden von einem Typhusfall der Polizei Anzeige gemacht hatte.— Das Kammergerichr hob das Urteil auf und verwies die Sache noch einmal in die Vorinstanz zurück. Zur Begründung wurde aus geführt: Die Polizeiverordnung sei nicht gültig. Sie bewege sich neben dem und zum Teil gegen das Sanitätsreglemenl vom 8. August 183S, welches Gesetzeskraft habe und deswegen der Polizei Verordnung vorgehe. Es Iverde nun zu prüfen sein, in wielveit dies Regulativ vom 8. August 1885 anwendbar sei. Sein Z bestimme unter anderm:„Die Medizinalpersonen sind ge halten, von„in ihrer Praxis vorkommenden" Fällen von Typhus ec. baldigst Anzeige zu machen. Das Kammergericht habe vor Jahren entschieden, daß die Worte:„in ihrer Praxis vorkommende Fälle" sich auf die Behandlung im Hospital(Kranken haus) nicht bezögen. Damals habe man angenommen, die Anzeige solle den Zweck haben, zu bestimmen, ob der Typhuskranke in ein Hospital kommen solle oder nicht. Der Senat sei aber jetzt nachmaliger Prüftmg andrer Ansicht geworden. Es liege logischer und auch kein grammatikalischer Grund jene Bestimmung nur auf die private Praxis zu ziehen. Sie treffe nach der jetzt gewonnenen Auffassung Senats auch auf die Praxis im Krankenhause zu. Gerade das Re gulativ spreche(im§ 35) davon, daß in Krankenhäusern, Armen- Häusern, Gefängnissen usw. eine Typhusepidemie mehr als sonst zu befürchten sei, und weist die Polizeibehörden und Sanitätskommissionen an, hierauf besonders Obacht zu haben. Wollte man die frühere Auffassung des Senats beibehalten, so würde ja gerade der Segen des Reglllativs hinsichtlich der Krankenhäuser verhindert werden können. Nachdem nun die Anwendbarkeit des§ 9 auch für die Praxis in Krankenhäusern feststehe, habe das Landgericht nachzu prüfen, ob Dr. K. im fraglichen Hospital eine verantwortliche Stellung einnehme. nach kein vor, be� des Eine Lehrer-Bestallung in Mecklenburg. Die„Mecklenburgische Volkszeitung" veröffentlicht folgenden .Dienstschein" eines mecklenburgischen Gutslehrers: „Kraft dieses bestellt die unterzeichnete Gutsobrigkeit den Seminaristen Richard Schabow zun, Schullehrer und Küster zu Zahren(bei Penzlin) unter folgenden Bedingungen: Der Schullehrer Schabow ist seinem Vorgesetzten überall Ehr- erbietung und Gehorsam schuldig und hat sich eines untadeligen Wandels zu befleißigen, in Lauterkeit und Wahrheit, daß es in seinem Hause christlich zugehe und er durch sein ganzes Vcrhattcn, Thun"und Leben von Christo Zeugnis gebe. Insonderheit hat er in Unterweisung und Unterricht der Kinder Fleiß und Treue zu beweisen, eingedenk, daß er von seinen, ganzen Werke einst Rechen- schaft geben soll auf den Tag des Gerichts. Er soll sich selber fleißig im Gebet üben, daß er auch die ihm anvertrauten Kinder möge recht beten lehren, daß auch die Kinder durch ihn Gottes Wort lernen. In der Schule soll er es an der rechten christlichen Zucht nicht fehlen lassen, lohnen und strafen mit Geduld und Sanftnmt, dannt er also der Kinder Herzen gewinne; den Unterricht täglich mit Gesang und Gebet beginnen und beschließen und die einzelnen Unterrichtsstunden nach sorgfältiger Vorbereitung gewissenhaft ab halten, das ganze Verhalten der Kinder in der Schule und auch, so weit thunlich, außerhalb derselben durch christliche Zucht fördern. Der Schullehrer Schabow verspricht gewissenhafte Erfüllung aller seiner mit den, Amt eines Schullehrers verbundenen Pflichten. ES wird ihm dagegen als jährliches Einkommen zugesichert: 1. Freie Station. Statt freier Wäsche jährlich 30 M. Bargehalt 400 M. Für den Küsterdienst 50 M. Für kirchliche Bemühungen 4,50 M. Wir Transportleichen 1,25 M. Ablösung der Stolgebühren 10,45 M. Die zufälligen Küsterhebungen, Begräbniskosten ec. nach be- stehender Observanz. Frei Arzt und Arzneikosten gegen die ortsübliche Bescheinigung ML. ohne Krankenhaus!). Eine Kündigung dieses Vertrage? bleibt zu den gesetzlichen Terminen vorbehalten. Jahren, 1. April 1903. von Arenstorff, (Siegel.) Rittmeister der Reserve. 2. 8. 4. 5. «. 7. 8. 9. Berliner partei-Hn�elecfenbeiten. Die Wahlvereine sämtlicher Berliner Wahlkreise halten am Mittwoch, den lili. Mai in de» bekannten Lokalen ihre Zahlabende ab. Fünfter Wahltreis. Flugblatt-Verbreitung Donners- tag früh 8 Uhr von folgenden Lokalen aus: Rausch, Winsstr. 12; Scholz, Georgenkirchstr. 49; Knötzsch, Hirtenstr. 10; Pfeffer, Rosen- thalerstr. 57; Wirth, Auguststr. 51; Wittchow, Kl. Hamburgerstr. 27, Eingang Elsasserstraße; Beyer(Schliz), Luisenstr. 26. Wir bitten alle Genossen, pünktlich zu erscheinen, damit die Arbeit schnell er- ledigt werde. Der Vor st and. Im Wahlverein zu Friedenau beginnt am Freitagabend 7'/.2 Uhr bei Schellhase, in der Ahornstraße zu Steglitz, der Vortragskursus über das Erfurter Parteiprogramm. Referent ist Genosse Max Grunwald. Heute, Mittwochabend, ist eine Flugblatt-Verbreitung. Die Parteigenossen werden ersucht, abends 7V2 Uhr vollzählig bei Grube zu erscheinen. Wilmersdorf. Heute. Mittwochabend, findet in SalamonS (früher Wittes) Volksgarten, Berlinerstr. 40, die V e r s a m m l u n g des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: Bericht und Abrechnnng des Vorstandes, Abrechnung vom 2. Quartal, sowie wichtige Vereinsangelegenheiten. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Rixdorf. Heute, Mttwochabend, findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Lokale des Herrn G r ö p l e r, Bergstraße 147 statt. Auf der Tagesordnung steht unter andrem:„Berichterstattung unsrer Stadtverordneten" und„Aufstellung zweier Kan- didaten zur bevorstehenden Stadtverordneten-Ersatzwahl der dritten Abteilung". In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Punkte erwarten wir zahlreichen Besuch der Mitglieder. Auch haben zu dieser Ver- sammlung Gäste Zuttitt. Der Vor st and. Treptow- Baumschulenweg. Am Himmelfahrtstage veranstaltet der Wahlverein und der Gesangverein„Liedesfteundschaft" eine Herrenpartie nach Erkner-Grünheide. Abmarsch früh 7 Uhr von, Lokal Christ, Marienthalerstraße. Frühstück in Erkner, Restanrant Sefkar, Königstr. 57. Treptow. Heute, Mittwoch, ist bei Schmidt, Kiefholzstr. 22, Bezirksversammlung. Genosse L. H o f m a n n spricht über die Lettüre des Volkes. Die Laubenkolonisten in Treptow und östlich vom Rixdorfer Kanal, welche den„Vorwärts" zugestellt haben wolle», werden auf die Parteispedition von Robert Voigt, Treptow, Elsenstr. 37. vorn III., ausmerksam gemacht. Lokales. Die Hoffnung auf bessere Zeiten. Die städttsche Armenpflege wartet einstweilen noch immer auf die Entlastung, die ihr aus der allmählichen Besserung der Erwerbsverhälttnsse erblühen soll. In den Jahren 1901 und 1902 war die Inanspruchnahme der Berliner Armenpflege in anßer- ordentlicher Weise gestiegen, weil Arbeitsmangel und Wohnungs- teuerung noch mehr Familien als sonst in Not und Elend gebracht hatten. Damals hieß es in fteisinnig-konmmnalen Kreisen, es sei nicht nötig, daß die Stadt— wie die Socialdemokraten in der Stadtverordneten-Bersammlnng es verlangten— mit außer- ordentlichen Mitteln eingreife. Die Wortführer des Freisinns be- gnügten sich mit der tröstenden Versicherung, daß auf die schlechte Zeit auch mal wieder eine bessere folgen Iverde, bis dahin aber reicht man mit einem bißchen mehr Armenpflege vollkommen aus. Tie notwendige Erhöhung des Armenetats wurde zwar unangenehm empfmrden, aber auch von ihr hofften die freisinnigen Socialpolittker unsrer Kommune, daß sie bald zum Stillstand kommen werde. Die Ausstellung des Arnienetats für 1904 hat bekanntlich wieder einmal jene Hoffnung zu schänden gemacht: die Ausgaben dieses Etats sind aufs neue und wiederum recht erheblich gestiegen. Jetzt liegt auch über die Armenpflege-Thätigkeit im„Etatjähr 1903"(das am 31. März 1904 zu Ende gegangen ist) eine vorläufige Statistik vor und man kann daraus eriehen, warn in für das„Etatjahr 1904" noch nicht darauf gerechnet werden durfte, daß die städtische Armen pflege weniger als in den vorhergehenden Jahren in Anspruch genommen werde. In dem eben verslosienen Etatjahr ist die Zu- „ahme der Zahl der unter stützten Personen noch so bedeutend gewesen, daß noch gar keine Besserung abzusehen ist. Im März 1903 hatten 33154 Almosenempfänger eine laufende Unter- stlltznng bezogen, im März 1904 waren es bereits wieder 33 983. Um die Pflegekinder, für die von der Arinenverioaltung an die ver- witweten Mütter eine laufende Unterstützung gezahlt wird, steht es ähnlich. Im März 1903 wurde für 11083 Kinder ein Pflegegeld gewährt, im März 1904 für 11340. Die Gesamtzahl der durch die städttsche Armenpflege laufend unterstützten Personen stellte sich im März vorigen Jahres erst auf 44 237, im März dieses Jahres aber auf 45 323. Der Anteil dieser Unterstützten an der Gesanit- bevölkerung Berlins, berechnet für je 100 000 Personen der Be- Völkerungszahl des März vorigen bezw. dieses Jahres, stieg von 2299 auf 2311. Das sieht nicht nach Sttllstand aus. Die Nachwehen solcher N o t st a n d s j a h r e pflegen eben doch viel weniger rasch zu schwinden, als freisinnig-kommunale Socialpolittk glauben machen will. Städtetag in Berlin. Unter dein Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner trat am Dienstag im Herrenhause der Vorstand des preußischen Städtetages zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung standen verschiedene allgemein interessierende Fragen. Es wurde beschlossen, die Tagung des nächsten Städtetages in Berlin für November oder Dezember 1904 in Aussicht zu nehmen und auf die Tagesordnung zu setzen: 1. Das Fluchtliniengesetz und die hierniit in Verbindung stehenden Bestimmungen des Enteignungsgesetzes. 2. Die Rechic der Städte an ihren Schulen und 3. die Zeigende finanzielle Belastung der Gemeinden und die Beschaffung der zu deren Deckung erforderlichen Mittel. Bater Philipp, das ehemalige Militär-Arrestgebäude, wird jetzt endlich abgerissen. Am gestrigen Tage ist mit der Niederlegung der Hofgebäude des Grundstückes Lindenstr. 30, Ecke der Ritterstraße, begonnen worden. Vorläufig wird jedoch nur die Hälfte des alten Arrcstgebäudes niedergelegt, soweit dasselbe in den Besitz der Reichs- post übergegangen ist. Die Abrißarbeiten sollen bis Ende Juni beendet und alsdann soll sofort mit dem Neubau für das Post- Verwaltungsgebäude begonnen werden. Die andre Hälfte des Grund- 'tücks, Lindenstr. 31, ist im Besitz des Militär-FiskuS geblieben. Die Räume dieses, an der Ecke der Feilnerstratze befindlichen Hauses werden jetzt umgebaut und zu Dienstwohnungen für königl. Beamte umgestaltet. Auch die auf dem Hofe befindlichen Pferdestallungen bleiben zur Unterbringung von Militär-Dienstpferden erhalten. Zur Reichstags-Nachwahl in Frankfurt-Lrdus. Der Ausfall der Wahl am Freitag, den 13. Mai, hängt wesentlich davon ab, ob die zahlreichen Wähler aus diesem Kreise, die in Berlin beschäftigt sind, ihrer Wahlpflicht genügen. Hier muß vor allem heute die Agitatton einsetzen; und jeder Bauarbeiter und Bauhandwerker, der mit einem Kollegen aus Frankfurt-Lebus auf dem Bau beschäftigt ist, hat die Pflicht, diesen Wähler eindringlich darauf hinzuweiseit, daß es von einet einzigen Stimme abhängen kann, ob der Wahlkreis in den nächsten vier Jahren reakttonär oder socialdemokratisch vertreten sein wird. Um den hier beschäftigten Wählern aus dem erwähnten Wahl- kreise die Beteiligung an der Wahl möglichst zu erleichtern, hat unser Parteigenosse fiiarl Dimmick an die Eisenbahn-Direktion Berlin das Gesuch gerichtet, den Arbeit er-Rückfahr karten auch ür den Wahltag Geltung zu verleihen. Dies Gesuch ist in folgendem Antwortschreiben der Eisenbahndirektion bewilligt worden: Aus Anlaß der ReichstagS-Nachwahl iin Kreise Frankfurt- Lebus am 13. Mai dürfen die Arbeiter-Riickfahrkarten für die Strecken Berlin Stadtbahn-Dahmsdorf, Müncheberg-Gotzow, Gusow, Trebnitz und Werbig zur Rückfahrt nach dem Wohnort am 13. Mai benutzt werden. Ebenso haben wir angeordnet, daß neue Arbeiter- Rückfahrkarten ausgegeben werden dürfen: n) am 13. Mai vom Arbeitsort nach dem Wohnort, b) am 13. oder 14. Mai zur Fahrt vom Wohnort nach dem Arbeitsort. Die unter s. genannten Arbeiter-Rückfahrkarten berechtigen zur Rückfahrt nach dem Arbeitsort am 13. oder 14. Mai. Arbeiter-Wochenkarten liegen für oben- genannte Strecken nicht auf. Bei etwaiger Stichwahl wollen Sie uns den betr. Termin gefälligst angeben, damit wir Gleiches ver- anlassen können. Es kommen etwa 1000 Wähler in Bettacht. Daraus ist zu erkennen, wie wichtig deren Beteiligung ist; möge niemand das von ihm verlangte Opfer scheuen! Ueber den nnerwartet plötzlichen Tod von Jenny Groß macht der Berliner Börsen-Courier" folgende Mitteilungen: Bis vor wenig Tagen hat sie am Residenz-Theater in Dresden aasttert, dem sie seit einer Reihe von Jahren ein Frühlingsgast gewesen. Umstrahlt vom Glück eines großen Erfolges, nahm sie vor einer Woche vom Dresdener Publikum Abschied und kehrte nach Berlin zitrück. Um eines älteren Leidens willen mußte sie sich einer Operation unterziehen, und dieser Operation oder ihren Folgen ist sie in der Klinik des Professors Landau schnell erlegen. Der operierende Arzt hat der Heimgegangenen über die Schwierigkeit tmd den großen Ernst der Operation keinerlei Zweifel gelassen. Jenny Groß wußte, daß sie ihr Leben einsetzte, um ein tesünderes Leben zu gewinnen. Am vorigen Mittwoch, dem Tage, ehe sie ich in die Klinik begab, schrieb sie bis in die späte Nacht hinein ihre etztwilligen Anordnungen nieder, die sie versiegelt und mit der Auf- chrift hinterließ, der Brief sei nach ihrem Tode zu eröffnen. In tiefer Bewegung und fast einer Ohnmacht nahe, nahm sie am Morgen darauf von ihrem Hause Abschied. In die Klinik folgte ihr ihre Schwester, die ihr von Kindheit an die unzerttennliche Begleiterin gewesen. Gleich nach der Operation haben die Aerzte wohl schon gewußt, daß die Erhaltung des bedrohten Lebens sehr schwer sein würde. Am Sonntag ftüh kurz vor 10 Uhr ist Jenny Groß fiir immer entschlummert. Montagabend nach 9 Uhr wurde die Leiche in die Hedwigskirche übergeführt, wo morgen vormittag'/oll Uhr die Trauerfeier stattfinden wird. Auf Wunsch der Heimgegangenen wird die Leiche nach Wien übergeführt, wo sie auf dem Centralftiedhof bestattet werden soll. Die Subkommission der städtischen Berkehrsdeptitation hatte gestern abend eine längere Sitzung, in der man über die Linien- llhrung der geplanten städtischen Straßenbahnen beriet. Vor allem handelte es sich um die Festlegung der Linie der N o r d- S ü d- bahn. Da aber vorläufig die Besprechungen nur einen vor« bereitenden Charakter ttugen, so wird man mit deren Bekanntgabe warten, bis die Verkehrsdeputatton in ihrer Gesamtheit sich mit der Angelegenheit beschäfttgt hat. Das dürfte noch einige Wochen dauern; aber jedenfalls wird mau noch vor Beginn der Ferien der Stadtverordneten näheres über die Beschlüsse der Verkehrsdeputation erfahren. Polizeilich aufgelöst wurde die gesttige Versammlung, in der Graf Pückler über das Thema:„Auf zum Sturm" sprechen sollte. Der Saal des Kellerschen Etablissements in der Koppenstraße war dicht gefiillt; eine große Anzahl von Besuchern konnte nicht mehr Einlaß erhalten. Graf Pückler hatte erst einige Minuten ge- sprachen und u. a. gesagt:„Im Kampfe gegen das J'�entum für Volk und Vaterland müsse man mit der Energie unc> oer Wider- standsfähigkeit von Löwen und Tigern ausgerüstet sein, die ihre Jungen verteidigen", als der überwachende Polizeioffizier die Ver- sammlung fiir aufgelöst erklärte. Umfangreichen Buttcrfälschungen ist man hier auf die Spur ge- koinmen. Gegen 30 Butter- und Schmalzhändler ist schon Anklage erhoben worden. In den meisten Fällen, wo frische Butter mit alter Standbutter gewerbsmäßig im großen vermischt und als frische Molkereibutter verkauft worden war, ist die Fälschung wohl nach- gewiesen worden, aber keine Anklage erfolgt. Dagegen ist in vielen Fällen, wo die Butter mit Margarine, Palmin, Vegetalien, Nußbutter. Russin, Calmabutter, Schmalz und Kokusnußbutter verfälscht und als „reine" Butter und„Bratenschmalz" in den Handel gebracht worden ist, die Anklage auftechterhalten worden. Die Fälschung ist, da die Fette nur halb so teuer sind als Butter, recht lohnend und wurde gleich im großen betrieben. Zum Teil wurden dazu Knetmaschinen benutzt. Angeklagt sind u. a. die Butterhändler Jakob, Johann und Theodor Dubinsky init ihren Frauen, ferner H. Buttgereit, E. Bulins, Siegftied Koch, W. Stolp, Fr. Wessolack, Th. Katz, O. Krause, L. Partenheimer, I. Lejnge, Ernst Mogel, P. Landmamt, K. Sychla, Th. Drabsch, K. Schröder, I. Träger. O. Träger. H. Mey, E. May, I. Foryta, M. Moryta, P. Schulze und A. Müller. Hoffentlich gelingt es endlich auch eine Handhabe zu finden, um denen ihr Handwerk zu legen, die besonders im Winter frische Butter mit alter minderwertiger Standbutter vermischen und als«frische Molkerei- butter" verkaufen. Solche Mischbutter hält sich nur kurze Zeit, und inanche Hausfrau wird sich schon gewundert haben. wenn die Butter, die sie erst tagS vorher frisch gekauft und selbst gekostet hatte, plötzlich alt schmeckte, so daß sie kaum als Kochbutter mehr zu verwenden war. „Verlorene Kinder im Zoologischen Garten." Wie die Leitung deS Zoologischen Gartens mitteilt, hat sie das ftüher übliche Aus- blasen von Kleinen, die ihren Eltern abhanden gekommen, verboten, weil es bei der Größe des Gartens in der Regel sich als zwecklos erwiesen hatte? Dagegen wurde in der Garderobe neben dem Tiergarten- Eingang eine„Aufbewahrungsstelle für die Kleinen" geschaffen. Eine zuverlässige Frau nimmt die Kinder dort in Empfang, stillt ihren Kuntmer mit Bonbons und behält sie so lauge, bis sie wieder ab- geholt werden. Das Vorhandensein dieser Einrichtung ist durch An- Ichläge an den Eingängen bekannt gemacht; auch hat jeder Beamte des GartenS eine entsprechende Anweisung.— Wer also künftig im „Zoo" ein Kind verliert, muß es in dem erwähnten„Depot" suchen. Ein frohes Wiedersehen. Der Schneider Karl Mund suchte seit einiger Zeit die Bier- und Kaffeehäuser in der Friedrichstadt mit einein Helfershelfer heim. In der Nacht zum Sonntag wurde er beim Diebstahl eines Ueberziehers in einem Cafo ertappt; sein Ge- fährte entkam. Bei dem Verhör vor der Kriminalpolizei sah er sich plötzlich einem Mädchen gegenüber, das ihn erstaunt anredete:„Da sind Sie ja l" Er war sehr erschrocken und verriet dadurch, daß er das Mädchen kannte. Er hatte sie vor einem Vierteljahr in der Friedrichstraße angehalten und behauptet, daß ein Ring, den sie trug, gestohlen sei und daß er als Kriminalkommissar das Recht habe, ihn zu beschlagnahmen. Das Mädchen gab den Ring heraus, machte aber später doch Anzeige. �fDas Polizeipräsidium erneuert folgende Warnung:„Eiskalte Getränke, wie sie in der heißen Jahreszeit vielfach zum Verkauf gestellt werden, find geeignet, ernste Verdauungsstörungen hervor- zurufen. Es wird daher vor ihrem Genuß gewarnt. Gettänke sollten nicht kälter als höchstens 10 Grad Celsius sein. Speiseeis sollte aus denselben Gründen namentlich von Kindern nur mit Vorsicht und in kleinen Mengen genossen werden."— Ebenso er» neuert das Polizeipräsidium seine Warnung vor giftigen Pilzen. Eine Warnung vor dem Kauf von gekochten Krebsen, die mit Beginn der Krebszeit wieder von herumziehenden Händlern feil- geboten werden, erlassen die Polizeiverwaltungen der Vororte. Es ist wiederholt festgestellt worden, daß in Zersetzung begriffene Krebse ftüher auf den Straßen verkauft wurden. Der Genuß solcher Tiere kann lebensgefährliche Erkrankungen zur Folge haben. Mit 15 Jahre» in den Tod. In der Jungfernheide hat sich ein 15 Jahre alter, aus Greifswald gebürttger Handlungslehrling Volk- mar Lietmann erschossen, der seit ftmf Wochen bei einem Kolonial« warcnhändler in der Lutherstraße zu Charlottenburg lernte. Der junge Mann, der Sohn eines Beamten, war sehr aufgeweckt, fleißig und gewissenhaft. Was ihn in den Tod getrieben hat, wissen weder seine Eltern, noch sein Lehrherr. Von diesem ging er am Sonntag- nachmittag 2 Uhr weg, um einen Ausflug zu machen. Ueber dessen Ziel sagte er ebenso wenig wie über seine Begleitung. Ain Montag- morgen fanden ihn Arbeiter tot in der Jungfernheide liegen. Neben ihm lag der Revolver, mit dem er sich erschossen hatte. Am Friedhofe erschossen hat sich der Kaufmamt Julius Buchold aus der Friedbergstr. 27 zu Charlottenburg. Buchold kaufte am 1. Juli v. I. die mechanffche Stickerei von Louis Heskel in der Mohrenstr. 43, die seit sechs Jahren besteht, und beschäftigte darin außer seinen beiden Töchtern noch sechs andre Mädchen und zwei Schneider. Es scheint, daß die Stickerei, die für Damenkonfcktionäre arbeitete, nicht recht gehen wollte. Buchold zeigte schon länger ein sehr gedrücktes Wesen, das man nur auf geschäftliche Sorgen zurück- führen kann. Am Montagnachmittag verließ er seine Wohnung in der Friedbergstraße mit dem Bemerken, daß er nach dem Geschäft gehen wolle. Als er aber nicht dorthin kam und auch nach der Wohnung nicht wieder zurückkehrte, suchte man ihn und fand ihn gestern in der Nähe des jüdischen Friedhofes bei der Laubenkolonie „Talen" als Leiche wieder. Neben ihm lag ein Revolver, aus dem er sich mehrere Kugeln in die rechte Schläfe geschossen hatte. Beim Turnen ist der 11 Jahre alte Schüler Erich Pohl aus der Rostockerstraße 12 schwer verunglückt. Während der Turnstunde in der 222. Gemeindeschule in der Rostockerstraße fiel er vom Reck und brach sich den rechten Oberschenkel. Er wurde in das Moabiter Krankenhaus gebracht. Folgenschwere Explosion. In der Sprengstofffabrik von R. Lücke in Kladow hat sich ein schwerer Unfall zugettagen. Der Arbeiter Hellwich wurde durch die Explosion einer Sprengkapsel schwer ver- letzt; anscheinend sind beide Augen gefährdet; sein Gesicht ist ver- brannt, die Brust aufgerisien und drei Finger der linken Hand wurden zerschmettert. Der Verunglückte, dessen Behandlung sich im Spandauer Krankenhause als unmöglich erwies, wurde nach der hiesigen königlichen Klinik geschafft. Ein Zusammenstoß eines Straßenbahnzuges mit einem Mörtel- wagen der Firma Alfred Weidner in Charlottenburg ereignete sich gestern vormittag in der Berlinerstraße in Charlottenburg. Der Mörtelwagen wollte in den Thorwcg des Hauses 135 der genannten Sttaße einfahren, als ein Siraßenbahnzug der Linie Ii(Charlotten- burg�Dönhoffplatz) vorbeiftihr. In diefem Augenblick riß der Führer die Pferde zurück, und der schwere Lastwagen rollte wieder auf den Fahrdamm. Hierbei stieß die Hinterachse mit solcher Gewalt gegen die Hinterplattsorm des Straßenbahn- Anhängewagens, daß die Perromvand vollständig abgerissen wurde. Der auf dem Perron befindliche Fahrmeister Wolf erlitt eine Quetschung der rechten Hand und Verletzungen am Rücken. Der Kutscher des lviörtelwagens, Gerlach, stürzte vorn Bock und trug leichte Verletzungen davon. Im Herrnfeld-Theater spielt jetzt das„Tegernseer Bauerntheater". Die Künstler und Künstlerinnen, die an dieser Bühne mitivirren, sind zum Teil von früheren Berliner Gastspielen her bekannt; ihr Vorzug ist, daß sie hohle Deklamationen verabscheuen und so natürlich wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, sprechen. Auch das Stück, das die Tegernseer spielen, kann sich unter Brüdern sehen lassen. Es heißt„Der Dorfpfarrer" und handelt u. a. von einem zänkischen Ehepaar, das sich partout scheiden lassen will. Der Pfarrer thut auch so, als ob es ihm mit der Erfüllung' dieses Wunsches ernst wäre; da man sich aber über die Teilung der drei Kinder nicht einigen kann, erscheint den Scheidungslustigen ein Vorschlag des geistlichen Herrn plausibel, wonach mit der Trennung der Ehe gewartet werden soll, bis übers Jabr ein vierter Sprößling zur Welt gekommen ist. Nun will es das Malheur, daß zur ge- gebenen Zeit gleich noch ein fünftes Kind geboren wird und so das alte Dilemma bestehen bleibt. Da beschließen Mann und Weib, denn doch lieber auch in Zukunft gemeinsam ihr Kreuz gu tragen. Selbstverständlich giebt es in der Banernkomödie Schnadahüpfeln, Schuhplattler, Zitherfpiel und Bauernmusik als Beilage. Wie wäre wohl auch anders eine oberbayrische Bauernkomödie denkbar? Der neue Botanische Garten in Dahlem bei Steglitz ist am Hiinnlelsahrtstage nicht geöffnet, dagegen aber am Sonntag, den 15. d. Ms., sowie am zweiten Pfingstfeiertage. Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß Kinder unter zehn Jahren nicht eingeführt lverden dürfen. Auch ivird daran erinnert, daß an den Wochentagen Lehrer mit je 20 Schülern den Garten, ohne vorher Erlaubnis einzuholen, besuchen können. Der Name des Lehrers, der Anstalt sowie der Klasse ist vor dem Eintritt dem Gartenbaubureau mitzuteilen. Am Himmelfahrtstage, Donnerstag, den 12. Mai. nachm. 5 Uhr, spricht Direktor Archenhold aufder Trep t ow-Sternwarte über„Die Bewohnbarkeit der Welten", abends 7 Uhr über„Auffindung der Sternbilder". Mit dem großen Fernrohr werden während der ganzen Woche am Tage Sonnenflecke, abends Doppel- st e r n, Sternhaufen, bei besonders klarem Wetter der neue Komet gezeigt._ Hus den JSacbbarortcn. Die Schönrierger Stadtverordneten-Versammlung hat am Montag in der bekannten Angelegenheit der Unterführung der Haupt st raße und Erschließung des Südgeländes weitgehende Beschlüsse gefaßt. Nach dem Eisenbahngesetz vom Fahre 1838 soll nämlich der Fiskus das Recht besitzen, die Anlage von vorhandenen Schienenwegen über öffentliche Straßen beliebig zu vergrößern. Nach längerer Debatte wurde dem Magistrats- vorschlage zugestimmt, wonach die Unterführung der Haupt- straße an der Ringbahn eine Breite von 27 Meter erhält. Außerdem soll die östliche Fluchtlinie der Holbeinstraße geradlinig bis zur Hauptstraße durchgeführt werden und die Achsen- durchführung und Verlängerung der Straße? des nördlichen Ge- Kindes zum Anffchluß des Siidgcländes erfolgen.— Einem Ausschuß überwiesen wurde ein auch von unseren Ge- »offen unterstützter Antrag:„Den Magistrat zu ersuchen, außer den 10 Proz. Freischülern noch aus der Zahl derjenigen hiesigen Ge- meindeschüler, welche gang besonders von ihren Lehrern und Rektoren empfohlen werden, alljährlich bis höchstens 20 Schüler als Frei- ichüler der Mittelschule zu überweisen." Die socialdemokratischen Stadtverordneten in Schöneberg haben mit Unterstützung einiger bürgerlicher Vertreter folgenden Antrag eingereicht: Der Magistrat wird ersucht, der Stadtverordneten-Versammlung »ine Vorlage zu unterbreiten, die die Lage der in den städtischen Betrieben oder sonstigen städtischen Arbeiten beschäftigten Arbeiter gemäß den Einrichtungen andrer Städte regelt: 1. Errichtung einer Pensionskasse, 2. einer Witwen« und Waisenversorgung, 3. Aus- zahlung der zwischen Krankengeld und Lohn liegenden Differenz- mmme, 4. Gewährung von Sommerurlaub. Zur Renovierung des Ratskellers wurden wiederum 1600 M. bewilligt, nachdem eine solche erst vor einigen Jahren statt- gefunden hatte. Der Pächter hat sich bereit erklärt, 1000 M. pro Jahr mehr Miete, also 8000 M., zu zahlen. Da mit dieser Be- »ingung das Pachtverhältnis auf weitere fünf Jahre verlängert wird, scheinen die bisherigen Verhandlungen über einen Verkauf des Rathauses erledigt zu sein. Zur Ermittelung des geeignetsten Systems automobiler Löschfahrzeuge wurden für eine Besichtigungsreise nach den Städten Köln und Hannover 781,50 M. bewilligt. Ein Zusammenstoß auf dem Pankower Nangierbahnhof, bei dem ffn Beamter verletzt wurde, erfolgte gestern nacht zwischen einer verfahrenden und einer mehrere Güterwagen ziehenden Lokomotive. In einer Weiche stießen die beiden Maschinen mit solcher Gewalt aufeinander, daß sie seitwärts aus den Geleisen sprangen. Von tem Personal erlitt ein Heizer durch den aussttömenden heißen Dampf Brandwunden; die übrigen Beamten konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Der Güterverkehr war mehrere Stunden hindurch unterbrochen. Arbeiter, die mit einem Hilfszuge vom Stettiner Bahnhof aus an die Unfallstelle beordert wurden, räumten m Gemeinschaft mit den Mannschaften der Bahnmeisterei Pankow >ie Gelöste, die erst am frühen Morgen wieder frei gemacht werden tonnten. Die beiden Maschinen mutzten außer Dienst gestellt »erden. Rixdorf. Vermutlich das Opfer einer Perfonenverwcchseluug wurde abends in der Lefsingstraße der Maurer Richard Brehm ms der Prinz Handjerhstr. 65. B. wurde von niehreren unbekannten Männern überfallen und mit Messern gestochen, so daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Die Thäter entkamen.— Ein Sittlichkeitsattentat wurde in einem Hause der Schönweidersttaße in früher Morgenstunde von einem 17jährigen Burschen gegen eine ver- heiratete Frau, die Backwaren austrägt, verübt. Nur den, Umstände, mß schließlich Leute hinzukamen, hatte es die Frau zu verdanken, äaß sie nicht das Opfer des jugendlichen Wüstlings wurde. Der iunge Mensch will bei Verttbung der That total betrunken ge- gewesen sein. Wilmersdorf. In Gewerbegerichtssachen erteilt Stukkateur O. G l a d i g o w, Wilhelmsaue 100, bereitwillig Ituskunft. Für die ausgeschriebene Stelle eines besoldeten Schöffen in Wilmersdorf haben sich 50 Bewerber. Richter, Gerichts- und Rc- gierungsassessoren, Bürgermeister, Stadträte ec. geineldet, von denen die drei Stadträte Weinreich-Rixdorf, Rohde-Merseburg und Peters- Posen in die engere Wahl kamen. Die endgültige Wahl wird noch in diesem Monat erfolgen; gleichzeitig muß einer der sechs un- besoldeten Schöffen ausgelost werden, da nach dem bestehenden Orts- statut in der Gemeindevertretung nur sechs Schöffen vorhanden fem dürsen. Feuer in einer chemischen Fabrik. In der chemischen Fabrik von E. A. F. Kahlbaum in Adlershof brach in vergangener Stacht ein Feuer aus. Der Fabrikwächter nahm kurz nach Mitternacht auf seinem Kontrollgange Brandgeruch wahr, ohne zu finden, woher er stammte, und er setzte daher die elektrischen Apparate in Thätigkett, wodurch die Fabrikfeuerwehr alarmiert wurde. Außerdem schaltete der Wächter sofort sämtliche Bogenlampen auf dem Fabrikkomplexe ein, so daß jede Orientierung ermöglicht wurde. Das Feuer, das in einem Laboratorium schon lange geschwelt haben mußte, hatte den Jnnenraum schon zun, Teil ausgebrannt und durchschlug nun», ehr das Dach, einen weithin sichtbaren Feuerschein verbreitend. Durch diesen wurden die andren Feuerwehren, die Adlershofer sowie diejenigen von Glienicke, Grünau, Ober-Schönewcide, Köpenick und Spindlersfeld(Fabrikfenerwehr der Firma W. Spindler) herbeigerufen. welche im Verein mit der Kahlbaumschen Wehr und den auf den, Fabrikkomplexe an verschiedenen Punkten stattonierten Dampsspritzen den Kampf gegen das Feuer aufnahmen. Wiederholt Jurten Explosion«!, statt, die die schönsten Brillantfeuer entwickelten und so ein farbenprächtiges Schauspiel abgaben. Das vom Feuer ergriffene Gebäude, das älteste der Fabrik, ist bis auf die Brand- mauen, niedergebrannt. Verletzungen sind zum Glück nicht vor- gekommen, dagegen ist der Verlust an physikalischen und chemischen zum Teil sehr wertvollen Apparaten, an lltensilien und chemischen Präparaten ziemlich bedeutend. Eine Betriehsunterbrechung wird durch den Brand aber nicht hervorgerufen. Treptow-Baumschulcnweg. Damit auch zu Michaelis in der Gemeindeschule an der Kiefholzstraße Kinder eingeschult werden können, sollen dort zwei neue Klassen eingerichtet werden. Das Schulhaus in der Bouchsstraße soll Ende September 1903 ferttg werden. Ein Zwischenfall ereignete sich in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung dadurch, daß der Gemeindevorsteher dem social- demokratischen Gemeindevertreter das Wort entzog, als dieser auf den schlechten, ungepflasterten Weg hinwies, der zur Schule in der Kiefholzstraße führt. Das gehöre nicht zur Sache. Die Vertretung lehnte darauf den ihr von Berlin gemachten Vorschlag ab, die Unterhaltungspsticht der Neuen Krug-Allee zu übernehmen, für welche in der letzten Sitzung die Anlegung von Stratzcnbahnschienen bc- willigt wurde. Das Kanalisationsprojekt sowie die Verlegung der Druckrohrleitung durch die nach Marienfelde- Buckow führende Chaussee ist vom Kreisausschutz genehmigt worden. Der Magistrat von Berlin hat in den Verkauf eines Grundstücks für die Pump- station gewilligt, so daß, die Genehmigung der Berliner Stadt- verordneten-Versammlung vorausgesetzt, die langersehnte Kanalisation bald in Angriff genommen lverden kann. Einem Wunsche unsres Parteigenossen Gramenz, den öffentlichen Verkauf von Bäumen nicht am Vormittag, sondern abends stattfinden zu lassen, soll entsprochen lverden. Die Einwohnerzahl unsres Ortes heträgt 7793. Im Monat April sind 695 Personen fortgezogen und 1105 hinzugezogen. Eericdts-Leitung. In der gestrigen Verhandlung des PommernSank-ProzesseS gab zunächst der gerichtliche Bücherrevisor Ohme ein ausführliches Gutachten über die Bilanzen der Jmmobilien-Verkehrsbank ab; in demselben kam er zu dem Ergebnis, daß die Bilanzen eine Reihe von Unrichtigkeiten enthalten. Die Sachverständigen H u schick und Kruse traten in niehreren Punkten dem bei, während sie in andern die gezogenen Monita vom kaufmännischen Standpunkt nicht für be- gründet erachteten. Auch über die Bilanzen der Immobilien- Erwcrbsgescllschaft und der Gesellschaft Schuhmacher u. Co. gab der Sachverständige Ohme sein Gutachten ab. Demnächst wandte sich die Verhandlung den von der Verteidigung gestellten Bewcisanträgen zu. Tie Verteidigung hat auf gemeinsamen Beschluß 22 schriftlich formulierte Beweisanträge gestellt, die Justizrat W r o n k e r zun, Vortrag brachte; ein Abdruck derselben wurde den Prozeßbeteiligten überreicht. Die Bclveiscmträge sind eine Zusammenstellung der im Vorjahre bereits gestellten Anträge und betreffen namentlich die Vorwürfe unsachlicher Geschäftsführung und die Verhältnisse der Tochtergesellschaften. Zu den Anträgen äußerten sich, soweit es auf die Buchführung ankam, sofort die Sachverständigen Huschke und Kruse, die die ziffcrmäßige Richtigkeit derselben im wesentlichen bestätigen. Das Gericht beschloß unter Zustimmung des Staats- anwaltschastsrats Beeck die Ladung der in Betracht kommenden Zeugen.— Beim Schluß der gestrigen Sitzung wandte sich die Verhandlung der Gründung der Strelitzbank zu. Ueber die Vorgänge bei derselben und die Ergebnisse der Bücher erstattete der Sach- verständige Bücherrevisor Reuter ein eingehendes Gutachten, welches sich insbesondere auf die Hergabe und die Vorbuchung des Gründungskapitals mit dem statutenmäßig vorgesehenen Agio von 5 Proz.— im Ganzen 6 300 000 M.— erstreckte Das Gutachten fiel für die Angeklagten sehr ungünstig aus, denn es spitzte sich dahin zu, daß die ganzen Buchungen den Verdacht erregen müssen, daß es darauf abgesehen gewesen sei, die großen persönlichen Vorteile, die den Angeklagten hierbei in den Schoß gefallen seien, zu verschleiern. Auch diesmal traten die Angeklagten Schulz und R o m e i ck den Darlegungen dieses Sachverständigen lebhaft entgegen und es ent- spann sich auch hierüber eine lebhafte Konttoverse buchtechnischen Charakters.— Die nächste Sitzung findet Mittwoch 9 Uhr statt. In derselben sollen die allgemeinen Erörterungen über die Strelitzbank fortgesetzt und, wenn möglich, die Frage der Schädigungen zur Ver- Handlung gestellt werden. Der Vorsitzende hofft, daß er am nächsten Montag zur Vernehmung der vom Gericht zur Wertfrage bestellten Sachverständigen kommen wird. Die Schätzungen dieser gericht- lichcn Sachverständigen bilden den springenden Punkt der neuen Verhandlung. Tie Braut getötet. Wegen Körperverletzung mit tödlichem Aus- gmige hatte sich der Kaufmann Otto Warembour gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I zu verantworten. Der Angeklagte, ein 27jähriger Mann, betreibt in der Reinickendorfer- straße 45 ein Produkten-Engros- und Militäreffekten-Geschäft. Das Geschäft wurde früher vom Bater des Angeklagten betrieben; nach- dem der Sohn seine Militärzeit absolviert hatte, setzte sich der Vater zur Ruhe und der Angeklagte übernahm das Geschäft auf eigne Rechnung. Er hatte eine Arbeiterin Bertha Senftleben im August 1900 kennen gelernt, er knüpfte em Liebesverhältnis mit ihr an und verlobte sich im August 1903 mit ihr, nachdem sie schon seit 1902 in seinem Geschäft thätig gewesen war. Vor der Verlobung war er schon zu dem Vater seiner Braut als Chanibregarnist gezogen. Er wollte sich im Herbst verheiraten. Nach und nach war ihm bekannt geworden, daß seine Braut früher schon Liebschaften, bei denen eine Ehe in Aussicht genommen worden war. gehabt hat und er faßte langsam das Mißtrauen, daß das Mädchen in Bezug auf die Treue nicht ganz zuverlässig sei. Ter Angeklagte selbst ist ein außer- gewöhnlich starker Trinker, bei dem Bierreisen in Gemeinschaft mit guten Freunden an der Tages- und Abendordmmg waren. Wenn er ins Kneipen kam, vertilgte er in einer Tour 20— 30 Gläser Bier und daneben 8— 10 Glaser Cognak. Am 23. Januar hatte er in dem Lokal von Kleinschmidt wieder erschrecklich gezecht. Da kam seine Braut in das Lokal, um etwas zu kaufen, und sein Specialfreund und Zechgenosse machte sich in der Abwesenheit des Angeklagten den Scherz, zu dem Mädchen zu sagen:„Bcrthekcn, gieb mir doch einen Kußl" Das Mädchen bedachte sich auch gar nicht lauge und gab ihm mehrere Küsse auf den Mund._ So wurde eS wenigstens dem An- geklagten am nächsten Tage erzählt; er stellte seine Brauk deswegen zur Rede, diese stritt aber das Vorkommnis ab. Daö Mißtrauen des Angeklagten wuchs infolge besten noch mehr. Am 26. Januar kneipte er wieder den ganzen Tag bei Kleinschmidt, der sein Geschäft ver- kauft hatte. Er soll am Vormittag 20 Gläser, am Nachmittag 30 Gläser Bier nebst zahlreichen Schnäpsen vertilgt haben. Als er dann nach Hause kam und sich ins Bett legen wollte, fand er seine Braut nicht in der Wohnung vor. Er geriet darüber in große Wut, zog sein Messer aus der Tasche und legte es aufgeklappt neben sich. Als das Mädchen dann nach Hause kani und behauptete, sie sei zum Einkauf gewesen, kam es zu einem kurzen Wortwechsel. Der An- geklagte drohte zunächst, einen Säbel zu holen und sie niederzustechen, dann aber ergriff er plötzlich das Messer und jagte es der Braut in die Brust. Der Stich muß mit außerordentlicher Gewalt geführt gewesen sein, denn es wurde eine Rippe zerschnitten, der Herzbeutel durchtrennt und beide Herzkammern durchschnitten. Das Blut spritzte in großem Bogen hervor, der Angeklagte stürzte auf das Mädchen los und hielt ihr die Wunde zu, ein Arzt wurde schleunigst herbeigeholt, dieser konnte aber nur den bereits eingetretenen Tod des Mädchens konstatieren.— Der Angeklagte behauptete, daß er nicht wisse, was er gethan, und daß er nur annehmen könne, im bewußtlosen Zu- stände mit dem Messer umhergefuchtslt und das Mädchen getroffen zu haben. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Choziesner, hatte zahlreiche Zeugen geladen, die bekunden sollten, daß der Angeklagte von Natur ein ganz friedlicher und harmloser Mann sei, aber völlig haltlos und exzentrisch werde, wenn er in angetrunkenem Zustande auch nur durch eine Kleinigkeit gereizt werde. Er habe in einem solchen Zustande schon zahlreiche Exzesse begangen. Der Vorsitzende meinte, daß dann eigentlich die Menschheit dadurch geschützt werden müßte, daß man einen solchen Menschen, der sort»nd fort Trink- Exzesse verübt, dauernd einsstetkrt. Die umfangreiche Beiöei»» aufnähme ergab, daß das Vertilgen von 20— 30 Glas Bier that-- sächlich zu den Gewohnheiten des Augeklagten gehörte. In einer ganzen Anzahl von Fällen ist es vorgekommen, daß der Angeklagte auf einer seiner vielen Bierreisen harmlose Sttaßenpassanten, die ihm absolut nichts zu leide thaten, zu Boden geschlagen hatte. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten schuldig der schweren Körperverletzung mit tödlichem Ausgange unter Versagung von mildernden Umständen. Der Staatsanwalt beantragte eine G e- ßängnissyrafe von drcki Jahren sechs MvnatieN, der Gerichtshof erkannte auf vier Jahr« Gefängnis. Wegen Vergehens gegen das Nahrnngsmittel-Gesetz hatten sich die Schlächtermeister N i c m e tz und Biesoldt in Rixdorf vor dem dortigen Schöffengericht zu verantworten. Ein von dem Ange- klagten Niemetz geschlachtetes Rind war tierärztlicherseits als mit Finnen behaftet beanstandet worden. Nachdem das Fleisch des Rindes 21 Tage im Kühlraum gehangen, wurde es zum Vorkauf als„minderwertig" iu größeren Posten freigegeben. Nunmehr ging das Rind in den Besitz des Schlächtermeisters Biesoldt über, der das Fleisch als vollwertiges in den Handel brachte. B. behauptete, Götz der Stempel nicht gewußt zu haben, daß das Rind beanstandet worden, und N. erklärte, seine Frau, die das Rind an B. verkaufte habe keine Ahnung von der Minderwertigkeit des Fleisches gehabt, Der Gerichtshof erachtete beide Angeklagte für schuldig und erkannte auf die überaus milde Strafe von je 30 M. Da beide Angeklagte notorisch reiche Leute sind, trifft sie diese Strafe natürlich herzlich wenig._ Der Beretn der Gütergober veranstaltet am HimmclfahrtStage eine Partie nach der Heimstätte Gutergotz. Treffpunkt 7.30 vormittags Potsdamer Ring- und Vorort-Bahnhos. Ehemalige Gütergotzer werden gebeten, sich recht zahlreich daran zu beteiligen. Ternrifcbtes. Ein Wirielsturm in Cochinchina, der vor einigen Tagen dessen südliche Provinzen heimsuchte, hat die Stadt Mytho fast völlig zerstört. Mehrere hundert Dschunken gingen unter oder Wurden ans Ufer geworfen. Die Zahl der Umgekommenen wird auf mehr als 2000 angegeben, vermutlich sämtlich Eingeborene, da kein Europäer als vermißt gemeldet worden ist. Der angerichtete Schaden beträgt über zwei Millionen Franken. Der Sturm zog in der Richtung von Kambodscha vorüber und hat auch in der Stadt Pnom-Penh große Verwüstungen angerichtet. Auch dort ertranken zahlreiche Personen, und viele Schiffe wurden wrack. Die Tele- graphenlinien sind überall zerstört. Die Eisenbahnverbindung mit Mytho ist noch nicht wieder hergestellt. Die mißglückte Bekehrung des Malers Lenbach. In Munchener Blättern war behauptet worden, der Prinzregent habe einen Geist- lichen an das Sterbelager Lenbachs gesandt. Dieser habe aber jeden geistlichen Beistand höflichst, aber deutlich zurückgewiesen. Dazu Ichreibt der„Bayer. Kur.", ein höherer Hofgeiftlicher habe auf Wunsch deS Kranken(?) und der Familie Dienstag längere Zeit am Kranken- bett Lenbachs verweilt und dieser hätte vorgehabt, sich mit der Kirche auszusöhnen. Der Priester habe seinen Besuch zweimal wiederholt. Davon hätte die Familie sowie der Prinzregcnt Kenntnis gehabt. Der eingetretene Todeskampf hätte jedoch die förmliche Erklärung der Rückkehr in die Kirche unmöglich gemacht, und so sei infolge dessen die Beerdigung ohne kirchlichen Beistand erfolgt. Katastrophe auf der New Yorker Hochbahn. Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus New York: In der dritten Avenue an der 57. Straße erfolgte auf der Hochbahn ein Zusammenstoß und eine Entgleisung. Die Züge waren gedrängt voll von Passagieren. Die Wagen brannten, mehrere hingen von der Hochbahnstrukwr herab. Ein Motorführer wurde getötet, zehn Personen wurden schwer, viele leicht verletzt. ßrfcfbaftcn der Redabtfon. Lebus. 1. Heinrich Braun(Soc.), 2. Baffcrmann(natl), 8. General v. Jagwitz(für Bund d. Land«, u. Antis.).— s Wettende 47. Die Borsigmühle in Moabit ist Ansang 1898 abgebrannt.— 177. Ja.— Strolch. Lege artis, lateinisch. Wortlaut: Nach Gesetz der Kunst. Ueber- tragen: Nach allen Regeln der Kunst, auch in dem Sinne von„durchaus vorschristsmäsiig".— Budde. Im deutschen Eisenbahnwesen bcschästigte Beamte und Arbeiter giebt es rund 500 000.— 1414. 1. und 2. Ja. 3. und 5. Nein. 4. und 6. Beweise vorhanden. Juriltilther Ceti. Die juristische«prechstmide findet täglich mit Ausnahm« de» Sonnabend» von?>/- bis»>/- Uhr abends statt. Geöffnet:?«Hr. D. N. 4. Den Antrag aus Bewilligung der Unsallrente müssen Sie schleunigst an den Vorstand der Berussgcnosscnschast richten. So weit geht das Reichs-Versicherungsamt nicht, datz es gar grundsätzlich die Unsallrente sür jeden Unsall ablehnt, dessen Folge nur ein Leistenbruch war. Nur hat es die Bewcislast ungeheuer erschwert.— Hofsmann. Sie smd zur Zahlung nicht verpflichtet. Sollte der KreiSauSschutz, ivas bei seiner anti« socialen Zusammensetzung und Slnschauung möglich, Sie dennoch verurteilen, so müssen Sic bei dem ordentlichen Gericht aus Aushebung dieses Beschluffes klagen.— H. S. 1. Der junge Mann gilt als katholisch. 2. Will er zu einer andren Religionsgesellschasl überttelen, so soll er mit einem Beamten dieser Rcligionsgescllschast sprechen. Zulässig ist der Ueberttitt. — H. R. W. 1. l. Die Ihrer Braut zugefügten Beleidigungen dürsten von jedem Gericht als grobe zu erachten sein. Die EntschädigungSklagc ist durchaus berechtigt. Ein Beispiel sür eine solche finden Sie S. 397 Nr. 22 des in den öffentlichen Lesehallen auslicgenden„ArbeiterrechtS". 2. Im Höchstsall 9,60 M. 3. Die Invalid entarte erhält Ihre Braut am schnellsten dadurch, daß sie die Polizei zur Abnahme der Karte von der Arbcilgeberin und Uebergabc an sie auffordert. 4. Es ist ratsam, das Geld zu holen.~ Sch. 0767. 1. und 2. Nein. 3. Sie würden lediglich aus Einhaltung der vereinbarten Zeit Ilagen können. Liegt kein schriftlicher Lehrvertrag vor, so kann Ihre Tochter die Lehre ohne weiteres verlassen.— 66. Nein. A. 9t. Sie können schrisllich und durch Gericht die Rückkehr verlangen. Die bösliche Verlassung allein ist aber noch keineswegs ein Scheidungsgrund. Sie können zunächst nur aus Wiederherstellung des ehelichen Lebens klagen lund auch nur, wenn Sie selbst diese Wiederherstellung ernstlich wollen) und babcn erst dann den Ehescheidungsgrund der böslichen Verlassung. wenn das Urteil aus Wiederherstellung des ehelichen Lebens ein Jahr lang srucht. los geblieben ist. Auch der Klage aus Herstellung der ehelichen Gemeinschaft muß ein Sühneversuch lbeim Amtsgericht Ihres Wohnorts) vorangehen. D. 28. Nein. Der Mietsverttag geht im Fall freihändigen Verkaufs des Hauses aus den neuen Eigentümer mit allen Rechten und Pflichten über. - I. D. Dorotheendorf. Antworten Sie der Behörde unter Darlegung Ihrer Verhältnisse, daß Sie zu der verlangten Unterstützung weder im stände noch verpflichtet sind, und lassen Sie es aus eme Klage ankommen.— E. K- 1. Das GeAcht würde voraussichtlich im Fall einer Klage annehmen, daß die Vorschristen des Verttagcs über Kündigungssristcn und dergleichen auch sür die andre Wohnung gelten.— W. Z). Alte Jakobstraße. Nein. — M.®. Rixdorf. Es erbt in Ihrem Falle die Mutter nach ihrer Wahl »ach den Grundsätzen des märkischen Rechts(dann erhält sie die Hälfte des beiderseitigen Vermögens) oder nach den Grundsätzen des Bürgerlichen Gesetzbuchs(dann erhält sie des Vermögens des Verstorbenen und be« hält ihr Eigentum). Geerbt werden nicht einzelne Bestandteile des Nach» lafles, sondern der gesamte Nachlaß. Zu diesem gehören auch die Schulden. Aus Antrag nimmt, da ein Minderjähriger mitintcressiert ist, das Vormund- schastsgericht die Teilung in die Hand. Bei der Teilung ist die Aussteuer zu berücksichtigen. ZweiselloS ist die Muttor berechtigt, den Nachlaß einst- wellen zu verwalten. Die mündliche Zusage betreffs Des Klaviers ist rechtlich belanglos.— W. W. Wnrschouerstraße. Sie müssen bezahlen. — E. K. Will eine verheiratete Frau Rückerstattung der für sie gezahlten Jnvalidenmarken, so muß sie innerhalb eines Jahres nach der Heirat den Antrag aus Rückerstattung stellen. Der Anttag hat nur dann Eriolg, wenn vor der Heirat mindestens 200 Marken geklebt sind. Ost empsiehlt es sich, solchen Rückerstattungsantrag nicht zu stellen, weil alle Rechte aus der Ver- sicherung durch die Rückerstattung verloren gehen. Wird der Rückerstattungs- antrag nicht gestellt und weiter geklebt(aus Grund einer versicherungs- pslichngcn Bcschästigung oder als freiwillige Weiter- oder Sclbstversicherer). so kann die Versicherte später Alters- oder Invalidenrente erhalten und möglicherlveise in einer Heilanstalt Ausnahme finden. Freiwillige Weiter- Versicherer haben mindestens 20. freiwillige Sclbstvcrsichercr haben mindestens 40 Marken innerhalb je zwei Jahren zu kleben.— G. R. 1. Wenn wegen dieses Ehebruchs die Ehe geschieden wird: ja. 2. und 3. Rein. 4. Ja. Kinunelfabrtstag. Fernsprecher: Königs-Wuslcrhausen No. 75. £r«itc grosse Extra-Dampferfuhrt mit 3Insik nach Sports haus Xiegonhals. Zlbfabrt S Uhr Ttralaucr- brücke(Xabnt u. Hertzer). Preis für Hin- und Rückfahrt KV Pf. Kinder die Hälfte. Pillets sind am Bord des Dampfers, sowie beim Gastwirt S ch'in i d t, Stralaner Brücke 1, zu haben. Im Vorverkauf nur 5g Pf. Zugleich empfehle mein Lokal zu Dampferpartien. Dampfer stehen zur Verfügung. Bahnstalion Zeuthen. f51522*j Max Mörschel. Villen-Kolonie Kieder-SeWiausenl Baustellen in schönster Lage Nieder-Dchönhausens an vollständig regulierten Straße» mit Gas- und Wa'fcrleitung; nur hochlicgcndes, trockenes Land, ptv Vvtt 83 M. NN. 46132»! Auskunft jeilerzeit im Bureau, Kaiserweg 3, Nieder-Schönhausen. Obergrnnd bei Bodenbach an der Elbe, Mittelpunkt, der böhmisoh-süchsischen Schweiz, Bade-, Terrain- u. klim. 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Nachdruck»erboten. ... 143 15001 337 55 421 77 657 831 952 1018 34 45 79 451 13000J 905 2009 UOOO] 193 326 52 431 93 522 624 3028 181 90 248 417 511 30 939 4075 178 396 424 130001 560(10001 GS 763 5050 54 209 29 39(10001 94[5001 439 508 654 849 6121 213 25 308 423 42 96 110001 663(3000) 858 7142 205 72 Ol 97 328 39 564 854 766 897 925 8183 218 431 84 695 750 95 9013 29 110001 300 600 878 10088[1000] 123 52 73 3S5 406 73 610 741 87 11132 46 233 364 415 629 709 874 1 2021 93 112 230[500] 53 345 51 452 592 614 48 53 871 13047 141 83 438 831 32 14040 53 70 21 1 429 13000) 727 808 10 63 904 1 5048 1500) 350 61 412[5001 568 8 1 700 876 1 6132 90 91 398 130001 684 901 39 1 7135 275 11000] 301 75 79 446 55 68 838 953 91 18130 37 löÖW 48 327 467 719 996 1 9033 15001 113 217 440 97 680 725 91 13000] 957 20270 583 607 754 989 21167 71 238 477 504 47 835 22037 162 11000) 263 341 76 400 MG 93 616 728 803 52 977 2 3002 09 168 223 364(5061 407 14 44 51 130001 724 68 862 048 24130 11000] 67 97 245 71 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220[500] 679 713 45 838 087 59012 103 17 444 731 831 75 847 73 5 1052 365 15001 413 549 725 41[500] 44 901 52092 108 72 659 891 963 5 3060(5001 108[10001 99 264 441 630 95 [30001 64001 145 326 48[500] 599 635 70[5001 740 975 65208 332 19 56 68 400 48 76 502 24 601 866 60 56185 235[5001 327(3000) 76 627 838 87 5 7012 31 110 90 206 1500] 392-168 92 672[10001 79 861 58019 216 88 110001 334 413 52 74[30001 82 724 45 47 836 947 5 9006 106 214[500] 18[3000] 77 316 72 91[3000] 580[5001 698 789 864 76 60252 420 519 72[500] 98 627 700 1 61000 165 74 207 426 7«[5001 644 61 718 34 40 826 30 62077 117 313 97 462[500] 661 78 99 832 63007 136[500] 60 207 47 65 87 605 81 64005 63 106 230 399 483 529 34 632 729 864(6001 918 31 65521 662 74 737 808[5001 86 962 6 6045 262 397 474 501 07 701 48 840(10001 67039 83 141 70 278 341 553 685 90 775 860 97 906 15001 68000 47 235 96 325 431 523 48 84 99 669 834 45 906 88 69095 314 60 587 737 95 837 79092[5001 321[30001 74 631 41 882 71046 54 333 38 473 502 734 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I S2 819 949 03031 150 209 40[1000] 416 616 48 7' 1 31 113067[1000] [10001 146 kl 730 803 39[500] ��31[5001 138090 116 224 28 341 414 507 28 67 76 664 73 ,87 8,6 86 913 15001 29 15001 78[3000] 1390,6 204 52 450 520 29 Ü5 849 79 903 140029 178 81[30001 339 66 508 648 84 991 14 1011 [10001 100 254 85 350 428 520 608 12 984 1 42443 68 559 70 715 68 835 143018 66 129 223 26 63 396[5001 420 1 10001 38 76 632 37 708 59 932 1 44019 203[5001 Iß 372 401 49 509 659 872 145220[5001 305 470 510 090 146012 233 83 302 433 49 55 525 45 46 9a 600 843 955 85 90 1 47038 51 69 248 429 97 630 702 93[1000] 831 47[3000] 148076 189 210 48! 500] 341 434 74 714[500] 93 983 149022 169 02 418 502 15[3000] 936 98 159079 115 23 257 445[ 5001 547 60 71 033 733 [10 OOOl 73 943 1 5 1040 11000] SO[3000] 95 118 50 238 330[10001 542 47 75 050 69 7.39[30001 818 976[500] 162174 313 518 643 948 99 13000) 153022 219 563 [30001 093 747 969 154065 394 453 661 869 155018 58[5001 289 156037 88 123[10001 208 36 54 370 488 702[3001 952 1 57257 320 449 87 513 763[500] 870 96 911 158103 82 659[5001 976[5001 159095 124 290 301 23 430 652 750 892 � 169012 44 123 341 484 308 70[30001 639 67[30001 81 706 43 95 837 1 61191 311 471 736[500] 805 951 77 91 96 162i)40 6ö 472 542 85 774 830 920 1 63013 74 90 291 433 668 945 49 1 64012 24 54 115 374 403 28 63 629 51 861 83 960 165011[5001 78 133 69 316 63 618 741 916 166207 56 77[3000] 389 96 427 40 528 629 85 777 828 85 97 1 67073(10001 91 110 91 257 1500] 307 452 85 505 621 718 08 848 47 85 905 80[500! 168025 125 225 545 733 811 15 054 169077 204[5001 312 02 69(10001 463[500] 506 31 074[1000] 860 170030 134 67 302 565 672 75 781 806 171145 940 343 445 514 34[1000] 788 880 172088 94 304 (10001 444 88 643 777 1 73178 298 366 91 13000] 749 803 42 67 1 74037[1000] 162 233 58 406 56o 780 958 175059 124 44[1000] 418 525 30 36 607 874 003 11 176110 205 380 819 70 937[10001 72 177093 186 228 832 39 95 178314 00 544 851 961 179094 [3000] 27i 384 537 695 774 809._ 1 89034 184 289 326 451 62 515§74 852 927 09 181084 368 41» 48[5001 889 718 848 97 981 18206a 104 238 54 84 342 572 648 50 701 39 835 928 29 1832öS Z4 77 472 73 652 799[1000] 870 97 184097 340 683 716 850 947 ISS 121[5001 210 365 553, 90 [5001 602 790 939 1 86040 64 152 467 823 1500] 187007 378 459 306 188070 171 246 366[3000] 96 544 58 707 848 92 926 1 89047 91 138 46 342 611 81 h,190185 266 09 353 571 683 901[5001 191114 283 647 801 908[1000] 73 96 192041 1500] 63 77 91[10001 176 245 380 426 532 616 38 900 193050 241[10001 79 317 54 408 38 515 696 714 37 69 70 90 923 194245 83 308 10[500] 434 SW 33[500] 67 80 835 42 911 34 60 83 195015 86[500] 126 245 324 526 619 88 700 98 980 1 96214 23 52 373 500 612 997 700 99 990______............ 1.97141 93 248 327 495 633 198021 174 90 321 83 85[500] 90 442 742 806 13000] 25 199277[1000] 377 470 580 832[1000] 744 73 959.____ 200213[5001 86 648 701 32 38 807 12 89[5001 201132 55 236 52 77 455 605 30 817 52 292047[5001 81 207 323[5001 431 54 608 816 42 86 203066 192 374 78 668 739[15 000] 48 806 948[500] 57 ----- 32 27� 342 52 483 561 737 63 873[5001.f"" 97 2O5008 F6001 81 180 329 888 S9V021[30001 65 232 363 441 60 503 50 855[500] 938 15001 297003 [3000] 60 376 860 927 29[500] 298015 322 6o 438 [10001 40 85 575[500] 80 628 722 74 905 34 299049 225 354 659 848 929„ 210198[500] 239[5001 46 03 355 429 11000] 89[10001 616 85 627 81 764 94 842« 61 984 211104 250 56 87 90 13000] 318 701 988 212149 244 11000] 79 759 97 920 213026 38 122.[5001 A2 557 69Ö [3000] 858 965[500] 214415 554 633 76[5001 851 905 14 65 215047[5001 120 84 88 253 651 737 97 2105X9 37 605 18[5001 81 862 934 2X7128 25» 94 338 442 45 68[5000] 80 82 588 933 218203 338[500] 481 6S6 722 887 942 219314[500] 17 79 412 643 58 929[6001 J , 220169 384 621 24 618 48 57 712[5001 864 92 [16001 910 221041 144 M 419 89 544 619 77 729 806™ 222050 54 170 84 4» 506 71[1000] 82 623 29 33 89 956 223291 481[500] 590 602*3 829 40 81 811 87 i« Jfn tZetidanrskeveickliebeu: l Primt« zu sooooo Stf.; I ffeatra J« MO WO Mb. 1 W 200 000!tt, t ja IMOOO SW.; 2 J« 100 001 SRI, J J« 7» 000 SB, 1 ja 60000*«, I «l. 1|B 40COO m, 8 ja»000 KL 18 ja JSOSO iCU, 4» a 10000 KL SStlMOOKL 137« 1« 80««L 20« j» 1000 KL»IM|» MB r* Ijkccmtto, Redafteur: Panl Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glücke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer& Co., B«tm SW. Nr. 110. A. Jahrgang. 3. Stilnjf des Jmsirts" Ötrlinct IsIMIttt. Mmch, 11. Mai IM. Versammlungen. Tie Wnhl in Frankfurt-Levns. Am Montag tagte in Stecherts Saal am Andrcasplatz eine stark besuchte Versmumlung von in Berlin wohnenden Wählern des Kreises Frankfurt-Lebus. Eduard B c r n st e i n. der als Referent auf- trat, kennzeichnete die Kassierung des Mandats deS Genossen Heinrich Braun als eine aller Gerechtigkeit Hohn sprechende Maßnahme der Reichstagsmehrheit Dann beleuchtete er die gegenwärtige politische Situation, kennzeichnete die gegnerischen Kandidaten des Wahlkreises und forderte die Wähler auf, dis kurze Zeit bis zum Wahltage in reger Agitation auszunutzm und durch die Wiederwahl des Genossen Braun Protest einzulegen gegen die herrschende reaktionäre Strömung. Räch der mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede Bernsteins nahni Heinrich Braun, von der Versammlung mit starkem Applaus begrüstt, das Wort zu einer kurzen Ansprache. Er ging besonders auf die Verhältnisse im Kreise ein, charakterisierte die Gegner, welche den Wahlkainpf mit den Waffen niedrigster Verleumdung gegen uns führen und zeigte, wie man durch Spekulation auf die Unwissenheit der Wähler, durch Beeinflussung von amtlicher Stelle aus unsrer Partei Stimmen zu entziehen bemüht ist. So habe er am Sonntag im Oderbruch erfahren, daß ein Gemeindediener bei den Wählern herumgehe und ihnen einrede, alle Stimmen, tvclche für Braun ab- gegeben werden, seien von vornherein ungültig. Dies Mittel der Wahlbeeinflussung sei so raffiniert, daß man annehmen könne, es sei tvohl nicht im Kopse des Gemeindedieners entstanden. Solche Manöver müßten! unsrc Parteigenossen zu Schanden machen, indem sie die Wähler aufklären über ihre Rechte. Hoffentlich werde die Wahl sich zu einen, Protest gestalten gegen den Beschluß der ReichStagSmehrheit, welche unser Mandat kassierte, zu einem Protest gegen die Attentate auf die politischen Rechte des Volkes, zu einem Protest gegen den Zolltarif, für den niemand mit verwerflicheren Mitteln arbeitete wie der nationalliberale Kandidat Bassermann, und zu einem Protest gegen die Behauptung, daß die Socialdemokratie nicht mehr das volle Vertrauen als Vertreterin der Rechte des Volkes habe.— In der Diskussion sprachen verschiedene Wähler aus Frankfurt-Lebus. Sie besprachen Einzelheiten aus dem Kreise und Anregungen hinsichtlich der Agitation in bestimmten Orten.— Die bis dahin ruhig und sachlich verlaufene Diskussion schien bereit? er- schöpft, da meldete sich zu vorgerückter Stunde ein Mann, der sich als Ehristlich-Socialer vorstellte. Er billigte die Bestrafung des Kontraktbruchs ländlicher Arbeiter, pries unter antisemitischen' Redensarten über Mandelstamm und Silbcrfarb die Ausweisung rusfischer Studenten, verherrlichte die Getrcidezölle und andre reaktionäre Maßnahmen mit den ödesten, zu entsetzlicher Länge aus- gedehnten Redensarten, wobei er auf alles mögliche einging, was nicht die geringsten Beziehungen zum Gegenstand der Tagesordnung hatte. Die Versammelten hatten nicht ein so hohes Maß von Geduld, um die öden Salbadereien des Stöcker-Jüngers ruhig über sich ergehen zu lassen. Zu verschiedenen Malen mußte der Vorsitzende sowie Ge- nosse Braun eingreifen, um dem Redner Gehör zu verschaffen. Als dieser aber nach einer Anspieluirg auf den Dresdener Parteitag sagte, er und seine Freunde würden davon Gebrauch machen, daß Heinrich Braun Komödie gespielt habe, da wurde der Unwille der Versamm- lung so stark, daß der Vorsitzende nicht umhin konnte, darüber ab- stimmen zu lassen, ob der Redner in dieser Weise weiter sprechen solle. Die Versammlung entschied fast einstimmig, daß dem Redner das Wort entzogen tverde. Genosse Braun mißbilligte diesen Be- schluß auf das entschiedenste. Die Ausführungen des antisemitischen Redners seien so haltlos m,d unsinnig, daß sie eine Widerlegung nicht bedürfen, aber die Redefreiheit müsse in unsoen Versammlungen unter allen Umständen respektiert werden. Zum Schluß nahm Ge- nossin Lilly Braun das Wort. Sie fertigte den Anhänger Stöckers mit der Bemerkung ab, daß er sich durch sein Auftreten selber blamiert habe. Dmn, richtete die Rednerin unter dem Beifall der Versammlung einen Appell an die Parteigenossen, dahin zu wirken, daß der Wahltag mit einem Siege der Socialdemokratie ende. Tie Militärschneider befaßten sich am 30. April in einer in den „Arminhallcn" abgehaltenen öffentlichen Versa nimlung mit Werkstattmißständen verschiedener Art. So erwähnte der Rc- ferent, Genosse Ritter, besonders die Firma H o b r e ch t in der Jägerstraße, die jetzt, nachdem die Gewerbe-Jnspektion die Mangel- haftigkeit ihrer Werkstatteinrichtungcn festgestellt hat, dazu übergeht, ihre Betriebswerkstatt in einen Zwisckjenmeisterbctricb umzuwandeln, nm sich auf diese Art aller einem Arbeitgeber obliegenden Ver- pflichtungen den Arbeitnehmern wie auch den Behörden gegenüber zu entledigen. Dieselbe Firma hat sich auch keineswegs an die nach dem vorjährigen Militärschneiderstreik getroffenen Abmachungen be- treffs der Prozentevergütung an die Gesellen gehalten. Es ist dieser- halb gegen die Firma eine Klage beim Amtsgericht I anhängig ge- macht worden, nm eventuell von der höchsten Instanz eine principielle Entscheidung über die Frage herbeizuführen, ob die abgemachte Prozentevergütung ein Bestand deS Arbeitslohnes oder eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers ist. Zur ülnnahme gelangte eine Resolution, in der das Verhalten der Hoflieferantenfirma Hobrecht, durch Auf- lösung ihrer Bctriebswerksratt die Heimarbeit mit ihren gesundhcit- lichen und rechtlichen Schäden für die Arbeiter noch weiter auszudehnen, öffentlich gemißbilligt wird. Ferner nahm die Versamm- lung Kenntnis von der Thatsache, daß namhafte Berliner Uniform- geschäfte die Civilgardcrobe der OfstzierSkundschaft durch zweite Hand in maßkonfektionsmäßiger Weise zu den in der Maßkonfektion üblichen niederen Löhnen herstellen lassen. Kostiimschneider und-Schneiderinnen. In einer am 2. Mai statt- gefundenen öffentlichen Versammlung der Kostiimschneider und -Schneiderinnen referierte Ritter über die am 1. Juli d. I. in Kraft tretende Verordnung vom 3t. Mai 1897 auf die Maßwerkstätten der Damenschneiderei sowie über die andern in der Bundesrats- Verordnung vom 17. Februar dieses Jahres vorgesehenen Ver- änderungen. Nachdem Redner eingangs seiner Ausführungen die bisher bestandene Rechtsunsicherheit auf diesem Gebiete an der Hand von Kammer- und OberlandesgerichtS-Urteilen gezeigt hatte, ging er zur Besprechung der neuen Verordnung über. Von einem durchgreifenden Schutz zu Gunsten der Arbeiterinnen könne bei dieser Verordnung keine Rede sein, so daß sich auch hier wieder daS auf dem Heimarbeiterschutz- Kongreß gefallene Wort von der Flickschusterei in der socialpolrtischen Gesetzgebung be- stätige. Dadurch daß im ß 1 der Verordnung die Worte „im großen" stehen geblieben seien. bleibe auch die bisher vorhandene Rechtsunsicherheit für die Männer- und Knabenkoufektion, sowie für die Betriebe, in denen die Anfertigung von weißer und bmiter Wäsche erfolgt, weiter bestehen. Ziehe man in Betracht, daß in diesen Branchen nach ziffernmäßigen Angaben der Krankenkasse» ca. 30009 Arbeiterinnen in Frage kommen, und daß, was Haupt' sächlich hierbei zu berücksichtigen ist, in diesen Branchen viele kleine Zwrschenmeister- Betriebe vorhanden sind, vir nach der bisherigen Auslegung der Gerichte, weil Handwerks- mäßig, ausscheiden, so könne man ermessen, welche große Lücke auch die neue Verordnung wieder offen gelassen habe. Dasselbe sei auch bezüglich der bisher unsicheren rechtlichen Stellung der Zu- schneidernmen und Einrichterinnen der Fall, die je nach Gunst und Ungunst im Einzelfall von den Unternehmern bald als gewerbliche Arbeiterin, bald als kaufmännische Angestellte betrachtet werden. BIS eine thatsächliche Verschlechterung sei der neue Absatz 4 im§ 8 der Verordnung, der für die jugendlichen Arbeiterinnen an Stelle einer bisher bestimmten Zeit für die Mittagspause diese vom 4. Juli ab in das freie Ermessen der Arbeitgeber stelle, so daß ihre völlige Ausschaltung zu befürchten steht. Dasselbe sei auch bezüglich des Verbots der Arbeit an Sonnabenden nach ö'/s Ilhr der Fall, da das den Untcrnehmern zugestandene Recht der Ueberstunden an 60 Tagen im Jahre von diesen gerade an Sonnabenden aus- genützt werde; ein Verbot sei hier nicht klar ausgesprochen, ebenso sei unterlassen worden, das Mitnehmen von Arbeit nach Hause nach der W e r k st a t t a r b e i t zu verbieten, so daß die Gefahr einer Zunahme der Heimarbeit in der Damen-Maßschneiderei gegeben sei, wie sie die alte Verordnung auch in der Engroskonfektion gezeitigt hat. Als ein kleiner Fortschritt sei die vorherige Anmeldung von Ueberstunden zu verzeichnen, wozu der Unternehmer bisher nur am Tage derUeberarbeit selbst verpflichtet war, sowie ünZS der Verordnung der Wegfall der Worte, daß Arbeiterinnen, die nicht zur Familie ge- hörig, auch„gelegentlich" beschäftigt werden können, ohne unter die Arbeiterinnenschutz-Bestimmungcn zu fallen. Alles in allem bedeute die Verordnung nur einen sehr winzigen Fortschritt auf dem Ge- biete des Schutzes weiblicher Arbeitskraft und Gesundheit. Sollten sich die von den Unternehmern angekündigten Erscheinungen— Zunahme der Heimarbeit— herausstellen,)o wird es Sache der Organisation sein, die Konsumenten darauf hinzuweisen, daß durch die Zunahme der Heimarbeit in der Damen-Maßschneiderei die wenigen für die Arbeite» rinnen herausgekommenen Schutzbestimmungen umgangen werden sollen. An das Referat knüpfte sich eine lebhaft». Diskussion, die er- kennen ließ, daß die Angehörigen der Kostünibranche gewillt sind, die wenigen ihnen zum 1. Juli zu teil werdenden Rechte zur Durch- führung zu bringen und zu verteidigen. Metallarbeitcr-Verband. Am Montag fand in der„Neuen Welt" eine Generalversammlung der Verivaltungsstelle Berlin statt. Zunächst verhandelte die Versammlung über einen von der Ver- traucnsmänncc-Konferenz gutgeheißenen Antrag der Ortsverwaltung. welcher die Anstellung von zwei neuen Beamten für das Bureau der Verwaltungsstelle fordert. Der Antrag wird damit begründet, daß durch das starke Steigen der Mitgliederzahl eine bedeutende Ver- mchnmg der verwaltungstechnischcn Arbeiten eingetreten ist, die bisher durch Hilfskräfte bewältigt wurden, nun aber durch fest- angestellte Kollegen bewältigt werden sollen. Nach längerer Debatte wurde der Antrag fast einstimmig angenommen. Dann erfolgte die Wahl der beiden Beamten durch Stimmzettel. Während der Fest- stellung des Wahlresultats durch eine Kommission erledigte die Ver- sammlung den übrigen Teil der Tagesordnung.und zwar zuerst den Kassenbericht für das erste Quartal d.J. Derselbe zeigt für die Hauptkasse eine Einnahme von 161 110,90 M. eine Ausgabe von 136 366,81 M. und einen Bestand von 24 744,09 M. An Unterstützungen wurden aus der tzauptkasse geleistet: Reisegeld 1163 M, Ortsunterstützung 40 355,05 M., K'rankenunterstützung 20 901,20 M., Maßregelungen 11 540,50 M., Unterstützung nach § 2c des Statuts 1827 M.. Rechtsschutz 12 801,46 M. Die Ab- rechnung der Lokalkasse beginnt mit einem Bestand von 126 184,22 Mark, die Einnahme beträgt 78 239,26 M., die Ausgabe 132 095,72 Mark, der am Quartalsschluß verbliebene Bestand 72 327,76 M. An Unterstützungen gewährte die Lokalkasse 4660,00 M,— Zu dem Bericht bemerkte der Kassierer Petzold, daß im 1. Quartal d. I. 16 430 Beiträge mehr eingegangen und 15 600 M, Ortsunterstützung mehr gezahlt worden sind wie in: 4. Quartal v. I. Die Vcrwaltungs- stelle hat zur Zeit etwa 40 000 Mitglieder. Auf Antrag Wiescnthals beschloß die Versammlung eine Statutenänderung, welche am 1. Januar 1005 in Kraft treten soll. Danach erhalten die Unorganisierten sowie die noch nicht 6 Wochen dem Verbände angehörenden Mitglieder vom gcnaiintcn Datum a» keine Streikunterstützung mehr. Die Sätze der Streikunterstützung für iveibliche Mitglieder werden dahin abgeändert, daß bei einer Mit- gliedschaft von weniger als 13 Wochen 5 M.(bisher 6 M.), bei einer Mitgliedschaft von 13— 26 Wochen 7 M.(bisher 6 M.) und bei einer Mitgliedschaft über 26 Wochen wie bisher 9 M. gezahlt werden. Aus der Wahl gingen W u s ch i ck und W i ck e als neuangcstclltc Beamte der Ortsvcrwaltung hervor. Ccntralverband der Handels-, Transport- und Berkehrsarbeitcr. Die Verwaltung I hielt am 4. Mai ihre ordentliche General- Versammlung für das erste Quartal in den Arminhallen ab. Em- gangs der Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken von 16 Mitgliedern, die im Laufe des Quartals verstorben sind. Sodann berichtete Werner noch kurz über die Lohnbewegung der Packer und Hilfsarbeiter im Vergoldergcwerbe, sowie auch über den Streik der Leitergerüstbauer bei Altman». Leider habe sich bei beiden Streiks eine Anzahl Arbeitswilliger aus den Reihen der Verbands- kollegen gefunden, deren Ausschluß aus dem Verbände der General- Versammlung empfohlen wird. Die Versammlung beschloß einstimmig, folgende Personen aus dem Verbände auszuschließen: Die Packer Edmund H o f m a n n, Wilh. L e p k e, Willy Sommer, Paul Grosse, Aug. B o d z u n, Karl F u l g e. Franz Hirschberg, Rud. Kcamm, Johann Per» aß und Robert KolaschcwSki. Außerdem die Leitergerüstbauer M. LuizinSki, August Schüler, Joh. S t y ß, Ludw. E l l m a» n, Nikol. Pohl. Karl Schulz, Wilh. Reh- l ä n d e r, Anton T o n i a k, Friedr. K a b l i tz, F. A u g u st i n, Joseph G o i c i n i a k, Karl Kahlberg, Frischer, Kitz- ling, M. Schitulsli. I. S a ck o I o w s k i, I. Kühn. H. R a st n i, R. L c st, Frz. Neugebauer. Bruno Krüger, Romann G r u b o m s k i. Der Kassierer erläuterte hierauf den gedruckt vorliegenden Kassenbericht. Aus demselben geht hervor, daß inklusive eines Kassenbestandes von 11 386,50 M. die Gesamteinnahme 42 827,06 M. betrug. Die Ausgabe betrug 30 348,80 M. Für örtliche Krankenuntorstützung und Becrdigungsbeihilfe wurden im Quartal 5165,05 M. verausgabt. An die Hauptkasse wurden 17 362,6c. M. abgeliefert. Der örtliche Kassenbestand betrug am 1. April 12 478.26 M. Es ist noch besonders hervorzuheben, daß die Verwaltung auch im ersten Quartal einen erfreulichen Aufschwung zu verzeichnen hat. 1246 Kollegen wurden als neue Mitglieder gewonnen. Auch die Stabilität des Mitglieder- bestandes wird von Quartal zu Quartal eine größere, was wohl daraus hervorgeht, daß gegenüber 57 142 Wochenbeiträgen im ersten Quartal 1903 in diesem Quartal 91 756 Wochenbeiträge eingingen. Der Mitgliederbestand beträgt 9175. Aus dem Arbeitsnachweis- bericht geht hervor, daß am Schlüsse des vierten Quartals 1903 noch 119 Arbeitslose vorhanden waren. Im Laufe des ersten Quartals meldeten sich neu 672, zusammen 781 Arbeitslose. Arbeitslos waren nach Branchen Hausdiener, Packer ic. Kutscher..... Speditions-Lagcrarb.. Weinkellerarbeiter.. Mineralwasser-Arbeiter Leitergerüstbauer.. Fensterreiniger... Lauf- u. AroeitSbnrschen Packerinnen..... 911 470 Am Schlüsse des 1. Quartals blieben noch arbeitslos 73 Kollegen. Die Versammlung beschäftigte sich dann mit dem Antrag einiger arbeitsloser Mitglieder, welcher verlangt, daß der Beschluß der Arbeitsnachweis-Kommission, fünf Arbeitslose auf längere Zeit vom Arbeitsnachweis auszuschließen, aufgehoben wird. Die Diskussion ergab, daß die Betreffenden sich in den Räumen des Gewerkschaftshauses derartig ungehörig benommen hatten, daß der Beschlutz der Kommission gerechtfertigt war. Die Versammlung wieS daher den Antrag zurück. Ferner wurde noch beschlossen, das Fachorgan„Courier" nicht mehr durch die Post sondern durch die Bezirksführer, Vertrauensleute und Zahlstelleninhober zur Verteilung au die Mitglieder zu bringen. Nachdem noch zwei Vertreter in den Ganvorstand gewählt und die bisherigen Delegierten zur Berliner Gelverkschastökommission aufs neue bestätigt wurden, erfolgte Schluß der Versammlung, Ter Cciitralvercin der Bildhauer hielt am Montag in Habcrechts Lokal in der Großen Frankfurterstraße für die Stadtteile des Ostens eine gutbesuchte Agitationsversammlung ab. B c t h k c wies in seinem Referat besonders darauf hin, daß infolge der kapitalistischen Wirtschaftsweise die Arbeitsteilung mit ihren proletarisierendcn Be- gleitcrscheinungen auch seit lange schon im Bildhaucrbcruf eingerissen ist. Aus dem ehemals freien Künstler sei mithin nichts weiter ge- worden wie ein Lohnarbeiter; die Bildhauer hätten also nicht die mindeste Ursache mehr, dem früheren Bcrufsdünkel noch weiter zu huldigen; sie seien Proletarier und gehörten demgemäß auch in die Reihen der klassenbewußten Arbeiterschaft. Redner ging dann spccicll auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Werkstätten der öst- lichen Stadtteile ein, woselbst noch eine 52- bis 54sti>ndige Wochen- ArbeitSzeit besteht und Durchschnittslöhne von 23. 24 M. bis herunter zu 18 M. gezahlt werden. Angesichts dessen, daß diese Arbeitsbedingungen tveit hinter den in den ivestlichen Stadtteilen üblichen zurückstehen, sei es eine pflichtgemäße Notwendigkeit für den Bildhauer, sich der Organisation anzuschließen.— Tie Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Am Schlüsse der Versammlung ließen sich etwa 50 neue Mitglieder in den Cciitralvercin aufnehmen. Eine Branchenvcrsauiinlung der Schrnnbcndrcher, die bei Grau- mann stattfand, nahm einen Bericht über die Statistik betreffend Lohn- und Organisationsverhältnisse der in der Schranbenfabrikatioir beschäftigten Personen entgegen. Leider, so führte der Referent Richter aus, haben sich von den' 1340 in 43 Betrieben gezählten Personen nur 596 in 24 Betrieben an der Statistik beteiligt, und zwar 412 Schraubendreher, 36 Schraubendreherinnen, 91 Hilfsarbeiter und 57 Werkzeugmacher, Facoudreher und Schlosser. Trotzdem die Erhebung in einer überaus günstigen Konjunktur veranstaltet wurde, sind doch in verschiedenen Betrieben geradezu traurige Löhne festgestellt. So brachten cS z. B. bei der Firma Sndicatis die Schraubendreher auf einen durchschnittlichen Stunden- verdienst von 41 Pf., Schraubendreherinnen auf 21,6 Pf,, Werkzeug- macher auf 51 Pf. und Hilfsarbeiter auf 38 Pf.— Der Gesamt- Durchschnittsverdienst der an der Statistik Beteiligten betrug: Schraubendreher 62,9, Schraubendreherinnen 24,8, Fapondreher 51.6, Werkzeugmacher 54,2, Hilfsarbeiter 41,2 Pf. pro Stunde.— Wie schon aus den schlechten Löhnen zu ersehen, lassen auch die Organi- sationsverhälwisse vieles zu wünschen übrig. Von den 1840 er- mittelten Personen waren 964--- 52,4 Proz. organisiert. Haupt- sächlich liegt die Organisation unter den weiblichen Kollegen(nur 20 Proz.)'dameder. Die normale Arbeitszeit in den 24 an der Statistik beteiligten Betrieben war 1 mal 57, 1 mal 56l/a, 17 mal 54, 1 mal 53, 1 mal 521/2, 1 mal 51, 2 mal 48 Stunden pro Woche. Unter den zwei Betrieben mit 48 Stunden befindet sich jedoch einer(Siemens u. Halske), in dem die achtstündige Arbeitszeit, nach eigner Aussage eines Direktors dem Arbeiterausschuß gegenüber, nur auf dem Papier steht.— In der Diskussion wurde allseitig darauf hingewiesen, daß die Löhne sehr miserabel und verbessernngsbedürftig seien; die schlechten OrganisationS- Verhältnisse, auch der schwache Besuch der Versammlung aber es nicht ratsam erscheinen lassen, jetzt schon mit Forderungen an die Unter- nehmer heranzutreten. Folgende Resolution fand eiiistimmige An- nähme:„Die heutige Versammlung beauftragt die AgrtationS- kommission, für eine rege Agitation in den Betrieben Sorge zu tragen, um die Bahn für eine Lohubeivegung zu ebnen.— Die Vertrauensleute haben beschlossen, für die Sommermonate die Morgensprache nur alle vier Wochen abzuhalten. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden. Charlottenburg. Am LI. April hielt der socialdemokratische Wahlvcrein Charlottenbilrgs im Volkshause, Rostneiistraße 3, feine Generalversammlung ab. Reichstags-Abgeordnetcr Genosse L e s ch e sprach über:„Der kommende interiiationale Kongreß in Amsterdam". Lebhafter Beifall lohnte die Ausführungen des Referenten, In der Diskussion sprach Genosse S p ö r e r im Sinne des Referenten. Hierauf gab Genosse Vaake den Bericht des Vorstandes, welcher sich auf drei Monate erstreckte. Es haben demnach drei Ver- sammluligen lind sieben Vorstandssitzuilgeii stattgcfnnden. Den Kassenbericht für zwei Quartale gab der Kassierer Müller, Das erste Quartal ergab eine Einnahme von 1965,01 M. Ihr stand eine Ausgabe von 836,19 M. gegenüber, so daß, nachdem Zwcidrittel der Einnahmen an die Centralkasse abgeführt wurden, ein Deficit von 181,18 M. zu verzeichnen ist. Das zweite Quartal ergab eine Ein- nähme von 1642,50 M., der eine Ausgabe von 203,57 M. gegenüberstand. Nachdem Zwcidrittel der Eiiinahmeii abgeführt worden sind, ergiebt sich ein OrtSbestand von 333,93 M. Die Wahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Dr. Borchardt erster, R o s e n t h a l zweiter Vorsitzender, Müller Kassierer, ©ehrte Schriftführer, Bade Beisitzer, Als Revisoren wurden Tatusch, Bartsch und W e i ß h e i t gewählt. In die Lokal- komnilssion wurden die Genossen N o a ck, Lidtke und G e r i ck e gewählt, als Bibliothekar der Genosse Poese necker. Die vom Vorstaildc vorgeschlagene Aenderung dcö§ 3 deS Statuts, wonach der Vorstand anstatt halbjährlich jährlich gewählt werden soll, wurde angenommen. Als Bezirksführer wurden gewählt im 1. Bezirk Dietz. 2. Wenzel, 3. Mücke, 3a. Giebel. 4. Kley. 5. Nieder. 6, Kleebera, 7. Oberländer und 8. Weiß- h e i t. Die Mitglieder des Wahlvercins setzen sich, nach Berufen ge- zählt, wie folgt zusammen.(Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Mitgliederzahlen im Vorjahre): Maurer 250(216), Arbeiter 219(212!. Zimmerer 92(89), Tischler 88(77). Schankwirte 71(64). Maler 62(64), Schlosser 61(50), Töpfer 49(49), Schuhmacher 28(24), Schneider 23(19). Porzcllanarbeiter 16(Iß), Dreher 16(16), Barbiere 13(13), Buchbinder 9(13>, Buchdrucker 13(11), Stukkateure 11(8), Metallarbeiter 10(9!, Schriftsetzer 10(7), Klempner 10(10), Unbekannt 9(9), Kellner 9(4), Tapezierer 9(7), Anschläger 9(7), Mechaniker 9(lll, Kaufleute 8(8), Händler 8(6), Glaser 8(4), Rohrleger 7(8>. Böttcher 7(9), Kutscher 7(5), Schriftsteller 7(6), Steinsetzer 6(7j, Schmiede 7(8). Stellmacher 6(9), Cigarrenmacher 5(7), Lackierer 5(5), Uhrmacher 5(3). Handlungsgehilfen 4(2), Cigarrenhändler 4(8), Brauer 4(6), Drechsler 4(5), Dachdecker 4(6), Feilenhauer 4(1), Gerüstbauer 4(3), Former 3(5), Hausdiener 8(2), Monteure 3(8), Steinmetzen 3(2), Bildhauer 3(2), Doktoren 3(5), Fensterputzer 8(5). Täschner 2(1), Musiker 2(2). Dcntisten2(1). Gchriftgieber2(2), Lederarb. 2(2), Expedient 2(1), Stereothpenre 2(1), Sattler 2(1), Werfführer 2(2), Müller 2(1), Lithographen 2(1), Glasbläser 2, Bureaugehilfen 2, Vergolder, Goldschmied, Packer, Bäcker, Schreiber, Kürschner, Steno- graphen, Knnststicker, Zapfer, Schleifer, Apotheker, Geschäftsführer, Steindriicker, Bankbeamter, Heizer. Lederhändler, Redakteur, Korb- macher, Staaker, Korrespondent, Konditor, Textilarbeiter, Bohner, Teppichreiniger, Küfer, Waschanstaltsbesttzer, Maschinenmeister, Möbelpolierer, Generalagent, Futtermeister. Privattcr, Graveur uiid Ziniigießer je einer.— Die WahlvereinS-Versammlungen finden in Zilkilnft an jedem Dienstag nach dem 15. des Monats statt. Groß-Bestc»(KeeiS Teltow). Die Parteigenossen von Groß- Besten feierten am 8. Mai ihr Maifest. Um 2'/, Uhr fand eine Volksversammlung statt, ivelche sehr gut besucht tvar. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Genosse Max Groger- Rixdorf hielt einen Vortrag, welcher mit brausendem Beifall auf- genommen wurde. Eine Diskussion fand nicht statt. Am Sckilutz der Versammlung forderte der Referent die Antvcscnden auf, sich dein Wahlverein am Orte anzuschließen, tvaö zur Folge hatte, daß sich mehrere Genossen ausnchnien ließen. Gesang, ausgeführt vom Arbeitergesangverein Adlershof, sowie Tanz hielten dann noch die Genossen bis tief in die Nacht bei fröhlicher Stimmung zusammen. Druckfehler-Berichtigung. perem für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. In dem Inserat betreffend Vcusammlung am 9. Mai er. in Nr. 108 findet sich ein sinnentstellender Druckfehler. Es sollte heißen: Referent Gerhard Hildebrand, nicht Gerhard Hauptmann. Mlüil Kistenmaetier! 3®- Donnerstag, den 18. Mai(Hlmmelfahrtstas;):' Herren-Partie nach Kalkberge Rüdersdorf. Tresspunkt präcise 7 Uhr Arbeitsnachweis Breslauerftraße 28. Wsahrt 729 Schlesischer Bahnhof nach Drlravi». 103/8 Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Cegelort. :U Schönster Ansstngsort zum Kimmelfahrtstag! - Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Kaffeekiiche. 2 verdeckte Kegelbahnen. Billard. L. KielersM. Morgen Reederei Nohilino. ßampIer-Eitralaiift e Jid r G Aer Mm. ——— Baumblüte.— Abfahrt von Jannowibbrücke(Schulthciß-Ausschank) g Uhr vormittags, Ä Uhr nachmittags. Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt Erwachsene 1 M., Kinder 50 Pf. Es ladet ergebenst ein Hcrinaim Oärtner. Gegen Monatsraten von 2 M. an liefern Trix Musikwerke eolbstspielendo sowie Drehinstrumente i mit auswechselbaren 1 Metalbnoten von 18 Mk. aufwärts. 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Schraubendreherl Achtung i Am Himmelfahrtstage: Alisflng mich der voltishküMIe Mantfct bei(DvaniEiiluitg. Zlb fahrt Stettincr Bahnhof 7 Uhr 30 Min. srüh. Fahrt bis Lehnitz. Fahrgeld 1,10 Mark. Bezirk Ober-8ch8neweZde. Am Himmelfahrtstage: Herrenpartie mh Müggelverge, Rahnsdorf. Treffpunkt 8 Uhr früh in Ober-schöncweidc bei Kaufhold, Wilhelminenhofstrage 18. 115/7 Hie Urtsrverwnltnng� Central-Verliand der Manrer bentseblands. Zweigverein Berlin. Freitag, den 13. Mai 1904, abends S'/o Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-Nfer 13: PIP General-Versammlung für sämtliche Kestrke und Zahlstellen der Maurer, fomie der Sektion der Putzer und der Sektion der Gtzs- und Eemeutbranche, gleichieitig der Gnippe der Fliesenleger. Tages-Ordnung: 143/8« 1. Vortrag des Genossen Bntstenirte'in über:„Sträfrecht und Socialpolitik". 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom ersten Quartal. 4. Antrag Gommert, bctrcsiend verloren gegangene Marken. gaj- Mitgliedsbuch legitimiert, ohne d" asselbe kein Zutritt. Der Zweisverein«-Vorstnnfl. I. A.: Emil ThBns. Vereinshans tfanngnstr. 6 Inhaber: E. Tzcliackseli cmpsiehlt seinen Saal und schön dekorierten schattigen Garten den Gewcrk- schasten, Fach- und Theatcrvereinen zu Gesellschasten und jeglichen Fesllich- leiten unter kulantesten Bedingungen. J\J V'* U*.»»»•• v_�l ly tl- 1 1| C I.-I C- Vermitw. Redakteur: Paul Büttner» Berlin. Für den Lnseratenterl verantw.: Th. Glocke, Berlin. Dnicku. Verlag: Vorwärts Buch druaerei u. Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.