Nr. 116. RbonnementS'Bedlngungen: fnboimcmcntä- Preis pränumerando: Bierteljährl S,Z0 Ml, monatl 1,10 Ml, wöchen' 28 Pfg. frei WS Hau«. Einzelne Nummer 6 Pfg. SonnwgS- nummer mU illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Munal Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland Z Marl pro Monal Tl. Jahrg. Die InfertlonS'GebQDr deträgt für die sechsgespaltene«olonet- zeilc oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewcrlschaftliche Vereins- und BersammIungS-Anzeigen 26 Pfg. „Klein« Hmelgcn", das erste ssett- gedruckte) Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bts 8 Uhr dormMagS geössnel Crfditliit ttglld) auBer montiai Sevlinev DalfeWaff. Zelegramm- Adresse: „S«Ulitcm«litit B«ilta". Zcntralorgan der rozialdemokratifdien Partei Deutfcblande. Redahtion: 8vll. 68» Ltndenstrasae 69. Kernsprecher: Amt IV. Nr. 1S83. Donnerstag, den 19. Mai 1994. Expedition: Svll. 68» I�indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Rr. 1984. Zur deutschen Lehrer-Versammlung in Königsberg. Einmal hat bislang eine deutsche Lehrer-Versammlung der Zeit an den Puls gefühlt. DaS war im Jahre 1898 in Breslau, wo die Frage der Kinderarbeit zur Erörterung stand. Unter dem Eindruck des ebenso schlichten wie nachdrücklichen Referats des Berliner Lehrers Fechner nahm der damalige Kongreß deutscher Volksschul- lehrer eine Resolution an, die bei aller Zurückhaltung in der Form doch keinerlei Zweifel über die principielle Beurteilung der Kinder- ausbeuwng seitens der Pädagogen ließ. Dieser Versammlung war auch eine äußerst rege Vorarbeit in den einzelnen Zweigvereinen des deutschen Lehrervereins voranfgegangen; in zahlreichen Vor- trägen hatte man Stellung genommen, litterarisch war fleißig ge- arbeitet worden und prakttsch waren die Lehrervereine und Lehrer auch durch Vornahme von Enqueten in den Dienst der guten Sache gestellt worden. Vor allen: aber deckte das Thema die unmittel- bare Zusammengehörigkeit der Erziehungsfrage mit der socialen Frage auf. Keine der vor Breslau erörterten Schul- und Lehrerfragen und keiner der seit 1898 im deutschen Lehrerverein zur Diskussion ge- stellten Vorttäge reicht an die Bedeuwng der Breslauer VerHand- lungen über die gewerbsmäßige Nebenbeschäfttgung der Schulkinder heran. Man hat sich später bemüht, als eine Art Pronunziamento gegen die geschorenen und gescheitelten Feinde der Volksbildung die hohe Bedeutung der Volksbildung für den Fortschritt der Wirtschaft- lichen Entwicklung und für die Volkssittlichkeit nachzuweisen, wobei man beiläufig bemerkt weidlich über das Ziel hinaus geschossen hat. Man hat auch über den Arbeitsunterricht für Knaben und für Mädchen beraten und beschlossen. Aber man hat nicht die inneren Be- Ziehungen dieser Frage mit der in Breslau erörterten Kinderarbeit aufgezeigt, sondern man ist in philisttös-einseittger Weise, ganz im Sinne der bürgerlichen Jndividualpädagogik. über die hochwichtige Frage nach dem socialpädagogischen Werte der»Arbeit" hinweg- gegangen. Wenn man die Bedeuwng der zu Pfingsten in Königsberg statt- findenden �deutschen Lehrerversammlung nach der vorhergegangenen Debatte ermessen wollte, so käme man zu einem ziemlich trübseligen Resultat. Es fehlt in diesem Jahre an dem großen, einheitlichen Zug, der bisher noch fast jeder Tagung ihr Gepräge gab. Das kommt vornehmlich daher, daß keiner der zur Erörterung stehenden Hauptvorträge ins frisch pulsierende Leben der Gegenwart hinein- reicht von man dort Anregung erhält. Der übliche«inleitende, mehr dekorattven Zwecken gewidmete Festvorttag ist diesmal mit Rücksicht auf das Kant-Jubiläum und die Kantstadt dem Gedächtnisse Kants gewidmet. Dagegen ist natürlich nicht das geringste einzuwenden. Kant hat wie nur einer die hohe Bedeuwng der Pädagogik anerkannt und an Konsequenz des Denkens und Thuns könnten die deutschen Volksschullehrer unendlich viel von den: Manne der„reinen Vernunft" lernen. Als erste? und wichtigstes Diskussionsthema figuriert, wie schon vor zwei Jahren in Chemnitz, wieder die Frage, ob und inwieweit die Volksschullehrerbildung durch Inanspruchnahme der Universität zu erfolgen habe. In Chemnitz hatte der Greifswalder Universitäts- Professor Rehmke die Frage behandelt und den Lehrern dabei mehrere kleine Kuckuckseier ins Nest gelegt. Das war um so unangenehmer, als der Rehmkesche Vortrag den einleitenden Festvortrag bildete, an den sich satzungsgemäß keine Diswsfion wüpfen darf. Gleich nach der Chemnitzer Tagung aber begannen die Lehrer und ihre gleich- gesinnten akademischen Freunde— unter diesen besonders Rein und Andreae— die von Rehmke angerichtete Verwirrung wieder zu ent- wirren, und in Königsberg wird man dieses löbliche Werk vollenden. In der principiellen Forderung des UniversitätSbesuches für die PolkSschullehrerbildung sind sich die Volksschuflehrer fast auS- nahmslos einig. Ein Streit besteht nur darüber. ob die Universitäten nur für die Zwecke der Fortbildung der Lehrer geöffnet werden sollen, oder ob der Universitäts- besuch obligatorisch als Teil der Lehrerbildung gefordert werden soll. Ferner darüber, ob in letzterem Falle die Lehrerstudenten sich(nach Rehmke) nur auf die Philosophie beschränken, daneben»fteilich auch Vorlesungen über Pädagogik hören" und gewiß die günstige Ge- legenheit benutzen sollen,„auch an dem Nettarbecher mancher Fach- Wissenschaft zu nippen", oder ob der Lehrerstudent snach Andreae)„sich mit dem Swdium irgend einer Fachwissenschast, für die er Begabung, Reizung und Kenntnisse mitbringt, ernstlich und gründlich" befassen, die Pädagogik insbesondere studieren und sich auf pädagogischen UniversitätSseminaren, die Rehmke abgelehnt hatte, auch in die pädagogische Praxis gründlich einführen lassen soll. Die letztere Meinung wird in Königsberg zweifellos den Sieg davontragen. Das Streben der Volksschullehrer nach Universitätsbildung wird von unsrer Seite aus stets die wärmste Unterstützung finden. Wir haben eine so hohe Meinung von der Bildung und wir wollen so unterschiedslos alle Kinder des Volks an die Quellen der Bildung führen, daß wir Wert darauf legen müssen, den Kindern von vornherein wegwndige Führer an die Hand zu geben. Aber wir sind auch davon überzeugt, daß im heuttgen kapitalistischen Klaffenstaat an eine so kühne Aenderung des LehrerbildungSwesenS, Wie sie die Lehrer anstreben, gar nicht gedacht werden kann. Die maßgebenden Faktoren der herrschenden Klassen haben kein Interesse an einer erweiterten und vertieften Volksbildung; wie sollte eS ihnen da wohl einfallen, für die Vervollkommnung der Bildung der Volks- bildner viel Geld und Arbeit aufzuwenden! Denn teuer wäre die Sache, dariiber sind sich auch die Lehrer nicht im unklaren, und da sie sich auch über die Aussichtslosigkeit ihrer principiellen Forderung leinen trügerischen Hoffnungen hingeben, so beschränken sie sich für die Gegenwart mit besonderer Eilfertigkeit auf eine Reihe vonKom- promißforderungen. Aber auch damit wird es noch gute Weile haben. Ein unmittelbares und zwingendes Interesse an Volks- schule und Volksschuflehrer haben nur die Arbeiter. Je mehr deren politische Macht steigt, um so besser wird auch die Volksschule daran sein. „Die SchulaufsichtSftage" lautet das zweite Thema der deutschen Lehrerversammlung. Niemand wird auch dieser Frage abstreiten wollen, daß sie ihre weitteichende Bedeutung hat. Und wir stehen auch in dieser Angelegenheit wiederum durchaus auf feiten der Lehrer, die an Stelle der Geistlichen pädagogische Fachmänner mit der Beaufsichtigung der Schulen betraut sehen wollen. Aber die Lehrer wollen auch hier wieder mit einem Kompromiß zum Ziele gelangen Sie betonen mit besonderem Nachdruck, daß sie durch ihre Forderung fachmännischer Schulaufsicht keinerlei Feindseligkeit gegen die Religion zum Ausdruck bringen wollen. Religion solle nach wie vor einen VorzugSplatz im Unterricht der Volksschule behalten. Das ist aber eine Inkonsequenz. Solange der Religionsunterricht in der Volks- schule bleibt, läßt man auch der Kirche noch zum mindesten den Schein eines Rechts der Kontrolle. Sobald man aber schiedlich-friedlich den Religionsunterricht aus dem Lehrplan der Volksschule heraushebt und ihn der Kirche zur Pflege überweist, dann hat die Kirche auch keinerlei Anspruch mehr auf die Schule. Die Lehrer wagen auS alter Bedenklichkeit und Vorsicht nicht, mit so radikalen Forderungen vorzugehen. Aber glauben sie denn, daß ihre Kompromißvorschläge Verwirflichung finden werden? Heute, wo im preußischen Abgeordnetenhause sogar unter Führung der Nattonalliberalen die Verkirchlichung der Volksschule erst recht durch Gesetz festgelegt werden soll? Wenn man schon in ein Wespen- nest hineingreift, so muß man fest zupacken. Das sollten die Lehrer endlich beachten. Als dritter Puntt steht wieder einmal»die allgemeine Volks- schule" auf der Tagesordnung der Lehrerversammlung.„Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gem", so scheinen die Lehrer in Bezug auf diese alte Forderung zu denken. Immer wird man von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wieder daran erinnert, daß die allgemeine Vollsschule in Wirklichkeit noch immer nicht vor- handen ist. sondern daß sie nur als»Ideal" von einer Lehrer- generatton auf die andre pietätvoll vererbt wird. Aber das Ideal ist im Laufe der Jahrzehnte bei diesem Weiterreichen herzlich ab- gegriffen worden. Was einst als lebensfrische, kecke Forderung die Lehrerschaft entflammte, daS ist heute zu einem lahmen Kompromiß- vorschlage herabgesunken. Nicht mehr soll die allgemeine Volksschule, wie man einst geträumt hatte, die gesamte schulmäßige Kinder- erziehung umfassen vom Kindergarten bis zur Universität, sondern sie soll nur vier Jahre lang die Kinder der Unterstufe vereinigen. Im Effekt läuft diese Forderung auf die Beseitigung der Vorschule hinaus. Das ist zwar auch ein durchaus löbliches Beginnen, aber mit der allgemeinen Volksschule hat eS herzlich wenig zu thun. Die deutschen Volksschullehrer haben mit all ihrer vorsichtigen Rechnungsttägerei bisher nicht viel erreicht. Die Volksschule verfällt innerlich und äußerlich immer mehr, die Lehrerbesoldung ist unwürdig niedrig und bettelhaft, und die Liberalen, dies nach einer] alten frommen Sage die eigentlichen Vorkämpfer der freien Schule sein sollen, verraten die Lehrer vorn und hinten. Die Volksschullehrer sollten deshalb endlich in einer andren Tonart vorgehen. Zu ver- lieren haben sie, wie die andren Proletarier, nichts als ihre Ketten; sie haben aber, wie die andren Proletarier, eine Welt zu gewinnen I politische deberficht» Berlin, den 18. Mai. Die Protokolle des Kriegsministers Bronsart. In den Sitzungen des Herrenhauses von voriger Woche, deren Protokolle sich ja balo als Agitattonsbroschttre des„Vorwärts" in den Händen unsrer Parteigenossen befinden werden, haben bekanntlich die Herren Frhr. v. Manteuffel und Graf Mirbach in kräftiger Weise die Scharfmacherregister gezogen. Freilich wagten die Herren nicht mit ihren Plänen herauszurücken, offenbar weil sie damit selbst die zahmen BourgeoiSgemüter gegen sich aufzubringen fürchten mußten. Herr v. Manteuffel verlangt nicht,„daß man dem Gegner seinen FeldzugSplan verrät und ihm verrät, mit welchen Waffen man ihn bekämpfen will"— er will einfach„Thaten sehen"! Etwas offener ist Herr Graf Mirbach— er will sich„lediglich darauf be- schränken, die geheimen Wahlen zu elimin ierensl!)— er bleibt damit nur wenig binter den Jacobinern von 1792 zurück, die es durchsetzten,„daß oie Wahlen in Paris, entgegen den be- stehenden Vorschriften, öffentlich vorgenommen wurden, weil sie bei öffentlicher Abstimmung einen stärkern Einfluß auf die Bevölkerung ausüben konnten". lH.v.Sybel.) Freilich findet er es überdies„mindestens gewagt, einem geistigen Krettn, dem unbedeutendsten Menschen genau dasselbe Recht auf diesem Gebiete zu gewähren lr~ v Vaterland höchst verdienten, einflußreichsten"— ui Herr im Herrenhause, in das die„Volksvertreter" zum großen Teil hineingeboren werden, wobei also unter Umständen„ein geistiger Krettn, der unbedeutendste Mensch" unvergleichlich viel höhere Rechte ausüben darf als der„höchst verdiente", vor einer Versammlung, in der manches Mitglied den Spruch nicht zu kennen scheint:„Dumm- heit ist eine Gottesgabe, man soll sie aber nicht mißbrauchen". Herr Graf Mirbach ist aber weiter der Meinung, daß ein„Zurück- drängen im Parlamente" noch nicht ausreicht. Auf welchem Wege die Socialdemottatie seiner Ansicht nach durch die Regierung zu be- kämpfen ist, das teilt auch er der Regierung nur in Geheimsprache mit; diese Stelle seiner Rede ist ebenso interessant, wie für den Nichteingeweihten rätselhaft:„Ich kann die königliche Staats- regierung nur bitten, die Protokolle des königlichen Staatsministeriums einzusehen; sie wird darin die Vorschläge des Ministers Bronsart finden, und der Weg, den er indiziert hat, ist der richtige." Zunächst erhebt sich die Frage, wie der tugrndsnme Graf zur Kenntnis der Protokolle des Staatsministermms kommt— die Herren dem um das das sagt der sind doch sonst so gewaltig entrüstet, wenn Mitteilungen aus offiziellen Akten von dritter Seite gemacht werden! Dann aber darf verlangt werden, daß der Herr Graf nunmehr auch in allgemein- verständlicher Sprache mitteilt, welchen Weg er der Regierung in öffentlicher Sitzung als den richtigen empfohlen hat. Wir sind ge« spannt darauf, welchen Vorschlag der damalige preußische Kriegs- minister zur Bekämpfung der Socialdemokratie gemacht hat, welcher Vorschlag den unbedingten Beifall des Grafen Mirbach findet. Heraus mit der Sprache! Oeffentlich hat dieser Bronsart nur die Feuerspritze gegen die Socialdemokratie empfohlen. Er hat dann auch als Ex-Minister 1898 im mecklenburgischen„Parlament" scharfe Maßregeln gegen die Socialdemokratie gefordert. Was aber hat er s 0 n st als Minister geplant?—_ Bedingungen des Patriotismus. Die Resolutton, die in Hamburg nach einem Vortrage Bebels gegen die Attentäter des ReichstagS-Wahlrechts beschlossen wurde, ist diesen Leuten ganz gehörig in die Glieder ge« fahren. Die scharf schneidende Sprache dieser Resolution erregt das Scharfmachertum und ruft der weitesten deutschen Oeffentlichkeit in das Bewußtsein, wohin eine Politik der Ver« g e w a l t i g u n g, wie sie das preußische Junkertuin fordert, mit Notwendigkeit führen muß. Die„Post" und die„Berliner Neuesten Nachrichten' mühen sich ebenso geschwind wie aussichtslos, den Eindruck der Hamburger Kundgebung abzuschwächen. Die„Post" ergeht sich einesteils in der heiteren Beweisführung, daß das Wahlrecht nicht ein gleiches für alle sein brauche, weil— auch in der Wehrpflicht Un- gleichheiten und Ungerechtigkeiten bestehen. Weiter schmäht sie über Bebels„Drohung mit Vaterlandsfeindschaft" wegen— des bißchen Wahlrechts. Die„Post" will nicht so niedrig von der großen Masse des Volkes denken, daß sie sich„nur durch die Wahlrechtsfrage in ihrer Sympathie oder Antipathie dem neu geeinten Vaterlande gegenüber bestimmen" ließe. Aehnlich erklärt das Blatt der Marinelieferanten:»Ein netter Patriotismus, der Bedingungen macht, Be- dingungen, die von einem baren Klaffenftandpuntt eingegeben sind". Wenn die Wahlrechtsfrage nur eine so geringwerttge ist, wie die „Post" vorgiebt, dann werden sicherlich die echten Patrioten der konservattven Parteien dieses geringe Opfer gern auf dem Mar des Vaterlandes darbringen, da sie erkennen, daß die Sympathie der VolkSmaffen für das Vaterland, um deren Erhaltung sie so besorgt erscheinen, daran hängt! Die Konservativen kennen natürlich niemals Bedingungen ihres PatriottsmuS. Sie sind Patrioten in jedem Falle. Höchstens wenn die Getreidezölle sinken, sinkt der Patriotismus der„Post; höchstens wenn keine Panzerplatten bestellt werden sollen, sinkt der Patriotismus der„Berliner Neuesten Nachrichten" I Die Arbeiterklasse weist die schamlose Heuchelei jener Patrioten weit zurück, die jeder Zeit bereit sind, daS Vaterland zu ver« raten, sobald ihrer politischen und wirtschaftlichen Habsucht nicht jeder Vorschub geschieht. Die Arbeiterklasse erklärt ehrlich das Selbstverständliche, daß sie kein Interesse an einem Staatswesen haben Ivürde, das ihre Grundrechte nicht anerkennt, das ihr die Möglichkeit der materiellen und kulturellen Entwicklung raubt, das sie zur ewigen Versklavung verurteilt. Es ist schiver sich vorzustellen, welche verheerenden Folgen der Versuch einer Herrenhäusler-Politik für Deutschland herbeiführen würde. Diejenigen, die an solchem verbrecherischen Werke arbeiten, sind schon jetzt als ehrlose und gewissenlose Vaterlandsfeinde ge- zeichnet._ Militärische Forderungen in Oestretch. I-et- Wien. 17. Mai. Den diesjährigen Delegattonen, die am Sonnabend in Budapest zusammengetreten sind, ist von der Heeresverwaltting eine exquisite Ueberraschung bereitet worden: man verlangt von ihnen die Be« willignng eines außerordentlichen Kredits im Betrage von 362 Mill. Kronen, von welchem heuer 133 Millionen, der Rest nächstes Jahr ausgegeben werden soll. Von dem Kredit entfallen 232 Millionen auf Anschaffungen im Heere, 129 Millionen auf Verstärkungen der Flotte. Was eigentlich„angeschafft" werden soll, läßt die Regierung völlig im Unklaren. Man weiß nur, daß 163 Millionen für die neuen Kanonen gebraucht werden, die voriges Jahr bewilligt wurden; der Rest von 37 Millionen soll, wörtlich,„für eine Reihe von Ausrüstungsgegenständen dienen, für ivelche bisher nur kleine Raten eingestellt waren"— in diesem Budget etwa fünf Millionen. Eine nähere Bezeichnung der„Gegenstände" fehlt; selbstverständlich fehlt auch jedes Wort der Begründung. Der ganze Motiven« bericht beschräntt sich auf folgenden Satz:„Die detaillierten Aufllärungen über die Maßnahmen müssen der mündlichen Er- örterung vorbehalten werden". Da die Heeresverwaltung, waS sie mündlich sagen will, auch in der Vorlage darlegen könnte, so scheint jener Hinweis anzudeuten, daß die„detaillierten Aufklärungen" nur dem geheimen Ausschuß vorgelegt werden sollen, so daß die armen Oestreicher buchstäblich 67 Millionen zahlen werden, ohne auch nur zu wissen wofür. Die Forderungen für die Marine verteilen sich auf die Kredite für die im Zuge befindlichen Schiffsbauten <48 Millionen) und auf Neuanschaffungen: Torpedos 34 Millionen, Unterseeboote 19 Millionen(wie man sieht, geht der östreichische MariniSmuS mit der Mode) und für verschiedene„Kleinigkeiten" etwa 28 Millionen. Warum daS alles gebraucht werden soll und weshalb gar so plötzlich, weiß niemand zu sagen. Offenbar hat sich die_ edle Kriegsverwaltung gedacht. daß die„militärische Unfertigkeit" Rußlands ein tteff- licheS Argument fein werde, um den„patriotischen" Delegierten die„unerläßliche Notwendigkeit" der Neuanschaffungen klarzumachen. Und sicherlich spricht auch die Erwägung mit, daß man Europa, das sich über den Habsburgischen Jammerstaat weid- lich lustig macht, mit einem gewaltigen Vorstoß des Militarismus imponieren wollte. Habsburg will zeigen, daß es noch immer Soldaten und Kanonen hat— es ist die reine Militärspielerei und die Forderungen wirklich frecher Uebermut. Interessant ist auch, wie man das Geld aufbringen will. Die Mittel sollen durch eine Anleihe beschafft werden(jeder Staat will sich seine Quote selber ausborgen), und die für die Verzinsung und Amortisierung nötigen Summen sollen alljährlich durch— es ist zum Lachen— durch Ersparunge» im Kriegsbudget auf- gebracht werden. Es soll folgender Modus eingehalten werden: Man bewilligt jetzt alles auf einmal, was die Heeres- und die Marineverwaltung in 25 Jahren brauchen werden. Trotzdem wird man aber jedes Jahr die nornrale Rate bewilligen, also dieselbe Sache zum zweitenmal. Aber diese bewilligte Summen wird die Heeres- Verwaltung nicht behalten, sondern sie den beiden Finanzministern zurückerstatten, welche mit ihr dann die Zinsen und die Amortisations- quote der Anleihe decken werden. Das Ganze ist ein kecker Schwindel? wenn wir ein, zwei Jahre„refundieren", und dann werden die be- willigten Mittel eben für andre Kriegsschiffe und irgend eine neue Morderfindung gebraucht werden. Aber davon abgesehen, stellt sich der Vorschlag geradezu als eine Verhöhnung des primitivsten Budgetrechtes dar, als eine Mogelei, wie sie nur verkrachte Staaten anfangen können. Aber wie die Delegationen schon geartet sind, werden sie alles bewilligen und allem zustimmen: der Kaiser wünscht es und den Besuchern der Hofdiners ist das das Gesetz ihres Handelns.— Dcutfcbcs Reich. Das russische Deutschland. Der Petersburger Korrespondent des Londoner„Daily Telegraph" hat seinem Blatte die folgende, dem Beobachter der europäischen Wandlungen mindestens sehr interessierende Mitteilung gemacht: Deutschland und Rußland seien zu einer Verständigung gelangt, wodurch die Hindernisse für einen deutsch-russischen Handelsvertrag beseitigt würden, da Rußland seine Ein- Wendungen gegen einen Vertrag auf der vom Grafen Bülow vor- geschlagenen Basis in Anerkenmuig der von Deutschland während der letzten sechs Monate Rußland geleisteten Dienste und der Ver- sprechung noch wichtigerer Beweise der Freundschaft für die nahe Zukunft aufgegeben habe. Es seien auch Verhandlungen wegen eines allgemeinen Abkommens über die politische» Interessen beider Staaten in der ganzen Welt im Gange, besonders bezüg- lich der russischen Stellung in Ostasien. Ob die englischen Auffassungen bereits fertige Thatsachen wiedergeben, mag zlvcifelhaft sein. Jedenfalls geben sie die russische Tendenz der deutschen Politik richtig wieder. Die weise Weltpolitik des Bülolv-Kurses hat dahin geführt, daß Deutsch- land nur noch einen Freund zu besitzen strebt,— das bankrotte und in seiner Großmachtstellung zusammenbrechende Reich des Zarismus.—_ Herr Dr. Mugdan antwortet bisher auf unfre präcis gestellten Fragen nicht. Statt dessen wiederholt die„Freie Deutsche Presse" — die natürlich unsre präcis gestellten Fragen unterschlägt— die gar nicht zur Sache gehörige, gänzlich gleichgültige Erzählung, daß der Oberarzt Dr. Baer, der früher wiederholt auf die Geistes- krankheit Grosses hingewiesen hat, sich neuerdings zu einer andren Ansicht bekehrt hat. Wenn mit diesem Ablenkungsversuch Herrn Dr. Mugdans Material gegen den„Vorwärts" erschöpft sein sollte, so müssen wir also unser gestern bedingt in Aussicht gestelltes Urteil nunmehr ab- geben, daß dieser freisinnige Arzt die Tribüne des Reichstages miß- braucht hat, um— ohne den Schatten eineSBeweises— „Ehrabschneidereien gemeinster Art" gegen den„Vorwärts" und die Socialdemokratie zu richten. Als öffentliche Persönlichkeit ist der Mann damit gerichtet. Beiläufig sei erwähnt, daß die„Freie deutsche Presse" natürlich die günstige Gelegenheit nicht vorübergehen läßt, um einen neuen Schwindel für den zukünftigen„Socialistcnspiegel" zu erfinden. Sie schreibt nämlich: „Schon im April 1903 ist im„Archiv für Kriminal- anthropologie" eine Studie über„jugendliche Mörder und Tot- schläger" erschienen, deren Verfasser der von den Socialdemo- kraten so schwer beschuldigte Oberarzt des Gefängnisses in Plötzensee Geheimrat Baer ist. In dieser Studie wird der Fall Grosse ausführlichst behandelt. Abg. Dr. Mugdan hat aus dieser Arbeit diejenigen Stellen verlesen, ans denen klipp und klar hervorgeht, daß Grosse nicht geisteskrank ist und daß er versucht hat, Geisteskrankheit zu simulieren, um eventuell aus dem Gefängnis herauszukommen. Diese Stelle der Mugdanschen Rede, welche das Kartenhaus des Gradnauerschen Materials sofort zu Falle brachte, wird natürlich im„Vorwärts" ver- schwiegen." Wir stellen einfach fest, daß unser Bericht diese erschütternde Entdeckung des Dr. Mugdan nicht verschwiegen, sondern mitgeteilt hat, einfach der Wahrheit gemäß, und nicht etwa deshalb, weil durch diese Enthüllung der offenbar nicht sehr helle Doktor Mugdan seinem Plötzenseer Kollegen, der von uns in keiner Weise. weder direkt noch indirekt, angegriffen war, den üblen Dienst erwiesen hat, daß er in der Oeffentlichkeit als ein Gelehrter erscheint, der in seinen Urteilen schwankt. Wir empfehlen der„Freien deutschen Presse", daß sie sich schleunigst bei ihrem Partei-Arzt in Behandlung oiebt, der ja dann wohl feststellen wird, ob Geistesschwäche oder Simulation diese hart- nackige Obstruktion gegen die Wahrheit verschuldet.— Normann-Schumann! Die neulich von uns gebrachte Mitteilung, daß das Anklageverfahren gegen den Polizei-Aaenten Normann- Schumann wegen Majestätsbeleidigung eingestellt sei, stellt sich als irrig heraus. Wenigstens erhielt diese Nachricht Genosse Bebel vor einigen Tagen von der Oberstaatsanwaltschast, als er diese auf Grund jener Notiz im„Vorwärts" ersuchte, ihm das seiner Zeit gelieferte Beweismaterial in dem Anklage- verfahren gegen Normann-Schumann wieder zuzustellen. Bebel hatte seiner Zeit das Beweismaterial für die von Normann-Schumann im „Memorial Diplomatique" begangenen Majestätsbeleidigungen der Staatsanwaltschaft überliefert. Welche Schritte aber thut die Staatsanwaltschaft, um dieses Rätselmannes, der ja für den General- feldmarschall Waldersee nach seiner Behauptung unschuldig leiden soll, habhast zu werden?— Die„Germania", die noch immer nicht ihren Lesern reinen Wein über den Leo-Hospiz-Skandal eingeschenkt hat und die ftir die Schäden des Strasvollzngs nur sechs Lügen in drei Zeilen übrig hat, widmet den Urteilen unsrer Parteischiedsgerichte fast eine ganze Seite konfusen Gestammels, aus dem niemand klug werden kann. Zum Schluß spricht sie folgende Hoffnungen aus: „Als unparteiische Beobachter find wir jedoch, besonders nach dem Kompromisscln. das die socialdemokrattsche Parteileitung in der letzten Zeit wohl unter stillschweigender Verständigung über den Schiedsgerichtsspruch— betrieben hat, der Ansicht, daß die Revisionisten doch nicht so ganz„unten durch" sind, wie Bebel dies in Dresden in seiner„toleranten" und„vorurteilslosen" Weise sich gedacht haben mag. Andrerseits werden aber auch die„ziel- bewußten" Genossen und Partcihäuptlinge im Gefolge Bebels sich nicht„unterkriegen" lassen wollen. So kann denn der innere Parteikrieg im Lager der Socialdemokratie die un- unterbrochene Fortsetzung bis zum— nächsten Parteitage erfahren, so daß die Rubrik„Vom s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n Kriegs- schauplatze" eigentlich gar nicht aus der Tagespresse verschwinden kann. Und diese Rubrik ist für die Aufklärung über die Socialdemokratie und damit zu deren Bekämpfung sehr viel wichttger und namentlich erfolgreicher als ge- wisse— Herrenhausreden. In dieser Beziehung ist doch Beweis genug, daß die Socialdemokratie diese Herrenhausreden als ein socialdemokratisches Agitationsmaterial benutzt. Die vorstehenden Ausführungen in der„Germania" wird der„Vorwärts" aber sicher nicht seinen Lesern voll- inhaltlich wiedergeben, sondern— wie andre unwiderlegte Thatsachen, z.B. bezüglich der Charlottenburger Socialdemokratie— totzuschweigen suchen. Wenn einst die Socialdemokraten die Wahrheit erfahren würden, die Wahrheit über die Principienlosigkeit und widerwärttge Heuchelei der Socialdemokratie, dann— brauchen im Herrenhmüe keine Reden gegen die Socialdemokratie, die im Erfolge Agitations- reden für dieselbe sind, mehr gehalten zu werden." Mau weiß nun wenigstens, warum die„Germania" ihren Ouark mit solcher Mühe breit tritt. Sie vermutet mit Recht, daß wir keinen Raum für so unersprießliches und leeres Gewäsch haben. Darum lädt sie gleich fuhrenweise den Blödsinn ab, um dann sagen zu können, daß wir furchtsam ihre erschrecklichen Angriffe tot- geschwiegen haben. Wenn die„Gerinania" ihre auseinanderfließenden Gedanken einmal sammeln sollte und uns klar mitteilt, was sie eigentlich will und welche Anklagen sie erhebt, dann können wir ihr auch anttvorten. Bis dahin mag sie den Vorteil davon haben, daß sich Gefasel nicht widerlegen läßt. Was sie vorbringt, hat in der That den Wert der —„Charlottenburger Korruption".— Berufs- und Gcwerbezählung. Amtlich wird mitgeteilt, daß die nächste Berufs- und Gewerbezählung nicht schon, wie beabsichtigt war, im nächsten Jahre, sondern erst 1907 stattfinden soll.— Bismarck und der Staatsstreich. Bei den jüngsten„Socialisten- Debatten" im Herrenhause hat Professor Gustav Schmoller sich ver- anlaßt gesehen, seinen Abgott Bismarck gegen den Verdacht zu ver- teidigen, als habe er nach dem 66er Kriege an einen gewaltsamen Umsturz der Verfassung gedacht. Voller Emphase erklärte der Manteuffel-begeisterte„Verteidiger der bürgerlichen Freiheit": „Auch Fürst Bismarck war Gegner des Staats- st r e i ch s. Niemand hätte in Preußen leichter einen Staatsstreich machen können als Bismarck im Jahre 1867. Viele Menschen haben das erwartet, aber er hat nicht nur den Staatsstreich nicht gemacht, sondern er hat auch Achtung vor der Verfassung bewiesen und Indemnität nachgesucht". Wir wollen den historischen Kenntnissen des Herrn Professors etwas zu Hilfe kommen, indem wir ihn auf eine Aeußerung Bis- marcks hinweisen, die recht deutlich erkennen läßt, was es in Wahrheit mit jener„Achtung vor der Verfassung" auf sich ge- habt hat. In seinen„Denkwürdigkeiten aus meinem Leben"(Nörd- lingen 1834) berichtet der bekannte Staatsrechtslehrer I. C. Bluntschli über ein Gespräch, das er Ende der 60er Jahre mit Bismarck ge- habt. Bei dieser Gelegenheit äußerte Bismarck wörtlich(Band III. Seite 203): „Als es sich nach dem Kriege um die Indemnität handelte, war auch die Frage nach Erneuerung des Absoluttsmus wieder hervor- getteten. Ich(Bismarck) erklärte damals den Herren: „Man kann Preußen auch absolut regieren, und eS ist unter dem absoluten Regiment groß geworden. Aber eS geht nicht, daß man bald so, bald so regiere... Habt Ihr die Einwilligung des Kronprinzen zur Wiedereinführung des absoluten Regiments? Wenn nicht, so dürfen wir die Wege der Verfassung nicht ver- lassen und nicht zum Absolutismus zurückkehren: denn dieser würde doch nicht länger halten, als bis zur Thronbesteigung des Kronprinzen." Diese Erwägung hat durchgeschlagen, da man wußte, daß der Kronprinz nicht zustimmen würde." Ob nunmehr Herr Schmoller noch weiterhin Bismarck als Hort der konstitutionellen Freiheit preisen wird?— Der Tadel gegen den Magisttat. Ans Halle wird uns be- richtet: Dem Magistrat ist Ende März von den Stadtverordneten wegen Nichtachtung eines Gemeindebeschlusses ein T a d e l s v o t u m ausgesprochen worden. Der jetzige Geheimrat Pütter, Leiter einer Krankenanstalt in Berlin, hatte hier als früheres Stadtratsmitglied eigenniächtig gehandelt. Die juristischen Mitglieder des Sladt- Verordneten-Kollegiums waren mit der Prüfung der Frage bcauf- tragt: Sind Stadtverordnete berechtigt, den Magistrat zu tadeln? Die Herren, die in der heuttgen Stadtverordneten-Sitzung Bericht erstatteten, sagten: Es ist richttg, daß nur der Regierung das Aufsichtsrecht über den Magistrat zusteht. Stadt- verordnete und Magisttatsmitglieder sind gleiche Faktoren und die Stadtverordneten können allerdings nicht schlechthin dem Magistrat, wie ein Lehrer einem Schulknaben, eine Censur erteilen. Den Stadtverordneten stehe aber doch das Kontrollrecht und das Rügenrecht zu? die Stadtverordneten müssen doch wenigstens sagen können, wir sind mit dieser oder jener Maßnahme des Magisttats nicht einverstanden, also steht ihnen auch das Recht zu, einzelne Hand- lungen des Magistrats zu tadeln. Uebrigens wurde dem Magistrat heute ausnahmsweise einmal von den bürgerlichen Mitgliedern des Kollegiums wegen feines Vorgehens gegen den Genossen Stadtv. Thiele recht derb der Text gelesen. Der Magistrat ist nämlich. um, wie sich heute Bürgermeister v. Holly ausdrückte,„seine Würde" zu wahren, wegen einer in der vorliegenden Sache gcthanen Rede- Wendung des Genossen Thiele zum Kadi gelaufen und klagt. Der Stadtverordnete Rechtsanwalt Herzfeld erklärte, er mißbillige das Vorgehen des Magistrats gegen den Kollegen Thiele, und die Stadt- verordneten Baumeister Giese, Maurermeister Grote, sowie Landtags- tagsabgeordneter Schmidt erklärten, der Magisttat dürfe nicht etwa glauben, daß er durch Beschreitung des Klagewegs die Stadt- verordneten einschüchtern könne. Nach dem Vorgehen des Magistrats möchte man schönstens danken, Stadtverordneter zu sein. Die ganz trefflich heimgelenchteten Magistratsmitglieder erklärten sehr geknickt, daß sie von der Stellungnahme der juristischen Mitglieder der Ver- chmnrlung„nicht befriedigt" wären.— Sieben Jahre Zuchthaus wegen MajestätSbeleidignng, diese un- mögliche Strafe soll nach der„Freis. Ztg." ein Soldat des Infanterie- Regiments 112 erhalten haben. Nach der„N. Mülhauser Ztg." ist diese Nachricht falsch. Der angeschuldigte Soldat ist noch gar nicht abgeurteilt.— 500 S-ldatcnmißhaudlnngc». In T r i e r wurde wegen Soldaten- chinderei in fünfhundert Fällen der Unteroffizier Eckert vom 29. Jnfanterie-Regimeut zu l3/4 Jahren Gefängnis und Degradatton verurteilt. Ein schlimmer Fall von Soldatenmißhandlung wurde auch vor dem Kriegsgericht der 17. Division in Altona verhandelt. Dem auf der Unteroffizierschule ausgebildeten, kaum 20jährigen Unteroffizier Ruß vom 76. Infanterieregiments in Hamburg wurden 23 Fälle von Mißhandlung, 11 Fälle von vorschriftswidriger Behandlung und 4 Fälle von Beleidigung zur Last gelegt. Der Unteroffizier hatte ein sehr loses Handgelenk und war zu Ohrfeigen schnell bereit. Außerdem leistete er sich noch andre sogenannte„Scherze." Bei der Ausgabe deS Brotes jonglierte er mit den Broten und warf sie denLeuten durch die Luft zu, wobei ein Brot einmal in den Spucknapf, ein andres Mal in einen Eimer mit Seifenwasser fiel. Die Musketiere erhielten diese Brote ttotzdem zum Essen. Dem Musketier S., dessen Schnurrbart ihm nicht gefiel, bepinselte er den Bart mit Gummiarabikum, später bearbeitete er den Schnurrbart mit Gewehröl, während der Musketier stramm stehen mußte. Andren Musketieren versetzte er Tritte ins Gesäß und Schläge ins Genick. Wörtliche Beleidigungen der gemeinsten Art. die nicht wiederzugeben sind, gebrauchte er häufig und zwang seine Untergebenen, diese Schimpfworte mit Bezug auf ihre eigne Person zu wiederholen. Einen Musketier ließ er zur Strafe zwanzigmal die ganze Treppe der Kaserne hinauf- und hinablaufen, und ähnliche „Scherze", wie er dies bezeichnete, mehr. Der Unteroffizier wurde zu vier Monate« Gefängnis und Degradation verurteilt.— Staatsgefährliche Straßennamen. Die Volksbank in Kattowitz mit dem polnischen Namen Banle ludowy hat ihre Geschäftsräume in einem Eckhause. Der Eingang ist Andreasstt. 2. An der Seite, die nach der Beatenstraße liegt, befindet sich am Hause ein Ge- schäftsschild mit der Aufschrift„Bank" und darunter in etwas kleinerer Schrift:„ulica Anderceja Nummer 2", zu deutsch: Andreasstraße Nr. 2. Der Polizei behagte nicht die polnische Schreibart. Sie fuhr das Geschütz des Z 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts auf und bedachte die Bank, eine Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung, mit einer Verfügung, jene polnische Aufschrist zu beseitigen oder durch das deutsche Wort Andreasstraße zu ersetzen. Die polnische Schreib- weise gefährde die öffentliche Ordnung. Die Bank klagte im Lerwaltungsstreitverfahren auf Aufhebung der Verfügung. Der Bezirksausschuß wies indessen die Klage ab. Ohne einen Nachweis zu führen, erklärte der Bezirksausschuß die polnische Volksbank für ein Institut, das sich angelegen sein lasse, die großpolnischen Ideen in Oberschlesien zu fördern. Durch die großpolnischc Bewegung werde auch in Oberschlesien versucht, die polnisch sprechenden Preußen dem Vaterlande abtrünnig zu machen. Man brauche nur auf die Krawallprozesse in Laurahütte und Zabrze hinzuweisen. Die Bank habe dann mit der polnischen Schreibweise der„Andreasstraße" nur im großpolnischen Sinne demonstrieren wollen, denn selbst ihre polnisch sprechenden Kunden verständen beim Stande der heutigen Schulbildung die deutsche Schreibweise dieses Straßennamens. Die Bezeichnung„ulica Anderceja" sei geeignet, den Klassenhaß zu fördern, wodurch die öffentliche Sicherheit gefährdet werde. Sache der Polizei sei es, dem entgegen zu wirken. Die Verfügung sei gerechtfertigt. Die Bank legte Berufung ein und ihr Vertreter betonte mit Energie, daß sich die Bank wohl hüte, ins politische Leben ein- zugreifen. Sie kenne sehr tvohl die Bestimmungen des Genossen- schaftsgesetzes. Das fragliche Schild sei lediglich ein Wegweiser für diejenigen Kunden, die des Deutschen nicht gut mächtig seien. Das Ober-VerwaltungSgericht verivarf jedoch am 13. Mai die Berufung und billigte ebenfalls die polizeiliche Verfügung. Be- gründend wurde ausgeführt: Die Bezeichnung der Straße eines Ortes und die Bezeichnung eines Wohngebäudes mit einer Nummer erfolge im öffentlichen Interesse durch die örttiche Polizei und bilde einen Teil der von der Polizei aufrecht zu erhaltenden öffentlichen Ordnnng. Der öffentlichen Ordnung w i d e r st r e i t e es, wenn eine andre Bezeichnung einer Straße an einem Hanse angebracht werde, als wie ibr von zuständiger Stelle beigelegt sei. Deshalb sei hier die Polizei in ihrem Recht. Entscheidend sei nicht die Sprachenftage, sondern daß der Name ulica Anderceja ein andrer sei, als ihn die Straße führe. Der„Ordnung" würde es entsprechen, in polnisch sprechenden LandeSteilcn neben den deutschen auch die polnischen Bezeichnungen zuzulassen. Welchen Spektakel pflegen unsre Nationalen darüber zu erbeben, daß in Prag nur c z e ch i s ch e Straßennamen au« geschlagen sind. Bei uns aber?— Auch Württemberg will in der socialpolitischen Rück- st ä n d i g k e i t hervorragen. Die zuständige Kommission der dortigen Abgeordncten-Kammer hat am Mittwoch den Antrag ans Ein- fnhrnng des neunstündigen Arbeitstages in den Staatswerkstättc» mit allen Stimmen gegen die der Socialdcmokratc» ab- gelehnt.— HueUiid. Das internationale Wettrüsten. Am Dienstag hat im englischen Unterhause die Opposition unter Führung von Sir William Harcourt einen lebhaften Angriff gegen die imperialistische Politik der Regierung ge- richtet. Es war die letzte Rede, die der greise Harcourt hielt, und er wendet sich eindringlich gegen die Aufwendung iinmer ge- waltigerer Geldmittel für Heer und Flotte. Wir brachten diese Rede schon kurz iin gestrigen Depeschenteil. Die Regierungsverttcter ver- suchten ivre Politik zu rechtfertigen, es geschah mit den- selben Schcin-Gründen, die in allen kapitalistischen Staaten heut üblich sind. Premierminister B a l f o n r sagte u. a.: Was die im Vergleich zu ausländischen Flotten verbältnismäßig größeren Kosten für die englische Flotte angehe, so befinde sich die englische Flotte in einer andren Lage als die Flotten andrer Mächte. Deutschland z. B. halte seine Flotte in zwei Häfen: seine Schiffe seien für Kämpfe in der Nähe der heimatlichen Geloäss'er ge- baut, und es habe keinerlei Verantwortlichkeiten zur See von irgend größerer oder wichtigerer Art im Auge. Der Finanz- minister Austen Chamberlain verteidigt die Finanz» Politik der Regierung und stellt die Frage, ob' die Führer der Oppositton erklären wollen, daß der Gang der Ereignisse keinen Anlaß für eine Aenderung der Grundlagen der Militärpolitik gegeben habe und daß die Bedürfnisse der militärischen Verteidigung Indiens nicht verändert seien. Bezüglich der Ausgaben für die Marine fragt der Minister, ob das Hans wünsche, von der Norm der zwei Mächte abzuweichen, und fährt fort: Ich bin sicher, daß die große Mehrheit des Hauses entschlossen ist, diese Norm aufrecht zu erhalten. Wir haben die Norm nicht über- schritten: England hat 63 Panzerschiffe, Frankreich 35, Rußland. ebenso Deutschland je 28. Wenn der gegenwärtige Krieg beendet ist, muß England natürlich die neue Sachlage in Bettacht ziehen. Die Regierung schlägt vor, in diesem Jahre den Bau von zwei neuen Panzerschiffen zu beginnen, so daß wir einen Ucberschuß von zwei Panzerschiffen über die Flotten von zwei andren Mächten haben werden. Die Regierung ist völlig von dem Wunsche durchdrungen. Ersparnisse zu machen, sie darf aber nicht eine augenblickliche Popularität durch Vernachlässigung der Landes- Verteidigung erkaufen. Mehrere Mitglieder haben im Laufe der Debatte die Ansicht ausgesprochen, als ob eine der großen Flotten vernichtet sei. Da? ist nicht richtig. Mit Ausnahme der Petropaw- lowsk ist kein Panzerschiff der russischen Flotte so beschädigt, daß es nicht mit gehörigen Dockvorbereitungen repariert werden konnte. Das Amendement Campbell Bannennan, daß die Vermehrung der Staatsausgaben tadelt, wurde darauf mit 297 gegen 213 Stimmen abgelehnt.— Frankreich. Ende des nnternehmcrlichcn Streiks.— Oberst MarchandS Demission. PariS, 16. Mai.(Eig. Ber.) Der Stteik der Schiffskapitäne von Marseille hat mit einem Ausgleich geendet, der in der Sache den Werkzeugen der Schiffsreeder, in der Form der Matrosen-Ge- werkschaft Genugthuuna verschafft. Die drei Offiziere, die auf Ver- langen der Gewerkschaft entlassen worden waren, werden wieder angestellt. Aber in dem amtlich aufgenommenen Protokoll haben sie erklärt, die ihnen vorgeworfenen groben Aeutzerungen nicht gethan zu haben. Damit endet auch der Streik der Schiffskapitäne von Bordeaux. Havre und Dünkirchen, die sich mit den Marseiller Kollegen solidarisch erklärt haben. Man erfährt jetzt bestimmt, daß die„Streikenden" von den Schiffsreedern während der Dauer des Streiks nach wie vor bezahlt wurden! Das haben die Schiffsmechaniker von Dünkirchen bekannt gemacht, die sich aus diescm Grunde geweigert haben, den„Solidaritäts"-Streir der Schiffsleitung mitzumachen. Sonst klappte die arbeiterfeindliche Solidarität der Herren ganz vorzüglich. Unter den Nichtorganisierten Matrosen ist dagegen zuletzt die„Gelbsucht" aufgetreten, wie das Stteikbrechertum von den französischen Gewerkschaften genannt wird: eine angebliche Organisatton der„Gelben" protestierte gegen die Gewerkschaft und ihre Forderungen. Die organisierten Mattofeu kehren zur Arbeit zurück in ge- hobener Stimmung. In ihrer Generalversammlung, die von 4000 Mann besucht war, votierten sie einstimmig eine Resolutton, die von Kraftbewußtsein und Kampfbereitschaft beseelt ist. Es heißt darin unter anderm: Der gegenwärtige Streik, der die Matrosen?ur ge- zwungenen Arbeitslosigkeit verdammt habe, sei das Werk der Schiffs- reeder, die die Organisationen der Matrosen und Hafenarbeiter zu zerstören versuchten: die Bedingungen der Schiffskapitäne würden angenommen mit Rücksicht auf die allgemeinen Interessen der Stadt Marseille und ihrer Bevölkerung; die Versammelten erklären jedoch, nichts von ihren berechtigten Forderungen aufzugeben und energischer denn je in ihrem Vormarsch zur Verbesserung ihrer Lage und zu ihrer Befreiung zu verharren.— Gewisse Ausdrücke dieser Resolution haben das Feingefühl der im Solde der Unternehmer streikenden Offiziere verletzt. Sie haben sich hierüber beschwert. Der Sekretär der Matrosen-Gewerkschast hat daraufhin versprochen, die betreffenden Ausdrücke abändern zu lassen, um so die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit zu ernröglichen. Die vom Ober st Marchand wiederholt angebotene Demission ist endlich genehmigt worden. Die schreckliche, gewaltige That ist im letzten Ministerrat vollbrackit worden. Die Regierung hat's gewagtl Der angehende Held und Retter hat sie endlich zum Wagnis ge- zwungen— durch seine harwäckige Weigerung, einen fett besoldeten Kolonialposten in Tientsin anzunehmen. Der Möchtegern-Eroberer Aegyptens wollte nämlich, wie bereits gemeldet, um jeden Preis nach dem ostasiatischcn Kriegsschauplatz ziehen, sei es als Mitglied der französischen Militärinission beim russischen Heer, sei es gar im Gefolge Kuropatkins. Zu diesem Zwecke hatte er sich von dem ihm.befreundeten" Kuropatkin einladen lassen, über den Kopf des französischen Kriegsnünisters hinweg. Der Zar und die russische Diplomatie nebst den heiligen Banden der Allianz sollten in den Dienst seiner Großmannssucht gestellt werden. Das alles geht klar hervor aus den im„Figaro" veröffentlichten„Enthüllungen", die Uuii Marchand ausgehen, und den Gegen-Enthüllungen offiziösen Ursprungs. Der Lärm um Marchand dürfte übrigens dieser Tage weiter um sich greifen. Der beleidigte Held wird nämlich erst morgen. i7. Mai, die 30 Tage strengen Arrest vollenden, die er sich noch als aktiver Offizier durch seine disciplinwidrigen Zuschriften an die nationalistische Presse zugezogen hat. Dann wird seine Reklamesucht keine Rücksichten mehr zu nehmen brauchen. Und für den nötigen Resonnanzbodcn wird die nationalistische Presse sorgen, die den arg verwöhnten Offizier bereits für ein Opfer der verräterischen, der armeefeindlichen, der verjndeten usw. Regierung erklärt. Italien. Das Blutbad von Cerignola. Rom, 16. Mai., C. O. Langen jr.- M.- Gladbach, stellverttetender Vorsitzender BerbanbeS hielt am 5. Mai eine außerordentliche Generalversammlung ab. Kollege Kirchner gab den Kassenbericht vom ersten Quartal. Derselbe gestaltete sich folgendermaßen: Die Einnahme der Verbandskasse war nrkl. Bestand vom vorigen Quartal 2782,19 M., die Ausgabe 1550,60 M.; bleibt ein Bestand von 1231,59 M. Die Gesamt« Einnahme der Lokalkasse war 6865,52 M. Ihr stand eine Ausgabe von 1287,44 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 5578,03 M. verbleibt. Die Mitgliederzahl ist von 397 vom 4. Quartal 1903 auf 430 am Erde des ersten Quartals 1904 gestiegen. Die Zahl wäre um 62 höher, wenn soviel nicht wegen Beitragsrestterung gestrichen werden mußten. Krittsiert wurden in der Diskussion die Bergüti- gungen an den Kollegen Schröder. Beschlossen wurde, das Darlehn an Görlitz von 5 M. zu streichen. Desgleichen wurde auf den Kollegen Paul Colditz aufmerksam gemacht, der, als er auch ein Darlehen enttrommen hatte, der Zahlstelle den Rücken kehrte, jetzt aber in Berlin sich hat ausirehmen lassen. Unter Verschiedenem gab Kollege Schröder bekannt, daß er ge- zwungen sei. am 1. Juli 1904 seinen Posten als erster Bevoll- mächttgter niederzulegen. Die näheren Gründe hierzu werde er in der Versammlung, in welcher die Wahl auf der Tagesordnung steht, bekanntgeben. Ein Anttag, den Kollegen Schlemminger als zweiten Bevollmächtigten seines Postens zu entheben, wurde abgelehnt. Grund zu diesem Anttag waren persönliche Zwistigkeiten. Der Berein der Zimmerer Berlins und Umgegend hielt am 15. Mai eine außerordentliche Generalversammkmg ab. Nach ein- gehender Beratung des dem Vorstande zur nochmaligen Be- arbeitung überwiesenen K 16 des revidierten Statuts wurde dieser angenommen. Nach einem Vorttage Bäges über die Entstehung des alten Testaments wurde ein Vergnügungs- komitee zum 11. Stiftungsfest gewählt. Darauf bestätigte die Ver- samnilung die Auszahlung von 2829,80 M. an die Geschäftsleitung. Die Summe entfiel im Umlageverfahren für die Unterstützung andrer Gewerkschaften auf den Verein. Der Freien Vereinigung der Tischler Deutschlands wurden 200 M. Streikunterstützung und dem ge- iverkschaftlichen Frauenverein 50 M. überwiesen. Zum Schluß ersuchte ein Vertreter der Bodenleger, sie in ihrem Kampfe zu unter- stützen. Der socialdemokratische Agitattonsvereinj für den ReichstagS- wnhlkrciS Züllichau-Schwieluis-Krossen-Soulmcrfcld hielt seine Mit- gliederversammlung bei Grosser. Dirckseustr. 39 ab, in welcher Genosse Fieh von der Abstinentenbewegung einen Vorttag über die moderne Alkoholfrage hielt. Hieran schloß sich eine lebhafte DisKtssion. Alle Redner wünschten, die Abstinentenvereine möchten mehr in die Arbeiterbewegung eindringet:. Unter anderm gaben die Genossen bekannt, auch Pfingsten wieder im Kreise für reichliche Agitatton zu sorgen, damit in den schwärzesten Orten Licht wird. Unter Vereins- angelegenheiten teilte der Vorsitzende noch mit, daß in der letzten Zeit eine große Anzahl Bauhandwerker dein Verein beigetreten find und so die Agitatton im Kreise vorwärts geht. Achtung! Parteigenossen! Stichwahl in Frankfurt a. O.-Lebus. Für diejenigen Parteigenossen, welche sich am Stichwahltage im obengenannten Wahlkreise zur Verfügung stellen, sind folgende Treff- punkte und Abfahrtzeiten festgesetzt: Die Abfahrt: 1. Für die nach Zechin, Groß-Neuendorf, Leffchin und Marschnow bestimmten Genossen ist Donnerstag, den 19. Mai, abends 7 Uhr 45 Minuten(mit der Ostbahn). Treffpunkt bei Goltz, Madaistt. 9, spätestens abends 7 Uhr. Die Abfahrt: 2. Für die nach Frankfurt a. O. bestimmten Genossen ist Donnerstagabend 8 Uhr 14 Minutenvie sie neuerdings in Charlottenburg und Berlin offenbar systemattsch erfolgten, in der Lehrerschaft viel böses Blut gemacht hätten. Es wurde dann von dem„merkwürdigen Austreten" des neuen Pro- Vinzial-Schulrats Ullmann in Berlin gesprochen. Dieser habe ein peinliches Auffichtssystem eingeführt, das den Lehrern die Arbeits- freudigkeit vergälle, die Rektoren müßten stundenlang den Lehrern auf den Hacken sitzen und das schwarze Buch führen. Man spreche schon von einer neuen Krankheit, der„Ullmannie". Der Schulrat stelle die Lehrer vor ihren Schülern bloß und demüttge sie. Er der- lange von den Lehrern, daß sie alles, was sie zum Lernen aufgeben, selbst auswendig können, und wenn dann ein armer Lehrer stecken bleibe, bann gebe der Schulrat der Klasse das Signal zum Auslachen. Manchmal komme er aber an den lln- rechten. In einem Falle habe er einein Lehrer vor der Klaffe bemerkt: „Ihnen fehlt ja ein Knopf!" Der Lehrer sei sehr erstaunt gewesen, habe sich aber schnell gefaßt und geantwortet:„Ihnen auch, Herr Schulrat I" Letzterer habe dem Lehrer darauf eine Disciplinarstrafe von 30 M. wegen un- gebührlichen Benehmens zudiktiert, der Lehrer habe aber Widerspruch bei der höheren Instanz erhoben und aus der Strafe sei nichts geworden.— Der Angeklagte besttitt die Absicht der Beleidigung und erklärte, datz der Artikel nur das wiedergegeben habe, was in der Berliner Lehrerschaft allgemein bekannt gewesen und ihm von verttauenZwürdiger Seite mitgeteilt worden sei. Bis dahin seien noch über keinen Berliner Schulrat derartige Klagen in der Oeffentlichkeit laut geworden, wie über den Provinzial-Schulrat Ullmann.— Als Zeugen waren mehrere Schulräte, Rektoren und Lehrer geladen, von denen jedoch nur wenige vernommen lourden.— Zeuge Provinzial-Schulrat Ullmann bestritt in jeder Beziehung die Wahrheit deS Artikels.— Verteidiger Rechtsanwalt Dr. R 0 je n st 0 ck: Der Artikel behaupte doch im Gnmde nichts weiter, als daß das persönliche Auftreten des Zeugen in der Lehrerschaft böses Blut gemacht habe. ES werde behauptet, daß dieses Austreten bei Prüfungen junger Lehrerinnen derartig gewesen sei, daß■ diese mitunter zu weinen angefangen haben. Der Zeuge soll seine Verwunderung darüber auö- gedrückt haben, daß hier so wenig Disciplinarstrafen ver- hängt würden und soll sich seines scharfen Auftretens gegen einen Lehrer während seiner Wirksamkeit in Schleswig gerühmt haben.— J Zeuge Ullmann bestritt dem gegenüber nochmals auf das ent- chicdenste, bei seinen Revisionen rrgendwie schroff vorzugehen. In einem Fall habe er allerdings dem Lehrer Biertümpfcl aus be- sonderer Veranlassung deutlich seine Meinung sagen müssen.— Rechtsanwalt Dr. R o s e n st o ck stellte nunmehr die Frage, ob der Zeuge bereit sei, den Strafantrag bei Abgabe einer genügenden Er- klärung des Angeklagten zurückzunehmen. Der Zeuge verneint dies mit dem Hinweis, daß der Strafanttag vom Provinzial-Schul- kollegium gestellt sei. Bei der Frage deS Verteidigers hatte der Beisitzer Landgerichtsrat Busch eine schüttelnde Bewegung deS Kopfes zum Zeugen hin gemacht.— Rechtsanlvalt Dr. R o s e n st o ck erklärte infolgedessen, daß er den Richter wegen Befangenheit ab- lehnen müsse. Durch dieses Kopfschütteln habe der Richter, der doch aus Beilegung solcher Sachen hinwirken sollte, dem Zeugen deir Rat gegeben, sich nicht auf eine Zurücknahme des Strafantrages einzulassen und er habe sich dadurch als nicht unbefangen gezeigt.— Nach kurzer Beratung mit drei Beisitzern erklärte der Vorsitzende, LandgerichtSdirektor Leuschner, daß der Gerichtshof den Antrag materiell nicht weiter geprüft habe, da ein zulässiger Ablehnungs- antrag nicht vorliege. Ein solcher sei nur bis zur Verlesung deS Eröffnungsbeschlusses zulässig.— Der als- dann als Zeuge vernommene Provinzial- Schulrat M o l d e h n bestätigte, daß Herr Ullmann in der Presse mehrfach an- gegriffen worden sei. die Anariffe seien aber unzutteffend.— Zeuge Lehrer P ä ß l e r, Redakteur der„Pädagogischen Zeitung", bekundete, daß auch an ihn vieles aus der aufgeregten Lehrerschaft herangetreten sei, er habe aber als Grundbedingung stlr die Ausnahme solcher Dinge den authentischen Nachweis der Richtigkeit der Erzählungen hingestellt. Dieser sei ausgeblieben. Auch über den Fall Biertümpscl sei ihm allerlei berichtet worden.— Zeuge Lehrer B i e r t ü m p f e l wußte nur noch, daß der Schulrat von ihm eines Tages den Vortrag eine» Gedichts verlangt habe, daß er dabei aus irgend einem Grunde stecken geblieben sei und die Kinder gelacht hätten. Näheres wisse er nicht mehr, da die Sache zu lange her sei und„er sich Mühe gegeben habe, das ganze Ereignis so rasch wie möglich zu vergessen". Der Veröffentlichung in der„Welt am Montag" stehe er völlig fern.— Auf weitere Zeugen wurde allseitig verzichtet. Der Staatsanwalt vertrat die Meinung, daß der Artikel mit der Tendenz geschrieben worden sei, die Berliner Lehrerschaft gegen den Provinzial-Schulrat Ullmann aufzureizen. Trotz der bisherigen Unbescholtenheit de« Angeklagten erscheine eine Geldsttafe nicht am Platze. Der Staatsanwalt beantragte vier Monate Gefängnis.— Rechtsanwalt Dr. R o s e n st o ck nannte diesen Sttafantrag gegen einen völlig unbescholtenen Mann ungeheuerlich und meinte, daß man das von diesem redigierte Blatt dadurch nicht tot mache.— Der GerichtShos verurteilte den Angeklagten zu drei Monaten Gefängnis und sprach dem Beleidigten die PublikationSbestigniS in 3 Zeitungen zu. Der Gerichtshof hielt für festgestellt, daß alles, was in dem Artikel steht, unrichtig ist, sowohl die Kritik, wie die Thatsachen, daß somit Z ISS und§ 18« Str.-G.-B. anzuwenden sei und dem Angeklagten der Schutz des 8 lll3 nicht zur Seite stehe. Es handle sich um sehr schwere Ehrverletzungen eines hohen Beamten. Mit Rücksicht auf diese Thatsache, ferner daraus, bah hier wieder einer der neuerdings wiederholt beobachteten Fälle vorliegt, in welchen die Presse ohne weiteres Behauptungen aufnimmt, ohne sich um die Richtigkert zu bekümmern, endlich mit Rücksicht aus die bekannte Tendenz der„Welt am Montag" habe der Gerichts« Hof von einer Geldstrafe abgesehen und auf Gesängni» erkannt. Hm Indurtrie und Handel. Die„Kölnische Zeitung" und das Kohlensyndikat. Die„Köln. Zeitung" hat in letzter Zeit mehrfach recht komische Sprünge gemacht. Als offiziöses Organ der großen Shndikote der Kohlen- und Eisen- industrie hat sie die Verpflichtung die Preis- und Absatzpolitik dieser Verbände zu rechtfertigen. Andrerseits aber mutz sie auch auf den andern Teil ihrer kapitalistischen Leser Rücksicht nehmen, dessen Jntereffen mit der Politik der großen Syndikate nicht im Ein- klang stehen, vor allem der reicheren Handelswelt. In diesem Dilemma hilft sie sich damit, daß sie bald den Segen der Syndikatswirffchast preist, bald wieder, mit allerlei Lobsprüchen vennischt, an die Kartelle das sanfte Ermahnen richtet, Maß zu halten. So leistete sie sich z. B. gestern folgende Ausführungen gegen die GeschäftSpolitik deS vom Kohlensyndikat gegründeten Kohlencomptoirs: „Es ist selbstverständlich, daß diese, den Vorschriften des Kohlen- Syndikats nachgebildeten Bestimmungen den Handel, insoweit er bis- her an den unmittelbaren Verkehr mit einzelnen Zechen gewohnt war, in seiner Bewegungsfreiheit behindern und ihm drückend erscheinen. Sie sind aber, wenn das Kohlencomptoir wirklich die Aufgaben lösen will, die ihm gestellt sind, unvermeidlich und das Beispiel des KohlensyndikatS, das mit ähnlichen Bestimmungen arbeitet, zeigt, daß sie nach Ueberwindung der mit jeder neuen Einrichtung verbundenen Störungen auch durchführbar sind. Um so mehr darf aber erwartet werden, daß das Kohlencomptoir nach Möglichkeit dazu bei- trägt, in der Uebergangszeit Härten zu vermeiden, so weit das über« Haupt angeht. Da« gilt namentlich von der Umgrenzung des Kreises der Händler, die für den Verkehr mit dem Kohlencomptoir über- Haupt in Frage kommen. Daß das Kohlencomptoir sich bei der Auswahl derjenigen Händler, die ihm selbst beitteten konnten, von vornherein gewisse Beschränkungen auferlegen mußte, ist ohne weiteres einleuchtend. Dagegen sollte es vermieden werden, daß unter den Abnehmern des Kohlencomptoirs jetzt ohne weiteres und ohne hinlängliche Gründe Existenzen dadurch ausgeschaltet werden, daß man ihnen die Lieferung von Kohlen verweigert. DaS ist unsre« Wissens in verschiedenen Fällen auch solchen Händlern gegen- über geschehen, die in jahrzehntelanger Thntigkeit sich ein ausgedehntes Absatzgebiet erworben und eine angesehene Stellung errungen haben. Die rücksichtslose Ausschaltung solcher Elemente mutz berechttate Ber« stimmung hervorrufen, die ans wirtschaftlichen wie aus socialen Gründen besser vermieden würde und ohne Zweifel auch zu vernreiden ist. Dem Kohlensyndikat hat man mit Recht ein maßvolles Verfahren sowohl im Verkehr mit seinen Abnehniern wie in seiner Preispolitik nach« gerühmt. Wenn das Kohlenconiptoir in denselben Bahnen wandelt und nach Möglichkeit Mäßigung beobachtet, so wird das sein Schade nicht sein. Das gilt auch von seiner Preisstellung, die, wie ver- schiedene uns au« letzter Zeit vorliegende Angebote erkennen lassen, recht bettächtliche Erhöhungen gegenüber den ftühercn Preisen und mich gegenüber den Preisen des Syndikats aufweisen. Die Er« fahruug hat bisher gezeigt, daß, wie auf allen Gebieten, so auch in der Politik der Kartelle und Syndikate Matzhalten in allen Dingen gut ist." Es ist der häusliche Streit zweier kapitalistischer Gruppen, der in diesen Ausführungen zum Ausdruck kommt: ein Streit, an dem die Konsumenten und auch die kleinen Kohlenhändler nur in ge- rinaem Grade interessiert sind. Für niedrige Kohlenpreise sind die Kohlengrotzhändler ebensowenig eingenommen, wie das Syndikat, und sie haben sich ftiiher oft, z. B. als 1S00 die Kohlennot herrschte, redlich bemüht, im Wetteifer mit der Eyndikatöverwaltung die Preise höher und höher zu treiben. So lange das Syndikat ihnen denn auch für ihre geschäftlichen Maßnahmen fteie Hand ließ, ge- hörten sie, wie die Enquete über das Rheinisch-weftfälische Kohlen« syndikat beweist, zu deffen größten Fürsprechern. Erst seit ihnen das Kohlensyudikat auf ihrem eignen Gebiete Konkurrenz macht und ihnen teils lästige Lieferungsbedingungen auferlegt, teils sie vom direkten Bezug ausschließt, haben sie zu entdecken begonnen, baß die Syndikatswirtschaft große Gefahren birgt. Beschäftigung im Baugewerbe. Die Bauthätigkeit ist gegen- wärtig so rege wie vor der Krise. Iii den Großstädten entstehen Spekulationsbautcn in Menge, ganz ohne Rücksicht darauf, ob der Wohnungsbedarf der Zahl der Neubauten entspricht. Man verläßt sich eben auf die Veränderungslust de« Publikums, da« die neu errichteten Wohnungen vor den älteren bevorzugt, so daß die Neubauten meist sofort bezogen werden, während die Wohnungen in älteren Bauten leerstehen oder leerwerden. So sollen z. B. zur Zeit in Breslau nicht weniger als 8001) Wohnuugen leer stehen, darunter nur verhältnismäßig wenige in neuen, die meisten in älteren Gebäuden. Soweit diese älteren Gebäude im verkehrScenttnm der Stadt liegen, wird die Rentabilität der Gebäude dadurch gewahrt, daß die Parterreräume durchweg zu Läden, die höheren Etagen zu Gc- schastsräumen eingerichtet werden. In Berlin entvölkert sich auf diese Weise daS Ccntrum immer mehr. Die starke Bauthätigkeit in den Vororten geht Hand in Hand mit zahlreichen ErneuerungSbauten in der City, sodaß in Berlin zur Zeil nach allen Kategorien Bau- arbeiten, große Nachfrage besteht. Auch in den meisten andern Großstädten, mit AuSnahine etwa von München und Posen, ist die Bauthätigkeit augenblicklich befriedigend bis lebhaft. In den Industrie- geaenden merkt man ebenfalls die bessere Konjunktur an der Leb- haftigkeit deS Baugeschästs: die Zahl der Fabrikbauten, sowohl Reu- als Erweiterungsbauten, ist größer als 1302 und 1303. Bergbau, Eisen- und Maschinengewerbe, ganz besonders aber die Textilindustrie bringen in diesem Jahre dem Baugewerbe reichliche Arbeits- gelegenheit. Zur Entwickeluug der Eisrnindustrie in Spanien. Kaum irgend ein andres Land Europas besitzt so reichhalttge und zugleich so vor- zügliche Eisenerzlager als Spanien. Besonders die baSkischcn Provinzen liefen, ein wegen seiner Qualität hochgeschätztes Eisenerz. so daß seit langem nicht nur englische und ftanzösische, sonden, auch verschiedene große deutsche Werke, darunter vornehmlich die Finna Krupp in Essen, dazu übergegangen sind, in der Provinz Bilbao Eisengrubcn anzukaufen. Bisher ging jedoch fast die gesamte Eisenerz-AuSbeute Spaniens qnS Ausland. In Spanien selbst wurde nur ein geringer Teil zu Eise» und Stahl verarbeitet. Erst in den letzten Jahren hat die einheimische Eisen- und Stahlindustrie dort einige Bedeutung erlangt. Nach der„Revista Minerva' betrug die Ausbeute an Eisenerz im Jahre 1303 8 478 800 Tonnen gegen 7g04ööv Tonnen im Jahre 1302. Die Hauptausstihr richtete sich nach Großbritannien mit 4 347 023 Tonnen, nach Deutschland mit 1883 323 Tonnen und nach Frankreich mit 415 757 Tonnen. Die Erzeugung von Eisen und Stahl betrug in den Jahren 1902 und 1303: 1302 1903 Roheisen..... 330 747 Tonnen 880 284 Tonnen Bessemer Stahl... 103 383, 105 283 Siemens-Martinstahl, 80 175„ 34 373„ Schmiedeeisen... 53 262. 53 288„ Fertig-Eisen und Stahl 230 638. 282 723. Von dem gelvonnenen Roheisen wurden im Jahre 1303 22 000 Tonnen mit Holzkohle hergestellt, der Rest mit Koks. 18 Hochöfen waren während des Jahres in Thätigkeit. Die Ausfuhr an Roheisen betrug im Jahre 1903 50 188 Tonnen gegen 31 528 Tonnen im Jahre 1302, diejenige an Ferttg-Eisen und Stahl, vorzugsweise Barren, belief sich auf 14 258 Tonnen gegen 11323 Tonnen im Jahre 1302. Eugen Bontoux. In Cannes ist im Alter von 80 Jahren einer der verwegensten Finanziers und Großspekulanten gestorben, dessen Name eiusr einen Weltruf hatte: Eugen Bontoux. Zuerst Direktor der Oestreichisch-ungarischcn StaatSbahn und dann der Oestreichischen Südbahn, stürzte er sich ansang der siebziger Jahre de« letzten Jahrhunderts in waghalsige Spekulationen und verlor sein Ver- mögen. Dann ging er nach Paris, wo er mit dem Gelde der Klerikalen die Union Gsnorale gründete, jene Bank, die bestimmt war, die Uebermacht des Hauses Rothschild auf dem Kapital- markt zu brechen. Der Bank flössen die Kapitalien zu. eine ungeheuere Agiotage wurde in den Aktten getrieben. Von 13 Millionen Frank wurde das Kapital der Sociöta de I'Union Gönvrale, die in, Jahre 1878 gegründet war, innerhalb drei Jahren auf 150 Millionen erhöht. Unter der Patronage dieser Riesengesellschaft entstand die Oestreichische Länderbank und die Ungarische Landesbank. Auch die Fusionienmg der verschiedenen, zerstreut gelegeiien Eisenwerke in den Alpeiiläiidern und deren Umwandlung in die Oestreichische Alpine Montanaesellschaft ist das Wert von Bontoux. Die Aktien, deren Nominale 12s Fr. war, stiegen in der Siedezelt der Spekulation bis auf 3200 Fr.; eS schien, daß Bontoux über Rothschild siegen werde. Anfang des JahreS 1882 trat der Krach ein. Am 30. Januar sagte die Union den Konkurs an. Ein allgemeiner Krach folgte, der ins- besondere die Wiener Börse mit sich riß. Soziales. Vereinheitlichung der Arbeitrrverfichening. Die deutschen LandeSversicherungs-Anstalten halten am 27. Mai in Hannover eine Konferenz ab. Als Hauptthema steht die Ver- einheitlichung der Arbeiterversicherung auf der Tagesordnung unter dem Titel: Verschmelzung der Krankenversicherung mit der Invaliden- Versicherung. Referent zu diesem wichttgen Thema ist Dr. Freund, der Vorsitzende der LandeSversicherungs.Anstalt Berlin. Er hat dazu eine Reihe von Leitsätzen aufgestellt, die nach der.Franks. Zeitung" lauten: 1. Die Durchführung der Krankenversicherung wird den Landes- Versicherungsanstalten und zugelassenen Kasseneinrichtungen über- tragen. 2. Die Zwangskrankenversichemng hat ausschließlich bei den Landesversicherungsanstalten und zugelaffenen Kaffeneinrichtungen zu erfolgen. 3. DaS Vermögen der bestehenden Krankenkaffen wird nach AuSschei- düng eines den Mchrleistungen entsprechenden Teils den VersicherungS- anstalten überwiesen. Der ausgeschiedene Vermögensteil darf nur für die Zwecke einer Zuschußversicherung verwendet werden. Bei jedem Arbeiter- Versicherungsamt(Ziffer 5) wird eine Zuschußversicheruna eingerichtet. Soweit die der Jnvalidenversicherungspflicht unterliegeiiden Personen der Krankenversicherung nicht unterliegen, werden dieselben der KraiikenversicherungSpslicht unterworfen. 4. Als lokale Hilfsbehörden der LandeSversicherungs-Anstalten werden für kleinere Bezirke Stadtbezirke von mehr als 10V00 Einwohnern(Kreise) Arbeiterversicherungs-Aemter eingerichtet. Die Ab- grenzung der Bezirke erfolgt durch die Landes-Centralbehörde nach Anhörung derLanoesversicherlingS-Alistalten. DieArbeiterversicherungS- Acmter bestehen aus einem höheren Beamten als Vorsitzendem und liiindestens 10 Beisitzern, je fünf Verttetern der Arbeitgeber und der Ver- sicherten. Der Vorsitzende wird von derselben Stelle ernannt, welche die beamteten Mitglieder der Vorstände der Landesversicherunas- anstalten bestellt. Die Vertreter der Arbeitgeber und Versicherren werden in direkter Wahl durch die Interessenten gewählt. Die Mit- alieder der Ausschüsse der Versicherungsanstalten iverden durch die Gesamtheit der Beisitzer gewählt. Die Arbeiterversicherungsämter haben die Eigenschaft einer öffentlichen Behörde. Die Beamten der ArbeiterversichcrunaS- Aemter sind Beamte der LaiweSversicherungs- Anstalt; ihre Bestellung erfolgt durch den Vorstand der Ver- sicherungSanstalt nach Anhörung deS Vorsitzenden deS Arbeiter- versicherungs-AmtS. 5. Den ArbeiterversicherungS- Aemtern liegt insbesondere ob: a) die Entscheidung über die Gewährung der Krankenfürsorge, ärzt- liche Behandlung, Arznei, Krankengeld. Sterbegeld, Aufnahme in Krankenhäuser, d) Empfangnahme, Vorbereitung, Prüfung der An- träge auf Rente und Aufnahme in eine Heilstätte solvie gutachtliche Aeußerung über dieselben, o) die Kontrolle der Rentenempfänger und die Stellung von Anträgen auf Entziehung der Rente, cl) die Kontrolle über die Entrichtung der Beiträge bezw. die Einziehung der Beiträge, o) der Abschluß von Verträgen mit Aerzten und Apothekern unter Zustimmung der Landesversicherungs-Anstalten. 8. Die ArbeiterversichcrungS-Aemter unterliegen der Aufsicht und Kontrolle durch die Versicherungsanstalten. Die Geschäftsord- imng für die Arbeiterversicherungs-Aemter, welche insbesondere auch über den Mindestunifang der Zuziehung der Beisitzer zu der Geschäfts- führung Besttmniung trifft, erläßt die LandeSversicheruiigs-Anstalt mit Genehmigung der AuffichtSbehörde. 7. Für Krankenversicherung und Invalidenversicherung wird ein Beitrag nach dem Markensystem erhoben, welcher je zur Hälfte von den Arbeitgebern und den Versicherten getragen wird. Die Höhe der Beiträge wird für eine fünfjährige Periode durch die Landes- versichcrungS-Anstalt mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde fest- gesetzt. Für die Einreihung in die Lohnklassen ist ein durchschnitt- licher JahreS- Arbeitsverdienst maßgebend; als solcher gilt der 300fache Betrag des ortsüblichen Tagelohnes gewöhnlicher Tage- arbeitcr des Beschäftigungsortes, soweit nicht für einzelne Berufs- zweige von der höheren Verwaltungsbehörde ein andrer Jahres- Arbeitsverdienst festgesetzt wird. 8. Jedes Arbeiter-BersicherungSamt hat am Schluffe des JahreS für das nächste Geschäftsjahr einen Voranschlag aufzustellen und denselben der Landes- VersichernngSanstalt zur Genehmigung einzureichen. Die Verwirklichung dieses Planes bedeutete das Ende der jetzigen Selbstverwaltung der Krankenkassen und aus diesem Grunde wird der Plan Freunds Zustimmung finden aus Kreisen, denen der Ar- beiterschutz nicht Selbstzweck, sondern Mittel zu politisch-rcaktionären Zwecken sein soll. Wie man sich auch zu den Einzelheiten stellen tvird: de», Vorschlage, die bisherige Selbstverwaltung der Kranken- lassen zu beseittgen, den Ilnternehmereinfluß zu stärken und dem staatlichen Beamten die ausschlaggebende Entscheidung zu gewähren, wird die ganze Reaktion zustimmen und er wird die Richtlinie für die Verschmelzung der Versicherungen bilden. Damit haben wir zu rechnen._ Für Buchbinder. Um eine Tarifauslegung handelte es sich im Rechtsstreit eineZ Buchbiiiders B. wider die Firma Bleistein, der vor dem Berliner Gewerbegericht ausgefochten wurde. Der Kläger hatte Broschüren angefertigt, die 14 D o p p e I b o a e n(Bogen a 36 S e i t e n) diinnstcii Papiers enthielten. Der Berliner Vorrichtertaris der Buchbinder enthält eine besondere Bestimmung hierfür nicht. Der Kläger rechnete deshalb die 14 Doppelbogen in 28einfacheBogen(Bogen a 18 Seiten)»in undperlangte die Preisberechnungjnach den Bestimmungen des Tarifs in Position 71, die sich auf Broschüren beziehen und einfache Bogen voraussetzen.— Die Firma wollte aber die Doppelbogen überhaupt als einfache Bogen behandeln und erklärte sich nach Verhandlungen bereit, einen Zuschlag von 25 Proz. darauf zu zahlen. Die Sache wurde damals aber vom Kläger, der nicht mit dem Zuschlag von nur 25 Proz. zuftieden war. bor da« Berliner Tarif-SchiedSgericht der Buchbinder gebracht. Dieses billigte die obige Tarifauslcgnng des Klägers. Nach dem Entscheid hätte B. inni an Accord-Restlohn noch 10,48 M. zu verlangen gehabt. Die Firma zahlte aber nicht, sondern legte beim Tarifamt in Leipzig Berufung ein, das zu Gunsten der Firma erkannte, indem es d,e Auslegung des Klägers und deS Berliner Schiedsgerichts verwarf, und aussprach, eS genüge bei Doppelbogen ein Zuschlag von 25 Proz. zu dem ein- fachen Preise, wenn es sich um so dünnes Papier wie hier(kr ls Mösers Kursbuch und ReichS-Kursbuch) handele. Inzwischen hatte Kläger seinen Anspruch durch Klage beim Ge- Werbegericht erhoben. Bei der Schlußverhandlung vor der Kammer 8 lag schon die Entscheidung deS Tarifamtes Leipzig vor. Der Vertteter des Kläger», Buchbinder Thiedemann, machte unter anderm geltend, daS Tarifamt hätte auf das Rechtsmittel Bleisteins in dieser konkreten Streitsache überhaupt nicht entscheiden dürfen, da nach Z 8 Absatz 3 der Geschäftsordnung für das Schiedsgericht die Berufung an das Tarifamt nur zulässig sei, wenn Ivcge» Stimmen- gleichheit ein Schiedsspruch nicht zustande komme. Hier sei doch aber ein Schiedsspruch erfolgt. Nach langer Verhandlung wies die Kammer 8 unter dem Vorsitz des Gewerbenchters Dr. Meyer die Nachforderung des Klägers ab. Da« Gericht ging davon auS. daß es als ordentliches Gericht an sich selbständig zu entscheidcn habe. Skun sei ja ver- ständlich, daß Kläger und sein Vertreter z» ihrem Standpunkt ge« kommen seien. Nachdem nun aber die oberste Tarifinstanz euie materielle Entscheidung getroffen hake, so Bestehe kein HinderungZ- grund für das Gewervcgericht, dies Urteil als eine Art Obergut- achten von Sachverständigen sich zu nutze zumachen. Das Gewerbe» gericht folge den,„Obergutachten" und nehme demgemäß an, daß der Zuschlag von 25 Proz. genüge. Fürsorge für entlassene Strafgefangene. Von Einem, den die deutsche Strafrechtspflege in ihre„bessernde" Kur genommen hatte und der nun das Schicksal so vieler„Ge- besserter" teilt, nämlich vor dem blanken Nichts zu stehen, geht uns die nachstehende Zuschrift zu, die wir als eine Stimme aus der Tiefe wörtlich abdrucken. Sie sagt in ihrer unklaren Angst besser als lange kluge Abhandlungen, wie die Verbrechenbekämpfung der bürgerlichen Gesellschaft beschaffen ist: „Noch bevor man entlassen wird, kommen schon die Herren des betreffenden Vereins und erkundigen sich, ob man schon Stellung hat, oder was man nun gedenkt anzufangen. Sagt man nun, man hat noch keine Aussicht aus Stellung und auch noch kein Unterkommen, so werden einem Goldberge versprochen, o, wie schön leuchtet einem da die Zukunft, wie froh und fteudig verläßt nran da das Haus, in dem man so viele, viele Tage, Wochen. Monate, ja selbst Jahre unter Thränen und Schmerzen zugebracht hat. O, wie fteut nran sich, wenn man weiß, ja. du hast Hilfe, dir ist ja Fürsorge angeboten. Aber ach, welche Enttäuschung tritt einem da entgegen. Erstens wird einem ja wohl Stellung nachgewiesen, aber wohin? nach Mecklenburg beim Bauern, der selbst nicht weiß, wie lange er schon am Hunger leidet, viel weniger noch seine Leute, und was fiir ein Jammerlohn wird gezahlt. Alsdann weiß ein jeder, denn das sagt uns unser klarer Menschenverstand, daß nicht ein jeder dazu zu gebrauchen ist, es fällt demjenigen schwer, der solche Arbeit noch nicht getan hat; was ist der schluß, sie reißen aus, denn so können sie noch nicht gehen, weil sie der Konttakt bindet. Nun sind sie Hungrig und ohne jegliche Mittel. Betteln dürfen sie nicht gehen, denn es wird unter Umständen schwerer Be- straft als Stehlen, folglich tun sie letzteres und wohin gehen sie? ins Gefängnis oder ins Zuchthaus I Zweitens nimmt sich derjenige nicht solche Stelle an, so sieht es sehr traurig aus, denn erstens steht ihm das Bummeln bevor, Ivelches unter Umständen sehr lange dauert ehe er Arbeit bekommt, denn ihm selbst fällt es schwer, sich Stellung durch eigne Kraft zu besorgen, denn wo er hinkommt, wird ihni nach Papiere geftagt. Aber, wo hernehmen und nicht Stehlen oder Urknndenfälschung begehen, denn die Chefs bekommen unbescholtene genug, dann heißt es der ist arbeitsscheu, ab mit ihm ins Arbeitshaus, fertig ist die alte Sache, dann geth es wieder von vorn los. Wenn wirklich ein Mensch ist, der den Vorsatz gefaßt hat nicht wieder in ein solches Haus zu kommen, der wirklich den Ort haßt, o, wie lange dauert es, Hunger und Not treiben ihn wieder hm zum Stehlen und er wird niemals wieder bessere Tage sehen, durch eigne Kraft nicht, denn die Welt ist heute zu abstoßend gegen einen solchen Menschen, sie predigen wohl liebet euren Nächsten, aber ach, purer Hohn ist es, denn gerade diese Partei tritt zu allererst den Rückzug an, dann findet ein solcher Mensch keinen Einlaß oder Gehör und die Nächsten- liebe ist spurlos verschwunden. In den allerseltensten Fällen bekommt ein solcher Mensch hier Arbeit vom Berein die sich vorgenommen haben solchen Menschen zu helfen und ihm Fürsorge anzubieten und sind es Stellen wo die Chefs selbst im höchsten Grade bemüht sind, statt einem solchen Menschen zu Helsen, nützen sie ihn im höchsten Grade aus und geben ihm die Woche zwölf, höchstens fünfzehn Mark Lohn, o, und was hat er da- für zu leisten, bis aufs Blut werden sie gezweckt, was soll ein er- wachsener Mensch dafür anfangen, er soll Miete bezahlen, will essen und trinken, will sich Kleiden, um nicht wie ein Sttolch umherzu- lausen und dann womöglich noch dazu Familie. Gerade solche Leute wenn sie richtig besehen werden sie sind nicht die schlechtesten, sie haben noch einen Fleck im Herzen, der sich noch zum guten wenden läßt, wenn sie nur richttg angefaßt werden, daß ihnen Güte zu teil wird, denn sie sind zu abgestumpft geworden, durch die Härte ihrer Sttafe, durch die Härte des Gesetzes. Auch ich bin ein Mensch, ich will eS den werten Leser nicht verschweigen, der Jahre hindurch den Kelch den mir das Gesetz eingeschenkt hat, geleert habe, ich habe mich vergangen, ich gestehe es ein, aber das Gesetz hat mich zu schwer herniedergedrückt, ich hatte Sttafe verdient, aber nicht in dem Maaße, wie ich verurteilt worden bin. Ich habe eine alte Mutter, welche ich zu unterstützen habe, aber wovon, überall werde ich zurück- gewiesen, ich möchte gern arbeiten, daß mit die Finger bluten, um mir mein Brot und für die Meinen rechtschaffen zu ernähren, aber o, wie öde und traurig sieht mir die Welt aus, der Schmerz um die Meinen drückt mich vollends nieder, keine Stellung zu bekommen, überall wird man zurückgewiesen, nirgends eine schützende Hand, welche sich mir da entgegen streckt, sollte man da noch wirklich Religion lieb haben, soll man da wirklich noch glauben, daß eS einen Gott giebt? Für mich ist eS ein purer Hohn, wenn ich höre: „Liebet euren Nächsten". Selbst der Pastor der Anstalt, der mir versprach zu helfen, als ich ihn bat, er sollte mir etwas mit Arbeit behilflich sein und um eine kleine Unterstützung bat? Er hat mich zurückgewiesen, ich sollte mir wo anders etwas verschaffen, er hätte nichts.„Liebet eure» Nächsten!" Sollten da nicht wirklich solche Herren zusanrmentteten, die die Mittel und Wege haben, solchen armen, schon genügend gestraften Menschen mit Stellung zu unterstützen, daß sie wenigstens ihr täglich Brot haben und sie ablenkt von dem alten Wege. Es giebt doch wirklich Fabrikbesitzer genug, die hunderte von Leute beschäftigen, könnten dieselben nicht ein paar mit unterbringen, dies wäre doch meiner Ansicht nach nicht schlver und dem Uebel wäre, wenn auch nicht ganz, so doch zun, teil abgeholfen, denn denkt daran, daß es eine Leichtigkeit ist. auch einmal hinter Schloß und Riegel zu sein! Oder sollte der Staat nicht wirklich bemüht sein, abhülfe zu schaffen? »Liebet euren Nächsten I" SerUner partei-?Zngelegenkeiten. Der Wahlverein für den ersten Berliner ReichstagS-Wahlkreis veranstaltet am 23. Mai(2. Pfingstfeiertag) eine Danchfcrparne nach dem Sportshaus Ziegenhals bei Mörschel. Abfahrt 8>/z Uhr von der Stralauer Brücke 5/z Centimeter lange Wunde entstand. Der wegen Körper- Verletzung mittels gefährlichen Werkzeugs angeklagte B. ist Galizier und ein ichon älterer, schwächlicher Mann; er fft der deutschen Sprache nicht mächtig.�so daß als Dolmeffcher Comptoirist Max H. zugezogen worden war. Der Beschuldigte gab zu, thätlich geworden zu sein, aber erst dann, nachdem er selbst mißhandelt worden i st; Thatsache ist jedenfalls, daß er bei Einsieferung eine große Kopswunde besaß. Aus der Verhandlung geht hervor, daß dieLeute an argeld täglich 1,10 M. erhielten, während ihnen für die Beköstigung 1,40 Mark pro Tag in Ab« zug gebracht wurde. Mit diesen Bedingungen waren die Leute nicht zusrieden und namentlich wegen des Essens herrschte tiefgehender Unwillen; die leidigen Verhältnisse auf dem Steudnitzer Kalrwerke werden sowohl vom Vorsitzenden als auch vom Ver- treter der Anklagebehörde gestreift und bestätigt,„daß die Behandlung nicht immer eine gute und die Verpflegung gewiß keine glänzende zu nennen wäre." Demgegenüber erhob der Werkmeister SP. den Einwand, daß das Essen behördlicherseits wiederholt geprüft und festgestellt worden wäre, daß es jedenfalls nicht schlechter sei als beim Militär. Festgestellt wurde in den weiteren Erörterungen ferner, daß die Verpflegung durch einen jüdischen Gewerbetreibenden erfolgt; der den Leuten dafür ab- gezogene Betrag von 1,40 M. ist selbst dem Amtsrichter zu hoch. Die Verhandlung endete schließlich mit Freisprechung des Angeklagten, da ihm nicht nachgewiesen werden konnte, daß er den Werkmeister zuerst geschlagen hat; im übrigen wurde angenommen, daß sich der Mann auch in einer gewissen Notwehr befunden habe. VrnmlcKtes. In Elberfeld erschoß gestern nachmittag ein Bettlei:, der ver- haftet werden sollte, an der Grenze zwischen Elberfeld und Barmen einen zwanzigjährigen Mann, der ihn aufhalten wollte, und verletzte einen Polizeibeamten durch drei Revolverfchüsfe. Der Thäter wurde dann verhaftet.__ Socialdemokratischer Lese- und Diskutierklub.Demofthenes'. Heute abend 8>/, Uhr im Lokale von Hermann Dornbursch, Prinz Eugen- swatzc 8, Vorwag und Diskussion über: Die Geschichte der Urwelt. Gäste willkommen. Verband der Friseurgehilfe» Teutschlands(Zweigvercin Berlin). Donnerstag, den 19. d. M., abends 10 Uhr, bei Pfeffer, Rosenthalerstr. 57: Mitgliederversammlung. Außerordentliche Tagesordnung. Gäste haben ZuWitt. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands(Zweigvercin Rixdorf). Donnerstag, den 19. d. M., abends 10 Uhr, bei Hoppe, Bcrlinerswaße 14: Mitgliederversammlung. Bund fiir Menschenrechte. Donnerstag, den 19. d. M., abends 81/, Uhr, im Lndustriegebäude, Beuthstr. 20/21, spricht Redakteur Reinhold Gerling über: Der Selbstmord, seine Ursachen und Erscheinungen. Für Gäste 10 Pf. Freie Diskussion. Eingegangene Druckschriften. „Ter ZlrbeitSmnrkt", Halbmonatsschrift der Ccntralstelle für Arbeits» marlt-Bcrichte(Herausgeber Dr. I. Jafwow, Berlin, Verlag von G. Reimer).! Die als Organ des„Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeitschrist enthält in Nr. 1k des 7. Jahrganges unter andcrm: Die Berliner� Arbeitsnachweis-Statistik. Von Dr. I. Rothholz.— Allgemeines: Rund- s schau über die Lage des Arbeitsmarktcs.— Arbeitersürsorge-Verwag zwischen' Frankreich und Italien.— Zweiter internationaler Arbeiterschutz-Kongreß.— Trades UnionS und Trabes Dispute Bill.— Situationsbcrichte aus' einzelnen Gewerben: Textilgewerbe(Ungunst im Seiden- und Wollgewerbe. j Lebhaste Beschäftigung in Baumwoll-Spinnereien); Holz- und Schnitzstoffe! (Günstiges Gepräge im Holzgcwerbe.— Statistisches Monatsmatcrial:: Wetterbericht.— Arbeitsnachweise.— Streikverzeichnis für Deutschland,, Oesweich-Ungarn, Schweiz.— Verwaltung der Arbeitsnachweise: Paritätischer! Arbeitsnachweis für den Kreis Offenbach a. M.— Swichelung und Karten- syslem in Frciburg t. Br.— Verein sür Unfallverletzte.— Arbeitslosen-; Fürsorge:"Arbeitslosigkeit in Dresden im Jahre 1903.— Mitteilungen aus! deutschen ArbeitSnachweiS-Verbänden: a) Amtliche Bekanntmachung: Ver-i band deutscher Arbeitsnachweise. Beitrittserklärungen, b) Sonstige Mit-! teilungen: Verband weslsälischer Arbeitsnachweise.— Beilage: Mitgliederlifte; des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise nebst zahlenmäßigen Angabe»' Über"April 1904. Ernst Klausen. Wartburgstimmen. Halbmonatsschrift für deuffche Kultur. 2. Jahrgang. 1. Maihcjt. Preis vierteljährlich 4 M. Monatlich' zwei Heste. Thürmgische Verlagsanstalt Eisenach-Leipzig. Veröffentlichungen des Deutschen Verems für Volks- Hygiene. Heft VI: Die Verhütung der Geschlcchtswankhciten. Von Dr. Ncuberger, Nürnberg. EinzelHest 30 Ps. Verlag R. Oldcnbourg, München-Berlin. Marktpreise von Berlin am 17. Mai 1SV4 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. 'Weizen, gut D.-Ctr. mittel gering. »Roggen, gut , mittel. gering, fGerste, gut , mittel gering fHaser, gut mittel, gering Richtstroh Leu Erbsen. Speisebohnen. Linsen » ab Bahn. f frei Wagen und ab Bahn. 17,50 17,46 17,42 12,95 12,93 12,91 14,20 12,90 11,70 14,80 13,60 12,50 4,00 7,30 40,00 50,00 60,00 17,48 17,44 17,40 12,94 12,92 12,90 13,00 11,80 10,60 13,70 12,60 11,50 3,82 4,60 28,00 26,00 25,00 Kartoffeln, neue D.-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 Ks do. Bauch„ Schweinefleisch, Kalbfleisch. Hammelfleisch rntter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1 � per Schock 7.00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,40 2,00 2,80 3,00 2,40 1,80 3,00 1,40 16,00 6.06 1,20 1.10 1,00 1,20 1,20 2,00 2,40 1,40 1,40 1,20 1,20 0,80 1,40 0,80 3,00 WitternngSiibersicht vom 18. Mai 1904, morgens 8 llhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien KS SS 2= 758 754 760 762 766 761 jö c if SW Wetter 3 bedeckt 3 Regen 3 bedeckt Ibedeckt Kbedeckt 3wolkig »K s«. S? H S- Stattonen Ii g-2 S5 »■- Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 747 755 = S S s «-c SO 750 SSW 7643338 Wetter 2 Regen Itootfcnl 3wolkig 2wolkig Wetter-Prognose für Donnerstag, den 19. Mai 1994. Vielfach heiler bei srischen westlichen Winden, kühlerer Nacht langsam steigender Tageölemperatur; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wette rbureau. «ögi - s-" HS- 4 8 9 15; und ßnefkaften der Expedition. Eilt Postamt 39. Das uns übersandte Inserat können wir nicht ausnehmen. Der mit eingesandte Bewag steht zu Ihrer Verfügung. ßriefhaften der Redaktion. �urifttfeher Ce«. Tie juristische Sprechstunde findet täglich mit SlnSnahm« des Sonnabends von»-/, vis O'/j llhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. H. 14. New.— R. T. 36. DaS Eigentum der Frau hastet in Ihrem Falle. Beantragen Sie unter Darlegung der Verhältnisse bei der Steuer- deputation Niederschlagung oder Stundung oder Ratenzahlung.—@. U. Klagen Sic Ihre Forderung ein und lassen Sie dann die Sachen vor»- kaufen.— Frin B. t. Nur wenn zu befürchten steht, daß Ihre Mutter der 'Armenpflege zur Last fällt, könnte ihr die Niederlassung verweigert werde». 2. Zehn Jahre.— Robinson 99. Sie müßten behördliche Bauerlaubnis nachsuchen. Weder die Bedingungen sür einen Bau noch die sür eine An- fiedelung sind überall in Preußen gleich; sie sind vielmehr außerordentlich mannigsalttg.— G. W. K. 109. 1. und 2. Nein. 3. und 4. Ja. — G. B. 198. Als Ausländer(Nichtdeuffcher) haben Sie k e i n R e ch t auf Naturalisatton. Den Antrag hätten Sie in Berlin an den Polizei. Präsidenten, in der Provinz an den Regierungspräfidenten zu richten. Es wird wirtschaslliche Selbständigkeit und AusWitt aus dem andren Staats» verband in der Regel verlangt. Trotz des Vorliegens dieser VorauSsetzmigcn kann aber dann der Antrag abgelehnt werden. 2. Auslieferung wegen Nichterfüllung der Militärpflicht in einem andren Lande erfolgt. nicht. Es kann aber Ausweisung eines Ausländers stets erfolgen. — H. I. 109. Keineswegs, es sei denn, er habe den Kauf gebilligt.— E. 3>. 63. Sie könnten im Wege der Klage schwer etwas erreichen. Vielleicht nützt eine Eingabe an den Magistrat und später eventuell an die' Stadtverordneten-Bersammluiig.— M. P. g. Die Trsahkommisfion ist zustandlg Da der Antrag aber spätestens im Februar hätte gestellt werden muffen, so ist wenig Ausficht auf Berülkfichtigung der Reklamation vor- Händen,— M. g. 7. Die Versicherungsgesellschast ,„.ersi-berungsgesellschast würde für solche FS nur dann haften, wenn dies ausdrücklich in der Police oder in den V sicherungS-Bedingungen vereinbart ist.— Provision. 1. In zwei Iah 2. 8a. 3. Ja, z. B. Fahrläsfigkeit bei der Aufnahme der Bestellung, bei Erforschung der Kreditwürdigkeit. 4. Schwerlich.----- 6.' Ja. _____ 100. 1. 91. 101. Der Ehcvertraa müßte notariell oder gc werden und im Heiratsregister eingetragen werden.* läßt sich für keine Klage ein Erfolg voraussagen. ledigt. 8. Nein, aber In der Regel.— O. R. Slle er- nen. der . sicher Durch S er- Nein. 2. Ja. >cr gerichtlich geschloffen Ein Betspiel finden sie auf S. 225 Nr. 22 des dem.Arveiterrecht" beigesügten Führer?. DaS Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus. In Ihrem Falle müßte noch ein ausdrückliches Anerkenntnis darüber hinzutreten, welche Sachen Eigentum Ihrer Braut sind.- H. T. 1883. Die Vorschriften sind nicht geändert. — Steglik 1884. Seit dem Jahre 1893 kann auch wegen außerehelicher Alimente Lohnarrest ersolgen. Doch muß dem Schuldner der notdürstige Unterhalt für ihn selbst und der ftandeSmäßige für seine Frau und Kinder verbleiben.— TobolSki. Wenn Umstände vorliege», aus denen zu schließen ist, daß die Hypothek nicht zur Erfüllung einer Verbindlichkeit, sondern zum Schein oder zur Benachteiligung von löläubigcrn aus den Sohn ge- schrieben ist. so kann der Gläubiger mit Aussicht aus Er- solg dl«.......''' ist. so Hypothek kann der in Anspruch Gläubiger mit Aussicht aus nehmen, sonst nicht.—??? Ja. - M. g. 1050. Tie müßten sich mit einem Gesuch um Stellung an einem andren Ort oder um Dispens von der Stellung, zu der sie angesetzt sind, an daS Bczirkskommando wenden.-»9lKianee. Kam'rad Lehmann. Neues. Kabale und Liebe. Ansang 8 Uhr: Schiller«.(Wallner- Theater.) Der Geizige.— Der eingebildet« Kranke. Schiller H.(Friedrich-Wilhelmstädt.) Pension Schöller. Kleine». Fräulein Julie. »tesidenz. Die 300 Tage. Driauon. Da» elfte Gebot. Hieraus: Der Dieb. Carl Weift. Geschlossen. Atctropol. Ein tolles Jahr. Winter-Garten. Specialitäten. Apollo. Liebesgötter. Specialitäten. Gebr. Herrnfeld. Gastspiel der Tegernseer. Durch'S Standesamt. Neichshallen. Stetilncr Sänger. Paflage-Dheater. Specialitäten. Urania. Daubenstrasie 48/49, Um 8 Uhr: Die Insel Rügen. Juvalidenstrasse 57/6». Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bl« 11 Uhr. Neues Theater. Schisfvauerdamm 4a— 5. Kabale und Liebe. Ansang VI, Uhr. ; Einen Jux will er lieh Morgen •neehen. �Central-Theater. Abends Vi, Uhr: Gaftsp. Paula Wort«: Der Sonnenvoael. Operette in 3 Akten v. B. Holländer. Morgen u. folgende Tage Vi, Uhr: Der Monnenvogel. Sonnabend Ansang 8 Uhr: Halbe Preise: Dadaine Bonlvard. WbenMheattt Heute und folgende Tag«: Abends 3 Uhr: Die 300 Ta Schwank in 3 Akten von Paul iZevault und Robert Charvey. Deuffch von Alsrcd Halm. Apollo-Theater. Robert Steidl-JubilSums-Wocb«. Abends S'l, Uhr: Auftreten von Robert Steidl mit einer Kevue seiner Schlager. Um 9 Uhr: Liebesgötter mit GOkterung und Scnsntlonn- Apotheose: „Im Tempel der BIBeaeeligkeit". Metropol-Theater Der üitt Erlolg dieses Jahres: Or. dramatisch-eatirisohe Revue in 6 Bildern von Julias Freund. A(asik von Victor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Raachen überall Belle-Alliauee-Tbeater. (Jean Kren und Alfred Schönscld.) Im Theater 7'/, Uhr i Kamerad Lehma»»«. Große militärische AnSstattunaSpoffe. Guido Thielsther in der Titelrolle. Im seenhast illuminierten So»m«r- garte» von 6 Uhr abends:(üensse» Konzert d. Marlne-Jugend Kapelle vorzilgllck� Pilsentr, Münchener. :;�aii»H Vorstellungen. Ideater und SpeciaiitSten. Senaailonelles Engagement! 0er phSnornonaie Rlesenknabs: 1 0 Jahre alt, komplett 217 CHI gross. Eintritt so Pf. Ohne Eitra-Entree. Soldaten n. Kinder die Hälfte. Kleines Theater. Unter den Linden 44. präulein�ulie. Ansang 8 Uhr. Morgen: Ifachtaayl. Fröbels Allerlei-Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. An allen drei Pfingstsciertagen: Vollständige Erütinung der Sommer- Spielzeit.— Grosses Extra- Konzert Gala-Vorstellung de» gesamten neu- engagierten«rsillasstgen Sohauspiel- und KUnstler-Personales. Am 2. und 3. Feiertag: Grosser Festball. PM- Am 1. u. 2. Feiertag 6 Uhr morgens: Frtth» Konzert und Vorstellung. Carl Veiss- Theater. BflrgerHchcs Schauspielhaus. Große Frantsurterstr. 132. Da» Theater bleibt wegen baulicher Peränderung bis inkl. Freitag ge- schlössen. Im Sommergartc»: Konzert '~'---------M Ans. 7 Uhr. und Theater-Borstellima. Entree frei. Sonnabend. mal: Tic göwcnbraut� Posse in zum ersten- _________». Posse 3 Akten von Schätzler-Perafino. ItvlvI»«I»«llvn Stöltiner Sänger Zum Schluß-Neu! Lirkus Lenz und Cirkuö Pnsch. n IriEllOll-fbester. Georgenstraßr, zwischen Friedrich- und Unlvcrsttätsstraße. ggf Abends 8 Uhr:-MU Das elfte Gebot» Hieraus: Dev Dieb. I Täglich 8 Uhr: Gastspiel der Tegernseer. Die tolle Bauernposse: Dnreh'a Standesamt oder: Tie schöne Mtllibäuertn von Tegernsee. 4 Bilder mit Gesang und Tanz von Hartl-Mitiu«.— Zither-Einlagen und Schuhplalticr-Tänzc._ Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen. Badstr. 68. Toranzeige! Sonntag, 22. Mai(Pfingftseierlag): Eröffnung der Sommcr-Saison. Thenter-Torstellnng und erstklassige Specialitäten, u. a.: Paul Coradinl. 1. und 2. Psingstseiertag: Grosses rrBhkonzert verbunden mit Cor« stelllmg und grossem PrOhfaaH. Königstadt-Kasino HoUmarttftr. 72. Ecke Al«and«rftrabe. Täglich im herrlichen Naturgarten: Neu! Oasparl U-eopard. Austreten v. Carl Stephan, die sesche Nanan, Hermann Hempel, Lederer, C. u. E. Bernhardy, Rase Brandt. Dr. Faosts Oeistererscheinangen. Löwenmut, Posse mit Gesang in 1 Akt. Ans. Wochent. 8 Uhr, Sonntag» 5 Uhr. Geschw. M Speciieg-Ueater Landsberger Allee 76/79. Direkt Rlnabahnftatton. m—m 31b ersten Pfingstfeiertag täfllieh: Konzert, Theater, Specialiteten-Vorstellung �mmmm. and Hüll-'■ Nur sensationelles konkurrenzloses Riessnprogramm. Am 1. und 2. Pflngsttslertage Friti-Konzert u, Vorstellung. JSfitzowstr. 111/112. T tt s 1 1 e h im Garten»der »aal: ir. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. «vn, bade» Gültigkeit. Wm-KM Am Königsthor. Am Frlsdrlchshaln. Am 1. U. 2. Pfingstseiertage- Früh-Concerle an tl An den Nachmittagen von 4 Uhr ab: Extra-Vorstelliingen der neue Täglich: der neuen Specialitäten. Theatervorstellung und Ball. Köwlgstadt-Kaslno Halzmarkt-Strasse 72. Eröffnung der Sommer- Saison. An allen drei Feiertagen: Grosse Lxtra-fiestvorstellungen. 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Di« Beerdigung findet am Freitag, den 20. d. M., nachmittag» 5 Uhr, von der Leichenhalle de» alten ThomaS-Kirchhofe» in Rix- dorf, Hermannstratzc, au» statt. Die trauernden iiinierdilohenen. IWselcÖrbe, Lclinstüh!«, Babybetten kaufe stets direkt noch Fabriklcata» logsei te 30/81 von J. Tretöar, Qrimmt J34 Armin- Hallen", iomiiiaiidantesstr. Uß - Zur bevorstehenden Saison empsehlen wir unsren großen, schatttgen' Natnr-Garten»»ebst großem Saal l mit Nebcnräumen, Insgesamt über 2000 Pers. fassend, zu Gommer- '"en, Sommernachtsbällen-e.(Für Vereine auch Kaffeeküche.) M bringen wir unsre 8 BeretnSzimmer verschiedener Größe � e:J fest Gleichzeitig bringen in empsehlonde Erinnerung. I Gebr. Illelltz,„Armin-Hallen", Kommandantenftr Wirtshaus„Schlols Wolfersdorf". Neu erbaut, vis-o-via der Schleuse, herrlich am Flakensee gelegen. 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Dsnnerstag, 19. Mai 1994. Versammlungen. Die Wähler des KreisrS Frankfurt-Levus füllten am Dienstag- abend die A n d r e a s- F e st s ä l e, um noch einmal den Wahlkampf zu besprechen. Genosse Reichstags-Abgeordneter Robert Schmidt referierte über:»Die politische Lage und die Stichwahl in Frankfurt- Lelms*. Alles, so sagte der Redner, hat sich in diesem Wahlkampf gegen die Socialdenwkratie zusammengeschlossen. Zur Stichwahl hat nian den stir die Arbeiter ungünstigsten Tag, den Freitag vor Pfingsten herausgesucht. Vielleicht haben jene nicht unrecht, die sagen, daß es nicht unabsichtlich geschehen sei. sLebhastes Sehr richtig!) An den Wahlbeeinflussungen hat diesmal selbst der Reichs- kanzler Bülow teilgenommen. Herr Bassernmnn ist der offizielle Bülow-Kandidat I Die Zeiten sind schwer. Man rüttelt schon an dein letzten Volksrecht— dem allgemeinen Wahlrecht. Das haben die Herrenhansverhandlungen bewiesen. Und wenn jene Leute die Macht dazu hätten, so würden sie trotz aller gegenteiligen Ver- sicherungen auch den Staatsstreich ausführen, den: Volke alle Rechte rauben. Da muß das Volk für die Erstarkung der Social- demokratte, deS einzigen Bollwerks gegen die Volksfeinde, sorgen. Nach dem Referat hielt der Kandidat des Kreises, Genosse Dr. Braun— der beim Betreten der Tribiine lebhast begrüßt wurde— eine kurze aber wirkungsvolle Ansprache. In der Diskussion beleuchtete ein Redner die feine Polittk, die sich in der Ansetzung des Stichwahltages auf den Freitag vor Pfingsten äußert." Andre Redner schilderten Erlebnisse aus dem Hauptlvahlkampfe. Schließlich erörterte Genosse Waldeck Manasse in einer äußerst eindrucksvollen Ansprache die Bedeutung der Wahl.' Gerade er, Redner, der in den inneren Parteifragen mcht auf dem Stand- Punkt des Kandidaten stehe, fordere mit allem Nachdruck, daß alle persönlichen Wünsche und Zwistigkeiten zurückbleiben und alle Kräfte für den socialdemokratischen Kandidaten gegen den gemeinsamen Feind gerichtet werden. Dann wurde die nachfolgende Resolution einstimmig an- genommen: «Die am Dienstag, den 17. Mai, in den Andreas-Festsälen ver- sammelten Wähler des Wahlkreises Frankfurt-Lebns erklären sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verpflichten sich, Mann für Mann am Donnerstagabend an ihren Wahlort zu fahren, um am Freitag, den 20. Mai, am Tage der Sttchwahl ihre Sttmme für den socialocmokrattschcn Kandidaten Dr. Heinrich Braun abzu- geben und für die Heranziehung der Wählermassen zu sorgen. Die Versammelten erklären, daß sie ihre volle Pflicht und Schuldigkeit thun werden— dem Volke zum Schutz— der Reaktion zum Trutz I" Nach einigen kernigen Worte» des Vorsitzenden wurde die glänzend verlaufene Versammlung geschlossen. Die für den 32. Kommunal-Wahlbezirk vom socialdemokrattschen Wahlkomitee zinn 17. Mai einberufene Versammlung, die bei Wernau in der Schwedterstraße tagte, war sehr zahlreich besucht. Genosse Dr. Karl Liebknecht hielt daS Referat über die ganz besondere Bedeutung der diesmaligen Nachwahl. Den Kaiscrinfel-Prozeß, welcher dem Genossen Leid außer harter Gefängnisstrafe den Verlust des Stadtverordnetenmandates im 32. Bezirk kostete, nahm Redner vor allem unter seine kritische Sonde. Mehr als irgend ein andrer Prozeß gegen Socialdemokraten trage dieser den Stempel der Klassenjustiz an der Sttrne. Das ergäben schon verschiedene Sonderbarleiten des Verfahrens bei dieser Haupt- und Staatsaktton, deren Urheber zweifellos dem Justizministerium nicht fem stehe. Mit unwiderstehlicher Logik wies Redner nach, daß in� den Kaiser- insel-Artikeln des„Vorwärts* unmöglich an den Kaiser als den Projetteur gedacht sei. Trotzdem: der Socialdemokrat wurde ver- brannt! Und eine Art Ehrensttafe fügte man mit Aberkenming des Mandats hinzu. Mit größter Kraft müsse stär die Wiederwahl Leids gewirkt werden, damit eintrete, was Redner schon damals im Gerichtssaal prophezeit habe: die Wahl Leids mit einer noch größeren Majorität, als welche er das letzte Mal erzielte.(Lebhafter Beifall.) Dann beleuchtete Genosse Liebknecht noch einige der wichttgsten Pnntte des socialdemokratischen Kommunalprogramms. um nachzuweisen, wie durchaus erforderlich die Wahl gerade eines Socialdemokraten sei. Etliche Heldenthaten der Freisinnsmannen im Magistrat und in der Stadtverordneten-Versaminlung, sowie den socialpolitischen Tiesstand der Mehrheit setzte er dabei in das rechte Licht. Die Ausführungen, die mehrfach durch lebhaften Beifall unter- brachen wurden, schlössen mit einein feurigen Aufruf zum Kampf für Leid, dem stürmischer Beifall folgte.— Diskutiert wurde nicht. Unter donnemden Hochs auf die intemattonale Socialdemokratie kennte man sich. Freitag ist Flugblattverbreitung. Die Bedeutung der Nachwahl im 40. Kommunal-Wahlbezirk. Die Versammlung, die sich ani Dienstag im Saale des„Wedding- park* in der Müllerstraßc mit diesem Thema befaßte, war sehr zahlreich besucht. Der Referent, Reichstags-Abgeordneter Singer, wies zunächst darauf hin, daß der bisherige Vertteter des Bezirks, der Genosse Dr. F r e u d e n b e r g, sich leider genöttgt sah, wegen Krankheit sein Mandat als Stadtverordneter niederzulegen, daß aber in dem Genossen Dr. A r o n s ein Kandidat gefunden wurde, der, seit langen Jahren eifrig für unsre Partei thärig und gründlich ver- traut mit den kommunalen Angelegenheiten, sich vortrefflich zu seinem Nachfolger eignet. Unter Hinweis auf die Thatsache, daß unsre Partei nunmehr seit 20 Jahren im Berliner Stadtparlament verketen ist. beleuchtete der Redner die principielle Stellung der Socialdemokratte zur Kommunalpolitik und ihre Thätigkeit inner- halb der hiesigen Gemeindeverkettmg, wobei er unter anderm auch auf das Schulwesen zu sprechen kam und erwähnte, daß der Magistrat sich nun endlich unter dem Eindruck der Verhandlungen deS Preußischelt Städtetages genötigt gesehen hat, sich zur Einführung einer Zwangs- Fortbildungs- schule zu ensschließen, daß aber daS Projekt, so weit man davon erfahren hat, den großen Mangel aufweist, daß diejenigen, die die erste Klasse der Gemeindeschule absolviert haben, von dem Fort- bildunqS-Schulzwang besteit fein sollen. Um einer solchen gefähr- lichen Einschränkung vorzubeugen, ist es vor allem notwendig, daß der Einfluß der Socialdemokratte immer mehr gestärkt«verde. In seinen weiteren Ausführungen kennzeichnete der Redner die Haltung der Freisinnsmajorität, die thatsächlich zu einem Grab für die Frei- heit geworden ist und es dahin gebracht hat, daß die Socialdemo- kratie als einzige Hüterin der Selbständigkeit deS Bürgertums und der Selbstverwaltung dasteht. Der Redner schloß mit der Aufforderung, mit größtem Eifer dafür zu wirken, daß zur Wohlfahrt für die Stadt Berlin der socialdemokrattsche Kandidat mit starker Mehrheit gewählt werde.— Hierauf nahm der Kandidat Dr. Arons das Wort und ging besonders auf die Halttmg der Freisinnsmehrheit zu den speciellen Arbeiterstagen ein, die treffend durch den vor ewigen Jahren gethanen Ausspruch:„Socialpolitik wollen wir ja gar mcht keiben', gekennzeichnet wird.— Die Aus- führungen beider Redner riefen starken Beifall hervor. Zur Dis- kussion verlangte niemand weiter das Wort. Der Vorsitzende, Genosse Ernst, forderte die Versammelten auf. sich mit aller Kraft an den Vorarbeiten zur Wahl zu beteiligen, ebenso an der Flugblatt- Verbreitung am Freitag. Daun wurde die Versammlung mit Hochrufen auf die Socialdemokratte geschlossen. Tie Rohrleger«nd Helfer nahmen am Montag in einer gut besuchten Versammlung, die im Buggenhagenschen Lokal am Moritz- platz abgehalten wurde, den Bericht von der am 15. Mai im Berliner Gcwerkschaftshause stattgefundenen Rohrleger-Konferenz entgegen. Wiesenthal führte dazu aus, daß die Konferenz von 16 Delegierten aus Berlin, Breslau, Dresden, Hagen i. W., Ham- bürg, Hannover, Frankfurt a. M., Köln, Magdeburg, München und Stettin beschickt gewesen ist; außerdem war der Hauptvorstand des Metallarbeiter-Verbandes durch den Genossen Schlicke- Stuttgart vertreten. Der Zweck der Konferenz war, den Anstoß zu einer energischen Agitation unter den bei den gesamten Gas-, Wasser- und Heizungs-Jnstallationsfirmen Deutschlands beschäftigten Man- teuren und Helfern zu geben, damit diese Gruppe überall für den modernen Organisationsgedanken empfänglich wird und dadurch gleichzeitig die einheitliche Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse mittels Schaffung von Kollektiv- vertrügen in die Wege geleitet werden kann. Von den Berliner Rohrlegern, deren Anregungen zufolge die Konferenz einberufen war, ist hierbei besonders geltend gemacht worden, daß in den Städten mit Tarif, wie Berlin und Hamburg, ewe weitere Auf- besserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen wohl kaum eher möglich sein werde, als bis auch in den übrigen Städten eine feste Regelung dieser Verhälwisse erfolgt oder wenigstens angebahnt ist. Es ssc dann eine Resolution angenommen worden, laut der als die nächsten erstrebenswerten Ziele für die Arbeitnehmer im ganzen Rohrlegcr- gewerbe angesehen werden sollen: die allmählige Erringung der neunstündigen Arbeitszeit, ein Minimallohn von 50 Pf. für Rohrleger und 35 Pf. für Helfer, soweit er nicht bereits überholt ist, ge- regelte Accordüberschuß-Verteilung und eine einheitliche Montage- zutage von 3 M. pro Tag. Mit den Arbeiten der Konferenz erklärte sich die Versammlung einverstanden.— Sodann wurde noch mit- geteift. daß die Dariffchlichttmgs-Konmttffion für das Berliner Rohr- legergewerbe um drei Arbeitnehmer und drei Arbeitgeber verstärkt worden ist. Auch ist auf Antrag der Arbeitnehmer einer Bestimmung über die Handhabung der Arbcitsnachweis-Ordnnng, bctreffeno Zurücksetzung derjenigen Arbeiter, die ohne trifttgen Grund die'Annahme der Arbeit verweigern, die bisherige Schärfe genommen worden. Der Verband der Fabrik-, Land-«nd HikfSarbestcr und Arbeiterinnen Deutschlands, Zahlstelle Berlin, hielt am Soimtag, den 8. Mai, im„Englischen Garten* seine Generalversammlung ab. Die Mitgliederzahl hat sich von 929 auf 1078 gehoben, jedoch wird jetzt schon im Monat Mai mit cineui Mitgliederbestande von ca. 1250 gerechnet, so daß ein Zuwachs von 321 Mitgliedern zu verzeichnen ist. Bei der Firma Dobler konnten durch Ver- Handlungen die Accordpreise um 25 Proz. erhöht werden, ebenso wurden(ebenfalls durch Verhandlungen) in den Messtngwerken Mariendorf die Stundenlöhne um 2 Pf. erhöht und ein Arbeiter � ausschuß geschaffen. Der Streik in Tegel bei der Firma Bor' hatte nur einen teilweisen Erfolg. Die Agitatton unter den Gum Arbeitern schreitet rüstig vorwärts, so daß in fast allen grö� Gummifabriken fester Fuß gefaßt werden konnte. Es ivar im letzten Quartal eine Einnahme von 3297,57 M., eine Ausgabe von 118'■> 92 w zu verzeichnen, bleibt ein Bestand voit 2114,65 M., davor i an den Hauptvorstand in Hannover 1283,78 M. abgesandt, bleibt am Orte ein Barbestand von 325,87 M. Dem Kassierer wurde nustimm'� Decharqe erteilt. Die Arbeitslosen-UnterstütznngSkasse ergab einer-, Barbestand von 3500 M. Die Entschädigung des Kassierers wurde �lf 30 M festgesetzt, rückwirkend bis zum 1. Januar 1904. Die E ffatuvabl eines Revisors hatte die Wahl des Kollegen Weise zur Fo lge Das Lokal- geschenk für durchreisende Mitglieder wurde nach>",ngerer Diskussion auf die Hälfte reduziert, da verschiedene Unz' �träglick, ketten vorgekommen sind. Es wurde zum Schluß bekam' � gemacht daß die Auszahlung der Arbeitslosen-Unterftützung be', Ladcwiq. Komman- dantenstr. 65 erfolgt, ebendaselbst die Kontrolle fox Arbeitslosen. CHatiss6estrasse 24*126 11 BrQckenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 cvUchen bmlideaatr.». 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Mai 1904, nachmittag«. 232 Nur die Gewinne über 240 Mk. sind den betreffenden »WUWWWWWWWW 71 löooi 427 i 13210[10001 481 506 12 96 97 822 31 73 932 33 35 51[5001' 114080[SOOJ 274 388 501 13 669 711 853 67 115095 522 71 84 116007"" 359 429 59[30001 77 614 11000] 795 802 73 908 118310 19 970 247 130001 117022 56 568 699 110046 98 HO 375 402 81 503 12 634 853 88 996______,.IV,1 120060 262 485 787 831 51 12 1390( 5001 481 84 644 709 64 324 26 41 122048 53 295 328 71 562 (30001 806(30001 123028 168 210�1000] 342 504 797 1 24007 252 60[30001 347 489 s II 17 34 110001 38 58 1500] 125024 68 WWW 4 126098 291 421 >1" 63 562 616 788 905 78 573 665 702 423 507 606 22[500 701 48 832 84 127061 146 16 704 834 41 71[1000].W_________■ 616 788 905 78 128064 ISS 246 301 18 39 536 793[1000] 963 1 29080 524 098 803 72 130089[5001 186 507 645 941 58 1 31127 40 220 395 426 33 93 544[5001 13 2033. 124 259 530 85 687 90 133087 213 43 55 312 416 507 686[500! 134094 240 388 402 81[10001 583 692 731 86 1 35219 395 647 [5001 938 1 3 6068 175 88 399 434 71 598 642 897 981 89 1 37009 14 109 84 411 82 13000] 552 600 33 711 24[5001 920 1 38035 67 377 426 975 1 39052 55 105 [10001 333 85 720 893[30001 140056 130001 194 212 43 432 805[3000] 25 925 [5001 14 1 046 178 80 209 305 10 409 669 858 67 142006 12 404[30001 30 97 585 646 82 721 34 36[3000] 49[30001 820 1 43308 70[ 5001 483 629 723[30001 959 144071[30001 129 285 91 495 130001 581 708[500] 44 894 913 145106 254 358 562 614 828 146082 160 247 380 452 622 73 84 730 833 147095,296 642 838 987[3000). 149102«34 37 794 841 65 987 308 97 781 803 16 980 1 48008 15 43 172 441 78 150057 348 416 610 700 45 130001 951 15 1053 [5001 54 119 233 46[30001 60 370 98 506 799 905 6 12 162090 604 27 998 153348[500] 60 630 42 57 965 154082 270 303 65 77 558 657 766 1 55200 57 406 32 61 130001 878 1 56012 122 521 24 57 615 763 64 809 76[10001 064 1 57471 683 13000] 773 93 804 1 5»138 60 378 456 508 54 92 695 989 97 1 59081 246 423 587 [10 OOOI 767 984 160097 143 83 205 52 600 702 819 21[3000] 937 16 1047 179 272 481 735 49 980 1 62019 15001 137 247 493 712[1000] 88 831[30001 948 63 163022 96 133 45 48 63 66 81 221 338 617[5001 164047 65 123 74 301 79 84 445 501 877 1 85122 130001 66 204| 500| 520.37 069 1 66007 167 81 273 463 70.506 628 77 734 58 71 84 802 921 49 58 1 67107 329[30001 409 557 602 795 878 910[ 3000] 168544 89 669 704 61 63 826 965 79 169287 321 170054 132 59 77 83 217.335 41 586 90 99 1 7 1034 483 79 88 573 92 767 891[5001 172322 441 521[500] 49 695 911 173006 10 195 246 70 340 98 413 1 74026 290 435[ 5001 530 59[5001 66 606 15 704 29 58 952 1 500] 175113 280[10001 558 15001 753 74 110001 829 34 49 76 1 76176 95 344 56 429 561 676 873 1 77150 260 349 521 56 703 804 59 78 911 87 1 78043 370 88 805 928 179008 110001 333 44 469 531 613 413 .37 88 92 615 47 725 66 83 205 331 469 75 06 576 89 95 [lOOOJ 13000 873 184000 120 36 .■--------- ,30001 962[1000] 90[3000] 185013[5001 42 130.504 635 74 77 745 52 54 1 8623.1 59 187178 250---------- MW---- , 85 99 367 98 425 46 64 38 55 353 400 130001 25 85 189180 89 240 357 490 798 615 76 859 500 20 98 652 824 188! 532 601[5001 890[1000J 190044 142 237[3000] 68 74 446 598 925 1 9 1041 141 130001 90 329 887 907 78 19 2002 8 49 72 100 22 346 523 719 55 90 906 34[5001 193027 55 185 315 29 61 89 516 698 773 866 89 98 194089 93 104 303 13 88 662 949 195048 62[ 500) 349 51 80 521 30 652 slOOOJ 731 911 196108 207 40 92 430 503 695 99 748 54 13000] 838 197262[5001 445 664 91 872 997 1 98020 239 MI[.5001 85 652(30001 819 50 54 942(5001 50 199066 [10001 143[10001 59 439 13000) 503 57 621 61 98 754 200122 265 400 721 92 130001 913 59 201043 143 222 378 974 2 02124 248 392 574 803 56 2 0 3222 415 17 31 94 517 53 656 749 908 95 204138 303 35 87 584 92 724 2 0 5053 309 45 458 88 95 508 76 945 206082 598 920[5001 2070 84 250[1000] 431 95 2 08140 206 475 719 891 953 209116 353 413 588 640 741 15001 904 23 92 2 1 0134 208 74 335 45 411 19 548 86 211098 165 258 321[10001 413 555 603 7t« 110001 11 1500) 17 900 47 75 2 1 2536 730 886 2 1 3226 68 437 728 [5001 835 928 35 214099 309 560 778(5001 859 215043 121 34 331 11000) 98 440 839 941[600] 216.330 452 65« 908[3000] 13 31[500] 217080 124 60 223 380 538 667 924 218,398 201 439 532 45 81 844 61 73 219370 535 670 89 819[500] 914 68 2 2 0096 270 77 86 343[30001 507[5001 20[1000] 603 732 859 931 38 22 1089 473 93 510 646 707[10001 53 903 2 2 2092 302 45 480 568 685[30001 776 810 921 223023 223 68 362 01 717 66 zm Gewtunrade MrblUben! I Prämie zu S0OV00 Mb, 1 St- winn z« W00«> äSt„ 1 zu 100000 ffit, 2 ,» 75000 MI.. 1.» 50000 Mi., 1 ,» 40 000 Mb. 6 zu 30000 Mt., 9 zu 16000 SSL 24 z» 10000 Mt. 49 JB 500U Sil. 74« zu 6000 SKI, 1264«a 100O KU 1970 AB 500 m*5 Nummern in«lammer» besgesüat. (Ohne Gewähr.) Nach 75 achdruck veriälen. 106 4 357 655 897 980 90 1050 210 32 40[5001 76 404 561[10001 67 75 617 64 89 727 34 841 981 2011 28 184 97 250[aOO] 440 44 62 564 689 704 73 820 81 3210 70 389 468 613 60[SP] 821[3000] 4080 89 348 428 597 606 26 702 818 40[3000] 58 63 5001 16 [5001 17 60 69 1500] 117 51 3Ä«2 566 691 701 56 94 965 6175[500] 284 357[10001"74 7030[ 30001 102 202 348 74 422 41 73 612 84 742 62 72[10001 806 33[500] 8061 145 213 35 37 79 571 627 49 824 54 930 50 9249 468 785 10028 154 270[10001 386 450 612 783 99 821 57 11141 599 866 1 2004 158 581 696 754 1 3038 119 35 294 463 1500] 509 601 760 85 835 010 28 47 14226 27 329 62[10001 403 9 519[500] 57 62 74 734 82 874 953 96 1 5105 6 231 300 53 414 71 580 780 899 1 6024 155 70 80 298 333 639 74 730 70 834 93 1 7199 359 413 87 537 73 1 8217 64 75[5001 331 44 490 561 844 19076 186 307 77 505 65 627 783 834 54 20088 158 461 611 45 71 758| 500J 21226 78 522 54[10001 89 618 34[30001 701 22 821 938 2 2005 199 297 315 93[10001 601 741 819 20 963 2 3306 669 801 946 2 4061 352 86 402 3 34 67 11000] 592 717 1 30001 37 822 987 25981[30001 695 874[1000] 980 26060 114 446 1500] 517 649 726 807 69 2 7051 250 56 473 643 737 879 97 916 37 40 28117 647 778 929[500] 32 2 9377 551 68 612 80[5001 07 800 50 944 45 30288 528 878 3 1054 181 329 486 503 93 638 944 32020 43 129[10001 85 259 344[1000) 63)1000] 448 500 15 50[3000] 837 99 939 3 3287 93 576 604 66 86 821 46 34077 282 317 401 13[5001 29 33 74 [50001 541 68 702 33[SOOJ 835 934 3 5068 243 77 485 518 53 646 48(500) 55 813 21 39 36044 117 541 54 695 739 72 914 74 3 7095 370 78 474(30001 99 641 832 38 72 90 937(3000) 3t___ 173 283 473 660[1000] 711 928 46 54[lüOO] 39020 283 308 96 748 857_____ 40032 181 227 42 72 530 092 815 991 41404 694 773 989 42100 320 419 511 27 93 909 91 92[1000 93 43131 67 215 31 35 380 536 637 82 765(1000 934[10001 44063 229[10001 358 404 12 730 6 45058 129 226 65 454 56 513 602 853 46127 219 376 81 5H 56 965 66 47044[30001 47[3000] 94 269 336 59 600 707 110001 31 73 838 1500] 900 42 48026 226 37 371 617 33 717 828 40 960 4 9033 91 558 72 663 807 50'48 5' efloO 588 782 840 81 51002 9 40 45 55 84 120&6 288 468 92 784[10001 96 884 52075 269 380 423 541 83 752 72[500 1§39 63 53237 38 86 570 887 941 95 54049 90§6 185 429 541 77 727 813 38 905 89 55211 32 601 7M 693 954 57221 344 407 65 663 89 832 80 993 59087 102 UOOOl 88[10001 308 30 13000) 586 786 949 75 «OfßO 71 75 212 94 359 600 776 875 6 1014 49 200 •wn 16001 55[MO] 417 35 538 683 704 47 6 2217 99 371 400 To 90 570 614 910 63117 59 221 70 513 59 «71 800 64124 466 821 65013 20 51 63 172 82 204 84 458 78 704 800 906 66080 139 63 66 89 233 76[WOOl 344 428[lOP] 98 541 698 780«7048 69 311 65 418 50 77 552 60 796 943 6 8017 80 244 776 6 9030 71 �70562 �7f5657281737P37 71018 107[500] 61 95 ronom 582 94 615 709 889 75 72031 185 380 451 55 R�nnMl 786 876[30001 93 916 25 73046 82 170 74 M ürU 74138 308 729 67 75 823 37 75285 337 MOOOTS 1 90 489®9 7 6080 115 23[1000] 48 235 358 6� 77158 269 407[30001 26 682«18 75 828 44 988 78055 203 385[5001 519 613 72 710 927[1000J 77 79016 � 255 93[1000] 97 319 64[3000] 66 84 453 550 85 78O022 106 19 39[5001 58 446 704 63 965 82 8 1016 Oft,«3 407 56 70 529 657 858 82158 275[10001 W*« 67 93 634 38 83 91 747 52 68[500] 962 91 83167 287 330 42 572 884 907 8 4314 49 80 408 530 52 93 85162 96 260 339 529 57 621 767 99 816 26 930 86055 Hl 74 218 85 316 550[5001 81 89 869 85[500] 916 P 87147 241 313 83 455 585 775[1000] 900 88186 317 28[10 OOOI 443 737 41 73[3000] 871 938[1000] 89108 1500] 234 41 99 389 417 65 646 779 829 47 SOI36 47 2W 51[1000] 343 467 743 890 99 968 Qini9 9ff?«1�33(5001 534 76 13000] 81 622 794 863 986 M 9 2035[500] � UOOOl TO 839 934 «xv; a! 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Das Unternehmen beginnt mit der Darstellung der Religiouskämpfe des 1ö. und 17. Jahrhunderts unter dem Titel: Aitler die ffaffenhemchsN -Von GmU Rofenow- Vom Standpunktedes historischen Materialismus entwirft derVcrfasser das Kulturbild der mittelalterlichen Pjaffenherrschast. Der Leser sieht, wie inmitten der zusammenbrechenden römischen Gesellschaft die urchristlich-kommunistischen Agitationen beginnen, welche die herrschende Klasse Roms vergeblich nieder- zu'kämpsen sucht; wie sich aus dem urchristlichen Kommunismus die Kirchen- Herrschaft entwickelt, wie sie ihren Sicgeszug durch die Länder hält. Er zeigt, wie das Papsttum entsteht und den Gipfel seiner Macht erklimmt: wie die Kirche das politische und ökonomische Leben beherrscht, bis, beim Ausgange des Mittelalters, die auskommende kapitalistische Wirtschaftsweise der Psaffen- Herrschast den Boden entreißt und in Blut und Kriegsgetümmel ihren Zusammenbruch herbeiführt. Das Papsttum, die Slösterei und Möncherei- die politisch.ökono« mische Tätigkeit des mittelalterliche KIcruS; die große Sliisbeiitung der Volksmassen durch Zehnten, Fronden, Ablaß usw., die blutige und grausame Be- käinpfung jeglicher Opposition tKeperUerfolguugc»), die finstere Zeit der Hexenprozesse, die grausame Niederschlagung des Volkes(Bauernkriege, Bestellungen nehmen alle Partei- oder auch der Verlag entgegm. Wiedertäufetverfolgungen) und schließlich das furchtbare Elend deS 30jährigen zprieges.... das alles sieht der Leser in packender Darstellung Mi seinem geistigen'Auge vorüberziehen. In die Zeit, deren Schilderung der erste Band unseres Werkes dient, fällt auch die Wiedergeburt der antiken Kunst; in ihr entstanden die un- erreichten Werke eines Cranach, Dürer, Holbein. Aus diesen Quellen sind unsere Illustrationen geschöpft. Der erste Band wird gegen 400 Bilder, darunter AbbAduugeu der gröftten Meisterwerke jener Zeiten und Völker bringe», die, wie wir erwarten, den Beisall der gesamten Arbeiter» Welt finden wenden. Der erste ßaed wird in SO Lieferungen ä 20 Pfennig erscheinen Jeder Band ist für sich abgeschloffen, so daß das Abonnement aus den eine» Band nicht den Bezug der weiteren Bände notwendig macht. z.z Wöchentlich erscheint ein Heft. Buchhandlungen, Parteikolporteure, jede Buchhandlung, iw Berlin sämtliche Parteffpedittoncn und Zeitungsspediteure Kuchhandlung Uorwiirts, Kerlin ZW. 68, Lindenstr. 69. B (Seltene Gelegenheit! Nor knrze Zeit! jtäitmimgs-Verbattf »er ans der 148/2« Koitkiirsttiasse flOSegiM. 60 A. 1°?,. SolLedmW& Co. NmMM. 60 ATantl I. Etage stammenden und andrer Waren. I. Etage Avantl Ein Posten Herren-Anzüge in Jackett-Fassons soll nunmehr ab- gegeben werden für den billigen Preis........ von M. 6 an u. h. 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