Dr. 130. RtonnemcntS'Bedtnauwn: WonnementS. Preis pränumerando! Bierteljähri S,zv Wl., monatl. 1,10 Ml» wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer G Pfg. Sonntags« nummer mit illustrierter Sonntags- Besage»Die Neue Weif 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. 21. Jahrg. vi« Inlcrtionz- Sedahr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Psg., sür politische und grwerlschafMche Vereins. und Versammlungs-Anzeigen 25 Psg. »Kteine Hmeigen", das erste fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» tagen bis 7 Uhr abends, an Eonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormtttagS geöffnet CrfttlBt tiiglj» außer Glontm Devlinev VolkSvlAtt. Telegramm- Adresse: „SoxIaMtm«!!»! Berllo". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Oeutfchlande. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt UV, Nr. 1S83. Mittwoch, den 33. Mai 1904. Expedition: SM. 68, Lindcnatraeae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Sachkundige Militärverwaltung. "Es wird uns geschrieben: Wer in den militärischen Verhältnissen genauer Bescheid weiß, muß manchmal über das Gcbahren der Vertreter der Militär- verlvaltung im Reichstage staunen. Ein Beispiel bietet hier die Reichstags-Verhandlung vom 11. Mai, in der der Erlaß zur Sprache kam, nach welchem den mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform verabschiedeten Offizieren unter Androhung des Entzuges dieser Befugnis die schriftstellerische Kritik militärischer Dinge verboten worden sein soll. Der Vertreter des Kriegsministers, General- major Gallwitz, antwortete nach ausführlichen Zeitungs- berichten in jener Sitzung: „Der Herr Vorredner fnämlich Genosse Bebel) ist dann nochmals ans den angeblichen Erlaß eingegangen, wonach den verabschiedeten Offizieren jede publizistische Thätigkeit bei Verlust der Uniform der- boten sein soll. Der Herr Kriegsminister hat das Vorhandensein eines solchen Erlasses bestritten. Herr Bebel hat behauptet, er sei doch vorhanden und hat über den Inhalt des Erlasses nähere Mit- teilungen gemacht. Er hat aber unerwähnt gelassen, daß die Pointe, toogegen sich der Kriegsminister gewendet hat, die Drohung mit dem Verlust der Uniform gewesen ist. Das ist die einzige Thatsache, die der Herr Kriegsminister dementiert hat. Daß der Herr Kriegs- minister darin Recht gehabt hat und Recht haben mutz, geht schon daraus hervor, daß der Verlust der Uniform nicht von der Verwaltung und auch nicht vom obersten Kriegsherrn, sonder» nur durch ein Ehrengericht ausgesprochen werden darf." Da liegt nun vor uns ein Heft, das den Titel trägt:„Ver- Ordnung über die Ehrengerichte der Offiziere im preußischen Heere vom 2. Mai 1874 nebst Allerhöchst. EinführungSordre vom 2. Mai 1874 Ultd Allerhöchst. Bestimmungen vom 1. Januar 1837". Der § GO dieser Verordnung lautet: „Die Entscheidung, welche ich auf Grund deS mir vorgelegten Spruchs deS Ehrengerichts treffe, ist dem Angeschuldigten gleichzeitig mit demselben bekannt zu geben." Die Entscheidung über das Schicksal eines vor dem Ehrengericht angeklagten Offiziers ruht also allein beim obersten Kriegsherrn, während der Spruch des Ehrengerichts nichts ist als ein Vorschlag. den der oberste Kriegsherr nach Belieben beachten kann oder nicht. Wie der Herr Generalmajor Gallwitz angesichts dieser schwarz auf weiß niedergelegten Bestimmungen behaupten kann, der Verlust der Uniform könne nur vom Ehrengericht ausgesprochen werden, ist uns nicht begreiflich. Im Gegenteil ist es allein der ober st e Kriegsherr, der den Verlust der Uniforin, sei es durch Anerkennung des ehrengerichtlichen Spruches, sei es durch seine Aenderung, anordnen kann. Erst wenn der oberste Kriegsherr gesprochen hat, ist die Angelegenheit erledigt. Wir wollen dem Herrn Generalmajor Gallwitz an einem Beispiel aus der Praxis zeigen, wie auf Grund der Ehrengerichts- Vorschriften die schärfste Kabinettsjustiz gegen s ch r i f t- stellernde Offiziere angewendet werden kann. Es sind jetzt gerade neun Jahre her, daß der bayrische Premierlieutcnant a. D. Rudolf Krafft seine damals vielgenannte Broschüre„Glänzendes Elend" veröffentlichte. Obwohl die Schrift keine Skandalgeschichten, sondern nur eine Kritik des preußischen Militärsystems, soweit es auf die Offiziere Bezug hat, enthielt, wurde sofort das Ehren- gericht mobil gemacht. Dieses erkannte aus den Entzug der Er- laubnis zum Tragen der Uniform, dem bayrischen ober st en Kriegsherrn aber, dem Prinzregenten, war der Spruch zu mild und darum verschärfte er ihn selbst in den Entzug der Er- laubnis zum Tragen der Uniform und den Verlust des Offizierstitels! Wir glauben hiermit hinlänglich bewiesen zu haben, daß Herr Generalmajor Gallwitz sich über die Kompetenz der Ehrengerichte nicht ganz klar ist. Da der oberste Kriegsherr pensionierten Offizieren mitteis K a b i n e t t s j u st i z die Erlaubnis zum Tragen der Uniforin, ja sogar den Titel entziehen kann, wenn nur vorher ein ehren- gerichtliches Verfahren eingeleitet wird, so ist eS klar, daß ein Erlaß, der pensionierten Offizieren die Kritik an militärischen Einrichtungen verbietet, zwischen den Zeilen immer die Drohung mit dem Verlust der Uniform, ja des Titels enthält. Mag auch kein Wort eine solche Drohung andeuten, die Offiziere werden sich sofort denken:„Aha, wenn Du den Mund nicht hältst, schickt man Dir das Ehrengericht auf den Hals und dann bist Du so oder so geliefert. Auch wenn das Ehrengericht Dich milde behandelt, im Kabinett wird das Nötige nachgeholt." Ferner sagte der Herr Oberst Valette du Bar in der näm- lichen ReichstagSsitzung. als die plötzliche Verabschiedung der Militär- richter deS Bilse-Prozeffes kritisiert wurde:„DaS Recht der An- stellung und Verabschiedung von Offizieren gebührt der Krone. Das Kriegsministerium wirkt dabei nicht mit." Wenn also ein Offizier irgendwo abgesägt wird, so ist das Kriegs- Ministerium daran so unbeteiligt, wie an der Erschaffung der Welt. Der Kaiser kennt die 18 003 Offiziere, die ihm unterstehen, natürlich alle persönlich, er weiß von allen selbst ganz genau, ob sie ihre Züge, ihre Compagnien, Bataillone zc. richtig führen und braucht daher niemanden, der ihn darüber informiert, wer avancieren und wer ins Land der Cylinder und Regenschirme verbannt werden soll. So sähe die Sache aus, wenn der Herr Oberst Valette du Bar Recht hätte. In Wirklichkeit ist sie aber so, daß die zur Qualifikation berechtigten Vorgesetzten darüber entscheiden, ob ein Offizier befördert oder pensioniert wird. Qualifizieren sie ihn für die»ächst höhere Stelle, so avanciert er. qualifizieren sie ihn nicht, ,0 Wird er verabschiedet. Und das KriegSininistermm ist, so viel wir wissen, jene Behörde, die auf Grund der Qualifikationen die Offiziere zur Beförderung oder Verabschiedung vorschlägt. Da daS Volk die Pensionen bezahlen muß, ist das Kriegsministerium für sie auch der Volksvertretung verantwortlich. Möglich, daß in Preußen bei den Verabschiedungen auch das Militärkabinett mitspielt, aber das KriegSininisteriuin wird sich hier doch nicht gänzlich aus- schalten lassen! Mit der Behauptung, daß die Anstellung und Ver- abschiedung der Offiziere ein Kronrecht sei, hat der Herr Oberst den Herren vom„ersten Stand" keinen Dienst erwiesen, denn er hat ihnen damit eine Stellung ä la Hoflakai zugewiesen. Einen Hoflakai kann der König auch fortjagen, sobald es ihm beliebt.— politische CUberficbt. Berlin, den 24. Mai. Südwestafrika. Gouverneur L e u t w e i n meldet aus Windhuk: Estorff ist am 21. von Otjosondu auf Okamatangara vorgerückt, dabei ist von Oberlieutenant Böttlin eine Herorowerft überrascht und ihr Vieh und ein Teil der Waffen abgenommen worden. Major v. Estorff scheint gegen Waterberg vorgehen und den Hereros den Weg zum Eiseb verlegen zu wollen. Neue Unruhen im Süden? Kapstadt, 23. Mai. s„Laffan"-Meldung.1 Im Gesetzgebenden Rat teilte der Kolonialsekretär der Kapkolonie mit, die Regierung habe Nachrichten erhalten, daß die Bondelzwarts wieder in un- zustiedener Stimmung sind und entweder eine neue Erhebung gegen die deutsche Herrschaft oder einen Trekk auf britisches Gebiet planen. Es habe sich daher für die Kapregierung die Notwendigkeit ergeben, eine Bewachung der Grenze anzuordnen, die große Kosten verursache. Ueber dieLageim Aufstandsgebiet schreibt Generalmajor v. Franyois im„Militär-Wochenblatt": „Die langen Pausen, die der südafrikanischen Kriegführung eigen sind, haben etwas Einschläferndes und Beruhigendes. In der Heimat gewinnt man hier und da vielleicht den Eindruck, daß zu wenig ge than werde. Diese Ansicht ist indes nicht zutreffend: wir hatten nur bisher kein Glück mit unfern Operationen. Jetzt, in der Mitte des Mai, standen unsre inzwischen bedeutend verstärkten Truppen fast genau in denselben Stellungen, wir zwei Monate vorher. DieHereroS dagegen haben ihre Stellungen so verändert, daß sie schwerer wie damals zu fasien sind. Die Verstärkung der deutschen Truppen bei Okahandja Ende April scheint ihnen unheimlich geworden zu sein. Sie haben ihre Lager in dem dichten Busch bei Katjapia Anfang Mai aufgegeben. Die Okahandja-Hereros unter Samuel und Assa scheinen nach der Gegend vier Märsche östlich von Omaruru und Outjo gezogen zu sein. Es ist möglich, daß sie noch weiter nach Norden wandern. Das Gerücht ist verbreitet, daß Sainuel zu den Ovamdo will. Vielleicht geht er in das menschenleere Kaokofeld, oder er macht eine Schleife über Otawi zu den Waterberg-Herero, oder er ist nur in der Absicht nach Norden gegangen, um unsre Truppen nach dem Norden zu ziehen, und kehrt dann wieder nach den Onjati-Bergen zurück. Wer hindert ihn daran? Die Owambanderu unter Tjetjo, Kajata und Mambo sind nach Nordosten gewichen. Niemand wird es ihnen wehren, sich den Waterberg-Herero anzuschließen, mit Teilen den Okowango aufzusuchen oder im Sandfeld zu verschwinden. JndenOnjati- und Ondruhimgu-Bergen sind kleinere Banden der Okahandja-Leute und Owambanderu zurückgeblieben, während die Masse in lauter einzelnen Banden auf allen Wegen und neben diesen in stets zu- nehmender Breite den Marsch nach Norden ausgeführt hat. Die andren Herero-Stämme haben ihr von Mitte Februar an beobachtetes passives Verhalten auch in der zweiten Hälfte des April und der ersten Hälfte des Mai beibehalten. Ihre Krieger befinden sich noch immer in der Nähe ihrer früheren Hauptorte in Lagern und decken das Weideland für ihr Vieh. Die HereroS von Otjimbingue stecken zum Teil noch im Khomas- Gebirge; die HereroS von Omaruru befinden sich in den Omatako- und Erongo« Bergen; die Owatjimba- Hereros sind im Kaokofeld und die an Zahl mächttgen Waterberg- Hereros sitzen anr Water- berg und mittleren Omuramba. Alle diese Stämme haben durch Spione Fühlung an»nsre Truppen. Kleinere Banden suchen in der Nähe der Ansiedlungen zu rauben, was noch zu rauben ist. Verstärtt werden diese Banden durch da� Raubgesindel aller umwohnenden Stämme. Räuberbanden von Hottentotten, Busch- inännern und Bergdamara machen das Grenzgebiet zum nördlichen Nama-Lande und den Osten und Westen des Herero-Landes unsicher. Im Norden droht die Ovambo-Gcfahr. Seit dem Angriff auf die Station Namutoni haben die Ovainbo nichts mehr unternommen. Im April und Mai sind sie mit der Ernte beschäftigt. Danach sind sie vielleicht wieder kriegslustiger, Unruhen unter den portugiesischen Ovambo geben zu denken. Trotzdem halte ich die Ovambo-Gefahr für fernliegend."—_ Die parkamentarische Lage in Frankreich. Paris, 21. Mai. sEig. Ber.) Die Wiedereröffnung der Kammer steht im Zeichen des Konfliktes mit dem Vatikan. Dieser Umstand allein würde schon genügen, um die ministerstürzenden Hoffnungen der Oppositton im Keime zu vernichten. Die fünf Gruppen des Bloes(feit der Spaltung der Linksradikalen in treue und Muß-Ministerielle zählt der Bloc eine Gruppe mehr) haben sich in der Abwehr des gemeinsamen Feindes zusammeng esund en. Es wurde einstinimig beschlossen, daß die Abberufung des französischen Botschafters am Battkan bezw. dessen Beurlaubung auf unbestimmte Zeit eine notwendige und hinreichende Antwort auf die päpstliche Herausforderling wäre. Der außerordentliche Ministerrat hatte einen Tag vorher dasselbe beschloffen. Der ftanzösische Botschafter am Vattkan ist heute abberufen worden. Und was nun? Die Maßnahme bedeutet noch nicht einmal einen vollständigen diplomattschen Bruch mit dem Vatikan, da an Stelle des Botschafters ein Botschaftssekretär mit der Geschäfts- sührung bettaut ist. Es handelt sich vorderhand lediglich um eine formale und zeitweilige Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen. Von da bis zum definitiven und wirklichen diplomatischen Bruch, bis zur Abschaffung der Botschaft, die die Kündigung des Konkordats voraussetzt, liegt ein weiter Weg. Wird sich nun der Konflikt bis zu seinem logischen Ende fortentwickeln? Die Haltung der Bloc- Gruppen spricht dagegen. Der erwähnte Beschluß der Regierungs- Mehrheit bedeutet die absichtliche Eindämmung des Konflikts. Tonangebend war dabei der rechte Flügel des Blocs, die„Demokratische Umon", die die Trennung zwischen Kirche und Staat nach wie vor ablehnt. Ja. selbst der jaurssistische Abgeordnete B r i a n d, der Urheber und Berichterstatter des„Vorentwurfes" betreffend die Tremiung zwischen Kirche und Staat, warnt in der „Hlinianitö" vor—„ungeduldigen Schritten" und mahnt zur„Kalt- blütigkeit":„Diejenigen, die in der Auftegung, die die Veröffent- lichung des päpstlichen Dokuments in der Kammer und im Lande hervorgerufen hat, ein Mittel zu erblicken glauben, die Ereignisse zu überstürzen und sogleich mit einem Schlage die Trennung zwischen Kirche und� Staat zu verwirklichen, sind offenkundig der Spielball einer Illusion.... Die Trennung ist wohl das zu erstrebende und zu erlangende Ziel, aber es wäre ein Wahn zu glauben, daß sie gegenwärtig durchführbar ist. Der endliche Erfolg kann nur sein die Krönung aufeinanderfolgender und methodischer Anstrengungen..." Briand erinnert die„Ungeduldigen" daran, daß die ttennungSfteundliche Mehrheit der Kaminerkommission bloß eine Stimme betrage. Er hätte hinzufügen können, daß die Kammer selbst keine Mehrheit für dle Trennung aufweist. Wenn aber der Urheber des Trennungsentwurfes die Gunst der äugen- blicklichen Situation von vornherein staatsmännisch zu verscherzen entschlossen ist, so ist eine solche Takttk der Anpassung an die Forderungen der priucipielleu Gegner der Trennung freilich nicht geeignet, die„Krönung" besagter Anstrengungen herbeizuführen. Auf den nächsten Freitag ist die Beratung einer linksradikalen und einer revolutionär- socialistischen Interpellation über de» Konflitt mit dem Vatikan angesetzt worden. Briauds kaltblütige Auffassung wird dann desto sicherer recht behalten, als ihre offene Fornnilierung iin voraus die Position der Trennungsgegner verstärtt. Der Konflitt mit dem Vatikan macht daS Ministerium wie gesagt bis auf weiteres unantastbar. Die unsicheren Kantonisten des BlocS haben es sich jedoch nicht nehmen lassen, im Bunde mit der klerikal- melinistischen Opposition wieder einmal eine regierungsfeindliche Kundgebung zu veranstalten. Die Gelegenheit dazu lieferte die Wahl der Budgetkommission. Die Muß-Ministeriellen rächten sich in dieser geheimen Zettelwahl für ihre ö f f e n t- lichen ministeriellen Abstimmungen. So kam zu stände eine Budgetkommission, die eine antimini st erielle Mehrheit von 18 gegen IS Mitglieder ausweist. Bei der Wahl der einzelnen Berichterstatter wurden dann die klerikal-inelinistischen Bundes- genossen mit mehreren Berichten bedacht, wenn auch persönliche Momente die Wahl von 11 ministeriellen Berichterstattern, darunter der bisherige Generalberichterstatter, gegen 10 antinlinisterielle bewirkt haben. Zum Vorsitzenden wurde der anttministerielle Radikale D 0 u m e r wiedergewählt, der sich schon ganz offen als der Nach- folger Combes geberdet. Am Vorabend der Wiedereröffnung der Kammer hat Doumer eine regelrechte Oppositionsrede gehalten auf einem Bankett der im bürgerlichen Fahrwasser schwimmenden Arbeiter-Produktivgenossenschaften. In jener Rede zeigt er sich klarer denn je rnntatis rnutandis— als ein französischer Chamberlain, zu jedem demagogischen Kniff bereit, um daS Ziel seines Ehrgeizes zu er- reichen. Mit Mllerand bekämpfte er den Combesschen Anti- klerikalismus namens der socialen Reformen. Mit den bourgeoisen heuchlerischen Freunden dieser Reformen betonte er andrerseits die finanziellen Schwierigkeiten, die sich den Reformen entgegenstellen. Dagegen verlangte er mit den„Pattioten" die Förderung des Militarismus und besonders der Kolonialpolittk ohne Rücksicht ans die Finanzlage. Mit den Franko-Russen aller Schattierungen ver- kündete er den heiligen Krieg gegen die„gelbe Gefahr". Und seine Rede klang aus in den echt nattonalistischen Ruf:„Wir sind Siepublikaner, aber vor allem Patrioten!" Diese Gegenüber- stellung von Republikanismus und Patriotismus im Munde eines offiziellen„Radikalen" spricht Bände. Man begreift, daß Doumer nun zum verbätschelten Liebling der gesamten Opposition geworden ist. Sie hofft, daß seine formal demokratische Parteizugehörigkeit ihr den Ministersturz erleichtern wird. Sic braucht den Doumer desto nötiger, als sie an der eignen Kraft vollständig verzweifelt. Haben doch die Nationalisten die be- reits in den Ferien eingebrachte Jnterpellatton über die„allgemeine Politik" auf den Rat der Melinisten wieder zurückgezogen, um nicht dem Mnffterium einen sicheren und leichten Sieg zu verschaffen, nachdem die Gemeindewahlen ttotz der teilweisen ministeriellen Niederlagen in den großen Provinzstädten im ganzen der Regierung günstig waren. Indes kommt Doumer als Retter der Reattion jedenfalls zu früh. Der Konflikt mit dem Vattkan fährt ihm durch die Parade. Und dann steht auf der Tagesordnung der Kammer zunächst der vom- Senat bereits votierte Entwurf betteffs der zweijährigen Dienstzeit, der den Rest der Session ziemlich ausfüllen wird.— Dcutfcbcö Reich. Ein Künstler. Vor Jahren hat der Kaiser den italienischen Komponisten Leoncavallo, dessen Produkttvität nach den „Bajazzi" versiegte, zur Ausarbeitttng einer Oper„Der Roland von Berlin" angeregt. Leoncavallo ist mit vielem Fleiß dem kaiserlichen Wunsche nachgekommen; er hat sich in die dem Italiener gänzlich fremde Welt des norddeutschen sechzehnten Jahrhunderts einzuleben versucht und er hat sich wirklich die mühsame Arbeit abgerungen. Am Montag hat er dem Kaiser das Werk überreicht. Mitten in einer Parade in Potsdam wurde die Ueberreichung insceniert. Leoncavallo nahm an dem im Anschluß an die Parade eingenommenen Frühstück teil und nun entwickelte sich, nach der Schilderung eines höfischen Lokalblattes, diese Episode: „Nach dem Frühstück reicht der Kaiser dem Dichterkomponisten die Hand und fragt ihn:„Und der Roland?" Ein Diener überbringt die kostbar ausgestattete Partttur, die der Monarch mit dem Ausruf in Empfang nimmt:„Ah, wie wundervoll l Aber das ist ja prächttg l DerKaiser: Ich sehe, daß das Werk mir gewidmet ist, und ich bettachte es als eine große Ehre, meinen Namen mit dem eines solchen Werkes verbunden zu sehen. Leoncavallo: Nein, M a j e st ä t. Den grZßtt» und den ciiizige» Ruhm giclit diese»! Werke der Name Eurer Majciiät. Der Kaiser(zu Excelleiiz v. Hiilscii): Jetzt ist c-Z hre Sache, das Werk soinScene zusetzen, daß der Maestro vollkoin>,.eu zufriedcu ist, Leoncavallo scheint der Ansicht zu huldigeir daß seine neue Oper musikalisch Ruhm nicht bringen wird. Er tröstet sich am Ruhm der Fiirsteuguust.— Der mysteriöse Todesfall. Der plötzlich verstorbene junge Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg wird nun mit allem Trauerpomp in die Heimat über- führt und dort beerdigt. Sein Ableben hat keinerlei geschichtliches Juteresse und es wäre darüber ebensowenig zu reden, wie beim Ab- leben zahlreicher aichrer Sterblicher geredet wird, wenn der Fall nicht zeigte, wie eifris an den Höfen bis in den Tod hinein das Wirkliche verhüllt und die Wahrung des Scheins versucht wird. Der nach Kiel entsandte Bevollmächtigte des mecklenburgischen Staats- Ministeriums hat diesen Bericht erstattet: „Die von mir an Ort und Stelle angestellten Ermittelungen, mit denen das Ergebnis der militärgerichtlichcn Untersuchung übereinstimmt, haben ergeben, daß der Tod Seiner Hoheit des Herzogs Paul Friedrich(Sohn) zu Kiel in der Nacht vom 19. auf den 2V. Mai d. I. vor 2 Uhr eingetreten ist. Seine Hoheit am Morgen des 20. Mai um 7 Uhr als Leiche aufgefunden wurde und mit grösttcr Wahrscheinlichkeit auzuuehmcn ist, daß der Tod auf einen Unglücksfall bei gymnastischen Urbnagen, die Se. Hoheit vor dem Schlafengehen angestellt hat, zurückzuführen ist. Diese Feststellung hat durch die heutige Sektion volle Bestätigung gefunden. Liiel, den 21. Mai 1904. gez. Langfeld. Der Bericht ist nur geeignet zu beweisen, daß Ministerial-Be- vollmächtigte nicht die geeigneten Personen sind, um Todesursachen festzustellen. Es müssen eigenartige gymnastische Hebungen gewesen sein, die den Tod herbeigeführt haben. Und wie kam es denn, daß eine militärgcrichtlichc Untersuchung angestellt wurde?— Die Rcichs-Jnstizkommissiou, welche die StrafrcchtS-Reform vor- bereiten soll, nahm am 16. Mai ihre Beratungen wieder auf. Sie erledigte den Abschnitt über die Abgrenzung der s a ch l i ch e n Zu- stand ig keit der Gerichte. Es wurden, der„Köln. Ztg." zufolge, Beschlüsse gefaßt über die Zuständigkeit der Strafkamnier und des Schöffengerichts bezw. der Mittlern und der großen Schöffengerichte. Die wichtigsten Streitfragen, die den Reichstag beschäftigten, waren bekanntlich, ob Strafkammer oder Schwurgericht den Meineid, das Verbrechen der Unzucht in den Fällen des§ 176 Skr. 1 und 2 des Strafgesetzbuchs, der Urkundenfälschung in den Fällen des Z 268 Ziffer 2 und§§ 272 und 273 des Strafgesetzbuchs und des Bankrotts in dem Falle der§§ 239 und 242 der Konkursordnung aburteilen sollen. Die Konnnission trat sodann in die Beratung der wichtigen Frage der E i n f ü h r ri n g der Berufung und der Ausgestaltung der zu bildenden Berufungsinstanzen, insbezondere ob das Berufungsgericht bei den Landgerichten oder Oberlandesgerichten zu bilden ist. Diese Materien wurden erledigt und damit auch der wichtigste Teil der Beratung. Es ist in der ersten Lesung außer dem Reste des Abschnitts Berufung nur noch die Beratung der über d« Titel Revision gestellten Fragen zu entscheiden. Hierzu ist die am 6. Juli beginnende Tagung bestimmt. Mit der Tagung im Juli endigt die erste Lesung. Die zweite Lesung beginnt im Oktober d. I.—_ Ein reaktionäres Musierparlament. Man schreibt uns aus Stuttgart: In ihrer Freitagssitzung befaßte sich die K a m m e r der S t a n d e s h e r r e n mit der von der Regierung eingebrachten und von der Kammer der Abgeordneten in den Grundzügen angenonmicnen Novelle zum Schulgesetz. Wie vorauszusehen war, fanden die feudalen Herren zwar Wohl- gefallen an der Novelle, soweit sie eine Stärkung der kirchlichen Schulaufsicht bedeutet, fcondierten aber gegen die unwesentliche Konzession, die die Novelle in einen, Punkte an die in Württemberg seit Jahren vergeblich erhobene Forderung nach weltlicher, fachmännischer Schulaufsicht macht. Die Vor- läge behält die geistliche Orts schulanfsicht unverändert bei und überträgt die Oberaufsicht über das Schulwesen an zwei konfessionelle Körperschaften: für die katholischen Volksschulen dem katholischen Kirchen rat, für die evangelischen dem evangelischen Oberschulrat. In Bezug auf den Religionsunterricht wird die Leitung dem Evangelischen Konsistorium bezw. dem bischöflichen Ordinariat in Rottweil zu- ge>prochen. Nur in der Bezirks schulaufsicht bringt die Novelle eine zaghafte und halbe Verbesserung: es wird bestimmt, daß zu Bezirksschulinspektoren sumnittelbaren Vorgesetzten der Ortsschul« inspcktoren) sowohl Geistliche als auch S ch u lm än n e r bestimmt werden können. Vergeblich versuchte bei Beratung der Novelle in der Zweiten Kammer Landtags-Abgeordneter Genosse Hilden» b r a n d t die Mehrheit und� die Regierung dazu zu bewegen, den Atavismus der geistlichen Schulaufsicht radikal zu beseitigen. Die Regierung hatte Furcht vor den katholischen Standesherren, die nach der Pfeife deS Rottweiler Bischofs tanzen, und die Süddeutsche Volkspartei half die weitergehenden socialdemokratischen Anträge uiederstimmen, weil man nur das„Erreichbare" fordern dürfe. Es blieb auch fruchtlos, daß die in ihrer großen Mehrzahl volksparteilichen evangelischen Lehrer sich mühten, ihren parla- nicntarischen Vertreter» den Nacken zu steifem Selbst daß der katholische Volksschullehrer-Verein es wagte, aufzumucken, und in einer Eingabe an den Landtag die Aufhebung des geistlichen Aufsichtsrechts in den„Welt- lichen" Fächern nach der technischen Seite hin verlangte, hatte keine Wirkung. Regierung und Volkspartei zeigten wieder einmal, daß sie nichts gelernt und alles vergessen hatten. Die Erste Kammer Württembergs kann nur eingeschüchtert werden, nimn, ermehr aber überzeugt. Dieser Karikatur eines Parlaments läßt sich allen- falls nur noch der mecklenburgische Landtag vergleichen. Das preußische Herrenhaus ist im Vergleich zu ihm eine lebens- stroyende Körperschaft voll frischer Säfte und grünender Triebe. Diese privilegierte Stellung dieses merkwürdigen feudalen Ueberbleibscls findet auch in Nebendingen ihren Ausdruck.— Der Präsident der Ersten Kammer erhält eine Be- zahlnng von 13 009 M. jährlich, der der Zweiten nur von 8099. Die Abgeordneten der Zweiten Kammer müssen sich mit einem Tage- gcld von einem Dukaten begnügen, während die 24 Standesherren mit i'/e Dukaten pro Tag entschädigt werden. Dabei sind die Herren Grafen und Fürsten faul und unfähig, die Arbeiten selbst zu erledigen, so daß dre Regierung ihnen immer eine Anzahl(jetzt sechs) Beamte, die zu„lebenslänglichen" Mitgliedern der Ersten Kammer ernannt werden, für die Erledigung der Geschäfte zur Verfügung stellen muß. Viele der Standcsherren ziehen es vor, ihre gesetzgeberische Thätigkeit in abssntia auszuüben. Sie treiben sich auf den Spiel- und Rennplätzen in aller Welt umher, aber ihre Stimme geht deshalb nicht verloren: sie dürfen ihr Stimmrecht an einen ebenbürtigen Kollegen übertragen und diese„Geisterstimmen" entscheiden bcstimniend über das Schicksal der wichtigsten Gesetzesvorlagen! Die in der Schulfrage bekundete Zaghaftigkeit der Regierung ließ den adeligen Gesetzgebern den Kamm gcwalng schwellen. Die Regierung muß wieder die Er- fahrung machen, daß es nicht gut ist, sich zwischen zwei Stühle zu setzen. In der Abgeordnetenkammer mußte Kultusminister v. Weizsäcker gegenüber den Socialdcmokraten die geistliche Schulaufsicht verteidigen. Mit seinen eignen Argumenten konnten ihm die katho- lischen Fürsten der Ersten Kammer entgegentreten. Hohnvoll betont der Kommissionsbericht, daß die Liegierung in der Zurück- drängung der auch ihr nicht erwünschten Be- st r e b u n g e n bisher durch die Rücksicht auf das bei der Ersten Kammer„Erreichbare" wirksam unterstützt wurde. So kam der KultnSininister in die üble Lage, in der Ersten Kammer das Gegenteil dessen„beweisen" zu müssen, was er in der Zweiten Kammer bewiesen hatte und spielte eine recht klägliche Rolle. Man kann es dem Grase» Piickler nicht verarge», wenn er den Minister verulkte und mit ernsthafter Miene den Antrag stellte, man solle die Ernennung von Lehrern zu Bezirksschulinspektoren nicht principiell ablehnen, sondern die Entscheidung vertrauensvoll in die Hände der beiden— Ober-Kirch eubehörden legen I Zur Beratung dieses Antrages wurde die Vorlage wieder au die Kommission zurückverwiesen, wo sie nun unbestimmte Zeit ruhen wird. Welches ihr endliches Schicksal sein wird, läßt sich heute noch nicht mit Sicherheit sagen. Den sechs evangelischen Standesherren und sechs evangelischen von der Regierung ernannten Mit- gliedern stehen 14 katholische Standesherren und die vier katholischen Prinzen des Königshauses gegenüber. Da der Hauptwidcrstand gegen das Gesetz von katholischer Seite aus- geht, wird die Entscheidung davon abängen, ob die königlichen Prinzen— wie sie es früher schon oft gethan haben— niit den katholischen Standesherren gegen die königliche Re- g i e r u n g gehen. Die tiefe Abneigung gegen diese fossile Körper- schuft wird aber aus ihrem Verhalten in der Schulfrage neue Nahrung ziehen, und die Socinldemokratie wird nicht unterlassen, ihre Agitation gegen die Erste Kammer unter Hinweis auf diesen neuen Beweis reaktionärer Harthörigkeit zu vertiefen.— Für die Ersatzwahl in S t r a ß b u r g- L a n d ist der Stichwahl- termin auf den 2. Juni anberauint. Nach dem amtlichen Wahl- ergebnis erhielten im ersten Wahlgang H a u ß(klerikale Landes- Partei) 822S, Rechtsanwalt Dr. Blume nthal(Demokrat) 7876 und Meyer, Schreiner in Stratzburg(Soc.) 1479 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug wie im vorigen Jahre über 99 Proz. der Wahlberechtigten. Hanß erhielt 75 Stimmen weniger als am 16. Juni. Unser Parteigenosse Wegen hatte damals 3997 Stimmen, wovon die Hälfte jetzt scbon im ersten Wahlgang auf den Demo- kraten übergegangen ist, da ein socialdemokratischer Sieg nicht in Frage kam. Rechtsanwalt Blumenthal erhielt am 16. Juni v. I. 6398 Stimmen. Es versteht sich, daß die socialdemokratischen Wähler in der Stichwahl für den Demokraten stimmen werden.— Der internationale Kongreß für gewerblichen Rechtsschutz wurde am Dienstag im ReichStagSgebäude eröffnet. Graf Posadowsky hielt die erste Begrüßungsansprache, in der er u. a. ausführte: „Das älteste Patentgesetz vom Jahre 1623 verdankt seine Entstehung dem Lande, in welchem sich zuerst eine industrielle EntWickelung im Sinne der Neuzeit zeigte, nämlich England. Erst Ende des 18. und im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden Hand in Hand niit der aufblühenden Massenerzeugung von Giitenr ähnliche Grundsätze mich von andren Staaten gesetzlich festgelegt. Gleichzeitig mit dem Streben nach verstärktem Schutze geistigen Eigentums überhaupt gehen in unsrer Zeit, wo neue Erfindungen häufig auf jahrzehntelangen, sehr umfangreichen und kostspieligen Versuchen beruhen, die Wünsche auf einen wirksameren Völker« rechtlichen Schutz von Erfindungen, Gebrauchs- und Geschmacksmustern, und es wird meines Erachtens mit Recht ein solcher Schutz insbesondere für Erfindungen auch dann verlangt, wenn dieselben wie alle chemischen Erfindungen durch Modelle nicht darstellbar sind. Demgegenüber bewegen sich die Wünsche der großen Masse der Verbraucher zum Teil im entgegengesetzten Sinne; es ist die besonders schwierige Aufgabe, zwischen diesen widerstreitenden Interessen einen Ausgleich zu finden, der die Früchte geistiger Arbeit in gerechter Weise schützt mnd doch deren Gennß der Allgemeinheit unter billigen Bedingungen ermöglicht. Die völkerrechtlichen Ver- träge, welche bisher zum Schutze gewerblichen Eigentums ab- geschlossen sind, liefern den erfreulichen Beweis, daß sich auf diesem neuen Gebiet allmählich ein allgemeines Rechtsbewußtsein bildet, welches in der landesstaatlichen Gesetzgebung Verwirklichung sucht."— Husland. Ein Dokument des Kampfes wider den Zarismus. Aus Anlaß des bewaffneten Widerstands in der socialdemokratischen Druckerei in Warschau am 27. April hat der Vorstand der Social« demokratie Russisch-Polens eine Proklamation herausgegeben, die über die politische Bedeutung dieses Ereignisses Aufschluß giebt und zugleich ein Dokument des Kampfes mit dem Zarismus bildet. Der Aufruf schildert erst den Sachverhalt der bekannten Vorgänge und fährt dcflm fort:„Arbeiter! Wir sind keine Anhänger des Terrors. Die Socialdemokratie Russisch-Polens und Littaucns betrachtet die Attentate auf den Zaren wie auf einzelne seiner Helfers- Helfer als unnütze Kraftvergeudung, denn an Stelle jedes beseitigten Zaren oder geringeren Satrapen findet sich ein neuer. Unsre Aufgabe ist nicht, die Personen zu beseitigen, sondern das System selbst der absoluten Regierung. Diese aber läßt sich nur aufheben, wenn die Masse des russischen und polnischen arbeitenden Volkes die Notwendigkeit der Befteiung vom Absolutismus wird begreifen lernen und einen unermüdlichen Kampf mit ihm auf- nehmen wird. Der bewaffnete Widerstand in unsrer Druckerei war auch kein Akt des Terrors. Unsre Genossen verteidigten lediglich ihre Freiheit vor dem Ueberfall der bewaffneten Schergen, und in politischen Ver- Hältnissen, wo für jede Bewegung, für jedes fteiere Wort Sibirien, Gefängnis, Zwangsarbeit droht, da ist die Notwehr ein heiliges Menschen- und Bürgerrecht! Die fünf Gendarmen und Polizisten, die bei dem bewaffneten Widerstand am 27. April ihr Leben ver- loren haben, sind als Opfer der zarischen Regierung gefallen, deren Werkzeuge sie waren in der niederträchtigen Bestrebung, die Arbeiter- bewcgung zu erdrosseln. Genossen! Die Vorgänge in unsrer Druckerei haben wieder die furchtbaren politischen Verhältnisse grell beleuchtet, in denen wir I-ben. Ueberlegen wir uns einmal: auf was fahndeten denn die Gendarmen? Weshalb verfolgen sie so wütend gerade die socia- listischen Druckereien? In der ganzen Welt beinahe, nicht bloß in Europa, sondern selbst in dem Japan, das die Tintenkulis der Zarcnregierung als„asiatisches Land" verhöhnen, selbst dort herrscht heutzutage Redefteiheit, Koalitions- und Vcreinsrecht, Preßfteiheit. Bei uns in Rußland herrscht noch mittelalterliche Alleinherrschaft. Die despotische Regierung, die sich zur Schildwache der kapitalistischen Ausbeutung gemacht hat, verhindert jede Be- wegung des arbeitenden Volkes, des russischen wie des polnischen, sie zermalmt jede Brust, die nach Freiheit lechzt. Und während die leibliche Existenz und die persönliche Freiheit der„Unterthanen" der allmächtigen Faust der Gendarmen ausgeliefert sind, herrscht über den Geistern der tausendmal schlimmere Censor, der den freien Ge- danken, das gedruckte Wort erdrosselt, der auf der Lauer liegt, damit die polnische und russische Presse ja nichts andres verbreitet als niederträchtigen Sklavengeist und Kadavergehorsam. Und nun zum Kampfe mit der Herrschaft der nackten Gewalt schaffen sich die klassenbewußten Arbeiter geheime Druckereien. Bedenken ivir: was ist eine socialistische Druckerei in unsren Ver- Hältnissen? Nicht etwa in einem Prnnkgebäude, nicht bei Hellem Schimmer elektrischer Bogenlampen, nicht bei triuniphierendem Gerassel der Rotationsmaschinen,', wie in modernen Unternehmungen, sondern irgendwo in der Dachkammer bei einem armen Schuhmacher, gehüllt in nächtliches Dunkel, mit größter Mühe, mit primitivsten Werkzeugen schmieden die Arbeiter ihre geistige Waffe zum Kampfe um die Befreiung — das freie gedruckte Wort, das das Evangelium des Socialismus in die Massen tragen soll. Und eben diese Herde der Aufklärung, diese dem Würgengel Censor entschlüpften freien Worte verfolgen die Diener des absoluten Regims mit ihrem größten Hassel Jeder bestechliche Beamte, der das Publikum brandschatzt und betrügt, ist hier seiner Straflosigkeit sicher. Die diebischen Tschinolvniks der Intendantur, die die Soldaten aushungern, um ihre Taschen mit gestohlenem Geld zu füllen, sie alle bleiben straf- los. Aber wehe den Socialdemokraten, die in Polen und in Ruß- land, der Gewaltherrschaft trotzend, den 1 unterdrückten Volksmassen den Weg zur Befteiung weisen! Dieselbe Rotte der Regierungs- bauditen, die jetzt im Kriege mit Japan durch eignen Leichtsinn und Diebereien Tansende von Menschen an die Schlachtbank schleppen, bereiten jetzt eine furchtbare Rache für ihre fünf getötetcir Schergen. Welches Schicksal harrt unsrer festgenommenen Genossen?— Wer vermag die blutige Lösung der Gerichtsfarce im Zarenreiche zu erraten? Dort, wo als Recht und Rechtsprechung die ungezügelte Willkür der Alleinherrschaft gilt, dort müssen die Freiheitskämpfer auf alles gefaßt sein: auf Sibirien, Zwangsarbeit, Schlüsselburg, ja selbst auf den Galgen.... „Genossen! In dem kleinen Drama des bewaffneten Wider- standes in unsrer Druckerei hat sich das ganze furchtbare historische Drama wicderspiegelt, das den Inhalt des heutigen socialen Lebens im russischen Reiche bildet. Es ist dies ein Ringen der Finsternis mit dein Licht, der nackten brutalen Gewalt mit der Befteiungsidce. Solchen ungeheuren Verhältnissen darf das Gros der polnischen Arbeiter nicht gleichgültig und unthätig gegenüberstehen. Wir müssen der despotischen Regierung zeigen, daß sie mit der Faust und der Knute die Idee des Socialismus nicht zu unterdrücken vermag. Die weitesten Kreise unsres Proletariats müssen sich jetzt bewußt werden, daß es ihre Pflicht ist, in Reih' und Glied der Social- demokratie zu marschieren, die bereit ist, die Arbeitersache mit ihrer Brust zu decken, die ihrer Klassenbefteiung den Weg bahnt, ohne die Opfer zu zählen, ohne auf die Martern zu achten, die ihrer warten. So möge denn der Kampfruf der Socialdemokratie: Nieder mit dem Absolutismus! zuin unaufhörlichen Ruf der ganzen großen Masse der Ausgebeuteten und Unterdrückten von einem Ende zum andren des russischen Riesenreiches werden! „Und nun noch einige Worte an jene Kreise der polnischen bürgerlichen Intelligenz, die nicht unmittelbar von der Ausbeutung der Arbeiterschaft leben und sie nicht als unantastbaren normalen Zustand betrachten. Bis jetzt war die einzige Schicht unsrer Gesellschaft, die Hand in Hand mit den russischen Revo- lutionären um die Befreiung von dem Druck des asiatischen Despotismus kämpfte, die ärmste und social am meisten entrechtete Klasse— die Klasse des polnischen Proletariats. Wie gering ist hingegen bis jetzt die Zahl derjenigen Mitglieder der polnischen Intelligenz, die verstanden haben, daß es heutzutage Pflicht jedes ehrlichen, rechtlich denkenden Bürgers im Zarenreiche ist, sich den Reihen der revolutionären Kämpfer anzuschließen, nicht aber in dem engen Jnteressenzirkel der persönlichen Karriere und des Strebertums aufzugehen. Wird es denn die polnische Intelligenz auch fernerhin dulden, daß das polnische und russische Proletariat allein die furchtbaren Kosten des Kampfes um die politische Freiheit im russischen Reiche tragen, um die Freiheit, von der doch die Intelligenz gewiß zu allererst profitieren wird? Wird sie denn fernerhin ruhig zusehen, den ungeheuerlichen Willkürakten der Regierungsschergen, den Massenverhaftungen, dem Jammer der Frauen und der Mütter, denen die brutale Geudarmenfaust ihre Gatten und Söhne aus der Mitte der Familie reißt, der Entweihung der Begräbnisse durch polizeiliche Ausschreitungen, dem Massakrieren des ruhigen Publikums durch RegieruugSdiener?! „Wir hoffen, daß nach all den erschütternden Momenten und Schauspielen, deren Zeuge Warschau in der letzten Zeit war, die besten Elemente der polnischen Intelligenz zahlreicher als bisher zum Kampslager des Proletariats herbeieilen, daß sie ihre Kräfte und ihr Leben in den Dienst der großen Sache stellen werden, die zugleich die Sache der Befreiung der ganzen Menschheit von der schmachvollen heutigen politischen und socialen Ordnung ist. „Nieder mit der Alleinherrschaft! Es lebe die politische Freiheit I Es lebe der Socialismus! Der Vorstand der Socialdemokratie Russisch-Polens und LittauenS".— Frankreich. Protestaktion gegen die RusscunuSweisungen. Paris, 23. Mai.(Eig. Ber.) Die Scine-Föderation der?. 8. ckg F. hat zusammen mit dem Verteidigungskomitee der socialistische» Organisationen Rußlands eine Prote st Versammlung gegen die Austoeisung Burtzews und Krakows ver». an st alt et. Der geräumige Versammlungssaal war drückend voll. Den Vorsitz führten die Genossen V a i l l a n t und Bracke. Die Reden der französischen und russischen Redner fanden großen und einmütigen Beifall. Genosse Abg. S e m b a t gab in seiner wirk- samen Rede bekannt, daß die revolutionär-socialistische Kammer« fraktion beschlossen habe, die Regierung wegen des Willküraktes und ihrer Liebedienerei gegenüber dem Zarismus zu interpellieren. Die imposante Versammlung schloß mit dem einstimmigen Votum einer Protestresolution, in welcher die Regierung aufgefordert wird, die Ausweisungen rückgängig zu machen. Die Protestaktion soll energisch weitergeführt werden. Man darf darauf gespannt sein, ob auch die ministeriellen Socialisten ihrer- seits an der Aktion teilnehmen werden, nachdem ihre Versuche bei Combes, die Ausweisungen zu verhindern, fehlgeschlagen waren.— Zur französischen Militär- und Biindnispolitik. Ans A r r a S, 23. Mai, wird gemeldet: Präsident L o u b e t ist heute hier eingetroffen und wurde' von einer zahlreichen Menschen- inenge mit Hochrufen auf ihn, auf Combes und auf die Republik begrüßt. Beim Empfange einer Abordnung von Offizieren bemerkte der Präsident, die Hingebung und derjPflichteifer in der Armee würden in dem Maße wachse», wie die militärische Dienstzeit ver- kürzt würde. Auf der Stärke deS Heeres seien die Bündnisse und Sympathien begründet, deren sich Frankreich bisher erfteut habe und die, wie er hoffe, auch in Zukunft zunehmen würden. In Erwiderung auf eine Rede des Bürgermeisters führte der Präsident aus, die auswärtige Politik Frankreichs sei in ihrem Ziele unverändert geblieben. Sämtliche Ministerien seien von demselben Gefühle beseelt, dem der Auftech terhaltung des Friedens, der Be- festigung von Bündnissen, Freundschaften und Be- Ziehungen, die Frankreich mit Rußland, England, Italien und vielleicht einmal noch mit andren Staaten verbinden. Dieses Werk rechne sich die Republik zur Ehre an, er habe sein Bestes daran gesetzt.— Eine neue Spionage- Angelegenheit macht in Paris großes Auf- sehen. Ein englischer A r t i l l e r i e- O b e r st ist in der Nähe der Batterien des sogenannten Großen Felsen bei Bellile verhaftet worden. Der Oberst wurde überrascht, als er im Laufe des Tages alle strategisch wichtigen Punkte besuchte und Aufzeichnungen machte. Er erklärte, er heiße Eduard Schmidt-Gordon und sei Oberst a. D. des englischen Royal-Artillcrie-Regiments. Er scheint davon überzeugt zu sein, daß er gerichtlich nicht belangt werden könne, wurde jedoch in Hast behalten, da sich herausgestellt hat, daß er seit längerer Zeit an der Küste Spionage betrieben hatte. Seit 19. März wird er schon von Geheimpolizisten beobachtet.— Schweden. Stockholm, 24. Mai. Der verantwortliche Redakteur des Blattes „Veckans nyheter", Björkegren. wurde wegen Beleidigung des Kaisers von Rußland und russischer höherer Beamten zu drei Monaten Ge- fängnis verurteilt.— Türkei. Konstantinopcl, 23. Mai. Es verlautet, Cemal-Pascha, der Sohn des verstorbenen Gast Osmau-Pascha und Schwiegersohn des Sultans, sei am Sonnabend mit mehreren Würdenträgern des Iildiz' verhaftet, und einige der Verhafteten seien nach summarischer Untersuchung sofort verbannt worden.— Asien. Die Engländer in Tibet. Dem Reuterschen Bureau wird aus Gyangtse vom 20. d. Mts. gemeldet: Bei der Vertreibung der Tibetaner aus den Dörfern in der Nähe des englischen Lagers fielen zwei Sikhs z ein Offizier und drei Mann wurden verwundet. Die Tibetaner hatten 29 Tote.— Der Krieg in Ostasien. Auf dem Haupt-Kriegsschauplatze Föngwantschöng— Lianjang schcmen die Operationen der beiden gegnerischen Armeen einiger» maßen zu stocken. Ueberaus schlechte Witterung, die die Wege un- passierbar macht, erschwert den Marsch. Nach einer russischen Meldung soll allerdings russische Kavallerie die erste japanische Armee der Föngwantschöng zu umgehen versuchen und sie mit der Gefahr der Abschneidung bedrohen. Ucber die Lage der Dinge an dieser Stelle lieg?» die folgende» Rachrichten vor: PeterStms. 22 Mai. Me ein Telegramm des Generaladjutanten Kuropatkin meldet, beobachteten russische Streifwachen und berittene Abteilungen hinter dem Fintschiulin-Gebirge die Truppen der ersten japanischen Armee. Die in der Umgebung Föngwangtschöngs ver- einigten japanischen Truppen suchen ihre Stellung durch kleine Vorhutabteilungen zu decken, die aus etwa einem Regiment Infanterie mit Artillerie und Kavallerie bestehen. Die japanische Reiterei zeigt sich selten. Aus gestern eingegangenen Berichten läßt sich schließen, daß die erste japanische Annee zusammengezogen worden ist. Zwei Divisionen stehen in Chabalin auf dem Wege Ssiujan— Föngwangtschöng. Föngwangtschöng wird befestigt. London, 24. Mai. Vom Hauptquartier der japanischen ersten Armee wird telegraphiert, daß die Russen bei Föngwantschöng erhöhte Thätigkeit an den Tag legen, während die Japaner still stehen. 2000 Russen stehen bei Siujen(westlich von Föngwantschöng), und Kosaken wurden auf der Straße nach Kauliman, fiinf Meilen südlich von Föngwantschöng, im Rücken der ersten japanischen Armee gesehen. Den Russen ist es daher gelungen, einen Keil zwischen die erste und die zweite japanische Armee zu treiben und dadurch die Lage der ersten Armee zu gefährden. Dir Ansicht des Obersten Gädke. Oberst a. D. Gädke telegraphiert dem„B. T." aus Mnkden: Das Borgehen der Japaner gegen Liaujang ist ins Stocken geraten. Die Ereignisse vor Port Arthur und die von den Japanern nicht geahnte Stärke der Russen ist darauf wohl von Einfluß gewesen. Die Aussichten der Japaner sind von jetzt an gering. Schweres Gefecht bei Port Arthur? Ein Telegramm, welches der russische Konsul in Tschifu nach Petersburg an den Minister des Aeußern richtet, meldet, daß in Tschifu angekommene Chinesen erklärten, daß die Truppen des Generals Stößel ein schweres Gefecht mit den Japanern gehabt hätten. Die Japaner sollen hierbei Verluste in Höhe von tSlX) Mann gehabt haben, während die Russen 300 Tote und Ver- wundete verloren. Auch die Pariser„Temps" berichtet von diesem Gefecht; General Stößel habe einen siegreichen Ausfall aus Port Arthur gemacht. Bei dem sich entwickelnden Gefecht hätten die Japaner über 1000 Mann an Toten und Verwundeten verloren, während auf russischer Seite sich die Verluste nur auf 150 Mann beliefen. Der Ausfall war unternommen worden, um einen Proviantzug, der dem General Stößel mittels drahtloser Telegraphie angezeigt war, zu sichern. Der Kampf war kurz, aber von großer Heftigkeit. Hernach zogen sich die Russen nach Port Arthur zurück. Auffällig aber ist, daß eine japanische Meldung aus Mutschwang vom 23. Mai noch nichts von diesem Gefecht weiß. Es wird von dort lediglich gemeldet: Die japanischen Truppen fahren fort, die Hügel zwischen den Buchten von Talienwan und Kintschou zu be- festigen. Sie stellen zahlreiche Schnellfeuergcschütze auf und errichten Verschanzungen mit Sandsäcken um einem etwaigen Ausfall der Garnison von Port Arthur zu begegnen. Die Mobilisierung der baltischen Flotte. Petersburg, 23. Mai. Die Vorbereitungen zur Klarmachung der baltischen Flotte werden mit größtem Eifer betrieben. Das Ge- schwader wird in zwei Abteilungen auslaufen und auf zwei ver« schiedenen Routen nach dem Kriegsschauplätze gehen. Der Ort, wo die beiden Abteilungen sich vereinigen werden, wird nicht bekannt gegeben. Der Unfall deS„Drei". Petersburg, 24. Mai. In das neue, noch nicht vollständig fertig- gestellte Panzerschiff„Orel", welches vor einigen Wochen hier aus- gelaufen war und darauf nach Kronstadt gebracht wurde, war während der vorletzten Nacht plötzlich Wasser eingedrungen, so daß das Schiff zu sinken begann. Den ganzen Tag über arbeiteten gestern die Punipen eines Eisbrechers und mehrerer Hafenfahrzeuge, wodurch eö gelang, das Schiff vor dem Untergänge zu bewahren. Man glaubt, daß das Eindringen des Wassers auf Fahrlässigkeit von Arbeitern, welche Panzerplatten ausschraubten, zurückzuführen ist. Man nimmt an, daß durch die Ausbesserung die Entsendung des baltischen Geschwaders nach dem Stillen Ocean keine Verzögerung erleiden wird. Japanische und russische Seeverluste. Tokio, 22. Mai. Während einer Rekognoscierung, die der Admiral Togo am Freitag vor Port Arthur unternahm, schlug eine Granate auf dem Torpedobootszerstörer.Akatsuki" ein und tötete einen Offizier und 24 Mann. London, 23. Mai..Daily Chronicle* meldet aus Tokio: Beim Untergang der beiden Kriegsschiffe„Joschino" und„Hatsuse" sind insgesamt 900 Offiziere und Mannschaften umgekommen. London, 23. Mai. Das Rentersche Bureau erfährt aus Peters- bürg, die Russen hätten den bei Wladiwostok gescheiterten Kreuzer „Bogatyr" in die Luft gesprengt, da es unmöglich sei, das Schiff wieder flott zu machen. Die Geschütze seien vorher von Bord ge- schafft worden. Neue japanische Kriegsanleihe. Tokio, 22. Mai. Infolge mehrerer Besprechungen zwischen den Ministern, den alten Staatsmästnern und Bankiers haben letztere die Bedingungen für eine neue Volksanleihe im Betrage von 100 Millionen Den angenommen. Die Anleihe soll zum Kurse von 92 ausgegeben werden, mit 5 Proz. verzinslich und in 7 Jahren rückzahlbar sein. Tokio, 24. Mai.(Amtliche Mitteilung.) Die Kaiserlich Japanische Regierung hat zum Zwecke der Aufbringung der Kriegs- losten den Betrag von 100 Millionen Den Schatzscheine emittiert, rück- zahlbar nach 7 Jahnen. Der Zinsfuß ist auf 5 Proz. und der Emissions- preis auf 92 Den festgesetzt. Der Totalbetrag der emittierten Schatz- scheine, nämlich 100 Millionen Den der früheren internen Anleihe im Februar 1904, ferner die äußere Anleihe von 10 Millionen Pfund Sterling, welche in London im Mai emittiert wurde, und die jetzige Anleihe wird zusammen ungefähr 300 Mllionen Den aus- machen. Dieser Betrag zusammen mit dem Erträgnis der Kriegs- steuern, die im März 1904 durch das Parlament bewilligt wurden, und deren Einziehung sich erfolgreich vollzieht, wird in auSgiebiger Weise dir Mittel zur Führung des Krieges liefern. Man erwartet, daß die aufgelegte Anleihe voll gezeichnet wird. Partei-I�admekten. An das Ergebnis der Wahl in Frankfurt-Lebus knüpft br. m der.Magdeburgischen Volksstimme" eine Betrachtung, die davon aus- geht, daß der Dresdener Parteitag die Schuld an dieser wie an den übrigen Wahlniederlagen trage. Es heißt darin: .Nicht allein, daß die unglückselige Septemberwoche unfern Gegnern bMge und zugkräftige Angriffswaffen geliefert hat; viel schwerer wiegt, daß die Massen der Partei vor den Kopf, die Mit- läufer zurückgestoßen und daß vor allem die exponierten Genossen für geraume Weile matt gesetzt worden sind. Nicht die Wähler sind müde, sondern diejenigen Genossen sind ermattet, die in erster Reihe berufen sind, die Begeisterung unter die Wähler zu tragen. Die Parteigenossen init der„gehobenen Lebensstellung" können es so leicht mcht verschmerzen, daß ihnen von oben herab als An- erkennnng für ihre Wahlleistungen in Bausch und Bogen das Klassenbewußtsein abgesprochen worden ist." Nach unsren Erfahrungen trifft gerade der letzte Satz auf den Wahllampf in Frankfurt-Lebus am allerwenigsten zu. Die Genossen, denen die eigentliche Wahlarbeit obliegt, haben sie in dem genannten Kreise mit demselben Eifer und derselben Kampffteudigkeit geleistet, wie je. Leisten sie doch ihre Arbeit nicht um Anerkennung, sondern aus Parteiüberzeugung, als Freie und Gleiche, die mit Bewußtsein für ihre eigne Sache kämpfen. Zur Schirdsgerichtsangelegenheit citicrt die„Freie Presse" in Elberfeld unsre Auslassung, daß es wünschenslvert kei, den Strejt ruhen zu lassen und bemerkt dazu: „Dieses Bedürfnis haben auch wir, aber wir fürchten, Lay auch bei einer beiderseitigen Anerkennung des Urteils die Sache nicht zur Ruhe kommen wird. Nach unsrer Meinung handelt es sich hier nur äußerlich um taktische Fragen, das treibende Element bilden prineipielle Differenzen. Die Mahnung zur Ruhe ist ja sehr gut, aber sie zu befolgen ist schwer, wenn von der andern Seite das, lvas bisher als unser erstes geistiges Rüstzeug galt, in einer Weise verspottet wird, wogegen die Tiraden Eugen Richters gar nichis sind. Schippe! hat dies in seinen Artikeln über die Handelspolitik, die er jetzt in dem Chemnitzer Parteiblatt veröffenrucht, fertig- gebracht." Wir erwähnen diese Auslassung, weil sie von einer irrtümlichen Auffassung unsrer Stellungnahme ausgeht, die wir richtig stellen möchten. Im Falle Schippe! liegen sachliche Differenzen vor, die ausgetragen werden müssen und sobald Schippe! die angekündigte Darlegung seines Standpunktes zur Frage der deutschen Agrar- zölle gegeben haben wird— was in den bisher vorliegenden Artikeln noch nicht geschehen ist—, wird man dazu Stellung nehmen können. Dagegen erscheint es uns vollkommen nnerspietzlich, in der Parteipresse einen Streit fortzuspinnen, dessen etwaige sachliche Momente durch die Schiedssprüche ihre Erledigung gefunden haben, der aber im übrigen nur noch persönlichen Inhalt hat. Berichtigung. Meine in Nr. 113 des„Vorwärts" gebrachte Erklärung enthält einen sinnentstellenden Druckfehler. Es muß heißen: Die dort angenommene Resolution führte bekanntlich mit dazu, daß Genoffe Göhre sein Reichstagsmandat niederlegte. G. Freiwald t. Ein Manifest der dänischen Socialdemokratie. Der Hauptvorstand des Socialdemokratischen Verbandes Däne- marks, der aus 48 von den Parteigenossen aller Landesteile ge- wählten Männern und Frauen besteht, hielt am 15. Mai seine regelmäßige Frühjahrsitzung ab. Ter Parteivorsitzende P. Knud- s e n gab Bericht über die Thätigkeit der Partei und der Reichstags- fraktion im letzten Halbjahr, worauf eine Diskussion folgte, in der die politische Situation besprochen wurde. Alle waren der Meinung, daß die gegenwärtige Situation für die Partei- agitation günstiger als je zuvor sei. Es wurde ein Ausschuß gewählt zur Ausarbeitung eines Manifestes an die Ve- völkerung, das dann später e i n st i m m i g angenommen wurde. Als Delegierte zum Internationalen Kongreß in Amsterdam wurden die Folkethings-Abgeordneten P. Knudsen und Borgbjerg gewählt. In dem M a n i f e st wird die gegenwärtig in Dänemark herrschende politische Situation treffend gekennzeichnet. Es beginnt so: „Indem der Hauptvorstand die Thätigkeit der socialdemokratischen Gruppe in der verflossenen ReichStagssession gut heißt, erklärt er folgendes: Die politische Situation, aus der das Prügelgesetz entsprungen ist, besteht fortdauernd, obgleich das Gesetz gefallen ist, und soll— so sagen seine Urheber— ausgenützt werden bis aus den Grund. Die Allianz zwischen der regierenden Linken, den Freikonservativen und der großen Mehrzahl der Rechten beherrscht fortdauernd die dänische Reichstagspolitik, erzeugt reaktionäre Gesetze und erstickt so gut ivie alle Fortschritte. Die Linke treibt Rechten- Politik und die Rechte unter st ützt infolgedessen die Linke. Es ist nun allen freigesinntcn Mitbürgern klar, daß der Ministerwechsel vom 23. Juli 1901 nicht die demokratische Politik gebracht hat, für welche die große Mehrzahl der Bevölkerung dreißig Jahre lang gekämpft hat, sondern im Gegenteil einen neuen Vergleich mit den alten Machthaber n. Die Social- demokratie hat im vollsten Maße recht behalten in der Kritik, die sie übte, sobald die undemokratischen Tendenzen des Ministeriums sich zeigten, und die im selben Grade schärfer wurde, wie sich diese Tendenzen verschlimmerten." Hieran schließt sich eine Kritik der verschiedenen reaktionären Thaten und der Unterlassungssünden des Ministeriums, wie z. B. die Erhöhung des Militäretats von 19 auf 23 Millionen Kronen, ein direkter Widerspruch zu der liberalen Programmforderung„Herabsetzung der Militäraus- gäbe n", der ein der Linken angehörendes Finanzausschutzmitglied zu den Worten:„Wir sind betrogen und genarrt von diesem Minister" veranlaßte; dann die neuen Steuergesetze, die den Groß- grundbesitzern zum Vorteil, den Kleinbauern und Minderbemittelten zum Schaden gereichen und jetzt, wo man ihre Wirkung spürt, in Land und Stadt Entrüstung hervorrufen; ferner der Mangel an ernstem Willen beim Ministerium zur Durchführung des allgemeinen kommunalen Wahlrechts, des Ehestandsgesetzes, der Gcrichtsreform, wofür das Ministerium nicht gethan hat, um den Widerstand des Landsthings zu brechen; und schließlich als Krone der Reaktion das Prügelgesetz.—„Laßt uns so arbeiten," sagt das Manifest weiter,„daß aus den nächsten Wahlen ein Folkething hervorgeht, Las unter keinen Umständen die Aufrechterhaltung der Festung gutheißt, und nur ein Ministerium unterstützt, das alle Kraft auf die Durchführung des gleichen und allgemeinen Wahlrechts einsetzt."— Des weiteren wird zum Anschluß an die Partei aufgefordert:„Werdet Socialdemokraten und bekämpft mit uns ge- meinsam den Kapitalismus, der der Hauptfeind der Bevölkerung ist, der die Lohnarbeiter in ökonomischer Abhängigkeit erhÄt, Krisen, Arbeitslosigkeit und allgemeine Unsicherheit hervor- ruft, die Existenz des Mittelstandes untergräbt und das ganze Volk ausbeutet und knechtet. Keine ernstliche politische und sociale Be- freiungsarbeit ist heutzutage möglich, wenn sie nicht die Schwächung und schließlich die Abschaffung des Kapitalismus erstrebt."— Das Manifest schließt mit folgenden Sätzen: „Es gereut uns nicht, daß wir mit dazu beigetragen haben, der Linken zur Mstcht zu verhelfen, denn wäre die Partei ihrer Ver» gangenheit treu geblieben, so wäre das gleichbedeutend mit der Demokratisierung von Staat und Kommune gewesen, die die Vor- bedingung des Socialismus ist. Aber wenn die Linke untreu ist, so bedeutet das nur, daß die Niehrzahl der Wähler sich um so schneller direkt unsrer Partei anschließt, welche auch d i e Mission zu erfüllen wissen wird, die der historische Beruf der Linken war. gleichzeitig damit, daß wir die Lösung unsrer besonderen Aufgabe: Socialisierung der Produktion, Einführung von Gesellschaftszuständen. die allen Recht auf Arbeit und auf den vollen Arbeitsvertrag gewährleisten, vorbereiten. Also Hand an den Pflug I Die Zeit ist da, über Dänemarks Aecker und Heiden die Furchen zu ziehen. Nun wird das Volk der Hütten aufgerufen, um einträchtiglich mit dem der Mietskasernen der Städte das letzte große Aufgebot im Klassenkampf der Geschichte der Gegenwart zu bilden, zur Durchführung der Freiheit und Gleich- heit für alle, die die Bürger von 1848 und die Bauern von 1370 nur für ihre eigne Gesellschaftsschicht durchführten. Arbeiter, Parteigenossen. Demokraten von Land und Stadt! Auf zur Agitation unter der Fahne der Brüderlichkeit! Es lebe der Socialismus!"_........ Deatsche Lthrervkchmmlung. '"'" Königsberg. 23. Mai.(Eig. Ber.) Zur Deutschen Lehrerversammlung sind zahlreiche Vertreter der deutschen Volksschullehrer aus allen Teilen Deutschlands erschienen. Mit den Delegierten der Zweigvereine sind insgesamt über 3000 Teil- nehmer angemeldet. Die Hauptverhandlungen finden im„Tier- garten" statt. Eine Reihe von Nebenversammlungen fanden bereits heute nachmittag vor Eröffnung der eigentlichen Lehrerversammlung statt; so tagten der Vorstand des Preußischen Lxhrervereins, die engeren und weiteren Ausschüsse und die Vertreter der Deutschen Lehrervorsammlung, der Lehrerverein für Naturkunde, die Freie Vereinigung für philosophische Pädagogik und die Generalversamm- lung der vereinigten deutschen Prüfungsausschüsse für Jugend- schriften. Von Beschlüssen der letzteren Versammlung, soweit sie von all- gemeinem Interesse sind, verzeichnen wir: Die im Laufe eines Jahres von den Prüfungsausschüssen einstimmig abgelehnten Bücher werde« am Ende eines jeden Jahres in der„Jugendschriftenwarte" veröffent- licht; bei Veröffentlichung von Urteilen über Jugendschriften sollen die Urteile der unterlegenen Minorität auch in Zukunft nicht ver- öffentlicht werden; Bücher, die sich für das Alter unter 16 Jahren noch nicht eignen, werden nicht in das Weihnachtsverzeichnis auf- genommen; als Vorort der Jugendschriftenausschüsse wird Hamburg wiedergewählt. Abends findet eine allgemeine Begrüßungsversammlung in der Festhalle des„Tiergartens" statt. lieber die Verhandlungen am Dienstag wird vorläufig telegraphiert: Gemäß dem gestrigen Beschlüsse des geschäftsfiihreirden Ausschusses und der Vertteter der deutschen Lehrervereine fungiert als erster Vor- sitzenderderDeutschenLehrerversammlungLehrerClausnitzer-Berlin, als zweiter Oberlehrer Backes-Darmstadt, als dritter Taubstummen-Lehrer Rudloff-Königsberg. Es sind 335 gewählte Vertreter der deutschen Lehrervereine erschienen, welche 106 000 Volksschullehrer vertreten; nur Elsaß-Lothringen ist nicht vertreten. Am Pressetische arbeiten einige 60 Journalisten. Provinzialschulrat Geh. Rat Dr. Bode begrüßte die heuttge erste Hauptversammlung im Namen des Oberpräsidenten, Ober-Regierungsrat Dr. Schaubert im Namen des durch eine Reise verhinderten Regierungspräsidenten, Oberbürgermeister Körte über- brachte die Grüße der Stadt und Geh. Regierungsrat Arnulf diejenigen der hiesigen Universität. An den Kaiser gelangte ein Telegramm zur Absendung. Hierauf nahm die Versammlung die Vorträge entgegen. An erster Stelle sprach Universitätsprofessor Dr. Bosse- Königsberg über Kant, indem er die Bedeutung Kants für die Pädagogik hervorhob und die Lehrerschaft zum Festhalten an den Kantschen Lehren ermahnte. Es folgte dann der zweite und Haupt- Vortrag des Tages über die allgemeine Volksschule. Referent Lehrer Gutmann- München. Mit dem Deutschen Lehrertage ist diesmal, wie eine Kor- respondenz berichtet, eine Schul- und hygienische Aus- st e l l u n g verbunden, die in der großen Ausstellungshalle des Königsberger Tiergartens und ihren Nebenräumen untergebracht ist und die, sowohl was ihren Umfang als auch ihre Bedeutung anlangt, der großen schulhygienischen Ausstellung des Internationalen! Kon- gresses für Schulhygiene in Nürnberg durchaus ebenbürtig ist. Wie dort so sind auch hier die Ausstellungsobjekte in erster Linie der Gesundheitspflege in der Schule gewidmet und wie dort so haben auch hier zahlreiche deutsche Städte Pläne und Modelle ihrer neuesten Schulbautcn ausgestellt, um damit ihr Interesse und ihre Fürsorge für die Volksschule darzuthun. Es seien unter anderm Köln, Düsseldorf, Hannover, Augsburg, Riagdeburg, Stralsund, Wiesbaden, Halle a. S., Braunschweig, Chemnitz. Danzig, Plauen i. V., Leipzig, Darmstadt und Straßburg i. Elf. genannt, die zum Teil wahre Schulpaläste geschaffen haben. Eine besondere Fürsorge ist den meisten dieser Schulen auch in Bezug auf die der inneren Einrichtung zu teil geworden, indem man sie mit den modernsten Schulbänken, in erster Linie den immer mehr bevor- zugten zweisitzigen, mit prakttschen Wandtafeln, Karten, Garderoben- einrichtungen u. a. m. versah. Infolgedessen nimmt denn auch die Lehrmittel-Abteilung in der Ausstellung einen großen Raum ein. Als schönsten Schulwandschmuck stellt unter anderm die Firma Voigtländer in Leipzig ihre bekannten Karlsruher Künstlerbund-Steinzeichnungen aus, während eine ganze Anzahl Lehrer als Aussteller praktischer Rechenmaschinen, Mineralien-, Jnsektensammlungen, Aquarien usw. in Betracht kommt. Auch kleine Reformvorschläge in Bezug auf das Tintenfaß, die Schulkreide usw. werden an der Hand zahlreicher praktischer Erfindungen gemacht. Viel Interesse erregen ferner die Döckerschen und Brümmcrschen Schulbaracken, die namentlich für das platte Land immer mehr an Bedeutung gewinnen, da ihre Verwendung in materieller wie hygienischer Beziehung für die Landgenreinden sehr profitabel ist. Ein breiter Raum ist schließlich den Nebenbeschäfti- gungen der Schulkinder, dem Turnwesen, dem Sport und der Fürsorge für schivachbcfähigte oder mit Sinnstörungen und Fehlern behafteten Schülern auf der sehenswerten Ausstellung ein- geräumt. Der Besuch derselben seitens der auswärtigen Lehrer ist fortgesetzt ein starker... 5. Illternationaler Handschtthmacher- Kongreß. Stuttgart, 22. Mai 1904. Die Organisationen der Handschuhnrachergehilfen sind zu einen» internationalen Bunde vereinigt, der im Jahre 1892 in Brüssel auf Anregung der dorttgen Föderation gegründet ivurde. Der Leitung des Bundes fiel die Aufgabe zu, die einzelnen Organisattonen ein- ander näher zu bringen, deren gegenseitige Unterstützung bei Lohn- kämpfen in die Wege zu leiten, eine internationale Statistik über die Lage der Berufsangehörigen aufzunehmen und zu veröffentlichen. An die Spitze der„Internationalen Vereinigung", welche Bezeichnung der Bund hente führt, wurde ein be- soldeter Sekretär gestellt, welcher unter der Aufficht eines Exekutivkomitees die Vundesgeschäfte leitete und für dies romanischen Organisationen das Fachblatt„Le Gantier" herauszugeben hatte. Als Sitz des Bundes wurde Brüssel bestimmt, wo er sich zur Zeit noch befindet. Die Thätigkeit des Exekutivkomitees hat wenig Befriedigung hervorgerufen, wie überhaupt die ganze Internationale Vereinigung wenig zur Ausbreitung der Organisation unter den Handschuhmacher- gehilfen beitragen konnte. Schließlich war es im Jahre 1893 Deutschland. das auf dem 4. internattonalenHandschuhmacherkongreß inZürich die Auf- Hebung der besoldeten Sekretärstelle und die Verlegung des„Gantier" von Brüssel nach Paris beanttagte. Gegen das damalige Exekutiv- komitee herrschte eine allgemeine Mißstimmung. Der Sekretär selbst blieb dem Kongreß fern, er vertveigerte jede Rechenschaft und behielt das vorhandene Bundesvermögen und-Inventar in seinem Besitz. Alle Bemühungen um Herausgabe waren vergeblich, so daß dieses heute noch in Händen des ehemaligen Sekretärs E. G r a n g e ist. Der Genannte wurde für sein Verhalten in»„Handschuhmacher", dem Verbandsoraan Deutschlands, und im„Gantier" hart aber berechtigt angegriffen; die Folge davon war aber nur, daß Grange gegen den Redakteur des„Gantier" eine Klage wegen Beleidigung anstrengte, die dazu führte, daß der Verklagte wegen formeller Beleidigung zur Bezahlung der Prozeßkosten" und einer Geldbuße von 1000 Frank an Grange verurteilt wurde; eine Intervention bei der belgischen Arbeiterpartei, der Grange angehört, hatte ebenfalls keinen Erfolg. Dieser Vorgang mutz mit hier erwähnt werden, weil er den Kongreß eingehend beschäfttgen Ivird. Als nämlich Grange den Prozeß zu seinen Gunsten durchgeführt hatte, fühlte sich das gesamte Exekutiv- komitee von vor 1895 ebenfalls durch den„Gantier" beleidigt und reichte dasselbe Klage gegen den Redakteur und den jetzigen inter- nattonalen Sekretär Marchalk- Brüssel ein. Diese Prozesse haben bereits eine hohe Summe Geldes verschlungen, die weder da? persönliche noch das sachliche Streitobjekt wert ist. Der gegenwärtige Kongreß wird sich vornehmlich mit der Niederschlagung dieser Prozesse zu beschäftigen haben. Jeden- falls steht dieser Fall einzig in der internationalen Arbeiter- bewegung da. Eine schlimmere Folge als der Verlust des Bundesvermögens ist die unter den Brüsseler Gehilfen durch Grange und Genossen nach ihrer Absetzung mit Absicht herbeigeführte Zerspitterung. Der Sekretär Marchalk konnte beim besten Willen keine wirkungsvolle Thätigkeit für die internationale Vereinigung ent- falten. In Brüssel Uneinigkeit unter den Berufsgenossen, in den übrigen Ländern eine niehrere Jahre anhaltende außerordentlich schlechte Konjunkur der Industrie. In Frankreich, der Wiege der Handschuhindustrie, steht die Organisation auf schwachen Füßen. Grenoble, das allein fast soviel Gehilfen aufweist als im ganzen Deutschen Reich beschäftigt werden, hat gar keine Organisatioir. und in den übrigen Jndustrieorten Frankreichs find die Vereine nicht sonder- kich Widerstandsfähig; der Beitrag belauft fich auf 0,60 bis 1 Fr. monatlich.„Der Geist der ftanzösischen Arbeiter ist revolutionär, sie Ivollen immer ihr Blut vergießen, aber Geld opfern, das scheint ihnen weniger nützliche So äußert sich der Redakteur des„Ganticr�, Berhaert, ein der Arbeitersache treu ergebener Genosse. Trotz seinem Eifer, seinem unausgesetzten Drängen, kann er den Orgauisationsgedanken bei den Handschuhmachern Frankreichs nur mühsam vorwärts bringen. Aehnlich liegen die Dinge in Italien. Insgesamt dürften in Europa ca. 16 000 Handschuh wacher vorhanden sein. Organisiert sind in den romanischen Ländern, einschließlich Luxemburg, ungefähr 40 Proz., in Oestreich 20 Proz., in Skandinavien und Deutschland dagegen rund 80 Prozent der männlichen Berufsgenossen. Slußer dem «Gantier" besteht noch das deutsche Verbandsorgan»Der Handschuh- macher"(Stuttgart), und für den östreichischen Verband das„Fach- blatt"(Prag). Für die Internationale Vereinigung wurde ftüher ein fester Beitrag von den einzelnen Verbänden erhoben. Deutsch- land hatte bis 1898 19 000 Vi. für internationale Zwecke aufgebracht und trägt auch jetzt vermöge seiner größeren Mitgliederzahl den Löwenanteil zu den Unkosten bei. Statt dem festen Beitrag werden gegen- wärtig nur-noch die direkten Unkosten im Verhältnis zur Mitgliederzahl von den Organisationen gedeckt. Frankreich, das nicht im stände ist, den„Gantier" aus eignen Mitteln zu halten, bekommt von der Internationalen Vereinigung einen entsprechenden Zuschuß. Die Passivität des jetzigen Sekretariats in Brüssel hat Deutschlaud der- anlaßt, die Abhaltung des Kongresses, der heute seine Verhandlungen beginnt, zu beantragen. Deutschland fordert die Sitzverlegung des Sekretariats nach Deutschland, während die ftanzösischen Vereine— es besteht dort kein Centralverband— die Verlegung nach Paris wünschen. Jim Induftne und Handel. Aus der Baiimwollindustrie. Der erste internationale Kongreß der Baumwollindustriellen trat heute in Z ü r i ch in seine Verhandlungen ein und nahm die Berichte der Vertreter Deutschlands, Englands, Frankreichs, Portugals, Italiens, Belgiens und Ruhlands über die Bestrebungen für die Ausbreitung der Baumlvollkultur entgegen. Im Anschluß daran stimmte der Kongreß einer Resolution zu, welche die Notwendigkeit internationaler Organisation betont. Ueber den Stand der deutschkolonialen Baumwollunternehmungcn des kolonialwirtschaftlichen Komitees in Berlin erstattete Th. Wilckens Bericht, der ausführte, es sei eine er- hebliche Ausbreitung der Baumwollkultur in Togo und Ostafrika durch Ausführung der geplanten Bahnbautcn zu erivarten. C. H. Roehll und C. H. Roehlls Fabrik. Die Folgen der noblen Passionen des Herrn Alphons Roehll, speciell seiner galanten Liebesaffairen, haben heute, wie das„Berliner Tageblatt" meldet, die Inhaber beider obigen Firnreu dazu gezivungen, die Eröffirung des Konkurses zu beantragen. Auf die Meldung von der bevor- stehenden KoirknrSannreldung wurden noch Wechsel über den Betrag von 210 000 M. vorgewiesen, sodaß der Gesamtbetrag der auf die Firmen gezogenen Wechsel sich nunmehr auf 1 010 000 M. belauft. Die Firmeninhaber rechnen damit, daß noch weitere Verpflichtungen, die AlphonS Roehll für die Firnren eingegangen hat, zuin Vorschein kommen werden. Deutsche Nohciscuproduktion. Auch im Aprilmonat hat die Roh- eisenerzerlgling wieder zugenommen. Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlmdustrieller betrug die Produktion an Roheisen in Deutschland, einschließlich Luxemburg, im Monat April 833 298 Toniren gegen 824 462 Tomren im April 1903 I die Gesaint- Produktion an Roheisen vom Jahresbeginn bis Ende April belief sich auf 3 296 161 Tonnen(1903: 3 216 474 Tonnen). Der deutsche Stahlwerks- Verband hat, nachdem seine Versuche, mit den englichen Stahlwerken zu einer Verständigung zu gelangen, gescheitert sind, seine englischen Vertreter zur Abschließung einer Art Kartellverbandes veranlaßt, damit wenigstens diese sich nicht auf dem englischen Markt unterbieten. Die Londoner Fachzeitung „Jronmonger" berichtet darüber: Der von den englischen Vertretern der deutschen Werke, die in dem Stahlwerks-Verband vereinigt sind, ausgearbeitete Plan für die Verkaufsagenten in England liegt jetzt dem Stahlwerks-Verband zur Genehmigung vor. Man nimmt an, daß er mit wenigen Veränderungen angenommen wird. Es ist für die Verkaufsagenten eine Aktiengesellschaft geplant, deren ganzes Kapital von den Agenten aufgebracbt wird. Die bisherigen Agenten der Werke waren: Cartledge u. Batschelow(Härder Verein), H.Dicke (de Wendel), Otto Gossel(Dortmunder Union), H. u. C. Koenigs (Bochumer Verein), Korten(Phönix), Ed. Lomcn(Roechling), Aug. Rcichwald(Krupp), Cecil Sanders(Dudelingen), W. S. Vellinghausen u. Co.(Thyssen), H. Wedekind(Gutehoffnungshütte), Gebr. Witting(Rheinische Stahlwerke), Rudolf Wolf, Krueger u. Co. (Jlseder Hütte), Zeitz u. Co.(Burbach). Saatenstand in Bayern. Nach dem amtlichen bayrischen Saaten- standsbericht für Mitte Mai ist der Stand der Wintersaaten durch- weg gut, zum Teil sehr gut. Besonders stehen der Wintcrweizen und der Winterroggen, Klee, Luzerne und Wiesengras günstig. Stand der Wintersaaten in Rußland. Nach den Nachrichten in Rußland kann in dessen mittleren Gouvernements der Stand des Wintergetreides im ganzen„über mittel" genamtt werden. Einen guten Saatenstand weisen auf die Gouvernements Orel, Tambow, der größte Teil des Gouvernements Ssaratow, ferner einzelne Gegenden der Gouvernements Rjäsau, Kaluga, SimbirSk und Pskow, Kowno, Wilna, zum Teil die baltischen und die Weichselgouverne- ments. Unbefriedigend ist der Stand der Wintersaaten in den Gouvernements Tschernigow, Ssaratow, ferner in dem südlichen und südöstlichen Tnla, Orel und Tambow. In den übrigen Gegenden ist der Stand der Wintersaaten'befriedigend. Die neue japanische Kriegsanleihe. Etwas spät fühlt endlich die japanische Regierung sich veranlaßt, da» Land amtlich von der Auf- nähme einer neuen Kriegsanleihe zu unterrichten.«Die kaiserlich japanische Regiermig, heißt es in dieser Ankündigung,„hat zum Zweck der Aufbringung der Kriegskosten den Betrag von 100 Millionen Neu Schatzscheine emittiert, rückzahlbar nach sieben Jahren. Der Zinsfuß ist auf 6 Proz. und der Emissionspreis auf 92 Den fest- gesetzt. Der Totalbetrag der emittterten Schatzscheine, nämlich 100 Millionen Den der früheren internen Anleihe im Februar 1904, fenrer die äußere Anleihe von 10 Mllionen Pfund Sterling, welche in London im Mai emittiert wurde, und die jetzige Anleihe ivird zu- sammen ungefähr 300 Millionen Den ausmachen. Dieser Betrag zusammen mit dem Erträgnis der Kriegssteuern, die im März 1904 durch das Parlament bewilligt wurden, und deren Einziehung sich erfolgreich vollzieht, wird in ausgiebiger Weise die Mittel zur Führung des Krieges liefern. Man erwartet, daß die neu aufgelegte Anleihe voll gezeichnet wird". Lange werden diese neuen Mttel sicherlich nicht vorhalten. lieber den Rückgang der amerikanischen Eisenproduktion unter dem Einfluß der Krise wird dem„Börsen-Courier" aus New York ge- schrieben: Die osfizielle Statistik der Bewegung der Hochofenprodutte für das erste Quartal deS laufenden JahreS, sowie der am 31. März d. I. zu Ende gegangenen sechs Monate zeigt folgende interessante Daten: Die amerikanische Herstellung an Hochofenprodukten betrug für das erste Quartal 1904 3 713 648 Tonnen(840 048 Tonnen weniger als im entsprechenden Zeitraum 1903), die sichtbaren Hochofenprodutte zeigten in diesen drei Monaten eine Abnahme um 128 294 Tonnen. Der amerikanische Gesamttmport an Hochofen« produtten betrug 102�568 Tonnen(— 407 351 Tonnen)! die Gesamt- werte stellten sich somit auf 3 944 610 Tonnen(— 1649247 Tonnen). Der amerikanische Export der betreffenden Produkte belief sich auf 443 676 Tonnen(— 169 106 Tonnen). Der Konsum der ersten drei Monate des lausenden Jahres betrug 3 500 934 Tonnen(— 1 281 363 Tonnen) und der 6 Monate vom 1. Oktober bis zum 31. März 1904 6 546 430 Tonnen, was gegen die entsprechende Periode des Vor- jahres eine Abnahme um 2 9S8 266 Tonnen bedeutet. GcwerkfchaftUcbeö. Die„Annahmen" der Polizei und das Strcikpostenstehen. Der Streikposten E. zu Berlin hatte die Ausforderung eines Polizei- beaintcn, sich aus der Gegend der Fabrik zu entfernen, wo er seine Pflicht that, nicht in vollem Unifange befolgt. Er wurde deshalb auf Grund der Sttaßcnpolizei-Verordnung angettaat, weil er einer „zur Erhaltung der Sicherheit und Bequenilichkeit des Verkehrs auf der öffentlichen Straße ergangeuen" polizeilichen Anordnung nicht ge- folgt sei. DaS Landgericht Berlin als Beruftingsinstanz sprach ihn jedoch frei, indenr es unter anderm ausführte: Der Polizei- vorstand des Reviers habe, weil ihm von vorgekommenen Ruhe- störungen Kennwis gegeben war, seine Beamten angewiesen, das sernere Streikpostenstehcn zu verhiiidern. Das Gericht nahm an, daß sich diese Maßnahme gegen die Streikposten als solche richtete. Das Streikpostenstehen an sich sei aber eine gesetzlich zu- lässige Handlung und könne an sich nicht untersagt werden. Darum hätte Angeklagter die Anordnung nicht beachten brauchen und müsse steigesprochen werden. Das Kammergericht gab aber der hiergegen eingelegten Revision der Staatsanwaltschaft statt, hob das Urteil des Landgerichts wieder auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Begründend wurde ausgeführt: Das landgerichtliche Urteil sei widerspruchsvoll. Erst werde gesagt, weil Ruhestörungen vor- gekommen seien, habe der Reviervorstand gebeten, den' Aufent- halt von Streikposten an ftaglicher Stelle zu verhindern. Unter solchen Umständen läge nun aber nach Ansicht des Kammer- gerichts zweifellos in der Wegweisung der Streikposten eine verkehrssichernde Anordnung vor, und die Streikposten hätten folgen müffen. Denn wenn Ruhestörungen vor- gekommen seren, oder wenn„angenommen" werde, daß solche vorgekommen sind, dann habe die Polizei das Recht, an jener Stelle das weitere Streikpostenstehen zu verbieten. In solchem Fall handele es sich um eine„zur Erhaltung der Sicherheit und Bequemlichkeit des Verkehrs aus öffentlicher Straße ergehenden polizeilichen Anordnung". Obgleich nun das Landgericht von vor- gekommenen Ruhestörungen spreche, komme es doch zu den» Schluß, daß die polizeiliche Anordnung sich gegen das Streikpostenstchen an s i ch richtete, und es komme so zur Freisprechung. Diese Wider- spräche müßten zur Aufhebung des Urteils und zur Zurückverweisung der Sache an das Landgericht sichren. Berlin und tlmgegenck. Zum Streik der Werkstättenarbciter der Großen Berliner. Die unterzeichneten Organisationen geben hiermit der weiteren Oeffent- lichkeit bekannt: Mittwoch, den 26. Mai er., nachmittags 4 Uhr, findet eine Versammlung der streikenden Werkstätten- und Bahnhofs- arbeiter der Großen Berliner Straßenbahn mit ihren Frauen im Lokale Brauerei Friedrichshain statt. Der 26. Mai ist von der Direktion als der Tag bezeichnet, den der Streik nicht überdauern darf. Die Direktion hat bekannt gegeben, wer nach dem 26. Mai zur Arbeit nicht zurückkehrt, gilt als entlassen. Da nun die Feiertage vorbei sind, hält es die Streikleitung für ihre Pflicht, sich auch an die Frauen der Streikenden sowie an die Oeffentlichkcit zu wenden. Für den Gewerkberein H.-D.: I. Trabert. ■ Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Karl Wiesenthal. Centralverband aller in der Schmiederei beschäftigten Personen, Verwaltung der Zahlstelle Berlin. W. Siering. Deutsche Metallarbeiter- Gewerkschaft. M. Zedier. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Th. Glocke. Die gestrige Versammlung der Ausständigen war wieder vollzählig besucht. Heiterkeit erregte ein Anschlag der Direktion, worin sie bekannt gab, daß in Anbetracht der vielen(?) vorgemerkten Arbeitswilligen am gestrigen Tage niemand der sich meldenden streikenden Arbeiter eingestellt werden könne. Die Streikenden erblickten in dem Anschlage nichts weiter, wie einen ge- wöhnlichen Unternehmerkniff, mit dem der Anschein erweckt werden sollte, als ständen Arbestskräfte im Ueberflutz zur Verfügung, während es in Wirklichkeit ganz anders aussieht. Eine gebührende Kritik fand auch die von der„arbeiterfrcundlichen" Direktion bewerkstelligte Aus- gäbe von schwarzen Listen an die Kühnemänner. Beschlossen wurde, den Streik mit Energie fortzusetzen und zum heutigen Mittwoch eine große öffentliche Versammlung der Werkstättenarbeiter nach der Brauerei Friedrichshain einzuberufen, um die weitere Stellungnahme zum Ausstand festzulegen. Die Partettbodenleger nahmen in ihrer gestrigen Versammlung abermals Stellung zu dem Angebot der Arbeitgeber, das dahin ging, den neuen Tarif nicht sofort, sondern erst zum 1. Juli in Kraft treten zu lassen. Nach lebhafter Debatte wurde sodann mit knapper Mehrheit beschlossen, den vorigen Beschluß betreffend Durchsetzung der sofortigen Wirksamkeit des Tarifs zu annullieren und sich mit dem Vorschlage der Unternehmer, den 1. Juli als Anfangstermin des Tarifs gelten zu lassen, einverstanden zu erttären. Jedoch soll die Arbeit nur bei den Firmen wieder aufgenommen werden, die diesen Termin nun auch ausdrücklich anerkennen. Deutkches Reich. Die Bauhandwerker Marburgs hielten am Freitag abermals eine Versammlung ab, um über ihre an die Unternehmer gerichteten Forderungen zu berichten. Diese bestehen hauptsächlich in der Herbei- fuhrung der zehnstündigen Arbeitszeit und Gewährung eines Stundenlohnes von 40 Pf. Die Unternehmer haben bis jetzt noch nicht das geringste Lebenszeichen auf die an sie gestellten Forderungen von sich gegeben. Wie es heißt, wollen sie, falls es zum Streik kommt. Italiener einstellen. Bis zum 28. Mai müssen sich die Unternehmer entscheiden.— Auch die Maler- und Anstreichergehilfen sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Ihre an die Meister gerichteten Hauptforderungen sind: Beseitigung der Ueberstunden, Er- höbung der seitherigen oder jetzigen Löhne um 4 Pf. pro Stunde, so daß Gesellen unter 20 Jahren nicht unter 40 Pf.. Gesellen über 20 Jahre nicht unter 48 Pf. pro Stunde entlohnt werden. Zum Bierboykott in Hamburg. Die Verhandlungen der streikenden Brauerei-Arbeiter mit dem„Versicherungs-Ver- band" der Brauereien, die am Sonnabend stattfanden, find resultatlos verlaufen, indem die Vertreter der Brauereien auf An- nähme des am Freitagabend von der Plenarversammlung des Ver- ficherungSverbandes gestellten Ultimatums bestanden, dessen An- erkennnng eine bedingnngslose Unterwerfung der Brauerei- Arbeiter unter die Fuchtel der Brauereikapitalisten bedeuten würde. Der vollständig vom Scharfmachergeiste beseelte Bersicherungs- verband verlangt, ganz abgesehen von den sonstigen Differenz- punkten, nichts weniger als die Anerkennung des neuen, in dem Bureau der Marienthaler Brauerei am AdolphSplatz etablierten Arbeitsnachweises, des dritten„Kraienkamps", wie er in der letzten Kartellversammlung genannt wurde, und die Einstellung der ausständigen Brauerei-Arbeiter nach Bedarf. Aus der Stellungnahme der Brauereien geht klar hervor, daß es ihnen von Hause aus darum zu thun war, den in zehnjährigem Kampfe mit den Bierkapitalisten errungenen Arbeitsnachweis der Brauer zu vernichten und an dessen Stelle der Gesamtarbeiterschaft der Brauereien ein Zwing-Uri zu oktroyieren. Buolnnck. Die Verlader der New Nork-Newhafcn-Hartford.Eisenbahn sind ausständig geworden. Mehrere tausend Angehörige verwandter Berufszweige, darunter 8000 Fuhrleute von New Aork, drohen, um ihrer Sympathie für die Ausständigen Ausdruck zu geben, ebenfalls mit dem Ausstand. Der Sonderwagen des Präsidenten Roosevelt mußte einen großen Umweg machen, um nach Groton(Massachusetts) zu gelangen, wo der Sohn Theodor des Präsidenten die Schule besucht. Die Diamantarbeitrr von Antwerpen, die fich 16 Wochen im Streik befinden, hielten am Pfingstsonntag eine große Versammlung ab, um den Gerüchten entgegenzutreten, daß ihre Frauen des Streiks müde seien. Von 476 Frauen hätten 464 für die Auftechterhattung des Streiks gestimmt. Wiener Bauarbeiterstreik. Eint vorgestrige Versammlung von 10 000 Bauarbeitern beschloß die Anfrechterhalttmg sämtlicher Forde- rungen und die Herbeiführung neuer partieller Streiks. Soziales. Die Leipziger DisttiktsSrzte haben sich in einer Versammlung mit dem Stande der Kassenarztftage beschäftigt und einstimmig be- schloffen: „Die Generalversammlung der neuen Kassenärzte hält un- verbrüchlich an ihren unter dem Schutze der Gesetze stehenden Ver- trägen mit der Ortskasse fest und verpflichtet sich, aus eine Um- Wandlung oder Abänderung ihrer Verttäge nicht einzugehen." Bei der Gewerbegrrichtswahl in Langeubiclau wurden die Kandidaten des Gewerkschastskartells bei starker Wahlbeteiligung ohne Gegenkandidaten gewählt. Jim der Frauenbewegung. Ober- Schüneweide. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen zu Ober-Schöneweide hielt am 16. Mai eine außerordentliche Generalversammlung ab. Fräulein Ida Altmann gab einen kurzen Ueberblick über die Stellung der Frau in der Urzeit, im Mittel- alter und in der Gegenivart. In der Diskussion ermahnte Frau H a a s e die Mitglieder, sich an den hcuttgen Bildungsbestrebungen rege zu beteiligen; das erfordert ihre Stellung in der heutigen Ge- sellschast sowie mich als Mutter und Erzieherin ihrer Kinder. Hierauf erfolgten die Wahlen der ersten und zweiten Vorsitzenden. Als erste Vorsitzende wurde Frau H a a s e, als zweite Frau Stahlberg gewählt. Die nächste Versammlung wird noch bekannt gegeben. Verlammlungen. Verantw. Redakteur: Paul Bültner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer LrCo., Be rliu S W. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhü Lackierer. Mittwoch, den 18. d. Mts., hielt die Lackierer-Settion der Filiale Berlin der Vereinigung der Maler usw. ihre Monats- Versammlung ab. In derselben hielt zunächst Genosse Graf Engelbert einen Vortrag über japanische Kultur. Alsdänu führte H o e s s betreffs des Bäckcrstreiks aus, daß es nicht mehr möglich gewesen sei, die heutige Versammlung zu Gunsten der au demselben Tage stattfindenden Protcstversammlungcn abzusagen. Er schilderte die schlechte Lage der Bäcker und wie dieselben durch das Verhalten der Innungen zum Ausstand getrieben Ivorden sind. Jeder organisierte Arbeiter müsse die Bäcker in ihrem Streben nach besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen unterstützen. Eine Rc- solution, in ivelcher die Lackierer den streikenden Bäckern ihre volle Sympathie aussprechen und erklären, nur in Bäckereien zu kaufen, die bewilligt haben, fand einstimmige Annahme.— Zum Streik der Werkstätteuarbciter bei der Großen Berliner Straßenbahn gab der Vorsitzende bekannt, daß au demselben auch die dort arbeitenden. Lackierer, etwa 50 an der Zahl, beteiligt seien. Leider wären jedoch nur drei oder vier Kollegen davon organisiert. Nunmehr hätten sich zwar 26 Kollegen bereit erklärt, der Sektion beizutreten und für diesmal auf eine Unterstützung zu verzichten, aber dieses augenblick- liche Feuer würde wohl kaum vorhalten. In der Diskussion ivurde denn auch den Straßenbahnern der Borwurf gemacht, daß sie zu spät zur richtigen Einsicht gekommen seien, jedoch solle im Notfälle die Organisatton mit Unterstützungen eingreifen. Ein Antrag, die Ortsvcrwaltung zu beauftragen, beim Hauptvorstande wegen der Unterstützung vorstellig zu werden oder aus der Ortskasse etwas zu bewilligen, wurde einstimmig angenommen. Der Socialdcmokratische Wahlvcrrin für Tempelhof hielt am 17. d. M. im Lokale von Martin Müller seine VercinSversammlung ab. Von dem angesagten Vortrage wurde Abstand gcuommcu. Beschlossen wurde, die Versammlungen regelmäßig jeden Dienstag nach dem 16. eines jeden Monats stattfinden zu lassen, ferner jeden ersten Montag im Monat einen Lese- und DiSttlticrabcud stattfinden zu lassen. AIS Bezirksführer für den 1. Bezirk wurde Genosse Bertrand, für den 2. Bezirk Genosse Brauer gewählt. Der irrtümlich aus dem Wahlverein für Mariendorf ausgeschlossene Genosse K l e i st wurde ein- stimmig in den Wahlverein aufgenommen, da die Ausschlußgründe für null und nichtig erklärt wurden und die ganze Sache von einer Privatsache herrührt. Nachdem Genosse Thiel die Genossen auf- gefordert hatte, für einen regeren Versamnilungsbesnch zu sorgen und die Bäcker in ihrem Kampfe zu unterstützen, schloß der Vor- sitzende mit einem kräftigen Hoch auf die Socialdemokratie die Ver- sammluug.._ Letzte JVachncbten und Depefchcn. Köln, 24. Mai.(B. H.) Ein schweres Verbrechen wurde in einem neu erbauten Hause der Trojanstraße ausgeführt. Das Dienstmädchen einer dort wohnenden Herrschaft, namens Margarethe Kurt, wurde in ihrer Mansarde auf gräßliche Weise erinordert. Sie war an Händen und Füßen gebunden und mit einer zusammen- gefalteten Schürze im Munde an das Bett gebunden tot aufgefunden worden. Auf die Ergreifung des Thäters ist eine Belohimng von 600 M. ausgesetzt. Wien, 24. Mal(23. T. B.) Wie die«Wiener Wendpost" mitteilt, hat das Justizministerium einen umfassenden Erlaß über die Absonderung, besondere Behandlung. Arbeit und Verwendung tuberkuloser und tuberkulöse verdächtiger Sträflinge an die Ober- landesgerichtS-Präsidenten und Oberstaatsanwaltschaften veröffent- licht. In demselben wird eine Reihe besonderer Anordnungen vor- gesehen, welche den Zwecken einer wirksamen Bekämpfung der Tuberkulose auch in den Heilstätten dienen sollen. Wien, 24. Mai./, bis O1/» Uhr abends statt.<»eiifi«et: 7 Nbr. Zl. Vorstellung. TVU Gr. Extra-Tanz. _ Ansang 4'/; Uhr. rlineilratel Th.cfärer Kast/ni�n-AHKe 7'9 Täglich: Goldene Herzen. Pantom.: Im Kachtasyl. Harris, Krastjongleur. The Jarrey.— ülpts.— Langöe. Ball, Konzert, Specialität. Anfang 4 Uhr. Eintr. 30 Ps. Rum. Pl. 50 Ps. Tnrioiada Spanische Sängerin lUlldjdUd und Tänzerin. De Vry's Phantasmagorien. Hansi Reichsberg Gebrüder Schwarz Parodisten. Kiners Moulin Equilibrist Scene. De Kohry Pariser Sängerin. Die Blumenkönigin Tanzdivertiseeu. Die Wotperts Akrobaten. Robinson Baker-Trio Paul Conchss Biograph. Pas da deux Sgra. Oavini u. Sgr. Oerutti. Reichshallen Täglich: er Wer. Üülzowslt. 111/112. T ttg 1 1 e h Ins Garten oder 8anl: Vorsts Korddeutsche Kutnoristen und QuartettsSänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. kons haben Gültigkeit. Am Königsthor. Am Friedrichshain. Täglich: Theater- und Ii Vollsbelnstigungen. Im Saale: BADE. Zum rschluff: Eil, falsches Lokal. Grone Gesangspoffe mit Tanz. Entree 30 Ps. Central-Berbanv ber Maurer. �Hveigverein Herlin. Tvhiion des* Putzes*. Donnerstag, den 26. Mai, abends CVa Uhr, Kommaudaiitenstr. 586: Anßerordentl. Mitglieder- Uersammiung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Arbeiter-Sekretärs G. Eink über:„Die Bedeutung des Unfallperjichernngs-Gesehes für die Arbeiter«.— 2. Verschiedenes. ___ Bei der überaus großen Wichtigkeit, welche gerade diese Materie der Gesetzgebung für die Arbeiter im allgemeinen hat, ersuche ich die Kollegen, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Die ortliche Uertoaltung. I. A.: H. Neumann. fKaV Speciaiitäten-Theater, IS|KA Landsberger Allee 76/79. Direkt Ningbahnstation. Ob schön I Täglich Ob Regen! im herrlichen Garten od. gr.Snal: ca. 3l) erstklassige Nummern. Jackson- Troupe, Akrobaten, 5 Personen. The Beirotts, scnsat.Burlcske excentrie. Die Berliner Lieblinge Pritz Brand und Mita Roselli, Mstr. Brown m. seineu Wunderhunden. Gebr. Artiselli. H. d'Oretta mit seinen musikalischen Elefanten— ie. Kaffeeküche. Volksbelustigungen. Sonntag, Montag. Mittwoch Ikail und Sonnabend: üslii. �asissoiici. Kottbuser Thor— Etat, der Hochbahn. Täglich im Garten: Hottmaims Norddeutsche Sänger. Gossmanns Konzert-Garten SW., Kreuzbergsir. 48. Heute, Mittwoch: Ertes Militär- Konzert Ansang 5 Uhr. (Garde-Alexand. in Unis.) 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Fernsprecher: Amt 4, Nr. 3578 Mittiooch, de» 25. Mai. abendS S'/j Uhr. bei Keller, Koppenftr. 29: Alißemdeiitl. Geiitrül-NechiiimlllDg. Tages-Ordnung: Berichterstattung vom Verbandötag. Wahl deS Ausschusses Verbands-Angelegenheiten. 84/3» iW" Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Die Ortsverwaltnng. Stock- und Gelluioid- Arbeiter. Donnerstag, den 26. Mai, abends 8'/« Uhr, Sitztli»g der Branchen- Kommission bei Bareinz, Brückenstraste 7. Der Obmann. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Horgen Donncrsitag, den 26. Mai, abends 8'/, Uhr i Jlasserordentlielie teral-Versammiung im groszen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel-User 15. TageS-Ordnung: 1. Aufstellung der Kandidaten zum Verbandstage. 2. Geschäftsbericht vom 1. Quartal. 3. Beratung der zum Verbandstag gestellten Anträge. 4. Abrechnung vom StijttmgSjest. 6. VerbandSaugclegenheiten. HliDie wichtige Tagesordnung erfordert daS Erscheinen aller MUglieder. -------------- Mitgliedsbuch legitimiert!---- 23/19_ Die Ortsvcrwaltnng. «WM»!lW»lWIII!IIM Donnerstag, de» 26. Mai ISvl, abends 6 Uhr: Außerordentliche General- Uersammlu»»g im Lokal Zimmermann, Wilhelmstr. 2, Tages-Ordnung: 6G/2 1. Wahl deS Kassierers. 2. Wahl der Revisoren. 3. Verschiedenes. I. A.: G. Uffenwasser. Tcrsvaltnngsstelle Berlin. DounetStag, den 26. Mai, abends Uhr: Vereins- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel-User 15, Saal I. Tages-Ordnung: i. Geschäftliches. 2. Vortrug des Herrn Bage über: Weltanschauung-. 3. Verschiedenes. Die Versammlung wird Punkt'1,9 tthr eröffnet. ————®östc, auch Damen, willkommen:>>>«» .Höckels Steinbildhauer. Freitag, den 27. d. Mts., abends 8 Uhr: Branchen-Abend im Luisenstädtischen Klubhaus, Annenstraße 16. Tages-Ordnung: 1. GeschästlicheS. 2. Bericht der Lohnkommission. 3. Die Stellung» nähme der Kollegen zu den Beschlüssen vom 20. Mai. 4. Verschiedenes. 21/1 Jeder Kollege erscheine in dieser Versammlung: Der Torstand. A. Pergande Dampf-Färberei u, ehem. Waschanstalt färbt in allen Farben: Damenkleidcr... 3,00 Bkarf. Herrenanzug... 4,50„ Ucberzieher... 3,00„ Bettdecken.... 1,25„ Tischdecken.... 1,25—1,50. Steppdecken... 2.50 Btark. Plüsch- u. Möbelstoffe a Kilo 1-1,50. reinigt: Damenklcidcr... 2,50—3,00. Röcke...... 1,50—2,00. Jacketts..... 1,25—1,50. Bluse»..... 0,75-1,25. Sonnenschirme.. 0,50 Mark. Herrenanzüge... 3,00 ,, Uebcrzieher... 2,00-2,25. Fabrik: Rolzmarhtftraße ai. Hauptgeschäft: WaBdemarstr. 52. f l-ip II y J- ♦ M« d■«Ui eC. I El �91 Bitte genau aus die Firma zu achten I IZZII vis-a-vis Bethanien. IZIZ mltal-n- Kergmamtstraße 27, Waidemarstraße 62. Annahmestellen: Haxstr. IS. Hoabit, Kloppstockstr. 9. Telephon: Amt VII 9h- 3013._ 49652* 4t fk 100 Stüsk 7 zölier � � X üelUz- Briketts X kosten jetzt ab meinen Filialen 70 Pfg., für io pfg.»4 Stück. 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Biertulpen 43 pr. Champagnergläser 86 pc Chatnpagnerschalen 43 pc Weinflaschen 1.65 mk. ükörflaschen 1.30 ml Ein Posten durchbrochener 8 Grössen öteilig hellblau 2 Gasplätten Äk,?Ö;4.90 Plätteisen.65 bis 1.95 Waschfässer zinkbi«h 8 Orösssn 7.75 bis 1 0.50 rÄ 9.75 bis 13 ml Waschzober � 9 u. 1 1 ml Wäscheleinen 1.60 ws 3.25 Putzkomoden 2 Gr. 2.60 u. 3.50 Küchenbretterg0�! 0 ws 85 pc Küchenbretter 25 bis 1.60 eichenartig gestrichen Brotkasten* or. 1.25 bu 2.20 Frühstücksdosen 1 5 pc Esslöffel otz. 1,30 Mk, Teelöffel d«».65pc Ein Posten feiner IT OrZOiaill" H IppeS Und V zur Hälfte des regulären Wertes. ffiir den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verkagscmstatt Paul Singer&. Co., Berlin SJit Nr. W. 21. 2. Inlngt Ks Jotmärts" Krlim Boüislliitt. Mitwoch, 25. Mai 1904. Reichsgericht und schwarze Listen. Vor einiger Zeit wurde gemeldet, daß das Reichsgericht sich jzegen die schwarzen Listen ausgesprochen und einem auf die schwarze Liste gesetzten Arbeiter das Recht auf Schadensersatz zuerkannt habe. Jetzt liegt das betreffende Erkenntnis des Reichsgerichts in Sachen St. gegen K. u. Th. vor. Ter Sachverhalt ist folgender: Der Kläger hat in der Zeit, wo er in der Eisengießerei der Beklagten als Guß- Putzer in Arbeit gestanden, versucht, innerhalb der Fabrik in den Arbeitspausen und während der Arbeitszeit andre Arbeiter zu be- stimmen, ebenfalls seiner Gewerkschaft beizutreten. Er soll dabei aufdringlich und rücksichtslos verfahren sein, so daß einzelne Arbeiter sich bei dem Werkmeister beschwerten, und dieser der Direktion An- zeige machte. Als der Direktor den Kläger zur Rede stellte, ist er laut und ungestüm geworden und hat ungehörige Aeutzerungen ge- than. Daraufhin, nicht wegen der Zugehörigkeit zu der Metall- arbeitergewerkschaft, ist er entlassen worden. Ter Kläger hat seiner Gewerkschaft angezeigt, er sei wegen seiner Zugehörigkeit und seiner Agitation für die Gewerkschaft entlassen worden. In gleicher Weise hat er di-- Sache in zwei Versammlungen dargestellt, die von der Gewerkschaft einberufen worden sind zur Beschlutzfassung, ob er als Gemaßregelter zu betrachten und während der Dauer seiner Arbeits- losigkeit von der Gewerkschaft zu unterstützen sei. Die Beklagte hat diesen Sachverhalt dem Verbände Ber- liner Metallin du st rieller angezeigt und beantragt, den Kläger bis auf weiteres zu sperren. Die Vertrauenskommission dieses Verbandes hat dem Antrage entsprochen. In einer zum Verbände gehörigen Fabrik, wo der Kläger inzwischen Arbeit gefunden hatte, wurde er infolge dessen entlassen, und im Arbeits- Nachweis des Verbandes wurde ihm erklärt, er bekomme einen Arbeitsnachweisschein überhaupt nicht mehr. Er war darauf etwa 3 Monate arbeitslos und fand schließlich in einer Brauerei Arbeit. «Hiernach— sagt das Reichsgericht— kann nicht bezweifelt werden, daß das Verhalten der Beklagten für den dem Kläger er- wachsenen Schaden kausal geworden ist, und daß ihre Absicht auf die Herbeiführung des diesen Schaden bedingenden Zustandes gerichtet war. Dies genügt, sofern die gegen den Kläger er- griffene Matzregel als eine unerlaubte Hand- l u n g zu erachten ist, zur Begründung der Haftung der Be- klagten aus§ 82S des B. G.-B." „Ter Verband Berliner Metallindustrieller verfolgt neben andern Zwecken auch den, die Interessen seiner Mitglieder in Kämpfen, die zwischen ihnen und ihren Arbeitern über Lohn- und Arbeits- bedingungen entstehen, wahrzunehmen und durch gemeinschaftliches Vorgehen den Arbeitgebern zum Siege zu verhelfen.(Satzungen 8 1 Ziffer 4, S). Zu den Einrichtungen, die zugleich als Kampf- mittel gegen die Arbeitnehmer dienen sollen, gehört auch die in§ 1 Ziffer 3 und§ 23 der Satzungen vorgesehene, durch eine besondere Geschäftsordnung geregelte Arbcitsnachweisstelle. Mag sie auch zu- nächst dazu bestimmt sein, den Mitgliedern die Gewinnung geeigneter Arbeitskräfte und arbeitsuchenden Personen die Aufsindung von Arbeitsgelegenheit zu erleichtern, so soll sie doch auch dem Verbände die Möglichkeit verschaffen, einzelne Arbeiter von sämtlichen dem Ver- bände angehörigen Werkstätten fern zu halten, sofern das zuständige Verbandsorgan— die Vertrauenskommission— dies als im Interesse der von ihr vertretenen Arbeitgeber liegend erachtet. Hierauf zielt die Bestimmung ab, wonach bei den Verbandsmitgliedern — von gewissen hier bedeutungslosen Ausnahmen abgesehen— ausschließlich Arbeiter angenommen werden dürfen, die einen von der Arbeitsnachweisstelle erteilten Ausweis besitzen, und die— im Prozesse festgestellte— Einrichtung, wonach die Mitglieder auch ver- pflichtet sind, Arbeiter, die sie auf Grund eines solchen Ausweises bereit? in Dienst genommen haben, wenn die Nachweisstelle den Aus- weis nachträglich zurückzieht und davon den Arbeitgeber benachrichtigt, sofort zu entlassen. Die unmittelbare Wirkung dieser Einrichtung erstreckt sich nach den von der Vorinstanz für glaubhaft erachteten Angaben des Zeugen Rüther(Blatt ISSfg.) auf etwa neun Zehntel aller in Berlin und Ilmgegend bestehenden Etablissements der Metallindustrie. Mittelbar aber greift sie, wie das Berufungsgericht feststellt, noch viel weiter. Einmal hat nämlich die Versagung oder Entziehung des Ausweis- scheines auch die Wirkung, daß es für den davon betroffenen Arbeiter sehr schwierig und oft unmöglich ist, bei einer der nicht zum Verbände gehörenden Fabriken von Berlin und Umgegend— das Berufungs- urteil führt deren Seite 24 sechs auf— Arbeit zu finden, weil auch sie, wie Rüther angiebt, Rücksicht auf den Verband nehmen. Und iveiter wird ein in dieser Weise gemaßregelter Arbeiter vermöge der Beziehungen, die der Berliner Verband zu dem Gesamtverbande deutscher Metallindustrieller unterhält, auch bei keiner auswärtigen zu diesem Verbände gehörigen Fabrik angenommen. Die Verhängung der Arbeitsspcrre hat hiernach für die Dauer ihres Bestandes Folgen, die der vollständigen Ausfchliesinng des be- treffenden Arbeiters von der Beschäftigung in einem grSsteren Betriebe der Metallbranche nahe kommen, und es kann mit Grund die Frage aufgeworfen werden, ob nicht eine Einrichtung, die einem Unternehmerverbande einen so eminenten Eingriff in die Bethätigung der Arbeitskraft eine» andern ermöglicht und bezw. die Bethätigung der dadurch gegebenen Gewalt als gegen das Gesetz verstoßend an- zusehen sei." Das Reichsgericht erörtert dann, ob der Ausweis der Arbeits- nachweisstelle nicht eine Umgehung des 8 443 der Gewerbe-Ordnung darstelle, durch den verhindert werden solle, daß ein abfälliges Urteil deS bisherigen Arbeitgebers denjenigen, bei denen sich der Arbetter um Beschäftigung bewirbt, ohne weiteres, d. h. ohne daß sie besondere Erkundigungen einziehen, zur Kenntnis gebracht werde. „Es bedarf indessen für den vorliegenden Fall— fährt das Reichsgericht fort— keiner Beantwortung dieser Frage, denn auch wenn man sie verneint, so mutzte doch jedenfalls die Art, wie der Verband von der selbstgrschaffenen Einrichtung Gebrauch gemacht hat, als gegen die guten Sitten verstoßend erachtet werden." „Wie das Reichsgericht bereits mehrfach ausgesprochen hat, muß auch in den Kämpfen, die der gewerbliche Wettbewerb und m be- sonderer Schärfe der Interessen- und Klassengegensatz zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern im gewerblichen Großbetriebe mit sich bringt, bei Verfolgung an sich erlaubter Zwecke die Einhaltung von Schranken in der Weise verlangt werden, daß als unzulässig nicht bloß Kampfmittel, die in an sich rechtswidrigen Handlungen bestehen, sondern auch solche, eine Schädigung des Gegners mit sich bringende Maßregeln anzusehen sind, die nach den allgemein bestehenden Sitten- anschauungen schlechthin oder doch unter den gegebenen Umständen als unbillig und ungerecht erscheinen. Nach demjenigen, was gestützt auf die thatsächlichen Fest- stellnngen der Vorinstanz oben über die Wirkung einer von dem in Frage stehenden Verband verhängten Arbeitssperre bewerft ist, ent- hält nun diese Maßregel einen sehr schweren Eingriff in das Wirt- schaftliche Leben des davon Betroffenen; denn es wird ihm die Ge- Ivinnung von Arbeitsgelegenheit auf einem gewerblichen Gebiet, das bezüglich der Zahl der darin beschäfttgten Arbeiter in allererster Reihe steht, in wettestgehender Weise beschränkt und erschwert, der Uebergang zu einem andern gewerblichen Gebiete aber ist auch für einen Arbeiter, der keine besondere Fachausbildung genossen hat, regelmäßig mit großen Nachteilen verbunden, es gelingt ihm der Natur der Sache nach meist nicht sofort, in einem ihm zunächst fremden Gebiet eine für ihn geeignete Beschäftigung zu finden, und er mutz sich fast immer mit geringerem Lohn begnügen, als er ihn in einem Arbeitszweige, für den ihm die. durch längere Uebung erworbenen Fertigkeiten und Kennwisse zu Mtten kämen, erzielt haben würde. Mit Rücksicht hierauf muß es für einen Arbeitgebervcrband, der sich in den Stand gesetzt hat, fernen Maßnahmen eine so lveit greifende Wirkung zu geben, wie es bei dem hier in Frage stehenden Verbände der Fall ist. als ein zwingendes Gebot der Gerechtigkeit und Billigkeit erachtet werden, daß er zur Aussperrung eines einzelne» Arbeiters auf längere Zeit oder zeitlich unbegrenzt höchstens dann vorschreitct, wenn es sich um sehr schwere Verfehlungen desselben in dem Arbeits- Verhältnis handelt und diese durch sorgfältige Ermittelungen fest- gestellt sind. Ob sich im gegebenen Falle bezüglich der Art, wie diese Ermittelungen angestellt worden sind, Einwendungen erheben ließen, kann dahingestellt bleiben, da nach den Feststellungen der Vorinstanz der Vertrauenskommission des Verbandes vor ihrer Entscheidung that- sächlich der wirkliche Sachverhalt bekannt gewesen ist. Wohl aber muß nach diesen Feststellungen die von der Kommission verfügte Mahregel gegenüber dem Verhalten des Klägers als eine gegen die Billigkeit verstoßende Härte bezeichnet werden. Es soll keineswegs verkannt werden, daß die Art, wie der Kläger während seiner Thätigkeit in der Fabrik der Beklagten andre Arbeiter zum Veitritt zur Gewerkschaft der Metallarbeiter zu bestimmen ge- sucht hat. durchaus ungehörig gewesen ist, ungehörig wegen der Zeit und des Ortes, wo er seine Werbungen unternahm, und wegen der Aufdringlichkeit und Rücksichtslosigkeit, mit der er verfuhr. Das gleiche gilt von seinem Verhalten gegenüber dem Direttor Kehling, als dieser ihn wegen dieser Agitation zur Rede stellte. Es erscheint deshalb sehr erklärlich und berechtigt, daß der genannte Fabrikleiter die sofortige Entlassung des Klägers verfügte. Dagegen geht es viel zu weit, wenn das Landgericht ausgesprochen hat, schon daö erwähnte Verhalten des Klägers lasse ihn als eine Persönlichkeit erscheinen, die sich überhaupt nicht dazu eigne, in Werkstötten, wo er mit einer größeren Anzahl von Arbeitern in Berührung komme, beschäftigt zu werden. Diese Beurteilung ist um so weniger gerechtfertigt, als nicht etwa festgestellt oder auch nur behauptet worden ist, daß der Kläger sich schon an andren Stellen, wo er gearbeitet, in gleicher Weise durch Agitation und unbotmäßiges Verhalten lästig gemacht habe und daher als ein Mensch zu betrachten sei, der auch durch Entlassung aus der Arbeit von einer oder mehreren Stellen nicht zu einem angemessenen Verhalten gebracht werden könne. Thatsächlich hat auch der Direktor Keyling die erwähnten Vorgänge noch nicht als geeignet angesehen, eine Matzregelung des Klägers durch den Arbeitgeberverband zu recht- ferttgen, er ist zu einer Anzeige an diesen erst Vorschriften, nachdem die Entlassung des Klägers(und noch zwei weiterer Arbeiter) Gegen- stand der Verhandlungen in zwei Arbeiterversammlungen ge- Wesen war." „Natürlich ist nicht zu bestreiten, daß der Kläger auch durch die unrichtigen Angaben über den Grund seiner Entlassung in diesen Versammlungen unrecht gehandelt hat, allein eine besonders bös- willige, auf die Schädigung seiner bisherigen Arbeitgeberin gerichtete Gesinnung oder eine wirkliche moralische Verkommenheit ist auch hier in seinem Verhalten nicht zu Tage getreten. Unter diesen Umständen durfte die Beklagte nicht beantragen, und die Vertrauenskommission des Verbandes, wenn sie gerecht und billig urteilen wollte, nicht beschließen, eine zeitlich unbegrenzte Arbeitssperre über den Kläger zu verhängen, und ihn damit so schweren Nachteilen, wie sie diese Maßregel nach den von dem Ver- bände geschaffenen Einrichtungen mit sich bringt, aussetzen." „War hiernach anzunehmen, daß gegen den Kläger eine von der Beklagten veranlaßte und zu vertretende, gegen die guten Sitten verstoßende unerlaubte Handlung im Sinne von 8 323 des Bürger- lichen Gesetzbuches begangen worden sei, so erscheint der Klage- Anspruch dem Grunde nach gerechtfertigt."— Das Reichsgericht ist also weit davon entfernt zu entscheiden, daß„Schwarze Listen" grundsätzlich gegen die guten Sitten verstoßen und schadcnsersatzpflichtig machen. Es erklärt es vielmehr für eine von den Umständen jedes Falles abhängende thatsächliche Frage, ob ein Verstoß gegen die guten Sitten und Schadensersatz- Pflicht vorliegt. Bei dem Arbeitgeberverband der Metallindustriellen erachtet es,„daß dieser Verband zur Aussperrung eines einzelnen Arbeiters auf längere Zeit oder zeitlich unbegrenzt höchstens dann vorschreiten kann, wenn es sich um schwere Verfehlungen desselben in dem Arbeitsverhältnis handelt, und diese durch sorgfältige Er- Mittelungen festgestellt sind". Immerhin ist diese Entscheidung des Reichsgerichts beachtens- wert in einer Zeit, wo die preußische Regierung gegen landwirtschast- liche Arbeiter wegen Verttagsbruchs, und sei er auch noch so ent- schuldbar, schwarze Listen mit dauerndem Ausschluß von der Arbeitsgelegenheit durch die Gesetzgebung einführen und ihre Durch- führung mit Strafen erzwingen will. Nach obiger Ansicht des Reichs- gerichts verstößt solche Gesetzgebung gegen die guten Sitten und würde deshalb, wenn ihr Inhalt durch Vertrag vereinbart würde, nichtig sein, und die Grundbesitzer den geächteten Arbeitern gegenüber schadensersatzpflichtig machen. Zlierte Geveral-Versammlung des Ceutral-Aerbandes der Magdeburg, den 24. Mai 1904. Am 1. und 2. Pfingstfeiertag tagte hier in der.Reichshalle" die vierte Generalversammlung des CentralverbandeS der Handlungs- gehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands. Anwesend waren 19 Dele- gierte, die ebenso viele Orte vertraten. Der Verbands-Vorstand hatte die Kollegen Josephsohn und Schultze-Hamburg entsandt, ferner war die Generalkommission durch Legien, sowie das Gewerkschaftskartell von hier und die hiesige Verwaltungsstelle der Handels- und Transport- arbeiter vertreten. Zu Vorsitzenden wurden gewählt Josephsohn-Hamburg und Köhler-Leipzig, zum Schriftführer Schultze-Hamburg. Vor Einttitt in die Tagesordnung widmete der Borsitzende den verstorbenen Kollegen Emil Äosenow und Wilhelm Swienty, die beide auf der vorigen General-Versammlung des Verbandes als Referenten fungiert hatten, einen warm empfundenen Nachruf. Der Geschäftsbericht über die beiden Jahre 1902 und 1903 lag den Delegierten im Druck vor. Danach ist die Mitgliederzahl des Verbandes in diesem Zeittaum von 1388 auf 3054 gestiegen, davon 1340 männliche und 1314 weibliche. Die Einnahmen beliefen sich auf 41 288,20 M., die Ausgaben auf 42 638,85 M. Der Kassenbestand war 4432,47 M. Das Deficit im letzten Geschäftszeittaum ist durch Ausgaben für Stteiks verursacht, die der Verband führen mutzte und die insgesamt eine Ausgabe von 4678,03 M. erforderten, wovon 2921,71 M. aus der Verbandskasse bestritten werden mutzten. Dem Vorstand wurde für die Geschäftsführung in den letzten zwei Jahren Entlastung erteilt. Eine Aufforderung des kaiserlich Statistischen Amtes in Berlin zur Mitarbeit an einer Stattstik über die Ergebnisse der kaufmännischen Stellenvermittelung hatte der Vorstand abgelehnt. Die Generalversammlung erklärte sich mit der Ablehnung einverstanden. Sodann wurden die Anttäge auf Aenderung des Statuts be- raten. Beschlossen wurde, einen Ausschutz einzusetzen und die Stellenlosen-Ilnterstützung zu erhöhen. Einem Antrag, den inter- nattonalen Kongretz in Amsterdam zu beschicken, wurde zugestimmt, ebenso der Beschickung des nächsten deutschen Gewerkschaftskongresses durch zwei Delegierte. Zum Verbandsvorsitzenden und Redakteur des Verbaudsorgans wurde Josephson-Hamburg einstimmig wieder- gewählt. Als Sitz des Ausschusses wurde Berlin bestimmt. Hierauf referierte das Vcrbandsmitglied ReichStags-Abgeordneter Lipinski-Leipzig über„Die nächsten Aufgaben für die Socialreforin im deutschen Handelsgewerbe". Der Referent hatte seine Anschauungen in nachstehender Resolution zusammengefatzt, die einstimmig an- genommen wurde. „Die vierte Generalversammlung des Centtalverbandes der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands(Sitz Hamburg) erachtet einen planmähigen weiteren Ausbau der Socialreform fttr die Angestellten im Handelsgewerbe als eine dringende Auf- gäbe der Reichsgesetzgebung. Diese Aufgabe in weit schnellerem Tempo wie gewohnt ihrer Lösung entgegenzufiihren, ist angesichts der mißlichen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Zustände unter den Handelsangestellten eine gebieterische Notwendigkeit. Als wichtigste Forderungen sind dabei zunächst zu berücksichiigen: Rcichsgesetzliche Einführung des Achtuhr- Ladenschlusses. Be- schränkung der Arbeitszeit in Comptoiren auf täglich acht Stunden. Bei geteilter Arbeitszeit: Festsetzung einer Mittagspause von zwei Stunden, in Grotzstädten von zwei und einer halben Stunde. Völlige sechsunddreitzigstüuoige Sonntagsruhe für alle Handels« angestellten. Obligatorischer FortbildungSschul-Unterricht für Gehilfen und Lehrlinge unter 18 Jahren wahrend täglich zweier Vormittags- stunden. Schaffung einer Handelsinspektion unter Hinzuziehung von Gehilfen. Ausdehnung der Unfallversicherung auf alle Handelsangestellten, Schaffung einer ausreichenden reichsgesetzlichen Versicherung aller Privatangestellten gegen Alter und Invalidität, bei Gelvahrung von Witwen- und Waisenrenten. Verbot der Konkurrcnzklausel. Beseitigung der 88 9 und 10 deS Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs. Die Generalversammlung erkennt an, daß die Reichstags- Kommission zur Vorberatung des Gesetzentwurfs über die Kauf- mannsgerichte die Vorlage der verbündeten Regierungen wesentlich verbessert hat, und ersucht den Reichstag, den Entwurf dahin zu erweitern, daß 1. das Obligatorium für die Errichtung allgemein ausgesprochen wird; 2. den Frauen das passive Wahlrecht gewährt wird; 3. die Berufungssumme von 300 auf 300 M. erhöht wird. Die Generalversammlung erwartet, datz der deutsche Reichstag die Borlage in Kürze verabschiedet und alle Versuche zurückweist, das Zustandekommen des Gesetzes zu verzögern, dessen Schaffung die Handlungsgehilfen seit mehr als einem Jahrzehnt ver- laugen und für das sich der Reichstag wiederholt einmütig aus- gesprochen hat". Zum Schluh referierte Paul L a n ge« Leipzig über das Thema:„Kolleftiver Arbeitsvertrag für Konsumvereine". Air diesen Bortrag knüpfte sich eine lebhafte Diskussion. Beschlossen wurde eine Resolutton, die es als eine Aufgabe der Gewerkschaften bezeichnet, an Stelle der besonderen Arbeitsverträge zlvischen dem einzelnen Arbeitnehmer und dem einzelnen Arbeitgeber kollektive Arbeits- verttäge zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeber- Organisation herbeizuführen. Besonders im Handelsgewerbe würde es für eine immer größere Mehrzahl V0n Handlungsgehilfen zur Not- wendigkeit, durch die gewerkschaftliche Organisation zu einem kolleftiven ArbeitSverttag zu gelangen. Vor allem aber wären die aus der Arbeiterschaft hervorgegangenen Genossenschaften verpflichttt, mit den betreffenden Gewerkschaften hinsichtlich der Gestaltung dieser Verhältnisse zu verhandeln. Damit waren die Arbeiten der Generalversammlung erledigt. Bon Delegierten aus Süddeutschland wurde der Wunsch aus« gesprochen, die nächste Generalversammlung in einer süddeutschen Stadt, möglichst in München abzuhalten, und der Verbandstag so- dann nach einem Schluhwort des Vorsitzenden, der zu eifriger Weiter« arbeit für die Ausbreitung der Organisatton aufforderte, mit einem Hoch auf den Verband geschlossen. ßerUner partci-Hngelegenbciten. Rixdorf. Arbeiter 1 Parteigenossen l Auf zur Kommunalwahl! Heute Mittwoch, in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags finden zwei Stadtverordneten- Ersatzwahlen für die 3. Abteilung statt. Im 7. Bezirk, umfassend die Köpenicker Landstratze, die Elsen-, Friede!«, Hobrecht-, Laube-, Mainzer-, Nansen-, Pannier», Reuter-, Werra-, Wildenbruchstratze und Reuterplatz, befindet sich das Wahllokal in der Turnhalle, Erk st ratze 26; unser Kandidat ist Genosse PauIMitschke, Steinarbeiter, Erk st r. 3. Im 10. Wahlbezirk, welcher die Hennannstt. von 1—98 und 167—238 sowie Netzestraße umfatzt, befindet sich das Wahllokal im Ausschank der Vereinsbrauerer, Hermann- st r a tz e 219. Hier ist ein Hausbesitzer zu wählen und ist unser Kandidat der Genosse OttoSpreer, Eigentümer, Karlsgarten st r. 3. Wablberechttgt ist jeder Preuße, welcher das 24. Lebensjahr vollendet hat, mindestens ein Jahr in Rixdorf wohnt, ein Einkommen von mehr als 660 Mark versteuert und in den Wählerlisten ein- gettagen ist. Wtt fordern daher auch alle diejenigen, welche zur Zeit der Aufstellung der Wählerlisten(Juli v. I.) in diesen Bezirken gewohnt haben und nach andren Bezirken verzogen sind, auf, ebenfalls von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu macheu. Nur wenn jeder seine volle Schuldigkeit thut, können wir mit Ehren aus der Wahl als Sieger hervorgehen. lokales. Die Hrimstätten-Misere wird schlimmer und schlimmer, je mehr das Frühjahr vorschreitet und der Sommer herannaht. Alle fünf Heimstätten sind jetzt voll belegt, einzelne davon schon seit vielen Wochen, ja seit Monaten. Aufnahme kann längst nur noch erfolgen, wenn durch Entlassung ein Bett ftei wird. Die Zahl der vorgemerkten Personen wächst fort und fort, und immer länger wird die Wartezeit, die jden neugemeldeten zu- gemutet werden mutz. Am 14. Mai wareir vorgemerkt: in Blanken- bürg(genesende Frauen) 92 Personen, in Heinersdorf(genesende Männer) 31 Personen, in Blankenfelde und Malchow(beide für lungenleidende Frauen) 134 Personen, in Gütergotz(lungenleidende Männer) 178 Personen. Die Wartezeit betrug nun bereits: für Blankenburg 31 Tage, für Heinersdorf 11 Tage, für Blankenfelde und Malchow 24 Tage, für Gütergotz 31 Tage. Wer also am 14. Mai z. B. für Gütergotz vorgemerft wurde, der hatte Aussicht, erst am 6. Juli aufgenommen zu werden. In diese Misere hinein klirrt jetzt die frohe Botschaft, datz die neue Heim statte in Buch, die für lungenleidende Männer bestimmt ist, zum Herbst oder Winter 1904„sicher" fertig werden soll. In der letzten Sitzung des Heimstätten- Kuratoriums ist mitgeteilt worden, daß die�Eröffnung im Oktober. spätestens im November, allerspätestens im Januar erfolgen soll. Es ist in der That dringend zu wünschen, datz es diesmal nicht wieder bei dem blotzen Versprechen bleibt. Diese neue Heimstätte ist zwar bereits im September 1397 von den socialdemokratischen Stadtverordneten gefordert und im März 1899 von der Stadt- verordneten-Versammlung grundsätzlich genehmigt worden, aber die Nachricht, datz sie schon( I) im Jahre 1904 fertig werden soll, ist trotzdem eine Ueberraschung und klingt fast wie ein Märchen. Der letzte Verwaltungsbericht des Heimstätten-Kuratoriums, der vom Dezember 1903 datiert war und im Februar 1904 veröffentlicht wurde, sprach davon, daß nach einer Versicherung der Baudeputatton die Fertigstellung der für sämtliche Anstalten in Buch bestimmten Beleuchtlmgscentrale für Herbst 1904 „zu gewärtigen sei". Aber das Kuratorium hatte es daraufhin nicht wagen wollen, noch in den Etat von 1904 Betriebsmittel für die neue HelmMte einzustellen. Um so bester, daß eS nun doch noch zu einer Eröffnung im Etatjahr 1904 kommen soll. Es scheint, daß die Kritik, die bei der diesjährigen Etatbcratung von socialdenlokratischen Stadtverordneten an dem Heimstättenwesen geübt worden ist, doch ihre Wirkung gethan und zu einer Beschleunigung der Bauarbeiten geführt hat. Wir wollen nur hoffen, daß nicht noch im allerletzten Stadium der Bauausführung Magistrat und Stadtverordneten-Versammluug eine so- und sovielte Aenderung des Bauentwurfes beschließen, durch die zwar wieder noch an den Baukosten ein paar Tausend Mark gespart würden, aber dafür mich die langersehnte Vollendung des Baues wieder noch um ein paur Monate verzögert würde. Die städtischen Kanzlistcn, welche seit Jahren über ihre im- günstige Lage Klage führen, sollen nunmehr durch eine kleine Auf- besserung ihrer Bezüge erfreut werden. Der Magistrat hat verfügt, daß den Kanzlisten für diejenigen Tage, an denen die städtischen Dienststellen schon 1 Uhr mittags geschlossen werden, das Pflicht- Pens u m facht Bogen a 38 Pf.) voll bezahlt werden soll und ebenso an solchen Tagen, an welchen wegen Arbeitsmangel den Magistratskanzlisten nicht das volle Pensum übertragen werden kann. Im letzteren Falle soll jedoch bei zweimaliger Wiederkehr solcher „stillen Tage" im Monat Bericht erstattet werden— wegen Ver- niindemng des Kanzleipersonals. Vor chemischen Präparaten, saurer Milch und Brennesseln warnt die Polizei in folgender Veröffentlichung: Beim Beginn der heißen Jahreszeit pflegen durch Zeitungsinserate und gedruckte Rund- schreiben allerlei chemische Präparate, meist unter Phantasienamen und ohne Angabe der Zusammensetzung, als Zusätze zur Milch, um deren Gerinnung zu verzögern, empfohlen zu werden. Vor dem Ankauf und der Verwendung dieser Mittel wird dringend gewarnt. Es ist keine chemische Substanz bekannt, die im stände wäre, die Mlch frisch zu erhalten und vor dem Gerinnen zu bewahren, ohne ihr gleich- zeitig gesundheitsschädliche Eigenschaften zu verleihen. Das einzig empfehlenswerte Verfahren, um im Haushalte die Milch vor dem Saueriverden möglichst lange zu schützen, ist: Die Milch so frisch wie möglich zu kaufen, sofort nach dem Ankauf sie bis zum Aufwallen aufzukochen und sie alsdann schnell abgekühlt an kühlem Orte in eineni Gefäß mit iibcrfasscndem Teckel, und zivar am besten ohne Um- gießen in dem Gefäß, das zum Aufkochen diente, aufzubewahren. Milch, die kleineren Kindern gegeben wird, sollte vor Verabfolgung an sie jedesmal von einem Erwachsenen gekostet werden, um. fest- zustellen, ob sie auch nicht sauer oder bitter schmeckt. Wer Milch, die mit chemischen Konservierungsmitteln versetzt ist, einführt, feilhält oder verkauft, hat Bestrafung auf Grund von Z 3 k der Polizei- Verordnung vom 15. März 1902 und Verfolgung auf Grund des Nahrungsmittelgesetzes zu gewärtigen. Das in Produzenten- und Händlerkreisen hier und da noch übliche Verfahren, Brennesseln in die Milch zu legen, um sie zu konservieren, fördert die Gerinnung der Milch viel mehr als sie es verhütet. Dies Verfahren ist schon aus Reinlichkeitsgründen durchaus zu verwerfen und ist außerdem geeignet, die Milch gesundheitsschädlich zu machen. Die Pfingstfriertage brachten kein freundliches Wetter. An beiden Tagen war der Himmel stark bewölkt und die Temperatur so niedrig, daß die F r ü h k o n z e r t e nur im Winterrock zu genießen waren. Unter solchen Umständen kam selbst bei Leuten, die in der Theorie der Abstinenzbewegung Konzessionen zu machen geneigt sind, der steife Grog zu respektablen Ehren. Auch an den Nachmittagen wiesen die B i e r g ä r t e n manche Lücke auf, und nur einige große Lokale machten ihr Pfingstgeschäst. Im Westen war besonders nach den Terrassen am H a l e n s e e ein beinahe mörderischer Andrang. ES ist dies das neue von der Firma Aschinger errichtete VergnügungS- institut, das im Geschmack des Königs Nebukadnezar erbaut ist. Alle Welt staunte ob der im echten Stuck hergestellten Posaunenengel und der den Babel- Bibel- Streit beleuchtenden Turmbauten. Was der Cirkusdirektor Schumann auf dem Wege des Balletts zur Popularisierung dieses wichtigen Streitfalles gethan hat, das ist in Halensee unter Beihilfe von Cement geschehen. Von Ehrfurchtsschauern gepackt, opferten denn auch viele Tausende dort dem Moloch. Daß die Straßenbahn- wagen im Sturm genommen wurden und der Eisenbahnverkehr nicht ohne zerrissene Ueberzieher und zerbrochene Schirme von statten ging, versteht sich; dafür feierten wir Pfingsten. Glücklich, wer am Abend zur rechten Zeit daheim war und im Schöße der Familie fein Abendbrot verzehren konnte. Die Verkehrszustände, welche an den Pfingsttagen an einem beliebten Ausflugsort herrschten, werden noch durch die folgende Meldung eines Berichterstatters beleuchtet: Der Bahnhof Finken- k r u g war an den beiden Pfingstfeiertagen der Schauplatz wüster Scenen. Der Bahnsteig ist in seiner Länge von etwa 50 Meter durch einen Staketzaun zur Hälfte geteilt, nur drei schmale Einlässe ge- statten den Gang zum Huge. In unverantwortlicher Weise werden nun die Fahrgäste hinter dem Staket so lange festgehalten, bis der Zug eingelaufen ist. Erst dann werden an den Durchlässen die Ketten geöffnet, und nun rette sich, wer da kann I An den Pfingst- feiertagen war abends der Andrang ganz enorm, denn viele Hunderte standen in drangvoller Enge zusammengepfercht und harrten des Augenblickes der Durchlaßöffnung. Sobald dieser eingetreten, ent- fesselte sich die Bestie in dem Menschen I Ohne Rücksicht auf Kinder, alte Leute ec. suchte jeder die„hohle Gasse" zu passieren, um sich dann einen Platz im Wagen zu erkämpfen. Wer nicht standfest war, wurde niedergetreten, selbst über kleine Kinder und Frauen ging der Weg. In das Johlen der vorwärts- drängenden Menge mischte sich das Wehklagen und Jammern der zu Boden Getretenen; hörte man doch hier und da von Quetschungen aller Art, Armbrüchen, Beinverrenkungen zc.:c. Da sich derartige Scenen an schönen Sonntagen stets wiederholen, so hat die Eisen- bahn-Verwaltung die Pflicht, die verkehrswidrigen Einrichtungen des Bahnhofs Finkenkrug, die auf keinem andern Vorortbahnhofe anzu- treffen sind, schleunigst zu entfernen. Hoffentlich werden hierzu auch die Unfalls-, Schmerzensgeld- und Schadensersatzklagen gegen den Eisenbahnfiskus ihr Teil beitragen. Ein Bubenstreich wurde Montagabend um 9'/z Uhr gegen die Fahrgäste eines Dampfers auf der Oberspree verübt. Der Dampfer „Germania" von der Firma Kahiit u. Herzer hatte auf der Rückfahrt von Hankels Ablage in der Nähe von Nieder-Schöneweide die unvollendete Brücke zu passieren, die dort für das Kabelwerk er- baut wird. Als der Dampfer vorsichtig durch das Bauwerk hindurch- fuhr, goß ein Unbekannter von der Brücke herab einen Kübel voll Kot über die Fahrgäste aus. Ein Schrei des Ekels und der Em- pörung rang sich durch die Lust und alles drang auf den Kapitän ein, mit dem Dampfer die Verfolgung des ruchlosen Buben aufzunehmen, der schnell in einen bereitgehaltenen Kahn stieg und in der Dunkelheit verschwand. Doch mußte der Dampfer notgedrungen in der Fahrtrichtung bleiben und die Ver- folgung des Frevlers unterlassen. Die Kleider zahlreicher Fahrgäste sind durch die Unthat ruiniert worden und der Gestank auf dem Vorderteil des Schiffes war so entsetzlich, daß der Aufenthalt dort unmöglich lvnrde. Die Gendarmerie ist noch am Abend von der ab- scheulichen That unterrichtet worden, doch hat man des Frevlers bisher nicht habhaft werden können. Zu dem Gerüchte von einem Raubmorde gab ein Leichenfund Veranlastung, der am ersten Pfingstfeiertage, morgens 4 Uhr, in der Laubenkolonie an der verlängerten Senefelderstraße gemacht wurde. Zur genannten Zeit wurde dort in einem � offenen Anbau der dem Monteur Müller gehörigen Laube von dessen Schwiegervater Kühn die Leiche des 56 Jahre alten Tischlergesellen Ernst Gobart entdeckt, der zuletzt in der Landsberger Allee eine Schlafstelle inne hatte. Dem Toten fehlten Stiefel und Rock; die Krawatte, der Hut, das Notizbuch, das verschiedene Briefe enthielt, lagen zerstreut auf dem Erdboden und unter dem Eingang zur Laube stand eine geleerte Schnapsflafche. Der Tote lag auf dem Rücken, die Knie stark angezogen, die Hände seitwärts ausgestreckt. Am Kehlkopf war eine Strangulationsmarle vorhanden; ein ziemlich starker Strick laa unter der Leiche. Die Eingangsthür zu dem Gärtchen war in den Angeln ausgehoben und gewaltsam zur Seite geschoben. Der Vor- steher des zuständigen Polizeireviers gab die Meldung von einem mutmaßlichen Morde an das Polizeipräsidium, worauf sofort eine Gerichtskommission des Landgerichts I erschien, die den geschilderten That bestand ermittelte und die Leiche in der Fundlage und am Fundorte photographieren ließ. Obgleich die Art des Fundes die Vermutung zuließ, daß Gobart das Opfer eines Verbrechens geworden ist, spricht doch eine ganze Reihe von Thatsachen dafür, daß G- Selbstmord verübt hat. Der außerordentlich kräftige Mann hat sich zweifellos nicht gewehrt, was bei einem an ihm verübten Verbrechen doch wohl der Fall gewesen wäre. Gobart ist verheiratet, lebte jedoch seit etwa vier Wochen— und zwar infolge eigner Schuld— von seiner Familie, die in unmittelbarer Nähe des Fundortes, Dunckerstraße Nr. 3 wohnt, getrennt. Der Verstorbene war dem Trünke ergeben und hatte schon öfter Selbstmordgedanken geäußert. So hat der ehemalige Logiswirt des G., der in der Frankfurter Allee 90 wohnende Tischler Gödke, der Polizei einen Brief des Verstorbenen übergeben, in welchem dieser mitteilt, daß er sich durch Erhängen das Leben nehmen werde. Gobart war auch seit einiger Zeit arbeitslos, bezog aber als Mitglied des Holzarbeiter- Verbandes Arbeitslosen- Unterstützung. Es meldeten sich im Laufe des Sonntagnachmittags Personen, die am Abend vorher Gobart am Zaune der Laubenkolonie ohne Stiefel liegend gesehen haben wollen; außerdem hat Kühn gegen 3 Uhr morgens von seinem Fenster aus eine Person in der Nähe des späteren Fundortes gesehen. Während so die verschiedensten Umstände darauf hindeuten, daß ein Selbst- mord vorliegt, ist der Befund des Strickes auffällig. Wenn die Schlinge auch gerissen sein sollte, so hätte sie immerhin an dem Haken, an dem sie befestigt gewesen, hängen bleiben müssen. Das ist jedoch nicht der Fall. Es ist aber auch ausgeschlossen, daß die Leiche nachträglich nach dem Fundorte geschleppt worden ist. Die polizeilichen Ermittelungen sind noch nicht abgeschlossen, werden aber hoffentlich Aufklärung bringen. Durch einen Sturz von der Treppe ist in der Nacht zum Dienstag der 25 Jahre alte Arbeiter Fritz Stakowski, der Langestr. 90 bei dem Arbeiter Will im ersten Stock des Ouergebäudes wohnt, tödlich verunglückt. Der junge Mann hatte mit seinem Bruder einige Schank- wirtschaften besucht und war etwas angetrunken, als er um 11 Uhr nach Hause ging. Um 12>/z Uhr fanden ihn zwei Arbeiter, die über ihm wohnen, tot im Hausflur liegen. Eine schwere Kopfwunde läßt darauf schließen, daß er von der schlechten Wendeltreppe herab- gefallen war. Auf traurige Weise hat die Kanfmannswitwe B. aus der Lothringerstraße ihr Leben verloren. Sie wurde schwer krank in das Krankenhaus in der Auguststraße eingeliefert und verstarb dort bereits nach wenigen Stunden. Die Obduktion hat ergeben, daß Frau B. ein Mittel gegen keimendes Leben in Anwendung gebracht hat und daran gestorben ist. Ihr achtjähriges Töchterchcn befindet sich bei Verwandten in Pflege. Eine Ausschreitung, deren drei Maurer sich schuldig machten, hat den Tod des Stationsassistenten Kühn auf dem Bahnhof Alexanderplatz mittelbar zur f Emil Pape aus der Kyffhäuserstras i n z l e r aus der Turmstraße 19 Winzler aus der Wiclefstraße 9 6 Uhr auf dem Schlesischen Bahnhof, gestiegen und hatten sich im Coups gegen andre Fahrgäste unanständig benommen. Als sie auf deren Verlangen am Bahnhof Alexander platz festgestellt werden sollten, gerieten sie mit dem Stations assistenten und andren Beamten in Streit. Eine Weile, nachdem die Namen der Frevler notiert und diese selbst entlassen waren, t a r b der Assistent plötzlich am Herzschlage. Im Laufe des gestrigen Tages wurden die Maurer verhaftet. Amtlich wird über den tragischen Vorfall gemeldet: Von vier Personen, welche auf der Fahrt vom Schlesischen Bahnhof aus nach Alexanderplatz von drei Maurern belästigt wurden, hatten zwei Damen in Jannowitzbrücke das Abteil gewechselt, um sich weiteren Beleidigungen zu entziehen, eine andre Dame war in Alexanderplatz ausgestiegen und machte dem Stationsassistenten Wodarg, welcher die Vertretung des Stationsassistenten Bernhard Kühn auf kurze Zeit übernommen hatte, Anzeige und beantragte, die beleidigenden Fahrgäste feststellen zu lassen. Wodarg forderte letztere des- halb auf, den Zug zu verlassen, wessen sie sich aber weigerten. Wodarg befahl nun zwei Thürschließern, sie mit Gewalt herauszuholen. Jetzt wandten sie sich gegen die Thürschließer und auch gegen den Stationsassistenten Bernhard Kühn, welcher durch den Zwischenfall veranlaßt, seine Dienstpause noch nicht angetreten hatte. Einer der Thürschließer erhielt im Gesicht viele Kratzwunden. anscheinend auch einen Stich am linken Ohr und der linken Wange. Kühn wurde mit großer Gewalt gegen ein eisernes Treppengeländer gedrängt, am Halse gewürgt, auf den Kopf und die Brust geschlagen. Erst nach Eintreffen von Schutzleuten und thätlichem Eingreifen derselben ließen die Excedenten von der Schlägerei ab und wurden dann von diesen und den Bahnpolizeibeamten festgestellt und danach wieder entlassen. Kühn war nun nach dem Fernbahn- teig gegangen, um sich von der Aufregung zu erholen. Er genoß in dem Dienstraum noch Kaffee, wurde dann aber von heftigem Luftmangel überfallen. Nach Verlauf von etwa 40 Minuten nach der Schlägerei verschied er plötzlich. Der herbeigerufene Bahnarzt konnte nur noch den eben eingetretenen Tod feststellen. Der königlichen Staatsanwaltschaft war der Vorfall und besonders der Ausgang desselben durch das zuständige Polizei- revier sofort angezeigt. Dem Vernehmen nach sind die Excedenten wieder verhaftet worden. Die Leiche des Stationsassistenten Kühn ist zur Untersuchung nach dem Leichenschauhaus geschafft worden. Kühn hinterläßt eine Frau und vier Kinder und seinen alten Vater. Die weitere Untersuchung wird fortgesetzt." folge gehabt. Die Maurer ze 11 zu Schöneberg, Paul und sein Bruder Gustav waren Montagabend gegen in einen Stadtbahnzug ein- Selbstmord deS Raubmörders Piller. Der eine der beiden Mörder des Kutschers Schemel, der Mechaniker Piller, hat sich in einer Zelle erhängt. Er hatte sich mit seinen: Taschentuch eine Schlinge um den Hals gelegt und diese an der Thür des Ofens fest- zeknotet. Die Beaufsichtigung des zweiten Mörders, Jopp, wurde 'ofort verschärft.— Jopp ist jetzt nach Moabit gebracht worden. Noble Bekanntschaft. Von einem Berliner Theaterdirektor er- zählt man sich in den Schauspielercafss eine amüsante Geschichte. Jüngst empfängt der Biihnengewaltige einen Schauspieler bei sich in der Wohnung. Da das Telephon auf dem Schreibtisch läutet, unterbricht plötzlich der Direktor das Gespräch und sagt entschuldigend: „Pardon, mein lieber Freund, sxcussz un moment!" Darauf greift er nach dem kombinierten Hör- und Sprechrohr und ruft: „Hier ich I... Wer da?... Ah, Sie find es? Sehr erfteut, Durchlaucht... Aber gewiß Durchlaucht... sehr gern, sehr gern mache ich mir das Vergnügen, liebe Durchlaucht... Servus... Schluß I" Dann, als wäre nicht das geringste vorgefallen, legt der Direktor das kombinierte Hör- und Sprechrohr wieder beiseite und, zu seinem Schauspieler sich wieder wendend, sagt er gelassen:„Aber mein lieber Freund... ja, wo waren wir denn gleich stehen ge- blieben?"-- Der Zufall will, daß der Mime am nächsten Tage einem guten Bekannten begegnet, einem Brettelmenschen.„Hör' mal", fragt er ihn,„was ist denn eigentlich mit Eurem Direktor passiert? Ich klingele ihn gestern nachmittags wegen eines Frei- billets an, und er tituliert mich in einem fort Durchlaucht?" Auf der Reundahn ist Montagnachmittag der Lieutenant v. Hoberg vom 3. Garde-Ulanenregiment zu Potsdam schwer ver- un glückt. Er stürzte bei einem Hürdcnsprung. zog sich eine Gehirnerschütterung zu und wurde bewußtlos mit einem Rünzelschen Rettungswagen nach der Privatklinik des dirigierenden Arztes des Elisabeth-Krankenhauses Professor Dr. Rieme in der Mageburger- trotze gebracht. Dienstagmorgen kam der Verunglückte zur Besinnung und fiel in einen stärkenden Schlaf. Die Aerzte hoffen, ihn am Leben zu erhalten. Auch ein Opfer deS Kneges. Aus einem Eisenbahnzug ge- kvrungen und schwer verunglückt ist gestern morgen um O'/a Uhr eine junge Russin, die 24 Jahre alte Offizierstochter Hulda Mintz. Dt« junge Dame ist tiefsinnig geworden, weil ihr Vater in den Krieg gegen Japan ausrückte. Ihre Mutter wollte daher mit ihr Ver- wandte in Berlin besuchen, um sie auf andre Gedanken zu bringen. In der Nähe von Köpenick sprang die Kranke aus dem Speisewagen und zog sich außer andren Verletzungen einen Bruch beider Beine zu. Sie wurde nach Anlegung eines Verbandes mit dem Zug nach dem Bahnhof Friedrichstratze und von dort mit einem Koppschen Rettungswagen nach der kgl. Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Straßensperrung. Die Corneliusbrttcke einschließlich des Kreuzdammes der Corneliusstraße und des Lützow-Nfers von Kurfürsten- dämm bis Keithstraße wird behufs Umpflasterung vom 25. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ein großes Feuer kam vorgestern in der Forsterstr. 40, einem von mehr als 30 Parteien bewohnten Hause, aus noch unaufgeklärter Ursache in den Nachmittagsstunden auf dem Boden des Hauses zum Ausbruch. Bei Ankunft der Feuerwehr stand schon der Dachstuhl des Ouergebäudes in großer Ausdehnung in Flammen. Die Treppen und die Bodenräume waren total verqualmt, wodurch der Augriff sehr erschwert wurde. Brandinspektor Dransfeld ließ wegen der großew Gefahr für die angrenzenden Gebäude sofort aus mehreren Schlauchleitungen von Dampsspritzen des 8. und 6. Zuges Wasser geben. Nach etwa dreistündiger angestrengtester Löscharbeit konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Der Dachstuhl des Quergebäudes ist ausgebrannt. Zahlreiche Mieter, die zum größten Teil nicht da- heim waren, und erst abends bei ihrer Rückkehr vom Pfingstausfluge zu ihrer Ueberraschung von dem Brand- erfuhren, sind durch �den Verlust von Hausrat geschädigt worden. Leider sind auch Mann- schaften der 2. Compagnie infolge der Einwirkung des Qualmes ernstlich erkrmikt und mußten sich in ärztliche Behandlung begeben. Großfeuer brach am dritten Pfingstfeiertag in Tegel aus. Dort brannte vormittags das Eckhans Schiieperstr. 27 und Schöneberger- stratze 63 in großer Ausdehnung. Die Berliner Feuerwehr wurde um Hilfe angegangen. Sie entsandte den 16. Dampfspritzenzug unter Leitung des Brandmeisters Dannehl. Als dieser an der etwa eine Stunde entfernten Brandstelle erschien, stand der Dachstuhl des Eckhauses in ganzer Ausdehnung in Flammen. Die freiwilligen Feuerwehren des Ortes sowie der Nachbarorte hatten acht Schlauch- leitungen vorgenommen und gaben kräftig Wasser. Den vereinten Anstrengungen gelang es, die Flammen auf das Eckhaus zu be- schränken. In diesem befindet sich die Gastwirtschast von H. Hanuschke, in der sich beim Ausbruch des Feuers zahlreiche Gäste befanden._ Die Ausstellung von Lehrmitteln für den Zeichenunterricht, die in den Pfingsttagen in Charlottenburg lHardenbergstr. 6, Motivhausi abgehalten wird, ist am Dienstag eröffnet worden. Den Anlaß, diese Lehrnnttel-Ausstellung zu veranstalten, gab die Jahres- Versammlung des„Landesvereins Preußen der für höhere Lehr- anstalten geprüften Zeichenlehrer", die in der Pfingstwoche in Charlottenburg tagt, um über Fragen der Förderung des Zeichen- Unterrichts soloie der Pflege des Kunstsinns durch die Schule zu beraten. Aber die Ausstellung ist nicht allein für die Teilnehmer dieser Versamm» lung bestimmt, sondern für alle Freunde des Zeichnens. Der Besuch kann auch Eltern, die den jetzigen Betrieb des Zeichenunterrichts kennen lernen wollen, empfohlen werden. Auch den Laien wird die Aus- stellung, die recht gut beschickt ist, erkennen lassen, welche Fortschritte der Zeichenunterricht in neuerer Zeit gemacht hat, welche Ziele er sich heute steckt und auf welchen Wegen er sie zu erreichen sucht. Wer den Zeichenunterricht, der früher üblich war, in seiner Jugend erlitten hat, der lvird die Ausstellungsräume in einer aus Freude und Neid gemischten Empfindung durchwandern. Er wird überrascht davon sein, welche Hilfsmittel heute dem Schüler und dem Lehrer für das Zeichnen zur Verfügung stehen, wie weit der Pestalozzische Satz, daß das absolute Fundament aller Erkenntnis die Anschauung ist, in dem modernen Zeichenunterricht bereits zu seinem Rechte kommt, in welchem Umfange der Zeichenlehrer durch die bessere Methode, die jetzt Geltung erlangt hat, die Forderung „Zurück zur Natur" zu erfüllen sucht. Die Leser des„Vorwärts" wissen, daß selbst die Berliner Gemeindeschulen seit der Einführung des neuen Lehrplans einen Hauch dieses Geistes zu verspüren be- kommen haben. Unsre Kinder zeichnen und malen jetzt nach der Natur. Die Lehrmittel, die in solchem Zeichenunterricht benutzt werden, können nicht mehr die bloßen Abbilder der zu zeichnenden Objekte sein: als„Vorlagen" sind an die Stelle der toten Abbilder die Objekte selber getreten. Gezeichnet und gemalt wird in den Schulen nach den einfachen Gegenständen des täglichen Lebens, ferner nach Blättern und Blumen, nach Früchten, nach ganzen Pflanzen, nach präparierten Fischen, Amphibien, Insekten, nach ausgestopften Säugetieren und Vögeln usw. Die Methode zur Erziehung von Auge und Hand, die dabei angewandt wird, der Wandel von Formen« und Farbenauffassung, der sich im Zeichenunterricht unsrer Schulen immer mehr Bahn bricht, werden ihre segensreiche Wirkung über die Schule hinaus für das Leben haben. Besonders den Kindern der Großstadt ist ein solcher Zeichenunterricht notwendig. Was schon im Anfang erreicht worden ist, hat im vorigen Jahrs eine Ausstellung von Zeichenarbeiten gelehrt, die in einer Berliner Gemeindeschule zu sehen war.s iEine ähnliche Ausstellung ist jetzt in den Räumen der Charlottenburger Kaiser Friedrich-Schuke (Knesebeckstraße 25, am Bahnhof Savignyplatz) veranstaltet worden, um auch hier zu zeigen, wie die neue Methode sich bisher bewährt hat. Auch diese Ausstellung sollten alle Freunde des Zeichnens be« suchen. Die Ausstellung in der Kaiser Friedrich-Schule ist noch ge- öffnet am Mittwoch 11—3 Uhr; der Zutritt ist unentgeltlich. Die Ausstellung im Motivhmis wird noch am Mittwoch 11—3 Uhr und am Donnerstagvormittag 8—10 Uhr geöffnet sein; auch hier steht der Eintritt jedem unentgeltlich frei. Der deutsche Verein für Volkshygiene hält seine diesjährige Generalversammlung am 4. Juni in Frankfurt a. M. im Palmen- garten ab. Zur Verhandlung kommen: Die Einführung von Sommerferien für die Kaufleute jReferent: Dr. E. Fromm-Frank- furt a. M.). Die systematische Durchführung von Schülerausflügen in den Ferien als Ergänzung der Ferienkolonien �Referent: Schuldirektor Dr. Beyer-Leipzig). Die Versorgung der Städte mit ein- wandfteier Säuglingsmilch(Referent: Prof. Dr. Ostcrtag-Berlin). Das genaue Programm wird von der Geschäftsstelle des Vereins, Berlin W. 30, Motzstr. 7, verschickt. Auf dem fünften Bundestag des Radfahreebundes Solidarität, der in den Pfingsttagen in Erfurt abgehalten wurde, waren 60 Delegierte anwesend. Ein Korso war den Delegierten ver» boten worden, was ja bei der Haltung, welche die Polizei Arbeitern gegenüber einnimmt, nicht im geringsten verwundern darf. Der Bund zählt zur Zeit etwa 20 000 Mitglieder, von denen die Hälfte in den beiden letzten Jahren eingetreten ist. Im Jahre 1903 wurden 15 840,58 M. eingenommen und 15 633,06 M. ausgegeben. Der Bundestag beschloß gegen 6 Stimmen, daß vom 1. Oktober d. I. ab an einem Orte nur ein Bundesverein bestehen darf, doch öll dem Berein in Großstädten gestattet werden, sich in Sektionen zu gliedern. Weiter wurde folgender Antrag zum Beschluß erhoben: „Der Bundestag findet alle 2 Jahre statt. Die Wahl der Delegierten erfolgt gauweise, auf je 500 Mitglieder entfällt ein Delegierter und zwar so, daß jeder Gau mindestens einen Delegierten entsendet. Für einen weiteren Delegierten ist eine Mindestzahl von 251 Mitglieder nöttg, so daß Gaue von 1 bis 500 Mitgliedern einen, von 751 bis 1000 Mitgliedern zwei, von 1251 bis 1500 Mitgliedern drei Delegierte wählen zc." Als U n f a l l u n t e r st ü tz u n g sollen vom Bunde fortan ge« währt werden: im ersten Jahre der Mitgliedschaft pro Woche 6 M., im zweiten Jahre 7,50 M., und darüber hinaus 9 M. Bei Unfällen mit tötlichem Ausgang kann eine Unterstützung in Höhe von 100 M. ewährt werden. Für Unfälle, die e.ne Krankheitsdauer unter vier lagen zur Folge haben, wird ke»« Unterstützung gewährt. Ferner wurde zur Frage des Rechtsschutzes beschlossen, daß der Bund einen eignen Rechtsanwalt anstellen soll. Das Gehalt des Geschäftsführers wurde auf 2000 M erhöht; A l t h a u s wurde zum Vorsitzenden, Sachs zum Geschästsschrer wiedergewählt. Der Sitz «8 Sun>e6 Meftt tti �ta-nlf u rt, der Ntz des Ausschusses m amburg. Der nächste Bnndestag soll 1906 in München abchatten werden. Klus den Jfacbbarortm Marienfrldc. Die Gemeindev ertretung hatte sich in ihrer vor- gestrigen Sitzung mit einem Antrag der Grundstücksspekulanten Schulz und Platt, betreffend die Anlegung von Straßen in der Villenkolonie, zu beschäftigen. Der Anttag wurde abgelehnt mit der Begründung, daß die Unternehmer selbst die Straßen den orts- statutarischen Bestimmungen gemäß herzustellen hätten, dann erst könne die llebernahme durch die Gemeinde erfolgen. Bemerkt sei noch, daß die Gemeinde mit den Besitzern des alten Teils der Kolonie in Klage steht, weil die Herren die Pflasterkosten nicht bezahlen wollen. Ein Antrag auf Ankauf eines Grundstücks wurde abgelehnt, da der Besitzer 42 000 M. fordert, die Gemeindevertretung aber nur 36000 M. zahlen will. Der Nachtwächter erhält eine monatliche Zulage von b M.; ein Antrag untres Parteigenossen Greulich, die Gehalts- erhöhung auf 10 M. festzusetzen, wurde abgelehnt. Neu-Weißensee. Die Gemeindevertretung hat die Arbeiten zur Regulierung der Prenzlauer Chaussee an die Steinsctzfirma Ernotte zum Preise von 29 200 M. vergeben, d. h. sie hatte nur ihre Zu- slimniung zu geben, da die Straßenban-Kommission, der auch außer- halb der Gemeindevertretung stehende Personen angehören, diese Arbeiten bereits vergeben hatte. Von unsrer Seite wurde diese Handlung entsprechend gerügt, jedoch die bürgerlichen Herren be- rührte diese Beschneidung des Selbstbestimnmngsrcchts weiter nicht. Ein Anttag zweier Eigentümer in der Gäblerstratze aus Bewilligung von Kosten zur Regulierung ihres Bürgersteiges wurde abgelehnt, da sie bei der vor drei Jahren vorgenommenen Regulierung sich weigerten, ihre Bürgersteige mitregulieren zu lassen. Großen Un- willen bei den bürgerlichen Herren erzeugte ein Bescheid des Kammergerichts-Präsidenten, wonach der Errichtung einer zweiten Notarstelle nicht stattgegeben wird. Der hierorts bestättgte Notar hatte seiner Zeit den Ort verlassen, weil für ihn keine passende Wohnung vorhanden war, und ließ nur sein Bureau zurück. Darob war große Trübsal im Lande der Haus- und Grundbesitzer und flugs erging eine Petition an den Justizminister. Der ergangene Bescheid wurde durch ein Gutachten eines Baumeisters bekräftigt, der die Wohnungsverhältnisse unsres Ortes studiert hatte. Inzwischen, d. h. seit noch nicht einen: Jahre, haben sich angeblich die Wohnungsverhältnisse so geändert, daß nochmals versucht werden soll, einen günsttgeren Bescheid herauszuholen.— Seit den letzten Wahlen ist die gesamte dritte Abteilung durch socialdemottatische Gemeindevertteter besetzt, aber dennoch macht man bei jeder Gelegenheit den Versuch, unsre Genossen von den maßgebenden Kommissionen auszuschließen; so lourde auch diesmal bei der Wahl eines Kurators fiir die Kranken- baracke, den Pferdemarkt und den Gemeindefriedhof unser Genosse Thiermann überstimmt und der Schöffe Backhaus gewählt, der als ruhiger Mann bekannt ist. dem wir aber jedes sociale Verständnis absprechen müssen.— Im nächsten Jahre be- geht unser Ort sein 2Sjähriges Bestehen als selbständige Gemeinde. Es wurden innerhalb der Gemeindeverttetung schon Stimmen laut, dieses Ereignis in entsprechender Weise zu begehen; die nächste Sitzung soll zu dieser Angelegenheit Stellung nehmen. Die Arbeiter- schaft von Weißensee steht dieser Frage ziemlich kühl gegenüber und wünscht nur, daß der so oft hervorgehobene Geldmangel im Ge- meindesäckel nicht noch vergrößert wird, fondern daß die Leute die Kosten ttagen, die ihre Freude an derarttgen Vergnügungen haben. In Barnewitz bei Rathen»» hat sich während der Feiertage ein Ehedrama abgespielt. Ein Ehemann schoß zuerst aus seine Frau, verletzte diese leicht und versuchte sich dann zu erschießen. Nachdem Dr. med. Ernst Hartwig den Schwerverletzten verbunden hatte, wurde er ireS Krankenhaus nach Brandenburg transportiert. Die Frau ist mit leichten Verletzungen davon gekommen. Gericbts-Leitung. Latt» Pommerndank- Prozeß. Im KriminalgerichtS- Gebäude herrschte gestern noch Festtagsfttmmung: die Wandelgänge waren fast völlig verwaist, denn es tagten nur zwei Abteilungen der Schöffew- gerichte. Dagegen wurden im Pommernbank-Prozeß die Verhandlungen nach dreitägiger Ruhepause mit vollem Eifer wieder aufgenommen und lockten erstaunlicherweise ein recht zahlreiches Publikum in den kleinen Schwurgerichtssaal. Es scheint fast, als er- regten die Verhandlungen ein besonderes Interesse der Grundstücks- Makler, denn die vor Gericht gegebenen Details über Wert, Unwert oder Aussichten so bieler verkäuflicher Terrains und Häuser sowie die Kenntnis der für diese gemachten Angebote ist für diese Kreise von besonderer Bedeutung, und so sieht mm: denn im Zuhörerraum stets eine Anzahl junger Leute, die sich über die zum Vorttag ge- brachten Einzelheiten emsig Notizen machen. Zu gestern waren zahl- reiche Zeugen geladen, die zu einigen von den Verteidigern gestellten Beweisanttägen— diese sind bis zur Nr. 13h angeschwollen— vernommen wurden. Es handelt sich dabei um das Schicksal und den Entwicklungsgang, den zahlreiche der in Frage kommenden Grund- stücke gehabt haben. Der Angeklagte Schulz behauptet— und weist dies auch in einer Reihe von Fällen nach—, daß die Grundstücke zu weit höheren Preisen verkauft, als sie von den Sachverständigen der Gerichtskommission geschätzt worden sind. Zu diesem Thema wurden zahlreiche Zeugen, darunter Präsident Klingemann von der Preußischen Centtal-Bodenrredit-Bank. Direktor Budde, Geh. Rat G u t m a n n von der Sttelitzbank und Direktor Schultz« von der Jmmobilien-Verkehrsbank vernommen. Tie letztgenannten drei suchten eingehend die Behauptung des Angeklagten Schulz zu widerlegen, daß einzelne Grundstücke von den reorganisierten Banken geradezu verschleudert seien. Der Angeklagte Schulz erklärte hierzu, daß er noch an andrer Stelle(d. h. im Regreßprozesse) reich- lich Gelegenheit haben werde, den Nachweis für seine Behauptung im einzelnen zu erbringen. Die Gegensätze in den Wertschätzungen der Sachverständigen der Gerichtskommission und denen der An- geklagten blieben auch gestern unüberbrückbar.— Mittwoch 9 Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt. Eine in der— Bleivergiftung begangene Strasthat blieb gestern ungesühnt. Wegen Betruges hatte sich der Malermeister Wilhelm R u h n h o l z vor der 4. Strafkammer des Landgerichts l zu ver- antworten. Die Strasthat wurde darin gefunden, daß er sich eine Bialerarbeit zweimal hatte bezahlen lassen. In der Voruntersuchung wie vor Gericht zeigte der Beschuldigte ein so eigentümliches stumpf- sinniges Verhalten, daß Bedenken in Betreff seiner Zurechnungs- fähigkeit entstanden und der Gerichtsarzt Dr. Hofsmann zum Termin geladen wurde, um sein Gutachten abzugeben. Dieser erklärte, daß der Angeklagte an Bleivergiftung leide, jener 5trankhcit, von der Maler so häufig befallen würden. Das Gift habe nicht nur seinen Körper, sondern auch seinen Geist zerrüttet, es sei anzunehmen, daß er auch bei Begehung der Strasthat sich in einem Zustande be- funden habe, der ihm die Ueberlegung raubte. Der Staatsanwalt beantragte darauf Einstellung des Verfahrens und der Gerichtshof erkannte demgemäß. Für ausbeutungslüsterne Kaufmannsprinzipale. Eine in juristi- schen Kreisen mehrfach erörterte Streitfrage ist die, ob eine mit einem Handlungsgehilfen getroffene„Vereinbarung", daß für den Fall seiner Erkrankung die Gehaltszahlung während der Dauer der Krankheit entgegen der Bestimmung in Abs. 1 des Z 63 Handels- Gesetzbuch in Fortfall kommen soll, nichtig ist? Die 7. Civil- kammer des Landgerichts I hat diese Frage in einem anhängig ge- machten Prozesse neuerdings wiederum bejaht. Die Civilkammer folgert dies aus dem inneren Zusammenhange des Gesetzes und der socialen Tendenz der neueren Gesetzgebung. Das öffentliche Interesse, das den Schutz der wirtschaftlich Schwachen erfordere und zur Aufnahme einer Reihe von Bestimmungen in dem Abschnitt „Handlungsgehilfen und Handlungslehrlinge" geführt habe, werde gerade durch die Vorschrift des§ 63 Abs. 1 aus das allerstärkste be- rührt; denn wenn die Handlungsgehilfen, welche gewöhnlich außer ihrem Gehalt über keine bedeutenden Subsistenzmittel verfügen, sich im Falle ihrer Erkranttmg des Gehalts beraubt und bestenfalls auf Kranken- und andre Kaffenunterftützung angewiesen sehen, werden sie häufig gesundheitlich und wirtschaftlich zurückgehen und schließlich auf die eine oder andre Weise der Allgemeinheit zur Last fallen. Ein Riesenprozeß der Berliner Bersichernngsgesellschaft „Victoria", repräsenttert durch de» Generaldirektor Otto Gerstenberg und den Direttor Paul Thon, nahm gestern in einer außerordentlichen Tagung vor dem Schwurgericht in Wien seinen Anfang. Die An- klage, welche auf verleumderische Beleidigung lautet, richtet sich gegen den früheren Generalagenten der„Victoria" in Wien. Ernst Solomon Agai. Dieser hatte bald nach seinem Ausscheiden aus der Ge- sellschaft unter dem Titel„Die Korruptton" eine periodische Druck- schrist in Wien erscheinen lassen, die der Bekämpfung der Korruption dienen sollte. In zahlreichen Artikeln dieses Blattes wurden mm gegen die„Victoria" und ihre„Volksversicherung" schwere Angriffe erhoben, naznentlich wurde behauptet, daß die Gesellschaft die Ver- sicherten durch zu große Prämienzahlungen benachteilige, die Bilanzen fälsche, sich durch fehlerhafte Buchung der Versicherten bereichere, ferner ihre zahlreichen Angestellten und Agenten als Sklaven be- handle und durch Heranziehung ihrer Kauttonen die Verluste der Gesellschaft decke, während andrerseits die an der Spitze des Unter- nehmens stehenden Persönlichkesten, wie z. B. der Generaldirektor Gerstenberg, widerrechtlich ein jährliches Einkommen von einer Viertelmillion Mark bezögen.— Zu der Verhandlung, die etwa drei Wochen in Anspruch nehmen dürfte, sind 78 Zeugen, zumeist aus Deutschland, geladen. In dem Prozeß wird voraussichtlich die ganze Geschäftspraxis der„Victoria", insbesondere aber der Specialzweig der Volksversicherung beleuchtet werden.— Im weiteren Verfolge der Wiener Schwurgerichtstagung hat der Angeklagte Agai eine Gegenklage wider den Generaldirektor Gerstenberg und Genossen anhängig gemacht, weil diese mittels Cirkulars die Schriften Agais als Pamphlete bezeichnet haben sollen. Die Verhandlung in dieser Sache ist auf den IL. Juni d. I. anberaumt worden. Vermiscktes. Bon der dänischen. Polar-Expedition. Aus Kopenhagen wird vom Dienstag bettchtet: Der Kapitän des heute hier aus Grönland eingetroffenen Schiffes„Godthaab" teilt mit, daß die dänische Polar- Expeditton unter Leitung des Schriftstellers DyliuS-Erichsen am 20. Jamiar 1904 nlit Hundeschlitten die Saunders-Jnsel, wo sie lange Zeit unter den Eskimos gelebt hatte, verließ und glücklich Upernivik in West-Grönland erreichte, von wo sie später nach Udanak ging. Dylius-Enchsen besuchte Anfang Mai Holsteinborg, wo das Schiff am 7. Mai ankam. Er beabsichtigte, von dort nach Udanak zurückzukehren. Heber ein Eisenbahnunglück wird aus Prag berichtet: Auf der Sttecke Gablonz-Tannwald-Reichenberg stieß am Montag vor der Statton Dessendorf ein leerer Zug mit einem Personenzug zu- sammen. 14 Passagiere des Personenzuges wurden leicht verletzt, zwei' Lastwagen und zwei Personenwagen des leeren Zuges zertrümmert'. Die üblichen Absttirze. Am Montag fanden der Wiener Buch- Halter Walter Kuhn auf der Rax und ein junger Tourist in der Mazocha(Mähren) durch Absturz ihren Tod. Schiffszusammenstoß auf der Ostsee. Der dänische Dampfer' „Napoli" stieß in der Nacht zum Dienstag südlich von dem Feuer-' schiff im Lappegrund mit dem Stettiner Dampfer„Emil R. Netzlaff" zusammen, der sich auf der Fahrt von Huelva nach Stetttn befand. Der deutsche Dampfer sank, die Mannschaft wurde gerettet; der Dampfer„Napoli" lief, am Bug beschädigt, in Helsingör ein. Marktpreise von Berlin am 21. Mai 1904 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. 'Welzen, gut D.-Ctt. mittel genug »Roggen, gut . mittel gering fGerste, gut . mittel gering fHafer, gut mittel gering Richtsttoh Heu Erbsen Speisebohnen Linsen ' ab Bahn. t frei Wagen und ab Bahn. 17.60 17,66 17,62 12, 90 12,88 12,86 14.20 12, 30 11,70 16.00 l:-!,80 12,60 4,00 6,80 40,00 60,-00 60,00 17,68 17,64 17,60 12,83 12,87 12,86 13,00 11,80 10,60 13.90 12,70 11,60 3,82 5,00 23,00 20, 00 26,00 Kartoffeln, neue D.-Ctt. Rindfleisch, Keule l.fcg do. Bauch. Schweinefleisch, 60 Stück 1 kg »ammelfleilch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse per Schock 7,00 1,80 1,40 1,60 1,80 1,80 2,60 3,40 2,00 2,80 3,00 2,40 1,80 3,00 1,40 16,00 5.60 1.2» l,10i 1,00 IM IM 2,00 2,40 1,40' 1,40 IM IM 0.8» 1.4» ».8» 3,00 8Ml!Mi'»t.M?ei'eii!lIez Uerl. ÜeicktM-MWM (Osten). Stadtbezirk 155. Todea-Anzelge. Am 21. d. M. starb unser lang- jähriges Mtglied, der Maurer Ulbert Raascb. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am I Mittwoch, den 25. d. SB., nachmittags 2 Uhr, vom Rummelsburger Krankcnhause(Pttnz Alberfftt. 69) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 243/7 Der Lorstand. 1 Central-Verlianil der Maurer Deutseblands. ZwelRvereln Berlin. Unsre» Kollegen zur Nachttcht, daß am Sonnabend, den 21. er. unser Verbandskollege 143/16 Albes! Raasch im Zllter von 31 Jahren an der Lungenkrankbeit gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 26. er., nachmittags 3 Uhr, aus dem Centtal-Friedhos Friedrichsselde statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Bcrbandsleitung. Zillen Freunden und Bekannten I l die traurige Nachttcht, daß meine I I liebe Frau 53611!| Anna Rensebel geb. Lamm | nach schweren Leiden gestorben ist. I Die Beerdigung findet am I I Donnerstagnachmittag 6 Uhr von| derLeichenhalle des Centtal-Fried- | hoses in Friedrichsseide statt. Der kauernde Gälte jitckoll Henscbel, Wrangelstr. 61.1 Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unser Freund| Reinholfl Becker am 22. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet SBittwoch, den 25. Mai, nachmittags 61/, Uhr, von der Leichenhalle des Schöne- bcrger Fnedhoses, SBaxsiraße, aus ,'latt.— Um rege Beteiligung bitte! 63532 A. Fallcr. Dr. Schünemann Specialarzt für Haut-, Harn-»ud »rauenleiden, Se�ttelstr. O. Wochentags'/.lÄ-'/.a,'/.O-'/.S. tiermit die traurige Nachricht, I unser lieber Vater, derl I Droschkenkutscher 53626 1 Heinrich Göidner am 22. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donncrstagnachmittag 6 Uhr von der Leichenhalle des EmmauS- Kirchhoses, Hermannsttaße, statt. vi» ttintoedliabonon. F <ür die liebevolle Teilnahme und Ztranzspenden bei der Bcerdi- gung ineincs lieben Mannes und — Vaters 1487b Zoksnn Becker sagen wir allen Verwandten, Frvun- den und Bekannten, sowie dem Ge- sangverein.Tonblüte" unscrn herz- lichsten Dank. vis tranomrien Hinterbliebenen. I den wetten Verbands- und Ar- bcitskollegen unsres dahingc- schiedenen guten VaterS. Schwie- ger- und Großvaters 14860 Friedrich Schiele die In so zahlreicher Weise ihm am Grabe die letzte Ehre erwiesen haben. insbesondere dem Gesangverein sur die trostvollcn Lieder sage ich hiermit im Namen der Hinterbliebenen den herzlichsten Dank. Brleelr. Schiele. DankNagans- Für die rege Beieiligung sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich seinen Kollegen, der.Typographia", dem Schöneberger Wahloereiii meinen herzlichsten Dank. 6357L Anna Bahn. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und sür die schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Putzers Viiheini Barnack sagen wir hiermit allen, insbesondere dem Gesangverein der Putzer, unsern herzlichsten Dank. 1477b krau Emilie Barnack und Söhne. Wieder eröffnet Poliklinik lür Hals-, Nasen- und Ohrenkranke von Dr. Echtenueyep, Luisen st raße 14. 7—8 abends. (Privatsprechst.: u.'/,5-7.) Zelle Hausfrau versuche Vonnbaiim's Waschpulver „Eiireka", dasselbe verhütet das»»liebsame — Abfärben und Ein laufen der Wäsche, erhält die wollene Wüsche wunderbar weich, macht die weiße blitzschnell blendend weift nnd giebt der- selben einen höchst angenehmen, frischen Geruch. 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Diese Thatsache sowie die �rkläritugeu von einer ganzen Reihe Bäckermeister lassen darauf schließen, daß diese Znrnckziehnngserklärungen ans starke Beeinflussungen zurückzuführen sind. Viele haben die schriftliche Erklärung abgegeben, daß sie diese erzwungenen Zurückziehungen für ungültig erklären. i-eipziZseretl-asse 46-49— Krausenstrasse 46-49. Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend Glas Vorzugs- Preise 5 Ff. 8 28 35 45 rf. 35 22 Pf. 45 38 pf. 10 pf. 35 70 80 90 pf. 20 18 pf. 35 pf. 45 75 Pf. 75 pf. Glasteller gepresst Compotiören Butterdosen Käseglocken Citronenpressen Gompotieren geschiwea Glasteller geschliffen Zuckerschalen geschliffen Käseglocken geschliffen HotelflaSChen crystall geschliffen Sturzflaschen mit Glas, geschliffen 45 Pf. Bier- u. Selterbecher mit Goldrand 7pf. Theebecher mit Bordüre 10 Pf. Gambrinusbecher 8pf. Viktoriabecher geschliffen, mit Goldrand 25 Pf. Biertulpen geschliffen 23 Pf. Wassergläser crystall, geschliffen 22 Pf. rn. Bordüre 25 Pf. Rotweingläser crystall 25 Pf. Rheinweingläser cryrtau 25 Pf. Madeiragläser crystaii 20 pf. Champagnergläser hoch.crystau 28 pt Porzellan Butterdosen decorirt Handleuchter decorirt Kaffeebecher farbig Gompotieren gross Zahnstocherbehälter Eierbecher weiss, Goidrana Kaffeekanne roccoco weiss Kaffeekanne decorirt Teller tief u. flach Terrinen sortw Ragoutschüsseln Saucieren Platten ovai TaSSen decorirt Tassen weiss 65 pf. 18 Pf. 10 pf. 10 pf. 12 Pf. 4 pf. 45 pf. 65 Pf. 15 18 Pf. 125 68 85 pf. 55 Pf. 55 70 85 Pf. I10 18 Pf. 8 pi Tafelsen/ice weiss Goldrand auch decorirt SOteilig 1750 Tafelservice weiss Goldrand auch decorirt Meilig 5500 Kaffeeservice für 6 Personen 250 350 Kaffeeservice für 12 Personen 625 Dessertteller«. decorirt.>Vert 45 Pf. jetat 32 Pf. Latz Töpfe'Wert bis 2.95 I25 I50 Soweit der Vorrat reicht Steingut Vorratstonnen zwiebei 35 pf. Essig U. Oel Zwiebel 35 Pf. Salz- u. Mehl-Mesten zwiebei 75 pf. Gewürztonnen zwiebei Iöpl Satz Salatieren 68 pf. 95 pf. Toiletteneimer mit Bügei 325 Waschbecken gross 85 pt, l35 Teller tief und dach, mit vmclcmnster 8 Pf. Dessertteller mit vruchmuster. 1 PI Gompotieren farbig 22 pl Ein Posten Gewürzschränke mit 6 Tonnen, weiss mit Gold, statt 1,50 9 5 Pf- Waschgarnituren decorirt i35 250 425 650 950 Ein Waggon Majnlikawaaren Blumenkübel Schirmständer Bowlen mit Teller Jardinieren gross Speinäpfe mit Deckel 15 20 Pf. 200 2a6 250 375 475 statt 3,26 l50 95 Pf. 55 Pf. Ein Posten Reise-Schuhbürsten Auftrage- und Glanzliürsten statt 2,00 55 Pf. polirt mit Etui statt 2,50 65 Pf. V-rantw. Redakteur: Paul Büttner. Berlhü Für de» Jrieraieuteik vera"tw: 7l>."üvcke. Berliu. Druck u. Berlag: Vorwärts Buchdnickerei». Verla s uu'talt Panl Shrqer 8- l-'o. Verlin SW. Ar. 120. 21. ZahrMg. 3. f cilüjt des Jimärts" ßtrlinet WsdIM. Mttwsch.2S.WlM. Streikbewegung in Wien. Aus Wien wird unS geschrieben: Seit einem Monat etwa herrscht hier in den meisten Branchen eine sehr lebhafte Streikbewegung. Die Organisationen sind erstarkt und gehen nun, da die Krise einigermaßen nachgelassen hat, daran, nicht nur die Arbeitsbedingungen, die die Arbeiter während der schlechten Zeit notgedrungen herabdrücken lassen mutzten, wieder auf den alten Stand zu bringen, sondern auch neue Fortschritte auf gewerkschaftlichem Gebiete zu machen. Zuerst gingen die S ch l o s s e r in den Kampf. Vor Monaten schon hatten fie von den Meistern eine Herabsetzung der Arbeitszeit und eine Lohnerhöhung verlangt. Die Meister hatten es nicht ein- mal für notwendig gefunden, ihr Memorandum zu beantworten. Als dann die Vertreter der Gehilfen in der genossenschaftlichen Meister- Versammlung die Forderungen der Arbeiter neuerlich aufstellten, wurden sie beschimpft und die Versammlung lehnte die Forderungen einstimmig ab. Nun organisierten die Arbeiter partielle Streiks, zunächst in den größten Werkstätten. Die Unternehmer drohten darauf mit der Aus- sperrung und es sollen sich bereits 200 Meister, die 2600 Gehilfen beschäftigen, ehrenwörtlich verpflichtet haben, die Gehilfen aus- zusperren. Jetzt trat der Verband der Metallarbeiter erneut an den Genossenschaftsvorstand heran, und die Meister, die an den wenigen Streiks schon genug hatten, ergriffen die angebotene Friedenshand. Nach kurzen Verhandlungen wurde der Frieden geschlossen: die Arbeiter errangen die Verkürzung der Arbeits zjeit auf 9'/z Stund e n und einen Minimallohn von 31 Hellern für die Stunde. Ganz ohne Kampf gelang es den Bäckern, namhafte Erfolge zu erzielen. Die Arbeitslosigkeit unter den Bäckern ist riesig groß. Alle Arbeitslosen des Reiches strömen in Wien zu- sammen und drücken die Löhne der Arbeiter. Die Organi- sation der Bäckergehilfen mutzte daher sehr vorsichtig vorgehen, um einerseits die schwer zu disciplinierenden Arbeiter zu einem geschlossenen Ganzen zusammenzufassen, andrerseits bei den Unter- iiehmern sich Anerkennung zu verschaffen. Ohne viel Lärm arbeiteten die Bäckerarbeiter an ihrer Organisation, und es gelang ihnen im Verlaufe mehrerer Monate, die Mitgliederzahl zu verdoppeln, so daß sie heute 3000 Mitglieder, die Mehrzahl der mx Gewerbe Beschäftigten, umfaßt. Nun mutzten sich die Meister, so ungern sie es thaten, zu Verhandlungen bequemen. Und als sie am Vcrhandlungs- tisch saßen, mutzten sie auch schließlich in den sauren Apfel beißen und den Gehilfen eine Reihe sehr wertvoller Zugeständnisse machen. Vor allem wurde ein Minimal lohn festgesetzt, der für die verschiedenen Arbeiterkategorien in Betrieben bis zu ö Gehilfen 20—30 Kr., in Betrieben mit mehr als 5 Gehilfen 22—34 Kr. wöchentlich beträgt. Die Arbeitszeit wurde auf 12 Stunden— worin eine zweistündige Pause eingerechnet werden soll— bestimmt, so daß also ein 10 stündiger Arbeitstag errungen wurde. Bisher war die Arbeitszeit ganz ungeregelt und es gab Bäckereien, wo bis zu 18 Stunden gearbeitet wurde. Ausdrücklich wurde festgelegt, daß kein Gehilfe mehr als 6 Tage in der Woche arbeiten darf. Die Organisation wurde anerkairnt und der I.Mai als Feiertag erklärt. Daneben wxirde die Lehrlingsfrage dahin geregelt, daß auf je vier Gehilfen ein Lehrling kommen soll. Der Tarif wurde für 3 Jahre fe st gelegt und zugleich bestimmt, daß Unter- nehmer- und Arbeiterorganisation gmeinsam jeden Meister, der die Vereinbarungen bricht, be- kämpfen werden. Zu diesem Zwecke wurde eine paritätische Kontrollkommission eingesetzt. Allerdings gelten diese Vereinbarungen bloß für die Weiß- b ä ck e r e i e n. In den Schwarzbäckereien haben die Unternehmer härtere Schädel. Vorläufig wird noch immer verhandelt. Wahr- scheinlich dürfte auch hier das Verlangen der Arbeiter erfüllt werden. Wenn nicht, dürfte es zu partiellen Streiks kommen, da bereits in einzelnen Schwarzbäckereien die Forderungen der Arbeiter bewilligt wurden. Ein interessanter Streik war der der K a n a l r ä u m e r, der vier Nächte dauerte. Die Kanalräumerarbeiten werden von der Kommune zu pauschalierten Beträgen vergeben. Die 17 Meister, denen so die Kommune ein arbeitsloses Einkommen vermittelt, be- schäftigen etwa 500 Arbeiter, die natürlich ganz unorganisiert sind und für ihre schwere Arbeit bisher zwei bis höchstens drei Kronen an Tagelohn erhielten. Vor einigen Wochen traten die Kanalräumer an den socialdemokratischen Gemeinderat R e u m a n n mit dem Ver- langen heran, mit den Meistern zu verhairdeln, damit ihnen die Löhne erhöht würden. Die Meister wiesen nicht nur die Intervention des Genossen Remnann als eine Einmischung nicht beteiligter Personell zurück, sondern lehnten auch die Forderungen der Gehilfen ab. Diese traten darauf in den Streik und harrten darin mit einer geradezu überraschenden Solidarität aus. Die Meister ließen sich nun zu Unterhandlungen herbei und mußten auch die Intervention des Ge- nossen Reumann anerkennen. Das Ende war, daß den Gehilfen Lohnerhöhungen von 2 bis 3 Kronen wöchentlich gewährt wurden und daß die Gehilfen jetzt eine Organisasion gründen. Mit einem geringen Erfolg mutzte die Lohnbewegung bei den sogenannten Hofschneidern beendet werden. Es handelte sich darum, einige der größten Firme», die für die reiche Bourgeoisie und den Adel arbeiten, zur Anerkennung des Tarifs 1. Klasse mit den höchsten Löhnen zu bewegen. Das gelang bei einigen Firmen durch gütliche Vereinbarungen, bei andern nach kurzem Streik. Zum Schlüsse blieben noch drei Firmen Bubacek, Humdal und Jung- bauer übrig, bei denen man aber durch den Streik bloß die An- erkennung des Tarifs 2. Klasse durchzusetzen vermochte. Noch niiht beendet ist der Kampf der Bauarbeiter, wenn auch vorläufig ein Waffenstillstand geschlossen ist. Die Bauarbeiter haben im vorigen Jahre ein Memorandum an die Genossenschaft der Baumeister gerichtet, worin sie einen Minimallohn von 4 Kronen verlangten. Das Memorandum wurde gar nicht beantwortet. Als heuer im Frühjahr die Gehilfen ihre Forderung wiederholten, er- klärten sich die Meister bereit, einen Minimallohn von 3,60 Kr. zu bewilligen. Nun verlangten die Arbeiter, es möge wenigstens eine paritätische Kommission eingesetzt werden, die die Einhaltung dieses Minimallohnes überwache und gleichzeitig über eine weitere Erhöhung des Minimallohnes verhandle. Das wurde brüsk ab- gewiesen. Da die Herren Meister keine Vernunft annehmen wollten, traten die Arbeiter einzelner Bauten in den Streik. Daraus beschlossen die Meister, falls nicht bis zum 8. Mai alle Streiks eingestellt seien, alle Bauarbeiter— deren hier etwa 40 000 sind— auszusperren. Der Intervention des Sekretärs der GewerkschaftSkommission Genossen H u e b e r und des Ober-Gewerbe-�nspektors K u l k a gelang es in der letzten Stunde— am 7. Mar abends— einen 14 t ä g i g e n Waffenstillstand zu schließen: Die Arbeiter stellten für diese Zeit ihre Streiks ein und die Unternehmer hoben dafür die Aus- sperrung auf und verpflichteten sich, über eine Lohnerhöhung für das nächste Jahr zu verhandeln. Außerdem wurde eine paritätische Kommission eingesetzt, die in diesen 14 Tagen verhandeln sollte. Aber die Unternehmer wollten in dieser Kommission nur über eine Lohnerhöhung für das nächste Jahr verhandeln, und verlangten von den Gehilfenvertretern einen ausdrücklichen Verzicht auf jede Lohnerhöhung für das heurige Jahr. Das haben die Arbeiter abgelehnt und so dürfte es nach den Pfingst- feiertagen voraussichtlich wieder zum Kampfe kommen. Die Arbeiter werden die Streiks, die am 8. Mai ein- gestellt wurden, wieder aufnehmen und die Unternehmer werden wohl beschließen, die Aussperrung durchzuführen. Aber nach Pfingsten wird die Bauthätigkeit schon weit vorgeschritten sein, und es ist fraglich, ob die Untemehmer die Aussperrung dann auch werden in Scene fetzen können._ Witterungsiibersicht vom 34. Mai 1904, morgenS 8 Uhr. Etationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien LK |E Bc C B ®— 767 766 766 766 766 763 � 5 .= 3 S I OSO SO SO « W NNW Wetter -s« t! 4 H 1 bedeckt 2 heiter Lbcdeckt Zbedeckt 6hcdeckt Zbedeckt Stationen h c c R— Habaranda Petersburg Cork Werdeen Paris 4 b £- 771 Still 767 N 755 766 SSO Wetter wölken! bedeckt ÄRegen olkenl l!wo ISN 3 Ä 4 II W IO 6 3 8 12 Wetter-Prognose für Mittwoch, den 33. Mai 1904. EtwaS wärmer, zunächst vielfach heiter bei mäsjigcn südöstlichen Winden; später neue Trübung ohne erhebliche Niederschläge. li, Ziehnna 5. Klaffe 210. Kgl. Preuß. Lotterie. Richimz vom M. Mal 1804,»omiittoa«, Hut die fflewtmie über 240 Mt. Rieb den betreffenden Nummern in Klammern beigesüzt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck nervalen. .'28 186 556 77 84 621 sSDOl 724 814 91 JSOOOJ 1006 183 308 745 892 94 99 934 56 80[30001 2047 171 1500 421 15001 703 77 13000] 846[3000) 3110 23 205 460 650 981 4068 338 669[30001 739 42 802 910 5020 121 255 13000] 309 1600) 488 722[30001 40 150001 60 99 852 964 V044 248 57 60 83 313 657 906 I50ÜJ 73 7000 139 211 64 445 520 24 56 82 661 710 965 8093 105 283 455 64[50001 800 10 9030 201 50[500J 315 453 97 699 880 94 928 1O070 237 452 81 527 30 74 842 77 1500] 915 11001 13000] 125 363 75 86 439 95 557 697 1 2004 164 224 634 868 952 13035 40 89 118 306 33 433 572 703 20 828 37 039 80 1 4124 246 302 412 89 636 951 15124[1000129 373 88 571 614 786 851 88 92 955 57 1 6078 142 354 (30001 75 775 90[1000s 809 1 7025 71 317 40 431 43 512 99 609 95 750 810 1 8122 44 85 296 98[1000J 323 618 878 1 9023 81 349 442 566 600 53 719 20130 77 89 251 593[500] 725 878 917 23 68 21191 282 565 688[3000] 805 02 947 64 2 2014 36 70 176 257 349 92 535 83 908 33 23004 15 232 53[1000] 452 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Ziehung S.Klafle 210. Kgl. Prenff. Lotterie. Zlehunj, vom 24. Mal ISO,, nachmittag». Kur die Gewinne über 240 Ml.[ind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck»erdolen 124 200 324 95 428[500] 41 63 522 690 801 030 1105 670 702 73 811 13 21 958 2018 282 95 383 434 667 99 3137 11000] 88 13U001 96 273 393 415 65 91 545 614 762[1000] 76 831 77 4016 73 122 89 262 381 419 848 5081 395 511 934 36 6015 68 134 41 281 328 433 678]30 OOOJ 884 97 940 7309 [500] 526 92 825 65 8168 355 69 404[J5 000] 36 Öl 621 44 734 892 9021 71 72 240 379 4U 24 749 888 10033 56 81 94 97 179 206 378 629 41[500] 77 797 11136 303( 30001 430 553[5001 654 96 843 53 [500] 70 76[500] 96 968 79 1 2000 125 11000] 81 15001 09 24«[3000] 301 451[500) 679 95 718 918 46 1 3090 195 329 95 454 603 6 16[10001 726 88 14047 97 213 520[500] 30 604 20 94 827 935 55 15336 40 435 64[1000] 063 869 971 16121 51 341 i 3000| 636 720 94 926 1 7193 250 614 31 870 903 500] 18131 38 81 350 644 57 832 50 98 985 96 .9103 8 292 98 724 39[1000] 68 837 987 20031 151 94 404 31[500] 519 42 66 815 911[1000] 67[50001 21136 322 819 980 2 2047 245 382 130001 486 501 620 23127[1000] 60 93 216 45 377 92 404 560 24112 236 13000] 77 340 487 625 80 674 91 734 63 453 597 29 919 873 707 76 635 419 77 iOOJ 52 916 18 30 442 25136 39 277 394 05 407 530 610 733 856 2 6261 305 44 476 673 601 740 2T033 687 858 2 8207 21 64 [500] 301[1000] 37 558 724 831 74 2 9034 188 62 254 58 430 673[10001 753 54 30272 309 440 688 602 16 843 3 1016 71 145 [3000] 55 201 90 96 641 707 37 90 859 32145 71 429 502 694 741 930 73 03 3 3093 178 219 33 48 368 515[500] 63 60 78 34058 62 112[50001 66 79 204[1000] 16 38 96 408 545 76 91 ,675 3 5029 454 504«0 698 774 36191 354 420 628[ 500] 99 737 [500] 45 903[500] 38 95 37090 422 66 61 69[3000] fe» 850 78 968 13000] 38035 296 97 302 425[3000] 639 783 80[500] 942[3000] 75 88146 530 622 78 84 701 97 40000[3000] 25 147 202 300 42 63 457 [1000] 802 37 982 4 1007[30001 18 242 331 84 528 692 736 48[500] 833 35 48 919 28[ 48074 216[600] 316 659 93 683 791 802 10 43255 435 590 604 878 01 44011 85 224 639 78 45053 138 237[1000] 54 74 372 431 48 703 937 4 6017 47[500] 476(600] 633 75 95 680 949 90[5001 47079 157 61 369 639[30001 64 76 659 SrÄ'Äf«« WV3 LW 038 50oA1(�J[3000] 196[1000] 492 770 800 901 23 B1014 29 104 37 87 96 310 53 400 545 826 27 47 69 83 900 3ß 65 5 2018 173 343 62[1000] 648 885 97 900 53432 666 73 840 43.032 54077 1 500] 116 73[1000] 210[3000] 18 316 73 472 618 54 935 85037 164 480[500] 510 16 812_941 �56083�30M]�96 114 >79 1_1° foiM4»»8™ 374 88 470 661 880 97« 61096 191 477 62064 181 11000] 232[3000] 367 762 889 923 70 861 5001 631 16 56 380 520 64438 676 635 743 948 W 1 68154 � 256[3000] 66 98 339 423 661 730 42 95 66042 217 20 WO 480 549 793 859 92 67000 67 155 11000] 288 319 79 407 858 036[5001 68067 00 102 238 448 501 619 38 806 66 939 45 6 9097 176 240 82 480 504 645 728[3000] 850 67 70021[1000] 225 49 316 645 720 035 7 1026[1000] 87 117 391 472 730 859 64 7 2393 95 598 711 62 864 83 73094 97 114 30 305 410[1000] 38 65 1500] 726 98 895 74073 86 98[1000] 169 84 541 628 62 S96 75019 368 415 1000] 532 94 640 97 887 76072 III 203 81 320 448 86 696 634 47 900 28[500] 77479 715 94 831 15001 94 945 7 8014 38 63 65 280 321 400[1000] 540 673 784 888 919 7 9227 365 582 11000] 794 829 30 75 918 80122 287 351 90 504 659 92[500] 792 859 80 81009 40 640 78 816 65 941 82065 191 212 14 461 m 738 58 UOOO] 83001[30001 61 113 50 13000] 64 TO 223 314 62 476 602 86 724 8 4086 87 228 341 479 842 85004 23 228 30 629 756 70 8 6037 50 162 231 54 425 96 537 601[500] 87 865 928 1500) 87163 225 67 433 58 525[3000] 677 93 835 937 UOOOl 88018 31 214 398 [1000] 672 764 89128 338 483 731 802 918 1 90018 SO 135 220 482 603 73»1084[1000] 497 «03 37 668 727 885 92137 367 400 80 609 17[5001 68 705 35 95 892 93182 249 79 380 494 519 667 711 71 96 947[500] 67 94017 60 162[3000] 80[10001 304 20 M 11000] 554 97 624 84 760 86 823 984 08199 250 516 25 39 51[3000] 695 836 96134 60 233 130001 55 66 305 32 37 99 418 44 47 529 56 97027 98 361 81 [10001 94 408 45 79«33 707 800 61 9�1 06 621 71 777 883[500) 88 99427 873 071[500] 100001'84 280 392 791 841 rtoooi 904 10X038 00 207 41012 26 47 91[500] 617 41 716 33 929 130001 102011 24 67 113 244 384 414 79 540[600] 97 633 [500] 73 907[500] 103513 808 104078 377 419 674 848 768 810 911 105167 74 387 620 49 637 106368 514 18 68 82 15001 624 79 807 41 42 107007, 80 144 45 309 402 1! 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