Nr. 124. UbennementS'RedlnsniHKis Klomtement«> Preis prSnumercmdo i »t«rteljährl>»,30 Mk,, monatl. l.10 Mk, wöchentlich SS Pfg. frei ins Haus. Sinzeine Stummer K Pfg. Sonntag»» nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Reue WelN lv Pfg. Post- ilbonnement: 1,10 Marl pro Monat, Swgewagen in die Post- ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungar» S Mark, für da» Übrige«usland 8 Marl pro Monat. 21. Irtip'g. «rtchtint ttgil» auBcr montags, Verlinev VolksblAkt. B!t Tnlcrtlons-GebOlfr Betragt für die sechSgespallene Koloucl. zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschafMche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen S5 Pfg. „Uieine ZZnreigen", das erste tsett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis ö Uhr vormittag» geöffnet. Pelegramm- Adresse: „ScxlaltUmolirat BtrllB**. Zcntralorgan der fozialdeirioltratircbeii parte! Deutfcblands. Redaktion: 8Äl. 68, Lindcnetraeec 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 29. Mai 1904. Expedition: 8M. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Vom Berliner Kommunalfreisinn. Die geistigen Waffen der Socialdemokratie, die ihren Gegnem, allen voran den Herrenhäuslem, so viel Furcht einflößen, sind um ein reichhaltiges und gediegenes Arsenal vermehrt worden. Der bekannte Kommunalpolitiker Dr. Hugo Lindemann*) hat im Dietzschen Verlage unter dem Titel.Arbeiterpolitik und WirtschaftS- pflege in der deutschen Städteverwaltung" ein zweibändiges Werk erscheinen lassen, dessen erster Band die Arbeiterpolitik umfaßt, während der zweite die Wirtschaftspflege behandelt. Das Werk von Lindemann, das eine Fortsetzung seines Buches«Die deutsche Städte- Verwaltung. Ihre Aufgaben auf den Gebieten der Bolkshygiene, des Städtebaues und des Wohnungswesens" bildet, dürfte wohl die umfangreichste Arbeit sein, die bislang über kommunale Socialpolitik in Deutschland erschienen ist. Gründlich und bis ins einzelne gehend, ftihrt uns der Verfasser die allgemeine und die specielle Arbeiterpolitik der deutschen Gemeinden vor Augen, entwirft er ein Bild der centralen Licht», Kraft- und Wärnieversorgungs-Anstalten, schildert er uns die Entwicklung des städtischen Verkehrswesens, der städtischen Kreditanstalten, deS Plakatwesens und der Annoncen- blätter. Das Werk ist— was schon sein Umfang beiveist— nicht als Agitationsschrift gedacht, aber eS wirkt agitatorisch durch sich selbst, durch die nackte Gegenüberstellung dessen, was auf den ver- schtedensten Gebieten bisher geleistet ist und waS geleistet loerden könnte, wenn nicht infolge des Dreiklassen-Wahlsystems der weitaus größte Teil der deutschen Kommunen verwaltet wäre von einer Bourgeoisie, die nur ihre eignen Interessen kennt, die der Allgemeinheit aber, sobald sie den ihrigen entgegenstehen, rücksichtslos mit Füßen tritt. Besonders kraß tritt dieser schädliche Einfluß der Bourgeoisie in der größten deutschen Kommune, in Berlin, zu Tage, dessen Ver- waltnng socialpolitisch durchaus rückschrittlich ist und das seine winzigen Fortschritte in socialpolittscher Hinficht nicht der Einsicht der Vertreter der besitzenden Klassen, sondern dem unaufhörlichen Drängen der Arbeitervertreter und der gewissenhaften Kritik der socialdemokratischen Presse verdankt. Noch immer steht die Berliner Verwaltung auf dem Standpunkte, daß die Stadtgemeinde es grundsätzlich vermeiden müsse, sich in die Verhältnisse der Unternehmer und Arbeiter einzumischen; daher der Mangel jeglichen ArbeiterschutzeS in den SubmissionS- bedingungen, daher die Ablehnung der.anständigen Lohn- k l a u s e l", die in einer Reihe außerdeutscher Gemeinden längst allgemein eingeführt ist und sich durchaus bewährt hat. Mt vollem Recht behauptet Lindemann, daß der Freisinn, so lange er in der Berliner Stadtverwaltung herrscht, niemals Socialpolitik treiben wolle und niemals treiben wird. Die ganze Rückständigkeit der Verwaltung offenbart sich auch in ihrer Stellung zur Streik« k l a u s e l. Als Konsument nahm der Magistrat der Streikklausel gegenüber eine ablehnende Haltung ein, aber als Produzent, als Besitzer der städttschen Gaswerke erkannte er plötzlich die Notwendig« keit, die Streikklausel in die Bezugsbedingungen aufzunehmen und die Mehrheit der Stadtverordneten-Versammlung schloß sich diesem arbeiterfeindlichen Vorgehen, das sich im Grunde genommen gegen die wachsende Organisatton der Gasarbeiter richtete, mit Freuden an. Den Ausbau der socialen Gesetzgebung durch Erlaß von Ortsstatuten hat sich kaum eine andre Gemeinde so wenig angelegen sein lassen, wie gerade Berlin. Hat eS doch volle sieben Jahre gedauert, bis sich die Verwaltung der ReichS-Hauptstadt endlich dazu entschloß, durch Ortsstatut die Versicherungspflicht der HauS- Gewerbetreibenden zu regeln, und auch von der Befugnis, den Versicherungszwang auf die Handlungsgehilfen ortsstatutarisch auS- zudehnen, hat Berlin trotz der günstigen Erfahrungen in andren Gemeinden nur zögernd Gebrauch gemacht. Sehr viel läßt die Fürsorge der Berliner Gemeindeverwaltimg für ihre eignen Arbeiter zu wünschen übrig. Anstatt den privaten Unternehmern mit gutem Beispiel voranzugehen, ist die Stadt ängstlich darauf bedacht, den privaten Unternehmern keinen Schaden zuzufügen, vor allem ihren Profit nicht zu schmälern. Diese Rücksicht auf private Interessen hat die Vernachlässigung der Arbeiter- interessen zur Folge. Den von socialdemokrattschen Stadtverordneten eingebrachten Antrag auf Einführung der achtstiindigen Arbeitszeit lehnte die Mehrheit der Versammlung durch Uebergang zur Tages- ordnung ab, in der Verwaltung der städttschen Gasanstalten be- schäftigte Arbeiter, die länger als sechs Wochen krank sind, werden entlassen, weil sonst der Stadtgemeinde Pflichten aufgebürdet werden könnten, die über da? Maß dessen hinausgehen, was sie zu leisten beabsichttgten. Ja, sogar alle zu Reserve-Uebungen eingezogenen Arbeiter wollte der Magistrat rücksichtslos entlassen. Daß seine schäbige Absicht nicht verwirklicht wurde, ist nicht seine Schuld. Aus eignem Antriebe hat der Magistrat und die bürgerliche Mehrheit nichts für die Arbeiter gethan, da« wenige, was bisher erreicht ist, ist dem Vorgehen der socialdemokrattschen Stadtverordneten zu danken, die.überhaupt das socialpolittsche Gewissen der Berliner Stadtverwaltung verkörpern". Auch die Forin, in der die Arbeiterausschüsse ins Leben gerufen wurden, zeigt den reaktionären Charatter der in Bettacht kommenden Betriebs- Verwaltungen im hellsten Lichte. So wird ohne jeden Grund im Betrieb der städtischen Wasserwerke den jüngeren Elementen da? passive Wahlrecht genommen, wohl, wie Lindemann mit Recht verinutet, weil sie unabhängiger sind als die verheirateten ») Arbeitcrpolitik und Wirts Verwaltung. Zwei Bände. Erster 9,00 Vi, geb. 10,50 M. Zweiter Band: 7,50 M. geb. 9,00 M. .... in der deutschen Städte- Baird: Arbeiterpolittk; Preis Wirtschaftspflege; Preis älteren, schon längere Jahre im städtischen Dienste be- schäfttgten Arbeiter. Petittonen städtischer Arbeiter um Ver- besserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen bleiben, wie in andern Gemeinden, so auch in Berlin, häufig unbeantivortet, bei Differenzen mit städttschen Arbeitem lehnt der Magistrat es rundweg ab, vor dem von den Arbeitern angerufenen Einigungsamt zu erscheinen. Wenden wir uns nun zu der W i r t s ch a f t s p f l e g e der Berliner Gemeindeverwaltung, so liefert uns die Geschichte der Gasan st alten und der Elektricitäts werke einen geradezu klassischen Beweis dafür, wie ungern und gegen ihren eignen Willen die Verwaltung an die Uebernahme der Lichtversorgung in eigne Regie gegangen ist und wie wenig sie sich ihrer Aufgabe in dieser Beziehung bewußt ist. Bei dem mit der englischen Gasanstalt abgeschlossenen Vertrage hat die Berliner Gemeindevertretung die Aufgabe, die Bürger gegen Ausbeutung von feiten privater, im Besitze eines Monopols befindlicher Gesellschaften zu schützen, direkt in ihr Gegenteil verkehrt. Die städtischen Gaswerke waren gegründet worden, um der englischen Gesellschaft Konkurrenz zu machen, aber dank der städtischen Politik wurde die private Gesell- schast der Schutzwall, hinter den sich die städtische Gasverwaltung zurückzieht, um sich ohne Rücksicht auf die socialpolitischen Forde- rungen der Bürgerschaft der rein fiskalischen Ausbeutung der Gas- werke hingeben zu können. Mit der privaten Gesellschaft gegen die Privatkonsumenten, in deren Interesse die Gaswerke mindestens ebenso sehr wie im Interesse der öffentliche» Beleuchtung ins Leben gerufen Ivaren, ttaf die Stadt im Jahre 1881 ein Abkommen auf 12 Jahre, um die GaSpreise hochzuhalten. Die Folge dieses Vertrages, den sogar der damalige Bürgermeister Kirschner als eine große Last ftir die Stadt bezeichnete, ivar die, daß jede Preisherabsetzung im Interesse der Bevölkerung, die aber, wie die Erfahrung gezeigt hat, zugleich im Interesse der städtischen Gaswerke lag, von der eng- lischen Gesellschaft durch neue Konzessionen an sie hat erkauft werden müssen. Die gleiche Verkcnnung ihrer Pflichten legte die Berliner Gemeindeverwaltung in der Frage der Municipalisierung der Elektricitäts werke an den Tag. Obwohl sich die Mehrheit der größeren Städte durch das Risiko der niangelnden Rentabilität nicht davon abschrecken ließ, den Betrieb der Elektricitätswerke in eigne Regie zu übernehmen und auf diese Weise die Ausbeutung des Licht- und Kraftbedürfnisses durch Private zu verhindern, hat doch eine Reihe von Städten an dem alten manchesterlichen Standpunkt festgehalten. Unter diesen Städten, die sich selbst nicht die Fähigkeit zugetraut haben, den' verhältnismäßig sehr einfachen Betrieb einer elektrischen Centtale so gut wie die profitsuchende Privattinternehmung zu führen, trotzdem sie seit langer Zeit in der Verwaltung ihrer Gasanstalten sich die erforderlichen Erfahrungen haben sammeln können, nimmt Berlin die hervorvorragendste Stellung ein. Die Reichshauptstadt verzichtete auf ihre Unabhängigkeit und lieferte die Verkehrs- und Beleuchtungsbedürfnisse dem dividenden- gierigen GrotzkapitalismuS aus, und auch später verzichtete die Stadt aus die Uebernahme des Elektticitätswerks in eigne Regie. Vergebens suchte die socialdemokratische Fraktton in Verbindung mit Mitgliedern der Neuen Fraktion der Linken und einzelnen Ueberläufern aus andren Fraktionen die höheren Interessen der Gemeinde gegen den großkapitalistischen Fanatismus der Frei- sinns- Majorität und die engen fiskalischen Gesichtspunkte deS Magistrats zu verteidigen. Und wie die Lichtversorgung, so ist auch die Befriedigung deS Verkehrsbedürfnisses, dank der Herrschast des Großkapitals in der Gemeindeverwaltung, der privaten Ausbeutung überlassen und in den Verträgen ist— abgesehen von der den Gesellschaften auferlegten Verpflichtung zur Einrichtung einer eignen PensionS- lasse— auf die Stratzenbahn-Angestellten keine Rücksicht genommen; die Interessen der Bediensteten der Straßenbahn werden noch mehr vernachlässigt als die der städttschen Arbeiter. Diese völlige Verkennung der socialpolitischen Aufgaben der Gemeinden, wie sie uns Lindemann, gestützt auf aktenmäßiges Material, so anschaulich schildert, ist in erster Linie auf das Drei- klassen-WahlsYstem zurückzuführen, durch das der Arbeiter- klasse der ihr gebührende Einfluß auf die Verwaltung vorenthalten wird. Zwar haben die Arbeiter überall da, wo sie diesem reaktionären Wahlgesetz zum Trotz in die Gemeindeverwaltungen ein- gedrungen sind, segensreich gewirkt, und die geringen Reformen, die bisher zu verzeichnen sind, sind in den weitaus meisten Fällen aufihre An- regungen zurückzuführen. Trotzdem aber bemüht man sich heute mehr als jes, die Vertreter der Arbeiter fernzuhalten oder kaltzustellen. Energische, rücksichtslos vorwärts drängende Elemente sind der senilen Bourgeoisie ein Dorn im Auge, sie stören ihr beschauliches Dasein. Aber je mehr die Vertreter der Bourgeoisie sich zusammen- schließen zum Kampf gegen die Socialdemokratte, um so kampfeS- fteudiger wird das klassenbewußte Proletariat. Und diese Lust am Kampfe, die uns schon so oft von Sieg zu Sieg geführt hat, sie wird die Arbeiterklasse auch bei den bevorstehenden Ersatzwahlen in Berlin beseelen. Die Bolksschnllehrer in Königsberg. Der langjährige Vorsitzende deS Deutschen LehrervereinS, ClauSnitzer, hat die Organisation der deutschen Volksschnllehrer einmal mit einem jungen Riesen verglichen, der seine Gliedmaßen nur erst ungelenk anzuwenden wisse. Der Vergleich ist nicht übel. In der That steckt im Deutschen Lehrerverein sehr viel an verhaltener Kraft, Energie und Intelligenz. Nicht nur daß er mit seinen 106 000 Mitgliedern fast die Gesamtheit deS VolkSschullehrerstandsS umfaßt, die Volksschullehrer danken in der That der Zwiespältigkeit ihrer socialen Stellung emerseits die nie rastende Unruhe, den Drang nach oben, die echt revolutionäre Unzuftiedenheit mit dem Bestehenden, andrerseits aber auch wieder das Zurück- schrecken vor den Konsequenzen, das rasche, ängstliche Senken des Armes, den sie eben noch in zorniger Aufwallung drohend nach oben reckten. Die Volksschullehrer sind an der Volksschule des Bürger« t u m s thätig, sie sind Beamte des bürgerlichen Staates; aber sie haben es in der Volksschule mit den Kindem des P r 0 l e« tariats zu thun, und sie selbst werden vom Bürgertum alS Proletarier eingeschätzt und behandelt. Diese widerspruchsvolle Position der Volksschnllehrer in der heutigen Gesellschaft erklärt ihre widerspruchsvollen Entscheidungen. Obwohl Schule und Lehrer keinen wärmeren Freund haben als die Socialdemokratie— nicht um der schönen Augen der Lehrer willen, sondern weil allein die Arbeiterschaft ein uiiniittelbares Interesse an der Hebung der Volksschule besitzt— hüten sich die Lehrer dennoch ängstlich vor jeder Berührung mit der Socialdemottatte. Wohl aber klatschen sie Beifall, wenn irgend ein Schulrat die Lehrer aufruft zum Kampfe gegen den Umsturz, oder wenn irgend eine andre„Größe" die Treue der Lehrer zu Kaiser und Reich betont, oder wenn ein dritter als höchstes Ziel der Schule hinstellt: die deutsche Jugend zu treuen Dienern ihres himmlischen und irdischen Königs zu erziehen. Das ist die eine Seite des Wesens der deutschen Volksschullehrer. Sie läßt sich zum Teil historisch begreifen und erklären. Wenn es dann aber ini rechten Moment einer versteht, die revolutionäre, demokratische Seite bei ihnen anzuschlagen, dann bricht das pro« letarische Element bei ihnen auch sehr leicht mit unwiderstehlicher Gewalt durch und reißt alle von den vorsichtigen Führern errichteten Dänrme über den Haufen. Das war auf der letzten Königsberger Lehrerversammlung wenigstens einmal der Fall. Als es sich um die Beratung der Frage der Uuiversitätsbildung für Volksschnllehrer handelte und vom Referenten in staatsmännischcr Besorglichkeit wieder einmal die be« rühmten„nächstliegenden" Forderungen enipfohlen wurden, gelang es dem Barmer Lehrer Langermann, das demokrattsch-sociale Empfinden der Lehrer auf der ganzen Linie auszulösen und mit ihm zum Siege zu gelangen. Langermann erfteut sich keineswegs der besonderen Liebe der liberalen Führer im Lehrerverein. Er gehört nicht zur liberalen Clique und hat auch sonst so seine Eigentümlichkeiteu, die den Lehrer-Staatsmännern nicht passen. Er war ein begeisterter Freund und Anhänger EgidyS, hat sich auch nach dessen Tode warnies sociale« Empfinden bewahrt, ist gegen« wärtig Führer der besonders im Rheinland stark gärenden Beivegung der Lehrer gegen die Rektoren und verfügt über eine pastose, ein- dringliche Beredtsamkeit. Es gelang ihm. mit schneidigen Worten von plastischer Anschaulichkeit daS Bestreben zu kennzeichnen, wonach nur für eine Auslese von Volksschullehrern die Universitätsbildung gefordert werden solle. Mt gesundem demokratischen Instinkt geißelte Langermann die in dieser Forderung stillschweigend ent- halttne Unterstützung und Förderung des pädagogischen Strebertums und stellte demgegenüber als wichtigste Aufgabe der VolkSschnl- lehrer die schlichte Arbeit an den Kindern hin. Für diese aber müßten alle Lehrer gleichmäßig durch Inanspruchnahme der Universität besser vorbereitet werden als bisher. Mit tosendem Beifall wurden die Worte Langennanns begleitet. Freilich waren es hauptsächlich die nicht stimmberechtigten 4000 Teilnehmer der Versammlung, die Langer- mann zujubelten, während aus der Mitte der etwa 400 offiziellen Delegierten der Lehrervereine— und dazu werden zumeist die Vor« sitzenden und ähnliche ältere und bedenklichere Männer gewählt— sogar Schlußrufe erfolgten. Aber die Mehrheit dieser offiziellen Vertreter wurde doch durch die einhellige elementare Kundgebung der übrigen mitgerissen, besonders als klugerweise die Berliner Lehrer ihre im Sinne LangermannS gehaltene Resolution zu Gunsten LangermannS zurückzogen. Leider ist es in der Frage der allgemeinen Volksschule nicht gelungen, eine ähnliche principielle und radikale Forderung durch- zusetzen. Der Referent, ein Münchener Lehrer, plaidierte für eine die ersten vier Schuljahre uinfassende Schulorganisatton als all- gemeine Volksschule; nicht aber solle man darunter die EinheitS- schule verstehen, deren Diskutierung heuttgen TageS doch unfruchtbar fein würde. Als ob bezüglich der allgemeinen Volksschule im Münchener engeren Sinne heutzutage irgend etwas herausspringen könnte I Nicht weil in München die allgemeine Volksschule ist, sind dort die Klassengegensätze in diesem und jenem Punkte nicht so scharf. Sondern umgekehrt liegt die Sache: weil in Süd- deutschland zum Teil andre sociale Verhältnisse sind, die dem Klassengegensatz nicht die schroffe Form wie in Norddeutschland gegeben haben, darum war in München der erste zaghafte Versuch einer allgemeinen Elementarschule— denn nichts andres ist die von der Lehrerbersammlung geforderte allgemeine Volksschule— überhaupt nur möglich. Man vergegenwärtige sich in Berlin nur, wenn eS hier dereinst einmal möglich sein wird, daß der Sohn eines Straßenreinigers oder Bauarbeiters neben dem Sohne eines Ministers v. Rheinbaben oder eines Kühnemann auf derselben Schulbank sitzt, um sofort zu wissen, ivann in Deutschland die bescheidene, vorsichtige Forderung der Königsberger Lehrer- Versammlung durchgeführt sein wird: zur selben Zeit, zu der auch höhere Schule und Universität für alle Kinder ohne Ausnahme geöffnet sein wird, also dann, wenn die kapitalistische Gesellschafts- ordnung gestürzt ist. Mit andern Worten: die reduzierte Forderung der Lehrer wird von der Gegenlvart oder der nächsten Zukunft ebenso wenig erfüllt Iverden, ivie die principielle Forderung der Einheitsschule. Deshalb ist es bedauerlich, daß die Volksschullehrer in Königsberg ihr altes Ideal zerstückelt haben in dem falschen Glauben, die einzelnen Stücke könnten eher auf Erfüllung rechnen, als das Ganze. Der bekannte Hamburger Schulmann Harro Köhncke, der Begründer der„Pädagogischen Reform", trug der Versammlung in Königsberg ähnliche Gedanken vor. Aber abgesehen davon, dasj Köhncke schlicht und ohne agitatorisches Pathos sprach, als ob er fühlte, daß er einer verlornen Sache das Wort redete, vermochten sich auch augenscheilich die Lehrer auf die Höhe principieller und demo- kratischer Schulpolitik, Ivie sie Köhncke vertrat, nicht aufzuschwingen. Sie beruhigten sich bei einem lauen Kompromiß, ohne daran zu denken, daß sie gerade dadurch ihrer Forderung der Universitätsbildung für alle Volksschullehrer den Weg verrammelten. So lange ein Unterschied zwischen Elementarschulen für die Kinder der armen und höheren Schulen für die Kinder der Reichen besteht, so lange wird es auch zweierlei Lehrerbildung geben. Erst bei einheitlicher Schul- organisation ist auch eine einheitliche Lehrerbildung möglich. Halbheit und Rechnungsträgerei drückten auch der Verhandlung über die Schulaufsichts-Frage den Stempel auf. Der Referent führte aus, die Gegner der fachmännischen Schulaufsicht erklärten, dem Volke müsse die Religion erhalten bleiben, diese Notwendigkeit würde aber gefährdet durch Beseitigung der geistlichen Schulinspektion. Nichts sei falscher als das. Der bei weitem größte Teil der Lehrer wolle den Religionsunterricht in der Volksschule nicht missen. Bei diesen Worten wurde dem Redner lebhafter Beifall zu Teil. Dabei handelte es sich hierbei gerade um den wundesten Punkt. So lange die Lehrer nicht eine selbständige Stellung gegenüber der Religion erringen und den Mut zu der Forderung haben, daß die Religion sich selbst und ihren berufenen Hütern zu überlassen sei, so lange fehlt ihrer Forderung auf Beseitigung der geistlichen Schul- Aufsicht das wichtigste, die Zielklarheit, die prinzipielle Schärfe. Der Umstand, daß die diesjährige Lehrerversammlung in Königs- berg stattfand, veranlatzte mehrere Redner, in mehr oder weniger deutlichen Worten auf den gefährdeten Posten der„Ostmark" Deutschlands hinzuweisen. Die Schule habe mitzuarbeiten an der Abwehr der slavischen Feinde unsres Volkes. Diese hakatistische Erregung scheint uns sehr belanglos gegenüber einer andren. Wir meinen, die Reise zahlreicher Lehrer Deutschlands durch die Gefilde Ostelbieus, an den Feldern. Wäldern und„geflickten Strohdächern" unsrer Junker vorbei nach einer Stadt inmitten der ostelbischen Schulschande hätte eher Anlaß zu einer recht deutlichen Abrechnung mit den schlimmsten Feinden der preußischen Volksschule, mit dem preußischen Junkertum, geben können. Gegen diese Feinde ist auf der deutschen Lehrerversammlung ebensowenig ein Wort gefallen wie gegen die hinterlistigen Schul- gesetzpläne der vereinigten Konservativen. Centrumsmänner und Nationalliberalen. Freilich ist es schwer, gegen konservative Junker und nationalliberale Bürgermeister zu donnern, wenn derartige Herren direkt oder indirekt, mit und ohne Amtsketten, die Versamm- lung begrüßten. Die deutschen Volksschullehrer sollten lieber auf das viele dekorative Beiwerk der heutigen Lehrerversammlungen verzichten und dafür eine deutlichere und derbere Fraktur reden.— politiscke Gcbcrficbt. Berlin, den 28. Mai. Das heilige Eigentum. Zu den Grunddogmen der kapitalistischen Ordnung gehört die Heiligkeit des Eigentums. Da nun diese selbe Ordnung die große Mehrzahl derfMenschen besitzlos macht, enteignet, so bedeutet dieser heilige Grundsatz natürlich nicht die Anerkennung eines allgemeinen Rechts auf Eigentuni, sondern vielmehr das Prineip der Enteignung der Schwachen durch die Starken. Nur das Eigentum der Be- sitzenden soll heilig sein, dagegen hat die Masse des Volkes keinerlei Anspruch auf Eigentum, sondern nur das Recht, für die Minderheit der herrschenden Klasse heiliges Eigentum zu erarbeiten. Mit der Heiligkeit des Eigentums steht es umgekehrt, wie mit der Heiligkeit der Religion. Die Religion soll lediglich dem Volke, das Eigen- tum aber ansschließlich den Herrschenden erhalten werden. In der neuen polnischen Ansiedelungsnovelle hat der Staat selbst, um eines nationalen Konkurrenzkampfes Witten, den Grundsatz des unverletzlichen Eigentums zu Ungunsten der Polen ausgeschaltet. Im privatrechtlichen Leben geschieht es alle Tage, daß das kleine Eigentum der Schwachen durch die Macht der Großen vernichtet, aufgesogen wird. Unser Breslauer Parteiblatt illustriert soeben an einem äußerst charakteristischen Beispiel die Art, wie die Großen des Eigentums die Heiligkeit des Eigentums der Kleinen respektieren. Die oberschlesischen Kohlenbarone wollen nämlich bei der preußischen Regierung und dem Landtag um eine Abänderung des Berggesetzes von 186S petitionieren. Danach soll ein Paragraph stSLa) eingefügt werden, der be- stimmt, daß die Bergwerksbesttzer berechtigt sein sollen, mit Grund- besitzern dahin übereinzukominen, eine Entschädigung für Berg- schäden entweder überhaupt nicht oder nur einmal zu leisten und solche Abmachungen grundbuchlich eintragen zu lassen. Man will durch diese Gesetzesänderung einen Zustand wieder herstellen, der zur Freude der Bergwerksbesitzer früher schon bestand, durch das neue bürgerliche Gesetzbuch aber beseitigt worden ist. Nach dem jetzigen Zustande, der durch ein Urteil des Kammergerichts feste rechtliche Grundlage gewonnen hat, können solche Abmachungen zwischen Bergwerks- und Grund- besitzern nicht in das Grundbuch eingetragen werden, also auch keine dauernden rechtlichen Wirkungen erlangen. Man hat damit die wirtschaftlich schwachen kleinen Grundbesitzer vor dem über- mächtigen Einfluß der Werksbesitzer etwas besser wie früher ge- schützt, ebenso auch vor Uebervorteilungen, die dem Grundbesitzer dadurch entstehen, daß im Laufe der Zeit die Schäden an seinem Besitz durch den Abbau tiefer gelegener, wertvoller Kohlenflötze erheblich größer werden, wie sie sich zur Zeit der Abmachungen mit dem Grubenbesitzer darstellten. Das Bekanntwerden des Planes hat bei den kleineren Grund- besitzern große Erregung hervorgerufen. Die Kohlenbarone ließen sofort ihre Presse bearbeiten, die teils die Absicht leugnete, teils sie als harmlos hinstellte. Trotzdem scheint der Plan keineswegs aufgegeben. Es ist ja die Eigentümlichkeit gerade der Reichsten, keine Schranken und keine Minderung ihrer Habsucht anzuerkennen. Niemand klagt ja auch so erbittert über die„unerträgliche" socialpolitische Belastung wie die Großgrundherren des Ostens. Hat doch erst neulich im Herrenhause der Staatsstreichgraf Mirbach gegen das Unfallgesetz sich gewendet, dessen Lasten nicht mehr zu tragen seien. Diese Lasten betragen nämlich in der Heimatprovinz des Grafen Mirbach, Ostpreußen, genau 2Vz M. jährlich auf den Kopf der Landarbeiter— die ganze Entschädigung für das Heer von Toten und Krüppeln, die alljährlich im Dienste für den gnädigen Herrn geopfert werden. DaS Eigentum der Großen ist eben so heilig, daß es nicht einmal durch irgendwelche Haftpflicht an Heiligkeit einbüßen mag. Es ist zu befürchten, daß der Plan der oberschlesischen Magnaten schließlich doch gelingt. Wie ungeheuer ihr Einfluß ist, erkennt man aus folgenden Angaben unsres Parteiblattes. Die Hälfte des gesanuen Grundbesitzes der vier Kreise des oberschlesischen Jndustriebezirkcs sBeuthen, Tarnowitz, Kattowitz, Zabrze) ist in den Händen von drei Magnaten, der beiden Grafen Hcnckel von DonnerSmarck und des Grafen v. Tiele-Winkler. Und mehr wie sieben Zehntel des gesamten Bodens des oberschlesischen Jndustriebezirkes ist im Besitze von etwa zwanzig Herren, während in die verbleibenden reich- lichen zwei Zehntel des Bodens sich etwa 700 000 Menschen teilen können. Danach kann man die Macht des oberschlesischen Grubenadels i ermessen. Daraus aber läßt sich nun auch die Heiligkeit des Eigen- tums aus der Unbestimmtheit der Phrase in ziffernmäßiger Klarheit erkennen. Heiligkeit deS Eigentums— das ist die Unverletzlichkeit, Unbcschränktheit und Willkür von 20 Menschen und die Rechtlosigkeit von 700(XX) Menschen. Es ist eine-Heiligkeit!— Staatsstreichler. „Gottesfürchtig und dreist" treiben gerade die am meisten Frömmigkeit schwitzenden Blätter den Unfug gegen das Reichstags-Wahlrecht. Selbst im Herrenhaus beteuerte man noch:„Staatsstreich" will niemand. Aber die konservative Presse verrät die Unehrlichkeit auch dieser Be- teuer ungen. Der„Reichsbote" beispielsweise, der zwar die Beseitigung des geheimen Wahlrechts verwirft und„nur" Heraufsetzung des Wahlalters und Wahlpflicht fordert, fürchtet, daß im Reichstag eine Mehrheit für seine Wünsche nicht vorhanden sein werde, und so erklärt er ohne Zieren: „Soll eine Reform stattfinden, so wird sie jetzt von de» Rcichsfiirstc» oktroyiert werden müsse». Aber dazu müßte ein geeigneter Zeitpunkt gewählt werden. Ein solcher Zeitpunkt war, wenigstens für eine Neuwahl, gegeben, als das Centrum sich gegen die militärischen Vorschläge der Negierung sperrte. Wäre die Regierung damals vor die Nation getreten und hätte erklärt, daß sie durch das Centrum und die Social- demokratie in eine Zwangslage gekommen sei, die ihr eine nationale Politik unmöglich mache, und hätte eine nationale Mehrheit verlangt, statt dem Centrum weitere Konzessionen durch die Aufhebung des Z 2 des Jesuitengesetzes und die Zu- lassung der Marianischen Kongregationen zu machen, so hätte sie sicherlich eine nationale Mehrheit bekommen." Dem Centrumjwird diese Plauderei des„Reichsboten" nicht uninteressant sein. Lehrreich ist es auch, einen Blick in die letzten Nummern des „Deutschen Adelsblatts" zu werfen. Dies ist das Blatt der Frömmsten, der Auserlesensten der Nation. Die Herrenhausreden haben da christlichste, adligste Nachfolger gefunden. Erleichtert von schwerem Alp, das innerste Sehnen sorgsam bergen zu müssen, grüßen die Alleredelsten in ungestümem Freudenrausch die neu anbrechende bessere Zeit. Da schreibt ein Freiherr v. S.: „Das Herrenhaus und die Socialdemokratie. Es ist noch nicht sehr lange her, da wurde jeder Angriff auf das Reichstags-Wahlrecht als Verrat an den„heiligsten Volksrechten" gebrandmarkt.... Indes das sind Anschauungen, die nicht mehr von der Allgemeinheit geteilt werden. Die Erkenntnis von der Schädlichkeit des Reichstags-Wahlrechts hat sich weithin Bah» gebrochen, und die nationale Presse bekämpft es bereits mit Entschiedenheit.... „Wir stimmen namentlich dem Grafen Mirbach, sowie Herrn von Wedel-Piesdorff und dem Freiherrn Lucius v. Ballhauscn zu, wenn sie ausführten, daß eine wirksame Bekämpfung der Social- demokratie mir möglich sei durch Aendcrnng des Wahlrechts. Daß liberale Politiker, zu deren Wortführer sich der Professor S ch m o l l e r gemacht hatte, nichts von der Sache wissen wollen, liegt auf der Hand.... Wir sollen die Socialdemokratie mit geistigen Waffen bezwingen, das ist der Kern der AnS- führungen, wenn auf die Gefahr des Anschwellens des Unisturzes hingewiesen wird. Dieser Gedanke bildete auch jetzt den Haupt- inhalt der Worte des liberalen Professors. Ist dieser 5tampf init geistigen Waffen denn wirklich neu? Führen wir ihn nicht seit mehreren Jahrzehnten, ohne das geringste erreicht zu haben?... „Wir bedauern, daß ein angesehener Gelehrter sich im poli- tischen Kampfe so weit hinreißen ließ, ein Schreckgespenst an die Wand zu malen, das nur der Urteilslosigkeit furchtbar erscheint. Der Staatsstreich ist gewiß eine scharfe Waffe; aber Umstände können die Regierungen zwingen, sie gleichwohl in Anwendung zu bringen. Haben nicht zu allen Zeiten große Staatsmänner sich über die Verfassung hinweggesetzt, wenn es das Wohl des Ganzen erforderte? Ansnahmeziiständr erheischen Ausnahmemaßregeln... Wohin wir blicken, da sehen lvir entschlossene und klar blickende Politiker vor scheinbaren Versaffnngsverletzungen nicht zurückschrecken, wenn sich kein andrer Ausweg finden läßt.... „Wir begrüßen es, daß der erste Reichsbeauite sich eigen t- lich nur aus Opportunitäts- Rücksichten weigerte, im gegenwärtigen Augenblick auf die Sache einzugehen..." „Die Debatte im Herrenhanse ist das bedeutendste parlamen- tarische Ereignis der letzten Session..." Es ist gut, daß die Wahlrechtshasser ihre Umsturzphantasien gründlich ausplaudern. Das deutsche Volk erkennt die Vaterlands- eiftigen, die eher ihr Land in unübersehbare Wirrnis zu stürzen be- reit sind, als von der Fülle ihrer politischen und wirtschaftlichen Vorrechte jemals �daS mindeste aufzugeben.— Dcutfcbes Reich. Besuch. Zum Besuch des englischen K ö n i g s ftir die„Kieler Woche" werden bereits reichliche Vorbereitungen getroffen. König Eduard wird vom 25. bis 29. Juni Gast des deutschen Kaisers sein; seine Jacht„Victoria and Albert" wird von vier Kreuzern und sechs großen Torpedobooten begleitet werden. Der Kaiser hat hohe Offiziere zum Ehrendienst kommandiert; große Tafel auf der „Hohenzollern" ist angekündigt, zu der sämtliche aktiven Staatsminister eingeladen werden sollen. Es wird nicht nur an Festesprunk nicht fehlen, sondern auck> nicht an T o a st e n der Freundschaft. Was aber n i ch. hindert, daß Deutschland und England im Bau riesenhafter Kriegskolosse wetteifern, als befürchte jeder der beiden Staaten jeden Tag den Ueberfall des andern!— Die„Times" über die deutsche Diplomatie. London, 25. Mai. Mit Bezug auf die politischen Diskussionen der liberalen und s ociali st i scheu Presse Deutsch- lands über die diplomatische Lage sagen heute die „Times", wenn auch zugegeben werden müsse, daß Bülows äußere Politik nicht sehr erfolgreich war, so könne er doch vernünftigerweise für die Folgen von Instruktionen, die er gewissenhaft auszuführen versuchte, nicht verantwortlich gemacht werden. Das Blatt giebt dann ein Resnins der in den genannten deutschen Blättern enthaltenen Kritik und fügt sanft hinzu:„Daß das englisch-'französische Abkommen in Hohen: Grade friedlich ist und daß es die legitime Stellung Dentschlauds i» Europa nicht bedroht, ist sowohl in Eng- land wie in Frankreich bekannt, was ja auch ans den Kommentaren der französischen Presse über den konnnendcn Kieler Besuch des Königs von England hervorgebr. Wir bestreiten gar nicht, daß in der äußeren Politik Deutschlands schwere, sogar sehr schwere Fehler gemacht worden sind, aber wir haben keine Kenntnis davon, daß sie in erster Linie auf die Rechnung des Grafen Bülow zu setzen Ivären, obwohl er sie zweifelsohne durch seine nierkwürdige Gleichgültigkeit gegenüber den Einpsiiidkichkeiten andrer Mächte erschwert hat. Auf jeden Fall sind die Aendernngen in der Weltlage nicht ans jene Ursachen zurückzuführen, die von seinen Gegnern angegeben werden. Sogar ein politisches Genie wie Bismarck Hütte ihnen nicht vorbeugen können.... Graf Bülow ist kein politisches Genie und doch hat er eine Aufgabe zu erfüllen, mit der Bismarck, zun, Glücke seines Ruhmes, nie zu rechnen hatte. Er hat die Reichsgeschäfte in einem Parlament zu leiten, worin er nicht nur keine feste Mehrheit hat, sondern auch worin keine der Oppositionsparteien sich eine Zurückhaltung auferlegt, die nur von der Möglichkeit, auch einmal in die Regierung zu gelangen, erzengt werden kann. Es ist kaum nötig, praktische Politiker daran zu er- iiinern, welche Verlegenheiten eine.derartige Lage bereitet, besonders wo die stärkste Partei des Reiches permaiient unter Acht und Bann steht."- Ludde-Term. Es ist tägliche Uebung der„Staatserhaltenden". die social« demokratischen Arbeiter zu beschuldigen, daß sie Koalitionszwang betreiben, und insbesondere die in staatlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter sind von fürsorglichen Behörden vor diesem Zwang geschützt worden durch das Verbot, freiheitlichen Vereinigungen anzugehören. Jetzt wird bekannt, daß die Fürsorge der Eisenbahnbehörde«och weiter geht. Unfern, Parteiorgan in E r f u r t ist dieses inter- esfante Schriftstück bekannt geworden: Eisenbahnverein. Die nachstehend benannten Beamten nnd Arbeiter haben sich bis heute noch nicht zum Beitritt des Eiscnbahnvereins erklärt» dieselben werden gemäß Verfügung der Maschineninspektion vom 14./S. 04 aufgefordert» den Grund ihres Fernbleibens anzugeben. (Nun folgen die Namen der 54 Süuder, welche sich noch nicht freiwillig zum Beitritt erklärt haben.) gez. Schwabe. Terrorismus giebt es nur bei— Socialdemokraten I Die Kanalvorlagen. Die Kommission des Abgeordneten« Hauses zur Vorberatung der wasserwirtschaftlichen Vorlagen wird am 31. Mai ihre dritte Sitzung abhalten und den Gesetzentwurf betreffend Maßnahmen zur Regelung der Hochwasser-, Deich- und Vorflutverhältuisse an der oberen und mittleren Oder der ersten Lesung unterziehen. Am 1., 3., 4. Juni werden die nächsten Sitzungen folgen. Zum Gesetzentwurf betr. die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen(eigentliche Kanalvorlage) hat Abg. Zehn- hoff(C.) den Antrag gestellt,� die Staatsregierung zu ersuchen. für die Beratungen der Kommission beziehungsweise als Anlage zum Kommissionsbericht eine Karte anfertigen zu lassen, welche die preußischen Wasserstraßen angiebt, tvie sie nach Ausführung der zur Beratung stehenden Vorlage sein würden, wobei durch be- sondere Farbe kenntlich zu machen sind: a) die Wasserstraßen, die von 600 Tonnen- und mehr Tonnenschiffen befahren werden; b) die- jenigen, die von kleineren, nämlich 400 bis 450 Tonnenschiffen be- fahren werden können und zwar regelmäßig. In die Karte ist auch das Lippeprojekt einzutragen und die Lage der projektierten Stau- weiher zu markieren. Ferner soll die Regierung in Ergänzung der in der Denkschrift über die Kohlenförderung im Ruhrgebiete des Ober-Bergamtsbezirks Dortmund gegebenen Aufstellung Mitteilungen geben über die Entwicklung des Kohlenbergbaues in der ganzen Monarchie während der letzten zehn Jahre. Danach scheint man die Beratung über die Kanalborlage wieder sehr ausführlich gestalten zu wollen. Das ist aber beileibe keine Obstruktion!— Freiheit» die sie meinen... Dr. Franz Oppenheimer. den jüngst liberale Blätter eifrig als Marxüberwinder priesen, schreibt dem Musterfreisinnsmann Dr. Mugdan im„Tag" diese Be- merkung: „... Der Wackere proklamierte die P r e ß fr e i h e i t. solange sie nicht in Preßftechheit ausartet, und findet sich mit dieser Forderung in der allerbesten Gesellschaft der„allerbesten Gesellschaft".„Gerade so sagt's der Herr Pfarrer" und der Herr Ritter auch und nicht ein- mal„mit ein bißchen andren Worten". Dr. Mugdan hat alle» Au- spruch auf cinen Ehrcnsesscl auf der Rechten, wo sie am rechtesten ist» denn das liberale Credo besagt, daß es nur ein sicheres Mittel gegen den Mißbrauch der Freiheit giebt— und das ist die Freiheit selbst, die volle Freiheit! Was„Freiheit" besagen will, darüber dürfte es eigentlich keine Meinungsverschiedenheit geben. Es giebt zwar sehr verschiedene Grade der Unfteiheit, aber nur eine Freiheit. Aber die Herren meinen eine andre Freiheit als die eine. Man ist versucht, wenn man sie hört, das definitorische Meisterwerk der Berliner Schlächter« innung zu citieren, das sie kürzlich zum besten gab. Wurst ist nicht, wie das Kammergericht irrtümlich annahm, ein Gemisch aus Fleisch, Fett und Gewürzen, sondern„Wurst ist sowohl ein Nahrungs- wie auch ein Genußmittel, dessen Zubereitung und Zusammensetzung je nach den Ansprüchen der Käufer, der Zeit, und wann sie hergestellt wird, der Landessitte, des Ortes der Feilbietung und der Zubereitung verschieden ist". „Freiheit ist eine staatlich verliehene Befugnis, deren Aus- dehnung je nach der Landessitte, dem Orte der Darbietung und der allgemeinen Geschäftslage verschieden ist." Verschieden ist sie jedenfalls! Abgeschieden und mause« tot!„Unter Blütenträumen ist ihr Aufenthalt."— MassenanSweisung. Der„Gornoslazak" meldet, auS dem Kreise Kattowitz wurden 100 auf den dorsigen Gruben beschäftigte Arbeiter ausgewiesen.— Gekränkte Antisemiten. AuS Kassel wird berichtet: Ein anti- semitisches Volksfest sollte am Sonntag auf dem Meißner ab- gehalten werden; verschiedene antisemitische Abgeordnete wollten dort Ansprachen halten. Nunmehr hat aber der Land rat des Kreises Witzenhausen bestimmt, datz'.die von dem betreffenden Bürger- meister bereits erteilte Genehmigung zurückzuziehen sei. Als Grund wird der zu erwartende„ungewöhnliche Menschenandrang" genannt. Das ist freilich eine so komische Begründung eines ungerecht- fertigten Verbots, daß sie vom Grafen Pückler herrühren könnte. Die„Staatsbürger-Zcitung" wütet über die ihren Parteileuten zu» gefügte Unbill ebenso laut, wie sie sich freut, wenn Socialdemokraten ebenso ungerecht behandelt werden.— Antisemiten- Moral. Zur Nordlandfahrt der Ballin- Firma hat die„Wirtschaftliche Vereinigung" des Reichtags die Ab- geordneten Krösell und v. Damm ausgelost. Man begreift nun, daß jüngst auch die„Staatsbürger-Zeitung" sich gegen die Annahme solcher Freifahrtkarten sittlich entrüstete: das Los hat die Staatsbürgersleute grausam von der Ballin-Bewirwng aus- geschaltet; wäre diesen das Los günstig gewesen, so hätte Krösell den Sittenheld gespielt. So ist man Schützer der Moral und darf zugleich bei Jud Ballin speisen.— Mainz, 27. Mai.(„Franks. Ztg.") Der auf Montag vor der ersten Sttafkammer angesetzte Beleidigungsprozeß gegen den Landtagsabgeordneten und Redakteur A b e l u n g und den Kauf« mann und Geschäftsführer Friedrich D ö l l e r von der„Mainzer Volkszeitung" wegen Beleidigung des Oberstlieutenants a. D. Balser in Darmstadt und des Majors a. D. Micke! in Rketz, ver- anlaßt durch Veröffentlichung der Briefe des verstorbenen Generals Kretschmann, wonach der französische Ort Sens im Kriege gegen Frankreich von der hessischen Division ausgeplündert worden sei, mußte wegen Erkrankung de§ Hauptzeugen Oberstlieutenant a. D. Balser, auf unbestimmte Zeit vertagt werden.— FriedhofSschändung. Ans E l ken r o th im Kreise Alten- k i r ch e n geht der„Köln. Ztg." die Nachricht zu, daß in einer der letzten Nächte auf dem dortigen Friedhofe, der von Protestanten und Katholiken gemeinsam benutzt wird, fast alle Grabdenkmäler und Grabhügel der Protestanten zerstört worden seien. Der konfessionelle Friede, dessen der Ort sich früher erfteute, sei durch die Gründung einer rein katholischen Arbeiterkolonie, die von Trappisten geleitet werde, nicht ungestört geblieben.— Selbstmordversuch eines Soldaten. Als am Abend des Pfingst- sonntag in der badischen Garnisonstadt Offen bürg der Offizier der Runde die Zellen des Arresthauses revidierte, fand er einen Soldaten der 4. Compagnie des 170. Jnfanterie-Regiments erhängt. Die Wiederbelebungsversuche waren nicht erfolglos.— Klerikaler Wahlkampf. Die Reichstags-Ersatzwahl in Straß- burg-Land wird ein gerichtliches Nachspiel haben. In einem klerikalen Wahlflugblatt war eine Aeußerung Stöckers wiedergegeben, wonach„seit den Tagen des frechen Most noch keiner in so frecher Weise vom Christentum gesprochen habe, wie der Ab- geordnete Blumcnthal". Rechtsanwalt Dr. Blumenthal hat nun erklärt, daß er wegen der Wiedergabe dieser Aeußerung in dem Flugblatte Redakteur Hauß und das Wahllomitee der klerikalen Partei für den Kreis Straßburg-Land, welche das Flugblatt unter- schneien, wegen Beleidigung gerichtlich belangen »verde. und seine klerikalen Gesinnungsverwandten verfälschen stets dre Kritu gegen die Stöckerei und Muckerei in„Beschimpfungen des Chrptentums". Selbst ein sehr bigotter Gerichtshof wird dieser frechen Verleumdung entgegentreten müssen.— Wertzuwachs-Steuer. Aus Baden schreibt man uns: In der Zweiten Kammer brachte die C e n t r u m s f r a k t i o n im Dezember einen Antrag ein, welcher die Regierung zur alsbaldigen Ausarbeitung und Vorlegung eines Gesetzes betreffend eine Grund- stück-Besteuerung zu Gunsten der Gemeindekassen ausfordert. Gesetzlich sollen Gemeinden mit mehr als 5000 Einwobnern oder im„gewissen Umkreise solcher Gemeinden liegend", das Besteuerungsrecht erhalten für„den uiwerdienten Wertzuwachs an überbauten und unuberbautcn Grundstücken". Demgemäß soll bei der Veräußerung eines nach dem Werte von 1900 eingeschätzten Grundstückes bezw. emes realen oder ideellen Anteils „von dem ein gewisses Mindestmaß übersteigenden Mehrerlös, welcher nicht durch Verbesserungen herbeigeführt worden ist, ein angemessener Prozentsatz an die Gemeinden abgeführt werden; diese verpflichten sich, die Einnahmen zu socialen Zwecken. namentlich zur Beschaffung billiger Wohnungen für mittlere und kleine Wohnungsbedürfnisse zu verwenden." Vor kurzer Zeit erschien an die Erste und Zweite Kammer eine Eingabe des Karlsruher Ortsvereins deutscher Bodenreform er, welcher den Centrumsantrag als einen steuer- reformatorischen Fortschritt begrüßt und ihm besonders drei vortreff- liche Eigenschaften nachrühmt: 1. eine gerechte Erfassung des unverdienten Wertzuwachses zu Gunsten der Gemeindckassen und eine Beschränkung der ungesunder. Grundstücksspekulation; 2. die Anerkennung des Princips der Zurückerstattung eines der Allgemeinheit abgenommenen Wertes; 3. Die Erschließung einer Finanzquelle zur Bestreitung wachsen- der Gemeinde-Aufgaben auf kulturellem Gebiet ohne zu große Be- lastung der erwerbstätigen Bevölkerung. Schließlich werden für das ganze Gebiet der badischen Steuer- reform die übrigen einschlägigen Grundsätze der Bodenreformer den Landständen und der Regierung warm empfohlen und die Hoffnung auf weitgehendste Berücksichtigung ausgesprochen. Unter den fünf Petenten der Karlsruher Bodenreformer be- findet sich auch der Genosse Kolb, Redakteur des„Volks freund". Südwrstafrika. Gouverneur L e u t w e i n telegraphiert aus W i n d h u k unter dem 27. Mai: Am 24. Mai, vormittags 5 Uhr, stieß Major von Estorff, auf die Nachricht vom Abmarsch der Tetjo-Leute von Osten zum Omuramba-Flutz, von Okamatangara auf Otjomaso vor und fand letzteres besetzt. Der überraschte Feind verteidigte sich tapfer. In dichtestem Gebüsch griffen die 1., 2. und 6. Compagnie an. Der Feind wich nach allen Seiten auseinander und hinterließ 6 Tote, darunter einen Großmann; außerdeni wurden Tote und Verwundete>v egge schleppt. Verlust also jedenfalls größer. Diesseitiger Verlust: von der 1. Feldcompagnie gefallen: Reiter Lucier aus Paris und Kriegsfreiwilliger Richard Spindler aus Leubus, Kreis Wohlau. Es wurden 115 Stück Kleinvieh erbeutet. Major von Estorff verfolgte den fliehenden Feind und kehrte dann auf seine Marschstraße Okamatangara-Omurainba-Fluß zurück.— Husland. Der Vatikanzwist vor der französischen Kammer. Ans der Freitagssitzung der französischen Kammer, über deren ersten Teil im gestrigen Depeschenteil berichtet wurde, wird aus Paris weiter telegraphisch gemeldet: Tclcasse(Minister des Aeußern); Im Frühling 1903 fragte mich bei einem diplomatischen Empfang der päpstliche Nuntius, was er von der Nachricht halten solle. daß eine Reise des Königs von Italien nach Paris und gegebenenfalls ein Gegenbesuch des Präsidenten der Republik iu Rom geplant sei. Ich antwortete, daß ich noch keine amtliche Mitteilung von einer Reise des Königs nach Frankreich erhalten hätte und mich darum auch nicht mit einer Reise Herrn LoubetS beschäftigen könne. Einige Zeit danach machte ich dem Nuntius die entsprechenden positiven Mitteilungen. Man erinnert sich, unter welchen Umständen beide Reisen verlanfen sind. Am 4. Mai erhielt ich eine Note des päpstlichen Staatssekretärs, worin der Besuch des Präsidenten in Rom als eine Beleidigung des obersten Kirchrnhirten bezeichnet und gegen den Besuch Ein- spruch erhoben wurde. Der Ministerrat war einstimmig der Ansicht, daß die Reise nach Rom der direkte Beweis dafür war, daß Frankreich sich in keiner Weise die in der Note enthaltenen Be- Häuptlingen und Erwägungen zu eigen mache. Den Ton und die Sprache der Note konnten lvir nicht annehmen. Ich beauftragte unfern Botschafter, zu erklären, daß die französische Regierung die vom 28. April datierte Note zurückweise. Am 6. Mai ließ ich den Staatssekretär wissen. der Zwischenfall sollte erledigt sein, und er hätte es auch bleiben sollen. Da kündigte der„Osservatore Romano" an, daß ein Rundschreiben über die Reise an die fremden Mächte abgesandt worden sei. Am 17. Mai veröffentlichte dann ein Pariser Blatt den Wortlaut dieses Rundschreibens, das sich in dem bekannten Satze von der Frankreich zugestellten Note unterscheidet. Der unzulässige Ton des Vorwurfs dieser Mitteilung an die fremden Negierungen ist es, der die Be- leidigung darstellt, und man wird vergeblich eine Ab- s ch Iv ä ch u n g der Beleidigung in dem Satze suchen, in welchem man sich gelvissermagen entschuldigt, den Nuntius aus Paris nicht abberufen zu haben. Die Regierung hatte nun zwischen drei Maßregeln die Wahl: sie hat sich zu der entschlossen, die Sie kennen. Ich habe Herrn Nisard gebeten, sich ohne Verzug über die Echtheit der Note zu vergewissern. Herr Nisard hat sich zum Staats- sekretär begeben, der ihm erklärte, daß er bereit sei, zu antworten, aber schriftlich. Nachdem ich die Gewißheit von dem Vorhandensein� des Rundschreibens gewonnen hatte, telegraphierte ich an Herrn Nisard, daß die Erklärung des Staatssekretärs ein Ausweichen einer unmittelbaren Antwort bedeute, die von ihm gefordert werde, und daß er unverzüglich Rom zu verlassen hätte. 24 Stunden später ver- ließ Herr Nisard Rom. Durch diese Rückberufung hat die Regierung das gethan, waS die Würde deS Landes von ihr fordert. Grousseau(Klerikaler) unterbricht: Nach der Erklärung des heiligen Stuhls ist die Regierung vorher gewarnt worden. Dclcaffö: G e w i ß I Als das Gerücht von der Reise Loubets auftauchte, hat der Äardinal-Staatssekretär die un verjähr- baren Rechte des heiligen Stuhls in Erinnerung ge- bracht. Von dieser unhaltbaren These glaubte ich der Kammer keine Mitteilung machen zu sollen. Grouffeau: Demnach hatte ich das Recht zu sagen, daß die Re« gierung loyal jjewarnt worden sei. Es handelt sich nicht um Ein- griffe in die Beziehungen Frankreichs zu Italien,� der heilige Stuhl hat sich Verträgen zwischen diesen Ländern nie widersetzt. Er verlangt aber von katholischen Ländern m i n d e st e n s d i Rücksichten, die ihm nicht einmal die nichtkatholischen Länder versagen. Wenn ein nicht- katholischer Souverän dem heiligen Vater einen Besuch abstatten will, so thut er das nicht vom Ouiriual aus, sondern er fährt von seiner Botschaft ab, also gewissermaßen von Hause weg. Es liegt darin eine Anerkennung der Rechte, die der heilige Vater als unverjährbar ansieht. Der Vatikan wollte nicht, daß sich ein Beruf ungsfall bilde, das ist des Pudels Kern. Merry del Val wollte in Anbettacht der Schwere des Zwischenfalls schriftlich antworten. Da erklärte ihm Nisard, die Regierung sehe darin die Absicht, der Frage aus dem Wege zu gehen. Heißt das im guten Glauben handeln?(Lebhafter Beifall rechts.) Der Minister ist den Beweis schuldig geblieben für lein gutes Recht, und die öffentliche Meinung wird ihn. wenn auch die Kammer ihn nicht verurteilt, sttenge richten.(Beifall rechts.) Briand(Minist. Soc.): Seine Freunde seien mit dem jetzt er- rungenen Vorteil v o r l äu f i g zu fr i e d e n und sie wollten ihn nicht durch Mehrfordernng verkürzen. Es giebt aber noch einen zweiten Erfolg, der in kurzer Frist erreicht werden kann.(Großer Beifall links, Lärm rechts.) Trotz aller Annäherungsversuche werden die Beziehungen zum Vatikan nicht in dem bisherigen Umfang wieder aufgenommen werden können. Was vorgefallen ist, läßt sich nicht verwischen.(Sehr gut l links.) Die Note Pius' X. ist der Ausdruck der Politik, die von jeher vom päpstlichen Stuhl befolgt wurde. Der Papst ist seiner Rolle treu geblieben. I st es aber die Aufgabe der Denrokratie, Brüderschaft zu halten mit einer Einrichtung, die� sich beharrlich weigert, sich de» modernen Anschauungen anzupassen? Der Konflikt hat seinen wahren Charakter endlich an- genommen, möge er ihn bewahren in seiner ganzen Treue und mit allen seinen Folgen. Es gilt, sich von aller Kirchen- Vormundschaft zu befreie». Es giebt Leute, die vorschlagen, diese Reform jetzt zu verwirklichen durch Aufkündigung des Konkordats. Das Problem ist aber verwickelter und wir werden es durch einen Gesetzesvorschlag zu lösen versuchen. Die jetzige einfache Aufhebung würde nur der Kirche zu statten kommen. Wenn lvir auf die Re- gierung zählen können und sie uns die Schande einer Kapitulation vor dem Vatikan erspart, so werden wir ihr unser volles Vertrauen schenken. M i n i st e r p r ä s i d e n t Coinbes: Ich ersuche die Kammer, der Erörterung ihre genaue Bedeutung und wahre Tragweite zu belassen. Der heilige Stuhl hat in einem Frankreich verletzenden Schriftstück gewissen Mächten die angebliche Beleidigung angezeigt, die unser Staatsoberhaupt ihm angethan haben soll, indem es dem König von Italien in der unbestrittenen Hauptstadt seines Reiches(Lebhafter Beifall links) einen frenndschaftlichen Besuch er- widerte und sich weigerte, den ultramontanen Ansprüchen aus an- geblich unverjährbare Rechte nachzugeben. Die Regierung hat durch die sofortige Abberufung ihres Botschafters geantwortet. Die Abberufung bezeichnet politisch, daß die Regierung nicht zugeben kann, daß die Anwesenheit ihres Botschafters in Rom in einem den Ansprüchen des hl. Stuhles günstigen Sinne ausgelegt wird; sie bezeichnet weiter, daß die Regierung eine Einmischung des Papsttums in unsre internationalen Beziehungen nicht hat dulden und ein für allemal der Fiktion einer seit 30 Jahren verschwundenen weltlichen Macht hat ein Ende mache» wolle». Sollten wir das ganze Botschaftspersonal zurückrufen? Die Regierung hat das nicht für richtig gehalten. Denn nach dem Konkordat sind lvir verpflichtet, beim Vatikan einen Bevollmächtigten für die Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten zu unterhalten. Durste die Regierung auf die eigne Autorität hin die Botschaft und das Konkordat abschaffen? Gewisse Redner drängen nun auf un- verzügliche Kündigung dieses Verttags. Jedermann weiß, daß einem so folgenschweren Akte Maßregeln vorangehen müssen, die geeignet sind, die Republik gegen die politischen Gefahren eines so radikalen Wechsels zu schützen. Eine Kommission ist damit beauftragt, die Frage der Trennung von Kirche und Staat zu prüfen; sie wird ihre Schlußanttäge dem Hause unlerbreiten. Dann ist es Zeit für Regierung und Kammer, in voller Freiheit sich zu äußern. Man hat schon ein annäherndes Datum hierfür angekündigt. Die R e- gierung ninrmt dieses Datum an.(Anhaltender lebhafter Beifall links.) Es hängt von der Kammer allein ab, ob sie nach der nächsten Budgetberatung— also im Januar etwa— die Frage wird erörtern können. Die Regierung hat es ebenso eilig wie irgend ein andrer, diese Frage zu prüfen und zu regeln. Denn bei der Art und Weise, wie täglich das Konkordat verletzt wird, mutz die Lösung kommen.(Beifall links.) Bis dahin vertagen wir die Darlegung der Ansichten der Regierung. Ich ersuche die Kammer, eine Abstimmung zu verschieben, die heute voreilig und unwirksam wäre, und sich bei ihrer Tagesordnung auf die Matzregel zu be- schränken, die zu der gegenwärtigen Erörterung Aulatz gegeben hat. (Beifall.) Ribot(Rechtsrepublikaner): Ich glaube, es liegt hier e i n Mißverständnis vor. Man hätte am Tage nach der Be- willigung der Kredite für die Reise Loubets sich klar über die vom Papst uns zugestellte Note aussprechen müssen und dem heiligen Stuhl begreiflich machen müssen, daß an dem Tage, wo katholische Abgeordnete diese Kredite bewilligt hatten, es kein Hindernis mehr für diese Reise des Präsidenten der Republik nach Rom geben konnte. So hätte sich der heutige Bruch vermeiden lassen. An uns liegt es, diesem Bnich möglichst bald ein Ende zu machen. Der Ministerpräsident hat die Bedeutung des Zwischen- falles in den ihm zukommenden Grenzen belassen. Wir dürfen daraus schließen, daß die Beziehungen zum heiligen Stuhl bald wieder aufgenommen werden.(Ministerpräsident Combcs: Das ist Ihre Auslegung!) So schien mir wenigstens der Sinn der Erklärung der Regierung zu sein. Verbrecherisch wäre es, jetzt die Frage der Trennung von Kirche und Staat entscheiden zu wollen. In der Abstimmung wird der von den Vertretern der vier Blockgruppen eingebrachten Tagesordnung der Vorrang zu- erkannt. Die Tagesordnung lautet:„Die Kammer stimmt der Regierung für die Abberufung unsres Botschafters beim Vattkan zu und lehnt jeden Zusatz ab." Der erste Teil wird mit 427 gegen 95 Stimmen angenommen: dafür stimmen außer den Gruppen des Blocks auch die Rcchtsrcpublikaner, dagegen stimmen die Klerikalen und Nationalisten. Dem zweiten Teil stellt Sembat im Namen der revolutionären Socialisten die Formel entgegen:„und(die Kammer) ersucht die Regierung, diese Maßregel durch die Zustellung der Pässe an den Nuntins zu ergänzen." Jndeß wird gemäß dem Antrag der Blockvertteter mit 383 gegen 160 Stimmen die Ablehnung jedes Zusatzes ausgesprochen. Die Urteile der Presse. Paris, 28. Mai. Die radikalen Blätter heben als lvichttges Ergebnis der gestrigen Debatte hervor, daß der Minister- Präsident die Erörterung des vom Sonderausschusse der Kammer ausgearbeiteten Entwurfs über die Trennung der Kirche vom Staat und die Kündigung des Konkordats bereits für Januar nächsten Jahres angenommen habe.— Der konservative„Gaulois" meint, daß der Papst und König Victor Emanuel in dem Augenblick, wo Frankreich durch die Kündigung des Konkordats auf die ihm von der Kirche verliehenen Vorrechte verzichtet, einen modus vivendi finden würden, um diplomatische Beziehungen zu einander herzustellen. Die fran- zösische Republik werde dann der bettogene Teil sein.— Schweiz. Bern, 28. Mai. Der Bundesrat hat den von einer Sach- verständigen-Kommission dnrchberatenen und von ihm genehmigten Gesetzentwurf, betreffend ein einheitliches schweizerisches Civil-Gesetz- buch, der Bundesversammlung unterbreitet.— Frankreich. Paris, 23. Mai. Die Polizei verhaftete gestern einen Freund des in L ü t t i ch zum Tode verurteilten Anarchisten Lambin, der bei einer Schwester Lambins lvohnte. Letztere wurde ebenfalls fest- genommen. Beide sollen in der Lütticher Attentatsaffaire kom- promittiert sein.— Paris, 28. Mai. Das Kriegsgericht in Tours hat mit fünf gegen zwei Stimmen die fünf Offiziere freigesprochen, welche bei der Ausweisung der Kongreganisten in Florimel den Gehorsam ver- weigert hatten.—_ Partei- ISfachri chten. Ter socialdemokratische Wahlverein in Halbersiadt ersucht uns um Veröffentlichung der nachstehenden Resolution, die dort nach einer Diskussion über die Vorgänge in der Partei einstimmig angenommen worden ist. „Die heute am 26. Mai tagende Wahlvercins-Versammlung in Halbcrstadt fordert die Genossen allerorts auf, schon jetzt dafür zu sorgen, daß die persönlichen Streitigkeiten, wie sie in Dresden zu Tage getreten, in Bremen sich nicht wiederholen. Sie erirarken,'Laß persönliche Zwiste in die Kommission verwiesen werden." Stötteritz-Leipzig. Ein in dem reaktionären Sachsen nicht Wliches, jedoch sonst selbstverständliches Gepräge erhielt das Be- gräbnis des Parteigenossen und Gemeinderatsmitgliedes Karl Klotz am 27. Mai. Klotz, der Kassierer des Konsumvereins Stötteritz war, auch dem Vorstande des Arbeitervereins angehörte, gehörte seit Jahren dem Gemeinderat als Mitglied an. An seinem Begräbnis beteiligte sich der gesamte Gemeinderat mit dem Gemeinde- vorstand an der Spitze, die Lehrer des Schulausschusses, ferner gaben zwei Schutzleute ihm das Ehrengeleit. Der Gemeindevorstand hielt am Grabe eine Ansprache und legte einen Kranz nieder. Der Krieg in Ostasien. Die Nachrichten vom Kriegsschauplatze lassen erkennen, daß Port Arthur verloren ist. Die Liantung- Halbinsel ist von den Japanern blockiert. Die Truppenmacht der Russen scheint außerordentlich ge- schwächt. Ihre Niederlage bei Kintschau war ebenso bedeutend, wie der Sieg der Japaner blutig. Die Blockade von Port Arthur. Aus Tokio läßt sich der„Lokal-Anzeiger" kabeln: Admiral Togo hat den Blockadezustand für die ganze Küste der Liautung-Halbinsel erklärt. Auf Port Arthur wurde neuerdings von acht japanischen Schiffen eine Beschießung eröffnet. Die dritte japanische Armee ist jetzt mit ihren Hauptkräften bei Takuschan gelandet. Ihre Vorhut hat am 26. d. M. bereits Siujen besetzt. Viele Transporte sind noch zur See unterwegs. In Japan glaubt das Volk bestimmt, daß Port Arthur schon in den ersten Junitagen erobert werden wird. Auch die Russen in den neutralen Hafenplätzen meinen, die Festung werde sich nicht lange halten können. Die Schlacht bei Kintschau. Tokio, 28. Mai. Amtlich lvird gemeldet: Der kommandierende General, welcher die Operattonen der japanischen Armee gegen Kintschau geleitet, berichtet, daß eine Abteilung, bestehend aus Infanterie, Artillerie und Pionieren, Nankwanling am Morgen des 27. Mai besetzte. Der Feind wurde nach Port Arthur geworfen, verbrannte die Eisenbahnstation Sanfhilipu, im Nordwesten von Dalny(nicht zu verwechseln mit der Statton gleichen Namens im Norden von Kintschau). Am 26. Mai eroberten wir 50 Kanone» und zahlreiches Kriegsmaterial. Die Russen ließen 400 Tote auf dem Schlachtfeld zurück. Unsre Verluste an Toten und Verwundeten werden auf 3000 geschätzt. Die Aussichten Japans. London, 26. Mai.(Eig. Ber.) Die in den letzten Tagen in Umlauf gesetzten Tatarennachrichten über japanische Niederlagen veranlaßten mich, meinen mit den japanischen Verhältnissen und Plänen vertrauten Freund aufzusuchen und ihn über die Lage zu befragen. Als ich ihm meine Besorgnisse über den Ausgang des Krieges äußerte, meinte er:„Die Japaner, ebenso wie ihre Freunde, die ihre Pläne kennen, sind nicht im geringsten beunruhigt und weisen alle ans Petersburg stammenden Gerüchte von der Hand. Wir haben die Ucbcrzeugung, daß Japan siegen wird. Die japanischen Armeen, die sicb jeyt in der Mandschurei befinden, sind bereits stark genug, die russische Armee zu schlagen. Aber es handelt sich für Kuroki nicht bloß darum, die russische Armee zu schlagen, sondern sie ge- fangen zu nehmen. Liaujang soll ein Sedan werden. Die so- genannten Verzögerungen und Hemmungen der japanischen Armee sind nur scheinbar. Von irgend weichen Ueberraschungen der Japaner kann nicht die Rede sein, denn jeder ihrer Züge ist berechnet und bildet einen Teil des Kriegsplanes. Diejenigen von uns, die die japanischen Pläne kennen, wußten, daß Kuroki in Föngwangtschöng drei Wochen bleiben wird. Es stehen ihm in diesem Moment 200 000 Mann zur Verfügung, abgesehen von General Okus Armee, die um Port Arthur operiert. Die Japaner rechne», Port Arthur innerhalb drei Wochen zu erobern. Der russischen Armee gegenüber hat Kuroki nicht nur die Aufgabe, dreinzuschlagen und sie in die Flucht zu jagen, sondern sie zu er- mutigen und zum Ausharren oder gar zur Offensive zu bewegen. Kleinere Mißerfolge werden wohl hie und da unvermeidlich sein, aber der entgülttge. große Erfolg wird den Japanern zufallen. (Zewerkfekaftlicbes. Gewerkvereinspolitit. Zu welchen sauberen Praktiken der Haß gegen die freien Gewerkschaften die Gewerkvereinler treibt, davon zeugt ein Schriftstück, das ein günsttger Wind der Redaktion des Haller„Volksblattes" zugeführt hat. Das betteffende Opus lautet: Burg, den 20. Mai 1904. P. P- Der jetzt in Weitzenfels herrschende Streik ist dadurch cnt- standen, daß die sogenannten Organffierten, d. h. die dem social- demottatischen Maurer- und Zimmererverbande angehörigen, bei dem Bauunternehmer Halt beschäftigten Arbeiter mit den GeWerk- vereinern nicht mehr zusammen arbeiten wollen und deren Ent- lassung forderten! Die Bauunternehmer von Weißenfels haben diese freche Zu- mutung mit der sofortigen Entlassung der Verbändler beant- wortei und zugleich erklärt, daß alle andern Arbeiter Arbeits- gclegenbeit und Schutz gegen die liebergriffe der sogenannten Organisierten finden werden und auf ihre Unterstützung in der weitgehendsten Weise rechnen können. Für die Gewerkverciner ist es nach diesen Vorgängen zu einer Ehrensache geworden, mannhaft für ihre von den Gegnern in so schmählicher Weise befehdete Organisation einzutteten und das gerechte Bestreben der Bauunternehmer durch einmütige Fort- setzung der Arbeit zu unterstützen. Nur Feigheit und Charakterlosigkeit können sich dieser Ver- pflichtung entziehen. Auf keinen Fall darf aber an solche Auch- Mitglieder, die dem entgegen handeln, Arbeitslosenunterstützung gezahlt werden. Der Generalrat. C. Haupt. C. Hahn. O. Hübner. Eine traurige Mache. Es wird das Blaue vom Himmel heruntergelogen, um den schmählichsten Verrat an den eignen Mit- gliedern zu rechtfertigen und ihnen den Anspruch auf Unterstützung zu entziehen. Kein Wort davon ist wahr, daß die Verbandsmaurer beim Meister Halt in Weißenfcls nicht mit den Gewerrvereinlern hätten zusammenarbeiten wollen oder daß deren Entlassung gefordert worden wäre. Es handelt sich bei Halt überhaupt nicht um einen Streik, sondern die Berbandsmaurer sind gleich ihren beiden GeWerk- vereinskollegen von Halt ausgesperrt worden. Trotzdem soll es Ehrensache sein, bei Halt die Arbeit fortzusetzen! Trotzdem sollen die Ausgesperrten keine Unterstützung erhalten I Allerdings von den Herren Hahn und Hübner ist kaum Besseres zu erwarten. Weß Geistes Kinder sie sind, beweist deutlich genug die tiefe moralische Entrüstung, mit der sie vor einigen Tagen auf dem Verbandstag der Gewerkvereine in Hannover sich darüber beschwerten, daß an ihrem„echt deutschen" Gewerkverein das Ansinnen gestellt worden sei, für die in ihrem Distrikt arbeitenden polnischen Arbeiter Flugblätter in polnischer Sprache herauszugeben. Serlin und(lingegencl. Der Streik der Straßenbahn- Werkstättenarbeiter ist beendet. In der gesttigen Versammlung der Ausständigen wurde konstatiert. daß die Beteiligung am Streik wieder eine geringere geworden sei als an den vorhergehenden Tagen; zur Kontrolle hatten sich nur noch ca. 600 Mann gemeldet. Da sich zugleich auch ein erhebliches An- wachsen der Zahl der Arbeitswilligen nachweisen ließ, so beschloß die Äerfammlutig, nochmals eine geheime Abstimmung über die Fortsetzung des Streiks vorzunehmen. Bei Auszählung der Stimmen ergab sich, daß die erforderliche Ztveidrittel-M. ehrheit zur Weiterführung des Streiks nicht vorhanden war. Infolgedessen gilt der Streik als beendet. Nach dem Bäckerstreik. In anerkennenswerter Solidarität steht das konsumierende Publikum den Bäckerei-Arbeitern zur Seite in dem jetzigen Kampf um die Erhaltung der Errungenschaften des Streiks. Wenn es den Scharfmachern der Innungen gelungen ist. einige Meister zum Zurückziehen der Forderungen zu bewegen, dann merken die Wortbrüchigen sogleich, daß ihnen die Kundschaft mit der Meidung des Geschäfts antwortet, und flugs begiebt sich dann ein solcher Bäckermeister in das Verbandsbureau der Gesellen, zu den oft geschmähten„Streikhetzern" und beteuert hoch und heilig, daß ihm die Unterschrift von den Jnnungsmachern abgepreßt ist und er nach wie vor die Forderungen der Gesellen anerkennt. Gestern er- folgten nicht Iveniger wie 9 solcher Zurücknahmen der Zurückziehung und 7 neue Bewilligungen von solchen Meistern, die bisher noch nicht bewilligt hatten. Auch der Arbeitsnachweis des Verbandes wird durch die Meister stark in Anspruch genommen. Der Kampf, den die Innungen gegen die Bewilligung der Forderungen führen, hat also fast gar keinen Erfolg. Die Bäckerinnung zu Britz erläßt im„Britz-Buckower Tageblatt" ein Inserat, worin sie behauptet, die genannte Innung habe sich mit der Gesellenschaft geeinigt.— Diese Darstellung entspricht den Thatsachen nicht. Sie ist eine auf Täuschung des Publikums berechnete Entstellung.— Von einem Einverständnis der Gesellenschaft mit den von den Britzer Jnnungsmeistern gewährten Bedingungen kann keine Rede sein, denn in der Versammlung am 24. d. Mts., auf welche sich die Innung beruft, ist keine Verständigung zu stände gekommen. Nachdem der vorher vom Obermeister schrift- lich eingeladene Verbandsvertreter Hetzschold zurückgewiesen war, lehnten die in der Versammlung anwesenden Gesellen es ab. sich in einer zum Zweck der Vereinbarung einzusetzenden Kommission ver- treten zu lassen. Die Innung behauptet zwar, es sei ein Ausschutz gebildet, der„je zur Hälfte aus Meistern und Gesellen gestellt" wird. Sollte die Innung vielleicht nach der Versammlung auf irgend eine Weise vier Gesellen für den Ausschuß zusammenbekommen haben, so ist dies keine von den Gesellen gewählte, sondern eine von den Meistern ernannte Gesellcnvertretung, die von denen, welche sie vertreten soll, kein Mandat hat. Ueder die Lohnbewegung der Steindildhauer wurde am Freitag in einer Branchenversammlung berichtet, daß die Firma Schilling nach fünftägigem Streik die Forderungen der Ausständigen bewilligt. hat. Die übrigen in Frage kommenden Geschäfte hatten die Lohn- erhöhung von 69 Pf. pro Tag bereits vordem anerkannt. Nachdem auch die Firma Schilling zur Bewilligung veranlaßt worden ist, ist nunmehr der b Uhr-Schluß sowie der Mindestlohn von 7,50 M. pro Tag für ganz Berlin durchgeführt. Nur die Firma Kühnle macht eine Ausnahme, sie hat die geforderte Lohnerhöhung noch nicht bewilligt. Die Versammlung beschloß: die Lohnkommission soll noch- mals bei der Firma Kühnle vorstellig werden, und wenn die Lohn- erhöhung nicht bewilligt wird, haben die bei Kühnle beschäftigten Steinbildhauer die Arbeit niederzulegen. Zum Bautischlerstreik in Steglitz und Groß-Lichterfelde be- richteten wir in voriger Woche über den Verlauf der Verhandlung am 20. Mai im„Albrechtshof" zwischen der Meister- und Gesellen- kommission. Am 27. Mai traten nun wiederum die Kommissionen zu einer Verhandlung zusammen, zu der die Holzbearbeitungs- maschinen-Besitzer eingeladen waren. Von 5 geladenen Maschinen- besitzern war nur einer erschienen. Hm Verlauf der Verhandlung zeigten die Arbeitgeber ein etwas größeres Entgegenkommen, und der anwesende Maschinenbcsitzer erklärte sich mit den vereinbarten Preisen einverstanden. Da jedoch die Zeit zu weit vorgerückt war, um die Beratung der Accordpreise zu Ende zu führen, wurde eine sechsgliedrige Kommission getvählt, drei Arbeitgeber und drei Ge- sellen, die bis zum Donnerstag den 3. Juni die Accordpreise des neuen Tarifs ausarbeiten soll. Centralverband der Konditoren. Am Frestag, den 27. d. M., wurde in einer Generalversammlung bei Wilke. Brunnenstraße 188, der Streik einstimnng für beendet erklärt. Im Streik standen zum Schluß noch 65 Mitglieder, mit Einschluß der sogenannten Tages- arbeiter. Unterschriftliche Bewilligungen sind im ganzen 80 ein- gegangen. In Betrieben, wo die Forderungen der Bäcker, aber nicht die der Konditoren bewilligt sind, soll eine besondere Agitation zum Anschluß an die Organisation eingeleitet werden. Beschlossen wurde serner, 5 Proz. vom Lohn als Streiksteuer bis zum 11. Juni zu erheben und diejenigen, die bis zum 23. Juni nicht gezahlt haben, werden ausgeschlossen. 13 Mitglieder sind zu Streikbrechern ge- worden. Ihr Ausschluß wurde vorgenommen. Zum 2. Punkte wurde kurzer Bericht vom Verbandstage in Dresden erstattet und darauf hingewiesen, daß das Protokoll der Verbandlungen als Broschüre fiw 10 Pf. zu haben ist. Die Mitgliedscha� ist jetzt 350 Mann stark. Die streikenden Vergolder haben in einer Versammlung, die sie am letzten Mittwoch abhielten, beschlossen, im Streik so lange zu ver- harren, bis die Fabrikanten annehmbare Zugeständnisse machen. Zugleich erklärten sich die Streikenden bereit, mit den Fabrikanten aufs neue zu verhandeln. Auf Grund dieses letzteren Beschlusses hat Genosse Körsten. der in semer Eigenschaft als Arbeitersekretär schon öfter Vermittelungsversuche in diesem Streik gemacht hat. neuerdings mit dem Führer der Fabrikanten-Vereinigung, Herrn Rosenow, eine Unterredung gehabt. Am Sonnabendnachmittag hielten die Streikenden wieder eine Versammlung ab, wo Genosse Hörsten das Resultat seiner Besprechung mit Herrn Rosenow mit- teilte. Der Redner bemerkte. Herr Rosenow habe sich zwar zu weiteren Zugeständnissen nicht bereit erklärt, er habe jedoch im all- gemeinen einen zum Frieden neigenden Standpunkt eingenommen und sich der Organisation der Arbeiter nicht unbedingt ablehnend gegenübergestellt. Herr Rosenow, der allerdings nur seinen persön- lichen Standpunkt vertrat, hat darauf einen Beschluß der Fabrikanten- Vereinigung herbeigeführt. Dieser Beschluß ist dem Genossen Körsten übermittelt lvorden. Er lautet: „In Erwägung, daß die streikenden Arbeitnehmer unsres Ge- Werkes an dem nunmehr neun Wochen dauernden Streik, welcher durch das Vorgehen des Vorstandes des Vergoldervcrbandes in einer durch nichts zu rechtfertigenden und geradezu strafwürdigen Weise hervorgerufen ist. schuldlos sind, beschließt die Versammlung(der Fabrikanten-Vereinigung). alle streikenden Arbeiter wieder ein- zustellen.— Sie will ihren Arbeitern nicht entgelten lassen, was ihre bisherigen Führer verschuldet haben; es sollen deshalb so viele Arbeiter wieder eingestellt werden, als nach den Verhältnissen irgend möglich ist, und es sollen auch diejenigen Arbeiter, welche nicht sofort beschäftigt werden können, vorzugsweise berücksichtigt werden, ehe neue Arbeiter eingestellt werden.— Wir wollen so das große Elend, das über Hunderte von Familien herbeigeführt worden ist, nach Möglichkeit beseitigen helfen. Wir erwarten aber mit voller Be- stimmtheit. daß diejenigen Kräfte, welche während des Streiks ge- arbeitet haben und die wir zu schützen uns besonders verpflichtet fühlen, in keiner Weise drangsaliert oder belästigt werden, da wir fest entschlossen sind, keine dieser Arbeitskräfte etwa zu Gunsten der bisher Streikenden zu entlassen.— Wir zweifeln nicht, daß wir mit unsren Arbeitern in Frieden leben werden, und wir wollen nach wie vor, gemäß den Bestimmungen unsrer eignen Satzungen, Beschwerden unsrer Arbeiter auf Anrufen ihrer von uns immer schon durchaus anerkannten Organisafton, wie schon bisher, untersuchen und, wo berechtigt, abstellen.— Wir empfehlen dabei allerdings, daß wir bei solchen Gelegenheiten mit einem Vorstande werden verhandeln können, der sachkundig und aus Leistenvergoldern zusammengesetzt und bereit ist, die sachlichen Interessen des Gesamtgewerbes zu fördern und nicht nur seinen Beruf darin sieht, eine Kluft zwischen Arbeftgebern und Arbeitnehmern zu schaffen und zu vertiefen und, wie bei diesem Streik, ausschließlich in den Vordergrund zu stellen, daß„irgend etwas erreicht werden muß", um die erschütterte Position des Vorstandes zu stärken und seine Wiederwahl zu sichern. Dies ist von dem jetzigen Vorstande uns gegenüber ausdrücklich betont worden. Uns aber erscheint das große Elend, welches der Vorstand herbei- geführt hat, ein zu hoher Preis hierfür zu sein." Das Schriftstück, welches den vorstehenden Beschluß dem Ge- nassen Körsten mitteilt, ist unterzeichnet von den Herren Rosenow und A. Werkmeister, welche den Adressaten noch besonders er- suchen, das Schreiben in der Versammlung der Streikenden un- verkürzt zu verlesen, damit im Interesse eines dauernden Friedens jeder Arbeiter vor Wiederaufnahme der Arbeit davon Kenntnis erhalte. Diesem Wunsch der Fabrikanten ist entsprochen. Körsten verlas das Schreiben. Ein hundertsftmmiges, schallendes Hohngelächter war die Antwort auf dasselbe. Körsten bemerkte, daß er, der in diesem Streik als unparteiischer Vermittler fungiert habe, sagen müsse, daß dieses Schriftstück nicht den Weg zum Frieden bahne. Derselben Meinung gaben zahlreiche Redner aus den Reihen der Streikenden Aut druck. Einmütig wurde betont, daß die Ausfälle, welche das Schreiben gegen den Vorstand des Verbandes richtet, eine Beleidigung und eine Mißachtung der organisierten Arbeiter seien. Die Streikenden wären in den Kampf getreten aus eigner Entschließung und im eignen Interesse, und die Anspielung, der Vorstand habe aus eigensüchtigen Motiven den Streik angezettelt, sei eine Verleumdung. Nach diesem Schreiben der Fabrikanten gebe es keinen Frieden; der Streck werde fortgeführt, und wenn er noch sechs Wochen dauern sollte. Ein Antrag, über die Fortdauer des Streiks eine geheime Abstimmung vorzunehmen, wurde von Körsten befürwortet, da durch eine solche unbeeinflußte Absttmmung den Fabrikaitten mn deutlichsten gezeigt werden könne, wie die Streckenden über den Be- schluß der Fabrikanten denken. In der Abstimmung, die durch Zettel stattfand, wurden 435 Stimmen abgegeben. Davon waren 4 2 4 f ü r und 10 gegen die Fortführung des Streiks; ein Zettel war un- beschrieben. Das Resultat der Abstimmung wurde mit stürmischem Beifall aufgenonimen. Schließlich fand die folgende Resolution einstimmige Annahme: „Die Versammlung der Streikenden erklärt das Schreiben der Fabrikanten-Vereinigung als eine Verhöhnung der gesamten Ver- golder und Berufsgenossen Berlins. Die Streikenden verpflichten sich, die Arbeit nicht eher aufzunehmen, als bis ihnen annehmbare Zugeständnisse gemacht werden." Deutfcbes Reich. Der Lohnkampf im KSnigsierger Baugewerbe wird jetzt nach Pfingsten noch heftiger geführt als vorher. Das Unternehmertum macht riesige Anstrengungen, um Arbeitswillige aus der Pbovinz zu bekommen. Es sind auch einzelne größere Trupps eingetroffen, aber meistens, als sie über den wahren Sachverhalt aufgeklärt wurden, wieder abgereist. Während der Feiertage sind die Maurer nicht mützig gewesen. Sie haben in allen größeren Orten der Provinz aufklärende Flugblätter über den Lohnkampf verteilt. Ein Zuzug aus der Provinz dürfte infolgedessen kaum noch stattfinden. Dagegen sind aber nach den Feiertagen wieder zwei neue Trupps Italiener eingetroffen. Zum Streik der Brauerei-Arbeiter in Hamburg nahmen am Freitagabend acht Volksversammlungen— sechs in Hamburg und je eine in Altona und Ottensen— Stellung, in denen nach ein- leitenden Referaten und eingehender Debatte folgende gleichlautende Resolution zur Annahme gelangte: „Die heute tagende Volksversammlung erklärt sich mit den im hatten Kampfe liegenden Brauerei-Arbeitern solidarisch, um so mehr, da alle Versuche, die Lage der Brauerei-Arbeiter und die bestehenden Differenzen auf friedlichem Wege zu begleichen, an dem Starrsinn der Unternehmer scheiterten. Sie verspricht daher, den kämpfenden Arbeitern mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln beizustehen und den vom Hamburger, Altonaer und Wandsbecker Gewerkschaftskattell verhängten Boykott über 22 hiesige Brauereien voll und ganz zur Durchführung zu bringen und so lange kein boykottiertes Bier zu trinken, bis der Sieg auf der ganzen Linie gegen das Scharf- nmcliertum errungen ist. Gleichzeiftg hält die Versammlung es für die Pflicht eines jeden zielbewußten Arbeiters, nur solche Gastwitt- schaften und Etablissements zu besuchen und nur solche Händler und Geschäfte zu unterstützen, wo besttmmt nur bohkotffreies Bier ge- führt wird." HusUad. Streik im Hafen von Genua. Rom, den 25. Mai. Heute früh sind 900 Schauerleute der Kornschiffe im Genueser Hafen in Ausstand getreten. Diese Arbeiterkategorie leidet seit Monaten an Arbeitslosigkeit infolge der mechanischen Ausladevorrichtungen, der sogenannten SiloS, die das Korn durch Röhren mittels Luftdruck aus dem Schiffsraum herausbefördern(„aufsaugen") und direft in die Waggons der Eisenbahn bttngen. Diese Silos existieren in Genua seit drei Jahren, aber ihre Konkurrenz wird immer drücken- der. da sie die Tarife nicht einhalten und so die Schauerleute direkt aushungern. Diese sahen heute früh, daß ein für sie bestimmter Dampfer sich bei den Silos verankert hatte. Sie gerieten dadurch in solche Erregung, daß sie die Ankerketten sprengten, die Getreide- Waggons umstürzten und anderweitige Exzesse begingen. Die trost- lose Lage der Arbeiter, die den Behörden bekannt war, ließ seit langem einen derarftgen Ausbruch befürchten. Hub Indurtrie und Ftandet Deutsche Genossenschaftsbank. Die Bedenken, die in den Kreisen der Genossenschaften vielfach die Vereinigung der Deutschen Ge- nossenschaftsbank Soergel, Parttsius u. Co. mtt der Dresdner Bank erweckt hat, haben die Genossenschaftsbank veranlaßt, sich mit einem Beruhigungs-Rundschreiben an die eingewogenen Genossenschaften zu wenden. In dem Cirkular heißt es: „Für den Anschluß der Genossenschaftsbank an die Dresdner Bank war hauptsächlich die Erwägung maßgebend, daß in der Zeit der großen Kapitalkonzenwattonen du Stellung der Mittelbanken, die wie die Deuftche Genossenschaftsbank ohne näheren Anschluß an eine der großen Bankgruppen sind, angesichts der übermächtigen Konkurrenz der großen Bankinstitute mit ihren weitverzweigten Verbindungen eine immer schwierigere wird und daß ein engerer Anschluß an eines der bestehenden großen Bankinstitute sowohl im Interesse der Akftonäre wie auch der Kundschaft liegt, vorausgesetzt, daß eine Form gefunden würde, welche die besonderen Aufgaben der Genossenschaftsbank, die dieselbe im Dienste der genossenschaftlichen Bestrebungen zu erfüllen hat, in ausreichender Weife zu wahren geeignet ist. Es ist daher bei der Vereinigtlng mit der Dresdner Bank in erster Linie darauf Rückficht genomnien worden, diesen besonderen Charakter des Instituts zu erhalten und die Funttionen desselben als Central-Kredittnstitut für die deutschen Genossenschaften auch für die Zukunft zu sichern." Dann heißt es weiter, die Dresdner Bank würde es fich zur besonderen Aufgabe machen, die Geschäfte der dem Allgemeinen Verbände angehörenden wie auch der aiißerhalb dieses Verbandes stehenden Genossenschaften in den, selben Geiste zu führen, wie dies bisher von der Deutschen Genossenschaftsbank geschehen sei: „Zu diesem Zweck wird die Dresdner Bank in Berlin und Frankfurt und eventuell auch noch an andern Orten, an denen sie Zweigniederlassungen hat oder haben wird, besondere Genossenschafts- abteilungen einrichten und sich zum Zwecke der Organisatton mit den Organen des Allgemeinen Verbandes ins Einvernehmen setzen. Bei diesen Geuossenschaftsabteilungcn wird ein Beirat von mindestens je vier Personen gebildet werden, der vorzugsweise aus geeigneten Vertretern des Allgemeinen Verbandes bestehen soll. Die Dresdner Bank wird die Ausdehnung ihres Geschäftsbetriebes auf die Pflege des Genossenschaftswesens durch eine dementsprechende Aenderung ihrer Statuten zum Ausdruck bringen und dadurch be- thätigen, daß sie diese Pflege des Genossenschaftswesens als eine ihrer dauernden Aufgaben ansieht." Deutsche Niles-Werkzeugmaschiuenfavrik, Berlin. Nach dem Ge- schäftsbericht ist der Verlust, der Ende 1902 sich auf 2 503 377 M. stellte, tm vorige« Jahre auf 3 125 893 M. angewachsen, überschreitet also jetzt die Hälfte des sich auf 6 Millionen Mark be» laufenden Aktienkapitals. Die Verwaltung schlägt deshalb vor, daß das Unternehmen eS mit der Fabrikation andrer Maschinen versucht. In dem Bericht heißt es darüber: „Wir sind zu der Ueberzcugung gekommen, daß unsre große Fabrik mit dem Bau von schweren Werkzeugmaschinen allein nicht genügend beschäftigt und bei dem niedrigen Preisstande dieses Marktes auch nicht rentabel gemacht werden kann. Wir haben uns deshalb ent» schlössen, unter voller Beibehaltung des Werkzeugmaschinenbaues im bisherigen Umfange noch weitere Fabrikattonsgeb'iete hinzuzunehmen. Die dafür notwendigen Kredite sind uns von unsren Banken be- willigt worden. Eine definitive finanzielle Rekonftruktton unsrer Gesellschaft ist für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht genommen." Die WittschaftSkrise in den Vereinigte» Staaten von Amerika. Wie völlig unberechtigt die vor einigen Wochen durch die Presse laufende Nachricht von dem Einsetzen eines neuen wirtschaftlichen Aufschwunges in der nordamerikanischen Union ist, beweisen nicht nur die erneuten Produktiouseinschränttmgen der Eisenindustrie und die weitere Abnahme des Frachtverkehrs auf den Eisen- bahnen, sondern auch die Meldungen über die zu- nehmende Beschäfttgungslosigleit des Bankgewerbes. Seit einigen Wochen entläßt eine Bank nach der andren einen Teil ihres Personals. Fast alle 1200 Bank- und Makler-Firmen in New Uork, darunter auch die Finna Morgan, suchen Ersparnisse zu niachen. Jede Woche werden von neuem zahlreiche Angestellte entlassen. Die Zahl der in den letzten 14 Tagen entlasseneu Bankbeamten wird aus 2500 angegeben. Auch die Baumwoll-Jndustrie ist ungenügend beschäftigt. In einer Versammlung der leitenden Beamten der Baumwoll-Spinnereien in Fallriver wurde beschlossen, die Löhne um 10 Prozent herabzu« setzen, uni der ausländischen Konkurrenz durch Ermäßigung der Preise für Texttlfabrikate standhalten zu können. Das Blatt„Philadelphia Ledger" meldet, daß im Garnspinnerei-Gewerbe von Philadelphia eine Stockung eingetteten ist. Tausende sind arbeitslos. Eine Herabsetzung der Löhne um 15 Prozent, wovon 20 000 Arbeiter und Arbeiterinnen betroffen werden, ist notwendig geworden. Anntolische Eisenbahn. Der Geschäftsbericht der Anatoiischen Eisenbahn-Gesellschaft, der bekannten Gründung der Deutschen Bank, weist nach der„Frankfutter Zeitung" auf die ungünstigen Ernte- Ergebnisse hin, durch die das Betriebsresultat beeinflußt wurde, so daß die Einnahme pro Kilometer auf der Stammlinie von 14 028 Fr. auf 10521 Fr., auf dem Ergänzungsnetz von 6744 Fr. auf 4945 Fr. zurück- ging. Das Gesamtergebnis wurde indessen dadurch nicht beeinträchtigt, da teils Ersparungen, teils höhere Einnahmen aus Zinsenconto und Regierungsgarantte Ersatz boten. Nach 400 000 Fr. Ueberwcisung an den Erneuerwngsfonds blieben 2 500 000 Fr.(2 352 800 Fr.) verfügbar, wovon wieder 5 Proz. Dividende vetteilt, die Reserve in üblicher Weise dotiert und 220 000 Fr.(121 057 Fr.) auf neiw Rechnung vorgetragen werden sollen. Letzte I�acbrlchten und DepcFcben, Eisenbahn-Unfall. Eschwege, 28. Mai.(W. T. B.) Amtliche Meldung. Die Nebenbahn Schwebda— Treffurt ist mit Ausnahme der Stationen Schwebda und Frieda bis auf weiteres für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Verkehr durch Umsteigen ist vorläufig nicht möglich, Grund: Beschädigung der Friedabrücke bei Frieda durch Hochwasser infolge Wolkenbruchs in der Nacht vom 27. zum 28. Mai. Die Dauer der Verkehrsstörung wird voraussichtlich acht Tage betragen. Ungarische Delegation. Budapest, 28. Mai. Höhung der Verbandsbeiträge. In der Debatte erhoben namentlich die Kaufleute und die Schuhmacher Bedenken. Die Abstimmung ergab jedoch die An nähme der Erhöhung der Beiträge. Rur acht Stimmen waren dagegen. Der Lerbandstag trat darauf in die Specialdebatte über „dir BrrbandSagitatien" ein. Dazu lag ein Antrag H artmann bor, der forderte, der Vervandstag möge sich zunächst darüber schlüssig werden, wie viel neue Beamten er anstellen wolle und wo diese domizilieren sollten. Verbandsredakteur G o l d s ch m i d t legte dem VerbandStag folgenden Antrag vor:.Für Süddeutschland mit dem Sitze in Nürnberg, Augsburg oder Mannheim und ebenso in Schlesien mit dem Sitz in Breslau ist je ein besonderer Beamter zur agitatorischen Be> arbeitung betreffender Landesteile anzustellen. Für da» Verbands� organ ist ein zweiter Redakteur anzustellen, damit dem Redakteur die gesamte allgemeine VerbandSkorreipondenz und die Vertretungen vor dem Schiedsgericht und dem Reichs-Versicherungsamt übertragen werden können. Zur Unterstützung hierbei ist eine Schreibhilfe (Stenographin) zu beschäftigen. Für die Wahrnehmung des Berliner Arbeitsnachweises und des Herbergeverkehrs ist ein Beamter anzustellen, welcher in seiner freien Zeit m der Expedition mitzuhelfen hätte." An diesen Antrag knüpfte sich eine rege Debatte. E l a v o n führt» zunächst an, daß es Thatsache sei, dah sich in den letzten Jahren im Bureau der Verbandskassierer Klein wirklich abgerackert habe. Der Airtrag sei so eigentümlicher Art, dah eS fo aussehe, als ob sich allein Goldfchmibt krank und tot gearbeitet habe. Ketzer« Düsseldorf und Jordan« Berlin wiesen darauf hin, daß durch die Annahme des Antrages die ganze Macht in Händen des BerbandSredakteurs Goldfchmidt liegen würde. DaS fei aber keines- Wegs wünschenswert. Goldschmidt erklärte darauf, daß wenn eine solche von ihm nicht beabsichtigte Auffassung vorherrsche, er sich genötigt sehe, den Antrag zurückzuziehen. Der Verbandstag kam dann zur Mstimmung über die vorliegenden Anträge betreffend die Anstellung neuer Berbandsbeamten. Abgelehnt wurde der Antrag einer ganzen Reihe schlesischer und weschreußischer OrtSvereine, zwei weitere Beamte anzustellen, da- gegen nahm der VerbandStag den Antrag de» Central« rates auf Anstellung eines vierten Beamten und einer Schreib- Hilfe(Stenographie) einstimmig an. S o m ni e r« Berlin beantragte darauf unter Zustimmung seiner Mitdelegierten von den Kaufleuten, daß diese Schreibhilfe aus den männlichen Handlungsgehilfen genommen werde. Ihm wurde allseitig widersprochen. Eine rege Debatte setzte dann noch ein, als durch den vor- liegenden Antrag der Berliner Ortsverein der Maschinenbauer, Metallarbeiter u. a.:„Den Berliner Central-ArbeitSnachweiS nach Fertigstellung deS Verbandshauses in das Verbandsbureau zu über- nehmen", die Frage des Arbeitsnachweises zur Sprache kam. Es wurde zur Sprache gebracht, man habe sich nun doch wohl übereilt entschlossen, da jetzt in der That kein Beamter des Bureau» die Leitung des Arbeitsnachweises übemehmen könne. Verbandskassierer Klein legte die Unmöglichkeit dar. den Nachweis mit dem Verbands- bureau zu vereinigen. In einem Punkte aber war man sich einig, daß der Arbeitsnachweis in das neue Verbands« hauS kommen müsse. So kam es, daß ein Antrag K ö s e r- Nürnberg(Kaufleutej einstimmige Annahme fand, eS möchte seitens des EentralratS Sorge getragen werden, daß dem Arbeitsnachweis im Verbandshaus Räume und Telephon zur Ver- fügung gestellt werden. Darauf wurde um S Uhr der VerbandStag auf Sonnabend« morgen 8 Uhr vertagt._ Soziales« Aerzte und Krankenkassen. Die Leipziger Kreishauptmannschaft arbeitet weiter nach der Kölner Methode. Sie hat einer Kommission der Distriktsärzte am Donnerstag erklärt, daß alle Distriktsärzte, die bis Freitagabend 6 Uhr nicht auf eine Uniwqndlung ihrer bisherigen Verträge in solche nach freier Arztwahl eingegangen wären, auf Grund des§ 626 des Bürgerlichen Gesetzbuches sofort entlassen würden. Der I 626 lautet: DaS Dienstverhältnis kann von jedem Teile ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Die Distriktsärzte beschlossen darauf in einer sofort zusammen« berufenen Versammlung, eS auf die Gewalt ankommen zu lassen. Zugleich beschloffen sie, der KreiShauptmannschast folgende Erklärung zu unterbreiten: Mr Endesunterzeichneten verzichten hiermit auf das Recht, ausschließlich die in unsren Distrikten wohnenden Personen, welche nach dem Statut der OrtS-Krankenkasse Anspruch auf unentgeltliche ärztliche Behandlung haben, ärztlich zu behandeln, verpflichten uns vielmehr, solche Personen in demselben Umfange zu behandeln, wie eS von feiten der seit dem 7. Mai d. I. zugelassenen Kassen- ärzte geschieht. Hieran erachten wir uns solange gebunden, als daS durch die Verordnung vom 7. Mai d. I. eingeführte System des ärztlichen Dienstes in Kraft bleibt. Gleichzeisigs erflärte eS die Versammlung al» selbstverständlich, daß alle Distriktsärzte, die ihre Unterschrift für die vorstehende Erklärung gegeben haben, eS unterlassen, die von der Kreishaupt- Mannschaft ihnen vorgelegten Vertragsentwürfe durch ihre Unter- schrtft zu vollziehen oder sonstwie zu beantworten. Diese Erklärung hat den Zweck, der KreiShauptmannschast die Handhabe des ß 626 des B. G.-B. zu nehmen. Auch der.Akttons- auSschuß für Serztesachen", dem die Führung des Kampfes gegen die Vergewaltigung der Aasse obliegt, hat sofort zu dem neuen Stande der Dinge Stellung genommen und beschlossen: Gegenüber der Drohung der Kreishauptmannschaft, die Verträge derjenigen Distriktsärzte, die sich auf eine Umwandlung th»er Verträge nicht einlassen, sofort kündigen zu wollen, erklärt der Akttonsausschuß im Namen der Leipziger Arbeiterschaft, daß für den Fall, daß die Kreishauptmannschaft ihre Drohung wahr macht, die Leipziger Arbeiterschaft hinter den betroffenen Distrikts- ärzten stehen und sofort mit der Gründung des Sanitätsvereins vorgegangen werden wird. Die Generalversammlung der Kasse, die am Freitag stattfand, lehnte die Wiedereinführung der Familienversicherung ab und erhob Protest gegen die Maßnahmen der Kreishauptmannschaft. Das neue Merkblatt der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ist nunmehr, nachdem der Vorstand verschiedene in Vorschlag gebrachte Abänderungen vorgenommen hat, erschienen. Auch in seiner neuen Gestalt wird es sich voraussichtlich ebenso wie das alte, von dem eine halbe Million Exemplare im Umlauf sind, viele Freunde erwerben. Aerzte, Krankenkassen, Landes- versicherungs-Anstalten, Vereine und Behörden können das Merk« blatt in beliebigen Posten von der Geschäftsstelle der Gesellschaft, Berlin W., Potsdamer st r. 20, beziehen. Auch Privatpersonen erhalten gegen Einsendung des Portos auf Wunsch von dort einzelne Exemplare._ Der Zunftzopf. Gegen die Aerztin Frau Dr. Lehmann in München, beiläufig die Frau unsres Parteigenossen Dr. Lehmann, war ein Strafbefehl erlassen worden, weil sie einer Frau eine Geburtshilfe geleistet hatte, ohne im Besitze der vorgeschriebenen Approbatton zu sein. Während das Schöffengericht auf die im Strafbescheid ausgesprochene Geld- strafe von 20 M. erkannte, sprach das Landgericht die Angeklagte frei, in der Erwägung, daß eine Frau, die die ärztliche Prüfung bestanden habe, überhaupt keine Hebamme im Sinne des Gesetzes sei und daher des im 8 30 II vorgesehenen Prüfungszeugnisses nicht bedürfe. Die gegen dieses Urteil eingelegte Revision des landgericht- lichen Staatsanwalts erachtete Staatsanwalt Griesmcher am Obersten Landgericht für begründet. Die Gcwerbe-Ordnung kenne keine weiblichen Geburtshelfer, die nicht Hebammen sind. Das für diese vorgeschriebene Erfordernis des Prüfungszeugnisses komme nicht in Wegfall, wenn die betreffende Frau sich Fachkenntnisse erworben hat, die das für Hebammen vorgeschriebene Matz weit übersteigen. Der Richter habe das bestehende Gesetz anzuwenden ohne Rücksicht auf dessen Zweckmäßigkeit, eme Abänderung könne nur durch einen Gesetz- gebungsakt erfolgen, der Richter dürfe niemals an die Stelle des Gesetzgebers treten. Außerdem komme in Betracht, daß die Landes- gesetzgebung ermächtigt ist, noch weitere Vorschriften in Ansehung deS PrüfungSzeugnisseS zu erlassen. Von diesem Rechte habe Bayern Gebrauch gemacht, es verlange antzerdem den Nachweis der Zu« verlässigkeit und des unbescholtenen Lebenswandels. Die Bezeichnung der Angeklagten im Urteil des Berufungsgerichtes als Aerztin sei unrichtig, da die bestandene ärztliche Prüfung nicht die Verleihung der Approbatton ersetze.— Das Oberste Landesgericht schloß sich den Ausführungen des Staateanwalts an und wies die Sache zur neuer- lichen Verhandlung und Entscheidung cm die Vorinstanz zurück. Aufs Verstehen und Können kommt es eben nicht an, nur auf den geschriebenen Zettel, den man Approbation nennt. So will es die Zunftordnung._ Die Allgemeine Bereinigung deutscher Buchhandlungsgehilfen hielt am 1. und 2. Psingstfeiertag in Berlin ihre 6. Hauptversamm- lung ab. Die Vereinigung zählt, wie wir dem Jahresbericht ent- nehmen, über 1300 Mitglieder und ist in 11 Landesvereinigungen und 63 Ortsgruppen organisiert über ganz Deutschland, Oesterreich und die Schweiz verbreitet. DaS Vermögen ihrer Kasse für Stellen- lose beträgt ca. 13 600 M. Neben der Behandlung interner Fragen, wie Ausbau deS Stellennachweises, Veranstaltung einer Berufsstatistik. Aufstellung von Mindestgehältern usw. wurde eine Resolution gefaßt, die die Anstellung von Handelsinspektoren aus dem Stande der HandlungS- gehilfen und mit derselben Vollmacht wie die Gewerbeinspektoren zur Ueberwachung der gesetzlichen Schutzvorschriften für die HandlungS- gehilfen fordert. Zum Gesetzentwurf betreffend Kaufmannsgcrichte wurde eme Resolution angenommen, welche das Inkrafttreten deS Gesetzes spätestens am 1. Januar 1905 verlangt und folgende Aenderungen an der Vorlage des Bundesrat fordert: 1. Die Errichtung von Kaufmann&jxrichten ist für das ganze Reich obligatorisch zu machen; kleinere Gemeinden können' sich durch übereinstimmende Ortsstatute zur Errichtung eines gemeinsamen KaufmannsgerichtS für ihre Bezirke vereinigen(§8 1 2). 2. Ausdehnung der Zuständigkeit der Kaufmannsgerichte auf alle kaufmännischen Angestellten ohne Unterschied des Gehalts(§4). 3. Zuständigkeit der Kaufmannsgerichte auch für Konkurrenz- klausein und Konventtonalstrasen(8 5). 4. Verbot aller privaten Schiedsverträge, durch die die Zu- ständigkeit der Kaufmannsgerichte ausgeschlossen wird(§ 6). 5. Ausdehnung des aktiven Wahlrechts auf alle HandlungS- gehilfen von Vollendung des 21. Lebensjahres ab, des passiven von Bollendung des 25. Lebensjahres ab. Die Wahl ist allgemein, unmittelbar und geheim. Die Gemeinden sind verpflichtet, Wähler- listen aufzustellen(88 H— 14). 6. Die Berufungssumme ist auf 500 M. zu erhöhen(8 15). 7. Der 8 81 des Gewerbegerichts-Gesetzes, der die Zulassung der Rechtsanwälte als Vertreter ausschließt, muß auch auf die Kaufmannsgerichte Anwendung finden(8 IS). 8. Den KaufmannSgerichten ist die Befugnis zuzusprechen, auch al» Einigungsämter zu wirken. Schließlich wurde in der Frage der PensionSversicherung der Privatangestellten noch folgender Beschluß gefaßt: Die 6. Hauptversammlung des Allgemeinen Verbandes deutscher Buchhandlungsgehilfen am 22. Mai 1904 in Berlin spricht die be- timmte Erwartung aus, daß die Reichsregierung dem ReiäMag in thunlichster Bälde eine Vorlage zugchen läßt, welche den Privat- angestellten eine AlterSpension und Hinterbliebenenversorgung ge- währleiftet. Die Versammlung war von Vertretern auS allen Teilen Deutsch- landS sowie aus der Schweiz und Oesterreich-Ungarn besucht. Am Pfingstmontag fand mit dem Vertreter der Gehilsenschaft Oester- reich-Ungarns«ine Besprechung statt behufs Kartellierung der beiden Gehilfenverbände, die eine gute Grundlage für ein gemeinsames Vorgehen zu geben verspricht._ Sorialreforme» in Frankreich. Seitdem Millerand dem Ministerium Combes von der Paria- mentstribüne herab den Vorwurf gemacht hat. es habe über den Kampf gegen den Klerikalismus die socialen Reformen ganz ver- nachlässigt, sind die nationalistischen Demagogen nicht müde ge- worden, diese Angriffe Millerands zu wiederholen und auszunützen. In einem Artikel in Jaures'„Humanite" führt nun Albert Thomas den Nachweis, daß Millerands Ausfall gegen das jetzige Mnisterium ganz ungerechtfertigt war. Nicht allein, daß die von Millcrand eingeführten Reformen erhalten und weiter ausgebaut sind, seien auch verschiedene neue Gesetze für die Arbeiterschaft er- lassen worden. Die Periode Millerand habe sich bemerkbar gemacht durch eine strengere Durchführung der Fabrik-Gesetzgipbung und damit durch eine holj« Ziffer von Bestrafungen der Unternehmer; Thomas weist zahlenmäßig nach, daß die strengere Ueberwachung der Fabrikbettiebe auch unter dem gegenwärttgen Ministerium an- dauert. Sodann führt er das Gesetz vom 11. Juli 1903 an, nach welchem die B Üimmungen über die Sicherheit der Arbeiter und die Vorschriften sanitärer und hygienischer Natur, die bis dahin nur für die industriellen Betriebe galten, auf alle Handels- und Nahrungs- mittel-, ferner auch auf allejstaatlichen Betriebe ausgedehnt wurden. Die Stellung des jetzigen Ministeriums gegenüber den Arbeiter- «rgawiationen ist nach Thomas eine viel freundlichere sewesen. Währenddem das Ministerium Waldeck-Rousseau z. B. den Neuer- und Zollbeamten die Gründung einer Organisation untersagte, habe das Ministerium Eombes in seiner Gesamtheit den Arbeiterorgani- sationen die größte Freiheit gelassen. So hat z. B. der Mprine- minister unterm 25. Oktober 1902 die Admirale, Marine- präfekten und Betriebsdirektoren angewiesen. „daß sie keinerlei Grund haben, mit den gewerk- schaftlichen Organisationen ihrer Untergebenen nicht in Perbindung zu treten". Für gewisse Beamten- kategorien verbietet das Gesetz von 1884 die Gründung von Organi- sationen; diesen aber habe die Regierung den Rat erteilt, sich das Vereinsgesetz von 1901 zu nutze zu machen, welches ihnen fast die gleichen Porteile gewährt. Thomas zählt sodann noch die ver- sclnedenen Verbesserungen auf. welche im Ressort des Krieges und des Marineministeriums vorgenommen worden sind: In den Marine- Werkstätten der achtstündige, in den Kriegswerkstätten und in der Nationaldruckerei der neunstündige Arbeitstag usw. ßeHiner partei-Hngelcgcnbcitcn* Zur Lokal-Liste. Parteigenossen! Parteigenossinnen t Achtet beim heutigen Besuch nach außerhalb genau auf die Lokal- Liste, verkehrt nur in Lokalen, welche in der Liste vom 17. April sowie in den Nachträgen verzeichnet stehen, denn nur deren Wirte geben ihre Lokalitäten der Arbeiterschaft zu Versammlungen;c. her. Ferner ersuchen wir diejenigen Gewerkschaften, Vereine, Klubs:c., welche zu ihrer diesjährigen Dampferpartie einen Dampfer von der Dampfschiffs-Reedrrei Robert Tismer, Nieder-Schöneweide (Abfahrtstelle M i ch a e l ki r ch- B r ü ck e. Stadtbahnbogen) gemietet haben, den Tag und den Ort der Partie umgehend dem Genossen Wilhelm Hinz, Prinzenstr. ük, Berlin 8. 14» mit- zuteilen. Schmargendorf. Infolge vielfacher Anfragen an uns fühlen wir uns veranlaßt, mitzuteilen, daß das SchützenhauS(Inhaber Ernst Werschke und Hans Graffunder) nicht zu Versammlungen sc. zu haben ist. Frei für die Arbeiterschaft sind nur die Lokale Wirtshaus Schmargendorf, Warnemünderstr. 6, und Restaurant Sanssouci, Ruhlaerstr. 20/21; diese beiden Lokale sind durch den Besuch zu unterstützen, die andren daselbst befindlichen aber streng z» meide». Äirkenwerder. H. Güdickes Paradies garten steht noch etzt, wie zuvor, der Arbeiterschaft zu Bersamuilungeu n. zur ierfügung. Die Lolalkommifsion. Zweiter Wahlkreis. Heute früh Vs8 Uhr findet die Flugblatt- Verbreitung von allen bekannten Stellen aus statt. Die Beteiligung aller Parteigenossen ist dringend notwendig. Der Vorstand. Achtung, sechster Wahlkreis! Montag, den 30. Mai, abends 3'/jj Uhr, finden zwei Volksversammlungen statt und zwar für den 32. Kommunal-Wahlbezirk bei Daase, Brunnenstt. 154, Referent: Reichstags-Abgeordneter Genosse Fritz gubeil, und für den 40. Kommunal-Wahlbezirk in der Norddeutschen Brauerei, Chausseestt. 53, Referent: Genosse Dr. Leo A r o n S. Tagesordnung: Vortrag über„Die socialpolitischen Aufgaben d«r Gemeinde"; Diskussion. Zu zahlreichem Besuch ladet ein DaS socialdemokrattsche Wahlkomitee. Nieder-Tchiinhausrn. Bezirk Pankow. Am Dienstag, pünkt« l i ch SV, Uhr, Versammlung bei Wenzel, Lindenstt. 43. 1. Vorttag des Genossen Dr. Maurenbrecher:„Entstehung deS Christentums." 2. Diskussion und Verschiedenes. Gäste willkommen. Schmargendorf. Die nächste Mitgliederversammlung des Wahl- vereinS findet am Dienstagabend 8'/, Uhr im Restaurant„Sans« souci" statt. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Gäste willkommen. Der Borstand. Schlnederg. Am Dienstag findet im Restaurant.MlhelmShvf", EberSstraße 80 eine Kommunalwähler-Versammlung statt. Auf der Tagesordnung steht außer einem Bortrage die Aufstellung eines Kandidaten für die am 14. Juni im 9. Bezirk statt- sindende Stadtverordneten-Ersatzwahl. Wilmersdorf. Mittwochabend 8>/, Uhr findot im VolkSgarton (Salomon), Berlmerstr. 40, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genossin Martha Tietz einen Vorttag halten wird über „Die Rückständigkeit unsreS Vereins- und Versammlungswesens". Die Genossen und Genossinnen werden gebeten zahlreich zu erscheinen und für regen Besuch zu agitteren. Die Verttauensperson. Wilhelmsruh. Am Sonntagvormittag 9'/, Uhr findet Hierselbst im Lokal Hamann, Kronprinzenstraße, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Die Genoffen erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert werden ersucht, zahlreich zu lokales. Stadtbaurat Hoffmann» Gemeindeschulbauten sind den Machern der fteisinnigen Kommunalverwaltung von Anfang an und bis auf den heutigen Tag ein AergerniS gewesen. Herr Hoffmann baut ihnen zu sckön und zu teuer— schöner und teurer, als fie es für Schulen zulassen wollen, die von den Kindern der Unbemittelten besucht werden. Da aber die Führer des Frei- sinns sich genieren, das so offen herauszusagen, so Pflegen fie ihrem Unmut über den Stadtbaurat in andrer Weise Luft zu machen. Bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit schelten sie, dah er zu langsam baue, und w diesem Punkte kann man ihnen leider nicht ganz unrecht geben. Mehrfach haben fie auch versucht, die Zweck- Mäßigkeit der Hoffmannschen Bauten in Zweifel zu ziehen, aber damit sind sie bisher noch stets hineingefallen. Herr Hoffmann hat ihnen allemal bewiesen, daß die Borwürfe unberechttgt waren. Nun kommt diesen sparwüttgen, banausischen Nörglern Hilfe von einer Seite, die ernstere Beachtung verdient Die. Pädagogisch« Zeitung", da» Organ der hiesigen Gemeindeschullehrer, stellt die Behauptung auf, daß eS in manchen der Hoffmannschen Schul» bauten an Licht und Luftsehle.daß im Winter bis in den Mttag hinein Gas gebrannt werden müsse, daß manche Fenster nur oben zu öffnen seien, was die Lüftung erschwere, daß durch diese Mißstände der Schulbetrieb beeinträchttgt werde und die Gesundheit der Lehrer und Kinder gefährdet erscheine. Man müsse fragen, ob der Erbauer überhaupt an Zweckmäßigkeit gedacht habe. Es sei zu wünschen, daß weitere Bauten dieser Art nicht errichtet würden. Wunderbar sei, daß die Schulärzte sich mit der hygienischen Unzulänglichkeit dieser Schulhäuser noch nicht beschäftigt haben. Wunderbar erscheint uns, daß diese Mängel all' den Bau- sachverständigen entgangen sein sollten, die in der Stadtverordneten- Versammlung sitzen, in die Baudeputatton hineingewählt sind, in die Ausschüsse für Bausachen delegiert werden und jeden Hoffmannschen Bauentwurf prüfen und unnachstchttg krittsteren. Es wäre besser gewesen, wenn die„Päd. Ztg." ihren schweren Vorwürfen, die jetzt von den freisinnigen Blättern Berlins wiedergegeben werden, auch die Angabe der Schulen hinzugefügt hätte, die sie dabei im Sinne hat. Man könnte dann nachprüfen, ob es sich nicht am Ende um solche Bauten handelt, deren Entwürfe Baurat Hoffmann aus den ihm aufgenötigten SparsamkeitSrücksichten so und so oft hat ändern müssen. Wir können uns nicht ganz des Gedankens erwehren, daß hinter 'diesem neuesten Feldzug gegen den Stadtbaurat ein Drahtzieher steht, der nicht in der Lehrerschaft, sondern in kommunalen Kreisen zu suchen ist An dem guten Glauben der„Päd. Ztg.* und ihres Mitarbeiters soll nicht gezweifelt werden. Aber die Ver- mutung drängt sich uns auf, daß sie ahnungslos sich dazu her- gegeben haben, einer„höheren Gewalt" als Werkzeug zu dienen. Freisinns-Heffnung für die Stadtvemdneten-Ersatzwnhl. Im 40. Kommunalwahl-Bezirk haben nun die Frei- sinnigen am Freitag in einer Kommunalwähler-Versammlung den „geni einsamen bürgerlichen Kandidaten" aufgestellt, den Maurermeister L e n tz, mit dem sie am 31. Mai den social- demokratischen Kandidaten Leo Arons zu schlagen und der Social» demokratie diesen Bezirk zu entreißen hoffen. Sie erscheinen ein bißchen spät auf dem Kampfplatz, aber von einem Redner des Abends, dem fteisinnigen Stadtverordneten Rosenow, wurde versichert, eine kurze Wahlagitation sei besser als eine lange. Herr Rosenow hat in gewissem Sinne recht. Die Freisinnigen und ihre Kandidaten ver- tragen auf die Dauer die Kritik nicht, der sie sich in einem Wahl- kämpf aussetzen müssen. Je länger die Sache dauert, desto größer ist für sie die Gefahr, auch den letzten Rest von Kredit zu verlieren, den sie bei den Wählern etwa noch haben. Diesmal tragen sie sich mit st olzeren Hoffnungen als sonst— sofern man den schwungvollen Worten glauben darf, mit denen sie am Freitag in der nur spärlich besuchten Versammlung einander Mut zusprachen. Herr Rosenow hält den Zeitpunkt dieser Ersatzwahl für besonders günstig, um die Socialdemokratie aus dem 40. Bezirk zu verdrängen. Er erwartet viel von der„Uneinig- k e i t", die seit dem Parteitag zu Dresden die Führer des Frei- sinns in den Reihen der Socialdemokratie zu erblicken meinen. Man sieht an solchem Geschwätz immer wieder, wie wenig der Freisinn das Wesen der Socialdeinokratie zu begreifen vermag. Warum die Arbciterklaffe socialdemokratisch ist und socialdemokratisch wählt, warum sie auch in der Kommunalverwaltung sorialdemokratische Anschauungen und Grundsähe zur Geltung ge> bracht wissen will, davon haben die Richter, Kopsch, Rosenow und Konsorten keine Ahnung. Ihr Vertrauen auf unsre„Uneinigkeit" ist ein kindliches Vergnügen, das man ihnen gönnen kann. Die Siegeszuversicht, mit der die Freisinnigen des 40. Bezirks in den Wahlkampf ziehen, stützt sich noch auf einen andern Umstand. Herr Rosenow wies auch darauf hin, daß die Ersatzwahl noch nach den alten Wählerlisten vorgenommen werden muß, die bereits im vorigen Sommer aufgestellt sind. Inzwischen seien viele Wähler weggezogen. Es seien darunter gewiß auch freisinnige Wähler, aber mehr noch gelte das für die Anhänger der Socialdemokratie, und bei diesen werde es besonders schwer sein, sie jetzt noch zur Beteiligung an der Wahl heranzuziehen, da sie ver« mutlich weniger leicht als die Anhänger des Freisinns nach dem Wohnungswechsel zu ermitteln sein würden. D i e s e Hoffnung ist allerdings kein kindliche? Vergnügen mehr. Es ist geradezu eine Schamlosigkeit, seine Befriedigung darüber zu äußern, daß die Be- nuhung veralteter Listen den Gegner in Nachteil bringt. Wir enipfehlen das den socialdemokratischen Wählern zur Beachtung, namentlich denen, die nach Aufstellung der Listen aus ihrem Bezirk verzogen sind. Von der Werbekraft des liberalen Gedankens scheinen sich die Freisinnigen in diesem Wahlkampf weniger zu ver- sprechen. Weder Herr Rosenow noch sein Mitreferent, der freisinnige Stadtverordnete Dinse, ließen sich darauf ein, das kommunalpolitische Programm des Liberalismus darzulegen. Sie begnügten sich, ihren Hörern zu schildern, was der Freisinn in Berlin und speciell auf dem Wedding alles geleistet habe und was alles er noch leisten werde. Im übrigen ergingen sie sich— Herr Dinse noch mehr als Herr Rosenow— in taktlosen, ungezogenen Ausfällen gegen die in der Stadtverordneten- Versammlung thätigen Socialdeniokraten sowie gegen den im 40. Bezirk als Kandidat aufgestellten Genossen Leo Arons. Als dritter Redner sprach Herr Lentz selber. Er machte, das mutz man ihin lassen, diese Kampfesweise nicht mit, sonst aber drückte er das Niveau der Versammlung noch tiefer herab. Was er vortrug, war kleinlicher Stadtviertel-Kram, wie es m den Vereinen der Hausbesitzer an der Tages- ordnung ist. So ungefähr wie Herr Lentz am Freitag als Stadtverordneten-Kandidat sprach, mag er in dem Hausbesitzer« verein sprechen, um den er sich so große Verdienste erworben hat, daß er darin schon vor Jahren zum Vorsitzenden avanciert ist. Die Debatte schloß sich würdig an. Man wußte nichts andres und nichts Besseres zu thun, als auf den Straßenhandel zu schimpfen, und Herr Lentz beteiligte sich hieran mit Eifer. Nur Herr Dinse winkte vorsichtig ab, aber auch er ließ deutlich genug durchmerken, daß der Freisinn den Straßenhändlern nicht hold ist und nur um des schlechten Eindrucks willen der Erdrosselung des Straßenhandels noch nickt zugestimmt hat. Auch diese Interessen- frage bildet ein ständiges Thema der Hausbesitzervereine, so daß ihre Erörterung allerdings in den Rahmen der Versammlung hineinpaßte. Doch mit all diesen Hausbesitzersorgen sollten Herr Lentz und seine fteisinnigen Gönner nicht vor die Kommunalwähler dritter Abteilung hintreten, unter denen es bekanntermaßen keine Hausbesitzer und auch keine Freunde der Hausbesitzer giebt. Die werkthätige Bevölkerung setzt in diesem Wahl- kämpf ihre Hoffnung auf andre Dinge als der Freistun und seine Avantgarde, die Hausbesitzer. Sie vertraut allein auf die Kraft des socialdemokratischen Gedankens, und sie weiß, daß sie unter diesem Zeichen siegen muß. Trotz aller Schwierigkeiten, die aus der Benutzung veralteter Wählerlisten uns erwachsen, trotz des Zu- sammenschlusses aller unsrer Gegner muß der Socialdemokratie nicht nur der 32.. sondern auch der 40. Bezirk erhalten bleiben. Am Dienstag muß im 40. Bezirk der socialdemokratische Kandidat Genosse Leo Arons gegen den Freisinnigen Lentz ebenso sicher gewählt werden, wie im 32. Bezirk unser Genosse Karl Leid. Der Bäckerboykott im Gesänge. Seit den Tagen der schönen Helena hat noch jeder weltbewegende Krieg seinen Sänger gefunden und darum darf auch der kritisch ver- anlagte Leser weder dem Kapital noch der Arbeit einen Vorwurf daraus machen, daß die Ereignisse des Bäckerstreiks gleichfalls im Liebe verewigt sind. Der Dichter der Berliner Bäcker-Bohkott- Lieder ist kein Neuling auf dem Gebiete der Gelegenheitspoefie; wer die roten Bierbohko'tt-Lieder von 1894 in der Erinnerung hat. weiß, daß M u c i u s Scävola die Zeit bei der Stirnlocke zu fassen versteht, und wird sich, wie immer er den poetischen Wert der neuesten Liedersammlung beurteilen mag, doch das eine geloben. daß er im Boykottieren unbewilligter Backware ebenso beharrlich sein will, wie unser mutiger Römer im Dichten. Die Gedichtsammlung hebt an mit einem Auftuf an das Volk der Arbeit: Nun stehst Du staunend, welchen Sieg Errang die Einigkeit— Und wer in diesem schweren Krieg Den Kämpfern ging zur Seit'; Man könnt' sie fteudig schauen Durch alle Straßen zieh'n, Das sind der Arbeit Frauen, Die Frauen von Berlin I Dann kommt ein humorvolles Katzenjammerlied der Jnnungsprotzen, das nach der Melodie„O Tannenbaum" zu singen ist. Ein VerS lautet daraus: O Obrigkeit, o Obrigkeit, Verbiet' das Boylottieren l Denn der Boykott, beim Donnergott, Macht uns bankrott, das ist kein Spott I O Obrigkeit, verbiet' den«treit, Verbiet' das Boykottieren! Auch der K l a g e g e s a n g des Kleinmeisters ist schon um des- willen bemerkenswert, weil er beweist, daß die dichterische Freiheit durchaus nicht immer mit den Thatsachen auf gespanntem Fuß zu stehen braucht, sondern gar bittere Wahrheiten verkünden kann, die diesmal den Jnnungsmächten gewidmet sind: Ihr führt in Streik uns und Boykott, Ihr laßt den Armen quere schreiben Und tobt, ivill er, anstatt bankrott, Die Ford'nmg g'rade unterschreiben. Ebenso spiegelt das Streikbrecherlied vom Meistersohn die Thatsachen wieder; diese biederen Jungen werden dargestellt, wie sie mit dem Geld der protzenden Väter in der Tasche gar nicht ans Arbeiten denken, sondern nach Herzenslust der Spiel- leidenschaft ftönen: Stille Nacht, Hilfteiche Nacht! Jnnungsinacht Rettung bracht'; Aus der Provinz'ne Streikbrecherschar Bietet als Fliege-Kolonne sich dar:, Meistersöhne sind da— Hoppegarten, hurra! Aber auch der Ernst des Kampfes ist im Liebe dargestellt. Das Bäckerverbandslied ruft die Gesellen, die sich endlich an- schicken, aus der Schmach eines verrotteten Bevormundungssystems heraus der Freiheit eine Gasse zu bahnen, die Größe ihres Vor- Habens ins Gedächtnis: Noch kämpft man jede Nacht mit Sorgen, Man wirkt und knetet, keucht und kriecht, Daß selbst dem Himmel jeden Morgen Schamröte steigt ins Angesicht.— Wir woll'n ein eignes Heim auf Erden, Vom ew'gen Frondienst uns beftei'n, Wir woll'n vernünft'ge Menschen sein. Nicht Spieler und Verbrecher werden! Wir backen nachts in Not Der andern„täglich Brot"— Ein kleiner Schimmer Sonnenschein Schein' auch in unsre Nacht hinein! Die für den geringen Preis von zehn Pfennig käuflichen Lieder dienen auch zur materiellen Unterstützung der Bäckergesellen, da der Reinertrag der 3000 Exemplare starken Auflage der Verbandskasse zufließen soll. Und wenn diese Lieder, was gewiß der Fall sein wird, die Berliner Arbeiterschaft im Boykott so bestärken, daß der wortbrüchige Bäcker protz die Thorheit seines verächt- lichen Handelns empfindlich zu spüren bekommt, so er- füllen auch sie ihren Zweck in dem Kulturkampf, den die Be- völkerung heute gegen den S ch m u tz der Ba ck st u b e zu führen hat. Städtische Straßenbahnen. Der Stadtverordneten-Versammlung ist eine Vorlage über den Bau von fünf elektrischen Straßenbahnen zugegangen. In der Vorlage heißt es u. a.: Infolge des Beschlusses der Stadtverordneten-Versanimlung vom 18. Oktober 1900, daß in Zukunft neue Straßenbahnlinien grundsätzlich nur für Rechnung der Stadtgemeinde gebaut und betrieben werden, bringt der Magistrat folgende fünf Straßenbahnlinien in Vorschlag. Im Norden zwei, eine vom Baltenplatz nach dem Stettiner Bahnhof mit einer Ab- zweigung nach dem Weddingplatz; und im Süden drei, von der Großgörschenstratze nach dem Dönhoffplatz, von der Kreuzbergsttaße nach dem Dönhoffplatz und vom Hermannplatz nach dem Dönhoff« platz. Eine Rentabilitätsberechnung kann nicht gegeben werden. Die nördlichen Linien werden wohl kaum durch den Wett- bewerb andrer bestehender Straßenbahnen beeinflußt. Sie führen durch Stadtteile, die erst der Bebauung erschlossen werden sollen, und schaffen keine neuen unmittelbaren Verbindungen nach dem Innern der Stadt, sondern zwischen äußeren Stadtteilen unter« einander. Diese Umstände lassen es möglich erscheinen, daß in den ersten Jahren die Erträgnisse zur Deckung der Ausgaben nicht aus- reichen werden, sondern Zuschüsse aus städtischen Mitteln geleistet werden müssen. Gleichwohl erscheint die Herstellung dieser Linien zweckmäßig. Da eine Vergebung dieser Linien an einen Unter- nehmer nicht angängig erscheint, so bleibt nur übrig, diese Linien selbst zu bauen. Der Herstellung der nördlichen Linien stehen keine Hindernisse entgegen. Die Staatsbehörden haben sich mit dem Bau dieser Linien grundsätzlich einverstanden erklärt, wäh- rend sie andre im Westen abgelehnt haben. Die drei südlichen Linien bieten günstigere Aussichten, weil sie durch dicht be« völkerte Stadtteile und nach dem Innern der Stadt führen. Es wird angenommen, daß auch ihrer staatsbehördlichen Genehmigung kein Hindernis entgegenstehen wird. Die Anträge an die Staatsbehörden sollen erst, nackdem die Stadtverordneten-Versammlung zugestimmt hat, gestellt werden. Diese drei Bahnen sind auf die Mitbenutzung vorhandener Straßenbahnen angewiesen. Die Deckung der Kosten in Höhe von rund ö>/z Millionen Mark soll im Wege der Anleihe herbeigeführt werden. Auf die nördlichen Linien sollen 2'/« Millionen Mark und auf die südlichen 3 Millionen Mark entfallen. „Wider die Pfaffenherrschaft", Kulturbilder aus den RelegionS- kämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts. DaS 7. Heft dieses neuen Lieferungswerkes, das von dem verstorbenen Genossen, Reichstags- abgeordneten Rosenow verfaßt ist, gelangt soeben zur Ausgabe. Es bringt den Schluß des 4. und den Anfang des 5. Kapitels: Welt- klerus, Zölibat und Beichtstuhl, in dem bebandelt wird: Klerus und Laien.— Die Versklavung des niederen Klerus durch die Bischöfe. — Die Priesterehe.— Kirchengut und Priesterehe.— Sittliche Verfassung des Klerus der ersten Jahrhunderte usw. Von den zahlreichen Illustrationen nennen wir: „Mönch und Beichtkind"; ferner ein Spottbild aus dem Jahre 1609 auf das unmäßige Leben der Mönche und Nonnen und«in Flugblatt aus der Resormationszeit:„Der Pfaffen Kirchweih". Ein andres Bild, ebenfalls aus der Resormationszeit, zeigt uns, wie „Mönch und Nonne in der Zelle" sich die Zeit vertreiben. Die Illustrationen sind in vorzüglicher Weise wiedergegeben und bilden das beste Mittel, die Leser mit der Kultur der damaligen Zeit vertraut zu machen. Ter Verlag bittet die Parteigenossen um thatkräftige Unter- stützung bei der Verbreitung dieses Werkes. Abonnenten können jederzeit eintreten. Bestellungen nehmen entgegen: sämtliche Austräger unsrer Parteizeitungen, die Parteikolporteure und Parteibuchhandlungen, sowie jede sonstige Buchhandlung, jede Zeitungsspedition, in Berlin auch die Parteispeditionen und der Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lmdenstr. 69. Diebstahl im Rathause. In der Nacht vom Freitag zum Sonn- abend ist eine Kasse im Rathause erbrochen und bestohlen worden. Es ist dies die Kasse, in die die Gelder für sogenannte Schulsttafen fließen. In der Kasse befand sich nur ein unbedeutender Betrag von 50 M. Von dem Thäter, der. wie es scheint, mit den Verhältnissen verttaut gewesen sein mutz, fehlt noch jede Spur. Während der Nacht werden sämtliche Kassen der Bureauräume von alten bewährten Beamten in regelmäßigen Zwischenräumen konttolliert. Bei diesen Kontrollgängen ist nichts Auffälliges bemerkt worden. Schützen in der Schützenstraße. Em gefährlicher Unfug wurde gestern in der dritten Morgenstunde von zwei jungen Burschen in der Schützenstraße verübt. Die Nachtschwärmer ergötzten sich damit, daß sie mit einem Revolver eine gute Weile Schießübungen ver- anstalteten, sehr zum Schrecken der doch sonst so ziemlich an nächt- liehen Radau gewöhnten Bewohner der Straße. Als endlich einige Schutzleute herankamen, suchten die tapferen Schützen ihr Heil in der Flucht, doch wurden sie in der Krausenstraße eingeholt. Sie thaten bei ihrer Festnahme sehr entrüstet und leugneten, die Knallerei ver- übt zu haben; es sprach für sie. daß die Schußwaffe auch nicht bei ihnen gefunden werden konnte. Als aber schließlich der vor einem Kellerfenster aufgelesene Revolver auf die Revierwache gebracht wurde, half das Lügen nicht mehr. Hoffentlich vergeht ihnen in Zukunft die Lust an Knalleffetten. Der auf dem Bahnhof Alexanderplatz infolge der Ausschreitungen zu Tode gekommene StattonSassistent Kühn wurde gestern. Sonn- abendnachmittag. auf dem Friedhofe am Krugsteae zu Lichtenberg zur letzten Ruhe bestattet. Einige tausend Personen, namentlich Eisenbahnbeamte, erlviesen ihm die letzte Ehre. Ein Bootsunglück, wobei ein junger Mann sein Leben verlor, hat sich in der Nacht zu gestern auf der Oberspree zwischen der Abtei und Stralau zugetragen. Ein mit drei Personen bemcmntes Uebungsboot des Ruderklubs„Vorwärts" befand sich gegen 11V, Uhr abends auf der Fahrt nach dem Klubhause in Stralau und wurde gegenüber der Abtei von einem Dampfer überholt. Das Boot geriet in die Wellen des Schisfes und wurde vermutlich durch die Unruhe der Insassen zum Kentern gebracht. Trotz zahlreicher Hilfe gelang es doch nur, zwei der mit den Wellen Kämpfenden dem Tode zu ent» reißen. Der dritte, der 19jährige Kaufmann D., ertrank. Eine LieveStragödie spielte sich Freitag beim Gymnasium zum Grauen Kloster ab. Am dortigen Säulengang wohnt der Schul- diener Fritz Grohmann. Bei ihm dient seit dem 1. April die 21 Jahre alte Emma T r y m p e l aus Leipzig. Dort hatte sie vor zwei Jahren den 24jährigen� Brauer Otto Sperling aus Wartenburg kennen gelernt. Sperling ist seit Januar in Berlin und arbeitet im Böhmischen Brauhause. Mitte April trafen sich die beiden zufällig in der Landsberger Allee und erneuerten die Bekannt- schaft. Am Pfingstmontag machten sie zusammen einen Ausflug nach Köpenick, wo sie einen Bruder Sperlings, einen Zimmermann, besuchten. Auf dem Heimwege stellte Sperling an seine Begleiterin, der er die Ehe versprach, ein Ansinnen, das sie bestimmt ablehnte. Da er es wiederholte, ging sie allein nach Hause. Freitagabend kurz nach 9V- Uhr erschien Sperling im Garten des Gymnasiums. Er sah das Mädchen im Säulengange stehen, ging auf sie zu und ver- langte barsch, daß sie das abgebrochene Verhältnis wieder aufnehme. Sie erklärte ihm, daß sie von einem Manne, der ihr derartige An- träge stelle, nichts wissen wolle. Auf seine Drohung: dann passiert etwas, lief das Mädchen nach dem Garten. Sperling feuerte ihm zwei Revolver schüsse nach. Beide Kugeln gingen jedoch fehl und schlugen in das Mauerwerk ein. Als die Fliehende den Garten betreten hatte, fiel ein dritter Schuh, der ihren rechten Arm streifte. Jetzt kam Prof. Fichte, der mit seiner Gattin im Lehrergarten saß, herbeigeeilt und rettete die Bedrohte nach seiner Wohnung. Pon der andren Seite eilte Grohmann und sein 16jähriger Sohn herbei. Während letzterer die Polizei holte, wollte Grohmann Sperling die Waffe, die dieser sich an den Kopf gesetzt hatte, entwinden. Es kam zu einem Ringkampf, bei dem Sperling hinfiel. Während des Ringens ging ein Schuß los. Die Kugel riß Sperling die Stirn- haut auf, ohne ihn gefährlich zu verletzen, und streifte Grohmann am Knöchelgelenk der rechten Hand. Die Polizei machte dem Ring- kämpf ein Ende, nachdem Sperling sich noch durch einen Messerstich in die Brust verwundet hatte. Revierlieutenant Gieseler nahm Sperling fest, Sanitätsrat Dr. Benicke verband die drei Verletzten. Sperling wurde als Polizeigefangener nach der Charit« gebracht. Seine Verletzungen sind nicht lebensgefährlich, die Verletzungen Grohmanns und seines Dienstmädchens sind unbedeutend. Schwere Urkundenfälschungen in mehreren Fällen hat sich der frühere Polizeiwachtmeister Bernhard S ch u l tz e zu Schulden kommen lassen. Sch. wurde von seiner vorgesetzten Behörde wegen ver- schiedener Vergehen aus deni Dienst entlassen. Er übernahm HauS- Verwaltungen und beschäftigte sich in seiner freien Zeit mit Rechts- konsulentengeschäften. In einigen Fällen hatte er für seine Kunden bei Gericht Zahlungsbefehle erwirkt; um aber zu vermeiden, daß der betreffende Schuldner Widerspruch gegen diese erhob, beantragte er nochmals den Erlaß von Zahlungsbefehlen, änderte dann die Atten- zeichen und Daten und ließ auf Grund der Duplikate dann Zwangs- Vollstreckungsmaßregeln vornehmen. Bei einigen der Schuldner er- regte dieses Verfahren doch Aufmerksamkeit, da sie gegen die er- gangenen Zahlungsbefehle Widerspruch erhoben hatten, trotzdem aber den Besuch des Gerichtsvollziehers erhielten. Sie unterbreiteten diesen so seltsamen Vorgang den Behörden und im ErmittelungS- verfahren wurde festgestellt, daß Schultz« der Urheber der Fälschungen war. Es wurde daraufhin das Strafterfahren gegen ihn eingeleitet. Sch. zog es vor, sich den hiesigen Strafbehörden nicht zu stellen, sondern flüchtete nach der Schweiz. Als sein dortiger Aufenthaltsort ermittelt worden war, wurde seine Auslieferung verlangt. Diesem Verlangen wurde auch bei der Schwere des begangenen Ver- brechens stattgegeben und Sch. wurde in das Untersuchungsgefängnis nach Moabit gebracht. Im Laufe des Untersuchungsverfahrens hat sich aber herausgestellt, daß an der Zurechnungsfähigkeit des Sch. bedenkliche Zweifel bestehen und so beantragte sein Verteidiger Rechts- anwalt Dr. Schwindt die Untersuchung des Geisteszustandes des Sch. durch einen Psychiater. Von dieser Untersuchung wird eS nun abhängen, ob Sch. wegen seiner Strasthaten wird zur Verantwortung gezogen werden können. Die Schuhwarenfirma Carl Stiller ersucht uns, zu dem in Nr. 111 gebrachten Bericht über die AuSmietung aus dem Langeschen SttftungShause ergänzend mitzuteilen, daß das HauS Jerusalemer- straße 33 V9 von ihr auf 20 Jahre mft Vorkaufsrecht gemietet worden ist. Selbstmord. In der Nackt zum 27. d. MtS. gegen 12«/« Uhr verübte auf dem Platz am Neuen Thor ein unbekannter, anscheinend dem Arbeiterstande angehörender Mann durch Erschießen mittels Revolvers Selbstmord. Der Unbekannte wurde noch lebend zur Charitö ge- bracht, verstara aber dort bald nach seiner Einlieferung. Er war circa 32 Jahre alt, 1,70 Meter groß, hatte dunkelblondes Haar, hellblonden Schnurrbart, gebogene Nase und war bekleidet mit schwarzem Kammgarnjackett, dunkel- und hellgestteifter Weste und Hose, dunkler Krawatte, schwarzen Strümpfen und Schuhen, weißem Normalhemd und Unterhose, schwarzem steifen Hut. An- gaben über die Persönlichkeit des Unbekannten werden mündlich oder schriftlich in jedem Polizeirevier oder bei der Kriminalpolizei zu J. No. 4884 IV. 27 04 erbeteu. Eine Fachausstellung des Verbandes deutscher Klempner» Innungen ist gestern in den Räumen der„Neuen Welt" in der Hasenheide eröffnet worden. Es ist die achte derarttge AuS- stellung seit 1875; die siebente wurde vor neun Jahren in Leipzig abgehalten. Damals waren 47 Leipziger Firmen und 173 aus- wärtige an der Ausstellung beteiligt, wogegen diesmal 152 Berliner Geschäfte und 83 auswärttge vertreten sind. Kann von einem Ueber« blick über die deutsche Meto ll Warenindustrie mithin auch nur bedingt die Rede sein. so ist nicht zu vergessen, daß sich namentlich in Berlin gerade die Industrie für Beleuchwngs- Wesen, für Installationen, sowie die Maschinenfabrikatton ungemein entwickelt hat und daher die Fortschritte auf den in Bettacht kommenden Gebieten ttotz der relattv geringen Beteiligung von außerhalb immerhin vor die Augen treten. Es kann hier, wo wir für das Laienpublikum und nicht ftir Fachleute schreiben, nicht aus die Einzelheiten der Ausstellung eingegangen werden. Jeder Hand» werker und Arbeiter der in Betracht kommenden Berufe wird auch ohnedies das ihn Interessierende herausfinden und daraus lemen können. Die Ausstellung von Werkzeugen, Werkstätten-Utensilien je. ist so reichhaltig, daß der Fachmann lange Stunden gebrauchen wird. um die zum beträchtlichen Teil in Betrieb vorgeführten Maschinen zu beobachten. Hervorgehoben seien ferner die von der Fachschule für Blecharbeiter und Installateure in Aue sSachsen) ausgestellten Arbeiten. An der Wandfläche der Ouergallerie befinden sich in der vorderen Hälfte die Lehrgänge der Zeichenfächer der Schule, der Uebungen im Skizzieren, in Geometrie, Schattenlehre, bautechnischem Zeichnen und eine Auswahl von Blättern aus dem Lehrgange des ProjettionszeichnenS, weiter in der hinteren Hälfte Lehrgänge von Freihand- Fachzeichnen und von freihändigem Skizzieren ver» anschaulicht. DaS größere Publikum wird sich am meisten für die jdaS B e l e u ch tungSwesen vorführende Gruppe interessieren, die ganz besonders reichhalrig ist. Alle bekannten Berliner Firmen und manche auswärtige sind hier vertreten und haben vor allem Spiritus« und Petroleuin-Glühlanipeu ausgestellt. Seit mehr als zehn Jahren bemüht sich die Belenchtungsindustrie, den Glühstrumpf mit semen großen Vorteilen auch der Masse der Bevölkerung zuzuführen, die in auf den Anschluß an ein Gasröhrennetz verzichten «mit. Und ein großer Fortschritt wäre es, wenn das helle Glüh- lichr selbst auf dem Lande Mngang finden könnte. Bisher haben v»r allem die Petroleumglühlampen den Nachteil gehabt, dich st« ungemein schwer zu regulieren waren, und ferner sind fi« sehr kostspielig dadurch geworden, daß die Strümpfe schon unter der geringen Erschütterung, die das Plazieren der Lampe auf dem Tisch mrt fich brachte, beträchtlich litten. In der Neuen Welt find zu Dutzenden Spiritus- und Petroleum-Lampen neuen Systems ausgestellt, die nach den verteilten Prospekten sämtlich alle Vorteile in fich vereinigen, die eine Glühlampe überhaupt nur zu bieten ver- mag. ohne daß sie dem Käufer durch die häßlichen Nachteile der älteren Systeme Verdruß bereiteten. Aber das Papier ist geduldig und der Anblick einer in der Ausstellung tadellos brennenden Lampe vermag auch noch nicht all und jeden von ihrer absoluten Brauch- barkeit zu überzeugen. Die Zeit muß lehren, ob das Problem einer rationellen Beleuchtung durch eines der ausgestellten„Systeme" gelöst oder seiner Lösung naher gebracht ist. Auf der Sternwart« in Treptow. Am 120. Beobachtungsabend deS Vereins von Freunden der Treptow-Sternwarte hielt Docent Franz Fürstenberg einen Vortrag über„Technik und Natur- Wissenschaften im alten Babylon", der eine starke An- ziehungskrast auf die Zuhörer ausübte. Die Bilder, welche die wichtigsten Funde der hochentwickelten Kultur der Alt-Babylonier in farbiger Ausführung wiedergaben, zählten technisch zu den voll- kommensten, die hergestellt werden können. Die Spuren früherer Drainage, Kanäle und Bewässerungsvorrichtungen zum Anbau des Weizens und andrer Kulturpflanzen zeigten, wie weit schon um das Jahr 3000 v. Chr. in Babylon Technik mid Naturwifienschaft vor- geschritten waren. Handel und ergiebige Viehzucht brachten das Land zum Wohlstand. Besonders in den Residenzen der Könige trat eine rege Bauthätigkeit zu Tage. Redner führte Königspaläste in Rekonstruktion, Sternwarten in ihren Umrissen und farbenprächtige Mosaik- und glasierte Ziegelarbeiten in Wort und Bild vor. Es fehlten nicht Bildwerke aus Alabaster, Bronze, Gold und Silber; daß von den letzteren jetzt weniger aufgefunden werden, erklärte Redner damit, daß bei den früheren Raubausgrabungen Gegen- stände aus diesen wertvollen Metallen zunächst fortgeführt wurden. Auch Gegenstände aus Glas, Porzellan, Meerschaum wie die Ver- Wendung des Asphalts und des Eisens bei der Herstellung von Werk- zeugen, sprechen für die hochentwickelte Technik der Babylonier. An die Mumiensärge der Aegypter erinnern buntfarbige Thonsärge der Babylonier, die von Erzeugnissen der Schnurbandweberei vielfach um- wickelt sind, eine Kunst, die in neuester Zeit wieder in Aufnahme kommt. Es sind dies die einzigen Reste von Webereien, die auf- gefunden wurden. Im übrigen geben uns die Keilinschriften aus- führliche Berichte über berühmte Webereien, die besonders Teppiche herstellten. Eingehend besprach der Redner die Bedeutung der Sumerer als Vorgänger der Babylonier, welche bereits als Meister in der Arithmetik und Astronomie bekannt sind; die Gradeinteilung des Kreises, die Zahl 60 als Maßeinheit ist auf sie zurückzuführen. Auf die Länge des Sekundenpendels gründete sich die babylonische Elle sowie auch das damals geltende Maß und Gewicht. Die größte Zahl der Thontafeln mit Keilinschriften lagern noch un- entziffert in den Museen. Nach dem Vortrag, der von den Hörern, die den Saal dicht gedrängt füllten, mit großem Beifall aufgenommen wurde, haben die Mitglieder und Gäste des Vereins am Monde den interessanten Halbmeeresbusen Sinus Jridum und das sogenannte Regenmeer mit dem großen Fernrohr beobachtet. Der neue Botanische Garten in Dahlem bei Steglitz ist bis auf Weiteres jeden Sonntag von nachmittags 2— 7 Uhr geöffnet. Kindern unter 10 Jahren ist der Eintritt nicht gestattet, auch ist das Betteten der Bauplätze streng verboten. k» Arbciter-Bildungsschule Berlin. Der Unterricht in Rede» Uebung für Fortgeschrittene nimmt heute früh um 10 Uhr im Saal II seinen Fortgang. Der Unterricht in N a t i o n a l- Oekonomie muß am Montag wegen Krankheit des Lehrers Max Grunwald ausfallen. Wird später nachgeholt. Huq clen Nachbarorten. Hebet das rasende Fahren der Offiziergespanne wird, wie die „Potsdamer Korrespondenz" meldet, in Potsdam schon längere Zeit sehr geklagt. Namentlich wenn es zum Bahnhof geht, sausen die Equipagen und Jagdchaisen nur so durch die Straßen. Bezeichnend für diese Unsitte ist deshalb folgendes Zeitungsinserat:„Ich ersuche den Offizier der gelben Ulanen, welcher gestern nachmittag 5 Uhr die Kreuzung der Allee- mit der Großen Weinmeisterstraße in einem Grauschimmelgespann so schnell passierte, daß mein in die Enge ge- triebener Sohn sich durch einen Sprung auf den Fußweg vor dem Ueberfahrenwerden retten, sein Fahrrad aber preisgeben mußte, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Trautmann, Major a. D. Große Weinmeistersttaße 60."— Solange die Equipagen nicht gleich den Droschken numeriert sind, wird derartigen Ungehörigketten schwer beizukommen sein. Mit dem Pankower Kirchenkonflitt beschäftigte sich die P a n k o w e r Gemeindevertretung in ihrer gestrigen Sitzung. Gegen- über der Drohung der Kirchenbehörde, ihren Geistlichen die Vor- nähme kirchlicher Handlungen in einer mit einer Urnenhalle ver- bundenen Leichenhalle zu verbieten, bleibt der Gemeinde, wie erklärt wurde, nichts übrig, als in dem Punkte nachzugeben. Dagegen erklätte Gemeindeverordneter Fabrikbesitzer Wienecke unter all- gemeinem Beifall, daß die Gemeindeverttewng nunmehr bereit sei, dem Verein für Feuerbestattung die Errichtung einer besonderen Urnenhalle auf dem Friedhof an der Schönholzer Heide zu gestatten, wenngleich der Berliner Magistrat die Hergabe eines Platzes zu diesem Zwecke der Ge- sellschaft für Feuerbestattung abgeschlagen habe. Die endgültige Be- schlutzfassung hierüber wurde bis zur nächsten Sitzung ausgesetzt. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß das Konsistorium als aufficht- führende Kirchenbehörde auch die Errichttmg einer Urnenhalle auf dem Friedhof als„Entweihung" betrachten und dagegen, unter An- drohung der kircklichen Machtmittel, Protest erheben wird. Hoffent- lich kriecht Pankow davor nicht zu Kreuze. Vermischtes. Unwetter in Süddrntschland. Aus Stuttgart wird tele- graphisch berichtet: Vorgestern find über ganz Württemberg schwere Gewitter niedergegangen, die vielfach großen Schaden angerichtet haben. Zwischen Heiloronn und Weinsberg haben die ungeheueren Wassermassen den Bahndamm auf einer Länge von 12 Meter zerstört. Aus demselben Grunde ist der Verkehr zwischen Beilstein und Heil- bronn vorläufig eingestellt. In Heilbronn selbst stand das Wasser meterhoch in den Straßen und Gärten und richtete auch in den Wein- bergen schweren Schaden an. Zwischen Tübingen und Balfingen traten große Ueberschwemmungen ein, die noch größer waren als die im Jahre 1895, bei denen 47 Personen ums Leben kamen. Dank der Kanalisatton und der Flußregulierung der Eyach ist diesmal kein Menschenleben verloren gegangen, doch verlautet, daß in Thailfingen eine Frau vermißt werde. In Unter-Kirchberg, im Oberamt Laub« heim, wurde der Schultheiß Volk am Schreibttsch vom Blitz er- schlagen. In Hartböfe bei Baustetten äscherte der Blitz einen Stall ein. In der Gegend des Bodensees ging ebenfalls ein von schwerem Hagelschlag begleitetes Gewitter nieder. In Metzkirch vernichtete ein Wolkenbruch die ganze Ernte, das Wasser lief dort in die oberen Stockwerke. Aus Stockach und Sigmaringen liegen ähnliche Nach- richten vor. In mehreren Orten in Hohenzollern und im oberen Baden haben die Blitzschläge gezündet. Auch von der Elbinger Alp wird aon einem verheerenden Wolkenbruch berichtet. Amtlich wird mitgeteilt, daß in letzter Nacht die Stattonen Thalheim, Schozach und Jlsfeld bei Heilbronn überschwemmt worden sind und dort Dammrutsche stattgefunden haben. Infolge dessen ist der Eisenbahnbetrieb zwischen Heilbronn und Beilstein bis auf weiteres eingestellt worden. Die Verkehrsstörung zwischen Heilbronn und Weinsbcrg wird bis heute abend wieder behoben sein. Auch aus allen Teilen Thüringens werden Schäden ge- meldet, die durch schwere Gewitter gestern abend und nachts an- gerichtet wurden. In Leutenberg wurden durch Blitzschlag vier Scheunen mit Futtervorräten eingeäschert. In Scheuerfeld bei Koburg wurde ein Anwefen mit Futtervorräten und Maschinen ei» Raub der Flammen. In Groß-Bartloff Kreis Heiligenstadt) wurde der Postagent Hahn auf einem Dienstgange vom Postamt zum Bahnhof vom Blitz erschlagen. In der Gegend von Lengefeld ging ein wolkenbruchartiger Regen nieder, der arge Verwüstungen an- richtete. Auf der Strecke Eschwege-Leinefelde konnte ein Zug die Fahrt nickt fortsetzen und traf heute morgen in Leinefelde ein. In der Oberförsterei Elend bei Benneckenstein im Harz schlug der Blitz in eine Köhlerhütte ein, tötete zwei Köhler und betäubte zwei andre._ (Höchen-Spielplan der ßerUner Cbeater. Königliches Opernhaus. Sonntag: Lohengnn.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Bajazzi. Cavalleria rustioana. Dienstag: Die weiße Dame. Mittwoch: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: Der Barbier von Sevilla. Freitag: Die weiße Dame. Sonnabend: Tann- hänser. Sonntag: Bajazzi. Cavalleria rusticana. Montag: Die Zauber- stöte. Neues königl. Opern- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Geisha. Sonntagabend: Die schöne Helena. Montag: Die Puppe. Dienstag: Die schöne Helena. Mittwoch: Madame Sherry. Donnerstag: Der Bettelstudent. Freitag: Die Fledermaus. Sonnabend: Die Geisha. Sonntag: Die Puppe. Montag: Boccaccio. Schiller> Theater O.(Wallner- Theater.) Sonntagnachmittag: Was Ihr wollt.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Pauline. Montag: Pauline. Dienstag und Mittwoch: Ein unbeschriebenes Blatt. Donnerstag und Freitag: Lumpacivagabundus. Sonnabend: Ein unbeschriebenes Blatt. Sonntagnachmittag: Der Talismann.(Anfang 3 Uhr.) Sonntagabend: Ein unbeschriebenes Blatt. Montag: Der Compagnon. Schiller-Tbeater kV.(Friedrich Wilhelmstädttsches Theater.) Sonntag- nachmittag: Heimat.(Ansang 3 UhrO Sonntagabend: Das Heiratsnest. Montag und DienStag: Pension Schöll». Mittwoch: Das Heiratsnest. Donnerstag und Freitag: Die Wildente. Sonnabend: Da? Heiratsnest. Sonntagnachmittag: Die Räuber.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Der Compagnon. Montag: Haus Rosenhagen. Deutsches Theater. Sonntagnachmittag: Di« versunkene Glocke. (Ansang 2Y, Uhr.) Sonntagabend: Novella dÄndrea. Montag: Rose Bernd. Dienstag: Faust. Mittwoch: Die versunkene Glocke. Donnerstag: Rose Bernd. Freitag: Die Weber. Sonnabend: Nora. Sonntagnachmittag: Monna Wanna.(Ansang 2'/, Uhr.) Sonntagabend: Der Meister. Montag: Rose Bernd. Berliner Theater. Sonntagnachmittag: Alt-Heidelberg.(Ansang 2>/, Uhr.) Sonntagabend: Der jüngste Lieutenant. Montag: Alt-Heidel- bcrg. Bon Dienstag bis Montag: Der jüngste Lieutenant. Lessing-Theater. Sonntag, Montag und Dienstag: Zapsenstteich. Mittwoch: Ein pietätloser Mensch. Das Fest des St. Matern. Die Lore. Von Donnerstag bis Montag: Zapsenstteich. Neues Theater. Sonntag und Montag: Einen Jux will er sich machen. Dienstag: Kabale und Liebe. Mittwoch: Einen Jux will er sich machen. Donnerstag: Pelleas und Mclisande. Freitag: Einen Jux will er sich machen. Sonnabend: Kabale und Liebe. Sonntag: Einen Jux will er sich machen. Montag: Kabale und Liebe. Theater des Westens. Sonntagnachmittag: Der Wildschütz.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: GaSparone. Montag: Der lusttge Krieg. Diens- tag: Die Stumme von Porttci. Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Opern- Aufführung. Sonnabend, Sonntag und Montag: Im bunten Rock, Luisen- Theater. Geschlossen. Residenz-Theater. Allabendlich: Die 300 Tage. Kleines Theater. Sonntag und Montag: Fräulein Julie. Dienstag: Nachtasyl. Mittwoch: Fräulein Julie. Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Nachtasyl. Sonntag: Der Märtyrer. Liebesträumc. Montag: Nachtasyl. Triano»- Theater. Sonntag, Montag und Dienstag: Das elfte Gebot. Der Dieb. Die übrigen Tage geschlossen. Bellc-Alliance-Theater. Allabendlich Uhr: Kam'rad Lehmann. Carl Weiff-Theater. Sonntagnachmittag: Die Zauberin am Stein. (Anfang 3 Uhr.) Sonntagabend�und Montag: Die Löwenbraut. Dienstag: Am Altar. Von Mittwoch bis Sonntag: Die Zauberin am Stein. Central< Theater. Sonntagnachmittag: Kabale und Liebe.(Ansang 3 Uhr.) Sonntagabend: Ein toller Einsall. Montag: Der Hüttenbesitzer. Dienstag: Die bezähmte Widerspenstige. Mittwoch: Ein toller Einsall. Donnerstag: Die bezähmte Widerspensttge. Freitag und Sonnabend: Der Raub der Sabincrinnen. Sonntag: Er. Madame Bonivard. Montag: Der Hüttenbesitzer. Apollo-Theater. Allabendlich: Liebesgötter. Speeialitäten. Ansang 8 Uhr, Sonntags VL Uhr. Gebr. Herrnfeld- Theater. Gastspiel der Tegernseer. Der Prozeß- hanZl.(Ansang 8 Uhr.) Passage-Theater. John Siems. Ansang S Uhr, Sonntag« 3 Uhr. Urania> Theater. Taubensttaße 48(49. Allabendlich: Die Insel Rügen. Ansang 8 Uhr. Dr. 5 des Jenen Montngsblntts" Herausgeber: Eck. Bernstein SM" erscheint Montag, den 30. Mai."MA AuS dem InKnit heben wir hervor: Leitartikel: Ein Reich aus Kündigung.— Glossen: Höhere Finanzkunst usw.— Aus denGe- h eimnissen des Reichstags. Indiskretionen von Edmund Fischer. — Gefängnis- Akten! von H. Br.— Wiedas Volk sich kleidet. Von Bello.— Hops im Ztrankenkassenwesen.— Erzählungen: Die Geschichte von der glücklichen alten Frau. Im Kessel.— Krittsche Wochenschau.— DaS Buch der Woche.— Gewerkschastlichc Wochenschau.— Sandelsnottzen.— Theater.— Lokales.— Bild: Gustav DesoetS.— edicht.— Sport.— Depeschen. Preis der Nummer 5 Pf. Die Expedition des„Sienen Hontagsblattes" Berlin SW., Schützcnstr. 14. D-s Zahnatelier von Emil Sehäfer befindet sich• nur allein Urban- Strasse 188 H, vis-k-viß der Fiohtestraese. PrSmliert auf der III. Kochkunst- Ausstellung Berlin 1904. Hahr Malzkaffee bestes Hahfungs Ceylon nnd Qenussmtftel Kafieeersah Ceylon» malzkaffee «. Kaffe« Surrooatfabrtk Äbhrsdorf-ChemnltB. Vertretung und Engros'Lager bei E. 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September dieses Jahres müssen alle Verkaufslokalitäten geräumt sein, wogegen die neuen Ersatzräume im Nebenhause Jerusalemerstrasse 38-39 In ihrem ganzen Umfange erst im nächsten Frühjahre bezogen werden können. Um dem dadurch entstehenden Platzmangel abzuhelfen, wird ein erheblicher Teil des bedeutenden Warenlagers einem grossen Ausverkauf unterstellt. Die Notwendigkeit, die Räumung zu beschleunigen, veranlasst die Firma Stiller in bezug auf billige Verkaufspreise ganz Ungewöhnliches zu bieten. Eine derart vorteilhafte Gelegenheit, sich mit billigen Schuhen u. Stiefeln zu versehen, wird nicht wieder anzutreffen sein. Der. Ausverkauf findet nur Jerusalemerstr. 40 statt. Schuhwaren haus Carl Stiller. •) Ein« hiesige Tages-Zeitung brachte ht ihrer Nr. S2t vom IS. Mai d. I. folgenden Artikel: .FSieber einiges von der„Mnsterverwaltnng". Ausgemietet— ein häßlicher Begriff, um so häßlicher, wenn eine Behörde ihre Hand dabei im Spiele hat. Ueber einen derartigen, ganl außergewöhnlichen Fall wird uns folgendes berichtet: Seit 37 Jahren befindet sich an der Ecke der Krausenstraße und des Dönhoffplahes das Geschäftslokal der bekannten Schuh- waren-Firma Carl Stiller; vor zehn Jahren mietete der In- Haber derselben Laden- und Kontorräume in dem von der städtischen Armendirektion verwalteten„Langeschcn Stiftungs- Hause", Jerusalemer Straße 40, Ecke Dönhoffplatz(Krausenstraße). Zuletzt zahlte die Firma für die von ihr gemieteten Etagen 4L ovo Mark pro Jahr, und der Vertrag lief bis t. Oktober 1904. Vor drei Jahren richtete Herr St. eine Anfrage an die Armen- direktion, ob sie geneigt sein werde, den Vertrag, evtl. zu höherer Jahresmiete, über den l. Oktober 1904 hinaus zu vcr- längepo, da er für die Außen-Fassade je. bauliche Veränderungen und Verschönerung«, vorzunehmen beabsichtigte, die sich bei kürzerer Mietsdauer nicht verlohnen würden. Die Armen- direktion(gez. Münsterberg) antwortete, daß sie„mit Rücksicht auf die testamentarischen Bestimmungen der Stifterin" eine Ver- längerung des ic. Vertrages gegenwärtig noch nicht eintreten lassen könne;„es ist indessen anzunehmen", so heißt es weiter, „daß wir s. Zt. nicht abgeneigt sein werden, den Mietsvertrag zu verlängern, wenn Sie Ihre vertragsmäßigen Pflichten stets gewissenhaft erfüllen je." St. beruhigte sich hierbei und ließ die Arbeiten ausführen. Zwei Jahre später erfuhr er, daß das ganze Langesche Stistungshaus an einen Warenbazar auf dreißig Jahre vennietet worden sei— trotz der„testamen- tarischen Bestimmungen"! Auf eine Anfrage teilte Stadtrat Dr. Münsterberg Herrn St. mit: jenes Mietsgebot sei unter der ausdrücklichen Bedingung abgegeben, daß darüber strengstes Stillschweigen beobachtet«erde. Die Geheimniskrämerei hielt indes auch in diesem Falle m'cht langt Stich; dem es wurde bald ruchbar und heute ist es schon am Haus« zu lese»— daß ohne Vonvisscn des zehnjährigen Mieters— der denselben Mietszins bezahlt haben würde wie der künftige Mieter— die Warenhausfirma das Langesch« Stiftungshaus auf dreißig Jahre für den Mietspreis von 3« 000 Mark p.». gemietet hat! In einer Beschwerde an den Oberbürgermeister sprach nun der„Ans- gemittete" seine Entrüstung daniber aus, daß man„hinter seinem Rücken" und ohne ihm Gelegenheit zum Mitbieten zu geben, das Haus anderweit vermietet und dadurch seine geschäftliche Existenz schwer geschädigt habe. Herr Kirschner antwortete darauf ebenso ausführlich wie kühl, daß die Armendirektion gar nicht nötig habe, den alten Mieter zu bcftagen oder ihn zu den Verhaod» lungn, hinzuzuziehen: eine angeblich« Zusage, den Vertrag ver- längern zu wollen, sei ein« bloße Höftichkeits-Phrase, die einer Ab- lehnung gleichkomme.— Wir brauchen kein Wort hinzuzufügen". 1 rM.«un■ n-» IT■■ echt und echt Verschnitt LtrfL javnaica-Kum 4,50,3,10, 8,50,8,10, i,«o. RUm NO. 3 Ltr. M. 1,-, 10 Ltr. M. Glühwein-Extrakt hÄ; m' is.'?® Med. Ungarweiti«», m. Stonsdorfer vorzüglich, Ltr. m. 1,—. Deutscher Cognac angenehm, mild im Geschmack »»«»** a Literfl. M. 8,10, 8,50, 3,—. Eugen Heumann& Co. Belle-AUlance-Platz 6a, Amt IV No. 9676. Qenfhlnersfrasse 29. Neue Friedrlchstr. 21a, a. d. Königstrasse. Wilsnackerstr. 25. 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Jahrgang. dks Jotiairts" KerlSm lolMlatt. Sonutag, 29. Mai 1904. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin. 28. Mai 1904. Tom guckermarkt.— Die Zunahme deS Zuckervcrbrauchs in Deuischland.— Kuba und der amerikanische Zuckermarkt.— Rußlands Außenhandel.— Ewfuhr und Ausfuhr im Jahre 1903.— Der Anteil deS russischen Getreide. Exports am Ausfuhrhandel.— Unterernährung des russischen Bauern. Eine bemerkenswerte Preisbewegung vollzieht sich zur Zeit auf dem internationalen Zuckermarkt. Vor dem Inkrafttreten der Brüsseler Konvention, rm August vorigen Jahres, stellten sich die Preise für Siüben-Rohzucker auf dem Hamburger Exportinarkt nur auf ca. 12 M. pro 100 Kilogramm. Da§ Bestreben der Zucker- Produzenten und-Rnffineure der Zuckerproduktionsländer, vor dem 1. September, dem Geltungsbeginn der Konventionsbestimmungen, noch schnell die Vorräte nach auswärts abzustoßen, führte natur- gemäß zu einem gewaltigen Preisdruck. Mit der Anpassung des Exports an die neuen Verhältnisse und der Abnahme der Vorräte auf den Stapelplätzen der hauptsächlichsten Konsumländer trat indes alsbald wieder eine Steigerung der Zuckerpreise ein; zu Anfang März stellte sich der Exportpreis des Hamburger Marktes auf circa 10 M. pro 100 Kilogramm für Lieferungsware, Anfang April auf über 17 M., und seitdem hat der Preis sich dermaßen empor- geschlängelt, daß er in den letzten Tagen den hohen Stand von circa 19 M. erreichte. Teils ist diese Preissteigerung die natürliche Folge der durch die Konvention verschobenen internationalen Marktverhältnisse, teils die Folge eines voraussichtlichen Zurückbleibens der Ernte der- schiedener Rohzucker produzierender Länder hinter den Erwartungen. Daß die Weltmarktpreise auf dem niedrigen Stand, den sie vor dem Inkrafttreten der Konventionsbestimmungen einnahmen, be- harren würden, war von vornherein unwahrscheinlich; konnten auch verschiedene der Rübenzucker exportierenden Länder Europas, darunter besonders Deutschland, nach dem Wegfall der Exportprämien zunächst auf einen Rückgang der Ausfuhr rechnen, so war andrerseits infolge der Verbilligung der Zuckerpreise doch eine so beträchtliche Zunahme des Eigenkonsums dieser Länder zu erwarten, daß die von den Agrariern prophezeite starke Produktionsabnahme und weiteren Preisfälle als inhaltslose Phantastereien erschienen. Thatsächlich ist denn auch in fast allen europäischen Zuckerexport- ländern als Folge der Preisermäßigungen eine beträchtliche Verbrauchs- zunähme eingetreten, wenn sich diese auch ziffernmäßig meist noch nicht genau feststellen läßt. Deutschland hat z. B. zwar vom Sep- tember vorigen Jahres, nach Inkrafttreten der in Brüssel vereinbarten Bestimmungen, bis Ende März dieses Jahres nur 4 880 001 Doppel- centner Rohzucker(Raffinade zc. auf Rohzucker reduziert) ausgeführt gegen 5409 IM Doppelcentner im selben Zeitraum der Jahre 1902/03; dagegen sind aber für den JnlandSkonsum 0 094 349 gegen 4 820 319 Doppelcentner zur Ablieferung gelangt, so daß der Mehr- verbrauch im Jnlande 1805 030 Doppelcentner bettägt. ES ist also für jenen Zeitraum von sieben Monaten der Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung, wenn man annimmt, daß diese von 1902 bis.1903 sich in gleichem Verhältnis vermehrt hat, wie im voraufgegangenen Jahrzehnt, von 16,00 auf 22.70 Pfund gestiegen: eine so schnelle Zunahme, wie sie nur wenige beim Abschluß der Konventton er» wartet haben. Zu dieser Konsumsteigerung kommt eine vermehrte Nachftage Englands, dessen Importeure im Winter nur eben den Bedarf ge- deckt haben, da man ziemlich sicher auf eine Ermäßigung deS Zucker- zolles rechnete, die nun aber, nachdem die Zollherabsetzung aus- geblieben ist, größere Einkäufe vornehmen; und schließlich als drittes Moment die trüben Ernte- Aussichten auf Kuba. Bekanntlich versorgte Deutschland ftüher die Vereinigten Staaten von Amerika zu einem großen Teil mit Zucker. Seitdem aber Kuba, wenn auch nominell selbständig, thatsächlich in den Besitz der Union übergegangen und dessen Zuckerexporthandel fast ganz in die Hände von Uankee-Kapitalisten gelangt ist, hat der kubanische Rohrzucker den ohnehin durch die von der amenkanischen Regierung eingeführten früheren Prämien-AusgleichSzölle in seiner Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigten deutschen Rübenzucker mehr und mehr vom amerikanischen Markt verdrängt. Deutschland führte zum Beispiel 1897- 370 280, 1898--- 219 510, 1899--- 184 510, 1900— 353 980 Tonnen Zucker aus, dagegen stellte sich im Jahre 1901 die Ausfuhr von deutschem Zucker nach dem Bereinigten Staatcn-Gebiet nur noch auf 122 999 Tonnen, im Jahre 1902 auf 80 797 Tonnen, und im letzten Jahre sank die Ausfuhr aar auf daS geringe Quantum von 2825 Tonnen. Kuba ist zum Zuckerlieferanten der nordamerikanischen Union geworden; aber seine Produktton vermag in diesem Jahre voraussichtlich den Ansprüchen des amerikanischen Marktes nicht entfernt zu genügen, da die Sachverständigen die zu erwartende kubanische Zuckerernte nur auf 1,05 bis 1,15 Millionen Tonnen einschätzen. Die Folge war. da außerdem die in der Union lagernden Vorräte bedeutend abgenommen haben, daß an den amerikanischen Marktplätzen die Preise stark anzogen und von dort aus die Hausse dann auch auf die englischen und die europäisch- konttnentalen Zuckermärkte übergriff. Wie immer in solchen Fällen half dabei die Spekulatton dem Preisaufstieg gründlich nach und zwar nicht nur auf den amerikanischen Märkten, sondern auch in Hamburg, wo am letzten Mittwoch, obgleich die Schätzungsmeldungen sich � verschlechterten. plötzlich innerhalb einer viertel Stunde die Preise für nächste Termine beträchtlich abfielen— nur weil ein Teil der Spekulanten glaubte, die schlechten Meldungen als gute Gelegenheit zur Realisation ihrer Gewinne be- nutzen zu dürfen. Rußlands wirtschaftliche Lage beansprucht heute, wo eS in Ostasien mit Japan um die Herrschaft ringt, vermehrtes Interesse. Einen interessanten Beittag zu diesem Kapitel liefert ein jüngst vom deutschen Generalkonsulat m St. Petersburg erstatteter Bericht über den auswärtigen Handel Rußlands im letzten Jahr. Nach der Zu- sammenstellung diese» Berichts bewertete sich die Gesamteinfuhr Rußlands über die europäische Grenze im Jahre 1908 auf 001,5 Millionen Rubel gegen 527,1 Millionen im Vorjahr und 532,9 Mllionen iin Jahre 1901. Diese Zunahme ist— so heißt es in dem Bencht— im wesentlichen mit der im verfloffenen Jahre eingettetenen all- gen, einen Befferung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Rußland zu erklären. Immerhin wiesen nur wenige Artikel gegen das Borjahr erheblich höhere Einfuhrziffern auf. Zu diesen gehörten gesalzene und geräucherte Heringe, deren Importwert von 9.8 Millionen im Vorjahre auf 14,8 Millionen Rubel stieg, ferner Rauchwaren, von denen um etwa 2 Millionen Rubel mehr eingeführt wurden. Die größte Steigerung zeigte die Einftihr landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte: sie belief sich im Jahre 1903 auf 25 304 000 Rubel (1902 13 218 000 und 1901 15 807 000). Dagegen zeigte sich eine beträchtliche Abnahme der Einfuhr im der- flossenen Jahr insbesondere bei den Maschinen(außer den landwirt- fchastlichen). Im Jahre 1903 wurden an Maschinen auS Eisen und Stahl 3,9 Millionen Pud im Werte von 34,8 Millionen Rubel ein- geführt, während in der dreijährigen Periode 1900 bis 1902. die den Höhepunkt der industriellen KrisiS im Jahre 1901 mit umfaßt, der Durchschnitt 5 Millionen Pud im Werte von 44,2 Millionen Rubel betrug. An der Gesamteinfuhr waren die hauptsächlichstenLänder folgender- maßen beteiligt: 1S0S 1902 1901 ... v„ Wert in 1000 Rubel Deutschland........ 235704 204472 208823 Großbritannien...... 111959 99 080 102 913 Vereinigte Staaten von Ainerita 02 502 38 438 34111 Frankreich........ 28 082 26 732 27 666 Oesterreich-Ungarn..... 27 850 23 910 24 858 Finnland......... 22606 22 682 22032. An der Steigerung der Einfuhr 1903 sind mit Ausnahme von Holland, Belgien, der Schweiz, der Türkei und China alle Länder beteiligt. Die' sehr starke Steigerung der nordamerikanifchen Einfuhr wird in der Hauptsache durch die erhöhte Bauiuw olleinfuhr erklärt; letztere Einfuhr betrug aus den Vereinigten Staaten 1901: 4,5 Millionen Pud im Werte von 24,2 Millionen Rubel, 1902: 4,7 Millionen Pud im Werte voll 20,3 Millionen Rubel und 1903: 0,1 Millionen Pud im Werte von 47 Millionen Rubel. Es crgiebt sich aber auch, wenn man die Baumwolleinfuhr abzieht, für den Rest des amerikanischen Importes eine beträchtliche Zunahme, iind zwar um etlva 3 Millionen Rubel gegen das Vorjahr, die zum großen Teil auf landwirtschaftliche Maschinen enlsällt. Die Steigerung der deutschen Einfuhr entfällt vornehmlich auf Rohstoffe und Halbfabrikate, die der russischen Industrie als Ver- arbeitungsmaterial dienen und größtenteils nicht deutschen Ursprungs, sondern nur Gegenstand des deutschen Handels sind, wie z. B. Gummi, Gerbstoffe, Zinn, Blei, Rohbaumwolle, bei der der Zuwachs gegen 1902 allein über 12'/» Millionen Rubel ausmacht, Jute, Roh- wolle usw. Was Jndustriefabrikate anbetrifft, so hat eigentlich nur die Einfuhr von Maschinen anS Eisen und Stahl, die in 1903 einen Wert von 17,7 gegen 15,1 Millionen Rubel im Jahre 1902 erreichte, nennenswert zugenommen. Rußlands Gesamiausfuhr über die europäische Grenze erreichte 1903 einen Wert von 949,3 Millionen Rubel gegen 826,4 Millionen im Jahre 1902 und 729,8 Millionen im Jahre 1901; sie ist also gegen 1902 um 123,9 Millionen und gegen 1901 sogar um 219,6 Millionen gestiegen. Beteiligt lvaren an diesem Export: 1903 1902 1901 Wert in 1000 Rubel Deutschland.... 232444 203129 178850 Großbritannien... 213 023 189 047 150 751 Niederlande.... 100985 103099 84089 Frankreich..... 75 913 55 143 61 222 Italien...... 56 725 48 899 37 751 Finnland..... 46 628 38 030 38 699 Belgien..... 43 454 28 524 21 188 Oesterreich-Ungarn.. 37 020 35 015 30 217 Vereinigte Staaten von Nordamerika... 5 304 4 374 4 009 Wie in früheren Jahren, so entfiel auch im verflossenen Jahre mehr als die Hälfte der gesamten AuSstihr auf Getreide, wie aus nachstehender Zusammenstellung ersichtlich ist: 1903 1902 Menge Wert Menge Wert 1000 Pud 1000 Rubel 1000 Pud 1000 Rubel Weizen.... 254 834 218 288 180 029 102 212 Roggen.... 82 220 50 737 98 220 09 907 Gerste..... 145 483 86 376 104 139 64 162 Hafer..... 59 479 40 702 63 314 49 795 MaiS..... 89 308 22 661 68 469 41 937 Weizenmehl... 4 686 7 794 3 158 5 177 Roggenmehl.. 10 731 10102 10 033 9 526 Kleie..... 36 867 18 920 29 888 14 912 Sonstiges Getteide 17 487 16 052 15 920 14 618 Zusammen.. 650 595 477 681 579 160 432 246 Von den wichttgeren Getteidesorten gingen nach Deutschland: Weizen 12,50 Mllionen Rubel(1902 10,64), Roggen 15,33 Millionen Rubel(1902 24,17), Gerste 33.54 Millionen Rubel(1902 22,78), Hafer 5,28 Millionen Rubel(1902 4,90). Auch die andre kleinere Hälfte der russischen Ausfuhr besteht größtenteils au» Landbauprodukten. Was aber den russischen Export in diesen Erzeugnissen wie auch in Getreide charakterisiert, ist die Thatsache, daß die meisten dieser Produkte keineswegs in Rußland im Ueberfluß vorhanden sind, wenigstens nicht im Verhältnis zur Kopfzahl seiner Bevölkerung. Würde die russische Bevölkerung m gleichem Maße Getteide, Fleisch usw. konsumieren wie die mittel- und westeuropäischeil Kulturländer, so würde Rußland nur äußerst wenig exportteren können. Aber der auf ihm lastende Steuerdruck zwingt den russischen Bauern zu hungern und von den geernteten Boden- Produkten so viel zu verkaufen, als er nur irgend vermag. _ Tat Hue der Frauenbewegung. Neu-Weißensee. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiter- klaffe. Montag, 30. Mai, abend» 8>/z Uhr, im Lokal de» Herrn Ullrich, Rölkestr. 20: Generalversammlung. Vorher: Vorttag der Frau Dr. Hofmann. Der wichtigen Tagesordnung wegen werden die Mtglieder ersucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Mit- gliedsbuch legitimiert. Der Borstand. Versammlungen. Buchbinder-Berband. Die am Donnerstag abgehaltene außer- ordentliche Generalversammlung der Zahlstelle Berlin beschloß, den streikenden dänischen Buchbindern 200 M., den Berliner Vergoldern 200 M. und den Berliner Bäckern 100 M. zu überweisen. Dann erfolgte die Aufstellung der Kandidaten für die am 11. Juni statt- findende Wahl der Delegierten zum Verbandstage. Nachdem diese Angelegenheit erledigt war, erstattete Brückner den Geschäfts- bericht de» Vorstandes für da» 1. Quartal. ES wurden abgehalten: 1 Generalversammlung. 2 Mitgliederversammlungen, 10 Ver- waltungssitzungen, 1 kombinierte Verwaltungssitzung. Mit acht Firmen der verschiedenen Branchen wurde wegen«ingetretener Differenzen verhandelt und diese zum grüßten Teil zu Gunsten der beteiligten Kollegen erledigt. Die Angelegenheiten der einzelnen im Verbände vertretenen Branchen fanden ihre Eeledigung in einer großen Zahl von Branchen- und Werkstuben-Versammlungen. Für die Albumarbeiter ist die neunstündige, für die Ewi-Arbeiter die englische Arbeitszeit eingeführt. Die Zahlstelle hatte am Schluß des 1. Quartals 2070 männlich«, 2403 weibliche, zusammen 6073 Mitglieder; das ist gegen das vorhergehende Quartal eine Zu- nähme von 205.— Auf Antrag der Ortsverwaltung genehmigte die Versammlung eine Ausgabe von 30 M. für eine Hilfskraft, welche im verfloffenen Quartal mit der Erledigung außerordentlicher Arbeiten beschäftigt wurde.— Die Bibliothek wurde, wie die Verwaltung der- selben berichtete, 816 mal von männlichen, 220 mal von weiblichen Mitgliedern benutzt.— Im Arbeitsnachweis ließen sich eintragen 337 männliche, 552 weibliche Mitglieder. Verlangt wurden 356 männliche, 359 weibliche Arbeitskräfte. Besetzt wurden 231 Stellen für männliche, 529 für weibliche Arbeitskräfte. Die Arbeitsvcrmittelung hat gegen das vorige Jahr einen erfreulichen Aufschwung genommen. Zur Zeit ist die Konjunktur so günstig, daß gelernte Arbeiterinnen in den letzten Wochen gar nicht als Arbeitsuchende gemeldet waren.— Nachdem die Versammlung noch einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt hatte, wurde die Beratung der Anträge zum Vcrbandstage wegen der vorgerückten Zeit vertagt. Die organisierten Schlächtcrgesellen hielten Mittwoch, den 25. Mai. bei Patt. Dragonerstr. 15. eine gut besuchte Versammlung ab. Da» Referat zu Punkt 1:„Der Nutzen regulärer Arbeits- Verhältnisse", hatte der Reichstags-Abgeordnete Alwin Körsten übernommen, war jedoch verhindert, zu erscheinen. An dessen Stelle sprach daher Schneider(Bäcker) über die bisherigen Er- folge des Berliner Bäckerstreiks. Der Referent schilderte in seinen Ausführungen die Entstehung der Lohnbewegung, deren Verlauf sowie die Erfolge, und kam zu dem Schluß, daß nur eine starke Organisation und die Hilfe des Publikums einen solchen Sieg er- möglicht habe, und empfahl den Schlächtern, sich hier ein Beispiel zu nehmen und sich Rann für Mann der Organisation anzuschließen. Reicher Beifall lohnte den Referenten für seine Ausführungen. Die Diskussion gestaltete sich sehr lebhaft. Kollege K e s l i n k e führte aus: Wie traurig es in unserm Beruf aussieht, das beweisen die Artikel in der Meisterpresse über die Veruntrenimgen, welche die Ge- sellen an dem Eigentum der Meister begehen. Man müsse zwar die Gesellen verurteilen, aber die unendlich lange Arbeitszeit, dann die Stellcnvermittler, die den Kollegen den letzten Pfennig ans der Tasche holten, sind wohl nur die Ursachen, welche so oft die Kollegen zu solchen traurigen Handlungen verleiten. Aber auch auf diesem Ge- biete ließe sich nur Wandel schaffen, wenn die Organisation der Fleischer alle Kollegen in sich vereinige. Mehrere Kollegen sprachen im Sinne der Vorredner und ernteten reichen Beifall. Hierauf wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die heute in Patts Vereinshaus tagende Versammlung der Schlächtcrgesellen beauftragt den Vorstand der Berliner Lokal-Ver- waltung, in eine größere Agitation für Berlin und Umgegend ein- zutreten. Ferner Anfang Juni eine öffentliche Versammlung ein- zuberufen, zu welcher der Geselleuausschuß sowie sämtliche Borstände der Gesellenvcreinc und deren Mitglieder eingeladen werden sollen, um über die zum Herbst an die Meister zu stellenden Forderungen zu beraten. Kollege K e s l i n k e berichtet dann über die in letzter Zeit in den Bororten betriebene Agitation und bemerkt hierzu, daß auch unter den dortigen Kollegen große Begeisterung für eine Lohnbeweguirg herrscht und sich die Kollegen in den. Verband aufnehmen ließen. An der Vcrsammlmrg nahmen gegen 300 Schlächtergesellen teil. Allgemeine Familien-Sterbekoise. Heute Zahltag: Ailersttaße 123 bei Dicke und Marianncnstr. 48 bei Liebchcnschcl van 3—6 Uhr. Arbeiter> Samariterkolonne. Morgen, Montag, abends 9 Uhr: Fortsetzung des Kursus in der Filiale Brunnenstraße 164. Vortrag über Physiologie(Lebensthättgkcit de? menschlichen Körpers). Teilnehmer können noch eintreten. Einschreibegeld sowie Monatsbeittag 2b Ps. Bibliothek steht zur Verlüguug.— Heute nachmittag Ausflug nach Johannisthal. Tresspunlt 3 Uhr im Restaurant Senstleben. Briefhaftcn der Rcdahtion. Fischerstrasie.(sechandlung.) Ja, cS ist so. Natürlich zahlt sie die Zinsen heraus.— stark beteiligt bei Vermittelung derartiger Geschäste im Reich, im preußischen Staat und in größeren Kommunen.— Für freund- liche Zusendung von„Artikel 29 der Reichsverjassung" des Edlen v. Minnige- rode verbindlichen Dank. St. W. 60. 1. Kosaken auch Kasaken. Besonderer russischer Heere»- verband neben der„millionenköpfigen" Hauptarmee. Aus dem geduldigen Papier steht eine Kosakenarmee mit schwacher Infanterie, mäßig starker Artillerie und sehr starker Reiterei von etwa 300 OON Mann.— Ein riesiger Schwindel, da die Russen in Ostasien insgesamt höchstens 200 000 Mann bisher aufzustellen vermochten. 2. Es handelt sich da um ein schön- säroettsche» Wort, um eine Spekulation auf das Mitleid und die Dummheit der Menschen zugleich. Der gute Mann ist so wellig ein Gefangener wie Sie selbst.— Die Feindschaft datiert seit der Anektion deS Kirchenstaates und der Einheit Italiens. — W. B. F. Das erfahren Sic im Bureau für Rundreifen am Alexander- platz oder auf dem Anhalter oder Potsdamer Bahnhof.— 090. Bemühen Sie sich auf das nächstbeste Postamt, ersuchen Sie um das Kursbuch und schlagen Sie freundlichst selbst nach.— K. C.,>». T-., P. R. und F. F. Wie unmittelbar vorher unter Chiffre 999.— 13. Lenz. ES ist kein Mai ein folcher Wicht,— Er bringt uns Blüt' und Licht. ojirnftilcber Cell. Dt« jiirlfttfih« Sprechstunde findet täglich mlt Ausnahme de» Sonnabend» von?>/, bis»:/, Uhr abends statt,«eoffnet: 7 Nbr. Terror. ES genügt, wenn Sie den Auszug einreichen und sich auf das Zeugnis der Arbeitgeber berufen.— Das elfte Gebot. Hieraus: Dct DlCb. «. • tlUUWlIW 1 liwiltvl• Direktion: Robert Dill, Brannen.tra.se 10. Täglich: X Theater und Specialititen. X Ansang: Wochentags 6 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Entree 30 Ps. Kasseeküche von'i Uhr ab geöffnet. Donnerstag, Sonnabend u. Sonntag: Groher Ball. Bei schlechtem Wetter: Vorstellung im Saal. Xönigstaüt-Ztssino Holzmarktstt. 72, Ecke Aleranderstratze. Täglich im herrlichen Naturgarten: Neu! Caspar! l-eopard. Austreten v. Carl Stephan, die sesche Nanon, Hermann Hempel, Geschw. Lederer, C. u. E. Bernhardh, Rose Brandt. Dr.?aust5 Deistererscheinungen. Zum Schluß: In» Hochwald. Licderspiel in 1 Akt. Ans. WochenL 8 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Danaqe-TIieateT. Anf. naohm 5, abends 8 Uhr. John Siems Karten- und Münztnmanipulator. 14 erstklassige Nummern. Bernhard Bose-Theater Gesundbrunnen. Badstr. 58. Täglich: Die Toctiter des Deimpelteiirten. SensationS-Ausstattungsstuck mit Gesang u. Tanz in 7 Bildern v. Fritsche. Außerdem das Atttakttonsprogramm Psiit Coradini. X Loro-Öiiartett Renello Boines Trouppe, die Könige der Lust. DIR Ansang 4 Uhr. Saale: Ball. Entree 30, numerierter Platz 50 Ps. Oer phänomenale Riesenknabe 16 Jahre alt, 217 cm hoch. Aga, die schwebende Jungfrau. Th�arer Kass�ijEnAlke7'9 Täglich: Goldene Herzen. Pantom.: Im Nachtasyl. Harris, Krastjongleur. The Jarrey.— Ulpts.— Langte. Ball, Konzert, Specialität. Ansang 4 Uhr. Einir. 30 Ps. Num. PI. 50 Ps. Tnrloiofio Spanische Sängerin I UllaJdUd und Tänzerin. De Vry's Phantasmagorien. Hansi Reichsberg Gebrüder Schwarz Parodisten. Kiners Moulin Equilibrist. Scene. De BTohry Pariser Sängerin. Die Blumenkönigin Tanzdiverussem. Die liVotperts Akrobaten. Robinson Baker-Trio»M-e-,. Paul Conelias"sä- Biograph. Pas de deux Sgra. Cavini u. Sgr. Cerutti. Reichs hallen Täglich: fötzowstr. tlt/112. T&gllch in» Garten oder Saal: Vorsts Korddeutsche Kumoristen und QuartettsSänger. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. von» haben Gültigkeit. Schweizer-Giirten Am Königsthor. Am Friedrichshaiu. Täglich: Theater- und tc Volksbelustigungen. Im Saale: B Ahh. Zum Schluß: Ein falsches Lokal. Große Gesangsposse mit Tanz. Euttee 30 Ps. Kcnzsrl- Gärten SW.Kreuzberg8t.48 Jeden Sonntag: Gr.Frej-KclnertuKaD/K Uaniaav' Sichlers Quartett- Sänger MOniagS. u. Humoristen. Ans. 8 Uhr. Nachher: Kränzchen. 1575b Gefellfchaftshans Jnh.: Richard Felsch RixdorO Kuesebeckstraste 48/49. Heute Sonntag, den 29. Mai: Gr. Theater- u. Speciaiitäten-Verstelig. Im Saal: Familien-Kränzchen. Ansang des Kränzchens 4 Uhr, der Vor- stellung 5 Uhr. Entree 20 Ps. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 2 Uhr ab zur Verfügung. �«ei elegante Kegelbahnen. NB. Saal, Garten u. Vereinszimmer stehen den Gewerkjchasten u. Vereinen zur Verfügung._ Der Wirt. Sanssouci. Koitbuser Thor— Stat. der Hochbahn. Täglich im Garten: lloklmanas �orddeutsede 8anxer. Sonntag, Montag, Donnerstag: Nach der Soiree: Tanz. _ Wochentags haben Vorzugskarten, auch die zu den Theater- abenden ausgegebenen, Gültigkeit. Cstdatm-Parh. Am KDstrinerplatz. Rüdersdorferst. 71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Kottzert, Tlseater und Specialitiiten- Korstellmtg. üGermaniaPrachtsälel Arnold Scholz. O Chausseeftt. 103. Chaufseestr. 103.I Jeden Sonntag:"3hli J Crosser Ball i bei stark besetztem Orchester.£ Ansang 5 Uhr.• ßsai» KURFÜRSTEN DAMM I2A« Jnh: Bernhard Moffmann Täglich Grosses Concert des Berliner TonhünstlerOrctiesfers Oi�«ar>Qvt!«y Oeunaii� Urania. Wrangelstrasse 10/11. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. Empfehle mein Lokal zu Fest. lichkeiten und Versammlungen. 4699L» C. F. Walter. Alhambra Wallnertheater-Str. 16. Jeden Sonntag: Sm" Großer Gxtra-Ball.-HW Enlree inkl. Tanz: Herren 50 Pst. Damen 25 Ps. Ans. 5 Uhr. Empfehle mein Lokal für Vereine und Versammlungen. 4700L» A. Zameltat. SeWosspark Obei Pberspree. (Station Nieder-Schöneweide. Jeden Sonntag, Mittwoch,, Donnerstag:» l!ro88er LMe-Sali.! Kaffvokvobv o. 2 Uhr an geöffnet.\ Ausspannung. Volksbelustigungen, aller Art. Chr. Fennel.[49122»» WMMVMMMVWR I 8eeterrll5se» l-ichteaberg, Röderstr. 8. Sonntag, den 28. Mai 1904; } S Grosses Ort-teert. j Teneraerh, Theater, p it. SpeeialiläteD- Vorstellung. In beiden Sälen; Qf. Zsll. Anfang 4 Uhr. Entree 15 Pf. : Ccmm-Ges. Alfried Walter. Wnstliche Zähne, p,Tbe" Karl Goeringer. Dentist, ki.,EivhemIurstutr.Z1,IrüherBrunnenftr. Hasenheide 108-114. fVene Welt. Jeden Sonntag: Arnold Scholz. II Cala-Speeialitäten-Vorstellnng. jl �| Huftreten von Kunftkräftcn allererktcn Ranges. Sensations-Programm!"" Im Saale: GrOSSCP BalBo Anfang 4 Uhr. Diese Vorstellungen finden täglich statt. Enttee 25 Ps. " Aax KHem's Sorainer- Theater" Hasenheide IS— 15.— Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. Die Kasseeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-Mg 2 hochelegante Kegewahnen, Würfewuden, Konditorei, Blumenstand oc. _ In den Sälen: Orosser Ball."WG Kloster-OartenT I ani Spaiidauer Schissahrtskanal, direkt am Jungfernsieg. Stadt- und Ringbahn-Stalion Bahnhos Beusselsiraße, elektrische Straßenbahn Nr. 12 Görlitzer Bahnhos— Plötzensee. grosses Äilitir-Jlonzeif.'SriiSTS'."" Sonntag: Mittwoch, den I.Juni- gro88e8 Mdkr-JrsudenM. Im Riesen- Parkett-saal: Die Kasseeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Amt 2 Nr. 2694. Rall unter Leitung des Tanzmeisters Herrn DU II MaxFnas. Groffe verdeckte Hallen. in Zwei Kegelbahnen. .....?--- BolksbelnsttgungS-Plah W. Pasteruacki 159b k iah. 1 ki. W MW» Mente's Volksgarien lledlellderg, koedersli'. 3338. 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Donnerstag, den 3. Juni, abends SVa Uhr, finden für den Zweigverein Berlin 6 grosse tHitglieder- Versammlungen in folgenden Lokalen statt: �flr Westen und Schöneberg: Für Norden I u. II, Oranienb. Vorstadt, Wedding, Moabit): Meiningerstr. 8 bei Obst. AcUerstr. 6/7 bei Kebig. Für Süd-Wsst, Süden und Süd-Ost: Für Rixdorf; Admiratstr. 18, Mrbiseber JtoJ. Sergstr. 151/152 bei 7hiel Für Ost I, Ost II und Nord-Ost: Für Charlottenburg: 6r.1tanUjurterst.117,Konigsbank 3m gr. Saal des Volkshauses. TageS-Ordnung: 143/19* Die Situation in unfrem Gewerbe, und welche Mttel und Wege sind einzuschlagen, um bessere Zustände auf den Bauten herbeizuführen? HM" Hltgliedsbächer werden abgestempelt. Der Zweigvereins-Borstand. _ I. A.: E. Thons. Inunbinftrumenten- Arbeiter I Montag, den 30. M a i 1904, abends SVa Uhr, im Gewerksch aftshause, Engel-Ufer lo(großer Saal): wm- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bortrag über: Gewerblicher Gesundheitsschutz. Referent: Reichötags-Abgeordneter Genosse H. Molkcnbnhp. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Bei der aufterordentlichen Wichtigkeit des Bortrages liegt es im Interesse aller Kollegen und Kolleginnen, in dieser Bersammlnng zu erscheinen. 34/14 Die Branchonkommissioii. Verein für frauen u« JUadchen der Arbeiterklasse. Montag, den 30. Mai, abends 8Vs Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstrahe 20: Vortrag des flemi Dr. Paul Christeller über: „Frauenkrankheiten66. 55/12 Frauen als Gäste willkommen. Vvr Vorstand. III Bureau: SO., Engel-Ufer 15(Gewerkschastshaus). Fernsprecher: Amt4,Nr.3578 Modell- und Fadrilltischler. Montag, de» 30. d. M.. 8'/, Uhr: Vranehen-FersaininlnnK bei biohmldt, Gartenstraste K. T a g e s- O r d n�u n g: 1. Bericht vom Verbandstag. 2. Die Situation in unsrer Branche und Werkstatt-Differenzen. 3. Branchen-AngelegenHeiten. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tages-Ordnung erwartet die Kam- Mission das Erscheinen aller Kollegen. SV Korbmacher. Montag, den 30. d. M., abends 8'/, Uhr i \r ersammlnng im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 13. Tages-Ordnung: 1. Bericht vom Verbandstag. Kollege R. Leopold. 2. Branchen-An- gelegenheiten. 3. Verschiedenes. 84/15 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Kommission. Drechsler. SsmIÜMgkrstiseker Verein im S. berliner Hmehsiap-Wahlltreise. Dienstag, den 31. Mai 1904, abends 8>/z Uhr: Versammlung im Alten Schiitzenhanse, Linienstrasse 5. Tagesordnung: 1. Berkundigung der Resultate der Stadtderordnetcnwahl. 2. Freisinnige Hcldeuthaten im Roten Hause. Referent: Stadt- verordneter Genosse Or. Weyl. 3. Diskussion. 4. Ausschluß von Mitgliedern. 5. Partei- und Vereinsmitteilungen. 236/3* Gäste willkommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Borstand. Berliner Consum-Yerein. Montag, den 30. Mai 1904, abends S'/a Uhr, im Gewerkschafts- hause, Engel-Ufer 15, Saal I: Ordentliche Delegierten-Vers ammlung. Tages-Ordnung: 1. GeschästSbericht des Verwaltungsrates, Vorlegung der Bilanz und Diskussion. 2. Genehmigung der Sparordnung. 3. Ergänzungswahlen zum Verwaltungsrat. 4. Anwäge. Diese sind in der letzten Nummer des„ffie- nossenschasts-Pionier* enthalten. 5. Verschiedenes. 108/11 Die Delegierten werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Das Genostenschafts-Bureau. O. Witzk«, Vorsitzender. Ahteilnng II, Osten. Sonntag, den 12. Juni 1904: Dampfer-partic mit JVIuöik nach Ziegenhals bei Zeuthen. Abfahrt 71l2 Uhr von der Ttralauer Brücke.»»»� Fahrkarten 1,25 M. Kinder 50 Ps. zahlreiche Betelligung erbeten. Die Abteilungsleitung. �.hteUnnK III, Ilnahtt. Am Sonnabend, den 25. Juni 1904, im„Moabiter Schützenhaus", am Spandauer Schiffahrtskanal: Sommer-fest. Konzert. ♦ Fenerwerk. Auftreten des Berliner Ulk» Trio.— Kinder-Fackelzug.— Tanz. Ansang nachmittags 4 Uhr.— Billet 30 Ps. Um zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. Sehdneberg. Dienstag, den 31. Mai, abends 8'/, Uhr. im Restaurant Wllhelmshor, Eberssir. 80: Kmimmlmhlkr-NnsaumlNg. TageS-Ordnung: 1. Die kommunalen Aufgaben Schönebergs. Referenten: Stadt- verordnete Obst und Knter. 2. Diskussion. 3. Ausstellung eines Kandidaten für den 3. Bezirk. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein 203/4 Das Wablbomltee. Dr. Schünematm Mittwoch, den 1. Juni, abends 8 Uhr: ür anrlten V ersam mlnng im„Königstadt-Kasino*, Holzmarktstraste 72, Ecke Alexandcrstraste. Tages-Ordnung: 1. Die Thättgkeit der Kommission und das Eingesandt in der„Solz- arbeiter-Zeitung". 2. Diskussion. 3. Eventuelle Neuwahl der Gesamt-Kom- Mission. 4. Branchen-AngelegenHeiten. Die Kollegen werden im eigensten Interesse ersucht, alle zu erscheinen, damit die verschiedenen Meinungen geklärt werden können. Die Kommission. Parkettleger. 1SK DienStag, den 31. Mai, abends 8 Uhr: Uranelien- Versaimnlnng im Gewerksch aftshause, Engel-Ufer 13. Tages-Ordnung ivird in der Versammlung bekannt gegeben. Die Kollegen, welche ihren Ausnahmeschein ausgefüllt haben, werden ersucht, Speeialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, SSoydolstr. 9. 1 ihr Mitgliedsbuch in der Versammlung in Empfang zu nehmen. Wochentags'1,12—'/a6—'/a8- i Um vollzähliges Erscheinen ersucht_ Die Kommisfion Achtung! Mmtvsv! Achtung! Sonnabend, den 4. Juni, in der Berliner Bockbranerei(«m Tempelh°ferBerg) Afojter % SommernacS)t$ball � veranstaltet v Centralverband der Maurer Deutschlands, unter Mitwirkung des Gesangvereins Kreuzberger Harmonie. Reigen- fahren des Arbeiter-Radfahrervereins Vorwärts. Großartige deberrarebungen!"WU Anfang 8>/z tthr. Herrenbillets a 50 Ps., Damenbillets a 30 Ps. ES ladet freundlichst ein 143/18_ Das Komitee. Rammer u. Hilfsarbeiter Kerlins und Umgegend! Mittwoch, de» 1. Juni 1904, abends 8'/, Uhr: Oeffeiiüiehe Versammlung im Lokale Bergstraste Nr. 12. TageS-Ordnung: Bericht über die Verhandlungen mit den Innungen vor dem EinigungSamt. Kollegen! Die austcrordcntlich wichtige Bersammlnng macht es Euch zur Pflicht. Mann für Man« zu erscheinen. 174/2_ I. A.: C Haufschild, Weißensee, Kronprinzenstr. 11. lichtenherg�. DienStag, den 31. Mai, abends S'/a Uhr, im Lokal von Höflich, Frankfurter Chaussee 120: Seffentliehe Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten iSebippei über:„Die verschiedenen Maßnahmen der Behörden bei Sweiks und Lohnbewegungen.* 2. Der Bäckerstreik. 1551b Die Kewerbsebartskommission.(Abt. Lichtenberg.) DM- Die ivichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen sämtlicher Lichtenberger Arbeiter._ MfaMi Kistenmacher! Montag, den 30. d. M., abends S'/s Uhr, in den„Andreas- Festsälen*, Andreasstrafte 21: Antzerordentliche Generalversammlung. Tages-Ordnung: 1. Statutenänderung(§ 16). 2. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Kollegen I Da die vorige Versammlung umständehalber nicht stattfinden konnte, erwartet zu dieser Versammlung einen zahlreichen Besuch Der Vorstand. Lrnsi � Köfttehs Konzert-Garten Ball-Salon Frietlrielislieri FranklurterCtiausseelZO JßileD Sornitai: Konzert u. Speeialitalen-Vorslellung. Mss- Im Saale; Drosser Dali. � S335L* Jeden Mittwoch: T 3. tl Z» R C U H 1 O Küche und Keller in bekannter Güte. -■ 1.3**»4.-.Vt a««. Wt? MS n fit t IljStli Hierzu ladet freimdlichst ein Ernst HOIllch. | jlstglaglg_| fSssifl-Essenz! destilliert u. Bon höchster Reinheit," " nur in belannten Originalstaschen K für 12 oder 6 Weinflaschen. T Z8pei8e-». tiWaelie-�sig Z , V. unerreiehtem Wohlgesohmaetz,? I Flasche 1 K. und 50 Fl. . Leere Flaschen iverden mit 10» 'S und 5 Ps. zurückgenommen. � I Otto Reichel, EiSÄ4.§ *» Erhältlich auch in den Nieder-% � lagen der I �„Original-Reichel-Essenzen". s Man achte aus unver»,.,« iehtung! Mexiko, ff. Brand und Geschmack, per Psund verzollt 1,20 M., 1,80 M., 2 M. bis 6 M. Carmen la gute Qualität, per Psund 0,85 M., 1 M. Großes blattiges Gewächs, sehr zu empfehlen, per Psund 1,20 M. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Karl Dannenberg an den Folgen eines Betriebs- Unfalls am 23. Mai verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 23.'d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Pankower Friedhofes, Kommuni- kationsweg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 33/11 Die Ortsverwaltung. IVerbaDd der WersMick Deutschlands. Filiale Berlin. Am 25. d. M. starb unser lang- jähriges Mitglied Hodelt Voigt im 58. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Somitagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Heilands- Kirchhofs in der Seestraße aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 100/9 Der Borstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige"Nachricht, daß meine liebe Frau, unsre gute Mutter ICIara Willing geb. Gräber plötzlich verstorben ist. Ibbllb Um stille Teilnahme bitten Der trauernde Gatte Friedr. Willing nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, 30. Mai, nachmittags 4 Uhr, auf dem Kirchhof der Luther-Gemeinde in Lankwitz statt. Uolitalmk: Max Otto, Filiale: 46832* 1§2Bnnmnstr.t52. Billige Preise. Reiche Auswahl. RehtMZ Guter Brand! Vorzügliche Qualität. 1,?°Fabrikuti5us-Ntenßlieu Neue Formen, sehr große Auswahl zu Original-Fabrikpreisen.* Keinneh Tranek, 185 Brunnenstr. 185. Roh-Tabak Snmatra-Oeeke Nr. 5129 38282« 2. Länge Vollblatt, hell, reinfarbig, s?id.1.80 vsrzollt. W. Hermann Müller, Berlin O., Alexanderstr. SÄ. Koh-Tabak. 8.Kawen,�littC�3 Izn.d.Schwedterstraßs Wer Äoff Hot! fertige bei gutem Sitz und guten Zuthaten IllckkttllNZUg 00U 18 M. an. 44202* Alexander Schmidt, Wienerstr. 1—0, I. 1. Ausgang. Mit Stoff Anzug von 27 M. an. � eutsch. ersticiass.'Roländ-Falifräder�j rT anf Wunsch«nf Teilzahlung,| Anzahl. 25—50 Abzahl. 8—15 Mk.0 monatl. Gegen# ©\ Barzahlung M lief. 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Wir bitten das geehrte Publikum, streng auf obiges zu achten, da von vielen Bäckermeistern versucht wird, durch Aushängen von naeb- geahmten und gejälsebten Plakaten die Bevölkerung zu täuschen und irrezuführen. Wir appellieren an das Rechtsgefühl des Brot konsumierenden Publikums, diese Versuche der Täuschung, die von den Bäckermeistern unternommen werden, zu nichts zu machen. Vir hoffen, dass nns die Bevölkerung aneb femer wie bisher in nnserm bereebtigten Kampfe nnterstntzen wird! Wir machen das verehrte Publikum darauf aufmerksam, daß eine ganze Reihe Bäckermeister und Händler die Forderungen entweder zurück- ziehen oder durchbrechen. Wir haben daher diesen Leuten unsre Plakate entzogen. Viele Stlelsfer nehmen, durch die Innungen scharf gemacht, nnsre Plakate aus den Fenstern und machen den Kunden gegenüber allerhand Ausreden. mm Bäckermeister, die ihre Bewilligungen zurückgezogen haben oder denen die Plakate von uns entzogen sind: IW" Achtung! Kausfrauen, Arbeiter von Moabit!"WD Nachstehende Bäckermeister haben auf hektographiertem Bogen am gestrigen Tage be der Streikleitung ihre Bewilligung zurückgezogen: Linke. Emdenerstr. 44. B. Ratzki, Emdenerstr. 50. Th. Neumann, Oldcnburgerstr. 19. Karl Peikert, Oldcnburgerstr. 14. G. Nanjock» Quitzowstr. 190. Hugo Berg. Oldcnburgerstr. 23. Wilh. Knetsch, Lübeckcrstr. 24. Bodenstein, Wilhelmshavenerstr. 12. Will,. Godt. Emdenerstr. 54. Wilh. Ballin, Stromstr. 55. H.Schmelzdr,WiiheImshavenerstr.39. Rud. Giesmann, Oldenburgerstr. 8. W. Sander, Berlichingenstr. 1. G. Klimpke, Quitzowstr. 125. W. Rinsch, Waldstr. 7. H. Liedke, Stephanstr. 51. Äug. Tterinsdorf, Huttenftr. 41. Ztzrauz Rechenberg, Huttenstr. 4. Georg Hein, JagowfU. 20. Karl Schtvarz, Havewergerstr. 24. Paul Schmidt, Erasmusstr. 12. Franz Bauch, Lübeckerstr. 52. Franz Metcke, Bandelstr. 27. Rod. Praeger, Bandelstr 85. Adolf Reisewih, Wiclesstr. 27. Her,». Blume, Emdenerstr. 17. Ferd. Pfeiffer, Perlebergerstr. 44. Herm. Koller, Brcdowstr. 43. Hugo Hildebrandt, Birienstr. 19. I. Auster, Waldenserstr. 41. Andreas Musiol, Zllt-Moabit 42. M. Paah, Zwinglistr. 22. Ferd. Dürre, Turmstr. 62. Franz Weinrich, Beusselstr. 87. Georg Holländer, Wilsnackerftr. 37. B. Lnckowski, Wittstockerstr. 25. Hirschberg, Zinzendorsstr. 8. Fr.Köckerih,WiIhelmshavenerstr.3IVl»vl»«I5g. Karl Krusche, Sedanstr. 61. HVUi«eii'»ck<»rr. Max Effer, Uhlandstr. 140. lilchtenberg. Nagel, Wilhelmstt. 75. Frledrlchsberg. Bruno Kretschmer, Gürtelstr. 27. Müller, Mühlenstt. 32. 300,1? M K-asse sich daher niemand täusd)en! � Arbeiw, Anchlum! jinnft m M, niir pinlmlt mit nnfcrni Sttipel mhiiHt«. Die Streikleitung. » ck»s»d(Kesetzlioh M 15* 15 Ä** geschützt), isirkBngskrältlgstes Insektenpiriver. Bestes Mittel zur Vertilgung von Schwaben, Fliegen, motten Wanzen, Amelsen usw. Nirr echt in Original-Blechdosen undPapierbeuteln, die den Namen Pereat tragen. Fritz Kratz, Drogen Berlin N, 39, Reinickendorferstr.70, Ecke der Fennstrasse. 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Voigt, Elscnstr. 37, vorn HI I.— Jseu-Weissensee; W. Reste, Gäblerstr. 46, Part. — Rnmmclsbnrg: F o r g b e r t, Prinz Sllbertstt. 5».— Tegel, Rorsigwalde, Dalldorf und Watdmannslust: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubartstr. 43.— Funkow: K. Kümmert, Florastr. 43. Autzerdem ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wissenschastlichen Werke dort zu haben. WCfbCU �ItfCtdtC fÜt den„Vorwärts" entgegengenommen. MM- Ritte ausschneiden.-MM -LeSBU-SCttAPI Fhl'i I 7 Den verehr! Vereinen, Gesellschaften sc. empfehlen wir nnsre 44 Dampfer und 5 Schnell-Motorboote, je nach Grötze 60—400 Personen __ v___ cbt..»rr.". har fMiPrlhri»» ittih ifSrthpI ai» dorr hillinfttAII uainuioi«»iw u...----*' «fassend, zu Ausflügen nach der Oberspree und preisen. 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Königs. Prenstl. [chra KlestenIeNerie finde« Bai« um 7.»nd 8, Juli 1904. 18, Ziehung k». Klasse 210. Kgl. Preuß. Lotterie. Ziehung vom 28, Mai 1904, vormittags. ßinr oie Seviinie üb« 2ÖO SM. i>»d den betresfinb«» Nummtru in Klammern öeige[kgl. (Ohne Bewöhr.) Nachdruck«erboie». 38 244 346 471 660 70 902 31 39 40 1092 186 89 200 4SI 510 718 SS 2311[1000] 87 430(50001 515 662 110001 753 92 813 50 61 958 3148[600] 207 t30UÜJ 75 385 423 94 530 749 889 912 88 4368 500[10001 30 723 68[3000] 5168, 345 567 613 1 1000] 953 54 8035 46 254 336 445 46 Sd6 14 1500] 610 802 34 988 7123 215 15001 327[30001 53[500] 61[500 1 531 609 938 70 75 8034 226[500] 328 640 9089 292 383 93 512 819 32 10238 616 80 720 63 828 942 1 1337 579 602 715 37 997 1 2195 217 38 393 415 88 640 97 701 30 896 907 49 13071 315 416 543 647 717 1 4101 95 254 58 715 70 913 15149 203 75 82 92 312 537 696 1500] 741 951 16004 74 85 224 419[3000] 23 628 719 980 1 7032 84 123 41 88 387 517 38 664 895 1 8055 81 269 328 405 74 ISOOJ 537 966 1 9015 24 342 424 860 20065 473 310 96 794 885 938[5001 21029 109 603[90001 25 28 60 800 3 48 2 2067 183 276 642 55 UOOOl 710 996 23013 34 49 212 17 83 85 552[SOOOJ 752 878 97 970 2 4099 238 427 59 76 130001 560 815 33 46 2 5102 87 227 313 438 44 81 535 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Redakteur: Daul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tht Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlaaSanstalt Paul Singer& Co.. Bnftn SW, *• 124 21 � i Ktilsge des Lsmörts" Kerliller UoldsdlM 2«»" � MtUraritehc Rundfchau. Landarbeiter und Landwirtfchaft in Oberbeffen. Unter diesem Titel veröffentlicht Dr. Eugen Katz, ein Schüler Lujo Brentanos, eine interessante Studie über die land- wirtschaftlichen Verhältnisse in dem nördlich des Mains gelegenen Teil des Großherzogtums Hessen,*) Der Verfasser ist sehr gründlich zu Werke gegangen. Er hat nicht nur die frühere Litteratur, die Akten des Darmstädter Staatsarchivs, die amtliche Enquete von 1884—86 und die Fragebogen der Enquete des Evangelisch- socialen Kongresses von 1893 benutzt, sondern auch eine eigne Enquete mittels Fragebogen veranstaltet und die Ergebnisse durch persönliche Nachforschung an Ort und Stellx einer sorgfältigen kritischen Nach- Prüfung unterzogen. Seine Schrift muß. sowohl was die Zuver- lässigkeit und Fülle des verarbeiteten Materials betrifft als auch hinsichtlich der Form der Darstellung, als eine der besten wissen- schaftlichen Leistungen dieser Art bezeichnet werden, Die Provinz Oberhessen, die neben der gesegneten Wetterau die Thäler und Höhen des Vogelsberges umsaßt, ist zwar Vorzugs- weise klein- und mittelbänerliches Gebiet! aber daneben ist auch der Großbetrieb in nicht unbeträchtlichem Umfang vertreten. Auf die Betriebe über 106 Hektar fielen 1895 in Oberhessen 7,36 Prozent der Kulturfläche gegen 4,39 Prozent im ganzen Grotzherzogtuni (3,06 Prozent in Baden, 2,14 Prozent in Württemberg), Außerdem sind die„großbäuerlichen" Betriebe(20— 100 Hektar), die 13,25 Prozent der Knlturfläche inne hatten, soweit sie in der Ebene liegen, zum guten Teil als kapitalisttsch verwaltete Großbetriebe anzusehen. Dr. Katz liefert nun den interessanten Nachweis, daß viele dieser größeren Betriebe sich erst nach der Mitte des verflossenen Jahrhunderts gebildet haben. Während sich die Zahl der selbständigen kleinen Landwirte bis in die Mitte der vierziger Jahre beträchtlich vermehrt hatte, sank sie von 1846 bis 1358 um 7 Proz.; von 1858 bis 1871 sogar um 11 Proz. Verschiedene Ursachen fpielten dabei nnt. Der Zusammenbruch -der Flachsweberei in den Gebirgsgegenden, eine Reihe schwerer Miß- ernten und Futternotjahre, die noch drückende Last der Ablöfungs- renten und mancherlei Chikanen seitens der früheren Grund- Herrschaften wirkten zusammen, um einen Teil der Bevölkerung aus der Heimat zu treiben. Ein wachsender Strom von Auswanderern ergoß sich nach den freien und fruchtbaren Gefilden der neuen Welt. Die größeren Besitzer aber nutzten diese Situation aus. In erster Linie die S t a n d e s h e r r e n, die durch die Ablösungsgesetzgebung in den Besitz größerer Kapitalien gekommen waren und durch ihre„Hausgesetze" verpflichtet waren, die Ueberschüsse wieder in Grund und Boden anzulegen. Sie vergrößerten ihre Güter durch Zulauf von Bauernäcker und legten den neuen Besitz fideikommissarisch fest. Dabei machten sie ein gutes Geschäft, denn es war die Zeit hoher und höchster Getreidepreise. Die auf Körnerbau zugespitzten Großbetriebe florierten, während die auf Viehzucht basierten Kleinbetriebe unter den ungünstigen Marktverhältnissen für ihr« Hauptprodukte schwer litten. Das Blatt wandte sich jedoch gänzlich mit dem Einbruch der überseeischen Körnerkonkurrenz Ende der siebziger Jahre. Mit dem ! Sturz der Getreidepreise sank die Rentabilität der großen Betriebe. �Gleichzeitig hob sich infolg« der industriellen Entwicklung die Nach- frage ftir die Produkte der Viehwirtschaft. Schon die Enquete von 1884—1886 ergab, daß in den meisten bäuerlichen Betrieben der Erlös aus der animalischen Produktion den Schwerpunkt der Geld- einnahmen bildete. Seitdem hat die Viehzucht weitere mächtige Förderung erfahren. Nur in den für intensiven Weizenbau Vorzugs- weise geeigneten Lagen der Wetterau bildet der Körncrbau noch eine Haupteinnahmequelle; sonst ist der Ackerbau in den Dienst der Vieh- Haltung gestellt worden. Die Anbaufläche für Getreide blieb zwar ziemlich stabil; aber die Körner werden inimer mehr verfüttert. Kartoffeln, Rüben und Hafer wurden in steigendem Maße gebaut; das Wiesenareal wurde erweitert. Der Bezug von Futtermitteln bürgerte sich immer mehr ein und ermöglichte eine starke Vermehrung des Viehstandes. Nur die mit intensiver Bodenkultur unverträgliche Schafhaltung ging zurück; die übrigen Viehgattungen zeigten im Laufe von 18 Jahren folgende Zunahmen in Oberhessen: Pferde Rindvieh Schweine Ziegen 1873.. 10 072 127 224 57 802 20 936 1901.. 18 557 156 973 134 553 31 949 Und gleichzeitig mit dieser gewalsigen Steigerung der Stückzahl 1 fand eine außerordentliche Verbesserung der Qualität der Tiere statt. In voller Uebereinstimmung mit den Resultaten, zu denen Moriz Hecht in seinen Untersuchungen über die badische Landwirtschaft ge- kommen ist, konstatiert Dr. Katz, daß die lokalen Gctreidemärkte fast bedeutungslos geworden sind, während der Verkauf von Viehzucht- Produkten, vielfach durch Molkerci-Genossenschaften gefördert, immer mehr an Bedeutung gewann. Speciell für die Vogelsberggegenden erklärt Katz: „Die steigende Konsimktur ftir animalische Produkte hat im Vogelsberg zu einer starken Steigerung der Einnahmen in den bäuerlichen Betrieben geführt, überall da, wo nur einigermaßen fortschrittlich gewirtschastet wird. Den Vogelsberg nannte man wohl früher wegen der mißlichen Produktionsverhältnisse und der Armut seiner Bewohner das„hessische Sibirien"; nach der Ab- Wanderung der überschüssigen Bevölkerung entwickelt sich dort heute infolge technischer Verbcsserungen(hervorragende staatliche Unterstützung!). getragen von der wirtschaftlichen Konjunktur, ein kräftiger Bauernstand, wie ihn diese Gegenden niemals gesehen haben." Das Gleiche gilt flu die fruchtbare Wetterau. Dort hat die steigende Rentabilität der Milchwirtschaft und des Obstbaues den sinkenden Erlös aus dem Getreidebau mehr als ausgeglichen. *)„Landarbeiter und Landwirtschaft in Ober- Hessen." Von Eugen Katz, Doktor der Staatswissenschaft. Nr. 64 der„Mllnchcne'r Volkswirtschaftlichen Studien". Cottascher Verlag. Stuttgart und Berlin 1904. Preis 4 M. „Aber auch die Rentabilität des Getreidebaues ist keineswegs überall gesunken. Wir sehen dabei ganz von Hafer und Gerste ab, welche die sinkenden Preise des Brotgetteides nicht mitgemacht haben. Auf vielen Betrieben sind auch die Erträge aus dein Brotgetreidekorn gestiegen, wenn man zur intensiveren Be- wirtschastung überging. Der fruchtbare Getreideboden der Wetterau bietet geradezu ein Schulb-ispiel dafür, daß auf den besten Böden auch bei sinkenden Preisen durch Mehrausivand von Kapital und Arbeit eine Steigerung der Reineinnahmen möglich ist. Dem oberhessischen Bauer geht es trotz der Lohnsteigerung der Arbeiter besser als je— das war das Ergebnis einer Unzahl von Aus- sagen, die mir von bäuerlicher Seite gemacht wurden." Dagegen ist die Lage des Großbetriebes immer schwieriger geworden. Die Lohnsteigerungen für landwirtschaftliche Arbeitskräfte und der Mangel an Oualitätsarbeitern überhaupt machen sich ihm scharf fühlbar. „Er kann im Gegensatz zu dem Bauer, der im wesentlichen mit den Arbeitskrästen seiner Familie wirtschaftet, nicht durch intensivere Bewirtschaftung die sinkenden Getreidepreise kompen- sieren. Denn ihm fehlen ja die Arbeitskräfte zur intensiven Wirt- fchast. Der größere Grundbesitzer leidet an einem Mangel hoch- wertiger Arbeitskräfte, besonders an Gesindemangel. Zwar ist er immer noch in besserer Lage als der Gutsbesitzer im Osten, denn er zieht Nutzen aus der Sachsengängerei. Er kann ferner einen Teil seines Arbeitsbedarfes mit schlecht bezahlten polnischen und galizischen Arbeitskräften decken, die sich trotz elender Existenzverhältnisse immer noch besser stehen als in ihrer Heinrat. Aber der Mangel an Gesinde und Taglöhnern, denen nian die Aussaat und die Arbeit an landwirtschaftlichen Maschinen anvertrauen kann, wächst sich zu einer Kalamität aus und kann bei einem weiteren Sirrken der Preise von Getteide, Zuckerrüben, dem unter hohen Bodenpreisen wirtschaftenden größeren Besitzer zum Verhängnis werden. Der größere Grundbesitzer ist es, der in der Entwicklung der letzten Jahrzehnte der leid- tragende Teil wa r." Jedoch ein Ausweg bleibt dem großen Besitzer: die Zer- schlagung seines Geländes, und Dr. Katz ermuntert ihn, diesen Weg zu ihm zu beschreiten, indem er bemerkt: „Uebrigens dürste bei der starken Nachftage nach Landbesitz und Landpacht seitens der kleinbäuerlichen Bevölkerung die Zer- schlagung einzelner großer Güter auch für deren Besitzer vorteil- Haft sein." Was nun die Lage der landwirtschaftlichen Lohn» arbeiter in Oberhessen betrifft, so haben die einheimischen Land- arbeiter fast durchweg eine kleine eigne Wirtschaft. Ihre Zahl hat sich im Zeitraum 1882 bis 1895 von 2850 auf 2384 vermindert. Das erklärt sich einmal aus dem Bestreben dieser Kategorie von Arbeitern, das nötige Nebeneinkommen statt auf dem benachbarten Hofgut in der Industrie zu suchen. Einem andren Teil von ihnen ist es gelungen, durch Verstärkung des Viehstandes und intensiveren Ackerbau, eventuell mit Zupacht einiger Aecker, die eigne Wirtschaft so zu entwickeln, daß sie der Familie volle Beschäftigung und Existenz gewährt. Lohnformen, die sich mit dem ostelbischen Jnstmannswesen ver- gleichen ließen, giebt es in Hessen nicht. Die Entlohnung geschieht, von der Verpflegung des Hausgesindes abgesehen, im wesentlichen nur in Geld. Knechte und Mägde müssen heute meist von auswärts bezogen werden, da der Nachwuchs der heimischen Land- bevölkerung, so weit er keine selbständige bäuerliche Existenz ge- Winnen kann, nichtlandwirtschaftlichen Erwerb aufsucht. Die Ge- legenheiten zu letzterem haben sich mit der Etablierung zahlreicher industrieller Unternehmungen auf dem Lande und der Entwicklung der Verkehrsmittel nach den größeren Plätzen vervielfältigt. Infolge- dessen giebt es auch einheimische landwirtschaftliche Tagelöhner ohne Grundbesitz kaum noch. Die grundbesitzlosen Landarbeiter sind Wanderarbeiter. Sie kommen heute nur noch zum geringsten Teil aus den näheren Gebirgsdistrikten(Hoher Vogelsberg, Rhön, Westerwald, Odenwald). Die große Mehrheit der Saisonarbeiter auf den größeren Gütern tvird aus dem Osten Preußens, Russisch- Polen und Galizien bezogen. Ihre Lohn- und Lebensverhältnisse stehen unter denen der heimischen Arbeitskräfte und regeln sich nach Verträgen, die zugleich mit den Arbeitern aus dem Osten bezogen werden.*) Die starke Abwanderung von ländlichen Arbeitskrästen in die Industrie hat eine nicht unerhebliche Steigerung der Land- a r b e i t e r l ö h n e zur Folge gehabt. Das Katzsche Buch bringt eine Fülle von detailliertem Material darüber. So stiegen die mittleren Jahreslöhne für Knechte von 1893 bis 1901/02 in Vogelsberg von 150— 200 auf 270—300 M., in der Wetterau von 250—300 auf 300—400 M. Einheimische ständige Tagelöhner ohneVerköstigung erhielten 1893 im Sommer in der Wetterau mittlere Tagelöhne von 1,40—1,80 M., im Sommer 1901/02 dagegen 2,20—2,50 M. Als Maximallohn wurde 3 M. im Jahre 1901/02 gegen 2,20 M. im Jahre 1893 verzeichnet. In V o g e l s b e r g ist Steigerung der Tagelöhne geringer; als höchster Lohnsatz wird für beide Jahre gleichmäßig 2 M. angegeben. Daß auch die heutige Entlohnung noch lange keine glänzende ist. geht schon aus den genannten Zahlen hervor. Die Löhne ftir Iv e i b l i ch e Arbeitskräste stehen auch hier noch um 20—40 Proz. unter dem Niveau der Männerlöhne. Was Dr. Katz über die Wohnungs- und Nahrungsverhälttiisse der Landarbeiterfamilien mit- teilt, bestätigt, daß von einer menschenwürdigen Existenz noch keine Rede sein kann. Nimmt man hinzu, daß die Dauer der Arbeits- zeit im Sommer oft genug 14 Stunden und mehr beträgt, und *) Die Verttagsformulare stammen zum Teil von der Arbeits- nachweisstelle der schlesischen Landwirtschastskammer. Wir haben sie gestern an leitender Stelle gewürdigt. daß in den Monaten März und April nach Beendigung der Holz- hanerarbeiten in den Gebirgsdörfern nicht selten wochenlange Arbeitslosigkeit herrscht, so begreift man, daß das Heraus- drängen der heimischen Arbeitskräfte in der Industrie ungeschwächt fortbesteht. Bei dieser Sachlage hält es Dr. Katz für„ein Ding der Unmöglichkeit", die Landarbeiter zu Organisationen nach Art der Gewerkschaften zusammen zu fassen. In dieser apodiktischen Gewißheit ist dieser Satz nicht zu unter- schreiben. Mag die Gründung selbständiger Organisationen bei der relativ geringen Zahl und Zerstreutheit der Landarbeiter in Hessen im allgemeinen unmöglich sein, so kann jedenfalls doch die An- gliederung einzelner an die Organisationen der uichtgewerblichen Arbeiter zunächst erreicht werden. Gesetzliche Hindernisse stehen dem nicht im Wege. Koalitionsbeschränknng und vereinsgesetzliche Hinder« nisse giebt es in Hessen nicht. Freilich wird die gewerkschaftliche Organisationsarbeit außerordentlich erschwert durch die Thatsache, der Dr. Katz mit den Worten Ausdruck giebt: „Unter den intelligenten, für eine Organisation geeigneten Arbeitern strömt der größte Teil nach der Industrie ab, der kleinere Teil sucht sich zum Kleinbauer heraufzuarbeiten." Letzteres würde nach Katz' Ansicht in noch viel zahlreicheren Fällen eintreten, wenn man in Deutschland nicht durch eine ganze Anzahl wirtschastspolitischer Maßnahmen die landwirtschaftliche Konjunktur korrigierte und den Großbetrieb künstlich stützte, und wenn nicht Einrichtungen wie die Fidcikommisse den Bodenverkehr künstlich einschränkten. Angesichts dessen verlangt Katz staatliches Eingreifen, um die vorhandenen Mißstände in den Arbeits- und Lebensverhältnissen der Landarbeiter zu beseitigen. Zweifellos wäre die Ausdehnung der Arbeiterschntzgesetze auf die landwirtschaftliche Lohnarbeit und die weitere Ausgestaltung derselben im Sinne der socialdemokratischen Arbeiterforderungen der rascheste Weg, gründliche Wandlung zu schaffen. Allein, wie anderwärts, so haben auch in Hessen die größeren Grundbesitzer einen so über- wiegenden Einfluß in den gesetzgebenden Körperschaften und auf die Verwaltung von Kreis und Gemeinde, daß man auf diesem Wege nicht eher vorwärts kommen wird, bis die Masse der werkthätigen Bevölkerung auf dem Lande, einschließlich der Kleinbauernschaft, dem politischen Einfluß der größeren Besitzer entzogen ist. die gleicher» maßen in der nationalliberalen und in der Centrnmspartei wie im Lager der anttsemitischen Bauernbündler den ausschlaggebenden Fattor bilden. Es gilt also zunächst die Landarbeiter und Kleinbauern in die socialdemokratische Bewegung hineinzuziehen. Daß dannt schon viel- versprechende Anfänge gemacht sind, hat die letzte Reichstagswahl gezeigt. Mögen die mit der Landagitation beschäftigten Partei» genossen das Katz'sche Buch aufmerksam studieren; es wird ihnen manchen Einblick in die ländlichen und landwirtschaftlichen Ver- Hältnisse eröffnen, der ihnen die Arbeit draußen wesentlich erleichtert. 13. 13. Eingegangene Druchfcbriften. Eine fünfzigjährige Sammlung von Haus- und Gebrauchs- Mitteln aller Art vou I. G. Jungheinrich. Dritte durchgesehene, sehr vermehrte und verbesserte Auslage.— XVI und 224 Sellen groß 8°. Leipzig, Verlag von Hans Hedcwigs Nachfolger, Curt Ronniger. Preis ge» heftet mit Schlinge zum Aushängen 2M.(in Oesterreich 2,40 Kr.), gebunden 3 M.(in Oesterreich 3,60 Ltr.). Das Werk bietet vieles Interessante und Nützliche. Es hat acht Abschnitte über Gesundheits- und Kleiderpflege, Pflege von Lein- und Wollenstoffen usw., Instandhaltung von Metall. 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Krebs, Fischmarkt 1. Protokoll des ersten Verbandstagcs des Verbandes der Porteseuiller und Ledergalanterie-Arbeiter Deutschlands. 127 Seiten. Abgehalten in Offenbach a. M. vom 4. bis 6. April 1904. Verlag der„Porteseuiller Ztg." in Offenbach a. M. Emil Dhomas. AeltesteS, AllerältesteS. Verlag von�Bruno Cas sirer, Berlin 1904. Die Entstehung des Lebens auf der Erde. Bon Dr. Emil König, Mit Abbildungen im Text und einer Tasel. Berlin. Verlag von Franz Wunder. 1904. Preis 4 M., geb. 5 M. Gegen den Altohol. Gemeinverständliche Aussätze von Dr. Otto Juliilsburger. Berlin 1904. Verlag von Franz Wunder. Preis 1 M. Franz Schumi. Christus und die Kirche. 1. Heft. Preis 50 Ps. Verlag(Kommission) Cöcil Bägel, Altona(Elbe), Holstenstr. 191. Serickts-Leitung. Eine empfehlenswerte„Unschuld vom Lande", die im Großstadt- mbel vom Wege des Rechten abgewichen ist. wurde gestern in der 3jährigen Martha D ö b b e r t der 1. Strafkammer des Land- erichts II vorgeführt. Sie hatte sich wegen wissentlichen Mein- ldes. Unterschlagung. Diebstahls in drei Fällen und Fälschung on Ausweispapieren zu verantworten. Die Angeklagte war schon lit 15 Jahren aus ihrem Heimatsdorfe nach Berlin gekommen und atte sich als Dienstmädchen vermietet. Nachdem sie in verschiedenen Stellungen in Berlin, Charlottenburg und Schöneberg gewesen war, zm sie im Juli 1902 zu einer in Schöneberg wohnenden Frau. [IS Dienstmädchen hatte sie dort Gelegenheit, eine Restsumme von ,65 M., die von einem Milchhändler an ihre Herrschaft zurückfloß, i deren Abwesenheit in Empfang zu nehmen. Sie unterschlug aber as Geld und verschwieg ihrer Herrschaft die erfolgte Zahlung. Als e dann von der letzteren beauftragt wurde, das Geld einzukassieren, atte sie die Unverfrorenheit, die kleine Summe von dem Milchhändler ochmals einzufordern. Das Geld war ihr seiner Zeit von einer lusttägerin des Milchhändlers überbracht worden-, sie bestritt aber tn Empfang und die Austrägerin wurde infolgedessen wegen Unter- schlagung angeklagt. Da die Döbbert vor Gericht unter ihrem Eide bestritt, das Geld erhalten zu haben, so wurde die erstere zu 10 M. Geldstrafe verurteilt. Die Döbbert wurde in ihrem Gewissen durch den geleisteten Meineid keineswegs bedrückt, sie spielte vielmehr die Rolle einer absolut ehrlichen Person und bestahl dabei im geheimen ihre Herrschast in umfangreichem Maße. Im März d. I. war sie bei einem Oberlieutenant im Dienst. Nachdem sie auch hier einen Dieb- stahl verübt hatte, wurde sie entlassen und ihr Dienstherr schrieb ihr in das Dienstbuch den Vermerk:„Entlassen, weil nicht ehrlich." Das Mädchen wußte sich aber zu helfen: sie radierte den genierlichen Vermerk einfach aus und ersetzte ihn durch die Worte:„Nkartha war fleißig, willig und ehrlich." Vor der Strafkammer war sie geständig. Der Gerichtshof billigte ihr mit Rücksicht auf ihre Jugend mildernde Umstände zu und verurteilte sie nur zu 1 Jahr 4 Monaten Gefängnis und 3 Wochen Haft. Die Haftstrafe wurde als ver- büßt erachtet. Tie geschäftlichen Allüren der„Spreenixe" wurden gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I einer eingehenden Prüfung unterzogen. Wegen Betruges in mehreren Fällen war der Kauf- mann Gustav Herr mann und dessen Ehefrau Hedwig angeklagt. Beide betrieben seit Ende 1901 in der Forsterstraße 5/6 die„Groß- Dampfwäscherei und Plättanstalt Spreenixe". Inhaberin des Ge- schästs war die Frau, während der Ehemann als Geschäftsleiter fungierte. Ihre erste Einlage betrug 5000 M., zu denen die Ein- läge einer Dame mit 6000 M. trat. Das Geschäft ging von Anfang an nicht gut und arbeitete mit Verlust. Durch Annoncen suchte der Angeklagte in rascher Folge Socien und fand sie auch, doch zogen sich diese stets bald zurück, nachdem sie mehr oder weniger Geld verloren hatten. Seit dem Bestehen des Geschäfts waren fünf Socien teil- weise mit nicht unbedeutenden Summen eingetreten, die sämtlich Geld verloren haben. In der Zeit von Ende 1901 bis Anfang 1903 sind 16 115 M. verloren gegangen. Dabei betrug die monatliche Entnahme der Angeklagten für ihren Privatgebrmjch durchschnittlich circa 270 M., zuweilen sogar über 500 M. Da die wahrheitsgemäße Schilderung der Geschäftslage die Kapitalisten von einer Beteiligung abgeschreckt hätte, sollen die Angeklagten zu dem Mittel gegriffen haben, ihre Situation günstiger hinzustellen, als sie war. und dadurch sollen die Bewerber bewogen worden sein, ihr Kapital für ein totes Unternehmen hinzugeben. Die Anklage hatte vier solcher Fälle zu- sammengestellt, bei denen die Angeklagten durchweg ein doloses Ver- halten bestritten. Der Staatsanwalt beantragte je 3 Monate Ge- fängnis, während Justizrat Wronker ausführte, daß höchstens in einem Falle ein strafbares Verhalten der Angeklagten vorliege, das aber mit einer Geldstrafe genügend geahndet sein würde. Der Ge» richtshof hielt auch nur einen Straffall für erwieset», erkannte aber auf je 2 Monate Gefängnis. F Wort V als 15 Bt Pfennig. Das erste ____ fettgedruckte '0 H�ör/Ä mit m�Är 15 Buchstaben zählen doppelt. Jedes Wort: JClBine Anzeigen. Verkäufe. 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